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„Bekanntlich liegt die Schönheit im Auge des Betrachters. Das ist beruhigend, denn über Geschmack lässt sich streiten. Und dann wiederum gibt es Studien, die belegen, dass man sich unabhängig von persönlichen Vorlieben einem symmetrischen und nach bestimmter Weise proportionierten Gesicht nicht entziehen kann und es einfach als schön bezeichnen muss. Die Ästhetik ist eine Theorie des Schönen, jedoch beschäftigt sie sich vor allem auch mit der Kunst und diese wiederum hat sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts beinahe ausnahmslos dem Dogma des Wohlgefälligen entzogen. Zu untersuchen sind in der Ästhetik demnach nicht nur die Kategorien von Harmonie und Wohlgestaltung, sondern auch deren Umkehrungen. Sowohl Anziehendes als auch Abstossendes können in gleicher Intensität faszinierend sein. Sokrates z.B. war kein besonders gutaussehender Mann, aus objektiver Sicht könnte man ihn sogar als hässlich bezeichnen. Und dennoch galt er als schöner Mensch, denn er verströmte eine Aura des Guten. Für die Vorsokratiker hingegen hatte das Schöne in der Orientierung an der Harmonie und Symmetrie bestanden, die sie in der Natur beobachtet hatten. Es gab also in der griechischen Antike einander diametral entgegengesetzte Auffassungen der Ästhetik, die beide eine legitime Theorie des Schönen zu liefern schienen. Beide abstrahierten das Konzept der Schönheit aus der Beobachtung der Welt, doch nahmen die einen an, dass die Welt Harmonien und Symmetrien tatsächlich enthalte, während die anderen Abweichungen in der Natur feststellten und daher im Ideal eine reinere Form des Schönen gefunden zu haben glaubten.“
Dieser Versuch des Philosophen Patrick Schneebeli Schönheit zu definieren oder zu umschreiben, reduziert sich nach der Lektüre für mich auf den ersten Satz. So viele Vorstellungen von Schönheit gibt es wie Menschen auf der Welt.
Jedoch schreibt der Soziologe Otto Penz: “ Es gibt kein allgemein gültiges Rezept für Schönheit, wenn man darunter historisch konstante und kulturell übergreifende Auffassungsweisen versteht. Jede geschichtliche Epoche und jeder Kulturkreis, die abendländische wie die fernöstliche Welt, verfügt über je eigene Schönheitsvorstellungen. Dies stimmt in gleicher Weise für das Naturschöne wie für das Körperschöne.“
So ist denn jede Schönheitsanbeterin und jeder Schönheitsanbeter (dieser ganz besonders 😉 ) dazu aufgefordert ihr/sein eigenes Schönheitsideal zu hinterfragen und niemandem aufzuzwingen.
Für mich ist Schönheit schwer in Worte zu fassen: sie kann mich überwältigen, bewegen, mich berühren, mich zum Weinen bringen, zum Staunen, zum Jubeln, zum Verstummen, zum Ausdrücken in Musik, Bild, Tanz. In Worte kann sie jedoch nur die Lyrik oder das Lied kleiden. Sie ist die Brücke zum Unaussprechlichen, Unfassbaren, Unsichtbaren, sie hebt mich in höhere Dimensionen. Poeten, Musiker, Maler und Mystiker aller Zeiten versuchten sie zu beschreiben:
„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie anschaut.“ (Davis Hume)
„Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will.“ (Henri Matisse)
„Alles trägt Schönheit in sich, aber nicht jeder sieht sie.“ (Konfuzius)
„Blumen sind die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.“ (J.W. von Goethe)
„Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“ (Morgenstern)
„Schönheit ist kein Ding, sondern eine besondere Weise des Sehens.“ (A. de Mello)
„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu sehen, wird nie alt werden.“ (Franz Kafka)
„Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen.“ (Leo Tolstoi)
„Um einen Schmetterling zu lieben, müssen wir auch ein paar Raupen mögen.“ (Antoine de St.Exupéry)
„Ein Mistkäfer ist in den Augen seiner Mutter eine Schönheit.“ (Ägyptisches Sprichwort)
„Selbst das schönste Ding der Welt, die Blume, gräbt ihre Wurzeln in Erde und Mist.“ (D.H.Lawrence)
„Die Schönheit ist die Lebensnahrung der Seele.“ (Bettina von Arnim)
Eines der schönsten Lieder Franz Schuberts beschreibt genau mein andächtiges Staunen vor dem Wunder eines Sonnenuntergangs:
Auf dem Wasser zu singen
Mitten im Schimmer der spiegelnden Wellen, gleitet wie Schwäne, der wankende Kahn;
Ach, auf der Freude sanft schimmernden Wellen
Gleitet die Seele dahin wie der Kahn,
Ach, auf der Freude sanft schimmernden Wellen
Gleitet die Seele dahin wie der Kahn;
Denn von dem Himmel herab auf die Wellen
Tanzet das Abendrot rund um den Kahn,
Tanzet das Abendrot rund um den Kahn.
