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Schwendi-Kaltbad
Mit dem Bau des Kurhauses 1859-1860 erlebte die über 200-jährige Geschichte dieses Badekurortes einen Höhepunkt, der bis zum Brand am 12.09.1970 andauerte.
«Wer müde von des Lebens Mühen Sich Lind'rung sucht in Schmerz und Weh, Der säume nicht, hierher zu ziehen Auf diese stille Alpenhöh'! Hier, wo aus eisenreichem Grunde Ein frischer Lebensborn entquillt, Und treue Pflege jeder Stunde Stets willig dein Bedürfnis stillt: Wirst du erquicket Sorgenmüder, Dein Blut ein frischer Hauch beseelt; Füllt junge Kraft die matten Glieder, Zu neuer Tat dein Nerv sich stählt!»
Heilkräftiges Wasser hat seit Jahrhunderten eine bedeutende Wirkung auf den Körper und die Seele des Menschen. Die Analyse der Kaltbadquelle ergab schon um die Mitte des vorletzten Jahrhunderts, dass dieses Wasser Natron, Kalium, Kalkerde, Magnesium, Eisen, Mangan, Kohlensäure, Chlor, Kieselsäure, Phosphorsäure sowie flüchtige organische Säuren wie Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure, jedoch keine Schwefelsäure enthält.
Eine im Jahre 1806 vorgenommene Vergrösserung und Umformung der bisherigen Hütte zu einem einfachen, etwas grösseren Bauernhaus wird von einem damaligen Berichterstatter als eine merkwürdige Errungenschaft betont. Das Haus gewährte für 15 bis 18 Personen notdürftigen Raum, während drei roh gezimmerte Tröge in kellerähnlichen Räumen die Badeeinrichtungen bildeten, zu denen das Wasser anfänglich in Bütten getragen, später durch Teuchel (Dinkel) geleitet wurde. Der für das Erwärmen des Badwassers bestimmte Kessel diente unter Umständen auch als Waschkessel. Unerwartet überzählige Besucher mussten sich zum Übernachten in unfern gelegener Sennhütte oder auf der Heubühne des nahen Stalles bequemen, wo auch das Abwartspersonal untergebracht war. Von witzigen Kurgästen wurde dieser Stall als Rinderhof oder Gasthaus zum Ochsen betitelt.
Die Wirtschaft wurde gegen unbedeutenden Zins an Teiler der Schwendi verpachtet. Sie wurde sehr wohlfeil, aber auch höchst einfach geführt. Eine Leitung der Kuren existierte nicht, die Methode wurde meistens nur von den etwas routinierten Pachtleuten angedeutet. In der Regel badete jeder Kurgast nach eigenem Gutfinden oder etwa nach den Weisungen seines Hausarztes.
Am 25.01.1806 bewilligte der Landrat neue, höhere Badetaxen, weil dort eine grössere Behausung gebaut wurde und weil zur Bequemlichkeit der Badegäste eine bessere Einrichtung gemacht wurde. Die Badenden zahlten für ein kaltes Bad 4 Angster, für ein warmes Bad 2 Schilling und für ein benutztes, aufgewärmtes 4 Kreuzer. (1 Angster = 4,5 Kreuzer, 40 Kreuzer = 1 Franken)
Ein aufgewärmtes Bad kostete also ca. 10 Rappen und ein kaltes Bad ca. 40 Rappen. Ausserkantonale Badegäste zahlten etwas höhere Taxen