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Unsere Kommunikation besteht zu einem erheblichen Teil aus dem Diagnostizieren und Beurteilen. Was andere sagen interpretieren wir aufgrund unserer eigene Vergangenheit. Doch das führt dazu, dass wir gar nicht richtig zuhören. Zuhören bedeutet, dass wir ganz präsent sind und hören, ohne zuzustimmen oder abzulehnen. Was sagt der andere wirklich? Inwiefern ist das, was dieser sagte, gar nicht das Entscheidende?
Marshall Rosenberg formulierte die Gewaltfreie Kommunikation. Er streicht heraus, dass wir beim hinhören allzu schnell Negatives auf uns selbst beziehen, oder dann die Schuld beim Anderen suchen. Viel besser wäre es aber, wenn wir beim Zuhören uns selbst wahrnehmen. Was an der Kritik des anderen triggert mich gerade? Warum löst das in mir negative Gefühle aus? Wir sagen: „Ich bin wütend, weil er …“ Doch was andere sagen kann zwar ein Auslöser, nie aber die Ursache unserer Gefühle sein. Hinter meinem Gefühl steckt ein unerfülltes Bedürfnis. Ich kann als sagen: „Ich bin wütend, weil ich … brauche.“ Damit bleibe ich bei einer Ich-Botschaft und ich greife den Anderen nicht an.
Noch einen Schritt weiter geht es, wenn wir hinter der Aussage des Anderen dessen Gefühl und dessen Bedürfnis wahrnehmen. Welches Bedürfnis ist beim Gegenüber nicht gestillt, sodass dessen Gefühle zum Vorschein kommen? Dadurch brauche ich mich selbst nicht angegriffen zu fühlen. Vielmehr kann ich paraphrasieren und zurückfragen. „Ich höre gerade dies …“ (Wahrnehmung ausdrücken). „Bist du wütend, weil du … anders haben willst?“ (Gefühl ansprechen). „Kann es sein, dass du … brauchst?“ (Bedürfnis ansprechen). „Besteht deine Bitte darin, dass … geschieht?“ (Bitte formulieren). Damit hole ich das Gegenüber ab und helfe ihm, sich in seiner Gefühls- und Bedürfnisebene auszudrücken. Fühlt man sich verstanden, schwindet der Konflikt, weil man Verständnis aufbaut, was zur Lösungsfindung beiträgt, statt sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben.
Wollen wir es alle versuchen, sich selbst wie andere in ihrer Gefühls- und Bedürfniswelt wahrzunehmen? Das ist zuweilen gar nicht so einfach, weil wir es verlernt haben, unsere Gefühle überhaupt benennen zu können. Die App „Wie geht‘s dir?“, mit der viele Kantone momentan eine Kampagne fahren, kann dir in Zwischenzeiten helfen, dich selbst wahrzunehmen.
Nähere Infos zur Gewaltfreien Kommunikation in meinem Videobeitrag.