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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Reform "Kaufleute 2022" sieht vor, dass nur noch eine Fremdsprache - und und dies ist nicht zwingend eine Landessprache - obligatorisch ist und allenfalls eine zweite auf freiwilliger Basis. Es ist also wahrscheinlich, dass die Wahl zuungunsten der Landessprachen, insbesondere der Minderheitensprachen, mehrheitlich auf Englisch fallen wird. Die Auszubildenden in der italienischsprachigen Schweiz würden dadurch besonders leiden. Sie hätten gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen der Alpennordseite einen klaren Nachteil: Da sie eine Minderheitensprache sprechen und Englisch auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt ist, müssten sie, gehauen oder gestochen, auf den Erwerb einer anderen Landessprache verzichten oder andere Fächer, die für ihr Berufsprofil von Bedeutung sind, weglassen. Die Kenntnis der Landessprachen ist sowohl unter dem institutionellen Aspekt als auch unter dem realen Gesichtspunkt des Arbeitsmarkts im In- und Ausland wichtig. Angesichts dieser Reform bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. In welchem Verhältnis steht diese Reform zu Ziel 7 der Legislaturplanung 2019-2023: "Die Schweiz stärkt den Zusammenhalt der Regionen und fördert die Verständigung der unterschiedlichen Kulturen und Sprachgruppen"? Wie koordinieren sich die Departemente untereinander, um dieses Ziel zu erreichen?</p><p>2. Lässt sich diese Reform vereinbaren mit der Kulturbotschaft 2021-2024, die auf Förderung der Mehrsprachigkeit, Verständigung und Austausch unter den verschiedenen Sprachgemeinschaften und auf Erhaltung der Minderheitensprachen setzt?</p><p>3. Handelt es sich hier nicht um einen weiteren Schritt hin zum Verschwinden der Mehrsprachigkeit in der Schweiz?</p><p>4. In der Reform ist vorgesehen, dass jeder Kanton künftig die an den Berufsschulen angebotenen Sprachen selber festlegen kann. Entsteht dadurch nicht eine fragmentierte und wenig koordinierte Bildungslandschaft, in der die meisten Jugendlichen auf das Englische setzen?</p><p>5. Ist diese Reform wirklich vorteilhaft für den Arbeitsmarkt? Sind die Schweizer KMU nicht stark überregional - oft über die Sprachgrenzen hinweg - vernetzt, und sind deshalb Kenntnisse der anderen Landessprachen nicht eine Notwendigkeit?</p><p>6. Ist es im Sinne des Sprachengesetzes und der Förderung der Mehrsprachigkeit nicht sinnvoll, wenn die Kantone im Lehrplan für angehende Kaufleute eine Landessprache obligatorisch vorsehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat misst der Förderung der Mehrsprachigkeit einen hohen Stellenwert bei. Dazu zählt auch der Unterricht in den Landessprachen in der beruflichen Grundbildung. Zu den Fragen im Zusammenhang mit der Revision der kaufmännischen Grundbildung nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:</p><p>1/2/3) Die Schweizer Berufsbildung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt (OdA). Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eng auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts abgestimmt ist. Entsprechend ist ein Prinzip der Berufsbildung, dass die Definition der Bildungsinhalte und der zu erreichenden Qualifikationen hinsichtlich Arbeitsmarktfähigkeit den OdA obliegt. Die Berufs- und Branchenverbände können am besten beurteilen, welche Kompetenzen (inkl. Sprachkenntnisse) die Lernenden am Ende ihrer Ausbildung erreichen müssen, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. Der Bund fördert gemäss Legislaturplanung und weiteren Grundlagen wie der Kulturbotschaft die Mehrsprachigkeit in der Berufsbildung unter anderem über die Stärkung der Berufsmaturität sowie über die Durchführung von Sprachaustauschen und anderen Mobilitätsaktivitäten, welche von der Agentur Movetia koordiniert werden.</p><p>4/5/6) Aufgrund der Bedeutung und der politischen Sensibilität des Unterrichts in den Landessprachen und der grossen Anzahl Lernenden in der beruflichen Grundbildung Kauffrau/Kaufmann EFZ hatte das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) der Schweizerischen Konferenz der kaufmännischen Ausbildungs- und Prüfungsbranchen (SKKAB) als Trägerschaft vorgeschlagen, dass bei dieser Revision ausnahmsweise die Kantone die Wahl der zweiten Sprache definieren können (vgl. Antwort des Bundesrats auf die Interpellation 20.4071 Giacometti). Die SKKAB ist bereit, diesem Anliegen nachzukommen. Gemäss dieser Variante könnten sich die Lehrvertragsparteien unter Berücksichtigung der vom jeweiligen Kanton angebotenen Möglichkeiten auf eine zweite Sprache einigen. Die Kantone könnten die Wahlmöglichkeit auf die Landessprachen beschränken oder neben den Landessprachen auch Englisch als eine wählbare Sprache anbieten. Dieser föderalistische Kompromiss würde es den Kantonen ermöglichen, eine kohärente Sprachpolitik zu verfolgen. Als zweite Variante steht eine Regelung zur Diskussion, welche den Landessprachen schweizweit Vorrang einräumt. Das SBFI hat Anfang 2021 die Vernehmlassung zur Revision der kaufmännischen Grundbildung mit diesen zwei Varianten eröffnet. Aufgrund der eingehenden Stellungnahmen wird das SBFI nach der Vernehmlassung gemäss Art. 19 Berufsbildungsgesetz (BBG; SR 412.10) und Art. 13 Berufsbildungsverordnung (BBV; SR 412.101) über die definitive Lösung entscheiden.</p>  Antwort des Bundesrates.