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Instabile Kniescheibe
Nach dem erstmaligen Ereignis behandelt man meistens ohne Operation. Kommt es hingegen zu mehrfachem Ausrenken der Kniescheibe, erfolgen weitere Abklärungen und ein operatives Vorgehen muss in Betracht gezogen werden.
Ursache
In gewissen Fällen kommt es durch einen Anprall an der Innenseite der Kniescheibe zu einem erstmaligen Ausrenken der Kniescheibe. Häufiger ist aber eine einfache Verdrehung des Kniegelenkes.
Dabei kommt es oft zu einem Riss des inneren Haltebandes der Kniescheibe. Verschiedene Faktoren beeinflussen das Risiko einer weiteren Ausrenkung resp. Instabilität der Kniescheibe:
- Form der Gleitrinne (sogenannte Trochlea) für die Kniescheibe am Oberschenkelknochen
- Länge des Kniescheibenbandes
- Position des Ansatzes des Kniescheibenbands in Bezug zur Gleitrinne
- Achse des Kniegelenkes und Drehung von Ober- und Unterschenkel
- Knick-Senkfuss
- Muskelaktivität
In selteneren Fällen ruft die eigene Muskelaktivität das Ausrenken der Kniescheibe hervor, meist beim Strecken des Kniegelenkes. In diesem Fall spricht man von einer habituellen Patellaluxation. Diese führt im Verlauf gelegentlich zu einer chronischen Patellaluxation, sodass die Kniescheibe gar nicht mehr an den richtigen Ort gelangt. Dies ist oftmals bei Patientinnen und Patienten mit einem Down-Syndrom der Fall.
Noch seltener ist die angeborene Ausrenkung der Kniescheibe.
Häufigkeit
Am häufigsten sind Jugendliche betroffen. Meistens renkt die Kniescheibe zur Aussenseite des Knies aus. Nach einer ersten Ausrenkung kommt es in 40 % der Fälle zu einem zweiten oder mehrfachen Ereignis. Man spricht dann von einer rezidivierenden Patellaluxation.
Symptome und Beschwerden
Beim vollständigen Ausrenken der Kniescheibe spürt man diese auf der Aussenseite des Knies. Überdies bestehen starke Schmerzen und das Knie kann nicht gestreckt werden. Die Kniescheibe renkt man dann bisweilen nach Gabe von Schmerzmitteln durch Strecken des Beins wieder ein.
Häufiger renkt sich die Kniescheibe durch reflexartiges Strecken des Beins selber wieder ein, ohne dass überhaupt realisiert wird, was eigentlich passiert ist. Die Patientinnen und Patienten spüren dann aber in den meisten Fällen, dass sich irgendetwas am Knie verschoben hat. Zudem schwillt das Knie nach einem ersten Unfall oft deutlich an.
Die Instabilität der Kniescheibe ohne Ausrenkung macht sich meist durch eine Unsicherheit oder auch wiederkehrendes Nachgeben des Knies bemerkbar. Seltener sind auch nur Schmerzen im Vordergrund.
Untersuchung
Bei der Untersuchung prüft der Arzt die schmerzhaften Punkte an der Knie-Innenseite. Zudem wird die Beweglichkeit des Knies untersucht und die Bewegung der Kniescheibe beim Biegen und Strecken beobachtet.
Als typisches Zeichen gilt das «Apprehension-sign»: Wenn man versucht, die Kniescheibe zur Aussenseite hin zu drücken, spannt die Patientin oder der Patient die Oberschenkelmuskulatur an und gibt Beschwerden an.
Überdies gehören zur ersten Abklärung Röntgenbilder sowie meist auch eine MRI-Untersuchung. Damit schliesst man Begleitverletzungen, wie zum Beispiel ein abgesprengtes Knochen oder Knorpelstück, aus.
Behandlung
Eine erstmalige Patellaluxation behandelt man meist ohne Operation, es sei denn, es zeigt sich ein grösseres abgesprengtes Knochen- oder Knorpelstück.
Vorübergehend erhält die Patientin oder der Patient eine Schiene und Gehstöcke, danach Physiotherapie.
Im Falle einer wiederkehrenden Ausrenkung oder einem bleibenden Instabilitätsgefühl schlägt man meist eine Operation vor. In Abhängigkeit der Risikofaktoren wird eine massgeschneiderte operative Therapie vorgenommen. Hierbei kommen meist ähnliche Operationsverfahren wie beim Erwachsenen zum Einsatz.
Am häufigsten ist der Ersatz des inneren Haltebandes der Kniescheibe mit einer körpereigenen Sehne. Eine besondere Herausforderung beim Kind ist die Nähe des Bandansatzes zur Wachstumsfuge des Oberschenkels. Diese sollte nicht verletzt werden.
Gewisse Operationsverfahren können erst nahe am Wachstumsabschluss durchgeführt werden, um keine Störung des Wachstums zu riskieren.
Kontrolle / Nachsorge
Die Nachbehandlung ist abhängig von der Art des Eingriffs. Die Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation. Eine volle Sportfähigkeit für «Stop-and-go»-Sportarten wird nach rund 6 Monaten wieder erreicht.