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Gebären unter der Voraussetzung, dass das Risiko dabei zu sterben relativ hoch ist. Gebären in einem kleinen Raum ohne Bett oder anderen Möbeln. Gebären im Schein von Handy-Lichtern, weil der Generator wieder mal nicht funktioniert. Arbeiten in einem Spital, in dem 50% der Stellen nicht besetzt sind. Einen Kaiserschnitt durchführen, nachdem man zweimal dabei zugesehen hat.
Wie funktioniert ein Krankenhaus in einem südost-afrikanischen Land, das zu den ärmsten und zugleich zu den am dichtesten besiedelten der ganzen Welt gehört?
Seit 2009 engagiert sich die Frauenklinik Bern in einem Partnerspital in Malawi. In einer Entwicklungszusammenarbeit mit dem Kamuzu Central Hospital wird die Ausbildung des medizinischen Personals verbessert und Hilfsgüter zur Verfügung gestellt. Zwei Assistenzärzte der Frauenklinik haben für 6 Monate im afrikanischen Spital gearbeitet. Entstanden ist das Projekt durch das Engagement des ehemaligen Oberarztes der Frauenklinik Bern, Dr. André Kind, der im Rahmen eines Projektes des deutschen Centrums für internationale Migration und Entwicklung als Chefarzt an das Spital in Malawi berufen wurde.
Die Situation vor Ort ist schwierig. Das Kamuzu Central Hospital besitzt mit 220 Betten die zweitgrösste Frauenklinik des Landes. Das Gebäude ist neu, es wurde mit Unterstützung der Bill Clinton Fundation errichtet und ist im Vergleich mit den übrigen Abteilungen gut ausgestattet. Es ist der einzige Ort in ganz Malawi, in denen die Frauen in Einzelzimmern gebären können. Trotz der eigentlich guten Voraussetzungen besteht der Alltag aus viel Improvisation, um die Mangel zu kompensieren, die an allen Ecken und Enden herrschen.
2 Ärzte für 220 Betten
Es beginnt beim Personal: Fast 50% der Stellen vom Pflegepersonal und der Hebammen können nicht besetzt werden. Gründe sind die hohe Arbeitsbelastung und die schlechte Bezahlung. Bei den Ärzten sieht es ähnlich aus: Es gibt bisher keine Facharztausbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe in Malawi. Malawische Ärzte, die es geschafft haben, im Ausland eine Weiterbildung zu absolvieren, sind wenig motiviert wieder zurück zu kommen. Im Kamuzu Central Hospital arbeiten derzeit zwei Fachärzte, unterstützt von malawischen Clinical Officers, sowie einer wechselnden Zahl von Volonteer-Ärzten aus dem Ausland. Zwei fest angestellte Ärzte für 220 Betten. Die Clinical Officers sind Gesundheitsfachpersonen, die eine dreijährige medizinische Ausbildung absolvieren und dann die Aufgaben eines Arztes übernehmen. Bei einem Kaiserschnitt beispielsweise sieht ein Clinical Officer zwei Mal zu - beim dritten Mal muss er die Operation selber durchführen.
Eine seltene Blutgruppe ist oft tödlich
Auch überlebenswichtige Medikamente und Materialien sind immer mal wieder „out of stock“. Die Blutbank ist permanent knapp an Konserven bzw. leer. Eine seltene Blutgruppe ist unter diesen Umständen häufig tödlich. Pro Monat sterben mindestens fünf Schwangere wegen Mangel an Blutprodukten. Wichtige Ersatzteile für Maschinen werden wochenlang nicht geliefert. HIV-Schnelltestkits sind verbraucht und es vergehen drei Wochen bis die neue Lieferung kommt, Nahtmaterial im OP ist knapp und Operationen deshalb müssen verschoben werden. Das wenige noch vorhandene Material muss den Notfalleingriffen vorbehalten bleiben. Viele Babies sind im Schein der Handydisplays geboren worden, da wieder einmal ein Blackout war und die Generatoren nicht eingesprungen sind.
Ultraschallgeräte und eine halbe Tonne Hilfsgüter
Die Frauenklinik vom Inselspital Bern versucht hier mit einigen Partnern zu einer Verbesserung der Situation beizutragen. Mittlerweile läuft das Unterstützungsprojekt der Frauenklinik in Malawi seit mehreren Jahren. Dank dem Engagement der Frauenklinik und weiteren Stiftungen konnte die Händedesinfektion eingeführt werden, das Personal in laparoskopischer Operations-Technik ausgebildet werden und grosse Mengen an Hilfsgütern bereitgestellt werden. Zu Beginn spendete die Frauenklinik Ultraschallgeräte, Sonografen, CTGs und weitere Materialien sowie Medikamente. 2010 wurde erneut ein Hilfstransport organisiert und eine halbe Tonne Güter zusammengetragen. Beide Chefärzte der Frauenklinik haben sich persönlich in Malawi engagiert und zwei Assistenzärzte haben jeweils für ein halbes Jahr dort gearbeitet. Es sei eine sowohl beruflich, wie auch menschlich eine sehr wertvolle Erfahrung gewesen, erzählen die Ärzte, die vor Ort waren. Zwar unterscheide sich die klinische Arbeit sehr von den, was man in der Schweiz gewohnt ist. Es brauche eine ganze Weile bis man sich an die anderen Umstände gewöhnt hat. Vor allem der Mangel an Ressourcen ist belastend. So müsse man mit dem auskommen, was da ist: Man operiere, obwohl kein Blut zur Verfügung steht. Man hat keine andere Wahl. Und dennoch war es für alle eine schöne Erfahrung, so viel zu der Verbesserung der Situation vor Ort beitragen zu können.
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