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Projekt
Das Forschungsprojekt „Von der Präsentation zum Wissen“ richtet den Blick auf eine Figur barocker Wissenschaftskultur: Athanasius Kircher. Zu Lebzeiten als Universalgelehrter hoch angesehen, war er im 19. Jahrhundert in Vergessenheit geraten, um seit etwa 20 Jahren wieder vermehrt das Interesse der Wissenschaftsgeschichte auf sich zu ziehen.
Die Fokussierung auf die Figur Kirchers verfolgt dabei eine doppelte Absicht. Einerseits wird in der Figur Kirchers die historische Bedeutung des Wissens in seiner gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und kulturellen Komplexität und seinem Facettenreichtum gleichsam wie in einem Prisma sichtbar. Im Dienst von drei Päpsten und zahlreicher Kardinale, aber ebenso von weltlichen Fürsten, berührten Kirchers wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen die unterschiedlichsten Fachgebiete; sie umfassen Studien zum Magnetismus, zur Phonetik, Optik und Mathematik, zur Geologie und Astrologie, zu orientalischen Sprachen und Kulturen sowie zur Medizin und Statik.
Andererseits eröffnet die Analyse historischer Wissensbestände einen kritischen Blick auf die Geschichte der Wissenschaftsgeschichte. Insofern ist das Vergessen, dem Kircher recht bald nach seinem Tod 1680 in Rom anheimfiel, bezeichnend für sowohl eine Entwicklung der Wissenschaften, die andere als die von Kircher selbst gegangenen Pfade einschlugen, als auch für eine Wissenschaftshistoriographie, welche die Bedeutung historischer Wissensbestände über eine lange Zeit primär auf ihre Gültigkeit für die modernen Wissenschaft hin bemass.
In der römischen Ordenszentrale der Societas Jesu und damit im Zentrum der katholischen Restauration betrieb Kircher während 45 Jahren seine Forschung. Hier richtete er ein „Theater des Wissens“ ein, dessen Besuch zu jeder Grand Tour gehörte, die nach Rom führte. Das Museum Kircherianum versammelte traditionales Wissen, aber zugleich wurde hier auch mit modernem Methodenverständnis geforscht, Experimente durchgeführt und Instrumente hergestellt; schliesslich fasste Kircher sein Wissen in allumfassende Synthesen, für die er zu Lebzeiten in ganz Europa berühmt war, und publizierte sie in editorischen Grossprojekten.
Anhand der Figur Kirchers, seines Museums, seiner Druckwerke sowie zeitgenössischer Wissensdiskurse nimmt das Projekt, das im Austausch mit ForscherInnen im In- und Ausland entsteht, einerseits Fragen nach der Bedeutung des Wissens für Gesellschaft und Kultur auf und möchte andererseits nach den kulturellen Bedingungen fragen, unter denen dieses Wissens entstand, sich durchsetzte und verbreitete.