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Dann durchrauscht der Bach mit starkem Gefäll das
Isenthal im engeren Sinne, bildet eine lange
Schlucht und mündet
bei
Isleten von links in die Urner Bucht des
Vierwaldstättersees, in die er ein schönes Delta hinausgebaut hat.
(Kt. Wallis,
Bez.
Martinach). 1116 m. Gem. und Pfarrdorf, auf einer Terrasse am rechtsseitigen Gehänge der
Schlucht
des
WildbachesLa Fare, 12 km sw.
Sitten und 2,5 km sö. über der Station
Riddes der Simplonbahn. Postablage. 206
Häuser, 1052 kathol.
Ew. Getreidebau. Isérables hat von allen grössern
Walliser und Schweizer
Flecken die kühnste und eigenartigste Lage. Von
der Bahnstation
Riddes führt ein im Zickzack angelegter Saumweg über schutterfüllte Runsen, nackte
Felsen und tiefeingerissene
Tobel in 1½ Stunden in das kurze und
enge Thal von Isérables hinauf, dessen Gehänge ebenso steil wie
fruchtbar sind.
Das Dorf steht auf dem höchsten Punkt der
Schlucht, mitten in
Roggen-, Weizen- und Kartoffelfeldern, die von den Bewohnern
ohne den hier überhaupt nicht anwendbaren Pflug bebaut werden. Höchstens werden hie und da kleine, zum Begehen dieser steilen
Halden besonders geeignete
Esel als Lasttiere für den Transport der Feldgeräte oder Feldfrüchte verwendet.
Der Thalweg endigt auf dem kleinen Dorfplatz, zu dessen
Seiten das Gemeindehaus, Pfarrhaus und die Kirche stehen.
Diese drei Bauten waren bis zum
Brand von 1881 die einzigen aus Mauerwerk aufgeführten Gebäude der ganzen Ortschaft. Die
dem h. Theodul geweihte Kirche muss sich, um überhaupt genügend
Platz zu finden, zur Hälfte noch an
eine Gallerie anlehnen, unter der der Weg hindurch geht und in der der Hauptbrunnen des Dorfes aus dem
Felsen selbst sprudelt.
Die
Türen der alten
Häuser und ihrer Nebengebäude sind oft so niedrig, dass man nur gebückt ins Innere
gelangen kann. Zur Gemeinde Isérables gehört nur das rechtsseitige Gehänge des
Thales der
Fare, doch haben die Bewohner
nahezu dessen ganze anbaufähige Fläche auch am andern Ufer angekauft, wofür sie den benachbarten Gemeinden
Riddes und
Nendaz
den Grundzins entrichten müssen.
Die Leute von Isérables sind von kleinem, aber gedrungenem und breitschulterigem Körperbau und so anspruchslos,
zähe und sparsam, dass sie von ihren weit weniger ausdauernden Nachbarn in der Rhoneebene deswegen gefürchtet sind und
mit dem Uebernamen der Bedjuis (d. h. Beduinen) belegt werden. Dieser Ausdauer in der Arbeit und ausserordentlichen Sparsamkeit
haben es die Bewohner von Isérables zu verdanken, dass sie einen grossen Teil des Gebietes von
Riddes
anzukaufen vermochten und in ihrer Einfachheit verhältnismässig wohlhabend sind.
Mit Rücksicht auf die Menge des ins Thal ausgeführten Getreides ist Isérables lange Zeit die «Kornkammer
von
Martinach» genannt worden. Trotz der stetigen Bevölkerungszunahme baut die Gemeinde auch heute noch mehr Getreide,
als sie selbst zu ihrem Unterhalte bedarf. Grosse Waldungen und zahlreiche Alpweiden. Mit der
Vallée
de
Bagnes steht das Dorf über den
Col de la Croix du
Cœur oder
Col des Établons (4 Stunden bis
Le Châble) und mit dem
Plateau
und Thal von
Nendaz durch einen durch
Wald führenden und von der
Dent deNendaz an gegen die
Rhone absteigenden
Weg in Verbindung. Zu hinterst im wilden Thal von Isérables liegt in eisumrahmter Einsamkeit der
Lac des Veaux, dem der Hauptquellarm
des
WildbachesLa Fare entspringt und in dessen Nähe ums Jahr 1850 ein zum Teil am Hang gegen Isérables
und zum Teil am Hang gegen das Bagnesthal liegendes Bergwerk auf
silberschüssiges
Blei abgebaut worden ist.
Gräber aus der
La Tène Zeit. Das Wort Isérables ist ein
Walliser Dialektausdruck für das französische érable = Feldahorn
(Acer campestre). Nach lokalen Ueberlieferungen soll Isérables ursprünglich von
Leytron aus besiedelt worden sein, dessen
Bewohner hier Alpweiden besessen hätten. Sicher ist, dass zu allen Zeiten zwischen diesen beiden Gemeinden engere Beziehungen
bestanden haben und Isérables auch bis 1264 zur Kirchgemeinde
Saint Martin de
Leytron eingepfarrt gewesen ist. In diesem Jahre
wurde der
Ort von
Bischof Heinrich von
Raron der Pfarrei
Riddes zugeteilt, von der er sich erst 1801 als
selbständige Kirchgemeinde loslöste. Es geschah dies hauptsächlich wegen des im Winter ausserordentlich gefährlichen
Weges von Isérables hinunter in die Rhoneebene.
