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Rætschenfluh
(Kt. Graubünden, Bez. Ober Landquart). 2707 m. Schöne und mächtige Felsmauer in der Gruppe des Madrishorns am S.-Ende des Rätikon. Entspricht in innerem Aufbau und äusserer Form der Scesaplana, Drusenfluh, Scheienfluh, Sulzfluh und anderen charakteristischen Berggestalten der nämlichen Kette. Es erscheinen hier drei verschiedene Felsgebilde übereinandergeschoben, nämlich eine Schiefer-, eine Kalk- und eine Gneisgruppe. Das Madrishorn besteht aus Gneis und anderen krystallinen Gesteinen, die Rätschenfluh aus triadischen, jurassischen und kretazischen Kalken und ihre w. Vorberge (Jägglishorn, Eckberg etc.) aus eozänen oder oligozänen Tonschiefern.
Von unten nach oben folgt auf das Basisgebirge der Schiefer das Kalkgebirge und auf dieses wiederum der Gneis. Die Schichten streichen N.-S. und fallen nach O. ein. Vergl. darüber die Art. Prætigau und Rætikon. Die Rätschenfluh bildet eine 300 m hohe und auf eine Länge von 1,5 km von NNO. nach SSW. ziehende Felsmauer. Ihr höchster Punkt, auf der Siegfriedkarte mit Unrecht Rätschenhorn genannt, misst 2707 m, während das N.-Ende 2661 m und das S.-Ende 2560 m erreichen.
Vom N.-Ende aus setzt sich die Mauer unter dem Namen Plattenfluh nach O. und NO. fort, während sie im S. nach SO. und dann neuerdings nach S. abbiegt und Saaser Calanda genannt wird. Das Ganze bildet eine nach drei Seiten hin schroff abbrechende, mächtige Felsbastion, die auf der vierten, d. h. der O.- und SO.-Seite sanfter geböscht ist und Karrenfelder, Felsplatten und Rundhöcker (z. B. auf den sog. Gafierplatten) trägt. Dieses in geologischer Hinsicht hervorragend lehrreiche Gebiet kann von St. Antönien durch das Gafierthal oder auch von der Saaser Alp her erreicht werden, welch' beide Anstiegsrouten auch dem Botaniker viel Interesse bieten. Ein dritter Zugang ist das vom Ascharinathal aufsteigende Felscouloir des sog. Rätschengang zum S.-Ende der Rätschenfluh, von wo man direkt nach Saas oder Küblis hinunter gelangen kann. Diese Wände werden von den Bewohnern der umliegenden Thalschaften allgemein mit dem Namen «Fluh» (Rätschenfluh, Sulzfluh, Scheienfluh, Drusenfluh etc.) belegt, während die Bezeichnung «Horn» (Rätschenhorn der Siegfriedkarte) nirgends üblich ist.