Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03288.jsonl.gz/2563

So mancher Fußballspieler hat Charakteristiken eines Tieres. Manche sind wie eine Zecke, die wie ein Schatten ihren Gegenspielern die Spielzüge erschweren. Andere erscheinen Katzen, die ruhig ihre Beute beobachten und im geeigneten Moment auf das Tor zujagen. Als Wildkatzen werden im November auch die Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Katar auftreten. Ihre Trikots wurden mit dem Fellmuster eines Jaguars versehen.
Auf dem ersten Blick erscheint das offizielle gelbe Trikot der Seleção wie immer. Bei genauerem Hinsehen sind jedoch die Rosetten der Fellzeichnung eines Onças (Panthera onca) zu erkennen. Die erscheinen auch auf dem blauen Ersatztrikot der brasilianischen Nationalelf.
Dass der brasilianische Fußballverband CBF als Totemtier den Jaguar gewählt hat, hat seinen Grund. Mit dem Muster auf den Trikots soll unter anderem auf die Verbindung von Sport und Natur verwiesen werden. Und wer weiß, vielleicht gehen ja auch ein wenig Kraft und Charakteristiken des Jaguars auf die Spieler über, die im November versuchen werden, den sechsten Weltmeistertitel für Brasilien zu holen.
Die Fleckenzeichnungen der Wildkatzen sind übrigens je nach Art unterschiedlich. Während sie beim Jaguar eher wie Rosetten erscheinen, bilden sie bei dem ebenso in Brasilien vorkommenden Ozelot (Leopardus pardalis) Streifen an der Seite des Körpers. Der Margay oder die Langschwanzkatze (Leopardus wiedii) und auch sein Verwandter, die Nördliche Tigerkatze (Leopardus tigrinus) haben indes geschlossene, runde Flecken auf hellem Fell.
Das braune Fell der seltenen Pampaskatze (Leopardus colocola) ist wiederum mit dunklen Rosetten und Streifen durchzogen und das gräuliche Fell der Kleinfleckkatze (Leopardus geoffroyi) mit zahlreichen kleinen, dunklen Punkten. Nur der Jaguarundi (Puma yagouaroundi) unterscheidet sich von seinen anderen in Brasilien lebenden Wildkatzenverwandten durch seine Fleckenlosigkeit. Sein Fell ist einheitlich dunkelgrau.
Die Biologen vermuten, dass das Fellmuster den Tieren zur Tarnung dient. Es soll den Wildkatzen ermöglichen, sich nahezu unerkannt an ihre Beute anzuschleichen. Die Tarnung soll aber auch zum Schutz gegenüber Beutejägern dienen. Ein Beispiel dafür ist der Onça-parda, der Puma (Puma concolor). Während ausgewachsene Pumas ein einheitliches hellbraun bis rötliches Fell aufweisen, sind ihre Jungen in ihren ersten Lebensmonaten gefleckt und somit getarnt.
Herausgefunden haben die Wissenschaflter auch, dass die Verteilung von Melaninen (Pigmenten) von Genen gesteuert werden. Sie sind zudem wie Fingerabdrücke einmalig. Selbst Zwillingsjaguare weisen bei ihrer Fellzeichnung kleine Unterschiede auf. Biologen können deshalb anhand der Flecken die einzelnen Jaguare und ebenso die Einzeltiere anderer Wildkatzen unterscheiden.
Die typischen Flecken verraten aber noch mehr über die Tiere. Laut dem Biologen Eduardo Fragoso vom Institut Onçafari haben Wildkatzenarten, die überwiegend in einer dichten, geschlossenen Umgebung leben, wie in einem Wald, und auch auf Bäume klettern, in der Regel ein komplexeres Fellmuster als Arten, die offene Bereiche bevorzugen.
Mit dem Fellmuster des Jaguars auf dem Trikot der Seleção will der Fußballverband CBF aber nicht nur auf die Wichtigkeit der Wildkatzen Brasiliens und deren Schutz verweisen. Der Aufdruck soll ebenso für den Mut und die Kultur eines Volkes stehen, das niemals aufgibt, wie bei der Vorstellung des Trikots verraten wurde.