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Geologische Uebersicht der Rhätischen Alpen
der
Rhätischen Alpen
-Von Prof. G. Theobald.
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Indem ich an die Behandlung der mir gestellten Aufgabe gehe, eine gedrängte Uebersilht der orographischen und geologischen Verhältnisse der Btindner Alpen zu geben, muss ich zunächst die Nachsicht meiner Leser in Anspruch nehmen. Denn bei der Ausdehnung des Gebietes und der ungemeinen Reichhaltigkeit des Stoffes wird es bei den dieser Abhandlung gesteckten Grenzen kaum möglich sein, mehr als die allgemeinen Züge des grossen Bildes zu bieten, welches die Natur in den verwickelten Gebirgsmassen und Formationen vor unseren Augen entfaltet.
Von den Höhen des St. Gotthard und Adula bis zu denen des Orties und Ötzthaler Ferners, von der Tödikette und dem Rhätieon bis zur Adda breitet sich das Gebiet der Bündner Alpen aus, ein vielfach verschlungenes Netzwerk von Bergen und Thälern, von Ketten und massigen Stöcken, hohen gletscherumlagerten Schneegebirgen und lieblichen
sonnigen Alpentriften, an deren Fuss der Rhein seine ersten Rebengelände begrüsst, während südlich die wilde Alpenwelt sich mit dem reichen Pflanzenschmuck Italiens vermählt. Es bedeckt dieses Gebirgssystem das ganze Gebiet des Cantons Graubünden, und greift verschiedentlich hinaus über seine politischen Grenzen, wohin wir der Natur, die glücklicherweise diese Unterschiede nicht kennt, folgen müssen.
Wenn wir eben die Rhätischen Alpen ein System von Gebirgen nannten, so ist diess nicht so zu verstehen, als bildeten sie ein einfaches, in sich abgeschlossenes Ganzes. Sie sind eine vielgegliederte Gebirgswelt, mehreren Centralmassen angehörig, welche theils dem Gebiete selbst eigen sind, theils von aussen in dasselbe hineingreifen. Diese Centralmassen bestehen aus krystallinischem Gestein, theils den granitischen Gebilden, theils den metamorphischen angehörig, und werden durch Mittelglieder verbunden, die aus Kalk, Schiefer, Sandstein und andern Gesteinen bestehen, welche unbestritten zu den Meeresbildungen gehören. Diese sind muldenförmig zwischen die grossen krystallinischen Erhebungen eingelagert oder umziehen sie zonenweise; aber sie stellen nicht einfache Biegungen vor, sondern Systeme von schief aufsteigenden Rücken und eben so schief einfallenden Mulden, welche zusammen man in neuerer Zeit mit einem glücklichen Ausdruck Erhebungswellen genannt hat. Auch die krystallinischen Gesteine, so weit sie geschichtet sind, nehmen oft an dieser Bildung Theil, während in vielen anderen Fällen ihre Schichten auf den Gräten fächerförmig auseinanderlaufen und die seitlichen Schichten der Axe des Fächers zufallen, welche nicht selten von massigen, nicht geschichteten Gesteinen, Granit, Syenit s. w. eingenommen wird. Auch die Sedimentgesteine sind dann oft von der Fächerstellung mit ergriffen, indem sie am Rande der krystallinischen Felsarten durch deren Erhebung umgebogen und auf sich selbst zurückgeworfen sind, wie beistehendes Schema zeigt.
Es kommt auch oft vor, dass einzelne Massen von Sedimentgestein auf krystallinischen Gräten gleichsam hängen oder aufgesetzt sind, wie z.B. am Piz Err, oder dass man sie zwischen Bänken krystallinischer Felsarten eingekeilt findet, wie den Sassalbo, Piz Alv, Tremoggia u.a. Sie sind Reste einer ehemaligen sedimentären Decke, welche durch die Erhebung und das Aufschwellen der krystallinischen Kernmassen zerrissen wurde.
Es muss eine gewaltige Kraft gewesen sein, welche diese Gebirgsmassen zu solcher Höhe erhob, mächtige Felsen-decken zersprengte und zersplitterte, Schichten von starrem Gestein wie Tuchballen bog und kräuselte. Es würde eine Auseinandersetzung und Kritik der verschiedenen Theorien über Gebirgsbildung durchaus über den Zweck dieses Aufsatzes hinausgehen und so bemerken wir nur, dass der Bau der Bündner Alpen besonders der Ansicht zu entsprechen scheint, welche die Erhebungen durch krystallinische Umbildung der Gesteine und dadurch veranlasste Raumver-grösserung entstehen lässt, wobei weder die Wirkung eruptiver Massen, noch die des Wassers ausgeschlossen bleibt, wie denn überhaupt bei der ganzen Erdbildung verschiedene Kräfte zusammengewirkt haben. Die innere Erdwärme muss hierbei theils direct, theils durch überhitzte Wasserdämpfe und elektrochemische Vorgänge als vorzugsweise wirkende Ursache angesehen werden. Wir bemerken dabei, dass uns sämmtliche Hypothesen der Alt- und Neuzeit bekannt sind, und dass wir Niemandes Recht bestreiten, die seinige für die beste zu halten. Wir lassen aber diese Entstehungsgeschichte der Berge vorläufig liegen und gehen
unmittelbar zu den uns vor Augen liegenden Erscheinungen über, indem wir eine Centralisasse nach der anderen betrachten und kurz das jeder besonders Eigenthümliche hervorheben, denn eine einlässliche Beschreibung würde ein Buch erfordern.
1. Tödikette.
Sie bildet die Grenze zwischen Bünden und Glarus, in welchem letzteren Canton sie sich vielfach verzweigt; auf der Bündner Seite sind ihre Verzweigungen sowie die « in-dringenden Thäler nur kurz, dennoch ist der Abhang meist nicht so steil, als gegen die Thäler der Linth und Sernft. Es ist die Tödikette eine Fortsetzung der Finsteraarhornmasse, welche über den Galenstock, die Teufelsbrücke, den Oberalpstock, Tödi u. s. w. fortstreicht. Von der Masse des St. Gotthard ist sie durch einen muldenförmig eingelagerten Streif schiefriger Gesteine getrennt, welche sich von Wallis aus über die Furka, Urseren, Oberalp und dann durch Tavetsch hinabziehen. Von den genannten Punkten bis zum Tödi besteht das Ganze aus krystallinischem Gestein, namentlich aus Granitgneiss, gewöhnlichem Gneiss und Glimmerschiefer, wozu noch theilweise Hornblendeschiefer kommen. Diese Felsarten haben grösstentheils Fächerstructur angenommen, daher kommt die zerrissene Form der Berge, welche besonders auffallend an den senkrecht zerspaltenen Kämmen des Crispait hervortritt. Steht man auf einer dieser Höhen, welche eine Uebersicht des Gebirges und deshalb eine Einsicht in seinen Bau gestatten, so erstaunt man über die furchtbare Zerrissenheit der Kämme und Thalschluchten. Zu solchen Standpunkten eignen sich besonders der Cuolm da Vi, der Piz Ault und der Oberalpstock ( Tgietschen ). Im Maderaner Thal vor den Kalk- Stöcken finden sich talkige und chloritische Schiefer, welche südlich gegen die Axe des Oberalpstockes fallen;
eben so fallen ähnliche Gesteine in Tavetsch und Disentis nördlich gegen dieselbe SW.NO. fortstreichende Linie, während die Granite und Granitgneisse der Axe senkrecht stehen. In allen diesen Felsarten finden sich Gänge von granitischem massigen Gestein, so wie von Quarz. Diese Schnüre und ihre Umgebung sind hauptsächlich die Fundorte der schönen Mineralien, an denen das Oberland so reich ist. In der Thalsohle behaupten sich die schiefrigen halbkrystallimschen Felsarten; an der Russeinbrücke aber fängt der Hornblendeschiefer an in ein massiges Gestein überzugehen, welches sich in der Richtung der Alp Pontaiglias und des spitzigen Piz Ner zu einem schönen Syenit-Diorit entwickelt. Weiter innen, gegen den Pontaigliasgletscher erscheint dann, mit diesem Gestein in Verbindung, der bekannte Granit von Pontaiglias, kenntlich an den grossen Feldspathkrystallen, beigemengter Hornblende und Titanit. Es müssen in der Eiszeit ungeheuere Massen dieser Felsart herabgestürzt sein, denn man findet weithin bis zum Bodensee ihre Trümmer, welche mit keinem anderen Gestein verwechselt werden können. Die granitischen Felsarten setzen im Pontaiglias-tobel unter die Kalkformationen des Piz Tumbif ( Brigelser Hörn ) ein und kommen dann in Val Frisai wieder auf kurze Strecken darunter hervor. Wir können in der Anwesenheit dieser kleinen Centralmasse den Grand der grossen Erhebung der Tödigruppe suchen.
Die Russeinthäler liegen theils in dieser Felsart, theils in Gneiss; östlich und nördlich aber baut sich die Bergfeste des eigentlichen Tödigebirges auf, namentlich macht der Piz Russein mit seinen bunten Felswänden, die mauerförmig steil aufsteigen, einen mächtigen Eindruck. Gerade die
Schweizer Alpen-Club.27
bunten Streifen aber, welche man an diesen Wänden hinziehen sieht, sagen uns, dass hier die Einförmigkeit der krystallinischen Gesteine aufgehört hat, und demselben andere, neuere Gebilde aufgelagert sind. Der Gneiss ist fortwährend die Grundlage, dann folgt in der Regel folgende Reihe von unten nach oben:
1 ) Gneiss, 2 ) Glimmerschiefer, Talkschiefer, Chloritschiefer und sonstige halb krystallinisehe Schiefer, welche durch sogenannten Alpinit in Gneiss übergehen. 3 ) Verrucano, rothes Conglomérat, rother und grünlicher Schiefer. 4 ) Rauhwacke und Röthikalk, eine aus röthlichem, gelbem und grauem Kalk bestehende Formation, welche in ihren unteren Schichten wohl der Trias, in den oberen wenigstens theilweise dem Lias angehört. 5 ) Jurakalk. 6 ) Kreidebildungen. 7 ) Nümmulitengestein und Flysch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Wand des Russein diese ganze Reihe enthält, aber niemand wird sie hier abgehen können; woraus die Spitze besteht, hat keiner der bisherigen Besucher festgestellt, es scheint der graue Kalk derselben entweder zur Kreide oder zu den Eocengebilden zu gehören. Jenseits des Tödi kommt auf der Sandalp noch einmal Gneiss als Grundlage vor, und in Val Frisai Granit, sonst finden wir von nun an in der ganzen Kette nur die so eben angeführten Sedimentgesteine. So an der ganzen Bergreihe, welche vom Tödi bis zum Piz Tunbif und Trons zieht und deren schöne Formen man von den verschiedenen Aussichtspunkten und theilweise schon von Chur und dem Rheinthal aus mit Wohlgefallen betrachtet. Uebrigens bedürfen gerade diese Höhen noch einer speciellen geologischen Untersuchung. Sehr merkwürdig ist der Umstand, dass der Verrucano, welcher unten auf dem Gneiss als Grundlage des Kalkgebirges erscheint und hier sich in seiner normalen Lage be- findet, sich nachher zum zweiten Male, der obersten Formation, d.h. den Eocenbildungen aufgesetzt findet.
