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Unsere Landschaft wandelt sich derzeit drastisch, und dieser Wandel stoppt auch vor der Zusammensetzung der Pflanzenwelt nicht. Die Pflanzengemeinschaften europäischer Länder beinhalten heutzutage einen Fremdartenanteil von 10 bis 30%. Dieser setzt sich zusammen sowohl aus Archäophyten (kultivierte Pflanzenarten, die sich vor 1492, Christoph Kolumbus’ Fahrt in die Neue Welt, etabliert hatten) als auch aus Neophyten (die sich nach 1492 etablierten). Mit Schrecken stellen wir fest, dass sich die sogenannte „Schwarze Liste“ invasiver Arten im Vergleich zum Jahre 2013 beinahe verdoppelt hat. Damals waren es noch 23 Arten, 2014 bereits deren 40. Das heisst, bereits jede hundertste Pflanzenart in der Schweiz ist ein invasiver Neophyt, verbreitet sich also stark und rasch und verursacht dadurch meist hohe Schäden.
Es gibt keinen Prototypen
Den Prototypen der Problempflanzen gibt es nicht. Was ihnen jedoch gemeinsam ist, sind hohe Vermehrungsraten durch Samen oder Wurzelausläufer und meist eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit. Dadurch ist die Pflanze schwierig zu bekämpfen und kann zum Problem werden. Die angestammte Vegetation wird durch die invasiven Arten, die schnell wachsen und dichte Bestände bilden, verdrängt. Die floristische und faunistische Artenvielfalt nimmt dadurch stark ab. Gestörte oder offene Flächen und Gebiete, in denen die Pflege vernachlässigt wird, fördern die Ausbreitung von invasiven Neophyten. Neben den Ertragseinbussen in Forst- und Landwirtschaft, der beeinträchtigten Naturverjüngung im Wald, der Einengung der Abflussprofile von Fliessgewässern (Hochwassergefahr), der Erhöhung der Erosionsanfälligkeit von Ufern und den Änderungen in der Bodenchemie, können invasive Neophyten auch die Gesundheit und die Lebensqualität betroffener Bevölkerungsgruppen beeinträchtigen. Ambrosia hat zum Beispiel ein hohes allergenes Potenzial, der Riesenbärenklau kann in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Verbrennungen verursachen.
Kurzporträt einer Problempflanze
Name: Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus)
Familie: Asteraceae, Korbblütler
Verbreitung: Verbreitet sich bis 700 m.ü.M rasant. Ganze Landstriche blühen zwischen Juni und Oktober im typischen Weiss.
Merkmale: Die zwischen 50 und 100 cm grosse Pflanze, die sich weitgehend ungeschlechtlich fortpflanzt, ist nicht, wie ihr Name besagt, einjährig und verschwindet somit nicht nach einem Jahr. Die Pflanze wurde erst 2014 auf die Schwarze Liste gesetzt, obwohl es sich schon Jahre zuvor abzeichnete, wie stark sie sich durch grossflächiges Versamen ausbreitet. Der Erigeron annuus ist eine Pionierpflanze mit einer enorm grossen Standortamplitude. Sie ist dadurch schwieriger zu bekämpfen
Ausblick und Bekämpfung: Zu hoffen ist, dass die Pflanze sich nicht noch in andere Höhenstufen der Alpen verbreitet. Da sich das Berufkraut flächendeckend ausbreitet und von Nutztieren gemieden wird, steht die Landwirtschaft vor einem ernsthaften Problem. Um der Ausbreitung vorzubeugen, müssten pionier- und vegetationsfreie Flächen möglichst frei vom Berufkraut gehalten werden. Dies kann erwirkt werden durch Ausreissen, Schneiden (vor der Blüte) und fachgerechtes Entsorgen (Kehricht). Diese Massnahmen sind aufwändig und müssten nicht nur im Sinne des Naturschutzes in ökologisch wertvollen Gebieten, sondern auch im Sinne einer funktionierenden Landwirtschaft in agrarischen Nutzflächen konsequent durchgeführt und finanziell abgegolten werden.
Tipps gegen Neophyten
Die Homepage der Aktionstage „Arten ohne Grenzen“ empfiehlt folgende Massnahmen, die jeder einzelne gegen den Wildwuchs der Neophyten ergreifen kann:
- Keine invasiven Neophyten anpflanzen, gebietsfremde Tiere nie aussetzen
- Invasive Neophyten aus dem Garten entfernen (allenfalls mit Hilfe von Fachleuten) oder mindestens vor der Versamung schneiden um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern (Detailinformationen siehe Infoblätter Info Flora)
- Invasive Neophyten korrekt entsorgen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern
- Topfpflanzen und Grüngut nicht in die freie Natur ausbringen (Grünabfuhr oder Kehricht)
- Wo immer möglich beim Kauf einheimische Pflanzen berücksichtigen