Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03314.jsonl.gz/1776

Wie schon im Oktober, fiel auch im November vor allem im Süden Schnee. Lawinen gab es besonders in oberflächennahen Schichten, einige davon auch mit erfassten Personen. Am Alpenhauptkamm von Zermatt bis ins Berninagebiet und südlich davon lag Ende Monat eine mächtige, stabile Schneedecke. Dort herrschten zeitweise günstige Tourenbedingungen, wobei es nur wenige sonnige Tage gab. Nördlich des Alpenhauptkammes lag nach wie vor erst wenig Schnee.
Bis zur Monatsmitte war der November mild, zumindest über dem Hochnebel. Erst in der zweiten Monatshälfte fiel das Quecksilber und erreichte winterliche Werte.
Der Grossschneefall von Ende Oktober ist im Monatsbericht Oktober genauer beschrieben. Bis am Donnerstag, 01.11. fiel im Süden intensiv Schnee. Am Freitag, 02.11. schwächte sich zwar der Schneefall ab, aber im westlichen Tessin fielen nochmals 20 bis 30 cm Schnee oberhalb von 2000 m. Damit endete der Grossschneefall, welcher dem Alpensüdhang eine mächtige Schneedecke brachte.
Die Niederschläge wurden in der Folge im Süden schwach, längere Pausen gab es allerdings nicht. Im westlichen Tessin wurden oberhalb von 2500 m noch 5 bis 15 cm Schnee registriert, ansonsten waren es nur wenige Zentimeter oder es blieb trocken. Im Norden war es über dem Hochnebel meist sonnig.
Ab dem Montag, 05.11. fiel am Alpenhauptkamm und südlich davon über acht Tage in Folge fast ohne Unterbruch Niederschlag, wobei die Intensität und die Niederschlagsmengen deutlich geringer waren als beim Grossschneefall Ende Oktober (vgl. Abbildung 3).
Vom Montag, 05. bis Freitag, 09.11. lag der Schwerpunkt des Niederschlags am oberwalliser Alpenhauptkamm und im westlichen Tessin. Vom Monte Rosa über das südliche Simplongebiet bis ins westliche Tessin fielen oberhalb von 2500 m etwa 70 bis 120 mm Niederschlag (vgl. Abbildung 4). Vom 09. bis 12.11. fielen am zentralen Alpensüdhang nochmals 20 bis 40 mm, im südlichen Simplongebiet bis 60 mm Niederschlag (vg. Abbildung 5). Die Schneefallgrenze lag in der ganzen Periode zwischen 2000 und 2500 m. Folglich dürfte der Niederschlag nur oberhalb von 2500 m vollständig in Schneeform gefallen sein.
In den Hauptniederschlagsgebieten südlich des Alpenhauptkammes blies der Wind meist schwach bis mässig aus südlichen Richtungen. Ganz anders sah dies am Alpenhauptkamm und nördlich davon aus. Dort war der Südwind oft stark, in den nördlichen Alpentälern auch als Föhn bis in tiefe Lagen. Sonst gab es zum Alpennordhang von dieser Periode schneetechnisch nicht viel zu erwähnen. Es war meist sonnig, trocken und mild.
Zur Monatsmitte dominierte meist die Sonne das Geschehen. Um sie geniessen zu können, musste man allerdings in die Berge gehen, da insbesondere über dem Mittelland, teils aber auch im Süden ein zäher Hochnebel lag. Auf 2000 m war es bis zu +10 °C warm und die Nullgradgrenze lag vielerorts über 3000 m (vgl. Abbildung 1).
Endlich kam die Kälte, die vor allem von den Skigebieten für die technische Beschneiung ersehnt wurde. Die Nullgradgrenze sank von über 3000 m rasch gegen 1000 m, in der Folge sogar in tiefe Lagen (vgl. Abbildung 1). Am Montag, 19.11. fiel im Süden und Osten etwas Schnee, wobei es bis in tiefe Lagen schneite. Am Dienstag, 20.11. fiel erneut Schnee, einmal mehr mit den grössten Mengen am Alpensüdhang mit bis zu 40 cm (vgl. Abbildung 6).
Am 22. und 23.11. war es vorübergehend trocken, bevor am 23.11. im Westen und Süden wieder Schneefall einsetzte. Dieser wurde auf den 24.11. stärker und am Alpensüdhang fielen nochmals 15 bis 30 cm, im mittleren Tessin bis 40 cm Schnee (vgl. Abbildung 7).
Die Schneefälle wurden vor allem am Alpenhauptkamm zeitweise von starkem Südwind begleitet.
Nach zwei trockenen, aber nur teils sonnigen Tagen setzte am Montag, 26.11. im Tagesverlauf im Westen schwacher Schneefall ein, der bis am Morgen des Mittwoch, 28.11. andauerte. Dabei fielen am Alpennordhang, im Wallis sowie in Nordbünden oberhalb von 1500 m 10 bis 20 cm Schnee. Sonst fiel kaum Schnee oder es blieb trocken.
