Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03105.jsonl.gz/201

Ringpanzerschmied/in
Der Ringpanzerschmied[1] stellt aus eisernen Ringen Ringelpanzer, auch als Panzerhemden oder Kettenhemden bezeichnet, her. Das Draht zur Herstellung der meist aus Bronze bzw. Eisen bestehenden Ringe wird von den Drahtziehern[2] bezogen und von den Ringpanzerschmieden (auch Ringdreher, Panzermacher, Ringeleisenmacher oder Ringschmiede genannt) in mühseliger Handarbeit vernietet oder verschweisst. Ein Ringelpanzer, der den ganzen Körper bedeckt, besteht aus bis zu 200‘000 Ringen, die in der Regel das Panzerhemd, die Rüsthosen und die Ringelkapuze formen und zwischen 12 bis 15 kg wiegen.
mehr lesen
Der Ursprung des Ringelpanzers wird aufgrund der archäologischen Fund-Lage in Mittel- oder Nordeuropa vermutet. Als Hochburg des Ringpanzerhandwerks, welches bis ins 14. Jahrhundert auch zunftzugehörig ist, gelten Augsburg, Nürnberg und Mailand.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts mit dem Aufkommen wirksamer werdenden Feuerwaffen wird der Ringelpanzer fortwährend vom Plattenharnisch verdrängt. So stellen die Ringpanzerschmiede daraufhin ihre Produktpalette um und spezialisierten sich allmählich auf die Herstellung von Zaumzeug, Gürtelschnallen, Steig- und Taschenbügel sowie Kleineisenwaren.
Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts allerdings verschwindet nicht nur das Handwerk des Ringpanzerschmiedes, sondern auch andere spezialisierte Schmiedeberufe wie zum Beispiel der Haubenschmied und auch der Harnischschmied gelten seither als ausgestorben.
[1] Für bessere Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet. Alternative Schreibweise: Ringpanzerschmiedin.
[2] „Drahtzieher stellten Metalldrähte her, die seit dem frühen Mittelalter zu den wichtigsten gewerblichen Halbfertigwaren gehörten“ (Palla, S. 47).
Artikel als PDF
Literatur
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 47-50.
Ruschel Adalbert: Der Handwerksfriedhof. Sankt Rochus zu Nürnberg, Norderstedt, 2016, S. 156 .
Ähnliche Berufe