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In den letzten Monaten hatte ich Gelegenheit mehrere Einschätzungen eines Beziehungsende zu hören zu bekommen, von Männern ebenso wie von Frauen. Eine davon betraf sogar mich selbst. Es ist ein sehr kleines Sample, acht Einschätzungen insgesamt, drei von Männern (wenn ich mich mit einrechne, dann vier), fünf von Frauen. Insofern sind Männer unterrepräsentiert und statistische Verzerrungen sind anzunehmen, schon allein aufgrund der geringen Grösse des Samples.
Extrem in Mode, so scheint mir, ist der Autismus-Vorwurf an einen ehemaligen Partner. Drei von fünf Frauen haben in den letzten Monaten diese Diagnose angewandt, was für mich schon eine interessante und signifikante Steigerung in der persönlichen Statistik ist. Ich kannte dieses Argument in diesem Zusammenhang vorher nicht. Bei den betroffenen Männern scheint sich diese Strategie noch nicht durchgesetzt zu haben. Vielleicht hat es ja mit irgendwelchen Fernsehserien zu tun, die Frauen eher schauen. Oder mit der Flut an Internet-Ratgebern. Wer weiss das schon?
Schauen wir uns doch diese Vorwürfe, verpackt als Diagnosen, mal im Einzelnen an:
- Ich selbst war mit einer relativ milden Form konfrontiert, wobei ich nicht weiss, wie meine ehemalige Partnerin das anderen Menschen darstellt. Ich wurde aufgefordert, darüber nachzudenken, ob ich nicht unter dem Asperger-Syndrom leide. Ein Mangel an Empathie wurde auch mir zum Vorwurf gemacht.
- Eine Dame beschrieb ihren einen Ex-Partner als autistisch, da es ihm an Empathie mangeln würde und er einmal sogar mehrere Stunden angezogen auf dem Bett gesessen hat und nicht ansprechbar war. Er wäre aber eine nette, zuvorkommende, liebenswerte Person. Ihren anderen Ex-Partner beschrieb sie als einen Alkoholiker, der unter starken Stimmungsschwankungen litt.
- Eine andere Dame beschrieb ihren Ex-Partner ebenfalls als autistisch, da es ihm an Empathie mangeln würde. Da wäre jetzt so eine Leere in der Kommunikation. Er wäre aber eine nette, zuvorkommende, liebenswerte Person.
Nun, es mag schon sein, dass alle jene, denen Autismus vorgeworfen wird, diesen auch haben. Ich kann das nicht beurteilen, dazu bin ich zu wenig Fachmann. Doch wenn ich schon kein Fachmann auf diesem Gebiet bin, was macht diese Frauen zu Fachfrauen?
Auffällig ist die Übereinstimmung der Muster einerseits im Vorwurf der fehlenden Empathie und das diese Partner eigentlich liebenswerte Personen seien, vielleicht ist auch noch ein Anklang von „der braucht halt meine Hilfe“ dabei – macht sich ja gut in der Sozialverhaltens-Statistik der jeweiligen Peer-Group – die zuvorkommend wären, alles für einen tun würden und was da nicht noch sonst für Attribute verwendet wurden. Ich rekonstruiere aus der Erinnerung, habe mir keine Notizen gemacht, war auch nicht als Studie gedacht. Insofern sind Fehler in der Wahrnehmung annehmbar. Zudem kenne ich die grob skizzierten Geschichte, ausser meiner eigenen, nur von einer Seite, denkbar schlechte Voraussetzungen für Verallgemeinerungen. Auf diesen Umstand sei nochmal im Besonderen hingewiesen, Verallgemeinerungen aus meinen gemachten Erfahrungen sind nicht zulässig und ebensowenig sinnvoll.
