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Eine reiche Geschichte gleicht einem vollgepackten Rucksack. Wir lernen aus der Vergangenheit und der Arbeit unserer Vorfahren für die Zukunft unserer Firma.
Johann und Emma Wyler übernahmen 1901 in Anstellung die Schlossgärtnerei von Schloss Landshut. Es gehörte zu dieser Zeit der Familie von Sinner, die bei Ollon (VD) das Rebgut «Maison Blanche» besass. 1905 wurde das Schloss an den in Wohlen (AG) heimatberechtigten und in Florenz als Fabrikant von Strohhüten tätigen Jules Bruggisser verkauft. Bereits 1925 erwarb es Karl Robert Gerold Rütimeyer aus Basel, der als Besitzer mehrerer Farmen im Nildelta in Alexandria/Ägypten lebte. Im Sommer aber floh vor der nordafrikanischen Hitze nach Landshut und gab dort viele schöne und legendäre Feste.
Johann und Emma Wyler hatten einen Arbeitsraum, an den links und rechts zwei Treibhäuser angebaut waren. Unter dem Arbeitsraum war ein Kohleofen, der bei zweistelligen Minustemperaturen um 1.00 Uhr nachts neu eingefeuert werden musste, damit der Raum am Morgen warm war.
Emma war eine strenge, korrekte, gläubige und gutherzige Frau. Sie trug immer eine grüne Gartenschürze, in deren Taschen sie das Geld aufbewahrte. Während der Versorgungskrise und der damit verbundenen Rationierung von Lebensmitteln im ersten Weltkrieg, hatte sie für alle Mitarbeitenden ein mit ihrem Namen besticktes Säcklein genäht, in das sie ihnen jeweils Brot steckte.
Im Jahr 1937 übernahmen die Gebrüder Fritz und Werner Wyler als 2. Generation die Leitung des Betriebs. Sie kauften den angrenzenden Bauernhof und führten die Landwirtschaft mit der Tierhaltung weiter, weil sie dadurch auch den Mist als Dünger einsetzen und damit Geld sparen konnten. Zudem konnten täglich 18-20 Liter Milch in die Käserei gebracht werden. An der Schlossstrasse 1 wurden in dieser Zeit die zwei ersten Treibhäuser errichtet und der Betriebszweig Gartenunterhalt fortwährend erweitert.
Alle Angestellten waren damals in Kost und Logis. Einer von ihnen war der Knecht Fritz Schär. Er wohnte während 47 Jahren bei Wylers und sass mit der Familie am Tisch.
Fritz und Frieda fuhren während vielen Jahren auf den Markt in Solothurn. Die Markteinnahmen waren ein wichtiges Standbein. Zuerst zweimal wöchentlich Mittwoch und Samstag, danach nur noch am Samstag. Vater hatte Fritz eingeschärft: «Du musst immer auf den Markt. Dann hast du am Mittag das Geld in der Hand, ohne dass du eine Rechnung stellen und auf das Geld warten musst.»
Immer vor Ostern waren die beiden mit ihren Bogenkörben, vollgepackt mit dem ersten eigenen Salat, im Zug nach Solothurn anzutreffen. Nicht selten hatten sie bis nach Solothurn die meisten Salatköpfe bereits verkauft. Die anderen Waren wurden in grossen Transportkörben verpackt am Vorabend des Marktes mit einem Handwagen von der Schlossstrasse an den Bahnhof gebracht und dort in den Zug verladen. In Solothurn wurden sie von einem Camionneur abgeholt und auf den Markt gebracht.
Der dritte Bruder Hans nahm jeweils, gemütlich seine Brissago rauchend, mit einem eisenbereiften Karren den Weg nach Fraubrunnen unter die Füsse, um dort Kastanien zu schneiden. Das lag bei einem damals üblichen Stundenlohn von circa 1 Franken drin.
Man hatte damals auch sogenannte «warme Kästen» (Couchen). Mit Pferdemist erstellte man einen «warmen Fuss». Zuerst wurde die Erde aus dem Kasten geschaufelt. Dann wurde auf dem Grund Sand aus dem Kieswerk Utzenstorf eingebaut und darauf eine Schicht Pferdemist mitsamt uringetränktem Stroh ausgelegt. Darüber kam dann die fruchtbare Erde. Der Mist war ein idealer Dünger und das Stroh gab die Wärme ab für die Lauch-Setzlinge, die anfangs März, immer in der Woche, in der die Landfrauen tagten, in die Erde eingepflanzt wurden.
