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72. Jahresversammlung des VAKW in Biel/Magglingen
20. / 21. Mai 2017
(alb) Für die Jahresversammlung 2017 hat sich der VAKW die Region Biel/Magglingen ausgesucht. Sie war hauptsächlich der Hydrologie und den Unfällen in der Militäraviatik gewidmet. Gestartet wurde der Anlass beim Regulierwehr Port, am rechten Ufer des Nidau-Büren-Kanals bei der Schiffsschleuse.
1. Tag, 20. Mai 2017
Besichtigung des Regulierwehrs Port
Für den ersten Teil des Anlasses konnte von der Abteilung Gewässerregulierung vom Amt für Wasser und Abfall (AWA) des Kantons Bern, Herr Dr. Bernhard Wehren gewonnen werden. Nach der Begrüssung führte er uns durch einen langen Gang durch das Regulierwehr auf die andere Seite der Aare in einen Vortragsraum des Wasserkraftwerks Brügg.
Dort erfuhren wir zu Beginn etwas über die Geschichte der Juragewässerkorrektion. Vor nicht einmal 160 Jahren floss die Aare noch via Aarberg und Büren a.A. nach Solothurn. Wegen des geringen Gefälles der Aare zwischen Aarberg und Solothurn war dieser Teil des Aaretals ein breiter versumpfter und oft überschwemmter Landstreifen. Da die Aare viel Geschiebe mitführte, erhöhte sich das Flussbett durch Geschiebe-Ablagerung mehr und mehr. Als Folge davon konnte bei Hochwasser sogar Aarewasser ins Seeland zurück fliessen.
Die erste und naheliegendste Massnahme bestand darin, die Aare durch das Entfernen des abgelagerten Geschiebes zu vertiefen. Allerdings genügte das als nachhaltige Problemlösung nicht. Andere Lösungen mussten gesucht werden. Nachdem 1867 durch einen Bundesbeschluss die Finanzierung für eine Korrektion des Aareverlaufs gesichert war, konnten bereits rund ein Jahr später die Arbeiten für die nachhaltige Umleitung der Aare in Angriff genommen werden.
Im Mittelpunkt des Vorhabens stand dabei die Umleitung der Aare durch den neuen Hagneckkanal von Aarberg in den Bielersee sowie die Absenkung und Angleichung der Wasserstände in den Jurarandseen (Ziffer 1). Damit diese Angleichung stattfinden konnte, mussten auch die Zihl (Verbindung zwischen Bieler- und Neuenburgersee, Ziffer 2) und die Broye (Verbindung zwischen Murten- und Neuenburgersee, Ziffer 3) ausgebaut und vertieft werden. Um den vergrösserten Abfluss aus den drei zusammenhängen Jurarandseen "zu verkraften", wurde auch noch der Nidau-Büren-Kanal (Ziffer 4) gebaut. 1891 konnten die wichtigsten wasserbaulichen Arbeiten abgeschlossen werden. Danach folgten die Arbeiten für die Entsumpfung des Grossen Mooses.
Da es wegen den ungünstigen Verhältnissen zwischen Zu- und Abfluss der drei Juraseen auch nach der 1. Juragewässerkorrektion zu weiteren, teilweise katastrophalen Überschwemmungen kam, wurde eine 2. Juragewässerkorrektion geplant und realisiert. Kernstück bildete dabei der Bau eines Regulierwehrs am Ausfluss des Bielersees bei Port. Damit liessen sich die Wasserstände aller drei Jurarandseen regulieren.
Nach den interessanten Erläuterungen zu den Juragewässerkorrektionen bekamen wir noch Gelegenheit, das "Innenleben" des Regulierwehrs zu betrachten. Es wurde mehrmals umgebaut oder den veränderten Bedürfnissen angepasst und umfasst heute auch eine Schiffsschleuse, trägt eine Strassenverbindung zwischen Brügg und Port und ist auch ein Wasserkraftwerk.
Das eigentliche Regulierwehr hat fünf Öffnungen. Darin werden durch ein mechanisches Getriebe Doppelhakenschützen bewegt. Diese bestehen aus zwei Elementen: einem Ober- und einem Unterschütz. Damit gibt es in Abhängigkeit des Wasserstandes drei Möglichkeiten den Durchfluss zu steuern, nämlich entweder nur durch das Kraftwerk, oder nur durch das Wehr oder gleichzeitig durch das Kraftwerk und das Wehr.
Am Schluss der Führung hatten wir Gelegenheit, ein Passagierschiff bei der Durchfahrt durch die Schleuse zu beobachten.
