Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03602.jsonl.gz/309

1883
In den touristischen Anfängen in St. Moritz begann man, erste Schlittenrennen auszutragen. Nahe dem heutigem Kulm Hotel erstellte man bis zu sechs Bahnen hinunter auf den gefrorenen St. Moritzersee. Auch auf verschiedenen Strassen wurde der Schlittensport ausgeübt, wie hier auf dem Bild zu sehen ist.
1884
In St. Moritz wird seit 1876 auf einer Bahn beim Kulm Hotel geschlittelt. Nun plant das sogenannte «outdoor amusements committee of the Kulm Hotel» den Bau einer neuen Schlittelstrecke; den Cresta Run.
1885
Der Cresta Run wird nach mehrwöchiger Bauzeit eröffnet. Eine der treibenden Kräfte ist Major William H. Bulpett, der zu einer Schlüsselfigur des Schlittensports wird. Er lässt den ersten Skeleton aus britischem Stahl anfertigen (1888), dann auch den ersten mehrplätzigen Bob (1889).
1885
Am 16. Januar findet auf dem Cresta Run das erste «Grand National Toboggan Race» statt. Das Rennen gehört noch heute zu den Höhepunkten der Cresta-Saison – und gilt als ältester noch bestehender Wintersportwettkampf überhaupt. Am ersten Rennen starten je zehn Teilnehmer aus Davos und aus St. Moritz – und zwar noch auf herkömmlichen Schlitten. Der Gewinner heisst Charles Austin.
1887
Gründung des «St Moritz Tobogganing Club». Der Club betreibt und unterhält bis heute den Cresta Run, die Clubsprache ist seit Beginn Englisch. Im Bild: Sieger anlässlich eines «Grand National Toboggan Race» in den 1890er-Jahren.
1887
Erstmals wird der Cresta Run am «Grand National» kopfvoran befahren – und zwar von einem gewissen Mr. Cornish.
ab 1887
Nebst herkömmlichen Schlitten werden nun niedrige «Americas» aus Holz genutzt. Den ersten «America» konstruiert L. P. Child, ein Kurgast in Davos.
1888
Major William H. Bulpett lässt vom St. Moritzer Hufschmid Christian Mathis erste «Skeleton framed»-Schlitten bauen – und zwar aus britischem Stahl. Die bisherigen hölzernen Seitenwände des «America» entfallen, der neue Schlitten gleicht nun einem Gerippe – oder eben einem Skelett.
ab 1889
Der St. Moritzer Schmid Christian Mathis konstruiert aus zwei Skeletons den ersten mehrplätzigen Bob.
1896
Das erste «Ladies Grand National» wird durchgeführt. Frauen, die am sportlichen Geschehen aktiv teilnehmen, sind keine Seltenheit. Im Bild: Ursula Wheble – hier noch in sitzender Fahrweise – beim Damenstart um 1900.
1902
Die Skeletons erhalten ihre typischen «sliding seats». Die beweglichen Sitze ermöglichen besseres Manövrieren.
1903
In St. Moritz wird seit Jahren auf mehreren Strecken – respektive schneebedeckten Strassen – geschlittelt und Bob gefahren. Gleich neben der Strasse von St. Moritz nach Celerina entsteht nun eine neu konzipierte Strecke: der heute noch bestehende Olympia Bob Run (eröffnet am 1.1.1904).
1907
Der Cresta Run ist nicht ungefährlich. Das bestätigt sich in dieser Saison, die gleich zwei Todesopfer fordert. Im Bild: Cresta-Fahrer um 1909.
1925
Mrs J.M. Baguley gewinnt das vorerst letzte Damen-Rennen. Frauen werden zwischen 1929 und 2018 wegen angeblichem Brustkrebs-Risiko vom Cresta-Sport ausgeschlossen. Im Bild: May Bott, beobachtet von Frau J. A. Bott, einer Pionierin des Cresta-Sports.
1928
An den Olympischen Winterspielen 1928 steht der Cresta Run im Fokus der Skeleton-Wettbewerbe. Im Bild: Der Olympiasieger Jennison Heaton in Cresta-Vollmontur.
1931
Ein Inserat in der «Engadiner Post» kündigt Spektakuläres an: Billy Fiske, der Olympiasieger von 1928 im Fünferbob, tritt auf dem Bob Run St. Moritz gegen Jack Heaton, den Olympia- Silbergewinner von 1928 im Skeleton an. Als Schiedsrichter amtet niemand geringeres als Charlie Chaplin. Das Duell gewinnt Jack Heaton.
1934
Der berühmte Shuttlecock-Club wird gegründet. Benannt ist der Club nach der wohl spektakulärsten Kurve des Cresta Runs. Mitglied wird, wer durch die Geschwindigkeit die Kontrolle über den Skeleton verliert und über den Kurvenrand hinausschiesst.
