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“KREBS” (Cancer) entsteht, wenn Zellen unkontrolliert wachsen und sich so weiter im Körper ausbreiten.
Die Krankheit Krebs hat ihren Namen tatsächlich von dem Tier, dem Krebs: Die Bezeichnung geht zurück auf Hippokrates (460 bis 370 vor Christus), den berühmtesten Arzt des Altertums. Ihm wurde später auch der Hippokratische Eid zugeschrieben.
Um neue Behandlungsmöglichkeiten für den weit verbreiteten Brustkrebs zu finden, haben Forschende nun Krebszellen künstlich reifen lassen und sie so in einen Zustand versetzt, in dem sie sich nicht mehr teilen.
Krebszellen ähneln in ihren Eigenschaften ja bekanntlich den Stammzellen. Sie unterscheiden sich aber in vielerlei Hinsicht von den normalen Zellen des Körpers: eines ihrer Merkmale ist ihre hohe Anpassungsfähigkeit an verschiedene Umgebungen im Körper sowie an die medikamentösen Behandlungen.
Forschende der Uni Basel und des Universitätsspitals Basel haben die Möglichkeit getestet, (weibliche) Brustkrebszellen künstlich heranreifen zu lassen – genauer gesagt zu differenzieren – um sie dann in einen normaleren Zelltyp umwandeln zu können.
Differenzierung ist eine therapeutische Strategie, die bei der Behandlung von Blutkrebs (Leukämie) erfolgreich eingesetzt wird, jedoch noch nicht bei den so genannten «soliden» Tumoren (Krebsen).
In der Zeitschrift «Oncogene» berichtet nun eine Forschungsgruppe um den Prof. Dr. Mohamed Bentires-Alj über neuere Ergebnisse aus ihrer Forschung. Den Wissenschaftlern gelang es, die oben erwähnte Differenzierung zur Behandlung eines besonders aggressiven Karzinoms, des «dreifach-negativen Brustkrebses», einzusetzen.
«Wir zeigen hier, dass wir Brustkrebszellen in weniger schädliche Zellen umwandeln können, die aufhören zu wachsen», sagt Bentires-Alj, Forschungsgruppenleiter am Departement Biomedizin der Uni Basel.
Östrogenrezeptoren in gesunden und kranken Zellen:
Das Hormon Östrogen wirkt als Signalmolekül in Zellen, indem es sich an den ihm zugehörigen Rezeptor, den Östrogenrezeptor, bindet und dadurch eine Reihe biologischer Prozesse auslöst. In der gesunden weiblichen Brust sind Zellen, die den Östrogenrezeptor produzieren, reife, spezialisierte Brustzellen und vermehren sich nicht.
Im Gegensatz dazu vermehren sich Zellen mit Östrogenrezeptor bei einem Subtyp von Brustkrebs erheblich. Dieser Subtyp wird als so genanntes östrogenrezeptor-positives Brustkarzinom bezeichnet und macht ca. 75 Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Da diese Tumore für Östrogen empfänglich sind, können sie mit den anti-östrogenen Therapien behandelt werden, die sich inzwischen als sehr wirksam in der Praxis etabliert haben.
Brusttumore vom oben erwähnten «dreifach-negativen Subtyp» hingegen reagieren weder auf die Östrogene noch auf die Anti-Östrogene. Dieser Karzinomtyp tritt hauptsächlich bei Frauen vor der Menopause auf, und es gibt oft keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten.
«Unsere ursprüngliche Idee war es, die Produktion des Östrogenrezeptors künstlich anzukurbeln, um den dreifach negativen Brusttumor in ein östrogenrezeptorpositives Karzinom umzuwandeln, da es für diesen Subtyp wirksamere Behandlungsmöglichkeiten gibt», sagt die Erst-Autorin der Studie, Dr. Milica Vulin.
In Zusammenarbeit mit dem Pharma-Konzern Novartis testete das Forschungsteam mehr als 9500 Substanzen auf diese Wirkung. Dabei stellte sich heraus, dass die vielversprechenden Wirkstoffe sich dadurch auszeichnen, ein wichtiges Zellzyklusprotein namens «Polo-like Kinase 1 (PLK1)» zu hemmen.
Die Blockierung dieses Proteins führte zu der gewünschten verstärkten Expression des Östrogenrezeptors. Zur Überraschung der Forschenden verwandelte dieses die «dreifach negativen Brustkrebszellen» nicht nur in einen besser kontrollierbaren Typ von Krebszellen. Es wandelte sie in Zellen um, die den normalen Zellen sehr ähnlich sind.
Bedeutung für die Behandlung der Menschen:
«Das Verständnis der zellulären und molekularen Mechanismen, die Krebs definieren, und wie sich diese Mechanismen von normalen Zellen unterscheiden, ist für die Entwicklung neuer innovativer Therapien von entscheidender Bedeutung», sagt Forscherin Vulin.
Die Ergebnisse eröffnen nun einen neuen Weg für die Behandlung von «dreifach negativem Brustkrebs».
«Die in dieser Studie verwendeten Wirkstoffe befinden sich bereits in klinischen Versuchen zur Behandlung anderer Krebsarten, darunter Blut-, Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs», so die Forscherin weiter.
Im Zusammenhang mit den relativ neuartigen Immuntherapien gegen Krebs vermuten Fachleute, dass «normalähnliche» Zellen vom Immunsystem beseitigt werden können, während «krebsartige» Zellen sich der Abtötung durch die Immunzellen entziehen.
Für die Zukunft bleibt somit abzuwarten, ob die Differenzierungstherapie mit Immuntherapien kombiniert werden kann. «Wir verfolgen solche Strategien, und nur Zeit und knappe Ressourcen stehen uns im Weg, um weitere Fortschritte zu erzielen», summiert Prof. Bentires-Alj. Beide Hindernisse sind behebbar.