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Ägyptische
Augenentzündung (Ophthalmia aegyptica, militaris, bellica, contagiosa), eine ansteckende und darum leicht in Form von Epidemien und Endemien auftretende Krankheit der Bindehaut. Der Name hat zunächst eine histor. Bedeutung, ¶
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253 entspricht keiner bestimmten Entzündungsform, sondern ist ein Sammelname für eine Anzahl verschiedener Ophthalmien, die Blennorrhöe, die Diphtheritis, die kruppöse und granulöse Entzündung und das Trachom, die den Bestand und die Funktionsfähigkeit der befallenen Augen zum Teil im höchsten Grade, zum Teil nur wenig gefährden. (S. Augenentzündung.) Die Krankheit überträgt sich von Auge [* 3] zu Auge, von Individuum zu Individuum. Der Träger [* 4] des Kontagiums ist wahrscheinlich nur der von dem erkrankten Auge abgesonderte Schleim und Eiter, insbesondere darin enthaltene specifische Entzündungsträger (Kokken), die in ein gesundes Auge gelangen. Ob auch ein Luftkontagium besteht, ob auch die in der Luft suspendierten Eiterzellen gesunde Augen infizieren können, ist zweifelhaft.
Jedenfalls wird aber die Ausbreitung auf viele Personen und somit die Entstehung von Epidemien begünstigt durch Unreinlichkeit, ungenügende Lüftung stark belegter Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräume. Im J. 1798 fanden die in Ägypten [* 5] gelandeten franz. Truppen die Krankheit dort vor und wurden sofort in großer Anzahl von derselben befallen. Daher rührt der Name. Franz., ital. und engl. Truppen verschleppten die Krankheit nach den verschiedensten Gegenden. Sie grassierte in den verschiedenen Heeren, namentlich zu Anfang des 19. Jahrh. (daher die Namen Ophthalmia militaris oder Ophthalmia bellica), befiel 1813–20 besonders heftig die preuß. Truppen und gelangte mit diesen nach Belgien, [* 6] wo sie bedeutende Opfer forderte.
Die sog. Epidemien von die in neuester Zeit öfters in Schulen beobachtet wurden und eine ärztliche Überwachung derselben nötig machten, haben mit jenen gefährlichen Augenentzündungen nichts gemein. Es handelte sich gewöhnlich nur um einen ansteckenden, kumuliert auftretenden Bindehautkatarrh, dem in vielen Fällen durch das Auftreten einzelner Knötchen und Bläschen in der Bindehaut eine gewisse Ähnlichkeit [* 7] mit jenen Formen und eine besondere Hartnäckigkeit verliehen wurde.