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{eine sehr stark zusammengefasste Geschichte.}
Englische (originale) Version hier.
{warum die englische die originale Version ist? Weil ich Emotionen irgendwie besser auf englisch ausdrücken kann. Weil mein seltsames Hirn solchen Kram oft englisch denkt und das Deutsche dann tatsächlich eine Übersetzung ist.}
Durch carryonmywaywardstirrup.tumblr zu scrollen, macht mich heute ganz traurig.
Mir wurde mitgeteilt, dass mein altes Pferd letzte Woche eingeschläfert werden musste. Er konnte nicht mehr aufstehen.
Es ist also genau so, wie ich gehofft hatte, dass es sein wird: dass er ein paar glückliche Monate im Ruhestand geniessen kann (ich hatte eher auf Jahre als auf Monate gehofft, aber mein Herz wusste, dass es keine Jahre sein werden) und dann eines Tages nicht mehr aufstehen würde und das wär’s dann gewesen.
Ich hab mich jeden Tag von ihm verabschiedet, den ganzen letzten Sommer und den halben Herbst hindurch, denn obwohl er immer noch das freche verschmuste kleine Monster war, das er immer gewesen ist, habe ich eine Veränderung in ihm bemerkt. Er sah traurig und müde aus, wenn ich nicht hinsah und lebte auf wenn ich mit ihm redete. Er legte mir seinen schweren Kopf auf die Schulter und schloss die Augen und ich konnte all die grauen Haare sehen, die ihm im ganzen Gesicht gewachsen waren und die tiefen Löcher über den Augen. Ich dachte, er würde das Jahresende nicht mehr erleben.
In den letzten Jahren hatte er seine eigene kleine Weide, weil er sich auf den grösseren Wiesen nicht wohl fühlte und immer darin herumrannte anstatt zu grasen. Allerdings verliess er seinen kleinen Paddock fast immer und suchte anderswo Gras. Manchmal liessen wir ihn einfach neben den Weiden frei, weil er sowieso ging wohin er wollte. Einmal, als er schon über zwanzig Jahre alt war, kam er mir entgegen gerannt und sprang über einen kleinen Zaun, gerade, als ich unterwegs war, um ihn hereinzuholen.
Ich kannte und pflegte ihn vierzehn Jahre. Er war das erste Tier, das mein Herz geentert und sich seinen Platz darin gesichert hat mit seinen seltsamen hellbraunen Augen und den kleinen spitzen Öhrchen und seiner weichen Nase und seinen Zähnen, mit denen er immer die Reissverschlüsse an meinen Jacken öffnete.
Ihm blieben öfter Gras- und Heureste in einer Lücke zwischen seinen Backenzähnen stecken, weil ihm vor drei Jahren zwei schlechte Zähne gezogen werden mussten, die ihm Schmerzen bereitet hatten. Also habe ich ihm meinen Arm bis zum Ellbogen ins Maul gesteckt, um die Reste herauszuklauben, mit der Gewissheit, dass er mich nicht beissen würde, und wenn es doch passierte, wäre es keine Absicht gewesen. Er hat mich nie gebissen (ganz im Gegensatz zum Torkeltier – aber das ist eine andere, neue Geschichte.).
Nicht einmal ganz am Anfang hat er mich gebissen, und damals war das Putzen eine gefährliche Sache, weil er niemanden an seinen Bauch liess. Im ersten Jahr begann er, sobald er die Schiebetür des Sattelschranks hörte, wild herumzutreten und zu schnappen. Ich fand nie heraus, was genau mit ihm passiert war, ich weiss nur, dass er, bevor er zu uns kam, in den Niederlanden (und wahrscheinlich auch Griechenland) und ein gut trainiertes Springpferd war. Über einen Handelsstall landete er dann bei uns. Als er ankam, hatte er offene Wunden von einem schlecht sitzenden Sattel auf dem Rücken, die teilweise immer noch bluteten und Eiter absonderten. Kein Wunder, flippte er aus, wenn er die Tür des Sattelschrankes hörte. Die Wunden verheilten irgendwann, aber sie blieben immer sichtbar, mindestens im Sommerfell, in Form kleiner ledriger Hautstellen, das Fell ist nie komplett nachgewachsen.
Er lehrte mich, nur mit Sitz/Rücken und fast ohne Bein zu reiten, weil er in der ersten Zeit komplett ausrastete, wann immer man mit den Beinen zu fest drückte. Und quasi alles war „zu fest“. Er blieb entweder stehen und begann, mit seinen Hinterbeinen gegen die Reiterbeine zu treten, oder er rannte los und trat mit den Hinterbeinen um sich. Einmal hat er in der Reithalle ein Brett aus der Wand gehauen, aber das war nicht mit mir.
Es brauchte viel Zeit und Geduld (und ein paar Monate Reitpause im Jahr 2001, weil er ein Band gezerrt hatte), aber schlussendlich liess er mich seinen Bauch striegeln und bürsten und stand still, wenn ich ihn sattelte. Wir wurden ein Team. Das einzige, worüber wir immer stritten, bis zum Schluss, war Spazieren. Ich konnte mit ihn stundenlang durch den Wald spazieren, auf den Wegen, auf denen wir sonst ritten, kein Problem. Aber die wenigen Male, die ich mit ihm auf dem Reitplatz laufen musste, weil er Bauchweh hatte oder ein Bein verletzt, stritten wir. Er probierte immer, sich hinter mich zurückfallen zu lassen, direkt hinter mir zu gehen und mir dann seine Zähne in die Schultern zu hacken. Oder mich umzuschubsen. Oder mir von hinten in die Füsse zu treten. Und wenn ich ihm sagte, er solle gefälligst damit aufhören, begann er frech zu steigen. Wahrscheinlich fand er es einfach unglaublich langweilig, auf dem Reitplatz herumzulatschen. Die wenigen Male, die er nicht mit mir gestritten hat, waren die Male, wo er wirklich krank war.
Vor fast genau zehn Jahren, ging er für ein Jahr auf eine Weide im Jura in den Urlaub, sozusagen. Als ich ihn besuchen ging, konnte ich keine Fotos von ihm machen, weil er, als er mich gesehen und gehört hatte, angerannt kam, mich nach Leckerlis absuchte, den Reissverschluss meiner Jacke zu öffnen versuchte (wogegen ich protestierte, denn es regnete in Strömen), und mir dann den Kopf auf die Schultern legte. Ich war sehr berührt. Er kam zurück, glücklich und zufrieden, mit ein paar Löchern im Fell, wie sich das gehört, war wieder bereit zum Arbeiten und wir hatten noch neun tolle Jahre miteinander. Ich wurde älter und er wurde alt. Ich bin traurig, dass ich ihn in seinem neuen Zuhause nicht mehr besuchen konnte, wo er wieder mit seinem alten Boxennachbarn zusammen war. Und ich bin traurig, dass ihm nicht mehr als vier Monate blieben. Aber ich bin froh, dass er eingeschläfert wurde und nicht der Pistole des Schlachters in den Lauf schauen musste.
Trinken wir einen aufs Monsterpferd. Ich werde dich nicht vergessen.