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Die Banawá bilden eine der indigenen Gruppen über die man in Brasilien am wenigsten weiss. Als Bewohner der Region zwischen den Flüssen Juriá-Purus befinden sie sich ganz in der Nähe der Jamamadi, sie sind ihre Nachbarn und teilen sich mit ihnen viele kulturelle Aspekte, und sie sprechen ausserdem einen Dialekt der gleichen Sprache. Auch ihr Kontakt mit Segmenten der nationalen Gesellschaft wurde von den Jamamadi vermittelt. Nachdem die Weissen in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in ihr Territorium eingedrungen waren – während des Gummi-Booms in Amazonien – anerkannte der Staat endlich um 1990 ihre Besitzrechte – jedoch bis zum heutigen Tag leiden sie unter Invasionen von Holzfällern und Gummisammlern.
Banawá

Andere Namen: nicht bekannt

Sprachfamilie: Arawá
Population: 200 (2012)
Region:Bundesstaat Amazonas
|INHALTSVERZEICHNIS|
Lebensraum und Wohnrechte
Sprache und Bevölkerung
Geschichte des Erstkontakts
Dorf und Gesellschaft
Religiöses Leben
Protestantische Zeremonie
Produktive Aktivitäten
Die Umwelt
Die Banawá leben auf der “Terra firme” (Festland) zwischen den Flüssen Rio Piranha und Rio Purus. Die Verteilung ihrer Dörfer beschränkt sich auf das Umfeld des Rio Purus, so wie die der Jarawara und Jamamadi.
Die ersten Studien und Aufstellungen zur Kenntnisnahme des traditionellen Lebensraumes der Banawá wurden 1986 durchgeführt. Unter der Bezeichnung “Terra Indígena Banawá-Yafi do Rio Piranhas“ wurde dann das Gebiet am 29. Mai 1992, zum permanenten indigenen Territorium erklärt.
Im Jahr 1998 entsandte die Regierung eine technische Kommission, um in Übereinstimmung der Banawá-Bevölkerung die physische Demarkierung des indigenen Territoriums vorzunehmen – konform mit der im Jahr 1986 durchgeführten Identifizierung. Diese technische Equipe konstatierte die Existenz von nicht-indigenen Landbesetzern innerhalb des IT und stellte fest, dass auch die Banawá sich nicht an die 1986 festgelegten Grenzen ihres Territoriums hielten.
Um die kulturelle Verbindung mit den Jamamadi aufrecht zu erhalten, hätte man das Banawá-Reservat 1986 sinnvollerweise direkt an das “IT Jamamadi/Jarawara/Kanamati“ anschliessen sollen, was aber leider nicht geschah. Die unabdingbaren Areale zur Entfaltung von produktiven Aktivitäten, sowie jene, welche der Erhaltung von Naturprodukten dienen, die für die Indios lebenswichtig sind, befinden sich an der Südgrenze des indigenen Territoriums, genauer am Oberlauf der Flüsse Geissuã, Quaru und Apituã, wo auch die Grenzen des IT Jarawara/Jamamadi:Kanamati und des IT Hi Merimã verlaufen.
Angesichts dieser Feststellung und der Tatsache, dass jenes Gebiet 1986 von einer inzwischen durch die gegenwärtige Föderative Konstitution und das Dekret Nr. 1.775/96 überholten Gesetzgebung identifiziert und erklärt worden war, anerkannte die FUNAI die Notwendigkeit zur Erstellung einer neuen Studie über den von den Banawá traditionell besetzten Lebensraum. Mittels der in loco durchgeführten Erhebungen und im Kabinett debattierten Schlussfolgerungen, koordiniert von Luciene Pohl, erweiterte man schliesslich den Umfang des IT und konstatierte, dass die Bezeichnung des Territoriums in “IT Banawá“ umgeändert werden sollte, anstatt “Banawá-Yafi do Rio Piranhas“, zumal die zweite Bezeichnung in der Region eine erniedrigende Bedeutung hat.
