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Der künftige Intendant Andreas Beck gibt bereits eine erste Personalie bekannt: Laura Berman wird 2015 die Leitung des Musiktheaters übernehmen. Eine Frau Operndirektorin, das gabs noch nie in der Geschichte des Theater Basel.
Andreas Beck legt ein beeindruckendes Tempo vor: Vor sechs Wochen erst wurde er vom Verwaltungsrat des Theater Basel zum Nachfolger von Georges Delnon gewählt. Nun hat der designierte Intendant, der derzeit noch das Wiener Schauspielhaus leitet, bereits seine erste Kaderstelle besetzt: Laura Berman soll unter ihm die Basler Oper leiten. Eine Frau als Operndirektorin, gabs das schon mal? Michael Bellgardt, Medienverantwortlicher des Dreispartenhauses, wirft auf unsere Nachfrage rasch einen Blick ins Geschichtsbuch des Theater Basel. Nein, gabs noch nie. Mit Laura Berman wird erstmals eine Frau die Leitung der Oper innehaben.
Wer aber ist sie? In den USA, erfahren wir via Google, ist ihr Name verschiedenen Personen zuzuordnen. Offenbar heisst eine bekannte Sex-Therapeutin so, die schon bei Oprah Winfrey auf der Couch sass. Laura Berman ist auch eine Singer-Songwriterin, die mehrere Alben veröffentlicht hat. Die Dramaturgin und Kuratorin Laura Berman aber wurde 1959 in Boston geboren, erhielt die erste Musikausbildung an der New Yorker Juilliard School und schloss in Princeton und Bloomington/Indiana ihr Studium der Musik und Opernregie ab. Danach erhielt sie ein Stipendium, das sie vor dreissig Jahren nach Deutschland führte, also «abroad».
Ihr Lebenslauf zeugt von spartenübergreifender Experimentierfreude
In Köln gründete sie das Label «New Fragments Köln» für experimentelles Musiktheater. Danach war sie als stellvertretende Leiterin und Dramaturgin des Tanztheaters an den Städtischen Bühnen Münster und dem Staatstheater Darmstadt engagiert. Während dieser Zeit produzierte sie gemeinsam mit der Choreographin Birgitta Trommler ein jährliches Festival interdisziplinärer Kunstformen. Auf dem Programm standen Werke von Künstlern wie Alain Platel, Laurie Anderson, Philip Glass und Meredith Monk.
Als freischaffende Dramaturgin arbeitete Berman für die Wiener Festwochen, die Bayerische Staatsoper, die Festspiele in Schwetzingen und Berlin, das Düsseldorfer Schauspielhaus oder auch das Zürcher Ballett. Sie arbeitete unter anderem mit Heinz Spoerli zusammen.
In die Nähe von Basel kam sie 2001: Fünf Jahre lang arbeitete sie am Theater Freiburg als Leitende Musikdramaturgin. Danach war sie bis 2012 Künstlerische Leiterin der Reihe «Kunst aus der Zeit» der Bregenzer Festspiele, ein Programm mit Musiktheater, Performance, Tanz und Konzerten. Dort vergab sie auch Aufträge für neue Opern und Musiktheaterwerke. 2012 gründete sie ihre eigene Künstler- und Projektagentur, Laura Berman_Next. In diesem Jahr produzierte sie neue Opern von zwei Künstlern der alternativen Popszene: Ben Frost und Shara Worden. Für diese Projekte konnte sie grenzüberschreitend Partner gewinnen, vom Holland Festival, dem Royal Opera House Covent Garden bis zum Berliner HAU (Hebbel am Ufer).
Beck über Berman: «eine kompetente, hoch erfahrene Kollegin»
In diesem Jahr bereitet Laura Berman drei neue Musiktheater-Produktionen für das Schauspielhaus Wien vor, welches Andreas Beck leitet. «Laura Berman hat, ebenso wie ich, den Schwerpunkt ihrer Theaterarbeit in den letzten Jahren im Zeitgenössischen gefunden. Diese gemeinsame, verbindende Kennerschaft hat uns verführt, drei sehr unterschiedliche musikalische Projekte für das Schauspielhaus Wien zu planen und zu initiieren: Ein Singspiel, eine Revue und ein Melodrama», lässt Beck verlauten.
Ab Herbst 2014 wird ihre Kooperation im Spielplan des Schauspielhauses zu sehen sein. «In ihr habe ich seit langem eine kompetente und hoch erfahrene Kollegin gefunden, die ein breites Wissen über Oper und modernen Tanz sowie Komponistinnen und Komponisten unserer Zeit besitzt. Den Spielplan nicht von der Klassikerposition, sondern aus der Kunst unserer Zeit, vom zeitgenössischen Künstler oder Kunststück – ob in Oper oder Schauspiel – aus zu denken, ist für mich grundlegend bei der Programmierung des Theater Basel», teilt Beck mit.
Es sei wichtig für die Erkundung des klassischen und auch unbekannten Repertoires, dass es sich am modernen und zeitgenössischen Kunstwerk inspiriere. Zudem verfüge Laura Berman über umfassende Kenntnisse im Bereich der Elektronischen Musik und der Bildenden Kunst. «All ihre Erfahrungen wird sie nun am Theater Basel konsequent um- und einsetzen können, um das Basler Publikum zur Wiederentdeckung bekannter wie vergessener Werke der Operngeschichte zu verlocken und Stücke der Moderne oder Kompositionsaufträge zu entdecken.» Die Handschriften von Beck und Berman werden ab der Saison 2015/2016 am Theater Basel zu sehen sein.