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1888: 11865 Ew. Man sieht daraus, dass die Zahl der Bevölkerung von der Mitte des 19. Jahrhunderts an
abgenommen, dann nach 1880 (infolge von in
Lucens und
Bercher eingeführten neuen Industrien) wieder zugenommen hat und endlich
neuerdings um 165 Ew. zurückgegangen ist.
Während die Zunahme an den beiden genannten Orten ziemlich beträchtlich war,
fand an allen andern eine beständige Abnahme statt.
Einige wenige Orte ausgenommen, istMoudon ein fast ausschliesslich landwirtschaftlicher Bezirk. Die
Gemeinden
Lucens,
Courtilles,
Chavannes bepflanzen 18 ha mit Tabak. Moudon hat 50 Aren
Reben. Die Milch wird grossenteils in
die Fabriken von kondensierter Milch in
Bercher und
Payerne abgeliefert. Die Kulturen verteilen sich wie folgt:
Die Industrie ist zumeist in
Lucens, Moudon und
Bercher konzentriert. Hier ist sie besonders durch eine
Fabrik von kondensierter Milch und ferner durch eine
Ziegelhütte vertreten; in Moudon: Tabak- und Zigarrenfabrikation, Bierbrauerei
und
Fabrik für kohlensaure
Wasser, Tuchfabrikation, Wollspinnerei, grosse
Säge und Edelsteinschleiferei. In
Peyres-Possens
eine
Ziegelhütte, in
Lucens Uhrsteinschleiferei und
einige andern Zweige der Uhrenmacherei, in
Syens eine
mechanische Werkstätte.
1888: 2608 Ew. Gemeinsame reformierte Pfarrei mit den Gemeinden
Bussy und
Chavannes.
Kapelle
der freikirchlichen Gemeinde und katholische
Kapelle. Die Stadt zerfällt in 3 Teile: die obere Stadt,
Le Bourg geheissen (550
m), auf einem Hügel zwischen der
Broye und der
Mérine gelegen und ältester Teil;
die untere Stadt (520
m), der wichtigste Abschnitt mit den hauptsächlichsten Gebäuden;
Links vom Fluss und östlich vor der Stadt die grosse Promenade oder der Waffenplatz und die Bahnhöfe.
Die wichtigsten Gebäude von Moudon sind: die Pfarrkirche zu
Saint Étienne zwischen der Stadt und dem Waffenplatz, die vermutlich
aus dem 14. Jahrhundert stammt, im
Lauf des 19. Jahrhunderts restauriert wurde, ein schöner gotischer Bau ist und im Innern
mit der Kathedrale zu
Lausanne Aehnlichkeit hat;
ihr auf die Promenade sich öffnender Glockenturm ist
durch seine
Höhe und sein Geläute, eines der schönsten im
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Kanton, bemerkenswert. Ferner das neue Stadthaus, ein im 19. Jahrhundert erstelltes schönes Gebäude. In der obern Stadt
stehen die zwei SchlösserCarouge und Rochefort und im QuartierMauborget am Ausgang der Stadt das SchlossEstavayer oder Billens.
Am Abhang zwischen der oberen und der untern Stadt erhebt sich ein alter Turm, der durch die Grösse seine
Standfläche bemerkenswert ist. Er soll durch Pipin den Kurzen erbaut worden und dann zu unbekannter Zeit zerstört worden
sein; nachher durch Konrad von Zähringen (1150) und seinen Nachkommen Berthold V. (1190) wieder hergestellt.
Neben diesem Turm stand die ehemalige Pfarrkirche oder Kapelle zu Notre Dame, von der sich bis heute noch
ein Turm erhalten hat. In dem nahe dabei befindlichen Haus mit dem savoyischen Kreuz sollen sich ehemals die Stände der Waadt
versammelt
haben. Zwischen Stadt und Vorstadt führt über die Broye der Pont deSaint Éloi, ehemals durch sein massives und malerisches
Mauerwerk bemerkenswert, das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts durch eine eiserne Brücke ersetzt worden ist.
Wenig thalabwärts die neue Brücke der Joratbahn, dann die Brücke der Broyebahn und endlich eine letzte Brücke am untern
Ende der Promenade. Moudon hat eine Sekundarschule, ein Collège, eine höhere Töchterschule, sowie eine nicht
unbedeutende Bibliothek. Ferner eine Taubstummenanstalt seit 1869, eine Besserungsanstalt für verwahrloste Mädchen, die
kantonale Molkereischule, ein Zeughaus, eine Kaserne, ein Bezirksspital. Die Industrie ist durch mehrere Betriebe vertreten,
die in oder nahe der Stadt sich befinden.
Bierbrauerei und Fabrik kohlensaurer Wasser, Branntweinbrennerei, Tabak- und Zigarrenfabrik, grosse Wollspinnerei und Tuchfabrik,
Edelsteinschleiferei. Eine Säge, Mühlen, eine Vogelzuchtanstalt. Einen grossen Teil der Bevölkerung
beschäftigt aber immer noch die Landwirtschaft. Nahe der Stadt einige Rebberge. Märkte und Messen von ziemlicher Wichtigkeit,
die der umliegenden Landschaft als Absatzort für ihre Produkte dienen. Das Gebiet der Gemeinde liegt hauptsächlich auf
dem linken Ufer der Broye, wo es sich bis zu den Höhen des n. Jorat hinaufzieht. Hier oben das Signal de Moudon
mit ausgedehnter Fernsicht über das Broyethal und auf die Alpen, und ferner eine torfige Ebene mit einigen Meierhöfen. Am
Fuss dieser Höhe das malerische Thälchen der Mérine.
