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Biographisches
1914 in St.Gallen geboren, wuchs Carl Liner jun. in Appenzell auf. Er starb 1997.
Durch seinen Vater, Carl Liner sen. (1871-1946), gelangte Carl Liner schon früh zur Malerei.
Nach seiner künstlerischen Ausbildung beim Vater hielt sich Carl Liner zu Studienzwecken 1936 und 1947 in Aegypten - die dortigen Eindrücke liessen ihn zeit seines Lebens nicht mehr los - und 1937/38 in Paris auf, wo er den Kontakt zu Künstlerpersönlichkeiten wie G. Braque und Vlaminck zu pflegen beginnt und sich mit der französischen Moderne auseinandersetzt.
Zurück in der Schweiz heiratet Carl Liner 1944 in Zürich, wo er acht Jahre lebte. Nach dem verlustreichen Tod der Eltern 1946/47 begann Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre eine Zeit des Reisens - Algerien, Korsika, Spanien, Italien und Südfrankreich bedeuten einen Aufbruch zu neuen Motiven. Seit 1954 lebte und arbeitete Carl Liner vorwiegend in Frankreich, in der Provence und in Paris. Er kehrte immer wieder nach Appenzell zurück, wo er 1997 verstarb.
Carl Liner kann heute auf eine Vielzahl bedeutender Galerie- und Museumsausstellungen im In- und Ausland und auf eine Reihe internationale Auszeichnungen zurückblicken. Im September 1998 wird das Museum Liner Appenzell eröffnet.
Material und Technik
Carl Liner sieht in der Malerei - sei es in Öl auf Leinwand oder Holz, als Gouache oder Aquarell - die Erfüllung seiner Lebensaufgabe schlechthin. Im weitesten Sinne versteht er sie auch als Fortsetzung des väterlichen Werkes, allerdings mit veränderten Vorzeichen der ihm zur Verfügung stehenden Mittel.
Schon in seinen frühen Bildern zeigen sich künstlerische Elemente, die sich wie ein roter Faden durch sein Oeuvre ziehen: der temperamentvolle gestische Pinselduktus, die kraftvollen Farben und ihr pastoser Auftrag, die Dichte der gebauten Komposition und ihre plastische Tiefe.
Liners Farbwahl ist eng mit persönlichen Stimmungen und den wechselnden Lebenssituationen ver-bunden.
Bildsprache und künstlerische Aussage
Carl Liners malerisches Urmotiv ist die Natur als Nährboden für die Phantasie. Die magische Wirkung seiner Werke gründet in dieser Spannung zwischen abbildender Wirklichkeit und Phantasie. Es sind keine stillen Bilder; trotz aller Harmonie in Farbe und Form strotzen sie vor gebändigter Kraft.
Zu den expressiven Landschaften treten seit dem Zweiten Weltkrieg abstrakte Kompositionen. Dieser Wandel vollzog sich ohne Bruch, denn Carl Liner sieht in der Abstraktion nicht eine Abwendung von der Natur, sondern eine Erweiterung derselben in der Phantasie. Er setzt den Rhythmus und die Bewegung der Bäume und Bäche in Abstraktionen um, die sich in ihrer dynamischen Tektonik vom Naturvorbild gelöst zu haben scheinen. Und doch sind sie nur Umformulierungen einer Anschauung.
Für Carl Liner bedeutet Kunst Religion; sie erfasst den Sinn des Lebens, ist der Sieg über die Angst vor dem Tod. Liner hat nie l'art pour l'art geschaffen, da das Dekorative einer Sinnentleerung seiner Malerei gleichkäme. Die stetige Suche nach dem Geistigen drückt sich auch im Streben nach dem Verstehen seiner Vorbilder wie van Gogh, Gauguin oder Cézanne aus. Sie verstehen und weiterfüh-ren und auf dieser Basis mit seinen Ausdrucksmitteln keine Plagiate, sondern Neues schaffen, darin sieht Liner seine künstlerische Aufgabe. Er hat sich nie in modernen Stilen versucht, sondern ist sei-nen eigenen Weg gegangen, auf dem sich seine Malerei und Bildsprache verändert hat.