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| Hieronymus († 420) - Briefe

II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
52. An den Priester Nepotian
12.
Im Fasten gehe nicht weiter, als Du zu ertragen vermagst. Dein Fasten sei rein, keusch, einfach und gemäßigt, frei von abergläubischem Beiwerk. Was für einen Zweck hat es, auf Öl zu verzichten, dafür aber sich allerlei Mühe und Umstände zu bereiten in der Besorgung der Speisen? Getrocknete Feigen, Pfeffer, Nüsse, Datteln, Weizenbrot, Honig, Pistazien müssen her, der ganze Gartenbau wird mobil gemacht, um nur kein Schwarzbrot essen zu müssen. Auf der anderen Seite höre ich wieder von Klerikern, die allen Forderungen der menschlichen Natur zum Trotz kein Wasser trinken und kein Brot essen. Dafür genießen sie leckere Tränklein und ausgepreßte Kräuter, den Saft der Mangoldwurzel schlürfen sie aus einer Muschel statt aus einem Glase. Man muß sich ja solcher Torheiten und solchen Aberglaubens schämen. Dazu wollen sie, die nur den Genuß suchen, wegen ihrer Enthaltsamkeit noch gerühmt werden. Das wirksamste Fasten ist das bei Wasser und Brot. Weil es sich aber ohne jedes Aufsehen [S. 144] vollzieht, da wir alle von Brot und Wasser leben, so wird es vielfach als etwas Alltägliches und Schändliches, nicht als richtiges Fasten angesehen.