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(Goeze, 1778)
- DE: Westliche Beissschrecke
- EN: Common Grey Bush-cricket
- FR: La Decticelle chagrinée
- Syn.: Platycleis biedermanni Wolff, 1911 | Locusta denticulata Panzer, 1796 | Locusta falcata Zetterstedt, 1821 | Platycleis occidentalis jerseyana Zeuner, 1940 | Platycleis grisea occidentalis Zeuner, 1931
Morphologie
Die Grundfarbe von Platycleis albopunctata variiert von grau bis braun. An den Seiten von Halsschild, Brust und Hinterschenkel befinden sich unregelmässige dunkle Flecken. Die Oberseite von Kopf und Halsschild sind oft einfarbig braun oder rötlich, können aber auch andere Farbtöne aufweisen. Die Halsschild-Seitenlappen sind auf der ganzen Länge hell gesäumt, jedoch nie so deutlich wie bei den Roeseliana-Arten. Die Flügel überragen das Hinterleibsende, erreichen die Hinterknie oder überragen diese geringfügig. Das Medialfeld ist mit dunklen Flecken durchzogen, die von hellen Queradern unterbrochen werden. Die Cerci der Männchen sind gerade und tragen hinter der Mitte einen Innenzahn. Die Titillatoren sind robuster als bei Platycleis grisea und haben eine breite Basis. Die weibliche Subgenitalplatte ist bei typischen Tieren nördlich der Alpen nicht parallelseitig sondern gegen das Ende verschmälert. Die dunkle Legeröhre ist deutlich nach oben gebogen und läuft sichelförmig in die Spitze aus.
Gesang
Der mässig laute Spontangesang von Platycleis albopunctata besteht aus reibenden, schabenden, meistens 4-5-silbigen Versen, die minutenlang aneinander gereiht werden. Bei hohen Temperaturen werden 2-4 Verse pro s erzeugt, bei tiefen Temperaturen nur noch ca. alle 2 s ein Vers. Die Verse sind voneinander durch gut wahrnehmbare, kurze Pausen getrennt. Mit dem Ultraschall-Detektor sind sie über grosse Distanzen auszumachen. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei 23-33 kHz. Am frühen Morgen singen die Tiere oft mit einzelnen Versen, die in grösseren Abständen geäussert werden. Bei tieferen Temperaturen werden die Silben und Verse langsamer aneinander gereiht, man kann die einzelnen Silben dann sogar zählen.
Spontangesang von Platycleis albopunctata - CH, VS, Cambioula, 23 °C, Morgensonne.
Spontangesang von Platycleis albopunctata bei tieferen Temperaturen, aufgenommen mit dem US-Detektor - CH, VS, Sierre, 20 °C, nachts.
Drei Verse aus dem Spontangesang von Platycleis albopunctata. Die ersten beiden sind 4-silbig, der dritte 5-silbig - CH, VS, Cambioula, 23 °C, Morgensonne.
Verbreitung
Platycleis albopunctata ist von Spanien über ganz Frankreich, grosse Teile Deutschlands und Westpolens verbreitet. Die nördliche Arealgrenze wird im Süden Grossbritanniens und im südlichen Skandinavien erreicht. Die Populationen südlich und östlich der Alpen werden der Art Platycleis grisea zugeordnet. In der Schweiz ist Platycleis albopunctata nördlich der Alpen und im Wallis weit verbreitet. Das Engadin und Münstertal sind nicht besiedelt. In Deutschland ist Platycleis albopunctata aus allen Landesteilen bekannt, fehlt aber in höheren Lagen und in weiten Teilen des nordwestdeutschen Tieflandes sowie der Alpen- und Voralpen.
Die Karte zeigt das Verbreitungsgebiet von Platycleis albopunctata ohne Unterscheidung der Unterarten. Zu beachten ist der Text zur Verbreitung.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Platycleis albopunctata finden sich von Juni bis Oktober.
