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Swissmedic hat eine befristete Zulassung für ein weiteres Antikörper-Wirkstoff-Konjugat erteilt (Enhertu, Trastuzumab deruxtecan 100 mg, Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung). Enhertu wird angewendet als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit inoperablem oder metastasiertem HER2-positivem Brustkrebs, die bereits mindestens zwei gegen HER2 gerichtete Behandlungsregime, einschliesslich Trastuzumab, erhalten haben und eine Krankheitsprogression während oder nach Therapie mit Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) hatten.
Nach Kadcyla (Trastuzumab emtansin) ist Enhertu das zweite Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, welches als Behandlungsoption bei Brustkrebs zur Verfügung steht.
Der Antikörper ist ein humanisierter Anti-HER2-IgG1-Antikörper, der über einen abspaltbaren Linker auf Tetrapeptidbasis an Deruxtecan, einen Topoisomerase-I-Inhibitor (DXd), gebunden ist. Das Antikörper Wirkstoff-Konjugat ist im Plasma stabil. Die Funktion des Antikörperanteils besteht darin, an HER2 zu binden, das auf der Oberfläche bestimmter Tumorzellen exprimiert wird. Nach der Bindung kommt es zu einer Internalisierung des Trastuzumab-Deruxtecan-Komplexes und zur Abspaltung des Linkers in der Zelle durch lysosomale Enzyme, die in Krebszellen hochreguliert werden. Nach der Freisetzung verursacht das membrangängige DXd DNA-Schäden und führt durch Apoptose zum Tod der Tumorzelle.
Die empfohlene Dosis Enhertu beträgt 5,4 mg/kg und wird als intravenöse Infusion einmal alle 3 Wochen (21 tägiger Zyklus) bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität angewendet.
Laut Zulassungsstudie verkleinerte sich der Tumor bei 61,4 % der 184 Probandinnen. Dabei handelte es sich grösstenteils um Teilremissionen (54,9 %) und zu einem kleineren Teil um Vollremissionen (6,5 %).
Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit, Fatigue, Erbrechen, Alopezie, Obstipation, Appetitlosigkeit, Anämie, Neutropenie, Diarrhö, Leukopenie Husten, Kopfschmerzen und Thrombozytopenie.
Es liegen Berichte über Fälle von interstitieller Lungenerkrankung (ILD) und/oder Pneumonitis unter Enhertu vor, inklusive tödlichen Verläufen. Anzeichen und Symptome wie Husten, Dyspnoe, Fieber und andere neue oder sich verschlechternde Atemwegssymptome müssen umgehend untersucht werden. Enhertu muss bei Patienten mit einer ILD/Pneumonitis mit Grad 2 oder höher dauerhaft abgesetzt werden. Patienten müssen über dieses Risiko informiert werden und ihnen ist zu raten, Symptome sofort zu melden.
Aufgrund des fetotoxischen Potentials wird Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen, während der Behandlung und für mindestens sieben Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anzuwenden. Männer mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für mindestens vier Monate nach Abschluss der Therapie eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Quellen:
Fachinformation Enhertu
Pharmazeutische Zeitung, 4/2021/p36
EMA, Enhertu - Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels