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Entstehungsprozess der Gedanken
Das Objekt der Wissenschaft sind die Ideen. Einzigartige und perfekte Modelle der Dinge der Welt, die Plato im Reich des Hyperuranios ansiedelt, also über dem Himmel [von gr. ύπερουράνιος, zsges. aus ύπέρ über und ούράνιος himmlisch].
Jedem existierenden Ding im Bereich der wahrnehmbaren Welt entspricht eine Idee, bzw. ein unveränderliches Modell, von dem es entstammt.
Plato erkennt zwei Kategorien von Ideen an: die Ideen der Werte (ethische und ästhetische Prinzipien, Konzepte wie Schönheit und Gerechtigkeit) und die mathematischen Ideen (Arithmetik und Geometrie).
«Es komme niemand, der die Geometrie nicht achtet», stand auf den Wänden der Akademie. Für Plato ist die Mathematik ein Vorstadium der Philosophie, eine göttliche Wissenschaft, welche es erlaubt, der Welt Ordnung und Harmonie zu geben und auch, die Welt selbst zu verstehen. «Gott handelt in der Geometrie», sagte der Philosoph gemäss dem Zeugnis von Plutarch. Nach Plato wird die Welt von mathematischen Gesetzen gelenkt: Er verstand tatsächlich unter Ideen das, was Pythagoras unter Zahlen verstand. So überlieferte es uns Aristoteles.
Seele im Reich der Ideen
Die Ideen folgen einem hierarchischen Prinzip, an dessen Spitze sich das Gute befindet. Indem er die Welt der Ideen entdeckte, hat Plato die Transzendenz entdeckt, bzw. einen übersinnlichen Bereich, der nicht der materiellen Welt angehört. Die Ideen sind transzendent und universal, eine objektive Realität, unabhängig von unserem Verstand; eine ewige Ordnung von Formen und Werten.
Auch wenn es uns nicht gegeben ist, die Ideen durch unsere Sinne erkennen zu können, können wir sie doch verstehen, oder besser, wiedererkennen. Tatsächlich verweilt die Seele gemäss dem Philosophen in der Phase, in der sie vom Körper getrennt ist, im Reich der Ideen, wo sie die Ideen betrachten kann. In dem Moment, wo sie sich verkörpert, bewahrt sie diese verschwommene Erinnerung, die sich dank der Erfahrungen in der Materie nach und nach aufhellt.
Idee ist Form
Im alltäglichen Sprachgebrauch ist eine Idee ein Produkt des Intellekts, eine geistige Vorstellung. Idee im Sinne von Gedanke also. Aber was ist ein Gedanke? Für Plato ist die Idee eine universelle Realität, die vor dem Gedanken existiert. Ohne Idee kann es keinen Gedanken geben.
Die gewöhnliche Bedeutung, die wir dem Wort Idee zuweisen, droht, uns in die Irre zu führen. Wenn wir uns allerdings auf ihre ursprüngliche Bedeutung besinnen, wird uns alles nicht nur viel klarer, sondern es wird uns auch im Einklang mit einigen wissenschaftlichen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts erscheinen.
Das griechische Wort, welches Plato für Idee verwendet, lautet eidos, [είδος] was vor allem Form bedeutet. Folglich ist die Idee die Form eines Dinges.
Wenn wir nach dem, was ich bisher geschrieben habe, das Wort Idee (für uns Synonym von Gedanken) durch Form ersetzten würden, wären wir nicht mehr imstande zu unterscheiden, ob es sich um philosophische Prinzipien des IV. Jahrhunderts v. Chr. handelt oder um eine der zeitgenössischen wissenschaftlichen Entdeckungen bezüglich der Funktionsweise der Materie.
Die Muster hinter allen Dingen
Wir erkennen in den Formen der Matrix oder einfach in der jeweiligen Matrix jenes etwas, was der Materie die Struktur liefert, nach der sie sich organisiert. Die Matrixformen sind eine geometrische Information, die die Art und Weise weitergibt, nach der sich die Materie organisiert und das Universum sich manifestiert. Es sind unsichtbare geometrische Formen bzw. sind es die Muster, die hinter allen sichtbaren und unsichtbaren Dingen sind. Hinter Gedanken, hinter allen Formen des Lebens und jeder nur erdenklichen Struktur: vom Atomkern zu den Zellen bis hin zu den Galaxien. Einige von ihnen, die wir treffender als Symbole definieren, sind jene Sakrale Geometrie, die die Grundlage im Aufbau des Universums bildet.
Matrixformen
Die Herkunft des Wortes Symbol führt uns ansatzweise zum Verständnis, wie die Sakrale Geometrie arbeitet. Das griechische Wort symbolon [σύμβολον] ist eine Zusammensetzung aus dem Adverb syn [συν] in der Bedeutung von zusammen und des Verbs ballo [βάλλω], was so viel bedeutet wie lege, bringe. Beide Wörter zusammengelesen, legen uns den Gedanken nahe, dass ein Symbol etwas ist, was vereint, was in der Lage ist, eine Brücke zwischen zwei verschiedenen Realitäten zu bauen.
