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Eltern, die erstmals vor der schwierigen Frage stehen, nach welchem Konzept sie ihr Kind operieren lassen sollen, werden schnell die Erfahrung machen, wie sehr emotionsbeladen dieses Thema ist. Diese Erfahrung haben wir auch gemacht, namentlich dann, wenn wir, in direkten Gesprächen oder in Internetforen, auf das Basler Konzept zu sprechen kamen. Auffallend war und ist, dass vor allem Eltern, die ihr Kind nach dem jahrzehntealten Verfahren operieren liessen, am meisten heftig reagieren und beim blossen Erwähnen des Basler Konzepts hochrote Köpfe entwickeln.
Das ist gerade für Eltern, die sich neu mit der ganzen Thematik auseinandersetzen müssen, sehr unangenehm und vor allem verunsichernd.
In der psychologischen Fachliteratur ist dieses Verhalten längst erforscht und wird als "kognitive Dissonanz" bezeichnet. Es lohnt sich, sich etwas näher mit diesen Erkenntnissen auseinander zu setzen, da es hilft, solche Reaktionsmuster richtig zu deuten.
Begriff der psychologischen Theorie über die Verarbeitung relevanter Informationen nach einer Entscheidung. Die Theorie geht von dem Sachverhalt aus, daß gelegentlich Informationen ausgewählt werden, die eine getroffene Entscheidung als richtig erscheinen lassen, während gegenteilige Informationen abgewehrt oder nicht beachtet werden. Dissonanz heißt sowohl die Nichtübereinstimmung bzw. Unvereinbarkeit zwischen verschiedenen Wahrnehmungen, Meinungen oder Verhaltensweisen als auch die daraus abgeleitete Spannung (z.B. ein Unlustgefühl). Gemäß der Theorie der kognitiven Dissonanz besteht im Individuum eine starke Tendenz (eine Motivation), nicht miteinander übereinstimmende kognitive Elemente zu vermeiden, das heißt, die erlebte kognitive Dissonanz zu reduzieren.
Anders ausgedrückt: diese selektive Wahrnehmung unterdrückt all das, was einem nicht in den Kram passt bzw. was das eigene Weltbild bzw. die bisherigen Erfahrungen "stören" könnte. Ist diese Konstellation gegeben, nützen alle Argumente nichts nach dem Motto: es kann nicht sein, was nicht sein darf. Dafür werden all jene Informationen, und seien es blosse Annahmen (im Stil von "mein Professor meint"), Polemiken (z.B. "wissenschaftlich nicht untermauert") oder Legenden (z.B. "hoher Blutverlust") in den Vordergrund gerückt, die vermeintlich ins Weltbild "passen" und die getroffenen Entscheidungen "rechtfertigen".
Alle sind diesen Mechanismen unterworfen. Daher ist es umso wichtiger, sich dessen bewusst zu sein. Wer sich näher mit dem Thema auseinander setzen will, erhält hier gute und weiterführende Hinweise: