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2 - Bevor Australien entdeckt wurde, waren die Menschen in der alten Welt überzeugt, alle Schwäne seien weiß. Diese Überzeugung war unanfechtbar, da sie durch die empirische Evidenz anscheinend völlig bestätigt wurde. Als der erste Schwarze Schwan gesichtet wurde, mag das eine interessante Überraschung für ein paar Ornithologen gewesen sein, doch dort liegt die Bedeutung der Geschichte nicht.
Sie veranschaulicht eine schwerwiegende Beschränkung bei unserem Lernen durch Beobachtung oder Erfahrung und die Zerbrechlichkeit unseres Wissens. Eine einzige Beobachtung kann eine allgemeine Feststellung, die aus Jahrtausenden von bestätigenden Sichtungen von Millionen weißer Schwäne abgeleitet wurde, ungültig machen. Alles, was dafür nötig ist, ist ein einziger schwarzer Vogel.
4 - die Logik des schwarzen Schwanz macht das, was wir nicht wissen, viel bedeutungsvoller als das, was wir wissen. Schwarze Schwäne werden nämlich oft dadurch verursacht und verschlimmert, dass sie unerwartet kommen.
9 - in diesem Buch geht es um Ungewissheit. Für mich bedeutet das seltene Ereignis Ungewissheit.
11 - Was ich Platon-ität nenne nach den Ideen des Philosophen Plato, ist unsere Neigung die Karte fälschlich für das Territorium zu halten, uns auf reine und gut definierte "Formen" zu konzentrieren, ob es sich nun um Objekte (wie Dreiecke), soziale Konzepte (wie Utopien, Gesellschaften) handelt.
Wenn diese fest umrissenen Konstrukte unseren Kopf bevölkern, geben wir ihnen den Vorzug vor nicht so eleganten Objekten, vor den Objekten mit unordentlicheren Strukturen, die sich nicht so leicht nachziehen lassen.
Die Platonität lässt uns glauben, wir würden mehr verstehen, als der Fall ist. Modelle und Konstruktionen, die intellektuellen Karten der Realität sind nicht immer falsch, sondern nur bei manchen spezifischen Anwendungen. Das Problem ist zum einen, dass wir nicht vorher (sondern erst hinterher) wissen, wo die Karte falsch ist, und zum anderen, dass die Fehler schwerwiegende Konsequenzen haben können.
Der platonische Graben ist die explosive Grenze, wo die platonische Denkweise mit der unordentlichen Realität in Kontakt kommt, wo die Kluft zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir zu wissen glauben, gefährlich Wird. Genau hier werden Schwarze Schwäne produziert.
32 - Trainingsprogramm für die Dynamik der Ungewissheit. Ich wollte Philosoph werden, wusste damals allerdings noch nicht, womit die meisten Philosophen ihren Lebensunterhalt verdienen.
Die Idee führte mich stattdessen zum Abenteuer (genauer gesagt, zur abenteuerlichen Praxis der Ungewissheit) und auch zur Beschäftigung mit der Mathematik und Naturwissenschaft.
33 - Das Kategorisieren ist für uns Menschen notwendig, wird aber pathologisch, wenn die Kategorie als definitiv betrachtet wird. Dann hindert sie die Leute nämlich dran, die Unschärfe von Grenzen zu berücksichtigen, von einer Überprüfung ihrer Kategorien ganz zu schweigen… Wenn Sie sehen möchten, was ich mit der Willkür von Kategorien meine, betrachten Sie mal polarisierter Ansichten… Jede Kategorisierung bewirkt eine Reduzierung der wirklichen Komplexität.
Das ist eine Manifestation des Generators, der Schwarze Schwäne erzeugt, jener unerschütterlichen Platonität, die ich im Prolog definiert habe. Jede Reduzierung der Welt um uns herum kann explosive Konsequenzen haben, dass sie bestimmte und Sicherheitsquellen ausschließt und uns dazu bringt, die Beschaffenheit der Welt falsch zu verstehen.
