Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03311.jsonl.gz/1576

|Experten-Kolumne||
30.05.2021 13:07:00

Kolumne
Der Relative Stärke Index (RSI) misst die Geschwindigkeit und die Richtung eines Trends. Er vergleicht dabei die Kursanstiege und Kursverluste, um abzulesen, ob ein Kurs überbewertet oder unterbewertet ist.
Welles Wilder hat 1978 in seinem Buch "New Concepts in Technical Trading System" den Relative Strength Index (RSI, Relativ Stärke Index) erstmals vorgestellt hat. Das Konzept der relativen Stärke wurde aber bereits in den 1930er Jahren erwähnt und gilt als Vorreiter der Momentum Theorie. Noch bevor der Momentum Effekt als Marktanomalie erkannt wurde, entwickelte Wilder den RSI auf Basis des Momentum Oszillators. Da er beim Momentum Oszillator einige Probleme feststellte, welche die praktische Anwendung erschwerten, versuchte er das Problem mit dem Relative Stärke Index zu beheben. Eines dieser Probleme ist, dass sich der Momentum Oszillator nicht innerhalb einer vordefinierten Bandbreite bewegt, und somit die Werte nur schwer miteinander vergleichbar sind. Durch die Indexierung des RSI schaffte Wilder eine Untergrenze von 0 und eine Obergrenze von 100, sodass über den Wert des RSI abgelesen werden kann, ob das zugrundeliegende Handelsinstrument überbewertet oder unterbewertet ist.
Berechnungsgrundlage
Zwar kann man sich heutzutage in jeder Handelssoftware den RSI direkt berechnen und anzeigen lassen, jedoch ist es meines Erachtens wichtig zu wissen, wie dieser berechnet wird um den Indikator genau zu verstehen.
Der RSI berechnet sich wie folgt:
Daraus lässt sich ablesen, dass der RSI ein Preisfolgeindikator ist und die Intensität einer Kursbewegung misst. Der Indikator zeigt einen Wert von 0 an, wenn in der gewählten Zeit keine einzige Handelsperiode mit einem Gewinn abgeschlossen wurde. Umgekehrt wird der Indikator einen Wert von 100 anzeigen, wenn kein einziger Verlust zu vermerken war. In der Standardeinstellung verwendete Wilder eine 14-tägige Zeitperiode. Der RSI lässt sich aber beliebig in der Anzahl der Perioden und der Zeiteinheit variieren.
Wilder’s Handelsansätze in der Übersicht
Wilder definiert verschiedene Anwendungsbeispiele für den RSI:
1) Erkennen von Hoch- bzw. Tiefpunkte
Übersteigt der RSI den Schwellenwert von 70, gilt das betrachtete Handelsinstrument als überkauft und ist ein Indiz für eine bevorstehende Korrektur oder gar für eine Trendumkehr. Umgekehrt gilt das Handelsinstrument als überverkauft, wenn der Schwellenwert von 30 unterschritten wird.
2) Frühzeitiges Erkennen von Chartformationen
Wer auf Chartformationen wie z.B. die Schulter-Kopf-Schulter Formation und weitere achtet, sollte auch im RSI nach diesen Formationen suchen. Während der Marktpreis oftmals die Formation nicht eindeutig oder verspätet anzeigt, kann der RSI aufgrund seiner Berechnungseigenschaften die Formation schon früher und eindeutiger erkennen.
3) Erkennen von Unterstützungs- und Widerstandszonen
Wilder hat erkannt, dass der RSI Trendphasen im Handelsinstrumentals Unterstützungs- oder Widerstandszonen widergespiegelt. Bricht der RSI durch die Unterstützung oder den Widerstand, gilt dies entsprechend als Verkaufs- bzw. Kaufsignal.
4) Erkennen von Divergenzen und Konvergenzen
Ähnlich wie beim MACD Indikator, lassen sich auch im RSI Divergenzen und Konvergenzen zwischen der Kursentwicklung und der Entwicklung des RSI ablesen. Wenn Divergenzen auftreten, ist dies zumeist ein Zeichen für eine signifikante Trendumkehr. Eine Konvergenz entsteht, wenn sich der zugrundeliegende Kurs und der Indikator annähern. Eine Divergenz liegt im genau gegenteiligen Szenario vor. Eine Konvergenz gilt als Bullisches Trendumkehrsignal während eine Divergenz eine Bärische Trendumkehr signalisiert.
Larry Connors RSI-2 Strategie
Seit 1978 haben sich viele weitere Strategien auf Basis des RSI entwickelt. Die wohl bekanntesten Strategie stammt von Larry Connors aus seinem Buch «Short Term Trading Strategies That Work» aus dem Jahr 2009. In diesem beschreibt er die 2-Perioden RSI Strategie im Detail und unterlegt diese mit statistischen Tests.
Während die Wissenschaft weiterhin über die Sinnhaftigkeit und die Effektivität der Chartanalyse streitet, bleibt der Momentumeffekt eine anerkannte Marktanomalie, welche eine Mehrrendite verspricht. Der RSI, der auf den Momentum basiert, scheint dabei ein Indikator zu sein, der weitläufig anerkannt und akzeptiert ist. Grundsätzlich gilt bei Anlageentscheidungen jedoch immer, dass diese niemals nur auf Basis eines einzelnen Indikators getroffen werden sollten.
Christos Maloussis ist Market Analyst - Premium Client Manager bei IG Bank S.A.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.
Werbung