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Menschen auf der Berninabahn
Die Eisenbahn ist nicht Selbstzweck - sie befördert Güter und Personen, verbindet Dörfer, Regionen und Kulturen. In diesem Kapitel publiziere ich Aufnahmen, bei welchen die Berninabahn in den Hintergrund rückt und auf denen die Menschen sprechen sollen.
Prächtiges Titelblatt von "Orell Füsslis Illustrierte Wochenschau" vom 6. August 1926
Direktor Zimmermann unternahm grosse Anstrengungen, die Berninabahn mit ihren Vorzügen publik zu machen. Es war auch sehr nötig, der Bahnunternehmung ging es schon damals sehr schlecht. Uns erhalten bleibt diese grossartige Aufnahme von zwei voll besetzten Aussichts-Wagen in der grossen Kurve von Alp Grüm. Wenn das nur nicht so eine ernste Sache wäre...
Die Masten stehen noch auf der Innenseite und gut sichtbar ist auch das Einfahrtsignal mit zugehöriger Lampe.
Die Vergrösserung zeigt acht bis neun Personen, meine ich. Von links nach rechts:
Kaum sichtbar am Rand ein Soldat, fast wie ein Gitarrenspieler. Daneben zwei Armeeangehörige auf Stühlen. Sehr interessant ist der mit zwei weissen Tafeln dastehende Soldat - ob er wohl eine Art Übermittlung damit macht? Von hier aus sind Poschiavo und die andere Talflanke gut sichtbar. Hinter der einen Tafel könnte noch eine Frau (Köchin) in hellem Gewand stehen, davor ein Soldat dem linken Fuss auf dem Geländer. In Bildmitte wischt wohl der sogenannte 'Hamburger' (Dienstjüngster) den Vorplatz. Im Schatten rechts bewacht einer mit umgehängtem Gewehr das Tunnelportal, zusammen mit dem Kollegen neben dem Gleis.
Das Cover des aufwendig gestalteten "Album 6. Division 1915"
Die Division umfasste Truppen aus den ostschweizer Kantonen St. Gallen, Graubünden, Thurgau, Glarus und Appenzell.
Das Buch ist voller Fotografien von diversen Kompanien während der Grenzbesetzung 1914-18, welche sie bei der Arbeit und bei Übungen zeigt.
Die obige Abbildung zeigt (einen Teil) der Füsilierkompanie I des Batallions 78, geleitet von Hauptmann Zuber. Nur die Bewachung des Val Varuna Tunnels dürfte nicht so viele Soldaten gebunden haben...
Eine einmalige Aufnahme aus dem Jahr 1912! Ein Familienfoto mit Kindern und Hund. Nicht nur die Tatsache, dass sich die Leute eine Bahnfahrt leisten konnten und die Kinder sehr elegant angezogen sind deuten auf eine wohlhabende Klientel hin, sondern auch der Fakt, dass überhaupt privat fotografiert wurde. Ich habe noch ein zweites Bild aus der gleichen Sammlung, welches Ospizio Bernina zeigt.
Gruppenaufnahme zu Beginn des 1. Weltkriegs:
Mit Karabinern bewaffnete und Munitionstaschen ausgerüstete RhB-Angestellte zusamenn mit drei Soldaten einer Einheit 165 (Geb Füs Bat?). Interessant die unterschiedlichen Uniformen der Bähnler, einer mit Krawatte und Karabiner. Vorne rechts ist der "Portier RhB" (gemäss Aufschrift auf dem Hut), er hat seinen Dienstrolli mit dem Karabiner ausgetauscht.
Aus der Sammlung J. Rayner (Dankeschön)
Zwei Fotos aus dem Familienalbum einer vermutlich ziemlich vermögenden Familie. Ins Auge sticht mir der überaus freundliche RhB-Angestellte. Die Ranke ist gegenüber 1914 ordentlich gewachsen!
Die Fotos sind Amateuraufnahmen und viele sind nicht gut geraten. Man besass also einen eigenen Fotoapparat. Das Fotobuch beinhaltet Fotos von folgenden Ferienreisen und Ausflüge: San Remo und Umgebung (Mai 1923), Zürich (Juni 1923), Rigi (Juli 1923), Gebensdorfer Horn, Schynige Platte (August 1923), Bernina/Pontresina (August 1923), Wattwil (Sept/Okt 1923), 1924 ging es nach Andermatt, Morgarten, Hallwyl, Galenstock, San Remo, Ventimiglia, Meran, Venezia, Disentis, Zugerberg
Eine herrliche Karte mit interessantem Hintergrund: Das Bild entstand im Sonderzug mit Kühen aus St.Gallen und Umgebung für die Alp, welche jeweils durch Polizisten der Stadtpolizei St.Gallen begleitet wurden.
Diese Fahrt auf dem Bild aus dem Jahre 1932 zeigt die Polizeimusik St.Gallen, die die Fahrt gerade als Ausflug in das Bernina-Gebiet nutzte.
Es sind solche Zusammenhänge und Geschichten, die das Salz in der Suppe ausmachen. Vielen Dank Florian Huber und Deinem Grossvater für dieses tolle Bild Deines Urgrossvaters!
Intereressante Fragen drängen sich auf:
- das muss ja ein grosses Fest gewesen sein, dass die Stadtpolizeit samt Polizeimusik die Kühe begleiteten. Musik für die Kühe, damit das Heimweh nicht so schlimm war?
- Wurden die Kühe wohl im Transit von Chur auf den Berninapass gebracht oder mussten die "umsteigen" in Pontresina?
- Schelm ist, wer schlechtes dabei denkt: Das sind ja grossmehrheitlich Frauen im Zug - und Polizistinnen gabs ja damals wohl noch nicht... :-)
Aus dem Berufsleben eines Stationsvorstands der Berninabahn
Von D. Villani habe ich Ende 2019 ein einzigartiges Fotoalbum Ihres Urgrossvaters Arnoldo Lardi erhalten. Alle Fotos findet Du, wenn Du auf das Bild klickst.
Ist das nicht eine stimmungsvolle Aufnahme? Zwei Herren geniessen die Pause und die Sonne in Alp Grüm und lassen sich neben dem BCe4 11 ablichten. Ich schätze, dass die Aufnahme aus den frühen 20er-Jahren stammt. Privatfotos waren damals noch eine äusserst luxuriöse Angelegenheit!
Capostazione Arnoldo Lardi mit 14 Arbeitern. Seine lederne Mütze zeigt, dass die Aufnahme noch zu Berninabahn-Zeiten gemacht woren ist. Im Hintergrund huscht eine Person durch die Türe. Es könnte sich aufgrund der Kleidung um einen Soldaten handeln. Dann wäre das Bild zwischen 1939 und 1940 entstanden (AL war bis 1940 dort tätig)
Wenn alle Männer auf dem Bild zur Berninabahn gehören, wäre das ein beträchtlicher Teil der Bahnarbeiter! Aus dem Album eines Berninabahners
Dieser junge Mann verbringt den Winterurlaub 1934 in Pontresina. Bei einem Ausflug nach St. Moritz wird er auf der Strassenbrücke am Ende des St. Moritzer Sees im tiefen Schnee abgelichtet. Das Strassenschild verfügte bereits ein Fahrverbot mit Ausnahmen. Im Hintergrund der Viadukt der Berninabahn über den noch jungen Inn.