Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03215.jsonl.gz/1959

Der Eigentümerwechsel ist auf den ersten Blick nur eine Formsache. Er eröffnet dem russischen Staat aber den Zugriff auf zusätzliche Finanzmittel.
Das russische Finanzministerium übernimmt die Sberbank.
Das grösste russische Geldhaus, die traditionsreiche Sberbank mit ihrem Niederlassungsnetz im ganzen Land, bekommt einen neuen Mehrheitseigentümer. Schrittweise übernimmt das Finanzministerium das mittlerweile breit aufgestellte Unternehmen von Russlands Zentralbank. Das war länger erwartet worden. Finanzminister Anton Siluanow sieht darin nur einen formalen Akt, der an der Unternehmensstrategie nichts ändern soll, sondern primär eine ungewöhnliche Konstellation beendet: dass nämlich die auch als Bankenaufsicht tätige Notenbank das führende Geldhaus besitzt.
Die Transaktion von 50% plus eine Aktie ist nach derzeitigem Börsenkurs rund 2,9 Bio. Rubel (44,5 Mrd. Fr.) wert. Sie wird nun auf eine für den russischen Staat geschickte Weise durchgeführt. Das Geld soll dem Nationalen Wohlstandsfonds in Tranchen entnommen werden, so dass die Abwicklung bis Ende 2022 dauern wird. Weil die Notenbank dazu verpflichtet ist, ihren Gewinn zu 75% in die Staatskasse auszuschütten, gelangt der Kaufpreis zurück zum Finanzministerium. Im Unterschied zu dem an bestimmte Ausgabenzwecke gebundenen Wohlstandsfonds stehen sie dann zur freien Verfügung – etwa für Präsident Putins Ankündigung neuer Sozialprogramme und überhaupt zur Ankurbelung der Wirtschaft, dem wichtigsten Anliegen der neuen Regierung.