Ein Mangel an Empathie ist an sich kein Kriterium, dass so zu Autismus oder Asperger definiert ist. Doch wie verträgt sich das mit einer liebenswerten, zuvorkommenden Person, wenn wir das so stehen liessen? Stehen nicht jene Eigenschaften diametral einer Autismus-Diagnose aufgrund fehlender Empathie entgegen? Und ist ein Mangel an Empathie gegenüber einer bestimmten Person gleichzusetzen mit einem generellen Mangel an Empathie? Kann überhaupt bei einer Beziehungskrise noch davon ausgegangen werden, dass Empathie im Spiel ist? Ich meine von beiden Seiten. Ist es nicht eher so, dass keine Seite in diesen Momenten viel Empathie aufbringt? Geht es nicht eher um die eigenen Interessen, dass eigene Verletzt-Sein? Empathie? Sucht man in solchen Momenten nicht vergeblich danach?
Hätte es überhaupt zur Krise und zum Streit kommen können, wenn bei einem der Beteiligten Empathie im Spiel gewesen wäre? Wären damit nicht vorher schon alle Missverständnisse aufgelöst worden, bevor sie ein katastrophale Wirkung entfalteten?
Interessant war auch die Beobachtung im Falle von Nummer 2, die innerhalb von zehn Tagen einen solch furiosen Stimmungswechsel hinlegte, dass ich immer noch ganz perplex bin. Und die mit Sicherheit kein Alkoholiker ist, Stimmungsumschwünge aber bis zur Perfektion beherrscht. Was sagt uns das eigentlich über Personen, die einen Vorwurf äussern, eine Diagnose stellen? Besteht eine Wahrscheinlichkeit, das der Vorwurf, die Diagnose ebenso auf die Person zutrifft, die ihn äussert?
Keine der gestellten Diagnosen lieferte mehr als vage Behauptungen, die zudem nur Einzelbereiche der Autismus-Störung abdecken, wenn überhaupt. Wie kann sich jemand ernsthaft versteigen, so eine ernste Diagnose über jemanden zu fällen, nur weil es in der Beziehung nicht mehr klappt? Und vor allem mit so oberflächlichen Argumenten? Wenn man es genau nimmt, erfüllen solche Diagnosen Straftatbestände, sollten sie zu Nachteilen für die betreffende Person führen und nicht zutreffend sein.
Was also ist überhaupt Autismus?
Nun, auf diese Frage habe ich keine fachkundige Antwort, ich habe mich nur etwas mit der üblichen schnell verfügbaren Definition im Netz beschäftigt, als diese Frage an mich gerichtet wurde. Ich gehe Hinweisen zu meiner Person und meinem Verhalten gern nach und versuche mir dann ein Bild zu machen. Man möge mir also verzeihen, dass ich ebenso wenig wie jene, die sich anmassen, Diagnosen zu stellen, in der Lage bin, das Thema fundiert und sachgerecht zu durchleuchten. Dennoch fällt auf, dass selbst eine laienhafte Überprüfung der angegebenen Kriterien die gestellte Diagnose nicht unterstützt.
Derzeit wird zwischen frühkindlichem Autismus, hochfunktionalem Autismus, atypischem Autismus, dem Asperger-Syndrom und der Inselbegabung unterschieden (wie ein Leser bemerkte, gehört die Inselbegabung nicht zum Autismus, auch wenn Wikipedia es so aufführt – wie man sieht, im Netz steht viel, es muss aber nicht stimmen). Für die Klassifikation gibt es ICD-10, DSM-5 und die Differentialdiagnose. Zudem gibt es noch eine Liste von begleitenden Störungen. Man sieht also, es ist alles andere als einfach.
Den frühkindlichen und den atypischen Autismus können wir in Bezug auf Beziehungen und Partnerschaften vielleicht zur Seite lassen, auch wenn diese möglicherweise relevant für den späteren Verlauf sind. Für die Diagnose erwachsener Personen im Sinne meines Samples scheinen sie mir nicht relevant. Bei erwachsenen Personen, die unter frühkindlichem Autismus leiden, ist es, würde ich meinen, bei der Partnerwahl schon klar, was tatsächlich Sache ist. Ich würde nicht vermuten, dass es derart beurteilt und geschildert würde, wie das in meinem Fall geschehen ist. Aber auch hier kann ich irren.
