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Der Sage nach ist Rom am 21. April 753 v. Chr. von Romulus und Remus gegründet worden, Romulus hat der aufblühenden Siedlung den Namen Rom gegeben und wurde ihr erster König.
Der römische Geschichtsschreiber Livius überliefert, dass die Umgebung Roms von Flüchtlingen aus Troja (12. Jahrh. v. Chr.) besiedelt worden sei. Der griechische Schriftsteller Plutarch, der auch Biographien über berühmte Römer geschrieben hat, bezieht sich auf ihn.
Quellentext
Über die Gründung Roms berichtet die Sage: Der trojanische Held Aeneas rettete sich mit einigen Landsleuten aus der brennenden Vaterstadt. Die Flüchtlinge fanden eine neue Heimat in Latium. Aeneas' Sohn Jul(i)us gründete im Albaner Gebirge die Stadt Alba Longa. Einst entstand in der Herrscherfamilie ein Erbfolgestreit: Die Königstochter Rhea Silvia, heimlich dem Kriegsgott Mars vermählt, gebar die Zwillinge Romulus und Remus. Ein neidischer Oheim gab die Zwillinge in einem Körbchen den Wellen des reissenden Tiberflusses preis. Dies wurde am Fuss des Hügels Palatin an Land gespült. Während die Knäblein dort lagen, näherte sich eine Wölfin und säugte die Hungrigen; ein Specht fütterte sie. Beide Tiere sind dem Mars heilig. Ein Hirte fand die Säuglinge und zog sie auf. Als sie herangewachsen waren, zeigten sie in allen Gefahren ein tapferes Herz und einen unerschütterlichen Mut. . . Sie beschlossen, dort, wo sie gerettet worden waren, eine Stadt zu gründen. . . Sogleich aber entstand Streit über die Wahl des Ortes. Romulus plante auf dem Palatin eine viereckige Siedlung, Roma quadrata, und wollte diesen Platz zur Stadt machen; Remus hingegen wählte den Aventin. Sie vereinbarten, die Streitfrage durch eine Vogelschau (Orakel) zu entscheiden. Da erschienen zuerst dem Remus sechs Geier, alsbald dem Romulus aber zwölf. Als dieser nun einen Graben ausheben liess, wo später die Stadtmauer verlaufen sollte, spottete Remus über das Unternehmen, suchte es zu verhindern und sprang schliesslich über den Graben, wurde aber von Romulus auf der Stelle erschlagen... Die Gründung der Stadt soll am 21. April im 3. Jahr der 6. Olympiade (= 753 v. Chr.) erfolgt sein. Die Römer feiern dieses Datum als Geburtstag ihrer Vaterstadt"
Plutarch (46 – 120 n. Chr.)
Zwischen 600 und 500 v. Chr. besetzen die Etrusker die Latinersiedlung am Tiber und etruskische Könige bauen die Stadt aus, entwässern die sumpfigen Niederungen zwischen den sieben Hügeln und legen dort das Forum (den Marktplatz) an. Unter den Etruskern wird Rom ein Stadtstaat. Die latinischen und etruskischen Adelsfamilien nennen sich stolz Patrizier. Die Masse des Volkes bilden die Plebejer, die zwar nicht adelig, aber frei und nicht unbedingt arm sind. Dem König, der oberster Priester, Heerführer und Richter ist, stehen die Adelsväter als Senat (Rat der Alten) zur Seite. Schliesslich wird der etruskische König aus Rom vertrieben (509 v. Chr.) und der Adel erklärt die römische Politik zur „res publica“, zur „Sache des Volkes“. Daher kommt der Name Republik. Patrizier und Plebejer bilden fortan die gemeinsame Volksversammlung, die jährlich auf dem Marsfeld am Tiber zusammenkommt. Sie wählt Beamte, bestimmt über Krieg und Frieden, erlässt neue Gesetze und entscheidet über Todesurteile.
