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Bislang galt das JE-Virus als rein asiatischer Krankheitserreger. Auf australischem Territorium umfasste das Endemiegebiet lediglich die Inseln der Torres-Strasse an der Nordspitze von Queensland. «Seit Anfang März dieses Jahres wurden jedoch bereits aus vier australischen Bundesstaaten JE-Fälle gemeldet», sagt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. So seien in Victoria bislang 7 Menschen erkrankt, in New South Wales und in South Australia jeweils 6 Personen und in Queensland habe es einen Erkrankungsfall gegeben. In Victoria und New South Wales sei es unter den Betroffenen zu jeweils einem Todesfall gekommen.
Eine von 250 Infektionen verläuft schwer
Die meisten Infektionen mit dem JE-Virus bleiben entweder unbemerkt oder verlaufen mild mit lediglich grippeähnlichen Symptomen. «Ungefähr eine von 250 symptomatischen Infektionen nimmt jedoch einen schwereren Verlauf», berichtet Jelinek. Dieser sei durch hohes Fieber und eine Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute gekennzeichnet, die sich mit Nackensteifigkeit, Krampfanfällen, Lähmungen und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma äussere. «Bis zu 30 Prozent dieser schwer betroffenen Patienten versterben, weitere 30 bis 50 Prozent tragen bleibende neurologische Schäden davon», so der CRM-Leiter - eine wirksame Behandlung gebe es nicht.
Reservoir: Wasservögel und Schweine – Übertragung: Mücken
Als natürliches Reservoir dienen dem JE-Virus hauptsächlich Wasservögel und Schweine. Als besonders hoch gilt das Infektionsrisiko daher in ländlichen Gebieten mit Schweinefarmen oder Reisanbau. «Auch in den nun betroffenen australischen Bundesstaaten wurde das Virus zunächst in Schweinefarmen nachgewiesen, bevor die ersten Fälle bei Menschen auftraten», sagt Jelinek. Die Übertragung erfolge dabei nicht direkt vom Tier auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch, sondern durch den Stich einer infizierten Mücke. Durch die schweren Unwetter und Überflutungen der vergangenen Wochen, die besonders die Bundesstaaten New South Wales und Queensland getroffen hätten, müsse nun mit einer Zunahme der Mückenpopulation und in der Folge mit einem weiteren Anstieg des JE-Übertragungsrisikos gerechnet werden, so Jelinek.
Keine spezifische Therapie gegen JE-Virus
Weil es keine spezifische Therapie gegen das JE-Virus gibt, kommt dem Schutz vor der Infektion eine überragende Bedeutung zu. In Endemiegebieten sollte daher auf einen guten Mückenschutz geachtet werden, der das Tragen langer Kleidung ab Dämmerung, die Verwendung von Insektenrepellents und das Schlafen unter einem Moskitonetz umfasst.
In Europa Impfstoff zugelassen
Seit 2009 ist in Europa auch ein Impfstoff gegen die Japanische Enzephalitis zugelassen, der gut verträglich ist und bereits ab einem Alter von zwei Jahren verabreicht werden kann. «Eine Impfung ist besonders dann sinnvoll, wenn ein mehrwöchiger Aufenthalt in einem Endemiegebiet oder Outdoor-Aktivitäten in ländlichen Regionen geplant sind», sagt Jelinek. Auch bei kürzeren Aufenthalten sei zu einer Impfung zu raten, wenn bestimmte Risikofaktoren vorlägen. Dazu zählten etwa ein Alter über 50 Jahre, chronische Erkrankungen oder eine Schwäche der Immunabwehr.PS