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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Das ist, auf die knappste Formel gebracht, die Story, die dem Zyklus von fünf Filmen um Yojimbo und seine Remakes zugrunde liegt. Dieser Topos wanderte von Italien in die USA, von da nach Japan, zurück nach Italien und wieder in die USA, um schliesslich nach Japan zurückzukehren.
Am Anfang stand wohl ein Italiener: 1746 schuf Carlo Goldoni mit «Il servitore di due padroni» ein Meisterstück der Commedia dell’Arte, in dem der schelmische Truffaldino nicht nur seiner Herrin Beatrice dient, sondern heimlich auch deren Liebhaber Florindo, was zu allerhand komischen Verwicklungen führt, ehe die Liebenden zusammenfinden und auch der «Diener zweier Herren» glücklich unter die Haube kommt. Das Doppelspiel eines Dieners, der einen Loyalitätskonflikt bewusst in Kauf nimmt, trieb Dashiell Hammett 1929 weniger liebenswert weiter in seinem schwarzen Krimi «Red Harvest», dessen namenloser Protagonist in einer korrupten Kleinstadt alle Gangster gegeneinander aufhetzt, bis sich die Kontrahenten gegenseitig auslöschen. Auch in «The Glass Key» (1931) liess Hammett den Antihelden Ned Beaumont zwischen zwei rivalisierenden Gangs intrigieren. 1930 wurde «Red Harvest» erstmals von Hobart Henley als Roadhouse Nights frei (und unbefriedigend) verfilmt. Inspiriert von Hammetts Romanen (und Hollywoods Westerns) schufen Akira Kurosawa und Ryuzo Kikushima 1961 das Drehbuch zu Yojimbo (Der Leibwächter), in dem Toshiro Mifune als verschlagener Ronin namens Sanjuro abwechselnd zwei verfeindeten Familienclans zu Diensten steht, um diese erst recht gegeneinander aufzuwiegeln. Immerhin folgt er selbst noch einem Ehrenkodex, der ihm gebietet, Unschuldige zu retten und das Böse zu bestrafen. Ohne explizite Quellenangabe wandelte Sergio Leone mit Hilfe seiner Drehbuchkoautoren Kurosawas Vorlage ab zu seinem ersten, stilbildenden Italo-Western, Per un pugno di dollari bzw. A Fistful of Dollars, der den «Mann ohne Namen» als Antihelden in einer moralisch verkommenen Version des alten Hollywood-Westerns etablierte. Kurosawa, der Hammetts Romane nie als Vorlage ausgewiesen hatte, klagte mit Erfolg gegen Leones Plagiat und erstritt sich eine Gewinnbeteiligung. Der Stoff wanderte zurück über den Atlantik und manifestierte sich 1990 wieder in Miller’s Crossing, einem Gangsterfilm der Coen-Brüder, dessen Plot näher bei «The Glass Key» liegt als bei «Red Harvest»: Tom Reagan ist kein Aussenstehender, sondern die rechte Hand des irischstämmigen Gangsters Leo, der sich gegen den Mafioso Caspar durchzusetzen versucht. Allerdings führen Toms persönliche Ziele dazu, dass der Bandenkrieg eskaliert. Als explizites Remake von Yojimbo hat Walter Hill seine düstere, ruppige Gangsterfilm/Western-Hybride Last Man Standing konzipiert. Bruce Willis spielt hier den «Mann ohne Namen» – bzw. mit dem offensichtlichen Decknamen John Smith –, der im Grenzkaff Jericho auftaucht und gezielt unter den lokalen Gangsterclans Zwietracht sät, bis quasi die Mauern der Stadt einstürzen. Noch viel postmoderner als die selbstironische Version der Coens ist schliesslich der schon im Titel offensichtliche Genre-Mix, den Kurosawas Landsmann Takashi Miike in Sukiyaki Western Django auftischt. Wie Quentin Tarantino, der hier als Erzähler oder griechischer Chor auftritt, klaut und borgt Miike nicht nur bei Hammett und Yojimbo, sondern rührt zudem Spaghetti-Western und Shakespeares «Henry VI» samt Rosenkrieg hinein.
ACHTUNG - REMAKE-SONDERANGEBOT: Wer einen Film besucht, von dem das Filmpodium Original und Remakes zeigt, kann die weiteren dazugehörigen Filme zum Halbtax-Preis sehen. Ticket aufbewahren und beim nächsten Besuch vorweisen! Die Reihenfolge spielt keine Rolle.
Michel Bodmer