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„Wenn du einen Springbock betrunken machst, läuft er geradewegs zum Löwen um ihm mal die Meinung zu sagen“. Südafrikanisches Sprichwort
In meinen Adern fliesst mütterlicherseits südafrikanisches Blut. Als Kind verbrachte ich deswegen die Ferien oft am südafrikanischen Meer. Auf der Atlantik-Seite fror ich jeweils bis auf die Knochen, auf der Seite des indischen Ozeans sah ich immerzu die Möglichkeit, dass ein Hai sich um meine Knochen kümmert.
Es gibt aber durchaus auch schöne Erinnerungen. Besonders ab meinem 18. Lebensjahr ...
Südafrika ist eines der bekanntesten Weinbauländer der südlichen Hemisphäre. Mit einer über 300-jährigen Weinbaugeschichte, wird es häufig als „die Brücke“ zwischen der neuen und der alten Weinwelt beschrieben.
Holländische Siedler pflanzten in den 1650er Jahren die ersten Reben. Die Weinproduktion nahm aber erst mit der Ankunft der Wein-erfahrenen französischen Hugenotten in den 1680er Jahren Fahrt auf.
Obwohl das Land also auf eine lange Weinbautradition zurückblickt, ist südafrikanischer Wein erst seit den 1980er Jahren international bekannt, da das Land mit dem Beginn der Apartheidära 1948 weltweit in Ungnade fiel und wegen der daraus resultierenden Handelssanktionen weitgehend isoliert war.
Südafrikas weltweiter Weinabsatz ist in den letzten zehn Jahren mit einer Absatzsteigerung von 70 Mio. auf rund 280 Mio. Liter beinahe explodiert.
Die Erfolgsgeschichte Südafrikas ist unter anderem geprägt durch die vielfältige Anbieterstruktur der südafrikanischen Weinwirtschaft. Neben etablierten grossen Marken die sich in den nationalen Weinregalen bewähren, findet man auch ein vielfältiges Angebot an individuellen Weinstilen aus zahlreichen kleineren Weingütern.
Derzeit gibt es rund 4.400 traubenerzeugende Landwirte. Knapp 400.000 Menschen sind auf den Weingütern und in den Weinkellern Südafrikas angestellt.
Die Dynamik in der südafrikanischen Weinwirtschaft ist sehr optimistisch geprägt, wenn auch die Erstärkung des Rand die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Exportes und der Kapitalkosten verschärft hat. Trotzdem entstehen jährlich immer neue Weingüter welche die sich zum Teil aus den Genossenschaften herauslösen oder Quereinsteiger die ihren Traum vom eigenen Ẁeingut zu verwirklichen wagen. Eine moderne Weinmachergeneration, die nach der Beendigung der Apartheid endlich weltweit Erfahrungen sammeln durfte, kehrt motiviert ans Kap zurück um das dort bislang ungenutzte Potential zu nutzen und eine eigene Identität zu entwickeln. Die immer präziser werdenden Erkenntnisse um Böden und Klima verstärken auch in Südafrika die Terroir-Diskussion und die Motivation die regionalen Besonderheiten in den Weinstilen herauszuarbeiten. Und dies, auf den ältesten Böden der Erde.
Seit dem Ende der Apartheid wurden grosse Anstrengungen unternommen, die bisher benachteiligten Bevölkerungsschichten stärker an Grundbesitz und Fachwissen zu beteiligen. Ferner werden für den Fairen Handel Mindestpreise festgesetzt, die in Absprache mit den Produzentenorganisationen und unabhängig von den Preisschwankungen zu bezahlen sind. Sie decken sowohl die Produktionskosten ab, die unter menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen entstehen, als auch die alltäglichen Lebenshaltungskosten.
Schon 1958 wurde im südafrikanischen Citrusdal die Winzerkooperative Groue Vallei gegründet. Seit dem setzen sich rund 115 Mitgliedsbetriebe für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Landarbeiter ein. Wohnungen, Elektrizität und Kindertagesstätten werden zur Verfügung gestellt. Die Winzerkooperative erhält im Fairen Handel einen Preisaufschlag von 5% über dem gängigen Handelspreis. Dieser Mehrerlös geht an die Nichtregierungsorganisation Citrusdal, die damit Fortbildungen für die Landarbeiter finanziert. Die Kooperative hat darüber hinaus eine eigene Vermarktungsorganisation, so dass die Gewinne aus dem Verkauf des Weins zurück in die Kooperative fliessen. Die Landarbeiter im Goue Vallei bekommen feste Löhne haben geregelte Arbeitszeiten, Anspruch auf Urlaub und sind grösstenteils gewerkschaftlich organisiert.
Dinge, welche uns selbstverständlich erscheinen.
Wieso Fairtrade Wein nicht nur fair, sondern auch lukrativ ist
Der Weinmarkt ist gesättigt und stagniert. Wein ist ein differenzierungs- und innovationsarmes Gut (Merkmale: Preis, Qualität, Prestige, Modetrends, Etikettendesign.) In einem solchen Marktumfeld werden Marktanteile folglich nur durch Innovation, Differenzierung und Mut gewonnen.
Zudem ist der Weinkäufer durch das breite Angebot an eigenschaftsähnlichen Weinen überfordert; und auch übersättigt. Folglich wird die Kaufentscheidung aufgrund von Differenzierungsmerkmalen gefällt. Restaurants und Weinhandlungen müssen sich also von den Mitbewerbern abheben.
Es bietet sich also an, die Geschichte und den Hintergrund eines Weines als Differenzierungsmerkmal zu nutzen. Besonders heutzutage, wo im Zuge des Diskurses um eine nachhaltige Entwicklung und die hierbei zu leistenden Beiträge verschiedener gesellschaftlicher Organisationen die Forderungen nach mehr Verantwortung von Unternehmen für ihre soziale Umwelt in den vergangenen Jahren markant zugenommen haben. Eine der Folgen dieser Entwicklung ist die Herausbildung von Konzepten zur „Corporate Social Responsibility“.
Vorangetrieben werden diese zur Zeit besonders durch Banken und Investmentgesellschaften, welche der wachsenden Nachfrage nach ethischen Investments mit der Etablierung „nachhaltiger“ Fonds begegnen wollen.
„Max Havelaar“ ein wunderbares Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit und Fairtrade immer tiefer in das Bewusstsein der Konsumenten dringt. So wuchs das Fairtrade-Angebot von 800 auf heute über 2400 Produkte. Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten in der Schweiz kletterte seit 2005 von 220 Millionen Franken auf heute über 500 Millionen Franken.
Und Kunden, die einfach nicht wissen, was ihnen schmeckt, erfahren durch den Kauf von Fairtrade Wein zumindest einen gewissen Gewissen- und Seelenfrieden. Ist der Wein als Geschenk oder für einen Anlass gedacht, zeigt dies ein soziales Statement.
Eine Auflistung aller Fairtrade Weingüter bekommt man via Mail bei shirley.amberg(at)me.com
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Quelle: Shirley A. Amberg