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Die mit Bänken und Bäumen bestückte Fläche auf der Höhe der Langstrasse 214 wird im Volksmund «Dennerplatz» genannt. Nun bekommt der Platz, der sich zu einem Treffpunkt entwickelt hat, einen offiziellen Namen. Er heisst jetzt «Emilie-Lieberherr-Platz».
Anlässlich des Frauenstreiktags 2019 hatte auf dem Platz eine symbolische Abstimmung zur Benennung stattgefunden. Dabei hatte sich eine Mehrheit für einen «Emilie-Lieberherr-Platz» aus-gesprochen.
In einem Postulat (GR Nr. 2019/293) forderten die Gemeinderätinnen Elena Marti und Katharina Prelicz-Huber daraufhin den Stadtrat auf, diesen Benennungsvorschlag zu prüfen. Emilie Lieberherr steht seit ihrem Todestag am 3. Januar 2011 auf der Liste der Namensvorschläge der Strassenbenennungskommission.
Vorbild unzähliger Frauen in der Schweiz
Emilie Lieberherr war das Vorbild unzähliger Frauen in der Schweiz und sie wurde schon früh zu einer nationalen Figur. Obwohl es in den Dreissigerjahren des 20. Jahrhunderts für ein Arbeiterkind nicht vorgesehen war – und für ein Mädchen schon gar nicht –, das Gymnasium zu besuchen, absolvierte sie die Matura, studierte Wirtschaft und schloss ihr Doktorat mit «summa cum laude» ab.
Sie kämpfte zeitlebens ohne Furcht für die Gleichstellung der Frau, was damals vor allem bedeutete, für das Frauenstimmrecht einzustehen. Sie gehörte zu den Organisatorinnen des «Marsch auf Bern» und rief 1969 die mehreren Tausend teilnehmenden Frauen dazu auf, keine Steuern mehr zu bezahlen, sollte das Frauenstimmrecht nicht angenommen werden.
1970 wurde Emilie Lieberherr als erste Frau überhaupt in den Zürcher Stadtrat gewählt. Ein Jahr später führte die Schweizerische Eidgenossenschaft das Frauenstimmrecht ein. Emilie Lieberherr war 24 Jahre lang Mitglied des Stadtrats und Vorsteherin des Sozialdepartements, das damals noch Sozialamt hiess.
Mit dem Kreis 5 verbunden
Sie war eng mit dem Kreis 5 verbunden; viele Menschen auf der Strasse können sich gut an sie erinnern und schätzen sie bis heute, unter anderem für ihre Alters- und ihre Drogenpolitik. Lieberherr war beteiligt an der Einführung der kontrollierten Heroinabgabe an Schwerstsüchtige und am Aufbau des Vier-Säulen-Modells der schweizerischen Drogenpolitik.
Zu ihren Pionierleistungen zählen aber auch die sogenannte Alimentenbevorschussung, die Einrichtung von Jugendtreffpunkten in den Quartieren wie auch Einsatzprogramme für arbeitslose Jugendliche. Emilie Lieberherr vertrat von 1978 bis 1983 als eine der ersten Frauen im Ständerat die Interessen des Kantons Zürich.
Die Gleichstellung und soziale Fragen gehörten zu den Schwerpunkten ihres politischen Wirkens auf nationaler Ebene.