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Siedlungsentwicklung Büren a.A. zwischen 1800 - 1918
Inhaltsverzeichnis
Schlussbetrachtung / Interpretation
Entgegen den im Modul aufgezeigten "grossen Linien" kam es in Büren a.A. um die Mitte des 19. Jh. nicht zu einem extremen Bevölkerungswachstum wie in anderen grossen Schweizer Städten. Die immer wieder heimkehrenden Überschwemmungen des Seelandes bis zur 1. Juragewässerkorrektion und die daraus resultierenden Notlagen, verhinderten ein starkes Bevölkerungswachstum. Das ganze Seeland war eine relativ arme Gegend und viele Menschen wanderten zur Mitte des 19. Jahrhundert nach Übersee aus.
Auch der Schiffs- und Güterverkehr auf der Aare brachte kein eigentliches Bevölkerungswachstum und Siedlungsausweitung. Die bescheidene wirtschaftliche Blütezeit brachte lediglich eine Festigung des regionalen Handels und Marktplatzes Büren. Die Siedlungsentwicklung blieb minim und fand an der Ländte und grösstenteils innerhalb der Stadtmauern statt.
Auch der vehemente Widerstand gegen die von der Berner Regierung verordnete Entfestigung, zeigt, dass die Bevölkerung von Büren mit der baulichen und siedlungstechnischen Situation zufrieden war und kein innerer Handlungsbedarf für eine Expansion bestand. Die gesellschaftlichen Verhältnisse waren trotz Stadtrecht eher ländlich bestimmt und das Hauptproblem waren die Notlagen aufgrund der zahlreichen Überschwemmungen.
Es brauchte schon eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Ertragslage, welche durch die Juragewässerkorrektion und Meliorationen erreicht wurde, und den Bahnbau mit anschliessender, wenn auch sanften Industriealisierung, um die Bevölkerung und Siedlungsfläche anwachsen und ausdehnen zu können. Dies geschah insbesondere durch die Uhrenbranche und Ansiedlung der internationalen Uhrenfirma.
Der Bahnbau machte Büren auch besser erreichbar und überregional bekannt. Ein bescheidener Fremdenverkehr unterstützte die wirtschaftliche Ertragslage nebst der Industriealisierung zusätzlich. Somit kann also die Uhrenbranche und Eisenbahn als Schrittmacher des industriellen und wirtschaftlichen Aufschwungs betrachtet werden.
Dieser Aufschwung äusserte sich auch in einem bescheidenen Fremdenverkehr und eine Siedlungsentwicklung losgelöst von der mittelalterlichen Stadtanlage und den ursprünglichen Bauernsiedlungen (Schüren und Reiben).
Generell entspricht die Siedlungsentwicklung in Büren trotzdem den im Modul aufgezeigten "grossen Linien" wenn aufgrund der landwirtschaftlichen Gesellschaftsform und Produktion auch etwas zeitverschoben.
Die Siedlungsentwicklung wurde kaum von der Bürener Behörde aktiv geplant. Es waren vielmehr übergeordnete Projekte (Juragewässerkorrektion und Bahnbau), welche Impulse für eine Entwicklung gaben. Die neue Bahnlinie war zudem wichtigster Infrastrukturbau, welche die Ausdehnung und Anreihung der neuen Häuser und Gebäuden bestimmte. Bis 1918 gab die Geleiseanlage für die eine bautiefe angrenzenden Parzellen die Siedlungsentwicklung vor. Sowohl die Wohnhäuser als auch die Industrieanlagen reihten sich entlang der Bahn auf. Die im 20. Jahrhundert ziemlich konzeptlose und ungestüme Überbauung mit ungeordneten Ein- und Mehrfamilienhausquartieren sowie verstreuten Geschäfts- und Gewerbebauten zeigen zudem auf, dass kein Entwicklungskonzept bestand. Es wurde nach Bedarf und Nachfrage wie so oft im ländlichen Gebiet überbaut.
Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde zudem die Hauptverkehrsader und Handelswege auf die gegenüberliegende Talseite an den Jurafuss (Biel - Grenchen - Solothurn) verlegt. Dies führte in Büren a.A. zu einer Stagnation der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung, so dass keine grösseren Expansionen im industriellen Bereich mehr stattfanden. Büren a.A. entwickelte sich daher noch im Wohnungsbereich, der jedoch wie bereits erwähnt, sehr individuell bis ungeordnet erfolgte. Durch diese zum teil "boomende" Einfamilienhausentwicklung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden daher keine klare Entwicklungsziele mehr verfolgt und verwischten die Ablesbarkeit der Siedlungs- und Stadtstruktur des 19. Jahrhunderts.
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