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Erzählnachmittag vom 21. November 2023
Erzählnachmittags vom 21. November 2023
Marianne Stocker, Kinderkrankenschwester
Eine Reise durch neun Jahrzehnte nannte Marianne Stocker ihre Erzählung, welche Sie den Gästen präsentierte. Zusammen mit zwei Schwestern ist sie an der Adlergasse in Richterswil aufgewachsen. Die meisten Familien hatten in dieser Zeit Schrebergärten. Während dem Krieg galt es den Plan Wahlen umzusetzen und damit möglichst viel Früchte und Gemüse selber zu pflanzen.
Das grosse Haus ermöglichte es, dass die Familie sechs Pflegekinder, davon vier Geschwister, aufnahm. Marianne verbrachter eine lebhafte Jugendzeit. Davon handelt auch ihr Buch „Maiechäfer und Soiblattere“.
Dass sie Kinderkrankenschwester lernen wollte, stand früh fest. Nach der Schule musste die Zeit bis zum Beginn der Ausbildung überbrückt werden. Dies geschah mit der Hauswirt-schaftsschule und einen Welschland-Aufenthalt. Die Aufnahme an der Schwesternschule in Zürich klappte. Während der Ausbildung war die Zeit der Kinderlähmungsepidemie, was mitunter auch mit traurigen Momenten verbunden war.
Nach der Ausbildung arbeitete Marianne am Spital Richterswil, zuerst in der Säuglings-abteilung und später im Kinderzimmer. In dieser Zeit erhielt sie ein Büchlein geschenkt mit dem Titel „Wir halfen dem Doktor in Lambarene“. Da möchte ich auch mal hin war ihr erster Gedanke. Weil Marianne noch nie im Ausland war, hat sie zuerst ihre Französischkenntnisse aufgebessert und war zu diesem Zweck bei einer Familie mit vier Kindern in Paris. Von dort aus hat sie sich für eine Stelle in Lambarene beworben. Weil eine Kinderkrankenschwester gesucht wurde, erhielt sie die Zusage.
Albert Schweitzer hat mit dreissig Jahren mit dem Medizin-Studium begonnen, dies weil er erfahren hat, dass in Gabun ärztliche Hilfe dringend nötig war. Zudem war es sein Ziel, im Leben noch etwas für die Menschheit zu tun.
Die Reise nach Lambarene führte über Paris nach Gabun. Die letzte Etappe zum Ziel wurde per Ruderboot erreicht. Eine grosse Menschenmenge erwartete die Ankömmlinge mit Glockengeläut.
Die Schlange welche sich täglich vor der Apotheke bildete war riesig. Patienten die nach Lambarene kamen, waren immer in Begleitung der ganzen Familie. Diese war dann auch für die Betreuung zuständig. Dreimal wöchentlich erhielten sie eine Ration an Lebensmitteln (Bananen, Reis, Fisch und Maniok).
Marianne betreute zahleiche Kinder und gab den Müttern auch Tipp’s zum Thema Ernäh-rung. Die Pulvermilch war sehr wichtig, weil Mütter manchmal nach der Geburt starben. Weil Albert Schweitzer über wichtige Vorkommnisse informiert sein wollte, hatte auch Marianne immer wieder Kontakt mit ihm.
Nach zwei Jahren kehrte Marianne in die Schweiz zurück und begann die Ausbildung für Mütter- und Väterberatung, welche sie erfolgreich abschloss. Trotzdem fehlte es in jener Zeit an Stellen, weshalb sie für einen zweiten Aufenthalt nach Lambarene zurückkehrte. Inzwischen wurde die Infrastruktur verbessert. Es gab eine separate Kinderabteilung, eine KITA und einen Spielplatz.
Zurück in der Schweiz hat Marianne im Freiburgischen Seebezirk eine Anstellung als Mütter- und Väterberaterin gefunden. In diese Zeit fiel auch die Schulzusammenlegung von fünf Dörfern und die Idee, einen Kindergarten zu gründen. Marianne leitete dieses Projekt, war aber zu Beginn mit grossem Widerstand konfrontiert. Erst mit der Beschaffung von finanziellen Mitteln über einen Flohmarkt war die Basis gelegt.
Ein 3-monatiger Einsatz führte Marianne 1987 nochmals nach Lambarene, wo inzwischen ein neues Spital entstanden ist. Bei diesem Aufenthalt führte Marianne BesucherInnen durch das alte Spital, welches inzwischen ein Museum war und erzählte ihnen über das Leben von Albert Schweitzer.
Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläum des Spitals und 50 Jahre nach der Rückkehr vom ersten Aufenthalt ist Marianne 2013 mit zwei Kolleginnen nochmals nach Lambarene gereist. Den Abschluss ihrer Erzählung bildete eine Aussage von Albert Schweitzer.
Ehrfurcht vor dem Leben
Ich bin Leben, das Leben will,
inmitten von Leben, das Leben will.