Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/3172

Prostataentzündung (Prostatitis)
Bei der Prostatitis handelt es sich um eine Entzündung der Prostata. Die Prostatitis lässt sich in zwei Formen unterscheiden: die akute und die chronische Form. Die chronische Form wird häufig auch als Beckenschmerzsyndrom bezeichnet. Als chronisch wird eine Prostatitis bezeichnet, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern.
Ursachen
Die akute Form wird durch eine Infektion mit Bakterien verursacht. Dies kann auf zwei Arten geschehen: durch eine Infektion beim Geschlechtsverkehr – die häufigste Ursache der Prostatitis bei Männern unter 40 Jahren – oder durch eine Infektion des Harntraktes infolge einer Harnabflussstörung – die häufigste Ursache bei Männern über 40 Jahren. Eher selten tritt eine akute Prostatitis nach einer medizinischen Behandlung wie einer Biopsie oder einer Operation der Prostata auf.
Die Ursachen der chronischen Form sind vielfältiger. Eine chronische Prostatitis kann aus einer verschleppt behandelten oder nicht ausgeheilten akuten Form entstehen. Die Prostatavergrösserung mit zunehmenden Alter führt zu Reizbeschwerden in der Prostata und kann dadurch ebenfalls eine Entzündung in der Prostata auslösen. Ebenfalls wird ein Virenbefall als mögliche Ursache diskutiert. Schliesslich können auch Erkrankungen und Dysfunktionen der Organe, die die Prostata umgeben (Harnblase, Beckenbodenmuskulatur, Darm), diese chronisch reizen.
Symptome
Die akute Prostatitis tritt plötzlich mit starkem Krankheitsgefühl, Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden beim Wasserlösen wie Harnstrahlabschwächung und Brennen auf. Die akute Prostatitis ist eine schwere Erkrankung, die eine rasche medizinische Versorgung erfordert.
Häufigstes Symptom der chronischen Prostatitis ist der chronische Schmerz im Dammbereich, hinter dem Schambein; teilweise strahlt dieser auch in die Hoden oder den Enddarm aus. Häufig treten Schmerzen beim Samenerguss auf oder die Erektionsfähigkeit geht verloren.
Diagnostik
Ziel ist es, einen möglichen Erreger der Prostataentzündung zu isolieren. Zu diesem Zweck legt die medizinische Fachperson eine Urinkultur vor und nach einer Prostatamassage an. Eine Kultur kann auch aus dem Samenerguss angelegt werden, allerdings besteht bei der Probengewinnung das Risiko einer Verunreinigung. Bei einer akuten Entzündung mit Fieber kann der Erregernachweis auch aus einer Blutkultur gelingen. Im Blut sind bei einer akuten Entzündung Werte wie die weissen Blutkörperchen, das CRP und häufig auch der PSA-Wert erhöht.
Um eine Harnabflussstörung erkennen zu können, erwägt der Urologe eine Harnstrahlmessung und bei unklarer Situation eine Blasenspiegelung oder eine urodynamische Untersuchung. Die klinische Untersuchung des äusseren Genitals und der Prostata ist Bestandteil jeder urologischen Beurteilung.
Therapie
Die akute Form der Prostataentzündung wird primär durch Antibiotika behandelt. Idealerweise werden Antibiotika verwendet, die sich stark in der Prostata anreichern und somit gut wirken. Sobald die Kultur bestimmt ist, muss das Antibiotikum eventuell angepasst werden. Die Behandlung soll mindestens zwei Wochen dauern. Zusätzlich werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Dabei haben auch pflanzliche Präparate eine gewisse Bedeutung.
Ist der Harnstrahl schwach oder das Wasserlösen nur unter Anstrengung möglich, können Medikamente, die die Prostata etwas entspannen und den Blasenausgang erweitern Linderung verschaffen. Wenn der Patient nicht auf die Medikamente anspricht, muss der Harn über einen Dauerkatheter oder eine Blasenpunktion abgeleitet werden.
Bleibt das Wasserlösen auch nach der Abheilung trotz medikamentöser Unterstützung erschwert, zieht der Urologe allenfalls eine operative Behebung der Abflussbehinderung in Betracht.
Auch bei der chronischen Prostatitis werden Antibiotika über eine lange Dauer von einigen Wochen bis Monaten eingesetzt. Leider verzeichnet man in diesem Fall oft nur einen vorübergehenden oder gar keinen Erfolg. Pflanzliche Präparate (Sägepalmen- und Roggenpollenextrakte) oder schulmedizinische entzündungshemmende und muskelentspannende Präparate können unterstützend wirken. Warme Bäder oder eine lokale Wärmeapplikation auf den Dammbereich können die Beschwerden ebenfalls lindern. Auch Physiotherapie und Sport können sich positiv auswirken, indem sie zur Verbesserung der Durchblutung und zur Entspannung der betroffenen Muskulatur beitragen.
Komplikationen
Wird eine akute Prostatitis verzögert oder nicht korrekt behandelt, kann dies schlimmstenfalls zu einer lebensbedrohenden Urosepsis führen (Blutvergiftung durch Bakterien aus dem Urogenitaltrakt).
Die chronische Prostatitis ist ein chronisches Krankheitsbild, das spontan oder dank der erwähnten Therapien zurückgehen oder vollständig ausheilen kann. Die Genesung fordert aber von allen Beteiligten Geduld – sowohl vom Patienten als auch vom behandelnden Urologen.