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Titel
Handfeuerwaffen,
[* 2] kleine Feuerwaffen, Kleingewehr, diejenigen Feuerwaffen, welche infolge ihres geringen Gewichts durch
einen Mann auch ohne Unterlage gebraucht und ohne Anstrengung fortgeschafft werden können. Die
Handfeuerwaffen stehen
gegenwärtig auf einer sehr hohen
Stufe der Vollkommenbeit, durch die namentlich im letzten Jahrh. wiederum
eine Verbesserung der
Geschütze
[* 3] (s. d.) notwendig geworden ist.
Die Hauptteile einer Handfeuerwaffe
[* 4] sind: der Lauf mit dem Verschluß, der gleichzeitig die
Entzündung der
Patrone vermittelt,
der zur Handhabung und zum
Anschlagen dienende Schaft und die zur
Verbindung jener
Teile untereinander bestimmte Garnitur oder
der Veschlag. Von den Zubehörstücken ist zuweilen der Entladestock mit der Handfeuerwaffe dauernd verbunden. Bei Repetier-
Handfeuerwaffen
oder Mehrladern tritt noch die Mehrladevorrichtung hinzu, die im Vorder-,
Mittel- oder Hinterschaft (Kolben) angebracht ist.
Einzellader können durch Einfügen eines Patronenmagazins mit oder ohne Patronenzubringvorrichtung in Gelegenheitsrepetierer
verwandelt werden, wobei in letzterm Falle die
Hand
[* 5] des Schützen das Befördern der
Patronen aus dem
Magazin
in die Patroneneinlage ausführen muß.
Ihrer Länge nach unterscheidet man zwei- und einhändige
Handfeuerwaffen. Zu den zweihändigen gehören Infanterie-
und Jägergewehre,
Büchsen, Marine-,
Artillerie-, «Extrakorps»-Gewehre und Karabiner. In einzelnen
Staaten sind die Karabiner
mit einem
Bajonett versehen.
Bei den Infanteriegewehren hat fast überall ein mehr oder minder kurzes Seitengewehr
die
Stelle des
Bajonetts eingenommen. Zu den einhändigen Feuerwaffen gehören die
Pistole und der Revolver.
[* 6] Letzterer hat durch
den
Vorteil größerer Feuerbereitschaft die
Pistole vollständig verdrängt. Für Zwecke des Festungskrieges waren lange Zeit
(in
Deutschland
[* 7] bis 1871) schwerere
Handfeuerwaffen, sog. Wallbüchsen
oder
Wallgewehre gebräuchlich, die aber abgeschafft wurden, nachdem die Leistungsfähigkeit der neuern Infanteriegewehre
selbst auf größere Entfernungen erheblich gestiegen war.
Geschichtliches. Die
Handfeuerwaffen werden zum erstenmal 1364 erwähnt, wo die Stadt
Perugia 500
Büchsen von einer
Spanne Länge verfertigen
ließ. Die älteste, auf uns gekommene Handfeuerwaffe - Handbüchse oder Faustbüchse - fand man 1849 in
den Ruinen des
Tannenberg (Großherzogtum Hessen).
[* 8] Diese
Büchse, die nachweisbar bei der
Belagerung von 1399 gebraucht worden
ist, scheint durch Verkleinerung der damals üblichen
Geschütze entstanden zu sein und zeigt einen bronzenen Lauf von 17
mm
Kaliber und 33 cm Länge, der hinten in eine Kammer von 10
mm Durchmesser übergeht. Die hier eingebrachte
Pulverladung wurde von oben entzündet, indem man eine
Lunte auf das Zündloch hielt. An dem hintern Laufende ist ein Cylinder
angebracht, in dessen Höhlung ein
Stab
[* 9] als Schaft gesteckt wurde.
¶
mehr
Die nächste Verbesserung der
Handfeuerwaffen erstreckte sich auf den Schutz des Zündkrautes gegen Regen u. s. w. und wurde durch einen
drehbaren Deckel bewirkt. Man ging ferner bald zum Schmieden der Läufe aus Eisen
[* 11] über, indem man Platten über einen Dorn
bog oder rollte. Da hierbei an beiden Enden offene Rohre entstanden, kam man auf den Gedanken der Hinterladung.
