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Die Antarktis enthält viele Geheimnisse, aber ein weiteres wurde kürzlich gelüftet. Unter dem Kilometer dicken Eis verbirgt sich ein riesiger See. Grösser ist nur der berühmte Wostoksee. Mehr als 370 subglaziale Seen sind heute bekannt. Sie sind von grossem Interesse, da angenommen wird, dass sie einzigartige Lebensformen enthalten, die möglicherweise seit Millionen von Jahren durch das Eis isoliert existierten.
Unter dem Eis der Antarktis verbirgt sich womöglich ein weiterer grosser subglazialer See. Dies berichteten Wissenschaftler vergangenen Monat beim jährlichen stattfindenden Treffen der European Geosciences Union in Wien. Obwohl die Ausmasse des neu entdeckten Sees nicht die des Wostoksee erreichen (dieser ist 240 km lang und 60 km breit), so liegt der neue See viel näher bei einer bereits bestehenden Forschungsstation. Dies macht es wesentlich einfacher ihn zu erreichen und im Detail zu studieren, sagt Martin Siegert vom Imperial College in London und Mitglied des Teams, das den vermeintlichen See entdeckte. Subglazialen Seen entstehen, wenn Eis durch Erdwärme erhitzt wird. So generiertes Schmelzwasser sammelt sich dann in topographischen Mulden.
Die Erkenntnisse des Teams beruhen auf Satellitenbildern, auf denen sie Rillen auf der Eisfläche identifiziert haben, ähnlich denen vor bekannten subglazialen Seen und Kanäle. „Wir haben diese seltsamen, linearen Kanäle auf der Oberfläche gesehen, und schliessen daraus, dass sie über massiven, 1000 km langen Schluchten liegen und dass es dort auch einen relativ grossen subglazialen See gibt", sagt Siegert. Er vermutet, dass der See ca. 100 km lang und 10 km breit und band-förmig ist. Die langen Kanäle und Schluchten, die vom See auszugehen scheinen, erstrecken sich mehr als 1000 km in Richtung antarktischer Ost-Küste im Prinzessin Elizabeth Land, zwischen Vestfold Hills und dem West Schelfeis. Zwei Kanäle insbesondere scheinen sich im Eis nach oben zu drehen und Wasser aus dem West-Schelfeis in den Ozean zu transportieren. „Dies ist die letzte unerforschte Region der Antarktis, daher sind es sehr aufregende Neuigkeiten. Aber alles ist noch vorläufig bis zur endgültigen Bestätigung", sagt Bryn Hubbard von der Universität Aberystwyth, Grossbritannien.
Siegert sagt, dass vor kurzem Kollegen aus China und den USA über die Region geflogen seien und Eisradar Daten gesammelte hätten, die wahrscheinlich das Vorhandensein der Strukturen unter dem Eis bestätigen werden. „Wir werden im Mai zusammen kommen, um die Daten anzusehen“, sagte er. „Dies wird ein sehr guter Test für unsere Hypothese hinsichtlich des Sees und der Kanäle sein.“
Wenn sich die Existenz des Sees und der Kanälen bestätigt, wie Siegert erwartet, wird dies ein wichtiger Impuls für die Wissenschaft und Erforschung von subglazialen Seen in der Antarktis sein. Nur 100 km von der nächsten Forschungsstation entfernt – ein Katzensprung in antarktischen Massstäben – ist der neue See viel einfacher zugänglich als andere, zum Beispiel der Wostok-See, der sehr abgelegen ist. Dies, sagt Siegert, sollte es viel leichter machen wichtige Untersuchungen zur Biologie des Sees durchzuführen, um zum Beispiel herauszufinden, ob er ungewöhnliche Lebensformen enthält, die es nirgends sonst auf der Welt gibt. „Es ist wirklich gut zu sehen, dass neue Techniken existieren, um die Besonderheiten der letzten "Pols der Unwissenheit" zu offenbaren, sagt Christine Dow, vom NASA Goddard Space Flight Center in den USA. „Die Existenz von grossen Schluchten und Seen könnte einen grossen Einfluss auf unser Verständnis der tektonischen und hydrogeologischen Evolution in diesem Teil des Eisschildes haben.“
Quelle: Andy Coghlan, New Scientist
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