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Herrliberger 18e
En 1928
Nicht nur der Dinghof Muttenz am Fuss des Wartenbergs gehörte dem Hochstift Strassburg im Elsass, auch der Hof Arlesheim war im Besitz eines Herzogsgeschlechts, das im Elsass beheimatet war. Und wie in Muttenz die Festungskirche dem Elsassheiligen Arbogast geweiht ist, hatte die Arlesheimer Dorfkirche zur Patronin die heilige Odilia. Diese war die Tochter des Herzogs Eticho. Das blind geborene Kind soll vom Vater verstossen, von einer Magd versteckt und bei der Taufe sehend geworden sein.
Eticho stammte wahrscheinlich aus Burgund und war im letzten Viertel des 7. Jahrhunderts Herzog im Elsass. Im Jura eroberte und unterwarf der tatkräftige Fürst das Tal der Sorne, liess den Abt von Moutier-Grandval, der sich seinen Landhunger störend in den Weg stellte, umbringen und stand im Elsass im Kampf gegen Leodegar, dessen Nachruhm im Kloster Murbach wachgehalten und von dieser Abtei nach Luzern weitergetragen wurde. Gegen Ende seines Lebens stiftete Eticho die Klöster Ebersmünster und Hohenberg, in das seine Tochter eintrat, dort Äbtissin wurde und um 720 starb. Ihr zu Ehren heisst heute der heilige Berg des Elsass Odilienberg.
Im Jahr 708 brachte Odilia den Hof Arlesheim, den sie offenbar von ihrem Vater erhalten hatte, dem Kloster Hohenberg zu. Mit dem Dinghof war grosser Land- und Waldbesitz verbunden. Das Kloster liess diese Güter durch Beamte verwalten. Um sich gegen Übergriffe des benachbarten Adels besser zu schützen, vielleicht aber auch, um sich allmählich eine eigene Herrschaft zu schaffen, errichteten wahrscheinlich diese Meier verschiedene feste Häuser in der näheren Umgebung. Zwei von ihnen sind nur noch in Spuren vorhanden, ein drittes, das später der Stadtfamilie Reich als Lehen übergeben wurde, erfuhr in unserem Jahrhundert in den oberen Stockwerken einen Neuausbau. Seit spätestens 1267 hiess es Reichenstein. Das bedeutendste aber, die Burg Birseck, dem Dorf am nächsten gelegen, diente bis zur grossen Revolution als Amtssitz der bischöflichen Vögte.
Im isolierten Bergkegel, auf dem sich die Burg, beidseits von Tälern eingerahmt, erhob, befinden sich Höhlen, die schon in frühgeschichtlicher Zeit bewohnt waren. Der Hügel war als Sperrriegel bestens geeignet. Feste Verteidigungsanlagen waren zudem hier notwendig, denn klösterliches Besitztum war ein beliebtes Tummelfeld des auf Land erpichten Adels, der seine Herrschaftsansprüche stets ausdehnen wollte. Der elsässische Eigentümer war zu weit weg, um diesen Versuchen entgegentreten und mit kraftvoller Gegenwehr seinen Besitz zu können. Aus dem oberen Baselbiet kommend, hatten bereits die Grafen von Frohburg versucht, hier Fuss zu fassen. Aber auch der Bischof von Basel streckte seine Hände danach aus.
Dem Bischof Lütold von Röteln gelang es 1239, den gesamten Besitz vom Kloster zu erwerben. Doch da meldeten die Grafen von Frohburg ihre Ansprüche an. Wahrscheinlich hatte einer der unbekannten Lehensträger zu einer unbestimmten Zeit einen Teil des Klostergutes an die Grafen verkauft oder verpfändet. Jedenfalls waren ihre Ansprüche nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen, aber auch nicht gegen den bischöflichen Standpunkt zu verwirklichen. Nach langwierigen Auseinandersetzungen musste der Bischof schliesslich dem Grafen Hans Hartmann von Frohburg verschiedene Güter abkaufen. Dagegen erwirkte der Frohburger die Belehnung mit den Birsecker Burgen nicht.
Vom ausgehenden 13. Jahrhundert an diente die Burg Birseck teils als Residenz der Bischöfe von Basel, teils als Verwaltungszentrum ihrer Vögte. In den Auseinandersetzungen zwischen Papst und König spielte sich jene merkwürdige Episode ab, da der Basler Bischof Heinrich von Isny, ein Parteigänger des Hauses Habsburg, den Papst einlud, sich bei ihm auf Schloss Birseck zu verantworten. Diese Arroganz scheint dem selbstbewussten Prälaten bei der Kurie wenig geschadet zu haben: einige Jahre später wurde er Erzbischof von Mainz, wo er 1288 starb.
