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Das brasilianische Beverly Hills – so hat die Tageszeitung “O Globo” 2013 Florianópolis genannt, in einer Reportage, die auf einer Untersuchung der “Fundação Getulio Vargas“ basiert, durch die man herausfand, dass Florianópolis, im Vergleich mit anderen brasilianischen Hauptstädten, den grössten Prozentsatz an reichen Leuten beherbergt (27,7% der Bevölkerung gehören der Klasse A an – viel mehr als die 19,5% von Rio de Janeiro oder die 17,7% von São Paulo). Eine elitäre Bevölkerung wurde da enthüllt, mit Einheimischen, die bestätigten, dass das Streben nach dem Besitz einer Motoryacht für viele im Bereich der Möglichkeit liege, und dass die Insel mehr Hotels internationalen Standards brauche, um noch besser zu werden. Die Reportage wurde zum “topic Trend“ in der Stadt, die, das ergaben die Untersuchungen ebenfalls, auch nicht immun ist gegen die Probleme, unter denen die Bürger anderer Hauptstädte des Landes zu leiden haben, wie verbrannte Omnibusse oder hypothetische Rückzugsbefehle von kriminellen Vereinigungen nach dem Muster der paulistanischen PCC.
Unterdessen hat die als “brasilianische Beverly Hills“ bezeichnete Stadt Zündstoff für eine äusserst aktuelle Diskussion geliefert: Soll Florianópolis sich in eine vom Konsum diktierte Stadt verwandeln oder besser auf ihrer Authentizität und ihren natürlichen Vorzügen beharren? Im Mittelpunkt der letzte Wahlkampagne stand zum Beispiel ein Projekt zur Errichtung eines grossen Hotels von 22 Stockwerken, ausgerüstet mit einem Shopping- und einem Ausstellungs-Center, an der Avenida Beira-Mar Norte. Ein grosser Teil der Bevölkerung verteidigt einen dortigen öffentlichen Park, eine Meinung, die auch vom gewählten Präfekten César Souza Junior vertreten wird, der das Chaos kritisierte, dass ein solches Bauunternehmen im Strassenverkehr anrichten würde.
Was einen grossen Teil der Touristen betrifft, die 2013 Florianópolis besuchten, sind diese der Meinung: “Je luxuriöser, desto besser“! Wenn die Jahreswende näher rückt beginnt sich “Jureré“ nicht gerade in ein “Beverly Hills“ zu verwandeln, aber durchaus in ein brasilianisches “Punta del Este“ oder Saint Tropez. Teure Feste, Musik-Shows in Beach-Clubs, vertraglich verpflichtete oder eingeladene Persönlichkeiten als Publikumsmagneten (im vergangenen Jahr der Fussballstar Neymar, die TV-Stars Selton Mello und Alessandra Ambrósio), sowie die Berichterstattung in Echtzeit auf Gossip-Sites, verwandeln den Jurerê-Strand in eine Bühne der Eitelkeiten. Dort drängen sich dann die Leute, denen ein Ambiente der Reichen und Berühmten einen Kick verschafft, selbst wenn sie von denen gar nicht wahrgenommen werden und sie sich in der Regel mit einem Foto aus vielen Metern Abstand begnügen müssen. “Das gehört zum Spiel“, bemerkt Leandro Adegas, vom “Beach-Club Taikô“, dessen Neuheit in diesem Sommer ein Lieferservice für die in Jurerê ankernden Yachten sein wird – per Jetski, versteht sich.
