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Viele Konsument:innen haben erkannt, dass Eier aus konventioneller Haltung mit massivem Tierleid verbunden sind. Daher sind sie bereit, für einen Aufpreis Eier aus vermeintlich besserer Haltung zu kaufen. Doch ganz gleich, aus welcher Haltungsform Eier stammen: Sie sind immer mit Tierleid verbunden.
Bio- und Freilandhaltung von Hühnern in der Schweiz
Seit 2004 gibt es eine europaweite Kennzeichnungspflicht von Eiern, die auch in der Schweiz gilt. Mit dieser Kennzeichnung kann theoretisch jedes Ei zu dem entsprechenden «Legehennenbetrieb» zurückverfolgt werden. In der Schweiz können sich Konsument:innen zwischen den Ziffern 0 bis 2 und damit für Eier aus Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung entscheiden. Obwohl die Käfighaltung in der Schweiz seit 1992 verboten ist, gilt dies nicht für den Import von Eiern aus dieser Haltungsform, die beispielsweise in Produkten wie Keksen, Mayonnaise und Nudeln verarbeitet werden. [1]
Die Schweizer Eierindustrie unterstützt die Käfighaltung zudem, indem Schweizer Brütereien das Genmaterial von «Legehennen» aus dem Ausland beziehen und die Tiere dann in der Schweiz ausbrüten. Die «Hochleistungshennen» können aufgrund der Inzucht-Problematik nicht in der Schweiz gezüchtet werden. Ausserdem ist die Zucht für Schweizer Firmen zu kompliziert und aufwendig. Somit stammt auch das Schweizer Bio-Ei von dieser Gattung.
Eier von Hühnern aus Freilandhaltung: Oft haben die Tiere keinen Auslauf
Bei der sogenannten Freilandhaltung stehen den Tieren täglicher Zugang zu einer Wiese und pro Tier 2,5 Quadratmeter Auslauf zur Verfügung. Da bei dieser Haltungsform jedoch bis zu zehn Hennen pro Quadratmeter im Stall gehalten werden, haben die Tiere kaum Platz, um sich zu bewegen.
Die sogenannten Tierwohlprogramme BTS-Programm und RAUS-Programm versprechen eine vermeintlich «besonders tierfreundliche Stallhaltung» und die Haltung von Tieren mit «regelmässigem Auslauf im Freien». Sie schreiben zwar vor, dass die Hühner täglich Auslauf erhalten müssen, räumen jedoch auch Ausnahmen von dieser Regelung ein, so beispielsweise eingeschränkten Zugang zur Weide bei Regen, Wind und Kälte. [2] Diese Programme unterscheiden sich von anderen Haltungsformen hauptsächlich durch den Zugang zu Weideflächen. Da die Teilnahme an den Zusatzprogrammen freiwillig erfolgt, ist es schwierig, die Umsetzung der Vorgaben durch die Betriebe zu kontrollieren.
Leider entspricht die Realität für die Hennen häufig nicht der tierfreundlichen Bezeichnung der Haltungsform. So nutzen die Tiere bei der Freilandhaltung den Auslauf oftmals gar nicht, was verschiedene Gründe haben kann. In vielen Fällen haben die Hühner Angst, sich vom Stall zu entfernen, weil den Grünflächen die nötige Bepflanzung fehlt, um ihnen Schutz vor Feinden zu bieten. Teilweise blockieren ranghöhere Tiere die Auslaufklappen, wodurch rangniedere Hennen nicht ins Freie gelangen. Im schlimmsten Fall nutzen die Tiere die Ausläufe überhaupt nicht. Manche Betriebe öffnen die Auslaufklappen nicht regelmässig oder hindern die Tiere mit stromführenden Kabeln rechtswidrig sogar am Hinausgehen. Dies alles führt dazu, dass in einem Betrieb vielleicht einige hundert Tiere im Freien zu sehen sein können, doch Tausende weitere Hennen im Stall sitzen.
