Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03244.jsonl.gz/2210

Ernst & Young (EY) hat zugegeben, dass Dutzende seiner Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer beim Ethikteil des Examens für Wirtschaftsprüfer betrogen haben. Zudem habe das Unternehmen die US-Aufsichtsbehörde, die das Fehlverhalten untersucht hat, in die Irre geführt, sagt die United States Securities and Exchange Commission (SEC).
Dafür muss EY nun eine Geldstrafe in der Höhe von 100 Millionen Dollar zahlen. Das ist die höchste jemals gegen eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verhängte Strafe.
Denn die Firma habe nicht nur gegen die Rechnungslegungsvorschriften verstossen, sondern auch in einem wichtigen Teil der Untersuchung der Aufsichtsbehörde nicht kooperiert, so die Behörde.
Fünfzig Wirtschaftsprüfende haben mit Antwortschlüssel in der Prüfung gemogelt
Fast fünfzig Wirtschaftsprüfungsmitarbeitende hätten zwischen 2017 und 2021 in unzulässiger Weise Antwortschlüssel für den Ethikteil des CPA-Examens weitergegeben und Hunderte weitere hätten bei Weiterbildungskursen betrogen, so die SEC.
EY sagte in einer Erklärung, dass es der Vergleichsanordnung der SEC nachkomme und zusätzliche Schritte zur Verbesserung der Compliance unternehmen würde.
«Wir sind zuversichtlich, dass die Ergebnisse der Verpflichtungen die Schritte verstärken werden, die wir in den Jahren seit dem Auftreten dieser Situationen bereits unternommen haben», sagte das Unternehmen.
Die Weitergabe von Antworten auf Beurteilungen oder Prüfungen stelle einen Verstoss gegen den Verhaltenskodex dar und werde bei EY nicht toleriert. «Unsere Reaktion auf dieses inakzeptable Verhalten in der Vergangenheit war gründlich, umfassend und effektiv.»
Einige EY-Angestellte wurden entlassen
Obwohl die Firma über das möglicherweise unehrliche Verhalten informiert gewesen sei, habe sie der Behörde mitgeteilt, dass sie kein Problem mit Betrug habe, heisst es vonseiten der SEC.
EY versäumte es dann, diese Aussagen umgehend zu korrigieren, als es später eine interne Untersuchung einleitete.
Viele EY-Mitarbeitende hätten gewusst, dass ihr Verhalten gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens verstiess, aber einige hätten es trotzdem getan, weil sie es nicht alleine durchstehen konnten, so die SEC.
Die Firma hat schliesslich Disziplinarmassnahmen ergriffen und in einigen Fällen Personen für ihr Verhalten entlassen. Dabei dauert die Untersuchung der SEC noch an.
Ernst & Young wurde schon mehrfach von SEC verklagt
«Es ist einfach ungeheuerlich, dass gerade die Fachleute, die für die Aufdeckung von Betrug durch Kunden und Kundinnen verantwortlich sind, bei Ethikprüfungen geschummelt haben», sagte Gurbir Grewal, der Leiter der Vollstreckungsabteilung der SEC, in der Erklärung.
Zusätzlich zu der Rekordstrafe muss EY zwei separate Berater einstellen, um seine Ethikrichtlinien zu untersuchen, und einen weiteren, um Fehler bei der Offenlegung zu überprüfen.
Das Unternehmen wurde in den letzten Jahren bereits mehrfach von der wichtigsten Aufsichtsbehörde der Wall Street verklagt. Im vergangenen August zahlte EY eine Strafe in der Höhe von 10 Millionen Dollar an die SEC, weil es gegen die Unabhängigkeitsregeln für Wirtschaftsprüfer verstossen hatte.
Im Jahr 2016 wurde das Unternehmen mit einer Strafe in der Höhe von 9 Millionen Dollar belegt, um Behauptungen über unangemessene Beziehungen zu Kundinnen und Kunden beizulegen.
EYs Rekordstrafe bei der SEC folgt auf eine Geldstrafe in der Höhe von 50 Millionen Dollar gegen KPMG im Jahr 2019, weil dieses Unternehmen bei internen Fortbildungsprüfungen geschummelt und frühere Prüfungsarbeiten verändert hatte, nachdem es gestohlene Informationen von einer Aufsichtsbehörde der Branche erhalten hatte. KPMG hat bei der Beilegung dieses Falles ebenfalls ein Fehlverhalten zugegeben.
(Bloomberg/bsc)