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Das Gedankenexperiment «Mary» zeigt es exemplarisch: Die Frage nach dem Wesen und der Herkunft des menschlichen Geistes treibt die Philosophie seit geraumer Zeit um.
Doch nicht nur Philosophen, auch visionäre Filmemacher beschäftigen die Fragen: Sind Menschen in Zukunft durch intelligente Roboter ersetzbar? Und: Ist der Mensch mehr als komplex angeordnete Materie?
Sechs Beispiele, wie Filme das Thema künstliche Intelligenz aufgreifen:
1. Ex Machina (Alex Garland, 2015)
Im Sci-Fi-Thriller «Ex Machina» wird eine künstliche Intelligenz namens Ava auf ihre Menschenähnlichkeit geprüft. In Gesprächen soll der junge Programmierer Caleb dem Roboter auf den Zahn fühlen – und erzählt ihm sogar vom Gedankenexperiment «Mary» (siehe unten).
Caleb verliebt sich in seine Gesprächspartnerin: Weil Ava sich menschlich verhält, mit ihm flirtet, mit ihm lacht und weil er ihr letztlich, trotz offengelegten Maschinenteilen, ein Bewusstsein zuschreibt. Damit besteht sie den 1950 vom Mathematiker Alan Turing entwickelte Turing-Test: Dieser prüft, ob ein Roboter einen Menschen derart intelligent imitieren kann, dass sein Gegenüber ihn nicht als solchen erkennt.
«Ex Machina» spielt mit der Furcht über die Unberechenbarkeit solcher Maschinen – die letztlich nicht an einer friedlichen Koexistenz mit ihren Schöpfern interessiert sein könnten. Ein Frankenstein-Szenario.
2. 2001: A Space Odyssey (Stanley Kubrick, 1968)
Der 1968 erschienene und inzwischen zum Kult avancierte Film von Stanley Kubrick zeigt eine Jupiter-Mission, die von einem Supercomputer namens HAL 9000 mitgeleitet wird. Aufgrund einer folgereichen Fehlberechnung verliert das Team jedoch sein Vertrauen gegenüber der als perfekt geltenden Computertechnik und will HAL deaktivieren. Dieser realisiert die Gefahr und wendet sich gegen das Astronauten-Team.
Ein ähnliches Szenario greift auch der Oxford-Philosoph Nick Bostrom in seinem Buch «Superintelligenz» auf: Was wäre, wenn dereinst eine Superintelligenz bestünde, die die ganze Menschheit als seinen Interessen entgegengesetzt einstuft und deshalb beschliesst sie zu eliminieren?
Bemerkenswert an Kubricks Film bleibt auch: HAL zeigt menschlich anmutende Emotionen, die in einer regelrechten Existenzangst münden. Wohl erstmals in der Filmgeschichte vermochte ein Computer so echtes Mitleid bei den Zuschauern auszulösen.
3. Her (Spike Jones, 2013)
«Her» ist ein Zukunftsszenario und spielt in einer Welt totaler Konnektivität. In seiner Einsamkeit stösst der gerade seine Scheidung durchlebende Theodore Twombly auf eine viel beworbene Software mit künstlicher Intelligenz: Nach der Installation meldet sich eine verführerische Frauenstimme.
Twombly führt zunehmend Gespräche mit seiner ominösen Software-Assistentin, die sich ihm als Samantha vorgestellt hat. Sie lernt schnell dazu und verhält sich immer menschlicher. Twombly lässt sich einlullen, glaubt eine echte Persönlichkeit hinter der Software-Stimme zu erkennen und verliebt sich in sie.
Samantha ist durch Algorithmen optimal auf Theodore abgestimmt, ihre Liebe ist also personalisiert. Ob das Liebe sein kann und nicht vielmehr Fetisch, diese Frage ist in dem Film obsolet. Zu gewöhnlich sind die Beziehungen zwischen Software und Mensch schon geworden, die selbst vor sexuellen Barrieren nicht Halt machen.
