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Anliegen, das Verkehrsaufkommen zu vermindern oder die Belastungen des Verkehrs zu senken, sind konfliktträchtig. Die Aufhebung von Parkplätzen führt regelmässig zu lautem Protest des Gewerbes. Die Einrichtung von Tempo-30-Zonen oder Begegnungszonen scheitert in Abstimmungen oftmals. Die Angst davor, nur noch in gemächlichem Tempo durch die Quartiere fahren zu dürfen, ist stärker als das Argument, dass verminderte Geschwindigkeiten zu mehr Sicherheit und Lebensqualität führen.
Die Erfahrungen der Verkehrsplaner zeigen, dass Verkehrsberuhigung und Temporeduktionen grossen Nutzen bringen. Durch verkehrsberuhigende Umgestaltungen von Quartierstrassen, in der Regel kombiniert mit tempobeschränkten Zonen, können oft markante Flächengewinne zugunsten des nichtmotorisierten Verkehrs und von Aufenthaltsräumen realisiert werden.
Eine flächenhafte Senkung der Geschwindigkeiten des motorisierten Verkehrs in Form der Einrichtung von Tempo 30- oder Tempo 20-Zonen (Begegnungszonen) führt zu einer Verminderung der Lärm- und Abgasemissionen. Zudem resultieren deutliche Verbesserungen bei der Verkehrssicherheit (Minderung der Unfallschwere) und günstigere Voraussetzungen für die Nutzung der öffentlichen Räume.
Dass sogar Durchgangsstrassen verträglicher gestaltet werden können, zeigt ein ein Beispiel aus dem Kanton Bern. Die Schwarzenburgstrasse, eine Kantonsstrasse mit täglich 17’000 Autos und mehreren Buslinien, quert das Zentrum von Köniz. Diese Durchgangsstrasse wurde auf einer Länge von 300 Metern in die Tempo-30-Zonen der umliegenden Gemeindestrassen integriert. Fussgängerinnen und Fussgänger dürfen die Strasse überall queren. Auf Fussgängerstreifen und Lichtsignalanlagen wurde bewusst verzichtet. Eine Evaluation hat gezeigt, dass nach anfänglicher Skepsis der Bevölkerung heute eine grosse Mehrheit das freie Queren der Strasse begrüsst. Potenzielle Konfliktsituationen zwischen Fuss- und Autoverkehr haben abgenommen. Die fahrplangerechte Betriebsabwicklung des öffentlichen Verkehrs hat sich verbessert, und auch die Autofahrenden benötigen heute trotz Tempo 30 weniger Zeit für die Durchfahrt.