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Die neue Bundeskanzlerin heisst Corina Casanova. Die Vereinigte Bundesversammlung hat die von der CVP portierte 51-Jährige mit 124 Stimmen gewählt.
Casanova ist die zweite Frau und gleichzeitig erste Vertreterin des rätoromanischen Landesteils an der Spitze der Bundeskanzlei.
Als neue Stabschefin der Landesregierung schlug die Bündner Rechtsanwältin die Konkurrenz mit einer Stimme über dem absoluten Mehr bereits im ersten Wahlgang aus dem Feld.
Die Kandidatin der Schweizerischen Volkspartei (SVP), Nathalie Falcone-Goumaz, kam auf 64 Stimmen, der freisinnige Bewerber Markus Seiler (FDP) auf deren 52.
Corina Casanova dankte in allen vier Landessprachen für das Vertrauen und erklärte Annahme der Wahl. Sie ist nach elf Männern und ihrer Vorgängerin Annemarie Huber-Hotz erst die zweite Frau an der Spitze der Bundeskanzlei.
CVP zum dritten Mal
Die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) kommt mit ihr nach Oskar Leimgruber (1944-1951) und Karl Huber (1968-1981) zum dritten Mal in der Führung der Bundeskanzlei zum Zuge.
Die neue Bundeskanzlerin Corina Casanova war bis anhin Vizekanzlerin. Ihre Karriere beim Bund begann die heute 51-jährige Juristin und Rechtsanwältin vor 15 Jahren als Informationsbeauftragte der Parlamentsdienste.
1996 wechselte Corina Casanova als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Stab des damaligen Aussenministers Flavio Cotti. Joseph Deiss, der das Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) von Cotti übernommen hatte, ernannte die sechssprachige Bündnerin 1999 zu seiner persönlichen Beraterin.
2002 ernannte sie der Bundesrat dann zur stellvertretenden Generalsekretärin des ab 2003 von Micheline Calmy-Rey geführten EDA. Knapp drei Jahre danach machte Casanova den nächsten Karriereschritt.
2005 Vizekanzlerin
Am 27. April 2005 wählte der Bundesrat sie zur Vizekanzlerin, zusammen mit dem Sozialdemokraten und heutigen Bundesratssprecher Oswald Sigg. Casanova wurde in der Bundeskanzlei Nachfolgerin von Hanna Muralt Müller, Sigg ersetzte Achille Casanova.
Corina Casanova wurde in Ilanz in Graubünden geboren und verbrachte ihre Schulzeit im Kanton Graubünden. Neben Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch und Spanisch spricht sie zwei rätoromanische Dialekte, nämlich das im Raum Ilanz gesprochene Sursilvan sowie das unterengadinische Vallader.
swissinfo und Agenturen
Bundeskanzlei
Die Bundeskanzlei ist die älteste Verwaltungseinrichtung der Schweiz. Sie wurde 1803 gegründet, als Folge der politischen Reformen, die Napoleon der Eidgenossenschaft auferlegt hatte.
Die Bundeskanzlei beschäftigt zirka 250 Mitarbeitende. Ihr untersteht die Beratung und Unterstützung des Bundesrates bei der Planung und Koordination von Geschäften auf Regierungsebene.
Sie bereitet die Regierungssitzungen vor, ausserdem ist sie für die Kommunikation der Regierungsentscheide verantwortlich.
Auch andere Länder kennen die Funktion des Verwaltungschefs der Regierung: In Frankreich gibt es den so genannten Kabinetts-Sekretär, in Deutschland den Bundeskanzleramtschef.
Doch nur in sehr wenigen Ländern wird diese Position durch eine Parlamentswahl – wie in der Schweiz – besetzt.