Bio-Eier: Tierqualprodukt aus biologischer Erzeugung
Viele Konsument:innen geben an, beim Kauf von tierischen Produkten auf Bio zu achten. Beim Schweizer Handel mit Fleisch macht der Bio-Anteil jedoch nur rund fünf Prozent des jährlichen Umsatzes aus. [3] Bei Eiern stammte im Jahr 2020 weniger als jedes fünfte Ei aus der Bio-Produktion. [4]
Im Hinblick auf Tierschutzbestimmungen bedeutet auch Bio grosses Tierleid, denn auch die Haltung von Qualzuchtrassen oder von sehr grossen Tiergruppen auf zu engem Raum ist beispielsweise nicht verboten. Zwar haben Hühner in der Schweizer Biohaltung mehr Platz im Stall und im Auslauf, doch auch in der Biohaltung darf eine Herde aus bis zu 4‘000 Hennen pro Betrieb und 2‘000 pro Gruppe bestehen. [5] Dabei werden die grossen Gruppen meist Herde an Herde nebeneinander in einzelnen Stallabteilen gehalten – sodass letztlich auch ein Biobetrieb viele Tausend Hennen halten kann. Das einzelne Tier spielt keine Rolle und erhält im Krankheitsfall keine medizinische Versorgung. Hunderte Henne sterben deshalb bereits im Stall oder werden getötet und wie Müll entsorgt.
In Biobetrieben stehen den Tieren fünf Quadratmeter Weidefläche zur Verfügung und ein Wintergarten von 100 Quadratmeter pro 1‘000 Hühner. Jeder Betrieb darf maximal 4‘000 Hennen und pro Gruppe höchstens 2‘000 Tiere halten. Diese hohe Anzahl an Tieren bedeutet für die Hennen chronischen Stress, denn Hühner können etwa 70 Artgenossen unterscheiden. Die Haltung in grösseren Gruppen widerspricht ihrer natürlichen Sozialstruktur. [2] Es kann sich keine feste Hackordnung bilden, meist stehen ständige Attacken und Rangkämpfe an der Tagesordnung, was für die sensiblen Tiere grosses Leid bedeutet.
Wie ihre Leidensgenossinnen aus anderen Haltungsformen stammen auch die Hennen in der Biohaltung aus Brütereien, in denen Küken anonym in Brutkästen schlüpfen und kurz danach auf Fliessbändern nach Geschlecht sortiert werden. In jeder Haltungsform leiden die Hennen an Überzüchtung, und viele sterben in den Stallanlagen langsam und qualvoll. Tiere, die nicht vorzeitig sterben, werden nach etwa 1,5 Jahren im Schlachthaus getötet und durch junge Hennen ersetzt.
Label von Bioverbänden wie Demeter oder Bio Suisse, die ein höheres Mass an Standards vorschreiben, regeln zwar die Haltungsbedingungen wie Auslauf und Stallbeschaffenheit, doch auch in solchen Betrieben leiden die Tiere. Auch dort werden die Hennen unter Stress und Schmerzen eingefangen, sobald ihre Eieranzahl nachlässt. Auch in Biobetrieben werden für den Transport zum Schlachthof in Kisten gestopft, wobei nicht selten Knochen brechen oder Körperteile eingequetscht werden – da hilft es den Tieren wenig, dass etwas kürzere Transportwege vorgeschrieben sind. Wie Hühner aus anderen Haltungsformen werden auch Hennen aus Biobetrieben im Schlachthof einer qualvollen Strom- oder Gasbetäubung unterzogen, bevor ihnen die Kehle durchtrennt wird – teilweise bei Bewusstsein.
Für Landwirt:innen rechnet sich eine Umstellung auf die Biohaltung teilweise nicht, da der Wettbewerb sehr gross ist. Ineffiziente Kontrollen bieten zudem Schlupflöcher für konventionell geführte Betriebe, die Eier fälschlich als «Bio» vermarkten, um noch mehr Profit zu machen.
