Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03112.jsonl.gz/2867

Die Kurzform CFD steht für den englischen Begriff «Contract for Difference», zu Deutsch «Differenzkontrakt». Darunter versteht man ein Finanzprodukt, das zur Gruppe der so genannten Total Return Swaps gehört. Swaps wiederum gehören zur übergeordneten Kategorie der Derivate.
Den Handel mit «Contracts for Difference» nennt man in der abkürzenden Fachsprache CFD-Trading. Gehandelt wird dabei nicht etwa ein Basiswert (auch Underlying genannt) selbst. Vielmehr wird auf die Entwicklung eines Basiswertes spekuliert. Im Fall von Aktien-CFD mit Aktien als Basiswert wird also nicht direkt eine Aktie gehandelt, sondern nur eine bestimmte Entwicklung des entsprechenden Aktienkurses gesetzt.
Neben Aktien als Basiswert können je nach Broker eine Reihe von weiteren Werten mit CFD gehandelt werden. Dazu gehören auch Anleihen, Währungen, Rohstoffe, Edelmetalle und Futures. Mit CFD lässt sich sogar auf Indizes wie zum Beispiel den Schweizer SMI setzen.
CFD sind also insofern vergleichbar mit einer Wette, bei der man auf eine gewünschte Kursentwicklung spekuliert. Dabei kann man nicht nur auf steigende, sondern auch auf fallende Kurse wetten. Versucht ein Investor, mit steigenden Kursen Gewinne zu erzielen, wird das als Long-Trading bezeichnet. Beim Short-Trading hingegen werfen fallende Kurse Gewinne ab.
Der Handel mit Differenzkontrakten kann ausgesprochen erträglich sein, birgt allerdings auch hohe Risiken. Das liegt an der Hebel-Wirkung von Differenzkontrakten. Der Hebel beschreibt eine wichtige Kennzahl im Derivatenhandel und bezeichnet die Höhe der Gewinn- oder Verlustchancen.
Am besten lässt sich die Hebelwirkung an einem Beispiel verdeutlichen: Der Kurs einer Aktie fällt an einem Tag um 3 Prozent. Hat ein Anleger in ein Long-CFD mit einem Hebel von 15 investiert, ist der Verlust mit 45 Prozent entsprechend grösser. Ein Investor mit einem Short-CFD auf diese Aktie würde hingegen von einem Gewinn in gleicher Höhe profitieren.
Beim CFD-Kauf muss der Anleger nicht den ganzen Betrag des Basiswertes investieren, sondern nur einen Bruchteil davon – die so genannte Sicherheitsleistung oder Margin. Gebräuchlich sind Sicherheitsleistungen zwischen einem Fünftel (Hebel von 5) und einem Hundertstel (Hebel von 100) des Basiswerts. Beim Verkauf eines Differenzkontrakts wiederum wird der Basiswert nicht gekauft, sondern nur die vereinbarte «Differenz» aus- oder eingezahlt.
CFD haben keine fixe Laufzeit und Verfallzeit oder Grösse (im Unterschied zu Futures). CFD sind also einzig vom Kursverlauf und den Produktkosten abhängig, was eine verhältnismässig einfache Produktstruktur garantiert.
CFD werden allerdings häufig nur kurzfristig während einiger Stunden, einem Tag oder mehreren Tagen gehalten. Langfristige Strategien über mehrere Monate sind zwar möglich, werden aber selten praktiziert. Zum einen können sich die Kurse über Nacht stark ändern. Zum anderen fallen für das Halten während der Nacht Finanzierungskosten für die Hebel-Position an.
CFD werden im Unterschied zu einigen anderen Derivaten nicht an der Börse gehandelt und kaum reguliert. Sie sind in erster Linie im OTC-Handel erhältlich.
Differenzkontrakte gehören zu den riskantesten Anlage-Instrumenten. Die Gewinnchancen sind zwar ausgesprochen hoch, jedoch können Anleger beim CFD-Trading nicht nur ihren ursprünglichen Einsatz verlieren, sondern gegebenenfalls noch zusätzliche finanzielle Einbussen erleiden. Das liegt an der so genannten Nachschusspflicht: Im schlimmsten Fall müssen CFD-Anleger zusätzliches Geld nachschiessen (das unterscheidet CFD zum Beispiel von Hebelzertifikaten).
Aus diesem Grund ist der CFD-Handel nicht für Einsteiger geeignet. In den USA ist der CFD-Handel sogar ganz verboten. Besonders populär sind Differenzkontrakte aber in Grossbritannien, wo nach Schätzungen bis zu 25 Prozent der Börsenvolumen durch CFD realisiert werden. In der Schweiz sind CFD hingegen noch wenig verbreitet.