Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/1874

Behandlung von Tonträgern - Praktische Ratschläge
Bemerkungen zu Schallplatten
Die "Azetate"
Diese Art von Schallplatte fand allgemeine Verwendung für Direktmitschnitte, bevor sie durch Stahldraht oder Tonband ersetzt wurde. Die Azetat-Platte war eine Kompromisslösung, die einerseits Aufnahme und Wiedergabe erleichterte, andererseits aber für eine Langzeitaufbewahrung problematisch ist. Die Zusammensetzung dieser Platten hat sich im Verlauf der Zeit stark geändert. Zuerst wurde Wachs benutzt, dann Ethylcellulose, dann Acetylzellulose und schliesslich Nitrozellulose.
Schellack-Platten
Schellack oder ähnliches Material wurde für die Herstellung von 78 U/min-Platten mit normaler Rille (horizontaler oder vertikaler Schnitt) verwendet. Auch in diesem Bereich gab es verschiedene Herstellungsprozesse, die sich unterschiedlich auf die Lebensdauer dieser Tonträger auswirken.
Platten aus Plastik
Die Platten mit langer Spieldauer (LP) können nicht einfach als Verbesserung der Schellack-Platten angesehen werden. Sie sind ausschliesslich aus synthetischen Materialien wie aus Polyvinylchlorid (PVC) oder aus Polystyrol hergestellt. Die wichtigste Ursache für eine chemische Zersetzung der Platten aus PVC sind utraviolette Strahlen (UV) und Wärme; für Polystyrol-Platten hingegen besteht die Gefahr von Oxydation.
Die optische Platte
Die optische Platte ist gegenüber den bisherigen sicherlich die stabilste. Normalerweise wird die optische Platte auf einer transparenten Polycarbonat-Basis aufgebaut, auf deren Oberfläche die Informationen gepresst sind. Darüber kommt eine feine metallene, reflektierende Schicht, die wiederum von einer schützenden Lackschicht bedeckt ist. Zuoberst wird das Etikett aufgedruckt. Der interessanteste Aspekt dieser Aufbautechnik ist wohl, dass die Oberfläche der Platte physisch getrennt ist von jener Schicht, auf der sich die Informationen befinden. Eventuelle Unreinheiten auf der Platte, wie Staub oder Kratzer, haben deshalb keinen Einfluss auf die Wiedergabequalität.
Die magnetisch-optische Platte
In diesem Zusammenhang ist es notwendig, auch die magnetisch-optischen Platten zu erwähnen. Ursprünglich wurden sie in der Informatik für die Aufbewahrung von Daten verwendet, verloren aber nach und nach Bedeutung durch die wachsende Kapazität der Hard-Disc (HDD). Die magnetisch-optische Platte hat in Form der mehrfach beschreibbaren MiniDisc überlebt.
Bemerkungen zu den Tonbändern
Das Tonband wurde gleich nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt. Um 1950 hatte es einen genug hohen Sicherheitsgrad erreicht, sodass damit definitiv die Azetat-Platte für Direktaufnahmen ersetzt werden konnte.
Jedes Magnetband (auf einer Spule oder in einer Kassette, Audio oder Video) ist zusammengesetzt aus einem Trägerband (Papier, Acetylcellulose, PVC, PET ...) und einer Schicht mit magnetischen Partikeln (Fe304, Fe203, Cr02 ...). Von seiner Struktur her gesehen, ist das Magnetband den gleichen Gefahren ausgesetzt, wie die anderen Tonträger, hat aber noch zusätzlichen spezifische Probleme bedingt durch seine Form und der Aufnahme- bzw. Abspieltechnik.
