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1529 schloss sich Schaffhausen, gedrängt von Zürich, der Reformation an. Doch erst mit der Berufung Johann Conrad Ulmers wurden die neuen konfessionellen Verhältnisse ab 1566 gefestigt. Als Pfarrer am St. Johann, Dekan, Schulherr und Bibliothekar prägte Ulmer die Kirche des Stadtstaates Schaffhausen während mehr als dreier Jahrzehnte. Als bedeutendster Schüler Melanchthons in der Eidgenossenschaft entfaltete er eine rege publizistische Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen dem zürcherischen und dem lutherischen Flügel der Reformation.
Als Student hatte Ulmer in Strassburg Bucer und Calvin gehört, in Wittenberg Luther und Melanchthon, der ihn 1543 Graf Philipp III. von Rieneck empfahl. In dessen Residenzstadt Lohr am Main sammelte Ulmer Erfahrungen bei der Umsetzung reformatorischen Gedankenguts. Vom Rat in seine Vaterstadt Schaffhausen zurückberufen, schlug ihm zuerst das Misstrauen seiner Mitbrüder entgegen, doch gewann er rasch hohes Ansehen. Gegenüber der Obrigkeit vertrat er die Haltung der Geistlichkeit, insbesondere wenn es um die konfessionelle Abgrenzung ging.
Dreizehn Beiträge, hervorgegangen aus einer Tagung zum 500. Geburtstag, beleuchten Ulmers Wirken in Lohr und Schaffhausen, seine Korrespondenzen mit Bullinger, Beza und anderen Gelehrten des In- und Auslands, seinen Katechismus, seine Liedtexte und Bibeldramen, die «Trostschrift für betrübte Herzen» und die Übersetzung einer Schrift des Kirchenvaters Theodoret. Alle Beiträge profitieren von der kürzlich erfolgten Neuerschliessung der «Ulmeriana», des Nachlasses des Reformators in der Stadtbibliothek Schaffhausen.