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Eine aktuelle US-Studie zeigt, dass Raucher dem Nikotin fast immer in der sozialen Gruppe abschwören.Von FOCUS-Redakteurin Ulrike Bartholomäus
Gruppendynamik erleichtert den Abschied von der ZigaretteEhepartner, Freunde, Geschwister und Kollegen, kurz, das engste soziale Umfeld bestimmt maßgeblich, wie wir uns verhalten. Nicholas Christakis von der Harvard-University und James Fowler von der University of California in San Diego haben nun herausgefunden, dass dies auch für die Einstellung zum Rauchen gilt: Entschließen sich mehrere Personen in einem Freundeskreis, keine Zigaretten mehr anzurühren, ziehen die anderen mit. Wer weiterhin raucht, verschlechtert seine soziale Position in der Gruppe und wird an den Rand gedrängt.
Für ihre Untersuchung haben die beiden Forscher von 1971 bis 2003 Veränderungen im Rauchverhalten von 12 067 Probanden untersucht, die untereinander enge soziale Kontakten pflegen. Die Daten stammen aus der sogenannten Framingham-Herzstudie, eine der berühmtesten Analysen der Medizingeschichte, da sie eine große Gruppe über einen langen Zeitraum beobachtet und die wesentlichen Gesundheitsrisiken analysiert.
Nicholas Christakis und James Fowler glauben, dass die Macht der sozialen Beziehungen bislang zu wenig Beachtung im Gesundheitssektor gefunden hat. Bereits vor einem Jahr hat das Wissenschaftlerduo herausgefunden, dass sich Fettleibigkeit in Freundes- und Familienkreisen wie ein Virus ausbreitet.
Auf den Grupeneffekt setzen
Auch beim Nichtrauchen scheinen sich die Mitglieder einer eng verknüpften Gruppe das Verhalten von anderen abzuschauen. In den USA ist die Anzahl der Raucher seit der Einführung von Nichtraucherzonen massiv gesunken. Nichtraucher scheinen eher im Zentrum jeweiliger Gruppen zu stehen und beliebter zu sein als Raucher. Das steigende soziale Ansehen in ihrem Umfeld motiviert die Raucher, ebenfalls aufzuhören.
„Dieses Network-Phänomen könnte dazu genutzt werden, positives Gesundheitsverhalten zu verbreiten“, schreiben die Autoren der Studie. Sie warnen jedoch davor, Raucher zu stigmatisieren, denn das erhöhe nur den Druck auf sie. Jede Art von Zwang hätte negative gesundheitliche Auswirkungen und erzeuge Stress. Wer sich in die Ecke gedrängt fühle, verspüre viel weniger Motivation, sein erlerntes Verhalten zu ändern, als wenn dies aus freien Stücken und mit einem positiven Anreiz geschehe.