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Sathya Sai Baba (1926-2011) und Mata Amritanandamayi Ma („Amma“, *1953) sind zwei aus Südindien (Andhra Pradesh bzw. Kerala) stammende Gurus, die zunächst auf lokaler Ebene in Indien bekannt wurden. Ab den 1970er und 80er Jahren aber erlangten sie (auch durch die Unterstützung westlicher Anhänger) schnell weltweite Bedeutung. Auch in der Schweiz sind beide bekannt. Die regelmässigen Veranstaltungen von Amma in Winterthur erfahren grosse Aufmerksamkeit in den Medien, und auch der Tod Sathya Sai Babas im April 2011 wurde in den Medien diskutiert.
Die religiösen Bewegungen der beiden „globalen Gurus“ weisen bis in die heutige Zeit steigende Anhängerzahlen auf. Auch in der Schweiz verfügen diese Bewegungen über institutionalisierte Zweige und individuelle Anhänger. Ausgehend davon sollen im Projekt die lokalen, regionalen und globalen Netzwerke erschlossen und mithilfe von Methoden der sozialwissenschaftlichen Netzwerkanalyse aufgearbeitet werden. In theoretischer Hinsicht stellt sich die Frage danach, wie die Stabilität der globalen Netzwerke aufrechterhalten wird, obwohl doch die Netzwerktheorie eher davon ausgeht, dass grosse Netzwerke vergleichsweise instabil sind. Wir möchten dabei die Hypothesen prüfen, dass sowohl gemeinsame Wissensbestände als auch das dem Guru zugeschriebene Charisma und die institutionellen Strukturen eine stabilisierende Wirkung für die Netzwerkstrukturen und die Dauerhaftigkeit der Interaktionen hervorbringen.
Das Projekt „Globale Gurus“ befasst sich also anhand der Untersuchung von Netzwerken der Anhänger von Sathya Sai Baba und Amma vergleichend mit der Frage nach der Stabilität von weltweiten religiösen Netzwerken. Empirisch stehen dabei die Schweizer Zweige der jeweiligen religiösen Bewegungen im Mittelpunkt. Von ihnen und einzelnen ihrer Mitglieder aus sollen die globalen Netzwerke erfasst und analysiert werden. Aus empirischer Perspektive wird durch das Projekt erstens eine Lücke in der Untersuchung der Religionslandschaft der Schweiz geschlossen. Amma und Sathya Sai Baba erlangen bzw. erlangten zwar regelmässige Medienaufmerksamkeit in der Schweiz, bisher blieben jedoch eingehende religionswissenschaftliche Untersuchungen dazu aus. Aus theoretischer Sicht erwarten wir von dem Projekt zweitens neue Erkenntnisse über das Funktionieren globaler religiöser Netzwerke, die auch in anderen Bereichen als neuen Hindu-Religionen Anwendung finden können. Drittens ist aus methodologischer Perspektive mit dem Projekt die Hoffnung verbunden, Netzwerkanalyse als sozialwissenschaftliche Methode stärker in der Religionswissenschaft zu etablieren und zugänglich zu machen.
Prof. Dr. Frank Neubert (PL)
- MA Martin Ackermann
- MA Vanessa Meier