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Die Festigung der Partnerschaft
Zwischen 2002 und 2005 folgte die Festigung der Partnerschaft zwischen der Pfadibewegung Schweiz (PBS) und AGGR. Nachdem sich der rumänische Verband nicht gross weiter zu entwickeln schien, suchte die Rumänienequipe nach Möglichkeiten, um die Erfüllung der Voraussetzungen für die Vollmitgliedschaft von WAGGGS zu forcieren.
Einerseits wurde in vielen Gesprächen, E-Mail-Wechseln und Telefongesprächen mit AGGR zusammen ein Partnerschaftsvertrag mit klaren Zielen erarbeitet, andererseits sollten ein weiteres Mal AusbilderInnen für eine längere Zeit nach Rumänien reisen. So weilten Anfangs April bis Ende September 2002 Sabine Germann v/o Gazelle und David Sidler v/o Würfel in Rumänien.
Geplant war, dass Sabine Germann in Bukarest in erster Linie mit der Verbandsleitung an der Erfüllung der Ziele aus dem Partnerschaftsvertrag arbeiten würde und dass David Sidler in Iasi die dortige Abteilung unterstützen würde. Man wollte nach der Stärkung von Cluj durch Heidi Appenzellers Aufenthalt nun auch eine zweite Region weiter entwickeln. Iasi schien eine gut funktionierende Abteilung zu sein, im Sommer 2001 hatte die Abteilung von Marsens VD mit den Iaser Pfadi ein Lager durchgeführt und anschliessend zwei Leiter zu einem Leiterkurs des Kantonalverbandes VD eingeladen. Auch Heidi Appenzeller hatte im Jahr 2000 von dieser Abteilung einen sehr guten Eindruck bekommen. Doch leider stellte sich bald nach David Sidlers Ankunft heraus, dass die Abteilung daran war, sich aufzulösen. Das Leiterteam hatte sich zerstritten und der Pfadibetrieb war eingestellt worden. David Sidler versuchte zu retten, was zu retten war und traf sich regelmässig mit verschiedenen LeiterInnen, um diese zur Rückkehr zu bewegen. Gleichzeitig versuchte er, eine Gruppe von motivierten Drittstufenaltrigen bei Stange zu halten, um diese zu einer neuen Leitergeneration auszubilden. Trotz intensiver Kontakte und Gespräche mussten David Sidler und die Projektgruppe in der Schweiz einsehen: Diese Gruppe war nicht mehr zu retten. David Sidler reiste nach vier Monaten nach Bukarest, um Unterstützung bei der Verbandsarbeit zu leisten.
Dort hatte Sabine Gemann in der Zwischenzeit ebenfalls andere Aufgaben gelöst, als geplant waren. Statt auf der Basis des im Juni unterschriebenen Partnerschaftsvertrages mit einer motivierten Verbandsleitung die strategische Planung der nächsten Jahre anzugehen und an der Erfüllung der Anforderungen für die Vollmitgliedschaft zu arbeiten, musste sie ein am Boden zerstörtes Team aufbauen: WAGGGS hatte beschlossen, AGGR wegen der beinahe hoffnungslosen Situation des Verbandes die Unterstützung zu entziehen. So setzten David Sidler und Sabine Germann alles daran, um die Verbandsleitung wieder zu motivieren und mit ihnen alles zu unternehmen, um nach und nach die Bedingungen von WAGGGS für die Vollmitgliedschaft zu erfüllen. Dies konnte nur dank der Anwesenheit zweier Schweizer AusbildnerInnen vor Ort geschehen. Die Verbandsleitung konnte nach und nach wieder sehen, zu was der Verband fähig war. So konnte die strategische Planung seit 1998 ausgewertet werden und eine neue gemacht werden bis 2005. Es wurde am Programm weitergearbeitet und ein Ausbildungsmodell fertig gestellt. Beide Dokumente sind unterdessen von WAGGGS abgesegnet worden.
