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Artikel - Verwendungsbereiche
Verwendungsbereiche
Das Romanische wird in unterschiedlichen Bereichen verwendet, wie z.B. in der Schule, in den Medien, in der Verwaltung und im öffentlichen Leben.
Romanisch wird ab dem Kindergarten bis auf tertiärer Ebene unterrichtet und dank den romanischen Medien können z.B. Neologismen besser verbreitet werden. Wichtig für das Romanische ist auch, dass es in der Verwaltung und im öffentlichen Leben gebraucht wird.
Schule
Im Kanton Graubünden bestimmen die Gemeinden die Verwaltungs- und Schulsprache in eigener Kompetenz, jedoch unter Berücksichtigung der Grundsätze des kantonalen Sprachengesetzes. Der Kanton stellt den romanischen Schulen die notwendigen Lehrmittel zur Verfügung. Seit dem 1. August 2013 gilt das Gesetz für die Volksschulen des Kantons Graubünden. Es sieht den Unterricht von mindestens einer Kantonssprache sowie des Englischen auf der Unterstufe vor. In romanischen und italienischen Primarschulen ist Deutsch die erste Fremdsprache. In deutschsprachigen Primarschulen ist Italienisch die erste Fremdsprache, die Schulträger können den Unterricht des Romanischen statt des Italienischen beschliessen. Ferner haben sie die Möglichkeit, Romanisch und Italienisch zu Wahlpflichtfächern zu erklären.
Die romanischen Kindergärten haben eine wichtige Funktion für die Erhaltung und Förderung der Sprache sowie für die sprachliche Integration anderssprachiger Kinder.
Die Gemeinden des Kantons Graubünden mit einer romanischen Schule (siehe Tabelle unter Primarschule) führen auch einen romanischen Kindergarten. In Sprachgrenzgemeinden (zweisprachige oder noch nicht völlig germanisierte romanische Gemeinden) werden Kindergärten zum Teil parallel in romanischer und deutscher Sprache geführt, vereinzelt auch gemischtsprachig. Die Uniun da scolina Cuira sorgt dafür, dass Kinder von Eltern mit einem Bezug zum Romanischen auch in der Kantonshauptstadt Chur einen romanischen Kindergarten besuchen können.
Der Kanton gewährleistet die Führung romanischer Kindergärten mit der Ausbildung romanischsprachiger Kindergärtnerinnen und Kindergärtner.
Die Tabelle zeigt die Gemeinden des Kantons Graubünden mit einem Angebot in romanischer Sprache auf der Primarstufe:
Zahlreiche Bündner Gemeinden im traditionell romanischen Sprachgebiet führen auf der Primarstufe eine romanische Schule, d.h. Romanisch ist Unterrichtssprache, je nach Gemeinden auch nur bis zur 3. Klasse; Deutsch ist Unterrichtssprache von der 4. bis zur 6. Klasse.
Anders als ihr Name vermuten lässt, ist die traditionelle romanische Schule keine monolinguale Schule, sondern gehört wohl zu den ältesten und bewährtesten zweisprachigen Schulsystemen überhaupt. Im Unterschied zu den meisten übrigen zweisprachigen Schulmodellen, welche als Folge der positiven Forschungsergebnisse ab den 1970er Jahren entstanden sind, entwickelte sich die Zweisprachigkeit der romanischen Schule im Laufe des 19. Jahrhunderts eher beiläufig aus der sprachpolitischen und -kulturellen Realität Graubündens heraus. So kann man die romanische Schule als eine natürlich gewachsene zweisprachige Schule bezeichnen. Leider sucht man die traditionelle romanische Schule noch heute vergebens in den meisten Auflistungen von zweisprachigen Schulmodellen. Erst in den 1990er Jahren wurde im Zusammenhang mit einer Studie überhaupt erkannt, dass sich die traditionelle romanische Schule weitestgehend mit starken zweisprachigen Schulmodellen, wie sie beispielsweise in Kanada propagiert wurden und werden, übereinstimmt.
Die traditionelle romanische Schule vermag gleich zwei eminent wichtige Aufgaben zu erfüllen, nämlich das Erreichen einer starken Zweisprachigkeit und die Gewährleistung einer Sprachschutzfunktion für die Minderheitensprache.
