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Wissenschaftlicher Nachwuchs: erfüllende Tätigkeit mit verbesserungswürdigen Arbeitsbedingungen
Dank einer Umfrage konnte der SNF mehr über die Arbeitsbedingungen in den von ihm unterstützten Projekten in Erfahrung bringen. Fast 4000 Nachwuchsforschende aller Schweizer Hochschulen haben daran teilgenommen.
Der SNF will für Forschende, die am Anfang ihrer Karriere stehen, gute Arbeitsbedingungen gewährleisten und ihre Unabhängigkeit fördern. Im Februar lancierte er eine Umfrage zur beruflichen Situation von Personen, die von den Hochschulen in Projekten mit SNF-Beiträgen angestellt sind. Fast 4000 Nachwuchsforschende (Doktorierende, Postdocs und weitere Mitarbeitende) nahmen daran teil, was einer Teilnahmequote von 47% entspricht.
Arbeitsumfeld wird geschätzt
Im Allgemeinen sind vier von fünf Befragten mit ihren Arbeitsbedingungen sowie mit ihrem sozialen Umfeld ziemlich oder sehr zufrieden. Auch die intellektuellen Anforderungen, der Inhalt der Aufgaben und der Verantwortungsgrad werden positiv bewertet: Mindestens drei von vier Personen sind mit diesen Aspekten ziemlich oder sehr zufrieden.
Die Teilnehmenden konzentrieren sich in ihrer Arbeitszeit hauptsächlich auf die Forschung (fast 75% der Arbeitszeit bei den Doktorierenden und Postdocs, jedoch weniger als 60% bei den weiteren Mitarbeitenden), gefolgt von der Lehre, die im Durchschnitt etwa 10% der Zeit in Anspruch nimmt. Für die weitere Karriere wünscht sich ein Drittel der Befragten eine wissenschaftliche Position an einer Hochschule, je ein Viertel strebt eine ordentliche Professur bzw. eine wissenschaftliche Position ausserhalb des akademischen Umfelds an. Ausserdem sind über 70% (zwei Drittel der Frauen und drei Viertel der Männer) der Meinung, dass sie genügend Zeit haben, ihre Karriereziele zu verfolgen. Mehr als 80% erachten das SNF-Projekt für ihre Karriere als ziemlich oder sehr nützlich.
Befristete Verträge und häufige Überstunden
Mit der Arbeitsplatzsicherheit ist mehr als jede dritte Person (36%) unzufrieden. Grösser ist dieser Anteil bei den Postdocs und den weiteren Mitarbeitenden, insgesamt ist hingegen fast die Hälfte (49%) der Befragten mit diesem Aspekt ziemlich oder sehr zufrieden. Über 95% der Doktorierenden und Postdocs und 80% der weiteren Mitarbeitenden haben einen befristeten Vertrag. Die Dauer dieser Verträge steigt mit dem Alter der Forschenden. 60% der Postdocs und der weiteren Mitarbeitenden hätten jedoch lieber längere Verträge. Die Mehrheit (58%) ist Vollzeit angestellt, und 75% der Forschenden sind mit ihrem Pensum zufrieden. Allerdings arbeiten fast 60% mehr als die vertraglich vereinbarte Anzahl Stunden, und weniger als die Hälfte der Befragten kann Überstunden kompensieren. Ebenfalls unzufrieden sind 20–30% der Befragten mit Einkommen, Raum für das Privatleben oder Arbeitsbelastung.
Acht Prozent der Befragten, darunter mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer, geben an, dass sie an ihrer aktuellen akademischen Stelle diskriminiert oder belästigt worden seien. Diese Zahl ist tiefer als in ähnlichen Umfragen, bereitet dem SNF jedoch Sorge, weshalb er in dieser Frage rasch das Gespräch mit den Hochschulen suchen wird. Am häufigsten wurde eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts genannt (42%), gefolgt von Rassismus (22%) und Diskriminierung aufgrund des Alters (17%). Rund 16 % fühlten sich zu unangemessenem akademischem Verhalten gedrängt.
Die meisten Befragten kennen die Mehrzahl ihrer Rechte als Mitarbeitende in einem SNF-Projekt, wie etwa ein schriftlicher Vertrag, Lohnempfehlungen oder Unterstützung in ihrer Karriere durch die vorgesetzte Person. Weniger als die Hälfte der Befragten weiss hingegen, dass sie Anspruch auf Beiträge haben, die der SNF für die Gleichstellung der Geschlechter (25%) und für Kinderbetreuung (41%) bietet.
Austausch mit dem Mittelbau und den Hochschulen
Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass die in SNF-Projekten beschäftigten Personen ihre Tätigkeit insgesamt schätzen. Sie weisen aber auch darauf hin, dass in gewissen Bereichen Handlungsbedarf besteht. «Die akademische Welt muss sich an die Anforderungen des heutigen Arbeitsmarktes anpassen, insbesondere an die Erwartungen der neuen Generationen, was ihre Unabhängigkeit und ihre Perspektiven betrifft. Es geht für die Schweizer Hochschulen darum, für die besten Talente attraktiv zu bleiben», betont Angelika Kalt, Direktorin des SNF. «Wir werden die Ergebnisse genau analysieren und sie als Grundlage für einen konstruktiven Austausch mit den Vertreterinnen und Vertretern des akademischen Mittelbaus und mit den Hochschulen nutzen.»
«Im Rahmen unseres soeben erarbeiteten Mehrjahresprogramms 2025-2028 setzen wir uns noch stärker für optimale Arbeitsbedingungen von Nachwuchsforschenden ein», ergänzt Angelika Kalt. Der SNF wird die Zusammenarbeit und den Dialog mit den Hochschulen intensivieren und dabei die Arbeitsbedingungen der vom SNF unterstützten Mitarbeitenden ansprechen, insbesondere Aspekte wie Vertragsdauer, Arbeitsbelastung oder Massnahmen gegen Diskriminierung. Für den Herbst sind bereits Treffen geplant. Zudem wird der SNF die Situation der Nachwuchsforschenden systematischer mitverfolgen.