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Sennesblätter
(Folia Sennae), eine als kräftiges Purgiermittel in ausgedehntem Maße verbrauchte Ware, die Fiederblättchen verschiedner Arten des großen Geschlechts Cassia, strauchartiger, zu den Hülsenfrüchtlern (Leguminosen) gehöriger Gewächse mit paarig gefiederten Blättern, die in Ägypten, Abyssinien und Arabien auf dürrem Boden wachsen und zum Teil auch in Ostindien angebaut werden. Mancherlei Arten, wie Cassia Senna, C. lanceolata, C. obovata, C. lenitiva etc., werden als beitraggebend aufgeführt, und Form, Größe und Beschaffenheit der Blättchen, die bald länger oder kürzer, schmäler oder breiter, spitzig oder stumpf sind, spricht für ihre verschiedne Abstammung.
Verschiedne aufgeführte Sorten, wie tripolitanische, syrische oder aleppische, Mekkablätter u. a., scheinen übrigens keine gangbare Ware zu sein; der Bezug hält sich nur an die über Ägypten kommenden Blätter, die unter dem Namen Alexandriner gehen. Sie kommen aus Oberägypten, wo sie von Arabern, welche die Wüsten östlich und westlich vom Nil frequentieren, gesammelt, von Händlern aufgekauft und nach Kairo oder Alexandrien gebracht werden, wo man sie umpackt und in Ballen nach Europa schickt. Es sollen sich darin gewöhnlich zwei gleichwertige Arten von Blättern (die Blätter von Cassia obovata und C. lenitiva), außerdem aber viel fremde Blätter, Blüten und Hülsen vorfinden; gewöhnlich ist die Ware mit Zweigen, Stielen, Bruch und Sand so gemengt, daß beim Reinigen über die Hälfte Abgang entsteht.
Das Reinigen durch Auslesen, wiederholtes Aussieben und Schwingen wird entweder schon in Triest oder erst von den großen inländischen Droguenhäusern vorgenommen. Man scheidet dabei noch eine Sekundasorte als kleine Senna (folia sennae parvae) ab, indem man von ¶
forlaufend
dem gröblich Abgesiebten wieder den Staub absiebt. Möglichst frische Ware, bei der die Blätter noch zäh, grünlich, ohne Flecken und Bruch sind, wird natürlich am meisten gesucht. Neben der mangelhaften ägyptischen hat sich in letzterer Zeit eine ostindische Sorte beliebt gemacht und wird in zunehmendem Maße eingeführt: die Tinnevelly-Senna. Sie soll von C. medicinalis stammen, die in der Gegend von Kalkutta auf Plantagen kultiviert wird. Es ist dies die reinste Ware ohne fremde Bestandteile, mit den größten grünen oder bräunlichgrünen Blättern von zäherer Beschaffenheit und weniger zum Bruch geneigt, als die Alexandriner, steht aber hinsichtlich ihrer Wirksamkeit den letztem nach. Deutschland bezieht diese Ware über England. -
Die S. riechen eigentümlich aromatisch, aber nicht angenehm, und schmecken schleimig und bitter. Verwendet werden dieselben in Pulverform, zu Aufgüssen, in Latwerge und als Extrakt. Die Blätter enthalten als wirksame Bestandteile: Cathartinsäure, Sennapikrin und Cathartomannit, außerdem aber noch andre von harziger Natur, welche ungünstig wirken und Leibschneiden verursachen. Werden die Blätter mit Wasser förmlich gekocht, so gehen diese Stoffe mit an das Wasser über; es ist daher Regel, keine Absude, sondern nur Aufgüsse mit heißem Wasser aus den S. zu machen und sie einige Zeit ziehen zu lassen. Außerdem schreiben mehrere Arzneiverordnungen entharzte Blätter vor, d. h. solche, aus denen jene nachteiligen Bestandteile vor der Anwendung durch Extrahieren mit Weingeist entfernt worden sind. -
Die Ware kommt teils in Ballen, teils in Kisten verpackt. Die der Alexandrinerware gewöhnlich beigemengten fremden Blätter sind die sog. Arghelblätter, von Cynanchum Arghel, einer in Ägypten heimischen Asclepiacee stammend; sie müssen ausgelesen werden und sind leicht zu erkennen, da sie dick, lederartig und runzlig sind und sich infolge beiderseitiger starker Behaarung rauh anfühlen; ihre Farbe ist gelblichgrün oder graugrün. - Zollfrei.