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Amnesty International fordert von Trafigura Transparenz
Vor zehn Jahren hat der Rohstoff-Konzern Trafigura Giftmüll in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, entsorgen lassen. Die Entsorgungs-Aktion wurde unprofessionell von einer Firma vor Ort durchgeführt, die weder über die erforderliche Infrastruktur noch das Know How verfügte.
Umweltschützer sprachen seinerzeit von einem Skandal und warfen Trafigura vor, die toxischen Stoffe auf billige Weise loswerden zu wollen. Noch heute sind die genauen Umstände der Aktion nicht aufgeklärt.
Laut AI wiegelt Trafigura ab
Amnesty International (AI) fordert daher das Unternehmen auf, endlich vollständig über die Inhalte der Giftabfälle zu informieren, die das Unternehmen damals entsorgt hat. Weiter erklärt AI:
„Trafigura hat nie genau offengelegt, welche toxischen Stoffe die mehr als 540’000 Liter Giftmüll enthielten, die am 19. August 2006 auf 18 Deponien in Abidjan entsorgt worden waren. Mehr als 100’000 Menschen mussten sich danach wegen verschiedenster Symptome in ärztliche Behandlung begeben, darunter Schwindel, Übelkeit und Atemprobleme. Die Behörden meldeten zudem 15 Todesfälle.
Als AI Trafigura im Juni dieses Jahres in einem Schreiben aufforderte, den zehnten Jahrestag zu nutzen, um endlich über die Giftstoffe zu informieren, antwortete das Unternehmen: ,Wir haben dem (in einem Schreiben an Amnesty vom August 2012) bereits Gesagten nichts hinzuzufügen und sehen keinen weiteren Diskussionsbedarf.‘
Trafigura behauptete zudem, dass die Bestandteile des Giftmülls bereits im Rahmen des Gerichtsverfahrens in Grossbritannien offengelegt wurden. Was Trafigura tatsächlich offengelegt hatte, bezog sich allerdings auf Tests, die von einer Regierungsbehörde in Amsterdam sechs Wochen vor der Giftmüllentsorgung durchgeführt worden waren.
Noch immer gibt es Betroffene
Trafigura verharmloste auch weiterhin die Auswirkungen des Giftmülls: ,Die Abfälle konnten allenfalls zu kurzzeitigen, schwachen grippeähnlichen Symptomen und Angstzuständen geführt haben.‘ Doch der Beweis, auf den sich diese Aussage stützt, ist gemäss einem gerichtlichen Vergleich des britischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2009 vertraulich.
Der 2012 von Amnesty International und Greenpeace gemeinsam veröffentlichte Bericht The Toxic Truth dokumentiert, wie Trafiguras Weigerung, den Inhalt des Giftmülls offenzulegen, die Reinigungsarbeiten und die medizinische Versorgung der Betroffenen behindert.
Im Juli 2016 befragte Amnesty International 38 Einwohner von Abidjan. Bis auf drei litten alle Befragten immer noch unter Gesundheitsproblemen, verursacht durch die toxischen Abfälle, die nach wie vor auf den Deponien in der Nähe der Wohnquartiere lagern.
Regierungen drückten beide Augen zu
Zehn Jahre lang hat keine Regierung Trafigura dazu gezwungen, den genauen Inhalt des Giftmülls offenzulegen oder Trafiguras Rolle im Giftmüllskandal detailliert untersucht. Stattdessen überliess man den Opfern den Gang vor die ivorischen und niederländischen Gerichte, wo die Zivilverfahren noch immer andauern.
Im August 2015 entlarvte Amnesty International das schockierende Versagen der britischen Regierung, die Rolle Trafiguras im Giftmüllskandal zu untersuchen. Amnesty International legte Beweise vor, denen zufolge in London stationierte Mitarbeitende von Trafigura die Giftmüllentsorgung in Abidjan geplant hatten. Die britischen Behörden teilten Amnesty International mit, dass es ihnen an rechtlichen Instrumenten, Ressourcen und Expertise fehle, um es mit diesem Unternehmensriesen aufzunehmen.
Amnesty International schlägt vor, dass Grossbritannien ein neues Gesetz einführen soll, ähnlich dem Bestechungsgesetz, dem ,UK Bribery Act‘, demzufolge sich britische Firmen strafbar machen, wenn sie im Ausland schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, ausser sie können nachweisen, dass sie die nötigen Schritte unternommen haben, um Derartiges zu verhindern.
Zudem müssen Unternehmen mittels einer Sorgfaltsprüfung von sich aus das Risiko von Menschenrechtsverletzungen vermindern, anstatt darauf zu warten, bis der Schaden angerichtet ist. Und die Regierungen sollten sie dazu verpflichten. Eine entsprechende Gesetzesvorlage (Konzernverantwortungsinitiative) wird derzeit in der Schweiz – einem der Handelsstandorte von Trafigura – diskutiert.“
Artikel von: Amnesty International Schweizer Sektion
Artikelbild: © Michael Mihin – shutterstock.com