Jahrhundertelang bemühten sich indessen die Waffentechniker erfolglos, einen gasdichten und beweglichen Abschluß des Laufes
herzustellen.
Notgedrungen ging man daher zu dem Vorderlader zurück. In das rotglühend erhitzte Laufende wurde von hinten ein Eisenkeil eingetrieben, wodurch ein dauernder Verschluß entstand. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. wurde dieser Eisenkeil durch die Schwanzschraube ersetzt, die die Festigkeit [* 12] des Verschlusses vermehrte und gleichzeitig einen neuen Vefestigungspunkt für den Schaft abgab. Letzterer umschloß den Lauf zur Hälfte auf seiner untern Seite. Das rückwärtige Ende des Schaftes setzte sich in den meist vierkantigen Kolben fort, der beim Schusse gegen die Schulter gestützt wurde.
Ein hölzerner Ladestock fand seinen Platz in der untern Seite des Schaftes. Da die Entzündung dieser
Handfeuerwaffen stets mit der in
freier Hand geführten Lunte bewirkt werden mußte, war auch durch Anbringung einer Zündpfanne nebst Deckel an der rechten
Laufwand eine erhebliche Verbesserung der
Handfeuerwaffen nicht zu erzielen. Die Hauptnachteile
der damaligen
Handfeuerwaffen waren:
1) geringe Feuerschnelligkeit;
2) Unmöglichkeit des Zielens, da der Schütze seinen Blick statt auf das zu beschießende Ziel auf die Zündpfanne richten mußte;
3) mangelhafte Trefffähigkeit infolge des schlechten Mehlpulvers, des großen Spielraums der Bleikugeln, des Festhaltens der Waffe mit nur einer Hand und des Mangels eines jeden Zielmittels. Aus diesen Gründen blieben die damaligen Fernwaffen, Bogen [* 13] und Armbrust, [* 14] noch lange und anfangs in überwiegender Zahl bestehen.
Die nächste Verbesserung, durch die Auge [* 15] und rechte Hand für den gezielten Schuß verfügbar wurden, war in der ersten Hälfte des 15. Jahrh. das Luntenschloß (s. nachstehende [* 10] Fig. 1 u. 2). Mit dem an der rechten Seite der Waffe angeschraubten Schloßblech A ist drehbar verbunden der Hahn [* 16] B, zwischen dessen Lippen die Lunte eingeklemmt wird.
[* 10] ^[Abb.: Fig. 1 u.
Fig. 2.]
Die runde Welle des Hahns geht innerhalb des Schloßblechs in ein Viereck [* 17] über und ist mit dem beweglichen Lappen der Nuß C verbunden, der einen länglichen Schlitz zeigt. In den letztern greift das aufgebogene vordere Ende der Stange D ein, die um ihre Achschraube beweglich mit dem Abzug F verbunden ist. Beim Druck gegen den Abzug geht die
Nuß infolge des Druckes der Stange abwärts und mit ihr auch die zwischen den Hahnlippen eingeklemmte Lunte auf die Zündpfanne. Die Stangenfeder N drückt beständig von unten gegen die Stange; ihr Widerstand muß bei dem Abziehen überwunden werden. Sobald der Druck gegen den Abzug aufhört, hebt die Feder die Stange und damit den Hahn von der Zündpfanne weg. Später trennte man den Abzug von der Stange und legte denselben durch einen Bügel, «Abzugsbügel», geschützt in den Schaft.
Die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. gebräuchlichen
Handfeuerwaffen waren: der
Haken (Arkebuse) von ungefähr 5 kg Gewicht, der Kugeln von etwa 4 Lot (66 g) verfeuerte. Der Name kommt
von dem an den Lauf geschweißten Haken, der zur Aufnahme des Rückstoßes beim Schusse diente. Diese Waffe wurde in Festungen
gebraucht; bei der Verwendung im freien Felde bildete eine Gabel die Unterstützung.
Der Halbhaken, auch Handrohr oder Hakenbüchse [* 18] genannt, war leichter, schoß 2-2 ½ Lot (36 g) Blei [* 19] und wurde meist im Feldkriege, ohne Gabel, verwendet. Doppelhaken und doppelte Doppelhaken bildeten die Mittelglieder zwischen und Geschützen. Die Feuerbereitschaft des Luntenschlosses war von dem Vorhandensein der brennenden, gegen Regen ungeschützten Lunte abhängig. Nahm man letztere vom Hahn weg, so konnte zwar bei nächtlichen Unternehmungen das Glimmen derselben verborgen werden, dafür erforderte aber die Abgabe des ersten Schusses ziemlich viel Zeit.
