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Herrliberger 18e
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Dem östlich von Bubikon gelegenen Ritterhaus fehlen die wesentlichen Merkmale eines Wehrbaus. Es ist die einzige Niederlassung der Johanniter in der Schweiz, die in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten blieb.
Als zu Beginn unseres Jahrhunderts Ritter aus dem ganzen Abendland aufbrachten, um in mehreren Kreuzzügen den Mohammedanern die heiligen Stätten des Christentums zu entreissen, erwarb sich das Johannes-Spital in Jerusalem grosse Verdienste um die Pflege der Kranken und Verletzten. Kurz nach dem ersten Kreuzzug (1095-1099) gründete der Vorsteher dieses Spitals den Johanniterorden mit dem Ziel, Pilger zu pflegen. Als weitere Aufgabe kam bald auch der Kampf gegen den Islam dazu. Der Nachfolger des Ordensgründers teilte die Mitglieder in drei Klassen auf, nämlich in adlige Ritter, die vor allem den Waffendienst zu leisten hatten, in Priester, die sich der Seelsorge und der Pflege der Pilger widmen sollten, und in dienende Brüder, denen der Krankendienst oblag. Die hab geistliche und halb weltliche Tätigkeit schaffte einen entscheidenden Unterschied zu den Mönchsorden, mit denen die Johanniter nie verglichen werden wollten. Das Ansehen des Ritterordens war so gross, dass er reiche Vergabungen erhielt und seine Tätigkeit bald auf die Pilgerwege im Abendland ausdehnte. Nach ersten Niederlassungen in Buchsee (Münchenbuchsee BE) und Hohenrain (LU) gründeten die Johanniter auch in Bubikon eine Kommende, d.h. ein Ordenshaus. Das Stifterbild von etwa 1220 über dem Chorbogen der Kapelle gibt darüber Auskunft. Auf der linken Seite übergeben Rudolf von Rapperswil und seine Gattin der Madonna einen Zweig mit Äpfeln und einen Baum, Symbole für Baumgarten und Wald. Auf der rechten Seite steht Graf Diethelm I von Toggenburg mit seiner Gattin Guta von Rapperswil und seinen beiden Söhnen vor Johannes dem Täufer. Der Graf übergibt ihm zwei Balken und das Bild eines Mäuerchens, womit die Stiftung des Hauses angedeutet ist. Ein Spruchband nennt das Jahr 1192. vermutlich hatte Diethelm am dritten Kreuzzug (1189 1192) teilgenommen und dabei das segensreiche Wirken der Johanniter kennen gelernt. Aus der Stiftungsurkunde geht hervor, dass an dieser Stelle seit kurzem eine Kirche stand. Die Ordensgemeinschaft stockte die Kapelle auf es ist das Gebäude in der Nordostecke der Anlage und schuf so ein erstes Bruderhaus. In ihm wurden nach den Vorschriften des Ordens ein gemeinsamer Essraum, ein Schlafsaal und mindestens ein Raum zur Beherbergung der Kranken eingerichtet. Mit Pilgern, die ins Heilige Land zogen, war wegen der abseitigen Lage Bubikons allerdings nicht zu rechnen. In die Anfangszeit der Kommende fällt auch die heutige Kapelle, die damals noch einen kleinen Chor besass, der später bis auf eine Tür zugemauert wurde.
Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts scheint besonders Graf Heinrich von Toggenburg, der damals als Komtur der Kommende vorstand, weitere bauten errichtet zu haben. Dazu gehörte das zweigeschossige, freistehende Komturhaus südlich der Kapelle. Hugo I von Werdenberg schloss zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Gebäude zu einem Komplex zusammen, indem er die Kapelle mit einer Vorhalle versah und die Lücken zwischen Kapelle und Bruderhaus sowie zwischen Komturhaus und Kapelle schloss. Dieser zweite Verbindungsbau bot mit seiner offenen Eingangshalle einen wettergeschützten Sattelplatz und enthielt im Obergeschoss wohl die Wohnung für den Schaffner, den Stellvertreter des Komturs. Gleichzeitig wurde das Bruderhaus, das bereits einmal nach Osten erweitert worden war, auch nach Westenverlängert und im Innern umgestaltet.
