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Das Raketenfest in Yasothon, Thailand
Nachdem ich als Asienfan schon recht viel über die ethnischen Festivals lesen durfte, interessierte ich mich sehr für die noch wirklich ursprünglichen Varianten. Diese waren noch nicht touristisch ausgeschlachtet und boten einen Facettenreichtum sondergleichen.
Meist waren sie sakralen Ursprungs, wobei die Festivals abseits ausgetretener Touristenpfade auch wesentlich mehr Originalität versprachen. Das Raketenfest namens „Bun Bang Fai“ im äussersten Nordosten Thailands toppte lange meine Wunschzielliste. Es gab aber weder eine Bahnlinie dorthin noch einen Flughafen in der Nähe. Das drei Tage (und Nächte) währende Fest erforderte also die Anmietung eines Leihwagens und die rund 550 km Fahrtstrecke ihre Zeit.
Die Anreise
An einem sonnigen Mittwochmorgen nahm ich also meinen Avis-Leihwagen am alten Flughafen in Bangkok entgegen. Der Don Muang Airport lag gleich günstig an der Ausfallstrasse in den Norden und Nordosten. Der Wagen meiner Wahl war ein Toyota Vigo Pickup Truck. Er wurde als spezielle Mietoccasion angepriesen und versprach ein etwas robusteres Blechkleid um mich herum auf den Landstrassen der ferner gelegenen Provinzen. Pickups sind im Hinterland die häufigsten Strassenfahrzeuge, und ich kam zu Anfang recht flott auf der Pahonyothin-Strasse voran.
Über Saraburi ging es zunächst nach Pak Chong, wo die mehrspurige Strasse dann in Serpentinen auf das Korat-Plateau führte. Hier war ich bereits im Isaan, dem weitläufigen Nordosten des Königreichs Thailand. Nördlich der Stadt Korat (Nakhon Ratchasima) gönnte ich mir bei Phi Mai eine mehrstündige Rast, denn der mächtige Khmertempel hier gehört zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Region. Als Etappenstopp für die Nacht diente das Kosa Hotel in Khon Kaen, von hier war es am Folgetag dann nicht mehr so sehr weit bis zu meinem Ziel nach Yasothon.
Diese Entscheidung stellte sich am Donnerstagmorgen dann als richtig heraus, denn die Strassenqualität nahm rapide ab und unerwartete Hindernisse, wie mächtige Wasserbüffel und Baustellen entlang der Pisten, machten das Vorwärtskommen schwierig. Eine Umleitung bei Roi Et wegen einer kollabierten Brücke bescherte mir noch zusätzliche 120 km Umweg. Am Nachmittag rollte ich in Yasothon ein und fand auch gleich das gebuchte J.P. Emerald Hotel am Ortseingang. Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich das hier parkierte Fahrzeug erst wieder am Montag besteigen sollte.
Der Freitag mit den Vorbereitungen
Yasothon ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Es gibt nur eine wirkliche Hauptstrasse, und die war ab diesem Freitag für den Verkehr einfach gesperrt. Bereits nach dem Frühstück im Hotel begab ich mich zu Fuss in Richtung Ortsmitte. Die Chaussee war gesäumt mit prunkvoll geschmückten Paradewagen. Dann folgten mehrere Hundert Meter lange Tribünen für spätere Besucher.
Hinter einer weiteren Polizeisperre quer über die Strasse startete der Krach. Dutzende von Bühnenbauern kreierten hier beidseitig der Fahrbahn grosse Stages mit Beleuchtungseinrichtungen und Beschallung. Lautsprecherboxen mit Ausmassen von Kühlschränken bis Kleiderschränken wurden angeschlossen und getestet. Das Hämmern der Bühnenbauer und die Offensivbeschallung der bereits verdrahteten Boxen bildeten eine einzige Kakophonie des Chaos. Das erstreckte sich bis an das ferne Ortsende.
Dort angekommen, war ich schon etwas angesäuselt, denn vor fast jeder Bühne wurde ich von freundlichen Feierwilligen zum Mittrinken aufgefordert. Das eskalierte sogar noch etwas auf dem Rückweg, denn nun standen die Bühnen und füllten sich mit bunt gekleideten Leuten. Das waren die verschiedenen Raketenteams, die sich vor Ort in Stimmung brachten.
Mir wurden Snacks gereicht und ich wurde auch zum Mittanzen aufgefordert. Eidgenossen sind keine Spassbremsen, und mir gefiel das ganze Ambiente hier. Zum Hotel zurück schaffte ich es später aber noch ohne fremde Hilfe, wenn auch etwas alkoholisiert.
Der Sonnabend mit den Strassenparaden und dem Partymarathon
Schon beim Frühstück hörte man die Partygeräusche aus der Ferne im Frühstückssaal. Isaaner beginnen früh mit der Feierei, und an diesem Tag war ich erstaunt über die vielen Besucher hier. Die Parade war schon vor längerer Zeit gestartet; unterbrochen von hübsch kostümierten Tanzteams und Kapellen bewegte sie sich nun an den Tribünen vorbei durch den Ort. Eine Wahnsinnsstimmung begleitete das Spektakel.
Die Parade war unglaublich lang, wahrscheinlich hatte jede Dorfschule im Isaan ein Team hierhergeschickt. Unendlich viel an guter Laune und bestes Wetter sorgten an diesem Tag für ein nettes Event.
Der Sonntag der Raketenschützen
Ehrlich, ich hatte keine blasse Ahnung, dass diese Raketen rund 120 kg brisantesten Sprengstoff beherbergen. Sie waren alle im Phaya Thaen Park ausgestellt, wo auch die Raketenteams unter Sonnenschutzzelten auf ihren Termin zum Start warteten. Etwas weiter weg standen die rund 10 m hohen Startgerüste aus Holz. Hier richtete ein Team nach dem anderen seinen Flugkörper auf und feuerte ihn ab.
Die Flugdauer und Flugbahn bestimmten die Bewertung des Raketenspektakels, die Verlierer und Zündversager mussten sich im Schlammpfuhl suhlen. Fernsehcrews dokumentierten das alles und eine VIP-Jury kauerte in Deckung hinter einem Erdwall. Die Sieger erreichen bis 10 km Höhe, das Startgetöse war entsprechend weit hörbar.
Startsequenzen wurden bis in den späten Nachmittag vergeben, immer wieder fauchten die Raketen in den Himmel. Sie sollen die Regengötter beschwören, sagt man hier, und für eine gute Reisernte sorgen. Hierher kam ich nicht zum letzten Bun Bang Fai, es findet übrigens einmal jährlich im Mai statt.
Oberstes Bild: Die Parade am zweiten Tag des Bun Bang Fai Festivals (© Takeaway, Wikimedia, CC)