Gehen wir also mal die Liste der Symptome gemäss Wikipedia (Mit Vorsicht zu geniessen!) durch. Und möge der werte Leser, die werte Leserin versuchen, ehrlich bei sich nachzufühlen, ob es nicht auch schon in seinem Leben Situationen gab, in denen er oder sie sich vielleicht entsprechend verhielt.
Die wenigsten Freizeit-Diagnostiker werden sich den ICD-10 zur Gemüte geführt haben, da diese Informationen nicht wirklich gebündelt und leichtverständlich auftauchen. Wer tiefer eintauchen will, versuche es hier und hier.
Den meisten dürften eher die typischen trivialen Darstellung aus Wikipedia und Ratgebern zur Verfügung stehen. Basierend auf DSM-5. Nehmen wir also diese, anhand Wikipedia, zum aktuellen Massstab für eine solche gewagte Diagnose. Das heisst auch, dass ich hier das nicht ernsthaft untersuchen kann, ich bin, wie gesagt, kein Fachmann, ich kann nur logisch mit dem argumentieren, was man im Netz finden kann und möglicherweise die Quelle für diese seltsamen Behauptungen darstellt.
Ein Betroffener weist auf folgende Definitionen hin, die den Wikipedia-Einträgen nicht unbedingt entsprechen:
Unterschieden wird derzeit in Kanner-Autismus (= frühkindlicher Autismus), Asperger-Autismus und Atypischer Autismus. HFA und LFA (High- und Low-Functioning Autism) sind inoffizielle Funktionslabels beim Kanner-Autismus, die von vielen Autisten abgelehnt werden.
Für Interessierte gibt es auch das AutismusFAQ oder diverse Artikel und Links zu dem Thema.
Wir hätten da in Wikipedia also
- Anhaltende Defizite in der sozialen Kommunikation und sozialen Interaktion über verschiedene Kontexte hinweg.
- Ich schätze mal, den meisten Lesern entgeht dieser kleine aber wichtige Zusatz: über verschiedene Kontexte hinweg. Zudem kann man diesen Punkt nicht einfach mit Mangel an Empathie übersetzen. Und wenn wir die Symptome im Einzelnen betrachten, so wäre es doch eher untypisch, wenn einem das nicht auch schon mal widerfahren wäre.
- Defizite der sozial-emotionalen Gegenseitigkeit (z. B. ungewöhnliche soziale Annäherung; fehlende normale wechselseitige Konversation, verminderter Austausch von Interessen, Gefühlen und Affekten)
- Jetzt erinnere sich doch jeder bitte an die letzte Beziehungskrise? War da die soziale Annäherung normal? Oder hat man sich vielleicht zurückgezogen oder gar geschimpft, hat man sich in der Situation der Anspannung und des Stresses normal verhalten? War die Konversation wechselseitig und normal? Oder war es eher normal, dass Vorwürfe wechselseitig über den Tisch geflogen sind oder das grosse Schweigen herrschte? Hat man in Krisensituationen weiter den Austausch von Interessen, Gefühlen und Affekten gesucht oder musste man erstmal die Situation einordnen, hat diesen Austausch zurückgefahren, da jede Kommunikation mit Tretminen belastet war?
- Defizite im nonverbalen Kommunikationsverhalten, das in sozialen Interaktionen eingesetzt wird (z. B. weniger oder kein Blickkontakt bzw. Körpersprache; Defizite im Verständnis und Gebrauch von Gestik bis hin zu vollständigem Fehlen von Mimik und nonverbaler Kommunikation)
- Trete nun doch jener hervor, der in einer Beziehungskrise immer und jederzeit den Blickkontakt gehalten hat und auch seine Mimik adäquat eingesetzt hat. Und wer kennt nicht das Pokerface, die eingefrorene Mimik, in der man nichts mehr preis gibt? Insbesondere in schwierigen Situationen?
