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Die Ex-libris der Historischen Bibliothek der Schweizerischen Pharmazie
Viele der Werke der ursprünglichen Sammlung, die bei der Gründung unserer Bibliothek den Fundus bildeten, tragen Exlibris, von Alexander Tschirch, vom Berner Pharmazeutischen Institut oder vom Schweizerischen Apothekerverein, heute pharmaSuisse. Sie bereichern somit einen ganz besonderen Aspekt des pharmazeutischen Lebens und seiner Geschichte und ergänzen die Vielzahl von Bucheigenzeichen von Apothekern, insbesondere Schweizer Apotheker, die im Allgemeinen Merkmale aufweisen, die mit dem Beruf ihrer Besitzer zusammenhängen. Manchmal haben sie berühmte Künstler ausgeführt, wie zum Beispiel Oscar Kokoschka für den deutschen Pharmaziehistoriker Wolfgang-Hagen Hein.
Lassen wir doch Alexander Tschirch sprechen, der in einem im Jahre 1900 in der Schweizerischen Wochenschrift für Chemie und Pharmazie erschienenen Aufsatz sein eigenes Exlibris wie diejenigen des Instituts und des Vereins beschreibt.
«Das Exlibris des Unterzeichneten, von Fritz Widmann gezeichnet, versinnbildlicht die verschiedenen Gebiete und Gegenstände, mit denen sich der Besitzer desselben beschäftigt hat. Es stellt in der Mitte den Genius der Wahrheit in Gestalt einer Frauengestalt dar, die in der einen Hand eine Frucht hält, die sie einem zu ihren Füssen hockenden Waldschrat reicht, der eben beschäftigt ist, mit der Lupe eine Frucht zu betrachten. In der anderen hält sie eine Schale, in welche aus einem am Baume angebrachten Wunde ein Harzbalsamstrom fliesst. Zu Füssen des Baumes steht ein stilisierter chemischer Ofen. Die Bedeutung des Dargestellten ist klar. Es weist auf die Beschäftigung mit der Anatomie, speciell derjenigen der Samen und Früchte, sowie mit der Chemie der Harze hin. Die auf die reichlich belaubten Bäume strahlende Sonne im Hintergrund deutet auf Studien über Assimilation (Chlorophyll) und Spectralanalyse. Die Unterschrift lautet «Neque splendor, nec honores, nec ardor civium, veritas sola sit judicatrix scientiae.
Wie schon aus Obigem ersichtlich, hat die moderne Kunst bei der Ausführung der Exlibris vielfach auf Wappen und sonstigen heraldischen Schmuck verzichtet und der Symbolik einen weiten Raum eingeräumt. Mit Recht. Denn wir sind doch keine Ritter mehr und perhorrescieren sogar das Feudale. Immerhin liegt ja aber auch im Wappen viel Symbolik, so dass wir seiner bei den Exlibris ganz wohl niemals werden eintraten können.
Aber während im Wappen mehr die Gattung, kommt in der ja naturgemäss ganz persönlich gefärbten symbolistischen Darstellung mehr das Persönliche zur Geltung. Ein Zeichen unserer Zeit, die ja überall das Persönliche betont, besonders in der Kunst.
Es lag nun der Gedanke nahe auch für die beiden neu begründeten pharmazeutischen Bibliotheken, die des schweiz. Apothekervereins und die des pharmaceut. Instituts in Bern, Exlibris herstellen zu lassen. Da der Unterzeichnete, der selbst seit einiger Zeit Exlibris sammelt und viele angesehen hat, für den Gedanken eintrat und in dem Maler Fritz Widmann von Bern (z.Z. in Rüschlikon) einen talentvollen Interpreten seiner Ideen fand, ist der Plan zur Ausführung gekommen.
Das Exlibris der Bibliothek des Schweiz. Apothekervereins stellt in der Mitte den Genius des schweizerischen Apothekervereins dar, auf hoher Warte stehend, mit Schild und Heer bewaffnet und bereit, die schweizerische Pharmazie zu schützen und zu schirmen und gegen alle Gefahren, die ihr drohen, zu verteidigen. Entschlossen fasst die Faust den Speer, und Entschlossenheit drückt auch Haltung und Druck aus. Weit schweift vom Gipfel des Berges der Blick in die Lande über fruchtbare Felder, Städte, Burgen, Flüsse und Seen, bis hinüber zum Kranz der ewigen Berge, zu Firn und Gletscher. Die Predelle zeigt eine Gruppe chemischer und pharmaceutischer Utensilien, um die Eule der Athene, das Sinnbild der Wissenschaft, gruppiert.
Das Exlibris des pharmaceutischen Instituts in Bern endlich versinnbildlicht den Gedanken, dass in dem Institute die Bibliothek wesentlich nur Hülfsmittel bei der wissenschaftlichen Arbeit des Laboratoriums ist. So sehen wir denn einen Gelehrten, der von der Arbeit weg, den Kolben noch in der Hand haltend, in die Bibliothek geeilt ist, um daselbst in einem Werke nachzuschlagen und sich Rats zu holen. Durch das grosse Bogenfenster fällt der Blick auf die Stadt Bern mit ihrem Münster. Beide Exlibris sind von F. Widmann gezeichnet.
Vielleicht dienen vorstehende Zeilen dazu, das Exlibris auch in pharmaceutischen Kreisen wieder mehr einzubürgern».
Der Kunstmaler Fritz August Vitalis Widmann wurde am 27. April 1869 in Bern geboren, er starb am 26. Februar 1937 in Rüschlikon (ZH). Nach einer Ausbildung in Winterthur, Bern, Karlsruhe und München, etablierte er sich in Rüschlikon am Zürichsee. Er war mit Ferdinand Hodler befreundet. Er malte Landschaften und Figurenbilder.
Le peintre Fritz August Vitalis Widmann est né à Berne le 27 avril 1869 et est mort à Rüschlikon (ZH) le 26 février 1937. Après une formation à Winterthur, Berne, Karlsruhe et Munich, il s'installe à Rüschlikon, au bord du lac de Zurich. C'était un ami de Ferdinand Hodler. Il a peint des paysages et des œuvres figuratives.
Schweizerisches Künstler-Lexikon. Frauenfeld 1913, 3. Bd., S. 496.
Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig 1942. Bd. 35, S. 519–520.
http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4024385&.