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Leopold. Nun kamen die Zünfte zur Geltung. Es waren folgende: 1. Kaufleute oder Schlüssel, 2. Hausgenossen oder
Bären, 3. Weinleute
oder Gelten, 4. Krämer oder Safran, 5. Rebleute, 6. Bäcker, 7.
Schmiede, 8. Gerber und Schuhmacher, 9. Schneider und Kürschner, 10. Gärtner, 11. Metzger, 12. Spinnwettern
(Bauhandwerker), 13. Scherer und
Maler, 14. Weber, 15. Fischer u.
Schiffer. In Kleinbasel, das 1392 von
der grossen Stadt erworben wurde, blieben die drei Gesellschaften zum Greifen, Hären und Rebhaus bestehen, die noch jetzt
alljährlich am 13., 20. und 27. Januar mit ihren Wappentieren, dem
Vogel Greif, dem
Leu und dem wilden Mann einen
Umzug veranstalten und im Gesellschaftshaus an der Rheinbrücke (Café
Spitz) das Greifenmählchen abhalten.
Die
Vorstädte Grossbasels besassen Vorstadtgesellschaften und zwar St. Alban die zum Hohen
Dolder,
Aeschen zum Rupf,
Steinen
zu den 3
Eidgenossen, Spalen zur
Krähe und
St. Johann zur Mägd. Abgeordnete aller Zünfte bildeten mit dem Bürgermeister
und Oberstzunftmeister den Kleinen
Rat (64 Mitglieder), der aber in zwei jährlich abwechselnde Hälften,
den alten und neuen
Rat, zerfiel. Die Gesetzgebung wurde vom Grossen
Rat gehandhabt, der aus dem Kleinen
Rat, den Vorständen
der Zünfte (Sechser) und der drei Gesellschaften Kleinbasels gebildet war, ebenfalls jährlich wechselte und aus 282 Mitgliedern
bestehen konnte.
Eine Masse von Kollegien, wie Geheimer oder Dreizehner
Rat, das Zeugamt, die Haushaltung oder Rechenkammer, das
Lohn- oder
Bauamt, das Direktorium der Kaufmannschaft, die Fabrikkommission, die Münzkommission und viele andere besorgten die Geschäfte.
Die beiden Stadtgerichte von
Gross- und Kleinbasel und verschiedene andere Gerichte dienten der Rechtspflege. Zur
Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung hatte die Stadt eine Garnison oder Standestruppe, die als die einzige «stehende
Armee» der
Schweiz bis zum Krimkriege existierte. 1803, 1814 und 1847 wurden neue Verfassungen eingeführt; aber erst 1872 erhielt
Basels Staatswesen eine den neuen Verhältnissen entsprechende Einrichtung. Die neueste Verfassung datiert vom
Die Universität wurde 1460 durch Papst Pius II. gegründet und nach der Reformation 1532 reorganisiert. Ihr gehörten in
der ersten Periode Sebastian Brant, Capito und Erasmus an, im 18. Jahrhundert der Orientalist Johannes Buxtorf, Felix Platter,
Bauhin, die Bernoulli und Euler und in neuerer Zeit Wilh. Wackernagel, Ludwig Rütimeyer und Jakob Burckhardt.
Ferner sind als berühmte Männer zu erwähnen Hans Holbein, die Buchdrucker Amerbach und Froben, der Reformator Oecolampad,
Thomas Platter, der Bürgermeister Joh.
Rud. Wettstein, Peter
Ochs, Direktor Legrand, Isaak Iselin, der
Gründer der Gemeinnützigen
Gesellschaft (1776), verschiedene Glieder aus den Familien
Fäsch, Burckhardt, Hagenbach, Wieland etc.
Wichtigere Ereignisse waren das Konzil (1431-1449), die Schlacht bei
St. Jakob an der
Birs 1444, der Eintritt in den Schweizerbund
1501, die Reformation 1529, der Bauernaufstand von 1653, die Revolution von 1798, die Trennung des Kantons 1833.
Weitere Quellen: Die Stadt Basel und Umgebung. Herausgegeben vom Verkehrsverein. Basel 1898. - Streuber, Geschichteund Beschreibung der Stadt Basel.Basel,
H. Georg. - Boos, Geschichte der Stadt Basel. 1877. - Hotz. R. Basel,
eine Schilderung für Einheimischeu. Fremde.Basel
1882. - Hotz, R. Basels Lage und ihr Einfluss auf die Entwicklung und Geschichte der Stadt. (Beilage zum Bericht
über das Gymnasium 1894.) -
Stocker, F. A. Basler Stadtbilder.Basel
1890. - Basler Jahrbuch 1896 und 1899. -Neujahrsblatt von 1893.
