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Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl in Bulgarien hat Prognosen zufolge überraschend der Oppositionskandidat Rumen Radew gewonnen. Der für die Sozialisten ins Rennen gegangene russlandfreundliche frühere Luftwaffenkommandant erhielt zwischen 24.8 und 26.7 Prozent.
Die konservative Kandidatin Zezka Zatschewa sei nur auf 22.5 bis 23.5 Prozent der Stimmen gekommen, hiess es in den am Sonntagabend nach Schliessung der Wahllokale veröffentlichten Prognosen.
Sollte sich der Sieg von Radew bestätigen, wäre dies eine enorme Schlappe für den konservativen Regierungschef Boiko Borissow, der Zatschewa ins Rennen geschickt hatte.
Umfragen vor der Wahl hatten einen Sieg der 58-jährigen Parlamentspräsidentin vorausgesagt. Borissow hatte vor dem Urnengang sogar angekündigt, er werde Neuwahlen ansetzen, wenn Zatschewa im ersten Durchgang nicht gewinnen sollte.
Den Prognosen zufolge kommt es nun zu einer Stichwahl zwischen Zatschewa und Radew. Der Oppositionskandidat setzte im Wahlkampf vor allem auf seine Forderung nach besseren Beziehungen zu Moskau. Er hat sich für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland ausgesprochen.
Höhere Wahlbeteiligung
Die Beteiligung an der Präsidentenwahl war am Nachmittag mit 43 Prozent um zehn Punkte höher als bei der Wahl vor fünf Jahren. Das teilte das Meinungsforschungsinstitut Alpha Research dem Staatsradio in Sofia mit.
Die Bulgaren sollen entscheiden, ob sie wieder einen pro-westlichen Präsidenten wählen oder auf einen Staatschef aus dem pro-russischen Lager setzen, dem zahlreiche Parteien in dem früheren Ostblockland angehören. Amtsinhaber Rossen Plewneliew, ein überzeugter Europäer, tritt zur Wahl nicht an. Bulgarien übernimmt 2018 den EU-Ratsvorsitz.
Test für Regierung
Die Spannung ist gross, weil die Präsidentenwahl auch ein Test für die Mitte-Rechts-Regierung zur Mitte ihrer Amtszeit ist.
Die Bulgaren stimmen zudem auch über ein neues Wahlrecht ab. Beim dritten Referendum nach 2013 geht es um die Einführung des Mehrheitswahlrechts und einer strengeren Wahlpflicht. Die Bürger sollen auch über deutlich geringere Subventionen für die Parteien entscheiden. (sda/dpa)