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Auf der Seite des bildungsserverBLOG ist ein Interview mit Gerald Hüther zu lesen.
Jedes Kind ist hoch begabt.
Wenn man vom Duden Universalw√∂rterbuch ausgeht, dann bedeutet “hoch begabt” oder “hochbegabt” – beide Schreibungen sind m√∂glich:
sehr, über das durchschnittliche Ma√ü, über die durchschnittliche Erwartung begabt: ein -er junger Musiker.
Wenn man dies nun logisch genau betrachtet, so kann man die Aussage von Gerald Hüther auch so formulieren
Jedes Kind ist über das durchschnittliche Mass, über die durchschnittliche Erwartung begabt.
Wenn aber jedes Kind begabter als der Durchschnitt ist, dann stimmt mit dem Begriff des Durchschnitts etwas nicht mehr. Der Durchschnitt ist ein “aus mehreren vergleichbaren Gr√∂ssen errechneter Mittelwert in Bezug auf Quantit√§t oder Qualit√§t” (Duden Universalw√∂rterbuch).
Hier kann also schon logisch etwas nicht mit der Aussage dieses Göttinger Neurobiologen stimmen.
Hüther relativiert das, was man Begabung nennt, auf Kulturen, es seien nichts anderes als kulturelle Vereinbarungen. Bei uns gelten “kognitive und auch analytische F√§higkeiten als besondere Begabungen”. So würden Begabungen wie auf B√§ume klettern zu k√∂nnen oder eine gute K√∂rperbeherrschung zu haben bei uns nicht als besondere Begabungen angesehen. Das Problem sei nun, dass unsere Schulen die Schüler nur nach kognitiven Kriterien beurteilen würden. Würde man andere Kriterien für Begabungen akzeptieren, dann “würde das Schulsystem so wie es ist, nicht mehr funktionieren. Dann k√∂nnte man Kinder nicht l√§nger aussieben und selektieren und dann k√∂nnte man Kinder mit Trisomie 21 auch zum Abitur führen, so wie wir es in unserem Buch beschrieben haben.”
Mit anderen Worten: Auch Schüler, die gut auf B√§ume klettern k√∂nnen, sollten das Abitur schaffen und studieren k√∂nnen, fragt sich dann einfach was. Hüther doppelt anschliessend noch nach, indem er sagt, dass die Schule für jedes Kind passende Aufgaben bereit haben sollte, damit es seine Potenziale entfalten k√∂nne, damit es also seine Hochbegabung entfalten kann. Keine Selektion, nur noch F√∂rderung dieser hochbegabten Kinder. Statt Lehrer sollen mehrere Tutoren, “Potenzialentfaltungscoaches”, den Schülern helfen, ihre eigenen Lernprogramme zu entwickeln. Diese Tutoren “vermitteln kein Wissen, sondern begeistern ihre Schüler dafür, sich Wissen aneignen zu wollen.” Vorbild ist die die Evangelische Gesamtschule in Berlin. Dort würden die Schüler weinen, wenn sie Ferien haben.
Letztlich sagt der Professor das, was alle Eltern so gerne h√∂ren: ihre Kinder sind alle hochbegabt. Die Schule und die Lehrer sind das Problem, sie sind dafür verantwortlich, dass sie sp√§ter keinen Erfolg haben.
In dem Fall warten wir auf zukünftige Lehrstühle für B√§umeklettern und Grappatrinken.
Da f√§llt mir in dem Zusammenhang auch die chinesische Amerikanerin Amy Chua (Die Mutter des Erfolgs) ein:
Im Unterschied zur typisch westlichen Hausfrau-und-Mutter im Dauereinsatz für die Kinder ist die chinesische Mutter überzeugt, dass 1. Hausaufgaben grunds√§tzlich an erster Stelle stehen, 2. ein A minus eine schlechte Note ist, 3. ihre Kinder in Mathe den Mitschülern immer um zwei Jahre voraus sein müssen, 4. man die Kinder nie √∂ffentlich loben darf, 5. man im Fall einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem eigenen Kind und einem Lehrer oder Trainer immer die Partei des Lehrers oder Trainers ergreifen muss, 6. die einzigen Freizeitbesch√§ftigungen, die man den Kindern erlauben sollte, solche sind, die ihnen am Ende eine Medaille eintragen, und 7. diese Medaille aus Gold sein muss.