Im Anschluss daran fuhren wir nach Magglingen, wo wir im Swiss Olympic House unsere Zimmer bezogen und im hoteleigenen Restaurant die Mahlzeiten einnahmen. Im gleichen Haus befanden sich auch die Theorieräume für die Nachmittagsveranstaltungen.
Hochwasserwarnungen des Bundes
Herr Dr. David Volken, der erste Referent am Nachmittag, arbeitet schon seit einigen Jahren in der Abteilung Hydrologie des BAFU. Als Hochwasserexperte war er die geeignete Person, um uns über die Hochwasserwarnungen des Bundes zu informieren.
Als Einstieg zum Thema zeigte er uns als erstes Beispiel den eindrücklichen Fall vom 29.7.2008, als nach einem Unwetter im Napfgebiet in der Kleinen Emme bei Littau die Abflussmenge innert 20 Minuten von 7 m3/s auf 224 m3/s anstieg.
Das zweite Beispiel galt dem Hochwasserereignis in der Region Schangnau, als am 24.7.2014 fünf Stunden Dauerregen grosse Schäden anrichtete und im Emmental den Pegel der Grossen Emme in kürzester Zeit auf Rekordhöhe ansteigen liess. Die dabei ausgelöste Flut war ein Ereignis, wie es nur etwa alle 300 Jahre zu erwarten ist. Dieses Fallbeispiel wurde mit einem eindrücklichen Video und aussagekräftigen Grafiken eindrücklich in Erinnerung gerufen.
Wichtige Basis für Hochwasserwarnungen sind die von Wettermodelle berechneten Niederschlagsmengen sowie aktuelle meteorologische und hydrologische Messdaten. Mit Hilfe von verschiedenen, von der Abteilung Hydrologie des BAFU betriebenen hydrologischen Modellen werden jeden Morgen neue Abflussvorhersagen berechnet. Nach der Interpretation der Ergebnisse durch das Prognoseteam werden massgeschneiderte Abflussvorhersagen publiziert.
Bei Hochwassergefahr verschicken dann die Hydrologen die Warnungen via Nationale Alarmzentrale (NAZ) an die kantonalen Behörden. Zusätzlich wird das Naturgefahrenbulletin mit weiterführenden Informationen auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht. Die Warnungen beruhen auf der Interpretation der Vorhersagen und beinhalten Information zur Gefahrenstufe, zu den betroffenen Regionen, zur Höhe und zum Zeitpunkt des maximalen Wasserstandes.
Hochwasserwarnungen sind eine wichtige Aufgabe der Abteilung Hydrologie des BAFU. Sie helfen den für den Hochwasserschutz verantwortlichen Behörden rechtzeitig Notfallmassnahmen einzuleiten und damit Schäden zu verringern oder sogar zu verhindern.
Die Genauigkeit der Abflussprognosen und der Hochwasserwarnungen hängt zu einem grossen Teil von der Qualität der von den Wettermodellen berechneten Niederschlagsmengen ab. Ungenau prognostizierte Lage und Menge eines Niederschlagsgebietes haben — wie mit Beispielen gezeigt wurde — entscheidenden Einfluss auf das Endergebnis.
Am Ende des Referats zeigte David Volken Beispiele von Warnprodukten für die Behörde und beschrieb die Kanäle, wie sie verteilt werden.
Unfälle in der Militäraviatik
Nicht nur die Militäraviatik, auch in der zivilen Luftfahrt gibt es immer wieder Unfälle. Seit ihrer Gründung im Ersten Weltkrieg bis heute verzeichnet die Schweizer Luftwaffe rund 400 Flugunfälle. Der Referent, Herr Peter Brotschi, ehemaliger Lehrer, mehrfacher Buchautor, heutiger Kantonsrat des Kantons Solothurn, Aviatikjournalist und ehemaliger Offizier der Fliegertruppen hat eine systematische und umfassende Zusammenstellung über die Unfälle der Schweizer Luftwaffe gemacht. Dazu hat er im Bundesarchiv und in den Archiven der Luftwaffe unzählige Akten, Expertenberichte und Fotos gesichtet. Zusätzlich führte er Befragungen mit Augenzeugen und überlebenden Besatzungsmitgliedern durch und besuchte die Unfallorte.
In seinem Referat ging Peter Brotschi einfühlsam auf einige Unfälle detaillierter ein. Dazu benutzte er Bilder der Flugzeuge vor dem tragischen Einsatz, der Absturzstelle und Skizzen zur Erläuterung des Unfallhergangs.
