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Der Traum einer HIV-positiven Frau vom Affen-Christus,
der zugleich auch ein UFO ist
© copyright 1996 Remo F. Roth, Zürich
Den folgenden Traum brachte mir eine Frau in die Praxis, die seit drei Jahren HIV-positiv ist:
Traum vom Affen-Christus-UFO
„Mit meinem Freund stehe ich im Wohnzimmer vor dem Fenster. Plötzlich taucht am Himmel ein riesiger Affe (ich weiss nicht, ob Männchen oder Weibchen) mit seinem Baby auf. Sie baumeln an einem Seil. Sie schwingen sich so durch die Lüfte, wobei mir auffällt, dass diese Affen überdimensional gross sind. Die Beiden kommen immer näher und landen im Garten. In diesem Moment verschmelzen sie und verwandeln sich in die Gestalt des Jesus Christus. Er fällt mir auf durch seine blonden Haare und weil er nur mit einem Lendentuch bekleidet ist. Sein Körper ist nicht gemartert, eher jugendlich-kräftig.“
Bemerkung zum Traum:
„In dem Moment, als ich den Traum aufschrieb, hörte ich im Radio zufällig eine Meldung, dass irgendwo ein UFO gelandet ist. Dabei überfiel mich eine tiefe innere Überzeugung – ich weiss nicht warum – , dass diese Transformation des Affen in Christus einerseits und die UFO-Meldung andererseits zusammengehören, daher schrieb ich mir dieses Ereignis als Randbemerkung zum Traum hin. Das Seltsame dabei ist, dass ich mich bis jetzt überhaupt noch nie für UFOs interessiert habe, ich bin vor allem kein ‚Freak‘ oder keine ‚UFO-Gläubige‘. Diese Einsicht des Zusammengehörens von Affen-Christus und UFO kam für mich völlig überraschend, aber ich weiss seither instinktiv, dass dies wahr ist.“
Wie gesagt, ist die Träumerin seit drei Jahren HIV-positiv. Es handelt sich bei ihr um eine intellektuell sattelfeste Hochschulabsolventin, die gewohnt ist, rationale Entscheide zu fällen. Nie hätte sie bis zum Zeitpunkt dieses Traumes gedacht, dass sie etwas mit UFOs am Hut haben könnte.
Sie war zudem äusserst überrascht, dass ihr dieser Zusammenhang zwischen dem Affen-Christus und dem UFO von innen her aufgedrängt wurde. Aus tiefenpsychologischer Sicht ist dazu zu sagen, dass das sogenannte Unbewusste trotz seines Namens ein Wissen besitzt, welches unsere bewussten Kenntnisse weit übersteigt. Daher hat C.G. Jung diese Eigenschaft des kollektiven Unbewussten (der Weltseele) dessen (deren) vorbewusstes Wissen genannt. Die therapeutische Erfahrung zeigt, dass über Träume und sogenannte Synchronizitäten (sinnähnlichen Geschehnissen zwischen innen und aussen) eben dieses vorbewusste Wissen in das Bewusstsein eindringen will. Wir können daher hypothetisch davon ausgehen, dass uns hier von einer „übermenschlichen“ Instanz nahegelegt wird, dass offensichtlich das HIV mit einem „Affen-Christus“ einerseits, andererseits aber mit dem UFO-Phänomen zusammenhängt.
Während wir uns unter den Begriffen UFO und HIV alle einen mehr oder weniger umschriebenen Inhalt vorstellen können, benötigt das Symbol des Affen-Christus noch eine Deutung. Um dieses Symbol zu verstehen, müssen wir jedoch den ganzen Traum deuten.
Deutung des Traumes:
Als erstes wird auch dem Leser sofort der Riesenaffe King Kong einfallen. Dieser wird aber immer wieder in einen Zusammenhang mit UFOs gebracht. Damit ergibt sich hier ein erster Zusammenhang.
Dieser Affe baumelt mit seinem Jungen an einem Seil vom Himmel herunter. Hier wird ebenfalls jedermann Tarzan assoziieren. Tarzan ist aber der „Tiermensch“, das heisst eine archaische Seite in uns, welche der Instinktwelt noch viel näher ist, als wir hochgezüchteten Intellektuellen. Offensichtlich spricht der Traum von diesem Tiermenschen in uns, der transformiert werden soll.
