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2013 wurden die neuesten Empfehlungen für die Diagnose und die Behandlung des erhöhten Blutdrucks veröffentlicht. Es handelt sich um allgemeine Empfehlungen (nicht nur für Diabetiker) der Europäischen Gesellschaften für Hypertonie und Kardiologie. In diesem kurzen Artikel geht es darum, noch einmal daran zu erinnern und die Empfehlungen speziell für Menschen mit Diabetes zu formulieren.
Der erhöhte Blutdruck ist weltweit der wichtigste Faktor für eine erhöhte Sterblichkeit und weltweit verantwortlich für 13 Prozent aller Todesfälle. Danach folgen Rauchen (9 %), erhöhter Blutzucker (6 %), körperliche Inaktivität (6 %) und Übergewicht (5 %). Die Häufigkeit des Bluthochdrucks liegt in der Gesamtbevölkerung bei 30 bis 45 Prozent, mit einem steilen Anstieg mit zunehmendem Alter. Der unlängst im «d-journal» veröffentliche Artikel (Dr. A. Spillmann, «d-journal» 222/2013) erklärt die wichtigsten Begriffe anschaulich und beschreibt die Empfehlungen (ESC/ESH-Leitlinien 2013). Für 2015 wurden leicht angepasste Zielwerte empfohlen.
Wie misst man den Blutdruck und wie stellt man die Diagnose des erhöhten Blutdrucks?
Für die Ärzte ist es wichtig, das Gesamtrisiko zu erfassen, das heisst alle Faktoren, die zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Ausserdem sollen Erkrankungen, die als Ursache für den hohen Blutdruck in Frage kommen, ausgeschlossen werden. Ferner müssen mögliche Organschäden, die durch den erhöhten Blutdruck entstehen können, gesucht werden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Blutdruck zu messen: Der Arzt kann ihn in der Sprechstunde messen, der Patient kann Selbstmessungen durchführen oder das Praxisteam kann dem Patienten eine Blutdruckmanschette mit automatischer Blutdruckmessung und -aufzeichnung während 24 Stunden anlegen (sogenanntes 24-Stunden Blutdruckprofil).
Von erhöhtem Blutdruck spricht man, wenn der in der Praxis gemessene Blutdruck über oder bei 140/90 mmHg liegt, oder wenn die Selbstmessung wiederholt Werte von über (oder gleich) 135/85 mmHg ergibt. Das 24 Stunden Blutdruckprofil sollte einen Mittelwert von 130/80 mmHg, einen Frühmorgenwert (beim Erwachen) von 135/85 mmHg und einen Nachtwert (während des Schlafes) von 120/70 mmHg nicht überschreiten.
Eine Erkrankung, die den hohen Blutdruck verursacht, muss dann vermutet werden, wenn gewisse Resultate in der Blutentnahme dafür sprechen, wenn der Patient zum Zeitpunkt der Diagnose sehr jung ist (unter 30 Jahren), wenn von Anfang an (zum Zeitpunkt der Diagnose) eine schwere Hypertonie vorliegt (Grad 2 oder 3) oder wenn die Behandlung nicht anspricht.
Definitionen
Kardiovaskuläre Risikofaktoren:
Ein Risikofaktor ist bildhaft vergleichbar mit einer Ampel an einem Fussgängerstreifen. Bei Rotlicht kann man auch über die Strasse gehen. Man hat dann ein deutlich erhöhtes Risiko, überfahren zu werden. Es ist aber nicht sicher, dass man überfahren wird.
Auch bei Grün über den Fussgängerstreifen zu gehen, ist nicht ungefährlich: auch bei Grün kann man überfahren werden, aber das Risiko ist wesentlich geringer.
Die klassischen Risikofaktoren sind: Der hohe Blutdruck, das Rauchen (Zigaretten), erhöhte Blutfette, ein erhöhter Blutzucker, körperliche Inaktivität und Übergewicht/Adipositas.
