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Titel
Mond
[* 2] (lat.
Luna, hierzu die »
Mondkarte« und Tafel »
Mondlandschaften«),
[* 3]
der unsrer Erde am nächsten stehende Himmelskörper, läuft in einer mittlere Entfernung von 384,420 km = 60,27 Erdhalbmessern in Zeit von 27 Tagen 7 Stund. 43 Min. 11,5 Sek. (vgl. Monat) um die Erde, indem er dabei gleichzeitig an der Bewegung der letztern um die Sonne [* 4] teilnimmt. Seine wahre Bahn im Weltraum ist daher eine teilweise innerhalb, teilweise außerhalb der Erdbahn liegende Wellenlinie ohne Schlingen. Da die Exzentrizität seiner Bahn 0,05491 ist, so schwankt sein Abstand von der Erde zwischen 405,500 u. 363,300 km. Die Bahn ist 5° 8' 47,9'' gegen die Erdbahn geneigt. Übrigens weicht die Bewegung des Mondes um die Erde infolge der Anziehung der Sonne und der Planeten [* 5] erheblich von der rein elliptischen ab, und insbesondere sind die unter den Namen Evektion, Variation und jährliche Gleichung bekannten Störungen ¶
Nach Beer und Mädler's Karte.
Mondfinsternisse:
partiale
M. M' M''
Mondbahn
Querschnitt des Erdschattens
M. Mond im Anfange,
M' Mond in der Mitte,
M'' Mond am Ende der Finstertniss.
Totale Mondfinsterniss:
M. M' M'' M''' Mondbahn
Querschnitt des Erdschattens
M. Mond am ANfang der Finsterniss
M''' Mond am Ende der Finsterniss
M' Mond am Anfang der totalen Finst.
M'' Mond am Ende der totalen Finst.
Nordpol
Anaxagoras R.
Scoresby R.
Democritus R.
Mare Humboldianum
Pythagoras R.
Mare Frigoris
Harpalus R.
Plato R.
Aristoteles R.
Endymion [* 7] dunkle W.
Sinus Roris
Sinus Iridum
Cap Laplace
Pico B.
Alpen [* 8] Geb.
Eudoxus R.
Hercules R.
Lac Mortis
Bürg R.
Atlas [* 9] R.
Mercurius R.
Mare Imbrium
Palus Nebulorum
Aristillus R.
Caucasus
Lacus Somniorum
Posidonius W.
Messala R.
Geminus R.
Hercynische Bg.
Seleucus R.
Aristarchus R.
Lambert R.
Archimedes R.
Palus Putredinis
Autolycus R.
Linné Kr.
Mare Serenitatis
Taurus Geb.
Macrobius R.
Cleomedes W.
Cardanus R.
Oceanus Procellarum
Karpathen Geb.
Eratosthenes R.
Apenninen Geb.
Sinus Aestuum
Huygens R.
Mare Vaporum
Manilius R.
Maemus Geb.
Menelaus R.
Plinius R.
Maraldi R.
Palus Somnii
Proclus R.
Mare Crisium
Picard R.
Olbers R.
Hevel W.
Kepler R.
Kopernikus R.
Bode R.
Sinus Medii
Triesnecker R.
Hyginus Kr.
Agrippa R.
Godin R.
Julius Caesar R.
Dionysius R.
Arago R.
Mare Tranquillitatis
Maskelyne R.
Taruntius R.
Apollonius R.
Riccioli W.
Grimaldi W.
Landsberg [* 10] R.
Riphäen Geb.
Möstlin ^[richtig: Mösting] R.
Ptolemäus W.
Hipparchus W.
Delambre R.
Alfraganus R.
Theophilus W.
Capella R.
Messier Kr.
Mare Foecunditatis
Guttenberg ^[richtig: Gutenberg] R.
Langrenus W.
Cordilleren Geb.
Krüger R.
Sirsalis R.
Billy R.
Mersenius R.
Gassendi W.
Bulliald R.
Mare Nubium
Alphonsus W.
Arzachel W.
Albategnius W.
Abulfeda R.
Almanon R.
Kant R.
Catharina W.
Cyrillus W.
Mare Nectaris
Colombo [* 11] R.
