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Bild
Titel:
Staatstruhe von Appenzell Innerrhoden
Thema: Politik
Datum: --.--.1624
Masse: 60 x 54 x 101 cm
Standort: Museum Appenzell, Obj. Nr. 2404
Urheber/-in:
Beschreibung:
Staatstruhe des Kantons Appenzell Innerrhoden aus dem Jahr 1624. Auf der Innenseite des Deckels das Allianzwappen der Spender, Säckelmeister Jakob Wyser (1588-1654) und seine Ehefrau Anna Büchler. Darüber die entsprechenden Initialen 'I W A B'. Truhe aus massivem Hartholz, innen und aussen flächendeckend mit Gusseisen beschlagen. Drei schwere Vorhängeschlösser verhinderten das Aufbrechen dieses frühneuzeitlichen Tresors.
Geschichte:
Zweck der rund 100 Kilogramm schweren Truhe bildete die Aufbewahrung des Staatsschatzes, für den der Säckelmeister als Finanzvorsteher verantwortlich war. Jahrhunderte bevor Bankinstitute den ländlichen Raum eroberten, behalf man sich mit derartigen Möbelstücken, welche oft auch als Ghalter oder Kalter bezeichnet wurden, um Geld und Wertsachen aufzubewahren. Man darf sich bildlich vorstellen, wie der Landammann alljährlich von der Reise zu den Abgesandten des spanischen Königs zurückkehrte und in bar die Pensionsgelder mitbrachte, welche der habsburgische Herrscher dem Kanton Appenzell Innerrhoden für das Stellen von Söldnern zahlte. Die Gold- und Silberstücke kamen in Appenzell sogleich an den sichersten Ort und das war diese Truhe. Jakob Wyser beschaffte die Kiste 1624, nachdem er 1621 zum Säckelmeister bestimmt worden war, ein Amt, das er bis 1627 ausübte. Wyser galt in jener Zeit offensichtlich als versierter Finanzfachmann. Er begann seine politische Laufbahn als Armenpfleger, verwaltete von 1613-1616 die Finanzen des Spitals Appenzell (Spitalmeister) und von 1616-1621 diejenigen der Kirchhöri Appenzell (Kirchenpfleger), ehe er zum Säckelmeister des ganzen Landes aufrückte. 1627-1654 war er nicht weniger als sechs Mal regierender Landammann.
Mit dem Aufkommen des modernen Bankenwesens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor die Truhe ihre Funktion als Geldaufbewahrungsmittel. Bis zum Umzug des Landesarchivs vom Raum oberhalb der Sakristei der Pfarrkirche St. Mauritius ins Kellergeschoss der frisch erstellten 'Neuen Landeskanzlei' (1956) beinhaltete sie nur noch das sogenannte Ratssilber. Dabei handelt es sich um Pokale und andere Kleinkunstwerke, welche das Land Appenzell als Geschenk bei Staatsbesuchen erhalten hatte. Das Ratssilber wird heute im Kulturgüterschutzraum des Landesarchivs aufbewahrt, die Truhe ist Museum Appenzell zu bewundern.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Fischer, Rainald: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Innerrhoden. Basel 1984 (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Bd. 74), S. 312
Bischofberger, Hermann: Rechtsarchäologie und rechtliche Volkskunde des eidgenössischen Standes Appenzell Innerrhoden. Ein Inventar im Vergleich zur Entwicklung anderer Regionen. 2 Bde. Appenzell 1999 (Innerrhoder Schriften, Bd. 8), S. 566f.
Koller, Ernst H. Signer, Jakob: Appenzellisches Wappen- und Geschlechterbuch. Bern, Aarau 1926, S. 394
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