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Der Ausdruck "Evolutionstheorie" wird nicht nur umgangssprachlich - was es nicht besser macht - gemeinhin für die Lehre, die C. Darwin zugerechnet wird, verwendet. Theorie und Lehre sind aber zwei sehr verschiedene Sachen (vergleiche dazu Lehre und Theorie).
Als Evolutionstheorie bezeichne ich das Resultat einer Sichtweise, die sich für die Entstehung der Sache und diese als (Schöpfungs-)Prozess begreift (Evolution) H. Arendt hat beschrieben, wie sich dieses Denken des homo fabers in der Neuzeit durchgesetzt hat.
Wenn ich von einer Autopoiese spreche, bezeichne ich in gewisser Hinsicht einen spezifischen Moment einer dort geteilten Entwicklung. Wenn ich beispielsweise von der Entwicklung des Menschen spreche, unterscheide ich in diesem Sinne eine naturhistorische Entwicklung innerhalb des Tierreiches, die mit dem Auftreten des Menschen abgeschlossen ist, und eine sozialhistorisch Entwicklung des Menschen, die mit dem Auftreten des Menschen beginnt und in welcher sich nicht mehr der Mensch, sondern dessen Lebensverhältnisse als Kultur entwickeln. Menschen kann ich beispielsweise - wenn mir das gefällt - als toolmaking animals sehen. Dann beobachte ich im Tierreich eine Entwicklung hin zur Verwendung von Objekten, welche am Schluss den Menschen als Herstellenden hervorbringt, und eine zweite Entwicklung, in welcher sich die Menschen dadurch entwickeln, dass sie ihre Werkzeuge entwickeln.
Evolution versus Driften.

Als Evolutionstheorien bezeichne ich Theorien, die eine Entwicklung beobachten, in welcher Nachfolger "entwickelter" als ihre Vorgänger sind, und dies auf einen Prozess mit Mutation und Selektion beziehen.
Die als "Evolutionstheorie" bekannte Evolutionstheorie, ist jene von A. Wallace, die C. Darwin unter seinem Namen publizierte und bekannt machte. Der eigentliche Gehalt dieser Theorie ist ein Selektionsmechanismus, nach welchem Mutationen vererbt und falls sie "fit" sind, ausgelesen werden.
Die Selektionstheorie ist ein Gegenkonzept zur Vererbung erworbener Eigenschaften, die mit den Namen Lamarck, (Krötenkusser von A. Köstler) und (dem sowjetischen Getreidezüchter N.N.) verbunden sind.
Die darwinsche Evolutionstheorie ist eine der 3 Kränkungen: Kopernikus (Weltzentrum), Darwin (einzigartiges Wesen), S. Freud (Bewusstsein). Die 3 Krankheit bilden den Glaubesstamm der Wissenschaft, obwohl sie nicht zur Wissenschaft, sondern zur Meta-Wissenschaft gehören. Sie sind Resultate der Verobjektivierung. Man kann Wissenschaft über ihrer Methode definieren (a la Popper: wiederholbare Experimente zu falsifizierbren Hypothesen), dann kriegt man aber die 3 Kränkungen nie hin. Oder man kann Wissenschaft als Menge der Resultate definieren, die wissenschaftlich nicht widerlegbar sind. Dann ist die Wissenschaft ein schlichter Glauben (das ist die These von Spencer).
Die Evolutionstheorie hat eine starke und eine schwache Variante:
entweder man versteht "Anpassung" als aktive Leistung von Organismen oder Arten oder als triviale Aussage darüber, dass die Lebewesen, die noch leben, (offensichtlich) angepasst sind. Im ersten Falle macht man Sozialdarwinismus, im zweiten Fall benutzt man ein Erklärungsprinzip (nach G. Bateson ist die Evolutionstheorie eine kybernetische Theorie, weil sie nicht kausal (feed forward) argumentiert, sondern mit dem Eliminieren von Unpassendem (Feed back). E. von Glasersfeld übernimmt diese Argumentation in seiner Einführung in den radikalen Konstruktivismus. E. von Glasersfeld schreibt, Darwin hätte ein Missverständnis angelegt mit "the fittest", weil die Evolution kein Unterschiede zwischen fit und fitter mache, sondern am Leben lasse (fit) oder ausmerze (nicht fit). Als Sozialdarwinismus bezeichne ich eine Inversion der Evolutionstheorie, in welcher die Fitness als Wettbewerb gesehen wird, obwohl sie sich nur rückblickend erweisen kann.
