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Neuntöter (Lanius collurio)
Der Neuntöter ist ein typischer Bewohner des Kulturlands. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft hat der Bestand des Neuntöters in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. Mit Massnahmen wie Heckenpflanzungen kann versichert werden, dass der schöne Vogel auch weiterhin ein häufiger Vogel des Mittellands bleibt.
Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Lanius collurio
Klasse: Vögel
Ordnung: Sperlingsvögel
Familie: Würger
Länge: 16-18 cm
Spannweite: 24-27 cm
Gewicht: 21-40 g
Verbreitung: Europa, Ostasien
Brutbestand CH: 10’000-15’000 Paare
Lebensraum: Hecken, Waldrand, Kulturland
Zugverhalten: Langstreckenzieher
Wie sieht der Neuntöter aus?
Der Neuntöter ist mit einer Länge von 16-18 cm etwas grösser als ein Haussperling. Typisch für alle Würger hat der Neuntöter einen recht breiten Schnabel mit einer überstehenden, gegen unten gekrümmten Schnabeloberseite. Männchen und Weibchen zeigen unterschiedliche Gefieder und können deshalb leicht auseinandergehalten werden. Neuntöter haben, wie alle anderen Würgerarten auch, keine Pracht- und Schlichtkleider.
Die Neuntöter-Männchen haben eine schwarze ‘Zorro-Maske’. Scheitel und Nacken sind grau. Der Rücken ist einheitlich braun, während die Brust hell-beige bis leicht rosa gefärbt ist. Die Füsse sind einheitlich grau.
Die Weibchen sind weniger auffällig gefärbt. Sie haben zwar keine ‘Zorro-Maske’, hinter den Augen zeigen die Weibchen aber einen braunen Augenstreif. Der Kopf, Nacken und Mantel sind einheitlich grau-braun gefärbt. Die Brust ist grundsätzlich weiss, besonders die Flanken sind aber leicht gemustert.
Die Jungvögel ähneln vom Aussehen her dem der Weibchen. Die Jungvögel sind aber noch stärker gemustert. Besonders der Scheitel, der Nacken sowie der Mantel ist stark gemustert und dient als gutes Unterscheidungsmerkmal.
Verwechslungsmöglichkeit
Der Neuntöter ist mehr oder weniger unverwechselbar. Der Raubwürger, ein naher Verwandter des Neuntöters, hat zwar gewisse Ähnlichkeiten, kann aber aufgrund der anderen Beobachtungszeit auseinandergehalten werden. So kann der Neuntöter nur im Sommerhalbjahr in der Schweiz beobachtet werden. Der Raubwürger ist als Brutvogel in der Schweiz ausgestorben und ist in der Schweiz nur noch im Winter zu beobachten. Zusätzlich ist der Raubwürger ausschliesslich grau bis schwarz gefärbt. Der Neuntöter hingegen zeigt auch Brauntöne.
Wo lebt der Neuntöter?
Der Neuntöter brütet in der Schweiz hauptsächlich im Kulturland. So werden z.B. Rebflächen, Obstgärten mit Hochstammbäumen, oder Felder mit anliegenden Hecken besonders gerne besiedelt. Neben Hecken benötigt der Neuntöter Sing- und Jagdwarten. Diese können z.B. Bäume, Hecken, Telefonleitungen oder Pflanzen wie z.B. Nachtkerzen sein.
Vorkommen in der Schweiz
In der Schweiz ist der Neuntöter vor allem nördlich der Alpen, im Tessin und den Alpentälern verbreitet. Der Neuntöter-Bestand in der Schweiz wird auf 10’000-15'000 Paare geschätzt. Ab Mitte der 90er Jahren ist der Bestand zurückgegangen. In den letzten Paar Jahren war der Trend aber wieder leicht positiv. Das könnte neben besseren klimatischen Bedingungen im Brutgebiet auch durch Schutzmassnahmen ausgelöst worden sein.
Durch die Klimaerwärmung muss der Neuntöter im weiter in den Süden Afrikas ziehen. Die immer länger werdenden Zugwege sind eine grosse Herausforderung für den Neuntöter und die Bestandsentwicklung der nächsten Jahre ist deshalb sehr ungewiss.
Was frisst der Neuntöter?
Der Neuntöter ist trotz seiner relativ kleinen Grösse ein Raubvogel. Seine Nahrung - vor allem Kleinsäuger, Grossinsekten aber auch Jungvögel – spiesst der Neuntöter gerne auf Dornen von z.B. Brombeersträuchern auf. Dort ist die Beute vor Insekten geschützt und kann in Ruhe verzehrt werden.
Auf der Lauer nach Beute wartet der Neuntöter auf Sitzwarten einige Meter über dem Boden. Von dort aus fliegt der Vogel dann auf den Boden.
Fortpflanzung
Das Nest des Neuntöters befindet sich meist inmitten von dichten Sträucher. In das Nest legt das Weibchen, im Intervall von jeweils einem Ei pro Tag, zwischen 4 bis 6 Eier. Diese werden gut 2 Wochen vom Weibchen bebrütet, bevor die Jungen schlüpfen.
Zu Beginn werden die Jungen ausschliesslich vom Männchen mit Nahrung versorgt. Das Weibchen bleibt im Nest und verkleinert und verteilt die Nahrung unter den Jungvögeln. Werden die Jungvögel grösser geht das Weibchen selber auf Jagd und die Jungen werden von beiden Elterntieren gefüttert.
Nur gerade 2 Wochen nachdem die Jungen geschlüpft sind, verlassen die Jungen das Nest. In den folgenden Tagen werden sie weiterhin von den Eltern gefüttert. Ungefähr 26 Tage nach dem Schlüpfen beginnen die Jungvögel selber zu jagen. Etwa 10 Tage später werden die Jungvögel dann allmählich selbständig.
Ist der Neuntöter in Zugvogel?
Der Neuntöter ist ein ausgesprochener Zugvogel. Jedes Jahr fliegt der Neuntöter vom Brutgebiet in Europa über die Sahara bis nach Ost- und Südafrika. In der Schweiz ist er jeweils einer der letzten Ankömmlinge im Frühling und einer der ersten Brutvögel, die die Schweiz wieder verlassen. Die ersten Neuntöter sind ungefähr Anfangs Mai in der Schweiz. Schon Anfangs September verlassen die Neuntöter allmählich wieder die Schweiz.
Wie fotografiere ich Neuntöter?
Neuntöter können je nach Gebiet recht zutraulich sein. Besonders zusammen mit Jungvögel sind Neuntöter recht leicht zu fotografieren. Tarnung ist zwar wie fast immer ein Vorteil, besonders ein Tarnzelt ist aber nicht unbedingt notwendig.
Nachtkerzen werden vom Neuntöter sehr gerne als Sitzwarte benutzt. Diese Pflanzen sind zum Fotografieren recht attraktiv. Es lohnt sich also, wenn du einen Neuntöter siehst, nach Nachtkerzen Ausschau zu halten. Wartest du in der Nähe einer solchen Sitzwarte auf den Neuntöter, ist die Chance sehr hoch, dass der Neuntöter dort vorbeikommen wird.
Quellen
Die Bestandeszahlen, Länge, Gewicht und Spannweite entsprechen den Daten der Vogelwarte Sempach
Informationen über Verhalten, Verbreitung usw. entsprechen meinen eigenen Beobachtungen und wurden mit Informationen aus folgenden Quellen ergänzt:
Die Vögel der Schweiz (2007) Lionel Maumary et al.
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016
Der Kosmos Vogelführer (2017) Lars Svensson et al.