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Mehr als drei Jahrzehnte dauerte es, bis Neil Gaimans Graphic Novels «The Sandman» verfilmt wurden. Nun hat sich Netflix dem Fantasy-Epos angenommen und die erste Staffel (bestehend aus zehn Episoden) veröffentlicht. Gaiman war an der Produktion als Produzent und Drehbuchautor beteiligt.
Tom Sturridge spielt «The Sandman» aka Morpheus, den Herrscher der Träume. Dieser befindet sich seit einem Jahrhundert in Gefangenschaft eines Magiers. Nach seiner Flucht muss er feststellen, dass sein Königreich in der Zwischenzeit verfallen ist, sein Palast in Schutt und Asche liegt und seine ehemalig loyalen Untertanen die Flucht ergriffen haben.
Um sein Königreich wiederherzustellen, benötigt er drei Dinge, die ihm während seiner Gefangenschaft geklaut und in alle Winde zerstreut wurden: seine Maske, seinen Sand und seinen Rubin. Und so begibt er sich über die zehn Episoden der ersten Staffel auf die Suche danach, während er auf ein Pantheon an interessanten Menschen trifft sowie mythologische und biblische Wesen.
Obwohl die Comic-Reihe zu DC gehört, hat die Serie wenig mit Batman und Superman zu tun. So wurden DC-Charaktere wie Martian Manhunter, Doctor Destiny oder Scarecrow komplett aus der Serie gestrichen. Neil Gaiman begründet diese Entscheidung wie folgt:
Im Laufe der Jahre der Entstehung der Comic-Reihe sei nämlich die Welt des Sandmannes immer mehr mit unserer Welt verschmolzen und habe immer weniger mit kostümierten Verbrechensbekämpfern, die herumfliegen, zu tun.
Superhelden ganz aussen vor zu lassen, wollte Gaiman, der schon etliche Comics für DC schrieb (und auch für Marvel), dann doch nicht. In einem Traum kommt eine farbenfrohe Superheldenversion des Sandmannes vor. Ein Kontrast zur sonst sehr düsteren Serie.
1991 kam zum ersten Mal die Idee auf, die Comics zu verfilmen. Damals war die Comic-Reihe noch bei Weitem nicht abgeschlossen. Einige bekannte Namen wollten sich ein Stück von Neil Gaimans Fantasy-Kuchen abschneiden. So auch «Pulp Fiction»-Co-Autor Roger Avary oder später, anno 2010, der Schauspieler und Produzent Joseph Gordon-Levitt. Doch Gaiman blieb stur:
Schlussendlich schaffte es «The Sandman» (noch) nicht auf die grosse Leinwand. Laut Gaiman wäre dies schlichtweg zu teuer gewesen, als dass sich die Produktion für ein Studio gelohnt hätte. Ausserdem hätte für ein Standalone-Film-Drehbuch viel zu viel Handlung gestrichen werden müssen – die Comics bestehen insgesamt aus 3000 Seiten.
Stattdessen sammelte Gaiman eigene Erfahrungen mit TV-Produktionen. Unter anderem wirkte er als Produzent bei den Verfilmungen seiner Bücher «American Gods» und «Good Omens» mit. «Ich hatte nicht mehr das Gefühl, von Showrunnern verarscht werden zu können.»
Dass eine Buchvorlage 3000 Seiten hat, ist inzwischen – Streaming sei Dank – kein «Fehler» mehr, sondern eine Besonderheit. «Die Tatsache, dass es sich um eine Geschichte für Erwachsene handelt, für die ein riesiges VFX-Budget benötigt wird, war früher ein Problem, jetzt nicht mehr.»
Glücklicherweise hat Gaiman auf sein Bauchgefühl gehört, als er jahrzehntelang Angebote für eine Verfilmung abgelehnt und sich nun endlich entschieden hat, zu Netflix «ja» zu sagen. Entstanden ist eine Fantasy-Serie, die auf so vielen Ebenen überzeugt und Zuschauende in die Welt der Träume entführt. Sei das nun mit der düsteren Grundstimmung der Serie oder der Top-Besetzung.
Zuschauende können sich auf abwechslungsreiche Geschichten und Charaktere freuen. Wie Gaiman versprochen hat, ist ein Vorwissen der Comics nicht nötig. In jeder Folge werden neue Wesen und Charaktere vorgestellt und trotzdem wirkt die Serie nicht überladen, sondern es macht Spass, diese zu entdecken. Allen Dämonen, Serienmördern und Fabelwesen zum Trotz: Bei «The Sandman» geht's letztendlich um Menschlichkeit.
«The Sandman» ist ab sofort auf Netflix verfügbar.
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