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Weihnachtsoratorium
Karten
Weihnachtsoratorium
(Rom 1698) von Giovanni Lorenzo Lulier
Angelica Monje _ Secondo pastore
Carmit Natan _ Maria
Alicia Amo _ Angelo
Cory Knight _ Giuseppe
Sebastián León _ Lucifero
Chor und Orchester der Schola Cantorum Basiliensis...
Lange wurde die Gepflogenheit, in der Weihnachtszeit Oratorien zum Fest der Geburt Jesu aufzuführen, im päpstlichem Rom kultiviert – jener Stadt, aus der sich die spirituellen und musikalischen Übungen der Oratorianer im 17. Jahrhundert in ganz Italien und später im restlichen Europa ausbreiteten. In der Zeit, als Luliers Componimento sacro entstand, war es in Rom schon üblich, Oratorien auch ausserhalb der traditionellen Kontexte aufzuführen: in Palästen der Adeligen, Kollegien oder Räumlichkeiten ohne Verbindung zur sakralen Umgebung der Oratorienpraxis. So gewann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Oratorium an Bedeutung als repräsentatives Werk und somit auch als Mittel politischer Huldigung und Selbstdarstellung. In dieser Funktion war es oft mit grossen Besetzungen verbunden. Was Kardinal Pietro Ottoboni, Neffe des damaligen Papstes Alexander VIII., zur Weihnachtszeit 1698 bewog, die Vertonung eines Componimento einem seiner Hausmusiker in Auftrag zu geben und mit „120 tra musici e suonatori“ nicht in seinem Palast, sondern an der Chiesa nuova – einem traditionellen Ort des Oratoriums – aufführen zu lassen, ist heute unbekannt. Auf jeden Fall veranstaltete er die Aufführung, ohne an Mitteln zu sparen und unter der Mitwirkung der besten Musiker Roms. Der Komponist, Giovanni L. Lulier, war ein sehr geschätzter Violone-Spieler, der zusammen mit Arcangelo Corelli und anderen Virtuosen der Zeit im Dienste Ottobonis war. Von den vielen Vokalwerken Luliers blieb bis heute nur wenig erhalten. Eine glückliche Ausnahme bietet die autographe Partitur des Weihnachtsoratoriums. Sie ist umso wichtiger, als aus jener Zeit wenige Kompositionen mit der Instrumentation „Concertino“ und „Concerto Grosso“ – einer damals in Rom gepflegten Praxis der Instrumentierung – erhalten gblieben sind. Corelli war als Leiter des Orchesters und als Soloviolinist an der Aufführung beteiligt und lieferte höchstwahrscheinlich – wie in anderen Fällen belegt ist – die Instrumentaleinleitung und andere Instrumentalstücke für dieses Werk. Unter der künstlerischen Leitung von Rinaldo Alessandrini wird Luliers Oratorium mit sinfonie Corellis anlässlich des 300. Todestages von A. Corelli aufgeführt.
Agnese Pavanello