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Name: martin Permalink: http://tierrechtsforen.de/1/7406/9728

Datum: 22.07.12 18:28
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> Fangen wir mit der Klammer an: Du kannst ein "elementares
> Recht" nicht "per Analogie" zu ihm selbst, also mit Verweis
> darauf begründen, dass es eben irgendwo schon "existiert",
> anerkannt ist. Das ist ein rein deskriptiver Zirkel. Das ist
> genau gar nicht argumentativ.
Wenn man das Ziehen von Analogien isoliert, kann man vielleicht wie du argumentieren. Ich habe jedoch vorausgesetzt (wohl vorschnell), dass man Selbstverständlichkeiten mitbedenkt. Die sind hier: Nicht das Ziehen der Analogie zu anderen Rechten ist das Argument allein, sondern, unter der Maßgabe, dass diese anderen Rechte gut begründet sind, eben diese Begründung. (Erstens, und zweitens die daraus resultierende Notwendigkeit logischer Konsistenz.) Heißt: Dass (die meisten) nichtmenschlichen Tiere elementare Rechte erhalten sollen, ist nicht deshalb notwendig, weil es diese Rechte bei Menschen gibt, sondern weil diese bei Menschen einer Begründung unterliegen, die für die nichtmenschlichen Tiere ebenso zutrifft. (Und man diesen Widerspruch nicht ignorieren kann, ohne inkonsistent zu handeln.)
> Und genau dieses "war schon immer so" ist Dein
> "kontraktualistisches Verständnis", denn dort soll es
> angeblich in grauer Vorzeit zwischen Leuten, von denen wir
> irgendwie (teilweise) abstammen, auf Basis irgendwelcher
> "Naturzustands"-Frustrationen ein allgemeines implizites
> Übereinkommen zur Errichtung einer "legitimen staatlichen
> Ordnung" gegeben haben.
Ich sehe das Problem. Du verwechselst (bzw. vermischst) Kontraktualismus mit Naturrecht. Kontraktualismus ist das Gegenteil von Naturrecht.
Zitat:
Vertragstheorie, eine sozialphilosophische Anschauung, nach der sich die Menschen als gleiche und freie Wesen aufgrund eines Vertrages (Kontraktes) zu Staat und Gesellschaft zusammengetan haben. Der Kontraktualismus geht von der Vernunft der Menschen aus und basiert auf dem Tauschprinzip; so geben bei T Hobbes die Menschen ihre je spezifische Macht auf, um Sicherheit von ihren Mitmenschen einzuhandeln, so verzichten aus dem gleichen Grund bei J.-J. Rousseau die Menschen auf ihre natürliche Freiheit. Die Vorstellung eines Gesellschaftsvertrages löste in der bürgerlichen Gesellschaft die als irrational angesehene Vorstellung einer natürlichen Soziabilität des Menschen - und damit zugleich der Natürlichkeit der societas civilis - ab, indem die Herrschaftsverhältnisse nun vom rationalen Handeln der Menschen abhängig gemacht werden.
(http://www.wirtschaftslexikon24.net/e/kontraktualismus/kontraktualismus.htm)
Die zweite Unterstreichung ist das, was du wohl im Sinn hast. Kontraktualismus sagt hingegen, es gibt keine natur- oder gottgegebenen Rechte. Alle Rechte, sind ausgehandelt und können prinzipiell immer wieder neu verhandelt (verändert, erweitert, eingeschränkt) werden.
> Abgesehen davon, dass sämtliche Vertragstheorien nur
> Gedankenexperimente und daher zur Erklärung "bestehender
> Rechte" per se untauglich sind,
So halb. Es ist richtig, dass gegenwärtiges Recht verschiedene Begründungen und Prinzipien hat. Das ändert nur nichts daran, dass ein rein kontraktualistisches Recht ein Ideal ist bzw. sein sollte (und etwas anderes habe ich nicht gesagt).
> Dass auch sogenannte Freiland- oder Bioeier nicht leidfrei
> "produziert" werden, ist ja Konsens (unter uns jedenfalls).
> Dass empfindsame Wesen prinzipiell motiviert sind, ihr
> eigenes Leid zu reduzieren, ebenfalls. Daher ist es offenbar
> nicht nur summarisch sondern auch interindividuell eine
> sinnvolle Strategie, auch im Umgang miteinander gegenseitig
> Leid zu vermeiden, zumal komplett unnötiges. Wende dies auf
> die Eier an, und Du kommst ohne "Gedankenexperimente" aus -
> und ohne Fehl- und Zirkelschlüsse.
Und wenn jemand sagt, ihm oder ihr sei Leidvermeidung egal und wenn er Eier essen wolle, werde er oder sie das tun? Wenn diese Person fragt, mit welche Recht du sie davon abhalten willst?