Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03417.jsonl.gz/3224

Johann Friedrich Mähly
Johann Friedrich Mähly war ein Basler Kunstmaler, Lithograph, Verleger und Kunsthändler. Er wurde am 12. Januar 1805 in Basel geboren. Sein Vater – Achilles Mählin – kam aus Zürich, seine Mutter – Maria Elisabeth Hartmann – aus Mülhausen. Der Vater hatte sich fest in Basel niedergelassen, war ein erfolgreicher Warenkommissionär und besass ein Haus am Leonhardsgraben 26. Im Jahre 1816 erwarb er das Basler Bürgerrecht zu einem Preis von 1333 1/3 Franken und damit waren auch seine Frau und seine sieben Kinder (darunter Johann Friedrich) zu Basler Bürgern geworden.
Über das Privatleben von Johann Friedrich Mähly ist nicht viel überliefert. Mit 31 Jahren (1836) heiratete er Elisabeth Lamy von Hünigen. Im Jahre 1838 kam sein Sohn Johann Carl Friedrich Achilles Mähly zur Welt und ein Jahr (1839) später eine Tochter, die aber kurz nach der Geburt starb. Seine Frau starb im selben Jahr (an der Geburt?). Am 1. März im Jahre 1848 erlag Johann Friedrich Mählys im Alter von 42 Jahren einem Magen- und Leberleiden.
Trotz seines kurzen Lebens hinterliess Johann Friedrich Mähly als Künstler ein beachtliches Lebenswerk, das einen Vergleich mit den Künstlern seiner Zeit durchaus nicht zu scheuen braucht. Er malte eine Reihe von Aquarellen von Motiven aus der Schweiz und dem näheren Umland, die er dann bei angesehenen Meistern in Kupfer stechen liess. Sein bekanntestes und wohl auch umfangreichstes Werk ist jedoch der Vogelschauplan der Stadt Basel.
Entstehung des Mählyplans
230 Jahre nach dem berühmten Vogelschauplan von Matthäus Merian d. Ä. erschien am 14. Mai 1845 im Protokoll des kleinen Stadtrates folgender Hinweis: „Herr Friederich Mähly, Maler und Kunsthändler meldet: Nach mehrjähriger mühsamer Arbeit sey es ihm gelungen, einen neuen Plan der Stadt Basel in Vogelansicht zugleich auch als Bild soweit zu vollenden, und er habe dasselbe dem E. Stadtrath gewiedmet. Er werde denselben in die Hälfte der Grösse des Originals in Stahl gravirt und in Aquatinta gesetzt herausgeben, was noch bedeutende Kosten verursache. Wenn nun E. E. Stadtrath dieses allein städtische und kostspielige Unternehmen mit demselben Eifer aufnehme und unterstütze mit welchem der Künstler dieses Bild ausgeführt habe, so werde demselben seine Arbeit einestheils belohnt, sondern (sic) unsern Mitbürgern könne dadurch ihr Exemplar um einen billigeren Preis abgegeben werden. Sollte der E. Stadtrath das Original sogar als Eigentum in seinem Saale aufzubewahren wünschen, so würde der Künstler durch diese vollkommenste Anerkennung sich höchst beehrt fühlen.“ Nachdem eine Überprüfung durch das Stadtbauamt nur geringfügige Kritik an den verzerrten Proportionen der Strassen zeitigte (wegen der Vogelperspektive nicht zu vermeiden), bewilligte der Stadtrat noch im selben Jahr 400 Franken für den Ankauf des Originals. Dieses sollte an den Stadtrat übergeben werden, sobald es als Vorlage für den Stahlstich nicht mehr weiter benötigt werde.
Das Originalaquarell hat eine Höhe von 111 cm und eine Breite von 152.5 cm und hängt auch heute noch im Basler Stadthaus (Stadthausgasse 13). Der eigentliche Stadtplan ist von 38 Randzeichnungen umgeben mit Ansichten „der verschiedenen Stadt- und Privatgebäulichkeiten, Brunnen, Monumente, sämmtlichen 8 Stadtthoren und 4 Portraits unserer ausgezeichnetsten Mitbürger früherer Zeiten“.
