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Donnerstagmorgen um 07.30, hohe Luftfeuchtigkeit, Dunst und 20 Grad.
Die Vergangenheit und die Gegenwart von Karlskrona sind vielfältig und auf einer vorgeschlagenen Tour live zu erleben. Die Stadt wurde nach den Visionen von König Karl XI. gegründet. Ihr Anfang liegt ihm Jahr 1679, fast zeitgleich mit der Entstehung des Marinehafens und der Werften. Einst wurden Kriegsschiffe mit Kanonen bestückt auf Kiel gelegt.
Wir marschieren dem Kai entlang zur Insel Stumholmen. Felix verlässt mich, weil er das Marinemuseum besuchen will. Einen Bericht darüber wird er nicht schreiben. Ich laufe weiter zur Marineschule. Die dunkelrote Admiralitätskirche aus 1685 im abgesperrten Marinegelände darf besichtigt werden.
Vor der Kirche wacht der “Alte Rosenbohm“, aus Selma Lagerlöfs Buch “Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“. Nach einer Legende erfror der ehemalige Gefreite Matts Rosenbohm in der Neujahrsnacht 1717 vor der Kirche. Er wurde am Morgen mit ausgesteckter Hand, den Hut tief über die Ohren gezogen und mit einem Bettlersack auf dem Rücken gefunden. In Gedenken an ihn sollen die Kirchgänger seinen Hut abheben, um eine Münze in die Armenbüchse zu werfen.
Das Werftgelände und der Marinestützpunkt sind vor neugierigen Blicken mit einer hohen Steinmauer geschützt. Korvetten und U-Boote werden in den Werften gebaut. Sie kommen bei UN-Missionen zum Einsatz. Die Mauer zieht sich hin bis zum Björkholmen. Ein Quartier auf der Anhöhe eröffnet sich aus niedlichen, alten Kleinhäusern und neuen Mehrfamilien- und Reihenhäusern, alle aus Holz. Kein Gemauertes wird geduldet.
Von hier sehe ich direkt zur Borgmästarekajen. Davor liegt ein Hafen mit lauter kleinen Motorbooten. Das Bild zeigt nur einen Ausschnitt.
Über den Fisktorget, da die Ausflugsschiffe liegen, erreiche ich den Stortorget. Er ist der monumentaler Hauptplatz der Stadt. Das Rathaus, die Frederikskirche und die Dreifaltigkeitskirche begrenzen ihn. Die Frederikskirche hebt sich innen von den schwedischen Kirchen ab. Die Gestaltung ist modern. Alte Kirchenbänke suche ich vergebens. Sie sind durch bequeme Stühle ersetzt. Der elliptische Taufstein und eine Kerze davor sind gekonnt in Szene gesetzt. Der Innenraum wirkt leicht und hell. Die Umgestaltung erfolgte von 2015 bis 2018 unter der Leitung eines dänischen Architekten. Die Statue des Stadtgründers Karl XI. thront auf einem hohen Sockel und umgeben von Fahrzeugen – schade um den Platz.
Die Ronnebygatan durchquert die Altstadt von Ost nach West, eine Strasse mit Barockbauten und Shops in den Erdgeschossen.
Felix findet sich am späten Nachmittag im Boot ein. Das Marinemuseum war umfangreich. Die ausgemusterten Schiffe konnte er nicht alle besichtigen, weil sie bereits um 16.00 geschlossen wurden. Am Abend suchen wir gemeinsam die Ronnebygatan und Stortorget auf. Felix hat bisher die prächtigen Barockbauten nicht gesehen.