Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03501.jsonl.gz/2797

Newsletter – Juli 2019
Wir unterstützen Bildungs- und Selbsthilfeprojekte im Osten Kongos und allgemein in Afrika. Ich bin seit Dezember 2018 zurück in der Schweiz.
Wir haben uns offiziell, also als Darsilamano-Vorstand, und auch privat 2018 / 2019 drei oder viermal getroffen, um über das Wie-weiter in Uvira und in Butembo zu diskutieren. Wenn ihr nicht wisst, wo Uvira und Botembo liegen, shame on you! Ebola ist vor dreiviertel Jahren wieder in Botembo ausgebrochen, was ein Grund ist, dass ich auch dieses Mal nicht in Botembo war!
Wir wollen jetzt zusammenfassen, was wir in dem halben Jahr getan haben.
Die Parzelle
Der Darsilamano-Vorstand und die AVA, Association Voix Aveugles, haben im Januar 2019 beschlossen, Land zu kaufen und ein oder zwei Häuser zu bauen. Die AVA hat sich um ein geeignetes Grundstück gekümmert und wir in der Schweiz haben Geld aufgetrieben. Im Februar hat die AVA nahe am Tankaneka-See ein passendes Grundstück gefunden, welches nicht zu weit von der zwischenzeitlich gemieteten Wohnung entfernt ist. Die Parzelle ist 20 auf 50 Meter gross, also genug gross um auch einen Garten anlegen zu können.
Die Mauer war das zweite Problem. Anstatt fünftausend Dollar, wie wir in der Schweiz angenommen hatten, kalkulierten Lundimu, Yohana und andere jetzt für die Mauer allein 20.000 Dollar, weil die Flusspferde in der Nacht in ufernähe fressen. Wir googeln und wirklich, die Flusspferde gibt es, sie sind agressiv und drei bis fünf Tonnen schwer! Was jetzt.
Exkurs über die Flusspferde und die Menschen
Wir planen langfristiger und abstrakter! Flusspferde sind bei uns ausgestorben. Aber wir haben dafür Arbeits- und Ferienwochen, Umfall-Versicherungen, Krankenkasse und invaliditätsbedingte Rente, Auto- und Veloversicherungen, Zahn-, Brand- und Wasserschutz-Versicherungen und nach dem Tod auszuzahlende Polissen der Gestorbenen! Man weiss ja nie!
In Uvira gibt es von allem dem nichts, die eigene Familie, wenn sie einigermassen funktioniert, ist alles was man hat. Man lebt von Tag zu Tag, man freut sich wenn man gut gegessen hat, ein Schläflein machen oder mit einem Freund reden kann. Ärmere Familien haben eine Hütte von zwei oder drei Zimmern. Wasser muss man häufig in einen Brunnen oder am Fluss holen. Gekocht wird draussen. Nur wenn es Regnet kocht man drinnen. Der Tod ist viel gegenwärtiger als in der Schweiz.
Viele Menschen können nicht zum Arzt, weil sie zu arm sind. Sie sind unterernährt und sie sind krank. “Ein Haus über dem Kopf, ja, das wäre gut, aber ich bin zu alt dazu, also lebe ich jetzt in einem Flüchtlingsheim. Verwandte habe ich nicht und meine Kinder sind tot. Ich kann nicht mehr an den Fluss, wenn die Nachbarn nicht helfen dann sterbe ich.” – Ich bin, während ich das schreibe, wieder weit weg, in Kongo.
Ein Lehmhaus?
Ein anderes Email von AVA oder Masemo im Mai sagt, im Sommer bauen ist am besten und dann könnten sie im Herbst einziehen. Die Sorgen der Finanzierung interessiert sie nicht. Darsilamano muss noch einmal über die Bücher. Vielleicht reicht das Geld sogar ein Lehm-Haus zu bauen. Ein Lehmhaus ist billiger und auch, jedenfalls von der Schweiz aus, schöner. Und oh Wunder. Eine Stiftung hat angebissen! Unter der Egide des Vereins Darsilamano bauen wir ein Lehmhaus neuesten Typs!
Zeitungen und ähnliches
In der Schweiz interviewen mich einige Zeitungen, noch nicht so, dass man berühmt wird, aber wer weiss! Im Februar hat die BAZ einen Artikel über mich gebracht. Im September will eine Behindertenzeitschrift ein Interview mit mir veröffentlichen. Die NZZ ist vielleicht auch interessiert, das wäre ein Start. Eine Mitarbeiterin von Darsilamano kümmert sich weiter um die Presse. Ich bin auch in den Ring irgendwelcher Zeitschriften geschickt worden, welche am Jahresende zehn Personen auszeichnet, die etwas aussergewöhnliches gemacht haben. Merkwürdig. Vor dem Hirnschlag war alles so einfach, und jetzt finde ich es so kompliziert!
Butembo
Das zweite Projekt, das wir unterstützen, ist eine Schule in Butembo, Nordkongo. Darsilamano hilft der Schule mit jährlich 18.000 Dollar, was für Darsilamano viel Geld ist. Diese 18.000 Dollar brauchen sie um Lehrer und Schulbücher zu bezahlen.
Darsilamano hat vor sieben oder acht Jahren der Schule geholfen, ein zweites Stück Land unmittelbar angrenzend zur Schule zu kaufen. Eigentlich wollte Darsilamano dort bauen, um der Schule mehr Möglichkeiten zu geben, grösser zu werden. Aber da der Motor in der Schweiz im August 2013, also Ich, der das ganze Projekt begleiten sollte, ausgefallen war, ging das nicht mehr. Die drei Häuser, die schon damals standen, stehen immernoch, aber dringende Reparaturen sind fällig. Wir hoffen jetzt auf Stiftungen aus Basel und der ganzen Schweiz, um auch dort zu helfen. Einen kleinen Anfang haben wir gemacht: Fenster und Türen werden ersetzt oder repariert, die Böden der Schulzimmer, die noch aus Sand und Dreck bestehen, werden betoniert, die Wasserhähne, die nicht mehr schliessen, müssen ausgewechselt werden… Aber grössere Projekte sind im moment noch nicht möglich.
Pläne
Der Darsilamano-Vorstand trifft sich mitte Juli noch einmal, um letzte Dinge zu klären, und dann geht es wieder ab in den Kongo, den dunklen Kontinent! Wir hoffen, viel Geld kommt mit oder wartet auf der internationalen Post in Burundi, sodass wir bald loslegen und Bauen können.
Ich habe vor, jetzt in erster Linie die Menschen von der AVA selber ein bisschen besser kennenzulernen. Ich vermute, wir werden bald auch auf Krankheiten und Hunger zu sprechen kommen. Im übrigen bin ich jetzt zum ersten Mal mit zwei EuropäerInnen zusammen, und da interessiert es mich natürlich auch, wie sie das ganze aus der Augenperspektive finden. Ich hoffe auch, mit Christian zusammen in Uvira aktiver mitspielen zu können. Vielleicht interessiert sich Christian auch … Ja, so träume ich.
Ich muss und will jetzt unbedingt auch Botembo besuchen. Ich möchte die Schule von Alain sehen, und auch irgendwie nützlich sein. Vielleicht ergibt sich das von selbst. Hilfe von aussen, wer weiss.
@Martin Näf
https://www.darsilamano.org
Erstellt: Bith