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Mischungen unterschiedlicher Chemikalien – auch in geringsten Konzentrationen – haben nach den neuen Befunden der Forscher einen Effekt auf die kindliche Entwicklung. Die untersuchten Konzentrationen der Schadstoffe, wie sie in
- Unkrautvertilgungsmitteln,
- Insektenvertilgungsmitteln sowie in
- weichen Plastikgegenständen und
- Kosmetika
überall auf der Welt vorkommen, sind zwar jeweils für sich genommen sehr gering, Mischungen der unterschiedlichsten Chemikalien wirken aber zusammen auf den menschlichen Organismus.
Chemikaliencocktail im Mutterleib
Die Forscher konzentrierten sich in ihrer Studie auf 20 Industriechemikalien und ihre Metaboliten im Blut und Urin von 1874 schwangeren Frauen. Messungen bei Schwangeren und Müttern in Schweden und in Deutschland im Rahmen der LIFE Child-Studie
belegten das Vorkommen der Schadstoffe im mütterlichen Körper. Im ersten Teil des Experiments konnten die Forscher zeigen, dass die Kombination einiger dieser Stoffe mit einer verzögerten Sprachentwicklung bei Kindern einhergeht, was ein frühes Anzeichen für eine Veränderung der neurologischen Entwicklung sein kann.
Neue Grundsätze für die Risikobewertung von Chemikaliengemischen
In weiteren Untersuchungen zeigten die Wissenschaftler, dass die Mischungen der auch in geringen Konzentrationen eingesetzten Chemikalien in unterschiedlichen Untersuchungssystemen zum Beispiel in Zebrafischen, Froschlarven und menschlichen Stammzellen Wirkungen entfalten. Im abschliessenden Studienteil wurden die Erkenntnisse aus den experimentellen Studien genutzt, um neue Grundsätze für die Risikobewertung von Chemikaliengemischen zu entwickeln.
Höhere Werte – höheres Risiko
Die Ergebnisse zeigten, dass etwa die Hälfte der schwangeren Frauen Chemikaliencocktails in sich trugen, die das Risiko einer verzögerten Sprachentwicklung bei Kindern erhöhen könnten. So hatten die Kinder der Frauen mit den höchsten gemessenen Werten des kritischen Chemikaliencocktails ein 3,3-mal höheres Risiko für eine Sprachverzögerung als die Kinder der Frauen mit den niedrigsten Werten.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig
«Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass sich Wissenschaftler unterschiedlicher Fächer, in diesem Fall der Chemie, der Toxikologie, der Kinderheilkunde, der Epidemiologie, der Immunologie, der Endokrinologie und Biochemie zusammentun, um wichtige Fragen des Alltags beantworten zu können», sagt Prof. Wieland Kiess, Leiter der Langzeitstudie LIFE Child an der Medizinischen Fakultät.
Als Fazit der Daten gelte, dass es in der Toxikologie nicht genüge, einzelne Substanzen in ihrer positiven oder negativen Wirkung zu testen, sondern auch Mischungen auf potentielle Auswirkungen auf gerade dem entstehenden und wachsenden menschlichen Körper zu testen, so der Leipziger Experte für Kindergesundheit.PS