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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Fünftes Buch [378—428]
12. Tod des Gratian und Gewaltherrschaft des Maximus
Vorstehendes geschah zu Lebzeiten des Gratian. Als derselbe nach siegreich geführten Kriegen und einer klugen und gerechten Verwaltung der Städte einem hinterlistigen Anschlag zum Opfer fiel und keine Kinder als Erben des Reiches hinterließ, sondern nur einen noch sehr jungen Bruder, der den gleichen Namen führte wie sein Vater, da riß ein gewisser Maximus unter Mißachtung der Jugend Valentinians die Herrschaft im Abendlande an sich1.
1: Gratian war in vielen Beziehungen ein vortrefflicher Fürst, beschäftigte sich aber lieber mit der Jagd als mit der Regierung, bevorzugte das Ausländische und überhäufte namentlich die Alanen mit Gnaden und Gunstbezeigungen. Dadurch zog er sich den Haß der alten römischen Legionen zu. In Britannien riefen die Soldaten ihren Anführer Maximus zum Kaiser aus. Dieser nahm die angebotene Würde an und setzte nach Gallien über; Gratian zog ihm entgegen, wurde aber in Gallien von seinen Truppen verlassen und auf der Flucht in Lyon meuchlings ermordet. Er war erst 25 Jahre alt. Da Theodosius damals im Osten durch die Gothen beschäftigt war, so mußte er Maximus vorläufig anerkennen. Der hl. Ambrosius von [S. 287] Mailand aber erwirkte von dem Usurpator wenigstens so viel, daß dieser sich mit Gallien, Spanien und Britannien begnügte und Italien, Illyrien und Afrika dem (12jährigen) Valentinian II. überließ.