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Die Bundesanwaltschaft hat ein verschwiegenes Schweizer Unternehmen zu einer Millionenstrafe verurteilt. Die Korruption führt nach Südamerika.
Der ganze Skandal dürfte der Schweiz wieder einmal peinlich sein. Doch die Lehren daraus sind nützlich.
Die Schweizer Bundesanwaltschaft BA verurteilte das Unternehmen aus der Romandie Sicpa SA wegen strafrechtlicher Verantwortlichkeiten im Zusammenhang von Korruption.
Auch Gefängnisstrafe
Die Strafzahlungen betragen 81 Millionen Franken, teilte die Behörde überraschend am heutigen Donnerstag mit.
Gegen einen ehemaligen Verkaufsleiter der Sicpa werde zudem eine bedingte Freiheitsstrafe von 170 Tagen verhängt, hiess es weiter.
Die Firma, die hauptsächlich Sicherheitsfarben für den Druck von Geldscheinen herstellt und sich seit über 100 Jahren in Familienbesitz befindet, sowie der ehemalige Mitarbeiter akzeptierten die verhängten Strafen.
Compliance als Problem
Aufgrund von organisatorischen Mängeln sei es Angestellten der Sicpa möglich gewesen, im Zusammenhang mit Geschäften in Brasilien, Kolumbien und Venezuela Bestechungszahlungen an Amtsträger vorzunehmen, teilte die höchste Strafbehörde des Landes zu den Hintergründen des Falls mit.
Die organisatorischen Mängel zeigten sich insbesondere in den Bereichen Corporate Governance, Risikomanagement und Compliance.
Hinweise für andere
Wie lauten die Lehren aus der Angelegenheit? Familienunternehmen müssen demnach auch gewisse Standards in den erwähnten Bereichen wahren, wie etwa Firmen an Börsen.
Die BA verurteilte das Unternehmen nämlich zu einer Busse in der Höhe von 1 Million Franken und zu einer Ersatzforderung im Umfang von 80 Millionen Franken, die im Zusammenhang mit den Bestechungsgeschäften entstanden sein dürfte.
Auf Basis von Bestechung lohnen sich Kaufabschlüsse also nicht.
Namentlich habe sich der ehemalige Verkaufsleiter der Sicpa die Situation mit den organisatorischen Mängeln zunutze gemacht und wurde von der BA der Bestechung fremder Amtsträger für schuldig befunden.
Zwischen 2009 und 2011 hatte er auf den Märkten Kolumbien und Venezuela mehrere Bestechungszahlungen an dortige hochrangige Amtsträger geleistet.
CEO mit blauem Auge
Das gegen denselben Verkaufsleiter geführte Verfahren wegen Verdachts der Veruntreuung und Geldwäscherei wird eingestellt, da kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt.
Das Verfahren gegen den CEO sowie den Hauptaktionär der Sicpa wird ebenfalls eingestellt. Die BA verpflichtete ihn aber zur Übernahme eines Teils der Verfahrenskosten und sprach ihm keine Entschädigung zu.
Sicherheitsdruckfarben für Geld
muula.ch recherchierte über die verschwiegene Firma etwas.
Laut Handelsregister wird das Unternehmen aus Prilly VD von Philippe Amon geführt, und es sind gleich dutzende Personen zeichnungsberechtigt. Ausserdem wurde gerade eine Sicpa Latam gegründet und eine Tochtergesellschaft in Äthiopien liquidiert.
Die Hauptniederlassung befindet sich in Lausanne.
Die Firma wurde beispielsweise bekannt, weil sie die Farben der Euro-Geldscheine, bei Steuermarken in den USA oder bei Alkohol-Steuerlabel lieferte.
Ein Geschäftsfeld ist aber auch das Anbieten von Sicherheitslösungen bei Dokumenten, wie Reisepässen, oder Rubbel-Lotteriescheinen.
27.04.2023/kut.