Unter den 17 Provinzen, in welche Kaiser Diocletian das römische Reich einteilte, befand sich die Maxima
Sequanorum, die auch die Lande der Rauracher und Helvetier umfasste. Nach dieser politischen Einteilung
richtete sich später
die kirchliche, und Besançon, die Hauptstadt dieses Gebiets, wurde der Sitz eines Erzbischofs, der
über sämtliche
Bischöfe desselben, also auch über denjenigen des Rauracherlandes, die Oberhoheit erhielt. Die Grenzen
dieses raurachischen Bistums mögen also so ziemlich mit den politischen des 4. u. 5. Jahrhunderts und
mit denen des späteren Bistums Basel
identisch gewesen sein.
Diese Linie zog sich von der Aaremündung rheinabwärts bis zum Eckenbach und Landgraben nördlich von Colmar, von da längs
des Vogesenkammes bis zum Ballon d'Alsace, dann im
Bogen nach Pfetterhausen und Courtavon, schnitt den
Elsgau ab, ging quer
nach
Pierre-Pertuis über, verblieb auf dem Jurakamm bis zur
Schafmatt und folgte der
Aare bis zu ihrer
Mündung in den
Rhein. Es gehörten nämlich der
Elsgau oder das
Ajoie und die
Freiberge zum Erzbistum Besançon und das St.
Immerthal mit
Tramelan und der Buchsgau zum Bistum Lausanne.
Doch finden wir später einen Teil des
Elsgaus, die
Freiberge und den Buchsgau auch der geistlichen Hoheit des
Bischofs von Basel
unterstellt.
Im 15. Jahrhundert zerfiel das Bistum Basel
in folgende 11 Decanate oder Ruralkapitel: 1. Jenseits des Ottenbühls (Rappolzweiler,
Kaysersberg, Colmar), 2. diesseits des Ottenbühls
(Sulz, Gebweiler, Rufach), 3. diesseits des
Rheins (Kems, Rixheim, Ottmarsheim), 4. Sundgau
(Altkirch,
Thann, Maasmünster), 5. zwischen den Hügeln (Mülhausen, Landser, Blotzheim), 6.
Leimenthal(Laufen,
Leimen, Pfirt), 7.
Elsgau
(St. Ursanne, Courtavon,
Ocourt), 8.
Sisgau
(Liestal,
Büren, Rheinfelden),
9. Frickgau
(Rothenfluh,
Frick,
Schinznach), 10. Buchsgau
(Wangen,
Olten,
Lostorf), 11. Salzgau
(Tavannes,
Münster, Delsberg).
Ausserhalb des Dekanatverbandes standen einige Pfarreien in
der Nähe von Basel,
nämlich
Hochwald,
Muttenz,
Pratteln,
Mönchenstein,
Oberwil,
Allschwil,
Hüningen und die Heiligenkreuzkapelle vor
dem Spalenthor, sowie die Kirchen der Stadt
Basel. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden das wichtige Dekanat
Sundgau in die Kapitel Sundgau und Maasmünster geteilt,
Sisgau und Frickgau in das Ruralkapitel Sis-
und Frickgau vereinigt und die ausserhalb von Basel
liegenden Kirchen den Kapiteln
Leimenthal und zwischen den Hügeln zugewiesen.
Im Jahre 1779 trat der
Bischof Friedrich von
Wangen dem Erzbistum Besançon 29 Kirchengemeinden in den Dekanaten Maasmünster
und
Elsgau gegen 19 andere ab, welche zugleich unter seiner weltlichen
Herrschaft standen. Diese bildeten
fortan das Ruralkapitel d'Ajoie, das nicht mit demjenigen des Elgaus zu verwechseln ist. Unter den abgetretenen Gemeinden
befand sich auch
Pruntrut, wo bisher der
Bischof nur im Umfange des
Schlosses die geistliche Hoheit ausgeübt hatte. Allein
schon 1792 wurde dieses ganze Bistum zertrümmert, um nie mehr zur gleichen Grösse zu erstehen.