Abgänger der traditionellen romanischen Schule sind durchwegs und mindestens zweisprachig, und dies unabhängig von der sprachlichen Herkunft der Schüler. Bis zur vierten Klasse erfolgt der gesamte Unterricht auf Romanisch. Von der vierten bis sechsten Klasse wird Deutsch als Fach unterrichtet, Romanisch bleibt weiterhin Unterrichtssprache. Durch eine frühe totale Immersion werden so beispielsweise nicht-romanischsprachige Schüler ins Romanische «eingetaucht» und lernen so nicht nur die Sprache an sich, sondern erlernen den nicht sprachlichen Stoff in und durch das Romanische. In der Volksschulobberstufe übernimmt Deutsch die Rolle der Hauptunterrichtssprache, nur noch das Fach Romanisch sowie Biologie werden auf Romanisch unterrichtet. Dieser Wechsel der Unterrichtssprache ermöglicht den romanischsprachigen Schülern das Eintauchen in die deutsche Sprache. Eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds konnte die grosse Effizienz der traditionellen romanischen Schule bei der Erlangung der romanisch-deutschen Zweisprachigkeit empirisch nachweisen.
Nebst der Erlangung einer starken romanisch-deutschen Zweisprachigkeit sticht die eminent wichtige Sprachschutzfunktion der traditionellen romanischen Schule ins Auge. Im Kindergarten und von der ersten bis zur vierten Klasse ist der Unterricht nur romanischsprachig. Nicht romanischsprachige Schüler erlernen so vom ersten Tag an Romanisch. Diese frühe und intensive Konzentration auf die nicht dominante Sprache Romanisch gewährleistet eine Festigung der Sprachstrukturen bei allen beteiligten Schülern und legt das Fundament für eine ausgewogene Zweisprachigkeit, ohne dass das Romanische zu früh und zu stark durch die dominante Sprache Deutsch unter Druck gerät. Zudem bietet dieses Vorgehen eine gewisse Gewähr dafür, dass sich nicht romanische Familien eher darum bemühen, sich im romanischen Gebiet sprachlich zu integrieren. Trotz dieses «verspäteten» Einsetzens des Deutschunterrichts erreichen Abgänger der traditionellen romanischen Schule nahezu die gleiche Deutschkompetenz wie ihre (einsprachigen) deutschbündner Kollegen – dies mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass sie diese Kompetenz gleich in zwei Sprachen erreichen.
Die traditionelle romanische Schule ist organisch gewachsen, sie ist nicht vom Nimbus des «Neuen» umgeben, sie ist nicht von interessierten Eltern und Lehrern ins Leben gerufen worden, sie widerspiegelt ganz einfach die Normalität, so dass das Bewusstsein, etwas ausserordentlich Wertvolles zu besitzen, bei Bevölkerung und Behörden nicht oder kaum vorhanden ist.
Anders ist dies bei den «neueren» Formen der zweisprachigen Schule, welche beispielsweise im Zusammenhang mit dem Schulprojekt Samedan ins Leben gerufen wurden. Ihnen wird gemeinhin mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Hier wurde die zweisprachige traditionelle romanische Schule (frühe totale Immersion) durch ein System mit partieller Immersion ersetzt. Fälschlicherweise wird oft nur diese Form als «zweisprachige Schule» angesehen. Schulen mit früher partieller Immersion gelten zwar gemeinhin ebenfalls als starke zweisprachige Schulmodelle, doch wurden sie ursprünglich für «grosse» und «starke» Sprachen konzipiert (z.B. Französisch-Englisch), so dass sie die nötige Schutzfunktion für die Minderheitensprache meist nicht oder nur schwer zu erfüllen vermögen. Allgemein gilt es nämlich zu beachten, dass sowohl die Sprachschutzbemühungen, als auch die Stundendotation in der Minderheitensprache umso grösser sein müssten, je schwächer der Status einer Minderheitensprache im Alltag ist. Gegenüber den traditionellen romanischen Schulen weisen die neuen Modelle aber meist eine Verstärkung des Deutschanteils aus. Das frühe Einsetzen des Deutschunterrichts (mitunter bereits im Kindergarten) schwächt zudem den Anreiz zur sprachlichen Integration.
