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Nicht erst seit der Eurokrise will die griechische Ökonomie einfach nicht recht zur glorreichen antiken Tradition der Dichter und Denker passen. Zwar gibt die oikonomika (4. Jh. v. Chr.), eine Abhandlung zu Hauswirtschaft, Staatswirtschaft und Ehe, den Auftakt zum theoriegeschichtlichen Kanon der Wirtschaftswissenschaften. Ihr Inhalt dient dabei eher der Erheiterung denn der Erhellung. Der Verfasser der oikonomika, wohl ein Schüler des Aristoteles, sei «roh und ungebildet» beziehungsweise ein «Idiot» gewesen, urteilten Gräzisten über das Werk.
Der nächste international bekannte griechische Ökonom tauchte erst 2300 Jahre später auf: Andreas Papandreou (1919–1996). Er lehrte in den 1940er und ʼ50er Jahren in Harvard und Berkeley, 1963 wurde sein Vater Georgios Premierminister Griechenlands und Andreas sein ökonomischer Chefberater. Sein amerikanischer Kollege und spätere Nobelpreisträger Milton Friedman besuchte ihn im selben Jahr und empfahl Griechenland, was er jedem Land zu empfehlen pflegte: streng kontrollierte Geldmengenausweitung, kleiner, aber starker Staatsapparat. Als Papandreou 1967 von der griechischen Militärjunta inhaftiert wurde, setzte sich Friedman persönlich für seine Freilassung ein. Damit habe er sich wieder einmal zum «neoliberalen Sündenbock» gemacht, scherzte Friedman später. Andreas Papandreou wurde später – wie sein Vater – Premierminister Griechenlands (1981–1989, 1993–1996). Und er implementierte das Gegenteil von Friedmans Empfehlungen: der Staatsapparat wucherte und die griechische Drachme wies vor dem Eurobeitritt die europaweit höchste Inflationsrate auf. In diesem Moment erinnern wir uns wieder an die gute alte oikonomika: «Als er [der Tyrann] Mangel an Geld litt, liess er Münzen aus Zinn prägen, berief dann eine Versammlung ein und sagte viel zum Lob des neu geprägten Geldes.»