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Das Wirkliche und das Mögliche
Charles S. Peirce
A true would-be is as real as an actuality
Im Weltbild von Peirce ist das Mögliche ebenso real wie das Wirkliche
Vom Sein zum Werden
Gamm Der Deutsche Idealismus 192
Schelling -Naturphilosophie:
192 Der Grundgedanke der Naturphilosophie ist der: den gesamten Kosmos als Organismus zu begreifen, dessen Entwicklung über Stufen von der anorganischen zur organischen Natur verläuft.
195 Schellings Absicht ist es, einen Naturbegriff zu formulieren, dem es gelingt, den Gegensatz von Mechanismus und Organismus (Teleologie), den die Neuzeit im Gefolge von Galilei und Newton, Descartes und Kantvertieft und ausgearbeitet hat, zu überwinden. Dabei wird der quantische Naturbegriff (Natur als Existenz unter Gesetzen)relativiert und eine qualitativ gestufte Naturordnung rehabilitiert, wie sie auch die Aristoteliker vertreten haben.
Boe: Peirce
196 Die Natur muss ursprünglich sich selbst Objekt werden, dieser Verwandlung des reinen Subjekts in ein Selbst-Objekt ist ohne ursprüngliche Entzweiung in der Natur selbst undenkbar. Schelling ENph 288
Bestünde die Natur, so Schelling weiter, aber nur aus diesem Widerstreit reell entgegengesetzte Tendenzen, die völlig gleichgewichtig wären, würden sie sich gegenseitig blockieren und vernichten: es käme abermals kein Produkt zu Stande. Natur im emphatischen Sinn gibt es nur im Wechselspiel dieser beiden Tendenzen, der einen, die auf die Auflösung alles Festen gerichtet ist, und jene anderen, die auf Erhaltung und Permanenz bestimmter Ordnungen abzielt.
Boe: Entzweiung - hua jai - Grundprinzip: Gegeneinander - Miteinander; agonal - affiliativ
Nach Schelling muss ein drittes Moment hinzugedacht werden, um den Begriff einer sich selbst in ihren Gestalten selbsttätig hervorbringen der Natur zu erfassen:
Es ist schlechterdings kein Bestehen eines Produkts denkbar, ohne ein beständiges Produziertwerden.das Produkt muss gedacht werden als in jedem Moment vernichtet, und in jedem Moment neu reproduziert. Wir sehen nicht eigentlich das Bestehen des Produkts, sondern nur das beständige Reproduziert werden.
Zur Veranschaulichung zieht Schelling das Bild eines Stromes heran:
Man denke sich einen Strom, derselbe ist reine Identität, wo er einen Widerstand begegnet bildet sich ein Wirbel, dieser Wirbel ist nichts Feststehendes, sondern in jedem Augenblich Verschwindendes, in jedem Augenblick Entstehendes. F.W.J. Schelling
F.W.J. Schelling Einleitung zu dem Entwurf eines Systems der Naturphilosophie, 1799, S. 289
Boe: vgl. Wittgenstein Über Gewissheit §94-99
Mein Weltbild habe ich nicht, weil ich mich von seiner Richtigkeit überzeugt habe; auch nicht, weil ich von seiner Richtigkeit überzeugt bin. Sondern es ist der überkommene Hintergrund, auf welchem ich zwischen wahr und falsch unterscheide. Die Sätze, die dies Weltbild beschreiben, könnten zu einer Art Mythologie gehören. Und ihre Rolle ist ähnlich der von Spielregeln, und das Spiel kann man auch rein praktisch, ohne ausgesprochene Regeln, lernen. Man könnte sich vorstellen, dass gewisse Sätze von der Form der Erfahrungssätze erstarrt wären unseres Leitung für die nicht erstarrten, flüssigen Erfahrungssätze funktionierten; und dass sich dies Verhältnis mit der Zeit änderte, in dem flüssige Sätze erstarrten und feste flüssig würden. Die Mythologie kann wieder in Fluss geraten, das Flussbett der Gedanken sich verschieben. Aber ich unterscheide zwischen der Bewegung des Wassers im Flussbett und der Verschiebung dieses; obwohl es eine scharfe Trennung der beiden nicht gibt. Wenn aber Einer sagte: also ist auch die Logik eine Erfahrungswissenschaft, so hätte er unrecht. Aber dies ist richtig, dass der gleiche Satz einmal als von der Erfahrung zu prüfen, einmal als Regel der Prüfung behandelt werden kann. Ja, das Ufer jenes Flusses besteht zum Teil aus hartem Gestein, das keine oder eine und merkbaren Änderung unterliegt, und teils aus Sand, der bald hier bald dort weg- und angeschwemmt wird.
L. Wittgenstein Über Gewissheit 94-99