In der Tat sind die Matrixformen jenes etwas, welches zwischen der Information eines Dinges – welche ihren Sitz im Schöpfer hat – und seiner Manifestation als Mittler dient; eine Art von unsichtbarem Geflecht, auf deren Basis sich die Materie organisiert, bis sie in den Gegenständen der Schöpfung sichtbar wird.
Sie haben ihren Sitz im Hyperuranios – schrieb Plato – bzw. sind in der Schöpfung präsent, gehören aber keiner der Dimensionen der Schöpfung selber an. Sie haben keinerlei Materie an sich, nicht einmal die feinste ätherische. Die Matrixformen sind wie Behälter: Sobald sich die Materie in ihr Inneres begibt, nimmt sie eine bestimmte Form und Organisation an, die ihren Zweck und ihre Arbeitsweise bestimmen. Wie eine Kuchenform, in die wir den flüssigen Teig geben: beim Wechsel der Kuchenform (Matrix) wird die Torte (Materie) ihr Aussehen verändern: hoch, tief, rechteckig, rund, herzförmig.
Blume des Lebens
Die Matrixformen sind nach einer hierarchischen Ordnung gegliedert. Man beachte, dass auch dieser Punkt mit der platonischen Lehre korreliert. Die erste Ebene wird von jenen gebildet, welche wir Gestaltungsprinzipien genannt haben (Prinzipien des Programms und der Aktivierung) und die tatsächlich den Durchgangspunkt zwischen Schöpfer und Schöpfung bilden. Es sind 38 an der Zahl und sie repräsentieren alle grundlegenden Möglichkeiten der Schöpfung, denn in ihr kann nichts realisiert werden, was nicht von diesen Prinzipien vorgesehen ist.
Es gibt eine geometrische Darstellung der Gestaltungsprinzipien, die viele von Ihnen kennen: die Blume des Lebens. Die Berührungspunkte aller Kreise und Kreissegmente, die das innere der Blume bilden, sind 37, während der äussere Kreis, der die Blume selbst umschliesst, das 38. Element bildet.
Alles entspringt einer Idee
In dem Augenblick, in welchem ein Programm aufgerufen wird, wird ein morphogenetisches Feld aktiviert, bzw. eine Zone in der Raumzeit. Die vorhandene Materie wird gezwungen, sich auf bestimmte Art und Weise zu organisieren. Etwas diesbezügliches wurde vom englischen Biologen Rupert Sheldrake angenommen. Man denke beispielsweise an unser persönliches morphogenetisches Feld, das die gesamte Ausgestaltung unseres Körpers lenkt: seine Entwicklung, Veränderung und seinen Tod, wobei das Feld bestrebt ist, die Materie zu strukturieren, die nach und nach in ihren Einflussbereich gerät: durch Nahrung, Luft, emotionale Materie und so weiter.
Alles entspringt somit einem Gedanken, besser dem eidos oder einer Idee, die Form und geometrisches Programm ist. Die Schöpfung ist ein Gedanke des Schöpfers, so wie unsere individuelle Realität ein Produkt ist, welches ständig aus unseren Gedanken erzeugt wird. Wie viele Male hören wir dies die Experten der Persönlichkeitsentwicklung wiederholen! Gut, einer der ersten, der uns dies gesagt hat, war Plato, auch wenn wir erst heute beginnen, die tiefergreifenden Auswirkungen seiner Lehre zu verstehen.
Bildung der Gedanken
Aber was ist der Gedanke? Was ist der Mechanismus, nach dem Gedanken entstehen?
Gewöhnlich wird ein Gedanke auf folgende Weise gebildet:
1) Ein Sinnesreiz, oder etwas was wir sehen, hören, kosten, empfangen, aktiviert unseren Geist, der
2) unter jenen Mustern, die der Gewohnheit folgend am ehesten übereinstimmen, jene auszusuchen beginnt, welche sich am weitesten dem empfangenen Sinnesreiz anpassen.
3) Die in Frage kommenden Programme werden aufgerufen und mittels einer Art von schöpferischer Resonanz aktiviert. Dies belebt ein Feld, das sogenannte Gedankenfeld.
4) In diesem Feld werden jene Teilchen emotionaler Materie, bzw. emotional geladene Erinnerungen aufgerufen, die in grösstmöglichem Einklang mit dem Reiz des Feldes selber sind.
5) Im Gedankenfeld vollzieht sich die Aufbereitung der emotionalen Materie, welche durch die Matrixprogramme aktiviert wurde. Sie sind für alles im Feld verantwortlich. Die aufbereitete emotionale Materie wird zum effektiven neuen Gedanken, den wir in dieser Phase als Erinnerungsgedanken definieren. Er ist in der Tat das Ergebnis des Zusammenwirkens zwischen den Formen und der aufgerufenen emotionalen Materie. Man beachte, dass es keinen Gedanken gibt ohne die Inanspruchnahme vergangener emotionaler Erinnerungen. Daraus resultiert die Wichtigkeit von neuen Erfahrungen, die es uns erlauben, auf neue Erinnerungen zurückzugreifen (neuen emotionalen Stoff) oder andere Programme aufzurufen. Andernfalls werden wir uns immer in einem geschlossenen Kreislauf von sich wiederholenden Gedanken bewegen, aus dem man sich eine Realität schafft, die sich selber immer ähnlich ist.
