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Die riesige Landfläche im Westen Amerikas, die gemeinhin als der „Wilde Westen“ bezeichnet wird, ist erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Teil der Vereinigten Staaten, die sich im Jahre 1776 mit der Unabhängigkeitserklärung von 13 Staaten der Ostküste als Staat konstituierten. Zuvor war dieses Gebiet infolge der Eroberung durch Spanien Teil der spanischen Krone (das Vizekönigreich Neuspanien) bzw. später Teil des Staates Mexiko.
Die ersten Einwanderer, die in das ehemals menschenleere Amerika zogen, kamen vor etwa 15000 Jahren aus Ostasien in die Region des heutigen Alaska. Sie kamen über die Bering-Strasse, die damals eine Landbrücke war, und besiedelten die Westküste – teilweise wanderten sie bis nach Chile. Während der Eiszeit kamen auch Wikinger aus Grönland, deren Siedlungstätigkeit aber bald wieder verebbte. Vereinzelt bildeten sich in unterschiedlichen Regionen lokale Kulturen heraus, die aber durchweg schriftlos blieben.
Erst nachdem Christoph Columbus im Jahre 1492 zu einer von der spanischen Königin Isabella ausgerüsteten Expedition aufbrach, um einen verkürzten Seeweg nach Indien zu finden, wurde Amerika entdeckt. Christoph Columbus landete allerdings nicht an der Küste Amerikas, sondern an der Küste der heutigen Dominikanischen Republik. Er glaubte, die Einwohner dort seien Inder und nannte sie deshalb Indios, ein Name, der als Bezeichnung für die indigene Bevölkerung Amerikas erhalten blieb. In den heutigen USA werden die Nachkommen dieser Bevölkerungsgruppe als „native Americans“ bezeichnet.
In dem Gebiet, wo sich heute Mexiko befindet, hatten im 14. Jahrhundert Volksstämme unbekannter Herkunft – die Azteken – einen Staat mit eigener Kultur aufgebaut. Die Azteken waren ein blutrünstiges und grausames Volk, das die Bewohner der angrenzenden Gebiete terrorisierte und das Bewohner dieser Nachbargebiete als Blutopfer seinen Göttern darbrachte. Zudem verfügten die Azteken über sagenhafte Reichtümer. Die Europäer, die als Abenteurer oder Kolonisten an der Küste Mexikos landeten, waren schockiert von den religiösen Praktiken der Azteken und zugleich fasziniert von den immensen Goldschätzen des Landes. Als im Jahre 1519 der spanische Konquistador Hernan Cortéz an der Küste Mexikos landete, gründete er zunächst die Stadt Vera Cruz und nahm von dort aus die Eroberung des Aztekenreiches in Angriff. Er hatte leichtes Spiel gehabt: es war ihm gelungen, zahlreiche Stämme aus den Nachbargebieten der Azteken als Verbündete zu gewinnen, da sich diese die Befreiung vom aztekischen Joch erhofften. Ausserdem war sein Heer mit modernen Waffen ausgerüstet, welchen die Azteken nichts Vergleichbares entgegen zu setzen hatte. Auch hielten die Azteken die weissen Spanier für zurückgekehrte Götter und erkannten die Gefahr, die ihnen drohte, nicht. Cortez besiegte den aztekischen Herrscher Moctezuma und zerstörte das aztekische Reich vollständig. Das gesamte Territorium geriet unter spanische Herrschaft und erhielt erhielt den Namen Vizekönigreich Neuspanien, an dessen Spitze der vom Spanischen König eingesetzte Vizekönig stand. Spanien schickte weitere Expeditionen über den Atlantik, u. v. auch eine Expedition unter der Führung des in spanischen Diensten stehenden Portugiesen Rodriguez Cabrillo. Er landete im Jahre 1542 als erster Europäer an der Südküste des heutigen Staates Kaliforniens in der Region um San Diego. Im 17. und 18. Jahrhundert gerieten weitere Gebiete der amerikanischen Westküste unter die Herrschaft des spanischen Vizekönigs, darunter auch Kalifornien.
Da sich Spanien im 18. Jahrhundert aus finanziellen Gründen kein weiteres Engagement in Mittelamerika leisten konnte, beauftragte der spanische König zunächst die Jesuiten, später die Franziskaner mit der Gründung von Missionen, um das Land zu kolonialisieren. 1772 wurde unter der Leitung des Franziskaners Junipero Serra die erste Mission in San Diego gegründet, 20 weitere Missionen folgten, jeweils einen Tagesritt voneinander entfernt. San Diego wurde zur ersten von europäischen Siedlern bewohnten Stadt in Kalifornien. Aufgrund der aggressiven Missionierungsmethoden der Pater kam es in den Jahren zwischen 1802 und 1820 zu Aufständen der indigenen Bevölkerung gegen die spanische Herrschaft, und die Missionen wurden aufgelöst.
Nachdem sich Mexiko 1821 seine Unabhängigkeit von der spanischen Kolonialherrschaft erkämpft hatte, wurde Kalifornien ein Teil Mexikos. Im Osten Amerikas wollten die Vereinigten Staaten ihr Einflussgebiet nach Westen hin ausdehnen und versuchten, Kalifornien käuflich zu erwerben, was Mexiko jedoch ablehnte. Texas hingegen, das ebenfalls zu Mexiko gehörte, wollte sich von Mexiko loslösen und unabhängig werden, ein Unterfangen, das Mexiko ebenfalls nicht tolerierte. Texas rief dennoch seine Unabhängigkeit aus und wollte den USA beitreten. Die Querelen um Texas führten 1846 zum Krieg zwischen Mexiko und den USA. Mexiko wurde von den Truppen der USA besiegt und musste als Folge des Krieges etwa 50% seines Staatsgebietes an die USA abtreten. Dazu gehörten u. v. auch die heutigen Staaten Kalifornien, Arizona, Nevada, Utah, Teile von New Mexiko sowie von Colorado (Vertrag von Guadalupe, 1848).
Ein Meilenstein in der Geschichte Kaliforniens war der Fund eines Goldklumpens auf einem Grundstück des Schweizers Johann August Sutter in der Gegend von San Francisco in Nordkalifornien. Dieser Goldfund löste 1848 den so genannten Goldrausch aus. Tausende von Menschen strömten nach Kalifornien in der Hoffnung, dort Reichtum und Glück zu finden. 1848 war San Francisco ein schmutziges Dorf mit etwa 500 Einwohnern gewesen. Drei Jahre später lebten dort 30000 Menschen, und San Francisco war eine reiche Stadt geworden. Südkalifornien hingegen blieb weiterhin unbedeutend.
Die wirtschaftliche Depression in den Dreissigerjahren erschütterte die USA schwer. In Kalifornien, wo ein grosser Teil der Einwohner in der Agrarwirtschaft beschäftigt war, sank das sowieso sehr niedrige Einkommen der Plantagenarbeiter um 50%. Die Bevölkerung litt grosse Not. Dies änderte sich jedoch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs: Kalifornien wurde ein Zentrum der Kriegsindustrie und die Fabriken liefen auf Hochtouren. Aus dem Zweiten Weltkrieg gingen die USA als die Weltwirtschaftsmacht hervor, und auch Kalifornien hatte vom wirtschaftlichen Aufschwung enorm profitiert. Heute spielt die Schwerindustrie als Wirtschaftszweig in Kalifornien nicht mehr die bedeutende Rolle wie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs – an ihre Stelle traten Biotechnologie, Hightech (Silicon Valley), Filmindustrie und Tourismus.