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Knospenwickler
Grauer Knospenwickler; tordeuse verte des bourgeons (franz.); marbled orchard tortrix (engl.); wissenschaftlicher Name: Hedya nubiferana Haworth
Roter Knospenwickler; tordeuse rouge des bourgeons (franz.); bud moth (engl.); wissenschaftlicher Name: Spilonota ocellana Denis & Schiffermüller
und andere Arten
Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Lepidoptera, Tortricidae
Der graue (Hedya nubiferana) und der rote Knospenwickler (Spilonota ocellana) überwintern als junge Raupen in Rindenspalten von Obstbäumen und vielen Wildpflanzen. Im Frühjahr werden die Raupen aktiv und befallen die sich öffnenden Knospen und die jungen Triebe. Nach der Verpuppung, dem Schlüpfen des Falters und der Eiablage schlüpfen die neuen, überwinternden Räupchen. Beide Arten bilden nur eine Generation pro Jahr. Die Raupen verursachen selten einen wirtschaftlich relevanten Schaden und müssen in der Regel nicht bekämpft werden.
Abb. 1. Die Raupen der Knospenwickler umspinnen die Blätter der jungen Triebe und bilden charakteristische Nester, wo sie sich verstecken.
Schadbild
Grauer Knospenwickler (Hedya nubiferana): Ein frühes Anzeichen für einen Befall durch den grauen Knospenwickler ist das Fressen der Raupen an den sich entwickelnden Knospen (Frühjahrsfrass), wobei oft die Blütenteile zerstört werden. Später umspinnen die Räupchen die Blattspitzen der jungen Triebe mit Seide und bilden so die charakteristischen Nester, wo sie sich verstecken können (Abb. 1). Die im Sommer fressenden Raupen verursachen kaum wirtschaftliche Schäden, gelegentlich kommen oberflächliche Frassspuren an Äpfeln oder Birnen vor. Der Frühjahrsfrass wird als schädlicher angesehen, weil dabei Blüten zerstört werden.
Roter Knospenwickler (Spilonota ocellana): Die Schäden sind im Frühjahr gravierender als im Sommer, da die befallenen Knospen ausgehöhlt und abgetötet werden. Auch Blüten können zerstört werden. Die jungen Räupchen verursachen hingegen im Sommer nur geringe oder gar keine Schäden, obwohl die Schale von angefressenen Äpfeln oder Birnen derart stark beschädigt werden können, dass die Früchte unverkäuflich sind. Die Hautverletzungen sind jedoch meist nur oberflächlich.
Beschreibung der Schädlinge
Grauer Knospenwickler (H. nubiferana):Abb.2 Die Raupen des grauen Knospenwicklers sind grau-grün bis dunkelgrün gefärbt und haben schwarze Warzen mit Borsten.
Der ausgewachsene Knospenwickler, ein Schmetterling / Nachtfalter, hat eine Flügelspannweite von 15-21 mm Spannweite (Alford 2014). Die Vorderflügel sind an der Spitze ockerweiss mit silbrig-grauen Flecken, der Rest ist grossflächig dunkelbraun, grau und schwarz marmoriert. Die Hinterflügel sind bräunlich grau. Siehe lepiforum.org
Die Larve ist bis zu 20 mm lang. Der Körper ist grau-grün bis dunkelgrün und hat schwarze Warzen mit Borsten (Abb. 2). Kopf, Nackenschild, Analplatte und Brustbeine sind dunkelbraun oder schwarz.Die Raupe besitzt 8 Beinpaare: Drei Paar gegliederte Brustbeine, vier Paar ungegliederte Bauchbeine und die Nachschieber (oder Afterfüsse).
Die Puppe ist 8-10 mm lang und matt schwarz. Der spitz zulaufende Hinterleib hat ein Büschel mit acht hakenbestückten Borsten.
Roter Knospenwickler (S. ocellana):Abb. 3. Die Raupen des roten Knospenwicklers sind pupurbraun bis rötlich. Die Warzen sind etwas heller als die Grundfarbe des Körpers.
