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In seinem neuen Dokumentarfilm «Spartiates» porträtiert Nicolas Wadimoff einen Kampfsportlehrer in einem Problemquartier von Marseille.
Der Genfer Nicolas Wadimoff ist ein Vielfilmer, der mit Spiel- und Dokumentarfilmen gleichermassen erfolgreich ist: Sein Dokumentarfilm «Aisheen (Still Alive in Gaza)» war 2011 für den Schweizer Filmpreis nominiert, im Jahr darauf lief sein Spielfilm «Opération Libertad» am Filmfestival in Cannes, und nach dem TV-Dokumentarfilm «Chasseurs des Crimes» (2014) ist er jetzt in Solothurn mit einem neuen Kinodokumentarfilm vertreten.
In «Spartiates» taucht Wadimoff in die Welt der Mixed Martial Arts (MMA) ein, einer Vollkontaktsportart, die Elemente aus Boxen, Ringen und Karate verbindet. Er porträtiert den 25-jährigen Yvan Sorel aus Marseille-Nord, einen regionalen MMA-Champion mit algerischen Wurzeln. Neben seiner Wettkampftätigkeit betreibt Sorel seinen Klub namens Team Sorel, wo er Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene trainiert – in einem Quartier mit einer Jugendarbeitslosigkeit von weit über fünfzig Prozent. Die Zustände um die Drogenbanden, die sich hier mit Waffen bekämpfen, erinnern eher an die Favelas brasilianischer Grossstädte als an Mitteleuropa.
Es ist eine extrem raue Welt, in der einem einiges befremdlich vorkommt. Etwa wenn Sorel in einer Trainingsszene seine jugendlichen Schützlinge plötzlich anbrüllt: «Glaubt ihr, dass ihr beim nächsten Wettkampf gegen Gartenzwerge kämpfen werdet?» Und wie um diese Frage zu bekräftigen, beginnt er, einem nach dem andern die Faust mit voller Wucht in den Bauch zu schlagen. Auch die drei Frauen im Team Sorel werden nicht verschont.
Das mag schockieren, doch Wadimoff liegt es fern, über seinen Protagonisten zu urteilen. Denn so, wie man Yvan Sorel bei seinem exzessiven Abhärtungsdrill erlebt, sieht man ihn einige Szenen später beim Training mit den Kleinsten. Sie müssen einen Kreis bilden, sich umarmen, und er ruft ihnen die Grundsätze seiner Kampfsportschule in Erinnerung: respect, fidélité, unité, persévérance – victoire. Auch diese Sprache wird in der Welt von Marseille-Nord verstanden.
«Spartiates» in Solothurn, Reithalle, Fr, 23. Januar 2015, 17.45 Uhr, und im Landhaus, Di, 27. Januar 2015, 9.30 Uhr.