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Die Autobahn soll auf einer Länge von 600 Metern überdeckt
werden.

Der Nordring soll von 4 auf 6 Spuren ausgebaut
werden. In diesem Zusammenhang ist vorgesehen, ihn im Bereich Katzenseestrasse
auf einer Länge von 600 Metern zu überdecken.
Pia Meier sprach mit Max
Ruckstuhl von Grün Stadt Zürich.
Die Autobahn trennt Affoltern seit Jahren vom
Erholungs- und Naturschutzgebiet Katzenseen. Warum will man erst
jetzt die Autobahn überdecken?
Das Gebiet der Katzenseen geniesst seit 1915 kantonalen
Schutz und 1956 erliess der Regierungsrat die erste Schutzverordnung,
so dass der grösste Teil der Katzenseelandschaft vor Überbauung
geschützt werden konnte. 1977 wurde das Gebiet ins Bundesinventar
der Landschaften von nationaler Bedeutung aufgenommen. Aufgrund
angepasster Gesetzgebung und neuer nationaler Naturinventare (Flach-
und Hochmoorverordnung 1994) erliess der Kanton Zürich 2003
eine neurechtliche Natur- und Landschaftsschutzverordnung. Trotz
dieser gewichtigen Argumentationsgrundlagen wurde die Autobahn als
übergeordnetes Interesse vorangestellt. Der heftige Widerstand
in den 1980er Jahren war zwecklos, die Autobahn wurde gebaut und
durchschneidet heute dieses Gebiet empfindlich. Eine Überdeckung
kommt somit einer Wiedergutmachung eines Planungsfehlers der 1970er
Jahre gleich. Sämtliche Nationalstrassen unterliegen der UVP-Pflicht,
was bedeutet, dass der Bund darlegen muss, wie der Ausbau der Nordumfahrung
umweltverträglich gestaltet werden kann. Dabei gilt es Natur,
Landschaft und Erholung zu berücksichtigen. Die Emissionen
in Form von Lärm und Luftverschmutzung spielen ebenfalls eine
grosse Rolle. Die Autobahnüberdeckung ist somit als ökologische
Ausgleichsmassnahme aufzufassen.
Welche Vorteile bietet eine Autobahnüberdeckung
den Menschen insbesondere der Bevölkerung von Affoltern?
Ähnlich der Autobahnüberdeckung beim Entlisberg
in Wollishofen können auch in Affoltern zwei Landschaftsteile
wieder zusammengefügt werden. Für Erholungssuchende kann
die Landschaft wieder als Zusammenhängendes Gebiet wahrgenommen
und erlebt werden. Lärm und Abgase bleiben wenigstens auf einer
Länge von rund 600m unter der Oberfläche. Selbstverständlich
wäre es wünschenswert, wenn die Überdeckung verlängert
werden könnte, aber auf Grund der Topografie und der technischen
Gegebenheiten ist dies nicht möglich. Es ist vorgesehen, die
Wegführung für Fussgänger über den etwas erhöhten
Autobahndeckel zu führen. Erholungssuchende erhalten dadurch
eine ganz neue attraktive Perspektive einerseits über das Quartier
Unter-Affoltern andererseits über das Schutzgebiet Katzensee
zu schauen.
Welche Vorteile bietet eine Autobahnüberdeckung
derNatur (Naturschutzgebiet Katzenseen), Tieren und Pflanzen?
Für Kleintiere wie Reh, Fuchs, Feldhase, Igel,
Reptilien, Amphibien, Tagfalter oder bodenlebende Insekten stellt
die heutige Situation ein unüberwindliches Hindernis dar. Fliegende
Tiere wie Vögel oder Schmetterlinge mögen die Autobahnschneise
zwar zu überwinden, aber sehr viele Individuen finden an den
Windschutzscheiben ihren Tod. Die Autobahnüberdeckung schafft
hier wenigstens auf 600m Abhilfe. Wir sind überzeugt, dass
auch Reh und Fuchs den Weg über die Autobahn besser und vor
allem gefahrloser finden werden.
Wird der Autobahndeckel der Umgebung entsprechend
begrünt?
Der Autobahndeckel wird auf der gesamten Länge
begrünt. Gemäss bisherigen Plänen ist eine Überschüttung
von 40- 80cm vorgesehen. Eine intensive landwirtschaftliche Nutzung
in Form von Ackerbau ist nicht vorgesehen. Es ist beabsichtigt,
die Oberfläche vielfältig naturnah zu gestalten. Magerwiesen
und Hecken werden zu den tragenden Landschaftselementen gehören.
Insbesondere Blütenpflanzen, Tagfalter und weitere Kleintierarten
werden davon profitieren können. Es ist vorgesehen, einen Fussweg
über den gesamten Autobahndeckel zu führen, so dass Erholungssuchende
von dieser sehr attraktiven Wegverbindung ebenfalls profitieren
dürften.
Wie konkret ist die Autobahnüberdeckung?
In der laufenden Planungsphase ist die Autobahnüberdeckung
integrierender Bestandteil. Die öffentliche Auflage ist für
Herbst 2008 vorgesehen. Der weitere Planungsprozess ist abhängig
von den zu erwartenden Einsprachen. Gemäss bisheriger Planung
ist die Eröffnung auf 2013 terminiert.
Welche weiteren Massnahmen sind vorgesehen? Wird
das Naturschutzgebiet der Katzenseen durch den Ausbau auf 2x3 Spuren
beeinträchtigt?
Der bisherige Betrieb der Autobahn beeinträchtigt
in erster Linie das national bedeutende Flachmoor bei der Allmend
Katzensee. Das mit Pneuabrieb und Schmutz belastete Strassenabwasser
wird heute in den Büsisee geleitet und beeinträchtigt
insbesondere bei starken Niederschlägen wegen Rückstaus
das sensible Naturschutzgebiet ausserordentlich stark. Um diese
Situation zu verbessern, wird eine neue Strassenabwasserbehandlungsanlage
(SABA) östlich der Autobahn gebaut. Für seltene Pflanzenarten
wie Orchideen, Moorveilchen und weitere flachmoortypische Pflanzenarten
werden damit bessere Lebensbedingungen geschaffen. In diesem Zusammenhang
wird auch der oberste Teil des Katzenbaches naturnah gestaltet.
Aber auch der Hochwassersicherheit muss erhöhte Aufmerksamkeit
geschenkt werden, so dass zwischen Autobahn und Köschenrütistrasse
eine minimale Verbreiterung des Katzenbaches geplant ist. Dieser
Ausbau soll möglichst naturnah und in Koordination mit dem
Masterplan Katzenbach geschehen.
Beim Hänsiried, ebenfalls ein Flachmoor von nationaler Bedeutung,
wurden umfangreiche Grundwasserabklärungen getroffen, um negative
Beeinträchtigungen durch das Grundwasser möglichst zu
vermeiden. Gemäss diesen Untersuchungen ist nicht damit zu
rechnen. Trotzdem ist im Rahmen der ökologische Ausgleichs-
und Ersatzmassnahmen eine Aufwertung des Gebiets zwischen Autobahn
und Hänsiried gelegenen Griebuck vorgesehen. Wir gehen davon
aus, dass sich mit den vorgesehen Massnahmen die Situation für
das Naturschutzgebiet insgesamt nicht verschlechtern dürfte.