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Um zu überleben, sind die Gemeinden im zentralindischen Bundesstaat Maharashtra auf natürliche Ressourcen wie Wälder und Teiche angewiesen. Diese sind jedoch durch den Klimawandel und eine schlechte Bewirtschaftung zunehmend bedroht. Dank eines SWISSAID-Ressourcenschutzprojekts lernten die indigenen Gemeinschaften ihre natürlichen Lebensgrundlagen besser kennen und lernten, wie sie diese nachhaltig zu schützen und zum eigenen Vorteile zu nutzen können.
Die Fakten
Die Ziele
Das Projekt zielt darauf ab, die indigenen Gemeinschaften durch institutionalisierte Kooperativen zu stärken. Sie lernen ihre Rechte an den natürlichen Ressourcen kennen und erfahren, wie sie diese zu ihrem eigenen Vorteil nutzen können. Diese Massnahmen gewährleisten eine höhere Ernährungssicherheit und machen die Gemeinschaften widerstandsfähiger gegen klimatische und soziale Krisen.
Dieses Projekt wird durch den Programmbeitrag der DEZA mitfinanziert.
Am Ufer stehen Männer in Schwimmwesten, die ihre Netze einholen – ihre Blicke reichen über die grosse Wasserfläche, die sich über mehrere Hektaren erstreckt. Ein paar Männer stehen im Sand und helfen, den Fang des Tages aus dem Wasser zu ziehen. Das Netz ist gut gefüllt mit einheimischen Fischarten wie Dadak, Boatri, Gani und Poshti. «Wir verkaufen die Fische im Dorf, dann in den Nachbardörfern und wenn etwas übrigbleibt, bringen wir es zum Wochenmarkt“, erklärt Karu Meshram lächelnd. Er ist Mitglied der örtlichen Fischerkooperative. Ein schöner Tag steht bevor.
Obwohl die Fischer scheinbar ungestört fischen können, war das Land bis vor kurzem noch ein unpassierbarer Teich. Dank des Ressourcenschutzprojekts von SWISSAID konnten sich die vom Wald und von der Fischerei abhängigen Gemeinden in Indien ihre Lebensgrundlagen zurückgewinnen.
Ressourcenmanagement verbessern
Doch die Lage war nicht immer so rosig. Gefährdete Artenvielfalt, ausgetrocknete Teiche, überteuerte Pachtpreise für Angelplätze – das schlechte Ressourcenmanagement in diesen abgelegenen Regionen Indiens hat der Natur viel Schaden zugefügt. Und damit auch der Bevölkerung. Obwohl die natürlichen Ressourcen per Gesetz den Gemeinschaften gehören, werden ihre Rechte nur dort durchgesetzt, wo es starke Kooperativen oder Institutionen gibt. In den meisten Fällen kontrolliert der Staat und verpachtet die Ressourcen an Unternehmer oder zu überhöhten Preisen an die arme Bevölkerung.
Um dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken, startete SWISSAID Indien 2019 ein Projekt zur Stärkung der Kooperativen und verbesserte damit die Kapazitäten der Gemeinschaften in den Bereichen Waldbewirtschaftung, Landwirtschaft und Fischzucht. Die Menschen lernten so ihre Rechte an der Umwelt kennen und erfuhren, wie sie diese durchzusetzen können.
Ich konnte einen Teil des Geldes für die Bildung und Gesundheit meiner Kinder verwenden und einen anderen Teil für den Unterhalt unseres Hauses,
Karu Meshram, Mitglied der Fischerei-Kooperative im Dorf Bolda in der Region Gadchiroli
Fischfang – eine bedeutende Einkommensquelle
Karu Meshram ist einer von 81 aktiven Mitgliedern der Fischereikooperative im Dorf Bolda in der Region Gadchiroli. Er lebt mit seiner Frau, den beiden Söhnen sowie deren Frauen und Kindern zusammen. Die Familie gehört zu einer nomadischen Stammesgemeinschaft mit einem Einkommen von ca. 26’000 INR (295 CHF) pro Jahr, das dem zehnköpfigen Haushalt eine gewisse Stabilität erlaubt. Dieses Einkommen ergänzt er mit Arbeiten in der Landwirtschaft, dem Fischfang sowie gelegentlichen kleinen Hofarbeiten für den Eigenbedarf.
