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Mit einer Nullgradgrenze, die 3 Tage verbreitet über 3000 m lag, gab es eine erste markante Periode von Nass- und Gleitschneelawinen. Aufgrund der grossen Schneemengen, erreichten diese Lawinen teilweise grosse Ausmasse, blieben aber mehrheitlich ohne Schäden. Im Süden spielte dann der Föhnmonat April seine volle Stärke aus und brachte viel Neuschnee und in hohen Lagen einen deutlichen Anstieg der Lawinengefahr.
Diese Wochenberichtsperiode war von einer Föhnlage mit all ihren typischen Erscheinungen geprägt: In den nördlichen Alpentälern blies zeitweise starker Föhn (vgl. Abbildung 1) und es war oft föhnig aufgehellt und mild (vgl. Abbildung 2). Zeitweise wurde sogar Saharastaub bis zu den Alpen transportiert. Im Süden war es kühler, meist bedeckt und von Montag, 09.04. bis Donnerstag, 12.04. fiel Schnee oberhalb von rund 2000 m (Vgl. Abbildung 3).
Mit den milden Temperaturen und der starken Sonneneinstrahlung vor allem im Norden vollzog sich in der Wochenberichtsperiode ein Übergang zu einer frühlingshaften Lawinensituation. Die Gefahr von trockenen Lawinen nahm markant ab, von verbreitet „erheblich“ noch am Donnerstag auf „gering“ und ein eingeschränktes „mässig“ am Samstag, Sonntag und Montag. Die Gefahr für trockene Lawinen ging einerseits noch von einem Altschneeproblem, anderseits von einem Triebschneeproblem aus. Die ungünstigsten „Altschnee“-Meldungen kamen aus den inneralpinen Gebieten, wo Lawinenauslösungen im Altschnee nach wie vor ein Problem waren. Zwar dürften diese Stellen wenig verbreitet gewesen sein, aber die Lawinen erreichten teils gefährlich grosse Ausmasse (vgl. Abbildung 4).
Das Triebschneeproblem bewegte sich auf einem eher tiefen Niveau, da die Triebschneebildung trotz zeitweise starkem Föhn bescheiden war, weil nur wenig verfrachtbarer Schnee und dieser auch nur in Nordhängen vorhanden war.
Die Gefahr von Nassschneelawinen zeigte einen typischen Tagesgang mit meist günstigen Verhältnissen am Morgen und hoher Aktivität am Nachmittag. Am Freitag war die Schneedecke nach einer klaren Nacht sehr gut gefroren. Die Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen war noch nicht so hoch und vor allem tiefer als am Donnerstag als es zwar noch deutlich kühler war, aber die Nacht schlechte Abstrahlungsverhältnisse bot. Deutlich höher war dann die Aktivität am Samstag und Sonntag jeweils am Nachmittag und am Montag nach einer bedeckten Nacht auch schon früher am Tag. Vor allem die Gleitschneelawinen waren teilweise auch gross – von grösseren Schäden wurde aber nichts bekannt (vgl. Abbildung 5 bis 7). Die Gefahr wurde jeweils mit Stufe 3 (erheblich) in einer Doppelkarte beschrieben.
In der Folge kühlte es etwas ab und die Aktivität von Nass- und Gleitschneelawinen war etwas reduziert. Im Süden fiel oberhalb von 2000 m ergiebig Schnee (vgl. Abbildung 3) und dort stieg die trockene Lawinengefahr an, am Donnerstag bis auf die Stufe 4 (gross). Erste grosse Lawinenabgänge schienen dies am Donnerstag zu bestätigen (vgl. Abbildung 8).
Den Schneeschmelzprozess erwartete ja bekanntlich aufgrund der grossen Schneehöhen ein strenger Frühling. „Er“ ging aber diese Aufgabe sehr effizient an. Mit den milden Temperaturen und dem Föhn schmolz der Schnee rasch dahin. Der Föhn ist ja gemeinhin bekannt als „Schneefresser“ und leistete volle Arbeit. Tiefe Lagen (unter 1000 m) aperten vollständig aus. In mittleren Lagen reduzierte sich die Schneehöhe vom Donnerstag bis Dienstag in 5 Tagen verbreitet um 20 bis 30 cm (vgl. Abbildung 9). Dass diese Schneeschmelze im Zusammenhang mit einer Föhnlage geschieht, war bezüglich der Hochwassergefahr günstig. Sollte eine verstärkte Schneeschmelze im Zusammenhang mit Regen geschehen, ist von einem erhöhten Hochwasserrisiko auszugehen. Im hydrologischen Bulletin des Bundesamtes für Umwelt BAFU wurde die Lage am 12.04. aber als wenig kritisch beurteilt.
