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Mineralwasser für Fr. –.95, Duschmittel für 2.90, Waschpulver für 23.95 – die Preise von Produkten folgen den Regeln der Preispsychologie. Und die besagen: Was 14 Franken kostet, wirkt teurer als als bei Fr. 13.99, auch wenn am Ende fast genau derselbe Betrag in der Kasse liegt.
Bloss: Der Ursprung dieser sogenannten «gebrochenen Preise» liegt nicht in der Wahrnehmung, sondern im Verhindern von Diebstahl. Wer Anfang des 20. Jahrhunderts im Verkauf arbeitete und selbst mehr schlecht als recht über die Runden kam, lebte mit der ständigen Versuchung, den runden Betrag einzukassieren – und, wenn der Chef gerade nicht hinsah, einzuheimsen. Das konnte auf die Dauer nicht gutgehen, und die Chefs rüsteten auf. Sie beschafften eine Registrierkasse, die alle Beträge auf eine Papierrolle druckten, und sie setzten die Preise so fest, dass der Verkäufer gezwungen war, zur Kasse zu gehen, um dem Kunden das Rückgeld auszuhändigen.
Dass sich gebrochene Preise tatsächlich positiv auf die Umsätze auswirken, lässt sich bis heute wissenschaftlich nicht belegen. Versuche mit runden oder auf .95 oder .99 gedrückten Preisen ergaben kaum je ein eindeutiges Ergebnis. Doch die Faustregel, gebrochene Preise seien gut fürs Geschäft, hat längst ein Eigenleben entwickelt. Ein Experiment aus dem Jahr 2003 von der Universität von Chicago und dem MIT zeigt, dass Kunden gebrochene Preise geradezu erwarten: Den Versandhauskatalog eines Modehauses gab es in unterschiedlichen Versionen – in der einen kostete ein bestimmtes Kleidungsstück 34, in der anderen 39 Dollar. Das teurere, mit einer 9 am Schluss, wurde häufiger gekauft.
Der Kunde aus Kalifornien hiess Bill Fransen, und als er im britischen Birmingham ankam, hatte er eine seltsame Erfindung dabei. Der Prototyp sah aus wie eine Hausorgel mit zwei Manualen und einer Reihe von Reglern und Knöpfen. Hinter jeder Taste sass ein schmaler Tonbandapparat, der ein Band mit dem Ton eines Musikinstruments abspielte, einer Flöte oder Geige. Jede Taste drückte ihr Band gegen einen Tonkopf, der die Aufnahme abspielte. Genau diese Tonköpfe waren Fransens Problem: Sie mussten schmal sein, von hoher Qualität, und Franson brauchte eine ganze Menge davon.
Die konnten seine Geschäftspartner von der Tonbandfirma Bradmatic Ltd. liefern, und mehr als das: Der BBC-Dirigent Eric Robinson kümmerte sich um die Tonaufnahmen – Klarinette, Posaune, ja sogar eine Mandoline –, und Bradmatic überarbeitete die Konstruktion. Schon ein Jahr später, 1963, kam das neue Musikinstrument auf den Markt, das «Mellotron» Mk I. Ein Jahr später folgte die weiter verbesserte Mk II mit noch mehr Sounds.
Mit einem Preis von 1000 Pfund war das Mellotron enorm teuer – in einer Zeit, in der ein einfaches Häuschen für zwei-, dreitausend Pfund zu haben war. Dennoch: Manfred Mann, The Moody Blues – die britischen Bands waren begeistert. Und als die Beatles Ende 1966 in London ihre Single «Strawberry Fields Forever» aufnahmen, kam das Mellotron zu seinem ganz grossen Auftritt. Seither ist das Mellotron, diese Mutter aller Sampler und Synthesizer, ein Fall für die Instrumentengeschichte.
«Salär» kommt vom französischen «salaire», und das wiederum geht auf «salarium» zurück, das lateinische Wort für Sold. Wie das Wort Salat stammen sie alle vom Ur-Wort «sal» ab, das seit Jahrtausenden «Salz» bedeutet. Kochsalz – genauer: Natriumchlorid – ist der wichtigste aller Mineralstoffe. Im Körper eines erwachsenen Menschen zirkulieren 150 bis 300 Gramm Salz. Täglich werden bis zu 20 Gramm davon ausgeschieden, und dieses Salz muss über die Nahrung wieder ersetzt werden.
Am Meer ist die Salzgewinnung im Prinzip einfach: Meerwasser enthält durchschnittlich 35 Gramm Salz pro Liter. Es wird in flache, «Salzgärten» genannte Becken geleitet, und nach dem Verdunsten lassen sich die zurückbleibenden Salzkristalle ernten. Daneben wurde zu allen Zeiten Steinsalz aus unterirdischen Lagerstätten gewonnen, in Wasser gelöst und in flachen Pfannen eingedampft. Von diesem Verfahren übrigens stammt der Name «Kochsalz» – nicht weil man das Salz zum Kochen braucht, sondern weil es durch Sieden gewonnen wurde.
