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Meikirch-Modell praktischUmgesetzt in Indien
Bisher ist die Zeit für die Umsetzung des Meikirch-Modells bei uns in Europa noch zu kurz. Jedoch ist als Folge einer zufälligen Begegnung von Johannes Bircher mit Sarangadhar Samal im Jahr 2012 in Indien eine Initiative entstanden, die interessante Resultate erzeugte.
Unterricht im Meikirch-Modell
„Die Ausbildung der Dorfbewohner über das Meikirch-Modell hat ihre Einstellung zur Gesundheit in kurzer Zeit deutlich verbessert“, stellte Sarangadhar Samal fest. Er ist Geschäftsführer des indischen Sozialwerks NYSASDRI. 2012 hat die Organisation mit der Ausbildung über das Meikirch-Modell in Dörfern des indischen Staates Odisha begonnen. Im Frühling 2016 wurden die Resultate ausgewertet.
Die Dorfbewohner haben die neue Denkweise verstanden und realisiert, dass Gesundheit nicht nur Schicksal ist, sondern zu einem grossen Teil in Ihren Händen liegt.
So veränderte das Meikirch-Modell das Verhalten der Dorfbewohner:
- Acht von zehn Haushalten haben eine Latrine; doppelt so viele wie vorher.
- Sieben von zehn Menschen tragen Sandalen, wenn sie auf die Latrine gehen, um sich vor Infektionen an den Füssen zu schützen. Das sind fast doppelt so viele wie vorher.
- Neun von zehn Personen waschen die Hände vor dem Essen; mehr als doppelt so viele wie vorher.
- Fast alle Kinder werden geimpft; vorher waren es sechs von zehn.
- Fast alle Familien nutzen das Angebot der Mütterberatung; vorher waren es acht von zehn Familien.
- Fast alle Haushalte benutzen Moskitonetze; vorher waren es sieben von zehn.
- Ein Drittel der Haushalte isst Früchte und frisches Gemüse und nicht nur Reis; vorher war es nur ein Viertel. Reis als alleiniges Nahrungsmittel ist ungenügend.
So wurde das Meikirch-Modell unterrichtet
Zum Start wurde das Meikirch-Modell in 100 Dörfern in das Programm der Dorfentwicklung integriert. In diesen Dörfern leben fast ausschliesslich Menschen, die ursprünglich in Wäldern gewohnt und nicht lesen und schreiben gelernt haben. Um das Meikirch-Modell ins Programm einzubinden, wurde es vereinfacht.
Etablierte Techniken nutzen
Die Programme von NYSASDRI stützen sich auf etablierte Techniken der Erwachsenenbildung nach dem Grundsatz des Empowerments. Sie sind so aufgebaut, dass die Menschen alle Entscheidungen selber treffen. So haben sie nach dem Unterricht zum Meikirch-Modell selber bestimmt, welche Massnahmen sie umsetzten wollen. Ein Prozessbegleiter unterstützte sie bei Bedarf. Er konnte zum Beispiel Vorbilder oder Resultate des Meikirch-Modells aus anderen Dörfern einbringen. Ferner hielt er Beschlüsse schriftlich fest.
Die Entwicklung in den Dörfern war für die NYSASDRI-Mitarbeitenden derart überzeugend, dass sie selber viel motivierter wurden für ihre Arbeit.
Den staatlichen Gesundheitsdienst einbeziehen
Die Mitarbeitenden von NYSASDRI arbeiteten nicht nur mit den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern, sondern auch mit Mitarbeitenden des staatlichen Gesundheitsdienstes. Diese haben den Auftrag, Unterricht über Gesundheit zu erteilen, Schwangere und Mütter von Säuglingen und Kleinkindern zu betreuen, alle Kinder zu impfen, Malaria- und Eisentabletten zu verteilen und kranke Personen an die Gesundheitsstationen weiterzuleiten.
Das war jedoch schwierig, weil die Bevölkerung kein Vertrauen in den staatlichen Gesundheitsdienst hatte. Die Ausbildung über das Meikirch-Modell für die Mitarbeitenden des staatlichen Gesundheitsdienstes hat das Vertrauen der Dorfbewohner in sie entscheidend verbessert. In der Folge konnten sie viel wirksamer arbeiten.
Sarangadhar Samal
Sarangadhar Samal stellte das Meikirch-Modell in Dörfern des Staates Orissa vor und präsentierte es der Distriktverwaltung und der Regierung des Bundesstaates. Das erzählte er bei Besuchen in Meikirch im Sommer 2013 und im Frühling 2014.
Ferner hielt er je einen Vortrag über das Meikirch-Modell bei einer nationalen Veranstaltung in Neu Delhi und bei einer internationalen Tagung an der Yale Universität in New Haven USA, eine der renommierten Universitäten der Welt.
Das macht NYSASDRI
Das indische Sozialwerk NYSASDRI ist in rund 1000 Dörfern tätig und verfolgt dort soziale Ziele, abhängig von lokalen Bedürfnissen. Die Programme sind darauf ausgerichtet, den Alkoholkonsum der Männer und die Arbeitslast der Frauen zu vermindern. Solange sie in den Wäldern lebten, mussten die Frauen das Wasser eine Stunde weit tragen. Jetzt finden sie es im Dorf. Die Organisation bietet auch Ausbildungsprogramme für Erwachsene an, organisiert den Bau von Strassen, gründet Schulen und beschafft finanzielle Mittel vom Staat. Ferner betreibt NYSASDRI für die Region ein Augenspital.
Beschreibung des Meikirch-Modells für Indien