Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03639.jsonl.gz/433

Alkoholkonsum und psychiatrische Risiken
Alkohol und psychische Störungen hängen oft zusammen. Es ist nicht immer einfach zu wissen, welches Problem für das andere verantwortlich ist. Wie dem auch sei, ein chronischer Alkoholmissbrauch steht sehr oft im Zusammengang mit einer Anzahl von Symptomen und psychiatrischen Problemen. Hier einige Beispiele von psychiatrischen Krankheitsbildern, die massgeblich mit dem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht werden.
Sie treffen häufig auf und dies vor allem gegen Ende der Nacht.
Denken wir daran, bevor wir ein letztes Glas während eines Barbecues am Ende des Abends trinken. Denn der Alkohol stört den Schlaf und führt zu Wachphasen, vor allem während der zweiten Hälfte der Nacht. Er verändert den Schlafrhythmus und begünstigt Erregung und Kopfschmerzen, Schweissausbrüche und das Schnarchen. Bei Menschen, die unter Atemproblemen leiden, werden diese verstärkt (Syndrom der Schlafapnoe).
Depression
Fast 80 % der abhängigen Alkoholtrinker leiden unter Depressionen. Die Ursache kann je nach Geschlecht unterschiedlich sein:
- Bei den Männern entsteht die Depression öfters nach einer Alkoholabhängigkeit (80 % der Fälle) und verschwindet kurz nach dem Entzug und es kommt zu einer Verbesserung der psychosozialen Bedingungen.
- Bei den Frauen ist die Depression oft vor dem Alkoholmissbrauch manifest (70 % der Fälle).
Die gravierendste Konsequenz der ‘Verbindung’ Alkohol-Depression ist das suizidale Risiko. Alkoholismus und Drogenabhängigkeit sind bei den Verstorbenen durch Suizid deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung [1].
Suizid
Der Alkohol ist – je nach Kultur – mit einem hohen Prozentanteil an den vollendeten Suiziden beteiligt. Die Alkoholkonsumation erhöht die Schwere der suizidalen Handlungen. Der Alkohol, wahrscheinlich durch die hervorgerufene Enthemmung, begünstigt die Verwirklichung der gefährlichen suizidalen Handlungen und dies sogar bei Gegebenheiten, die nicht mit grosser Verzweiflung einhergehen.
- «Die suizidale Krise ist häufig anzutreffen bei jugendlichen Alkoholabhängigen. Sie beinhaltet eines der Hauptrisiken im Verhalten der Abhängigen. Der Alkoholmissbrauch und die Abhängigkeit vervielfachen das Risiko einer suizidalen Krise um das Achtfache. Ein Drittel der suizidalen Krisen ist bei alkoholabhängigen Patienten oder solchen, die missbräuchlich Alkohol trinken, zu beobachten. Die suizidalen Krisen bei den Alkoholikern sind impulsiver Art.» [1]
Die Hauptfaktoren der Risiken suizidaler Krisen sind:
- die Depression
- die Arbeitslosigkeit
- Trennungen
- körperliche Krankheiten
- die Dauer und die Stärke des Alkoholismus
- die Verbindung mit einer Persönlichkeitsstörung
Generalisierte Angststörungen
Diese sind bei Abhängigen oft anzutreffen. Sind sie direkt induziert durch den Alkohol und gehen nach dem Entzug zurück. Man beobachtet bei abhängigen Personen eine erhöhte Anzahl an Sozialphobien, Panikstörungen, Agoraphobie und Zwangsstörungen gegenüber der allgemeinen Bevölkerung.
Psychose
Psychose bedeutet eine vorübergehende oder permanente Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit, verbunden mit einer veränderten Wahrnehmung der Realität. Der Alkoholmissbrauch, wie auch der Drogenmissbrauch, verursachen psychotische Störungen bei einer kleinen Anzahl von Konsumenten, die einhergehen mit Halluzinationen, Eifersuchtskrisen und Paranoia (Verfolgungswahn), manchmal auch mit Wahnideen.
Müdigkeit, Reizbarkeit, Zittern der Hände (= Tremor)
Von der Originalsprache Französisch ins Deutsche übersetzt: Theres Aeschbacher
Quelle
[1] Quels sont les relations entre crise suicidaire et alcool?, Pr. Jean Adès, Pr. Michel Lejoyeux, 2000.