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Panel: Les relations de pouvoir au sein du couple romain ordinaire
Verantwortung: Claude-Emmanuelle Centlivres Challet
Referierende: Valentina Casella / Federica Iurescia / Coen van Galen
Unter der Leitung von CLAUDE-EMMANUELLL CENTLIVRES CHALLET (Lausanne) befassten sich Beteiligte aus dem In- und Ausland in englischer Sprache und unter einem französischen Paneltitel mit Machtdynamiken in ehelichen Beziehungen im antiken Rom.
Im ersten Referat I Kissed You Before I Killed You führte VALENTINA CASELLA (Genua) anhand historiographischer und epigraphischer Quellen in die Thematik des Uxorizids ein. Es gelang ihr, überzeugend darzulegen, wie empfindlich die brutale und ungerechtfertige Ermordung von Frauen wie Apronia durch die Hand ihres eigenen Ehemannes die gesellschaftlichen Ideale der Zeit verletzte. Auch in Anlehnung an die vorangegangene Keynote von Joan W. Scott kam das Konzept von Konsens zur Unterordnung auf. Scott hatte diese Begrifflichkeit eingeführt, um die Sonderstellung westlicher Frauen in der modernen Geschichte zu erklären. In Ansätzen lässt sich so auch die Sonderstellung verheirateter Frauen in der römischen Gesellschaft fassen. Wie Casella zeigte, beruhte die eheliche Harmonie darauf, dass die Hierarchie und Autorität des Ehemannes durch Zuneigung und Loyalität aufrechterhalten wurde. Die Ehefrau willigte ein, sich dem Mann zu unterstellen und sich dem vorherrschenden Verhaltenskodex zu unterwerfen. Besonders im Hinblick auf möglichen Ehebruch oder den nicht erlaubten Konsum von Wein stand sie unter Beobachtung und konnte bei Übertretung in vorgesehener Weise bestraft werden. Im Gegenzug war aber auch der Ehemann gewissen Gepflogenheiten verpflichtet. Verstiess er gegen diese, indem er seine Ehefrau auf besonders grausame und unehrenhafte Weise tötete, ohne ihr vorheriges Fehlverhalten nachweisen zu können, missbrauchte er seine Macht über die ihm anvertraute Frau.
Alltäglicheren Auseinandersetzungen widmete sich FEDERICA IURESCIA (Siena) in Quarrel and Power in Roman Couples. Sie zeigte anhand von Dialogausschnitten bei Plautus (Amphitryon) und Petronius (Satyricon), wie Konflikte zwischen Ehepartnern um Macht auf sprachlich pragmatischer Ebene verhandelt werden. Mit einem an Johnathan Culpeper, Erving Goffman u.a. angelehnten Instrumentarium analysierte Iurescia die Konflikte als „clash of expectations“. Die Kommunikationspartner erwarten, ihr Kräfteverhältnis in der kommunikativen Situation repliziert zu sehen. Dass es dazu nicht kommt, liegt im Beispiel von Amphitryon an einem situativen Missverständnis, das die Gesprächsteilnehmer von anderen Kommunikationsanlässen ausgehen lässt. Im Ausschnitt des Satyricon ist es die Uneinigkeiten der Charaktere darüber, wer in der Beziehung tatsächlich am längeren Hebel sitzt. In textnaher Arbeit konnte Iruscia das Bewusstsein für Erwartungen und Höflichkeitsformen und den gezielten Verstoss gegen dieselben durch die Figuren aufzeigen. Die Verwendung unhöflicher Sprache sah sie als Verletzung einer sozialen Norm, die möglicherweise zu Gesichtsverlust einer der beteiligten Personen führen könnte und daher Ausdruck eines Ringens um Macht sei.
Wie sehr der Handlungsspielraum von Einzelpersonen im antiken Rom von Gepflogenheiten geprägt und beschränkt war, zeigte COEN VAN GALEN (Nimwegen) in seinem Vortrag mit dem Titel Bargaining in the Shadow of the mos. So zeigte er etwa am Beispiel der Carfania auf, wie ihr Gebrauch von dem Recht, vor Gericht zu erscheinen, trotz der Legalität dieses Handelns von ihren Zeitgenossen verurteilt wurde, da es nicht dem Brauch entsprach. Infolge der Empörung über Carfanias Betragen wurde es Frauen schliesslich per Edikt untersagt, ohne Vertretung an Gerichtsverhandlungen teilzunehmen. Auch neue rechtliche Freiheiten konnten so nicht immer vollumfänglich genutzt werden. Auf dem Papier progressiv erscheinende Gesetzesänderungen wie die Unabhängigkeit von der Familie des Ehemannes oder die Erlaubnis, über eigenen Besitz zu verfügen, führten in der Praxis nicht uneingeschränkt zu einem grösseren Handlungsspielraum für die betroffenen Frauen. Van Galen legte dar, wie die überlappenden Einflusssphären von Vater und Ehemann einer Frau generell mehr Spielraum zum Aushandeln besserer Lebensbedingungen verliehen und ihre Position grundsätzlich stärkten. Ebenso deutlich zeigte er jedoch auch, wie die unveränderten Ansprüche der Gepflogenheiten die Männer dazu anhielt, ihren Frauen die neuen gesetzlichen Freiheiten nicht ohne Weiteres zu gewähren, wenn sie nicht selber einen Gesichtsverlust riskieren wollten. Wie kreativ Individuen dieses Spannungsfeld aus emanzipativen und restriktiven Einflüssen nutzen konnten, demonstrierte van Galen am Beispiel der Hortensia, die zur Durchsetzung ihrer Steuerbefreiung beklagte, dass sie als Frau gezwungen wäre, sich öffentlich zu äussern. Durch die Instrumentalisierung des mos gelang es ihr also, sich wirtschaftliche Vorteile zu sichern.
In seiner Gesamtheit bot das Panel einen nuancierten Blick auf die Erwartungen und Zwänge der römischen Gesellschaft bezüglich des Verhältnisses von Mann und Frau, vornehmlich in ehelichen Gemeinschaften. Aus verschiedenen Winkeln wurde der Blick für den Spielraum geöffnet, in dem ein Ehepaar einer bestimmten Zeit und Gesellschaftsschicht seine Konflikte aushandeln konnte. Der Blick auf die Eskalation ehelicher Konflikte im Uxorizid, die pragmatische Analyse von Streitgesprächen und die Kontextualisierung von Recht und Gepflogenheiten ergaben ein stimmiges und abgerundetes Bild, das auch für andere historische Settings wünschenswert ist.
Panelübersicht:
Casella, Valentina: I kissed you before I killed you: Apronia's uxoricide
Iurescia, Federica: Quarrel and power in Roman couples
van Galen, Coen: Bargaining in the shadow of the mos