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Noch bis in die 1960er Jahre ging man in der Entwicklungspsychologie davon aus, dass mit der körperlichen Reifung des heranwachsenden Erwachsenen auch die Entwicklung des gesamten Organismus abgeschlossen ist. Somit war der Mensch mit 18 Jahren entwickelt und erst gegen Ende des Lebens würde die Entwicklung, respektive Rückentwicklung des Organismus bis hin zum Lebensende wieder in Gang kommen. Dies entspricht vielen und wichtigen Jahrzehnte in einem Menschenleben ohne organische Entwicklung.
Es ist der Forschung von Havighurst* und seiner Entwicklung des Lifespan-Development in den 1970er Jahren zu verdanken, dass sich die Erwachsenen auch auf einen Entwicklungsprozess berufen können. Die Lifespan-Perspektive sieht die Entwicklung als kontinuierlicher, lebenslanger Prozess, der sich auf der emotionalen, kognitiven, verhaltenssteuernden und sozialen Ebenen des Menschseins abspielt.
Das Erwachsenenalter wurde aufgeteilt in ein frühes, mittleres und spätes Erwachsenenalter, das jeweils über altersadäquate Entwicklungsaufgaben verfügt. So stehen im frühen Erwachsenenalter (18 – 40 Jahre) Entwicklungsaufgaben wie die Ablösung von der Familie, die Fähigkeit erfolgreich Partnerbeziehungen einzugehen sowie die Entwicklung und Umsetzung eines Lebensentwurfs im Vordergrund. Im mittleren Erwachsenenalter (40 – 65) gilt es die Kinder zum reifen Erwachsenen zu begleiten (sofern Familie), vermehrt soziale Verantwortung zu entwickeln sowie nochmals neue Lebenswege und -strukturen zu finden und umzusetzen. Im späten Erwachsenenalter (65 -99) steht die Anpassung an die abnehmende körperliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit an, die Bejahung der Zugehörigkeit zu dieser Altersgruppe sowie der wohlwollende Rückblick auf das Leben und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod.
Neben den soeben aufgeführten altersabhängigen Aufgaben, scheint es auch lebenslang bedeutsame Entwicklungsthemen zu geben. Wiederkehrende Themen sind: das Wechselspiel zwischen dem Kontakt zum Selbst und zum Anderen, das Dilemma zwischen Nähe und Distanz, der Rhythmus von Bindung eingehen und Bindung auflösen sowie der Ablauf von Beginnen, Durchführen und Beenden einer neuen Aufgabe. Es überrascht nicht, dass die Mehrheit dieser Aufgaben in Beziehungen zum Tragen kommt. Die soziale Organisationsebene des Menschen scheint eine lebenslange Herausforderung in Bezug auf die Entwicklung darzustellen.
Gut zu wissen also, dass wir Menschen mit 18 Jahren noch nicht fertig sind und die Persönlichkeitsentwicklung lebenslang möglich oder gar notwendig ist.*Buchtipp: Faltermaier, T. et al (2002): Entwicklungspsychologie des Erwachsenenalters, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart. Buch bei Amazon finden.