Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/2862

Der 50-jährige Industrielle Charles erkennt anlässlich eines Fernsehinterviews zum Jubiläum seiner Firma, dass er bei allem materiellen Erfolg nicht so lebt, wie er möchte. Er verlässt seine Villa und mietet sich in einem Hotel ein. Als er einem jungen Künstler und dessen Freundin begegnet, versucht er in deren Gesellschaft einen Neubeginn in der Boheme. Das nimmt ihm jedoch sein Sohn übel.
«Der erste lange Spielfilm von Alain Tanner überzeugt durch aufrichtiges kritisches Engagement, psychologisches Einfühlungsvermögen, die nüchterne Filmsprache und die spielerische Einbeziehung von Zitaten, die von Marx über Benjamin bis zu Volksweisheiten reichen. Eine überzeugende Auseinandersetzung mit einer Lebenskrise und zugleich eine bittere Beschreibung der Schweizer Wirklichkeit.» (Lexikon des int. Films)
«Wie in La salamandre verwendet Tanner die cineastischen Methoden der Nouvelle Vague, aber auf frische Weise, und kommt den unheroischen Realitäten des Alltagslebens im traurigen, materialistischen, autoritären Europa nahe genug, um seinen Film zu einem lohnenden Erlebnis zu machen.» (Time Out Film Guide)
Von der Eidgenössischen Filmkommission wegen seines zu tiefen Budgets nicht gefördert, wurde Charles, mort ou vif in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet und fand trotzdem keinen Schweizer Verleih. Erst nach dem Erfolg von Tanners Zweitling La salamandre gelangte sein Regiedebüt doch noch ins Kino.
Drehbuch: Alain Tanner
Kamera: Renato Berta
Musik: Jacques Olivier
Schnitt: Sylvia Bachmann
Mit: François Simon (Charles Dé, Industrieller), Marie-Claire Dufour (Adeline), Marcel Robert (Paul, Maler), André Schmidt (Pierre Dé, der Sohn), Maya Simon (Marianne Dé, die Tochter), Jo Escoffier (Fernsehreporter), Jean-Luc Bideau, Francis Reusser (die beiden Sanitäter)
92 Min., sw, 35 mm, F/d/i, J/14