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Philosophie - Spiritualismus
Artikel von Ursula Groll erschienen in der Zeitschrift 'Wegbegleiter' Nr. 1/2002, S. 31-33.
Anmerkungen des Erfassers stehen in [ ]-Klammern.
Emanuel Swedenborg (1688 1772)
Wegbereiter und Wegbegleiter für ein Neues Zeitalter
Von Ursula Groll
Der schwedische Naturforscher und Seher ist weltweit einer kleinen geistigen Elite als der grösste Aufklärer und Erleuchtete bekannt. Der grosse Zen-Gelehrte D.T. Suzuki, der ihn als "Buddha des Nordens" bezeichnete, übersetzte sieben Bände ins Japanische. Goethe nannte Swedenborg in seinem Nachruf auf ihn "den gewürdigten Seher unserer Zeiten", und schon Benjamin Franklin und die ersten amerikanischen Präsidenten George Washington und Thomas Jefferson kannten das Werk dieses bei uns kaum bekannten Genies.
So ist denn heute auch die Hochburg der Swedenborgianer in Amerika zu Hause, und nicht etwa wie man erwarten könnte in Schweden. Schon 1784 brachte der Engländer John Glen das wohl populärste Werk Swedenborgs "Himmel und Hölle" nach Philadelphia. Die einzigartige Swedenborg-Community Bryn Athyn, die in einer prachtvollen Parklandschaft vor den Toren Philadelphias liegt , wurde zum grössten und reichsten Swedenborg-Zentrum der Welt. Es wurde von vermögenden und geistig hochstehenden Geschäftsmännern gekauft und systematisch zum geistigen Swedenborg-Zentrum errichtet [ausgebaut]. In Bryn Athyn wird nicht nur die Tradition des Swedenborg'schen Werkes bewahrt, das mit der Sekundärliteratur inzwischen auf über 90'000 Bände umfasst [angewachsen ist] und die moderne Swedenborg-Library beinahe zu sprengen droht. Es gibt dort sogar eine Privat-Universität, an der Studenten aus aller Welt nicht nur in allen wissenschaftlichen Disziplinen ausgebildet werden, sondern auch parallel dazu mit den Lehren Swedenborgs vertraut gemacht werden. Mit dieser wunderbaren Ausbildung von Wissenschaft und Spiritualität kehren sie dann in ihre Heimatländer in der ganzen Welt zurück.
Die unabhängige Swedenborg-Foundation, ebenfalls in Pennsylvania (West-Chester), publiziert und übersetzt Bücher von und über Swedenborg, die von Forschern und Kennern aus der ganzen Welt geschrieben werden.
Ebenso wird in Sydney in einem aus Privatvermögen gestifteten Swedenborg-Zentrum das Werk Swedenborgs geehrt. Seine Schriften kamen schon 1788 mit dem ersten Sträflingsschiff aus England nach Australien, wo sie bis heute vor allem von Naturwissenschaftlern gelehrt und erklärt werden.
In Kapstadt, Südafrika, wächst die Anzahl der Swedenborgianer ständig. Sogar in Ghana ist gerade ein neues Zentrum im Entstehen!
Ursula Groll hat mit ihrem Buch "Emanuel Swedenborg und das Neue Zeitalter", das schon 1993 im Reichl Verlag erschienen ist, eine Einführung in das komplexe Gesamtwerk geschrieben, die dem Leser den Zugang erleichtert und sozusagen eine Gesamtinterpretation gibt.
Worum geht es denn eigentlich in diesem neuerschaffenen Swedenborg'schen Universum? Auf den Punkt gebracht kann man sagen: um den Zusammenhang von Religion und Wissenschaft.
Das Thema Spiritualität und Wissenschaft liegt heute sozusagen in der Luft. Auf einer in ganz Amerika Aufsehen erregenden Konferenz an der Harvard Universität im Oktober 2001, "Science and the Spiritual Quest" (Wissenschaft und die Frage der Spiritualität), versuchten Wissenschaftler aus allen Disziplinen den Zusammenhang herauszuarbeiten. Das Thema wurde zwar mutig angegangen, das Ergebnis war aber noch wenig befriedigend. Das Problem waren weniger die wissenschaftlichen Ergebnisse als vielmehr der Mangel an Spiritualität unter den Wissenschaftlern selbst.
Swedenborg hat in seinem Werk die Ergebnisse der heutigen Wissenschaft, vor allem der Bewusstseinsforschung und der Quantenphysik längst vorausgesehen und aufgezeichnet. Die heutige Wissenschaft bestätigt dies, obwohl sie den Zusammenhang zwischen Materie und Geist nur zögernd anerkennt.
