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Frage: Ich habe einen einzigen Sohn. Er kümmert sich überhaupt nicht um mich. Es stört mich, dass er dereinst erben wird. Ich habe zwar so viel wie möglich einer Organisation vermacht. Der Pflichtteil macht trotzdem einen stattlichen Betrag aus. Mein verstorbener Mann war sehr vermögend. Ich finde es nicht richtig, dass Kinder auch in solchen Fällen erben können. Wie denken Sie darüber? I. R., Basel
Antwort: Ich finde das auch nicht richtig. Doch meine persönliche Meinung ist nicht massgebend. Das Erbschaftsrecht wird von unseren Bundesparlamentariern gemacht.
Wenn ich Ihre familiäre Situation richtig erfasse, können Sie nur ein Viertel Ihres Vermögens der karitativen Organisation zukommen lassen. Ihr Sohn erbt dagegen 3-mal mehr. Beim Tod einer alleinstehenden Person beträgt der Pflichtteil der Nachkommen drei Viertel.
Eine Enterbung ist praktisch unmöglich. Ihr Sohn müsste schon gegen Sie eine schwere Straftat begangen und «familienrechtliche Pflichten schwer verletzt» haben. Dies ist meines Wissens bei Ihnen nicht der Fall.
Ich gebe Ihnen dennoch einen Tipp: Schliessen Sie eine Rentenversicherung ohne Rückgewähr ab. Sie zahlen der Versicherungsgesellschaft eine Einmaleinlage von zum Beispiel 500000 Franken. Als
72-jährige Frau erhalten Sie darauf eine monatliche Rente zwischen 2400 und 2800 Franken. Doch die Versicherung muss ausdrücklich «ohne Rückgewähr» abgeschlossen werden. Bei der Variante «mit
Rückgewähr» wird den Erben der noch nicht verbrauchte Teil ausbezahlt.
Die Versicherer haben zwar Hemmungen, Leibrentenversicherungen ohne Rückgewähr zu verkaufen. Sie machten schlechte Erfahrungen mit Erben, die vor Gericht gingen und die Rechtmässigkeit der Klausel «ohne Rückgewähr» anfochten. Sie müssen also unter Umständen darauf pochen, den Vertrag mit der Klausel «ohne Rückgewähr» abschliessen zu können. Schliesslich kommen Sie dadurch in den Genuss einer höheren Rente.
Doch mein Tipp hat einen Haken, wie ich gerne zugebe: Nicht nur Ihr Sohn, auch die karitative Organisation wird mit meinem Vorschlag weniger erben können.
Erschienen im BLICK am 17. Januar 2007