Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03189.jsonl.gz/34

Vor ziemlich genau zwei Jahren hat das Bundesamt für Sozialversicherung zu einer Medieninformation geladen und erklärt, dass die Pensionskassen nur 25 Prozent der effektiven Kosten auswiesen. So hat sich nun die Oberaufsichtskommission BVG, die seit Anfang 2012 über den kantonalen Aufsichtsbehörden thront, zum Ziel gesetzt, diese Kostentransparenz in der beruflichen Vorsorge zu erhöhen. Es ist so etwas wie ihr Prestigeprojekt.
Es macht den Anschein, dass die vom ehemaligen FDP-Nationalrat Pierre Triponez präsidierte Aufsicht der Aufsicht mit diesem Ansinnen ihre Existenzberechtigung unter Beweis stellen muss. Kostentransparenz heisst, dass auch die Courtagen erhoben und als Vermögensverwaltungskosten ausgewiesen werden müssen. Ich nehme ein Beispiel: Wenn ich für 5000 Franken ein Aktienpaket kaufe und für 6000 Franken verkaufe und dafür Courtagen von 100 Franken bezahle, so mache ich einen Gewinn von 900 Franken; das ergibt eine Rendite von 18 Prozent. Die Pensionskassen müssen künftig anders rechnen. Sie verbuchen im vorliegenden Beispiel einen Gewinn von 1000 Franken und erzielen eine Rendite von 20 Prozent. Und zusätzlich müssen sie 100 Franken als Kosten ausweisen.
Was ist nun einfacher? Was ist transparenter? Variante eins ist einfacher; Variante zwei ist transparenter. Wobei zu viel Transparenz die Sache auch verkomplizieren kann: je transparenter, desto komplizierter und weniger verständlich. Oder haben Sie schon mal versucht, einen Geschäftsabschluss nach dem Standard US-Gaap zu verstehen? Oder haben Sie schon mal einen Geschäftsbericht der UBS in der Dicke eines Telefonbuchs durchgeackert?
Hinzu kommt, dass die pingelige Erhebung all der Kosten mit einem erheblichen Aufwand verbunden ist. Damit könnte ich leben, wenn man nicht dauernd den Vorsorgeeinrichtungen vorwerfen würde, sie verursachten zu hohe administrative Kosten.
Erschienen in der BZ am 25. Juni 2013