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Beide steuern sie das gleiche Ziel an: den Sprung in den Ber-ner Gemeinderat. Nicht gleich sind ihre Antworten auf die direkten Fragen des Bärnerbär
Wie würden Sie sich in drei Stichworten beschreiben?
Marianne Schild: Zwei Stichwörter reichen: smart und stylish.
Bernhard Eicher: Bürgerlich-liberal, rasche Auffassungsgabe, vielseitig interessiert.
Darf man Ihrer Meinung nach ohne schlechtes Gewissen in die Ferien fliegen?
MS: Nein, das darf man nur mit schlechtem Gewissen.
BE: Ja. Wer die Welt sehen will, muss zwischendurch ins Flugzeug steigen. Viele Städte im nahem Ausland sind mittlerweile aber bequem mit dem Zug erreichbar.
Wie lautete Ihr Spitzname als Kind?
MS: Marä.
BE: Bundesrat.
In welche Person waren Sie als Teenager verknallt?
MS: Leonardo DiCaprio.
BE: In eine Klassenkameradin, die Ärmste (grinst).
Was bedeutet für Sie Liebe?
MS: Wenn es eine konstante Zumutung ist, nie sicher sein zu können, dass den Kindern nichts Schlimmes passiert, weil es das Ende der Welt wäre. Dann weiss man, was Liebe ist.
BE: Mit einem Menschen alles teilen zu können.
Wie sah Ihr Kinderzimmer aus?
MS: Unspektakulär.
BE: Das Zimmer war häufig mit Lego oder Playmobil übersäht. Mein Bruder und ich bauten jeweils ganze Mittelalter-Städte.
Was würden Sie anders machen, wenn Sie nochmals 20 wären?
MS: Nichts.
BE: Sofort Salsa-Tanzstunden nehmen. Leider habe ich erst mit etwa 30 angefangen.
Welcher war Ihr bisher schönster Geburtstag?
MS: Das weiss ich nicht mehr, ich hatte viele schöne Geburtstagsfeste, denn ich feiere meinen Geburtstag jedes Jahr. Die Geburtstagsfeste waren viel schönere Feste als jeweils die Silvesterpartys. Den 18. feierte ich im Mokka in Thun. Am 19. war ich als Backpackerin in Brasilien unterwegs. Den jüngsten, den 36., feierte ich ausnahmsweise zwei Tage vorher (mache ich sonst nie, bringt ja Unglück) in der Heiteren Fahne am Strassenfest an einer Tavolata mit ein paar FreundInnen. Seit ein paar Jahren gehe ich an Silvester jeweils auch in die Heitere Fahne, somit ist auch das Silvesterproblem auf die bestmögliche Art gelöst.
BE: Mein erster, da fanden mich alle noch herzig.
Mit wem verbringen Sie die meiste Zeit?
MS: Vermutlich mit meiner Familie. Die ArbeitskollegInnen sind zwar den ganzen Tag im selben Raum, aber Zeit zusammen verbringen tut man ja kaum, denn jeder ist meistens vor seinem Computer. Mit meinen Fraktionsgspänli von den Grünliberalen verbringe ich durch mein Amt auch viel Zeit. Die Politik-Familie ist etwas sehr Schönes, sie ergänzt die Familie und den Freundeskreis sehr gut.
BE: Mit meiner Freundin und mei-ner Familie.
Was zeigt Ihr Handy-Hintergrundbild?
MS: Meine Söhne. Ein altes Foto, das ich seit Jahren nicht geändert habe und eigentlich kaum mehr beachte.
BE: Eine Karikatur über mich von Orlando. Man muss zwischendurch auch über sich selber lachen können.
Wann haben Sie den letzten Brief geschrieben?
MS: Den letzten persönlichen, aufrichtigen Brief meinen Sie wohl. Es war ein Kondolenzbrief an eine Bekannte. Ich wollte sehr persönlich und aufrichtig sein, denn ich weiss leider selbst, wie es ist, wenn man trauert. Ihre Todesanzeige war ein Liebesgeständnis und die schönste Todesanzeige, die je in der Zeitung stand.
BE: Letzte Woche. Er ging an mein Unterstützungskomitee von rund 200 Persönlichkeiten aus Gesell schaft, Wirtschaft und Politik.
Wann haben Sie zum letzten Mal ge-logen?
