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Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5, Op. 67
Es ist wohl eines der berühmtesten Motive der Musikgeschichte, welches der Fünften Sinfonie Ludwig van Beethovens als Ausgangspunkt dient.
Die vier Anfangstöne strahlen trotz ihrer Einfachheit eine immense Kraft aus, die bis heute nicht an Intensität und Faszination verloren hat. Aus diesem durchaus etwas beängstigend anmutenden Klopfmotiv entwickelt sich die ganze Sinfonie, die oft als Narrativ eines Kampfes mit dem Schicksal und abschliessendem Triumph gedeutet wurde – und noch immer wird. Der vielzitierte Ausspruch «So pocht das Schicksal an die Pforte» - geäussert Jahre nach der Entstehung der Sinfonie – wurde von Beethoven allerdings in erster Linie nicht als Deutung des Anfangsmotivs verstanden, sondern sollte ein «Hinweis auf die von ihm intendierte Art der Ausführung» sein. So sollte das Anfangsmotiv derart gespielt werden, dass es sich vom übrigen Geschehen deutlich abhebt und als eine Art Wahrzeichen verstanden wird.
Dieses berühmte Klopfmotiv liegt dem ersten Satz zugrunde, der sich daraus entwickelt und welches sich durch den ganzen Satz hindurchzieht. Durch die motivisch-thematische Konzentration auf das Anfangsmotiv herrscht durchgehend eine vorwärtsdrängende Motorik; einziges Innehalten bietet die kurze Kadenz der Oboe vor der Reprise des Hauptthemas.
Der zweite Satz besteht grundsätzlich aus zwei Themen, die sich mit Variationen in der Form ABABABA abwechseln. Das erste Thema wird von Celli und Bratschen vorgestellt, wobei nach und nach auch die Bläser hinzukommen. Die Klarinetten und Fagotte intonieren das zweite Thema, das nach seinem beschaulichen Beginn von den Blechbläsern fanfarenartig übernommen wird. So wird bereits der sieghafte Gestus des Finales vorweggenommen. Nach einer längeren Coda wird das erste Thema zu einem triumphalen Schluss geführt.
Der dritte Satz wird ebenfalls durch seine kontrastierenden Themen geprägt: Celli und Bässe stellen im Pianissimo und Unisono eine Frage, welche vom vollen Orchester aufgenommen wird.
Beantwortet wird sie selbstbewusst, zunächst von den Hörnern und danach vom gesamten Orchester, indem das Klopfmotiv des ersten Satzes wiederaufgenommen wird. Ein ungestümes Fugato in C-Dur bildet das Trio; das Scherzo wird danach im Pizzicato nur in verkürzter Form aufgegriffen und führt in die berühmte Coda, die mittels einer langsamen Steigerung in das attacca folgende, triumphale Finale überleitet.
Der Finalsatz, in dem sich – nach einigen Versuchen in den vergangenen Sätzen – nun endlich C-Dur durchsetzen kann, bildet den Schwerpunkt der ganzen Sinfonie und «reiht eine Siegesgeste an die andere». Beethoven knüpft jedoch auch Bezüge zu den vergangenen Sätzen: So erinnert das Triolenthema durch seinen Rhythmus an das Klopfmotiv, und kurz vor der Reprise wird das Scherzo des dritten Satzes wieder aufgegriffen. Eine der längsten Codas, die Beethoven schrieb, führt die Sinfonie zum letzten Presto, bevor sie in den Unisono-Viertelschlägen des Orchesters endet.
Gerade dieses exzessive «Einhämmern» der Grundtonart und die Länge der Coda wurde von Zeitgenossen kritisiert, und auch die Uraufführung der Sinfonie am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien war offenbar nicht unbedingt erfolgreich. Reaktionen des Publikums sollen von Ratlosigkeit bis Ablehnung gereicht haben. Dabei musste Beethoven durch seine fortschreitende Schwerhörigkeit Vieles umkrempeln – er wollte umso mehr als grosser Komponist in die Geschichte eingehen und Musik für die Ewigkeit schreiben. Dabei hat er «unbemerkt eine neue Orchestersprache entwickelt, hat den Rahmen der Sinfonie gesprengt, die Kompositionen ausgedehnt und sein Orchesterklang hat eine grössere Tiefe und Intensität bekommen.»
Vielleicht stimmen Sie ja mit dem Urteil E.T.A. Hoffmanns überein, der heute zwar vor allem als Literat bekannt ist, aber auch Komponist und genuiner Musikkenner war. Er pries die Musik Beethovens und insbesondere die Fünfte Sinfonie mit folgenden Worten:
«Tief im Gemüthe trägt Beethoven die Romantik der Musik, die er mit hoher Genialität und Besonnenheit in seinen Werken ausspricht. Lebhafter hat Rec. [Rezensent; Anm. d. Verf.] dies nie gefühlt, als bey der vorliegenden [fünften] Symphonie, die in einem bis zum Ende fortsteigenden Climax jene Romantik Beethovens mehr, als irgend ein anderes seiner Werke entfaltet, und den Zuhörer unwiderstehlich fortreisst in das wundervolle Geisterreich des Unendlichen»
Sabine Hebeisen