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Verändere zuerst dein Verhalten - erwarte nicht, dass der andere den ersten Schritt macht!
«Wenn sie mir besser zuhören würde, dann würde ich ihr mehr erzählen.»
«Wenn er endlich tun würde, was ich sage, dann hätten wir es friedlicher miteinander.»
«Wenn sie mehr mithelfen würde, dann wäre ich manchmal auch hilfsbereiter.»
«Wenn…, dann...»
Kennen Sie solche Gedanken?
Oft werden wir traurig, wütend oder sind frustriert, wenn jemand anderes sich nicht so verhält, wie wir es gerne hätten und erwarten. Möglicherweise reagieren wir darauf, indem wir die andere Person vorwurfsvoll angreifen oder indem wir uns beleidigt zurückziehen. Vielleicht äussern wir Sätze wie: «Jetzt hast du mir schon wieder nicht zugehört!» oder: «Du hilfst ja doch nie mit…»
Die Krux ist: mit solchen Verhaltensweisen und Äusserungen werden wir mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht erreichen, dass die andere Person ihr Verhalten künftig freudig und gerne ändern wird.
Die Reaktionen, mit denen wir bei Kindern - und teilweise auch bei Erwachsenen - eher rechnen müssen, können grob in zwei Arten unterteilt werden. Entweder das Kind rebelliert und kontert seinerseits mit Vorwürfen oder Rückzug. Es kommt vielleicht zum Streit, sicher aber zu einer Verhärtung der Fronten. Niemand verändert sein oder ihr Verhalten. Oder das Kind ändert sein Verhalten zwar, jedoch motiviert durch Angst oder Scham: Es möchte nicht der Auslöser für Trauer, Wut oder Frust bei den Eltern sein. Damit haben wir zwar unser Ziel erreicht (das Verhalten hat sich geändert), bezahlen jedoch einen hohen Preis: Das Kind hat nicht wirklich verstanden, weshalb es sein Verhalten ändern soll, es hat einfach Angst. Angst schwächt das Vertrauen zwischen Eltern und Kind. Und eventuell lernt das Kind aus der Situation für sein Leben: Indem ich andere verängstige oder beschäme, kann ich mich durchsetzen.
Wie können wir also mitteilen, was uns nicht passt und was wir uns stattdessen wünschen und dabei im Kontakt bleiben mit unserem Gegenüber, egal ob Kind oder erwachsene Person?
Hilfreich ist, wenn wir uns dazu beispielweise diese Fragen stellen:
Weshalb liegt mir diese Verhaltensänderung so am Herzen?
- von mir reden, begründen, offen sein für Gegenargumente
Wann ist ein guter Zeitpunkt, um mich mitzuteilen?
- nicht im Streit, sondern in Ruhe und in «Friedenszeiten»
Wie kann ich mein Anliegen positiv ausdrücken?
- was ich mir wünsche und nicht, was ich nicht möchte/verbiete
In welchem Ton spreche ich?
- ruhig und freundlich, klar und bestimmt
Welche Wörter benütze ich?
- besonders bei Kindern wichtig: eine einfache, für das Kind verständliche Sprache wählen
Wie kann ich mein Gegenüber mit einbeziehen/beteiligen?
- auch bei Kindern gilt: gemeinsam getroffene Vereinbarungen werden eher eingehalten
Es geht also beim Motto «Verändere zuerst dein Verhalten - erwarte nicht, dass der andere den ersten Schritt macht!» nicht um die Frage «Wie würde ich sein, wenn andere etwas verändern würden?», sondern um die Frage «Wie will ich sein? Wie möchte ich anderen begegnen?».
Hintergrund zum Motto
Das Motto «Verändere zuerst dein Verhalten - erwarte nicht, dass der andere den ersten Schritt macht!» ist eines von 12 Mottos, welche durch den Elternkurs «Starke Eltern – Starke Kinder®» führen. Die Mottos bringen wichtige Erziehungsgrundsätze auf den Punkt und dienen Eltern als Leitsätze im Erziehungsalltag.
Der Elternkurs vermittelt das Modell der «anleitenden Erziehung»: Neben einer liebevollen, warmherzigen und aufmerksamen Haltung gegenüber den Kindern steht auch die Vermittlung von klaren Regeln, Werten und Normen im Vordergrund.