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Mit dem Rind beleuchtet das geplante Projekt einen polyvalenten historischen Aktanten, der nicht nur Milch, Fleisch und Leder für den menschlichen Konsum produziert, sondern wirtschaftliche Interessen, Branchen, Verbände, gesetzliche Vorschriften, universitäre Abteilungen, Labors und Agrarwissen hervorbringt, für den Futtermittel, Infrastrukturen, Schlachthöfe, Kühltechniken, Maschinen, Transport-, Verarbeitungstechniken und Absatzmärkte entwickelt werden; der importiert, exportiert und transportiert wird und für politische, soziale und wissenschaftliche Auseinandersetzungen sorgt.
Mit dem Fokus auf das Nachleben von Rind, Ochse, Kalb und Kuh und die damit verbundenen hygienischen Diskurse und Prozeduren zur Bewältigung ständig drohender Krankheiten, Seuchen und Degenerationen wollen wir mehr über die vernachlässigte Peripherie der Nutztierhaltung und -verwertung erfahren. Wir erhoffen uns dadurch aber mehr Einsichten ins „Zentrum", also Tierhaltung, Nahrungsmittelproduktion und Konsumgewohnheiten und deren Raum- und Umweltwirkung. Unser besonderes Interesse gilt den sogenannten Tiernebenprodukten wie Blut, Haut, Knochen, Horn, Drüsen etc. und den Konjunkturen, aber auch Opazitäten ihrer Verwendung im Food- und Nonfood-Bereich, als Tierfutter und Dünger, in Chemie und Medizin, als Bau- und Energierohstoff.
Methodisch, theoretisch und in seiner Problemorientierung inspiriert sich das geplante Projekt beim Global Commodity Chain- und Global Value Chain-Approach, bei den Animal Studies sowie bei technik-, wissens- und kulturhistorischen Ansätzen. Das Projekt möchte den missing links zwischen den verschiedenen Forschungstraditionen nachspüren und eine integrale Technik-, Sozial- und Kulturgeschichte der Bovine-Commodity-Chain zwischen zirka 1900 und 1970 erzählen.