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Vielen Menschen ist nicht klar, dass Milchkühe nicht «einfach so» Milch geben. Die Milch ist eigentlich zur Ernährung ihres Kalbes gedacht – es ist Muttermilch. Nur, wenn die Kuh ein Kalb zur Welt gebracht hat, produziert sie auch Milch. Bringt sie das Kalb zur Welt, nimmt man es ihr nach wenigen Stunden oder Tagen weg – denn schliesslich beansprucht der Mensch die Kuhmilch für sich. Für das Kalb ist sie zu wertvoll.
Milchersatz aus einem Eimer statt Muttermilch
Kühe sind ausgesprochen soziale Lebewesen und ihren Kälbern gegenüber sehr fürsorglich. Die Mutterkuh ruft oft verzweifelt nach ihrem Kalb und dreht sich immer wieder suchend nach ihm um. Das Kalb erhält nur Milchersatz aus einem Eimer – und das aus Zeitgründen meist nur zweimal pro Tag. Kann das Kalb am Euter der Mutter saugen, tun sie das sechs bis acht Mal am Tag. Bei der Milchersatzfütterung sind die Kälber entsprechend hungrig und trinken sehr hastig. Das kann zu lebensbedrohlichem Durchfall führen.
Die Kälber werden zudem in der Regel während der ersten beiden Wochen ihres Lebens in Einzelboxen («Kälberiglus») mit lediglich Sichtkontakt zu anderen Kälbern gehalten. Dies soll verhindern, dass sich die aufgrund der frühen Trennung von der Mutter krankheitsanfälligeren Kälber gegenseitig anstecken, aber auch um das gegenseitige besaugen zu verhindern. Um die häufige Erkrankung vorzubeugen und zu behandeln, sind hohe Antibiotikaeinsätze bei Kälbern die Norm.
In solchen Einzelboxen werden die Kälber während den ersten beiden Wochen ihres Lebens häufig gehalten.
Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht auch in der Milchviehhaltung?
Es gibt eine Alternative, um diesem Leid ein Ende zu setzen: Die Mutter- und Ammengebundene Kälberaufzucht. Momentan gibt es in der Schweiz nur in der Rindfleischproduktion einiger Labels eine kommerziell vertriebene Mutterkuhhaltung. Diese wäre jedoch auch in der Milchwirtschaft möglich. Denn Milchkühe sind auf derart hohe Milchleistungen gezüchtet worden, dass sie gleichzeitgi ihre Kälber säugen und für den menschlichen Konsum gemelkt werden können. Einzelne Betriebe in der Schweiz und in Deutschland («Elternzeitmilch») produzieren bereits nach diesem System, auch wenn ihnen noch diverse Hürden begegnen.