Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03240.jsonl.gz/3047

Das Rückenmark gehört wie das Gehirn zum zentralen Nervensystem und beinhaltet Nervenzellen und Nervenfasern. Die Gründe für eine Störung der Rückenmarksfunktion sind vielfältig. So können traumatische, häufig durch einen Unfall bedingte Schädigungen, aber auch autoimmun-entzündliche, degenerative (Verschleiss), durchblutungs- oder tumorbedingte Prozesse zu einer Beeinträchtigung des Rückenmarks führen. Auch Infektionen und seit Geburt bestehende Deformationen im Bereich der Wirbelsäule gehören zu den Faktoren. Traumatische Rückenmarkverletzungen sind häufiger bei jungen Menschen, wobei nicht-traumatische, also krankheitsbedingte Schädigungen des Rückenmarks eher die ältere Bevölkerung betreffen.
Mehr krankheitsbedingte als unfallbedingte Rückenmarksverletzungen
Aufgrund der weltweiten Altersentwicklung wird geschätzt, dass in wenigen Jahren die Häufigkeit der nicht-traumatischen Rückenmarkverletzungen, also jene die krankheits- und nicht unfallbedingt auftreten, höher sein wird, als jene von traumatischen Schädigungen (World Health Organization, The International Spinal Cord Society, 2013). Trotz verschiedener Ursachen sind die Folgen von Störungen des Rückenmarks häufig ähnlich. Sie beinhalten Lähmungen von Muskeln der Beine (z.B. Paraparese/Paraplegie) und der Arme (z.B. Tetraparese/Tetraplegie), den Verlust von Sensibilität sowie Störungen der Harnblase, des Darms und der Sexualfunktionen, die das Leben der betroffenen Menschen wesentlich verändern können.
Frühzeitige und korrekte Diagnose als Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung
Erste Symptome für eine Erkrankung des Rückenmarks können plötzlich auftretende oder auch langsam, über Tage hinweg zunehmende und häufig beidseitige, gürtelförmige Rückenschmerzen sein. Dazu kommen zudem oft Lähmungen und Fühlstörungen an Händen und Füssen. Das Auftreten von Urin- und Stuhlinkontinenz sowie ein Harnverhalt können ebenfalls auf eine Störung des Rückenmarks hinweisen. Sollten solche Symptome auftreten, empfehlen wir eine weitergehende Abklärung in einem spezialisierten Zentrum mit guter Vernetzung der unterschiedlichen medizinischen Disziplinen wie Neurologie, Neurourologie, Neurochirurgie und Radiologie. Eine möglichst frühzeitige und korrekte Diagnose ist die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung. So stehen heute für viele der verschiedenen Erkrankungen des Rückenmarks hochwirksame Therapien zur Verfügung. Ausserdem ist eine fachgerechte Nachsorge mit Verhindern von möglichen Komplikationen nach einer Rückenmarkschädigung unverzichtbar. Das Ambulatorium des Zentrums für Paraplegie Balgrist (ZfP) bietet eine Anlaufstelle für Patienten mit Verletzungen und Erkrankungen des Rückenmarks.
Ambulatorium ist Anlaufstelle für alle Arten von Rückenmarksverletzungen
Im Ambulatorium des ZfP behandeln und betreuen wir seit vielen Jahren Menschen mit Schädigungen des Rückenmarks – und zwar nicht nur stationär, sondern auch ambulant. Der bisher traditionelle Schwerpunkt auf die Behandlung und Nachsorge von Menschen mit traumatischen Rückenmarkverletzungen wird in Zukunft weiter ausgebaut. Das Ambulatorium soll sich aber auch als eine Anlaufstelle für Menschen mit jeder Art von Rückenmarkschädigung etablieren. Ausserdem soll es auch ambulanten Patienten möglich sein, in Zukunft an Forschungsprojekten teilzunehmen. Zur Erbringung und weiteren Optimierung der bereits erreichten Qualität bei der Versorgung von Menschen mit Querschnittverletzungen und in der Dekubitusbehandlung (Behandlung von Druckgeschwüren) konnte der bisherige Leiter des Ambulatoriums, Herr Dr. med. Jörg Henauer, als Konsiliarius gewonnen werden. Durch die fortgeführte enge Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Disziplinen am Zentrum für Paraplegie Balgrist wird damit auch weiterhin eine interdisziplinäre und patientennahe Behandlung im „Ambulatorium für Rückenmarkerkrankungen“ möglich sein.