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Wappen
In Blau eine gebildete, strahlende goldene Sonne, überhöht von 2 sechsstrahligen goldenen Sternen. Das Wappen finden Sie in der Burgerstube von Visp.
Über die ältere Geschichte der Familie Burgener schrieb H.H. Rektor Hans Anton von Roten ins seiner Biographie über Landeshauptmann Johann Jodok Burgener folgendes: „Ihren Namen hat die Familie Burgener wohl von dem auf einer Felsenhöhe fast burgartig kühn hingebauten malerischen Weiler Burgen bei Törbel. Nach dieser Siedlung nannte sich im 13. Jahrhundert eine Herrenfamilie, aus welcher zu Beginn des 14. Jahrhunderts Söhne und Nachkommen eines Herrn Kuon oder Cono, eines Herrn Matheus und eines Herrn Gerung «ab Burguna» erwähnt werden. Im 15. Jahrhundert ist die Familie schon weiter verbreitet, so 1424 in Zermatt und 1443 im Saastal.“
Als sich vor über 400 Jahren Schustermeister Johann Burgener in Visp niederliess, konnte er wohl kaum ahnen, dass einige seiner Nachkommen einst die Geschicke der Republik Wallis leiten und mitgestalten würden. Mehrere Magistraten, Politiker und Amtspersonen sind aus dieser Familie hervorgegangen. Die Lebensläufe der beiden Landeshauptmänner Johann Jodok Burgener (1657-1721) und Franz Joseph Burgener (1697-1767) hat H.H. Rektor Hans Anton von Roten bereits ausführlich beschrieben. Ein Nachkomme dieser beiden Landeshauptmänner ist Thomas Burgener (geb. 1954), seit 1999 Staatsrat und Vorsteher des Departements für Gesundheit, Sozialwesen und Energie.
Der vorliegende Artikel soll ein wenig Licht in die Anfänge der Familie Burgener in Visp bringen. Gerade für die Zeit vor 1700 enthält die Genealogie der Familie Burgener zahlreiche Fehler. Die im Schweizerischen Geschlechterbuch von 1936 gedruckte Stammreihe weist einige Ungenauigkeiten auf. Als Stammvater der Visper Familie Burgener erscheint dort ein Notar Johann Burgener, Kastlan von Baltschieder 1570, verheiratet mit Catharina Kummer, Tochter eines Anton Kummer aus dem Saas. Diese Angaben gründen auf einen im 19. Jahrhundert (?) erstellten Stammbaum der Familie Burgener, worin jedoch eine Catharina Camer als Gattin des Notars Burgener erscheint.
Der Grund für die falschen Angaben lag wohl auch daran, dass um 1600 mehrere Familien Burgener in der Umgebung von Visp lebten. So erscheint seit 1588 ein Johann (†1595), Sohn des Anton Burgener, als Gemeinder von Baltschieder, wo er Güter „in Massolters Griindgy“ besass und Margaretha, Tochter des Peter Thällers, als Gattin hatte. Ein Bartholomäus Burgener heisst im Jahr 1600 Einwohner von Visp, wo später auch noch seine beiden Söhne erwähnt werden: Anton Burgener heisst 1621 und 1633 Einwohner von Visp; sein Bruder Heinrich Burgener war 1620-1631 Pächter der Mühle und Säge in der Eyen (Grosseya).
