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Aarau den 6 April 1869
Hochgeachteter Herr!
Ich nehme an daß Herr Stoll Ihnen über das Ergebniß unsers Darmstädter besuches Bericht erstattet hat und wünsche Ihnen hiemit mitzutheilen was ich in Karlsruhe und Basel in Erfahrung gebracht habe.
Karlsruhe. Artom sagte mir daß er seit langer Zeit von Italien abwesend die dortigen Bankverhältniße nicht genau genug kenne um auf meine Frage bestimmt zu antworten. Er könne zwar wohl Bellinzaghi in Mailand, die Banque Nationale in Florenz, namentlich aber die anglo-italiänische Bank nennen, weil bei letzterer Ricasoli eine Stellung einnehme, und dieser jedem Ministerium imponiren werde. Seiner Ansicht nach habe ich gar nichts Beßeres zu thun als mich direkt an Menabrea und Cambray-Digny zu wenden und mich zu erkundigen welche Bankinstitute vorzugsweise von der Regierung empfohlen werden.
Er fügte sodann in Bezug auf die badischen Verhältniße bei, daß er fürchte die Subvention werde nicht bedeutend ausfallen; entgegen unsrer Voraussetzung von sieben bis acht Mill. Franken meint er 1 Million Gulden werde Alles sein. Das badische Budget ist gedrückt und die regulären Militärausgaben haben sich von 3 auf 5 Mill. in Folge der Einführung des preußischen Systems gehoben. Die Kammer endlich sei schwierig. Es wäre sehr wünschbar daß Sie im nützlichen Augenblicke noch einmal nach Carlsruhe kämen um Ihren Einfluß zu verwenden. Welches dieser nützliche Augenblick sein mag, wollen Sie aus dem schließen was ich Ihnen weiter unten über die Badische Kommißion berichte. Varnbühler durchaus konfidentiell – ich glaube durch Herrn v. Dusch – angefragt, habe sich der Gotthardsache sehr geneigt ausgesprochen, jedoch beige| fügt im gegenwärtigen Zeitpunkte sei es ihm ganz unmöglich eine Subvention zu beauftragen.
Artom findet die schweiz. Subventionen zu gering und meint es sollten doch wenigstens 18–20 Mill. sein. Über diejenigen von Mailand und Genua spricht er mit geringer Zuversicht. Endlich deutet er an daß wenn der Bundesrath nicht in der Lage sein sollte direkt mit den fremden subventionirenden Staaten zu kontrahiren und ein Konsortium verschieben würde, darin eine große politische Schwierigkeit liegen würde, die schwer zu beseitigen wäre.
Herrn v. Dusch traf ich nicht und er verfehlte mich seinerseits als er mir eine Stunde später den Besuch zurückgeben wollte. Meine Absicht war es übrigens nicht gewesen ihn zu sprechen weil ich aus der Konversation mit Hrn Stoll vernommen daß Sie dem badischen Minister gewiße Mittheilungen über die Bildung des Kapitals gemacht hätten, die mir nicht bekannt waren. Ich hatte aber meinen Freund Geheimrath v. Dietz besucht und dieser verlangte mich sofort zu seinem Chef zu führen. Dietz selbst wird erst im Rathe des Ministeriums mit der Sache zu thun bekommen; nachdem wir den Minister nicht getroffen brachte er mich zu dem Geheimreferendär Muth welcher die vom Minister eingesetzte Komißion präsidirt.
Hier vernahm ich daß die letztere die Aufgabe habe, nicht etwa über die Subvention einen Antrag zu stellen, sondern die Verkehrsfrage vom badischen Standpunkte zu prüfen. Sie habe eine erste Sitzung gehalten um die Aufgabe unter ihre Mitglieder zu theilen; die Filialberichte müßen bis in 14 Tagen, der Hauptbericht der Komißion in 4 Wochen abgeliefert werden. Einige Mitglieder seien der Meinung gewesen daß der Lukmanier den badischen Intereßen beßer entsprochen, und namentlich habe Moll Präs. der Handelskammer v. Mannheim diese Ansicht vertreten. Der Umstand daß eine | Lukmanierbahn den badischen Linien den Verkehr weit sicherer zugeführt hätte als eine Gotthardbahn und die Intereßen des Seekreises werden einer Gotthardsubvention in der Kammer nicht sehr förderlich sein. Es ist unnöthig daß ich beifüge was ich darauf erwidert habe; aber auch hier ward mir der Eindruck daß wir die badische Subvention zu hoch angenommen haben. Dietz sagte mir nachher freilich «Sie haben nun den bedächtigen gewißenhaften Beamten gehört; der Minister selbst hat einen Feuereifer für die Sache.» Allein ich fürchte, der Bericht der Komißion wird gewiße Schattenseiten für uns haben.
