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Altes Reich. 2800-2300 v. Chr. Hauptstadt Memphis. - Mittleres Reich. 2200-1800 v. Chr. Hauptstadt Fajum. - Fremdherrschaft der Hyksos. 1700-1600 v. Chr. -
Neues Reich. 1600 bis 1150 v. Chr. Hauptstadt Theben. - Herrschaft der Hohenpriester von Theben 1150-950, der libyschen Fürsten 950-728, Hauptstadt Bubastis, der Aethiopier bis 671, der Assyrer bis 662. - Die saitischen Herrscher. 662-526. - Persische Herrschaft. 525-332. - Alexander der Große bis 323. - Herrschaft der Ptolemaier bis 30 v. Chr. Hauptstadt Alexandria. - Römische Herrschaft.
Die Natur des Landes. Das Nilland und sein Volk haben von jeher die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wurden als «merkwürdig» betrachtet. Wir sehen in der That hier ganz eigenartige Erscheinungen in der Menschengeschichte. Als ein besonderer Grundzug tritt das «Beharren und Erhalten» - das «Konservative» - auf, der von der Natur auch auf die Bevölkerung überging. Das trockene Klima ermöglichte, daß sich tierische und pflanzliche Stoffe, umsomehr natürlich menschliche Werke Jahrtausende hindurch fast unverändert erhielten. Wo wir sichere Kunde von dem Leben in urgrauer Vorzeit haben, danken wir es der Wüste, die uns so lebensfeindlich erscheint.
Alter der Kultur. Streitig ist noch die Frage, ob die Kulturdenkmäler
Aegyptens die ältesten der erhaltenen sind, aus
früherer Zeit stammen, als jene der Euphratländer, Indiens und Ostasiens. Sicher ist, daß sie bis
in die Zeit vor 2500 v. Chr. zurückreichen.
Das Volk. Welcher Rasse die Urbevölkerung des Nillandes angehörte, darüber herrschen auch noch verschiedene Meinungen. Ich neige mich jener zu, daß wir es mit einem Mischvolk aus Negern und Berbern (Libyer) zu thun haben. Da die Vermengung zweier Rassen immer und überall einen Kulturfortschritt zur Folge hat, so wäre derselbe bei den Aegyptern dadurch erklärt. Wahrscheinlich wären als der ältere Volksbestandteil die Neger zu betrachten; ob nun die hinzugekommenen Berber ein höheres Kulturwesen - aus Mittelasien - mitbrachten, oder ein solches schon vorfanden, nur aufnahmen und weiter entwickelten, ist eben nicht zu entscheiden. Jedenfalls wäre, die Richtigkeit obiger Annahme vorausgesetzt, in den Aegyptern der einzige Stamm der Negerrasse zu sehen,
^[Abb.: Fig. 10. Drei Mastabas von dem Gräberfelde bei Memphis. (Nach Perrot und Chipiez.)] ¶
welcher - allerdings nicht ganz aus eigener Kraft - auf eine höhere Stufe der Kultur gelangte. Sonst beharrten die Neger auf dem Standpunkte einfacher Naturvölker.
In der Zeit, für welche bereits beglaubigte geschichtliche Nachrichten vorliegen - um 2600 v. Chr. -
erscheinen die Aegypter als ein einheitliches Volk, das sich als ureingesessen betrachtete, stolz sich schlechtweg «Menschen» (rômet) nannte und alle Nicht-Aegypter somit als niedere Wesen ansah, von denen es sich abschloß. Es besaß ein festes staatliches und gesellschaftliches Gefüge, und seine Arbeitsfertigkeiten - was man im Deutschen «Technik» nennt - sowie seine sonstigen Kenntnisse waren hochentwickelt. Damit erscheinen auch die Grundlagen für eine Ausbildung der Kunst gegeben.
Eigenart der ägyptischen Kunstwerke. Der Rückschluß aus den auf uns gekommenen Kulturwerten auf die Eigenart des Volkes ergiebt, daß bei diesem die Verstandeskraft weit die Einbildungskraft (Phantasie) überwog. Da nun letztere für die Kunstentfaltung von ganz wesentlichem Einflüsse ist, so prägt sich in der ägyptischen Kunst jenes Verhältnis in der Weise aus, daß in den Werken mehr das Verstandesmäßige, auf Vollendung der Arbeitsfertigkeiten Beruhende zum Ausdruck gelangt, als das freie, aus dem inneren Empfinden heraus erfolgende Schaffen.