Goclenius R.
Vendelinus W.
Byrgius R.
Vieta R.
Mare Humorum
Pitatus B.-kranz
Regiomontanus W.
Werner R.
Aliacensis R.
Azophi R.
Sacrobosco W.
Fracastor Busen
Piccolomini R.
Santbech R.
Petavius W.
Snellius R.
Wilhelm Humbold W.
Vitello R.
Capuanus R.
Cichus K.
Hell R.
Walter W.
Gemma Frisius R.
Zagut K.
Rabbi Levi R.
Neander R.
Metius R.
Stevinus R.
Furnerius W.
Inghirami R.
Wargentin ?-Fläche
Hainzel R.
Wilhelm I. R.
Longomontanus W.
Tycho W.
Maginus W.
Stöfler W.
Maurolycus W.
Nicolai R.
Pitiscus R.
Vlacq R.
Steinheil R.
Mare Australe
Phocylides W.
Scheiner R.
Clavius W.
Zach R.
Baco R.
Hommel R.
Rosenberger R.
Bailly W.
Zuchius R.
Bottinus R.
Blancanus R.
Moretus R.
Curtius R.
Manzinus R.
Mutus R.
Casatus R.
Newton R.
Südpol
Abkürzungen:
B.-Berg. Kr.-Krater. R.-Ringgebirge.
V.-Vertiefung. W.-Wallebene.
Sonnenfinsternisse:
ringförmig total resp. partial
Erde
Mondbahn
Sonne
total partial
(central) (excentrisch)
ringförmig
Bahn des Mondes um die Erde.
Neumond
Erstes Viertel
Vollmond
Letztes Viertel
Maßstab [* 12] - 1:17,000,000. ¶
[* 3] Fig. 1. Das Ringgebirge Kopernikus.
Der große, gegen 11 geographische Meilen breite Krater [* 14] Kopernikus ist dargestellt, wie er am starken Fernrohr [* 15] erscheint, wenige Stunden, nachdem für seinen Horizont [* 16] die Sonne aufgegangen ist. Drei Vierteile der inneren Ebene, die gegen 3000 m tiefer liegt als die äußere Umgebung, sind schon erleuchtet, und die niedrigen Zentralberge haben nur noch geringen Schatten. [* 17] Der äußere Abfall des Ringgebirges ist überall nur schwach, und die nach außen gemessenen Höhen erreichen nur 125-250 m Höhe. Nördlich (unterhalb) des Kopernikus liegt der Krater Gay-Lussac, umgeben von den Höhen der Karpathen; links oder westlich ist der Boden meist sehr eben, von zahllosen Kratern der kleinsten Art durchlöchert, während rechts oder östlich die Hügel und isolierten Berge vorherrschen. Gegen Süden, bis zum großen Krater Reinhold hin (oben), eine Menge von Hügeln und Bergrücken, abwechselnd mit Kraterreihen und rillenähnlichen Thalformen.
[* 3] Fig. 2. Das Ringgebirge Archimedes.
Eine der schönsten und großartigsten Landschaften des Mondes während des Sonnenaufgangs. Im Süden (oben) das Hochgebirge des Appenin, rechts am tiefen, noch ganz beschatteten Krater Eratosthenes endend. Der Nordrand des Gebirges ist steil, und die langen Schatten gehören zu Gipfeln von 2200-5600 m Höhe. An der rechten oder östlichen Seite des Bildes zieht die Phase, oder jene Zone, wo Tag und Nacht sich scheiden. Etwas unter der Mitte der Tafel liegt das große Wallgebirge Archimedes, fast ganz schattenerfüllt, innen sehr eben und kaum merklich vertieft. Westlich davon (links) die ausgezeichneten tiefen Krater Autolycus und Aristillus. Links unten der südliche Teil des Kaukasus, dessen westlicher Fuß in der Ebene des Mare serenitatis steht. Die Ebene, in der sich die vorgenannten drei großen Ringgebirge zeigen, ist das Mare imbrium, und der Halbkreis, mitten in der Phase an der rechten Seite, der noch unvollständig erleuchtete Wall des Kraters Timorheres ^[richtig: Timocharis].
