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Die Schauspiele, mittels deren man die zu feiernden Thaten oder Begebenheiten veranschaulichte, waren entweder geheime oder
öffentliche und wurden von Schauspielern oder von ganzen Gemeinden aufgeführt, wie in Ägypten bei den
Festen des Osiris,
[* 10] der Isis,
[* 11] des Mars,
[* 12] in Griechenland bei den Demeter- und Bacchusfesten. In Prozession holte man die Götterbilder
aus ihren Tempeln hervor und führte sie auf Wagen durch die Straßen. Die öffentlichen Feste hielten ihrer Zahl und der Pracht
ihrer Feier nach mit dem wachsenden Reichtum, aber auch mit der um sich greifenden Sittenverderbnis der
Völker gleichen Schritt. So hatten die Athener doppelt soviel und weit pomphaftere Feste als die übrigen Griechen, und in Rom
[* 13] feierte man die meisten und prachtvollsten in der Kaiserzeit.
Die Zahl der griechischen Feste mag sich auf tausend, die der römischen auf mehrere Hundert belaufen haben.
Aber nur wenige derselben waren allgemeine; die meisten wurden nur in einzelnen Provinzen, Städten oder Ortschaften, andere
bloß nach Verlauf mehrerer Jahre, noch andre nur von einzelnen Klassen der Bürger oder von einem der beiden Geschlechter gefeiert.
Die meisten der griechischen Feste waren zwar, wie die der Ägypter und besonders der Phrygier,
enthusiastischer Art; doch hielten sie sich mit geringen Ausnahmen innerhalb der Schranken anständiger Fröhlichkeit, besonders
seitdem sich die Mythologie zu jener Anmut ausgebildet hatte, in welcher sie uns bei den klassischen Dichtern entgegentritt.
Auch bei den Römern veredelten sich der anfangs noch rohe und wilde Festtanz allmählich zum ästhetischern
Chorreigen, das regellose Jubelgeschrei zum feierlichen Hymnus, die nachahmende Mimik
[* 14] und Possenreißerei zum künstlerischen
Drama, welches auch noch im satirischen Scherz seine Würde behauptete. Da indes der Charakter der Römer
[* 15] seine angestammte Rauheit
nie ganz verlor, so finden sich bei ihnen auch in der spätern Zeit noch Spuren barbarischer Festlichkeiten,
die an die phrygischen Orgien erinnern.
3) das Neujahrsfest, hebr. Roschhaschana
(3. Mos. 23, 24),. am 1. und 2. Tischri gefeiert, ein Gedenktag der Vergangenheit,
der Tag des Gottes- und Selbstgerichts (Jom haddin), welcher zur Prüfung und Besserung des Lebenswandels
als Tag des Posaunenblasens (Jom terua) mahnen soll;
4) der Versöhnungstag (s. d.), hebr. Jom hakkippurim,
am 10. Tischri gefeiert, der heiligste und strengste Ruhetag, mit dem Neujahrsfest durch Bußtage verbunden;
Die Feste der alten Deutschen waren zu tief in ihren Gebräuchen und Anschauungen begründet, als daß es dem eindringenden Christentum
hätte gelingen können, sie gänzlich auszurotten und statt ihrer die christlich-kirchlichen Feste einzuführen.
Mit kluger Berechnung suchte sich daher der christliche Festkultus den heidnischen Anschauungen und den Sitten der hergebrachten
Feste anzuschmiegen, so daß nicht nur christliche Feste unmittelbar auf altheidnische verlegt wurden (wie
z. B. Weihnachten auf das Julfest), sondern auch altherkömmliche Gebräuche sich als Bestandteile der kirchlichen
in großer Zahl erhielten.
Dagegen war, wie schon erwähnt, das dritte christliche Hauptfest, das Weihnachtsfest (das nicht vor 360 erwähnt
wird), bestimmt, das altgermanische Fest der Wintersonnenwende zu ersetzen (s. Weihnachten). Indem sich an diese drei Hauptfeste
andre Festtage und Festzeiten anschlossen, entstanden die drei großen, das Semestre domini bildenden Festcyklen. Der erste
umfaßt die Adventszeit, die Weihnachtsfeier selbst mit den sich an sie anschließenden Gedächtnistagen
des MärtyrersStephanus, des EvangelistenJohannes und der unschuldigen Kindlein, sodann das Fest der Beschneidung Jesu am achten
Tag nach der Feier der Geburt und sechs Tage darauf das Fest der Erscheinung Christi (Epiphaniasfest), nach welchem bis zur Grenze
des Ostercyklus die Sonntage gezählt werden (s. Epiphania).
Die Feste selbst werden eingeteilt in wöchentliche (hebdomadarii), z. B. die Sonntage, und alljährliche (anniversarii); letztere
wieder in Rücksicht auf ihre Bedeutung in große oder hohe (majores), z. B.
Ostern, Pfingsten, Weihnachten, und kleine (minores); in Rücksicht auf ihre Wiederkehr in bewegliche (mobiles, feriae conceptivae),
welche alljährlich zwar an bestimmten Wochen-, aber nicht an bestimmten Monatstagen begangen werden, also Ostern und die Feste, die
sich nach Ostern richten, und unbewegliche (immobiles, feriae stativae), welche alljährlich auf dieselben
Monatstage fallen, z. B. Weihnachten, die Marien- und Heiligentage; ferner in Rücksicht auf ihre Dauer in ganze (integri),
die mit ordentlichem Vor- und Nachmittagsgottesdienst, und halbe (intercisi), die nur mit einem Gottesdienst begangen werden,
z. B. die Aposteltage und der Gründonnerstag. Außerdem ist noch zu erwähnen die Einteilung der in ordentliche
(feriae statutae), die nach der allgemeinen Vorschrift jährlich zu bestimmter Zeit wiederkehren, und in außerordentliche
(feste indictae), die durch besondere Umstände veranlaßt und besonders angesagt werden. Doppelte Feste (duplicia, im Gegensatz
zu den einfachen) sind diejenigen, welche auf zwei religiösen Thatsachen beruhen, was
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