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Wie Jean Tinguely hatte auch Robert Rauschenberg eine intuitive Affinität zu Schrott. «Ich habe ein Mitgefühl für herrenlose Gegenstände», sagte er einmal. «Deshalb versuche ich, sie wenn immer möglich zu bergen.» In den Achtziger- und Neunzigerjahren schuf Rauschenberg aus solchen geborgenen Gegenständen eine Werkserie, die nur wenig bekannt ist: die «Gluts».
Der englische Begriff «glut» bezeichnet ein Überangebot, in diesem Fall das Überangebot am Erdölmarkt, das die texanische Wirtschaft Mitte der Achtzigerjahre in eine Rezession stürzte. Die Wirtschaftskrise begegnete Rauschenberg auf Schritt und Tritt; überall in der Gegend sammelte er verfallene Tankstellenschilder, Fahrzeugteile und Industrieschrott ein. In seinem Atelier auf Captiva Island in Florida verwandelte er die Metallgegenstände in Wandreliefs und freistehende Plastiken – die «Gluts». Indem er die Menschen in einer Zeit des Überflusses mit ihren Ruinen konfrontiere, wolle er sie wachrütteln, erklärte der Künstler. «Ich sehe in den ?Gluts? Souvenirs ohne Nostalgie. Sie sollen den Leuten die Erfahrung vermitteln, die zahlreichen Möglichkeiten in den Dingen zu entdecken.»
Kunst vom Schrottplatz
Diese Möglichkeit besteht im Museum Tinguely in Basel parallel zur Ausstellung über die Zusammenarbeit von Rauschenberg und Tinguely (siehe Artikel oben). Unter dem Titel «Der amerikanische Künstler und die Poesie der Dinge» ist die Serie der «Gluts» bis Mitte Januar zu sehen: humorvolle und hintersinnige Assemblagen aus Verkehrsschildern und Auspuffrohren, Kühlergrills und Veloteilen, viele davon zusammengesucht auf einem Schrottplatz in der Nähe des Wohn- und Arbeitsortes des Künstlers in Florida.
Die Ausstellung ist eine Initiative der Peggy Guggenheim Collection in Venedig, wo sie diesen Sommer zuerst gezeigt wurde – ein Jahr nach dem Tod Rauschenbergs. Als Kuratoren zeichnen Susan Davidson vom New Yorker Guggenheim-Museum und David White vom Rauschenberg Estate verantwortlich.
Die Bedeutung der Ausstellung gehe über die Serie der «Gluts» hinaus, so Davidson. Rauschenbergs künstlerische Aufmerksamkeit habe in den Achtzigerjahren generell den visuellen Eigenschaften von Metall gegolten. So arbeitete er nicht nur mit Fundobjekten aus Metall, sondern machte auch Experimente mit Fotografien, die er mit dem Siebdruckverfahren auf Aluminium, rostfreien Stahl, Bronze, Messing oder Kupfer übertrug, um so die strukturellen und gestalterischen Möglichkeiten der Materialien auszuloten. cs