Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/1101

Schlaganfallerkrankung
Nach einem Schlaganfall leidet jeder zweite Betroffene an einer Störung der Blasenkontrolle. In der Akutphase nach einem Schlaganfall, während der Rehabilitation und auch bei Beschwerden im weiteren Verlauf ist eine neurourologische Abklärung und Therapie notwendig.
Ein Schlaganfall ist eine Störung der Blutversorgung eines bestimmten Bereichs im Gehirn. Zwei mögliche Ursachen kommen dafür in Frage: eine Durchblutungsstörung oder eine Hirnblutung. Bei der Durchblutungsstörung kommt es meist durch eine Arteriosklerose zum Verschluss eines Blutgefässes im Gehirn. Als Folge wird das vom betroffenen Blutgefäss versorgte Hirnareal geschädigt, im schlimmsten Fall sterben die Nervenzellen in diesem Bereich ab. Bei einer Hirnblutung reisst ein Blutgefäss im Gehirn, das Blut ergiesst sich in das Nervengewebe. Auch hier werden Nervenzellen bis hin zum Verlust geschädigt. Bei beiden Formen des Schlaganfalls kann der Hirndruck ansteigen, wodurch weitere Schäden an den Nervenzellen des Gehirns drohen. In der Schweiz erleiden etwa 12 000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Bei mehr als der Hälfte der Patienten bleiben Schäden zurück, wobei 20% schwer bis sehr schwer behindert sind.
Eine bleibende Behinderung hat meist auch eine Funktionsstörung des Harntraktes bzw. eine Inkontinenz zu Folge. Die Ausprägung hängt von der Ausdehnung und Lokalisation des betroffenen Hirnareals ab. Eine Beeinträchtigung des Frontalhirns und eine Unterbrechung der Nervenbahnen zum Hirnstamm werden als häufigste Ursache einer Harninkontinenz nach einem Schlaganfall angesehen. Einseitige Beschädigungen dieser Regionen führen eher zu einer vorübergehenden Inkontinenz, beidseitige Schäden meist zu dauerhafter Inkontinenz. Eine Harninkontinenz nach einem Schlaganfall gilt als wichtiger Hinweis, wie die Erkrankung verlaufen wird und ob der Kranke später von äusserer Hilfe abhängig sein wird. Bei vielen Patienten erholt sich die Blase glücklicherweise wieder. Drei Monate nach dem Ereignis geben noch 50% der Betroffenen urologische Beschwerden an, meist eine Dranginkontinenz oder ein Problem, die Blase zu entleeren. Sechs Monate nach dem Ereignis sind ohne Therapie immerhin noch 20 bis 30 % von einer Inkontinenz betroffen. In der Akutphase nach einem Schlaganfall, während der Rehabilitation und auch bei Beschwerden im weiteren Verlauf ist eine neurourologische Abklärung und Therapie notwendig.