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Hochgeachteter Herr!
Indem ich Ihnen die Mittheilungen, die Sie mir letzten Donnerstag nach Olten zu adressiren die Güte hatten, bestens verdanke, befreue ich mich, Ihnen zur Kenntniß bringen zu können, daß die Verhandlungen betr. die neue Conzession für die Bötzbergbahn zu einer gänzlichen Einigung geführt haben. Ich zweifle nicht daran, daß dieses Ergebniß namentlich auch der Einwirkung zuzuschreiben ist, welche Sie letzten Mittwoch in Aarau eintreten zu lassen Veranlassung genommen haben.
Offenbar wird gegenwärtig in Italien sehr gegen den Gotthard intriguirt & es | scheint, daß namentlich Mailand als Operationsfeld gewählt wird. Auf die Anfrage, die ich schon vor ziemlich geraumer Zeit an Maraini zu Handen Correnti's richtete, ob nicht von dem Gotthardausschusse Schritte in Mailand geschehen sollten, um diesem Treiben entgegenzuwirken, habe ich bis zur Stunde keine Antwort erhalten. Hrn. Feer-Herzog, den ich bat, sich dießfalls an den Sindaco von Mailand, Belinzaghi, wenden zu wollen, kam in diesen Tagen die beiliegende Erwiederung zu. Hrn. Koller hatte ich veranlaßt, sich bei H. Ingr Bianchi in Mailand nach dem neuen Splügenprojecte, welches in neuerer Zeit wie ein geheimnisvolles Gespenst im Finstern herumspuckte, zu erkundigen. Die vorgestern eingetroffene Antwort Bianchi's, welcher sonst als Gotthard freund gilt, wenn er auch von dem Provin| zialrath von Mailand in ein Splügencomité gewählt wurde, kam mir verdächtig vor & ich habe deshalb noch am gleichen Tage ein Schreiben an Correnti gerichtet, von dem ich diesen Zeilen eine Abschrift beilege, um deren gef. Rücksendung ich Sie bitte. Sie sehen, daß ich es an mir gewiß nicht fehlen lasse. Nichtsdestoweniger bin ich wegen der Situation in Italien besorgt. Sie haben wohl mit Melegari über dieselbe Rücksprache genommen. Es würde mich sehr interessiren zu vernehmen, wie er die Sache ansieht.
Wird die Conferenz wegen der Betheiligung der Aargauischen Bahnen an der Gotthardsubvention der Eisenbahngesellschaften bald veranstaltet werden?
Diesen Augenblick erhalte ich die Weisung der hiesigen Regierung an den Cantonsrath betr. die Gotthardsubvention. Man sieht | dem von Scherer verfaßten Actenstücke von vorn bis hinten an, wie ungern die Regierung den Antrag auf Subventionirung des Gotthard stellt. Es wird in der Weisung auch gesagt, daß der Ctn. Zürich für einen östlichen Alpenübergang mindestens so viel beitragen müsse, wie für die Gotthardbahn!
Die deutsche Finanz ist, seit wir uns gesehen, mäuschenstille geblieben, obgleich ich gestern ein sehr dringendes Telegramm an v. Sybel gerichtet habe.
In vorzüglicher Hochschätzung
Ihr ergebene
Dr A Escher
Zürich
19 Febrr 1870.