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Thomas Bänziger, Pfr. Dr. theol., Stiftung Schleife
Was hat das Lamm mit Ostern zu tun?
In meiner Kindheit stand an Ostern ein Butterlamm auf dem Frühstückstisch. Bei anderen gibt es zum Osterkaffee ein süsses aus Rührteig gebackenes Lämmchen. In Schaufenstern finden wir in diesen Tagen das Lamm als beliebten Oster-Dekoartikel. Umgangssprachlich kennen wir die Rede vom «Osterlamm». Die ursprüngliche Bedeutung davon ist wesentlich tiefer als ein Biskuitgebäck oder ein Deko-Accessoire, auch wenn Google uns zu diesem Stichwort vor allem Bilder dazu liefert. Jesus selbst, um den es an Ostern primär geht, wird im Johannesevangelium als das «Lamm Gottes» bezeichnet. Um herauszufinden, weshalb Jesus das «Osterlamm» ist, müssen wir etwas in der Bibel blättern.
Abraham und das Lamm
In 1. Mose 22 wird Abraham von Gott auf die Probe gestellt: Er soll seinen Sohn Isaak auf dem Berg Morija (Jerusalem) opfern. Gehorsam macht sich der Vater des Glaubens auf den Weg. Am dritten Tag seiner Reise befindet er sich zusammen mit seinem Sohn auf dem Aufstieg zum Berg. «Wir haben Feuer und Holz, aber wo ist das Lamm zum Brandopfer?», fragt Isaak. «Gott wird sich ein Lamm zum Brandopfer ausersehen», antwortet Abraham. In letzter Sekunde interveniert Gott: Abraham muss seinen Sohn nicht umbringen, sein Vertrauen hat sich bewährt, Gott hat sich ein Lamm ausersehen. An Isaaks Stelle wird ein Widder geopfert, der sich mit seinen Hörnern im naheliegenden Gestrüpp verfangen hatte. Wo bleibt nun aber das angekündigte Lamm?
Das Passahlamm
Die Frage wird erst im zweiten Buch Mose beantwortet. Die Israeliten leben als Sklaven in Ägypten. Zehn Plagen sind notwendig, um den Pharao zum Einlenken zu bewegen, das Sklavenvolk ziehen zu lassen. Die zehnte Plage hat es in sich: Alle männliche Erstgeburt der Ägypter stirbt. Damit Israel dem Todesengel entkommt, gibt Gott seinem Volk konkrete Anweisungen (siehe 2. Mose 12): Vom 10. bis zum 14. Tag des ersten Monats muss ein Lamm ins Haus jeder Familie genommen werden. Danach wird es geschlachtet und das Blut des Lammes an die Türpfosten und die Schwellen angebracht. Das Blut an den Häusern ist das Schutzzeichen, damit das Verderben vorbeizieht (hebräisch pasach). Das Lamm selber wird in dieser Nacht gebraten und zusammen mit ungesäuertem Brot und bitteren Kräutern gegessen. Das ganze Lamm muss verzehrt und es darf ihm kein Knochen gebrochen werden.
An Pessach (oder Passah) erinnert sich das jüdische Volk bis heute an den Auszug aus Ägypten und an das Vorbeiziehen des Todes aufgrund des Blutes des Lammes. Heute noch erinnert der Lammknochen am Sederabend beim Passahfest, dass damals das Lamm anstelle der Erstgeburt starb.
Das stumme Lamm
Wir blättern im Alten Testament noch etwas weiter: Der Prophet Jesaja darf einen Blick auf den kommenden Messias werfen. Jahrhunderte vor der Geburt Jesu schreibt er (Jesaja 53,5-7): «Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.»
Auch hier treffen wir auf das Motiv des Schafes: Nicht nur wir Menschen werden mit Schafen verglichen, die immer wieder vom Weg abkommen, sondern der Messias wird als Opferlamm beschrieben. Der Messias wird an unserer Stelle sterben, unsere Schuld auf sich nehmen. Wie das Passahlamm gibt er sein Leben für den Frieden und die Heilung der Menschen. Im stummen Opferlamm malt uns Jesaja ein eindrückliches Bild für den kommenden Retter vor Augen.
Jesu Geburt und Taufe
Nun sind wir im Neuen Testament angelangt. Bei der Geburt Jesu weideten Hirten auf den Feldern rings um Bethlehem ihre Herden (siehe Lukas 2). Im Umkreis von Jerusalem wurden damals Schafe für die Opfer im Tempel gehalten. Gut möglich, dass die Hirten an der Krippe Jesu keine gewöhnlichen Schafe züchteten, sondern Opfertiere – unter anderem auch die Passahlämmer. Schon bei der Geburt Jesu schwingt also das Lamm mit, explizit wird es bei der Taufe.
