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Azem Maksutaj ist Thaibox-Weltmeister und aus Winterthur. Er hatte sportlich mit dem Dschihad-Reisenden Valdet Gashi zu tun, der ebenfalls einen Weltmeistertitel gewann. Im Interview mit watson gibt er einen Einblick in seine Kampfsport-Welt.
Herr Maksutaj, finden Sie, Leute wie Valdet Gashi und Bashkim Berisha machen Ihren Sport kaputt?
Azem Maksutaj: Gashi und Berisha sind Einzelfälle. Gashi zum Beispiel habe ich bei manchen Thaibox-Kämpfen getroffen. Er war da mit seiner Familie, seinen Kindern. Er ist ein lieber Typ, aber er hat sich manipulieren lassen. Er sagt, er sei zu seinen Brüdern nach Syrien gegangen, aber er hat seine wahren Brüder, seine Familie zurückgelassen. Er hat sich vom Teufel verführen lassen.
Aber schaden Ihnen denn solche Einzelfälle, wie Sie sagen, nicht?
Nein. Ich lebe von dem Sport, den ich liebe. Als der Fall Carlos aufkam, habe ich nichts gespürt. Ich habe keine Schüler verloren, oder gespürt, dass sich weniger für den Sport interessieren würden. Die Leute, die bei mir trainieren, interessieren sich nicht dafür, was Andere über den Sport denken. Sie haben Freude daran und das wird auch so bleiben.
Warum hat Thaiboxen trotzdem so einen schlechten Ruf?
Ich finde nicht, dass Thaiboxen einen schlechten Ruf hat. Es ist wie beim Fussball: Der Sport ist bei den meisten extrem beliebt, es stören sich aber viele an den Hooligans und an der FIFA. Beim Thaiboxen ist es das gleiche. In den meisten Gyms trainieren ganz normale Leute, die sich in einem geregelten Rahmen austoben wollen und Freude daran haben.
Also stören Sie sich nicht an Leuten wie Gashi? Oder dem Fall Carlos?
Natürlich wühlen mich solche Fälle auch auf. Aber wie gesagt, Gashi wurde manipuliert und ich bin mir sicher, wäre Carlos mit 12 Jahren zu mir gekommen, hätte ich ihn geheilt. Wenn hyperaktive Kinder nicht richtig gefördert, sondern vernachlässigt werden, schadet ihnen das extrem. Solche Kinder müssen nicht beim Arzt mit Psychopharmaka vollgedröhnt werden. Solche Kinder müssen sich in einer Sportart verausgaben, lernen, ihre Energie zu lenken. Thaiboxen ist dafür genau so gut geeignet wie jede andere Sportart.
Glauben Sie, dass sich die Sportart irgendwann von ihrem schlechten Image erholen wird?
Ich weiss es nicht. Ich denke, die Schweiz ist kein Land der härteren Sportarten wie zum Beispiel Holland. Hier sind Sportarten wie Fussball oder Tennis sehr viel gefragter. Thaiboxen wird hier wohl nie mehr so populär werden, wie damals zu Andy Hugs Zeiten, aber die Leute, die den Sport ausüben, werden wie vor Gashi oder vor Carlos weiterhin Spass an dem haben, was sie tun. Und so lange werde ich auch Freude daran haben, sie dabei zu unterstützen.
Trauern Sie den Zeiten von Andy Hug nach?
Wenn eine Sportart gross ist, hat das Vor- und Nachteile. Klar war es schön zu sehen, wie sich plötzlich mehr Leute für Kampfsport begeisterten, aber es förderte auch die Schattenseiten zutage, wie beim Fussball die FIFA. Damals war die übergeordnete Organisation K-1. Wie die FIFA war auch diese bis ins Mark korrupt und musste nach einigen Skandalen den Rückzug antreten. Ich finde die Situation, wie sie jetzt ist, nicht perfekt, aber ich kann damit leben. Ich habe meine Leute im Griff und verbürge mich für sie. Ich bin mir sicher, von meinen Schülern hat jeder seine Energie im Griff.
Sie sagen nicht perfekt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Was dem Sport gut tun würde, wären staatliche Regulierungen. Lizenzierung. Es fehlt an einer Begrenzung und Überprüfung. Ich würde mir wünschen, dass sich der Schweizer Staat mehr für eine Besserung der Lage einsetzen würde, anstatt immer nur zu sagen, was schlecht ist. Vielleicht würde sich das Thaiboxen, wie das normale Boxen auch, irgendwann für staatliche Subventionen eignen. Ich arbeite bereits mit einigen Sportämtern zusammen, aber auch dies ist ausbaufähig. Würden sich mehr Sport- und Jugendämter in der ganzen Schweiz die Kampfsportschulen mit ins Boot holen, könnten man sich solche teuren Sondersettings wie im Fall Carlos sparen.