Lifestyle-Massnahmen:
– Salzrestriktion auf 5 – 6 g/Tag, (= ganz leicht gehäufter TL)
– Gewichtsreduktion und -stabilisierung (BMI ≤ 25 kg/m2 und Bauchumfang unter 102 cm für Männer und < 88 cm für Frauen),
– Rauchstopp,
– regelmässige körperliche Aktivität (30 Minuten leichte körperliche Aktivität an 5 – 7 Tagen pro Woche),
– moderater Alkoholkonsum (Männer unter 20 – 30 g / Tag und Frauen unter 10 – 20 g / Tag (ein Liter Wein enthält etwa 90 – 130 g Alkohol),
– mehr Konsum von Gemüse und Früchten.
Altersabhängige Blutdruckziele:
Das Behandlungsziel (und damit auch der Grenzwert, ab dem eine medikamentöse Behandlung erfolgen soll) ist abhängig vom Alter und von den Begleiterkrankungen.
Kommentare und Erläuterungen
Die europäischen Empfehlungen legen damit mehr Gewicht auf die Blutdruckselbstmessung, auf die Bedeutung der Lifestyle-Anpassung, und sie definieren den Zielblutdruck individuell nach Risiko und nach Alter. Der Therapiebeginn wird so vom Alter und vom Gesamtrisiko abhängen. Als Zielwert gilt in der Gesamtbevölkerung ein Wert von unter 140/90 mmHg. Das ist höher als in den früheren Empfehlungen. Es gibt keinen Hinweis, dass eine strengere Einstellung eine bessere Risikoreduktion bringt. Im Gegenteil würden dadurch mehr Nebenwirkungen ausgelöst.
Da alle Menschen mit Diabetes bereits einen Risikofaktor haben, geraten sie direkt in eine höhere Risikokategorie. Deshalb galten bis anhin Zielwerte für Patienten mit Diabetes von systolisch unter 135 mmHg und diastolisch von unter 85 mmHg. Für 2015 hat die Gesellschaft für Hypertonie Zielwerte von systolisch unter 140 mmHg und diastolisch von unter 85 mmHg vorgeschlagen. Ob sich die SGED (Schweizerische Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie) diesen Empfehlungen anschliesst, bleibt abzuwarten
Bei fortgeschrittener diabetischer Nierenerkrankung gilt bis heute ein Blutdruckzielwert von 130/80 mmHg. Menschen mit fortgeschrittenen Nierenerkrankungen (Nierenversagen) haben ein besonders hohes Herz-Kreislauf-Risiko.
Wenn die Lifestyle-Anpassungen nicht ausreichen, wird der Arzt ein Medikament verschreiben. Meist fällt bei Diabetes die erste Wahl auf ein Medikament aus der Klasse der Inhibitoren des Angiotensin-Converting-Enzymes. Andere Medikamente können hinzugefügt oder das Medikament bei schlechter Verträglichkeit durch ein anderes ersetzt werden, bis der Zielblutdruck erreicht wird. Die meisten Diabetiker mit erhöhtem Blutdruck brauchen mehr als ein Blutdruckmedikament. Selbstverständlich ist die korrekte Einnahme der Medikamente für die Erreichung des Zielwertes von grosser Bedeutung.
Wie rasch ein solcher Blutdruck erreicht werden soll, ist in den Empfehlungen nicht formuliert. Es gibt aber keine Hinweise, dass der erhöhte Blutdruck sehr schnell gesenkt werden muss, und so gilt es, das Ziel innerhalb von acht bis zwölf Wochen zu erreichen.
Neben dem Blutdruck müssen auch die anderen Risikofaktoren behandelt werden, da sie das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mitbestimmen.
Auch wenn es ein Nullrisiko im Leben nicht gibt, so lohnt es sich doch, das Risiko so klein wie möglich zu halten. Dazu sollte neben dem Diabetes auch besonders auf den Blutdruck geachtet werden. So können Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Hirnschlag und Arteriosklerose deutlich vermindert werden.