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Persönlichkeit
Ausgangspunkt ist die Persönlichkeit.
Dabei ist zu bedenken, dass wir nicht einfach "aus einem Guss" sind. Wenn Sie sich das bei sich selbst überlegen, dann werden Sie wahrscheinlich zustimmen, dass Sie am Arbeitsplatz andere Seiten von sich zeigen als zu Hause, dass Sie im Sportclub sich nicht genau gleich verhalten, wie wenn Sie in einem feinen Restaurant essen gehen. Mit einer erwachsenen Person reden Sie wohl über andere Themen als mit einem Kindergartenkind - und wahrscheinlich auch in anderen Worten und in einfacheren Sätzen.
Trotzdem gehören alle diese Seiten zu uns und machen uns als Individuum unverwechselbar, genau wie unser Fingerabdruck.
Zu meinen, es gebe nur ein einziges "Bild" von einer Persönlichkeit, ist darum ein grosser Irrtum. Und unter anderem deshalb ist es auch sehr anspruchsvoll, die verschiedenen Facetten einer Persönlichkeit herauszuarbeiten. (vgl. Artikel "Die Handschrift als Maske")
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Handschrift
Es gilt die Hypothese, dass sich die Persönlichkeit unter anderem in der Handschrift ausdrückt.
Man kann die Handschrift als Geste verstehen - eine Geste, die durch das Schreibzeug fixiert ist, aber genau so individuell ist, wie unsere Gesten beim Sprechen, Gehen oder in der Mimik.
Ebenso wie in der Gestik zeigt sich auch in der Handschrift eine grosse Bandbreite. Nur noch wenige Leute schreiben als Erwachsene so, wie sie es in der Schule gelernt haben. "Das Schriftbild, ein Abbild unseres Wesens" enthält mehr dazu aus neurologischer Sicht.
Die meisten gehen mehr oder weniger grosszügig mit der Schulvorlage um und geben so ihrer Handschrift den buchstäblich individuellen Ausdruck:
Die einen formen die Buchstaben so, dass möglichst schnell geschrieben werden kann - die Graphologie bezeichnet das als Vereinfachung.
Andere wiederum haben Freude an der Ausgestaltung von eigenen Formen, sie betonen sie stärker als vorgesehen oder bringen zusätzliche Verzierungen an.
Wieder andere schreiben grösser, runder und mit anderen Grössenverhältnissen; meist ist dabei die Höhe der Kleinbuchstaben betont, hingegen werden die Oberlängen (z. B. bei b, h, l,) und die Unterlängen (z. B. bei g, p, y) kürzer gegenüber der Schulvorlage. Manchmal wird auch die Schriftlage geändert.
Und in vielen Handschriften zeigen sich verschiedene Tendenzen, wie Rainer Maria Rilke in diesem Namenszug den Anfangsbuchstaben ausschmückt und stilisiert, die restlichen Buchstaben jedoch vereinfacht.
Immer wieder ist zu hören, dass heutzutage ja vor allem mit elektronischen Geräten (Computer, Notebook usw.) geschrieben werde und man fragt sich, ob das einen Einfluss auf die Handschrift habe. Dazu ist zu sagen, dass wir auch von Hand nicht mehr gleich schreiben, wie man das vor hundert Jahren tat. Die Handschrift ist ein Stück weit auch Ausdruck des Zeitgeistes, in dem der Schreiber oder die Schreiberin lebt. Als lebendige Wissenschaft hat sich die Graphologie laufend den veränderten Gegebenheiten anpassen müssen: andere Normen (Schulvorlagen), andere Wertvorstellungen (kein "Schönschreibunterricht" mehr), äussere Einflüsse (wir lesen mehr gedrucktes, mit ein Grund, weshalb viele Leute Druckschift der Laufschrift vorziehen), neue Schreibgeräte (Fülli, Kugelschreiber, Filzstift, Gelstift, Feinminenbleistift, ...) hatten immer auch Einfluss auf die Schriften. In einer Studie wurde auch der Einfluss des Computers untersucht.
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Analyse
Bei der Analyse einer Handschrift stehen nicht in erster Linie Formen von einzelnen Buchstaben im Vordergrund, obwohl dies eine weitverbreitete Meinung ist. Viel wichtiger sind andere Merkmale, beispielsweise, wie die Verhältnisse der einzelnen Schriftelemente (Grösse, Weite, Ausdehnungen nach oben und nach unten usw.) zueinander sind.
