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An den letztern tritt eine exzessive Wucherung der Knorpelscheiben (Epiphysenknorpel) ein, welche zwischen
die Gelenkenden und das Röhrenstück der Knochen eingeschaltet sind; desgleichen verdickt sich die Knochenhaut ganz bedeutend.
Die knorpeligen und fibrösen Massen aber, welche durch die übermäßige Wucherung der Epiphysenknorpel und des Periosts entstehen,
werden unvollständiger und später als beim normalen Knochenwachstum in knöcherne Substanz umgewandelt. Es handelt
sich also bei der Rachitis nicht um ein krankhaftes Weichwerden von Gebilden, welche früher hart waren (wie bei der
Knochenerweichung, s. d.), sondern um ein abnormes Weichbleiben von Gebilden,
welche unter normalen Verhältnissen durch Einlagerung der nötigen Menge von Kalksalzen hart geworden sein würden. Die Markhöhle
vergrößert sich in dem rachitischen Knochen in gleicher Weise wie im gesunden
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Knochen; da jedoch der erstere keinen Zuwachs von fester Knochensubstanz an seinem Umfang gewinnt, wie dies beim gesunden Knochen
der Fall ist, so wird er sich leichter biegen und knicken lassen als vor Eintritt der Rachitis. Die weichen Gelenkenden der Knochen
sind bei der Rachitis plump und verdickt (doppelte Glieder), die Röhrenteile der Knochen durch die Last des auf
sie drückenden Körpers und durch den Muskelzug gekrümmt und gebogen. Am auffallendsten ist diese Krümmung nicht etwa an der
Wirbelsäule, wie die Schreibart Rhachitis andeutet, sondern an den Beinen, indem die Kniee weit voneinander entfernt stehen.
Oft werden die Verbindungsstellen der vordern Rippenenden mit den Rippenknorpeln nach innen eingebogen,
während das Brustbein nach vorn geschoben wird. Diese Verunstaltung (Hühnerbrust) erklärt sich aus der weichen Beschaffenheit
der erwähnten Stellen, durch welche sie die Fähigkeit verloren haben, dem äußern Luftdruck bei der inspiratorischen Erweiterung
des Brustkorbs Widerstand zu leisten. Die Verbindungsstelle der Rippen mit ihren Knorpeln ist beträchtlich
angeschwollen, und die Summe dieser Anschwellungen bildet einen halbkreisartigen Bogen,
[* 7] dessen Konvexität nach oben sieht (rachitischer
Rosenkranz).
Andre meinen, daß die verminderte Zufuhr von Kalksalzen in das Blut die Ursache der verzögerten Verknöcherung
sei. Wenn sich die in den ersten Lebensmonaten entwickelt, so leiden die Kinder vorher fast immer an Darmkatarrhen mit dünnen,
grünlichen Stuhlentleerungen. Die Kinder magern ab und geben Zeichen von Schmerz von sich, wenn sie denVersuch machen, ihre Glieder zu bewegen, oder wenn dieselben von andern bewegt werden. Dann treten die Anschwellung der Gelenkenden
und der rachitische Rosenkranz hervor.
Aber gerade jetzt, wo die Knochen noch nicht fest sind, ist die Gefahr von
Knochenverkrümmungen am größten. Wenn die Kinder
erst im zweiten oder dritten Lebensjahr oder noch später erkranken, so fehlen der chronische Darmkatarrh und die Magerkeit,
oft sogar die Schmerzen, und die Krankheit zeigt sich durch die allmählich zunehmende Verkrümmung der
Knochen, welche, vom Unterschenkel anfangend, nach oben fortschreitet, wobei die Kinder einen unbeholfenen und watscheligen
Gang
[* 11] bekommen.
Die Behandlung der hat sich mit der Beseitigung des ihr vorausgehenden Darmkatarrhs und Herstellung eines möglichst guten
Ernährungszustandes zu befassen. Wenn dies gelingt, so kann der beginnende rachitische Prozeß ganz abgeschnitten
werden. Durch bloße Einführung von kohlensaurem oder phosphorsaurem Kalk in den Körper kann man die Rachitis nicht kurieren; dagegen
können der Aufenthalt in gesunder Luft, eine kräftige Nahrung (Fleisch und kleine Portionen von Wein), warme Bäder (auch Solbäder)
und dergleichen diätetische Mittel die Heilung unterstützen.
Die Kinder müssen so lange ruhig auf dem Rücken liegen, bis die Knochen sich vollständig konsolidiert haben. Aufsitzen im
Bett,
[* 12] zu frühzeitiges Aufstehen und Herumgehen begünstigen die Verkrümmung und Knickung der Knochen. Vielfach kann die Verunstaltung
an den untern Extremitäten, wo sie durch den Druck der Körperlast die augenfälligsten und schwersten
Effekte macht, durch Anwendung passender Stützmaschinen ganz verhindert oder wenigstens vermindert werden. Zurückbleibende
Verkrümmungen können auf operativem Wege gebessert werden.
Vgl. Kassowitz, Die Symptome der Rachitis (Leipz. 1886).