Als in unserm Lande das Christentum Wurzeln fasste, erhielt auch die Hauptstadt von Rauracien, Augusta Rauracorum, einen
Bischof. Ein solcher war Justinianus, der sich 346 an einem Concil zu Köln beteiligte. Nach den
Stürmen der Völkerwanderung
wurde Basel
Bischofsstadt. Der bedeutendste aus der ältern Periode war
Bischof Hatto, ein Ratgeber Karls des
Grossen. Deshalb soll dieser Kaiser die Basler Kirche mit Privilegien ausgestattet haben, wie der Immunität im
Banne der
Stadt, der sich bis Buschweiler und Hagenthal erstreckte, und dem Münz-, Jagd-,
Zoll- und Bergregal.
Das so finanziell erstarkte Land hatte bald im 30jährigen Kriege furchtbar zu leiden. Da Bischof Heinrich von Ostein (1628-1646)
der Liga beigetreten, drangen deutsche, französische und schwedische Truppen in den Reichsboden ein.
Aber auch die mit Bern
verbündeten neutralen Lande blieben nicht verschont, und es wurde 1639 das St. Immerthal schrecklich heimgesucht. 1726 erliess
Bischof Konrad von Reinach (1705-1737) eine Reihe von Verordnungen, durch welche er die Freiheiten und Rechte des Landes
einschränkte. Es erhob sich aber ein Aufstand, der nur mit französischer Hilfe niedergeschlagen wurde u. mit der Hinrichtung
der Bauernführer Péquignat, Riat und Lion endigte (1740).
Diese Ereignisse blieben nicht vergessen. Neue Unruhen begannen unter dem schwachen Bischof Joseph von Roggenbach (seit 1782)
schon vor der französischen Revolution. Da rückten 1791 zuerst Oesterreicher und dann Franzosen ein,
und diese schufen aus dem Reichsgebiet 1792 die raurachische Republik und 1793 das Departement Mont-Terrible. 1797 besetzten
sie auch das Münsterthal und Erguel, und schliesslich wurde im Jahre 1800 das ganze Bistum mit dem Oberelsass vereinigt, bei
dem es bis zum Einzug der Oesterreicher 1813 verblieb. Zwei Jahre später erhielt durch den Wiener Kongress
der Kanton Bern
den grössten Teil dieses Gebiets als Berner Jura und nur neun
¶
Der letzte Fürstbischof Roggenbach verliess Pruntrut, das seit 1501 bischöfliche Residenz gewesen, lebte bis 1793 in Biel
und starb am zu Konstanz. Sein Nachfolger, Franz Xaver von Neveu, Pfarrer zu Offenburg, übte seine geistlichen
Funktionen nur im Frickthal und einem Teil des Kantons Solothurn
aus. Im Jahr 1820 empfing er in der Person des Viktor
Anton von Glutz-Ruchti einen Coadjutor, der aber schon 1824 starb, während der Bischof selbst bis zum lebte.
Unterdessen hatte nach Auflösung der alten Verhältnisse das Bistum Basel
eine neue Organisation erhalten.
Nachdem 1803 das Bistum Konstanz seine rechtsrheinischen Besitzungen verloren, ging auch in der Schweiz das Bestreben dahin,
sich von dessen geistlicher Hoheit und dem Erzbistum Regensburg loszureissen und ein schweizerisches Erzbistum zu errichten.
Das erstere wurde 1814 vollzogen, u. der Propst von Beromünster, Bernhard Göldlin, zum apostolischen Vikar
dieses abgelösten Gebietes ernannt, das letztere aber niemals verwirklicht.
Die wesentlichsten Bestimmungen dieses Konkordates waren folgende: Das Bistum Basel
besteht aus den Katholiken
der Kantone Luzern,
Bern,
Solothurn
und Zug
und, sofern sie sich anschliessen wollen, auch von Basel,
Aargau
und Thurgau.
Sitz des Bischofs und Domkapitels ist Solothurn,
dessen Kollegialkirche
Ursus und Viktor zur Domkirche erhoben wird. Das neue Domkapitel besteht aus 17 Domherren, inklusive Dompropst und Domdechant,
von denen 12 residierend, d. h. zum Chordienst verpflichtet, und 5 nicht residierend sind.
Der Dompropst und 9 Domherren werden aus der Geistlichkeit des Kollegialstiftes entnommen. Dazu kommen noch je 3 aus den Kantonen Luzern
und Bern
und 1 aus dem Kanton Zug.
