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Der Principal und eine Masterlehrerin einer High School in der Umgebung – ich lasse hier den Namen weg – empfangen uns anschliessend zu einer Diskussion bei Tee und Gebäck. Zuerst zeigen sie uns eine Bild des hier überall hochverehrten Kim Dae Jung (-> Wikipedia), er ist immer noch das Idol der ganzen Region. Als Oppostiionspolitiker musste er sein Engagement mehrere Male fast mit dem Leben bezahlen und ins Ausland flüchten. Nach der Demokratisierung wurde er schliesslich Staatspräsident und bekam den Nobelpreis. Er ist bis heute der einzige Präsident, der aus der vernachlässigten Cholla-Region im Südwesten kam.
Sehr offen und wie uns scheint etwas frustriert berichten uns Principal und Master-Lehrerin auch von den Schattenseiten ihres Systems. Die Master-Teacherin versucht, uns die Stimmung zu erklären. Ich illustriere das mit Bildern aus der Ausstellung «Uproarious, Heated and Inundated» im Museum of Modern and Contemporary Art in Seoul zu den 70 Jahren seit der Befreiung.
Korea war nach der Kolonialisation durch Japan, dem zweiten Weltkrieg und dem Koreakrieg völlig zerstört. Alle hatten nichts mehr.
Kim Song-hwan: Korean War Sketch
Chung Chang-sup: Construction of Economy (1977)
Es brauchte eine ganz enorme Willensanstrengung, um das Land wieder aufzubauen, zu Wohlstand zu kommen. Etwas erreichen konnte man nur durch lernen, lernen, lernen, arbeiten, arbeiten, arbeiten.
Lee Kwan-wu, Road Speed Fate (1996)
Unterdessen sei Wohlstand von vielen erreicht (wie wir meinen aber wenig Equity), wer ihn sichern wolle, habe eine einzige Chance: Möglichst gut im KSAT zu sein. Viele, gerade hier im Südwesten seien auch unterprivilegiert und versuchten ebenfalls, sich mittels möglichst gutem KSAT der Kinder wenigstens ein bisschen hochzuarbeiten.Jo Chun-man, Industry Korea (2015)
Ganz egal, was die Regierung wolle: die Eltern würden ihre Kinder deshalb weiterhin in diese Richtung pushen und die Schulen müssten das auch tun. Es sei deshalb keine Kunst, in PISA Spitzenreiter zu sein, das habe sich der Staat vorgenommen und man habe daraufhin gearbeitet. Aber aus diesem Hamsterrad rauszukommen sei kaum möglich. Wenn man aufhört, zu rennen wird man zentrifugiert (das Bild kommt von uns, wir haben aber das Gefühl, die beiden meinten etwa das). Die Regierung nehme sich zwar vor, etwas zu ändern. Das letzte Curriculum (2009 – 2015) habe viele Ideen aus dem Ausland übernommen (Projektsemester für die High School, problem-based learning usw). aber diese Ideen passten einfach nicht in diese Kultur und seien deshalb auch nicht richtig umgesetzt worden. Auch die Berufsbildung zu pushen, sei doch aussichtslos, die Eltern wollten das nicht, es habe für die Schulen auch nichts gebracht, den Berufsbildungs- und den akademischen Strang der High Schools zusammenzuführen, so sei einfach die Förderung schwieriger geworden.
Die Lehrpersonen seien müde, die meistgehörte Frage laute „Wie lange hast du noch bis zur Pensionierung?“. Kein Wunder: Gearbeitet wird hier immer von 08:00 bis 22:40. Das gilt auch für die Schülerinnen und Schüler. Es gibt hier kaum Hagwons, also übernimmt die Schule die Vorbereitung auf den KSAT, in dem sie von den Lehrpersonen beaufsichtigte Selbstlernzeit zur Verfügung stellt. So sind denn alle fast 15 Stunden täglich im Schulhaus.
Choi Jeong-hwa, Flowers of Tomorrow (2015)
Wirklich ernüchert werden wir zum Mittagessen gefahren.