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Via de la Plata
Die Via de la Plata ist ein historischer Handelsweg, der das heutige Sevilla im Süden mit dem heutigen Astorga im Norden verbindet.
Der Weg existierte bereits in vorrömischer Zeit, wurde dann aber durch die Römer verbreitert und gepflästert, und entlang der Strecke wurden Stützpunkte angelegt, der Ursprung einiger heutiger Städte. Zu Beginn des 8. Jh. besetzten Araber (Mauren) grosse Teile der iberischen Halbinsel, und die Strasse wurde erneut auch für militärische Zwecke genutzt. Seit dem Mittelalter ist die Via de la Plata auch ein Pilgerweg geworden für die Christen im Süden Spaniens, die zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela pilgern wollten
Samstag, 31. August 2013 - Anreisetag
Schon frühmorgens um 4 Uhr holte uns der nervöse Wecker aus dem Tiefschlaf, mussten wir doch eine Stunde später bereitstehen für unseren Taxichauffeur "Roland". Er chauffierte uns zum Flughafen nach Zürich, wo wir im Check-In 3 unsere Bordkarten für die Flüge nach Madrid und Sevilla abholten. Nach einem ruhigen Flug und nach der Landung in Madrid, machte der Pilot noch eine Flughafenrundfahrt mit dem vollen Flieger. Im riesigen Flughafengebäude marschierten wir ca. 15 Min. bis zum Gate, wo der Airbus der Iberia zum Flug nach Sevilla bereitstand. Auch dieser Flug war sehr angenehm. In Sevilla angekommen, bestiegen wir den Bus, der uns zur Puente de Isabel brachte. Von hier aus fanden wir zu Fuss zu unserer Unterkunft, das Hostel Triana. Dort bezogen wir nach dem einchecken auch unsrere gemieteten Bikes. Weil wir Sevilla schon von früher kannten, besichtigten wir nur noch die Kathedrale, wo wir auch den Pilgertstempel in unseren Pilgerpass eintragen liessen. Anschliessend stillten wir unseren kleinen Hunger mit Tapas und Sangria. Nach dem abendlichen Spaziergang genossen wir einen Schlummertrunk in einer belebten Gasse in der Nähe unserer Herberge.
Sonntag, 1. September 2013 - Sevilla bis Almaden de la Plata (79 KM - 1050 HM)
Der Handy-Wecker war auf 6.30 Uhr eingestellt, aber das rumoren der anderen Pilger hat uns früher geweckt. Nach dem "Pilger-Z'Morge" montierten wir die Sackoschen an den Bikes. Das Navi war eingerichtet und endlich ging's los, nach halbjähriger Vorbereitung. Am Start war auch eine spanische Bikegruppe. Bei angenehmen Temperaturen fuhren wir Richtung Santiponce. Unser Zwischenziel war aber nicht das Städtchen, sondern die in der Nähe gelegene Ausgrabungsstädte des römischen Italica. Italica wurde 206 v.Chr. von Publius Cornelius Scipio gegründet, die römischen Kaiser Trajan und Hadrian wurden hier geboren. Erhalten geblieben sind das kolossale Amphitheater, ein Theater und Reste der Wohnsiedlungen. Ein Großteil der hier gefundenen Statuen, Mosaike und anderen Objekte sind heute im Archäologischen Museum von Sevilla und im Palast der Condesa de Lebrija ausgestellt. Kaum hatten wir Italica verlassen, da führten uns die gelben Pfeile auf eine lange Piste auf der es keine Autos gab. Es herrschte absolute Ruhe. Bald kamen wir an die Furt, wo wir uns auf's durchqueren von knietiefem Wasser einstellten. Wir hatten aber Glück. Durch die lange Schönwetterperiode war die Furt, wie übrigens alle anderen auf der gesamten Strecke, komplett ausgetrocknet. Die Strecke wurde immer schwieriger zu befahren. Löcher und Gräben mussten umfahren werden. Da kam eine Bikegruppe entgegen und ich entschloss mich wegen der löchrigen Piste den Platz frei zu machen und vom Rad zu steigen. Schon lag ich unter dem Velo, weil mich das schwere Gepäck (10 kg) mitgerissen hat. Ausser ein paar Kratzer war nichts passiert. Zwischen Guillena und Castilblanco de los Arroyos war der Weg zu Beginn noch gut befahrbar, wurde aber immer schlechter. An fahren war nicht mehr zu denken. So mussten wir zu Fuss mit dem schweren Fahrrad diesen Abschnitt bewältigen. Der wunderschöne Naturpark entschädigte aber für die Strapazen. Für Fahrradfahrer ist es sehr empfelenswert die ca. 10 km längere Strasse via Burguillos zu befahren. Die Mittagspause verbrachten wir zufällig in der gleichen Bar wie die spanischen Biker von heute Morgen. Wegen der inzwischen grossen Hitze, ca. 40 Grad im Schatten, bekam einer der Gruppe Muskelprobleme. Vermutlich hatte der arme Kerl zu wenig getrunken. Und die wollten sogar noch weiter fahren als wir. Nach mehreren Pausen erreichten wir unser Tagesziel Almaden de la Plata. Dort sahen wir wieder die Spanier. Sie hatten einen Transport nach El Real de la Jara organisiert. Ein weiser Entscheid. Nach dem Nachtessen in unsrer Unterkunft "Hotel El Romeral" fielen wir todmüde ins Bett. Schon der erste Tag hat uns alles abverlangt.
