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Hochgeachteter Herr Präsident!
Ihr sehr schätzbares Schreiben vom 19. d. M. habe ich gestern, samt Beilagen, erhalten und werde nicht säumen, Ihrem Wunsche, so wie demjenigen des Präsidiums des Gotthard-Ausschußes, bezüglich des Gutachtens über die Grimselbahn zu entsprechen.
Sie machen mich auf die Randbemerkungen des Herrn Direktor Stoll aufmerksam. So viel ich sehe, bestehen dieselben darin, daß
7 statt 8 Jahre Vollendungsfrist für den Mont-Cenis Tunnel und «englische» Meilen bei den Canadischen Eisenbahnen gesetzt, der Paßus «gewähren einen schönen Ertrag» gestrichen und «Basel–Luzern» pag. 18. besonders mit in Vergleichung gezogen werde.
Ich bin ganz einverstanden damit, so wie nicht minder mit der von Ihnen empfohlenen Beseitigung des Citats von Couche. Ich habe bei demselben einem persönlichen Gefühl nachgegeben. Es freute mich, auch einmal einen Franzosen zu treffen, der es, wenn auch schüchtern, unternahm, eine nüchterne Ansicht über die Alpenbahn-Projekte auszusprechen. Allerdings ist diese nicht entschieden genug, um im Gutachten eine günstige Wirkung hervorzubringen, besonders, wenn dieses veröffentlich werden soll.|
Ich bin Ihnen sehr dankbar für ihre gütige Mittheilung, daß mein Gutachten, wo es gelesen worden ist, einen günstigen Eindruck gemacht habe. Sie gereicht mir ganz besonders zur Ermuthigung in dem Bestreben, das Vertrauen, mit welchem Sie mich bei diesem Anlaße wieder beehrt haben, zu rechtfertigen.
Welchen Eindruck das Gotthard-Gutachten im Publikum hervorbringen werde, wird sich nun bald zeigen, da, nach Ihrer gefälligen Nachricht, daßelbe vor Ende dieses Monats noch versandt werden wird.
Da der Experten-Bericht der Herren Gränicher [& &?] ein neues Grimsel-Projekt des Herrn Schmidt bespricht, so wäre es, behufs der Umarbeitung meines Gutachtens, gut, wenn ich Einsicht in daßelbe erlangen könnte. Villeicht wäre es Ihnen möglich, das LängenProfil, so wie auch die Situations-Plane, von Thun an, von diesem Projekte zu erhalten. Einstweilen habe ich Herrn Sekretär Kunz ersucht, mir diejenigen in seiner Registratur befindlichen Materialien zukommen zu laßen, die ich im vorigen Winter benuzt habe. Doch werde ich, bevor ich an die Arbeit gehe, gefällige Benachrichtigung wegen des neuen Projektes abwarten.
Genehmigen Sie, hochgeachter Herr Präsident,
die Versicherung ausgezeichneter Hochachtung von
Ihrem ergebensten
A. Beckh.
Stuttgart 22 Mai 1865.