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Canary
Als «Kanarienvogel» wird ein Typ Sängerin im Traditionalpop bezeichnet, der zwischen 1940 und 1955 in Mode war. Beispiele waren Peggy Lee, Jo Stafford oder Judy Garland. Das männliche Pendant des «Canaries» war der Crooner (z.B. Frank Sinatra).
«Canaries» waren von der Stimme her mehr an der europäischen Songtradition orientiert. Sängerinnen, die von der Jazz- oder Blues-Tradition her kamen, gelten als Jazzpopvokalistinnen. Ob eine Sängerin ein «Canary» oder eine Jazzpopvokalistin war, hing oft vom Repertoire und vom Orchester ab, mit dem sie sang. Diese Ausrichtung ist nicht allein eine Frage der Hautfarbe. Ella Fitzgerald, Anita O'Day oder Peggy Lee sangen mühelos in beiden Stilen.
«Canaries» waren «Songstylistinnen», das heisst sie interpretieren einen Song auf ihre persönliche Weise. Damals wurden neue Songs zugleich von verschiedenen Sängerinnen und Sängern interpretiert. Zum Beispiel hatten alle führenden Platten-Label ihre Interpretation eines erfolgreichen Songs im Programm. Deshalb war die persönliche Note, der individuelle Still so wichtig.
«Canaries» hatten eine kalkulierte Bühnenpersona («stage persona»), zu der Make-up, Haar- und Kleidungsstil gehört. Sie traten grösstenteils unter einem Künstlernamen auf. Ihr Gesangsstil war raffiniert, am Mikrofon entwickelt und trainiert. Das Mikrofon registriert jede stimmliche Feinheit und sie konnten diese Feinheiten bedienen. Neben Stimme und «look» waren zusätzliche Kompetenzen von Vorteil und machten ihren Act reicher: tanzen, schauspielen, witzig sein.
Verschiebung vom Orchester zum Sologesang
«Canaries» waren zunächst ein Teil eines Unterhaltungsorchesters, später traten sie unter eigenem Namen auf. Auch als Solo-Act werden sie von Orchestern begleitet. Dass Sänger und Sängerinnen im Zentrum stehen, sind wir uns noch heute gewohnt. Es ist eine Selbstverständlichkeit, die aber genau in den Jahren entstanden ist, als «Canaries» zu Bühnenstars wurden. Man kann die alte Rolle einer Sängerin als Teil eines Orchesters im Auftritt von Peggy Lee mit dem Orchester von Benny Goddman sehen: Peggy Lee verhält sich wie eine Solistin. Wenn sie singt, ist sie das fokale Zentrum des Geschehens, wenn sie nicht singt, zieht sie sich zurück und gibt das Spotlight an Benny Goodman ab. Durch die Verschiebung des Fokus vom Orchester zur Solosängerin und zum Solosänger erhält das Orchester eine neue Rolle: Es wird zum Hintergrund für die Performance einer Sängerin oder eines Sängers.
Beispiele für «Canary»-Acts
– Peggy Lee (mit Benny Goodman)
– Jo Stafford
– Judy Garland
– Rosemary Clooney
– Patti Page
– Dinah Shore
– Kay Starr
– Margaret Whiting
– Joni James
– Doris Day
– Gale Storm
– Georgia Gibbs
– Anita O'Day (mit Gene Krupa aufgetreten)
Querverweise
– Vocalpop (Genreseite)
– Jazzpopvocal (Genreseite)
Links
– Louis Berg: Life of a Canary (17. Januar 2013)
– S. Kay Hoke: American Popular Music. In: Karin Pendle (Ed.): Women & Music. A History. Indiana University Press, Bloomington, 1991
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