Quellentext
In Waffen eilten Roms Bürger herbei; denn die Volksversammlung war zugleich eine Heerschau. Auch die Plebejer mussten nun Kriegsdienst leisten. Wie zum Kriegszug waren Roms Männer nach Hundertschaften, Centurien, geordnet. Ein hohes Holzgerüst trug zwei elfenbeinverzierte Ehrensessel. Auf ihnen nahmen die beiden Konsuln Platz. An Macht beinahe den früheren Königen gleich, befehligten sie das Heer, verwalteten den Stadtstaat, sprachen Recht und beriefen die Volksversammlung. Sie wurden auf ein Jahr gewählt. In Zeiten höchster Gefahr wurde ein Mann zum Diktator berufen, aber nur für die Dauer eines Sommerfeldzuges, für höchstens sechs Monate.
Wie den alten Königen schritt den Konsuln ein Ehrengeleit von je zwölf Männern, Liktoren genannt, mit Rutenbündeln voran. Die Patrizier, die Beamte werden wollten, stellten sich in weissem Gewand dem Volk vor; „Weissgekleideter“, Kandidat, hiess der Anwärter auf ein Amt. Nur Adlige konnten sich bewerben, mussten aber vom Volk gewählt werden. Die Adeligen dienten wie in alter Zeit zu Pferd; sie bildeten den "Ritterstand".
Die Plebejer waren je nach Vermögen in fünf Klassen eingeteilt. Die Reichen gehörten als Schwerbewaffnete zur ersten. Jeder von ihnen hatte die Schutzwaffen Helm, Rundschild, Beinschienen, Brustpanzer - alles aus Erz - und die Angriffswaffen Lanze und Schwert selbst zu beschaffen. Die übrigen Klassen stellten die Leichtbewaffneten. Leute ohne Vermögen, die Proletarier, brauchten keinen Kriegsdienst zu leisten. Wer mehr Pflichten auf sich nahm, besass auch grössere bürgerliche Rechte. Zur Abstimmung wurden daher zuerst die Ritter gerufen, dann die achtzig Centurien der ersten Klasse. Wenn sich beide Gruppen nicht einigen konnten - dies traf selten zu -, wurden auch die unteren Klassen befragt. Die älteren Bürger hatten im Kriegsfall die Pflicht, die Stadt zu verteidigen, die jüngeren mussten ins Feld ziehen.
nach Livius (59 v. Chr. – 17 n. Chr)
Aufgaben und Recherchen
Wann und durch wen wurde der Legende nach Rom gegründet?
Woher stammen die Römer nach der Ansicht des römischen Historikers Livius? Was bezweckt er wohl mit dieser Aussage?
Was schürt den Verdacht, dass es sich bei der Gründungsgeschichte Roms wohl eher um eine Sage als um „Geschichte“ handelt? Nenne mindestens zwei Punkte aus dem Text, die darauf hinweisen!
Was sind Aventin und Palatin?
Die ursprünglichen Bewohner der Umgebung Roms sind die Latiner. Wer dringt wann in dieses Gebiet vor und bildet eine neue Herrenschicht? Woher kommen sie?
Welche Funktion hat der König im antiken Rom?
Was bedeutet „Senat“ und welche Funktion hat er?
Wie heissen die beiden Bevölkerungsschichten des antiken Rom?
Der Sturz des Königs führt zu welcher Staatsform? Wie heisst sie und was bedeutet der Begriff?
Wie heissen die Staats- und Heerführer der Republik? Wie viele waren es?
Wie heisst das Ehrengeleit der Regierenden und was ist ihr besonderes Zeichen?
Wo finden wir dieses Zeic hen heute noch?
Was war in der Antike und was ist heute ein „Kandidat“? Woher leitet sich der Begriff ab?
Wie waren die Patrizier und Plebejer Roms im Kriegsfall organisiert?
Wie hiessen die Besitzlosen in der römischen Gesellschaft?