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75 Jahre Pistolenschiessverein Wädenswil 1910–1985
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1985 von Peter Ziegler
1906
Die Offiziere der Schweizer Armee werden − mit Ausnahme des Trains und der Artillerie − mit der neuen Ordonnanzpistole Model 1900 ausgerüstet.
1910
Ernst Laue, Dr. Josef Hess, Paul Rometsch, Karl Wellinger, Robert Elsener, Jules Theiler und Jean Blattmann ergreifen die Initiative zur Gründung eines Pistolen- und Revolverschiessvereins Wädenswil. An der Gründungsversammlung vom 10. März im Restaurant «Bellevue» nehmen 15 Aktive und 1 Passivmitglied teil. Diese wählen Ernst Laue zum Präsidenten und genehmigen die von Dr. Josef Hess ausgearbeiteten Statuten. Die Schiessübungen sollten auf dem Flobertschiessplatz beim Hangenmoos durchgeführt werden. Der Schiessoffizier lehnt dies jedoch ab, weshalb die Wädenswiler Pistolenschützen vorerst auf die Stände Horgen und Richterswil angewiesen sind.
Im Restaurant «Bellevue» wurde 1910 der Pistolenschiessverein Wädenswil gegründet.
1912
Nach Abschluss eines zehnjährigen Vertrags mit dem Landeigentümer Kölliker ist es möglich, auf dem Wädenswiler Schiessplatz Steinacher zwischen den Scheibenständen 400 Meter und 300 Meter Pistolenschiessen durchzuführen.
1914–1918
Aktivdienst und knappe Munitionszuteilung schränken den Schiessbetrieb während des Ersten Weltkrieges stark ein.
1916
Der Pistolen- und Revolverschiessverein Wädenswil tritt dem neu gegründeten Bezirksschützenverein Horgen bei.
1920
Das 1894 gebaute Schützenhaus Steinacher brennt nieder; das eingelagerte Material des Vereins wird vernichtet. An einer ausserordentlichen Generalversammlung tritt der Vorstand in globo zurück. Begründung: «Schiessgelegenheit in der Gemeinde fehlt, von Material im Schiessstand keine Spur mehr zu finden, allgemeine unsichere soziale Verhältnisse und düsterer Ausblick in die Zukunft.» Ein neuer Vorstand aus den Herren Dr. Josef Hess (Präsident), Carl Robert Ziegler, Ernst Laue und Walter Hiestand setzt auswärts wieder Schiessübungen an.
1921
Mit einem Gemeindebeitrag von 650 Franken kann der Verein beim 400-Meter-Stand Steinacher ein Provisorium ohne Zeigerwehr herrichten. Am 16. April wird bei Schneegestöber die erste Übung abgehalten.
Die folgenden Jahre bringen dem Verein Entwicklung und innere Festigung. Man führt jährlich bis 15 Übungen durch, besucht das Eidgenössische Schützenfest in Aarau, veranstaltet Endschiessen und pflegt bis zum Morgengrauen Geselligkeit und Kameradschaft.
1926
Einigen Schützen ist aufgefallen, dass das Scheibenbild auswärtiger Stände viel kleiner ist. Man misst die Distanz im eigenen Stand nach und muss die Scheiben im Steinacher von schwach 40 Metern auf 50 Meter verschieben!
1927
Beitritt zum Schweizerischen Pistolen- und Revolverschützen-verband. Dr. Walter Weber und Walter Rusterholz stiften einen Wanderbecher. Besuch des Aargauer Kantonalschützenfestes und des Albisgüetli-Schiessens in Zürich.
1928
Unter Benützung der letzten vier Fenster im südöstlichen Teil des Schützenhauses Steinacher kann ein neuer Pistolenstand geschaffen und am 23. Juni eingeweiht werden. Die Kosten werden wie folgt gedeckt: Gemeinde 3500 Franken, Vereinsmitglieder 3295 Franken, Verein 325.75 Franken.
1929
Freundschaftsschiessen im Steinacher mit den Pistolenschützen aus Horgen und Thalwil.
1930
6. Rang in der Kategorie III am Kantonalen Schützenfest in Zürich. Aufgrund seiner glänzenden Schiessresultate kann Ernst Isliker als erster Ersatzmann der Schweizer Pistolen-Equipe am Internationalen Wettkampf in Amsterdam teilnehmen.
1931
Schiessen um Vereinsgoblet, Zinnteller und Wanderbecher; Endschiessen mit gestifteten Chäs- bzw. Öpfelchüechli.
1932
Erstes Fasnachtsschiessen mit Jagd-, Duell- und Kunststich sowie fakultativem Schnellfeuer. Erstes Silvesterschiessen am 31. Dezember dieses Jahre. Anschaffung eines Kranzkastens.
1933
Zürcher Kantonalschützenfest in Zürich. Sieg in der Kategorie III: Silberbecher und Wappenscheibe. «Da die Dreierdelegation am Absenden in Zürich den ganzen Tag hingehalten wurde, beschliesst der Vorstand mit Rücksicht auf die ausserordentlichen Auslagen, jedem Teilnehmer ausnahmsweise 5 Franken nachzuvergüten.»
