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In der temporeichen dunklen Komödie Virginia (im Original: Mislaid) nimmt Nell Zink scharfzüngig die fundamentalen Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft aufs Korn: Rasse, Klasse, sexuelle Orientierung. Protagonistin Peggy fühlt sich zu Frauen hingezogen; Lee, Peggys Professor an einem College in den Sechzigerjahren, ist der schwule Spross einer einflussreichen konservativen Familie. Trotzdem haben die beiden eine Affäre und auf eine ungeplante Schwangerschaft folgen eine Heirat und zwei Kinder. Nach zehn Jahren Ehe brennt Peggy mit Tochter Mickie durch, für die sie sich Papiere eines toten schwarzen Mädchens erschwindelt. Als «Schwarze» leben die beiden fortan in einem kleinen Ort in Virginia. Jahre später erhält Mickie ein Stipendium für die Universität, nicht wissend, dass ihr Bruder ebenfalls dort eingeschrieben ist.
Nell Zink, 1964 in Kalifornien geboren, wuchs in Virginia auf. Sie studierte in den USA Philosophie. 2000 zog sie nach Deutschland und promovierte in Medienwissenschaften. Nachdem niemand geringerer als Jonathan Franzen sie dazu überredet hatte, literarisch zu publizieren, schrieb Nell Zink in wenigen Wochen den Roman The Wallcreeper und wurde damit 2014 über Nacht bekannt. Ihr zweiter Roman Mislaid stand 2015 auf der Longlist des National Book Award. Nell Zink lebt in Bad Belzig, südlich von Berlin.
Die vom Bundesamt für Kultur 2019 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichneten AutorInnen Anna Ruchat, Alexandre Hmine und Patrick Savolainen machen auf ihrer Lesetour Halt in Winterthur. Das Bundesamt für Kultur verleiht im Bereich Literatur jährlich einen Schweizer Grand Prix Literatur und sieben Schweizer Literaturpreise. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten ein Preisgeld von je 25’000 Franken und werden, unter anderem mit dieser Lesetour, gezielt unterstützt, um ihre Werke in der Schweiz und im Ausland bekannt zu machen.
Anna Ruchat – «Gli anni di Nettuno sulla terra»
Zwölf Erzählungen, eine für jeden Monat des Jahres. Zwölf Familien- und Liebesbeziehungen, ungleich durch Raum und Zeit verteilt, selten intensiv und oft vom Entgleiten der Existenz erfasst.
Alexandre Hmine – «La chiave nel latte»
Der autobiographische Bildungsroman «La chiave nel latte» zeichnet das Leben eines im Tessin aufgewachsenen Jungen marokkanischer Herkunft nach: Kindheit im Hause einer älteren Witwe, Leidenschaft für Sport und Lesen, die Beziehung zur Familie und die Herkunft.
Patrick Savolainen – «Farantheiner»
In seinem Prosadebüt «Farantheiner» dekonstruiert Patrick Savolainen einen Trivialroman. Er zertrümmert die kitschige Liebesgeschichte von Kat und der schönen Isabelle mit Träumen und Reflexionen. Daraus entstanden ist ein Text voll wilder experimentierlust.
Was kann, was soll Literaturkritik heute? Wer liest die ständig weniger werdenden Rezensionen, und wen sollen Sie ansprechen? Nach welchen Kriterien bewertet eine Literaturkritikerin, ein Literaturkritiker ein Werk? Und überhaupt: Welches Werk soll rezensiert werden? Helmut Dworschak, beim Landboten für die Winterthurer Kultur zuständig, befragt zu diesen Themen einen der bekanntesten und dienstältesten Literaturkritiker des Landes: Manfred Papst von der NZZ. Er hat schon Autoren geadelt oder auch ganz unverblümt seine weniger hohe Meinung kundgegeben. Wie sollte ein Autor mit einer wenig schmeichelhaften Buchbesprechung umgehen, und was, wenn der Kritiker mal falsch liegt mit seiner Einschätzung?
Manfred Papst studierte Sinologie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. Er war freiberuflich als Korrektor, Lektor, Übersetzer und Herausgeber für verschiedene Verlage tätig und wirkte als Deutschlehrer. Bis 2001 leitete Manfred Papst das Programm des NZZ-Buchverlags, von 2002 bis 2017 das Ressort Kultur der NZZ am Sonntag, bei deren Kulturredaktion er weiterhin Mitglied ist. Papst erhielt 2005 den Zürcher Journalistenpreis und 2015 den Alfred-Kerr-Preis für seine herausragende Leistung im Bereich der Literaturkritik.