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Anfangen hat alles mit den Beach Boys. Ihr Hit «Good Vibrations» machte den Ausdruck «Good Vibes» in den 1960er-Jahren populär. Der englische Begriff ist eine Kurzform von «Vibration». Er bezieht sich auf das «Vibraphone», ein xylophonähnliches Instrument, das durch Vibrationen Klänge erzeugt.
Auf Deutsch bedeutet «Vibe» so viel wie «Atmosphäre» oder «Stimmung». Wer unter ein Foto mit farbigen Blättern den Hashtag «Herbstvibes» setzt, bringt damit zum Ausdruck, dass sie oder er die Herbststimmung fühlt.
Es zählt der Wiedererkennungseffekt
Der «Vibe» bezeichnet etwas Typisches, das Wiedererkennungseffekt besitzt. Buntes Laub etwa ist charakteristisch für den Herbst. Auch Playlists auf Spotify, Restaurants oder Bücher lassen sich nach einem bestimmten «Vibe» sortieren.
Wer jedoch nachfragt, was damit genau gemeint ist, bringt das Gegenüber oft in Erklärungsnot. Der «Vibe» ist schliesslich etwas, das man fühlt. Damit lässt sich etwas benennen, ohne es genau beschreiben zu müssen – oder zu wollen. «Auf dieser Party sind bad Vibes» beispielsweise.
Der «Vibe» weist darauf hin, dass unsere Umwelt Einfluss auf uns nimmt. Walter Benjamin verwendete zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Begriff der «Aura» für die Wirkung eines Kunstwerks. In den 1990er-Jahren schrieb der Philosoph Gernot Böhme von den «Atmosphären», die von unserer Umwelt ausgehen, auch von Kleidern, Zimmerpflanzen oder Kaffeetassen. Klar, dass sich der «Vibe» auch kapitalistisch vermarkten lässt.
Von der Romantik zur Quantenphysik
Die Interpretation von Stimmungen zwischen Menschen und Dingen, Tieren oder dem Universum an sich, ist aber nicht neu. Die Vorstellung einer belebten Umwelt findet sich in vielen Religionen und Kulturen.
Die Romantikerinnen und Romantiker waren zum Beispiel überzeugt, dass wir mit der Welt «viben», wenn wir nur richtig zuhören. Schon der englische Autor Oscar Wilde lässt in seinem Stück «The Importance of Being Earnest» eine Figur sagen, dass der Name Jack keine «vibrations» produziere.
Der «Vibe» knüpft also an verschiedene Felder an, von der Philosophie bis zur Quantenmechanik, nach der sowieso die ganze Materie auf unserem Planeten ständig vibriert. Mit den Hippies wurden die «Good Vibrations» auch politisch. Durch Frieden und Liebe zwischen den Menschen sollte die Welt zu einem besseren Ort werden.
Heute haben Achtsamkeit und Rücksicht auf die Gefühle des Gegenübers Hochkonjunktur. Das macht den «Vibe» zum Begriff der Stunde. Der Wunsch nach «Good Vibes only» ist auch die Folge einer Welt, die zurzeit eher «Bad Vibes» ausstrahlt.
Revival der Astrologie
In den Sozialen Netzwerken lässt sich der «Vibe» für alles Mögliche einsetzten. Dabei bietet er auch Hand für esoterische Deutungen. Ein Beispiel ist das Revival der Astrologie in den Sozialen Medien: Unter dem «#Libravibes» finden sich Memes, die eine typische Stimmung des Sternzeichens Waage beschreiben sollen.
Mit dem Begriff lässt sich auch politisch agieren. Der «Vibe Check» fragt nach der politischen Einstellung einer Person oder Partei zu einem bestimmten Thema. Ebenso kann er für eine liebevolle Umarmung oder – als ironische Bezeichnung – für einen unerwarteten Schlag in die Magengrube stehen. Das sagt zumindest der Urban Dictionary. Der «Vibe» der Internetkultur ändert sich eben schnell.