Gegenwärtig gibt es drei nicht-indigene Landbesetzer in diesem Gebiet, die von Aktivitäten leben, die mit der Ausbeutung von Waldprodukten verbunden sind – besonders Holz, essenzielle Öle, Paranüsse und eine bescheidene Landwirtschaft. (Die Daten stammen aus dem Jahr 2005).
Mit einem grossen Teil ihres Vokabulars vergleichbar und in gegenseitigem Verstehen, signifikanten kulturellen Ähnlichkeiten und intensiven intergruppalen Verbindungen, werden die Banawá als eine Untergruppe der Jamamadi betrachtet, die das im Süden des IT Banawá angrenzende indigene Territorium bewohnen. Die Banawá gehören, wie die Jamamadi, ebenfalls zur linguistischen Gruppe “Arawá“, so wie andere Bewohner dieser Region am mittleren Rio Purus und seinen Zuflüssen: die “Deni, Jamamadi, Jarawara, Kanamati, Sorowaha, Hi Merimã, Paumari“ und “Kulina“.
Daten hinsichtlich der Geburten- und Sterbeziffern, sowie des demografischen Wachstums der Banawá wurden leider vor der technischen Kommission von 1998 nicht registriert – die im selben Jahr ein Gesamt von 100 Indios feststellte.
Heute präsentieren die Banawá eine starke Tendenz zu demografischem Wachstum, denn zirka 50% der Individuen sind jung. Andererseits kann man ihre Lebenserwartung als relativ gering betrachten, denn 1999 waren nur 12% von ihnen älter als fünfzig Jahre, und unter denen waren nur 6% älter als sechzig.
Das erste Dorf, das die Banawá erwähnen, ist das am Fluss Apituã, in der Nähe des Rio Purus. Der zweite Ort, der in ihren Erzählungen genannt wird, ist das Dorf am Flüsschen der Büchsen – “Wati’lata“, wo die Jamamadi für die Banawá Büchsen zurückliessen, um “Copaíba“ oder “Sorva“ (Baumharz) für den “Patron“ Firmino zu zapfen, zu jener Zeit als sie ihre ersten Kontakte mit der nationalen Gesellschaft aufgenommen hatten. Später errichteten sie “Malocas“ (Dörfer) an den Flüsschen Sitiari, Cotia und Yati’fá, letzterer wird auch “Igarapé da Pedra“ genannt. Schliesslich erwähnen sie auch Dörfer an einem Flüsschen mit vielen kleinen Fischen, “Abasirimefai“, wo sie auch ein paar Felder bewirtschafteten.
Die Anwesenheit der Banawá in der Festlandregion zwischen den Flüssen Purus und Juruá geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als Reisende den Rio Purus befuhren und eine signifikante Präsenz der Jamamadi im Gebiet zwischen den beiden Flüssen feststellten.
Aus den verschiedenen Aufzeichnungen über die Besetzung der Region des Rio Piranhas, die vom ehemaligen SPI (Serviço de Proteção aos Índios) hinterlassen wurden, berichtet José Sant’Anna de Barros im Jahr 1930: …am Rio Cunhuá leben die “Catuinas, Mamaoris, Pauquiris, Tucumandubas“ und “Beidamans“ – am Rio Piranhas die “Jamamadis, Canamadis“ und “Jarauaras“ – am Rio Curiá leben die “Jamamadis“ und die “Araçadanis“ und am Riozinho die “Marimans“. Zusammen bilden sie die vielleicht grösste indigenen Population der Purus-Region, mit einem Gesamt von mehr als eintausend Seelen, nach mir zugetragenen Informationen (Bericht der “1. Inspetoria Regional do SPI“ von 1943).
Die Präsenz von nicht-indigenen Landbesetzern im IT hängt mit dem Besetzungs- und Ausbeutungsprozess zusammen, welcher während des Gummi-Booms, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch die Region des Purus beherrschte. In der Absicht, die Latexproduktion zu unterstützen, lockte der Staat mit verschiedenen Subventionen und Vergünstigungen Arbeitskräfte aus dem kargen Nordosten zum Rio Purus, ohne sich im Mindesten um die Territorien der Indios zu scheren.
