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Kürzlich fragte ich bei einer Lebensversicherung, weshalb der Verkauf privater Leibrentenversicherungen gestoppt wurde. Leider können Fachjournalisten solche Fragen nicht mehr mit einem Fachmann besprechen, stattdessen wird man von einem Kommunikationsexperten mit Floskeln abserviert.
So schrieb mir besagter Sprecher: «Wir prüfen die technischen Aspekte unserer Produkte fortlaufend vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklungen». Dass ein Versicherungskonzern die Produkte laufend überprüft — mein Gott, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet.
Noch schlimmer ein anderes Beispiel: Ich fragte einen (anderen) Lebensversicherer, ob es stimme, dass bei Scheidungen das Kapital, das die Frau vom Ex-Mann erhält, in den schlechter verzinsten, überobligatorischen Topf ihrer Pensionskasse gelange. Das hätte ich jüngst in einer Konsumentenzeitschrift gelesen. Ein Sprecher beteuerte mir darauf am Telefon, dass sich die Praxis geändert habe. Neu könne die Versicherte selber entscheiden, wie viel in den obligatorischen und wie viel in den überobligatorischen Topf gelange. Ich sagte: das könne nicht stimmen. Er fragte: Warum kann das nicht stimmen? Ich sagte, weil doch niemand freiwillig das Geld in den schlechter verzinsten Topf überweisen liesse. Und vom Geld, das sich im überobligatorischen Topf befindet, gebe es ja eine deutlich tiefere Rente. Offensichtlich verstand der Sprecher das Problem nicht.
Er fragte intern nochmals nach und bestätigte mir schriftlich, dass «PK-Gelder nach einer Scheidung gemäss ihrer Herkunftsdeklaration zugewiesen würden. Sprich: Gelder aus dem Obligatorium werden im Obligatorium, und Gelder aus dem Überobligatorium werden im Überobligatorium verbucht.»
Was wäre geschehen, wenn ich den Stuss geschrieben hätte, den mir der Sprecher zuerst erzählte? Man hätte mir gesagt: Ich hätte keine Ahnung. Ich hätte schlecht recherchiert. Versicherungsmanager behaupten, sie hätten die Kommunikationsabteilung ausgebaut, um die Arbeit von Journalisten zu erleichtern. Ich nehme das Gegenteil wahr.
Erschienen in der BZ am 31. März 2015