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Wo soll man anfangen, wo aufhören? Es gibt so unsäglich viele volkswirtschaftlichen Theorien, dass es unmöglich ist, alle zu nennen. Lustigerweise widersprechen sich teilweise die Theorien diametral – so dass es nochmals unmöglich ist, zu sagen, ob eine Theorie richtig oder falsch ist. Das hängt von den persönlichen Erfahrungen, dem Betrachtungswinkel, der politischen Ausrichtung und und und ab. Und nicht richtig sind die Theorien allesamt deshalb, weil es eben Theorien sind, die sich immer nur auf eine sehr überschaubare Anzahl von Situationen beziehen, niemals aber auf alle Möglichkeiten. Ergo: Alles schön und gut, aber eben nur theoretisch.
Dennoch, hier ein paar der bekanntesten Theorien (und Modelle). Die sollte man schon kennen.
Der Homo oeconomicus
Das ist eine Modellvorstellung, bei der der Mensch (Wirtschaftsmensch) grundsätzlich ein Nutzenmaximierer ist. Und zwar ein wirtschaftlicher Nutzenmaximierer. Der Homo oeconomicus ist ein theoretisches Modell (erstmals als „economic man“ von John Kells Ingram 1888 erwähnt), das so sehr vereinfacht wurde, um einfache und grundlegende volkswirtschaftliche Abläufe zu verstehen und zu analysieren.
Definiert wird der Homo oeconomicus laut Eduard Spranger (1914) folgendermassen: „Der ökonomische Mensch im allgemeinsten Sinne ist also derjenige, der in allen Lebensbeziehungen den Nützlichkeitswert voranstellt. Alles wird für ihn zu Mitteln der Lebenserhaltung, des naturhaften Kampfes ums Dasein und der angenehmen Lebensgestaltung.“
Klar, dass sich die Definitionen in den letzten Jahrzehnten etwas geändert haben – wer heute noch ausschliesslich vom Homo oeconomicus redet und ihn als „existent“ bezeichnet, hat entweder die letzten 100 Jahre verschlafen oder ist ein in der Wolle gefärbter Neo-Liberaler.
Volkwirtschaftstheorien / -theoretiker
Volkwirtschaftliche Fragen und daraus abgeleitet Volkswirtschaftstheorien sind noch gar nicht so alt – logisch, denn Volkswirtschaften im eigentlichen Sinne entstanden ja erst im 17. Bzw. 18. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Nationalstaaten (ein bisschen Geschichte und Allgemeinwissen kann nie schaden!). Wir machen hier keinen volkswirtschaftlichen Exkurs – und beschränken uns daher auf ein paar wesentliche Volkwirtschaftler, die unser Denken geprägt haben:
Adam Smith (1723 – 1790), englischer Nationalökonom
Mit Smith beginnt eigentlich die Geschichte der Volkswirtschaft, sein Werk ist die Grundlage aller darauf folgender Theorien, egal, ob sie seinen Vorstellungen folgten oder versuchten, sie zu widerlegen. Smith‘s Hauptwerk: „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” ist die Bibel der Nationalökonomen. Die Eckpunkte von Smith’s Ansatz: Arbeit ist die Quelle eines nationales Wohlstandes, Arbeitsteilung steigert die Produktivität und der Preis nimmt eine zentrale Rolle für die Produktion ein. Angebot und Nachfrage bedingen sich gegenseitig und die Ansicht, dass eine möglichst geringe Intervention des Staates zu einer sich ausgleichenden, harmonischen Volkswirtschaft führt (ok – das ist SEHR verkürzt, das gilt aber für alle folgenden Ökonomen genau so).
John Maynard Keynes (1883 – 1946), englischer Nationlaökonom
Einer der einflussreichsten Ökonomen – seine Sichtweise war eine makroökonomische und besagt, sehr verkürzt, dass zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit (bzw. Unterbeschäftigung) die traditionellen Massnahmen der Geldpolitik nicht ausreichten (weil Angebot und Nachfrage eben nicht alles regeln), sondern dass darüber hinaus eine nachfrageorientierte Politik notwendig sei – inklusive einer Abwehr der importierten Arbeitslosigkeit. Länder, die in den 60er und 70er-Jahren Wirtschaftspolitik nach Keynes betrieben landeten regelmässig in der Stagflation.
Friedrich August von Hayek (1899 – 1992), österreichischer Ökonom
Hayek war ein Vertreter des Liberalismus und des Neoliberalismus. 1974 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Hayek vertrat (auch das sehr vereinfacht) die Meinung, dass hohe Steuern und ein umfangreicher Sozialstaat einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung entgegenstünden, war also quasi ein Gegenpol zum eher wohlfahrts-bezogenen keynesianischen Modell. Hayek war ein Vertreter der „adjektivlosen“ Marktwirtschaft (im Gegensatz zur „sozialen“ Marktwirtschaft) und der Meinung, dass sich ein möglichst wenig reglementierter Staat am besten selbst im Gleichgewicht halte.
Heinrich Karl Marx (1818 – 1883), deutscher Nationalökonom
Vertreter des wissenschaftlichen Sozialismus (auch als Marxismus bezeichnet). Marx‘ Überlegungen basierten auf Hegels Philosophie. In seinem Hauptwerk „Das Kommunistische Manifest“ (zusammen mit Engels verfasst) fasst er seine Hauptideen zusammen: Arbeit als Substanz des Wertes, die Gefahr des Kapitalismus in Bezug auf die Spaltung der Gesellschaft in „Proletariat“ und „Reiche“. Marx Hauptidee war eine möglichst gleichwertige Verteilung der Einkommen und eine gleichwertige Betrachtungsweise von körperlicher und geistiger Arbeit – mit Tendenz, die körperliche Arbeit zu bevorzugen, da sie auch dann für Einkommen sorge, wenn alles andere versage.
Milton Friedman (1912 – 2006), amerikanischer Nationalökonom
Friedman war ein sehr populärer Nationalökonom, was auch seinen Büchern zu verdanken ist. Er war „Anführer“ der Kenynesschen Gegenrevolution, also des Monetarismus. Friedman war ein Vertreter der freiheitlichen Wirtschaftsordnung, staatliche Interventionen lehnte er grundsätzlich ab und war die Überzeugung, dass solche Eingriffe Wirtschaftssysteme destabilisierten.
So, und zum Abschluss nochmal: Das ist alles sehr arg verkürzt – wer sich mit Volkswirtschaft etwas mehr beschäftigen will, der lese zur Einführung am Besten: „Volkswirtschaft für Dummies“ – klingt fies, ist aber gar nicht mal so übel als Einstieg.