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Es war die Zeit als Basel mit 10'000 Einwohnern doppelt so gross wie Zürich und Bern war. Die neugegründete Universität und der Buchdruck wirkten wie ein Magnet. Erasmus von Rotterdam zog nach Basel und die hellsten Köpfe jener Zeit liessen sich in der Rheinstadt nieder. Im Kleinbasel florierte das Gewerbe. Müller, Säger, Färber, Gerber und Ziegelbrenner gingen täglich ihrer Arbeit nach. Das religiöse Zentrum war die Kirche St. Theodor, erbaut als grosszügige gotische Stadtkirche nach dem grossen Erdbeben von 1356. Der St. Theodors-Pfarrer Surgant legte 1490 das erste von zwei Taufbüchern an. Sie sind die ältesten erhaltenen Taufbücher im deutschsprachigen Raum und damit Schätze von einzigartiger Bedeutung.
Bundesrat wollte Taufbücher zurückholen
Die Bücher sind jedoch nicht in Basel, sondern in der English Library in London. Sie wurden 1861 aus dem Nachlass des St. Theodor-Pfarrhelfers Johann Jakob von Brunn verkauft. So gelangten die beiden Handschriften über einen Pariser Händler zunächst ins British Museum, heute sind sie in der British Library. Kurz nach dem Verkauf versuchte Basel, die Bücher zurückzukaufen, sogar der Bundesrat setzte sich dafür ein. Ohne Erfolg.
Dass die Original-Taufbücher je nach Basel zurückkommen werden, ist unwahrscheinlich. Dank einer privaten Initiative und dem Staatsarchiv Basel-Stadt gelang es qualitativ hochwertige Kopien zu erstellen. Die hochwertigen Kopien werden ab kommender Woche in der Theodorskirche ausgestellt.
Spiegel der Geschichte
Die Taufbücher umfassen 1700 Seiten. Eigentlich sind die Taufbücher eine reine Auflistung der getauften Kinder, des Vaters und der Paten. «Früher taufte man die Neugeborenen so schnell es ging. Die Mutter lag zum Zeitpunkt der Taufe meist noch im Wochenbett», erklärt Ausstellungskuratorin und Kulturhistorikerin Barbara Piatti. Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit trug die Taufe eine besondere Bedeutung. Sie befreite den Täufling von der Erbsünde. Ungetauft verstorbene Kinder, so die Vorstellung, kämen nicht in den Himmel, sondern in die Vorhölle. Ein Ort ohne Leiden und Qualen, aber auch ganz ohne Freude. Berühmte Basler Geschlechter wie Merian und Amerbach sind im Taufbuch neben unbekannten Namen aufgelistet. Doch nicht nur wegen der Name, sondern auch wegen der Randnotizen ist das Taufbuch spannend.
Durch die Randnotizen erhält das Taufbuch eine historisch einzigartige Dimension und lässt Rückschlüsse auf den Alltag in Basel zu. «1638, während des Dreissigjährigen Krieges wurden 151 Täuflinge verzeichnet, doppelt so viele, wie in den vorangegangenen Jahren», sagt Barbara Piatti. «Denkbar ist es, dass schwangere Frauen aus Baden und dem Elsass Zuflucht und Schutz in Basel gesucht haben». Spannend ist auch, dass es in den ersten Jahren oft Schreibfehler und Korrekturen im Taufbuch gibt. «Wahrscheinlich hatte der Pfarrer alle Hände voll zu tun. Die Einträge ins Taufbuch mussten dann schnell gehen»», schmunzelt Barbara Piatti.
Der Pfarrer wird Vater
Ein weiteres Beispiel ist der grosse Umbruch, den die Reformation herbeiführte. Zunächst änderte sich die Bedeutung der Taufe. Da das Reinwaschen der Sünde allein Gott bewirken konnte, so der Glaube, wurde die Taufe nur noch als äusserliches Zeichen angesehen. Aus einem Akt der Angst entwickelte sich das heutige Fest der Freude und Dankbarkeit. «Im Taufbuch wechseln die Einträge von Lateinisch auf Deutsch», erklärt Barbara Piatti. «Auch die Rolle des Pfarrers änderte sich. Mit dem Ende des Zölibats wurden nicht wenige zu Ehemännern und Familienvätern.».
Eine Gemeinsamkeit haben alle, die seit dem 15. Jahrhundert in der Theodorskirche getauft worden sind: Das alte Taufbecken steht seit jener Zeit in der Kleinbasler Kirche und wird noch heute benutzt.
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Vernissage: Mittwoch, 20. Juni, 18 Uhr, Theodorskirchplatz 5, 4058 Basel.
Besichtigungen: Im Anschluss an Gottesdienste und Veranstaltungen sowie mittwochs im Rahmen der TheoBar (12 bis 18 Uhr). Führungen auf Anfrage (Tel. 061 681 37 88). https://www.erk-bs.ch/kg/kleinbasel/