Wesentliche Kriterien sind vor allem der Ablauf der Bewegung und die Gestaltung des Raumes sowie die Analyse der Schreibspur. Diese Merkmale können beim Schreiben auch nicht bewusst verändert werden, ohne dass die Schrift sehr verkrampft und damit unecht wird.
Auch die Art der Druckgebung und Merkmale des Striches werden untersucht.
Checklists sind wichtige Hilfsmittel - und natürlich wird bei diesem Arbeitsschritt die Schrift buchstäblich unter die Lupe genommen. Es wird gemessen, gezählt und protokolliert. Dabei werden nicht nur auf die einzelnen Merkmale geachtet, sondern auch auf den Grad ihrer Ausprägung und auf ihre Häufigkeit.
Beispiel eines solchen Protokolls.
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Synthese
Bei dieser Analyse entsteht eine Art Puzzle, dessen Teile nun richtig zusammengesetzt werden müssen.
Nun muss die Synthese gemacht werden, damit ein Bild der Persönlichkeit gewonnen werden kann.
Manches ist einfach - wie beim Puzzle, wo die Ecken und meist auch ein grosser Teil der Ränder schnell zusammengesetzt sind.
Der grössere Teil ist aber harte Knochenarbeit: Die Informationen aus der Handschriftanalyse werden miteinander verglichen und sorgfältig abgewogen. Unabdingbar ist dabei, dass die Resultate von fundierten wissenschaftlichen Untersuchungen mit einbezogen werden.
Auf dem Hintergrund von psychologischen Erkenntnissen werden schliesslich die verschiedenen Informationen miteinander verknüpft.
Diese anspruchsvolle Arbeit setzt natürlich fundiertes psychologisches Wissen und auch eine tüchtige Portion Menschenkenntnis voraus. Selbstverständlich stehen uns zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung. Das sind Tabellen und Nachschlagewerke, aber auch Computerprogramme. Letztere vereinfachen die komplexen und darum zeitaufwendigen Recherchen. Ein Beispiel ist GraphoPro von Martin Leisebach und Bruon Keel.
Durch diese Synthese kann ein recht genaues Bild von der schreibenden Person gewonnen werden. (vgl. auch Referenzen).
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Gutachten als Spiegel der Persönlichkeit
Während dieser Arbeit wird das Bild der Persönlichkeit immer klarer. Schliesslich kann ein Portrait entstehen in Form eines Gutachtens.
Meine Gutachten gebe ich immer schriftlich ab. Einerseits kann die auftraggebende Person jederzeit wieder nachsehen, was und wie ich etwas beschrieben habe. Ebenso wichtig ist für mich aber auch, dass der Schreiber/die Schreiberin die Gelegenheit hat, genau die Aussagen lesen zu können, wie ich sie formuliert habe. Damit ist Transparenz gewährleistet - eine Frage des Respekts gegenüber der schreibenden Person. Mehr über mich meine Philosophie können Sie auf dieser Website erfahren.
Aufbau und Formulierung des Gutachtens sind nicht vorgeschrieben; jede Graphologin, jeder Graphologe ist diesbezüglich frei in der Gestaltung. Die Inhalte jedoch lassen sich sehr wohl vergleichen. Damit ist die Hypothese gestützt.
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Praktische Anwendung
Praktische Anwendung
Meist werden die persönlichen Fähigkeiten verglichen mit einer Reihe von Fragen oder Anforderungen, die von Auftraggeberseite (Unternehmen oder Privatpersonen) formuliert worden sind.
Es ist sicher für jeden verständlich, dass jemand in der Buchhaltung andere Anforderungen erfüllen muss als ein Aussendienstmitarbeiter.
Gerade für Vergleiche dieser Art ist die Schriftpsychologie sehr hilfreich, geschieht es doch immer wieder, dass jemand zu wenig genau weiss, wo seine besonderen Stärken liegen, ja sogar, dass vorhandene Begabungen überhaupt nicht ausgeschöpft werden.
In Zeiten, wo die Auswahl an geeigneten Persönlichkeiten oft klein ist, kann durch ein graphologisches Gutachten auch abgeklärt werden, ob jemand sich einfach nur "gut verkauft" oder ob wirklich grosses Potenzial für die vorgesehene Position vorhanden ist. Und oft genug zeigt sich auch, dass jemand, der weniger geschickt ist im äusseren Auftreten über erheblich besser geeignete Kompetenzen verfügt als ein geschliffener Mitbewerber.
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