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Er gehört zu den reichsten Menschen der Welt. Laut dem US-Magazin Forbes besitzt Bill Gates ein Vermögen von USD 56 Mrd. (CHF 43 Mrd.). Einen Grossteil dvon hat er in gemeinnützige Stiftungen eingebracht. Gates rangiert auf der Forbes-Liste «The World's Billionaires» hinter Warren Buffett auf dem zweiten Platz. Der Mitbegründer von Microsoft könnte sich heute gemütlich zurücklehnen. Umso mehr erstaunt sein Effort für ein Projekt, von dem ihm wohl etliche PR-Strategen abgeraten hätten.
Bill Gates macht sich tatsächlich für die Kernenergie stark. Er ist ein massgeblicher Investor des Unternehmens TerraPower. Die TerraPower will die Idee des Laufwellenreaktors (traveling wave reactor, TWR) weiterentwickeln und in ein kommerzielles Projekt überführen. Interessant ist das Projekt vor allem deshalb, weil der Reaktor praktisch kein angereichertes Uran benötigt. «Äusserst kostengünstig, sehr hohe Sicherheit und sehr wenig Abfall – das ist die Idee des TWR-Projekts», umriss Bill Gates in einer Rede in Peking die Vorteile des Reaktors. Er kam unter anderen mit der China National Nuclear Corporation (CNNC) zusammen. TerraPower ist auch mit der russischen und französischen Nuklearindustrie im Gespräch. Neben Gates interessiert sich zudem Toshiba für das TWR-Projekt.
Teil des Startup-Netzwerks Intellectual Ventures
Spekulationen, wonach TerraPower mit China bereits erste Verträge abgeschlossen hätte, wies TerraPower jedoch zurück. Die britische Tageszeitung The Guardian zitierte Gates wie folgt: «TerraPower hatte mit CNNC sehr gute Diskussionen. Aber diese Diskussionen sind noch in einem frühen Stadium.» Das Unternehmen betont, man sei auch mit zwei Forschungszentren in Indien in Kontakt. Bill Gates ist bereit, in den nächsten fünf Jahren bis USD 1 Mrd. in TerraPower zu investieren.
TerraPower – das zum von Bill Gates präsidierten Startup-Netzwerk Intellectual Ventures gehört – hat ursprünglich eine Reihe von Energie-Technologien geprüft. «Die Untersuchungen ergaben, dass die fortgeschrittene Nukleartechnologie ein neuer Weg für eine erschwingliche, sichere und CO2-arme Energieproduktion darstellt», lautet das Fazit des Unternehmens mit Sitz in Seattle.
«A Window Into the Nuclear Future»
Der Vorteil von TerraPower: Abgereichertes Uran ist als Ausgangsbrennstoff in grossen Mengen verfügbar. Der Wert der erzeugbaren Elektrizität wird allein mit Bezug auf die Lagerbestände in den USA auf USD 100 Mrd. (CHF 94 Mrd.) geschätzt. Mit dem weltweit gelagerten abgereichertem Uran könnte man die Weltbevölkerung über 1000 Jahre lang versorgen. Nicht berücksichtigt sind in dieser Berechnung rund Mrd. 4,5 t Uran, das sich in gelöster Form im Meerwasser befindet.
Das Medienecho auf die Initiative von Gates ist gross. «A Window Into the Nuclear Future», titelte die weltweit führende Finanzzeitung The Wall Street Journal. Darin kommt Nathan Myrhvold, Chef von Intellectual Ventures, ausführlich zu Wort. Myrhvold hofft, dass sich der Bewilligungsprozess in den USA beschleunigt. Und weiter: «Solche Innovationen helfen, der global wachsenden Nachfrage nach Energie zu begegnen.»
Quelle
Hans Peter Arnold