Diese letztern bilden mit dem Dompropst und 2 Solothurner Domherren den bischöflichen
Senat und erhalten das Recht, den Bischof zu wählen. Den Propst ernennt Solothurn
und den Dechanten der heilige Vater. Während sich
Luzern
und Zug
das Ernennungsrecht ihrer Domherren reserviert haben, wird der Berner Regierung vom Senat ein Verzeichnis von 6 Kandidaten
vorgelegt, von denen sie 3 streichen darf, worauf die Wahl durch den Bischof erfolgt. Für die Kosten
und die Besoldung des Bischofs kommen die Diözesankantone im Verhältnis ihrer Bevölkerung auf.
In Solothurn
wird ein Seminar gegründet, das unter der Leitung des Bischofs und von 4 Domherren steht. Der Bischof schwört den Diözesankantonen
Treue und Gehorsam, und dass er nichts unternehmen wolle, was die öffentliche Ruhe gefährde.
Nachdem Bischof von Neveu noch im Jahr 1828 gestorben, wurde Johann Anton Salzmann zuerst vom Papst zum Administrator und
dann am vom Domkapitel zum Bischof erwählt. Während unter ihm (1828 bis 1854) und seinem Nachfolger Karl
Arnold (1854-1862) schon viele Kämpfe stattgefunden, trat unter Bischof Eugen Lachat eine eigentliche Krisis ein. Nicht nur
trennte sich infolge des vatikanischen Konzils eine grosse Zahl von Katholiken ab, die die christ-katholische Kirche gründeten,
sondern es wurde auch der Bischof selbst am von 5 Diözesankantonen (mit Ausnahme von Luzern
und Zug)
seines
Amtes entsetzt und das Domkapitel eingeladen,
einen den Kantonen genehmen Bistumsverweser ad intérim zu ernennen. Als sich
dasselbe unter Leitung des Dompropstes Friedrich Fiala weigerte, auf dieses Ansinnen einzugehen, wurde es am aufgelöst.
So begann eine Interimszeit, die bis zum Rücktritt Lachats und seiner Ernennung zum apostolischen Vikar
von Tessin
dauerte (Oktober 1884). Nun wurde Friedrich Fiala von sämtlichen frühern Diözesankantonen und Schaffhausen
als Bischof von Basel
anerkannt.
Er hielt nach seiner Romreise am seinen feierlichen Einzug in die Stadt Solothurn und die Domkirche, die er 1876 dem
römisch-katholischen Kultus hatte erhalten können, während ihm 2 Jahre vorher nicht gelungen war,
die Aufhebung des Ursusstiftes abzuwenden. Der edle und gelehrte Mann starb schon am
Nach dem Tode Lachats wurde durch die Circumscriptionsbulle vom ein eigenes Immediatbistum Lugano geschaffen und
mit Basel
zu einem Bistum Basel-Lugano verbunden. Doch der Bischof führt bloss den Titel eines Bischofs von Basel-Lugano
und besitzt keine Jurisdiction im Tessin.
Diese wird vom apostolischen Administrator ausgeübt, der vom Papst im Einverständnis
mit dem Bischof gewählt wird.
Das bischöfliche Domkapitel besteht aus 5 residierenden und 9 nicht residierenden Domherren unter Leitung
eines Dompropstes und Dekans. Dem Administrator stehen ein Generalvikar und das Kathedralkapitel von S. Lorenzo in Lugano zur
Seite mit 1 Erzpriester und 9 Domherren.
Das bischöfliche Priesterseminar in Luzern,
zugleich theologisches Convict für die Studierenden der 3 Jahreskurse
umfassenden katholischen Lehranstalt, steht in Verbindung mit dem staatlichen Lyceum und Gymnasium. Ebenso hat der Kanton Tessin
ein
Priesterseminar in Lugano.
Quellen: Trouillat. Monuments de l'histoire de l'ancien évêché deBâle. Die Werke von Quiquerez, Vautrey,
Morel. Die Kirchengeschichte von Gelpke. Die pragmatische Erzählung von Snell. Schmidlin, Fiala; Bühler, Altkatholizismus.Die katholische Kirche unserer Zeit und ihre Diener, herausgegeben von der Leo-Gesellschaft in Wien, 1900, etc.
