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“Wenn das Eis schmilzt, hast Du nichts mehr, worüber Du schreiben kannst”. Ich war ziemlich geschockt, als jemand, ein selbsternannter Klimaaktivist, mir das in den letzten Tagen sagte. Na ja, wenn “alles Eis schmilzt”, wird ein Blogthema das Kleinste meiner Probleme sein. Das fehlende Verständnis für die Zusammenhänge auf diesem Planeten hat mich ehrlich gesagt etwas bedrückt; dass nicht erkannt wird, wie alles voneinander abhängt, dass das, was in der Arktis und der Antarktis geschieht, das globale Klima, den Meeresspiegel und die Nahrungskette beeinflusst und uns alle betrifft.
Bei einer Geburtstagsfeier am Wochenende allerdings sprachen die Gäste besorgt über den Thwaitesgletscher in der Antarktis. Es besteht noch Hoffnung. Vielleicht steigt das Bewusstsein für die Polarregionen und ihre grundlegende Bedeutung für uns. Interessanterweise hat das TIME-Magazin zwei Antarktisforscher – Britney Schmidt (Cornell Universität) und Peter Davis (British Antarctic Survey- BAS) in seine Liste der einflussreichsten Personen der Welt im Jahr 2023 aufgenommen. Sie wurden für Beiträge zur Klimawissenschaft gewürdigt, nachdem sie Ergebnisse der Expedition zur Messung des Schmelzens unter dem Thwaitesgletscher in der Antarktis veröffentlicht hatten.
Ich bezweifele, dass die Partygäste das TIME-Magazin lesen – aber welche Medien sie auch konsumieren, sie haben offensichtlich darüber berichtet, wie das Schmelzen der weit entfernten Pole die Welt beeinflusst – und sie haben offensichtlich damit Erfolg gehabt.
Unter dem Schicksalsgletscher
Die ‚TIME-Influencer‘ Davis und Schmidt waren Leitautoren von Analysen der ersten Messungen an der ‚Grenzzone‘ unter dem Thwaitesgletscher, wo er auf den Ozean trifft und zum Eisschelf wird. Thwaites, der auch Schicksalsgletscher oder Weltuntergangsgletscher genannt wird, ist ein besonders wichtiger Teil der Antarktis, weil er genug Eis besitzt, um den globalen Meeresspiegel um 60 cm zu anzuheben. Er befindet sich im rasanten Rückzug und bedroht damit Küstenregionen weltweit.
Als Teil der US-UK International Thwaites Glacier Collaboration bohrte ein Team von Wissenschaftlern und technischen Experten ein 600 Meter tiefes Loch zwei Kilometer von der ‚Grenzzone‘ entfernt. Sie ließen Sensoren und einen schlanken automatischen Unterwasserroboter in das Loch hinab in die bisher nicht zugängliche Region unter dem Gletscher. Daten des Roboters ‚Icefin‘ zeigten, dass sich unterhalb des Eisschelfs Spalten und treppenähnliche Strukturen befinden, die an einigen Stellen fast zehn Mal schneller schmelzen, als es die bisherigen Modelle berücksichtigen. Wenn das Wasser durch diese unregelmäßigen Strukturen strömt, kann sich Wärme im Eis schneller ausbreiten und die Spalten und Brüche erweitern.
Die Antarktis ist näher, als man denkt
“Diese neuen Bilder zeigen uns, wie die Veränderungen unter dem Eis ablaufen. Es zeigen sich komplexe und verschachtelte Systeme, die auf den Klimawandel reagieren und den Meeresanstieg vorantreiben”, erklärte Schmidt. “Die Antarktis mag sich weit weg und unzugänglich anfühlen, aber in Wahrheit ist sie unbeschreiblich verletzlich, und jede Veränderung betrifft uns alle. Das Verstehen, wie der Planet auf unsere Handlungen reagiert, ist unerlässlich, um den Klimawandel zu begrenzen.”
Da haben wir es. Wie Davis kommentierte: “Unsere Forschung zeigte, dass es nicht viel braucht, um einen Antarktisgletscher aus dem Gleichgewicht zu bringen – und das hat reelle Auswirkungen für uns alle, egal, wo wir auf dem Planeten leben.” Ted Scambos, ein leitender Forschungswissenschaftler des Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences (CIRES), sagt es so: ”Wenn Thwaites kollabieren würde, würde er große Teile des westantarktischen Eises mitreissen; also ist es von höchster Notwendigkeit, ein klareres Bild davon zu bekommen, wie sich der Gletscher in den nächsten hundert Jahren verhalten wird.”
