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Eine Textstelle aus dem Buch «Alice hinter den Spiegeln» von Lewis Caroll und ein frei gewähltes Material bildeten die Ausgangslage für meine Arbeit. Als Textgrundlage wählte ich folgende Stelle im Buch von Lewis Caroll:
«… aber es hat einen grossen Vorteil, nämlich dass die Erinnerung in beide Richtungen funktioniert.» «Also meine funktioniert garantiert nur in eine Richtung», bemerkte Alice. «Ich kann mich doch nicht an Dinge erinnern, die noch nicht passiert sind.» «Was für ein dürftiges Erinnern, das nur zurück funktioniert», sagte die Königin.»
Während meiner Arbeit habe ich mich mit der Cyanotypie auseinandergesetzt. Die Cyanotypie ist ein Edeldruckverfahren, welches wegen der typischen Färbung auch als Blaudruck bezeichnet wird. Dieses kameralose Verfahren ist einfach in der Handhabung. Es muss lediglich Papier mit einer Lösung aus Kaliumhexacyanidoferrat(III) und Ammoniumeisen(III)-citrat sensibilisiert und danach getrocknet werden. Das Papier ist nun empfindlich auf UV-Strahlen. Im Sonnenlicht werden die Eisenverbindungen zweiwertig, es entsteht der Farbstoff Berliner Blau, welcher wasserunlöslich ist. Die unbelichteten und somit wasserlöslichen Stellen können ganz einfach mit Wasser ausgewaschen werden.
Um mich mit der Cyanotypie vertraut zu machen, führte ich am Anfang meines Arbeitsprozesses verschiedene Materialexperimente durch. Ich beschichtete unterschiedliche Materialien wie Papier, Holz, Keramik und Textil und belichtete sie. Im Verlauf der Experimente zeigte sich, dass auf Papier das umfangreichste Spektrum von Blautönen abgebildet werden kann.
Für die Abschlussarbeit hatte ich die Idee, die UV-Einstrahlung eines ganzen Tages zu dokumentieren. Von einem beschichteten Papierstreifen wird jeweils ein Rechteck für 15 Minuten dem Wetter ausgesetzt. Je mehr UV-Strahlen/Sonnenlicht auf dem Papier auftreffen, desto dunkler wird das Blau. Regnet es, unterbrechen die auftreffenden Wassertropfen die Belichtung vorzeitig, da die Beschichtung des Papiers wasserlöslich ist und ausgewaschen wird.
Während sechs Wochen fand ich genügend Zeit, um experimentieren zu können und mich vom Material und schliesslich auch vom Wetter leiten zu lassen. Ich hatte anfangs keine Idee, wie genau meine Abschlussarbeit aussehen würde und hätte nicht damit gerechnet, dass eine sehr grafische Darstellung von einem Tag entstehen würde. Doch genau dieser Entwicklungsprozess war das Spannendste am Ganzen.