Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/1633

Der Regisseur Anton Corbijn ist persönlich anwesend und erzählt, er habe mit dem Team nur 28 Tage gedreht und mit kleinem Budget gearbeitet. Dieses kam auch dank Robert Pattinson, dem “Twilight”-Star, zustande: “Als wir Rob hatten, wussten wir, dass wir den Film finanzieren können.” Die Besetzung der Hauptrolle sei allerdings schwieriger gewesen. Dane DeHaan, der den Part des James Dean schlussendlich übernahm, sei selbst ein grosser Fan des jung verstorbenen Schauspielers und deshalb unsicher gewesen: “Er dachte, das kann ja nur schiefgehen”, schmunzelt Corbijn und das Publikum lacht mit.
Eine spezielle Freundschaft
In den folgenden 110 Minuten scheint der Film zu versuchen, den Zuschauenden mehr über James Dean zu erzählen, als diese bereits wissen, ohne das Mysterium um ihn zu zerstören.
Der junge Fotograf Dennis Stock (Robert Pattinson) lernt 1955 in Los Angeles den noch unbekannten James Dean (Dane DeHaan) kennen und erkennt, was damals noch nicht viele erkannt hatten: dass ein Ausnahmeschauspieler vor ihm steht. Fortan versucht er, “Jimmy” für das “Life Magazine” vor die Linse zu bekommen, was nicht einfach ist, denn dieser ist ein Meister darin, nicht das tun zu wollen, was andere von ihm erwarten und Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Stock bleibt jedoch hartnäckig und zwischen den beiden jungen Männern entwickelt sich eine seltsame Freundschaft, in deren Folge Stock sogar mit Dean nach Indiana auf dessen Heimatfarm reist und ihn dort ebenfalls fotografiert.
So entstanden einige der berühmtesten Bilder von Dean: Dean auf dem Times Square. Dean im Haarsalon. Dean schlafend auf der Tischplatte einer Bar, neben ihm ein (waches) Mädchen. Dean vor einem Traktor auf der Farm in Indiana. Dean, meistens mit einer Zigarette im Mundwinkel und immer mit diesem “James-Dean-Blick”, von dem Frauen heute noch träumen. So singt Taylor Swift in “Style”: “You’ve got that James Dean day dream look in your eye […] We never grow out of style” (Du hast diesen James-Dean-Tagträumer-Ausdruck in deinen Augen […] Wir kommen nie aus der Mode).
Charisma oder Gleichgültigkeit?
Dieses “Je ne sais quoi” spiegelt Dane DeHaan in der Rolle des James Dean gut wider: Ihm ist so ziemlich alles egal, er verhält sich manchmal fast wie ein Kind und weiss trotzdem, was er sicher nicht will. Und das ist: schlechte Filme zu machen. Deshalb gerät er auch mit dem Filmstudio Warner Bros. aneinander, das ein anderes Ziel als gute Filme hat, nämlich gut vermarktbare Filme. “Life” bietet auf diese Weise einen Einblick in die Filmbranche, mit der Dean im Film hadert und die er doch braucht.
Kleine Unstimmigkeiten schaden dem Film
Dean und Stock haben vieles gemeinsam, und doch wirkt deren lockere Freundschaft in einigen Momenten unglaubwürdig. So ist Dean bei ihrer ersten Begegnung nicht genug faszinierend, um Stocks aussergewöhnliches Interesse an ihm zu rechtfertigen, und ihr einziger Streit wirkt ebenfalls platt und künstlich.
Auch wissen die Zuschauenden am Ende des Films zwar, wie die berühmten Bilder entstanden sind, aber die Szenen im Film kommen nicht an die Originale heran. Und ausgerechnet beim bekanntesten Bild auf dem Times Square erscheint der Hintergrund nicht ganz stimmig und es ist leicht erkennbar, dass technisch nachgeholfen wurde.
Die Legende bleibt unantastbar
Trotz der vermittelten Informationen wird Dean im Film nicht genug menschlich, dass sich die Zuschauenden ein klareres Bild von ihm machen könnten. Seine Motive bleiben unklar, das Publikum kann nicht mit ihm mitfühlen und seine Persönlichkeit wird nicht fassbar. Dies liegt vor allem daran, dass Dean im Film eher als der legendäre Schauspieler porträtiert wird und weniger als kompletter Mensch. Dieser Umstand lässt die Zuschauenden nach dem Film ein bisschen ratlos in ihren Sesseln zurück. Doch der Titel “Life” passt: Der Film erzählt von der Fotostrecke im “Life Magazine” sowie dem verantwortlichen Fotografen und ist gleichzeitig ein kleiner Einblick in das Leben von James Dean – der Legende, die man nie richtig zu fassen bekommt.