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Ein aktueller Enthüllungsbericht wirft neue Fragen zu den selbstfahrenden Autos auf.
Die Ursache für den tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto von Uber, bei dem im März eine Passantin angefahren wurde, ist wahrscheinlich ein Softwarefehler gewesen: Dies will das US-Newsportal The Information von zwei Insidern erfahren haben, die Einblick in die Untersuchung hatten.
Uber habe festgestellt, dass es ein Problem mit der Software gegeben habe, die entscheidet, wie das Fahrzeug auf auftauchende Objekte reagiert. «Die Sensoren erkannten die Fussgängerin, die die Strasse mit einem Velo überquerte, aber Ubers Software entschied, dass sie nicht sofort reagieren musste.»
Zu solch schwerwiegenden Entscheidungen sei das Programm berechtigt, wenn es auftauchende Objekte als sogenannte «False Positives» erkennt, heisst es in dem Bericht.
In diese Kategorie sollen eigentlich nur Gegenstände fallen, die kein Hindernis für das Fahrzeug darstellen – zum Beispiel Plastiktüten, die über die Fahrbahn geweht werden. Offenbar hatte die Software die 49-jährige Frau falsch eingestuft, nicht als Hindernis wahrgenommen und entschieden, nicht zu bremsen.
Damit würden sich frühere Spekulationen als falsch erweisen, auch wenn die Frau gemäss Videoaufnahmen die Strasse neben dem eigentlichen Fussgängerstreifen überquert hatte.
Der Uber-Unfall habe das Vertrauen in die neue Technologie der selbstfahrenden Autos erschüttert, fasst das Handelsblatt zusammen. Als Reaktion auf den Unfall stoppten gleich mehrere US-Bundesstaaten alle Testfahrten von Uber. Mit den Hinterbliebenen des Opfers erzielte der US-Fahrdienst einen Vergleich.
Auch der Chiphersteller Nvidia, dessen Produkte zentral für selbstfahrende Autos seien, setzte seine Probefahrten aus, ebenso wie Toyota und das Start-up Nu Tonomy.
Waymo-Chef John Krafzik hatte nach dem Uber-Unfall öffentlich gesagt, er sei sicher, dass die Technik der Autos seiner Firma einen solchen Zusammenstoss verhindert hätte.
Erst vor wenigen Tagen war ein Roboterauto der Google-Schwesterfirma in einen Unfall verwickelt, der durch menschliches Versagen verursacht wurde. Der Lenker eines anderen Autos geriet wegen eines Ausweichmanövers auf die Gegenfahrbahn und rammte dort das korrekt fahrende Roboterauto. Laut Polizeiangaben gab es nur leichte Verletzungen.
Das Handelsblatt erinnert daran, dass der Uber-Rivale Lyft bereits einen Schritt weiter gegangen sei: In Las Vegas seien 30 autonom fahrende Autos als Robotertaxis unterwegs:
Zu unterscheiden sind die Roboterauto-Vorfälle von einem anderen tödlichen Unfall, der sich in Kalifornien ereignete: Nur wenige Tage nach dem Uber-Vorfall war ein Tesla Model X im Autopilot-Modus auf einer Autobahn in Kalifornien gegen die Beton-Abgrenzung gefahren, die die Fahrbahn-Hälften voneinander trennt. Danach wurde der Tesla von zwei weiteren Autos gerammt – der Lenker, ein 38-jähriger Familienvater, starb.
Die Untersuchung ist nicht abgeschlossen: Laut Tesla hatte der Fahrer Warnsignale ignoriert und die Hände nicht am Steuer gehabt, obwohl ihn das Computer-System mit Einblendungen und Alarmtönen mehrfach dazu aufgefordert habe.
Die für die Untersuchung zuständige Behörde, das National Transportation Safety Board (NTSB), schloss Tesla in einem ungewöhnlichen Schritt von der Mitwirkung an der Untersuchung aus. Zuvor hatte Elon Musks Unternehmen die Vereinbarung zur Kooperation bereits seinerseits aufgekündigt.
Später heizte Tesla die Lage weiter an und kündigte eine Beschwerde über die Behörde beim US-Kongress an.
(dsc)