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Frédéric Jordan
Hierarchien sind vereinfacht formuliert «Über- und Unterordnungsverhältnisse in Gruppen» mit flachen oder steilen Ausprägungen. Unabhängig davon, wie jemand zum Thema steht, ist eine wichtige Frage zu stellen: Sind Unternehmen ohne Hierarchien langfristig überlebensfähig?
Die Praxis zeigt, dass die Antwort mehrheitlich nein lautet. Die Abschaffung von Hierarchien bewirkt auf Dauer keinen Nutzen, sondern schadet der Firma nachhaltig. Sobald Verantwortlichkeiten fehlen und sich Entscheide endlos verzögern, steigt die Unzufriedenheit und die Fluktuation nimmt rasant zu. Ohne Hierarchien häufen sich auch interne Machtkämpfe. Die daraus resultierenden Streitigkeiten sind ein natürliches Phänomen, das sich auch im Tierreich beobachten lässt. Hierarchien reduzieren Machtkämpfe oder lassen diese gar nicht erst entstehen. Ausserdem kann die Mehrheit der Arbeitnehmenden mit hierarchiefreien Zonen nicht umgehen. Selbst mit flachen Abstufungen haben viele Menschen Probleme.
Hierarchielosigkeit hat zur Folge, dass sich die Belegschaft vom System distanziert und es verlässt. Über die Zeit kann ein Team mit perfekt zusammenpassenden Mitgliedern entstehen. Doch wenn sich der Kreislauf, ein Team entstehen zu lassen, ständig wiederholt, macht dies selbst Idealisten zu schaffen. Von den Kosten derartiger Versuche will ich gar nicht sprechen. Hierarchielose Strukturen sind überwiegend bei Nonprofit-Organisationen zu finden. In Kleinfirmen entfalten flache Hierarchien ihre Wirkung rascher, da sich jeder kennt und weiss, was zu tun ist. Sobald das Unternehmen grösser wird, bilden sich automatisch Hierarchien.
Bereits vor 20 Jahren gab es Studien, die zeigten, dass das Bedürfnis nach Führung und Hierarchie mit der Gruppengrösse ansteigt. Die Nennung von Firmen wie Semco oder Gore-Tex, die ohne die üblichen Hierarchien auskommen, ist unnötig. Denn sie stellen einzigartige Ausnahmen dar. Als Vergleich: Die Svenska Banken leben das Ideal des «Beyond Budgeting»-Konzepts. Wie viele Unternehmen gibt es auf der Welt, die es ihnen gleichtun? Ein paar wenige. Zu glauben, dass Ausnahmen weltweit übertragbar sind, ist schlicht falsch. In der Wirtschaft gibt es regelmässig Krisen, welche Entscheide erfordern, die oft hart und einschneidend sind. Diese Entscheide werden in der Regel von den Kapitalhaltern der Firma oder deren operativen Vertretern gefällt. Dazu sind Hierarchien notwendig. Eine strikte Führung oder umfassende Hierarchie ist jedoch unnötig, solange ein Team erfolgreich agiert.
Kompetente und eigenverantwortliche Mitarbeitende mit dem Wunsch nach Unabhängigkeit sowie einem gesunden Mass an Identifizierung mit dem Unternehmen benötigen normalerweise keine steilen Hierarchien. Dies entspricht weitgehend den heutigen modernen Unternehmensstrukturen.
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