Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03218.jsonl.gz/3246

Der Namen «Saline Schweizerhalle»
Eine Saline ist eine Anlage zur Gewinnung von Salz. Aufgrund der Tradition, die Stätten der Salzgewinnung im deutschen Sprachgebiet mit «Halle» zu bezeichnen, wurde die Saline bei Rothaus Schweizerhalle genannt. Städte, die mit Speisesalz in Verbindung standen, tragen oft Salz- (oder das mittelhochdeutsche Wort Hall-) im Namen. Beispiele sind etwa Hall (Tirol), Halle (Saale), Bad Reichenhall, Hallein, Hallstatt, Salzburg oder Salzgitter.
Geschichte
Am 14. August 1835 begann der thüringische Hof- und Oberbergrat Carl Christian Friedrich Glenck
beim Roten Haus («Rothus», ehemaliges Bauerngut) bei der heutigen Schweizerhalle mit Probebohrungen. Am 30. Mai 1836 stiess er zum ersten Mal in 107 Meter Tiefe auf ein Salzlager. Da mit den Besitzern des Rothaus-Gutes keine Einigung betreffend Salzförderung erzielt werden konnte, liess Glenk einige hundert Meter östlich auf Pratteler Boden zwei Bohrlöcher anlegen und stiess dort ebenfalls auf Salz. Auf dem Bohrgelände wurde schon am 7. Juni 1837 die erste schweizerische Saline eröffnet.
Schon 1841 stiess Johann Urban Kym im aargauischen Kaiseraugst in 138 Meter Tiefe ebenfalls auf Salz und gründete daraufhin die Saline Kaiseraugst. Es kam zu einem Konkurrenzkampf in der Schweiz, welcher 1844 durch die Gründung der Saline Rheinfelden von Theophil L"Orsa verstärkt wurde. Aufgrund des kleinen Salzvorkommens bei der Saline Kaiseraugst bohrte Kym 1844 erneut nach Salz, diesmal im Gebiet Riburg, wo er ebenfalls fündig wurde.
1909 erfolgte der Zusammenschluss aller Salinengründungen zur Aktiengesellschaft «Vereinigte Schweizer Rheinsalinen», welche vor allem den Kantonen gehörte. Mit dem Inkrafttreten des Salzkonkordats von 1975 übernahmen die Schweizer Rheinsalinen gesamtschweizerisch den Salzvertrieb und -verkauf (ohne den Kanton Waadt). Im Jahr 2014 trat auch der Kanton Waadt dem Salzkonkordat bei und die beiden Unternehmen Saline de Bex SA und Schweizer Rheinsalinen AG wurden zur Schweizer Salinen AG vereinigt.
Entstehung der Salzlager
Vor 200 Millionen Jahren reichte ein lang gezogener Meeresarm aus dem norddeutschen Becken bis in die heutige Gegend von Basel hinein. Das heutige Baselbiet und das Fricktal standen unter Wasser. Das damals herrschende trocken-heisse Tropenklima liess in diesem vom offenen Meer abgetrennten Meeresarm das Wasser verdunsten (sogenannte Barrentheorie, siehe Link unten
). Im immer stärker gesättigten Meerwasser lagerten sich in der Folgezeit zuerst Kalk, dann Gips und schliesslich Steinsalz ab. Die dabei entstandene geologische Schicht nennt man Anhydrit
.
Relativ schnell wurden diese Ablagerungen von jüngeren Gesteinsschichten (Hauptmuschelkalk und später Keuper) überdeckt und so vor einer Auflösung durch Regen geschützt. Durch das Absinken des Rheingrabens vor rund 30 Millionen Jahren wurden die Salzlager durch Brüche in Schollen zerlegt. Deshalb ist das Salz heute in unterschiedlichen Tiefen von 140–400 m (Muttenz) anzutreffen. Die ausbeutbare Salzschicht selbst schwankt zwischen 20 und 50 m (Muttenz).
Ganz anders entstanden die Kalisalze im Elsass und in Baden. Durch die Senkung des Rheingrabens im Tertiär entstand eine Verbindung zur Nordsee. Dieses salzhaltige Nordseemeer ergoss sich in den Graben. Man kann sich die Situation ähnlich wie beim Toten Meer vorstellen. Im Oligozän herrschte dann ein warmes und trockenes Klima und es kam in der Folge zur Kalisalzbildung. Bekannt sind drei grössere Becken, in denen sich Salzlauge anreicherte und sich mächtige Salzschichten ausbildeten. Diese Kalisalze wurden bergmännisch in Stollen abgebaut (Mine de Potasse). Heute sind die Kalibergwerke geschlossen, geblieben sind die weithin sichtbaren Abraumhalden.
