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Der globale Energiehunger steigt kontinuierlich an. Jeder Mensch auf der Erde benötigt im Schnitt ständig 2,2 Kilowatt Energie. Die knapp sieben Milliarden Köpfe verschlingen so permanent 15 Terra-Watt – oder die Leistung von 15‘000 grossen Atom- oder Kohlekraftwerken! In den vergangenen 30 Jahren hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt. Die Internationale Energie Agentur IEA rechnet auch in naher Zukunft mit einem weiter ansteigenden Energiekonsum. So dürfte dieser in den nächsten 30 Jahren um die Hälfte ansteigen. Entscheidend ist aber, woher wir die Energie nehmen und wie sich die Zusammensetzung der Energiequellen in Zukunft entwickelt. Im Jahre 2006 stammte ein Drittel der Weltenergie aus Erdöl, ein Viertel aus Kohle und ein Fünftel aus Erdgas. Auch vier Jahre später hat sich daran noch wenig geändert: 80 Prozent der konsumierten Welt-Energie stammen heute aus fossilen und somit aus nicht erneuerbaren Ressourcen! Ein Zehntel der heutigen Energie wird durch das Verbrennen von Biomasse bereitgestellt, weitere 6 Prozent stammen aus der Atomkraft. Die modernen, erneuerbaren Energien stillen zurzeit erst rund 1 Prozent des globalen Energiehungers mit Folgen für das Weltklima.
Die modernen, erneuerbaren Energien stillen zurzeit erst rund 1 Prozent des globalen Energiehungers mit Folgen für das Weltklima.
30‘000‘000‘000‘000 Kilogramm CO2
Das Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC sieht vor, die Erderwärmung auf 2 Grad zu beschränken. Dafür muss die CO2-Konzentration in der Atmosphäre stabilisiert werden. Solange sich aber 80 Prozent der Energie aus fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle oder Erdgas zusammensetzt, werden bei der Verbrennung jährlich enorme Mengen CO2 in die Atmosphäre emittiert. 2010 dürften es rund 30 Milliarden Tonnen CO2 gewesen sein. Glücklicherweise ist unser natürliches Ökosystem aber im Stande, jährlich 10 Milliarden Tonnen dieses Treibhausgases aufzunehmen. Die grössten Senken sind dabei die Ozeane. Der grosse Rest bleibt aber für rund 100 Jahre in der Atmosphäre. Um die Treibhausgaskonzentration der Atmosphäre zu stabilisieren, wie es das IPCC verlangt, dürften also jährlich nur 10 Milliarden Tonnen CO2 (ein Drittel des heutigen Ausstosses) ausgestossen werden, genau so viel nämlich, wie auch vom natürlichen Ökosystem während einem Jahr aufgenommen werden kann. Dieses ferne Ziel sollte spätestens im Jahre 2100 erreicht werden. Wir müssen unsere Emissionen also um zwei Drittel senken, doch gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung rasant weiter. Bis Ende dieses Jahrhunderts sind es vielleicht 10 Milliarden Menschen auf der Erde. Unter dem Strich ist es also eine einfache Rechnung. Jeder Bewohner der Erde darf jedes Jahr genau eine Tonne CO2 ausstossen, nur dann kann die CO2-Konzentration stabilisiert werden. In der Schweiz stösst zurzeit jeder Einwohner mehr als 5 Tonnen CO2 aus pro Jahr. Die Stadt Zürich verfolgt unter dem Motto 2000-Watt-Gesellschaft genau dieses Ziel.
Die fossilen Energiequellen finden auch am Ende des Jahrhunderts noch ihren Platz.
800 Millionen Dächer mit Photovoltaik
Die Zukunft gehört also den erneuerbaren Energieträgern. Doch wir dürfen nicht warten bis die fossilen Energieträger erschöpft sind, denn bei konstantem Konsum reichen die Reserven nach Schätzungen des Paul Scherrer Instituts für Erdöl noch rund 40 Jahre, jene von Erdgas noch knapp 70 Jahre und jene von Kohle sogar noch rund 200 Jahre. Es könnten also noch Unmengen CO2 in die Atmosphäre emittiert werden. Der Energiemix der Zukunft muss deshalb vielfältig aussehen. Beim Verfolgen eines nachhaltigen Energiekonzeptes liegt der permanente globale Energiebedarf im Jahre 2100 bei rund 18 Terra-Watt (18 Billionen Watt). Der globale Energiekonsum bleibt verglichen mit den 15 Terra-Watt im Jahre 2010 also beinahe konstant, obwohl noch 3 Milliarden Menschen mehr auf der Erde leben werden und der Wohlstand und die Entwicklung auf dem ganzen Globus ansteigt. Ein ehrgeiziges aber notwendiges Ziel! Doch woher kommen nun die geforderten 18 Terra-Watt? Das Potential der erneuerbaren Energien ist enorm und gleichzeitig beschränkt. So liegt das theoretische Potential der Wasserkraft bei rund 5 Terra-Watt, technisch sind aber wahrscheinlich nur 2 Terra-Watt nutzbar, von denen heutzutage bereits 50 Prozent installiert sind. In der Wasserkraft liegt also nur noch wenig Potential. Solarenergie könnte auf der Erde rund 600 Terra-Watt liefern, doch wie viel technisch möglich ist, bleibt unklar. Selbst wenn bis Ende Jahrhundert 2 Terra-Watt von Solarenergie stammen würden, müssten 800 Millionen Dächer mit Photovoltaik ausgestattet werden. Auch die Windenergie dürfte bis zum Ende des Jahrhunderts 2 Terra-Watt Energie bereitstellen, was rund 3 Millionen Windturbinen entsprechen würde. Weitere 10 Prozent der Energie stammen aus Erdwärme, ein Viertel wird durch Biomasse hergestellt und rund 10 Prozent (oder 2 Terra-Watt) übernimmt die Atomkraft, was rund 2‘000 Kraftwerken entspricht, heute stehen bereits 450 Reaktoren auf der ganzen Welt. Die fossilen Energiequellen finden auch am Ende des Jahrhunderts noch ihren Platz und stellen einen Viertel der konsumierten Energie bereit. Wenn Sie sich also in den nächsten Jahren für Solarzellen auf ihrem Dach entscheiden, wissen Sie, dass Sie eines der 800 Millionen Dächer haben, welches die Weltgemeinschaft in Richtung einer nachhaltigen Energieversorgung bringt.