Beim Erdbeben 1356 wurde Birseck stark beschädigt. Der Wiederaufbau liess aus Geldmangel längere Zeit auf sich warten. Erst 1373 verpfändete Bischof Johann von Vienne die Burg an die Edelknechte von Ramstein, die sich verpflichten mussten, ihm das Haus wiederherzustellen und stets offenzuhalten. Die Nachfolger in der Pfandschaft traten die Edelfreien gleichen Namens an, bis 1435 Johann von Fleckenstein das Pfand wieder einlöste. Sein Nachfolger Friedrich zu Rhein, der sich gegen seinen in zwiespältiger Wahl erkorenen Nebenbuhler Bernhard von Rathsamhausen erst nach dreijährigem Streit durchzusetzen vermochte, brachte verschiedene Verbesserungen am Bau an und residierte zeitweise im stadtnahen Schloss.
Um die Wende zum 16. Jahrhundert versuchte Solothurn, in den Besitz des Schlosses und des ganzen Birsecks zu gelangen. Es war ihm bereits gelungen, auf Dorneck Fuss zu fassen. Aber auch Basel begehrte die Herrschaft. Durch Kauf kamen die Dörfer Binningen und Bottmingen in die Hand der Rheinstadt. Aber der tatkräftige Bischof Jakob Christoph Blarer machte diesen Bestrebungen durch den badener Schiedsspruch von 1585 ein Ende. Von Arlesheim aus betrieb er die Wiedereinführung des alten Glaubens in den Pfarreien seines Gebietes. Auf dem Schloss residierten seine Vögte. Diese stammten fast ausnahmslos aus Familien, die ihre Vertreter auch im Domkapitel hatten.
Blarers Nachfolger, Bischof Rinck von Baldenstein, liess am Schloss grössere bauliche Veränderungen vornehmen. Das Wohnhaus wurde auf drei Stockwerke erhöht und mit einem steilen Krüppelwalmdach versehen. Die Toranlage wurde erweitert und der Rundturm mit einem Kegeldach versehen. Im Dreissigjährigen Krieg hielt sich der Bischof verschiedentlich auf dem Schloss auf. In diese Zeit fallen Verstärkungen des Tors und die Errichtung einer Kapelle.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts waren aber die Gebräuchlichkeiten in einem derartig schlechten Zustand, dass sich der letzte Vogt vor der Revolution, Baron Franz Karl von Andlau, weigerte, dort Wohnsitz zu nehmen. Er erwarb sich im Dorf den Flachsländerhof und bezog diesen mit seiner Verwaltung. Angeregt dazu dürfte ihn wohl auch die Tatsache haben, dass seine Standesgenossen im Domkapitel in der Nähe des neuerbauten Doms repräsentative Domherrenhäuser errichtet hatten. Seit der Übersiedlung des bischöflichen Senats 1678 ins Birseckdorf hatte dieses an ansehen und Bedeutung gewonnen. Beim Einfall der Franzosen in die fürstbischöfliche Herrschaft ging das von den Bauern geplünderte Schloss in Flammen auf. Ruine und Ländereien wurden als Nationalgut an Private verkauft.
Konrad von Andlau, Sohn des letzten Landvogtes, erwarb 1808 diese Güter zu Eigentum. Das Schloss stellte er zusammen mit dem Domherrn Heinrich von Ligertz teilweise wieder her. Seit 1812 war es in den englischen Garten integriert, den Konrads Mutter Balbina von Staal aus Solothurn zusammen mit ihrem Vetter Ligertz 1785 errichtet hatte. Angeblich sollten arme Dorfbewohner durch diese Anlage zu einem Verdienst kommen. In Wirklichkeit entsprang die Idee eher einer von Rousseau angeregten Naturschwärmerei und einem Hirtenidyll, das besonders dem kulturmüden Adel am französischen Königshof als spielerische Abwechslung eine Flucht in die unberührte Natur anbot. Die Landschaft um den von Tälern begrenzten Burghügel mit seinen Grotten und Höhlen, mit den drei Teichen, dem Bach, der Mühle und verschiedenen Aussichtspunkten bildete tatsächlich einen prächtigen Rahmen für einen solchen Garten, dessen Anlagen im wesentlichen bis heute erhalten geblieben sind.
Mit dem Andlauerhof gingen Schloss und Eremitage, wie der englische Garten noch heute heisst, in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts in andere Hände über. Die Andlau zogen sich nach Österreich zurück, wo die Familie heute noch lebt. Ein anderer Zweig starb kürzlich im Wasserschloss Schliengen in der badischen Nachbarschaft aus, das zeitweilig auch zur Herrschaft Birseck gehört hatte.
Heute bleibt nicht mehr viel übrig vom Gebäude, nur die Kapelle, der Turm und die Umfriedungsmauer.
Bibliographie