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Wollen die amtierenden Stiftungsräte verhindern, dass die Kinder von Bruno Stefanini im Stiftungsrat Einsitz nehmen?
Das trifft nicht zu – im Gegenteil. Der Stiftungsrat hat sich nie gegen die Einsitznahme von Tochter Bettina Stefanini gewehrt. Hingegen entspricht ein einseitiges Ernennungsrecht für die Nachkommen nicht dem Willen und den Interessen der Stiftung in ihrer heutigen Form. Der Stiftungsrat würde es jedoch sehr begrüssen, wenn sich Frau Stefanini stärker engagieren würde. Der Stiftungsrat wäre froh, wenn die Nachkommen die Modernisierung der Stiftung und deren breitere Abstützung unterstützen würden. Noch im Sommer 2012 hatte Frau Stefanini allerdings den Wunsch ihres Vaters, in die Schweiz zurückzukehren und sich als Stiftungsrätin einzubringen, abgelehnt. Der Stiftungsrat ist nach wie vor daran gelegen, dass eine Diskussion und ein Engagement von Frau Stefanini im Stiftungsrat auf friedlicher Basis zustande käme.
Sollen mit der Urkundenänderung die Nachkommen ausgehebelt werden?
Nein – im Gegenteil. Die SKKG bedauert, wenn dieser falsche Eindruck entstanden ist. Ziel der Urkundenänderung ist es, das Ernennungsrecht durch ein zeitgemässes Wahlsystem im Sinne der «Good Governance» zu ersetzen. Der Stifter bezeichnete das heutige System selbst als überholt. Das neue System schliesst eben gerade nicht aus, dass ein Nachkomme Mitglied des Stiftungsrats wird. Der Stiftungsrat soll sich selber konstituieren können. Diese sogenannte «Kooptation» ist seit jeher das in Stiftungen jeder Grössenordnung übliche und bewährte Wahlsystem. Sie würde es ermöglichen, den Stiftungsrat breiter mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Fachbereichen abzustützen.
Es entspricht zudem dem ausdrücklichen, aktenkundigen Wunsch von Stifter Bruno Stefanini, dass nicht seine Familie einseitig den Stiftungsrat bestimmt. Die Stiftung soll mit der gebührenden Sorgfalt reformiert sowie der Bedeutung und Grösse entsprechend breit abgestützt werden.
Die Urkundenänderung soll in einer übereilten Art und Weise initiiert worden sein – trifft dies zu?
Das stimmt nicht. Die Statutenrevision startete Mitte 2013, wurde im Herbst 2013 vorgeprüft und anschliessend im Januar 2014 bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht (ESA) eingereicht. Es handelt sich demnach um einen mehrmonatigen Vorgang. Mehrere Stiftungsratssitzungen behandelten dieses Thema. Der Stifter war an allen Sitzung aktiv anwesend und wünscht selber die Erneuerung.
Stimmt es, dass Bruno Stefanini über 100’000 Kunstobjekte gesammelt hat, die ungenügend archiviert und aufbewahrt werden?
Stiftungsgründer Bruno Stefanini ist bekanntlich ein leidenschaftlicher Sammler. In den letzten Jahrzehnten hat er unzählige Kunst- und sonstige Gegenstände erworben, die sich zum Teil bis heute im Privatbesitz von Herrn Stefanini befinden. Hochkarätige Bilder und Objekte erwarb er sorgsam ausgewählt an renommierten Auktionshäusern, brachte sie in die SKKG ein und stellte sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Genauso war er fleissiger Besucher des Winterthurer Flohmarkts. Nicht alles, was er sammelte, befindet sich in der Stiftung. Die hochkarätigen Kunstwerke der Stiftung werden an mehrfach gesicherten Orten aufbewahrt. Und sie sind gut erhalten. Das beweist die Ausstellung „Sesam öffne Dich!“ im Kunstmuseum Bern. Mit den gezeigten 140 Werken gewährte Bruno Stefanini gemäss Kunstmuseum Bern «einen umfassenden Einblick in die immense Schatzkammer». Bezüglich Aufarbeitung und Präsentation der Sammlung ist die SKKG jedoch noch lange nicht am Ziel. Da steht noch viel Arbeit an. Der Bundesrat hat in einer Antwort auf eine Interpellation bestätigt, dass Bruno Stefanini und der amtierende Stiftungsrat zahlreiche Massnahmen ergriffen haben und ihren Sorgfaltspflichten wie in einem Bericht von 2007 dargelegt nachkommen.
