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Am 26. März 1827 starb Ludwig van Beethoven. Bis zu seinem Tode hatte der berühmte Komponist an seiner 10. Symphonie gearbeitet, konnte diese aber nicht mehr fertigstellen, und so blieb diese bis heute "die Unvollendete". Beethoven hinterliess jedoch zahlreiche Skizzen zum ersten Satz sowie Notizen zum dritten Satz.
Anfang 2019 begann Matthias Röder, Direktor des Karajan Instituts in Salzburg, mit der Zusammenstellung eines Teams, das die 10. Symphonie bis zum 250. Geburtstags des Komponisten im Dezember 2020 vollenden sollte. Dazu gehörten der österreichische Komponist Walter Werzowa, der Musikwissenschaftler und Pianist Robert Lewin von der Harvard University, Mark Gotham, ein Experte für die Verbindung von Computertechnologien und Musik, sowie Ahmed Elgammal, IT-Professor an der US-amerikanischen Rutgers University und dort Gründer und Direktor des "Art and Artificial Intelligence Laboratory".
"Wir mussten die Grenzen der kreativen KI erweitern und der Maschine Beethovens kreativen Prozess beibringen – wie er ein paar Takte Musik nahm und sie akribisch zu mitreissenden Symphonien, Quartetten und Sonaten entwickelte", schreibt Elgammal in einem Beitrag für die wissenschaftliche Website 'The Conversation'.
Das Team verwendete dabei ein Spracherkennungsprogramm, das so modifiziert wurde, dass es für Musik genutzt werden konnte.
Skizze von Beethoven für seine 10. Symphonie. Foto: Beethoven-Haus Bonn
KI musste aus Beethovens Gesamtwerk lernen
Die Skizzen der unvollendeten Symphonie wurden von den Musikwissenschaftlern zunächst entziffert und transkribiert. Damit wurde die KI gefüttert, aber auch mit bestehenden Stücken aus dem Werk des Komponisten. "Die Maschine musste zum Beispiel lernen, wie Beethoven aus einem viertönigen Grundmotiv die 5. Symphonie konstruierte", erklärt Elgammal. "Wir mussten der KI beibringen, eine Melodielinie zu nehmen und zu harmonisieren. Die KI musste lernen, wie man zwei Musikabschnitte miteinander verbindet."
Weiter habe die KI herausfinden müssen, wie eine Komposition orchestriert wird und was das Zuweisen verschiedener Instrumente für verschiedene Teile beinhaltet. Im November 2019 habe dann ein erster, wenige Minuten langer Entwurf vorgelegen. "In den folgenden 18 Monaten haben wir zwei ganze Sätze von jeweils mehr als 20 Minuten konstruiert und orchestriert", so Elgammal.
Projektleiter Matthias Röder erklärte dem 'BR',
"Es ist nicht so, dass man auf den Knopf drückt – und hinten kommt eine fertige Symphonie raus." Die Vorschläge der KI hätten zum Teil "sehr trocken und emotionslos" geklungen. Die Aufgabe des Teams sei es auch gewesen, aus den zahlreichen Vorschlägen der KI die geeigneten Versionen auszuwählen, miteinander zu verbinden und fertig zu orchestrieren. "Jetzt klingt das Stück wie andere Symphonien auch."
Uraufführung in der Geburtsstadt des Komponisten
Auch wegen der Corona-Pandemie klappte es nicht mit einer öffentlichen Aufführung zum 250. Geburtstag Beethovens. Doch nun ist es so weit: Am 9. Oktober wird die vollendete 10. Symphonie veröffentlicht und in Bonn, der Geburtsstadt des Komponisten, vom Beethoven Orchester uraufgeführt.
"Wir erwarten einen gewissen Rückschlag für diese Arbeit – diejenigen (Kritiker), die sagen, dass die Künste von der KI ausgeschlossen sein sollten und dass KI nichts zu suchen hat, wenn es darum geht, den menschlichen kreativen Prozess zu replizieren", schreibt Ahmed Elgammal. "Was die Kunst betrifft, sehe ich KI jedoch nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug – eines, das Künstlern Türen öffnet, sich auf neue Weise auszudrücken." Irgendwann habe einer der Musikexperten im Team gesagt, die KI erinnere ihn "an einen eifrigen Musikstudenten, der jeden Tag übt, lernt und immer besser wird".