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Die Orgel ist die Königin der Instrumente, sagt man. Hundert Instrumente in einem, Tausende Pfeifen, total unökonomisch, und ein Klang wie aus den Wolken, oder dem Fegefeuer, je nachdem. Vielleicht deshalb habe ich mich bisher noch nicht an sie gewagt. Aber letztes Jahr war die Zeit gekommen, und ich habe die Organistin Elisabeth Berner gefragt, ob ich ein Stück für sie schreiben könnte. Elisabeth ist sowohl in klassischer als auch improvisierter Musik bewandert, sie spielt sowohl Orgel als auch Klavier, und sie erschien mir darum als eine sehr interessante Gesprächs- und Musikpartnerin. Sie sagte zu und schlug mir ein Datum im Dezember 2019 vor – sie würde dann eine Jazzmatinée mit Reto Suhner in der Kirche Dietikon spielen.
Ich entschied, ihr das Stück "Sleep" vorzuschlagen.
Das Stück war 2018 entstanden, mitten in der Nacht, oder zumindest grosse Teile davon. Ein Neugeborenes war zur Familie dazugestossen, und ich war zwangsläufig zu Unzeiten wach. Aufgenommen und gespielt hatte ich es mit meinem Sextett, respektive einem Quartett daraus, mit Klavier und drei Bläsern. Es enthält einen choralartigen Teil – und ich fand, das würde sich auf der Orgel recht gut machen.
Als nächstes ging es also darum, das Instrument kennen zu lernen. Ich lernte, dass sie sich total anders spielt als ein Klavier (logisch, aber trotzdem), wegen der fehlenden Anschlagsdynamik, und der Tatsache, dass sich wolkenartige Voicings darauf eher anhören wie die Apokalypse statt ein interessantes Tongeflecht.
Ich lernte, dass jede Orgel sehr unterschiedlich ist. Und dass es sich empfiehlt, die Spieler selber wählen zu lassen, welches Register sie spielen möchten – Lautstärkeangaben in der Partitur können für sie gute Hinweise sein.
Ich las vom Hauptwerk (zentrales Teilwerk mit den wichtigsten Pfeifen), vom Pedalwerk (mit Pedalen bediente tiefe Töne), und vom Schwellwerk, das sich öffnen lässt, und damit einen Dynamikverlauf ermöglicht. Zahlreichen anderen möglichen Werken, und den je dazugehörigen Manualen.
8' – c' Oktave
4' - c'' Oktave
16' - kleine Oktave
Ich googelte die Orgel in der Kirche Dietikon, und fand heraus, dass sie eine Metzler Orgel ist (hergestellt in Dietikon von der Metzler Orgelbau AG), mit drei Manualen.
Schlussendlich versuchte ich mich im Arrangement des Stücks. Ich nahm mir sehr zu Herzen, nicht zu viele Töne zu schreiben, auf Begleitungen wie arpeggi zu verzichten, und schmale Chords zu brauchen. Schlussendlich stellte es sich heraus, dass doch viel mehr möglich gewesen wäre, ohne ein Geschwummer zu produzieren. Das Stück hätte viel mehr Bewegung in den Basslinien vertragen, und auch in der Begleitung. Aber die Version von Elisabeth, zusammen mit Altsaxophonist Reto Suhner, gefällt mir trotzdem. Sie haben ausserordentlich gefühlvoll und dynamisch gespielt. Ich finde, das Stück hat eine fast spirituelle Komponente bekommen.