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09.12.2022, 09:24 Uhr
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Bei den Wahlen in Japan behielt die Regierungspartei die Mehrheit im Parlament. Zusammen mit dem billigen Yen schafft dies gemäss Daryl Liew, CIO Reyl Singapur, eine günstige Einstiegsgelegenheit in den japanischen Aktienmarkt.
Der neue japanische Premierminister Fumio Kishida führte seine regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) zu einem unerwartet hohen Sieg bei den Unterhauswahlen: Die LDP gewann 261 Sitze und behielt damit ihre Mehrheit im Parlament. Premierminister Kishida hatte Anfang Oktober vor den Wahlen die Nachfolge von Yoshihide Suga angetreten, der für Japans Missmanagement bei der Covid-19-Pandemie und die daraus resultierenden schlechten Umfragewerte verantwortlich gemacht wurde.
Die LDP verlor zwar mehr als ein Dutzend Sitze von den 276, die sie vor den Wahlen innehatte. Doch die parlamentarische Mehrheit gibt Premierminister Kishida ein klares Mandat für die Verabschiedung eines Konjunkturpakets noch in diesem Monat, um den von der Pandemie am stärksten betroffenen Haushalten und Unternehmen zu helfen. Weitere unterstützende fiskalische Massnahmen werden für den Haushalt des nächsten Jahres erwartet, bevor im Juli die Wahlen zum Oberhaus anstehen.
Konjunkturentwicklung blieb zurück
Diese fiskalischen Anreize sind für Daryl Liew, CIO Reyl Singapur, dringend erforderlich, da Japans wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr aufgrund der Konjunkturabschwächung in China und der langsameren Verbreitung der Covid-19-Impfung hinter der anderer westlicher Länder zurückgeblieben ist. Im Juli senkte der IWF Japans BIP-Wachstumsprognose für 2021 auf 2,4% und damit auf eine der schlechtesten Raten unter den Industrieländern. Die anhaltenden Unterbrechungen der Lieferkette haben die Probleme noch verschärft - japanische Autohersteller waren gezwungen, ihre Produktion aufgrund von Engpässen bei Halbleiterchips und anderen in China hergestellten Komponenten zu drosseln.
"Neben dem Versuch, das Wachstum zu stützen, muss sich Premierminister Kishida auch mit dem Deflationsproblem Japans auseinandersetzen", sagt Liew: "Im Gegensatz zu vielen anderen Teilen der Welt, die derzeit mit einer rekordverdächtigen Inflation zu kämpfen haben, ist die Verbraucherpreisinflation in Japan nur lau oder gar nicht vorhanden". Tatsächlich hat die Bank of Japan ihre Inflationsprognose für das Jahr bis März 2022 von 0,6% auf 0% gesenkt. "Einige führen dieses Phänomen auf die tief verwurzelte deflationäre Mentalität zurück, die durch jahrzehntelang sinkende Verbraucherpreise verursacht wurde. Vielleicht könnten die fiskalischen Unterstützungsmassnahmen von Premierminister Kishida in Verbindung mit der Verknappung von Gütern aufgrund von Unterbrechungen in der Lieferkette in den nächsten Quartalen einen Anstieg des Verbraucherpreisindexes auslösen und diese Denkweise ändern".
Günstige Bewertung
"Wie dem auch sei, sowohl die Finanz- als auch die Geldpolitik in Japan werden das Wachstum weiterhin unterstützen. Der fehlende Inflationsdruck erlaubt es der Zentralbank, eine gemässigte Haltung beizubehalten und die derzeitige Renditekurve auf absehbare Zeit unter Kontrolle zu halten, wodurch die Zinssätze verankert bleiben werden", ist Liew überzeugt. Dies steht im Gegensatz zu anderen Zentralbanken, die bereits mit einer Straffung der Geldpolitik begonnen haben oder diese in Angriff nehmen. Diese Divergenz in der Geldpolitik ist gemäss Liew einer der Gründe, warum der Yen in diesem Jahr an Wert verloren hat: Die Währung, die bereits zu Beginn des Jahres recht billig war, ist auf Basis der Kaufkraftparität noch günstiger geworden.
"Dies macht japanische Vermögenswerte für internationale Anleger recht interessant", sagt Liew. "Der MSCI Japan wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 15 gehandelt und ist damit der billigste der drei entwickelten Regionen (S&P500: 20,8x; Eurostoxx600: 16x), aber mit dem höchsten Gewinnwachstum der drei Regionen, das für 2022 erwartet wird. Die Sterne könnten sich so ausrichten, dass japanische Aktien im Jahr 2022 eine überdurchschnittliche Performance erzielen".