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Ein Beitrag von Jonas Bühler.
Im letzten Blogbeitrag haben wir die Geschichte der Brauerei Hürlimann aufgerollt, die in Feldbach ihren Anfang nahm. Einige Jahre nachdem die Brauerei ihren Betrieb in Feldbach eingestellt hatte, wurden die Gebäude von Albert Tribelhorn übernommen, einem Pionier der Elektromobilität.
Der in St. Gallen geborene Tribelhorn hatte lange in Argentinien gelebt, dort Elektrotechnik studiert und eine hohe Stelle im argentinischen Post- und Telegrafenwesen besetzt. Nach dem Tod seiner Frau war er mit seinen zwei Kindern in die Schweiz zurückgekehrt und hatte in Olten mit dem Bau von ersten Elektrofahrzeugen begonnen. Neben Autos baute er auch elektrisch betriebene Schiffe. Nach Feldbach kam er wohl wegen des Seeanstosses.
Im Jahr 1906 nahm die A. Tribelhorn & Cie., Fabrik elektrischer Fahrzeuge, in Feldbach ihren Betrieb auf. Gefertigt wurden Privatfahrzeuge, Last- und Lieferwagen, Hotelbusse, Schiffe und Boote, aber auch elektrische Rollstühle. Ein kommerzieller Erfolg waren insbesondere die sogenannten Ärztewagen. Mit diesen Zweisitzern konnten Ärzte auch nachts still und leise zu Hausbesuchen fahren, ohne das ganze Dorf aufzuwecken. Ausserdem musste man nicht erst den bockigen Benzinmotor zum Laufen bringen und machte sich nicht die Hände schmutzig vom Ankurbeln.
Das Geschäft mit den Elektrofahrzeugen lief sehr gut. Tribelhorn galt europaweit als Pionier in Sachen Elektromobilität, seine Fahrzeuge funktionierten einwandfrei. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Rennen zwischen Benzin- und Elektromotoren noch offen – zahlreiche Experten sagten voraus, dass sich im Alltagsverkehr der Elektromotor durchsetzen werde, während der Benzinmotor, der Mühe hatte, nach einem Stopp wieder anzufahren, eher als Spielzeug für Reiche galt. Billig war jedoch auch das Elektroauto nicht. Die «einfache Ausführung» des ersten Tribelhorn-Wagens kostete mit 6’345 Franken beinah so viel wie ein Einfamilienhaus zu dieser Zeit.
Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Elektrofahrzeuge zunehmend von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren verdrängt. Dabei spielte einerseits der Zeitgeist eine Rolle – laute und stinkende Verbrennungsmotoren wurden als abenteuerlich und männlich angesehen –, andererseits konnten die Batterien zur damaligen Zeit nicht annähernd dieselbe Energiedichte erreichen wie ein Tank voll Benzin. 1922, nach einem Jahr praktisch ohne Aufträge, ging die Tribelhorn AG in die neu gegründete und drastisch verkleinerte Elektrische Fahrzeuge AG EFAG über und zog nach Zürich um. Albert Tribelhorn starb drei Jahre später am 4. November 1925. Der letzte Auftrag, den er eingeholt hatte, war der Bau von zwei Lastwagen für die Brauerei Hürlimann.
Als technisch begabter Tüftler interessierte sich mein Grossvater Albert Bühler stark für die Fahrzeuge von Tribelhorn, die hier in Feldbach gefertigt wurden. Für eine Sendung von NZZ Format zum Thema Elektromobilität wurde er als Tribelhorn-Experte befragt. Die Sendung ist unter diesem Link auf Youtube zu finden.