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Als erstes schwarzafrikanisches Land erlangte Ghana 1957 die Unabhängigkeit. Dieser Meilenstein in der Befreiung aus der europäischen Kolonialherrschaft trieb die Dekolonialisierung des gesamten Kontinents voran und befeuerte eine panafrikanische Bewegung.
Die neuen Präsidenten von Kenya, Tansania und Kongo-Kinshasa – Jomo Kenyatta, Julius Nyerere und Patrice Lumumba – gehörten in den 1960er Jahren zu den prominenten Vertretern eines politisch vereinigten Afrikas. Die 1963 gegründete Organisation für afrikanische Einheit (OAU) verzichtete schlussendlich jedoch auf die supranationale Union und beschränkte sich auf einen eher losen Staatenzusammenschluss.
In den folgenden Jahrzehnten konnte die Organisation nicht an Kraft gewinnen. Insbesondere das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Länder sorgte dafür, dass die OAU einen schlechten Ruf als «Klub der Diktatoren» bekam.
Auch im Hinblick auf eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit kam sie lange nur schleppend voran. 1994 wurde zwischen den Ländern dann ein Vertrag ratifiziert, der die Schaffung einer Zollunion vorsah – und die Einführung einer afrikanischen Einheitswährung. Mehrfach wurden in den darauf folgenden Jahrzehnten Versuche für eine Währungsunion gestartet.
Auch die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat seit 1993 die Einführung einer gemeinsamen Währung voranzutreiben versucht – deren Einführung wurde aber immer wieder verzögert. Nach einem Gipfel in Nigerias Hauptstadt Abuja im Juni 2019 wurde beschlossen, dass der so genannte Eco 2020 eingeführt werden soll.
Die Einheitswährung erfährt vor allem in den frankophonen Ländern, in denen derzeit noch mit dem CFA-Franc gezahlt wird, Zustimmung. Senegal oder Benin sehen den CFA, dessen Wechselkurs an den Euro gebunden ist, kritisch. Mit eigenem westafrikanischem Geld wollen diese Länder die finanzielle Abhängigkeit von der einstigen Kolonialmacht Frankreich verringern oder gar beenden.
Das ehemalige Mutterland sichere sich mit seiner Währung politischen und militärischen Einfluss, den Zugang zu billigen Rohstoffen und einen Export-Markt, so die Kritik. Afrikanische Länder dagegen, betonen kritische afrikanische Ökonomen, müssten hohe Zinssätze bezahlen, häuften Schuldenberge an und verzeichneten nur ein geringes Wirtschaftswachstum.
Während sich deswegen etwa in Togo eine breite Zustimmung für die Einführung der Einheitswährung abzeichnet, sieht man in Nigeria dem Projekt jedoch mit weniger Begeisterung entgegen. Das mit rund 200 Millionen Menschen größte Land Westafrikas drängt darauf, dass zuerst die Steuer-, Industrie-, Handels- und Arbeitspolitik in der Region vereinheitlicht wird.
Es bleibt also fraglich, ob 2020 die Währungsunion eingeführt und damit ein Baustein des visionären panafrikanischen Projekts aus den 1960er Jahren Realität wird.