Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03196.jsonl.gz/1563

Bei Robs Frau wurde mit 40 Jahren Brustkrebs diagnostiziert. Das setzte ihre Familie enormen Belastungen aus.
Ruth war hager geworden. Ihr Gesicht war eingefallen, die Haut fahl und grau. Ihr dichtes schwarzes Haar war einer Perücke gewichen, und anstelle der rechten Brust prangte eine Narbe. Wenn Rob seine Frau in den Wochen nach den Chemotherapien erschöpft im Bett liegen sah, fragte er sich manchmal: Sieht so die Frau aus, mit der ich seit 16 Jahren verheiratet bin? Ist das die Frau, die ich liebe?
Der Krebs hat das Aussehen seiner Frau und den Alltag der Familie verändert. Nichts war mehr, wie vor jenem Januartag im 2012, als ihm seine 40-jährige Frau vom Spital aus anrief: Es sieht schlecht aus, Brustkrebs.
Rob starrte zum Fenster hinaus, und als die drei Kinder von der Schule nach Hause kamen, wusste er zunächst nicht, was sagen. Rob ahnte aber, von nun an gäbe es für ihn viel Verantwortung: Ich muss einfach funktionieren.
Ruths Gehalt fiel weg, dafür summierten sich die Behandlungskosten. Ruth litt unter den Nebenwirkungen der Chemos. Die Kinder hatten Kindersorgen, die Zeit erforderten. Woher sollte Rob diese neben seinem Job als Gartenfachlehrer nehmen? Woher die Kraft? Abends rief er kaum noch jemanden an. Heute sagt er über diese Zeit: Ich fühlte mich verzweifelt und isoliert. Ich dachte oft: Ich schaffe es nicht.
Unterstützung kam von Verwandten und Freunden, die im Haushalt halfen, zu den Kindern schauten. Direkte Hilfe leistete die Krebsliga, die das Paar informierte, beriet und finanziell unterstützte. Unerwartete Zuwendungen kamen aus dem Städtchen in der Ostschweiz, wo Robs Familie wohnt. Mit einer Spende konnte Ruths E-Bike geflickt werden, was wertvoll war. Rob: Die Solidarität tat gut.
Ein Jahr lang benötigte Rob, bis er die vernarbte Stelle neben Ruths unversehrter Brust berühren konnte. Und als ihr Haar wieder wuchs, nahm es eine gekräuselte Forma an, woran er sich gewöhnen musste. Wie auch an die Brustprothese. Das Paar suchte eine Psychologin auf und gewann in den Gesprächen eine grössere Offenheit und einen körperlichen Neuanfang.
Ruths Brustkrebs konnte erfolgreich behandelt werden. Doch die Angst vor einer Wiedererkrankung bleibt, sagt Rob, wir wissen nun, wie verletzbar der Mensch ist.
Die Medikamente haben Ruth in die Wechseljahre versetzt, der Wunsch nach einem vierten Kind bleibt dem Paar versagt. Rob ringt der strapazierenden Zeit aber auch etwas Erfreuliches ab. Er hat sein Arbeitspensum gesenkt, um mehr Zeit zu haben für sich und das Familienleben.