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Ein Schienbeinbruch zieht fast immer Gehunfähigkeit nach sich. Wadenbeinbrüche am unteren Ende beeinträchtigen die Stabilität und Funktion des Sprunggelenks. Häufige Begleitverletzungen sind Bänderrisse oder Überdehnungen.
Das Skelett des Unterschenkels besteht aus zwei parallel angeordneten Knochen, dem Schienbein (Tibia) und dem Wadenbein (Fibula). Tragfähig ist nur das Schienbein; das dünnere Wadenbein ist für die Funktion des Fussgelenks (oberes Sprunggelenk) unerlässlich (Abbildung).
Eine Fraktur (Bruch) des Schienbeins kann im Kniegelenksbereich (Abb. a), im Verlauf des Schafts (Abb. b) oder in der Gegend des Sprunggelenks (Abb. c, d) erfolgen und zieht fast immer Gehunfähigkeit nach sich.
Wadenbeinbrüche sind besonders am unteren Ende des Knochens (Abb. d) von Bedeutung, weil sie hier Stabilität und Funktion des Sprunggelenks beinträchtigen können.
Wie andernorts unterscheidet man auch am Unterschenkel unfallbedingte (traumatische) Frakturen von solchen, die auf einem vorbestehenden Schaden am Knochen beruhen (pathologische Frakturen).
Fraktur im Bereich des oberen Knochenendes oder des Kniegelenks: Stauchung durch Sturz aus der Höhe oder Angefahrenwerden kann einen Schienbeinkopfbruch (Tibiaplateaufraktur) zur Folge haben.
Fraktur im mittleren Abschnitt (Unterschenkelschaft): Sie kommt indirekt zustande durch Verdrehen (Skibindung, die nicht auslöst), oder durch einen direkten Schlag auf die Stelle der Fraktur (durch Aufprall eines Gegenstandes oder Angefahrenwerden). Im zweiten Fall finden sich oft Begleitverletzungen von Haut und Weichteilen, also Quetschungen, offene Hautwunden, Muskel-, Nerven- und Blutgefässverletzungen.
Fraktur in der Knöchelgegend: Das Verdrehen oder Abkippen des Fusses kann zu Brüchen eines oder beider Knöchel führen, der Sturz aus der Höhe durch axiale Gewalteinwirkung zu Stauchungsbrüchen am unteren Ende des Schienbeins, aber auch des Sprungbeins oder Fersenbeins.
Brüche des Schienbeinschafts und kniegelenknahe Brüche sind von sofortiger Belastungsunfähigkeit gefolgt. Bei isolierten Frakturen des zum Schienbein gehörenden Innenknöchels bleibt hingegen das Gehvermögen bisweilen erhalten.
Wadenbeinbrüche gestatten je nach Ort und Typ der Fraktur oft noch das Herumgehen.
Bei Knöchelbrüchen sind Bänderrisse oder -überdehnungen häufige Begleitverletzungen.
Nicht nur der Knochen ist gebrochen, sondern auch die Haut und die Weichteile sind verletzt. Es handelt sich um offene Frakturen mit Begleitverletzungen von Nerven, Bändern oder Muskeln und entsprechender Infektionsgefahr. Je nach Definition werden auch Frakturen mit mehreren Bruchstücken zu den komplizierten Frakturen gezählt.
Dazu gehören nachträgliches Abrutschen von Knochenfragmenten, ungenügendes oder ausbleibendes Zusammenwachsen von Bruchstücken (Pseudarthrose), Verfestigung (Konsolidierung) in fehlerhafter Position (mit Beinverkürzung, Achsenknick, Verdrehung), Infektion, Thrombose oder Lungenembolie und die so genannte Sudeck’sche Dystrophie.
Wenn Anhaltspunkte für eine Fraktur bestehen, ist eine Arztkonsultation angebracht. Röntgenbilder bestätigen oder widerlegen den Verdacht.
Unverschobene Brüche lassen sich mit einem Gipsverband oder einem anderen härtenden Material bis zur Heilung ruhig stellen. Oft sind dann während der ersten Tage kurz nacheinander folgende Röntgenbilder nötig, damit ein allfälliges Verrutschen der Bruchstücke unter der Schiene rasch erkannt wird.
Ein starrer Verband (Gips, Kunststoffmaterial) kann durch zunehmende Schwellung des darunter liegenden Gewebes eng werden und Nerven und Blutgefässe komprimieren (einschnüren). Eine rasche nochmalige Arztkonsultation ist daher nötig bei Vorkommnissen wie:
Bei verschobenen (dislozierten) Bruchstücken ermöglicht die Operation (Osteosynthese) eine exakte Reposition (Aufeinanderpassen) der Fragmente. Letzteres ist insbesondere unerlässlich bei Brüchen, die ins Knie- oder Sprunggelenk hinein reichen, da sonst verfrüht Arthrosen auftreten. Die Osteosynthese gestattet ausserdem im Vergleich zum „blossen“ Gipsverband eine raschere Wiederaufnahme der Muskelaktivität und der Gelenkfunktion. Dadurch kann Versteifungen und Atrophie (Schwund von Muskel- und Knochensubstanz) besser entgegen gewirkt werden.
Zur Fixation der Fragmente dienen Platten in verschiedenen Formen und Schrauben, am Schienbein ausserdem Marknägel. Das sind Metallstifte, die von oben her in die Markhöhle des Knochens eingebracht werden.
Bei starker Schwellung – besonders in der Knöchelgegend – muss mit dem Eingriff bisweilen einige Tage zugewartet werden, weil das Infektionsrisiko bei geschwollenen, unter Spannung stehenden Weichteilen (Haut, Unterhautgewebe) gross und das Heilen der Operationswunde erschwert ist.
Die medikamentöse Blutverdünnung (Antikoagulation) reduziert das Risiko einer Thrombose, das so lange besteht, als das verletzte Bein nicht belastungsstabil und der Patient nicht ausreichend mobil ist.
Röntgenkontrollen erlauben es, den Verlauf der Knochenheilung zu beurteilen und den Zeitpunkt der Belastungsfähigkeit festzulegen. Die spätere Metallentfernung erfolgt, nachdem die Fraktur solid geheilt ist.