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Vereinschronik
Zum 150jährigen Bestehen des Schützenvereins Rorbas wurde von H.P. Zweidler eine Vereinschronik zusammengestellt und damit ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte.
Wie alles begann
Im Jahre 1845 wurde der Schützenverein von einigen Rorbaser Bürgern gegründet. Leider fehlen aus der Gründungszeit bis 1903 alle schriftlichen Beweisstücke. Auch bei früheren Jubiläumsfeiern wurde zu meinem Bedauern keine Vereinschronik zusammengestellt, und somit bin ich teilweise auf Aussagen und Vermutungen älterer Schützenkameraden angewiesen.
Bis auf Konrad Schneider, geb. 1823, Webermeister und späterer Sonderbundkriegsveteran, sowie die Gebrüder Heinrich Dünki, geb. 1814, Jakob Dünki, geb. 1816 und Konrad Dünki, geb. 1818 sind die Namen der Gründer und Initianten nicht mehr ausfindig zu machen.
Eine Schiessanlage mit Schützenhaus und Scheibengraben, wie wir uns heute gewohnt sind, gab es zu dieser Zeit sicher noch nicht. Gemäss Aussage soll jedoch immer in der „Pünt“ geschossen worden sein. Für den Bau eines Zugscheibenstandes (Kostenpunkt Fr. 6’500.–), sind bereits 1913 Gespräche mit der Gemeinde geführt worden.
Die Diskussionen gingen sogar soweit, ob man nicht mit Freienstein und Teufen eine
gemeinsame Anlage bauen wolle.
Im Jahre 1925 wurde das heutige Schützenhaus mit 8 Scheiben gebaut. 1949 erweiterte man die Schiessanlage auf 10 Scheiben, und der Scheibengraben musste den neusten
Sicherheitsbestimmungen angepasst werden.
1887 ist eine Vereinsfahne angeschafft worden, die heute noch bei grösseren Anlässen von uns mitgeführt wird.
Trennung der beiden Vereine
Im Jahre 1901 lösten sich die bürgerlichen Mitglieder aus unbekannten Gründen vom Schützenverein Rorbas und gründeten die Schützengesellschaft Rorbas. Der Schützenverein mit den übriggebliebenen, eher Pflichtschützen aus der Arbeiterbewegung, wurde zum Schiessverein umbenannt. Warum es zu dieser Namensänderung kam, ist auch nicht bekannt.
Da die Schiessanlage „Pünt“ von beiden Vereinen benutzt wurde, musste eine
Schiesskommission -bestehend aus Mitgliedern beider Vereine- gebildet werden. Sie koordinierte die Schiessübungen und Anlässe beider Vereine und übernahm die Verantwortung für den laufenden Unterhalt der Schiessanlage. Zeitweise war die Kommission auch für den Zeigerchef und für das nötige Zeigerpersonal besorgt.
Ich hoffe mit meiner Vereinschronik einen kleinen Einblick in die Geschichte des Schützenvereins Rorbas gegeben zu haben.
Bewusst konnte ich nur einen Auszug aus dem umfangreichen Vereinsgeschehen wiedergeben. Ich versuchte, nebst wichtigen Informationen ebenso ein paar heitere Begebenheiten aufzuzeigen.
Allen, die mir bei dieser sehr interessanten Arbeit geholfen haben, möchte ich recht herzlich danken. Sollte noch jemand verschollene Dokumente oder Fotografien auffinden, bitte ich Sie, diese dem Schützenverein zu überlassen.
April 1995 / H.P. Zweidler, Rorbas
Der Schiessverein von 1901 – 1971
Diese chronologische Aufzählung basiert auf Protokollbüchern ab 1906 und Kassabüchern ab 1938.
1901: Wie erwähnt, trennten sich eine Anzahl Schützen vom bestehenden Schützenverein und
gründeten die Schützengesellschaft Rorbas. Der Schützenverein nannte sich fortan
„Schiessverein“.
