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GehenThomas Bernhard, in einer Fassung von Michael Wolf
In einem Wahnsinns-Monolog lotet Thomas Bernhard unerbittlich die Grenzen des menschlichen Denkens aus, bis hin zur Frage, was man mit Sprache überhaupt auszudrücken vermag. Ein namenloser Ich-Erzähler unternimmt regelmässig ausgedehnte Spaziergänge mit seinem Bekannten Oehler, der ihn mit seinen Lebensphilosophien buchstäblich zum Verstummen bringt. Im Zentrum von Oehlers Monolog steht der gemeinsame Freund Karrer, der verrückt geworden und im Irrenhaus gelandet ist. Was als scheinbar harmlose Plauderei beginnt, verdichtet sich schliesslich zur existentiellen Krise im zwanghaften Abschreiten des Wiener Mikrokosmos. «Gehen» ist eine literarische Gratwanderung, die in der Darstellung von Michael Wolf leibhaftig wird – zum Schreien komisch, ebenso abgrundtief traurig, immer hoch verzweifelt und von grösster Musikalität.
Michael Wolf ist als Schauspieler tätig, u. a. am Stadtheater Konstanz, Schauspiel Bonn, Schauspielhaus Zürich, Luzerner Theater, Theater KLARA Basel, kraut_produktionen Zürich, PARK, Matterhorn Produktionen Basel und seit 1990 zudem Initiant eigener Theaterprojekte.
Isabelle Menke absolvierte ihre Schauspielausbildung am Mozarteum in Salzburg. Von 1993 bis 1999 war sie festes Ensemblemitglied am Theater Neumarkt in Zürich. Danach spielte sie am Theater Basel, Schauspiel Hannover und am Schauspielhaus Zürich, wo sie seit 2010/11 festes Ensemblemitglied ist.
Zum Autor:
Thomas Bernhard wird 1931 als uneheliches Kind in Heerlen (Niederlande) geboren. Seine Kindheit verlebt er hauptsächlich bei seinen Grosseltern mütterlicherseits. Er besucht ein Internat und ab 1945 das Humanistische Staatsgymnasium in Salzburg. Mit 15 Jahren bricht er es vorzeitig ab und beginnt eine Lehre in einem Lebensmittelgeschäft. Aufgrund einer nicht ausgeheilten Erkältung muss er wegen einer schweren Rippenfellentzündung, woraus sich eine Lungentuberkulose entwickelt, ins Krankenhaus. In den anschliessenden Aufenthalten in Sanatorien und Lungenheilstätten beginnt Bernhard intensiv zu schreiben. Er fängt ein Musikstudium am Mozarteum in Salzburg an und arbeitet gleichzeitig als Journalist bei verschiedenen Zeitungen, u. a. als Gerichtsreporter. Danach lebt er bis zu seinem Tod (1989) als freier Schriftsteller in Österreich. Mit einer testamentarischen Verfügung lässt er sämtliche Aufführungen, Drucklegungen und Rezitationen seiner Werke in Österreich verbieten. Dieses Aufführungsverbot wird 1998 durch die Initiative einer Privatstiftung wieder aufgehoben.
Foto Donovan Wyrsch
PRESSESTIMMEN
«Gehen», 1971 erschienen, ist eine sprach- und denkakrobatische Textmasse, die auf der Bühne zu reproduzieren, geschweige denn überzeugend zu spielen nur jemand vermag, der über herausragende darstellerische und rhetorische Fähigkeiten verfügt.
Michael Wolf meistert die Herausforderung mit spielerischer Leichtigkeit. Die 80 anspruchsvollen Minuten vergehen im Flug. (…)
(…) Unter der Regie von Isabelle Menke gibt der Schauspieler alles. In der Ladenszene steigert sich seine Verzweiflung in einen wahren Rausch, bevor er resigniert zur Ruhe kommt. Er hätte sich ändern müssen, hätte weggehen müssen, so Karrer, sagt Oehler, weggehen aus diesem Land. Jetzt ist es zu spät. (Karl Wüst, SDA, 20.01.17)
… Der genial rhythmisierte Monolog hämmert die Negation von Welt und Weltdeutung auf den Leser ein, derweil das namenlose Ich rapportiert, was Oehler erzählte, …
Vielleicht liegts ja an Michael Wolf, dass man den Wortkaskaden bewundernd, aber auch amüsiert-distanziert folgt: Der Schauspieler beherrscht zwar die gischtende Textflut, die in eine 80-minütige Fassung geleitet wurde. Doch sie beherrscht ihn nicht: Die aus existenzieller Not geborene Sprachartistik nimmt den Akteur nicht in Besitz. (Alexandra Kedves, Tages Anzeiger, 21. Januar 2017)
Regie Isabelle Menke Mit Michael Wolf Licht/Technik Edith Szabò Koproduktion Theater Tuchlaube Aarau Gefördert durch STANLEY THOMAS JOHNSON STIFTUNG, MIGROS-KULTURPROZENT, Ernst Göhner Stiftung, Schweizerische Interpretenstiftung Rechte Suhrkamp Verlag