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Das Gotthelf Zentrum Emmental Lützelflüh stellt sich vor
Albert Bitzius, 1797 geboren in Murten, dort und in Utzenstorf aufgewachsen, wird nach Studium und Praktikumsjahren 1831 zum Vikar in Lützelflüh ernannt. 1832 wird er Nachfolger des verstorbenen Amtsinhabers, Pfarrer Albrecht Fasnacht. 1833 heiratet er dessen Enkelin Henriette Zeender und lebt bis zu seinem Tod 1854 im Pfarrhaus Lützelflüh. Unter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf schreibt er 13 Romane, um die 50 Novellen und zahlreiche Kalendergeschichten: Engagiert und visionär, im Emmental verwurzelt, voll ewiger Wahrheit und Weisheit, aktuell, zeitlos. Er ist ein aufmerksamer Beobachter der Zeit, und so bilden Sorgen und Nöte der damaligen Menschen die Themen seines literarischen Werks, ja, sie lassen ihn erst zum Schriftsteller werden: Das Elend der Verdingkinder, die Misere in der Schule, die Armut breiter Bevölkerungsschichten, die Alkoholprobleme, Quacksalberei und Aberglaube, der Zeitgeist ganz allgemein… Zu den bekanntesten Werken gehören Romane wie „Der Bauernspiegel“, „Freuden und Leiden eines Schulmeisters“, „Uli der Knecht“, „Uli der Pächter“, „Anne Bäbi Jowäger“ oder „Die Käserei in der Vehfreude“ und Erzählungen wie "Die schwarze Spinne", das „Erdbeeri Mareili“ oder „Elsi die seltsame Magd“.
Neben seinen pfarramtlichen und schriftstellerischen Tätigkeiten engagiert er sich als langjähriger Präsident der Armenerziehungsanstalt Trachselwald, er wirkt längere Zeit als Bernischer Schulinspektor, er unterrichtet in der Lehrerfortbildung, schreibt als Korrespondent Artikel für die liberale Zeitung „Berner Volksfreund“ und gibt mehrere Nummern des „Berner Kalenders“ heraus.
Als junger Vikar und Pfarrer steht er ganz auf der Seite der Liberalen, kämpft gegen das Ancien régime, für eine demokratische Verfassung und wirkt in der Kommission für die Erarbeitung eines neuen Schulgesetzes mit, welches die Schulpflicht einführt. Später denkt er wieder konservativer, wendet sich von den Radikalen ab, bekämpft zentralistische Tendenzen und den Verlust von Glaube und Religion.
Seit 2012 beherbergt das ehemalige Pfarrhaus Lützelflüh das Gotthelf Zentrum: Hier erahnen die Gäste, wie Gotthelf mit seiner Familie gelebt hat, wo sein literarisches Werk entstanden ist, wo er Predigten verfasst, Briefe und Berichte an die Obrigkeit geschrieben – und mit Gästen diskutiert und debattiert hat. Das Zentrum, ein prächtiges historisches Ensemble, umfasst nebst dem eindrücklichen, 1655 erbauten Pfarrhaus die Kirche aus dem Jahr 1505, Pfarrgarten und Hofstatt, Pfrundscheune, Ofenhaus und Spycher.
Das Museum dokumentiert die gewaltige Schaffenskraft Gotthelfs, präsentiert wertvolle Erstausgaben und ermöglicht es, an interaktiven Medienstationen Originaltexte Gotthelfs mit Ernst Balzlis Hörspielen der 1950er-Jahre auf Radio Beromünster sowie Franz Schnyders Filmen zu vergleichen.
Der Dichter und seine Zeit werden begreifbar und lebendig. Hier begegnen Sie dem Original!