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Tagesbericht vom 23.04.2002
Es war schon immer mein Traum einmal im ‚Central Park' zu übernachten. Jetzt habe ich es geschafft. Wenn auch im ‚Central Park' von Bulawayo und nicht in dem, von ‚New York'. Trotzdem: wir sind froh die Nacht heil überstanden zu haben. In einem Land, das langsam zerfällt, fühlt man sich nicht so geborgen. Eine Familie, die im Park wohnt, hat vor 3 Monaten, noch vor den Wahlen alles verkauft und wartet jetzt auf die Papiere. Ein anderer weisser Zimbabwer wohnt bereits seit einem Jahr im Zelt auf dem Campingplatz des ‚Central Park': er wartet auf seinen Pass, so dass er ausreisen kann. Dann gibt es noch einen anderen Caravan, mit Weissen: wahrscheinlich warten sie auch auf irgendwelche Papiere. Sonst gibt es keine weiteren Seelen mehr auf diesem grosszügig angelegten Campingplatz, der übrigens ‚super' ist, und über alle Fazilitäten inklusive Warmwasser verfügt.
Gestern sind wir noch von allen Parkwächtern und Parkangestellten begrüsst worden: sie wollten alle dasselbe: Geld, Geld mit Wert: USD, Rand, Pula, CHF, egal welche Sorte, nur keine Zimbabwerische Dollars. Die Versorgung sei verheerend, meint Richard, derjenige, der schon ein Jahr auf seinen Pass wartet: an einem Tag kostet der Laib Brot 40 Z$, am andern Tag 60 Z$, und keiner weiss warum. Jetzt soll es keinen Treibstoff mehr geben: das letzte Land, Libyen hat die Erdöllieferungen eingestellt, meint die Frau, welche zur Familie gehört, die seit drei Monaten hier wartet. Überhaupt sei das Leben unmöglich teuer: sie sei auf Medikamente angewiesen und erhalte diese kaum, und wenn, dann für ein kleines Vermögen.
Wir verlassen Bulawayo. Es ist kein Mensch auf der Strasse. Hat die Erdölversorgung bereits aufgehört? Wir fahren in Richtung Masvingo, gegen die Landesmitte. Hoffentlich reichen die Dieselvorräte, die wir mitführen, um wieder nach Südafrika zu kommen. In der Nähe von Masvingo sollen die Ruinen des ehemaligen ‚Grosszimbabwe' sein, der Hauptstadt eines Königreiches, welches vor der Kolonialisierung existiert hat. Die Königin von Sheba soll dort vor mehreren Jahrhunderten gewohnt haben. Die Ruinen sind ebenfalls in der UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen.
So jetzt wissen wir es: Mugabe's Stammbaum reicht bis zur Herrscherfamilie von Grosszimbabwe zurück. Deshalb kann er eigentlich gar nicht weggewählt werden! Über 600 Jahre Führungserfahrung – wenn auch mit Unterbruch – lässt sich nicht einfach wegleugnen. Aber trotzdem fahren wir weiter (800 Z$ pro Person als Eintritt für ein paar Steine sind einfach zu teuer (zum Vergleich: ein Kilo T-bone Steak kostet im Geschäft 560 Z$)).
Jetzt sind wir in Pa Nyanda (Süd 20° 8' 56.7“ und Ost 30° 47' 7.1“), einer wirklich schönen Lodge und Camping Site, erst ein Jahr jung. Wir meinen besser zur Jugend zu passen, als zum Alter. Es ist sehr idyllisch. Neben dem Standplatz für Sir James haben wir einen grösseren, gedeckten Sitzplatz samt Feuerstelle und Waschtrog. Ganz für uns allein. Allerdings spielt es im Moment keine Rolle, mit wie vielen Leuten wir die Einrichtungen teilen müssten, denn wir sind wieder einmal mehr die einzigen Gäste.