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Grabungskampagne 2010
Mit der dritten und letzten Grabungsetappe am Drapham Dzong in Bhutan wurde die erste Phase des «Bhutan-Swiss Archaeology Project» abgeschlossen. Die Grabungen hatten zum Ziel, in den bisher noch unberührten Partien der Hauptburg den Mauerbestand zu erfassen und ganz allgemein die baugeschichtlichen Zusammenhänge und Abfolgen des Burgenbaus herauszufinden. Um diese Ziele zu erreichen, musste man grosse Mengen von Mauerschutt abtragen, bevor in den unteren Siedlungsschichten die archäologische Feinarbeit beginnen konnte. Die Befunde erwiesen sich als überaus reichhaltig. Es ist gelungen, den Zugang im Südbereich des Areals, den Vorplatz des Hauptturmes mit einer repräsentativen Eingangstreppe sowie die wehrhafte Umfassungsmauer auf ihrer ganzen Länge freizulegen. Nunmehr steht ebenfalls fest, dass am Drapham Dzong nur eine Besiedelungsperiode vorliegt, die ins 16./17. Jahrhundert gehört, dass die Baugeschichte aber zwei Phasen umfasst und die ganze Anlage vor 1700 gewaltsam untergegangen war, wobei der Hauptturm durch Feuer zerstört worden war.
Da ausserhalb der Umfassungsmauer mehrere Mülldeponien zum Vorschein gekommen sind, liegt auch ein ansehnlicher Komplex an Kleinfunden vor. Diese setzen sich vorwiegend aus Tierknochen und lokaler Keramik zusammen. Spärlicher vertreten sind die Metallobjekte, unter denen eiserne Pfeilspitzen und Musketenkugeln aus Blei zu erwähnen sind. Besonderes Interesse verdienen die Fragmente chinesischen Porzellans. Die Auswertung dieses Fundgutes bildet zusammen mit den Ergebnissen der Laboruntersuchungen an diversen Erd-, Gesteins- und Pflanzenproben und mit den Informationen der Grabungsdokumentation die Grundlage für einen ausführlichen Forschungsbericht, der bis 2013 fertig gestellt werden soll.
Im Sommer 2010 veranstaltete das Museum Rietberg Zürich eine grosse Bhutan-Ausstellung und stellte dabei in einem separaten Raum das «Bhutan-Swiss Archaeology Project» vor. Gezeigt wurden nebst Fotos, Plänen, Zeichnungen und einem kurzen Film von der Grabung auch einige archäologische Funde und Geräte. Ebenfalls präsentiert wurden die photogrammetrischen Dokumente des Teams der ETH Zürich, die mittels Drohne Aufnahmen des Grabungsgeländes gemacht hatten. Dieser kleine Modellhelikopter wurde auch an der Ausstellung gezeigt.
Ende März 2011 ist die zweite Phase des von der SLSA finanzierten und von Helvetas koordinierten Gesamtprojekts eingeleitet worden. Dabei geht es um eine Institutionalisierung der Archäologie in Bhutan. Bereits 2010 hat in diesem Rahmen ein junger bhutanischer Ingenieur, Sonam Dorji, ein viermonatiges Praktikum als archäologischer Ingenieur in der Schweiz absolviert. Die Familien-Vontobel-Stiftung hat der SLSA zu diesem Zweck eine Spende von 12’000 CHF überwiesen. Sonam Dorji hat an Ausgrabungen in den Kantonen Aargau, Basel-Land und Basel-Stadt teilgenommen und Einblick in die wissenschaftlichen archäologischen Institute der Universität Basel erhalten.