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Das Schützenwesen seinerzeit
Das Schützenwesen war seit je im Rahmen des staatlichen Militärwesens körperschaftlich und damit gemeindenah organisiert. Noch im späten 16.Jahrhundert allerdings ist für Seuzach kein einziger Schütze dokumentiert, hingegen finden wir Besitzer von Hieb- und Stichwaffen. Ab dem 17. Jahrhundert kamen auch die Seuzacher und Ohringer Mannschaften zu Feuerwaffen und dürften sich wie allgemein üblich an den von der Obrigkeit durch Gaben geförderten Schiessübungen beteiligt haben.
Die Anfänge des Schützenwesens in Seuzach
Die Gründung des ersten Schiessvereins geht, wie einige Veteranen aufgrund der mündlichen Überlieferungen vermuteten, auf das Jahr 1845 oder 1852 zurück. Möglicherweise kam es später auch beim Schützenverein zu einer Neugründung. Nachdem das Schützenwesen nämlich 1854 an die Gemeinde übergangen war, bat 1864 ein Schützenverein beim Gemeinderat um das Geld aus dem Fonds der „alten Schützengesellschaft“. Die Ohringer ihrerseits gründeten 1888 einen eigenen Schützenverein, sodass Ende des 19.Jahrhunderts zwei Schützenvereine in Seuzach aktiv waren. Die wechselvollen Anfänge der Gesang- und Schützenvereine hingen damit zusammen, dass freie Zeit bei den Bauern noch ein knappes Gut war.
Die Schützenhäuser von Seuzach
Im Register der Brandassekuranz von 1812 erscheint die durch „Trüllmeister“ Jakob Ackeret vertretende „Schützengesellschaft“ als Besitzerin eines Schützenhäuschens, das damals schon eine Weile bestanden haben dürfte. Es stand etwa 100m südlich der Kreuzung Winterthurerstrasse/Kirchgasse unterhalb der Kirche am Dorfrand im „Ständzler“. Der Zielhang befand sich am Seebühl. 1858 wurde es abgebrochen, nachdem es 1854 von der politischen Gemeinde übernommen worden war, die in jenen Jahren – gesetzlich bestimmt – das Schützenwesen zu tragen hatte. Wahrscheinlich übten die Schützen darauf für viele Jahre im Freien.
Später schossen die Schützen vom Eichenbühl aus über die damalige Amelenbergstrasse (heute Winterthurerstrasse). Da dies mit der Zunahme des Verkehrs zu Komplikationen führte, verlegte man die Schiessanlage 1905 in den Rolli. Der Bau der Nationalstrasse, die zwischen dem Schützenhaus und dem Scheibenstand hindurchführte, verlange nach einer neuen Lösung. Der Gemeinderat schlug im Januar 1963 deshalb vor, den Schiessplatz in die Rehweid zu verlegen. Der Hinweis in verschiedenen Ortgeschichten lässt erahnen, dass das Geschäft sehr umstritten war. Trotz knapp gewonnen Rekursverfahren wagte es der Gemeinderat nicht, das Projekt umzusetzen.
Mit dem Bau der Nationalstrasse wurden die Seuzacher Schützen 1966 zum Gang ins Exil nach Neftenbach, Dinhard und Hettlingen gezwungen. Im März 1968 wurde erfolglos der letzte Versuch unternommen, auf Gemeindegebiet noch zu einem Schiessplatz zu gelangen. Im Oktober 1969 wurde der Zweckverband mit Hettlingen gegründet. An der Gemeindeversammlung wurde der Bau der gemeinsamen Schiessanalage Witerig genehmigt, welche 1973 an den Schützen übergeben wurde.
1998 brannte das Schützenhaus ab und wurde anschliessend in gleicher Grösse wieder aufgebaut.
(Quelle: „Seuzach, Vom Bauerndorf zur modernen Wohngemeinde“ Otto Sigg & Markus Brühlmeier)