Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03445.jsonl.gz/754

Die Gründe für eine Epilepsie werden bisher im Einzelnen noch nicht verstanden, allerdings machten Forscher einige Risikofaktoren aus, die das Auftreten eines epileptischen Anfalls fördern. Dazu gehören unter anderem:
- Verwandtschaftliche Risikofaktoren, z. B. wenn bereits Elternteile unter Epilepsie leiden oder litten,
- Fehlbildungen des Gehirns,
- Vorgeburtliche Hirnschäden,
- Schlaganfall,
- Gehirntumoren,
- Hirnhautentzündung,
- Vergiftungen sowie,
- Medikamenten-, Alkohol- und Drogenmissbrauch.
In einigen Fällen lässt sich zudem gar keine Ursache finden. Diese sogenannten idiopathischen Epilepsien sind eine sehr häufige Form der Fallsucht. Bei bis zu 40 % der Betroffenen tritt sie auf.
Die Epilepsie ist eine Erkrankung, die anfallartig abläuft. Ein solcher Anfall kann Sekunden bis Minuten dauern und tritt in aller Regel plötzlich auf. Die Epilepsie hat jedoch je nach betroffenem Hirnbereich ein etwas anderes Erscheinungsbild, weshalb es nicht immer leicht ist, einen Anfall auch als solchen zu erkennen. Die Epilepsie ist bei Auftreten eines akuten Anfalls immer ein Notfall und bedarf ärztlicher Fürsorge.
Mitunter lassen sich einige der folgenden „Vorboten“ eines epileptischen Anfalls bemerken:
- Verstimmungen,
- Reizbarkeit,
- Kopfschmerzen sowie
- Halluzinationen (Aurasehen)
Im Wesentlichen können zwei Grundformen der Epilepsie unterschieden werden:
1. Die fokale Epilepsie
Bei dieser Anfallsform ist zunächst nur ein eng umschriebener Bereich der Grosshirnrinde betroffen. Je nach Funktion dieses Areals kommt es bei der fokalen Epilepsie zu ganz unterschiedlichen Symptomen. Am häufigsten sind dabei Muskelzuckungen und Wahrnehmungsstörungen. Die Anfälle können sowohl bei vollem Bewusstsein als auch mit Bewusstseinseintrübung erlebt werden.
2. Die generalisierte Epilepsie
Unter einem Grand-Mal versteht man einen generalisierten epileptischen Anfall, der Bereiche beider Grosshirnhälften erfasst. Die wohl bekannteste Form der Grand-Mal-Epilepsie ist der tonisch-klonische Anfall, der in zwei Phasen verläuft.
In der ersten Phase überwiegen die Krämpfe der Muskulatur. Diese tonische Phase wird nicht bewusst erlebt. Der Patient fällt zu Boden und Arme und Beine sind gestreckt. Die Atemmuskulatur kann kurzzeitig ausfallen. Nicht selten kommt es dadurch zur bläulichen Färbung der Haut (= Zyanose).
Die zweite Phase – die klonische Phase – folgt der ersten Phase nach 10 bis 30 Sekunden nach. In diesem Teil der Epilepsie dominieren die Zuckungen das Krankheitsbild. Nach ein bis zwei Minuten ist auch diese Anfallsphase überstanden. Der Patient erwacht meist nur sehr kurz und fällt dann in einen tiefen Schlaf, aus dem er/sie nur schwer zu erwecken ist. Betroffene können sich nach dem Aufwachen an den Anfall selbst nicht mehr erinnern. Harn- und Stuhlabgang oder ein Zungenbiss sind jedoch erste Hinweise auf einen epileptischen Anfall.
Sehr viel schwieriger zu diagnostizieren ist jedoch die Petit-Mal-Epilepsie. Der Betroffene zeigt nur eine sekundenlange Unkonzentriertheit oder Abwesenheit, um gleich darauf normal weiterzumachen. Die Petit-Mal- oder Absence-Epilepsie lässt möglicherweise folgende Hinweise erkennen:
- Häufiges Augenzwinkern,
- Schmatzen,
- Kopfdrehung nach hinten oder seitwärts,
- nicht selten Kopfsenkung
Sonderform: Epilepsie bei Kindern
Eine spezielle Form der Fallsucht tritt bei Kindern im Alter zwischen zwei und acht Monaten auf, das West-Syndrom. Obgleich selten, ist das West-Syndrom ernst zu nehmen und meist von ungünstiger Prognose. Es kommt zu Blitzanfällen mit schnellen Muskelzuckungen, Nickanfällen mit Nackensteife sowie Salaam-Anfällen mit vor der Brust verschränkten Armen. Ursache ist meist eine Hirnschädigung, sodass die betroffenen Kinder allgemein unter einer geistigen Entwicklungsstörung leiden.
Die Epilepsie wird in der Regel vom Neurologen diagnostiziert und behandelt. Hat ein Betroffener bereits mehrere Anfälle hinter sich, sollte über eine medikamentöse Behandlung nachgedacht werden. Den meisten Patienten helfen die Medikamente, ein anfallsfreies Leben zu führen. Alle verfügbaren Medikamente wirken dabei auf die Nervenzellen ein und verhindern, dass diese überreagieren können.
In Einzelfällen müssen Kombinationen aus mindestens zwei verschiedenen Medikamenten gegen die Epilepsie gegeben werden, da eines allein die Symptome nicht stark genug zurückdrängt. Es empfiehlt sich, die Medikamente immer regelmässig einzunehmen, da nur so der gleichbleibende Wirkstoffspiegel im Blut und im Gehirn garantiert werden kann.
Ärzte empfehlen Epileptikern zusätzlich einen Anfallskalender zu schreiben. Dieser veranschaulicht die Anzahl und Stärke der aufgetretenen epileptischen Anfälle und ermöglicht es, den Therapieverlauf noch besser nachzuvollziehen.
In Fällen, in denen eine medikamentöse Behandlung nicht möglich ist oder nicht anschlägt, ist ebenso eine operative Lösung verfügbar. Treten die fokalen Anfälle immer im gleichen Hirnareal auf und lässt sich dieses gefahrlos entfernen, dann ist die Operation das Mittel der Wahl. Andernfalls kann eine Art „Hirnschrittmacher“ eingepflanzt werden, der die elektrischen Entladungen der Nervenzellen reguliert. Medizinisch spricht man bei diesem Verfahren von der tiefen Hirnstimulation.
Lässt sich eine akute, organische Ursache für die Epilepsie ausmachen, so ist letztere meist gut behandelbar oder sogar heilbar. Für viele Betroffene ist jedoch ein Grund für die Erkrankung nicht zu finden. Mithilfe der Medikamente jedoch kann immerhin noch dafür gesorgt werden, dass die Betroffenen anfallsfrei bleiben.
Um Anfälle zu vermeiden, sollten Epileptiker eine regelmässige Schlafhygiene einhalten sowie kein flackerndes Licht in der Wohnung anbringen. Autofahren ist möglich, sobald über lange Zeit kein Anfall mehr auftrat. Andernfalls ist der Führerschein abzugeben. Ebenso sollten gefährliche Arbeiten an schweren Maschinen oder in verantwortungsvoller Position (z. B. Busfahrer, Taxi-Fahrer,…) ruhen.