Wie Darcy Ribeiro berichtet (1982: 42-9), war die von der Regierung gesponserte Landbesetzung in der Region Juruá-Purus von solcher Gewalt geprägt, dass eine Region, die einst Heimat der grössten indigenen Bevölkerung Amazoniens gewesen war, sich innerhalb kurzer Zeit entleerte, verglichen mit den neu entstehenden Siedlungen der Invasoren. Man weiss heute, dass es bis dato indigene Volksgruppen gegeben hat, die niemals registriert worden sind, bevor sie ausstarben. Die invadierenden Gummisammler verteidigten die Anwendung von Gewalt mit dem lapidaren Argument, dass die Indios ihre Arbeitsinstrumente gestohlen hätten – sie organisierten Expeditionen mit dem Ziel, endlich ihre “Probleme“ zu lösen, was die Vertreibung oder die Erschiessung der Indios bedeutete und die Inbesitznahme ihres Lebensraumes. Diese Exekutionskommandos waren in ganz Amazonien bekannt als “Correrias“ (Streifzüge). Mit dem Niedergang des Gummi-Booms verblieben nur noch wenige ehemalige Latexsammler in diesem Gebiet.
Die Banawá verteilen sich auf vier Dörfer. Das grösste befindet sich am oberen Verlauf des Igarapé Banawá, und in ihm lebt die grösste Zahl der Bevölkerung, zirka 70% aller Angehörigen des Banawá-Volkes. Dieses Dorf ist in zwei Häuserreihen angelegt, Seite an Seite, in zirka zehn Metern Abstand voneinander. Sie flankieren die beiden Seiten einer Landepiste für Kleinflugzeuge. Das Haus der Dorfführung befindet sich in der Mitte der einen Reihe, ihm gegenüber, auf der anderen Seite der Piste, steht das Haus der Missionare, ebenfalls zentral, mit Ziegeln gedeckt und mit Schlössern gesichert, mit einem Brunnen und einer Funkantenne.
Die Bauweise der indigenen Behausungen entspricht, in den meisten Fällen, dem regionalen Palafita-Standard (Holzgerüst, mit Häcksel gemischte Lehmfüllung, mit Palmstroh gedeckt). Ausserdem gibt es die eine oder andere vollkommen geschlossene Konstruktion, die vom Dach über die Wände, bis zum Boden, mit Palmstroh verkleidet ist – mit einem Boden aus gestossenem Lehm. Diese Art Hütte wird für die mehrere Wochen dauernde Isolation junger Mädchen nach ihrer ersten Menstruation verwendet.
Die übrigen drei Dörfer haben nur eine geringe Bevölkerung, etwa 10% der gesamten Banawá-Population. Diese Dezentralisierung entstand aus der Tatsache, dass sich diese Mitglieder nicht in die Erwartungen der Gesellschaft des Hauptdorfes einordnen wollten. Im Dorf “Cachimbo“, das weiter unterhalb desselben Igarapé Banawá liegt, gibt es nur zwei Brüder, die sich der Sauferei verschrieben und deshalb ausgestossen wurden. Im Dorf “Apituã“ wohnt die Familie eines Indios, der aus dem zentralen Dorf verstossen wurde, weil er einen Verwandten getötet hatte. Und im Dorf “Paraíba“ schliesslich, bestehen die Bewohner aus jenen “Misturados“ (Gemischte), die ebenfalls in Konflikt mit den Bewohnern des zentralen Dorfes stehen. Das Dorf “Paraíba“ befindet sich an der Mündung des Igarapé Banawá und besteht aus drei Häusern, in denen ein paar Banawá wohnen, jedoch die beherrschende Gruppe sind Nicht-Indios, verheiratet mit indigenen Frauen aus dem Hauptdorf.
Es gibt noch eine weitere Art von Haus oder Hütte bei den Feldern. Diese provisorischen Hütten werden ohne Wände, nur mit einem strohgedeckten Dach über einem gestampften Boden angelegt – für spontane Übernachtungen während der Aussaat und der Erntezeit.
