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Biologen und Physiker des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, haben herausgefunden, dass nicht alle auf der südlichen Halbkugel beheimateten Buckelwale (Megaptera novaeangliae) zum Ende des antarktischen Sommers Richtung Äquator wandern. Ein Teil der Population verbleibt den ganzen Winter lang in den antarktischen Gewässern. Das berichten die Wissenschaftler in einer aktuellen Studie des Fachmagazins PLOS ONE. Zu dieser überraschenden Erkenntnis verhalfen ihnen Aufnahmen des Antarktis-Unterwasserobservatoriums PALAOA. Es steht in Nähe der Neumayer-Station III auf dem Schelfeis und zeichnet auch in den Wintermonaten regelmässig Unterwasserlaute der Wale auf.
Und selbst dann, so glaubte man bis dahin, würden sie auf der Suche nach Krill nur bestimmte eisfreie Regionen auf Höhe des 60. südlichen Breitengrades ansteuern. Unser PALAOA-Observatorium aber überwacht ein Gebiet auf 70 Grad Süd - also viel weiter südlich als die bekannten Futtergründe.
Die Tiere an einem Wintermorgen in der Nähe unseres Observatoriums zu hören, war vor diesem Hintergrund eine doppelte Überraschung", erzählt die Wissenschaftlerin.
Im Folgejahr fehlten sie lediglich im September. Demzufolge ist es sehr wahrscheinlich, dass in beiden Jahren Buckelwale im östlichen Weddellmeer überwintert haben", sagt die Wissenschaftlerin.
Ausserdem bietet das Küstengebiet des östlichen Weddellmeeres den Tieren sehr wahrscheinlich auch in der kalten Jahreszeit so reichhaltige Krillvorkommen, dass die Wale genügend Futter finden, um sich Fettreserven für die Fortpflanzung und die lange Reise im Folgejahr anzufressen", so Ilse Van Opzeeland.
Diese neuen Erkenntnisse untermauern die Bedeutung des Südpolarmeeres als Lebensraum für Buckelwale.
"Gerade vor dem Hintergrund der Diskussion um Meeresschutzgebiete zeigen unsere Ergebnisse, dass nicht nur die bekannten Futtergründe in der Region um 60 Grad Süd für die Buckelwale wichtig sind, sondern auch die Gewässer weiter südlich. Die Tiere kommen in diesen Gebieten fast das ganze Jahr über vor", sagt die Biologin.
Vermutlich stammen die Tiere aus der Küstenregion des südlichen Afrikas. "Wir wissen von anderen Buckelwal-Populationen der Südhalbkugel, dass sie in jedem Frühjahr auf relativ geradem und direktem Wege Richtung Süden schwimmen. Sollte dies auch für die Wale aus dem Weddellmeer gelten, liegt es nahe, dass sie zu den Populationen an der Ost- oder Westküste des südlichen Afrikas gehören", so Ilse Van Opzeeland.
Ausserdem wertet das AWI-Team derzeit Daten einer Kette von Unterwasserrekordern aus, welche die Wissenschaftler vor einigen Jahren entlang des nullten Längengrades am Meeresboden zwischen Südafrika und der Antarktis verankert haben: "Wir wissen, dass Buckelwale in den Gebieten, in denen sie ihre Kälber auf die Welt bringen sowie auf ihrer Wanderung singen und dass sich ihre Gesänge von Jahr zu Jahr verändern. Weitestgehend unbekannt ist allerdings, wann und wie sich dieser Wandel vollzieht. Mithilfe der Aufnahmen unserer Streckenposten können wir diesen Geheimnissen vielleicht auf die Spur kommen", sagt Ilse Van Opzeeland. Sie also wird sich die Buckelwalklänge garantiert noch viele Male ganz genau anhören.
Weitere Informationen zum PALAOA-Observatorium:
Name:
PALAOA steht für PerenniAL Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean. Palaoa ist aber auch das hawaiianische Wort für Wal und tatsächlich kann die Forschungsstation mit ihren Unterwassermikrofonen die Gesänge der Meeresriesen hörbar machen.
Standort:
Der kleine PALAOA-Forschungscontainer ist unbemannt und steht etwa 18 Kilometer entfernt von der Neumayer-Station III auf dem Ekström-Schelfeis der Aktabucht in der Antarktis. Gewartet wird das Observatorium den antarktischen Winter über von Mitgliedern des Überwinterungsteams an der Neumayer-Station III.
Hydrophone:
Für die vier Hydrophone des Observatoriums wurden etwa 800 Meter von der Schelfeiskante entfernt Löcher durch das 100 Meter dicke Schelfeis gebohrt und die Unterwassermikrofone anschliessend an einem Kabel in das Meer hinabgelassen.
Livestream:
Alle Töne, die PALAOA aufnimmt, werden via WLAN an die Neumayer-Station III geschickt und von dort per Satellit an das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven gesendet. Unter folgendem Link kann jedermann live mitverfolgen, was es im Antarktischen Meer zu hören gibt: http://www.awi.de/fileadmin/user_upload/PALAOA/spectrum.html