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Eine aktuelle Studie aus Hong Kong zeigt, was Fachleute schon lange vermuteten: Gesichtsmasken bieten einen gewissen Schutz gegen eine Übertragung von Coronaviren, zu denen z. B. auch das aktuelle SARS-CoV-2 gehört. Dabei verhindern chirurgische Gesichtsmasken insbesondere die Weiterverbreitung der Viren durch Infizierte und schützen so auch die Nicht-Infizierten.
Das Wissen um die Verbreitungswege des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 ist nach wie vor limitiert. Am Wahrscheinlichsten jedoch gilt der Hauptübertragungsweg über die sogenannte Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Husten oder Niesen. Während ein Schutz durch Gesichtsmasken vor einer Weiterverbreitung von Viren für die Influenza seit Längerem durch Studien bestätigt ist, herrscht beim neuen Coronavirus noch Unsicherheit. Eine aktuelle Studie aus China belegt nun jedoch, dass chirurgische Gesichtsmasken ebenso die Weitergabe von Coronaviren verhindern können.
Das Neuartige der Studie, die unlängst in Nature Medicine erschien: Das wissenschaftliche Team maß den Gehalt an Viren und viraler RNA in austretenden Tröpfchen mit und ohne Maske für Rhinoviren, Influenzaviren sowie humane Coronaviren, zu denen u. a. auch das SARS-CoV-2 zählt. Zusätzlich wurden nasale und orale Abstriche untersucht.
Insgesamt "spendeten" 246 Personen eine "Atemprobe" für die Studie. Die Teilnehmenden wurden 1:1 auf eine der zwei Gruppen mit bzw. ohne Gesichtsmaske aufgeteilt. Jede fünfte Person gab abschließend eine weitere Atemprobe der jeweils anderen Gruppe, d. h. jemand mit Maske spendete anschließend ohne Maske eine Probe und umgekehrt.
Die Hälfte aller Personen zeigte in der RT-PCR Infektionen mit einem respiratorischen Erreger: Influenzavirus (n = 43), Coronaviren (n = 17) oder Rhinoviren (n = 54). Während der etwa 30-minütigen Atemprobe husteten Coronavirus-Infizierte im Durchschnitt etwa 17 Mal. Insgesamt, so fand das Forschungsteam, war die Viruslast für alle drei Virusarten in nasalen Abstrichen deutlich höher als im oralen Abstrich.
Darüber hinaus zeigte sich, dass Gesichtsmasken die Viruslast in Tröpfchen reduzierten, von 30%, 26% und 28% positiven Proben für Coronavirus, Influenza und Rhinoviren ohne Maskenschutz auf 0%, 4% und 22% mit Gesichtsmaske. Ähnliche Effekte fanden sich für die Analyse von ausgeatmeten Aerosolen, bei denen der Maskenschutz beispielsweise die Zahl der positiven Coronavirusnachweise von 40% auf 0% reduzierte.
Die Studie demonstrierte eindrucksvoll, dass bereits chirurgische Gesichtsmasken dabei helfen, die Viruslast für Coronaviren in ausgeatmeten Tröpfchen und Aerosolen zu reduzieren und somit das Infektionsrisiko für andere zu senken. Infizierte und Erkrankte könnten demnach solche Gesichtsmasken tragen, um das Risiko für ihr Umfeld zu reduzieren.
Interessant ist aber auch, dass es den Forschenden nicht in jedem der positiven Fälle gelang, z. B. Coronaviren in einer Ausatemprobe nachzuweisen. Dies wurde derart interpretiert, dass möglicherweise individuelle Verbreitungsmuster ebenso eine Rolle spielen könnten. Das bedeutet beispielsweise, dass ein längerer Kontakt (> 30 min) mit einer infizierten Person bestehen muss, um eine für die Infektion kritische Viruslast zu erreichen. Möglicherweise spielt das Husten dabei eine Rolle, obgleich es auch Fälle gab, in denen Infizierte nicht husteten und dennoch eine höhere Viruslast in der Ausatmenprobe hatten. Die Frage danach, wie lange ein Kontakt bestehen muss oder wieviel Virus nötig ist, um z. B. eine SARS-CoV-2-Infektion zu verursachen, bleibt also vorerst weiterhin unbeantwortet.
Gesichtsmasken bieten einen gewissen Schutz in der aktuelle Pandemie, doch gleichzeitig mangelt es weltweit an solchen Masken. Viele Menschen und auch medizinisches Personal greifen deshalb derzeit auf selbstgenähte Gesichtsmasken zurück. Doch bieten diese überhaupt einen vergleichbaren Schutz? Eine Studie aus dem Jahr 2013 kann diese Frage beantworten.
In dieser britischen Studie wurden 21 Teilnehmend beauftragt, sich aus haushaltsüblichen Stoffen, z. B. einem Baumwoll-T-Shirt, eine Gesichtsmaske zu nähen. Anschließend wurde die Ausatemluft nach willentlichem Husten auf Bakterien und Viren untersucht. Dabei wurden diese Ergebnisse mit chirurgischen Gesichtsmasken verglichen sowie mit den Ergebnissen von Testpersonen ohne Maske.
Im Ergebnis zeigte sich, dass die selbstgeschneiderten Masken nur in 50% der Fälle überhaupt vergleichbar passten wie chirurgische Gesichtsmasken. Dennoch reduzierten beide Maskentypen die Belastung mit Tröpfchen und Mikroorganismen in der Ausatemluft signifikant. Die chirurgische Gesichtsmaske war dabei allerdings etwa dreifach effektiver als der selbstgenähte Schutz.
Die Autorinnen und Autoren schlossen aus ihren Ergebnissen, dass ein selbstgefertigter Mundschutz in Pandemiezeiten immer nur als Ausnahme genutzt werden sollte, um Tröpfcheninfektionen zu reduzieren, da er einfach nicht so effektiv sein kann wie chirurgische Masken. Dennoch wäre ein solcher Schutz immerhin effektiver als gar keine Gesichtsmaske.
Auf die aktuelle Situation übertragen, bedeutet das: Mangelt es an ausreichender Schutzausrüstung, ist die selbstgenähte Gesichtsmaske immerhin besser als sich und vor allem die anderen ungeschützt einem SARS-CoV-2-Infektionsrisiko auszusetzen. Zusammen mit Händehygiene und Abstandsregelungen profitieren wir letztlich alle von einem solchen Schutz, die Infizierten ebenso wie die Nichtinfizierten.
Originalquellen:
Leung NHL et al., Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks. Nature Medicine 2020; https://doi.org/10.1038/s41591-020-0843-2
Davies A et al., Testing the Efficacy of Homemade Masks: Would They Protect in an Influenza Pandemic?Disaster Med Public Health Preparedness. 2013; 7: 413-418