Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/68019

<h2>SubmittedText<h2><p>Verschiedene Ökonominnen und Ökonomen beschäftigen sich derzeit mit den wirtschaftlichen Folgen einer Vogelgrippen-Pandemie. Sie sehen zum Teil die Pandemie als grösstes Risiko für die Weltwirtschaft, das auch die Schweiz direkt treffen könnte. Im Anschluss an die wenig konkreten Antworten zur Frage in der Fragestunde vom 20. März 2006 wird der Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen gebeten:</p><p>1. Wie hoch schätzt er das Risiko einer Vogelgrippen-Pandemie in der Schweiz und in Europa ein?</p><p>2. Wie gross ist die Gefahr einer Grippen-Pandemie für die Weltwirtschaft?</p><p>3. Wie gross schätzt er das Risiko für die Schweizer Volkswirtschaft ein?</p><p>4. Hat er ein Frühwarnsystem eingerichtet?</p><p>5. Welche konkreten Massnahmen, um einem wirtschaftlichen Zusammenbruch als Folge einer Pandemie zu begegnen, hat er vorbereitet?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Gemäss Aussagen von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in Zukunft mit grosser Wahrscheinlichkeit mit dem Auftreten einer Influenzapandemie zu rechnen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es gemäss WHO allerdings nicht möglich, die kurz- und mittelfristige Eintretenswahrscheinlichkeit (z. B. innerhalb der nächsten fünf Jahre) zu beziffern. Der Bundesrat schliesst sich dieser Einschätzung an.</p><p>2. Gemäss internationalen Studien kann im Falle eines "Worst-case"-Szenarios (ähnlich aggressives Virus wie jenes von 1918/19) das Bruttoinlandprodukt (BIP) vorübergehend um rund 3 bis 6 Prozent schrumpfen anstatt durchschnittlich 2 Prozent steigen. Allerdings führen längst nicht alle Grippe-Pandemien zum "Worst case". Abgesehen vom schwersten Ereignisfall 1918/19 sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts noch vier weitere Grippe-Pandemien dokumentiert, die auf die einzelnen Weltregionen bezogen zum Teil nicht viel schwererwiegender waren als regional beschränkte Grippewellen. In solchen Szenarios wäre der Wachstumsratenverlust des BIP deutlich weniger als 1 Prozentpunkt.</p><p>3. Das "Risiko", interpretiert als Eintretenswahrscheinlichkeit, ist für die Schweiz gleich hoch wie europaweit bzw. global. Hier ist somit auf die Antwort zu Frage 1 zu verweisen. Wenn dagegen die Pandemie bereits Wirklichkeit geworden ist, erhält das "Risiko" eine andere Bedeutung: Es geht dann nur noch um die Abschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Schweiz. In diesem Fall dürfte sich der Wachstumsratenverlust im ähnlichen Rahmen bewegen, wie er u. a. für die USA, für die EU oder für Australien geschätzt worden ist. Somit kann für diese Frage auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen werden.</p><p>4. Das Frühwarnsystem zur Entdeckung von Vogelgrippe- und Influenzapandemieerkrankungsfällen beim Menschen in der Schweiz basiert auf folgenden Elementen:</p><p>- Meldepflicht: Ab dem 1. Februar 2006 müssen von der Ärzteschaft Verdachtsfälle erkrankter Personen innerhalb von 24 Stunden an die kantonale Gesundheitsbehörde gemeldet werden. Ab dem 1. Oktober 2006 beträgt diese Frist für die in Spitälern tätige Ärzteschaft noch zwei Stunden. Die kantonale Gesundheitsbehörde informiert ihrerseits das Bundesamt für Gesundheit (BAG).</p><p>- Labordiagnostik am Nationalen Zentrum für Influenza in Genf: Verdachtsfälle werden labordiagnostisch abgeklärt und die Resultate unverzüglich dem Kantonsarzt des betroffenen Kantons und dem BAG gemeldet.</p><p>- Sentinella-Meldesystem: Veränderungen der Inzidenz grippeähnlicher Erkrankungen innerhalb der Bevölkerung werden im Rahmen des Schweizerischen Sentinella-Meldesystems, dem rund 250 Hausärzte aus der ganzen Schweiz angeschlossen sind, erkannt.</p><p>- Das Grippeüberwachungs- und -frühwarnsystem der Schweiz ist eingebunden in das Europäische Grippeüberwachungssystem (European Influenza Surveillance Scheme) und in das globale Surveillancesystem der WHO. In Bezug auf die Influenzapandemieproblematik entsprechen die Instrumente der Frühwarnung in der Schweiz den Empfehlungen der WHO.</p><p>5. Gegenwärtig wird vom BAG der "Pandemieplan Schweiz" über- und weiter ausgearbeitet. Die aktualisierte Version wird Ende Juni 2006 veröffentlicht. Danach wird der Pandemieplan Schweiz 2006 regelmässig aktualisiert. Das oberste Prinzip dabei ist, situationsgerecht möglichst schnell mit geeigneten Massnahmen zu reagieren. Der aktuelle Stand ist auf der Internetseite des BAG (http://www.bag.admin.ch) zu ersehen. Im Falle einer Frühwarnung kann auf organisatorische Strukturen zurückgegriffen werden, die für das Management ähnlicher Krisensituationen bereits bestehen. Die Bundesverwaltung ist deshalb darauf vorbereitet, sehr schnell eine zentrale Stelle mit koordinierender Funktion einzurichten.</p>  Antwort des Bundesrates.