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Im Vergleich zum Jahr 2014 sind die Exportpreise für Milch massiv tiefer im 2015. Für den Michpreis der Bauern bedeutet dies, dass sie im Herbst 2015 einen Basispreis von 3,85 NZ-Dollar erhalten im Gegensatz zu 8,60 im Februar 2014. Mit der Dividende, die Fonterra den Genossenschaftern pro Kilogramm auszahlte stieg dieser Milchpreis sogar auf 8,70. Viele neuseeländische Milchbauern haben zurzeit mit dem niedrigen Milchpreis zu kämpfen.
Bauern müssen zusätzliche Kredite aufnehmen
Der Branchenverband Dairy NZ beziffert den kostendeckenden Milchpreis für Neuseeland auf rund 5 Dollar (pro kg Inhaltstoff), um Betriebskosten, Zinszahlungen, Steuern und Arbeitsverdienst der Familie zu decken. Laut Schätzungen von Dairy NZ wird der Milchpreisrückgang für die Produzenten zu einem Einkommensverlust von rund 2,5 Milliarden NZ-Dollar (1,7 Mrd. CHF) führen, und die Wirtschaft im ländlichen Neuseeland weiter schwächen. Tim Mackle, CEO von Dairy NZ geht davon aus, dass wegen der Krise Krise gegen 90 Prozent der neuseeländischen Milchbauern zusätzliche Kredite aufnehmen müssen, um die Einnahmenrückgänge zu überbrücken.
Er betont, die Milchfarmer könnten nicht einfach in die Mutterkuhhaltung oder Rindermast wechseln, um die Verluste der Milchproduktion zu verringern. Das hänge vor allem an dem Kapital, das sie in Betrieb, Maschinen und die Ausrichtung des Betriebes investiert hätten. Es gäbe immer Möglichkeiten, effizienter zu wirtschaften und die Bauern arbeiteten daran. Grundsätzlich wechseln sie kaum ihre Produktionsweise von Milch auf Fleisch, gemäss Branchenverband.
400 Kühe pro Betrieb
Monica McQueen, Marketing Manager bei Dairy NZ sagt, dass die meisten Milchfarmen in Neuseeland Familienbetriebe sind und rund 400 Kühe halten im Durchschnitt. Die Profitabilität hänge stark vom Milchpreis und dem Wetter ab und ändere sich von Jahr zu Jahr, betont McQueen. "Alle Betriebe hängen, wenn auch zu unterschiedlichen Graden, vom Grasanbau ab, da 90 Prozent des Futters aus Weidegras besteht. Die Faktoren, die am meisten die Profitabilität verschiedener Farmen innerhalb einer Saison beeinflussen, sind gute Managementfähigkeiten und die richtigen strategischen Entscheidungen."
Um diese zu fördern betreibt der Branchenverband ein System von ausgewählten Beispielfarmen, sogenannten Fokusfarms. Eine Dairy NZ-Fokusfarm ist ein kommerzieller Betrieb, in dem Ziele, Beobachtungen und strategische Entscheidungen von einer Führungskommission getroffen werden. Die Ergebnisse der Forschung werden dann den Milchproduzenten vorgestellt. Oftmals konzentrieren sich diese Farmen auf regionale Themen und Herausforderungen, z.B. Wirtschaftlichkeit, Reproduktion der Milchviehherde, Grasmanagement, Nachhaltigkeit und Umweltschutz.
Leidenschaft - der Erfolgsfaktor Nr. 1
Sue und David Fish sind Milchproduzenten in Morrinsville in der wichtigsten Milchregion, Waikato bei Hamilton auf der Nordinsel. Sie betreiben drei Farmen mit 1'270 Milchkühen und 458 Hektar Grünland. Sie halten die Rassen Jersey und Holstein und Kreuzungen derselben. Da sie ihre Milch an den regionalen Verarbeiter Tatua liefern, der wertschöpfungsstarke Produkte herstellt, erhalten sie noch einen Preis von 7,10 NZ-Dollar. Bei reinen Produktionskosten von 3,80 Dollar auf ihrem Betrieb können so Mittel für die Expansion der Farm angelegt werden.
Beim Besuch auf dem Hof sagen sie, dass Kollegen zum Teil nur 2,20 NZ-Dollar erhalten hätten, das sei bedenklich. Dairy NZ sagt, der Unterschied beim Milchpreis von Verarbeiter zur Verarbeiter basiere auf den Nettoeinnahmen, die jeder für die verarbeitete und verkaufte Milch erzielt. Diese variieren meist nicht zu stark, da die Verarbeiter auf dem Weltmarkt miteinander im Wettbewerb stehen. Tatua als kleiner Spezialitätenhersteller mit hoher Wertschöpfung bildet da eine Ausnahme. Glücklich kann sich der Produzent nennen, der hier Milch liefern darf.
50'000 Fr. pro ha Weideland
Sue Fish ist ursprünglich in England aufgewachsen und ist vor 20 Jahren in die Milchproduktion in Neuseeland eingestiegen. Sie sagt: "Wir haben eine Leidenschaft für die Milchproduktion und lernen täglich dazu Dinge besser zu machen." Diese Überzeugung und wirtschaftlicher Erfolg führten dazu, dass der Hof in den letzten Jahren laufend vergrössert werden konnte und Land hinzugekauft wurde.
Derzeit kostet ein Hektar Weideland in der Region 50'000 CHF. David Fish meint, "Alles, was wir auf dem Hof machen versuchen wir besser zu machen, als im Vorjahr. Wir sind flexibel und wollen mit dem Wandel gehen und von Fortschritten auf allen Ebenen profitieren."