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Angeregt von meinem Dritten hörte ich mir den Beginn von “Der letzte Kampf” (Folge 7 der Narnia-Chroniken) als Hörbuch an. Es lief mir (wieder) kalt den Rücken herunter. Solche dysfunktionalen Beziehungen gibt es zuhauf: Zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Vorgesetzten und Mitarbeitern, Lehrern und Schülern – wohlgemerkt, auf beide Seiten!
In den letzten Tagen Narnias lebte weit oben im Westen, jenseits des Laternendickichts und nahe dem großen Wasserfall, ein Affe. Er war so alt, dass niemand mehr wusste, seit wann er schon in dieser Gegend lebte, und er war so schlau, hässlich und faltig, wie man sich einen Affen nur vorstellen kann. Er bewohnte ein kleines Haus aus Holz, mit einem Dach aus Blättern oben in der Krone eines hohen Baumes, und sein Name war Trix.
Meisterhaft, wie Lewis die asymmetrische Beziehung herausarbeitet:
Trix hatte einen Freund und Nachbarn, einen Esel namens Dussel. Zumindest sagten beide, sie wären Freunde. Aber so, wie sie miteinander umgingen, hätte man meinen können, dass Dussel eher Trix’ Diener war als sein Freund. Er machte die ganze Arbeit. Wenn sie zusammen zum Fluss gingen, füllte Trix die Schläuche mit Wasser, aber Dussel war es, der sie nach Hause schleppte. Wenn sie etwas aus den Ortschaften brauchten, die weiter flussabwärts lagen, war es Dussel, der mit leeren Satteltaschen auf dem Rücken hinunterging und mit gefüllten, schweren Satteltaschen zurückkam. Und die besten Sachen, die Dussel mit nach Hause brachte, aß alle Trix auf; denn, so sagte er: »Weißt du, Dussel, ich kann nicht wie du Gras oder Disteln essen, also ist es nur recht und billig, wenn ich das auf andere Weise wettmache.« Und Dussel sagte immer: »Natürlich, Trix, natürlich, das verstehe ich.« Dussel beschwerte sich nie, denn er wusste, dass Trix viel schlauer war als er, und er fand es sehr nett von Trix, dass er überhaupt mit ihm befreundet war. Und wenn Dussel doch einmal versuchte, irgendeinen Einwand zu erheben, sagte Trix immer: »Aber Dussel, ich weiß doch besser als du, was zu tun ist. Du weißt doch, dass du nicht sehr schlau bist, Dussel.« Und Dussel erwiderte dann: „Nein, Trix. Du hast recht. Ich bin wirklich nicht sehr schlau.« Dann seufzte er und tat, was immer Trix ihm gesagt hatte.
Gleich folgt ein Beispiel für die Ausbeutung.
»Ich soll in den Teich hüpfen?«, fragte Dussel und zuckte mit seinen langen Ohren. »Wie sollen wir den sonst drankommen?«, erwiderte der Affe. »Aber – aber«, sagte Dussel, »wäre es nicht besser, wenn du hineingehen würdest? Du willst doch schließlich wissen, was das ist. Mich interessiert es nicht besonders. Außerdem hast du Hände, weißt du? Du bist so gut wie ein Mensch oder ein Zwerg, wenn es darum geht, etwas zu fassen zu kriegen. Ich habe bloß Hufe.« »Also wirklich, Dussel«, erwiderte Trix, »ich hätte nie gedacht, dass du mal so etwas sagen würdest. Das hätte ich wirklich nicht von dir gedacht.« »Wieso, was habe ich denn Falsches gesagt?«, fragte der Esel mit ganz kleinlauter Stimme, denn er merkte, dass Trix zutiefst beleidigt war. »Ich habe doch nur gemeint …« »Mich ins Wasser schicken zu wollen«, sagte der Affe. »Als ob du nicht ganz genau wüsstest, was für eine schwache Brust Affen haben und wie leicht sie sich erkälten! Na schön. Dann gehe ich eben hinein. Mir ist sowieso schon kalt in diesem scheußlichen Wind. Aber ich gehe hinein. Wahrscheinlich hole ich mir den Tod. Dann wird es dir leidtun.« Und Trix’ Stimme hörte sich an, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen. »O nein, bitte, bitte nicht!«, erhob Dussel ein Eselsgeschrei. »So habe ich das doch nicht gemeint, Trix, wirklich nicht. Du weißt doch, wie dumm ich bin und dass ich nie an mehr als eine Sache auf einmal denken kann. Deine schwache Brust hatte ich ganz vergessen. Natürlich gehe ich hinein. Du darfst gar nicht daran denken, das selbst zu machen. Versprich mir, dass du es nicht tust, Trix.«
Es lohnt sich, diese Kapitel genau anzuhören. Es finden sich natürlich noch weitere Stellen zum Duo. Philip Schepmann liest sie meisterhaft vor.