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Als Tochter der Hausierer Jacob und Esther Felix, wurde Rachel am 28. Februar 1821 im Zimmer 13 des Gasthofes Goldene Sonne in Mumpf geboren. Die lokale Hebamme Theresa Toni, brachte die kleine Elisabeth Rachel auf die Welt. Bereits nach ein paar Tagen machte sich die jüdische Familie mit ihren Waren und dem Neugeborenen wieder auf den Weg. Begleitet wurden sie von ihrem Mischlingshund „Mouton“, der die Kinder, wenn sie müde waren, auf seinem Rücken reiten liess. Mit den Jahren wurde die Familie grösser; mit nunmehr fünf Kindern, Sarah (die Älteste), Rachel, Raphael, Rebecca und Adelaide wurde das Leben auf der Landstrasse schwierig, sodass sich die Familie entschloss, ihr Nomadendasein aufzugeben und sich in Lyon niederliess. Sarah und Rachel sangen auf den Gassen und verkauften Orangen, um so jeden Abend etwas Geld nach Hause zu bringen. So lernte Rachel lange, bevor sie erwachsen war, die Härten des Lebens und die Wichtigkeit des Geldes kennen.
Ohne jegliche Ausbildung brachte sie sich selbst Mimik und Rollenspiele bei, um ihrem Publikum zu gefallen. Lange bevor sie selbst ein Theater betrat, machte sie zögernde, schauspielerische Schritte in Richtung Drama. Einige Tage nach der Juli-Revolution im Jahre 1831 zog die Familie nach Paris.
Karrierestart in Paris
Dort erstand das kleine, delikate, dunkelhaarige Mädchen eine Kopie des dramatischen Stückes „Le juif errant“ und machte ihre ersten Versuche in der Schauspielerei. Sie rezidierte, beschrieb die Kleidung Ahasversus’, schmückte die Handlung sukzessive aus. Eines Tages auf der Place Royal, so die Geschichte, hielt Victor Hugo inne, hörte Rachel erstaunt zu, gab ihr Geld und fragte sie, warum sie Gassenhauer singen würde. Das Kind antwortete ihm, dass es nicht wisse, was es sänge. Hugo gab ihr einige Gedichte und küsste sie auf die Stirn. Strahlend fragte daraufhin Rachel ihre Schwester Sarah: „Habe ich jetzt eine Krone auf?“ Ein Nachbar der Familie lieh der jungen Gitarrenspielerin Schriften des französischen Dichters Racine. Aus den Geschichten wählte sie „Andromache“ aus und erklärte ihrer Mutter: „Ich weiss was ich werden will - ich werde Tragödien spielen“. An einem schneekalten Januarmorgen im Jahre 1832 wurde ihr Traum Wirklichkeit. Sie sang draussen vor den chinesischen Bädern und wurde dort von Etienne Choron, Direktor der Ecole Musique Sacrée entdeckt. Er überzeugte Rachels Vater davon, ihm das Kind zur Ausbildung zu überlassen. Damit begann die märchenhafte Karriere der im aargauischen Mumpf geborenen Rachel.
Erfolg auf den grossen Bühnen der Welt
Rachel Felix aber wollte nicht Musik studieren, die grossen Dramen waren ihr Ziel. So vermittelte Choron sie an seinen alten Freund Pagnon Saint-Aulaire, der eine Schule für Dramatik im alten Theatre-Moliere in der Rue Saint-Martin hatte. Er brachte der 12-jährigen bei, Corneille, Racine und Moliere zu spielen. In kurzer Zeit spielte sie mehr als dreissig Rollen vor einem ausgewählten Publikum. Mit siebzehn wurde sie aufgrund ihrer edlen Stimme, ihrer hohen und schlanken Gestalt und ihrem fantastischen Darstellungstalent in die brühmte Comédie Française aufgenommen. Ihre Paraderollen blieben aber stets die bekannten Stücke von Racine, Corneille und Voltaire. 1841 gab Rachel ihr erstes Debüt im Ausland. Ziel war England, wo sie im königlichen Theater einmal mehr „Andromache“ vorführte. Der Erfolg überraschte sie selbst. Das sonst eher „unterkühlte“ englische Publikum überhäufte sie förmlich mit Blumen, Taschentüchern und tosendem Applaus. Damit erreichte sie ihren schauspielerischen Durchbruch. Sie spielte insgesamt 42 mal in New York, der russische Zar lud sie an seinen Hof nach Petersburg. Sogar Friedrich Willhelm IV, König von Preussen, war von Rachel so angetan, dass er ihr zu Ehren auf der Pfaueninsel in Potsdam - noch zu der Künstlerin Lebzeiten notabene - eine Statue errichten liess. Im Revolutionsjahr 1848 gab Rachel Gastspiele in Basel, leider ist aber nicht überliefert, ob sie damals auch ihren Geburtsort Mumpf besuchte. Rachel Felix hatte ein bewegtes Leben, nicht nur auf den Bühnen dieser Welt, sondern auch privat.