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Gossau
Das gestalterische Konzept, die mit hohen Webmaschinen zu bestückende Fabrikationshalle, durch Hintereineinander-Reihung schief gestellter, aus dem Boden wachsender, zylindrisch gewölbter Segmente unter Verzicht auf Seitenwände frei zu überdachen, war die geniale Idee der Architekten. Durch die Neigung der Mantellinien dieser Gebilde gegenüber der gegen Norden gerichteten Gebäudeachse ergibt sich von selbst eine sheddartige Verzahnung der Gebäudekontur mit sichelförmigen Öffnungen für den indirekten Lichteinfall. Weil bei dieser Dachform das Regenwasser grösstenteils unmittelbar seitlich abfliesst, erübrigt sich auch die hohe, bei üblichen Sheddkonstruktionen notwendige Entwässerungsrinne.
Ingenieur H. Hossdorf wurde von den Architekten hinzugezogen, als die praktische Verwirklichung dieser architektonischen Vorstellung an den Baukosten zu scheitern drohte. Dies aufgrund der mächtigen Abmessungen der als selbsttragende Stahlbetongewölbe vorgesehenen Konstruktion. Die auf ca. 40cm veranschlagten Wandstärken dieser schweren Gebilde hätten überdies den Lichteinfall unerwünscht beeinträchtigt.
Dank der «ingenieusen» Idee, die schief im Raum liegenden Bogensegmente durch gegenseitige Verbindung ihrer übereinander liegenden Ränder mit Stahlrohr-Diagonalen so auszufachen, dass sie statisch ein räumlich tragendes Ganzes zusammenwirken, konnte der Materialbedarf auf einen Bruchteil reduziert werden. Die massiven Gewölbe wurden durch nur 6 bis 12cm starke, an den Rändern leicht verstärkte Membranschalen ersetzt. Aus der formalen Vision der Architekten wurde so ein technisch und wirtschaftlich realisierbares Bauvorhaben.
Die erstmalige statische Verbindung einer Stahlbetonkonstruktion mit einer dem Stahlbau entlehnten Konstruktionsweise führte zu einem neuen Tragwerkstyp, dem «Verbundfachwerk».
Samstag 7.9.
10.30 und 14 Uhr (Dauer ca. 1 Std.)
Was: Führungen durch Markus Zbinden, Architekt BSA SIA, Anmeldung bei der Kantonalen Denkmalpflege St. Gallen bis 5.9. unter 058 229 38 71 oder info.denkmalpflege[at]sg[dot]ch
Organisation: BSA und Kantonale Denkmalpflege St. Gallen