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Eine Studie der Universität Bern kommt zum Schluss, dass Frauen, die besonders «fit» für Fortpflanzung sind, in Männernasen besser duften als andere. Studienverfasser Janek Lobmaier erklärt, was es mit dem Körpergeruch auf sich hat, warum er selber die Nase zurückhaltend einsetzt und wieso er bei der Studie von Al Pacino inspiriert wurde.
Herr Lobmaier, Sie haben in Ihrer Studie gezeigt, dass gewisse Frauen attraktiver riechen als andere.
Janek Lobmaier: Wir wussten von früheren Studien bereits, dass Frauen zu unterschiedlichen Zeiten ihres Monatszyklus' unterschiedlich attraktiv riechen. Was wir jetzt beantworten wollten war, ob es auch individuelle Unterschiede in den Düften gibt.
Und?
Wir haben herausgefunden, dass der Duft bestimmter Frauen universell attraktiver riecht für Männer. Verantwortlich dafür ist der unterschiedlich hohe Sexualhormon-Spiegel.
Was heisst «attraktiv» eigentlich in der Sprache der Wissenschaftler?
Aus biologischer Sicht ist «Attraktivität» ein Hinweis dafür, dass man sich mit dieser Person erfolgreich fortpflanzen kann.
Das heisst, bei der Partnerwahl muss man einfach seiner Nase folgen?
Nein, das sind ja Prozesse, die nicht bewusst ablaufen. Aber man denkt ja gemeinhin immer, das Visuelle sei der entscheidende Faktor bei der Partnerwahl. Ist er wahrscheinlich auch, aber das Olfaktorische spielt offenbar auch eine Rolle.
Was passiert eigentlich, wenn wir Gerüche riechen?
Gerüche brennen sich in unser Gedächtnis ein. Wenn wir einen Geruch mögen, und wir riechen ihn wieder, dann kommen die Erinnerungen wieder auf, gute oder schlechte. Und das ist auch bei der Partnerwahl so.
Sie schreiben, dass diejenigen Frauen, die «für die Fortpflanzung am fittesten» sind, in den Männernasen am besten riechen. Das heisst, wenn ich den Geruch einer Frau mag, dann gibt das gute Kinder?
Ich würde es ein bisschen zurückhaltender formulieren: Der Geruch ist mit ein Hinweis auf die Fruchtbarkeit einer Frau, aber nur einer von vielen. Ob es dann gute Kinder gibt, kann man daraus nicht schliessen.
Wir verlieben uns also nicht in den Charakter, das Wesen oder den Humor einer Person, sondern sind schlicht Sklaven unserer Nasenhaare. Das ist ein bisschen unbefriedigend, nicht?
So weit würde ich schon nicht gehen. Ob wir einen freien Willen haben oder nicht, ist ja in der Wissenschaft nach wie vor umstritten, aber Tatsache ist, dass uns biologische Vorgänge in einem nicht unbedeutenden Mass steuern. Auf der anderen Seite können wir uns nicht blind auf unsere Nasen oder Augen verlassen. Vor allem bei einem langfristigen Partner müssen viele andere Elemente stimmen, bevor man sich auf sie oder ihn einlässt.
Auf ihn? Wie ist es denn umgekehrt? Riechen gewisse Männer auch «universell» besser als andere?
Nun, das war zwar nicht Gegenstand unserer Untersuchung. Aber es ist gut denkbar, das der umgekehrte Fall auch gilt. Und möglicherweise ist es sogar extremer. Ob bei den Männern auch die Hormone verantwortlich sind und wenn ja, welche, ist dann aber wieder eine andere Frage.
28 Frauen und 57 Männer haben an Ihrer Studie teilgenommen. Wie muss man sich den Versuchsablauf eigentlich vorstellen, haben Männer an den Achselhöhlen von Frauen gerochen?
Nein, das wäre wohl nur schon aus wissenschaftlich-ethischen Gründen nicht vertretbar. Die weiblichen Studienteilnehmer klebten in der Zeit der höchsten Fruchtbarkeit über Nacht Wattepads unter die Achselhöhlen. Diese Proben haben wir dann eingefroren, das funktioniert bei Düften relativ gut.
Und dann?
Dann haben wir die Düfte aufgetaut, die Wattepads in Einmachgläser gelegt und die männlichen Studienteilnehmer eingeladen daran zu riechen. Mehr als 14 Düfte schafft man aber nicht an einem Tag, irgendwann ist die Nase überfordert. Eine Woche später haben wir die Männer also erneut eingeladen, um an den restlichen 14 Wattepads zu riechen.
Interessant, und wie wurde die Qualität der Gerüche bewertet?
