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Energie war schon vor 100 Jahren ein knappes Gut. Während des Ersten Weltkriegs war der damalige Haupt-Energieträger besonders knapp: Kohle. Kohle wurde zum Heizen, aber auch für die Industrie und die Eisenbahnen gebraucht. Während des Ersten Weltkriegs konnte Kohle nur aus Deutschland bezogen werden (und aus dem von Deutschland besetzten Belgien). Importhafen war Basel.
Fremdbestimmung
Deutschland wollte verhindern, dass die Schweizer aus der deutschen Kohle (Rüstungs-)Güter herstellten und sie an die Kriegsgegner verkauften, also an Frankreich oder England. Daher wurde die Schweiz gezwungen, eine Organisation einzurichten, welche Import, Verteilung und Verwendung der deutschen Kohle kontrollierte.
Zuerst war das die «Zentralstelle für die Kohlenversorgung der Schweiz». Ab 1917 war es die «Kohlenzentrale» mit Sitz in Basel. Über diese Organisation setzte Deutschland seine wirtschaftlichen Interessen gegenüber der Schweiz durch.
Neue Probleme
Trotz Schwierigkeiten funktionierte die Kohlenversorgung in den ersten Kriegsjahren bis 1916. Koordiniert wurde sie durch die Vorgängerin der Kohlenzentrale. Dann lief aber der Liefervertrag mit Deutschland aus. Für einen neuen Vertrag stellte Deutschland neue, harte Bedingungen. Zusätzlich zur Bezahlung der Kohlenpreise musste die Schweiz Deutschland einen hohen Kredit gewähren, also Geld geben. Gewissermassen «Kohlen gegen Kohle». Das war nun ein ganz neues Problem: Woher das Geld nehmen?
Eine kapitalistische Lösung
Es wurde beschlossen, dass die Kohleverbraucher das Geld aufbringen sollten. Mittel zum Zweck waren Aktien der Kohlenzentrale; diese wurde in eine Aktiengesellschaft (AG) umgewandelt. Firmen und Privatpersonen, die mehr als 5 Tonnen Kohle pro Jahr verbrauchten, mussten Aktien kaufen, ebenso die Kohlenhändler. Es gab Aktien für 100 (Stammaktien) und für 500 Fr. (Prioritätsaktien).
Nun muss man sich vorstellen, dass die wirtschaftliche Lage der Schweiz damals kriegsbedingt sehr schwierig war. Armut, Hunger und Inflation grassierten. 100 Fr. entsprachen damals mehreren 1000 Fr. heutiger Währung.
Kein Geld für den Aktienkauf
Für viele energieintensive KMU wie Bäckereien, Restaurants, Kinderheime, Spitäler oder Wäschereien war es schwierig bis unmöglich, dieses Geld aufzubringen. Im Firmenarchiv der Kohlenzentrale gibt es daher 22 Archivschachteln mit 2302 Beschwerden gegen die Aktien-Kaufpflicht. Diese Korrespondenz wirft ein Schlaglicht auf die Probleme von damals.
Manchmal hatte die Kohlenzentrale ein Einsehen und verzichtete auf das Geld. In vielen Fällen aber wurden die Rekurse abgelehnt, die Aktien mussten gekauft und damit das Geld geliefert werden. Immerhin wurde manchmal der geforderte Beitrag reduziert: Die Kohlenverbraucher:innen mussten dann statt einer teuren Prioritätsaktie «nur» eine billigere Stammaktie kaufen. Wie sie das fertigbrachten, darüber schweigen die Dossiers im Firmenarchiv.