Gleichzeitig mit der Erfindung des erwähnten Schlosses erscheint das Visier (s. d.). Das Korn (s. d.) wurde erst später an dem Gewehr angebracht. Es scheint vordem meist über eine ringförmige Verstärkung [* 20] gezielt worden zu sein, die die Rohre an der Mündung erhielten. Hand in Hand mit diesen Verbesserungen ging die Weiterbildung des Schaftes, der einen durch eine Dünnung getrennten Kolben erhielt. Das Zielen wurde dadurch sehr erleichtert. Die mit dem Luntenschloß versehenen Haken, die frühern Halbhaken, waren die Waffe der Hakenschützen oder Arkebusiere (s. d.). Jeder derselben führte 12 Ladungen und außerdem 30 Kugeln, eine kleine Pulverflasche zum Aufschütten des Pulvers auf die Pfanne und mehrere Klafter Lunte.
Der häufigere Gebrauch der
Handfeuerwaffen führte zu einer Verstärkung der Rüstungen
[* 21] der Reiterei. Damit entstand
das Bedürfnis nach einer Handfeuerwaffe mit erhöhter Wirkung. Durch Herzog Alba
[* 22] wurde 1521 im span. Heere
die Muskete eingeführt, die ihre Kugeln bis 300 Schritt sandte und beim Schießen
[* 23] auf eine Gabel aufgelegt wurde. Moritz von
Oranien setzte für das niederländ. Heer fest, daß die Muskete 10, der Haken 20 Kugeln auf das Pfund schießen sollte, wonach
sich das Gewicht der Muskete auf 16, das des Hakens auf 10 Pfd. stellte. Gustav Adolf erkannte bald den
großen Wert der Handfeuerwaffen, verringerte die Zahl der Pikeniere und ersetzte sie durch Musketiere. (S. Fechtart,
[* 24] Bd. 6, S. 615 a.)
Er führte Musketen von etwa 10 Pfd. Gewicht ein und beseitigte die Gabel. Die erleichterte Muskete schoß eine 2lötige
Kugel und besaß ein Kaliber von etwa 18,35 mm.
Schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. wurden von der Reiterei Papierpatronen geführt, die anfangs nur die Pulverladung enthielten. Später verband man Kugel und Ladung, indem man erstere am Gußhalse in die Patrone einschnürte. Eine solche Patrone aus der Zeit von 1586-91 zeigt [* 10] Fig. 3 (S. 761 a). Gustav Adolf führte auch bei der ¶
mehr
Infanterie Papierpatronen ein, die zu je 12 Stück in einer Patrontasche untergebracht wurden.
Noch nach Einrichtung der stehenden Heere in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. war das Luntengewehr die allgemeine Waffe des Fußvolks. Bei don Kaiserlichen hatte man das Schloß derart verbessert, daß sich bei dem Niederschlagen des Hahns
[* 25] ^[Abb.: Fig. 3.]
die Pfanne öffnete. Diese Vervollkommnung entstammte dem bereits 1517 von Johann Kiefus in Nürnberg [* 26] erfundenen Deutschen oder Radschloß [* 27] (Fig. 4 u. 5). Es sollte die Lunte entbehrlich machen und eine sichere Entzündung der Patrone herbeiführen. Der Hauptteil des Schlosses ist das stählerne, an seinem Umfang gerippte Rad, das unterhalb der Zündpfanne liegt und durch einen Ausschnitt der letztern in die Pfanne hineinragt. Die Radachse ist innerhalb des Schloßblechs mit dem Kettchen B verbunden, das an dem untern Arm der Schlagfeder C befestigt ist. Auf das äußere
[* 25] ^[Abb.: Fig. 4.]
