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«KISS» oder warum Haikus glücklich machen
Nein, beim «KISS-Prinzip» geht es nicht ums Küssen. Das Akronym KISS steht für «keep it short and simple». Angewendet wird es beispielsweise im Produktedesign, im Projektmanagement oder im Marketing. Es geht darum, die einfachste Lösung für ein Problem zu suchen anstatt die Dinge zu verkomplizieren. Denn die beste Erfindung bringt nicht viel, wenn wir sie nicht verstehen oder anwenden können.
Wir können das Prinzip aber auch auf Sprache anwenden. Wenn wir unsere Botschaft kurz und einfach halten, kommt sie besser an. Einfache und kurze Sätze werden besser verstanden als komplizierte Konstruktionen mit Nebensätzen und Einschüben. Gerade dann, wenn der Inhalt bereits komplex ist, sollte die Sprache nicht noch eine weitere Hürde darstellen. Und: Kürzere Texte erzielen in der Regel mehr Wirkung – wie ein Haiku, ein japanisches Kurzgedicht. Es besteht aus maximal 17 Silben (ein Beispiel dazu finden Sie ganz unten).
Joseph Pulitzer, der Begründer des modernen amerikanischen Journalismus, hat diese Erkenntnisse auf den Punkt gebracht: «Schreibe kurz, und sie werden es lesen. Schreibe klar, und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten».
Hier kommen weitere Tipps, die Ihre Texte und Ihre Botschaften einfacher und verständlicher machen.
Schreiben und kommunizieren nach dem «KISS-Prinzip»
- Verwenden Sie einfache Wörter. Ersetzen Sie komplizierte, lange und zusammengesetzte Wörter durch kurze, leicht verständliche Wörter, die im allgemeinen Sprachgebrauch häufig vorkommen.
- Verwenden Sie keine Fachbegriffe – ausser Sie wenden sich an ein Fachpublikum.
- Verzichten Sie auf abstrakte Begriffe. Nehmen Sie stattdessen Bilder zu Hilfe. Bilder sind einprägsam.
- Schauen Sie sich jedes Wort an und fragen Sie sich, ob es dieses Wort braucht. Wenn nicht: streichen.
- Fragen Sie sich auch bei jedem Satz: Braucht es ihn wirklich? Oder kann ich es einfacher, kürzer oder prägnanter sagen?
- Weniger ist mehr, auch in Bezug auf den Inhalt: Verzichten Sie auf Details oder auf Offensichtliches. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.
- Lassen Sie Wiederholungen weg.
- Haben Sie den Mut zur Kürze. Längere Texte sind nicht per se besser. Im Gegenteil. Leserinnen und Leser sind froh, wenn Sie Ihnen das, was sie wissen müssen, auf zwei Seiten mitteilen statt auf sechs. Damit sparen Sie den Leserinnen oder den Zuhörern Zeit. Sie werden es Ihnen danken.
Falls Sie nun Lust bekommen haben, selbst kreativ zu werden: Nehmen Sie einen beliebigen Text zur Hand, zum Beispiel aus der heutigen Zeitung. Oder eine Geschichte, die Ihnen jemand kürzlich erzählt hat. Und verdichten Sie den Stoff zu einem vierzeiligen, 17-silbigen Haiku. Wie dem berühmten Frosch-Haiku unten. Versuchen Sie, dabei ein Bild zu zeichnen. Sie werden sehen: Mit Sprache zu spielen kann beflügeln.
Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des
Wassers.
Matsuo Basho (1644 -1694)