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Am Donnerstag konnten die Mitglieder des Europäischen Parlaments über die Abschaffung der Sommerzeit abstimmen. Die Mehrheit liess sich von den Argumenten der Sommerzeit-Gegnern überzeugen.
Argumentiert wurde mit wirtschaftlichen und gesundheitlichen Vorteilen. So seien unterschiedliche Zeitregelungen innerhalb der EU schlecht für den Handel. Ausserdem würde die Landwirtschaft darunter leiden, da die Kühe weniger Milch geben.
Der tschechische Parlamentarier Pavel Svoboda, Leiter der Arbeitsgruppe zur Abschaffung der Sommerzeit, sagte, dass sogar rund 20 Prozent der Menschen wegen der Zeitumstellung Gesundheitsprobleme hätten. Wegen der Müdigkeit komme es auch zu mehr Unfällen.
So geht es jetzt weiter
Das Parlament kann die Sommerzeit nicht direkt abschaffen. Es hat der EU-Kommission aber den Auftrag gegeben, die halbjährliche Zeitumstellung zu überprüfen. Je nach Resultat kann die Kommission danach Änderungen vorschlagen.
Wird die Kommission die Abschaffung der Sommerzeit empfehlen, dürfte das Parlament diesem Antrag wiederum folgen. Anschliessend müsste ein EU-Staat einen formellen Antrag dazu stellen, dann würden zwischen den Regierungen der EU-Mitgliedern Verhandlungen starten. Sind sich diese einig, könnte die Sommerzeit abgeschafft werden.
Zieht die Schweiz nach?
Sollte die EU die Sommerzeit abschaffen, dürfte die Schweiz nachziehen. Der Bundesrat und das Parlament müssten darüber entscheiden. Dass die Schweiz als «Zeitinsel» in der EU bleibt, ist sehr unwahrscheinlich. Auch hier überwiegen die wirtschaftlichen Nachteile.
Die Schweiz als Zeitinsel? Das gab es bereits einmal. 1980 führten die Nachbarländer und weitere europäische Staaten die Sommerzeit ein. In der Schweiz hatte die Stimmbevölkerung die Einführung der Sommerzeit in einem Referendum abgeleht. So blieben die Schweiz - und auch das Fürstentum Liechtenstein - ein Sonderfall: Hier war es ein Sommer lang eine Stunde früher. «Schön war, dass dann die deutschen ‹erwachsenen› TV-Sendungen schon um 19 Uhr starteten und wir als Kinder diese schauen konnten. Allerdings verpassten wir die Kindersendungen, da wir zu dieser Zeit noch in der Schule waren», sagt ein älteres Redaktionsmitglied.
Die Schweiz führte die Sommerzeit in einem zweiten Anlauf 1981 ein. Die verkehrsorganisatorischen und volkswirtschaftlichen Nachteile überwiegten. Seit 1996 gelten für die Schweiz und alle Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums, ausser für Island, einheitliche Regelungen zur Zeitumstellung.In der Schweiz an vorderster Front im Kampf gegen die Sommerzeit engagiert sich seit Jahren die SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Sie hat zum Thema schon vier Vorstösse eingereicht. Im «Blick» erklärte sie: «Wir sind entweder Eulen, also Nachtmenschen, oder Lerchen, die morgens gut aus den Federn kommen.» Den «Eulen» würde im Sommer immer Schlaf fehlen. Estermann: «Die Welt wird von Lerchen beherrscht.» Deshalb seien ihre Vorstösse immer abgelehnt worden.