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Felipe González war der Regierungschef mit der längsten Amtszeit, seit Spanien eine Demokratie ist. Er war einer der grossen Pioniere der Entwicklung von Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika und setzte sich für eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen den beiden Regionen ein.
Neben seiner Beratertätigkeit und der regelmässigen Zusammenarbeit mit Journalisten ist González Präsident der Kommission für den globalen Fortschritt der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei. Aufgabe dieses Gremiums ist es, Debatten anzuregen, eine neue Ideenplattform zu schaffen und Vorschläge für politische Aktionen zu bieten, um aktuelle Herausforderungen und Probleme anzugehen.
2007 ernannte ihn der Ministerrat zum ausserordentlichen und bevollmächtigen Botschafter für die 200-Jahr-Feier der Unabhängigkeit Amerikas, die 2010 begann. Ebenfalls 2007 wählten ihn die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union an einem Treffen des Europäischen Rates zum Präsidenten einer Reflexionsgruppe zur Zukunft Europas: des sogenannten Ausschusses der Weisen, der sich wieder auflöste, nachdem er einen entsprechenden Bericht vorgelegt hatte. González ist ausserdem Mitglied des Europäischen Orientierungskomitees Notre Europe, des Internationalen Rates des Shimon Peres Centre for Peace, des InterAction Council, des Club de Madrid und des Círculo de Montevideo.
"In meiner Tätigkeit als Regierungschef lernte ich, mich von der Prinzipienethik der Verantwortungsethik zuzuwenden."
Felipe González veröffentlichte mehrere Bücher: Mi Idea de Europa, Un estilo ético zusammen mit Víctor Márquez Reviriego und El futuro no es lo que era mit Juan Luis Cebrián. Er schrieb zudem die Essays El socialismo und Memorias del futuro. Seine politische Arbeit wurde mehrfach gewürdigt, unter anderem mit dem prestigereichen Karlspreis der Stadt Aachen für seine Verdienste für die europäische Einigung und dem Karl-V.-Preis der Europäischen Akademie in Yuste, Spanien. Als weitere Preise erhielt er den Orden de Isabel la Católica, das Grosse Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich und den Orden vom Quetzal im Rang eines Kommandanten der Republik Guatemala. Die Universitäten von Toulouse und Löwen (Belgien) verliehen ihm Ehrentitel.
Auf dem Weg zur spanischen Präsidentschaft - Nach dem Studium der Rechte, Wirtschaft und Wirtschaftsbeziehungen trat González 1963 der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei bei, die zur Zeit des Franco-Regimes im Geheimen operierte. 1974 wurde er zu deren Generalsekretär gewählt und arbeitete fortan an der Definierung und Stärkung der Ideologien und Theorien der Partei.
Felipe González leistete einen grossen Beitrag zum politischen Wandel in Spanien. Der starke Zusammenhalt seiner Partei in den 80er-Jahren und sein unbestreitbares Talent ermöglichten der Partei, 1982 die absolute Mehrheit zu erreichen.
Felipe González war vierzehn Jahre lang spanischer Premierminister. Seine Regierungszeit war von grossen Reformen geprägt: kostenlose Schulbildung für alle bis 16 Jahre, erleichterter Zugang zu Universitäten und ein umfassendes Sozialversicherungssystem. Er leitete auch einen enormen industriellen Restrukturierungsprozess ein und reformierte das Militär mit der Einführung einer Berufsarmee. International setzte er sich neben den bereits erwähnten Beziehungen zu Lateinamerika vor allem für Spaniens Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft ein, der 1986 erfolgte.
Meine Vorstellung von Europa
Was ist Europa? Welches Europa möchten wir? In welche Richtung sollten seine Institutionen und Bürger gehen, um in einer globalisierten, sich ständig wandelnden Welt gut dazustehen?
Der alte Kontinent und die Europäische Union müssen sich in unserer von Unsicherheit und Krisen geprägten Zeit einer Reihe von Herausforderungen stellen. Ihre Zukunft wird davon abhängen, wie gut oder schlecht sie damit umgehen. Dazu gehören: die Konsolidierung einer starken Führerschaft und eine effiziente Leitung der wirklich einflussreichen Institutionen; der innere Zusammenhalt der Bürgerinnen und Bürger und die Integration von Zuwanderern; die innere Sicherheit und die Entwicklung eines gemeinsamen Auftritts auf der internationalen Bühne zur Konfliktlösung; die Beziehungen zu anderen Regionen wie Lateinamerika und den Mittelmeerländern; die Bewältigung künftiger Herausforderungen wie Energieversorgung, technische Entwicklung, Bildungspolitik und das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklung.
Europa befindet sich in der Krise. Es braucht den Wagemut der Hoffnung und pragmatische Ideen, um sich einer vielversprechenden Zukunft zu nähern. Als überzeugter Europa-Befürworter, Zeuge und Leitfigur des Prozesses der europäischen Integration betrachtet Felipe González in seinem Buch mit viel Scharfsinn, ohne jegliche Klischees und unter Berücksichtigung von Kontroversen die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dieses Traumes namens Europa, der sich noch erfüllen muss.