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Zeitungen umwarben auch Frauen als Leserinnen, wie hier das «Oberländer Tagblatt – Tagblatt der Stadt Thun» vom 4. Januar 1916.
Die 1831 gewährte Pressefreiheit ermöglichte das Entstehen neuer Zeitungen. Jedes Blatt vertrat damals einen eigenen politischen Standpunkt. Das 1838 als «Thuner Wochenblatt» gegründete spätere «Thuner Blatt» verfocht ab Mitte der 1840er-Jahre radikale beziehungsweise freisinnige Positionen. Ab 1877 erschien die Zeitung als «Täglicher Anzeiger für Thun und das Berner Oberland», ab 1884 als «Täglicher Anzeiger. Tagblatt für die Stadt Thun und das Berner Oberland». Nach 1908 erschien sie unter zwei Bezeichnungen, einerseits als «Tagblatt der Stadt Thun. Täglicher Anzeiger des Berner Oberlandes» und anderseits als «Oberländer Tagblatt. Tagblatt der Stadt Thun». Seit 1962 trägt die Zeitung den Titel «Thuner Tagblatt». Die gegnerische Position vertrat der ebenfalls in Thun produzierte «Oberländer Anzeiger», Mitte des 19. Jahrhunderts die wichtigste konservative Berner Zeitung. Auf dieser Linie lag auch das 1853 gegründete «Geschäftsblatt» («Berner Oberländer Nachrichten»), das von der Ende des 19. Jahrhunderts ins Leben gerufenen linken «Berner Tagwacht» als «stockkonservativ» bezeichnet wurde.25 Ab 1894 erschien zudem der heutige «Thuner Amtsanzeiger».
Um 1850 kommentierten das «Thuner Blatt» und der «Oberländer Anzeiger» ihre Artikel oft gegenseitig. Sie druckten auch Gegendarstellungen von politischen Exponenten ab, die im anderen Blatt angefeindet wurden. Diese politischen Auseinandersetzungen wiesen meist über die lokale Politik hinaus: Es ging häufig um Sachthemen wie den Eisenbahnbau, oder man setzte sich mit dem politischen Gegner auf ideologischer Ebene auseinander und kommentierte auf dieser Basis regionale und nationale Wahlen sowie die Kandidaten aus dem Amt Thun – Politik wies schon damals eine stark personalisierte Dimension auf. Die Berichterstattung über die lokale Politik erschöpfte sich häufig in einer sparsam kommentierten Zusammenfassung der Wahlresultate.26 Heute unterhalten das «Thuner Tagblatt», das zur «Berner Zeitung» gehört, und die «Jungfrau Zeitung» als einzige Presseerzeugnisse noch eine Regionalredaktion vor Ort. Andere Medien berichten von auswärts über Thun.