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Lebensabschnitt der Familie von Gustav Adolf und Margarethe Hügli-Hauffe
Schweizer Bürger in Zollbrücken bei Neusalz Seit Mai 1945 zu Polen gehörend, polnischer Name, Przyborów Nowa Sól
Ruth Gubala-Perl, Zeitzeugin zur Familie Gustav Adolf Hügli-Hauffe
zu der Zeit von 1940 bis 1946 in Zollbrücken bei Neusalz an der Oder (Deutsches Reich) und der Nachkriegseinverleibung ins neu diktierte Staatsgebiet Polen. Ruth schreibt mir aus Ihrem Gedächtnis im Januar 2007 bereits im hohen Alter von 82 Jahren stehend.
Zitiere die Abschrift Ihres von Hand geschriebenen Briefes:
Lieber Wilfried, liebe Heidy
Ich will versuchen Deinen Wunsch zu erfüllen. Dazu muss ich aber ein bischen ausholen, denn die Jahreszahlen weiss ich auch nicht mehr so genau. Ich bin 1925 in Altschau geboren. Das ist auf der anderen Seite der Oder. Da meine Eltern immer mit dem Kahn unterwegs waren bin ich zum Teil bei meinen Grosseltern aufgewachsen. Ich bin auch dort eingeschult worden.
Mütterlicher Seite. Eine Tante von mir hat aber Haltungsschäden bei mir entdeckt und hat mich nach berlin gebracht. Mein Vater früher auf der Havel und hatte meistens Ziegelsteine geladen. Sie gingen dann mit mir zum Arzt und ich musste jeden Tag orthopädische Turnübungen machen. Ich habe die Schifferschule besucht immer dort wo der Kahn für ein paar Tage angelegt hat. Das war meine 2. Klasse. Meine Eltern mussten sich viel Mühe geben um mir das Fehlende bei zu bringen. Im 3. Schuljahr kam ich dann nach Zollbrücken zu den Grosseltern oben links in dem grossen Zimmer und ging dort in die Schule. Da wohnten Deine Grosseltern oben links in dem grossen Zimmer zusammen mit der Hedel. Wie bescheiden doch die Menschen früher waren. Auf der rechten Seite wohnte ein Bruder meines Vaters mit Frau und 3 Kinderm. Unten links wohnten die Grosseltern mit mir und links in den 2 Zimmern wohnte ein Bruder meiner Oma mit Frau und Tochter. In der Mitte war noch ein Zimmer wo meine Eltern im Winter schliefen wenn die Oder und die Havel zugefroren waren. Eine Menge Leute auf kleinstem Raum.
1937 hat mein Vater den Kahn verkauft und hat von den Eltern das Haus übernommen. Nun musste gearbeitet werden um die Geschwister auszuzahlen.
Mein Onkel hat im Dorf ein Haus gekauft. Der Bruder meiner Oma bekam auch eine grössere Wohnung. Die Grosseltern Hügli sind erst ausgezogen wie Hedel schwanger war mit dem 2. Kind. Die Christa ist auch noch bei uns geboren. Wenn deine Eltern eingezogen sind weiss ich nicht mehr. Ich weiss nur dass die Hochzeit bei uns war. In dem Zimmer wo Deine Grosseltern gewohnt haben ist dann die Rösler Anna gezogen mit 3 Kindern. Sie war Witwe. Ich Krieg hatte sie dann einen Soldaten kennengelernt von Bronnbauer (Das ist bei Dortmund) und ist dann mit ihm und den Kindern hier her gezogen. 3 Töchter von ihr wohnen noch hier in der Nähe. Sie ist mit über 80 Jahren von einem Auto überfahren worden. In dem grossen Zimmer schliefen dann meine Brüder. Ausser deinen Eltern waren dann nur noch meine Grosseltern und unsere grosse Familie bis 1945 im Haus. Dann kam die Flucht und das grosse Durcheinander. Am 14. April 1945 wurde meine Mutter von den Russen erschossen.
Von der Zeit vorher kann ich auch nicht so viel erzählen. Denn Du weist ja Kinder und Teenager haben halt ihre eigenen Interessen. Ich eriss nur dass das Leben damals schön und gemütlich war. Der Opa Hügli ging viel spazieren und die Oma hatte immer was zu tun. Das Leben ist eigentlich sehr harmonisch verlaufen. An einem grossen Streit kann ich mich nicht erinnern. Oma Hügli hatte uns später oft besucht wenn sie mit den Kindern von Hedel spazieren gingen. Sie haben ja bloss 3 Häuser weiter gewohnt und Hedel hat ja in Neusalz gearbeitet. Ich glaube bei Gruschwitz.. Genau weiss ich das nicht.
Der Willi kam jeden Sonntag die Eltern besuchen. Der hat wohl bei einem Bauern in Zollbrücken gearbeitet. Auch al er Soldat war war er im Urlaub immer da. Die anderen Söhne aus Aufhalt und Liebenzig waren auch oft bei den Grosseltern Hügli zu Besuch. Auch Margarete Kliemke-Hügli ghabe ich dort gesehen. Heute Nacht ist mir noch etwas eingefallen. Ich glaube der Grossvater Hügli war auch mal Nachtwächter bei uns im Dorf. Ich erinnere mich, dass er dann immer noch geschaut hat wenn eine Kuh kalben sollte. Wenn das in der Nacht soweit war hat er den Besitzer geweckt.
So lleber Wilfried ich habe vielleicht mehr von mir erzählt als von Hügli. Aber es war damals alles so selbstverständlich für mich.
Die Bilder haben mir Deine Eltern vom Riesengebirge geschickt. Ein Besuch dorthin war damals nicht möglich. Es fehlte halt immer am Geld.
Ich wünsche Euch allen ein glückliches und zufriedenes Jahr 2007. Vor allem Dingen gesundheit für die ganze Familie.
Herzliche Grüsse von Ruth Gubala.
Ortsplan von Tschiefer / Zollbrücken bei Neusalz
Haus von Robert Perl.
Nach Ende Krieg Mai 1945 von Stacho Gubala
Nach 1945 unter polnischer Verwaltung Übernahme des Hauses durch
Stacho Gubala. Polnischer Staatsbürger.
Verwandt mit Ruth Gubala-Perl
Besuch im Jahre 2012
von Wilfried und Heidy Hügli .
Sohn von Gustav Adolf Hügli und hier in diesem Hause geboren am 28. November 1944
sowie Anita Markert-Hügli, Tochter von Karl Fritz Hügli-Ziesmann.
Wohnhaft vor der Flucht in Aufhalt.
Stacho Gubala, ein Freund unserer Familie hat meinem Vater Adolf Gustav Hügli nach der Freilassung aus dem Gefangenenlager im November 1945 nach Warschau zur Schweizer Botschaft begleitet. Seine polnische Muttersprache war sehr Hilfreich um den weiten Weg nach Warschau unbeschadet zu überstehen.
Hier in der Schweizer Botschaft in Warschau wurde die Pacht des 36 Ha umfassenden Landwirtschaftsbetriebes in Petersdorf bei Hirschberg im Riesengebirge (poln. Piechowice /Jelenia Gora) unterzeichnet.