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Der Franzose Jean Tirole bekommt den Wirtschaftsnobelpreis 2014
Eigentlich ist er gar kein „richtiger“ Nobelpreis. Die weltweit renommierteste Auszeichnung für Ökonomen heisst „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften“ und wurde nicht von Nobel selbst gestiftet, sondern erst im Jahr 1968 von der Schwedischen Reichsbank. Im Allgemeinen wird aber kein Unterschied zu den übrigen Nobelpreisen gezogen.
Die Fachwelt zeigte sich überrascht: Mit dem Franzosen Jean Tirole wurde zum ersten Mal seit 15 Jahren ein Forscher ausgezeichnet, der nicht aus den Vereinigten Staaten stammt. Tirole (61) lehrt an der Universität von Toulouse. Seine Schwerpunkte sind das Banken- und Finanzwesen, die industrielle Organisation und psychologische Aspekte in den Wirtschaftswissenschaften. Der Jury-Chef der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Tore Ellingsen, würdigte Tirole als „einen der grössten lebenden Ökonomen“.
Akademie-Sekretär Staffan Normark sagte, der Preis 2014 handele „von der Zähmung mächtiger Firmen“. Tirole habe aufgezeigt, wie Märkte verstanden und auch reguliert werden könnten, an denen nur wenige und dominante Unternehmen aktiv sind. Solche Oligopole sind, wenn sie nicht reguliert werden, schädlich für Kunden wie für Mitbewerber. Die einen leiden unter überhöhten Preisen, den anderen wird womöglich der Zutritt zum Markt verwehrt. Das unproduktive Management von Oligopolen führt zu weniger Innovationen und Erfindungen und damit zu einem verlangsamten Fortschritt.
Nach Ansicht des Nobelkomittees ist es Tiroles Verdienst, die vorherrschende Idee widerlegt zu haben, man könne mit einfachen Prinzipien wie Preisobergrenzen oder Kooperationsverboten für Konkurrenten Oligopole regulieren. Ohne die Berücksichtigung der speziellen Umstände und Rahmenbedingungen einer Branche sei eine vernünftige Regulierung nicht zu erreichen.
Der Preisträger forschte schon zu Beginn der 1980er Jahre über Spekulationsblasen und deren Auswirkungen. Ausserdem veröffentlichte er Werke zur Spiel- und Vertragstheorie sowie zur Industrieökonomik. Während der Pressekonferenz in der schwedischen Hauptstadt Stockholm war Tirole per Telefon zugeschaltet. Er zeigte sich bewegt und geehrt zugleich und sagte, er sei sehr, sehr dankbar für die Auszeichnung.
Tirole ist der dritte Franzose, der den Preis für Wirtschaftswissenschaften bekommen hat – nach Gérard Debreu 1983 und Maurice Allais 1988. Der letzte Nicht-Amerikaner war der Kanadier Robert Mundell 1999. Seit 1969 dominieren Ökonomen die Preisvergabe, die in den USA geboren wurden oder zum Zeitpunkt der Verleihung dort forschten.
Oberstes Bild: © Carl von Blixen – wikimedia.org