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Ein Rückblick auf die Geschichte von SchlansDie ehemalige politische Gemeinde Schlans lag zwischen Trun und Breil/Brigels und grenzte an die vorgelagerte Bergkette mit dem Cavistrau Grond und dem Péz Tumpiv.
Der ehemalige Gemeindewappen
In Rot auf silbernem Pferd St. Georg mit silbernem Nimbus und grünem Mantel, einen grünen Drachen tötend; im rechten Obereck silbernes Andreaskreuz. Begründung: St. Georg ist Patron der Pfarrkirche und wurde als Reiterfigur bereits im Siegel der Gemeinde geführt. Das Andreaskreuz des Klosters Disentis dient zur Unterscheidung von ähnlichen Gemeindewappen mit dem berittenen St. Georg. Gemeindefarben: Rot - Weiss - Grün (Quelle: Wappenbuch des Kantons Graubünden)
höchster Punkt:3´220 m.ü.M Cavistrau-Pign
niedrigster Punkt: 910 m.ü.M Fanels
Fläche Gemeindegebiet: 883 ha
Einwohner (2010) 82
Sprache: rätoromanisch (Sursilvan)
Konfession: vorwiegend katholisch
Kreis: Disentis
Bezirk: Vorderrhein
Steuerfuss: 130% der einfachen KS.
Finanzkraftklasse: 5
Legislative: Gemeindeversammlung
Exekutive: Gemeindevorstand
Angrenzende Gemeinden: Trun, Breil/Brigels
Der Ortsname Schlans
Der Name Schlans stammt aus dem lateinischen. Das im Tellotestament erwähnte Selaunum geht wohl auf das lateinische salictum (Weidengebüsch) zurück. (Rätoromanisch: salisch). Der Stamm sal lässt noch eine zweite Erklärung des Ortsnamen von Schlans zu, die im Zusammenhang mit Palius stehen würde: Flurnamen, die auf die Wurzel sal zurückgehen, kommen auch ausserhalb des früheren romanischen Einzugsgebietes vor und sind zum Teil vorrömischen Ursprungs. Rein etymologisch könnte sal auf eine wasserreiche Wiese bzw. einen Wiesenfluss hinweisen. Denkbar wäre es demnach, Selaunum als "Sumpfgebiet" zu übersetzen. Für diese Interpretation sprechen die vielen Quellen auf dem Dorfgebiet und die sumpfigen Wiesen in seinem Umfeld.
Die Besiedlung von Schlans
Auf dem jetzigen Dorfgebiet wurde in vorrömischer Zeit das Gebiet um dem Wehrturmhügel genutzt. Die vorrömischen Flurnamen dort deuten jedoch nicht auf eine landwirtschaftliche Nutzung hin. Bestimmte Flurnamen und die Topographie aber auch die Nähe zu einem Gebiet, wo Kalk gebrannt wurde bestätigen die verschiedentlich gemachte Behauptung, dass Camartgeis Zentrum eines Steinkultes war - allerdings ein unbesiedeltes. Falls das Gebiet von Schlans in vorrömischer Zeit besiedelt bzw. bewirtschaftet war, dann am ehesten auf der Terasse von Razeil. Da der grösste Teil der Flurnamen von Schlans vom lateinischen her gedeutet werden können, dürfte die Besiedlung des jetzigen Dorfgebietes nicht vor der Romanisierung der Region begonnen haben.
Der Turm Sais
Die Burgruine Sais die sich neben der Kapelle "Nossadunna dalla neiv" befindet, ist unter Denkmalschutz gestellt. Der Verwalter des Bischofs des alten Bischofhofes von Selaunum hat den Turm etwa um das Jahr 1000 oder vorher erbauen lassen. Der Turm besteht aus einem annähernd quadratischen Turm mit Seitenlängen von jeweils ca. 8.5m und ist drei Etagen hoch. Das Gemäuer ist 2 bis 2.5m stark und besteht mehrheitlich aus geschichteten und bearbeiteten Bruchsteinen und Findlingen. Der Eingang befand sich auf dem dritten Stockwerk. Mit Seilen und Leitern gelangte man ins Innere des Turms der allen Einwohnern des Hofes Schlans mit ihren Waren als Unterschlupf diente. Die vier Seiten das Dachstockes lagen auf Baumstämmen. Als Wohnsitz hat dieser Turm nie gedient, da die ersten zwei Stockwerke in ständiger Dunkelheit lagen. Es war jedoch kein Ort des Schreckens sondern ein Zentrum wo sich die Bauern und Handwerker versammelten.
