Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03363.jsonl.gz/1591

|Hier könnte ein Banner-Link auf die Ihre Homepage stehen.

Jahrespreis: Fr. 300.--
061 271 63 64
Ich möchte diese Story bestellen und abdrucken
Ihre Meinung (auf "E-Mail" klicken)
Zurück zur Hauptseite
Foto OnlineReports
Plante den Absprung über Kuching (Sarawak): Regenwaldschützer Bruno Manser mit Lamm "Gumperli"
Bruno Manser will sich in Malaysia stellen
Fallschirm-Absprung angeblich an Lämmchen "Gumperli" gescheitert
Von Ruedi Suter
Der Basler Regenwaldschützer Bruno Manser wollte am 7. April mit einem Fallschirm und einem Lamm als Geschenk über der malaysischen Stadt Kuching in Sarawak abspringen und sich den Behörden stellen. Manser hoffte mit seiner Verzweiflungsaktion auf ein Entgegenkommen Malaysias und eine gemeinsame Rettung der letzten, vom Abholzen bedrohten Penan-Waldnomaden. Das Unternehmen scheiterte vorerst. Dafür sprang Manser jetzt über der UNO in Genf ab.
Mit einem Fallschirm wollte Bruno Manser am Sonntag, 5. April, in Kloten den Linienflug SQ 343 der Singapore Airline nach Singapur besteigen. Als Gepäck gab er "Gumperli" an, ein 24 Tage altes Lamm, für das alle Papiere vorgelegen hätten. Dennoch versagte die Fluggesellschaft dem Tier auf vermutlich diplomatischen Druck hin im letzten Moment den Zutritt.
Am 7. April, dem islamischen Feiertag zum Ende des Fastenmonats Ramadan, wollte Manser aus einem Kleinflugzeug über der Stadt Kuching mit dem Tier abspringen und im Stadion landen. Dort hatte er vor, das symbolträchtige Lamm während den Feierlichkeiten des Hari Raya Haji dem Chiefminister des ostmalaysischen Bundesstaates Sarawak, Abdul Taib Mahmud, zu übergeben.
"Eine Geste des Friedens"
Bruno Manser: "Dies als Geste des Friedens und der Versöhnung. Ich möchte mich für die Verletzung der nicht verjährenden Einwanderungsgesetze entschuldigen und auch einer Bestrafung nicht ausweichen. Ich hoffe aber auch, dass mir die Malaysier verzeihen und wir zusammen eine rasche Lösung für die Rettung der Penan und ihrer letzten Wälder finden können."
Um seine friedliche Absicht zu unterstreichen, habe er Chiefminister Mahmud detailliert über seine ursprünglich als Ueberraschung gedachte Anreise informiert und ihn um Erlaubnis gebeten. Einziges Resultat: Die Transportverweigerung für das Lamm, ohne das Manser nicht reisen will.
Ohne Urwald sterben die Penan-Waldnomaden Dass der Basler Menschenrechtler seine Freiheit für diesen selbst für Sympathisanten fragwürdigen Einsatz riskieren will, hat ausschliesslich mit der verzweifelten Lage der Penan zu tun. Manser, der von 1984 bis 1990 bei den Waldnomaden lebte und sich seither mit grossem persönlichen Einsatz für sie und andere Waldvölker einsetzt, erhält regelmässig Tonbänder, auf denen die Penan ihre Lage schildern. Ende 1997 trafen die letzten Schilderungen im Basler Büro des Bruno Manser Fonds (BMF) ein. Ein alter Penan: "Wenn du nicht schnell kommst, wirst du später nur noch unsere Spuren sehen. Offenes Land, nur der Regen wird auf deinen Kopf fallen, Wind wird nur sein. Und wirst du auch Deine Hand hinstrecken, so werde nicht ich dich grüssen, nicht ich deine Hand nehmen - nur Regen und offenes Land."
Versprochenes Biosphärenreservat nicht realisiert Solche Worte ergänzen Informationen, wonach Sarawak bereits gegen 80 Prozent seiner Urwälder abgeholzt hat und die Jäger und Sammler der Penan bestenfalls eine Gnadenfrist von zwei Jahren haben, bis ihr lebensnotwendiger Wild- und Fischbestand weg ist und ihre letzten Urwaldriesen umgesägt wurden.
"Meine ganze Arbeit hier bedeutet für die Penan nichts, solange weiter abgeholzt wird", erklärte Manser am Samstag. Immer noch sei keines der von der Regierung abgegebenen Versprechen umgesetzt worden: Selbstbestimmung, Schaffung eines Biosphärenreservats, Stop der Abholzung, Jagdverbot für Fremde usw. Dies alles umzusetzen sei jetzt vielleicht gerade noch möglich. "Wenn nicht, haben die vom Wald und seinen Tieren lebenden Penan keine ?berlebenschance."
