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Im Kunststoff- und Plastikzeitalter heutiger Prägung wird Horn für handwerkliche oder gar industrielle Produkte nur noch selten verwendet. Neben klassischen Anwendungsbereichen wie der Brillen- oder Kammherstellung kann es aber durchaus kunstvoll für die Schmuckkreation eingesetzt werden. Neben seiner Hautverträglichkeit bildet auch sein geringes Gewicht Vorteile.
Der Begriff „Horn“ stammt aus dem Althochdeutschen und entsprach neben seinem heutigen Bedeutungsbereich dem des heutigen Worts „Spitze“. Heute wird der Begriff Horn in erster Linie im „zoologischen“ Sinn verwendet, sprich als Bezeichnung für einen „bei Huftieren vorkommenden, meist paarförmigen Auswuchs an der Stirnseite des Kopfes“. Biologisch gesehen wird Horn von der Haut gebildet und besteht vorwiegend aus abgestorbenem Zellmaterial. Grundmerkmal von Hörnern ist, dass nur der vorderste Teil des Horns massiv ist, während der hintere, dickere Teil hohl ist. Eine veraltete zoologische Fachbezeichnung für die Familie der Hornträger lautete demnach auch „Cavicornia“, aus lateinisch „cavus“ für hohl und „cornis“ für Horn. Hirsche oder Elche – deren Geweihe im Gegensatz zu Hörnern durchgehend massiv sind, werden dagegen nicht zu den Hornträgern gerechnet. Ausserdem regenerieren sich abgebrochene Hörner nicht mehr, während Geweihe jahreszyklisch abgestossen werden und wieder nachwachsen.
Geeignete Hörner für die Schmuckherstellung
Diverse horntragende Tierarten werden von internationalen Tierschutzorganisationen als bedroht eingestuft – so beispielsweise der wildlebende Wasserbüffel – oder gelten wie etwa das Nashorn gemäss Washingtoner Abkommen als geschützt. Ethisch unbedenkliche Möglichkeiten bieten Hörner von Zucht- und Nutztieren wie dem domestizierten Wasserbüffel oder dem vorwiegend in Afrika vorkommenden Watussi-Rind. Als Nutztiere sind Watussi-Rinder nicht jagdgefährdet und fallen nicht unter das Washingtoner Abkommen. Markantes Merkmal bilden ihre ausgesprochen grossen Hörner. Sehr alte Tiere können eine Hornlänge von bis zu einem Meter aufweisen, wobei der massive Teil folglich bis zu zehn Zentimeter lang ist. Dieser kann vergleichbar mit Plastik mit herkömmlichen Werkzeugen mechanisch bearbeitet, sprich gesägt, gedreht oder gefeilt sowie hochglanzpoliert werden. Das Horn des Watussi-Rindes besticht durch schillernde Farben, deren Schattierungen von Beige, Beige-Orange, Braun-gemasert bis zu dunklem Schwarz reichen. Der hintere, hohle Teil wird zu kurzen Rohren geschnitten, längsseitig aufgetrennt und unter Wärme- und Dampfzufuhr zu wenigen Millimetern dicken Platten gepresst. Ein grosser Vorteil von massivem Horn ist sein geringes Gewicht, sodass Formen mit grossem Volumen, etwa Kugeln mit 30-Millimeter-Durchmesser, tragbar bleiben. Ebenfalls vorteilhaft sind die hautfreundlichen, anti-septischen Eigenschaften von Horn. Ein Nachteil ist, dass Horn kratzempfindlich und deshalb eher ungeeignet für die Kreation von Ringen ist. Regelmässige Aufpolieren und Pflege (etwa mit Klettwurzelöl) mildern den Verschleiss.