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Dort, wo der Schriftsteller Meinrad Inglin einst über den Winter gewohnt hat, ist im «Wyssen Rössli» am Schwyzer Hauptplatz neu ein Inglin-Zimmer geschaffen worden. Sogar Inglins Originalschreibsekretär steht dort.
In der Biografie des bekanntesten Schwyzer Schriftstellers Meinrad Inglin (1893–1971) finden sich viele Bezugspunkte zum Gasthaus «Wysses Rössli» am Hauptplatz in Schwyz. So ist Inglin auf der gegenüberliegenden Seite des Hauptplatzes aufgewachsen, war dann als Erwachsener regelmässiger Gast im «Rössli» und hat zuletzt sogar als eigentlicher Pensionär jeweils über die Wintermonate im «Rössli» Wohnsitz genommen. Dies aus recht trivialem Grund: Sein Wohnhaus an der Grundstrasse liess sich schlecht und nur sehr aufwendig heizen. Geschildert wird in Inglins Lebenserinnerungen auch, wie der betagte Inglin vom «Rössli»-Fenster aus das Geschehen und Dorfleben auf dem Hauptplatz verfolgt hat. Oder wie er später das Zimmer auf die Südseite des Hauses gewechselt hat, um die Trauerzüge mit dem Leichenwagen, die für Beerdigungen jeweils vor der Kirche ihren Beginn nahmen, nicht mehr sehen zu müssen.
Wieder öffentlich zugänglich
Als nun «Rössli»-Eigentümer Sepp Trütsch im ersten Obergeschoss die Gasträume erweitern konnte, hat er eines der Lokale zum «Inglin-Zimmer» gemacht. Ein klassisch möblierter Raum, der einerseits für Sitzungen, Gespräche und auch für Diners im kleineren Rahmen genutzt werden kann. Auch die Möblierung stimmt in diese Hommage ein. Die Schiefertische stammen aus der Täferstube im oberen Geschoss, und vor allem steht in der Ecke eine Rarität: die Originalschreibkommode von Meinrad Inglin, ein verschliessbarer antiker Sekretär. Inglin hat an diesem Tisch wohl die meisten seiner Werke verfasst und zahllose Korrespondenz geschrieben. Ebenfalls zum Ensemble gehören weiter eine Zimmerkommode und ein Sofa aus dem Inglin-Nachlass. All diese Objekte sind im Besitz der Meinrad-Inglin-Stiftung. Sie hat dieses Originalmobiliar als Leihgabe zur Verfügung gestellt, weil es auf diese Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und aufmerksam gepflegt werden kann. Als Nächstes sollen die Ausstellungsstücke noch mit erklärendenTexten versehen werden, ebenso soll der Raum noch mit Bildmaterial, Manuskripten und Veröffentlichungen des Schriftstellers ausgestattet werden. Ein Inglin-Schlafzimmer übrigens gibt es im «Wyssen Rössli» bereits seit Längerem,mit Porträts und Manuskripte als Hinweis auf den berühmten Gast.
Auch ein Goethe-Zimmer
Im «Wyssen Rössli» finden sich aber auch noch drei weitere Schlafzimmer. Sie sind Berühmtheiten gewidmet,die entweder im «Rössli» abgestiegen sind oder in Schwyz gewirkt haben. So gibt es Zimmer, die an den Kleinmeister und Landschaftsmaler Franz Schmid (1796–1851), an den europaweit bekannten Medailleur Johann Carl Hedinger (1691–1771) und vor allem an die Dichtergrösse Johann Wolfang Goethe (1749–1832) erinnern. Er hat tatsächlich auf seinen Schweizer- und durch Durchgangsreisen nach Italien im «Rössli am Platz» mehrmals übernachtet. Das «Wysse Rössli» hiess damals aber noch einfach «zum Ross».
Bote der Urschweiz
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/MrDibV