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Karl Dellberg
Karl Dellberg wurde 1886 in Brig geboren und starb 1978 im hohen Alter von 92 Jahren. Schon als Knabe ärgerte er sich, dass bei der Beerdigung seines früh verstorbenen Vaters in der Kirche nur die kleinen Glocken geläutet wurden und nicht die grossen, welche den Notablen vorbehalten waren. 1904 gründete er den Briger «Grütli-Verein», Vorläufer der heutigen Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. An einer Urversammlung des Jahres 1910 wandte er sich gegen den Antrag der mächtigen Gebrüder Alexander und Hermann Seiler, die «Flugwoche» für den erstmaligen Flug über die Alpen (Geo Chavez) mit viertausend Franken zu unterstützen und forderte, das viele Geld gescheiter für Bedürftige auszugeben. Ein gutes Drittel der Versammlung folgte ihm. Zwei Jahre später (1912) wurde er in den Stadtrat von Brig gewählt, dem er bis 1949 angehörte. 1951 verlegte er seinen Wohnsitz nach Siders, wo er weiterhin politisch tätig war und als «Löwe von Siders» bekannt wurde.
Karl Dellberg war zweifellos ein Phänomen der schweizerischen und Walliser Politik. Es gelang ihm, in Brig mit seinem konservativ-ländlichen Umfeld eine Politik durchzusetzen, die den Arbeiter in den Vordergrund stellte. Die damaligen Verhältnisse beim Bau des Simplontunnels und in der aufkommenden Industrie, wo Arbeiter ausgebeutet wurden, liessen Dellberg zu einem authentischen Kämpfer für deren Rechte werden. Als der kerngesunde Bergsteiger Dellberg 1933 als Postbeamter für invalid erklärt wurde, setzte er von nun an seine volle Schaffenskraft dafür ein. Dies brachte ihm nicht nur die Sympathie der Linken, sondern auch von weiten Teilen des Bürgertums ein. Nicht zuletzt deswegen formierte sich innerhalb der katholisch-konservativen Partei ein starker christlich-sozialer Flügel, der sich an die Soziallehre von Papst Leo XIII. (Enzyklika «Rerum novarum») hielt und deshalb insbesondere von den geistlichen Professoren am Kollegium Spiritus Sanctus unterstützt wurde. Gegenüber den Kommunisten grenzte sich Dellberg klar ab, war aber tief vom genossenschaftlichen Gedanken geprägt. Es gab in Brig sogar ein «Volkshaus» mit Hotel, Saal und Restaurationsbetrieb (das heutige «Alpina» im Rhonesand), wo Dellberg persönlich die Gäste empfing und wo politische Versammlungen stattfanden. Nebenbei wurden dort Kino-Filme zur Unterhaltung gezeigt, offenbar auch viele Wildwest-Filme, was dem Volkshaus auch die Bezeichnung «Revolverküche» einbrachte. Ab 1935 finden wir Karl Dellberg im Nationalrat, welchem er über viele Perioden angehörte. Seine Tochter Heidi Wenger war die erste Frau im Oberwallis, welche an der ETH Zürich ein Architekturstudium absolvierte und zusammen mit ihrem Mann Peter Wenger 1955 in Brig an der Furkastrasse ein Architekturbüro eröffnete. Peter und Heidi Wenger-Dellberg zählen zu den renommiertesten Schweizer Architekten der Nachkriegszeit.