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Der norwegische Forschungsrat hatte das internationale Thorium Report Committee im Auftrag des norwegischen Ministeriums für Erdöl und Energie eingesetzt. Der Auftrag lautete, das Potenzial und die Risiken der Thoriumnutzung für die langfristige Energieversorgung umfassend abzuklären. Zudem sollte die Fachkommission Norwegens Möglichkeiten ausloten, bei der künftigen Entwicklung von Thoriumsystemen als Energiequelle mitzuwirken.
Keine neue Nuklearpolitik Norwegens
Bei der Vorstellung des 160 Seiten umfassenden Berichts bedankte sich die norwegische Erdöl- und Energieministerin, Åslaug Haga, bei der Kommission und fasste die Ergebnisse in der Feststellung zusammen, der Bericht liefere weder Gründe, Thorium als mögliche Energiequelle auszuschliessen, noch Argumente, um sich einfach so darauf einzulassen. Der Standpunkt der Regierung sei unverändert und es gäbe keine Pläne, in Norwegen Kernkraftwerke zu bauen. Um einem möglichst grossen Kreis zu ermöglichen, zu den Ergebnissen Stellung zu nehmen, habe die Regierung beschlossen, den Bericht zur Vernehmlassung aufzulegen.
In der englischen Fassung kann der Bericht schon jetzt von der Internetsite des Ministeriums heruntergeladen werden. Kommentare wird das Ministerium bis Ende Mai 2008 entgegennehmen. Erst anschliessend will die Regierung über das weitere Vorgehen entscheiden.
Neun klare Empfehlungen
Ausgehend von der doppelten Herausforderung, die Energieversorgung langfristig zu sichern und des Klima zu schützen, empfiehlt die Fachkommission im Bericht als Erstes, alle CO2-armen Energiequellen zu berücksichtigen und den möglichen Beitrag der Kernenergie anzuerkennen. Zweitens stellt die Kommission fest, dass Norwegen mit 170'000 t nach Australien und Indien über die weltweit drittgrössten nachgewiesenen Thoriumvorkommen verfügt. Sie entsprächen etwa dem Hundertfachen aller norwegischen Öl- und Gasvorkommen. Um die wirtschaftliche Abbauwürdigkeit der vor 25-60 Jahren an drei Stellen gefundenen Vorkommen abzuklären, empfiehlt die Kommission, die Explorationsarbeiten zu verfeinern und die Extraktion aus den verschiedenen Mineralien näher zu untersuchen.
Zur Verwendung in Spaltreaktoren empfiehlt die Kommission drittens, an Arbeiten der 60er- und 70er-Jahre sowie an die Bestrahlungsreihen im Versuchsreaktor der Kernenergieagentur NEA der OECD im norwegischen Halden anzuknüpfen. Viertens wäre es nach Ansicht der Fachkommission wünschbar, dass sich Norwegen künftig aktiv an den weltweiten Entwicklungsarbeiten für Kernreaktoren der nächsten Generation - namentlich am Euratom Fission Programme und am Generation IV International Forum - beteiligt. Dort könnte das Land auf eine vermehrte Berücksichtigung der Thoriumsysteme hinwirken, die systematisch nur noch Indien und beschränkt auch Russland sowie die USA verfolgen. Vielversprechend sei zudem der beschleunigergetriebene Brutreaktor, an dessen Entwicklung sich Norwegen im Rahmen des Eurotransproject gemäss der fünften Empfehlung anschliessen sollte.
Ferner stellt die Fachkommission fest, dass der Thoriumabbau grundsätzlich zu einer tieferen Strahlenbelastung führe als der Abbau einer gleichwertigen Menge Uran. Auch sei die Langzeitradiotoxizität der Abfälle aus dem Th/U-Brennstoffzyklus niedriger als aus dem U/Pu-Zyklus. Um diesen Vorteil zum Tragen zu bringen, solle Norwegen sechstens die entsprechenden Kompetenzen auf einen internationalen Stand bringen, wobei sich die Zusammenarbeit namentlich mit Finnland und Schweden anbiete. Und siebtens solle sich Norwegen auch das nötige Spezialwissen zur Dosisbestimmung für den ganzen Thoriumkreislauf aneignen.
Die achte Empfehlung ergibt sich laut der Fachkommission aus der bekannten Tatsache, dass der plutoniumfreie Th-232/U-233-Brennstoff grundsätzlich weniger proliferationsanfällig ist als der U/Pu-Zyklus. Dies gelte es indessen praktisch nachzuweisen. Daher sei die norwegische Gesetzgebung vorsorglich anzupassen, um entsprechende Arbeiten künftig zuzulassen. Neuntens empfiehlt die Fachkommission Norwegen, die in den letzten 25 Jahren verlorene technisch-wissenschaftliche Fachkompetenz auf dem Nukleargebiet wiederherzustellen, indem das Land an den Universitäten die entsprechenden Fachbereiche aufbaut und fördert.
Zu keiner Empfehlung ist die Fachkommission in der Frage der Wirtschaftlichkeit von Thorium als Energiequelle gekommen. Die vorliegenden geologischen und technischen Kenntnisse seien noch zu lückenhaft, um diese Frage abschliessend beurteilen zu können. Aber offen zu halten sei die Option Thorium auf alle Fälle, meint die Kommission zusammenfassend.
Quelle
P.B. nach Norwegisches Ministerium für Erdöl und Energie, Medienmitteilung, 18. Februar, und Thorium Report Committee, Bericht «Thorium as an Energy Source», Februar 2008