Doch wenden wir uns wieder der Familie von Visp zu. Bereits im 16. Jahrhundert hatte sich mit Theodul Burgener ein Zweig der Familie von Saas in Grächen niedergelassen. Es war wohl seine Gattin, Catharina Steiner, Tochter eines Theodul Steiner von Grächen, die ihn dazu bewogen hatte, sich in Grächen niederzulassen. Theodul Burgener starb vor dem 9. Januar 1608. Von seinen Kindern sind drei mit Namen bekannt:
Theodul II. Burgener
wohl der älteste Sohn, wird 1608 und 1619 erwähnt;
Johann I. Burgener
Schustermeister und Gastwirt in Visp;
Catharina Burgener
die 1619 als Gattin des Weibels Anton Summermatter, Sohn des Simon Summermatter zum Liechtbuel bei Stalden, erscheint. Das Geschlecht der Burgener starb am Grächnerberg bereits Mitte des 17. Jahrhunderts aus. Als letzte Träger dieses Namens nennt das Sterbebuch von Grächen drei Frauen: Catharina Burginer, die 1646 starb, Margaretha und Anna Burginer, die beide im Jahr 1648 verschieden.
Schustermeister Johann I. Burgener
Geboren um 1560-1570, wird erstmals am 4. Januar 1597 erwähnt und heisst damals Wirt und Einwohner von Visp. Sein Gasthaus befand sich im Ort genannt “Über Biel”, nahe der alten Suste, in der Gegend des heutigen Kultur- und Kongresszentrums La Poste. Obwohl er durch seinen erlernten Beruf als Schuster ein regelmässiges Einkommen hatte, war es vor allem das Gastgewerbe, das ihm eine sichere Existenz in Visp bot. Im Jahre 1608 hatte Burgener sein elterliches Erbgut in Grächen für 258 Pfund verkauft, um mit dem Erlös Güter in Visp zu erwerben. In den folgenden Jahren findet sein Gasthaus immer wieder Erwähnung als Ort für Zusammenkünfte und notarielle Verschreibungen. Als im Februar 1618 in Mörel dem Dieb Christian Zyttglögle aus dem Aostatal der Prozess gemacht wird, gesteht dieser unter vielen anderen Diebstählen, dass er dem Wirt Hans Burgener in Visp einen Silberbecher gestohlen habe.
Das Gasthaus Burgeners “Über Biel” mit dem dazu gehörenden Kaufladen ist identisch mit dem Gasthaus des Adrian In-Albon, der 1615 als Einwohner und Gastwirt in Visp erwähnt wird und kurz nach 1620 verstarb. Johann I. Burgener hatte das Haus und Gut von den Erben dieses In-Albon gekauft. Die Vermutung liegt nahe, dass Burgener eine Tochter oder nahe Verwandte dieses Adrian In-Albon zur Frau hatte.
Das genaue Todesjahr von Johann I. Burgener ist nicht bekannt. Im Januar 1630 entrichtete er noch selber die Steuern für den Weinverkauf, die Statzune und das Hindersässergeld , ein Jahr später, im Januar 1631, hatte bereits sein Sohn Johann Bartholomäus II. Burgener die Bezahlung übernommen.
Von den Kindern des Schustermeisters und Gastwirts Johann I. Burgener konnten bisher nur zwei eindeutig identifiziert werden: Zendenbannerherr Johann Bartholomäus II. Burgener (1605-1671) und Maria Burgener (†1668) , Gattin des Steinmetzmeisters Anton Melber.
Maria Burgener (†1668), Gattin des Steinmetzmeisters Anton Melber
Maria Burgener erscheint seit dem 1. Januar 1657 als Gattin des verwitweten Prismellers Anton Melber. Seine erste Frau, Verena Helbling, wird noch am 1. Oktober 1649 als lebend erwähnt. Anton Melber war von Beruf Maurer und Ofenbauer und heisst 1643 auch Wirt in Visp im Ort “Über Biel”. Kurz vor 1648 hatte er das Walliser Landrecht erworben.
Maria Melber-Burgener starb Ende Februar 1668; ihr Gatte, Anton Melber, folgte ihr 10 Tage später im Tode nach und wurde am 8. März 1668 begraben.