MS: Den Kindern schwindelt man als Elternteil konstant was vor. Heute Abend hat mein jüngerer Sohn seinen zweiten Zahn verloren. Die beiden Jungs wollten die Mailadresse der Zahnfee wissen, um etwas Münz von ihr zu kriegen für den Zahn. <email-pii>, sagte ich.
BE: In diesem Interview steckt eine kleine Notlüge (lacht)
Bei wem müssten Sie sich fairerweise entschuldigen?
MS: Ich entschuldige mich immer sehr rasch, wenn ich der Meinung bin, ich hätte jemanden unfair behandelt. Damit kann und will ich nicht lange warten. Irgendwann werde ich mich wohl bei den Kindern entschuldigen müssen, wegen dem Quatsch mit der Zahnfee. Ich habe als Kind mal die halbe Nacht zum Fenster rausgeschaut, um den Samichlaus nicht zu verpassen. Das finde ich bis heute nicht ganz okay von meinen Eltern.
BE: Bei jenen, welche meine kleine Notlüge entdecken.
Wann und weshalb haben Sie das letzte Mal geweint?
MS: Beim Gucken einer Serie, wo sehr authentisch die Verzweiflung eines Vaters dargestellt wurde. Weinen ist für mich nichts Besonderes, sondern recht häufig vorkommend.
BE: Bei der Beerdigung einer nahe-stehenden Person.
Wann und worüber haben Sie sich zuletzt richtig geärgert?
MS: Darüber mag ich gerade nicht nachdenken.
BE: Vor wenigen Wochen über einen Zeitungsartikel. Mehr sage ich nicht.
Worin sind Sie richtig schlecht?
MS: Ordnung haben.
BE: Kochen. Lassen Sie sich um Himmels Willen nie von mir bekochen!
Für welche Eigenschaften an Ihnen bekommen Sie oft Komplimente?
MS: Dass ich gute Fragen stelle und meistens gut angezogen bin.
BE: Für meine Offenheit gegenüber anderen Meinungen.
Welche Superkraft würden Sie gerne besitzen?
MS: Ich würde gerne allen Menschen das Gute hervorzaubern können. Die Menschheit entfaltet ihr Potenzial leider nicht, es ist zum Verzweifeln.
BE: Beamen. Dann müsste ich künftig nicht mehr ins Flugzeug steigen. Generell würde ich viel Reisezeit sparen.
Wenn Sie einen Tag lang Königin oder König der Schweiz wären – was würden Sie befehlen?
MS: Einen Tag lang ziehen sich alle ihr bestes Outfit an, geben sich ge-genseitig grosszügig einen aus und feiern mit Leuten, mit denen sie sonst nicht feiern. Natürlich müsste man an dem Tag auch noch rasch alle nötigen gesetzlichen Änderungen vornehmen.
BE: Dass die Monarchie abgeschafft wird. Die Schweizerinnen und Schweizer sollen frei entscheiden können, wir brauchen keine Könige.
Was war Ihre folgenschwerste Ent-scheidung?
MS: Da kommt mir keine in den Sinn, die für jemanden ausser mich tiefgehende Folgen gehabt hätte. Ich musste zum Beispiel nie alleine eine Entscheidung fällen, die dazu geführt hat, dass sich viele Leute einen neuen Job suchen mussten. Ärztinnen und Ärzte müssen Entscheide fällen, die über Leben und Tod entscheiden. Als Mitarbeiterin einer Webagentur muss ich das nicht.
BE: Für den Gemeinderat zu kandidieren. Sollte die Wahl klappen, wer-de ich viel stärker in der Öffentlich-keit stehen als bisher.
Was war das Gemeinste, das Sie je getan haben?
MS: Gemeinheiten sind was Kindliches. Seit ich erwachsen bin, komme ich sehr gut ohne Gemeinheiten aus.
BE: Das müssen meine Gegnerinnen und Gegner sagen.
Finden Sie persönlich, dass Sie Ihr Honorar wert sind?
MS: Auf jeden Fall.
BE: Im Falle einer Wahl werden das die Stimmberechtigten vier Jahre später beurteilen können.
Wer ist für Sie die meistüberschätze Persönlichkeit?
MS: Mit Sicherheit ist es ein Mann.
BE: Viele Menschen, welche in der Öffentlichkeit stehen, überschätzen sich. Hoffentlich passiert mir das nie.
Was tun Sie als Erstes, wenn Sie nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommen?
