Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/1591

Herkunft
Carlo Antonio Bussi wird 1658 in Bissone am Luganersee geboren. Er ist zweites von acht Kindern des Giovanni Francesco[1] und dessen Ehefrau Anna Maria Pusterla aus Melide. Sein Heimatdorf Bissone[2] ist Wiege berühmter Künstlerdynastien. Von hier stammen die Castelli, Caratti, Gaggini, Garove, Orsi, Orsati, Maderno und Tencalla. Berühmtester Sohn ist Francesco Castelli, genannt Borromini.
Mitglieder eines Familienstamms Bussi aus dem nördlichen Nachbardorf Campione[3] wirken schon im frühen 17. Jahrhundert als Baumeister und Steinmetze in Prag. Gegen Ende des Jahrhunderts werden zwei Brüder der Familie Bussi aus Bissone im Norden der Alpen bekannt. Gleichzeitig mit dem Wirken von Carlo Antonio als Maler im Hochstift Passau beginnt für den sechs Jahre jüngeren Bruder Santino eine Laufbahn als geschätzter Hofstuckateur in Wien.[4]
Im Umkreis von Carpoforo Tencalla[5]
Im Februar 1682 heiratet Carlo Antonio in Bissone Giovanna Margarita Tencalla, Tochter von Carpoforo Tencalla. Der berühmte Maler, der Anfang 1685 in Bissone stirbt, ist hier Stifter eines Umbaus der Kirche S. Carpoforo und hat sich auch bereit erklärt, die Fresken zu erstellen. Bei seinem Tod ist der Chor noch nicht vollendet, sodass Carlo Antonio Bussi die Fertigstellung übernimmt. Das Lünettenfresko über dem Hochaltar mit der Enthauptung des hl. Carpoforo ist damit das erste bekannte Werk des 27-jährigen Carlo Antonio.
Seine Tätigkeit bis zu diesem Zeitpunkt ist unbekannt. Mit einiger Sicherheit kann aber angenommen werden, dass er spätestens ab 1682 im Trupp von Carpoforo Tencalla arbeitet und deshalb als sein Schüler bezeichnet werden darf.
Hauptwerk in Passau
Nach dem Tod von Carpoforo Tencalla wird für die Fertigstellung des Freskenzyklus im Dom von Passau ein Maler gesucht, der die Handschrift Tencallas weiterführt, um die noch fehlenden Fresken von immerhin 470 Quadratmeter Fläche zu malen. 1687 erhält Carlo Antonio den Auftrag und führt die Arbeiten bis zum Sommer 1688 für 1400 Gulden aus. 1689 erhält er auch den Zusatzauftrag für die Fresken der 18 Felder in der Hofkapelle in der Alten Residenz, welche Giovanni Battista Carlone nach dem Stadtbrand 1680 neu stuckiert hat. Das Honorar beträgt jetzt für die kleinere Arbeit 1300 Gulden und acht Eimer Wein und zeugt von der Wertschätzung der vorangegangenen Arbeit im Dom.
Zuschreibungen: Gartlberg und Langwinkl
Giovanni Battista Carlone und Paolo d'Allio stuckieren 1688 den Chor der Wallfahrtskirche Gartlberg bei Pfarrkirchen. Die Fresken erstellt ein «Carl Adam, welischer Maler von Passau». Dass dies wahrscheinlich Carlo Antonio ist, weil weder ein Carl Adam und schon gar kein Welscher dieses Namens 1688 in Passau belegt ist, zeigt auch der fundierte Beitrag von Gottfried Schäffer in Arte Lombarda (1966).[6] Schäffer kann Analogien zur Arbeitstechnik, der Motivwahl und dem Bildaufbau zu den Arbeiten in Passau nachweisen.
Für die 1686 geweihte und bis 1690 stuckierte Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Langwinkl sind die beteiligten Baumeister und Künstler unbekannt. Vermutet werden als Stuckateure Giovanni Battista Carlone und Paolo d'Allio. Die Chorfresken sind wieder einem «Carl Adam» aus Passau zugeschrieben.[7]
Letzte Arbeit in Vöcklabruck
Die schon in Passau zusammenarbeitenden Brüder Carlo Antonio und Giovanni Battista Carlone bauen und stuckieren bis 1690 die «Dörflkirche» St. Ägidius in Vöcklabruck. Bauherr ist das Stift St. Florian. Carlo Antonio vereinbart 500 Gulden und 42 Gulden Leihkauf für die Deckenfresken. Er führt den Grossteil und auch das Kuppelfresko aus, stirbt aber am 15. Juli 1690 überraschend in Vöcklabruck mit nur 32 Jahren. Die Vollendung der Fresken übernimmt Giovanni Battista Colomba.[8]
Virtuoser Freskant
Nur während der kurzen Spanne von fünf Jahren kann die Tätigkeit von Carlo Antonio Bussi verfolgt werden. Tafelbilder, die er sicher auch gemalt hat, sind nicht bekannt. Es verwundert deshalb nicht, dass er in der Kunstgeschichte kaum, oder dann nur als Vollender der Arbeiten Tencallas Beachtung findet. Von Tencalla hat er das «fa presto», das schnelle Malen in den nassen Putz gelernt. Seine Fresken weisen aber lichtere und farbenfrohere Töne auf. Typisch für Bussi sind auch seine charakteristischen, schmalschädeligen Figurentypen und die stärkere Konturierung. Künstlerischer Höhepunkt ist der virtuos gemalte Freskenzyklus in Vöcklabruck.
