Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03218.jsonl.gz/3386

in England und Spanien. Die Faser wird nicht aus dem Halme, sondern aus den nicht flächenförmigen, sondern cylindrisch
gestalteten Blättern gewonnen. Die Faser ist grüngelblich glanzlos, rauh im Anfühlen und im Vergleiche mit den gewöhnlichen
Spinnfasern steif. Die A. ist zollfrei.
(Krapproth,Lizarinsäure); ein aus der Krappwurzel darstellbarer roter Farbstoff, der jetzt auf künstlichem
Wege aus einem Bestandteil des Steinkohlentheers in sehr bedeutenden Mengen fabrikmäßig dargestellt wird. Man hatte
zwar auch schon vor der 1868 erfolgten Entdeckung des künstlichen A. diesen Farbstoff, aus der Wurzel dargestellt, in den
Handel gebracht, doch hat derselbe eine große Bedeutung nie erlangt, da der Preis zu hoch und das Präparat nicht rein genug
war.
Man erhielt nur 3% der Wurzel an Ausbeute, das Präparat war eine schwärzlichgrüne harzartige Masse
und wurde grünesAlizarin genannt. Das jetzt in den Handel kommende künstliche A. ist zwar auch nicht chemisch rein, aber
doch bedeutend reiner als das sogenannte grüne A.; man kann überdies aus diesem künstlichen Roh-Alizarin des Handels leicht
chemisch reines A. in beliebiger Menge darstellen. In der Krappwurzel ist das A. auch nur zum kleineren
Teile fertig gebildet enthalten, der größere Teil entsteht erst bei der Behandlung des
Krapps mit Säuren oder bei der Gärung
desselben aus einem Glucoside, welches Schunk Rubian und Rochleder Ruberythrinsäure nannte (vergl.
Krapp.).
Zur Fabrikation des künstlichen A. benutzt man das
Anthracen (s. d.) des Steinkohlentheers;
dasselbe
muß zunächst gereinigt werden, da die rohe Ware nur 50 bis 60% reines
Anthracen enthält;
es geschieht dies, indem man das
Roh-Anthracen schmilzt, bis nahezu 200° C. erhitzt und
dann einen überhitzten Dampfstrom von 220 bis 240° C. darauf
einwirken läßt;
die Dämpfe des sich hierbei verflüchtigenden A. werden in einer großen Kondensationskammer,
in welche zugleich noch kaltes Wasser eingespritzt wird, verdichtet.
Das A. wird dann durch Behandlung mit doppelchromsaurem
Kali und
Schwefelsäure in
Anthrachinon übergeführt; dieses verwandelt man durch Erhitzen mit Schwefelsäureanhydrit bis auf
160° C. in Antrachinonmonosulfosäure, welche mit Natronlauge neutralisiert wird. Das anthrachinonmonosulfosaureNatron scheidet sich hierbei in weißen Kristallblättchen vollständig aus, während die über den Kristallen stehende Mutterlauge
das gleichzeitig gebildete anthrachinondisulfosaureNatron enthält.
Letzteres
Salz verarbeitet man auf Alizarin-Gelbstich (ein noch Purpurin enthaltendes A.), während das
Salz der Monosulfosäure
Alizarin-Blaustich liefert, d. i. ein A., welches fast ganz frei von Purpurin
ist. Die Überführung dieser Sulfosalze in A. geschieht durch Zusammenschmelzen mit Ätznatron bei einer 190° C. nicht
überschreitenden Temperatur. Die geschmolzene Masse wird mit heißem Wasser ausgewaschen und das A. aus seiner Verbindung
mit Natron durch eine Säure ausgefüllt.
Man erhält es dann als gelben, flockigen Niederschlag, der nach dem Auswaschen in Teigform in den Handel
gebracht wird. Nach einem abgekürzten Verfahren stellt man jetzt das A. auch dadurch her, daß man das
Anthracen mittelst
Schwefelsäureanhydrit in Antracensulfosäure umwandelt, mit Natron neutralisiert und dieses
Salz trocken mit Ätzkali bis
auf 250° erhitzt; durch Zusatz einer Säure zur wässrigen Lösung der Schmelze wird das A. abgeschieden.
- Im Handel erhält man das A. teils als 10 prozentige, teils als 20 prozentige
Paste (Teigform).
Chemischreines A. erscheint in langen, glänzenden, durchsichtigen, dunkelgelben Kristallen, die bei 100° ihr Kristallwasser
verlieren und dadurch undurchsichtig und rot werden; zwischen 215 und 225° C. schmilzt das A. und sublimiert
dann größtenteils unzersetzt. Seiner chemischen Konstitution nach ist das A. als Bioxyanthrachinon zu betrachten. In kaltem
Wasser ist das A. nur sehr wenig löslich, leicht löslich ist es dagegen in heißem
Alkohol, in
Holzgeist,
Äther und Eisessig;
diese Lösungen besitzen eine gelbe Farbe; in Alkalilaugen löst es sich dagegen mit blauvioletter Farbe.
Verwendung findet das A. in der Färberei und Zeugdruckerei in sehr bedeutenden Mengen. Nach den Angaben der badischen
Anilin-
und Sodafabrik war der Verbrauch von künstlichen A. schon 1878 um circa 50% größer als jemals die Gesamtproduktion des
natürlichen Alizarins und Purpurins in Form von
Krapp war und wurde schon damals die tägliche Produktion
von künstlichem A., als 10 prozentige
Paste berechnet, in Europa auf 25000 k geschätzt. Dabei ist der Preis beträchtlich
heruntergegangen von 12 Mk. pro k im März 1873 auf 2,30 Mk. im Januar 1878;
ein Preis, der bedeutend niedriger ist, als der, den dieser Farbstoff in Form von
Krapp je gehabt
¶
mehr
hat, denn die Wurzel liefert nur circa 1% reines A. Vor kurzem haben jedoch die deutschen Alizarinfabrikanten beschlossen,
vom an den Preis für 20 prozentige Alizarinpasten um 50% zu erhöhen. Hauptproduzent von A. ist Deutschland, welches 1874 schon 12 Alizarinfabriken
besaß, Frankreich und England je eine, welche zusammen jährlich 1250000 k A. in Teigform von 10% Gehalt
im Werte von 14000000 Mk. produzierten, hiervon kamen allein auf Deutschland 900000 k. Seitdem sind
noch zwei Fabriken in der Schweiz entstanden, dagegen haben in Deutschland zwei den Betrieb eingestellt. Dennoch wurde die
Produktion für 1876 auf 4 Mill. k (10 prozentiges) angegeben. Reines Anthracen liefert durchschnittlich
50% seines Gewichtes an trockenem A. Einfuhr:zollfrei. - Im Jahre 1880 belief sich der Wert der Ausfuhr von
Alizarin aus dem deutschen Reiche auf 20607000 Mk., der der Einfuhr nur auf 62000 Mk.