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Deutschland
Raubtiere
Seit 1990 sind Wölfe im wiedervereinigten Deutschland streng geschützt. Zuvor wurden aus Polen zuwandernde Tiere in der DDR geschossen. Inzwischen (Stand 2011) leben wieder 14 Wolfsrudel in Deutschland, die meisten davon in Sachsen und Brandenburg. Zunehmend werden auch in anderen Bundesländern, z.B. in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern einzelne Wölfe nachgewiesen. Momentan scheinen sich die Wölfe in weiteren Regionen auszubreiten. Luchse sind in zwei kleinen Populationen im Harz und im Bayerischen Wald zu finden, die auf aktive Wiederansiedlungen zurück gehen. 2006 wanderte ein Bär aus Italien über Österreich nach Deutschland ein. Nachdem er als gefährlich eingestuft wurde, konnte er in Bayern erlegt werden. Bis heute wanderten keine weiteren Bären mehr ein.
Weitere Informationen zur Rückkehr von Wolf, Bär und Luchs:
Nationale Politik
Mehrere Bundesländer haben inzwischen Managementpläne für den Wolf entwickelt. Sachsen, das Land mit der bisher längsten Wolfserfahrung, war eines der ersten. Am Sächsischen Managementplan (2014) orientieren sich inzwischen auch andere Bundesländer bei der Erstellung eigener Pläne. Darin sind folgende Aspekte geregelt:
- Monitoring der Wolfspopulation
- Analyse des Konfliktpotentials (Jagd, Nutztiere und ländliche Kultur)
- Massnahmen zur Schadensbegrenzung und Konfliktbewältigung
- Informations-und Kommunikationskonzept
Da inzwischen die Wölfe vermehrt auch in anderen Bundesländern auftauchen, wird der Bedarf nach einer nationalen Strategie grösser. Bestrebungen der betroffenen Bundesländer sind dazu im Gange. Im Jahre 2007 wurde ein Leitfaden für den Umgang mit dem Wolf herausgegeben, der die fachliche Grundlage für die Entwicklung von Managementplänen darstellt. Derzeit wird geprüft, ob zusammen mit Polen ein gemeinsamer Populationsmanagementplan für die deutsch-westpolnische Wolfspopulation entwickelt werden kann.
Landwirtschaft
Die Schafhaltung in Deutschland hat ein wichtige Funktion in der Landschaftspflege und der extensiven Nutzung von ökologisch wertvollen Gebieten. Die ca. 2,5 Millionen Schafe werden meistens in Koppeln gehalten und dienen der Lammfleischproduktion. Die Tiere werden im Gegensatz zum Gebiet der Alpen nur in seltenen Fällen gesömmert. 1% der deutschen Schäfereien werden heute noch als Wanderschäfereien bezeichnet. Sie halten ca. 15 % des gesamten Schafbestandes. Vor allem in Süddeutschland hat die Wanderschäferei eine lange Tradition. Die Ziegenhaltung (ca. 160‘000 Tiere) hat in Deutschland nur eine marginale Rolle.
Bisher konzentrieren sich die Wolfsschäden grösstenteils auf die Rudelterritorien in Sachsen und Brandenburg. Mit der langsamen Ausbreitung gegen Westen könnten mittelfristig auch intensiver genutzte Regionen betroffen werden. In der Lausitz wird seit einigen Jahren eine Schadensstatistik geführt.
Schutzmassnahmen
Der Schutz der Herden konzentriert sich nicht nur auf die Sommermonate, wie dies im Alpenbogen der Fall ist. Dies bedeutet, dass Wolfsangriffe fast das ganze Jahr hindurch möglich sind, solange sich die Herden im Freien aufhalten. Um Entschädigungen für gerissene Tiere zu erhalten, wird in Sachsen ein Mindestschutz verlangt. Das können mindestens 120cm hohe Maschendrahtzäune oder Elektrozäune sein, die bodenbündig abschließen oder. Wichtig ist, dass die Wölfe nicht unter dem Zaun hindurchkriechen können. Mehr und mehr Schäfer setzen inzwischen auch Herdenschutzhunde ein. In Gebieten, in denen sich Wölfe neu etabliert haben, kriegen die Schafhalter ein Jahr Übergangszeit, um geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. In dieser Übergangszeit wird auch der Verlust von ungenügend geschützten Schafen ausgeglichen, danach nicht mehr. Die Schutzmassnahmen werden im sächsischen Wolfsgebieten durch Fördermittel bis zu 60% vergütet. Entschädigung und Förderung von Herdenschutzmaßnahmen sind in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Sachsen kann z.B. jeder Förderung von Schutzmaßnahmen beantragen, in Brandenburg nur Haupterwerbsschäfer.
Auch in Bayern entstand eine Informationsplattform zur Umsetzung von Schutzmassnahmen.