Der Affe selbst stellt ein Symbol unseres physischen Körpers dar, denn gemäss der herrschenden Theorie stammen wir Menschen von diesem ab, und wir besitzen sogar zu 99 % die gleichen Chromosomen wie die Schimpansen. Somit soll gemäss Traum sowohl unsere Instinkt- oder Triebsphäre als auch unsere physischer Körper Ausgangspunkt dieser Transformation sein.
Das Kind bedeutet in Träumen im allgemeinen einen Zukunftsaspekt. Dass dieses vor der Transformation vorerst mit einem Elternteil verschmilzt, zeigt, dass eben diese Transformation ein zukünftiges Geschehen darstellen wird. Da der Traum ein sogenannter archetypischer Traum ist, gilt dessen Inhalt und Sinn nicht nur für unsere Träumerin, sondern für weite Teile der zukünftigen Menschheit überhaupt. Mit anderen Worten: In diesem Traum ist ein Geschehen geschildert, welches die Menschheit in nicht allzu ferner Zukunft überfallen wird, sofern sie nicht bewusst versteht, was ihr bevorsteht.
Die beiden Affen kommen vom Himmel, wie die UFOs. Nun sind wir uns aber aus unserer christlichen Tradition gewohnt, dass vom Himmel der christliche Gott oder das Göttliche ganz allgemein kommt. Der Traum korrigiert nun diesen Glauben und sagt uns, dass von oben etwas übermenschlich Tierhaftes in unsere Welt hinuntersteigt. Wichtig ist hier, dass die Bewegungsrichtung von oben nach unten ist, das heisst, dass wir auch in unserer bewussten Haltung aus unserer intellektualisierenden Haltung aussteigen und zu unserer Trieb- und Instinktsphäre und Körperhaftigkeit zurückfinden müssen.
Die Affen verschmelzen und transformieren sich eben in dem Moment, wo sie den Boden berühren. Der Boden gilt in der Traumdeutung im allgemeinen als ein Symbol der Berührung mit der Wirklichkeit („er hat Boden unter den Füssen“).
Würde der Traum hier enden, müsste man sagen, dass diese Frau offensichtlich ihre Instinktivität hemmungslos leben sollte, ja, dass es sogar zu ihrer spirituellen Entwicklung gehört, sich beispielsweise einer extensiven Sexualität hinzugeben. Dies deshalb, weil diese Affen vom Himmel kommen, somit also göttlichen Ursprungs sind.
Doch bei der Berührung mit dem Boden, das heisst, beim Ausleben der Instinktivität, ereignet sich nun ein Wunder: Der Affe transformiert sich in Jesus Christus, den christlichen Gottmenschen. Nun gilt Christus ganz allgemein als der Logos, d.h. der vergeistigte Mensch. Der Traum sagt uns also, dass eben aus der Instinkt- und Triebsphäre heraus der neue Gottmensch und damit ein neues Gottesbild entstehen wird. Für einen Christen ist dies natürlich starker Tabak! Aber das vorbewusste Wissen der Weltseele scheint darauf zu bestehen, wie mir viele weitere archetypische Träume von Klientinnen und Klienten bestätigen.
Doch worin liegt nun diese geplante Transformation? Wie können wir Menschen diese in unserem empirischen Leben umsetzen? Und wie soll dies alles mit dem UFO-Phänomen zusammenhängen?
Eben diese Frage konnte ich lange Zeit nicht beantworten, bis die Klientin mit Träumen in meine Praxis kam, welche betonten, dass der Zeitpunkt gekommen war, mit der von mir entwickelten Symptom-Symbol-Transformation (SST) zu beginnen.
Eine SST beginnt in der Regel mit einer meditativen Übung, welche bewirkt, dass die Klienten aus der Identifikation mit dem Kopfgehirn aussteigen und in den Bauch kommen können. Ich sah daher plötzlich, dass diese Bewegung der Affen von oben nach unten diesem Bemühen entsprechen könnte, vom Kopf in den Bauch zu gelangen, um dann mit einer Imagination zu beginnen.
