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| Augustinus (354-430) - Vom Glauben und von den Werken (De fide et operibus)

20. Kapitel: Nur wer glaubt und sich von toten Werken bekehrt, erlangt in der Taufe Gesundheit der Seele
36. Man darf nicht zugeben, daß sich irgendeine Todsünde einer ganz gefährlichen Sicherheit und einer höchst verderblichen Begünstigung erfreut; der ordnungsgemäße Gang der Heilung besteht demnach nach der gesunden Lehre der Wahrheit darin, daß die Täuflinge an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glauben, und zwar so, wie es das Symbolum vorschreibt, das ihnen bei der Taufe übergeben wird1 ; außerdem sollen sie sich von toten Werken bekehren. Dann brauchen sie nicht zu zweifeln, daß sie in der Taufe Vergebung aller früher begangenen Sünden erlangen werden. Dies wird aber nicht geschehen, damit sie von da ab ungescheut sündigen können, sondern damit ihnen die bisherigen Sünden nicht mehr schaden; so erhalten sie zwar Vergebung2 für ihre vergangenen, aber keinen Freibrief für künftige Sünden. Dann können auch geistigerweise jene Worte gebraucht werden: "Siehe, du bist gesund geworden; sündige nun nicht mehr3 !", Worte, die der Herr deshalb von der leiblichen Gesundung gebrauchte, weil er wußte, daß dem Menschen, den er gesund gemacht hatte, die Krankheit des Fleisches zur Strafe für seine Sünden zugestoßen war. Doch wie meine Gegner zu einem Menschen, der als Ehebrecher zur Taufe hinzutritt und als Ehebrecher auch wieder von ihr hinweggeht, sagen können: "Siehe, du bist gesund geworden!", darüber muß ich mich wundern. Denn wo gibt es dann überhaupt noch eine schwere und verderbliche Krankheit, wenn Ehebruch Gesundheit ist?
1: Siehe Vorwort der Abhandlung "Vom ersten katechetischen Unterricht" S. 230 dieses Bandes.
2: Wortspiel: remissio — permissio.
3: Joh. 5,14.