Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03603.jsonl.gz/2410

Beschreibung
Die Felsburg von Rappenstein ist unter den mysteriösesten Werken von Graubünden, ein Kanton so reich an Burgen. Es ist weder die Unzulänglichkeit der schriftlichen Quellen, noch die architektonische Konzeption dieses in Felsen gebaute Schloss, die es so ungewöhnlich machten. Auch die wenigen Gemeinsamkeiten und sogar die unerklärliche Lage in einer engen und dunklen Schlucht, in der nicht der geringste Sonnenstrahl gelangt, machen dieses Schloss einzigartig. Bis jetzt kann man sich nicht erklären, wieso die Erbauer von Rappenstein eine so dunkle, kalte und feuchte Stelle gewählt haben, um ein Schloss aufzurichten, wo es doch in der Region mehr als eine felsige Erhöhung gab, auf der sie wirken konnten.
Das im Norden ausgerichtete Schloss von Rappenstein, wurde in einer unermesslichen Felsenspalte gebaut, die sich in einem Steilfelsen über die Cosenz Schlucht ausdehnt. Um es zu erreichen muss man, von Untervaz kommend entweder den Verlauf des wilden Baches hinaufgehen, oder den tiefen Graben durchqueren, der von den Almen ausgeht, der sich im Norden vom Gelände befindet. Die dunkle und feuchte Lage des Schlosses von Rappenstein, die Unmöglichkeit, den Graben bei Hochwasser besonders nach den Gewittern und während der Schneeschmelze zu überwinden, lässt einem vermuten, dass dieses Werk nur als einen geheimen und gelegentlichen Rückzugsort diente und nicht als ständiger Aufenthaltsort geplant worden ist.
Das Hauptgebäude befindet sich vollkommen im Innern der Höhle, deren Eingang durch eine dicke Mauer geschlossen wird, die mit Schiessscharten und einem hohen Tor versehen wurde. Balkenenden markieren die Position der Galerien und der Aussentreppen, die Zugang zum erhöhten Eingang gaben. Was die Reste der kleinen Balken betrifft, die man am oberen Teil der Mauern sieht, stammen sie entweder aus dem Dach, oder aus einem Oberbau aus Holz. Heute ist das Innere der Höhle mit Schutt gefüllt, der vom rissigen Gewölbe der Grotte gefallen ist. Eine enge Öffnung am Fuss der frontalen Mauer gibt Zugang, doch ist es nur mit Mühe möglich, in das Schloss durch den Schutt zu gelangen.
Geschichte
Leider gibt es bis heute kein Dokument, in dem Schloss Rappenstein erwähnt wird. Dieser Name selbst bleibt mysteriös. Es ist möglich, dass er erst später dem auf Felsen wachsenden Schloss durch die Eigentümer der Herrschaft von Neuburg Motteli gegeben worden ist. Diese besassen ein Schloss desselben Namens in der Nähe von Sankt Gallen, im Martinstobel, und es waren die Tumb, die nach der Mitte des 15. Jahrhunderts ihre Herrschaft von Neuburg wieder herstellten, zu welcher Rappenstein zweifellos gehörte. Es scheint, dass es Verwandtschaftsverbindungen zwischen Motteli und Tumb gab.
Bestimmte Besonderheiten in der Konstruktion ermöglichen die Datierung der Gründung von Rappenstein zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Dieses Schloss wäre also älter als jenes von Neuburg, das erst gegen 1300 errichtet wurde. Wir wissen nicht, ob die ersten Inhaber der Herrschaft von Neuburg in Rappenstein oder in einem älteren Schloss, was heute verschwunden ist, residierten. Das einzige, was man weiss, ist dass Rappenstein im 15. Jahrhundert, als Neuburg zu Motteli gehörte, seit langem schon in Ruin war. Als Rudolf Motteli das Schloss und die Herrschaft von Neuburg an den Bischof von Chur in 1496 verkaufte, erwähnte er zwar den Bauernhof Castrines, der sich im Norden von Rappenstein befindet, und der vermutlich die Versorgung gewährleistet haben musste, doch keine Erwähnung vom Schloss. In den Ruin gefallen, hatte dieses vermutlich keinen Wert mehr und musste daher nicht in der Verkaufsurkunde enthalten sein.
Bibliographie