Um den Wachstum von AGGR zu forcieren, beschloss die Projektgruppe mit der Verbandsleitung von AGGR, finanziert über den Jugendostkredit den sogenannten „Service de Developpement“ zu starten: Vom 1.8.2002 bis 31.12.2003 reiste eine angestellte Leiterin (in den ersten zehn Monaten unterstützt durch eine weitere Teilzeitangestellte) durch das Land, um neue Gruppen zu eröffnen, Leiterinnen zu rekrutieren, diese auszubilden und mit den neuen Gruppen erste Lager durchzuführen. Diese Idee hatte die Projektgruppe wiederholt diskutiert, doch man scheute sich davor, jemanden in einem ehrenamtlichen Kontext anzustellen, es schien einfach nicht pfadimässig. Doch AGGR musste auf 1000 Mitglieder kommen, um die Vollmitgliedschaft zu erlangen und 2002 schien dieses Vorgehen die letzte Möglichkeit, um dies noch zu erreichen. Das Projekt war äusserst erfolgreich. Innert kurzer Zeit vervielfachten sich die Mitgliederzahlen und neue Gruppen schossen im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden. Von 2002 auf 2003 wuchs der Verband von 329 auf 627 Mitglieder an, 2002 gab es Gruppen an drei Orten, 2003 an neun. Damit war offenbar ein Grundstein für den Wachstum gelegt: 2004 wuchs AGGR auf 787 Mitglieder in elf Ortschaften an – obwohl der „Service de Developpement“ nicht mehr lief.
Am 6. September 2002 wurde der Verbandssitz von AGGR mit einer offiziellen Feier eingeweiht. Anwesend waren unter anderem Mario Ruse (Sekretär des Ministeriums für Jugend und Sport), Narcis Iordache (Präsident des Sektor 3 von Bukarest), Eric Mayoraz (Vertreter der Schweizer Botschaft in Rumänien), Sandra Maissen (Präsidentin der PBS), Liliana Pagu (Präsidentin der Frauenorganisation von Rumänien), Daniela Radu (Vertreterin der Vereinigung junger christlicher Frauen in Rumänien). Diese Einweihung gab AGGR eine gute Gelegenheit, sich bekannt zu machen und zu networken. Im Weiteren entstand nach einer Präsentation des Verbandes beim Sekretär des Ministeriums für Jugend und Sport (Mario Ruse) eine offiziellen Zusammenarbeit zwischen dem Staat und AGGR. Seit Ende 2002 sind die Strukturen des Verbandes klar und funktionsfähig. Das Ausbildungsmodell entspricht den Bedürfnissen von AGGR und das Programm entspricht der Situation in Rumänien. Die Verbandsleitung versteht es, Gelder für konkrete Projekte, die auch ihrem Bedürfnis entsprechen, zu erhalten. Vor allem die Präsidentin macht sich in der Öffentlichkeit stark und positioniert so AGGR als Verband für Mädchen und junge Frauen.
Von September bis Dezember 2003 weilte Christof Meier v/o Merlin in Bukarest. Sein Aufenthalt war von ganz anderen Aufgaben geprägt als frühere Aufenthalte: Er begleitete die angestellte Leiterin im Rahmen des „Service de Developpement“ auf ihren Reisen durch das Land und unterstützte sie beim Anwerben von neuen Leiterinnen, bei deren Ausbildung und Motivierung. Durch seine Anwesenheit bekamen die Auftritte der Leiterin eine grössere Wichtigkeit und zeigten, dass die Pfadi eine internationale Organisation ist. Er half bei der Organisation der DV 2003, gab Inputs bei der Erarbeitung verschiedener Hilfsmittel im Bereich Programm und half beim Verfassen von Anträgen für die Finanzierung diverser Projekte. Bei der DV im Herbst 2003 war auch Heather Roy, Generalsekretärin von WAGGGS-Europe anwesend. Dies gab die Gelegenheit für einige Sitzungen, bei denen die Ziele von AGGR mit denjenigen von WAGGGS koordiniert werden konnten. Ausserdem bedeutete ihr Besuch eine Aufstufung von AGGR in ein C-Land.
Da die Finanzierung über den Jugendostkredit befristet war, wurde mit der Verbandsleitung von AGGR festgelegt, dass sich die Schweizer Seite schrittweise aus der Finanzierung des Verbands zurückziehen würde. In den Anfangsjahren wurde die Buchhaltung von AGGR in der Schweiz gemacht und AGGR bezog mit einer Schweizer EC-Karte von einem Schweizer Konto Geld für alle Aktivitäten des Verbandes. In einer weiteren Phase bekam der AGGR mehrmals jährlich einen Betrag überwiesen, musste Budget und Buchhaltung selber machen und ein eigenes Konto eröffnen. Um diesen Systemwechsel vorzubereiten, führte Claire-Isabelle Heritier im Februar 2002 in Bukarest einen Workshop zum Thema Buchhaltung, Budget, Schreiben von Finanzierungsanträgen durch. Im Jahr 2003 bekam AGGR einen Betrag von 15'000 Franken, 2004 waren es 10'000 Franken und 2005 5'000 Franken. Dazu kamen noch weitere Beiträge für die angestellten Sekretärinnen, den „Service de Developpement“ und die einzelnen Regionen.