Die Banawá berichten, dass sie in früheren Zeiten nicht an einer bestimmten Stelle gewohnt haben, so wie sie es heute tun. Obwohl ihre Wanderungen sich auf die “Terra firme“ zwischen den Flüssen Purus und Piranha beschränkten, fanden die Aufteilung in kleinere Gruppen und eine daraus resultierende Gründung neuer Dörfer in gewisser Regelmässigkeit statt. Sowohl diese Art von Beweglichkeit, als auch das Fehlen einer “festen Wohnung“, sind charakteristisch für andere Gruppen der linguistischen Familie “Arawá“ – wie den “Hi Mermã“ und den “Paumari“.
Eine der möglichen Motivationen für dieses Verhalten kann vielleicht durch die Tatsache erklärt werden, dass diese Indios zu Untergruppen gehörten, welche sich feindlich gegenüberstanden. Nach Studien der Völker, welche der linguistischen Arawá-Familie angehören, weiss man, dass Beschuldigungen der Hexerei stets interne Konflikte nach sich zogen, die in Spaltungen endeten und Auswanderungen.
Vom Sterben und dem Tod berichten die Banawá in vielen Details. Sie erzählen, dass sie ihre Toten in Gräber legen, die sich im Umkreis ihres Dorfes befinden, und dass sie die Verstorbenen einige Tage lang noch mit Gaben ernähren, bis ihre Seele den physischen Körper verlassen hat. Der Besitz des Toten, wie Pfeil und Bogen, Blasrohre und Töpfe werden auf der Grabstätte hinterlassen. Die Banawá glauben, dass der Verstorbene zum Essen herauskommt, weil er Lärm macht, den die Lebenden hören können.
Was den Schamanismus betrifft, so erzählen die Jamamadi, müssen sich die angehenden “Zauberer“ während ihrer Einführung einer Periode der gesellschaftlichen Ausgeschlossenheit unterziehen. Eine solche Isolation müssen auch die Mädchen im Übergang zur Frau durchlaufen. Mit der ersten Menstruation werden sie vom gewohnten Heim und dem Haushalt getrennt. Eine kleinere Hütte wird für sie gebaut und vollkommen verhüllt, damit sich das Mädchen in eine Frau “verwandeln“ kann. Sie verlässt diese Hütte nur in der Nacht, um ihre Notdurft zu verrichten. Sie darf auf keinen Fall von einem männlichen Mitglied des Dorfes gesehen werden. Am Ende der Isolationsperiode findet ein Fest statt, bei dem die junge Frau mit Gerten geschlagen wird, um eventuelle Krankheiten, die sie inzwischen befallen haben könnten, auszutreiben.
Seit kurzer Zeit wird eine neue Art Ritual unter den Bananwá praktiziert, das von den anwesenden Missionaren der JOCUM (Jovens com uma Missão – Jugend mit einer Mission) und der SIL (Sociedade Internacional Linguística – Internationale Linguistische Gesellschaft): Der Gottesdienst in der Banawá-Sprache, der unter grosser Beteiligung der Kommune stattfindet. Zu Anfang beten alle Anwesenden halblaut – ein jeder spricht sein eigenes Gebet. Bidu, der Häuptling der Banawá, betet für alle Orte, die er kennengelernt hat: Porto Velho, Ji Paraná, São Paulo – Städte, in die ihn die Missionare mitgenommen haben – und er begreift auch die Nachbarn in Canutama und Lábrea mit ein, die sich innerhalb der Purus-Region befinden. Danach beginnt ein Junge zu singen und Gitarre zu spielen, dann begleiten ihn die Stimmen aller wohl über eine Stunde lang. Nach dem Gesang hält der Missionar, oder ein indigener Pastor, seine Predigt in der Banawá-Sprache. Nur wenige Termini sind nicht übersetzt worden, zum Beispiel Jerusalem, Olivenbaum und Jesus (die verbleiben in Portugiesisch). Danach folgt die Lesung eines Bibelabschnitts, den alle in ihren gedruckten Buchausgaben verfolgen können. Noch einmal beginnt ein längeres gemeinsames Singen und eine Folge von Gebeten mit leiser Stimme – erst dann ist der Gottesdienst zu ende.
Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Banawá, so wie diejenigen der übrigen indigenen Völker dieser Region, basieren auf einer landwirtschaftlichen Produktion, auf der Jagd, dem Fischfang und dem Sammeln von Waldfrüchten.
Die von ihnen angelegten Felder sind gross und gehören bestimmten Familien. Sie kultivieren verschiedene Feldfrüchte: “Macaxeira (zahme Maniok), Mandioca (wilde Maniok), Banana (Bananen), Abacaxi (Ananas), Pupunha (Palmfrüchte)“ und “Cana de açucar (Zuckerrohr), als Grundnahrungsmittel. Das Feld, dessen primärer Ertrag aus der “wilden Maniok“, dem Hauptnahrungsmittel besteht, hat den spezifischen Namen “Kua’ma – Feld zur Produktion von Maniokmehl“. Die Felder befinden sich in der Nähe der Dörfer, an den Flüsschen “Pedra, Apituã, Sitiari“ und “Banawá“.
Auch alte Felder, die wegen ihres ausgelaugten Bodens verlassen wurden, behalten noch eine gewisse Bedeutung, denn dort kann man immer noch Früchte von den einstmals angepflanzten Bäumen ernten, und sie werden auch von bestimmten Tieren als Nahrungsquelle aufgesucht – exzellent für die Jagd.
Als Jäger sind die Banawá äusserst geschickt – bei Tag und bei Nacht – und sie benutzen dafür sowohl Bogen und Pfeile, als auch den Karabiner. Die bevorzugte Nahrung liefert der Tapir (Anta), denn sein Fleisch reicht für ein ganzes Dorf – es kann gemahlen und anschliessend geröstet werden, um es in diesem Zustand länger aufheben zu können, oder gekocht und mit Sud serviert werden. Auch Wildschweine (Caititus) sind beliebt – ihr Fleisch wird im eigenen Fett gebraten und mit Limonenstreifen gewürzt, verzehrt. Wenn es keine grösseren Tiere zu jagen gibt, bereiten die Banawá-Frauen eine Suppe aus Vogelfleisch – Ara und Nambú zum Beispiel – die man überall finden kann.
Schon 1873 hat der Chronist Steere während seines Besuchs in einem Jamamadi-Dorf die Jagdstrategien dieser Indios beobachten können, die noch heute von den Banawá praktiziert werden – zum Beispiel beschreibt er das Anlocken der Tiere mittels der Imitation von Lauten, die sie zu produzieren pflegen: “…und er imitierte die Stimmen von Papageien und Tukanen, dann Schreie der Tapire, Wildschweine und Affen, mit verblüffender Perfektion. Später liess er uns das typische, Brüll-Stakkato des Jaguars hören, so echt, dass uns die Haare zu Berge standen. Die Kunst, Stimmen der Tiere nachzuahmen wird als Lockmittel zur Jagd eingesetzt“ (1949: 77).
Die Banawá kennen verschiedene Arten der Klassifikation für die sie umgebende Fauna. Eine davon reflektiert ihre Kenntnis der Lebensweise und der Zeit, welche bestimmte Tiere in ihrem Habitat zu verbringen pflegen. Abhängig vom Lebensraum, in dem sie die meiste Zeit verbringen, werden Ara, Wollaffe, Brüllaffe und andere als eine Kategorie klassifiziert, die ihren Aufenthalt in den Baumkronen bezeichnet. Für die Tiere, welche die meiste Zeit auf dem Boden verbringen und dort herumlaufen – wie der Tapir, das Gürteltier, der Hirsch, das Aguti, der Ameisenbär oder die Schildkröte – gibt es eine Kategorie, welche diese Klasse bezeichnet. Und für jene Tiere, die sich in der Mitte aufhalten – zwischen Baumkronen und Boden – zum Beispiel Tukane, Nambús, Nasenbär und einige kleinere Vögel, wendet man eine dritte Kategorie an. Die Tiere des Wassers werden von dieser Klassifikation nicht erfasst.
