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Seit zwei Jahren tobt der Krieg in der Ukraine. Nach dem völkerrechtswidrigen Überfall kontrollierte Russland kurzfristig über 23 Prozent des ukrainischen Territoriums. Im Verlaufe des ersten Kriegsjahres gelang es der Ukraine, fünf Prozent wieder zurückzuerobern. Seither herrscht eine Pattsituation, und nur die Opferzahlen stiegen weiter unaufhörlich.
Die aktuelle Pattsituation hat zahlreiche Ursachen. Eine davon sind die westlichen Waffenlieferungen. Es scheint, als erhalte die Ukraine genau so viel Kriegsmaterial, dass die Stellungen mehr oder weniger gehalten werden können. Für eine erfolgreiche Gegenoffensive reicht es allerdings nicht.
Das Zögern des Westens nützen die Aggressoren aus. Unter hohen Verlusten eroberten sie kürzlich die Stadt Awdijiwka. Ob das Pendel des Krieges nun zum Vorteil Russlands zurückschlägt, wird sich zeigen. Namhafte Experten, welche watson kontaktierte, wollten zu dieser Frage keine Stellung nehmen. Die Lage sei aktuell zu verworren. Ein Hoffnungsschimmer für die Ukraine könnte der baldige Einsatz neuer Waffensysteme sein.
Dass die Ukraine Einsätze mit F-16-Kampfjets fliegen wird, ist sicher. Dafür haben mehrere Piloten in den USA, Grossbritannien, Rumänien und anderen Ländern das Training absolviert. Die Frage nach dem Zeitpunkt der ersten Kampfeinsätze bleibt allerdings weiterhin offen.
Die versprochenen Flugzeuge stammen aus den Beständen der Niederlande (42) und Dänemarks (19). Aber auch Belgien und Norwegen haben kleinen Mengen zugesagt. Aus den USA sollen Ersatzteile kommen.
Aktuell verfügt die ukrainische Luftwaffe über etwa 80 Flugzeuge aus alten Beständen. Diese werden unter anderem dafür genutzt, westliche Marschflugkörper, insbesondere die englischen Storm Shadows, abzufeuern. Eine Waffe dieses Typs zerstörte im September das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol und tötete dabei nach ukrainischen Angaben den befehlshabenden Admiral Sokolow. Russland widerspricht dieser Darstellung. In Kombination mit Marschflugkörpern oder im Einsatz gegen russische Kampfhelikopter bieten sich der Ukraine mit den F-16 neue Möglichkeiten. Doch diese haben auch Grenzen.
In einem Interview mit dem ZDF erklärte Militärexperte und Oberst a.D. (a.D. steht für «ausser Dienst») Wolfgang Richter, dass die F-16 einen Einfluss auf den Krieg haben werden – aber keinen entscheidenden: «Es gibt die Wunderwaffe nicht, die einen kompletten Gamechanger darstellt. Man muss das immer im Gesamtsystem sehen.» Richter glaubt, dass die gelieferten F-16 vorwiegend einen Ersatz für die bereits erlittenen Verluste darstellen. Um das Land zu befreien, so analysierte der ehemalige Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, muss die Ukraine allerdings über Lufthoheit verfügen. Und das geht nur mit einer funktionierenden Luftwaffe.
Neben den erwähnten Storm Shadow aus Grossbritannien verfügt die Ukraine mit den Scalp–EG aus Frankreich über weitere Marschflugkörper. Die beiden Systeme sind identisch und unterscheiden sich nur durch den Verbindungsmechanismus zum abwerfenden Flugzeug. Wie viele der über 2 Millionen Franken teuren Waffensysteme die Ukraine besitzt, ist indes nicht bekannt. Ihre Anzahl dürfte aber sehr eingeschränkt sein. Auch deshalb erhofft sich die Ukraine eine Taurus-Lieferung.
Die Taurus kämen aus Deutschland. Die Lieferung verhindern will dort ausgerechnet Kanzler Scholz, der damit seinem Ruf als Zögerer gerecht wird. Scholz befürchtet, die Ukraine könnte mit dem deutschen Kriegsmaterial Ziele auf russischem Boden angreifen.
Jeder Marschflugkörper ist für die Ukraine von ungeheurem Wert. Denn damit können grosse Ziele wie Kommandozentralen, Munitionslager und andere Schnittstellen der russischen Nachschublinien weit hinter der Front attackiert werden – was im Endeffekt Auswirkungen auf die Front hätte. Insbesondere Ziele auf der besetzten Krim wären somit erreichbar.
Mit der Kapazität, auch Betonkonstruktionen von einem Meter Stärke zu durchschlagen, wären die Taurus auch im Einsatz gegen stark befestigte Stellungen nützlich. Genau davor fürchtet sich aber Kanzler Scholz. Denn die Taurus haben eine Reichweite von 500 Kilometern – weit mehr als die Storm Shadows (250 Kilometer), wie der Guardian betont. Abgeworfen an der russischen Grenze im Norden der Ukraine könnten sie somit auch Moskau erreichen.
Doch das sind Spekulationen. Aktuell sieht es nicht danach aus, als würde Deutschland Taurus liefern. Ein entsprechender Antrag der Union wurde mit 480 gegen 182 Stimmen abgeschmettert. CDU-Chef Merz warf Kanzler Scholz danach vor, die von ihm ausgerufene «Zeitenwende» sei nicht mehr als eine Ankündigung.
GLSDB steht für «Ground Launched Small Diameter Bomb» – «Bodengestartete Bombe mit kleinem Durchmesser». Die Explosivkörper sind ein Hybrid aus GPS-gelenkten Luft-Boden-Gleitbomben und dem ausgemusterten Antrieb von M26-Raketen. Sie besitzen eine Reichweite von 150 Kilometern und sind mit einem Meter Abweichung sehr präzise.
Die USA – und die Ukraine ist bereits im Besitz davon. Russische Militärblogger zeigten auf Fotos Überreste, welche nahelegen, dass die Ukraine vor neun Tagen bei Kreminna GLSDBs abfeuerte.
Der grosse Vorteil der GLSDBs ist ihr Preis (40’000 Dollar pro Stück) und dass sie einfach produziert werden können. Den Auftrag dafür haben Saab und Boeing von der Biden-Administration bereits vor einem Jahr erhalten. Wie viel Stück die Ukraine nun besitzt, ist unbekannt – es dürften Hunderte, wenn nicht sogar Tausende sein.
Wie der ETH-Militärexperte Dr. Marcus M. Keupp gegenüber dem ZDF erklärte, können die GLSDBs der Ukraine helfen, den akuten Mangel an klassischer Artilleriemunition zu bewältigen. Weiter können sie aber auch gegen Versorgungslinien hinter der Front eingesetzt werden. Denn trotz ihrer Grösse verfügen sie über eine enorme Sprengkraft. Auch sie können einen Meter Stahlbeton durchschlagen.
Zwölf Menschen aus Manhattan wurden ausgewählt, in einer Jury darüber zu urteilen, ob Donald Trump schuldig ist oder nicht. Die «New York Times» hat zusammengetragen, was nach drei Tagen der Juryauswahl über die Geschworenen bekannt ist.