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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch
21. Die Juden haben den Vater nicht gesehen oder gehört, weil sie Christus nicht geglaubt haben. Die Einheit ihres Wesens.
Sie sind also wegen des nicht erkannten Zeugnisses nicht frei von Schuld, da Christi Werk das Zeugnis des Vaters über ihn ist. Auch deswegen nicht sind sie ohne Wissen um das Zeugnis, weil sie die Stimme des Zeugen nicht gehört und seine Gestalt nicht gesehen und sein Wort nicht bleibend in sich haben.
So nämlich war sein Wort: „Weder habt ihr seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht dauernd in euch.”1 Damit man aber den Grund dafür erkennen könne, daß man weder die Stimme gehört, noch die Gestalt gesehen habe und sein Wort nicht in ihnen bleibe, obwohl doch der Vater Zeugnis über ihn gegeben hatte, deswegen fügte er sofort anschließend hinzu: „weil ihr dem nicht glaubt, den jener gesandt hat”.2 Damit zeigt er, daß man durch den Glauben an ihn (Christus) Gottes Stimme höre und auch Gottes Gestalt sehe und auch sein Wort in den Gläubigen sei, da man wegen der Wesenseinheit in ihm den Vater sprechen höre und sehe und besitze.
Bezeichnet er etwa nicht auch den Vater, da er doch von ihm gesandt ist? Trennt er sich etwa (deswegen) durch irgendeinen Wesensunterschied vom Vater, da man aus dem Grunde den bezeugenden Vater weder [S. 89] gehört noch gesehen noch erkannt hat, weil man dem Gesandten des Vaters keinen Glauben geschenkt hat? Der eingeborene Gott trennt sich dadurch also nicht von Gott, daß er Gott als seinen Vater bekennt; dadurch vielmehr, daß er durch die Bezeichnung des Vaters den Gott als Vater aufweist, hat er auch sich in Gottes Höhe gestellt.
1: Joh. 5, 37 f.
2: Joh. 5, 38.