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Der kanadische Anthropologe Joseph Heinrich geht seit Jahren der Frage nach, wie es dazu kommt, dass die Kulturen und Religionen Menschen so unterschiedlich prägen. Am. 4. Dezember 2018 sprach Heinrich im Interview mit der NZZ über sein Buch, das er gerade dazu schreibt. Darin zeigt der Harvard-Professor, wie die Menschen im Westen psychologisch einzigartig und ökonomisch erfolgreich wurden. „Der Zweig des Christentums, der zur römisch-katholischen Kirche heranwuchs, setzte ab dem Jahr 500 durch, was wir sein ‚Ehe- und Familienprogramm‘ nennen: Normen, die Polygamie und Cousinenehen zum Tabu erklärten, für Verheiratete eigene Haushalte unabhängig von ihren Familien vorschrieben und neue Erbregeln gegen den kollektiven Grundbesitz einführten.“ Das fast gänzliche Verschwinden von Clanstrukturen bis zum Jahr 1000 hätte dann dazu geführt, „was die Historiker freiwillige Vereinigungen nennen: Städte, Zünfte, Klöster, Universitäten.“ Die Menschen hätten ihre Entscheide frei von den Banden ihrer komplexen Familien getroffen, was letztlich zu der für den Westen bezeichnenden Individualität geführt habe.