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Citoyen Nobel
Regie: Stéphane Goël
Mitw.: Jacques Dubochet u.a.
Der 1942 in Aigle geborene Biophysiker Jacques Dubochet erhielt 2017 den Chemie-Nobelpreis für das von ihm entwickelte Verfahren der Kryo-Elektronenmikroskopie. Nach Bekanntwerden dieser höchsten Auszeichnung in einem Forscherleben wurde der freundliche Pensionär an seinem Wohnort Morges von Reportern aus aller Welt bestürmt. Von einem aufdringlichen Videojournalisten eines Westschweizer Lokal-TV-Senders besonders heftig bedrängt, er solle doch bitte den Zuschauern in wenigen Worten erklären, für welche Erfindung er eigentlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden sei, antwortete Dubochet: «Pour de l’eau, de l’eau froide.» Trockener Humor und überbordender Einfallsreichtum sind zwei Eigenschaften, die den zufrieden strahlenden Herrn mit dem sorgfältig gestutzten weissen Bart auszeichnen. Stéphane Goëls Film lebt von der charismatischen Präsenz des bescheiden gebliebenen Nobelpreisträgers, der sich in erster Linie als engagierter «Citoyen» sieht. Aus diesem Selbstverständnis heraus solidarisiert er sich mit der Klimajugend, trifft dabei auch Greta Thunberg, setzt sich für Flüchtlinge ein und ist als SP-Mitglied aktiv im Gemeinderat von Morges. Der 1965 in Lausanne geborene Stéphane Goël hat als Regisseur im Laufe seiner langen Karriere Dokumentarfilme unter anderem über die Sandinisten in Nicaragua («Qué viva Mauricio Demierre»), ein Arbeitsgericht in Lausanne («Prud’hommes»), eine Bergwanderung mit seinem am Lebensende stehenden Vater («Fragments du paradis») und zuletzt über die Nachkommen des Berner Aristokraten Alfred von Rodt auf einer einsamen Insel vor der Küste Chiles («Insulaire») realisiert. Damit beweist Goël, der auch als Produzent für andere Regisseure tätig ist, eine grosse thematische Vielfalt, wie man sie unter Schweizer Cineasten selten findet. Seine Fähigkeit zur Empathie mit seinen Protagonisten zeigt sich auch in «Citoyen Nobel», der im Januar an den Solothurner Filmtagen seine Weltpremiere im Wettbewerb um den «Prix de Soleure 2020» hatte. Dort wurde der Film vom Publikum enthusiastisch aufgenommen und sein Protagonist wie ein Popstar gefeiert.