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- Nach dem Rücktritt von Evo Morales hat sich die Senatorin Jeanine Añez am Dienstag zur Interimspräsidentin Boliviens erklärt.
- Die 52-Jährige muss nun innerhalb von 90 Tagen Neuwahlen organisieren.
Trotz fehlender Beschlussfähigkeit des Parlaments erklärte sich Añez zur amtierenden Präsidentin Boliviens. Sie verwies auf die «Notwendigkeit, ein Klima des sozialen Friedens» in dem von einer tiefen politischen Krise erschütterten Land zu schaffen.
«Ich werde alle nötigen Massnahmen ergreifen, um das Land zu befrieden», sagte sie. «Wir wollen so schnell wie möglich Wahlen einberufen.» Zuvor waren zwei Versuche beider Parlamentskammern gescheitert, eine Beschlussfähigkeit festzustellen, da nicht genug Parlamentarier anwesend waren.
Morales: «Gefährlichster Staatsstreich der Geschichte»
- Aus dem mexikanischen Exil verurteilte Evo Morales die jüngsten Ereignisse in La Paz.
- «Das war der listigste und gefährlichste Staatsstreich der Geschichte», schrieb der ehemalige Staatschef auf Twitter.
- Morales bezeichnet Jeanine Añez als «rechte Putschistin», die sich selbst zur Präsidentin des Senats und dann zur Interimspräsidentin Boliviens ernannt habe – ohne das nötige Quorum.
Añez sitzt seit 2010 im Senat. Weil neben Morales auch der Vizepräsident, die Präsidentin des Senats und der Präsident der Abgeordnetenkammer zurückgetreten waren, rückte sie als zweite Vizepräsidenten des Senats an die Regierungsspitze.
Plünderungen in La Paz
Nach massiven Protesten und auf Druck des Militärs war Staatschef Evo Morales am Sonntag nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. Der Sozialist hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter erhebliche Zweifel angemeldet und ihm Wahlbetrug vorgeworfen hatten. Am Dienstag flog er ins Exil nach Mexiko.
Aufgebrachte Anhänger von Morales zogen durch die Strassen des Regierungssitzes La Paz und der Schwesterstadt El Alto. Medienberichten zufolge plünderten sie Geschäfte und legten Feuer. In einigen Vierteln errichteten die Bewohner Barrikaden, um sich gegen Plünderer zu schützen. Mindestens 20 Menschen wurden bei den Ausschreitungen verletzt.