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«Harlem» (Amazon) – Tipp von stellvetretender Chefredaktorin Kerstin Hasse
Darum gehts: Eigentlich ist «Harlem» ein diverses «Sex and the City». Vier Freundinnen, die alle in New York leben, kämpfen sich mit den altbekannten Thirtysomething-Problemen herum: Beziehungen, die beendet werden, Affären, die entstehen, Jobs, die ins Leere laufen, Karrieren, die überfordern und Freundschaften, die es zu pflegen gilt. Im Zentrum stehen Camille, Tye, Quinn und Angie – erzählt wird die Serie von Camille, eine junge Uni-Professorin, die an der Columbia University unterrichtet.
Deshalb ist die Serie so gut: Die Serie ist dann richtig gut, wenn die – vermeintlich korrekten – Annahmen von Gerechtigkeit plötzlich nicht mehr so eindeutig sind. Etwa wenn Camille gegen ein Bistro protestiert, das gentrifiziert wurde – und kurz darauf herausfindet, dass ihr Ex-Freund Ian dort als Chefkoch eingestellt wurde, was für ihn als Schwarzer Chefkoch in der Spitzengastronomie noch immer keine Selbstverständlichkeit ist. Oder wenn Tye als Erfinderin einer diversen Dating-App davor zurückscheut, öffentlich eine weisse Frau zu daten – und sich diese Haltung aber nicht mit ihren eigentlichen, ehrlichen Gefühlen vereinbaren lässt. Dazwischen gibt es noch viel Raum für das Zelebrieren von Frauen-Freundschaft und Dating-Eskapaden – manchmal rutscht die Serie dann auch ein wenig in gar seichte Gefilde ab.
Für Fans von: «Sex and the City», «Girls»
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«Search Party» (Sky Show) – Tipp von Redaktorin Vanja Kadic
Darum gehts: Die Mittzwanzigerin Dory (Alia Shawkat) aus Brooklyn fühlt sich in ihrem Leben ziemlich gelangweilt und uninspiriert. Die Beziehung mit ihrem Freund Drew (John Paul Reynolds) ist alles andere als prickelnd und auch beruflich könnte es für die persönliche Assistentin einer reichen Hausfrau besser laufen. Als Dory erfährt, dass eine Bekannte aus dem College spurlos verschwunden ist, hat sie endlich eine Aufgabe: Mit der Unterstützung ihrer Freunde Portia (Meredith Hagner) und Elliott (John Early) will sie die junge Frau finden.
Deshalb ist die Serie so gut: Ich habe «Search Party» erst vor wenigen Tagen entdeckt und verschlinge seither Folge um Folge. Die düstere Komödie ist toll geschrieben, die Story ist spannend und die Figuren sind vielschichtig und unterhaltsam. Lustig ist vor allem die pointierte Darstellung der Hipster-Clique um Dory, denn eigentlich ist «Search Party» vor allem eine Satire über Millennials: Dorys Freund Elliott etwa kann nicht oft genug betonen, wie viel Gutes er mit seinem fragwürdigen Charity-Projekt – er vertreibt Design-Wasserflaschen in Afrika – tut. Die Figur ist so herrlich daneben, dass ich mich kaum an ihr sattsehen kann. In den USA ist nun die fünfte und finale Staffel von «Search Party» erschienen. In der Schweiz kann man die Serie bei Sky Show oder YouTube streamen.
Für Fans von: «Broad City», «Russian Doll», «Shrill»
«The Witcher» (Netflix) – Tipp von Lifestyle-Praktikantin Irina Eftimie
Darum gehts: Kriege zwischen Elfen, Monstern, Magiern und normalen Menschen bilden die Basis für die Fantasy-Serie «The Witcher» auf Netflix. In dieser Welt ist Geralt von Rivia (Henry Cavill) ein sogenannter Witcher, ein mutierter Auftrags-Monster-Jäger mit Superkräften. Während seinen Abenteuern trifft er auf die Magierin Yennefer (Anya Chalotra) und die Prinzessin Ciri (Freya Allan), die für den Einzelgänger Geralt bald so etwas wie eine Familie werden.
Deshalb ist die Serie so gut: Weil es draussen jetzt so richtig unangenehm kalt geworden ist und uns die Pandemie immer noch grösstenteils zu Hause einsperrt, lasse ich mich gerne mithilfe von TV-Serien und Filmen in fantastische Welten entführen. Die 2. Staffel von «The Witcher» kam deshalb wie gerufen. Diese Serie hat alles, was man sich von Fantasy wünschen kann: Monster, Kämpfe, mehr oder weniger gute Special Effects und einen eingängigen Soundtrack (ich sage nur «Toss a Coin to Your Witcher» und «Burn Butcher Burn»). Auch wenn die erste Staffel wegen der drei Erzählstränge in drei verschiedenen Zeiten etwas verwirrend sein kann, ist die Serie trotz allfälliger Einstiegsschwierigkeiten auf jeden Fall empfehlenswert. Und weil sie auf der Bücher-Serie von Andrzej Sapkowski basiert, können wir uns hoffentlich noch auf viele weitere Staffeln freuen.
