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«Palace A Go Go», «Lolitas Pattaya» oder «Taboo Club» heissen Bars in der thailändischen Stadt Pattaya. Hier sassen vor Corona-Zeiten Freier und Prostituierte Schenkel an Schenkel. Nun sind beide aus dem Stadtbild verschwunden, die Bars sind geschlossen.
Pattaya ohne Prostituierte – das sei wie Kentucky Fried Chicken ohne fritierte Hähnchen, sagt Ann über Wahtsapp. Die 33-jährige, transsexuelle Thailänderin arbeitet als Prostituierte in Pattaya. Ihren letzten Kunden traf sie, als Social Distancing noch niemandem ein Begriff war.
300'000 arbeitslose Prostituierte
Seither habe sich ihr Leben stark verändert: «In der ersten Woche, als wir vom Virus hörten, hatte ich noch drei Kunden, in der Woche darauf noch zwei. Jetzt sind alle weg.» Umgerechnet 60 Franken für ihre Dienste plus 15 Franken für den Barbesitzer verrechnet Ann ihren Kunden. Doch ohne Freier kein Einkommen.
So wie Ann gehe es den meisten der ungefähr 300'000 Prostituierten im Land, sagt Thanta Laovilawanyakul. Die ehemalige Prostituierte aus der nordthailändischen Stadt Chiang Mai arbeitet für Empower. Die Stiftung setzt sich seit Jahren für die Legalisierung von Prostitution und für die Rechte der Prostituierten ein.
Sexarbeit ist in Thailand zwar so allgegenwärtig wie Klebreis mit Mango. Doch laut Gesetz ist sie verboten. Das bedeutet, dass die Prostituierten keine Rechte hätten und jetzt auch keine Unterstützung von der Regierung bekämen, sagt Laovilawanyakul.
Eigentlich nicht legal – aber wichtig für die Wirtschaft
Prostituierte locken viele Touristen ins Land und die bringen viel Geld. Trotzdem werden Prostituierte von der Regierung nicht als legale Arbeiterinnen und Arbeiter anerkannt, weil das Geschäft als unmoralisch gilt. Die meisten Prostituierten haben Kinder und Eltern, die sie mit ihrem Gehalt unterstützen. Jetzt aber sind fast alle zu Hause und verdienen nichts. Das ist ein riesiges Problem.
Die meisten thailändischen Prostituierten kommen aus dem armen Norden und Nordosten des Landes – auch die Transsexuelle Ann. Sie arbeitete früher in einer Fabrik, träumte davon, Tänzerin zu werden und versuchte dann ihr Glück in einer Bar. Einige ihrer Kolleginnen und Kollegen seien inzwischen in ihre Dörfer zurückgekehrt, wo sie nicht wie in der Stadt teure Miete zahlen müssten.
Doch Ann blieb in Pattaya. Wenn sie nach Hause ginge, müsste sie zuerst zwei Wochen in Quarantäne. Ausserdem würden die Leute Fragen stellen. «Bald wüssten alle, dass ich in Pattaya war und dann beginnen alle zu tratschen.» Die Dörflerinnen und Dörfler dächten, dass alle, die aus den Städten kommen, infiziert sind und ganz sicher die, die mit Ausländern in Kontakt waren.
Hoffen auf die Zeiten nach Corona
Manche Prostituierte versuchen ihre Dienste nun online anzubieten. Nicht so Ann. Sie getraut sich nicht – nicht nur aus Angst vor dem Virus, sondern weil man nie wisse, ob die Person vertrauenswürdig sei, sagt sie. Nebst den finanziellen Sorgen, plagt Ann inzwischen auch die Langweile.
Nachts herrscht Ausgangssperre, Alkohol darf nicht mehr verkauft werden und selbst der Strand von Pattaya ist geschlossen. «Wir müssen uns nun alle gegenseitig helfen und voneinander wegbleiben. Wenn das Virus besiegt ist, müssen wir der Welt mitteilen, dass das normale Leben nach Pattaya zurückgekehrt ist», sagt sie hoffnungsvoll.