Seit er sich der Fischereikooperative angeschlossen hat, ist Karus Jahreseinkommen noch weiter gestiegen.«Ich erhalte jeden Tag, an dem ich fische, 200 INR (2,20 CHF). Der Überschuss aus dem Verkauf behält die Kooperative, um die jährliche Pacht zu bezahlen», erklärt der 48-jährige Fischer. Im 2021 verdiente er mit dem Fischfang etwa 3’000 INR (34 CHF), was einer Steigerung von rund 10 – 12 Prozent seines Jahreseinkommens entspricht. «Ich konnte einen Teil des Geldes für die Ausbildung und Gesundheit meiner Kinder verwenden und einen anderen Teil für den Unterhalt unseres Hauses.»
Ihre Spende verändert Leben
Klares Wasser und einheimische Fische
150 Kilometer entfernt, im Bezirk Gondia, lebt Kiran Khushal Valthare mit ihrer Familie. Auch hier spielen Fische eine wichtige Rolle im Alltag der jungen Mutter und ihrer Familie. Ermutigt durch das Projekt und unter professioneller Anleitung beschloss die Frauengruppe rund um Kiran, den an das Dorf angrenzenden See zu pachten. Ein riskantes Unterfangen, denn im schlammigen Wasser lebten nur sehr wenige Fische.
«Der drei Hektar große See war fast leer, es gab kein Futter für die Fische und keine einheimischen Arten», erinnert sie sich. In wochenlanger Arbeit gelang es ihr und der Frauengruppe, die Besharam (Wildpflanze), die im ganzen See wucherte, zu entfernen und sechs Arten von Meerespflanzen anzubauen, die das Wasserleben fördern. «Die einheimischen Fischarten wurden wieder angesiedelt und klimatisierten sich gut an. Diese Arten sind gefragt, ihr Preis ist ergiebiger, als der von ausländischen Fischen», berichtet Kiran. Einheimische Fischarten sind besser an lokale Gegebenheiten angepasst, deshalb müssen bei der Zucht weder chemische Mittel noch Antibiotika eingesetzt werden. Dies macht das Geschäft mit ihnen lukrativer.
Kiran Khushal Valthare und ihre Frauengruppe pachteten den an das Dorf angrenzenden See, um dort zu fischen. Sie mussten zunächst den gesamten See von wuchernden Wildpflanzen säubern um anschliessend Meerespflanzen anbauen zu können, die das Wasserleben fördern. Heute sind viele einheimische Fischarten zur Freude der Frauen und Familien wieder angesiedelt.
Nachhaltige Erfolge
Kirans Frauengruppe hatte Vorbildcharakter: Frauengruppen aus anderen Kooperativen in den unterstützten Dörfern setzten folglich auch die umliegenden Teiche wieder instand. Sie reinigten die Teiche und bauten die Dämme wieder auf, um mehr Wasser aufzustauen. Vier Jahre nach Projektbeginn, im August 2022, besuchte Eva Syfrig, Leiterin des Indienprogramms von SWISSAID, die verschiedenen Dörfer. «Die wiederaufgebauten Dämme erlaubten es, mehr Wasser zu speichern. Am Anfang der Regenzeit, wo der Wasserstand am niedrigsten war, trugen sie immer noch eine beachtliche Menge Wasser», erzählt sie erfreut.
Weiter richteten die Fischer eine Fischzuchtstation mit einem Laich- und Schlüpftank ein und eigneten sich neues Wissen an, um diese zu betreiben und eine ausreichende und qualitativ hochwertige Fischzucht sicherzustellen. Die unerschwinglichen Kosten für Fischfutter haben die Bewohnerinnen und Bewohner zudem dazu bewogen, das Futter aus landwirtschaftlichen Abfällen herzustellen.
Karu, Kiran und die Menschen in den unterstützten Gemeinden wollen ihre Ressourcen und Einkommensquellen auch weiterhin schützen. «Ich bin zuversichtlich. Dank der besseren Bewirtschaftung können meine Familie und künftig ein sicheres und stabiles Einkommen erzielen», erklärt Karu. Kiran fügt im Namen ihrer Frauengruppe hinzu: «Wir sind froh über all diese Veränderungen. Wir müssen noch viel lernen, aber wir sind auf dem richtigen Weg.»