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Wie die Russen den Fussball revolutionierten
Wir stellen Ihnen fünf Fussball-Revolutionen vor, von denen Sie wohl nicht wussten, dass sie in Russland begannen.
1. Pressing
Der Trainer Wiktor Alexandrowitsch Maslow (1910–1977) trug den Spitznamen «Opa». Aber der alte Mann hatte ganz neue Ideen. Bereits in den 1950er-Jahren führte er bei Dynamo Kiew das Pressing ein. Jonathan Wilson schreibt in seiner monumentalen Taktikgeschichte «Revolutionen auf dem Rasen: Eine Geschichte der Fussballtaktik»: «Wenn man einen einzigen Mann als Vater des modernen Fussballs bezeichnen wollte, dann Wiktor Maslow.»
2. Mitspielender Goalie
Manuel Neuer gilt seit seinen Libero-Ausflügen bei der WM 2014 als Inbegriff des modernen Goalies. Dabei wurde der sowjetische Nationalgoalie Lew Jaschin (1929–1990) schon in den 1950er-Jahren für seine proaktive Spielweise gefeiert – bei Ballbesitz spielte er als erster Verteidiger und leitete so viele Angriffe ein. Er wurde 1960 mit seinem Team Europameister und bekam später die Auszeichnung als «Bester Torwart des 20. Jahrhunderts». Im Winter spielte er lange auch als Goalie in der sowjetischen Eishockey-Nationalmannschaft.
3. Big Data im Fussball
«Fussball ist keine Mathematik.» So musste sich der studierte Mathelehrer Ottmar Hitzfeld einmal vom FC-Bayern-München-Boss Karl-Heinz Rummenigge kritisieren lassen: Aber das ist falsch. Heute werden Laufwege, Passquote und Sprints ganz selbstverständlich von Computern analysiert – und das Training wird entsprechend ausgesteuert. Die Trainerlegende Walerij Lobanowski arbeitete zum Beispiel in den 1970er-Jahren mit dem Biologieprofessor Anatolij Selenzow zusammen, der mit den ersten Computern berechnete, wann bei den Gegnern Müdigkeitsphasen zu erwarten seien.
4. Das 4-4-2-System
Walerij Lobanowski war es auch, der das 4-4-2-System im Spitzenfussball etablierte – mit Dynamo Kiew gewann er sechs Meistertitel in der UdSSR und zweimal den Europapokal der Pokalsieger. «Man kann sich im modernen Fussball unmöglich auf Glück oder Zufälle verlassen», schrieb er in seiner Autobiografie. «Man muss ein Kollektiv schaffen, das sich der gemeinsamen Spielidee unterordnet.»
5. Straftraining, das den Namen verdient
Straf- und Arbeitslager waren in der UdSSR ja leider weitverbreitet. Auch die Fussball-Nationalspieler wurden vor Länderspielen in Camps untergebracht, die extrem streng organisiert waren: den Sbori. Schliesslich sollten sie auf dem Rasen die Überlegenheit des Kommunismus beweisen. Die Aufenthalte in den Camps dauerten oft mehrere Monate. Die Spieler wurden von ihren Familien getrennt, mussten spezielle Diäten einhalten und Hardcore-Trainingseinheiten absolvieren. Noch heute sind die Sbori fester Bestandteil des russischen Fussballsystems. Der ehemalige Spartak-Moskau-Stürmer Vladimir Beschastnykh (*1974) meinte einmal: «Oft habe ich das Gefühl, dass wir für die Special Forces ausgebildet werden.»Zurück zur Startseite