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- Veröffentlicht: 31. Januar 2014
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Seit wann diente das Trottengebäude zugleich auch als Schulhaus?
Diese Frage kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Die ersten Nachrichten über die Existenz einer Schule in Muttenz gehen zurück ins Zeitalter vor der Reformation. Die Volksschule ist aus der Kirche herausgewachsen. Der Unterricht in der Frühzeit, der in der Regel von Geistlichen erteilt wurde, hatte im Wesentlichen kirchlichen Charakter. Neben Lesen und Schreiben wurden hauptsächlich lateinische Hymnen und Gebete eingeübt. Daran nahmen nur einige wenige Knaben teil. Von 1527-1556 amtete als Schulmeister Jerg Haas, ein Dominikanermönch. 1529 trat er zum reformierten Glauben über und wurde 1536 züm Pfarrer nach Lausen berufen, in welcher Eigenschaft er zugleichleich auch Schulmeister und Siegrist zu Liestal war. Später wurde er Pfarrer in Reigoldswil, Helfer und Verweser in Buus und 1549 Pfarrer in Rümlingen. Er starb 1549-1550.
Wo die erste Schule gehalten wurde, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde der Unterricht im Pfarrhause erteilt. Erst gegen die Wende des 16./17. Jahrhunderts wurde auf der Trotte ein Schullokal eingerichtet. Nach der Einführung der Reformation 1529, war auch das Schulwesen verbessert worden. Neben Lesen und Schreiben wurde der deutsche Psalmengesang geübt und besonders das neue Testament und der Katechismus gelehrt. Die Schule in Muttenz wurde zur DeputatenschuIe, einer Art Staatsschule, erhoben. Sie stand unter der Aufsicht des Deputatenamtes, den städtischen Verwaltern des Kirchen- und Schulgutes und gehörte zu den sieben bevorzugten Schulen der Landschaft. Der Lehrer war in der Regel geistlicher Kanditat oder Pfarrhelfer (Diakon). Seine Besoldung betrug jährlich, laut einem Auszug des Ratsprotokolls vom 4. Dezember 1724:
„12 Viernzel = 24 .Säcke Korn vom Landvogt zu beziehen, wird abgeliefert nach dem Dröschen.
4 Saum Wein, so aus der Zehntentrotte, nach dem Herbst überbracht werden.
20 Pfund Geld Schullohn, aus dem Kirchengut.
10, Pfund Geld, damit er 10 arme Schulkinder gratis unterrichte.
4 Klafter Holz, wofür er den Macherlohn und Fuhrlohn zu bezahlen hat und
10 Schilling von einer Hochzeit.“
Als: Nebeneinkünfte, die außerhalb der Besoldung stehen, sind angeführt:
1. „Die Nutzung eines kleinen Krautgärtleins vor dem Schulhaus.
2. Alljährlich den Bezug eines Fastnachtshuhns.
3. Das Ackerigrecht, zwei Schweine laufen zu lassen, oder solches anderen in der Gemeinde zu zedieren, die ihm (nach dem es viel oder wenig Eicheln gibt) 3 bis 5 Pfund dafür bezahlen.
4. Wenn ein hochzeitliches Mahl beschlossen wird, hält der Schulmeister eine Abdankungsrede und bekommt für solche Harranque 10 Schilling. (Gibts jährlich davon etwa drei).
5. Bey Bestattung junger Leuten, die noch nicht zum heil. Abendmahl gegangen, muß er auch abdanken und sein Lohn ist dafür 5 Schilling.
6. Endlich: Statt den Scheitern, welche die Kinder zur Winterszeit in die Schule gebracht haben, werden nunmehr durch die Gemeinde 2 Klafter Holz und 200 Wellen geliefert, welches zur Heizung der Schulstuben genug sein mag.
Im Winter hat er etwa 90 Schulkinder, deren jegliches wöchentlich 8 Pfennige, oder wenn es zugleich schreiben lernt, 1 Schilling bezahlet.