- Defizite in der Aufnahme, Aufrechterhaltung und dem Verständnis von Beziehungen (z. B. Schwierigkeiten, eigenes Verhalten an verschiedene soziale Kontexte anzupassen, sich in Rollenspielen auszutauschen oder Freundschaften zu schließen)
- Ich würde jetzt gern die Einschätzung aller Paare mit Kindern darüber hören, was mit ihrem Freundeskreis passiert ist. Ist es nicht so, dass dieser Freundeskreis sich ausdünnt, wenn man nicht mehr an den Orten zu den Zeiten ist, an denen man früher war? Hatten sie etwa Schwierigkeiten bei der Aufnahme, Aufrechterhaltung und dem Verständnis von Beziehungen?
- Neue Freundschaften schliessen, auch ein interessantes Thema in einer Beziehung, besonders wenn vielleicht ein Partner unter Eifersucht leidet. Wie normal ist es dann noch, eine neue Freundschaft zu knüpfen? Können dann überhaupt noch Freundschaften auf Basis der eigenen Person geknüpft werden oder tritt man in dieser Angelegenheit fortan als Paar auf? Weil alles andere zu Spannungen führen würde, die man gern vermeiden möchte?
- Eigenes Verhalten an verschiedene soziale Kontexte anpassen ist ja nun das Beliebigste überhaupt. Man nehme nur mal die Situation, ein Paar begibt sich an einen Ort und einem Partner gefällt die Location nicht. Ist dann jedes „Hier gefällt es mir nicht, lass uns woanders hingehen“ ein Symptom für Schwierigkeiten, sich verschiedenen sozialen Kontexten anzupassen?
- Defizite der sozial-emotionalen Gegenseitigkeit (z. B. ungewöhnliche soziale Annäherung; fehlende normale wechselseitige Konversation, verminderter Austausch von Interessen, Gefühlen und Affekten)
- Eingeschränkte, repetitive Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten, die sich in mindestens zwei der folgenden aktuell oder in der Vergangenheit erfüllten Merkmalen manifestieren.
- Man beachte hier, dass mindestens zwei Merkmale erfüllt sein müssen. Wenn ich es richtig verstehe, dann auch noch zusätzlich zu den anderen Merkmalen. Ich denke mal, auch dies wird vielleicht gern übersehen.
- Stereotype oder repetitive motorische Bewegungsabläufe; stereotyper oder repetitiver Gebrauch von Objekten oder Sprache (z. B. Echolalie, Aufreihen von Spielzeug, Hin- und Herbewegen von Objekten, idiosynkratrischer Sprachgebrauch)
- Jeder, der sich jetzt das Bild z.B. von einer nikotinabhängigen Person vorstellen kann, die gerade in der Beziehungskrise steckt, wird dass Verhalten, wie Zigaretten dann geraucht werden, unter repetitive motorische Bewegungsabläufe einordnen können. Und gibt es da nicht diese chinesischen Kugeln, die man in der Hand bewegen soll, damit man sich entspannt oder beruhigt? Ist es nicht eher normal, wenn Adrenalin ausgeschüttet wird, man aber nicht in der Lage ist, gerade mal schnell einen 100m Spurt zum Abbau des Adrenalins zu machen, dass man dann in repetitive Bewegungsabläufe verfällt?
- Festhalten an Gleichbleibendem, unflexibles Festhalten an Routinen oder an ritualisierten Mustern (z. B. extremes Unbehagen bei kleinen Veränderungen, Schwierigkeiten bei Übergängen, rigide Denkmuster oder Begrüßungsrituale, Bedürfnis, täglich den gleichen Weg zu gehen)
- Jetzt mal ehrlich, wieviele Leute gehen nicht täglich denselben Weg? Ob es zur Arbeit ist oder die Einkaufsroutine am Wochenende? Wer kann da sagen, dass er ständig neue Wege ausprobiert?