Frühe totale Immersion - das Standardmodell der romanischen Schulen.
Partielle Immersion - gemäss diesem Modell funktionieren die zweisprachigen Schulen in Graubünden.
Man darf aber angesichts dieser Überlegungen keinesfalls vergessen, dass die neueren zweisprachigen Schulmodelle mit partieller Immersion eingeführt wurden, um Schlimmeres verhindern zu können. So kam die RUS-Schule in einigen Gemeinden an der Sprachgrenze mit wachsender deutschsprachiger Bevölkerungsmehrheit, welche auf ein früheres Einsetzen des Unterrichts in deutscher Sprache, oder sogar auf einen Wechsel zur (einsprachigen) deutschen Schule drängten, immer mehr unter Druck. Der einzige Ausweg führte bis anhin über die Einführung der deutschen Schule. Untersuchungen im Rahmen des Schulprojekts Samedan haben gezeigt, dass sich mit der Einführung der Schule mit partieller Immersion innerhalb der Bevölkerung ein starkes Zweisprachigkeitsbewusstsein entwickelt hat, welches in RUS-Gemeinden nicht so ausgeprägt ist.
Für die traditionelle romanische Schule wäre auch eine Erweiterung von der Zwei- zur Dreisprachigkeit bereits ab der 1. Klasse denk- und machbar. Anstatt ab der 3. Klasse Deutsch und erst ab der 5. Klasse Englisch zu lernen, würde der Englischunterricht bereits ab Schuleintritt unterrichtet werden.
Einige Beispiele zweisprachiger Schulen:
Schulversuch Samedan (Oberengadin)
Ein solcher Schulversuch wurde in den Jahren 1996 – 2000 in Samedan durchgeführt mit dem Ziel, die romanisch-deutsche Zweisprachigkeit im Kindergarten und in der Volksschule zu fördern und gleichzeitig das Romanische wirksam zu stärken und zu schützen. Die Kinder sollen Mehrsprachigkeit als Bereicherung erleben. Es soll ein fortgeschrittenes Sprachverständnis geweckt werden, das durch die einsprachige Schulbildung kaum erreicht werden kann. Dazu soll zwischen Romanisch und Deutsch bis zum Ende des 9. Schuljahres Gleichwertigkeit erreicht werden (ausgewogene Mehrsprachigkeit). Auf Grund der erfreulichen Resultate erteilte die Regierung im Jahre 2002 der Gemeinde Samedan die Bewilligung, ihren Kindergarten und ihre Volksschule definitiv zweisprachig im Sinne des Schulversuchs zu führen. In den letzten Jahren hat man jedoch Schwierigkeiten vor allem für die Oberstufe romanischsprachige Lehrpersonen zu finden.
Schulversuch Pontresina (Oberengadin)
Ab dem Schuljahr 2003/04 führte auch die Oberengadiner Gemeinde Pontresina ein zweisprachiges Schulmodell ein (Gemeindebeschluss vom 18.3.2003 und Regierungsbeschluss vom 11.4.2003), das aber weniger konsequent ist als jenes von Samedan. Die Ziele beider Gemeinden sind identisch.
Schulversuch Chur
Ein weiteres wissenschaftlich begleitetes, zweisprachiges Schulprojekt läuft seit Beginn des Schuljahres 2000/01 auch in der Stadtschule Chur: In zwei besonderen Schulklassen wird der Unterricht in deutscher und italienischer Sprache, in einer Schulklasse in deutscher und romanischer Sprache erteilt. Die bisherigen Ergebnisse sind positiv ausgefallen.
Sekundarstufe
Ab Schuljahr 2002/03: In Gemeinden mit Romanisch als Unterrichtssprache auf Primarschulstufe drei Lektionen/Woche Romanisch als Pflichtfach, in Gemeinden mit Deutsch oder Italienisch als Unterrichtssprache Möglichkeit in der 2./3. Klasse drei bis fünf Lektionen/Woche Romanisch als Wahlfach/Wahlpflichtfach zu belegen.
