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Eine «griechisch schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen», so charakterisierte Robert Schumann die 4. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Das war lobend gemeint, doch im Zuge der heroischen Beethoven-Rezeption hatte es das B-Dur-Werk immer schwerer, sich gegenüber seinen Schwesterwerken, den pathetisch-trotzigen Nrn. 3 und 5, zu behaupten. Alles ist hier auf klassisches Mass zurückgedrängt, die formale Anlage ebenso wie die thematische Gestalt, das Ganze zudem mit einer ordentlichen Prise Humor gewürzt.
Unterschätzen sollte man die Vierte allerdings nicht. Hinter ihrer freundlichen Fassade versteckt sich nämlich ein ästhetisches Programm, das eine Errungenschaft, die Beethoven von seinen Vorbildern Haydn und Mozart übernommen hatte, auf die Spitze treibt: das Denken in Polaritäten. Jeder Einzelsatz dieser Sinfonie arbeitet dezidiert mit Kontrasten: Moll gegen Dur, Fanfare gegen Melodie (erster Satz), Gesang gegen Marsch (zweiter Satz), Zweier- gegen Dreierrhythmus (dritter Satz), Energie gegen Erstarrung (vierter Satz). Und in allen vier Sätzen prallen diese Gegensätze irgendwann musikalisch aufeinander – nur werden die daraus entstehenden Konflikte, anders als in den Werken tragischen Charakters, rasch wieder beigelegt, abgelöst durch Witz und Überraschungseffekte. Dieser Befund spiegelt sich übrigens in der Entstehungsgeschichte der Vierten, die parallel zur Sinfonie Nr. 5 komponiert wurde, gleichsam als deren Alternative. Nicht immer klopft das Schicksal drohend an die Pforte; manchmal spielt es auch augenzwinkernd Komödie.