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2. Wie schlechtes Paraphrasieren zum Plagiat führen kann
Es ist nicht leicht, eine verallgemeinerte dafür Regel aufzustellen, wann etwas noch eine Paraphrase aber kein Zitat mehr ist.1 Das Folgende sind Umberto Ecos Beispiele für (a) eine sinnvolle Paraphrase, (b) eine falsche, plagiierende Paraphrase und (c) eine misslungene aber nicht plagiierende Paraphrase. (Siehe Eco 2002, 206)
Original:
Mit noch größerer Spannung sah man jedoch dem Erscheinen des Antichrist entgegen. Generation um Generation lebte in beständiger Furcht vor diesem alles vernichtenden Dämon, unter dessen Herrschaft gesetzloses Chaos, Raub und Plünderung, Folter und Massenmord regieren würden, während er doch
gleichzeitig der Herold der so lang ersehnten Erfüllung, der Wiederkehr Christi und des Königreichs der Heiligen war. Unentwegt hielt man nach den „Zeichen“ Ausschau, die nach der prophetischen Überlieferung die endgültig letzte „Zeit der Trübsal“ ankündigen und begleiten sollten; und da diese „Zeichen“ schlechte Regenten, Bürgerkrieg, Trockenheit, Hungersnot, Seuchenzüge, Kometen, den plötzlichen Tod prominenter Männer und ganz allgemein ein Überhandnehmen der Sünde einschlossen, fiel es nie schwer, sie zu finden.
(a) Eine sinnvolle Paraphrase:
Sehr ausführlich in dieser Hinsicht ist Cohn. Er stellt die für jene Zeit charakteristische Spannung dar, in der die von Schmerz und Unordnung geschürte Erwartung des Antichrist gleichzeitig Erwartung des Reiches des Dämons und Vorspiel zur Wiederkunft des Herrn, der Parusie, der Rückkehr des triumphierenden Christus darstellt. Und in einer Zeit, die durch traurige Ereignisse, Plünderungen, Raub, Entbehrungen und Seuchen gekennzeichnet war, fehlte es den Menschen nicht an „Zeichen“, die dem entsprachen, was die verschiedenen prophetischen Texte als typisch für die Ankunft des Antichrist bezeichnet hatten.
(b) Eine falsche, plagiierende Paraphrase:
Nach Cohn [.. folgt eine Reihe von Ansichten, die der Autor in anderen Kapiteln vertreten hat]. Andererseits darf man nicht vergessen, daß die Ankunft des Antichrist Anlaß für noch größere Spannungen gab. Generationen lebten in dauernder Erwartung des zerstörerischen Dämons, dessen Herrschaft in Wahrheit ein gesetzloses Chaos sein würde, eine Periode von Raub und Plünderung, von Folter und Massenmord, gleichzeitig aber auch das Vorspiel zur Wiederkunft oder zum Königreich der Heiligen. Die Menschen hielten immer wachsam nach Zeichen Ausschau, die nach den Propheten die letzte „Zeit der Unordnung“ begleiten und ankündigen sollten: und weil zu diesen Zeichen schlechte Regierungen, Bürgerkrieg, Krieg, Dürre, Entbehrungen, Seuchen und Kometen gehörten, ferner der plötzliche Tod von wichtigen Männern (neben einer ganz allgemein größeren Sündhaftigkeit), machte es
(c) Eine misslungene aber nicht plagiierende Paraphrase:
Der schon erwähnte Cohn selbst erinnert andererseits daran, daß man „mit noch größerer Spannung … Erscheinen des Antichrist“ entgegensah. Generationen lebten in Erwartung des zerstörerischen Dämons, „unter dessen Herrschaft gesetzliches Chaos, Raub und Plünderung, Folter und Massenmord regieren würden, während er doch gleichzeitig der Herold der so lang ersehnten Erfüllung, der Wiederkehr Christi und des Königreichs der Heiligen war“. Die Menschen hielten immer aufmerksam Ausschau nach den Zeichen, die nach den Propheten die endgültige „Zeit der Trübsal“ ankündigen und begleiten sollten. Da aber, bemerkt Cohn, „diese Zeichen schlechte Regenten, Bürgerkrieg, Trockenheit, Hungersnot, Seuchenzüge, Kometen, den plötzlichen Tod prominenter Männer und ganz allgemein ein Überhandnehmen der Sünde einschlossen, fiel es nie schwer, sie zu finden“.
Übung: Wieso ist die zweite Paraphrase ein Plagiat?
- Drucken Sie diese Seite aus.
- Lesen Sie den zweiten Text, die plagiierende Paraphrase, nochmals durch.
- Zeigen Sie die Stellen im Text mit Farben auf, die gegen den untenstehenden Regeln zum Paraprasieren stossen.
• Regel 2: Eine Paraphrase steht nicht in Anführungszeichen.
• Regel 3: Bei einer Paraphrase muss der Wortlaut des Paraphrasierten geändert sein.
Diese Materialien wurden 2009 durch Melanie Paschke und Aelys Humphreys erstellt und durch das Zurich-Basel Plant Science Center herausgegeben.
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