Gründe für eine Zustandsverschlechterung
Umweltsbedingungen
Die meisten Strukturveränderungen eines Tonträgers erfolgen durch innere Reaktionen, hervorgerufen durch Umweltsbedingungen. Die physischen und chemischen Eigenschaften der verwendeten Harze können sich auf Grund verschiedener Faktoren verändern. Solche strukturellen Veränderungen werden hervorgerufen durch:
- Wärme: Thermische Energie bewirkt physische Veränderungen in Materialien aus Plastik, wie permanente Deformation, Veränderung der Viskosität, Schichtspaltungen. Um zu grosse und zu schnelle Temperaturwechsel zu vermeiden, muss daher ein Kompromiss für eine gleichbleibende Temperatur gefunden werden, die auch die Arbeitsbedingungen für den Menschen berücksichtigt.
- Licht: Lichtenergie von ultravioletten Strahlen oder von hohen Frequenzen des Lichtspektrums ist oft die Ursache für Beschädigungen. Tonträger sollten deshalb nie direkt Sonnestrahlen oder ähnlichen Lichtquellen ausgesetzt werden .
- Wasser: Auch Feuchtigkeit trägt zum physischen und chemischen Zerfall von Tonträgern bei. Sie verändert die Dimension in gewissen Harzen und Füllsubstanzen und damit auch die Widerstandfähigkeit. Sie kann auch wie ein Verdünner wirken oder Hydrolyse oder Katalyse erzeugen. Feuchtigkeit kann in verschiedenen Formen auftreten, so auch als Wasserdampf.
- Sauerstoff kann ein wirksamer Faktor sein, zumal er die Oxydation beschleunigt. Dieses Phänomen kann sich schon während der Fabrikation von Tonträgern einstellen.
- Schadstoffe in der Atmosphäre: Zu den am stärksten einwirkenden Schadstoffen gehören Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Stickstoff. Zum Glück kommen letzterer normalerweise nur in sehr kleinen Mengen vor, sodass seine Wirkung auf Räumlichkeiten mit besonders hoher Giftgaskonzentration beschränkt bleibt.
- Staub, Pulver, Sand: Alle Tonträger sind anfällig auf Abreibung durch Partikel.
- Elektrostatik: Thermoplastische Elemente sind schlechte elektrische Leiter und werden während der Pressung elektrostatisch aufgeladen. Diese Ladung bleibt für lange Zeit bestehen und hat die Eigenschaft, sich durch die Manipulation und das Abspielen der betreffenden Tonträger wieder aufzuladen und damit Staub auf die Oberfläche anzuziehen.
Weiter Beschädigungsursachen, insbesondere bei Magnetbändern, sind
- Spannung der Wicklung oder des Bandzuges zwischen den einzelnen Umwicklungen und zwischen dem Band und dem Kern. Gewisse Bandtypen, zum Beispiel jene mit glänzendem Rücken, haben die Tendenz sich abzuwickeln, was Struktur des Bandes übermässig belastet und häufig zu Verziehungen oder gar zum Bruch führt.
- Echoeffekt: Dieser Effekt ist allgemein bekannt und tritt bei allen Magnetbändern mehr oder weniger stark auf (bei digitalen Aufnahmen ist er nicht wahrnehmbar, aber der Effekt existiert trotzdem!). Der Echoeffekt entsteht auf Grund der Magnetisierung von einer oder mehreren Wicklungen durch das ganze Band hindurch.
Pilzbefall und Schimmelbildung
Seinerzeit verwendete man für die Herstellung von Tonträgern organische Substanzen, vor allem bei den Additiven. Diese bilden einen idealen Nährboden für allerlei Pilze. Heute finden diese Organismen ihren Nährboden hauptsächlich in den fettigen Ablagerungen von Händen oder andere Körperteilen. Durch Pilz hervorgerufene Schäden können auch bei Materialien entstehen, die eigentlich kein Nährboden für solche Organismen sind. Diese sondern Enzyme und Säuren ab, die jede Art von Material angreifen.
Falsche Handhabung
Dieser Punkt bezieht sich auf den alltäglichen Gebrauch von Tonträgern, ihre Lagerung oder Transporte usw.
