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Im Mai wäre er gerne SFV-Präsident geworden. Er scheiterte aber. Aber Jeff Collet bleibt als Turnierdirektor des Swiss Open Gstaad seit 14 Jahren und als Vizepräsident der SFL ein Top-Sportfunktionär.
Jean-François Collet (51), kurz Jeff, gründet im Jahr 2000 in Renens mit einem Schwager von Ernesto Bertarelli die «Grand Chelem Management SA», eine Agentur für Sportmarketing und Events. Er baut auch dank Alinghi und dem America's Cup die Agentur zu einem florierenden Betrieb auf und verkauft sie 15 Jahre später an einen Wegbegleiter. Collet ist ein Macher, kein «Gränni». Als Fussball-Verbandspräsident hätte er gerne den Schweizer Cup umstrukturiert und ihn für mehr als 64 Teams geöffnet. Er versprach den SFV-Delegierten 6 statt 1.3 Millionen Franken aus Sponsoring-Einnahmen.
Collet ist kein Mann, der viel verspricht und wenig hält. Von 2007 bis 2013 präsidierte er den FC Lausanne-Sport, baute Schulden von einer Million Franken ab und führte den Traditionsverein zurück in die Super League. In Gstaad wirkt er seit 14 Jahren als Turnierdirektor und stabilisierte den Event in seinen turbulentesten Jahren und der schwierigsten Zeit. Zudem schaffte er es 2015 gegen andere Interessenten, ein WTA-Turnier in die Schweiz zu holen, welches zuletzt erstmals in Lausanne ausgetragen wurde. Auch am WTA-Turnier wirkt Collet als Turnierdirektor.
Im Interview erzählt Jeff Collet, wie er bei der SFV-Wahl von Christian Constantin hintergangen wurde, und warum die Organisation des Gstaader Turniers in der Ära nach Roger Federer und Stan Wawrinka einfacher wird.
Jeff Collet, sind Sie jetzt nur noch Turnierdirektor, weil Sie im Mai bei der Wahl des SFV-Präsidenten gescheitert sind?
Jeff Collet: Nein (lacht)! Das Amt des Turnierdirektors in Gstaad und Lausanne hätte ich nicht abgegeben. Das SFV-Präsidium wäre ein 50-Prozent-Job gewesen. Das hätte nichts geändert.
Aber Sie wären gerne Nachfolger von Peter Gilliéron geworden. Wir verdauten Sie die Nicht-Wahl?
Um ehrlich zu sein: Nach der Wahl war ich sicher nicht der fröhlichste Mensch auf der Welt. Ganz wichtig bei der Verarbeitung war aber für mich, dass es nie eines meiner Lebensziele gewesen ist, SFV-Präsident zu werden. Die Liga hat mich angefragt, ob ich es machen würde. Ich habe danach alles gemacht, um die Wahl zu gewinnen. Et voilà! Es ist wie immer im Leben: Jeder Entscheid zieht schöne und weniger schöne Sachen mit sich. Jetzt bin ich es nicht geworden, und ich sehe darin auch Vorteile. Ich stehe sicher weniger unter Druck und muss weniger Probleme lösen. Aber ich hätte es schon gerne gemacht.
Im Prinzip lief alles gut, bis Christian Constantin mit seiner Brandrede auf den Plan trat.
Das ist genau so! Ich hatte Verständnis für die Delegierten, die sich danach sagten, den Collet wählen wir nicht, wenn der nicht einmal die geschlossene Unterstützung der Liga und aus der Romandie hat. Constantins Worte waren ein ganz schlechtes Signal. Was ich nicht als fair erachtete, war, dass Constantin noch am Tag vor der Wahl vorgab, dass er mich unterstützen würde. Er schickte mir ein SMS. Er rief mich an und erkundigte sich, was er für mich tun könne. Nach der Nichtwahl erhielt ich von vielen Seiten positive Reaktionen. Gerade meine Änderungen für den Cup hätten viele gerne gesehen.
Als Tennis-Turnierdirektor müssen Sie sich keine Gedanken wegen eines allfälligen Rücktritts von Roger Federer machen. Sie organisieren seit Jahren in Gstaad ein ATP-Turnier fast ohne Schweizer Aushängeschilder.
