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Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 3. November 2022
Der Zolliker Thierry Cagianut hat mit «Mother Teresa & Me» von Kamal Musale einen Kinofilm zum Thema Verlassensein und Sehnsucht nach Liebe produziert.
Im Interview erzählt der Anwalt und Filmproduzent über seine Leidenschaft für das Kino und den Glauben an eine bessere Welt.
Ich hatte schon immer eine grosse Leidenschaft für das Kino. Nach meiner Zulassung als Anwalt wollte ich herausfinden, ob es eine Tätigkeit gibt, mit der ich diese Leidenschaft ausleben kann. Also bin ich nach New York und habe mich bei Produktionsfirmen beworben und ihnen gesagt, dass ich ihre Verträge aushandeln oder auch den Kaffee machen kann, und dass ich auch sechs Monate gratis arbeiten würde. Ich hatte zwar keine Beziehungen, aber die Amerikaner geben einem schnell eine Chance. Hal Hartley, der in den frühen 90er-Jahren mit Jim Jarmusch einer der Stars des Independent Cinemas war, hat mich angestellt. So habe ich die Filmproduktion von der Pike auf gelernt. Mit ihm habe ich unter anderem «Henry Fool» gemacht, der von der Jury in Cannes mit Martin Scorsese als Präsident mit dem Preis «Bestes Drehbuch» ausgezeichnet wurde.
Manche fanden meinen Schritt mutig und spannend. Andere dachten einfach nur, dass ich spinne. Aber ich habe in den 14 Jahren, die ich dort war, tolle Produktionen begleiten können – so zum Beispiel «OPA!» von Udayan Prasad oder auch «The Book of Life» von Hal Hartley. Dann habe ich meine Frau kennengelernt und parallel kam die Finanzkrise. Diese wirkte sich natürlich auch auf die Filmbranche aus und so ging ich zurück in die Schweiz. Seit sieben Jahren leben wir in Zollikon, wo wir sehr glücklich sind.
Die Idee zum Film kam von Richard und Jacqueline Fritschi-Cornaz, die mich als Produzenten an Bord geholt haben. Die Vision war, den Film über Spenden zu finanzieren und die ganzen Erträge den Armen zu geben. Es wäre überhaupt nicht im Sinne von Mutter Teresa gewesen, wenn sich irgend jemand durch den Film bereichern würde. So wurde die Stiftung im Jahr 2010 anlässlich des 100. Geburtstags von Mutter Teresa gegründet. Unser Ziel ist es, das Leiden von Armen, Verlassenen, Kranken und Sterbenden zu lindern und den Gesundheits- und Bildungsstandard von Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt zu verbessern. Somit ist es in Zukunft Aufgabe der Stiftung, die Einnahmen durch den Film sinnvoll einzusetzen. Unsere Message ist, dass jeder seinen Beitrag für eine etwas bessere Welt leisten kann – und sei es, dass er für die alte Nachbarin bei der Migros einkaufen geht. Mutter Teresa nannte dies «Love in Action». Wir sind allen unseren Spendern dankbar, auch Zollikern und Zolllikerinnen, dass sie unsere Vision mitgetragen haben.
Absolut die Premiere. Dann wird der Film zum Leben erweckt. Dann zeigt sich bei der Reaktion des Publikums, ob sich die Arbeit vieler Jahre gelohnt hat. Das ist der aufregendste Moment überhaupt.
Natürlich. Wir haben an drei verschiedenen Orten – in Mumbai, Kalkutta und London – gedreht und wussten während des Lockdowns oft nicht, wann wir wo weiterdrehen konnten. Unser Regisseur Kamal Musale, die Schauspieler und die Crew haben da Unglaubliches geleistet. In den Studios in Mumbai haben wir die Slums der 50er-Jahre nachgestellt, die noch ganz anders aussahen als die heutigen Slums. Der Film ist damit auch eine wundervolle Zeitreise.
Regierungsrat Mario Fehr sagte bei der Premiere, der Film würde niemanden unverändert lassen. Es geht um zwei Frauen, die sich beide zutiefst verlassen fühlen und die tapfer nach Antworten suchen. Dies zwingt sie, in die Tiefe zu gehen und sich Fragen über das Menschsein und das Leben zu stellen. Kavita, eine junge Engländerin mit indischen Wurzeln, wird inspiriert von Mutter Teresas Erlebnissen, als sie erfährt, dass diese in einer ähnlichen Krise war. Durch ihre Begegnung mit Mutter Teresa entdeckt Kavita echte Liebe und Empathie. Wir erfahren auch über die Glaubenskrise von Mutter Teresa, mit Bravour gespielt von Jacqueline Fritschi-Cornaz, und entdecken die Frau hinter der Heiligen.
Zurzeit nicht. Ich arbeite hauptberuflich als Anwalt und habe vier Kinder im Alter zwischen zwei und sieben. Die Herausforderung, nebenbei diesen Film zu stemmen, war gross genug. Aber es hat sich gelohnt. Kamal Musale hat ein episches Werk mit wundervollen Bildern, hervorragenden Schauspielern, toller Musik geschaffen. Es ist einfach ganz grosses Kino.
Mother Teresa & Me
Der Film, der vergangene Woche Premiere feiern konnte, erzählt die Geschichte von Kavita und Mutter Teresa. Die junge Engländerin mit indischen Wurzeln wird in London von ihrem Freund verlassen. Sie ist schwanger und wird zu einer Abtreibung gedrängt, da ihre Eltern sie verheiraten wollen. Verzweifelt flieht sie zu ihrer ehemaligen Nanny nach Indien. Diese hatte ihr Leben lang für Mutter Teresa gearbeitet. Hier beginnt die Verschmelzung der beiden Lebensgeschichten in einer epischen Darstellung, die in das Indien der 50er-Jahre führt.
In seinem inspirierenden Film thematisiert Regisseur Kamal Musale mit schweizerischen und indischen Wurzeln die Frage nach dem Glauben und der Lösung innerer Konflikte. In den Hauptrollen: Banita Sandhu, Jacqueline Fritschi-Cornaz und Deepti Naval.
«Mother Teresa & Me» (englisch mit deutschen Untertiteln) ist am Wochenende im Kino Arthouse Movie 1, 17.30 und 20.15 Uhr, und im Arthouse Movie 2 ab 15.40 Uhr zu sehen.
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