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Im Zentrum des Projekts stehen ungefähr 90 qualitativ hochwertige Amulettrollen auf Papier oder Pergament aus zumeist westlichen Institutionen. Sie sind zwischen dem 14. und 19. Jh. entstanden, wenige Zentimeter breit und bis zu 16 m lang. Die Rollen werden vorläufig nach regional-sprachlichen Kriterien in drei Typen eingeteilt. Es wird zwischen einem arabischen, persischen und osmanisch-türkischen Typ unterschieden. Drei wichtige Belegstücke dazu stammen aus Schweizer Institutionen. Wissenschaftliche Arbeiten zu diesen Dokumenten von hoher Qualität fehlen.
Das vorliegende Projekt schliesst diese Forschungslücke. Es nimmt einerseits eine Bestandeserhebung vor, die mit einer kodikologischen, kunsthistorischen und inhaltlichen Beschreibung verbunden ist. Die Studie wertet diese Ergebnisse anderseits in analytischen Kapiteln aus. Sie untersucht in einem ersten Schritt das auf den Dokumenten verwendete Schutzvokabular und setzt es mit Darstellungen aus der magischen Literatur in arabischer und persischer Sprache in Beziehung. Anschliessend zeigt sie auf, dass sich die apotropäische Wirkung der Amulettrollen aus einer bewussten Kombination von Text- und Bildelementen ergibt (Multimedialität). Dabei wird auf in Untersuchungen zu visible religion und material religion entwickelte methodologische Ansätze zurückgegriffen. Die Arbeit befasst sich drittens mit der Funktion dieser Rollen als Schutzmittel der Eliten und beleuchtet die Bedeutung magischer Auffassungen in islamisch geprägten Gesellschaften. Die entsprechenden Vorstellungen beschränken sich nicht auf untere soziale Schichten, wie bisherige Forschungsergebnisse allenfalls implizieren. Vielmehr beweist allein die Existenz dieser Rollen, dass sich auch Angehörige der Eliten damit schützten.