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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Fünftes Buch
10. Kapitel: Pauli Gleichnis von dem guten und dem wilden Ölbaum
2.
Wie ferner ein aufgepfropfter Wildling die Substanz des Holzes nicht verliert, aber die Qualität der Frucht verändert und einen andern Namen bekommt, nämlich nicht mehr Wildling, sondern Ölbaum genannt wird, wodurch seine Veredelung bezeichnet wird, so verliert auch der Mensch, der durch den Glauben eingepfropft wurde und den Geist Gottes annahm, zwar keineswegs die Natur des Fleisches, ändert aber die Qualität der Frucht seiner Werke und empfängt eine andere Bezeichnung, welche auf seine Veredelung hinweist. Nicht mehr Fleisch und Blut, sondern geistiger Mensch wird er genannt. Wie aber der Wildling wiederum, wenn er die Veredelung nicht annimmt, wegen seiner wilden Beschaffenheit seinem Herrn keinen Nutzen bringt und als unfruchtbarer Baum ausgehauen und ins Feuer geworfen wird1 , so bleibt auch der Mensch, wenn er die Einpfropfung des Geistes durch den Glauben nicht aufnimmt, das, was er war, nämlich Fleisch und Blut und kann das Reich Gottes nicht erben. Treffend sagt also der Apostel: „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben.“ Und: „Die im Fleische sind, können Gott nicht gefallen“2 . Womit er die Substanz des Fleisches nicht verwirft, sondern die Eingießung des Geistes heranzieht. Und deshalb sagt er: „Es muß dies Sterbliche die Unsterblichkeit anlegen, und das Vergängliche die Unvergänglichkeit“3 . Und abermals: „Ihr aber seid nicht im Fleische, sondern im Geiste, wofern der Geist Gottes in euch wohnt“4 . Noch deutlicher weist er darauf mit den Worten hin: „Der Leib ist tot um der Sünde willen, der Geist aber ist das Leben wegen der Gerechtigkeit. Wenn aber der Geist dessen, der Jesum von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, dann wird der, welcher Christum von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Körper lebendig machen wegen des Geistes, der in euch wohnt“5 . Und wiederum heißt es im Briefe an die Römer: „Wenn ihr nämlich nach dem Fleische leben werdet, so werdet ihr anfangen zu sterben“6 , welche Worte nicht den Wandel im Fleische von ihnen ausschließen wollen, da er ja selber noch im Fleische war, als er dies schrieb, sondern nur die Begierden des Fleisches beschneiden, die den Menschen töten. Und deswegen fährt er fort: „Wenn ihr aber im Geiste die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr leben. Denn wer immer vom Geiste Gottes geführt wird, ist ein Sohn Gottes“7 .
1: Mt 3,10
2: Röm. 8,8
3: 1 Kor. 15,53
4: Röm. 8,9
5: Ebd. 8,10 ff.
6: Ebd. 8,13
7: Röm. 9,14