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Aggiornamento–zu Deutsch: Anpassung an die heutigen Verhältnisse–ist der Begriff, der heute grundlegend mit Papst Johannes XXIII. und dem Zweiten Vatikanum verbunden ist. Ursprünglich allgemein gebraucht im Sinne des Aktualisierens, gab Papst Johannes XXIII. dem Begriff schon 1957 eine neue, kirchliche Wendung. Als er damals, noch als Patriarch von Venedig, eine Provinzialsynode eröffnete, benutzte er ihn erstmals im späteren Sinne: «Hört ihr oft das Wort ‹aggiornamento›? Seht da unsere heilige Kirche, immer jugendlich und bereit, dem verschiedenen Verlauf der Lebensumstände zu folgen mit dem Zweck, anzupassen, zu korrigieren, zu verbessern, anzuspornen.» 1961 sah er im Aggiornamento der Kirche nach 20 Jahrhunderten die Hauptaufgabe des Konzils und fügte 1962 hinzu, dass das Konzil ein «Konzil des Aggiornamento sein will, vor allem was die tiefe Erkenntnis und Liebe der geoffenbarten Wahrheit sein will».
Vier Konstitutionen
Die wichtigsten Dokumente des Konzils sind zweifelsohne die vier Konstitutionen. Gemäss der Tradition werden sie nach den ersten Wörtern des lateinischen Textes benannt. «Lumen Gentium» lautet der Titel der dogmatischen Konstitution über die Kirche, die sich ausführlich auch mit der Rolle der Laien befasst–ein damals viel beachtetes Novum. «Das heilige Gottesvolk nimmt auch teil an dem prophetischen Amt Christi», lautet eine der zentralen Passagen des Textes (Artikel 12). Daraus sowie aus der mehrfachen Erwähnung der «pilgernden Kirche» wurde später das geflügelte Wort vom «pilgernden Volk Gottes» entwickelt, das wörtlich freilich nie im «Lumen Gentium» zu lesen ist. Um die Rolle der Kirche in der Welt geht es in der Pastoralkonstitution «Gaudium et Spes», die gleichsam die Aufgabe hat, das Aggiornamento lehramtlich auszuformulieren. «Zur Erfüllung ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten», heisst es in Artikel 4. Dass dieses Evangelium zwar als göttliche Offenbarung gedeutet wird, es aber Aufgabe des kirchlichen Lehramtes ist, diese Offenbarung auszulegen, hält die dogmatische Konstitution «Dei Verbum» fest. «Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat, muss der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte», steht in Kapitel 12 zu lesen.
Rückblickend wird das Konzil vor allem mit der Liturgiereform in Verbindung gebracht, deren theologische Grundlagen sich in der dogmatischen Konstitution über die Liturgie, «Sacrosanctum Concilium», finden. Auch der seitdem dominierende Gebrauch der Volkssprache wird dort in Artikel 36 angesprochen: «Da bei der Messe, bei der Sakramentenspendung und in den anderen Bereichen der Liturgie nicht selten der Gebrauch der Muttersprache für das Volk sehr nützlich sein kann, soll es gestattet sein, ihr einen weiteren Raum zuzubilligen.» kipa