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Roger Federer hofft, mit einem Erfolg in die neue Grand-Slam-Saison zu starten: Mit einem vierten Australian-Open-Titel nach den Erfolgen in den Jahren 2004, 2006 und 2007.Dieser Inhalt wurde am 16. Januar 2010 - 18:35 publiziert
Der als Nummer 1 gesetzte "Zauberer von Oz" muss zum Auftakt am Montag gegen den Russen Igor Andrejew antreten, kein leichter Gegner. Federer dürfte dennoch hoffen, dass er am 31. Januar in seinem 22. Grand-Slam-Final stehen wird. Möglicherweise gegen seinen spanischen Angstgegner Rafael Nadal, der ihn in einem Fünf-Satz-Thriller im letzten Jahr geschlagen hatte.
Obschon der 28 Jahre alte Federer in seinen letzten zwei Wettkämpfen vor Melbourne vom sechstplatzierten Russen Nikolai Dawidenko geschlagen wurde, ist die Situation für den Schweizer deutlich anders als vor einem Jahr, und seine Fans haben Grund genug, optimistisch zu sein.
Denn 2008 war nach Federers Standard ein schlechtes Jahr gewesen, hatte er doch nur einen Grand-Slam-Titel gewonnen (US Open). Als er dann Anfang 2009 nach Melbourne flog, hatte es Stimmen gegeben, die bereits den "Anfang vom Ende" gesehen hatten. Dazu gekommen waren auch Pfeiffersches Drüsenfieber und Nahrungsmittelvergiftung.
Für zusätzlichen Druck gesorgt hatte, dass Federer nur noch einen Grand-Slam-Titel brauchte, um mit dem Rekord von Pete Sampras – 14 Titel – gleichzuziehen.
Schliesslich wurde 2009 aber ein ausgezeichnetes Jahr für Federer, der in allen vier Grand-Slam-Finals spielte und zwei davon gewann. Darunter zum ersten Mal das French Open in Paris. Mit den zwei Siegen brach er denn auch den Rekord von Sampras.
Federer kann also in die Grand-Slam-Saison 2010 einsteigen im Wissen darum, dass sein Platz im Buch der Rekorde zumindest für die nähere Zukunft gesichert ist. Aber wird das auch bedeuten, dass er den Fuss vom Pedal nimmt?
Druck weg
"Ich denke, es ist gut, dass dieser Druck nun weg ist. Ich glaube, dass Federer sich selber noch genug unter Druck setzt und in den nächsten Jahren noch einige weitere Major-Titel holen will", erklärte Simon Graf, Tennisexperte beim Zürcher Tages-Anzeiger , gegenüber swissinfo.ch. "Er wird sich so lange er kann voll dem Tennis widmen."
"Es ist gut, dass er den Rekord [von Sampras] gebrochen hat und den French-Open-Titel geholt hat. Das wird seinem Spiel helfen. Ich denke aber nicht, dass er nicht mehr hungrig ist. Um derart lange an der Spitze zu stehen, muss jemand aussergewöhnlich diszipliniert und hungrig sein. Es ist noch härter, an der Spitze zu bleiben, als dorthin vorzustossen", so Graf.
"Die 15 Grand-Slam-Titel und der Sieg in Paris waren grosse Ziele für ihn. Doch während dem Turnier in Paris sah man, dass ihn das alles zu belasten begann. Die zweite Woche in Paris, nachdem Nadal draussen war, war mental wohl das Schwierigste, das er je durchmachte. Daher denke ich, dass er jetzt frei spielen kann."
Immer noch Favorit
Trotzdem, Federers Vorbereitung hätte besser verlaufen können. Am 8. Januar verlor er im Halbfinal am Katar Open gegen Dawidenko (6-4, 6-4), der ihn zuvor schon bei der Meisterschaft zum Saisonende in London vor etwas weniger als zwei Monaten geschlagen hatte.
"Ich habe meinen Arm etwas gespürt, aber das ist keine Entschuldigung. Er hat sehr gut serviert, viele 200er (200km/h)," hatte Federer nach dem Spiel erklärt. "Und um meinen Arm braucht man sich keine Sorgen zu machen. Ich bin in Ordnung."
Einige Tage darauf hatte er dann angekündigt, dass er nicht am "Kooyong Classic"-Turnier ausserhalb Melbournes teilnehmen, sondern statt dessen trainieren werde. Es war in den letzten sieben Jahren erst das zweite Mal, dass Federer auf eine Teilnahme an dem traditionellen Turnier verzichtet hatte.
"Federer ist immer noch der Favorit. Er hat zwar ein paar Niederlagen einstecken müssen, aber mit der Formel "Best-of-Five" weiss man nie. Es bleibt schwierig, Federer zu schlagen. Er ist 22 Mal hintereinander in einem Grand-Slam-Halbfinal gestanden! Ich denke nicht, dass er eine sensationelle Niederlage erleiden wird", erklärte Graf.
