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Ende des 19. Jahrhunderts war Rheinfelden eine Hochburg der Schweizer Zigarrenindustrie. Gleich fünf Fabriken verarbeiteten hier Tabak aus Übersee. Am längsten hielt sich die Wuhrmann Cigars AG: Bis 2008 produzierte sie an der Kaiserstrasse in Rheinfelden jährlich 5 Millionen Zigarren, Cigarillos und Stumpen. Nach dem Verkauf des Betriebes wurde das alte Fabrikgebäude für Mieter zugänglich gemacht. Es entstanden Räume für eine Bürogemeinschaft, mehrere Künstler-Ateliers, den Rudolf Steiner Kindergarten und Kleinunternehmer. 2016 entschied sich die Wuhrmann Immobilien AG, das Areal durch einen Neubau zu beleben und zusätzliche Arbeitsplätze anzusiedeln. «Wir haben verschiedene Möglichkeiten zur Setzung eines neuen Baukörpers diskutiert», sagt Roger Furrer, Projektleiter bei Bäumlin+John AG. Das Areal beherbergt neben dem Fabrikgebäude auch die 1899 gebaute Villa der Firmengründer, einen älteren Wohnbau (1961) und ein Lagergebäude. Schliesslich hat man eine Lösung für ein zukunftsweisendes Ensemble von Alt und Neu gefunden. Der Wohnbau von 1961 sowie das Lagergebäude wurden abgerissen, um Platz zu schaffen für einen schmalen, 4-stöckigen Neubau, der direkt neben der alten Fabrik angeordnet und mit dieser über ein Holzvordach verbunden ist. Nebst dem verbindenden Dach orientieren sich auch das Gebäudevolumen und die Fassadengestaltung am Vorbild der historischen Fabrik. So unterscheiden sich zum Beispiel die Sockel der beiden Gebäude jeweils deutlich von den oberen Geschossen. Im Neubau ist der Sockel in Holz eingefasst, während die obere Fassade mit Eternitplatten bestückt ist. Auch die Strukturierung der Fassade ist an den Altbau angelehnt: Fenster und Eternitplatten folgen zwar einem klaren Raster und belassen dem Gebäude doch seine Individualität; dicke Fensterzargen aus Metall spiegeln die historischen Leibungen des Gegenübers.
Wichtig war den Bauherren, dass das neue Gebäude hohe ökologische Ansprüche erfüllt: Man entschied sich deshalb für eine Holzelementbauweise. 80% des Gebäudes ist aus Holz, einzig der Treppenkern und das Untergeschoss bestehen aus ortsnahem Beton. Im Innern wird die ökologische Bauweise aus Holz durch lasierte Dreischichtplatten aus Fichte deutlich, welche die Wände, Stützen und Deckenuntersichten bekleiden. Geheizt wird das Gebäude mit einem Anschluss an das Wärmeverbundsystem der Stadt Rheinfelden, das die Abwärme der Feldschlösschen-Brauerei nutzt. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert Strom für den Neubau und die alte Fabrik. Mit seinen stark wärmedämmenden Bauteilen erfüllt das Haus den Minergie P-Standard.
Das neue Gebäude bietet auf den ersten drei Geschossen 40 moderne Arbeitsplätze und im Untergeschoss Technik-, Lager- und Kellerräume. Im obersten Stock wurden zwei Wohnungen (4 ½ und 2 ½ Zimmer) erstellt. Um das Areal vom Verkehr zu beruhigen, verzichteten die Bauherren auf eine Tiefgarage sowie Parkplätze zwischen den Gebäuden. Die für die Mieterschaft erforderlichen Parkfelder wurden auf der Rückseite des Neubaus angeordnet. Den verkehrsfreien Innenhof haben die Bauherren mit einer Boulebahn, einer Feuerstelle, Bänken und sorgsam gesetzten Bäumen und Sträuchern zu einem attraktiven ‹Dorfplatz› aufgewertet.
Auftraggeber: Wuhrmann Immobilien AG
Baujahr: 2020