MS: Znüniböxli aus dem Schulsack nehmen und waschen, beim Kochen helfen, Kinder bitten aufzuräumen, dann doch das Dringendste selbst aufräumen, den Tisch decken, zusammen essen, vieles organisieren, abwaschen und dazu News hören auf SRF4, Wäsche falten, Social Media checken.
BE: Die Schuhe ausziehen.
Was darf in Ihrem Kühlschrank nicht fehlen?
MS: Milch, Anke und Gonfi.
BE: Mochi-Glacé.
Was tragen Sie zuhause, wenn Sie (fast) niemand sieht?
MS: Meinen Trainer. Den trage ich auch gerne, wenn mich Leute sehen. Unser Lehrling kommt konstant in Trainerhosen zur Arbeit. Armani-Trainerhosen – wenn schon Trainerhosen, dann Armani. Ich bin da voll dabei.
BE: Nichts, einfach nichts (lacht).
Was bestellen Sie im Restaurant nie?
MS: Da gibt es nichts, was ich kategorisch nicht bestelle. Das Team der Küche hat sich ja was überlegt.
BE: Auberginen.
Wie viel Alkohol trinken Sie?
MS: Genug.
BE: Unter der Woche fast nichts, am Wochenende manchmal etwas zu viel.
Ernähren Sie sich gesund?
MS: Ja.
BE: Grundsätzlich ja, bei den Apéros hätte ich noch Verbesserungspotenzial.
Essen Sie Fleisch?
MS: Ja, leider. Aber nicht viel.
BE: Ja.
Was mögen Sie an Ihrem Äusseren besonders?
MS: Das Gesamtbild stimmt.
BE: Meine Haare. Ich habe für mein Alter noch immer sehr dichtes Haar (lacht).
Welche Aufmerksamkeit schenken Sie Ihrer optischen Erscheinung?
MS: Durchschnittlich viel Aufmerksamkeit. Ich schminke mich zum Beispiel an den meisten Tagen nicht. Aber ich will, dass andere Freude daran haben, mir zu begegnen. Da ist die optische Erscheinung ein wichtiger Aspekt. Die Leute meinen, Kleidung sei oberflächlich, dabei ist es genau das Gegenteil.
BE: Körperliche und geistige Fitness hängen für mich persönlich stark zusammen. Deshalb versuche ich auch, regelmässig Sport zu treiben.
Würden Sie Geld ausgeben für Schönheits-OPs?
MS: Ich rechne nicht damit. Aber mal schauen, wie ich das in zehn Jahren sehe.
BE: Nein.
Was nervt Sie an Ihrer Partei am meisten?
MS: Dass es uns nicht gelingt, in der Romandie Fuss zu fassen.
BE: Dass jede neue Idee immer gleich hinterfragt wird. Dies ist aber auch eine unserer grössten Stärken: Wir haben viele kreative und eigenwillige Köpfe.
Wofür würden Sie Ihre letzten 100 Franken ausgeben?
MS: Für den Fernsehsender Arte.
BE: Für einen Notvorrat.
Welches Lied soll an Ihrer Beerdi-gung gespielt werden?
MS: «Air on the G String» aus Johann Sebastian Bachs Orchestersuite Nr. 3. Dieses berührendste Stück Musik aus den letzten 500 Jahren kennen alle und es wird einfach nicht schlechter. Man muss auch weinen, wenn niemand gestorben ist.
BE: «Despacito» von Louis Fonsi. Meine Liebsten sollen rasch zurück zur Lebensfreude finden.
Wieso soll man ausgerechnet Sie in den Gemeinderat wählen?
MS: Der Gemeinderat ist zu wenig ausgeglichen in ganz vielen Bereichen. Die RGM-Vertreterinnen und -Vertreter im Gemeinderat meinen, der Gemeinderat sei stark, wenn weiterhin vier Personen aus demselben Bündnis kämen. Das ist ein Irrtum: Jeder weiss, dass gemischte Teams die beste Leistung bringen. Ich unterscheide mich stark von den Bisherigen und stehe für eine Erneuerung. Ich hoffe, dass die Bernerinnen und Berner das auch so sehen und mich wählen werden.
BE: Es gäbe wieder mehr konstruktive Diskussionen. Ich habe viele neue Ideen: sei es im Wohnungsbau, bei den Finanzen, in der Klimapolitik oder in der Wirtschafts-politik. Das würde in den nächsten Jahren für Gesprächsstoff sorgen.
Aufgezeichnet Yves Schott