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Während auf den Strassen von Paris am 7. Dezember 2018 die „Gilets jaunes“ demonstrierten, sass der amtierende Präsident der FIFA, Gianni Infantino, dem Präsidenten der Republik Frankreich, Emmanuel Macron, in dessen Salon gegenüber. Beide hatten ein Thema: Wie überführen wir den Sitz des Weltfussballverbandes aus der Schweiz wieder nach Paris zurück?
In Paris war die FIFA im Jahr 1904 von sieben nationalen Fussballverbänden, darunter der Schweiz, gegründet worden. 1932 erfolgte die „Züglete“ in die Schweiz.
Die FIFA von heute ist nicht mehr die FIFA des letzten Jahrhunderts. Mit Hilfe der globalen TV-Anstalten war es ein anderer Schweizer, der Walliser Sepp Blatter, für den ich lange tätig war, der zwischen 1998 und 2015 den Weltfussball als global grösste Sportorganisation schuf.
Mit den Milliarden aus Sponsoren- und TV-Rechten, die seither in die Kassen der FIFA fliessen, machte Blatter Afrika zu einem Fussball-Kontinent, er schuf den modernen Frauenfussball und öffnete die Türen der FIFA für Asiaten und die Chinesen. Zum Schluss führte Sepp Blatter ein Reich von über 200 Nationen, in fünf Konföderationen gegliedert und mit über zwei Milliarden Menschen, die seither nur eines im Kopf haben: den Fussball.
In einem scheiterte er: Er wollte die Fussball-Weltmeisterschaften 2018 nach Russland bringen, was gelang, und 2022 in die USA. Da stand ihm Nicolas Sarkozy, der französische Kurzzeit-Präsident, im Weg, der die Spiele in Katar haben wollte. Es war Blatters Freund Michel Platini, der ihn „verriet“, indem er dem Befehl Sarkozys folgte.
Im Frühjahr 2014, als ich Präsident Blatter in seinem prachtvollen Büro am Hauptsitz der FIFA besuchte, hätte ich bereits wissen müssen, dass Blatters Zeit abgelaufen war. Vor seinem Büro begrüsste mich eine hochrangige Mitarbeiterin, der ich hie und da einen Strauss Blumen geschenkt hatte, mit den Worten: „Vergessen Sie nicht. Hier ist Sepp Blatter“ (und sie wies auf sein Büro), „und dort ist die FIFA“ (wobei sie hinter sich in die anderen Büros zeigte.
Während Sepp Blatter seine Wiederwahl als FIFA-Präsident im Jahr 2015 vorbereitete, hatten seine engsten Mitarbeiter längst entschieden, er müsse weg. Sepp Blatter, der erfolgreichste Präsident, den der Weltfussball je hatte, stand einer ehrgeizigen Clique aufstrebender FIFA-Manager im Weg. Er schlug die Putschisten noch einmal, als er später glanzvoll wieder gewählt wurde.
Fünf Tage später rief er mich nachmittags im Büro an und sagte: „Klaus, ich stelle mein Mandat zur Verfügung.“ Ich sagte: „Sepp, hast Du Dir das gut überlegt? Es gibt keinen Grund für einen Rücktritt.“ Er tat es.
Heute sagt Blatter: „Ich hatte Druck aus der Familie. Ein Anwalt, der für die Amerikaner arbeitete und mein eigener Chefjurist Marco Villiger rieten mir zu diesem Entscheid.“ Solches sagte Blatter kürzlich gegenüber der NZZ.
Damit ging viel mehr zu Ende als nur Blatters Präsidentschaft. Die Ära der FIFA in Zürich war vorbei. Blatters Nachfolger Gianni Infantino veranlasste auf dem Zürichberg einen personellen Bluttransfer, vergab den jährlichen Spitzenanlass „Ballon d’Or“ nach London, wo er seither als „The Best“ durchgeführt wird.
Gleichzeitig nahm der langjährige FIFA-Partner „France Foot“ den Namen „Ballon d’Or“ nach Paris zurück und realisiert dort den gleichnamigen Anlass. Für Zürich ging dieser grosse Event verloren.
