Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03474.jsonl.gz/94

AOM/Air Liberté: Bilanz deponiert
Frankreichs angeschlagene Fluggesellschaft AOM/Air Liberté gibt auf. Die Unternehmensführung gab am Freitag (15.06.) bekannt, sie habe die Bilanz beim Handelsgericht von Créteil deponiert. Die Swissair Group bedauerte den Schritt. Der Billigflieger EasyJet zeigte Interesse an einer Teilübernahme.
Es sei am (gestrigen) Donnerstag und am Freitagmorgen nicht gelungen, eine Lösung zur Erhaltung von AOM/Air Liberté in ihrer jetzigen Form zu finden, teilte die Direktion der Fluggesellschaft mit, an der die Schweizer Swissair Group zu 49,5 Prozent beteiligt ist.
AOM/Air Liberté ersuchte um Gläubigerschutz und einen Aufschub, um vor der endgültigen Konkurserklärung die Rettung der Gruppe zu versuchen.
Die Swissair Group bezeichnete die Konkurserklärung der AOM/Air Liberté als bedauerlich. Sie beseitige aber ein wesentliches Element der finanziellen Ungewissheit für die Swissair Group und stärke deren finanzielle Gesamtposition.
Für Verpflichtungen aus Airline-Beteiligungen seien Rückstellungen in der Höhe von 2,4 Mrd. Franken getätigt worden, erklärte Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel am Freitagabend. Wieviele davon auf AOM/Air Liberté entfällt, konnte er aber nicht sagen.
Die Konkurserklärung wurde laut Mitteilung nötig, weil die AOM/Air-Liberté-Aktionäre - Swissair Group und die Finanzgesellschaft Marine-Wendel - die Airline finanziell nicht mehr unterstützen. Eine ernsthafte Übernahmeofferte liege nicht vor. Die Swissair Group, die zur Übernahme von zwei Dritteln der Restrukturierungskosten bereit war, bedauerte, dass sich Marine-Wendel weigerte, den Rest zu finanzieren. Frankreichs Transportminister Jean-Claude Gayssot hatte Marine-Wendel noch am Morgen dazu aufgefordert.
"Wir haben alles versucht, (...) die Zukunft der Fluggesellschaft sicherzustellen. Leider ist das nicht gelungen", wurde Swissair-Chef Mario Corti zitiert. Letztlich müsse die Swissair Group die Interessen ihrer eigenen Aktionäre schützen. Es sei ihr "unmöglich, weitere Betriebsverluste auf unbestimmte Zeit zu finanzieren", wurde Corti zitiert. Er hatte der zweiten französischen Swissair-Beteiligung Air Littoral schon vergangenen April den Geldhahn zugedreht. Die zu erwartenden Ausstiegskosten wurden gemäss Mitteilung in der Jahresrechnung 2000 zurückgestellt; sie hatte einen Reinverlust von nahezu drei Milliarden Franken gezeigt.
Der seit Tagen auf der Swissair-Aktie lastende Druck wich am Freitag. Nach dem tagelangen Sturzflug fing sie sich etwas auf. Bis zum Handelsschluss legte sie um 3,37 Prozent auf 107,5 Franken zu. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie 58,6 Prozent an Wert.
EasyJet interessiert
Der britische Billigflieger EasyJet zeigte Interesse an der Übernahme von Teilen der AOM/Air Liberté. Vor allem ging es ihm darum, Paris-Orly benützen zu können. EasyJet kontaktierte nach eigenen Angaben sowohl Corti als auch Gayssot, aber auch Marine-Wendel, AOM/Air Liberté und die zuständige französische Gewerkschaft CGT.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Diskutieren Sie mit!