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Im Auftrag der Swiss Philanthropy Foundation und der Auslandschweizer-Organisation
Die Swiss Philanthropy Foundation und die Auslandsschweizer-Organisation haben gfs.bern damit beauftragt eine Umfrage durchführen, um mehr über das Phänomen der Grosszügigkeit von Auslandschweizer:innen zu erfahren. Im Fokus standen neben individuellen Werthaltungen und der Verbindung zur Schweiz auch das Spendenverhalten und die Spendenmotivationen.
Vorliegender Kurzbericht liefert eine Übersicht über die Ergebnisse der Studie. An der Befragung haben 2’583 Auslandschweizer:innen aus 123 Ländern teilgenommen. Weitere Details zur Methode finden sich am Ende dieses Kurzberichts.
Rund jede:r fünfte Auslandschweizer:in wurde im Ausland geboren, während fast zwei Drittel seit mindestens 10 Jahren im Ausland wohnhaft sind. Ebenfalls zwei Drittel der Befragten besuchen die Schweiz mindestens einmal pro Jahr. Auslandschweizer:innen zeichnen sich durch eine starke Identifikation als Schweizer:innen aus.
Der Austausch mit Inland-Schweizer:innen, der Konsum von Schweizer Medien, die Teilnahme an Volksabstimmungen und die Pflege von Schweizer Traditionen oder der Genuss von typisch schweizerischem Essen aber auch der Austausch mit Schweizer:innen im jeweiligen Wohnland der Befragten sind die zentralen Stützen der Beziehungspflege zum Heimatland.
Trotz hoher Identifikation und reger Beziehungspflege mit der Schweiz fühlen sich allerdings lediglich 44 Prozent der Auslandschweizer:innen von der offiziellen Schweiz ernst genommen.
Beim Tätigen einer Spende legen Auslandschweizer:innen den Schwerpunkt eher auf lokale und individuelle Hilfe, auf die Unterstützung von Menschen in Not, auf systemische Probleme, auf die Befähigung der Menschen selber aus der Armut herauszukommen, und man ist der Ansicht das sich die Schweizer Gesellschaft eher durch Altruismus statt Egoismus auszeichnet.
Eine Mehrheit der Auslandschweizer:innen ist von der Wichtigkeit von Spenden an Organisationen überzeugt.
Tiefere Verwaltungskosten oder mehr Steuerabzüge würden nur etwas mehr als ein Drittel zur Intensivierung der Spendenbemühungen animieren. Die steuerliche und administrative Vereinfachung von Auslandsspenden könnte rund ein Viertel der Auslandschweizer:innen motivieren, mehr ins Ausland zu spenden.
Fast alle Auslandschweizer:innen spenden, entweder finanziell, materiell oder in Form ihrer Zeit oder ihres Wissens. Lediglich 6 Prozent geben an, dass sie in den letzten drei Jahren nie gespendet haben. Etwas mehr als die Hälfte der Spender:innen tut dies regelmässig, während sich rund ein Drittel eher mit einmaligen Spenden beteiligt.
Im Testament werden Organisationen aktuell nur von 9 Prozent der Auslandschweizer:innen begünstigt. Auf diese Art und Weise werden hauptsächlich Organisationen für humanitäre Zwecke und für den Tierschutz sowie bestimmte Krankheiten und Gebrechen unterstützt. Von jenen, die noch kein Testament haben oder eine solche Spende darin vorgesehen haben, drückt etwa jede:r Fünfte eine entsprechende Grundbereitschaft aus.
Im Durchschnitt unterstützten Auslandschweizer:innen jährlich ein bis zwei Organisationen mit jeweils einem Betrag zwischen 50 und 499 Schweizer Franken.
Spenden werden mehrheitlich auf eine freie Art und Weise getätigt, was sich auch darin spiegelt, dass das häufigste genutzte Spendenmedien die direkte Spende an eine Organisation ist. Stiftungen, Fonds oder anderweitige Netzwerke spielen kaum eine Rolle.
Das Netzwerk „Transnational Giving Europe“ ist nur 2 Prozent der Auslandschweizer:innen bekannt.
Eine relative Mehrheit der Auslandschweizer:innen (44%) gibt an, dass sie über genügend Informationen verfügt um an Schweizer Organisationen zu spenden. Rund ein Drittel wünscht sich aber mehr Informationen und dies vor allem in Form von mehr Transparenz und Berichterstattung sowie Wissen zur konkreten Verwendung der Spenden und den jeweiligen Projekten.
Die am häufigsten begünstigten Schweizer Organisationen sind Ärzte ohne Grenzen, das Schweizerische Rote Kreuz, WWF Schweiz sowie Glückskette, Caritas und Pro Juventute.
Im letzten Jahr haben die Auslandschweizer:innen in erster Linie für die Themen „Armutsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit“ sowie „humanitäre Massnahmen und Entwicklungshilfe“ gespendet. Im Vergleich dazu werden religiöse und kulturelle Aspekte sowie Projekte im Bereich „Migration und Integration“ weniger unterstützt.
