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Übersetzung mit dem Computer:

Wenn der Laie von "Übersetzung mit dem Computer" spricht, verwechselt er häufig diese beiden sehr verschiedenen Technologien, die nicht auf dieselben Ergebnisse ausgerichtet sind und in ganz spezifischen Kontexten angewandt werden.
Maschinelle Übersetzung (MÜ)
Die MÜ benutzt schematisch die Rechenkapazität des Computers, um die Struktur jeder Aussage bzw. jedes Satzes des zu übersetzenden Textes (Ausgangstext) zu analysieren, diese Struktur in leicht übersetzbare Einheiten aufzuteilen und eine Aussage von gleicher Struktur in der Zielsprache nachzukonstruieren. Dabei greift sie auf extrem umfangreiche mehrsprachige Wörterbücher sowie einen Korpus bereits übersetzter Texte zurück.
Während der 80er Jahre wurden in die MÜ grosse Hoffnungen gesetzt, welche enorme Kapitalinvestitionen in die Forschung gerechtfertigt haben. In der Folge ist man zugunsten der technisch gesehen realistischeren RGÜ von der MÜ abgekommen. Inzwischen hat sie jedoch im Rahmen der Entwicklung des Internet wieder an Bedeutung gewonnen, wo mit Web-Tools zur automatischen Übersetzung ein grober Überblick über den Inhalt von fremdsprachigen Texten gewonnen werden kann.
Abgesehen von der Verwendung als Verständnisskizze, die eine Ahnung vermittelt, ob es ein Text wert ist, übersetzt zu werden, kann die MÜ nur unter der Bedingung speziell normierter und kohärenter Texte effizient arbeiten.
Damit also ein Text von einer Maschine übersetzt werden kann, muss er
auch maschinenlesbar geschrieben sein: er darf keinerlei Mehrdeutigkeit
aufweisen und nur Ausdrücke verwenden, die im Wörterbuch der Maschine
enthalten und immer mit dem gleichen Sinn belegt sind.
Das bekannteste und vielleicht erfolgreichste System für MÜ wird in Kanada genutzt, um Wettervorhersagen aus dem Englischen ins Französische bzw. umgekehrt zu übersetzen.
Ansonsten wird die MÜ hauptsächlich in der Phase der Übersetzungsvorbereitung gebraucht, an die sich immer eine intensive Korrekturphase anschliesst, damit ein Text zur Veröffentlichung tauglich ist.
Die erheblichen Kosten für Einstellung und Festlegung der Parameter der MÜ-Software und deren Wörterbücher schränken die Verwendbarkeit von automatischen Übersetzungen stark ein.
Rechnergestützte Übersetzungshilfe (RGÜ)
Unter RGÜ versteht man den Gebrauch von übersetzungsunterstützender Software, die dem Übersetzer als Hilfsmittel zur Verfügung steht, die ihn sowohl bezüglich Kohärenz (Konsistenz) als auch Geschwindigkeit seiner Arbeit unterstützt.
Mit der Terminologieverwaltung kann der Computer jedes Wort des Ausgangstextes scannen und in einem Ad-hoc-Wörterbuch suchen, um dem Übersetzer gegebenenfalls automatisch ein Äquivalent in der Zielsprache anzubieten. Es hängt also im Wesentlichen von der Qualität und dem Umfang des spezifischen Wörterbuchs ab, wie effektiv diese Funktion ist.
Die Bildung von Übersetzungsspeichern (Translation Memories) besteht in der Aufstellung von Äquivalenztabellen zwischen Ausgangs- und Zieltext. Dazu teilt das Programm den zu übersetzenden Text in Segmente ein. Sobald der Übersetzer den zugehörigen Zieltext eingibt, speichert das Programm Ausgangs- und Zielsegment als linguistisches Äquivalent. Erscheint das Ausgangssegment erneut im Text (Wiederholungen können in technischen Texten sehr häufig sein), schlägt das Programm automatisch die gespeicherte Übersetzung vor. Wird die Ausgangsversion eines bereits übersetzten Textes aktualisiert, nimmt das Programm automatisch die bereits übersetzten Teile wieder auf und signalisiert dem Übersetzer, welche Teile neu oder verändert sind.
Die am weitest entwickelten Programme erkennen sogar annähernd ähnliche Segmente und zeigen sie dem Übersetzer an, wobei sie die Elemente markieren, die vom gespeicherten Segment abweichen.
Ausser der Terminologieverwaltung und dem Übersetzungsspeicher bietet die übersetzungsunterstützende Software Hilfsmittel mit unterschiedlichen Funktionen zur Verwaltung von Übersetzungsprojekten bzw. zur statistischen Analyse, um beispielsweise die Dichte von Wiederholungen in einem Text oder die Häufigkeit der Suche nach Termini mit ihrem zugehörigen Kontext zu determinieren etc.
Wann ist rechnergestützte Übersetzung angebracht ?
Auch wenn prinzipiell der Nutzen von RGÜ offensichtlich ist, darf man nicht vergessen, dass sie gemäss der jeweils zu übersetzenden Texte unterschiedlich wirksam ist, dass ihr Einsatz erhebliche Investitionen erfordern kann und sich bei weitem nicht sofort auszahlt, da Übersetzungsspeicher und Wörterbücher nur progressiv angereichert werden.
Der Rückgriff auf Übersetzungsspeicher ist jedoch bei Terminproblemen äusserst hilfreich, wenn der zu übersetzende Text Änderungen in letzter Minute erfahren hat: Üblicherweise wartet ein Kunde bis ein Text fertig ist, bevor er ihn zum Übersetzen gibt. Das Datum für die Veröffentlichung ist bereits festgelegt, der letzte Korrektor ist in Verzug und die Frist für die Übersetzung wird so eng, dass die Arbeit zwischen verschiedenen Übersetzern aufgeteilt werden muss, was mit dem Risiko fehlender Kohärenz und anderen Qualitätsmankos verbunden ist. In so einem Fall ermöglicht der Einsatz einer übersetzungsunterstützenden Software, eine erste Version zu übersetzen, und sobald der Ausgangstext definitiv feststeht, automatisch alle unveränderten Teile zu übernehmen und die Modifikationen, die das Programm anzeigt, manuell zu bearbeiten. Beschränkte Fristen und hohe Qualität sind damit nicht mehr unvereinbar.
Damit die RGÜ erfolgreich sein kann, muss der Ausgangstext folgende Eigenschaften aufweisen:
Es empfiehlt sich besonders, bei Texten mit langer Lebensdauer, die zu mehrmaligen Aktualisierungen bestimmt sind, auf die RGÜ zurückzugreifen.
Wie immer Ihr Projekt aussieht, legen Sie es so früh wie möglich Ihrem Übersetzungsfachmann vor, damit er Ihnen die beste Vorgehensweise vorschlagen kann.
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