Ein Bericht der Eidg. Stiftungsaufsicht kam 2007 offenbar zu einem vernichtenden Fazit über den Zustand der Sammlung. Hat die SKKG dennoch nicht gehandelt?
Dieser Eindruck ist falsch. Die Stiftung hat seither viel in die Pflege und Inventarisierung der Sammlung investiert und die Schmuckstücke daraus an zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Heute darf man sagen, dass die hochkarätigen Bilder professionell aufbewahrt und gesichert sind. Davon zeugen ja gerade die Ausstellungen wie „Sesam öffne Dich!“. Heute kümmert sich ein Team von vier Mitarbeitenden um die Kunstsammlung (Kuratorin, Registrar, Restauratorin, Betriebsassistent). Welches die Motive des damaligen Bericht-Erstellers Andres Furger mit seinen Medienäusserungen sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Herr Furger während seines kurzzeitigen Mandats der Schweigepflicht unterstand. Seit 2007 hatte er nichts mehr mit der SKKG zu tun. Er ist daher nicht über die zwischenzeitlichen Veränderungen und Entwicklungen der letzten Jahre informiert. Dies bestätigte im November 2014 auch der Bundesrat in einer Antwort auf eine Interpellation.
Gemäss Medienberichten hat Bettina Stefanini angekündigt, sie wolle in Winterthur und im Schloss Brestenberg grosse Museen eröffnen. Wieso tut das die SKKG nicht?
Der Stiftungsrat hat sich in all den Jahren immer wieder mit der durchaus berechtigten Museumsfrage beschäftigt. Wie in vielen anderen Fragen auch, verkennt Frau Bettina Stefanini den Willen ihres Vaters. Bruno Stefanini hat in jüngster Zeit immer wieder betont, er wünsche explizit kein Stefanini-Museum in Winterthur. Sonst hätte er längst ein solches eröffnet. In Fachkreisen ist die Frage überdies umstritten. Es gebe genügend Museen, die heute ums Überleben kämpften. Deshalb seien Leihgaben, wie sie die SKKG praktiziert, der sinnvollere Weg. Die SKKG steht mit verschiedensten Museen im Kontakt für eine Zusammenarbeit. Die SKKG wird sich auch in Zukunft mit aller Sorgfalt und Seriosität mit der Frage auseinandersetzen und gibt keine Versprechungen ab, nur um Effekthascherei zu betreiben. Überdies setzt sich der heutige Stiftungsrat für einen sorgsamen, nachhaltigen Umgang mit dem Stiftungsvermögen ein. Unbestritten ist, dass die SKKG ihre faszinierende Sammlung noch vermehrt der Öffentlichkeit zugänglich machen will.
Stiftungsratspräsident Umit Stamm wird in verschiedenen Medien als inkompetent bezeichnet, der nur dank Günstlingswirtschaft in die Stiftung eingeschlichen habe.
Diese Darstellung ist rufschädigend und unzutreffend. Umit Stamm verfügt über nachgewiesene Fachkompetenz, insbesondere im Finanzbereich. Er schloss 1989 in Genf die kaufmännische Banklehre ab und ist Betriebsökonom HWV. Bis im Oktober 2012 arbeitete er 23 Jahre lang bei verschiedenen Privat- und Grossbanken. So war er während seiner Laufbahn u.a. im Bereich Global Asset Management für die Anlagestrategien und die Vermögensbetreuung von BVG-Stiftungen sowie grosser institutioneller Kunden verantwortlich, als Leiter eines Teams zuständig für die Neubeurteilung von Hypothekargeschäften oder die Einführung eines Liegenschaftsbewertungssystems. In mehreren Stellen verantwortete er die Einführung neuer Prozesse sowie die Implementierung von Datenbanken.