Ab 2006 muss sich der Verband vollständig selber finanzieren. Dies ist nicht einfach in einem Land, in dem das Durchschnittsgehalt rund 150 Franken beträgt und die meisten Leute mehr als einen Job haben müssen, um sich mehr schlecht als recht über Wasser zu halten. Der Mitgliederbeitrag beträgt 0.8 Franken. Die Verbandsleitung von AGGR hat schon immer versucht, Gelder für Projekte zu bekommen. Anfangs wurden jedoch Projekte kreiert, über die man einige Dinge finanzieren konnte (z.B. Projekt einer Demokratieerziehungsbroschüre, um einen Fotokopierer für den Verband anschaffen zu können). Diese Projekte nahmen viel Zeit der Verbandsleitung in Anspruch, die dann für die Alltagsgeschäfte fehlte. Unterdessen ist die Verbandsleitung sehr gut darin, aus Alltagsgeschäften Projekte zu kreieren und dafür bei den verschiedensten Stiftungen und Organisationen Gelder zu beantragen. So konnten 2003 alle AusbildnerInnenkurse vollständig über das Jugend-Projekt der EU finanziert werden. Und seit Anfangs 2005 läuft wieder ein „Service de Developpement“, der mit einem grossen Betrag vom DEZA-Kooperationsbüro in Bukarest, das der Schweizer Botschaft angeschlossen ist, finanziert wird.
In den Jahren 2003 und 2004 konnten die im Jahr 2002 erreichten Punkte (Strukturen, Ausbildung, Programm, Finanzen, PR) konsolidiert, vertieft und der Verband in den einzelnen Regionen des Landes (Mitgliederzahlen, Strukturen) entwickelt werden. Die DV 2004 wurde als erste vollständig und ohne Hilfe aus der Schweiz von AGGR organisiert. Einladung und Unterlagen gingen rechtzeitig an die Mitglieder, jede Region war vertreten, die Statuten wurden eingehalten, die Wahlen fanden rechtmässig statt, Tätigkeitsprogramm und Budget für 2005 wurden vorgestellt, der Anlass wurde gesponsert. Im Jahr 2004 reichte AGGR ein Gesuch für ein Mikroprojekt bei WAGGGS ein: Für ein Jahr sollte eine Generalsekretärin beschäftigt werden, die sich um Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierungsprojekte kümmern sollte. Dieses Gesuch wurde von WAGGGS bewilligt. Ein Mitglied der Verbandsleitung von AGGR war 2004 Teil des Organisationskomitees für das WAGGGS/WOSM-Seminar zum Thema Partnerschaften. Damit nahm AGGR zum ersten Mal aktiv teil am Geschehen von WAGGGS. Auch sonst werden Mitglieder des Verbandes in einem grösseren Rahmen aktiv, so leiteten Mitglieder der Verbandsleitung im Sommer 2004 am World Youth Festival in Barcelona zwei Workshops.
Das Jahr 2002 kann als Wendepunkt des Projekts bezeichnet werden – es war auch ein Wendepunkt in der Arbeit der Projektgruppe. War diese zuerst Motor von AGGR, wurde sie allmählich zu Mentorin und Coach und ab der DV 2004 zur Beraterin, die auf Verlangen hilft. Die Equipe hatte dadurch immer mehr Zeit für andere Aktivitäten und konnte sich auf die Bereiche konzentrieren, von denen PBS-Mitglieder profitieren können: Austausch zwischen Gruppen, Lager, Freiwillige, die nach Rumänien reisen. In AL-Versänden wurde regelmässig über das Projekt informiert und auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, in rumänischen Leiterkursen als Coach der Leitung teilzunehmen, es wurden Abteilungen für Partnerschaften mit rumänischen Gruppen gesucht und Leute, die längere Zeit vor Ort AGGR unterstützen möchten. Sieben LeiterInnen der PBS werden im Sommer 05 an einem LeiterInnenlager von AGGR teilnehmen. Mit dem Büchlein "Rumänienreise" im AL-Versand 1/05 und in den Kurskisten sollen LeiterInnen verstärkt für das Rumänienprojekt sensibilisiert werden.