Fast immer liegt ein schmales Band von grauem Kalk zwischen beiden, dann folgt oben fast wagrecht wie mit dem Lineal gezogen, die Grenze des Verrucano, kenntlich an der grünen oder rothen Farbe und den zerrissenen zackigen Gräten, dem Bergsteiger eine unwillkommene Erscheinung. Es hat bisher noch nicht gelingen wollen, diese räthselhafte Erscheinung zu erklären, denn eine Ueberwerfung oder Ueberschiebung auf so grosser Ausdehnung ist eine gewagte Hypothese und doch möchte man immer wieder auf dieselbe zurück- kommen. Es findet sich aber diese gegen alle bekannten Regeln verstossende Lagerung auf dem hohen, dachförmigen Gipfel des Hausstockes, auf dem Piz Dartjes bei Brigels, auf dem Vorab und von da über die Felsennadeln des Martinsloches hin auf dem Piz Segnes und allen Gipfeln des Sar-donastockes, auf der Ringelspitze und endlich auf den grauen Hörnern bei Pfäffers, wo sie am bequemsten eingesehen werden kann.
Auf der Glarner Seite besteht fast die ganze Thalwand vom Hausstock an aus Eocengebilden und dem oben aufgesetzten Kalk und Verrucano; auf der Bündner besteht von Sumvix bis unterhalb Ilanz die untere Thalwand aus Verrucano, welcher die ersten Terrassen bildet, und dem dann hoch und steil die Kalkstöcke aufgesetzt sind. Er greift von Ilanz bis Trons und weiterhin auch auf die rechte Rheinseite über. Von Lax und Sagens an folgt nun bis Trins am Rheinufer her ein hügeliges Land von Trümmer- Kaufwerken bedeckt, die aus verschiedenem Kalk bestehen, links aber zeigen die Kalkgebirge, die mit dem seltsam gestalteten, fast überall senkrecht abgeschnittenen Flinser Stein beginnen, die oben angegebene Formationsreihe. Ein
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recht auffallendes Beispiel von aufgesetztem Verrucano ist die Ringelspitze, deren zahnförmiger Gipfel 3206 M. aus diesem Gestein bestehend die ganze Umgebung überragt.
Dagegen findet sich der Verrucano bei Tamins als Grundlage desselben Gebirges und eben so südlich von Felsberg und bei Vättis als Grundlage des Calada. Mit diesem letzteren schliesst die Tödikette, soweit sie Bünden angeht. Da er wegen der regelrechten Lagerung seiner Gesteine und der leichten Zugänglichkeit der weitschauenden, mit Unrecht als „ nicht lohnend " verschrienen Spitze, als Typus der Kalkgebirge in der Tödikette gelten kann, so lassen wir zum Schlüsse die vollständige Formationsreihe folgen, wie sie von unten nach oben von Tamins bisRagaz sich entwickelt:
1 ) Grünlicher Verrucano bei Tamins und Felsberg, rother, nach unten in gneissartigen Alpinit übergehend bei Vättis. 2 ) Röthikalk Tamins, Felsberg, Vättis. 3 ) Unterjura Felsberg, Tamins, Vättis, mit Versteinerungen, Magneteisen, Arsenikies, Gold in Quarz und Kalkspathgängen. 4 ) Platten-förmiger Jurakalk ( Birmenstorfer Schichten ). 5 ) Hochgebirgsdolomit, Felssturz von Felsberg u. s. w. Hauptmasse des Berges. 6 ) Oberjura mit Corallen, Felsberger Alpen, Haldenstein, von Gletschern geschliffene Platten in der Schlucht zwischen Vättis und Pfäffers. 7 ) Unterkreide ( Neocomien ). Der grösste Theil der zwei höchsten Spitzen und die südöstlich herablaufende Felswand ob Haldenstein. 8 ) Schrattenkalk, ein Theil der Signalspitze, dann stark entwickelt von da gegen Untervaz. 9 ) Gault, braungrauer und braungelber Kalksandstein. Bänder unter der Signalspitze von da in derselben Richtung verbreitet bis zur Caminspitze. 10 ) Seewer Kalk an eben den Orten, zerrissene Decken von hell- und dunkelgrauem schiefrigem Kalk auf dem Gault bildend. 11 ) Nummulitengesteine von derMo-
tfii.
strilser Kirche bis Pfäffers und Ragaz. 12 ) Flysch eben da. Die Pfäfferser Schlucht ist in die beiden letzten Nummern eingeschnitten. Auf der Rheinseite senken sich die Schichten südöstlich, wesshalb man leicht die übereinander geschobenen Felstafeln überschreitet, auf der Vättiser Seite stehen die Schichtenköpfe hervor und bilden einen steilen Abhang mit malerisch vorspringenden Felskanten und Zacken.
2. Gebirge, welche zu der Centralmasse des St. Gotthard
gehören.
Sie umziehen als mächtige Gletscher tragende Gebirgsstöcke die Quellen des Vorder- und Mittelrheines in den Gipfeln Badus, Piz Alv, Ravescha, Rondadura u. s. w. durch die Thäler Maigel, Cornära, Nalps und Medels in verschiedene Ketten getheilt, erheben sich noch einmal zu den ansehnlichen Kuppen des Medelser und Camadragebirgs, welche wenig über ihr hohes eisbedecktes Grundgestell emporragen und senken sich dann, den Vorderrhein begleitend bei Ilanz in den Winkel zwischen Glenner und Rhein, wo der Piz Mundaun ihr letzter hoher Vorposten ist. Das Gebirge besteht wesentlich aus Granit und Granitgneiss, welche Fächerstellung haben. Die Axe streicht SW.NO. und auf der Nordseite fallen die Schichten südlich, auf der Südseite nördlich gegen dieselbe ein. Die Fächerstellung des St. Gotthard ist längst bekannt und oft beschrieben, ganz ähnlich, jedoch in schmälerem Maassstabe ist der Lukmanier gebaut. Wer's erlebt, dass einer der beiden Tunnel gebaut wird, kann sich die Sache bequem ansehen; für die Anderen folgt hier der Durchschnitt des Medelser Thales und Lukmanier aus keinem anderen Grunde, als weil hier das Gebirg gut aufgeschlossen ist und die Felsarten, welche wir durchschneiden,
in langen Zonen das krystallinische Gebirg begleiten, so weit es reicht.
1 ) Verschiedene, noch nicht genau bestimmte Schiefer und Kalke im Thalgrund von Disentis. 2 ) Talkschiefer, Lavezstein und andere halbkrystallinische Schiefer am Abhänge, wo die Fälle des Mittelrheins sind, bei Trons liegt dann noch Verrucano darauf, den wir bei Disentis vermissen.
3 ) Rauhwacke und Kalk gleich dem Röthikalk der Tödikette, also Trias und theilweise vielleicht unterer Lias.
4 ) Schwarze Schiefer gleich Lias und Unterjura. Nun sollte noch einmal Kalk folgen, der aber bis jetzt noch nicht beobachtet ist. 5 ) Talkschiefer gleich 2. 6 ) Gneiss. 7 ) Granitgneiss und Granit bis St. Maria senkrecht stehend; von nun an fallen die Schichten nördlich. 7 ) Gneiss. 8 ) Talkschiefer. 9 ) Schmaler Kalkstreif. 10 ) Schwarze Schiefer, woraus die schöne Spitze des Scopi besteht. Sie enthalten Belemniten und gehören zum Lias. 11 ) Rauhwacke, Kalk und Gyps auf der Passhöhe, ein kleiner Gneissrücken, der sie unterbricht, dann wieder Rauhwacke und Kalk. 12 ) Schwarze
Schiefer, die in Glimmerschiefer tibergehen, bis Olivone hinab, worauf dann noch einmal Kalk und Rauhwacke, dann wieder Gneiss folgt. Diese Kalk- und Schieferzone trennt die St. Gotthardmasse von der Tessiner so wie von dem Adulagebirg und lässt sich vom Wallis aus über Val Bedretto nach dem Lukmanier, der Greina und Lugnez verfolgen; am Piz Mundaun verbinden sich diese Schiefer mit der Schieferzone des Vorderrheinthals, während Piz Miezdi noch krystallinisch ist. Unter ihm liegt gegen den Rhein erst der Röthikalk mit Rauhwacke, dann Verrucano.
3. Das Adulagebirg.
Blickt man von der Höhe des Lukmanier nach Südost, so ruht das Auge dort auf schroff abstürzenden Felswänden dieses Gebirges, dessen nicht viel über den Kamm emporsteigende Gipfel sich fast alle mehr als 3000 M. erheben. Von der Seite des Rheinwaldthales, wo ' " der Hinterrhein aus einem sehr veränderlichen Eisgewölbe entspringt, sind die östlich geneigten Schichten mit weit ausgedehnten Gletschern und Firnfeldern bedeckt; von der Valser Seite zeigt es zerrissene Abhänge mit langen Eisströmen der Gletscher dazwischen. Von dem Medelser Gebirg ist es durch den oben beschriebenen Streif der Scopischiefer und Kalke getrennt, welche aber noch hohe Gebirge, den weiten Rücken der Greina, die schöne Pyramide des Terri ( 3151 M. ) u. s. w. bilden, dann aber sich in den Lugnezer Thälern ausbreiten, und sich in der Signinakette zwischen diesem Thal und Savien zu sehr ansehnlichen Bergen erheben, die fast ganz aus grauem Bündner Schiefer bestehen. Ueber Vals setzen die Schiefer nach dem Rheinwaldthal fort, sie sind aber hier nicht mehr vorherrschend grau, sondern gehen in eine grünliche Felsart über, welche oft mit Bänken von weissem Marmor wechselt und noch nicht fest bestimmt ist. Es laufen aber dann die Schiefer über den Bernhardiner Pass und das obere Misox, den Rücken ob Soazza überschreitend, gegen Chiavenna fort und trennen die Adulamasse von der Sureta. Nicht eben so scharf ist das Adulagebirg von dem Tessiner abgegrenzt, indem hier keine Zonen von Sedimentgestein die in beiden Centralmassen vorherrschenden Gneisse und Glimmerschiefer unterbrechen. Denn aus Gneiss, mit Glimmerschiefer und seltener mit Hornblendeschiefer wechselnd, bestehen alle die hohen Gipfel des Gebirges. Dieses,
welches sich über Misox und Calanca weit herab bis etwa nach Grono fortsetzt, zeigt keine Fächerstellung, sondern ein ziemlich andauerndes Fallen nach Ost und NO; das Streichen aber ist merkwürdiger Weise von dem allgemeinen Streichen der Alpen, das SW —NO ist, abweichend NNW —SSO, so dass es das letztere durchschneidet und dadurch in seiner Umgebung nicht geringe Unregelmässigkeiten hervorruft, indem Meridianketten das Haupstreichen der Alpen kreuzen. Unter den hohen Gipfeln, welche den Alpenforscher zur Untersuchung auffordern, nennen wir den Plattenberg, 3125 M., das Rheinwaldhorn ( Piz Valrhin ) 3398, das Guferhorn 3392, Fanellahorn 3122 und die zwischen beiden gelegenen Gräte, die hohen meist unbenannten Kuppen und Gräte auf der Südwestseite des Hinterrheins und das gleichfalls Gletscher tragende, sehr wenig bekannte Gebirg zwischen Calanca und Tessin. Die geologische Forschung ist in diese Berge bisher nur wenig eingedrungen.
