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Am 12. Februar feiern wir den Geburtstag von Charles Robert Darwin, der gleichzeitig als internationaler Gedenktag an den Beitrag des britischen Naturforschers zur Wissenschaft dient. Mit seiner Evolutionstheorie hat er den dazumal vorherrschenden religiösen Kreationismus umgeworfen mit dem Nachweis, dass sich die Erde erst im Laufe von vielen Millionen Jahren zu dem entwickelt hat, was sie heute ist und nicht von Gott in sechs Tagen geschaffen wurde. Dazumal von verschiedenen Seiten als Ketzer verpönt, gilt er heute als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.
Seine Überlegungen hielt Darwin in mehreren Notizbüchern fest, die heute einen unschätzbaren Wert besitzen. Doch ausgerechnet zwei der bedeutendsten Darwin-Notizbücher sind seit 20 Jahren verschollen. Dies verkündete die Universitätsbibliothek in Cambridge Ende letzten Jahres.
«Baum des Lebens»
Im März 1837 schrieb Darwin die Überschrift «ich denke» in sein Notizbuch und zeichnete eine Skizze eines spindeldürren Strauches mit vielen Ästen. Damit hielt er seine Überlegungen über die Entstehung der Arten durch Aufspaltung in einer allerersten Skizze fest — der erste Stammbaum war geboren. Erst kürzlich war der damals 28-jährige Naturforscher von seiner Reise auf der „HMS Beagle“ nach London zurückgekehrt, während der er eine Reihe von Denkanstössen erhielt.
Die Skizze war ein erster Schritt hin zu seinem bahnbrechenden Werk «Über den Ursprung der Arten», das rund 20 Jahre später publiziert wurde. Diese wertvollen Feldnotizen sind nun offenbar verschwunden. Zu dieser Erkenntnis kommen die Kuratoren der Universitätsbibliothek von Cambridge nach einer „ausgedehnten Suche“.
Der «Baum des Lebens» aus dem verschollenen Notizbuch. Wikimedia Commons
Fünfjährige Suche
Die Notizbücher seien zuletzt im September 2000 gesehen worden, als diese zum Fotografieren aus den Tresorräumen für Sondersammlungen entnommen wurden. Die Fotos gibt es noch — aber die Notizbücher seien seither verschwunden. Dies stellte man jedoch erst im Januar 2001 bei einer Routinekontrolle fest.
Ursprünglich gingen die Bibliothekare davon aus, dass die Notizbücher verlegt worden waren, und sie machten sich auf die Suche. Diese dauerte fünf Jahre. Angesichts der Grösse der Bibliothek ist dieser Zeitaufwand nicht ganz überraschend: Die Bibliothek der Cambridge Universität umfasst mehr als 210 Kilometer Regale, was in etwa der Entfernung von Lausanne nach Zürich entspricht. Sie beherbergt mehr als zehn Millionen Bücher, Karten und Manuskripte. Die zwei dünnen Darwin-Notizbücher — kaum grösser als eine Postkarte — könnten durchaus im falschen Regal gelandet sein.
Diebstahl vermutet
Anfang 2020 wurde erneut eine Durchsuchung der Bibliothek angeordnet. Expertenteams überprüften die 189 Boxen des Darwin-Archivs — doch die Notizbücher tauchten noch immer nicht auf. Dafür aber der wachsende Verdacht, dass die Bücher gestohlen wurden. Mittlerweile wurde die britische Polizei kontaktiert. Darwins Notizbücher wurden ins britische Register für vermisste Kulturgüter aufgenommen, ebenso in die Interpol-Datenbank für gestohlene Kunstwerke. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit ist der Wert der Notizbücher schwer zu schätzen, er dürfte aber in die Millionen gehen.
Die Universitätsbibliothek bewahrt die Hoffnung, dass Darwins Notizbücher gefunden werden. Sie versichert, dass sie die Suche unterdessen nicht einstellen wird.