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Soeben habe ich den viertausendsten Kilometer mit der Eisenbahn in China hinter mich gebracht. Das ist nicht viel, weil die Züge mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. Die meiste Zeit davon habe ich aus dem Fenster geguckt und die Gedanken vorbei schweifen lassen wie die Landschaften und Städte.
Vermutlich stellen sich Eindrücke dieser flüchtigen Begegnung mit dem Land unmittelbar als Übersicht ein, und es schält sich etwas heraus, was man beschreiben kann.
Die Hochgeschwindigkeitsstrecken sind durch das Land geflochten. Die Dichte des Geflechts entspricht der Dichte der Besiedlung. Die Strecken sind so gebaut, dass ein minimaler Kurvenradius von vier Kilometern eine durchgehend hohe Geschwindigkeit zulässt. Sie sind aus wenig verschiedenen, standardisierten Teilen gefertigt. Damit ist Übersicht auf eine technische Art gewährleistet. Die Infrastruktur der Bahn ist ein Referenzmassstab, in geometrischer, aber auch in formaler Hinsicht.
Ist das Land unbesiedelt, wirkt es unberührt. Es gibt keine Forstwege oder andere Zeichen, die auf eine Nutzung schliessen lassen. In den Gegenden, durch die ich gefahren bin, entspricht unberührtes Land dichten, wuchernden Wäldern. Abschüssiges Terrain bleibt unberührt, an Hängen sieht man keine Häuser oder Äcker. Der Übergang zwischen genutztem oder bebautem Land und unberührtem Land ist scharf.
Besiedeltes Land kündet sich in den Wäldern an, wenn Stromleitungen oder Antennenmasten aus den Wipfeln auftauchen. Man fährt durch einen der zahlreichen Tunnels und kommt plötzlich zwischen Hochhäusern heraus.
Wenn das Land landschwirtschafltich genutzt wird, sind selbst kleinste Flächen in der Grösse einer Ar sorgfältig von Hand gepflegt. Äcker, die sich von grossen Maschinen pflegen liessen, habe ich kaum gesehen, dafür aber kleine Reisfelder, Obst- und Krautgärten. Die bewirtschaftete Landschaft hat eine gartenartige Lieblichkeit. In schweifenden Gedanken denkt man, ach, wie schön.
Dörfer. Die Farbigkeit der Häuser ist protestantisch. Materialfarben, Weiss-, Grau- und Beigetöne bei Fassaden, Grauschwarz bei Dächern bestimmen den Farbkanon.
Während bei uns das Land allmählich in Agglomeration übergeht, ist in China dieser Übergang zu harter industrieller Nutzung und riesigen Betonflächen, auf denen Kräne Hallen hochziehen, abrupt.
Wo sich der Mensch breit macht, tut er dies ohne wenn und aber, macht sich deutlich; Wo nicht, hält er sich zurück und bleibt klein.
So geht das.