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Der Cardigan - ein
Viehtreiber

von Lore Bruder, Winchester Cattle Co. Ranch, Pincher Creek, Alberta
Das Kalben und Lammen ist so gut wie vorbei und das Thermometer zeigt wieder angenehmere Temperaturen. Die beiden Viehtreiber sind bereit für eine Pause.
Die schlanken, nicht zu tief gestellten Cardigan Corgis mit ihren gebogenen Vorderbeinen, dem harten Deckhaar, den gut geschlossenen Pfoten und dem flexiblen Rücken, die mir zu jeder Tages- und Nachtstunde zur Seite standen, um launenhafte erstmalige Mütter und ihre unter den Zäunen durchschlüpfenden Kälber in Schach zu halten, sind immer noch in Form.
Diese Hunde können vielleicht nicht mit Best in Show-Rosetten an der Wand prahlen, aber für uns haben sie den Titel als Beste rechte Hand des Menschen verdient.
Sie bewegen sich äusserst geschickt zwischen dem Weidengebüsch, immer knapp ausser Reichweite der Mutterkuh, während wir das Kalb markieren und untersuchen.
Sie bringen die Herde ruhig und geordnet zurück, wenn das Gatter umgelegt wurde.
Sie können genug Druck auf ein Kalb ausüben, um es von der Strasse zurück auf die Weide zu treiben.
Sie können mich auf Kontrollgänge begleiten, ohne jemals das Vieh zu beunruhigen, immer mit genügend Abstand, um keine Probleme zu verursachen, aber immer in Hörweite, um schnell zur Stelle zu sein, falls ich Hilfe benötige.
Die beiden Cardigans sind in so guter Kondition, dass ihre Hinterbeine wie Schinken aussehen! Nur ganz wenige Ausstellungsrichter würden das berücksichtigen und nicht meinen, dass sie hinten zu breit sind, weil sie ihre Hinterbeine nicht nahe genug zusammen halten können, ohne die Testikel zu zerquetschen!!
Die leichte Biegung ihrer Unterarme kommt ihnen jeden Tag zu Nutze, wenn sie über holpriges, mit Buschwerk bewachsenes, hügeliges Terrain rennen und immer wieder ausweichen müssen. Der Umstand, dass zwischen ihrer Brust und dem Boden eine Männerfaust Platz hat, verhindert, dass die Brust über jeden Stein oder Buckel auf der Weide schleift.
Das harte Deckhaar bleibt sauber und trotzt Dreck und Dung, selbst wenn die Hunde darauf bestehen, sich in den frischen Kuhfladen zu wälzen.
Ihre Fähigkeit, die Hinterpfoten zwischen die Vorderpfoten zu bringen, wenn sie in gestrecktem Galopp rennen, verleiht ihnen grosse Schnelligkeit und Sprungkraft. Und wie sie sich nach einer Rolle blitzschnell wenden können, zeigt die Stärke und Flexibilität des Rückens.
Beide sind mittelgross, ungefähr 16 kg schwer und in absoluter Topform.
Keeper ist jetzt 10 Jahre alt und wurde beim letzten Tierarztbesuch für topfit erklärt. Wir haben bemerkt, dass er jetzt oft seinen jungen Kollegen neben der Herde laufen lässt, um sie in Schach zu halten, während er selbst die Nachhut bildet. Wir wissen nicht, ob es auf Grund seines Alters oder seiner Weisheit ist. Aber manchmal bin ich sicher, dass er über Razzor schmunzelt, weil der so eifrig ist.
Als Keeper (CanCh. Bluetrix Son of Spuddie Wind) zwei Jahre alt war, schickte ich ihn zu Sue Bain, damit er an den Hundeausstellungen im Osten Kanadas teilnehmen konnte. Sue sagte, dass er zuerst etwas Muskelmasse an der Hinterhand abbauen musste (durch weniger Bewegung), um im Ausstellungsring korrekt traben zu können. Während seiner zweijährigen Ausstellungskarriere schaffte er mehrere Gruppenplatzierungen.
Als er nach Hause zurückkehrte, sah er toll aber etwas weich aus. Sein grösstes Problem war, dass er nicht schmutzig werden wollte. Ich brauchte sechs Monate, um ihn zu überzeugen, dass er durch Dreck und Dung pflügen musste, um seine Arbeit als Viehtreiber zu verrichten. Es war ein köstlicher Anblick, diesen Hund brav hinter den Kühen her trotten zu sehen, bis sie durch den Dreck stapften und der hübsche blaue Hund einen Bogen darum machte. Nachdem er diese Phase überstanden hatte, machte er es sich zur Gewohnheit, sich mit einem Sprung in der Luft zu drehen und durch den frischen Dung zu schlittern, so dass dieser eine grüne Spur hinterliess, die rechts vom Kopf begann und links beim Schwanzansatz endete.
Sein Vater Spuddie (CanCh. Caerphilly Blue Mordred) stand sogar unter dem Hintern einer Kuh und liess den frischen grünen Dung über sich ergiessen. Spuddie war so stolz, dass er den "Fladen" wie eine Rüstung trug, bis wir nach Hause kamen und ich ihn mit dem Wasserschlauch abspritzte.
Keeper brauchte nicht nur sechs Monate, bis er sich das "wage ja nicht, dich schmutzig zu machen" seiner Ausstellungsjahre abgewöhnt hatte, es erforderte auch ungefähr gleich viel Zeit, um ihn wieder in Arbeitskondition zu bringen. Ich half jeweils auf einigen der grösseren Viehfarmen, wobei er manchmal einer Herde bis zu 8 Stunden folgen musste. Das verlangte nicht nur eine eiserne Kondition, er musste auch lernen, es mit der Ruhe zu nehmen. Wenn die Kühe erst einmal aus dem Gebüsch gescheucht waren, sollten sie im Schritttempo und nicht im wilden Galopp getrieben werden. Das ist nicht nur besser für die Kühe, es bedeutet auch, dass der Hund Kräfte für die nächste harte Arbeit sammeln kann. Mit sechs Jahren war Keeper ein nützlicher Viehtreiber, aber lange nicht so leidenschaftlich wie seine Mutter Patches es war.
Ein Hund, der nicht bereit ist, von vorne anzugreifen, wird nie eine Kuh zur Umkehr bewegen können. Kühe sind keine Schafe, sie sind grösser, schneller, weniger gutmütig, klüger und vor allem bedeutend gefährlicher. Glaubt mir, bei einem Stier von 900 kg und einer Kuh von durchschnittlich 600 kg kann man nur mit Stossen und Ziehen nichts erreichen.
Patches (Finnshavn's Patch of Trouble) war kein Ausstellungshund, sondern ein herrisches Original mit einem rauen, krausen Fell. Charlie MacInnes schickte sie zu mir, weil sie im Alter von nur 5 Wochen ihre Wurfgeschwister in eine Ecke des Welpenlaufgitters trieb und vergnügt und schwanzwedelnd in der Mitte stand. Er meinte, dass sie das Zeug für einen Ranchhund hatte. Sie hatte einen ausgeprägten Mutterinstinkt und kümmerte sich stets fürsorglich und liebevoll nicht nur um ihre eigenen sondern auch um fremde Welpen. Sie hat auch einige Male mein Leben gerettet.
Man sagt ja, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Mir gefällt ein nicht zu tief gestellter Cardigan mit einer leichten Biegung der Unterarme, mit hartem Deckhaar (ich putze nicht gern!) und starken Zähnen.
April 2007
http://bluetrixcardigan.ca/
Übersetzung ANo mit freundlicher Genehmigung