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Jeder Mäuserich singt anders
Bettina Wernisch/Vetmeduni Vienna
Die Wissenschaftler um Dustin Penn und Sarah Zala vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchten die Lautäusserungen von wilden Hausmäusen, um ihre Funktionen zu ergründen. In der Studie wollten sie bestimmen, welche Art von Informationen in den komplexen Balzgesängen der Männchen enthalten sind.
Dazu zeichneten sie die Laute männlicher Mäuse über drei Wochen hinweg auf, jeweils bevor und nachdem sie den Männchen einen weiblichen Geruch als Reiz präsentiert hatten. Mit einer neu entwickelten Software ordneten sie jede Lautäusserung in Abhängigkeit von ihren besonderen akustischen Merkmalen einer von 15 Kategorien zu. Von ihren Resultaten berichten die Forschenden in der Fachzeitschrift «Animal Behaviour».
Männchen singen, wenn sie Weibchen sehen
Ohne weibliche Reize produzierten die Männchen nur wenige oder gar keine Laute. Unmittelbar nachdem sie den weiblichen Geruch wahrgenommen hatten, begannen jedoch die meisten Männchen sofort zu «singen» und liessen eine grosse Anzahl und Vielfalt verschiedener Arten von Ultraschallvokalisationen (USVs) hören. Selten gab es auch einzelne Männchen, die still waren, selbst wenn sie ein Weibchen rochen.
«Zwischen den Männchen konnten wir – wie erwartet – sehr hohe individuelle Unterschiede in der Anzahl und Art der USVs feststellen», erklärte die Erstautorin der Studie, Maria Adelaide Marconi, in einer Mitteilung der Vetmeduni. Der Gesang der einzelnen Tiere war dabei im Laufe der Zeit überraschend konstant. Und die USVs zeigten in verschiedensten gemessenen Eigenschaften individuelle Identität. Mithilfe eines Algorithmus für maschinelles Lernen konnten die Forscher rund 90 Prozent der Aufzeichnungen dem richtigen Individuum zuordnen.
Den Wissenschaftlern zufolge wird nahezu die gesamte Forschung zu USVs mit Inzuchtstämmen von Labormäusen durchgeführt. Dabei gibt es starke Hinweise darauf, dass die Gesänge Signale über den aktuellen emotionalen Zustand eines Individuums liefern. Die neuen Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Lautäusserungen nicht nur Informationen dazu enthalten, wie es einem Individuum geht, sondern auch über seine Identität.