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150. Todestag von Wilhelm Wackernagel: Bibliothek wird digitalisiert
Die Universitätsbibliothek Basel (UB) startet zum 150. Todestag des Basler Philologen und Kulturhistorikers Wilhelm Wackernagel am 21. Dezember mit der Digitalisierung seiner Bibliothek. Der Gelehrte war einer der ersten Professoren für Germanistik an der Universität Basel und zählte nach Karl Lachmann und Jacob Grimm zu den bedeutendsten Vertretern seines Fachs.
Der aus Berlin stammende Wilhelm Wackernagel (1806–1869) war Professor für deutsche Sprache und Literatur und zeitweise Rektor an der Universität Basel, Gründer der mittelalterlichen Sammlung und Mitglied des Grossen Rats. Wegen seines Eintretens für die nationalliberale Bewegung kam für ihn eine akademische Laufbahn in Preussen nicht infrage. Der ambitionierte Nachwuchsgelehrte musste sich jahrelang durch Hilfstätigkeiten ernähren, bevor er schliesslich nach Basel berufen wurde: 1833 zunächst ans Pädagogium, 1835 als Ordinarius für das Fach Germanistik an die Universität.
Editionen, Kommentare und Sammlungen
Im Mai 1833 stellte sich Wackernagel mit einer Antrittsrede über die «Verdienste der Schweizer um die deutsche Literatur» vor. Er widmete sich unter anderem den altdeutschen Handschriften der UB und erarbeitete sich mit dem «Deutschen Lesebuch», mit Editionen und Kommentaren sowie mit Studien zu Lexikografie, Rechtsgeschichte und zur deutschen Glasmalerei den Namen eines führenden Germanisten. Durch seine Sammeltätigkeit schuf Wackernagel zudem die Voraussetzungen für die Gründung des Historischen Museums und legte das Fundament des Bestands mittelalterlicher Handschriftenfragmente in Basel.
Die UB beginnt nun mit der Digitalisierung von Wackernagels wissenschaftlicher Bibliothek. Den Anfang macht eine Auswahl der vom Gelehrten mit Notizen versehenen eigenen Werke – darunter seine Schrift zur goldenen Altartafel des Münsterschatzes, seine Antrittsrede sowie wichtige sprachgeschichtliche und lexikografische Arbeiten.
«Durchschossene Exemplare»
Bei den zuerst digitalisierten Schriften handelt es sich um «durchschossene Exemplare»: Buchausgaben, in denen hinter jedem bedruckten ein leeres Blatt eingebunden wurde, etwa, um dem Verfasser Anmerkungen für geplante Neuauflagen zu ermöglichen. Der Autor nutzte diese Option intensiv, was seine Handexemplare zu einer wichtigen Quelle für wissenschaftsgeschichtliche Forschung macht.
Wackernagels Eintragungen zeigen die Sorgfalt, mit der er sein Werk um weitere Aspekte ergänzte, und werfen so nicht zuletzt auch ein neues Licht auf seine disziplinenübergreifende Bedeutung für die Basler Mittelalterforschung. Denn der Forscher machte sich in Basel einen Namen nicht nur als Philologe, sondern auch als Kulturwissenschaftler und gab wichtige Impulse für die Historie, die Kunst- und Regionalgeschichte. Die UB plant, in absehbarer Zukunft die ganze Bibliothek Wackernagels digital zugänglich zu machen.
Quelle: Uni News