Zum Artikel »Mond«. ¶
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von kurzer Periode beträchtlich. Von den säkularen Störungen sind besonders die Bewegungen der Knoten und Apsidenlinie bemerkenswert: die erstere geht jährlich durchschnittlich 19 ⅓° zurück und vollendet in 18 Jahren 218 Tagen einen vollen Umlauf gegen die Ordnung der Zeichen;
die Apsidenlinie aber macht bei jedem Mondumlauf eine Drehung von ungefähr 3° in direkter Richtung, sie dreht sich also in einem Jahr um etwa 40 ⅔° und vollendet einen ganzen Umlauf in 8 Jahren 310 Tagen.
Während eines Umlaufs um die Erde rotiert der Mond zugleich einmal um eine um 93½° gegen die Ebene seiner Bahn geneigte Achse, weshalb er uns immer im wesentlichen dieselbe Seite zukehrt; durch die Ungleichförmigkeit seiner Bewegung werden aber scheinbare Schwankungen oder Librationen (s. d.) hervorgerufen, infolge deren wir mehr als die Hälfte der Mondoberfläche sehen.
Größe und Gestalt. Phasen.
In mittlerer Entfernung erscheint uns der als eine Scheibe von 31' 4,5'' Durchmesser, der wahre Durchmesser beträgt daher 0,273 Äquatorialdurchmesser der Erde = 3480 km oder 468 geogr. Meilen. Das Volumen des Mondes ist = 1/49,6 des Volumens der Erde, seine Masse = 1/79,7 der Masse der Erde, seine mittlere Dichtigkeit stellt sich auf 0,62 der Dichte der Erde oder 3,4 der des Wassers, etwa der des Granats entsprechend. Eine Abplattung hat der Mond nicht, dagegen aber eine geringe, durch die Theorie nachgewiesene Anschwellung gegen die Erde hin, so daß (nach Hansen) sein Schwerpunkt [* 19] etwa 59 km weiter von uns absteht als sein Mittelpunkt.
Die auffallendste Erscheinung, welche der Mond uns darbietet, sind seine im Lauf eines synodischen Monats (vgl. Monat) wechselnden Phasen oder Lichtgestalten, welche eine Folge seiner veränderlichen Stellung gegen Erde und Sonne sind, welch letzterer er seine beleuchtete Seite zukehrt. Steht er in Konjunktion mit der Sonne, geht er also zugleich mit ihr durch den Meridian, so kehrt er uns seine unbeleuchtete Seite zu, wir haben dann Neumond. Da aber der eine rasche Bewegung in seiner Bahn nach O. hat, so befindet er sich bald nachher auf der Ostseite der Sonne, und wir erblicken an seinem westlichen (rechten) Rand eine schmale erleuchtete Sichel, die von Tag zu Tag größer wird; wir haben zunehmenden Mond, der abends nach Sonnenuntergang am westlichen Himmel [* 20] sichtbar ist.
Nach ungefähr sieben Tagen erscheint uns die ganze westliche (rechte) Hälfte der Mondscheibe erleuchtet; der Mond steht jetzt 90° östlich von der Sonne, er kulminiert ungefähr, wenn diese untergeht, und erhellt die erste Hälfte der Nacht; wir haben erstes Viertel. In den folgenden Tagen ist mehr als die Hälfte der Mondscheibe erleuchtet; der Mond geht immer später in den Frühstunden unter, bis wir etwa 14 Tage nach dem Neumond die volle Scheibe erleuchtet sehen; wir haben dann Vollmond, Sonne und Mond stehen in Opposition, der Mond scheint die ganze Nacht hindurch.
Von nun an tritt derselbe für uns auf die Westseite der Sonne, der erleuchtete Teil liegt nach O. (links), und da die Lichtgestalt immer kleiner wird, so haben wir abnehmenden Mond Derselbe geht abends nach Sonnenuntergang immer später und später auf; ungefähr sieben Tage nach dem Vollmond sehen wir nur noch die östliche (linke) Hälfte der Scheibe erleuchtet; wir haben letztes Viertel. Der Mond geht um Mitternacht auf und steht gegen Sonnenaufgang im S. Die Sichelgestalt, die wir auf der linken Seite der Scheibe in den Morgenstunden am Osthimmel sehen, wird nun immer kleiner in dem Maß, wie der Mond sich für uns der Sonne nähert, bis sie endlich beim Neumond ganz verschwindet.
