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Welch schöner Titel. In seinem erstmals 1990 publizierten Buch «Die Anarchie der Stille» hat der Schweizer Philosoph Hans Saner zwei Begriffe rehabilitiert, die sonst eher schnöde behandelt werden. Und er hat sie unverhofft in produktiver Reibung zusammengebracht.
Saner hat lange Jahre mit gediegenen philosophischen Werken wie durch aktives politisches Engagement als öffentlicher Denker gewirkt. Zum 80. Geburtstag im Dezember ist «Die Anarchie der Stille» im hübschen Westentaschenformat neu aufgelegt worden. Der vorliegende Band besteht aus Aphorismen bis hin zu mehrseitigen essayistischen Betrachtungen. Der Aphorismus ist eine heikle Form, die ein Gleichgewicht zwischen Allgemeinem und Konkretem halten muss, wenn sie sich nicht in wohlfeiler Abstraktion verlieren soll. Auch Saner ist nicht ganz gefeit gegen schön gedrechselte Kalauer.
Zumeist aber ist das glänzend und funkelnd. Bestimmte Themenfelder ziehen sich durch: Religion, Erziehung, Philosophie, auch Kultur. So werden einzelne SchriftstellerInnen prägnant in einen Satz verpackt. Und verstreut finden sich Überlegungen zur Demokratie. Saner erkundet Nachbarschaften und Abgrenzungen, etwa gegenüber dem Liberalismus: «Der Liberalismus verteidigt sich, die Demokratie entwickelt sich.» Aber auch die direkte Demokratie bekommt ihre Spitze ab: In ihr denken, so Saner, die da unten, wie wenn sie das, was die da oben haben, auch kriegen könnten. So lebt der naive Demokrat «wählend und stimmend seine Träume so aus, dass er deren Erfüllung verhindert». Kurzum: «Die direkte Demokratie hat durch die Illusionsanfälligkeit ihrer BürgerInnen ihren Sinn verloren.» Was richtig ist, aber kein Trost.
Saner beginnt sein Buch mit einer Kritik an Pier Paolo Pasolini, die sich verallgemeinern lässt: «Eine Schwäche Pasolinis: die Opposition aus Prinzip.» Und er endet mit einer Differenzierung des radikalen Denkens, das, wenn es programmatisch oder apokalyptisch daherkommt, verderblich werde, dagegen als erweckendes Denken zum Aufbruch und als kassandrisches zur Umkehr mahne. Zur Radikalität gehört auch eine Eleganz des Schreibens und Denkens. Saner besitzt beides.