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«Das ist eine Klasse, wo die Kinder blöd sind... Nein, das ist eine Klasse, wo man nicht so schnell arbeitet», erklärt Haris schalkhaft. Der 12-jährige Junge aus Bosnien besucht in Bern eine Kleinklasse und ist eines der fünf porträtierten Kinder im Diplomfilm Wenn ich eine Blume wäre ... von Barbara Burger. Die Filmemacherin arbeitet bereits seit acht Jahren als Kleinklassen-Lehrerin. In ihrem Diplomfilm zeigt sie den Alltag ihrer Schüler und nimmt dabei die Doppelrolle als Protagonistin und Regisseurin ein.
Barbara Burger dokumentiert, wie die Kinder – oft widerwillig und stets mit einem Hang zum aufrührerischen Chaos – im Schulzimmer pädagogisch wertvolle Übungen machen. Dazu gehört das titelgebende Spiel: «Wenn ich eine Blume wäre, wäre ich am liebsten eine Sonnenblume, weil sie gelb ist», meint das zurückhaltende und zugleich aufgeweckte tamilische Mädchen Shenthuya. «Wenn ich eine Blume wäre, wäre ich am liebsten eine Rose, weil sie so schön ist», rezitiert Jana, die herausgeputzte Tochter einer alleinerziehenden Putzfrau. «Wenn ich eine Maschine wäre, wäre ich ein Kühlschrank, weil es dort drin schön kühl ist», liest der 13-jährige Mazedonier Renad ungelenk vor.
So unterschiedliche Persönlichkeiten diese Kinder aus Migrantenfamilien und unterprivilegierten Milieus auch sind, ihre Lernprobleme hängen alle mit der deutschen Sprache zusammen. Doch auch mit der Sprache ihrer Eltern haben die Kleinklässler zu kämpfen. So muss Shenthuya für ihre Eltern deutsche Briefe übersetzen und Zeitungsannoncen lesen, gleichzeitig muss das Mädchen in den Tamiliunterricht, um ihr «eigenartiges Tamili» zu verbessern. Für Shenthuya ist Deutsch eine Geheimsprache, die sie mit ihrem Bruder spricht, damit ihre Eltern nichts verstehen. Darauf angesprochen, wieso seine Mutter kein Deutsch könne, meint Renad ruppig: «Ich finde es unnötig. Ob sie deutsch lernen will, weiss ich nicht.» Und fügt in gebrochenem Deutsch an: «Sie kann Deutsch, einfach nicht so perfekt wie wir.»
Barbara Burger ist mit ihrem Diplomfilm eine einfühlsame Dokumentation gelungen, die ganz ohne Off-Kommentar auf die Probleme von Kindern, die den normierten Schulanforderungen nicht entsprechen, aufmerksam macht. Die Filmemacherin beobachtet die jungen Menschen nicht nur im Klassenzimmer, sondern begleitet sie auch in der Freizeit – beim Shopping, Tanzen oder Arbeiten. Sie lässt sich dabei sorgfältig auf die Erlebniswelt der Jugendlichen ein, ohne eine autoritäre Perspektive einzunehmen. In dieser Herangehensweise erinnert der Film an Thomas Imbachs Ghetto (CH 1997). Burgers Dokumentarfilm ist jedoch ungleich konventioneller geraten. So verzichtet sie auch auf eine Reflexion ihrer durchaus spannenden und für den Film entscheidenden Doppelrolle. Wenn ich eine Blume wäre ... überzeugt denn auch vielmehr durch seine solide Machart und durch den berührend-gewinnenden Umgang mit seinen Protagonisten.