Die Eier werden in den Boden, in verletzte Pflanzenstängel oder Moospolster abgelegt. Ein Weibchen kann bis über 200 Eier ablegen. Die Eier haben eine hohe Trockenheitsresistenz und schlüpfen bereits nach einer Überwinterung. Die Larven schlüpfen zwischen Ende März und Mai und durchlaufen in rund zwei Monaten 7 Stadien. Platycleis albopunctata ernährt sich vorwiegend von Grasblüten, anderen Blüten, Samen und Kräutern. Auch tierische Nahrung wird angenommen. In Biel konnten wir beobachten, wie ein Weibchen von Calliptamus barbarus bei der Eiablage attackiert wurde. Das Calliptamus barbarus Weibchen entkam, indem es sich mit den Hinterbeinen gegen das räuberische Weibchen von Platycleis albopunctata wehrte und dabei ein Hinterbein verlor.
Lebensraum
Platycleis albopunctata ist wärme- und trockenheitsliebend. Sie scheint ein Mosaik aus offenen Bodenstellen und höherer Vegetation zu bevorzugen. Besiedelt werden Trocken- und Halbtrockenrasen, lückige Magerrasen, langgrasige Wiesen und Weiden, Felsensteppen, strukturreiche Rebberge sowie Wegböschungen. Die Lebensräume sind gut besonnt und vielfach nach Süden ausgerichtet. In Küstennähe Nordeuropas werden Sanddünen und Heiden besiedelt. In Frankreich werden zudem Steppen und die Garrigue bewohnt.
Gefährdung & Schutz
Obwohl Platycleis albopunctata weit verbreitet und relativ häufig ist, wurde sie in der Schweiz als potenziell gefährdet eingestuft, da die besiedelten Lebensräume besonders im Schweizer Mittelland erheblichem Nutzungsdruck ausgesetzt sind. Die Nutzungsintensivierung im Grünland, Bautätigkeiten und die zunehmende Waldfläche lassen den Lebensraum schrumpfen. Aufgrund der hohen Mobilität von Platycleis albopunctata ist sie gut für Förderprojekte geeignet. Indem Wälder und Waldränder an südexponierten Hängen grosszügig ausgelichtet werden, können die Lebensräume vergrössert werden. Eine Beweidung schafft die erforderliche Strukturvielfalt und scheint für die Art förderlich zu sein. Im Jura werden selbst kleine Strassenböschungen bewohnt, die für die Verbindung von Populationen wichtig sind.
- CH: NT (Potenziell gefährdet)
- DE: V (Vorwarnliste)
- AT: NT (Potenziell gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Die beiden Arten Platycleis albopunctata und Platycleis grisea unterscheiden sich neben der Verbreitung anhand der Titillatoren und der weiblichen Subgenitalplatte. Eine eindeutige Zuordnung aufgrund von morphologischen Merkmalen ist wegen der Variabilität nicht immer eindeutig. Das zuverlässigste Unterscheidungsmerkmal scheinen die Seitensklerite der weiblichen Subgenitalplatte zu sein, die bei Platycleis grisea mit dieser an der Basis verwachsen sind. Anhand des Gesangs lassen sich die beiden Arten nicht unterscheiden. Dunkle Individuen von Decticus verrucivorus sind durch die imposante Grösse und die längere und nur am Ende leicht aufwärts gebogen Legeröhre der Weibchen zu unterscheiden. Ausserdem ist der Mittelkiel des Halsschilds bei Decticus verrucivorus auf der ganzen Länge ausgebildet. Tessellana tessellata ist deutlich kleiner, trägt eine kontrastreichere Vorderflügelzeichnung und die Legeröhre des Weibchens ist kurz und stark nach oben gebogen. Die Arten der Gattungen Metrioptera, Bicolorana und Roeseliana haben alle deutlich kürzere Flügel, die das Hinterleibsende nicht erreichen. Der Gesang von Platycleis albopunctata erinnert an denjenigen von Metrioptera saussuriana und Metrioptera brachyptera, die Verse dauern aber länger und klingen schabender und weicher.