4. Das Suretagebirg.
Zwischen dem Bernhardiner und Splügener Pass erhebt sich zwischen zwei Schieferzonen, in welche zum Theil Kalkstöcke von weissem Marmor eingelagert sind, das aus Gneiss bestehende Tambohorn, 3276 M. Es bildet ein Verbindungsglied der Adulamasse mit derjenigen der Sureta. Diese letztere erhebt sich in steilen zackigen Hörnern und Kämmen, 2980, 3025, 3039 M., zwischen dem Hinterrhein, dem Splügener Pass und dem Ferrerathal. Das Gestein ist eine Art Protogin, von grünlichgrauer Farbe mit grossen Feldspathkrystallen, das theils geschichtet, gneissartig, theils massig mit Granitstructur auftritt und von dem darin eingeschnittenen Engpass Rofla auch Roflagestein genannt worden ist.
Die Sureta streicht in der Hauptrichtung der Alpen SW—NO und bildet ein Fächersystem. Das Innere ist so gut als unbekannt, obgleich seine wilden Formen und ansehnlichen Gletscher zur Untersuchung auffordern. Die krystallinischen Gesteine setzen sich nördlich über dem Ferrerabach ( Averser Rhein ) in den Fianell und bis über Andeer, so wie auch über den Hinterrhein, jedoch hier nur auf kurze Strecke fort. Sie werden in letzterer Richtung dann durch mächtige Kalkstöcke von wüstem Aussehen überlagert^ welche Splügen und Schams von Savien scheiden. In Savien selbst und am Piz Beverin liegt unter diesem Kalk grauer Bündner Schiefer, aus welchem auch der Piz Beverin selbst so wie der schöne weidereiche Heinzenberg besteht. Diese Kalkgebirge bedürfen noch näherer Untersuchung.
Südlich schliessen sich an die Sureta hohe, meist aus gewöhnlichem Gneiss und Glimmerschiefer bestehende Gebirge an, die bis Chiavenna fortsetzen, dann östlich wenden, bedeutende Höhen erreichen und grosse Gletscher tragen ( Piz Stella, 3406 M. ). Sie warten auf Untersuchung. Bekannter ist das Gebirg, wo es die nördliche Thalwand vom Bergen bildet. Es besteht hier bis zum Marcio aus Gneiss; dieser nebst Umgebung ist Glimmerschiefer, dann folgt grüner Schiefer auf dem Piz Doan und bis nach Casaccia die Grundlage ist aber wieder Gneiss. Die Thäler Emmet, Lei und Madris sind Gneiss und Glimmerschiefer mit einzelnen Kalkstöcken ( Trias ), so auch Ferrera; Avers dagegen in grauem Bündner Schiefer.
5. Das Oberhalbsteinergebirg.
Vom Septimer Pass bis zum Schyn und zur Via Mala, zwischen Avers und Oberhalbstein, dehnt sich ein Gebirgssystem aus, welches eigentlich keiner Centralmasse ange- V.
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hört, sich aber durch die Höhe seiner Grundlage, diejenige einiger seiner Spitzen Piz Platta, 3386 M., Fianell ( Piz Sterlera ) 2848 u.a., so wie durch seine höchst eigenthümliche geologische Structur als ein zusammengehöriges Ganzes darstellt. Die letztere greift auch auf die rechte Thalseite von Oberhalbstein über. Wir müssen darauf verzichten, auch nur annähernd die bunte Mannigfaltigkeit von Felsarten und Lagerungsverhältnissen zu beschreiben, welche auf diesem Räume zusammengedrängt sind. In dem nördlichen Theil, am Piz Curver u. s. w. in der ViaMala und in Schyn herrscht der graue Bündner Schiefer vor, den wir zum Lias und Unterjura ziehen, im südlichen Theil sind grüne Schie-. fer und eine Art Glimmerschiefer vorherrschend. Dazwischen liegen mächtige, vorherrschend den Triasbildungan angehörige Kalkstöcke, meist in weissen Marmor umgewandelt. Ueberall aber erheben sich aus diesem hocherhobenen Boden schwarze Felsen und Haufwerke von Serpentin, oft in solcher Menge, dass sie die eigentliche Grundlage des Bodens zu bilden scheinen, wie bei Mühlen, Marmels und Stalla. Den Serpentin begleiten Diorite, Variolite und Gabbrogesteine. Die Frage, ob diese Felsarten eruptiv oder blösse Umwandlungen seien, ist in neuerer Zeit viel verhandelt worden. Die Erscheinungen in Oberhalbstein sprechen bald für das Eine, bald für das Andere. Das Thal gilt in dem Repertoir der Touristen als langweilig, aber es hat in seinen Seitenthälern so schöne Naturscenen als irgend ein anderes und an geologischem Interesse wird es wohl von keinem über-troifen. Gegen Ferrera und Schams nehmen andere Verhältnisse unsere Aufmerksamkeit in Anspruch: das Auftauchen von Gneissmassen aus Kalk und Schiefer, seltsame Conglomerate zwischen beiden, endlich der jetzt wieder in diesen Gegenden auflebende Bergbau.
6. Das Granitgebirg der linken Innseite mit seinen
Anhängen.
Stufenweise erhebt sich Oberhalbstein, indem steile Thalschwellen mit kleinen Thalflächen wechseln, in welchen man unschwer ehemalige Seen erkennt; die letzte bei Stalla liegt 1776 M. Hier schliesst das Becken mit einer hohen Felsenkette ab, deren schneebedeckte Häupter sich über 3000 M. erheben. Es ist das Juliergebirg, das am Septimer mit dem Piz Nalar beginnt und mit dem Piz Julier ( Monte-ratsch ) an dem Suvrettapass endigt. Der Julierpass, 2287 M.? theilt es in zwei Hälften. Jene Felsenzacken bestehen aus einem eigenthümlichen Granit, den man Juliergranit genannt hat und welcher aus Quarz, Magnesiaglimmer, weissem und grünem Feldspath zum Theil auch beigemengter Hornblende besteht. Durch Ueberhandnehmen der letzteren geht er in Syenit, dieser durch Vorherrschen von Oligoklas in Syenit-Diorit über. Alle diese Felsarten durchsetzen sich gegenseitig, so dass es schwer fällt zu sagen, welche die ältere sei. Oft hat der Granit eine Schale von gneissartigem Ge- stein. Gegen ihn fallen auf der Nordseite glimmerschiefer-artige Gesteine ( sogenannter Casannaschiefer ), mächtige Bänke von Rauhwacke und Triaskalk, endlich Liasschiefer ein. Da der Granit schief von S. nach N. aufgestiegen ist, so hat er diese Sedimentgesteine überlagert, auch ist er theilweise über sie zusammengestürzt.
Der Septimer Pass besteht aus grauem und grünem Schie- fer, zum Theil auch Casannaschiefer, welcher von Gabbro und Serpentin durchbrochen wird. Letzterer zieht sich nun gangartig nach Ost gegen den Piz Nalar, wohin auch der Schiefer fortsetzt und vor der hohen Granitwand des Nalar hinstreicht. Dort liegt der Longhinsee, die Quelle des Inn,
aus welchem, der junge Strom erst über Kalkbänke, dann über Glimmerschiefer und Gneiss dem Silser See zueilt. Durch den Longhinsee streicht der Serpentin gangartig, erweitert sich dann und läuft schief abwärts gegen den Silser See, wo seine schwarzen Felsen ein Vorgebirge bilden. Ein anderes entsteht durch eine Zone von Triaskalk, welche in derselben Richtung verläuft. Parallel streichen mehrere Zonen von allerlei Schiefern Gneiss u. s. w. Unten am Seeufer fällt der Casannaschiefer nordöstlich unter den Granit, dem südlichen Fallen von Stalla entgegen. Dann erreicht der Granit das Seeufer und behauptet sich da bis Campfér, wo sich wieder Casannaschiefer darauf legt, aber noch vor dem Piz Monteratsch wieder dem granitischen Gestein Platz macht, woraus dessen ganze mächtige Masse besteht.
b ) Piz Err und Cima da Flix. Dieser Gebirgsstock liegt zwischen Oberhalbstein und Bergün. Er ist kenntlich an seiner massigen Gestalt und sehr ansehnlichen Gletschern; die höchsten Punkte Piz Err 33953393 und Cima da Flix 3206 erheben sich nur wenig über das hohe Grundgestell. Von dem Juiiergebirge wird er durch die Mulde des Val d' Agnelli getrennt, in welcher auf einer Grundlage von Casannaschiefer und Verrucano sehr ansehnliche Kalkmassen liegen, welche der Trias und dem Lias angehören, was sich hier durch Versteinerungen erweisen lässt. Diese Mulde setzt nach Vai Bevers über und wendet sich dann unter dem grossen Errgletscher durch, nach dem Thälchen Muglix, wodurch eine Trennung von den Graniten des Albula bewirkt wird. Die Kernmasse des Piz Err ist Juliergranit, woran sich östlich Gneiss und unvollkommener Glimmerschiefer ( Casannasch .) nebst den eben genannten Kalkbildungen anlehnen. Die Cima da Flix trägt auf Granit eine Decke von diesen Gesteinen und von Verrucano, der als rothes und grünes Conglomérat mit gleichfarbigen Schiefern verbunden erscheint.
Auf der West- und Nordseite ziehen sich lange Zonen von Gneiss, Glimmerschiefer, Verrucano, Triaskalk, grauem und grünem Schiefer hin, bis letztere gegen das Thal hin vorherrschend werden; dazwischen erscheinen ansehnliche Serpentinmassen mit Gabbro u. s. w. meist auch zonenweise geordnet. Da der Granit hier und am Juliergebirge den Serpentin zurückgedrängt hat, so muss er an diesen Stellen jünger sein, als der letztere.
Durch die Hochthäler und Joche von Tschita, wo im Unten Gewirr Granit, rother Schiefer, Conglomerate, Kalk u. s. w. auftreten, stehen die Errstöcke mit den Bergüner Kalkstöcken Piz Aela, Tinzner Horn, Piz St. Michel u. s. w. in Verbindung, welche die Fortsetzung der Kette sind und durch ihre thurmartige, allseitig schroff abfallende Form auffallen. Sie selbst, so wie die hohe Felsenmauer, worauf sie stehen und welche sich von Oberhalbstein aus steil über die, gegen sie angelehnten Schieferhalden erhebt, bestehen aus Hauptdolomit, die Schichten der Spitzen fallen NO., biegen sich aber unten nach SW. um. Auf der Nordseite lagern auf dem Dolomit Kössner Schichten und Liaskalk mit Versteinerungen, darunter liegen ziemlich vollständig die übrigen Glieder der Trias, auch der Verrucano tritt auf der Ostseite im Albulathal bei Bellatiina in Verbindung von Porphyr sehr mächtig auf. Die Felsen des Bergüner Steines sind Hauptdolomit, welchem Kössner Schichten und Lias aufsitzen und aus solchen Gesteinen besteht auch der Thalkessel von Bergün. Da wir der alpinen Trias hier zum ersten Male vollständig begegnen, so bemerken wir, dass ihre Glieder in nachstehender Reihe von oben nach unten folgen: 1 ) Dachsteinkalk und Kössner Schichten. 2 ) Hauptdolomit, welcher überhaupt die Hauptmasse aller östlichen Kalkberge in Bünden bildet.
