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Stahlfedern
zum Schreiben (frz. plume, plume d'acier, engl. steel-pen) sind jetzt so allgemein im Gebrauch, daß die heranwachsende Generation den Gänsekiel kaum noch kennt. Die Fabrikation der S. ist von England ausgegangen, woselbst heute noch Birmingham die Fabrikation fast allein in Händen hat; es bestehen da vier Fabriken ersten und mehrere zweiten Ranges, die zusammen über 1000 Mill. Federn alljährlich erzeugen. In Frankreich sind derartige Fabriken in Boulogne, Aigle und Paris, in Berlin die von Heintze und Blanckertz und S. Röder, in Remscheid u. a. O., in Wien die Kuhn'sche. Manche zu Zeiten umlaufende Fabrikfirmen gehörten nur großen Händlern an, die in England arbeiten ließen, wo man den Federn jede bestellte Firma gern aufprägt. - Bei der Herstellung dieses kleinen Massenartikels waltet das Prinzip der Arbeitsteilung.
Die verschiedenen Arbeiten werden meist durch Frauen mit Hilfe kleiner Schrauben- oder Kniehebelpressen besorgt. Das Rohmaterial, ein feinerer oder geringerer Zementflußstahl, der durch starkes Ausglühen möglich weich gemacht wurde, ist vorher durch Zerschneiden und Walzen in dünne bandartige Blechstreifen von der Breite der doppelten Federlänge verwandelt worden. Aus diesen werden auf Durchstoßmaschinen die Plättchen, welche die Federn geben, von der Arbeiterin einzeln, mit jedem Hebelzuge eins, ausgeschnitten, sodaß jedes Band zwei Reihen Plättchen ergibt.
Diese haben natürlich die Form, welche eine plattgedrückte S. annehmen würde. In einer folgenden Abteilung werden diese Flachstücke auf einer, der ersten ähnlichen, Druckmaschine mit anders gebildetem Stempel gelocht, d. h. sie erhalten die lange oder runde Durchbrechung, in welche der Spalt auszugehen pflegt, zugleich mit den etwaigen seitlichen Durchbrechungen, welche zur Erhöhung der Elastizität gegeben werden, alles natürlich mit einem Druck des Handhebels.
Für die folgende Bearbeitung, das Markieren, werden die Plättchen, um sie wieder zu erweichen, in großer Menge erst in Muffeln ausgeglüht. Sie sind nun in ihrer Masse so weich, daß sie die Einprägung des Fabrikstempels und der etwa sonst noch zu führenden Zeichen leicht annehmen. Das Markieren geschieht auf kleinen Prägmaschinen, bei denen der Prägstempel durch einen Fußtritt gehoben und dann fallen gelassen wird. Es folgt dann das Aufbiegen zur Rinnenform, wieder auf kleinen Handdruckmaschinen.
Für die folgenden Bearbeitungen muß das jetzt weiche und unelastische Metall erst gehärtet werden; man macht die Federn rotglühend und wirft sie in kaltes Öl, die geringere Ware in Wasser. Hierdurch wird der Stahl glashart und spröde, und ist, um brauchbar, d. h. hier, elastisch zu sein, anzulassen. Man bringt ihn durch gelindes Anwärmen und abermaliges Eintauchen in Öl oder Wasser auf den Grad von Härte und Elastizität, den er behalten soll. Die Erhitzung geschieht ¶
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in metallenen Trommeln, die über offenem Feuer langsam gedreht werden. Da die Federn hierbei farbig anlaufen, werden sie in Drehtonnen mit Sand erst wieder blankgescheuert. Dann gelangen sie in den Schleifsaal, wo jede Arbeiterin eine von Maschinenkraft gedrehte Schleifscheibe vor sich hat. Hier erhalten die Federn durch ein fast augenblickliches Anlegen mittels einer Zange an die Scheibe den Anschliff, den jede Feder auf der Oberseite des Schnabels zeigt, und welcher den Zweck hat, diesen bis zur Spitze mehr und mehr zu verdünnen, um ihn elastischer zu machen. Von dem Schleifen soll die Güte der Feder hauptsächlich abhängen. Die letzte Arbeit ist das Anbringen des Mittelspaltes im Schnabel. Eine, den frühern im allgemeinen ähnliche, Handdruckmaschine, welcher die Federn einzeln untergeschoben werden, besorgt dies, indem sie eine scharfe Kante des Oberstempels an einer solchen des untern vorbeischiebt, durch eine Art Scherenschnitt.
Die somit fertigen Federn können von Schärfen und Rauhheiten nicht frei sein und die geringen Sorten haben solche in der That noch an sich. Man bringt sie daher in größern Mengen in blecherne Cylinder, die kürzere oder längere Zeit gedreht werden, wobei die Federn sich gegenseitig die scharfen Ränder abstumpfen und runden. Die bessere Ware wird endlich nach der Beschaffenheit des Schnabels noch sortiert. Man prüft die Federn einzeln durch einen Druck auf einen Daumenring und sondert sie hiernach in erste, zweite und dritte Sorte.
Viele Federn erhalten noch irgend eine Behandlung, die ihr äußeres Ansehen verändert. Manchen gibt man einen Firnis von Schellack oder Guttapercha, andre werden bronziert, d. h. man läßt sie in einer Blechtrommel über Feuer gelb, braun oder blau anlaufen. Manche werden mit sauren Beizen, Cyankalium u. dgl. behandelt und dadurch dunkel- oder hellgrau gemacht. Nur auf diese äußere Ausstattung gründen sich Benennungen wie Kupferfedern, Amalgam-, Zement-, Zinkkompositionsfedern und andre.
Die Masse ist immer Stahl. Durch die Berührung mit der Tinte oxydiert der Stahl ziemlich rasch; es bleiben daher die S. nicht lange brauchbar. Man kann diesem Übelstande dadurch abhelfen, daß man den Federn eine starke Vergoldung gibt. Um das Abschleifen der Spitzen bei dem Schreiben und den dadurch eintretenden stärkern Verbrauch zu beseitigen, werden Federn mit Diamantspitzen versehen. Diese sind natürlich sehr teuer, halten aber auch bei guter Befestigung der Spitzen und schonender Behandlung viele Jahre. -
Die S. kommen in unendlich vielen Sorten im Handel vor, die sich durch die Gestalt der Spitze, des Schaftes, Härte etc. unterscheiden. Für einzelne Schriftarten sind sogar besondere Federn entstanden, z. B. für Rundschrift die Rundschriftfedern von Soennecken in Bonn. -
Die S. ist nur als Massenartikel eine neuere Erscheinung, denn Metallfedern waren neben den Posen schon im Mittelalter im Gebrauch und manche noch vorhandenen Bücher sind offenbar mit solchen geschrieben. Dieselben bestanden aus dünnem Eisen-, Kupfer- und Messingblech und wurden von den Schreibern gewöhnlich selbst zurecht geschnitten. Später gab es auch stählerne, von Mechanikern gefertigte, die etwa 1 Mk. das Stück kosteten, wofür man jetzt allerdings ein ganzes Gros recht gute oder vier Gros schlechte S. kaufen kann. - Zoll: S. (zum Schreiben) auch mit vergoldeten Spitzen gem. Tarif Nr. 6 e 3 γ.