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Calvins Einfluss reichte weit über die Schweiz in die Welt hinaus
Die Westschweiz und Genf profitieren geistlich, aber auch wirtschaftlich und als Bildungsstandort stark von Calvins Wirken in der Rhonestadt.
Von Melanie Böhmer
Johannes Calvin wird 1509 in Noyon, im Norden Frankreichs, in eine katholische Familie hineingeboren. Durch finanzielle Unterstützung der Kirche ist es ihm möglich, ein Studium in Noyon zu beginnen und in Paris fortzusetzen. In Paris studiert er Jurisprudenz, obwohl er anfänglich für die Priesterlaufbahn vorgesehen war. Mit dem Tode seines Vaters 1531, widmet sich Calvin der Theologie und den Geisteswissenschaften und kommuniziert vermehrt mit den Humanisten und Theologen seiner Zeit. 1534 bricht er mit der katholischen Kirche, als er ihre finanzielle Unterstützung ablehnt.
Als durch kritische Plakate im Oktober 1534 in Paris eine Verfolgung der Kirchenabtrünnigen ausgelöst wird, verlässt Calvin Frankreich und zieht nach Basel. Dort verfasst er sein bekanntestes Werk, das er über Jahre weiterbearbeitet: Institutio Religionis Christianae, («Unterweisung in der christlichen Religion», 1536), eine Zusammenfassung der Grundsätze des christlichen Glaubens. Als Calvin 1536 aufgrund der Kriegsgeschehen in Savoyen auf dem Weg nach Strassburg einen Umweg über Genf machen muss, bittet ihn der Reformator Guillaume Farel um Hilfe bei der Durchsetzung der Reformation der Kirche dort. Da Farel und Calvin mit dem Rat der Stadt aneinandergeraten, als es um Fragen der Autorität von Kirche und Staat geht, werden die zwei 1538 der Stadt verwiesen. In den nächsten drei Jahren wirkt er in Strassburg als Professor und Pastor. Gemeinsam mit dem Reformator Martin Butzer nimmt er an Verhandlungen teil, die zum Ziel haben, die Spaltung in der Kirche zu überwinden. Bei dieser Gelegenheit trifft er Philipp Melanchthon, einen der einflussreichsten deutschen Reformatoren, der auch eng mit Luther zusammengearbeitet hat.
1541 kehrt Calvin auf Einladung des Stadtrates nach Genf zurück und die Zeit seines bekanntesten Schaffens beginnt. Calvin bleibt den Rest seines Lebens im Exil in Genf und beeinflusst von dort nicht nur das Glaubensleben der Schweiz, sondern durch sein Schreiben und Wirken auch die ganze Welt. Er stirbt am 27. Mai 1564 im Alter von 55 Jahren.
Calvins Einfluss auf die Schweiz
Calvin hat in der Schweiz einen bleibenden Einfluss hinterlassen, der über seine reformatorische Tätigkeit hinausgeht. Während seiner Zeit in Genf bleibt Calvin im regen Briefwechsel mit den reformierten Christen Frankreichs, die noch immer unter der Verfolgung durch die katholische Kirche leiden. Viele sind praktizierende Protestanten, besuchen aber – um den Schein zu wahren und sich zu schützen – weiterhin die Messe.
Calvin kritisiert dies scharf und rät ihnen, in ein protestantisches Land zu ziehen. Auf diesen Aufruf hin ziehen viele Franzosen nach Genf und die Bevölkerung der Stadt verdoppelt sich innerhalb von 15 Jahren. Diese Franzosen, später als Hugenotten bekannt, brachten wichtiges Wissen mit in die Schweiz. So lassen sich die Anfänge des Uhrmacherhandwerks in der Schweiz auf die französischen Flüchtlinge zurückverfolgen. Eine weitere Branche, für die die Schweiz weltweit bekannt ist und die von den Hugenotten massgeblich beeinflusst wurde, ist das Bankwesen.
1559 gründete Calvin die humanistische und theologische Académie de Genève, welche Genf lange Zeit den Ruf als «Rom der Protestanten» einbrachte. Aus dieser Akademie ging die heutige Universität von Genf hervor.