Um die Silvesternacht in den Etablissements von Jurerê richtig geniessen zu können, sollte man seine Brieftasche entsprechend auffüllen. Der Club P12, zum Beispiel, verspricht bereits ab 15. Dezember mit Attraktionen aufzuwarten. Sein Silvester “Spettacolo“ wird 800 R$ (zirka 300 Euro) kosten – ein Separé für 12 Personen kommt auf 20.000 R$ (7.500 Euro) – mit Essen und Trinken inklusive. Ab dem 30. Dezember präsentierte sich hier der französische DJ Bob Sinclair, der als Produzent eines Reggae-Albums von Sly & Robbie für den Grammy nominiert wurde. Das “Café de la Musique“ wird zwischen dem 26. Dezember und 6. Januar bereits ab morgens geöffnet sein. Um 16:00 Uhr beginnen die “Sunsets”, mit DJs, die bis 22:00 Uhr Platten auflegen dürfen – wie man mit der Vereinigung der anliegenden Bewohner vereinbart hat. Für Silvester zählt das Etablissement nun schon zum vierten Mal auf den DJ Jack-e, der in Saint Tropez zuhause ist. Eintrittskarten kosten 1.500 R$ (580 Euro) – inklusive Open-Bar und Open-Food.
Zu Fuss oder per Pedes
Glücklicherweise hat Florianópolis mehr als vierzig Strände und auf denen gibt es genug Platz für Leute mit ganz anderen Interessen. Die Orte “Mole“ und “Joaquina“, an der Ostküste, und “Campeche“ im Süden der Insel, zum Beispiel, empfangen ein anderes Publikum, das sich für “Açaí“ und Flaschenbier interessiert, anstatt für Champagner, und das eine Eintrittskarte für das Ambiente der Reichen und Schönen sofort gegen eine Runde Gitarrenmusik am Strand eintauschen würde.
Deshalb steht der Wunsch der Besucher nach Surfen, Schwimmen, Laufen oder einfach am Strand sich ausstrecken können – egal an welchem – immer noch an erster Stelle. Unter den Bürgern der verschiedenen Hauptstädte Brasiliens, stehen die von Florianópolis an vorderster Front hinsichtlich sportlicher Betätigung, das ergab eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums im Jahr 2013. Ein Grund dafür ist selbstverständlich das günstige Ambiente. Vielleicht haben Sie Lust, sich diesem Trend anzuschliessen, wenn Sie schon mal Urlaub in Florianópolis machen? Wer es leicht angehen will, für den bietet die Insel herrliche Wege, die ganz einfach zu bewältigen sind. Der am Ufer der “Lagoa“, zum Beispiel, ist sieben Kilometer lang und hat den Vorzug, jeden Tag und zu jeder Stunde abgespult werden zu können. Aber man kann dieselbe Strecke auch per Boot zurücklegen – das kostet nur 5 R$ (zirka 2 Euro), das Boot umrundet die “Lagoa da Conceição“ dicht am Ufer, mit Unterbrechungen an Haltestellen im Verlauf der Fahrt. Und das Ufer der “Lagoa“ präsentiert rustikale, sympathische Restaurants, die auf Meeresfrüchte spezialisiert sind, wie das “Cabral“ oder das “Coração de Mãe“.
Ein bisschen schwieriger ist der Pfad, der zum paradiesischen Strand “Praia da Lagoinha do Leste“ führt – er beginnt auf der rechten Seite des nicht weniger schönen Strandes “Matadeiro“ – ein Weg mit phantastischen Ausblicken.
Wenn man es ein bisschen aktiver angehen möchte, dann ist ein Versuch mit dem “Stand-up Paddle“ (SUP) vielleicht eine gute Idee – ein Sport, der inzwischen zur Mode an den brasilianischen Stränden geworden ist. Dazu stellt man sich auf ein grosses Surfbrett und paddelt. Ich habe selbst einen SUP-Kurs an der “Praia dos Ingleses“, im Norden der Insel, absolviert, um einen historischen Irrtum zu korrigieren, denn ausser meiner etwas ungeschickten Natur kann ich weder richtig schwimmen, noch habe ich je ein Surfbrett bestiegen. Das Ganze fand in einer flachen Bucht statt, mit karibischen Wasserbedingungen, windgeschützt und praktisch ohne Wellenbewegung. Anfangs ist es schwierig, sich auf den Füssen zu halten, denn schon die kleinste Wasserbewegung kann einen aus dem Gleichgewicht bringen.
