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Jetzt stärkt ihm nicht einmal mehr sein eigenes Team den Rücken. Stellten sich die Golden State Warriors und allen voran Trainer Steve Kerr in der Vergangenheit stets vor Draymond Green, wenn dieser nach einem seiner Ausbrüche auf dem Feld in der öffentlichen Kritik stand, gab es nach einer neuerlichen Tätlichkeit nun auch von dieser Seite eine klare Ansage.
«Er muss sich ändern», sagte Kerr, nachdem die Sperre für Green bekannt gegeben wurde. Nach seinem Schlag ins Gesicht von Jusuf Nurkic wird der 33-Jährige von der NBA auf unbestimmte Zeit gesperrt. Zwar erklärte Green nach der Partie: «Ich entschuldige mich bei Jusuf, weil ich ihn nicht schlagen wollte.» Er habe nicht mit Absicht gehandelt und nur mit den Armen gerudert, um die Schiedsrichter darauf aufmerksam zu machen, dass er in seinen Augen gerade gefoult werde. Dies reichte der nordamerikanischen Basketball-Liga aber nicht aus.
Joe Dumars, ehemaliger NBA-Profi und heutiger Liga-Verantwortlicher, begründete die Entscheidung mit «Greens wiederholten unsportlichen Handlungen». Bevor der Power Forward wieder einen NBA-Court betreten darf, müsse er «gewisse Bedingungen der Liga und seines Teams erfüllen», heisst es von der NBA. Dies erklärt auch, weshalb für die Sperre keine Anzahl an Spielen festgelegt wurde.
Warriors-Coach Kerr unterstützt die ungewöhnliche Art der Suspendierung: «Es macht Sinn. Es geht um mehr als Basketball, es geht darum, Draymond zu helfen.» Die Auszeit könne eine Möglichkeit sein, etwas Abstand zu nehmen und «eine Änderung in seinem Ansatz sowie seinem Leben vorzunehmen». «Das ist keine einfache Sache», so Kerr, «da kann man nicht einfach sagen: ‹Okay, nach fünf Spielen ist wieder alles gut.›»
Dieser Meinung ist auch das neuste Green-Opfer. So sagte Nurkic, Center der Phoenix Suns, nach der Partie: «Ich glaube, dass er Hilfe braucht. Das hat nichts mit Basketball zu tun.» Ausserdem fügte der 29-jährige Bosnier an: «Ich hoffe, dass die Probleme in seinem Leben, welche auch immer dies sind, besser werden.»
Green äusserte sich nach Aussprache der Sperre noch nicht dazu. Für den vierfachen NBA-Champion ist es bereits die sechste Sperre in seiner nun zwölften Saison, ausserdem wurde er bereits 18 Mal des Feldes verwiesen – häufiger als jeder andere aktive NBA-Profi.
Erst vor einem Monat kam es in der Partie zwischen Golden State und den Minnesota Timberwolves zu einem schwerwiegenden Vorfall. Nachdem Greens Mitspieler Klay Thompson mit einem Gegner aneinandergeraten war und sich Minnesotas Rudy Gobert eingemischt hatte, attackierte Green diesen von hinten und nahm ihn in einen Würgegriff. Dafür wurde er fünf Spiele lang gesperrt. Im sechsten Auftritt nach seiner Rückkehr schlug er Jusuf Nurkic.
Später erklärte Green gegenüber ESPN, dass ihm nicht bewusst war, wie lange er Gobert gewürgt hatte: «Als ich es mir noch einmal angeschaut habe, war ich überrascht, dass es so lange ging. Aber in diesen Momenten hat man kein Zeitgefühl.»
In der Playoff-Serie zwischen Golden State und den Sacramento Kings ging es von Beginn an heiss zu und her. Die ersten beiden Partien der Achtelfinal-Serie entschieden die Kings in der eigenen Arena für sich. In der entscheidenden Phase des zweiten Spiels konnte Green bereits nicht mehr mittun. Nachdem er auf den Star des Gegners Domantas Sabonis getreten war, wurde er aus dem Spiel geworfen und für die dritte Partie gesperrt.
Green zeigte sich nicht einsichtig und sagte: «Mein Bein wurde gepackt, ich muss mit meinem Fuss irgendwo landen.» Sabonis erklärte, dass so etwas im Basketball nun mal passiere. Golden State gewann die Partie ohne Green und setzte sich dann auch mit Green in drei der vier verbleibenden Partien durch und erreichte den Playoff-Viertelfinal.