Basel. Hier hielt ich mich einige Stunden auf und fand die Depeschen vor, welche in Bezug auf die Betheiligung Köchlin am Samstag und Bischoff in St. Albangestern an Sie adreßirt hatten. Mit Bischoff der ausdrücklich eine Konferenz der Glieder des Konsortiums verlangt hatte ich eine lange Besprechung um ihm nachzuweisen daß seine Antwort sich für uns in einem falschen Kreise bewege, daß wir mit einer gemachten schweiz. Betheiligung vor das Ausland treten müßen, während dem der Bankverein nicht nur eine Berathung aller Partizipienten, auch der fremden, wünscht ehe er sich ausspricht, sondern namentlich auch wißen will auf welche Plätze das Papier kömmt, ehe er sagt wie viel er davon nehme. In letzterm Punkte liegt der eigentl. Haken. Ich hatte Zahn begreiflich gemacht daß nicht nur günstigere Bedingungen, wenn sie dem Auslande gewährt würden, der schweiz. Banken ebenfalls zu gut kommen sollen, sondern daß ihn nichts verhindere zu sagen daß er zu einem bestimmten Emißionspreise so und so viel, zu einem andern jene andere Summe nehme. Hierauf wird erwidert daß der Markt des Papiers die Hauptsache sei, daß wenn neben der Schweiz sich nur Italien betheilige kein ausländischer Markt entstehe, und daß der Bankverein durchaus | auf die Betheiligung Deutschlands und namentlich Frankreichs stehn müße. Ich muß sagen daß, vom Standpunkte des Bankiers, Zahn Recht hat, nur kann ich ihm in diesem Augenblicke nicht Recht geben, weil wir vor allem aus einem festen Kern bilden müßen. Sie werden selbst urtheilen daß die Besprechung welche der Bankverein wünscht, keine Konferenz aller Partizipienten sein darf denn die Basler würden mit ihren Reflexionen die zuverläßigern Freunde unsicher machen. Es muß eine private Besprechung sein.
Gleiches gilt von der Basler Handelsbank. Köchlin und Burkhardt konnte ich nicht auftreiben, hatte dafür aber eine Unterredung mit dem Direktor deren Eindruck dahin geht daß man die Nothwendigkeit einer Aktienzeichnung vollkommen einsieht, daß man auch gewillt ist sich derselben zu unterziehn daß die herrschenden Vorstellungen aber eine Summe ins Auge faßen (wie etwa 1 Million) die in unserm Intereße nicht so klein ausfallen darf.
Zofingen. Gestern Abends fand bei Ankunft Ihre Depesche. Die Bank in Zofingen geht in etwas knappen Schuhen und ich habe geringe Hoffnungen. Um jedoch auch hier nichts unversucht zu laßen, werde ich die maaßgebenden Personen durch Siegfried, der morgen früh zu mir kömmt, präpariren laßen und wenn die geringste Aussicht ist, mit denselben auf übermorgen am Rendezvous nehmen.
Die Sitzung des Verwalt.Rathes der Aarg. Bank findet morgen Nachmittag statt. Ich denke daß dieser Brief Sie noch in Zürich findet. Jedenfalls bitte ich Sie mir auf morgen Mittags von Luzern aus zu telegraphiren was Sie von Betheiligungen Neues wißen. «Eine Quote» würde dabei als 1 Million gelten, wie dieß in Ihrer Depesche nach Darmstadt, punkto Berner Handelsbank der Fall war. |
Was nun die Italiänische Reise anbelangt so muß ich zuerst wißen was Ihnen Melegari gesagt hat und was Parcus von Berlin meldet ehe ich mir ein Datum vornehmen kann. Es ist gewiß unbestreitbar daß das Gemälde welches uns Parcus über den Deutschen Aktienmarkt entworfen hat, wo nur schillernde Papiere mit niedrigen Emißionskursen oder mit Garantien, nebst Aussicht auf üppige Renten Anklang finden a fortiori vom italiänischen Börsenverkehr gilt. Rechnen Sie dazu die ebenfalls richtige Bemerkung von Zahn daß wenn auch in Italien ein Nehmer für den Rest sich fände damit kein Markt für schweizerische Partizipienten gewonnen wird, so liegt darin wohl die Aufforderung die vorerst zu thuenden Schritte reiflich zu berathen. Welches übrigens die Schwierigkeiten der Aktienbegebung sein mögen so würde ich sie gering taxiren, wenn wir nur die 80 Millionen [&?] Subventionen in kontraktlicher Ausfertigung besäßen. Allein in diesem Kapital fürchte ich noch Enttäuschungen.
Mit bekannter Hochachtung verharrt
Feer Herzog