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Hunderassen-Lexikon
Rassenspezifische Bedürfnisse
Wenn Sie sich für einen reinrassigen Hund interessieren, sollten Sie sich genau erkundigen. Verschiedene Hunderassen weisen sehr unterschiedliche Eigenschaften und Verhaltensmuster auf, die sich direkt bis zur ursprünglichen Rolle zurückverfolgen lassen, für welche die jeweilige Hunderasse gezüchtet wurde. Weitere Einzelheiten zu den verschiedenen Hunderassen erhalten Sie bei den seriösen Züchtern, Zuchtvereinigungen, Tierärzten sowie beim Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH). LINK „www.vdh.de"
Terrier
Terrier wurden ursprünglich dazu gezüchtet ins „Erdreich" zu gehen (daher auch der Name – der lateinische Begriff „terra" bedeutet „Erde"). Terrier sind zäh und für ihre Hartnäckigkeit, ihren glühenden Eifer und ihre Unverwüstlichkeit bekannt. Sie können sehr liebevolle Haustiere abgeben. Wenn Sie sich einen Hund mit Pfiff wünschen, ist der Terrier die perfekte Wahl.
Das Fell von Terriern ist in der Regel robust und schützt vor Gestrüpp, leichten, oberflächlichen Verletzungen durch Jagdbeute sowie rauem Wetter. Die meisten Terrier sind recht klein (und können sich daher in kleine Löcher hineinzwängen). Es gibt aber auch mittelgrosse Varianten sowie den auch als König der Terrier bekannten Airedale Terrier, den grössten Terrier von allen.
Aufgrund des instinktiv gegebenen Interesses an „Beutetieren" sollte die Aufnahme und Eingewöhnung von Terriern in einen Haushalt mit Katzen mit grosser Sorgfalt überdacht werden. Seien Sie immer auf der Hut, wenn sich ein Terrier in der Nähe des Hamsters oder Kaninchens Ihrer Familie befindet. Ausserdem graben Terrier sehr gerne, so dass Sie Ihren Garten schützen sollten, indem Sie ein paar Spielsachen in einer Sandgrube verstecken. Ein tief in die Erde reichender Gartenzaun trägt dazu bei, dass der Hund nicht wegläuft, indem er einen Tunnel gräbt.
Jagd- und Windhunde
Jagd- und Windhunde wurden für die Jagd eingesetzt und gezüchtet, um Wild entweder über den Spürsinn (wie beispielsweise beim Bloodhound) oder das Sehvermögen (Greyhound) zu ermitteln. Die Art, wie diese Hunde jagen, ist massgeblich für ihren Charakter sowie ihr typisches Verhalten und gibt zudem die beste Methode zur Ausbildung dieser Hunde vor. Jagd- und Windhundrassen können oft würdevoll und distanziert erscheinen – bis Sie sie richtig kennen lernen!
Das Fell variiert sehr stark – so hat der Beagle ein weiches Fell, der Basset Griffon Vendéen ein drahthaariges und der Saluki oder Afghanische Windhund ein glamouröses Fell. Zudem kommen die Jagd- und Windhunde in allen Formen und Grössen vor – vom Zwergdackel bis zum Whippet und einem der grössten Hunde überhaupt, dem Irischen Wolfshund.
Jagd- und Windhunde benötigen viel Auslauf und lange Bewegungseinheiten. Sichthunde, die für kurze und abrupte Einsätze gezüchtet wurden, geben sich mit täglichen, mehreren ordentlichen Sprints zufrieden. Aufgrund ihres stark entwickelten Verfolgungstriebs können Sie aber im Umgang mit Katzen problematisch sein und sollten nur dann von der Leine gelassen werden, wenn sie für kleine Rassen unbedenklich sind und auf Kommando zuverlässig zurückkommen.
Spürhunde lieben es, mit am Boden klebender Nase interessante Gerüche zu erschnüffeln. Dies bringt mit sich, dass die Ohren und der Kopfbereich häufig auf Zecken und Gestrüpp zu untersuchen sind. Es kommt oft vor, dass diese Hunde in ihrer eigenen Welt leben, weshalb es bei der Ausbildung dieser Hunde besonders schwierig ist, ihnen die Rückkehr auf Kommando beizubringen.
