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In den 1960er Jahren stellte man sich eine «Normalfamilie» folgendermassen vor: Die Eltern waren miteinander verheiratet und lebten mit den Kindern gemeinsam im Haushalt. Auch die Aufgaben waren geschlechtstypisch aufgeteilt: Der Vater war für die finanzielle Versorgung der Familie verantwortlich und die Mutter kümmerte sich um den Haushalt sowie die Versorgung der Kinder. Im Gegenzug durften die Eltern von ihren Kindern Pflege und Fürsorge im Alter erwarten. Durch die Veränderung der Familiendynamik bzw. der Heirats- und Scheidungsziffer in den letzten 50 Jahren funktioniert der Generationenvertrag heute jedoch abgesehen von Ausnahmen so nicht mehr.
Die Vielfalt der Familienmodelle nimmt zu
Die Menschen in der Schweiz heiraten heute viel später als früher: 1960 heiratete ein Mann durchschnittlich im Alter von 31 Jahren, während der Altersdurchschnitt gegenwärtig bei 39 Jahren liegt. Bei den Frauen ergibt sich ein ähnliches Bild: 1960 heiratete eine Frau durchschnittlich im Alter von 26 Jahren, heute mit 32. Darüber hinaus lässt sich auch ein Rückgang der Heiratsziffer und ein Anstieg der Scheidungsziffer feststellen: 1960 liessen sich gerade einmal 13% der Paare scheiden, heute sind es 41% (siehe Abbildung).
Auch der klassische Familienzyklus der 1950er und 1960er Jahre besteht nicht mehr. Die traditionellen Lebensphasen (Berufsausbildung, Heirat und Familiengründung) und die jeweils besonderen Anforderungen an die Lebensführung sind heute individueller ausgestaltet.
Das heisst nicht, dass Familie nicht mehr wichtig wäre – im Gegenteil: Sie ist für die meisten Menschen und auch für die Gesellschaft eine unverzichtbare Institution. Familien nehmen nur eine andere Form ein, als sie es einst taten. Für den Generationenvertrag müssen folglich Lösungen gefunden werden, die Alleinstehende, Alleinerziehende, Patchwork- und Regenbogenfamilien, arbeitstätige Mütter oder Teilzeit arbeitende Väter berücksichtigen.
Externe Dienstleister werden wichtiger
Die genannten Entwicklungen führen dazu, dass die ältere Generation im Alter weniger von den Nachkommen versorgt werden kann. Die Generationen leben seltener gemeinsam unter einem Dach, oder es gibt keine Kinder, die sich später um einen kümmern können.
Es müssen dadurch vermehrt Dienstleister (z.B. Spitex) für die Betreuung der Betagten hinzugezogen werden, da es die Solidaritätsstrukturen in den Familien häufig nicht mehr zulassen, dass die Eltern zu Hause gepflegt werden können.