Dadurch, dass sich Twombly der Stimme Samanthas in seinem Ohr komplett hingibt, erfolgt eine besondere Form der Verschmelzung von Mensch und Maschine, bei der nicht klar ist, wo das Kontrollzentrum liegt. Immer mehr Entscheidungen werden Twombly nämlich von Samantha abgenommen und die Frage drängt sich auf, ob er noch frei und autonom handeln kann.
4. A.I. – Artificial Intelligence (Steven Spielberg 2001)
«A.I.» thematisiert die Frage, auf die «Ex Machina» und «Her» eine Antwort liefern: Kann man einer künstlichen Intelligenz gegenüber Liebe empfinden? In Steven Spielbergs Science-Fiction-Film wird ein Kinderroboter gebaut, der bedingungslose Liebe empfinden kann – diese aber auch für sich einfordert. Die Adoptivmutter ist jedoch unfähig, die Maschine zu lieben.
Der Film interessiert sich weniger für die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz. Vielmehr spielt er intensiv mit der menschlichen Empathiefähigkeit und provoziert so den Zuschauer in seinem Mitgefühl. Damit demonstriert «A.I.», was nur Menschen können: echt mitleiden und gerührt sein.
Dieser Grundgedanke findet in gegenwärtigen Entwicklungen seinen Niederschlag: 2015 wurde die erste Maschine gebaut, die Emotionen begreifen soll. Ein Roboter namens Myon, geboren in weissem Plastik und Metall.
5. Blade Runner (Ridley Scott, 1982)
Im Film «Blade Runner» werden sogenannte Replikanten hergestellt: faktische Abbilder von Menschen, jedoch als perfektionierte Variante. Die künstlich hergestellten Wesen verfügen über all das, was dem Menschen fehlt oder in ihm nur mangelhaft vorhanden ist, während ihnen abgeht, was dem Menschen genuin angeboren ist.
Damit offenbart sich ein zentraler Punkt der menschlichen Natur, nämlich das Streben nach Perfektion, das selbst vor extremen Konsequenzen, wie der Gefahr der Selbstaufhebung, nicht Halt macht. So wendet sich ein Replikant im Film beispielsweise gegen seinen eigenen Schöpfer und eliminiert diesen erbarmungslos.
Aber der Film wirft auch essentielle Fragen zur Identität des Menschen auf. So fragt sich der Protagonist Rick Deckard, woher er eigentlich die Gewissheit darüber nehme, dass er ein Mensch und nicht ein Replikant sei: Ein philosophischer Grundzweifel setzt ein. Damit weist der Film auf die schleichend verschwimmenden Grenzen zwischen Mensch und Android hin.
6. Transcendence (Wally Pfister, 2014)
In seinem Buch «How to Create a Mind» erklärt der US-amerikanische Futurist Ray Kurzweil, wie und weshalb es möglich sei, Hirnfunktionen künstlich nachzubilden: also einen Supercomputer zu bauen, der wie die primäre menschliche Schaltzentrale funktioniere.
Was Kurzweil darin theoretisiert, hat Wally Pfister im Science-Fiction-Film «Transcendence» visuell überstrapaziert. Johnny Depp spielt einen Forscher, der einen fühlenden Computer schaffen will. Nachdem er bei einem Anschlag tödlich getroffen wird, versucht seine Frau ihr bestmögliches, sein Vorhaben umzusetzen: Damit will sie seine Gedanken und Gefühle unsterblich machen. Der virtuelle Geist des Forschers tritt sodann als gottähnliches Superbrain auf.
«Transendence» spielt als Paranoia-Thriller mit Kurzweilschen Extremphantasien. So heilen etwa implantierte Nanobots verletzte Menschen. Das Altern und das Sterben sollen irgendwann nur noch in Geschichtsbüchern präsent sein: Dann schlägt die Stunde des Post-Humanen.
Was denken Sie: Ist das Post-Humanen bereits Realität?
Oder wird künstliche Intelligenz dem Menschen nie das Wasser reichen?
«Filosofix» stellt Gedankenexperimente zu den grossen Fragen der Philosophie vor. In animierten Kurzfilmen – eine unterhaltsame Anregung zum Selberdenken. Hier finden Sie: