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Fürstbischof von Eichstätt 1705–1725
Herkunft und Ausbildung
Herkunft
Als Ministerialen der Grafen von Katzenelnbogen (Catzenelnbogen, Katzenellenbogen) übernehmen die Knebel deren Namen. Sie führen ihn auch nach dem Erlöschen des berühmten Grafengeschlechts im Jahre 1479 weiter. Als Reichsritter sind sie im 17. Jahrhundert dem Kanton Odenwald des Ritterkreises Franken angehörig. Ihre Besitzungen liegen beidseits des Mittelrheins in den heutigen Regionen Rheinland-Pfalz und Hessen. Das Erbbegräbnis der Familie befindet sich in St. Quintin zu Mainz. Das Geschlecht stirbt 1816 im männlichen Stamm aus.
Familie und Ausbildung
Johann Anton wird am 19. Oktober 1646 in Mainz als Sohn des Johann Philipp Knebel von Katzenelnbogen[1] und seiner vierten Ehefrau Anna Maria Sidonia von Graerodt[2] geboren. Er hat vier Geschwister, die das Erwachsenenleben erreichen. Es sind der 19 Jahre ältere Stiefbruder[3] , der zwei Jahre jüngere Bruder,[4] sowie drei jüngere Schwestern. Johann Anton wird für die kirchliche Laufbahn bestimmt.
Er besucht das Jesuitengymnasium in Mainz. 1663 ist er an der dortigen Universität eingetragen. In diesem Jahr geht er nach Rom an das Collegium Germanicum, wahrscheinlich mit einer Empfehlung des Mainzer Rektors. Hier hält er sich bis 1667 auf und besucht die Vorlesungen am Collegium Romanum.[5] Das Studium im barocken Rom dürfte sein Interesse an der Kunst, wenn nicht geweckt, so doch vertieft haben. 1668 wechselt er an die Universität Bourges, um an der juristischen Fakultät die Studien zu vertiefen. Abschlüsse sind weder in Rom noch Bourges bekannt.
Wege in der Reichskirche
Schon 1663, vor seiner Abreise nach Rom, kann der 17-jährige Johann Anton ein Kanonikat am Stift St. Burkart in Würzburg erwerben. Noch vor seinem nachfolgenden Studienaufenthalt in Bourges wird er 1667 in das Domkapitel Eichstätt aufgenommen. 1672 ist er, nach Ablauf der Wartefrist und Leistung des Residenzjahres, stimmberechtigter Kapitular des Eichstätter Domkapitels.[6] 1682 erreicht er auch die Aufnahme ins Augsburger Domkapitel und wird dort zudem fürstbischöflicher Geheimrat. In Eichstätt regiert zu dieser Zeit noch immer Fürstbischof Marquart II. Schenk von Castell, der seit 1637 mit dem Wiederaufbau der Stadt grosse Verdienste erworben hat. Er ist kaiserlicher Prinzipal-Kommissär des Reichstags zu Regensburg. Als eichstättischen Gesandten für Wien und andere Höfe setzt er 1682 den neuen Kapitular Johann Anton als Gesandten ein. Dieser scheint sich nun vermehrt in Eichstätt aufzuhalten. Hier besitzt er einen Domherrenhof bei der Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau am Marktplatz.[7] Er resigniert 1685 das Kanonikat in Würzburg. 1688 wird er als Domdechant[8] und Propst des Neuen Stiftes[9] gewählt. Aber schon 1690 verzichtet Johann Anton auf die einträgliche Dignität des Domdechanten, weil er sich «aus beweglichen Gründen» nicht den Bedingungen von dauernder Residenzpflicht und den erforderlichen höheren Weihen fügen will. Er scheint aber trotzdem mehrheitlich in Eichstätt zu residieren. Der seit 1697 regierende Fürstbischof Johann Martin von Eyb ernennt ihn 1699 zum Stiftskantor.[10] Ausser diesen Kanoniker-Dignitäten ist wenig über Johann Anton vor seiner Wahl zum Fürstbischof bekannt. Beachtung finden vor allem seine grossen privaten Ausgaben für Erwerbungen von Kunstwerken. Er reist fast jedes Jahr zu einem Badeaufenthalt. Ob die vielen Kuraufenthalte seiner schwachen Gesundheit oder dem Vergnügen geschuldet sind, muss offen bleiben.
Fürstbischof von Eichstätt
Wahl 1705
1703 flüchtet Fürstbischof Johann Martin von Eyb vor den heranrückenden Truppen der mit Bayern verbündeten französischen Truppen nach Forchheim. Er kehrt nach dem Sieg der Kaiserlichen bei Höchstädt wieder nach Herrieden zurück, stirbt aber dort am 6. Dezember 1704. Sofort setzt eine kurpfälzische Werbung um den Eichstätter Bischofssitz ein.[11] Am 14. Januar 1705 wählt das gespaltene Domkapitel den an der Wahl nicht anwesenden 63-jährigen Freiherr von der Layen als Nachfolger.[12] Dieser ist bereits Dompropst in Mainz, Geheimrat und Chorbischof zu Trier. Er ist nicht zur Annahme der Wahl zu bewegen. Eine zweite Wahl findet am 9. Februar 1705 statt. Nun einigt sich das Domkapitel auf einen Kompromisskandidaten, den 59-jährigen Johann Anton Knebel von Katzenelnbogen. Er nimmt trotz einer einschränkenden Wahlkapitulation die Wahl an. Im März bestätigt der Kaiser und im Mai der Papst die Wahl. Im Juni 1705 wird der Neugewählte zum Priester geweiht, um dann im Mai 1706 die Bischofsweihe empfangen zu können.[13] Von einer pastoralen Tätigkeit und von Visitationen nimmt er, auch wegen der fehlenden Ausbildung zum Seelsorger, sofort Abstand. Er überträgt diese Tätigkeiten seinen Weihbischöfen. Vorerst ist dies Franz Christoph Rinck von Baldenstein,[14] ab 1708 Johann Adam Nieberlein.[15] Während Rinck von Baldenstein auch Kanoniker in Eichstätt ist, wird Nieberlein durch päpstliche Provision Kanoniker in Augsburg. Schon 1706 ernennt der Fürst, der als Unterscheidung von seinen Nachfolgern gleichen Namens Johann Anton I. genannt wird, den Eichstätter Bürgersohn Nieberlein zum Generalvikar für das Bistum. Von den adeligen Domherren wegen der Herkunft und von den Prälaten und Konventualen wegen seiner Strenge angefeindet, hat er kein leichtes Amt.
