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«Was ist Wahrheit?» (Joh 18, 38) Diese Frage, die Pilatus an Jesus richtet, ist zur Grundlage der Wirklichkeitsfindung geworden. Sie ist zentrales Thema der Philosophie und der Logik, der Literatur, der Kunst und natürlich der Rechtsprechung, die sich verpflichtet, nur die Wahrheit zu sagen.
Die Frage des Pilatus kann durchaus ein Ansporn sein, seine eigene Beziehung zum Wahrheitsanspruch in Frage zu stellen. Wissenschaftlich betrachtet ist Wahrheit, was objektiv beweisbar und idealerweise akzeptiert ist. Subjektive Wahrheiten hängen dagegen von persönlichen Meinungen und Horizonten ab. Zwei Menschen nehmen ein und dieselbe Situation ganz unterschiedlich wahr, und beide mögen aus ihrer Sicht recht haben. Woran erkenne ich, dass es sich im bestimmten Fall um eine objektive Wahrheit handelt?
Vom kirchlichen Gericht wird keine objektive Wahrheitsfindung verlangt. Über die Prozessfrage soll eine moralische und somit keine absolute Gewissheit erlangt werden. Sie soll jeden vernünftigen Zweifel gewissenhaft ausschliessen. Unsere Quelle ist und bleibt: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben» (Joh 14, 6).