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Zwischen Stigmatisierung und Emanzipation
Bildungserfahrungen junger erwachsener Romnija aus der Schweiz bezüglich ihrer Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der Roma. Eine qualitative Studie.
Vor dem Hintergrund der historischen und gegenwärtigen politischen und sozialen Diskriminierung und Ausgrenzung der Roma interessiert sich diese Studie für Bildungserfahrungen von 20- bis 34-jährigen Romnija (weibliche Roma) aus der Schweiz bezüglich ihrer Zugehörigkeit zur sozialen Gruppe der Roma. Die Ergebnisse beziehen sich auf Romnija mit einer ex-jugoslawischen Herkunft. Die Datenanalyse mittels Grounded Theory aus den fünf leitfadengestützten, narrativen Interviews zeigt, dass die Bildungserfahrungen der Romnija wesentlich durch Überlagerungen und Wechselwirkungen von Diskriminierung aufgrund verschiedener Merkmale (Minderheitenzugehörigkeit, Gender) geprägt sind, und in zwei sozialen Räumen stattfinden: a) im schulischen Kontext und b) im familialen Umfeld. Im schulischen Kontext sind die Bildungserfahrungen zentral durch Erwartungen und Erfahrungen von Akzeptanz/Diskriminierung strukturiert, was sich etwa an einem unterschiedlichen Umgang mit der Zugehörigkeit zeigt (offene Mitteilung, Verdeckung). Gefunden wurde ein weites Spektrum antiziganistischer Diskriminierungserfahrungen, die von den Frauen in sehr unterschiedlichem Ausmass erlebt wurden. Die Romnija beschreiben, dass antiziganistische Diskriminierung primär von Nicht-Roma Peers aus Ex-Jugoslawien ausgeht und befürchtet wird. In den hier untersuchten Fällen haben die Bildungsinstitutionen weitgehend nicht (handlungswirksam) zur Überwindung konkreter antiziganistischer Diskriminierung beigetragen, und werden überwiegend nicht als sicheres Umfeld für Roma erlebt. Im familialen Umfeld zeichnen sich die Bildungserfahrungen u.a. durch unterschiedliche Erwartungen der Eltern und naher Verwandter bezüglich weiblichem Rollenverhalten aus. Vor diesem Hintergrund können insbesondere die nachobligatorischen Bildungswege der Befragten als Emanzipationsprozesse 1) aus genderspezifischen Rollenbildern gelesen werden, durch die 2) auch das Selbstbild in Bezug auf die Roma Zugehörigkeit gestärkt wird. In den individuellen Reaktionen auf und Auseinandersetzungen mit Diskriminierung und gesellschaftlichen Machtverhältnissen hinsichtlich Minderheitenzugehörigkeit und Gender im Zusammenspiel mit individueller persönlicher wie sozialer Ressourcen, zeigt sich die Agency der befragten Romnija in ihren vielfältigen Ausdrücken. Diese Erkenntnisse sind neu für den schweizerischen Kontext, wo bislang keine Studien im Zusammenhang mit Bildung und Roma vorliegen.