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Wird er es tun oder nicht? Wird der russische Präsident Wladimir Putin in der Ukraine Atomwaffen einsetzen? Diese Frage beschäftigt wie keine zweite – eine abschliessende Antwort darauf hat aber wohl nur Putin selbst. Ein schwedischer Wissenschaftler hat in einem selbst verfassten Artikel eine eigene Einschätzung geliefert, wie realistisch ein Atomwaffen-Einsatz tatsächlich ist.
Laut Max Tegmark, wie der Wissenschaftler und Leiter der Non-Profit-Organisation «Future for Life» heisst, vergleicht die Atom-Gefahr mit russischem Roulette. Bei diesem Spiel wird ein Revolver, der sechs Schuss Munition fassen könnte, mit nur einer Patrone gefüllt und die Trommel danach so gedreht, dass die Position der Kugel unbekannt ist.
Europa wird Abspaltung nicht hinnehmen
Gemäss Tegmark stehen die Chancen für den Einsatz von nuklearen Waffen derzeit also eins zu sechs – oder knapp 17 Prozent. Das tönt vorerst nicht nach sehr viel. Der Wissenschaftler glaubt aber, dass diese Zahl je nach Verlauf des Kriegs schnell und drastisch ansteigen könnte. Dass dies bereits geschehen ist, glaubt übrigens auch Elon Musk in einer Antwort auf Tegmarks Artikel:
Nuclear war probability is rising rapidly— Elon Musk (@elonmusk) October 9, 2022
Gewinnt Russland den Krieg zumindest teilweise und entreisst der Ukraine die pro-russischen Gebiete im Donbass endgültig (beziehungsweise diese werden unabhängig), dann würde der Westen, allen voran die USA, dies kaum akzeptieren. Ein gegenseitiges Säbelrasseln wäre die Folge, warnt Tegmark – worauf Russland besonders giftig reagieren würde.
Putin wird sich wehren
Tegmark vergleicht diesen Ausgang mit jenem des Kosovo-Konflikts: Der Balkanstaat löste sich im Jahre 2008 von Serbien los. Der Unterschied ist hier allerdings, dass der Westen – im Gegensatz zu Serbien – den Kosovo als Rechtsstaat grösstenteils anerkannt hat.
Und wenn die Ukraine den Krieg gewinnt? «Ich erachte es als sehr unwahrscheinlich, dass Putin eine Niederlage akzeptieren würde, ohne vorher Nuklearwaffen eingesetzt zu haben», schreibt Tegmark weiter. Damit würde er sich gegen seine drohende Verhaftung oder Ermordung wehren – was ihm im Falle einer Niederlage ziemlich sicher blühen würde, ist sich der schwedische Wissenschaftler sicher.
Here's why I think there's now a one-in-six chance of an imminent global #NuclearWar, and why I appreciate @elonmusk and others urging de-escalation, which is IMHO in the national security interest of all nations: https://t.co/HTKLphcOxG pic.twitter.com/kZtTCVhzZu— Max Tegmark (@tegmark) October 9, 2022
«Da sind beide Seiten wenig kompetent»
Er nennt dieses Szenario «Vietnam»: In diesem ostasiatischen Land kriegten einst die USA gegen die Kommunisten – und mussten eine empfindliche Zerschlagung hinnehmen, so, wie dies derzeit den Russen zu geschehen droht.
Ungeachtet der beiden Ausgangsszenarien befürchtet Tegmark, dass weder Russland noch der Westen, beziehungsweise das Nato-Bündnis, locker lassen werden. Die letztendlich logische Konsequenz: Ein Atomkrieg – «denn beide Seiten sind bei der Deeskalation weit weniger kompetent als bei der Eskalation», schreibt er.
So greifbar nahe ein Atomkrieg scheinen mag – es gibt laut Tegmark auch drei realistische «Friedensszenarien»: Der Experte nennt hier unter anderem den Konflikt zwischen Finnland und Russland, in welchem Waffenruhe herrscht, so, wie sie nach dem Koreakrieg in den 50er-Jahren auch zwischen Süd- und Nordkorea zu sehen war. Doch auch hier gilt das Schema «Aktion-Reaktion»: Solange eine Seite nicht nachlässt, wird es die andere wohl auch nicht.