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Ein Mann wollte einmal in die weit entfernte Stadt fahren. Da fragte er seinen Vater: «Was für ein Geschenk soll ich Euch mitbringen, Väterchen?»
«Mein lieber Sohn», antwortete der Vater, «bringe mir was übrig bleibt vom Essen und die Brotkrümel als Geschenk.»
Der Sohn ging mit seinen Gefährten auf die Reise und sie nahmen reichlich zu essen mit, denn es war Winter und der Weg lang. Unterwegs aber packte er alle Reste und Brotkrümel in einen Stoffbeutel. Seine Weggefährten lachten ihn aus: «Du sammelst die Reste von unserem Essen, warum tust du das?»
«Ich sammle sie als Geschenk für meinen Vater, er hat mir dies aufgetragen», gab er zur Antwort.
Auf der Rückreise kamen sie durch eine Gegend, die einsam und verlassen war.
Ein Schneesturm kam auf und die Männer mussten sich in einer Hütte verstecken. Ihre Vorräte aber waren aufgebraucht und sie hungerten und froren. Da fiel dem Mann der Beutel ein und sie nahmen ihn und assen drei Tage davon, bist der Schneesturm sich legte und sie ihren Weg fortsetzen konnten.
Als der Sohn nach Hause kam, fragte ihn der Vater: «Nun, mein Sohn, hast du mir das versprochene Geschenk mitgebracht?»
«Nein, Väterchen», sprach der Sohn, «ich habe wohl alle Reste gesammelt und die Brotkrümel in den Stoffsack getan. Doch unterwegs gerieten wir in einen Schneesturm und nur das Geschenk für dich hat uns am Leben erhalten.»
«Nun, das macht nichts», sprach der Vater, «denn mein Geschenk hatte ich mir eigens dafür gewünscht, dass es euch helfen möge, wenn ihr in Not geratet.»
Und Vater und Sohn umarmten sich.
Märchen aus der Ukraine, aus: Wintermärchen aus aller Welt, © Mutabor Verlag