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Im Versuch eine "gerechtere" Sprache zu erwirken werden immer wieder Worte durch andere Worte ersetzt. Dass dies sprachlich oftmals keinen Sinn ergibt zeigt das Beispiel des Lehrers, wo die generisch maskuline Form durch die generisch feminine Form von "Lehrperson" ersetzt wurde.
Wie im Artikel »das generische Maskulinum genauer gezeigt wird, verfügen manche Formen des generischen Maskulinums über eine Eigenheit: sie umfassen eine Doppelbedeutung. Mit Lehrer kann zugleich eine Person, welche Lehren als Beruf hat bezeichnet werden als auch ein Mann, welcher Lehren als Beruf hat. Diese Doppelbedeutung entstand dadurch, dass anders als beim generischen Femininum von "Lehrperson" eine spezifisch weibliche Form expliziert wurde. Es gibt keinen extra Begriff für eine männliche Lehrperson (keinen Lehrpersoner), sehr wohl aber für den weiblichen Lehrer: die Lehrerin.
Spannend daran ist, dass das generische Maskulinum in seiner Grundform dem generischen Femininum exakt entspricht. Sprachlich sind beide ursprünglich rein generische Formen gewesen (Erklärung im oben erwähnten »Artikel). Lehrer bedeutete ursprünglich "Person, die Lehren zum Beruf hat" - und hat damit was "Gender" anbelangt die identische Bedeutung von Lehrperson (nicht aber vom Inhalt her). Beides sind generische Formen, sind also komplett geschlechtsunabhängig - und das ist heute noch so. An dieser generischen Bedeutung hat sich nichts verändert.
Das Einzige, was heute einen Unterschied ausmacht ist die Herausbildung einer explizit femininen Form beim generischen Maskulinum. Die Explizierung der femininen Form hat dazu geführt, dass dem generischen Maskulinum implizit eine Zusatzbedeutung hinzugefügt worden ist. Weil nun klar ist, dass eine Lehrerin stets eine Frau ist wurde der rein generischen Form eine maskuline Bedeutung hinzugefügt. Gäbe es das Femininum nicht - gäbe es die Form der "Lehrerin" nicht - wäre "Lehrer" weiter sprachlich genau gleich generisch wie die "Lehrperson". Ohne "Lehrerin" wäre Lehrer rein geschlechtsneutral und hätte nicht die Zusatzbedeutung "Mann, der lehrt" so wie Lehrperson keinen Hinweis auf einen Sexus enthält und nicht die Zusatzbedeutung "Frau, die lehrt" enthält. Dies hat auch damit zu tun, dass vom Genus nicht auf den Sexus geschlossen werden kann, was auch im oben erwähnten »Artikel genauer erklärt wird.
Wie absurd nun die Forderung ist, das generische Maskulinum durch ein generisches Femininum zu ersetzen zeigt der folgende Gedanke. Würde man dem generischen Femininum eine maskuline Form hinzufügen (die Lehrperson - der Lehrpersoner, analog zu der Lehrer - die Lehrerin), dann wäre wieder Gleichstand. Der Lehrpersoner wäre dann die männliche Lehrperson und die Lehrperson hätte eine Doppelbedeutung: Weibliche Lehrperson oder geschlechtsunabhängige Lehrperson.
Allerdings gibt es einen inhaltlichen Unterschied. Lehrer (nicht Lehrerin, die Berufsbezeichnung als Abstraktum lässt sich nicht "gendern") bezeichnet den Beruf des Lehrens. Eine Lehrperson ist aber nur eine Person, welche die Tätigkeit des Lehrens ausübt. Die Ersetzung des "Lehrers" durch "Lehrperson" verändert sprachlich nichts an der generischen Form, aber es gibt eine inhaltliche Verschiebung. Eine Lehrperson ist kein professioneller Lehrer, sondern einfach irgendeine Person, die lehrt. Wird also Lehrer durch Lehrperson ersetzt, dann wird die Tätigkeit weniger gewürdigt, es ist eine sprachliche Entwertung der Professionalität von Lehrern.
Die Lehrperson ist deshalb nicht der bessere Lehrer. Sie ist weder ein sprachlich adäquater Ersatz noch wird wirklich "Gendergerechtigkeit" hergestellt. Es führt aber durchaus zu Veränderungen, die Sprache wird komplizierter, schwerer verständlich und weniger präzise. Man kann nun nicht mehr zwischen männlichen Lehrern und Lehrerinnen unterscheiden, wenn man das Geschlecht betonen möchte, sondern es heisst nun "männliche Lehrperson" und "weibliche Lehrperson". Insofern gibt es tatsächlich etwas mehr "Gerechtigkeit": Wurden männliche Lehrer zuvor insofern benachteiligt, als es für sie keine explizite Form gab, gibt es hier nun Gleichstand. Die explizit weibliche Form der "Lehrerin" wurde wegrationalisiert.
Neu heisst es deshalb nicht mehr "meine Lehrerin hat mir gesagt", sondern "meine Lehrperson hat mir gesagt" - war vorher klar, dass es sich um eine Frau handelte wird das Geschlecht nun verborgen. Das war aber auch vorher schon so - war die Rede davon, dass "mein Lehrer mir gesagt hat", konnte man nie mit Sicherheit wissen, ob damit ein Mann oder eine Frau gemeint war. Es war eine generische Form, die nur dann mit Sicherheit maskulin war, wenn der Zusatz "männlich" ergänzt wurde. Man konnte aber die Frau Lehrer (nicht Lehrerin!) hervorheben, indem man sie schlicht "Lehrerin" genannt hat. Dies hat zur Folge, dass Frauen letztlich unsichtbarer werden, es geschieht also genau das Gegenteil von dem, was mit der Einführung der "Lehrperson" intendiert worden ist.