G. Bateson meint: Unser Denken und die Wirklichkeit folgen demselben Pattern, welches als evolutiv verstanden werden kann.
Der Mensch als evolutionstheoretischer Schlüssel zum Verständnis des Affen. "Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen. Die Andeutung auf Höhres in den untergeordnetren Tierarten können dagegen nur verstanden werden, wenn das Höhere selbst schon bekannt ist." (Einleitung zu den "Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie" 1857. In: Marx-Engels-Werke Band 42, Berlin: Dietz-Verlag (S. 39)
siehe dazu auch Autopoietische Entwicklung
Ein paaar Anmerkungen:
N. Luhmann verwendet die Triade "Variation, Selektion, Stabilisierung" als Evolution.
R. Stichweh bringt weitergehende Theorie, die bei N. Luhmann systematisch fehlt: siehe unter Stichweh
Lexirom: Evolutionstheorie
Deszendenztheorie (Abstammungslehre, Evolutionstheorie): Theorie der Biologie über die Herkunft der zahlreiche unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten, nach der die heute existierenden Formen im Verlauf der erdgeschichtlichen Entwicklung aus einfacher organisierten Vorfahren entstanden sind. Nach der Deszendenztheorie vollzog sich in langen Zeiträumen ein Artenwandel, wobei Mutation, Rekombination, die natürl. Auslese und die Isolation als wichtigste Evolutionsfaktoren wirksam waren. Die Deszendenztheorie vereinigte erstmals Botanik und Zoologie zur Biologie und erklärt auch die Menschwerdung. Wissenschaftlich untermauert wurde die Deszendenztheorie. von C.Darwin.
Vgl. Keil-Slawik, 1990 (2), 156.
Kreationismus
[zur Geschichte des Evolutionsbegriffs]
Ein brillanter (und ausführlicher) Vergleich von biologischer Evolution und “technologischer Evolution” findet sich übrigens in “Summa technologiae” von Stanislaw Lem. Da werden erstaunlich viele Parallelen zwischen beiden erörtert. Außerdem werden die “Entwicklungsfähigkeiten” beschrieben, die die biologische Evolution perfekt beherrscht, die technologische aber kaum; sowie “Fähigkeiten”, die nur die technologische Evolution hat, die biologische Evolution jedoch gar nicht. Ich kann das Buch jedem nur empfehlen der sich nicht daran stört, dass es zur Hälfte auch um darauf basierende Futurologie geht.
Kritik am Prestige-Ansatz von Kenawi: Die Federn begünstigen die Partnersuche auf Kosten der Flugfähigkeit: Was ist wie zu "werten"?
"Den Wert dieser Steine zu erklären, ist nicht leichter oder schwerer als den Federschmuck eines Pfaus zu erklären. Schon Darwin hatte Schwierigkeiten, die für den Balzerfolg notwendige, im Alltag jedoch oft hinderliche Körperteile wie den Flug erschwerende Federtrachten oder übergroße Geweihe aus einer das Überleben sichernden Anpassung an die Umwelt zu erklären. Ein Teil der tierischen und menschlichen Entwicklungen entziehen sich dem Nützlichkeitsdenken. Inzwischen haben auch die Ökonomen erkannt, dass der Mensch nicht nur ein homo oecomomicus ist, sondern in vielem einfach seinem Spieltrieb folgt. Zu dieser spielerischen Seite gehört auch das Schönheitsempfinden. Über Schönheit kann man bekanntlich nicht streiten. Mode entzieht sich rationalen Erklärungsversuchen. Ihre Macht liegt in der sozialen Akzeptanz, die sie verschafft und dem sozialen Status, den sie ermöglicht. Allein Mode und soziales Prestigedenken gestatten uns den Wert von Prestigeobjekten abzuschätzen."
Inversion von "Schönheit": Die Evolution verfolgt keine Ziele, sie macht was sie macht. Wenn später jemand meint, das Federkleid sein schön oder begünstige das Partnerfinden usw. sind das a posteriori Projektionen. Schönheit kann ingsamt als solche Projektion gesehen werden, in der Evolution spielt sie überhaupt kein Rolle, aber sie wird als Erklärungsprinzip verwendet.