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Die künstliche Klimaerwärmung ist eine Realität: Sie ist die direkte Folge der Abhängigkeit unserer Zivilisation von billiger Energie – und das wird sich nicht so schnell ändern. Gibt es eine Möglichkeit, die Klimaerwärmung noch zu stoppen?
Die Klimageschichte der Erde
Ohne Treibhauseffekt wäre die Erde eine Eiswüste: -18°C beträgt die Temperatur, die die Erde hätte, gäbe es keinen Treibhauseffekt. Dieser trägt heute rund 33° zur Durchschnittstemperatur bei. Das wichtigste natürliche Treibhausgas dabei ist Wasserdampf, dazu kommen Kohlendioxid und Ozon. Wasserdampf wirkt gleichzeitig als Temperaturregler: wird es zu warm, reflektieren weisse Wolken einen grösseren Teil der Strahlung zurück in den Weltraum. Kohlendioxid ist ebenfalls in einen solchen Regelkreislauf eingebunden: Je mehr davon in der Atmosphäre zu finden ist, desto wärmer wird es, und desto schneller läuft die Verwitterung von Kalk ab: diese aber bindet Kohlendioxid, so dass es wieder kühler wird, während gleichzeitig der Ozean aufgrund der vielen zusätzlich zugeführten Kohlensäure saurer wird, was wiederum Auswirkungen auf die Meeresfauna und -flora hat. Die durchschnittliche Höhe der Gebirge der Erde, die Verteilung von Land und Meer und die daraus entstehenden Muster der Meeresströmungen, die Häufigkeit und Verteilung von Vulkanen, dies alles spielt eine Rolle im Klimasystem der Erde: Die Klimageschichte unseres Planeten ist die Folge von Interaktionen dieser verschiedenen, ineinander greifenden Regelkreisläufen.
Der Tier- und Pflanzenwelt unseres Planeten bleibt nichts anderes übrig, als sich anzupassen. So war die Erde während des sogenannten Erdmittelalters (das Mesozoikum, das Zeitalter der Dinosaurier) im Schnitt knapp zehn Grad wärmer als heute. Dies hatte drastische Auswirkungen: Es gab kein Eis an den Polen, tropische Pflanzen kamen bis in hohe Breiten vor (die Überreste solcher Pflanzen wurden etwa in der Antarktis, die damals ebenfalls eisfrei war, gefunden). Später, nachdem die Dinosaurier schon längst wieder ausgestorben waren, führte eine Kombination verschiedener Faktoren zu einer allmählichen Vereisung erst der Antarktis, dann der Nordhalbkugel: Das sogenannte Eiszeitalter hatte begonnen, ein Zustand, aus dem die mittleren Breiten der Erde nur etwa alle 120000 Jahre für einige Jahrzehntausende auftauen (wie jetzt), um danach wieder von Gletschern begraben zu werden. Wieder passt sich die Tier- und Pflanzenwelt an: so war etwa die Sahara noch bis vor etwa 5000 Jahren eine tierreiche Savanne mit vielen Seen und Flüssen, in den teilweise vereisten mittleren Breiten lebten Tiere wie die Mammuts, die mit dicken wolligen Pelzen vor der Kälte geschützt waren.
Auftritt des Menschen
Und irgendwo in diesem ständigen auf und ab des Klimas entwickelte sich der Mensch. Die letzte Version, Homo sapiens sapiens, wurde vermutlich während der letzten Eiszeit aus seinen Stammlanden in Ostafrika vertrieben und machte sich auf, die Erde zu bevölkern. Ein paar Jahrtausende später entdeckte er, dass sich durch die Verbrennung eines schwarzen Stoffes, der in grossen Mengen im Boden vorkommt (Erdöl), Energie gewinnen lässt. Dabei entsteht Kohlendioxid, und dieses zusätzliche Kohlendioxid greift in die bereits ablaufenden Kreisläufe ein. Die Auswirkungen davon sind bereits deutlich sichtbar: Die Temperaturkurve der letzten Jahrhunderte, von Klimaforschern scherzhaft als „hockey stick“ (Hockeystock) bezeichnet, zeigt just seit dem Beginn der industriellen Revolution, als zum ersten mal im grossen Stil fossile Rohstoffe verbrannt wurden, steil nach oben, parallel zur Konzentration von Kohlendioxid. Zudem beweisen Isotopenmessungen des zusätzlichen Kohlendioxids in der Luft, dass dieses aus fossilen Rohstoffen stammt: fossile Rohstoffe enthalten einen höheren Anteil des leichteren Kohlenstoffisotops (eine Kohlenstoff-„Sorte“) C-12, verglichen mit dem Kohlenstoffisotop C-13. Misst man das Verhältnis der beiden Isotope in der Luft, so hat der Anteil von C-12 in den letzten 150 Jahren stetig zugenommen, genau wie man es erwarten würde, wenn man der Luftmischung C-12-reiche Verbrennungsprodukte aus fossilen Rohstoffen beimischt. Um es also nochmals zusammen zu fassen: Es gibt eine Klimaerwärmung, und sie wird durch Kohlendioxid verursacht, das aus fossilen Rohstoffen kommt (man kann z.B. nicht Vulkane dafür verantwortlich machen). Insofern sind sich alle Klimaforscher einig.
