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19 - La Palma - Tazacorte
Bananen, rundherum Bananen
Der Ort Tazacorte liegt etwas erhöht über dem grossen Hafen am Meer – mitten in zahlreichen Bananenplantagen eingebettet. Alle Häuser haben verschiedene Farben, sie strahlen ein grosses südländisches Flair aus. Ist das der Einfluss von den zahlreichen Palmeros aus Südamerika, welche einst zurück nach La Palma kamen? Auf dem belebten Platz im Zentrum befindet sich wie an vielen anderen Orten auch: der Kiosco. Davor Sonnenschirme mit Tischen und Stühlen. Sich hierhin setzen, einen café solo oder jugo de naranja trinken und dabei den vorbeilaufenden Leuten zuzuschauen, ist herrlich.
Im 16. Jahrhundert wurde auf der Insel La Palma erfolgreich Zuckerrohr angebaut. Verschiedene Gründe wie Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheiten und die Auswanderung vor allem nach Kuba, Venezuela und Argentinien und der Einbruch der Zuckerwirtschaft Anfang 1800 mit weiteren Auswanderungswellen nach Amerika, brachte schlussendlich dieses Geschäft zum Erliegen. Grosse Dürre und Heuschreckenplagen verstärkten die Abwanderung nach Amerika. Seit 1890 wurde dann der Anbau von Bananen systematisch betrieben. Das warme Klima, der Wasserreichtum aus der Caldera sowie der Hafen, waren dafür ideal. Allerdings entstanden auch hier Probleme mit dem grossen Wasserbedarf für den Anbau (Bedarf heute: 1000 Liter Wasser für 1 kg Bananen! Früher war er noch höher), Absinkendes Grundwasserspiegels, Erhöhung des Salz- und Karbonatgehalt im Wasser, sowie die Monokultur und Einsatz von Pestiziden.
Wenn ich so die spannende Geschichte dieser Insel lese, mit ihren Auswanderungswellen, später das teilweise Zurückkommen der Emigranten, die Epidemien Cholera und Pest, der Anbau von Zuckerrohr, Tabak und Bananen, Cochenille-Farbe (Schildlaus), das steigende Bewusstsein für die eigene Kultur und Bildung, die Unterstützung der EU und der sanfte Tourismus, ich staune, welche Einflüsse auf einer kleiner Insel zu welchen Reaktionen und Resultaten führt. Die Zeit und das Leben geht unaufhaltbar weiter, alle aufkommenden Probleme müssen irgendwie gelöst werden und neue Wege entstehen.
«Dwarf Cavendish», heisst die Bananensorte hier. Sie ist klein und süss. Das ganze Jahr über kann geerntet werden, weil jede Pflanze ihre eigene Blütezeit hat. Aus einer Blüte entstehen in 6 Monaten bis zu 50 kg schwere, mannshohe Fruchtstände mit 150 bis 300 Einzelfrüchten. Nach der Blüte stirbt der Stamm ab, gleichzeitig entsteht ein neuer Trieb. Daran reifen neue Bananen. Durch die Monokultur werden leider viele Pestizide (gegen die Würmer im Boden und Pilzbefall) eingesetzt, welche sehr giftig sind. Auch die typischen Eidechsen, welche unter Artenschutz stehen, werden davon betroffen. Forschungen nach «biologischen Pflanzenschutzmethoden» sind im Gange. Ein Tipp: Nach jeder Banane: Hände waschen!
60'000 Tonnen Bananen soll Tazacorte jedes Jahr exportieren. (Quelle:Website Bananenmuseum Tazacorte).
Fleisch – viel Fleisch
Gleich nachdem wir Mitte August in Tazacorte eingetroffen sind, haben wir uns mit unseren Schiffsnachbarn bekannt gemacht. Solches Aufeinandertreffen ist für beide Seiten immer sehr spannend. Da wir uns in der gleichen Lebenssituation, mit den gleichen Interessen befinden, gibt es immer anregende Diskussionen und regen Austausch an Erfahrungen und Tipps. Zusammen sind wir mit anderen Seglern und Bekannten in das Restaurant «LOS NORIAS» in Todoque essen gegangen. Ein wunderbarer Abend mit guter Stimmung auf der schattigen Terrasse, wunderbarem Essen (zwei Grillplatten mit viel verschiedenem fein grilliertem Fleisch, wovon wir alle sehr satt geworden sind) und einem feinen Abschluss – einem wunderbaren Weinbrand Cardinal Mendoza – zelebriert im angewärmten grossen Trinkglas. Fein!
