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Auswirkungen des neuen Wasserregimes in der Schweiz
Die Modelle des Nationalen Forschungsprojekts (NFP 61) „Nachhaltige Wassernutzung“ prophezeien für die kommenden Jahrzehnte einige Änderungen in der saisonalen Wasserverteilung. Im Sommer fliessen die Flüsse tendenziell mit weniger hohen Wasserständen. Im Winter sind steigende Pegel zu erwarten, da der Niederschlag nicht als Schnee und Eis zwischengespeichert wird. Ausserdem werden extreme Wetterereignisse vermutlich zahlreicher. Geschiebemengen und mit ihnen die Erosion werden zunehmen, manche Seen verlanden, andere neu entstehen.
Hochwasser und Geschiebe beeinflussen natürlich auch die Fische. Die Pegelregulierung von Gewässern sollte deshalb immer unter Berücksichtigung der Fische getätigt werden. In Gebirgsflüssen ist der Einfluss des Niederschlags in der Regel massiv und ihre Pegel können kaum reguliert werden. Bis Mitte dieses Jahrhunderts werden kaum Veränderungen gegenüber heute erwartet.
In ferner Zukunft (2071–2100) kann sich aber in steileren Abschnitten der untersuchten Gebirgsflüsse die maximale Erosionstiefe während der Laichzeit der Fische im Winter ändern.“ Gesamtsynthese, NFP 61
Das Projekt SEDRIVER dokumentierte Bachforellen in der kleinen Emme
Bachforellen laichen zwischen Oktober und Januar in Flussoberläufen. SEDRIVER – eines von vielen Teilprojekten des NFP – dokumentierte insgesamt 384 ihrer Laichgruben in der kleinen Emme (Entlebuch, LU). Die Fische vergruben ihre Eier durchschnittlich 3,8 cm im Sediment – nicht so tief wie bisher vermutet. Der Laich ist in Zukunft also hochgradiger gefährdet als bisher angenommen, denn grössere Abflüsse im Winter führen zu vermehrter Erosion, welche die Eier auswaschen könnte.
Eine Gefährdung für die natürliche Reproduktion der Bachforelle scheint möglich.“ Gesamtsynthese, NFP 61
Bachforellen brauchen naturnahe Flüsse mit ausreichender Breite und reduziertem Gefälle. Da die klimatischen Veränderungen ohnehin einen grossen Druck auf die Populationen ausüben werden, sind neue Verbauungen unbedingt zu verhindern. Noch besser wären vermehrte Renaturierungen von Flüssen. Werden auch nur Teilstrecken von Flüssen renaturiert, können diese als Rückzugsgebiete für die Fische dienen.
Auf die Jungfische könnten sich die zukünftigen, jahreszeitlichen Veränderungen teilweise positiv auswirken. Ab 2070 werden vermutlich deutlich geringere Sommerabflüsse auftreten. So entstehen Flachwasserhabitate, welche die Lebensraumvielfalt für junge Fische erhöhen. Relativiert wird dieser Vorteil jedoch durch den möglichen Anstieg der Wassertemperatur, welche entscheidend für den Sauerstoffgehalt des Wassers ist. Je wärmer das Wasser wird, desto mehr Salze und Nährstoffe und desto weniger Sauerstoff sind darin gelöst. Es ist noch nicht vollständig ersichtlich, wie sich diese Veränderungen auf die Nahrungskette auswirken werden.
Das NFP61 empfiehlt weitere Studien zum Geschiebetransport – insbesondere der Feinsedimente – und zum Einfluss der Temperatur auf die Nahrungskette im Allgemeinen und die Fische im Besonderen.
Neue Seen bedeuten neue Habitate
Für die Forscher des NFP61 ist das Aussetzen von Fischen in neu entstehenden Gletscherseen grundsätzlich denkbar. Im Hinblick auf die Versorgungssicherheit der Schweiz und die inländische Produktion von Lebensmitteln sowie Energie könnten diese Gewässer durchaus interessant werden. Aus der Sicht von Biologen wäre es allerdings um einiges spannender, die natürliche Besiedlung der neuen Seen durch Wasserlebewesen unverfälscht beobachten zu können.