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Wie lange Francis Crick schon doktorierte – das wusste vermutlich nicht einmal er so genau. Schon vor Jahren hatte er seine Forschung in London abgebrochen. Mittlerweile war der Physiker 35 Jahre alt und hatte auch am Cavendish Laboratory in Cambridge noch nichts zustande gebracht.
Allerdings wusste Crick, dass er mit einem aussergewöhnlichen Verstand gesegnet war. Sein scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein wurde höchstens von seinem Ehrgeiz übertroffen. Sollten sich doch die anderen Forscher mit Belanglosigkeiten herumschlagen: Francis Crick war für die grossen Fragen der Wissenschaft bestimmt.
DNA: ein wenig erforschtes Molekül
Am meisten faszinierte ihn das Rätsel um die DNA. Niemand wusste, welche Form das Molekül hatte, und auch seine Bedeutung in der Genetik war noch unklar. Da sich aber niemand mehr mit dem vorlauten Kollegen austauschen wollte, kam er zunächst nicht weit.
Erst als sich im Herbst 1951 der junge Biologe James Watson dem Cavendish Laboratory anschloss, fand Crick seinen Seelenverwandten. Bald begannen sie, DNA-Modelle zusammenzustecken. Sie waren überzeugt: Gemeinsam würden sie irgendwann die richtige Struktur entdecken.
Konkurrenz aus London
Die Konkurrenz war überschaubar: Nur wenige hatten bisher vermutet, dass das rätselhafte Molekül eine wichtige Rolle in der Genetik spielen könnte. Doch das Wettrennen war längst eröffnet.
Auch am King’s College in London, nur knapp zwei Zugstunden von Cambridge entfernt, beschäftigten sich zwei Forscher mit der DNA, allerdings auf ihre Art: Maurice Wilkins und Rosalind Franklin beschossen DNA-Kristalle mit Röntgenstrahlen und fingen auf einem Röntgenfilm ein Muster auf. Aus dem Muster, so ihre Hoffnung, liesse sich irgendwann die Form des DNA-Moleküls errechnen.
Wilkins, Watson und Crick tauschten sich regelmässig über ihre Arbeit aus. Franklin arbeitete aber lieber für sich allein. Seitdem sie im Jahr 1951 ihre Arbeit am King’s College aufgenommen hatte, war ihr Verhältnis zu Wilkins zerrüttet.
Auch von Watson und Crick hatte sie keine sehr hohe Meinung: Allein die Tatsache, dass die beiden im Jahr 1952 ein offensichtlich fehlerhaftes DNA-Modell präsentiert hatten, war in ihren Augen wissenschaftlich inakzeptabel. Und doch sollte ausgerechnet ihre Arbeit den Kollegen zu Ruhm und Ehre verhelfen.
In London liegt der Schlüssel des Erfolgs
Während sich ihre Kollegen in Cambridge in falsche Modelle verrannten, produzierte Franklin immer bessere Röntgenaufnahmen der DNA. Im Mai 1952 gelangen ihr und ihrem Assistenten Ray Gosling ein besonders detailliertes Bild der DNA-Struktur: das sogenannte «Photo 51». Franklin legte es zunächst zu den Akten, um sich anderen Berechnungen zu widmen.
Wir haben das Rätsel des Lebens gelöst
Irgendwie geriet das Foto aber in die Hände ihres Kollegen Maurice Wilkins. Der entschied sich dazu, es Watson und Crick zu zeigen. Für die Forscher aus Cambridge war die Aufnahme eine Offenbarung: Franklins Arbeit bestätigte ihre Vermutung, dass die DNA die Form einer Doppelhelix annimmt.
Sofort legten sie mit der Tüftelei an ihrem Steckmodell los – und hatten nur wenige Wochen später die Struktur entschlüsselt. Noch am Abend ihres Triumphs stürmten sie in ihre Stammkneipe und verkündeten: «Wir haben das Rätsel des Lebens gelöst!»
Mit dem Nobelpreis geehrt
Bereits im Frühjahr desselben Jahres veröffentlichten Watson und Crick ihr Modell in der Fachzeitschrift «Nature, Link öffnet in einem neuen Fenster». Neun Jahre später wurde Francis Crick, zusammen mit James Watson und Maurice Wilkins, für seine Entdeckung tatsächlich mit dem Nobelpreis geehrt.
Rosalind Franklin hat diesen Moment nicht mehr erlebt. Sie war bereits 1957 im Alter von 37 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung verstorben.