Für Fans von: «Game of Thrones», «Wheel of Time» und «Shadow and Bone»
«PEN15» (RTL+) – Tipp von Reportage-Praktikantin Jana Schibli
Darum gehts: Es ist das Jahr 2000. Anna (Anna Konkle) und Maya (Maya Erskine) sind dreizehn und beste Freundinnen. Sie sind von Jungs besessen, die noch aussehen wie kleine Buben. Sie spielen mit «Sylvanian Families»-Puppen und drehen fast durch, als ihnen der Tanga eines Popular Girls in die Hände fällt. Sie tragen Cargohosen und schlecht sitzende T-Shirts und Zahnspangen und kleine Klämmerchen im Haar. Sie wollen ALLES zusammen machen. Und die siebte Klasse soll «like, the best year of our lives» werden. Was – Spoiler – natürlich nicht geschieht.
Deshalb ist die Serie so gut: Wenn es einen Lebensabschnitt gäbe, den ich auch für sehr viel Geld nicht mehr erleben wollen würde, dann der zwischen circa 12 und 16. Trotzdem cringe ich voller Vergnügen mit Anna und Maya durch ihr irgendwie langweilig vorstädtisches und irgendwie ausufernd dramatisches, pubertäres Leben. «PEN15» zu schauen, ist ein bisschen wie aufarbeitende Therapie. Man wird wieder in diese kleine Welt zurückgeschmissen, in der alles so unglaublich bedeutsam erschien, und kann darüber lachen. Und etwas sanfter sein mit seinem früheren Selbst und diesen zwei unbeholfenen, überheblichen, vom Leben überrumpelten Teenies. Dass die zwei Protagonistinnen von Schauspielerinnen in ihren Dreissigern gespielt werden, während alle anderen wirklich Teenies sind, ist zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, aber natürlich Teil des Witzes. Gerade läuft die zweite und letzte Staffel.
Für Fans von: «Dreizehn», «Never Have I Ever»
«Ein Astrologischer Leitfaden für gebrochene Herzen» (Netflix) – Tipp von Redaktorin Sandra Huwiler
Darum gehts: Den Anfang der Serie macht ein richtig bescheidener Tag im Leben von Alice: Sie muss sich den Verlobungsring vorführen lassen, mit dem der Exfreund seiner neuen, bereits schwangeren Freundin (beide übrigens Arbeitskolleg:innen) einen Antrag macht. Und muss um ihren Job fürchten. Doch zugleich findet sie in Tio einen richtig guten, ehrlichen, und praktischerweise Astrologie-begeisterten Freund, der sie nicht nur auf Stolpersteine auf dem Weg, sondern auch auf potenziell grossartige Liebschaften aufmerksam macht. Mithilfe seiner astrologischen Analysen lernt sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Crushes, besser kennen. Und hat dank dessen ganz nebenbei noch die zündendste Idee ihrer Karriere.
Deshalb ist die Serie so gut: Zuerst einmal, weil die Hauptdarstellerin grossartig ist. Sie wird als Mischung aus Bridget Jones und Jess aus «New Girl» beschrieben, und das hat was. Alice (gespielt von Claudia Gusmano) ist charming, unverblümt, chaotisch, selbstironisch und herrlich unperfekt. Und ich mag das Setting in Turin (unbedingt im Originalton mit Untertiteln schauen, auf italienisch machen die Fluchtiraden von Alice viel mehr Spass). Und obwohl sich viel um Dating dreht, gefällt mir, dass Raum gelassen wird für andere Themen: Dass Alice als junge Frau im Job einfach generell unterschätzt und übergangen wird, dass sich ihre Beziehungen verändern und Freund:innen plötzlich andere Leben führen, das Loslösen von ihren Eltern. Die Serie bleibt aber leider etwas oberflächlich, was auch an den kurzen, halbstündigen Folgen liegt. Aber für einen unterhaltsamen, herzerwärmenden Serienabend genau das Richtige.
Für Fans von: Quirky (Romantik)Komödien wie «New Girl», «Fleabag» oder «Home for Christmas»
«KITZ» (Netflix) – Tipp von Astro-Fee Alexandra Kruse
Darum gehts: Um einen unglaublichen Rachefeldzug der Kellnerin Lissi, die den Tod ihres Zwillingsbruders strafen will. Und um die grundsätzliche Frage, ob wir die engen Täler unserer Herkunft verlassen sollten – ja nicht sogar müssen, wie wir mit Trauer umgehen und uns auch geistig neue Horizonte erschliessen. Das Ganze in bis zur letzten und super bingebaren Minute spannend, zeitgemäss und auf den Punkt erzählt. Diverse Handlungsebenen verketten sich zu einem einzigen Riesendrama. Jede unserer Handlungen und Nicht-Handlungen hat Folgen. Kitz ist eine Art Karma-Maschine, in der die Liebe siegt.
Deshalb ist die Serie so gut: Weil die Kellnerin Lissi Pickel hat, die man sehen darf. Weil der Lifestyle und die Enge der Mindsets erschreckend auf den Punkt sind. Weil es eine deutsche Produktion ist, die sich bei Netflix nicht verstecken muss. Weil man einfach kurz ein paar Stunden abgelenkt ist, so richtig raus. Und erst hinterher merkt, wie komplex und wenig oberflächig das Ganze war.
Für Fans von: «Beverly Hills 90210», «Romeo und Julia» oder «Kir Royal»