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Musik ist eine universelle Sprache, wird aber trotzdem unterschiedlich verstanden. Diesem Phänomen können viele Faktoren zugrunde liegen. Im Rahmen meiner Maturitätsarbeit habe ich mich dem Faktor des soziokulturellen Hintergrundes gewidmet und einen Fragebogen ausgefeilt, der die soziokulturelle Verortung der Proband/innen und die Wirkung zweier Eigenkompositionen auf sie erfasst. Die Auswertung lieferte reichhaltige qualitative Antworten, die eine grosse Bandbreite an Interpretationsansätzen bieten und bei der Beantwortung meiner Fragestellung Einsichten in mehrere Aspekte derselben gewährten.
Fragestellung
Inwiefern beeinflusst der soziokulturelle Hintergrund von Menschen die Wirkung der Musik auf sie?
Methodik
Die Fragestellung behandelte ich zunächst vor einem theoretischen Hintergrund und untersuchte sie anschliessend empirisch. Dazu habe ich zwei Stücke komponiert. Die erste Komposition ist ein reines Klavierstück, während in der zweiten das traditionell-albanische Instrument «Qifteli» hinzukommt. 36 Proband/innen mit und ohne albanischen soziokulturellen Hintergrund haben sich die Lieder angehört und anschliessend einen digitalen Fragebogen ausgefüllt. Mithilfe von Google Forms entwickelte ich den digitalen Fragebogen, während das Musikprogramm «GarageBand» dem Verfeinern der Eigenkompositionen diente. Anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring gelang es mir, induktiv Kategorien zu bilden und die Antworten zu kodieren.
Ergebnisse
Aus den Antworten resultierten drei Kategorien: In der ersten (A) identifizieren sich die Proband/innen als albanisch und hören oft albanische Musik. Die zweite Kategorie (B) repräsentiert alle Befragten, die keine albanische Identifikation aufweisen und auch selten bis kaum albanische Musik konsumieren. Die letzte Kategorie (C) vertritt Personen, die kein albanisches Selbstbild haben, jedoch sich etwa durch das häufige Hören albanischer Musik ein Verständnis dafür angeeignet haben. Das Hinzukommen der Qifteli löste diverse Reaktionen aus. Die Proband/innen der Kategorie A fühlten sich durch das Stück wahrgenommen und empfanden ein Zugehörigkeitsgefühl. Oftmals wurden Erinnerungen an die Heimat aktiviert und dadurch die Intensität des persönlichen Erlebens der Musik gesteigert. Im Gegenzug dazu löste die Komposition bei Befragten der Kategorie B eine Entfremdung aus. Besonders aussagekräftig waren die Ergebnisse der Kategorie C, die die Musik weder als heimatlich noch als entfremdend erlebten, sondern sie meist mit positiven Erinnerungen des Beisammenseins und der Feierlichkeit in Verbindung setzten.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen, dass unser Musikgeschmack und die Wirkung von Musik stark vom soziokulturellen Hintergrund geprägt werden. Insbesondere die Gegenüberstellung von Heimatgefühlen und Entfremdung fällt auf. Die Unterschiede in den Ergebnissen je nach Kategorie können mit der Vermittlung von Wertvorstellungen in der Erstsozialisation begründet werden, wonach sich unsere heutige Auslebung der Kultur orientiert. Ähnlich funktioniert der «mere exposure effect», welcher besagt, dass man Musik vorzieht, die man öfter gehört hat. Die Probanden der Kategorien A und C weisen ein ausgeprägteres Verständnis albanischer Musik auf, das sich durch den häufigeren Konsum dieser erklären lässt. Heutzutage wird die Qifteli vor allem bei kulturellen Anlässen gespielt und dazu traditionell getanzt, weshalb sie oft mit Feierlichkeit in Verbindung gebracht wird. Die Untersuchung detaillierterer Aspekte des soziokulturellen Hintergrundes (Ethnie, Sozialisation, etc.) würde allerdings eine breitere Repräsentativität durch eine grössere Stichprobe bedingen.
Schlussfolgerungen
Den wissenschaftlichen Mehrwert der Arbeit bildet der erforschte Zusammenhang zwischen Menschen, Musik und Soziokultur. Unser persönlicher Musikgeschmack und die durch ein Musikstück ausgelösten Emotionen stehen in enger Beziehung zueinander. Ein/e gute/r Musiker/in ist sich der Fähigkeit der nonverbalen Kommunikation von Musik bewusst, weiss jedoch auch, dass diese nicht von allen Menschen gleich kontextualisiert wird. Musik kann daher eine Brücke der Kulturen bilden und bietet einen Einblick in deren Ausleben. Die Diskussion über Grenzen der Arbeit machte deutlich, dass mit dem Begriff der Soziokultur nicht normativ oder wertend umgegangen werden soll. Gerade die Übergänge zwischen verschiedenen soziokulturellen Einflüssen und die Aneignung des Verständnisses für ‘fremde’ Musik zeigen deren Dynamik.
Würdigung durch den Experten
Dr. Yannick Wey
In ihrer Arbeit befasst sich Hana Mustafi mit der Frage, wie sich kulturelle Identität auf die Wahrnehmung von Musik auswirkt. Vor einem gründlich recherchierten theoretischen Hintergrund führte sie anhand eines eigens konzipierten Fragebogens und Hörexperiments eine empirische Untersuchung mit 36 Probandinnen und Probanden durch. Mit konzis dargestellten, anschaulich vermittelten und plausibel interpretierten Resultate gelingt es Mustafi, die komplexe Thematik geschickt zu fassen und die Metapher der Musik als «Brücke der Kulturen» analytisch zu durchdringen.
Prädikat:
sehr gut
Sonderpreis «Einen Tag auf dem Campus der Künste Basel» gestiftet von der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW
Kollegium St. Michael, Fribourg
Lehrer: Christoph Riedo
Le Canton27.ch