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Wir waren bei der Genschere Crispr/Cas9 stehen geblieben. Sie wurde 2012 von der in Berlin arbeitenden Französin Emmanuelle Charpentier und der US-Amerikanerin Jennifer Doudna entwickelt. Diese Schere verschafft der Menschheit so etwas wie die totale Macht über alle lebenden Wesen. Durch Manipulationen der im Zellinneren befindlichen Keimbahn
kann nun das Erbgut neu programmiert und auch bei den Nachkommen erwünschte Eigenschaften eingepflanzt werden. Man darf sich den Einsatz dieses Instruments so vorstellen wie das Löschen oder Ersetzen von Buchstaben in einer Textdatei am Computer. Der Grund, warum auch von Genome Editing gesprochen wird.
Die Süddeutsche schreibt nach der Verleihung des Nobelpreises an die beiden Forscherinnen in ihrer Ausgabe vom 10. Oktoebr 2020:
Und dennoch, der zweite Blick schmälert zwar nicht das Verdienst der Forscherinnen. Dennoch wirft er die Frage auf, ob dieser Preis, der kommen musste, zum jetzigen Zeitpunkt angezeigt ist. Erstens nimmt er praktisch ein Votum in einem seit Jahren zäh geführten Patentstreit vorweg, der zwischen Doudna und Charpentier einerseits und dem ebenfalls als Nobelkandidat gehandelten Feng Zhang vom Broad Institute in Massachusetts auf der anderen Seite ausgetragen wird. Zhang hatte kurz nach Charpentier und Doudna publiziert, liegt aber im juristischen Streit bislang vorn. Seine Gegnerinnen sind im Zugzwang. Viele Beobachter waren überzeugt, das Nobelpreiskomitee werde sich mit einer Würdigung zurückhalten, um unparteiisch zu bleiben. Das war schon mal ein Irrtum.
Doch es gibt noch einen wichtigeren Punkt: die Ethik. Die Methode lässt sich immerhin auch anwenden, um ganze Menschen und ihre Erblinie genetisch zu verändern. Im Herbst 2018 soll es in China bereits zur Geburt zweier Crispr-Babys gekommen sein, eine Grenzüberschreitung, die immer wieder passieren kann. Das Nobelkomitee ging darauf am Dienstag zunächst mit keinem Wort ein, auf die Frage einer Journalistin verwies man auf die Selbstverwaltung der Wissenschaft. Es gibt in der Tat einige Gremien, die derzeit unverbindliche Regeln aufstellen. Wer sich daran hält, ist eine andere Frage.
So gesehen ist die Verleihung für Crispr ein starkes Statement nicht nur für Frauen, Grundlagenforschung und Modernität. Sie ist auch ein klares Zeichen dafür, dass Ethik und eine gewisse Neutralität in Rechtsfragen nicht auf dem Radar des Preiskomitees sind. So verdient der Preis für diese zwei Frauen deshalb auch sein mag: Auf lange Sicht könnte die ignorante Haltung Stockholms gegenüber den weltlichen Konsequenzen von Forschung dem Preis schaden.
2018 ging’s dann in der Tat los: In der chinesischen Boomtown Shenzen wurde die Geburt von zwei Designer-Babys vermeldet. «Vater des Experiments» war der Genetiker He Jiankui. Ob es auf dem Weg zu diesem Ergebnis auch Vorprodukte mit Missbildungen gab, ist nicht bekannt. He Jiankui, genannt auch der Frankenstein Chinas, hat insgesamt bei sieben Paaren in die DNA ihrer ungeborenen Kinder eingegriffen. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wohl kaum in einem Umerziehungslager, denn: Ist es überhaupt vorstellbar, dass er ohne Mitwirkung oder zumindest Wissen der Regierung handelte? Bing Su, Genetiker am staatlichen Kunming Institute of Zoology, hat letztes Jahr das menschliche MCPH1-Gen, das für die Hirnentwicklung zuständig ist, in Affen implantiert…
Chimären im Vormarsch
1982 ging ein unheimliches Foto aus einem Labor der Universität von Pennsylvania (Philadelphia) um die Welt: Ralph Brinster und Richard Palmiter war es gelungen, Gene von Ratten, die für die Produktion von Wachstumshormon zuständig sind, in Mäuse zu verpflanzen. Dies führte dazu, dass die Mäuse auf das Doppelte ihres ursprünglichen Körpergewichtes und Grösse heranwuchsen. Auch eine Mutation…
Transgene Tiere (!) wurden in der Folge schnell der letzte Schrei in US-Zoohandlungen. So wurden unter dem Markennamen «GloFish» im Dunkeln leuchtende Zierfische verkauft. Ihnen wurde ein Gen eingesetzt, das sie fluoreszieren lässt. Aber auch Tier-Mensch-Wesen sind kein Tabu mehr: Der japanische Wissenschaftler Hiromitsu Nakauchi machte 2019 mit seinen Schweinen Schlagzeilen, in denen einmal menschliche Organe produziert werden sollen, die dann transplantiert werden können. Wer braucht da noch 3-D-Drucker?
Bevölkerungskontrolle war einmal…
Dass China keine Mühe hat, sich in das Reproduktionsverhalten seiner Bevölkerung einzumischen, hat die Praxis der Ein-Kind-Politik schon zu Maos Zeiten bewiesen. Mittlerweile geht es längst um Bevölkerungsoptimierung, mit oder ohne Transhumanismus. Als totalitärer Staat kann das kommunistische Regime seine Bürger zur DNA-Abgabe zwingen. Konsequenterweise hat die chinesische Regierung jetzt damit begonnen, das Erbgut von 70 Millionen Männern (!) zu sequenzieren. Die angebliche Verfolgung von Straftätern dient hier nur als Vorwand. Es geht vielmehr um die Schaffung eines riesigen statistischen Datenpools, der zur Bestimmung neuer Auswahlkriterien bei der Embryonenselektion genutzt und missbraucht werden kann. Da gehen Tür und Tor auf für neue Intelligenzvarianten oder besonders starke und belastbare Soldaten für die chinesische Volksarmee…
Obschon Crispr/Cas9 erst 2012 entdeckt wurde, gibt es schon zahlreiche Anwendungen wie etwa die Kreation von glutenfreiem Weizen und Tomaten mit der Schärfe von Chilischoten. (Endlich, wie lange habe ich darauf warten müssen…) Ausserdem konnte bei Hunden und Schweinen das Muskelwachstum vergrössert werden. Ein skrupelloser Staat (und welcher ist es, wie aktuelle Figura zeigt, nicht?) könnte diese Technologie auf Menschen übertragen. Die Möglichkeit ist absehbar, durch Fortschritte in der Stammzellforschung die Evolution des Menschen in eine Petrischale zu verlegen. Technisch machbar sind also Szenarien, die weit über die Dystopien von Aldous Huxley «Schöne neue Welt» und George Orwells «1984» hinausgehen.
Eines jedenfalls ist sicher und leider grausige Gewissheit: Die Ära der Menschenversuche hat längst begonnen, die Massenimpfung mit bald faktischem Obligatorium mit unausgegorenen Impfstoffen stellt «nur» eine Fortsetzung dar.
Möge das diesjährige Osterfest dazu beitragen, dass die entartete Spezies Humana taskforce-iensis sich mal wieder wirklich besinnt ob wir, frei nach Nietzsche, wirklich Gott töten wollen, um selbst Gott zu spielen oder wieder etwas Demut vor der Natur einkehren soll. Dazu braucht es KEINE (ROT)GRÜNE Agenda oder gar Revolution.