3 ) Ltiner oder Raibler Schichten und obere Rauhwacke.
4 ) Hallstadter oder Arlbergkalk. 5 ) Partnachmergel. 6 ) Virgloriakalk und Streifenschiefer gleich dem oberen Muschelkalk. 7 ) Guttensteiner Kalk und untere Rauhwacke gleich unterm Muschelkalk. 8 ) Verrucano, nach welchem dann der Casannaschiefer und Gneiss zu folgen pflegt.
c ) PizOtundAlbula. Die Granitbildungen, welche die Kernmasse bilden, lagern um das tief in sie eingeschnittene Beverser Thal und werden durch die hohe Pyramide des Piz Ot 3249 M. beherrscht, der etwas an ihre Südgrenze gerückt ist. Von den beiden vorigen wird dieser Granitkern durch die Mulde der Thäler V. d' Agnelli und Gandalva getrennt, deren Sedimentgesteine als schmaler Streif von Rauhwacke Kalk und rothem Verrucano zwischen dem Piz Munteratsch und Suvretta hinstreichen, dann aber gegen St. Moriz und Samaden ungemeine Ausdehnung gewinnen. Der Granit ist Juliergranit, häufig durchsetzt von Syenit und Syenit-Diorit, auch porphyrartige Gesteine kommen hier, wie am Julier vor. Auf den Granit folgt Gneiss und Casannaschiefer, dann Verrucano, welcher am Piz Nair sehr mächtig wird, dann die oben aufgezählten Glieder der Trias, denen Gypslager und einige Mulden von Lias eingeordnet sind. Die Spitzen der Kalkberge ob St. Moriz und der Piz Padella sind vorherrschend Hauptdolomit. Es kommen aber zwischen diesen geschichteten Gesteinen verschiedentlich Gänge und grössere Stöcke von Granit und Syenit-Diorit vor. Der Fuss des Gebirges von St. Moriz bis Samaden ist Gneiss und Casannaschiefer, nur an wenig Stellen erreicht der Kalk die Thalsohle, von Samaden bis Ponte findet sich nur Granit und Syenit. Aus Granit besteht auch die scharfzahnige Felsenkette, welche unter dem Namen Cresta Mora, Giumels u. s. w. auf der Südseite des Albula- passes hinstreicht.
Hier ist die Ostgrenze unserer Granit-gruppe. Steil aufgerichtet, zum Theil gegen das massige Gestein einfallend, stehen nach geringer Zwischenlage von Gneiss und Casannaschiefer die Triasschichten, auf deren Köpfen, meist auf der unteren Rauhwacke, welche grosse Gypsstöcke enthält, die Strasse verläuft. Meist aber sind diese Formationen durch unendliche Trümmerhaufwerke verdeckt, die auf der Südseite aus Granit, auf der Nordseite des Passes aus Kalk bestehen und alte Moränen sind, welche durch Einsturz der Felsen auf die ehemaligen Gletscher kamen. Die Nordseite des Passes ist Kalkfels; die Grundlage gehört zur Trias, in welcher Hauptdolomit vorherrscht, ( z.B. am Piz Uertsch oder Albula ), diesem letzteren sind dann in seltsamen Biegungen die Kössner Schichten so wie grosse Mulden von Liaskalk und Schiefern eingelagert, in welchen man Belemniten findet ( Algauschiefer ). Diese Kalkformationen setzen sich nördlich und westlich zu den Bergüner Stöcken, östlich nach dem Innthal fort, wo sie mit dem Dolomitkopf, der die Ruine Guardaval trägt, beginnen und mit einem ähnlichen zwischen Scanfs und Capella schliessen, jedoch unter der mit Schutt gefüllten Thalsohle hin, auf das linke Innufer tibergehen.
Es wird aus Voranstehendem klar geworden sein, dass diese drei Granitmassen zusammengehören, gleichsam ein dreigliedriges Ganzes bilden. Da fast auf allen Seiten die Sedimentgesteine gegen die Granitstöcke einfallen, so ist die Fächerstructur des Ganzen zwar nicht als vollkommen entwickelt, aber doch als vorhanden zu betrachten, die zwischen den drei Theilen gelagerten Mulden sind leicht als oberflächlich zu erkennen und blieben bei gleichzeitiger Erhebung dazwischen sitzen.
7. Bas Berninagebirg.
Dieser schönste und höchste Gebirgsstock der rhätischen Alpen ist erst in neuerer Zeit geologisch bekannter geworden, während man schon längst seine bedeutende Erhebung, den kühn aufstrebenden Schnitt seiner Formen und die grossartigen Gletschermassen bewunderte, welche sich von dem eisbedeckten Mittelgrat tief in die Thäler hinabsenken. Es ist offenbar, dass diese grosse granitische Erhebung mit derjenigen der linken Innseite in Verbindung gesetzt werden muss und dass Oberengadin eine mit geschichteten Gesteinen gefüllte Thalmulde zwischen beiden grossen Erhebungen ist, welche das merkwürdige Hochthal zu seinem jetzigen Niveau, 1650—1811 M., emportrugen. Als Grenzen der Berninamasse sind zu betrachten: Oberengadin und seine Seen, das Languardthal, der Kalkstreif Pischa, Piz Alv und le Cüne, das Porchiavinothal, der Cancianopass, Malenco und Muretopass bis Maloja. Von allen diesen Seiten fallen auch in der That die geschichteten Gesteine gegen die Kemmasse ein, ausser auf der Nordseite, wo indess die Fächerstellung ebenfalls eintritt, wenn man das Langnardgebirg noch dazu nimmt, das wir als einen etwas abgegliederten Theil des Bernina ansehen müssen. Die Kernmasse des Bernina besteht aus massigem Gestein, Granit, Syenit, Syenit-Diorit. Der Granit stimmt theils mit dem Juliergranit überein, theils hat er eigene porphyrartige Tracht. Die gewaltigen Massen dieser Gesteine steigen in scharfkantigen Hörnern und Gräten auf und zwar schief, etwas gegen Süden gerichtet, woher es kommt, dass die Abhänge gegen Süden steiler, die gegen Norden etwas mehr geneigt sind. Berge mit massigem Gestein sind Piz Bernina 4052 M., Roseg 3943, Morteratsch 3704, Tschierva 3251, Chalchagn zum Theil, Rosag 2995,
Surlei 3187, Cresta Güza 3872, Zupo 3999, Palü, Albris; namhafte Höhen aus Gneiss, Glimmer- und Talkschiefer Piz Verona, Carrai, Cambrena, Lagalp, Corvatsch, Margna, Hornblendeschiefer Piz Güz und andere; Kalk, Piz Alv und Tremoggia, grüner Schiefer die Höhen gegen Malenco. Auf der Nordseite legen sich besonders Gneiss, Glimmerschiefer und Talkschiefer an, welche beide letzteren wir zum Casannaschiefer, d.h. umgewandelten Uebergangsgebirge ziehen und es sind diesen mehrere ansehnliche Kalkstöcke eingelagert, welche aus Trias- und Liaskalk bestehen, wie namentlich der Piz Alv, welcher mit der Pischa einen tief in die Hauptmasse eingreifenden Keil von Kalk darstellt. Dasselbe ist auf der Westseite der Fall, wo die Talk- und Hornblendeschiefer vorherrschen und die Berninamasse von der Granitmasse des Albignagebirges scheiden. Auch östlich herrschen die Talkschiefer, gehen aber oft in Glimmer-und Chloritschiefer so wie in gneissartiges Gestein über. Nach Süden aber, wo das Gebirge noch steiler und zerrissener, als auf der Engadiner Seite, in die Malencothäler abstürzt, finden wir zunächst auch Talk- und Glimmerschiefer, welche N., NO. und NW. gegen die granitischen Gesteine einfallen, dann aber einen grünen Schiefer, der an mehreren Stellen in dicken Bänken vorkommt, fast massige Structur annimmt, und dann ein serpentinartiges Aussehen hat. An anderen Orten geht diese Felsart in Spilit und Spilit-Diorit über, ähnlich wie die grünen Schiefer in Oberhalbstein, womit ich sie in Verbindung setze und als eine umgewandelte Form paläozoischer Bildungen ansehe, um so mehr, als am südlichen Ufer des Silvaplaner Sees, und auf der rechten Seite des Fexthaies ähnliche grüne Schiefer mit ächtem Serpentin so wie mit Diorit vorkommen, die mit denen von Gravesalvas das vermittelnde Glied bilden. Auch in Malenco finden sich
Schweizer Alpen-Club.28
ansehnliche Kalkmassen dem grünen Gestein sowohl als im Talkschiefer eingelagert, welche meist in weissen Marmor umgewandelt sind, in denen man jedoch immer noch die Glieder der Triasformation erkennt; die schiefrigen, mergeligen Gesteine sind dann meist ein kalkhaltiger Glimmerschiefer ( Blauschiefer ) geworden. Als eine eigenthümliche Umwandlung des grünen Malencogesteines so wie mancher Hornblendeschiefer, ist in diesen Thälern sowohl als anderwärts um den Bernina, das Lavezgestein zu bemerken, aus welchem man dort Ofenplatten und Töpfe macht. Im Innthale erreicht der Granit an einigen Stellen die Thalsohle. So bei St. Moriz, dessen Heilquellen wenigstens theilweise aus syenitischem Granit kommen. Im Allgemeinen aber ist das Thal theils aus Gneiss, theils aus Glimmer und Talkschiefer, theilweise auch grünem Schiefer gebildet. Solche Felsarten dringen zum Theil tief in die Granitmassen ein und scheinen von ihnen muldenförmig zusammengeknickt. So Talkschiefer im Rosegthal, der mit dem des Piz Corvatsch in Verbindung steht, Gneiss am Chalchagn und am Monte-ratschgletscher u. s. w. Der Berninapass und das weite Hochthal, wo auf 2230 M. die Berninaseen liegen und fast ohne Wasserscheide das Wasser nach zwei Meeren senden, besteht fast nur aus Glimmerschiefer und Gneiss.
