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Werdegang von «Voser Rechtsanwälte»
Von Dr. Peter Voser / Januar 2018
Als Sohn von Fritz Voser, der 1918 in Baden als Partner des Notars Otto Haller seine Anwaltstätigkeit aufnahm und ungeahnt den Grundstein der Kanzlei «Voser Rechtsanwälte» setzte, möchte ich in geraffter Form ihren Werdegang schildern.
Mein Vater stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater hatte sich als Neuenhofer Kleinbauernsohn vom Schlosser zum Dampflokomotivführer heraufgearbeitet und musste sorgsam rechnen, um seine 7-köpfige Familie durchzubringen. Er ermöglichte so seinen 5 Kindern eine gute Ausbildung und meinem Vater sogar das Rechtsstudium. In der Zeit vor dem 1. Weltkrieg gehörte auch ein Jahr Studentenleben in Leipzig dazu. Meinem Vater fehlten die Mittel für den geselligen Teil ausserhalb der Universität. Er blieb in seiner kleinen Bude und schrieb die von ihm stenografisch aufgezeichneten Vorlesungen berühmter Professoren in Reinschrift. In Leder gebunden kann man sie heute noch nachlesen. Gegen Monatsende war sein Beutel trotz Sparsamkeit jeweils leer, was seiner Schlummermutter nicht entging. Sie legte ihm dann stillschweigend einen Taler (eine unserem Fünfliber entsprechende Silbermünze) neben den Frühstückssteller. Das war ihm eine grosse Hilfe. Er erzählte uns diese Anekdote immer wieder.
Die Aufnahme seiner selbständigen Berufstätigkeit im Jahre 1918 fiel zusammen mit seiner Heirat. 5 Jahre später kam ich auf die Welt und habe somit die Entwicklung unserer Kanzlei von Kindsbeinen an miterlebt und teilweise auch mitgestaltet. 1918 befand sich der 1. Weltkrieg in der Endphase. Wie jeder Wehrfähige leistete er Militärdienst. Er avancierte zum Hauptmann bei den fahrenden Mitrailleuren, einem neuformierten renommierten Truppenteil, worauf er stolz war. 21 Jahre später, bei Ausbruch des 2. Weltkrieges, wurde er erneut einberufen. Zwischenzeitlich hatte er sich einen Namen geschaffen und die alleinige Führung des Büros übernommen, weil Notar Haller sich zur Ruhe setzen wollte. Der neue Krieg legte aber die allgemeine Geschäftstätigkeit weitgehend lahm, auch jene der Anwälte, sodass meinem Vater die Einteilung in den Armeestab willkommen war. Monatelang war er in verantwortungsvollen Positionen tätig und büroabwesend. Bei Kriegsende war er Territorialkommandant im Grade eines Obersten. Harte Arbeit erwartete ihn nun im Zivilleben, denn der Klientenkreis war arg geschmolzen. Meine Mutter stand ihm tatkräftig bei: Ohne sein Wissen hatte sie Stenografie und Maschinenschreiben gelernt, sodass er vorerst keine Sekretärin anstellen musste.
Ich selber leistete auch Aktivdienst und befasste mich deshalb erst nach Kriegsende mit dem Rechtsstudium. 1958 trat ich als Anwalt ins Büro, in dem ich mich schon zuvor betätigt hatte. 3 Jahre später wurde es mir vom Vater – inzwischen 70 Jahre alt – übergeben. Er war noch sehr rüstig und blieb mehr als 20 Jahre weiter bei mir tätig.
Mein Vater war wie alle Anwälte ein Einzelkämpfer. Er sah sich als Universaljurist. Das Rechtsgebiet war zu seiner Zeit noch übersichtlich, die Gesetzesflut, mit der wir heute leben müssen, gab es nicht. Sie führt zur Spezialisierung der Anwaltstätigkeit. Ich musste mich nach einem Mitarbeiter umsehen. So kam Jan Kocher – zuvor noch Praktikant – zu mir. Ein Glücksfall. Wir verstanden uns auf Anhieb, zumal schon sein Vater als Anwaltssekretär für meinen Vater tätig war, bevor er die Matura nachholte, studierte und renommierter Badener Zahnarzt wurde.
Kurz danach kam es zu einem für die Entwicklung unseres Büros entscheidenden Angebot: Werner Greutert und sein Partner Max Fluri, die im gleichen Haus wie wir ihren Geschäftssitz hatten, beabsichtigten die Erstellung eines Geschäftshauses in der Badener Vorstadt, den Neustadthof. Sie offerierten mir Büroräume im Attikageschoss und machten mir den für die damaligen Verhältnisse sehr hohen Mietzins mit der Zusicherung schmackhaft, mir alle Notariatsgeschäfte für in Aussicht genommene Überbauungen zuzuweisen. So kam es 1965 zum Umzug in die damals schönsten Büros von Baden und zum Beginn des Ausbaus unserer Kanzlei. Die beiden Unternehmer Greutert und Fluri erstellten als erste im Kanton Aargau Mehrfamilienhäuser im Stockwerkeigentum, was bis dahin nicht möglich war. Wir erwarben uns mit solchen Aufträgen Kompetenz in diesem neuen Rechtszweig. Dass mir Werner Greutert und Max Fluri diese Entwicklung ermöglichten, danke ich ihnen noch heute.
