Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03616.jsonl.gz/2409

Das Herzogtum Oldenburg und das
FürstentumLübeck gehören der norddeutschen Tiefebene an;
das
FürstentumBirkenfeld ist bergig. Das Hauptland wird nur im S. von einigen Hügelketten durchzogen, von denen die Dammerberge
sich bis 85 m ü. M. erheben. Das sonst ebene Land besteht meist aus
Geestland
(Heide-,
Sand- und Moorboden) und, besonders
an der
Jade und
Weser, aus fettem Marschboden. Vor den
Marschen dehnt sich ein nur durch die Strommündungen
und die
Betten der Küstenflüßchen durchbrochener Landstrich,
Watt oder
Plate genannt, aus, welcher von der
Flut größtenteils
überspült, bei tiefer
Ebbe aber teilweise trocken gelegt wird.
Künstliche Uferbauten, die sogen.
Deiche, welche sich auch landeinwärts längs der
Flüsse
[* 15] hinaufziehen, schützen die
Marschen
vor Überflutung. Hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit des
FürstentumsLübeck und
Birkenfeld verweisen
wir auf die betreffenden
Artikel. Das Hauptland ist gut bewässert. Die
Weser, Grenzfluß gegen
Bremen und
Hannover (an dessen
rechtem
Ufer nur das kleine
Amt Landwührden liegt), von
Brake an für große Seeschiffe fahrbar, empfängt in Oldenburg die schiffbare
Hunte, unter deren Zuflüssen die ebenfalls schiffbare Ollen und die
Lethe die bedeutendsten sind.
Die
Hase
[* 16] und die
Leda münden in die
Ems.
[* 17] Unter mehreren kleinen Küstenflüssen, welche durch in den
Deichen befindliche Entwässerungsschleusen
(Siele) in das
Meer abfließen, ist die
Jade der bedeutendste. Zahlreiche
Kanäle dienen zur
Entwässerung, zum geringen Teil
auch zur
Bewässerung des
Landes sowie zur
Schiffahrt. Unter den letztern verspricht von besonderer Bedeutung für die Aufschließung
der binnenländischen
Moore der freilich noch längere Zeit zu seiner Herstellung erfordernde
Hunte-Emskanal zu werden.
im Gefolge. In der Stadt Oldenburg war die Temperatur im kältesten Monat im Mittel -3,24,° im wärmsten +18,9,° in Jever -2,1° und
+19,66° C. Der Boden zerfällt seiner Beschaffenheit nach in Geest und Marsch. Die höher gelegene sandige, heidereiche Geest
ist im südlichen Teil des Landes am ausgedehntesten und erhebt sich zuweilen nicht unbedeutend über
die nahen Flüsse. Der Hümling, eine bis zu 63 m ansteigende, mit Heidekraut bewachsene Sandfläche, zieht sich vom Hannöverschen
ins Oldenburgische herein. Geest und Marsch sind von großen Mooren und moorigen Landstrichen mannigfach durchzogen. Fette Marschgegenden
sind besonders das Jeverland, westlich vom Jadebusen, und das Butjadingerland, östlich von demselben.
Mineralquellen besitzt das Land nicht, dagegen auf Wangeroog ein Seebad.
Bei obiger Zunahme ist noch zu berücksichtigen, daß seit 1855 die Bevölkerung des Staats durch die Erwerbung der einstigen
Herrschaft Kniphausen am Jadebusen und des vormaligen holsteinischen AmtesAhrensböck eine Erweiterung,
hingegen durch die Abtretung des heutigen preußischen Jadegebiets einen freilich sehr bescheidenen Abbruch erfahren hat.
Von der Gesamtbevölkerung kommen auf den Hauptbestandteil des Staats, das Herzogtum Oldenburg, 267,111 oder 78,2 Proz.,
auf das FürstentumLübeck 34,721 oder 10,2 Proz. u.
auf das FürstentumBirkenfeld 11,6 Proz. Die Dichtigkeit der Bevölkerung beträgt nur 53 Einw. auf 1 qkm.
Dies rührt besonders von dem überwiegend agrarischen, sehr lose besiedelten und mit wenig Städten besetzten Herzogtum Oldenburg her,
wo nur 50 Einw. auf 1 qkm kommen.
Innerhalb des Herzogtums ist die durchweg in Kultur genommene Marsch weit dichter als die vielfach sterile,
von großen unkultivierten Flächen noch durchzogene Geest bevölkert; namentlich die Münstersche Geest erweist sich mit nur 30 Einw.
auf 1 qkm sehr menschenarm. Von den beiden Fürstentümern fallen in Lübeck auf 1 qkm 64 und in dem vorherrschend industriellen
Birkenfeld 79 Köpfe. Die Bevölkerung lebt in 2841 einzelnen Wohnplätzen, d. h. außerordentlich
zerstreut.