Anblick des Himmels vom Mond aus.
Da wir die Bewegung des Mondes genau kennen, so läßt sich auch angeben, wie sich für einen fingierten Standpunkt auf dem Mond der Anblick des Himmels gestalten werde, wobei wir noch die Abwesenheit einer atmosphärischen Hülle auf dem als bekannt voraussetzen wollen. Denken wir uns zunächst einen Beobachter auf der Mitte der von der Erde stets abgewendeten Seite des Mondes, wenn es dort gerade Mitternacht ist, so wird derselbe den Himmel mit allen Gestirnen ganz so sehen, wie er uns auf der Erde erscheint, auch die Planeten, abgesehen von geringen Verschiedenheiten im scheinbaren Orte, die uns jetzt nicht weiter beschäftigen sollen.
Die Dunkelheit des ganzen schwarzen Himmels ist vielleicht keine vollkommene, da das Gesamtlicht der Gestirne dort wegen der Abwesenheit einer lichtschwächenden Atmosphäre größer sein muß. Deshalb erscheinen auch die Sterne am Horizont wie im Zenith in demselben Glanz. Im O. wird die Stelle des Sonnenaufgangs einige Zeit vor demselben angedeutet durch einen hellen Lichtglanz, die Corona [* 21] der Sonne. Bald tritt in ungeschwächtem Lichte der oberste Rand der letztern am Horizont hervor, und je mehr sie sich hebt, desto mehr beschränkt sich die Sichtbarkeit der Milchstraße und der kleinsten Sterne, die auf der Erde wegen der Dämmerung zu schwinden beginnen, lange bevor die Sonne sichtbar wird.
Aber auch wenn die ganze Sonnenscheibe [* 22] oberhalb des Horizonts steht, sind wahrscheinlich die größere Gestirne auch am Tag am schwarzen Himmel sichtbar. Wegen Mangels der Dämmerung und jeglichen durch die Luft vermittelten Zwischen- oder Halblichts wird die Landschaft stückweise sichtbar, nach Maßgabe der fortschreitenden Beleuchtung, [* 23] wobei zwischen Licht [* 24] und Schatten die größten Kontraste stattfinden. Ebenso ist die Wirkung des von Bergflächen reflektierten Lichts gegen beschattete Stellen auch nicht irgend einer Abschwächung durch die Wirkung der Luft unterworfen.
Nach sieben Tagen hat die Sonne den Zenith erreicht, nach weitern sieben Tagen geht sie im W. unter, und es folgt, unvermittelt durch die Dämmerung, die Nacht, in welcher kein Polarlicht, [* 25] kein Feuermeteor, keine Sternschnuppe gesehen wird. Versetzen wir jetzt den Beobachter in die Mitte der gegen die Erde gewendeten Seite des Mondes und nehmen an, daß es die Zeit der dortigen Mitternacht sei. Am schwarzen, doch nicht völlig dunkeln Himmel steht im Zenith die voll erleuchtete Scheibe der Erde, viermal größer im Durchmesser, als uns der Vollmond erscheint, und eine 28mal größere Lichtmenge herabsendend.
Bei solchem Glanz wird zwar die Sichtbarkeit der kleinsten Sterne und der Milchstraße beeinträchtigt werden, aber diese wird ebensowenig ganz verschwinden wie der hellere Teil des Zodiakallichts. Während die Sterne der Ekliptik langsam hinter dem Erdkörper fortziehen, scheint dessen Ort in Beziehung auf Horizont und Zenith kaum merklichen Änderungen unterworfen; aber mehr und mehr nimmt das Volllicht der Erde an der Westseite ab, und nach sieben Tagen ist sie nur noch halb erleuchtet. Dem unbewaffneten Auge [* 26] des Beobachters zeigen sich deutlich in großen Umrissen die Kontinente der Erde im Gegensatz zu den dunkeln ozeanischen Flächen, ebenso das weiße Licht (Nord- ¶
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oder Südlicht) des einen oder andern der Pole, aber alles vielfältig verhüllt von Wolkenzügen, deren Lichtglanz jeden andern auf der Erde, mit Ausnahme der noch über die Wolken ragenden beschneiten Hochgebirge, übertreffen wird. Es zeigt sich auch die allgemeine Abnahme des Lichts gegen die Phase und gegen den Rand der Erdkugel hin sowie sehr leicht die Wirkung der Rotation an dem Verschwinden dieser und an dem Auftreten andrer Punkte auf der Oberfläche. In dem Maß, wie die aufsteigende Sonne sich dem Zenith und also auch der Erde nähert, hat die Phase dieser mehr und mehr abgenommen.
