Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/85362

<h2>SubmittedText<h2><p>Anlässlich des Welternährungstages vom Oktober 2007 hat die Organisation "Médecins sans frontières" eine Kampagne zur Bekämpfung der Mangelernährung lanciert. Dabei ist es wichtig, zwischen Hunger und Mangelernährung zu unterscheiden. Letztere ist eine Krankheit, die auf einen Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen, wie Vitaminen und Mineralien, zurückzuführen ist. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit 20 Millionen Kleinkinder an schwerer Mangelernährung; jährlich sterben 5 Millionen an deren Folgen.</p><p>Vor Kurzem ist ein neuartiges Mittel gegen Mangelernährung auf den Markt gekommen, das speziell für Kleinkinder entwickelt worden ist: RUTF (Ready to Use Therapeutic Food), eine therapeutische Fertignahrung mit hohem Energie- und Nährstoffgehalt, dank der die Chancen auf Heilung bei Mangelernährung für Kleinkinder beträchtlich gesteigert werden konnten. Doch obwohl zahlreiche Studien die Wirksamkeit von RUTF belegen, werden nur knapp 3 Prozent der mangelernährten Kinder damit behandelt. </p><p>Die bislang auf nationaler und internationaler Ebene angewandten Strategien zur Bekämpfung der Mangelernährung genügen nicht. Auch die Verteilung von nährstoffangereichertem Mehl reicht bei Weitem nicht aus, um die Bedürfnisse der mangelernährten Kinder unter drei Jahren zu erfüllen.</p><p>Aus diesen Gründen frage ich den Bundesrat:</p><p>Ist er bereit, Abklärungen bezüglich der Qualität seiner Nahrungsmittelhilfe, insbesondere derjenigen für Kinder unter drei Jahren, durchzuführen?</p><p>Ist er bereit, sich auf internationaler Ebene dafür einzusetzen, dass die Unterstützung der Entwicklungsländer künftig auch die Bekämpfung der Mangelernährung mit einschliesst?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die gebrauchsfertige therapeutische Nahrung (RUTF oder Ready to Use Therapeutic Food) richtet sich an kranke Kinder. Aufgrund bisher durchgeführter seriöser Studien eignet sich diese Aufbauernährung nur für Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren, welche an einer akuten schweren Unterernährung ohne schlimme Nebenwirkungen leiden. Die Verschreibung und die Anwendung von RUTF müssen unter der strengen Aufsicht von Ärzten/Pflegepersonal erfolgen. Voraussetzung ist zudem, dass diese Kinder in ein ambulantes therapeutisches Programm aufgenommen werden; ein solches umfasst eine klinische Untersuchung im Hinblick auf schwere Komplikationen, eine systematische Verschreibung von Antibiotika, antiparasitären Medikamenten und Vitamin A, eine orale Rehydratation falls nötig und schliesslich einen Appetittest, um sicher zu sein, dass die betroffenen Kinder die vorgeschriebene RUTF vertragen. Es handelt sich also nicht um eine breite Verteilung von RUTF. Die Fälle von akuter schwerer Unterernährung sind relativ selten im Vergleich zu akuten mässigen und chronischen Formen von Unterernährung. Die Behandlung der zwei letzteren ist jedoch viel komplexer, denn hier sind nachhaltige Entwicklungspolitiken in Zusammenhang mit der Verteilung von Nahrungsergänzungsprodukten in Situationen grosser Nahrungsmittelunsicherheit gefragt. Entgegen den Meinungen gewisser Nichtregierungsorganisationen (NGO) herrscht bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Kinderhilfswerk (Unicef) keineswegs ein Konsens über solche Nahrungssupplemente, die in diesen Fällen verteilt werden sollten.</p><p>Im Bereich der Entwicklungshilfe engagiert sich der Bund insbesondere für Kinder, die Formen einer akuten mässigen und einer chronischen Unterernährung aufweisen. Die Hilfe sollte, solange keine offizielle Stellungnahme der WHO zu diesem Thema vorliegt, nicht geändert werden. Es sind vor allem die auf Soja (CSB, Corn Soya Blend) und auf Erbsen (PWB, Pea Wheat Blend) beruhenden Nahrungssupplemente, die kritisiert werden. Davon ist die Hilfe der Schweiz kaum oder gar nicht betroffen. Eine vielversprechende Methode im Bereich der Ernährung von Kindern und vor allem von Babys sind Alphabetisierungskampagnen, solche unterstützt die Deza bereits seit zahlreichen Jahren in Burkina Faso. Kinder mit einer akuten schweren Unterernährung erhalten zudem weltweit von verschiedenen schweizerischen NGO Unterstützung. Eine Überprüfung ihres Ernährungsansatzes und eine Aufnahme der RUTF in ihre Programme für Kinder, die ambulant behandelt werden können, wären begrüssenswert.</p><p>Auf internationaler Ebene unterstützt der Bund finanziell und politisch UN-Organisationen wie die Unicef und das Welternährungsprogramm (WFP), die im Bereich der Kinderernährung, einschliesslich in Notsituationen, eng mit der WHO zusammenarbeiten. Die WHO organisiert einen internationalen Workshop zum Thema Nahrungssupplemente, der vom 30. September bis 3. Oktober 2008 in Genf stattfindet.</p>  Antwort des Bundesrates.