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Abschnitt 5: Dialektischer Ansatz: Thesen, Positionen und Fragen
Die Einführung der Informatik in den Unterricht gab zu Beginn der achtziger Jahre Anlass zu stark gegensätzlichen Stellungnahmen. Die uneingeschränkten Befürworter der Informatik kündigten eine technische Umwälzung und einen grundlegenden Wandel der Unterrichtsqualität an. Andere Akteure, durch den Diskurs der ersteren erschreckt oder von technophobischer Grundeinstellung, malten das Schreckgespenst einer enthumanisierten Schule an die Wand, in der emotionale und soziale Aspekte keinen Platz mehr hätten. Diese beiden Diskurse haben heute ihre Substanz verloren. Zehn Jahre später haben die Computer in unseren Schulen einen gewiss realen, aber doch marginalen Platz eingenommen. Sie ermöglichen in der Schule die Durchführung origineller Versuche, welche aber die Bildungssysteme nicht erschüttert haben.
Betrachten wir ein Beispiel von hohem Symbolwert, den LOGO-Mythos. Die Befürworter dieser Sprache behaupteten, dass ihre Benutzung, ähnlich wie das Erlernen des Lateins, es den Kindern ermöglichen würde, spontan Kompetenzen zu erwerben, die auf andere Gebiete übertragen werden könnten. In Wirklichkeit hat sich herausgestellt, dass die meisten Anwender von LOGO schnell stagnieren, wenn sie nicht durch einen Lehrer unterstützt und stimuliert werden. Die Art der erworbenen Kompetenzen ist weniger durch die Eigenschaften des Systems als die vom Lehrer geforderten Tätigkeiten bedingt. Zum andern plazieren die Lehrer aus pädagogischen und vor allem aus materiellen Gründen (in der Regel hat es mehr Schüler als Geräte) mehrere Schüler vor einer Arbeitsstation. Die Vorhersage einer Desozialisierung des Kindes wurde durch die Entwicklung der Praxis hin zu Formen der gemeinsamen Arbeit widerlegt. Heute ist die Nutzung von Logo in den Genfer Schulen vor allem im Projektunterricht integriert und ist den der Technik eigenen Werten nur noch geringfügig unterworfen.
Während einiger Jahre wurde das Potential des Computers als pädagogisches Instrument vor allem im Hinblick auf die Individualisierung beschrieben. In einer klassischen Situation des computergestützten Unterrichts (CGU) führt der Schüler im allgemeinen alleine eine Reihe von Tätigkeiten durch, mit denen die im klassischen Unterricht erworbenen Kompetenzen systematisiert werden sollen. Das Individualisierungspotential des CGU ist unleugbar, beruht aber auf institutionellen Bedingungen, die auch heute in unseren Schulen noch selten anzutreffen sind (Unterrichtssoftware, Hardware, Ressourcenexperte...). Aus diesen Gründen ist der CGU weitgehend auf die Berufsbildung beschränkt. In den Grundschulen stellt er nur einen kleinen Prozentsatz der Informatikanwendungen dar. Hingegen haben sich andere pädagogische Nutzungsformen der Informatik in den vergangenen Jahren rasch verbreitet:
Hierbei wird ein Programm benutzt, um der Klasse eine Grafik oder eine Animation vorzuführen. Je nach der Ausgereiftheit des Programms kann die konstruierte Darstellung über dynamische und interaktive Eigenschaften verfügen, die den traditionellen schwarzen Tafeln fehlen (fortlaufende Konstruktion, partielle Änderungen, Überlagerung, Zoom, dreidimensionale Visualisierung...). Ist die Schülerzahl gering, kann die Präsentation auf dem Computerbildschirm erfolgen, sonst erfordert sie einen Tageslichtprojektor und einen LCD-Bildschirm (eine schon seltener anzutreffende Ausrüstung). Der Erfolg dieser Anwendung ist durch pragmatische Faktoren zu erklären: In technischer Hinsicht ist nur ein Rechner pro Klasse vonnöten, und im pädagogischen Bereich kann der Lehrer die gewöhnliche Organisation seines Unterrichts beibehalten. Da er das Programm vor seinen Schülern bedient, behält er seine zentrale Rolle als Wissensvermittler. Im Gymnasialunterricht war dieser Art Anwendung ein grösserer Erfolg beschieden, da auf dieser Stufe ein hoher Bedarf an abstrakten Darstellungen (Funktionszeichnung, grafische Daten usw.) besteht.
Gewisse Lehrer haben sich für Textverarbeitungs-programme interessiert, um bestimmte Aspekte des Schreibens zu fördern, die durch das Medium Papier nicht unterstützt werden, wie z.B. die Änderung der Reihenfolge von Argumenten. Diese Programme wie auch Tabellenkalkulationen oder Grafikprogramme wurden nicht im Hinblick auf einen pädagogischen Einsatz entworfen (obschon es jetzt "Minitextverarbeitungen" für junge Anwender gibt), aber die Lehrer haben ein grosses Mass an Phantasie entwickelt, um diese Instrumente in ihre Praxis zu integrieren.
Das in jüngster Zeit begonnene Eindringen der Mikroinformatik in die lokalen, nationalen und internationalen Netze hat eine tiefgreifende Entwicklung ausgelöst, deren Folgen schwierig abzuschätzen sind. Die Leistungsfähigkeit der Telematik vervielfacht sich rasch durch die wachsende Kompatibilität der verschiedenen Programme oder Rechner, die von verschiedenen Herstellern gebaut werden. An den Genfer Schulen wurden mehrere Versuche zur Anwendung der Telematik erfolgreich durchgeführt. Eine Form der Anwendung ist eine moderne Version der Schulkorrespondenz, die es beispielsweise Schülern verschiedener Sprachen und Kulturen ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Eine andere Nutzungsform der Telematik ist die Informationssuche (Texte, Bilder, Ton, Video...) in einer Welt, deren Möglichkeiten jene einer traditionellen Bibliothek bei weitem überschreiten. Auch die Lehrer werden Zugang zu weitläufigen Netzen haben, in denen sie Material recherchieren und mit Kollegen Erfahrungen austauschen können. Der Begleittext zum Projekt insistiert zu Recht auf der Entwicklung des Lehrerberufes hin zu einer mehr kooperativen Praxis. Die Telematik wird die Zusammenarbeit fördern, indem sie die räumlichen und zeitlichen Zwänge abbaut, denen diese heute noch unterliegt.
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