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Auf den ersten Blick findet man sich in diesem Bild kaum zu Recht: Es wimmelt von kleinen und kleinsten Formen, die sich aneinanderreihen und überlappen und den Bildraum fragmentieren. Alles ist mit einer feinen, nuancierten Schraffur überzogen und nur minimal ausgestaltet. Die gebogenen und rundlichen Formen erinnern an Blätter, dazwischen sind aber auch ein paar Figuren versteckt. Durch die Schraffuren erhalten die Flächen eine Tiefe, so dass der Eindruck einer dicht bewachsenen Landschaft entsteht. «Garten der Leidenschaft» nennt Paul Klee diese Radierung von 1913. Im vorangegangenen Jahr war Klee auf einer Parisreise und besucht die Kubisten Henri Le Fauconnier und Robert Delaunay in ihren Ateliers. Ihn interessiert, wie die Kubisten Raum vollkommen neu begreifen – ohne diesen nach traditionellen Prinzipien zu konstruieren. So entsteht die aussergewöhnliche Raumgestaltung in «Garten der Leidenschaft»: Die Bildelemente überziehen gleichmässig den ganzen Bildraum; es gibt weder ein Bildzentrum noch einen Vorder-, Mittel- oder Hintergrund.
Dominik Imhof
Wir sehen in einen Garten.
Runde Formen breiten sich aus.
Die Blätter von Pflanzen sind mal rund, mal lang.
Dazwischen verstecken sich Wesen.
Sind dort eine Katze und ein Vogel?
Einige Figuren laufen herum.
Das Bild ist wie ein Teppich.
Es gibt kein Vorne und kein Hinten.
Paul Klee will den Raum neu begreifen.
Anregungen dafür erhielt er in Paris.
Sara Smidt