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Der Brief Tolkiens vom 25. April 1954 – die ersten Teile von “Der Herr der Ringe” erschienen im Juli desselben Jahres – an den Proofreader Naomi Mitchison enthält einige interessante Hintergrundinformationen (enthalten in Letters, S. 173-180):
Eigene Kompetenzgrenzen
Ich bin Philologe, und auch wenn ich mich gerne genauer mit anderen kulturellen Aspekten und Merkmalen befassen würde, liegt das nicht in meinem Kompetenzbereich.
Zum Verlauf des Narrativs
In der Geschichte gibt es eine gute und eine schlechte Seite, Schönheit gegen rücksichtslose Hässlichkeit, Tyrannei gegen Königtum, gemäßigte Freiheit mit Zustimmung gegen Zwang.
Zu den Elben
(Dies ist eine) Rasse, die den Menschen im Aussehen ähnelt (und zwar umso mehr, je weiter sie zurückliegt) und in früheren Zeiten die gleiche Gestalt besaß. … (Sie) stellen in Wirklichkeit Menschen mit stark verbesserten ästhetischen und schöpferischen Fähigkeiten, größerer Schönheit und längerem Leben sowie Adel (nobility) dar.
Zu Sauron und den Ringen
Das eigentliche Silmarillion und das Erste Zeitalter endete mit der Vernichtung der urzeitlichen dunklen Macht (von der Sauron nur ein Leutnant war). … Die Drei Ringe waren nämlich gerade mit der Macht der Erhaltung, nicht der Erschaffung, ausgestattet. Obwohl sie unbefleckt waren, weil sie weder von Sauron gemacht noch von ihm berührt wurden, waren sie dennoch teilweise Produkte seiner Anweisung und standen letztlich unter der Kontrolle des Einen.
Zu den Orks
Orks (das Wort ist meines Erachtens tatsächlich vom altenglischen orc ‘Dämon’ abgeleitet, aber nur wegen seiner phonetischen Eignung) werden nirgends eindeutig als von einer bestimmten Herkunft stammend beschrieben.
Zu Zauberern
Ihre eigentliche Funktion, die von Gandalf beibehalten und von Saruman pervertiert wurde, bestand darin, die angeborenen Kräfte der Feinde Saurons zu fördern und hervorzubringen. Gandalfs Gegenspieler war, genau genommen, Sauron, in einem Teil von Saurons Operationen; so wie Aragorn in einem anderen war.
Zu den Balgrogs
Die Balgrogs, deren Hauptwaffen die Peitschen waren, waren urzeitliche Geister des zerstörenden Feuers, Hauptdiener der urzeitlichen dunklen Macht des Ersten Zeitalters.
Auf Peter Hastings, den Manager eines katholischen Buchladens, reagierte Tolkien in einem Brief im September 1954 (in Letters, S. 187-195). Hastings warf Tolkien vor, im metaphysischen Bereich über Grenzen hinaus gegangen zu sein. Konkret:
Böses habe keine Fähigkeit zur Erschaffung.
Tolkien: (Es herrsche ein anderes Verständnis in der Beziehung zwischen Schöpfung und Unterschöpfung (subcreation) vor.) (Ein Standpunkt möge) aus der Sicht der Realität (der äußeren Wirklichkeit) grundlegend “falsch” sein. Aber innerhalb dieser imaginären Welt können sie nicht falsch sein, denn so ist sie nun einmal geschaffen.
Die Fähigkeit zur Reinkarnation bei Elfen sei problematisch.
Tolkien verweist erneut auf das Diktum seiner sub-creation und sieht dies dort als gedachte Möglichkeit einer neuen Modus der Existenz. In der gleichen Richtung sieht er die Möglichkeit von Nachkommen zwischen Elben und Menschen als biologische Möglichkeit innerhalb seiner geschaffenen Welt an.
Es sei ebenso problematisch, dass Sauron trotz seiner extrem-bösen Existenz eine Kooperation mit den Elfen aufrecht erhalten konnte.
Tolkien: Sauron war natürlich nicht von Anfang an “böse”. Er war ein “Geist”, der vom obersten dunklen Herrscher (dem obersten unterschöpferischen Rebellen) Morgoth korrumpiert wurde. … Zu Beginn des Zweiten Zeitalters war er noch schön anzusehen oder konnte noch eine schöne sichtbare Gestalt annehmen – und war in der Tat nicht gänzlich böse.
Orks hätten nicht vom Dunklen Herrsch erschaffen werden können.
Tolkien: Baumbart sagt nicht, dass der Dunkle Herrscher Trolle und Orks “erschaffen” hat. Er sagt, dass er sie als Nachahmung bestimmter bereits existierender Kreaturen “erschaffen” hat. Zwischen den beiden Aussagen klafft meines Erachtens eine große Kluft. … (Orks seien) im Grunde eine Rasse von “vernunftbegabten” Kreaturen, wenn auch schrecklich verdorben, ebenso wie viele Menschen, die man heute trifft.
Dies widerspiegelt anschaulich, wie wir mit einem «realistischen» Mindset den Aussagegehalt zu starr übertragen können anstatt uns auf diese Unterschöpfung Tolkiens einzulassen. Kindern gelingt dies übrigens oft besser als Erwachsenen.