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Eine Namensänderung wider Willen
Namenswechsel bei der «Freiburger Zeitung» setzte einen Erneuerungsprozess in Gang
Die «Freiburger Nachrichten» können am 19. Januar ihren 100. Namenstag feiern. Die damals 40-jährige «Freiburger Zeitung» erschien am 19. Januar 1904 unter dem neuen Namen «Freiburger Nachrichten». Was steckte hinter diesem Namenswechsel?
Von ANTON JUNGO
«Freiburger Zeitung» – «Freiburger Nachrichten» – worin liegt der Unterschied? «
Eines ist sicher: Mit grosser Begeisterung trug die Redaktion die Namensänderung nicht mit. Diese Interpretation jedenfalls lässt der Leitartikel erahnen, der zum erstmaligen Erscheinen der «Freiburger Nachrichten» am 19. Januar 1904 erschien: «Die freundliche Mitwirkung, welche seitens einiger Herren durch Erwerb des Miteigentums der
Unverhohlen wird schliesslich zum Ausdruck gebracht, dass die Namensänderung durch äusseren Druck zustande kam: «Die Modifikation des Titels ist lediglich zurückzuführen auf ein Entgegenkommen, zur Aufrechterhaltung des Friedens und der Eintracht, sowie zu dem Zwecke, den Kreis der Verbreitung unseres Blattes durch die Mitwirkung neuer rühriger Interessenten tunlichst zu erweitern.»
Die Konkurrenz schläft nicht
Ein Protokoll, in welchem die Gründe für die Namensänderung festgehalten sind, existiert nicht (mehr). Aufschlussreich zur Klärung der Umstände, unter welchen die Namensänderung und weitere Neuerungen bei der «Freiburger Zeitung» eingeführt wurden, ist eine Jugenderinnerung von Aloys Baeriswyl (1869 bis 1960). Der nachmalige Staatsrat und langjährige Präsident des Verwaltungsrates der «Freiburger Nachrichten AG» (1930 bis 1960) hat kurz vor seinem Tod Aloys Schuwey, dem Biografen von Dekan Viktor Schwaller, Folgendes erzählt: «Von der Bubenkonferenz am Dreikönigsfest 1902 (Anm. der Red.: an diesem Tag waren die Ministranten von Alterswil jeweils zu einem Zvieri im Pfarrhaus eingeladen) ist mir etwas ganz Apartes in Erinnerung geblieben: Da führte uns Pfarrer Schwaller zur Kommode im Esszimmer und sagte uns:
«Freiburger Zeitung» hatte
Zeichen der Zeit verschlafen
Es ist nicht bekannt, dass sich Viktor Schwaller je einmal öffentlich oder gar schriftlich zu seinem Zeitungsprojekt geäussert hätte. Offensichtlich hat ihn aber beschäftigt, dass die «Freiburger Zeitung» an der Schwelle eines neuen Jahrhunderts einer modernen Tageszeitung nicht mehr zu genügen vermochte. Der grösste Schwachpunkt war, dass die Zeitung von keinem Berufsredaktor geleitet wurde.
Die Kunde, dass im Pfarrhaus von Alterswil ein Konkurrenzblatt zur «Freiburger Zeitung» im Entstehen war, wurde auch in Freiburg vernommen. Die damaligen Eigentümer der Zeitung – das Pauluswerk (damals noch unter dem Namen Imprimerie catholique) und die Erben von Joseph Tschopp – reagierten erstaunlich rasch. Zufall oder Berechnung: Auf den 1. Dezember 1903 wurde Fridolin Gschwend als Redaktor für die «Freiburger Zeitung» engagiert.
Konkurrenten werden eingebunden
Obwohl es darüber keine schriftlichen Zeugnisse gibt, wurde auch versucht, die Betreiber des Konkurrenz-Unternehmens in die «Freiburger Zeitung» einzubinden. Diesen Bestrebungen kam zu Gute, dass die Erbin Tschopps willens war, ihren Anteil an der Zeitung (es handelte sich um die Hälfte) dem Pauluswerk zu verkaufen. Durch einen Vertrag vom 19. Dezember 1903 wurde dieser Kauf abgeschlossen.
Wie aus einem Vertrag vom 28. Dezember 1903 hervorgeht, hat das Pauluswerk den erworbenen Anteil aus der Erbschaft Tschopp gleich wieder an Viktor Schwaller abgetreten. Dies unter der Bedingung, dass dieser Anteil unter den Pfarrherren Humbert Weber, St. Antoni, Kanisius Greber, Gurmels, Josef Mazzoni, Tafers, und Viktor Schwaller, Alterswil, aufgeteilt wird.
Im Vertrag wird weiter festgehalten, dass «die vier erwähnten Herren» zusammen mit vier Persönlichkeiten, die das Pauluswerk bestimmt, die neu geschaffene Redaktionskommission bilden. Schliesslich wird festgelegt, dass das Pauluswerk die Verantwortung für den Druck und den Versand der Zeitung trägt. Die Kosten für das erste Tausend Exemplare pro Nummer betragen 60 Franken. Jedes weitere hundert kostet Franken 1.50.
Erstaunlich ist, dass in diesem Vertrag nichts über den bevorstehenden Namenswechsel der «Freiburger Zeitung» steht. Der Ton des oben aufgeführten Leitartikels lässt aber vermuten, dass die «vier Herren» die Fäden des Zeitungsunternehmens rasch in die Finger nahmen.
Zum 40. Geburtstag hielt die «Freiburger Zeitung» für ihre Leserschaft noch andere Überraschungen bereit: Am 1. Januar 1904 erschien die Zeitung in einem neuen Format. Sie wechselte vom Magazin-Format (36 x 25 cm) auf das Zeitungs-Format (30 x 48 cm). Beibehalten wurde der Erscheinungsrhythmus (Dienstag, Donnerstag und Samstag). Das Jahresabonnement kostete 6 Franken und 80 Rappen. Am Dienstag, 19. Januar 1904, war es dann soweit, dass die Zeitung auch unter dem neuen Namen «Freiburger Nachrichten» erschien.
Redaktor-Frage wird endgültig gelöst
Ein wichtiges Ziel, die «Freiburger Nachrichten» zu einer Tageszeitung auszubauen, liess aber noch auf sich warten. Vorerst musste das Problem eines ständigen Redaktors gelöst werden. Es zeigte sich nämlich, dass auch die Verpflichtung von Fridolin Gschwend nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte.
Nochmals trat Viktor Schwaller in Aktion: Im Winter 1906/07 reiste er zusammen mit Kanisius Greber ins basellandschaftliche Therwil, wo ihr Studienkollege Joseph Pauchard als Pfarrer wirkte. Sie versuchten ihn zu überzeugen, die Redaktion der «Freiburger Nachrichten» zu übernehmen.
Wie aus dem Vertrag vom 28. Juni 1907 hervorgeht, konnte Joseph Pauchard auf den 1. August 1907 verpflichtet werden. Vereinbart wurde ein Jahresgehalt von 3000 Franken. Für Stellvertretungen während der dreiwöchigen Ferien musste zur einen Hälfte der Redaktor und zur andern die Eigentümerin der Zeitung aufkommen.