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Der Verleger Eduard Fankhauser war einer der Pioniere der Freikörperbewegung in der Schweiz. Er war massgeblich an der Organisation der Vortragsreise von Fidus durch die Schweiz 1933 beteiligt.
Fankhauser wurde am 23. Januar 1904 in der "Zukunftsstadt BIEL-BIENNE" geboren, "und zwar nackt(= erste FKK-Erfahrung!)", wie er in seiner Biographie bemerkt. Sein Vater war Schumacher, dann Briefträger. Fankhauser erinnert sich: "Der bescheidene Briefträgerlohn des Vaters liess 'dank' seiner Vorliebe für Tabak und Alkohol für Mutter's Haushaltkasse mit uns vier Kindern nur wenig übrig."
Fankhauser besuchte in Biel die Primarschule und das Progymnasium, 1919 begann er eine dreijährige kaufmännische Lehre bei der Firma Sport AG. Zusammen mit seinen Geschwistern und seinem späteren Schwager Karl Bart gründete er 1920 die Vereinigung Futuro. Diese propagierte die Ablehnung von Tabak und Alkohol und eine fleischlose Ernährung. Dazu kam 1921, angeregt durch Vorträge und Bücher von Werner Zimmermann, das Nacktbaden.
1922 arbeitete Fankhauser als kaufmännischer Angestellter in der Manufacture de Cycles S.A. in Genf, wo er mit Arbeistkollegen den "Futuro Genève" ins Leben rief. 1923 vermittelte Werner Zimmermann ihm die Stelle des Geschäftführers in der Verlagsbuchhandlung Pestalozzi-Fellenberg-Haus in Bern.
1928/29 zog Fankhauser nach Gampelen um.
1932 wurde Fankhauser in Basel wegen Ausstellens von die neue zeit und der Publikation Nacktheit vor Gericht zu einer Strafe von Fr. 30.- verurteilt.
1933 heiratete er Elsa Waldkirch.
Ende der 1930er Jahre gründet er die Orfa (Organisation Fankhauser), die es erlaubte den Mitgliedern Filme über das Nacktbaden vorzuführen.
1952 präsidierte Fankhauser in Thielle den 2. Naturisten-Weltkongress der Internationalen Naturisten-Föderation (INF), deren Mitbegründer er war und Vizepräsident während 10 Jahren, dann deren Schatzmeister und seit 1973 deren Ehrenmitglied.
1961 trennte er sich von Elsa und heiratete Christine.
Fankhauser starb am 30. August 1998 in Gampelen.
Buchhandlung und Verlag
1924 begann Fankhauser in Bern mit dem Aufbau einer eigenen Versandbuchhandlung und dem Verlegen der Literatur von Werner Zimmermann. Dazu gründete er den Verlag "die neue zeit".
1926 eröffnete er an der Neubrückstrasse 82 sein erstes Ladengeschäft. Kurz nach der Eröffnung des Geschäfts wurde er wegen "Verbreitung von Schundliteratur" angezeigt und verurteilt, schliesslich aber vom Bernischen Obergericht freigesprochen.
1927 zog er in einen grössen Laden an der Laupenstrasse 3 im Stadtzentrum um. Später gründete Fankhauser eine Filiale in Zürich und eine weitere in Biel, die von Karl und Greti Bart-Fankhauser geführt wurde. Zu den Büchern, die in Fankhausers Verlag erschienen sind, gehören etwa die erfolgreichen Werke von Selvarajan Yesudian und Elisabeth Haich.
Schweizer Lichtbund und ONS
1927 gründete er den Schweizer Lichtbund, seit 1938 Organisation der Naturisten in der Schweiz (ONS), deren Zentralpräsident er während 50 Jahren war. Unter seiner Amtszeit entstanden in der Schweiz 16 FKK-Gelände.
Seit 1928 gab Fankhauser die Zeitschrift die neue zeit als Organ des Schweizer Lichtbunds beziehungsweise der ONS heraus.