Kurvenreiche Ausflüge
Der Nationalpark Caldera de Taburiente besteht aus Kratern, welche im Laufe verschiedener Perioden von Vulkanausbrüchen entstanden ist. Viele höchst interessante geologische Formationen sind hier zu finden: Kissenlaven, Gänge, Lavaschmelzflüsse, Vulkankegel und pyroklastische Gleithänge mit auffälligen Farben. Auf dem höchsten Punkt, dem Roque de los muchachos, haben wir eine atemberaubende Aussicht auf diesen Park. Rund um den Mirador (Aussichtspunkt) geht es steil bergab. Wir sind hierhin zusammen mit Gabi und Wolfgang von der SY MON AMOUR und ihrem Auto gefahren. Sie liegen im Hafen gleich neben der PASITO. Für uns ist dieses Mitnehmen ein Geschenk, wir sind nicht so mobil und hierher zu kommen, ist nur mit dem Auto möglich.
Ein paar Tage zuvor sind wir zu Fuss in die Caldera reingelaufen. Doch es war sehr sehr heiss. Nach unserem Ausflug wurden alle Wanderwege aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es gilt die höchste Alarmstufe wegen Brandgefahr. Die Temperaturen sind sehr hoch und die Luftfeuchtigkeit beträgt weniger als 30%. Helikopter fliegen immer wieder los und erkunden die Situation. Vor drei Jahren brach auch auf La Palma ein Brand aus. Wenn wir die Kieferwälder mit ihren trockenen Nadeln am Boden betrachten, können wir uns das schnelle Ausbreiten eines Feuer sehr gut vorstellen. Es muss grässlich sein.Doch im Moment ist hier alles in Ordnung.
Ein paar Tage später nehmen uns Gabi und Wolfgang wieder mit ihrem Auto mit. Zusammen machen wir einen Ausflug nach Los Tilos. Es ist eine wunderschöne Fahrt über die Insel mit kühlem Wasserfall und Lorbeerwald. Danach besichtigen wir den hübschen Ort St. Andrés und das einladende Natur-Schwimmbecken Charco Azul mit Meersalzwellen. Ruedi geniesst dies mit Wolfgang in allen Zügen. Auf der Rückfahrt fahren wir einer engen Strasse mit dunklen Tunnels entlang. Hoch über dem Meer mit atemberaubenden Aussichten über die Wälder. Und diese zauberhafte Stille hier!
Den Abend lassen wir zusammen bei Spaghetti und Rotwein und Bier gemütlich ausklingen😊
Guaguafahren macht Spass
Da wir kein Auto mieten wollen und das Busnetz hier so gut ist, fahren wir Bus (Guagua). Fast jeden Tag suchen wir uns eine Linie in eine andere Richtung und ziehen los. In den Orten erkunden wir die Situation und laufen, wenn wir einen Weg finden, einfach los. Dazu nehmen wir uns jeden Tag bereits ein Picknick und Trinkwasser mit. So sind wir für alle Fälle ausgerüstet. Übrigens hatten die Busse früher eine Hupe und wenn diese gedrückt wurde, tönte es wie «gua-gua». Deshalb heisst der Bus Guagua 😊
Was toll ist am Busfahren: Ruedi und ich können gleichzeitig die Gegend geniessen und dies erst noch in erhöhter Lage; keiner muss sich auf die Strasse konzentrieren. Dazu müssen wir keinen Parkplatz und keine Tankstelle suchen. Wir können von A nach B laufen und dort weiter nach C – wir sind unabhängig. Und wir können die lokale Bevölkerung beobachten. Wie sie sich verhalten, wer da ein- und aussteigt, manchmal treffen wir dieselben Leute mehrmals. Auch die Unterhaltung zwischen den Menschen ist lustig, sie reden viel und laut hier. Eine lustige Situation: Ein junger Mann steigt ein, bezahlt beim Busfahrer das Ticket und läuft ganz nach hinten zum Sitzen. Der Busfahrer hat aber noch das Retourgeld in der Hand. Durch den ganzen Bus sagt einer dies und der nächste gibt es weiter nach hinten und so fort, bis die Message beim jungen Mann eingetroffen ist und er mit hochrotem Kopf seine Rückgeld vorne abholt. So lustig, wie sich alle umeinander kümmern.
Markt in Argual
Los Llanos – eine Stadt mit viel Charme
Fuencaliente im Süden der Insel
Trotz dem Waldbrand vor drei Jahren hier, spriesst es hier sehr grün.
Puntagorda
Trotz der Wärme machen wir kleine Wanderungen. Es geht bergab und wieder bergauf. Training für uns! Wir können nicht immer nur auf dem Schiff sitzen. Wir spüren schon, dass uns der Sport fehlt. Vor allem bei den vielen Apéros muss man höllisch aufpassen, sonst gehen wir auseinander wie Hefekuchen!
So. Dies wurde einsehr langer Blogeintrag mit vielen Bildern. Jetzt ist für diesmal genug 😊
Viel Spass beim Lesen.
Und schreibt uns mal!