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Nachdem
der Bundesrat 1910 eine Unterstützung für die Flugausbildung zu Militär.
Zwecken verweigert hatte, organisierte die Schweiz. Offiziersgesellschaft
1912 eine private Nationalspende, die 1914 ein Sammelresultat von 1,7 Mio.
Fr. zu Gunsten der Militäraviatik erbrachte.
Der Ausbruch des 1. Weltkriegs vereitelte jedoch den vorgesehenen Kauf von
sechs Doppeldeckern. Somit standen am Tag der Mobilisation nur neun
Piloten mit acht Privatflugzeugen der Militär zur Verfügung. Ihr anfänglicher.
Stützpunkt war das Beundenfeld auf der Berner Allmend, 1914 erfolgte die
Verlegung nach Dübendorf. Die Kriegsjahre waren geprägt von einem Aufbau
der Flugwaffe und einem regen Schulbetrieb in Dübendorf und Thun, die der
Schulung und Aufklärung dienten. Bei Kriegsende 1918 zählte sie 62
brevetierte Militärpiloten und 68 Flugzeuge, die alle in der Schweiz
gebaut worden waren resp. Interniert wurden.
Das Sparregime
bei Militärausgaben nach 1919 sowie Fehlschläge bei der Entwicklung von
eigenen Flugzeugen liessen in den 1920er Jahren nur einen beschränkten
Ausbau der Flugwaffe zu. Indes entstanden neue Flugplätze in Thun (1920),
Lausanne (1925) und Payerne (1935), sowie, über das Land verteilt weitere
Fliegerstützpunkte. Mit dem von den eidg. Räten 1930 gebilligten Kredit
über 20 Mio. Fr. für die Flugzeugbeschaffung verlagerte sich das
Schwergewicht der Flugwaffe von Beobachtungs- hin zu Kampfflugzeugen. Ab
1930 wurden in den Konstruktionswerkstätten in Thun und in den
Flugzeugwerken Altenrhein ( Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein )
Jagdflugzeuge Dewoitine D-26 / D-27 und Fernaufklärer Fokker CV-E
produziert. Unter dem Druck der deutschen Aufrüstung intensivierte die
Schweiz ihre Rüstungsanstrengungen. Sie führte den Beobachter- und
Kampfdoppeldecker C-35 ein, erwarb die Baulizenz für das franz.
Jagdflugzeug Morane-Saulnier und kaufte die ersten deuteschen
Messerschmitt Me-109 Jäger. 1934 wurde der Fliegerbeobachtungs- und
Meldedienst neu organisiert und zentralisiert. Erst 1936 erhielt die Flugwaffe
den Status einer selbstständigen Waffengattung mit eigenem Waffenchef,
dem man auch die gleichzeitig geschaffenen Fliegerabwehrtruppen
unterstellte.
Bei Ausbruch
des 2. Weltkriegs 1939 stand die Schweizer Flugwaffe vor dem Ausbau. An
kriegstauglichen Flugzeugen waren nur 40 Jagdeinsitzer (10 ME 109D; 28 ME
109E; 2 Morane) sowie 80 Mehrzweckzweisitzer C-35 vorhanden. 40 Zweisitzer
CV-E und und 58 Jäger D-27 konnten bestenfalls Erdeinsätze fliegen. Von
21 eingerückten Fliegerkompanien mussten fünf wieder entlassen
werden, da keine Flugzeuge vorhanden waren. Flabkanonen waren für die ca.
2'000 Ausgebildeten erst in minimaler Zahl vorhanden. Ab Juli 1940 wurden
15 Kriegsflugplätze mit Hartbelagspisten, Splitterwehren und Betonunterständen
gebaut, u.a. 1940 in Emmen, Buochs, Meiringen und Interlaken, 1941 in
Lodrino und Locarno und 1943 in Sitten. Entwicklung und Bau von Militärflugzeugen
wurden 1941 von Thun nach Emmen verlegt.
Während des deutschen
Frankreichfeldzuges (Mai-Juni 1940) kam es zu rund 200 Grenzverletzungen
durch fremde, vor allem deutsche Kampfflugzeuge. Flugwaffe und Flab traten
als einzige Waffengattungen der Armee in Aktion. Einige Luftgefechte
liessen auf den festen Abwehrwillen der ganzen Armee schliessen. Auf Druck
von Deutschland verbot General Guisan am 20.6.1940 der Flugwaffe den
Luftkampf über der Schweiz (bis Anfang Nov. 1943) und überliess die
Wahrung der schweizerischen Lufthoheit der Flab. Da diese gegen hoch
fliegende Flugzeuge nur ihre 7,5-cm-Kanonen einsetzen konnte, stand dem Überflug
des schweizerischen Luftraums durch deutsche und englische Flugzeuge, ab
Aug. 1943 auch durch amerikanische. Bombengeschwader, nur wenig im Weg.
