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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Siebenundzwanzigstes Hauptstück.
Wir haben nun, geliebteste Brüder, alle ausgesprochenen Glaubenserklärungen der orientalischen Bischöfe durchgangen, welche sie gegen die unlängst entstandene Ketzerei auf einer von ihnen veranstalteten Synode verfaßt haben. Und wir haben, so viel wir konnten, zum Verständnisse ihrer Ansicht die Sprache in unserer Auslegung jener Ansicht angepaßt, so daß wir mehr für Diener ihrer Worte, als für Urheber fremder Behauptungen angesehen werden müssen; ihrer Worte nämlich, in welchen sie1 gegen die neue und gottlose Verruchtheit diese Grundsätze ihrer Ueberzeugung und der schon lange empfangenen Lehre aufstellen, und durch welche sie diejenigen, welche diese Irrlehre zu Sirmium verfaßt, oder, nachdem sie verfaßt worden war, aufgenommen hatten, und ihre Unwissenheit bekannten, zur Unterschrift solcher Beschlüsse gezwungen haben, wo der Sohn das vollkommene Ebenbild des Vaters ist; wo wegen [S. 372] der Eigenthümlichkeit des nichtverschiedenen Ebenbildes der Sohn nicht durch gottlosen Betrug verdrängt wird, so daß er der Vater sey; wo der das Ebenbild des Vaters genannte Sohn wegen der Wahrheit der Gleichheit von der Wesenheit des Vaters, dessen Ebenbild er ist, durch keine Verschiedenheit der Substanz verschieden ist; wo durch das Leben, welches der Vater hat, und welches der Sohn empfangen hat, der Vater in der Substanz, welche durch das Leben bezeichnet wird, nichts von dem Verschiedenes hat, was der Sohn zu haben empfangen hat; wo der gezeugte Sohn kein Geschöpf ist, sondern eine von der Natur des Vaters nicht verschiedene Substanz ist; wo, wie zwischen Vater und Sohn gleiche Macht ist, so auch ihre Wesenheit keine Verschiedenheit unter sich duldet; wo der Vater durch die Zeugung des Sohnes nichts aus sich in ihm durch Verschiedenheit der Natur Ausartendes zeugt; wo, weil in Beiden die Gleichheit der Natur in nichts verschieden ist, doch die Eigenschaft der Gleichheit die Vereinigung der persönlichen Namen zurückweiset, so daß es nicht Eine Person ist, welche sowohl Vater als auch Sohn genannt werde; wo, weil frommer Weise der Vater der Sender, und der Sohn der Gesandte genannt wird, doch in nichts zwischen dem Vater und Sohne, das ist, zwischen dem Gesandten und dem Sender, die Wesenheit unterschieden wird; wo die Wahrheit des väterlichen Namens nicht auf Zeiten beschränkt ist; wo der Sohn der Zeit nach nicht später, als der Vater ist; wo die über alle Zeit erhabene vollkommene Geburt in sich den Irrthum der Nichtgeburt nicht zuläßt. [S. 373]
1: Hilarius stellt hier der neuen Lehre der Anomöer die alte Lehre der Orientalen gegenüber, welche nach dem Zeugnisse des Epiphannis, Här. 73, § 2. nach ihrem Glaubensbekenntnisse zu Antiochia im Jahr 341, auch Folgendes beifügen: „Sie mögen wissen, daß wir jenen Glauben, den wir von den Zeiten der Apostel her bis auf unsere Väter ununterbrochen fortgepflanzt erhalten haben, wie ein väterliches Erbe schützen und vertheidigen.“