Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03398.jsonl.gz/649

Der Steinkauz (Athene noctua) ist verglichen mit anderen Eulenarten eher klein im Erscheinungsbild: Etwas mehr als 20 cm gross und rund 200 Gramm schwer kann diese Art werden. Typisch ist dabei sein ausdruckstarkes Gesicht mit weisslich-beigen Augenzeichnungen und den grossen gelben Augen. Sein Revier besetzt er das ganze Jahr über und er kann - obwohl der Steinkauz hauptsächlich nachtaktiv ist - auch tagsüber beobachtet werden. Sein Nahrungsspekturm reicht von grösseren Insekten, über Nager bis hin zu Kleinvögeln während schneereichen Wintern. Steinkäuze sind klassische Höhlenbrüter und legen ihre Nester in Mauernischen, Dachstühlen oder aber in hohlen Obstbäumen an. Bereits ab Februar werden dise Reviere mit Balzrufen abgesteckt und hier werden als Teil dieser Balz oft schon vor der eigentlichen Brutzeit Nahrungsdepots angelegt. Die 3-5 Jungtiere verlassen die Nisthöhle bereits nach 20 Tagen, im August werden sie dann von den Elterntieren vertrieben und suchen ihre eigenen Reviere.
Interessanterweise war der Steinkauz ursprünglich nur in trockeneren Gebieten wie dem Mittelmeerraum oder den Halbwüsten Vorder- und Zentralasiens beheimatet. Erst mit dem Menschen hat sich sein Verbreitungsgebiet nach Mitteleuropa ausgebreitet. Der Steinkauz ist also ein Kulturfolger erster Stunde und sein Lebensraum ist bereits seit geraumer Zeit mit demjenigen des Menschen eng verknüpft. In der Schweiz trifft man den Steinkauz heute aber nur noch in den Hochstammobstbaum-Landschaften der Ajoie (Kanton Jura), in den Eichenhainen rund um Genf, in den Tiefebenen des Tessins und vereinzelt im Berner/Freiburger Seeland an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in der Schweiz noch etwa 800 Brutpaare. Mit dem grossen Populationseinbruch in den 1950er und 1960er Jahren begann diese Zahl erheblich zu schrumpfen, nach der Jahrtausendwende waren es dann nur noch 50-60 Brutpaare. Dank dem Einsatz von BirdLife Schweiz und seinen Naturschutzpartnern konnten 2020 schweizweit wieder kanpp 150 Reviere registriert werden. Mehr Informationen zu dieser Rettungsaktion finden Sie hier.
Kleinparzellige Landwirtschaft mit Hochstammobstbäumen - ein optimales Steinkauzhabitat © BirdLife Schweiz
Der Grund für den zwischenzeitlichen und dramatischen Populationsrückgang liegt vor allem in der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Verschwinden typischer, strukturreicher Kulturlandschaften. Die grosse Herausforderung liegt deshalb in der Aufwertung verschiedener Lebensräume im Landwirtschaftsgebiet. Viele Landwirte sind zwar offen, sich für den Steinkauz einzusetzen, doch die schweizerische Agrarpolitik plant momentan nur mit einem Teil der nötigen Massnahmen und zahlt nach wie vor zu viele biodiversitätsschädigende Subventionen aus. Für eine nachhaltige Erholung des Bestands in der nahen Zukunft müssen bestehende Lebensräume weiterhin konsequent geschützt, ergänzt und aufgewertet werden. Mögliche Förderungsmassnahmen beinhaltet das Pflanzen von Hochstammobstbäumen, das Aufhängen von mardersicheren Bruthöhlen sowie das Anlegen von Magerwiesen zur allgemeinen Biodiversitätsförderung.
Steinkauz auf seinem Ansitz © Michael Gerber
Der Steinkauz ist ein guter Botschafter für die Ökologische Infrastruktur, die im Zentrum der Kampagne 2020-2024 von BirdLife Schweiz steht. Die Ökologische Infrastruktur besteht aus Kerngebieten und Vernetzungsgebieten naturnaher Flächen (Waldreservate, Auen, Biodiversitätsförderflächen usw.) für die unterschiedlichen Arten. Bereits 2012 hat der Bundesrat beschlossen, für die Sicherung und Stärkung der Biodiversität eine Ökologische Infrastruktur einzurichten. Auch im Programm Natur 2030 des Kantons Aargau ist die Ökologische Infrastruktur ein Schwerpunkt. 29 Prozent der Kantonsfläche müssten gemäss Berechnungen des Kantons naturnahe Flächen sein, um den Biodiversitätsverlust im Aargau endlich nachhaltig zu stoppen.
Helfen Sie mit, sodass im Aargau wieder mehr Insekten und Vögel fliegen können!
Quellen: BirdLife Schweiz / BAFU
Haben Sie gewusst?Wegen seines nächtlichen "kiwitt"-Rufs wurde der Steinkauz früher mit dem Tod in Verbindung gebracht, da der Ruf mit "komm mit" übersetzt wurde. Dies brachte dem Vogel sogar den Spitznamen "Totenvogel" und eine schlechte Reputation ein. Heute würden sich viele freuen, wenn man den Steinkauz in der Nacht wieder vermehrt würde rufen hören.
Einwanderung soll helfen
BirdLife Schweiz arbeitet seit 1999 mit seinen Partnern NABU Südbaden und LPO Alsace and einem grenzüberschreitenden Schutzprojekt für Steinkäuze. Den Naturschutzverbänden gelang es im Elsass und in Südbaden die lokalen Steinkauzpopulationen im französisch-deutschen Grenzgebiet unweit von Basel stark zu vergrössern. Nun hofft man, dass junge, brutwillige Steinkauz-Pärchen ins Baselbiet und ins Fricktal einwandern um dort neue Reviere zu gründen. Dafür müssen aber zunächst Strukturen geschaffen werden, welche das Überleben von zugewanderten Tieren sichern können.
Hier finden Sie den vollständigen Pressetext, Materialien und Fotos zum Download von BirdLife Schweiz:
Informationen zur Rettungsaktion des Steinkauzes in der Schweiz finden sie bei BirdLife Schweiz unter folgendem Link: