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Am 18. September 2014 wird in Schottland über das Referendum zur Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich abgestimmt. Das katalanische Parlament will am 9. November 2014 eine Volksbefragung durchführen, wobei die BürgerInnen über die Zugehörigkeit Kataloniens in Zukunft befragt werden sollen. Beide Regionen grenzen sich durch eine eigene Sprache ab und haben das Gefühl, dass sie bei einer allfälligen Unabhängigkeit ökonomisch besser gestellt würden.
Der grösste Unterschied zwischen den beiden Regionen betrifft die Haltung (zum Wunsch der Unabhängigkeit) des Staates, dem sie bis jetzt angehören.
Das Vereinigte Königreich ist sicherlich nicht glücklich über diesen Abspaltungswunsch der Schotten, legt ihnen jedoch aktiv keine Steine in den Weg. Im Gegenteil, das schottische Parlament hätte gar nicht die Befugnis ein verfassungsänderndes Referendum abzuhalten. Das Parlament des Vereinigten Königreichs hat jedoch eine ausserordentliche Befugnis erlassen, welche dieses Referendum rechtsmässig macht (vgl. UK Gov.).
In Katalonien sieht die Situation anders aus. Das katalanische Parlament will im November eine Volksbefragung durchführen, diese wird jedoch durch das spanische Parlament blockiert, da nur dieses in der Lage ist solche Volksbefragungen und Referenden anzusetzen (vgl. BBC News). Falls die spanische Zentralregierung dem Wunsch nach einer Volksbefragung der Katalanen nicht nachkommen soll, haben diese gedroht eine einseitige Unabhängigkeitserklärung aufzusetzen.
Das Vorgehen der beiden Regierungen unterscheidet sich also grundsätzlich.
Sezessionen sind meist von zwei Dimensionen geprägt: Der kulturellen (meist von Nationalismus geprägt) und der ökonomischen Dimension.
Die kulturelle Dimension meint hierbei, die Dimension, auf der sich die Leute mit ihrer Region identifizieren. Der grösste Faktor der Identifikation ist eine eigene Sprache, welche die Region vom Rest des jeweiligen Landes unterscheidet. Bei der ökonomischen Dimension geht es um die ökonomische Betroffenheit der Bürger der jeweiligen Regionen. Also ob sie das Gefühl haben, als eigenständiger Staat würden sie in ökonomischen Belangen, wie zum Beispiel der Arbeitslosigkeit, besser gestellt.
Katalonien umfasst 15.9% der gesamten spanischen Bevölkerung, Schottland hingegen nur 8.4% der britischen Bevölkerung. Absolut gesehen wären in Schottland weniger Personen von einer Abspaltung betroffen, obqohl das Vereinigte Königreich eine grössere Bevölkerung aufweist, als Spanien.
Katalonien verfügt über ein rund 4’000€ höheres BIP/Kopf als Spanien. Schottland hingegen weist ein um 2’000€ kleineres BIP/Kopf auf, als das Vereinigte Königreich. Hier muss allerdings beachtet werden, dass die Öl-Einnahmen Schottlands nicht in die Berechnung einbezogen wurden. Mit diesen hätte Schottland ein vergleichbar hohes BIP/Kopf wie die wirtschaftlich stärkste Region der Hauptstadt London (vgl. BBC News). Wer die Einnahmen der Ölförderungen in der Nordsee, bei einer allfälligen Unabhängigkeit Schottlands bekommen würde, ist einer der Punkte, in welchem sich beide Parteien uneinig sind.
Schottland und das Vereinigte Königreich unterscheiden sich in puncto Arbeitslosenquote nicht. Spanien hingegen weist seit der Finanzkrise allgemein eine sehr hohe Arbeitslosenquote auf. Katalonien weist eine tiefere Quote auf.
Dies widerspiegelt auch die Quote der von Armut bedrohten Personen. In Spanien sind deutlich mehr Personen davon betroffen als in Katalonien. In Schottland hingegen sind mehr Personen von Armut bedroht als im ganzen Vereinigten Königreich.
Die ökonomische Situation zeigt, dass die Katalanen sich von Spanien zurückgesetzt fühlen, da sie ökonomisch alleine besser dastehen würden. Auch die Schotten haben das Gefühl, dass sich ihre Situation ohne den Rest des Vereinigten Königreichs, vor allem durch die Öl-Einnahmen stark verbessern könnte.
In beiden Fällen unterscheiden sich die Regionen durch die Sprache vom Rest des Landes. In Schottland wird neben Englisch, Scots (nicht zu verwechseln mit schottischem Englisch, der Amtssprache Schottlands) und Gaelic gesprochen. Wobei Gaelic nur noch überwiegend auf den Inselregionen Schottlands gesprochen wird. 98.3% der Bevölkerung hat keine Kenntnisse mehr von Gaelic, deshalb kann Gaelic auch nicht als Identifikationsfaktor der Schotten dienen. Scots Kenntnisse weisen hingegen noch gut ein Drittel der Bevölkerung auf, wobei nur 23.9% angegeben haben, dass sie dies lesen, schreiben und sprechen können.
In Katalonien sieht die Situation ganz anders aus. Dort geben 95.1% der Befragten an katalanisch zu verstehen. Selbst schreiben können noch 55.7%. Dies zeigt, dass in Katalonien eine grössere Abgrenzung der Region von Spanien schon durch die Sprache entsteht. Dieser deutliche Unterschied ist in Schottland nicht vorhanden.
Dies widerspiegelt sich auch in den Meinungsumfragen, die meist von Zeitungen durchgeführt wurden. Hier zeigt sich, dass das Thema der Unabhängigkeit in Katalonien auf viel mehr Unterstützung der BürgerInnen stösst, als in Schottland.
In Schottland schwankt die Zustimmung zwischen 28% (Mai 2010) und 36% (Juli 2008). Im Schnitt spricht sich nur ein Drittel der Schotten für die Unabhängigkeit aus. Auch über den Befragungszeitraum keine Tendenzen feststellen. Die Zustimmung zur Unabhängigkeit hält sich konstant im genannten Bereich.
In Katalonien sprechen sich hingegen zwischen 33.9% (Oktober 2007) und 57.8% (Mai 2013) für die Unabhängigkeit aus. Je nach Zeitpunkt der Befragung wäre das Begehren an den Urnen angenommen worden. Auch zu sehen ist, dass sich vom März 2010 bis Juli 2013 mehrheitlich eine Steigerung der Zustimmung feststellen lässt. Dies lässt sich sicherlich auch auf die zunehmend schwieriger werdende Situation Spaniens, in puncto Wirtschaftslage zurückführen.
Schaut man sich die Verteilung der Zustimmung in der Bevölkerung nach Alterskategorien an, sieht man, dass in Schottland vor allem die jüngeren Generationen sich für eine Abspaltung aussprechen.
Mit zunehmendem Alter sprechen sich die Schotten weniger für die Unabhängigkeit aus. In Katalonien sprechen sich gerade die Bürger bis 25 Jahre nicht für die Sezession aus. Ab 25 ist die Zustimmung relativ konstant.
Die Frage eines unabhängigen Staates stösst in Katalonien eindeutig auf mehr Gehör. Eine Annahme einer allfälligen Abstimmung ist dort sicherlich nicht auszuschliessen. In Schottland zeigt sich die Situation gemässigter. Hier ist zu diesem Zeitpunkt nicht mit einer Annahme des Referendums zu rechnen. Der Hauptunterschied der beiden Regionen ist der Umgang der Zentralregierung mit dem Wunsch der Sezession. Wie sich dieser weiterentwickelt, wird sich bald zeigen.