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Kriege begleiten die Menschheit seit Urgedenken. Erst seit dem Zweiten Weltkrieg aber halten wir die Mittel in der Hand, mit denen wir uns selbst vernichten könnten. Mit der Zündung der ersten Atombombe am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexico wurde die nukleare Schwelle überschritten – seither ist klar, dass die Menschheit Kräfte entfesseln kann, die zum Weltuntergang führen würden.
Von den vielen Errungenschaften der Menschheit in diesen letzten sieben Jahrzehnten sei vielleicht die grösste, dass wir uns nicht schon selbst den Garaus gemacht haben, schreibt das Online-Magazin «Quartz».
Nachdem die neue Waffe in Hiroshima und Nagasaki ihr furchtbares Potential bewiesen hatte, gründete eine Gruppe von Atomphysikern ein Magazin, in dem sie die Gefahr eines Atomkriegs diskutierten: das «Bulletin of the Atomic Scientists». Im Herbst 2015 wird es 70 Jahre alt; diesen Januar feiert das Bulletin, das alle zwei Monate erscheint, seinen Geburtstag mit einer Gratis-Ausgabe.
1947, der Kalte Krieg hatte eben begonnen, zeigte das Bulletin auf seinem Titelblatt zum ersten Mal die «Doomsday Clock», die Weltuntergangsuhr. Die Zeiger standen auf 7 vor 12 – eine Anspielung auf die Redewendung, es sei «5 vor 12». Seither publizieren die Wissenschaftler jeweils einmal im Jahr – im Januar – ihre Einschätzung, wie nahe die Menschheit ihrer Selbstvernichtung gekommen ist.
Zwei Jahre nach der ersten «Doomsday Clock» zündete die Sowjetunion ihre erste Atombombe, und der nukleare Rüstungswettlauf begann. Der Zeiger rückte vor auf 3 vor 12.
Den seither nie mehr erreichten Tiefpunkt erreichte die Uhr mit 2 vor 12 im Jahr 1953. Beide Supermächte hatten inzwischen die Wasserstoffbombe entwickelt. Im Bulletin hiess es:
Den bedrohlichen Stand von 2 vor 12 behielt das Zifferblatt der Apokalypse bis 1960, als die Wissenschaftler den Zeiger auf 7 vor 12 zurückstellten. Danach folgte ein Auf und Ab, das in groben Zügen die Spannungen in der Weltpolitik nachzeichnete.
Nicht alle Krisen fanden dabei ihren Niederschlag in der «Doomsday Clock»: Die Kubakrise im Oktober 1962 zum Beispiel, die die Welt vermutlich näher als jemals zuvor oder danach an den Rand eines Atomkriegs führte, bewirkte keinen Ausschlag des Zeigers. Sie war bereits zu Ende, als das nächste Zifferblatt veröffentlicht wurde.
1991 wurde der Zeiger so weit zurückgestellt wie seither nie mehr: Das Ende des Kalten Kriegs wurde mit der Unterzeichnung der START-Verträge besiegelt, in denen die Supermächte den Abbau ihres nuklearen Arsenals vereinbarten.
Die Friedenseuphorie hielt jedoch nicht lange an: Ende der Neunzigerjahre stürzten sich Pakistan und Indien in ein nukleares Wettrüsten und 2006 zündete Nordkorea seine erste Atombombe. Während der Iran ein dubioses Atomprogramm vorantreibt, modernisieren die USA und Russland eifrig ihre nach wie vor riesigen Bestände an Atomwaffen.
Das nukleare Armageddon ist nicht die einzige tödliche Gefahr: Schon seit einigen Jahren berücksichtigen die Wissenschaftler des Bulletins auch andere globale Bedrohungen, zum Beispiel die Klimaerwärmung, biologische Waffen oder die Kriegsführung im Cyberspace. Welche Kriterien in die Beurteilung einfliessen, ist allerdings nicht genau bekannt.
Sicher ist indes eines: Neue Technologien eröffnen nicht nur Chancen, sie stellen auch Risiken dar. Sie vergrössern das menschliche Potential, sowohl für das Gute wie für das Schlechte. In der aktuellen Ausgabe des Bulletins vom Januar/Februar 2015 steht der Zeiger, wie schon unverändert seit 2012, auf 5 vor 12. Hoffen wir, dass er nicht weiter vorrückt.