Berufsschule
Der nicht fachspezifische Unterricht an den Berufsschulen in Ilanz/Glion und Chur wird in der Regel zweisprachig Romanisch-Deutsch durchgeführt. Für den allgemein bildenden Unterricht wird seit April 2000 das sogenannte Splitting-Modell angeboten: Die Gewerbliche Berufsschule Chur wird bei genügend Interesse Romanisch als zusätzliches Freifach anbieten. Der Fachunterricht findet hingegen wie bis heute in der Berufsschule statt, die gemäss Schulkreiseinteilung dafür zuständig ist. An der Scola industriela in Samedan ist Deutsch Unterrichtssprache, aber auch die Muttersprachen (Romanisch und Italienisch) der Auszubildenden werden gepflegt und gefördert.
Mittelschule
Bis Ende der 1990er Jahre folgten die Schüler romanischer Muttersprache demselben Ausbildungsprogramm wie ihre deutschsprachigen Mitschüler. Die Ausbildung im Fach Romanisch erfolgte für sie in zwei zusätzlichen Wochenstunden.
Mit der Revision des Mittelschulgesetzes vom 27.9.1998 ist die Stellung des Romanischen auf dieser Stufe stark aufgewertet worden. Ab dem Schuljahr 1999/2000 bieten die Mittelschulen Graubündens eine zweisprachige Maturität (Romanisch-Deutsch). Neben dem Fach Romanisch werden dafür zusätzlich zwei weitere Grundlagenfächer in romanischer Sprache erteilt. An der Bündner Kantonsschule in Chur beispielsweise sieht das wie folgt aus: Gymnasiasten romanischer oder italienischer Muttersprache (Erstsprache) können eine zweisprachige Matura absolvieren (Romanisch-Deutsch) oder (Italienisch-Deutsch). Sie belegen während der gesamten Gymnasialzeit zwei Grundlagenfächer in romanischer oder italienischer Sprache. Aktuell handelt es sich um die Fächerkombination Geschichte und Biologie.
Pädagogische Hochschule Graubünden
Die Pädagogische Hochschule Graubünden (PH) ersetzt seit 2003/2004 das Bündner Lehrerseminar (mit romanischer Abteilung) und die Bündner Frauenschule (mit romanischer Abteilung und besonderem Sprachmodell zur Förderung der interkulturellen Ausbildung) in Chur sowie das Lehrerseminar an der Mittelschule in Schiers.
Die PH bildet Lehrpersonen für den Kindergarten und für die Primarschule aus (Diplomstudiengänge sowie Lehrerinnen- und Lehrerweiterbildungskurse, Sommerkurswochen, Zweitsprachunterricht, Intensivweiterbildungskurse) an. Daneben betreibt sie als Fachhochschule Forschung und Entwicklung. Das Romanische wird angemessen berücksichtigt in den Studienrichtungen Kindergarten (Erstsprache und sprachliche Integration), Primarschule (Erstsprache, zweite Kantonssprache) sowie Fachdidaktik.
Universitäten
Studierende auf Universitätsstufe können sich mit der romanischen Sprache und Kultur in Zürich, Genf und Freiburg auseinandersetzen.
Baker, C., Pyrs Jones, S., Encyclopedia of Bilingualism and Bilingual Education, Clevedon, Multilingual Matters Ltd., 1998
Carigiet, W., Cathomas, R., Immersion – und kaum einer merkt's. Von der Zweisprachigkeit der SchülerInnen romanischsprachiger Schulen, en: Babylonia, Schweizerische Zeitschrift für Sprachenlernen und Sprachunterricht, Fondazione Lingue e Culture, Comano 1997
Gregori, G. P., Romanisch vor und nach der Mittelschulreform, en: Babylonia 6 (1998), 57 – 58
Gregori, G. P. et al., Schule und Mehrsprachigkeit im Kanton Graubünden, Bündner Monatsblatt 1 / 2011, 3 – 34
Medien
Die romanische Presse geht auf das frühe 19. Jahrhundert zurück, als die Drei Bünde zum einheitlich organisierten Kanton Graubünden umgewandelt wurden. Das Volk hatte die allgemeine Kontrolle und Übersicht verloren und war auf eine unabhängige Information angewiesen, die nur eine freie Presse ausüben konnte. Die Presse wurde aber auch parteipolitischen und konfessionellen Interessen unterstellt und war – neben den religiösen Schriften – bis um 1850 die einzige Lektüre und Bildungsquelle.