Im Neustadthof waren wir ein kleines Team: 4 Anwälte (neben Jan Kocher, mir und meinem mehr im Hintergrund tätigen Vater noch Peter Rüegg), 2 Sekretärinnen und 2 Lehrlinge. Als ich nach 26 Jahren stetigen Wachstums ins AHV-Alter kam, übergab ich das Büro Jan Kocher und dankte ihm auf meine Weise für seine Loyalität und Freundschaft: Wir tauschten einfach unsere Positionen und sprachen nicht von Geld; er übernahm die Verantwortung für die Kanzlei und ich arbeitete bei ihm weiter zu den gleichen Konditionen, zu denen er bei mir tätig war.
Unter ihm kam es zum zweiten grossen Entwicklungsschritt: Zunächst kam als Nachfolger des zum Gerichtspräsidenten von Baden gewählten Peter Rüegg der gewandte junge Philip Funk zu uns. Wieder ein Glücksfall: Er verschaffte uns nicht nur die fehlende steuerrechtliche Kompetenz, er führte auch den Computer ein. Die Firma hiess jetzt «Voser, Kocher, Funk».
Nach dem Eintritt von Philip Funk wurde es für unser Büro eng im Neustadthof. Da Werner Greutert nicht aushelfen konnte, ging Jan Kocher auf die Suche nach neuen Räumen. Er sprach mit Verleger Otto Wanner und stiess bei ihm – nochmals ein Glücksfall – auf offene Ohren. So kamen wir 1993 – also vor 25 Jahren – zu unseren heutigen Büros im 1972 erbauten Tagblatt-Hochhaus an ebenfalls schöner Aussichtslage wie der Neustadthof. Es waren auch Vergrösserungsmöglichkeiten vorhanden. Jan Kocher entschloss sich deshalb, die Alleinverantwortung für das Büro abzugeben und ging mit Philip Funk eine Partnerschaft ein. Die beiden fingen an, die schon lange gehegte Vorstellung, auf allen Rechtsgebieten kompetente Beratung anzubieten, zu verwirklichen. So stiessen kontinuierlich erfahrene Anwälte als Partner oder verantwortliche Mitarbeiter zu uns.
Vor einigen Jahren hat Jan Kocher aus Altersgründen die Partnerschaft verlassen und heute wird das Büro von den Partnern Philip Funk, Peter Heer, Dieter Egloff, Markus Fiechter und Antonia Stutz geleitet. Es umfasst sie eingeschlossen 7 Anwältinnen und 14 Anwälte (davon 5 mit Notariatspatent), 16 Assistentinnen (Sekretärinnen), 3 Lernende und 2 Praktikanten.
Der Firmenname wurde zur Vereinfachung gekürzt in «Voser Rechtsanwälte», was auf den Ursprung der Kanzlei hinweist und erlaubt, heute unser 100-jähriges Bestehen zu feiern.
Mit grossem Stolz würde mein Vater auf unsere Firma blicken, die seinen Namen trägt und an ihn erinnert. Ich selber bin hochbeglückt über die positive Entwicklung, die keineswegs in den Sternen geschrieben war, sondern auf viel Arbeit und glückhafte Umstände zurückgeht.
Es ist mir ein grosses Anliegen, Dank zu sagen:
Dank an meine Kollegen und Kolleginnen aller Stufen für ihren Einsatz und ihre Loyalität. Vorab an jene, die als Partner wirken oder als Partner gewirkt haben. Mit ihrem Weitblick beim Ausbau des Büros im Tagblatt-Haus haben sie «Voser Rechtsanwälte» auf den heutigen Stand gebracht und seinen Ruf weit über unsere Stadt hinaus gefestigt.
Dank aber auch unseren unermüdlichen Mitarbeiterinnen im Sekretariat für ihre Treue und stete Einsatzbereitschaft – oft unter Rückstellung eigener Interessen. Wenn ich eine von ihnen jetzt hervorhebe, werden sich die andern nicht zurückgesetzt fühlen: Es ist Jasmine Heusser, die als Lehrtochter vor 29 Jahren zu uns kam, während mehr als der Hälfte ihres Lebens umsichtig die Kanzlei leitete und dies weiterhin tut. Der gute Geist, der in unserem Büro herrscht, hängt aufs engste mit ihr zusammen.
Ein besonderer Dank gilt unseren Klienten: Sie haben uns vertraut und uns ihre Rechtsfragen und Probleme vorgelegt. Unsere Anwälte haben jeweils die bestmögliche Lösung gesucht. Ich bitte sie, ihnen weiterhin zu vertrauen und ihnen auch scheinbar Unlösbares vorzulegen. Je anspruchsvoller die Aufgaben sind, die sie «Voser Rechtsanwälte» stellen, umso besser: Unser Team will zeigen, was es kann und was in ihm steckt. Es festigt mit jedem Fall sein Wissen oder lernt hinzu und kann sich weiter entwickeln zum Nutzen aller Beteiligten.