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HIV: Therapie direkt starten!
In der Regel startet man die antiretrovirale Therapie ab einer Viruslast von 50-100 000 im Blut oder wenn die Zahl der CD4-T-Helferzellen unter 350/µl sinkt. Die START*-Studie, 2009 initiiert, prüfte nun, wie sich ein früherer Behandlungsbeginn auswirkt.
Eingeschlossen wurden 4685 Patienten aus 35 Ländern mit CD4-Zellzahlen über 500/µl (im Mittel 651/µl). Das mittlere Alter lag bei 36 Jahren. Die Viruslast lag im Durchschnitt bei 12 759 Kopien/ml. Die Teilnehmer erhielten dann entweder sofort Medikamente oder nach Abfall der CD4-Zellen auf 350/µl bzw. nach Ausbruch von AIDS, berichten Professor Dr. Jens Lundgren vom Department of Infectious Diseases and Rheumatology am Rigshospitalet der Universität Kopenhagen und seine Kollegen.
Studie wird früher beendet: Wirksamkeit erwiesen
Das Follow-up betrug im Mittel drei Jahre. Als primären Endpunkt definierten die Autoren eine Kombination aus zwei Komponenten: schweres AIDS-bezogenes Ereignis und gravierender Vorfall, der nicht im Zusammenhang mit der Immunschwäche stand. Die Studie wurde im Mai 2015 vorzeitig gestoppt, nachdem die Wirksamkeit der frühen Therapie belegt war.
Der primäre Endpunkt betraf 1,8 % der sofort und 4,1 % der verzögert Behandelten. Daraus errechnete sich eine Hazard Ratio (HR) von 0,43, für AIDS-assoziierte Ereignisse ergab sich eine HR von 0,28. Am häufigsten liessen sich in beiden Gruppen kardiovaskuläre Krankheiten, AIDS-unabhängige Krebsleiden und Tuberkulose verzeichnen. Vermehrte Nebenwirkungen durch die frühe Therapie traten nicht auf.
Interessanterweise betrafen mehr als zwei Drittel der unerwünschten Ereignisse Patienten mit CD4+-Werten von mehr als 500/µl. Nach Ansicht der Autoren deutet das darauf hin, dass ein wesentlicher Teil der positiven Auswirkungen antiretroviraler Therapien nicht die CD4+-Zellen betrifft. Nichtsdestotrotz plädieren sie nach diesen Ergebnissen dafür, die Medikamente unabhängig von Laborwerten direkt nach der Diagnose zu verordnen.
*Strategic Timing of Antiretroviral Therapy
Quelle: Jens D. Lundgren et al., N Engl J Med 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1506816