Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03518.jsonl.gz/1330

Unschlagbare Weisheiten
Ha.Sch
Gestern Abend hat mir Beethoven, der Teufelskerl, gesagt, dass es nichts Grösseres gebe, als eines Freundes Freund zu sein.
Ich habe seine Neunte gehört, da singt der Chor gegen Ende etwa fünfmal diesen Satz: Ich solle meines Freundes Freund sein.
Ich weiss, der Satz stammt nicht von Beethoven, er hat ihn nur vertont. Er stammt von Schiller, einem anderen Teufelskerl.
Da haben wir also zwei Genies, und beide sagen mir, ich solle endlich anfangen, meines Freundes Freund zu sein.
Ich bin froh darüber. Darauf wäre ich selber nie gekommen. Es ist wahr, ich war meinem Freund viel zu lange kein Freund. Also ich werde mich bessern und von jetzt an meines Freundes Freund sein.
Und mir ist in den Sinn gekommen, dass man das auch ausweiten könnte. Ich könnte doch auch versuchen, den Frauen eine Frau zu sein, den Männern ein Mann. Oder dem Gefangenen ein Gefangener, der Gärtnerin eine Gärtnerin usw. Da stände die Welt doch schnell viel besser da.
Ein Genie ist eben ein Genie, und zwei Genies sind genial.
Übrigens, es gibt noch andere geniale Sätze:
Wie rein ist Reine dir alles (Hölderlin).
Oder: Eine Rose ist eine Rose (Gertrude Stein).
Noch zwei Genies.
Und auch gegen diese Weisheiten lässt sich nicht viel sagen.