81 - Karl Raimund Popper, vielleicht der einzige Wissenschaftsphilosoph, der tatsächlich von Akteuren in der realen Welt gelesen und diskutiert wird. Popper schreibt für uns, nicht für andere Philosophen. Wir sind die empirischen Entscheider, die der Ansicht sind, dass Ungewissheit unsere Disziplin ist und dass es das höchste und dringendste Vorhaben des Menschen ist, zu verstehen, wie wir angesichts von unvollständigen Informationen handeln müssen. Popper entwickelte um diese Asymmetrie herum eine umfassende, auf einer Falsifikation genannten Technik beruhende Theorie für die Unterscheidung zwischen Wissenschaft und nicht Wissenschaft. Leute aus der Praxis sind von der Vorstellung, dass das Wissen asymmetrisch ist, sehr angetan; sie finden sie einleuchtend, denn auf diese Weise gehen sie ihren Geschäften nach…
Charles Sanders Peirce Pragmatismus
89 - die narrative Verzerrung ist Ausdruck unserer eingeschränkten Fähigkeit, Reihen von Fakten zu betrachten, ohne eine Erklärung in sie hinein zu weben oder, was dasselbe bedeutet, gewaltsam eine logische Verknüpfung, einen Beziehungspfeil, zwischen ihnen herzustellen. Erklärungen binden Fakten zusammen. Sie sorgen dafür, dass wir uns vielleicht der an sie erinnern können, dass sie mehr Sinn ergeben. Diese Neigung kann uns aber in die Irre führen, wenn Sie unseren Eindruck, dass wir verstehen, verstärkt…. Die Narrativität erwächst zwar aus einem tief verwurzelten biologischen Bedürfnis, die die Dimensionalität zu reduzieren, doch zu diesem Reduktionsprozess würden auch Roboter neigen. Die Informationen wollen reduziert werden.
117 - für Nichtlineares sind unsere Intuitionen nicht gemacht.
220 - das Dreikörperproblem
249 - es ist schwer, nicht der Ansicht zu sein, dass das Verlangen nach Gewissheit eine intellektuelle und Tugend ist. Es ist schwer, nicht der Ansicht zu sein, dass wir uns von anmaßenden Propheten in die Irre führen lassen können.
Im Gegensatz zu Russell bin ich aber nicht der Meinung, dass die Ratschläge der Philosophie uns wesentlich dabei geholfen haben, mit dem Problem fertig zu werden. Außerdem glaube ich nicht, dass Tugenden leicht gelehrt werden können und dränge niemanden, sich anzustrengen, kein Urteil zu fällen. Weshalb? Weil wir Menschen als Menschen behandeln müssen. Wir können die Leute nicht lehren, sich eines Urteils zu enthalten, Urteile sind in der Weise, wie wir Objekte betrachten, eingebettet. Ich sehe keinen Baum, sondern einen schönen oder hässlichen Baum. Ohne große, lähmende Anstrengung ist es nicht möglich, die Dinge diese kleinen Werte, die wir Ihnen zuweisen, zu entkleiden. Und es ist genauso wenig möglich, Situationen ohne irgend ein Bias-Element zu betrachten. Irgendetwas in der menschlichen Natur führt dazu, dass wir glauben wollen.
250 - Die Lehre für die kleinen Dinge lautet: Mensch sein! Akzeptieren Sie, dass das Menschsein eine gewisse epistemische Arroganz beim Umgang mit ihren Angelegenheiten mit sich bringt. Schämen Sie sich deswegen nicht. Versuchen Sie nicht, sich immer eines Urteils zu enthalten - Meinungen sind der Stoff des Lebens. Versuchen Sie nicht, Vorhersagen zu vermeiden. Ja, nach all diesen Ausführungen über das Vorhersagen werde ich sie nicht drängen, kein Narr mehr zu sein. Seien Sie einfach an den richtigen Stellen ein Narr.
251 - diesen Punkt kann man auf das ganze Leben verallgemeinern: maximieren Sie die glücklichen Zufälle, die Serendipität, in ihrer Umgebung.
