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„Flappers“ (junge unkonventionelle und lebenslustige Frauen (1920 - er), Alkoholverbot, Flüsterkneipen und eine haussierende Börse – das tobende Jazz Age – setzt den Ton für diese Episode, und die Geschichte des Jazz wird die Geschichte von zwei grossen Städten, Chicago und New York, und von zwei aussergewöhnlichen Künstlern, deren Leben und Musik fast dreiviertel Jahrhundert umspannen: Louis Armstrong und Duke Ellington. Armstrong wurde als vaterloses Kind auf den schäbigen Strassen von New Orleans erzogen, entwickelt was er seine Gabe nennt – sein unvergleichbares Genie als Trompeter – und reist 1922 nach Chicago, wo er eine ganze Generation von ihn verehrenden Musikern, weiss wie schwarz, um sich schart. Ellington, erzogen in den Bequemlichkeiten und Feinheiten einer Mittelklasse-Familie, von Eltern, die ihn für gesegnet halten, zieht um nach Harlem, bildet seine eigene Band und fängt an, eine neue bezaubernde, Blues-gesättigte Tanzmusik zu verbreiten. Gleichzeitig versucht der Bandleader Paul Whiteman, Jazz mehr symphonisch zu machen – Jazz zu einer feinen Dame zu entwickeln – und Fletcher Henderson spielt weiche und süsse Musik für ausschliesslich weisse Tanzpaare im „Roseland Ballroom“. Dann, 1924, kommt Louis Armstrong nach New York, um in Hendersons Band zu spielen und zeigt der ganze Welt, wie man swingt.
„Steig in das Traumboot der Liebe“, „Ganz Paris träumt von der Liebe“ und noch ein paar hundert mehr von dieser Sorte hat sie aufgenommen und damit Heerscharen von Hausfrauen erfreut. Just for a living. Ihre wirkliche Liebe gehörte dem Jazz und der südamerikanischen Musik. An den Deutschen Jazzfestivals 1954 und 55 trat sie mit Kurt Edelhagen auf, sie turtelte mit Chet Baker, sie scattete mit Ella Fitzgerald auf Augenhöhe und nahm in ihren späten Jahren eine Reihe Alben mit jazzigen Standards und Raritäten auf.
Der Drummer Ray McKinley gehörte zur gleichen Generation wie Gene Krupa und Buddy Rich und er tat sich wie diese beiden als Showman und Leiter eigener Bigbands hervor. Damit sind die Parallelen schon aufgezählt. Weder schwitzte er wie Krupa pro Abend drei Anzüge durch, noch war er ein technischer Zauberer und Tempo-Weltmeister wie Rich. Er war ein zuverlässiger Timekeeper und hatte einige Hits als Sänger. In der breiten Öffentlichkeit wurde er als Drummer der Glenn Miller Band und später als deren Boss bekannt.
Auf der Börse gibt’s Hausse und Jazz wird überall in Tanzsälen und Flüsterkneipen gespielt. Die Musik wird jetzt mehr von den Innovationen einiger ausserordentlich begabten Einzelpersonen geprägt; erstmals treten improvisierende Solisten und Sänger im in den Vordergrund. Bessie Smith versteht es, aus dem Blues eine ganze Industrie zu machen– und trotzt dem Ku Klux Klan. Bix Beiderbecke, ein brillanter Kornettist aus dem Mittelwesten, zeigt, dass auch weisse Musiker einen wichtigen Beitrag zum Jazz leisten können – nur um sich selbst mit 28 vom Alkohol umbringen zu lassen. Benny Goodman und Artie Shaw, beide aus jüdischen Immigranten-Familien, finden im Jazz einen Weg aus dem Ghetto. Sidney Bechet nimmt seine Musik und streitlustige Persönlichkeit mit nach Europa. Duke Ellington kriegt die Chance seines Lebens mit einem Engagement für seine Band im meist gefeierten Harlem Nachtklub – dem von Gangstern beherrschten „Cotton Club“ und beginnt, seine Musik über Radio überall im Land zu verbreiten. Louis Armstrong kehrt nach Chicago zurück und nimmt 1928 mit dem Pianisten Earl Hines sein erstes Meisterwerk „West End Blues“ auf, das Jazz als expressive Kunst vergleichbar mit jeder anderen macht und beweist, dass er das führende Genie seiner Sparte ist, so wie die Wright Brothers beim Fliegen und Einstein bei der Physik.
Gebrüder Wilbur und Sidney de Paris Dieser Abend ist den beiden Brüdern Wilbur und Sidney de Paris gewidmet, die sonst nicht soviel Aufmerksamkeit haben. Doch ist Sidney ein hervorragender Trompeter und durch seine spezielle Growl-Technik bekannt - Wilbur de Paris ist ein sehr guter Trombonist und ebensoguter Arrangeur und Komponist. Der Referent möchte mit Aufnahmen aus frühen Zeiten und auch mit dem „New New Orleans Jazz“ uns die beiden Musiker etwas näher bringen.
Die Hafenstadt New Orleans gilt als Wiege des Jazz. Ein musikalischer Streifzug mit den Veteranen aus den Anfängen des Jazz. Der heutige Abend wird Musiker aus jener Zeit in Erinnerung rufen.
