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Systemische Modelle
Die systemischen oder systemtheoretischen Modelle zur Veranschaulichung des menschlichen Verhaltens stützen sich auf die Erkenntnisse und Konzepte der interdisziplinären Systemtheorie. Ganz verschiedene Gegenstandsbereiche wie das Sonnensystem, biologische Zellen, der Mensch, eine Familie, eine Organisation, ein Staat können systemtheoretisch beschrieben werden. Die Systemtheorie ist sowohl eine eigenständige Disziplin als auch ein Rahmen für einen interdisziplinären Diskurs, der den Begriff System als Grundkonzept führt. Dabei werden z. B. Phänomene wie Zirkularität, Rückkoppelungseffekte, selbstorganisierte Ordnung, qualitative Sprünge, Nichtvorhersagbarkeit vieler Dynamiken und neue Konzepte der Kausalität untersucht.
Als systemische Therapie wird eine psychotherapeutische Fachrichtung beschrieben, die systemische Zusammenhänge und interpersonelle Beziehungen in einer Gruppe als Grundlage für die Diagnose und Therapie von psychischen Problemen und interpersonellen Konflikten betrachtet. Systemische Therapien verstehen wechselseitige intrapsychische und biologisch-somatische Prozesse sowie interpersonelle Zusammenhänge, bezogen auf Individuen, Gruppen und Umwelt als wesentliche Aspekte von Systemen.
Auf den gleichen Grundannahmen haben sich auch Handlungsmodelle für nichttherapeutische Felder, wie z. B. systemische Pädagogik und Heilpädagogik, systemische Sozialarbeit, systemische Organisationsberatung und systemisches Coaching entwickelt.
Verhalten aus systemischer Perspektive
Aus der Perspektive der Systemtheorie kann menschliches Verhalten und demnach auch herausforderndes Verhalten nicht losgelöst von seiner Einbindung in den Kontext der Situation und der sozialen Umgebung verstanden werden. Das Kind mit seinem auffälligen Verhalten ist nicht ein isoliertes Phänomen, sondern agiert im Kontext und in der wechselseitigen Beeinflussung und Vernetzung mit seinem sozialen System. Die Verhaltensauffälligkeit weist auf eine gestörte Balance des Kind-Umweltsystems hin (Bumann & Wettstein, 2014), die verschiedene Ursachen haben kann (Elternhaus, Schulweg, Klassenzimmer etc.).
Interventionen müssen deshalb nach systemischer Auffassung vornehmlich versuchen, die Struktur des Systems zu verändern. Die Analyse der Strukturen und Prozesse sollte aber nicht einem linearen Ursache-Wirkungsdenken folgen, sondern die komplexen wechselseitigen Verknüpfungen mit Netzwerkcharakter erkennen; dies wird auch zirkuläre Kausalität genannt. Nicht das Kind wird therapiert, sondern die Interaktion und die Struktur des Systems oder der Systeme werden beeinflusst. Einerseits müssen dafür die Interessen und Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt werden, andererseits müssen häufig auch Lernprozesse in der Umgebung, in der Klasse, bei Lehrpersonen und Eltern eingeleitet werden (vgl. Hillenbrand, 2008, S. 30) (nach Bumann & Wettstein, 2014).
Literatur
Hillenbrand, Clemens. (2008). Einführung in die Pädagogik bei Verhaltensstörungen (UTB, Bd. 2103, 4. Aufl.). München: E. Reinhardt.
Myschker, Norbert & Stein, Roland. (2014). Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Erscheinungsformen, Ursachen, hilfreiche Massnahmen (7. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.
Bumann, Lucinda & Wettstein, Nadia. (2014). Pädagogische Beziehung zu Schülerinnen und Schülern mit Verhaltensauffälligkeit. Eine qualitative Studie über die förderliche Gestaltung pädagogischer Beziehung für eine schulische Integration. Unveröffentlichte Masterarbeit, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik. Zürich.