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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

106. Vortrag
2.
Allein daß er von denen, die schon seine Jünger waren, nicht von allen, die an ihn glauben sollten, die Worte gesprochen habe: "Ich habe Deinen Namen den Menschen bekannt gegeben, die Du mir gegeben hast von der Welt", läßt das Folgende als glaubhafter erscheinen. Denn als er dies gesagt hatte, fügte er bei: "Sie waren Dein, und Du hast sie mir gegeben, und sie haben Dein Wort bewahrt; jetzt haben sie erkannt, daß alles, was Du mir gegeben hast, von Dir ist; denn die Worte, die Du mir gegeben hast; habe ich ihnen gegeben, und sie haben dieselben angenommen und wahrhaft erkannt, daß ich von Dir ausgegangen bin, und sie haben geglaubt, daß Du mich gesandt hast". Wiewohl auch dies alles von sämtlichen zukünftigen Gläubigen gesagt werden konnte, sofern es in der Hoffnung schon geschehen war, während es noch zukünftig war. Allein daß man es so auffasse, er sage es nur von den damaligen Jüngern, zwingt das, was er kurz darauf sagt: "Da ich bei ihnen war, erhielt ich sie in Deinem Namen; die Du mir gegeben hast, habe ich bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren gegangen als der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde". Damit wies er auf Judas hin, der ihn überlieferte; denn aus jener Zwölfzahl der Apostel ist bloß er verloren gegangen. Dann fügt er bei: "Nun aber komme ich zu Dir". Daraus ist zu ersehen, er habe von seiner körperlichen Gegenwart gesagt: "Als ich bei ihnen war, erhielt ich sie", gleich als wäre er mit dieser Gegenwart schon nicht mehr bei ihnen. Auf diese Weise wollte er nämlich seine bald eintretende Auffahrt andeuten, von welcher er sagte: "Nun aber komme ich zu Dir", da er zur Rechten des Vaters hingehen wollte, von wannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten, ebenfalls in körperlicher Gegenwart, nach der Regel des Glaubens und der gesunden Lehre; denn mit seiner geistigen Gegenwart sollte er bei ihnen gewiß auch nach der Himmelfahrt sein und bei seiner ganzen Kirche in dieser Welt bis zum Ende der Weltzeit1 . Mit Recht also versteht man unter denen, von welchen er sagte: "Als ich bei ihnen war, erhielt ich sie", nur jene, welche er als an ihn Glaubende bereits zu bewahren angefangen hatte in körperlicher Gegenwart und die er mit der körperlichen Gegenwart zu verlassen im Begriffe war, um sie mit dem Vater zu bewahren durch geistige Gegenwart. Hierauf aber fügt er auch die übrigen der Seinigen hinzu, wo er sagt: "Nicht aber für sie allein bitte ich, sondern auch für jene, welche durch ihr Wort an mich glauben werden". Da zeigt er noch deutlicher, daß er nicht von allen zu ihm Gehörenden vorher sagte: "Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, die Du mir gegeben hast", sondern nur von jenen, die ihn bei diesen Worten hörten.
1: Mt 28,20