Im 19. und 20. Jahrhundert sind in Romanischbünden unzählige Zeitungen und Schriften erschienen, von denen einige wenige bis heute überlebt haben. 1996 gab es noch vier romanische Wochenzeitungen: das Fögl Ladin (1941 – 1996, Engadin/Val Müstair) und die Gasetta Romontscha (1857 – 1996; Surselva) erschienen zweimal, die Pagina da Surmeir (1946 – heute, Oberhalbstein/Albulatal) und die Casa Paterna/La Punt (1920 – 1996; Sutselva/prot. Surselva) einmal wöchentlich.
Die Pagina da Surmeir erscheint seit 1946.
Neben zahlreichen periodischen Publikationen erscheinen ferner mehrere Jahreskalender, Jahrbücher und Zeitschriften in romanischer Sprache. Kalender: Calender Romontsch/Surselva, Chalender Ladin/Engadin und Val Müstair, Sulom surmiran/Oberhalbstein und Albulatal, Calender per mintga gi/reformierte Surselva und Sutselva; Jahrbücher: Annalas da la Societad Retorumantscha (Publikation mit wissenschaftlichem Anspruch); Zeitschriften: Litteratura (Publikation des romanischen Schriftstellerverbandes Uniun per la Litteratura Rumantscha).
Punts
Am 2. April 1994 haben einige junge Idealisten aus den verschiedenen Talschaften Romanischbündens das Jugendmagazin «Punts» lanciert. Es handelt sich um die erste überregionale romanische Zeitschrift und um das erste Jugendmagazin Graubündens. Nach 18 Jahren wird 2011 die letzte Ausgabe veröffentlicht.
La Quotidiana
Am 6. Januar 1997 lancierte die Gasser Media AG (neu: Südostschweiz Mediengruppe AG) unter dem Titel «La Quotidiana» (LQ) eine romanische Tageszeitung, in der die obgenannten Regionalblätter – mit Ausnahme der Pagina da Surmeir – sowie die seit 1994 im deutschsprachigen Bündner Tagblatt erscheinende romanische Seite «La Nova» integriert werden konnten. Damit ging – zumindest aus sprachplanerischer Sicht – ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. Nach der Übernahme des traditionsreichen Fögl Ladin durch die LQ anerbot sich die Engadiner Post, zwei Seiten in romanischer Sprache zu veröffentlichen und die Wochenzeitung in Engadiner Post/Posta Ladina umzutaufen.
Die Posta Ladina - ehemals Il Fögl Ladin.
Die LQ hat eine lange Entstehungsgeschichte. Obwohl das Bedürfnis einer romanischen Tageszeitung seit Jahrzehnten erkannt und unbestritten war, mussten die Romanen recht lange auf die Realisierung warten. Eine Pressekommission löste die andere ab, auf eine Nullnummer (1988) folgte eine zweite (1992), ohne konkrete Ergebnisse. Auch der 1992 ins Leben gerufene Verein Pro Svizra Rumantscha, der sich seit 2001 verstärkt auch ausserhalb des ursprünglichen Aufgabengebietes (Förderung der romanischen Presse) betätigt (Information, Sensibilisierung, Lehrmittel), konnte für die Stärkung der romanischen Presselandschaft keine Lösung finden. Erst die 1996 gegründete, vom Bund und Kanton finanzierte romanische Nachrichtenagentur Agentura da Novitads Rumantscha (ANR) schuf eine für die Entstehung einer Tageszeitung wichtige Voraussetzung. Mit Hilfe der ANR entstand eine Zeitung, die sich sehen lassen darf: professionell redigiert, ansprechend gestaltet, auf modernen Anlagen hergestellt und von einer kleinen, aber äusserst motivierten und engagierten Redaktion betreut.
La Quotidiana - die romanische Tageszeitung berichtet vor allem über lokale und regionel Ereignisse.
Neben der Spracherneuerung fördert die gesamtromanische Tageszeitung die Annäherung der Idiome, schlägt Brücken zwischen den romanischen Talschaften und begünstigt die Bildung einer gemeinsamen Identität. Die LQ ist das eigentliche Sprachrohr der Rumantschia. Sie deckt v.a. die romanischsprachigen Regionen ab, ohne dabei die Augen vor der übrigen Welt zu verschliessen. Während die Berichterstattung von und aus den Regionen in den einzelnen Idiomen erfolgt, findet im überregionalen Teil in der Regel das Rumantsch Grischun Anwendung.
