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Der
grossartige Gebäudekomplex der Villa Visconti Borromeo Litta - in alten
Zeiten äusserst berühmt und heute fast vergessen - befindet sich in
Lainate (Provinz Mailand) auf einer Fläche von ca. drei Hektaren.
Die Nähe zu Mailand machte das Gebiet von Lainate zu einer bevorzugten Wohngegend und führte viele adelige Familien in diese Region. Es fand damals eine regelrechte Konzentration des Kapitals statt, um den kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung der Gegend zu fördern - teils zum eigenen Vergnügen der adeligen Familien, teils um Könige und Fürsten aus fremden Ländern auf ihrer Reise nach Mailand standesgemäss beherbergen zu können.
Die Idee zu diesem einmaligen Gebäudekomplex hatte 1585 Pirro I Visconti Borromeo, schillernde Figur des Mailänder Mäzenatentums; ein aussergewöhnlich kultivierter und vielseitig interessierter Mensch. Er engagierte die besten lombardischen Künstler, um seinen Landsitz in Lainate in einen wunderbaren und zauberhaften Ort zu verwandeln. Er schaffte es, die Architektur von Martino Bassi, die Steinmetzkunst von Francesco Brambilla "il Giovane" und Marco Antonio Prestinari sowie Malereien von Camillo Procaccini, Pier Francesco Mazzucchelli genannt "il Morazzone", Gio vanni Battista Volpino und Agostino Lodola in Harmonie zu vereinen.
Ausser den Bauarbeiten am Villengebäude liess Pirro I einen Garten mit Nymphäum anlegen, der an der Nordseite von einem "Halbrund" abgeschlossen wird. Das Nymphäum gehört zu den wichtigsten Beispielen Norditaliens der antiken Architektur wegen seiner Fülle an Dekorationen sowie an Wasserspielen. Bestehend aus mehreren Kammern verziert mit Mosaiken und aus künst- lichen Grotten - ganz in der Tradition der sogenannten "Wunderkammern" Mitteleuropas - diente es dazu, die Sammlung an architektonischen Wunderwerken des Grafen zu vervollständigen.
Der Theresianische Katasterplan aus dem Jahre 1721 zeigt, dass bis dato der Gebäudekomplex praktisch unverändert blieb. Unmittel- bar danach jedoch ging Giu- lio Visconti Borromeo Arese - letzter Erbe der Familie - daran, den östlichen Teil der Villa, "Quarto Nuovo", zu bauen.
Der Marchese Pompeo Litta - Neffe von Giulio Visconti Borromeo, von dem er auch 1750 die Villa erbte - widmete sich ganz und gar dem Wiederaufbau der Gartenanlagen. Vorbild waren ihm dabei die damals geltenden ästhetischen Grundsätze des späten 18. Jahrhunderts, nach denen die meisten Gärten des Mailänder Adels angelegt waren. Dabei wurde auch die Fassade des Nymphäum komplett neu gestaltet von den Steinmetzen Donato Carabelli, Pietro Santostefano und dem Maler Francesco Levati.
Es folgte eine glanzvolle Zeit, wobei kontinuierlich Veränderungen an den Gartenanlagen angebracht wurden, gemäss den immer neuen Tendenzen der damaligen napoleonischen Lombardei.
Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde der nordöstliche Teil der Anlagen in einen englischen Garten umgewandelt. Zu der Zeit wurde auch angefangen, verschiedene Erfahrungen mit Treibhaus- pflanzungen zu sammeln.
1870, nach dem Untergang der Familie Litta, welche im Kampf um ein vereintes Italien all ihr Kapital verlor, wurde die Villa vom Fiskus als Staatsbesitz konfisziert.
Die letzten Veränderungen am Gebäudekornplex gehen in die Dreissiger Jahre zurück und wurden vom Architekten Giuseppe Tramayoni ausgeführt. Der gegenstandslose
Teil des Gartens wurde vergrössert, dabei fielen zwei der vier Blumenbeete weg sowie eine Allee, die den Garten von Westen nach Osten durchquerte.
In den Jahren kurz vor dem zweiten Weltkrieg führte die Familie Toselli eine Orchideenzucht ein.
