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Der frühere nordirische Regierungschef und Protestantenführer Ian Paisley ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 88 Jahren, wie seine Frau Eileen mitteilte. Der sprachgewaltige Geistliche war lange ein erbitterter Gegner einer Versöhnung mit den Katholiken.
2007 vollzog Paisley eine spektakuläre Kehrtwende und gründete eine Regierung mit Vertretern der Sinn Féin. «Mein geliebter Mann, Ian, ist heute morgen für immer entschlafen», hiess es in der Erklärung von Paisleys Frau. Die Familie sei in tiefer Trauer.
Die Beerdigung werde im engsten Familienkreis vollzogen. Eine öffentliche Trauerfeier soll bis Ende des Jahres abgehalten werden.
Mit 16 Jahren hielt Paisley seine erste Predigt, vier Jahre später wurde er von seinem Vater, einem Baptisten-Pfarrer, ordiniert. Die Bibel legte Paisley wortwörtlich aus, die theologischen Interpretationen der Katholiken wies er entschieden zurück.
1951 gründete er die Freie Presbyterianische Kirche. Seit den 60er Jahren engagierte er sich politisch und gründete wenige Jahre später die Democratic Unionist Party (DUP).
Viele Jahre unversöhnlich
Im jahrzehntelangen Nordirland-Konflikt lehnte Paisley viele Jahre lang eine Versöhnung mit den Katholiken ab. Seine entschiedene Ablehnung des Karfreitagsabkommens 1998, das den Weg für eine Machtteilung zwischen Katholiken und Protestanten freimachte, brachte ihm den Beinamen «Dr. No» ein.
2007 setzte er sich dann aber doch mit dem Chef der katholischen Sinn Féin, Gerry Adams, an den Verhandlungstisch.
Paisley wurde im Mai 2007 Regierungschef einer Einheitsregierung in Nordirland. Martin McGuinness, der frühere Anführer der Irisch-Republikanischen Armee (IRA), des bewaffneten Arms der Sinn Féin, wurde sein Stellvertreter.
Ein Jahr später gab Paisley das Amt aber wieder ab und trat auch als DUP-Vorsitzender zurück. 2010 beendete er nach 40 Jahren sein Mandat im britischen Unterhaus. Als Lord Bannside hatte er anschliessend einen Sitz im House of Lords, dem Oberhaus des britischen Parlaments.
Zuerst Gegner, dann Freund
Vize-Regierungschef McGuinness äusserte sich bestürzt über den Tod Paisleys. Aus einem politischen Gegner sei ein Freund geworden, erklärte McGuinness. Trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten seien sich beide über eine Sache einig gewesen: «Das Prinzip, wonach unsere Leute besser in der Lage sind, sich selbst zu regieren als jede britische Regierung».
McGuinness würdigte das politische Spätwerk seines Weggefährten, der sich um die Einigung der politischen Lager in Nordirland verdient gemacht habe.
Paisley hatte zuletzt mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen. Anfang 2012 war der fünffache Vater wegen eines Herzinfarkts in einem Spital behandelt worden. Ein Jahr zuvor hatte er einen Herzschrittmacher erhalten.
(sda/gku)