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|Das Alte bewahre, dem Neuen wende dich zu

Zum Gedenken an Dr. Robert Imbach von Hansruedi Kühn
|Bewusst setze ich diesen Nachruf auf Dr. Robert Imbach unter den Gedanken von Theodor Fontane. Der liebe Verstorbene pflegte ihn gerne zu zitieren und verstand ihn als Ausdruck einer Lebensweisheit. Er fühlte sich als Glied in einer Kette, nahm die Verantwortungen auf, die ihm seine Vorgänger übertrugen. Mit wachem Verstand und scharfem Urteilsvermögen wählte er das Erhaltenswürdige aus und entwickelte es mit dem Blick in die Zukunft.

Vieles wurde ihm von seinem Vater vorgezeichnet. Dr. Fritz Imbach wirkte als Arzt und in öffentlichen Ämtern in der Stadt Zug. Untrennbar verbunden bleibt sein Name mit dem Bau des Sanatoriums Adelheid. Bis zu seinem Tode 1932 blieb er Präsident der Gemeinnützigen Gesellschaft. Seine Frau Gine Imbach, geborene Streuli, gebar am 18. Januar 1909 ihr zweites Kind, das sie Robert tauften.
Im selbstverfassten Lebenslauf berichtet Robert Imbach: «Ich war ein wohlbehütetes Kind. Mein Freiraum war eng begrenzt. So mag sich schon früh der Drang zur Überschreitung des Grenzbereichs bemerkbar gemacht haben.» Der Freiraum entsprach in etwa dem Haus und allmählich dem Garten an der Rigistrasse 6. Er wurde mit zunehmendem Alter grösser. In der Freizeit war er ein begeisterter Pfadfinder der Abteilung «Stadt Zug» und nahm an unzähligen Märschen und Lagern teil. Die Gymnasialzeit verbrachte er in Zug. Väterlichem Vorbild folgend entschloss er sich zum Medizinstudium, das er in Genf begann. In dieser Zeit trat er der Studentenverbindung «Zofingia» bei, in der er viele lebenslange Freundschaften knüpfte. Er studierte einige Semester in Bonn und München, wo er mit ersten Abscheulichkeiten der Hitlerbewegung in Berührung kam. 1934 schloss er mit dem Staatsexamen in Zürich seine Studien ab. Der Hinschied seines Vaters während dieser Zeit traf ihn wie ein harter Schlag, doch «eine ernste, tiefe Trauer und Konsternation wich der Erkenntnis, dass neue Aufgaben und Verpflichtungen meiner warteten, denen ich nur bedingt gewachsen wäre. Es war mir klar, ich hatte den Vater und Ratgeber verloren, nicht aber mein Vorbild», bedachte er.
Die Krisenzeit erschwerte den Einstieg in die weitere klinische Ausbildung. Schliesslich konnte Robert Imbach in Münsterlingen eine Assistentenstelle antreten. Bedeutsam war, dass er die mehrjährige Ausbildung an der Universitätsfrauenklinik in Zürich erfolgreich abschloss.
In dieser Zeit entstand die Freundschaft mit Heidi Steinlin. Die gegenseitige Liebe und Achtung fand 1939 ihren Höhepunkt mit der Eheschliessung, gefolgt von der Familiengründung und dem Bezug des elterlichen Hauses in Zug. Die Eröffnung einer eigenen Praxis war von zahlreichen Schwierigkeiten begleitet. Eine kontinuierliche Aufbauarbeit wurde durch lange Perioden von Aktivdienst erschwert. Infolge der fehlenden Versicherungen und Krankenkassen nahmen viele Leute erst im äussersten Notfall die Dienste des Arztes in Anspruch. «Aber ich möchte diese Zeit in meiner Erinnerung nicht missen. Sie war aufschlussreich, und gleichzeitig durfte ich das Gedeihen meiner Familie erleben.» Seine Gattin und die Kinder Helen, Peter, Susanne und Annelies bildeten seinen innersten Kreis und gaben ihm Kraft und Halt, auch im hohen Alter.