Nachkommen
Das Ehepaar Bussi hat mehrere Kinder. Nur vom 1689 geborenen Antonio Gaetano[9] ist näheres bekannt. Seinen Vater kann er nicht mehr kennenlernen. Antonio Gaetano wird 1724 in Wien als Meister geführt. Als Bildhauer und Stuckateur arbeitet er auch mit seinem Onkel Santino zusammen, stirbt aber schon 1739 in Wien.
Pius Bieri 2017
Literatur:

Schäffer, Gottfried: Der Freskomaler Carlo Antonio Bussi und seine Werke in Passau und Vöcklabruck, in: Arte Lombarda, Vol. 11, No. 2, Secondo Semestre 1966.
|Streicher, Elisabeth und Hofmann, Maria Theresia: Bussi, Carlo Anton, in: Artisti Italiani Austria, 2006 und 2007.|
Anmerkungen:
[1] Giovanni Francesco Bussi (1624–1697). Er wird als Maler bezeichnet. Da von ihm keine Werke bekannt sind, hat er entweder nicht in eigenem Namen gearbeitet, oder die Quellen für seine Berufsangaben sind falsch. Ist er vielleicht mit dem Stuckateur gleichen Namens, der zusammen mit Carpoforo Tencalla (auf Empfehlung von Filiberto Lucchese) 1654/55 in Červený Kameň arbeitet, identisch?
[2] Das Dorf ist seit 1966 durch eine hinter dem alten Dorfkern in Hochlage geführte Autobahn zerstört.
[3] Campione, heute italienische Enklave bei Bissone, ist Herkunftsort der in Prag tätigen Baumeister und Steinmetze Giovanni Battista Bussi (1550–1622, Prag), Oliverio Bussi (†um 1630 Prag), Luigi Bussi (†um 1630) und Zaccaria Bussi (†1645 Prag). Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Familien Bussi von Campione und Bissone sind nicht erforscht.
[5] Carpoforo Tencalla (1623–1685) aus Bissone, Tessin. Er gilt mit seinen Werken in Wien, Niederösterreich und Böhmen schon 1675 als «fürtrefflicher Künstler» (Joachim von Sandrart), der die fast ganz darnieder liegende Kunst des Malens in Fresko wieder erwecke und diese mit seiner Erfahrung in hervorragenden Werken zeige. Tatsächlich ist Tencalla der erste grosse Freskant der hochbarocken Deckenmalerei nördlich der Alpen. Mehr zu Carpoforo Tencalla siehe in: Tessiner Künstler in Europa.
[6] Trotzdem schreibt Michael Brix im «Dehio»1988 noch immer «Freskenbilder von Carl Adam».
[8] Giovanni Battista Colomba (1638–1693) aus Arogno, siehe den Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz. Vöcklabruck vollendet er mit seinem Sohn Luca Antonio Colomba. Zu Luca Antonio siehe die Biografie in dieser Webseite.
|Carlo Antonio Bussi (1658–1690)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|1658||Bissone||Tessin CH|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Eidgenössische Vogtei Lugano||Como|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|15. Juli 1690||Vöcklabruck||Oberösterreich A|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Österreich Hausruckviertel||Passau|
|Kurzbiografie|
|Nur während der kurzen Spanne von fünf Jahren kann die Tätigkeit des Freskanten Carlo Antonio Bussi verfolgt werden. Der Schüler und Schwiegersohn von Carpoforo Tencalla stirbt mit 32 Jahren. Seinen ersten grösseren Arbeiten in Passau, im Dom und in der Hofkapelle, folgt schon 1690 das letzte Werk in Vöcklabruck. Hier vollendet er noch das virtuose Kuppelfresko, kann aber nicht mehr alle Begleitszenen fertigstellen. Seine Wand- und Deckenmalereien sind geprägt von starken Konturen, einem hellen und warmen Kolorit, dem gekonnten Einsatz des «sotto in sù» und zeigen die Vielfalt seiner künstlerischen Ausdrucksmittel.|