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Der Duke of York ist 19, als er beschliesst, nicht zu studieren und lieber in der Royal Navy eine Ausbildung zum Hubschrauberpiloten zu machen. Mit 22 kämpft er auf Geheiss der Queen im Falkland-Krieg. Seine Mutter macht ihn im Anschluss zu ihrem persönlichen Adjutanten. Mit 26 heiratet er die Majors-Tochter Sarah Ferguson. Doch vorher gönnt er sich einige Liebschaften, fast alle davon aus dem Showbiz.
18 Monate dauert seine Affäre mit der amerikanischen (Erotik-)Schauspielerin Koo Stark und bringt ihm den Spitznamen «Randy Andy» (geiler Andy) ein. Andrew hat sie bereits seiner Familie vorgestellt und nach Balmoral eingeladen, als publik wird, dass Stark 1976 im Film «Emily» unter anderem in einer lesbischen Duschszene mitgespielt hat. Die Handlung des Films: Emily besucht Verwandte auf einem britischen Landgut ...
Mit Stark bleibt Andrew noch lange gut befreundet. So gut, dass er mit ihr 2002 die chinesische Neujahrsparty des Fianciers Andy Wong besucht. Das Thema der Party lautet «Mystery Vamp And Seduction» und ist den Orgien des Films «Eyes Wide Shut» nachempfunden. Fast nicht bekleidete Frauen mit Masken sind die grosse Attraktion.
Diana ist schuld. Sie ist eng mit Sarah Ferguson befreundet, die beiden sind gemeinsam zur Schule gegangen, und jetzt hält sie es für eine gute Idee, Sarah und Andrew zu verkuppeln. Die lebenslustige «Fergie» arbeitet im Galerie- und Verlagswesen und versteht sich gut mit Pferden. Es wird schnell geheiratet, doch danach sieht Fergie ihren Ehemann höchstens 40 Tage im Jahr, sein Dienst bei der Navy sorgt für lange Abwesenheiten.
1992 trennen sie sich offiziell, und nur wenige Monate später sieht die Welt, wie sich Fergie von ihrem «Finanzberater», einem texanischen Millionär, in St.Tropez die Zehen lutschen lässt. Der Hof tobt.
Auch nach der Scheidung 1996 bleiben die beiden einander verbunden, Gerüchte über eine Wiedervereinigung halten sich hartnäckig. Jedenfalls bis 2010. Da versucht Fergie, einem Boulevardblatt für 500'000 Pfund einen persönlichen «Zugang zum Prinzen» zu verkaufen. Die beiden Exen versöhnen sich allerdings bald wieder, verbringen viel Zeit zusammen und trinken gerne gemeinsam Tee.
Acht feste Freundinnen seit der Scheidung von Fergie sind bekannt, weitere Frauen werden von ihm benutzt, bei anderen versucht er sein Glück vergeblich, etwa bei Courtney Love, die ihn eines Nachts vor ihrer Zimmertür findet und ihn mit einer Tasse Tee abspeist. Zu den acht gehören Unternehmerinnen, etliche Models, darunter auch eine Ex von George Clooney. Die öffentliche Wahrnehmung seines Frauenverschleisses kommentiert er so: «Albert arbeitet in Monaco zwölf Stunden täglich. Aber wenn er abends ausgeht, macht er, was er will, und niemand schert sich darum. Wenn ich das mache, kriege ich nur Stress!»
Fünf Jahre lang steht Sunninghill Park, ein Anwesen, das die Queen 1989 für Andrew und Sarah hatte erbauen lassen, für 12 Millionen Pfund zum Verkauf. 2007 kauft Andrews guter Freund, der kasachische Oligarch Timur Qulybajew – ein Schwiegersohn von Präsident Nursultan Nasarbajew –, das Gut für 15 Millionen Pfund. Er muss dringend Geld waschen. Danach lässt er Sunninghill Park verfallen, 2016 wird es nach nur 27 Jahren abgerissen.
Gut 5,5 Millionen Pfund erhält der Prinz durch seine angebliche «Mitarbeit» am Bau von Abwassersystemen in zwei kasachischen Städten. In den Wikileaks-Veröffentlichungen von 2010 kommt auch ein amerikanischer Botschafter zu Wort, der erzählt, wie Andrew während eines Geschäftstreffens in Kirgisistan die Antikorruptions-Bemühungen britischer Behörden stark kritisiert habe.
Besonders gerne trifft sich Andrew mit Ilham Aliyev, dem Präsidenten von Aserbaidschan. Willkommen heisst er auch den libyschen Diktator Gaddafi und den Sohn des tunesischen Diktators Zine el-Abidine Ben Ali.