Und wie wichtig ist das Australian Open für den Rest der Saison? "Ein Sieg beim Ozzie Open ist immer ein guter Start ins neue Jahr. Andererseits glaube ich, dass sich die Auswirkungen eines allfälligen frühen Ausscheidens in Melbourne bei den Topspielern in Grenzen halten werden. Schliesslich gibt es danach noch sehr viel Tennis zu spielen", meinte Graf.
"Zudem denke ich, dass für Federer und wahrscheinlich auch für die meisten anderen der Topspieler Paris und Wimbledon die wichtigsten Bühnen sind. Melbourne ist so etwas wie ein wirklich, wirklich netter Bonus."
Und vergessen wir nicht...
Zwar dürfte sich ein Grossteil des Schweizer Interesses auf Roger Federer konzentrieren, aber unter der Sonne Australiens werden sich noch weitere Schweizer abmühen: Neben Federer sind das bei den Männern Stanislas Wawrinka (ATP 19) und Marco Chiudinelli (ATP 56), bei den Frauen Timea Bacsinszky (WTA 51) und Stefanie Vögele (WTA 74).
Die Buchmacher sehen Federer leicht als Favoriten vor Nadal mit etwa 3-1 (d.h. bei einem Einsatz von 1 Franken auf Federer gibt es 3 Franken und den Einsatz zurück, wenn er gewinnt). Nadal wird mit etwa 3.5-1 gesetzt.
Die einzigen anderen ernsthaften Gegner aus Sicht der Wettbüros sind Juan Martín del Potro, Andy Murray und Novak Djokovic, alle liegen bei einer Quote von etwa 5-1. Dawidenkos Quote liegt bei 9-1, Wawrinkas wie üblich bei 200-1.
Bei den Frauen werden Serena Williams und Kim Clijsters als gleich stark eingeschätzt, mit einer Quote von 3-1, für Justine Henin liegt die Quote bei etwa 4-1.
Zudem ist eine Doppelwette mit einer Quote von 15-1 möglich: Entweder mit Federer und Williams als Titelgewinner, oder Federer und Clijsters. Nicht dass swissinfo.ch zum Wetten anregen will, aber die Quoten auf den Sieg von Dawidenko und der US Open Finalistin Caroline Wozniacki zu setzen, sind verführerisch: Ein Einsatz von einem Franken könnte mit 200 zu Buche schlagen.
Thomas Stephens, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)
Australian Open
Das Australian Open ist jeweils das erste der vier Grand-Slam-Turniere der Saison. Zum ersten Mal war es 1905 ausgetragen worden. Bis 1987 fand das Turnier auf Rasen statt, seither auf Hartplätzen im Melbourne Park.
Die beiden Hauptplätze sind die Rod-Laver-Arena und die Hisense-Arena. Beide Plätze haben bewegliche Dächer, die bei Regen oder extremer Hitze geschlossen werden können.
2009 konnte das Australian Open einen Rekord vermelden: Noch nie an einem Grand-Slam-Turnier waren an einem einzelnen Turniertag so viele Besucher aufmarschiert: 66'018.
Preisgeld Australian Open 2010: Zwei Millionen australische Dollar für die Gewinner (etwa 1,9 Mio. Franken), Platz zwei gibt noch eine Million, danach sinkt der Betrag pro Runde um etwa jeweils die Hälfte.
Hilfef für Haiti
Innerhalb von 24 Stunden stellte Roger Federer höchstpersönlich eine Wohltätigkeitsaktion zu Gunsten der Erdbebenopfer von Haiti auf die Beine. Federer präsentierte seine Idee am Samstagmorgen der Australian-Open-Turnierleitung, und trotz aller Vorbehalte (Werbung, Sicherheit, Inkasso) kam der Event zu Stande.
Neben Organisator Roger Federer machten Rafael Nadal, Novak Djokovic, Andy Roddick, Lleyton Hewitt, Serena Williams, Kim Clijsters und Samantha Stosur mit. Das Showduell verlor das Team Federer (mit Williams, Stosur, Hewitt) gegen das Team Nadal (mit Djokovic, Roddick, Clijsters) 6:7.
Als er seine Idee am Samstag dem Turnierdirektor präsentiert hatte, stiess er vorerst auf Skepsis. Trotz der Vorbehalte geriet der Event aber zum Vollerfolg: Das Stadion wurde ausverkauft (15'000 Zuschauer); insgesamt kamen über 20'000 Leute auf die Anlage, die ansonsten am Sonntag geschlossen geblieben wäre. Für die Haiti-Hilfe wurden mindestens 200'000 Franken generiert.
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