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aus dem Kunstmuseum Hamburg
Seit der Potsdamer Entrevue sind nun fünf Monate ins Land gegangen; über das Ergebnis der damaligen Besprechungen sind aber bis heute authentische, offizielle Nachrichten — abgesehen von den allgemeinen Ausführungen des deutschen Reichskanzlers vor dem Reichstage — nicht veröffentlicht worden.
Nur die in der „Evening Times“ s. Z. abgedruckten Angaben über die einzelnen Punkte des „Abkommens“ bieten einen Anhalt dafür, in welcher Richtung die Unterredungen in Potsdam sich bewegt haben, denn sie können trotz offizieller Ableugnung immerhin als ein Niederschlag der damaligen Stimmungen und Wünsche bezeichnet werden. Auch spricht für ihre Glaubwürdigkeit — wenigstens soweit es sich um die allgemeinen Richtlinien der deutschen und russischen Politik handelt — der Umstand, daß man sich auf russischer Seite nach erfolgter Veröffentlichung des „Abkommens“ über vorgekommene „Indiskretionen“ beklagt hat. Auch die späteren Verhandlungen im türkischen Parlament standen nicht in Widerspruch zu dem angeblich apokryphen Wortlaut des von der „Evening Times“ veröffentlichten „Abkommens“. Selbst die deutsche offiziöse Presse hat die sachlichen Einzelheiten der englischen Publikation nicht direkt dementiert, sondern ist nur der Behauptung entgegengetreten, daß ein in bestimmte Formen gekleidetes Abkommen zwischen Deutschland und Rußland schon abgeschlossen worden sei.
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Vorwort weiterlesen
aus dem Kunstmuseum Hamburg
Seitdem die türkische Regierung unter erheblichen Geldopfern die maritimen Streitkräfte des Landes zu erweitern strebt, hat eine Sorge alle Flottenfreunde in der Türkei erfaßt. Man erkennt mit Schrecken, daß für die Verproviantierung der Kriegsschiffe und die Beförderung von Truppen im Kriegsfälle keine genügende Anzahl von Transportdampfern vorhanden ist.
Um dem Mangel abzuhelfen, fordern die türkischen Zeitungen die Gründung einer einheimischen Dampfschiffahrtsgesellschaft mit staatlicher Beihilfe. Schon in Friedenszeiten sollen türkische Handelsdampfer in möglichst großer Zahl in Dienst gestellt werden, um im Kriegsfall als Transportdampfer verwendet werden zu können. Man rechnet mit dem Solidaritätsgefühl der „Ottomanen“ und erwartet, daß diese den türkischen Schiffen stets den Vorzug geben werden; ein gutes Geschäft sei daher den Schiffen sicher.
die Sorgen der türkischen Marine um ausreichende Transportschiffe weiterlesen
aus dem Kunstmuseum Hamburg
Frankreich erntet jetzt die Früchte seiner langjährigen Bemühungen um die Hebung des französischen Schulwesens in der Türkei. Unausgesetzt waren französische Beamte und Geistliche bestrebt, in den wichtigsten Städten von Kleinasien und Syrien, ebenso wie in Konstantinopel durch Errichtung von Schulen die Kenntnis der französischen Sprache zu verbreiten. Heute ist, dank diesen Bemühungen, die französische Sprache die am weitesten verbreitete fremde Sprache in der europäischen und kleinasiatischen Türkei.
Es war nun naheliegend, daß die neue türkische Regierung, als es sich darum handelte, die Kenntnis europäischer Wissenschaft im Beamtenkörper zu verbreiten, demjenigen Lande sich zuneigte, dessen Sprache zur Vermittlung der neuen Wissenszweige den türkischen Beamten am geläufigsten war. Frankreich wurde dazu ausersehen, den jungen Beamten des neuen Regimes als Bildungsstätte zu dienen.
Frankreich als Lehrmeister der neuen Türkei weiterlesen
aus dem Kunstmuseum Hamburg
Nervosität, die Krankheit unserer unruhigen Zeit, hat, wie es scheint, auch die Diplomaten in Paris, London und St. Petersburg erfaßt, seitdem die Türkei gewisse Regungen von Selbständigkeit bekundet hat und in ihrer auswärtigen Politik den Versuch macht, neue Wege zu gehen. Namentlich in Paris und London ist man über diese größere Selbständigkeit unangenehm berührt und wittert dahinter natürlich Deutschland und seine „Klienten“, obgleich die Vorgänge der letzten Wochen sich ungezwungen aus der veränderten inneren Lage der Türkei erklären lassen, ohne daß es nötig wäre, nach auswärtigen Anregungen zu suchen. Die englischen und französischen Blätter überbieten sich jetzt in der Anpreisung der guten Dienste, die man von jener Seite der jungen Türkei angeblich geleistet und wirft der türkischen Regierung krassen Undank und sonstige Untugenden vor.
In der Türkei aber erinnert man sich nunmehr mancher Vorkommnisse an den Gestaden des Roten Meeres und des Persischen Golfs, an den Grenzen von Tunis und in Aegypten, die keineswegs danach angetan sind, als gute Dienste angesprochen zu werden; und man wird zurückhaltender in seinen Freundschaftsbezeigungen, stellenweise sogar grob, wie z. B. Frankreich gegenüber in der Anleihefrage.
Bagdad und Teheran : politische Betrachtungen und Berichte – Nervosität weiterlesen