Im Zusammenhang mit der Übernahme zahlreicher, vorher fremdverwalteter Objekte wurde Umit Stamm Anfang November 2012 für die Einführung einer neuen Immobilien- und Buchhaltungsplattform durch die Terresta Immobilien- und Verwaltungs AG engagiert. Per 1.1.2013 trat er die Nachfolge von Ernst Keller als Leiter Finanzen an und wurde als Vertrauensperson von Bruno Stefanini im Februar 2013 aufgrund seiner Kompetenzen als Stiftungsratspräsident berufen.
Darf die SKKG als gemeinnützige Kunst-Stiftung Immobilien verwalten, obwohl nichts dazu in den Statuten steht? Ist das nicht eine unzulässige Vermischung?
Die SKKG hat wie viele Stiftungen auch ein Anlagevermögen. Eine Stiftung darf und muss ihr Vermögen – und dazu gehören auch die Immobilien – verwalten. Das ist eine Selbstverständlichkeit auch dann, wenn nichts dazu in den Statuten steht. Bruno Stefanini wünscht ja explizit, dass sein Vermögen dem gemeinnützigen Zweck der Stiftung zukommt. Kunst, Kultur und Geschichte werden in Zukunft also noch mehr von der SKKG profitieren. Es ist allerdings ebenso klar, dass die Verflechtungen zwischen Firmenverwaltung und Stiftung nicht mehr zeitgemäss sind. Auch das will die SKKG nach der Statutenrevision in Zukunft ändern können.
Müssen die Mieter von Bruno Stefaninis Wohnungen höhere Mietzinse befürchten?
Die bisherigen Stiftungsräte und Verantwortlichen der Stefanini-Firmen bekennen sich dazu, die bisherige Strategie für günstige Mietwohnungen weiterzuführen. Sie wollen dieses soziale Engagement von Bruno Stefanini erhalten.
Trifft es zu, dass Stiftungsrat und Terresta-Geschäftsführer Markus Brunner nebenbei private Immobiliengeschäfte tätigt und dabei eine sechsstellige Summe verdient?
Das ist falsch. Markus Brunner arbeitet seit dem 1. August 2008 mit vollem Engagement für Herrn Bruno Stefanini. Seither tätigt er über seine Einzelfirma nachweislich keine Immobiliengeschäfte mehr. Einzige Ausnahme bildete in der Übergangsphase ein Beratungsmandat, für das er eine Entschädigung von insgesamt 3000 Franken erhielt und dies korrekt versteuerte. Selbst wenn Herr Brunner privaten Nebenbeschäftigungen nachginge, wäre dies kein Problem. In seinem Anstellungsvertrag mit Bruno Stefanini steht wörtlich: «Private Mandate: Herr M. Brunner kann ausserhalb der Geschäftszeiten in bescheidenem Masse private Anfragen von Bekannten, Verwandten und sonstigen Personen, welche ihn für den Verkauf von Liegenschaften anfragen, beraten.» Wie eingangs festgehalten: Von diesem Recht machte Herr Brunner seit dem 1.8.2008 keinen Gebrauch.
Der Stiftungsrat soll keine Ahnung haben bezüglich Kunst, Kultur und Geschichte. Wie kann er eine solche Stiftung überhaupt führen?
Der Stiftungsrat hat mit Frau Dr. M. Plüss eine ausgewiesene Fachexpertin und Kuratorin engagieren können. Sie führt ein Team von vier bis fünf Mitarbeitenden, die sich professionell um die Pflege der Sammlung kümmern.
Stimmt es, dass die per Strafanzeige bezichtigten Stiftungsräte die Anwaltshonorare durch die SKKG bezahlen lassen, wie ein Anwalt der Nachkommen behauptet?
Das ist eine falsche Unterstellung. Herr U. Stamm und Herr M. Brunner haben noch gar keine Anwälte engagiert. Da sie nichts zu verbergen haben, werden sie den Untersuchungsbehörden offen alle gewünschten Dokumente und Entlastungsbeweise zur Verfügung stellen. Sollte eine anwaltliche Vertretung notwendig sein, werden sie diese Kosten selbstverständlich privat bezahlen.
