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Heute, am 6. Februar 2022 jährt sich die Thronbesteigung von Queen Elizabeth II. (95) zum 70. Mal. Für die Queen selbst ist die Freude über dieses Ereignis jedoch getrübt – der 6. Februar markiert den 70. Todestag ihres Vaters, King George VI.
Die damals 25-jährige Elizabeth war mit ihrem Ehemann, dem inzwischen verstorbenen Prinz Philip (99) auf einer Reise in Kenya, als sie vom Tod ihres Vaters erfuhr – und mit einem Schlag zur Königin wurde. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt hatte wohl niemand gedacht, dass das kleine Mädchen von Prinz Albert einmal den Thron besteigen würde. Das Schicksal wollte es aber, dass ihr Onkel, King Edward III. sich verliebte – in eine geschiedene Amerikanerin. Als Oberhaupt der englischen Kirche war es ihm allerdings untersagt, seine Liebste aufgrund deren Geschiedenen-Status zu heiraten. Was tat Edward also kurzerhand? Er dankte ab und hinterliess den Thron seinem jüngeren Bruder Albert, der plötzlich zu King George VI. wurde, und machte mit diesem Schritt seine Nichte zur Kronprinzessin. Der zurückhaltende, stotternde George sah sich nun also der Aufgabe gegenüber, nicht nur das Land als König zu führen, worauf er nie vorbereitet wurde, sondern auch, seine älteste Tochter so gut wie möglich auf ihre zukünftige Rolle vorzubereiten.
King George VI. war ein liebevoller Vater für Elizabeth und ihre Schwester Margaret und bezeichnete die beiden Mädchen als seinen ganzen Stolz und seine ganze Freude. Eine solche Person zu verlieren, bedeutet immer, mit grosser Trauer zu kämpfen – und die junge Elizabeth musste im Rampenlicht der Öffentlichkeit und mit der Verantwortung für ein ganzes Land den Tod ihres geliebten Vaters verarbeiten.
1952 ereilte die junge Elizabeth schliesslich der Schicksalsschlag, vor dem sie sich fast ihr ganzes Leben lang fürchtete und vor dem sie aber seit der Abdankung ihres Onkels gewappnet sein musste: der Tod ihres Vaters. Zeit zu trauern hatte sie allerdings kaum, denn nun hiess es: «Der König ist tot, lang lebe die Königin!» Elizabeth war plötzlich Queen Elizabeth II., Monarchin des britischen Königshauses und Oberhaupt der Kirche von England. Die Krönung wurde am 2. Juni 1953 zelebriert.
Lilibet, wie ihr engster Kreis sie nennt, musste grosse Fussstapfen ausfüllen, denn vor allem durch seinen Einsatz für Grossbritannien während des Zweiten Weltkrieges erreichte King George VI. grosse Popularität beim Volk. Er diente während des Ersten Weltkrieges selbst in der Royal Navy und so war es ihm ein Anliegen, die britischen Truppen während des Zweiten Weltkrieges zu besuchen und seinen Untertanen zu zeigen, dass er für die sie da sein wird, komme was wolle. Dieses indirekte Versprechen hielt er, denn auch aus dem Buckingham Palace zog er sich nicht zurück, als dieser während des Krieges ganze neun Mal das Ziel von Bombenangriffen war.
Er war ein König, wie ein Volk ihn sich nur wünschen konnte und ein Vater, den seine Töchter voll Trauer beweinten. England hatte seinen König verloren, aber Elizabeth und Margaret mussten den Verlust ihres Vaters und Mentors betrauern. George lehrte Elizabeth alles, was er über das Regieren eines Landes wusste, aber eines konnte er ihr nicht beibringen: Wie überwindet eine Tochter den schmerzhaften Verlust ihres geliebten Vaters?
Und viel Zeit, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen hatte Elizabeth auch nicht. Sie musste sich nun auf ihre neue Rolle als Königin konzentrieren, sie hatte jetzt ein Land zu regieren. Während andere trauern dürfen, wenn sie eine Person verlieren, die ihnen nahe steht, musste die 25-jährige Elizabeth sich der Öffentlichkeit stellen, Königin sein, rational handeln und denken. Kein Raum für Emotionen wie Trauer, Wut oder Verzweiflung. Sie hatte das Erbe ihres Vaters weiterzutragen und sie sollte ihn auch nach seinem Tod noch stolz machen.
Elizabeth war aber in all der Zeit der Tragödie zum Glück nicht allein. Ihre Mutter, vom Volk Queen Mum genannt, war bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 stets an ihrer Seite. Ebenso ihr Ehemann, Prinz Philip. Diesen musste sie leider im vergangenen Jahr zu Grabe tragen. Ihr Mann, der ihr stets den Rücken stärkte, ihr bester Freund, mit dem sie immer lachen konnte – nach über 73 Jahren Ehe musste sie sich von ihm verabschieden.
Nun steht also ihr sogenanntes Platinum Jubilee bevor, doch wie viel Freude die Queen an diesen Feierlichkeiten tatsächlich haben wird, ist fraglich. Denn statt zu feiern, dass sie seit 70 Jahren das Land als Königin regieren darf, wird die Queen mit den Festivitäten an den schmerzhaften Verlust ihres geliebten Vaters erinnert – kaum ein Grund zur Freude. Auch ihr Ehemann wird sie diesmal nicht begleiten können – eine weitere Wunde, die mit der Jubiläumsfeier erneut aufgerissen wird.
Doch ganz allein muss die Queen ihrem Thronjubiläum nicht entgegen schreiten. Ihr Sohn, Prinz Charles (73) und dessen Ehefrau, Herzogin Camilla sowie ihre Tochter Prinzessin Anne (71) und deren Ehemann Vizeadmiral Timothy Laurence (66) werden ihr zur Seite stehen. Ebenso dürfen ihr Enkel Prinz William (39) und dessen Frau Herzogin Kate (40) sowie deren Kinder – die Urenkel der Queen – Prinz George (8), Prinzessin Charlotte (6) und Prinz Louis (3) nicht fehlen. Man darf damit rechnen, dass auch die Prinzessinnen Eugenie (31) und Beatrice (33), die Töchter des in Ungnade gefallenen Sohnes Prinz Andrew (61) mit ihren Familien mit von der Partie sein werden.
Queen Elizabeth II. ist mit ihren 95 Jahren Alter und 70 Jahren Kronenträgerin sowohl die am längsten regierende Monarchin in der Geschichte des britischen Königshauses, die älteste lebende Monarchin der Welt sowie das älteste amtierende Oberhaupt eines Königshauses. Auch wenn sie die Rolle der Königin nur durch den Tod ihres Vaters erlangte, darf sie trotz eines weinenden Auges auch mit einem lachenden Auge auf die Feierlichkeiten blicken. Sie hat ihren Vater und das ganze Land stolz gemacht!
Long live the Queen!