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Pflanzenschutzmittel-Versuch gegen den Rapserdfloh 2020
Hintergrund und Versuchsfragen
Der Erdflohdruck im Raps steigt seit dem Wegfall der insektiziden Saatgutbeizung. Um den Schädling unter Kontrolle zu halten, dürfen nur Pyrethroide eingesetzt werden. Die Applikation erfolgt ein bis zwei Mal im Herbst. Die erste Spritzung ist nötig, wenn der Rapserdfloh im Keimblattstadium den Bestand zu stark schädigt. Die zweite kann bei Beginn der Eiablage oder nach dem Larvenschlupf stattfinden. In den letzten Jahren kam es jedoch in rapsintensiven Anbaugebieten vermehrt zu Resistenzen. In diesem Versuch wurde die Wirkung eines biologischen Pflanzenschutzmittels (Produkt A) auf den Rapserdfloh getestet. Beim Produkt A handelt es sich um ein Gesteinsmehl. Folgende Fragen sollten im Versuch geklärt werden:
- Wie ist die Wirkung des Produktes A auf den Rapserdfloh im Vergleich zu der Pyrthroidspritzung und der Negativkontrolle? (Frassschaden, Anzahl Larven in den Pflanzen)
- Gibt es Unterschiede in der Pflanzengesundheit?
Methodik
|Anzahl Standorte||Anzahl Versuchsjahre||Anzahl Wiederholungen||Art des Versuchs||Aussagekraft|
|1||1||3||Streifenversuch||*|
Es wurde ein Streifenversuch, im welchem sich die beiden Verfahren Pyrethroid und Produkt A abwechseln, angelegt. Insgesamt beinhaltete der Versuch jeweils drei Steifen in welchen Pyrethroid oder das Produkt A gespritzt wurde. Je zwei Spritzfenster wurden pro Verfahren angelegt, welche als Negativkontrollen dienten. Die Applikation des Produkt A erfolgte im 1-Blattstadium kurz vor dem Haupteinflug am 10.9.2020 und 16.9.20. Eine Behandlung mit Pyrethroid erfolgte am 11.9.20 und am 2.11.20. Je eine Gelbfallen wurden in den beiden Verfahren und der Kontrolle am 12.9.20 aufgestellt und die Anzahl Käfer gezählt. Im Oktober wurde der Schaden an den Keim- und Laubblättern erhoben. Nach der Eiablage (Ende Oktober) sowie nach der zweiten Pyrethroidapplikation (Anfang November) wurden mittels der Berlese-Methode die Larven aus den Stängeln getrieben. Des Weiteren wurde zu Beginn des Monats November die Bestandesdichte und der Wurzelhalsdurchmesser erhoben. Für die letzte Applikation Pyrethroid wurde der Streifenversuch aufgegeben. Pyrethroid wurde ganzflächig gespritzt, lediglich ein Spritzfenster in einem Produkt A Streifen wurde um 5 m verlängert. Das heisst, neu gab es die Verfahren Kontrolle, Produkt A ohne Pyrethroidapplikation, Produkt A mit einmaliger Spritzung und das Verfahren Pyrethroid mit zweifacher Applikation.
Resultate
Frassschäden an den Blättern
Sowohl an den Keimblättern als auch an den Laubblättern war der Unterschied zwischen dem Verfahren Pyrethroid und der Kontrolle signifikant (p<0.05). Auf den Keimblättern konnte ein Signifikanter Unterschied beider Produkte im Vergleich zur Kontrolle festgestellt werden. Jedoch gab es keinen Unterschied dem Produkt A und Pyrethroid festgestellt werden. Zudem war der Unterschied von Produkt A und der Kontrolle bei den Laubblättern nicht signifikant. Die Wirksamkeit beider Produkte auf die Anzahl Schabstellen auf den Blättern schwankte zwischen 33-44%. Die Standartabweichungen des Mittelwerts für das Produkt A und die Kontrolle war sowohl bei den Keimblättern als auch den Laubblättern relativ gross.
Larvenauszählung
Die erste Larvenauszählung im Oktober hat einen signifikanten Unterschied zwischen Produkt A und Pyrethroid als auch zwischen Pyrethroid und der Kontrolle (p<0.05) ergeben. Es konnte aber kein signifikanter Unterschied zwischen Produkt A und der Kontrolle festgestellt werden (Tabelle 1). Für die zweite Auszählung konnte mangels Wiederholungen keine statistische Analyse gemacht werden. Man kann jedoch erkennen, dass es grosse Unterschiede in der Anzahl Larven pro Pflanze gibt. Der geringste Wert wurde im Verfahren Pyrethroid (zwei Applikationen) (2.93 Larven/Pflanze) gefunden (Tabelle 1), während das Verfahren Produkt A mit einer Applikation Pyrethroid im November die grösste Anzahl Laven aufwies (16.88 Larve/Pflanze).