RTR Radiotelevisiun Svizra Rumantscha
Seit 1925
Die Geschichte des Romanischen Radio und Fernsehens (RTR Radiotelevisiun Svizra Rumantscha) beginnt 1925. In diesem Jahr gelangen die ersten vier Sendungen in romanischer Sprache über den Sender Hönggerberg zur Ausstrahlung. Über UKW werden 1984 die ersten romanischen Programme in Graubünden gesendet. Am 17. Februar 1963 wird mit dem «Balcun tort» die erste Fernsehsendung in romanischer Sprache ausgestrahlt.
Seit 1992 ist RTR eine Tochtergesellschaft der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR). Die SRG SSR verfügt über vier regionale Unternehmen: RSI Radiotelevisione svizzera in Lugano, RTR Radiotelevisiun Svizra Rumantscha in Chur, RTS Radio Télévision Suisse in Genf und SRF Schweizer Radio und Fernsehen in Zürich. Der Auftrag der SRG SSR basiert auf der Bundesverfassung, auf dem Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG) sowie auf der Konzession. Dank der Solidarität und dem Finanzausgleich zwischen den Sprachregionen kann die SRG SSR schweizweit Programme anbieten. Auf diese Weise fördert sie das gegenseitige Verständnis und den Austausch unter den Landesteilen und leistet einen bedeutenden Beitrag zur gesellschaftlichen und kulturellen Integration.
Das Medienzentrum befindet sich seit 2006 an der Masanserstrasse 2 in Chur. Korrespondenten von RTR arbeiten ferner in Disentis, Ilanz/Glion, Savognin, Samedan, Scuol und Bern.
Programm
RTR ist DAS Medienunternehmen für die romanische Schweiz. Es produziert qualitativ hochstehende Programme mit einem unmittelbaren Bezug zu gesellschaftlichen Realitäten und Entwicklungen. Die Sendungen informieren aktuell und fundiert und werden durch spartenübergreifende Musik ergänzt, wobei die romanische Musikszene einen breiten Raum einnimmt. Das audiovisuelle Angebot wird durch die Website www.rtr.ch erweitert und erfährt so einen hohen Mehrwert in Form von Bildmaterial, themaspezifischen Dossiers und ausführlichen Zusatzinformationen.
Gut 50% der Sendungen von Radio Rumantsch gehören in den Informationsbereich. Die andere Hälfte besteht aus Begleit- und Unterhaltungsprogrammen. Bei der Televisiun RTR beträgt der Anteil an Informationssendungen 60%, 30% der Produktionen thematisieren Kultur und Gesellschaft, 10% gehören den Sendungen für Kinder und Jugendliche. Das Internetangebot richtet sich an alle Altersgruppen.
RTR ist auf weiteren sozialen Medien präsent, wie z.B. Facebook und Twitter. Facebook e Twitter.
Das Medienhaus in Chur. © RTR
Die Sendungen der Televisiun RTR
- Telesguard
jeweils MO-FR um 17.40 h auf SRF 1 – Das Informationsmagazin aus Graubünden.
- Cuntrasts
jeweils SO um 17.25 h auf SRF 1 – Der Name ist Programm. Die Sendung lebt von kontrastreichen Stilen und unterschiedlichen Annäherungen an vielfältige Themen, die für die Rumantschia und Graubünden von Bedeutung sind.
- Minisguard
jeweils SA um 17.40 h auf SRF 1 – Die Informationssendung für Kinder.
- Controvers
SO um 17.25 h auf SRF 1 – Eine sechsmal jährlich engagiert geführte Debatte rund um aktuelle Themen.
- In pled sin via
auf SRF 1 – Christliche Gedanken zu religiösen, geistigen und ethischen Fragen in der Gesellschaft, wird ungefähr viermal jährlich ausgestrahlt.
Alle Sendungen mit deutschen Untertiteln im Teletext auf Seite 777. Wiederholungen sowie die aktuelle Übersicht auf www.rtr.ch.