Da haben Sie Recht. Das ist ein Riesenvorteil für die Zukunft. Ich habe mir diese Gedanken auch schon oft gemacht. Für Basel macht es einen Riesenunterschied aus, wenn Federer dereinst nicht mehr dabei sein wird. Wir hingegen sind es uns gewohnt, fast ohne Schweizer Spieler auszukommen. Ich hoffe nicht, dass Roger Federer und Stan Wawrinka bald aufhören, denn ich persönlich schaue beiden sehr gerne zu. Aber für Gstaad wird es danach einfacher. Seit vierzehn Jahren stellen mir die Leute die gleiche Frage: Warum kommt Roger Federer nicht? Und in den letzten Jahren lautete die Frage: Warum spielen Federer und Wawrinka beide nicht? Das ist keine positive Message, über die wir sprechen müssen.
Bemühen Sie sich um Federer und Wawrinka noch?
Aber natürlich. Im Fall von Roger verfügen wir über eine gute Verbindung zu (Manager) Tony Godsick, mit dem wir beispielsweise auch für den Laver Cup zusammenarbeiten. Alle in Federers Umfeld wissen, dass wir Roger gerne hier haben würden. Vereinbart ist, dass sich im Falle einer möglichen Teilnahme Federers Godsick bei mir melden wird. Um Stan Wawrinka bemühen wir uns auch jedes Jahr. Aber mir ist klar, dass Gstaad unmittelbar vor der Hartplatz-Saison nicht gut in seine Planung passt.
Sie organisierten vor drei Jahren erstmals ein Frauen-Turnier in Gstaad vor dem ATP-Turnier. Das Frauen-Turnier fand heuer nun erstmals in Lausanne statt.
Die Trennung bringt beiden Turnieren Vorteile. In Gstaad können wir uns auf das Männer-Turnier konzentrieren, zudem bleibt zwischen Beachvolleyball und dem ATP-Turnier eine freie Woche. Am Anfang dachte ich, das Frauen-Turnier werde dem Männer-Event helfen. Das war nicht der Fall. Vielmehr schadeten die beiden Turniere einander. Mit der ersten Austragung in Lausanne waren wir extrem zufrieden. Der VIP-Bereich lief unglaublich gut.
Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz in Gstaad?
Die Zuschauerzahlen sind stabil. Wir zählen nicht mehr oder weniger Besucher als in den letzten Jahren. Wir würden natürlich gerne noch mehr Fans begrüssen. Die VIP-Gäste übernachten in Gstaad, der Rest der Zuschauer besteht aus Tagestouristen. Es ist nicht einfach, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Das Fernsehen will das Spiel des Tages erst nach der Tour de France. Zu dem Zeitpunkt sind einige Zuschauer bereits wieder auf der Rückreise. Als Organisator haben wir den Anspruch, die Gäste möglichst lange auf der Anlage zu halten. Aber es ist klar: Das Topspiel des Tages hätte mehr Zuschauer, wenn es früher stattfinden könnte.
Welche Visionen haben Sie für das Swiss Open?
Die Leute müssen akzeptieren, dass wir ein 250er-Turnier sind – ein Turnier der dritten Kategorie. Die schwierigste Aufgabe meines Jobs ist es, diesen Leuten zu erklären, dass es im Sommer extrem schwierig ist, Topspieler für Sandplatzturniere zu verpflichten. Wir haben jetzt 2019, und die Leute reden immer noch von 1990 (als Alex Corretja den Final gegen Boris Becker gewann). Wir sollten nicht zuviel träumen. Viele Leute sagen, sie seien enttäuscht vom Spielerfeld. Ich sage: Im Vergleich mit anderen Turnieren unserer Grössenordnung verfügen wir über ein vorzügliches Spielerfeld – besonders, wenn wir heuer noch Matteo Berrettini oder Guido Pella (beide verletzt) gehabt hätten. Wir müssen positiv denken.
Im nächsten Jahr wird es wegen der Sommerspiele noch schwieriger.
Wie gesagt: Positives Denken ist gefragt. Ich bin kein ‹Gränni›. An den ATP-Sitzungen der Turnierdirektoren weinen die Vertreter der kleinen Turniere die ganze Sitzung lang. Dabei ist klar, dass Jammern nichts nützt. Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen. Wir sind ein kleines Turnier und kämpfen darum, das Bestmögliche herauszuholen. Für das Thema Olympia gilt das Gleiche. Alle vier Jahre finden Sommerspiele statt, und wir organisieren ein Turnier im Sommer. Es ist an uns, sich mit dieser Situation zu arrangieren. Wie war es 2016? Wir rechneten mit einer Katastrophe, und am Ende wurde es mit Sieger Feliciano Lopez eines der besten Turniere der letzten Jahre.» (abu/sda)