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Maschinelle Malerei
Kann künstliche Intelligenz Kunst?
Eine Künstliche Intelligenz kann erstaunlich imposante Bilder erschaffen. Doch ist das wirklich Kunst?
«Jeder Mensch ist ein Künstler», lautete das Motto von Joseph Beuys. Ob der 1986 verstorbene Aktionskünstler diesen inklusiven Leitspruch auch auf Computer ausweiten würde, werden wir nicht mehr erfahren. Das Künstliche Intelligenz-Unternehmen OpenAI jedenfalls hält sein DALL·E 2-System für ziemlich begabt.
DALL·E 2 ist die zweite Version eines KI-Systems, das aus Texten Bilder erzeugen kann. Ausserdem kann DALL·E 2 bestehende Fotos bearbeiten. So kann man dem System etwa auch auferlegen, Gegenstände in einem Bild auszutauschen.
Der Name ist dabei ein aus Salvador Dali und dem Pixar-Roboterfilm WALL-E zusammengesetztes Schachtelwort. DALL·E 2 ist eng verwandt mit GPT-3, ein ebenfalls von OpenAI entwickeltes KI-System zur Erstellung von Fliesstexten.
Musk und Microsoft liefern das Geld
OpenAI wurde 2015 gegründet. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist die Erschaffung von KI-Systemen zum «Wohle der gesamten Menschheit». Zu den wichtigsten Förderern von OpenAI gehören Elon Musk und Microsoft. DALL·E 2 ist derzeit in einer geschlossenen Beta-Phase, nur wenige ausgewählte Nutzer*innen können es ausprobieren.
Das Unternehmen hat aber bereits einige Beispiele veröffentlicht, die die Fähigkeiten des Systems demonstrieren sollen. Allein aus dem Text «ein Gemälde im Stil von Claude Monet eines Fuchses, der bei Sonnenaufgang in einem Feld sitzt» soll DALL·E 2 dieses Bild generiert haben:
Bei den wenigen unabhängigen Tests des Systems sieht das Ergebnis meistens nicht ganz so gut aus. Oft braucht es mehrere Versuche, bis ein brauchbares Bild erscheint, schreibt der Google-Mitarbeiter Dave Orr, dem ein Beta-Zugang zur Verfügung gestellt wurde. Besonders Bilder mit Menschen scheinen DALL·E 2 noch Probleme zu bereiten.
Vorurteile werden reproduziert
Das enorme Potenzial von DALL·E 2 birgt aber auch Risiken. Es könnte etwa theoretisch zur Erstellung von Deepfake-Bildern genutzt werden. Das Erstellen von Bildern mit echten Menschen verbietet das System daher. Dazu reproduziert DALL·E 2 allerdings wie sehr andere viele KI-Systeme Vorurteile, die auch in der echten Welt bestehen.
Zur Anfrage «lawyer», also Anwalt/Anwältin, liefert DALL·E 2 nur Bilder von weissen Männern. Die Anfrage «flight attendant», also Flugbegleiter*in, wiederum liefert nur Bilder von Frauen. Diese Tatsache hat OpenAI selbst offen gelegt und beschreibt in einem Dokument die Risiken und Einschränkungen, mit denen DALL·E 2 noch zu kämpfen hat.
Rechtlicher Status unklar
Und ist das nun Kunst? Das liegt freilich in den Augen der Betrachter*innen. Im Auge des Gesetzes ist Kunst Kunst, wenn sie urheberrechtlich geschützt werden kann. Das scheint auf den ersten Blick nicht der Fall zu sein, denn ein Stück Software wie DALL·E 2 kann keine Rechte habe, da es ja keine Person ist.
Das amerikanische Copyright Office kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass ohne «erhebliche menschliche Beteiligung» an der Erstellung eines KI-Kunstwerkes, dieses keinen Urheberrechtsschutz geniessen kann. Die Rechtslage in der Schweiz ist noch ungeklärt.