8. Das Languardgebirg.
Es ist oben schon gesagt, dass dasselbe ein nordöstliches Anhängsel desBernina ist, dasindess einen eigenthümlichen Charakter trägt. Es liegt zwischen dem Inn, Livigno und dem Camogasker Thal. Die eigentliche Kernmasse ist nicht der PizLanguard 3266, sondern Piz Vadret 3171 M. Dieser ist theilweise Granit und Diorit, die Gneissschichten seiner Umgebung fallen senkrecht;
dagegen fallen im Camogasker Thal die Kalkmassen, welche aus Hauptdolomit und Kössner Schichten bestehen, theils südlich gegen den Gneiss, theils steigen sie in verwickelten Zickzackbiegungen vor demselben senkrecht auf, offenbar eine gegen das krystallinische Gebirg einfallende Mulde. Auf der Südseite fallen die Gneissschichten des Piz Languard nach N., wodurch die Fächerbildung hergestellt wird, obgleich weltlich und östlich mancherlei Abweichungen vorkommen. Nach Ost finden sich namentlich enge kleine Erhebungsmittel-punkte in Stöcken von Granit, Syenit und Feldsteinporphyr, welche in der Val Prunella, Plaun das Vachas, Val di Fen und Livigno zu Tage treten. Auch verschiedene Kalklappen sind dem krystallinischen Gestein eingelagert und setzen dadurch den Kalkstreif der Pischa und des Piz Alv mit den grossen Kalkgebirgen des Unterengadin in Verbindung, welche am Lavirunpass und Piz Mezzem beginnen. Sonst sind vorherrschende Gesteine Gneiss und Casannaschiefer in unzähligen Abänderungen. In der ganzen Gruppe wiederholt sich fortwährend die Form des Piz Languard, der bekanntlich durch seine schöne Aussicht berühmt ist. Es sind dies steil aufgerichtete Schichten, wodurch scharfe Gräte und bei deren Zerreissung kegelförmige Spitzen entstanden.
9. Das Albigna-Disgraziagebirg.
So nennen wir den mächtigen Gebirgsstock, welcher zwischen Bergell, Veltlin, dem Muretopass und Malenco liegt, und den man erst seit kurzem genauer kennen gelernt hat. Durch die hohe und malerische Form seiner Gipfel, durch die Ausdehnung seiner Gletscher stellt er sich würdig dem Bernina an die Seite; dass er von diesem als Centralmasse
28* zu trennen ist, geht daraus hervor, dass über den Muretopass, weleher die Grenze bezeichnet, eine Zone von Hornblendeschiefer, Glimmer- und grünem Schiefer hinzieht, welchen auch weiterhin Kalkbänke eingelagert sind.
Diese Gesteine fallen auf der Nordseite dem Bernina, auf der Südseite des Passes dem Albignagebirge zu, wiewohl auf dem Passe selbst die Richtungen sehr verwirrt sind. Von verschiedenen Seiten dringen Thäler ein, worunter die wichtigsten die Masinothäler mit der warmen Quelle S. Martino, Codera, von Bergell aus Bondasca und Albigna sind. Die Hauptmasse des Gebirges ist der schöne Granit, von dem man erratische Blöcke auf Maloja und in Bergell überall antrifft und der hier und da in Syenit übergeht, jedoch von den Graniten des Julier und Bernina durchaus verschieden ist. Folgende Spitzen bestehen vorzugsweise aus diesem Gestein: Mortaira 2818, Caschnil 3040, Cima del Largo 3402, Zocca 3220, Torrone 3300, Arcanzo, Tschingel ( oder Padile ) 3308, Porzellizza 3076, Spluga 2850, die zugleich etwa die Peripherie der Granitmasse geben, welche sich indess in einen schmalen Ausläufer bis nahe an den Lago di Mezzola erstreckt. Fast ganz regelmässig ist derselbe von einer breiten Zone Horn-blendegneiss ( Quarz,! Hornblende, Glimmer und weisser Feldspath, auch manchmal Feldspath und Hornblende allein, mit flaserigem Geflige ) umzogen, der aber so in Syenit und Granit übergeht, dass man ihn, als zum granitischen Gestein gehörig, gleichsam als dessen Schale betrachten muss. Seine Schichten stehen theils senkrecht, theils fallen sie dem Granit zu, seltener von ihm ab; Granitgänge durchsetzen ihn oft. Er dringt übrigens tief in das Innere der Gebirgsmasse mit Granit wechselnd ein, wie in der Umgebung von St. Martino, dessen Quelle daraus entspringt, und geht da und dort in gewöhnlichen Hornblendeschiefer über. Aus dieser Felsart ist die höchste Spitze der Gruppe Mt. della Disgrazia 3680 M. aufgebaut.
Seine Schichtung fällt südwestlich gegen den Granit des viel niedrigeren Arcanzo. An ihn lehnt sich von O. und NO. her, meist mit senkrechtem Fallen das grüne Malencogestein der wildausgezackten Mti. della Cassandra und des Piz Braccia in den Abänderungen, dfe wir oben am Bernina bemerkt. Oft ist es serpentinartig oder in Lavezstein umgewandelt, der hier im Grossen benutzt wird, besonders bei Torre Chiesa und Lanzada. Bei Torre streicht ein langer Zug von weissem, zu den Triasbildungen gehörigem Marmor in nordöstlicher Richtung durch diese Gesteine, setzt über den Malern und den Cancianogletscher und senkt sich dann gegen den Puschlaver See. Der Abhang gegen die Adda ist Glimmer und Talkschiefer mit durchweg nördlichem Fallen und bei Dubino ist ein Kalkstock in grünen Schiefer eingelagert. An der Westseite herrscht auch diese Fallrichtung und auch dasselbe Gestein, tiefer innen Hornblendegneiss und gewöhnlicher Gneiss, von zahlreichen, theils stockartigen, theils gangartigen Granitmassen durchbrochen, die wie z.B. die bei Riva zum Theil sehr ansehnlich sind. Diese Gänge und Stöcke nehmen in dem wilden Coderathai immer mehr zu, bis man endlich auf die granitische Kernmasse zurückkommt. Bei Chiavenna treffen wir wieder auf Hornblendeschiefer, der in LaveTzgestein und serpentinartiges Malencogestein übergeht bis Villa, dann besteht die linke Thalwand aus Glimmerschiefer, Gneiss und Hornblendeschiefer, zuletzt bei Maloja und Casaccia aus Talkschiefer. Alle diese Felsarten steigen sehr steil vor der Granitmasse auf, welche das innere Gebirge einnimmt, und auf welcher die schönen Gletscher von Bondasca und Albigna ruhen. Nur wenige, schwer gangbare Gletscherpässe führen über den mächtigen Grat nach Codera und Masino.
10. Das Adda-Poschiavinogebirg.
Es ist eine Art Anhängsel des Bernina wie das Lan-guardgebirg und zerfällt in eine Anzahl ziemlich unähnlicher Glieder.
a. Die südliche Gruppe zwischen Adda Malenco und Poschiavo mit den Gipfelpunkten Corna Mara Vetta di Rhön Mi Vicina, Mt. Scalino 3130 und Canciano 3107 ( unerstiegen ). Die Westseite besteht aus den Gesteinen von Malenco, die Südseite aus Glimmer- und Talkschiefer mit eingelagerten grünen Schiefern und Triaskalk. Die Centralmasse ist ein Syenitstock im Hintergrund der Val Fontana, Cima Vicina und Rhön. Von da kommen die erratischen Blöcke zwischen Sondrio und Chiuro. Auf der Puschlaver Seite ist schöner grauer Granit bei Brusio; auf der Cima Vartegna und Alp Canciano Malencogestein, sonst ist die rechte Thal wand von Poschiavo Talkschiefer, chloritischer und talkiger Glimmerschiefer, und Gneiss mit eingelagerten grossen Kalklappen, letztere namentlich bei Bad le Prese. Für Besuchende bemerken wir, dass die Südseite dieser Gruppe die klassische Weinlandschaft des Veitlins ist.
b. Die mittlere Gruppe zwischen Poschiavo und Vaüe Grosina. Ausser dem Granitkern, welcher bei Brusio'beide Thalwände bildet, aber beiderseits nicht weit bergeinwärts reicht, besteht das Gebirg aus Granitgneiss und gemeinem Gneiss, mit auf- und eingelagertem Casannaschiefer ( Talk-, Glimmer-, grüner Schiefer, Lavezgestein ) und verschiedenen Kalkmulden. Die ansehnlichste der letzteren ist der Sassalbo, Triaskalk mit eingelagerter innerer Mulde von rothem Lias ( Steinsberger oder Adnether Kalk ).
c. Die nördliche Gruppe, Piz di Campo-Zembrasca zwischen Livigno und Vai Viola. Sie hat eine Kernmasse Geologische Uebersicht der Rhätisehen Alpen.
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von Granit und Syenit-Diorit in dem schwer zugänglichen Piz di Campo 3305 M. Sonst besteht die Gruppe aus Gneiss, Hornblendeschiefer, Glimmerschiefer und verschiedenen Formen des Casannasehiefers, die gegen Bormio hin zum Theil grünlich werden, Piz di Campo, Zembrasca und Foscagno tragen schöne Gletscher.
d. Die östliche Gruppe zwischen Val Viole und Adda oder besser bis Val di Rezzo und St. Catarina, da die Serra nur eine Durchbruchsspalte ist. Sie besteht grösstentheils aus Gneiss mit Hornblende und Casannaschiefer und hat zwischen Bormio und Sondalo eine höchst merkwürdige Entwickelung von Granit, Syenit und Sienit -Diorit, welche durch Gänge von Gabbro, Hypersthenfels und Dioritporphyr durchsetzt werden. Diese massigen Felsarten überspringen die Adda. Der Touristenwelt sind diese Berge mit ihren hohen, schwer ersteigbaren Spitzen und weit ausgedehnten prachtvollen Gletschern bis dato ziemlich unbekannt geblieben. Pizzo Dosdé, Sasso Viola, C. di lago Spalmo, Sasso Calosso, Mt. Piazzi, Rinalpi, St. Colombano, Gobetta, Sobretta.
11. Das Ortlesgebirg.
Es bildet dasselbe mit seinen mächtigen Gletschern und majestätischen Spitzen die äusserste östliche Grenze unseres Gebietes, und wir können nicht weiter darauf eingehen. Die Grundlage ist krystallinisches Gestein meist Gneiss, dann Casannaschiefer, auf welchem die gewaltigen Wände und Zacken von Triaskalk ( meist Hauptdolomit ) liegen, die sich über Bormio und die Stelviostrasse erheben. Vom Stilfser Joch greifen diese sowohl als die Grundlage von Granitgneiss, Casannaschiefer und Verrucano am Umbreil, Minschun, Piz Lat u. s. w. nach dem Bündner Münsterthal. f i.. '.
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hinüber. Am Piz Lat bei Sta. Maria ist ein Granitkern ringsum von Kalk umlagert.