Noch heute besitzen die «Bedjuis» auf Boden der Gemeinde
Leytron auch
Reben, deren Ertrag sie Ende September abzuholen und
entweder auf ihren eigenen
Rücken oder auf ihren
Eseln heimzubringen pflegen. Die Frauen tragen dabei
ihre gefüllten Kübel auf dem
Kopf. Diese eigenartigen Karawanen machen dann zweimal täglich den Weg ins Thal, um in ihr
romantisches Bergnest die paar Liter Wein zu verbringen, die die Leute zur Erholung von ihren schweren Feldarbeiten zu geniessen
pflegen.
Als Rudolf III. im Jahre 999 die
GrafschaftWallis
der Kirche von
Sitten vergabte, besass diese letztere neben
einer Reihe von im Unter Wallis
zerstreut gelegenen
Rechten und Einkünften auch bereits die Hoheit über das Thal von Isérables.
Dann waren seit dem 13. Jahrhundert hier die Grossi,
Herren von
Le Châtelard en Valdigne, Lebensträger
der bischöflichen Tafel zu
Sitten. 1430 tritt dieses Geschlecht unter dem Namen Le Châtelar de Acere (acer = érable =
Ahorn)
auf. Das Thal von Isérables verblieb auch nach der Eroberung des Unter Wallis
dem
Bischofe von
Sitten, der hier einen Burgvogt einsetzte.
Der grösste Teil des Dorfes (300 Gebäulichkeiten) 1881 durch eine Feuersbrunst zerstört. 1227: Aserablos;
bezeichnen entweder
einstige Flussinseln, die durch Korrektionsarbeiten landfest geworden sind, oder auch solche Landstücke, die zwischen einem
Fluss und zweien seiner Nebenarme liegen und damit auf drei
Seiten von Wasserläufen begrenzt werden.
Das Dorf besteht aus mehreren Siedelungsgruppen, deren eine am rechten Ufer der Venoge steht. Die Gemeinde steigt im W. bis
zum Kamm des Mont Tendre auf und umfasst hier die Bergweiden von Chardévaz, Châtel und Pré de l'Haut Dessus. Ziemlich viel
Wald. Landwirtschaft. Mühle, Gerberei; Fabrik zum Imprägnieren von Bauholz, besonders von Telegraphenstangen.
Steinbrüche und Kiesgruben. Schneckenzucht. Nahe dem Dorf entspringt die Venoge mit drei Quellen, deren eine nur dann fliesst,
wenn die beiden andern trocken liegen.
Das Wasser dieser Quellen sammelt sich in Spalten und Klüften des Neocomkalkes. L'Isle ist eine alte Siedelung. Die Kirche
zu Saint Pierre war schon 1228 Pfarrkirche und stand am linken Ufer der Venoge, während die jetzige Kirche
rechts vom Flüsschen liegt. Nach dem Geschichtsschreiber de Charrière war das Gebiet von L'Isle zuerst Eigentum des zu Ende
des 11. Jahrhunderts lebenden Conon von Bansins, kam dann an die Herren von Cossonay und zusammen mit deren
HerrschaftCossonay im 15. Jahrhundert an das Haus Savoyen. 1472 vertauschte Graf Jakob von Romont die Herrschaft L'Isle gegen
die HerrschaftSurpierre an den aus Le Bugey stammenden Edeln Franz von Glérens.
Dieses letztern Nichte Antoinaz brachte 1498 die Herrschaft als Heiratsgut ihrem Gemahl Claude von Dortans in die
Ehe mit, der 1536 die Stadt Yverdon gegen die Berner verteidigen half. Nach dem Fall der Stadt gefangen genommen, kaufte er
sich gegen ein Lösegeld frei, leistete der Stadt Bern den Treueid und erhielt von dieser seine Herrschaft wieder zurück.
Nachdem Marie von Dortans, eine seiner Nachkommen, 1614 den Herrn Esajas von Chandieu geheiratet, ging
L'Isle an dieses Geschlecht über, dem es dann bis 1798 verblieb.
Karl von Chandieu machte in Frankreich unter Ludwig XIV. eine glänzende militärische Carrière und erbaute 1696 in L'Isle
an der Stelle des alten Herrenhauses ein neues Schloss mit bemerkenswerter architektonischer Ausstattung. Neben dem Herrenhaus
stand einst ein uralter Turm, der vielleicht noch aus der Römerzeit stammte und der den Namen der Tour de César trug. Der
ihm benachbarte Teil des Dorfes war befestigt und trug den Charakter einer kleinen Stadt. 1710 deckte man beim Schloss Gräber
mit Skeleten und Urnen auf, in welch' letzteren sich römische Münzen aus dem 4. Jahrhundert vorfanden.
Das Schloss ist seither von der Gemeinde angekauft, restauriert und als Schulhaus eingerichtet worden. Burgundergräber.