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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Achtes Buch
52. Die Einheit Christi mit dem Vater.
In bedachter Rücksicht auf die menschliche Schwachheit hat Gott also nicht mit dürren, unsicheren Worten seine Glaubenslehre verkündet. Denn wenn auch die Geltung des Herrnwortes schon allein die Notwendigkeit des Glaubens verbürgte, so hat er doch unsere Fassungskraft durch die Erkenntnis des bekanntgegebenen Grundes befähigt, damit wir sein Wort: „Ich und der Vater sind eins”1 durch den inneren Grund des dargelegten Eins-seins erkennten. Wenn er nämlich sagt, er spreche durch den Sprechenden, er wirke durch den Wirkenden, er richte durch den Richter, er werde erschaut in dem Erschauten, er versöhne durch den Versöhner und er bleibe in dem, der in ihm bleibe; so frage ich, was für einer anderen sprachlichen Fassung seiner Darlegungen er sich hätte bedienen können, die für die Fassungskraft unserer Erkenntnis geeigneter gewesen wäre, um ihr Eins-sein erkennbar zu machen, als dieser, daß vermöge der Tatsächlichkeit der Geburt und der Einheit des Wesens der Vater im Sohn alles spreche und tue, was der Sohn tue und sage. Das kommt also nicht einem Lebewesen zu, das ihm wesensfremd wäre, auch nicht einem, das durch Erschaffung zu einem Gott gestaltet wurde, auch nicht einem, das aus einem Teile Gottes als Gott geboren wurde, sondern einer Gottheit, die durch eine vollkommene Geburt als vollkommener Gott geboren wurde, die dieses Selbstvertrauen wesensmäßigen Bewußtseins besitzt, daß sie sprechen könne: „Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir,”2 und wiederum: „Alles, was meinem Vater eignet, gehört auch mir.”3 Nichts fehlt nämlich demjenigen am Gott-sein, durch dessen Handeln und Sprechen und Gesehenwerden Gott wirkt und auch spricht und auch gesehen wird. Es sind nicht zwei Wesensverschiedene in dem Handeln oder Sprechen oder Erschautwerden des einen. Es ist auch nicht ein vereinzelter Gott, wer in dem sprechenden und handelnden und erschauten Gott als Gott handelt und spricht erschaut wurde.
Das erkennt die Kirche, das glaubt nicht die Synagoge, das versteht die Weltweisheit nicht: daß einer von einem, das Ganze vom Ganzen [stammt], daß der Sohn auch Gott [ist] und durch seine Geburt weder dem Vater die Ganzheit genommen noch diese gleiche Ganzheit durch die Geburt nicht als Besitz erlangt hat.
Wer immer in dieser Torheit von Ungläubigkeit befangen bleibt, ist entweder ein Nachläufer der Juden oder der Heiden.
1: Joh 10,30
2: Joh 14,11
3: Joh 16,15