Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03597.jsonl.gz/195

Bei Lesen eines fesselnden Buchs wünscht man sich, die letzte Seite möge nie kommen, die Figuren würden ewig weiterleben. Erinnerte sich Robert Schumann vielleicht an ein solches Leseerlebnis, als er die sogenannte «Grosse» C-Dur-Sinfonie von Franz Schubert mit einem dicken «Roman in vier Bänden etwa von Jean Paul» verglich? Jean Paul hätte nämlich wie Schubert auch niemals «endigen» können, und das aus den besten Gründen, nämlich «um auch hinterher den Leser nachschaffen zu lassen». Wenn das nicht ein beachtliches Kompliment ist! An die Stelle der «himmlischen Länge» der Schubert-Sinfonie rückt beim Oboenkonzert von Richard Strauss himmlische Schönheit. Ja, Schönheit, Eleganz und Leichtigkeit legte Strauss 1945 im hohen Alter von 81 Jahren und in einer Zeit, in der kriegsbedingt jegliche Schönheit in Schutt und Asche lag, in diese Musik. Vor lauter Wohlklang könnte fast vergessen gehen, wie anspruchsvoll der Solo-Part dieses Konzerts ist. Oboistinnen und Oboisten gilt es als einer der Höhepunkte im Repertoire, kaum anders dürfte es Solo-Oboistin Rosemary Yiameos gehen, die es zusammen mit «ihrem» Orchester unter der Leitung von Michael Balke interpretiert.