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Palermo/Taormina (gro) Die ersten Juden kamen in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Palermo und in andere Gegenden Siziliens, als ihr Heimatstaat nach einem Aufstand gegen die Römische Herrschaft aufgelöst und Jerusalem zerstört worden war. Heute gibt es auf Sizilien bestenfalls kleine jüdische Freundeskreise. Jüdisches Gemeindeleben existiert seit dem 15 Jahrhundert nicht mehr. Zu finden sind nur noch die Spuren einer besseren Zeit, etwa zwei umrundete Davidsterne, die das frühere Rathaus von Taormina zieren. Und die Giudecca, das so genannte Judenviertel in der Altstadt von Palermo, aus dem die jüdische Bevölkerung Ende 15. Jahrhunderts von den Spaniern restlos vertrieben wurde.
Einst angesehene Gesellschaftsgruppe
Bis zu ihrer Vertreibung hatten sich die sizilianischen Juden zu einer gesellschaftlich hoch geschätzten Gruppe der sizilianischen Gesellschaft hochgearbeitet. Schon unter Stauferkaiser Friedrich II., der das Deutsche Reich während der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Palermo aus regierte, gehörten jüdische Ärzte und Wissenschaftler neben arabischen Gelehrten zum Hofstaat des Kaisers.
Unter den Spaniern kam das Ende der Toleranz
Mit der kulturellen und religiösen Toleranz ging es Ende des 15. Jahrhunderts zu Ende, als Sizilien von den Spaniern, zuerst vom Hause Aragon, dann von den Bourbonen, übernommen, regiert und verwaltet wurde. Zuletzt liess sich auch noch die gefürchtete Heilige Inquisition für 150 Jahre in Palermo nieder, und zwar im Palazzo Steri an der heutigen Piazza Marina. Bevor man die Juden, die es als Lehrer, Kaufleute und Handwerker zu Wohlstand gebracht hatten, hinaustrieb, wurden ihre gesamten Besitztümer von den Spaniern, die Sizilien im Einvernehmen mit dem ortsansässigen Adel bis Mitte des 19. Jahrhunderts ausplünderten, kassiert.
Leoluca Orlando sorgt fürs Erinnern
Dass man sich in jüngerer Zeit endlich wieder an die einstigen jüdischen Mitbürger erinnert – dafür sorgte Leoluca Orlando, der Mann, der vor allem wegen seines Kampfes gegen die Mafia berühmt wurde. Während seiner ersten beiden Amtszeiten als Bürgermeister von Palermo (1985 bis 2000), wurde den Spuren der Juden in Parlermo nachgegangen. Als Zeichen des Erinnerns und als Geste für den Frieden im neuen arabisch-palästinensischen Heimatland der Juden wurden zahlreiche Strassen, Gässchen und Plätzte im Stadtzentrum mit dreisprachigen Strassenschildern ausgestattet. Die Namen sind dort auf Italienisch, hebräisch (jüdisch) und Arabisch zu lesen. Übrigens: Im Mai 2012 ist Leoluca Orlando, der auch Abgeordneter des Europaparlaments ist, erneut zum Bürgermeister von Palermo gewählt worden.