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| Hilarius von Poitiers († 367) - Kommentar zum Evangelium des Matthäus

Fünftes Hauptstück
1.
Inhalt.
Von dem Gebete und dem Fasten, von dem Schatze im Himmel, von der Leuchte des Leibes, von den zwei Herren, von Speise und Kleidung, von den Vögeln, von den Lilien des Feldes und von dem Grase, von der täglichen Sorge, von dem Splitter und dem Balken im Auge.
Wir erhalten den Auftrag, auch bei verschlossener Kammerthüre zu beten, und werden angewiesen, an jedem Orte das Gebet zu entrichten; auch das Gebet der Heiligen unter wilden Thieren, in Kerkern, in Flammen, von der Tiefe des Meeres, und aus dem Bauche des wilden Thieres wurde aufgenommen. Wir werden also ermahnt, nicht in das Verborgene des Hauses, sondern in das Gemach unseres Herzens zu gehen, und bei verschlossenem Innern unseres Gemüthes zu Gott zu beten, nicht mit vielen Worten, sondern mit dem Bewußtseyn, daß jedes Werk besser ist, als die Laute der Worte. Der Nothwendigkeit aber, über das Geheimniß des Gebetes eine Auslegung zu geben, hat uns Cyprianus1, ein Mann heiligen Andenkens, enthoben. Zwar hat auch Tertullian2 hierüber ein sehr passendes Werkchen geschrieben; aber der in der Folge eingetretene Irrthum des Mannes hat den guten Schriften das Ansehen entzogen.
[S. 88]
1: In seiner Abhandlung von dem Gebete des Herrn, Kirchenväter VI. Band. Seite 131— 161.
2: In der Schrift von dem Gebete; worin er von dem Gebete des Herrn, und den Ceremonien, welche bei dem Gebete üblich sind, handelt; diese Schrift verfaßte er vor seinem Abfalle.