Auch für Bio-Eier sterben Küken und Hühner
Tierische Produkte, die als «Bio» gekennzeichnet sind, verleiten Verbraucher:innen zu falschen Schlussfolgerungen. Die Tiere haben vielleicht etwas mehr Platz oder das Glück, auf einer Wiese in der Erde picken zu können. Doch erst nach dem Schlüpfen in der Brüterei entscheidet sich, welche Henne in ihrem Leben etwas mehr Platz haben wird als andere, bis auch sie für die Eierindustrie nicht mehr rentabel ist und deswegen einen frühzeitigen Tod sterben wird. Auch Tiere, die später in Biobetrieben leben, erfahren grosses Leid auf Elterntierfarmen und in Brütereien. In den meisten Fällen werden Hennen aus allen Haltungsformen in den gleichen Schlachthöfen und auf die gleiche Art und Weise getötet.
In der Eierindustrie sollen auch Hühner in der Biohaltung nur einen einzigen Zweck erfüllen: Sie sollen möglichst viele Eier legen. Immer werden die angeblich «glücklichen» Tiere nicht annähernd entsprechend ihren Bedürfnissen gehalten. Meist interessiert es die Halter:innen wenig, wie es einzelnen Henne in der Gruppe gesundheitlich geht und welche Interessen sie haben. In Gruppen von Hunderten bis Tausenden von Tieren werden kranke oder schwache Hühner oftmals nicht entdeckt, auch Knochenbrüche bleiben häufig unbemerkt. Sollte ein krankes oder verletztes Huhn doch gefunden werden, wird es meist noch im Stall getötet, da Tierarztkosten schnell den «wirtschaftlichen Wert» des Huhns übersteigen würden. Mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit wird die Tötung sogar vor dem Gesetz legitimiert. Die völlig ausgezehrten Körper der Hennen werden dann in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt oder beispielsweise zu Tiernahrung verarbeitet.
Es spielt keine Rolle, wie Eier gekennzeichnet sind und ob die Tiere in Boden-, Freiland- oder Biohaltung leben: Die ersten Wochen und die letzten Minuten ihres Lebens verlaufen für fast alle zum Eierlegen gezüchteten Hennen gleich – sie sind gleich grausam. Jedes Jahr werden Millionen «verbrauchte» Hühner in Schlachthöfen getötet. Vor allem männliche Küken sind für die Eierindustrie «wertlos»: Obwohl das Schreddern sogenannter Eintagsküken in der Schweiz seit 2020 verboten ist, werden jährlich rund drei Millionen frisch geschlüpfter Küken weiterhin qualvoll vergast. [6, 7]
Elterntierfarmen und vergaste Küken
Auch wenn Hennen in der Freiland- oder Biohaltung mehr Platz haben als ihre Artgenossinnen in der konventionellen Bodenhaltung, beginnt das Leben dieser Tiere gleichermassen leidvoll. Auf sogenannten Elterntierfarmen werden Hühner nur zu einem einzigen Zweck gehalten: Sie sollen Eier legen und für Nachschub in den Legebetrieben sorgen. Die Elterntiere werden regelmässig ausgetauscht und getötet, denn nach kurzer Zeit sind sie nicht mehr zu der «Legeleistung» fähig, die die Industrie von ihnen erwartet. Alle Eier, die weibliche Elterntiere in dieser Zeit legen, werden zu Brütereien gebracht – die Hennen dürfen ihre Eier nicht selbst ausbrüten. In Brutautomaten schlüpfen die Küken ohne die Zuneigung ihrer Mutter in kargen Plastikkisten. Normalerweise nehmen Hühnermütter schon vor dem Schlüpfen Kontakt zu ihren Küken auf und unterhalten sich mit ihnen.
Nach dem Schlüpfen werden die mit Küken gefüllten Kisten auf lange Förderbänder geleert und wie leblose Ware nach Geschlecht sortiert: Weibliche Küken werden in Kisten geschüttet, «verpackt» und direkt zu einem Legebetrieb oder zuerst zu einem Aufzuchtbetrieb transportiert. Den männlichen Küken steht eine Vergasung und damit ein teils minutenlanger Todeskampf durch Ersticken bevor. Für die Mast sind diese Tiere meist «unrentabel», da sie für die Eierindustrie auf Legeleistung gezüchtet werden und weniger Fleisch ansetzen als Hühner, die für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Diese Problematik ist auch Bio-Eier-Produzenten Realität, und so ist das Vergasen männlicher Küken weiterhin trauriger Alltag.
