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Tafel 22 Ferienkolonie Chur
Kinderlachen belebten den Kurort, dank viel Großzügigkeit
Fröhliches Kinderlachen ließ die erholungssuchenden Kurgäste aufhorchen. Auf Initiative des damaligen Pfarrers der Martinskirche, Dekan Leonhard Herold, verbrachten 1882 die ersten 23 Stadtkinder aus Chur ihre Sommerferien auf der Lenzerheide. Dabei erhielt er großzügige Unterstützung von Dr. Luzius Brügger-Jochberg, denn wenn er nicht im Kreuzspital in Chur arbeitete, betreute er die Kinder hier oben medizinisch kostenlos. Ein durch Bankgeschäfte reich gewordener Wohltäter setzte sich mit einem renomierten Architekturbüro für eine neue, schöne Ferienkolonie ein, die 1913 eröffnet wurde. Noch heute kommen Seniorinnen und Senioren hierher und denken an ihre schönen Kindertage im Sommer zurück.
Die Idee der Schulkolonien ist auf der Lenzerheide ebenso alt wie der Individualtourismus. Im selben Jahr, als Joachim Cantieni das erste Hotel im Hochtal eröffnete, bezogen Schülerinnen und Schüler der Stadtschule Chur ihre erste Ferienkolonie. Am Samstag, 15. Juni 1882 – ein Monat vor der Eröffnung des Hotels Kurhaus – vernahm man gegen Mittag fröhliches Kinderlachen. 23 Churer Stadtkinder, die einen Wagen mit Lebensmitteln und Wäsche mit sich führten, tauchten zusammen mit Lehrer Jegher und einer Köchin im Maiensässweiler Lai auf. Beim neu erbauten Hotel Kurhaus bogen sie rechts ab, überquerten die Heidbachbrücke und gelangten auf dem Feldweg zu ihrer Unterkunft im Hof Clois, der ersten Schulkolonie der Stadt Chur.
Der Urheber der Ferienkolonie war der damalige Pfarrer der Martinskirche, Dekan Leonhard Herold. Er wollte kränklichen Kindern aus ärmlichen Verhältnissen einen mehrwöchigen Aufenthalt in der gesunden Höhenluft zusammen mit Gleichaltrigen ermöglichen. Das von ihm ins Leben gerufene Comité erhielt die Unterstützung von Dr. Luzius Brügger-Jochberg, der das Kreuzspital Chur leitete und die Sommer jeweils in seiner Sommervilla in Fadail verbrachte. Er schlug die Lenzerheide als Koloniestandort vor und vermittelte das Maiensäss von Kreispräsident Johann Fidel Rischatsch, ein Cousin seiner Frau, als Unterkunft. Zudem erklärte sich Dr. Luzius Brügger-Jochberg bereit, die Kinder während ihres Aufenthalts kostenlos ärztlich zu betreuen.
10 Jahre lang wurde die Churer Ferienkolonie hier im Maiensäss Clois durchgeführt. Da die Unterkunft jedoch bescheiden war und nicht so viel Platz bot, begann das Comité, sich nach einer Alternative umzusehen. 1891 bot sich die Gelegenheit, in Valbella/ Canols zwei baufällige Bauernhäuser zu kaufen. Die Nähe zum Heidsee war ein idealer Standort. Für rund 15‘000 Franken wurden die aneinander gebauten Maiensässe renoviert.
Doch auch die neue Unterkunft erwies sich aufgrund der steigenden Nachfrage bald als zu klein. Auch die Innenräume waren für eine Ferienkolonie zu wenig praktisch und die äussere Erscheinung wenig ansprechend. Für einen erneuten Umbau fehlten jedoch die finanziellen Mittel. Glücklicherweise trat aber Hermann Herold, ein Sohn des Koloniegründers Leonhard Herold, als grosszügiger Wohltäter auf den Plan. Er hatte mehrere Jahre in Paris gelebt, wo er für die amerikanische Bank Morgan gearbeitet hatte. Nach seiner Rückkehr verbrachte er die Sommerferien in seiner Sommervilla Sofia Hortensia in Canols, etwas unterhalb der Kinder-Ferienkolonie. Er erklärte sich bereit, den gesamten Neubau aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Mit der Planung beauftrage er das renomierte Churer Architekturbüro Schäfer & Risch, Erbauer des Hauptgebäudes der Graubündner Kantonalbank und des Quaderschul-hauses. Im Sommer 1913 war der Neubau des Churer Ferienkolonie abgeschlossen. Nun konnten die ersten Schülerinnen und Schüler den stattlichen Neubau beziehen.
Die Stiftung Ferienkolonie Chur wird heute von der Schule Chur (Lehrpersonen und Direktion) betrieben und am Leben erhalten. Für die Sanierung des Hauses konnte sie immer wieder auf die Unterstützung der Stadt Chur zählen.
Die Verbundenheit der Churer Stadtschule mit der Lenzerheide dauert mittlerweile fast 140 Jahre. Manche Schülerinnen und Schüler kehren später als Erwachsene gerne wieder an den Ort ihrer Jugenderinnerungen zurück.