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Schlafen wie die Steine — Hätten äthiopische Hirten ihre Ziegen und deren Fressgewohnheiten nicht so genau beobachtet, der Kaffee wäre nie entdeckt worden. Jene Ziegen nämlich, die die Früchte eines bestimmten Strauchs frassen, waren länger wach als die anderen. So kam es, dass auch die Hirten die kirschenartigen Früchte zu sich nahmen. Und damit grosses Übel anrichteten.
Wir sind eine regelrechte Kaffee- und Koffeingesellschaft. Die Weltgeschichte ist geprägt von aufgeputschten Hitzköpfen. Stellen wir uns vor, welches Unheil verhindert worden wäre, wenn die Menschheit mehr geschlafen hätte. Die Atombombe zum Beispiel wäre nie erfunden worden. Erstens hätte die Zeit dazu mitnichten gereicht. Zweitens hätten die amerikanischen Piloten garantiert verschlafen. Die Welt wäre eine bessere geworden. Den Kalten Krieg hätten wir uns schenken können, sämtliche damit verbundenen Konflikte genauso.
Der Volksmund sagt «schlaf nochmal drüber», wenn wichtige Entscheidungen anstehen. Und das ist eine grosse Weisheit. Allerdings: Seit der allgemeinen Kaffeesintflut ist Schlafen nicht mehr in. Im Gegenteil: Auf den Schwingen der Leistungs-gesellschaft hat sich Kaffee von der einfachen Hirtenbrühe zur Volksdroge gemausert. Augenringe sind gewissermassen das moderne Pendant zur Noblen Blässe. Einem ausgeschlafenen Menschen muss das wie ein Albtraum vorkommen. Allen anderen kann es wurscht sein – denn wer nicht schläft, hat keine schlechten Träume.