Umstrittene Regierung
Johann Anton I. regiert in politisch bewegter Zeit. Der Spanische Erbfolgekrieg hinterlässt bis zum Regierungsantritt 1705 grosse Kriegsschäden. Trotzdem steht das Hochstift am Ende seiner Regierung auf gesunder Basis.[16] Dies beweist auch der vom Nachfolger sofort begonnene Residenzbau. Johann Anton I. forciert Strassenbau und Bauwesen. 1711 kann er zudem 90 000 Gulden in den Kauf der bayrischen Hofmark Meihern-Flügelsberg investieren. Er regiert zeitgemäss absolutistisch und schafft sich deshalb, nicht nur dank der strengen Amtsführung seines klugen Generalvikars, viele Feinde. Die Nachreden zu seiner Regierung beziehen sich vor allem auf das von Korruption geprägte, undurchsichtige Beziehungsgeflecht seiner Beamtenschaft. An der Spitze steht sein Intimus, der Botenmeister Johann Matthias de Simonis.[17] Schon 1718 reicht das Domkapitel Klage beim Kaiser ein. Simonis wird aber noch lange vom Fürstbischof gedeckt. Diese unverständlich lange Dulden der Korruption und seine privaten Beziehungen zum Mitprofiteur des Korruptionssystems, dem jüdischen Finanzier und Hoffaktor Joseph Heilbronner aus Fürth, belasten auch den Fürstbischof. Ihm wird später vorgeworfen, dass er sich für Ankäufe von weiteren Kunstschätzen auch der Dienste des Fürther Finanziers versichert habe. Man spürt aus den Anschuldigungen des Domkapitels einerseits verständliche Sorgen um die Finanzen, berechtigte Abscheu gegenüber den Intrigen Simonis, ein grosses Unverständnis für die Kunstleidenschaft des Fürstbischofs und auch eine latente Judenfeindlichkeit.
Tatsächlich ist für das Domkapitel die kostspielige Hofhaltung des Fürsten, verbunden mit seiner Huldigung der schönen Künste, ein grosses Ärgernis. Johann Anton I. residiert als letzter Fürstbsichof auf der Willibaldsburg. Den Bau der von seinem Vorgänger begonnenen Stadtresidenz lässt er stoppen. Er führt auf der Willibaldsburg eine eigene Musikkapelle. Die Räume sind reich mit den schon als Domherr erworbenen und, wie oben beschrieben, später zugekauften Kunstwerken versehen. Beinahe wäre es ihm auch gelungen, eine umfassende und aktenbasierte Geschichte Eichstätts zu veröffentlichen. Das Domkapitel verhindert dies, indem es dem von Johann Anton I. auch als persönlicher Berater hochgeschätzten Historiker nach dem Tod des Fürstbischofs weitere Akteneinsicht verweigert und ihn 1730 entlässt.[18] Wenig ist bisher über die eigentliche Regierungstätigkeit von Johann veröffentlicht. Betrachtet man nur die Verordnungen, sind sie im Vergleich zu den Sittenmandaten seiner zwei Vorgänger ausgesprochen vernünftig. Seine Regierung scheint jedenfalls, sieht man von der unverständlichen Duldung einer kriminellen Organisation am Hof ab, kaum dem Bild zu entsprechen, das seine Intimfeinde nach 1725 verbreiten.
Johann Anton I. als Bauherr und Stifter in der Residenzstadt
Eichstätt kann sich heute auch dank Einrichtungen und Bauten von Johann Anton I. als Barockstadt rühmen.
1709 kauft er den noch nicht vollendeten Speth'schen Hof in der Ostenvorstadt, den Hofbaumeister Jakob Engel 1690 begonnen hat. Aus Mitteln des Seminarfonds lässt er den Hof zum Priesterseminar ausbauen. Im Herbst 1710 kann das Seminar eingeweiht werden. Damit hat Eichstätt nach 76 Jahren wieder ein Seminar.[19]
1711 beschliesst er die Errichtung einer Lehranstalt für die weibliche Jugend. Er beruft dazu Frauen der französischen «Congrégation de Nôtre Dame» aus der Mainzer Niederlassung, in der seine Nichte Novizin ist.[20] 1712–1713 wird für die ersten Frauen und für die Schülerinnen ein Schulgebäude am Oberen Graben errichtet. 1719–1721 folgt die nördlich angebaute Erweiterung mit dem Zentralraum der Kirche. Architekt ist jetzt Hofbaumeister Gabriele de Gabrieli. Für die Stiftung von Kloster und Kirche Notre Dame verbürgt Johann Anton I. auch mit Mittel aus seiner Privatschatulle. Allerdings will er der Hofkammer und dem Domkapitel die Hauptlast aufbürden. Mit der Feststellung «wür leben bekhantlich auch alle zusamen von der Kürch» zeigt er dabei Realitätssinn.
