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Werkleitungen an der Augustinergasse
Wo graben wir?
Die archäologische Untersuchung findet in der Augustinergasse statt.
Warum graben wir?
An der Augustinergasse werden seit April 2007 die alten Gas-, Wasser- und Stromleitungen erneuert.
Da die Baumassnahmen in archäologisch hochinter-essanten Bodenbereichen stattfinden, führt die Archäologische Bodenforschung baubegleitend Untersuchungen durch. Die fachgerechte Dokumentation der Kulturschichten des seit mehr als 3000 Jahren besiedelten Basler Münsterhügels ist von grosser Bedeutung für das Verständnis der Stadtentwicklung.
Was erwarten wir?
Das Grabungsareal betrifft eine Zone, die seit spätkeltischer Zeit (ab ca. 80 v. Chr.) bis heute im Siedlungsgebiet liegt. Über die Jahrhunderte lagerten sich an dieser Stelle durch die Siedlungstätigkeit der Menschen circa 2 Meter mächtige Kulturschichten ab. Anhand der Ablagerungen und der darin enthaltenen Funde kann die Geschichte dieses Areals nachgezeichnet werden.
Im Bereich der Augustinergasse konnten Reste der keltischen, römischen und mittelalterlichen Strassen nachgewiesen werden. Mit der Pflasterung des Münsterplatzes im frühen 15. Jahrhundert wurde der Boden quasi versiegelt, jüngere Schichten und Funde fehlen.
Bisherige Resultate der Ausgrabung:
- In der letztjährigen Grabung an der Augustinergasse konnte der Verlauf der spätkeltischen Strasse gefasst werden. Weiter wurde beim heutigen Eingang des Museums der Kulturen ein Gebäude aus römischer Zeit (3. Jh. n. Chr.) entdeckt. Von ihm konnte jedoch nur noch der Keller nachgewiesen werden.
- Bei den zur Zeit getätigten Ausgrabungen wurde eine römische Strassenkofferung aus dem 3./4. Jh. n. Chr entdeckt. Der Strassenkörper war mit Branntkalk gefestigt worden. Strassen derselben Bauweise sind v.a. auch im Mittelmeerraum ausgegraben worden.
- Über der römischen Fahrbahn wurde eine frühmittelalterliche Strasse angelegt. Der römische Vorgänger diente dabei als Unterbau. Sie war jedoch in qualitativ weniger ausgereifter Bautechnik angelegt worden als die römische und wurde vom Frühmittelalter bis ins frühe 15. Jh. weiterbenutzt; bei Bedarf wurden gross- oder kleinflächige Ausbesserungen vorgenommen.
Gegen nasse und schmutzige Füsse
Die früh- und hochmittelalterlichen Strassen waren, archäologischen Untersuchungen zufolge, kaum gepflastert oder randlich stabilisiert worden. Durch Regen und Schmutz, sowie durch Abfälle und Unrat, den die Bewohner aufgrund einer fehlenden Kanalisation häufig auf der Strasse entsorgten, verwandelte sich diese schnell zu einer morastigen, schlammigen Angelegenheit. Um seine Füsse und Schuhe vor Nässe und Schmutz zu schützen, trug man häufig sogenannte "Trippen". Dabei handelte es sich um aus Holz gefertigte Unterschuhe, die an ihrer Sohle häufig zwei absatzartige Verstärkungen aufwiesen. Sie wurden unter den eigentlichen Schuhen getragen und konnten durch Lederriemen am Fuss befestigt werden. Diese Unterschuhe wurden von den Trippenmachern angefertigt, die einen eigenen Berufszweig darstellten.
Wie lange graben wir?
Die Ausgrabungen werden hier voraussichtlich Mitte Mai abgeschlossen sein. Weitere Untersuchungen werden im Zuge der Neupflästerung des Münsterhügels an anderer Stelle folgen.
Literatur
Eckhard Deschler-Erb, Andrea Hagendorn: Auf dem Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende. Archäologische Denkmäler in Basel 5, Basel 2007.