12. Das Kalkgebirg von TJnterengadin und die damit verbundenen krystallinischen Gebirgstheile.
Zwischen den zuletzt genannten Gebirgsmassen und dem Inn, dehnt sich eine weite Strecke von Hochland aus, als deren Grundlage wir ebenfalls überall krystallinisehe Felsarten hervortreten sehen, wo dieselben auf irgend eine Weise Gelegenheit hatten zu Tage zu gelangen, welches aber von so bedeutenden Kalkstöcken überlagert ist, dass jene dagegen kaum in Betracht kommen. Denn die Kalkberge sind es, die dem Ganzen seinen Charakter verleihen; die einen erheben sich in massigen Gruppen, gegen deren Mittelpunkte tiefe, schluchtenartige Felsen thäler einschneiden und sich zwischen den hohen, wild zerrissenen Gipfeln verlieren^ welche in drohenden Massen oft über 3000 M. emporragen, die andern bilden langgestreckte Felsenketten, denen wie Thürme und Eckpfeiler höhere, ebenfalls oft die Schneegrenze hoch überragende Spitzen aufgesetzt sind. Dabei ist der Boden überall sehr hoch erhoben, nur einige Flussbetten ziehen in Schluchten tiefer dahin. Es haben endlich die meisten dieser Kalkstöcke die Eigenthümlichkeit, dass ihre Schichten gegen den Mittelpunkt einfallen, da sie mit ihrer Basis Mulden ausfüllen. Wir unterscheiden der besseren Uebersicht wegen folgende Glieder:
a. Die Casannagebirge zwischen dem Camogasker Thal, dem Inn, Livigno und der Spölschlucht. Es enthält sehr hohe Spitzen, Piz Mezzem 2965, Esen 3130, Piz del Diavel 3072—3127, Casanna 3072 u.a. Grundlage ist Gneiss und Casannaschiefer, welcher von dem Casannapass seinenNamen hat, wo er ganz besonders charakteristisch auftritt, dann folgt rothes Verrucanoconglomerat, hierauf die verschiedenen Glieder der Triaskalkbildungen, unter welchen der Hauptdolomit vorherrscht, endlich die grauen, schiefrigen Bänke der Kössner Schichten rother Lias und graue Algauschiefer, welche theils zwischen den Hörnern gelagert, theils kappenartig ihnen aufgesetzt sind.
Mehrere Gipfel der inneren Bergwüste sind unerstiegen.
b. Das Ofengebirg und Fraele. Ein stark zerrissenes Hochland nördlich und östlich vom Spöl, über welches die Strasse von Zernetz nach Münster geht, so wie auch der von da abzweigende alte Weg über Buffalora, Bruna, Fraele an den einsamen Seen vorüber, wo die Adda entspringt, und über Mt. Scala nach Bormio führt. Oestlich schliesst es sich, das Münsterthal nördlich lassend, an den Umbrail und Orties an. Ohne sehr hohe Gipfel zu besitzen, ist diese Gegend wohl die einsamste und rauheste in Bünden, wo der Bär in Felsklüften und unter Legföhrengestrüpp seine eigentliche Heimath hat und auch unbestritten behauptete, ehe sie ihm Vieli von Zernetz, der Bärenjäger, streitig machte. Der geologische Bau ist derselbe wie im Casannagebirg, es tritt aber hier besonders gegen das Münsterthal der Verrucano als rothes Conglomérat und in schiefrigen Formen, als Uebergang zum Casannaschiefer ähnlich wie bei Ilanz und Trons in ungewöhnlicher Mächtigkeit auf; auch die unteren Triaskalke erlangen grössere Bedeutung, während der Hauptdolomit vorherrschendes Gestein bleibt. An der Südseite von Fraele ist eine bisher nicht beachtete sehr mächtige Entwickelung der Kössner Schichten und des Lias zu bemerken, am Lei da Rims Gneiss, Granit, Eisensteine, Marmor und wahrscheinlich auch Diorit, der in erratischen Blöcken erscheint, von denen das Anstehende noch nicht ermittelt ist.
Der Ofenpass ist ein schönes Beispiel eines Aufrissthaies.
c. Die Kalkketten von Tarasp, Scari und Münsterthal. Nördlich von diesem Bärenland wird die Einsamkeit undWildniss auf der Ostseite durch das freundliche Münsterthal unterbrochen. Die Thalsohle liegt in Verrucano « nd Casannaschiefer, dessen Grundlage wieder Gneiss ist, auf der rechten Seite gegen den Orties werden diese Felsarten auch auf den Höhen vorherrschend und finden sich auch einige Granitstöcke. Die linke wird durch die wilden Kalkmassen des Piz Stanlex gekrönt, die aus Triasbildungen bestehen. Zwischen dem Ofenpass und Unterengadin zieht eine lange Reihe von hohen, äusserst zerrissenen und wilden Kalkbergen hin, deren vorherrschendes Gestein Hauptdolomit ist, auf welchem hier und da Kössner Schichten und rother Lias sitzen. Diese Spitzen sind zum Theil von sehr ansehnlicher Höhe: Pizlvraina 3054 M., Furaz3094, Pisog 3187, Lischanna 3103, mit dem schönen Lischannagletscher, Piz Lat 2801, mit welchen die Kette nordöstlich schliesst, und viele andere. Eine Menge kurze Felsenthäler dringen von Engadin aus ein, ansehnlicher und viel verzweigt ist das Scarlthal, einst berühmt durch seine Erzgruben. Der Bau der Kalkgebirge bleibt sich gleich; die Triasbüdungen herrschen vor, im hintern Scarlthal erscheint die Grundlage, Verrucano, Casannaschiefer und Gneiss in grösser Mächtigkeit. Höchst merkwürdig ist der Fuss des Gebirges bei Tarasp. Unter den gewaltigen Kalkmassen treten zwei lange Zonen von Gneiss, Casannaschiefer und Granit hervor, welche die Zernetzer krystallinischen Gebirge östlich mit den Vorbergen des Oetzthaler Ferners verbinden. Dazwischen erscheinen lange Züge von Serpentin und einzelne Stöcke von Diorit. Auf diesem Boden liegt Tarasp, und die gleichen Verhältnisse setzen fort bis in die Nähe von Strada.
d. Der Sesvennastock. Zwischen Scarl, Münsterthal und dem Hochthal der Maiser Haide und des Rescher Joches, wo die Etsch aus einigen Seen kommt, finden sich ansehnliche Massen von Granit, Gneiss und Hornblendeschiefer, am Lischennagletscher auch ein Porphyrdurchbruch, welche eine kleine Centralmasse bilden, die den Uebergang zu den mächtigen krystallinischen Bildungen der Oetzthaler Gebirge vermitteln. An mehreren Stellen sitzen Kalkstöcke auf, zu welchen eigentlich auch schon der Piz Lat gehört. Die Maiser Haide besteht meist aus Glimmerschiefer mit Einlagerungen von Triaskalk, Gyps etc.
13. Die Thalsohle von Unterengadin und die nordöstlichen Grenzgebirge.
Obgleich diese letzteren zur Selvrettamasse gehören, so müssen wir sie doch des nothwendigen Zusammenhanges wegen, hier behandeln. Es muss auffallen, dass die auf dem rechten Innufer zu so ansehnlichen Massen entwickelte Trias, auf der linken Seite und in der Thalsohle theils ganz fehlt, theils üur in unbedeutenden Lappen erscheint. Von Boschia und Guarda an bis Landeck in Tirol finden wir hier als vorherrschendes Gestein einen dunkelgrauen Schiefer, in welchem Kalk-, Sand- und Thonschiefer wechseln, und welcher vollkommen dem von Chur und Via Mala gleicht. Auch die Quarz- und Kalkspathschnüre, die salinischen Ausblühungen von Bittersalz u. s. w. fehlen nicht, so wie die zahlreichen Mineralquellen, welche fast überall in diesem Gestein auftreten. Wir sind aber so glücklich gewesen, in den Engadiner Schiefern Versteinerungen aufzufinden, welche ihn ent- schieden als Algauschiefer, d.h. als oberen Lias charakterisiren.
Unter ihm liegt bei Steinsberg ( Ardez ) und anderwärts jener rothe und sonst hellfarbige Kalk, welcher in den östlichen Alpen den unteren Lias repräsentirt ( Steinsberger, Hirlazer, Adnether Kalk ). Bei Tarasp und Nairs fällt der graue Schiefer gegen das Gneissgebirg südlich ein und bildet also vor demselben eine Mulde, die den Inn auf kurze Strecken überspringt, auf der linken Seite aber bei Schuls u. s. w. plötzlich wieder nördlich umbiegt. Aus diesen verbogenen und zerknickten Schieferbänken, wahrscheinlich aus Spalten die SW—NO. streichen kommen die Mineralquellen, welche jene Gegend berühmt gemacht haben und hier eine Fülle entwickeln, wie man sie selten trifft. Aber aus dem schiefrigen Gestein erheben sich an verschiedenen Stellen der Thalsohle, bei Ardez, Sins, Remüs Granitköpfe, Diorite und Serpentine, welche letztern auf der linken Thalseite, an dem geologisch höchst merkwürdigen Piz Minschun zu ihrer grössten Mächtigkeit gelangen. Auch ansehnliche Gyps-massen sind den Schiefern eingelagert. In der Nähe dieser und der krystallinischen Gesteine, an welche sich die Schiefer nordwestlich mit schwachen Zwischenlagen von Kalk und Verrucano anlehnen, werden dieselben oft grün, roth und sonst bunt. In nordöstlicher Richtung erhebt sich das Schiefergebirg ( Lias ) zu bedeutenden Höhen. Piz Fatschalv 3179, Muttler 3399, Mondin 3163. Letzteren durchsetzt eine sehr ansehnliche Masse von Diorit, welche die höchsten scharf gezackten Gräte bildet. Jenseits liegen die stillen Samnauner Thäler ebenfalls in Liasschiefer eingeschnitten, welche hier und da zahlreiche Versteinerungen enthalten. Aber auf ihrer Nordgrenze erheben sich hohe in die Schneeregion reichende schwarze Felsenzacken, denen des Mondin ähnlich, Bürkelkopf, Piz Gribla u. s. w. zusammen die schwär- zen Wände genannt.
Wirklich ist auch liess Diorit, Serpentin und Gabbro, die sich in Begleitung von grünem Schiefer in senkrechter Stellung an das Gneissgebirg der Paznauner Thäler anlehnen, welches eine Fortsetzung des Jamthaler Ferners ist. Nordwestlich von Samnaun findet sich Gyps mit gediegenem Schwefel und bei Ischyl ein ansehnlicher Stock von Triaskalk, wozu auch diese Gypse zu gehören scheinen.
14. Das Zernetzer Gebirg.
Am westlichen Ende der Engadiner Kalkkette liegt halbkreisförmig vom Inn umflossen, ein schöner Gebirgsstock mit hoch aufsteigenden Spitzen, Nuna 3128, Arpiglia 3031, Mezdi 2924, der aus Gneiss, Glimmerschiefer und Hornblendeschiefer besteht, und ausgezeichnete Fächerstructur besitzt. Val Sampuoir und Luschadura trennen ihn von den Kalkbergen. Er muss als Anhängsel der Selvretta betrachtet werden, welche hier den Inn überspringt.
15. Die Selvretta.
Wir betreten nun das Gebiet der ausgedehntesten Centralmasse in den Rhätischen Alpen, welche durch ihre Masse und den mächtigen Einfluss ihrer Erhebung das ganze nördliche Bünden beherrscht. Sie gliedert* sich in folgende Gebirgsreviere.
a. Die Gruppe des Jamthaler Ferners. Sie dehnt sich vom Fermuntpass und der Illquelle in nordöstlicher Richtung bis zum Paznauner Thal und weiter gegen Landeck aus. Zu ihr gehört eigentlich auch die ganze linke Thalwand desünter-engadins von Val Tuoi an, so wie die Samnauner Gebirge.Vor-herrschende Gesteine sind Hornblendeschiefer, Gneiss und Glimmerschiefer, steil aufgerichtet theils mit Fächerstructur, theil » wenigstens mit starker Hinneigung dazu, doch ist nördliches Fallen vorherrschend.