Die offene Frage ist, welche Auswirkungen dieser Prozess haben wird. Welche Rolle spielt das zusätzliche Kohlendioxid im globalen Klima? Stört es nur ein wenig, oder bewirkt es eine drastische Umstellung des Klimasystem? Die Ansichten dazu gehen auseinander, zwischen 1-2 Grad Erwärmung bis zu extremen 8 Grad Erwärmung geht die Spanne. Einig ist man sich allerdings: Je weniger Kohlendioxid der Mensch in die Atmosphäre entlässt, desto weniger steigen die Temperaturen, und desto geringer fallen die Folgen für den Menschen aus. Nicht ganz so viele zusätzliche Stürme, nicht ganz so viele Meter Meeresspiegelanstieg, nicht ganz so viele künftige Klimaflüchtlinge wären zu erwarten. Entsprechend konzentriert sich der internationale Klimaschutz (etwa das Kyoto-Protokoll) vor allem auf die Beschränkung des Kohlendioxid-Ausstosses. Doch kann dieser Ansatz zum Ziel führen?
Was, wenn wir scheitern?
Ein Versuch ist es sicher wert: wir können uns die drastischen Auswirkungen, die die Klimaerwärmung dereinst haben wird, heute noch kaum vorstellen. Mehrere hundert Millionen Flüchtlinge werden flache, küstennahe Gebiete (wie Bangladesh) und neue Trockenzonen (wie den Sahel) verlassen – und wohin werden sie gehen? Sie werden nirgends willkommen sein, soziale und politische Spannungen werden steigen, auch im Westen, der zudem (wie auch der Rest der Welt) mit höheren Schäden durch Naturkatstrophen (Stürme, Überschwemmungen, Bergstürze, etc.) zu rechnen hat. Warum also all dies riskieren, wenn wir es verhindern könnten?
Die Ursache der künstlichen Klimaerwärmung ist das Kohlendioxid, das Abfallprodukt der Verbrennung von Erdöl, Erdgas und Kohle. Diese Stoffe werden nicht zum Spass verbrannt: Es gibt schlicht und einfach keinen billigeren und einfacheren Weg, die riesigen Mengen an Energie, die unsere Zivilisation täglich verbraucht (rund 84 Millionen Barrel (oder 13.4 Milliarden Liter) Öl werden [i]jeden Tag[/i] gefördert, verkauft und verbraucht), herzustellen. Alle Alternativen, seien sie nun Atom, Wasserkraft, Solar- oder Windenergie sind so viel teurer in der Herstellungen und Verwendung, dass sie schlicht untauglich sind. Ein Verzicht auf die fossilen Rohstoffe kommt einem tiefen Einschnitt dar: Wir werden den Energieverbrauch unserer Zivilisation drastisch senken müssen (vor allem durch Einsparungen und Effizienzverbesserungen), um Peak Oil als High-Tech-Zivilisation überstehen zu können (möglicherweise ist dies sogar nur mit der Kernfusion möglich). Doch mal angenommen, es klappt, der westliche Lebensstil wird so zurechtgetrimmt und die Energieversorgung so diversifiziert, dass praktisch keine fossilen Rohstoffe mehr gebraucht werden – was geschieht dann mit den restlichen Rohstoffen? Knapp die Hälfte des Erdöls in der Welt, noch etwas mehr als die Hälfte des Erdgases und der grösste Teil der Kohle in der Welt ist noch nicht angerührt. Was geschieht mit diesen Rohstoffen, wenn der Westen sie nicht mehr braucht? Die einfache Antwort lautet: Andere werden sie brauchen.
Andere, die sich die teureren, alternativen Energiequellen nicht leisten können. Andere, die sich wegen eines abstrakten Konzeptes wie der „Klimaerwärmung“ nicht davon abhalten lassen werden, ihren Ländern zum so dringend nötigen Wirtschaftswachstum zu verhelfen. Und dafür gibt es einfach keinen billigeren, einfacheren Weg als über das Erdöl. Wer die Wahl hat zwischen einem Leben in Armut, in Extremfällen gar dem Verhungern auf der einen, und dem Verbrennen von Öl auf der anderen Seite wird seine Wahl schnell getroffen haben. Die Gebildeten werden es – wie heute im Westen – mit schlechtem Gewissen tun, den anderen wird es egal sein. Die Erdölförderländer werden es sich zudem nicht nehmen lassen, nach dem Verlust der besten Kunden im Westen neue Abnehmer für ihr wichtigstes Exportprodukt zu finden. Die Millarden Barrels von Erdöl, die durch einen auf erneuerbaren Energien und Atomstrom umgestiegenen Westen frei werden, werden nicht ungenutzt im Boden liegen bleiben.
Nicht, dass man mich falsch versteht: Der Abbau der einseitigen Abhängigkeit vom Erdöl und die Diversifikation der Energieversorgung in die erneuerbaren Energiequellen ist richtig und wichtig – doch die Klimaerwärmung wird es nicht aufhalten, so lange es auf der Welt Menschen gibt, die von der Hand im Mund leben müssen.