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Museumsdirektoren sprechen normalerweise nicht gerne über Geld. Doch diese Verschlossenheit legen sie ab, wenn sie auf ihre steigenden Ausgaben für die Versicherung der Kunstwerke angesprochen werden.
Die Marktpreise im Spitzensegment sind in den letzten zwanzig Jahren regelrecht explodiert. Und mit ihnen die Ausgaben der Museen für Versicherungsprämien. Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler, bezeichnet den Anstieg als «dramatisch». Er budgetiert für das aktuelle Jahr Ausgaben von 1,6 Millionen Franken für Versicherungsprämien. Diese Zahl werde 2015 weiter ansteigen auf «weit über zwei Millionen Franken».
Die in Riehen ausgestellten Kunstwerke seien manchmal über hundert Millionen wert, sagt Keller. Da die Prämien bei einem Promille liegen, könne die Versicherungsprämie für ein einzelnes Werk über 100 000 Franken betragen. Bei einer Ausstellung mit Künstlern wie Monet, Gauguin, Van Gogh, Picasso, Warhol oder Richter überschreite die Versicherungssumme schnell die Milliardengrenze.
Im Kunstmuseum Basel rechnet Stefan Charles, der kaufmännische Direktor, vierzig Prozent des Ausstellungsbudgets für Versicherungsprämien ein. Der Anteil wächst. Die Kosten für Versicherungen würden jährlich um über zehn Prozent steigen. Das Kunstmuseum schliesst wie die Fondation Beyeler All-Risk-Versicherungen ab. Zu diesen Risiken zählen Feuer, Elementarschäden, Erdbeben, Diebstahl, Raub, Unfälle und Wasserschäden. Nicht inbegriffen sind politische Risiken wie Streik, Unruhen, Terrorismus und Krieg, für die eine teure Zusatzversicherung nötig ist.
Die Museumsdirektoren sprechen gerne über ihre Versicherungskosten, weil sie politischen Druck ausüben wollen. Sie fordern eine Staatsgarantie. Das bedeutet, dass der Staat die Haftung für die Kunstwerke übernehmen soll. Private Versicherungen könnten damit überflüssig werden, da der Staat den Leihgebern garantieren würde, dass er einen allfälligen Schaden aus der Staatskasse begleichen würde. Die meisten westlichen Länder haben derartige Staatsgarantien für ihre Museen eingeführt. Wie im Bankengeschäft leben diese Garantien von der Hoffnung, dass das Worst-Case-Szenario nie eintrifft.
Solange nichts passiert, handelt es sich um eine Win-win-Situation. Die Museen kommen zu besten Bedingungen zu Leihgaben. Und der Staat fördert die Kunst, ohne im Normalfall Ausgaben zu haben. Nur die Schweiz und Bayern haben keine Staatsgarantie.
Sam Keller fordert eine Staatsgarantie in der Schweiz, damit hiesige Museen «endlich ähnliche Bedingungen wie die führenden internationalen Museen» haben. Dies würde nicht nur «unseren problematischen Wettbewerbsnachteil reduzieren», sagt Keller, sondern würde auch Kooperationen vereinfachen. Stefan Charles stuft eine Staatsgarantie vor allem für Sonderausstellungen als «essenziell» ein. Die Vereinigung Schweizer Kunstmuseen unterstützt die Position der beiden grossen Basler Häuser.
Die Vereinigung malt eine düstere Zukunft: Ohne Staatsgarantie würden «Ausstellungen mit sehr teuren Leihgaben von Schlüsselkünstlern der Kunstgeschichte in unserem Lande wohl bald ausserhalb unserer Reichweite gelangen», warnt der Museumsverband.
Der Kanton Basel-Stadt hat die Forderung der Kunstmuseen aufgenommen. In seiner Vernehmlassungsantwort zur Kulturbotschaft 2016 bis 2019 des Bundesrats schlägt die Basler Regierung dem Bund vor, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die verschiedene Modelle prüfen solle. Infrage kämen auch Teilgarantien, bei denen der Staat nicht hundert Prozent des Risikos decken würde, oder eine Aufteilung der Garantie zwischen Bund und Kantonen. Denkbar wären gemäss der Basler Regierung auch neue Versicherungsmodelle mit Rabatten.
Der Bundesrat lehnt eine Staatsgarantie jedoch entschieden ab. Im Entwurf der Kulturbotschaft warnt er, dass er im Ernstfall Schadenssummen in mehrstelliger Millionenhöhe übernehmen müsste. Dabei könne er jedoch keinen Einfluss nehmen auf das Risikomanagement. Weder die Höhe noch die Eintretenswahrscheinlichkeit eines Schadensfalls seien exakt berechenbar. Deshalb schätze der Bundesrat das finanzielle Risiko einer Staatsgarantie als zu gross ein.
Dietrich von Frank, Kunstexperte der Versicherung Nationale Suisse, teilt die Bedenken des Bundes: «Eine Staatsgarantie ist ein zweischneidiges Schwert.» Namhafte EU-Staaten hätten mehrere Milliarden Euro für die Staatshaftung eingestellt. «Wenn aber wirklich ein Grossschaden durch ein Erdbeben oder ein Feuer passieren sollte, könnten sie diese Summen nicht finanzieren.» Der Versicherungsspezialist rät Leihgebern deshalb, ihre Gemälde «unter keinen Umständen einer südeuropäischen Staatshaftung anzuvertrauen».
Der Kunstfachmann bringt einen neuen Vorschlag in die Debatte ein, den man von einem Vertreter einer kommerziellen Kunstversicherung nicht erwarten würde. Von Frank fordert die Museen dazu auf, sich der «verrückten Werteentwicklung» zu entziehen, indem sie die Werte der Objekte deckeln, die sie sich gegenseitig ausleihen. Von Frank macht ein Beispiel: «Die Museen könnten den Wert der Kunstwerke aus dem Jahr 2000 als Standard nehmen. Ein Giacometti könnte dann zum Beispiel mit einem Wert von 60 statt 130 Millionen Franken versichert werden.» Die Museen würden die Kunstwerke also bewusst unter dem Marktwert versichern. Für den Fall eines Schadens könnten sie sich gemäss von Frank zu einer fachmännischen Restaurierung verpflichten, «sodass die Wertminderung gar nicht mehr so stark ins Gewicht fallen würde».
Die Museumsdirektoren haben die Debatte eröffnet. Doch ein Ende ist nicht in Sicht. Über seinen Vorschlag einer generellen Unterversicherung sagt von Frank: «Diese Lösung würde nur funktionieren, wenn sich sehr viele Leute an einen Tisch setzen und eine Einigung finden würden.»
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Im Ausland ist die Staatsgarantie für Leihgaben etabliert. Doch der Bundesrat wehrt sich dagegen. Die Nationale Versicherung schlägt nun eine Alternative vor.
Museumsdirektoren sprechen normalerweise nicht gerne über Geld. Doch diese Verschlossenheit legen sie ab, wenn sie auf ihre steigenden Ausgaben für die Versicherung der Kunstwerke angesprochen werden.