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Omikron hält seit Ende November die Welt in Atem. Erste Erfahrungen und Studien zeigen mögliche Szenarien auf. Der aktuelle Stand ist, dass die Variante zwar ansteckender ist, aber dafür zu milderen Verläufen führen könnte. Dadurch könnte Covid-19 schneller endemisch werden.
Jetzt hat sich auch Tomas Pueyo mit einer ausführlichen Analyse zu Wort gemeldet. Der Amerikaner ist kein Wissenschaftler, sondern Mitarbeiter einer Bildungsplattform für Studenten. Allerdings sorgte sein Artikel «The Hammer and The Dance» im März 2020 für grosses Aufsehen und wurde millionenfach geteilt. Er zeigte damals die möglichen Entwicklungen gut auf und erklärte, wie man die Pandemie am besten bekämpfen sollte. Wir fassten den Artikel hier zusammen.
Jetzt hat sich Pueyo also im Artikel «The Omicron Question» auch zu Omikron geäussert. Wir beginnen mit seinem Fazit, bevor wir seine Herangehensweise aufzeigen. Pueyo sagt:
Ob das alles so eintrifft, hänge von einer Frage ab – der Omikron-Frage:
Und zwar in Bezug auf Geimpfte, in Bezug auf Genesene und in Bezug auf Menschen ohne Impfung, die sich noch nicht ansteckten.
Bis wir diese Daten haben, werden einige Wochen vergehen. Dann lässt sich sagen, ob Omikron «gut» oder «schlecht» für uns ist. Pueyo ist durch die ersten Berichte und Erfahrungen zuversichtlich, hält jedoch für den Moment fest: «Wir wissen es einfach nicht.»
Es gibt zwei wichtige Faktoren in der Epidemiologie: die Übertragungs- und die Sterblichkeitsrate. Im Zusammenspiel der beiden spricht Pueyo vom «Grusel-Virus-Paradox». Demzufolge bringt ein Virus mit höherer Übertragungs-, aber tieferer Sterblichkeitsrate am Ende mehr Menschen um als ein Virus mit hoher Sterblichkeitsrate. Beispiele dafür sind die Grippe, Covid-19 oder die Masern. Auf der anderen Seite steht beispielsweise Ebola, das sich praktisch selbst stoppte, weil es so schnell zum Tod führte.
Zusammengefasst heisst es: Wenn sich ein Virus schneller überträgt, nimmt die Sterblichkeit ab, damit es sich verbreiten kann. Pueyo widerlegte diese Aussage für die Varianten Alpha und Delta:
The new strain of #COVID is more transmissible. Will it be deadlier?— Tomas Pueyo (@tomaspueyo) December 29, 2020
Many ppl think not: "If a virus kills more quickly, it has fewer opportunities to spread. It's the transmission-virulence tradeoff."
Unfortunately, that's too simplistic. 🧵 pic.twitter.com/wzRLXHImRt
Die beiden Varianten waren zwar ansteckender und gefährlicher als ihre Vorgänger, verkürzten aber die Zeit nicht, in welcher Betroffene isoliert waren. So konnte sich das Virus weiter ausbreiten.
Die Varianten Alpha, Delta und Co. «optimierten» jeweils nur kleine Teile. Omikron ist aber keine solche «Optimierung» aus den letzten Monaten, sondern entwickelte sich von einer sehr viel früheren Virusvariante. Omikron ist hier rot dargestellt:
Doch was bedeutet diese Entwicklung von Omikron? Schauen wir auf die Übertragbarkeit.