Das war nur eine von vielen wissenschaftlichen Studien, die darauf hinweisen, dass die südliche Kältebastion verstärkt auf den Klimawandel reagiert, und dass diese Veränderungen früher kommen, als erwartet. Die International Cryosphere Climate Initiative (ICCI), die jährlich einen Bericht zum Zustand der Eiszonen (State of the Cryosphere Report) herausgibt, betont, dass der letzte IPCC Synthesis Report, der im März erschien, die neuesten Forschungsdaten zu schnee- und eisbedeckten Regionen nicht enthält. Er basiert zum großen Teil auf dem IPCC Special Report on Oceans and Cryosphere von 2019 und einem anderen Bericht, der 2021 veröffentlicht wurde. Forschungen und Beobachtungen entwickeln sich extrem schnell fort. Der nächste IPCC Bericht kommt jedoch erst um 2030.
Vergiss das 2° Ziel – 1,8° sind das absolute Maximum
Im Februar veröffentlichte ein internationales Forscherteam um Leitautor Jun-Young Park von der IBS Pusan University in Busan, Südkorea, eine Studie in Nature Communications, die auf einem neuen Computermodell basiert. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der irreversible Verlust der Eisschilde der Antarktis und von Grönland und der daraus folgende schnelle Meeresanstieg kurz bevorstehen könnte, wenn der globale Temperaturanstieg nicht unter 1,8° – bezogen auf das vorindustrielle Niveau – stabilisiert werden kann.
Wenn man bedenkt, dass wir uns im Augenblick auf mindestens 2,4° zubewegen, bereitet das Angst. Die Projektionen des Klimamodels des letzten IPCC-Berichts berücksichtigen nicht, wie schnell die größeren Eisschilde auf die Klimaerwärmung reagieren, stellen die Autoren fest. Schmelzende Eisschilde tragen potentiell am stärksten zum Meeresanstieg bei und sind historisch gesehen am schwersten vorherzusagen, weil die Dynamik ihres Verhaltens so komplex ist. “Darüber hinaus berücksichtigen die Computermodelle, die die Abläufe in den Eisschilden Grönlands und der Antarktis simulieren, häufig nicht, dass ihr Schmelzen die Prozesse im Meer beeinflusst, die sich wiederum auf die Eisschilde und die Atmosphäre auswirken”, schreibt Park.
Das Team benutzte ein neues Computermodel, das zum ersten Mal die Verbindung zwischen Eisschild, Eisbergen, Ozean und Atmosphäre einbezieht. Sie kommen zu dem Schluss, ”dass eine unkontrollierbare Eisschild-/Ozeanrückkopplung nur verhindert werden kann, wenn die Welt vor 2060 netto Nullemissionen von CO2 erreicht.”
Professor Axel Timmermann, der Leiter des IBS Center for Climate Physics und Koautor der Studie stellt fest, dass, falls wir dieses Ziel verpassen, die Eisschilde schneller auseinanderbrechen und schmelzen werden: Wenn wir nicht handelten, würden die zurückweichenden Eismassen den Meeresspiegel um mindestens 100 cm in den nächsten 130 Jahren anheben, so Timmermann. Andere Veränderungen wie die thermale Ausbreitung müssten hinzugerechnet werden, meint Timmermann.
Keine schönen Aussichten.
Die Eismassen reagieren verzögert und auf unvorhersagbare Weise auf Temperaturanstiege in der Atmosphäre und im Meer. Die Berechnungen des Supercomputers der Forscher weisen darauf hin, dass Veränderungen im Meereis und in der atmosphärischen Zirkulation rund um die Antarktis eine grundlegende Auswirkung auf das Abschmelzen der Eisschilde und die Projektionen zum Meeresspiegelanstieg haben.
“Eine der Grundherausforderungen bei der Simulation der Eisschilde ist, dass selbst kleine Prozesse eine wichtige Rolle bei der Reaktion des Eisschilds insgesamt und für die Meeresspiegelanstiegsprognosen spielen. Wir müssen nicht nur alle Komponenten – wie in der vorliegenden Studie – verbinden, sondern müssen auch die Dynamik in höchstmöglicher räumlicher Auflösung simulieren und die schnellsten Supercomputer dafür benutzen,” so Timmermann.