Was die bekannten und aktuellen Ereignisse anbelangt, wurde am meisten im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg, mit dem Klimawandel und mit dem Erdbeben in der Türkei gespendet.
Bezüglich der Empfangsdestination würden die Auslandschweizer:innen am liebsten direkt an Entwicklungsländer spenden. Geographisch betrachtet werden regelmässige Spenden am häufigsten an das eigene Wohnsitzland adressiert. Darauf folgen Länder, die unmittelbar von Katastrophen betroffen sind und Entwicklungsländer.
Die förderlichste Art von Spendenaufrufen ist aus Sicht der Auslandschweizer:innen die Empfehlung von Bekannten, gefolgt von einem digitalen oder postalischen Spendenaufruf. Am wenigsten erfolgsversprechend sind Spendenaufrufe per Telefon.
Die verbreitetsten Motivationsgründe sind das Wissen über den genauen Zielort und die Empfänger:in der Spende und der Grundwert der Solidarität. Darauf folgen die Freude am Helfen und das Lindern von Leid. Auslandschweizer:innen spenden am wenigsten aufgrund von sozialer Anerkennung, um ihr eigenes Wohlbefinden zu steigern oder aus steuerlichen bzw. religiösen Gründen.
Am ehesten lassen sich die Befragten von einer Spende abhalten, wenn sie nicht sicher sind, ob ihre Spende sinnvoll eingesetzt wird, aber auch wenn ihnen die finanziellen Mittel oder die Nähe zur Empfänger:innenorganisation fehlen.
Die Philanthropie wird von Auslandschweizer:innen generell als wichtig eingeschätzt.
Anhand verschiedener getesteter Aussagen zur Grosszügigkeit und zum Spenden allgemein lässt sich die weit verbreitete philanthropische Grundhaltung unter Auslandschweizer:innen konkreter beschreiben. So geben 84 Prozent der Auslandschweizer:innen an, dass sie aus Mitgefühl mit Menschen in Not spenden. Je drei Viertel spenden aus Dankbarkeit für das eigene Leben in Wohlstand respektive um Anerkennung für die Arbeit von empfangenden Personen und Organisationen auszudrücken. 69 Prozent sehen Menschen aus wohlhabenden Ländern in einer moralischen Verpflichtung den ärmsten Menschen gegenüber. Weitere 53 Prozent geben an, dass Spenden eine Familientradition sei – ein Grundwert ihrer Sozialisierung also.
Es ist jedoch mehr als Liebe zur Menschheit im Spiel, wenn es um Spenden geht. Auch Nutzenerwägungen spielen eine gewisse Rolle. So verspüren 90 Prozent der Auslandschweizer:innen ein gutes Gefühl, wenn sie jemandem helfen können. 61 Prozent geben an, dass günstigere Steueranreize zu mehr Spenden motivieren könnten.
60 Prozent erwarten konkret, dass eine Spende steuerliche Vorteile bringen soll. 53 Prozent spenden, weil sie einen Einfluss auf die Gesellschaft haben möchten. Einen unmittelbaren Nutzen ziehen jedoch lediglich 28 Prozent aus einer Spende.
Auslandschweizer:innen sehen klar auch den Staat in der Verantwortung, Menschen in Not zu unterstützen (85% einverstanden) und attestieren in ebenso deutlicher Mehrheit Unternehmen eine soziale Verantwortung (79% einverstanden).
Kritisch wird von 65 Prozent der Auslandschweizer:innen angemerkt, dass Spenden oft nicht dort ankämen, wo sie wirklich gebraucht würden. 56 Prozent geben allerdings an, direkte Verbindungen zu empfangenden Organisationen oder zur Sache, für welche sie sich engagieren, zu haben. Mühe sich angesichts der vielen Bedürfnisse auf der Welt zu entscheiden, an wen man spenden will, bekunden minderheitliche 39 Prozent. Allerdings geben 58 Prozent an, aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage mit Inflation und Teuerung nicht mehr so viel spenden zu können wie früher.
Zusammengefasst zeigt die multivariate Analyse der Daten, dass es 3 Gruppen von Auslandschweizer:innen gibt (MDS): Jene die aus ideologischen, humanitären Gründen Spenden tätigen, jene die sich davon auch steuerliche Abzüge wünschen und jene, die Spenden gegenüber kritisch eingestellt sind.
Erläuterung: Die hier verwendete multidimensionale Skalierung (MDS) zeigt auf, welche Aussagen statistisch eine hohe inhaltliche Nähe haben. Eine hohe inhaltliche Nähe entsteht dann, wenn die gleichen Personen, die gleichen Aussagen gleich beurteilen. Grafisch sind Aussagen mit einer hohen inhaltlichen Nähe nahe zusammen dargestellt, während Aussagen mit wenig inhaltlicher Nähe weit auseinanderliegen.