Zum Monatsende wurde es nochmals kurzzeitig sehr mild. Am Donnerstag, 29.11. kletterten die Temperaturen auf 2000 m mit etwas Föhnunterstützung bis +7 °C im Wallis und am Alpennordhang und die Nullgradgrenze stieg auf 3000 m (vgl. Abbildung 1). Bereits am Freitag, 30.11. kühlte es wieder ab.
Mit den wiederholten Schneefällen am Alpenhauptkamm und südlich davon wuchs die Schneedecke dort weiter an. Mit den kälteren Temperaturen fiel ab Monatsmitte der Schnee locker und so entwickelten sich schöne Bedingungen für Schneesport mit lockerem Pulverschnee auf einer harten, gut verfestigten Altschneedecke (vgl. Abbildung 8).
Während in den Schneeprofilen vom Alpensüdhang kaum Schwachschichten gefunden wurden, wurde entlang des Alpenhauptkammes vermutlich ein Oberflächenreif eingeschneit. In Schneeprofilen wurde dieser zwar nicht beobachtet, aber einige Lawinenauslösungen vom Samstag, 24. und Sonntag, 25.11. (vgl. Abbildung 10) sowie die Modellierungen des Schneedeckenmodells SNOWPACKS (vgl. Abbildung 9) deuteten darauf hin. Es ist aber auch möglich, dass lediglich die oberflächennahen Schichten stark aufbauend umgewandelt und locker waren und als Schwachschichten agierten.
Zum Monatsende präsentierte sich am Alpenhauptkamm und südlich davon eine mächtige, stabile Schneedecke, während im Norden kaum Schnee lag (vgl. Abbildung 11).
Neben einigen Gleitschneelawinen in den schneereichen Regionen des Alpenhauptkammes und Alpensüdhanges (vgl. Abbildung 2) war die Lawinenaktivität gering. Vor allem am Samstag, 24. und am Sonntag, 25.11. wurden Lawinen beobachtet, vermutlich im Zusammenhang mit einem eingeschneiten Oberflächenreif (siehe Abschnitt Schneedecke). Am Samstag, 24.11. konnten in Zermatt mit gutem Erfolg Lawinen gesprengt werden (vgl. Abbildung 12). Auch Fernauslösungen wurden beobachtet. Am gleichen Tag wurden in Zermatt auch zwei Lawinenunfälle mit Personenbeteiligung gemeldet. Diese gingen glimpflich aus.
Ebenfalls am Samstag, 24.11. löste eine Person unterhalb des Gipfels vom Pazolastock (Nordhang, 2700 m) eine Lawine aus, wobei sie erfasst und beim Absturz schwer verletzt wurde. Am Sonntag, 25.11. wurde ebenfalls eine Person bei einem Lawinenabgang verletzt, dies am Piz Corvatsch im Oberengadin, GR an einem Westhang auf rund 3200 m. Tödliche Unfälle ereigneten sich keine.
Auf diesen Winter werden gemäss einem Beschluss der EAWS (European Avalanche Warning Services) die Namen der Lawinengrössen angepasst. Die Motivation für diese Namensänderung war vor allem kommunikationstechnisch getrieben. So war es mit der früheren Namensgebung schwierig, die Schneesportler in den Lawinenbulletins vor den für sie gefährlichen Lawinen zu warnen, weil diese mit klein (Grösse 2) und mittel (Grösse 3) benannt wurden. Mit der neuen Nomenklatur ist dies besser möglich, die Grösse 2 ist neu „mittel“ und die Grösse 3 „gross“ (vgl. Tabelle 1). Die aktuell gültige Skala der Lawinengrössen ist im Glossar Schnee und Lawinen beschrieben.
|Lawinengrösse||Alte Bezeichnung||Neue Bezeichnung||Definition nach Schadenspotential|
|Grösse 1||Rutsch||Kleine Lawine (Rutsch)||Geringe Verschüttungsgefahr; Absturzgefahr|
|Grösse 2||Kleine Lawine||Mittlere Lawine||Kann eine Person verschütten, verletzen oder töten|
|Grösse 3||Mittlere Lawine||Grosse Lawine||Kann Pkw‘s verschütten und zerstören, schwere LKW´s beschädigen; kann kleine Gebäude zerstören und einzelne Bäume brechen|
|Grösse 4||Grosse Lawine||Sehr grosse Lawine||Kann schwere LKW´s und Schienenfahrzeuge verschütten und zerstören; kann größere Gebäude und kleine Waldflächen zerstören|
|Grösse 5||Sehr grosse Lawine||Extrem grosse Lawine||Kann die Landschaft verwüsten; katastrophales Zerstörungspotenzial möglich|
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.