Die letzte, sehr feine Erdsichel, im Durchmesser viermal größer als die Sonnenscheibe und dieser ganz nahe, wird unsichtbar, und es beginnt eine Sonnenfinsternis [* 28] von langer Dauer in dem Fall, daß ein zentraler Vorübergang stattfinden sollte. Dann werden sich die Phänomene, welche wir bei großen Sonnenfinsternissen beobachten, zum Teil in erhöhtem Maß zeigen, weil die Erdatmosphäre das Licht der verdeckten Sonne rings um die Erde zum Teil durchlassen und so eine große und farbenreiche Corona darstellen wird, deren Licht vielleicht nicht stark genug ist, um die vollständige Sichtbarkeit der Gestirne zu verhindern.
Auch darf man annehmen, daß während solcher Totalfinsternis die allgemeine Beleuchtung von roter Farbe sein werde. Jedoch findet nicht jedesmal unter gedachten Umständen eine Finsternis statt, denn die Sonne kann auch seitlich an der Erde vorübergehen. Sobald die Sonne hinter der Erde wieder hervorgetreten ist, zeigt sich an letzterer bald wieder die feine Sichelform, und wenn sieben Tage später die Sonne untergeht, ist im Zenith die Erde wieder halb erleuchtet oder im ersten Viertel. Die Beleuchtung der Nachtseite des Mondes durch das von der Erde reflektierte Sonnenlicht gibt sich übrigens zu erkennen in der aschfarbenen Beleuchtung der Mondscheibe, die wir kurz vor und nach dem Neumond neben der glänzenden, der Sonne zugekehrten Lichtsichel gewahren. Kepler schrieb die richtige Erklärung dieses Phänomens seinem Lehrer Mästlin zu, doch hat dieselbe schon früher der geniale Ingenieur und Maler Leonardo da Vinci gegeben.
Mondatmosphäre.
Verschiedene ältere Mondbeobachter, von Hevel bis herab auf Schröter, haben dem eine Atmosphäre zugeschrieben, andre, wie W. Herschel, haben dieselbe in Abrede gestellt, und diese Ansicht hat in der Hauptsache den Sieg davongetragen. Besäße nämlich der eine das Licht brechende Atmosphäre, so müßte uns ein Stern noch sichtbar sein, wenn er bereits hinter dem Mond steht, gerade so wie wir auch die Sterne infolge der atmosphärischen Strahlenbrechung [* 29] noch sehen, wenn sie sich bereits ein Stück unter dem Horizont befinden.
Der aus der Dauer einer Sternbedeckung abgeleitete Durchmesser des Mondes müßte daher kleiner sein als der durch direkte Messung bestimmte. Da sich nun kein derartiger Unterschied ergab, so schloß Bessel, daß der Mond keine Atmosphäre besitze, deren Dichte den 900. Teil der unsrigen übersteigt. Neuere Untersuchungen haben indessen dieses Ergebnis einigermaßen modifiziert; es hat insbesondere Neison einen durch die Mondatmosphäre bewirkten Unterschied von 2'' in der Bestimmung des Monddurchmessers nachweisen zu können geglaubt und daraus auf die Existenz einer solchen Atmosphäre geschlossen, deren Dichte ungefähr 1/300 der unsrigen ist.