Mit der Einstellung von Gabriele de Gabrieli als Nachfolger des Hofbaumeisters Jakob Engel hat der Fürst eine glückliche Hand.[21] Den ersten Bauauftrag, die dem Willibaldschor des Domes vorgeblendete Westfassade, erteilt er Gabrieli 1714 in seinem Amt als Ansbacher Baudirektor. Gabrieli baut die Fassade bis 1718 und erhält nach seiner Anstellung in Eichstätt schnell auch Aufträge für Domherrenhöfe[22] und kann die grossen Neubauten des Klosters Rebdorf erstellen. 1722 lässt ihn der Fürstbischof im Auftrag des Hofes die Oberjägermeisterei bei der Dominikanerkirche bauen.[23] 1724 errichtet Gabrieli für ihn ein mehrgeschossiges Oratorium am Willibaldschor des Domes. Der Fürstbischof bestimmt die darunterliegende Nepomukkapelle zu seiner Grabkapelle. Nur noch das verschlossene, wappenbekrönte Eingangsportal des Bildhauers Seybold an der Westwand des nördlichen Seitenschiffes erinnert an die Kapelle.[24]
1739 baut Gabrieli für den zweiten Nachfolger, Fürstbischof Johann Anton II. von Freyberg, die Frauenbergkapelle über Eichstätt. Stifter dieses Heiligtums ist Johann Anton I., der hier 1720 eine Schutzkapelle für eine überlebensgrosse Statue der Maria im Strahlenkranz baut und damit eine Wallfahrt auslöst.[25]
Wenig ist über die Bautätigkeit von Johann Anton I. auf der Willibaldsburg bekannt, vor allem weil die Anlage am Anfang des 19. Jahrhunderts auf Abbruch verkauft wird und nur der neuere Gemmingenbau, zwar völlig ausgeweidet, die Zerstörung überlebt. Das Äussere Tor mit der Willibaldstatue von 1713 erinnert an den letzten prominenten Bewohner.
An allen diesen Gebäuden ist das Wappen des Fürstbischofs Johann Anton I. zu sehen.[26] Es ist an weiteren bedeutenden Bauwerken in Eichstätt angebracht. Prominent ist es am Triumphbogen der Jesuitenkirche (1717) zu sehen, wo der Fürstbischof mit der Inschrift «Exornavit» (er schmückte aus) geehrt wird. Anzunehmen ist, dass er sich auch an der 1714–1725 unter seiner Regierung neu gestalteten Dominikanerkirche verewigt. Das Wappen dürfte schon unter Herzog Eugen (1822) verschwunden sein. Seit dem Brand von 1918 ist vom grossartigen barocken Innenraum nichts mehr vorhanden.[27]
Johann Anton I. investiert auch, mit wenig Erfolg, in vorindustrielle Manufakturen. An der Webergasse richtet er in einem bis zur Stadtmauer reichenden Gebäudekomplex eine Weberei und eine Goldschlägerei ein, die in der Folge keine Aufträge vom Hof erhält und deshalb schnell eingeht.[28] Er investiert auch in das Eisenhammerwerk Hagenacker bei Obereichstätt, das er 1710 auf Blechbearbeitung spezialisiert.[29]
Bauherr im Bistumssprengel
1714 stirbt Jakob Engel. Noch 1711 unternimmt der inzwischen 79-Jährige Hofbaumeister in Begleitung des Vizebaumeisters Johann Benedikt Ettl[30] die letzte Visitationsreise im Sprengel. Bis zu diesem Zeitpunkt ist Engel Planer und verantwortlicher Baumeister des Hofes. Die Liste seiner im Bistumssprengel liegenden Werke von 1705 bis 1710 entspricht den Bauaufträgen des Fürstbischofs, der sich immer mit dem Wappenschild verewigt und sich manchmal auch mit grösseren Mittel aus seiner Privatschatulle am Bau beteiligt. 1707 fügt er in das Ensemble des Schlosses Titting ein neues Bräuhaus ein. Im gleichen Jahr lässt er in Adelschlag die neue Pfarrkirche errichten. 1709–1710 baut er die Wallfahrtskirche Maria End bei Mörnsheim, 1710 die Pfarrkirche St. Nikolaus in Hofstetten und 1710 die Kirche St. Andreas in Pfalzpaint. Es sind einfache Dorfkirchen, aber ein Zeugnis der schnell nach seiner Wahl einsetzenden umfassenden Bautätigkeit.[31] Ein für den Fürstbischof wichtiges Bauwerk der Engel-Periode ist sein Sommerschloss in Pfünz, das er von Engel umbauen lässt.[32] Hier lässt er zudem einen heute verschwundenen, grossen barocken Garten mit einer Fasanerie erstellen. Die Fasanerie ist der einzige Hinweis auf die bei einem barocken Fürsten selbstverständlich wirkende Jagdleidenschaft.
In die Tätigkeitszeit des Hofbaumeisters Gabrieli fällt der Umbau des evangelischen Marienmünsters in Königshofen an der Heide (1723). Das Patronatsrecht der Kirche liegt bei Eichstätt, deshalb der ungewöhnliche Beitrag an eine reformierte Kirchgemeinde. Auch der Neubau der einfachen Dorfkirche von Paulushofen (1724) fällt in die Periode Gabrieli.
