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08 Jun 2016
Dass die Kelten, die lange Zeit im heutigen Schweizer Gebiet siedelten, eine mangelhafte Hygiene gehabt haben mussten, beweisen die 2014 durchgeführten Laboranalysen von Archäologen der Universität Basel. Mittels geoarchäologischer Methoden fanden Sie in Proben aus der ehemaligen keltischen Siedlung „Basel-Gasfabrik“ im heutigen Novartis Eier von drei verschiedenen Darmparasitenarten. Die Basler Siedlung aus der eisenzeitlichen späten Latènezeit wurde 1911 von Karl Stehlin entdeckt. Die 150000 m² große Siedlung war in der Zeit von etwa 150 bis 80 v. Chr. bewohnt und durch die Aufteilung in eine zentrale Siedlung und ein landwirtschaftlich geprägtes Hinterland stadtähnlich aufgebaut. Rege Handelsbeziehungen konnten u.A. durch Funde von Importen aus dem Mittelmeerraum und einer Vielzahl an keltischen Münzen bezeugt werden.
Im Rahmen eines internationalen Projekts wurden in den aus den Vorrats- und Kellergruben entnommenen, in Kunstharz getränkten Bodenproben Eier von Spulwürmern, Peitschenwürmern und Leberegeln nachgewiesen. Dabei wurden Vorkommen und Zahl der Parasiteneier mithilfe von mikromorphologischen Dünnschliffen aus der Geoarchäologie direkt vor Ort untersucht. Dies befähigte zu neuen Erkenntnissen über den gesundheitlichen Zustand der Kelten.
Die Eier der Parasiten stammen zum einen aus noch erhaltenen, menschlichen und tierlichen Exkrementen und zum anderen vom Oberboden. Sie zeigen an, dass manche Individuen gleich von mehreren Parasitenarten befallen waren und dass Exkremente an diesen Orten entsorgt oder für die weitere Nutzung als Gartendünger zwischengelagert wurden. Das Vorkommen der Leberegel ist ein Indiz dafür, dass die Kelten in Basel Fleisch aus dem Umland einführten, da die Egel auf Süßwasserschnecken als Zwischenwirte angewiesen sind.
Es ist unklar, wie sehr die Kelten an ihrem Parasitenbefall litten. Mit einer geringen Anzahl an Parasiten in Dick- und Dünndarm lässt es sich beschwerdefrei leben; erst bei stärkerem Befall treten Verdauungsprobleme, Bauchschmerzen oder gar tödliche Darmverschlüsse auf.
In Österreich fanden Forscher in den aus einem keltischen Salzbergwerk stammenden menschlichen Exkrementproben übrigens Ähnliches: Hier wurden ebenso Eier des Peitschenwurms und des Spulwurms, sowie vereinzelt Bandwürmer und Leberegel nachgewiesen. Nur 5 von 104 Proben waren parasitenfrei.