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Lux Ritter – einst der reichste und mächtigste Luzerner
Viele kennen den Ritterschen Palast neben der Luzerner Jesuitenkirche, das heutige Regierungsgebäude. Auch der Name des Bauherrn, Lux Ritter, ist bekannt. Nur wenige aber kennen dessen steile Karriere vom einfachen Sattler aus der Kleinstadt bis hin zum Schultheissen und zum wohl reichsten Luzerner seiner Zeit.
In der turbulenten Zeit des 16. Jahrhunderts in Luzern wuchs Lux Ritter nahe des Jesuitenplatzes auf. Es war dies inmitten der Reformation, der Schlachten in Norditalien, der Bauernaufstände und Seuchen.
Durch politisches und wirtschaftliches Kalkül arbeitete sich Lux Ritter, damals noch Lux Sattler, in der Hierarchie Luzerns langsam hoch. Was heute als «Tellerwäscherkarriere» bezeichnet wird, war vor 500 Jahren beinahe unmöglich. Die Familie, in die man geboren wurde, bestimmte grundsätzlich das gesamte Leben und den Standort in der sozialen Hierarchie.
Eine Heirat verändert Lux' Leben
Lange war Lux als Sattler tätig und finanzierte sich so seinen Lebensunterhalt. Erst als sich sein Vater in die reiche und sehr mächtige Feer-Familie einheiraten konnte und seine Familie so vom sozialen Aufstieg profitierte, begann sich Lux' Leben zu ändern. Da er wusste, dass er als Sattler kaum reich werden konnte, suchte er sich Alternativen. Die Heirat seines Vaters ermöglichte es Lux, in den Wein- und Tuchhandel einzusteigen.
So erwirtschaftete er sich einen gewissen Wohlstand, welcher ohne den sozialen Aufstieg wohl kaum erreichbar gewesen wäre. Als Kaufmann zeigte Lux, dass er gut mit Geld umgehen konnte und bewies ein gutes Händchen für Investitionen. Langsam erwirtschaftete er sich ein kleines Vermögen und wurde wegen seiner beachtlichen Leistungen schon bald zu einem Grossrat Luzerns ernannt.
Durch Geld kommt Macht
Lux hatte aber noch ganz andere Ambitionen. Mit seinem errungenen Vermögen konnte er neue Märkte und Möglichkeiten erkunden. Weil das eidgenössische Söldnertum im 16. Jahrhundert eine der wichtigsten Einnahmequellen der Städte und einer der lukrativsten Märkte war, ist es naheliegend, dass auch Ritter ins Söldnergeschäft einstieg. Der Soldhandel hatte schon viele Luzerner reich gemacht.
Die helvetischen Söldner waren bei den ausländischen Mächten wegen ihrer kriegerischen Überlegenheit sehr beliebt. Für die Söldner endete das Abenteuer in fremden Ländern jedoch selten mit Reichtum und viel öfter mit dem Tod oder Krankheiten. Weil Lux mehr wirtschaftliche als kämpferische Kompetenzen hatte, wollte er sich als Hauptmann engagieren und selbst eine Truppe leiten.
Lux musste den Räten Luzerns regelmässige Lageberichte zusenden und war für die Bezahlung der Söldner zuständig. Er beschrieb, dass es oft zu Pöbeleien, Diebstählen und Gewalt untereinander kam. Das häufigste Problem waren jedoch die Deserteure. Immer wieder kamen Soldzahlungen zu spät oder gar nicht bei Ritter an. Das führte dazu, dass Söldner seine Truppe verliessen. Ritter diente vor allem unter dem französischen König Heinrich II. Er war wohl hauptsächlich in Norditalien tätig, wo Frankreich seine Besitzungen verteidigen wollte.
Nächstes Kapitel: Stubenmeister
Weil sich Lux' erfolgreiche Unternehmungen schnell herumsprachen, wurde er 1546 zum sogenannten Stubenmeister der Gesellschaft «zum Affenwagen» ernannt. Sie trafen sich auf dem heutigen Jesuitenplatz. «Der Affenwagen» stellte eine hohe Gesellschaft dar. Hier diskutierten die Reichen und Mächtigen Luzerns, in ihrem Lokal hielten sie auch Ratssitzungen ab. Noch heute existiert die Vereinigung unter dem Namen «Gesellschaft der Herren zu Schützen».
Weil Ritter auch hier, unter der Elite Luzerns, einen sehr guten Ruf genoss, wurde er schon bald in den kleinen Rat gewählt. Er bekleidete die Ämter des Vogtes von Beromünster, von Ruswil, von Baden und weiteren kleineren Vogteien. Ritters politisches und wirtschaftliches Kalkül scheint beeindruckend gewesen zu sein. Der eigene Profit und die eigene Entlöhnung kamen dabei nie zu kurz.
