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Fünf Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl sind Amtsinhaber Barack Obama und der Republikaner Mitt Romney zum ersten Mal in einem TV-Duell aufeinander getroffen. Obama warf seinem Herausforderer vor, dieser wolle zu den Grundsätzen zurückkehren, die überhaupt erst zu der Krise geführt hätten. Romney hingegen sagte, die Politik Obamas sei gescheitert und Amerika brauche einen Wandel.
Der Herausforderer setzte den Amtsinhaber dabei streckenweise erheblich unter Druck. Während Romney immer wieder angriff und Obama die hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Wirtschaftslage vorwarf, tat sich Präsident Obama sichtlich schwer.
Laut einer ersten Schnellumfrage hat Romney das Duell denn auch deutlich gewonnen: 67 Prozent der befragten Wähler hätten für den früheren Gouverneur von Massachusetts gestimmt, berichtete der US-Fernsehsender CNN am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf eine eigene, nicht repräsentative Erhebung.
Demnach hielten nur 25 Prozent der Befragten Obama für überzeugender. Die Umfrage war direkt im Anschluss an das TV-Duell gemacht worden. Sie berücksichtigt nur die Meinung von Personen, die das Rededuell verfolgt hatten. Insgesamt wurden 430 Wahlberechtigte befragt.
Streit um die Mittelschicht
Zu Beginn der Debatte in Denver sprach sich Obama, der zuerst das Wort ergreifen durfte, für weitere Investitionen in Ausbildung und neue Energiequellen aus. Die von Romney geplanten Steuersenkungen seien kein tragbarer Weg aus der Wirtschaftskrise.
Amerika gehe es am besten, wenn es der Mittelschicht gut gehe, sagte Obama. Romney entgegnete, er wolle gerade für die Mittelschicht Erleichterungen durchsetzen. Zugleich warf er dem Präsidenten vor, in seiner Amtszeit die Kosten für die US-Bürger in die Höhe getrieben zu haben.
Das Aufeinandertreffen leitete die heisse Phase im Wahlkampf ein - zwei weitere Fernsehdebatten sind für den 16. und 22. Oktober geplant. Für Romney geht es darum, im Rennen um das Weisse Haus wieder an Boden gut zu machen: Jüngsten Umfragen zufolge hat Obama in dem zuletzt noch knappen Rennen die Nase vorn.
Romney fordert Rückzug des Staates
Im Streit um die beste Strategie zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in den USA forderte der republikanische Präsidentschaftskandidat einen Rückzug des Staates. Die Regierung solle den amerikanischen Unternehmen aus dem Weg gehen, sagte Romney.
Sein demokratischer Kontrahent verwies auf die Fortschritte, die mit seinen Methoden in den vergangenen Jahren bereits erreicht worden seien - etwa bei der Rettung der Automobilindustrie in Detroit und bei der Wiederbelebung des Immobilienmarktes.
Viele der wirtschaftlichen Probleme, mit denen er in seiner Amtszeit zu kämpfen gehabt habe, seien zudem vor allem auf die Präsidentschaft seines republikanischen Vorgängers George W. Bush zurückzuführen, sagte Obama.
Obama: Romney liefert Renter den Konzernen aus
Beim Thema Gesundheitsreform erhob der Präsident schwere Vorwürfe gegen Romney: Der Republikaner wolle das Programm Medicare in ein privates System verwandeln und Rentner den Versicherungskonzernen ausliefern.
Romney erwiderte, Obama habe die Mittel für Medicare bereits geplündert und das System damit geschwächt. Der Amtsinhaber erklärte, er nehme Kürzungen vor, damit Medicare auch für künftige Generationen noch bestehen könne.
Zwar gelten TV-Debatten als wichtige Ereignisse im Wahlkampf - und als grosses Medienspektakel. Doch Experten warnen davor, die Redeschlachten überzubewerten. Studien zeigten, dass es in den vergangenen 50 Jahren bestenfalls zwei Debatten gegeben habe, die tatsächlich erheblichen Einfluss auf das Wahlergebnis gehabt hätten
(tno/rcv/sda)
Die politischen Positionen von Obama und Romney im Überblick: