Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03564.jsonl.gz/2885

William Claxton wurde 1927 in Pasadena geboren. Während seines Psychologiestudiums an der Universität von Los Angeles streifte er abends mit seiner Kamera, einer alten "Speed Graphik", durch die Jazzlokale der Westküste. Als er 1952 das Gerry Mulligan Quartett mit Chet Baker fotografierte, lernte er Dick Bock kennen, der gerade dabei war, eine neue Plattenfirma - "Pacific Jazz Records" - zu gründen, und nach geeigneten Fotos für die Albumhüllen suchte. Er engagierte William Claxton als Art Director und Fotograf und machte ihn zu seinem Geschäftspartner.
Claxtons Aufnahmen sollten das Bild vom Jazz revolutionieren. "Früher waren auf den Fotos verschwitzte Musiker mit glänzenden Gesichtern in dunklen, verrauchten Bars zu sehen", sagt er. "Ich aber wollte das Lebensgefühl im sonnigen Kalifornien zeigen." Und so fotografierte er die Musiker in den Bergen, am Strand oder auf der Straße in ihren Cabriolets. "Das eigentlich Faszinierende ist ihr Gesichtsausdruck, wenn sie nicht spielen, in anderen Lebenssituationen, wenn sie üben, proben, rauchen, herumstehen und reden. Ich höre ihnen sozusagen mit meinen Augen zu." Legendär sind seine Fotos vom jungen Chet Baker, den er bei Konzerten, Auftritten und Studio-Sessions begleitete. Sie trugen dazu bei, dass der "James Dean des Jazz" zur Ikone des West Coast Jazz wurde.
William Claxton versteht sich selbst als Ästhet: "Ich hasse hässliche Bilder, egal von wem. Mir geht es um Schönheit. Ich weiß, dass in jedem Menschen etwas Schönes steckt, und diese Schönheit zu entdecken und festzuhalten, fällt mir relativ leicht."
Leicht fiel ihm auch, das Vertrauen der Musiker zu gewinnen. Sie spürten sofort, dass es ihm darum ging, für ihre Rhythmen eine neue Bildsprache zu finden. Viele von ihnen haben in ihm einen der ihren erkannt. "Jazz und Fotografie sind sich ja sehr ähnlich. Zuerst muss man sein Instrument beherrschen: ich meine Kamera, der Jaszzmusiker sein Horn oder Klavier, sein 'axe', wie die Musiker das nennen. Mein Instrument, mein 'axe', ist die Kamera."
In den 70er Jahren konzentrierte sich William Claxton auf Modeaufnahmen. Seine Ehefrau Peggy Moffitt avancierte zu seinem Lieblingsmodell. Noch immer aber gilt er als einer der besten Musikfotografen, von dem sich nicht nur Jazz-, sondern auch Popstars wie Sting und Jon Bon Jovi gern ablichten lassen.
Die Bilder von William Claxton, der neben Musikern auch Hollywoodstars wie Barbra Streisand, Peter Fonda und Judy Garland fotografierte, sind in zahlreichen Büchern erschienen."Fotografie ist Jazz für das Auge".