Doch man hat den Dreh schnell begriffen – indem man mit leicht angewinkelten Knien die Stösse der Wellen im richtigen Moment pariert. Dreht das Brett nach links, genügen ein paar Paddelzüge auf der rechten Seite, um es wieder auf Kurs zu bringen – und umgekehrt. Will man geradeaus, so erreicht man das mit abwechselndem Paddeln auf beiden Seiten. Die konstante Beinarbeit beschert den Anfängern am nächsten Tag einen gewaltigen Muskelkater. “Viele von ihnen rufen mich am nächsten Tag an, um mir zu sagen, dass sie jetzt wie der “Robocop“ herumstelzen“, erzählt mir mein SUP-Lehrer. Jedoch sind die Fälle selten, in denen es den Teilnehmern nicht gelingt, nach der ersten Unterrichtsstunde bereits mit Brett und Paddel zurechtzukommen. “Das Gleichgewicht zu halten, ist vor allem eine Frage des Instinkts“, ist einer vom Lehrers Lieblingssätzen. Für mich war das Schwerste, in Richtung auf den Strand zu paddeln. Da sieht man dann plötzlich die anrollende Brandung hinter sich nicht mehr – ich glaube, dass ich etwa fünfzehnmal vom Brett gefallen bin, aber es gelang mir auch, etwa zehn Minuten “unbesiegt“ darauf stehen zu bleiben und bis zu einer Gruppe verankerter Boote zu paddeln – zirka zweihundert Meter hinter der Brandung – und durfte ich mich als Sieger fühlen.
Der Segen von Santo Antônio
Ein Ausflug zum kleinen, rustikalen Ort “Santo Antônio de Lisboa“, siebzehn Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt, gleicht einer Reise in die Vergangenheit von Florianópolis. Auf der einen Seite die typischen Häuschen der Einwanderer von den Azoren, aus dem 18. Jahrhundert, auf der andern das ruhige Meer der “Baia Norte“ (Nordbucht). Während der Anfahrt möchte man an jeder Biegung der schmalen Strasse anhalten, um die Schönheit der Meereslandschaft zu geniessen, die im Süden von der Skyline der Stadt und der alten “Hercílio-Luz-Brücke gerahmt wird. Schade allerdings, dass das Meer hier wegen seiner starken Wellen zum Baden fast immer ungeeignet ist, besonders vor der Kirche der “Nossa Senhora das Necessidades“.
Ausser dem historischen Flair und der schönen Aussicht, gibt es ein weiteres Motiv für den Besuch dieser antiken Fischersiedlung: die Konzentration von guten Restaurants – die portugiesischen, mit ihren Fischspezialitäten, und die italienischen, mit ihrer typischen Küche. Entweder lässt man sich auf einem der Stühle am Strand, mit den Füssen im Sand, nieder, oder man bevorzugt einen “klimatisierten Salon“ auf der anderen Seite der Strasse. Weil diese Destination nun schon seit einiger Zeit vom Tourismus entdeckt worden ist, hat sie ihre “Kultphase“ bereits überwunden und füllt sich mit Besuchern an den Wochenenden. Die wenigen Strassen werden dann von Menschen und Autos vereinnahmt. Die Bars am Strand, mit Tischen im Freien, sind dicht besetzt, und auch die “Feira das Alfaias“ – ein Kunsthandwerks-Markt, der am Nachmittag stattfindet – ist gut besucht.
Der interessante Laden “Casa Açoriana“ ist ebenfalls einen Besuch wert. Er präsentiert eine Mischung aus Kunsthandwerk und Kunstgalerie und wird von João geführt, den sie alle nur “Janga“ nennen. Er zeigt dem Besucher mit Hingabe seine besten Stücke und erzählt Geschichten von den lokalen Künstlern. Hier gibt es Gemälde, handgeflochtene Korbwaren, geklöppelte Spitze, handgewebte Umhänge, Keramikartikel. “Santo Antônio“ war stets ein historischer Ort, aber es fehlte ihm die Seele. Ich glaube, dass wir dazu beitragen, sie zurück zu holen“, kommentiert Janga. Eine perfekte Abrundung des Tages ist eine Kostprobe der Aprikosentorte in einem gemütlichen Anbau des“Asa Açoriana“ – an einem Gartentisch der “Santo Antônio Spaguetteria e Café“.