Montag, 2. September 2013 - Almaden de la Plata bis Monesterio (38 KM - 620 HM)
Da heute eine kürzere Etappe bevorstand, hatten wir ein bisschen länger geschlafen. Nach dem Frühstück in einer Cafe-Bar radelten wir bis El Real de la Jara auf der Strasse. Wir hatten nämlich im Reiseführer gelesen, dass auf diesem Abschnitt das Bike 1 bis 2.5 km gestossen werden muss. Die wenig befahrene Landstrasse hatten wir fast für uns alleine. In El Real de la Jara bogen wir für die nächsten 10 km auf den Camino (Original Pilgerweg) ab. Ausser einer toten Kuh am Wegrand gab's keine besonderen Vorkommnisse. Weil der Camino auf den letzten 10 km parallel zur Strasse verläuft, zogen wir es vor, auf der Strasse nach Monesterio zu fahren. Die frühe Ankunft nutzten wir für einen Waschtag. Bei dieser Hitze waren die Tricot's im Nu trocken.Am Abend nutzten wir die Gelegenheit, wegen des zufällig anwesenden Messmers, die "Iglesia de San Pedro" zu besuchen. Leider sind in Spanien die meisten Kirchen geschlossen. Vor dem Abendessen (Spaghetti & Vino Tinto) holten wir in der Pilgerherberge noch den Stempel für unseren Pilgerpass. Dort kamen wir mit Pilger aus dem Schweizer Jura ins Gespräch. Unsere Herberge war das Hotel Leo.
Dienstag, 3. September 2013 - Monesterio bis Zafra (48 KM - 320 HM)
Heute fuhren wir um halb neun Uhr los. Bei kühler, angenehmer Temperatur steuerten wir auf der verkehrsarmen N-630 Fuente de Cantos zu. Die idyllische Strasse war leicht wellig, wir kamen zügig voran. Hinter Fuente de Cantos ging es wieder auf dem Camino weiter. Bis nach dem kleinen Ort Calzadilla de los Barros war die Piste eben und von festem Untergrund. Dann folgte ein etwa 3 km langer Schotterweg, der uns mächtig durchschüttelete. Später wurde der Camino enger und wir bekamen bei der Fahrt durchs Gestrüpp so manchen Kratzer an den Beinen ab. Das veranlasste uns, so bald als möglich wieder auf der Strasse weiter zu fahren. Nach ein paar km auf der N-630 fanden wir ein wunderschönes Strässchen auf dem wir nach Puebla de Sancho Pérez radelten. Dort verdienten wir uns in der Bar einen feinen Cafe-Solo. Die restlichen 4 km nach Zafra blieben wir auf der parallel zum Camino verlaufenen Nebenstrasse. Um die Mittagszeit erreichten wir Zafra. Also Zeit genug um das schöne Städtchen maurischen Ursprungs zu erkunden. Die erfreulicherweise geöffnete Iglesia de Nuestra Senora de Candalaria war sicher ein Besuch wert. Beim Touristbüro holten wir den Pilgerstempel. Nach dem Nachtessen fanden wir unsere Ruhe im Hotel Huerta Honda.
Mittwoch, 4. September 2013 - Zafra bis Merida (64 KM - 360 HM)
Nach dem Frühstück im Hotel, fuhren wir bereits um 8 Uhr los. Bis Villafranca de los Barros blieben wir auf den parallel zum Camino verlaufenden Strassen. Zunächst auf der N-435, wo reger Verkehr herrschte. Nach Los Santos de Maimona kamen wir auf die wenig befahrene N-630. Hinter Villafranca de los Barros schwenkten wir wieder auf den Camino ab. Zuerst führte der Weg auf einer endlos wirkenden Gerade zwischen Weinreben hindurch. Die Erde hat inzwischen eine rote Farbe angenommen und der Weg wäre bei nassem Wetter sehr lehmhaltig und nicht befahrbar. Während der ganzen Strecke ging tendenziell abwärts. Von Auge kaum erkennbar, aber mit dem Bike gut spürbar. So kamen wir zügig voran und sparten Kräfte für die morgige Etappe nach Caceres. Bereits um 13.30 Uhr kamen wir in Merida an. Damit hatten wir genügend Zeit für eine Stadtbesichtigung mit dem Tourist-Train. Im "Oficina de Turismo" liessen wir den Pilgerstempel eintragen. Für das Abendessen hatten wir ein Mexikanisches Restaurant ausgesucht. Bei einem Glas Wein auf dem "Plaza España" liessen wir den Abend, bei Temperaturen über 30 Gard, ausklingen. Im Hotel Rambla Emerita bezogen wir unsere Schlafstätte.
