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Landwirtes, wie und was er pflanze, sondern vielmehr in der Natur der Verhältnisse, die ihn umgeben. Der Betrieb beschränkt sich demnach auf Alpwirtschaft, Wiesenbau nebst Obstbau in tiefern Lagen, etwas Gartenbau und Weidewirtschaft. Von eigentlichem Ackerbau kann nicht die Rede sein, und der Weinbau, der früher an einzelnen durch starke Insolation begünstigten Halden getrieben wurde, ist gänzlich verschwunden.
Trotz dem Hang, am Althergebrachten festzuhalten, dem Neuen misstrauisch gegenüberzustehen und es erst lange zu prüfen, hat sich die Urner Bauersame mehr und mehr entwickelt und emporgearbeitet. Von der kantonalen gemeinnützigen Gesellschaft veranstaltete landwirtschaftliche Kurse und Vorträge werden zahlreich besucht. 1904 wurde auch ein alpwirtschaftlicher Verein gegründet. Landwirtschaftliche Genossenschaften gibt es im Ursernthal, in Erstfeld, Silenen und Amstäg.
Viehzuchtsgenossenschaften bestehen erst seit 1906 (Altdorf, Seelisberg) und 1907 (Schattdorf). Der Kanton unterstützt durch namhafte Beiträge den Besuch ausserkantonaler Kurse und landwirtschaftlicher Schulen. Die Erfolge sind da und dort bemerkbar und zeigen sich in rationellerer Bodenkultur, Verbesserung des Bodens durch Drainage, Hebung des Ertrages durch gründlichere Säuberung und Anwendung reichlicherer und zweckentsprechenderer Düngemittel, praktischere Anlage von Stall und Scheune, grössere Reinlichhaltung von Vieh, Futter, Stall und Sennerei u. s. f. Bodenverbesserungen (sowie Ausgaben für Lawinen- und andre Schäden) sind im kantonalen Budget eine ständige Rubrik. 1906 beliefen sich die kantonalen Beiträge (inkl. Bundessubvention von 13251 Fr.) auf Fr. 53007. Uri steht mit dieser Summe unter den Kantonen an 13. Stelle.
Im allgemeinen ist der Urnerbauer nach Anlage und Gewöhnung ein tüchtiger Arbeiter, der sein Gewerbe versteht und liebt; aber die Schwierigkeiten sind so beträchtlich, dass sich viele Bauernsöhne zur Erlernung eines Handwerkes oder andern Berufes oder auch zur Auswanderung veranlasst fühlen (überseeische Auswanderung aus Uri 1902: 51, 1903: 69, 1904: 58, 1905: 39 Personen).
Der Ertrag des Wiesenbaues richtet sich nach Boden, Lage und mehr oder weniger intensiver Bearbeitung. Jenachdem ist er ein 4-2 maliger: In den tiefern Lagen kann der Landwirt «ätzen» oder «eingrasen», «heuen», «emden» und «weidenlassen». In den untern Berglagen wird ein 3 maliger, in den obern ein 2 maliger und in den höchsten Stafeln ein einmaliger Nutzen erzielt. Die Grasnarbe ist fast durchweg in Wiese und Alp eine sehr gute.
Der Obstbau ist besonders ergibig am Gelände des Vierwaldstättersees und im Thal der Reuss und des Schächen: Kirsch-, Birn- und Aepfelbäume, Zwetschgen-, Pflaumen-, Aprikosen- und Pfirsichbäume, ferner Nuss- und Kastanienbäume gedeihen da gut und in grosser Zahl. Immerhin dürfte dieser Kultur viel grössere Aufmerksamkeit geschenkt werden als es tatsächlich geschieht.
Rote und schwarze Kirschen liefern Sisikon (hier gedeihen sogar Feigen), Bauen, Attinghausen und Schattdorf. Die Süsskirsche (Prunus avium) kommt bis 1000 m vor. Birnen und Aepfel (am See und in Altdorf, Bürglen, Erstfeld, Silenen) in vielen Sorten vom Tafelobst (Zwergobst in Gärten) bis zum Mostobst (selbstgebranntes Kirschwasser und Träsch von eigenem Obstwuchs in fast jedem Bauernhaus).
Der Nussbaum verschwindet mehr und mehr; früher ein Schmuck der Thäler ist er mit Bezug auf grosse und schöne Exemplare geradezu selten geworden. Obstbaukurse, die von Zeit zu Zeit abgehalten werden, geben den Landwirten Anleitung zur bessern Pflege des Obstbaumes. Der Gartenbau beschränkt sich auf die landesüblichen Gemüsearten: Kartoffeln, Kohlarten, Rüben, Spinat, Salate etc. Kartoffelgärten finden sich bis 1500 m bei jedem Bauernhaus. Früher pflegte man den Anbau von Getreide, Reps (des Oeles wegen) und sogar des Weinstockes. Die Aecker und Weinberge verschwanden mehr und mehr; letztere ganz und der Boden wurde für Wiesen- und Gartenkultur verwendet. In vielen Gärten gewinnt auch der Zwergobstbau eine immer grössere Würdigung; eine Musteranlage dieser Art ist der terrassenförmig angelegte Kapuzinergarten in Altdorf, dessen Anlage der kundige Pomologe P. Chrysostomus leitete.