Der mächtigste Luzerner
Innerhalb weniger Jahren hatte Ritter es beinahe bis ganz an die Spitze der Hierarchie Luzerns geschafft. Sein Ziel war es aber, zum Schultheiss gewählt und so zum mächtigsten Luzerner zu werden. 1556 war es dann tatsächlich so weit und er wurde zum Schultheiss Luzerns ernannt. Er war nun offiziell der mächtigste Luzerner. Weil sich Schultheissen traditionell jährlich abwechselten, regierte Lux auch in den Jahren 1558 und 1560. In den anderen Jahren bekleidete Jost Pfyffer jeweils das Amt des Schultheissen.
Da Lux Ritter so auch die Aufgabe der Verteilung der französischen Pensionsgelder zukam und die Schultheissen Luzerns diese Gelder stets auch für ihren eigenen Profit nutzten, dauerte es nicht lange, bis Ritter die vollständige Kontrolle über die Gelder übernahm. Ganz nach seinem Belieben verteilte er die Gelder an die ausländischen Mächte und kam natürlich auch selbst nie zu kurz. Weil er sich selbst stets fürstlich entlohnte, stieg er schnell zum reichsten Luzerner seiner Lebzeiten auf.
Die Spitze erreicht
An der Spitze der Zentralschweiz angekommen und fast in Geld badend, wollte sich Ritter einen eigenen Palast bauen. Er wollte seine Macht manifestieren und baulich untermauern. An der Reuss neben der Lokalität der Gesellschaft zum Affenwagen auf dem heutigen Jesuitenplatz plante Ritter nun seinen Prunkbau. Ganz nach dem Stil der reichen Adeligen (wie den Medici in Florenz) wollte Ritter seinen Palast bauen lassen. Natürlich waren viele Räte Luzerns gegenüber dem Projekt missmutig und unterstützten das Unterfangen nicht.
Durch die in kurzer Zeit erlangte Macht hatte Ritter auch einige Widersacher, die sich in ihrem Machtanspruch bedroht fühlten, auf den Plan gerufen. Die damals mächtigste Familie war die Pfyffer-Dynastie, aus welcher auch Ritters grösster Widersacher, Jost Pfyffer, stammte.
Allen voran musste zuerst der Baumeister Luzerns, niemand anderes als Jost Pfyffer, den Bau genehmigen. Natürlich spielte dieser seine Karten strategisch aus und behielt es sich vor, einige Restriktionen aufzuerlegen. So verbot er, dass der Palast Treppen erhielte und so erhöht neben den anderen Häusern stehen würde. Ausserdem setzte er dem Bau Grenzen, die nicht überschritten werden durften.
Wieso Ritters Steinhauer hingerichtet wurde
Als Steinhauer heuerte Ritter Hans Lynz an. Dieser war wohl als Religionsflüchtling nach Zürich gekommen und suchte dort unter der reformatorischen Regierung Schutz. Lynz wusste, dass man in Luzern kurzen Prozess mit Ketzern machte und auch vor Hinrichtungen nicht zurückschreckte. Wahrscheinlich lockte ihn jedoch Ritters Geld. Lange kam der Bau gut voran und niemand erfuhr von Lynz‘ religiöser Ausrichtung.
Erst nach zwei Jahren, im März 1559, kam es zu einem verheerenden Zwischenfall, wie eine Quelle belegt: «Offene Rechnungen und einige Gläser Alkohol endeten in einem verbalen Streit zwischen dem Schultheissen und seinem Bildhauer. […] Während diesem Disput muss Ritter eine Bemerkung zu den religiösen Ansichten von Lynz gemacht haben.» Es war also publik geworden, dass Lynz reformatorisch war und so wurde er schon kurz darauf eingesperrt und zum Tode verurteilt.
Keine Rittersche Dynastie
Schon während des Baus des Palasts war Ritter sehr krank geworden und kämpfte seit einiger Zeit um sein Leben. Das Projekt war zwar schon aufgegleist und der Bau in vollem Gange, doch als der Steinhauer Lynz hingerichtet wurde, ging es nur wenige Wochen, bis auch Ritter selbst seinen ewigen Frieden fand.
Die Krankheit hatte ihn unerwartet aus dem Leben gerissen und so sahen weder Ritter noch Lynz je den vollendeten Palast. Weil Ritter ohne männliche Nachkommen starb, wurde eine Rittersche Dynastie verunmöglicht. Das Einzige, was heute noch an ihn erinnert, ist sein Palast, in dem nun die Regierung Luzerns zu Hause ist. Auf seinen Tod folgte ein Machtvakuum, das ebenfalls ein äusserst interessantes Kapitel des Luzerner Patriziats darstellt (zentralplus berichtete).
Literaturverzeichnis
- Masterarbeit von Simon Müller: «Von fernen Kriegen, raschem Aufstieg und sichtbaren Machtspielen – Was uns die Geschichte Lux Ritters über die Entstehungszeit des Luzerner Patriziats offenbart».