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Biografia
Marianne von Werefkin, * 11.9.1860 Tula, † 6.2.1938 Ascona. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges flüchtet Marianne von Werefkin mit Alexej von Jawlensky und dessen Familie aus Deutschland in die Schweiz. Zwischen 1914 und 1917 leben sie in St-Prex am Genfersee, wo Werefkins symbolisch-visionäre Bildpaare entstehen. In ihren Lebenserinnerungen spricht sie davon, dass sie während dieser Jahre beinahe wöchentlich Ferdinand Hodler in Genf getroffen habe, den sie 1905 kennengelernt hatte. In der Eröffnungsausstellung der Galerie Corray in Zürich 1916 stellt sie zwölf Gemälde aus. 1917 Umzug nach Zürich, Kontakte zu den Dadaisten, Teilnahme an deren Soireen. Nach der russischen Revolution verliert Werefkin ihre Pension. Ab 1918 lebt sie in Ascona. 1920 Auflösung der Wohnung in München und 1921 definitiver Bruch mit Jawlensky. Zunächst als Pharmavertreterin, dann durch die Produktion von Postkarten versucht Werefkin, ihre schwierige finanzielle Lage zu verbessern. Mit Ernst Kempter gründet sie das Museo Comunale in Ascona und stiftet neben eigenen Werken je ein Bild von Paul Klee und Cuno Amiet. 1924 initiiert sie mit Walter Helbig und anderen die Künstlervereinigung Der Grosse Bär in Ascona, zu der auch Albert Kohler und Ernst Frick zählen. 1937 gelten Marianne von Werefkins Bilder in Deutschland als «entartet». 1938, wenige Monate nach dem Tod der Künstlerin, Retrospektiven im Kunsthaus Zürich und in der Kunsthalle Bern.
Prägend auf Werefkins gemaltes Œuvre – nach 1906 in Gouache und Tempera auf Karton, die Arbeiten sind selten datiert und signiert – wirken die Bilder von Edvard Munch und Ferdinand Hodler sowie der Cloisonnismus der Schule von Pont-Aven und der Nabis. In der Schweiz gelangt Werefkin zu einer Malerei, in der sich verstärkt ein mystisch-religiöses Element manifestiert. Drei Themenbereiche zeichnen sich als wesentlich ab: Nach 1921 werden die Seelenlandschaften, wie sie bereits in St-Prex anklangen, zu einem eigenen Werkkomplex. Ein zweiter Bereich hat die Bedrängtheit der Menschen in ihrer Arbeitswelt und ihrem sozialen Umfeld zum Inhalt.
Schliesslich wird der heilige Franziskus zum zentralen Bildgegenstand, in dem sich ein Gegenpol zu einer Welt ohne Transzendenz symbolisiert findet. Wichtig, wenn auch noch zu wenig bekannt, sind Werefkins ab 1905 entstandene Skizzenbücher. Sie enthalten – in starkem Kontrast zu der inhaltlich und formal durchgearbeiteten Malerei der Künstlerin – Darstellungen von grosser Spontaneität.
Werke: Ascona, Museo Comunale d’Arte Moderna, Fondazione Marianne Werefkin; Lugano, Museo Cantonale d’Arte; München, Städtische Galerie im Lenbachhaus.
Marco Obrist / Paola von Wyss-Giacosa, 1998
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