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Die häufigste Blutgruppe in der Schweiz ist A+, die seltenste B–. Als «Universalblutspender» sind Menschen mit der Blutgruppe 0– gefragt.
Menschen unterscheiden sich nicht nur im Aussehen oder im Fingerabdruck, sondern auch aufgrund der Oberflächenmerkmale ihrer Zellen. Rote Blutkörperchen beispielsweise tragen auf ihrer Hülle bestimmte Zucker- und Eiweissstoffe. Je nachdem welche davon ein Mensch besitzt, ergeben sich verschiedene Kombinationen – und damit verschiedene Blutgruppen.
Die Merkmale auf den roten Blutkörperchen werden in verschiedene Gruppen eingeteilt. Beim Menschen gibt es rund 30 solche Blutgruppensysteme. Im Allgemeinen sind aber nur acht davon medizinisch wichtig. Diese acht Blutgruppen sind 0+, A+, B+, AB+, 0–, A–, B– und AB–. Die Abkürzungen bezeichnen bestimmte Merkmale auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Welche Blutgruppe man hat, ist genetisch festgelegt und hängt davon ab, welche Blutgruppen die Eltern haben.
In der Schweiz besitzen fast 40 Prozent der Bevölkerung die Blutgruppe A+, etwa 35 Prozent sind 0+. Die seltensten Blutgruppen sind B– (etwa ein Prozent der Bevölkerung) und AB– (circa zwei Prozent).
Das Plus- und das Minuszeichen bezeichnen den sogenannten «Rhesusfaktor». Ist der sogenannte Rhesusfaktor D vorhanden – erkennbar am Pluszeichen –, dann ist die betreffende Person «Rhesus positiv». Ist er nicht vorhanden – erkennbar am Minuszeichen –, gilt der Mensch als «Rhesus negativ».
Bei einer Bluttransfusion spielen sowohl die Merkmale auf den roten Blutkörperchen eine Rolle, als auch Antikörper gegen fremde Blutgruppenmerkmale im Blut. Diese Antikörper heften sich an unpassende, fremde rote Blutkörperchen – eine lebensgefährliche Abwehrreaktion.
Um solche Reaktionen zu verhindern, müssen Blutspenden stets mit der Blutgruppe des Empfängers oder der Empfängerin kompatibel sein. Vor jeder Blutspende wird mehrmals geprüft, ob dies der Fall ist.
Menschen mit Blutgruppe A zum Beispiel haben Antikörper gegen Blutgruppe B im Blut. Würden sie fälschlicherweise eine Blutspende mit Blut der Gruppe B erhalten, käme es zur Abwehrreaktion. Erhalten sie hingegen Blut der Gruppe A, passiert nichts.
Personen der Blutgruppe B hingegen haben Antikörper gegen Blutgruppe A. Und Menschen mit Blutgruppe 0 haben Antikörper gegen Blutgruppe A und gegen Blutgruppe B – sie dürfen also nur Blutspenden erhalten, die ebenfalls Blutgruppe 0 aufweisen.
Am einfachsten ist die Bluttransfusion bei Personen mit Blutgruppe AB. Sie haben keine Antikörper gegen A oder B und vertragen deshalb Blutspenden der Blutgruppe 0, A, B oder AB.
Personen mit der seltenen Blutgruppe 0– (etwa sechs Prozent der Bevölkerung) sind sogenannte «Universalspender»: Weil ihre roten Blutkörperchen weder die ABO-Merkmale noch das Rhesus-D-Merkmal auf der Oberfläche tragen, «vertragen» sich diese Blutkörperchen mit allen anderen Blutgruppen. Eine Blutspende von Menschen mit Blutgruppe 0– kann darum im Notfall allen anderen Personen verabreicht werden. Umgekehrt gilt das nicht: Wer selbst 0– ist, benötigt bei einer Bluttransfusion unbedingt die Blutgruppe 0–, sonst kommt es zur Abwehrreaktion.
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Der Rhesusfaktor wurde ursprünglich an Rhesusaffen erforscht, daher der Name. Auch beim Rhesusfaktor handelt es sich um (über 45) Merkmale auf der Oberfläche von roten Blutkörperchen, die entweder vorhanden sind oder nicht. Das wichtigste Merkmal ist Rhesus D. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung sind «Rhesus-D-negativ», abgekürzt «Rh–», die anderen 85 Prozent sind «Rh+».
Wenn Menschen, die «Rhesus-D-negativ» sind, mit «Rhesus-D-positivem» Blut in Kontakt kommen, beginnt ihr Immunsystem Antikörper gegen den Rhesusfaktor zu bilden. Das passiert zum Beispiel, wenn eine schwangere Frau «Rhesus negativ» ist, das Baby in ihrem Bauch aber «Rhesus positiv». Falls die Frau wieder schwanger wird und das nächste Baby ebenfalls «Rh+» ist, können die Antikörper im Blut der Mutter die roten Blutkörperchen des Kindes zerstören. Damit dies nicht passiert, erhalten Mütter mit Blutgruppe «Rh–» vorbeugend eine Prophylaxe gespritzt.
Diese Blutgruppe wurde im indischen Bombay (Mumbai) erstmals entdeckt und gehört zu den allerseltensten Blutgruppen. Die Betroffenen bilden aufgrund einer Genveränderung Antikörper gegen alle gängigen Blutgruppen, also gegen A, B, AB und 0. Das hat zur Folge, dass sie nur Eigenbluttransfusionen erhalten dürfen oder Blut von einer Spenderin oder einem Spender, welche ebenfalls die Bombay-Blutgruppe hat. Diese sind aber höchst selten: In Europa hat schätzungsweise einer von einer Million Menschen die Bombay-Blutgruppe, weltweit sind es rund 20 000 Menschen, die Mehrzahl davon lebt in Indien. Blutspenden mit der Bombay-Blutgruppe werden speziell aufbereitet und bei minus 196 Grad Celsius kryokonserviert, so dass sie zehn Jahre lang haltbar bleiben.
Gesunde Erwachsene haben – je nach Geschlecht, Alter und Grösse – ungefähr fünf bis acht Liter Blut. Nach einem schweren Unfall, bei einer grossen Operation, infolge einer Krebs- oder anderen Erkrankung kann es sein, dass die Betroffenen eine Blutspende benötigen, um zu überleben. Jeden Tag werden in der Schweiz rund 700 Blutspenden gebraucht. Dabei werden der Spenderin oder dem Spender 450 Milliliter Blut entnommen. Das entnommene Blut bildet der Körper wieder nach. Blutspenden sind nur begrenzte Zeit haltbar, die Konzentrate mit roten Blutkörperchen beispielsweise halten normalerweise nur 35 Tage. Deshalb sind Blutspenden das ganze Jahr über willkommen. Wer unsicher ist, ob er oder sie als Blutspenderin geeignet ist, kann hier einen Check machen.