Kontakte zu Al Gore
Orientierung von Al Gore und der Weltbank Die Aktion wurde vom BMF-Sekretariat und etlichen Helferinnen und Helfern von langer Hand diskret vorbereitet. Manser selbst reiste im Januar in die USA und orientierte Vizepräsident Al Gore, die Weltbank sowie den malaysischen UNO-Botschafter über die Lage der Penan und seine geplante Rückkehr.
Eine Gönnerin bezahlte ihm in Oesterreich das Lernen des Fallschirmspringens. Schweizer Piloten und Fallschirmspringer, vornehmlich aus der Region Basel, berieten ihn, ermöglichten ihm gegen 100 Absprünge im Mittelland und über Basel und halfen, die malaysische Flagge auf den Fallschirm zu malen.
Ein Bauer aus Kleinlützel (S0) stellte das Lamm zur Verfügung, mit dem der ehemalige Schafhirte Manser bei Biel zweimal aus einem Pilatus Porter sprang. "Gumperli" zeigte sich überraschenderweise völlig unbeeindruckt.
Malaysia stellt sich taub Das Ganze wurde auf Video festgehalten und mit einer persönlichen Grussbotschaft an den Chiefminister Taib Mahmud versehen, bei der Manser diesen um die Bewilligung der Versöhnungsaktion in Kuching bat. Ein Vorgehen, das als naiv bezeichnet werden könnte, im Falle Mansers aber früher schon zu unerwarteten Erfolgen führte.
Bis zu seinem Abflug hat der Basler allerdings vom Chiefminister kein einziges Zeichen auf das am 20. März per Eilkurier geschickte Video empfangen. Ebenso unbeantwortet blieben verschiedene Faxe, bei denen Manser die gewöhnliche Anreise mit einem Linienflug vorschlug.
Beim BMF meldete sich lediglich ein Angestellter der malaysischen UNO-Botschaft in Genf, um von jeder Art von Anreise abzuraten. Hierauf schlug der Regenwaldschützer vor, das Lamm zum Beweis seiner friedlichen Absichten in Genf Botschafter Hamidon Ali zu überreichen und mit der Reise via Singapur nach Sarawak zuzuwarten - auch keine Antwort.
Fallschirm-Absprung mit "Gumperli"
Provozierter Konfrontationskurs? Die Singapore Airline in Zürich bestätigte Manser gegenüber, von der Malaysischen Botschaft kontaktiert worden zu sein. Und er würde, trotz Reservation, auch nicht mit dem Linienflug nach Kuching weiterfliegen können. Manser reagierte gelassen: "Ich lasse mich von meinem Plan, mich mit den Malaysiern zu versöhnen, nicht abbringen und will dies am Montag mit einer Aktion in Genf unterstreichen." Dennoch ist damit zu rechnen, dass die Malaysier mit ihrer Taktik des Nichtreagierens Bruno Manser wieder dorthin zwingen, wo er ihnen weniger lästig scheint: auf Konfrontationskurs.
Weil die Aktion in Malaysia misslang, sprang Manser am Montag, 6. April, zur Mittagszeit per Fallschirm mit dem Lamm "Gumperli" ueber Genf ab und landete in der Nähe des UNO-Hauptgebäudes sicher. Darauf brachte Manser das Lamm der Versöhnung zur malaysischen UNO-Botschaft, wo er wider Erwarten von Botschafter Hamidon Ali empfangen wurde. Im Verlaufe des zwei Stunden dauernden Gesprächs habe sich der Diplomat von Mansers ehrlichem Bestreben überzeugen lassen, zusammen mit Sarawaks Chiefminister Datuk Taib Mahmud einen Weg zu suchen, um die von Holzkonzernen schwer bedrohten Waldnomanden der Penan zu retten. Hamidon Ali versprach, sich beim Chiefminister für Mansers Begehren und seine Rückkehr nach Sarawak einzusetzen.
Derweil musste "Gumperli" vor der Botschaft warten, liebevoll umhegt von Mansers Pilot und Fallschirmsprunglehrer Ruedi Isenschmied, der sonst Swissairmaschinen steuert. Und dann gings wieder heim, in den Stall von Kleinlützel. Hamidon Ali wollte «Gumperli» lieber nicht in seiner Botschaft beherbergen.
HINTERGRUND
1
HINTERGRUND 2
MANSER VERMISST
MANSER VERMISST (HINTERGRUND)