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1989-1991
Neue Aids-Kampagnen
Trotzdem: Tanz, Lesungen
1989
Neue Kampagnen und Kundgebungen waren notwendig. Die Öffentlichkeit und die zuständigen Behörden mussten orientiert und sensibilisiert werden. Dies zu den brennenden Themen "Aids-Test" sowie "Sozialversicherungen und Aids".
Dabei spielte Roger Charbonnay, Spezialist für Aids und soziale Fragen bei Dialogai, eine zentrale Rolle. Er leitete die Redaktion und Veröffentlichung von Les Cahiers Noirs (Die schwarzen Hefte) mit ihrem Thema: "Les discriminations opérées par les assurances collectives en Suisse"1.
1990 bis 2001 publizierte er fünf Ausgaben unter dem Titel "Pour en découdre avec". Das war ein sachlich und sehr kritisch verfasstes Inventar von Mängeln und Versagen beim Umgang mit Aids-Kranken im Spitalwesen, vorab in den Bereichen Funktion/Organisation sowohl bei der Pflege wie auf Isolationsstationen. Damit sorgte er nicht nur für Schlagzeilen, sondern für Druck auf konkret zu überdenkende und umzusetzende Massnahmen zur Verbesserung der Situation von Aids-Patienten. Jahrelang war er auch im Bundesamt für Gesundheit an kompetenter Stelle für alles zuständig, was die französischsprachigen Publikationen des BAG zur Aids-Thematik betraf.
Im April war der bekannte französische Schriftsteller Yves Navarre (1940-1994) Gast am Genfer Salon du Livre et de la Presse. Sein Roman "Le jardin d'acclimatation" über einen jungen Homosexuellen hatte 1980 den prix Goncourt erhalten. Dialogai plante ein Fest zum 4. November 1989 im Palladium, Genf, den "Bal des Roméos et des Julots". Die Leitung wandte sich nun an den berühmten Autor mit der Bitte, ihn zu diesem Fest einladen zu dürfen. Er akzeptierte sofort. Dazu Jean-Pierre Sigrist:
"Dieser Anlass im November gehört zweifellos zu den erfolgreichsten, die Dialogai je organisiert hat. Später waren auch einige andere mehr oder weniger bekannte offen schwule französische Schriftsteller im Rahmen von literarischen Lesungen, 'Les causeries de Dialogai', bei uns zu Gast. So auch Renaud Camus (geb. 1946) Anfang Mai 1994. Er erwähnte diesen Besuch in seinem 2000 erschienen Tagebuch 'La Campagne de France - Journal 1994' [S. 152-164].
Im Rahmen des Salon du Livre et de la Presse hatte Dialogai 1995 auch den ehemaligen Konzentrationslager-Häftling Pierre Seel (1923-2005) zu einer Lesung und Aussprache eingeladen. Im neuen Lokal an der Avenue Wendt bereiteten wir ihm einen Empfang. Er sprach über sein Leben als Verfolgter und Opfer der Nazis wie zum Dasein danach als Verdeckter und Vergessener und las aus seinem erschütternden Buch 'Moi, Pierre Seel, Déporté Homosexuel', das 1994 erschienen war."
1990
Mit einem eigenen Stand beteiligte sich Dialogai erstmals am Genfer Salon du Livre et de la Presse und tat dies noch fünf weitere Male bis 1995, was zur Folge hatte, dass die Mitglieder jetzt eine Bibliothek benutzen konnten.
Eine neue Untergruppe, jene der Jungen, bildete sich im selben Jahr: Jeunes homosexuels / Jeune Gay.
1991
Nach dem Umzug von der Rue Rossi an die 57, avenue Wendt, Stadtteil Servette, feierte Dialogai am 28. Februar die Einweihung des neuen Lokals. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, dort ein eigenes Bistro zu betreiben. Es wurde zum vollen Erfolg - auch beim heterosexuellen Publikum.
Ernst Ostertag und Jean-Pierre Sigrist Mai 2008
Anmerkungen
- 1
Übersetzung: "Die von den Allgemein-, beziehungsweise Kollektiv-Versicherungen der Schweiz getätigten Diskriminierungen"