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Surrealistische Kunst wirkt oft unheimlich, wahnhaft oder zumindest skurril – nicht bei ihm: Serge Brignonis Malerei, die dieser avantgardistischen Kunstrichtung zugeordnet wird, feiert bunt das Ursprüngliche, das Wachstum und das Metaphysische. Dieselben Themen hat er auch in Stein, Holz, Eisen und später Aluminiumgüssen plastisch umgesetzt.
Der Tessiner Brignoni kam 1907 als Vierjähriger mit seinen Eltern nach Bern, wo er ab 1919 die Kunstgewerbeschule und die Malschule von Victor Surbek besuchte. Nach Zwischenspielen an der Accademia di Brera in Mailand und an der Hochschule für bildende Kunst in Berlin liess er sich 1923 in Paris nieder, studierte und arbeitete zeitweise an der Akademie des Kubisten André Lhote und verkehrte bald im Kreis der grossen Avantgardisten wie Alberto Giacometti, Max Ernst und André Breton. Zugleich pflegte er Kontakte zur Künstlervereinigung Gruppe 33 in Basel. Waren Mitte der 1920er-Jahre noch kubistische Ansätze in seiner Malerei erkennbar, prägte er um 1930 seinen singulären surrealistischen Stil aus, in dem sich geometrisch-abstrakte Formen, Fragmente von männlichen und weiblichen Körpern und Pflanzen in kontrastreicher Farbigkeit dynamisch verbinden. In der Stadt an der Seine entdeckte er auch seine Sammelleidenschaft für aussereuropäische, vor allem ozeanische Kunst. Deren Formensprache spiegelt sich teils in seinen eigenen, ab 1930 entstandenen Plastiken wider. Der Zweite Weltkrieg zwang Brignoni und seine Frau 1940 zur Rückkehr in die Schweiz, seine Werke blieben in Paris zurück und fielen dort fast ausnahmslos einer Überschwemmung zum Opfer. In Bern betrieb er aus finanziellen Gründen zunächst Landschaftsmalerei, bevor er in den 1950er-Jahren allmählich in sein Universum aus Farben und Formen zurückkehrte und bis ins hohe Alter daran arbeitete.
Serge Brignoni war an wichtigen internationalen Surrealismus-Ausstellungen beteiligt, und er gilt als einer der ersten Schweizer Eisenplastiker. Zudem war er ein angesehener Experte für aussereuropäische Kunst. Seine umfangreiche Sammlung vermachte er 1985 der Stadt Lugano, woraus 1989 das Museo delle Culture hervorging.
Serge Brignoni wurde 1903 in Chiasso (CHE) geboren; er starb 2002 in Zollikofen bei Bern (CHE).
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Collage, Druckgrafik, Skulptur, Plastik