Gründe für die Unfälle gab es viele. In seinem Referat zählte er Unfälle auf, bei denen die Unterschreitung der Minimalgeschwindigkeit, eine Kollisionen mit Hindernissen oder mit anderen Luftfahrzeugen, das Versagen der Technik, das Wetter oder menschlicher Übermut die Ursache für das tragische Ereignis waren.
Das spannende Referat des ausgewiesenen Aviatikfachmanns, Peter Brotschi, stiess auf grosses Interesse und wurde mit viel Applaus belohnt. Bei einzelnen löste es aber auch Betroffenheit aus, kamen doch bei ihnen im Zusammenhang mit den erwähnten Unfällen schmerzhafte Erinnerungen. Eine umfassende Zusammenstellung über die Unfälle bei der Schweizer Luftwaffe gibt das von Peter Brotschi verfasste, in der 6. Auflage erschienene Buch: "Gebrochene Flügel, alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe".
72. Jahresversammlung
Die eigentliche Jahresversammlung konnte speditiv abgewickelt werden. Der Präsident, Peter Albisser, blickte auf ein gelungenes Vereinsjahr zurück. Die Anzahl der Mitglieder und auch die Anzahl der Teilnehmenden an den Weiterbildungsveranstaltungen stiegen gegenüber dem Vorjahr leicht an, und auch die finanzielle Situation des Verbands darf mit "gesund" bewertet werden. In seinem Jahresbericht liess der Vorsitzende die Aktivitäten des vergangenen Vereinsjahres nochmals revue passieren. Die Versammlung genehmigte in der Folge den Jahresbericht des Präsidenten, die Jahresrechnung, den Bericht des Revisors und das Budget ohne Gegenstimme.
Im letzten Traktandum versuchte der Präsident die Situation im Hinblick auf die Gestaltung von zukünftigen Jahrestagungen zu ergründen. Ziel wäre es, (noch) mehr Mitglieder für eine Teilnahme an der Jahrestagung zu bewegen. Von den der Versammlung vorgeschlagenen Varianten schnitt diejenige mit einer Durchführung am Freitag/Samstag am schlechtesten ab. Als gleichwertige Varianten wurde die Durchführung an einem Tag (Samstag) oder wie bisher (Samstag und Sonntag) angesehen. Gestützt auf die Umfrage wird eine Diskussion innerhalb des Vorstandes geführt.
Nach der speditiv verlaufenen Jahresversammlung verschoben sich alle zum Restaurant im Swiss Olympic House, wo der gemeinsame Apéro und das anschliessende Nachtessen genossen werden konnte.
2. Tag, 21. Mai 2017
Wie in den letzten Jahren üblich, war der zweite Tag der Jahrestagung einer Stadtbesichtigung gewidmet. Diesmal war es die für die meisten unbekannte Altstadt von Biel, die auf dem Besuchsprogramm stand. Startpunkt für den Stadtrundgang war der Rosiusplatz. Dort wurden wir von der Stadtführerin, Frau Karin Strub, freundlich empfangen. Nach der Begrüssung konnten wir mit ihr in die lange Geschichte der Stadt Biel eintauchen. Sie erzählte uns ganz zu Beginn, wie die Stadt zu ihrem Namen gekommen ist. Der Name Biel/Bienne geht offenbar auf den römischen Gott "Benelus" zurück, den man an der in der Nähe der heutigen Berner Fachhochschule gelegenen Quelle verehrt haben soll. Mit einem "Bieli" (Beil), das das Stadtwappen ziert, hat der Ortsname nichts zu tun.
Nach der Einleitung ging es bei strahlend schönem Wetter zu Fuss durch die charmante Bieler Altstadt. Wir bestaunten wunderschöne Häuser, Gassen und Brunnen. Von unserer humorvollen Führerin erfuhren wir viel Interessantes über die Geschichte von Biel und ihren Anekdoten.
Die fesselnde und spontane Art unserer Führerin liess die Zeit wie im Flug vergehen. Nach rund anderthalb Stunden war der spannende Entdeckungsspaziergang durch die Altstadt von Biel nur zu schnell fertig. Er war voller Überraschungen, durften wir doch eine völlig neue Seite von Biel kennenlernen.
Nach der Verabschiedung von Frau Strub war der offizielle Teil der 72. Jahresversammlung abgeschlossen. Zurück bleiben Erinnerungen an einen schönen Anlass mit interessanten Referaten und Geselligkeit.
Bericht und Fotos: Peter Albisser
Jahresversammlung 2016