Dazu kam noch die starre Festigkeit der gesellschaftlichen Ordnung, welche dem Einzelnen nicht gestattete, völlig frei nach seinem Sinne zu schaffen und zu bilden, ihn vielmehr nötigte, die anerkannten Ueberlieferungen und zu einer Art Gesetz gewordenen Anschauungen stets zu beachten. Dies mußte natürlich zu einer Hemmung des Fortschrittes und zuletzt zum Stillstande führen, zumal die vorerwähnte hochmütige Abschließung von allem Fremden die Befruchtung des ägyptischen Geistes und der Kunstübung durch Aufnahme neuer, jugendfrischer Gedanken und Einflüsse verhinderte.
Einfluß der ägyptischen Kunst. Wenn daher die ägyptische Kultur überhaupt und die Kunst insbesondere sehr lange Zeit und für den größten Teil des Mittelmeergebietes vorbildlich bestimmend und beeinflussend war - wozu am meisten die Phöniker als Vermittler beitrugen - so verlor sie immer mehr an Geltung, je weiter andere Völker fort-
^[Abb.: Fig. 11. Eingang eines Felsengrabes bei Beni-Hassan. (Nach Perrot und Chipiez.)] ¶
schritten, insbesondere die Griechen, wurde diesen nur «merkwürdig», aber nicht mehr vorbildlich, und hatte daher zuletzt keinen Anteil mehr an der allgemeinen Entwicklung der Kunst. Immerhin war die ägyptische Kunst zu einer hohen Entfaltung gediehen, welche jene in Mittel- und Ostasien übertraf, auch unserem Empfinden näher kam und daher mit Recht bewundernde Anerkennung verdient.
Dichtkunst. Das Vorwiegen der Verstandesthätigkeit zeigt sich auch darin, daß die Wissenschaften in
Aegypten zu einer hohen
Vollkommenheit ausgebildet wurden, während die Dichtkunst zu keiner Bedeutung gelangte. In dem ägyptischen Schrifttum fand
sich bisher nur ein Heldengedicht vor, sonst sind uns nur Volkslieder und Märchen, sowie «Romane»
erhalten geblieben. Daß letztere aufkamen, ist gerade bezeichnend für die ägyptische Eigenart; der Roman nähert sich
ja am meisten der Geschichtsdarstellung, das Wirkliche dient ihm als Grundlage und wird nur ausgeschmückt und umgestaltet.
Die Volkslieder tragen die semitische Eigenart und zeigen viel Verwandtes mit den hebräischen Dichtungen. Die besondere
Vorliebe für Märchen ist vielleicht ein Erbteil des Negerblutes, denn diese Dichtungsart trifft man in überraschender
Weise bei allen Negerstämmen verbreitet.
Tonkunst. Ueber die Tonkunst weiß man natürlich so viel wie nichts; es liegt ja im Wesen dieser Kunstart, daß sich ihre Gebilde nur durch ein Hilfsmittel - die Notenschrift - erhalten lassen, das erst eine spätere Zeit erfand. Aus den Abbildungen von Tonwerkzeugen läßt sich nur schließen, daß eine immerhin ansehnliche Entwicklung stattgefunden haben dürfte.
Bauwesen. Um so reicher sind die Werke der bildenden Künste, welche erhalten geblieben sind. Am meisten bewundert wurde von jeher die Bauthätigkeit - ich sage absichtlich nicht «Kunst» - der Aegypter. Das Bewundernswerte liegt aber weniger in der Erfindungsgabe hinsichtlich Formen und Anordnung - also nach der künstlerischen Seite hin - sondern vielmehr in der Arbeitsfertigkeit und in der Bewältigung von Schwierigkeiten. Man denke nur daran, welche Aufgabe es war, eine 20-28 m lange Granitsäule - Obelisk - aus dem Felsen zu hauen, an ihren oft viele Tagereisen weit entfernten Ort zu schaffen und aufzurichten. Ueber den letzteren Punkt hat man in neuerer Zeit allerlei scharfsinnige Vermutungen ausgeheckt, ohne die Sache ergründen zu können.
Der Kunsttrieb in dem Sinne, etwas Besonderes zu schaffen, gab sich daher zuerst in dem Streben kund, besonders große Schwierigkeiten zu überwinden. Das Ungeheure, das Massenhafte ist daher bezeichnend für die ältesten Bauwerke. Die Größe ist ja das Sinnfälligste und macht den augenblicklich stärksten Eindruck, für Feinheit und zierliche Durchbildung der Formen wird der Mensch erst bei höherer Bildung empfänglich.
Denkmale. Sphinx. Pyramiden. Die ältesten Baudenkmale stammen aus der Zeit von 2800-2500 v. Chr., von denen am meisten genannt und bekannt sind: Sphinx von Giseh und die Pyramiden in der Umgebung von Memphis, welches die älteste Stadt ist, von welcher beglaubigte Nachrichten vorliegen.
^[Abb.: Fig. 12. Granitsarkophag des Königs Menkere.
Nachahmung eines Holzbaues.] ¶