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Das Klima der Schweiz ist im Wandel begriffen. Die Szenarien zur Klimaänderung in der Schweiz ermöglichen es, die Klimaentwicklung im 21. Jahrhundert zu beurteilen. Sie zeigen erwartete Änderungen von Temperatur und Niederschlag für unterschiedliche Annahmen über den künftigen weltweiten Ausstoss an Treibhausgasen. Unabhängig von den Annahmen dürften bis Ende des Jahrhunderts die Temperaturen in allen Regionen und Jahreszeiten ansteigen.
Klimaszenarien
Die heute aktuellen Klimaszenarien haben Schweizer Klimaforscher unter der Leitung von ETH Zürich und MeteoSchweiz im Rahmen der Initiative «Szenarien zur Klimaänderung in der Schweiz CH2011» erarbeitet. Die 2011 veröffentlichten Ergebnisse fassen den neusten Stand über die Klimaänderung der Schweiz zusammen; alle damals verfügbaren relevanten Studien sind in die Modellrechnungen eingeflossen. Die zu erwartenden Entwicklungen von Temperatur und Niederschlag werden für die drei Regionen Nordostschweiz, Westschweiz und Südschweiz gezeigt.
Entwicklung der Frühlingstemperaturen in der Nordostschweiz
Den Kern der Klimaszenarien bilden die zu erwarteten künftigen Klimaänderungen, jeweils bezogen auf den Durchschnittswert des Referenzzeitraums 1980-2009. Diese Änderungen werden für drei Szenarien der Treibhausgasemissionen und für drei Zeiträume angegeben, wobei die farbigen Balken die Unsicherheitsbereiche aufzeigen. Für das Szenario A2 (starker Anstieg der Treibhausgasemissionen) ist zum Beispiel in der Periode von 2070-2099 mit einer durchschnittlichen Temperaturzunahme von 2,2-4,3 °C zu rechnen (violetter Balken). Im Mittel beträgt diese Zunahme 3,2 °C, dargestellt durch den kleinen schwarzen Strich in der Mitte des Balkens. Im Gegensatz dazu nimmt die Durchschnittstemperatur beim Szenario RCP3PD (Reduktion der Treibhausgasemissionen) in der gleichen Periode nur um 0,7-1,7 °C zu (gelber Balken).
Vom Beginn der Messreihe bis zur Gegenwart zeigen die roten und blauen Balken die beobachteten jährlichen Abweichungen der Temperatur vom Referenzwert. Die schwarze Linie entspricht dem laufenden Durchschnittswert über jeweils 30 Jahre. Der grau schattierte Bereich gibt die Spannweite der jährlichen Abweichungen an, wie sie die Klimamodelle für das Emissionsszenario A1B simulieren. Das Beispiel zeigt, dass diese Abweichungen sowohl in der Vergangenheit wie in Zukunft gross ausfallen können. Positive wie auch negative jährliche Schwankungen um die errechneten 30-Jahres-Mittelwerte werden nach wie vor Teil des zukünftigen Klimas sein.
Gegen Ende des 21. Jahrhunderts hängt das Klima der Schweiz massgeblich von der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre ab. Emissionsszenarien sind plausible Entwicklungspfade zum zukünftigen Ausstoss von Treibhausgasen. Abhängig davon, wie sich die gesellschaftlichen, ökonomischen, und technologischen Bedingungen verändern, können sich die Emissionen unterschiedlich entwickeln.
Die Klimaszenarien CH2011 werden für folgende drei Pfade des globalen Treibhausgasausstosses errechnet; dabei werden keine Aussagen zur Eintrittswahrscheinlichkeit dieser Pfade getroffen:
- A2: starker Anstieg (stetige Zunahme der Treibhausgasemissionen bis 2100)
- A1B: moderater Anstieg (Zunahme der Treibhausgasemissionen bis 2050, dann leichte Abnahme)
- RCP3PD: Reduktion (Verminderung der Treibhausgasemissionen bis 2100 auf den Stand von 1900)
Die beiden Szenarien A1B und A2 gehen von keinen expliziten internationalen Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen aus. Demgegenüber steht RCP3PD für ein Szenario, das entschlossenes, koordiniertes Handeln vorsieht, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Damit liesse sich die globale Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Temperaturniveau auf 2°C beschränken.
Der Blick in die Zukunft
Es ist zu erwarten, dass das Schweizer Klima im Lauf des 21. Jahrhunderts signifikant vom heutigen und vergangenen Zustand abweichen wird. Die Mitteltemperaturen werden sehr wahrscheinlich in allen Jahreszeiten um mehrere Grade ansteigen. Beim moderaten Szenario A1B muss bis Ende des 21. Jahrhunderts in allen betrachteten Regionen mit einer Erwärmung von 2,7-4,1 °C gegenüber dem Vergleichszeitraum 1980-2009 gerechnet werden (schwarze horizontale Linien in der Grafik); die mittlere Niederschlagsmenge im Sommer dürfte um 18-24 % abnehmen. Beim Szenario A2 wird eine jährliche Temperaturzunahme um 3,2-4,8 °C erwartet, die Niederschlagsmenge im Sommer dürfte um 21-28 % abnehmen.
Mit dem Stabilisierungsszenario RCP3DP würde sich das Schweizer Klima in den nächsten Jahrzehnten weniger stark ändern. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wäre mit einer mittleren jährlichen Erwärmung von 1.2-1.8 °C zu rechnen, was etwa der beobachteten Erwärmung zwischen 1864 und 2010 entspricht. Im Sommer ist mit einer Abnahme der Niederschlagsmenge um 8-10 % zu rechnen.
Extremereignisse
Es ist von häufigeren, intensiveren und länger anhaltenden Wärmeperioden und Hitzewellen im Sommer auszugehen, während die Zahl der kalten Wintertage und -nächte vermutlich abnehmen wird. Projektionen der Häufigkeit und Intensität von Niederschlagsereignissen sind mit grösseren Unsicherheiten behaftet, markante Änderungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Zusätzlich wird eine Verschiebung von Schnee zu mehr Regen erwartet, was das Überschwemmungsrisiko insbesondere in niedrigen Lagen vergrössern würde. Zu Änderungen von Sturmwinden und hochkomplexen Extremereignissen wie Hagel oder Tornados sind zum jetzigen Zeitpunkt keine fundierten Aussagen möglich.
Neuberechnung der Schweizer Klimaszenarien
Basierend auf neuesten Klimasimulationen über Europa und unter Einbezug von aktuellsten Erkenntnissen aus der Wissenschaft werden im Rahmen von CH2018 neue Klimaszenarien berechnet. Diese neuen Szenarien werden im Jahr 2018 publiziert und lösen die heute aktuellen Szenarien aus dem Jahr 2011 ab.