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Hier die deutsche Übersetzung seines ganzen Beitrags:
Ich höre häufig, dass sich die Ökonomie verändern muss: das hat sie, mindestens in den Fragen, die wir stellen. Vor 20 Jahren war das dominante Gesprächsthema das Wunder der Märkte. Wir mussten das Bankensystem von Regulierungen befreien, damit es seine wichtige Aufgabe, Erspartes in produktive Investitionen zu lenken, von Regierungseingriffen ungehindert ausüben kann. Handelsbarrieren mussten abgebaut werden um alle wohlhabender zu machen. Es war nicht nötig sich wegen der Macht von Monopolen zu sorgen, weil die Märkte bestreitbar sind und sich das Problem deshalb von allein lösen wird. Gewerkschaften stehen unserer innovativen, dynamischen Wirtschaft im Weg und müssen verschwinden, damit der Markt sein Ding und alle wohlhabender machen kann. Ungleichheit war eine gute Sache, weil es die richtigen Anreize schuf, damit die Leute hart arbeiteten und versuchten, vorwärts zu kommen, und die Märkte werden sicherstellen, dass jeder, von den CEOs abwärts, gemäss seinem Beitrag an die Gesellschaft entlöhnt wird. Das Problem war nicht, dass der Markt irgendwie Güter unfair verteilte oder die Verteilung im Widerspruch zur Theorie der Grenzproduktivität stand. Das Problem war, dass einige Arbeiter nicht die nötige Aubildung besassen, um höhere Löhne zu ernten. Wir mussten diese Leute nur besser vorbereiten, um in modernen, globalen Märkten zu konkurrieren, mit den Märkten selbst war nichts Fundamentales falsch. Die Bewegung hin zum Marktfundamentalismus war nicht auf Republikaner limitiert, Demokraten machten mit.
Diese Sicht ist sich am verändern. Ungleichheit ist in die ökonomische Forschungsszene hereingeplatzt. Ist steigende Ungleichheit ein unausweichlicher Bestandteil von Kapitalismus? Belohnt das System die Leute fair? Kann Ungleichheit das Wirtschaftswachstum sogar behindern? Vor nicht so langer Zeit hat die Ökonomie diese Fragen ignoriert. Ähnliches gilt für den Finanzsektor. Die Ökonomie hat sich bewegt: während früher ein Loblied gesungen wurde auf das Finanzsystem und seine Fähigkeit, Erspartes in die produktivsten Investitionen zu lenken, wird heute gefragt, ob der Finanzsektor so viel Wert für die Gesellschaft produziert, wie in der Vergangenheit behauptet. Wir fragen jetzt, ob Banken zu gross und zu mächtig sind, während in der Vergangenheit diese Grösse gelobt wurde als Zeichen, dass supergrosse Banken supergrosse Dinge für die Wirtschaft tun und mit anderen Banken weltweit konkurrieren konnten. Wir gingen von der Aussage, dass sich das Schattenbankensystem selber regulieren kann, während es wichtige Finanzdienste für Hauseigentümer und Geschäfte anbietet, zur Frage, welche Form der Regulierung die beste wäre. Ökonomen pflegten den Finanzsektor fast ganz zu ignorieren. Es war eine Blackbox, die S (saving = Erspartes) in I (investments = Investitionen) verwandelte, das effizient tat und es gab keinen Grund in die Details zu gehen. Unser modernes Finanzsystem konnte nicht kollabieren wie diese antiquierten Systeme, die während und vor der Grossen Depression bestand hatten. Es gab keinen Grund das Finanzsystem in unsere makroökonomischen Modelle aufzunehmen, wenigstens nicht im Detail, oder überhaupt zu fragen, was bei einer Finanzkrise passieren würde.
