Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03385.jsonl.gz/35

Jahr für Jahr wuchs das Swiss Economic Forum. Um die begehrten Plätze gab es bald Gerangel unter den Interessenten. Der Reputation der Veranstaltung dienlich war, dass prominente Politiker den Weg nach Thun und später nach Interlaken fanden. Im Jahr 2000 war der damalige Bundespräsident Adolf Ogi als gewichtiger Hauptredner zugegen. Der Kandersteger blieb dem SEF auch nach seinem Rücktritt aus der Landesregierung aufs Engste verbunden. 2001 wird er Präsident des im Vorjahr gegründeten Beirats, dem unter anderem auch Vreni Spoerry, Thomas Held, Peter Spuhler, David Bosshard (Direktor des GDI) oder Polo Stähli (Espace Medien) angehörten. Ogi spielte eine wichtige Rolle bei der Verpflichtung prominenter ausländischer Redner.
Für einige mussten die Organisatoren grossen Aufwand betreiben. Für die Verhandlungen mit Al Gore, der die Eröffnungsrede im Jahr 2004 hielt, flog das SEF-Führungsduo Peter Stähli und Stefan Linder persönlich nach New York. Sie konnten das geforderte Honorar auf ein SEF-verträgliches Niveau herunterhandeln. Auch die Forderung, für die Anreise müsse ein Privatjet zur Verfügung stehen, war zunächst kein Problem. Doch die Offerten für das Flugzeug sprengten das Budget. Gore willigte schliesslich ein, mit der Swiss zu fliegen. Später sollte er in Thun sagen, früher sei er Air Force One geflogen, doch für die Reise in die Schweiz habe er erstmals die Schuhe ausziehen müssen, als er das Flugzeug in New York bestieg. So kam Al Gore, ein Weltstar wegen seines Umwelt-Engagements, schliesslich doch in Thun an.
Mit ähnlicher Hartnäckigkeit und Chuzpe gelang es, den Unternehmer Richard Branson als Keynote Speaker zu gewinnen. Dieser hatte sich mit seiner Virgin Group einen Namen als serieller Firmengründer gemacht: Schallplattenfirmen, Musikläden, eine Fluggesellschaft, eine Eisenbahngesellschaft, Telekomunternehmen – all diese und noch viele andere Firmen hob der exzentrische Brite aus der Taufe. Ein Mann für das SEF. Aber er wollte nicht, einmal nicht, zweimal nicht, dreimal nicht. Erst als man ihm in Aussicht stellte, ihm die Berner Oberländer Virgin zu zeigen, die Jungfrau, sagte er schliesslich zu und hielt 2009 eine bemerkenswerte Rede über unternehmerische Chancen in Zeiten von Krisen. Der Besuch auf der Jungfrau fand wegen des schlechten Wetters dann doch erst im folgenden Jahr statt.
Wie es weiterging, lesen Sie in Chronik 5 – und die SEF-Geschichte in ganzer Länge im Magazin SEF25, das zur Jubiläumsausgabe des Swiss Economic Forums 2023 erscheint.
Text und Recherche: Felix E. Müller