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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

18. Buch
25. Die berühmteren Philosophen während der Regierung des römischen Königs Tarquinius Priscus und des jüdischen Königs Sedechias, unter dem Jerusalem eingenommen und der Tempel zerstört wurde.
Unter dem jüdischen König Sedechias und dem römischen König Tarquinius Priscus, dem Nachfolger des Ancus Marcius, wurde das Judenvolk nach Zerstörung Jerusalems und des von Salomon erbauten Tempels gefangen nach Babylonien verbracht. Die Propheten, die ihnen ihre Sünden und Gottlosigkeiten vorhielten, hatten dieses Schicksal vorhergesagt, namentlich Jeremias, der sogar die Dauer der Gefangenschaft nach Jahren angab1 . Zu dieser Zeit angeblich hat Pittacus von Mitylene gelebt, ebenfalls einer von den sieben Weisen. Auch die übrigen fünf, die mit dem obenerwähnten Thales und mit Pittacus die Siebenzahl vollmachen, lebten nach Eusebius2 zu der Zeit, da das Volk Gottes in Babylonien gefangen gehalten wurde. Es sind: der Athener Solon, der Lacedämonier Chilon, der Korinther Periandrus, Cleobulus aus Lindus und Bias aus Priene. Sie alle, die sieben Weisen genannt, lebten zeitlich nach den Dichter-Theologen und erlangten einen Namen, weil sie sich durch rühmliche Lebensführung vor ihren Mitmenschen auszeichneten und einige Sittenvorschriften in kurze Sinnsprüche zusammengefaßt haben. Sie haben jedoch kein literarisches Denkmal der Nachwelt hinterlassen mit Ausnahme von Solon, der den Athenern Gesetze gegeben haben soll; Thales aber, der allerdings Schriften über seine Lehrmeinungen hinterließ, war Naturphilosoph. Zur Zeit der Gefangenschaft der Juden machten sich ferner die Naturphilosophen Anaximander, Anaximenes und Xenophanes einen Namen. Und damals lebte auch Pythagoras, von dem an man die Weisen Philosophen nannte3 .
1: Jerem. 25, 11.
2: Euseb. Chron. Lib. II ed. Schoene, p. 94; vgl. Euseb. Praeparatio evang. X 14.
3: Vgl. oben VIII 2 [1. Band 388].