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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1976 von Paul Rothenhäusler
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm Wädenswil einen gewaltigen Aufschwung. Das Bauerndorf begann sich zur Industriegemeinde zu wandeln. In der Gegend zwischen Luftquartier und Giessen entstanden 1826 – zum Teil unter anderen Bezeichnungen – gleich vier Unternehmen, die heute noch existieren: die Brauerei Wädenswil, Weber AG; die Tuchfabrik Pfenninger & Cie, AG, die Pferdehaarspinnerei J. Schnyder AG und die Seifenfabrik Sträuli AG. Die folgenden Beiträge orientieren über die bewegte Geschichte dieser Betriebe, die 1976 auf 150jähriges Bestehen zurückblicken konnten.
Brauerei Wädenswil
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1976 von Paul Rothenhäusler
1826 kauft Heinrich Rusterholz die Schnapsbrennerei «Zum Grünen Hof» in Wädenswil und wandelt sie in eine Brauerei um. 1845 wird der Kleinbetrieb in den Giessen verlegt, wo sich die Brauerei heute noch befindet.
1856 erwirbt Gottlieb Naef die Brauerei und beruft als Braumeister Michael Weber. Zwei Jahre später wird der erste Felsenkeller gebaut. 1866 übernimmt Michael Weber die Brauerei auf seinen eigenen Namen. Von 1864 bis 1874 wird beim Giessenbachfall ein weiterer grosser Felsenkeller in den Berg gesprengt.
1885 stirbt Michael Weber im Alter von 58 Jahren. Die Witwe Elisabeth Weber-Hauser führt mit Hilfe von Braumeister Georg Bichler das Lebenswerk ihres Mannes mit grosser Energie und Klugheit weiter, um es den beiden damals noch minderjährigen Söhnen zu erhalten.
1888 bis 1890 verbindet man Brauerei und Felsenkeller durch einen Tunnel.
1889 übernehmen die beiden Söhne Franz und Fritz Weber die Geschäftsleitung.
Fuhrpark vor der Motorisierung.
1893 läuft das Dampfschiff «Gambrinus» vom Stapel. Die Spedition wird teilweise auf Schiffsbetrieb umgestellt, gleichzeitig führt man das Flaschenbier ein. 1923 stirbt Franz Weber. 1924 wird das Unternehmen mit den Erben von Franz Weber-Hauser als Kollektivgesellschaft Brauerei Wädenswil, Weber & Cie. weitergeführt. Als Vertreter der dritten Generation folgt Dr. Walter Weber seinem Vater als Geschäftsleiter nach. Fritz Weber jun. vertritt seinen Vater in der Geschäftsleitung von 1935 bis 1947.
Depot der Brauerei in Männedorf, um 1900.
1938 wird die Kollektivgesellschaft in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt.
1952 tritt Paul Weber, der Sohn von Dr. Walter Weber, als Vertreter der vierten Generation in die Brauerei ein.
1955 stirbt Fritz Weber im Alter von 85 Jahren. Wädenswil ist ihm für seine kulturellen und gemeinnützigen Dienste (zum Beispiel Schutz der Burgruine und der Halbinsel Au) zu grossem Dank verpflichtet. Sein Nachfolger wird Dr. Dietrich Iselin, der die technische Geschäftsführung übernimmt.
1957 feiert die Brauerei das Jubiläum «100 Jahre im Besitze der Familie Weber».
1966 erfolgt der Stapellauf des Transportschiffes «Wadin» (Nutzlast 65 Tonnen bzw. 50 000 Flaschen). Der längst zum Symbol der einzigen seefahrenden Brauerei der Schweiz gewordene «Gambrinus» tritt in den Ruhestand. Er wird aber noch als Vergnügungsschiff für Extrafahrten eingesetzt. 1967 stirbt Dr. Walter Weber. Während 47 Jahren hat er mit klarem Blick und fester Hand das Unternehmen durch Krisen- und Kriegszeiten und die stürmischen Nachkriegsjahre gesteuert. Sein Nachfolger ist Paul Weber, der die kaufmännische Geschäftsleitung übernimmt.
Bierreklame, um 1907.
Eines der ersten Lastautos, um 1900.
1970 wir die Kommanditgesellschaft Brauerei Wädenswil, Weber & Cie. in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im gleichen Jahr schliesst sich die Brauerei Wädenswil mit fünf weiteren traditionsreichen Familienunternehmen – Brauerei Salmenbräu Rheinfelden AG, Brauerei Cardinal AG in Freiburg, Brauerei Beauregard AG in Freiburg, Brauerei Gebrüder Fertig AG in Orbe, Mineral- und Heilquellen AG in Meltingen – zur Sibra Holding AG, Freiburg zusammen.1973 beschliesst die Sibra die Lancierung einer gemeinsamen Marke unter dem Namen CARDINAL.
1976 begeht die Brauerei Wädenswil, Weber AG, als älteste Brauerei des Kantons Zürich, das Jubiläum ihres 150jährigen Bestehens. Zu diesem Anlass erschein das «Wanderbüchlein für Geniesser» mit 30 Wandervorschlägen. Ihm ist auch dieser historische Rückblick entnommen.
Anlässlich der 150-Jahr-Feiern im Festzelt wurde den Gästen ein währschaftes Essen serviert. Hier bereitet Franz Manser, Köbi Marti und Sepp Jud das Fleisch zu. Es wurden ca. 2300 Schweinshaxen, jede ein Pfund wiegend in der Küche der Unterkunft Untermosen gebraten.