269 – Dan Sperber: Idee zur Epistemologie von Repräsentationen:
Das, was man „Meme“ nennt, Ideen, die sich unter Benutzung von Menschen als Trägern ausbreiten und miteinander konkurrieren, gleicht Genen nicht wirklich. Ideen verbreiten sich, weil ihre Träger leider eigene Ziele verfolgen und ein Interesse daran haben, sie beim Reproduktionsprozess zu verzerren. Einen Kuchen backt man ja nicht nur, um das Rezept zu reproduzieren - man versucht, seinen eigenen Kuchen zu backen, und benutzt Ideen von anderen, um ihn zu verbessern. Wir Menschen sind keine Fotokopierer. Ansteckende geistige Kategorien müssen daher die sein, an die zu glauben wir bereit sind, die zu glauben wir vielleicht sogar programmiert sind. Um ansteckend zu sein, muss eine geistige Kategorie mit unserer Natur übereinstimmen.
276 – Netzwerktheorie
282 – Mandelbrot - Fraktale
304 – Gaussische Glockenkurven - ich habe ein epistemologischen Problem damit, dass man rechtfertigen muss, dass die Welt nicht einem idealisierte Modell entspricht, dass sich jemand, der der Realität gegenüber blind ist, aus den Fingern gesogen hat…. Die Allgegenwart der Glockenkurve ist keine Eigenschaft der Welt, sondern ein Problem in unseren Köpfen, dass sich aus der Weise ergibt, wie wir sie betrachten.
322 - Die Komplexitätstheorie sollte gerade mehr Misstrauen gegenüber den wissenschaftlichen Behauptungen von präzisen Realitätsmodellen in uns wecken. Sie macht nicht alle Schwäne weiß; das ist Vorhersagbar; sie macht sie grau, nur grau.
Wie ich schon gesagt habe, ist die Welt epistemologisch betrachtet für Bottom-up-Empiriker wie mich ein völlig anderer Ort. Wir können nicht den Luxus genießen, uns hinzusetzen, um die Gleichungen zu lesen, die das Universum regiert. Wir beobachten nur Daten, stellen eine Vermutung darüber an, wie der wirkliche Prozess aussehen könnte, und kalibrieren, indem wir unsere Gleichung zusätzlichen Informationen anpassen. Angesichts von Ereignissen vergleichen wir das, was wir sehen, mit dem, was wir erwartet haben.
Ich spreche hier von Opazität, von unvollständigen Informationen, von der Unsichtbarkeit des Generators der Welt. Die Geschichte enthüllt uns nicht, was sie denkt - wir müssen erraten, was in ihrem Kopf vor sich geht.
Von der Repräsentation zur Realität: Diese Idee zieht sich als roter Faden durch das ganze Buch. Während viele sich mit der Psychologie, Mathematik oder Evolutionstheorie befassen und nach Möglichkeiten suchen, ihre Ideen auf die Wissenschaft anzuwenden, möchte ich das genaue Gegenteil vorschlagen: sich mit der großen noch unerforschten, demütig machenden Ungewissheit in den Märkten zu beschäftigen, um Erkenntnisse über das Wesen des Zufalls zu gewinnen, die sich auf die Psychologie, Wahrscheinlichkeit, Mathematik, die Entscheidungstheorie anwenden lassen. Dann werden wir die heimtückischen Manifestationen der narrativen Verzerrung unter großen Fehler der Platonität, des Wegs von der Repräsentation zur Realität sehen
328 – hasard – fortuit
Boe: vgl. Fuchs: kairos
Mandelbrot zeigt uns mit seiner Methode einen Hoffnungsschimmer, eine Denkweise, auf die wir uns den Problemen mit der Unsicherheit nähern können. Wir sind wirklich viel sicherer, wenn wir wissen, wo die wilden Tiere sind.
351 - Die große Frage ist nicht, wie wir denken sollten, sondern wie wir Wissen in Handlungen umsetzen und herausbekommen können, was Wissen wert ist.
363 – The Known, the Unknown and the Unknowable