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Die Wahrnehmung von Bildern beruht u.a. auf dem Prinzip von Figur und Grund. Unter diesem Prinzip versteht man die Aufteilung des Bildinhaltes in Vorder- und Hintergrund oder in Haupt- und Nebensache. Diese Zuordnung ist nicht immer eindeutig und zudem von den Lesegewohnheiten des Betrachters abhängig. Mit optischen Täuschungen lassen sich verwirrende Effekte erzeugen, ambivalente Bilder, in denen die Rolle von Figur und Grund austauschbar ist. Dieses Kipp-Phänomen dient in verschiedenen Disziplinen als Metapher. Die Architekten verwenden die Begriffspaare privat und öffentlich, innen und aussen sowie Masse und Raum. Christian Morgenstern bedient sich dieser Metapher in seinem Gedicht "Der Lattenzaun: Es war einmal ein Lattenzaun mit Zwischenraum, hindurchzuschaun...und nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein grosses Haus..." Die Theologen befassen sich seit Jahrhunderten mit der Polarisierung in Körper und Geist, Mathematiker und Physiker suchen im Chaos eine Ordnung, Philosophen im Leib die Seele und im Nichts ein Etwas. Die Psychologen unterscheiden zwischen Gefühl und Stimmung, die Gestaltpsychologen verwenden das Begriffspaar Ding und Medium, und die Neurophysiologen erforschen den Prozess der Aufspaltung in Figur und Grund im Grosshirn. Wie werden die Lichtpunkte auf der Netzhaut verarbeitet, so dass bestimmte Gruppen als Figur und andere als Grund wahrgenommen werden?