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Die Reispflanze ist eine einjährige Gräserart und ursprünglich eine Trockenpflanze. Erst im Verlauf der Jahrhunderte wurde sie durch Mutation zur Sumpfpflanze und verträgt in ihrer modernen Form extreme klimatische Bedingungen. Reis wird heute auf allen fünf Kontinenten angebaut. Das verdankt sich vor allem seinem grossen Anpassungsvermögen: Reis gedeiht von Tälern unterhalb des Meeresspiegels bis hinauf zu den Abhängen des Himalaja, wo sich noch auf mehr als 2500 m Höhe Reisfelder finden. Er wächst rund um den Erdball vom 50. Breitengrad bis nach Mitteleuropa. Reis ist auch heute nicht ausschliesslich eine Wasserpflanze, wie oft angenommen wird: Er gedeiht zum Beispiel auch auf gewöhnlichen Feldern in Fruchtfolge mit vielen anderen Kulturpflanzen.
Je nach Anbaubedingung werden international sechs verschiedene Ökosysteme für den Reisanbau unterschieden (da es im deutschen Sprachraum kaum Reisanbau gibt fehlen uns auch die entsprechenden Begriffe – die englischen Bezeichnungen sind deshalb hier nur sinngemäss ins Deutsche übersetzt). Bergreis (upland) gedeiht auf ärmsten Böden ohne zusätzliche Bewässerung. Tiefwasserreis (deepwater) wird auf Flächen angebaut, deren Wassertiefe (infolge hoher Niederschlagsmengen während gewisser Perioden) vom Menschen nur begrenzt kontrolliert werden kann – einzelne Sorten können bis zu zehn Tagen unter Wasser stehen. Schwimm– oder vielmehr Treibreis (floating) wiederum überlebt durch schnelles Wachstum: Seine Halme wachsen bis zu 10 cm pro Tag und können eine Länge von 6 m erreichen. Dadurch bleibt der Reis trotz steigender Flut über der Wasserorberfläche. Treibreis wird meist vom Boot aus geerntet, er gedeiht auch auf sauren Böden. Einige Reissorten wachsen sogar in Brackwasser (tidal wetlands). In grossen Teilen Asiens wird Reis auch als regenabhängiger Niederungsreis (rainfed lowland) auf eingedämmten Feldern angebaut, wo er zumindest während eines Teils der Vegetationszeit im Wasser steht. Rund 30 % der weltweiten Reisanbauflächen sind mit Niederungsreis bepflanzt.
Es gibt also ganz verschiedene Ökosysteme, innerhalb derer Reis, wenn auch mit unterschiedlichem Ertrag, angebaut werden kann. Dass der Bewässerungsreis oder Nassreis (irrigated rice) oft dennoch als der Reis schlechthin angesehen wird, hat allerdings seinen Grund: Rund 50 % aller Reisflächen sind bewässert und 75 % des weltweiten Ertrags werden in diesem Ökosystemen gewonnen. Bewässerungsreis gehört zu den intensivsten landwirtschaftlichen Kulturen überhaupt. In gewissen Gebieten wird er seit über 2000 Jahren als Monokultur angebaut – offensichtlich ohne Schaden für die Natur. Auch auf Santa Lemusa wird der meiste Reis als Bewässerungsreis kultiviert.
First Publication: 12-2002
Modifications: 9-2-2009, 11-10-2011