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Nach langer Wartezeit triumphiert Davos zum 16. Mal an seinem Heimturnier. Die Frage ist, ob der HCD den Turniersieg besser verdaut als der Vorjahressieger Ambri-Piotta.
Der Spengler-Cup und der Gastgeber Davos: Das war in den letzten Jahren keine Liebesbeziehung mehr. Mehrfach blamierte sich der HCD, 2022 unterlag er Sparta Prag 2:9, 2019 trat er gegen das Team Canada mit einem B-Team an und verärgerte das Publikum und die Sponsoren.
Letztmals stand Davos 2012 im Final, gewonnen hatte das Team seit 2011 nicht mehr. Aus jener Saison – mitten in der Hochphase der Ära Arno Del Curto / Reto von Arx – ist kein einziger Spieler mehr dabei. Der Captain Andres Ambühl stürmte damals nach einem gescheiterten Nordamerika-Abenteuer gerade für die ZSC Lions. Der Spengler-Cup genoss unter Del Curto nicht immer oberste Priorität, was nachvollziehbar war, der Fokus lag auf dem Gewinn von Meisterschaften. Was oft genug gelang.
Inzwischen haben sich die Vorzeichen verändert, der HCD spielt in der National League wirtschaftlich nicht mehr ganz vorne mit, obwohl der Spengler-Cup jährlich einen Gewinn von knapp zwei Millionen Franken einbringt. Seit 2017/18 hat der Rekordmeister Davos noch eine Play-off-Serie gewonnen.
Da ist der Spengler-Cup eine willkommene Alternative, um das Palmarès aufzuhübschen. Der HCD nahm die Chance an Silvester mit einem 5:3 gegen Dynamo Pardubice wahr.
Es ist ein Prestigeerfolg, der vor allem dem im Sommer installierten Trainer Josh Holden hilft. Holden, 45, arbeitet erstmals als Cheftrainer, er ist der Nachfolger von Christian Wohlwend, der im Januar 2023 entlassen worden war. Der Präsident Gaudenz Domenig hatte damals gesagt, mit Wohlwend sei es «mehr recht als schlecht gewesen. Aber auch nicht mehr als recht».
Die atemlose Spengler-Cup-Euphorie des Staatsfernsehens
Viel weniger Enthusiasmus kann man schwerlich in ein Zeugnis legen. Doch unter Holden spielte der HCD bisher meist eigentlich eher schlecht als recht, die erste Saisonhälfte war eine Enttäuschung. In der Meisterschaft liegt das Team auf Platz 9, es lieferte gegen bedeutend schwächer besetzte Teams wie Kloten und Ajoie teilweise rätselhafte Darbietungen ab. Der Spengler-Cup-Triumph wird helfen, für Ruhe im Umfeld zu sorgen.
Der sportliche Wert des Turniersiegs ist nicht zu überhöhen, auch wenn das Staatsfernsehen SRF sich fast überschlug mit atemlosen Begeisterungsstürmen und gefühlt im Fünfminutentakt betonen musste, wie einzigartig aufregend das Gezeigte sei. Seit dieser Saison kann SRF im Eishockey nur noch Live-Spiele des Spengler-Cups und von der Nationalmannschaft zeigen, alle anderen Rechte hat das Unternehmen verloren.
Am besten war die Unterhaltung bei der 95. Austragung im zweiten Halbfinal zwischen Pardubice und dem Team Canada. Die Kanadier führten bis 4 Minuten vor Schluss 3:1, ehe der NHL-erprobte Torhüter Aaron Dell plötzlich keinen Puck mehr zu stoppen vermochte. 39 Sekunden vor Schluss traf Pardubice zum 4:3, es war ein denkwürdiger Kollaps des Favoriten und Rekordsiegers; dem Startrainer Bruce Boudreau blieb nur ungläubiges Staunen.
Im Final erzielte das mit einer Transferoffensive jüngst stark hochgerüstete Pardubice nach 13 Minuten den vermeintlichen Führungstreffer. Nach langem Videostudium – die Dauer war ein wiederkehrendes Problem bei dieser Austragung – wurde das Tor wegen Offside aberkannt. Quasi im Gegenzug markierte Dennis Rasmussen das 1:0 für den HCD. Der schwedische Nationalspieler traf am Spengler-Cup fünf Mal – in der Liga hat er in 28 Partien nur drei Tore erzielt; nicht alle sind sich einig darüber, ob er seine Ausländerlizenz wert ist.
Der Absturz von Ambri-Piotta als Mahnmal
Wie wenige Stunden zuvor die Kanadier verspielte auch der HCD eine komfortable Führung; Pardubice egalisierte in der 37. Minute innert 13 Sekunden ein 0:2. Ein abgefälschter Schuss des bulligen Defensivverteidigers Klas Dahlbeck liess Davos kurz darauf dennoch jubeln.
Die Frage wird sein, was dieser 16. Spengler-Cup-Triumph im HCD auslöst. Ambri-Piotta bezahlte den Turniersieg im Vorjahr teuer: Es folgte ein schwerer Kater, der das Team in der National League bis auf Platz 12 abstürzen liess und im Klub eine Sinnkrise auslöste. Ambri scheiterte als Titelhalter bereits bei erster Gelegenheit, es war nach drei Teilnahmen in Folge der Abschied vom Spengler-Cup – 2024 wird ein anderes Schweizer Team das Teilnehmerfeld ergänzen, möglicherweise Gottéron.
Vorher geht es für alle Beteiligten zurück in den Alltag. Am Dienstag empfängt Davos den HC Lugano. Dann wird sich erstmals zeigen, wie viel Energie das Turnier gekostet hat, körperlich wie emotional.