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Wer erinnert sich noch an den ehemals bejubelten Financier und dann tief gefallenen Pleitier Werner K. Rey? Er war der erste Raider (=Plünderer) in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Er war das, was man heute eine Heuschrecke nennt. Er kaufte Firmen, reorganisierte, restrukturierte und filettierte sie, um sie wieder zu verkaufen – mit sattem Gewinn. Seinen ersten Coup landete er 1977 bei Bally. Der damals 34-Jährige kaufte die Schuhfabrik mit geliehenem Geld und verkaufte sie nach wenigen Monaten wieder – mit einem Gewinn von 50 Millionen Franken. In den 80er-Jahren trieb er es zu bunt. Den Banken gaukelte er immer öfter Geschäfte und Geldtransfers vor, um an neue Darlehen zu kommen. 1991 zerplatzte sein Milliarden-Imperium wie eine Seifenblase . Er setzte sich auf die Bahamas ab. Dort wurde er 1996 verhaftet (Bild) und an die Schweiz ausgeliefert, wo er vier Jahre Gefängnis kassierte.
Ich habe die Story aus nächster Nähe mitverfolgt. Ich war auf den Bahamas, habe dort mit Reys Frau gesprochen, das Gefängnis besucht und den Prozessen beigewohnt. Auch später, bei seiner Entlassung aus dem Berner Regionalgefängnis, war ich zur Stelle. Dann zog Rey nach Schottland, in die Nähe von Glasgow, die Heimat seiner Frau. Dort konnte ich ihn nach zähen Verhandlungen besuchen – für eine Reportage. Ich musste versprechen, dass ich niemandem verraten würde, wo er wohnte. Wir blieben in Kontakt. So brachte ich ihn im November 2002 zur Überraschung meiner Journalisten-Kollegen eines Tages auf die Redaktion der Wochenzeitung Cash in Zürich (Bild) und schrieb über seine neuen Geschäfte. Aber er hat das Comeback nie geschafft. Inzwischen ist es um Werner K. Rey ruhig geworden. Er verbringt die meiste Zeit in London. Und er hält weiter an seiner Unschuld fest – und am Wunschtraum, der Welt irgendwann zu beweisen, dass er eben doch ein ganz guter Geschäftsmann ist.