Über den Wipfeln des westlichen Haines
Winket uns freundlich der rötliche Schein;
Unter den Zweigen des östlichen Haines
Säuselt der Kalmus im rötlichen Schein,
Unter den Zweigen des östlichen Haines
Säuselt der Kalmus im rötlichen Schein;
Freude des Himmels und Ruhe des Haines
Atmet die Seel im errötenden Schein,
Atmet die Seel im errötenden Schein.
Ach, es entschwindet mit tauigem Flügel
Mir auf den wiegenden Wellen die Zeit.
Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel
Wieder wie gestern und heute die Zeit,
Morgen entschwinde mit schimmerndem Flügel
Wieder wie gestern und heute die Zeit,
Bis ich auf höherem strahlenden Flügel
Selber entschwinde der wechselnden Zeit,
Selber entschwinde der wechselnden Zeit.
Das Heilende der Schönheit kann man sich jederzeit in der Natur, in der Stille des Waldes, in den Augen des geliebten Menschen, im Spiel des Kindes, in der Freude und Hingabe des Tierkameraden, im Kräuseln des See’s, im Donnern des Meeres, im Anblick der mächtigen Berge, der sanften Hügel, in der Form einer Muschel, eines Steines, vor einem Bild, im Hauch des Windes, der unsere Wange streichelt, in der Freiheit und Weite einer verschneiten Landschaft, im Klang einer Geige, im frischen Tröpfeln des Regens und im Betrachten eines Blumenstrausses holen. Sie ist überall….
DIE SCHÖNHEIT…. Schau Dich um!
Bleibt gesund und wild! Béatrice
Die Moral von der Geschicht….
Zitat: „Schönheit ist materialisierte Liebe.“ (Rudolf Steiner )
Übung: Nutze die jetzige Zeit des Rückzugs während des Lockdowns. Packe Dich warm ein und mache einen winterlichen Spaziergang durch den Wald, auf einem Feldweg, im Park. Fühle die Frische der Luft auf Deinen Wangen, achte auf die Wärme Deines Körpers in der ihn umhüllenden Kleidung. Spüre die festen Tritte Deiner Füsse auf dem Boden, das Schwingen Deiner Arme, das eisige Einatmen und den warmen Lebenshauch beim Ausatmen. Dann mache die Augen weit und nimm die Umgebung auf: das Weiss des Schnee’s, das Blaugrau und die unendliche Weite des Himmels, die vorüberziehenden Wolken, die ständig ihre Form wechseln, die Bäume, die winterstill vor sich hinträumen, die schlafende Natur, die im Frühling explodieren wird. Vielleicht beobachtest Du Vögel, herumtollende Hunde, die Freude der Kinder im Schnee, begrüsst freundlich entgegenkommende Spaziergänger und sehnst Dich zum Horizont. Dann kehre zurück zu Deinem Kern, zur Wärme, zum Atem. Spüre Dein inneres Leben, dieses intensive Pulsieren, das Dich zur Bewegung, zum Fliessen, zur Hingabe treibt. Das Dich nie loslässt, nie stillsteht, sondern vorwärts schubst und stets Entwicklung fordert. Fühle dieses Leben, das Dich mit dem Himmel verbindet und in die Natur integriert. Du bist Teil des Universum’s durch Deinen Atem, Deine Zellen, Deine Atome, Deine Schwingungen. Und wie die Natur erneuerst auch Du Dich regelmässig. Gebe Dich diesem Erneuerungsfluss hin und kehre erfrischt in die wohlige Sicherheit Deines Heimes zurück.