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18. Jahrhundert
Baumwollgarn, gestrickt
B. 18,6 cm, L. 256 cm
Inv. 1932.1133.
Wickelband
Ende des 18. Jahrhunderts
Leinen, gewebt
B. 7,2 cm, L. 150,5 cm
Inv. 1970.471.
Fest gewickelt für gerade Glieder
Bei den Darstellungen von Säuglingen vom Mittelalter bis in das frühe 19. Jahrhundert fällt der fest geschnürte, mit Bändern umwickelte Körper auf (Kat.Nr. 2).
Manche Abbildungen solcher Wickel- oder Fatschenkinder sind vielleicht stilisiert und geben eine kompaktere Einschnürung vor als es vermutlich der Fall war. Dennoch wurde den Säuglingen durch das Einschlagen in Tücher und das anschliessende Umwickeln mit Bändern ihre Bewegungsfreiheit fast völlig genommen, da in den ersten Lebenswochen auch die Arme fest an den Körper gebunden wurden. Man war durchaus der Meinung, dem Kind damit etwas Gutes zu tun, denn man hielt das Wickeln für eine notwendige Voraussetzung, damit das Kind gerade, starke Gliedmassen bekäme.
Doch schon in Zedlers Universal-Lexikon aus dem Jahre 1748 klingen bei der Beschreibung Zweifel an: «Ein Kind einzuwickeln, wie es sich gehoeret, muß man anfaenglich dessen Coerper in gerade Linie legen, dann die Arme und Schenkel gantz gleich ausstrecken; hierauf die Windeln und Binden um den Leib legen, ohne daß man sie allzuscharff zusammen ziehet.» Der Artikel nennt ausdrücklich die Gefahren bei zu festem Wickeln und fragt sogar, ob es «nicht besser wäre, dem Gebrauche der Schwartzen und etlicher anderer Nationen zu folgen, welche ihre Kinder niemahls einwickeln, als daß man die zarten und schwachen Glieder der Kinder durch starcke zusammengezogene Binden einzwänget, welche, [...] nothwendig eine ueble Gestalt annehmen müssen.»
In Jean-Jacques Rousseaus «Émile» (1762) wird das Wickeln dann sehr entschieden und wortreich abgelehnt. Diese Haltung setzte sich allmählich durch, so dass man diese Methode nach ca. 1800 nur noch vereinzelt angewendet hat. Als allgemein verständliches, einfaches Bildzeichen für einen Säugling findet man das Wickelkind allerdings noch weit bis in das 19. Jahrhundert hinein.