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Baktrĭen
(Baktra, Baktria oder Baktriane, altpers. Bachtri, Zend Bachdhi), im
Altertum das Land
zwischen dem westl.
Teile des ind.
Kaukasus
(Hindukusch), dem Parapamisus und dem
Flusse
Oxus, der es von dem nördlich davon
gelegenen Sogdiana schied, das jetzige
Balch (s. d.). Die Baktrier bildeten mit den Persern und Medern und andern
Stämmen den iran. Zweig des indogerman. Völkerstammes. In
Baktrien (richtiger allgemein
in Ostiran) soll der Zendavesta (s. d.) entstanden sein und der Religionsstifter
Zoroaster (s. d.) gewirkt haben.
Mit dem Medischen
Reiche, zu dem es eine Zeit lang gehörte, ward es unter Cyrus ein
Teil des Perserreichs, indem die Baktrier
mit den von ihnen abhängigen Bewohnern von Sogdiana und Margiana freiwillig den Cyrus als Herrscher
anerkannten.
Baktrien war schon früh ein Sitz der Kultur und dessen Hauptstadt
Baktra (das jetzige
Balch) ein wichtiger Platz für
den
Handel des innern
Asien.
[* 2] Mit dem übrigen
Persischen
Reiche ward die Satrapie
Baktrien von
Alexander d. Gr. unterworfen, der hier 12
Städte
gründete und 14000 Griechen zurückließ.
Nach
Alexanders
Tode erhielt auf der Versammlung von Triparadisus 321 v. Chr. Stasanor aus
Soli sowohl
Baktrien als Sogdiana; aber
schon bei dem ind. Zuge Seleucus' I., 307 v. Chr., wurden
beide
Länder mit dem
Syrischen
Reiche vereinigt. Unabhängig von diesem machte sich in
Baktrien unter
Antiochus II. Theos
der
Statthalter Diodotus I. um 255. Dieser ward so der Begründer eines griech.
Reichs in Binnenasien, des Neubaktrischen
Reichs,
das sich unter mannigfachen
Schicksalen anderthalbhundert Jahre erhielt. Der Grieche Euthydemus aus
Magnesia, der auf Diodotus
II. folgte, um 220–190, ward von
Antiochus d. Gr. bei dessen Zuge gegen
Indien besiegt, aber zum Schutze
gegen die Einfälle der Scythen, die über Sogdiana sich ausgebreitet hatten, im
¶
forlaufend
Besitze des Königtums gelassen. Sein Sohn Demetrius und dessen Nachfolger Eukratides, gest.
um 150, dehnten das Reich gegen Süden über den Parapamisus aus, und hier am Kabulfluß und Indus erhielt sich, obwohl von
Westen her durch die Parther bedrängt, die griech. Herrschaft, nachdem das eigentliche
Baktrien um 139 von
dem Partherkönig Mithridates I. erobert und bald darauf (127) von den Saken überschwemmt worden war.
Vornehmlich scheint Menander, nach 126, die griech. Herrschaft am Indus wieder befestigt und
ausgebreitet zu haben. Nach seinem Tode erlag sie, wahrscheinlich unter dem König Hermäus um 80 ebenfalls jenen Saken, die
nun längs des Indus bis zu seiner Mündung ein indo-scyth. Reich gründeten. - Für die Geschichte des
Neubaktrischen Reichs waren lange Zeit spärliche Notizen bei den alten Schriftstellern die fast alleinige, höchst ungenügende
Quelle;
[* 4] erst in neuester Zeit ist eine zusammenhängendere und genauere Kenntnis der einzelnen Regenten möglich gemacht worden
durch eine große Anzahl griech.-baktr.
Münzen, [* 5] die zugleich mit indo-scythischen in Afghanistan [* 6] aufgefunden worden sind. Sie liefern eine Reibe Königsnamen und geben vielfache Aufschlüsse über die polit. und die Kulturgeschichte jenes griech. Reichs. Auf den Münzen des Eukratides erscheint zuerst neben der griech. eine fremde Sprache, [* 7] die sich als ein Dialekt des Sanskrits erweist, deren Schrift aber Alphabeten phöniz. Ursprungs angehört. Der Engländer Prinsep hat diese Schrift glücklich entziffert. Dessen ungeachtet erhielt sich aber das Griechische noch lange auf den Münzen der scyth. Herrscher, unter welchen demnach die griech. Kultur nicht sofort untergegangen zu sein scheint.
Vgl. Lassen, Indische Altertumskunde, Bd. 2 (2. Aufl., Bonn [* 8] 1873);
Sallet, Die Nachfolger Alexanders d. Gr. in und Indien (Berl. 1879);
Perry Gardner, The coins of the Greek and Scythic kings of Bactria and India (Lond. 1886);
Stein, Zoroastrian deities on Indo-Scythian coins (ebd. 1887).