Der zweite Weltkrieg leitete den Untergang der Villa ein, der bis 1970 anhielt, als sie von der Gemeinde Lainate aufgekauft wurde. Die "Sopraintendenza per i Beni Ambientali e Architettonici della Lombardia" hat sich damals die sehr komplexe Aufgabe gestellt, die Villa zu restaurieren und dabei gleichzeitig die geschichtlichen Ursprünge von Lainate zu erforschen.
Dank dieser Institution, der Stadtverwaltung Lainate sowie vielen freiwilligen Helfern ist dieses Kleinod aus einer anderen Zeit inmitten der industrialisierten Mailänder Peripherie wieder zu neuem Leben erwacht und erfreut sich jährlich einer beachtlichen Besucherschar.
Das
Nymphäum
Der Bau dieses Nymphäums geht auf die Zeit von 1585 bis 1589 zurück. Die komplizierte Wasserspielanlage wurde durch einen Brunnenmechanismus und nicht, wie es bei den damaligen Anlagen üblich war, durch Wasserkraft betrieben. Wie diese Anlage wirklich funktionierte, ist nur aus einigen Aquarellen des romantischen Künstlers Carlo Bossoli sowie aus einigen Aufnahrnen um 1900 zu ersehen.
Das Gebäude wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Giuseppe Levati und Francesco Carabelli, Professoren an der Mailänder Kunstakademie, fast vollständig neu geplant. Der Baumeister von Pirro Visconti hatte die Wasserspiele als eine Aufeinanderfolge von Überraschungen gedacht. Dabei stand das etwas schwülstige Äussere des Gebäudes in starkem Kontrast mit dem magischen Innern, voll von Wasserspielen, künstlichen Grotten und Kunstgegenständen aus der Familiensammlung.
Anregungen für die raffinierten Verzierungen der künstlichen Grotten und für die Statuen aus Marmor, Stuck und Bronze kamen aus den fast zeitgenössischen Grotten der Medici-Gärten in Pratolino, Boboli und Castello, welche Pirro Visconti sehr gut bekannt waren, als er sein Nymphäum bauen liess.
Die südliche Seite des Gebäudes besteht aus zwei langen Umfassungsmauern, die mit Travertinsplittern bedeckt sind. Diese Mauern beginnen mit einer Wölbung, angereichert durch Nischen und Stuckstatuen und werden dann zu geradlinigen Flügeln, dekoriert mit Travertinsplittern und Muscheln, die in zwei symmetrischen Halbbögen verziert mit Flussallegorien enden.
Diese Flügel führen zur Eingangshalle des Nymphäums.
Bemerkenswert sind die seitlichen Stukstatuen des Herkules und des Janus, die Francesco Brambilla dem Jungen zugeschrieben werden (bekannt für seine Arbeiten am Mailänder Dom).
Der innere achteckige Raum mit seinen unregelmässigen Seiten und gedeckt durch eine Kuppel besteht im unteren Teil aus vier grossen, mit Travertin überzogenen und von Marmorbecken eingerahmten Ecknischen. Im mittleren Teil der Wände hingegen sind sechs mit Travertin überzogenen Nischen mit ebensovielen Statuen zu bewundern.
Dieses Oktagon ist Dreh- und Angelpunkt der Anlage: nach Norden ins Freie gelangend erreicht man eine Gartenzone, die einst von sechs Bronzestatuen in Lebensgrösse - Flora, Jupiter, Juno, Pluto, Venus und Bacchus - gesäumt war. Bewegt man sich jedoch im Innern des Nymphäums, erreicht man beidseitig je sechs Säle, die sich symmetrisch gegenüberstehen.
Die Säle sind ca. fünf Meter hoch und mit schwarzweissen Mosaiken aus Kieselsteinen verziert. Diese Verzierungen variieren von Saal zu Saal und wiederholen sich symmetrisch an den Wänden jedes Saales. Alle Eingangstüren zu den Sälen haben Türrahmen aus grau geäder- tem Kalkstein und grün gemalte Holzflügel.
Einige östlich liegende Räume unterbrechen die Symmetrie des Gebäudekomplexes. Darunter ein Halbrund, eine Art gedeckte Spazierlaube, in deren Tonnengewölbe sich Blumenbilder aus Stalaktitenformen mit Wänden aus Ziegeln und Travertinelementen abwechseln und verschiedene mit Statuen und Sitzbänken angereicherte Grotten schaffen.
