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An der Delegiertenversammlung des TVU ist Bruno Lafranchi nach 9 Jahren als Vizepräsident zurückgetreten und hat damit nach seinem Rücktritt als OK-Chef des Silvesterlaufs auch noch das letzte Amt, in dem er sich jahrelang für den TVU als Gesamtverein eingesetzt hat, abgegeben. Die Zeit ist reif für einen umfassenden Rückblick auf sein fast drei Jahrzehnte langes, erfolgreiches Schaffen im Dienste des TVU.
Ein grosses, herzliches „Danke schön!“
Dass Bruno Lafranchi, der in Altdorf aufgewachsene Sohn des langjährigen Chefs der Schweizer Radquer-Szene Carlo Lafranchi, nicht ebenfalls eine Karriere auf dem Rennvelo anstrebte, wie sein älterer Bruder Carlo, hatte viel mit dem Verdruss zu tun, dass Vater und Bruder Carlo daheim am Mittagstisch und wo immer sich Gelegenheit bot, sich permanent über den Radquersport und das Rennvelofahren im Allgemeinen austauschten. Bruno hatte so genug von den ewigen Diskussionen über Bremshebel, Zahnkränze und Übersetzungsverhältnisse, dass er sich für die sportliche Fortbewegung ohne Hilfsmittel entschied und damit dem Laufsport in der Schweiz einen grossen Gefallen tat.
Bruno zog es schon in jungen Jahren ins Bernbiet, und er startete vorerst für die LV Langenthal, bevor er 1979 zum Stadtturnverein Bern wechselte, wo unter Trainer Heinz Schild eine sehr starke Laufgruppe entstanden war, unter anderem mit dem gleichaltrigen Markus Ryffel (beide Jahrgang 1955). In diesem Umfeld begann er eine internationale Laufkarriere, die ihresgleichen sucht. Er war zwischen 1978 und 1988 auf den Laufstrecken zwischen 3000m und Marathon je zweimal an Olympischen Spielen (84/88), Weltmeisterschaften (83/87) und Europameisterschaften (78/86), vertrat die Schweiz bei 5 Cross-WM und war je einmal bei einer Hallen-WM und -EM am Start. Er hat also in diesem Bereich die gesamte Palette an Möglichkeiten ausgereizt, und er hielt lange Jahre den Schweizer Marathonrekord mit der einstigen Weltklassezeit von 2:11.12.
Nach Brunos aktiver Laufbahn holten ihn der damalige LAC-Präsident Bruno Hiestand und der Technische Leiter des TVU Franz Kälin 1991 nach Zürich zum TVU. Da er sich während seiner Aktivzeit im Sportmanagement ausgebildet hatte, war er genau der richtige Mann, um als Assistent des OK-Chefs des Silvesterlaufs Franz Kälin das OK zu verstärken. 1995 übernahm er dann selbst das Präsidium und machte diesen Volksanlass zum drittgrössten Laufanlass in der Schweiz und zu einem erstklassigen Markenzeichen für den TVU. Von rund 7000 Teilnehmern 1994 vermochte er die Zahl der Laufbegeisterten, auch durch die Einführung von verschiedenen neuen Kategorien, bis auf die Traumzahl von über 24‘000 Läuferinnen und Läufern bei der 40. Austragung des SILA im Jahr 2016 zu steigern. Der Silvesterlauf wurde unter Bruno zur eigentlichen Schatzkammer des TVU, denn nicht nur die vertraglich geregelten Abgaben an den LAC von mehreren Zehntausend Franken pro Jahr fielen ins Gewicht, sondern die Organisation des Laufes bot auch den übrigen Vereinen die Möglichkeit, sich durch das Stellen von Mitarbeitern an den „Honigtöpfen“ der Laufveranstaltung zu laben. Wer etwas anzubieten hatte, wurde auch gut entlöhnt.
Mit dem Zürich Marathon, der ebenfalls während vielen Jahren durch die „Sport & Events GmbH“ von Bruno Lafranchi organisiert worden ist, kam auch im Frühjahr eine Veranstaltung dazu, welche den TVU-Vereinen die Möglichkeit zur entlöhnten Mitarbeit bot. Und im Jubiläumsjahr 2014 (150 Jahre TVU) war Bruno gleich mit drei Anlässen im Jubiläumskalender vertreten, da er damals auch noch die Schweizer Cross Meisterschaften auf der Allmend Brunau als OK-Präsident durchführte.
Bei all diesen Organisationsaufgaben kamen Bruno seine immensen Kenntnisse im Laufsport und seine hervorragenden Beziehungen zu Politik, Wirtschaft und Sportverbänden zu gut, ebenso wie seine Charaktereigenschaft des bedingungs- und schonungslosen persönlichen Einsatzes für eine Sache, von der er hundertprozentig überzeugt ist. Weil Bruno aber auch von seiner Umgebung stets dieselbe Einstellung und den vollen Einsatz verlangt, und das auch einmal lautstark und wortgewandt zum Ausdruck bringen kann, war die Zusammenarbeit im TVU auf allen Stufen nicht nur von eitel Freude geprägt, und er wurde manchmal nur zähneknirschend mit all seinen Ecken und Kanten akzeptiert, vor allem, weil man wusste, dass es ihm immer um eine Sache ging, für die er hundertprozentig einzustehen bereit war. In den letzten Jahren war er auch eines der letzten Bollwerke, welches den TVU als Gesamtverein verteidigte und sich einem Auseinanderdriften in einzelne Teile widersetzte.
Aus der Laudatio von Matthias Kuster anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Bruno Lafranchi im Jahre 2002 sticht der folgende Wunsch für die Zukunft hervor: Bruno möge doch mit zunehmendem Alter realisieren, „dass es nicht immer notwendig ist, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, wenn daneben eine Türe ist, welche sich auf ein freundliches Klopfen hin fast von selbst öffnet.“
Auch wenn Bruno diesem Gedanken bis zuletzt nicht immer ganz nachleben konnte, so haben wir im TVU trotzdem allen Grund, ihm für seine grosse und unermüdliche, hervorragende Arbeit zu danken. Er hat sich in verschiedenen Bereichen ein Denkmal gesetzt, das ihn stolz machen darf.
Peter Tobler (Fotos: Frank Pospisil, Peter Tobler)