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Neue Forschungsergebnisse
Von der Fatigue bis zur Arbeitsunfähigkeit
Die Fatigue oder starke, disproportionale Müdigkeit ist ein wichtiges und häufig unterschätztes Symptom des Morbus Bechterew. Um eine mögliche Arbeitsunfähigkeit abzuwenden, braucht es neben einer frühen Diagnose noch weitere Massnahmen.
Das Interesse an den Themen Absentismus und Präsentismus wächst, da man davon ausgeht, dass diese Indikatoren für eine künftige Arbeitsunfähigkeit sein können. Absentismus bezeichnet das wiederholte Fernbleiben von der Arbeit, der Gegenbegriff Präsentismus bezeichnet eine Reduktion der Arbeitsproduktivität. In der vorliegenden Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Fatigue und Absentismus, Präsentismus, Arbeitsproduktivität und täglichen Aktivitätseinschränkungen gibt. Fatigue ist neben den entzündlichen Schmerzen und der möglicherweise eingeschränkten Beweglichkeit eines der wichtigsten Symptome des Morbus Bechterew.
Die Studie wurde am Royal National Hospital for Rheumatic Diseases (RNHRD) in Bath (Grossbritannien) durchgeführt. 490 Patienten nahmen an der Studie teil (76 % männlich). Alle Teilnehmer erfüllten die ASAS-Kriterien für axiale Spondyloarthritis (Assessment of SpondyloArthritis international Society) und waren zwischen 18- und 85-jährig. Von der Studie ausgeschlossen waren Patienten mit anderen schweren Erkrankungen.
Wer weniger müde ist, fühlt sich «gesünder»
Die Resultate der Studie zeigen, dass die Fatigue einen grösseren Einfluss darauf hat, ob jemand bei der Arbeit fehlt, als die Krankheitsaktivität (gemessen mit dem BASDAI, Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index) oder die Funktionseinschränkungen (gemessen mit dem BASFI, Bath Ankylosing Spondylitis Function Index). Daneben zeigt die Studie, dass die Fatigue auch einen grossen Einfluss auf die Bereiche ausserhalb der beruflichen Tätigkeit hat, so zum Beispiel auf die Hausarbeit, die Hobbies oder den Umgang mit sozialen Kontakten. Nichtsdestotrotz gab es Korrelationen zwischen dem Niveau der Fatigue und der Krankheitsaktivität (BASDAI) und der funktionellen Einschränkung (BASFI). Ein tieferes Niveau der Fatigue korrelierte mit einem besseren subjektiven Wohlbefinden. Davon ist abzuleiten, dass sich die Patienten allgemein gesünder fühlten, wenn das Niveau der Fatigue tief war.
Diese Ergebnisse decken sich mit der Erkenntnis aus dem klinischen Alltag, wonach viele Bechterew-Patienten zwar angeben, dass sie den Schmerz mit Schmerzmitteln gut im Griff haben, sich durch die Fatigue jedoch stark eingeschränkt fühlen. Ob die Fatigue vor allem durch die Krankheitsaktivität, oder auch durch soziodemografische oder psychologische Faktoren bestimmt wird, ist indes noch ungeklärt. Die Autoren der Studie stellen die Hypothese auf, dass sich viele Patienten trotz Schmerzen und Einschränkungen zwingen, zur Arbeit zu gehen, jedoch stark darunter leiden, wenn das Niveau der Fatigue ziemlich schwerwiegend ist.
Bessere Behandlung führt zu besserer Arbeitsfähigkeit
Die Autoren der Untersuchung ziehen die Schlussfolgerung, dass eine möglichst frühzeitige Diagnose und Behandlung, die Förderung des Rauchstopps sowie die Unterstützung bei der Verbesserung der Fatigue wichtige Elemente seien, um die Arbeitsfähigkeit der Patienten zu verbessern.
Die Grenzen der Studie sehen die Autoren vor allem darin, dass sie lediglich auf ein Land konzentriert ist, und dass in anderen Ländern nicht nur andere Gesetze für die soziale Absicherung, sondern auch andere kulturelle Normen bezüglich der Arbeitstätigkeit und dem Kranksein gelten. Auch der Einfluss der Medikation wurde bei dieser Studie nicht berücksichtigt.
Espahbodi, S., et al. «Fatigue contributes to work productivity impairment in patients with axial spondyloarthritis: a cross-sectional UK study.» Clinical and experimental rheumatology (2017).