Wie an den Stadtrat gemeldet begann Mähly mit der Planung des Stahlstiches für die breite Öffentlichkeit. Um dieses kostspielige Unternehmen überhaupt finanzieren zu können, rief Mähly in der Zeitung dazu auf den Originalplan in seiner Kunsthandlung zu besichtigen und sich bei Interesse auf einer Subskriptionsliste einzutragen. Erhältlich waren schwarz-weisse und kolorierte Abzüge des eigentlichen Vogelschauplans und – auf vielfachen Kundenwunsch – auch solche mit den 38 Randzeichnungen. Die Preise reichten von 7 Fr. für die einfachste bis 24 Fr. für die aufwändigste Ausführung.
Die Arbeit am Stahlstich dauerte zwei Jahre, weshalb Mähly erst am 12. Mai 1847 das Original an den Stadtrat übergeben konnte. Das Honorar fiel dann aber mit 500 Fr. sogar noch um 100 Fr. höher aus, als ursprünglich zugesichert. Im Oktober 1847 waren erste Probedrucke des Stahlstiches verfügbar.
Diskussion des Mählyplans
Zur Qualität des Planes sei auf den folgenden Artikel im Intelligenzblatt vom 30. Juni 1845 verwiesen: „Der Beschauer sieht vor sich die langen Häuserreihen und Straßen, Haus für Haus, genau wie in der Wirklichkeit abconterfeit; er sieht mitten auf den gewaltigen Rhein hinab, der unsre Mauren durchfluthet; da fehlt an der Rheinbrücke kein einziges Joch; deutlich sieht er die Kapelle mitten auf der Brücke: und wenn er die Laternen zählen will, die ihm Nachts oft nur unvollkommen diesen luftigen Weg erhellen, siehe, es ist deren keine vergessen. Ebenso verhält sichs mit den andern Strassen; da fehlt kein Brunnen auf dem Platz, kein Baum auf den Spaziergängen, bald hätten wir gesagt, kein Ziegel auf dem Dach“.
Das Werk von Mähly gibt also die Realität der Stadt von 1845 mit grosser Genauigkeit wieder. Aber es gibt auch Abweichungen: „[…], daß die meisten Laternenstöcke höher sind, als die daneben gezeichneten Häuser, daß dieses oder jenes Haus niedriger gelassen werden mußte, um den dahinterliegenden Hof besser zeichnen zu können; er wird finden, daß diese Straße im Verhältniß zur andern viel zu lang, oder zu kurz sei“. Zudem fällt auf, dass die gerade im Bau befindlichen wichtigen Grossprojekte (Bahnhof, Museum, Kaufhaus) auf dem Plan schon fertig sind. Die grosszügige Darstellung des Umlandes hat zudem den unglücklichen Effekt, dass Grossbasel auf einem ziemlich steilen Abhang zu liegen scheint.
In einem Artikel im „Allgemeinen Intelligenzblatt“ vom 3. Juni 1845 erwähnt der Autor den Merianplan von 1615 als Vorgänger des Werkes von Mähly und kommt zum Schluss: „[…] Leider dient der merkwürdige und schöne Ueberblick, den derselbe [der Mählyplan] gewährt, zum nur allzu deutlichen Beweise, wie viel Basel von seinem malerisch-mittelalterlichen Aussehen eingebüßt hat“. Aus heutiger Perspektive ist man hingegen eher versucht zu sagen, dass der Plan von Mähly eindrücklich dokumentiert, dass sich das malerisch-mittelalterliche Basel über 230 Jahre kaum verändert hat. Unwissentlich hat Mähly die Stadt kurz vor einem entscheidenden städtebaulichen Wendepunkt porträtiert. In den folgenden Jahren bis zur Jahrhundertwende verschwand die Stadtmauer, der Birsig wurde überdeckt, es entstanden zwei weitere Brücken über den Rhein, neue Quartiere wurden gebaut und Basel vervierfachte seine Einwohnerzahl.
Quellen: