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© Marcel Burkhardt
Die Rettung des Ortolans tut Not. Der seltene Singvogel kommt nur noch an wenigen Orten im Wallis vor.
Der Ortolan, ein Langstreckenzieher aus der Verwandtschaft der Ammern, droht aus unserem Land zu verschwinden. Wie in den meisten Teilen Europas ist sein Bestand auch in der Schweiz stark rückläufig und beschränkt sich heute auf sehr wenige Orte im Wallis. Ziel des Projekts ist die Revitalisierung der Lebensräume, um dem Ortolan geeignete Brutplätze zu bieten.
In den letzten Jahren wurden territoriale Ortolane im Wallis gezählt und Artenförderungsmassnahmen umgesetzt. Zwischen 2010–2015 wurden verschiedene Massnahmen für den letzten Brutbestand der Schweiz im Raum Leuk realisiert. Das Massnahmenpaket beinhaltet vier sich ergänzende Teilaspekte: (1) alljährliches Anlegen von Haferfeldern (3–5 ha/Jahr) in der Rhoneebene, (2) forstliches Auslichten stark verbuschter und bewaldeter Zonen in der Felsensteppe (5 ha total), (3) Beweidung der Felsensteppe mit Walliser Schwarzhalsziegen und Walliser Landschafen (rund 20 ha/Jahr) und (4) einmaliges kontrolliertes Abbrennen der Krautvegetation (3 ha total) in Bereichen der Felsensteppe mit zu dichter Vegetationsdecke.
Diese Artenförderungsmassnahmen stützen sich auf wissenschaftliche Studien aus der Schweiz und Katalonien. Hafer ist eine proteinreiche Getreideart und stellt eine erstrangige Nahrungsquelle für den Ortolan dar, insbesondere im Frühling nach dessen Ankunft aus den afrikanischen Winterquartieren. Die Öffnung des Lebensraumes durch forstliches Auslichten, Beweidung und Abbrennen fördert die Artenvielfalt der Pflanzen und Insekten und erleichtert die Verfügbarkeit der Insektennahrung für den Ortolan. Die Kombination dieser Massnahmen hat zum Ziel, den Lebensraum Felsensteppe aufzuwerten, Pionierhabitate zu fördern und dadurch geeignete Bruthabitate für den Ortolan zu schaffen.
Das Vorkommen des Ortolans in der Schweiz beschränkt sich heute auf das Wallis. Ohne eine auf die Art zugeschnittene Förderung wird der Ortolan innert weniger Jahre aus unserem Land verschwinden.
Seit 2005 wurden Haferfelder in der Nähe von lokalen Ortolanbeständen angelegt. Obwohl diese Kulturen von den Ortolanen gut besucht wurden, konnte der Rückgang der Art im Wallis nicht gebremst werden. Im Jahre 2009 konnten nur noch sieben singende Männchen festgestellt werden, vier davon in der Leuker Felsensteppe. Im Jahr 2015 wurde lediglich ein einziges singendes Männchen gefunden!
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Art als Brutvogel vollständig aus unserem Land verschwindet oder ob sich lokal neue, kleine Bestände bilden werden. Als Nebeneffekt des Förderprojekts haben sich die Massnahmen positiv auf die Artenvielfalt in der Felsensteppe ausgewirkt: Die Heidelerche brütet neuerdings wieder in der Felsensteppe, und vereinzelt kann gar ein singender Brachpieper entdeckt werden – beides Arten, welche von der lückigen Vegetationsstruktur profitieren.
Tierhilfe-Stiftung von Herbert und Dora Ruppanner
Parrotia Stiftung
Dienststelle für Wald und Landschaft des Kantons Wallis
Naturpark Pfyn/Finges