Auch Küstner ist bei einer neuern Bestimmung des Monddurchmessers aus Plejadenbedeckungen zu der Überzeugung gelangt, daß die Beobachtung von Sternbedeckungen durch den Mond kein so zuverlässiges Mittel zur Entscheidung der Frage nach der Mondatmosphäre abgebe, als man früher geglaubt hat. Das ist indessen sicher, daß die Mondatmosphäre, wenn eine solche existiert, nur eine sehr geringe Dichte besitzen kann, daß also auch beträchtliche Ansammlungen von Wasser auf dem Mond nicht existieren können, weil dieses verdunsten und in die Atmosphäre übergehen würde.
Mondkarten und Mondlandschaften.
Als Galilei das eben erst erfundene Fernrohr 1610 auf den Mond richtete, erkannte er die Unebenheiten seiner Oberfläche, die Schatten der Gebirge, und wagte Vermutungen über die Höhe derselben. Gleiche Wahrnehmungen machten andre Beobachter, und schon um die Mitte des 17. Jahrh. gab es Mondkarten, unter denen jedoch nur die zahlreichen Abbildungen Hevels (1647) einen für die damalige Zeit erheblichen Wert beanspruchen können, wenn auch alles nur nach dem Augenmaß verzeichnet wurde.
Noch vor der Mitte des 18. Jahrh. aber stellte Tob. Mayer in Göttingen [* 30] zuerst die Lage verschiedener Hauptpunkte des Mondes durch wirkliche Messungen fest und brachte eine zwar kleine, aber sehr genaue Mondkarte zu stande, die 1787 durch Lichtenberg veröffentlicht wurde. Mayer ist daher als der Begründer der wissenschaftlichen Selenographie zu betrachten. Seit 1784 begann Schröter in Lilienthal bei Bremen [* 31] mit Hilfe großer Spiegelteleskope seine Mondstudien. Er schritt aber nicht auf Tob. Mayers Wegen fort, da er die Ortsbestimmungen seines Vorgängers nicht wieder aufnahm, sondern sich auf die Spezialbeobachtung vieler Mondlandschaften bei wechselnder Beleuchtung beschränkte, worin er für seine Zeit Großes geleistet hat.
Sehr bedeutend sind die Fortschritte der Selenographie in unserm Jahrhundert. 1820-36 war es Lohrmann in Dresden, [* 32] seit 1830 Mädler in Berlin [* 33] (dessen 1837 erschienene Karte, eine ausgezeichnet feine Lithographie, auch unsrer beifolgenden »Mondkarte« zu Grunde liegt), dieser in freigebigster Weise durch Wilhelm Beer unterstützt, die nach langjähriger Arbeit Abbildungen des Mondes im Durchmesser von 3 Pariser Fuß lieferten, mit denen die frühern Versuche in keinen irgendwie zulässigen Vergleich gebracht werden können. Lohrmanns Karte, in Kupferstich ausgeführt, ward erst 1877 durch J. F. J. ^[Johann Friedrich Julius] Schmidt veröffentlicht (Leipz.), nachdem Lohrmann selbst nur vier Sektionen (1824) publiziert hatte. Von Schmidt haben wir außerdem als Frucht langjähriger eigner Beobachtungen in Bonn, [* 34] Olmütz [* 35] und Athen [* 36] eine »Karte der Gebirge des Mondes nach eignen Beobachtungen in den Jahren 1840-74« (Berl. 1878) in 25 Blättern, nebst einem Erläuterungsband.
Über 2000 Originalzeichnungen, zumeist nach Aufnahmen am Athener Refraktor, lieferten das Material zu dieser Darstellung, welche den Mond im Maßstab 1:1,783,200 als Scheibe von 2 m Durchmesser zeigt. Beide hochverdienstlichen Arbeiten beruhen auf zahlreichen Messungen, die gemacht wurden, um für einige hundert Haupt- und Nebenpunkte die Positionen nach Länge und Breite [* 37] festzustellen, und auch Schröters Bestreben, die Höhe der Berge nach dem Schatten zu bestimmen, blieb nicht isoliert, da Mädler mehr als 1000 solcher Messungen hinzufügte. Bis zum Jahr 1840 gibt es keinerlei selenographische Arbeiten, die neben denen Lohrmanns und Mädlers eine hervorragende Bedeutung beanspruchen können. Nur die schriftlichen Notierungen von Kunowski in Berlin und vielleicht einige wenige Zeichnungen und Bemerkungen von ¶