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Das schlechteste Videospiel aller Zeiten
Ataris E.T. – Der Ausserirdische von 1982 gilt weitläufig als das schlechteste Videospiel aller Zeiten und steht beispielhaft für den Untergang der Firma, die den Videospielautomaten erfunden hatte.
Zu Beginn der 1980er-Jahre stand Atari auf dem Höhepunkt des Erfolgs: Die amerikanische Firma dominierte den Videospielmarkt mit 80 Prozent Marktanteil. Die Erfolgsgeschichte hatte zehn Jahre zuvor begonnen, als die beiden Elektroingenieure Nolan Bushnell und Ted Dabney die Firma Atari gründeten. Aufbauend auf der Idee eines Flipperkastens, verbanden sie einen Bildschirm mit einer Spielkonsole und einem Münzschlitz und bauten das Ganze in ein Gehäuse. Das Resultat war der erste Videospielautomat überhaupt. Auf diesem lief ab 1972 das Spiel Pong, eine Art digitales Tischtennis, bei dem zwei Spieler einen weissen Punkt hin und her spielen mussten.
Den Prototyp des Pong-Spielautomaten stellten Bushnell und Dabney und in eine Bar in Kalifornien. Ein paar Tage später erhielten sie einen Anruf des Wirtes mit der Bitte, das Gerät wieder abzuholen, da es defekt sei. Wie sich aber zeigte, war das Spiel so beliebt, dass lediglich der Münzbehälter voll war. Die Entwickler ermutige dies, den Spielautomaten in Serie zu produzieren. Damit begann der Aufstieg der Firma. Ein paar Jahre später erschien die Heimkonsole Atari 2600. Sie wurde bis in die 1990er-Jahre rund 25 Millionen Mal verkauft. Atari entwickelte ausserdem preisgünstige Heimcomputer und überflügelte damit die Konkurrenz.
Hastige Entwicklung, enormer Flop
Für das Weihnachtsgeschäft von 1982 brauchte das Unternehmen einen Blockbuster. Im Sommer war Steven Spielbergs Familienfilm «E.T. – Der Ausserirdische» ein Grosserfolg in den Kinos. Atari kauft die Lizenzrechte für rund 25 Millionen US-Dollar und entwickelte in nur fünf Wochen ein Spiel für den Atari 2600. Die Erwartungen waren entsprechend hoch, sodass fünf Millionen Kopien produziert wurden. Das Spiel floppte jedoch und es liess sich nur rund ein Fünftel davon verkaufen, trotz zum Teil erheblicher Preisabschläge.
Was war geschehen? Das Spiel E.T. war, um es kurz und bündig zu sagen, schlecht. Die Qualität der Grafik ist aus heutiger Perspektive schwierig zu beurteilen, doch sie macht einen lieblosen Eindruck. Die grösste Schwäche war aber das Spielprinzip. Im Unterschied zu anderen Spielen der damaligen Zeit, musste man die Spielanleitung durchlesen, um zu wissen was zu tun war. Doch auch dann blieb es verwirrend, eintönig und mühsam zu spielen. Ziel des Spiels ist es, mit E.T. in möglichst wenig Schritten die Teile eines Telefons zu finden, mit dem der Ausserirdische nach Hause telefonieren kann. Die Teile verbergen sich in verschiedenen Gruben, in die die Spielfigur immer wieder hineinfällt. E.T. aus der Grube hinauszuheben ist denn auch die Hauptaktivität der Gamerinnen und Gamer.
Auch die Firma Atari manövrierte sich mit E.T. in eine Grube, aus der sie es nicht mehr hinausschaffte. Das Spiel steht exemplarisch für den Kollaps des Videospielmarkts zu Beginn der 1980er-Jahre. Zwischen 1983 und 1985 wurde die Videospielindustrie von einer Rezession heimgesucht. Grund dafür war der Aufstieg der Personal Computer. Ausserdem übersättigten die Produktionsformen den Markt mit schnell und schlecht produzierten Spielen wie E.T.. Der Umsatz der Branche sank von 3,2 Milliarden innerhalb von zwei Jahren auf 100 Millionen. Atari wurde vom Kollaps schwer getroffen und machte Millionenverluste. 1984 wurde die Konsolen- und Computerabteilung verkauft und später das Geschäft eingestellt. Die Spielautomatenabteilung ging später ein. Heute existiert Atari nur noch als Markenhülle.
Die Legende um das «Atari Video Game Burial»
In der Gamer-Community ging in den letzten 30 Jahren das Gerücht um, dass kurz nach dem Verkaufsdebakel tausende von E.T.-Spielmodulen zusammen mit anderen Spielen und Bestandteilen von Konsolen in einer Deponie in New Mexico, USA vergraben wurden. Lange galt das Gerücht als moderne Legende, bis ein Filmteam im Jahr 2013 Zugang zur Deponie und eine Grabungserlaubnis erhielt. Tatsächliche tauchten die E.T.-Module sowie Originalverpackungen und Spielanleitungen auf. Die Legende hatte sich bewahrheitet. Einige der Überreste wurde der Deponie entnommen und an Sammler verkauft und an Museen vergeben. Die restlichen Module verschwanden wieder in der Grube.
Games
Landesmuseum Zürich
17.1. – 6.9.2020
Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise durch die rund 50-jährige Geschichte der Videogames und thematisiert dabei auch Aspekte, die in der Gesellschaft als bedenklich wahrgenommen werden. Spielstationen laden dazu ein, die Games selbst auszuprobieren.