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Ismaïl
Pascha, Vizekönig von Ägypten, [* 2] geb. 1830 zu Kairo, [* 3] zweiter Sohn Ibrahim Paschas, ward mit seinem ältesten Bruder, Achmed, in Frankreich erzogen. 1849 nach dem Tod seines Vaters nach Ägypten zurückgekehrt, trat er in Opposition zu der reaktionären Regierung Abbas Paschas, ward dagegen von seinem Oheim Said Pascha 1855 in den Staatsrat berufen und mit wichtigen amtlichen Funktionen beauftragt. 1861 führte I. bei einer längern Abwesenheit seines Oheims die stellvertretende Regierung und wurde gegen Ende des Jahrs nach dem Sudân gesandt, um den dort ausgebrochenen Aufstand zu unterdrücken. Als Said Pascha starb, folgte ihm I. in der Regierung und bekannte sich alsbald offen zu den ¶
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freisinnigen Grundsätzen seines Vorgängers. Obwohl er das Volk, besonders die Fellahs, mit Steuern und Frondiensten hart bedrückte, um die bedeutenden Summen aufzubringen, welche sein verschwenderischer Hof [* 5] und seine großen Rüstungen [* 6] verschlangen, und Ägypten mit Schulden belastete, so erwarb er sich doch auch bedeutende Verdienste um das Land. Er führte die Baumwollkultur in Ägypten ein, namentlich aber setzte er die Vollendung des Suezkanals gegen die von England angestifteten türkischen Intrigen durch.
Auch berief er 1866 eine ägyptische Notabelnversammlung, um über innere Reformen zu beraten. Hauptsächlich war sein Augenmerk darauf gerichtet, die Herrschaft seiner Dynastie zu befestigen und sich vom Sultan unabhängig zu machen. Im Mai 1866 erhielt er die Zustimmung der Pforte zur Regelung der Erbfolge in direkter Linie, 1867, als die Türkei [* 7] wegen des kretischen Aufstandes seines Beistandes bedurfte, den Titel Chedive (»Vizekönig«) und bedeutende Zugeständnisse für die Selbständigkeit der Verwaltung Ägyptens.
Als er aber, durch Napoleons Gunst ermutigt, sich ein starkes Heer nach europäischem Muster bildete, eine Flotte von Panzerschiffen anschaffte, 1869 auch eine Reise an die europäischen Höfe antrat, über die Neutralisierung des Suezkanals und die Aufhebung der Konsulargerichtsbarkeit selbständige Verhandlungen mit den Mächten anknüpfte und durch dies alles zu deutlich sein Streben nach Unabhängigkeit kundgab, schritt die Pforte ein, und I., welcher für einen Krieg auf fremde Hilfe nicht rechnen konnte, mußte sich im Dezember 1869 unterwerfen und im März 1870 seine Panzerschiffe [* 8] ausliefern. Im Juli 1870 machte er selbst einen Besuch in Konstantinopel, [* 9] und durch Wiederholung desselben 1872 und 1873 sowie durch reichliche Geldgeschenke an den Sultan selbst und die vornehmsten Beamten erlangte er einen neuen Ferman vom der ihm zwar einen Tribut von 1 Mill. Thlr. auferlegte, dafür aber ihm einen höhern Rang und thatsächliche Unabhängigkeit garantierte.
Die kriegerischen Unternehmungen hatten die Eroberung von Dar Fur [* 10] zur Folge, während sie in Abessinien einen unglücklichen Ausgang nahmen. Schließlich aber wuchsen die Schulden durch die Verschwendung Ismail Paschas so an, daß er 1878 nicht mehr im stande war, die Zinsen zu bezahlen, und als er sich der europäischen Kontrolle seiner Finanzen entziehen wollte, wurde er auf Antrieb der Westmächte vom Sultan zur Abdankung gezwungen, worauf sein Sohn Tewfik Chedive wurde. I. begab sich mit seinem Harem zunächst nach Neapel [* 11] und bemühte sich, freilich vergeblich, durch Rundreisen bei den Mächten die Wiederherstellung seiner Herrschaft zu erlangen.