Granit findet sich, so viel bekannt, bloss auf der Südgrenze in Val Tasna, Tuoi und in der Thalsohle des Engadin. Die Spitzen sind zum Theil sehr hoch und von grossen Gletschern umlagert. Jamthaler Gletschergrat 3199 M., Augstberg 3182, Fluchthorn 3396 u. s. w. Oestlich von letzterem bilden grüne Schiefer die Grenze gegen die Engadiner graue Liasschiefer.
Nördlich von der Trisanna ( Paznaun ) und 111, entwickelt sich, noch eine Gruppe, die aus denselben Gesteinen besteht und ihre Höhenpunkte in dem Kaltenberg, dem Fasul und Kartelferner hat. Sie grenzt im Norden an die Verrucano-und Triasbildungen, welche die Arlbergstrasse begleiten. Da sie ganz ausserhalb unseres Gebietes fällt, so wollen wir sie bloss als eine Fortsetzung der so eben behandelten erwähnt haben. Man kann sie auch bloss als die weitere Ausdehnung der Jamthaler- und Selvrettagjruppe betrachten.
b. Die eigentliche Selvretta. Sie dehnt sich von der Illquelle und dem Fermuntpass nördlich'und nordwestlich bis zum Illthal, westlich bis zu den Kalkgebirgen des Rhäticon, dem St. Antonierthal der Madrisa, südlich bis zu den Vareinapässen dem Inn aus. Gegen das Jamthaler Gebirg und die Flüela ist keine Gesteinsgrenze, da me aas denselben Felsarten bestehen; die Westgrenze, welche aus Sedimentgesteinen besteht, betrachten wir an der geeigneten Stelle » Die Gesteine der Selvretta sind vorherrschend Hornblendesohiefer, welche aber mit Gneiss und Glimmerschiefer wechseln. Diese Gesteine wechseln aber so oft mit einander, dass es unmöglich und unnütz ist, auf Karten und in Beschreibungen alle Nuancen anzugeben. Das Steigen ist wesentlich in der Hauptmasse O. W., das Fallen nördlich von dem grossen Selvrettagletscher und auf diesem selbst N., südlich davon S. und SW., in der Mitte senkrecht, also kein Fächer, sondern ein gesprengtes Gewölbe, dessen Schalen als scharfe Gräte und wilde, zackige Felsengestalten hoch aufragen;
die Zwischenräume sind mit grossartigen Gletschern gefüllt. Auf der Ostseite, wo an der Grenze Casannaschiefer liegt, wirft sich das Streichen in N. S. um, das Fallen wird östlich gegen die Kernmassen, so dass hier Fächerbildung angedeutet ist, an der Südgrenze tritt äusserst verwirrtes Streichen und Fallen ein, alsüeber-gang zu der Fächerstructur des Flüelagebirgs. Die Selvretta hat sehr hohe Spitzen, welche z.T.heil erst im letzten Sommer, wo der Alpenclub hier sein Excursionsgebiet hatte, erstiegen und benannt worden sind, Madrisa 2848, Seehörner ( Lizner ) 3124, 3033, Rothfluh 2848, Selvrettahorn 3248, Schwarzhorn 3248, Piz Buin 3264, Piz Linard 3416 etc. Die beiden letzteren liegen, obgleich die höchsten, weit seitlieh.
c. Das Flüela-Scalettagebirg. Unter diesen Namen begreifen wir die grosse krystallinische Masse, welche sich zwischen dem mittleren Engadin, Davos und dem hinteren Prätigau ausbreitet, ihre Verzweigungen aber bis nahe an den Albulapass und den Stiüser Grat bei Alveneu ausdehnt. Sie besteht wie die Selvretta aus Gneiss, Hornblendeschiefer und Glimmerschiefer; die beiden ersteren herrschen vor und man kann die SW.NO. streichenden Hauptzüge leicht verfolgen. Granit kommt bloss an den Grenzen gangweise vor. Die Hauptgruppe, welche von den Pässen Flüela und Scaletta durchschnitten wird, hat ausgezeichnete Fächerstructur, indem die Schichten auf der Davoser Seite südlich fallen, auf der Grathöhe senkrecht stehen und auf der Engadiner Seite nördlich einsetzen. Dieselbe Bildung bemerkt man auch in der Gruppe des Piz Kesch und in Val Tuors bei Bergtin.
Dann folgt noch von letzterer durch eine ansehnliche Einbucht von Sedimentgestein getrennt, die Gruppe des Stulser Grates und Silberbergs, deren Schichten ebenfalls gegen die Kernmasse einfallen. Auf der Engadiner Seite erreichen die krystallinischen Gesteine auf der ganzen langen Strecke von Guarda über Lavin und den schönen Thalkessel von Zernetz bis Cinoschel den Inn und setzen auch über denselben, die Verbindung mit dem Zernetzer Stock und der Basis des Casannagebirges vermittelnd. Bei Capeila aber und Scanfs setzen die Triasbildungen von dort herüber, denen eine Mulde von Lias eingelagert ist, die sich von da über den Albulapass undBergün im Halbkreis um die krystallinischen Massen herziehen. Nördlich vom Albula, so wie unterhalb und nördlich von Bergün gewinnt das rothe Verrucanoconglomerat grosse Ausdehnung, besonders in den Thälern Tisch und Tuors. Hier lagert eine ansehnliche Kalkmulde, in welche das Stulser Thal und seine Fortsetzung, der Ducanpass, eingeschnitten ist. Sie besteht aus sämmtlichen, gut entwickelten Gliedern der alpinen Trias, einigen Spitzen sind Kössner Schichten und Lias aufgesetzt. Diese Kalkberge sind zum Theil sehr hoch, z.B. Hochducan 3073 M., Aelplihorn 3010. Am Silberberg fallen dieselben Gesteine schief gegen Casannaschiefer und Gneiss südöstlich ein, so dass man am Ufer des Landwassers Verrucano unter und über dem Kalk hat, der folglich eine Mulde bildet, wesshalb auch alle Formationen doppelt auftreten. Dieser Umstand, den man seiner Zeit nicht kannte, hatte sehr nachtheiligen Einfluss auf den, an dieser Stelle betriebenen Bergbau auf silberhaltigen Bleiglanz. Die bedeutendsten Höhen der ganzen Gruppe, welche fast alle öfter erstiegen worden, sind Pischa 2983, Flüela-Weiss-horn 3089, Davoser Schwarzhorn 3151, Piz Vadret 3234
* mit verschiedenen, wenig niedrigeren Spitzen in der Nähe, und den Scaletta Sursura und Grialetschgletschern, Kühalphorn 3088, Piz Kesch 3417 mit mächtigen Gletschern, Piz Griaschuls bei Zuz, merkwürdig wegen Granit und Dioritgängen, 2975 M. Die südwestliche Seite ist durch alten Bergbau interessant.
16. Das Plessurgebirg.
Es ist diess die merkwürdige Gebirgsmasse zwischen Chur und Davos, umflossen von dem Davoser Landwasser Albula, Rhein und Landquart, von der Plessur und ihren Nebenbächen durchströmt. Sie ist nicht sowohl von Interesse durch die Höhe ihrer Berge, welche kaum die Schneegrenze überschreiten, als durch das bunte Gemisch von Formationen und Gesteinen, welche hier auf kleinen Bezirk zusammengedrängt sind und die uns hier der Raum nur kurz anzudeuten gestattet.
Die Thalsohle des oberen Davos liegt von grossen erratischen Schuttmassen bedeckt, fast ganz in krystallinischem Gestein, vorzüglich Gneiss, während der untere Lauf des Landwassers tiefe Schluchten bildet, welche in Verrucano und Triaskalk eingeschnitten sind. Steigt man aber oberhalb Dörfli zu der flachen Passhöhe an, welche nach Prätigau führt, so kommt man auf andere Gesteine, welche sich an die Pischa anlehnen. Das Seehorn, dessen Gipfel Gneiss und HornblendescMefer ist, hat gegen den See steile Abhänge von Triaskalk, welcher eine schief einfallende Mulde ist, und mit Unterbrechungen bis Klosters fortsetzt Auf dem Passe trifft man grünen oder rothen Schiefer, mächtige Massen von Serpentin, hier und da Diorit, weit abwärts dieselben Gesteine, Kalk und grauen Bündner Schiefer; der Serpentin setzt bei Klosters und Monbiel sogar
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über die Landquart. Westlich vom Passe erhebt sich ein hoher Knotenpunkt, Cotschna, Casanna, 2592 M., Todtenalp und Weissfluh, 2823 M. Die Cotschna besteht aus einem schwer zu beschreibenden Gemeng von Schiefer, Serpentin, Triaskalk, Gyps, Casannaschiefer, Gneiss und Granit, Casanna und Weissfluh und Hauptdolomit mit Grundlage von älteren Formationen. Die Todtenalp mit ihrem Gipfelpunkt Schwarzhorn ist eine Serpentinmasse von ungeheuerer Ausdehnung, die durch ihr schauerlich wüstes Aussehen und gänzliche Vegetationslosigkeit der Volkssage Veranlassung zu wundersamen Dichtungen gegeben hat. Auf der Casannaalp findet sich wieder ein ähnliches Gewirr von Gesteinen wie an der Cotschna, man trieb hier ehemals Bergbau angeblich auf Gold. Von da westlich und nordwestlich gewinnt der graue Bündner Schiefer die Oberhand und bildet zwischen der Plessur und Landquart die Hochwangkette mit vielen Seitenverzweigungen, die bis Chur fortsetzt und aus deren steilen Schichtenköpfen die Felsenkette Gesteht, welche so malerisch gegen das Rheinthal abfällt. Parallel mit Davos aber verläuft die Strelakette bis zum Lenzer Hörn. Sie führt ihren Namen vom Strelapass, 2377 M. Ihre Grundlage ist Gneiss, auf welchem Casannaschiefer und Verrucano liegt, wo sie an die Todtenalp grenzt, kommt auch Granit, Diorit und Hornblendeschiefer vor. Auf Casannaschiefer und Verrucano liegen die Triaskalke, theils vollständig, theils unvollständig entwickelt, die mächtigen Kalkhörner, welche den Grat krönen, sind grösstenteils Hauptdolomit und haben die dieser Felsart gewöhnlichen ruinenartigen Gestalten. Diese Kalkbildungen senken sich zwischen Platz und Dörfli bis ins Thal, ziehen sich aber dann wieder zurück, bis sie von den Zügen sich wieder herabsenken und von da an auch die Thalsohle füllen. Vorher,
bei Glaris, erlangt auf einer Strecke der Verrucano die Oberhand und zieht auf die Marienfelder Furka hinauf, wo grosse Massen von Porphyr ihn durchbrechen. Dasselbe ist am Sandhubel ( 2766 ) der Fall; ob Alvencu und am Lenzer Horn wird wieder der Kalk vorherrschend; der Verrucano tritt oft darunter hervor. Er ist hier ein rothes Conglomérat.