Diese Schneeschmelze zeigte insbesondere in den Föhngebieten im Nordosten ihre Wirkung. Dort waren zum ersten Mal seit dem Januar an einige Stationen wieder unterdurchschnittliche Schneehöhen zu verzeichnen. Im Wallis hingegen blieben die Werte stark überdurchschnittlich und am Alpensüdhang stieg sogar die Schneehöhe im Vergleich zum langjährigen Mittel mit den Schneefällen wieder an.
Am Samstag war es zwar im Norden sonnig, der Himmel war aber durch Saharastaub gelblich eingetrübt. Gemäss Saharastaub-Messungen der MeteoSchweiz auf dem Jungfraujoch, wurde auch am Dienstag, 03.04, am Freitag, 06.04, am Samstag, 07.04. sowie am Mittwoch,11.04. Saharastaub in der Luft registriert.
Wie ist aber der Einfluss von Saharastaub auf die Schneedecke? Wenn sich der Saharastaub auf dem Schnee ablagert ist er einerseits ein markanter Marker, der auch später in Schneeprofilen festgestellt werden kann. Wenn er länger an der Schneeoberfläche liegt, nimmt der Schnee durch die Verfärbung mehr Strahlung auf und kann daher Krusten bilden. In dem Zusammenhang sind auch schon Bildungen von Schwachschichten und Lawinenunfälle (Winterbericht 2015/16, Seite 63ff) beobachtet worden. Dies ist allerdings selten. Mehr zum Thema Saharastaub finden sie auch hier.
In den letzten Tagen wurden einige grosse Wechtenabbrüche gemeldet. Fakt ist, dass in so schneereichen Wintern wie dem aktuellen sich viel grössere Wechten bildeten als sonst üblich. Deshalb ist dieser Gefahr vermehrtes Augenmerk zu schenken. Früher wurde im Lawinenbulletin manchmal vor Wechtenabbrüchen gewarnt und auch in Nordamerika sind Wechtenabbrüche ein Lawinenproblem, das in den Lawinenprognosen erwähnt wird.
Wechtenabbrüche bergen zwei Hauptgefahren:
In den Europäischen Lawinenwarndiensten (European Avalanche Warning Services, EAWS) ist man sich einig, dass eine Warnung vor Wechtenabbrüchen im Rahmen von Lawinenbulletins nicht sinnvoll ist. Der Prozess ist nicht vergleichbar mit Lawinen und von Verhältnissen abhängige Prognosen zu machen ist kaum möglich.
Bei Unfällen im Zusammenhang mit Wechtenabbrüchen ist nicht immer klar, ob es sich um einen Bergunfall oder einen Lawinenunfall handelt. Derzeit gibt es auch keine einheitlichen Standards, wie diese Unfälle behandelt werden. Beim SLF werden sie nach folgenden Prinzipien gehandhabt:
1) Wenn keine Lawine im Spiel ist: Bergunfall
2) Personen stürzen durch Wechtenabbruch ab, zudem wird eine Lawine ausgelöst
a) Personen werden nicht verschüttet: In der Regel Bergunfall
b) Personen werden verschüttet: In der Regel Lawinenunfall
3) Wechte stürzt ab, löst Lawine aus und erfasst Personen unterhalb der Wechte: Lawinenunfall
Die Unterscheidung ist insbesondere zwischen 2a) und 2b) nicht immer klar und wird individuell von Fall zu Fall gemacht.
Es wurden sechs Personenlawinen registriert, wobei insgesamt sieben Personen erfasst wurden. Zwei wurden beim Lawinenabgang verletzt, die anderen blieben unverletzt. Des weiteren gab es zwei Sicherheitssuchen nach Lawinenabgängen und zwei weitere Lawinen gingen auf die offene Strecke der Matterhorn-Gotthard-Bahn am Oberalppass nieder.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.