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Erdbeben haben die Menschheit seit Anbeginn der Zeit erschreckt und beschäftigt. Um eine Erklärung zu finden, gaben verschiedene alte Zivilisationen den Erdbeben mithilfe von Mythologien und Legenden hübsche Interpretationen, die heute allerdings mehr als komisch erscheinen: Die Erde ruhe auf einem Drachen, einer Schildkröte, auf den Schultern eines griechischen Giganten, und sei somit ständig in Bewegung… oder es sei gar das Baby von Mutter Erde, das sich in deren Bauch bewegt, das die Erdbeben auslöst!
Seit dem antiken Griechenland suchten Wissenschaftler lange Zeit erfolglos nach Erklärungen für das Phänomen. Als man jedoch begann, Erdbeben zu studieren, zu erfassen, zu klassifizieren und schlussendlich zu „messen“, war dies die Geburt der Seismologie – der Wissenschaft der Erdbeben.
Ein Schweizer Gelehrter unter den Pionieren der Seismologie
François-Alphonse Forel war ein Wissenschaftler aus Morges, der sich, wie viele Gelehrte in der Vergangenheit, für verschiedene Wissenschaften interessierte. Er verfügte sogar über eine medizinische Ausbildung! Heute ist er vor allem in der Limnologie – der Seenforschung – ein Begriff, da er diese wissenschaftliche Disziplin begründete.
1855, im Alter von 14 Jahren, erlebte er ein Erdbeben, das die Region um Viège (VS) in Mitleidenschaft zog. Dieses Ereignis war in der ganzen Schweiz bis hin zu Gênes, Lyon und im südlichen Deutschland spürbar. Dies gab ihm die Idee, einen Seismografen zu entwickeln. Der Versuch war jedoch nicht überzeugend. Von 1880 bis 1881 gab es eine neue Reihe von Erdbeben, die im Chablais und um den Genfersee deutlich spürbar waren. Der Gelehrte machte sich daran, diese systematisch zu klassifizieren.
Die erste Skala zur Ermittlung der Intensität von Erdbeben
Forel beobachtete die Auswirkungen der Erdbeben auf die Menschen, die Natur und die Bauten, und ordnete sie ein. Dafür definierte er eine Skala, die Intensitätsskala genannt wird. Die Intensität I zum Beispiel steht für ein Erdbeben, das von den Menschen nicht spürbar ist, VI bewirkt den Umsturz beweglicher Gegenstände, Risse in Wänden oder Hausdecken. Die Skala hat zehn Abstufungen von I bis X, bei X stürzen auch Häuser mit robuster Konstruktion ein.
Ungefähr zur selben Zeit setzte sich auch der italienische Graf von Rossi mit diesem Problem auseinander und 1883 publizierten die beiden ihre Skala unter dem Namen Rossi-Forel. Zu dieser Zeit gab es zwar keine Religionskriege mehr, jedoch bestand noch immer grosse Rivalität zwischen Katholiken und Protestanten. Die Tatsache, dass der Graf von Rossi, ein Katholik, und Dr. Forel, ein Protestant, ihre Skala gemeinsam veröffentlichten, vereinfachte deren Akzeptanz in den beiden Ländern. Diese Intensitätsskala wurde in der Schweiz von den Seismologen bis ungefähr 1960 verwendet.