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Eiffelturm
Für viele Leute ist es schwer, sich vorzustellen, dass wir nicht hauptsächlich von unseren Knochen getragen werden. Die Knochen sind stabilisierende Elemente, aber das Wesentliche sind die Weichteile, in denen die Knochen praktisch schwimmen. Wäre das nicht so, dann müssten wir Menschen wohl ungefähr so ähnlich aussehen wie der Eiffelturm.
Das neue Wunder der Neuzeit
1789, Frankreich, Paris: Bürger gehen auf die Barrikaden, um gewaltsam ein neues Zeitalter durchzusetzen. Neue Vorstellungen, neue Ziele, eine neue soziale Struktur, raus aus der Knechtschaft, Freiheit für Körper und Geist. Heute sind alle diese Ideen, die damals utopisch erschienen, Wirklichkeit geworden. Wir haben alles erreicht und noch mehr, als man sich damals vorstellen konnte.
Das war 100 Jahre nach der Französischen Revolution noch nicht der Fall. Aber man baute anlässlich der Weltausstellung 1889 zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis das lange Zeit höchste Gebäude der Welt, den 324 m hohen Eiffelturm. In der darauf folgenden industriellen Revolution experimentierte man mit diesem neuen Baustil. Das Eisenfachwerk eröffnete neue Möglichkeiten. Die Grundlage dieser Konstruktion hat bis vor kurzer Zeit unser Denken bestimmt. Intuitiv haben wir diese mechanische Bauweise, die wir in unseren Kinderzimmern erprobt hatten, auch auf unseren Körper übertragen.
Sehen wir aus wie der Eiffelturm?
Wenn die Knochen tatsächlich miteinander verbunden wären, wenn irgendwo die Knochen sich im Körper wirklich berühren würden, dann müssten wir ungefähr dieselbe Figur haben wie der Eiffelturm. Die Festigkeit und auch eine geringe Beweglichkeit wären garantiert. Wir würden aber immer noch dastehen wie zu Beginn und hätten uns keinen einzigen Meter von der Stelle bewegt.
Der Turm ist ziemlich steif
Der Eiffelturm ist 324 m hoch und steht auf einem Sockel mit vier Beinen, die ein Quadrat mit einer Kantenlänge von 124,90 m bilden. Der Turm steht also auf einer Grundfläche von 15.600 m². Oben an seinem Kopfteil, der obersten Plattform, befindet sich ein ebenso geformtes Quadrat mit 16 m Kantenlänge (256 m²). D.h. die Fussfläche ist 61 mal so groß wie die Kopfebene.
Wir sind ziemlich beweglich
Wenn die von der offiziellen Medizin bevorzugte Vorstellung richtig wäre, dass die Knochen die massgeblich tragenden Teile unseres Körpers sind, dann müsste unsere Körperform eine völlig andere sein. Dazu kommt, dass diese Eiffelturm-Form eine statische Grösse ist, sich also hier kaum etwas bewegt. Ein wenig schwankt die Spitze bei stärkerem Wind. Wir aber als Menschen sind dazu gemacht, uns zu bewegen und zwar vergleichsweise ziemlich rasch. Wenn es sein muss, sind wir auch noch ziemlich ausdauernd und können einen ganzen Tag lang rennen. Dabei verringert sich die Auftrittsfläche noch einmal um die Hälfte, weil wir im Laufen nur mit einem Fuss die Erde berühren. Die Spannungen, die bei diesen heftigen Bewegungen auftreten, müssten unweigerlich den Körper zerbrechen oder zumindest zu Fall bringen, wenn er so starr wäre. Das ist aber gänzlich ausgeschlossen. Es muss also eine Kraft vorhanden sein, die sehr schnell immens grosse Spannungen zum Ausgleich von einer Seite auf die andere transportieren kann. Gleichzeitig muss sie Raum lassen für die Verkürzung oder Verlängerung der mechanischen Hebel.
Wo Knochen beweglich sind, berühren sie sich nie
Wenn wir zudem bedenken, dass die Gelenke so gestaltet sind, dass sie eigentlich nirgends wirklich ein Widerlager bilden oder formen, also gar nicht zueinander passen, dann bleibt uns gar nichts anderes übrig, als nach diesem merkwürdigen Mechanismus zu suchen, der das zu Stande bringt. Selbst das Hüftgelenk, das für den Laien ein wenig danach aussieht, wie wenn Kopf und Pfanne gut zueinander passen, selbst dieses Gelenk würde sofort auseinander fallen, wenn nicht der Druck durch Muskeln und Faszien von den Seiten wesentlich dafür sorgen würde, bei Belastung den Hüftkopf proportional nach innen zu drücken. Damit wird die Hüfte erst richtig stabil, aber bleibt eben auch elastisch, da sie immer sofort reagieren kann. Tatsächlich ist es so, dass nirgendwo zwei Knochen aufeinander reiben. Sie kommen nie miteinander in Berührung.
Das Schmiermittel passt sich an
Gerade diese Elastizität ist das hervorragende Merkmal der gesamten Konstruktion. Denn auch das in den Gelenken vorhandene Schmiermittel, nämlich die Gelenkflüssigkeit, die auch für die Versorgung und Ernährung des knorpeligen Gewebes zuständig ist, passt sich immer mit Zähigkeit (Viskosität) und dem passenden Druck der jeweilig erforderlichen Situation an. Sie werden keine zwei Knochen finden, die Sie wie Legoklötzchen ohne festzuhalten zusammenfügen können.
Roboter haben keine Faszien
Warum wirken alle Roboter so unbeholfen und tapsig? Die mechanischen Elemente bestehen aus einem viel zu steifen Material und eine Kommunikation ohne zentrale Schaltung, auf welchem Wege auch immer, gelingt bei weitem noch nicht. Bei diesem Beispiel geht es wie immer auch um Effektivität. Wie ist das Verhältnis von Energieverbrauch zu Energieumwandlung?
Unser Geheimnis sind die Faszien
Ich hoffe, ich konnte Sie mit meiner Darstellung ein Stück von der Idee einer durch Knochen aufgebauten Körperstruktur entfernen und Sie ein wenig mehr von der Vorstellung begeistern, sich das Leben bewegter und elastischer vorzustellen. Gerade haben wir erst angefangen, die Fähigkeiten und wunderbaren Eigenschaften der Faszie zu entdecken und zu verstehen. Sie verdienen ein eigenes Kapitel.
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