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/ Forschung
Beeinträchtigungen in der Aufmerksamkeit und in der inhibitorischen Kontrollfunktion bei Patient*innen mit Major Depression
Bei Patient*innen mit einer Major Depression (MDD) sind häufig neurokognitive Beeinträchtigungen zu beobachten, was oftmals mit Defiziten in verschiedenen kognitiven Leistungsindikatoren einhergeht (einschliesslich der exekutiven Funktionen). Forschende der Abteilung Sport- und Psychosozialen Gesundheit am DSBG untersuchten deshalb, ob sich anhaltende Aufmerksamkeit und die inhibitorische Kontrollfunktion zwischen Patient*innen mit MDD und gesunden Kontrollpersonen unterscheiden und ob Unterschiede zwischen Patient*innen mit leichter, mittelschwerer und schwerer Depression bestehen.
Dazu wurden 212 klinisch stationäre Patient*innen im Alter von 18 – 65 Jahren mit einer MDD-Diagnose und 128 gesunde Kontrollpersonen rekrutiert. Der Schweregrad der Depression wurde mithilfe des Beck-Depressionsinventars (BDI-II) beurteilt; die anhaltende Aufmerksamkeit und inhibitorische Kontrollfunktion wurden mit der Oddball- und Flanker-Task bewertet.
Die Studie zeigt, dass Patient*innen mit MDD langsamere Reaktionszeiten sowohl bei der Oddball- als auch bei der Flanker-Task aufweisen und zwar unabhängig von den exekutiven Anforderungen der Aufgaben. Jüngere Teilnehmende erreichten bei beiden Aufgaben kürzere Reaktionszeiten. Nach Korrektur von Alter, Bildung, Rauchen, BMI und Nationalität waren nur Unterschiede in den Reaktionszeiten bei der Oddball-Task statistisch signifikant. Die Reaktionszeiten waren insgesamt unabhängig von der Schwere der depressiven Symptome.
Die Daten der Studie bestätigen bei MDD-Patienten Defizite in der grundlegenden Informationsverarbeitung und spezifische Beeinträchtigungen in kognitiven Prozessen höherer Ordnung. Schwierigkeiten im Hinblick auf die inhibitorische Kontrollfunktion können zu Problemen bei der Planung, Einleitung und Umsetzung zielgerichteter Aktivitäten führen, was wiederum das Risiko eines wiederkehrenden Verlaufs einer Depression erhöhen kann.
In ausführlicher Form können die Befunde in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Medicine nachgelesen werden:
Gerber, M., Cody, R., Beck, J., Brand, S., Donath, L., Eckert, A., Faude, O., Hatzinger, M., Imboden, C., Kreppke, J. N., Lang, U. E., Mans, S., Mikoteit, T., Oswald, A., Schweinfurth-Keck, N., Zahner, L., & Ludyga, S. (2023). Differences in selective attention and inhibitory control in patients with major depressive disorder and healthy controls who do not engage in sufficient physical activity. Journal of Clinical Medicine, 12, 3370.