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Victoria und Abdul basiert lose auf dem Buch «Victoria & Abdul» von Shrabani Basu, das wiederum auf Victorias und auch Abduls Tagebüchern beruht. Die Geschichte dieser ungleichen Freundschaft war bis dahin weitestgehend unbekannt, da Bertie (aka König Edward VII.) die gesamte Korrespondenz zwischen seiner Mutter und Abdul vernichten liess. Dabei vergass er allerdings die Tagebücher, die Victoria auf Urdu geschrieben hatte. Tatsächlich hat die Königin sowohl Urdu als auch Hindi von Abdul gelernt. Und das ist nur einer der vielen interessanten Fakten, die die Zuschauer in Victoria & Abdul lernen.
Abdul hatte die Fähigkeit, neue Lebensgeister in der gealterten Queen zu wecken, die zu diesem Zeitpunkt bereits Ende sechzig und das am längsten regierende Staatsoberhaupt der Welt war. Am Anfang des Films erfahren die Zuschauer die Königin als eine altersschwache und fettleibige Frau, die morgens aus dem Bett gehievt werden muss und bei Tisch einschläft. Die Münze, die ihr die zwei Inder überreichen, interessiert sie genauso wenig wie die aufwändigen Zeremonien rund um ihr Jubiläum. Ihr geliebter Mr. Brown und auch ihr Gatte Prinz Albert sind tot, und in Abdul findet Victoria endlich einen Vertrauten, der sie respektiert und nicht auf den Thron aus ist, auf dem sie schon so lange sitzt.
Judi Dench, die Königin Victoria bereits vor zwanzig Jahren in Her Majesty, Mrs Brown verkörperte, ist auch die Königin dieses Films. Es ist eine absolute Freude, ihr dabei zuzusehen, wie sie langsam aus ihren Routinen ausbricht und wie sie eine fast jugendliche Begeisterung für Abduls Geschichten und Unterricht aufbringt. Dabei ist sie auch vor Enttäuschungen nicht gefeit, denn Abdul erzählt ihr nicht immer die ganze Wahrheit und seine Berichterstattung ist zuweilen sehr einseitig und subjektiv.
Stephen Frears gelingt es in Victoria and Abdul erneut, die Balance zwischen leichten und ernsteren Momenten zu halten. Obwohl Victoria and Abdul Themen wie das Klassensystem, Macht und Religion mit viel Humor und einer schon oberflächlichen Leichtigkeit behandelt, schlägt der Film auch traurige Töne an, die zeigen, dass Victoria zwar viel von Abdul lernte, dies aber keine weiterreichenden positiven Folgen für das indische Volk hatte. Mohammed, der zusammen mit Abdul nach England kam, lebt weiter als einfacher Diener, während sein Kumpel in einem eigenen Haus leben und sogar seine Familie nach England holen darf. Victorias Interesse an der indischen Kultur, das wird hier deutlich, ist begrenzt. Ihr Munshi ist ihr heilig. Alle anderen sind Untertanen, einschliesslich ihrer eigenen machtgierigen Familie.