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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron

Der erste Tag. Erste und zweite Homilie (Gen 1,1-5)
V. Kapitel. Die Schöpfung, ein Spiegelbild der Größe Gottes, kündet des Schöpfers Lob. Die Welt kein Schatten, kein Abglanz Gottes; Bild und Abglanz des Vaters der Sohn Gottes.
18.
Nicht umsonst sicherlich lesen wir: „geschaffen“; denn1 gar manche Heiden, welche die Welt gerne als den Schatten der göttlichen Kraft, gleichewig mit Gott hinstellen möchten, behaupten, sie subsistiere von selbst. Wiewohl sie zugestehen, daß sie ihren Grund in Gott hat, wollen sie doch diesen Grund nicht aus seinem Willen und Walten hergeleitet wissen, sondern nach Analogie des Schattens, der seinen Grund in einem Körperding hat. Der Schatten folgt ja dem Körper, und der Strahl dem Lichte mehr infolge einer [S. 23] natürlichen Zugehörigkeit als einer freien Willensbestimmung. Mit feiner Berechnung also betonte Moses: „Gott hat den Himmel und die Erde geschaffen“. Er sagte nicht: Er hat sie subsistieren gemacht; er sagte nicht: er hat der Welt die Ursache des Seins mitgeteilt, sondern: er schuf als der Gütige, was da frommte, als der Weise, was ihm als das Beste dünkte, als der Allmächtige, was er als das Erhabenste voraussah. Wie aber hätte die Welt ein Schattenwurf sein können, nachdem kein Körperding da war? Von der unkörperlichen Gottheit konnte doch kein Schatten fallen. Wie könnte desgleichen von einem immateriellen Lichte ein materieller Glanz ausstrahlen?
1: Die Begründung nach Basil., l. c. 7.