In der Saisonvorbereitung für die vergangene Spielzeit brannten Green gar im Training die Sicherungen durch. In einem Video war zu sehen, wie er seinem Mitspieler Jordan Poole ohne erkennbaren Grund ins Gesicht schlug. Der Vorfall wurde intern geregelt, Green stand zum Saisonauftakt in der Startaufstellung. Nach der Saison wurde berichtet, dass die internen Querelen im Team jedoch nie ganz beseitigt werden konnten. Golden State hielt zu Green und tradete Poole nach Washington.
Als Green im Playoff-Halbfinal in Memphis in die Kabine musste, da er von einem Ellbogen getroffen wurde und sein Gesicht blutete, wurde er von den Fans ausgebuht. Dies passte dem Basketball-Star so gar nicht, weshalb er dem Publikum den Stinkefinger zeigte. «Es hat sich gut angefühlt», sagte er danach und fügte an: «Wer jemanden ausbuht, der einen Ellbogen ins Auge bekommen hat und dem Blut das Gesicht herunterläuft, hat das verdient.»
In den Jahren zuvor hatte es zwar immer kleinere Vorfälle gegeben, jedoch wurde Green in der Zeit nie gesperrt. Nur die Warriors entschieden sich im Jahr 2018, den Forward nach einer Auseinandersetzung mit Mitspieler Kevin Durant für eine Partie zu suspendieren.
Es ist eine der legendärsten Finalserien der NBA-Geschichte. Die Cleveland Cavaliers um LeBron James schafften es als erstes Team trotz eines 1:3-Rückstands noch Meister zu werden. Dies lag auch an der Sperre gegen Draymond Green in Spiel 5 der Best-of-7-Serie, welches die Warriors in der eigenen Arena verloren. Im Spiel zuvor hatte Green James in die Weichteile geschlagen. In der Folge kam es zu einem Wortgefecht, in dem Green den Cavs-Star unter anderem als «Bitch» bezeichnet haben soll.
Bereits in der Runde zuvor hatte sich Draymond Green eine miese Attacke auf einen Gegenspieler geleistet. Im Playoff-Halbfinal trat er Steven Adams von Oklahoma City zwischen die Beine, woraufhin der Neuseeländer mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Knie ging. Green musste eine Strafe von 25'000 Dollar bezahlen, wurde aber nicht gesperrt.
Wirklich gelernt hatte Green aus der Strafe jedoch nicht, wie eine Aktion wenige Monate später zeigte. Im Vorbereitungsspiel gegen Portland trat er erneut in Richtung eines Gegenspielers, woraufhin die Trail Blazers auf den Vorfall mit Adams anspielten.
Trotz seiner langen Skandal-Akte – man könnte noch viele weitere Episoden erwähnen – spricht Kerr auch nach dem Schlag gegen Nurkic weiterhin positiv über Green: «Es geht um jemanden, an den ich glaube. Jemanden, den ich seit einem Jahrzehnt kenne, und den ich liebe für seine Loyalität, sein Engagement und seine Liebe für seine Mitspieler, Freunde und Familie.»
Dass Green noch immer in der NBA ist und das Vertrauen des Teams geniesst, liegt vor allem an seinen Fähigkeiten. Aufgrund seiner Passstärke und vor allem seiner Qualitäten als Verteidiger, der mehrere Positionen bekleiden kann, war er ein integraler Bestandteil der erfolgreichen Warriors-Teams um Steph Curry und Klay Thompson, die seit der Saison 2014/15 vier Meistertitel holten.
Doch jetzt gilt laut Kerr hauptsächlich eines: «Der Typ, der Rudy Gobert gewürgt hat, jener, der Jusuf Nurkic und letztes Jahr Jordan Poole geschlagen hat, dieser Mann muss sich ändern.» Die Zeit, welche Green durch die Sperre nun dafür hat, sollte er gut nutzen. Denn am Ende geht es auch um seine Karriere.
«Es läuft alles nach Plan», bilanziert Jan Christen die vergangenen Monate. Als Höhepunkt hebt er im Vorfeld der heute Dienstag beginnenend Tour de Romandie den ersten Sieg bei den Profis hervor, den er vor knapp zwei Wochen im Rahmen des Giro d'Abruzzo feierte. Noch vor seinem 20. Geburtstag setzte das Talent einen weiteren Meilenstein in seiner Karriere.