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Am späten Dienstagabend Ortszeit ereignete sich 105 Kilometer vor der Südküste der Alaska-Halbinsel ein schweres Erdbeben der Stärke 7,8, das auch in Anchorage und auf der Kenai-Halbinsel deutlich spürbar war. Unmittelbar danach gab das Nationale Tsunami Warnzentrum eine Tsunami-Warnung heraus, die etwa zwei Stunden später wieder aufgehoben werden konnte. Obwohl die Erde in Orten wie Sand Point, Cold Bay und Perryville recht stark bebte, wurden glücklicherweise keine Menschen verletzt und auch strukturelle Schäden beschränken sich offenbar auf eine beschädigte Straße und heruntergefallene Dinge in Häusern.
Im Golf von Alaska sind Erdbeben keine Seltenheit, doch eines dieser Stärke wird nicht häufig beobachtet und Michael West, Seismologe am Alaska Earthquake Center, bezeichnete das Beben von Dienstag Nacht um 22:12 Uhr als «sehr bedeutend» und «typisch für die Südküste Alaskas». Laut seiner Aussage ist bei dem Beben 15-mal mehr Energie freigesetzt worden, als bei dem Beben in Anchorage Ende November 2018 mit einer Stärke von 7,1, das über hundert Menschen verletzte und einiges an Infrastruktur zerstörte.
Dennoch ist West überrascht über das Beben nahe der Shumagin Islands. In dieser Region wurden bisher keine starken Beben dokumentiert, weshalb Seismologen sie auch Shumagin Gap, also Shumagin Lücke nennen. Entlang der Südküste von Alaska befindet sich eine Subduktionszone, bei der sich die Pazifische Platte unter die Nordamerikanische Platte schiebt. Wird der Druck zu groß, lösen sich die beiden Platten in der blockierten Zone voneinander und verursachen ein Erdbeben. Laut West passiert dies im Prinzip überall, nur eben nicht in der Shumagin Lücke. Die Wissenschaftler waren sich bisher nicht einig, ob das bisherige Ausbleiben eines großen Bebens in der Region auf einen kontinuierlichen Druckabbau durch kleine Beben zurückzuführen ist oder ob ein großes Erdbeben einfach lange überfällig ist. Mit dem letzten Ereignis und den neuen Daten dazu erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse.
Standardmäßig gab das Nationale Tsunami-Warnzentrum eine Warnung aus, woraufhin von den Aleuten bis zur Kenai Halbinsel die Sirenen ertönten. Besonders diese Art von Erdbeben birgt ein hohes Potential, einen Tsunami auszulösen, wie West erklärt. Die Evakuierungen in den betroffenen Regionen liefen offenbar problemlos und ruhig ab und die Einwohner sammelten sich in High Schools, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder suchten höher gelegenes Gelände auf. An den Sammelpunkten gaben die Verantwortlichen Masken aus, die die Menschen bereitwillig nutzten.
Für die Einwohner gehören vorsorgliche Evakuierungen wegen einer Tsunami-Warnung fast zum Alltag. Larry LeDoux, Leiter des Kodiak Schulbezirks, sagt dazu gelassen: «Ich erlebe das seit meiner Kindheit, das ist nichts Neues.»
Die Tsunami-Sensoren im Ozean schlagen unter Umständen nicht sofort nach einem Beben Alarm, da die Welle je nach Entfernung zum Epizentrum eine gewisse Zeit benötigt, um einen Sensor zu erreichen, wie James Gridley, Direktor des Nationalen Tsunami Warnzentrums in Palmer, erklärt. Deshalb wurde die Warnung sofort ausgegeben, auch wenn noch keine Welle gemessen wurde. «Wir gehen solange davon aus, dass es eine Welle gibt, bis wir es besser wissen», so Gridley. «Wir müssen vom schlimmsten Fall ausgehen. Die sicherste Position ist, die Menschen in Bewegung zu setzen.»
In Sand Point beobachtete das Warnzentrum eine 25 Zentimeter hohe Welle und erhielt die Warnung aufrecht, um den gesamten Wellenzyklus abzuwarten. Um 00:30 Uhr am Mittwoch konnte die Warnung schließlich aufgehoben werden.
In der Region wurden bisher acht Nachbeben erfasst mit Stärken zwischen 4,5 und 6,1 und etwa 40 kleinere, von denen jedoch keines eine erneute Tsunami-Warnung notwendig machte.
Julia Hager, PolarJournal