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Das «schwarze Gold» aus Fräschels
Der Torfabbau im Grossen Moos diente zu Heizzwecken
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde in Fräschels – wie an vielen Orten im Grossen Moos – Torf abgebaut. Die auch «schwarzes Gold» genannten Torfbriketts wurden zu Heizzwecken unter anderem nach Bern, Neuenburg und Grenchen geliefert.
Von UELI GUTKNECHT
Der 82-jährige Fräschelser Fritz Hurni, ehemals Bauer und Landi-Mitarbeiter, schöpft in seinen Erzählungen und in seiner «Fräschelser Chronik» zum Thema «Torf» dank eigener Erfahrung aus dem Vollen.
Seit Menschengedenken schenkte die Burgergemeinde Fräschels als grosse Landeigentümerin ihren Burgern jährlich kostenlos das Recht, ein etwa sechs mal sechs Meter messendes «Turbelos» zum Eigengebrauch auszubeuten, einen als «Pflanzblätz» dienenden «Moosgarten», und zwei schmale, an die 300 Meter lange Parzellen als «Bürgernutzen» zu bewirtschaften. Dies dauerte bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Wurde im Ersten Weltkrieg vor allem das näher am Dorf gelegene etwa 18 Jucharten grosse «Turbemoos» auf Freiburger Boden ausgebeutet, war es während des Zweiten Weltkrieges das Gebiet «in den Schritten» auf dem Boden der bernischen Gemeinde Niederried.
Fritz Hurni erinnert sich, wie er zusammen mit anderen Buben das teilweise noch nicht urbarisierte sumpfige Gebiet durchstreifte und dabei nicht selten zu einem unfreiwilligen Bad kam.
Internierte stachen Torf
Abgebaut wurde meist von Hand durch Private, vereinzelt auch maschinell durch Firmen und Genossenschaften.
Nach dem sorgfältigen Abräumen des Humus wurde der Torf in Fräschels mit so genannten «Einer-Eisen» zu etwa 50 mal 10 mal 7 Zentimeter grossen «Stücken» ausgestochen. In der Regel waren in der Tiefe drei Stiche möglich, wobei die unterste «Etage» meist schon ordentlich vom Grundwasser getränkt war. Während des Ersten Weltkrieges wurde deshalb eine vom Wind getriebene Pumpe installiert. Sie erinnerte bis in die fünfziger Jahre an die von den Niederländern kopierte Wasserbautechnik.
«Die Qualität des Torfs variierte oft von Gebiet zu Gebiet. Gelegentlich war er auch von Lehm oder Kies durchzogen» erinnert sich der rüstige Senior und fährt fort: «Im Zweiten Weltkrieg verrichteten vor allem die rund 200 in Fräschels internierten Italiener die Arbeit des Torfstechens.»
Auf der Schaufel warf der Stecher den Torf nach oben einem Gehilfen zu, der ihn auf seine «Turbebäre» lud und zum Trockenplatz fuhr. Damit die «Turben» rasch trockneten und alle aufgeschichteten «Höckli» gleichmässig Wind und Sonne erhielten, wurden sie ein paar Mal gewendet. Diese Arbeit verrichteten hauptsächlich Frauen und Kinder.
Beim maschinellen Abbau wurde die Torfschicht nach dem Entfernen des Humus gefräst und nach dem Trocknen an Ort und Stelle als lose Masse verladen und zu Heizzwecken an industrielle Betriebe geliefert. So beispielsweise an die Firma Torolit in Kallnach, die daraus zusammen mit anderem Brennmaterial Briketts presste und verkaufte. Abgebaut wurde der Fräschelser Torf unter anderem von der Grundeigentümerin Lohri Brennstoffe in Murten.
Rentabel dank Brennstoffknappheit
Wirklich rentabel war der Abbau «dank» der Brennstoffknappheit nur im Ersten und Zweiten Weltkrieg.
Zu den Kunden sowohl des von Hand als auch industriell abgebauten Fräschelser Torfs zählten im Zweiten Weltkrieg die Ziegelei Fräschels, Firmen in Bümpliz, Lyss, Zürich, die Uhrenfabrik Schild in Grenchen sowie private Haushalte in Bern und Neuenburg.
Torf brannte nicht nur im Ofen
Torfbrände waren bei grosser Trockenheit keine Seltenheit. Fritz Hurni erinnert sich an einen Brand im Niederriedmoos, als das Feuer im trockenen Torf tagelang mottete und auch der Humus brannte und unbrauchbar wurde.
«Torffeuer setzte im Kamin Pech an und wurde vom Kaminfegermeister Nobs aus Kerzers beim Russen jeweils lauthals verwünscht» lacht Fritz Hurni beim Erzählen. Gelegentlich kam es deswegen auch zu den gefürchteten Kaminbränden.
Wunden in der Natur
Das Torfstechen hinterliess in der Natur Wunden. Wurden die ausgebeuteten Gebiete früher mehr schlecht als recht renaturiert, änderte sich das mit dem Zweiten Weltkrieg. Das während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs ausgebeutete Torf-Land in Fräschels erstreckte sich über rund 15 Jucharten. Die Fläche wurde im Rahmen des «Plan Wahlen» (Anbauschlacht während des Zweiten Weltkrieges) von der Firma Drahtzug Biel urbarisiert und drainiert. Bewirtschaftet wurde das Gebiet vom Landwirtschaftsbetrieb der Zuckerfabrik Aarberg. Gepflanzt wurden Kartoffeln. Später diente es als Schafweide.
Die ausgebeutete Fläche in der Gemeinde Niederried betrug ungefähr 40 Jucharten. Zehn davon wurden bereits im Ersten Weltkrieg genutzt. Der Torfabbau in Fräschels dauerte noch beschränkt bis 1955. Erst danach wurde das ehemalige Torfabbaugebiet im Rahmen der Güterzusammenlegung Fräschels-Niederried entwässert, aufgefüllt, ausgeebnet und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht.
Quellen: Mündlich: Fritz Hurni, Fräschels. Schriftlich: «Fräschels Chronik» von Fritz Hurni, erhältlich bei der Gemeindeverwaltung Fräschels. «Torfabbau am Beispiel des grössten Flachmoorgebiets der Schweiz», Seminararbeit von Andreas Häusler und Andreas M. Zaugg, Universität Bern.
Was ist Torf?
Torf ist ein spezieller, für Moore typischer Bodentyp. Er entsteht aus der Ansammlung pflanzlicher Substanzen in verschiedenen Zersetzungsgraden. Durch den niedrigen pH-Wert und den Luftabschluss durch das darüber liegende Wasser wird die Zersetzung extrem verlangsamt. So dauert die Entstehung eines Moores etwa 8000 Jahre. ugu
Torfabbaugebiete im Grossen Moos
1945 werden erwähnt: Aegerten, Biel, Brügg, Brüttelen, Finsterhennen, Gals, Gampelen, Hagneck, Ins, Ipsach, Müntschemier, Niederried, Pieterlen, Siselen, Täuffelen, Treiten, Wengi. Ein Buch aus dem Jahr 1914 erwähnt ausserdem Witzwil, Kerzers und das Gampelenmoos als Abbaugebiete. ugu