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Wir wollen aus der Mücke keinen Elefanten machen: Selbstredend birgt jede Eltern-Kind-Beziehung ihre Herausforderungen. Die Vorstellung, Eltern könnten in der Erziehung ihrer Kinder Fehler komplett vermeiden, ist eine Utopie. Die perfekte Eltern-Kind-Beziehung existiert nicht. Schon gar nicht, wenn eine Familie unter ständiger Beobachtung der Öffentlichkeit steht und mit Schicksalsschlägen dealen muss, wie Prinz Charles, 72, und seine Söhne Prinz William, 39, und Prinz Harry, 37.
Dass Prinz Charles den selbst als lieblos erlebten distanzierten Erziehungsstil der royalen Familie an seine Söhne weitergegeben hat, hinterliess bei Prinz Harry und Prinz William Spuren. Beide Söhne versuchen, das Erlebte aufzuarbeiten, allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen.
Prinz William hingegen litt weniger unter der royalen Erziehung als unter der Trennung seiner Eltern, als er 10 Jahre alt war. Wie die royale Autorin Penny Junor sagt, habe Prinzessin Diana ihrem Erstgeborenen mit Details zur Trennung anvertraut, die Prinz William in einen Loyalitätskonflikt zwischen seinen Eltern manövrierten. Diana habe ihren Sohn zu ihrem Vertrauten gemacht und ihn damit grossem Leidensdruck ausgesetzt. «Diana sprach mit William oft über ihr Elend. Er wusste, dass Camilla die Frau war, die sie so unglücklich machte – aber er wusste auch, dass Camilla die Frau war, die seinen Vater glücklich machte, also war es extrem schwierig für ihn.»
Mit erwachsenen Augen und aus der Distanz scheint Prinz William seinen Vater nun jedoch weniger kritisch zu beurteilen. Wie Royal-Expertin Camilla Tominey beobachtet, wandelt sich die früher distanzierte Haltung der beiden Männer immer mehr in einen warmen und herzlichen Umgang.
Mit Ende 30 und als Vater von drei Kindern, Prinz George, 9, Prinzessin Charlotte, 7, und Prinz Louis, 3, habe man das Gefühl, William verzeihe seinem Vater bereitwillig die Fehler der Vergangenheit. Er lässt Charles als liebevollen Grossvater viel Zeit mit seinen Enkelkindern verbringen. Und er verherrlicht nicht mehr alleine seine verstorbene Mutter, Prinzessin Diana. «Er anerkennt, dass sein Vater einen ebenso positiven Einfluss auf ihn hat wie seine Mutter ihn hatte.»
Die unterschiedlichen Ansätze, wie sie ihre Kindheit und die komplizierte Beziehung zu ihrem Vater aufarbeiten, reisst eine grosse Kluft zwischen die Brüder Harry und William. Denn weder Prinz Charles noch Prinz William können damit umgehen, dass Harry nach seinem Rücktritt von den Pflichten eines Senior Royals und nach seinem Wegzug in die USA, das Heimatland seiner Frau Herzogin Meghan, die privaten Angelegenheiten der Königsfamilie in die Öffentlichkeit zieht. Beide goutieren nicht, dass Harry bei US-Talkmasterin Oprah Winfrey und anderen Gelegenheiten Familieninterna ausplauderte.
Es scheint, als würde Prinz Harry weiterhin mit der Vergangenheit hadern, während Prinz William versucht, eine bessere Zukunft in Angriff zu nehmen.
Auch Prinz Charles hat einen Wandel durchlebt und eigene Fehler eingesehen. So versucht er nun, als Grossvater mehr Verantwortung zu übernehmen und für seine Enkelkinder vorzusorgen. Er schmiedet einen Masterplan: sobald er auf dem Thron sitzt, will er den in der Öffentlichkeit stehenden Kern der royalen Familie entschlacken, damit seine Enkelkinder eine privatere, behütetere und vor allem glücklichere Kindheit erleben dürfen, als seine Söhne.