Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03099.jsonl.gz/1799

Was war dein letzter Traum?
Ich renne die Treppe der Sixtinischen Kapelle hinauf. Auf einmal ein Loch, die Treppe fliegt nach hinten. Vor mir eine saftig grüne Wiese, eine wackelige Kuh, ein kleiner, kurviger Steinweg, der zum Horizont führt, und ein blauer Affe. Ich werde von oben auf die Wiese geworfen. Alle Tiere geben verzerrte Geräusche von sich. Ich beginne zu realisieren, dass ich mich in einem virtuellen Raum befinden muss. Als ich nach oben blicke sehe ich eine Glasdecke, auf der sich zwei schwarze Punkte zu bewegen scheinen. Ich habe das Gefühl nicht mehr zurückzufinden.
Was würdest du dem Tod gerne einmal unter vier Augen sagen?
Du musst keine Angst haben vor dem Sterben, denn im Sterben sind wir alle gleich.
Was denkt ein Hund?
We were promised jetpacks. Stattdessen haben wir Facebook bekommen.
Welcher Illusion gibt’s du dich gerne hin?
Dass wir für die Dinge, die angeblich umsonst sind, keinen Preis zahlen. Und dem Satz: Morgen ist ein neuer Tag.
Biografie
«Gestern Nacht habe ich mir vorgestellt, wie du mit 28 Jahren in der Küche stehst und dir um 2 Uhr nachts Instant Noodles zubereitest. Du fragst dich, wem du eigentlich Rechenschaft schuldest. Dir kommen deine eigenen Gedanken banal vor. Du isst die Instant Noodles während du «Park» von Marius Goldhorn liest. Ein Buch, welches deine Mutter gelesen hat, als du zwei Jahre alt warst. Es handelt von Weltschmerz und der friedlichen Ankunft von Aliens. Sie hat dir mal erzählt, dass sie mit dem Gedanken aufgewachsen ist, dass alles absolut ist. Jede Entscheidung, jedes Gefühl und jeder Verlust. Du recherchierst und findest heraus, dass Marius Goldhorn am 12.12.1991 geboren ist. Genau ein Jahr vor der Geburt deiner Mutter. Du denkst, dass du nicht an solche Zeichen glaubst. Du öffnest Google und recherchierst zum Kometen Neowise. Mit einem Jahr hast du mit ihr am Strand übernachtet. Über euch Neowise. Drei Monate später ist die zweite Welle der Pandemie ausgebrochen. Du hast damals schon gespürt, dass nichts absolut ist.»
Julia Skof interessiert sich für das Mittelmässige, die Gleichzeitigkeit von Ereignissen und Leben, welches sich an den Rändern abspielt. Sie studierte Philosophie und Soziologie an der Universität Basel und Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre Abschlussarbeit «Antigone» wurde an das Körber Studio für Junge Regie ans Thalia Theater in Hamburg eingeladen und erreichte die Shortlist.
Mit dem Kollektiv Soft Shell realisierte sie im Südpol Luzern die Performance «Resort» - eine Expedition in das künstlich hergestellte Treiben einer Ökosphäre. Nebst Arbeiten im Bereich Theater und Performance arbeitet sie an ihren eigenen Filmen.