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Dani Levy ist insofern ein auteur, als alle seine Filme Variationen auf dasselbe Szenario darstellen. Schlüsselfigur ist jeweils eine junge Frau, die von Dani Levys Lebensgefährtin gespielt wird. Seit seinem zweiten Film Robby-KallePaul (1988) ist das Maria Schräder. Diese Frauenfigur ist weniger Muse als Mutter: Bezugspunkt einer quasiödipalen Rivalität zwischen zwei oder mehr Männerfiguren, die sich nicht zwischen kindlichem Trotz- und väterlich-erwachsenem Gönnerverhalten entscheiden können. Dieses Szenario tritt in Levys viertem Langspielfilm Stille Nacht besonders ausgeprägt zutage. Erzählt wird die Geschichte einer Ménage à trois: Zwei höchst instabile Männer balgen um die Gunst einer souverän entscheidungsunlustigen Frau. Nicht daß Levy diesem quasi- oder subödipalen Szenario rettungslos verfallen wäre: Es könnte von beginnender Emanzipation zeugen, daß er sich in Stille Nacht nicht mehr als Schauspieler beteiligt - wie er dies noch in seinen früheren Filmen getan hat.
Eine Menage à trois also, und das an Heiligabend in Berlin. Julia lebt mit dem Polizisten Christian (Mark Schlichter) zusammen und gönnt sich nebenher ein Abenteuer mit dem gutgebauten, aber intellektuell limitierten Frank (Jürgen Vogel). Christian leidet unter seinem Nebenbuhler und will Julia nun zu einer Entscheidung zwingen. Er reist nach Paris, von wo aus er ihr telephonisch ein Ultimatum stellt. Julia ihrerseits hat sich für den Abend mit Frank verabredet, möglicherweise, um mit ihm zu schlafen, sicher aber, um ihn über einem feinen Weihnachtsmahl aus ihrem Leben zu verabschieden. Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich ein variantenreicher erotischer Reigen. Über Telephon, Telefax und Anrufbeantworter, in Bettszenen, Spaziergängen und Konferenzschaltungen werden alle möglichen Auswege aus der vertrackten Dreiecksgeschichte durchgespielt, bis Julia und Christian sich schließlich auf Kosten Franks für die Monogamisierung ihrer Beziehung entschließen.
Dani Levy hat für Stille Nacht keinen Aufwand gescheut und den Film in Cinemascope gedreht. Maria Schräder liefert in der Rolle der Julia, die sie auch als Drehbuchautorin mitgestaltet hat, eine energiegeladene Darstellung. Dennoch kommt man um die Einschätzung nicht herum, daß die Grundidee von Stille Nacht bestenfalls für einen Kurzfilm taugt. Der Film wirkt überlang, ja bisweilen monoton. Die Dreieckskonstellation ist bald ausgereizt, will man nicht etwa erzählen, wie eine der Figuren die andere umbringt. Dazu fehlt Dani Levy aber offenbar der Mut, während er andererseits nicht über das Gespür für jene Art von psychologischer Spannung zu verfügen scheint, die einen anderthalbstündigen Film ohne nennenswerte Ereignisse interessant machen könnte.