Jenseits dieses Halbrundes, Richtung Osten, erstreckt sich ein künstlich angelegtes Labyrinth, dessen Wege zu einer mit farbigen Mosaiken verzierten Galerie führen.
Ein weiterer von der Symmetrie des Bauwerkes abweichender Raum ist ein offener, achteckiger Saal, der sogenannte "Beregnungshof". Das Regenwasser wurde damals so geleitet, dass es möglich wurde, verschieden starke Regengüsse zu simulieren und gleichzeitig künstliche Regenbogen hervorzubringen.
Die nördliche Front des Gebäudes besteht aus zwei langen symmetrischen Wänden aus Sandstein mit ionischen, in rechteckigen Fenstern eingelassenen Lisenen. Die Hauptachse wird bestimmt durch einen Bogengang in einer künstlichen Nische mit ionischem Gebälk. Dieses Gebälk endet in zwei weiten Halbrunden mit ionischen Säulen. Die zwei architektonischen Stirnseiten, konzipiert als künstliche Nischen mit allegorischen Figuren des Morgens und des Abends, schliessen das gesamte nördliche Linienspiel des Gebäudekomplxes ab.
Kunst im 16. Jahrhundert
Im strengen und kulturellen Neuerungen wenig zugetanen Mailand des späten 16. Jahrhunderts waren Viscontis Aktivitäten als Mäzen ein Ansporn für Experimente auf den Gebieten der Kunst, Literatur, der Technik und der Wissenschaft. War die Wasserspielanlage in Norditalien wegweisend, so waren es die Verzierungen und Dekorationen für ganz Europa: Die
Wände und Decken sind mit Mosaiken aus schwarzen und weissen Kieselsteinen, welche ornamentale Motive bilden, komplett bedeckt.
Eine andere Technik wurde beispielsweise für die Decken der nördlich gelegenen Zimmer des Nymphäums verwendet: Der Künstler zeichnete die Konturen des Bildes und ein "Mosaiker" bedeckte das Bild mit weissen Steinen. Danach wurden die Steine mit milden Kontrastfarben eingefärbt. Diese Technik mit den bemalten Steinen kann als ein Unikum in der Geschichte der Mosaikkunst bezeichnet werden.
Der Wasserturm
Der Wasserturm besteht aus einer graziösen Gallerie und einem Wasserreservoir
aus Kupfer mit einem Fassungsvermögen von sieben Kubikmetern in einer Höhe
von 20 Metern. Dank einer ausgetüftelten Mechanik aus 890 Metern Bleirohren
war es möglich, das ganze System von Brunnen, Wasserrauschen, Wasserfällen
und Wasserspielen in Gang zu bringen. Im nebenstehenden Gebäude wurde die
Wasserpumpe von einem Pferd angetrieben, welche das Wasser vom Hauptbrunnen
zum Wasserreservoir hochpumpte.
Diese Wasserspiele waren eine absolute Neuheit: War es doch zum ersten Mal möglich geworden, Wasserspiele durch eine Brunnenmechanik und nicht durch natürliche Wasserkraft hervorgebracht durch ein in der Nähe fliessendes Flüsschen " oder einen Wasserfall, hervorzubringen.
Der Galathea-Brunnen
Dieser Brunnen, ganz aus Candoglia-Marmor, gehört zu einer Serie von Neuerungen, welche die Familie Litta zwischen 1720 und 1785 durch- geführt hatte. Das Werk stammt vom Donato Carabelli.
Er befindet sich in der Mitte des italienischen Gartens zwischen Nymphäum und Halbrund. Der imposante Brunnen besteht aus verschiedenen Ebenen: Zum Becken mit der Statuengruppe der Galathea kommt man über vier Treppen, die in einen Kreisweg münden. Beim Treppensockel stehen, auf Balustraden angeordnet, die den Aussenumfang des Brunnens begrenzen, acht Statuen aus weissem Marmor. Auch diese ein Werk von Carabelli.
Das Halbrund
Jenseits des Nymphäums erstreckt sich ein italienischer Rennaissance-Garten, der uns zum Halbrund führt: Gebaut aus grau geädertem Kalkstein nimmt es in einer mit Travertin überzogenen Nische eine Statuengruppe aus Terrakotta auf. Diese Skulptur stellt der Raub der Sabinerinnen dar und ist eine Kopie des berühmten Werkes Giambolognas (heute in Florenz auf der Piazza della Signoria).
