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CINEMA ITALIANO HOMMAGE À RES BALZLI 20/09 – 29/10/2019
HOMMAGE À RES BALZLI (1952-2019)
Am symbolträchtigen 11. September kam Res Balzli 1952 in Bolligen zur Welt, wo er und seine Schwester Brigitte ihre Kindheit verbrachten. Nach der Matura studierte Res Sozialarbeit und drehte als Diplomarbeit seinen ersten Film, eine Studie über alternative Lebensformen der 70-er Jahre. Denn keineswegs immer einverstanden mit dieser Welt, suchte Res Balzli stets nach Alternativen: Dafür bekam er in den 80-er Jahren Tränengas ab, arbeitete in der Drogen-Rehabilitation, versteckte Geflüchtete und war Mitbegründer verschiedener Genossenschaften.
Die erste davon war das selbstverwaltete Kreuz in Nidau mit Restaurant und Veranstaltungsort. Dort stand auch sein erster Schreibtisch als Filmproduzent. So wurde etwa der Spielfilm «Schlaraffenland» sozusagen vor seiner Haustür in Nidau gedreht. Auch beteiligte sich Res am Kauf einer Liegenschaft am Aalmattenweg, wo noch heute ein Teil seines Freundeskreises wohnt.
Obwohl ihn die Stadt Biel für seine kulturellen Verdienste auszeichnete, war Res womöglich etwas enttäuscht davon, dass auch die Kunst die Welt nicht retten kann. Er zog sich zwischenzeitlich aus der Filmproduktion zurück, um in Fribourg die legendäre «Auberge aux 4 vents» aufzubauen. Gastronomie mit weltanschaulichem Hintergrund beschäftigte Res, und er genoss es, auch privat seine Freunde und Bekannten kulinarisch wie philosophisch zu bewirten.
Schliesslich übernahm er bei zwei Filmen selbst die Regie: Mit «Bouton» setzte er der Mimin Johana Bory ein Denkmal, indem er deren Streben und Sterben dokumentierte. Auch in seinem Spielfilm «Tinou» ging es ums Sterben, indem Res als Autor einem in die Jahre gekommenen Trinker den Traum vom schönen Tod erfüllte. Es funktionierte, weil dieser Balzli den Widerspruch nicht scheute und das Risiko der Zusammenhänge suchte: in der Gastronomie, in der Filmerei, in Freundschaften, im Leben. Nur halb war so einer nicht zu haben. Doch dann kam unvermittelt ein Unfall: Schweres Schädel-Hirn-Trauma. Das Schlimmste, was einem Möglichmacher wie Res widerfahren kann, ist, dass ihm selbst vieles nicht mehr möglich ist. Während Monaten hat er um seine eigenwillige Selbstbestimmung gerungen. Am 21. Juli hat er sie wiedererlangt. Es passte, wie so vieles in seinem schrägen Leben, das nie gerade sein wollte.
Die 2005 von ihm ins Leben gerufene «Stiftung Wunderland» und viele weitere seiner Projekte werden nun an seiner Stelle nach Alternativen suchen. - Vielleicht sogar nach Wundern.
Felix Tssi