Antarktisches Meereis auf Rekordtief
Das arktische Meereis verliert an Fläche und Dicke seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Das antarktische Meereis dagegen dehnte sich bis vor etwa 10 Jahren leicht aus. Das änderte sich drastisch zwischen 2014 und 2017. In diesen drei Jahren ging dort mehr Eis verloren, als in drei Jahrzehnten in der Arktis, so Claire Parkinson, Klimatologin beim NASA Goddard Space Flight Center. Es sei einfach erstaunlich, so Parkinson. Dann erholte sich das Meereis einige Jahre lang wieder, bevor es wieder zu schwinden begann und letztes sowie dieses Jahr erneut Rekordtiefs erreichte.
Mehrere neuere Studien, die Paul Voosen in Science zusammenfasst, deuten auf den möglichen Anfang eines langfristigen Rückgangs hin, der unerwartete bedrohliche Dominoeffekte ins Rollen bringen könnte.
Laut einer im März 2023 veröffentlicheten Studie könnte das schwindende Meereis das Abschmelzen antarktischer Gletscher beschleunigen.
Deutsche Zusammenfassung der Ergebnisse bei Wetter.com.
Felipe Gómez-Valdivia vom British Antarctic Survey (BAS) und seine Mitautoren nutzten ein Klimamodell, um Veränderungen im Ozean in der Westantarktis zu analysieren.
Das schwindende Meereis könnte den ‚Ross Gyre‘, einen sich über 1000 Kilometer erstreckenden Wirbel im Südpolarmeer, verstärken und ausdehnen; das würde wärmeres Wasser näher an die Gletscher der Westantarktis bringen. Da diese als Schelfeis in den Ozean fließen, sind sie besonders anfällig für das Abschmelzen von unten. Innerhalb von 30 Jahren nach seiner potentiellen Ausdehnung könnte der Wirbel das Wasser unter den Gletschern um 1°C erwärmen, und somit die Erosion des Eises beschleunigen, so Leitautor Valdivia. Sobald das Meereis im Modell zu schwinden begann, dehnte sich der Ross Gyre Wirbel aus.
Besonders alarmierend war, dass sich der Wirbel sogar in Szenarien ausdehnte, in denen die Treibhausgasemissionen zurückgingen und sich die Klimaerwärmung verlangsamte.
Schmelzwasser wirbelt die Ozeanzirkulation durcheinander
Laut einer in Nature veröffentlichen Studie von Wissenschaftlern um Qian Li (MIT) verlangsamen die Schmelzwassermassen, die von antarktischen Gletschern in den Ozean fließen, einen Teil der Strömungen, die die Umwälzzirkulation des globalen Ozeans antreiben. Dieses kritische „Förderband“ an Strömungen ist ein Instrument zur Verteilung von Wasserwärme, Sauerstoff und Nährstoffen, und reguliert die Speicherung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre.
In The Conversation berichten die Wissenschaftler von „besorgniserregenden Anzeichen“, dass diese Strömungen sich verlangsamen und zum Stillstand kommen könnten. Das würde unter anderem zu einem Sauerstoffmangel im tiefen Ozean führen; es könnte auch durch eine Erwärmung des Meeres um die Eisschelfe zu einer weiteren Eisschmelze kommen. Die Veränderungen hätten schwerwiegende globale Konsequenzen für marine Ökosysteme, das Klima und den Meeresspiegelanstieg.
Die neuen Modelle, die das Team verwendete, deuten auf eine Verlangsamung der Umwälzzirkulation und einer Erwärmung des tiefen Ozeans hin bereits in den kommenden Jahrzehnten bis 2050. Physikalische Messung bestätigen, dass diese Veränderungen bereits im Gange seien, so die Autoren.
Normalerweise strömt das Tiefseewasser nordwärts und in die weit entfernten Indischen, Pazifischen und Atlantischen Ozeane. Das könnte bereits zu unseren Lebenszeiten aufhören, so die Forscher.
