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Vier zuletzt meist glücklose Ehen in sechzig Jahren, brillante journalistische Karrieren in der Weimarer Republik, im England der dreissiger und vierziger Jahre und schliesslich in der DDR. Stets «zwischen den Stühlen» – als assimilierter jüdischer Deutscher ebenso wie als aus der Emigration in den Realsozialismus übersiedelter Skeptiker. Das ist das Leben von Georg Honigmann im Telegrammstil.
Die vielfach ausgezeichnete Autorin Barbara Honigmann berichtet in «Georg» von ihrem Vater, der vor 35 Jahren verstorben ist. Zur selben Zeit siedelte sie aus ihrer Geburtsstadt (Ost-)Berlin nach Strassburg über – von Ost nach West, aus dem deutschen in den französischen Sprachraum, aus einem zerstörten in ein bewusst gelebtes Judentum. Sie erzählt nicht chronologisch, sondern assoziativ, in mal zart musikalischer, mal schnoddriger Sprache.
Georg Honigmann wird 1903 in Wiesbaden geboren, er arbeitet als Journalist, zunächst in Düsseldorf und Berlin, dann als Londonkorrespondent. Bei Kriegsausbruch 1939 wird er als «feindlicher Ausländer» mit anderen NazigegnerInnen nach Kanada verschifft und interniert, dort kommt er in Kontakt mit Marxisten und KommunistInnen und Spanienkämpfern. Zurück in England, wird Lizzy Kohlmann, überzeugte Kommunistin aus Wien und Gattin des legendären britischen Doppelagenten Kim Philby, seine Geliebte, später seine Ehefrau. Auf Geheiss der Partei gehen sie nach dem Krieg nach Ostberlin, wo Georg grosse publizistische Aufgaben übernimmt und 1949 die Tochter Barbara zur Welt kommt. Stets selber denkend, hat er – als Westemigrant und als zurückgekehrter Jude erst recht – bald Probleme mit sturen Parteikadern. 1956 lassen sich Georg und Lizzy scheiden, Georgs dritte Frau wird die (bald darauf berühmte) Schauspielerin Gisela May, die der Tochter Barbara das Theater nahebringt. Auch diese Ehe hält nicht. Es wird noch eine vierte geben, ehe Georg 1984 stirbt.
Es ist ein verschlungenes, vielseitiges Leben eines sich letztlich «immer im Exil» vorkommenden charmanten Mannes, dessen intensivste Gefühle vielleicht der Tochter galten, die er «oft für einen Mann» nahm: als «Bruder, Kumpel, Gefährten, der ihn vielleicht ein bisschen beschützt vor dem Leben, in dem ihm so vieles zerbrach».