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Geschichte
Woher das Quartier seinen Namen hat…
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde ein Wegkreuz an der Strasse nach Arbon als wundertätig verehrt. Dies entsprach der barocken Frömmigkeit mit ihrer Perspektive von der Erde zum Himmel. Das Kreuz erhielt ein Dach, man baute eine kleine Kapelle und 1772 die Wallfahrtskirche. 27'000 Menschen strömten zusammen, um das Wegkreuz in den Kirchenraum zu übertragen. Heiligkreuz war endgültig zu seinem Namen gekommen. Mehrere Gaststätten standen den Pilgern offen, dort an der Handelsstrasse vom Platztor nach dem städtischen Seehafen Steinach: der „langen Gasse“.
Der „Bach“, die Steinach, bildet die Südgrenze des Quartiers. Im Osten liegen das „Espenmoos“ und das „Galgentobel“, die ehemalige Hinrichtungsstätte auf dem Espenmoos. Gegen Nordosten folgt das „Bruggwald“, abgeleitet von einem Prügelweg aus quergelegten Baumstämmen, die das Einsinken der Wagenräder in den weichen Waldboden verhinderten. Sie verstärkten die Alte Konstanzerstrasse, die von der Langgasse über Peter und Paul durch den Bruggwald in den Thurgau hinunter und an den Bodensee führte. Im Norden endet das Quartier auf Peter und Paul. Im „Kirchli“ stand dort eine aus dem Mittelalter stammende Kapelle zu Ehren der christlichen Apostelfürsten. Die Westgrenze von Heiligkreuz verläuft ungefähr auf der Höhe des beginnenden Olma-Areals, den Gerhaldenhang aufwärts.
Was die Leute hierher zog…
Industrialisierung, ca. 1800 – 1856
Nach 1800 zog eine andere Kraft findige Köpfe an: die Wasserkraft der Steinach.
Stickerei- und Färberei-Fabriken entstanden, blühten und vergingen. Geblieben ist das Buchwaldquartier. Es wurde damals, in Anlehnung an den Einwanderungsschub von vorwiegend italienischen Arbeiterinnen, „Klein Venedig“ genannt. Zeitweise lebten dort bis zu 70 Personen in einem Haus. Abgeschlossen wurde diese Periode mit dem Bau der Eisenbahnlinie St. Gallen – Rorschach und ihres Bahnhofs St. Fiden (1856).
Wie die Stadt ins Heiligkreuzquartier hinein gewachsen ist…
Verstädterung, 1856 – 1918
Das Wachstum der Bevölkerung erforderte neue Wohnungen. Eine Grossbaustelle wurde eröffnet und ein Jahrhundert lang nicht mehr geschlossen: bis 1950 schossen die Arbeiterwohnungen unterhalb der Langgass wie Pilze aus dem Wiesengrund, nach 1950 die Häuser gegen Rotmonten zu. 1882 wurde das Heimatschulhaus der katholischen, 1907 das Gerhaldenschulhaus der evangelischen Schulgmeinde Tablat errichtet, 1897 die erste Linie des städtischen Trams von Bruggen nach Heiligkreuz in Betrieb genommen.
Südlich der Endhaltestelle errichtete die Evangelische Kirchgemeinde 1911 eine stattliche Jugendstil-Kirche. Um deren Glocken herzustellen, war eine Kanone aus der Zeit Ludwigs XIV eingeschmolzen worden. Vier Jahrzehnte später war an der Iddastrasse die katholische Dreifaltigkeitskirche fertig gestellt, der letzte Kirchenbau des Historismus. Ihr Baustil lehnte sich an die Romanik an, er strahlt Schlichtheit aus und ist doch voll von theologischer Symbolik.
Wie nach Wirtschaftskrise und Flüchtlingselend neues entstand…
Modernisierung, ab 1930
Nachdem die Bevölkerung schon unter dem Krieg und unter der Grippeepidemie 1918 schwer gelitten hatte, brachte die im Herbst 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise eine harte Zeit ins Land. In allen Kreisen machte sich Antisemitismus breit, gleichzeitig erstarkte eine Gegenbewegung. Der „Flüchtlingsbatzen“ wurde zu einem Modell der Solidarität. Auch die Erleichterung und Dankbarkeit nach dem 2. Weltkrieg war Motivation für den Aufbau gemeinnütziger und sozialer Institutionen. Jugendgruppen und Vereine entfalteten ihre Aktivitäten und im November 1961 eröffnete an der Lettenstr. 24 das erste Pflegeheim der Stadt. Am Ostrand des Quartiers war bereits 1907 mit dem Ostschweizerischen Blindenheim ein pionierhaftes Sozialwerk entstanden.
In der Nachkriegszeit boomte der Wohnbau: am ganzen Gerhaldenhang (Hompeli, Schoeckstrasse) sowie an der Spittelerstrasse wurde gebaut, an der Langgasse und anderswo wurden alte Häuser abgerissen und durch moderne ersetzt. 1981 erfolgte der Neubau der Olma-Halle 1 und 1987 die Eröffnung des Strassentunnels der Stadtautobahn, die sich neben der Eisenbahn durch das Steinachtal zwängte.
Der Geist der alten Handelsstadt St. Gallen blieb im Heiligkreuzquartier erhalten. Drei Firmen, die als Familienbetriebe im Quartier begonnen haben, sind zu Unternehmen mit schweizweiter Bedeutung gewachsen: Hälg Zentralheizungen; Emil Egger Transporte; Angehrn Lebensmittelhandel (CCA).
Und heute?
Was ist heute der Puls des Quartiers, seiner Bewohnerinnen und Bewohner? Menschen aus 75 Nationen leben zusammen in einer Vielfalt von Kulturen. Mehr als 200 Gewerbetreibende bilden ein dichtes Versorgungsnetz für Güter und Dienstleistungen. In zahlreichen Gruppierungen verschiedener Couleur engagieren sich Jugendliche, Frauen und Männer für gemeinsam erfahrbare Lebensqualität. Wache Menschen und wache Gruppen nehmen sich aktueller Entwicklungen an. Sie eröffnen runde Tische im Stil einer Zukunftswerkstatt, um die Quartierstrukturen nachhaltig positiv zu prägen.
Herzlichen Dank an Hans Ammann, Walter Frei und Ruedi Keel für ihre wertvollen Beiträge.
Bilder: zVg. Ruedi Keel
Neueste Veröffentlichung: „Vom Galgenhügel zur Globalance“
Walter Frei, 2006.
www.stgaller-geschichten.org