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„Common Scents“: Eine multidimensionale Analyse von Geruchsregimen in autobiographischen Comics
Gegenstand des Dissertationsprojekts ist die Analyse der Bedeutung von Gerüchen in zeitgenössischen autobiographischen Comics, sogenannten „Graphic Memoirs“. Der Fokus liegt dabei auf einer multidimensionalen Untersuchung der Macht- und Herrschaftsverhältnisse bezogen auf Geschlecht, Sexualität, Ethnizität/Migration, Klasse und Behinderung im Werk der Autorinnen Lynda Barry, Nicole Georges, Lucy Knisley, Sarah Leavitt und Lila Quintero Weaver.
Durch den Affective Turn sind die vorherrschenden epistemologischen Vorannahmen mit ihrer vergeschlechtlichten Dichotomie zwischen Körper und Geist ins Feld der Forschung gerückt: Der Materialität von Körpern in ihrer Bedeutung für Subjektivierung soll Rechnung getragen werden. Der Aspekt des Geruchs bietet dabei eine neue theoretische Perspektive auf Materialität in literarischen Repräsentationen, die im Projekt anhand von autobiographischen Comics untersucht werden sollen. Gerüche als ein historisches und gesellschaftlich-kulturelles Phänomen sind bisher in Comics allgemein und im autobiographischen Comic im Besonderen noch nicht erforscht. Graphic Memoirs besitzen durch ihre bildlichen Elemente im Vergleich zur klassischen Autobiographie andere Darstellungsformen, um das Selbst und seine Körperlichkeit in ihrer Verwobenheit mit Machtverhältnissen zu untersuchen. Damit eignen sie sich besonders für die Analyse von Gerüchen, an denen sowohl die gesellschaftliche Formierung von Körpern als auch Prozesse der Marginalisierung deutlich werden. Der Geruchssinn ist als Wahrnehmungssinn selbst marginalisiert und wird in Prozessen der Selbstaffirmierung und Veranderung dem Anderen (z.B. dem Animalischen) zugeordnet.
Um Gerüche in ihrer Verwobenheit mit gesellschaftlichen Hierarchien zu untersuchen, wird im Projekt das Konzept des „Geruchsregimes“ eingeführt. Dieses Konzept, das im Anschluss an Andrea Maihofers (2014) Begriff des „Gefühlsregimes“ entwickelt wird, nimmt in den Blick, wie Gerüche in die herrschenden Machtverhältnisse eingebettet sind, sie strukturieren und durch sie strukturiert werden. Wie werden herrschende Geruchsregime in zeitgenössischen Graphic Memoirs aufgerufen und kritisch beleuchtet, und welche multidimensionalen Macht- und Herrschaftsverhältnisse werden dabei sichtbar? Durch die Analyse der Darstellung von Gerüchen in autobiographischen Comics kann deutlich gemacht werden, wie scheinbar natürliche olfaktorische Wahrnehmungen gesellschaftlich geformt und Teil der sozialen Hierarchie sind, in der die «Anderen» einer Gesellschaft mit störenden Gerüchen verknüpft werden. Das Forschungsprojekt kann somit dazu beitragen, solche Hierarchien zu hinterfragen und das Potential des autobiographischen Comics aufzeigen, herrschende Geruchsregime und die damit einhergehenden Subjektivierungsprozesse und Wahrnehmungsmuster kritisch zu beleuchten.
Supervision:Andrea Maihofer
Co-Subversion: Christa Binswanger (Universität St. Gallen) und Andrea Zimmermann
Bio
- Seit 2019 Doktorandin in Gender Studies an der Universität Basel, gefördert durch ein Startstipendium der Graduate School of Social Sciences (G3S)
- Seit 2018 Koordination des Vereins Frauenstadtrundgang Basel
- 2010 - 2017 Studium der Geschlechterforschung und Deutschen Literaturwissenschaft an der Universität Basel und der Cardiff University (Master of Arts der Universität Basel im Dezember 2017)
- Juni 2012 - Januar 2017 Hilfsassistenz für die nationale Koordination des Netzwerks Gender Studies Schweiz
- 2015 - 2016 Co-Leitung des fakultären Projekts des Ressorts Chancengleichheit der Universität Basel „Exzellenz und/oder vielfältige Lebensentwürfe“ (mit Laura Eigenmann, Matthias Luterbach und Anika Thym)
Publikationen
«Exzellenz und/oder vielfältige Lebensentwürfe. 7 Aspekte des Lebens und Arbeitens an der philosophisch-historischen Fakultät der Universität Basel» (zusammen mit Laura Eigenmann, Matthias Luterbach und Anika Thym) 2016, Basel. (PDF)