Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03270.jsonl.gz/2085

In memoriam Jürg Marmet (1927–2013)
Am 8. März 2013 ist Jürg Marmet im Alter von 85 Jahren gestorben. Zusammen mit Ernst Schmied erreichte er am 23. Mai 1956 den Gipfel des Mount Everest. Die beiden waren die Zweiten überhaupt und die ersten Schweizer, denen die Besteigung gelang. Sie waren Mitglieder der erfolgreichen Everest-Lhotse-Expedition, die von der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung unterstützt wurde.
Der ETH-Chemiker Marmet war in dieser Expedition für den Flaschensauerstoff verantwortlich. Er verbesserte bestehende Fliegermasken und besorgte in Frankreich leichte Druckbehälter, die in der Schweiz mit Sauerstoffgas gefüllt wurden. Da die Sauerstoffausrüstungen noch nicht bereit waren, als das Gros der Expedition abreiste, musste Jürg mit 160 Flaschen Sauerstoff und 60 Trägern nachkommen. Seinem Verhandlungsgeschick war es zu verdanken, dass das für die Besteigung wertvolle Gas rechtzeitig im Basislager eintraf; die Träger hatten unterwegs gestreikt.
Ravioli statt Sauerstoff
Kaum angelangt, wurde Marmet in ein höheres Lager geschickt, um dort den Weitertransport des Materials zu organisieren. Wegen eines logistischen Fehlers enthielten die dort eintreffenden Kisten aber nur Büchsenravioli, die nun für längere Zeit die Hauptnahrung von Jürg ausmachten. Später half er beim Anlegen der Spuren und bei der Verbesserung der Aufstiegsroute mit.
Gerade rechtzeitig für einen Gipfelversuch erreichte Marmet den Südsattel, wo er mit Ernst Schmied eine Seilschaft bildete. Schwer beladen gelangten sie, unterstützt von vier Sherpas, auf 8400 Metern Höhe an eine relativ flache Stelle, auf der ein kleines Zelt gerade Platz fand. Das Wetter war sehr stürmisch, die Nacht im Zelt kalt. Schmied wurde durch angewehten Schnee in seinem Schlafsack so fest eingepresst, dass er kaum noch atmen konnte. Selbstlos kroch Jürg hinaus in die Kälte und beseitigte den Schnee mit einer leeren Konservendose.
Eine Stunde auf dem Everest
Am Morgen entschlossen sich die beiden, trotz immer noch starkem Wind, zum Gipfelversuch aufzubrechen. Der Trittschnee war gut, sodass sie den Südgipfel des Berges ohne allzu grosse Probleme erreichten. Sie waren beeindruckt von der Steilheit des Grates. Auch der abweisende, überwechtete Weiterweg mit dem Hillary-Step war bald überwunden. Sie blieben eine Stunde auf dem Gipfel, längere Zeit sogar ohne zusätzlichen Sauerstoff.
Grosses Interesse an Forschung
Neben dem Erfolg am Mount Everest gelangen Jürg Marmet auch die Erstbesteigung des Mount Asgard auf Baffin Island und zahlreiche Besteigungen in den Alpen. Er war Bergführer und Ski-instruktor, Rettungsfallschirmspringer, Bergretter bei der Rega und Mitglied der SAC-Sektion Niesen. Marmet zeigte auch grosses Interesse an alpinen und ausseralpinen Forschungsgebieten und wurde 1987 in den Stiftungsrat der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung gewählt. Von 1994 bis 2003 war er deren Präsident und später ihr Ehrenpräsident.