Während ihrer ersten SST, die sie emotional tief beeindruckte, entdeckte meine Klientin zu ihrem grossen Erstaunen ein Energiezentrum in ihrem Bauch. Der weitere Inhalt der Imagination soll uns hier aber nicht weiter beschäftigen. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang die Beantwortung der Frage, wie die Reaktion des vorbewussten Wissens des kollektiven Unbewussten auf diese erste Visualisierungssitzung ausgefallen war. Mit anderen Worten: Was träumte die Klientin nach dieser Sitzung? Eben diesen Traum wollen wir uns im folgenden nun ansehen:
Traum vom UFO am Üetliberg:
Ich bin in einem Zug auf dem Weg zum Üetliberg in Zürich, zusammen mit Kollege I. (einem Türken). Plötzlich sind wir am Fuss des Berges und es geht einen ganz steilen Abhang hinauf. Doch ich realisiere plötzlich, dass wir uns ohne Anstrengung bewegen, keine Energie brauchen, um den Berg hinaufzukommen. Dies deshalb, weil wir auf einer Art fahrbarem Untersatz sind, einer Art Metallgestell. Ich sitze dabei auf den Knien von I.
Wir kommen nun oben auf einer Hochebe an. Dort nimmt uns ein Car auf, der noch höher hinauf fährt. Dieser Car fährt dabei eine seltsame Kreuz- und Querbewegung. Er verwandelt sich dann in eine Art Sessellift, und auch mit diesem fahren wir extrem schnelle, kurze Zick-Zack-Strecken, die alle in die Höhe führen.
Assoziationen:
Üetliberg:
„Dazu habe ich eigentlich fast keine Beziehung. Das Einzige, was mir einfällt ist ein Mann, den ich flüchtig kannte. Er arbeitete dort bei der Fernmeldeanlage der Swisscom. Ich weiss von ihm, dass er und seine Frau mit einem befreundeten Ehepaar Partnertausch praktizierten.“
Kollege I.:
„Er ist Türke und Muslim. Zu ihm habe ich eine seltsame, ungeklärte Beziehung. Ich weiss, dass mich etwas an ihm fasziniert, doch weiss ich andererseits, dass ich zu ihm auf Distanz gehen muss. Remo Roth würde wahrscheinlich sagen, dass ich etwas in ihn projiziere.“
Fahrbarer Untersatz bzw. Metallgestell:
„Das war ein seltsames Erlebnis! Als ich mich nämlich fragte, was diese Maschine sein könnte, fiel mir zuerst UFO ein, und dazu natürlich der Traum vom Affen-Christus. Sofort kam aber eine zweite Assoziation: Diese Maschine habe ich in meinem Bauch, und sie entspricht jenem Energiezentrum, welches ich in der Visualisierung im Bauch spürte. Diese mir ungewohnte, aber irgendwie aufgedrängte Koppelung der zwei Assoziationen verwirrte mich, wie schon die Verbindung des Affen-Christus mit dem UFO im früheren Traum. Aber etwas in mir sagt, dass diese stimmt, das heisst, dass dieses Gefährt im Traum sowohl einem UFO als auch diesem Energiezentrum im Bauch entspricht.“
Deutung des UFO-Traumes:
Der Üetliberg bei Zürich wurde schon von den Kelten besiedelt. Dieses Volk verfügte über ein geheimes Wissen, welches nur mündlich überliefert wurde und daher verlorengegangen ist. Es scheint, dass dieses Wissen eng mit dem von C.G. Jung entdeckten Prinzip der Synchronizität zusammenhängt. Diese wiederum gehört zu einer Welt, welche der heutigen kausalen Weltanschauung entgegengesetzt ist und dem Prinzip des Eros (im weitesten Sinn!) gehorcht, während unser Zeitgeist vom Logos geprägt ist (Kausalität, Aggressivität). Zum Prinzip des Eros gehört aber der Sexualinstinkt, so wie die Aggression zum Logos (vgl. dazu mein Buch Die Gottsucher – Eine Vereinigung der christlichen Mystik und der Quantenphysik in der Synchronizität C.G. Jungs) Der Traum sagt also, dass in der Träumerin die Welt des Eros (= Beziehung von allem mit allem; physikalisch: Prinzip der Nichtlokalität (Einstein-Podolsky-Rosen-Paradox))aktiviert worden ist.
Der buddhistische und der hinduistische Tantrismus lokalisieren diesen Instinkt im zweiten Chakra (von unten; vgl. Abb.), im svadhisthana. Eben dieses Zentrum – welches sich unter dem Solarplexus, ungefähr zwei Fingerbreit unter dem Bauchnabel befindet – war in unseren Sitzungen immer wieder ein Thema, da meine Klientin dieses seit einiger Zeit ziemlich intensiv spürte.
Gemäss der Assoziation der Träumerin hat der Üetliberg aber auch mit der Fernmeldetechnik einerseits, andererseits mit dem Partnertausch ihres Bekannten zu tun. Wie könnten diese auf den ersten Blick unabhängigen Dinge zusammenhängen?
