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11. Oktober 2010 um 12:54 Uhr, 6 Kommentare
«Domi» – Meine früheste Kindheitserinnerung
Dies ist eine Kurzgeschichte, die sich auf meinen vorherigen Post bezüglich meines „Autorenstudiums“ bezieht. (hahahaha ich muss bei dem Wort Autorenstudium immer lachen)
Nun denn, dies ist die erste von vier biographischen Kurzgeschichten und sie beschreibt meine früheste Kindheitserinnerung:
«Domi» – Meine früheste Kindheitserinnerung
Es ist ein schöner Sommertag und ich spiele draussen. Ich bin drei oder vier Jahre alt. Möglicherweise bin ich sogar schon fünf. Das wäre jedoch ein wenig seltsam, da es sich ja um die früheste Kindheitserinnerung handelt. Bestimmt jedoch, spiele ich mit Andrea, der etwas jüngeren Nachbarin vom Hochparterre. Wir spielen Fangen, Verstecken, beides oder nichts davon. Ich renne wild auf der grossen Wiese vor dem Block herum. Plötzlich jedoch werde ich durch ein Rufen unterbrochen. „René!“, ruft es laut und scheinbar erfreut von einer unbekannten Ecke herunter.
Im vierten Stock, dem obersten jenes Gebäudes, steht ein Junge auf dem Balkon. Er winkt mir zu und ruft wiederholt meinen Namen. Ich drehe mich um, schaue hoch zu ihm und winke zurück. Dann öffne ich meinen Mund und stelle die Frage, die mir auf der Zunge brennt: „Wer bist denn du?“ Der Junge scheint auf diese Frage nicht vorbereitet zu sein und schaut mich verdutzt an: „Ich bin’s! Domi! Kennst du mich nicht mehr?“
Domi steht auf dem Balkon und versteht die Welt nicht mehr. Sein bester Freund erkennt ihn nicht mehr. Sie haben doch bis jetzt immer zusammen gespielt und jetzt hat er das alles vergessen? Er sieht René, wie er neben dem grossen Baum mit den roten Blättern steht und fragt ihn, laut rufend, ob er mitspielen darf. Nachdem René dies bestätigt geht er durch’s Wohnzimmer am Kamin vorbei zur Eckbank, wo seine Mutter gerade etwas mit seiner kleinen Schwester macht. Er fragt sie, ob er mit René spielen gehen darf und auch sie bestätigt das. Er geht in die Diele und macht sich bereit.
René geht zur Treppe, die von der grossen Wiese nach unten zur Halle führt, welche ihrerseits wiederum unter dem Block und der grossen Wiese hindurchführt. Nach einigen kindlichen Momenten, die wohl ewig gingen aber wie Sekunden erschienen, die mit Informationen für Stunden vollgepackt waren, kam dieser Junge mit dem Namen Domi die Treppe hinauf. Er fragte, was sie spielen wollen und René schlug vor, dass sie „um den Block gingen“ und er ihm dann erzählt, wie sie sich laut Domi kennen gelernt hätten. Genau das machen sie auch, René und Domi gehen um die zwei grossen Gebäude herum und kommen wieder bei der Treppe an. Domi hat alles erzählt und René kann sich an nichts erinnern, aber die Freundschaft ist trotzdem widerhergestellt. Während sie die Treppen emporsteigen sagt Domi noch beiläufig, dass er nie mehr so lange in die Ferien gehen wird.
Ende.
Ja, das war sie, die erste meiner Kindheitserinnerungen. Und ich weiss auch, dass es nicht sehr für mich spricht, dass ich während nur 3-6 Wochen einfach so meinen besten Freund vergessen hatte. Aber seien wir mal ehrlich: Ich bin halt einfach so 😀
Ich muss hier noch sagen, dass jeder Absatz für eine der vier Stationen einer Geschichte stehen soll. Zuerst kommt die Orientierung: Wo bin ich? Was tue ich? Dann das Problem: Ich kenne diesen Jungen nicht. Die Bewertung: Der Junge seinerseits ist verwirrt, dass ich ihn nicht mehr kenne. Die Auflösung: Er war einige Wochen in den Ferien und ich habe ihn deshalb vergessen.
cheers und vielen Dank für’s Lesen.
Pfoff