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Experten von St. Gallen sind sich nicht immer einig
Neue Empfehlungen für die (post-)neoadjuvante Brustkrebstherapie
Ziel der Konferenz in St. Gallen ist es, einen internationalen Konsens zur Behandlung des frühen Mammakarzinoms für den klinischen Alltag herzustellen. In diesem Jahr stand die individuelle Behandlung im Fokus, unter anderem mit dem neoadjuvanten Konzept.
Viele Punkte gab es auf der St. Gallen International Breast Cancer Conference zu diskutieren. So steht seit Langem zur Debatte, ob das Erreichen einer pathologischen Komplettremission (pCR) nach neoadjuvanter Systemtherapie ein geeigneter Surrogatparameter für die Zulassung eines neuen Medikamentes ist. Die Panelisten lehnten dies mehrheitlich ab. Entscheidend seien Vorteile in puncto des progressionsfreien bzw. Gesamtüberlebens.
Ein Widerspruch zu den deutschen Empfehlungen ergab sich hinsichtlich des neoadjuvanten Konzepts für die postmenopausale Patientin mit ER+/HER2- Mammakarzinom und niedrigem Rezidivrisiko – definiert nach klinisch-pathologischen Kriterien bzw. Genexpressionsanalyse. Die Experten sehen hier in der neoadjuvanten endokrinen Therapie eine Option. In Deutschland wird die neoadjuvante endokrine Therapie nicht als Standardvorgehen angesehen und kommt nur im Einzelfall bei älteren oder komorbiden Patientinnen zum Einsatz.
In der Behandlung des frühen HER2+ Brustkrebses stand der Stellenwert von Anthrazyklinen zur Debatte. Mit deutlicher Mehrheit (85 %) lehnten es die Kollegen ab, bei Frauen im Stadium II ohne Lymphknotenbefall zusätzlich zur neoadjuvanten taxan-/HER2-basierten Therapie ein Anthrazyklin einzusetzen. Bei Lymphknotenbefall befürworteten dagegen 54 % neoadjuvant eine auf Anthrazyklin/Taxan basierte Chemotherapie zuzüglich einer HER2-Therapie.
Keinen Konsens erreichten die Panelisten im Fall von Patientinnen mit cN0, Stadium II/III : Während 35 % zum neoadjuvanten Taxan/Trastuzumab-Regime zusätzlich ein Anthrazyklin plus Pertuzumab geben würden, entschieden sich 24 % dafür, nur Pertuzumab zu ergänzen, und 27 % wollten Pertuzumab/Platin einsetzen.
Beim frühen tripel-negativen Mammakarzinom (TNBC) wird seit Jahren der Stellenwert von Carboplatin diskutiert. Auch hier stimmten die Kollegen restriktiv ab: Gut 60 % lehnten den neoadjuvanten Einsatz von Carboplatin zusätzlich zu einem auf Anthrazyklin/Cyclophosphamid/Taxan basierten Schema ab. Ist ein HER2+ Brusttumor mit initial klinisch suspekten Lymphknoten (cN+) unter neoadjuvanter Chemotherapie plus Trastuzumab/Pertuzumab in pCR, raten die Experten aus St. Gallen in der post-neoadjuvanten Situation weiter zu Trastuzumab/Pertuzumab. Gab es dagegen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose klinisch noch keinen Hinweis auf eine Lymphknotenmetastasierung, besteht laut dem Panel keine Notwendigkeit, post-neoadjuvant zusätzlich zu Trastuzumab auch Pertuzumab zu verwenden.
Wurde bei HER2+ Brustkrebs nach neoadjuvanter Systemtherapie keine pCR erreicht, gilt die post-neoadjuvante Weiterbehandlung mit Trastuzumab Emtansin (T-DM1) als Standard. Die Indikation für T-DM1 besteht auch bei kleinem Dei Tumorrest von weniger als 5 mm. Entwickelt eine Patientin mit frühem TNBC keine pCR unter neoadjuvanter Systemtherapie, ist laut Konsens die Weiterbehandlung mit Capecitabin eine Option. Andere Therapien kommen nur in Studien zum Tragen.
Das diesjährige Panel
Die St. Gallen International Breast Cancer Conference (SG-BCC) findet alle zwei Jahre statt. Der St.-Gallen-Konsens basiert auf den Abstimmungsvoten der Experten am Kongress. Die internationalen Experten stimmen über vorab festgelegte Fragestellungen ab mit dem Ziel, Behandlungen beim frühen Brustkrebs weltweit zu standardisieren. Das Panel umfasste dieses Jahr 60 Brustkrebsexperten aus 25 Ländern.
17. St. Gallen International Breast Cancer Conference (virtuell)