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[* 1] (OstreaL.),
Vertreter der wichtigsten Familie der mit einem Schließmuskel versehenen Muscheln.
[* 2] Diese Familie
(Ostroiclae) enthält 400 lebende und etwa 1500 fossile
Arten. Die zweiklappige Schale, den daran festgewachsenen Weichkörper
des
Tieres schützend, ist entweder einseitig oder doppelseitig gewölbt, der
Bau blätterig. Der weiche
Leib ist gewöhnlich von weißer oder fleischähnlicher Färbung, welche jedoch viele Abstufungen, bis zum völligen schwarz
durchgeht.
Der Schließmuskel ist stets etwas dunkler gefärbt. Ein brauner
Kranz, der sog.
Bart, der den Körper umgiebt, besteht aus
den vier Kiemenblättern. Da die meisten Auster mit der einen Schale festwachsen, so ist ihr Fuß
verkümmert. Die gewöhnliche Auster (Ostrea edulisL.) ist doppeltgeschlechtlich, befruchtet sich aber nicht selbst,
da die verschiedenen Zeugungsstoffe sich zu verschiedener Zeit entwickeln. Die junge, mikroskopische
Brut sammelt sich vom
April an bis
August in den Kiemenblättern, welche dadurch milchig werden.
Ihr Fortpflanzungsvermögen ist unermeßlich; man hat gegen 2 Mill.
Junge in einer größern Auster berechnet. Die den Kiemen
entschlüpfende junge
Brut schwärmt in dem
Meere umher, bis sie einen geeigneten Gegenstand zum Anheften findet.
GrößereTiefen werden von den Auster ungern bewohnt. Sie verlangen einen Salzgehalt des Wassers von
mindestens 1,7 Proz., kommen daher in
Binnenmeeren, wie die Ostsee ist, nicht fort; die in neuester Zeit angestellten Versuche,
sie daselbst einzubürgern, sind gescheitert.
Sonst finden sie sich unter allen Himmelsstrichen.
Ihre Nahrung besteht nur aus mikroskopischen, pflanzlichen und tierischen
Organismen und Organismenresten. Die pflanzliche Nahrung verleiht, wenn sie aus gewissen Formen besteht,
ihrem Körper eine geschätzte grüne Färbung (z. B. bei Marennes). Die Auster haben
sehr viele Feinde, besonders unter den Bohrschnecken und den großen Seesternen. Die Familie der Auster zählt, außer
der gewöhnlichen (Ostre edulisL.), noch viele
Arten, so: Ostrea cristate Lam.
(Hahnenkammauster) im Mittelmeere;
Weitaus die meisten der in
Deutschland
[* 14] verzehrten Auster stammen aus
Holland, da die holsteinischen
Bänke
jetzt nur sehr wenig liefern. Die in
Deutschland vielfach zu Markt gebrachte
Helgoländer Auster stammt nicht
von der ostsüdöstlich von
Helgoland legenden ziemlich wertvollen
Bank, sondern aus der offenen Nordsee und wird
daher oft
auch als wilde Auster oder Nordseeauster bezeichnet. Da sie, obschon sehr groß, oft von schlechtem
Geschmack ist, so ist sie
ziemlich geringwertig. Die reichsten Austernbänke besitzt Nordamerika in der Chesapeakebai, an den
Küsten
von Virginia,
Carolina und Connecticut.
Der Fang der Auster geschieht mit besondern Austernrechen oder in größern
Tiefen mit Scharrnetzen, wurde aber oft so rücksichtslos
betrieben, daß schon seit längerer Zeit eine bedeutende
Abnahme in der
Ausbeute bemerkbar war. Um diesem
Ausfall einer wertvollen Produktion zu begegnen, hat man die künstliche
Austernzucht einzuführen versucht. Thatsächlich
bestand dieselbe schon im
Altertum mit Erfolg, so namentlich im Fusarosee bei Neapel.
[* 15] Es gilt dabei nur, die junge, von den
Kiemenblättern freigelassene
Brut, von welcher im freien
Meere jährlich Milliarden zu
Grunde gehen, hinreichend
zu schützen, indem man ihr Gelegenheit bietet, sich möglichst rasch anzuheften, alle störenden oder schädlichen Einwirkungen
fern hält und für ein nahrungsreiches, aber reines Wasser sorgt. Zu diesem Zweck begann man in
Frankreich, namentlich auf
Antrieb des
Akademikers Coste, vom J.1858 an künstliche Austernzuchtparks (parcs producteurs) anzulegen.
Die Regierung unterstützte die Sache in jeder Hinsicht. An allen
Küsten ahmte man alsbald die Versuche
nach, namentlich in England und in
Österreich.
[* 16] Die Ergebnisse fielen jedoch keineswegs günstig aus. Die österr. Regierung
sandte daher 1869 den Prof. Schmarda nach
Frankreich zu genauer Untersuchung des
Thatbestandes. Sein
Bericht ergab, daß von
den 2000 Austernzuchtparks, welche sich 1867 längs der franz. Westküste
befunden haben sollten, 1869 keine 10 mehr bestanden.
Das gleiche Resultat brachte ein etwas später von der preuß. Regierung zu gleichem Zweck
entsandter Sachverständiger (Prof. Möbius) zurück, und infolgedessen wurden auch an den norddeutschen
Küsten geplante Versuche wieder aufgegeben. Indessen ist damit keineswegs über die künstliche
Aufzucht der der
Stab
[* 17] gebrochen; im Gegenteil ist dieselbe sehr wohl möglich und durchführbar, nur gehören besonders geeignete
Lagen und
Gewässer dazu. In
Holland,
Norwegen und auch an der deutschen Nordseeküste hat man die Zuchtversuche neuerdings wieder
aufgenommen, in den beiden erstern
Ländern mit unzweifelhaftem Erfolge.
Von den Zuchtparks sind wohl zu unterscheiden die eigentlichen
Austernparks (claires), die bloß zur heranreife und
Mästung
der Auster dienen, die aus andern, minder günstigen Gebieten versetzt, daselbst gepflegt, gereinigt u. s. w.
werden. Für solche
Parks eignen sich besonders die
Buchten in der Nähe der Flußmündungen, die stete Zufuhr
an reichlicher Nahrung verbürgen. Die bekanntesten, schon seit alter Zeit eingerichteten
Austernparks befinden sich bei
Ostende,
[* 18] Milford-Harbour, Harwich, an der
Holland.