Donnerstag, 5. September 2013 - Merida bis Caceres (80 KM - 800 HM)
Auch heute liessen wir uns vom Handywecker früh (7 Uhr) wecken. Stand doch mit 80 km eine sehr lange Etappe bevor. Vis à vis vom Hotel fanden wir eine Cafebar, wo wir das Frühstück (wie fast immer getostete Brötchen mit Marmelade) genossen. Anschliessend um etwa 8 Uhr verliessen wir Merida mit einem letzten Blick auf das mit Sonnenaufgang untermalte Aquädukt Los Milagros. Auf der langweiligen Strecke (N-630) überholten wir zwei andere "Bicigrinos" und wünschten ein gegenseitiges "Buen Camino". Bald erreichten wir den Stausee von Prosperina, der grösste aus römischer Zeit stammende Stausee. Im Morgenlicht lag der See ruhig da und es herrschte einen phantastische Atmosphäre. Hinter dem See wurde der Weg immer idyllischer. Nach Aljujén führt der Camino mitten durch den "Parque Natural de Cornalvo". Das Naturschutzgebiet dehnt sich über knapp 11'000 ha aus. Hier fühlten wir uns richtig wohl. In Alcuéscar angekommen, machten wir den obligatorischen Verpflegungshalt, wo wir wie immer auch unsere Bidons auffüllten. Hier besichtigten wir auch die aus dem 15. - 18. Jh. erbauten Iglesia de la Asuncion. Neben dieser Strecke liegen verstreut Reste römischer Meilensteine. Am frühen Abend erreichten wir die Altstadt von Caceres, wo wir sofort unser Zimmer im Hotel Don Carlos bezogen. Nach der wohltuenden Dusche schauten wir uns die sehr schöne Altstadt mit der Concatedral Santa Maria an. Da wir in der Catedral keine Möglichkeit fanden den Pilgerpass weiter zu bereichern, holten wir den Stempel im Tourist-Office. Beim Abendessen auf dem *"Plaza Mayor" prasselte ein erfrischender Gewitterregen hernieder. Die erfrischende Abkühlung genossen wir grosszügig. In dieser Nacht herrschte in den Gassen der Altstadt ziemlich Lärm der spanischen Festgemeinde und an Schlaf war vorerst nicht zu denken.
Freitag, 6. September 2013 - Caceres bis Riolobos (73 KM - 730 HM)
Weil immer noch hohe Temperaturen herrschten, war auch heute früh Tagwache. Etwa um halb neun pedalten wir los. Zuerst so schnell als möglich durch die Stadt, ein Blick in die am Weg liegende Stierkampfarena, dann auf der Strasse nach Casar de Caceres. Hier bogen wir auf eine Nebenstrasse ab, wo wir zur verkehrsarmen N-630 stiessen. Durch herrliche Landschaften fahrend erreichten wir den Tajo-Stausee. Diese faszinierende Gegend zwang uns zu mehreren Fotohalte. Weiter oben bei Canaveral trafen wir 3 Pilger aus Deutschland. Weil wir die gleiche Sprache sprechen, gab's darum auch noch einen kleinen "Schwatz". Nachdem wir uns mit Bocadillos gestärkt hatten, fuhren wir wieder durch eine sehenswerte Gegend nach Riobolos, unserem Tagesziel.Gleich Dorfeingangs entdeckten wir ein Gebäude mit grossen Jakobs-Transparenten. Das musste natürlich angeschaut werden. Dort genossen wir das wohlverdiente "Serveza". Der Wirt erklärte uns, dass hier ab 2014 eine Pilgerunterkunft zur Verfügung steht. Im Dorf bezogen wir die Privatunterkunft (Herberge) "Casa Abuela Maxi", wo wir liebevoll empfangen wurden. Da war sogar eine Waschmaschine vorhanden, die wir voll ausnutzten und einen Grosswaschtag machten. Nach dem feinen Nachtessen in der Dorfeingangs zukünftigen Pilgerunterkunft, gingen wir müde ins Bett.
Samstag, 7. September 2013 - Riolobos bis Hervas (76 KM - 860 HM)
Heute hiess es noch früher aufstehen, hatten wir doch mit der Hausherrin das Frühstück auf halb acht vereinbart. Zum ersten Mal gab's Rührei! Nach dem Plauderstündchen (mit Händen und Füssen) mit der netten Dame verabschiedeten wir uns herzlich. Auf dieser Etappe überholten wir kurz vor Carcabosa einen Fusspilger und grüssten freundlich mit "Buen Camino". Anfangs Dorf machten wir einen kurzen Halt und schon stand der besagte Pilger neben uns. Weil er auf unserem Tricot "Radsport Frei" gelesen hatte, sprach er uns auf "Schwiizerdütsch" an. Grosse Überraschung herrschte, er komme aus Nesslau, ganz in unserer Nähe zu Hause. Das veranlasste uns, zusammen in einer Cafebar einen Kaffee zu genehmigen. Es gab viel zu erzählen. Privat wie auch vom Jakobsweg. Er war schon seit April auf verschiedenen Jakobswegen unterwegs. Nach einer längeren Pause als sonst, verabschiedeten wir uns von "Pilger Johann" mit der Absicht, uns am Pilgerstamm in St. Gallen wieder zu sehen. Weiter ging's bei bedecktem Himmel und angenehmer Temperatur auf dem Camino über eine weite herrliche Hochebene bis Caparra, wo wir bei der Ausgrabungsstätte durch den Torbogen fahren konnten. Ein aufkommendes Gewitter veranlasste uns, den Turbo einzuschalten, um so schnell als möglich nach Hervas zu kommen. Darum fuhren wir auf der Strasse mit Vollgas zu unserem Appartement Rurales La Platea. Bei Donner und schwarzem Himmel kamen wir trocken dort an. Wir konnten sogar noch ohne Regen die Stadt besichtigen. In einem schmucken Restaurant neben dem Appartement hatten wir das Abendessen genossen und Petrus öffnete erst jetzt die Schleusen.
