Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03418.jsonl.gz/305

Wale und Delfine verfügen über ein ausgesprochen feines Gehör: Sie kommunizieren und orientieren sich fast ausschliesslich über weitreichende Schallwellen, teilweise in für Menschen unhörbaren Frequenzen. Die Tiere sind stark abhängig von diesem akkustischen Bild ihrer Umgebung, das sie mithilfe ihres Gehörs schaffen. Sie brauchen es z.B. auch, um Nahrung zu finden (siehe Echoortung). Seit der Mitte des letzten Jahrhunderts breitet sich der Mensch in den Weltmeeren zunehmend aus und verursacht immer mehr Lärm durch Schiffspropeller, seismische Untersuchungen (für die Öl- und Gasförderung), zivile und militärische Sonarsysteme sowie Sprengungen und Unterwasserbaustellen, beispielsweise für Ölplattformen und Windanlagen. Diese Aktivitäten verursachen teilweise enorm laute Geräusche –Gemäss der Wal- und Delfinschutz-Organisation WDCS-Deutschland entsteht durch militärische Niederfrequenz-Sonarsysteme ein Schalldruckpegel von über 260 Dezibel – Dies entspricht mindestens dem 10‘000-fachen Schalldruck eines Presslufthammers in einem Meter Abstand. Durch den enormen Krach werden alle lebenswichtigen akustischen Signale der Tiere gestört! Betroffene Wale und Delfine leiden unter permanentem Stress und grossen Schmerzen, verlassen ihre Nahrungs- und Fortpflanzungsgebiete, werden krank (siehe Taucherkrankheit bei Walen) und/oder verlieren komplett die Orientierung… Die Folgen sind verheerend und oft tödlich: In den vergangenen Jahren kam es zunehmend zu rätselhaften Massenstrandungen!
„Dem technischen Gedröhne ausgesetzt zu sein, wirkt für die Wale in etwa so hinderlich wie gleissendes Flutlicht, das frontal ins menschliche Auge scheint, während dieses versucht, in der Ferne den Schimmer einer Kerze wahrzunehmen.“ Walter Schmidt, freier Journalist
An den Ufern der kanarischen Inseln sind seit den 60er Jahren immer häufiger Wale gestrandet. Nachdem die Ursache zunächst unbekannt war, entdeckte ein Forscherteam einen möglichen Grund des Walsterbens in Sonargeräuschen aus militärischen Übungen auf offenem Meer. Obwohl das Militär derartige Zusammenhänge stets leugnete, verbot die spanische Regierung gestützt auf eine Empfehlung des Europäischen Parlaments als einzige europäische Nation 2004 den Einsatz von Sonargeräten bei Marinemanövern.
Spätestens jetzt hat sich gezeigt, dass dieser Entscheid richtig war: Seit dem Verbot vor neun Jahren hat es auf den Kanaren keine einzige Massenstrandung mehr gegeben! Tierschutz-Organisationen auf aller Welt freuen sich über den Erfolg! Es bleibt zu hoffen, dass jetzt andere Staaten dem spanischen Vorbild folgen und die Sonargeräte abschaffen… Den Tieren bleibt noch genügend Stress durch andere Lärmquellen und Bedrohungen der Weltmeere durch Fischerei, Umweltverschmutzung, usw.!