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Die eidgenössische Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» zielt darauf ab, alle Tier- und Menschenversuche in der Schweiz zu verbieten. Darüber hinaus sollen auch der Handel, die Einfuhr und Ausfuhr von Produkten, die aus Tier- oder Menschenversuchen stammen, verboten werden. Auch für Produkte, für die es keine Alternativen gibt. Es reicht aus, dass in einem einzigen Schritt des Prozesses ein Tier- oder Menschenversuch durchgeführt wurde, um das Produkt zu verbieten. Auch wenn der Fortschritt zunehmend den Verzicht auf diese Versuche ermöglicht, beruht die Initiative auf einem Prinzip, das schlicht noch nicht umsetzbar ist, ohne dass auf bestimmte Behandlungen verzichtet würde. Anstatt diese Fortschritte zu unterstützen, verteufelt die Initiative Forschende, die mit Experimenten notwendige oder sogar lebensrettende Behandlungen ermöglichen. Des Weiteren verlangt die Initiative, dass Tierversuche künftig als Tierquälerei gelten und gemäss Strafgesetzbuch strafbar wären.
Die FDP.Die Liberalen lehnt die Tier- und Menschenversuchsverbots-Initiative ab, weil...
Warum JA zur Abschaffung der Emissionsabgabe auf Eigenkapital?
Wenn die Initiative angenommen wird, dürfen keine neuen Medikamente, die unter Zuhilfenahme von Menschen- oder Tierversuchen entwickelt wurden, auf den Schweizer Markt gebracht werden. So können neue Medikamente weder in der Schweiz entwickelt, noch importiert werden. Die grössten Verlierer wären die Patienten. Forschung zu Krankheiten wie Krebs oder Alzheimer wäre nicht mehr möglich. Bei einer Annahme ist mit schwerwiegende Qualitätseinbussen zu rechnen und Patienten könnten sterben, weildie nötigen Behandlungen nicht möglich sind. Dies würde den Gesundheitstourismus fördern, was bei der Qualität unseres Gesundheitssystems absurd wäre. Abgesehen davon, dass sich nicht jeder den Luxus des Gesundheitstourismus leisten kann. Um ein aktuelles Beispiel zu nennen: Ohne Tier- und Menschenversuche wäre die Entwicklung des Impfstoffs gegen Covid-19 nicht möglich gewesen. Bei einer Annahme der Initiative wäre der Impfstoff in der Schweiz verboten, was die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie massiv verschärft hätte.
Es gibt keine Alternativen zu Tierversuchen, die heute nicht bereits eingesetzt werden. Wenn es Alternativen gibt, werden sie bereits heute von Forschern bevorzugt, da Tierversuche teuer sind. Oft ist es aber so, dass die Alternativen zwar Fortschritte in der Forschung ermöglichen, aber nicht deren Abschluss. Die Alternativen allein, (z. B. In-vitro-Versuche, die mit im Labor erzeugtem Gewebe durchgeführt werden), werden von den meisten Behörden für die Zulassung von Medikamenten nicht akzeptiert, weil sie die Sicherheitsstandards nicht erfüllen. Bei der Entwicklung neuer Therapien und Medikamente ist nämlich die Forschung an ganzen Organismen (In-vivo-Versuche) notwendig. Nach einem In-vitro-Versuch geht man zu einem In-vivo-Versuch über, wenn der Organismus als Ganzes betrachtet werden muss.
Abgesehen davon, dass die Schweiz ihren Bürgerinnen und Bürgern keine angemessene Behandlung bieten könnte, wäre auch der Forschungs- und Innovationsstandort stark betroffen. Bei einer Annahme der Initiative würde der Forschungsstandort Schweiz für Forscher und Investoren an Attraktivität verlieren und wäre nicht mehr an die internationale Forschung angeschlossen. Konkret wäre eine Teilnahme an Forschungsprogrammen, die Tierversuche beinhalten, nicht mehr möglich. Dies würden wir unweigerlich durch den Abbau von Arbeitsplätzen bezahlen. Zur Erinnerung: Allein die Pharmaindustrie beschäftigt 46'500 Arbeitnehmende in der Schweiz. Dazu kommen die vor- und nachgelagerten Industriezweige und ihre Arbeitsplätze. Neben dem Verbot der Tierversuche will die Initiative auch die Forschung am Menschen verbieten, wovon insbesondere die Wirtschafts-, Sozial- und Sportwissenschaften betroffen wären, da klinische und psychologische Versuche verunmöglicht würden. Dazu kommt, dass die Initiative gegen internationale Handelsabkommen verstösst, die die Schweiz unterzeichnet hat und einhalten muss.
Der Schutz von Tieren und ihr Wohlergehen ist ein Anliegen, dass in der Schweiz ernstgenommen wird. Die strenge Gesetzgebung in diesem Bereich bestätigt dies. In der Schweizer Gesetzgebung gibt es den Begriff «Würde der Kreatur», in anderen Ländern ist ein solcher Begriff nicht vorhanden. Vor zehn Jahren wurde das 3R-Prinzip initiiert und seither umgesetzt. Das Schweizer Kompetenzzentrum 3R (Replace, Reduce, Refine) vereint mehrere Universitäten, die Pharmabranche, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sowie der Schweizer Tierschutz. Jedes Jahr werden mehrere Forschungsprojekte in diesem Bereich durchgeführt. Mit der Initiative und ihren Forderungen, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung gefährden, würde man diese Projekte aufgeben. Auch aus diesem Grund lehnen alle diese betroffenen Kreise die Initiative deutlich ab. Alternativen werden gefördert und ersetzen Tierversuche, wann immer es möglich ist. Trotzdem sind sie manchmal immer noch notwendig.
- Nationalrat: Einstimmig Nein
- Ständerat: Einstimmig Nein (2 Enthaltungen)