Die Musikkultur der afrikanischen Sahelzone galt schon immer als Paradebeispiel für so etwas wie „afrikanischen Blues“, was einmal mehr Grund genug ist, sich in einem dritten Teil unserer Afrika - Serie auch in dieser Region noch etwas umzusehen und umzuhören! Der Weg beginnt noch einmal im Osten am „Horn von Afrika“ (musikalisch eine der „souligsten“ Ecken Afrikas!) und führt dann westwärts durch die Sahel - Staaten Sudan, Tchad, Niger, Mali und Mauretanien bis in die westafrikanischen Regionen von Senegal und Gambia. Begegnen werden wir wiederum ganz tollen Künstlern wie etwa Amina Farah (Djibouti), Abrehet Berhane ( Eritrea ), Mohammed Wardi ( Sudan ), Maitre Gazonga (Tchad ), Sogha (Niger), Nahawa Doumbia (Mali), Demba Tandia (Mauretania) etc.
Ab dieser Episode beginnt ist in Amerika in die grosse Wirtschaftskrise, die schlimmste Krise seit dem Bürgerkrieg. In der wirtschaftlichen Not wird der Jazz gerufen, um die Stimmung eines verängstigten Landes zu heben. In Harlem, wie die Tänzer Franki Manning und Norma Miller erinnern, finden die Leute Trost in einem neuen Tanz namens Lindy Hop sowie in der Big Band Musik, gespielt von Chick Webb und Fletcher Henderson. Gleichzeitig verbreiten die Pianisten Fats Waller und Art Tatum ihre ganz andere Sorte von musikalischen Freuden. Sowohl Louis Armstrong wie auch Duke Ellington haben Erfolg trotz allen Widrigkeiten. Armstrong widersetzt sich einem der meist gefürchteten Gangster von Amerika und revolutioniert das amerikanische Singen so wie er schon das Spielen umgestaltet hat, während Ellingtons raffinierte Musik und elegante persönliche Erscheinung helfen, die Eindrücke und Erwartungen einer ganzen Rasse zu verändern. Nebenbei bildet Benny Goodman eine eigene Big Band und vermittelt heisse swingende Musik jeden Samstag Abend auf der „Let’s Dance“ Radio Show. Weil er Mühe hat, die Band zusammenzuhalten, nimmt er im Sommer 1935 eine katastrophale Tournee unter die Füsse. Doch als Goodmans Männer im Palomar Ballroom in Los Angeles anfangen die Jazzmusik, die sie lieben, zu spielen, bringen sie die jungen Leute in Ekstase – und die Swing Era ist geboren.
Tadd Dameron war ein bedeutender Arrangeur, Komponist, Bandleader und Pianist der vierziger und fünfziger Jahre. Er hat als Arrangeur bei den meisten Big Bands dieser Zeit seine Spuren hinterlassen, und als Pianist hat er mit fast allen Meistern des Be-Bop gespielt. Dameron hat uns viele Tondokumente hinterlassen. Wir werden uns vor allem seinen Arrangements zuwenden und versuchen, die schönsten seiner Werke herauszupicken.
Nach den ersten Stil-Schocks durch die Aufnahmen der wirklichen Bebop-Erfinder haben fast alle moderneren weissen Solisten angefangen, aus dem echten Bebop-Craze Mitte der 40-er Jahre mit eigenen Kleinformationen den Bebop auch kommerziell auszuschlachten. Rein jazzgeschichtlich gesehen waren in der zweiten Hälfte der 40-er Jahre wieder einmal mehr die weissen Initianten solcher Formationen die echten Epigonen der echten (schwarzen) Pioniere. In dieser Phase waren fast lauter weisse Berühmtheiten vertreten, als da sind Serge Chaloff, Bill Harris, Flip Phillips, Kai Winding, Shorty Rogers, Allen Eager, Gene Krupa (mit den ersten Mulligan-Arrangements), Stan Getz, Terry Gibbs, Brew Moore, Lee Konitz, Warne Marsh, um nur einige zu nennen. Lustigerweise waren bei diesen Starformationen fast immer auch schwarze Leuchtenträger des Bebop dabei. Oftmals wurde Tadd Dameron als Pianist und Arrangeur beigezogen. Bei einem Flip Phillips - Quartett waren alle drei Mitspieler (Piano, Bass, Drums) schwarze Spitzenstars. Erst zum Ende der 90-er Jahre haben gewisse Weisse wie Chris Potter, Dave Douglas, Uri Cane und auch Joe Lovano harmonische Frechheiten produziert, die in der tonalen Klangwelt noch von keinen farbigen Meister vorproduziert worden waren. Laut einer neueren Ausgabe des „Down Beat“ - Magazins, ist im Umfeld der Jazzmutter New Orleans eine Gruppe von jungen schwarzen - angeblich hervorragend talentierten - Tenorsaxophonisten am Auftauchen, wo sich alle Kräfte steinhart auf die lyrische Begabung und den Melodienreichtum vom verstorbenen Stan Getz berufen...