Ende der Radachse wird ein Schlüssel gesetzt und das Rad mehrfach umgedreht. Hierdurch wird der untere Arm der Schlagfeder dem obern genähert, also die Feder gespannt. Innerhalb des Schloßblechs liegt eine Stange D, die von einer unter ihr liegenden Doppelfeder in dem hintern Teile ein- und in dem vordern auswärts gedrückt wird. Wenn dem vordern Teil der Stange, an dem sich eine in einer Bohrung des Schlohblechs ruhende Nase [* 28] befindet, die Rast des Nades gegenüber kommt, springt die Nase in das Rad und hält dadurch die Spannung der Schlagfeder aufrecht. Sowie die Nase einge-
[* 25] ^[Abb.: Fig. 5.]
sprungen ist, geht der Stangenhalter E vor und legt sich mit seiner Nase in die Rast am hintern Stangenende. Bei dem Abdrücken wird der Stangenhalter zurückgedrückt, das Stangenende verliert seinen Halt. Die Nase tritt aus dem Rad zurück, das in eine rasche Rückdrehung versetzt wird. Vor dem Abdrücken war der Hahn, der zwischen seinen Lippen ein Stück Schwefelkies enthielt, auf die Zündpfanne herabgelegt worden. Durch seine Feder wird er mit dem Kies auf den gerippten Rand
des Rades gedrückt, der in die Mitte der Zündpfanne vorsteht und mit Zündpulver umgeben ist. Die bei der raschen Umdrehung des Rades entstehende Reibung [* 29] am Kies erzeugt Funken, die die Entzündung herbeiführen. Die Pfanne wird durch einen schiebbaren Deckel geschlossen, der vor dem Feuern anfänglich mit der Hand entfernt werden mußte. Späterhin richtete man das Schloß so ein, daß durch die Drehung des Rades ein selbstthätiges Öffnen der Pfanne erfolgte. Mit diesem Schlosse war vor allem eine bessere, weniger vom Regen beeinflußte Zündung erreicht. Weiterhin war die Lunte beseitigt und die Zündung beschleunigt. Auch erfolgte letztere ohne eine das Auge des Schützen störende Bewegung. Weil das Radschloß indessen kompliziert war und leicht verschmutzte, blieb seine Anwendung bei Kriegswaffen beschränkt.
Fast zu derselben Zeit wie das Radschloß tauchte das sogenannte span. Schnappschloß [* 25] (Fig. 6 u. 7) auf. Durch Aufziehen des Hahns A wird die außen am Schloßblech liegende Schlagfeder B gespannt. Der Fuß des Hahns findet beim Aufziehen zwei Rasten an der Außenseite des Schloßblechs. Die erste C, scharnierartig mit der Stange D vereinigt, dient als Ruhrast, die zweite, eine längliche Warze der Stangenfeder E, als Spannrast. Der winkelförmige Pfannendeckel F geht von der geschlossenen in die geöffnete Stellung schnellend über.
Der Druck gegen den Abzug überträgt sich auf die Stange D, wodurch diese ebenso wie die Warze von E in das Schloßblech zurücktritt. Die Schlagfeder B kann nun den Hahn vorschleudern. Bei dem Auftreffen des Feuersteins an der stählernen Pfanndeckelfläche entstehen gleichzeitig mit dem Offnen der Pfanne Funken, die das Zündpulver und durch dieses die Pulverladung im Laufe entzünden. Dem Radschloß gegenüber besaß das Schnapphahnschloß den Vorteil zuverlässigerer Ardeit. Durch Weiterbildung entwickelte sich das Batterie- oder Feuersteinschloß, welches um 1640 in Frankreich auftrat [* 25] (Fig. 8). Der Hahn H ist außen auf der vierkantigen Verlängerung [* 30] einer innerhalb angebrachten Welle, der Nuß N
[* 25] ^[Abb.: Fig. 6.]
befestigt, die im Schloßblech und in der Studel S ihr Lager [* 31] findet. Auf das vordere Ende der Nuß wirkt die Schlagfeder F, die durch das Aufziehen des Hahns gespannt wird. Die gespannte Feder findet Gegenhalt in der an der Studel drehbar befestigten Stange St, die mit einem Schenkel in die Rasten rr' der Nuß springt. Die vordere Rast r dient der zum Teil gespannten Feder als Ruhestellung, in r' tritt der Schnabel bei völlig aufgezogenem Hahn ein. Die Feder F''
[* 25] ^[Abb: Fig. 7.] ¶