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In der Schweizer Radsport-Gruppe Phonak ist ein weiterer Fahrer ins Zwielicht des Blutdopings geraten: Der Spanier Santiago Perez.
Nach Oskar Camenzind und Tyler Hamilton ist der Fall Perez für Phonak bereits die dritte Doping-Geschichte.
Der Vuelta-Zweite Santiago Perez (27) soll seine Leistung mit der unerlaubten Methode des Blutdopings manipuliert haben. Dies berichtete die spanische Sportzeitung "Marca".
Wie im Fall des Zeitfahren-Olympiasiegers Hamilton ranken sich allerdings einige Fragezeichen um die Angelegenheit.
Positiv getestet
Perez wurde von den Funktionären des Rad-Weltverbandes UCI auf den 5. Oktober zu einer Aussprache an den Hauptsitz in Aigle beordert. Nach der Zusammenkunft tauchte ein Dopingkontrolleur auf, der den Spanier zur Blutabgabe aufforderte.
Die Auswertung dieser Kontrolle im Labor von Lausanne ergab den Befund der Fremdblut-Transfusion. Der Phonak-Radprofi erhielt das Ergebnis dieser Auswertung nie persönlich mitgeteilt. Perez erfuhr durch Dritte, dass er positiv getestet worden war.
Dieses Resultat wurde in der Gegenanalyse vom 26./27. Oktober bestätigt. Die B-Probe wurde erneut im Labor in Lausanne examiniert. Weder der Fahrer noch ein vom ihm benannter Vertreter waren bei dieser zweiten Auswertung dabei.
Gemäss den vom Management-Komitee der UCI am 22./23. Juli abgesegneten Bestimmungen muss für die Gegenanalyse weder ein anderes Labor bestimmt noch der betreffende Athlet anwesend sein. Hingegen ist die erneute Auswertung der Blutprobe innert drei Tagen nach dem ersten Test vorzunehmen.
Erfolgreicher Fahrer
Santiago Perez hatte in der Spanien-Rundfahrt Vuelta die 14. und die 15. Etappe (Bergzeitfahren Sierra Nevada) sowie das abschliessende Einzelzeitfahren in Madrid für sich entschieden. Im Schlussklassement belegte er überraschend den 2. Platz.
Der Spanier gehörte zum Aufgebot für die Strassen-WM im italienischen Verona, meldete sich aber wegen Magenbeschwerden ab. Die Begründung lautete, Perez habe seinen Erfolg zu ausgiebig gefeiert.
Bei den während der Spanien-Rundfahrt vorgenommenen Dopingkontrollen wies Perez keinen positiven Befund auf. Wahrscheinlich veranlassten auffällige Veränderungen in seinem Blutbild die Verantwortlichen der UCI dazu, Perez nach Aigle aufzubieten.
Keiner Schuld bewusst
"Ich erhielt konfuse Mitteilungen und widersprüchliche Analyse-Ergebnisse. Dabei habe ich mir nichts zuschulden kommen lassen", wird Perez in der spanischen Zeitung "Marca" zitiert.
Phonak-Teammanager Urs Freuler erklärte: "Teamintern sind unsere Fahrer mit einer Maschine des gleichen Herstellers wie bei der UCI kontrolliert worden. Unseren Ärzten ist bei Santiago Perez nie eine Anormalität aufgefallen."
Innerhalb der Sportgruppe Phonak wird Santiago Perez nun gleich behandelt wie Tyler Hamilton. Der Amerikaner schlüpfte beim Olympia-Zeitfahren durch die Maschen, weil seine Blutprobe für die Gegenanalyse nicht richtig gelagert worden war und der Test deshalb aus rechtlicher Sicht als negativ beurteilt werden musste.
Aus dem von Hamilton gewonnen Vuelta-Zeitfahren lag hingegen ein Dopingtest vor, bei der in der A- wie der B-Probe Blutdoping eruiert wurde.
"Wir wollen die Wahrheit herausfinden. Lügen uns die Fahrer an, oder ist der Test nicht über alle Zweifel erhaben?" hielt Freuler fest.
Fall Nr. 3
Die neue, "australische" Methode war erst dieses Jahr auf die Olympischen Sommerspiele von Athen hin eingeführt worden. Hamilton ist der erste Athlet, dem Blutdoping nachgewiesen werden konnte.
Das nach dem Fall Hamilton von Phonak-Verwaltungsratspräsident Andy Rihs einberufene, aus drei Amerikanern und zwei Schweizern bestehende Expertenteam hat in der Zwischenzeit seine Arbeit mit vielen offenen Fragen aufgenommen.
Die amerikanische Dopingbehörde USADA, die bis Mitte Oktober einen Entscheid in Sachen Hamilton hätte treffen sollen, wird ihr Urteil frühestens gegen Ende Jahr fällen.
Mit Santiago Perez ist das Team Phonak bereits in den dritten Dopingfall dieser Saison verwickelt. Die Serie war im Juli durch Oscar Camenzind eröffnet worden, der in einer Trainingskontrolle hängen blieb (EPO).
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Der 27-jährige Perez startete seine Profi-Karriere 2001. Er gilt als Berg-Spezialist.
Perez glänzte im September in der Spanien-Rundfahrt Vuelta als Gesamt-Zweiter hinter Roberto Heras und als Sieger dreier Etappen.
Schon vor seinen eindrücklichen Vorstellungen in der Heimat war die Zukunft des 27-Jährigen jedoch ungewiss. Phonak wollte Perez loswerden, weil er den Vorschusslorbeeren nicht gerecht geworden war.
Zuletzt stand er aber kurz vor einer Verlängerung des Vertrags.