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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Drittes Buch
11. Kapitel: Johannes über dasselbe Thema. — Die vier Evangelien als Ganzes
1.
Denselben Glauben verkündete Johannes, der Schüler des Herrn. Durch die Verkündigung seines Evangeliums wollte er jenen Irrtum widerlegen, den Kerinthus unter die Menschen gebracht hat und viel vor ihm die sog. Nikolaiten, die ein Abzweig der fälschlich sog. Gnosis sind. Diese wollte er widerlegen und dartun, daß es nur einen Gott gibt, der alles durch sein Wort gemacht hat, und nicht, wie jene sagen, einen, der die Welt erschaffen, und einen, der der Vater des Herrn ist; der eine sei der Sohn des Schöpfers, der andere, Christus, stamme von den Oberen, sei leidensunfähig und auf Jesus, des Schöpfers Sohn, hinabgestiegen und sei wiederum in sein Pleroma zurückgeflogen. Der Anfang sei der Eingeborene, das Wort sei der Sohn des Eingeborenen, und die Schöpfung hienieden sei nicht von dem ersten Gott gemacht, sondern von einer Kraft, die weit unter ihm stehe und weit entfernt sei von der Gemeinschaft mit den unsichtbaren und unaussprechbaren Wesen. Alles Derartige wollte der Schüler des Herrn austilgen und als Richtschnur der Wahrheit in der Kirche aufstellen, daß es nur einen allmächtigen Gott gibt, der durch sein Wort alles gemacht hat, das Sichtbare und das Unsichtbare, und zugleich kundtun, daß durch das Wort, durch welches Gott die Schöpfung hergestellt hat, er auch den Menschen, die in dieser Schöpfung sind, das Heil gewährt. Demgemäß beginnt er die Lehre seines Evangeliums folgendermaßen: „Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfange bei Gott. Alles ist durch dasselbe gemacht worden, und ohne dasselbe ist nichts gemacht worden, was gemacht worden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen“1 . Alles, sagt er, ist durch dasselbe gemacht worden; in diesem „Allen“ also auch die gegenwärtige Schöpfung. Denn keineswegs kann ihnen zugestanden werden, „alles“ bezeichne nur die Dinge innerhalb ihres Pleroma. Wenn aber auch, dieses ihr Pleroma umfaßt, dann ist diese große Schöpfung nicht außerhalb desselben, wie wir in dem vorhergehenden Buche gezeigt haben; ist aber dieses außerhalb des Pleroma, was wir ebenso als unmöglich dargetan haben, dann ist ihr Pleroma nicht das „All“; also ist diese große Schöpfung nicht außerhalb.
1: Joh. 1,1 ff.