Nun, wir haben nicht gefragt: Riecht das eher nach Vanille oder nach Schwefel. Wir haben den Männern eine Art Lineal in die Hand gedrückt mit einem Cursor. Je nachdem, wo sie diesen Cursor setzten, ganz links für «abstossend» und ganz rechts für «anziehend», haben wir Punkte vergeben, von 0 bis 100. Und das Interessante war dann eben, dass die Männer eine sehr grosse Übereinstimmung zeigten: Alle haben die Düfte der Frauen ähnlich attraktiv gefunden. Das hat uns überrascht.
Die weiblichen Teilnehmer der Studie mussten während der Studie ein fast asketisches Leben führen ...
Ja, sie mussten während des Untersuchungszeitraums beispielsweise auf Knoblauch, rohen Fisch, Alkohol, Pfeffer, Chili und allgemein scharfe Lebensmittel und stark gewürzte Speisen verzichten. Das alles verändert den Körpergeruch enorm. Wir haben auch andere Störfaktoren ausgeschlossen, wie zum Beispiel Geschlechtsverkehr oder Haustiere im Bett.
Haustiere im Bett?
Ja, das soll es geben. Haustiere verfremden den Körpergeruch, genauso wie Sex zum Beispiel. Ziel war aber, dass wir einen möglichst neutralen, wahren, unverfälschten Körpergeruch einfangen konnten. Das ist einfacher gesagt als getan: Heutzutage läuft praktisch niemand mehr mit dem eigenen Körpergeruch herum.
Und wie lange dauerte es, bis man den eigenen, natürlichen Körpergeruch wieder zurück hat?
Wenn man einer strikten Diät folgt und auf Deos, künstliche Duschmittel, und so weiter verzichtet, schätzungsweise drei Tage.
Kinderkriegen steht heute für viele nicht mehr im Zentrum, hat die Evolutionsbiologie als Erklärung für die Untersuchung der Partnerwahl nicht auch ein bisschen ausgedient?
Sie hat nicht ausgedient, aber es stimmt natürlich, die Gesellschaft hat sich verändert. Und doch: den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zum Trotz haben wir dieses Überbleibsel aus Urzeiten – die Bestimmung der Attraktivität einer Partnerin über ihren Duft.
Was ist, wenn jemand sagt, er wolle keine Kinder oder wenn er keine Kinder haben kann? In diesem Fall läuft Ihre Theorie ja ins Leere.
Dann wären unsere Erkenntnisse in der Theorie für ihn nicht relevant. Aber hard-wired ist das eben trotzdem noch in unserem System. So funktioniert die Evolutionsbiologie. Sie entzieht sich dem populären Verständnis.
Der Titel Ihrer Studie, «The Scent of Attractiveness», erinnert an den Hollywood-Film «Scent of a Woman», Zufall?
Zugegeben, da haben wir uns inspirieren lassen. Es ist übrigens nicht unüblich, sich bei wissenschaftlichen Studientiteln von Werken aus Kunst und Kultur inspirieren zu lassen.
Haben Sie den Film gesehen?
Natürlich, Al Pacino als Lieutenant Frank Slade, eine seiner Paraderollen.
Wissenschaftlichen Kriterien entspricht er aber nicht ganz, oder?
Natürlich nicht, aber dass man bei Titeln manchmal ein bisschen grosszügiger ist, ist ja in Ihrer Branche auch weit verbreitet.
Sie haben recht, wir werden das Interview deshalb so titeln: «Dieser Forscher erklärt, warum wir an Achseln riechen sollten, bevor wir uns fortpflanzen».
Sehen Sie!
Zurück zum Thema: Sie haben mit Ihrer Studie auch die These widerlegt, die besagt, dass die Wahl des Partners evolutionsbiologisch vor allem über das Immunsystem funktioniert.
Ja, die Immunsystem-Theorie hatte lange viele Anhänger, weil sie scheinbar schlüssig erklärt, wie die Partnerwahl vonstatten geht: Je unterschiedlicher das Immunsystem, so die These, desto besser.
Wieso?
Weil dann das Kind sozusagen die Synthese, das Beste aus den beiden Immunsystemen der Elternteile in die Wiege gelegt bekommt – im Gegensatz zu Kindern aus Inzucht-Beziehungen. Nach unseren Erkenntnissen scheinen die unterschiedlichen Immunsysteme aber keine Rolle zu spielen, mindestens für Männer, die an Frauendüften riechen.
Sie befassen sich nicht zum ersten mal mit dem Zusammenhang zwischen Geruch und Fortpflanzung. Kommt es eigentlich irgendwann zur déformation professionelle?
Sie meinen, ob ich mit erhobener Nase herumlaufe auf der Suche nach fortpflanzungsfähigen Partnerinnen?
Ja etwa in der Art.
Nein, eigentlich nicht. Die Trennung zwischen Arbeit und Privatleben gelingt mir ganz gut. Es ist eher eine wissenschaftliche Neugier, die einen bei solchen Fragen leitet.