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Das weltweit tätige Schweizerische Arbeiterhilfswerk (SAH) feiert am Freitag im Beisein von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey sein 70-jähriges bestehen.
Seit 1936 kämpft die NGO für Demokratie, die Rechte der Arbeitnehmer, gegen Ausbeutung und Armut. Der Kampf geht weiter.
Gegründet haben das SAH die Sozialdemokratische Partei der Schweiz und der Schweizerische Gewerkschaftsbund.
Die Gründung 1936 war eine Folge der Weltwirtschaftskrise. Das SAH half bedürftigen Arbeiterfamilien im In- und Ausland.
Eine der ersten Tätigkeiten des Hilfswerkes war, Ferien und Nahrung zu organisieren Kinder aus armen Familien.
Nach Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges und insbesondere des Zweiten Weltkriegs wurde das SAH auch in der Flüchtlingshilfe aktiv.
"Die Schweizer Regierung wollte im Spanischen Bürgerkrieg nicht Stellung beziehen, so beschloss das SAH humanitäre Hilfe – vor allem für Kinder und Opfer – zu leisten", sagt SAH-Geschäftsführerin Ruth Daellenbach.
Während und nach dem 2. Weltkrieg wurde die internationale Hilfe in Europa verstärkt. Zahlreiche internationale Kontakte entstanden, was das SAH zum Einstieg in die Entwicklungshilfe in zahlreichen Ländern bewog.
Das Hilfswerk vergass seine politischen Wurzeln nicht und engagierte sich im Aufbau von Gewerkschaften im ehemaligen Jugoslawien, in Griechenland oder Tunesien.
Andere Zielsetzung
Zu dieser Zeit war mit "Solidarität" die technische und finanzielle Hilfe für die Entwicklungsländer gemeint. In den 70er-Jahren jedoch suchten immer mehr Leute nach den Ursachen der Verhältnisse in den armen Ländern. Damit änderte sich auch die Art der Hilfeleistungen.
"Solidarität wurde weniger als Hingehen und unsere Meinung lehren verstanden. Vermehrt wurde nun die Hilfe zur Selbsthilfe propagiert. Damit die Leute sich unabhängiger entwickeln konnten", sagt Daellenbach.
Zudem beteiligte sich das SAH in den 70er und 80er Jahren vermehrt an politischen Kampagnen, zum Beispiel am Kampf gegen die verschärften Ausländergesetze.
Es war die Zeit der hitzigen Debatten über die Zuwanderung der "Gastarbeiter". Das erste Projekt zur Unterstützung dieser Immigranten wurde 1972 ins Leben gerufen. Ausbildung und Integrationskurse für Ausländer standen auf dem Programm.
Fairer Handel
Ab 1980 stieg auch in der Schweiz die Zahl der Arbeitslosen. Ab diesen Zeitpunkt begann das SAH mit der Unterstützung der Erwerbslosen, um sie wieder in den Arbeitsprozess einzufügen. Das SAH übernahm eine Pionierrolle bei der Entwicklung von Erwerbslosenprogrammen.
Doch finanzielle Probleme führten dazu, dass etliche Programme aufgegeben wurden. 1999 sah sich das SAH gar gezwungen, Stellen abzubauen und eine Organisationsstruktur zu schaffen.
Heute ist das SAH in 12 Entwicklungsländern tätig. Darunter ist auch ein Aufbauprojekt in einem vom Tsunami verwüsteten Gebiet in Sri Lanka.
"In der internationalen Hilfe schauen wir verstärkt auf die Entwicklung der Landwirtschaft, des faireren Handels und auf gewerkschaftlich-demokratische Reformen", sagt Zoltan Doka, der Leiter Abteilung International des SAH, gegenüber swissinfo.
m Jubiläumsjahr konzentriert sich das SAH auf die weltweiten Arbeitsbedingungen. Die jüngste Kampagne prangert die Notlage der Zuckerrohrarbeiter in Bolivien an. Das SAH wirft den Arbeitgebern dort vor, die Arbeiter unter "sklavenähnlichen Bedingungen" schuften zu lassen.
swissinfo, Isobel Leybold-Johnson
(Übersetzung aus dem Englischen: Urs Maurer)
In Kürze
Das SAH begeht das 70Jahre-Jubiläum mit einem Festakt im Beisein von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey am 8. September 2006 in Zürich
Anschliessend folgt eine Podiumsdiskussion zum Thema "Arbeit und nachhaltige Entwicklung".
Schweizerisches Arbeiterhilfswerk
Das SAH ist in 12 Ländern tätig, so im Kosovo oder in den besetzten palästinensischen Gebieten.
Hilfsprojekte laufen in Bolivien, Bulgarien, Burkino Faso, El Salvador, Mosambik, Nicaragua, Rumänien, Serbien und Südafrika. Humanitäre Hilfe wird in Indien, Tschad und Sri Lanka geleistet.
Das SAH ist Mitglied von Solidar, dem unabhängigen, internationalen Verband von Nichtregierungsorganisationen. Dann Partner der Glückskette, dem humanitären Sammelsystemder der SRG SSR idée suisse.
Das SAH hat ein Budget von rund 20 Mio. Franken. Die Mittel kommen von Mitgliederbeiträgen und Spenden, aus Beiträgen der öffentlichen Hand und von der Glückskette.