Die Burg Salons in der Val Casti
Oberhalb des Waldstreifens zwischen Schlans und der Pradas im Norden befinden sich noch Reste einer Burg. Diese Ruine steht auf einem Felsen aus sehr weichen, gelben Kalkstein. Die Adeligen von Schlans haben wahrscheinlich diese Burg erbaut. Die Burg war der Herrensitz des Waltherius de Slaunes, dessen Geschlecht aber schon ab 1300 vollständig aus den Urkunden verschwand. Die Burg diente möglicherweise als Wehr für den alten Weg der über Trun Cartatscha nach Schlans über Plaids nach Brigels führte. Auf der Süd-Östlichen Seite ragte ein Turm in die Höhe.
Geschichte in tabellarischer Kurzform
Es wurden mehrheitlich und auszugsweise geschichtliche Fakten aus der Druckschrift: ´Ord la historia e cultura da Schlans´, von Giachen Antoni Pfister, Neuhausen 1931 und "Die Flurnamen von Schlans": Sammlung, Deutung und Kommentar, Leo Hug, 1998 verwendet.
2018Am 22. Januar bricht beim Cavistrau eine grosse Lawine aus Richtung Alp Schlans. Der Wald (Uaul Miez) und die alten Alphütten beim Muletg werden zerstört. Erst 200m oberhalb der Zufahrtsstrasse Trun-Schlans kommt die Lawine zum Stehen.
2012Per 1. Januar 2012 Gemeindefusion Schlans-Trun. Neu heisst die politische Gemeinde Trun, Schlans ist ab nun eine Fraktion von Trun.
2008Abschluss der Arbeiten an der Bachverbauung im Dorf
2007Zuwenig Schüler, die Gesamtschule Schlans schliesst die Pforten nach 147 Jahren (1860-2007).
200216. November 2002 Ein gewaltiges Unwetter verwüstet und zerstört im November 2002 in Schlans sehr viel Kulturland, mehrere Gebäude und mehrere Stellen der örtlichen Infrastruktur. (Strassen und Werkleitungen) Die spontan gelöste Schlammlawine teilt das Dorf Schlans in der Folge regelrecht in zwei Teile. Der ortskundige Helikopterpilot Marcus Levy, wagt bei widrigsten Wetterbedingungen und dichtem Nebel unter Hilfe von Albert Pfister und der Hilfskolonne Evakuationen aus der Gefahrenzone. Am 17. November wurden alle Schlanser per Helikopter nach Brigels evakuiert. Nur die Landwirte bleiben im Dorf um die Tiere zu versorgen. Mit viel Glück und auch dank des beherzten Eingreifens des Gemeindepräsidenten Reto Pfister waren trotz diesem einschneidenden Naturereignis keine Toten und Verletzte zu beklagen.
1999Am 13. August 1999 wird an der Gemeindeversammlung die Durchführung der Gesamtmelioration beschlossen.
1987Eine grosse Rüfe stürzt sich durch die Val Plaunca und verursacht immense Schäden. von der Alp Schlans bis hinunter zum Rhein werden umfangreiche Bachverbauungen errichtet, um das Terrain zu sichern.
1984Am 9. Februar wird Schlans von einer grossen Lawine heimgesucht. Die Lawine zerstört 19 Gebäude der Maiensässe Pradas vollständig und reisst grosse Teile des Waldes hinweg.
1939Am 28. August, kurz vor der Generalmobilmachung zum zweiten Weltkrieg, brennen mehrere Häuser im Dorf bis auf die Grundmauern nieder.
1922Im April lösen sich etwa 50 Kubikmeter vom Felsen bei der Sägerei und stürzen ins Tal. Wie durch ein Wunder kommt die Geröllmasse ohne Schaden zu verursachen neben einem Haus zum Stillstand.
1855Eine grosse Rüfe löst sich im oberen Teil der Maiensässe (Prada dalla bova). Zum Glück leitet ein grosser Stein auf der Höhe Pradamiez das Erdmaterial nach Osten weg. Es entsteht jedoch eine tiefe Schlucht bis nach Planatsch und von dort hinunter nach Razeil bis zum Rhein. Ohne diesen Stein wäre die Rüfe wohl geradewegs auf das Dorf hinuntergestürzt und hätte es zu einem grossen Teil zerstört.