Gemäss Medienberichten wäre Frau Bettina Stefanini offenbar bereit, die Strafanzeigen zurückzuziehen, wenn der Stiftungsrat auf die Urkundenanpassung verzichtet. Wäre das die Lösung?
Die SKKG ist irritiert über diese Äusserungen. Die Stiftung empfindet es als Druckversuch, um Entscheide herbeizuführen, die dem heutigen unmissverständlichen Willen des Stifters und der Interessen der ganzen Stiftung widersprechen. Die Statutenrevision entspricht dem heutigen Willen des gesamten Stiftungsrats und des Stifters. Sie wurde rechtskonform beschlossen und bei der Stiftungsaufsicht beantragt. Damit will die SKKG die Grundlage schaffen, dass der Stiftungsrat nach Wissen und Erfahrung ausgewogen zusammengesetzt werden kann, wie dies in vergleichbaren Institutionen heute üblich ist. Durch die Klagen und Beschwerden wird der eingeleitete Erneuerungsprozess bedauerlicherweise blockiert.
Die Staatsanwaltschaft hält offenbar auch Ermittlungen gegen Bruno Stefanini für möglich. Was sagen Sie dazu?
Das ist die logische Folge der Anzeigen, die Bettina und Vital Stefaninis Anwälte eingereicht haben. Darin werden auch Tatbestände kolportiert, die Offizialdelikte wären und von Amtes wegen untersucht werden müssten, falls Anhaltspunkte bestehen. Die Anzeigen von Bettina und Vital Stefanini richten sich somit nicht wie vordergründig dargestellt nur gegen einzelne Stiftungsräte, sondern insbesondere gegen ihren eigenen Vater. Ebenfalls nicht auszuschliessen ist, dass die Anzeige punkto Sachbeschädigung die ehemalige Kuratorin sowie Vital Stefanini selber betrifft, da Herr Vital Stefanini ja seit vielen Jahren im Bereich der Sammlung angestellt ist.
Bereichern sich die Stiftungsräte an der Stiftung?
Die Stiftungsräte arbeiten alle ehrenamtlich und erhalten dafür keinen Lohn. Sie vertreten ausschliesslich die Interessen der Stiftung. Als gemeinnützige Stiftung liefert die Stiftung der Eidg. Stiftungsaufsicht ordnungsgemäss Rechenschaft über ihre Tätigkeit (Jahresbericht, Jahresrechnung, gesetzlicher Revisionsbericht etc.). Der Stiftungsrat bekennt sich uneingeschränkt zum Lebenswerk von Bruno Stefanini. Er möchte dieses in Zukunft in breiter abgestützter Form weiterführen und dazu insbesondere den Bedürfnissen der kunst- und kulturhistorischen Institutionen, der interessierten Bevölkerung und weiterer Anspruchsgruppen gebührend Rechnung tragen.
Gemäss Medienberichten ist Vital Stefanini seit einem Sportunfall behindert. Stimmt das? Könnte er überhaupt ein Stiftungsratsmandat übernehmen, wie er und seine Schwester dies fordern?
Wir bitten um Verständnis, wenn wir uns dazu aus Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz nicht äussern. Die SKKG hat stets gut für Vital Stefanini gesorgt, er ist bis heute als Assistent im Bereich der Sammlung in der Stiftung beschäftigt.
Stimmt es, dass der Stiftungsrat Bruno Stefanini von langjährigen Mitarbeitenden und Vertrauten abschottet?
Das trifft nicht zu. Wir bedauern, wenn jemand dies so empfindet. Enge Vertraute und Freunde haben unseres Wissens jederzeit die Möglichkeit Bruno Stefanini zu besuchen, wenn sie dies möchten. Und sofern dies Bruno Stefanini selber will. Es gibt keinen Grund, weshalb dies nicht möglich sein sollte. Erst kürzlich besuchte Tochter Bettina Stefanini ihren Vater, wobei sie sogar einen Journalisten an dessen Bett mitnahm. Dem Vernehmen nach hatte Frau Stefanini ihren Vater nicht informiert, dass ein Journalist den Besuch und das Gespräch mitverfolgt und einen Medienbericht schreibt.