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Anlässlich der SARS-Pandemie 2003 fiel auf, dass einige Betroffene Monate und Jahre nach der Erkrankung weiterhin gesundheitliche Probleme hatten. Ca. 60 % der Befragten berichteten in einer Studie aus Toronto noch ein Jahr nach der Infektion über Fatigue-Symptome. Ähnliche Symptome treten auch bei der aktuellen CORONA-Pandemie auf, im Sinne einer COVID-Fatigue.
Merkmale sind fehlender Antrieb, anhaltende Müdigkeit und Kraftlosigkeit, die in keinem Verhältnis zu körperlichen oder geistigen Anstrengungen stehen und durch Schlaf sowie Erholungsphasen nicht mehr auszugleichen sind. Es können kognitive Symptome wie Konzentrationsschwäche und Gedächtnisprobleme hinzukommen.
Man spricht hierbei auch vom sogenannten Brain Fog. Das Gedächtnis erscheint wie vernebelt, und das Nachdenken fällt schwer. Das wiederum kann die Müdigkeit und Erschöpfung, die eventuell ohnehin schon vorliegen, zusätzlich verstärken.
Auch Kopfschmerzen sowie Fieber und Sehstörungen plagen Betroffene möglicherweise. Einige berichten ausserdem von Schmerzen in den Muskeln und Gelenken sowie Krämpfen, die teilweise sogar im Schlaf auftreten.
Wie entsteht COVID-Fatigue?
Das Fatigue-Syndrom ist unabhängig von einer Corona-Erkrankung schon seit vielen Jahren bekannt. Die Frage, wie genau es entsteht, kann allerdings bis heute nicht eindeutig beantwortet werden. Es gibt drei Hypothesen, die aktuell im Raum stehen:
- Immun-Hypothese
- Durchblutungs-Hypothese
- Nervensystem-Hypothese
Laut der Immun-Hypothese liegt eine Autoimmunstörung vor. Aufgrund dessen bleibt die Immunantwort immer noch aktiv, obwohl das Virus längst erfolgreich bekämpft worden ist. Im Rahmen der Durchblutungs-Hypothese geht man hingegen davon aus, dass in den Gefässen des Körpers Entzündungsreaktionen stattfinden. Demzufolge können sie sich nicht mehr weiten und verengen.
Das wiederum kann eine Unterversorgung der Mitochondrien zur Folge haben, und die Arbeit der Organe ist eingeschränkt. Auf eine Fehlfunktion des autonomen Nervensystems bezieht sich die Nervensystem-Hypothese. Die Übertragung der Neurotransmitter ist gestört, und die Nerven können zum Beispiel Muskeln nicht mehr korrekt ansteuern. Das Nervensystem steht dauerhaft unter Stress.
Nichts ist mehr, wie es vorher war
Das Leben der Personen, die von Long COVID betroffen sind, ist oftmals nicht mit dem Leben vor der Corona-Erkrankung vergleichbar. Die stark eingeschränkte körperlicher Belastbarkeit, Muskelschwäche, Müdigkeit, Kurzatmigkeit und ähnliche Symptome im Sinne einer COVID-Fatigue rauben den Betroffenen die Lebensqualität. Umso wichtiger ist es, COVID-Fatigue möglichst schnell zu diagnostizieren und zu behandeln.
Für die korrekte Diagnosestellung ist es in vielen Fällen bei COVID-19 noch zu früh, da per Definition die Symptome mindestens sechs Monate nach Überwindung der COVID-19 Infektion bestehen müssen. In dieser Situation spricht man daher besser von postinfektiöser Fatigue.
Ein Einblick in die aktuelle Studienlage zu COVID-Fatigue
In einer aktuellen irischen Studie zeigt sich, dass das Auftreten einer COVID-19-Fatigue unabhängig vom Schweregrad der vorausgehenden COVID-19-Infektion war. In der erwähnten Studie fanden die Untersucher aber auch heraus, dass viele Patientinnen und Patienten bereits psychische bzw. psychiatrische Vorerkrankungen aufwiesen (Townsend L. et al, PlosOne 2020).
Am Anfang der Versorgung dieser Patientinnen und Patienten steht in der Regel ein umfangreiches, standardisiertes Assessment, um zwischen organischen Störungen und psychischen bzw. psychosomatischen Limitationen unterscheiden zu können.
Nach individueller Konstellation werden auf dieser Basis mit der Patientin oder dem Patienten Ziele definiert. In der Folge wird in einem interdisziplinären Team im Rahmen der Rehabilitation versucht, die Ziele zu erreichen.
Wöchentliche Reevaluationen und Readjustierungen der Ziele sind notwendig und helfen Fortschritte, aber auch Stillstände im Reha-Prozess rechtzeitig zu erkennen. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung im Bereich der onkologischen, internistischen und psychosomatischen Rehabilitation sind wir prinzipiell mit den Facetten des Fatigue-Syndroms bestens vertraut.
Wir bieten im Rahmen unseres multimodalen, ganzheitlichen Ansatzes Unterstützung im Sinne der Symptomlinderung, Krankheitsbewältigung und Rehabilitation betroffener Patientinnen und Patienten.
Dementsprechend können spezialisierte Behandlungsprogramme angeboten werden, welche die oftmals schwerwiegenden körperlichen Beeinträchtigungen ebenso wie die seelischen und kognitiven Aspekte berücksichtigen. Hierbei ist es wichtig, die Patientin oder den Patienten wieder in ein strukturiertes Leben zu integrieren und für ausreichend Stimulation zu sorgen.
Insbesondere körperliche Aktivität scheint sich, wie so oft, auch bei diesen Patientinnen und Patienten sehr positiv auszuwirken. Hier gilt es auch wieder ein Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit aufzubauen und der oft grossen Verunsicherung der Patienten entgegenzuwirken.
