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Depression: eine weit unterschätzte Krankheit
Begriffsbestimmung: Depression ist ein Zustand psychischer Niedergeschlagenheit
Unter einer Depression versteht man allgemein den Zustand psychischer Niedergeschlagenheit. Es gibt einen Depressionen Test, den jeder bei Verdacht auf eine Depression durchführen kann. Der Weg zum Arzt ist aber in jedem Fall zwingend. In der Psychiatrie werden auch die Begriffe depressive Episode und rezidivierende depressive Störung verwendet. Nach dem Verlauf werden entsprechend der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fünf Formen von Depression unterschieden:
- Erstmals auftretende depressive Episode: einige der typischen Symptome einer Depression treten zum ersten Mal auf und halten mindestens zwei Wochen an.
- Wiederkehrende (rezidivierende) Depression: eine depressive Episode tritt zum wiederholten Mal auf.
- Dysthyme Störung: Die Symptome einer Depression treten in geringer Zahl und leichter Ausprägung auf. Jedoch zeigen sie sich kontinuierlich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren.
- Anpassungsstörungen: Depressive Symptome treten infolge eines einschneidenden Erlebnisses beziehungsweise einer gravierenden Lebensveränderung auf. Dabei sind die Symptome weniger zahlreich und dauern nicht so lange an wie bei einer rezidivierenden Depression oder dysthymen Störung.
- Bipolare Störung: Eine bipolare Störung ist eine Affektstörung, bei der Stimmungen, Antrieb und Aktivität stark schwanken. Dabei treten sowohl depressive Verstimmungen auf als auch Phasen der Euphorie. Betroffene fühlen sich im einen Moment niedergeschlagen, was jedoch kurz darauf in ein extrem gesteigertes Selbstbewusstsein, eine wachsende Konsumneigung und ein vermindertes Schlafbedürfnis umschlagen kann.
Der Definition nach zeichnen sich Depressionen durch einen länger anhaltenden Zustand psychischer Niedergeschlagenheit aus. Zu den Symptomen gehören neben dem Gefühl der Traurigkeit unter anderem auch Ängste, Schlafstörungen, Ermüdungserscheinungen, innere Unruhe, Appetitlosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, reduziertes Selbstbewusstsein, eine Neigung zum Nachdenken, Schuldgefühle oder körperliche Beschwerden (zum Beispiel Magenschmerzen).
Viele Betroffene verspüren ausserdem ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, der Sinn-Leere, das sich bei starker Ausprägung auch in suizidalen Tendenzen äussern kann. Stark depressive Menschen empfinden ihr Leben dann nicht mehr als lebenswert, sehen im Tod die vermeintliche Erlösung.
Bei Depressionen treten immer Veränderungen in den Neurotransmittersystemen des Gehirns auf. Ausserdem können hormonelle Veränderungen nachgewiesen werden.
Ursachen: Depressionen durch gravierende Veränderung und andauernde Belastung
Ob man anfällig ist depressiv zu werden, hängt auch von der genetischen Disposition ab. Zwar sind Depressionen nicht direkt vererbbar, jedoch erhöhen bestimmte genetische Merkmale das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Neben der genetischen Disposition können auch einseitig negative Denkmuster dazu beitragen, dass eine Person depressiv wird. Während der Depression ist das pessimistische Denken in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten, die Umwelt und die persönliche Zukunftsperspektive noch stärker ausgeprägt.
Verbreitete Ursachen für Depressionen sind einschneidende Erlebnisse beziehungsweise eine grundlegende Veränderung der Lebenssituation. Hierzu kann der Verlust eines Partners zählen (Trennung, Tod) oder ein Schicksalsschlag, etwa das Erleiden einer schweren Krankheit. Auch länger anhaltende Belastungen können Auslöser für eine Depression sein.
Beispiele hierfür wären etwa Konflikte in der Familie, dem Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz. Auch eine dauerhafte berufliche Über- oder Unterbelastung kann zur Depression führen. Trotz klarer Symptome ist der Grund für eine Depression nicht immer offensichtlich.
Altersdepressionen treten häufig auf, weil Menschen mit fortschreitendem Lebensalter zunehmend erkranken und sich der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert. Durch die Multimorbidität können Betroffene ihren Alltag nicht mehr ohne Einschränkungen gestalten, sie verlieren teilweise ihre Selbstständigkeit. Das kann zu einem Gefühl der Niedergeschlagenheit - bis hin zu einer Depression - führen.
Behandlung und Therapie: Depressionen durch intensive Gespräche erkennen
Depressionen werden in einem Arzt-Patienten-Gespräch diagnostiziert. Dabei erzählt der Patient zunächst von seinem Befinden und möglicherweise vorhandenen Beschwerden. Der Mediziner versucht durch gezieltes Nachfragen herauszufinden, ob eine Depression vorliegt. Ergänzend können psychologische Tests eingesetzt werden. Bildgebende Verfahren oder Blutuntersuchungen werden teilweise ergänzend genutzt, um eine organische Ursache auszuschliessen.
Gerade bei älteren Menschen, die an organischen Erkrankungen und Depressionen leiden können, ist es wichtig, diese beiden Bereiche getrennt zu betrachten. So kann verhindert werden, dass die körperliche Einschränkung in den Vordergrund gestellt wird und eine mögliche Altersdepression unerkannt bleibt.
Die Behandlung von Depressionen ist so komplex wie die Erkrankung selbst. Ziel aller Massnahmen ist es, die Stimmung des Betroffenen zu verbessern und zu einer dauerhaften Steigerung der Lebensqualität beizutragen. Dies kann in den meisten Fällen durch eine ambulante Therapie erreicht werden.
Ist die Depression stärker ausgeprägt oder hat die ambulante Behandlung nicht den gewünschten Erfolg gebracht, kommt die Einweisung in eine psychiatrische Klinik zur stationären Behandlung in Betracht. Das ist auch dann der Fall, wenn ein depressiver Mensch eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellt (unter anderem bei suizidaler Tendenz).
Depressionen werden zunächst durch eine Psychotherapie behandelt. Dabei stimmt der Psychologe sämtliche Massnahmen exakt auf die Bedürfnisse des Patienten ab. In der so genannten Verhaltenstherapie führt der Betroffene Gespräche mit dem Therapeuten. Dabei werden verschiedene Ziele verfolgt, etwa der Wiederaufbau von Kontakten zu anderen Menschen, das Erleben von positiven Ereignissen, die Veränderung der gedanklichen Grundhaltung, um pessimistische Gedanken abzuschwächen und den Optimismus zu stärken. Ausserdem werden den Patienten Strategien aufgezeigt, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen können. Sport sowie Entspannungsübungen helfen zusätzlich, die Depression zu bekämpfen.
Bei schweren Depressionen kann eine medikamentöse Behandlung nötig werden. Spezielle Arzneimittel, so genannte Antidepressiva, sorgen dafür, dass der Gehirnstoffwechsel positiv beeinflusst wird. In Einzelfällen werden auch andere Massnahmen - etwa gezielter Schlafentzug (Wachtherapie) - eingesetzt.
Depressionen als dauerhafte Einschränkung
Wenn Betroffene aufgrund der Erkrankung dauerhaft und wesentlich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind, kann bei der zuständigen Sozialversicherung abgeklärt werden, ob der Betroffene Anspruch auf eine IV-Rente hat. Ein solcher Antrag, muss jedoch auf alle Fälle mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Philipp Jauch / Simon Müller 2012 (aktualisiert 07/2015)
Foto: Gerd Altmann / pixelio.de