Tabelle 1. Übersichtstabelle der Mittelwerte der erhobenen Daten sowie die Hochrechnung der Gelbfallenfänge für drei Wochen. Falls für die Erhebung eine statistische Analyse durchgeführt werden konnte, kann ein signifikanter Unterschied aufgrund der Buchstaben abgelesen werden. Wenn verschiedene Buchstaben hinter dem Mittelwert stehen, besteht ein signifikanter Unterschied (p<0.05).
|Produkt A||Pyrethroid||Kontrolle|
|Anzahl Käfer in der Gelbfalle (14.9.20)||61||39||64|
|Anzahl Käfer in der Gelbfalle in drei Wochen||640||409||672|
|Anzahl Schabstellen auf den Keimblätter||7.10 (a)||7.37 (a)||11.78 (b)|
|Anzahl Schabstellen auf den Laubblättern||3.94 (ab)||3.30 (a)||5.84 (b)|
|Anzahl Larven/Pflanze Oktober||3.69 (a)||0.5 (b)||2.47 (a)|
|Anzahl Larven/Pflanze im November||8.76||2.93||12.80|
|Wurzelhalsdurchmesser [cm]||0.88 (ab)||1.04 (a)||0.80 (b)|
|Bestandesdichte [Anzahl Pflanzen/m2]||20.50||28.00||23.50|
Auswirkung auf die Bestandesdichte und den Wurzelhalsdurchmesser
Vergleicht man die Wurzelhalsdurchmesser miteinander, so wird ersichtlich, dass die mittleren Durchmesser von 0.80 - 1.04 cm reichen (Tabelle 1). Ein signifikanter Unterschied ist lediglich zwischen Pyrethroid und der Kontrolle ersichtlich (p<0.05). Die Bestandesdichte wies keine signifikanten Unterschiede (p>0.05) auf. Lediglich in der Kontrolle konnte eine relativ grosse Varianz festgestellt werden. Obwohl sich die Bestandesdichten nicht unterscheiden, konnte im Feld Unterschiede im Bestandeschluss gesehen werden (Abbildung 5).
Diskussion und Schlussfolgerung
Der Versuch hat gezeigt, dass an diesem Standort das Produkt A den Frassschaden an den Blättern signifikant minimieren kann. Der Hersteller geht davon aus, dass die Blätter aufgrund des Produktes nicht mehr so schmackhaft sind und der Frass und die Fortbewegung der Erdflöhe durch den Gesteinsbelag gestört werden. Dies sollte dazu führen, dass der Erdfloh nach anderen Pflanzen sucht, an welchen er frisst.
Aufgrund der Fallenfänge konnte davon ausgegangen werden, dass die Schadschwelle knapp erreicht wird. Die erste Larvenauszählung hat jedoch gezeigt, dass die Schadschwelle von 70% Larvenbefall der Pflanzen (0.72 Larve/Pflanze) in der Kontrolle und im Produkt A deutlich überschritten wurde. Das Produkt A hat zwar einen positiven Einfluss auf den Frassschaden an den Rapsblättern, jedoch konnte kein Effekt auf die Anzahl Larven in der Pflanze gesehen werden. Das Produkt A hat keine Wirkung auf die geschlüpften Larven.
Angesichts der feuchten Bedingungen im Herbst kann angenommen werden, dass viele Larven aus den Eiern geschlüpft sind und es dann auch in die Pflanzen geschafft haben. Es kann nur spekuliert werden, warum die Anzahl der Larven im November hoch war. Da die Zahl der Larven im Pyrethroid-Verfahren im Oktober tief war, erscheint ein weiterer Einflug von Erdflohkäfern nach der ersten Pyrethroidbehandlung als mögliche Erklärung. Zu diesem Zeitpunkt wurde nicht mehr mit einem Zuflug gerechnet und die Fallenfänge leider nicht mehr erhoben. Interessant wäre an dieser Stelle, wenn die Wirkung auf die Larven einer einmaligen Pyrethroidspritzung mit einer zweifachen Spritzung verglichen werden könnte. Das war in diesem Versuch aber nicht möglich.
Stellt man zwei Pyrethroidapplikationen zwei Applikationen von Produkt A plus einer Pyrethroidspritzung gegenüber, so ergibt sich folgendes Bild. Unter der Annahme, dass das Produkt A Fr. 80.-/ha und Pyrethroid Fr. 10.-/ha und Durchfahrt kostet, sowie Kosten von Fr. 80.-/ha für eine Durchfahrt anfallen, so ergeben sich Mehrkosten von Fr. 230.-/ha für das Verfahren mit Produkt A. Zusätzlich ist mit einem kleinen Mehraufwand beim Anrühren des Gesteinsmehls zu rechnen, da darauf geachtet werden muss, dass die Düsen nicht verstopfen.
Eine Aussage bezüglich Pflanzengesundheit zu machen, erscheint schwierig. Der Wurzelhalsdurchmesser war im Pyrethroidverfahren zwar grösser, Unterschiede gab es in der Bestandesdichte jedoch nicht. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Raps im Frühling entwickelt und welchen Schaden die Larven anstellen werden.
Versuchspartner: Andermatt Biocontrol Suisse