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Ur- und Bronzezeit
Der Lindenhof, an dem die WG liegt, ist eine Gletscherendmoräne, die nach dem letzten Rückzug des Linth-Gletschers (ca. 12000 v.Chr.) übriggeblieben ist. Bereits in der Mittelbronzezeit (ca. 1500 v.Chr.
) dürfte der Lindenhof bewohnt gewesen sein, wie Fundstücke von Werkzeugen aus der Limmat vermuten lassen.
Kelten und Römer
Folgende Infos kommen von der Stadt Zürich:
Auf dem Lindenhof errichteten die Kelten im 1. Jahrhundert v.Chr.
Holzhäuser. Reste dieser Bauten sind am Hang auf der Rennwegseite nachgewiesen (nein, in der Werkstatt unter dem Garten wohnen keine Kelten). Bereits damals bestand hier eine stadtähnliche befestigte Siedlung, ein sogenanntes Oppidum. Unter dem Einfluss Roms wurde der Graben noch vor der Zeitenwende wieder zugeschüttet. Die Römer sind vermutlich im Zusammenhang mit dem Alpenfeldzug des römischen Kaisers Augustus um 15 v.Chr.
in dieses Gebiet gekommen. Aus der römischen Epoche sind auf dem Lindenhof mehrere Steingebäude bekannt. Der Hügel war Teil des Vicus Turicum, einer unbefestigten Siedlung, die sich auf beiden Seiten der Limmat ausdehnte. Der Lindenhof war damals völlig von Wasser umgeben, da die Sihl noch eine Mündung beim Fraumünster besass. Zürich hiess zur römischen Zeit Turicum. Der Name Turicum ist durch den 1747 auf dem Lindenhof gefundenen Grabstein für den kleinen Sohn von Lucius Aelius Urbicus, dem dama-
ligen Vorsteher der Zollstation, belegt. Aufgrund dieses Grab-
steins wissen wir auch den Zollsatz, mit dem die Waren be-
legt wurden, nämlich 2.5%. Die Stadtbevölkerung bestand damals aus etwa 300 Menschen.
Die topografischen Gegebenheiten ausnutzend, wurde in den Krisenzeiten des 4. Jahrhunderts n.Chr.
auf der Hügelkuppe ein Kastell errichtet, das die Zollstation gegen die aus dem Norden vorstossenden germanischen Stämme sichern sollte. Die nur 4500 m2 grosse, aber sehr starke Befestigung umfasste mehrere Türme und eine 2 Meter breite Mauer, die bis ins Mittelalter intakt blieb. Als man in nachrömischer Zeit die Kuppe einebnete, wurde die Kastell- zur Stützmauer. In dieser Funktion gab sie der Lindenhofterrasse weitgehend ihre bis heute bestehende Form. Bedeutende Teile der mit sehr dauerhaftem Kalkmörtel gebundenen antiken Kastellmauer wurden im Spätmittelalter auch in die hohe limmatseitige Stützmauer integriert. Anfangs 5. Jahrhundert n.Chr.
zogen sich die Römer schliesslich zurück.
Mittelalter und so
Folgende Infos kommen von der Stadt Zürich:
Im Mittelalter wurden auf dem Lindenhof Pfalzen errichtet, Residenzen, in denen die Herrscher mit ihrem Tross Aufenthalt nahmen. Im Grundriss vollständig bekannt ist die Pfalz des 10./11. Jahrhunderts
, ein langgezogener Bau mit Kapelle, der die ganze Ostseite des befestigten Platzes einnahm. Der Ort war Schauplatz von Reichstagen und Festlichkeiten, wie der Verlobung des späteren Kaisers Heinrich der IV. mit Bertha von Savoyen an Weihnachten 1055
. Bereits im 10./11. Jahrhundert gab es einen Befestigungsring um den Lindenhof, der ein etwas weiteres Areal als das römische Kastell einschloss. Nachgewiesen ist er als Spitzgraben im oberen Rennweg und indirekt in der Fortunagasse. Der Lindenhof bildet damit einen Kernpunkt der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Das Pfalzgebäude wurde in einer späteren Phase zu einer wehrhaften Burg mit Türmen und vorgelagertem Doppelgraben umgebaut. Letzte Besitzer der Stadtburg waren die Zähringer. Nach dem Abbruch der Gebäude wurde der Lindenhof im 13. Jahrhundert
das, was er bis heute blieb: eine Freifläche. Die politischen Instanzen der Stadt sassen nun im Rathaus und in den mittelalterlichen Zunfthäusern. Der mit Bäumen bestandene Lindenhof entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt der Stadtbevölkerung, wobei der politische Symbolgehalt des einstigen Machtzentrums nie ganz erlosch. Im Jahr 1291
glaubte ein österreichischer Herzog, Zürich widerstandslos einnehmen zu können, da er das gesamte zürcherische Heer in die Gegend von Winterthur gelockt hatte. Als seine Truppen den Lindenhof erreichten, standen sie plötzlich einer zweiten zürcherischen Streitmacht gegenüber und sie zogen ab. Das vermeintliche Heer jedoch waren die Zürcher Frauen, die sich der verbleibenden Waffen und Rüstungen bemächtigt hatten und so die Oesterreicher täuschten. Heute zeugt ein Brunnen auf dem Lindenhof von ihrer List.