Zendenbannerherr Johann Bartholomäus II. Burgener (1605-1671)
Mit dem Notar Johann Bartholomäus II. Burgener (1605-1671) beginnt der politische Aufstieg der Familie Burgener. Über seine Schulbildung ist nichts bekannt; im Jahr 1626 erscheint er erstmals als Notar. Nach dem Tod des Vaters (um 1630) bemühte sich Notar Burgener um das Burgerrecht der “Vespiae Nobilis”. Erst beim vierten Antrag 1643 war die Burgerschaft Visp gewillt, ihn als Mitglied aufzunehmen. Burgerschreiber Bartholomäus II. Venetz berichtet folgendes:
- 3. Januar 1632
„Schriber Joannes Burgener bitt insbrünstig die Herrn Burger ihme zuo ihr Mittburger uff und anzuonemmen sich erbittend sich gehorsam mit geflisem Diensten Uffrecht inzuostellen und das jenige was ihme Ufferlegt werde ihzuohendigen. Wirt ihme aus sunderbare Betrachtungen abgeschlagen und Recusiert.“
- Januar 1633
„Schriber Joannes Burgener bitt nochmalen es welle den Herren Burgern gnedigst belieben ihme zuo einem Mittburger uff und anzuonehmen, sich die Zitt seines Lebens einer Burgschaft Treuew und Soldt zuo sein, auch was ihme ufferlegt werde guottwillig inzuostellen erbiettende. Ist ihme sein bitt abgeschlagen.“
- 2. Januar 1639
"Schriber Joannes Burgener hatt gleicher Massen den Herren fürbringen lassen dass sein seliger Vatter in dieser L. Burgschaft sein Jahr undt Tag zu berungen, Gutt und Huesser erkaufft, deswegen er auch seinen Fuoss undt Wohnung in der selbigen gesetzt. Bitte er gants demuetig ihnen zu ihrem Mittburger uff und ahn zuo nehmen, sich in allem gehorsam fleissig innzustellen, auch alles dass jenig was ihme ufferlegt werde guttwillig zuo enstrichten anerbiettene. Welcher Schriber Burgener weg gewisser Motionen noch uff disses Jahr remittiert worden.“
- Januar 1643
„Her Leutenant Burgener bitt nochmals die Herren Burger es welle ihnen belieben ihme zuo einem Mittburger uff und anzuonemmen, sich mit seinem oeflichem Diensten einer Burgschaft zuo dienen, auch alles das jenig wass ihme ufferlegt werde, guottwillig anzuonemmen und an Barschafft zuo erlegen erbittende. Derselbe wirt auf ettliche Motiem und umstenden zu einem Burger uff und angenommen mit Joanne seinem Shun mit Condition und er dryhundert (Pfund) in des Burgerseckel inzalle, dry Sester guotten Wein und vyer silbrin Tatze oder Schaln, darumbe ermelter Leutenant grossen dank gsagt und guottwillig in allem wie vermeldet sich inzuostellen ereffert. Her Leutenant Burgener thueott M. Gnadigen Hern zum hochsten bedanken und sie ihme gewirdigt zuo einem Burger uff und anzuonemmen bittend man welle für die ihme ufflegte summen Gelts ihme hiesigs Jars kein Zinss fordern, darauff ist geraten und pschlossen worden wan er das Gelt bis uff nechstkuenfftige Österkilchwychung legt soll er des Zinss entbrosten sein oder noch manchzall dessen so erlegt, wo nit soll er den inerlichen Zinss 6 pro Cent geben.“
Die Aufzeichnungen im Burgerbuch lassen vermuten, dass Johann Bartholomäus II. Burgener zwischen 1639 und 1643 eine Zeit lang in fremden (französischen?) Diensten gestanden hat und dort zum Leutnant aufgestiegen war.