1851Die ehemalige Enklave Schlans wird als siebte Gemeinde dem neuen Kreis Disentis zugeschlagen.
1817In der Nacht des 10. März löst sich eine Lavine auf dem Cavistrau Pign und teilt sich in drei bis vier Ausläufer, die sich von Tiraun dadens, Tiraun dado und über Plaun Sincera hinunterstürzten. ganze Wälder von Truns und Schlans und mehrere Ställe werden weggefegt. Auf dem Tumpiv löst sich eine Lavine und ein Arm gelangt via Muletg bis in die Val Friberg. Ein zweiter Arm kommt über Prada Plauna, zerstört den Wal von Surseivs und kommt schliesslich auf der Höhe von Pradamiez zum Stehen.
1803Duch die Meditation wird die Gemeinde Rueun, zu der auch Schlans gehört, total unabhängig.
1776Das Quartier Camartgois wird Opfer der Flammen. Das Feuer bricht über den heutigen Brunnen Cantieni aus. Da das ganze Dorf in Gefahr war, habe Pfarrer Martin Schmid die Monstranz nach Surfuorns gebracht. Daraufhin hätten die Flammen in Richtung Camartgois gedreht.
1631Am 21. September bricht die Pest in Schlans aus. 82 Pesonen sterben. Dass nur 13 überlebt haben, ist jedoch eine Legende.
1506Erneute Erwähnung der Gemeinde Schlans im Zusammenhang mit Streitigkeiten betreffend Weidganggrenzen. Deshalb liess man später (1535) eine Kommission bestehend aus Landrichter Berther aus Disentis, Moritz Henny, "Ammann ab den Übersaxen", und Landrichter Jochberg entscheiden.
1472Bischof Ortlieb von Brandis kauft Jörgenberg, ohne Renasca und die Minen in Rueun, für 1200 Florin. Nach wenigen Monaten bereut der Zoller den Verkauf und der Abt des Klosters Diesentis, Johannes de Schöneck, der 1800 Florin bezahlt, bekommt Jörgenberg. Unter der Jurisdiktion des Klosters bleiben die Schlanser dann bis in die Zeit der Mediation.
1459Georg Freiherr von Rhäzüns, der letzte Freiherr von Rhäzüns stirbt. Seine Schwester, Ursula von Hohenberg, vererbt Jörgenberg ihrem Sohn Josias von Zollern.
1378Für 1000 Rensch kauft Ulrich II., Freiherr von Rhäzüns die Burg von Elisabeth von Haldenstein, Nichte von Heinrich de Montalt, und integriert sie in seine Herrschaft Jörgenberg.
1357Heinrich de Montalt überträgt seinem Schwager, dem Freiherrn Ulrich Walter von Belmont, die Burg Schlans mit all seinen Gütern und Rechten. Die Burg Salons (Burgstelle auf steilem Felskopf ob Schlans) dürfte im Verlaufe des 14. Jahrhunderts verlassen worden sein. An die einstige Festung erinnert noch der dem Tobel nahe der Burg anhaftende Name "Val Casti".
1220Erster Nachweis der alten Adelsfamilie von Schlans: Waltherus de Slauns (1220-1275), Domherr in Chur. Die Familie derer von Schlans ist im 14. Jahrhundert ausgestorben. Schlans ging dann an die Familie de Grünenfels über, die ihren Sitz in Waltensburg hatte. Durch Heirat gelangte Schlans dann in den Besitz der Familie Montalt.
1185Papst Luzius III. bestätigt, dass die Kapelle St. Eusebius in Brigels und St. Georg in Schlans zur Pfarrei Brigels gehören.
998Erstmals um 998 wird eine Kirche durch Papst Gregor V. erwähnt. Heute ist nur noch der Turm erhalten, der aus dem 11. Jahrhundert stammen dürfte.
765Im ältesten Geschichtsdokument der Schweiz, im Tellotestament, wird erstmals Selauno als Hof aufgeführt, d.h. Häuser, Ställe und Speicher werden aufgezählt. Bischof Tello stammte aus der Familie der Victoriden (Herrschaft Churrätien) und war eng mit dem Kloster Disentis verbunden.