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Laut Wikipedia ist ein Opportunist «im allgemeinen Sprachgebrauch eine Person, die zweckmässig handelt, um sich der jeweiligen Lage anzupassen und einen Vorteil daraus zu ziehen». Sprich: ein Kind. Meine Kinder sind die Meister des Opportunismus. Besonders auffällig ist das, wenn es um Geschenke geht. So schickte mir zum Beispiel meine Tochter letzthin ein SMS: «Zahn wackelt, Zahnfee informiren.» Das Kind tippt also schneller SMS als ich - glaubt aber noch an die Zahnfee?
Ich habe die Zahnfee eingeführt, als ihr erster Milchzahn ausfiel und sie vor Schreck über das bisschen Blut in ihrem Mund kaum zu beruhigen war. Fortan brachte die Zahnfee also für jeden ausgefallenen Milchzahn ein kleines Geschenk (was auch schon dazu führte, dass ich verhindern musste, dass mein Sohn versuchte, sich mit Gewalt eines Schneidezahns zu entledigen). Warum also sollte meine bald Zehnjährige nicht mehr an dieses Fabelwesen glauben? Schliesslich bringt es ihr Kinderschmuck, Glitzerstifte und Kartenspiele. Und die lang gewünschte «Nerf»-Wasserpistole hat sie auch bereits im Schrank mit den Handtüchern deponiert - das weiss mein Vor-Teenie vermutlich auch.
Das gleiche gilt für den Osterhasen - die unlogischste Figur der Welt! Ein Kaninchen, das einmal im Jahr Eier bemalt und Geschenke und Schokolade im Garten versteckt? Hallo? Kinder? Überlegt doch mal! Zumal meine Kids - da ihre Geburtstage Ende Sommer sind - zu Ostern jeweils etwas bekommen, das sie für den Sommer brauchen. Dieses Jahr wünschen sie sich neue Scooter. Nochmal: Hallo? Kinder? Wie soll ein Karnickel einen Scooter einpacken und verstecken? Meine Kinder wollen nicht wissen, dass es einen keinen Hasen mit einem Kontingent bei «Toys'R'Us» gibt. Und kein Christkind mit direktem Draht zu Franz Carl Weber.
A propos Christkind: Da hab ich mir, um es mal österlich auszudrücken, vor Jahren selbst ein Ei gelegt. Meine Kinder bekamen zu Weihnachten jeweils ein Geschenk von eben diesem. Ich erklärte ihnen, dass man an Weihnachten Leute beschenkt, die man gern hat, und dass das Christkind eben alle Kinder gern hat. Irgendwann fiel ihnen auf, dass ihre eigene Mutter sie in dem Fall nicht besonders mag - bekamen sie doch von mir jeweils nichts. Seither kriegen sie also von mir je zwei Weihnachtsgeschenke, beziehungsweise eins von mir und eins vom Christkind.
Aber auch unabhängig von Zahnfee, Osterhase und Christkind wissen meine Kinder genau, wie man sich die Welt Pippi-Langstrumpf-mässig zurechtbiegt. Pommes frites sind für sie per Definition Gemüse, sie bestehen schliesslich aus Kartoffeln. Fernsehen ist genau so gut wie lesen, schliesslich hat man danach auch Worte im Kopf. Und die vom süssesten Lächeln begleitete Frage, ob man beim Ausräumen der Spülmaschine helfen könne, kommt immer dann, wenn es noch maximal drei Gläser drin hat. Und hat garantiert etwas mit dem Taschengeld zu tun.
Von wem sie das haben? Bestimmt nicht von mir. Mir ist «zweckmässiges Handeln, um einen Vorteil daraus zu ziehen» total fremd. Gut, ich behaupte manchmal, in der Schokolade im Kühlschrank sei Alkohol drin, um sie für mich allein zu haben. Oder ich hätte kein Geld dabei, um Glace zu kaufen, um mir ellenlange Diskussionen zu ersparen. Opportunismus? Nein. Ich nenne das lieber «mütterliches Zurechtrücken der Realität, um in der Kinder-bestimmten Villa Kunterbunt, die mein Leben oft ist, auch mal einen kleinen Vorteil zu haben».