- Und wie sieht es hier mit Ritualen aus? Der tägliche Kaffee oder Tee am Morgen, der der ohne Frühstück nicht aus dem Haus kann und der, der sich wäscht, fertig macht und zur Tür raus ist, bevor man es bemerkt, wer hat keine solchen Rituale? Und sind unsere Grosseltern, bei denen man meistens sagt, nun, die sind halt so, dass wird sich nicht mehr ändern, die brauchen halt ihre Rituale, sind also unsere Grosseltern dann allesamt Autisten?
- Unbehagen bei Veränderungen, na dann nehmen wir mal eine Veränderung. Da wird die Lieblingsjeans, die natürlich nicht mehr passt, aber aus sentimentalen Gründen noch behalten wird, heimlich entsorgt. Das soll kein Unbehagen wert sein? Nicht wegen der Veränderung, sondern wegen dem Übergriff auf die eigene Persönlichkeit. Ohne gefragt zu werden. Und auch, wenn jemand solange in WG’s gelebt hat wie ich, ist die Veränderung bezüglich der Auffindbarkeit von alltäglichen Gegenständen ein Thema. Natürlich geht man jedesmal vor dem Kochen erstmal alle Gegenstände und Dinge suchen, die man so braucht. Einschliesslich irgendwelcher Teller, die in irgendwelchen Zimmer ungespült vor sich hingammeln. Das dies auf die Dauer vielleicht irgendwann ein Unbehagen erzeugt, wer bitte kann das nicht nachempfinden?
- Hochgradig begrenzte, fixierte Interessen, die in ihrer Intensität oder ihrem Inhalt abnorm sind (z. B. starke Bindung an oder Beschäftigen mit ungewöhnlichen Objekten, extrem umschriebene oder perseverierende Interessen)
- Schwieriges Thema, denn um zu wissen, was abnorm ist, müsste die Norm geklärt sein. Aber das ist sie nur selten. Und treten nicht auch in normalen Beziehungskrisen, die länger dauern, solche Effekte auf? Der eine putzt wie blöd, der andere spielt ein Ballerspiel, der eine besäuft sich, der andere vergräbt sich in seine Briefmarkensammlung oder seine Lieblingsserie oder was auch immer? Man flüchtet in Arbeit, Drogen, Unterhaltung. Mit zweitweiser abnormer Intensität. Oder etwa nicht?
- Hyper- oder Hyporeaktivität auf sensorische Reize oder ungewöhnliches Interesse an Umweltreizen (z. B. scheinbare Gleichgültigkeit gegenüber Schmerz oder Temperatur, ablehnende Reaktion auf spezifische Geräusche oder Oberflächen, exzessives Beriechen oder Berühren von Objekten)
- Ich schätze mal, dass dieser Punkt eher selten in die Freizeit-Diagnose einbezogen wird und wenn zutreffend, möglicherweise, sofern noch mehr Kriterien hinzukommen, ein Anzeichen für Autismus sein könnte. Andererseits, man stelle sich einfach nur mal wieder dieses Geräusch vor, wenn die Kreide abbrach und der Lehrer mit Kreide und Fingernagel ein recht nervendes Geräusch erzeugte. Es gibt ja durchaus einige, denen das nie etwas ausgemacht hat. Sind die anderen jetzt alle Autisten?
- Stereotype oder repetitive motorische Bewegungsabläufe; stereotyper oder repetitiver Gebrauch von Objekten oder Sprache (z. B. Echolalie, Aufreihen von Spielzeug, Hin- und Herbewegen von Objekten, idiosynkratrischer Sprachgebrauch)
- Die Symptome müssen bereits in früher Kindheit vorliegen, können sich aber erst dann voll manifestieren, wenn die sozialen Anforderungen die begrenzten Möglichkeiten überschreiten. (In späteren Lebensphasen können sie auch durch erlernte Strategien überdeckt werden.)
