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Diese Tour war nicht so durchgeplant wie die von 2008. Mit dem Zug sollte es bis Rostock gehen, weiter mit der Fähre über Helsinki nach Tallin. Von dort wollte ich mit dem Fahrrad so pi mal Daumen "nach Hause" fahren.
Dabei wollte ich die Kurische Nehrung und das letzte Stück ursprünglichen europäischen Urwalds bei Białowieża zu besuchen, eventuell auch (ganz kurz) die Ukraine und die Masuren. Gern wäre ich von der Kurischen Nehrung über Kaliningrad weiter fahren, aber die russische Botschaft hatte auf meine Email nicht reagiert. Deshalb war diese Variante von vornherein unwahrscheinlich. Alle Zeitangaben sind in MEZ.
Um 14:12 sollte der Zug fahren. Trotz aller guten Vorsätze hatte ich es geschafft, pünktlich 14:14 am Gleis zu sein. Zu meinem großen Glück war die Bahn noch später dran als ich. Selbst der Mann, den ich bei Einfahrt des Zuges durch den Eingang rennen sah, schaffte es noch. In Dresden wurde durchgesagt, dass der Anschlusszug zwei Stunden Verspätung hat. Prost! Aber da ich schon öfter den Inhalt solcher Ansagen mit der Realität vergleichen durfte, ging ich trotzdem zu dem Gleis, von dem mein Zug fahren würde. Und wirklich stand dort ein Zug nach Berlin - der von vor zwei Stunden. Im Gegensatz zu den bereits anwesenden Passagieren war mir die Verspätung egal - ich hatte meinen Anschlusszug.
In Berlin kaufte ich zwei Bücher: "The Alchimist" von Paulo Coelho und "The Death of Bunny Munroe" von Nick Cave. Ersteres wunderbar und fesselnd, das zweite völlig ohne Niveau, obszön und vulgär. Vermutlich verkauft es sich hauptsächlich über den Autorenname.
Im Rostocker Hafen traf ich eine Radlergruppe aus Hannover (wenn ich mich recht erinnere) und einen Finnen, der kurz auf Rhodos gearbeitet und den größten Teil der Heimreise auf einem einfachen Mountainbike zurückgelegt hatte. Wir warteten zusammen auf den "Einlass" und radelten dann als Gruppe in den Bauch der Fähre.
Aus Kostengründen hatten der Finne und ich keine Kabine gebucht, daher machten wir uns auf die Suche nach den Räumen mit den Pullmansesseln, die man kostenlos nutzen darf. In einem kleinen Raum, der wohl manchmal als Kino diente, hatte sich bereits ein deutsches Ehepaar niedergelassen, das im Nordosten Finnlands campen und paddeln wollte. Sie hatten einen Teil des Fußbodens mit ihren Sachen und Schlafzeug belegt und meinten, dass noch genügend Platz für uns sei. Ich legte meine Matte in den Gang zwischen den beiden Sesselblöcken, meine Taschen packte ich auf zwei der Sitzmöbel. Wir unterhielten uns gut; Notizen machte ich leider nur zu einer interessanten Sache, die der Deutsche erwähnte: Es gibt eine Internetseite "Buch auf Reisen", wo man Buchverstecke mit anderen Reisende teilen kann. Ich fand die Idee grandios.