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Einfach unvergleichlich
Warum die Komödie «Trading Places» mein Lieblingsfilm ist.
Von Marc Bodmer
Als Filmkritiker wird man gerne gefragt: «Was ist denn dein Lieblingsfilm?» Lange Zeit hatte ich Mühe mit dieser reduzierenden Frage, als ob es einen Film gäbe, der allen Stimmungen und Tagesformen gerecht werden kann. Was, wenn mir nach einem Horrorfilm zu Mute ist? Wie sieht es mit einer Romantic Comedy an einem grauen Tag aus? Einem Thriller nach einem öden Sitzungsmarathon? Einem Dokudrama? Oder einem Actionfilm, wenn man etwas Dampf ablassen möchte? Was verbindet James Camerons Meisterwerk «Terminator 2» mit dem verstörenden Familiendrama/Horrorfilm «Hereditary»?
Wenn ich aber durch meine Film-Biografie filtere und die abertausenden von Stunden, die ich vor Leinwänden und Bildschirmen zugebracht habe, Revue passieren lasse, dann fällt immer wieder ein Film auf, der mich seit den frühen Achtzigerjahren begleitet: «Trading Places» von John Landis.
In unseren Breitengraden oder vor allem am Fernsehen hat er den schwachsinnigen Titel «Die Glücksritter» erhalten. (Die Vergabe von deutschen Filmtiteln ist ein Kapitel für sich.) In «Trading Places» steht eine Wette im Zentrum. Die beiden Brüder Mortimer (Don Ameche) und Randolph Duke (Ralph Bellamy), äusserst wohlhabende Börsenhändler, streiten sich darüber, ob Erfolg im Leben genetisch oder durch die Umwelt bedingt ist.
Um diese Frage zu klären, machen die zwei älteren Herren ein Experiment: Sie zerstören das Leben ihres Protégés und Top-managers Louis Winthorpe III (Dan Aykroyd) und setzen ihn auf die Strasse. Von dieser holen sie im Gegenzug den kleinkriminellen Schwarzen Billy Ray Valentine (Eddie Murphy) und quartieren ihn in der feudalen Wohnung samt Butler Coleman (Denholm Elliott) ein. Fortan gilt im Haus Duke & Duke, was Billy Ray empfiehlt. Kampflos gibt Louis aber nicht auf, der vorübergehend bei der Prostituierten Ophelia (Jamie Lee Curtis) Unterschlupf gefunden hat. Doch der Weg zurück ist nicht einfach, zumal Billy Ray keine Ahnung hat, wieso das Schicksal es plötzlich gut mit ihm meint.
Rosa Brille der Nostalgie
Wenn ich Filme anschaue, die ich als Kind oder Teenager geliebt habe, so bin ich oft herb enttäuscht: Das Tempo ist zum Einschlafen. Die Frisuren grauenhaft. Die Mode zum Davonrennen usw. Verwundert stelle ich mir dann die Frage: Das habe ich einmal toll gefunden?
Klar gibt es auch in «Trading Places» furchterregende modische Ausrutscher, doch die kann man hier ruhig als Zeitdokument betrachten. Weit wichtiger ist die zeitlose Filmkunst von Regisseur John Landis. Bereits die Titelsequenz ist so liebevoll gestaltet, dass ich sie mir immer wieder anschauen kann. Das Grandiose an «Trading Places» ist, dass er beste Unterhaltung bietet, auch ohne Gewalt und krude Sprache – Letzteres ist bei vielen Komödien heute kaum mehr der Fall.
Für Eddie Murphy war es der frühe Höhepunkt seiner stellaren Karriere. In keinem späteren Film tritt der Komiker präziser, verspielter und zurückhaltender auf. Auch Dan Aykroyd, der mit John Landis schon «Blues Brothers» gedreht hatte, spürt man die Freude am dichten Drehbuch an. Und der Auftritt von Jamie Lee Curtis – ist unvergesslich und unvergleichlich. «Trading Places» verfügt über ein nach wie vor perfektes Tempo, er hat keine Längen, keine Hektik. Die Sets sind liebevoll ausgewählt, die Nebenrollen mit Bedacht besetzt. Hier stimmt jedes Detail. Einfach brillant und darum mein Lieblingsfilm.