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von Dr. Ute Blaschke-Berthold
... verändern sich nicht nur das Verhalten des Hundes, sondern auch die Werte der Hormone Oxytocin (Wohlfühl- und Bindungshormon) und Cortisol (Stresshormon). Dabei spielt die Form der Wiedervereinigung von Hund und Mensch eine Rolle.
In einem Versuch mit 12 Beagle (Hündinnen) testeten Therese Rehn und ihre Kollegen (Team um Uvnäs-Moberg) ob und wie das Verhalten der Menschen Verhaltensreaktionen und Hormonwerte bei den Hunden beeinflusst.
Die Hunde, auch wenn sie in einem Labor leben, haben feste Bezugspersonen. Für den Versuch werden sie mit dem Versuchsraum vertraut gemacht. Auch die Abläufe für Blutentnahme und Anwesenheit fremder Personen sind ihnen vertraut.
Zusammen mit der Bezugsperson hält sich der Hund 35 Minuten im Versuchsraum auf. Innerhalb dieser Zeit wird zweimal Blut (nach 30 und 35 Minuten) genommen, um die basalen Hormonwerte von Oyxtocin und Cortisol bestimmen zu können. Es befindet sich noch eine weitere, aber weniger vertraute Assistenz im Raum.
Nach der letzten Blutentnahme verlässt die Bezugsperson den Versuchsraum für 25 Minuten. Die Assistenz bleibt beim Hund, ignoriert ihn aber. Nach 25 Minuten beginnt die Phase der Rückkehr der Bezugsperson. Die Rückkehr kann vom Hund durch eine Plexiglastür beobachtet werden. Diese Phase der Annäherung dauert 15 Sekunden. Betritt die Bezugsperson dann den Raum, in dem sich der Hund befindet, werden in 3 verschiedenen Versuchsgruppen folgende Szenarien getestet:
Die Bezugsperson spricht ruhig und freundlich mit dem Hund, setzt sich auf den Boden und streichelt ihn. Die Berührungen sind langsam, der Hund wird nicht wahllos "gewuschelt".
Die Bezugsperson spricht ruhig und freundlich mit dem Hund, berührt in aber nicht.
Die Bezugsperson ignoriert den Hund.
Diese Phase der Wiedervereinigung dauert 4 Minuten. Danach halten sich Hund und Bezugsperson ohne weitere Interaktion in dem Raum auf. Diese Zeit wird als Phase der Entspannung bezeichnet. In der Phase der Wiedervereinigung werden zweimal Blutproben, in der folgenden Phase der Entspannung nochmals drei Blutproben gesammelt; die letzte 2 Stunden nach Beginn des Versuches.
Ergebnisse
Bereits der Anblick der zurückkehrenden Bezugsperson führt zu einem Anstieg des Oxytocin-Spiegels. Oxytocin stimuliert Verhalten zur Annäherung! Diese Annäherung kann je nach Typ der Interaktion unterschiedlich ausfallen.
Nur bei den Hunden, die bei der Wiedervereinigung angesprochen und angefasst wurden, hielt die Erhöhung des Oxytocin-Spiegels auch während der Entspannungsphase an. Zusätzlich wird bei diesem Typ der Interaktion auch der Cortisol-Spiegel am stärksten gesenkt. Die Hunde zeigten in der körperlichen Interaktion oft Belecken der eigenen Lippen.
Hunde, die verbal, aber ohne körperlichen Kontakt begrüsst werden, wedeln häufig und vokalisieren. Der Anstieg des Oxytocin ist nur kurz, und Cortisol wird nur wenig verringert.
Hunde, die ignoriert werden, orientieren ihr Kontaktbedürfnis zur fremden Person um. Der Anstieg des Oxytocin hält nicht lange an, und Cortisol wird nur wenig verringert.
Wiedervereinigungen mit ruhiger Aufmerksamkeit durch Worte und Berührungen haben einen anhaltenden Effekt auf die Spiegel von Oxytocin und Cortisol. Ausserdem stimulieren sie ruhiges Verhalten des Hundes. Reduzierte Aufmerksamkeit und Ignorieren des Hundes zeigen nicht diese Wirkung.
Die Ergebnisse dieser Studie sollten zu einer Veränderung der weit verbreiteten Empfehlung für Begrüssungen nach einer Trennungszeit Anlass geben:
Ignorieren des Hundes ist ein schlechter Rat!
Quelle:
Therese Rehn, Linda Handlin, Kerstin Uvnäs-Moberg, Linda J. Keeling
Dogs’ endocrine and behavioural responses at reunion are affected by how the human initiates contact Physiology & Behavior, Available online 25 October 2013
© cumcane familiari/Dr. Ute Blaschke-Berthold