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Du sitzt in der Eisenbahn, abendmüde, müde wie alle anderen Passagiere, da kommt eine junge Frau und setzt sich dir gegenüber, beachtet dich mit keinem Blick – das braucht sie auch nicht, warum sollte sie? –, sondern setzt sich aufrecht und mit durchgerecktem Rücken vor dich hin, ziemlich nahe also, ausgesprochen nahe sogar, sozusagen Gesicht gegen Gesicht, aber beachtet dich nicht – du bist dir bewusst, dass sie dich keineswegs beachten muss.
Was nun? Warum soll das beschrieben werden? Weil sie, die kräftige junge, hübsch gekleidete Person, mit ausdrucksstarkem, vollen Gesicht und dickem braunem Haar, heller, gepflegter und zugerichteter Haut und vollen, rot geschminkten Lippen, derart ausstrahlt, so muss man schreiben, dass dir nichts anderes übrig bleibt, als sie entweder anzustarren – eine Statue, die so dasitzen oder dastehen würde, würdest du doch auch eine Weile innig betrachten, ihre Schönheit bewundern, oder ihre Ebenmässigkeit, du würdest dir Gedanken machen über die Weiblichkeit an sich – die Frau ist in einen Mantel und ein buntes Halstuch gewickelt, trägt farbige Handschuhe, und auch all die Farben erregen deine Aufmerksamkeit – du würdest ja auch vor einer mykenischen Skulptur stehenbleiben und sie mit aller Hingabe betrachten, oder vor einer Figur Maillols, natürlich, du würdest dich über die Schönheit des weiblichen Körpers, des weiblichen Gesichts freuen und dir Gedanken machen, jene Gestalten würden dich faszinieren, und faszinieren heisst, sie würden dich erregen, würden deine ganze Andacht fordern, aber hier in der Eisenbahn geht das ja nicht, so denkst du, du bist ja kein Kind mehr, das Menschen in seiner Umgebung einfach und beliebig lange anstarren darf. Continue reading