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von Nikolaus Wyss / 09.01.13: Ferndiagnosen (2). Ganz aussergewöhnlich auch ihre Freundschaft zu Anita, der schwedischen Gattin eines Staatsanwaltes in Stockholm. Lange Zeit wusste ich nicht, was die beiden so innig verband, denn ich verstand kein Schwedisch. Doch die Telefonate zeichneten sich durch ihre übergebührlichen Längen aus. Später erfuhr ich, dass Anita zu Mutters feinstofflichem Versicherungsgürtel gehörte.Zum Beweis, dass sie seriös war und über hellseherische Fähigkeiten verfügte, erzählte meine Mutter gerne die Geschichte von Anitas Gespür, einen Parkplatz zu finden. Offenbar konnte sie ihrem Mann am Steuer immer im Voraus und mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, wo einer zu finden sei. So hätten die beiden noch nie in ihrem Leben einen Parkplatz suchen müssen.
Meine Mutter pflegte also alle paar Monate Anita anzurufen um sich bei ihr zu erkundigen, wie es denn um sie und um mich bestellt sei. Nach der Konsultation rief sie mich jeweils an und teilte mir mit, Anita habe gesagt, es gehe mir gut. Des Winters empfahl Anita zusätzlich, ich müsse etwas mehr Vitamin C zu mir nehmen. Meine Mutter traute mir nicht ganz, ob ich dieser Anregung auch wirklich Folge leiste. So begab sie sich jeweils selber in die Elephanten-Apotheke und liess mir jeweils eine Hunderter-Schachtel Burgerstein Vitamin C retard zukommen, das ich allerdings nicht sehr diszipliniert einnahm, wie man sich vorstellen kann.