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Stephen Frears’ Biopic über Lance Armstrongs spektakuläres Leben ist sehr gut gemacht und fesselt – auch wenn wir alle ja wissen, wie die Geschichte ausgeht. Am Schluss ist denn auch Leonard Cohens Song «Everybody Knows» zu hören.
Lance Armstrong (Ben Foster) schafft es mit der Hilfe des italienischen Arztes Michele Ferrari (Guillaume Canet), zum absoluten Star der Tour de France zu werden. Selbst eine Krebserkrankung kann ihn von zahlreichen weiteren Titelsiegen nicht abhalten – daneben betätigt er sich karitativ und besucht krebskranke Kinder. Nur der irische Journalist David Walsh (Chris O’Dowd) ist überzeugt, dass der Amerikaner Armstrong kein Held, sondern ein Doping-Betrüger ist…
Frears’ Film, der massgeblich auf David Walshs Buch «Seven Deadly Sins» basiert, spielt zwar zu einem guten Teil in Kontinentaleuropa, aber fast alle Figuren sprechen englisch. Aber dies ist nur ein Detail am Rande: in erster Linie ist «The Program» ein Film, der Leonard Cohens «Everybody Knows» illustriert – ein Song, der am Schluss des Films (leider nicht in voller Länge) zu hören ist, und der die Desillusionierung, die nicht nur in der Geschichte Lance Armstrongs zum Ausdruck kommt, wie kaum ein anderes Lied thematisiert. Sogar Armstrongs Teamkollege Floyd Landis (Jesse Piemons), der anders als Armstrong aus einem mennonitischen, streng religiösen Elternheim stammte, war nicht immun gegen den Sumpf von Drogen und Korruption im Umfeld von Ferrari und Armstrong.
Erst spät – und nachdem er selber erwischt wurde und Armstrong ihn nicht mehr als Teammitglied wollte – hat sich Landis entschieden, gegen das Doping (auf der Seite der US-Behörden) zu arbeiten. Armstrong hingegen ist – so ein Zitat am Ende des Films – auch heute noch von seinen Siegen überzeugt. Den Krebs hat er zwar besiegt, nicht aber die Sucht nach immer neuen Siegen. Und erst diese Sucht war es ja auch, die ihn vom Podest entfernen konnte. Andererseits: ohne den Journalisten David Walsh wäre vielleicht alles anders herausgekommen. Mehr noch als De Palmas «Scarface» oder Ted Demmes «Blow» ist «The Program» ein Film über die Sucht nach immer mehr, nach immer neuen Triumphen – und ein Film über eine Welt, die eigentlich weiss, dass alles nur Lug und Trug ist. Eine Welt ohne Helden – und nicht zuletzt ein sehr spannendes Biopic, das ein weiteres Mal (nach dem eher enttäuschenden «Philomena») zeigt, das Stephen Frears mehr ist als nur ein Routinier.
«The Program». UK/Frankreich 2015. Regie: Stephen Frears. Mit Ben Foster, Jesse Piemons, Guillaume Canet, Chris O’Dowd, Dustin Hoffman u.a. Deutschschweizer Kinostart am 8. Oktober 2015.
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