Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/137029

<h2>SubmittedText<h2><p>1. Wie stellt sich der Bundesrat zum Vorschlag von Fachleuten, es seien nicht nur die vollendeten Suizidfälle zu erfassen, sondern auch die Zahl der überlebten Suizidversuche?</p><p>2. Warum werden die Suizidversuche heute nicht erfasst?</p><p>3. Welche Probleme würden sich bei einem solchen Vorhaben stellen?</p><p>4. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass es zur Sensibilisierung von Gesellschaft und Politik für das Problem wichtig wäre, das tatsächliche Ausmass der Suizidalität im Land zu erkennen?</p><p>5. Ist es möglich, und wäre es sinnvoll, allfällige gesundheitliche Folgen der Versuche zu erfassen unter Gewährleistung des Schutzes der Daten der Betroffenen?</p><p>6. Welches sind die Gründe, weshalb heute die Begleitkrankheiten in den Todesursachenmeldungen bei Suizid nicht erfasst werden?</p><p>7. Könnte deren Erfassung nicht helfen, zu weiteren Erkenntnissen für das Ziel der Früherkennung und der besseren Prävention zu gelangen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1.-3. Nebst der Erfassung aller Suizide und assistierter Suizide würde auch eine Statistik zu den Suizidversuchen einen wertvollen Beitrag zur Datenlage darstellen. Das Erfassen aller Suizidversuche wäre jedoch unverhältnismässig aufwendig und fehleranfällig, da sie nicht alle offiziell bekannt werden und es zudem vielfältige medizinische Anlaufstellen gibt (u. a. sämtliche Spitäler, aber auch Bezirksgefängnisse, sozialmedizinische Dienste und alle praktizierenden Ärztinnen und Ärzte), welche die Personen nach einem Suizidversuch betreuen.</p><p>Aufgrund einzelner Studien ergeben sich verlässliche Hinweise zum Ausmass der Suizidversuche: Der Monitoringbericht von 2011 über das suizidale Verhalten in der Agglomeration Bern zeigt, dass hier Suizidversuche rund siebenmal häufiger sind als vollendete Suizide, wobei die Dunkelziffer schwer zu quantifizieren ist. Schätzungen gehen von jährlich insgesamt 15 000 bis 25 000 Versuchen in der Schweiz aus und davon, dass knapp 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung einmal im Leben einen Suizidversuch unternehmen.</p><p>5. Die Sicherstellung des Datenschutzes müsste auch bei der Erfassung von Suizidversuchen gewährleistet werden. Eine anonyme Erfassung ist aufgrund der Wahrscheinlichkeit von Doppelmeldungen nicht zielführend. Deshalb müssten alle betreffenden Fachpersonen in den medizinischen Anlaufstellen, die Patientinnen und Patienten nach einem Suizidversuch betreuen, zur Offenbarung des medizinischen Berufsgeheimnisses berechtigt werden, was aufwendige Verfahren notwendig machen würde.</p><p>6. Bei den vollendeten Suiziden werden die Begleitkrankheiten nur zum Teil erfasst, da dies im Rahmen der Todesursachenstatistik nicht obligatorisch ist. Zudem sind die Begleiterkrankungen oft gar nicht bekannt bzw. wurden nicht dokumentiert.</p><p>4./7. Die vorhandenen Schätzungen zum Ausmass der Suizidversuche sind für allfällige Sensibilisierungsmassnahmen ausreichend. Für die Prävention ist es jedoch wichtig, dass Suizidversuche auf der klinischen Ebene erkannt werden, denn ein erfolgter Suizidversuch ist mit Abstand der grösste Risikofaktor für den vollendeten Suizid. Das Risiko ist im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung über Jahrzehnte hinweg um das 40-Fache oder mehr erhöht. Zur Vorbeugung eines vollendeten Suizids sollen Menschen, die einen Suizidversuch unternommen haben, konsequent und langfristig nachbehandelt werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, spezifische Behandlungen anzubieten und diese zu evaluieren. Ein in Bern entwickeltes Kurzinterventionsprogramm besteht, doch leider steht dieses Angebot mangels finanzieller Ressourcen nur einem kleinen Teil der betroffenen Personen zur Verfügung.</p>  Antwort des Bundesrates.