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Michael O'Leary, seit 1994 bis im vergangenen September CEO von Ryanair und inzwischen CEO der Ryanair Holding (zu welcher noch Lauda, Buzz und Malta Air gehören), gehört zu den reichsten Geschäftsmännern Irlands. Das «enfant terrible» der Luftfahrt sitzt auf einem Privatvermögen von rund einer Milliarde Euro. Nicht schlecht für einen Mann, der sich gern im Freizeithemd zeigt und Billigst-Tarife dank extremen Kostenreduktionsmassnahmen predigt. Aber O'Leary ist eben auch ein schlauer Selbstvermarkter.
Im vergangenen September, als er das CEO-Amt der Airline an Eddie Wilson übergab und selber die Leitung auf Holding-Ebene übernahm, liess er sich vertraglich einen Bonus von 99 Millionen Euro zusichern, bezahlbar in Aktienoptionen. Dieser Bonus ist allerdings an strenge Auflagen gekoppelt: So muss Ryanair im Zeitraum zwischen April 2021 und März 2024 über einen zusammenhängenden Zeitraum von mindestens einem Monat einen Aktienpreis von mehr als 21 Euro haben, oder aber den Nettogewinn der Airline zu verdoppeln. Obwohl sich viele Aktionäre gegen diesen Vergütungsplan auflehnten, wurde er angenommen: Zum Zeitpunkt der Abstimmung lag der Aktienpreis von Ryanair bei 10 Euro und die Airline war wegen Brexit, der Krise um die Boeing 737MAX und eher negativem Geschäftsausblick in einer Krise. Kurz: Niemand ging davon aus, dass die Bedingungen erfüllt würde, welche die Bonus-Aktienoptionen von O'Leary triggern würden.
Doch nun hat Ryanair am vergangenen Freitag Ergebnisse und Prognosen vorgestellt, welche deutlich besser als der vorletzte Ausblick sind. Unter anderem dank einem hervorragenden Weihnachtsgeschäft rechnet Ryanair damit, im Ende März abzuschliessenden Geschäftsjahr 2019/2020 einen Gewinn von nahe einer Milliarde Euro zu erzielen und 154 Millionen Passagiere zu verzeichnen (1 Million mehr als erwartet). Die Börse quittierte diese guten Nachrichten mit einem massiven Anstieg des Ryanair-Kurses um über 11 Prozent. Es scheint durchaus wieder plausibel, dass Ryanair die im Vergütungsmodell von O'Leary festgehaltenen Bedingungen erfüllt.
Wenn es rund läuft, dann dürfen die Verantwortlichen auch gerne etwas einstecken, oder? Die Frage bleibt allerdings, ob der Turnaround von Ryanair wirklich ein Management-Verdienst von O'Leary ist oder nicht eher glücklichen exogenen Faktoren zuzuschreiben ist. Zum einen hat sich das Pfund jüngst etwas erholt, die Angst vor einem ungeregelten Brexit hat abgenommen, und in Grossbritannien hat die Konkurrenz deutlich abgenommen (Thomas Cook-Pleite, Norwegian-Probleme), weshalb Ryanair jüngst die Ticketpreise gar leicht anheben konnte. Die Probleme mit der B737MAX hatten darüber hinaus auch ihr Gutes: Es gab weniger Überkapazität im Markt (wodurch die Preise stabil blieben), derweil Ryanair unprofitable Routen leichter streichen konnte und keinen Pilotenmangel mehr hatte.
Noch hat O'Leary seinen Bonus nicht auf sicher und negative exogene Faktoren (Nahost-Krise und dadurch steigende Treibstoffpreise als eine Möglichkeit) könnten die Hausse von Ryanair abrupt wieder beenden. Trotzdem ist schon die Möglichkeit, einen solch fetten Bonus einzustreichen, per se fragwürdig.