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Dan Short, Fachmann für Kurzzeittherapie und Claudia Weinspach, Psychologische Psychotherapeutin, widmen “Hoffnung und Resilienz” Milton Hyland Erickson. Dieser wirkte in den USA als Psychotherapeut.
Milton Hyland Erickson, geboren 1901, wuchs in einfachsten Verhältnissen auf. Trotz Sehproblemen, einer Leseschwäche, Hörproblemen und Farbenblindheit entwickelte er einen unstillbaren Hunger Neues zu lernen. Eine sehr geduldige Lehrerin überraschte ihn immer wieder, indem sie ihm Vertrautes in einem für ihn neuen Zusammenhang präsentierte. Diese Erfahrungen inspirierten ihn später zur Technik der Reorientierung. Milton Hyland schien jemand gewesen zu sein, welcher seine Umgebung sehr genau beobachtete. In bester Erinnerung behielt er den ansässigen Landarzt, welcher mit seiner positiven Art bei seiner finanziell nicht auf Rosen gebetteten Klientel Hoffnung verbreitete und Trost schenkte.
Im Alter von 17 Jahren erkrankte Erickson an der spinalen Kinderlähmung. Die Prognose, dass er kaum Chancen hätte die kommende Nacht zu überleben, stimmte ihn unglaublich wütend. Er bat seine Mutter eine Kommode in seinem Zimmer so zu verschieben, dass er durch ein Fenster schauen konnte. Später erklärte Erickson” Ich hätte mich verflucht, wenn ich gestorben wäre, ohne noch einmal einen Sonnenuntergang zu sehen.” Nachdem er den Sonnenuntergang beobachtet hatte, verlor er für drei Tage das Bewusstsein. Als er aufwachte, konnte er lediglich noch seine Augen bewegen und unter grossen Schwierigkeiten sprechen.
Erhalten blieb sein Wissensdurst. Eine wichtige Lernerfahrung machte er, als er alleine zu Hause war. Sein Körper war in Sitzhaltung an einen Schaukelstuhl fixiert. Gerne hätte er durch das Fenster geschaut. Während er fieberhaft nach einer Lösung suchte, bemerkte er, dass sein Schaukelstuhl langsam zu schaukeln anfing. In den nächsten Monaten konzentrierte sich Erickson darauf sich zu erinnern, wie es sich angefühlt hatte, beispielsweise eine Gabel zu halten und welche Muskelbewegungen dazu notwendig waren. In sehr kleinen Portionen lernte er so Bewegungen bewusst in Gang zu setzen. Das Laufen erlernte er wieder, indem er seine kleine Schwester beobachtete, welche das Laufen erlernte.
Um seinen Körper zu kräftigen, entschloss er sich nach einigen Monaten auf eine Kanutour zu gehen. Freunde mussten ihn und das Kanu zum Fluss tragen. Bargeld hatte er kaum dabei, aber ein unerschütterliches Vertrauen in seine Fähigkeit mit Problemen fertig zu werden. Er war darauf angewiesen Leute zu treffen, welche ihn unterstützen. So verdiente er sich bei Fischern sein Essen, indem er für sie Geschichten erzählte. 10 Wochen später hatte er 2040 Kilometer zurückgelegt, eine unfassbare Stärke im Oberkörper entwickelt, wieder laufen gelernt und unterschiedliche Menschen und deren Lebensläufe kennengelernt.
Mit seinem Willen, seiner Zuversicht war es ihm gelungen innert 11 Monaten die Kontrolle über seine Extremitäten wiederzugewinnen. Diese Erfahrungen prägten ihn als Mensch und später als Therapeuten.
Erickson absolvierte die Ausbildung zum Psychologen und zum Psychiater. Er wirkte zuerst in Spitälern und später in seiner Privatpraxis.
Mit 34 liess er sich scheiden, erhielt das alleinige Sorgerecht für seine drei kleinen Kinder. Die negativen Erfahrungen in seiner ersten Ehe motivierten ihn die Dynamik von gesunden Familienbeziehungen verstehen zu wollen. Er war einer der ersten Therapeuten, welche die Familien seiner Patient/innen zur Problemlösung einsetzte.
1947 wurde Erickson beim Fahrradfahren von einem Hund zu Boden gerissen. Er erhielt eine Tetanusspritze, welche eine lebensbedrohliche Impfreaktion auslöste. Sechs Jahre später erkrankte er schwer am Post-Polio-Syndrom. Immer wieder musste er das Bett hüten. Muskelschwund an einem Arm, beiden Beinen und am Rumpf, schier unerträgliche Schmerzen beeinträchtigten ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1980. Seine physischen Probleme hielten ihn nicht davon ab therapeutisch tätig zu sein und auf Vortragstouren zu gehen.
Dan Short und Claudia Weinspach würzen ihr Werk mit vielen Fallbeschreibungen und Erklärungen, wie Erickson wirkte.
Fachliches Können, er arbeitete oft mit der Technik der Hypnotherapie, echtes Interesse an seinem Gegenüber, Humor und die Fähigkeit überraschende Interventionen vorzunehmen, zeichneten ihn scheinbar aus. Seine Überzeugung, dass jede Person über persönliche Qualitäten und Stärken verfügt um Probleme lösen zu können, trug ihn und übertrug sich auf viele seiner Patient/innen, welche sich in einer hoffnungslosen Lebenssituation wähnten.
Wahrlich ein sehr interessantes Werk über eine sehr starke und sehr motivierende Persönlichkeit.
13.Juni 2020