Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03096.jsonl.gz/732

Hier Praxisleitfaden
«Kleines 1 × 1 der Normung» sichern
Was regeln Normen?
Normen regeln vielfältige materielle und immaterielle Gegenstände wie Produkte, Verfahren, Messmethoden, Prozesse und Dienstleistungen und kommen in nahezu allen Branchen und Fachgebieten zum Einsatz. Normen wirken meistens im Hintergrund und werden von vielen als verstaubt oder als Relikt aus dem Industriezeitalter angesehen. Kaum jemand bringt Normen mit topaktuellen Themen wie Smart-Technologie und Industrie 4.0 in Zusammenhang. Dabei leisten Normen einen bedeutenden Beitrag, wenn es um die Bewältigung der grossen Herausforderungen von heute geht – zum Beispiel um Digitalisierung, Klimawandel, Energiewende oder gesellschaftspolitische Themen wie die weltweit voranschreitende Überalterung der Bevölkerung.
Normentypen und ihre Anwendungsgebiete
Unabhängig von Branche und Fachgebiet unterscheidet man bei Normen zwischen verschiedenen Normentypen. Der Normentyp bezieht sich auf das Anwendungsgebiet, das mit der Norm geregelt wird. Bei der Erforschung neuer Technologiefelder und der Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen sind Prüfnormen und daneben Terminologienormen für die Begriffsdefinitionen gefragt, aber auch Qualitäts- und Sicherheitsnormen. Normen sorgen in diesem Prozess dafür, dass alle Beteiligten die gleiche «Sprache» sprechen.
Übliche Normentypen sind:
- Grundnormen
Normen, die ein weitreichendes Anwendungsgebiet haben oder allgemeine Festlegungen für ein bestimmtes Gebiet enthalten
- Terminologienormen
Normen, die sich mit Benennungen beschäftigen, welche üblicherweise mit ihren Definitionen und manchmal mit erläuternden Bemerkungen, Bildern, Beispielen oder Ähnlichem versehen sind
- Prüfnormen
Normen, die sich mit Prüfverfahren beschäftigen, wobei diese fallweise durch andere prüfungsbezogene Festlegungen ergänzt sind wie etwa eine Probenentnahme, die Anwendung statistischer Methoden oder die Reihenfolge einzelner Prüfungen
- Produktnormen
Normen, die Anforderungen festlegen, die von einem Produkt oder einer Gruppe von Produkten erfüllt werden müssen, um deren Zweckdienlichkeit sicherzustellen
- Verfahrensnormen
Normen, die Anforderungen festlegen, die durch Verfahren erfüllt werden müssen, um die Zweckdienlichkeit sicherzustellen
- Dienstleistungsnormen
Normen, die Anforderungen festlegen, die durch eine Dienstleistung erfüllt werden müssen, um die Zweckdienlichkeit sicherzustellen
- Schnittstellennormen
Normen, die Anforderungen festlegen, die sich mit der Kompatibilität (Verträglichkeit) von Produkten oder Systemen an Verbindungsstellen beschäftigen
Inlandsmarkt, EU-Binnenmarkt oder Weltmarkt?
Alle Normen tragen vor der Normennummer eine alphanumerische Bezeichnung. Anhand dieser Bezeichnung ist ersichtlich, woher eine Norm stammt und auf welcher Ebene sie anerkannt ist. Man unterscheidet zwischen nationalen, europäischen und internationalen Normen. Nationale Normen regulieren den Schweizer Inlandsmarkt, europäische Normen öffnen den Zugang zum EU-Binnenmarkt und internationale Normen den Zugang zum Weltmarkt. Welcher Markt durch eine Norm harmonisiert wird, ist am jeweiligen Präfix der Normennummer erkennbar (SN, EN oder ISO).
- SN
Schweizer Norm, die überwiegend nationale Bedeutung hat
Zum Beispiel: SN 10130 «Geschäftsbrief»
-
EN bzw. SN
EN
Europäische Norm bzw. Schweizer Ausgabe einer Europäischen Norm, die unverändert von allen Mitgliedern einer der europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC oder ETSI übernommen wurde
Zum Beispiel: SN EN 71-14 «Sicherheit von Spielzeug – Teil 14: Trampoline für den häuslichen Gebrauch»
-
ISO bzw. SN
EN
ISO
Internationale Norm bzw. Schweizer Ausgabe einer Europäischen Norm, die mit einer internationalen Norm identisch ist und unverändert von allen Mitgliedern von einer der europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC oder ETSI übernommen wurde
Zum Beispiel: SN EN ISO 9001 «Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen»
Mehr über Normen erfahren
Sind Normen Gesetze?
Die Anwendung von Normen ist freiwillig. Bindend werden Normen nur dann, wenn sie Gegenstand von Verträgen zwischen Parteien sind oder der Gesetzgeber ihre Einhaltung zwingend vorschreibt.
Welche Vorteile bringen Normen?
Die Schweiz ist ein Exportland. Die Fähigkeit, systematisch neue Erkenntnisse und Ideen in Produkte, Verfahren und Dienstleistungen umzusetzen, ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft.