Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03579.jsonl.gz/650

Blicken Sie vor sich hin: auf der anderen Seite des Rhonetals erhebt sich der Gipfel der Quille-du-Diable (auf Deutsch Teufelskegel). Dies ist die Legende der Alm Tsanfleuron, die nicht mehr existiert, damals aber direkt hinter der Quille-du-Diable lag. In früheren Zeiten soll diese Alm den Namen „Champ fleuri“ (Blumenfeld) getragen haben - daher das Wort Tsanfleuron im Dialekt -, weil im Sommer eine weite Wiese zu sehen war, die mit einem in unterschiedlichen Farben leuchtenden Blumenteppich bedeckt war.
Der Legende nach lief im Sommer jeden Abend eine weisse Fee denselben Weg entlang, und zwar immer zu der Uhrzeit, als die Hirten gerade ihre Kühe melkten. Manchmal stiessen einige Hirten laute Schreie und Pfiffe aus, um sie zu erschrecken. Aber die Fee ging immer ruhig ihren Weg weiter und verschwand. Eines Abends sagte einer der Hirten zu seinen Freunden:
- Ich werde der weissen Dame einen Streich spielen.
Also sammelte er eines Tages Russ und Kohle, steckte alles in einen Sack und machte sich auf den Weg zu dem Pfad, den die weisse Fee benutzte. Am Rande des Weges stand eine grosse Tanne, auf die er mit seinem Sack kletterte. Und da kam auch schon die weisse Fee. In dem Moment, als sie unter seinem Versteck vorbeiging, schüttete der Hirte den Inhalt seines Ranzens auf sie und der Haufen schwarzen Staubs bedeckte die weisse Fee ... die ganz schwarz wurde! Sie schrie laut auf und flog hinter der Quille-du-Diable davon.
Die Rache liess jedoch nicht lange auf sich warten: Zwei Tage später lösten sich grosse Felsbrocken von den hohen Gipfeln, stürzten den Hang hinunter und bedeckten einen weitläufigen Landstrich. Daraus wurde später ein Gletscher, den man heute den Tsanfleurongletscher nennt.