Gipfel von 2027 m, 16 km nw. Locarno, zwischen Pizzo Gramalena (2320 m) im N. und
Pizzo Pelote (2067 m) im SO. Schliesst das Val Lodano im W. ab. N. über dem WeilerGresso. Am S.-Abhang von 1350-1800
m die Alpweide Bassa, die im Sommer von 9 Personen mit 50 Kühen und 60 Ziegen bezogen wird.
deutsch Altdorf (Kt. Bern,
Amtsbez. Delsberg).
481 m. Gem. und Dorf; 8,5 km sw. Delsberg, im gleichnamigen Thal und an der Sorne
gelegen. Station der Linie Delsberg-Pruntrut; Postbureau, Telegraph, Telephon. Gemeinde, mit dem Dorf Berlincourt: 217 Häuser, 1063 Ew.;
^[Berichtigung: Pfarrdorf und 1063 kathol. Ew.] Dorf: 152 Häuser, 892 Ew. PfarreiBoécourt. Sekundarschule,
Ersparniskasse; bedeutender Holzhandel; Parketterie, Sägen, Uhrenindustrie, Ackerbau. Sitz des Syndikates für rationelle
Viehzucht im Amtsbezirk Delsberg. ^[Ergänzung: Durch eine Feuersbrunst 1871 zum grossen Teil zerstört.] Altertümer aus
der Bronze- und Eisenzeit; römische Ansiedelung; Burgundergräber und -mühle bei der Kapelle Saint-Hubert,
zwischen Bassecourt und Glovelier; alte Eisenwerkstätten. Die Hügel der Umgebung von Bassecourt (Bois de Raube) bestehen
aus obermiocänen Sanden und Kiesen aus den Vogesen, die hier vor der Jurafaltung vom Tertiärmeer angespült worden sind.
Die gleichen Kiese (Porphyre, Melaphyre, Grauwacken, rote Quarzite und Sandsteine, weisse Quarze und Amethyste)
finden sich im ganzen Thale von Delsberg.
Sie enthalten Zähne und Knochenreste von Dinotherium giganteum.
(Kt. Waadt,
Bez. Nyon).
752 m. Gem. und Dorf, am O.-Fuss des Noirmont; 3 km nw. Begnins, 8 km nw. der Station Gland, der Linie
Lausanne-Genf, 2 km ö. seines Pfarrdorfes Burtigny und 7,5 km w. Rolle. 83 Häuser, 427 reform. Ew. Postablage, Telephon. In
fruchtbarer Gegend; Land- und Forstwirtschaft. 1878 sind bei Le Châtelard, zwischen Bassins und Begnins, Burgundergräber
aufgedeckt worden. Erscheint ums Jahr 1000 als Bassinges; bildete ehemals ein 1183 durch Bulle des Papstes Lucius III. bestätigtes
Landpriorat der Abtei Payerne(donus Bacins) und wurde 1542 von dieser um 4200 Goldgulden verkauft.
(Le) (Kt. Neuenburg,
Bez. Boudry).
447 m. Grosser Bauernhof mit ausgedehnten Ländereien. 1 km sw. Bevaix. Der Name bezieht sich
zunächst auf einen sagenumrankten Baum, bei dem sich 1476 die Eidgenossen vor ihrem Marsche auf Grandson
versammelt hätten. Der morsche Stamm ist im Januar 1901 einem Wintersturm zum Opfer gefallen.
(La) (Kt. Wallis,
Bez. Martigny).
462 m. Gem. und Dorf im Rhonethal, 500 m nw. Martigny-Ville, von diesem nur durch die Drance geschieden;
an der Strasse Martigny-Saint Maurice und am O.-Fuss der Rochers desAutans. Gemeinde, mit dem WeilerLa Verrerie: 55 Häuser, 432 kathol.
