Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/1379

Am 29. August 2939 fanden sich die Männer der Radfahrer-Kompanie 24 zur Mobilmachung auf ihrem Sammelplatz „Gitterli“ in Liestal ein. Der Grossteil der Truppe war bereits um 9 Uhr morgens beisammen und traf dort auf den recht ungehaltenen Kommandanten, Hauptmann Debrunner. Ihm ging die Mobilisierung seiner Kompanie zu langsam vonstatten, denn als Teil der Grenzbrigade 4 sollte sie so rasch als möglich ihre Stellungen zum Schutz der Nordwestgrenze beziehen. Die Radfahrer-Kompanie 24 leistete im Aktivdienst insgesamt 755 Diensttage und war überwiegend in der Nordwestschweiz im Einsatz. Legendär war der Marsch vom 6. bis zum 8. August 1940, in dessen Rahmen die Kompanie von Bubendorf BL aus in die Innerschweiz radelte, um den Vierwaldstättersee herum nach Luzern, über den Brünig nach Thun, Solothurn und zurück nach Bubendorf. Dabei wurden 480 Kilometer überwunden, wobei zum Schluss Schelten, Hohe Winde und Passwang den Radfahrern grosse Anstrengungen abverlangten.
Bis 1936 waren die Radfahrer ein Teil der Infanterie und trugen auf ihrem Waffenrock die grünen Chevrons. Mit dem Wechsel zu den leichten Truppen 1937 wurden diese Ärmelabzeichen gelb. Dennoch behielten viele Radfahrer ihre grünen Chevrons, um sich als altgediente Troupiers vom Nachwuchs“ abzuheben.
Unser Radfahrer der Rdf Kp 24 fährt hier das Armeerad 1904 mit der typischen Rahmentasche (sie ersetzte den Stauraum, der durch das Wegfallen des Tornisters fehlte). Wie der Kavallerist trägt auch der Radfahrer einen Munitionsbandelier über der Schulter. Der Karabiner 1931 wurde seit dem 1. Januar 1937 an Radfahrerrekruten abgegeben. Getragen wird hier der Exerzierrock ohne Waffengattungsabzeichen. Eine Spezialität der Radfahrer waren die schwarzen Ledergamaschen mit zwei Schnallen. An der Lenkstange baumelt der Stahlhelm, während die Packung hinter dem Sattel aufs Rat geschnallt ist.
Ein Radfahrer der Kompanie 24 erlangte übrigens weltweite Bekanntschaft: Gottfried „Gotti“ Dienst, Jahrgang 1919, war Schiedsrichter im WM-Endspiel 1966 in London. In der Verlängerung liess er ein englisches Goal gelten, welches man nördlich des Rheins bis heute als zweifelhaft betrachtet. Leider wurde Gotti vor rund zwei Jahren (1998) zur Grossen Armee abberufen.
Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 12/2000