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Vom Vater soll er die Begeisterung für die «kämpferisch-demokratische» Tradition der Schweiz geerbt haben, von der Mutter die Liebe und Begabung zum Singen: der Soldatensänger Hanns In der Gand, der 1882 in Erstfeld als Sohn eines polnischen Flüchtlings und einer Brienzwilerin zur Welt kam. So beschreibt die NZZ den Sänger in einem Artikel aus dem Jahr 1977 – und spricht angesichts seines unschweizerischen Temperaments von «fremden Blut».
Der Artikel erschien anlässlich der Einweihung des Hanns In der Gand-Brunnens in Zumikon. Einflussreiche Freunde des Volkslieds haben dafür gesorgt, dass dem ehemaligen Dorfbewohner Hanns In der Gand erst eine Strasse gewidmet wurde und dann – dank der Unterstützung einer ortsansässigen Stiftung – ein Brunnen nach dem Entwurf der Tochter des Sängers, Ilse Renz-In der Gand.
Geburtshilfe für einen Schweizer Mythos
Die Ehrung kam spät, finden Hanns In der Gand-Verehrer. Der Sänger habe in der Schweiz für die Wiederbelebung von «guten» Volks- und Soldatenliedern viel geleistet. Seit seinem Tod im Jahr 1947 ist es still um ihn geworden. Einzig das Lied «Gilberte de Courgenay» über die Wirtshaustochter Gilberte ist unvergessen geblieben.
Im Rahmen seiner Tätigkeit als Soldatensänger tritt Hanns In der Gand 1917 im Hôtel de la Gare in Courgenay auf und fesselt die versammelten Grenzer mit seiner Darbietung. Komposition und Text stammen allerdings nicht von ihm, sondern von zwei in Courgenay einquartierten Militärmusikern des Bataillons 41, wie neuere Forschungen belegen.
Ein schlichtes, aber raffiniertes Stück
Was steht hinter dem durchschlagenden Erfolg des Lieds «Gilberte de Courgenay», das 1939 im gleichnamigen Roman, und 1941 in einem der erfolgreichsten Schweizer Filme von Franz Schnyder, weiterlebt? Die Machart ist schlicht und raffiniert zugleich. Es ist kein Lied zum Mitsingen, wie die Interpretation durch Hanns In der Gand deutlich macht. Die Melodie verläuft ungewohnt, die Sprünge kommen überraschend, und der Text soll mehr gesprochen als gesungen werden. Das verlangt nach einem professionell geschulten Sänger.
Der Weg zum berühmtesten Barden der Schweiz
Der junge Hanns In der Gand holt sich sein Rüstzeug an den Konservatorien in Frankfurt am Main und München – und verlässt für seine Leidenschaft die Universität Neuchâtel. Der mehrsprachige Sänger entdeckt vergessene Schweizer Volkslieder, beschäftigt sich mit der Wandervogel- und Jugendbewegung in Deutschland und widmet seine klassisch geschulte Tenorstimme einem vergessenen Repertoire. Er entschliesst sich für die Laute als Begleitinstrument, tritt mit fremden und eigenen Liedern auf und wird in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zum berühmtesten Barden der Schweiz.
Im Rahmen der Landesausstellung 1914 in Bern entdeckt ihn General Ulrich Wille. Hanns In der Gand hat offensichtlich das Potential zum geistigen Landesverteidiger. «Eine Truppe, die singt, ist eine Truppe, die an sich selbst glaubt, weil sie an das Land glaubt, das sie verteidigt.» So stellt es im Zweiten Weltkrieg General Guisan dar. Auch Wille nutzt die Macht der Musik für seine Zwecke, denn der eintönige Militärdienst in Wartestellung drückt auf die Moral.
Von General Wille zum Soldatensänger ernannt
Wille ruft im ersten Kriegswinter nicht nur den «Vortragsdienst» ins Leben, um die Milizsoldaten zu disziplinieren und sie in seinem Sinn staatsbürgerlich weiterzubilden. «Unsere Welschen» gilt es «Frauenzimmern» ähnlich «in Ordnung zu bringen», wenn es sein muss mit «ein Paar Tüchtigen hinten auf». Zum Ausgleich installiert der deutschfreundliche General Truppenabende und sorgt mit dem von ihm ernannten Soldatensänger Hans In der Gand für Furore. Dieser hält die an die Grenzen versetzten Truppen bei Laune und schneidert ihnen auch Lieder auf den Leib. Darunter ist das «Lied der Mitrailleure III/4», das deren Liebesnöte thematisiert und nach dem Ersten Weltkrieg zu den beliebtesten Soldatenliedern der Schweiz zählt.
«Was wünscht e jede Kater
Er wünscht sich eine Katz!
Was wünscht sich jedi Jungfere
Der Schwyz ächt für ne Schatz?»,
heisst es in der dritten Strophe. Worauf der Refrain verheisst:
«An alle Ort und Ende
Da sagen’s d’Meitschi dir:
Ich wünsch mir eine
vo de Mitrailleur III/4».
Das sind volksnahe Botschaften, vorgetragen von einem Barden, dessen innere Beweggründe sein Geheimnis bleiben.
Sendehinweis
Der Schweizer Film «Gilberte de Courgenay» läuft am Sonntag, 10. August 2014, um 20:05 Uhr auf SRF 1. Am 8. August wird er um 11:00 Uhr am «Festival del Film» in Locarno gezeigt.
Special «Franz Schnyder»
Mehr über Franz Schnyder erfahren Sie im einen Online-Special, das sich auf die Spuren des Regisseurs begibt.