Förderung der Bettelorden
Johann Anton I. setzt sich, für einen absolutistisch regierenden Fürsten nicht unüblich,[33] über das in der Wahlkapitulation geforderte Verbot von Klosterneugründungen hinweg. Schon 1722 erreicht er die Erhebung des neuen Kapuzinerhospizes in Berching zum Kloster.
Vehementen Widerstand erlebt er 1723 von Seiten des Domkapitels und des Klosters Plankstetten beim Neubau des Franziskanerklosters in Beilngries. Seine Gegner erreichen einen Baustopp und ziehen die Angelegenheit nach Rom. Erst 1736 kann weitergebaut werden.
Der Neubau der Wallfahrtskirche und der Zweiflügelanlage des Franziskanerhospizes Heiligenblut bei Spalt (1720–1722) kann trotz des Widerstandes des Ansbacher Fürsten fertiggestellt werden. 1742 wird auch diese Franziskanerniederlassung in einen Konvent umgewandelt.[34]
Kampf der Herrscherhäuser um die Eichstätter Koadjutur
Der Schacher mächtiger Dynastien der Reichskirche zur Sicherung des Eichstätter Bischofssitzes für ihre Familie beginnt schon früh. Obwohl Johann Anton nie den geringsten Zweifel an seiner Abneigung gegen einen Koadjutor mit Recht auf Nachfolge aufkommen lässt, beginnen die Bewerbungen und Druckversuche schon nach 1710.[35] Intensiv sind nach 1715 die Bemühungen Sachsens. In einer inszenierten Wallfahrt zu St. Walburg trifft sich 1718 der Kardinal und Fürstprimas von Ungarn, Christian August von Sachsen-Zeitz, mit Johann Anton I., um seine eigenen Bewerbungsbemühungen zu vertiefen.[36] Mit Bayern hat der umtriebige Kirchenfürst bereits ein Päckchen geschmiedet. Sachsen soll Bayern die Inful von Münster sichern, Bayern dafür diejenige von Eichstätt an Sachsen überlassen. 1719 ist Münster für Bayern gesichert, das sich nun nicht mehr um Abmachungen kümmert und sich wieder für die Eichstätter Nachfolge bemüht. Kurfürst Max Emanuel postiert seinen jüngsten Sohn Johann Theodor von Bayern.[37]
Im März 1724 erleidet Johann Anton I. den ersten Schlaganfall und ist einseitig gelähmt. Die Druckversuche auf ihn für eine Koadjutur gewinnen an Intensität und die Agenten der interessierten Dynastien sind zu Dutzenden in Eichstätt tätig.[38] Er widersteht aber allen Bemühungen und lässt sich auch die Administration nicht durch das Domkapitel entreissen. Erst am 14. Februar 1725, nach einer erneuten Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Johann Anton I., geht die Administration an das Domkapitel.
Lebensende
Den zweiten Schlaganfall überlebt Johann Anton I. nicht mehr. Er stirbt am 27. April 1725 mit 79 Jahren auf der Willibaldsburg und wird in der Nepomuk-Kapelle des Willibald-Chors im Dom beigesetzt. Üble Nachreden zum aufwendigen Lebensstil des Verstorbenen verhindern nicht, dass das Domkapitel einen Nachfolger wählt, der seinen Vorgänger in dieser Hinsicht mit Festen, Hofjagden und neuen kostspieligen Residenzbauten richtiggehend übertrumpft.
Aber was wäre Eichstätt ohne diese Fürstbischöfe der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts!
An Johann Anton I. erinnern nebst seinen Stiftungen und Bauten auch einige Memorialwerke im Dom.
Erinnerungswerke an Johann Anton I. in der Domkirche
|1724 stiftet der Fürstbischof die Nepomukkapelle an der Nordseite des Willibaldschors mit den darüberliegenden zweigeschossigen Oratorien. Sie ist seine Grablege. Schon 1882 werden die Oratorien zerstört und zu einer zweigeschossigen Sakristei umgebaut. Sie ist seit 1971 westlicher Eingangsraum zum Dom. Die darunterliegende Nepomukkapelle ist seither nicht mehr zugänglich.

Nur ihr Eingangsportal ist an der Westwand des nördlichen Seitenschiffs sichtbar. Die gute Arbeit des Hofbildhauers Seybold zeigt über dem Segmentgiebel das Wappen des Fürstbischofs, flankiert von den allegorischen Figuren der Weisheit und der Liebe.
|Die Portalbekrönung des Eingangs zur ehemaligen Nepomukkapelle im Dom. Foto: Bieri 2017|
An der Südwand der jetzt unzugänglichen Nepomukkapelle befindet sich noch immer der Grabstein von Johann Anton I.[39] Er ist nie entfernt worden.
|Hingegen ist das ähnlich gestaltete, vom Fürstbischof 1724 gestiftete Altarretabel der Nepomukkapelle nicht mehr an Ort. Es ist jetzt in der Sakristeikapelle im südlichen Querschiff aufgestellt.

Das Retabel zeigt den hl. Johannes von Nepomuk mit dem darunter knienden Johann Anton I. im Gebet. Ihm gegenüber ist sein Wappen und im Sockel ist die Widmungsinschrift zu sehen. Das Retabel wird trotz der Widmungsinschrift mit dem Datum 1724 mit einem Epitaph verwechselt.
|Bild: Das Altarretabel der ehemligen Nepomukkapelle.