1913: Durchführung des Verbandsschiessens. Am Samstag ab 3.00 Uhr und am Sonntag ab 6.00 Uhr sollte geschossen werden. Am Sonntag konnte der Schiessbetrieb jedoch wegen schlechten Wetters erst mit viel Verspätung aufgenommen werden. Es wurde nun ununterbrochen bis abends 7.00 Uhr geschossen.
1920: Gemäss Bundesratsbeschluss wurde die Schiesspflicht wieder eingeführt. Seit 1915 gab es keine oblig. Schiessübungen mehr.
1928: An einer ausserordentlichen Versammlung wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, dass Mitglieder, die vom Schiessverein in die Schützengesellschaft übertreten, eine Busse von Fr. 20.– erhalten sollen. Begründung: „Richtig schiessen hätten sie im Schiessverein gelernt.“
1945: 100 Jahre Schiessverein. Infolge der Kriegszeit feierte man das Jubiläum nur im kleineren Rahmen mit einem internen Gabenschiessen. Für Unterhaltung wurde dennoch gesorgt: Für die Tanzlustigen konnte die Tanzkapelle „Rita“ engagiert werden.
1955: Der Schiessverein trat nach längerem Zögern dem Gauverband wieder bei. Nach
jahrelangen Differenzen war 1930 mit 16 zu 10 Stimmen der Austritt beschlossen worden.
1956: Am Endschiessen versuchten 37 Schützen ihr Glück auf der „Sauscheibe“. Ein ganzes
Schwein ist für den Gabentisch gekauft worden. Wer hat den Schinken gewonnen?
1970: Jubiläumsfeier „125 Jahre Schiessverein Rorbas“ unter der Leitung des damaligen
Gemeinderates Franz Lienhard. 20 Sektionen mit ca. 500 Schützen nahmen am Jubiläumsschiessen mit einem Sektions- und Jubiläumsstich teil. Der Unterhaltungsabend wurde mit einem grossen Umzug unter der Mitwirkung des historischen Vereins „Bürgerwache Mengen“ aus Deutschland und den Dorfvereinen eröffnet.
1971: Fusion mit der Schützengesellschaft Rorbas.
Die Schützengesellschaft von 1901 – 1971
Die ersten Akten stammen aus dem Kassabuch beginnend im Jahr 1903 und aus dem
Protokollbuch ab 1926.
1901: Gründung der Schützengesellschaft Rorbas mit einem Bestand von ca. 18 Mitgliedern (Erster Eintrag im Kassabuch von 1903: 18 Mitgliederbeiträge à Fr. 3.–). Eine Gewehrpatrone kostete damals 5 Rappen. Anhand der verkauften Munition ist ersichtlich, dass auch mit Faustfeuerwaffen geschossen wurde.
1909: Eine Vereinsfahne wurde für Fr. 469.25 angeschafft. Eine Sammlung in der Dorfbevölkerung ergab Fr. 673.50. Am 20. Mai konnte die neue Fahne mit einem Nachtessen im Rest. Hirschen unter Mitwirkung der Musikgesellschaft Rorbas-Freienstein und dem Töchternchor eingeweiht werden. Es blieben dennoch Fr. 13.50 für die Vereinskasse übrig. Im Juli folgte ein Fahnenweihschiessen. 152 Sektions- und 304 Kehrstiche wurden geschossen.
1925: Das neu erstellte Schützenhaus konnte am Pfingstmontag mit einem Eröffnungsschiessen eingeweiht werden.
1929: Grosse Teilnahme am Eidg. Schützenfest in Bellinzona. Vorgängig wurde sehr viel geübt. Die meisten Schützen liessen sogar ihre Waffe für 5.– Fr. beim Büchsenmacher Daubenmaier in Dietikon einschiessen. Ein gutes Resultat wollte man unter allen Umständen erzielen.
