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Kultur wäre für mich dieser Einbezug von Erfahrungen, Erkenntnissen und Lebensrealitäten jenseits der konstruierten Wirklichkeit.
Und was wäre das? Religion kann es nicht sein. Spiritualität, erwachsen auf dem Boden dieser konstruierten Wirklichkeit, kann es nicht sein. Spiritualität, wie der Westen sie kennt, funktioniert nur durch den Bruch zum frendbestimmten Leistungsalltag. Sie hat etwas Verkrüppeltes, da sie wie eine Werbung wirkt, letzenendlich hervorgebracht von der Wirtschaft.
Die Kunst……kann es….eher nicht mehr sein, da auch sie nicht mehr eine Form des gelebten Lebens verkörpert, ein Spirituellsein ohne Manipulation….sie kann es nicht mehr sein, seit sie sich verkaufen muss, wie ein ×-beliebiges Produkt? Und warum muss sie das?
Kultur wäre für mich dieser Einbezug der ontologischen Gewissheiten, die die konstruierte Wirklichkeit in Frage stellt oder gar aufhebt. Ich bin nicht verpflichtet, dieser konstruierten Wirklichkeit Gehorsam zu leisten, indem ich meine Wünsche und Ziele in ihr als gegeben vorfinde. Ich verweigere mich einer konstruierten Wirklichkeit, die der unglaublichen Vulnerabilität meines physischen Körpers nie Rechnung leistete. Ich erfahre in meinem Bewusstsein eine Art Erkenntnis, die mir vorschreibt, dass mein Leben wichtiger ist, als all das, wozu mich das System heranvernünftigen wollte. Eine Kultur, die diese einzige und konstruierte Wirklichkeit für das Nonplusultra, das Absolute nimmt, ist für mich eine leicht amputierte Kultur. Kultur wäre für mich der Einbezug aller kindlichen Fragen: wer bin ich? Was soll das? Was soll ich? Was gibt es? Was ist ausserhalb? Was spüre ich und wie wirke ich in dem, was ich spüre? Was ist diese Fremde? Etc. Nicht, um diese Fragen zu beantworten, sondern einfach, um sie zuvstellen. Es wäre für mich die Fortführung der Kinderfragen in das Leben der Erwachsenen. Diese Fragen müssten weiter bestehen und die Sorge um sich und die Welt beeinflussen durch Distanz. Dieses System, in dem nur die Leistung im Sinne der Quantität Wert hat, könnte so extrem leistungsorientiert nicht sein. Es wäre nicht möglich, Persönlichkeit nur von einem Beruf od sogar nur der Tatsache, dass man Geld verdient, abzuleiten. Dies wäre für mich, mit Ausnahmen, kein Kulturmensch. Der Kulturmensch würde meiner Meinung nach entweder sich selbst versorgen oder aber die ontologische Gesetzmässigkeit in irgend einer Form ausdrücken und mit ihr die konstruierte Wirklichkeit relativieren, sich von ihr distanzieren. Es gibt niemand, der mir sagen kann, wie ich zu leben habe, keine Gesellschaft kann die Knechtschaft ihrer Mitmenschen für normal und legitim ansehen. Keine Gesellschaft kann menschliche Arbeit monetär belohnen, der Lohn muss durch eine menschliche Geste, durch Danken, allenfalls durch symbolische Geschenke oder Tausch erfolgen. Kultur würde für mich bedeuten, sich den Sinn des Lebens nicht aufreden zu lassen. Es müsste möglich sein, sich der möglichen Tatsache auszusetzen, dass es für den Menschen nichts zu tun gibt, ausser sich selbst zu ernähren und zu pflegen.
Natürlich habe ich das alles nicht durchdacht. Und das mit der Selbsternährung ist längst unmöglich geworden.
Vielleicht beschreibe ich hier irgendwelche Urstämme, die ich nicht kenne.
Aber wie wäre dieses primitive Leben denn mit dem Denken über das Leben, die Ontologie, den gottleeren Raum und die wissendchaftlichen Erkenntnisse, die Genüsse und Bequemlichkeiten des Wohlstands zusammenzubringen? Ich weiss es nicht. Nein, es ginge nicht.
Mir fehlt etwas an der Kultur und mir fehlt etwas an den meisten Menschen? Oft taste ich sie ab nach ihrer Einschätzung, die sie einnehmen zu sich selbst und zur Verhältnismäßigkeit ihres von Fremd bestimmten Lebens. Ich suche in ihnen die Erfahrung vom Tod, von einer Erkenntnis jenseits des Gegebenen, eine Geste, einen Ausdruck, der sie aus der konstruierten Wirklichkeit rausholt und sich selber überlässt. Ich mag verlorene, auf sich zurückgeworfene Menschen. Aber ich finde fast nur Menschen, die sich nicht loslösen, die leiden an den Folgen des Zwangs, nicht an der Unmöglichkeit, die Vision eines eigenen Lebens umzusetzen. Dann wiederum treffe ich Menschen an, die dermassen esoterisch sind, dass ich sie mit Zwangsneurotikern oder Psychotikern gleichsetze, weil sie über alle ontologischen Gesetzmässigkeiten hinwegfaseln. Solche abgehobenen Leben sind mir ein Rätsel.
So, ich bin anfallsartig unfähig, mir weitere Gedanken über Kultur zu machen, da ich eventuell Schlaf verspüre.
Kultur sind meines Wissens schlicht die Praktiken der Menschen, zb. Schreiben, ein Hochzeitfest feiern, je nach Geschlecht andere kleider tragen. Viele dieser Praktiken tragen bei zu einer konstruierten Realität (zb Staatsfeiern), andere sind umstritten (zb. Drogenkonsum) Der öffentliche Diskurs handelt ständig neu aus, welche Praktiken akzeptiert sind und welche nicht. Eine Kulturkritik müsste jene Praktiken benennen, die beendet gehören, so dass die noch tolerierten Praktiken in ihrer Gesamtheit eine lebenswerte Kultur ergäben.
RR