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|Abt Ulrich von Eppenstein (1077-1121)

Abt Ulrich von Eppenstein
Ulrich von Eppenstein, 1077-1121. Ulrichs Geschlecht, die Eppensteiner, stammten aus der Steiermark und waren Anhänger Heinrichs IV., sein älterer Bruder, Liutold, war von diesem mit dem Herzogtum Kärnten ausgestattet worden, und er selbst wurde im September 1077 als Abt von St. Gallen eingesetzt, nachdem der rudolfinische Abt Lutold fliehen mußte. Von den Mönchen wurde Ulrich freudig aufgenommen, obwohl er nicht ein Mitglied des Konventes und vom König ernannt worden war. Er war in Alemannien der einzige Parteigänger des Königs während des Investiturstreites und setzte die militärischen Kräfte der Abtei St. Gallen im Einverständnis mit dem Konvent bedenkenlos für dessen Sache ein. Zur Sicherung des äbtischen Gebiets ließ er mehrere Burgen errichten. Seine mächtigsten Feinde waren der Abt von Reichenau, zeitweilig der Bischof von Konstanz, Herzog Welf IV. von Bayern und Markgraf Berthold von Zähringen. Dazu kamen noch die Kyburger, die Nellenburger und die Toggenburger. Als Abt Ekkehart von Reichenau 1079 auf dem Weg nach Rom bei Parma gefangen gesetzt wurde und sich in Deutschland die Nachricht verbreitete, er sei gestorben, setzte Heinrich IV. den St. Galler Abt zu Ostern 1079 in der Reichenau als Abt ein. Daraufhin folgte ein jahrelanger Fehdekrieg, den vor allem Berthold II. von Zähringen und nach seiner Rückkehr Abt Ekkehart von Reichenau mit wachsendem Erfolg gegen Ulrich führten, der sich schließlich auf die Feste Rachinstein zurückzog. Die rechtsrheinischen Besitzungen St. Gallens wurden beschlagnahmt, weswegen das Kloster in so große Not geriet, daß der Klosterschatz teilweise veräußert werden mußte. In den Jahren 1080 und 1081 hatte Ekkehart viermal umsonst versucht, Abt Lutold mit Waffengewalt nach St. Gallen zurückzuführen, erst 1083 gelang es ihm, den vom Gegenkönig Hermann von Salm anstatt Lutolds ernannten Reichenauer Mönch Werinhar in St. Gallen einzusetzen. Doch die Dienstmannen Ulrichs müssen den neuen Abt dermaßen belästigt haben, daß dieser 1086 freiwillig von seinem Amt zurücktrat. Fortan blieb Ulrich unangefochten im Besitze der St. Galler Abtei. 1086 kam er zudem in den Besitz des Patriarchates von Aquileja, worauf er sich vornehmlich in Italien aufhielt. Noch einmal kam er mit Waffengewalt nach Alemannien, als er den St. Galler Mönch Arnold im Dezember 1092 als Bischof in Konstanz einsetzen wollte. Er mußte aber unverrichteter Dinge wieder abziehen. Danach blieb er in Italien, bis zuletzt ein treuer Anhänger der königlichen Partei, der sich mit der römischen Kirche nie aussöhnte. Aus der Regierungszeit Ulrichs ist nur eine Urkunde für St. Gallen überliefert, eine Schenkung König Heinrichs IV. Abt Ulrich gilt als Gründer von St. Fiden, während der Kriegswirren Ende der 1070er Jahre soll er die Reliquien der hl. Fides aus Agen in Aquitanien nach St. Gallen gebracht haben. Er starb am 13.12.1121. Mit Ulrich von Eppenstein beginnt in St. Gallen eine Reihe adeliger Äbte, die in den Kämpfen ihrer Zeit eine nicht unwichtige Rolle spielten.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)