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Irgendwann sollen Schweizer Behörden Texte nur noch im ODF-Format speichern und übermitteln.
Gerade hat der Verein eCH zwei neue Entwürfe für Behörden-Standards in die Vernehmlassung geschickt. Der erste
, ein Leitfaden für den XML-basierten Datenaustausch, ist eher technischer Natur.
Der Zweite
allerdings, zum Thema "Open Document"-Format (ODF), birgt unseres Erachtens einigen IT-strategischen Sprengstoff. Die eCH-Standards haben zwar nur den Status von Empfehlungen, aber aufgrund der Mitglieder – Viele Bundesbehörden, fast alle Kantone und grösseren Städte, Universitäten und am Behördenmarkt interessierte IT-Unternehmen – hat der Verein natürlich viel Gewicht in der "Öffentlichen IT" der Schweiz.
"Dreistufiges Verfahren"
Die gegenwärtige Version des Standards "eCH-0063" erklärt es zuerst einmal für Behörden verbindlich, dass sie ODF-Textdokumente entgegennehmen und verarbeiten können – keine grosse Sache, da nicht nur Open Source-Programme wie OpenOffice sondern, nach einem Rückzieher der Redmonder
auch Microsofts Programme mit "ODF" werden umgehen können.
Dies soll aber nur der erste Schritt sein, denn eCH schlägt ein "dreistufiges Verfahren" vor. Und bei Stufe 3 heisst es klipp und klar: "Behörden speichern und übermitteln Textdokumente nur noch im ODF-Format." (Bei Stufe zwei müssen sie das erst im Verkehr untereinander tun.) Das heisst, Behörden dürften keine proprietären Dateiformate wie ".doc" mehr verwenden, aber auch nicht "Open XML", Microsofts Gegenentwurf zu ODF.
(Update) Wie Walter Stüdeli, Geschäftsführer des Vereins eCH heute gegenüber inside-it.ch kommentierte, zeigen die ersten Vernehmlassungsantworten, dass das Thema ODF sehr kontrovers aufgefasst werde: "Die einen sind mit Vehemenz dafür, andere stemmen sich dagegen." Der Expertenausschuss von eCH werde, so Stüdeli, versuchen, aufgrund der Reaktionen eine ausgewogene Entscheidung zu fällen.
Da die Standards von eCH Empfehlungen sind, könne er auch keine Angaben darüber machen, wie lange es bis zu einer Umsetzung dauern könnte: "Wir streben nun pragmatisch die erste Stufe an und wünschen, dass der Standard von den zuständigen Behörden Schritt für Schritt verbindlich erklärt wird."
Das Open Document-Format wurde vom Industriekonsortium OASIS, dem Microsoft-Konkurrenten wie IBM, Sun und SAP angehören, entwickelt. Als offener Standard kann es von jedem Softwarehersteller ohne Beschränkungen verwendet werden. Anwender sind so nicht mehr in der "Welt" eines Herstellers eingeschlossen und können bei Bedarf viel problemloser als heute auf Programme anderer Hersteller wechseln. Da der Standard komplett offen zugänglich ist, schafft er ausserdem gleichlange Spiesse: Keiner der Softwarehersteller kann von Hause aus besser damit umgehen beziehungsweise bessere Programm.
Für Behörden sind vor allem zwei Aspekte der Verwendung eines offenen Fileformats wichtig: Sie zwingen so keinen ihrer Kunden – der Bürger und Bürgerinnen – ein bestimmtes Programm zu kaufen, um ihre Mitteilungen lesen zu können. Und offene Formate sollten garantieren, dass auch in fernerer Zukunft noch Programme zur Verfügung stehen, die damit umgehen können. Und dann gibt es da natürlich noch einen dritten Aspekt: man verringert die Abhängigkeit von Microsoft um ein weiteres Stückchen und hätte damit in Zukunft auch mehr "Drohpotential" bei schwierigen Verhandlungen
. (Hans Jörg Maron)