Insgesamt wurden Flugwaffe und Flab während des Krieges quantitativ verstärkt,
aber kaum technisch verbessert. Ende Aug. 1945 zählte die L. 530
Flugzeuge, nämlich 328 Jagd- und 202 Mehrzweckzweisitzer, ausser den deutschen
Messerschmidt alle aus schweizerischer Produktion. Die Flab bestand aus
2'000 Kanonen (274 7,5-cm; 278 34-mm; 1'448 20-mm), ohne jene der
Infanterie und der Festungen. Sie zählte 67 leichte und 43 schwere
Batterien sowie 14 Scheinwerferkompanien, ferner zwölf leichte und 33
34-mm Batterien der sog. Ortsflab.
Nach Kriegsende 1945 suchte die Schweiz den Anschluss an die neuen
Techniken wie Strahl- oder Düsentriebwerke, Lenkwaffen, Radar und
Elektronik zu gewinnen. Zur Überbrückung kaufte sie 1948 130 amerikanische
P-51D Mustang. In der Folge wurden 425 Strahlkampfflugzeuge beschafft (175
Vampires und 250 Venoms), wovon 350 im Lizenzbau in der Schweiz produziert
wurden. Damit waren 1956 die Kampfstaffeln der schweizerischen Flugwaffe
als erste in der Welt auschliesslich mit Strahlflugzeugen ausgerüstet.
Für diese Maschinen musste ab den 1950er Jahren die Infrastruktur der
bestehenden Flugplätze den Düsenflugzeugen angepasst werden. Neu
entstanden Flugzeugkavernen und ab den 1960er Jahren Notlandepisten auf
Autobahnen. 1958 verzichteten die eidgenössischen Flugzeugwerke in Emmen
(N-20) sowie die Flugzeugwerke Altenrhein (P-16) auf Eigenentwicklungen,
an deren Stelle traten die 130 in England beschafften Jagdbomber des Typs
Hawker Hunter. 1954 erhielt die Kleinkaliberflab die leistungsfähigen
22-mm Kanonen mit einer Wirkungshöhe von 1'500 Meter. Weitere
Modernisierungen der Flugwaffe in den 1960er Jahren bedeuteten die
Einführung des zentralen Flugüberwachungssystems Florida und der
Boden-Luft-Lenkwaffen Bloodhound, die bis 1999 in Betrieb waren. Die
Anschaffung des franz. Abfangjägers Mirage eskalierte in massiven
Kostenüberschreitungen. Die Mirage-Affäre führte zu einer
Redimensionierung des Beschaffungsprogramms: Nach einem
Parlamentsentscheid wurden statt der geplanten 100 Maschinen in Lizenz nur
deren 59 gebaut.
Der Entscheid des Bundesrates von 1972, 30 Jagdbomber (Kosten: 1,5 Mrd.
Fr.) nicht anzuschaffen, entfachte eine Grundsatzdebatte über das
Luftkriegskonzept. Priorität erhielt der Raumschutz: Ab 1976 wurden 110
amerikanische Leichtjäger des Typs F-5E Tiger II beschafft und 1985 die
Flab durch ein mobiles Flablenkwaffensystem Rapier mit einer Wirkungshöhe
von 3'000 m zum Schutz mechanisierter Verbände verstärkt. In den 1990er
Jahren ersetzte die mobile Flablenkwaffe Stinger, die von einer Person
bedient werden kann, die alten Flabkanonen. Den mit Helikoptern (ab 1958
Alouette II SE-3130, ab 1964 Alouette III SE-3160, ab 1987 SA-332 Super
Puma) und Flächenflugzeugen (Pilatus-Porter) ausgerüsteten
Leichtfliegerstaffeln obliegen neben Aufklärung und Verbindung
hauptsächlich Transporte.
Kennzeichnend
für die Entwicklung der Flugwaffe ab 1945 ist die Einführung stets
wirkungsvollerer Kampfflugzeuge, deren Stückzahl ab Mitte der 1990er
Jahre ständig reduziert wurde. Nach dem Armeeleitbild von 1995 konnten
bisher elf Kriegsflugplätze aufgehoben werden, ein weiterer wurde dem Kt.
Graubünden übergeben. Im jüngsten und grössten Rüstungsvorhaben der
schweizerischen Flugwaffe - dem Kauf von 34 amerikanischen Kampfbombern
F/A-18C Hornet für 3,5 Mrd. Fr. - wurde aufgrund einer Volksinitiative
erstmals das Volk befragt, das sich in der Abstimmung von 1993 für die
Beschaffung aussprach.
1977
nahmen schweiz. Kampfflugzeuge zum ersten Mal an Schiessversuchen in
Vidsel (Schweden) teil. Den Grundstein für den Ausbildungsaustausch mit
befreundeten Ländern legte in den 1980er Jahren das Protocole d'accord
mit Frankreich für die Pilotenausbildung. Es folgten weitere Abkommen mit
zahlreichen ausländischen. Streitkräften. Ab 1985 konnten Schweizer
Militärpiloten ein Luftkampftraining in tieferen Flughöhen von Sardinien
aus durchführen; seit 1991 geschieht dies über der Nordsee.