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Heute wandern meine Gedanken zur Zwanzigernote. Ja, die rote mit dem jugendlichen Kopf eines berühmten Schweizer Komponisten drauf. Dieser heisst – richtig, jetzt erinnern Sie sich auch wieder – Arthur Honegger. Er gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur «Groupe des Six», einer Gruppe von sechs Komponisten, die alle in Frankreich das gleiche Ziel verfolgten, nämlich den Ballast der Romantik von sich zu werfen und sich mutig auf die Kunst des neuen Jahrhunderts zu stürzen. Neben Honegger war auch Francis Poulenc Mitglied dieser Gruppe. Von ihm spielen wir zum Auftakt die «Deux Marches et un Intermède». Es sind drei witzige Miniaturen, die für die musikalische Begleitung eines Nachtessens komponiert wurden. Die beiden Märsche dauern jeweils weniger als zwei Minuten und auch das Zwischenspiel ist nach weiteren zwei Minuten zu Ende. Hoffentlich hat das Essen doch etwas länger gedauert! Übrigens, zum «Intermède» wurde der Käse gereicht.
Wieder einmal steht W. A. Mozart auf unserem Programm. Und wieder einmal können wir Ihnen mit grosser Freude mitteilen, dass eines unserer jungen Orchestermitglieder den Sprung in die Königsklasse geschafft hat: Nadine Reut darf sich seit letztem Sommer mit dem Titel «Master of Arts in Music Performance» schmücken. Gerne stellen wir sie Ihnen deshalb auch in einem Solokonzert vor. Sie hat sich das Flötenkonzert in D-Dur von Mozart gewünscht. Diesen Wunsch erfüllen wir ihr gerne und hoffen, dass Sie genau so viel Vergnügen daran haben werden wie wir.
Und nun landen meine Gedanken bei dem Spätromantiker Charles Villiers Stanford, geboren in Dublin, aufgewachsen zu einer Zeit, als Irland noch zum Vereinigten Königreich von Grossbritannien gehörte, beseelt vom Nationalstolz, wie er ihn damals auch einen Smetana oder Dvořák erfüllte, getrieben vom Gedanken, seiner Heimat und ihrer Volksmusik mit einer irischen Sinfonie ein musikalisches Denkmal zu setzen. Als Sprungbrett brauchte Stanford damals London, wo er als Komponist so sehr gefeiert wurde, dass ihm 1902 der Adelstitel verliehen wurde. Sein Name steht für ein Phänomen, das ich immer wieder beobachten kann: Englische Musik ist bei uns, bis auf wenige Ausnahmen, praktisch unbekannt. Der Ärmelkanal scheint da nach wie vor eine geistige Barriere zu sein. Wenn ich den Namen Stanford in die Runde werfe, herrscht zuerst einmal irritiertes Schweigen. Wobei ich gerne zugebe, bis vor einigen Jahren auch zu diesen Schweigern gehört zu haben. Ein Gönner unseres Orchesters hat mich damals auf diese Sinfonie aufmerksam gemacht. Und Insider kennen die Qualitäten dieses Meisters natürlich schon lange. In England ist vor allem seine Chormusik sehr beliebt. Gerne hoffe ich, dass Sie nach diesem Konzerterlebnis auch zum Kreis derjenigen Liebhaber gehören, denen dieser Name kein Geheimnis mehr ist.
Da ist noch etwas: Stanford hat «unsere» Sinfonie (die dritte von sieben) Ende 1886 nach einem Ferienaufenthalt in der Schweiz komponiert. Ob ihn da das Herbstgold sonniger Septembertage im nebligen London beflügelt hat? Hörbar ist es jedenfalls.