Abbau
Da aufgrund der geologischen Verhältnisse ein bergmännischer Abbau mit Stollen nicht möglich ist, wird das Salz mit dem Prinzip der Solegewinnung gefördert. Dabei wird ein Loch bis zum Salzlager gebohrt. Dieses Bohrloch enthält heute drei Verrohrungen: Durch das mittlere Rohr wird Wasser hinuntergepumpt. Dieses löst das Steinsalz auf und es entsteht ein kleiner Salzsee, die Sole. Diese wird durch das kleinere, innere Rohr wieder an die Erdoberflache gepumpt, in einem Sammeltank kurz gelagert und anschliessend über eine Pipeline zur Saline geleitet. Das äusserste Rohr führt Stickstoff nach unten, der als Schutzgas gegen die schnelle Auslaugung zwischen das oben liegende Salz (Decke) und das einströmende Frischwasser gepresst wird. Nach der Reinigung wird der Sole in Thermokompressionsanlagen das Wasser entzogen. Das Salz kristallisiert und lagert sich ab. Das noch nasse Salz wird anschliessend in Zentrifugen so lange geschleudert, bis die Restfeuchtigkeit noch zwei Prozent beträgt.
Schon in den Fünfziger Jahren des 20. Jh. wurden ausserhalb der Rheinebene in Richtung Süden Salzbohrfelder eingerichtet, zuerst bei der Lachmatt, dann auf dem Hinteren Wartenberg und im Gebiet Zinggibrunn. Der Hof Eigental wurde schon 1969 von den Rheinsalinen gekauft und durch einen Neubau ersetzt. Heute ist der Bauernbetrieb stillgelegt. Unterhalb des Hofes Eigental ist der Eingang zu einer unterirdischen Pumpstation sichtbar, die in den 1990er-Jahren errichtet wurde.
Die in der Nähe liegenden Orte mit den Flurnamen Sulz, Obersulz und Sulzchopf weisen auf Salzquellen oder auch auf sulzige Böden hin («Das Gebiet mit dem sulzigen Boden»). 2012 wurde in unmittelbarer Nähe des Hofes auf zehn Bohrplätzen bis in 400 Meter Tiefe gebohrt. 2013 wurde dort die Soleförderung aufgenommen.
Gefahr von Geländesenkungen und Einbrüchen
Um mögliche Geländesenkungen an der Oberfläche zu vermeiden, wird wie oben erwähnt Stickstoff in den Laugungshohlraum gepresst, sodass über der Sole ein Gaspolster entsteht (Blanket-Technik). Das Gas verhindert das Ablaugen des darüber liegenden Salzes und somit bleibt ein schützendes Salzdach bestehen. Auch lässt man in den einzelnen Kavernen Stützwände stehen. Da sich diese Kavernen in einem tektonisch aktiven Gebiet befinden (Erdbeben), können die Hohlräume nicht für die Lagerung von Erdgas, Erdöl oder Atommüll verwendet werden.
Wirtschaftliche Bedeutung
Vor dem Salzfund bezog die Schweiz ihr Salz aus dem Ausland. Der Fund bei Muttenz bedeutete, dass es im Kanton Basel-Landschaft einen Rohstoff von gesamtschweizerischer Bedeutung gab. Nach den Salzfunden von 1836 versuchte Glenck, das Salz auch zur Produktion von chemischen Grundstoffen zu verwenden. Allerdings verlangte der junge Kanton damals hierfür einen viel zu hohen Salzpreis. Glenck verzichtete daraufhin auf eine Produktionsstätte in Schweizerhalle. Er fand nach Bohrungen auf der anderen Seite des Rheines bei Wyhlen Salz und errichtete dort 1874 eine Sodafabrik.
Der Kanton Baselland konnte dank dem Verkauf des Salzes in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens seine Ausgaben im Wesentlichen decken und brauchte keine Steuern zu verlangen. Lange Zeit entwickelte sich die chemische Industrie nur auf Pratteler Bann, zum Beispiel die Tinteli (1874, Produktion von Tinten, Klebstoffen etc.). Heute produzieren die Schweizer Salinen in der Region 400–500 Tonnen Salz pro Jahr, davon 9 % Speisesalze, 5 % Landwirtschaftssalze, 8 % Wasserenthärter und Regeneriersalze, 20–45 % Auftausalze (!), sowie 3 % Sole und Badesalze.
Solbad
1842 war dem Rothaus-Gut schon eine Gastwirtschaft angegliedert. 1850 wurde diese zu einem eleganten Kurhaus mit 30 Betten und 10 Badezellen (Wannenbäder) für Solbäder ausgebaut. Ausserdem wurden die heute noch bestehenden Parkanlagen gegen den Rhein zu erweitert. Weil die Konkurrenz durch die Bäder in Rheinfelden gross war und in der Nähe viele Industrieanlagen gebaut wurden, stellte das Solbad anfangs des 20. Jh. seinen Kurbetrieb ein.
HPM
Karten
- Rotes Haus («Rothus», ehemaliges Bauerngut) bei der heutigen Schweizerhalle Zeitreise, swisstopo, map.geo.admin.ch
- Saline in Kaiseraugst Zeitreise, swisstopo, map.geo.admin.ch
- Saline Rheinfelden Zeitreise, swisstopo, map.geo.admin.ch
- Saline Riburg Zeitreise, swisstopo, map.geo.admin.ch
- Hof Eigental Zeitreise, swisstopo, map.geo.admin.ch