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Von den wirtschaftsliberalen Vorstellungen eines Adam Smith hielt er nichts, da das individuelle Streben nach Reichtum und Glück nur den Charakter verderbe. Aber auch dem Klassenkampf konnte er wenig abgewinnen. Gesellschaftlicher Fortschritt, so schrieb er in seinen vielen Büchern, sei nur durch Bildung und kollektives Arbeiten zu erzielen.
Das Geld, um seine Theorien in die Praxis umzusetzen, hatte er. 1771 in Wales geboren, besass der Sohn eines Sattlers und Eisenhändlers Talent für das Kaufmännische: Mit achtzehn Jahren gründete er seine erste Baumwollfabrik.
Innerhalb weniger Jahre wurde der schüchterne Mann, der begierig die Schriften der französischen Frühsozialisten studierte, zu einem der erfolgreichsten Unternehmer von Manchester. Der menschliche Charakter könne sich nur positiv entwickeln, wenn sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen grundlegend verbesserten – mit dieser Einstellung machte er sich mit 28 Jahren mit Geschäftspartnern an den Aufbau einer Fabrikgemeinschaft in Schottland. Dort lagen die Arbeitszeiten weit unter dem Durchschnitt; die Löhne waren hoch, der Wohnraum erschwinglich und der Lebensunterhalt dank Genossenschaftsläden billig.
Der Selfmademan verbot Kinderarbeit, schuf eine Renten- und Krankenversicherung und setzte an der Schule für die 300 Kinder der Siedlung ein für damalige Verhältnisse revolutionäres Erziehungskonzept um. Als er nach 24 Jahren wegen seiner Grosszügigkeit und seiner Religionskritik von seinen Teilhabern ausgebootet wurde, begann er in der Neuen Welt ein noch radikaleres, basisdemokratisches Projekt. Nach dessen Scheitern kehrte der utopische Sozialist nach England zurück und propagierte für den Rest seines Lebens die Genossenschaftsidee.
Wer war der Unternehmer, der früh zu einer Ikone der Arbeiterbewegung wurde und kurz vor seinem Tod 1858 noch eine Rede im Rollstuhl hielt?
Wir fragten nach Robert Owen (1771–1858), der mit seinen Genossenschaftsprojekten New Lanark (bei Glasgow) und New Harmony (im US-Bundesstaat Indiana) Generationen von ArbeiterInnen inspirierte.
Sein Erziehungskonzept basierte grossteils auf den Gedanken von Johann Heinrich Pestalozzi, seine Genossenschaftsidee gründete auf den Schriften von Charles Fourier (siehe WOZ Nr. 9/10). Mit seinen Fabriksiedlungen, die er als Keimzellen einer neuen Gesellschaft sah, wollte er den Kapitalismus schrittweise überwinden.
Obwohl seine Projekte scheiterten, schufen sie doch Neues – New Harmony zum Beispiel gab den Anstoss für die ersten Kindergärten und koedukativen Schulen und hatte die erste öffentliche Bibliothek in den USA. Und in Britannien wuchs dank seines Einflusses nicht nur die Zahl der Genossenschaften rasant an; auch die aufkommende Gewerkschaftsbewegung orientierte sich stark an Owens Ideen.