In Amerika erschien das Buch "Emanuel Swedenborg und das Neue Zeitalter" im Oktober 2000 unter dem Titel: "Swedenborg and New Paradigm Science". Man könnte auch sagen: Swedenborg und die Neue Wissenschaft.
In dem Vorwort zur amerikanischen Ausgabe dieser Swedenborg-Studie schreibt David Lorimer, Direktor [des] Scientific and Medical Network, London: "Die beiden Themen, die in dem Buch vorgezeichnet sind, heissen Ganzheit und Morphogenesis. Swedenborgs Bild des Himmels als ein Grossmensch oder Makrokosmos vermittelt ein organisches Verständnis der Beziehung zwischen dem Ganzen und dem Teil. Das menschliche Individuum ist untrennbar mit der gesamten Menschheit verbunden, auch mit jenen, die in der Vergangenheit gelebt haben. Hier eines der treffenden Zitate des Buches, das diese Tatsache bestätigen sollen: 'Dieses aus kleinsten Teilen zusammengesetzte Allumfassende ist ein derart zusammenhängendes einheitliches Werk, dass kein einziger Punkt berührt und erregt werden kann, ohne dass sich die Empfindung auf alle übrigen Teile übertrüge.' Dieser Satz repräsentiert exakt die Nichtlokalität der modernen Quantenphysik oder die totale Vernetzung: falls verbundene Partikel im Raum getrennt sind und der Spin von einem der beiden verändert wird, verändert sich der Spin des anderen Partikels gleichzeitig, wie gross auch immer die Distanz sein mag. Swedenborg erweist sich schon als Holist, bevor der Begriff überhaupt geprägt war".
Aber Swedenborg hat nicht nur ein ganzheitliches naturwissenschaftliches Bild gezeichnet. Er hat im Zusammenhang damit auch den inneren Sinn der Bibel erklärt, die immer nur fundamentalistisch, das heisst, buchstäblich und damit nicht einmal nur annähernd verstanden werden kann. Als Grundlage dient die Auslegung der Genesis, deren sieben Schöpfungstage die symbolische spirituelle Entwicklung der Menschheit darstellen. Durch die Entfaltung des Göttlichen Urbildes, das in der Seele eines jeden Menschen verborgen ist, wird er zum Bild Gottes, welches das hohe und einzig erstrebenswerte Ziel des Menschseins ist.
Swedenborgs wissenschaftlicher Weg ging von der Erforschung des Weltalls und dem Anfang des Lebens über die Untersuchung des Sternenhimmels und den Ursprung der Planeten, von der Flugmaschine bis zum Bergbau, bis hin zur Beschreibung von Molekülen, Atomen und subatomaren Teilchen. Er führte ihn immer mehr vom Grossen zum Kleinen von aussen nach innen, bis er in seiner eigenen Seele den Spiegel des Universums, die Wohnung des Göttlichen als Quelle der Wahrheit entdeckte.
Dennoch ist der Zugang zu dem umfangreichen Werk Swedenborgs für viele spirituell Suchende immer noch ein geistiges Wagnis, auf das man sich schon wegen seiner inhaltlichen Fülle nicht gerne einlässt. Sobald man sich aber auf das Abenteuer Swedenborg einlässt, so ist es grösser als jede materielle Schatzsuche es je gewesen ist. Als kleine Kostprobe mag diese berühmte Stelle aus "Die Göttliche Liebe und Weisheit" dienen: "Das Eigentliche der Liebe ist nicht, sich selbst lieben, sondern andere lieben und mit diesen durch Liebe verbunden werden. Das Eigentliche der Liebe ist, auch von andern geliebt werden: denn so entsteht die Verbindung, ja selbst ihr Leben, welches genannt wird ihr Angenehmes, Reizendes, Liebliches, Süsses, Seliges, ihre Wonne und ihr Glück".
[ Anmerkung des Erfassers: Ich habe einige wenige stilistische Verbesserungen vorgenommen, die den Inhalt nicht verändern. ]
Abbildungen
[ Die Bilder sind technisch nicht in bester Qualität wiedergegeben, da sie dem Heft entnommen wurden. ]
Bild 1: Emanuel Swedenborg (1688-1772)
Bild 2: Titelseite von Swedenborgs "PRINCIPIA RERUM NATURALIUM..."
Bild 3: Handschrift aus Swedenborgs Notizbuch
Bild 4: Abb. aus PRINCIPIA: Entstehung der Sonnenwirbel
Bild 5: Vignette von den Einbandrückseiten der theol. Werke Swedenborgs (19. Jh.)
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"Letzte Änderung dieser Seite am 10. Juni 2014"