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Der Pharmavista Newsletter berichtet in seiner neusten Ausgabe über Casein als möglicherweise wirksames Mittel bei Stress und gegen Einschlafprobleme.
Casein ist die Haupteiweisskomponente der Milch. Es besteht nicht aus einer definierten, homogenen Substanz. Die Bezeichnung Casein umfasst vielmehr verschiedene Phosphoproteine, die in Form von Micellen vorliegen.
Caseine in der Milch enthalten Peptidsequenzen mit opioidartigen Eigenschaften, wozu Exorphine zählen wie die beta-Casomorphine. Im Tiermodell beeinflussten diese Peptide die Regulation des Elektrolyttransports, verminderten das Schmerzempfinden und wirkten einschlaffördernd.
Alphacasozepin, das Decapeptid von Alphacasein, zeigte in Versuchen und klinischen Studien eine benzodiazepinähnliche Wirkung mit Bindungsaffinität zu den GABA-A-Rezeptoren. Diese Substanz hat stressvermindernde und anxiolytische (= angstlösende) Eigenschaften ohne nachteiligen Gewöhnungseffekt.
Nahrungsergänzungsmittel mit Casein (oder Proteinhydrolysat aus Milch) werden in Frankreich als Einschlafhilfe empfohlen und kommen bei Stress zur Anwendung. Casein, mit einem mehr oder weniger festgelegten Gehalt an Alphacasozepin, wird kombiniert mit adaptogen wirksamen Pflanzen wie Rhodiola (bspw. Seriane Kps.) oder Eleutherococcus (bspw. Anbosyn Tbl.) angeboten. Anbosyn wurde in einer kleinen klinischen Studie mit 87 Versuchspersonen über einen Zeitraum von 12 Wochen bezüglich Wirksamkeit bei Burnout geprüft. Bei drei von vier Personen soll ein positiver Effekt festgestellt worden sein.
In Pulverform werden caseinhaltige Präparate auch von Sportlern zur Vermehrung der Muskelmasse eingenommen.
Wie andere Eiweissse aus Kuhmilch kann auch Casein bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Nahrungsergänzungsmittel auf der Grundlage von Casein werden für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren nicht empfohlen.
Als Quellenangabe führt der Pharmavista-Newsletter auf:
_Le Moniteur des pharmacies; no3068/2015/p48
Quelle:
http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5145&NMID=5145&LANGID=2
Kommentar & Ergänzung:
Interessantes Thema. Möglicherweise ist das ein Erklärungsmodell für das alte Hausmittel „Ein Glas Milch mit Honig“ gegen Einschlafstörungen.
Allerdings muss dazu festgehalten werden, dass es sich bei diesen Angaben wohl hauptsächlich um Erkenntnisse aus Laborversuchen und aus kleinen klinischen Studien handelt, wobei aus der Beschreibung im Pharmavista-Newsletter nicht einmal ersichtlich ist, ob dabei eine Placebo-Kontrolle eingebaut war. Also insgesamt wohl noch eine ziemlich unsichere Datenlage. Aber trotzdem sehr überraschend. Mir war jedenfalls bisher nicht bekannt, dass Eiweissbausteine (Peptide) aus der Milch zu mindestens im Experiment schmerzlindernde und angstlösende Eigenschaften zeigen und benzodiazepinähnliche Effekte an Rezeptoren auslösen. Benzodiazepine sind als Tranquilizer als (allzu)viel verwendete Medikamentengruppe eine bedeutende Grösse im Pharmamarkt (z. B. Lexotanil®, Temesta®, Valium®, Seresta®).
Bisher wurde die Anwendung von Milch als Einschlafhilfe im Übrigen anders erklärt:
„Milch enthält in relativ hoher Konzentration die Aminosäure Tryptophan. Unser Körper kann diesen Eiweißbaustein nicht herstellen, benötigt ihn aber, um im Hirn den Botenstoff Serotonin zu erzeugen. Der wiederum sorgt nicht nur für allgemeines Wohlbefinden, sondern beruhigt auch und hilft beim Einschlafen. Man kann Tryptophan in der Apotheke als »natürliches« Schlafmittel kaufen. Um auf die allgemein empfohlene Tryptophan-Dosis zu kommen, müsste man allerdings etwa zwei Liter Milch trinken. Im Honig dagegen ist die Konzentration nicht ausreichend.“
Quelle:
http://www.zeit.de/2009/11/Stimmts
Interessant ist zudem auch die erwähnte Kombination von Casein mit Rhodiola (Rhodiola rosea, Rosenwurz) und Eleutherococcus (Eleutherococcus senticosus, Taigawurzel).
Siehe dazu:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch