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Heutzutage reisst eine Giraffe niemanden mehr vom Hocker. Dass dies früher anders war, kann man in dem Buch Zarafa von Michael Allin nachlesen.
1824 wollte der Herrscher von Ägypten, Mehmet Ali, dem König von Frankreich, Charles X, ein Geschenk schicken. Frankreichs Interesse an dem Land am Nil hatte schon mit Napoleon begonnen und Mehmet Ali war wiederum ein grosser Bewunderer Frankreichs. Also wurde in der Savanne an der Grenze zwischen Äthiopien und Sudan eine junge Massaigiraffe eingefangen und auf dem Nil in Richtung Norden verschifft. Der französische Konsul (italienischer Abstammung) Bernardino Drovetti nahm sie in Alexandria in Empfang und leitete sie weiter. Am 23. Oktober 1826 traf Zarafa, wie die Giraffe genannt wurde, in Marseille ein, wo sie, zunächst in Quarantäne (jawohl, das gab es damals schon!), den Winter verbrachte. Die Leute bestaunten dieses exotische Wundertier, das als erstes seiner Art französischen Boden betreten hatte. Die letzte Etappe ihrer Reise legte Zarafa zu Fuss zurück. Nach 41 Tagen unterwegs erreichte sie am 30. Juni 1827 Paris und wurde neun Tage später von ihrer Unterkunft im Jardin des Plantes nach Saint-Cloud gebracht, um dem königlichen Eigentümer präsentiert zu werden. Wie schon auf ihrem Fussmarsch quer durch Frankreich war die Giraffe auch in der Hauptstadt eine Sensation, Zehntausende von Besuchern strömten zu ihr, es gab eine regelrechte „Giraffen-Manie“. Auch Honoré de Balzac und Gustave Flaubert waren fasziniert von der „schönen Afrikanerin“.
Zarafa starb am 12. Januar 1845. Sie wurde ausgestopft und befindet sich heute im Musée La Faille in La Rochelle. Hier endete ihre Reise schliesslich nach Tausenden von Kilometern.