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Worum geht es? In Schottland soll der erste Weltraumbahnhof auf europäischem Boden entstehen. Von der Halbinsel A'Mhoine ganz im Norden aus sollen bereits im nächsten Jahrzehnt Raketen ins Weltall starten. Die britische Regierung stellt für das Projekt knapp drei Milliarden Euro zur Verfügung, wie die britische Weltraumagentur UK Space Agency mitteilt.
Lohnt sich diese Investition? «Das ist eine Frage, die man nicht so leicht beantworten kann», sagt der Bündner Astronomie- und Raumfahrtexperte Men Jon Schmidt. Bisher sei man in Europa ja auch ohne einen eigenen Weltraumbahnhof ausgekommen. «Aber da immer mehr Akteure in den Markt eintreten und mit Billigangeboten konkurrieren, ist es nicht abwegig, sich Gedanken darüber zu machen, einen solchen auf dem eigenen Kontinent zu bauen.» Damit könne man einen Teil des Kuchens für sich beanspruchen.
Wofür wäre der Standort geeignet? Von Schottland aus sollen sogenannte horizontale Starts durchgeführt werden. Das bedeutet, dass ein Flugzeug auf eine bestimmte Höhe gebracht wird. Von dort aus wird dann eine kleine Rakete gestartet, die in der Lage ist, einen kleinen Satelliten in eine polare Erdumlaufbahn zu transportieren. Entsprechende Studien habe man schon vor vielen Jahren gemacht, weiss Schmidt – das Projekt sei einfach bis heute nicht realisiert worden. «Aber jetzt ist offenbar Geld für das Vorhaben vorhanden.»
Was wäre der Vorteil? Laut dem Experten Schmidt wird schon heute ein Grossteil der kleinen Satelliten im schottischen Glasgow gefertigt. Diese werden zurzeit noch von den bestehenden Weltraumbahnhöfen – sei es von Kourou Französisch-Guayana oder Cape Canaveral und Vandenberg in den USA aus – ins All geschossen. «Wenn man nun sozusagen vor der Haustüre einen eigenen Raketenstartplatz hat, spart man das Geld für den Transport, kann effizienter arbeiten und vielleicht auch mehr Geld damit verdienen.»
Weshalb nicht in der Nähe des Äquators? Heute werden Raketenbahnhöfe in der Nähe des Äquators genutzt, weil man dort die Rotation der Erde nutzen kann, um möglichst viel Nutzlast in den Weltraum zu transportieren. «Das ist vor allem wichtig für Nachrichtensatelliten auf geostationären Bahnen – also in äquatornahen Umlaufbahnen», so Schmidt. Schottland wäre dagegen speziell für polare Umlaufbahnen geeignet, also für eine andere Kategorie von Satelliten. Dazu gehören wissenschaftliche Satelliten, welche zum Beispiel die Nordlichter näher untersuchen, aber auch Erdbeobachtungssatelliten. «Diese umkreisen die Erde über die Pole und tasten innert weniger Tage die ganze Erde ab und können so auch Veränderungen sehr schnell erkennen.»
Wie geht es weiter? Bis die Pläne für einen Weltraumbahnhof in Schottland realisiert werden können, dauert es noch einige Jahre – falls es überhaupt soweit kommt. Doch Schmidt ist zuversichtlich: «Sofern die Finanzierung funktioniert und der Wille da ist, etwas zu tun, dann bin ich überzeugt, dass man bis 2025 oder 2028 so eine Anlage betriebsbereit machen kann.» Der Brexit habe kaum Einfluss darauf. Denn das Vereinigte Königreich ist – wie auch die Schweiz – Mitglied der Europäischen Weltraumorganisation ESA.