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Interkulturelle Diplomatie und Spionage: Südindien im Zeitalter der Revolutionen (1770-1800)
Im Rahmen der globalen Kriege und Revolutionskriege in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden auch in Indien erbitterte Konflikte ausgetragen. Der Kriegsbeitritt der Franzosen auf Seite der amerikanischen Patrioten während des Amerikanischen Revolutionskrieges veranlasste die britische East India Company (EIC) 1779, den ersten Gesandten am Hof des südindischen „Fürstenstaates” Hyderabad zu stationieren. Für einmal sollten nicht lukrative Handelsverträge mit indischen Herrschern ausgehandelt, sondern ein Bündnispartner gegen die Allianz der Franzosen mit dem Sultanat von Mysore gewonnen werden.
Die globalen Kriege werden jedoch nicht als sich von Europa auf die „außereuropäische Welt“ einseitig entladende Diffusionsprozesse betrachtet. Vielmehr wird gezeigt, wie vor dem Hintergrund bereits bestehender lokaler Konfliktlinien europäische und asiatische Akteure solche Konstellationen für die Umsetzung lang gehegter Interessen sowie die Förderung ihrer imperialen Karrieren und Machtpositionen nutzten. Die ohnehin bereits bestehende große Dichte des indischen Informations- und Spionagenetzwerkes auf dem Subkontinent wurde aufgrund des sich global erstreckenden französisch-britischen Grabens nochmals verstärkt und überregional ausgebaut. Indische Herrscher wie der Sultan von Mysore und der Nizam von Hyderabad nutzten darüber hinaus den Rahmen dieser globalen Konfliktkonstellationen, um ihre imperiale Diplomatie auf die europäischen Metropolen auszuweiten.