Sonntag, 8. September 2013 - Hervas bis Guijuelo (46 KM - 830 HM)
Heute konnten wir wegen der bevorstehenden, kürzeren Etappe ein wenig länger schlafen. Eine gesäuberte, frische Luft vom Vorabend-Gewitter empfing uns am Morgen zur Fahrt nach Guijuelo. Kurz nach dem Start sagten uns die kleinen Gänge am Bike, dass wir die Berge erreicht hatten. Der erste Pass zum Puerto de Béjar meisterten wir ohne Probleme. Dort verliessen wir die Strasse und fuhren auf dem steinigen Camino steil runter. Schon bald danach standen wir in dem seelenverlassenen Dorf, Calzada de Béjar vor einer Herberge. Ein netter, älterer Herr sass davor auf einem Stuhl und fragte uns, ob wir einen Pilgerstempel haben möchten. Da konnten wir nicht widerstehen. Auf einer herrlichen Hochebene pedalten wir weiter. Beim Pausenhalt in Valdelacasa erhielten wir in der Bar einen schönen Pilgerstempel. Frühzeitig fuhren wir in Guijelo ein und wir hatten genug Zeit für Siesta, Wäsche und Stadtbesichtigung. Unsere Herberge hiess heute "Hotel Entredos".
Montag, 9. September 2013 - Guijuelo bis Salamanca (51 KM - 550 HM)
Heute weckte uns der Piepston des Handyweckers wieder früher . An diesem wunderschönen Morgen war es ziemlich frisch und zum ersten Mal waren Ärmlinge, Beinlinge und Jacken gefragt. Am Ortsausgang bekundete Christine Mühe mit ihren Kontaktlinsen. Schon stand eine freundliche, ältere Dame hilfsbereit da und erkundigte sich nach ihrem Wohlbefinden. Als Alternative für den schwierig zu fahrenden Camino, fanden wir ein schönes asphaltiertes Strässchen bis nach Morille. Danach ging's weiter auf dem Camino bis Salamanca. Immer ein wenig rauf und runter. Diese Piste wird auch von vielen einheimischen Bikern als Trainingsstrecke benutzt. Die entgegenkommenden Freizeitsportler grüssten immer freundlich. Kurz vor Salamanca steht ein Kreuz, bei dem ein zufällig ankommender spanischer Biker ein Foto von uns Beiden knipste. In Salamanca angekommen, bezogen wir in der Altstadt unser Zimmer im Hostel Revolutum. Eine deutschsprechende, in der Schweiz aufgewachsene Spanierin, begrüsste uns freundlich. Die Stadt war in Festlaune, fand doch die Fiesta zu Ehren der "Virgen de la Vega" statt. Die gesamte Altstadt war überfüllt von Menschen. Hier fanden wir auf dem "Plaza Mayor" ein italienisches Restaurant, wo wir endlich wieder ein Pastagericht zum Z'Nacht serviert bekamen. In dieser Nacht war wegen des Festes ein Tiefschlaf fast unmöglich.
Dienstag, 10. September 2013 - Salamanca
Zum ersten Mal richtig ausschlafen hat gut getan. Der ganze Tag stand für die Besichtigung der Altstadt zur Verfügung. Zuerst schauten wir uns die Kathedrale an, wo wir auch den Pilgerstempel eintragen liessen. Anschliessend führte uns der Tourist-Train durch die alten Gassen. Da gab's viele ältere Gebäude zu bestaunen. Auch das Haus der Muscheln (Casa de las Conchas) aus dem 15. Jh., das seinen Namen von den etwa 400 Jakobsmuscheln hat, die seine Fassade bedecken. Als Zugabe machten wir noch einen Besuch im Kloster. Herumschlendern, Eiscréme, Tapas usw. bereicherten den Tag, den wir so richtig genossen.Nach dem Nachtessen erfuhren wir per Teletext den Sieg der Schweizer Fussballnati gegen Norwegen. Freude herrschte nach der Ernüchterung gegen Island. Schon wieder stand der Schlummertrunk bereit und dann ab in die Heia.