Tierleid durch Überzüchtung und ein qualvoller Tod im Schlachthaus
Die Vorfahren des «Haushuhns» legen allein aus Fortpflanzungsgründen maximal 20 bis 30 Eier im Jahr. In der Eierindustrie wurden die Tiere auf eine extrem hohe Anzahl an Eiern gezüchtet und damit zu «Legemaschinen» degradiert, sodass Qualzuchtrassen heute 300 Eier oder mehr pro Jahr legen. Das führt zum Beispiel dazu, dass Hühner oft nach wenigen Monaten an schmerzhaften Entzündungen der Legeorgane leiden. Vielfach führt auch der hohe Kalziumverlust durch die Bildung von Eierschalen zu Knochenbrüchen. Auch schmerzhafte Entzündungen der Fussballen, Abmagerung, Vogelmilbenbefall oder Federpicken bis hin zum Kannibalismus sind in allen Haltungsformen zu beobachten. Die Hennen können das Eierlegen trotz der Schmerzen nicht beenden, da ihre Körper zuchtbedingt regelrecht dazu gezwungen sind, etwa alle 25 Stunden ein Ei zu legen.
Egal, in welcher Haltungsform Hühner Eier produzieren – nach etwa 1,5 Jahren sinkt ihre «Eieranzahl», weil die Tiere dann in die sogenannte Mauser (Gefiederwechsel) gehen. Obwohl sie eigentlich bis zu zehn Jahre alt werden können, werden die Hennen an diesem Punkt durch junge Tiere ersetzt. Oftmals werden sie hierzu gewaltsam eingefangen, in Kisten gestopft und zum Schlachthaus transportiert. Dort werden sie nach einer Betäubung im Strombad, in das sie kopfüber getaucht werden, oder nach einer schleimhautreizenden CO2-Betäubung, die zu Erstickungserscheinungen führt, getötet.
Entscheiden Sie sich für eine tierfreundliche Lebensweise
Hühner legen Eier, um sich fortzupflanzen. Der Mensch hingegen braucht für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung keine tierischen Produkte wie Eier. Milchprodukte, Fleisch und Eier können der Gesundheit sogar schaden.
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QUELLEN
[1] Wermelinger, Roland & Fritsche, Peter: im Guetzli können Eier aus Käfighaltung stecken, https://www.srf.ch/news/schweiz/im-guetzli-koennen-eier-aus-kaefighaltung-stecken, (eingesehen am 28.10.2021)
[2] Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (2013): Verordnung des WBF über Ehtnoprogramme vom 25. Juni 2008: https://fedlex.data.admin.ch/filestore/fedlex.data.admin.ch/eli/cc/2008/512/20130101/de/pdf-a/fedlex-data-admin-ch-eli-cc-2008-512-20130101-de-pdf-a.pdf, (eingesehen am 28.10.2021)
[3] Schultz, Eva (2021): Bio-Anteil am Umsatz mit Frischfleisch in der Schweiz in den Jahren 2009 bis 2020, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/517343/umfrage/bio-anteil-am-umsatz-mit-frischfleisch-in-der-schweiz/, (eingesehen am 28.10.2021)
[4] BIO Aktuell.ch (2021): Marktsituation Bioeier, https://www.bioaktuell.ch/markt/biomarkt/markt-bioeier/markt.html,(eingesehen am 28.10.2021)
[5] Zürcher Tierschutz: Die Legehenne – eine Spitzensportlerin, https://www.zuerchertierschutz.ch/fileadmin/user_upload/_PDFs/9_Medienmitteilungen/PM_ZuercherTierschutz_Legehennen-Dossier.pdf, (eingesehen am 28.10.2021)
[6] Schnyder, Martina (2021): Männliche Küken müssen auch für Bio-Eier sterben, https://www.srf.ch/news/schweiz/bio-eier-produktion-im-dilemma-maennliche-kueken-muessen-auch-fuer-bio-eier-sterben, (eingesehen am 28.10.2021)
[7] Schlegel, Yann (2019): Schweiz erhält Schredder-Verbot, https://www.tagblatt.ch/schweiz/kueken-schweiz-erhaelt-schredder-verbot-bald-schluss-mit-toetung-ld.1091069, (eingesehen am 28.10.2021)