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Little Miss Sunshine (2006)
Little Miss Sunshine (2006)
Oder: "A real loser is someone so afraid of winning they don't even try."
Die sieben Jahre alte Olive (Abigail Breslin) trägt eine Brille mit Gläsern so dick wie Flaschenböden. Ihren Babyspeck ist sie noch nicht wirklich los, und ihre langen, blondbraunen Haare werden von einem roten Stirnband daran gehindert, ihr in ihr eigentlich recht hübsches Gesicht zu fallen. Olive ist also eine ganz normale Siebenjährige, wäre da nicht ihre etwas verrückte Familie und Olives Wunsch, an einem Schönheitswettbewerb für Kinder, genannt Little Miss Sunshine, teilzunehmen.
Olives grösster Wunsch wird erfüllt, als sie dank eines Diätpillen-Vorfalls bei ihrer grössten Konkurrentin doch noch zum Wettbewerb eingeladen wird. Vor Freude hüpft die Kleine durch die Wohnung und beginnt enthusiastisch ihre Sachen zu packen, während sich der Rest der Familie vor grössere Probleme gestellt sieht: Geld für einen Flug hat der erfolglose Motivationsguru und Vater (Greg Kinnear) nicht, und die wahrheitsliebende Mutter (Tony Collette) will den 15 Jahre alten, nicht sprechenden, Nietzsche lesenden Sohn (Paul Dano) nicht mit ihrem heroinsüchtigen Lüstling von Schwiegervater (Alan Arkin) alleine zu Hause lassen. Ganz zu schweigen davon, dass sich der schwule Proust-Kenner Onkel Frank (Steve Carrell) im Schosse der Familie von seinem missglückten Selbstmordversuch erholen sollte.
Aber welcher liebende Vater kann schon dem innigsten Wunsch der Tochter widerstehen? Die zukünftige Schönheitskönigin, der bankrotte Vater, die gestresste Mutter, der pubertierende Junge, der alte Junkie und der suizidgefährdete Onkel - sie alle zwängen sich in einen alten, rostigen VW Bus und machen sich auf den Weg nach Kalifornien, wo der Schönheitswettbewerb stattfinden wird. Dieser bunt zusammen gewürfelte Haufen, der in keinster Weise einer Bilderbuch-Familie entspricht, muss sich auf seinem Roadtrip to California etlichen kleineren und grösseren Herausforderungen stellen und zum Schluss stellt sich heraus, dass Blut eben doch dicker ist als Wasser.
Film-Rating
Little Miss Sunshine ist ein klassischer Roadmovie; ein klassischer Mix von Familiendrama und Roadmovie - ein Familien-Roadmovie-Drama? Nun auf jeden Fall lassen die ersten Totalen des amerikanischen Hinterlandes, diese sich bis zum Horizont erstreckende Einöde durch die ein alter gelber VW Bus vor blauem, wolkenlosem Himmel tuckert, den Zuschauer merklich aufatmen. Man wird plötzlich von der beklemmenden Enge eines zugestellten Hauses und der angeheizten, konfliktgeladenen Stimmung am Esstisch erlöst. Nicht dass dieser Trip nach Kalifornien reibungslos abläuft, nur weil genug Platz da wäre, einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Ganz im Gegenteil: die sechsköpfige Familie muss sich in dem alten VW Bus vorkommen wie Sardinen in der Büchse.
Das Unternehmen Little Miss Sunshine scheint schon von Beginn an unter einem schlechten Stern zu stehen; nicht nur entspricht Olive so ganz und gar nicht dem Bild das man von einer kleinen Miss hat, auch der Vater der erfolglos versucht sein "9 Schritte Programm für Erfolg" zu verkaufen, oder Dwayne, der Bruder der mit Flugstunden bestochen werden muss, oder Onkel Frank, der eben einen aus Liebeskummer begangenen Selbstmordversuch überlebt hat - sie alle entsprechen mehr dem Bild des geborenen Verlierers als dem des Gewinners. Und trotzdem, man kommt nicht umhin diesen Haufen von Verlierern, innigst in sein Herz zu schliessen. Diese alltäglichen Charaktere mit ihren alltäglichen Problemen werden schauspielerisch hervorragend dargestellt. Die Dialoge zeugen von einem instinktiven Witz und Verständnis für die Probleme, die es in einer solchen Familie so gibt und das Regie-Ehepaar Jonathan Dayton und Valerie Faris versteht es, die komische Tragik in ihrem Erstlingswerk mittels wortloser Bilder noch zu verstärken.
Fazit: Little Miss Sunshine ist ein wunderbarer, kleiner Film, den man nicht verpassen sollte. Einen Abzug gibt es jedoch für die allzu übertriebene Charakterzeichnung des Sohnes und des Onkels. Fünf Sterne also.
OutNow.CH:
30.07.2006 / sky
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