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Bild
Titel:
Appenzeller Garten im milden Vorderland
Thema: Land
Datum: --.--.1840
Masse: Bild: 18,3 x 26,7 cm; Blatt: 25,2 x 32,1cm
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, KB-000144/303
Urheber/-in: Freuler, Bernhard
Beschreibung:
Kolorierte Aquatintaradierung von Bernhard Freuler, gefertigt um 1840. Unterhalb des Bildes steht in grossen Lettern „An der Wolf-Halden“ und links in kleiner geschwungener Schrift „Canton Appenzell“ und noch kleiner „B. Freuler, del. et sculp.“.
Festgehalten ist der Blick von einem Appenzeller Garten in Wolfhalden in Richtung Nordosten. In der Mitte des Bildes sind der Buechberg mit Burgstock und der alte Rhein abgebildet. Im Hintergrund sind die Bregenzer Ach, der Bodensee, Bregenz und die Hügel des Pfänders dargestellt. Links auf dem Bild ist das „Geviert“ zu sehen, der freistehende Appenzeller Garten, in dem Gemüse und Nutzpflanzen wuchsen. Im Geviert sind keine Blumen zu sehen, was damit zu tun hat, dass Appenzeller Bauernhäuser, wenn überhaupt, Blumen (und Heilkräuter) als Schmuck im "Strussgstell" vor dem Stubenfenster zur Schau stellten. Eigene Blumengärten – wie sie oft auf Darstellungen in der Senntummalerei zu finden sind – kamen in der Realität nur selten vor; Roman Häne vermutet, dass dies damit zusammenhängen dürfte, dass sich nur reiche Bauern Bilder ihrer Häuser anfertigen lassen konnten – dabei hätten sie wohl darauf bestanden, dass der Blumengarten unbedingt darauf abgebildet wird, weil es etwas Spezielles war (Häne, 52f.).
Geschichte:
Mit der schrittweisen Entwicklung von Handel und Verkehr war das Appenzellerland ab dem 16. Jahrhundert immer weniger auf den eigenen Anbau von Getreide angewiesen, sondern konnte dieses importieren. Mit dem Ausbau des Textilwesens im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Landwirtschaft im Appenzellerland immer einseitiger ausgerichtet: Die Vieh- und Graswirtschaft wurde frühmorgens und am späten Nachmittag betrieben, tagsüber arbeitete man in der Textilverarbeitung. Kartoffeln wurden nur versuchsweise seit 1740 angebaut.
Infolge dieser Einseitigkeit in der landwirtschaftlichen Produktion und Problemen bei der Versorgung durch Import wurde die Appenzeller Bevölkerung zum ersten Mal in den Jahren 1770/71 hart durch eine Hungersnot getroffen; zehn Prozent der Bevölkerung starb. Da der Kartoffelanbau auch nach der Hungersnot weiterhin als verpönt galt, traf es die Appenzeller Bevölkerung in den Jahren 1816/17 ein zweites Mal sehr hart, als infolge eines Vulkanausbruchs in Indonesion im Jahr 1815 zahlreiche Missernten zu verkraften waren, Teuerung übers Appenzellerland einbrach und die Textilproduktpreise massiv sanken. Schweizweit waren das Appenzellerland und das Glarnerland von dieser Hungersnot am schlimmsten getroffen.
Danach wurde dem Acker- und Gemüseanbau wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt – eine Entwicklung, die besonders von der Familiendynastie der Zellweger in Trogen angetrieben wurde. Zahlreiche politische und soziale Reformen nahmen in diesen Jahren ihren Lauf. In diesen Kontext gehört auch die Gründung der Appenzelllischen Gemeinnützigen Gesellschaft im Jahr 1832. Ein Ziel dieser Vereinigung war es unter anderem, die Landwirtschaft zu fördern. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sollten dem Volk zugänglich gemacht werden.
Beeinflusst von den Gemeinützigen Gesellschaften und den Reisen der Textilkaufleute nahm gemäss Häne die Pflanzenvielfalt in den Appenzeller Gärten im 19. Jahrhundert laufend zu und es entwickelte sich zwischen 1817 und 1850 eine eigenen Appenzeller Gartenkultur; wesentliche Kennzeichen davon waren (und sind teilweise immer noch) "Strussgstell", "Trüeter", Wetterbaum und Holderstrauch, ein freistehendes Geviert und ein multifunktionaler Hausplatz. Die Gärten im Appenzellerland haben aber heute auch andere Formen angenommen.
Autorin: Katharina Merian, Speicher
Literatur:
Häne, Roman: Gärten im Appenzellerland. Hauswurz, Wiese, Wetterbaum – Eine Studie zur appenzellischen Kulturlandschaft und Gartenkultur. [Waldstatt] 2010. http://www.appenzeller-gaerten.ch/ (24.08.2012).
Kürsteiner, Peter: Appenzell Ausserrhoden auf druckgrafischen Ansichten. Herisau 1996, S. 360f.
Schläpfer, Walter: Appenzeller Geschichte, Bd. II. Appenzell Ausserrhoden von 1597 bis zur Gegenwart. Herisau 1976, S. 333-340 und S. 409-411.
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