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Sonntag, 18. April 2021 (“Pharisäer”)
Veröffentlicht vor 2 Wochen, 18. Apr. 2021
Nach dem 5. Buch Mose:
Gott sprach zu Mose: Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor. Ja, Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen.
Nach dem Lukas-Evangelium:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher…, oder auch wie dieser Zöllner dort. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Neues Auto, Herr Pfarrer?
Ja.
Schön!
Mercedes!
Ja.
Wenn schon, denn schon!
Genau.
(Das sind die ausgesprochenen Gedanken, und dann gibt es noch die unausgesprochenen: Pfarrer müsste man sein…, die scheinen nicht schlecht zu verdienen …, als Pfarrer müsste man ja nicht unbedingt einen Mercedes fahren …, ein Fiat oder ein Polo würde besser zu einem Pfarrer passen …, usw.…).
Stimmt, sage und denke ich.
Naja, sagt der andere: jeder hat so seine Schwächen.
Stimmt, sage ich. Ich habe noch mehr, z.B. Schoggi.
Ach ja, sagt der andere, grad so!
Ja, sage ich, grad so. Und welche Schwächen haben Sie?
Ähm …, ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Herr Pfarrer …
Wir alle könnten bessere Menschen sein.
Wir alle tragen irgendwie eine Mitschuld am schlechten Zustand dieser Erde.
Ich könnte mit dem Zug und mit dem Bus nach Röschenz zur Arbeit fahren.
Ich habe einen Mercedes und keine Kinder.
Andere haben Kinder und keinen Mercedes .
Wieder andere haben Kinder u n d einen Mercedes.
Wir alle leisten unseren Beitrag zum CO2 Ausstoss – und nicht nur dafür!
Wir alle haben die Wahl – mehr oder weniger – uns für das Leben oder für den Tod zu entscheiden, für Segen oder Fluch, für Glück oder Unglück. Manchmal entscheiden wir uns bewusst für das eine oder andere, manchmal langen wir aus Versehen daneben, treten ins berühmte Fettnäpfchen, und manchmal wissen wir einfach nicht, was jetzt das Richtige ist!
Wenn ich durch Basel gehe, und gleichsam eine Bettler-Invasion erlebe, indem vor jedem Supermarkt und an fast jeder Ecke ein Bettler oder eine Bettlerin sitzen, dann komme ich mir wie der Pharisäer vor und denke bei mir: “Gott sei Dank, bin ich nicht so, wie diese hier!”
Und dann bin ich dieser Tage auf einen Text von Paul Farmer gestossen:
Die Idee,
dass manche Leben
weniger wert sind,
ist die Wurzel allen Übels
auf dieser Welt.
Eigentlich war und bin ich überzeugt davon, dass es für mich kein mehr oder weniger wertvolles Leben gibt – eigentlich! Dennoch muss ich mich bemühen – und vielleicht auch noch lernen – nicht zu denken: “Gott sei Dank, bin ich nicht so wie jene oder jener”, sondern: “Gott sei Dank, darf ich weitgehend so sein, wie ich bin!”