Mittwoch, 11. September 2013 - Salamanca bis Zamora (76 KM - 490 HM)
Bei dieser Etappe wechselten wir ein paar Mal zwischen der Strasse und dem Camino hin und her. Während dem ganzen Tag pfiff uns ein lästiger Seitenwind um die Ohren. Kurz nach dem Start fanden wir eine Waschanlage, bei der wir die verschmutzten Bikes wieder auf Vordermann brachten. Die Pneus wurden wieder auf den richtigen Druck aufgepumpt, die Kette frisch geschmiert und weiter ging's. Gemäss meinem Navi sollte die heutige Strecke nur auf der Strasse gefahren werden, aber wie gesagt waren wir auch auf dem Camino unterwegs. So sollte es kommen, dass genau bei einer Richtungsänderung auf den Camino, Telefonmonteure vor dem gelben Pfeil standen. So waren wir schwupps vorbei in falscher Richtung. Im etwa 3 km entfernten Dorf bemerkte ich diesen Irrtum. Aber was macht das schon aus; 6 km Umweg auf dieser langen Distanz von über 1000 km. Unterwegs gab's zum ersten Mal grosse Sonnenblumenfelder zu sehen, deren Blüten noch nicht ganz verdörrt waren. Auch mehrere Pilger erblickten wir in dieser landschaftlich schönen Gegend. Bei der Ankunft in Zamora fanden wir unsere Unterkunft "Hotel Jarama". Das Zimmer war im 2. Stock und weil dort kein Lift vorhanden ist, war Gepäckschleppen angesagt. Beim Stadtrundgang holten wir den Pilgerstempel in der Mitte des 12. Jh. im romanischen Stil gebauten Kathedrale. Auf diesem Spaziergang hat man einen wunderbaren Blick von oben auf die "Puente de Piedra".
Donnerstag, 12. September 2013 - Zamora bis Santa Croya (66 KM - 570 HM)
Als wir Zamora verliessen, lachte bereits wieder die Sonne vom blauen Himmel herunter. Auf der N-630 fuhren wir parallel zum Camino nordwärts. Kurz nach Roales endet die Autobahn und führt direkt in die Nationalstrasse. Von hier an herrschte unangenehm sehr viel Verkehr. Christine zündete den Turbo, mir blieb nicht's anderes übrig als im Windschatten mit zu ziehen um so schnell als möglich von dieser Strasse weg zu kommen. Nach der Abzweigung Richtung Tabara, wurde es auf der N-631 wesentlich ruhiger. Wenig später überquerten wir den breiten "Rio Esla" auf dessen Viadukt eine herrliche Aussicht zu geniessen war. Bald erreichten wir Tabara, wo wir uns im Restaurante "El Roble" mit Bocadillos verpflegten. Die Wirtin jammerte, dass sie ausser ein paar Stammgästen und Pilger keine Gäste mehr zu betreuen habe. Die Wirtschaftskrise! Hier trafen wir ein deutsches Pilgerpaar, das auch mit dem Bike unterwegs war. Leider waren die zwei nicht sehr gesprächig und wir verabschiedeten uns mit einem gegenseitigen "Buen Camino". Ab Tabara ging es dann wieder auf dem Camino weiter. Zuerst liessen wir uns im direkt am Weg gelegenen Pilgerbüro einen schönen Stempel eintragen. Anschliessend radelten wir wieder durch eine herrliche Gegend nach Santa Croya, wo wir uns in der vorausgebuchten Herberge "Casa Anita" meldeten. Anna, die Tochter der Herbergseltern, begrüsste uns freundlich. Sie hatte alle Hände voll zu tun, weil noch mehrere Pilger eintrafen. Darunter zwei Däninen, bei denen eine wegen Blasen an der Fussohle zum Arzt gehen musste. Insgesamt waren hier 10 Pilger anwesend, Franzosen, Deutsche, Dänen und wir Schweizer. Alle haben ihre Geschichten zu erzählen. In dieser Herberge gibt's eine Waschmaschine und darum hatten wir wieder einen Grosswaschtag. Nach der Siesta im Garten und auf dem Zimmer, servierte uns Anna beim gemeinsamen Nachtessen die gewünschten Pilgermenues.
Freitag, 13. September 2013 - Santa Croya bis Puebla de Sanabria (69 KM -770 HM)
Nach dem Aufstehen gab's zum Frühstück Kaffee aus der Maschine und Bocadillos, die Anna bereitgelegt hatte. Pilger die wir nicht mehr gesehen hatten, entdeckten wir unterwegs wieder. Nach der Durchfahrt des nahegelegenen Dorfes Santa Marta bogen wir auf den Camino ab. Auf dieser Schotterpiste wurde ich vom "Halbschlaf" so richtig wachgerüttelt. Der Weg wurde immer breiter und wir staunten nicht schlecht, als mehrere Lastwagen auf dem Camino unterwegs waren. Der Autobahnbau ist im vollen Gange. Deswegen mussten wir auch 2 - 3 Umleitungen befahren. Den "Rio Tero" überquerten wir auf dieser Etappe mehrere Male. Hinter der Staumauer "Emblase Nuestra Señora de Agavanzal" radelten wir durch eine wunderschöne Natur am See entlang bis Villar de Farfon. Weiter ging's abwechslungsweise vom Camino auf die N-525 hin und her über Mombuey nach Puebla de Sanabria. Nach dem Zimmerbezug im charmanten Hotel Tribal im historischen Zentrum, besuchten wir die "Iglesia de Nuestra Señora de Azogue". Ende des 12. Jh. begonnen, ist sie noch romanisch beeinflusst, weist aber bereits gotische Kreuzbögen und Fensterstürze auf. Nach dem Bestaunen von anderen Sehenswürdigkeiten, machten wir Siesta bei einem Bier und freuten uns auf ein feines Nachtessen.
