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Höhlenwohnungen an der Loire
Das Loire-Tal, das auch "französisches Tal der Könige" genannt wird, beherbergt nicht nur die höchste Dichte an Schlössern und Adelshäusern in ganz Europa. Neben der kaum zu zählenden Prunkbauten kann auch eine ganz andere Wohnform besichtigt werden, die Höhlenwohnungen an der Loire.
Am Unterlauf der Loire, besonders um Tours, Saumur und Angers, wurde der poröse Kalktuff bereits seit der Antike abgebaut. Der strahlend helle Tuffstein prägt heute das Erscheinungsbild ganzer Dörfer und Städte in der Region und wurde auch beim Bau vieler Loireschlösser benutzt. Der weiche Stein war leicht zu bearbeiten und eignete sich hervorragend für die feinen Schmuckformen, die die Steinmetze kunstvoll aus dem Tuff herausarbeiteten.
Zurück blieben ausgehöhlte Felsen, die bald zu Wohnraum und Viehställen umfunktioniert wurden. Die Höhlen wurden in erster Linie als Wohnraum für arme Leute benutzt. So entstanden ganze unterirdische Dörfer von denen auch heute noch einige zu besichtigen sind, wie das Höhlendorf Rochemenier bestehend aus zwei alten, in ausgehöhlten Felsen gelegene Bauernhöfen mit Wohnungen und Nebenräumen sowie eine unterirdische Kapelle.
Und auch heute noch werden viele Höhlen effektiv und gewinnbringend genutzt. Felsenkeller, in denen die Temperatur konstant zwischen zwölf und 15 Grad Celsius liegt, werden heute gerne als Lagerraum von Wein- und Sektkellereien genutzt. Auch Pilzzüchter schätzen das Mikroklima der Höhlen, in denen vor allem Champignons prächtig gedeihen. In Saumur informiert das Musée du Champignon nicht nur über die Pilzzucht in der Region, sondern auch über den Abbau des begehrten Kalktuffs.
Insgesamt schätzt man das unterirdische Tunnelsystem im Loiretal auf eine Gesamtlänge von 1000 Kilometern. Dabei sind sowohl die Troglodyten berücksichtigt, die vom ebenerdigen Boden in die Tiefe gegraben wurden, als auch die aus den Hügeln herausgehauenen Hohlräume, Grotten und Stollen.
Die meisten der Troglodyten, wie die Wohnhöhlen an der Loire genannt werden, wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts aufgegeben. Nur hier und da sieht man noch einen Schornstein zwischen Sträuchern und Büschen aus der Erde herausragen, bisweilen auch mal eine Satellitenschüssel. Oder neben der Kirche aus dem 13. Jahrhundert die Entlüftung der unterirdischen Kapelle.
Neben Troglodytendörfern und Felsenkellern werden die ausgehöhlten Tuffsteinfelsen im Loiretal heute auch als Restaurants und Ferienwohnungen genutzt. Westlich von Saumur gibt es in den Höhlen von Dénezé-sous-Doué geheimnisvolle figürliche Reliefs zu entdecken, im benachbarten Doué-la-Fontaine gar einen ganzen Zoo. In den ehemaligen Steinbrüchen und Höhlen leben nun Giraffen und Zebras, Löwen und Tiger, Flusspferde, Rhinozerosse, Humboldtpinguine und 70 weitere bedrohte Tierarten. Wer in dieser Gegend ist muss diesen Zoo unbedingt besuchen.
Museum Village Troglodyte
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