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Der Luchs starb in der Schweiz während des 19. Jahrhunderts aus. Die letzte historische Beobachtung erfolgte 1904 beim Simplonpass. Der Luchs wurde mit allen Mitteln verfolgt, aber auch seine Lebensgrundlage war zerstört: Die Wälder waren im Zuge der Industrialisierung weitgehend abgeholzt, die Beutetiere ausgerottet. Es gab für das scheue Raubtier keine Lebensgrundlage mehr.
Im 20. Jahrhundert gewannen die Wälder allmählich wieder an Bedeutung. Nach einer umfassenden Wiederaufforstung und der Rückkehr der Paarhufer war die Voraussetzung für eine Wiederansiedlung gegeben.
Verbreitung des Luchses kam schleppend
1967 fasste der Bundesrat den Beschluss, dem Antrag des Kantons Obwalden stattzugeben und dem Luchs in der Schweiz wieder eine Heimat geben zu wollen. 1971 wurden die ersten Luchspaare aus den Karpaten (Slowakei) freigelassen. Seither haben sich in der Schweiz zwei Luchspopulationen entwickelt, im Jura und in den Nordwestalpen. Die Verbreitung des Luchses kam aber nur schleppend voran und so wurden zwischen 2001 und 2008 einige Luchse in die Nordostschweiz umgesiedelt, um die Ausbreitung der Art im Alpenraum zu fördern.
Auch im Kanton Wallis gibt es Luchse, doch nahm der anfängliche Luchsbestand wieder stark ab und heute scheinen sie sich kaum halten zu können. In den Kantonen Graubünden und Tessin treten sporadisch Luchse auf. Es kommt gelegentlich vor, dass Luchse ins Mittelland vordringen, aber die starke Besiedlung macht dem Luchs zu schaffen und es fehlen zusammenhängende Wälder für eine permanente Besiedlung.
In den Hintergrund gerückt
Um den Luchs ist es zurzeit eher ruhig. Die Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement KORA überwacht die Bestände über ein Monitoring mit Fotofallen in gewissen definierten Referenzgebieten, sammelt Zufallsbeobachtungen und führt jährlich eine Umfrage unter Wildhütern durch.
"Die Diskussion um den Luchs ist in den letzten Jahren in den Hintergrund gerückt, einzig die Jäger haben zum Teil etwas Mühe mit ihm und finden, es habe zu viele", sagt Manuela von Arx von KORA. Es gibt daher in einzelnen Kantonen Diskussionen über eine Regulation des Luchses.
Mensch und Luchs
Doch aus populationsbiologischer Sicht ist seine Verbreitung eher schlecht und insbesondere in den Alpen noch nicht flächig verteilt. Ein weiteres Problem sei, dass die Luchspopulation aus sehr wenigen Gründertieren entstanden ist und die genetische Variabilität deutlich geringer ist als in der Ursprungspopulation in den Karpaten.
"Luchse sind scheu und grundsätzlich ungefährlich für Menschen", sagt Manuela von Arx. Konflikte ergeben sich aus - eher selten vorkommenden - Übergriffen auf Nutztiere und der Konkurrenz zum Jäger um Rehe und Gämsen.
Kurzporträt Eurasischer Luchs (Lynx Lynx)
Aussehen: Hochbeinige Katze mit grauem bis rötlichem Fell, oft mit schwarzen Flecken oder Rosetten, Ohrpinsel, Backenbart und Stummelschwanz
Grösse: Ausgewachsene Männchen 20 bis 26 Kilo, Weibchen 17 bis 20 Kilo
Verbreitung: Europa und Asien vom Himalaya bis zur nördlichen Waldgrenze
Habitat: Nordische und gemässigte Wälder, in Zentralasien auch in waldlosen Gebirgen
Raum- und Sozialstruktur: Lebt einzelgängerisch in permanenten Territorien, Weibchen (50-150 km²) und Männchen (100-250 km²)
Paarungszeit: März/April
Tragzeit: Etwa 70 Tage
Wurfgrösse: 2 (1 bis 4) Junge von Mutter 10 Monate geführt, danach Abwanderung
Nahrung: Rehe, Gämsen, gelegentlich Füchse, Nutztiere, Kleinsäuger. Pro Jahr reisst ein Luchs 50 bis 60 Paarhufer
Status in Jagdverordnung: geschützt mit Ausnahmen