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Am Anfang war Ryszard Komornicki, der von den Medien als «Karajan des Mittelfeldes» angekündigt wurde und als Ziel den Meistertitel mit dem FC Aarau ausgab. Diese Aussage, die zur Zeit seines Transfers im Sommer 1989 noch belächelt wurde, war vier Jahre später Tatsache. Ihm folgten seine polnischen Landsleute Cesary Kucharski, Dariusz Skrzypczak und schliesslich Slawomir Wojciechowski. Letzterer schaffte nach eineinhalb Saisons gar den Sprung zum grossen FC Bayern München, wo er aber in den nächsten 18 Monaten lediglich zu sieben Einsätzen (1 Tor) kam. So kehrte er im Juli 2001 aufs Brügglifeld zurück, wo er bis im Winter noch 15 Spiele absolvierte.
Der FCA war unter dem ebenfalls zurückgekehrten Meistertrainer Rolf Fringer schwungvoll und mit teilweise begeisterndem Fussball in die neue Saison gestartet. Die «jungen Wilden», wie die stark verjüngte Mannschaft bald genannt wurde, weckten berechtigte Hoffnungen, dass das Brügglifeld-Team nach drei aufeinanderfolgenden Auf-/Abstiegsrunden endlich wieder einmal die Finalrunde erreichen könnte. Dann wäre im Frühling wieder einmal Optimismus angesagt gewesen und der Klassenerhalt vorzeitig gesichert. Bei Halbzeit der Qualifikation lag man zwar nur knapp über dem Strich, zwei Punkte vor dem FC Basel, aber auch lediglich vier Zähler hinter Leader Grasshoppers, die zum Rückrunden-Auftakt ins Brügglifeld kamen.
Duell auf Augenhöhe mit dem Leader
Trotz Nässe und kühlen Temperaturen pilgerten 6200 Zuschauer ins Stadion und erlebten in der ersten Hälfte ein von viel Taktik geprägtes Spiel. Die beiden Teams liessen einander kaum zur Entfaltung kommen und mieden jedes offensive Risiko. So stand es zur Pause logischerweise noch 0:0. Die zweite Halbzeit hatte kaum begonnen, als Daniel Tarone im Zürcher Strafraum zu Boden ging und der österreichische Schiedsrichter Gerald Lehner auf den Punkt zeigte. Christian Okpala sah seinen zentralen Schuss aber von Stefan Huber abgewehrt. Endlich trat auch der Leader offensiv in Erscheinung. Luca Ippoliti drückte aus rund 30 Metern ab, doch sein Schuss prallte von der Latte zurück. Die Partie war nun etwas animierter, und die Gäste waren dem Führungstreffer gegen Ende nochmals nahe, als auch Papa Bouba Diop ebenfalls aus grosser Distanz nur die Querstange traf.
Längst lief die Nachspielzeit, als die Platzherren nochmals einen Freistoss treten durften. Wojciechowski legte sich den Ball 25 Meter vor dem gegnerischen Tor zurecht und schlenzte ihn mit seinem starken linken Fuss über die Mauer ins Netz. Der Jubel war gross, und dank den drei Punkten festigten die Aarauer ihren Platz über dem Strich. Leider konnte das junge Team den Schwung nicht durchziehen. Bis zur endgültigen Abrechnung gelangen nur noch zwei Siege, sodass im Dezember der erneute Fall in die Auf-/Abstiegsrunde feststand. Anstelle von begeisternden Finalrundenspielen zum 100-Jahr-Jubiläum mussten die Chronisten im Frühling 2002 gar den temporären Abstieg in die Nationalliga B vermelden. Nur weil mehreren Clubs die Lizenz für die folgende Saison verweigert wurde, durfte der FC Aarau weiterhin in der obersten Spielklasse unseres Landes mittun.
Slawomir Wojciechowski war zu jener Zeit aber schon nicht mehr Mitglied des Aarauer Kaders. Er war in der Winterpause zum RKS Radomsko in seine Heimat zurückgekehrt. Nach Marek Citkos Engagement zwischen Januar 2003 und Mai 2004 endete auch die Zeit der polnischen Ballkünstler in Aarau. In Erinnerung bleibt aber mit Sicherheit «Wojteks» letztes Tor im FCA-Dress in der Nachspielzeit gegen die Hoppers.
Matchzeitung Nr. 6 (2020/21) lesen
Dieser Artikel ist am 6. November 2020 in der Ausgabe Nr. 6 (Saison 2020/21) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den Grasshopper Club Zürich erschienen.