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| Johannes Flemming, Geschichtliche Untersuchungen. In: Ein jüdisch-christliches Psalmbuch aus dem ersten Jahrhundert, aus dem syrischen übersetzt von J. Flemming, herausgegeben von Adolf von Harnack (TU 35/4), Leipzig 1910.

Geschichtliche Untersuchungen
Zusatz.
Will man es unternehmen, bei der Kritik dieser Oden ohne die Annahme von Interpolationen auszukommen, so muß man es mit der Hypothese versuchen, die Oden stammten aus der Zeit um d. J. 200 und zwar aus einem heidnischen Kultverein, der starke Einflüsse von dem Judentum und Christentum erhalten habe. Allein dagegen spricht, (1) daß dann die Aufnahme der Oden in das A. T. zu einem vollkommenen Rätsel wird, (2) daß die Beziehung auf die kanonischen Psalmen nicht nur ein Einschlag in das Gewebe der Oden ist, sondern diese ihre wichtigste Grundlage sind, (3) die Devotion vor dem Tempel durch keine Exegese beseitigt werden kann, diese Tatsache aber der Hypothese, die Oden seien synkretistisch-heidnisch tötlich ist, (4) daß mindestens einige christliche Stellen sich unzweifelhaft als Einschübe darstellen. Es muß also dabei bleiben, daß das jüdische Element in diesen Oden das Entscheidende ist, daß sie zu einer Zeit entstanden sind, als der Tempel noch stand und daß sie nicht einheitlich sind.
Was für ein exotisches, mystisches Judentum aber das Judentum des Verfassers ist, ist deßhalb so schwer zu sagen, weil wir die Seitenerscheinungen des Judentums, die hier in Betracht kommen, nur schlecht kennen. Man muß die Therapeuten Philos, die Hypsistarier (s. die Untersuchungen von Schürer und von Cumont), die Theosebeis des alexandrinischen Cyrill und die Messalianer des Epiphanius ins Auge fassen. Eine Identifizierung wäre jedoch ein Wagnis. Am stärksten hat mein Blick auf den Messalianern (Euchiten) gehaftet, weil der Bericht [S. 124] des Epiphanius (h. 80, 2. 3) über sie und namentlich über ihr Selbstbewußtsein zu einer Vergleichung geradezu auffordert:
Οὗτοι οἱ πρότερον Μασσαλιανοὶ ἐξ Ἑλλήνων [?] ὁρμώμενοι, οἱ πρὸ τῶν νυνί, τῶν δῆθεν ἀπὸ ὀνόματος Χριστοῦ ὁρμωμένων. καὶ αι’τοὶ πὴ μὲν ἔν τισι χώραις τοιαῦτα τροπάριά τινα κατασκευάσαντες, ὡς Προσευχὰς καλουμένους καὶ Εὐκτήρια. ἐν ἄλλοις δὲ τόποις φασὶ καὶ ἐκκλησίας ὁμοιώματι ἑαυτοῖς ποιήσαντες, καθ’ ἑσπέραν καὶ κατὰ τὴν ἕω, μετὰ πολλῆς λυχναψίας καὶ φώτων συναθροιζόμενοι, ἐπιπολύ τε καταλεγμάτιά τινα ὑπὸ τῶν παρ’ αὐτοῖς σπουδαίων καὶ εὐφημίας τινὰς δῆθεν εἰς τὸν θεὸν ποιούμενοι, ὡς διὰ καταλεγματίων τε καὶ εὐφημιῶν θεὸν ἐξιλεούμενοι, ἑαυτοὺς ἀπατῶσιν . . . . . . οἱ δὲ λόγοι αὐτῶν ἀφρόνων ἐπέκεινα. ὃν δ’ ἄν τινα ἐπερωτήσῃς ἐξ αὐτῶν ὁρμώμενον, ἐκεῖνον ἑαυτὸν φάσκει οἷον δ’ ἂν ἐθέλοις. ἢτοι γὰρ προφήτην εἲποις, λέξουσι ὅτι, Προφήτης εἰμί· ἢτοι Χριστὸν ἂν ὀνομάσῃς, φάσκει ὅτι, Χριστός εἰμί· ἤτοι πατριάχην, τὸ αὐτὸ ἑαυτὸν ὀνομάζει ἀναιδῶς· ἤτοι ἄγγελον, καὶ ἑαυτὸν λέγει. ― Hier scheint eine Verwandtschaft vorhanden zu sein: aber die Messalianer sollen dem Heidentum näher gestanden haben als dem Judentum, sind chronologisch, ihren Ursρrung betreffend, schwer zu fassen und sind selbst eine so dunkle Erscheinung, daß man zur Zeit mit ihrer Hilfe nichts zu beleuchten vermag.