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CALL FOR PAPERS
Bibliotheken und Museen in der Schweiz : Überschneidende Geschichten (18.–19. Jahrhundert)
Interdisziplinäre Konferenz, historisches Museum Lausanne
24–25. Mai 2018
Für viele Bibliotheken des „Ancien Régime“ ist die Anwesenheit von Gegenständen und veritablen Kuriositäten-Kabinetten charakteristisch. In der Tat ist das Zusammenspiel zwischen Büchern und Gegenständen seit dem 17. Jahrhundert ein zentrales Thema des Bibliothekswesens: Münzen, Medaillen, Instrumente, Proben aus der Natur und exotische Artefakte interagieren mit den Büchern und erweitern das enzyklopädische Wissen der Bibliothek. Sie stellen, gleichzeitig als Verzierung und als Ergänzung des Bücherwissens, die materielle Dimension des Geschriebenen dar.
Im Anschluss an die Französische Revolution, die das Museum als öffentlichen Raum für didaktische, kulturelle und bürgerliche Zwecke verkündete, werden diese Gegenstände nach und nach aus den Bibliotheken entfernt und führen in vielen Fällen zur Entstehung von Museen. Zwischen dem Ende des 18. und während des ganzen nächsten Jahrhunderts entstehen in der Tat unzählige Museen aufgrund von Sammlungen von Objekten, die aus dem Bibliotheksraum „ausgelagert“ wurden. Die Ursachen dieser Trennungen sind praktische, da diese Sammlungen einen Umfang erreicht hatten, der es ihnen nicht mehr erlaubte, in den für die Bücher geplanten Ablageflächen zu verbleiben. Aber politische, wissenschaftliche und sogar epistemologische Ursachen werden ebenfalls in Betracht gezogen. Nichtsdestotrotz erscheinen in dieser Perspektive Bibliotheken und insbesondere öffentliche Bibliotheken als „Prototypen“ der Museen und die Grundvoraussetzung für die Entstehung eines regionalen und nationalen Museumspanoramas.
Die Schweiz und ihre Städte illustrieren deutlich die Fruchtbarkeit dieses Zusammenspiels. Die Sammlungen der Genfer Bibliothek, der Bibliothek der Akademie von Lausanne und der Burgerbibliothek Bern, um nur ein paar Beispiele zu nennen, initiieren und fördern zunächst die Entstehung der Naturkundemuseen ihrer jeweiligen Städte und später der Kunst-, Geschichts- und Ethnographiemuseen.
Trotz ihrer Wichtigkeit hat diese Wechselbeziehung in der Forschung bisher erst wenig Interesse geweckt. Es bleiben im Gegenteil disziplinäre Grenzen bestehen zwischen Spezialisten der Bibliotheksgeschichte und der Museumsgeschichte. Erstere teilen den Objektsammlungen der Bibliotheken eine grundsätzlich untergeordnete Rolle im Forschungsprogramm der Bibliothek der Aufklärung zu, letztere konzentrieren den Blick auf das Museum erst, wenn es eine unabhängige Existenz erworben hat. Es ist diese Lücke, die unsere Konferenz zu schliessen vorschlägt. Um interdisziplinäres Denken zu fördern, sollen Sammlungshistoriker und Fachleute der Bibliotheken und Museen zusammentreffen, um eine Reihe von Fallstudien zu präsentieren. Die Konferenz wird sich vor allem auf die Schweiz konzentrieren, um die geographische Lokalisierung der Fragestellung zu erleichtern. Allerdings sind Vorschläge für Beispiele aus anderen Regionen ebenfalls willkommen, soweit sie zur Formulierung von methodischen Grundlagen beitragen.
Vier Themenfelder sollen die Diskussionen strukturieren:
- Zuerst soll der Status der Objektsammlungen in den Bibliotheken hinterfragt werden, um die ursprünglichen Bedingungen ihrer Ankunft und Anordnung zu verstehen. Ebenso wollen wir ergründen, wie diese Gegenstände ihren Platz in den Büchersammlungen bestreiten;
- Wir werden auch die Frage nach der Trennung von den Büchern stellen: was motiviert diese Trennung? Wer sind die Akteure? Was bewirken diese Veränderungen innerhalb der Bibliothek? Wie soll man sich den Bezug zwischen dem im Entstehen begriffenen Museum und der Bibliothek vorstellen? Wie wird er aufrechterhalten? Warum bricht er ab?
- Wir werden darauf die Problematik des Sinn-Verlusts angehen, der häufig auftritt, wenn die Gegenstände Spezialsammlungen zugewiesen werden; ein Verlust, der sich wiederum in der Verwaltungspolitik der Sammlungen bemerkbar macht;
- Zuletzt werden wir unsere Aufmerksamkeit auf methodischen Fragen legen: ist eine Vereinigung der Bibliotheksgeschichte mit der Museumsgeschichte wirklich machbar? Welche Arten von Quellen können nützlich sein? Und wie steht es heute um das Zusammenspiel Bibliotheken / Museen bei der Verwaltung von Kultureinrichtungen? Beeinflusst es die zeitgenössische Kulturpolitik?
Der behandelte Zeitraum erstreckt sich vom 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts; Beiträge, die das 20. Jahrhundert betreffen werden jedoch akzeptiert, wenn sie sich auf aus früheren Jahrhunderten abgeleiteten geerbten Vorgehensweisen oder Diskursen beziehen.
Referate von Einzelpersonen sind auf 25 Minuten, als Zweierteam auf 40 Minuten beschränkt. Vorschläge in Französisch, Deutsch, Italienisch oder Englisch sollen etwa 300 Worte beinhalten. Sie sind an Rossella Baldi (<email-pii>) und Valérie Kobi (<email-pii>) zu senden.
Frist für die Zusendung der Vorschläge ist der 31. August 2017. Die Antworten werden im Oktober 2017 mitgeteilt.
Wissenschaftliches Komitee: Rossella Baldi, Danielle Buyssens, Valérie Kobi, Claude-Alain Kuenzi, Matthias Oberli, Michel Schlup, Martin Schultz.