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Stimmlippenschwingungen
Wenn man durch ein Endoskop auf die Stimmlippen schaut, so kann man zwei verschiedenartige Stimmlippenschwingungen unterscheiden: Eine Schwingung der Ränder und eine Vollschwingung. Weil die Stimme grob betrachtet zwei verschieden klingende Register hat – Kopf- und Bruststimme – wird angenommen, dass die beiden Schwingungsarten den beiden Registern entsprechen, wobei die Randschwingung der Kopf- , die Vollschwingung aber der Bruststimme zugeordnet wird, wobei die Vollschwingung nur bei entspannten Stimmlippen beziehungsweise bei tiefen Tönen auftritt, die Randschwingungen erst ab einer gewissen Anspannung der Stimmlippen, also in der Höhe.
Nun ist es aber so, dass ausgebildete Sänger ihre Register so mischen können, dass die beiden Register nicht nur ohne Unterbruch ineinander übergehen (Registerangleich), sondern der gesamte Stimmumfang einen einheitlichen Stimmklang aufweist. Tatsächlich ist es möglich, die Randstimmschwingungen in die Tiefe zu ziehen, die Stimmlippen also daran zu hindern, voll zu schwingen. Die Einregisterstimme weist jedoch einen ausgesprochen “brustigen” Stimmklang auf, kann also nicht nur aus Kopfstimme bestehen. Die Bruststimme lässt sich jedoch nicht in die Höhe ziehen. Wie also entsteht der brustige Stimmklang der Einregisterstimme?
Resonanz
Die Subglottis, also jener Teil der Luftröhre direkt unterhalb der Stimmlippen, kann offensichtlich mit den Stimmlippen mitschwingen. Zwischen den Spangen der Luftröhre sind zudem Muskeln angebracht, die die Subglottis versteifen können, weshalb angenommen werden kann, dass sie je nach Tonus dieser Muskulatur unterschiedlich stark mit den Stimmlippen mitschwingt.
Dies bedeutet, dass ein Sänger durch Versteifen der Subglottis seinen Stimmklang willkürlich verändern kann. Dabei entsteht eine brustige Stimmqualität, die jedoch nichts mit der “echten” Bruststimme zu tun hat, die durch eine Vollschwingung der Stimmlippen zu tun hat. Diese “falsche” Stimmlippenschwingung” entsteht nämlich nicht nur bei vollschwingenden Stimmlippen und ist damit unabhängig von der Tonhöhe.
Echte und falsche Bruststimme
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die beiden Register der Sprechstimme, der unausgebildeten Singstimme beziehungsweise der Jodelstimme durch die beiden Schwingungsarten der Stimmlippen entstehen: Weil die Stimmlippen beim Registerübergang ihren Schwingungsmodus abrupt wechseln, kommt es zu einem hörbaren Registerumbruch.
Oprnsänger hingegen benutzen nur eines der beiden Stimmregister, die Kopfstimme. Diese ergänzen sie mit subglottischer Resonanz, die der Stimme den “brustigen” Klang verleiht.
Wie lässt sich die Resonierfähigkeit des subglottischen Raumes beeinflussen?
Die Muskulatur der Luftröhre kann nicht willkürlich angespannt werden. Um ein unkontrolliertes Ausströmen von Atemluft aus der Lunge zu verhindern, wird sie bei jedem Anspannen der Bauchdecke reflektorisch stabilisiert. Es ist die Hypothese der Autorin, dass dabei auch die Luftröhre stabilisiert wird. Dieser Hypothese zufolge kann die Resonanz der Subglottis durch eine Tonuserhöhung im Rumpf verändert werden. Dies geschieht im Rahmen der beiden Bewegungsabläufe positura superba und sostegno.