Ew.; Dorf: 36 Häuser, 428 Ew. Ackerbau, Wiesen. Hoch über dem Dorf auf steilwandigem Fels Ruinen einer alten Burg, mit der
Tour de la Bâtiaz, die wahrscheinlich an der Stelle eines einstigen römischen Wachtturms steht. Der mächtige kreisrunde
Turm der Bâtiaz mit 3,9 m dicken Mauern und einer lichten Weite von 3,86 m, der in seinen ältesten Teilen noch römische
Bauart zeigt, gehörte samt der angebauten Burg zu Beginn des 13. Jahrhunderts dem Bischofe von Sitten und wurde von Andreas
von Raron bewohnt; Peter II. von Savoyen belagerte Burg und Turm 1259, nahm sie 1260 mit Sturm und baute
den Turm (1268-81) auf seine heutige Gestalt um. 1475 von neuem teilweise zerstört. Von Graf Supersaxo und den «Patrioten»
anfangs des 16. Jahrhunderts belagert, 1518 genommen und eingeäschert. Heute wird der Turm sorgfältig unterhalten. Der Fels,
auf dem er
¶
mehr
steht, besteht aus Marmor, dessen zu verschiedenen Malen unternommene Ausbeute jedoch seiner schlechten Qualität wegen immer
wieder eingestellt worden ist. Alte Gräber, aus blossen Steinplatten bestehend, ohne Grabschmuck.
Gerhard v. Ternier, Herr von La Bâtie-Meslier, erbaute 1220 auf dem Hügel
eine feste Burg, die heute völlig verschwunden ist.
Hier fuhr 1814 die Artillerie des Generals Dessaix auf;
sie wurde aber
von den auf den Höhen von Saint-Jean postierten Oesterreichern derart beschossen, dass der Wald fast völlig
zerstört wurde. 1883 liess die Stadt Genf auf dem Bois de la Bâtie ein Wasserreservoir erstellen, das Brauchwasser und Niederdruckwasser
für industrielle Betriebe liefert.
Das 400 m oberhalb des Dammes von Les Pâquis dem See entnommene Wasser wird zunächst der
Coulouvrenière zugeleitet, von wo es vermittelst mächtiger Turbinen und Pumpen zu dem 4800 m3
fassenden Reservoir gehoben wird.
Das Dorf liegt
reizend am Fusse der Bauenstöcke, mitten in üppigen Wiesen und schönen Obstgärten und gestattet prachtvollen Ausblick auf
die Ufer des Sees und seine schroff ansteigenden Höhen.
Eben so ausgezeichnet ist die Lage des Dorfes in Bezug auf ihre bevorzugten
klimatischen und Vegetations-Verhältnisse.
Herm. Christ sagt darüber in seinem PflanzenlebenderSchweiz,
Seite 129: «Nirgends im N. der Alpen kontrastiert mit der Wildheit steiler Felsenriffe und Eines Schwungs von der Schneeregion
abstürzender Gräte eine so üppige, dunkle und stilvolle Vegetation, als z. B. bei Bauen am Urnersee. - Der Nussbaum hat ganz
die Entfaltung wie im Tessin,
die Felsblöcke sind ganz so zierlich mit der Selaginella bekleidet wie dort, und
die Stechpalme erhebt sich fast als Hochstamm 3 und 4 m über das Geschlinge von Tamus empor, indes die dunkle Blüte des
Alpenveilchens ihre Düfte streut.» Heimat von Alberich Zwissig, dem Komponisten des «Schweizerpsalms»,
dem hier ein Denkstein errichtet worden ist.
450 m. Weiler, über dem rechten Ufer der Baie de Clarens, ^[3+2
Zeilen sind vertauscht.] nahe der Strasse Clarens-Chailly und 700 m n. der Station Clarens der Simplonbahn. 12 Häuser, 77 reform.
Ew. Geschätzter Kurort. Zu verschiedenen Malen sind hier römische Münzen in grosser Zahl gefunden worden.
¶
(Aiguilles de) (Kt. Waadt).
1374, 1520 und 1563 m. Lange Kette des Waadtländer Jura, mit mehreren Gipfeln, steilem SO.-Abfall
und sanft geneigter, mit Tannenwaldungen und Alpweiden geschmückter NW.-Flanke;
sw. Sainte-Croix und nw. des Dorfes Baulmes
gelegen, das ihr den Namen gegeben hat.
Prachtvolle Aussichtspunkte, leicht in 2 Stunden von Sainte-Croix, in 1½ Stunden
von l'Auberson und in 3 Stunden von Baulmes aus zu ersteigen.
Interessante Flora. Am NO.-Ende, über dem Dorf Baulmes, der
Mont de Baulmes mit 1280 m, eine grosse Alpweide mit herrlicher Aussicht.
Orientierungstafel, von der Gemeinnützigen Gesellschaft Sainte-Croix aufgestellt.
