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Unser Motor
Die Motivation ist der menschliche Motor: Sie treibt uns an, etwas zu tun. Und dieser menschliche Motor besteht aus zwei verschiedenen Teilen.
- Intrinsische Motivation: Wir sind aus eigenem Antrieb motiviert, die Motivation kommt von innen.
- Extrinsische Motivation: Wir sind durch äussere Anreize motiviert, wir tun etwas (nicht), um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Bestrafung, Belohnung (materiell vs immateriell) und Anerkennung sind wichtige Quellen extrinsischer Motivation:
- Soziale Anreize: Anerkennung, Beliebtheit, jmd. einen Gefallen tun, Wettbewerb.
Beispiel: Du besuchst neue Orte, weil du die Bilder auf Instagram posten willst.
- Materielle und finanzielle Anreize: Gehalt, beruflicher Status, Geschenk.
Beispiel: Du besuchst eine Weiterbildung, weil du danach Anspruch auf ein höheres Gehalt hast.
Das Ziel ist das Ziel
Extrinsisch motivierte Personen tun etwas, weil sie ein bestimmtes Ergebnis oder ein bestimmtes Ziel erreichen möchten. Anders als bei intrinsisch motivierten Personen stimmen Mittel und Zweck nicht überein – sie tun etwas nicht aus Interesse oder Spass, sondern weil sie dafür belohnt oder bestraft werden. Diese Belohnungen bzw. Bestrafungen können sowohl von sich selbst („Wenn ich heute joggen gehe, gönne ich mir morgen meine Lieblingspizza“) als auch von Drittpersonen („Wenn du zu schnell fährst, erhältst du eine Busse“) ausgehen.
Was heisst das für den Lernkontext?
Belohnungen, Bestrafungen und Anreize spielen auch im Lernkontext eine wichtige Rolle. Mit einigen kleinen, aber wichtigen Punkten kannst du dafür sorgen, dass die extrinsische Motivation bestmöglich gefördert wird:
- Begründung:
Es ist wichtig, dass die Lernenden wissen, warum sie eine interne Weiterbildung besuchen oder ein WBT absolvieren müssen. Müssen Sie das Training machen, um eine Lizenz zu erhalten? Warum ist die Schulung des Themas für das Unternehmen wichtig? Was könnte passieren, wenn die Mitarbeitenden nicht geschult sind? Die Lernenden möchten ihre Berechtigungen erhalten und Sanktionen vermeiden.
- Anerkennung der Leistung:
Mit Zertifikaten, Nachweisen oder sichtbaren Erfolgen innerhalb eines WBT oder eines Kursraums kann die extrinsische Motivation ebenfalls gefördert werden. Denn: Belohnungen steigern die Motivation.
- Feedback:
Übungen machen den Lernstoff greifbar. Feedback ist das A und O. Die Lernenden wissen jederzeit, woran sie sind und können sich so nicht nur laufend verbessern, sondern sie können mit belohnendem Feedback weiter motiviert werden.
- Wettbewerb / sozialer Vergleich:
Spieltypische Elemente wecken den Ehrgeiz. Fortschrittsbalken, die den Lernfortschritte visualisieren oder die Vergabe von Punkten verdeutlichen das bisher Erledigte und geben dem User einen Anhaltspunkt über sein Können – so entsteht die Challenge, sich selbst zu verbessern.
- Zusammengehörigkeitsgefühl:
Gemeinsames Lernen macht Spass. Gerade in einem Kursraum auf einer Lernplattform bieten sich hier viele Austauschmöglichkeiten. Die Lernenden können anderen helfen und ihre eigene Kompetenz unter Beweis stellen, sie können sich als Experten positionieren.
- Zeitlimite:
Eine sichtbare Zeitlimite, z. B. in Form einer tickenden Uhr, weckt den Spieltrieb und fördert somit die extrinsische Motivation der Lernenden.
Extrinsisch werde zu intrinsisch, hexhex!
Um unsere Ziele langfristig zu erreichen, ist es entscheidend, dass wir selbst von der Handlung und ihrem Ergebnis überzeugt sind. Gemäss Deci & Ryan kann sich die extrinsische Motivation verinnerlichen, sie dient gewissermassen als Katalysator für die intrinsische Motivation. Dabei werden vier Phasen durchlaufen.
1. Externale Regulation: In dieser Phase ist die Motivation nur durch äussere Anreize geschaffen. Es geht darum, eine Belohnung zu erzielen oder eine Bestrafung zu umgehen. Diese Form der Motivation bleibt meistens nur kurz bestehen.
Beispiel: Ich absolviere das Online-Training, weil ich ansonsten einen Kompetenzbereich verliere.
2. Introjizierte Regulation: In der zweiten Phase entsteht die Motivation durch gesellschaftliche und sozialisierte Faktoren. Das heisst: Wir sind nach wie vor nicht von der Handlung überzeugt, führen sie aber aus, weil wir uns gesellschaftlichen Konventionen unterordnen und Erwartungen erfüllen möchten.
Beispiel: Ich absolviere das Online-Training, weil es von mir erwartet bzw. verlangt wird.
3. Identifizierte Regulation: In der zweitletzten Phase liegt das Ziel zwar noch ausserhalb der Handlung, die Person kann sich aber mit der Zielsetzung identifizieren. Der Unterschied zur vorherigen Phase: Man schätzt nicht mehr nur das Ergebnis, sondern auch die Tätigkeit an sich.
Beispiel: Ich absolviere das Online-Training, weil ich das Thema relevant finde.
4. Integrierte Regulation: Das Verhalten ist in der vierten und letzten Phase nun gänzlich mit der eigenen Überzeugung vereinbar. Das heisst, die anfänglich externe Zielsetzung wurde in das eigene Selbstkonzept integriert.
Beispiel: Ich habe gemerkt, dass ich das Wissen im Alltag nutzen kann und mache das nächste Online-Training, weil ich es will.
Der Unterschied der integrierten Regulation zur intrinsischen Motivation: Statt aus reiner Freude an der Tätigkeit, wirkt diese Art der Regulation, weil die Person erkannt hat, wie wichtig die Tätigkeit für die Erreichung bestimmter Ziele ist. Gemeinsam bilden die integrierte Regulation und die intrinsische Motivation die Grundlage selbstbestimmten Handelns.
Wieso Aktionen und Online-Trainings extrinsische Motivation nutzen sollten
Nicht umsonst arbeiten viele Psychologen auch im Bereich „Consumer Behavior“. Die Konsumentenpsychologie setzt sich mit dem Konsumentenverhalten auseinander, und hier spielt die extrinsische Motivation ebenfalls mit rein. Denn Konsumenten extrinsisch zu motivieren und diese Motivation dann zu verinnerlichen, das ist auch das Ziel von Aktionen. Man kauft ein Produkt, weil es billiger ist. Bei der Anwendung bzw. der Verwendung des Produkts merkt man dann, dass das Produkt gut ist und kauft es schliesslich auch zum regulären Preis.
Dieser Effekt kann auch für das Absolvieren von Online-Trainings genutzt werden. Und wer merkt, dass das Training, das er (resp. sie) machen muss, nicht nur für den Alltag hilft, sondern auch noch Spass macht, der wird das nächste Training umso lieber absolvieren. Versprochen!