Was den Fischfang betrifft, so handelt es sich dabei um eine Aktivität, die bei den Banawá nicht zu ihren Präferenzen gehört, sie praktizieren sie jedoch, wenn sie kein jagdbares Wild finden. Die verschiedenen Wasserläufe benennen sie nach den jeweiligen Fischarten, die in ihnen am häufigsten vorkommen: “Aba’fa“ – im Bach dieses Namens gibt es vor allem “Matrinxã“; “Awida’fa“ oder “Quaru“ – der zweite Name wird von den Nicht-Indios angewendet – ist ein Wasserlauf mit vielen “Piaus“ – usw.
Das Sammeln von Waldprodukten ist eine Aktivität, die regelmässig und intensiv praktiziert wird – vor dem Bau von Hütten, zur Anfertigung von Kunsthandwerk und Gebrauchsartikeln als Nahrungsergänzung. Männer, Frauen und Kinder der Banawá investieren viel Zeit in diese Tätigkeit. Die wichtigsten Sammelprodukte sind: Bastmaterial, Schilfrohr (für Pfeile), Baumharz (als Klebstoff), Bienenhonig und Wachs, Schildkröteneier, Paranüsse, Öl vom Copaíba- und Andiroba-Baum (zum Verkauf). Die Banawá fürchten keine Entfernungen und durchqueren weite Gebiete während ihrer Sammeltätigkeit.
Die bedeutendsten Areale für ihre produktiven Aktivitäten liegen im Umfeld der Wasserläufe “Citiari“ und “Wifa“ im Norden, sowie jene am Oberlauf der Wasserläufe “Quaru, Geuissuã“ und “Apituã“ – alle im Süden des Indio-Territoriums (IT).
Was die Umwelt betrifft, kann man die Region am Mittleren Rio Purus als gut erhalten und reich an natürlichen Ressourcen bezeichnen. Die für das physische und kulturelle Wohlbefinden des Banawá-Volkes unverzichtbaren Areale befinden sich im Gebiet der “Terra firme“, zwischen dem Becken des Rio Piranha, im Westen, und dem Becken des Rio Purus, im Osten des Indio-Territoriums.
Die “Várzea“ (flache, überschwemmbare Uferregion) des Rio Purus ist reich an Sedimenten, denn seine Zuflüsse entspringen in der Andenregion, mit einem intensiven Erosionsprozess. Die grosse Menge an Vegetation, die von der Strömung transportiert wird, ergibt einen guten Dünger im Lauf der Trockenzeit, wenn das Wasser zurückgeht, und Flussstrände und Ufer der Lagunen freigibt.
Während der Hochwasserzeit der Flüsse sind die Lebensbedingungen für die aquatische Fauna besonders günstig, die terrestrische Fauna konzentriert sich dagegen, umgeben vom Wasser, auf der verbliebenen Landmasse. Und da sich die Banawá ebenfalls auf der “Terra firme“ befinden, eignet sich die Hochwasserzeit besonders für Jagdausflüge. In der Trockenzeit hingegen, wenn die Flüsse bis auf die Hälfte ihres normalen Wasserstandes zurückgehen, konzentrieren sie sich auf den Fischfang.
Es wird dringend notwendig, Massnahmen zur Kontrolle und Überwachung der Holzausbeutung einzuleiten, deren illegale Betreiber heute einen grossen Druck auf jene Gebiete ausüben, die unverzichtbar für die Erhaltung der für die physische und kulturelle Gesundheit der Banawá notwendigen Ressourcen sind. Ausserdem muss die Kommerzialisierung der Sammelprodukte geregelt werden, dessen bedeutendste Lieferanten diese Indios sind. Anderenfalls werden mit dem gegenwärtigen Ausbeutungsmodell, das noch aus der Zeit der Latexausbeutung stammt, die heute noch üppigen natürlichen Ressourcen in absehbarer Zeit versiegen.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung, Klaus D. Günther