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Im Gebiet des Schönaurings sind um 1952 bis 1954 immer wieder zahlreiche kleine Plastikflugmodelle abgestürzt. Alle Abstürze wurden durch Fritz Rickli vom Schönauring 62 in Szene gesetzt. Es handelte sich um ziemlich kleine orangegelbe durchsichtige Plastikmodelle, welche man damals am Kiosk für wenige Rappen kaufen konnte. Sie waren gefüllt mit kleinen, weissen Pfeffermünzkügelchen. Fritz ersetzte nun die Kügelchen durch etwas Brennbares und wenn er wieder einen solchen Bomber präpariert hatte, dann sprach sich das unter den kleinen Buben wie ein Lauffeuer herum. Vorzugsweise geschah das an Mittwoch- und Samstag-Nachmittagen, wenn die Kinder keine Schule hatten.
Fritz demonstrierte dann ein paar Flugrunden, indem er das Modell in der Hand hoch in die Luft hielt und im Kreis herum rannte und mit dem Mund das Motorengeräusch kopierte. Das Modell war mit spiritusgetränkter Watte gefüllt und am hinteren Ende hängte eine kleine Zündschnur, welche er vor dem «Start» anzündete. Beim Kreisen seines Modells sah man hinten ein kleines Fünklein flackern und auch etwas Rauch machte sich bemerkbar. War die Zündschnur fast abgebrannt, dann warf er das Modell im hohen Bogen in eine Richtung, wo keine Kinder standen. Als vorsichtiger Mensch warf er das Modell immer rechtzeitig weg. Eine Sekunde, nachdem das Modell in die Wiese stürzte, gab es einen «Föik» und es entstand ein kleiner Feuerball. Danach wurden die Flammen wieder kleiner und der Plastikrumpf schmolz rauchend und stinkend vor sich hin. Nach dem «Föik» versammelten sich die Buben und manchmal auch ein mutiges Mädchen um den Absturzort und schauten zu, wie das Modell sich fast in Nichts auflöste. Das war ab etwa 1952.
Etwas später hiess es dann, Fritz Rickli werde einen seiner Plastik-Bomber zur Explosion bringen. Ich wusste damals noch nicht genau, was eine Explosion ist, aber man erklärte, dass es einen Knall geben werde und dass das Flugmodell dann in kleine Splitter zerfetzt würde. Auf jeden Fall klang das sehr aufregend. Irgendwann war es dann soweit und Fritz Rickli begann mit seiner Demo. Zugegen waren fast alle Buben und Mädchen der Reihenhäuschen Nr. 42 bis 64 wie Ernst, Martin, Albert, Christine und Süneli Benz, Chläusli Mayer, Felix Jörg, Fredi, René und Ines Weishaupt, Ernst Sigrist, Ruth Sommer mit Schwester, Vreni, Ruth und Bruno Beerli, die Zwahlen-Kinder, Iken oder Erika Grüter und noch ein paar weitere, deren Namen mir entfallen sind. Fritz zog seine Runden und man sah wie gewohnt das Fünklein flackern und ein kleines Räuchlein aufsteigen. Dann warf er das Modell wieder im hohen Bogen fort und noch in der Luft gab es einen Riesenknall. Nur ganz schwach sah man kleinste Splitter davon fliegen.
Nun öffneten sich überall die Fenster und Balkontüren und Frau Benz, Frau Beerli, Frau Zwahlen, Frau Keller, Frau Berger, Frau Jörg, Frau Sommer, Frau Mayer, Frau Rickli und Frau Grüter schauten verwundert zur Kindergruppe, welche begeistert oder verdattert, je nach Alter, die Explosion des Flugmodells besprachen. Fritz war natürlich der Grösste und er genoss es ganz sichtlich, dass sein Unternehmen gelungen war. Aber alle wussten auch: Er tat das nicht um aufzuschneiden, sondern um den Kindern etwas Klamauk zu bieten. Daran hatte er Spass. Nur die Mütter waren damit nicht so recht einverstanden und geboten ihren Kindern, mehr Abstand zu halten, wenn Fritz den nächstem Bomber in die Luft jagte. Es ist noch nachzutragen, dass Fritz Rickli sein kleines Flugmodell mit einem ganz gewöhnlichen Feuerwerks-Schwärmer versah, welcher damals noch etwas ungewöhnlich war und nur 5 Rappen kostete.
1955 zog meine Familie in die Buchwiesen um, so dass ich die Entwicklung der Ricklischen Bomberabstürze nicht mehr weiter verfolgen konnte. Da auch heute noch alle Häuser zwischen Nummer 42 bis 64 unversehrt dort stehen, dürfte Fritz Rickli die Entwicklung der explodierenden Bomber abgebrochen haben. Denkbar gewesen wäre ja auch, dass er den Einbau eines Kanonenkrachers in seine Bomber-Modelle hätte in Betracht ziehen können. Mit der Folge, dass er und sein begeisterter Vater dann wohl ein paar zerbrochene Fensterscheiben hätten zahlen müssen.
Fritz Rickli blieb seinen Plastikflugmodellen sein Leben lang treu. Als ich ihn zwischen 2002 und 2004 ein paar Mal besuchte, stand in seinem Wohnzimmer eine grosse Glasvitrine, in welcher Dutzende von perfekt gebauten Revell-Flugmodelle standen. Es gab auch solche von Airfix, Herpa, Hasegawa und Heller. Mehr darüber siehe unter dem Beitrag Fritz Rickli!