Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03522.jsonl.gz/2449

Die Systematik der asiatischen Wildesel ist noch nicht restlos geklärt. So gehen die einen Forscher davon aus, dass die acht heute über den Kontinent verstreuten, sich unterscheidenden Wildesel-Populationen allesamt Unterarten einer einzigen Art sind, des Equus hemionus; andere wiederum teilen die asiatischen Wildesel in bis zu drei Arten ein, den Equus hemionus, den Equus khur und den Equus kiang.
Auf der Roten Liste der IUCN (International Union for the Conservation of Nature) gelten der persische Onager (E. h. onager) und der turkmenische Kulan (E. h. kulan) als stark vom Aussterben bedroht ("critically endangered“), der indische Khur (E. h. khur) als bedroht ("endangered“), während die restlichen Unterarten, der mongolische Dziggetai (E. h. hemionus), der östliche Kiang (E. h. holdereri), der südliche Kiang (E. h. polyodon) und der westliche Kiang E. h. kiang) als gefährdet ("vulnerable“) eingeschätzt werden.
Der syrische Wildesel (E. h. hemippus) ist bereits ausgestorben.
Die Situation in der Wildbahn
Von den 3 Unterarten des Kiang ist der nordöstliche Kiang (Kiang hemionus holdereri) der häufigste. Dessen Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf die nordöstlichen Hochebenen der Himalaya Region in China.
In der Beurteilung seines Gefährdungsgrades sind sich die Fachleute nicht einig. Die einen stufen ihn als gefährdet ("vulnerable“) ein, die anderen gehen - bei einem Wildbestand von einigen 10000 Tieren - nicht von einer unmittelbaren Gefährdung aus ("lower risk“).
Festzustellen ist allerdings eine zunehmende Zerstückelung der Population bedingt durch den wachsenden Zivilisationsdruck mit einer sich vergrössernden Nachfrage nach Siedlungsraum und Weideland für Mensch und Haustiere.
Die grössten Kiang-Dichten konzentrieren sich demnach auf Naturreservate und auf militärische Sperrgebiete.
Die Zoo-Population
Das erste Kiang-Pärchen wurde 1957 von China nach Riga überführt. Zwischen 1957 und 1990 folgten weitere 12 Tiere aus China in die Zoos von Riga, Moskau, San Diego, München und den Tierpark Berlin. Daraus entstand bis heute ausserhalb Chinas eine Zoo-Population von 124 (47.77) Tieren in 19 Haltungen, alle Kiangs der Unterart Equus hemionus holdereri.
Über die in chinesischen Zoos gehaltenen Kiangs ist nichts Offizielles bekannt.
Erhaltungswert der Art
Asiatische Wildesel sind Überlebenskünstler. Sie besiedeln die unwirtlichsten Randregionen unserer Erde, wo sich die anspruchsvolleren Wildpferde nicht mehr aufhalten können.
Der Kiang hat einen hohen biologischen Erhaltungswert. Er besiedelt alpine Steppengebiete bis hinauf in eine Höhe von 5000 m, wo nur sehr robuste, kälteresistente Gräser wachsen können.
Wie die nötigen physiologischen Adaptationen für das Überleben in solch extremen Gebieten funktionieren, ist Gegenstand von neueren Forschungen und bisher nicht geklärt.
Empfehlungen der EAZA Equid TAG (Taxon Advisory Group)
Die Fachleute gehen heute davon aus, dass es genügt, die Wildpopulation durch den Erhalt ihrer Lebensgrundlage zu stützen. Die Bestände sollen weiterhin überwacht werden.
Kiangs an der Werner Stamm-Stiftung
Das erste Kiang-Paar kam 1992 von Riga in die Gehege der Werner Stamm-Stiftung, zu einem Zeitpunkt, wo deren Status in der Wildbahn noch unklar war und man befürchten musste, dass die Unterart stark gefährdet sei. Es wurde in den folgenden 15 Jahren eine kleine Zuchtgruppe von 2 Stuten und einem Hengst gehalten, von denen 14 Jungtiere - 6 Hengste und 8 Stuten - abstammen.
Da heute die Art als nicht gefährdet eingestuft wird und die Werner Stamm-Stiftung ihre Ressourcen für stark bedrohte Arten einsetzen will, mussten wir uns schweren Herzens von dieser sehr schönen und eleganten Tierart trennen.
Die letzten Tiere wurden im Frühling 2008 in die Réserve africaine de Sigean nach Frankreich transferiert.