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Die Familie – The Family International (TFI)
ältere Namen: Kinder Gottes, Children of God, Familie der Liebe, Family of Love
Die Kinder Gottes (Children of God), ab 1983 Familie der Liebe (Family of Love), seit 1992 Die Familie (The Family International, TFI) fand ihre ersten Mitglieder 1968/69 unter den Hippies und Jesus-Freaks Kaliforniens. In David Berg (1919-1994, später Moses David, kurz „Mo“ genannt, weil er sich gleichzeitig als Prophet und König verstand) hatte schon seine visionär veranlagte Mutter früh den zukünftigen Propheten erkannt. Seine radikale Frömmigkeit und Persönlichkeit führte ihn frustriert aus dem Dienst seiner evangelikalen Herkunftsgemeinde zu den jungen Randsiedlern der Gesellschaft, unter denen er sofort junge radikale Jünger fand.
In religiösen Comics und Briefen, den sog. Mo-Briefen, entfaltete Mo seine Theologie: Jesus wurde zum Leitbild aller Freaks, Ghadafi zum Mann Gottes für unsere Zeit, die frühen 90er Jahre zur Zeit der Wiederkunft Jesu, sexuelle Aktivitäten zum Spiegelbild der göttlichen Liebe zum Menschen, Sexspiele unter Kindern zum Normalfall, freie Liebe zum göttlichen Auftrag, Absage an alle weltlichen Bindungen zum obersten Gebot, bedingungsloser Gehorsam gegenüber dem Propheten und der Gemeinschaft zur fröhlich geleisteten Pflicht.
Die Familienmitglieder gingen keiner geregelten Arbeit mehr nach. Studium der Mo-Briefe, Pflege der Gemeinschaft in der Kommune, Mission oder Bettelei, während mancher Jahren (bis 1987) auch als Mission gedachte Prostitution (flirty fishing) und Gemeinschaft mit den vielen kleinen Kindern, die als Folge dieser Missionsbemühungen geboren wurden, gehörten zu ihren Pflichten.
Nach dem Tod von Mo im Jahr 1994 übernahm seine Frau Maria (Karen Zerby, *1946) die Leitung der Familie. Die hierarchischen Strukturen wurden mehrfach ab- und wieder aufgebaut. Die zentrale Leitung liess die einzelnen Gruppen manchmal an der langen Leine laufen. Wenn die Gruppen sich zu eigenwillig verhielten, zog sie die Zügel wieder straffer an. Monatliche Reports berichteten der Leitung über die Missionsarbeit der Gruppen. Visiting Servants (Apostel) gaben den Gruppen die Weisungen der Zentrale weiter.
Trotz dieser und ähnlicher autoritärer Leitungsstrukturen bewegten sich einzelne Gruppen recht frei über das weite Missionsfeld, das alle Kontinente umfasst. Allerdings entsprachen diese Wanderungen nicht selten einem zentralen Plan. Nachdem die Familie zeitweilig vor allem in Indien, dann in Ostasien, dann in der südlichen Hemisphäre missionarisch aktiv war, betrieben sie in später intensive Mission in Osteuropa und im asiatischen Teil Russlands.
Auch innerhalb der einzelnen Gruppen herrschte Gruppendisziplin. Kinder waren – verglichen mit ihren Gleichaltrigen ausserhalb der Gemeinschaft – ständiger Betreuung, Überwachung und regelmässig auch biblisch begründeter körperlicher Züchtigung ausgesetzt. Dies führte dazu, dass Jugendliche der Familie den Rücken kehren. Wenn die Familie sie nicht zurückhalten konnte, liess sie die jungen Leute ziehen, brach aber ihrerseits den Kontakt mit den Abtrünnigen ab.
Das Flirty Fishing, die Prostitution zur Gewinnung neuer Mitglieder, wurde 1987 offiziell abgeschafft. Auch zur Beschaffung finanzieller Mittel für die Gruppe verlor die Prostitution nach und nach an Bedeutung. Promiskuität war in den Wohngemeinschaften jedoch weiterhin üblich, es wurde aber darauf geachtet, dass die diesbezüglichen staatlichen Gesetze nicht verletzt werden. Für Jugendliche galt nach 1994 ein striktes Schutzalter von 16 Jahren. Die Vorschrift, sich beim Sexualverkehr nicht zu schützen, wurde dahingehend modifiziert, dass Verhütung in besonderen Fällen praktiziert werden darf. Sehr jungen Mädchen gegenüber war dies schon immer vorgesehen.
Nicht beachtet wurde die Pflicht, sich beim Wohnort anzumelden. Weil die Familie ihre vielen Kinder selber erziehen und schulen wollte – die Schule des Systems wurde abgelehnt – lebten in manchen Wohngemeinschaften der Familie Kinder ohne offiziellen Wohnsitz.
Im Jahr 2010 wurden die Wohngemeinschaften der Familie offiziell aufgelöst, bestehen aber mancherorts noch fort. Das Verbot, einen weltlichen Beruf auszuüben, wurde aufgehoben, wobei sich der Wiedereinstieg ins Berufsleben für langjährige Mitglieder schwierig gestalten konnte. Ebenso wurde das Verbot des Besuchs staatlicher Schulen und die Pflicht zum Homeschooling sistiert.
TFI versteht sich heute als netzwerkartig organisierte Gemeinschaft.
Unter David Berg sah sich die Gemeinschaft als Opposition zu allem, was zum «System» gehörte: Eltern, Kirchen, Schulen, Staat, offizielle Kultur usw. Die Kinder Gottes lebten in einer demnächst untergehenden Welt und wollten, abgesehen von ihren Missionskontakten, mit dieser Welt nichts zu tun haben. Mo hingegen gehörte ihre uneingeschränkte Zuneigung und ihr bedingungsloser Gehorsam.
Heute nimmt sie sich als christliches Netzwerk wahr. Immer noch zentral ist die Botschaft der Liebe Gottes, die unter die Menschen gebracht werden soll, wofür TFI-Anhänger eine Vielzahl von Initiativen begründet haben. Manche TFI-Mitglieder halten an problematischen Lehren und Praktiken aus der Zeit von David Berg fest, andere nicht.
The Family International galt wegen des systematischen und programmatischen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und der von der Gemeinschaft geförderten Prostitution zwecks Anwerbung und Geldbeschaffung als eine der problematischsten Organisationen überhaupt. Andere Problematiken sind Gruppendruck zu unerwünschten sexuellen Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft, Körperstrafen in der Erziehung, Abschottung vom gesellschaftlichen Umfeld, Untertauchen durch häufigen Kolonie- und Namenswechsel, teilweises Verbot von medizinischen Behandlungen und Verhütungsmitteln. Manche dieser Missstände bestehen in den Reihen von TFI offenbar auch nach der Auflösung der Gemeinschaftshäuser im Jahr 2010 offenbar fort.
Ehemals wahrscheinlich weltweit gut 10 000, davon mehr als die Hälfte in der Familie geborene Jugendliche und Kinder. Heute dürfte die Zahl der Menschen, die sich der Familie verbunden fühlen, deutlich kleiner sein.
In der Schweiz bestand in den 2000er Jahren ein Gemeinschaftshaus von TFI zuerst in Saland, dann in Leuggern. Heute finden sich in der Schweiz geschätzt ein paar Dutzend Personen, die sich als Teil des TFI-Netzwerks sehen. Zahlreiche Schweizer TFI-Miglieder leben im Ausland.