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Vor 30 Jahren, am 22. September 1992, nahm sich der Schweizer Schriftsteller Niklaus Meienberg das Leben. Meienberg war ein genialer literarischer Querkopf. Bis heute steht die Frage im Raum, ob er von der kulturellen Szene er Schweiz nicht allzu kleinkariert behandelt wurde.
Meienberg hat zehn Bücher mit Reportagen und Beiträgen zur Zeitgeschichte geschrieben. Er war ein glänzender Stilist und Polemiker. Bis heute werden seine Texte in Journalistenschulen verwendet. Aber er eckte auch an und polarisierte. So ergibt sich eine Spannung zwischen einer zeitweise glänzenden journalistischen Karriere – unter anderem fünf Jahre Korrespondent der Weltwoche in Paris, zeitweise Leiter des Pariser Büros der Zeitschrift Stern, zahlreiche Beiträge für das Schweizer Radio und Fernsehen – und seiner prekären Situation als freier Autor, der zeitweise beim Tages-Anzeiger mit Schreibverbot belegt war und auch vom Schweizer Radio und Fernsehen geschnitten wurde. Kenner schüttelten ihre Köpfe darüber, dass man ihm dort nicht eine Stelle anbot, die ihn materiell etwas abgesichert hätte.
Ein Stein des Anstosses war seine polemische Auseinandersetzung mit General Ulrich Wille und seiner Familie, ursprünglich als Artikelserie in der Weltwoche erschienen, später als Buch unter dem Titel «Die Welt als Wille & Wahn» erschienen. Es war auch ein Theaterstück geplant. Die Söhne Ulrich Willes zogen gegen ihn auch wegen einiger Passagen im Film «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.» vor Gericht. Verteidigt wurde er von Moritz Leuenberger.
Meienberg litt seit seiner Jugend an depressiven Schüben. Anfang der 1990er Jahre wurde er zudem von Schicksalsschlägen heimgesucht: Er wurde von zwei Nordafrikanern in einer Unterführung zusammengeschlagen, er erlitt in Südfrankreich einen schweren Motorradunfall, und seine Mutter, an der er sehr hing, starb. Dazu kamen der Golfkrieg und andere politische Krisen, die in seinen Augen apokalyptische Ausmasse hatten.
Das Bild entstand am 11. September 1975 bei seiner Pressekonferenz in Bern. Meienberg richtet scharfe Vorwürfe gegen den Bundesrat, der eine Qualitätsprämie für den Film «Die Erschiessung des Landesverraeters Ernst S.» abgelehnt und dem Autor «Manipulation» und «Geschichtsklitterei» vorwarf.
(J21)