Foto: Dalibri in Wikipedia
Das eigentliche Epitaph ist noch bis 1882 am Eingang zum Oratorium im Willibaldchor angebracht. Dann wird die zwei Meter hohe Bildhauerarbeit an der Westwand des vergitterten Vorraums im Willibaldchor angebracht. Sie führt hier ein unbeachtetes und schlecht beleuchtetes Schattendasein. Unten rahmen Insignien des Todes die vergoldete Schriftplatte, oben halten zwei Engel das Porträt des Verstorbenen, darüber ist sein Wappen angebracht. Die heute kaum mehr lesbare Inschrift würdigt ihn als wissenschaftlich und philosophisch interessierten Fürsten.[40]
Im Moratorium des Domes ist für das Herzbegräbnis des Fürstbischofs eine weitere Inschriftentafel angebracht.[41]
Pius Bieri 2017
|Literatur:

Peetz, Johann Conrad (Hrsg.): Die Durchläuchtige Häuser in Europa, oder kurtze Historisch- und Genealogische Beschreibung aller Potentaten/ Kayser/ Könige/ Chur- und Fürsten/ so jetztiger Zeit in Europa herrschen. Regensburg 1725.
|Lang, Franz Xaver: Topographische Beschreibung und Geschichte der königl. baier. Kreishauptstadt Eichstätt. Eichstätt 1815.|
|Sax, Julius: Geschichte des Hochstifts und der Stadt Eichstädt. Nürnberg 1857.|
|Suttner, Joseph Georg: Geschichte des bischöflichen Seminars in Eichstätt. Eichstätt 1859.|
|Mader, Felix: Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken, Band I, Stadt Eichstätt. München 1924.|
|Braun, Hugo: Das Domkapitel zu Eichstätt. Stuttgart 1991.|
|Zürcher, Peter: Die Bischofswahlen im Fürstbistum Eichstätt von 1636 bis 1790.|
|Web:

Wikipedia: Knebel von Katzenelnbogen (Ausgabe 27. Januar 2016)
Anmerkungen:
[1] Johann Philipp Knebel von Katzenelnbogen (1588–1659), kurmainzischer Rat, Oberamtmann zu Höchst und Hofheim, Hauptmann der Oberrheinischen Ritterschaft.
[2] Anna Maria Sidonia von Graerodt (1615–1697). Sie ist die letzte der 1650 im Mannesstamm ausgestorbenen Adelsfamilie und Alleinerbin des Familienbesitzes im Rheingau. Sie ist evangelisch-lutherischen Glaubens.
[3] Philipp Heinrich (1627–?). Von ihm ist nicht weiteres bekannt.
[4] Philipp Christoph (1648–1714), kurmainzischer Geheimrat und Hofmarschall, seit 1710 auch Reichsfreiherr. Er hat vier Söhne und acht Töchter. Die älteste Tochter, Maria Anna Karolina (1685–1755) ist zweimal Oberin im Kloster Notre Dame zu Eichstätt. Der älteste Sohn Franz Gottfried Anton (1689–1734) wird 1703 Domizellar in Mainz und 1707 in Eichstätt. Hier ist er 1717 Kapitular, 1726 Hofratspräsident, geht dann 1732 als Polizeipräsident nach Mainz. Ein weiterer Sohn, Ludwig Franz (*1692), wird Oberjägermeister in Eichstätt. Ein Neffe, Sohn der Tochter Charlotte Sophie Maria (*1694) ist als Johann Anton III. 1781–1790 ebenfalls Fürstbischof in Eichstätt.
[5] Collegium Germanicum, gegründet 1552 im Zuge der deutschen Gegenreformation durch Ignatius von Loyola, als Konvikt mit begleitetem Nachstudium bei Sant' Appolinare. Unterricht ist an der Ordensuniversität der Jesuiten, dem Collegium Romanum (nicht an der Sapienza, der an der Piazza Navone liegenden Konkurrenzuniversität). Ein Besuch des Museums Kircherianum, das nach dem am Collegium Romanum noch immer wirkenden Universalgelehrten Athanasius Kircher SJ (1602–1680) genannt wird, ist für alle adeligen Rombesucher Pflicht.
Im 17. Jahrhundert wird das Germanicum zunehmend Versorgungsanstalt junger Adeliger und Söhnen von Patrizierfamilien. Nach dem Dreissigjährigen Krieg erhält man nur noch mit Empfehlung eines Würdenträgers der Reichskirche einen Studienplatz. Das Germanicum liegt bis 1798 an der Piazza di S. Apollinare, gegenüber dem Palazzo Altemps. Das Collegium Romanum, später auch als Gregoriana bezeichnet, liegt 10 Minuten entfernt bei Sant' Ignazio. Alle genannten Anstalten befinden sich seit dem 19. Jahrhundert an völlig anderen Orten.
[6] Das Residenzjahr beschränkt sich auf 20 Wochen. Die Wartefrist für den neu aufgenommenen Domizellar beträgt drei Jahre, in denen er die Präbende aber beziehen kann.
[7] Es ist der heute stark umgebaute ehemalige Pappenheimer-Hof am Marktplatz 5, der sich von der heutigen Loy-Hering-Gasse bis zur heutigen Guttenberg-Gasse ausdehnt. Die Wahlkapitulation von 1714 verpflichtet den Fürstbischof zum Verkauf innert dreier Monate. Offensichtlich «verkauft» er an seinen Neffen Franz Anton Joseph (geb. 1689), Domherr in Eichstätt und Mainz. 1726 baut dieser den Hof um.