Salz wurde sogar als Geldersatz gebraucht. Römische Legionäre erhielten ihren Sold gelegentlich in Form von Salzfisch, der auf den langen Märschen nicht verdarb. Salz hatte immer auch eine hohe symbolische Bedeutung: Im Barock galt Salz auf Gemälden als Symbol der Reinheit und, weil lebensnotwendig, für Christus selbst. Das Salzfass umzustossen, galt als ausgesprochen schlechtes Omen.
Ein Salär ist heute Geld, und ein Leben ohne Geld ist undenkbar. In Island aber, wo das Konservieren mit Salz lebensnotwendig war, sagt man noch immer: «Das Leben ist Salzfisch».
Die Wäscherin im Mittelalter hatte genau zwei Möglichkeiten: Entweder klemmte sie die Wäsche mit einer Klammer fest, die aus einem einfachen Holzstück mit Schlitz bestand, oder aber sie hängte die Kleider lose über die Leine. Beides war nicht ohne Tücken: Entweder scheuerte das Holz mit der Zeit den Stoff durch, oder der Wind verteilte die Wäsche übers Land.
Das änderte sich erst 1853, nachdem Erfinder David M. Smith im US-Bundesstaat Vermont über das Problem nachgedacht hatte. Seine neuartige Wäscheklammer besass zwei Holzschenkel mit einem Stift als Achse. Oberhalb, zwischen die beiden Griffe geklemmt, fand sich eine separate Feder, welche die Klammer nach dem Loslassen wieder zusammenpresste. «Meine Erfindung», so schrieb Smith, «beschädigt den Stoff nicht, wie das eine herkömmliche Klammer tut, und ein weiterer wichtiger Vorteil besteht darin, dass sie sich vom Wind nicht losreissen lässt».
So simpel eine einfache Wäscheklammer auch scheinen mag – in der Zeit der Industrialisierung war sie Gegenstand einer wahren Erfindungswut. Für Klammern aller Art wurden zwischen 1852 und 1887 allein in den USA 146 Patente erteilt. Eine markante Verbesserung war schliesslich die Erfindung des ebenfalls in Vermont lebenden Solon E. Moore: Sein Patent von 1887 zeigt eine Wäscheklammer mit nur noch einem gebogenen Drahtstück, das zugleich als Spiralfeder und als Achse dient. Eben diese Klammer ist es, die seither in unterschiedlichsten Ausführungen unsere Wäsche an der Leine hält: aus Plastik – oder aber, ökologischer, aus Birkenholz, das nicht abfärbt und keine Harzflecken hinterlässt.
Die erste E-Mailnachricht der Welt stammt vom Informatiker Ray Tomlinson. Sie war bloss ein Test und bestand aus einem wirren Buchstabensalat. Es war das Jahr 1971; die US-Regierung unter Richard Nixon machte Druck, um gegenüber der Sowjetunion nicht in Rückstand zu geraten, und Tomlinson arbeitete an einem Programm, mit dem sich Daten über ein Netzwerk verschicken liessen. Das Netz hiess noch Arpanet, und angeschlossen waren gerade mal 15 Computer, grösser als Kühlschränke. Ihre technischen Bezeichnungen aber waren viel zu kompliziert, und so suchte Tomlinson nach Rechneradressen, die man sich merken konnte. Ausgerechnet auf dem Telex seiner Firma, oberhalb des P, fand er ein Steuerzeichen, das im Datenverkehr noch nicht gebraucht wurde, das @-Zeichen. At, auf Deutsch «bei», passte gut: Der Bauplan der neuen Adressen – Name, @-Zeichen, Domäne – liess sich ohne weiteres lesen als «Person X bei Unternehmen Y».
Und doch: Das @-Zeichen ist uralt. Schon im Mittelalter gab es Ligaturen, Buchstabenverbindungen aus a und d für das lateinische ad, «zu» oder «bei». Weil sich das @-Zeichen auf alten Wein- und Olivenfässern findet, nimmt man an, dass es von den Mauren als Masseinheit nach Europa gebracht worden war. Spanische, portugiesische und französische Händler brauchten es als Bezeichnung für eine arroba, was ungefähr 10 Kilo oder 15 Litern entsprach.
Dass E-Mail zu einer der wichtigsten Computeranwendungen überhaupt werden sollte, war 1971 noch nicht abzusehen. Auch das @ hat Karriere gemacht. Es steht heute für das gesamte Internetzeitalter.