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Fernando, ein portugiesischer Ornithologe, ist mit dem Kajak unterwegs auf einem Fluss, auf der Suche nach wilden Störchen. Er kentert in den Stromschnellen und wird von zwei verirrten chinesischen Santiago-Pilgerinnen gerettet.
Er verspricht, sie aus dem Wald zurück über die spanische Grenze zu führen. Aber am nächsten Tag erwacht er kunstvoll gefesselt, die Füsse im Wasser zwischen den Bäumen stehend.
Der Film mit dem unschuldigen Titel nimmt immer mehr die Gestalt der einschlägigen Survival-Klassiker an; zunächst denkt man an John Boormans Deliverance, später auch an The River Wild mit Meryl Streep.
Aber Fernandos Reise wird seltsamer und seltsamer, der Wald immer dichter, die Felsen immer höher. Er stösst auf seltsame nächtliche Rituale, auf einen stummen Ziegenhirten namens Jesus, er verirrt sich, verliert sich, macht sich schuldig gerät schliesslich gar drei barbusigen berittenen Amazonen vor die Flinte, die ihn lateinisch ansprechen und Antonius nennen.
Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass wir es mit der Legende des heiligen Antonius in sehr verfremdeter Form zu tun haben, ist wohl nicht katholisch und sicher kein Portugiese.
João Pedro Rodrigues war mit seinen Filmen in Venedig, Berlin, Cannes und Locarno präsent, seine Zusammenarbeit mit João Rui Guerra da Mata brachte einige der ungewöhnlichsten portugiesischen Filme der letzten zehn Jahre hervor.
O Ornitólogo mag mit seinen Drehorten im Wald, am Fluss und in der Felsenlandschaft ein logistischer Alptraum gewesen sein. Ansonsten aber ist der Film eben so einfach wie raffiniert gebaut. Ein Kajak, ein bisschen Campingausrüstung und ein paar bunte Kostüme und Ziegen reichen für den grössten Teil der Handlung. Schliesslich steht für eine Sequenz gegen Ende des Films noch die halbe Tierpräparat-Sammlung irgendeines Museums im Wald, vom ausgestopften Leopard auf einem Baum bis zur abgeschabten Giraffe und einem schon etwas schäbigen Nashorn.
Der heilige Antonius von Padua wurde Ende des 12. Jahrhunderts in Lissabon als Fernando in eine adlige Familie geboren. Er studierte Theologie und bereiste schliesslich als Franziskanermönch Europa und Afrika. Gestorben ist er in Padua.
Und in Padua endet denn auch der Film O Ornitólogo, wenn der einstige Ornithologe Fernando mit dem von ihm wiederauferweckten toten Bruder von Jesus am Ortsschild vorbei in die Stadt marschiert. Auf der anderen Strassenseite winken fröhlich die zwei chinesischen Pilgermädchen, die ihm zu Beginn seiner Reise noch die Kastration angedroht hatten.
Der heilige Antonius ist angekommen und der Film ist nach 118 seltsamen, verwirrenden, aber auch spannenden und zuweilen erfrischend komischen Minuten am Ende.