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HIV-Infektion: Knochen altern schneller
Wir wissen nun schon länger, dass die HIV-Infektion infolge starker Aktivierung des Immunsystems zu einer beschleunigten Alterung führt. Man findet in sehr vielen Organsystemen bei HIV-infizierten Menschen einen beschleunigten Alterungsprozess. Dies betrifft vermutlich den ganzen Körper und fand sich früher häufiger bei fortgeschrittener, unbehandelter HIV-Infektion. Prozesse, die wir normal im Alter beobachten, treten bei HIV-Infizierten früher auf, so zum Beispiel die trockene Haut mit Juckreiz, der graue Star (Katarakt), die Arteriosklerose, um nur einige zu nennen.
Seit der SMART-Studie wissen wir, dass diese Prozesse, die mit einer Aktivierung der Immunsystems zu erklären sind, durch die HIV-Therapie gebremst werden.
Ein weiterer Alterungsprozess betrifft die Knochen. Normalerweise kommt es im Verlaufe des Lebens zu einem Abfall der Knochendichte und sogenannte pathologische Frakturen (Knochenbruch ohne adäquates Trauma) nehmen zu. Wir haben hier schon oft auch über den Einfluss der Inflammation, der Therapie und der HIV-Veränderungen selbst auf die Knochendichte berichtet.
Im Rahmen der MACS-Kohorte, welche prospektiv HIV-positive und HIV-negative Männer die Sex mit Männern haben (MSM) untersucht, wurde nun das Auftreten von Knochenbrüchen in den beiden Gruppen verglichen. In dieser Studie wurden gute 1200 HIV-pos. und 1400 HIV-neg. Männer mit ausreichender Information erfasst und das Auftreten von Frakturen verglichen.
Knochenbrüche häufiger
Es ist keine Überraschung, dass auch in dieser Analyse der Alterungsprozess (der Knochen) bei HIV-positiven Männern beschleunigt ist. Interessant in dieser Arbeit, dass dieser Prozess mit der Therapie – im Gegensatz zu vielen anderen Alterungsprozessen nicht gestoppt wird, im Gegensatz, die HIV-Therapie erhöht das Risiko eines Knochenbruches noch leicht.
In der untenstehenden Abbildung ist auf der rechten Hälfte das Risiko für pathologische (Osteoporose-bedingte) Frakturen dargestellt; rot für HIV-positive, blau für HIV-negative Männer. Und dies über den Alterungsprozess in 10-Jahresschritten. Es zeigt sich hier sehr schön, dass HIV-pos. Männer rund 10 Jahre früher einen pathologischen Knochenbruch erleiden, also an der gefürchteten Folge der Osteoporose.
Unterschiede bei der Therapie kleiner
Wir wissen ja, dass die Knochendichte bei jedem HIV-Therapiebeginn etwas abfällt, aber dass dieser Effekt infolge des tubulären Phosphat-Verlustes besonders ausgeprägt unter Tenofovir ausfällt aber auch unter der Behandlung mit Protease-Hemmern. Die Autoren konnten denn auch eine erhöhte Frakturhäufigkeit zeigen bei Männern, die über 5 Jahre mit Tenofovir oder mit Protease-Hemmern behandelt wurden, doch der Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Viel deutlicher war der Effekt bei Personen mit tiefer CD4 Zahl, AIDS-Diagnose, was beides ein Marker für eine längere Dauer der Infektion ist. Somit dürfte die HIV-Infektion selbst (resp. die daraus resultierende Immunaktivierung) der wichtigste Risikofaktor für den Knochenschaden sein.
Foto von Internet Archive Book Images
Literaturangaben
- Gonciulea et al, An Increased Rate of Fracture Occurs a Decade Earlier in HIV+ Compared to HIV- men in the Multicenter AIDS Cohort Study (MACS). April 17, ahead of print
- Strategies for Management of Antiretroviral Therapy (SMART) Study Group.. et al. CD4+ count-guided interruption of antiretroviral treatment. N Engl J Med. 2006