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Valserthal
oder St, Peterthal (Kt. Graubünden,
Bez. Glenner).
1780-874 m. Vom
Valserrhein (s. diesen Art.) durchflossenes, oberstes rechtsseitiges
Quellthal des bei
Ilanz von rechts aufs
Bündner Oberland ausmündenden
Lugnez. Beginnt an der N.-Flanke des Adulamassives mit
der Vereinigung des
Lentathales im W. und des
Kanalthales im O. beim Alpendörfchen
Zervreila (1780 m) 9 km
hinter
Vals
Platz. Von
Zervreila bis
Oberkastels, wo der
Valserrhein zum
Glenner ausmündet, hat das
Valserthal eine Länge von 19 km.
Wenig hinter
Vals
Platz vereinigt sich mit ihm von rechts her das vom
Fanellagletscher sich senkende
Peilerthal.
Den Thalrahmen bilden zu beiden Seiten eigentliche Hochalpengipfel, so, von S. nach N. gezählt: rechts Fanellahorn (3122 m), Valserhorn (2889 m), Bärenhorn (2987 m), Piz Tomül (2951 m) und Piz Grisch (2846 m);
links Plattenberg (3041 m), Piz Terri (3152 m), Piz Aul (3124 m) und Piz Seranastga (2876 m).
Aus Vals führen nach O. der Tomülpass (2417 m) von Campo nach Safien, dann zwei Pässe am Piz Aul nach Vrin hinüber. Am Valserrhein geht man in 2½ Stunden nach dem Sommerdörfchen Zervreila mit seiner ½ Stunde langen Ebene und einem wundervollen Gebirgsrahmen. Aus der ¶
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Lampertschalp oder Alp Sorreda (2006 m) hinter Zervreila führen Pässe ins Val Luzzone und nach Olivone hinunter. Aus dem Peilerthal
endlich leitet südwärts der wichtige, früher zu allen Jahreszeiten benutzte Valserbergpass (2507 m) nach Hinterrhein und
Nufenen hinab (5 Stunden von Vals Platz). Hinter Vals Platz ist das
Valserthal zum Teil durchschluchtet, während
der vordere Abschnitt unterhalb Vals eine einzige grossartige Mündungsschlucht darstellt. Um das Dorf Vals selbst dehnt sich
ein freundlicher und weiter Thalboden, ein herrliches Wiesenthal.
Das Thal hat viel Wald, besonders auf seiner rechten Seite und im untern Schluchtenlauf. Um Vals baut man noch Gerste, Roggen, Kartoffeln, Kirschbäume, Rüben, Hanf und Flachs. Auf den Alpweiden wird die Milchwirtschaft als Privatwirtschaft betrieben. Das Thal wird von Fremden stark besucht und hat im Dorf Vals Platz eine Kur- und Badeanstalt mit eisenhaltiger Gipstherme von 25,2 °C. Das durch Kolonisten deutschen Stammes ohne Zweifel über den Valserbergpass her besiedelte Thal vermag aber seine Söhne nicht genügend zu ernähren, so dass gegenwärtig wohl an die 600 Valser ihr Brot ausserhalb desselben verdienen.
Von grossem Interesse ist das
Valserthal ausser für den Sprach-, Geschichts- und Sagenforscher auch für Naturforscher (Geologen,
Botaniker, Entomologen). Die geologische Grundlage bilden im vordern Thalabschnitt graue und grüne Bündnerschiefer,
weiter oben die kristallinen Formationen des Adulamassives. Die grösstenteils dem Lias angehörenden tonigen und kalkig-tonigen
grauen Bündnerschiefer ziehen sich von der Mündung des Valserrheins unter Furth und Oberkastels bis nach Vals Platz, setzen
beiderseits des Thales die Bergzüge zusammen und erscheinen auch wieder am Valserbergpass im S. (über
dem Dorf Hinterrhein).
Mit den grauen Liasschiefern treten Bänke und Züge von halbkristallinen, glimmerreichen Tonschiefern auf. Verbreiteter jedoch als diese Abänderungen sind die grünen Schiefer von Vals, stark gehärtete und durch Stauungsmetamorphose umgewandelte Diabasgesteine, die besonders in der Kette des Piz Aul, auf beiden Thalseiten der Gegend von Buccarischuna und weiter thaleinwärts bis Campo auftreten. Mit den grauen und dunkeln Bündnerschiefern, bei Buccarischuna mit den diabasischen Grünschiefern erscheinen Streifen, Linsen und lange Züge von halbmarmorisierten Kalken und typischem Marmor.
Der z. T. ausgebeutete Marmor von Buccarischuna ist weiss, grob- bis mittelkörnig, mit grauen Tonschiefer- und grünen Streifen von Chromglimmer (Fuchsit) durchzogen und enthält ferner Schwefelkies und farblose Blättchen von Kaliglimmer. Triadische Gesteine sind im Gebiet der Bündnerschiefer von Vals selten aufgeschlossen. Die Erosion hat Triasdolomit und Rauhwacken bei Oberkastels, Tersnaus und Furth vereinzelt und auf kleine Strecken zu entblössen vermocht; ausserdem findet sich das Gestein bei Vals Platz, wo die eisenhaltige Gipstherme daraus entspringt, und weiter hinten bei Leis. Bei Vals Platz beginnt die kristalline Formation (feinkörniger Antigoriogneis, Glimmerschiefer mit Granaten, Hornblende und Chlorit, jüngerer sog. Adulagneis mit grünem Glimmer) des Adula- oder Rheinwaldmassives, das nun neben sehr spärlichen Sedimenten den ganzen Thal- und Gebirgshintergrund zusammensetzt. Auch in diesem Teil der Alpen ist nun der Ueberfaltungsbau nachgewiesen.
Das Valser- oder St. Peterthal ist von Oberkastels im Lugnez bis Vals ein Querthal, von hier bis Zervreila ein Längsthal, ebenso
die westl. Fortsetzung von Zervreila bis zur Lampertschalp (Alp Sorreda). Das Lenta- und Kanalthal sind ausgesprochene Querthäler,
das Peilerthal ein Längsthal. Das
Valserthal und seine Umgebung sind reich an Mineralien und nutzbaren
Gesteinen. Von den 1896 entdeckten, prachtvollen goldglänzenden Rutilnadeleinschlüssen in grossen Bergkristallen des Piz Aul
sind die schönsten Stücke in das Polytechnikum zu Zürich,
nach Paris und New York, sowie in die Klosterschule Disentis gekommen.
Vergl. Tarnuzzer, Chr. Illustriertes Bündner Oberland; herausgeg. vom Bündner Oberländer Verkehrsverein.
(Europ. Wanderbilder. 256-258). Zürich
1903.