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72 Leprakranke beteilgten sich an den Diskussionen.
Lepra ist eine chronische Infektionskrankheit, welche durch das Bakterium Mycobacterium leprae verursacht wird und die Menschheit schon seit Beginn der Zivilisation heimsucht. Trotz der Anstrengungen der Weltgesundheitsorganisation zur Ausrottung der Krankheit werden auch heute noch weltweit jedes Jahr 230‘000 neue Fälle entdeckt, davon 60% in Indien.
Durch Behandlung mit einer Kombination von drei antimikrobiellen Medikamenten über 6 bis 12 Monate, welche die indische Regierung kostenlos zur Verfügung stellt, kann Lepra in den allermeisten Fällen geheilt werden. Wird die Krankheit jedoch zu spät entdeckt und nicht frühzeitig behandelt, kommt es zu Nervenschädigungen mit Verstümmelungen und Deformierung von Gliedmassen. Die Kranken benötigen dann eine langfristige Betreuung. Ferner können durch das Immunsystem vermittelte Reaktionen mit Fieber und schmerzhaften Entzündungen der Haut, Augen und Gelenke auftreten, welche eine medikamentöse Behandlung (Kortison) erforderlich machen.
1983 wurde in Indien ein nationales Programm zur Ausrottung der Lepra (National Leprosy Eradication Program, NLEP) gestartet. Bis zur ersten Dekade des 21. Jahrhunderts konnte ein substanzieller Fortschritt erzielt werden. In Westbengalen konnte die Häufigkeit der Lepra 2011 gesamthaft auf 0.92 Fälle pro 10‘000 Einwohner gesenkt werden; in Kolkata und einigen Distrikten betrug sie jedoch noch über 2 Fälle pro 10‘000 Bewohner. Da die Anzahl neu entdeckter Fälle beträchtlich reduziert werden konnte, liegt der Fokus nun auf der Prävention von Behinderungen und der Betreuung der behinderten Leprakranken. Das heisst, neben der Frühentdeckung von neuen Fällen und deren medikamentösen Behandlung werden grosse Anstrengungen unternommen, Deformierungen operativ zu korrigieren und einer grösseren Anzahl Personen Spezialschuhe zur Verfügung zu stellen. Diese Massnahmen helfen auch, Lepra zu einem öffentlichen Thema zu machen und das Stigma dieser Krankheit zu reduzieren.
In der Chitpur-Klinik von Calcutta Rescue erhalten etwa 150 Leprakranke eine medikamentöse Behandlung sowie Wundversorgung. Ferner werden Verdachtsfälle, welche durch das Strassenmedizin-Programm entdeckt werden, in staatliche Spitäler zur Diagnose und Behandlung weitergeleitet. Calcutta Rescue klärt die Patientinnen und Patienten auch auf, wie sie das Risiko für Verletzungen und Behinderungen reduzieren können, informiert über andere Krankheiten und Hygiene, stellt Krücken, Rollstühle, Hörhilfen und Spezialschuhe zur Verfügung und verteilt, sofern Bedarf besteht, auch Nahrungsmittel, Plastikplanen, Kleider und Transportgeld.
Am 29. Januar 2016 feierte Calcutta Rescue mit 72 Leprakranken den Welt-Lepra-Tag. Die Patientinnen und Patienten diskutierten untereinander und mit dem Personal von Calcutta Rescue unter anderem über die Prävention und Identifizierung der Lepra, den Umgang mit der Krankheit und das Wundmanagement. Am Ende wurde ihnen ein Geschenkpaket mit Lebensmitteln überreicht.