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US-Präsident Donald Trump macht ernst: Mit einer neuen Verfügung gegen Tiktok will er offenbar den Verkauf des US-Geschäfts der beliebten chinesischen Video-App erzwingen. Mit der Verfügung, die in 45 Tagen greifen soll, verbietet Trump US-Bürgern, "Geschäfte" mit Bytedance, dem Eigentürmer der App, zu machen.
Die App stelle eine "Bedrohung" der nationalen Sicherheit dar, hiess es in der am 6. August veröffentlichten Verfügung. Die App sammle grosse Mengen an Nutzerdaten und könne es der kommunistischen Partei China ermöglichen, Amerikaner auszuspionieren.
Auch Wechat soll verboten werden
Trump hatte jüngst mit Nachdruck auf einen Verkauf des US-Geschäfts der App an ein amerikanisches Unternehmen gedrängt. Mit der Verfügung scheint er dies zu erzwingen: Falls der Erlass nicht noch von einem Gericht für ungültig erklärt werden sollte, dürfte Tiktok in den USA in 45 Tagen nicht mehr verfügbar sein. Dort verfügt die App nach eigenen Angaben über 100 Millionen Nutzer.
In einer weiteren Verfügung verbat Trump Amerikanern auch, Geschäfte mit der chinesischen Social-Media-App Wechat oder deren Eigentürmern zu machen. Das Verbot werde aus Gründen der nationalen Sicherheit ebenfalls in 45 Tagen in Kraft treten. Die Verfügung könnte zu einem Verbot der App in den Vereinigten Staaten führen. Die von Tencent Holdings betriebene App ist in China äusserst beliebt, in Amerika aber nur begrenzt verbreitet.
Microsoft plant komplette Übernahme von Tiktok
Microsoft brachte sich nach dem massiven politischen Druck aus dem Weissen Haus in Stellung, das US-Geschäft von Tiktok zu übernehmen. Das Unternehmen will bis Mitte September einen Deal mit dem privaten chinesischen Eigentümer aushandeln. Auch der Tiktok-Betrieb in Kanada, Australien und Neuseeland soll Teil der Vereinbarung sein, hatte Microsoft in einem Blogeintrag erklärt.
Gemäss einem Bericht der 'Financial Times' (Paywall)
plant Microsoft aber nun eine weltweite Übernahme von Tiktok inklusive der Aktivitäten in Europa und Indien. In China selbst ist Tiktok nicht verbreitet – die dortige zensierte Schwester-App Douyen von Bytedance wäre vom Deal ausgeschlossen.
Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen. Die Verfügung des Weissen Hauses setzt Bytedance allerdings unter Druck. Microsoft könnte aus dem politischen Gerangel um die App somit als lachender Dritter hervorgehen – der Konzern hat bislang kein eigenes Social-Media-Geschäft. Mit dem Tiktok-Deal würde der Windows-Riese auf einen Schlag zu einem relevanten Wettbewerber von Facebook werden.
Protestnoten von China und Tiktok
Die chinesische Regierung und Tiktok protestierten am Freitag gegen das Vorgehen der USA. Die Aktionen der USA seien "Mobbing", sagte der Pekinger Aussenamtssprecher Wang Wenbin. Washington schiebe Bedenken wegen der nationalen Sicherheit als Grund vor, um Nicht-US-Unternehmen zu unterdrücken. Dies werde langfristig mit Sicherheit Konsequenzen nach sich ziehen."Wir sind schockiert über die jüngste Verfügung, die ohne ein ordnungsgemässes Verfahren erlassen wurde", teilte Tiktok mit. Es würden Bedingungen diktiert, ohne die üblichen Rechtsverfahren zu durchlaufen. Man werde alle zur Verfügung stehenden Rechtsmittel nutzen, um sicherzustellen, dass Tiktok und seine Nutzer fair behandelt werden.Tiktok kündigt Rechenzentrum in Europa an
Inmitten der Debatte um einen möglichen Verkauf kündigte Tiktok den Bau eines Rechenzentrums in Irland an. In der Anlage sollen mit dem für Anfang 2022 geplanten Betriebsbeginn die Daten europäischer Nutzer gespeichert werden.
Tiktok rechnet mit Investitionen von 420 Millionen Euro für das RZ. Aktuell speichert und verarbeitet das Unternehmen die Daten seiner Nutzer in den USA und Singapur. Tiktok betonte erneut, die chinesische Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten des Dienstes, habe nie danach verlangt und würde diese auch nicht bekommen.