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Das Jahr 1921 begann verheissungsvoll mit dem Neujahrskonzert in der Turnhalle. Dasselbe Jahr bot aber auch eine herbe Enttäuschung. Der Verein wollte am Eidgenössischen Musikfest in Zug teilnehmen und war bereits fleissig am Proben eines Wettstückes: Eine Bearbeitung der Ouvertüre zur Oper «Rübezahl» von Friedrich von Flotow. Im April kam aber die Nachricht, das Musikfest sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden.
Das erste «Eidgenössische»
Im August 1923 kam für die «Harmonie» Lichtensteig die grosse Stunde. Sie nahm am Eidgenössischen Musikfest in Zug in der zweiten Kategorie teil. Dieser erfolgreiche Auftritt war der Höhepunkt der zwölfjährigen, leistungsorientierten Schaffenszeit von Gustav Kahlfeld, der kurz nach dem Neujahrskonzert 1924 während einer Probe mit der Stadtmusik Winterthur einen Schlaganfall erlitt und verstarb. Die Lichtensteiger reisten nach Winterthur, wo sie ihrem Förderer zusammen mit der Stadtmusik die letzte Ehre in einem Trauerzug erwiesen. Die Krönung der Erfolgsgeschichte Gustav Kahlfelds sollte die Fahnenweihe am 29. Juni 1924 werden. Das Fest konnte mit einem Aushilfsdirigenten und der Patensektion «Concordia» Uzwil trotzdem durchgeführt werden. Im selben Jahr trat die Harmonie Lichtensteig dem neu gegründeten St. Galler Kantonal Musikverband bei.
Es wehte der «Nordwind»
Am 7. August 1924 wurde Musikdirektor Fritz Voigt zum Dirigenten gewählt und leitete das musikalische Geschick bis 1926. Ein aufstrebender Lichtensteiger namens Ludwig Schultze nahm Voigts Stelle ein. Der ehrgeizige Mann hatte viele Veränderungen im Vereinsleben vor. Unter Schultzes Leitung wurde im Januar 1927 die Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen in der Turnhalle abgehalten. Ehrenpräsident Gebhard Frei soll die Feier mit einer markanten Ansprache eröffnet haben und war stolz auf die 22 Aktiv- und über 200 Passivmitglieder, die der Verein zählen konnte.
Der neue Dirigent sorgte mit seinen Ideen für ziemlichen Aufruhr. Nachdem ständige Probleme mit ihm zum Rücktritt des Präsidenten geführt hatten, trat Ludwig Schultze in einer ausserordentlichen Hauptversammlung im Oktober 1927 aus den Verein.
700 Jahre Lichtensteig
Nach drei Wechseln in der Direktion wurde 1928 Fritz Voigt aus Rorschach zurückgeholt. Im selben Jahr nahm die «Harmonie» am ersten St. Galler Kantonal Musikfest in Wattwil teil. Für Lichtensteig war 1928 ein historisches Erignis, das Städtli feierte sein 700-jähriges Bestehen. Im grossen Festumzug am 2. September wurde die Musikgesellschaft auch erstmals in einem bewegten Film festgehalten.
Im Alter von erst 47 Jahren verstarb 1930 der bestbewährte Musikdirektor Fritz Voigt. Ludwig Schultze sah seine Zeit gekommen und wurde am 12. Juli nach teils hitziger Diskussion zum Dirigenten gewählt.
♦ 1921 Neujahrskonzert in der Turnhalle ♦ 1923 Erfolg am Eidgenössischen Musikfest Zug ♦ 1924 Grosser Trauerzug für Gustav Kahlfeld in Winterthur ♦ 29. Juni 1924 Fahnenweihe auf dem «Goldenen Boden» ♦ 1927 Jubiläumsfeier 25 Jahre «Harmonie» ♦ 1928 Erstes Kantonalmusikfest in Wattwil