Eisverlust in der Ostantarktis bereits in 200 Jahren
Eine Studie, die im April in Nature Communications veröffentlicht wurde, unterstreicht das Risiko eines höheren Meeresspiegelanstiegs durch höhere Einträge, hervorgerufen durch schmelzendes Eis, in der Ostantarktis selbst in „moderaten Emissionsszenarien des Weltklimarats. James R. Jordan, Chris Stokes und Kollegen haben herausgefunden, dass ein „verstärkter Aufstieg warmen Wassers an den Rändern des ostantarktischen Eisschilds (EAIS) das Potential hat, den Eisverlust zu verstärken und zu einem Anstieg des Meeresspiegels durch das EAIS über die nächsten 200 Jahre zu führen.“
Zusätzlich zu einer generellen Erwärmung der Atmosphäre und des Meeres könnte die Meereserwärmung die Wassermassen im Kontakt mit den antarktischen Eisschelfen erwärmen. Dies könnte bedeuten, dass der Eisverlust sowohl in Mittel- und Hochemissionsszenarien sich vervierfacht.
Die Autoren glauben nicht, dass der Zufluss des warmen Tiefenwassers in der Gesamtheit der Ostantarktis vorkommen wird (im schlimmsten Fall), sondern dass „die Möglichkeit steigenden Warmwasserkontakts (besonders in Hochrisikogebieten) – selbst bei mittleren Emissionsszenarien – zu einem höheren Beitrag zum Meeresspiegelanstiegs durch die Ostantarktis führt.“
Eine Studie der Vergangenheit bedeutet eine ernste Warnung für heute
Als ob diese Ergebnisse nicht schlimm genug wären, haben Forscher, die vergangene Klimaveränderungen untersuchen, herausgefunden, dass Eisschilde viel schneller, als wir dachten, kollabieren können. Die von Christine Batchelor von der Universität Newcastle geleitete Studie, die Anfang April in Nature veröffentlich wurde, untersuchte anhand von Sedimentformationen der letzten Eiszeit auf dem Meeresgrund die große Eisfläche, die einst Skandinavien bedeckte. Das Team fand heraus, dass, als sie sich vor ungefähr 19‘000 Jahren zurückzog, die Rückzugsgeschwindigkeit in Teilen bis 600 Metern pro Tag erreichte; weit schneller als alles, was in den letzten 50 Jahren durch Satelliten gemessen wurde. Tatsächlich war die niedrigste Abschmelzrate dieses Eisfeldes, (gemessen in Tagesabständen im Sediment des Meeresbodens, das durch den Gletscher vor der heutigen skandinavischen Küste abgelagert wurde) 50 Meter pro Tag, das ist fast das Doppelte der durch Satellitendaten heute belegten Geschwindigkeit. (Für den Pope Gletscher, in der Westantarktis beträgt die Strecke 30 Meter pro Tag)
Für den Thwaites Gletscher berichten Forscher von ähnlichen Bedingungen, die ebenso schnelle Abschmelzraten erwarten lassen könnten.
Wir können noch handeln
Wo stehen wir also jetzt? Der letzte IPCC-Bericht betont, dass es noch nicht zu spät ist zu handeln, um das Erreichen der gefährlichen Schwellenwerte zu verhindern. Aber das Zeitfenster verkürzt sich. Der Wandel beschleunigt sich. Das bedeutet, dass die oberste Grenze für die Klimaerwärmung, der Temperaturschwellenwert, den wir nicht überschreiten dürfen, viel niedriger ist, als wir dachten. Die Welt nähert sich dem, was Eis- und Schneeexperten des ICCI als „1,5°C/2°C“ Korridor beschreiben, der durch das Pariser Abkommen festgelegt wurde.
Nach Angaben der Weltwetterorganisation WMO ist die Chance, das in den Jahren zwischen 2022 und 2026 Temperaturen nahe der Erdoberfläche 1,5°C überschreiten Fünfzig zu Fünfzig. Selbst, wenn die Überschreitung nur zeitlich begrenzt ist, könnte dies eine dramatische Eisschmelze auslösen. In ihrer Zusammenfassung des letzten IPCC-Berichts betont die ICCI, dass die Kryosphäre auf jeden Bruchteil einer Erwärmung über 1,5°C mit verheerenden Folgen reagiert, selbst wenn die Temperaturen wieder sinken. Die Entscheidungen der nächsten Jahre bestimmten, wie viel Eis unserem Planeten bleibe und damit die Zukunft künftiger Generationen.
