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Orangen
Sommer kann auch im Winter sein. Zwar gehört die sonnenverwöhnte Südfrucht zu den Klassikern unter den Winterfrüchten, weshalb sie auch den Beinamen Winterapfel trägt, doch repräsentiert sie ganz und gar den Sommer: Mit ihrer runden Form, ihrer grellen Farbe, ihrem spritzig-herben Zitrusduft, ihrem intensiven Geschmack und nicht zuletzt ihrer erfrischenden, belebenden Wirkung verströmt sie gute Laune, aktiviert Lebensfreude sowie die Lust auf den Süden und ferne, exotische Länder. Mit Orangen erleben wir den Sommer mitten im Winter!
Die ursprünglich aus den Tropen und Subtropen von Myanmar, Nordindien und Südchina stammende Orange wird im deutschen Sprachraum auch Apfelsine genannt. Dieser Name verweist auf einen ihren Herkunftsorte: Apfel aus Sina bzw. China, denn in China wurde die Zitrusfrucht bereits vor 4'000 Jahren kultiviert. Der Name Orange stammt vom Sanskritischen «nagarunga», woraus sich das lateinische Wort «aurantia», das persische «naranje» und später das spanische «naranja» entwickelte.
Bei der Orange handelt es sich allerdings nicht um eine natürliche Art, sondern um eine Kreuzung aus der Pampelmuse und Mandarine (aus der Pampelmuse sind generell viele Zitrusfrüchte hervorgegangen). Ihre Reifezeit beträgt je nach Sorte zwischen sechs und neun Monate nach der Blüte. Sie gedeihen das ganze Jahr hindurch und verkörpern Sonne, Wind und Wetter diverser Saisons.
Orangen gelangten über Indien nach Babylonien und schmückten dort schon um 800 vor Christus die hängenden Gärten der Semiramis. Mit arabischen Kaufleuten gelangte die bittere Sorte der Apfelsine zwar bereits im elften Jahrhundert nach Europa, galt aber über lange Zeit als rare, exotische Frucht und war in der breiten Bevölkerung nur wenig bekannt. Erst im fünfzehnten Jahrhundert wurde ihre süsse Schwester in Europa eingeführt, wo sie fast ausschliesslich von den Portugiesen angebaut wurde. 1493 schliesslich beförderte der italienischen Seefahrer Christoph Columbus in kastilischen Diensten die Frucht von Spanien aus nach Haiti, von wo aus sie sich weiter nach Süd-, Mittel- und Nordamerika verbreitete.
Die Lebensmittelorange (Citrus x sinensis), wie wir sie heute kennen, ist in Europa zwar seit dem fünfzehnten Jahrhundert bekannt, allerdings erst seit dem achtzehnten Jahrhundert erhältlich. Anfänglich wurde sie nur in Portugal und Spanien kultiviert. Moderne Transportmittel machten es schliesslich möglich, dass sie sich auch in Mitteleuropa verbreitete. Fürsten züchteten die nicht ganz anspruchslosen Orangen sowie Pomeranzen im Barockzeitalter in speziell eingerichteten Gewächshäusern hauptsächlich zur Zierde und vor allem verwendeten sie dafür die bitteren Sorten. Die sogenannten Orangerien blieben europäischen Schlossanlagen bis heute erhalten. Mittlerweile gedeiht die Pflanze überall in frostfreien mediterranen Klimata. Brasilien und die USA sind die grössten Orangenproduzenten.
Orangenbäume blühen meist mehrmals jährlich. Früchte, die aus der Sommer- oder Herbstblüte entstanden sind und noch nicht ausgereift den Winter überdauern müssen, der zwingend frostfrei zu sein hat, können einfach am Baum belassen werden. Im nächsten Frühjahr wachsen sie dann bis zur vollständigen Reife selbständig weiter. Da Orangen nicht nachreifen, dient ihnen der Baum ausserdem als natürliches Lager, denn reife Orangen können bis zu 14 Monate lang an ihm hängengelassen werden, ohne das sie verderben.
Es werden Bitter- und Süssorangen unterschieden. Bitterorangen, auch Pomeranzen oder Pomelo genannt, werden ausschliesslich zur Zubereitung der bekannten englischen Bitterorangenmarmelade verwendet (Sorte Sevilla). Süssorangen hingegen sind vielseitig verwendbar.
Der Orangenbaum gedeiht am besten dort, wo langanhaltende Hitze mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und heftige Niederschläge zusammentreffen. Anders als andere Obstbaumarten entwickelt der Exot wie viele Zitruspflanzen auch ohne Fremdbefruchtung Früchte, welche im Übrigen grün sind. Die leuchtend orange Farbe ist weder ein Indiz für die Reife noch wird sie von der Sonne beeinflusst, sondern, im Gegenteil, von kühlen Nächten: Wenn die Temperaturen für einige Stunden auf unter 17 Grad sinken – manche Sorten mögen es sogar noch kühler –, reagieren die Pigmente (Carotinoide) in der Schale und färben diese orange. In den europäischen Anbaugebieten am Mittelmeer findet die Orangenernte daher frühestens Mitte November statt und dauert je nach Sorte bis März. In Regionen jedoch, wo es auch nachts nicht kalt genug wird, behält die Frucht ihre grüne Farbe also auch dann bei, wenn sie ihr Aroma voll entwickelt hat und ernte- bzw. genussreif ist. Ihre grüne oder orange Farbe ist also kein Indiz dafür, ob die Frucht reif ist oder nicht.
Orangen wirken entzündungshemmend und antioxidativ und stärken das Immunsystem bei der Abwehr von Bakterien und Viren. Sie dienen ausserdem als natürliches Abführmittel bei Verstopfung und beugen Bluthochdruck vor. Da die Zitrusfrucht auch Vitamin B liefert und damit die Bildung des Hormons Serotonin unterstützt, ist sie ein richtiger Gute-Laune- und Glücklich-Macher.
Gattung: Zitruspflanzen
Art: Orange
Lateinischer Name: Citrus I Citrus × sinensis
Pflanzenfamilie: Rautengewächse (Rutaceae)
Unterfamilie: Zitrusfrucht (Aurantioideae oder Citroideae)
Anzahl Arten: zirka 60
Habitus: immergrüner Baum oder grosser Strauch I junge Zweige bewehrt I weisse, radiärsymmetrische Blüten mit vier oder fünf Kelchblättern und Staubfäden an der Basis I bildet runde grüne Früchte aus, die sich nur dann gelb oder orange färben, wenn die nächtlichen Temperaturen während der Reifung unter mindestens 17 Grad fallen
Alter: 50 bis 60 Jahre
Hauptblütezeit(en): je nach Überwinterungstemperatur zwischen Februar und Juni und evtl. im September bis Oktober
Erntezeit in Europa: von November bis März
Standort: sehr wärmebedürftig I mag dauerhaft vollsonnige, heiss-feuchte Standorte und steht gerne auf südlich bis westlich ausgerichteten Terrassen, neben Mauern oder Hauswänden I sehr kälteempfindlich, vor allem im Frühling und Herbst vor eisigen Winden, Regen und Frost schützen I braucht viel Platz zum Wachsen I bevorzugt humus- und nährstoffreiche, durchlässige, nicht lehmige Erde I Wurzelbereich an sehr heissen Tagen mit Jute o. Ä. zudecken I als Zimmerpflanze gehalten wird es dem Orangenbaum mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit schlecht ergehen
Besonderheit: Tiefwurzler I Selbstbestäuber I Orangenblüten riechen betörend zart I die Farbe der Früchte ist kein Reifeindiz, viele Sorten sind und bleiben grün