Die Basisreproduktionszahl (R0) der Delta-Variante liegt zwischen 4 und 9, sofern keine einschränkenden Massnahmen gelten oder es Impfungen und vorherige Infektionen in der Bevölkerung gibt. Mit den Massnahmen kam Deltas R-Wert (Nettoreproduktionszahl) auf unter 1. Omikron liegt da gemäss Daten aus ersten Ländern deutlich höher:
Hat Omikron also einfach einen höheren R0-Wert? Pueyo geht nicht davon aus. Viel mehr glaubt er, dass Omikron der Immunantwort besser entgeht. In seinem Beispiel wird der R0-Wert von Delta mit 6 angegeben. Die schwarzen Punkte zeigen, wo Omikron liegen könnte. Hätte Omikron also einen R0-Wert von 9, läge die Umgehung der Immunantwort bei rund 20 Prozent. Hat Omikron einen R0-Wert von 3, läge die Umgehung der Immunantwort bei fast 80 Prozent:
Wie gut ist Omikrons Umgehung der Immunantwort? Die vielen Mutationen können ein Hinweis darauf sein, dass die Variante die Immunantwort besser umgehen kann. Zumindest im Labor ist dies der Fall, wie eine Pre-print-Studie ergab. Laborergebnisse können aber nicht unbedingt auf die tatsächliche Ansteckungsgefahr schliessen.
In Südafrika dürfte eine Mehrheit der Bevölkerung geimpft oder genesen sein. Will sich da eine neue Mutation durchsetzen – so wie dies Omikron tat –, dann wird dies kaum eine sein, welche sich schnell unter Nicht-Infizierten verbreitet, sondern eine, welche die Immunantwort von Geimpften und Genesenen besser umgehen kann. Dies stellte auch diese Studie aus Südafrika fest.
Blicken wir auf die bisherigen Erkenntnisse zum Schutz vor Infektionen mit einer Impfung (hier zwei Dosen von Pfizer/BioNTech und dann noch Booster).
Die blaue Linie zeigt die Schutzwirkung mit dem Pfizer-Impfstoff. Gegen Omikron ist die Wirkung noch nicht klar, liegt aber wohl deutlich tiefer und kann mit dem Booster gesteigert werden. Achtung: Es handelt sich hier um Infektionen, nicht um die Wirkung gegen schwere Verläufe oder Todesfälle:
Ein wichtiger Punkt ist am Ende die Sterblichkeitsrate. Pueyo vergleicht dafür die Infektionen und Todesfälle in Südafrika seit Beginn der Pandemie miteinander:
Dann schob er die Graphen so aufeinander, dass die Entwicklung der Todesfälle mit den Fallzahlen übereinstimmt:
Es fällt auf: Bisher gab es keinen grossen Anstieg der Todesfälle wegen Omikron. In diesen Tagen könnte sich dies ändern. Für Pueyo geht es nicht darum, ob sie steigen, sondern um wie viel.
Um dem auf die Schliche zu kommen, geht er einige Schritte zurück. Anhaltspunkte können Hospitalisierte geben. Diese nahmen in Südafrika zuletzt zu:
Ebenfalls einen Anhaltspunkt sehen wir, wenn wir darauf blicken, wie viele der Hospitalisierten auf die Intensivstation mussten. Hier waren in der Omikron-Welle deutlich weniger Patienten betroffen, wie die Financial Times aufzeigte. Einzig in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen mussten ähnlich viele Patienten auf die IPS:
Auch der Anteil der Patienten auf der Intensivstation, welche beatmet werden mussten, liegt deutlich tiefer:
Pueyo schreibt: «Je näher wir dem Tod kommen, desto relevanter werden die Daten, um zukünftige Todesfälle vorherzusagen.» Wenn also bei Omikron rund 75 Prozent weniger Patienten beatmet werden müssen, könnte dies bedeuten, dass auch die Todesfälle in dieser Grössenordnung zurückgehen.
Diese Erklärungen und Herleitungen bringen Pueyo zu seinem bereits eingangs erwähnten Fazit.
Nach der Geiselnahme eines neuseeländischen Piloten in der indonesischen Provinz Papua ist dessen Schicksal weiter unklar. Separatistische Rebellen hatten am Dienstag am Flughafen Paro im abgelegenen Distrikt Nduga ein kleines Verkehrsflugzeug in Brand gesetzt und den Piloten nach eigenen Angaben verschleppt. Auch wo die fünf Passagiere der Maschine sind, ist unklar. Neuseelands Ministerpräsident Chris Hipkins sagte am Mittwoch, die Botschaft seines Landes in Indonesien sei mit dem Fall betraut.