Auf diesem gutgebauten Fundament von Familie und Beruf entfaltete sich nun eine initiative Tätigkeit in der Öffentlichkeit und im Sozialbereich. Sein besonderes Interesse galt der Schule. Ihr diente er als Schularzt und als Mitglied der städtischen Schulkommission. Er regte an, Kinderspielplätze zu schaffen und eine Heilpädagogische Schule zu gründen. Acht Jahre lang gehörte er dem Grossen Gemeinderat der Stadt Zug an, die letzten beiden als dessen Präsident. 1945 wurde Robert Imbach in den Vorstand der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug gewählt.
Nach dem unerwarteten Tod des langjährigen Präsidenten, Dr. Werner Iten, sah er sich 1961 unvermittelt als dessen Nachfolger. Er nahm diese Herausforderung mit klaren Vorstellungen und Führungskraft an. Die GGZ bot ihm ein weites Betätigungsfeld an, auf dem er eigene Einsichten und Erfahrungen aus Familie, Beruf und Politik umsetzen konnte. In seiner Präsidialzeit fielen wichtige Entscheidungen, bedeutende Entwicklungen begannen. Eine Neuorientierung der Heilstätten im Ägerital wurde notwendig, nachdem die Tuberkulose überwunden war. Das Kindersanatorium «Heimeli» wurde geschlossen und verkauft, das «Adelheid» wandelte sich zur Mehrzweckklinik Aus der Waldschule wurde die IV-anerkannte Sonderschule Horbach. Im Jahre 1969 gab sich die GGZ mit der Eröffnung des Gemeinschaftszentrums Loreto einen neuen Auftrag.
Wer selbst schon Entwicklungs- und Konzeptarbeit geleistet hat, kann ermessen, wieviel gedankliche Vorarbeit, wieviel Begeisterung und Überzeugungskraft nötig sind, um solide neue Lösungen zu finden und durchzusetzen. Manchmal standen ihm auch Humor, gelegentlich ein Quentchen List und Druck zur Seite, um den Widerstand zu überwinden und der richtigen Entscheidung Bahn zu schaffen. Robert Imbach beurteilte die Angelegenheiten mit realistischem Augenmass und Eigenständigkeit. Kritik nahm er nicht als persönliche Beleidigung, sondern suchte den sachbezogenen Diskurs und die Verständigung. Beharrlich und mit klaren Argumenten blieb er seinen Entscheidungen treu. Diese zielstrebige Haltung erweckte nicht nur Zustimmung. Wer ein so klares Profil zeigt, hat auch Ecken und
Kanten, an denen Funken springen. Er führte die Werke der GGZ mit väterlicher Hand. Nicht selten blitzten sein Schalk und seine Freude auf, und er genoss die vielen Kontakte und Freundschaften, die sich aus seiner engagierten Tätigkeit ergaben. Bei seinem Rücktritt ernannte ihn 1982 die Generalversammlung zum Ehrenpräsidenten. «Es ist dies wohl die Anerkennung, die mich am meisten freut», schreibt er in seinen Lebenserinnerungen. Die Regierung des Kantons Zug verlieh ihm zum 70. Geburtstag den
Anerkennungspreis.
Die geistigen Wurzeln des lieben Verstorbenen liegen im Bild des eigenständigen und selbstverantwortlichen Menschen, der für sich und seine Familie sorgt und Verantwortung auf sich nimmt für die Gemeinschaft, den Schwachen und Kranken beisteht und einen rationalen Weg aus dem Leiden weist, ohne auf Mitleid zu bauen. So hat er sich stets dem Neuen und der Jugend zugewandt und das Überkommene gewandelt und weiterentwickelt.
Die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zug ist Dr. Robert Imbach tief dankbar für sein wegweisendes, langjähriges Wirken. Wir werden unseren Ehrenpräsidenten in herzlicher und respektvoller Erinnerung behalten.
(Zuger Neujahrsblatt, 1997, 1012)

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