Verwaltung / Institutionen
- Amtliche Dokumente und Publikationen: Banknoten, Pass, Identitätskarte, Erlasse, Gesetze und Verordnungen (Bundesverfassung, Abstimmungserläuterungen), Informationsbroschüren von Bundesämtern usw.
- Armee: zwischen 1988 – 1995 wurden versuchsweise vier Bündner Infanteriekompanien romanisch geführt; Ausbildungsmaterialien und persönliche Dokumente in romanischer Sprache
- Bundesverwaltung: im Verkehr mit Personen romanischer Sprache ist das Romanische auch Amtssprache des Bunde
- Verschiedene soziale und kulturelle Organisationen: auf Briefpapier, für Internetseiten und besondere Aktionen
- Versicherungen: für Formulare und Schriften
- Banken: in einzelnen Fällen, wenn mehrere Filialen im romanischen Sprachgebiet ansässig sind
- Warenproduzenten und Warenverteiler: für Werbezwecke im romanischen Sprachgebiet und für Aufschriften und Beschriftungen auf einzelnen Produkten (v.a. bei Filialen in Graubünden)
- Unternehmen wie die Post und die SBB verwenden sporadisch auch das Romanische für Drucksachen und Aufschriften
- Kantonale Verwaltung: im Kontakt mit der romanischsprachigen Bevölkerung; elektronische Steuererklärung ist bis heute nur auf Deutsch und Italienisch verfügbar
- Anschriften öffentlicher Gebäude des Kantons: die Übersetzung in die Amtssprachen wird in Art. 5 des kantonalen Sprachengesetzes geregelt
- Romanischkenntnisse für Stellen in kantonalen Ämtern: wird theoretisch in Art. 6 des Sprachengesetzes geregelt: «Bei der Besetzung von Stellen in der kantonalen Verwaltung ist bei gleichen Qualifikationen in der Regel jenen Bewerberinnen und Bewerbern der Vorzug zu geben, welche über Kenntnisse in zwei oder allenfalls den drei Amtssprachen verfügen.»
- Die Graubündner Kantonalbank verwendet das Romanische für Korrespondenzsachen, Formulare und Pressemitteilungen
- Verschiedene soziale und kulturelle Organisationen: auf Briefpapier, für Internetseiten und besondere Aktionen
- Warenproduzenten und Warenverteiler: für Werbezwecke im romanischen Sprachgebiet und für Aufschriften und Beschriftungen auf einzelnen Produkten (v.a. bei Filialen in Graubünden)
- Die Rhätische Bahn verwendet das Romanische teilweise für Anschriften von Rollmaterial, Fahrpläne und Durchsagen in den Zügen
- Privater Bereich: in der Familie, im Dorfleben, in Vereinen und im Freundeskreis ist Romanisch oft die Hauptsprache
- Öffentlicher Bereich: im öffentlichen und beruflichen Leben gewöhnlich Romanisch als Umgangssprache, im Schriftverkehr – je nach Adressat – Romanisch oder Deutsch
- Kirche: die Bibel, liturgische Texte, religiöse Unterweisungen und geistliche Lieder in romanischer Sprache; die Gottesdienste werden in intakten romanischen Gemeinden in romanischer Sprache, in gemischtsprachigen Gemeinden meist abwechslungsweise in romanischer und deutscher Sprache abgehalten; in den Saisonzeiten finden die Gottesdienste in Tourismusorten in romanischer und in deutscher Sprache statt
- Gemeindeverwaltung: im Unterengadin und im Val Müstair (inkl. S-chanf und Zuoz im Oberengadin) ist die Verwendung des Romanischen auf Verwaltungsebene zwingend (Amtssprachenregelung seit 1995), dasselbe gilt ab 1996/97 auch für die meisten Gemeinden der Surselva und Mittelbündens
- Gewerbebetriebe und Unternehmen im romanischen Sprachgebiet: für Offerten, Korrespondenz, Produktbeschriftungen usw.
- Verkehrsvereine: teilweise für Werbung und Information
- Zivilstandsamt: in den Zivilstandskreisen des romanischen Sprachgebietes wird Romanisch für Auszugsformulare und Mitteilungen verwendet; die Trauungen finden auf Wunsch in romanischer Sprache statt