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Ein naturhafter, gesunder, sinnenhaft-vitaler Mensch schreibt keine Romane. Er lebt sie.» Was der Luzerner Josef Vital Kopp 1958 dem Freund und Professor Karl Fehr schrieb, erinnert verdächtig an Heinrich Federers «Was ich umsonst ersehnte, das wollte ich wenigstens in der Phantasie haben», und tatsächlich gibt es zwischen den zwei katholischen Erzählern eine ganze Menge Parallelen. Beide sind von der Mutter zum Priestertum gedrängt worden, ergriffen dann aber, obwohl geistlichen Standes, Berufe ausserhalb des klerikalen Machtbereichs: Federer als Journalist, Kopp als Mittelschullehrer. Und beide fanden schliesslich, während ihnen das Priestertum immer deutlicher auch zur Belastung wurde, in der Schriftstellerei die eigentliche Berufung. Im Jahr 1958 war Kopp, das deutet der Brief an, als Autor in eine Krise geraten. Alles, was er bis dahin geschrieben hatte � «Sokrates träumt» (1946), «Brutus» (1950) und «Die schöne Damaris» (1954) �, war in antikes Gewand gehüllt, obwohl er damit seiner eigenen Zeit zu Leibe rücken und dem Chaos, das er heraufziehen sah, humanistische Bildung, christliche Ethik und eine oligarchische Form von Demokratie als Bollwerk gegenüberstellen wollte. Mit «Die Launen des Pegasus» verliess Kopp nun zwar 1958 den antiken Schauplatz, neue Inhalte aber vermochte er nicht zu liefern. Erst 1961, mit «Der sechste Tag», schrieb er dann ein wirklich zeitgenössisches, «modernes» Werk. Wie nie zuvor erzählt Kopp in diesem Roman frisch und ungekünstelt, setzt seine Kindheit in Beromünster aber dennoch so eindrucksvoll in Bezug zum Erwachsensein und zum Tod, dass aus der persönlichen Erfahrung etwas zeitlos Gültiges entsteht. Man spürt die Wandlung, die Kopp kurz zuvor durchmachte, als der Ausbruch einer unheilbaren Krankheit ihn ganz auf sich selbst zurückwarf. Auch erschütterte damals die Begegnung mit dem französischen Jesuiten Teilhard de Chardin sein konservatives Weltbild und machte ihn zum Befürworter der kirchlichen Erneuerung im Sinne des Konzils von 1962 bis1965. So erstaunt es nicht, dass der Priesterroman «Die Tochter Sions» (1966) mit der Amtskirche hart ins Gericht geht und einem unorthodoxen Katholizismus das Wort redet. Kopps eigentliches Vermächtnis aber ist der posthum erschienene Roman «Der Forstmeister»: In einer immensen Verwaltungsbürokratie � es geht um Bäume, nicht um Seelen! � wird ein zunächst unbeirrt, ja fanatisch pflichtgetreuer Funktionär am starren überlieferten System allmählich irre, leitet schmerzliche, aber notwendige Reformen ein und findet, während das Beispiel Schule macht, in Erfüllung seiner Pflichten den Tod. Zu den bewegendsten Geheimnissen des Romans gehört dasjenige der Briefeschreiberin «a». Sie stellt der Diktatur der Theorie die Anarchie der Liebe entgegen und trägt wesentlich zur inneren Wandlung des Forstmeisters bei. Wenn man weiss, dass sich hinter dieser Figur die Wald-Künstlerin Annemarie von Matt (1905�1967) verbirgt, mit welcher Kopp lange Zeit eine heimliche Liebe verband, so macht einem das Buch auf schamhaftdiskrete Weise klar, dass sein Leiden am Priestertum keineswegs bloss theologisch, sondern durchaus auch menschlich-existenziell begründet war.