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| Märtyrerakten - Ausgewählte Akten persischer Märtyrer

21. Mâr Gîwargîs
69.
Nachdem sie ihn festgebunden, richteten sie sein Kreuzholz auf, und von der Stunde an war der Blick seiner Augen nach oben gerichtet, während seine Lippen beständig Lob und Preis Gottes murmelten. Nun befahl der Kommissär einem seiner Soldaten, auf ihn zu schießen. Als dieser seinen Bogen spannte und den ersten Pfeil abschoß, flog dieser durch Gottes Fügung und damit beides bekannt würde (?) an seiner rechten Seite vorbei, ohne ihm nahe zu kommen. Als der Soldat das sah und die Sache erkannte, ergriff ihn Furcht und Zittern; von Schrecken erfüllt legte er sogleich seinen Bogen weg und wollte nicht mehr schießen. Laut sprach er, so daß es viele hörten: „Ich bin unschuldig; denn ich bin gezwungen worden." Der Kommissär befahl nun anderen Soldaten, zu schießen. Da aber auch sie nicht wollten, rief der Kommissär den Soldaten, der zuerst geschossen hatte, und redete ihm heimlich zu. Dieser trat vor, schoß auf ihn (wieder) den ersten Pfeil und traf ihn in die Leber. Um nun allen die Widerlegung und Beschämung der Juden zu zeigen, bewegte sich der Heilige nicht, wie er vorausgesagt, und zeigte auch keinen Schmerz. Auch zeigte er es durch die Tat. Da er sie nicht durch Worte widerlegen und den Mut, den Frieden und die Ruhe, die durch Gottes Kraft ihn beseelten, nicht durch Worte zeigen konnte, begann er, die Pfeile mit den Fingern der freien Hand zu zählen. Auf den ersten Pfeilschuß krümmte er vor aller Augen nach Art der Zählenden den kleinen Finger. Auf den zweiten Schuß, der ihn in die Leber traf, krümmte er den zweiten Finger. Auf den dritten Schuß, der ihn ins Herz traf, den dritten, auf den vierten, der ihn eben- [S. 271] falls ins Herz traf, krümmte er den vierten im Geheimnis des Kreuzes. So blieb er einige Zeit, ohne den zum Himmel erhobenen Blick zu senken. Da man nicht mehr nach ihm schoß, streckte er die vier Finger vor den Augen der verwunderten Zuschauer aus, schloß die Augen, preßte die Lippen durch Gottes unaussprechliche Fügung zusammen, und wie einer, der auf seinem Bette stirbt, gab er in fester, nicht zweifelnder Hoffnung seine selige Seele in die Hände seines Herrn und entschlief. Sein Leib wird leibliche Herrlichkeit anziehen, deren Geheimnis in seinem Kreuze erschien. Zu einem neuen Menschen wird sein Leib und seine Seele am Tage der Auferstehung erneuert werden; mit brennender Lampe wird er seinem Herrn entgegengehen, mit ihm in das geistige Brautgemach eingehen und an den unaussprechlichen Seligkeiten sich erfreuen,