Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03330.jsonl.gz/2210

Mein vierzehnjähriger Sohn hat einen Geografielehrer, der zweifellos zur jungen Generation von Lehrern gehört. Seine Unterrichtsmethode stammt allerdings aus dem letzten Jahrhundert.
Die Vereinigten Staaten bestehen für ihn aus den Bundesstaaten und ihren Hauptstädten, Flüssen und Bergen. Und so wird auch die Geografieprüfung gestaltet. Auswendig lernen und dann auf Befehl runterspulen, statt die Eigenheiten der Ostküste, der Südstaaten, das Lebensgefühl in Kalifornien oder die «Bible Belt»-Staaten zu kennen. Mein Sohn stöhnte deshalb laut und rechnete mir wenige Tage vor der Geografieprüfung vor, wie viele Namen er auswendig lernen musste. «Das ergibt doch keinen Sinn, das kann man ja alles im Internet abfragen», jammerte er. Ich stöhnte mit ihm mit und schlug vor, dem Lehrer einen Brief zu schreiben. «Das bringt doch nichts», sagte mein Sohn. Schliesslich einigten wir uns, eine Lernstrategie zu entwickeln, um mit wenig Aufwand bei der Prüfung knapp über die Runden zu kommen.
Die Rechnung mit dem Minimalismus ging auf und führte zu einer wohl maximal möglichen Note von 4,25. Und jetzt einfach schweigen? Nein, weil es mich ärgert, dass mit solchen Namenslisten den Kindern der Blick auf die Schönheit der Erde verstellt wird. Deshalb werde ich den Brief schreiben, Ende Schuljahr, dem Rektor, damit vielleicht wenigstens den nachfolgenden Schülern ein so sinnarmer Unterricht erspart bleibt.