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Wir wussten noch nichts von der Hiobsbotschaft, als 2021 «Hey What» erschien, das letzte, aufgekratzt schöne Album von Low. Jetzt scheint es, als hätte diese überall schon dringesteckt. Im himmeltraurigen «Don’t Walk Away», in dem Mimi Parker und Alan Sparhawk von der Angst singen, einen lange und innig geliebten Menschen zu verlieren. Im «cold comfort», den der verschwindende Horizont in «Disappearing» spendet, oder in «More», wo Parker gegen die schrill verzerrte Gitarre fast schon anschreit: «I should have asked for more than what I got», ein paar Jahre mehr, wäre das zu viel verlangt gewesen? Mimi Parker, Schlagzeugerin von Low, ist am vergangenen Wochenende im Alter von 55 Jahren am Krebs gestorben, der 2020 diagnostiziert worden war.
Low waren eine der kostbarsten Bands der Gegenwart. Neben den so vielen guten Songs, die sie geschrieben haben, lebte ihre Musik vom Zauber des zweistimmigen Harmoniegesangs von Sparhawk und Parker, die seit der Gründung 1993 den Kern von Low ausmachten. Die beiden wuchsen in einem Kaff im nördlichen Minnesota auf, lernten sich Anfang ihrer Schulzeit kennen und Ende der Schulzeit lieben. Schon als Jugendliche singen sie alte Gospel zusammen mit Parkers Mutter, einer angehenden Countrysängerin. Parker und Sparhawk lebten als Mormon:innen und heirateten noch vor der Bandgründung. In Interviews sagten sie, dass es Low wohl längst nicht mehr gegeben hätte, wäre das Schicksal der Band nicht an das ihrer Ehe geknüpft gewesen.
Auf «I Could Live in Hope», dem ersten Album von 1994, sang Parker nur in «Lullaby» auch allein: wie ihre geisterhafte, aber unglaublich präsente Stimme unter die Haut ging. In der Anfangszeit prägten Low – Sparhawk an der Gitarre, Parker am minimal ausgestatteten Schlagzeug – eine eigene Art von Rockmusik, die sehr viel langsamer und radikal sanfter war als damals üblich. Die Kritik machte daraus ein Genre (Slowcore), doch faszinierend an Low war gerade ihr Drang, immer wieder in unbekannte Gebiete vorzustossen. Eindrucksvoll taten sie das auf den letzten beiden Alben «Double Negative» und «Hey What»: Für die beunruhigende Dunkelheit und die offenherzige Schönheit, die in ihrer Musik immer nebeneinander waren, fanden sie hier in verfremdeten und verzerrten Soundscapes und Gesängen noch einmal einen ganz neuen Ausdruck. Es tut weh, sie hier aufhören zu sehen.