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Die Kunstgewerbesammlung des Museum für Gestaltung Zürich im Museum Bellerive
Die grösste Sammlung an internationalem Kunsthandwerk in der Schweiz findet ihren Ursprung in der 1875 durch die Stadt Zürich ins Leben gerufene Mustersammlung gewerblicher Produktion. Mit der Gründung des Kunstgewerbemuseums, dem heutigen Museum für Gestaltung Zürich, und der kurz darauf folgenden Kunstgewerbeschule, heute Zürcher Hochschule der Künste, diente sie als Vorbildersammlung für Unterricht und Forschung. Gleichzeitig wurden aus den Sammlungsbeständen zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen konzipiert. Seit der Epoche des Jugendstils, in der sich das Kunsthandwerk zu einer einzigartigen Blüte entfaltete, wurden bei den Neuerwerbungen zeitgenössische Werke berücksichtigt.
1968 wurde die Sammlung des Kunstgewerbemuseums insofern geteilt, als Grafik und Plakate im Museum für Gestaltung verblieben, während alle Objekte aus Glas, Keramik, Holz, Metall und Textil in die zu «Museum Bellerive» umbenannte ehemalige Villa des Textilfabrikaten Julius Bloch übersiedelten. Dank der umfassenden Breite sowie der hohen Qualität der Werke ist die Kunstgewerbesammlung eine international bedeutsame Sammlung angewandter und freier Kunst, welche unter anderem im Austausch mit dem Victoria & Albert Museum in London, der National Gallery in Washington, dem Moma in New York, dem Centre Georges Pompidou in Paris und dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid steht.
Zu den Schwerpunkten der Sammlung zählen die Werke des Jugendstils, welche alle Materialien umfassen, sowie die Abteilung der Textilien, Künstlermarionetten und die Keramik der Moderne. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist die Textilsammlung. Das Spektrum reicht von koptischen Geweben des 4. - 6. Jahrhunderts über altperuanische Webereien vom 3.-15. Jahrhundert, Seidenstoffen vom Barock bis zum Art Nouveau, Kostümen des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zur modernen Textilkunst, die in den fünfziger Jahren einsetzte und zu einer neuen, raumgreifenden Kunstrichtung führte. In dieser Abteilung mit über 50 Tapisserien, textilen Skulpturen und grossräumigen Installationen sind Europa, die USA und Japan vertreten. Die Keramikabteilung zeichnet sich durch wertvolle Beispiele des Jugendstils und des Art Nouveau sowie der europäischen Gegenwart aus. Die Glasabteilung setzt in der Antike ein, kann für die historischen Epochen mit zahlreichen geschnittenen Trinkgläsern aufwarten, erhält aber ihr Hauptgewicht zwischen 1880 und dem Studioglas seit 1970. Die Metallsammlung mit zahlreichen Jugendstilobjekten umfasst die letzten hundert Jahre. International hoch angesehen ist die einzigartige Marionettensammlung von Künstlerinnen und Künstlern des 20. Jahrhunderts, zu der Sophie Taeuber-Arps Dada-Figuren für das Stück «König Hirsch» (1918) und die Marionetten der russischen Künstlerin Alexandra Exter von 1925 gehören. Eine bedeutende Musikinstrumentensammlung von rund 200 historischen Instrumenten mit einzigartigen Glanzstücken wie eine Alt-Blockflöte von Thomas Coenrat Boekhout ergänzen den vielfältigen Bestand.