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Kern des räumlichen Entwurfs unserer Vision ist einerseits eine integrative Haltung gegenüber den bestehenden architektonischen Strukturen und Bauten, andererseits eine in Etappen gedachte Entwicklung von Neubauten. Es werden städtebauliche Ordnungen gesucht, welche aus dieser heterogenen Situation heraus erarbeitet werden und günstigen und verschiedenartigen Wohn–, Kultur-, und Gewerberaum für breite Anforderungen zum Ziel haben.
Durch das Miteinander von Alt und Neu erhalten die verschiedenen ArealZonen einen individuellen Charakter. Das Gebiet schafft einen Übergang von den Strassenräumen des Blockrandgebiets Klybeck und dem funktionalen Asphaltteppich des Industriegebiets, die sich entlang der Kleinhüningerstrasse verzahnen.
Die Vielfalt und Grössen der bestehenden Industriebauten ermöglichen eine Umnutzung und setzen die Basis für ein multifunktionales Areal. Ebenso ermöglichen die vorhandenen Bauten einen “direkten und schnellen” Projektstart und können ohne grossen Mehraufwand genutzt werden.
Die Neubauten setzen gezielt auf eine Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Als Partner stehen verschiedene engagierte Wohn- und Baugenossenschaften im Fokus, die zusammen ein multifunktionales Areal aufbauen und entwickeln möchten.
Das Areal befindet sich im Norden Basels, im Klybeck Quartier.
Die Nachbarschaft des Areals kann durch die nachfolgenden vier Gebiete charakterisiert werden:
a) Das Industriegebiet, geprägt beispielsweise durch Novartis und BASF
b) Das Wohnquartier Klybeck
c) Das Entwicklungsgebiet Hafen
d) Das Naherholungsgebiet Rhein
Durch die Entwicklung unserer Vision, könnte das Areal eine Schnittstelle bilden für die genannten, bereits bestehenden Nachbarschaften.
In der nächsten Umgebung des Areals befinden sich Industrie- und Wohnbauten. Es wird im Westen durch den Altrheinweg und im Norden und Osten durch die Klybeckstrasse begrenzt. Im Süden ist die Grenze durch eine parallel zur Achse der Mauerstrasse verlaufende Arealstrasse gesetzt.
An dieser Stelle möchten wir eine mögliche Strategie für die städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten des Areals aufzeigen. Sie ist ein erster Entwurf zur Umsetzung des dreieck klybeck.
Für unsere städtebauliche Betrachtung des Areals haben wir die folgenden zwei Varianten untersucht:
1. Die Reinterpretation und Wiederaufnahme der im Quartier bestehenden Blockrand-Architektur sowie die Wiederherstellung der Kleinhünigerstrasse.
2. Die Weiterführung des von der Industrie vorgegebenen Erschliessungsmusters.
Variante 2 scheint uns die sinnvollere Lösung. Diese lässt einerseits eine stärkere Verdichtung des Raumes zu, andererseits müssen keine Gebäude abgerissen werden. Der Bestand kann so direkt übernommen und integriert werden. Die Nutzung kann teilweise ohne grosse Umbaupause starten.
Im Detail kann unser städtebauliches Entwicklungsszenario durch nachfolgend genannte Leitideen genauer charakterisiert werden:
Etappierbarkeit
Die bestehenden Bauten können in Etappen verdichtet werden. Nach und nach kann neu gebaut und die bestehenden Erschliessungssysteme ausgebaut werden.
Übergang von Wohnen via Werken zu Gewerbe
Anschliessend an die bereits bestehenden Wohnungen der WG Klybeck soll auf dem Areal zusätzlicher Wohnraum entstehen. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Gewerbe. Dazwischen dient die Zone Soziokultur und die Werkstätten der WerkZone als das Zentrum des Areals.
Verdichtung
Aufgrund der seit Jahren bekannten Zersiedelungsproblematik, streben wir eine verdichtete Bauweise innerhalb der städtischen Bebauung an.
Proximity / 5min Konzept:
Zentrale Dienstleitungen sollten innerhalb von 5 Gehminuten erreichbar sein.
Das Zentrum der Community, der grosse Platz um den Zentralbau, soll ein Treffpunkt für die Community werden.
Urbanität
Urbanität entsteht auf der Strasse. Die strassenseitigen Erdgeschosse werden mit öffentlich zugänglichen Nutzungen belegt.
Begrünung
Es soll, wo immer möglich, grüner Aussenraum entstehen. Gesunde und bestehende Bäume sollen erhalten werden, Flachdächer möglichst begehbar sein. Es können Terrassen und Balkone gebaut werden. So entsteht vielfältiger Erholungsraum im Grünen.
Höhenstaffelung
Um den Besonnungsanteil der nördlich gelegenen Bauten nicht zu verkleinern, sollen hohe Bauten im Süden platziert werden.
1900
Die Kleinhüningerstrasse verbindet Basel mit dem Fischerdorf Kleinhüningen. Das Klybeckschloss, eigentlich eine Mühle aus dem 13. Jahrhundert, ist die erste Bebauung des Quartiers (abgebrochen 1955) in der heutigen Schlossgasse. Die Klybeckstrasse führt am „Schlösschen“ vorbei auf die ehemalige Klybeckinsel, die mit einer kleinen Holzbrücke verbunden war. Das Gesamtareal ist vorwiegend landwirtschaftlich genutzt. Erste Bauten der chemischen Industrie siedeln sich am Rheinufer an.
1918
Die chemische Industrie expandiert und verdichtet sich in starkem Masse. Das Wohngebiet des Klybeck beginnt sich ausgehend von der Kleinhüningerstrasse zu entwickeln und besteht zum grössten Teil aus dem Typus der „Mietskaserne“. Die Insel wird aufgeschüttet und bildet den Grundstein für den Bau der Hafenbahn. Die beiden Tramdepots und der Friedhof entstehen.
1945
Das Industriegebiet ist nun flächendeckend bebaut. Mit den Brückenschlägen über die Wiese, löst die Gärtnerstrasse die Kleinhüningerstrasse als Hauptinfrastrukturachse ab. Die Bebauung des Wohnquartiers verdichtet sich und ist bis Ende der 1940er Jahre zum grössten Teil abgeschlossen. Der Friedhof wird 1932 geschlossen und dient nun als städtischer Erholungsort.
2015
In den 1950er Jahren verleibt sich die CIBA den Anschluss der Kleinhüningerstrasse ein, wodurch die ehemalige Hauptstrasse heute in einer Sackgasse endet. Die Struktur des Industriegebiets wandelt sich von einem Teppich hin zu einer Abfolge von Solitärbauten. Die Promenade am Rheinufer wird 2013 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erste Zwischennutzungen beleben das Areal. Die Infrastrukturgebäude werden nach und nach abgebrochen.