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Ich besuchte die Geisterstadt Kolmanskop Anfang September, während einer zweiwöchigen Rundreise in Namibia, und ich war völlig vom fotografischen Potential des Ortes überwältigt.
Geisterstadt: Die Geschichte von Kolmanskop.
In den trockenen, kargen Gebieten am Rande der Namib-Wüste im Südwesten Afrikas liegen die Reste einer einst glänzende Grosstadt, Kolmanskop. Kolmanskop liegt 850km südwestlich von Windhoek, die Hauptstadt von Namibia, und 10km östlich der Küstenstadt Lüderitz.
Früher lief in der Nähe von Kolmanskop eine Zuglinie von Lüderitz zur grösseren Stadt Keetmanshoop, wo sie mit einer nördlichen Linie zur Hauptstadt verbunden war. Im Jahre 1908 fand ein Eisenbahner, der Driftsand von den Gleisen schaufelte, einige interessante Steine. Ein ehemaliger Mitarbeiter von De Beers in Südafrika, nahm die Steine nach Luderitz für ein Gutachten. Die Steine waren Diamanten. Das war der Anfang des Diamantenrausch.
Im September 1908 erklärte die deutsche Kolonialregierung ein 26000km2 grosses Sperrgebiet oder eine Verbotszone, um den Bergbau der Diamanten zu kontrollieren. Die Stadt Kolmanskop entwickelte sich bald zu einem belebten kleinen Zentrum mit grossen, eleganten Häusern im deutschen architektonischen Stil mit einer beeindruckenden Reihe von Annehmlichkeiten einschliesslich Krankenhaus, Ballsaal, Kraftwerk, Schule, 4-spurige Kegelbahn, Theater und Sporthalle, Casino, Eisfabrik und die erste Röntgenstation der südlichen Hemisphäre. Frisches Fleisch konnte beim Metzger gekauft werden. Es gab eine Bäckerei, eine Möbelfabrik, einen öffentlichen Spielplatz und sogar einen Swimmingpool. Kolmanskop hatte auch die erste Straßenbahn in Afrika. Die Entwicklung von Kolmanskop erreichte seinen Höhepunkt in den 1920er Jahren mit fast 1200 Einwohnern aus rund 700 Familien.
Nach dem ersten Weltkrieg erschöpfte sich langsam das Diamantenfeld und die Bewohner von Kolmanskop bewegten sich nach Süden, wo neue und reiche Diamantvorkommen entdeckt wurden. Das war der Anfang vom Ende; Kolmanskop verwandelte sich in eine Geisterstadt, die von Sand begraben und in der Zeit gefangen wurde.
Geisterstadt: Fotografieren in Kolmanskop.
Einen Photo-Permit, der umgerechnet ca. 20.- CHF kostet, gewährt Zugang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wir kamen etwa 10 Minuten vor Sonnenaufgang und waren die einzigen Besucher. Was für ein Erlebnis! Der Nebel, die Dunkelheit und die Stille verstärkten das Gefühl der Verlassenheit und der Gruseligkeit. Doch sobald die Sonne aufging, glänzte die Schönheit von Kolmanskop.
Das fotografische Potenzial der Stadt ist einfach riesig. Bei den meisten Fenstern und Türen, die von den Winden weggeblasen werden, kann man jede Art von Licht interessant nutzen. Die bewegte Sonne schafft fantastische Formen. Sobald weiches Morgenlicht in einen Raum eindringt, glänzt es und akzentuiert Farben und Muster.
Das Vorgehen beim fotografieren war eigentlich ganz simpel und immer wieder gleich: Ein Gebäude betreten und nach möglichen Kompositionen aus allen vier Ecken des Raumes schauen. Hohe und niedrige Winkel ausprobieren und durch Türen und Fenster fotografieren. Die meiste Zeit nahm ich mit meiner Sony A7II und 16-35mm Objektiv Mehrfachbelichtungen (-2, -1, 0, +1, +2) von der gleichen Aufnahme auf, um später in Photoshop die Kontraste besser zu kontrollieren.
Ich hoffe ich konnte Euch für diese Destination begeistern. Viele meiner Fotos aus Namibia sowie aus der Schweiz und Rest der Welt sind bei bilder-24 zu finden. Gerne könnt Ihr mich auch auf Facebook oder Instagram folgen.
Maico Presente