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Gute Nachrichten aus dem Inselstaat am Polarkreis: Die isländische Walfanggesellschaft IP-Utgerd gab am 24. April bekannt, dass sie den Walfang vollständig einstellt, während die größte Walfangfirma des Landes, Hvalur, zum zweiten Mal in Folge keine Wale mehr jagen wird. Naturschützer zeigen sich erfreut darüber, wissen jedoch auch, dass die Aussetzung des Walfangs in Island nicht von Dauer sein muss.
IP-Utgerd, das sich hauptsächlich auf Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata) konzentrierte, gab finanzielle Schwierigkeiten an, nachdem die Fischereiverbotszonen vor der isländischen Küste ausgeweitet wurden. Somit waren dessen Boote gezwungen, immer weiter vor die Küste zu fahren. Die Firma Hvalur, die es auf bedrohte Finnwale (Balaenoptera physalus) abgesehen hat, stellt seinen Betrieb ein, u.a. wegen des scharfen Wettbewerbs mit Japan, so Kristján Loftsson, CEO des Unternehmens.
In der Vergangenheit verkaufte Hvalur den größten Teil seines Walfleischs nach Japan, aber Loftsson sagt, dass Hvalur derzeit nicht in der Lage sei, mit Japans eigenen Walfleischprodukten zu konkurrieren, da diese von der japanischen Regierung subventioniert werden. Zudem stellt Japan jetzt strenge Anforderungen an importiertes Walfleisch, was den Handel mit Japan noch schwieriger gemacht hat, so Loftsson.
Darüber hinaus erklärt er, dass der Ausbruch von COVID-19 es seiner Firma unmöglich machen würde, Wale zu jagen und das Fleisch zu verarbeiten, da die Arbeiter in unmittelbarer Nähe zueinander sein müssten und soziale Distanzierungsregeln nur schwer einzuhalten seien.
Für Naturschützer ist diese Unterbrechung des Walfangs, wie lange sie auch dauern mag, eine willkommene Nachricht. „Dies ist in der Tat eine großartige Nachricht, dass die gefährdeten Finnwale zum zweiten Mal in Folge eine Gnadenfrist von Hvalur’s Harpunen, dem einzigen Unternehmen für den Finnwalfang, erhalten“, sagte Fabienne McLellan, Ko-Direktorin für internationale Beziehungen bei OceanCare. “Bereits in der Vergangenheit wurde der Fang von Finnwalen in Island ausgesetzt, nur um dann wieder aufgenommen zu werden. Während es vielversprechend aussieht, dass der Walfang in Island für immer eingestellt werden könnte, muss die vorübergehende Aussetzung des Finnwalfangs dauerhaft werden”.
Rob Read, Direktor von Sea Shepherd UK, einer Gruppe, die die Walfangoperationen von Hvalur im Jahr 2018 dokumentierte, begrüßte die Nachricht ebenfalls. „Ich glaube, dass die Warnung für den berüchtigtsten Walfänger der Welt – Kristjan Loftsson – und seine Firma Hvalur nunmehr eindeutig ist.”, sagt Read. „Jetzt ist es an der Zeit, dass Loftsson seine Harpunen an den Nagel hängt und Island zu einem ethischen Walbeobachtungsland wird, nicht zu einer Nation, die Wale tötet.”
Hvalur betreibt seit 1948 Walfang in Island und hörte nicht damit auf, als die Internationale Walfangkommission 1986 ein weltweites Moratorium für den kommerziellen Walfang verhängte. Von 1948 bis 1989 fing das Unternehmen laut einem Bericht des Animal Welfare Institute durchschnittlich 220 Finnwale pro Jahr.
Im Jahr 2018 tötete Hvalur 146 Finnwale, von denen viele trächtige Weibchen waren. Zwei Wale stellten sich auch als Hybriden zwischen Finnwalen und Blauwalen (Balaenoptera musculus) heraus, was zu erheblichen Kontroversen führte. Read sagt, er glaube, dass die „intensive Untersuchung“, die Hvalur nach der Tötung der Hybriden erhalten habe, ein weiterer Grund dafür sein könnte, dass das Unternehmen in diesem Jahr keinen Walfang betreiben werde.
Hvalur exportiert den größten Teil seines Walfleischs nach Japan, wobei ein Teil innerhalb Islands selbst verkauft wird. Allerdings ist Walfleisch im Land nicht sehr beliebt und eine wachsende Zahl von Menschen unterstützt die Industrie nicht, so McLellan. „Isländer essen traditionell kein Fleisch vom Finnwal“, sagte sie. „Eine vor einigen Jahren durchgeführte Verbraucherumfrage zeigte, dass nur 3% der Isländer regelmäßig Zwergwalfleisch essen, während 75% nie Walfleisch essen“.
Während Naturschützer sagen, dass sie hoffen, dass Hvalur seine Harpunen für immer an den Nagel hängen wird, sagt Arne Feuerhahn, Gründer von Hard to Port, einer deutschen Organisation, die sich für die Beendigung des Walfangs in Island einsetzt, dass er nicht davon überzeugt ist, dass Hvalur den Walfang dauerhaft beenden wird. „Wir feiern den Moment, in dem es keinen Walfang geben wird, aber wir sind uns auch der Möglichkeit bewusst, dass der Walfang nächstes Jahr wieder aufgenommen wird“, sagt Feuerhahn. „Wir müssen in die Vergangenheit schauen und daher weiß ich, dass Island beim Finnwalfang manchmal eine zweijährige Pause einlegt.
„Es ist ein Familienunternehmen, und er [Kristján Loftsson] will es am Leben erhalten, so dass er trotz aller Probleme mit dem japanischen Markt und den Problemen in Island mit den [COVID-19]-Richtlinien eine Lösung dafür finden könnte, und wir könnten 2021 wieder zum Walfang zurückkehren“, fügte Feuerhahn hinzu.
Trotz dieser Vorbehalte sagt Feuerhahn, er glaube, dass Loftsson die Walfanganlagen von Hvalur erfolgreich in ein Bildungszentrum umwandeln könne. „Er könnte etwas wirklich lehrreiches und nachhaltiges daraus machen und den Besuchern und der isländischen Gemeinschaft über die Geschichte des Walfangs und über sein Familienunternehmen erzählen, ohne noch Wale zu töten“, sagte Feuerhahn. „Dies ist in der Vergangenheit in Australien getan worden. Als Australien seinen letzten Wal tötete … wurde die letzte Walfangstation in Albany, Australien, in ein Museum umgewandelt. Ich denke, das könnte auch in Island sehr gut funktionieren“.
Im Gegensatz zu den isländischen Walfängern ist Norwegen bereits am 1. April wieder in die Walfangsaison gestartet mit einer selbst erteilten Quote von 1278 Tieren, die fünfmal höher ist als die von Japan. Der erste Zwergwal wurde bereits getötet. Im letzten Jahr blieben die norwegischen Walfänger mit 429 Zwergwalen zwar weit unter der Quote, jedoch töteten sie viele trächtige Weibchen.
Quellen: Mongabay, OceanCare