1932: Es ging an einer Versammlung um die Teilnahme am Eidg. Schützenfest in Fribourg. Da
heisst es wörtlich: „Auch hier wurde wieder viel gesprochen, denn für den trockenen Hals wurde fortwährend gesorgt. Deshalb wurden die einen sehr gesprächig, bis es schliesslich zur Abstimmung kam.“ Das Feldsektionswettschiessen (heute Eidg. Feldschiessen) wurde
durchgeführt. Ohne Erfolg. Leider verzeichneten sie nur einen Reingewinn von ca. Fr. 20.– .
Angeblich wurde in der Festwirtschaft zu wenig konsumiert. Auf ein bevorstehendes
Freundschaftsschiessen mit Embrach wollte man verzichten, da besonders die Embracher am
Feldsektionswettschiessen zu wenig getrunken und den Festplatz sofort nach dem Schiessen
verlassen hätten.
1936: An der GV 1936 ist der anwesende Jungschütze Jakob Rhyner, Hufschmiedlehrling bei H. Wittweiler, geehrt worden. Rhyner, ein gebürtiger Elmer, hatte am Zürcher Kant. Jungschützentag 1935 von allen Jungschützen das beste Resultat (30 Pkt., Maximum) geschossen, und dafür ist ihm die vom Kant. Präsidenten gestiftete silberne Schützenuhr überreicht worden.
1949: 29 Schützen nahmen am Eidg. Schützenfest in Chur teil.
1951: Die Schützengesellschaft Rorbas feierte ihr 50-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde unter der Leitung von Ehrenmitglied Emil Ganz (Lehrer), ein grosses Jubiläumsschiessen organisiert. Dieser Schiessanlass mit 6 verschiedenen Stichen und einer Plansumme von Fr. 18’000.– wurde von 1400 Schützen besucht. Auch eine grosse Abendunterhaltung in einem grossen Festzelt durfte nicht fehlen. Rund 5000 Frondienststunden wurden in allen Sparten (vom OK-Chef bis zum Zeiger, von Schützen und Mitgliedern der Dorfvereine) geleistet. Dafür erbrachte dieser Anlass einen Reingewinn von stolzen 4’500.– Fr.
1953: Zitat aus dem Protokoll vom 15. April: „Auf Antrag von Otto Matzinger wird der Kassier einstimmig dazu ermächtigt, aus der Vereinskasse einen Betrag für den Ankauf eines Gugelhopfes zu entnehmen. Diesen Gugelhopf soll der Vorstand gelegentlich verspeisen, als Anerkennung für seine Arbeit.“ (Red.: Vielleicht wäre dem einen oder andern ein Stück Wurst lieber gewesen.)
1954: Otto Matzinger ist nach 10jähriger Tätigkeit als Jungschützenleiter zurückgetreten. Als Anerkennung für seine vorbildlich geleisteten Dienste erhielt er eine Torte. Am Eidg. Schützenfest in Lausanne fehlten nur 0.30 Punkte für den Goldkranz.
1958: Der Besuch des Eidg. Schützenfestes in Biel fand kein grosses Interesse.
1959: Erstes gemeinsames Winterschiessen mit dem Schiessverein Rorbas.
1961: Vorstandskrise! Beinahe der ganze Vorstand wollte zurücktreten.
1962: Diskussionen für oder gegen eine Fusion mit dem Schiessverein wurden immer öfters
geführt.
1963: Mit 34 Schützen erreichte die Sektion am Eidg. Schützenfest in Zürich den 58. Rang. Das Absenden vom Eidgenössischen konnte gemeinsam mit dem Schiessverein und mit grosser Teilnahme der Bevölkerung auf dem Dorfplatz gefeiert werden.
1971: Zusammenschluss mit dem Schiessverein Rorbas.
Schützenverein ab 1972 bis 1995
Bei beiden ehemaligen Vereinen wurde es immer schwieriger, gewillte Schützen für die Vorstände, das Jungschützenwesen und den Zeigerbetrieb zu finden. Nach hitzigen Debatten in beiden Vereinen und sicher auch am Biertisch, war 1971 die Fusionsversammlung zustande gekommen.
Jeder Zusammenschluss bringt seine Opfer. Viele gute und vor allem ältere Schützen warfen
Allzu früh das Handtuch.