Samstag, 14. September 2013 - Puebla de Sanabria bis Erosa (61 KM -1100 HM)
Gleich um die Ecke des Hotels fanden wir eine Cafebar, in der uns eine nette Bulgarin ein tolles Früstück servierte. Nachher waren wir den ganzen Tag wegen schwierigen Camino-Verhältnissen auf der Strasse (meistens auf der N-525) unterwegs. Unser Hinterteil schickte frohe Grüsse. Kurz hinter Puebla de Sanabria beginnt der Aufstieg zum Pardonela-Pass. Bei angenehmer Steigung führt die Strasse bis auf eine Höhe von 1330 m hinauf. Wieder tropften die Schweissperlen vom Helm herunter. Der Lohn dafür war eine mehrere km lange Abfahrt. Weil kurz vor Lubian die N-525 in die Autobahn mündet, mussten wir eine Schlaufe auf einer Bergstrasse fahren, wo wir in Hedroso eine Pause einschalteten. Dort gab eine spanische Hochzeitsgesellschaft beste Unterhaltung ab. Bald waren wir in Lubian angekommen und schon begann der Aufstieg zum 2. Pass "Puerto de A Canda" mit 1217 m ü.M. auch nicht von schlechter Natur. Hier haben wir Galicien erreicht. Trotz der Anstrengung kamen wir zügig voran und fuhren in A Gudina ein. Hier trennen sich die Wege bis Ourense. Auf der Südroute pedalten wir zu unserer Unterkunft Meson de Erosa. Erosa liegt nur 8 km von der portugiesischen Grenze entfernt, schön eingebetet in der galizischen Landschaft. Sehr günstig und erst noch mit 10% Rabatt wurde uns im Hotelrestaurant das Abendessen serviert. Wie überall in spanischen Baren und Restaurant's lief auch hier der grosse Fernseher. Heute gab's einen überragenden Messi im Spiel Barcelona gegen Sevilla zu bewundern. Barca gewann 3:2 in der Nachspielzeit. In dieser Nachspielzeit genossen wir den obligatorischen ? Schlummertrunk.
Sonntag, 15. September 2013 - Erosa bis Albergueria/Couso (54 KM -1200 HM)
Nach dem Studium des Reiseführers, hatten wir uns zum Glück entschlossen (trotz der "Wegumleitung" wegen einer Baustelle), die Nordroute zu fahren. Wie sich später herausstellte, war die Landschaft von ihrer Schönheit kaum zu überbieten. Gleich nach dem Frühstück radelten wir in den noch kühlen Morgen auf einer schmalen Strasse durch das Dörfchen Erosa und weiter auf einer unbefestigten Bergstrasse. Ca. 5 km nach Erosa standen wir vor einer Rampe mit geschätzter Steigung von 20 %. An Radfahren war hier überhaupt nicht zu denken. Also hiess es während fast 2 km Fahrrad schieben. Auf einer Höhe von etwa 1100 m ü.M. fuhren wir dann weiter und erreichten in "A Venda Da Capela" die Nordroute. Wir durchfuhren einfache, arme Dörfer und erreichenten bei Tageskilometer 25 Portocamba. Diese herrliche Landschaft war für uns das Herzstück der ganzen Pilgerreise. Jetzt ging es 10 km den Berg runter nach Laza, wo wir uns einen Bocadillo genehmigten. Das hatten wir nötig, denn bald begann der nächste Aufstieg nach Albergueria. Auf der ganzen Etappe gab's viele Pilger mit "Hola, Buen Camino" zu begrüssen. So auch ein Pilger den wir vorgestern schon gesehen hatten. Wie konnte er nur schneller sein als wir? Sicher nicht zu Fuss. Ausser den Pilgern gab's keine Menschenseele zu sehen. Nur lästige Fliegen begleiteten uns. Im kleinen Ort Albergueria fuhren wir direkt zur Bar "Rincon del Peregrino". Rincon del Peregrino heisst übersetzt so viel wie "Pilgereck", ein Punkt an dem sich Pilger treffen. Die Attraktion der Bar sind die vielen Jakobsmuscheln, mit denen die Wände dekoriert sind. Seit Jahren werden die Pilger dazu aufgefordert, ihren Namen auf einer Muschel zu hinterlassen. Das haben wir natürlich auch gemacht. Nach den Strapazen dieser königlichen Etappe (1200 hm), hatten wir uns auch eine königliche Unterkunft verdient. Diese fanden wir in Couso. Das "La Aldela de Couso" ist eine ehemalige Ansiedlung im ländlichen Galizien. Die Zimmer präsentieren sich in verschiedenen, restaurierten Gebäuden im Landhausstil mit typischen Holzbalken. Nach dem königlichen Nachtessen mit Schlummertrunk, genossen wir das königliche Bett.
