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I.
Erdbeschreibung
S. 19 Unsere Vorfahren haben, wie Orosius berichtet, angenommen, daß der ganze Erdkreis vom Ozean rings umflossen und dreieckig sei; seine drei Teile haben sie Asia, Europa und Afrika genannt. Über diese dreigeteilte Ausdehnung des Erdkreises sind fast unzählige Schriftsteller vorhanden, welche nicht nur die Lage der Städte und Ortschaften erklären, sondern auch, was noch mehr zur Anschaulichkeit beiträgt, die Anzahl der Schritte und Meilen abmessen, auch die in den Meeresfluten verteilten Inseln, sowohl die größeren wie auch die kleineren, welche sie Zykladen und Sporaden nennen, nach ihrer Lage in der ungeheueren Weite des großen Meeres bestimmen. Die äußersten, undurchdringlichen Grenzen des Ozeans aber hat nicht nur niemand zu beschreiben unternommen, sondern es ist auch niemand verstattet gewesen dorthin vorzudringen, weil man die Erfahrung macht, daß das Meer wegen des Widerstandes des Seegrases und weil die Winde dort zu wehen aufhören, undurchdringlich ist und niemand bekannt außer dem, der es erschaffen hat. Der innere Uferrand dieses Meeres aber, welcher, wie wir gesagt haben, die ganze Erde umkreist, indem er wie ein Kranz die Grenzen derselben umgibt, ist den wißbegierigen Menschen und denjenigen, welche über diesen S. 20 Gegenstand schreiben wollten, sehr bekannt geworden, weil der Umkreis der Erde von Anbauern bewohnt wird und einige Inseln in demselben Meere bewohnbar sind, wie gen Morgen zu und im Indischen Ozean Hyppodes, Jamnesia, die sonnverbrannte Insel, welche freilich unbewohnbar ist, aber doch weit in die Länge und Breite mit ihrer Ausdehnung sich erstreckt; auch Taprobane, welche, abgesehen von anderen Ortschaften und Besitzungen, mit zehn sehr festen Städten geschmückt ist; aber auch noch eine andere gar anmutige, Silefantina, und auch Theron, die freilich von keinem Schriftsteller beschrieben worden, aber doch von Anbauern reichlich erfüllt sind. Auch in seinem westlichen Teile hat derselbe Ozean einige Inseln, welche wegen der Menge derer, die hier gehen und kommen, fast ganz allgemein bekannt sind. Auch sind nicht fern von der Gaditanischen Meerenge eine mit Namen Beata, und eine zweite, welche Fortunata heißt; indes rechnen einige Schriftsteller auch jene beiden Vorsprünge von Gallizien und Lusitanien unter die Inseln des Ozeans von welchen auf dem einen ein Tempel des Herkules, auf dem andern noch heutzutage ein Denkmal Scipios zu sehen ist; doch gehören sie, weil sie mit dem Ende Galliziens zusammenhängen, wohl eher zu dem Festland von Europa, als zu den Inseln des Ozeans. Dieser hat aber auch noch andere Inseln weiter drinnen inmitten seiner Wogen, welche Balearen heißen, und eine andere, Mevania; dazu die Orkaden, 33 an der Zahl, doch sind sie nicht alle bebaut. Weit draußen am Ende des Westens liegt noch eine Insel namens Thyle, von welcher der Mantuaner unter anderm sagt: - „dir diene Thyle am Ende der Welt!“ Es hat auch dieses ungeheure Meer in seinem arktischen, das heißt in seinem nördlichen S. 21 Teile, eine umfangreiche Insel namens Skandza, worüber unsere Erzählung mit Gottes Hilfe anheben soll. Denn das Volk, nach dessen Ursprung du fragst, kam, wie ein Bienenschwarm aus dem Schoß dieser Insel hervorbrechend, nach Europa. Wie aber und unter welchen Umständen, das werden wir im folgenden, wenn der Herr es gibt, erzählen.