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Der Klimawandel bringt viele Herausforderungen für die Menschheit mit sich. Viele Menschen gehen auf die Strasse und fordern die Politik auf, mehr gegen den Klimawandel zu tun.
Auf Demos und Streiks findet man Schilder mit diversen Sprüchen und Slogans. Wie man im Bild oben sehen kann, ist einer dieser Sprüche "Climate Justice Now". Zu deutsch: "Klima-Gerechtigkeit jetzt!"
Aber was hat der Klimawandel eigentlich mit Gerechtigkeit zu tun? In diesem Kurs erfährst du warum.
In diesem Kurs erwirbst du folgende Kompetenzen:
KE1: Ich kann beschreiben warum der menschengemachte Klimawandel eine doppelte Ungerechtigkeit darstellt mit Blick auf seine Verursachung und seinen Auswirkungen. Damit kann ich begründen, warum der von Menschen verursachte Klimawandel ein Gerechtigkeitsproblem darstellt und damit die Frage aufwirft, wie die Pflichten im Umgang mit dem Klimawandel gerecht verteilt werden.
KE2: Ich kann skeptische Meinungen zum Klimawandel mit Hilfe der doppelten Ungerechtigkeit, die der Klimawandel darstellt, zurückweisen. Bei der Begründung kann ich mich auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse beziehen und daraus auf Gerechtigkeitsfragen schliessen.
Das Wort Gerechtigkeit wird auf verschiedene Weisen verwendet und kann verschiedene Bedeutungen annehmen.
Im Folgenden wird ein kleiner Überblick präsentiert, welche Verwendungsweisen das Wort Gerechtigkeit hat.
Gerechtigkeit als die richtige Verteilung von Gütern
Wenn es eine begrenzte Menge an Güter gibt, dann stellt sich die Frage, wie diese Güter verteilt werden sollen.
Begrenzte Güter, wie zum Beispiel Nahrungsmittel, können auf verschiedene Wege verteilt werden:
Wir sprechen von Gerechtigkeit, wenn die Güter richtig verteilt werden und von Ungerechtigkeit, wenn die Güter falsch verteilt werden.
Wie eine gerechte Verteilung von Gütern aussieht oder wie Güter am besten verteilt werden sollen, ist meist Gegenstand von gesellschaftlichen Debatten und Diskursen.
Dabei muss es sich nicht immer um materielle Güter wie Nahrungsmittel handeln.
Die Frage nach der richtigen Verteilung stellt sich auch bei Dingen wie Freiheiten oder Pflichten.
Wir empfinden es zum Beispiel als ungerecht, wenn eine Person sich alles erlauben kann, während andere Personen für die gleichen Handlungen bestraft werden.
Gerechtigkeit als etwas, das uns zusteht und das wir einforden können
Wenn wir entdecken, dass Güter ungerecht verteilt werden, dann empfinden wir das als ein Fehlverhalten, das korrigiert werden muss.
Wenn wir bei der Verteilung von Gütern weniger erhalten, als uns zusteht, dann können wir eine gerechtere Verteilung einfordern.
Gerechtigkeit ist also verschieden von Wohltätigkeit oder Barmherzigkeit.
Während wir ein Recht darauf haben, gewisse Güter zu erhalten, die wir nicht bekommen haben, haben wir kein Recht darauf, Spenden oder Geschenke zu erhalten.
Gerechtigkeit als Unparteilichkeit
Wir sprechen auch von Ungerechtigkeit, wenn eine Person oder Organisation parteiisch handelt.
Zum Beispiel empfinden wir es als ungerecht, wenn Mitarbeitende nur deshalb mehr Lohn bekommen, weil sie mit der vorgesetzten Person befreundet sind.
Oder wenn Jobs an Familienmitgliedern vergeben werden, statt an Personen, die besser für den Job geeignet wären.
Gerechtigkeit als eine bewusste und absichtliche Handlung
Für die Verteilung von Gütern ist meistens eine Person, eine Gruppe von Personen, eine Organisation oder eine Regierung zuständig.
Wenn Güter auf diese oder auf eine andere Weise verteilt werden, dann deshalb, weil jemand das so entschieden hat.
Doch nicht alle Verteilungen sind die Folge einer bewussten und absichtlichen Handlung. Manche Verteilungen ergeben sich natürlich, ungewollt oder unbeabsichtigt.
Wir sagen zum Beispiel nicht, dass es ungerecht ist, dass gewisse Länder mehr Bodenschätze wie Gold und Silber als andere haben, weil niemand sich dafür entschieden hat, die Bodenschätze so zu verteilen.
Treibhausgase
Seit der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert wird der über Jahrmillionen in Steinkohle, Braunkohle, Erdöl und Erdgas fixierte Kohlenstoff durch Verbrennung als Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre abgegeben.
Auch durch die immer grösser werdende Nutztierhaltung wird immer mehr Methan (CH4) in die Atmosphäre ausgestossen.
CO2 und CH4 gehören zu den sogenannten Treibhausgasen. Treibhausgasen nehmen in der Atmosphäre Strahlung auf und erwärmen die Luft.
Dadurch, dass immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre abgeben werden, erhöht sich die globale Durchschnittstemperatur auf der Erde.
Damit entsteht ein Klimawandel, der durch menschliche Aktivitäten verursacht wurde.
Zu den direkten Folgen des Klimawandels gehören:
Da der Klimawandel schädliche Folgen für uns Menschen hat, stellt sich die Frage, wer welche Pflichten hat, etwas gegen den Klimawandel zu tun.
In anderen Worten: Wie sollen die Pflichten im Umgang mit dem Klimawandel verteilt werden?