Ende 1957 hatte der Grosse Rat des Kantons Bern dem Kauf der Schlossbesitzung durch den Staat Bern zugestimmt. Der Kaufpreis betrug lediglich 250'000 Franken. Die Gemeinde Utzenstorf beteiligte sich mit 15%. Der Betrieb der schlosseigenen Gärtnerei wurde aber vom neuen Besitzer eingestellt.
Fritz und Frieda hatten einen Sohn Fritz, Werner und Marie hatten zwei Töchter und einen Sohn, die aber kein Interesse an der Führung einer Gärtnerei hatten. Werner verliess nach der Übernahme des Betriebs durch seinen Neffen Fritz Utzenstorf und zog mit seiner Familie nach Uetendorf.
Vater Fritz gab seinem Sohn Fritz zahlreiche wertvolle Tipps mit auf den Weg. «Das Geld aus dem Muttertags-Verkauf musst du für den Kauf des Heizöls verwenden.» Oder: «Wenn es Schnee hat oben auf dem Weissenstein, dann musst du immer die Couchen decken, denn es besteht die Gefahr von Frost.»
Fritz und Ida Wyler übernahmen im Jahre 1969 den Betrieb an der Schlossstrasse 1, während die Schlossgärtnerei einem Parkplatz weichen musste.
Ida hatte bei der benachbarten Mühle Beck als Köchin gearbeitet. Sie musste den Herrschaften und ihrem Besuch dann auch pünktlich das mehrgängige Essen auftragen. Damit alles wie am Schnürchen und ohne Wartezeiten ablief, hatte Frau Beck unter dem Tisch einen Klingelknopf, auf den sie treten konnte. Der Klingelton war aber nur in der Küche zu hören.
Der Gärtner von Hermann und Verena Beck erzählte Fritz von der hübschen und tüchtigen Frau in der Küche und meinte: «Du musst mal vorbeikommen.» Das tat Fritz dann auch. Vielleicht hat der Gärtner seinen Tipp danach bereut.
Die 3. Generation hat massgeblich zur Weiterentwicklung und zur Modernisierung beigetragen. So wurden etliche bauliche Massnahmen umgesetzt: das Haus wurde neue gedeckt, ein Studio eingebaut, eine Garage erstellt und die Brücke über den Bach errichtet. Zudem liessen Fritz und Ida mehrere Frühbeet-Kästen durch moderne Glas- und Folienhäuser ersetzen. Die Bereiche Unterhalts- und Gartenbauarbeiten bauten sie gezielt aus und machten sie damit zu den zentralen Standbeinen ihres wachsenden Unternehmens.
Einer ihrer Mitarbeiter, Peter Fankhauser, war als Hilfskraft und Kundengärtner während 45 Jahren und drei Generationen bei Wylers in Kost und Logis. Er war besonders gerne morgens in Pfarrer Bürgis Garten beschäftigt. Da gab es ein reichhaltiges Znüni.
Das Ehepaar Wyler schaute gut zu seinen Mitarbeitenden und pflegt auch heute noch viele gute Kontakte. Die Mutter einer ehemaligen und längst selber verheirateten Lehrtochter, backt Fritz und Ida noch heute ab und zu einen Zopf. Erika Dubach, die erste Gärtnerin, die bei Wylers in Kost und Logis war, besuchte sie an Fritz’ 80. Geburtstag, eine andere besuchte mit ihnen den Rosengarten in Bern. Eine Mitarbeiterin, die 9 Jahre bei Wylers arbeitete, lud Ida am 80. Geburtstag zum Essen ein.
Ida und Fritz haben zwei Söhne. Fritz Junior und Markus. Markus liebt Sport. Er wollte sich nicht mit den zeitlichen Einschränkungen belasten, welche die Leitung einer Firma mit sich bringt. Darum war der Weg frei, dass Fritz Junior den Betrieb übernehmen konnte.
1996 übergaben Fritz und Ida Wyler der 4. Generation Fritz Junior und Monika Wyler einen gut geführten und modernen Betrieb mit einem grossen Kundenstamm.
Im Jahre 2004 bauten Fritz und Monika Wyler einen Blumenladen im Blockhaus-Stil. Für die gelernte Floristin erfüllte sich damit ein Traum. Die Abteilung Gartenbau wurde weiter ausgebaut und modernisiert. Ein neuer Werkhof mit einer grosszügigen Bürofläche und einem Aufenthaltsraum für das Personal konnte 2014 eingeweiht werden.
2021 wird die Familie Wyler das 120-jährige Bestehen ihres Betriebes feiern können.