Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03565.jsonl.gz/3690

In Frantiček Klossners Videoarbeiten begegnet man immer wieder jungen Männern, die nackt und in Embryonalstellung zusammengerollt liegen und unruhig zu schlafen scheinen. Körperlichkeit, Erotik aber auch Verletzlichkeit klingen hier an. Vor allem aber auch die Frage: Wie sehen Männer sich heute in einer Welt widersprüchlicher Medienbilder und Vorbilder?
Männerbilder – Menschenbilder
Das Männerbild und Menschenbild, das Frantiček Klossner in seiner Kindheit erlebt hat, war noch recht eindeutig. Aufgewachsen ist der 1960 Geborene im Emmental, da war die Welt noch in traditioneller Ordnung. Doch früh begann Klossner sich für Kulturelles zu interessieren. Zuerst hat der folkloristische Scherenschnitt sein Interesse geweckt. Schon als Jugendlicher beteiligte er sich an Ausstellungen. Doch dann erweiterte sich sein Radius und er begann Akte von Robert Mapplethorpe im Scherenschnitt zu kopieren. Das wollte im ländlichen Bern niemand sehen.
Und dann war es die Musik, die Frantiček Klossner begeisterte. Rockmusik. Über diesen Umweg kam er schliesslich mit 18 zum ersten Mal in die Kunsthalle Bern. Franz Gertsch stellte seinen Patti-Smith-Zyklus aus, und der junge Klossner hoffte, die New Yorker Musikerin werde auch in Bern sein. War sie leider nicht.
Nonstop-Performance und Eiskörper
Zur bildenden Kunst kam Frantiček Klossner über Aktivitäten in der Theater- und Performance-Szene. In der Dampfzentrale Bern inszenierte er Mitte der 1980er-Jahre ein Stück zum Thema Aids. Gemeinsam mit der Berner Performance-Legende Norbert Klassen gründete er 1987 die Gruppe Stoppt. «Klassen hatte damals den Spleen, dass er 48-Stunden-Nonstop-Inszenierungen machen wollte», erzählt Klossner, der im Rahmen dieser Mammut-Performances begann, Super-8-Filme zu drehen.
Neben seinen Videoarbeiten machten vor allem die Eisskulpturen Frantiček Klossner bekannt. Die ersten dieser Eisarbeiten entstanden per Zufall, als der Künstler in einem nicht beheizbaren Atelier arbeitete. Es waren flache Eisplatten, die er als Projektionsflächen für Videos nutzte. Später formte er immer wieder den eigenen Kopf, den eigenen Körper aus Eis. In der aktuellen Schau in der Kunsthalle Wil sind zwei dieser Eiskörper zu sehen: ein schwarz eingefärbter Eiskörper schmilzt aufrecht auf einem Nagelbrett, ein roter hängt kopfüber von der Decke, das Schmelzwasser tropft langsam in ein grosses Metallbecken. Beide stehen beziehungsweise hängen sich Aug in Aug gegenüber. «Das Ich begegnet dem Selbst», sagt Frantiček Klossner.
Märchenstunde
Am Eis liebt Frantiček Klossner vor allem die Veränderlichkeit des Materials. Damit ist nicht nur das langsame Abschmelzen gemeint. Wenn er einen Eiskörper aus der minus 25 Grad kalten Spezialeistruhe in einen Ausstellungsraum bringt, bildet sich auf dem Eis zunächst eine Art pelziger Belag. Der Eiskörper sehe dann fast so aus wie Meret Oppenheims Pelztasse, scherzt Frantiček Klossner.
Klossner mag die Vergänglichkeit der Eiskörper. Sie sei wie eine Aufforderung an den Betrachter, jetzt hinzuschauen. Wie Kunst präsentiert und rezipiert wird, auch das interessiert den Künstler und inspiriert ihn seit einigen Jahren zu Märchen, die er in loser Folge schreibt. In diesen Märchen ironisiert er die Usancen des Kunstbetriebes. Einige hat er in einem Video vom Berner Musiker Müslüm einlesen lassen. Und in nicht allzu ferner Zukunft will Klossner die Märchen in Buchform vorlegen.
Ausstellungshinweis
«Laboratorium», bis 18. Mai in der Kunsthalle Wil.
Weitere Arbeiten von Frantiček Klossner gibt es auf seiner Website.