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2011
ingénieurs conseil chauffage-ventilation / Chammartin et Spicher SA, Givisiez
Das Projekt reflektiert die komplexe Frage nach einer angemessenen Form der Repräsentation unseres Landes im fernen Ausland. Form und Struktur der architektonischen Gestalt werden dabei aus dem Spannungsfeld zwischen Darstellung und Selbstdarstellung gewonnen; dies unter gleichzeitiger Berücksichtigung der kulturellen, sozialökonomischen sowie geografisch-klimatischen Rahmenbedingungen des ostafrikanischen Gastgeberlandes sowie der Konfiguration des zur Verfügung stehenden Grundstücks.
Der vorgeschlagene Baukörper ist kompakt, geschlossen und offen zugleich. Insofern vermag dieses »Stück Schweiz« nicht nur den landschaftlichen Qualitäten der baumbestandenen Parzelle Rechnung zu tragen, sondern auch in einen Dialog mit der weiteren Umgebung zu treten.
Der Zugang zum Gebäude erfolgt von Nordwesten, vom niedrigsten Punkt der Parzelle aus. An dieser Stelle befindet sich die Loge des Sicherheitsdienstes, wo der Besucherverkehr mit der Botschaft (Fussgänger, Fahrzeuge des Personals) kontrolliert wird. Die 20 Besucherparkplätze sind längs der nördlichen Grenze des Grundstückes ausserhalb des von einer Mauer gesicherten Perimeters vorgesehen. Die in einer unterirdischen Garage angelegten 20 Parkplätze des Botschaftspersonals hingegen, können über eine Rampe vom Eingang her erreicht werden. Die Tiefgarage ist längs der Nordsüd-Achse ausgerichtet und passt sich dem natürlichen Gefälle des Terrains (ca. 5%) an, um sich schliesslich mit dem Gebäude selbst zu verbinden und so einen direkten, überdachten Zugang zu gewährleisten.
Das Hauptgebäude ist bewusst auf dem höhergelegenen südlichen Teil der Parzelle platziert. Der Baukörper erscheint dadurch in leichter, kaum wahrnehmbarer Untersicht ohne aber ins Monumentale zu gleiten. Eingangspforte und Haupteingang sind durch einen geschwungenen Aufweg aus Betonplatten verbunden. Die Sequenz Pforte – Aufweg – Hauptgebäude, eine klassische Repräsentationsformel, bietet dem Besucher die Gelegenheit sich mental auf das Betreten eines »Stückes Schweiz« vorzubereiten.
Ausgangspunkt für die Gestaltung der Gebäudehülle ist ein zentrales Symbol unserer nationalen Identität, die Schweizerische Nationalflagge. Durch einen Prozess der grafischen Entfremdung des Schweizer Kreuzes mittels Rotation und Multiplikation entsteht das Netzwerk der Gebäudehülle, welches unvermittelt eine Brücke zum bildhaften Formenvokabular des ostafrikanischen Gastgeberlandes schlägt; gemeint ist die einzigartige Artenvielfalt von Wildtieren, die in den zahlreichen Nationalparks beheimatet sind und denen gleichfalls eine identitätsstiftende Rolle für Kenia beigemessen werden darf. Darüber hinaus erfüllt diese prägnante Netzfassade auch die Funktion des Sonnenschutzes für die dahinter liegenden Büro- und Repräsentationsräumlichkeiten. Als vermittelndes und gleichzeitig filterndes Element spiegelt sich in dieser, tragfähigen, ca. 40 cm starken Betonstruktur jedoch nicht nur eine spielerische Metapher des kulturellen Transfers, sondern ihre relative Transparenz soll zudem die explizite Bereitschaft der Schweiz zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Gastgeberland versinnbildlichen.
Aus der geografischen Lage Nairobis unweit des Äquators ergibt sich, dass die Ost- und Westfassade einer viel intensiveren Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind als die Nord- und Südfassade. Daher können die Durchbrechungen in der äusseren Gebäudehülle gegen Norden und Süden hin grösser sein (50% der Gesamtfläche) als diejenigen in östlicher und westlicher Richtung (35% der Gesamtfläche). Dank einer subtilen Anpassung der Öffnungen kann auf den Einsatz von Sonnenblenden ganz verzichtet werden. Sollten aber der Wunsch nach Sichtschutz gegenüber Aussen, insbesondere nach Einfall der Dunkelheit, gewünscht werden, so kann diesem Bedürfnis durch die Anbringung von mobilen Sichtblenden oder Vorhängen in den entsprechenden Büros sehr wohl Rechnung getragen werden.
