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Die Absurdität der GewaltKarl Kufferath
Sohn des Richard Kufferath, Neffe meines Großvaters Karl Kufferath
Gehört von meinem Vater Antonius Kufferath um 1959
Karl war ein großer Verehrer der französischen Kultur. Er sprach fließend Französisch und beschäftigte sich mit der französischen Literatur. Was er beruflich tat, welche Ausbildung er hatte, ist mir nicht bekannt. 1914 wurde er eingezogen und musste mit den deutschen Truppen nach Frankreich in den Krieg ziehen, gegen die Nation, die er so sehr schätzte und verehrte. Er wurde verletzt und in ein Lazarett gebracht. Dort in seinem Bett hat ihn ein Mitglied der französischen Résistance umgebracht. Der Täter konnte nicht ahnen, dass er eigentlich einen wahren Franzosen getroffen hatte, einen großen Freund seines Vaterlandes. Welche Absurdität, welche Tragödie.
Im rechten Seiteneingang der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt zu Mariaweiler hing zu meiner Kinder- und Jugendzeit eine Holztafel, in welcher die Namen der im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus unserem Dorf eingeschnitzt waren; ich erinnere mich gut an den Namen Karl Kufferath, er stand im unteren Drittel der Tafel, aber wusste nicht die Bedeutung und habe oft herumgerätselt, wer er sein könnte. Wegen Familienstreitigkeit in früherer Zeit galt in meinem Elternhaus der Stamm des Bruders Richard meines Großvaters sehr wenig; so wurde des tragischen Schicksals des Vetters meines Vaters und des unwissenden französischen Kämpfers nie gedacht, und ihnen nie die Ehre der Einnerung geschenkt. Mein Wunsch wäre, es hiermit nachholen zu können.
Weitere Einzelheiten sind mir nicht bekannt.
Im TGV Paris-Basel, 9. Juli 2012
Wilhelm Kufferath von Kendenich