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25.08.2022 | Majken Grimm | News WSL
In den letzten 7500 Jahren war es in der Arktis nie so warm wie jetzt. Das bezeugt eine einzigartige Sammlung an Jahrringproben, zusammengetragen in über 20 Expeditionen. Hierzu erschien nun eine neue Studie unter Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in «Nature Communications».
Auf der Jamal-Halbinsel in der Arktis legt die Erosion uralte Bäume frei, die Zeugen einer anderen Zeit sind. Dank der Jahrringe lassen sie sich datieren und das Klima vergangener Jahrtausende auf das Jahr genau rekonstruieren. Forschenden ist es nun gelungen, eine durchgehende Chronologie zu erstellen, die bis in das Jahr 5618 v. Chr. zurückreicht. Sie stellt damit die längste Jahrringchronologie aus der arktischen Region dar.
Die Untersuchung zeigt das Ausmass des Klimawandels: In der ganzen abgedeckten Zeitspanne war es in der Arktis nie so warm wie in den letzten 30 Jahren. Dabei kühlte das Klima bis zum Jahr 1850 noch stetig ab. Die Erwärmung seit der industriellen Revolution übersteigt jegliche natürliche Variation.
Die Vorgehensweise erlaubt eine genaue Rekonstruktion des Klimas, weil die Jahrringe in direktem Zusammenhang mit den Temperaturen des Sommers stehen, die das jährliche Wachstum der Bäume auf der Jamal-Halbinsel stark begrenzen.
Über 20 Expeditionen während eines Zeitraums von 40 Jahren waren nötig, um genügend Holzproben zusammenzustellen. Da es auf der Jamal-Halbinsel keine Strassen gibt, bewegten sich die Forschenden mit Booten auf den Flüssen fort. Im Sediment der Flüsse gruben sie Bäume frei und zersägten sie. Die Proben, die sie so entnahmen, wurden anschliessend im Labor vermessen, daraus entstand eine fortlaufende Datenreihe.
Der Lauf der Flüsse auf der Jamal-Halbinsel verändert sich ständig, die Flüsse transportieren Sediment und Gesteine mit, was dazu führt, dass Bäume am Ufer in den Fluss stürzen können. Werden diese dann von Sediment bedeckt, kann der Permafrost sie lange konservieren.
«Unsere Erhebungen bieten eine einzigartige Grundlage, um in jährlicher Genauigkeit zu ermitteln, wie ungewöhnlich schnell sich die Jamal-Halbinsel seit 1850 erwärmt hat. Die Erwärmung erreicht heute Temperaturen, die in den letzten 7500 Jahren beispielslos waren», sagt Patrick Fonti von der WSL. «Diese Daten helfen uns, das Ausmass der gegenwärtigen Erwärmung mit einem grossen Zeithorizont zu sehen.»
Neben der Eidg. Forschungsanstalt WSL waren auch das Institute of Plant and Animal Ecology der Ural Division of the Russian Academy of Sciences, die Universität Genf und die Climatic Research Unit der University of East Anglia in England beteiligt.
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