Funde von keltischen Münzen. In der Tat bestand Moudon schon
zur Zeit der Gallier, wie dies der keltische
Name Minodunum beweist (keltisch dunem = fester Platz). Diese alte gallisch-römische Veste, von der heute noch gut erhaltene
Mauerreste sichtbar sind, wurde wahrscheinlich beim Einfall der Alemannen oder vielleicht auch durch die Sarazenen zerstört.
Im 11. Jahrhundert gehörte der Ort kraft einer vom Burgunderkönig Rudolf III. dem Bischof Heinrich 1011 gemachten
Schenkung den Bischöfen von Lausanne.
Vom 12. Jahrhundert an hatten die Grafen von Genevois, die den Bischof oft hart bedrängten, von ihm dieses Städtchen zu Lehen.
Die Herzoge von Zähringen erbauten oder restaurierten das Schloss, bei welchem die mittelalterliche Stadt
(wahrscheinlich der jetzige Bourg) stand; sie befestigten auch die an Bedeutung rasch zunehmende Stadt. Die untere Stadt wurde
wahrscheinlich von Berthold V. gegründet. Indessen ging Moudon mit seinem Gebiet um 1197 als Reichslehen an den Grafen Thomas
von Savoyen über.
Dies war der Ursprung der Rechte des Hauses Savoyen über Moudon und in der Folge über das ganze Waadtland,
dessen Hauptstadt Moudon nun wurde. Als Sitz der Behörden und der Ständeversammlung der Waadt
kam der Ort zu einer ungeahnten
Bedeutung. Die Bürger erfreuten sich ausgedehnter Freiheiten, die ihnen 1288 und 1359 (diesmal durch Amadeus VI., den sog.
Comte Vert) bestätigt wurden. Moudon war zudem eine der vier «bonnes villes»
des Waadtlandes und blieb bis zur Eroberung des Landes durch die Berner (1536) ein blühender Ort. Nach der Schlacht bei Murten
war es 1476 durch die Eidgenossen geplündert worden und hatte Mühe, sich von diesem Unglück zu erholen.
Zur Zeit der Eroberung (1536) sandte die Stadt der bernischen Armee Abgeordnete entgegen, um mit der Bitte zu huldigen, dass
man ihr Freiheiten und Gebräuche belasse, was auch bewilligt wurde. Das streng katholische Städtchen widerstand dann aber
der Reformation, die Bern
im Waadtlande kurz nachher einführte. Das Erscheinen eines Pfarrers der neuen Lehre
verursachte grossen Aufruhr; er wurde misshandelt und vertrieben, was der Stadt die Ungnade der neuen Landesherren und damit
den Verlust von verschiedenen Freiheiten und Vorrechten zuzog. Wie vorauszusehen war, verlor sie ihre führende Stellung bald,
ihr Wohlstand verminderte sich und Adelige wie Bürgerliche zogen weg. Immer aber protestierte sie gegen
die bernische Oberhoheit und den Entzug der Freiheiten und Rechte des Landes. 1520, 1530 und
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1573 wurde das Städtchen von der Pest heimgesucht. Es besass im Mittelalter einen Spital für Aussätzige und im 15. Jahrhundert 3 Krankenhäuser.
Nahe der Brücke von Saint Éloi sind zwei römische Inschriften entdeckt worden; die 1732 gefundene erste
ist vom Historiker Ruchat als wichtig angesprochen worden und befindet sich jetzt unter den Arkaden des Stadthauses; von
der 1845 aufgefundenen andern ist nur ein Teil noch lesbar. Beide sind in schweizerischen Inschriftensammlungen, (z. B. die
von Levade und Mommsen) aufgenommen worden. Zu verschiedenen Malen hat man auch in der Stadt und Umgebung
römische Münzen aus der Zeit der Konsuln und Kaiser gefunden; ferner 3 arabische Münzen, die von den Sarazenen herstammen
müssen. Ein Teil dieser Funde ist heute im Museum zu Lausanne aufbewahrt.
Moudon ist die Heimat des Theologen Jean Philippe Dutoit-Membrini (1723-1793), eines talentvollen Schriftstellers
und Kanzelredners;
von Jean François Louis Saloz (1774-1851), des Verfassers von Werken über Militärmedizin;
des Dekans
Philippe Bridel (1757-1815), der als Pfarrer in Basel,
Château d'Œx und Montreux gewirkt und sich als Herausgeber des ConservateurSuisse bekannt gemacht hat;
des Ingenieurs Gustave Bridel (1827-1884), der an der Juragewässerkorrektion
und der Trockenlegung des Seelandes, sowie am Bau der Jurabahnen und der Gotthardbahn mitgearbeitet hat;
des Staatsrates Joly
(† 1901).
Am Ufer der Broye steht fossilführende marine Molasse an. Vergl. den Dictionnaire histor., géograph. et statist.duCantondeVaud von D. Martignier und A. de Crousaz. (Lausanne 1867); ferner Savary, E., A travers leJorat. Lausanne 1903; Carrard, H. Une commune vaudoise du 13. siècle.Turin 1886.