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In Bangladesch sind am Montag Zehntausende Arbeiter am dritten Tag in Folge auf die Strassen gegangen, zündeten Fabriken an und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Demonstrierenden verlangen einen höheren Mindestlohn.
Abdul Baten, Polizeichef des Bezirks Gazipur am Rande der Hauptstadt Dhaka, wo viele Textilfabriken stehen, schätzte die Zahl der protestierenden Textilarbeiter auf 200'000.
Sein Stellvertreter Mustafizur Rahman sagte zur Nachrichtenagentur AFP, 300 Fabriken seien bereits geschlossen worden, um Angriffen der wütenden Demonstranten zu entgehen. Mehrere Dutzend Protestierende und einige Polizisten seien bei den Auseinandersetzungen verletzt worden.
Die Textilarbeiter in Bangladesch gehören zu den am niedrigsten bezahlten der Welt. Die meisten bekommen den Mindestlohn, der 2010 nach wochenlangen Protesten auf 3000 Taka (etwa 35 Franken) heraufgesetzt worden war. Eine Regierungskommission prüft die derzeitige Forderung nach einer Erhöhung auf rund 8200 Taka (rund 96 Franken).
Proteste gewaltsamer
Proteste gegen Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen in der Textilbranche sind in Bangladesch häufig. Seit dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza mit mehr als 1100 Toten im April sind die Demonstrationen aber heftiger geworden. Die Proteste am Montag seien die gewaltsamsten seit 2010, sagte ein Vertreter der Fabrikbesitzer.
Bangladesch ist nach China der zweitgrösste Produzent von Textilien weltweit. Die rund 4500 Fabriken im Lande produzieren rund 80 Prozent aller Exporte des Landes. Deren Wert beläuft sich umgerechnet auf fast 20 Milliarden Franken jährlich.
Der Verband der Fabrikbesitzer will den Mindestlohn höchstens um 20 Prozent auf 3600 Taka (rund 42 Franken) anheben. Er argumentiert mit der schlechten Lage der Weltwirtschaft.
SDA-ATS