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Aufzeichnungen aus dem Irak - und einer imaginären Stadt.
Ihr Debüt war fulminant gewesen. Mit «Le Ring» (deutsch: «Der Ring») hatte Elisabeth Horem 1994 einen Roman vorgelegt, der die Leserin gleich beim ersten Satz in seinen Bann schlägt. Die Hauptperson, ein junger Mann namens Quentin Corval, landet mehr zufällig als geplant in einer fiktiven Stadt, die Charakterzüge Moskaus, aber auch einer Stadt im Nahen Osten trägt. Corval gerät in mysteriöse Situationen, überlässt sich zunehmend willenlos der fremden, dunklen Faszination der Metropole und beginnt sich treiben zu lassen. Mit fatalen Folgen. Die befremdende und mysteriöse Atmosphäre ist mit knappen, präzisen Worten beschrieben, mit Händen zu greifen und wirkt keinen Moment aufgesetzt.
Horem, eine gebürtige Französin, hat in Paris studiert und mit ihrem Mann, einem Schweizer Diplomaten, in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens, in Moskau und Prag gelebt. Dann folgte sie ihrem Mann nach Bagdad. Daraus ist ihr fünftes Buch entstanden: «Shrapnels. En marge de Bagdad», das diesen Herbst bei Bernard Campiche Editeur auf Französisch erschienen ist. Auf Deutsch liegt es vorerst nicht vor. Es sind 114 Aufzeichnungen, manchmal nur wenige Sätze, aus der Isolation ihrer Existenz in der irakischen Hauptstadt, die von Krieg und Bombenterror erschüttert wird. Die banalsten alltäglichen Verrichtungen - spazieren gehen, einkaufen, Freunde besuchen, telefonieren - werden unmöglich. Horem kann manchmal wochenlang ihr Haus nicht verlassen, von den nahen Ereignissen erfährt sie über das Fernsehen, durch ihre Köchin und ihre Wächter. Der Kauf eines Geschenks für eine Freundin wird zu einem - fast komisch anmutenden - Spiessrutenlauf und Wettlauf gegen die Zeit. Horem legt keinen journalistischen Text vor, sondern sehr persönlich gefärbte, leise und unaufdringliche Beobachtungen, die miterleben lassen, wie der Terror immer näher kommt, allmählich in ihre abgeschottete Existenz eindringt und das Denken und Fühlen verändert.