Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/3366

Klimawandel
Gewaltiger Gletscherbruch droht
Riss im Eis vor der Antarktis
Vor der Antarktis droht der Abbruch einer gewaltigen Eistafel. Dort hat sich ein über 100 Kilometer langer Riss im Schelfeis gebildet, der täglich wächst. Bricht das Eis ab, entsteht ein Eisberg von fast der doppelten Größe der Insel Mallorca.
Entdeckt wurde der beginnende Riss in der etwa 500 Meter mächtigen Eisdecke bereits Anfang des Jahres, am Ende des antarktischen Sommers. Schwierige Wetterbedingungen während des antarktischen Winterhalbjahres ließen jedoch keine kontinuierlichen Beobachtungen mehr zu. Erst seit November sind die Licht- und Wetterverhältnisse für Beobachtungsflüge wieder gut genug. Ein solcher Aufklärungsflug hat nun ergeben, dass sich der Riss inzwischen deutlich vergrößert hat. Er ist derzeit schon mehr als 100 Kilometer lang und rund 100 Meter breit.
Bricht das durch den Riss vom Eisschelf getrennte Eisfeld ab, entsteht ein Eisberg, der fast doppelt so groß ist wie die Mittelmeerinsel Mallorca. Der dann größte Eisberg der Welt wird voraussichtlich noch Jahre im Weddellmeer treiben und dabei in immer kleinere Bruchstücke zerfallen, bevor er schließlich in wärmere Meeresregionen gelangt und langsam abschmelzen wird. Weil Schelfeis bereits auf dem Meer schwimmt, besteht übrigens keine Gefahr, dass durch dessen Schmelze der Meeresspiegel nennenswert ansteigen könnte.
Allerdings verringert sich die stützende Wirkung auf die nachströmenden Eismassen der Inlandsgletscher. Dadurch nimmt deren Fließgeschwindigkeit zu, sodass in kürzerer Zeit mehr Inlandeis ins Meer strömen kann. Ein solches Szenario deckt sich mit den Prognosen von Klimawissenschaftlern, die infolge des Klimawandels auch eine vermehrte Schmelze der antarktischen Eismassen erwarten. Ob wirklich ein Zusammenhang mit der Erderwärmung besteht, ist aber noch unklar. Ähnliche Eisabbrüche am Schelfeis hat es auch schon in früheren Jahrzehnten gegeben.