Infantino nahm Verhandlungen zum Verkauf der FIFA an arabische und andere Investoren vor und hat nun den Umzug der Zentrale nach Paris ins Auge gefasst. So die Analyse nach vielen Gesprächen.
Für Präsident Infantino wäre diese „Heimkehr“ des Fussballverbands nach Paris ein Triumph, für Emmanuel Macron, den französischen Herrscher, aber ein noch viel grösserer, sagt man doch in Frankreich: „Le foot, c’est nous.“
Dieser Umzug ist eine komplizierte personelle und steuerliche Massnahme, sind der FIFA doch Stadt und Kanton Zürich steuerlich sehr entgegen gekommen. Und es war Bundesrat Ueli Maurer, der Sepp Blatter immer seiner ewigen Freundschaft versicherte.
Jetzt gilt nichts mehr. Die Feier „100 Jahre FIFA in der Schweiz“ wird wohl in Paris stattfinden, denn mit einigem Glück darf Zürich das FIFA-Museum als letzte Erinnerung an eine Goldene Zeit behalten.
Die Schweiz verliert mit der FIFA eine ihrer grossen Attraktionen. Gelebt haben davon alle: die Banken, die Versicherungen, Hoteliers und Restaurantbesitzer, die Autovermieter und die Sicherheitsfirmen.
Während Sepp Blatter, der auch die grosse Zeit des Schweizer Fussballs miterlebt hatte, sich immer zur FIFA in der Schweiz bekannte, ist Gianni Infantino in der Deutschen Schweiz ein Fremder geblieben. Als ehemaliger Generalsekretär der UEFA in Nyon hat der Italo-Schweizer immer mehr nach Paris geblickt als auf das biedere Zürich.
In Paris kann sich die FIFA unter dem Schutz des Staatspräsidenten zu einer neuen Grösse entfalten, die in der Schweiz, die sich in vielem zu einer „Heidi Schweiz“ zurück entwickelt, kaum möglich gewesen wäre. Dann wäre auch der Verkauf der FIFA an arabische und andere Grossaktionäre viel einfacher zu arrangieren.
Auch Sepp Blatter hat den Sprung aus dem Oberwallis in die Deutsche Schweiz und die Welt geschafft. Heute ist der 83jährige ein junggebliebener Gentleman in guter körperlicher und geistiger Verfassung. Kein Gericht führt bisher einen Prozess gegen ihn. Die von der Ethik-Kommission der FIFA unter fragwürdigen Voraussetzungen auferlegte Karenzzeit vom Fussball geht bald zu Ende.
Die NZZ haut heute in diese Kerbe. Sie lässt den ebenfalls im Strudel steckenden Ex-Präsidenten des Deutschen Fussballbunds ausführlich zu Wort kommen. Der lässt an den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft kein gutes Haar. Die Schweizer Strafbehörde betriebe „Beschäftigungstherapie“, auf Kosten der Steuerzahler.
Interessant sind erstmals erhobene Vorwürfe von Ex-Fifa-Generalsekretär Urs Linsi, gegen den breit ermittelt wird. Linsi sagte laut NZZ rund um eine heikle 10-Millionen-Zahlung in zeitlichem Zusammenhang mit der Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften an Deutschland vor 13 Jahren, dass er 2 Jahre vor der WM im Nachbarland den einflussreichen Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus in dessen Villa in Zollikon besucht hätte, um über die Geldzahlung Richtung Middle East zu im Geheimen zu reden.
Das soll Linsi laut NZZ in seinem Steuerstrafverfahren in Deutschland gegenüber den Fahndern gesagt haben. „Linsis Aussagen tönen sehr abenteuerlich“, gibt sodann die Zürcher Zeitung Blatter wider.
Blatters professionelle Beratung wird von Grössen des Weltfussballs und der Politik wieder geschätzt. Sepps Charisma hat die letzten Nebelwolken schon heute durchstossen. Er ist ein gesuchter Referent.
Morgens, beim Rasieren, tanzt er bereits wieder. Das ist ein gutes Zeichen.
Klaus Stöhlker ist ein langjähriger PR-Berater von Joseph Blatter.