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Als Gesellschaft und als Individuen fällen wir Entscheidungen, von denen Tiere betroffen sind. Aber auf was beruhen diese Entscheidungen? Im Entscheidungsprozess wägen wir verschiedene Aspekte wie unsere Bedürfnisse, Wünsche, Erwartungen, Preise, Zeit und Material ab. Mit der vorliegenden Studie möchten wir herausfinden, wie wichtig die Gesundheit von Tieren für uns alle ist.
Entscheidungen über die Gesundheit fällen
In früheren Studien haben Wissenschaftler gefragt "Was ist Ihnen Ihre Gesundheit wert?" Aber die Antworten darauf sind nicht einfach. Benützten wir Geld als Gegenwert zur Gesundheit, dann würde die Gesundheit in einem reichen Land höher bewertet, als in einem armen, was ungerecht wäre. Man hat sich deshalb darauf geeinigt, stattdessen Zeit als Gegenwert zu verwenden. Menschen werden gefragt, wie viel Zeit sie bereit wären einzutauschen, um zum Beispiel juckende Haut, schlechte Sicht oder einen verlorenen Finger wieder herzustellen. Das ergibt lange Listen von Gesundheitszuständen für die Menschen unterschiedlich viel Zeit bereit sind, einzutauschen. Diese Tabellen werden dann verwendet, um zu berechnen, wie stark eine Krankheit die Bevölkerung belastet. Und die öffentlichen Gesundheitsämter benutzen diese Daten, um ihre Handlungsfelder zu priorisieren.
Hintergrund: Globale Krankheitslast (Global Burden of Disease, GBD)
Die globale Krankheitslast ("Burden of Disease") wird seit 1992 weltweit durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere Institutionen wie dem Institute for Health Metrics and Evaluation der Universität Washington erhoben. Die Methoden und Daten finden breite Verwendung und sind willkommene Hilfsmittel bei Entscheidungen über die weltweite Gesundheitspolitik. Unter anderem widmet "The Lancet" dem Thema ein eigenes Infozentrum: Global Burden of Disease Resource Centre.
Disability Adjusted Life Years (DALYs, verlorene gesunde Lebensjahre) ist der zentrale Indikator dieses Konzeptes, um die Bedeutung einer Krankheit für die Gesellschaft zu schätzen. DALYs setzen sich zusammen aus wegen vorzeitigem Tod verlorenen Lebensjahren (Years of life lost, YLL) und den mit Krankheit/ Behinderung gelebten Lebensjahren (years lost due to disability, YLD). Letztere sind nicht so einfach wie die verlorenen Lebensjahre zu berechnen, weil sie von der Schwere der Krankheit/ Behinderung abhängen. Die Schwere (disability weight) wird mit verschiedenen Bewertungsmethoden erhoben, wie zum Beispiel paarweise Vergleiche, Zeit-Gegenwert, visuelle Analogskala oder Expertenmeinungen. Praktisch bedeutet dies, dass Probanden gebeten werden, sich vorzustellen, welche von zwei Behinderungen/ Krankheiten sie bevorzugen oder stärker ablehnen - und mit genügend paarweisen Vergleichen kann die Schwere (die Gewichtung) der Behinderungen/ Krankheiten geschätzt werden. Für den Zeit-Gegenwert werden Probanden gefragt, wie viel Lebenszeit sie bereit wären herzugeben, um von der Behinderung/ Krankheit befreit zu sein. Und auf der visuellen Analogskala können Teilnehmende die Schwere auf einem Schieber festlegen.
Der Wert von Tieren
Menschen gehen mit Tieren aus verschiedenen Gründen um, wie zum Beispiel als Nahrungsquelle, Transportmittel, aber auch als Haustier, Begleittier (Blindenführhunde etc.), zur Dekoration oder in freier Wildbahn. Der Wert, der einem Tier beigemessen wird, hängt von der Tierart ab, ist in verschiedenen Kulturen und Glaubensgemeinschaften unterschiedlich, und verändert sich mit der Zeit.
Im Zusammenhang mit Ausbrüchen von neuen Infektionskrankheiten in der letzten Zeit (z.B. Ebola, Zika, COVID) wird das Konzept "One Health" häufig erwähnt. Es fordert bei der Entscheidungsfindung auf verschiedenen politischen Ebenen eine angemessene Berücksichtigung von Menschen, Tieren und Ökosystemen. Diese setzt voraus, dass wir Tieren und Ökosystemen einen expliziten Wert beimessen, um unsere Entscheidungen zu begründen. Es gibt Bestrebungen, den wirtschaftlichen Wert von Ökosystemen und Biodiversität zu beziffern, aber andere Wissenschaftler befürworten eher Entscheidungsgrundlagen, die sich nicht an monetären Werten orientieren. Für Tiere wird gegenwärtig v.a. der Marktwert verwendet. Aber...
- obwohl dies für Nutztiere gelten mag, kann es auf Haustiere und Wildtiere, die nicht gehandelt werden, nicht übertragen werden
- die Methode berücksichtigt weder emotionale Bindung, kulturelle, noch inhärente Werte.
- sie geht von der Annahme aus, dass Tiere, die den Markt erreichen, den gleichen Wert haben, wie jene, die nicht gehandelt werden (Tierhalter könnten gute Gründe haben, ein Tier zu behalten, was dessen Wert erhöhen würde).
Um herauszufinden, wie Menschen Tiere bewerten, wenden wir drei verschiedene Ideen an:
- Wir lassen Personen Krankheiten/ Behinderungen von Tieren mit menschlichen Krankheiten/ Behinderungen vergleichen. Dadurch erhalten wir eine Art "Wechselkurs" zwischen der Schwere von tierischen und jener von menschlichen Krankheiten/ Behinderungen.
