Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03178.jsonl.gz/2262

Der Vergleich mit grossen europäischen Opernhäusern zeigt, dass das Zürcher Opernhaus mit seinen knapp 70 Mio. Franken Subventionen pro Jahr "künstlerisch und wirtschaftlich sehr erfolgreich ist", stellt ein Gutachten eines Unternehmensberaters fest.Dieser Inhalt wurde am 12. Juli 2008 - 10:10 publiziert
Mit einem 2007 überwiesenen Vorstoss wollte das Zürcher Parlament, der Kantonsrat, wissen, ob die jährlich gut 70 Millionen Franken Subventionen in die Oper gut angelegt sind und was verbessert werden könnte.
Der Kanton Zürich leistet sich den Luxus eines renommierten Opernhauses, das weltweit in der ersten Liga mitspielt. Dafür muss die öffentliche Hand mitaufkommen, denn ein Opernhaus kann sich nur teilweise selbst finanzieren.
Das staatliche Geld dient deshalb als eine Art Abgeltung für das öffentliche Interesse, Opern, Ballett und Chormusik auf hohem musikalischem Niveau aufführen zu können, inklusive dem Standort-Marketing für Zürich, Image-Werbung und ähnlichem.
In der diese Woche präsentierten Untersuchung der Münchner Unternehmensberatung actori GmbH wird dem Zürcher Opernhaus ein künstlerisch und wirtschaftlich gutes Zeugnis ausgestellt.
Der Vergleich mit grossen europäischen Häusern wie den Staatsopern von Bayern oder Wien zeige, dass sich ein Kurswechsel nicht aufdränge.
"Weltweit produktivstes Opernhaus"
Trotz deutlich geringeren Subventionen gelte die Zürcher Oper als "weltweit produktivstes Opernhaus" (16 Neuproduktionen in der laufenden Saison).
Und trotz des kleinen Einzugsgebietes mit 1,68 Millionen Menschen in der Metropolregion Zürich erreiche das Musiktheater eine rekordhohe Eigenfinanzierung von 44,2%.
Hohe Einnahmen mit Sponsoring
Der Bericht attestiert dem Haus besonders hohe Einnahmen aus Sponsoring und Kartenerlösen, eine hohe Kosteneffizienz und einen vergleichsweise niedrigen Betriebsaufwand.
Dennoch ortet er "stellenweise intransparente interne Kommunikation und nicht immer klar definierte Kompetenzbereiche", was zu "teilweise ineffizienten Betriebsabläufen" und "vermeidbaren Kosten" führe.
"Top-Besetzungen" zahlen sich aus
Indirekt empfiehlt der Bericht aber das Festhalten am heutigen Kurs des musikalisch fokussierten, auf prominente "Top-Besetzungen" ausgerichteten Opernbetriebs.
Eine deutliche Verringerung von Produktionen und Vorstellungen würde zwar Geld einsparen, das Haus würde aber überproportional an Auslastung und Besuchern verlieren. Die Folge wäre ein weniger effizienter Betrieb.
Auch vom Übergang zu einem sogenannten Stagione-Betrieb mit im Block gespielten Neuproduktionen ohne festes Repertoire wird abgeraten.
Ein solches Szenario würde zwar dank massiven Stellenabbaus viel einsparen, sei aber extrem riskant und sehr viel ineffizienter als der Status Quo.
81%-Auslastung
Bei unveränderter Organisationsstruktur und heutigem Spielplan sieht der Bericht dennoch eine wirtschaftliche Optimierung. So könne die Auslastung von heute gut 81% durch Verbesserungen bei Marketing und Betrieb noch um einige Prozente erhöht werden.
Die dadurch erzielten Mehreinahmen von rund 1,3 Mio. Franken seien aber vergleichsweise gering.
Ebenfalls nur mässig wären die Einsparungen mit 2 Mio. Franken, die die Reduktion um drei Neuproduktionen jährlich brächte. Gleichzeitig, so warnt die actori GmbH, würde die Zürcher Oper aber ihr Image als weltweit produktivstes Haus verlieren.
Mehr Produktionen für Kinder und Jugend
Schliesslich empfiehlt actori die Investition von jährlich rund 1,5 Mio. Franken in den Ausbau der Kinder- und Jugendproduktionen.
Die Konzentration auf die "nächste Besuchergeneration" sei wichtig und soll zur Sicherung der Zukunft wesentlich beitragen.
swissinfo und Agenturen
Geschichte
1834 erhielt Zürich das erste ständige Theater, das sogenannte Aktientheater, welches auch Stätte von Richard Wagners Wirken in seinem Zürcher Exil war.
1891 wurde nahe dem Bellevue nach Plänen der beiden Wiener Architekten Fellner und Helmer das heutige Haus mit einem Fassungsraum von 1100 Plätzen eröffnet.
Nach dem Bau eines separaten Schauspielhauses 1926 konzentrierte es sich aber auf Oper, Operette und Ballett.
Ferruccio Busoni, Paul Hindemith, Richard Strauss, Othmar Schoeck, Arthur Honegger, Frank Martin und andere berühmte Komponisten hatten Einfluss auf die Entwicklung des Zürcher Musik- und Theaterlebens.
Das Zürcher Opernhaus ist Ort vieler Erst- und Uraufführungen.
Die Jahre 1982 bis 1984 standen im Zeichen der Renovation und Erweiterung des Opernhauses.
Von 1975 bis 1986 war Claus Helmut Drese Direktor des Opernhauses. Dreses Nachfolger hiess Christoph Groszer, vorher Intendant in Wiesbaden.
Nachfolger von Christoph Groszer ist seit 1991/92 Alexander Pereira, vormals Generalsekretär des Wiener Konzerthauses.
Pereira trieb die Kantonalisierung des Opernhauses voran, die im Frühjahr 1995 vollzogen wurde.
Er ist auch sehr aktiv im Bereich Sponsoring. Ausser den Subventionen des Kantons Zürich und des Kantons Zug finanzieren eine ganze Reihe von privaten Spendern und Sponsoren die jährlich rund 300 Opern- und Ballettvorstellungen, Konzerte und Liederabende.
Sein Vertrag als Intendant läuft bis zum Jahre 2011. Sein Nachfolger heisst Andreas Homoki, zur Zeit Intendant der Komischen Oper Berlin.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards