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Hans Mühlethaler
Aus: unbekannt
1991
Aus: Hans Mühlethaler. Abschied von Burgund. 1991
Véronique wühlte im Koffer. - Ich nehme ein Bad, sagte sie. Du auch?
Fühlst du dich noch immer nicht gut?
Doch, es geht.
In Wirklichkeit fühlte ich mich miserabel. Die Magen- und Darmbeschwerden machten sich wieder bemerkbar. Auch belastete mich die Erinnerung an Fontenay, dessen Kälte mit der frostigen Atmosphäre des Hotelzimmers zu einer mir unerquicklichen Umgebung verschmolz. Ich liess mich völlig apathisch in einen Fauteuil fallen.
Aber du kommst doch mit zum Essen? fragte Véronique.
Natürlich, erwiderte ich. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen im Zimmer zu bleiben, aber ich war zu schlapp, um meiner Frau Widerstand zu leisten. Ich verstand, dass sie Ansprüche stellte, sich mit mir vor den andern Teilnehmern nicht blamieren wollte.
Das Motel-Restaurant war ein Kubus aus Glas und Stahl, der auf einem Betonsockel ruhte und einem grossen, von innen beleuchteten Aquarium glich. Dieses betrat ich jetzt an der Seite meiner Gemahlin. Der Inhalt des glasernen Behälters bestand fast ausschliesslich aus adrett gekleideten Herren, die mir wie Gangster vorkamen. Ihre Köpfe verschwanden im Schatten der tief herabhängenden Lampen, während die gestikulierenden Hände in deren Lichtkegel überdeutlich hervor traten und sich verselbstandigten. Ich flüchtete mich aus der gespenstischen Atmosphäre zu unserer Gruppe, die auf der andern Seite des Raumes placiert war. Aber ich fühlte mich auch unter den eigenen Leuten fremd.