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Eine riesige Schlammlawine ist über ein Dorf in Indien hinweggerollt und hat 167 Menschen unter sich begraben. 17 Leichen wurden geborgen. Nur sechs Menschen wurden nach offiziellen Angaben bislang lebend aus den Erd- und Steinmassen gerettet.
Die meisten Bewohner schliefen wahrscheinlich noch, als sich gegen 6 Uhr am Morgen ein grosser Block am Berg löste. Bilder vom Unglücksort im Bundesstaat Maharashtra zeigen eine breite Schlammlawine, die sich den Hang herabwälzte und alles mitriss, was ihr in den Weg kam. Zuvor hatte es tagelang stark geregnet.
44 der 67 Häuser des Dorfes seien zerstört worden, sagte Prabhakar Deshmukh, Sprecher des Distrikts Pune im Bundesstaat Maharashtra.
Der Rettungseinsatz in der abgelegenen Region in der Gebirgskette Sahayadri ist extrem schwierig, auch weil der Monsunregen nicht nachlässt. Der Schlamm steht drei bis fünf Meter hoch in den Strassen des Dorfes, das etwa 200 Kilometer von Mumbai entfernt liegt.
Zudem konnte schweres Räumungsgerät nur vorsichtig eingesetzt werden, um mögliche Überlebende in den Trümmern nicht zu gefährden, wie der örtliche Regierungsvertreter Saurav Rao der indischen Nachrichtenagentur PTI sagte.
Die Behörden entsandten nach eigenen Angaben 300 Bergungskräfte und 30 Krankenwagen in das entlegene Dorf. Laut der Nachrichtenagentur IANS wurden sogar mehr als 50 Krankenwagen aus benachbarten Orten zum Unglücksort geschickt. Auch Bewohner angrenzender Dörfer halfen bei der Suche nach den Vermissten.
Im Sassoon Hospital in Pune stehe eine komplette Station für die Verletzten bereit, berichtete die Agentur IANS. Andere Dörfer der Region seien vorsorglich evakuiert worden.
In Indien herrscht gerade Monsunzeit. Auch in den nördlichen Bundesstaaten Uttarakhand und Himachal Pradesh gingen in den vergangenen Wochen zahlreiche Erdrutsche ab und blockierten Nationalstrassen. Zahlreiche Pilgerwege zu Schreinen in den Himalaya-Bergen, die im Sommer von Zehntausenden Hindus genutzt werden, wurden gesperrt.
Während der Regenzeit werden in Indien immer wieder Häuser unter Erdrutschen begraben oder stürzen in sich zusammen. Das liegt daran, dass unzählige alte Gebäude nie repariert wurden und viele Neubauten aus billigstem Baumaterial bestehen.
Vor einem Jahr kamen bei mehreren Erdrutschen und einem Dammbruch in Uttarakhand 5700 Menschen ums Leben. Ganze Dörfer wurden damals weggeschwemmt, fast zweitausend Strassen und Brücken zerstört. Mehr als 100'000 Menschen sassen fest.
Indische Medien beklagen derzeit, dass die neuen Strassen genau an alter Stelle wieder errichtet und Hotels zu nah an Flüsse gebaut werden. Auch werde weiter abgeholzt statt aufgeforstet, was die Gefahr für neuerliche Unglücke erhöhe. (rar/sda/dpa/afp)