- Tja, das ist ein Killer, liebe Freizeit-Diagnostiker. Wobei ich wetten könnte, dass die meisten bei den Kategorien oben schon aufgehört haben zu lesen. Denn wie sicher seit ihr Freizeit-Diagnostiker euch über die Kindheit eures Partners? Wisst ihr diesbezüglich von Verhaltensauffälligkeiten? Wenn nicht, bewegt ihr euch auf extrem unsicheren Gelände!
- Die Symptome müssen klinisch bedeutsames Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen verursachen
- Und wieder ein absoluter Killer. Klinisch bedeutsames Leiden, liebe Freizeit-Diagnostiker! Klinisch bedeutsame Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen! Solche Symptome sind jedoch nicht leicht zu erkennen, fallen also durchaus erst spät auf, wie mich ein Betroffener informierte. Ich würde also annehmen, dass auch eine Eigendiagnose des Betroffenen vorliegen sollte, bevor man sich zu einer solchen Diagnose über andere versteigt.
- Die Symptome können nicht besser durch eine Intellektuelle Beeinträchtigung oder eine Allgemeine Entwicklungsverzögerung erklärt werden. Intellektuelle Beeinträchtigungen und Autismus-Spektrum-Störungen treten häufig zusammen auf. Um die Diagnosen Autismus-Spektrum-Störung und Intellektuelle Beeinträchtigung gemeinsam stellen zu können, sollte die soziale Kommunikationsfähigkeit unter dem aufgrund der allgemeinen Entwicklung erwarteten Niveau liegen
- Auch hier wieder ein Killer für alle Freizeit-Diagnostiker. Wenn die soziale Kommunikationsfähigkeit unter dem aufgrund der allgemeinen Entwicklung erwarteten Niveau liegen sollte, wie konnte dann überhaupt eine Beziehung entstehen? Kommuniziert ihr auch unter Niveau, möchte man da fast spotten, wenn es nicht so tragisch wäre. Ergänzend, mit Unterstützung eines freundlichen Twitter-Users, der unter Autismus leidet, möchte ich für dieses Kriterium noch anmerken, dass wir es hier nicht mit Autismus allein zu tun haben, das „und“ ist hierbei wesentlich und leicht zu übersehen.
- Man beachte hier, dass mindestens zwei Merkmale erfüllt sein müssen. Wenn ich es richtig verstehe, dann auch noch zusätzlich zu den anderen Merkmalen. Ich denke mal, auch dies wird vielleicht gern übersehen.
- Ich schätze mal, den meisten Lesern entgeht dieser kleine aber wichtige Zusatz: über verschiedene Kontexte hinweg. Zudem kann man diesen Punkt nicht einfach mit Mangel an Empathie übersetzen. Und wenn wir die Symptome im Einzelnen betrachten, so wäre es doch eher untypisch, wenn einem das nicht auch schon mal widerfahren wäre.
Also nochmal, liebe Leser, lasst die Finger davon irgendeinem Ex-Partner irgendeine Krankheit anzudichten oder diese diagnostizieren zu wollen!
Es ist schon hart genug für jene, die tatsächlich davon betroffen sind. Selbst Experten sind sich da oft nicht einer Meinung. Und wenn es nicht stimmt, dann fällt das sogar in strafrelevante Bereiche wie Verleumdung und üble Nachrede.
Falls ihr den Verdacht haben solltet, erkundet vielleicht zuerst bei euch, wie es um Empathie und anderes steht. Denn wie heisst es so schön: Der Dieb erkennt immer seinesgleichen. Will heissen, was man an anderen erkennt, muss man auch kennen, sonst könnte man es nicht erkennen. Wie ja auch oft Vorwürfe mehr mit einem selbst zu tun haben, als mit der Person, an die sie gerichtet sind.
Hier noch ein Link, bereitgestellt von einem Betroffenen, zum Thema Empathiemangel.