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Vor 15 Jahren verschwand die neunjährige Peggy K. – und wurde nie wieder gesehen. Es folgte ein Justizkrimi, viele Fragen blieben offen. Nun könnte der Fund eines Pilzsammlers Antworten liefern.
Im Jahr 2001 verschwand im oberfränkischen Lichtenberg die damals neunjährige Peggy K. spurlos. Am Samstag fand ein Pilzsammler in einem Waldstück nahe Lichtenberg Teile eines Skeletts. Peggy hatte in Lichtenberg gewohnt, dort war sie am 7. Mai 2001 zuletzt gesehen worden.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei dem Skelett um Überreste eines Kindes handelt. Noch ist unklar, ob es eine Verbindung zum Fall Peggy gibt. Die rechtsmedizinischen Untersuchungen, unter anderem ein DNA- und Gebissabgleich, sollen erst am Dienstag abgeschlossen sein.
Der Fall Peggy zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen der Republik. Bei den Ermittlungen gab es immer wieder Pannen. Schon bald nach dem Verschwinden des Mädchens wurde der geistig behinderte Ulvi K. wegen Mordes verurteilt. In einem spektakulären Wiederaufnahmeverfahren wurde er 2014 freigesprochen. Die Chronologie.
7. Mai 2001: Peggy K. wird auf dem Heimweg von der Schule im oberfränkischen Lichtenberg zum letzten Mal gesehen. Am Abend gibt ihre Mutter eine Vermisstenanzeige auf. Wochenlange Suchaktionen der Polizei bleiben erfolglos.
August 2001: Der 23 Jahre alte Gastwirtssohn Ulvi K. wird als Tatverdächtiger festgenommen. Er räumt ein, Peggy missbraucht zu haben, kann aber für die Zeit ihres Verschwindens ein Alibi vorweisen. Er wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
22. Oktober 2002: Die Polizei präsentiert Ulvi K. als mutmasslichen Mörder von Peggy. Er habe gestanden. Später widerruft er das Geständnis.
Februar 2003: Die Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage gegen Ulvi K.
7. Oktober 2003: Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess.
30. April 2004: Ulvi K. wird wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sind überzeugt davon, dass er Peggy tötete, um den Missbrauch zu vertuschen. Der Beweis ist das Geständnis, das K. widerrufen hat. Der renommierte psychiatrische Gerichtsgutachter Hans-Ludwig Kröber hält es für glaubwürdig. Die Haft tritt K. nicht an, er bleibt in der forensischen Psychiatrie Bayreuth.
17. September 2010: Ein Mitpatient von K. in Bayreuth rückt von einer früheren Aussage ab: Ulvi K. habe ihm den Mord nicht gestanden. Der Mitpatient sagt, die Polizei habe ihn zu falschen Angaben gedrängt.
Juli 2012: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall Peggy erneut und geht Hinweisen auf einen möglichen Fundort der Leiche nach, dabei werden auch Grabungen durchgeführt. Ein Ergebnis gibt es nicht.
4. April 2013: Der Anwalt von Ulvi K. stellt einen Wiederaufnahmeantrag. Im Dezember ordnet das Landgericht die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Anlass sind vor allem die gestiegenen Zweifel am Geständnis von Ulvi K.
September 2013: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mutmassliche Verdächtige, die für den Tod von Peggy K. verantwortlich sein könnten. Es handelt sich um einen Freund der Familie von Peggy und dessen Halbbruder. Der Verdacht lässt sich nicht erhärten.
10. April 2014: Vor dem Landgericht Bayreuth beginnt der Wiederaufnahmeprozess im Fall Ulvi K. Im Mai wird der damals 36-Jährige freigesprochen.
März 2015: Das Oberlandesgericht Bamberg hebt die Unterbringung von Ulvi K. in der Psychiatrie Bayreuth auf. Er wird Ende Juli 2015 entlassen.
2. Juli 2016: Ein Pilzsammler findet in Thüringen, 15 Kilometer von Lichtenberg entfernt, Teile eines Skeletts.
4. Juli 2016: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth teilt mit, die Knochen stammten «höchstwahrscheinlich» von Peggy. Auch «im Bereich des Fundorts sichergestellte Gegenstände» deuteten auf das Mädchen hin. Ein endgültiges Ergebnis sollen Untersuchungen der Gerichtsmedizin Jena bringen.
sms/dpa