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Teresa Vena
19. Mai 2023
«Electric Child» von Simon Jaquemet © Perron X
Der Marché du Film des Filmfestivals in Cannes ist einer der grössten Industrietreffpunkte des Jahres. Parallel zum eigentlichen Filmfestival dient er als Plattform für den Austausch zwischen Filmemachern, Produzenten und Verleihern. Eine Vielzahl von Institutionen aus der ganzen Welt präsentiert ihre Förderprogramme. Podiumsdiskussionen zu aktuellen wichtigen Themen, die die Filmbranche betreffen, finden ebenfalls statt.
Der Markt ist in verschiedene Programme und Sektionen organisiert. Zwei davon, Fantastic 7 und Frontières, sind beispielsweise dem Genre-Film gewidmet. Während Fantastic 7 die gemeinsame Initiative von sieben internationalen Filmfestivals, darunter Sitges, ist, besteht Frontières seit 2012 als eine Zusammenarbeit zwischen Cannes und dem Fantasia International Film Festival in Montréal, Kanada.
Für dieses Gefäss können Projekte in verschiedenen Stadien ihrer Herstellung eingereicht werden, die dann vor Ort Käufern oder anderen potenziellen Partnern vorgestellt werden. Eines der insgesamt 14 präsentierten Werke stammt aus der Schweiz. «Electric Child» von Simon Jaquemet ist eine Koproduktion zwischen der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden.
An der Produktion des Thrillers mit fantastischen Motiven sind die Produktionsfirmen 8horses aus Zürich und Perron X aus Basel beteiligt, der deutsche Partner ist Unafilm aus Berlin und Köln, der niederländische Revolver aus Amsterdam. Gedreht wurde im letzten Sommer und Herbst in der Schweiz, unter anderem in einer leerstehenden Halle in Muttenz, in Deutschland und auf den Philippinen. Die Technologie-Dystopie ist der dritte Langspielfilm des Regisseurs. Die Handlung erzählt von einem jungen Paar, dessen Neugeborenes eine seltene Krankheit entwickelt und droht, noch vor seinem ersten Geburtstag zu sterben. Der Kindsvater sucht Hilfe in der technologischen Forschung.
«Electric Child» ist der zweite Schweizer Film in zwei Jahren, der im Rahmen von Frontières vorgestellt werden wird. Im letzten Jahr nahm «Die Wunde» (Arbeitstitel) von Tillo Spreng (produziert von Noah Bohnert, Letterbox Collective) am Koproduktionsmarkt teil, der beim Organisationspartner in Montréal stattfand. Frontières bestreitet somit zwei Termine pro Jahr, 2023 sind das am 20. und 21. Mai in Cannes und vom 26. bis 29. Juli in Montréal. Finanziert wird die Zusammenarbeit von Téléfilm Canada, SODEC, dem Staat Québec, die Stadt Montréal, der belgischen Wallimage und dem Netherlands Film Fund.
«Frontières ist gleichzeitig ein internationaler Koproduktionsmarkt wie auch eine Vernetzungsplattform, die sich spezifisch an die Fachleute der europäischen und nordamerikanischen Genre-Filmindustrie richtet», erklärt die Leiterin des Programmes in Cannes, Annick Mahnert, auf Anfrage.
Die Liste der Projekte, die hier präsentiert wurden und im Anschluss in wichtigen Kategorien internationaler Festivals gezeigt wurden, ist bemerkenswert. Darunter befinden sich der finnische Horror-Coming-of-age «Hatching», der 2022 in Sundance gezeigt wurde, ein anderer Horrorthriller mit dem Thema des Erwachsenwerdens «Jumbo» aus Frankreich, der 2021 in Sundance lief, der skurrile isländische Schafenthriller «Lamb», 2021 in Cannes in der Semaine de la Critique oder der französische Kannibalismusfilm «Grave», der 2016 in Cannes in der Quinzaine des Réalisateurs für Furore sorgte (die Regisseurin gewann fünf Jahre später mit «Titane» am gleichen Festival die goldene Palme). Die Plattform lässt sich also durchaus als interessante Talentschmiede betrachten.
«Mit Frontières möchten wir den Filmemachern und Produzenten eine Plattform bieten, die ihnen erlaubt, ihre Kräfte zu vereinigen», sagt Mahnert weiter, «das Genrekino wurde lange als Nischenprodukt betrachtet, obwohl es das ist, das weltweit am meisten geschaut wird.» Das hätten mittlerweile die Vertriebe, Verleiher und Festivals auch erkannt und setzten immer mehr auf diese Filme. «Letztes Jahr hat Giona A. Nazzaro in Locarno 'The Sadness' von Rob Jabbaz ins Programm genommen, ein Horrorfilm aus Taiwan, der grossen Erfolg hatte», so Mahnert.
«Frontières hat sich seit ihrer ersten Ausgabe bewährt», erinnert sich Mahnert. Damals sei «Turbo Kid» von RKSS, eine kanadische Produktion, erst im Rahmen des Programms präsentiert worden und hatte dann drei Jahre später seine Weltpremiere auf dem Sundance-Filmfestival. In den letzten Jahren hat sich das Genrekino entwickelt. «Seit der Verleihung des Oscars für den besten Spielfilm des Jahres an «Everything Everywhere All At Once» haben wir eine enorme Zunahme der Anfragen aus der Branche und zahlreicher Unternehmen erfahren, die noch nie an Frontières teilgenommen hatten», freut sich Mahnert, «Das Genrekino ist nicht mehr das schwarze Schaf der Branche. Immer mehr erfahrene und bekannte Filmemacher und Filmemacherinnen interessieren sich dafür und versuchen sich daran».
Teresa Vena
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