Gelände und Stiftung "die neue zeit"
Mit der finanziellen Unterstützung eines Freundes konnten Eduard und Elsa Fankhauser 1936 ein Grundstück in Thielle kaufen, auf dem im folgenden Jahr das Gelände "die neue Zeit" eröffnet wurde.
1961 errichtete er zusammen mit Elsa Fankhauser die Stiftung "die neue zeit", um den Fortbestand des Geländes in Thielle zu sichern.
1991 wurde Fankhauser Ehrenpräsident der Stiftung "die neue zeit".
Weitere Verfahren
Nachdem am 1. Januar 1942 das Schweizerische Strafgesetzbuch in Kraft getreten war, klärte das Richteramt IV in Bern ab, ob das Ausstellen von die neue zeit einen Verstoss gegen Art. 212 darstelle. Es folgten Freisprüche in verschiedenen Verfahren: 1944 hiess das Obergericht in Luzern eine Beschwerde von Fankhauser gut, 1945 kam es zu einem Freispruch im Thurgau und 1947 zu einem weiteren in Aarau. 1948 hiess das Bundesgericht eine Nichtigkeitsbeschwerde gut und hob damit ein Urteil des Kriminalgerichts des Kantons Aargau auf, das eine Frau wegen wiederholter Unzucht mit einem Kind zu sechs Monaten Gefängnis verurteilen wollte, weil sie mit dem Kind ein Nacktsonnenbad aufgesucht hatte. Die Begründung des Kassationsgerichts hält fest: "Dass mit den Zusammenkünften des 'Lichtbundes' allgemein ein anderer Zweck verfolgt worden sei, als sich im natürlichen Kleide unter Gleichgesinnten an Licht und Sonne zu bewegen, steht nicht fest, wie denn auch diese Zusammenkünfte, an denen auch Kinder teilnahmen, von den Behörden nicht verboten wurden. Das Verhalten des 'Lichtbundes' mag von Andersdenkenden als unschicklich bezeichnet werden, ist aber, weil es unter Gleichgesinnten erfolgt und bei diesen nicht notwendigerweise geschlechtliche Lustgefühle erweckt oder befriedigt, an sich nicht unzüchtig im Sinne des Gesetzes."
Veröffentlichungen
- Kampf und Sieg der FKK. 60 Jahre Wirken für die Volksgesundheit, Zihlbrücke-Thielle 1984. Erweiterte Neuauflage von Nacktheit vor Gericht.
- Neues Bauen verboten? Vom Kampf um neuzeitliches Bauen in der Schweiz, Bern etc. [1933]. Unter Mitwirkung von F. Eberhardt und P. Keller.
- Nacktheit vor Gericht. Vom Angeklagten Ed. Fankhauser nach Original-Dokumenten und wörtlich aufgenommenen Stenogrammen zusammengestellt, 1930. Weitere Auflagen erschienen 1941 und 1948.
Veröffentlichungen in Zeitschriften
Literatur
- Hans-Jörg Walter und Martin Stohler, "Zeitmaschine: Nacktheit vor Gericht", in: Tageswoche, 2014. Online: Zeitmaschine: Nacktheit vor Gericht.
- "Wachet auf! Edi Fankhauser - ist nicht mehr unter uns", in: die neue zeit, Ausgabe 1999, S. 3 f. Aus der Trauerrede von Marc Bonanomi vom Bettag 20. 9. 1998.
- Karl Bart, "Naturistenpionier wurde 80", in: die neue zeit, Ausgabe 1984, S. 21.
- Werner Zimmermann, "Eduard Fankhauser wurde 70", in: die neue zeit, Ausgabe 1974, S. 31 f.
Links
- Eduard Fankhauser, Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia.
- Eduard Fankhauser, Eintrag von Christoph Zürcher im Historischen Lexikon der Schweiz.
- Schweizerisches Handelsamtsblatt, 45. Jahrg., 31. März 1927, Nr. 76, S. 593. Online: Schweizerisches Handelsamtsblatt.
Letzte Änderung: 2. Juni 2018.