Wichtige Hinweise
Für gepresste mechanische Platten
- Neue, frisch gepresste Platten können sich viel leichter verformen als solche, die schon längere Zeit gelagert wurden.
- Während der Alterung kann sich Grösse und Form einer Platte ändern.
- Feuchtigkeit gefährdet Schellack-Platten aus natürlichem Material mehr als Platten aus halbsynthetischen Materialien.
- Die schlimmste Schadensart ist die chemischen Zersetzung des Materials. Diese bemerkt man, wenn beim Abspielen die Platte stark abgenutzt wird und einen schwarzen Staub hinterlässt.
Für optischen Platten
- Die schützende Lackschicht über der reflektierenden Metallschicht ist so dünn, dass sie sehr leicht beschädigt werden kann. Eine Beschädigung dieser Lackschicht, gleich welcher Art, hat einen Einfluss auf die darunterliegende Metallschicht und kann zum teilweisen oder sogar vollständigen Verlust der auf der Platte enthaltenen Information führen.
- Diese Art Tonträger wurde nun schon vor einiger Zeit eingeführt, befindet sich aber immer noch in ständiger Entwicklung (CD, DVD, usw.). In einigen Fällen, insbesondere bei bespielbaren Tonträgern, entstehen Probleme auf Grund von Oxydation, Wärme, Feuchtigkeit, Abnutzung oder Inkompatibilität der Materialien.
- Die ständige Erhöhung der Informationsdichte auf diesen Tonträgern, auch durch Techniken der mehrschichtigen Aufnahmen, verschlechtern die Situation noch weiter bis hin zum vollständigen Informationsverlust des Tonträgers (der ganze Tonträger ist nicht mehr lesbar).
Empfehlungen
- Die Temperatur in den Räumen, in denen Tonträger aufbewahrt werden, darf nie 25°C und die relative Luftfeuchtigkeit sollte nie 55% übersteigen. Optimale Werte sind 19°C und 40% RH.
- Lagern Sie nie Tonträger horizontal übereinander geschichtet, oder auf unebenen Flächen. Physische Verformungen können vermieden werden, wenn die Tonträger senkrecht stehend und mit leichtem Druck gegeneinander gelagert werden.
- Berühren Sie nie die Rillen von Platten, die bespielte Oberfläche von Tonbändern und die reflektierende Oberfläche von optischen Platten mit blossen Händen. Wenn die Handhabung eine Berührung erfordert, dann nur mit Baumwollhandschuhen geschützten Händen.
- Nach Benutzung eines Tonträgers sollte dieser immer sogleich in die schützende Verpackung zurückgelegt werden. Lassen Sie Tonträger nicht fallen.
- Setzen Sie Tonträger nicht direktem Sonnenlicht, UV-Strahlen oder magnetischen Feldern von Haushaltsgeräte, Elektromotoren, Lautsprechern usw. aus.
- Achten Sie darauf, dass für die Aufbewahrung bei allen Arten Tonbänder, also auch Kassetten, das Band ans Ende gespult ist. Dadurch muss das Band vor dem Anhören vollständig zurückgespulet werden, was einen eventuell vorhandenen Echoeffekt etwas abdämpft. An den Anfang gespulte Bänder können ein Vor-Echo bilden, was beim Abhören sehr störend wirkt (dies gilt für analoge Aufnahmen); bei ans Ende gespulten Bändern entsteht höchstens ein Post-Echo, was viel akzeptabler ist.
- Die Bänder sollten mindestens einmal pro Jahr vollständig vor- und zurückgespult werden, um eventuelle Spannungen in den Wicklungen zu lösen, die sich bei der Archivierung bilden können und um die Entstehung des Echoeffekt so tief wie möglich zu halten.
- Zögern Sie nicht, im Zweifelsfall für zusätzliche Informationen oder auch nur aus Neugierde sich an die Schweizerische Nationalphonothek zu wenden.