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Die erste Ferienkolonie
Inhaltsverzeichnis
Die erste Grenchner Ferienkolonie führte auf den Obergrenchenberg
Es sind bereits über hundert Jahre verstrichen, seit Lehrer Albin Stebler mit einer Kollegin zusammen im Jahre 1905 die erste Grenchner Ferienkolonie auf dem Obergrenchenberg leitete. In einem gedruckten Rechenschaftsbericht[1] an den Gemeinderat erzählte er von diesem aussergewöhnlichen Ereignis.
Albin Stebler und seine Kollegin zogen mit 30 Kindern, elf Knaben und 19 Mädchen, zu Beginn der Sommerferien für drei Wochen auf den Obergrenchenberg. Die Mädchen erhielten den grossen Tanzsaal als Schlaflager zugewiesen, die Knaben hatten ein geräumiges Zimmer mit drei Fenstern zu teilen. Eine Ferienversorgungskommission besorgte die Betten, welche das Lob des Kolonieleiters fanden. Die Kolonisten mussten nach dem Aufstieg auf den Obergrenchenberg noch die Garderobe und den Waschraum einrichten, bevor sie den ersten Tag der Ferienkolonie abschliessen konnten.
Ein geregelter Tagesablauf
Um 7.30 Uhr war jeweils Tagwache. Man wusch sich am Brunnen vor dem Hause. Anschliessend wurden die Betten gerichtet, der Boden gewischt, und die Leiterin half den Mädchen beim Frisieren. Nach dem Frühstück folgte die Kleiderinspektion. „Ordnung und Reinlichkeit sollen zum Bedürfnis, zur zweiten Natur des Kindes werden“, schrieb Albin Stebler in seinem Bericht. Die Schuhe mussten blitzblank gewichst, die Hosen angebürstet sein. – Apotheker Horst schenkte den Kolonisten Zahnbürstchen. „Für einige ist das zwar ein unbekanntes Möbel“, stellte Stebler fest und berichtete weiter, dass die Kinder aber bald einmal die Zahnbürstchen sehr zu schätzen wussten. Er selbst war der Meinung, dass die Eltern vermehrt Sorge zu den Zähnen iher Kinder tragen müssten. – Stebler bemühte sich, den Kindern gute Tischsitten beizubringen und sie daran zu gewöhnen, das Essen nicht zu verschlingen „als ob es ihnen könnte gestohlen werden.“ – Am Morgen gab es Milch und Brot mit Butter oder Rösti. Mittags wurde das Essen mit einer Suppe begonnen. Ihr folgte drei- bis viermal pro Woche Fleisch mit Gemüse. Um vier Uhr wurde den Kindern Milch und Brot mit Butter oder Käse serviert und abends gab es wieder Suppe mit Milch und Brot. Tee, Kaffee und Alkohol waren verpönt und waren nicht auf dem Speisezettel anzutreffen. Dazu Stebler:
„Ja, leider kommt es vor, dass Eltern ihren Kindern alkoholhaltige Getränke geben, die sie oft um teures Geld ankaufen. Aber um dasselbe Geld einige Liter Milch mehr kaufen, nein, das wäre Verschwendung.“
Ein Drittel der Ausgaben in der Kolonie, so Stebler, wurden für Milchprodukte aufgewendet.
Grossen Wert legte Stebler auf die körperliche Ertüchtigung seiner Schützlinge. Mit gesunder Betätigung, davon war der Pionier überzeugt, gewinnt der Mensch mehr Lebensenergie und neue Lebenslust. Beides wollte er in seiner Kinderschar vermitteln. Die Hochebene des Obergrenchenberges lade geradezu zu Sport und Spiel ein, zumal die Kinder voller Spielideen seien. Abends suchte die Gruppe die Wandfluh auf und genoss die Aussicht auf das Mittelland und die Alpen. Täglich wurden Laubhütten erbaut, Exkursionen unternommen, wobei die Gruppenfahne stets mit von der Partei war. Mit einem vaterländischen Feuer am 2. August wurde der Geburtstag der Eidgenossenschaft gefeiert. Man habe das Feuer nicht lange sehen können, denn der Nebel habe die Sicht gestört.
Auf das Gewicht kam es an
Am Ende der drei Ferienwochen wollte Albin Stebler den Erfolg der Ferienkolonie messen. Eine Gewichtszunahme bedeutete damals, dass der Ferienaufenthalt gut gewesen war. Durchschnittlich nahmen die Mädchen um 3.9 Pfund zu; die Knaben um 3.2. Den Kolonierekord stellte mit einem Zuwachs um 7 Pfund ein Mädchen auf, und auf der anderem Seite der Skala brachte es ein Knabe auf ein Plus von 0 Pfund. Der Abschied schien den Kindern sehr schwer gefallen zu sein. Albin Stebler aber schlug in Grenchen ein neues Kapitel auf: Das Kapitel der Ferienkolonien.
Für die Kinder der Uhrenarbeiter waren die Kolonien in Prägelz und Lumbrein etwas Wichtiges.
Einzelnachweise
- Albin Steblers Rechenschaftsbericht an den Gemeinderat (PDF Version)
Quellen
- Text von Rainer W. Walter
(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)