Montag, 16. September 2013 - Couso bis Ourense (50 KM -520 HM)
Weil mit 50 km Länge eine kurze Etappe mit Tendenz abwärts bevorstand, konnten wir heute länger schlafen. Um halb zehn sollte das Frühstück bereit sein, aber weil der Kellner vermutlich verschlafen hatte, wurde es ein bisschen später. Das war weniger königlich! Anschliessend machten wir uns auf den Weg. Schon am Anfang hiess es 400 m schieben auf 1000 m Höhe hinauf. Oben angekommen, genossen wir die nächsten 45 km Fahrt mit wenigen Gegensteigungen nach Ourense auf 200 m ü.M. Da wir ja Galizien erreicht hatten, gab's nun auch viele Kornspeicher zu sehen. Die Mittagspause verbrachten wir auf einem Platz in Xunqueira de Ambia, direkt neben der Kirche. Dort befindet sich auch die Gemeindeverwaltung, wo wir von einer vielbeschäftigten Dame den Stempel in den Pilgerausweis gedrückt bekamen. Dann ging's zügig weiter und gegen 15 Uhr fuhren wir in Ourense ein. Es war heute eine einfache Etappe, aber die Müdigkeit machte sich bereits bemerkbar. Nach dem Zimmerbezug im Hotel San Martin, hatten wir genügend Zeit die Kathedrale und andere Sehenswürdig- keiten zu besichtigen.
Dienstag, 17. September 2013 - Ourense bis Silleda (76 KM - 1560 HM)
An diesem Tag liessen wir uns schon vor 7 Uhr wecken, stand doch wieder eine längere Distanz auf dem Programm. Gleich nach dem Frühstück packten wir unsere sieben Sachen und schon sassen wir auf dem Velo. Nur so schnell als möglich zur Stadt raus war die Devise. Nach der Überquerung der "Puente Romana" mussten wir bereits die kleinen Gänge zur Hilfe nehmen, denn heute ging's in den galizischen Bergen immer wieder auf und nieder. Da auf diesem Streckenabschnitt die letzten 100 km vor Santiago anfangen, bekamen wir sehr viele Pilgergruppen zu Gesicht. Gleich nach dem Städtchen Cea entdeckten wir die schöne Kapelle San Cristobo. Hier hatten wir wieder Glück, war sie doch wegen Unterhaltsarbeiten geöffnet. Nach dessen Besichtigung war wieder Passfahren angesagt. So erreichten wir kurz vor Passhöhe das "Monasterio de Oseira" (Kloseter von Oseira) zu spät für eine Besichtigungstour. Aber ein lustiger, freundlicher Klosterbruder nahm es nicht so pünktlich und so erhielten wir von ihm den schönen Pilgerstempel. Er war so erfreut von unserem Besuch, dass er uns noch kleine von ihm auf Holz gemalte Christus-Bildchen schenkte. In einer Cafebar vor dem Kloster stärkten wir uns für die restlischen km zur Passhöhe mit Bocadillos. Nachher ging's coupiert weiter durch eine wunderbare Gegend über Lalin nach Silleda. Auf diesem Abschnitt mussten wir noch eine Rauchwolke eines kurz vorher erloschenen Waldbrandes durchqueren. Da die Strasse steil abwärts führte, war das Problem schnell erledigt.Um 17 Uhr erreichten wir die Kleinstadt Silleda, wo wir nach dem Zimmerbezug im Hotel Ramos, ein bisschen herumschlenderten. Gleich neben unserem Hotel, im Restaurant El Gran Albergue (zugleich Pilgerherberge) liessen wir uns das Nachtessen servieren. Dort erhielten wir auch einen Pilgerstempel.
Mittwoch, 18. September 2013 - Silleda bis Santiago de Compostela (42 KM - 720 HM)
Diese Nacht hatte es geregnet. Aber bis zur Abfahrt nach dem Frühstück waren die Strassen wieder abgetrocknet. Die Freude war gross. Noch 42 km, dann fahren wir in Santiago ein. Mehrheitlich auf dem Camino genossen wir noch einmal die Ruhe beim durchqueren der Eukalyptuswälder. Nur verspätet krähende Hähne und bellende Hunde waren manchmal zu hören. Kurz vor Ponte Ulla überholten wir zwei portugiesische Pilger, deren Hilferuf nicht zu überhören war. Einer davon hatte Muskelprobleme und Christine hatte die Wundersalbe bereits zur Hand. Nach einem herzlichen Dankeschön und "Buen Camino" fuhren wir weiter und schon bald sahen wir in der Ferne die Türme der Kathedrale. Wir hatten Santiago erreicht. Noch ein paar hundert Meter zu Fuss durch die Gassen der Altstadt und dann standen wir auf dem "Praza do Obradoiro". Der Anblick der Kathedrale war, obwohl wir schon zwei mal hier waren, wieder ein spezielles Gefühl. Nach den gegenseitigen Glückwünschen und Fotoshootings, bezogen wir das Zimmer (Zelle) in der gegenüberliegenden "Hospederia San Martin Pinario", einem ehemaligem Kloster. Später fuhren wir unsere gemieteten Bikes zur Abgabestelle in der Altstadt und nahmen Abschied von diesen Drahteseln, die uns während mehr als 1000 km pannenfrei ans Ziel brachten. Anschliessend wollten wir im Pilgerbüro die Compostela abholen. Die Pilgerschlange war sehr gross und als wir hörten, dass etwa eine Stunde anzustehen sei, haben wir uns entschlossen, zuerst bei einem Glas Sekt in einem Gassenrestaurant auf unsere Pilgerfahrt anzustossen. Bei der Rückkehr standen immer noch viele Pilger vor der Türe und weil wir diese Urkunde unbedingt noch an diesem Abend abholen wollten, standen wir 3/4 Std. an. Dann war es soweit und eine freundliche Dame überprüfte zuerst den Pilgerpass und überreichte uns dann die "Compostela". Später verbrachten wir einen wunderschönen Abend in der Altstadt. Bei einer galizischen Spezialität (Pulpo de Feria) und einem Glas "Vino Tinto", feierten wir noch bis in die Nacht hinein.