1947
Der Franzose Hirigoyen erzielt 1947 Rekordzeit in den Skeleton-Meisterschaften auf dem Cresta-Run.
1948
An den zweiten Olympischen Winterspielen in St. Moritz brilliert Nino Bibbia. Der St. Moritzer Gemüseehändler mit italienischen Wurzeln gewinnt im Skeleton. Nino Bibbia wird später «König des Cresta Runs», er gewinnt weit mehr als 200 Rennen.
1950
Der Olympiasieger Nino Bibbia gewinnt die Schweizer Skeleton-Meisterschaft und den mit internationaler Beteiligung ausgetragenen Kampf um den Heaton-Cup.
1952
Ein Sport für junge Athleten? Nicht nur: 1952 stürzt sich beispielweise ein 70-jähriger Oberst «mit britischem Gleichmut» in die Bahn. Mehr dazu im Film.
1955
Der Kanadier Douglas Connor wird auf dem St. Moritzer Cresta Run Skeleton-Weltmeister.
1959
Der Engländer Colin Mitchell siegt auf dem St. Moritzer Cresta Run knapp vor dem Schweizer Robert Küderli.
1962
Auf dem Cresta-Run in St. Moritz wird Hans Küderli vor Nino Bibbia Schweizermeister.
1963
Auf dem St. Moritzer Cresta Run gewinnt Nino Bibbia die Landesmeisterschaft im Skeleton.
1964
Das Clubhaus des St. Moritz Tobogganing Club wird gebaut.
1973
Der Cresta Run fordert sein bislang viertes Todesopfer.
1979
Der 19-jährige St. Moritzer Marcel Melcher wird der bislang jüngste Sieger eines Cresta-Rennens.
1985
Der Cresta Run feiert seinen 100. Geburtstag. Zum Jubiläum wird in St. Moritz die Skulptur «Cresta Rider» von David Wynne eingeweiht.
1998
Eine Legende im Porträt: Nino Bibbia, der Olympiasieger von 1948.
2009
Für Einsteigerinnen und Einsteiger: Skeleton-Kurs auf dem Olympia Bob Run.
2010
Die Geschichte des Cresta Runs auf Rätoromanisch? Gibt es auch. Zum 125. Geburtstag des Cresta Runs strahlt das Rätoromanische Fernsehen ein Porträt der eisigen Legende aus.
2014
Graubünden und St. Moritz feiern «150 Jahre Wintersport». Da darf der einzigartige Cresta Run natürlich nicht fehlen.
2016
In London gibt es neu eine «Cresta Bar»: Diese ist aus einer Kooperation des St. Moritzer «Kulm Hotels» mit dem Londoner Fünf-Sterne-Haus «The Goring» entstanden. Die Bar ist ein sogenanntes Pop-Up und bleibt bis Februar 2017 bestehen.
2017
Lord Clifton Wrottesley gewinnt das bedeutendste Rennen am Cresta Run, den «Grand National» bereits zum 14. Mal.
2018
«Elf Jahre mit total 802 Fahrten und 17 Stürzen, zwölf davon vom Top, und jetzt der Sieg im ‚Grand National‘, mein Traum wurde endlich wahr!». Das sagt Nico Juelich nach seinem Sieg im «Grand National», dem bedeutendsten Cresta-Rennen.
2018
Die britische Armee ist seit langem mit dem Cresta Run verbunden. Da in der Armee die Geschlechter gleichgestellt sind, fordern die Streitkräfte, dass weibliche Armeeangehörige auch auf dem Cresta Run fahren dürfen. Die Mitglieder des St Moritz Tobogganing Clubs stimmen darauf ab: Frauen werden – vorerst für zwei Jahre – auf dem Cresta Run wieder zugelassen.
2019
«You are now a Cresta Rider»: So tönt es im Februar 2019 aus den Lautsprechern beim Cresta Run. Der neuste «Rider» ist eine Frau: Carina Evans. Die Britin ist die erste Frau seit 90 Jahren, die den Cresta Run vom Top Start meistert. Damit ist das Fahrverbot für Frauen, das 2018 aufgehoben wurde, Geschichte.
2019
Im Zentrum von St. Moritz fahren die Baumaschinen auf: Wo bislang das legendäre – aber baufällige – Kino Scala stand, entsteht ein neues Gebäude mit Kino, Restaurant, Boutique sowie mit dem Cresta & Bob Museum.
2020
Die britischen Streitkräfte waren massgeblich daran beteiligt, den Cresta Run nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zum Leben zu erwecken. So stellt auch die Royal Air Force jeweils ein Team, hier auf einer Aufnahme von 2020.
2023
Das Cresta & Bob Museum in St. Moritz öffnet seine Türen. Herzlich willkommen!