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Erholung ist Teil des Trainings. Denn die Herausforderung an den Organismus wird erst in der Erholungsphase wirksam. Indem der Körper die Anstrengung kompensiert oder sogar überkompensiert und mehr Kräfte für die nächste Anstrengung bereitstellt. Je nach Alter beträgt die Erholungszeit einen oder mehrere Tage. Als wertvolles Indiz für die kardiovaskuläre Verfassung wird die akute Erholung gemessen. Je rascher die Pulsfrequenz nach einer Anstrengung zurückgeht, desto leistungsfähiger ist das Herzkreislaufsystem.
Vergessen Sie Brain-Food, Mood-Food, Heart-Food usw, essen Sie so wenig wie möglich von so vielem wie möglich, aber nur wenn Sie Hunger haben, am besten das, worauf Sie Lust haben. .Dies ist die Quintessenz meiner über zehnjährigen intensiven Auseinandersetzung mit Ernährung.
Das lässt sich einfach belegen:
99.9% der Menschheitsgeschichte haben wir als Jäger und Sammler gelebt. Statt von Früchten und Insekten wie die Hominiden lebten die frühen Menschen vom Jagen und Sammeln. Dies ermöglichte eine technologische Revolution der Nahrungsbeschaffung und –zubereitung: Waffen und Steinwerkzeug sowie die Domestizierung des Feuers. Der Mensch hat weder den Darm von Herbivoren noch die Kraft und Schnelligkeit von Raubtieren. Nahrung war deshalb schwer zu verdauen und noch schwerer zu bekommen. Das Kochen der Nahrung erschloss einen gewaltigen Reichtum an Kalorien, Jagdwerkzeug erweitere das Angebot an Proteinen und vor allem von Fetten. Der Mensch ist in diesem Sinne weder Herbivore noch Carnivore sondern Coctivore.
Das Kochen, d..h. das Aufschliessen der Nahrung, führte zu einem enormen Zuwachs an Kalorien. Es besteht heute kaum noch ein Zweifel, dass Kochen und Jagen die notwendigen Kalorien (und vor allem Fette) für die Entwicklung des menschlichen Gehirns zur Verfügung stellte. Erst in den letzten Minuten der Menscheitsgeschichte folgte die zweite technologische Revolution, die Einführung der Agrarwirtschaft. Diese war ein zweiter gewaltiger quantitativer Sprung an verfügbaren Kalorien. Der Mensch breitete sich über die ganze Erde aus, die ersten Grosskulturen entstanden.
Die nun auf Getreiden basierende Ernährung hatte aber auch Nachteile: gegenüber der pflanzlich-tierischen Ernährung war sie ärmer an Proteinen und Mikronährstoffen. Archäologische Funde beweisen das Auftreten von chronischen Krankheiten sowie eine Abnahme der Körpergrösse um gegen 10 cm, die erst in den modernen Zivilisationen wieder aufgeholt wird.
Die dritte technologische Revolution ist die industrielle Herstellung unserer Nahrung. Convenience food besteht zum überwiegenden Teil aus Getreide, Mais, Soya, Zucker und Fett. Dank raffinierter Manipulation des Geschmacks sagt dieses lebensmittelähnliche Industriefutter auch zu. Wenig überraschenderweise besteht das Futter der Nutztiere –die eigentlich Grasfresser sind- aus denselben Bestandteilen, in einem andern Verhältnis. Die Verarmung unserer Ernährung ist eklatant. Der Gehalt an Mikronährstoffen und Nahrungsfasern hat weiter abgenommen, dafür hat die Kaloriendichte der Nahrungsmittel deutlich zugenommen, ebenso die Essmenge, da wir fufgrund der raffinierten Geschmacksmanipulationen die natürliche Sättigung kaum noch wahrnehmen.
Wie im entsprechenden Kapitel erwähnt ist Gesundheit ein Prozess, das dynamische Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Erholung.
Am meisten in Mitleidenschaft gezogen ist dieses Gleichgewicht durch unsere sitzende Lebensweise: chronische Unterforderung der beiden grössten Systeme, des Herzkreislaufsystems und des Bewegungsapparats, führen fast zwangläufig zu Problemen. Eine Erhebung der Leistungsfähigkeit ist damit sicher eine evidenbasierte Massnahme.
Ist andererseits unser Stoffwechsel dauernd herausgefordert durch Stress, häufige Mahlzeiten oder “falsche” Ernährung oder ist das grösste Stoffwechselorgan, die Muskulatur durch chronische Unterforderung verkümmert, wird das dynamische Stoffwechsel- Gleichgewicht verlorengehen. In unserer Zivilisation ist die Kontrolle des Blutzuckers, evtl auch der Blutfette, damit sicher evidenzbasiert.
Chronischer Stress und fragwürdige Essgewohnheiten können auch einen Bluthochdruck zur Folge haben, welcher auf Dauer zu einer Gefässkatastrophe führen kann, seis im Herzen, seis im Gehirn oder anderswo. Eine periodische Messung des Blutdrucks ist damit eine evidenbasierte Massnahme.
Eine gestörte Balance des autonomen Nervensystems wirkt sich auf Dauer auf die Gesundheit katastrophal aus. Diese Balance ist heute mit der Messung der Herzfrequenzvariabilität über 24 Stunden leicht zu messen und bei genügendem Spezialwissen auch mit vetretbarem Aufwand zu interpretieren. Die Methode hat noch nicht das Prädikat “evidenzbasiert”, obwohl die Messtechnologie seit mindestens 30 Jahren existiert und die Auswertungsmethodik durch Guidelines der Task Force der European Society of Cardiology und der North American Society of Pacing and Electrophysiology vor 15 Jahren festgelegt worden ist. Das hängt sicher damit zusammen, dass das autonome Nervensystem in der Medizin ein Mauerblümchendasein fristet, da es weder mit Laborwerten noch mit Röntgen oder MRIs getestet warden kann.
Ein zu hoher Blutdruck oder Blutzucker oder andere auffälligen Messwerte sollten aber auf keinen Fall Anlass sein, das gefundene Ungleichgewicht mit Medikamenten zu “beheben”. Ein zu hoher Blutzucker ist keine Krankheit sondern ein Symptom. Der Grund liegt in der Inaktivität und/oder in der Ernährung , mit entsprechenden Korrekturen kann der Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Vielleicht nicht definitiv, wenn eine erbliche Komponente vorhanden ist oder die Störung seit sehr vielen Jahren besteht, sicher aber für längere Zeit.
Verlorene dynamische Gleichgewichte aufzuspüren ist aufwändig, verlorene Gleichgewichte wieder herzustellen setzt intensive Beratung und die Bereitschaft des Betroffenen zur Eigenverantwortung voraus.