Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03287.jsonl.gz/2155

2000, 94 x 212 cm (4 x 94 x 53 cm), Öl auf Leinwand, Preis auf Anfrage
Der Holbeinsche Totenkopf hat seinen Platz dem Mickey Mouse überlassen.
Dieses Quadriptychon ist eine Ehrerbietung an Hans Holbein. Ich stelle mehrere Stücke oder Fragmente nebeneinander: ein Einzelbild wäre mir zu starr, zu definitiv. Ich schöpfte für diese Arbeit aus der Medienumgebung, die von Bilder wimmelt. Diese neuen Botschafter repräsentieren die kulturellen Produktionsüberschüsse oder die Inflation der Imitation.
Das erste Bild stellt eine Postkarte mit Johnny Weissmüller als Tarzan dar (ein Kinoklassiker). Das zweite ist eine Teilkopie eines berühmten Beispiels des polnischen sozialistischen Realismus Gib mir Backstein! von Aleksander Kobzdej. Das Graffiti auf der Mauer zitiert den Titel des Originalbildes. Das Bildnis von Einstein mit der herausgestreckten Zunge ist das Klischee des Klischees. Schlussendlich lächelt uns der reichste Monopolist der Welt Bill Gates in einem Museum an. Dieser Held des Kapitalismus made in Silicon Valley liebt es wahrscheinlich, sich als Kulturmansch zu stilisieren. Hat er nicht Zeichnungen von Leonardo da Vinci für ein Vermögen erworben? Scheinbar ist die Beseeltheit um so teurer desto erhabener.
Die auf die zwei letzten Bilder projizierte Form ist eine Andeutung an die Vanitas im berühmten Bild von Holbein Die Botschafter. Nur hat hier der Totenkopf seinen Platz dem Mickey Mouse überlassen, Sieger aller Kategorien der Massenkultur, grauenvolle Vorstellung des Todes der Kunst.
Darf ein Künstler witzig sein?