[8] Der Domdechant steht dem Domkapitel nach innen vor. Der ihm übergeordnete Dompropst vertritt es nach aussen. Der Domdechant steht auch dem Stadtklerus vor. Das Amt bedingt die höheren Weihen und Dauerresidenz.
[9] Das «Neue Stift» ist das Pfarrstift Unserer Lieben Frau. Nach 1802 wird das Patrozinium auf die Domkirche übertragen. Die grosse gotische Stifts- und Pfarrkirche nördlich des Doms wird 1818 abgebrochen.
[10] Der Stiftskantor ist für die würdige Gestaltung des Gottesdienstes, insbesondere der Musik zuständig. Weder höhere Weihen noch Dauerresidenz sind erforderlich.
[11] Kurpfalz kann die Hälfte des Domkapitels für die Wahl von Alexander Sigmund von Pfalz-Neuburg (1663–1737) gewinnen, der bereits Fürstbischof in Augsburg ist. Bei der entscheidenden Wahl fehlt ihm aber eine Stimme. Im zweiten Wahlgang wird der kurpfälzische Parteigänger Heinrich Ferdinand von der Leyen gewählt.
[12] «Heinrich Ferdinand Freiherr von der Leyen in Nickenich, Herr zu Leiningen, Bongard, Buchholtz und Simpelfeld etc., Dompropst in Mainz, Domherr in Trier und Eichstätt, Archidiakon in Karden, kurfürstlicher Geheimrat und Chorbischof zu Trier, etc.» steht auf dem nicht unbescheidenen Epitaph (8, 33 m Höhe und 4, 73 m Breite!) im Mainzer Dom. Geboren am 31. März 1643, stirbt er gemäss der Inschrift am 8. März 1714 (falsche Daten in der Wikipedia!).
[13] Die Priesterweihe ist keine Voraussetzung für die Ernennung zu Fürstbischof. Noch bis zum Dreissigjährigen Krieg sind viele Fürstbischöfe nie Priester. Lediglich der Weihbischof muss Priesterweihe haben. Anfang des 18. Jahrhunderts setzt sich die Praxis durch, dass die Priesterweihe nach der Wahl im Eilverfahren durchgeführt wird.
[14] Franz Christoph Rinck von Baldenstein (1641–1707) aus Jonschwil, Sohn des Hofmeisters des Fürstabtes von St. Gallen.
Studium der Theologie am Germanicum in Rom, mit Priesterweihe 1664. Zu ihm siehe: hls-dhs-dss.ch
[15] Johann Adam Nieberlein (1662–1748) aus Eichstätt, Sohn eines Posthalters. 1679–1682 Studium in Dillingen (Vermerk: «Franco»). Studium der Theologie am Germanicum in Rom, 1686 Dr. theol. und Priesterweihe. Anschliessend Pfarrstellen im Bistum Eichstätt. Durch Provision des Papstes Klemens XI. 1705 Aufnahme als Domherr in Augsburg. 1706–1725 Generalvikar in Eichstätt. 1708–1744 Weihbischof von Eichstätt und Titularbischof von Dioclea. 1734–1746 auch Augsburger Generalvikar. Verfasser mehrerer Schriften. Wegen seiner nicht standesgemässen Herkunft ist er bei den adeligen Domherren von Eichstätt und Augsburg stark angefeindet. Er ist Anhänger strenger Kirchlichkeit und hervorragender Prediger. Zu ihm siehe den Eintrag im «Lexikon verstorbener Baierischer Schriftsteller» (1824).
[16] Wider besseren Wissens wird noch heute die Anschuldigung des Domkapitels übernommen, der Fürstbischof habe das Hochstift finanziell ruiniert.
[17] Johann Matthias Simon, in Vilseck in der Oberpfalz geboren, wird 1707/08 als Silberbote in fürstbischöflichen Dienst übernommen. Er gewinnt nach und nach das volle Vertrauen des Fürstbischofs und wird 1717 sogar in den Adelsstand erhoben. Er nutzt die Stellung schonungslos zu seinen Gunsten, wird aber erst 1724 inhaftiert und stirbt 1748 in Haft auf der Willibaldsburg.
[18] Es handelt sich um Johann Heinrich von Falkenstein (1682–1760). Johann Anton I. stellt ihn 1718 ohne Konsultation des Domkapitels ein, wohlwissend, das dieses nur mit Ablehnung geantwortet hätte (der damalige Dompropst Freyberg lehnt einem anderen Kandidaten schon 1712 die Einsicht in die Archive ab). Nach seiner Entlassung wird Falkenstein Hofrat in Ansbach und Ansbacher Resident in Erfurt. Er veröffentlicht mehrere historiographische Arbeiten, 1733 auch den ersten Teil seiner Arbeit über Eichstätt. Ein Eichstätter Dekret warnt das Publikum 1745 vor der Anschaffung des Werkes. Seine Entlassung verdankt Falkenstein nebst der grundsätzlichen Abneigung des Domkapitels zur Frühaufklärung vor allem der Feindschaft von Domkapitel und Fürstbischof wegen eines vor dem Reichshofrat verlorenen Prozesses. Falkenstein vertritt darin einen vom Domkapitel abgelehnten Kandidaten und gewinnt. Dadurch verliert ein Verwandter des neuen Fürstbischofs die schon in Aussicht gestellte Präbende. Zum Ablauf der Einstellung und Entlassung siehe das Digitalisat von «Johann Heinrichs von Falkenstein Leben und Schriften» in: wikisource.org/wiki/Johann_Heinrichs_von_Falkenstein_Leben_und_Schriften.
