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Die eine stammt aus einer preussischen Offiziersfamilie, die andere ist das Kind eines Zirkusakrobaten und einer Strassensängerin. Die eine wächst im Internat in Weimar auf, die andere in einem Bordell in der Normandie. Die eine lässt sich zur Konzertgeigerin ausbilden, die andere kränkelt ständig und erblindet beinahe, worauf die Huren des Bordells eine Bittwallfahrt zur heiligen Therese von Lisieux machen. Die eine wechselt ihre Männer so oft wie ihre Garderobe, die andere träumt von der grossen Liebe. Jede Trennung ist für sie beinahe der Tod. Die eine stirbt 91-jährig als grösster Star, den das Land je hervorgebracht hat, die andere wird gerade mal 47. Am Tag ihres Todes fällt Frankreich in Staatstrauer. Die eine wird «der Blaue Engel », die andere «der Spatz von Paris» genannt.
«Reichen Sie mir bitte das Toilettenpapier?» Diese Frage – ausgesprochen in der Toilette eines Nachtclubs in New York – ist der Beginn dieser wunderbaren und gleichwohl tragischen Freundschaft. Edith Piafs erstes Konzert in Amerika floppt. Die erfahrene Marlene Dietrich schenkt der Enttäuschten ein offenes Ohr. Beide teilen den gleichen Humor und achten sich für ihre künstlerischen Leistungen. Schnell wird aus der Freundschaft mehr. Edith Piaf erlangt bald internationale Anerkennung und Zutritt zur High Society. Wie ihre Freundin führt sie ein exzessives Leben. Die Liebe zum Boxer Cerdan macht das Glück perfekt. Doch dieser verunglückt tödlich und Edith Piaf sucht Trost in Alkohol und Drogen. Fürsorglich kümmert sich Marlene Dietrich um sie. Als Edith Piaf den Sänger Jacques heiratet, ist Marlene Dietrich Trauzeugin. Zum Dank widmet sie ihrer Freundin «La vie en rose». Die Freundschaft zerbricht fast, als Edith Piaf nicht zur gemeinsamen Probe erscheint. Aus der Presse erfährt Marlene Dietrich einige Zeit später, dass Edith Piaf wegen ihrer Exzesse im Krankenhaus liegt. Sie besucht die verloren geglaubte Freundin, die beiden versöhnen sich. Edith Piaf kehrt gesundheitlich geschwächt auf die Bühne zurück, da wo sie sich zu Hause fühlt... Im Schlussbild lässt Marlene Dietrich, inzwischen 91-jährig, ihr Leben neben Edith Piaf in Bildern Revue passieren. Sie spricht zu ihrer verstorbenen Freundin, als stünde sie neben ihr, als wäre sie nie von ihr gegangen und widmet ihr den letzten Song. Die enorme Anziehungskraft zwischen den beiden rührt daher, dass sie Zeit ihres Lebens wie Feuer und Wasser zueinander standen und jede insgeheim gern ein Stück weit wie die andere gewesen wäre. Was aber übrig bleibt, ist vor allem eines: Freundschaft. Das Bühnenwerk erzählt aus dem Leben der beiden exzentrischen Frauen mit Vorliebe fürs Rampenlicht.