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Der Tag der verpassten Chance, der Tag des Neins an der Gemeindeversammlung in Huttwil zur Fusion der Gemeinden Huttwil und Wyssachen, liegt nun bereits ein paar Wochen zurück. Einige mögen den 23. Juni bereits verdrängt haben, andere sind froh, dass alles beim Alten bleibt. Wyssachen wird eine finanziell schwierige Zukunft anpacken müssen und die gestellten Anforderungen an ein Gemeinwesen erfüllen versuchen.
Was mit Huttwil ist? Die Zukunft der Gemeinde Huttwil ist auch ohne Fusion vielversprechend. Es wird gebaut, wichtige Entwicklungsprojekte stehen in den kommenden Jahren vor der Umsetzung, wir haben finanziellen Spielraum. Sogar Luxusprobleme mit der Frage "was für ein Gebäude bauen wir für die aktuellen Bedürfnisse?" sind zu beantworten.
Ich akzeptiere den Entscheid "Nein" zur Fusion mit Wyssachen. Ich bin der Meinung, dass wir in der nächsten Legislatur (ab 2013) erneut darüber abstimmen sollten. Die finanzielle Lage mit einer Fusion kann man dann hoffentlich objektiver und mit neuen Erkenntnissen darstellen und an der Gemeindeversammlung kann das Projekt noch einmal vorgestellt werden. Jetzt müsse ja der Kanton helfen, wird mancherorts verlangt. Rufen Sie auch immer gleich dem Kanton, wenn es ihrem Nachbarn schlecht geht? Nachbarsolidarität ist nicht gefragt, das kann in ein paar Jahren vielleicht anders aussehen.
Das Nein zur Fusion hat auch positive Seiten. Die Ausgangslage für die nächsten Gemeinderatswahlen ist klarer. Wäre die Fusion gekommen, wären die nächsten Gemeinderatswahlen im Herbst 2012 zusammen mit Wyssachen erfolgt. Mindestens ein Sitz wäre fix für Wyssachen reserviert gewesen. Ich habe einmal eine Rechnung angestellt.
Die Resultate der Grossratswahlen vom 28. März 2010 von Wyssachen und Huttwil als Basis angenommen, ergeben sich folgende Wähleranteile und Sitze für die Parteien in der fusionierten Gemeinde Huttwil-Wyssachen:
- SVP 38.35% 4 Sitze (davon 1 Restmandat)
- FDP 6.44% 0
- EDU 9.71% 1 Sitz (Restmandat)
- SP 13.55% 1 Sitz
- FW 4.95% 0
- EVP 7.26% 0
- BDP 14.30% 1 Sitz
- GLP 4.57% 0
- Weitere 0.87% 0
Auch wenn man die Resultate von Freien Wählern und GLP zusammen zählt, geht der 7. Sitz knapp an die SVP. Ansonsten sind keine Listenverbindungen angenommen worden.
Nimmt man jetzt Listenverbindungen an zwischen SVP-FDP-EDU und SP-EVP-FW und lässt die GLP und die BDP alleine, zeigt sich, dass ein Sitz der SVP an die EVP geht. Nimmt man in einer weiteren Berechnung an, dass die EDU wie 2008 alleine antritt, erhält die SVP dank der FDP wieder die absolute Mehrheit auf Kosten der EDU.
Natürlich können die Resultate der Grossratswahlen nicht 1:1 für die Gemeinderatswahlen sprechen. Bei Gemeinderatswahlen kommt es stark auf die vorgeschlagenen Persönlichkeiten an, ob eine Partei viele oder weniger Stimmen macht (man vergleiche die Resultate der FDP- und der SP-Liste zwischen 2004 und 2008). Es wäre demnach sicher nicht genau wie oben berechnet herausgekommen. Die Tendenz stimmt sicher: Die SVP und die E-Parteien wären stärker geworden. Aus meiner SP-Optik gesehen, ist das Nein zur Fusion besser.
Am 23. Juni - am Tag der Gemeindeversammlungen zur Fusion - waren am Morgen die Ortsschilder von Huttwil von Unbekannten "verkleidet" worden (Bild: Hansjörg Muralt):
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