Die Aiguilles de Baulmes bilden mit dem s. gegenüber liegenden Mont Suchetein Gewölbe (voussure) sekundärer und tertiärer
Schichten, das in der Mitte durch die Arbeit der Erosion bis zum untern Dogger (mittleren Jura) abgetragen worden
ist. Es treten hier also nach der Faucille (Pays de Gex) zum erstenmale wieder beinahe bis zum Lias hinunterreichende tiefere
Juraschichten zu Tage.
(Kt. Waadt,
Bez. Orbe).
659 m. Gem. und Dorf, an den Hängen des Jura; im O. von den Ketten der Aiguilles de Baulmes und des
Mont Suchet überragt; 9 km w. Yverdon, an der Strasse Orbe-SainteCroix und 7,5 km n. Orbe. Station der Linie Yverdon-SainteCroix.
Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen nach Rances und Orbe. 170 Häuser, 1239 reform. Ew. Ackerbau,
etwas Weinbau, Wiesen und Wälder. ^[Ergänzung: Der Kreis Baulmes umfasst die Gemeinden Abergement, Baulmes, Lignerolles, Rances,
Sergey, Valeyres sous Rances und Vuittebœuf.] Eine grosse Fabrik für Cement und hydraulischen Kalk beutet die mergeligen Kalke
des Thales der Baulmine aus; 2 Gerbereien, 4 Werkstätten für Bearbeitung von Ebenholz, 2 Musikdosenfabriken
und 2 Kistenfabriken. Geschützter und stiller Sommeraufenthalt. Eduard Mabille fand hier 1880-85 beim Ausgraben verschiedener
Tumuli im Bois desTours eine Reihe von interessanten Altertümern. Im Wald über dem Pfarrhaus Ueberreste einer Ansiedelung
der Steinzeit; nahe des Dorfes Funde aus der Bronzezeit; im Dorfe selbst Spuren einer römischen Niederlassung
und römische Inschriften. Bis 1854 war in einem der Turmsockel der Kirche ein Stein aus dem 8. Jahrhundert mit einer Inschrift
burgundischen Ursprungs eingemauert.
Das grosse und reiche Dorf, das ein sehr gut geordnetes Gemeindearchiv sein eigen nennt, ist sehr alten Ursprunges.
Die Königin Ermentraut, Witwe eines Herzogs von Burgund, lies hier 667 ein Kloster, Monasterium Balmense, errichten, das
später durch König Konrad
in ein von der Abtei Payerne abhängiges Priorat umgewandelt und im 13. Jahrhundert aufgehoben
wurde. Später, im 15. Jahrhundert, erlangte Baulmes sehr ausgedehnte Freiheiten, entging der Unterwerfung unter die
Fürsten von Savoyen und erhob sich dank seiner weit bekannten und geschätzten Industrie von Webwaaren zu grosser Blüte.
Die Strasse von Baulmes über die Porte de l'Aiguillon und Les Fours nach Pontarlier wies im Mittelalter und vor dem Bau derjenigen
über Sainte-Croix lebhaften Verkehr auf und trug nicht wenig zur Bedeutung der Ortschaft bei. Der Name
des Dorfes rührt von den zahlreichen Höhlen (Balmes, Baulmes, Balmetta) der benachbarten Aiguilles de Baulmes her, die in
alten Zeiten den Bewohnern der Gegend oft als Zufluchtsstätten gedient haben.
(Kt. Zürich,
Bez. Pfäffikon).
643 m. Gem. und Dorf, im Tössthal, an der Strasse Wetzikon-Turbenthal, 7 km ö. Pfäffikon. Station der
Tössthalbahn; Ausgangspunkt der im Bau begriffenen Linie Bauma-Uerikon. Postbureau, Telegraph, Telephon;
Postwagen nach Bäretswil. Gemeinde, die DörferAltlandenberg, Blitterswil, Gublen, Lipperschwendi und eine grosse Zahl von Weilern
inbegriffen: 591 Häuser, 2757 reform. Ew.; Dorf: 70 Häuser, 473 Ew. Viehzucht; blühende industrielle Tätigkeit. 8 Fabriken: 1 Baumwollspinnerei, 2 Baumwollwebereien
(mit 360 Arbeitern), 2 Seidenwebereien (mit 100 Arbeitern), 1 Stickerei, 1 Mühle und die Reparaturwerkstätten
der Tössthalbahn.
Alte Ansiedelung aus der alamannisch-fränkischen Zeit.