Eine letzte grosse Bauperiode leitete der Komtur Graf Hugo von Montfort in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein, als er zum Grosskomtur, das heisst zum Vorsteher über alle Kommenden in deutschen Landen, gewählt worden war. Er liess südlich der bestehenden Anlage das so genannte Vorratshaus als freistehenden Bau mit Keller, Kornschütte (Getreidelager) und im zweiten Obergeschoss einem Festsaal errichten. Wenig später fügte man zwischen Vorratshaus und Komturhaus ein neues, dreigeschossiges Bruderhaus ein. Sicher waren zu dieser Zeit auch bereits kleinere Bauten wie Bade-, Wasch- und Backhaus sowie umfangreiche Wirtschaftsgebäude und Stallungen vorhanden. Wahrscheinlich entstand erst jetzt eine Umfassungsmauer mit Toreingang und zwei Türmen. Sie trug keine wehrhaften Züge, sondern diente vor allem der Einfriedung der ganzen Anlage.
Nach den Wirren der Reformationszeit wollte der Grosskomtur Schwalbach offenbar mit einer wohnlichen Ausstattung die vergangene Blütezeit nochmals heraufbeschwören. Er erhöhte um 1570 das Komturhaus und die Schaffnerei und verlängerte vermutlich die Nordflanke um das so genannte Neuhaus. Seine Hoffnungen erfüllten sich nicht. Es folgten Jahre des Zerfalls, die sich wohl am deutlichsten im Einrichten eines Schweinestalls in der Kapelle und im Abbruch des spätgotischen Chors aus dem Ende des 15. Jahrhunderts widerspiegeln. Die Steine wurden zusammen mit vielen Grabplatten verstorbener Adliger für den Bau einer Baumwollspinnerei verwendet. In verdienstvoller Arbeit nahm sich die Ritterhausgesellschaft seit 1936 der bauten an und richtete ein Johannitermuseum ein.
Das hohe Ansehen, das die Komturei Bubikon genoss, zeigt sich vor allem darin, dass ihr Vertreter aus den hochadligen Häusern Toggenburg, Werdenberg, Nellenburg und Montfort vorstanden. Dank unzähliger Schenkungen und Käufe, wozu etwa der Kirchensatz zu Bubikon, Wald, Hinwil, Wangen und Buchs (ZH) zählte, verfügte sich über ansehnlichen Besitz. 1287 erfolgte der Ankauf der Burg Wädenswil, auf der im Jahr 1300 eine Tochterkommende eingerichtet wurde, die bald Selbständigkeit erlangte. Auch bei der Gründung der Kommenden Leuggern und Küsnacht wirkte Bubikon mit.
Unterdessen hatte der Johanniterorden ein wechselhaftes Schicksal erlebt. 1291 war der letzte Stützpunkt im heiligen Land gefallen, worauf der Orden Rhodos zum festen Stützpunkt ausbaute. Noch immer leisteten Ordensritter, besonders spätere Komturen, zeitweilig Ritterdienst am Ordenssitz, und die Kommenden hatten die nötigen Geldmittel beizusteuern. Der Orden war in acht Provinzen (Zungen) gegliedert. Als 1428 eine Ordensversammlung auf Rhodos das Oberhaupt der deutschen Zunge in den Stand eines Grosskomturs mit Sitz in Heitersheim (Breisgau) erhob, bekleidete der Komtur von Bubikon, Graf Hugo II von Montfort, als erster dieses Amt. Bis zur Abdankung des Grosskomturs in Deutschland im Jahr 1806 verband sich dieses Amt fortan mit jenem eines Komturs von Bubikon und bis zum Verkauf im Jahr 1549 auch von Wädenswil. Diese Verknüpfung sicherte der Kommende das Überleben während der Reformationszeit. In der Komturei lebten allerdings ausser Knechten und Mägden nur noch der zum neuen Glauben übergetretene Pfarrer der Kirche Bubikon als erster der Chronist Johannes Stumpf und der reformierte Schaffner. Als ertragreicher Gutsbetrieb wurde Bubikon erst 1789 vom Orden aufgegeben.
Der Orden selbst hatte nach dem Verlust von Rhodos im Jahr 1522 Malta zugewiesen erhalten.
Weitere Informationen: Die Schweizer Johanniter
Bibliographie