Mit viel Engagement wurde unter dem Zepter von Albert Merk jun. der wiedervereinte Verein unter dem alten Vereinsnamen „Schützenverein“ weitergeführt.
Einige Höhen und Tiefen:
1975: Das Feldschiessen unter dem Motto „Welt grösstes Schützenfest“ fand in Rorbas statt.
1976: Mit Silvia Schneider als Aktuarin trat die erste Frau in den Vorstand. Damit auch im Winter die Schiessfertigkeit geübt werden konnte, bauten wir die ehemalige Kegelbahn vom Rest. Hirschen in eine Luftgewehranlage mit 2 Laufscheiben um.
1977: Der Schützenverein erhielt seine erste Standarte. Dieses Ereignis konnten wir im Rahmen eines Schützenfestes mit einigen befreundeten Sektionen aus der Umgebung und den Sektionen vom Gauverband gebührend feiern. Ein Sektions- und ein Standartenstich konnten gelöst werden. Sektionssieger: Schützenverein Embrach. Einzelsieger Sektion: Forrer Walter, Rorbas und Bachmann Kurt, Embrach mit je dem Max. von 40 Punkten. Standartenstich: Grob Eduard, SV Embrach. Bester Jungschütze: Matzinger Thomas, SV Rorbas.
1978: Leider viel zu früh, verstarb unser Präsident und Ehrenmitglied Albert Merk jun., geb. 1936. Er hinterliess in unserem Verein als Kamerad und überzeugter Schütze eine sehr grosse Lücke.
Nebst Präsident in unserem Verein war er gleichzeitig Verbandspräsident und Kassier des
Bezirksschützenvereins Bülach.
1985: 14 Schützen besuchten das Eidg. Schützenfest in Chur.
1987: Das 1. Dorfschiessen, das jeweils am 1. August stattfindet, (ein Schiessen für die Einwohner des unteren Tösstales und deren Dorfvereine) wurde ins Leben gerufen.
1989: Für die Durchführung des 8. Zürcher-Unterländer Freundschaftsschiessens waren die
Veteranen des Bez.-Schützenvereins Bülach bei uns zu Gast.
1990: Nach der Auflösung des MSV Freienstein sind erfreulicherweise einige treffsichere
Schützinnen und Schützen zu uns gestossen.
Das Eidg. Schützenfest in Winterthur wurde recht gut besucht.
1992: Wir hatten die Ehre, das 75. Verbandsschiessen durch unseren Verein organisieren zu
dürfen. Mit Roberto Frighetto und seinen sehr guten 95 Punkten stellten wir den Einzelsieger. 23 Schützinnen und Schützen besuchten das Kant. Schützenfest im Bezirk Dielsdorf.
Mit 87.935 Punkten schnitten wir für unsere Verhältnisse recht gut ab. Liesel Gehring, Freienstein, wurde als erste Frau Vereinsmeisterin.
1993: Das 1. Mal in der Vereinsgeschichte qualifizierten wir uns mit einer B-Gruppe für die Kant. Ausscheidung im Ohrbühl, Winterthur. Das Nervenflattern war perfekt. Das Resultat …… Endlich!
Nach langjähriger Planung und Standortbestimmungen haben nun auch wir eine moderne
Schiessanlage. Mit gut 700 Fronstunden konnten wir Schützen etwas an die Sanierungskosten von fast Fr. 400’000.– beitragen. Mit 6 vollelektronischen Scheiben ist auch für uns das mühsame Zeigerproblem gelöst. Auch das Schützenhaus aus dem Jahre 1925 darf sich wieder sehen lassen.
1995: Die von der Gemeinde Rorbas geschenkte Baracke, welche durch uns mit viel Fleiss zu einer Schützenstube umgebaut wird, kann im Mai eingeweiht werden.
Das Feldschiessen 1995 wird auf unserer schönen Schiessanlage ausgetragen.
Am 10./11. Juli reisen 24 Schützen(innen) an das diesjährige Eidg. Schützenfest nach Thun.
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