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zur Kerzenfabrikation verwandt wird, durch Ausgiessen in Platten geformt. Es stellt eine weisse, durchscheinende, mehr oder weniger geruchlose Masse dar, die eigenthümlich schlüpfrig, fettig anzufühlen und bei mittlerer Temperatur gewöhnlich etwas biegsam ist. Absolut reines Paraffin, wie man es durch Umkrystallisiren aus siedendem Alkohol erhalten kann, ist vollständig geruch- und geschmacklos. Es ist unlöslich in Wasser, schwer löslich in siedendem Alkohol, leicht in Aether, Benzin Schwefelkohlenstoff und fetten Oelen. Von Säuren und Alkalien wird es nicht angegriffen; dieser Eigenschaft verdankt es seinen Namen, entstanden aus parum affinis, d. h. ohne Verwandtschaft. Sein Schmelzpunkt liegt zwischen 45°-66°; sein Siedepunkt bei 300°; jedoch verflüchtigt es sich schon von 150° an. Es besteht nicht aus einem einzelnen, sondern aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen einer homologen Reihe, deren Siedepunkt um so höher ist, jemehr Kohlenstoffatome sie enthalten.
Anwendung. Ausser zur Kerzenfabrikation hier und da als Zusatz zu Salben und Ceraten, dann aber auch zur Darstellung des Paraffinpapieres, welches das früher gebräuchliche Wachspapier ganz verdrängt hat. Für Säuren und Laugenflaschen kann man sich durch Ausgiessen in geeignete Formen gute, haltbare Stopfen aus demselben herstellen, oder man tränkt Korkstopfen durch längeres Eintauchen in geschmolzenes Paraffin, um dieselben haltbar zu machen. Sehr praktisch sind derartig paraffinirte Korken auch für Lack- und Firnissflaschen; die Paraffinirung verhindert das Ankleben derselben.
Ceresin (Ozokerit, Belmontin, Paraffinum solidum) Erdwachs. In verschiedenen Gegenden, in der Nähe von Petroleumquellen, findet sich theils in den Spalten des Gesteins, theils in ganzen, bis zu 1 m dicken Schichten, ein eigenthümlicher Stoff, den man mit Erdwachs oder Ozokerit bezeichnet. Die hauptsächlichsten Fundorte sind Galizien, Ungarn, Baku am kaspischen Meere, die Staaten Utah und Arizona in Nordamerika. Für den deutschen Bedarf sind die galizischen Lager, an den Abhängen der Karpathen, die wichtigsten; hier wird der Ozokerit bergmännisch gewonnen und weiter verarbeitet. Er wird zu diesem Zweck gewöhnlich zuerst durch Umschmelzen von den groben Beimengungen befreit und dann einer Destillation unterworfen.
Hierbei verbleiben in der Retorte 10-15 % eines coaksartigen Rückstandes, und ca. 75 % paraffinhaltiges Oel destillirt über; aus diesem gewinnt man das feste Ceresin durch Auskrystallisiren in der Kälte. Die weitere Behandlung geschieht in derselben Weise wie beim Paraffin, nur wird es gewöhnlich noch mit Blutkohle behandelt, um die letzten Spuren von Geruch und Farbe zu entfernen. Die Ausbeute an reinem Ceresin beträgt ca. 25% des Rohmaterials. Es ist weissgelblich, völlig geruchlos, von fein körnigem Bruch, in seinem Aeussern und sonstigem Verhalten dem weissen Bienenwachs sehr ähnlich. Sein Schmelzpunkt liegt zwischen 74-80°. Das Ceresin des Handels, wie es namentlich zur Kerzenfabrikation verwandt wird, ist fast ¶
immer mit Japanwachs versetzt und die gelben Sorten durch Kurkuma gelb gefärbt.
Prüfung. Für den medizinischen Bedarf, d. h. zur Darstellung von Vaselinum album oder Unguentum Paraffini, muss es auf seine Reinheit geprüft werden. Beim Kochen mit Natriumcarbonatlösung darf es an diese nichts Lösliches abgeben, ebenso mit Schwefelsäure auf 100° erhitzt, sich nicht verändern und die Säure höchstens schwach bräunen.
Die zuletzt besprochenen schweren Kohlenwasserstoffe, vom Vulkanöl bis zum Ceresin, werden vielfach Mineralfette genannt, sie haben jedoch mit den wirklichen Fetten höchstens einige physikalische Eigenschaften gemeinsam; chemisch dagegen sind sie gänzlich von den Fetten verschieden, sind, wie schon gesagt, einfache Kohlenwasserstoffe, ohne jegliche Säure, daher nicht verseifbar.
Nitrobenzol siehe Ol. amygdal. am. Seite 271.
Amidobenzol (Anilin) siehe «Anilinfarben».
Antifebrín, Acétanilid. **
C6H5NH . CH3CO .
Das Antifebrin gehört zu den neuerdings in grosser Anzahl hergestellten Mitteln, welche dazu dienen sollen die Temperatur des Blutes bei Fiebern herabzumindern. Es ist also gleich dem Chinin ein sog. Antipyreticum. Seine Darstellung geschieht in der Weise, dass man 100 Th. toluolfreies Anilin mit 100 Th. Acid. acetic. glaciale in einem Gefäss mit Rücklauf-Vorrichtung 2 Tage lang im Sieden erhält. Später wird durch fraktionirte Destillation zuerst die freie Essigsäure und das Wasser entfernt dann das Acetanilid überdestillirt und das erhaltene Rohprodukt durch ein- oder mehrmaliges Umkrystallisiren aus siedendem Wasser gereinigt. Es stellt farb- und geruchlose, seidenglänzende Blättchen dar, Geschmack leicht brennend, löslich in ca. 200 Th. kaltem und 18 Th. siedendem Wasser, leicht löslich in Aether und Chloroform, sowie in 3 ½ Th. Alkohol. Schmelzpunkt 113°, Siedepunkt 295°. Es darf feuchtes blaues Lakmuspapier nicht röthen.
Anwendung. In kleinen Gaben bis zu 1 g als fieberherabsetzendes Mittel, ferner bei rheumatischen Leiden etc.
Phenacetínum, Acétphenetidín. **
Eine dem Acetanilid oder Antifebrin verwandte und ähnlich zusammengesetzte Substanz, welche als kräftiges fieberminderndes Mittel empfohlen wurde. Es sollen ihm die bei dem Antifebrin oftmals auftretenden unangenehmen Nebenwirkungen fehlen. Weisses krystallinisches Pulver, geruchlos und fast ohne Geschmack. Löslich in 70 Th. siedendem und ¶