1934
Training mit dem Internationalen Ernst Isliker auf das Eidgenössische Schützenfest in Fribourg. Die Wädenswiler Pistolenschützen belegen den 3. Rang von 64 Sektionen. Klänge der Harmoniemusik und Jubel der Bevölkerung empfangen die siegreichen Schützen am Bahnhof Wädenswil.
1935
Feier zum 25-jährigen Bestehen des Vereins. Ehrenmitgliedschaft für das Gründungsmitglied Gottlieb Knecht. Eidgenössisches Pistolenfeldschiessen im Stand Wädenswil.
Ehrenmitglied Gottlieb Knecht, 1935.
1939–1945
Während des Zweiten Weltkrieges ist der Schiessbetrieb stark reduziert. An den Eidgenössischen Pistolen-Feldschiessen überraschen die Wädenswiler immer wieder mit Spitzenresultaten (1943: 5. Rang von 440 teilnehmenden Sektionen).
1939
Der «Pistolen- und Revolverschiessverein Wädenswil» wird umbenannt in «Pistolenschiessverein Wädenswil»,
1940
Einweihung einer vom Veteranen Gottlieb Knecht gestifteten Standarte.
1944
Hinschied des langjährigen Kassiers Hptm Carl Robert Ziegler.
1946
Die Generalversammlung beschliesst, ein Legat von Frau Ziegler für einen jährlichen «Carl Robert-Ziegler-Preis» zu verwenden, für einen Wanderbecher, der vom gleichen Schützen nur einmal gewonnen werden kann. Nach mehrjährigem Unterbruch wird wieder ein Rütli-Schiessen durchgeführt, Die Wädenswiler Schützen erkämpfen den 13. Rang von 40 Gruppen. Erich Weber schiesst mit 78 Trefferpunkten das viertbeste Resultat von 369 Schützen und wird Gewinner des Rütlibechers.
Rütlischiessen 1946. Ehrenmitglied Fritz Zurschmiede beim Schnellfeuer.
1947
Der abtretende Präsident Fritz Zurschmiede wird zum zweiten Ehrenmitglied des Vereins ernannt.
1949
Teilnahme am Eidgenössischen Schützenfest in Chur. Misserfolg auf dem Rütli: «Die Wädenswiler konnten wir nicht an der Arbeit sehen, sie schienen aber nicht den besten Tag gehabt zu haben» (Neue Zürcher Zeitung).
Rütlischiessen 1952. Von links nach rechts: Erich Weber, Karl Ziegler, Werner Kellersberger, Max Stärkle, Werner Schmid, Fritz Kaspar, Emil Ehrsam, Fritz Zurschmiede.
Im Festzelt am Kantonalen Schützenfest in Gossau ZH, 1957. Von links vorn nach hinten: Emil Meier, Werner Kellersberger, Erich Weber. Rechts: Herbert Gerber, Emil Ehrsam, Karl Ziegler, Max Möhr, Karl Frey.
1954
Um die Kasse vor dem Bankrott zu retten, wird ein auf fünf Übungen reduziertes Schiessprogramm angesetzt.
1959
Der Verein feiert das 50-jährige Bestehen.
1960
Mit 80 Pistolenschützen erreicht man den höchsten Mitgliederbestand seit der Vereinsgründung.
1962
Der Verein zählt 92 Mitglieder. Erstmals nehmen die Wädenswiler Pistolenschützen auch an der Schweizerischen Pistolenmeisterschaft teil.
1963
Erstes Freundschaftstreffen mit den Pistolenschützen aus Weinfelden.
1964
Der Pistolenstand wird allmählich zu klein. Bis zur Vollendung eines neuen Schützenhauses dürften aber noch fünf bis sechs Jahre verstreichen, meint der Präsident in seinem Jahresbericht.
1969
Die Wädenswiler Stimmbürger verwerfen die Kredit für einen Schiessstand Beichlen; der Eidgenössische Schiessoffizier sperrt den Stand Steinacher aus Sicherheitsgründen. Die Wädenswiler Pistolenschützen benützen fortan den Stand Hirzel.
1970
Durch Statutenrevision wird es möglich, dass dem Verein auch Ausländer beitreten können.
1973
Einrichtung eines Luftpistolenlokals im alten Schützenhaus in der Au. Fritz Zurschmiede wird zum Ehrenpräsidenten ernannt.
1975
Ein vom Verein organisierter Lupikurs bringt neue Mitglieder.
1978
Die Wädenswiler Stimmberechtigten bewilligen einen Nettokredit von 949‘850 Franken für die Erstellung einer Schiessanlage auf Beichlen. In der Folge leisten die Pistolenschützen 994 Frondienststunden für den Bau der Schützenstube.
1980
Eröffnung des Schiessstandes Beichlen am 7. Juni, Bezug der Schützenstube Ende Juli. Wie die andern Schützenvereine hat nun auch der Pistolenschiessverein Wädenswil wieder einen eigenen, modern eingerichteten Stand. Die vielen Jahre der Ungewissheit, des Wartens, der Enttäuschungen, des Angewiesenseins auf auswärtige Schiessplätze sind vorbei.
1985
Der Verein, der jetzt 169 Mitglieder zählt, feiert sein 75-jähriges Bestehen.
Ehrenmitglieder bei festlicher Runde, 1984. Von links nach rechts: Ernst Schlenker, Max Möhr, Fritz Zurschmiede, Alfred Wehrli, Werner Kellersberger.