Das erwachsene Insekt, ein Schmetterling / Nachtfalter, hat eine Flügelspannweite von 12-16 mm (Alford 2014). Die Vorderflügel sind weisslich und mehr oder weniger grau durchsetzt. Die Flügelspitze ist bläulich-grau und schwarz gezeichnet und die Vorderflügel haben je einen dunklen dreieckigen und einen schwärzlichen eckigen Fleck. Die Hinterflügel sind dunkelgrau. Siehe lepiforum.org
Die Raupe ist bis zu 12 mm lang. Der Körper ist dunkel purpurbraun bis rötlich gefärbt, die Warzen sind etwas heller (Ab. 3). Der Kopf, der Nackenschild, die Analplatte und die Brustbeine sind glänzend schwarz. Die Raupe besitzt 8 Beinpaare.
Die Puppe ist 6-7 mm lang und braun. Der Umriss der Flügeldecken ist deutlich dunkler als der Hinterleib.
Lebenszyklus
Grauer Knospenwickler (H. nubiferana): Die erwachsenen Knospenwickler erscheinen im Juni und Juli. In der Ruhephase ähneln sie stark auf Blättern anhaftendem Vogelkot und sind somit gut getarnt. Die Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen abgelegt, hauptsächlich auf der Unterseite der Blätter. Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei Wochen. Diese fressen mehrere Wochen an den Blättern, bevor sie in einem dichten Kokon in einer Rindenspalte oder unter einer alten Knospenschuppe überwintern. Ende März oder im April werden die Raupen wieder aktiv und befallen die sich öffnenden Knospen, die Blüten und die jungen Triebe, wobei sie sich oft zwischen zwei mit Seide verwobenen Blättern verstecken. Die Verpuppung erfolgt Ende Mai oder Juni in eingesponnenen Blättern. Die erwachsenen Tiere schlüpfen 2-4 Wochen später.
Roter Knospenwickler (S. ocellana): Die erwachsenen Knospenwickler treten von Mitte Juni bis Mitte August auf. Die Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen auf die Blätter der Nahrungspflanzen abgelegt, wobei jedes Weibchen etwa 50 - 100 Stück ablegt. Die Räupchen schlüpfen 1-2 Wochen später. Die winzigen Raupen fressen dann im August und September auf der Blattunterseite, wobei jede eine kleine röhrenförmige Hülle aus Seide bildet. Die Raupen ernähren sich hauptsächlich von Blattgewebe. Bei Äpfeln und Birnen kann es jedoch vorkommen, dass ein Blatt an die Oberfläche einer Frucht gesponnen wird, an der die Raupen dann ebenfalls fressen. Im Oktober spinnen die noch immer kleinen Raupen in Rindenspalten Gespinste in denen sie überwintern. Die Larven tauchen im April wieder auf und dringen in aufbrechende Blatt- und Blütenknospen ein. Später befallen sie die Blüten und die Blätter. Jede Larve versteckt sich in einem Seidengeflecht, das in der Regel abgestorbene Blätter oder Blütenteile enthält. Die Verpuppung findet Ende Mai und Juni in einem Kokon statt, der in der Raupenbehausung oder zwischen abgestorbenen Blättern gesponnen wird. Die Schmetterlinge schlüpfen 3-4 Wochen später.
Wirtsspektrum
Der graue und der rote Knospenwickler leben auf Apfel, Birne, etwas weniger häufig auf Steinobst und auf vielen Wildpflanzen, zum Beispiel auf Erlen, Weissdorn, Schwarzdorn oder Spierling u.a.
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Natürliche Gegenspieler des Apfelwicklers fördern, zum Beispiel durch das Anbringung von Nistkästen zur Förderung von Vögeln
- Behandlung mit Bacillus thuringiensis gegen Larven der ersten Generation im Frühjahr
- Bei Andermatt biocontrol sind Pheromonfallen zur Flugüberwachung des roten Knospenwicklers erhältlich.
Literatur
Alford DV, 2014. Pests of fruit crops. A colour handbook, second edition. CRC Press, Taylor & Francis group: 461 S.