[19] Das Vorgängerseminar wird 1626–1628 von Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten am oberen Graben gebaut, an der Stelle des späteren Klosters Notre Dame. Es wird beim Stadtbrand 1634 zerstört. 1634–1710 ist in Eichstätt kein Seminar vorhanden. Das Seminar wird 1710 mit folgender Inschrift geweiht: «Seminarium S. Willibaldi a Joanne Antonio S. R. J. Principe et Epo Eystettensi erectum anno M∙D∙CC∙X». Das Seminar wird 1773, nach der Aufhebung des Jesuitenordens, in das ehemalige Jesuitenkolleg verlegt. Das Seminargebäude ist heute Krankenhaus und wird wieder als Speth'scher Hof bezeichnet.
[20] Zum Orden siehe das «Glossar Kirche». Schon im 19. Jahrhundert wird die «Congrégation de Nôtre Dame» mit den Englischen Fräulein verwechselt. Heute hat sich für das säkularisierte Kloster der Name Notre Dame (ohne Accent circonflexe) eingebürgert. Der bis zur Säkularisation für die Gebäude nie verwendete Name des Patroziniums «Herz-Jesu» wird neuestens und nicht besonders klug vom Haus der Bayerischen Geschichte und der Wikipedia als Gebäudebegriff verwendet. Zur Baugeschichte siehe den Beitrag «Notre Dame in Eichstätt» in dieser Webseite.
[22] Domherrenhöfe Arzat-Gebsattel 1715, heute Domplatz 5 / Welden 1720, heute Leonrodplatz 2 / Ostein 1724 (Datum nach Tagebuch Barbieri!), heute Luitpoldstrasse 1. Zur Lage gehe zum Plan der Bauten Gabrielis.
[23] Oberjägermeisterei 1722, heute Luitpoldstrasse 36.
[24] Das Oratorium wird 1882 anlässlich der neugotischen Purifizierung des Doms zerstört und zur Sakristei umgestaltet. Heute ist es nordwestlicher Eingangsbereich des Domes. Die Nepomukkapelle ist ausgeräumt noch erhalten, aber nicht zugänglich. Das ursprüngliche Eingangsportal an der Westwand des nördlichen Seitenschiffes ist erhalten. Siehe dazu den Text zu den Erinnerungswerken an Johann Anton I. (unten). Zum Eingangsportal siehe auch die Seite von Bernhard Peter unter: www.bernhardpeter.de/Heraldik
[25] Die Marienstatue ist, offenbar im 19. Jahrhundert stark überarbeitet, in der Kapellen-Ostnische über dem Altar (1850) aufgestellt. Darüber die Wappen Knebel von Katzenelnbogen und Freyberg.
[26] Der Schild zeigt in Feld 1 und 4 das Wappen des Hochstifts (in Rot eine silberne Krümme), und in Feld 2 und 3 das Wappen Knebel (in Silber ein rotes Schildchen, das im rechten Obereck von einem schwarzen Ring begleitet wird).
[27] Baudaten: Abbruch bis unter die Fenster im März 1714. Aufrichte 1715. 1716/17 Freskierung durch Melchior Steidl. Altarblätter Johann Georg Bergmüller. (Daten J. G. Suttner 1863). Der wertvolle barocke Innenraum brennt 1918 aus und wird nicht wieder hergestellt. Die Westfassade ist erhalten.
[28] Felix Mader beschreibt 1924 den interessanten Komplex mit Grundrissen. Heute steht an dieser Stelle ein modernistisches Bürogebäude, dem in neuerer Zeit sechs Altstadtparzellen geopfert werden. Das Gebilde an der Webergasse 18 ist einer der zum Glück wenigen Sündenfälle im Altstadtbereich.
[30] Benedikt Ettl (1684−1764), aus Bichl bei Benediktbeuern, bleibt bis 1727 als Vizebaumeister unter Gabrieli in Eichstätt und wechselt 1730 nach Augsburg, wo er 1739 Baudirektor wird. Er ist Baumeister der Dominikanerkirchen-Barockisierung. Siehe zu ihm die Biografie in dieser Webseite.
[31] Die Kirchen von Adelschlag und Hofstetten sind abgebrochen.
[32] Das Schloss Pfünz wird heute trotz des Wappensteins des Fürstbischofs Martin von Schaumberg als Neubau von Engel bezeichnet.
[33] Die absolutistische Haltung (der Absolutismus als Fürstenherrschaft eines Einzelnen) ist bei den Eichstätter Fürstbischöfen allerdings eher schwach ausgeprägt. Man vergleiche etwa mit den Würzburger und Bamberger Schönborn-Fürstbischöfen oder mit dem Salzburger Fürsterzbischof Johann Ernst von Thun (siehe Biografie), der in machiavellischer Art trotz Aufschwörung nie daran denkt, die Wahlkapitulationen einzuhalten und 1702 auch den Sieg davonträgt. Dies, weil der Papst schon 1685 ein Verbot von Wahlkapitulationen ausspricht.
[34] Die Wallfahrt beruht auf einem angeblichen Hostienfrevel, begangen durch einen Juden. Sie wird nach der Säkularisation verboten, Kirche und Kloster fallen dem Abbruch zum Opfer. Ewiggestrige Katholiken nehmen die Wallfahrt in einer 1953 gebauten Kapelle wieder auf.
