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Isabelle Imdorf ist im kanadischen Montreal geboren und aufgewachsen. Ihre Tics begannen, als sie sechs Jahre alt war: unkontrollierte Laute und Bewegungen, zudem Zwänge, wie etwa den Lichtschalter zehnmal ein- und auszuschalten oder Wörter umgekehrt zu sagen. Die Ärzte schlossen zwar Epilepsie und Tumore aus. Das Tourette-Syndrom war in Kanada aber damals noch nicht bekannt. Es hiess, sie sei eben ein sensibles, hypernervöses Kind.
«Hör auf damit», sagte ihr Vater oft. Sie galt als Zappelkind, wurde aber nicht gehänselt oder gemobbt. Einige Zwänge sind heute weg, mit den Tics aufhören kann sie aber nicht. Auch beim Besuch in ihrem Zuhause im Berner Dorf Mühlethurnen zieht Imdorf die Luft immer wieder ruckartig durch die Nase. Spürt sie den Impuls fürs Kopfzucken und Husten, hilft sie sich mit einem Trick: Sie drückt mit der einen Hand fest die andere oder hält mit verschränkten Armen den Oberkörper stabil. So baut sie im Körper einen Gegendruck auf, um nicht auszuticken. Sich auf etwas anderes zu konzentrieren, ist ebenfalls eine Strategie. Musik und Tanz sind ihr Ventil. Wenn sie Panflöte spielt, schweigt Tourette. Leidenschaftlich gern tanzt sie jede Woche in der Gruppe internationale Volkstänze. Ihre blauen Augen strahlen: «Beim Tanzen gebe ich mich der Musik hin und vergesse alles.»