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Kabelnetze können selber bestimmen, ob sie in ihren Leitungen die Radioprogramme als UKW-Signale oder nur digital anbieten wollen. Der Entscheid ist technisch bedingt und steht nicht im Zusammenhang mit der Abschaltung der UKW-Verbreitung über die Luft Ende 2024. An Kabelnetze angeschlossene Stereoanlagen ohne digitalen Empfang können mit einem Zwischengerät weiterhin Radioprogramme empfangen.
René Wehrlin, Abteilung Medien
Vor rund einem Jahr begannen die ersten Kabelnetzbetreiber, die Radioprogramme über ihre Leitungen nur noch digital anzubieten, weitere werden folgen. Mit wenigen Ausnahmen bestimmen die Netzbetreiber frei, welche Inhalte sie ihren Kundinnen und Kunden anbieten und welche nicht. Zu den Ausnahmen zählt, dass sie die Radioprogramme der SRG sowie jene der konzessionierten privaten Veranstalter verbreiten müssen. Das Gesetz legt jedoch nicht fest, ob dies analog (UKW) oder digital (DVB-C oder DAB‑cable) geschieht.
Die UKW-Abschaltung im Kabelnetz steht nicht im Zusammenhang mit der für 2024 geplanten Abschaltung der UKW-Antennen, welche die Radioprogramme über die Luft verbreiten. Der Grund liegt vielmehr darin, dass die Betreiber ihre Netze auf die neuste Technologie DOCSIS 3.1 umstellen. Diese Technologie bedingt zwingend eine Neuanordnung der verschiedenen Kabelnetzanwendungen wie Radio, Fernsehen, Internet oder Telefonie. Ausgerechnet in jenem Kabel-Frequenzbereich, der bisher für UKW reserviert war, sieht DOCSIS 3.1 neu den Upload von Internet-Inhalten der Benutzer vor. Die Netzbetreiber schalten also UKW deshalb ab, weil sie diesen Teil ihres Netzes für andere Anwendungen freimachen müssen. Aber sie verbreiten die Radioprogramme natürlich weiterhin digital in jenem Bereich, über den auch die TV-Signale ins Haus kommen.
Digital-Adapter für analoge Stereoanlagen
Stereoanlagen, die ihr UKW-Radiosignal aus der Kabelsteckdose beziehen, müssen nicht ersetzt werden. Es reicht, ein kleines Gerät an die Kabelsteckdose in der Wand anzuschliessen und mit der HiFi-Anlage zu verbinden. Dieses Zwischengerät (Adapter) filtert die digitalen Radioprogramme aus dem TV-Signal und führt sie zur Stereoanlage (AUX-Eingang). Die Programmauswahl erfolgt mittels Fernbedienung über den Adapter, der im Fachgeschäft oder Online-Handel ab ca. 70 CHF erhältlich ist. Einzelne Kabelnetzbetreiber offerieren ihren Kundinnen und Kunden solche Adapter zu einem vergünstigten Preis.
Eine Alternative ist der Kauf eines DAB+-Adapters, der die Radiosignale aus der Luft holt und der ebenfalls über die AUX-Buchse an die Stereoanlage angeschlossen wird. Vorteil dieser etwas teureren Adapter ist, dass sie neben den DAB+-Programmen auch Internetradio, Musik von Spotify oder von eigenen Musikdatenbanken via AUX auf die Stereoanlage zu überspielen können. Der Nachteil ist, dass sich das Angebot auf jene ca. 60 bis 80 DAB+-Programme beschränkt, die je nach Region aus der Luft empfangbar sind. Bei einem Kabeladapter steht hingegen die gesamte digitale Programmpalette zur Verfügung, so auch diverse ausländische Programme.
Im Kabelnetz von Sunrise UPC werden die Radioprogramme zusätzlich im DABcable-Format verbreitet. Da dieses Format mit herkömmlichen DAB+-Radios nicht empfangbar ist, empfehlt sich eine Nachfrage beim Netzbetreiber.
Letzte Änderung 06.12.2021