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Unbekannter Künstler, wohl Basel, um 1780/90
Kohle und Kreide auf grauem Papier
H. 34 cm, B. 25,7 cm
Inv. 1995.402.
Depositum Jenny Adèle Burckhardt-Stiftung, Basel.
Christoph Burckhardt (1766 –1815) zog es schon früh in die Fremde. Der Vater war Inhaber der Handelsfi rma Christoph Burckhardt & Cie. (CBC) im Segerhof, eines der umsatzstärksten Basler Handelshäuser des späten 18. Jahrhunderts.
Im Jahr 1789 liess sich Christoph Burckhardt in Nantes nieder, wo er sich fortan Christophe Bourcard nannte. In der bretonischen Hafenstadt gründete er mit der Christophe Bourcard Fils & Cie. (BFC) sein eigenes, eng mit der väterlichen Firma verfl ochtenes Handelsunternehmen und profi lierte sich im Handel mit Kolonialwaren.
Die Küstenstadt bot dafür die perfekte Plattform, war sie im 18. Jahrhundert doch eine europäische Hochburg des transatlantischen Handels. Eine seiner ersten grossen Investitionen war im Jahr 1792 die Expedition des Sklavenschiffes «Intrépide» (die Unerschütterliche), an der er sich mit der immensen Summe von 194 000 Livres – dem Wert eines herrschaftlichen Hauses im Zentrum von Paris – beteiligte. Aufgrund politischer, wirtschaftlicher und wetterbedingter Faktoren geriet das Unternehmen nicht nur zu einem humanitären, sondern auch fi nanziellen Desaster.
Es starben nicht nur Dutzende von Sklaven während der Überfahrt von der westafrikanischen Küste in die Karibik, sondern die Französische Revolution zerstörte mit ihrem kurzzeitigen Verbot der Sklaverei auch die marktwirtschaftliche Grundlage dieses Handelszweiges. Nur dank fi nanzieller Unterstützung durch den Vater konnte Bourcard den drohenden Konkurs der BFC abwenden.
Einige Jahre später, nachdem Napoleon I. den Sklavenhandel längst wieder zugelassen hatte, drohte dem Handelshaus erneutes Ungemach. Die zwei Sklavenschiffe «Le Cultivateur» und «Petite Louise» waren kurz nach ihrem Ablegen im Frühling 1815 von der britischen Marine beschlagnahmt worden, da England sich seit einigen Jahren für ein Verbot des unmenschlichen Sklavenhandels einsetzte.
Christophe Bourcard, dessen Handelsfi rma seit längerem unter Liquiditätsengpässen litt, verzweifelte angesichts dieser Botschaften und glaubte die getätigten Investitionen verloren. In einem Abschiedsbrief vom 26. September 1815 an seine Basler Familienangehörigen erging er sich noch einmal in Selbstvorwürfen über sein kaufmännisches Ungeschick, bevor er sich knapp vier Wochen später in Nantes das Leben nahm.