Es gibt noch andere Veränderungen. Ökonomen fragen sich jetzt, ob Märkte Arbeit gemäss sich ändernder Produktivität belohnen. Warum sind die Löhne stagniert, während die Produktivität anstieg? Ist dies so, weil die Verhandlungsmacht in Arbeitsmärkten asymmetrisch verteilt ist und Firmen einen Vorteil haben? Was ist der beste Weg die Arbeiterschicht besser zu stellen? In der Vergangenheit war ein Argument, die beste Art, allen zu helfen, seien Steuerkürzungen für Wohlhabende, weil all die grossartigen Dinge, die diese mit dem zusätzlichen Geld machen werden und die Anreize, die Steuerkürzungen bringen, durchsickern und den Arbeitern helfen würde. Das passierte nicht und obwohl es noch immer Echos dieses Arguments in der politischen Rechte gibt, haben sich die Fragestellungen geändert. Ein grosser Teil der aktuellen Forschungsagenda in der Ökonomie beschäftigt sich damit zu verstehen, warum die Lohneinkommen der meisten stagnierten und wie dies zu beheben ist. Wir haben uns über „Technologie ist das Problem und bessere Bildung die Antwort“ hinaus bewegt und fragen nun, ob das Marktsystem an sich und die Marktversagen, die damit einher gehen (inklusive politischer Einfluss über die Gesetzgebung), etwas mit diesem Ausgang zu tun haben.
Fiskalpolitik ist ein anderes Beispiel der Veränderungen in der Ökonomie. Vor 20 Jahren betrieb niemand, oder fast niemand, Forschung über den Einfluss der Fiskalpolitik und ihren Gebrauch als antizyklisches Politikinstrument. Aller Fokus war auf die Geldpolitik gerichtet. Fiskalpolitik würde nur in einer schlimmen Rezession gebraucht und das werde in unserer modernen Wirtschaft nicht passieren und sowieso, es würde nicht funktionieren (nicht jeder glaubte, Fiskalpolitik sei ineffizient, aber viele). Das hat sich verändert. Fiskalpolitik ist nun ein integraler Bestandteil vieler moderner DSGE-Modelle [dynamische stochastische allgemeine Gleichgewichtsmodelle] und — Überraschung — die Modelle zeigen uns nicht, dass Fiskalpolitik wirkungslos ist. Das Gegenteil ist der Fall: Fiskalpolitik funktioniert gut in tiefen Rezessionen (aber nahe Vollbeschäftigung nimm ihre Wirksamkeit ab).
Die Geldpolitik wird nun auch genauer untersucht. Früher galt die Taylor-Regel als verantwortlich für die Great Moderation (grosse Mässigung) und wurde dafür gelobt. Wir hatten den Schlüssel für eine stabile Wirtschaft entdeckt. Aber die Grosse Rezession änderte das. Wir fragen uns jetzt, ob andere geldpolitische Regeln bessere Wegweiser wären (zum Beispiel ein nominales BIP-Ziel), wir stellen Fragen über negative Zinsraten, unkonventionelle Geldpolitik, alle möglichen Fragen, die vor nicht so langer Zeit fast nie gestellt oder überhaupt ausgedacht wurden. Wir werweissen über die Regulierung des Finanzsektors und wie das richtig gemacht wird (in der Vergangenheit ging es darum, wie Regulierung richtig abgebaut wird).
Ich möchte damit nicht andeuten, dass die Ökonomie jetzt auf dem rechten Weg ist. Die alte Garde ist noch immer da, noch immer einflussreich. Aber es ist schwierig zu bestreiten, dass die Fragestellungen seit dem Beginn der Rezession eine bedeutende Entwicklung durchgemacht haben und wenn Fragen ändern, neue Modelle und Instrumente entwickelt werden um diese zu beantworten. Die Modelle kommen nicht zuerst — Modelle werden nicht für die Suche nach Fragen gebaut, Modelle werden zur Beantwortung von Fragen gebaut — und der Umstand, dass wir neue (und in meinen Augen viel bessere) Fragen stellen, ist ein Zeichen von weiterem, noch kommendem Wandel.