Welche Rehabilitations-Bausteine sind für die Linderung von COVID-Fatigue wichtig?
Kurzatmigkeit, Kreislaufprobleme, Konzentrationsschwäche und Kraftlosigkeit – diese und weitere Symptome gilt es, im Rahmen der Rehabilitation zu lindern. Entscheidend sind dabei die folgenden Bausteine:
Teil der Physio- und Sporttherapie sind in unseren Reha-Zentren unter anderem die Verbesserung der Ausdauer und der Kraftaufbau. Je nach Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten sind Ausdauertraining auf dem Laufband, Nordic Walking, Ergometer-Trainings, Gehbäder und mehr möglich. Geht es an die aktive Stärkung der Muskeln, können unter anderem Freihanteltrainings oder der Kraftaufbau an Trainingsgeräten zum Einsatz kommen.
Bei stärker ausgeprägten Symptomen von COVID-Fatigue sind beispielsweise Übungen mit dem eigenen Körpergewicht – gegebenenfalls auf Vibrationsplatten – oder Wassergymnastik sinnvolle Massnahmen. Die Förderung von Kraft, Ausdauer und dem Spass an Bewegung sind sehr wichtige gesundheitsfördernde Faktoren – nicht nur nach einer COVID-Erkrankung. Genau dem gehen wir in der Physio- und Sporttherapie nach.
Ausdauertraining kann bereits zur Verbesserung von Kurzatmigkeit beitragen. In Kombination mit der Atemtherapie entsteht ein effektives Behandlungskonzept. Ziel der Atemtherapie ist nicht nur das Stärken der Atemkraft. In unseren Reha-Zentren sensibilisieren wir unsere Patientinnen und Patienten darauf, ihre Atemmuster bewusst wahrzunehmen. Ein therapeutisches Gespräch unterstützt den Wahrnehmungsprozess.
So fördert die Atemtherapie den Selbstwahrnehmungsprozess gleichermassen in körperlicher und seelischer Hinsicht. Achtsamkeit ist hierbei ein wichtiges Stichwort. Atem- und Körperübungen sowie Behandlungen durch Dehnung und Druck stärken die Selbstwahrnehmung und Empfindungsfähigkeit der Patientinnen und Patienten.
Wie Entspannung und eine optimierte Ernährung zur Linderung von COVID-Fatigue beitragen
Nicht nur Bewegung und gezieltes Atemtraining sind wichtige Bestandteile bei der Behandlung von Kurzatmigkeit, Kreislaufproblemen und weiteren Symptomen von COVID-Fatigue.
Der aktiven Stärkung des Körpers steht die gezielte Entspannung gegenüber. Hierfür sind beispielsweise Spaziergänge in der freien Natur, Qi Gong und Entspannungsübungen mit der Blackroll empfehlenswert. Auch passive Erholungstechniken auf der Vibrationsplatte können Teil der Behandlung sein.
Die Ernährungstherapie ist auf mehreren Ebenen an der Linderung von COVID-Fatigue beteiligt. Hierbei geht es unter anderem darum, dem Körper ausreichend Energie für die Bewegungstherapie zu verleihen. Ausserdem soll er mit genügend Eiweiss für eine erfolgreiche Stärkung der Muskeln versorgt werden.
Das gilt auch für die Atemmuskulatur. Mit einer optimierten Ernährungsweise lässt sich das Atmen erleichtern. Auch darauf zielt die Ernährungsberatung nach einer COVID-Erkrankung ab.
Am Ende der Reha steht die Organisation bzw. Reorganisation der häuslichen Situation an. Viele Covid-19-Fatigue-Patientinnen und -Patienten brauchen auch in der Post-Reha-Phase weiterhin Begleitung. Neben technischen Hilfsmitteln sind vor allem auch Unterstützung im Haushalt, bei der Pflege, aber auch auf psychosozialer Ebene erforderlich.
Eine Auswertung unserer Datenlage bezüglich der Wirksamkeit unserer Rehabilitationsmassnahmen bei COVID-Fatigue
Bei der Auswertung der ersten knapp 100 Patientinnen und Patienten, welche zu uns zur Reha kamen, haben wir festgestellt, dass sich in der Post-akut-Phase der COVID-19-Infektion erhebliche Verbesserungen auf allen Ebenen erreichen lassen.
Im Vergleich zu den Patientinnen und Patienten, welche üblicherweise in die Pneumo-Reha kommen, sind die Steigerungen bei den Post-Covid-19-Patientinnen und -Patienten signifikant höher.
Wir interpretierten diese Daten dahingehend, dass die Post-Covid-19-Patientinnen und -Patienten trotz aller Einschränkungen, ein grösseres Verbesserungspotenzial hatten als die chronisch kranken Pneumo-Patientinnen und Patienten (Spielmanns M. et al. Int J Environ Res Public Health 2021 under Review).
Die Anfang 2021 zunehmend zur Reha geschickten COVID-19-Fatigue-Patientinnen und -Patienten müssen hiervon aber differenziert betrachtet werden. Hier werden wir erneut Auswertungen vornehmen.
Gern beraten wir Sie über die Möglichkeiten, die unsere Reha-Zentren Ihnen bieten, um Ihre Fatigue-Symptome zu lindern. Mittels hochstehender Medizin, jahrelanger Erfahrung und eines hochspezialisierten Teams bieten wir Ihnen Behandlungen, die optimal auf Ihre Beschwerden zugeschnitten sind.
Nach dem Aufenthalt in unseren Reha-Zentren starten Sie mit neuer Kraft und Lebensfreude in eine gesunde Zukunft. Kontaktieren Sie uns für nähere Informationen telefonisch oder per E-Mail.