An diesem Punkt ergeben sich zwei Möglichkeiten: der Erinnerungsgedanke entwickelt sich zu einem bewussten Gedanken 6) oder er bleibt ein unbewusster Gedanke 9). Auf jeden Fall wird sich der neue Gedanke auf der physischen Ebene manifestieren.
Die bewusste Ebene
7) Der neue Erinnerungsgedanke wird an den physischen Körper weitergeleitet. Dieser setzt bestimmte Kreisläufe im Gehirn in Gang. Deren Aktivierung führt zur Wahrnehmung eines bewussten Gedankens, bzw. zu dem, was wir üblicherweise unter einem Gedanken verstehen.
8) An diesem Punkt beginnt der bewusst gewordene Gedanke einen bewussten oder unbewussten Einfluss auf der Ebene des physischen Körpers oder auf der des psychischen Körpers auszuüben.
Die unbewusste Ebene
9) Der Erinnerungsgedanke setzt sich im Korpus der emotionalen Erinnerungen fest, ohne die Kreisläufe des Gehirns zu erreichen. Diese Situation entspricht in der Mehrheit der Fälle der Entstehung der unbewussten Gedanken, ein Aspekt von herausragender Bedeutung im Studium der modernen Psychologie.
10) Wenngleich unbewusst, sind diese Gedanken in der Lage, die Gesundheit und den Status der Energie in unserem Körper zu beeinflussen. Oft sind sie verantwortlich für die Entstehung von physischen Krankheiten oder veränderten psychischen Zuständen.
Abschnitte des Verlaufs der Gedankenbildung
Als Abschluss und Zusammenfassung dieses Beitrags möchte ich mich kurz mit drei Punkten befassen:
I] Was wir im landläufigen Sinn unter Gedanken verstehen ist nicht das, was Plato mit Idee meint, auch wenn Idee und Gedanke eng miteinander verflochten sind. Die platonische Idee, bzw. die Matrixprogramme bestimmen die Bildung eines bestimmten Gedankens anstelle eines anderen. Und vom Gedanken – bewusst oder unbewusst – formiert sich ein Prozess der Erschaffung, der Manifestation in der Realität. Wir haben gesagt, dass ein Gedanke sich immer dank eines Sinnesreizes aktiviert: Man beachte, dass das Wort eidos [είδος], von dem das Wort Idee abstammt, verbunden werden kann mit dem Verb eidon [είδον], welches vor allem ich sehe bedeutet. Das Sehen ist eine der möglichen Sinneswahrnehmungen.
II] Plato vermittelt uns, dass die Ideen – oder die Matrixformen – nicht mittels der Sinne erkannt werden können, sondern nur durch einen Prozess der Wiedererkennung der Seele, die infolge der Erfahrung in der Materie sich daran erinnert, sie in jener Phase gesehen zu haben, in der sie nicht inkarniert war. Erkennen ist in der Tat wieder-erkennen/sich erinnern, so sagt es uns Plato. Die Etymologie bestätigt uns die Idee von Plato: der Aorist (im Griechischen eine Vergangenheitsform) von eidon [είδον] ist oida [οίδα]. Als Vergangenheitsform müsste oida ich habe gesehen bedeuten. Tatsächlich bedeutet es ich sehe.
Das Verb oida [οίδα] gibt uns eine zusätzliche Erklärung über das Wissen, das den Gedanken Platos bestätigt: ich weiss, weil ich gesehen habe, ich habe gesehen, also weiss ich. Auch in anderen modernen Sprachen, wie im Englischen, gebraucht man den Ausdruck I see als Äquivalent zu I know. Eidon [είδον] seinerseits stammt von der indogermanischen Wurzel Vid ab, im lateinischen Video, im englischen wit (was soviel heisst wie wissen) und im Sanskrit veda. Wie wir wissen, sind die Veden für die Inder der heilige Text der Erkenntnis, des Wissens und der Weisheit.
III] An der Spitze der hierarchischen Ordnung der Ideen Platos befindet sich das Gute, welches in der geometrischen Darstellung der 38 Gestaltungsprinzipien dem äusseren Kreis der Blume des Lebens entspricht: das Prinzip, das alles enthält, oder die Verbindung mit dem Schöpfer, zu verwirklichen über die Liebe.
Aus diesem Blickwinkel ist die Liebe die höchste der Matrixformen, die Ur-Information, welche alle anderen beinhaltet. Die Liebe ist nicht jene im landläufigen Sinn, jene Art von Verwirrung, die in unsere Leben einbricht und Freuden und Leiden mit sich bringt. Die Liebe ist die zugrundeliegende Geometrie unseres Universums – der Kreis, die perfekte Form, das Symbol für Antonomasie¹ – und als solche eine mathematische Formel.
Ist die Philosophie für uns nicht die Liebe zur Erkenntnis?
Anmerkung
1 Antonomasie – andere Benennung, Ersetzung eines Ausdrucks durch einen anderen
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