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Fanny Smith ist im Alter von erst 25 Jahren an dem (vorläufigen) Karriere-Höhepunkt angelangt. Die Waadtländerin schaffte bei ihrer dritten Olympia-Teilnahme mit Bronze im Skicross endlich den erhofften Medaillengewinn.
Die Olympischen Spiele und Smith waren vor dem 23. Februar 2018 nicht das, was man als Liebesbeziehung hätte bezeichnen können. Schon vor acht Jahren und erst recht 2014 hatte sie sich eine Top-Klassierung vorgenommen. In Vancouver war das olympische Diplom als Achte noch "nice to have", in Sotschi (7.), verursacht durch einen selber verschuldeten Fahrfehler im Halbfinal, dagegen ein herber Rückschlag in der minutiös geplanten Karriere. Gefragt war eine Parforce-Leistung neben der Piste: "Ich habe mich abgestrampelt. Es war sehr schwierig, aber ich habe es geschafft, mich zurückzukämpfen", sagte Smith deshalb im Zielraum des Phoenix Snow Parks.
In Südkorea war Smith als Nummer 3 des Weltcup-Rankings gestartet. Die Favoritenrolle gehörte nur einer Fahrerin: der schwedischen Weltcup-Leaderin Sandra Näslund. Für die Saisondominatorin war es letztlich Ironie des Schicksals, dass sie im Final als Einzige leer ausging. Smith hatte sich Näslunds Angriffe erfolgreich erwehrt - mit legalen Mitteln: "Ich musste hart arbeiten. Früher war ich manchmal zu nett, diesmal habe ich die Ellbogen auch etwas ausgefahren."
Die Schwedin, die seit Anfang 2017 in 19 Rennen hintereinander im Final stand (acht Siege) und in dieser Zeit zudem den WM-Titel in der Junioren- und Elite-Kategorie gewann, beklagte sich hinterher mit zündroten, verheulten Augen über Smiths Ellbogeneinsatz: "Es war ein unfaires Duell." Die Rennjuroren stellten nach mehrmaligem Einsehen der Wiederholung keine unlauteren Mittel fest.
Näslunds Frust war angesichts ihrer erschlagenden Überlegenheit im bisherigen Saisonverlauf nachvollziehbar. Und wieder einmal zeigte sich in einem olympischen Rennen, dass Kanadas Frauenteam das Mass der Dinge ist, wenn es um Gold geht. Es stellte auch im dritten Wettkampf seit der Premiere 2010 die Siegerin, zum zweiten Mal in Serie gefolgt von einer Landsfrau. Diesmal gewann Kelsey Serwa, die Zweite von Sotschi, vor Brittany Phelan.
Smith, die erste Schweizer Olympia-Medaillengewinnerin im Skicross, mochte gar nicht gross Gedanken daran verschwenden, ob mehr als Bronze möglich gewesen wäre. "Klar geht es noch besser, ich stelle sehr hohe Ansprüche an mich selber. Aber ich bin enorm glücklich über den 3. Platz." Die Tränen nach der Erwähnung, mit Ausnahme der 88-jährigen Grossmutter seien alle Bezugspersonen vor Ort gewesen, zeigten den emotionalen Wert ihres Podestplatzes.
Mit vier Jahren Verspätung schloss Smith gewissermassen Frieden mit den Olympischen Spielen - indem sie einen Sieg über sich selber feierte. Das Vergangene war kein Thema mehr, an Sotschi dachte sie am Renntag in Bokwang nie. "Und das war nicht leicht. Darum ist es ein grosser Erfolg."
Lüdis Tränen der Enttäuschung
Sanna Lüdis 7. Rang wäre angesichts ihrer von Rückschlägen geprägten Vergangenheit eigentlich ein respektables Ergebnis. Die Zielsetzung der ehrgeizigen Bernerin hatte aber anders gelautet: "Ich wollte mit einem schweren Klotz (Medaille) weglaufen", sagte sie mit Tränen in den Augen.
Ein Sturz auf die Kante nach dem kurzen freien Fall machte Lüdi schon im ersten Training des Renntages einen Strich durch die Rechnung. "Ich wollte explosiv starten, stattdessen knallte ich auf die Hüfte. Das wurde zu meinem Handicap." In den ersten beiden Läufen konnte sich Lüdi nach langsamen Starts noch steigern, im Halbfinal fehlte ihr dann die Kraft. Ihr blieb, im Gegensatz zu den weiteren Teamkolleginnen Priscillia Annen und Talina Gantenbein, als schwacher Trost wenigstens ein olympisches Diplom.