Die Orangerien
Die Orangerien schliessen die Nordseite der Anlage ab. Sie befinden sich seitlich des Halbrundes und sind Gebäude mit weiten Bogenöffnungen und beherbergten einstmal Orangen- und Limonen bäume, wie es im Inventar von 1604 beschrieben ist. Zu dieser Zeit wuchsen dort nicht weniger als 156 Pflanzen teils in Tontöpfen teils in Holzbottichen.
Das Teatro naturale
Vor dern Flügel der Villa aus dem 18. Jahrhundert befindet sich ein breiter Gartenweg, eingesäumt von Eiben, der damals in ein grünes Halbrund mündete. Dort wurden Gartenfeste sowie Bocciaspiele durchgeführt. Später wurde dieser Gartenteil als Freiluftbühne benutzt.
(Text aus dem Prospekt der Villa Borromeo Litta)
Villa Belgioioso
Es wird noch gelebt in dieser prachtvollen, dem französichen Stil verpflichteten Anlage. Wenn man dann auf die gewaltige Gartenterrasse hinaustritt, fühlt man sich ins victorianische Cliveden versetzt, wo eine ebensolche Terrasse mit prachtvollem Ausblick entstand. Wobei die Reihenfolge natürlich verkehrt ist, zuerst war Belgioioso und dann Cliveden. Der grosszügige Ehrenhof, der einem in Belgioioso empfängt, lässt erahnen, was man auf der Gartenseite zu erwarten hat. Das Schloss nimmt im übrigen heute keinen Bezug mehr auf das kleine, schmucke Städtchen von Merate, hat vielleicht nie einen genommen. Auch die nördliche, achsiale Ausdehnung ist heute praktisch verschwunden.
Ursprünglich bestand hier eine der letzten Anlagen der klassischen italienischen Baukunst mit Terrassen, geometrischer Formstrenge, verspielten Grotten und grosszügigen Treppenanlagen. Heute besteht nur noch dem westliche Flügel angeordnet ein giradino segreto, der auf diese Zeit hinweist und deren oberer Abschluss eine bemerkenswerte steinerne Rokoko-Balustrade in Form grober Holzklötze bildet.
In der zweiten Hälfte des 18. Jh. erhielt die Villa ihre gegenwärtige Form und auch der Garten wurde von einem unbekannten Architekten völlig neu geplant. Vor dem Haus entstanden Blumenbeete, an die sich eine breite Rasenfläche anschliesst, in leichtem Gefälle abwärts führt und sich verjüngend, in einem annähernd runden, von Kies umgebenden Rasenfleck ausläuft. Die perspektivische Wirkung dieses breiten Rasenstreifens wird durch imposante Hainbuchenhecken verstärkt (ein direkter Anklang an die Kolonnaden Berninis auf dem Petersplatz in Rom) und ziehen sich beidseits bis zu einem abschliessenden Rund, das sie fast ganz umgeben. Nur an der äussersten Peripherie des Kreises weist die Hecke eine Lücke auf, in der in direkter Linie zur Villa vor dem Hintergrund der fernen Brianzoli-Hügel im Halbkreis Statuen aufgestellt sind. Gleichzeitig ermöglicht diese Lücke vom Parterre aus einen hübsch fokusierten Ausblick in die Landschaft. Die klar umrissene Perspektive und die feierliche, theatralische Komposition verraten den Einfluss Le Nôtres auf den italienischen Barockgarten. Leider hat ein kürzlicher Sturm die alten Hainbuchen-Lauben stark beschädigt und es wird Jahre dauern, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Aber der Gesamteindruck ist absolut gewahrt.
1837 wurden fast alle Spuren des alten Villani-Novati-Gartens zugunsten eines englischen Landschaftsparkes getilgt, der heute noch den Bereich vor der oberen Terrasse einnimmt. Grotten, Treppenfluchten und Labyrinthe wurden durch grosse Baumgruppen und Rasen, resp. Wiesenflächen ersetzt, getreu dem Grundsatz, den der Schriftsteller Francesco Milizia bereits 1797 formulierte: "Ein gelungener Garten ist bloss ein Fleckchen Natur, dessen natürliche Wirkung die Kunst verschönert und damit verstärkt."
