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von Giuseppe Chiesi
Die archäologischen Untersuchungen, die vom Ufficio beni culturali im Jahre 1995 in Gorduno, auf dem Hügel, auf welchem sich die Kirche SS. Carpoforo und Maurizio erhebt, durchgeführt wurden, haben neue Erkenntnisse über die Geschichte der Kirche und der mittelalterlichen Befestigunganlagen im Gebiet von Bellinzona geliefert.
Diese felsige Erhebung liegt nördlich des natürlichen Engpasses von Bellinzona, direkt neben der A2. Die günstige Lage dieses Hügels erlaubte eine gute Kontrolle über die nahegelegenen Verkehrswege, die zu den Pässen Gotthard, Lukmanier und S. Bernardino führten. Im Mittelalter verlief hier auch die Grenze zwischen Bellinzona, das zu Como gehörte, und den oberen Tessinertälern, die zu den mailändischen Besitztümern zählten.
Während der Untersuchungen kamen die Überreste einer Umfassungsmauer aus Frühmittelalter zum Vorschein, sowie die eines Turmes. Die Entdeckung eines Grabes, das als Beigabe ein Schwert aufwies, deutet auf die Präsenz von langobardischen Kriegern, die in Bellinzona bereits im 6. Jahrhundert nachgewiesen sind. Der Turm, der um das Jahr 1000 enstand, steht vielleicht im Zusammenhang mit der Ankunft der "famiglie capitaneali", die durch den Erzbischof von Mailand in der Region des Verbano mit Gütern und Rechten belehnt wurden.
Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg "castrum de Nioscha" stammt aus dem Jahre 1133. Die Burg befand sich in den Händen eines einflussreichen Zweiges der Orelli-Magoria, die zu den adeligen Geschlechtern in der Gegend von Locarno gehörten. Die Magoria-Orelli liessen auf dem Hügel eine grössere Kirche errichten, die von Ardizzone, dem Bischof von Como, im Jahre 1132 eingeweiht wurde. Da sich die Grabungskampagne nur auf das Innere der Kirche und auf den Kirchplatz konzentrierte, konnte nur ein kleinen Bereich des Hügels untersucht werden.
Weitere, heute an den Geländeterrassen zum Teil noch erkennbare Mauerreste, konnten dank einer topographischen Vermessung aus dem Jahre 2000, unter der Leitung von Rudolf Glutz, näher bestimmt werden. Es handelt sich wahrscheinlich um die Überreste von zwei Ringmauern, die den Hügel gänzlich umschlossen. Es ist deshalb anzunehmen, dass die Burg im 13. und 14. Jahrhundert eine grössere Anlage darstellte, deren Gebäude sich um die Kirche gruppierten.
Die Zerstörung der Burg steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit den politischen Wirren des 14. und 15. Jh., als die Mailänder unter der Herrschaft der Visconti diese Gebiete eroberten. Im 14. Jh. wurde die Burg von den Visconti an Albertone von Sax-Misox verliehen. Wenige Jahre später verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Visconti und den Sax. Nach dem Tode des Herzogs Gian Galeazzo Visconti im Jahre 1402 wurde Bellinzona von den Sax besetzt, die dann die Stadt 1419 den Urnern und Obwaldner verkauften. Nach der Niederlage der Eidgenossen bei Arbedo (1422) kamen diese Gebiete vorübergehend wieder unter die Herrschaft der Mailänder. Es ist nicht auszuschliessen, dass eine Schar Eidgenossen bei ihrem Rückzug von Arbedo die Burg bei Gorduno besetzten. Wahrscheinlich wurde die Burg dann wenig später von den Mailändern endgültig zerstört.
(Christian Saladin, Origlio/Basilea)
, Giuseppe : Gorduno: la collina del castello
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 12. Jahrgang 2007, Heft 2, 55 - 59.