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Psychiatrie
1875–1904 Ludwig Wille (1834–1912)
Im Jahr 1875 wurde ein gesetzlicher Lehrstuhl für Psychiatrie gegründet. Der aus Deutschland stammende Ludwig Wille war 1864 Direktor der Irrenanstalt Münsterlingen (TG), 1867 Direktor der neu gegründeten Anstalt Rheinau (ZH) und 1873 Direktor der luzernischen Anstalt St. Urban, als ihn die Universität Basel zum ordentlichen Professor für Psychiatrie berief. Gleichzeitig wurde er Oberarzt der psychiatrischen Abteilung des Bürgerspitals. Ab 1886 leitete er als erster Direktor die neu errichtete Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt. Wille war ein Anhänger der Methode des No-Restraint. In Basel begründete er einen geregelten psychiatrischen Unterricht. Er war Gründungsmitglied des Vereins schweizerischer Irrenärzte und massgeblich bei der ersten schweizerischen Zählung der Geisteskranken beteiligt. Wille war Ehrenbürger von Basel.
1904–1924 Gustav Wolff (1865–1941)
Gustav Wolff arbeitete in der Psychiatrischen Klinik in Würzburg, bevor er 1898 Sekundararzt der Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt wurde. 1904 trat er die Nachfolge Ludwig Willes an und 1907 wurde er ordentlicher Professor für Psychiatrie. Seine Hauptleistungen als Forscher galten dem Kampf des Neovitalismus gegen den Mechanismus. Er lehnte Darwins Theorie der natürlichen Selektion ab. Die „Auslese der Besseren“ sei eine willkürliche, von der Erfahrung nicht gestützte Annahme. Er verband in seinen Studien biologische, psychologische, philologische und philisophische Erkenntnisse, die er 1933 in seinem Werk „Leben und Erkennen. Vorarbeiten zu einer ibologischen Philosophie“ zusammenfasste. Erst zwei Jahre vor seinem Tod wurde er in Basel eingebürgert.
1925–1928 Ernst Rüdin (1874–1952)
Ernst Rüdin war nur drei Jahre Inhaber des gesetzlichen Lehrstuhls und Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt. Zuvor war er Abteilungsleiter des Deutschen Forschungsinstituts für Psychiatrie in München, wohin er wieder zurückkehrte. Er befasste sich mit erbbiologischen Fragen und war ein vehementer Verfechter von eugenischen Ideen. Wegen seiner unrühmlichen Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus wurde ihm nach dem Zweiten Weltkrieg das Schweizer Bürgerrecht entzogen.
1929–1959 John E. Staehelin (1891–1969)
Der aus einer Basler Seidenbandfabrikantenfamilie stammende John Eugen Staehelin studierte in Basel und München Medizin und promovierte 1918 bei Gustav Wolff. Danach arbeitete er anschliessend als Assistent im Burghölzli in Zürich. Nach seiner Habilitation wurde er 1927 als erster Oberarzt und Leiter der erst wenige Jahre zuvor eröffneten Psychiatrischen Universitätspoliklinik. 1929 wurde er als ordentlicher Professor für Psychiatrie berufen und zum Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt gewählt. 1935/36 war er Dekan der Medizinischen Fakultät und 1948 Rektor der Universität Basel.
1959–1985 Paul Kielholz (1916–1990)
Paul Kielholz, Sohn von Arthur Kielholz, Direktor der Psychiatrischen Klinik Königsfelden (AG) promovierte 1943 an der Universität Zürich und habilitierte sich 1955 an der Universität Basel. 1959 wurde er zum Nachfolger Staehelins an der Psychiatrischen Universitätsklinik gewählt. 1966/67 war er Dekan der Medizinischen Fakultät und 1983/84 Rektor der Universität. Er galt als herausragender Kliniker, weltweit anerkannter Spezialist für die Behandlung von Depressionen und als dynamische und führungsstarke Persönlichkeit.
1985–1994 Walter Pöldinger (1929-2002)
Walter Pöldinger kehrte nach seiner Habilitation an der Universität Basel 1968 in seine Heimatstadt Wien zurück, nahm aber bereits 1974 eine Stelle als Chefarzt der Klinik Wil (SG) an. 1985 wurde er ordentlicher Professor für Psychiatrie und neuer ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel, wie die Friedmatt seit 1960 genannt wurde. Er führte die Reformen von einer kustodialen zu einer auf Therapie und Rehabilitation ausgerichteten Psychiatrie, die bereits Paul Kielholz eingeleitet hatte, fort. Die durchschnittlichen stationären Aufenthaltszeiten wurden verkürzt, teilstationäre und ambulante Versorgungsstrukturen aufgebaut, die Bettenzahl von 530 auf 330 reduziert, der Personalschlüssel entscheidend verbessert und neue wirksame Psychopharmaka und Psychotherapieverfahren eingeführt. Er führte eine eigenständige Alterspsychiatrie ein baute den Ambulanten Dienst Sucht (ADS) als Spezialabteilung für Methadonabgabeprogramme auf. Sein besonderes Interesse galt der Aufklärung der Ursachen und den daraus resultierenden Therapiemöglichkeiten von Depressionen, suizidalem Verhalten, der psychosomatischen Medizin, der Sexualmedizin und insbesondere den Grenzbereichen zwischen Psychiatrie und Kunst einerseits und Psychiatrie und Seelsorge andererseits. Im Jahr 1983 erhielt er die Hans-Prinzhorn-Medaille der Deutschsprachigen Gesellschaft für Kunst & Psychopathologie des Ausdrucks e.V. (DGPA).
1994-2009 Franz Müller-Spahn (1950-2009)
Seine Aus- und Weiterbildungen in Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie absolvierte Franz Müller-Spahn in München. 1990 erhielt er eine C3-Professur an der Universität Göttingen und übernahm in der psychiatrischen Klinik die Alterspsychiatrie. 1991 kehrte er als Professor und Leitender Oberarzt an die Psychiatrische Klinik der Universität München zurück, wo er die Leitung des Forschungsbereichs Gerontopsychiatrie übernahm. Von Von 1994 bis zu seinem Tod war er ordentlicher Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Basel und Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik. Ab 2002 gehörte der dem Nationalen Forschungsrat des Schweizerischen Nationalfonds an. Seine Schwerpunkte waren die biologische Psychiatrie und die klinische Psychopharmakologie.