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Nach fast zwei Jahrzehnten Pause kam Volvo Cars anfangs der 1980er-Jahre zurück auf die Rennpiste. Am Start: Der Volvo 240 Turbo Evolution – auch bekannt als der «Fliegende Ziegelstein». Dabei wurde das Schweizer Motorsport-Team zur Sensation der Tourenwagen-Meisterschaften.
Dass Volvo Cars wieder in den Motorsport einstieg, kam 1982 durch eine Regeländerung der FIA (internationale Motorsport-Vereinigung) zustande, die sie für die Tourenwagen-Gruppe A einführte. Die neuen Regeln sahen vor, dass ausschliesslich Serienfahrzeuge, von denen pro Jahr mindestens 500 Stück des Modelltyps verkauft wurden, an den Start gehen durften. Das Rennauto musste zudem vier Sitze haben und liess nur begrenzte Modifikationen zu. Diese Voraussetzungen waren perfekt für den Volvo 240 Turbo Evolution. Das Evolution-Modell hatte einen stärkeren Turbolader als der normale 240 Turbo, ein modifiziertes Motorkontrollsystem und eine Wassereinspritzung – eine eigens entwickelte und patentierte Erfindung.
Sagenhafter Vorsprung
Die Tourenwagen-Konkurrenz belächelte anfänglich das erneute Engagement von Volvo im Rennsport. Denn der Volvo 240 galt vor allem als Familienfahrzeug, das für seine Sicherheit und Langlebigkeit bekannt war. Aber schnell? Das traute man dem Volvo 240 nicht zu. Doch das Lachen blieb der Konkurrenz im Hals stecken, als die fliegenden Ziegelsteine (Flying Bricks) an ihnen vorbeigezogen. Der Grund: Volvo erfand mit der Wassereinspritzung eine Novität, die den Rennmotor auf 330 PS Leistung hochschraubte. Schon beim ersten Gast-Rennen an der DTM (Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft) im Jahr 1984 zeigte sich, dass der Volvo 240 Turbo Evolution schneller war als alle anderen und mit einem Vorsprung von sagenhaften 35 Sekunden durchs Ziel fuhr. Auch an der Europäischen Tourenwagen-Meisterschaft (ETC) konnte sich der Volvo 240 durchsetzen und platzierte sich gleich von Beginn weg zweimal auf dem Siegerpodest.
Ein Spaziergang zum Sieg
1985 sollte für Volvo das goldene Jahr im Motorsport werden. Volvo schickte dafür zwei unabhängige Werkteams ins Rennen. Eines davon war das Schweizer Motorsport-Team Eggenberger. Die Fahrer waren der Schwede Thomas Lindström, Sigi Müller Jr. aus Westdeutschland, der Italiener Gianfranco Brancatelli und der Belgier Pierre Dieudonné. Das Team sollte von Erfolg gekrönt sein: Volvo beendete sechs von 14 Tourenwagen-Rennen als Sieger. Mehr noch: Das Fahrerpaar Lindström/Brancatelli gewann die ETC-Serie in einem Spaziergang!
Darüber hinaus gewann Per Stureson nach einem Sieg und fünf Podestplätzen die deutsche DTM-Meisterschaft. Als ob ETC und DTM nicht genug wären, konnte Volvo 1985 auch die Tourenwagen-Meisterschaften in Finnland, Portugal und Neuseeland gewinnen. Darüber hinaus gewann ein 240 Turbo im selben Jahr die schottische Rallye-Meisterschaft.
Das Ende
Die Dominanz der «Flying Bricks» gefiel der Konkurrenz gar nicht: In der Saison von 1986 wurde Volvo in einem der Rennen wegen eines illegalen Kraftstofftanks und eines Armaturenbretts disqualifiziert. Der schwedische Hersteller zog sich daraufhin erneut für ein Jahrzehnt aus dem Rennsport zurück.
Volvo 240 Turbo vs BMW 635 CSI at Bathurst 1000, Australia, 1985