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Terézia Mora (DE)
Alle Tage
Luchterhand Literaturverlag, 2004
Aus: Terézia Mora. Alle Tage. Luchterhand Literaturverlag, 2004
Nennen wir die Zeit jetzt, nennen wir den Ort hier. Beschreiben wir beides wie folgt.
Eine Stadt, ein östlicherer Bezirk davon. Braune Strassen – leere oder man weiss nicht genau womit gefüllte Lagerräume und vollgestopfte Menschenheime – im Zickzack an der Bahnlinie entlang laufend, in plötzlichen Knicken in Sackgassen an eine Ziegelsteinmauer stossend. Ein Samstagmorgen, seit kurzem Herbst. Kein Park, nur ein winziges, wüstes Dreieck sogenannte Grünfläche, weil etwas übrig geblieben ist am spitzen Zusammenlaufen zweier Gassen, so ein leerer Winkel. Plötzliche Böen frühmorgendlichen Windes – das kommt von der zerklüfteten Strassen-stellung, so ein soziales Gebiss –, rütteln an einer hölzernen Scheibe, einem alten oder nur so aussehenden Kinderspielzeug, das am Rande der Grünfläche steht. Daneben der frei schwebende Tragering eines Mülleimers, der Eimer selbst fehlt. Einzelner Abfall liegt im nahen Gestrüpp, das es in Anfällen von Schüttelfrost loszuwerden versucht, aber es fallen meist nur Blätter: klappernd auf Beton, Sand, Glasscherben, ausgetretenes Grün.
Zwei Frauen und wenig später noch eine, auf dem Weg zu oder von der Arbeit. Schneiden hier die Ecke ab, trampeln über den Trampelpfad, der das Grün in zwei Dreiecke teilt. Eine der Frauen, eine Korpulente, zieht im Vorbeigehen zwei Finger über den Rand der hölzernen Scheibe. Der Scheibenfuss quietscht auf, es hört sich an wie der Schrei eines Vogels, oder vielleicht war es wirklich ein Vogel, einer von den Hunderten, die über den Himmel ziehen. Stare. Die Scheibe dreht sich torkelnd.