Als Jesus auf Johannes den Täufer zugeht, um sich von ihm taufen zu lassen, prophezeit dieser über ihm (Johannes 1,29): «Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.» Den Menschen damals ist die Rede vom Opferlamm aufgrund der täglichen Opfer im Tempel und wegen Pessach sehr präsent. Wie das Passahlamm gute drei Tage bei der jüdischen Familie im Haus war, so lebt Jesus in der Folge dreieinhalb Jahre mit seinen Jüngern. Die Menschen lernten ihn kennen und lieben. Aber sie müssen sich schmerzhaft von ihm trennen, wie die Familien damals von ihrem Lämmchen am ersten Pessach.
Jesus Tod als Passahlamm
Jesus starb am «Rüsttag für das Passahfest» (Johannes 19,14), am Tag, als im Tempel die Passahlämmer geschlachtet wurden. Das tägliche Opferschaf wurde jeweils ungefähr um diese Zeit geopfert (siehe 2. Mose 29,39). Deshalb können wir davon ausgehen, dass Jesus gleichzeitig starb wie die zahlreichen Passahlämmer im Tempel. Damit wird deutlich, was Paulus in 1. Korinther 5,7 auf den Punkt bringt: «Auch wir haben ein Passahlamm, das ist Christus, der geopfert ist.» Christus ist unser wahres Osterlamm!
Abraham musste damals seinen Sohn nicht opfern, der das Holz auf den Berg schleppte, weil 2000 Jahre später an derselben Stelle Gottes Sohn das Kreuz auf Golgotha trug und stellvertretend für uns starb. «Wo ist das Lamm?», fragte Isaak. Die Geschichte von Pessach gibt uns eine vorläufige Antwort: Wir brauchen das Blut des Passahlammes, damit wir vom Tod verschont werden. Wer das Blut an seiner Türe hat, bleibt am Leben. Jesaja sah den Messias als das eigentliche Opferlamm voraus.
Das Neue Testament macht es klar: Jesus ist dieses Passahlamm. Auch ihm wurde – im Gegensatz zu den beiden Mitgekreuzigten – wie beim Lamm in 1. Mose 12 kein Knochen gebrochen (siehe Johannes 19,33). Jesus ist gestorben, um uns das ewige Leben zu schenken. Im Glauben an ihn haben wir Leben und Frieden. Wie Abraham am dritten Tag den Blick erheben konnte und seinen Sohn geschenkt bekam, so ist der «Menschensohn» am dritten Tag wieder auferstanden. Die Botschaft von Ostern lautet: Jesus ist auferstanden, lebt und nimmt uns mit hinein ins Leben.
Abendmahl
Am Passahfest musste das ganze Lamm gegessen werden, nichts durfte übrigbleiben. Für uns kann das bedeuten: Wir sollen die ganze Botschaft, das ganze Evangelium von Jesus Christus, ihn selbst, in uns aufnehmen. Das «Essen» bekommt beim Abendmahl eine besondere Bedeutung. Jesus sprach bei der Einsetzung des Passahfestes (er feierte mit seinen Jüngern bereits einen Tag früher) über dem Brot: Das ist mein Leib. Wenn wir Abendmahl feiern, erinnern wir uns daran, dass wir von diesem «Passahlamm» essen dürfen.
Nach dem Mahl nahm Jesus den Kelch und erklärte, es sei sein Blut, wir sollen daraus trinken. Der Becher nach dem Essen ist in der jüdischen Tradition des Sederabends der «Kelch der Erlösung». Wir erinnern uns beim Abendmahl daran, dass uns das Blut von Jesus erlöst wie damals die Erstgeborenen das Blut des Lammes an der Türe. Das Blut des Lammes an der Türe unserer Herzen ist unser Schutz.
Wenn Jesus in der Kunstgeschichte als Lamm dargestellt wird, fliesst auf gewissen Gemälden das Blut direkt in den Abendmahlskelch, um diese Verbindung von Lamm und Abendmahl zu verdeutlichen. Auf Kunstdarstellungen sehen wir oft das Osterlamm mit der Siegesfahne, wir kennen es vielleicht von den Herrnhuter Losungen, ein Symbol für die Auferstehung: Das Lamm Gottes (lateinisch: Agnus Dei) hat gesiegt. Das letzte Buch der Bibel eröffnet uns diese Perspektive. An verschiedenen Stellen in der Offenbarung wird das Lamm Gottes beschrieben, das überwunden hat und auf dem Thron sitzt.
Mehr als ein Ostergebäck
Dieser kurze Streifzug durch biblische Stellen zeigt uns auf: Mit dem «Osterlamm» hat es viel mehr auf sich als nur ein Rührteiggebäck oder ein Deko-Artikel: Jesus Christus selber ist unser Osterlamm. Frohe Ostern!
Und wie es das Ei geschafft hat, zum Ostersymbol zu werde.
