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Heute vor 100 Jahren – im Oktober 1921 erfüllte sich der damals erst 10jährige Schweizerische Polierverband selbst einen Wunsch und hob die erste Monatszeitschrift aus der Taufe. Das 8-seitige Verbandsorgan erschien in Deutsch und Italienisch und kostete im Abonnement 70 Rappen pro Monat. Zentralvorstand und Redaktionskommission hatten dabei klare Visionen, was von der «Schweizerischen Polier-Zeitung» erwartet werden dürfe. Im Zentrum stand schon damals der soziale Gedanke.
TEXT / BILDER: Anita Bucher
J. Meienberger schreibt in der allerersten Ausgabe vom 15. Oktober 1921 folgendes:
«Wir ersuchen nun die Sektionsvorstände über den Verlauf der Monatsversammlungen, in denen über wichtige Traktanden und Vorkommnisse am Sektionsort verhandelt und Beschlüsse gefasst werden, kurze Berichte aufzustellen und uns unverzüglich zuzusenden. Durch die Publikation solcher Berichte im Organe soll bezweckt werden, dass alle Sektionen und Mitglieder sehen, welche Arbeit in anderen Sektionen geleistet und wie dieselbe durchgeführt wird: auf diese Art kann erreicht werden, dass mit der Zeit in die Gesamtarbeit des Verbandes und der Sektionen ein gewisses System hinein kommt, das nur von Nutzen für alle ist.» «Darum auf, Kollegen, arbeitet alle mit durch unser Verbandsorgan, dass der Schweizerische Polierverband zu einem richtigen Gewerkschaftsverbande ausgebaut werden kann, denn nur durch einen solchen können wir das erreichen was für alle von Nutzen ist.»
Erster Vertrag mit Baumeister geschlossen
Bereit in der 2. Ausgabe der Zeitung sind kleine Berichte der Sektionen Zürich, Bern und Zug zu lesen. Seitens der Sektion Zürich wird von einem bedauerlichen Unfall berichtet, bei dem der geschätzte Redakteur J.Meienberger sich auf der Arbeitsstelle das rechte Auge ausgeschlagen habe. Aus Bern weiss man zu berichten, dass die Baumeister Verständnis für die Lohnforderungen zeigten und mit ihnen ein Vertrag geschlossen werden konnte, der für die Maurerpoliere bedeutende Vorteile brächte. Unzufrieden äusserte man sich jedoch über die Zimmermeister, welche auf die Forderungen der Berner überhaupt nicht eintraten und erst auf Anfrage verlauten liessen, dass die Forderungen an einer Sitzung im Mai des kommenden Jahres behandelt werden würden.
V.S.A. und Gesamtarbeitsvertrag
Interessante Informationen finden sich zum Anschluss des Schweizerischen Polierverbandes an die Vereinigung Schweizer Angestelltenverbände. Die V.S.A. kämpfte bereits damals auf höchster Ebene für bessere Arbeitsbedingungen, das zeigt der Abdruck eines Briefes vom 9. Juni 1921 an den Direktor Pfister des eidgenössischen Arbeitsamtes mit der Bitte um Vermittlung mit den Arbeitgebern. Später gelangten Vertreter der V.S.A in der Bundesversammlung durch eine Interpellation an den Bundesrat, wo man ihnen antwortete die Vorarbeiten für den Ausbau der Bestimmungen über den Gesamtarbeitsvertrag seien im Gange und ein erster Entwurf würde durch die vorberatende Stelle den wirtschaftlichen Verbänden zur Vernehmlassung übermittelt.
Gründung einer Pensionskasse: Ein Ding der Unmöglichkeit?
Auf der Traktandenliste der Delegiertenversammlung vom Mai 1921 hatte auch die Bildung einer Alters- und Pensionskasse für den Schweizerischen Polierverband gestanden. In den ersten Monatsmagazinen ist viel von diesen Bestrebungen zu lesen. In der November-Ausgabe druckte man auch das vernichtende Gutachten des Herrn A. Guise, Ingenieur und Mitglied der Studienkommission für Sozialversicherung in der V.S.A. ab. Darin schreibt er unter anderem: «Ihre Kasse würde innert weniger Jahre zu Grunde gehen, da Sie von völlig verschiedenen Altersgruppen ausgehen. Der Gedanke, der hierbei zu Grunde liegt, ist bei weitem kein sozialer. Denn Prämien bezahlen müssten alle Mitglieder, jedoch erreiche naturgemäss nur ein Teil der Mitglieder z.B. das 65. Altersjahr und bekäme so auch eine Auszahlung, allen anderen gingen die gemachten Einlagen verloren, ebenso auch deren Hinterlassenen.» – Seitens Redaktion wird folgender Kommentar dazu abgegeben: «Dieses Gutachten erbringt uns den Beweis, dass unser Zentralverband wohl niemals in die Lage kommt für seine Mitglieder unter den obwaltenden Umständen eine Alters- und Pensionskasse errichten zu können, sei es auf diese oder jene Art.»
Der Weg zum etablierten Verbandsorgan
Es wehte ein rauer Wind damals. Nichtsdestotrotz zeigten sich die Macher der Schweizerischen Polierzeitung kämpferisch. Gerade mal 370 Mitglieder hatte der Verband im Jahr 1921. Und deren grosses Engagement für das neue Verbandsorgan setzte man voraus. Auf der Titelseite der zweiten Ausgabe ist zu lesen: «Der Zentralvorstand muss von allen Sektionen und Mitgliedern verlangen, dass sie unermüdlich arbeiten für die Agitation, sowie für die Gewinnung von Abonnenten ausser dem Verbande. Auch für den Inserateteil sollen die Mitglieder alle Hebel in Bewegung setzen; nur dann wird das Organ allen zur Befriedigung erscheinen.» – Der Aufruf wirkte offensichtlich. Regelmässig gelang es die letzte Seite neben den Versammlungsanzeigen mit Firmeninseraten oder gar ersten Publireportagen zu füllen. Bis im Januar 1925 konnten sogar regelmässig zwei ganze Seiten mit Inseraten gefüllt werden, darunter nicht nur bautechnische. So wurde beispielsweise auch für einen beliebten Bouillonwürfel von Maggi’s geworben oder für eine Unfallversicherungs- A.G. in Winterthur. Und auch humoristisches durfte von Beginn weg nicht fehlen: In jeder Ausgabe finden sich drei bis fünf Witze der damaligen Zeit.
Die Rolle der Verbandszeitschrift
Jos. Meienberger wollte eigentlich Ende 1925 als Redakteur der Verbandszeitschrift zurücktreten. Allerdings wurde er dann vom Zentralvorstand gebeten die Redaktionsgeschäfte bis auf Weiteres dennoch weiterzuführen. Mit grossem Engagement und Leidenschaft baute er in der Folge die Schweizerische Polier Zeitung weiter aus und nahm zum Beispiel die Rubriken «Rechtssache» und «Literatur» in die Zeitung auf. Regelmässig wurden jetzt im Verbandsorgan auch Artikel aus dem «Hochund Tiefbau» abgedruckt, oder etwa eine theoretische Anleitung in 21 Punkten zur Taylorschen Methode ein Ziegelmauerwerk zu erstellen: Dies nicht ohne die Methode zu hinterfragen und zu verbessern. Auf jeden Fall aber gelang das erklärte Ziel des Zentralvorstandes von 1921: Die Vernetzung der einzelnen Sektionen, die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und damit der langsame, dafür nachhaltige Aufbau eines starken Verbandes, der sich heute Baukader Schweiz nennt.