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In der Medienrhetorik betonen wir immer wieder, dass der Ausspruch "No
comment" meist kontraproduktiv ist. Wer die Chance des "Antwortgebens" nicht
nutzen kann, riskiert, dass der Journalist die Informationen bei einer
anderen, vielleicht unerwünschten Quelle beschafft. Wer tatsächlich nichts
sagen darf, muss wenigstens begründen, weshalb keine Antwort möglich ist
oder muss sagen wo Informationen bezogen werden können, rsp. wann
mehr erfahren werden kann.
Wer nichts sagt, verpasst immer die Chance, die eigene Sicht vor einem
Millionenpublikum zu vermitteln.

1. Beispiel:

Der SP Stadtpräsident von Bern, Klaus Baumgartner, wollte den Mietzinsaufschlag seiner Luxusvilla nicht akzeptieren und beschwerte sich. Von den Medien dazu befragt, blockte er bei allen Kontakten stets ab mit der nämlichen Antwort: "Ich gebe keine Auskunft" "Ich habe Ihnen schon gesagt, dass ich keine Auskunft gebe!" Dieses "No comment"-Verhalten verstärkte den Druck. Das aufgestaute Unbehagen der Medien, der Öffentlichkeit, der Partei, des Freundeskreises bewegte schiesslich Baumgartner, aus der Liegenschaft auszuziehen. Er verlor seinen Kampf.

2. Beispiel: |
Daniel Nordmann (SP) stieg als Gewerkschafter und später als Personalchef hinauf bis zur obersten Etage der SBB. Als Spitzenverdiener auf der Managerebene gab er sich zugeknöpft, als im Zusammenhang mit den überhöhten Löhnen sein Salair angesprochen wurde. Früher wehrte er sich jedoch in der Öffentlichkeit immer lautstark gegen die übersetzten Salaire auf der oberen Führungsebene und setzte sich stets für konsequente Lohntransparenz ein.
Aber aus dem Wasserprediger wurde ein Weintrinker. Selbst auf der Managerebene angelangt, versteckte er sich plötzlich hinter eine "No-comment" Haltung. Der Druck auf den SP Manager wurde dadurch auch zur Hypothek für die Partei.

3. Beispiel:

Die SP Präsidentin Christiane Brunner wurde deshalb auf die Problematik mit den SP Spitzenverdienern auf dem "Heissen Stuhl" der Rundschau in die Zange genommen (28.Februar 2001 im SF DRS).
Nun bewies die Parteipräsidentin, dass wenigstens sie die Chance des Antwortgebens zu nutzen versteht. Mit gekonnter Lenkungs- und Wiederholungstechnik gelang es Christiane Brunner, ihre Kernaussage zu "verkaufen". Sie verlagerte die Problematik auf die eigene Kernaussage: "Ein SP Politiker darf nicht beim Salair dafür bestraft werden, nur weil er bei der SP ist".
Wenn schon die Privatisierung eingeführt worden war (übrigens gegen den Willen der SP), müssen wir dieses System heute akzeptieren" Die SP Präsidentin bewies bei Ihrem Auftritt, dass die Chance auch dann genutzt werden kann, wenn jemand im Gegenwind steht. Sie verschanzte sich nicht hinter ein "No-comment". Im Gegenteil: Sie stellte sich der Herausforderung in den Medien. Es gelang ihr sogar, den "harten" Moderator von den eigentlichen Vorwürfen wegzubringen. Das Thema der "No-comment"-Haltung der SP Politiker war beim Gespräch rasch vom Tisch und Christiane Brunner führte im Grunde genommen das Gespräch. Falls sich die SP Präsidentin coachen liess, wurde sie in diesem Fall sehr gut beraten.
|Fazit. "No-comments" vermeiden, dafür die Chance des Antworten immer nutzen. Doch muss dies trainiert werden. Das Lesen von Fachbüchern allein genügt nicht.|
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