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Nach vielen Verschiebungen war der Auftakt des neu aufgelegten Strafprozesses gegen Bill Cosby für Montag angesetzt. Aber bevor es dann auch wirklich losgehen konnte, gab es noch allerlei Turbulenzen – inklusive einer halbnackten Demonstrantin.
Wegen eines Zwischenfalls mit einer halbnackten Demonstrantin und Zweifeln an der Jury hat der neu aufgelegte Strafprozess gegen den US-Entertainer Bill Cosby wegen sexueller Nötigung mit Verzögerung begonnen. Ursprünglich hatte der Prozess bereits am Montagmorgen (Ortszeit) an einem Gericht in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania starten sollen.
Richter Steven O'Neill entschied jedoch, sich zunächst mit einem Einwand der Verteidigung zum Zweifel an der Unabhängigkeit eines Jurors zu beschäftigen. Nachdem dieser ausgeräumt werden konnte, konnte der Prozess gegen den 80-Jährigen am Nachmittag (Ortszeit) starten. Nach der Auftakterklärung des Staatsanwalts entliess Richter O'Neill die Jury für den Tag und vertagte die Auftakterklärung der Verteidigung auf Dienstag.
Zuvor war es auf Cosbys Weg zum Gericht zu einem Zwischenfall gekommen. Eine halbnackte Frau sprang Cosby vor dem Gerichtsgebäude in den Weg und schrie «Mister Cosby, Vergewaltiger». Das Wort «Vergewaltiger» (Rapist) hatte sie sich auch in roter Farbe auf den nackten Oberkörper geschrieben. Kurz darauf wurde sie von der Polizei überwältigt, festgenommen und abgeführt. Cosby musste umkehren und warten, bis sich die Lage beruhigt hatte.
Die Demonstrantin wurde später von der Staatsanwaltschaft von Montgomery County – dem Regierungsbezirk, in dem Norristown liegt – als 39-Jährige aus dem US-Bundesstaat New Jersey identifiziert. Ihr werde Ruhestörung vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei einer Verurteilung drohe ihr eine Geldstrafe.
Zum Strafprozess in Philadelphias Vorort Norristown, das nicht weit entfernt von Cosbys Wohnhaus liegt, versammelte sich am Montag auch eine kleine Gruppe von Cosby-Gegnern – und Unterstützern. Auf Schildern und mit Rufen forderten sie Gerechtigkeit für Klägerin Andrea Constand - beziehungsweise für Cosby.
Bereits vor einigen Tagen hatte Cosbys Verteidigung per Antrag darum gebeten, einen Juror seines Postens entheben zu lassen, der den Entertainer vor Jury-Kollegen als schuldig bezeichnet haben soll. «Dieser Einwand veranlasst das Gericht, sofort zu handeln», sagte Richter O'Neill. «Ich beschütze das Wesen dieses Prozesses und stelle sicher, dass er fair und unabhängig ablaufen kann.» Am Nachmittag sagte O'Neill, er habe mit allen Juroren gesprochen und ihre Unabhängigkeit sei sichergestellt.
Ein erster Prozess gegen Cosby war vor rund zehn Monaten geplatzt, weil die damalige Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht auf ein Urteil hatte einigen können. Für den zweiten Prozess war nun eine neue Jury ausgesucht worden, ausserdem hat Cosby neue Verteidiger.
Bei einer Verurteilung könnte ihm eine lange Haftstrafe drohen. Auch in der Neuauflage des Prozesses geht es um die Frage, ob Cosby 2004 die Universitätsangestellte Andrea Constand sexuell missbrauchte. Der Entertainer, der in den 1980er Jahren mit der «Bill Cosby Show» weltberühmt geworden war, weist die Anschuldigungen zurück. (sda/dpa)