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Geschichte
Die Geschichte der SBS ist von Innovationen geprägt. Über die Jahre haben verschiedene Organisationen ihre Werke der SBS anvertraut.
1903: Gründung der «Schweizerischen Blinden-Leihbibliothek» durch Dr. h.c. Theodor Staub
Dr. h.c. Theodor Staub (1864 – 1960), Sohn eines Seidenfabrikanten, erblindet mit sieben Jahren. Mit 15 Jahren erlernt er die Blindenschrift und absolviert eine Berufslehre in Stroh- und Tuchflechten sowie Holzdrechseln. Als junger Erwachsener besucht er natur- und geisteswissenschaftliche Vorlesungen an der Universität Zürich sowie am Polytechnikum. Danach wird er Lehrer für Blindenschrift und Naturkunde an der Blinden- und Taubstummenanstalt in Zürich. 1903 gründet er die «Schweizerische Blinden-Leihbibliothek», 1907 das Schweizerische Blindenmuseum und 1911 den Schweizerischen Blindenverband, den er bis 1919 präsidiert.
1950: Gründung der «Blindenbücherei in Tonaufnahmen» durch Conrad Helbling
Conrad Helbling (1894 – 1968) ist selbst blind und liebt die Literatur. Er nutzt sein erstes Tonbandgerät, um sich von Freunden Bücher auf Band sprechen zu lassen, welche ihm in Blindenschrift nicht zur Verfügung stehen. Die so entstandene private Tonbandbibliothek bildet den Grundstock für die Gründung der «Blindenbücherei in Tonaufnahmen» im Jahr 1950. Diese wird später zur «Schweizerischen Blindenhörbücherei» umbenannt.
1960: Erste Sammelaktion mit den Brüder-Grimm-Märchenbüchern
Die «Schweizerische Blindenhörbücherei» startet 1960 die bis heute erfolgreiche Märchenbuch-Reihe mit dem Versand von «Die sieben Raben». Seither erscheint jährlich ein weiteres Brüder-Grimm-Märchenbuch. Die Spenderinnen und Spender sind begeistert.
1975: Zusammenschluss zur «Schweizerischen Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte»
1975 vereinigen sich die «Schweizerische Blinden-Leihbibliothek» und die «Schweizerische Blindenhörbücherei» zur «Schweizerischen Blindenhörbücherei und Blindenschriftbibliothek» (B&B). Vier Jahre später ziehen sie im alten Dorfkern von Albisrieden in Zürich unter ein Dach und heissen fortan «Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte» (SBS).
1977: Pionierin für Musiknoten in Braille
1977 werden die ersten Musikalien in Braille übertragen. Damit ist die SBS eine der ersten Bibliotheken im deutschsprachigen Raum.
1979: Erste Übertragungen von Lehrmitteln
Auf Wunsch von blinden Schülerinnen und Schülern sowie Studentinnen und Studenten beginnt die SBS mit der Herstellung von Lehrmitteln in Blindenschrift.
1980: Eröffnung des Studios für Tonbandzeitschriften
Kundinnen und Kunden können neu Tonband-Zeitschriften wie zum Beispiel «Die Wochenzeitung» oder «Betti Bossi Zeitung» beziehen. Gleichzeitig wird die Grossdruckbibliothek mit 300 Büchern eröffnet.
1983: Erweiterung der Grossdruck-Bücher-Sammlung
Die Stiftung Pro Senectute Schweiz übergibt der SBS ihre Grossdruckbibliothek mit 502 Werken.
1983: Aufbau der Ludothek
Im Jahr 1983 startet die SBS mit dem Aufbau einer Ludothek. Bis Ende des Jahres werden bereits 43 Spiele angeboten, die sehbehinderte und sehende Menschen gemeinsam spielen können.
2003: 100-jähriges Jubiläum
Das 100-jährige Jubiläum seit Gründung der «Schweizerischen Blinden-Leihbibliothek» wird unter anderem mit dem Einzug in den neuen Geschäftssitz in die Grubenstrasse 12 in Zürich (Binz) untermalt. Die an die Liegenschaft angrenzende Privatstrasse wird von Frau Stadträtin Esther Maurer auf den Namen Louis Braille's getauft. Damit würdigt die Stadträtin den Franzosen Louis Braille, der als nur 16-jähriger das Leben blinder Menschen mit der Entwicklung eines universellen Schriftsystems nachhaltig veränderte. Eine Briefmarke mit Punktschrift ehrt das 100-jährige Engagement der SBS.
2004: Hörbücher im DAISY-Format
Ab 2004 werden Hörbücher und Hörzeitschriften im DAISY-Format produziert. DAISY ist ein weltweiter Standard für navigierbare und zugängliche Multimedia-Dokumente. Die Leserin oder der Leser kann damit in einem Hörbuch von Kapitel zu Kapitel springen, Lesezeichen setzen und die Sprechgeschwindigkeit anpassen. Fünf Jahre später wird die Kassettenausleihe auf Grund des technischen Fortschritts komplett eingestellt.
2010: Die SBS öffnet sich für lesebehinderte Menschen
Die SBS öffnet sich, indem sie ihre Produkte lesebehinderten Personen (zum Beispiel mit Dyslexie) zur Verfügung stellt. Gleichzeitig ergänzt sie ihren Namen und wird vom Verein zur Stiftung. Diese lagert das operative Geschäft in eine gleichnamige gemeinnützige AG aus, die sie zu 100 Prozent besitzt: Die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte AG.
2012: Hörfilme neu im Sortiment
Die Partnerschaft mit SRF ermöglicht es der SBS, Filme mit Audiodeskription im Sortiment aufzunehmen.
2013: Start der Online-Bibliothek
Im Zuge der Digitalisierung werden die entsprechenden Angebote bei der SBS ausgebaut. So startet 2013 die Online-Bibliothek, über die Kundinnen und Kunden Hörbücher und E-Books herunterladen können. Zudem wird eine App für das Abspielen von Hörbüchern auf Smartphones und Tablets entwickelt.
2013: Neues Angebot für Menschen mit Dyslexie
Die Online-Plattform «Buchknacker» wird ins Leben gerufen. Sie richtet sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche mit Dyslexie (Legasthenie) und bietet Hörbücher und E-Books zur Ausleihe an.
2015: Die SBS wird zur Schweizerischen Dachorganisation
Gegenüber dem Bundesamt für Sozialversicherung tritt die SBS neu als Dachorganisation der Blindenbibliotheken in der Schweiz auf und koordiniert die Angebote mit den Partnerbibliotheken.
2015: Die Nationalbibliothek übergibt ihre Blindenschriften
Die Schweizerische Nationalbibliothek übergibt ihre gedruckten Blindenschriften an die SBS. Die Sammlung enthält die deutsch- und französischsprachigen Zeitschriften der schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbände. Diese Publikationen sind damit für sehbehinderte Menschen einfacher zugänglich.
2017: Leseangebot bei AD(H)S
Die Online-Plattform «Buchknacker» öffnet sich einem weiteren Kundenkreis: Auch Kinder und Erwachsene mit AD(H)S können Hörbücher und E-Books herunterladen. AD(H)S steht für Aufmerksamkeits-Defizit(-Hyperaktivitäts)-Störung.