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Die Westschweiz profitiert in vollem Umfang vom Wirtschaftsaufschwung. Ihr Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg 2010 real um 2,6% auf 120,6 Milliarden Franken. Die sechs Westschweizer Kantone, die einen Viertel der schweizerischen Wirtschaft ausmachen, dürften 2011 eine Zunahme von 2,7% und 2012 von 2,5% verzeichnen. Die seit mehreren Jahren anhaltende erfreuliche Dynamik der Westschweizer Wirtschaft, die sich auch im Bevölkerungswachstum widerspiegelt, setzt sich also fort.
11. Mai 2011 – Das vierte Jahr in Folge veröffentlichen die sechs Westschweizer Kantonalbanken und das Forum des 100 in Zusammenarbeit mit dem CREA-Institut der Universität Lausanne das BIP der Westschweiz. Die im Hinblick auf diese Publikation erarbeitete Studie befasst sich dieses Jahr insbesondere mit dem Zusammenhang zwischen Westschweizer Konjunktur und Demographie. Dieser wurde von MicroGIS, einem auf die Analyse geografischer Daten spezialisierten Unternehmen, untersucht.
Der Kuchen wächst schneller
Erstens gilt es hervorzuheben, dass das BIP der Region schneller als ihre Bevölkerung wächst: Im Zeitraum 1995 - 2010 fiel das reale BIP-Wachstum mit 2% pro Jahr doppelt so hoch aus wie die durchschnittliche jährliche Bevölkerungszunahme. Der Kuchen wächst also schneller als die Zahl der Esser, und der allgemeine Wohlstand nimmt zu. Zweitens zeigt sich, dass das Bevölkerungswachstum in erster Linie auf das Wirtschaftswachstum zurückzuführen ist. So ergab die MicroGIS-Analyse, dass sich in der Romandie konjunkturelle Expansionsphasen jeweils drei Jahre später in einem deutlichen Bevölkerungsanstieg niederschlagen.
Konkret wurde beobachtet, dass 1% mehr Wachstum einen Bevölkerungsanstieg von 0,25% bewirkt. Dies wurde insbesondere nach den Hochkonjunkturphasen von 1997 bis 2000 und von 2004 bis 2007 festgestellt. Ausserdem wächst die Bevölkerung auch bei stagnierender Wirtschaft weiter. Liegt das Wachstum unter 0,75%, nimmt die Bevölkerung schneller als das BIP zu, was zu einer Verarmung führt. Schliesslich beeinflusst das Bevölkerungswachstum mit einer zeitlichen Verzögerung von drei bis fünf Jahren das Wirtschaftswachstum ebenfalls positiv. Allerdings ist dieser Zusammenhang weniger ausgeprägt als in umgekehrter Richtung.
BIP der Westschweiz über dem Vorkrisenniveau
Weiter gilt es festzustellen, dass der Zusammenhang zwischen Konjunktur und Bevölkerungswachstum in der Romandie markanter ist als auf nationaler Ebene. Ausserdem liegt das Westschweizer Wachstum seit 2000 tendenziell über dem schweizerischen Durchschnitt und übertrifft auch das Wachstum der Europäischen Union. Übrigens gehört die Romandie zu den Regionen der Industriestaaten, deren BIP 2010 erneut über das Vorkrisenniveau von 2008 angestiegen ist, und zwar wurde dieses Niveau hier noch deutlicher übertroffen als beispielsweise in der Gesamtschweiz oder in den USA. In
anderen wichtigen industrialisierten Volkswirtschaften wie etwa der
Europäischen Union liegt das BIP immer noch unter dem Vorkrisenniveau.
Allerdings sind in der Westschweiz einige Unterschiede auf Sektorebene
festzustellen: Der Primärsektor sieht sich nach wie vor mit Schwierigkeiten konfrontiert. Der Sekundärsektor, der die Auswirkungen der Krise von 2009 stark zu spüren bekommen hatte und um 4% geschrumpft war, erholte sich und legte 2010 – ähnlich wie die gesamte Westschweizer Wirtschaft – um 2,7% zu. Sein Wachstum dürfte sich 2011 und 2012 auf 4% und mehr beschleunigen. Auch der Tertiärsektor konnte 2010 mit dem Westschweizer Durchschnitt Schritt halten. Da dieser Sektor jedoch weniger stark unter den Folgen der Rezession zu leiden hatte, dürfte sich sein Wachstum 2011 und 2012 bei rund 2% einpendeln.
Die Erholung des Quartärsektors war dynamischer als diejenige der Westschweizer Wirtschaft. Sein Wachstum belief sich 2010 auf nahezu 4%
und dürfte auch 2011 und 2012 auf diesem Niveau verharren. Gemäss der Definition in der vom Observatoire BCV de l’Economie Vaudoise publizierten Studie „Neuro-Valley“ werden in diesem Sektor jene Industrie- und Dienstleistungsbranchen zusammengefasst, für die Know-how und Innovation von zentraler Bedeutung sind.
Wichtige Wirtschaftskennzahl
Das BIP ist die Kennzahl, die am häufigsten zur Messung der Wirtschaftsleistung eines Landes oder einer Region herangezogen wird. Anhand dieses wichtigen Indikators lässt sich die Entwicklung im Zeitverlauf analysieren und können die Regionen miteinander verglichen werden. Mit der Publikation von BIP und BIP-Prognosen erhalten die Entscheidungsträger aus der Westschweizer Privatwirtschaft und Politik zudem ein wertvolles Instrument für die Entscheidungsfindung und Projektdurchführung.
Der Bund veröffentlicht nur ein gesamtschweizerisches BIP und auf kantonaler Ebene waren die Berechnungsmethoden lange Zeit uneinheitlich. Seit 2008 publizieren die Kantonalbanken der Kantone Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Wallis und Waadt in Zusammenarbeit mit dem Forum des 100 ein BIP für die Westschweiz, mit dem die Konjunkturentwicklung der Region und ihrer wichtigsten Branchen gemessen wird. Gleichzeitig werden auch die 3 Prognosen für das laufende und kommende Jahr veröffentlicht. Die Berechnungen werden nach einer transparenten Methode vom CREA-Institut durchgeführt. Die Ergebnisse werden auch am 7. Forum des 100 am Donnerstag, dem 12. Mai 2011, in Lausanne präsentiert.
Detaillierte Angaben finden Sie auf den Websites der Kantonalbanken
www.bcf.ch, www.bcge.ch, www.bcj.ch, www.bcn.ch, www.bcvs.ch,
www.bcv.ch sowie auf denjenigen des CREA-Instituts (www.hec.unil.ch/crea)
und des Forum des 100 (www.forumdes100.com).