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von der Wissenschaft dadurch, daß sie Darstellung
einer ästhetischen (d. h. nicht für wahr angegebenen, obgleich innerlich wahrscheinlichen,
d. h. poetisch wahren), diese dagegen Darstellungeiner für wahr gehaltenen (nicht bloß dafür ausgegebenen,
in welchem Fall sie Lüge wäre) Gedankenwelt ist;
von der prosaischen Redekunst (Prosa) endlich dadurch, daß nicht nur ihre
Gedankenwelt, sondern auch ihre Sprache ästhetisch (d. h. durch die Rücksicht auf Rhythmus und Wohlklang »gebunden«, poetische
Sprache) ist;
deren Sprache gleich der ihrigen »poetisch« ist,
dadurch, daß diese (wie die Wissenschaft) eine (vom Redner) für wahr gehaltene oder (vom Sophisten) wenigstens für wahr
ausgegebene, die Poësie dagegen eingestandenermaßen eine »poetische«
Gedankenwelt darstellt.
Dieselbe setzt, wie jede Kunst, eine spezifische Anlage (poetisches Talent, Genie), ihre Ausübung, wie
die jeder Kunst, eine spezifische Stimmung (poetische Stimmung) voraus, deren Charakter der Eigentümlichkeit
der Poësie als Kunst entspricht. Dieselbe setzt als erfindende Kunst Erfindungskraft oder Phantasie (s. d.), als Darstellung einer
durch Worte darstellbaren Gedankenwelt (im Gegensatz zur musikalischen und bildnerischen) poetische Phantasie, als rhythmisch-musikalische
sprachliche Darstellung nicht nur ein rhythmisch-musikalisches Sprachmaterial, sondern auch vollkommene
Herrschaft nicht nur über die logischen, etymologischen und grammatischen, sondern auch über die rhythmischen und musikalischen
Elemente der Sprache voraus. In ersterer Hinsicht besteht die poetische Anlage in einem erhöhten Grade der Beweglichkeit der
Vorstellungen, welcher stets neue Verbindungen der Elemente des Vorstellungskreises und dadurch neue Vorstellungen schafft.
Als poetische Phantasie (im Gegensatz zur musikalischen oder bildnerischen) besteht die poetische Anlage nicht nur in einem
Übergewicht der Gedanken (Begriffe und Anschauungen) über Tonvorstellungen (deren Übergewicht die musikalische) oder Farben- und
Formenvorstellungen (deren Übergewicht die bildnerische Anlage ausmacht), sondern noch überdies der sinnlichen (konkreten,
anschaulichen) über die nichtsinnlichen (abstrakten, unanschaulichen) Gedanken (der Bilder über die Begriffe)
im Vorstellungsvorrat. In sprachlicher Hinsicht begreift die poetische Anlage neben dem Sinn für korrekten und genauen Gedankenausdruck
durch das Wort auch noch den Sinn für die rhythmische Schönheit des Zeit- und Silbenmaßes sowie für die musikalische Schönheit
des Wohlklanges und der melodischen Lautfolge der Sprachzeichen. In diesem Punkt kommen Sprachen, welche
wie das Sanskrit, die griechische, die lateinische samt ihren romanischen Tochtersprachen ein von Natur wohlklingendes Lautmaterial
besitzen, der poetischen Anlage zu Hilfe.
in Hinsicht auf die poetische
Phantasie als Ergriffensein von einer anschaulichen und das Gemüt zur Darstellung in Worten drängenden Bilderwelt, in Hinsicht
auf die Sprache als unbestimmt »rhythmisch-musikalische Stimmung« (nach Schiller), die der Ausfüllung der Form durch Worte vorhergeht.
Die Einteilung der Poësie kann entweder von dem Gegenstand, der darstellenden Gedankenwelt, oder von dem Darstellungsmittel,
der Sprache, ausgehen. In ersterer Hinsicht wird sie in
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subjektive und objektive, in letzterer in Dichtkunst in gebundener (metrischer) und solche in ungebundener Rede unterschieden.
Subjektiv heißt die Poësie, wenn die darzustellende Gedankenwelt auf das Subjekt, den Dichter, selbst bezogen, diese als dessen
eigne dargestellt wird. Dieselbe führt, da das Subjekt als in lyrischer, d. h. sein Inneres in Worte ausströmender,
Stimmung befindlich gedacht wird, den Namen der lyrischen Poësie (s. Lyrik). Objektiv heißt die Poësie, wenn die darzustellende Gedankenwelt
auf ein vom Dichter verschiedenes Objekt bezogen, eine Begebenheit oder Handlung eines solchen dargestellt wird.
»klassischen und romantischen Poësie« (Romantiker),
»antiken und modernen Poësie« etc.
fallen mit jenen der bewußtlosen (Natur-) und bewußten (Kunst-) Poësie zusammen, wenn mit diesen der (mystische) Glaube an die
Unfehlbarkeit des Bewußtlosen und der (pessimistische) Unglaube an die Verwirklichung des Ideals durch das Bewußte verbunden
wird. Geschichtlich ist der Poësie als Darstellung einer weder für wahr gehaltenen, noch für wahr angegebenen Gedankenwelt sowohl
die Wissenschaft als die Mythendichtung, dagegen der Prosa als der schmucklosen Darstellungeiner für wahr gehaltenen
Gedankenwelt sowohl die Lehrdichtung (in gebundener und ungebundener Rede) als die Poësie vorangegangen.