Vom Lenzer Horn wendet sich das Gebirg plötzlich nördlich und geht in die Rothhornkette über, von der eine Anzahl kurzer hoher Zweige nach Nordost ausstrahlen. Hier erscheint am Parpaner Rothhorn ( 2985 ) plötzlich wieder krystallinisches Gestein, Hornblendeschiefer, Gneiss, Glimmerschiefer; es steigt in rothbraunen schroffen Felsen hoch an und legt sich beiderseits in unvollkommener Fächerstellung über den Triaskalk seiner Umgebung, denn nördlich ist das Parpaner Weisshorn Triaskalk mit vorherrschendem Hauptdolomit, dem Kössner Schichten und Lias eingelagert sind. Unten im Thale von Parpan lagert Bündner Schiefer, den wir zum Lias ziehen, und biegt sich unter die Trias der Rothhornkette südöstlich ein. Er setzt südlich nach Tiefenkasten und Oberhalbstein, nördlich über das Churer Joch nach Chur fort, das theilweise darauf liegt und auch die Kette des durch seine Aussicht berühmten Stätzer Horns ( 2576 ) und Bündner Steins, welcher die linke Thalseite bildet, zeigt bis zum Rhein und Schynpass kein anderes Gestein, als einige kleine Köpfe von grünem Schiefer bei Rotels und Paspels. Die Thalsohle von Parpan ist mit erratischer Schutt bedeckt. Bei Tiefenkasten liegt Gyps und bunter Schiefer.
Die krystallinischen Gesteine des Rothhorns, welche als eine kleine Centralcasse betrachtet werden können, streichen nun nordöstlich gegen den Strelapass und erscheinen da und dort auftauchend auch als Grundlage der Strelakette
29* auf deren Nordseite.
Sie sind aber meist bedeckt von grossen Massen Casannaschiefer, Verrucano, Triaskalk und Bündner Schiefer, welche zum Theil seltsam umgewandelt sind. Dazwischen treten grosse Stöcke von Serpentin, Diorit, Spilit, Väriolit in buntem Gewirre hervor und bilden einen langen und breiten Zug von der Rothhornkette bis zur Todtenalp, auf dessen nähere Beschreibung wir verzichten müssen. Die geschichteten Gesteine sind hier dadurch so verworfen und zerrissen, dass fast kein Auskommen ist, doch herrscht im Allgemeinen südöstliches Fallen und Streichen von SW—NO. Solches haben auch die Bündner Schiefer, welche vom unteren Plessurthal aus gegen die vielgestaltige Kernmasse einfallen und die Thalwand bilden. Bei Langwies kommt auch noch einmal Liaskalk vor, der gegen die Casannaalp fortstreicht.
17. Der Ehäticon.
Nördlich vom Prätigau zieht sich als westliche Fortsetzung der Selvretta zwischen Landquart 111 und Rhein ein gewaltiger Bergwall hin, dessen zackige, schön geformte Kämme und thurmartig aufragende, zerrissene Spitzen weithin sichtbar die Gebirgsforscher anziehen. Es ist der Rhäticon, die nördliche Grenzwacht des Schweizerlandes. Wir haben oben gesehen, dass die südliche Thalwand vom Prätigau bis in die Gegend von Serneus und Klosters durch die Hochwangkette gebildet wird, welche bis zur Casanna ganz aus grauem Bündner Schiefer besteht. Dieselbe Felsart herrscht auch in den Vorbergen der nördlichen Seite, bis etwa in dieselbe Gegend, jedoch immer schmäler werdend und bei Klosters durch die krystallinisehen Gesteine des Schilthorns in die Thalsohle zurückgedrängt. Ueber die geologische Stellung der grauen Prätigauer Schiefer herr- sehen verschiedene Ansichten, welche darauf beruhen, dass hier wirklich zwei ganz verschiedene, aber mineralogisch ähnliche Felsarten zusammenzutreffen scheinen.
Denn während die einen, z.B. die Schiefer von Gannei, durch aufgefundene Petrefacten unzweifelhaft als Algauschiefer ( Lias ) charakterisirt sind, enthalten die meisten gar keine dergleichen Anhaltspunkte, in anderen aber finden sich Abdrücke von Meerpflanzen ( Fucoiden ), welche mit denen der Eocenschiefer ( Flysch ) von Pfäffers auffallend übereinstimmen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese unter dem Schutt des Rheinthals durchsetzen und sich auf der rechten Seite an die ihnen auffallend ähnlichen Liasschiefer anlegen, so dass dadurch eine zur Zeit noch ungelöste Schwierigkeit entsteht. Meist in sanft ansteigenden Halden, von Vegetation bedeckt, doch theilweise von Felswänden unterbrochen und von tiefen Tobein zerrissen, erheben sich die Schiefergebirge gegen den aus älteren Gesteinen bestehenden Hauptkamm und fallen nördlich und östlich unter denselben ein, so dass sie eine Muldenbiegung vor ihm bilden müssen.
Die Ostgrenze des eigentlichen Rhäticon ist da, wo die krystallinischen Gesteine der Silvretta aufhören. Sie läuft von Klosters über den Eingang von Schlappina zwischen der hohen Madrisa und dem Prätigauer Calanda durch, dann nördlich gewendet zum Plessegger Pass und mit einem westlichen Vorsprung nach Tschagguns. Der schmale Kalkstreif, der bei Monbiel anfängt und mit dem vom Davoser Seehorn in Verbindung zu setzen ist, schwillt schon am Prätigauer Calanda zu einer gewaltigen Masse an und läuft dann wieder verschmälert zwischen Bündner Schiefer und krystallinischem Gebirg durch, um in der Mittelfluh und dem prachtvollen Kegel der Sulzfluh ( 2842 M. ) eine erstaunliche Mächtigkeit zu erreichen. Auf dieser Strecke ist die untere Trias schwach ausgebildet, " die grosse Kalkmasse besteht aus Dachsteinkalk und Unterlias ( Steinsberger Kalk ).
Alle diese Felsarten fallen gegen den Casannaschiefer, Hornblendeschiefer und Gneiss schief nordöstlich und östlich ein, so dass das krystallinische Gestein anscheinend darauf ruht. Hinter der Sulzfluh liegt in letzterem noch eine vereinzelte Kalkinsel, das Mittagshorn und die Diorit- und Serpentinmasse des Schwarzhorns. Lias und Dachsteinkalk setzen fort bis zum Cavelljoch, dann gehen sie auf einen schmalen Streif zusammen und laufen als solcher vor der Scesaplana her. Die hohen Felswände der letzteren sind grösstenteils Hauptdolomit. Unter diesen liegen die unteren Kalkbildungen der Trias erst schmal, dann immer breiter. Auf dem Dolomit sitzt ein breiter Streif Kössner Schichten, welche sich zur höchsten Spitze 2968 M. erheben, und einen grossen Reichthum von Versteinerungen enthalten. Westlich und nördlich legen sich darauf Dachsteinkalk, Steinsberger Kalk und rothe und graue Algauschiefer. Jenseits dieser hohen Felsenkette herrschen die Triasbildungen bis zur 111 und weit jenseits. Stellenweise tritt darunter Verrucano hervor ( bunter Sandstein ). Auf diesem lagern in typischer Ausbildung Vigloriakalk, der von dem Vigloriapass hinter der Scesaplana den Namen hat, Partnachschiefer, Arlbergkalk, Lüner ( Raibler ) Schichten und Rauhwacke mit Gyps, Hauptdolomit, welcher die grossen Massen bildet, Kössner Schichten, Dachsteinkalk, endlich einzelne Lappen von Steinsber-berger Kalk und Algauschiefer.
Aber die Liaskalke und Algauschiefer, welche vor der Scesaplana auf der Bündner Seite sich auf ein schmales Band zusammengezogen hatten, erlangen weiter westlich wieder ansehnliche Mächtigkeit. Zugleich mit ihnen tritt ein Streif Jurakalk auf, welcher sich mehr und mehr aus- dehnt und nachgerade in der Falknisskette, welche das westliche Ende des Rhäticon ist, das herrschende Gestein wird.
Aus ihm bestehen die Felswände des Falkniss mit ihren seltsamen Schichtenbiegungen und den zackigen Spitzen, die in so imposanter Weise auf das Rheinthal herabschauen, so wie die Kalkfelsen des Flaschner Berges, auf welchen die Feste Luciensteig steht. Der hintere Theil dieses letzteren Vorsprunges ist ein grauer Schiefer, der noch nicht genügend bestimmt ist, den ich aber für Algauschiefer halte. Andere Schiefer mit Fucoiden fallen im Lichtensteinischen und vorderen Illthal gegen die Lias- und Triasbildungen ohne Zwischenlage von Jurakalk ein. Dasselbe thun gegen den Jurakalk die grauen Fucoidenschiefer von Mayenfeld, Jenins und Malans, welche sich zu dem hohen Augstenberg erheben und über Seewis und das Felsenthor der Clus nach Prätigau fortsetzen. Die Hügel am Fusse dieser Berge, durch ihren edlen Wein und den Sänger Salis bekannt, bestehen aus Schiefertrümmern und erratischem Schutt.
Wir sind hiermit zu Ende. Männer der Wissenschaft werden in dieser Uebersicht sehr Vieles vermissen. Sie mögen bedenken, dass dieselbe schon weit die Ausdehnung überschritten hat, welche ich ihr ursprünglich zu geben gedachte. Diejenigen, welche sich für Gebirgsbildung interessiren, können sie immerhin als andeutenden Führer benutzen und das ist eigentlich ihr Zweck; es soll mich freuen, wenn er erreicht wird und die Mitglieder unseres Vereins dadurch mit veranlasst werden, sich einer Wissenschaft zuzuwenden, durch deren Kenntniss die Gebirgswelt erst die rechte Bedeutung erhält und die starren Massen sich durch die Gedanken des Forschers beleben, indem sie deren Träger werden.
Es sei mir schliesslich der Wunsch erlaubt, dass Jeder,
welcher eine schwer zugängliche Spitze ersteigt, davon ein geologisches Profil aufzeichne, so gut er es kann, oder wenn dazu die Zeit fehlen sollte, wenigstens ein Stück der vorherrschenden Felsart mitbringe und in irgend einer der grösseren öffentlichen Sammlungen niederlege. Ueberhaupt wird es gut sein, mit jeder Bergersteigung irgend einen wissenschaftlichen oder künstlerischen Zweck zu verbinden, damit uns nicht nachgesagt werde: „ es sei schade für so viel Muth, Ausdauer und Geld, die zu keinem andern Zwecke verbraucht würden, als um sagen zu können, man sei auch da oben gewesen. " Und so wünschen wir denn allen Denen, welche durch solches Streben nach wissenschaftlicher Bedeutung unserem Verein eine höhere Weihe zu geben wünschen, für nächsten Sommer ein herzliches „ Glück auf " in den Rhätischen Alpen.
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