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Wie haben meine Vorfahren gelebt im Palazzo Foscari? Der Hausherr ass meistens alleine, selten mit seiner Gattin, nie mit den Kindern.
Die Villen Palladios sind oft beschrieben worden, immer als Werke eines genialen Architekten. Wie aber lebten die Adeligen darin? Am Beispiel der Malcontenta macht sich Antonio Foscari auf die Spurensuche.
Ein schmales rotes, hohes, elegantes Büchlein lockte mich. Die Bilder machten Leselust. Ein gehobenes Mitbringsel fürs Nachtessen bei Architekten dachte ich. Dann begann ich im Zug von Zürich nach Biel darin zu lesen und hörte nicht auf. Ich werde das Büchlein behalten.
Da stellt sich ein Nachkomme die Frage, wie haben meine Vorfahren denn gelebt im Palazzo Foscari, genannt la Malcontenta? Prominent steht der Würfel an der Brenta und spiegelt sich im Wasser des Kanals. Der Tempelportikus mit jonischen Säulen strahlt Adel aus, wer vorbei rudert merkt: Hier wohnte der Padrone. Doch wie lebte er darin? Er residierte, repräsentierte, dinierte. Sein Palazzo war ein Instrument der Beeindruckung und ein Statussymbol. Dazu diente das Hauptgeschoss, das hier im Hochparterre liegt. Der Grundriss ist streng achsialsymmetrisch, so symmetrisch wie der menschliche Körper, begründet das Andrea Palladio (1508-1580). Die beiden Brüder Nicolo und Alvise Foscari, die die Villa bauen liessen, wohnten am Anfang beide im Palazzo. Die Symmetrie war praktisch, sie teilte sauber auf. Später, nachdem der eine Bruder gestorben war, bewohnte der Überlebende die westliche Hälfte, seine Frau die östliche. Dazwischen liegt die Halle, ein lateinisches Kreuz auf dem Plan, ein überhoher Raum mit Kreuzgewölbe. Beidseitig schliessen sich drei Räume an, vorne das grosse Schlafzimmer, dann mittig das Gast- und Empfangszimmer und hinten das Esszimmer. Wobei Zimmer ein zu kleines Wort ist, denn es sind Säle, so acht Meter hoch, die zentrale Halle macht auf den Bildern den Eindruck einer Kirche, ausgemalt wie eine ist sie auch. Die Räume waren leer, nur das Bett und einige Truhen waren vorhanden, die Tische waren Tafeln, die auf Böckli gelegt wurden, rasch aufgebaut und schnell wieder weg. Mit einem Cheminée heizen konnte man nur den Schlaf- und den Empfangsraum. Palladios Villen sind Sommerhäuser....
Palladio von innen
Die Villen Palladios sind oft beschrieben worden, immer als Werke eines genialen Architekten. Wie aber lebten die Adeligen darin? Am Beispiel der Malcontenta macht sich Antonio Foscari auf die Spurensuche.