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In Frankreich beschlagnahmt ein kommunistischer Bürgermeister ein Haus, nachdem er den Zustand des Wohnheims für afrikanische ArbeiterInnen als unwürdig betrachtet hat. An der Stelle sollen kleinere Wohneinheiten gebaut werden.
Am 25. September hatte der kommunistische Bürgermeister des Pariser Vorortes Montreuil, Patrice Bessac, ein seit drei Jahren leerstehendes Bürogebäude der staatlichen Agentur AFPA beschlagnahmt. Nach der Installation von Toiletten und einer Küche zogen 200 afrikanische ArbeiterInnen ein. Der Zustand des Wohnheims BARA, in dem sie zuvor untergebracht waren, machte diesen Umzug erforderlich. Davon hatte der Bürgermeister sich zuvor selbst in einer Solidaritätsaktion überzeugt, bei der er eine Nacht in dem versifften Gebäude verbrachte. Er sah, wie Ratten über die Schlafstätten laufen und dass Abwasser durch die Decken suppt. «Absolut unwürdig», so kommentierte Bessac die Situation. Schon 2013 hatte er mit der Präfektur vereinbart, dass BARA abgerissen und an gleicher Stelle in kleineren Wohneinheiten neugebaut würde. Seitdem war jedoch nichts gegen die lebensfeindliche Situation im Wohnheim unternommen worden.
Ungebrochene Solidarität
Der Präfekt des Departements Seine-Sant Denis wollte per Anordnung die Beschlagnahmung des AFPA-Gebäudes annulliert wissen, was vom Verwaltungsgericht in Paris am 19. Oktober auch bestätigt wurde. Aber das gleiche Verwaltungsgericht entschied nun am 1. November, dass das Wohnheim BARA unbewohnbar ist und eine besondere Gefahr für Be- und AnwohnerInnen bestehe. Das ist eine indirekte Legitimation der Beschlagnahme. «Wir rufen Sieg erst an dem Tag, an dem alle BewohnerInnen aus BARA ausgezogen sind», kommentierte Vize-Bürgermeister Gaylord Le Chéquer im «Cafe Solidaire», das die «BesetzerInnen» vor dem AFPA-Haus betreiben – derzeit eine Adresse hundertfacher Solidarität. Der Präfekt, der nun zu weiteren Gesprächen bereit ist, will vor dem AFPA-Gebäude Wohncontainer aufstellen lassen. Die kommunistische Stadtverwaltung stellt sich dagegen, weil sie befürchtet, dass die Container zur Dauerlösung werden – zumal sie auf kontaminiertem Boden aufgestellt werden sollen. Im BARA verbleiben derweil 80 Personen, die aber durchaus noch im AFPA-Gebäude untergebracht werden könnten, selbst für mehrere Jahre, wenn es solange dauern sollte, bis das neue BARA steht. Das besetzte Verwaltungsgebäude wird ohnehin erst in einigen Jahren einer neuen Nutzung zugeführt.
Für die afrikanischen ArbeiterInnen bleibt die Situation ungeklärt, weitere sind in das besetzte Haus umgezogen. Gaylord Le Chéquer rechnet mit der Verhandlungsbereitschaft des Präfekten. Denn der Winter bricht an und die Welle der Solidarität ist ungebrochen.