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Yoshiro ging um den Vulkan herum und konnte dann eine junge Frau erkennen, die mit freiem Oberkörper vor dem Vulkan kniete und das Glänzende, was sie in der Hand hielt, war ein kleiner Dolch, den sie sich an die Brust gesetzt hatte. Yoshiro sprang zu ihr und konnte noch rechtzeitig ihre Hand ergreifen und so verhindern, dass sie sich den Dolch in die Brust stiess. Dabei erkannte Yoshiro, dass es sich bei der jungen Frau um seine gute Freundin Suiko handelte. Vor lauter Schreck liess Suiko den Dolch fallen, doch es gab keinerlei Geräusch, als er zu Boden fiel. Yoshiro, der inzwischen neben Suiko kniete und sie in den Arm genommen hatte, fragte nur: "Warum?"
Suiko vergoss ein paar Tränen und sagte ganz leise mit weinerlicher Stimme: "Vergib mir Yoshiro, ich habe Dich und mich selbst belogen.". Yoshiro sah Suiko nur in die Augen und sie wusste sofort, dass sie keine weiteren Worte verlieren musste; denn Yoshiro hatte ihr schon längst vergeben und würde ihr auch nie irgendwelche Vorwürfe machen. Yoshiro liess Suiko wieder los und kniete sich so, dass er ihr nun direkt frontal in die Augen sehen konnte und fragte dann nur: "Würdest Du Dich trauen?" Statt zu antworten, umarmte Suiko Yoshiro nur und gab ihm einen langen und intensiven Kuss auf den Mund, womit für die beiden fest stand, dass sie ab diesem Zeitpunkt verlobt waren. Schnell half Yoshiro seiner zukünftigen Frau beim Anziehen ihres Oberteils und dann standen die beiden auf, hoben Suiko‘s Dolch auf, den Yoshiro in sein Gewand steckte und gingen dann Hand in Hand aus der Höhle, deren Eingang sich hinter den beiden wie von Geisterhand schloss und nicht mehr erkennbar war. Suiko und Yoshiro gingen noch einige Zeit in der Nähe der Höhle spazieren, bevor sie sich dann auf den Heimweg machten.
In den kommenden Tagen planten Suiko und Yoshiro , wie es nun gemeinsam weitergehen sollte, da sie ja nun schliesslich verlobt waren und nicht mehr jeder für sich wohnen musste, was natürlich ja auch keiner von beiden wollte. Folglich suchten sie zusammen etwas Neues und dabei ergab es sich, dass sie sehr günstig am Waldrand etwas Eigenes bauen konnten. Also machten sich die beiden umgehend an die Planung und schon nach kurzer Zeit wurde mit dem Bau des Hauses begonnen. Suiko und Yoshiro waren zwar fast jeden Tag auf der Baustelle, aber nur selten gingen sie dann auch im Wald spazieren, obwohl er ja jetzt direkt vor der künftigen gemeinsam Haustür lag. Als das Haus dann fertig war und nur noch die Möbel fehlten, gönnten sich Suiko und Yoshiro doch endlich wieder einmal einen langen Spaziergang, der sie auch an die Stelle der Höhle führte, doch von dieser war nichts zu sehen und so gingen die beiden einfach an der Stelle vorbei. In der Nähe gab es eine kleinen Bach und Yoshiro kannte dort eine Stelle, an der man sich für einige Stunden niederlassen konnte und dem Rauschen des Baches lauschen. An dieser Stelle angekommen, setzten sich Suiko und Yoshiro auf den weichen Waldboden und zu Suiko's Überraschung zog Yoshiro zwei kleine Becher und ein Sakefläschchen aus seinem Gewand. Die beiden leerten gemütlich das Fläschchen und bemerkten dabei gar nicht, dass es langsam dunkel wurde; denn sie waren erst am späten Nachmittag zu dem Spaziergang aufgebrochen. Erst, als es dunkel war, bemerkten Suiko und Yoshiro, wie spät es eigentlich war und schwierig es war in der Dunkelheit den Weg zu finden. Doch zum Erstaunen der beiden sahen sie plötzlich einen violetten Lichtschein in einiger Entfernung vor sich und so wussten sie, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Suiko und Yoshiro sahen sich nur kurz an und es war klar, dass sie in dieser Nacht nicht im Bett schlafen würden, sondern in der Höhle übernachten würden.
Erst am nächsten Morgen bemerkten Suiko und Yoshiro, dass sich die Höhle verändert hatte; denn ihr Grundriss war nicht mehr rund, sondern fünfeckig und auch die Podeste hinter den beiden Vulkanen waren verschwunden. Stattdessen stand nun ein kleiner fünfeckiger Altar mitten in der Höhle zwischen den beiden Vulkanen. Genau in der Mitte des Altars hatte es ein Vertiefung, die grosse Ähnlichkeit mit einer Vase hatte, die in den Altar eingelassen war und es befand sich auch schon Wasser in dieser Vertiefung. Yoshiro griff Suiko's Hand und zog sie schweigend aus der Höhle und sie gingen schnellstens nach Hause. Auf dem Weg erzählte Yoshiro seine Suiko, was er sich bei dem Anblick des Altars mit dieser Vasen-ähnlichen Vertiefung dachte und Suiko war von dieser Idee sehr angetan. Suiko wusste von einem Feld in der Nähe, auf dem es sehr schöne Kosmeen von weiss bis fast rot zu finden gab. Also gingen die beiden zu diesem Feld und schnitten dort genau fünf Kosmeen ab, die sie für die schönsten erachteten und gingen damit dann zu der Höhle. Dann stellten sie die Kosmeen in die Vertiefung im Altar und fassten sich an den Händen und standen einige Minuten schweigend vor dem Altar. Suiko und Yoshiro beschlossen, von nun an jeden Abend einen kleine Spaziergang zu machen, in die Höhle zu kommen und bei Bedarf die Kosmeen auszutauschen, damit ständig fünf frische vorhanden waren. Später stellen die beiden sogar fest, dass sie diesen Entschluss genau ein Jahr nachdem sie sich verlobt hatten fassten und so wurde es ein fester Bestandteil ihres Lebens. Sogar die beiden Kinder, die die beiden in den folgenden Jahren bekamen übernahmen diesen Ritus; denn es war nicht nur der Verlobungstag, sondern für Suiko auch so etwas wie ein zweiter Geburtstag; denn wäre Yoshiro nicht gewesen, dann würde Suiko nicht mehr leben.
PhoenixAter 12.03.2011