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zhp China
Oh, vielen Dank, entgegne ich und spüre dabei ein leichtes Kribbeln in meinem Körper, wie mich Kaspar so direkt anschaut – auch jetzt noch, wie ich diese Zeilen schreibe.
Die Antwort nimmt mir Kunigunde ab, indem sie fragt: Auf wen schaut er nun mehr, auf uns Frauen oder auf euch Männer?
Kaspar gibt sich souverän und meint: Der Charakter des Spielenden ergibt sich nicht aus dem Geschlecht. Ein Mann kann zaghaft handeln, eine Frau ängstlich. Sie kann sich aber im gleichen Masse, wie sie sich zurück hält, als Furie, als Bestie durch das Spiel fegen und jeden männlichen Widerstand auf dem Brett brechen. Darum ist die Frage berechtigt: Vor welchem Brett wird der Schachgrossmeister während des Simultanschach länger verweilen? Gibt es unter den Spielerinnen und Spielern eine Ordnung der Dinge, die sein Verhalten beeinflusst?
Die Antwort wird nicht auf den Brettern liegen, knurrt Wilhelm.
Doch, auf dem Brett, insistiert Kaspar. Dieses gibt Grundform und Farben vor
Von der Förderung jung Gebliebener durch den Schachgrossmeister
Wenn ich jetzt zwischen all diesen Knochen mein Schachspiel aufstellen müsste, dann wüsste ich, was ich tun muss. Dann würde ich darauf bestehen, dass ich mit hellgrünen Figuren gegen dunkelgrüne spielen kann, und zwar auf einem tiefgrün gerahmten Brett, in welches ockergrüne und maronengrüne Felder eingelegt sind. So ein Brett passt wunderbar in diesen Raum, in diese Atmosphäre, in die Kulisse, die uns umgibt, zu meinem Kleid. Ein solches Brett wirkte in dieser Umgebung gar nicht gekünstelt, fügt Vladidir noch schnell hinzu.
Da haben wir ja ein gelungenes Beispiel für ein völlig missratenes Verständnis von Schach! Wenn der Schachgrossmeister auf ein solches Brett trifft, dann rümpft er sicher einmal zuerst die Nase und atmet tief durch. Anschliessend besieht er sich das Ergonem, das hinter dem Brett Platz genommen hat, und macht sich dabei seine Gedanken darüber, ob es Zufall ist, dass diese Gestalt gerade an diesem Brett sitzt. Und er wird sich die Frage stellen, ob bei einer derart zusammengesetzten Farbenkonstellation der Spieler durchaus die ernste Absicht hegt, zu spielen oder ob diese Schachinszenierung auf etwas anderes abzielt als das Spiel. Provozierung etwa? Verwirrung durch Kunst? Aber unser Schachgrossmeister wird lediglich lächeln und denken: Wenn jemand mit einem derartigen Spiel auffährt, dann liegt dessen Interesse nicht vorrangig in einem guten Spiel, sondern beschränkt sich auf das Niveau ästhetischer Kosmetik, welche die Schachfiguren und ihren Untergrund nur gerade als Handreiche für eine Selbstdarstellung benützt. Ein Spiel unter dieser Voraussetzung kann nur ein langweiliges Spiel werden, spannungslos bis zum Letzten, farblos trotz alle Farben. Diese sachliche und wortreiche Analyse kommt von Fussg.