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Wenn Fäuste sprechen: Rocky (Sylvester Stallone) coacht Adonis Creed (Michael B. Jordan) den Sohn seines einstigen Rivalen. (Warner Bros.)
Vier Fäuste für die Familie
Das muss man sich vor Augen halten: Die Boxer-Saga begann vor 43 Jahren, als ein gewisser Rocky «The Italian Stallion» Balboa den Ring und die Kinolandschaft aufmischte. 2006 hob Rocky alias Sylvester Stallone letztmals die Fäuste in einem Showkampf, um sich zu beweisen, dass er der wahre Champion ist («Rocky Balboa»). Es dauerte immerhin 12 Jahre, bis Rocky wieder auf der Leinwand auftauchte – als Trainer des aufstrebenden Adonis Johnson, unehelicher Sohnes des Schwergewichts-Champion Apollo Creed. Der war einst Rockys grösster Rivale und starb im Ring. Für seinen Tod fühlt sich Rocky mitschuldig. Also nahm der alte Champ Rocky nahm den jungen Donnie alias Adonis Creed unter seine Fittiche. Der verliert seinen heroischen WM-Kampf im Halbschwergewicht gegen «Pretty» Ricky Conlan in Liverpool – nach Punkten («Creed», 2015).
«Creed II – Rocky's Legacy»: Drei Jahre später. Adonis Creed macht weiter in seiner Heimat Philadelphia, gewinnt Kampf um Kampf. Seine Freundin Bianca (Tessa Thompson) kommt endlich unter die Haube. Er heiratet sie. Ein Umzug nach Los Angeles steht zur Diskussion und ein Neuanfang. Denn ein alter Bekannter, der russische Ex-Boxer Ivan Drago (Dolph Lundgren), meldet sich. Er hatte einst Apollo Creed in einem Schaukampf zu Tode geprügelt. Rocky fühlte sich mitverantwortlich und «rächte» Creed. Er schlug den russischen Hünen k.o. (in «Rocky IV»). Der alte Haudegen, der sich durch Rocky um Ruhm und Anerkennung betrogen fühlt, wittert eine Chance, Rache zu nehmen. So schickt Dragon Sen. seinen Sohn Viktor (Florian Munteanu) vor, der Adonis Creed herausfordert. Und der nimmt gegen Rockys Rat an und geht nach Los Angeles.
Rocky trennt sich und bleibt in Philadelphia. Prompt unterschätzt Creed die russische Kampmaschine und geht zu Boden. Er leidet unter dieser Niederlage, droht daran zu zerbrechen, bis Rocky ihn wieder aufrichtet und trainiert – gnadenlos im Death Valley für einen Rückkampf.
Wahrlich erstaunlich, die achte Folge in der Rocky-Saga wirkt keineswegs ausgepowert oder angeschlagen. Im Gegenteil, der in die Jahre gekommene Rocky (der im Vorgänger «Creed» gerade noch von der Krebs-Schippe gesprungen ist) zieht wieder die Fäden. Sylvester Stallone, satte 72 Jahre rüstig, ist der Mentor und Spirit des Kampfes im und ausserhalb des Rings und lässt jetzt Adonis Fäuste sprechen. In Michael B. Jordan hat er den fulminanten Fighter gefunden, der in seine Fussstapfen getreten ist. Stallone ist Mitproduzent und Mitautor. Regie führte souverän Steven Caple Jr., anstelle von Ryan Coogler («Creed»), der zugunsten von «Black Panther», einem Riesenerfolg nach Marvel-Vorlage, auf die Regie verzichtete. Gleichwohl, «Creed II» ist ein grossartiger Boxer- und Liebesfilm, stark gefilmt (Kamera: Kramer Morgenthau), intim und stimmig.
Die Rocky/Creed-Reihe war und ist mehr als ein Boxer-Action-Spektakel. Sie spiegelt immer auch den Zeitgeist wieder – vom Aufstieg und dem amerikanischen Karrieretraum oder Kalten Krieg (Ost gegen West) – und verknüpft damit persönliche Probleme und Konflikte. Rockys Comeback, Rockys Krankheit, seine Schuldgefühle. Jetzt wird wieder die Familie stärker thematisiert, Familienzuwachs bei Adonis und Bianca, das gestörte Verhältnis Rockys zu seinem Sohn, Vater-Sohn-Verhältnisse (Dragon – Dragon gegen Balboa – Creed) und Abhängigkeiten. Die Saga um Ring und Ruhm, Rache und Respekt hat nichts an Elan und Spannung verloren, trotz oder wegen des grummelnden schlurfenden Sylvester Stallone. Er gehört einfach zum Inventar. Damit soll jetzt Schluss sein, deutete Stallone an, obwohl da doch mit Adonis als Familienvater noch Potenzial wäre…
USA 2018
130 Minuten
Regie: Steven Caple Jr.
Buch: Cheo Hodari Coker, Sylvester Stallone
Kamera: Kramer Morgenthau
Darsteller: Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Dolph Lundgren, Florian Munteanu
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