Und die Frage, wie etwas richtig verteilt werden soll, ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Weitere Fragen bezüglich Klimagerechtigkeit lauten:
Wenn es um Klima-Gerechtigkeit geht, dann ergeben sich Probleme oder Schwierigkeiten, die sich anderswo nicht ergeben.
Im Folgenden werden 4 solche Probleme oder Schwierigkeiten aufgezeigt.
Im Alltag können wir meistens gut Ursachen und Wirkungen erkennen.
Bei diesen Beispielen ist es einfach, Ursachen und Wirkungen zu erkennen, weil sie räumlich und zeitlich nahe beieinander sind.
Das Aufdrehen der Heizung hat die Wirkung, dass das Zimmer warm wird. Die Heizung ist am gleichen Ort wie das Zimmer und die Wirkung, das warme Zimmer, liegt nur wenige Stunden von der Ursache entfernt.
Beim Klimawandel ist es aber nicht immer einfach, Ursachen und Wirkungen festzumachen, weil Ursachen und Wirkungen räumlich und zeitlich weit auseinander liegen können.
Die Frage nach der Ursache und Wirkung ist dann wichtig, wenn es darum geht, den Schuldigen für einen Schaden zu finden.
Betrachte das folgende Beispiel:
Es ist Nacht. Sie sitzen auf Ihrem Fahrrad und um schneller nach Hause zu kommen, nehmen Sie eine Abkürzung, fahren querfeldein über den Acker einer benachbarten Bäuerin und schaden so ihrer Ernte.
In diesem Beispiel ist einfach zu sehen, wer den Schaden verursacht hat, nämlich der Fahrrad-Fahrer, der querfeldein über den Acker gefahren ist.
Wenn es aber um Klimawandel geht, dann ist es nicht mehr so einfach, Ursachen, Wirkungen und die Schuldigen zu erkennen.
Betrachte das folgende Beispiel:
Es ist Nacht und um schneller nach Hause zu kommen, nehmen Sie anstelle des Fahrrads das Auto. Dabei stossen Sie CO2 aus; zusammen mit den Emissionen vieler anderer Menschen verändert dies langsam das Klima. Diese Veränderung führt nach Jahrzehnten zu Ernteeinbußen bei Bauern in fernen Ländern des Globalen Südens.
Wer ist hier der Schuldige für den Schaden? Wen können die Bauern anklagen?
Anhand von diesem Beispiel kann man gleich zwei Probleme von Klima-Gerechtigkeit sehen:
Treibhausgase wie CO2 erwärmen die Luft. Je mehr CO2 in der Luft ist, umso stärker ist die Erwärmung.
Wenn wir heute CO2 austossen, dann bleibt das CO2 für lange Zeit in der Luft enthalten.
Hier ergibt sich ein besonderes Problem der Klimaproblematik:
Unsere Handlungen und Entscheidungen heute haben nicht nur Auswirkungen auf das Leben anderer im Jetzt, sondern auch Auswirkungen auf das Leben unserer Kinder und Kindeskinder.
Haben wir Pflichten gegenüber späteren Generationen? Haben wir die Pflicht, die Welt so zu hinterlassen, wie wir sie betreten haben?
Das 3. Problem besteht darin, dass Ursachen hinsichtlich des Klimawandels oft stark fragmentiert sind.
Im Beispiel mit dem Fahrrad-Fahrer ist es eine Person, die mit einer Handlung für den Schaden verantwortlich ist.
Im Beispiel mit dem Autofahrer sind es ganz viele Menschen, die mit einer Vielzahl von Handlungen den Schaden verursachen.
Es gibt keinen klar erkennbaren Zusammenhang zwischen den vielen Handlungen und den Schäden, die sie verursachen.
Das 4. Problem besteht darin, dass die Auswirkungen unserer Handlungen mit Unsicherheiten behaftet ist.
Es gibt keinen Zweifel darüber, dass ein Klimawandel stattfindet, aber es gibt Unsicherheiten darüber, wie viel Klimawandel verursacht wird.
Der Meeresspiegel ist zwischen dem Jahr 1901 und 2015 um 19.5 cm angestiegen. Das sind im Durchschnitt 1.7 mm pro Jahr.
Um wie viel mehr wird der Meeresspiegel in der Zukunft ansteigen? Eine Schätzung ist, dass der Meeresspiegel bis 2100 zwischen 30 cm und 1 m steigen wird. (https://klimasimulationen.de/weltklimarat/)
An dieser Schätzung sieht man das Problem der Unsicherheit: Es kann sein, dass der Meeresspiegel "nur" um 30 cm steigt, es kann aber auch sein, dass der Meeresspiegel um 1 m steigt.
zwischen 1901 und 2015 um 19,5 cm angestiegen, d.h. um 1,7 mm/Jahr
Der Anstieg des Meeresspiegel betrifft das Leben von Menschen, insbesondere die, die an der Küste leben. Viele Menschen werden als Folge ihre Wohnungen verlieren.
Um diese kommende Krise abzuwehren, könnte man im Vorfeld bereits anfangen, neue Wohnungen für die Menschen zu bauen, die ihre Wohnungen verlieren werden. Doch wie viele Wohnungen sollte man bauen?
Je nach dem, ob der Meeresspiegel um 30 cm oder um 1 m ansteigt, werden weniger oder mehr Wohnungen gebraucht.
Sollten wir auf Nummer sicher gehen und mit einem Anstieg von 1 m rechnen? Oder können wir risikofreudig sein und hoffen, dass der Meeresspiegel nur um 30 cm ansteigt?
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