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Autostadt Detroit trotzt dem Niedergang - International Auto Show gerettet?
Es hat den Anschein, als haben es die Autohändler von Detroit geschafft, ihre Detroit Motor Show zu retten. Sie veranstalten die erste Messe eines jeden Autojahres unter dem offiziellen Namen „North American International Auto Show (NAIAS)“ in der Cobo Hall im Stadtzentrum von Detroit und meldeten schon im September, sie hätten – allen Unkenrufen und Abbestellungen zum Trotz – die gesamte Ausstellungsfläche verkauft. Und dennoch steckt die Stadt wieder einmal in der Krise.
Kampf ums Überleben und für ein bessers Image: Motorstadt Detroit.
Detroits zweiter Name lautet „Motown", nicht nur wegen des Musikstils, sondern zu allererst wegen der Tatsache, dass diese Stadt in Michigan in der direkten Nachbarschaft zu Kanada einstmals das Weltzentrum der Automobilindustrie war. General Motors (GM), Ford und Chrysler hatten und haben hier ihren Sitz.
Doch was in dem 30-ger und 40-ger Jahren zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Blüte führte, entwickelte sich bis heute parallel mit dem Schicksal der US-Autoindustrie. In den vergangenen Jahrzehnten brachte das der Stadt einen langsamen, aber offenbar unaufhaltsamen Niedergang. Der wurde für die eigentliche Stadt Detroit noch verschärft, als die Autofabriken in die Vorstädte zogen und mit ihnen die qualifizierten Arbeitskräfte. Böse Zungen bringen es auf den Punkt: Die Weißen haben den Schwarzen die Stadt überlassen.
1967 kam es zu den bisher schwersten Rassenunruhen, die die Polizei nicht mehr beherrschen konnte und die Nationalgarde zu Hilfe rief. Am Ende der Straßenschlachten mussten 43 Opfer beerdigt werden. Der Rapper Eminem nannte die Eight-Mile-Road als Grenze zwischen Downtown und dem Umland. Für Europäer hatte der Spielfilm mit diesem Titel einen offenbar unwirklichen, auf jeden Fall stark übertriebenen Hintergrund. Aber es gab Zeiten, da fuhr niemand aus Gegenden südlich dieser Straße nach Downtown. Das schien seit den Unruhen in den Köpfen zementiert zu sein.
Die Automobilunternehmen blieben zwar mit ihren Fabriken in den Vorstädten, aber sie engagierten sich bei Projekten in der Innenstadt, die den Niedergang aufhalten und die Grenzen überwinden sollten. Das Detroit Opera House ist eines dieser Projekte, das riesige Renaissance-Center mit seinen vier runden Türmen am Ufer der Detroit River ein zweites.
Doch rundherum verfiel die Stadt. Detroit war einst nach einem strengen Raster angelegt worden: Vom Ufer des Detroit River aus gingen die Straßen in regelmäßigen Abständen in das Hinterland. Die Struktur sah aus die die Speichen eines Rades. Heute kann man diese Struktur nur noch ahnen, weil Straßen geschleift, ganze Wohnviertel verfallen sind.
Inzwischen hat GM seinen Hauptsitz aus den vier schönen Türmen des 20-ger-Jahre-Hochhauses am Stadtrand in das Renaissance-Center verlegt. Detroit hat mitten im Zentrum ein neues Stadion bekommen, damit die Besucher die Stadt beleben. Und auf einmal sah man sogar wieder weiße Mütter ihre Kinderwagen durch Downtown schieben. Alles schien auf dem Weg der Besserung.
Doch dann kam die Automobilkrise des Jahres 2008. Zehntausende sitzen seitdem auch in Detroit zusätzlich auf der Straße. Die Verzweiflung ist groß. Der Zorn auf die Manager ebenfalls. Die Leute haben nicht nur ihren Job, sondern meist auch ihre Altersversorgung verloren und sorgen sich um ihrer Absicherung im Krankheitsfall. Sauer auf ihre Gewerkschaft - die United Auto Workers (UAW) - sind sie außerdem. Sie fühlen sich zu billig verkauft, besser gesagt: verraten.
Das Gemisch ist zündfähig. Und dennoch hat man nicht das Gefühl, als könne es explodieren. Vor diesem Hintergrund wird die nächste NAIAS stattfinden. Schon 2009 wurde sie von UAW-Protesten begleitet. Doch die hielten sich in einem kleinen Rahmen. Wird das im kommenden Januar genauso glimpflich ablaufen?
Die Stadt hat sich jedenfalls dazu entschlossen gegenzuhalten. Sie hat bei Agenturen und Journalisten einen Wettbewerb für eine Anzeigenkampagne ausgeschrieben, mit der Detroit ein besseres Image aufbauen will. Die in Detroit arbeitenden Journalisten haben ihre Aufgabe bisher immer pflichtgemäß darin gesehen, den Finger in die Wunde zu legen. Einige haben sich sogar beeilt, auch Salz hineinzureiben. Man darf gespannt sein, was ihnen zum neuen Image einfällt.
Bis Januar 2010 wird die am tiefsten in der Krise steckende amerikanische Stadt sicher noch nicht auf Kunst und Kultur umgeschaltet haben. Dann wird sie sich noch aufs Auto verlassen müssen und hoffen, dass nicht nur die amerikanischen Hersteller ihrer Motor Show auf Dauer die Treue halten und die amerikanische Automobilindustrie wieder Fahrt aufnimmt. Ford ist durchgestartet, GM hat sich vom Staat einen neuen Anfang finanzieren lassen, Chrysler geht mit Fiat neue Wege. Da können wir Detroit-Besucher im kommenden Januar wohl wieder mit einer selbstbewussten US-Show rechnen und nebenbei einen Blick auf diese krisengeschüttelte Stadt werfen. Sie hat auch schöne Bereiche. Doch die muss man suchen. (Quelle: ampnet/Sm)
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