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Galvanokaustik,
in der Chirurgie die Anwendung der durch den galvanischen Strom erzeugten Glühhitze zu Heilzwecken. Dieselbe beruht darauf, daß ein dünner Platindraht, den man in eine hinreichend starke galvanische Kette einschaltet, im Moment des Schließens der Kette in Glühhitze gerät und so lange glühend bleibt, als die Kette geschlossen ist. Auf die Benutzung dieser Hitzequelle für chirurg. Zwecke wurde durch Steinheil zuerst Heider in Wien [* 2] (1843) aufmerksam gemacht, und wenige Jahre später wandte Crusell in Petersburg [* 3] einen glühenden Platindraht wiederholt zur Abtragung größerer Geschwülste an. Man kann hierzu nur einen Platindraht benutzen, weil alle übrigen Metalle bei dem erzeugten hohen Hitzegrade schmelzen.
Ihre Einführung in die Praxis verdankt die
Galvanokaustik aber erst Middeldorpf in
Breslau
[* 4] (1853), der sie durch Erfindung zweckmäßiger
Instrumente als eine allgemein verwendbare Operationsmethode in den Heilapparat eingeführt hat.
Unter den letztern finden der
Galvanokauter oder das
galvanokaustische
Messer,
[* 5] ein glatt gehämmerter, messerförmiger Platindraht
zur Spaltung von Fistelgängen und Durchtrennung von Weichteilen, der Porzellanbrenner, ein von dem Platindraht spiralförmig
umwundener Porzellankolben, der nach Art eines gewöhnlichen
Glüheisens benutzt wird, und die
galvanokaustische Schneideschlinge,
ein dünner Platindraht, der in Form einer
Schlinge um den zu durchtrennenden Körper herumgeführt und
nach dem Schließen der
Kette zusammengezogen wird, die ausgedehnteste Anwendung.
Die Vorzüge der
Galvanokaustik bestehen vor allem darin, daß man die höchsten überhaupt noch als Heilmittel anwendbaren
Wärmegrade auf eine genau bestimmte und begrenzte Gewebsstelle von geringem
Umfange einwirken lassen
kann, ohne die benachbarten
Teile zu verletzen, daß man vermittelst der
galvanokaustischen Schneideschlinge im stande ist,
an sonst sehr schwer zugänglichen
Stellen, wie in der
Tiefe der
Nasen-, Mund- und Rachenhöhle, im
Kehlkopf,
[* 6] im
Mastdarm u. s. w.
zu operieren, und daß endlich die eintretende
Blutung in der Regel außerordentlich gering ist. In neuester
Zeit sind die zur
Galvanokaustik erforderlichen physik.
Apparate außerordentlich vervollkommnet
worden, sodaß die
Galvanokaustik nicht mehr, wie
vordem, nur in den größern Hospitälern, sondern vielfach auch von den praktischen
Ärzten mit großem
Vorteil angewandt
und gehandhabt wird. Gegenwärtig wird statt der
Galvanokaustik vielfach der
Thermokauter (s. d. und
Glüheisen) angewandt.
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Vgl. Middeldorpf, Die
Galvanokaustik (Bresl. 1854);
Bruns, Galvanochirurgie (Tüb. 1870);
ders., Die galvanokaustischen Apparate und Instrumente, ihre Handhabung und Anwendung (ebd. 1878);
Amussat, Mémoires sur la galvanocaustique thermique (Par. 1876);
Hedinger, Die
Galvanokaustik seit Middeldorpf (Stuttg. 1878).
In der
Technik nennt man ein vereinfachtes
Verfahren, radierte Kupferplatten durch den galvanischen
Strom
vertieft zu
ätzen, also eine vertiefte
(galvanische) Gravierung zu erzeugen, statt nach der gewöhnlichen Radiermanier durch
direktes Aufgießen von verdünnter Salpetersäure zu
ätzen.
Die erste und hauptsächlichste
Arbeit fällt dem Kupferstecher
zu; er überzieht die polierte Platte mit einem von der Radiermanier abweichenden Deckgrunde, der aus 1
Teil
Wachs, 1
Teil pulverisiertem
Mastix und 2
Teilen
Asphalt zusammengeschmolzen ist.
Diesen trägt er mit einem Bällchen in einer dünnen, gleichmäßigen Schicht auf die Oberfläche auf, während er die Rückseite und den vorher durch die Platte gezogenen Leitungsdraht mit Schellackfirnis oder Wachs überzieht. In den Deckgrund radiert er die aufgepauste Zeichnung bis auf den Kupfergrund ein, sodaß sie auf dem blanken Kupfergrunde bloßgelegt ist. Nun beginnt die Arbeit des Galvanoplastikers. Entgegengesetzt dem Galvanotypieren (der Erzeugung von Hochdruckplatten) wird die Platte, statt mit dem negativen, mit dem positiven Pole (der Anode) verbunden, sodaß die erregende Flüssigkeit sie angreift.
Der elektrische Strom kann jedoch nur auf die bloßgelegten Stellen, die Radierung, wirken, nicht auf die vom Deckgrund bedeckten. Um eine möglichst gleichmäßige Ätzung zu erhalten, bringt man der positiven Kupferplatte parallel gegenüber eine ein wenig größere negative Polplatte an. Das Ätzen im galvanischen Bade unterscheidet sich von dem der Kupferstecher dadurch, daß das Metall nur der Tiefe nach angegriffen wird, während bei dem Ätzen mit verdünnter Salpetersäure diese auch nach der Seite hin frißt, wodurch die Schärfe der Zeichnung leicht beeinträchtigt wird.
Bei dunklern, nur seicht zu
ätzenden Schattenpartien nimmt man nach kurzem
Ätzen die Kupferplatte aus dem
Bade, spült sie mit reinem Wasser gut ab und trocknet sie durch Aufdrücken von dünnem, nicht leicht faserndem Fließpapier.
Hierauf überzieht man jene
Stellen, welche nur eine erste schwache Ätzung erfahren sollen, mit Deckgrund und bringt die
Platte wieder an ihren Platz im
Bade. Um eine Radierung zur gewünschten Vollendung zu bringen, sind drei,
vier und in manchen Fällen noch mehr aufeinander folgende Ätzungen erforderlich. Da zur
Galvanokaustik eine genaue
Bekanntschaft mit der Kupferstecherkunst gehört, so läßt sie sich nur unter Mitwirkung eines Kupferstechers mit Erfolg
anwenden.