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Der populäre Sänger Michel Martelly hat die Präsidentschaftswahl in Haiti gewonnen. Laut dem am Montag von der Wahlkommission in Port-au-Prince veröffentlichtem vorläufigen Ergebnis kam der 50-Jährige auf 67,6 Prozent der Stimmen.
Gegen den Musiker hatte in der Stichwahl am 20. März die ehemalige First Lady Mirlande Manigat kandidiert. Für sie votierten dem vorläufigen Ergebnis zufolge 31,7 Prozent der Wähler.
Bei der Abstimmung profitierte Martelly offenbar vor allem davon, dass er bei der Jugend sehr beliebt ist. Diese mochte den Karneval-Sänger, der bei seinen Satire-Auftritten gern die bisherige Regierung kritisierte, bereits bevor er seine Präsidentschaftskandidatur verkündete.
Hunderte von Anhängern kamen vor dem Sitz des Wahlrates zusammen und zogen zum Haus Martellys, um diesen zu feiern. Bereits vor der Bekanntgabe des vorläufigen Resultats setzten in einigen Städten Siegesfeiern für "Ted Kale" (Kahlkopf), wie Martelly genannt wird, ein.
Schwierige Aufgabe
Für den Wahlkampf tauschte der Politik-Neuling seine Bühnen-Kostüme gegen massgeschneiderte Anzüge ein und versprach, der Korruption und dem Versagen der Behörden den Kampf anzusagen. Ausserdem will der 50-Jährige die Abhängigkeit des ärmsten Staates des amerikanischen Kontinents von ausländischen Hilfsorganisationen verringern.
Als neuer Präsident steht er vor der schwierigen Aufgabe, das nach dem Erdbeben vor mehr als einem Jahr noch immer schwer verwüstete Land wieder aufzubauen.
Noch immer sind überall die Spuren des verheerenden Erdbebens vom Januar 2010 zu sehen, bei dem mehr als 225'000 Menschen getötet wurden. Hunderttausende Menschen leben noch immer in provisorischen Zeltstädten.
Derzeit kann Haiti ohne Hilfe von aussen de facto nicht existieren. Die internationale Staatengemeinschaft will Haiti zehn Milliarden Dollar Hilfe zur Verfügung stellen.
Umstrittene Wahlen
Ursprünglich hatte das vorläufige Wahlergebnis bereits am vergangenen Donnerstag verkündet werden sollen. Die Wahlkommission verschob dies aber, weil ihren Angaben zufolge bei der Auswertung der Stimmen ein "hoher Grad an Betrug und Unregelmässigkeiten diverser Art" festgestellt worden sei.
SDA-ATS