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Talentierte Könner
Für ein Unternehmen ist das Know-how in seinem Kerngeschäft einer der wichtigsten Pfeiler seiner Existenz. Den Wissensvorsprung zu behalten, ist eine stetige Herausforderung, denn die Mitbewerber beobachten ihre Konkurrenten aufmerksam. Es ist schwierig, den Vorsprung zu halten, wenn man sich bei Neuanstellungen auf den Erwerb von Wissen, häufig von der Konkurrenz, konzentriert. Besser wäre die Rekrutierung eines talentierten Könners, der schneller und besser ist als die Konkurrenz.
Wieso werden denn bei der Rekrutierung das Wissen und die Erfahrung so stark betont? Folgende Gründe sind oft ausschlaggebend:
1. Wissen und Erfahrungen lassen sich anhand von Diplomen und Zeugnissen relativ einfach prüfen. Das Prüfen von Eigenschaften und Fähigkeiten ist wesentlich schwieriger.
2. Häufig werden Stellenausschreibungen von der Personalabteilung nach dem Anforderungskatalog der Linie erstellt. Wenn die Linie schon wünschen kann, dann eben das (meist unrealistische) Wissens-Maximum.
3. Die Risikobereitschaft bei Anstellungen ist gering. Es ist einfacher, eine Fehleinstellung gegenüber dem Management zu rechtfertigen, wenn man sich auf die gute Ausbildung und die langjährige Erfahrung des Mitarbeiters berufen kann.
4. Jemand, der ein Studium oder eine Hochschule absolviert hat, hat analytisches Denken, ein gewisses Durchstehvermögen und Prüfungsstärke bewiesen. Er verfügt zudem über ein Basiswissen, das für die offene Stelle zumindest nützlich ist. Ob er das Erlernte in der Praxis auch umsetzen kann, ist noch zu beweisen.
Könner zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein Problem als willkommene Herausforderung ansehen und die Erreichung des Ziels über alles andere setzen. Die notwendigen Mittel beschaffen sie sich, auch wenn sie Hindernisse überwinden müssen, und fehlendes Wissen kompensieren sie durch intensive Zusammenarbeit mit den wissenden Kollegen.
Eine kleine Anekdote zeigt den Könner beispielhaft: Walter ist Einkäufer in einer Gemüse- und Früchtehandlung und wird zum Engrosmarkt geschickt, um nach den Preisen von Kartoffeln zu schauen. Der Bestand an Bintje ist knapp geworden. Er kommt zurück: «Das Kilo Bintje kostet 1.30 CHF. Das ist nach meiner Erfahrung und gemäss meiner Marktanalyse recht teuer.» Auftrag erfüllt. Peter wird geschickt. Sein Bericht: «Bintje kosten 1.30 CHF. Ich habe mich umgehört: Sie dürften in zwei Monaten bei 1.10 CHF liegen. Ich habe dem Grossisten schon mal unser Interesse bekundet, damit er die Einkaufsmengen grosszügiger plant. Urgenta sind wegen der grossen Produktion günstig. Ich habe eine Option auf 500 kg platziert. Wir können sie heute noch abrufen. Ich habe mich, da ich schon dort war, nach günstigen Gelegenheiten umgesehen: Äpfel sind recht günstig, der Preis wird noch fallen. Wir warten noch einen Monat. Orangen sind indes ein Schnäppchen mit 1.50 CHF pro Kilo. Den Bestellschein habe ich gleich mitgebracht. Ich spreche noch mit unserem Verkäufer, wie er die Absatzchancen einschätzt.» Auftrag auch erfüllt, aber mit dem Unternehmensziel vor Augen weitergedacht und gehandelt – eben ein Könner.
Für den Macher kann es nicht genug zu tun geben, und es sollte jeweils gleich losgehen. Der Macher braucht aufmerksame Führung, damit seine Aktivitäten in die richtige Richtung zielen. Macher sind für ein Unternehmen wichtig, weil sie dafür sorgen, dass strategische und taktische Entscheide auch wirklich umgesetzt werden, und zwar ohne die Unternehmensentscheide dauernd zu hinterfragen. Wenn sich ein Entscheid als nicht besonders glücklich herausstellt, dann kann man ihn korrigieren und die notwendigen Massnahmen ergreifen. Gut für ein Unternehmen, wenn es dann für die erneute, schnelle Umsetzung über gute Macher verfügt.