[35] 1710–1715 ist es Lothringen, das den Sitz für Franz Anton Joseph von Lothringen erwerben will. Der Anwärter stirbt aber 1715 mit 26 Jahren. Im Hintergrund wirkt das mächtige Haus Schönborn. Lothar Franz, der mächtige Reichserzkanzler und Mainzer Kurfürst, will nach 1715 vor allem seinen Neffen Marquard Wilhelm, der auch in Eichstätt Domizellar (1703, Kapitular 1717) ist, als Nachfolger sehen. Dieser entwickelt aber zu wenig familiären Ehrgeiz für den Erwerb der Eichstätter Inful.
[36] Christian August von Sachsen-Zeitz (1666–1725), Konvertit, Erzbischof von Gran, Primas von Ungarn und Kardinal, vierfacher Domkapitular, erwirbt 1721 in Eichstätt seinen fünften Domherrensitz. In die Verhandlungen um die Eichstätter Nachfolge ist auch der korrupte de Simonis eingebunden. Bei der Wahl 1725 steht dann der Neffe Moritz Adolph Karl (1702–1759) zur Verfügung. Dieser wird 1748 Domizellar in Eichstätt.
[37] Johann Theodor von Bayern (1703–1763) ist mit 16 Jahren schon Fürstbischof von Regensburg und mit 20 Jahren auch Koadjutor in Freising.
[38] Die Reichskirchenpolitik der katholischen Herrscherhäuser, insbesondere der Wittelsbacher, zeigt im 18. Jahrhundert keine Skrupel. Ihr unwürdiger Schacher um möglichst viele Bischofssitze für Familienmitglieder und der damit verbundene rücksichtslose machtpolitische Missbrauch ist für das Ansehen der Reichskirche verheerend. Die Wahl von 1725 stellt dem Eichstätter Domkapitel in dieser Hinsicht ein gutes Zeugnis aus. Die Mehrheit der Mitglieder will keine Fürstensöhne wählen und lässt sich die Stimmen auch in der zweimonatigen Sedisvakanz nicht kaufen. Sie wählen den Nachfolger aus den eigenen Reihen.
[39] Felix Mader beschreibt ihn 1924 wie folgt: «Auf dem Sockel mit geschweiften Engelhermen erhebt sich eine von Pilastern gerahmt Tafel, im Segmentbogen geschlossen. Im Feld das Wappen des Verstobenen, umgeben von acht Ahnenwappen, die durch Laubzweige verbunden sind. Über dem Giebel die Mitra, flankiert von Feuerurnen. Die Pilaster begleiten seitlich Fruchtschnüre, Inschrift im Sockel. Kalkstein H.2,20, Br. 0,95».
[40] «Spes in Deo / in memoria aeterna erit justus / Ps. III. / Ioannes Antonius Knebel / a Katzenellenbogen. / Natus 1646, electus Princeps et / Episcopus Eystettensis anno 1705 / Princeps Scientiarum et Philosophiae / praesertim christianea, ac vitae moralis / apprime Praticus Cognitionis / mundi, et utriusque fortunae / ad modum Expertus. / In acquirendis sudores, in posses- / sis anxietates, / in Pluribus inanitatem, vamitatem / in Omnibus / reperit. / Pie obiit anno 1725, die 27. Aprilis / Cujus anima Deo aeternum vivat / Et tu amice lector eidem bene precare / et sequere» (nach Franz Xaver Lang 1815).
[41] Der Fürstbischof lässt seinen Körper in der Nepomuk-Kapelle, das Herz im Moratorium der Domherren beim Kapitel-Kreuzgang, die Eingeweide in der Kirche Notre Dame (der Gedenkstein dort ist verschwunden) und das Gehirn im Familiengrab zu St. Quintin in Mainz begraben. Dieses einzigartige Phänomen der Separatbestattungen ist im 18. Jahrhundert vor allem bei Fürstbischöfen stark verbreitet.
Porträt des Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen
|Grafikinfo:

Schabkunst und Radierung, Blattgrösse 142 mm B x 190 mm H.
Originale (u. a): Germanisches Nationalmuseum Nürnberg / Sammlung der Stadtbibliothek Trier / Porträtsammlung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel.
Quelle:
Bildschirmfoto aus Webveröffentlichung (gemeinfrei).
|Johann Anton I. Knebel von Katzenelnbogen (1646–1725)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|19. Oktober 1646||Mainz||Kurfürstentum Mainz|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürstbischof von Eichstätt||1705–1725|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|27. April 1725||Eichstätt||Fürstbistum Eichstätt|
|Kurzbiografie|

Fürstbischof Johann Anton I. prägt die Residenzstadt Eichstätt im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Sein Hauptwerk ist die Einrichtung der Lehranstalt Notre Dame. Er baut den Lehrschwestern Kirche und Kloster. Ein weiterer Verdienst ist die Neueröffnung des Priesterseminars nach einem Unterbruch von fast acht Jahrzehnten. Eine glückliche Hand beweist er mit dem Beizug von Gabriele de Gabrieli für die neue Dom-Westfassade und die nachfolgende Einstellung Gabrielis als Hofbaumeister. Er läutet damit den Beginn einer umfassenden barocken Neugestaltung von Eichstätt ein. Johann Anton I. ist wissenschaftlich und philosophisch interessiert, auch grosser Kunstliebhaber, und nicht zuletzt wegen diesen Interessen stark angefeindet.
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