Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03400.jsonl.gz/1372

Pharmazeutische Unternehmen und Swissmedic haben im Oktober 2020 in Irbesartan-Wirkstoffchargen Spuren von Azidomethyl-Biphenyl-Tetrazol (AZBT) festgestellt. Bei dieser Verunreinigung handelt es sich nicht um ein Nitrosamin. AZBT kann bei der Produktion von Sartan-Wirkstoffen in gewissen Syntheseschritten als Nebenprodukt entstehen, darf aber in Fertigarzneimitteln nicht mehr nachweisbar sein. Aufgrund der ermittelten AZBT-Werte wurden in der Schweiz bereits im November 2020 einzelne Fertigarzneimittelchargen vom Markt zurückgerufen. Weitere vorsorgliche Chargenrückrufe sind nicht ausgeschlossen.
Chemische Verbindung Azidomethyl-Biphenyl-Tetrazol (AZBT) in einzelnen Sartanen nachgewiesen
01.07.2021
Nachdem ab 2018 in verschiedenen Arzneimitteln, unter anderem in Blutdrucksenkern aus der Klasse der Sartane, Verunreinigungen mit Nitrosaminen nachgewiesen wurden, hat Swissmedic in Zusammenarbeit mit internationalen Partnerbehörden Massnahmen ergriffen, um solche Verunreinigungen zu verhindern. Darauf abgestimmt wurde auch die Europäische Pharmakopöe angepasst.
Die Unternehmen wurden verpflichtet, mögliche Risiken der Nitrosaminbildung bei der Herstellung zu bewerten und ihre Produktionsprozesse wenn nötig so anzupassen, dass der Gehalt an Nitrosaminen minimiert werden kann. Begleitend wird die Implementierung einer Kontrollstrategie erwartet, um Nitrosamin-Verunreinigungen erkennen und kontrollieren zu können. Im Rahmen dieser Massnahmen wurde im Oktober 2020 in einzelnen Sartan-Wirkstoffchargen eine produktionsbedingte Verunreinigung mit der Substanz Azidomethyl-Biphenyl-Tetrazol[1] (AZBT) festgestellt.
AZBT kann sich aufgrund eines Ausgangsstoffs (Azid) bilden, der zum Aufbau eines bestimmten Strukturelements (Tetrazolring) von Wirkstoffen der Sartangruppe verwendet wird. Aufgrund neuer Erkenntnisse muss AZBT als mutagen eingestuft werden. Deshalb wurden in der Schweiz bereits im November 2020 einzelne Irbesartan-Chargen wegen den nachgewiesenen AZBT-Werten vorsorglich vom Markt zurückgerufen.
Die Zulassungsinhaberinnen von Sartanpräparaten wurden angewiesen, ihre Wirkstoffchargen gezielt zu prüfen. Parallel dazu hat das offizielle Labor von Swissmedic (OMCL) eine neue analytische Untersuchungsmethode für AZBT entwickelt und validiert und führt eigene Untersuchungen mit Wirkstoff- und Fertigarzneimittelmustern durch. Erste Resultate werden im Sommer 2021 erwartet. Arzneimittel-Chargen mit nicht zulässigen AZBT-Werten werden vom Markt zurückgerufen.
Dieser Nachweis einer bisher nicht identifizierten Verunreinigung in gut bekannten Wirkstoffen hängt auch damit zusammen, dass sich die Empfindlichkeit der in der Qualitätskontrolle von Arzneimitteln verwendeten Analysemethoden laufend verbessert. Die analytische Überwachung von Wirkstoffen und Fertigarzneimitteln auf Neben- oder Zersetzungsprodukte bleibt eine wichtige Aufgabe von Arzneimittelherstellern sowie Behörden und muss fortgeführt und weiter verbessert werden. Swissmedic ergreift alle notwendigen Massnahmen, um die Patientinnen und Patienten zu schützen und die Qualität der Arzneimittel auf dem Schweizer Markt sicherzustellen. Je nach Ergebnis der fortlaufenden Abklärungen wird Swissmedic bei Bedarf die notwendigen Massnahmen treffen und insbesondere den Rückzug verunreinigter Chargen vom Markt anordnen.
[1] (5-(4’-(Azidomethyl)-[1,1’-biphenyl]-2-yl)-1H-tretrazol)
Sartane
Zur Arzneimittelgruppe der Sartane gehören die Präparate mit den Wirkstoffen Valsartan, Losartan, Olmesartan, Candesartan und Irbesartan sowie einigen weiteren Aktivsubstanzen. Diese Arzneimittel werden auch als Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten bezeichnet. Sartane haben blutdrucksenkende und gefässerweiternde Wirkungen und werden zur Behandlung von arteriellem Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankungen verschrieben, um Herzinfarkten oder Schlaganfällen vorzubeugen. Die meisten Sartane sind in Form von Tabletten oder Filmtabletten allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen erhältlich.
Wichtiger Hinweis für Patientinnen und Patienten
Patientinnen und Patienten dürfen ihre blutdrucksenkenden Präparate keinesfalls ohne Rücksprache mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin eigenmächtig absetzen. Die Nichtbehandlung kardiovaskulärer Erkrankungen ist ein weitaus grösseres Gesundheitsrisiko als die Einnahme möglicherweise verunreinigter Arzneimittel. Aktuell besteht keine akute Gesundheitsgefährdung bei der Einnahme von sartanhaltigen Arzneimitteln.
Siehe auch
Weiterführende Links
Ergänzende Informationen