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Obwohl die Mandschu als Invasoren in der Anfangszeit einem klaren Feindbild entsprachen, waren die beiden Völker bald oftmals nicht mehr auseinanderzuhalten. Die ursprüngliche Kultur der Mandschu ging schnell in der der Han auf. Auch die Sprache ging mehr und mehr verloren. Umgekehrt nahmen die Han auch viele Gebräuche der Mandschu an. Die beiden Völker verschmolzen. 1880 schrieb der Sprachwissenschaftler Paul Georg von Möllendorf in einem Brief, mündlich sei das Mandschurische nur noch für zeremonielle Zwecke bei Hofe in Gebrauch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Verschwinden der mandschurischen Sprache im Volk schon weit früher begonnen hat.
Geschichte
Das Volk der Mandschu oder Mandschuren stammt aus dem Nordosten Chinas. Es ging aus den zahlreichen Stämmen der Jurchen hervor, welche dieses Gebiet eroberten. Ein Stammesfürst namens Nurhaci einte die Stämme wahrscheinlich 1616 in der späten Ying-Dynastie zu einem einzigen Volk, der Mandschuren. Sein Sohn, Huang Taiji, übernahm von seinem Vater die Führung und begründete die Qing-Dynastie.
Nachdem 1644 der ‹Bauernkaiser› Li Zicheng Peking vom letzten Kaiser der Ming eroberte, entstand ein grosses Chaos. Dieses nutzte Huang Taiji und eroberte seinerseits die Stadt. Peking wurde die Hauptstadt der jungen Qing-Dynastie. Innerhalb weniger Jahre eroberten die Mandschu das gesamte Territorium der Ming. Im Rahmen dieser Eroberung wurde das südliche Shaolin-Kloster zerstört.
Die Mandschu übernahmen einerseits chinesische Traditionen und banden die Han auch in die Verwaltung der Gebiete ein, trennten aber andererseits auch strikt zwischen Han und Mandschu. So waren zum Beispiel gemischte Hochzeiten strengstens verboten. Den männlichen Han wurden zudem die typischen Zöpfe mit der ausrasierten Stirn aufgezwungen.
Es liess sich allerdings nicht verhindern, dass die beiden auf dem selben Land zusammenlebenden Völker sich mehr und mehr annäherten. So begann zum Beispiel die mandschurische Sprache mehr und mehr auszusterben, bis schliesslich 1880 so gut wie kein Mandschu mehr gesprochen wurde. Die Sprache wurde nur noch für rituelle Zwecke verwendet. Ebenso wurden die mandschurischen Zöpfe, das Zeichen der Unterwerfung, mehr und mehr Teil der Han-Kultur, bis die Männer sie schliesslich mit Stolz trugen.
Die Ära der Mandschu endete im zwanzigsten Jahrhundert mit dem letzten Kaiser Yuan Shikai nach jahrelangen Wirren. Heutzutage sind die Mandschuren eine anerkannte Minderheit. Ihre Sprache wird nur noch von wenigen, alten Leuten gesprochen und ist praktisch ausgestorben.