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St. Gallerstrasse in Untergoldach (Blick nach Rorschach)
Die St. Gallerstrasse in Untergoldach hat sich in den letzten 100 Jahren kaum verändert...
Die Herrenbruck bei der «Linde»
Der junge Kanton St.Gallen konnte schon 1840 die neue Kantonsstrasse (St.Gallerstrasse) dem Verkehr übergeben. Bau und Anlage der neuen Landstrasse gab dem Gemeinderat und den Anstössern verschiedentlich zu schaffen. Alter Überlieferung folgend wehrte man sich grundsätzlich gegen jeden obrigkeitlichen Strassenbau, musste doch jedesmal Boden abgetreten werden und hatte jeder Strassenbau Kostenfolgen für die Anstösser, selbst wenn es nur Aufwendungen für Anpassungsarbeiten waren.
Die Staatsstrasse hatte zwischen den Gasthäusern «Linde» und «Krone» den Graben des Dorfbaches zu überwinden. Die Bedastrasse wurde, von Rorschach kommend, auf der Höhe der «Linde» zum Dorfbach abgesenkt, führte beim Korporationsbrunnen vorbei über die «Herrenbruck» zum «Kreuzhof» (St.Gallerstrasse 64) und stieg alsdann wieder bis auf die Höhe der «Krone», nördlich an deren Scheune vorbei.
Das neue Strassenprojekt sah einen Damm über den Dorfbach vor. Anstelle der «Herrenbruck» wurde ein Bachdurchlass errichtet. Die Strasse erhielt dadurch ein gleichmässiges Niveau und musste zwischen «Linde» und «Krone» nicht mehr abgesenkt werden. Dafür erhielt der stattliche «Kreuzhof» auf seiner Südseite einen Damm, womit das repräsentative Aussehen stark litt.
Der Damm hatte auch zur Folge, dass lange Anfahrtswege zu erstellen waren beim «Kreuzhof» (vormals J. A. Füger, heute J. Huber) und auf der Südseite der Kantonsstrasse, wo steile Wegstücke zu schaffen waren für die Benützung der Sägestrasse, des Kreuz- und des Bachweges. Da die Regierung die Kostenübernahme durch die Gemeinde verordnete, überlegte sich der Gemeinderat ernstlich die Anhebung eines Prozesses gegen die Oberbehörde. Dr. Weder, Rechtsanwalt, riet indessen dringend davon ab, da keine Aussicht bestehe, denselben zu gewinnen.
Nur wenige Wochen vorher wehrte sich der Gemeinderat gegen den seiner Ansicht nach völlig ungenügenden Bachdurchlass. Die Brückenflügel und Gewölbe wiesen nur acht Schuh Weite und nur sieben Schuh Höhe auf. Jahrhundertelange Erfahrung mit den Hochwassern des Dorfbaches veranlassten ihn dazu. Er fand indessen kein Gehör beim Regierungsrat. Im Gegenteil hatte das Baudepartement am 16. Juni 1840 dem Bezirksamt die Weisung gegeben, jede Protestaktion des Gemeinderates Goldach unbeachtet abzuweisen.
Da erinnerten sich die alten Goldacher wohl wehmütig an die «guten alten Zeiten unter dem Krummstab der Fürstäbte».
Text: Hans Huber-Anderes
Buchtitel: Goldachs Wasserwege, S.90
Copyright: 1995, Gemeinde Goldach
Standort «Herrenbruck» zeigen auf Geoportal Orthofoto.