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Geschichte Flughafen Zürich: Vom Ödland zum Airport
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Moorlandschaft nördlich von Zürich schrittweise ein internationaler Flughafen erbaut. Die Chronologie der ersten 70 Jahre.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Lindroos, Björn Erik / CC BY-SA 4.0
Der Flughafen 1959, als das Erweiterungsgebäude und der Frachtterminal im Bau sind. Im Vordergrund stehen links eine DC-7C und rechts eine DC-6B der Swissair.
Die Ebene zwischen Kloten, Rümlang und Bülach war während Jahrhunderten sumpfiges Ödland, das allenfalls von Torfstechern genutzt wurde. Erst nach 1850 griff der Mensch in die Landschaft ein, begradigte den Fluss Glatt und entwässerte die Sümpfe, um das Land urbar zu machen. Ab 1912 diente das Gebiet als Artillerieschiessplatz, wovon noch heute zahlreiche Einschlaglöcher und Reste von Geschützstellungen zeugen.
Komplett neu gestaltet wurde die Landschaft 1946 mit dem Bau des heutigen Flughafens Zürich-Kloten. Der Neubau wurde nötig, weil die bestehende Anlage in Dübendorf von der zivilen und militärischen Luftfahrt genutzt wurde, was bei den ständig wachsenden Passagierzahlen zum Problem wurde. Als Standort für den neuen Airport wurde die an sich unter Naturschutz stehende Moorlandschaft gewählt, die nur zehn Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Zürich liegt. Sie konnte der Armee als Besitzerin abgekauft werden.
Neue Riedgebiete geschaffen
Da für den Bau der Pisten grosse Riedflächen beansprucht und kleinere Fliessgewässer angepasst wurden, musste man zugleich Ersatz schaffen. Mit grossem baulichem Aufwand wurden bestehende Grünflächen aufgewertet oder neue Riedgebiete geschaffen. So besteht heute die Hälfte der 953 Hektar Fläche des Flughafens aus solchen Grünflächen, wovon 43 als Schutzobjekte von nationaler Bedeutung im Bundesinventar der Flachmoore eingetragen sind. Damit geniessen sie den strengstmöglichen Schutz.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_FC24-8058-0008 / CC BY-SA 4.0
Zehn Jahre später: 1969 halten sich Düsenjets und Propellermaschinen die Waage. Auf der noch bescheiden anmutenden Anlage wurden jährlich schon über vier Millionen Passagiere abgewickelt.
Die Bauarbeiten fanden etappiert statt, um ohne Baustopp auf Änderungen der Bedingungen reagieren zu können. Nach zwei Jahren war 1948 bereits die 1900 Meter lange Westpiste 10/28 fertig, 1950 folgte mit dem Flughof ein erstes grosses Gebäude für die Passagiere, womit auch der reguläre Flugbetrieb starten konnte. Immerhin 15 372 Flugbewegungen und 157 709 Passagiere zählte das Bundesamt für Statistik. Zehn Jahre später waren es bereits 49 272 Flüge und 1 226 871 Fluggäste. Der Flughafen entwickelte sich rasch zur internationalen Verkehrsdrehscheibe.
Im Laufe der 1960er-Jahre wurden laufend weitere Logistikgebäude errichtet und daneben das heute bestehende Dreipisten-System schrittweise erbaut. Bis 1970 stieg das Passagieraufkommen auf 4 160 234 Personen, weshalb weitere Ausbauetappen nötig wurden. Konkret kamen der Terminal B samt Fingerdock, mehrere Parkhäuser und die Airport Plaza hinzu, bis heute ein zentrales Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. Die Flughafenlinie der SBB mit dem unterirdischen Bahnhof wurde 1980 eingeweiht. 1985 erhielt der Terminal A ein Fingerdock, im Jahr darauf war der 41 Meter hohe Kontrollturm fertig. In diesem Jahr zählte der Flughafen bereits 9 103 802 Passagiere.
Quelle: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_L16-0280-0104 / CC BY-SA 4.0
14. April 1967: Angeführt von einem verkatert wirkenden Mick Jagger, treffen die Rolling Stones in Zürich-Kloten ein.
Einen wahren Entwicklungsschub brachte die rund 2,4 Milliarden Franken teure Bauetappe «Airport 2000», die neben dem Ersatz vieler veralteter Anlagen als Herzstück den Bau eines dritten Terminals vorsah, des zwischen den drei Pisten gelegenen Docks E «Midfield», inklusive der Luftkissenbahn Skymetro, eines Strassentunnels und langer unterirdischer Gepäckförderbänder. Dazu kommt das «Airside Center», das wie der ganze Komplex 2004 fertiggestellt wurde. Für dieses Jahr meldet die Statistik 266 660 Flugbewegungen und 17 252 906 Fluggäste.
Im letzten Jahr wickelte der Flughafen Zürich 275 329 Flüge und 31 507 692 Ein-, Aus- oder Umsteigende ab. Und um für die Zukunft gerüstet zu sein, wird weiter geplant und gebaut: So entsteht zwischen Operations Center und Terminal 1 für eine halbe Milliarde Franken eine neue Gepäcksortieranlage, die 2025 abgeschlossen ist. Bereits fünf Jahre später soll der Neubau des Terminals 1 samt neuem Tower fertig sein (800 Millionen). wobei hier der Effekt der Corona-Krise noch nicht berücksichtigt ist. Erst in der Plangenehmigung ist ein Komplex von 80 mal 280 Metern für die Geschäftsfliegerei, mit Hangars, Sicherheits- und Zollkontrolle, Passagierlounges, einem siebengeschossigen Büroriegel und einer Jet-Basis für Rettungsflugwacht und Ambulanzjets.
Sonderausgabe zur Flughafenregion
Die FRZ Flughafenregion Zürich veröffentlicht im August gemeinsam mit dem Baublatt eine Sonderausgabe. InFachbeiträgen werden unter anderem laufende oder geplante Projekte vorgestellt und die aktuelle Situation der Region beleuchtet. Alle Beiträge sowie weitere Hintergrundartikel zum Thema werden in unserem Dossier «Die Flughafenregion im Fokus» gesammelt.