Andrews Job ist übrigens der eines «Sonderbeauftragten für internationalen Handel und Investitionen». Er nutzt dies, um neue Kunden für die luxemburgische Privatbank seines engen Freundes David Rowland anzuwerben. Rowland ist der grösste Einzelsponsor der konservativen Partei und Vertrauter von David Cameron. Der Prinz und Rowland gründen gemeinsam eine Vermögensverwaltung, die von den Virgin Islands aus operiert. 2018, an der Hochzeit von Andrews Tochter Eugenie, sitzt Rowland in der ersten Reihe.
Laut Andrew lernen sich die beiden Männer 1999 kennen. Laut Andrews Privatsekretär kennen sie sich schon ein paar Jahre länger. Zusammengebracht werden sie durch die Geschäftsfrau und Zuhälterin Ghislaine Maxwell. Laut Andrew haben er und Epstein nur losen Kontakt. Die beiden sind allerdings gut 12 Jahre lang miteinander befreundet, auch 2010, nach Epsteins Verurteilung (siehe 5.) sehen sie sich noch. Zwischen 1999 und 2001 besuchen sie zusammen eine Party von Trump in Mar-a-Lago. Verbringen Urlaub in Phuket. Und dann schmeisst Andrew auch noch eine Geburtstagsparty für Maxwell auf Schloss Sandringham. Und besucht mit ihr Heidi Klums «Nutten und Zuhälter»-Mottoparty. Man hält ihn und Ghislaine für ein Paar. Epstein kommt zum 18. Geburtstag von Prinzessin Beatrice. Und gibt Fergie Geld, um Schulden zu begleichen.
Zweimal wird Andrew von der Queen herabgestuft und aus repräsentativen Ämtern entlassen. 2011 verliert er seinen Job als Aussenhandels- Sonderbeauftragter, nachdem durch ein Foto in der «Daily Mail» seine Verwicklungen mit dem inzwischen verurteilten Sexualstraftäter Epstein bekannt werden. Eine der beiden Zeuginnen, die sich später als Virginia Roberts Giuffre zu erkennen gibt, hat Andrew im Prozess von 2008 belastet. Der Prinz darf jetzt nur noch nationale Aufgaben wahrnehmen. Am 20. November 2019, drei Monate nach Epsteins Tod, wird er auch aus diesen entlassen, vorangegangen ist der Entlassung ein katastrophales BBC-Interview. Im Juli 2020 darf er nicht an der Hochzeit seiner Tochter Beatrice teilnehmen.
Mit 249'000 Pfund (Steuergelder) wurden Andrews Dienste an der Krone bis 2020 entschädigt. Mit seiner Degradierung werden sie gestrichen. 40'000 Pfund erhält er weiterhin als ehemaliger Navy-Kommandant, weitere 500'000 Pfund (steuerfrei) aus den Einkünften des Herzogtums Lancaster. 2010 sorgte er für einen Skandal, als seine Spesenrechnung 620'000 Pfund betrug. 2014 kauften er und Fergie für 18 Millionen Pfund ein Chalet in Verbier. Wieso sie auf die Idee kamen, so viel Geld zu besitzen, weiss in Grossbritannien niemand. Sie haben ihre Schulden bis heute auch bei weitem nicht beglichen, das Chalet steht seit Sommer 2020 wieder zum Verkauf.
Dreimal habe der Prinz sie missbraucht, sagt Virginia Roberts Giuffre. Die heute 38-Jährige war 16, als sie von Ghislaine Maxwell in Mar-a-Lago entdeckt und in Epsteins Harem aus Sexsklavinnen integriert wurde. In New York, London und auf Epsteins Insel Little St.James sei sie gezwungen worden, mit Andrew Sex zu haben, Epstein und Maxwell hätten ihr eingeschärft, sich ganz nach seinen Wünschen zu richten, damals war sie 17.
Giuffre hat nun in New York eine Zivilklage wegen Missbrauchs einer Minderjährigen eingereicht. Sie verlangt einen noch nicht bezifferten Schadenersatz. Giuffre gab der BBC im Dezember 2019 ebenfalls ein Interview. Im Gegensatz zu Andrews PR-Desaster war ihres ein Triumph.
Da es sich um eine Zivilklage handelt, droht Andrew bei einer Verurteilung keine Haftstrafe. Allerdings könnten seine Aussagen zur Grundlage einer weiterführenden Strafverfolgung genommen werden. Ignoriert er die Klage und erscheint nicht vor Gericht, kann er in Abwesenheit schuldig gesprochen werden.
Nachdem die Anklage am 9. August bekannt wurde, fuhr Andrew am 10. mit Fergie zu seiner Mutter nach Schloss Balmoral. Um die Paparazzi abzulenken, schickte er seinen Hund in einem eigenen Wagen voraus. Der 61-Jährige hat jetzt 21 Tage Zeit, um auf die Anklage zu reagieren.