Der heute mit der Pflege der Gartenanlage beauftragte Gärtner, der gut ausgebildet ist und seine Sache ausgezeichnet macht, klagt aber über die mangelnden Mittel, die ihm zur Verfügung stehen. Es grenzt in der Tat an ein wahres Wunder, dass es ihm gelingt, die Anlage mit einer Hilfskraft so gut im Schuss zu halten und ich habe mich mit ihm des Längern über die aufwendige Pflege von Kieswegen unterhalten. Sein ganzer Stolz sind die prächtigen Bäume im Park, zu denen er fast ein persönliches Verhältnis pflegt.
Villa Sommi-Picenardi
Ich habe diesen Garten sozusagen durch den Hintereingang erobert. Und somit den ursprünglichen Zweck gleich hautnah erfahren. Es ist die Landwirtschaft, welche das Anwesen geprägt hat und in gewissem Masse immer noch prägt. Vielleicht ursprünglich entstanden als Villa rustica, als man den Winter als Nobler in der Stadt verbrachte, sich ein Landgut zum Zwecke der täglichen Nahrungsbeschaffung hielt und weil es einfach dazu gehörte und die Sommermonate sich in den ursprünglich einfachen, später immer komfortableren Nebenbauten verbrachte. In Sommi-Picenardi ist der Schritt zum endgültigen Wohnsitz wohl schon vor langer Zeit gemacht worden. Die Villa, die wie die Gartenstrukturen aus dem 18. Jh. stammt, ist eng mit dem Wirtschaftshof verbunden. Und doch tritt es in seiner schön und für die Zeit klar gehaltenen Barockarchitektur unübersehbar ins Zentrum der Anlage. Von der Frontseite des Gebäudes aus entwickelt sich ein weit in die Gegend hinausreichender Landschaftsgarten, der im 19. Jh. angelegt wurde und dessen gewaltige Bäume heute als köstlicher Schirm für kühlende Apéro’s genutzt werden. Wir hatten die Gelegenheit, mit Frau (Gräfin?) Alessandra Sommi Picenardi über die Schönheiten und Lasten eines solch herrlichen Besitzes zu fabulieren. Sie versteht es meisterlich, in echt englischer Manier und mit einem unwiderstehlichem Charme Gäste anzulocken und als grosszügige Wirtin für zahlende Gäste einen kurzen Augenblick feudale Atmosphäre aufkommen zu lassen. So gelingt es ihr, mit einer Vielzahl von Anlässen aller Art die nötigen Mittel zu beschaffen, um das kostbare Juwel in guter Verfassung zu erhalten.
Man ahnt, dass neben dem Park noch weitere Schönheiten zu entdecken sind und lässt sich von der Dame liebend gerne ein wenig in versteckten Bereiche entführen. Anders als in den zur gleichen Zeit entstandenen Villen in Casalzuigno oder Bisuschio tritt hier der Garten nicht in gewaltiger Grosszügigkeit in Erscheinung, sondern präsentiert sich als intimer, geheimnisvoller, versteckter Giardino segreto. Man ahnt, dass dieser Bereich zwischen dem auch hier hinter dem Haus recht gewaltig ansteigenden Terrassengarten und der Villa angelegte, fein gepflegte Garten erst im letzten Jh. angelegt wurde, obwohl er glänzend zum Terrassengarten harmoniert. Vielleicht bestand ja früher hier auch etwas anderes als eine Wiese. Das schlichte, runde Wasserbecken, mit Statuen und Steinvasen geschmückt, steht im Zentrum dieses Rasenstückes, das zudem mit geschnittenen Hecken gegliedert ist. Die Fassade mit den Fenstern des piano nobile bildet fast eine Theaterkulisse und wer einen Blick hinein in den Wohnbereich wagt, entdeckt eine Innenwelt des Barock und Rokoko. Kunstvoll und fein erhebt sich eine erste, klassische Treppenanlage mit eingelassener kleiner Grotte, farbigen Steinmosaiken und kunstvollen Balustraden zu den Terrassen empor. Diese sind nicht wuchtig und imposant wie in Bozzolo gestaltet, sondern unterwerfen sich dem Ensemble. Und wer es wagt, die Mitteltreppe ganz bis zum Belvédère hinaufzusteigen, wird mit einer phantastischen Aussicht ins weite Land hinaus entlöhnt.
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