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Zu Beginn des 19.Jahrhunderts führen die Touristenwege über die Alpen in den Süden noch nicht über den Gotthard- sondern über den Simplonpass. So entwickelt sich der Tourismus am Lago Maggiore zuerst im zu Italien gehörenden unteren Teil, beispielsweise in Stresa. Endlich ab 1831 bis zur Eröffnung der Gotthardbahn 1882 führt die Gotthardpost die Reisenden direkt ins Tessin, was ab 1850 vor allem in Lugano neue Hotelbauten auslöst.
1855 eröffnet in einem ehemaligen mittelalterlichen Kloster am Seeufer das Hotel du Parc. Dieses Hotel gäbe den Stoff für ein spannendes Buch. So kauft der Obwaldner Hotelpionier Franz Josef Bucher das du Parc 1899, nachdem er zusammen mit seinem Partner Josef Durrer die untere Stadt mit einer Zahnradbahn zum höher gelegenen Bahnhof verbunden und mit der Salvatorebahn den Aussichtsberg über Lugano erschlossen hat.
Das Hotel wird massiv vergrössert und 1904 als Grand & Palace Hotel wieder eröffnet. 1969 beginnt seine Geschichte erst so richtig. In diesem Jahr wird das Hotel nach Erbstreitigkeiten geschlossen und zwei Jahre später unter Denkmalschutz gestellt. Es verkommt zum Spekulationsobjekt und zerfällt zusehends. 1993 legen Brandstifter die Ruine in Schutt und Asche. Nur die Fassade bleibt stehen.
Und sechzehn Jahre später steht sie immer noch da, die leere Fassade, versteckt hinter Bretterverschlägen. Da kann man sein Erstaunen nur im Obwaldner Dialekt ausdrücken: „Himel, Ärdä, Luft und Meer!“
Von den fünf Luxushotels, die zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Lugano Gäste empfingen, hat nur das Hotel Splendide Royal das bewegte Jahrhundert überlebt. 1888 kauft der Schweizer Hotelier Riccardo Fedele die in einem Park mit herrlicher Aussicht auf den See zwischen Lugano und Paradiso gelegene Villa Merlina und lässt sie zum Grand Hotel Splendide umbauen.
Während dem Ersten Weltkrieg kann das Hotel dank dem Zustrom wohlhabender Flüchtlinge ganzjährig offen gehalten werden. Erst nach dem Tod von Riccardo Fedele 1924 nennt sich das Haus Hotel Splendide Royal. Es bleibt bis zum Verkauf an eine italienische Hotelgruppe 1977 im Besitz der Familie Fedele.
1983 wird neben dem Hotel ein modernes Gebäude mit 53 Gästezimmern eröffnet und durch eine neue Empfangshalle mit dem alten Bau verbunden. Nicht zuletzt dank diesem Neubau konnte das alte Gebäude in fast originalem Zustand erhalten bleiben. Nicht nur die öffentlichen Räume sondern auch ein Teil der Hotelzimmer strahlen den Charme vergangener Tage wieder. Die öffentlichen Toiletten im venezianischen Stil sind schon ein Besuch wert.
Die Hotelhalle wird von der Bar aus ganztägig bedient. Wir bestellen am Nachmittag beim kompetenten Bartender zwei Bellinis. Diese werden mit einem erstklassigen Pfirsichsaft komponiert und mit viel Chips und weiterem Apéro-Gebäck serviert. Das alte Grandhotel strahlt im geschäftigen Lugano mediterrane Ruhe aus. Schade, wurden die alten Perserteppiche aus der Halle verbannt und auch schade, wurde kein Fumoir für Zigarrenraucher eingerichtet. Die alte Postkarte unten stammt aus den Dreissiger Jahren.