Hunde für die Schusswaffenjagd
Hunde für die Schusswaffenjagd wurden als Jagdbegleiter gezüchtet, die für ihre Halter Wild entdecken, aufscheuchen und apportieren sollten. Zu dieser Gruppe zählen:
- Spaniel (wie der Cocker Spaniel und English Springer Spaniel)
- Retriever (wie der Labrador Retriever und Golden Retriever)
- Jagd-, Vorsteh- und Apportierhunde (wie der Deutsche Kurzhaar Vorstehhund und der Ungarische Vizsla)
- Setter (wie der Irish Setter und English Setter)
Die verschiedenen Hunde dieser Kategorie hatten in der Vergangenheit alle eine ganz spezielle Rolle. Der Setter wurde zum Aufspüren von Vögeln eingesetzt und nahm regungslos eine „Vorsteh"-Position ein, wenn er einen Vogel aufgespürt hatte. Der Spaniel diente dazu, die Vögel vor dem Abschuss aufzuscheuchen, während der Retriever das Wild apportierte. Daher wurden Jagd-, Vorsteh- und Apportierhunde wie der Münsterländer gezüchtet, um alle drei Aufgabenbereiche zu bewältigen. Diese Hunde sind die Alleskönner unter den Hunden für die Schusswaffenjagd.
Hunde für die Schusswaffenjagd haben ein mittellanges Fell, das sie während der Arbeit gegen das Unterholz schützt. Diese Kategorie umfasst einige der in Deutschland beliebtesten Hunderassen wie den Labrador, Golden Retriever und Cocker Spaniel, die allesamt liebevolle familienfreundliche Haustiere darstellen und mit Kindern bestens zurechtkommen.
Als Haustiere sind Hunde für die Schusswaffenjagd aktiv und intelligent, benötigen aber reichlich Auslauf und mentale Stimulation, um beschäftigt zu bleiben. Die meist langen Ohren dieser Hunde können anfällig für Infektionen sein und sollten deshalb regelmässig überprüft werden.
Hütehunde
Viele zu dieser Kategorie zählende Hunde wie beispielsweise die Collie-Rassen wurden für den Schaftrieb entwickelt, während andere Hütehunde (wie z. B. der Lancashire Heeler) für Vieh und grössere Tiere eingesetzt wurden. Der Finnische Lapphund und Samojede wurden für den Rentiertrieb gezüchtet, während der riesige Pyrenäen-Berghund dazu eingesetzt wurde, Viehbestände vor Wölfen und sogar vor wilden Bären zu schützen! Die Hütehunde mussten bei jeder Witterung ihren Dienst verrichten und entwickelten ein wasserdichtes Doppelfell.
Hütehundrassen sind für ihre Intelligenz bekannt, was zur Folge hat, dass sich der Umgang und die Ausbildung dieser Hunde nicht immer leicht gestaltet. Daher ist viel behutsame und Spass bereitende Ausbildung erforderlich, um das Gehirn dieser Hunde aktiv zu halten. Andernfalls könnten diese Hunde sich damit beschäftigen, Jogger, Radfahrer oder sogar Autos zusammentreiben zu wollen. Viele Halter von Hütehunden beginnen sich mit Hundesport wie Geschicklichkeit, Fly Ball oder Dog Dancing zu beschäftigen, um ihre Hunde beschäftigt zu halten und die Beziehungen zwischen Mensch und Tier zu festigen. Das spezielle Fell dieser Hunde muss regelmässig gepflegt werden, um Verfilzungen zu vermeiden.
Arbeitshunde
Die Arbeitshunde wurden ursprünglich zur Unterstützung ihrer Halter für sehr unterschiedliche und teilweise aussergewöhnliche Aufgabenbereiche gezüchtet.
- Der Dobermann wurde zum Schutz seines Besitzers Louis Dobermann gezüchtet, der Steuern eintrieb.
- Der Sibirische Husky diente dem arktischen Volk der Tschuktschen als Schlittenhund.Der lebensrettende Bernhardiner half bei der Suche und Rettung vermisster Reisender in den Schweizer Alpen.
- Die Deutsche Dogge wurde ursprünglich zur Jagd auf Wildschweinrudel gezüchtet.
- Der Rottweiler wurde eingesetzt, um Vieh anzutreiben und zu bewachen.
- Der Neufundländer, ein Fischerhund, wurde zur Überwachung der Netze im Wasser ausgebildet.
Arbeitshunde sind in der Regel sehr gross (mit dem Deutschen Pinscher als kleinster Arbeitshund), aber manche Arten wie die Deutsche Dogge und der Bernhardiner sind wahre Riesen.
