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Das Schloss Zwingen ist eine eindrückliche, einmalige Wasserburg, die auf den Felsbänken von zwei natürlichen Birsinseln errichtet wurde. Der Kernbau entstand wohl im 13 Jahrhundert und war früher über Zugbrücken erreichbar. Nach neueren Vermutungen war die Vorburg möglicherweise als Burgstädtchen vorgesehen.
Das Schloss Zwingen wird zum ersten Mal in einer Akte von 1312 erwähnt, in einem Zeitalter, als es der Familie von Ramstein unter der Suzeränität der Bischöfe von Basel gehörte. Beim Aussterben dieses Hauses in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kehrte das Schloss zurück in den Besitz des Bischofs nach einem langen Prozess. Seit dieser Zeit bis zur französischen Revolution wurde es von den Vögten des Prinzen bewohnt. Diese Landvögte, deren Reihe von Veltin de Neuenstein begann, wurden mal von den edlen Familien gewählt, mal von den bürgerlichen Familien des Fürstentums. Das Schloss wurde nach der Revolution verkauft und ging durch mehrere Hände, bis es 1913 von der Papeterie Zwingen gekauft wurde; der derzeitige Eigentümer.
Das Schloss setzte sich, während der Zeit der Vögte, aus zwei Gruppen von Gebäuden zusammen, die zwei nebeneinander liegenden Inseln bildeten, die durch die Gewässer der Birse umgeben waren, die in künstlichen Kanälen geführt wurden und dem Schloss als Gräben dienten. Diese Gebäude wurden miteinander verbunden mit drei Brücken: eine zur Strasse des Tales, die zweite verband die beiden Inseln, und die dritte, eine Zugbrücke, garantierte die Kommunikation mit dem Dorf.
Die Hauptgruppe setzte sich aus mehreren Konstruktionen zusammen, die einen zentralen Hof umgeben: das war zuerst der Körper des eigentlichen Schlosses mit abgerundeter dreieckiger Form, einer unwahrscheinlichen Mauerdicke, die im Zentrum von einem Wachturm mit konischen Dach beherrscht wurde (diese Gruppe besteht noch heute); an der anderen Seite, die nicht mehr benutzte Kapelle St-Oswald, immer noch aufrecht, dann die Gesamtheit der Ökonomiegebäude, Ställe, Scheunen, und jetzt verschwundenen Behausungen.
Die andere Gruppe bildete die "Vorburg"; sie enthielt die Gärten und wurde durch den starken viereckigen und krenelierten Turm verteidigt, den man von der Strasse erkennt, und der heute von zwei Gebäuden, den Ruin nahe, flankiert wird. Der Turm trägt, skulptiert in rotem Sandstein, die Wappen der Ramstein. Der letzte Prinz der Familie Rink de Baldenstein liess das Seine über der Tür des Eingangs zum Schloss anbringen, im Jahr seiner Wahl zum Bischofssitz (1743).
Der Palas
Auf der grösseren westlichen Insel befindet sich der runde Bergfried mit der rekonstruiertem Kegeldach, dem Hexenturm. Er ist auf drei Seiten vom Palas umbaut.
Ursprünglich war der Kernbau durch einen Wassergraben abgetrennt. Der Graben wurde nach der französischen Revolution mit dem Schutt der abgerissenen Tortürme aufgefüllt. Der gegenwärtige Eingang zum Palais ist erst angelegt worden, nachdem der Graben zugeschüttet war. Über dem Eingang ist eine ursprüngliche Cheminéeplatte mit der Zahl 1744 ein gelassen. Sie trägt das Wappen des Bischofs Joseph Wilhelm Rinck von Baldenstein. Der frühere Zugang führte durch einen gewölbten Gang über den Graben ins obere Geschoss. Der Palas umfasst drei Stockwerke. Die Mauern sind im Erdgeschoss sehr stark, die Räume teilweise überwölbt. Die Grundrisse und Schnitte geben ein übersichtliches Bild der damaligen Einteilung.
Aus geschichtlichen Darlegungen ergibt sich, dass sie zu einem guten Teil nicht ursprünglich ist, sondern wiederholt verändert wurde, insbesondere nach der Mitte der 19. Jahrhunderts. Nicht ursprünglich ist die Befensterung. Die einst schmalen Fenster wurden später erweitert. Nur das Erdgeschoss enthält noch die schmalen Fensternischen.
Nur ein Raum in der Nordostecke, der anscheinend als Gefängnis diente, liegt erheblich tiefer. 17 steinerne Stufen führen hinab. Eine einzige hoch gelegene Scharte spendet Luft und Licht. Der Raum war durch nicht weniger als drei Türen abschliessbar.
Die Schlosskapelle St. Oswald
Auf der Südseite des Schlosses Zwingen steht nahe der Birs und innerhalb der Tore und Ringmauern die dem Hl. Oswald geweihte Kapelle.
Der heutige Bau stammt aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts und besteht aus Schiff und Chor. Darüber lag eine Wohnung für den Kaplan. Die Kaplanei war eine Stiftung der Herren von Ramstein, die in mehreren benachbarten Dörfern Zinsgüter spendeten. Schon im Jahre 1359 erhält die Kapelle einen von 18 Bischöfen in Avignon unterzeichneten Ablassbrief. Nach diesem wurde den Besuchern und Wohltätern ein Ablass von 40 Tagen gewährt, welchen der Bischof von Basel noch 40 hinzufügte. Nach den Urkunden war die Kaplanei nur für das Schloss bestimmt. Es ist auch nicht anzunehmen, dass die Öffentlichkeit zum Gottesdienst Zutritt hatte, besonders nicht während den unruhigen Zeiten, als die Bevölkerung in verschiedenen Aufständen ihre feindselige Haltung gegen den Bischof und Landvogt zeigte. Vom Jahre 1784 an übernahm die Gemeinde Zwingen die Besoldung des Sakristans, und es ist anzunehmen, dass von da an die Kapelle der Bevölkerung zum Gottesdienst zur Verfügung stand. Im Jahre 1906 weihte die Gemeinde eine eigene Pfarrkirche im Zentrum des Dorfes ein. Kapelle und Patron St. Oswald wurden aufgegeben, die gesamten Beweglichkeiten, die der Gemeinde Zwingen gehörten, ausgeräumt und die einstige Kulturstätte aufgehoben.
1974 wurde der Schlossverein gegründet. Die Holzstoff und Papierfabrik Zwingen AG, damalige Besitzerin der Kapelle, überliess dem Verein das ehemalige Gotteshaus zur Nutzung, und dieser unterzog die Kapelle 1975 einer Innenrestaurierung. Seit dem 1. Dezember 1993 ist die Gemeinde Zwingen stolze Besitzerin der Kapelle. Die Innenräume stehen für kulturelle Zwecke und für Vereinsanlässe der Öffentlichkeit für ein bescheidenes Entgelt zur Verfügung. Das Schiff fasst mit Konzertbestuhlung ca. 100 Personen. Im Jahre 1999 wurden die seit langem fehlenden zwei Glocken neu gegossen und montiert.
Über dar Kapelle im Obergeschoss befinden sich zwei Konferenzzimmer mit einem Platzangebot von je 10 Personen. Im Vorraum ist ein Modell der ehemaligen Schlossanlage aufgestellt. Das Schiff und die darüberliegenden Räume können beheizt werden.
Das Verwaltungsgebäude
Den meisten Platz der grösseren Insel beansprucht das ehemalige Wirtschaftsgebäude. Im vorigen Jahrhundert wurde das Gebäude von einem grossen Hof umschlossen, in dessen Mitte der heute verschwundene Brunnen stand.
Das 17 Meter lange rechteckige Gebäude mit Satteldach wurde 1561 als Kornhaus erbaut. In der Mitte diente eine 1758 eingerichtete Wohnung den fürstlichen Dienern. Westlich war der Schafstall und östlich der Pferdestall untergebracht. Darüber befand sich der Speicher. In der Nordfront war in jedem Stockwerk eine grosse Anzahl unregelmässig angelegter grösserer und kleinerer Fenster eingebaut. Die Südfassade wurde architektonisch scheinbar besser behandelt. Viele der ursprünglichen Fenster und Türen sind vermauert oder vergrössert, neue ausgebrochen worden. Im zweiten Stockwerk war eine Reihe dreiteiliger Fenster einfach gegliedert. Das Dach auf der Südseite sprang weit über den Hof hinaus und hatte noch eine vom oberen Stockwerk überdeckte zugängliche Holzgalerie. Von der Südwestecke des Ökonomiegebäudes zog sich südwärts die fast 1.5 Meter dicke Ringmauer, woran sich früher die Schäferei anlehnte.
Nachdem 1913 die Holzstoff und Papierfabrik das Schlossareal gekauft hatte, wurde das ehemalige Ökonomiegebäude auf die Bedürfnisse eines Industriebetriebes umgebaut. Anstelle der alten Schäferei wurde ein Anbau erstellt. Das rechteckige Ökonomiegebäude wurde zu einem L-förmigen Betriebs- und Verwaltungsgebäude umgebaut. Heute dient das Gebäude als Gemeindeverwaltung und Büro für die Papierfabrik. Beide Flügel besitzen einen separaten Eingang vom Innenhof her. Die Nettofläche beträgt ca. 1400m2.
Details aus: www.schloss-zwingen.ch
Bibliographie