Bereits 1644 heisst Leutnant Burgener, wie er jetzt genannt wird, Familiaris und erscheint ab 1645 als Curial oder Burgerschreiber von Visp. Im Jahr 1646 - also nur drei Jahre nach seiner Einbürgerung - war er bereits Burgermeister von Visp. Dieses Amt übte er nochmals 1665 aus. In den folgenden Jahren erhielt Johann Bartholomäus II. Burgener wichtige Zenden- und Landesämter zugesprochen: So war er für den Zenden Visp 1650-1653 Grossmeier von Nendaz, amtete 1654-1657 als Kastlan des Freigerichts Baltschieder-Gründen und weilte 1658-1660 als Landvogt im Schloss von St. Maurice. Wieder zurück in Visp wurde Burgener zum Grosskastlan des Zenden Visp für das Jahr 1661 ernannt. Dieses einträgliche Amt hatte später noch einmal 1670 inne.
Als Burgeners Schwiegervater, Alt-Landeshauptmann Heinrich In-Albon, im Juni 1666 verstarb, wählten die Abgeordneten der Zendenversammlung Johann Bartholomäus II. Burgener zu dessen Nachfolger als Bannerherr des Zenden Visp. Im Mailandrat 1668 erfolgte zudem Burgeners Ernennung zum Oberst der Truppen nid der Mors. Er gehörte nun, als Sohn eines einfachen Gastwirts und Schustermeisters, zu den mächtigsten Herren im Zenden Visp. Burgener starb wenige Jahre später, am 25. Juni 1671 in Visp und wurde am 28. Juni in im neu angelegten Familiengrab der St. Martinskirche begraben.
Johann Bartholomäus II. Burgener war zweimal verheiratet gewesen. Als seine erste Gattin erscheint im März 1633 eine Frau Christina; leider wird der Familienname nicht genannt. Eine im Jahr 1751 erstellte Ahnentafel nennt als erste Gattin Burgeners eine “Maria Schmidt filia Christiani Castellani et Consiliari Republicae ”. Im Sterbebuch von Visp, dessen erster Eintrag am 27. Oktober 1656 verzeichnet ist, wird der Tod der ersten Gattin nicht genannt. Seit dem 10. April 1661 tritt Christina In-Albon als Gattin Burgeners auf. Sie war eine Tochter des Landeshauptmanns Heinrich In-Albon und der Maria Zuber, Tochter des Landeshauptmanns Sebastian Zuber. Christina In-Albon starb bereits im März 1663 in Visp.
Aus der ersten Ehe Burgeners stammen folgende Kinder:
- Johann III. Burgener (†1667)
der Stammhalter der Familie, heisst 1656 Notar und Gerichtsschreiber von Visp, 1657 Familiaris des Landeshauptmanns und 1658 bischöflicher Fiskal. Er war auch Grosskastlan von Visp und 1663-1666 Grosskastlan von Vionnaz-Bouveret. Seine Gattin hiess Maria de Preux und war eine Tochter des Johann de Preux aus Siders und der Catharina, Tochter des Landeshauptmanns Sebastian Zuber aus Visp. Sie heiratete am 1. Juli 1675 in zweiter Ehe den aus Turtmann stammenden Anton Z’Brun (auch Brunner), Meier von Leuk.
- Christina Burgener (†1682)
heiratete am 28. Oktober 1668 Nikolaus II. Venetz (†1675) aus Visp, Grossmeier von Nendaz-Hérémence 1670-1672, Landvogt von St. Maurice 1672-1674 und Zendenhauptmann von Visp 1674-1675. Er war ein Sohn des Landvogts Bartholomäus Venetz aus Visp und der Ursula, Tochter des Landeshaupt- manns Sebastian Zuber.
- Maria Burgener (†1679)
erscheint seit dem 20. Mai 1661 als Gattin des Heinrich Truffer aus Eyholz.
Aus der zweiten Ehe Burgeners stammt die Tochter:
- Anna Maria Burgener (1661-1687),
die drei Ehemänner hatte: Leutnant Johann Owlig (†1676) aus Brig, Vizelandeshauptmann Anton Lambien (1627-1683) aus Brig und schliesslich Landeshauptmann Petermann II. von Riedmatten (1638-1707) aus Münster.
Das Geschlecht wurde im Jahr 1713 erneut eingeburgert.