Folgende Infos zum Haus selber wurden im Auftrag des Instituts für Heraldik und Genealogie Fr. A. Studer & Sohn zusammengetragen:
Das Haus "Zum Damhirsch" am Rennweg 8 ist eines der altertümlichsten und bemerkenswertesten Häuser am Rennweg. Es bestand wie ein grosser Teil der Häuser in der Zürcher Altstadt schon im 14. Jahrhundert und kommt in den Steuerbüchern erstmals 1401
unter dem Namen "Zum Haspel" vor. 1422
wird in den Rats- und Richtbüchern ein Rüdger Gerung zum Haspel (am Rennweg), Pfister (Bäcker) von Beruf, im Zusammenhang mit einer Klage genannt. In der Wachtordnung von 1517
ist ein Peter Wagner als Besitzer dieses Hauses aufgeführt. Nach dem Grundbuch St. Peter von 1526
wurde ein Pfund gezinst vom Haus, Hofstatt und Garten "dahinter am Rennweg auf dem Rain, genannt zum Haspel, stosst (1439) erstmals an Meister Hans Seilers Haus ('Zur Kreuzbüchs', Rennweg 6), zweitens an Hans Malers Haus ('Goldenes Kleinod', Rennweg 10), und drittens hinten an den Hof (Lindenhof)."
Anno 1540
vermachte Jakob Rüggen der Wagner, Bürger von Zürich, seiner Frau Anna Tormannin mit Bewilligung des Rates "einen Winkel in seinem Haus am Rennweg auf dem Rain und die Kammer neben der Stube zu Leibding". Nach dem Schirmbuch von 1564
bezahlte laut Vogtsrechnung für Melchior Zenders selige vier Kinder deren Vogt Jörg Fytz, was er ihnen schuldete, mit einem Schuldbrief von 287 Pfund auf Gerold Hofstetters Haus "Zum Krützhaspel", auf dem Rain gelegen. Nach einer weiteren Vogtsrechnung, datiert vom 15. Mai 1622
, besassen des Meisters Hans Peter Kilchsperger des Metzgers selige Kinder, Heinrich und Susanna Kilchsperger, ein Haus mit Garten "dahinter am Rennweg auf dem Rain, genannt zum Krützhaspel". Im Bevölkerungszeichnis von 1637
wird dieses Haus ebenfalls unter dem Namen "Zum Kreuzhaspel" als am Inneren Rain (am Rennweg) liegend bezeichnet. Dessen Bewohner waren damals Zunftmeister H. David Füssli und Frau Anna Haller, 1671 und 1682/83 Wilhelm Wolf und Frau Anna Pestalozzi.
Nach dem Ratsmanual von 1681
entschied der Kleine Rat am 8. August "in der Spänigkeit (=Streitigkeit) zwischen Herrn Wolf, dem Glasmaler einerseits und Meister Johannes Baltenschwyler (im Haus 'Zur Kreuzbüchs' am Rennweg 6), dem Zinngiesser anderseits, dass es bei dem Spruch (=Schiedsspruch) vom 27. August 1679 zu verbleiben habe, wonach die Scheidemauer zwischen den beiden Häusern längstens innert Jahresfrist gemacht werden müsse". Ferner solle er sich des "Schmelzens in der Stadt mässigen und den Brennofen, weilen er dessen nicht nothwendig, hinwegthun".
In einem Kaufbrief vom 13. November 1714
, laut welchem eine am 11. Dezember vor Stadtgericht gefertigte Handänderung des Hauses am Rennweg 8 erfolgte, kommt damals der heutige Name "Zum Damhirsch" vor. In dem Kaufbrief heisst es: "Johannes Heierich Holzhalb, alt Landvogt zu Regensberg, verkaufen namens ihres Schwagers, Hauptmann Hans Jacob Zundel, um 2500 Gundel an Goldschmied Hans Conrad Oeri sein haus zum Dammhirschli im vorderen Rennweg am Rain, stosst hinten an den Lindenhof, einerseits gegen das Tor (Rennwegtor) an Herrn Kellers Haus zum Kleinod (Rennweg 10), andererseits an Obmann Johannes Baltenschwylers, Kantengiessers (=Kannengiessers) Haus "Zum roten Kessel" (vormals "Zur Kreuzbüchs", Rennweg 6), vorn an den Rain, nebst zwei Kirchenorten zu St. Peter und eines im Oetenbach." 1756
bewohnten Hauptmann Oeri und Frau Hauptmann Vögeli, 1762 Frau Landvogt Nabholz und Frau Dr. Ewscher das Haus "Zum Damhirsch", zu denen 1769 noch Frau Brennwald hinzukam. 1790
wohnten die Herren Waser und von Lähr in dem Hause, das 1796 Anna Magdalena Nabholz, Hauptmann Joh. Ludwig Wasers Ehefrau, gehörte.
Als Besitzer des Wohnhauses "Dammhirschli" im 19. und 20. Jahrhundert werden in den Lagerbüchern der städtischen Gebäudeversicherung folgende genannt: 1812
Frau Schärer geschiedene Näf, genannt die Wagnerin (nach dem Beruf ihres früheren Gatten Heinrich Näf), 1818 Heinrich Bernhauser, Glaser, 1832 Martin Kambli, Weibel, 1836 H. Bernhauser, Posamenter, 1838 Georg Peter Vatter, Zahnarzt aus dem Kanton St. Gallen, 1842/43 Jungfrau Mathilde Vatter von Ganterschweil (SG), 1851/64 Joh. Vogel, 1879 Emil Vogel, Tapezierer, 1882/1905 Maria Luise Vogel-Dengler, 1911 Conrad Rütschi, 1935 Witwe Anna Rütschi, ab 1950
Ernst Rütschi, Inhaber des gleichnamigen Sanitätsgeschäftes am Rennweg 8.
Neuzeit
Seit dem 1. August 1995 ist das Haus mit neuem Sinn und der rennWG gefüllt.
Jetzt wohnen wir hier bis der nächste Gletscher kommt.