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Der Fünf-Akter wurde 1943, also vor 74 Jahren, am damaligen Städtebundtheater Biel-Solothurn uraufgeführt. Die Aufführungen sind Teil der Gedenkveranstaltungen des Ordens aus Anlass der Aufhebung der sogenannten Jesuiten-Reduktion (Missionsdörfer) in Südamerika vor genau 250 Jahren.
(Foto oben links: Pater Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Jesuiten in der Schweiz, bei der Werkeinführung in Solothurn am 2. September 2017.
Foto links unten: Die Schauspieler Günter Baumman (l.) und Martin Lucke in den beiden Hauptrollen.des Jesuiten-Provinzials von Paraguay 1767 und des Gesandten Don Pedro de Miura.)
Worum geht es?
Für den Theaterkritiker Charles Linsmayer geht es bei dem Drama um die Gewissenskonflikte zwischen persönlicher Moral und äusseren Zwängen – die klassische Tragödie. Der historische Kontext, in den Hochwälder sein Stück gestellt hat, ist allerdings erklärungsbedürftig. Jeweils 30 Minuten vor Spielbeginn findet daher eine Werkeinführung der Dramaturgin Margrit Sengebusch statt.
Fritz Hochwälder war Jude, der vor den Nationalsozialisten aus Wien in die Schweiz fliehen konnte und das Drama 1942 in einem Internierungslager geschrieben hat. Um die damalige Zensur in Bern nicht misstrauisch zu machen, suchte er sich einen unverdächtigen christlich-katholischen Stoff: die Reduktionen des 17./18. Jahrhunderts in Südamerika. Die Jesuiten, die von den Kolonisatoren ‒ wie auch andere Orden ‒ aus Europa geholt worden waren, um die indigene Bevölkerung zu christianisieren, hatten aus ihren Reduktionen eine besondere Siedlungsform gemacht: Sie bildeten die „Wilden“ aus, ermöglichten eine gewisse Mitsprache, schützten sie vor Versklavung und bauten die Reduktionen zu florierenden Wirtschaftsstandorten aus. Damit waren sie den Kolonialherren schlicht zu mächtig geworden. 1767 wurden alle Jesuiten aus ganz Lateinamerika vertrieben. An diesem Punkt setzt das Stück von Hochwälder ein.
Katharina Rupp spricht von einem „klug angelegten Spiel von Macht und Strategie“, einem „hochspannenden Polit-Thriller“, der stets mit einer Wende am Ende jedes Aktes überrasche. Das Stück hat jedenfalls Furore gemacht und erlebte 1952 in Paris seinen internationalen Durchbruch. Hochwälder hat mit dem „Experiment“ in den Niederlanden, Finnland, Norwegen, Griechenland, Brasilien und in den USA gastiert.
Die Tochter des Autors, Miriam Popper-Hochwälder, lebt in Zürich. Ihr Vater starb 1986 und ist in Wien begraben. Sie ist „begeistert, glücklich und dankbar“, sagt sie, dass die Schweizer Jesuiten es möglich machten, das Stück erneut aufzuführen. Mit Blick auf die oft umstrittene Bewertung der Jesuiten-Reduktionen sagt sie: „Mein Vater war verfolgt, es ging ihm um die Kritik an allen unmenschlichen Systemen, auch solchen, die vorgeben, im Namen Gottes zu handeln. Er selbst war nicht religiös. Es ging ihm nicht um die Jesuiten an sich.“
Das Stück wird ab September bis November in Biel und Solothurn gespielt. Der Vorverkauf hat begonnen.
Premiere in Biel
Stadttheater Biel: 21.09.2017, 19.30 Uhr
Weitere Informationen unter www.tobs.ch/
Kontakt:
Cornelia Glees-zur Bonsen, medien (at) jesuiten-weltweit (dot) ch
c/o Stiftung Jesuiten weltweit