Die Netzfassade aus Beton verleiht dem Gebäude einen abstrakten Charakter, dessen reale Grösse nur gerade am Eingangsbereich und den umstehenden Bäumen ablesbar ist. Je mehr man sich dem Gebäude aber nähert, desto besser kann man die einzelnen Etagen unterscheiden. Man stellt fest, dass sich hinter der rohen «Claustra» einen innerer Kern verbirgt, der sich dem Besucher erst nach dem Betreten des Gebäudes enthüllen wird.
Die räumliche Organisation auf quadratischen Grundriss bemüht sich um grösstmögliche Rationalität und Flexibilität. Die Büros sind in U-Form um den zentralen Zirkulationsbereich angelegt, der sich auf jedem Stockwerk zu einer anderen Fassade hin öffnet und so jeweils einen freien Blick mal nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen gewährt. Diese Ausrichtung, nach allen Himmelsrichtungen hin, darf erneut als Sinnbild für die politische, wirtschaftliche und kulturelle (4 Landesprachen) Öffnung unseres Landes sowie das Bekenntnis der Schweiz zur internationalen Staatengemeinschaft verstanden werden. Die vertikale Zirkulation (Treppen, Aufzug), die Service-Bereiche und Technik sind im zentralen Kern untergebracht. Dadurch ist jedes Stockwerk unabhängig und verfügt über eine optimale Sicherheit (Differenzierung der Binnenbereiche). Der für Empfänge vorgesehene Mehrzweckraum befindet sich, wie auch der Konferenzraum, im obersten Geschoss des Kanzleigebäudes. Diese lassen sich durch eine mobile Trennwand gegebenenfalls zu einem grossen Raum zusammenfassen. Weiter kann auch die Dachterrasse für kleinere Empfänge genutzt werden.
Beschaffenheit und Verarbeitung der Materialien, welche die Räume charakterisieren, stehen im Einklang mit der weltweiten Vorstellung der schweizerischen Präzisionsarbeit. Glas kommt aufgrund seiner hervorragenden physischen und mechanischen Qualitäten zur Anwendung. Als Verbund-Sicherheitsgläser und mit verschiedenen PVB- Folien beschichtet, können diese jeweils auf die thermischen, phonetischen, lichtdurchlässigen und sicherheitstechnischen Anforderungen hin optimiert werden. Die Büros sind durch schall- und sichtschützendes Glas voneinander sowie von den Zirkulationsbereichen getrennt. Für die Böden sämtlicher Zirkulationsbereiche sowie der Warteräume für Visa und Kanzlei sind Natursteinplatten aus dunklem Granit regionaler Provenienz (Matuu Hill ca. 100 km östlich von Nairobi) vom Typ Kenya Black vorgesehen. Im Bereich der Büros und der nur dem Personal zugänglichen Räumlichkeiten kommt sowohl für die Böden als auch die Schalldämmungen der Decken aus der Schweiz importiertes Massivholz zum Einsatz. Es handelt sich dabei um Lärchenholz (Larix decidua), welches in der Schweiz in einer der Stadt Nairobi vergleichbaren Höhenlagen bewirtschaftet wird (1650-1800 m ü. M.)
Da die Durchschnittstemperatur während des ganzen Jahres 19 Grad beträgt, hält sich der Bedarf an Strom für die Kühlung des Gebäudes in Grenzen. Die Kühlung wird durch ein «Split»-System erreicht, das ein hohes Mass an Flexibilität erlaubt und auch für lokale Handwerker leicht zu installieren und zu warten ist. Unter anderem sollen Fotovoltaik-Paneele auf dem Dach zum Einsatz kommen, wodurch ein grosser Teil des Strombedarfs für die Kühlung durch erneuerbare Energien abgedeckt wird. Durch die Verwendung von Fotovoltaik hält sich Stromerzeugung und -verbrauch die Waage, zumal doch der Kühlungsbedarf unmittelbar von der Intensität der Sonneneinstrahlung abhängt.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Projekt durch eine umsichtige Einbindung des kompakten Baukörpers in die natürliche Umgebung und das kulturelle Umfeld des afrikanischen Gastgeberlandes, durch eine effiziente Organisation des Raum- und Nutzungsprogramms sowie durch ein durchdachtes Sicherheits- und Energiekonzept, eine prägnante Antwort auf die Anforderung nach aussen- und innenräumlicher Qualität, nach nachhaltiger Entwicklung sowie nach wirtschaftlichen Betriebskosten zu bieten sucht.