Uri hat keine Agrarstatistik; doch lässt sich aus den kantonalen und eidgenössischen Viehzählungen manch orientierender Schluss ziehen. Die Anzahl der Viehbesitzer betrug (ohne Ursern) im Jahr 1815: 1361;
1833: 1558;
1869: 1655;
1886: 1893 (mit Ursern 2058);
1906: 1677 (mit Ursern 1852).
Der Landwirtschaft, bezw. Urproduktion widmeten sich in Uri 1888: 4563 und 1900: 4172 erwerbstätige Personen. Die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Bevölkerung ist in der Abnahme begriffen und betrug 1880: 10558, 1888: 9462 und 1900: 8881 Personen. Im Jahr 1900 hatte Uri 1840 landwirtschaftliche Eigentümer und Pächter.
Beigedruckte Tabelle gibt Auskunft über die Viehstatistik des Kantons Uri.
|Viehstatistik des Kantons Uri|
|1815 1)||1833 1)||1869 1)||1876||1886||1896||1901||1906|
|Rindvieh||8412||9348||10761||9218||12182||12012||12064||13129|
|Pferde||345||266||357||526||175||222||234||240|
|Schweine||1400||1500||1733||1997||2330||2917||2633||2468|
|Schafe||6965||9626||10621||8594||10334||8600||6394||6427|
|Ziegen||12952||13745||13429||10727||10877||9721||6930||8055|
|Bienenstöcke||-||-||-||373||908||1201||1371||-|
1) Ohne Ursern.
Ursern besass nach Schätzung von Dr. F. Lusser, dessen Angaben die ersten drei Kolonnen der Tabelle entnommen sind, im Jahr 1834: 800-900 Stück Rindvieh, 60 Pferde, 900-1000 Schafe, 1500-1600 Ziegen und der ganze Kanton rund 1500 Schweine.
Bei der Viehzählung von 1815 würde es mit Einschluss von Ursern etwa 9200 Stück Rindvieh ergeben. Die Zunahme bis 1906, also in 91 Jahren, beträgt somit 42,7%. Dazu kommt, dass Grösse und Gewicht, Futterverbrauch und Nutzen des Einzeltieres ebenfalls bedeutend gestiegen sind. Die auffallende Verminderung des Viehbestandes von 1876 hat ihre Gründe im Bahnbau, indem der Landwirtschaft viel Arbeitskräfte entzogen und der Bedarf an Schlachtvieh gestiegen waren.
Die spätere rasche Zunahme der Viehhaltung darf auf Konto des intensivern Betriebes infolge kantonaler und eidg. Subventionen und Prämien für Zuchtvieh gesetzt werden. Der Rasse nach gehört der Urnerschlag zum Braunvieh, und zwar zur leichtern Gattung im Gegensatz zum schwerern Schwyzerschlag, der in den Gemeinden des Reussthales übrigens ebenfalls vielfach vertreten ist. Berühmt sind die Urner Viehmärkte (9 in Altdorf und 4 in andern Gemeinden), deren bedeutendste (der Grunder-, Gallus- und Martinsmarkt) sehr zahlreich befahren und von vielen Händlern aus Luzern, Aargau, Zürich etc. und aus Italien besucht werden. Das Urnervieh wird seiner Milchergibigkeit wegen stark gesucht, und die Preise haben in den letzten Jahren eine vorher nie gekannte Höhe erreicht.
Die Milchwirtschaft bietet einem grossen Teil des Urnervolkes eine Haupteinnahmsquelle. Die Fett- und Halbfettkäserei erfreut sich eines guten Rufes, und die Ware wird von den Händlern geschätzt und zu guten Preisen aufgekauft. Ursern (Unteralp), Meien, Bristen, Urnerboden und die «Bodengemeinden» sind Hauptproduktionsgebiete von Fett- und Halbfettkäsen, die in grössern und kleinern Laiben hergestellt werden. Dazu gewinnt man auch Magerkäse, Butter und Zieger. Der Konsum von Butter, Milch und Magerkäse beschränkt sich auf den Kanton selbst, mit der Ausnahme, dass von Altdorf aus regelmässig Milch nach Bellinzona geliefert wird.
Die vor 20-30 Jahren in Altdorf und im Schächenthal ¶