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Die Multiflötistin Elisabeth Sulser ist in einer musikalischen Familie in Chur aufgewachsen. Als Musiklehrerin ist sie eng verbunden mit der pädagogischen Fachhochschule in Chur, erhielt den Förderpreis Kanton Graubünden, den Anerkennungspreis der Stadt Chur und den Prix Jeunesse des Eliette von Karajan Kulturfonds. In der Zeit vor dem Konservatorium sei ihr die Musik der Pink Floyd oder Creedence Clearwater Revival näher gestanden, als Barock- oder Renaissancemusik. Allerdings sei die Aufnahmeprüfung für das Konservatorium nicht gerade gut verlaufen, erinnerte sich Elisabeth Sulser, aber man habe gespürt, dass sie Musik machen wolle. So konnte sie in Basel an der Schola Cantorum Basiliens Alte Musik studieren. Danach habe sie als Musiklehrerin für Blockflöte und Klavier gewirkt, so auch in Bremgarten. In diesem Sommer habe sie aber mit dem Unterricht an Musikschulen aufgehört, da sie einfach für sich spielen wollte und meinte mit einem Lächeln: «Ich habe mich in Pension geschickt.» Inzwischen habe sie ihr eigenes Atelier in Bremgarten und gebe Blockflöten-, Dudelsack- und Klavierunterricht und trete als Musikerin in verschiedenen Formationen auf.
«Ich bin stets auf der Suche.»
Elisabeth Sulser
Eine wunderbare Bandbreite
Die Musik aus dem Mittelalter und der Renaissance habe sie ganz cool gefunden, erklärte Elisabeth Sulser, aber es habe sie immer mehr zur traditionellen Musik hingezogen. Damit meine sie die Volksmusik unter anderem aus Irland, Griechenland und der Schweiz. Die traditionelle Musik sei das, was das Volk über Jahrzehnte mitgetragen habe und viele der Stücke seien bis heute mündlich überliefert worden. Natürlich würden Bücher und aufgeschriebene Noten bestehen, aber sie mache viel Musik, die nur mündlich übertragen wurde. Da sie das absolute Musikgehör und ein sehr gutes Erinnerungsvermögen habe, sei ihr dies auch möglich. «Ich spiele an Konzerten gerne ohne Noten. So fühle ich mich freier, kann besser hören und schauen.» Manchmal gehe sie auch an eine «Stubete», nehme die Blockflöte mit und frage den Bassisten, ob er die Melodie kenne und spiele dann einfach drauf los. Höre sie dann einen Klarinettisten spielen, nehme sie die Melodie auf, spiele sie zu Hause und schreibe für ihre Schüler:innen die Noten. Nachgefragt, ob das denn alles so einfach sei, meinte Elisabeth Sulser lächelnd: «Für mich schon und für jüngere Kinder ist die Blockflöte ein sehr gutes Einstieginstrument, denn man lernt relativ schnell Melodien spielen … und Notenlesen ist ja auch nicht schwierig.»
Volksmusik – ein Ausdruck der Bevölkerung
Aus älteren Melodien, die man schon immer spielte, die Zeitepochen überdauerten und sich veränderten, sei stets etwas entstanden und habe sehr viel mit dem Menschen, seiner Ausdrucksweise und seiner Lebensweise zu tun, erklärte sie. In vielen Familien musizierte man nach dem Abendbrot zusammen und gab diese Melodien weiter. «Volksmusik entstand da, wo man gesungen, getanzt und zusammen musiziert hat.» So sei für sie die Klassische Musik wie Barock und Renaissance eher eine Kunstform, während die Volksmusik zur eigenen Freude gespielt werde. Angesprochen auf den Dudelsack, erinnerte sie daran, dass dieser einst in den Kriegszeiten eine Funktion hatte. So habe der extreme Ton des Dudelsacks die Pferde der kriegerischen Reiter abgeschreckt und so in die Flucht geschlagen. Ganz anders sei es mit dem Gemshorn, das eigentlich ein Kuhhorn sei und von einem Kuhhornbauer ausgehöhlt und mit den nötigen Löchern versehen werde. Sie spiele auf einem richtigen Gemshorn und habe auch ein Steinbockhorn, bei dem allerdings noch die Löcher gemacht werden müssen. Das alles ist aber für Elisabeth Sulser der Musik noch nicht genug, denn sie ist seit einiger Zeit daran den Jazz mit seinen Improvisationsmöglichkeiten zu entdecken. Zur grossen Freude der Besucher:innen liess aber Elisabeth Sulser ihre enge Beziehung zur Musik nicht bei Erklärungen stehen, sondern gab auf der Blockflöte einige Kostproben und machte so das Wort auch hörbar.
Richard Wurz
28. September 2023
Bilder: Patrick Honegger
Illustration: Karin Köpfli-Fehlmann
Die Musikerin Elisabeth Sulser wird mit ihren Schüler:innen am Mittelaltermarkt in Bremgarten, 20. bis 22. Oktober, aufspielen.
Der nächste Kafi-Tratsch findet am Samstag, 28. Oktober um 10 Uhr im Foyer des Kellertheaters Bremgarten statt. Eintritt frei – HutKollekte. Reservationen an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Telefon 079 205 92 43. Weitere Informationen unter www.freiamtplus.ch
Illustration: Karin Köpfli-Fehlmann