Diese kritische Einstellung nährt sich einerseits aus der Befürchtung, dass Spenden nicht dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Andererseits hemmt die Schwierigkeit, sich angesichts der vielfältigen Herausforderungen für ein Spendenziel zu entscheiden, die Spendentätigkeiten massgeblich. Fördernde Faktoren sind dagegen das weibliche Geschlecht, die eigene Sozialisierung im Zusammenhang mit Spenden oder/und ein höheres Einkommen. Weiter spielen das Bewusstsein für Werte und das Empfinden von Dankbarkeit eine zentrale Rolle.
Erläuterung: Die eingesetzte Methode der logistischen Regression beschreibt das Vorhandensein des Zusammenhanges von unabhängigen Variablen (hier: Aussagen zu Grosszügigkeit und Spenden sowie soziodemographische Merkmale) auf eine abhängige Variable (hier: Spendentätigkeit Ja, in irgendeiner Form vs. Nein). Anhand der Farbe lässt sich unterscheiden, ob der Zusammenhang positiv (blau) oder negativ (orange) ist. Aspekte, welche in der Grafik nicht erscheinen, korrelieren nicht signifikant mit der Spendentätigkeit.
Wenn das Ziel eine Erhöhung von Spenden ist, kann Aufklärung dazu beitragen. Weil die Sozialisierung und die Sensibilisierung beim Spenden eine zentrale Rolle spielen, ist es wichtig, die Schweizer Diaspora über die Bedeutung von philanthropischen Aktivitäten, von freiwilliger Arbeit und von sozialem Engagement aufzuklären. Die positiven Auswirkungen von Spenden auf lokale und globale Gemeinschaften gilt es dabei hervorzuheben und anhand konkreter Beispiele zu demonstrieren.
Die Spendentätigkeit der Auslandschweizer:innen ist hoch und kann am besten über persönliche Empfehlungen motiviert werden. Entsprechend könnten gemeinnützige Organisationen gezielt Netzwerke innerhalb der Schweizer Diaspora aufbauen, um eine effektive Zusammenarbeit zu fördern.
Auf Grundlage der identifizierten Motivationsfaktoren könnten gezielte Anreize entwickelt werden, um die Bereitschaft zur Spende oder zur freiwilligen Arbeit zu steigern. Das TGE-Netzwerk dürfte ein solcher Anreiz sein, dem es allerdings noch an Bekanntheit fehlt. Weitaus wichtiger ist aber, über die Verwendung der Spenden zu informieren und Transparenz in Bezug auf die Finanzen zu schaffen. Letzteres dürfte die Spendenmotivation aufrechterhalten und Vertrauen schaffen.
Da die im Ausland wohnhaften Schweizer:innen oft eine starke kulturelle Bindung zum Heimatland haben, könnte diese Verbindung genutzt werden, um das Engagement für wohltätige Aktivitäten aus der Schweiz oder von Schweizer Organisationen zu fördern. Kulturelle Veranstaltungen, welche Werte wie Solidarität und Gemeinschaft betonen, könnten als Plattformen für philanthropische Initiativen dienen.
Die Befragung wurde zwischen dem 26. Juni und dem 26. Juli 2023 mittels Onlinebefragungen durchgeführt. Als Grundlage für die Kontaktierung von Auslandschweizer:innen diente das Mitgliederverzeichnis der Auslandschweizer-Organisation. Personen auf dieser Liste wurden per Mail eingeladen, sich an der Umfrage zu beteiligen und zweimal an die Umfrage erinnert. Der Link zur Umfrage wurde zudem über die Kanäle der Auslandschweizer-Organisation, der Swiss Philanthropy Foundation und verwandter Organisationen in sozialen Medien geteilt.
An der Befragung haben 2’583 Auslandschweizer:innen aus 123 Ländern teilgenommen. Die am häufigsten vertretenen Länder sind Frankreich (13%), die Vereinigten Staaten von Amerika (12%), Deutschland (10%), Kanada (5.1%) sowie Thailand und Spanien (jeweils 5%). Zur Korrektur soziodemografischer Verzerrung wurden die erhobenen Daten entlang der Kontinente sowie nach Alter und Geschlecht gewichtet.
Die untenstehende Tabelle liefert einen Überblick über die zentralen methodischen Eckwerte der Studie.
Auftraggeber: Swiss Philanthropy Foundation und Auslandsschweizer:innen-Organisation
Grundgesamtheit: Auslandschweizer:innen
Datenerhebung: online
Art der Stichprobenziehung: Basis: Adressverzeichnis der Mitglieder der Auslandschweizer:innen-Organisation ergänzt durch offene Mitmachumfrage (digitales Riversampling)
Quotenmerkmale: keine
Befragungszeitraum: von 26. Juni bis 26. Juli 2023
Befragungsdauer: ø 17 Minuten
Stichprobengrösse: total Befragte N = 2’583, n deutschsprachig = 1’374, n französischsprachig = 688, n englischsprachig = 521
Stichprobenfehler: ±1.9 Prozentpunkte bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
Gewichtungsverfahren: Alter*Geschlecht und Kontinent