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Der Chef der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, gerät wegen Geschäften in Steueroasen unter Druck. Stepics Name tauche in Verbindung mit zwei Briefkastenfirmen in den sogenannten «Offshore-Leaks»-Daten auf, berichteten das österreichische Magazin «News» sowie die «Süddeutsche» vorab. Die RBI erklärte gegenüber Reuters, der Bankchef sei zur Aufklärung des Sachverhalts aufgefordert worden. Zudem untersuche die Bank, ob Stepic Rechtsvorschriften oder interne Vorgaben verletzt habe.
In dem «Offshore-Leaks»-Datensatz werden dubiose Finanztransaktionen von über 100'000 Vermögenden in der Welt aufgelistet. Den Vorabberichten zufolge ist Stepic der wirtschaftliche Berechtigte der Briefkastenfirmen «Yatsenko International Limited» (Britische Jungferninseln) und «Takego Holdings Limited» (Hongkong). «Die Ihnen vorliegenden Informationen sind grundsätzlich zutreffend», bestätigte Stepic den beiden Publikationen. Über die Firmen habe er drei Wohnungen in Singapur erworben, Erträge habe er «entsprechend den steuerlichen Vorgaben» versteuert.
«Projektgesellschaften»
Es habe sich bei den genannten Firmen nicht um Offshore-Konstruktionen gehandelt. Vielmehr seien über «Projektgesellschaften» Immobilien-Investitionen abgewickelt worden. Auf die Frage, warum er die Geschäfte nicht direkt unter seinem Namen sondern über die Firmen abgewickelt hat, antwortete Stepic: «Das Produkt wurde in dieser Form von der UBS als Standardprodukt angeboten, um Käufern die gebotene Privatsphäre zu bewahren, was durch die aktuelle Anfrage allerdings ad absurdum geführt wird.» Ein UBS-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.
Seit Anfang April präsentieren Medien aus rund 50 Ländern ihre Ergebnisse aus der Analyse des «Offshore-Leaks»-Datensatzes, in denen 130'000 Personen aus mehr als 170 Ländern aufgelistet werden. Die Unterlagen stammen von zwei Firmen, die auf die Errichtung von Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind.
Die Enthüllung der Datensätze hat auch die Politik auf den Plan gerufen, der Druck auf Steueroasen steigt. Am Mittwoch beschlossen die Regierungen der 27 EU-Staaten auf ihrem Gipfel in Brüssel, Massnahmen um Steuerbetrügern das Handwerk zu legen.
(reuters/chb)