Vordergründig mag es einen ziemlich banalen Grund dafür geben, dass wir an Ostern traditionellerweise Eier essen: Unter die tierischen Produkte, deren Verzehr seit dem Mittelalter während der Fastenzeit untersagt war, fielen auch die Eier. Da die Hühner im Frühling im Vergleich zu den kalten Wintermonaten wieder gut legten, hatte sich um die Osterzeit ein so grosser Vorrat angesammelt, dass die Eier durch Kochen haltbar gemacht wurden. Einen Teil der Eier verzierte man offenbar, brachte sie in die Kirche zur Weihe und verschenkte sie danach.
Die Symbolik dieses gekochten Eis wird unterschiedlich gedeutet, unter anderem als Zeichen für das sich schnell wendende Schicksal: Wie sich ein rohes Ei in heissem Wasser in kürzester Zeit zu einem hartgekochten wandelt, wurde damals in einer einzigen Nacht ein Sklavenvolk zu einer freien Nation.
Vom Todesurteil zum Kreuz, vom leeren Grab bis hin zu den Reaktionen auf dieses schier unglaubliche Ereignis. Wir vertiefen diese Geschichte mit unseren Theologinnen und Theologen aus dem Format «us de Bible». Sie stellen sich dem Bibeltext und geben ihm anhand von Beispielen und Gedanken eine besondere Note.
Was machte das Leben und Sterben von Jesus so besonders, dass auch heute noch davon erzählt wird? Wer war dieser Jesus, der eine Weltreligion begründete? Im Talk würdigen wir sein Leben und seinen Tod mit einer Art Nachruf.
Was geschah damals an Ostern?
Peter Schulthess ist reformierter Pfarrer und hat die Ostergeschichte schon rund 30 Mal gepredigt. Schauen wir uns nun die einzelnen Ereignisse nochmals an. Was geschah am Gründonnerstag, wer hat Jesus verraten, war Pilatus doch auf der Seite von Jesus und was erwartete die drei Frauen am Grab?
Ostern – das wichtigste Fest der Christenheit
An einer Beerdigung hat jeder mit grosser Wahrscheinlichkeit schon einmal teilgenommen. An einer Auferweckung wahrscheinlich die Wenigsten. Aber genau das feiert man an Ostern. Denn dann ist Jesus, Gottes Sohn, vom Tode auferstanden. Deshalb ist es kein Wunder, dass Ostern eines der grössten christlichen Feste ist. Vielfalt beim Feiern, Einheit bei der Bedeutung – das ist Ostern bei den christlichen Kirchen in der Schweiz.
Da Leiden, Sterben und Auferstehung Christi laut den Aussagen des Neuen Testamentes in eine Pessachwoche fielen, bestimmt der Termin dieses beweglichen jüdischen Hauptfestes auch das Osterdatum. Dieses Jahr finden die Osterfeierlichkeiten am Sonntag, 4. April 2021 statt
Begleitbuch durch die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag
Die reformierte Pfarrerin Janine Haller war auf der Suche nach einem Heft oder einem Buch, welches Kirchgemeindemitglieder durch die Fastenzeit begleitet. Weil sie jedoch nichts Passendes fand, verfasste sie selbst ein Andachtsbuch. Es begleitet die Leserinnen vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag.
Sich auf den Weg machen
Jedes Jahr zur Fastenzeit und an Ostern bieten verschiedene Pfarreien und Kirchgemeinden unter unterschiedlichen Namen Wege an: Kreuzwege, Osterwege, Stationenwege, Passionswege. Das Ziel ist das gleiche: Sich zusammen auf den Weg begeben und sich mit dem tieferen Sinn von Ostern auseinandersetzen.
Geliebt und getragen im Zerbruch – Geschichte von Corinne
Jesus ist schwer zu fassen. Er ist sanftmütig und ausfallend, anziehend und abstossend, Sympathieträger und Hassfigur.
Auf vielen Gemälden blickt Jesus von Nazareth drein wie eine Mutter Teresa mit einer Überdosis Kamillentee: Der Künstler- Jesus ist ein lammfrommer Mitmensch. Der Autoren-Jesus hingegen ist wild; ein Vagabund und Querulant zweifelhafter Herkunft, der seine eigene Hinrichtung provoziert. Unabhängig von ihrer Historizität machen seine Geschichten die Leute bis heute sanft und wütend.
Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit
Denn damit wird gefeiert, dass Jesus vor rund 2000 Jahren von den Toten auferstanden ist. Genaueres erklären uns Simon Graf (freikirchlicher Theologe), Thomas Meli (katholischer Theologe) und Peter Schulthess (reformierter Theologe).
Alter Brauch mit grosser Bedeutung
Wer an Ostern in einer katholischen oder reformierten Kirche einen Gottesdienst besucht, wird höchstwahrscheinlich eine Osterkerze zu sehen bekommen. Laut Wikipedia handelt es sich dabei um «eine grosse Kerze aus gebleichtem Bienenwachs, die in der Liturgie der Westkirchen zu Beginn der Osternachtfeier am Osterfeuer bereitet, geweiht und entzündet wird». Mehr über ihre Bedeutung und den mit ihr verbundenen Brauch erzählt uns der reformierte Pfarrer Peter Schulthess.
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