Die Doppelbeziehung zwischen zwei Männern und zwei Frauen spielt in der Psychologie C.G. Jung eine grosse Rolle. Sie stellt ein Symbol einer vollständigen Ehe dar, indem nämlich der Mann mit seiner „inneren Frau“, der Anima, und seine Ehepartnerin mit ihrem „inneren Mann“, dem Animus, ebenso verheiratet sein sollte, wie mit dem realen Partner. Nur eine Beziehung zur Anima bzw. zum Animus kann des öfteren die tiefsten Beziehungsprobleme lösen, die heute in so unglaublich grossem Mass konstelliert sind.
In unserem Zusammenhang bedeutet der Üetliberg somit eben dieses Problem. Dessen Lösung besteht im Fall meiner Klientin in der Anwendung und Verfeinerung der Imaginationstechnik. Diese bedeutet eine Beziehung zu ihrem „inneren Mann“, der auch in ihren Träumen immer als ganz archaisch beschrieben wird, eben als „Tiermensch“. [Bemerkung von 2011: Heute bezeichne ich diese innere Gestalt als die Weltseele, welche letztlich hermaphroditisch, also männlich-weibliches Doppelwesen ist.] Wenn meine Klientin also eine Beziehung mit ihrem „Bauchhirn“ aufnehmen und diese pflegen kann, werden sich auch ihre Beziehungsprobleme mit der Zeit lösen.
Doch was soll in diesem Zusammenhang die Fernmeldetechnik? Meine Klientin träumte immer wieder von einem magischen TV-Apparat, und es zeigte sich mit der Zeit, dass sie über eine ausgesprochene telepathische Fähigkeit – eben die „tele-vision“ – verfügt. Tatsächlich gehört im Tantrismus die bewusste Erfahrung der Telepathie zur „Öffnung“ des zweiten Chakras, des svadhisthana. Der Fernmeldeturm bedeutet somit jenen Ort im Körper meiner Klientin, in welchem die Telepathie umgesetzt wird, das heisst das svadhisthana.
Damit sind wir aber mitten in die UFO-Phänomenologie hineingeraten. Menschen, die UFO- und Entführungserfahrungen besitzen, beschreiben die Beziehung zu den UFOnauten fast ausschliessich mit dem Wort Telepathie. Wir verstehen nun, warum unsere Träumerin zu diesem „fahrbaren Untersatz“ einerseits ein UFO, andererseits dieses Energiezentrum in ihrem Bauch assoziierte: Das UFO trägt diese HIV-positive Frau in ihrem Bauch, und zwar in jenem Energiezentrum, welches die Tantristen svadhisthana nennen!
Auch der weitere Verlauf des Traumes wird nun verständlich. Die Zick-Zack-Bewegungen sind typisch für ein UFO und die Tatsache, dass die Träumerin kaum Energien braucht, um den Berg hinaufzukommen, zeigt eben, dass sie von dieser „UFO-Energie“ getragen wird. Wie ich an einem anderen Ort zeige, entspricht diese der magischen Energie der psychophysischen Realität (oder des von C.G. Jung so genannten unus mundus). Diese magische Energie wird aber eben durch die von mir vorgeschlagene Symptom-Symbol-Transformation aus dem Bauch befreit. Man kann daher auch schliessen, dass die Symptom-Symbol-Transformation einer introspektiven Beziehung zu einem inneren UFO-Phänomen entspricht.
Aufgrund der Deutung des zweiten Traumes lässt sich nun auch die Transformation des Affen in Christus verstehen. Offensichtlich wird damit ein Vergeistigungsprozess der Triebhaftigkeit beschrieben, der mit Hilfe der von mir vorgeschlagenen Symptom-Symbol-Transformation stattfindet. Das Resultat besteht für meine Klientin dann in einer Beziehung zu ihrem „inneren Mann“, welcher sich durch das Bemühen der Träumerin vom Tiermenschen zum Gottmenschen, das heisst in ein neues Gottesbild gewandelt hat. Dass dieses dem Gottesbild der Zukunft entspricht, zeigt dessen jugendliche Gestalt, welche die „ewige Jugend“ und damit die von Paracelsus postulierte vita longa, das lange Leben, symbolisiert.
Die Träumerin ist HIV-positiv! Doch offensichtlich verhilft ihr die SST zu neuer Lebensenergie, und diese bedeutet zugleich eine individuelle, introvertierte Bewältigung des kollektiven UFO-Problems.