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Wem es nicht ausreicht, sich oberflächlich an Fragestellungen des eigenen Fachs zu versuchen, der kann den wissenschaftlichen Gehalt seiner Arbeiten enorm steigern, indem er zusätzlich wissenschaftstheoretische Fragen einbringt.
Was bedeutet die Nutzung der Wissenschaftstheorie?
Durch die Nutzung wissenschaftstheoretischer Fragen kann einer Arbeit eine weitere, sehr wertvolle Ebene hinzugefügt werden. Denn es wird in diesem Fall nicht nur zum Hauptthema geforscht und geschrieben, sondern es werden zudem auch die eigenen Methoden und Herangehensweisen reflektiert.
Wie kann ich wissenschaftstheoretische Fragen in die Arbeit einbringen?
Zunächst geht es darum, ein erhöhtes Maß an Logik in die Arbeit einzubringen; Der wissenschaftliche Prozess besteht, vereinfacht ausgedrückt, aus Beobachtung und der Erarbeitung von Schlüssen. Dabei muss immer die Möglichkeit eines eigenen Irrtums Teil der Überlegung sein. Denn Beobachtungen können irreführend sein, etwa dann, wenn das Beobachtete fälschlicherweise verallgemeinert wird. Eine strikte Unterscheidung zwischen dem wahrgenommenen Objekt, dem Wahrnehmungsprozess, der eigenen Perspektive als Zentrum der Wahrnehmung, der Beschreibung des Wahrgenommenen und der daraus zu ziehenden Schlüsse ist dabei nötig. Denn nur wenn alle diese Bereiche erkannt und voneinander differenziert werden, bestehen die besten Chancen, belastbare Aussagen zur Wirklichkeit zu machen. Es ist daher weitaus besser, Zurückhaltung zu üben, als unhaltbare Aussagen zu verkünden.
Wissenschaftstheorie mag für Studenten zunächst wenig aufregend erscheinen, da sie die Ergebnisse einer Arbeit immer relativiert und teils auch eindeutige Aussagen abschwächt oder gar verhindert. Dennoch dürften Arbeiten, die diese Aspekte im Auge behalten, qualitativ weitaus besser abschneiden als solche, in denen sich Beobachtungsprozess, Beobachtungsgegenstand und Urteil unmerklich miteinander vermischen.
Beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten ist mancher Student nicht in der Lage, zwischen sachlicher Analyse und Meinung zu unterscheiden.
Viele junge, idealistische Studenten möchten verständlicherweise dazu beitragen, dass die Welt besser wird. Sie kämpfen gegen Ungerechtigkeiten und Fehlentwicklungen und haben das Vorrecht, hier und da auch einmal über das Ziel hinausschießen zu dürfen. Die Wissenschaft ist ihnen dabei nur eine weitere Spielwiese für Ideen und Experimente.
Übermotiviert
Eine Hausarbeit soll den Nachweis erbringen, dass ein Student mit den wissenschaftlichen Methoden vertraut und in der Lage ist, aus dem vorliegenden Material logische und analytisch fundierte Schlüsse zu ziehen. Dennoch wird die Aufgabe, einen wissenschaftlichen Text zu schreiben, oft als Chance missinterpretiert, politisch aktiv zu werden – übrigens in völliger Verkennung der Lage, denn die Leserzahl der meisten Hausarbeiten dürfte weniger als 5 Personen betragen.
Und so verfassen eifrige Studenten in ihren Hausarbeiten emotionale Appelle, die keinerlei Logik erkennen lassen. Sie klagen an, sie empören sich und nutzen dabei die formale Form wissenschaftlicher Arbeiten, ohne selbst wissenschaftlich vorzugehen.
Und die Dozenten?
Die Beurteilung solcher Arbeiten, die klassische Aufgabe von Dozenten, wirft viele Fragen auf und ist demzufolge schwierig; Werden objektive Schlüsse gezogen? Sind die vom Studenten eingebrachten eigenen Gedanken begründete Überlegungen oder Gefühlsäußerungen? Werden Fakten verzerrt oder ignoriert? Handelt es sich um deskriptive Schilderung oder sind explizite oder implizite Werthaltungen oder gar Appelle enthalten?
Leider folgen nicht alle Dozenten klaren wissenschaftlichen Leitlinien, sondern drücken hier und da einmal beide Augen zu – insbesondere dann, falls die vom Studenten geäußerte Meinung ihrer eigenen entspricht. Auf diese Weise schleicht sich Ideologie ein, bilden sich Netzwerke, denen es nicht um Forschung geht, sondern um politische und mediale Beeinflussung.