Wenn Sie an einer eher ungewöhnlichen Hunderasse Interesse haben, ist es sehr wichtig, sich zunächst nach deren Herkunft bzw. Entstehung zu erkundigen. So wird beispielsweise der Sibirische Husky zum Laufen und für den Lastenzug gezüchtet und benötigt deshalb eine sehr intensive Ausbildung an der Leine. Wachhundrassen brauchen viel Sozialisierung, um sicherzustellen, dass sie Personen als Freunde und nicht wie eine Bedrohung behandeln. Ein guter Züchter sollte Ihnen bestimmte Verhaltensmerkmale aufzeigen und Ihnen Ratschläge geben können, wie sich eventuelle Probleme vermeiden lassen.
Toy-Hunde
Nicht jede Reinrasse leitet sich von Arbeitshunden ab. Die Hunderassen der Kategorie Toy-Hunde waren überwiegend beste Freunde und Begleiter und wurden klein gezüchtet, so dass sie von eleganten Damen getragen werden konnten und leicht auf dem Schoss Platz fanden. Diese Hunde waren oft sehr kostspielig und wurden zum Symbol für die Königsfamilie und für Vermögen. In diesem Zusammenhang wuchs auch ihre Beliebtheit als Begleithunde und modische Accessoires.
Die Toy-Hunderassen wurden entwickelt, um schön auszusehen, sich gut anzufühlen und sich gegenüber ihren vernarrten Besitzern brav zu verhalten. Manche sind unwiderstehlich „streichelbar", während andere bis weit ins Erwachsenenalter noch aussehen wie entzückende Welpen, was bei ihren Haltern den Beschützerinstinkt förderte.
Die Toy-Hunderassen benötigen nicht viel Auslauf, lieben aber die Gesellschaft des Menschen. Sie können sehr aufgebracht werden, wenn man sie über längere Zeit allein lässt. Das Fell dieser Hunde benötigt ebenfalls einige Pflege, so dass Sie, wenn Sie keine Zeit für eine entsprechende, umfangreiche Körperpflege haben sollten, eine andere, weniger aufwändige Hunderasse wie beispielsweise den Mops mit seinem kurzen Fell oder den Cavalier King Charles Spaniel erwägen sollten.
Mehrzweckhunde
Die Mehrzweckhunde stellen eine Kategorie verschiedener Hunderassen dar, die sich den anderen reinrassigen Gruppen nicht gut zuordnen lassen. Diese Kategorie reicht vom kleinen glamourösen Shih Tzu bis zum grosswüchsigen, athletischen Dalmatiner mit kurzem Fell und vom durchfrisierten Pudel bis zum felllosen Mexikanischen Nackthund. Zu den beliebtesten Mehrzweckhunden gehört unter anderem:
- der Akita, ein grosser, kräftiger Jagd- und Wachhund aus Japan
- der Boston Terrier, ein Hund für den Grubenkampf
- die Bulldogge, ein hartnäckiger Bullenbeisser
- der Dalmatiner, ursprünglich ein eleganter Begleithund für Pferdewagen
- der Lhasa Apso, ein Wachhund aus den buddhistischen Klöstern Tibets
- der Pudel, ein Apportierhund, der dazu eingesetzt wurde, um Wasservögel aufzuscheuchen und nach dem Abschuss aus dem Wasser zu holen
- der Shar Pei, ein Jagd- und Wachhund
- der Shih Tzu, ursprünglich aus Tibet, ein Symbol der chinesischen Kaiser während der Mandschu-Dynastie sowie ein professioneller Begleithund
Zur Ermittlung des richtigen Mehrzweckhundes für Ihren Lebensstil lassen Sie sich am besten von einem Züchter zu den Verhaltenscharakteristika und Bedürfnissen beraten.
Zu den Mehrzweckhunden lassen sich keine verallgemeinerten Aussagen treffen – in Sachen Auslaufbedarf, Körperpflege und Ausbildungsanforderungen unterscheiden sie sich erheblich voneinander. Der Dalmatiner ist ein geborener Läufer und braucht reichlich intensive Bewegungseinheiten, wogegen der Shih Tzu bereits mit einem lässigen Rundgang im Garten hochzufrieden ist. Der schlaue und aktive Pudel erzielt im Bereich Hundesport gute Leistungen, während Sie niemals eine Bulldogge zu Gesicht bekommen werden, die beim Fly Ball-Spielen herumhüpft!