Im Sommer hat er oft nur 6 Schulkinder.“
Zu Anfang des 17. Jahrhunderts, um 1602, scheint eine Wohnung für den Schulmeister im 1. Stock über der Trotte, wo sich auch die Schulstube befand, eingebaut, worden zu sein. Bald hört man auch von Klagen über den presthaften Zustand von Wohnung und Schulstube. 1745 wird über Feuchtigkeit geklagt, herrührend vom Abort des über der Trotte liegenden Schullokales und über Störung des Unterrichts im Herbst, wenn die Trotten wochenlang im Betrieb waren.
Während der II. Hälfte des 18. Jahrhunderts erfuhr das Schul- und Trottengebäude grössere Veränderungen. Im Parterre neben der Trotte, auf der Südseite, errichtete man eine neue Schulstube und auf der nördlichen Seite fand die angeschaffte Feuerspritze ihren Platz.
Gemäss einer Datierung an einem Fenstersturz aus dem Jahre 1790, wurden ringsum neue Fenstereinfassungen eingesetzt, damit erhielt das Gebäude in der Hauptsache die Gestaltung, die es bis in die Neuzeit hinein bewahrt hatte. Das alte Trottenlokal war noch anfangs der 1880 er Jahr im Gebrauch. Nachdem es vorübergehend als Turnlokal benützt wurde, baute man den Gemeindesaal ein, der gleichzeitig neben Schulzwecken bis noch vor kurzem, den gesanglichen und musikalischen Vereinen als Uebungslokal gedient hatte.
In den letzten 40 Jahren, namentlich seit dem Bau der Ueberlandbahn, hat sich die Gemeinde gewaltig entwickelt. 1900 zählte sie 2500 Einwohner. Heute beträgt die Einwohnerzahl bald sechs Tausend. Schon im Jahre 1899-1900 wurde auf der Breite ein neues Schulhaus gebaut. 1935 wurde das dritte prächtige Schulhaus Hinterzweien eingeweiht. Damit hatte das veraltete Schulhaus bei der Kirche ausgedient.
Mit der Zunahme der Einwohnerschaft wuchsen auch die Arbeiten und die Geschäfte der Gemeindekanzlei rapid an. Die zur Verfügung stehenden Bürolokalitäten, die nach und nach, anstelle von Schulzimmern eingerichtet wurden, genügten den heutigen Anforderungen nicht mehr. Immer dringender wurden deshalb die Forderungen um Abhilfe der unhaltbar gewordenen Zustände. Eine Zeitlang erwog man einen Umbau der alten Liegenschaft. Nach reiflicher Prüfung aber wurde beschlossen, von einem solchen Projekte abzusehen, da die durch den Zustand des Gebäudes bedingten hohen Kosten zur Erlangung zweckdienlicher Lokale sich nicht rechtfertigen ließen.
Im August des laufenden Jahres, beschloß die Gemeindeversammlung, gemäß dem Antrage des Gemeinderates, den Abbruch des alten und zugleich den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes. Gleichzeitig wurde die Gemeinde verpflichtet, eine Luftschutzanlage mit Alarmzentrale zu erstellen. Nach längeren Verhandlungen, geht nun, verbunden mii dem Neubau des Verwaltungsgebäudes, auch dieses Projekt der Ausführung entgegen.
Bald wird auf der Hofstatt der ehemaligen obrigkeitlichen Trotte ein neues stattliches Gebäude erstehen, das der Ortschaft zur Zierde und der Einwohnerschaft zu Nutzen und Ehre gereichen möge.
Wir leben in einer schweren Zeit. Niemand weiß, was uns die Zukunft noch bringen wird. Hoffen wir, ein gütiges Geschick möge unser Land und Volk von dem Kriege und seinen Schrecknissen gnädig bewahren.
Im hohen Turme unseres altehrwürdigen Gotteshauses hängt eine Glocke aus dem Jahre 1436. Wie seit Jahrhunderten schallt ihre Stimme noch täglich über unsere Häuser und Fluren. An ihrem Mantel sind die ehernen Worte eingegraben: O Rex glorie veni cum pace. Zu keiner Zeit mehr denn heute haben wir Grund und Ursache, alle unsere Wünsche und unser Hoffen mit der uralten Glockenbitte zu vereinigen:
O König der Ehren, komm mit Deinem Frieden! J.E. (Jakob Eglin)
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