Steigende globale Temperaturen steigern die Wahrscheinlichkeit, bedeutende Schwellenwerte für die eis- und schneebedeckten Regionen zu überschreiten, und damit abrupte und nicht-umkehrbare Veränderungen im Weltklimasystem auszulösen.
Alles zeigt uns, dass wir bis 2030 die Emissionen drastisch reduzieren müssen, um die globale Temperatur innerhalb der 1,5°C Grenze zu halten. Nur damit können wir substanziellen Eisverlust, besonders beim ostantarktischen Eisschild, vermeiden. Der „schlafende Eisriese“ beinhaltet 52 Meter Meeresspiegelanstieg.
Zeit für schärfere Klimaziele
Auf der letzten UN-Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh, Ägypten, schlossen sich 20 Regierungen zu einer neuen Gruppe zusammen: Ambition on Melting Ice: On Sea-level Rise and Mountain Water Resources (AMI / Ehrgeizigere Ziele: Schmelzendes Eis, Meeresspiegelanstieg und Bergressourcen). Angeführt von zwei Polar- und Bergnationen, Chile und Island, will die Koalition Politik und Öffentlichkeit für die Bedeutung der Kryosphäre und die Risiken des Abschmelzens durch die Klimaerwärmung sensibilisieren. Neben Polarländern und Bergnationen engagieren sich auch niedrig gelegene Länder, die sich bereits heute an der Vorderfront des Klimawandels befinden.
In ihrer Erklärung setzt sich AMI für rasche, dem Klimanotstand entsprechende Emissionsreduktionen in allen Sektoren ein, um die Möglichkeit zu erhalten, die Klimaerwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, als beste Option, um den langsamen, progressiven Verlust der Kryosphäre sowie daraus resultierende weitreichende globale Katastrophen zu verlangsamen.
Das ist eine klare Botschaft.
Laut AMI sollten Emissionen bis 2030 50% weniger als 2019 betragen. CO2-neutrale Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung könnten zu einer besseren Zukunft für Mensch und Umwelt führen, die bereits spürbar wäre, wenn die heutigen Kinder ein mittleres Alter erreichen. Die Alternative, so die 20 Regierungen, wäre eine “klare existentielle Bedrohung der menschlichen Zivilisation, die niemand unserer Generation als Erbschaft hinterlassen möchte.“
Die einflussreichen Wissenschaftler
Wir alle müssen uns für diese “raschen, dem Klimanotstand entsprechenden Emissionsreduktionen” einsetzen. Politiker und Entscheidungsträger müssen den Wissenschaftlern Gehör schenken. Und jede(r) von uns hat einen Beitrag zu leisten. Neben bewussten Entscheidungen im Alltag können alle, die in einer Demokratie leben, den Klimawandel durch ihr Wahlverhalten beeinflussen. Verbraucher haben Macht. Wir können die Politik beeinflussen – und wir können auch in der Öffentlichkeit demonstrieren, um die Welt auf das 1,5°C-Ziel einzuschwören.
Das Gefährlichste wäre, das Ziel als nicht mehr erreichbar aufzugeben und uns mit 2°C zufrieden zu geben. Zwei Grad Celsius sind viel zu viel.
Kommen wir zurück zu der TIME-Liste der 100 einflussreichsten Personen. Dazu zählt auch Johan Rockström, Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung.
Rockströms Arbeit wird beschrieben als „entscheidend für das Verständnis der miteinander verbundenen Krisen, denen sich unser Planet gegenübersieht“. Seine Arbeit ebnet den Weg in die Zukunft, indem er führenden Persönlichkeiten zeigt, wie man komplexe Wissenschaft in klare, messbare Maßnahmen umwandelt.“
Das ist der Weg, den wir gehen müssen.
Sein ‚TIME-Influencer‘- Kollege Peter Davis beschreibt die Situation so: „Es ist nie zu spät, Gutes zu tun: Es gibt noch Zeit, einen Unterschied zu machen, indem wir den CO2-Ausstoß reduzieren und uns in Richtung einer grüneren Wirtschaft bewegen.“
Davis fühlt sich durch die Auszeichnung geehrt. „Und ich hoffe, dass dies ein Anzeichen ist, dass die Weltgemeinschaft Appetit auf Handeln hat“.
Vielleicht ändern sich die Zeiten tatsächlich. Wir müssen jetzt das Tempo beschleunigen.