- Wir erfragen, wie viel Geld Personen bereit wären, zu bezahlen, um ein Tier von einer Krankheit/ Behinderung zu befreien.
- Wir erfragen, wie viel Zeit ihres Lebens Personen bereit wären, herzugeben, um ein Tier von einer Krankheit/ Behinderung zu berfreien.
Hintergrund: Globale Tierkrankheitslast (Global Burden of Animal Diseases, GBAD)
Die Welttiergesunheitsorganisation (OIE) anerkennt, dass wir wenig über die globale Last wissen, die durch Tierkrankheiten verursacht wird. Sie hat deshalb ein Forschungsprojekt iniziiert, um diese Belastung zu schätzen. Die Sektion für Tierepidemiologie der Uni Zürich ist Teil des internationalen Konsortiums, das mit diesem Projekt beauftragt wurde.
Die Anwendung der DALY-Methode bei Zoonosen, wie zum Beispiel durch Lebensmittel übertragenen Krankheiten, ist problematisch. Denn definitionsgemäss können diese sowohl Tiere als auch Menschen betreffen und/ oder müssen an der tierischen Quelle bekämpft werden, um menschliche Krankheit zu verhindern. Dies hat bedeutende Konsequenzen für die wirtschaftliche Beurteilung von Bekämpfungsmassnahmen. Für Tiere wurden deshalb Tier-DALYs vorgeschlagen (begründet auf der verlorenen Lebenszeit der Tiere), die aber bei Tieren nicht anwendbar sind, die geschlachtet werden, und deren Gesundheit somit nicht direkt mit menschlicher Gesundheit verglichen werden kann. Bei Tieren in der Landwirtschaft ist das Ziel eine optimale Produktivität und nicht ein langes Leben. Für diese Tiere ist das Konzept daher unsinnig.
Daher haben wir eine Methode vorgestellt, die auf einem Zeit-Gegenwert beruht, d.h. die Zeit, die es braucht, um ein Tier zu ersetzen. Dies hat auch seine Tücken, v.a. bei Haustieren, weil Marktwerte die emotionalen, kulturellen, oder inhärenten Werte, die Tieren beigemessen werden, nicht erfassen.
In der gegenwärtigen Studie, leiten wir eine Methode von der DALY-Methode ab, bei der die Schwere mit paarweisen Vergleichen geschätzt wird (siehe GBD oben). Wir fragen jedoch, anstatt zwei menschliche Krankheiten/ Behinderungen zu vergleichen, welcher Gesundheitszustand in einem Tier vergleichbares Leiden bei seinem Besitzer auslösen würde ("welches Leiden wären Sie bereit zu erdulden, um Ihr Tier von einer Krankheit/ Behinderung zu erlösen?"). Sollte sich unsere Hypothese bestätigen, dass es solch eine direkte Entsprechung gibt, werden die Resultate uns erlauben, die Krankheitslast bei Tieren zu schätzen und direkt in das DALY-Mass zu übertragen. Damit könnte die Last bei Mensch und Tier gleichzeitig erfasst werden.
Ausserdem berücksichtigen wir die Zahlungsbereitschaft (die in einen Zeit-Gegenwert übersetzt werden kann), und einen direkten Zeit-Gegenwert ("Wie viel Lebenszeit würden Sie für Ihren Hund hergeben?").
So können Sie helfen
Wir möchten wissen, wie Sie die Gesundheit eines Tieres mit Ihrer eigenen vergleichend bewerten. Was wären Sie bereit zu bezahlen? Oder wie viel Zeit Ihres Lebens würden Sie für die Gesundheit des Tieres eintauschen? Diese Fragen sind schwierig zu stellen - und noch schwieriger zu beantworten. Es gibt keine beste Antwort, weil alle gleichwertig sind. Der Fragebogen beansprucht etwa 15 Minuten Ihrer Zeit.
Wir schätzen Ihren Beitrag sehr!
ACHTUNG
Einige der in den Fragebogen genannten menschlichen Krankheiten/ Behinderungen können ungewöhnlich schwer empfunden werden. Sie wurden jedoch sorgfältig ausgewählt, um die gesamte Breite der Schwere menschlicher Krankheiten/ Behinderungen abzubilden, und zu ermöglichen, unsere Resultate direkt zu bestehenden GBD-Daten in Bezug zu setzen. Die ethische Kommission der Universität Zürich hat die Fragebogen begutachtet und bewilligt.
Untenstehend finden Sie die Links zu den Fragebogen zu den verschiedenen Tierarten
Die Fragebögen können auch in anderen Sprachen ausgefüllt werden, zum Beispiel Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch, Kasachisch und Russisch. Bitte wählen Sie Ihre Sprache am Anfang der Umfrage.
Was passiert mit Ihren Daten?
Ihre Daten werden anonym behandelt. Indem wir Menschen aus verschiedenen Hintergründen befragen, hoffen wir besser zu verstehen, wie Menschen Tiere bewerten. Wir erwarten, dass wir mit Ihrer Teilnahme einen Beitrag zu den gemeinsamen Bestrebungen der WHO, OIE, der UNO Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und des UNO Umweltprogrammes (UNEP) zu leisten, um die heutigen Herausforderungen an die Gesundheit mit integrativen Ansätzen zu bewältigen.
Wenn Sie sich für die Resultate unserer Forschung interessieren, bitten wir Sie, sich für unsere Newsletter (auf Englisch) einzuschreiben.