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Zack («Twin Peaks»-Sheriff Michael Ontkean) und Claire (Kate Jackson aus «Charlie’s Angels») haben alles: Erfolg, Glück, Geld und nicht zuletzt sich selbst. Er reüssiert als Onkologe, sie als
Fernsehproduzentin; getroffen haben sie sich am College, verheiratet sind sie nunmehr seit acht Jahren; verstehen tun sie sich blind; und jetzt kaufen sie endlich ein grosses Haus ausserhalb von
Los Angeles, um eine Familie zu gründen. Doch da gibt es dieses Geheimnis, das Zack seit je mit sich herumschleppt: Er fühlt sich von Männern angezogen. In seiner Mittagspause checkt er
Schwulenbars in West Hollywood aus, wobei er aber nie den nächsten Schritt tut und seine geheime Leidenschaft auslebt. Das ändert sich, als er den Schriftsteller Bart (Harry Hamlin aus «L.A.
Law») trifft. Mit ihm hat er zwar seine ersten homosexuellen Erfahrungen, mit Barts hedonistischem Lebensstil und seiner launenhaften Persönlichkeit kommt er aber nur schwer klar. Und natürlich
zerreisst es ihn bei dem Gedanken, Kate die grosse Lebenslüge zu gestehen.
«Making Love» (1982) von «Love Story»-Regisseur Arthur Hiller gilt als erster grösserer Hollywood-Film, der sich damit auseinandergesetzt hat, was es bedeutet, wenn ein Ehepartner seine wahre sexuelle Identität verleugnet. Recht modern, sprich mehrdimensional ist dieses ausserordentlich gefühlvolle Liebesdrama auch in seiner Beschreibung unterschiedlicher schwuler Lebensstile: Während Bart der extrovertierte Typ ist, der lieber ständig seine Partner wechselt, statt sich auf emotionale Intimität einzulassen, strebt Zack eine stabile, monogame Beziehung an. Diese fundiertere und auch tolerantere und mitfühlendere Beschäftigung Hollywoods mit dem Thema Homosexualität war freilich durchaus typisch für die frühen Achtziger, bevor die AIDS-Katastrophe über die Community hereinbrach und Angst und Schrecken verbreitete. Die Idee zum Film kam Schriftsteller Scott Berg, nachdem er mehrere ehemalige Mitschüler getroffen hatte, die ihre Ehefrau verlassen wollten, um eine homosexuelle Beziehung zu beginnen. Er betrachtete die Schwulenbewegung als das grosse Ding der Achtziger: nicht unähnlich zu dem, was der Kampf für die schwarzen Bürgerrechte für die Sechziger und der Feminismus für die Siebziger war. Weniger enthusiastisch schienen demgegenüber die Stars zu sein, die für die Rolle von Zack angefragt wurden: Michael Douglas, Tom Berenger, Harrison Ford und William Hurt sollen zu den Leuten gehört haben, die – aus was für Gründen auch immer – den Part abgelehnt haben. Und auch das Publikum war nicht allzu empfänglich für das heikle Thema: Mit einem Box-Office-Ergebnis von rund 6 Millionen US-Dollar spielte der Film nicht einmal die Hälfte seiner Produktionskosten ein. Die Kritik schliesslich war geteilt: Während heterosexuelle Kommentatoren «Making Love» mehrheitlich als langweilig oder als Kitsch abtaten, kam er bei schwulen Kritikern nicht zuletzt deshalb gut an, weil er willens war, «homosexuelle Beziehungen als gleichwertig mit heterosexuellen» zu porträtieren, wie der Schwulenrechte-Aktivist Dennis Altman später schrieb. Jedenfalls sollte es ein knappes Vierteljahrhundert dauern, bis mit «Brokeback Mountain» wieder ein Mainstream-Film erschien, der sich auf derart sensible und intelligente Art des Hauptthemas von «Making Love» annahm. PS: Wie sich die Zeiten – zum Guten – geändert haben, illustriert die Warnung, die das Studio vor fast 40 Jahren meinte seinem Film vorausschicken zu müssen: «Wir glauben, dass ‹Making Love› neue Wege geht in seiner Darstellung einer jungen Managerin, deren Ehemann wegen seiner sexuellen Identität in eine Krise stürzt. ‹Making Love› geht offen und ehrlich mit dem delikaten Thema um. Der Film ist nicht sexuell explizit. Er mag aber zu stark sein für manche Leute. ‹Making Love› ist kühn, aber zärtlich. Wir sind stolz auf die Ehrlichkeit des Films. Wir gratulieren ihm zu seinem Mut.»