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Die mediale Thematisierung von rechtsextremen Bands und Konzerten in der Schweiz geschieht wellenförmig und meist in skandalisierender Weise – die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen blieb bis anhin aus.
Dieser ernüchternde Forschungsstand verlangt nach einer grundlegenden Bestandesaufnahme des Feldes. So wird in der vorliegenden Untersuchung den Fragen nach der Form, dem Inhalt und der Funktion von Rechts-Rock innerhalb der rechtsextremen Lebenswelt nachgegangen. Dies geschieht einerseits anhand von Zeitungsartikeln und polizeilichen Berichten des Dienstes für Analyse und Prävention (DAP), die Aussagen über das Ausmass der Konzertätigkeiten in der rechtsextremen Szene liefern. Andererseits wird anhand von Bandinterviews, Konzertberichten aus einschlägigen Zeitschriften sowie rechtsextremen Musikerzeugnissen das Selbstbild, die Selbstverortung und die Identitätskonstruktion von Rechts-Rock-Musikern – und äusserst selten -Musikerinnen – mit qualitativen Methoden analysiert. Im Untersuchungszeitraum zwischen 1997 und 2007 fanden 78 dokumentierte Rechts-Rock-Konzerte im Raum Schweiz statt. Auffällig ist die starke internationale Vernetztheit von Zuhörerschaft, Bands, Labels und Musikvertrieben. Die Konzertaktivitäten erfüllen für die rechtsextreme Szene eine vergemeinschaftende Funktion, die auf dem Erleben von exklusiver Gemeinschaft, Emotionalität und geteiltem (politischem) Kontext beruht. In den Liedtexten wird ein bipolares Weltbild vermittelt. Das positiv besungene Selbstbild basiert auf einer starken Betonung des Kollektivs, welchem ein messianischer Auftrag zur „Rettung der weissen Rasse“ zugeschrieben wird.
Ausgehend von den bipolaren Deutungsmustern sehen sich die rechtsextremen Akteure als Opfer von „zeitgenössischer Dekadenz“ und „Rassenvermischung“.
Der politische Kampf, welchem sich die Rechts-Rock-Musizierenden verschreiben, wird in dieser Logik als Akt der Selbstverteidigung verstanden.