Donnerstag, 19. September 2013 - Santiago de Compostela
Heute war ausschlafen angesagt. Das späte Frühstück genossen wir in einer romantischen Cafebar am "Praza da Quintana". Anschliessend ergatterten wir rechtzeitig einen Logeplatz (erste Reihe) im Seitenportal der Kathedrale für die Pilgermesse. Bald schon füllte sich die Kathedrale und platzte fast aus allen Nähten. Die Ordnungshüterinnen hatten alle Hände voll zu tun. In verschiedenen Sprachen mussten sie um Ordnung bitten. Am Ende der Messe kam zur grossen Freude der Anwesenden der rund 60 kg schwere und 60 cm hohe Botafumeiro (Weihrauchfass) zum Einsatz. Nach der Messe besichtigten wir noch einmal die Kathedrale, bevor wir uns in den neueren Teil der Stadt begaben. Dort kauften wir ein grosse Tasche für die Rückreise. Die alte Tasche konnten wir ja nicht auf dem Bike mitnehmen und mussten sie in Sevilla zurücklassen. Als wir zurück in die Altstadt kamen, trafen wir die am Vortag hilfesuchenden Portugiesen wieder. Sie waren trotz Muskelproblemen auch schon gestern angekommen. Christine' Salbe muss Wunder gewirkt haben. Vor dem Abendessen buchten wir im Hotel ein Mietauto für die kommende "Reise ans Ende der Welt" über Muxia nach Finisterre .
Freitag, 20. September 2013 - Santiago de Compostela - Muxia / Finisterre
In der gleichen Cafebar wie gestern, konnten wir in aller Ruhe frühstücken. Anschliessend verliessen wir Santiago und fuhren mit dem kleinen Renault, parallel zum Jakobsweg, nach Muxia. Den ersten Halt machten wir bei der gotischen Brücke "Ponte Maceira". Sie wurde im 14. Jh. erbaut und im 18. Jh. restauriert. In einem eleganten Schwung überspannt sie den Rio Tambre . Dort trafen wir eine Pilgerin auf dem Weg nach Finisterre. In Negreira tranken wir in einer Bar, die zugleich auch eine Pilgerherberge ist, einen feinen Cafe Solo. Dann fuhren wir gemütlich, immer dem Jakobsweg entlang, nach Muxia. Dort fuhren wir bis zum Cabo und genossen den herrlichen Ausblick. Auch bestaunten wir die Iglesia Santuario Virxe und den Pedra dos Cadris, ein nierenförmiger Stein. Wer neun Mal darunter hindurch klettert, soll von Nierenleiden und Rheuma geheilt werden. Nach dem Mittagessen in einem Fischrestaurant, fuhren wir der Küste entlang nach Finisterre. Bis heute hält sich die aus mittelalterlichen Pilgerberichten überlieferte Tradition, Bad im Meer, Verbrennung eines auf dem Weg getragenen Kleidungsstück und Betrachtung des Sonnenuntergangs. Dieses Ritual verspricht, am nächsten Tag als neuer Mensch zu erwachen. Das wollten wir natürlich ausprobieren. An einem wunderschönen, fast menschenleeren Strand, machten wir einen Zwischenhalt, um im Meer zu baden. Im sehr kalten Atlantik schaffte ich es, bis zu den Knie im Wasser zu stehen. Christine brachte es fertig, einige Sekunden unterzutauchen. In Finisterre angekommen, machte uns der starke Wind einen Strich durch die Rechnung. Die Verbrennung eines Kleidungsstück (Radsocke) konnte nicht stattfinden. Um so schöner war der Sonnenuntergang. Dieses Naturschauspiel beobachteten wir etwa eine Stunde lang an einem herrlichen Plätzchen beim Leuchturm. Nachher liessen wir uns in einem Fischrestaurant im Dorf ein gediegenes Menue servieren. Die letzte "Herberge" fanden wir im Hotel Finesterre.
Samstag, 21. September 2013 - Heimreise
Nochmals konnten wir ausschlafen. Nach dem Frühstück fuhren wir wieder zum Leuchturm, wo wir bei herrlichem Wetter die morgendliche Aussicht genossen. Dann nahmen wir Abschied von Finisterre und fuhren zum Flughafen von Santiago. In dieser Gegend stiessen wir auf den Camino Frances, wo sehr viele Pilger unterwegs waren. Beim 10 km Stein machten wir noch ein Erinnerungsfoto, bevor wir das Auto am Flughafen zurückgeben konnten. Nach dem einchecken betraten wir einen Flieger der Iberia, der uns nach Madrid flog. Dort ging's bald weiter nach Zürich. Hier empfing uns unser Privatchauffeur Roland, der uns sicher nach Hause brachte.