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Zurzeit lese ich das Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. Hannah Arendt beschreibt darin unter Anderem die Entwicklung und Entstehung Gesellschaftlicher Paradigmen, d.h. allgemein anerkannter Regeln und Denkweisen im Lauf der Geschichte und deren zentrale Rolle bei der Entstehung von Antisemitismus, Imperialismus und Totalitarismus. Die wirtschaftliche Entwicklung gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeigt mit ihrer Akkumulation von Kapital, für das in der Alten Welt immer weniger profitable Anlagemöglichkeiten gefunden werden konnten, erschreckende Parallelen zur Entwicklung unserer globalen Wirtschaftssysteme. Grund genug um mich mit den Gesellschaftlichen Paradigmen unserer Zeit zu beschäftigen.
Für den Begriff Paradigma gibt es sehr unterschiedliche Definitionen und Verwendungen. Ich verwende den Begriff Gesellschaftliche Paradigmen hier in Sinn von Grundwerten und Grundregeln eines Gesellschafts- oder Wirtschaftssystems die allgemein anerkannt werden und von denen andere Regeln und Werte abgeleitet werden. Sie unterscheiden sich von Naturgesetzen oder Gott gegebenen (religiösen) Ordnungen dadurch, dass sie auf einem gesellschaftlichen Konsens beruhen, der nicht zwangsläufig absolut richtig sein muss, d.h. Gesellschaftliche Paradigmen können und sollen hinterfragt und diskutiert werden. Gesellschaftliche Paradigmen sind hier als Regeln und Werte zu verstehen, die nicht von anderen anerkannten Regeln oder Werten abgeleitet werden können (Etwa im Sinne mathematischer Axiome).
In Lauf der Geschichte wurden und werden bis heute Gesellschaftliche Paradigmen als religiöse Dogmen oder als Naturgesetze getarnt und so jeglicher ernsthafter Diskussion entzogen. Es ist unbestritten, dass jede Gesellschaft auf grundlegenden Werten und Regeln aufbauen muss. Diese beruhen aber häufig nicht auf vermeintlichen Naturgesetzen oder göttlichen Eingebungen, sondern auf einem gesellschaftlichen Konsens, der diskutiert und bei Bedarf verändert werden kann und soll.
In meinem letzten Artikel hatte ich mich bereits kurz mit mit diesem Thema beschäftigt – das möchte ich weiterhin fortsetzen.