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Gute Ideen entstehen nicht an einem einzigen Ort im Unternehmen. Sie werden durch einen horizontalen Austausch zwischen den Abteilungen begünstigt.
Eine Innovation ergibt sich häufig aus der Kombination bereits bestehender Elemente. Johannes Gutenberg hätte den Buchdruck sicher nicht erfunden, wenn er nicht darauf gekommen wäre, den Mechanismus einer Weinpresse zu nutzen, um mit Buchstaben aus Blei einen Text auf Papier zu übertragen. Larry Page und Sergey Brin hätten den Algorithmus für die Suchmaschine Google vielleicht nicht entwickeln können, wenn sie nicht von einem System für die Suche nach Fachartikeln inspiriert worden wären (je häufiger diese von anderen Artikeln zitiert wurden, desto mehr stiegen sie im Wert und desto höher wurden sie in den Suchergebnissen gelistet).
Innovation in allen Abteilungen
Kreativität entsteht häufig aus einer Vermischung unterschiedlicher Sphären. Wenn man ein Konzept von seinem ursprünglichen in einen neuen Lebensraum überträgt, findet man neue Einsatzmöglichkeiten oder Optimierungen oder man kommt auf neue Ideen, die davon inspiriert sind. Dieser "horizontale" Austausch impliziert, dass man sich nicht darauf beschränken darf, in einer bestimmten Abteilung des Unternehmens Innovationen zu fördern - beispielsweise im Bereich Forschung und Entwicklung -, sondern sich in allen Abteilungen darum bemühen sollte.
Die amerikanische Firma 3M, die als eines der kreativsten Unternehmen in Sachen Innovation bekannt ist, organisiert beispielsweise jedes Jahr ein "Tech Forum", wo sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den verschiedenen Abteilungen des Unternehmens treffen können, um Informationen über die neusten Erfindungen aus ihren Labors auszutauschen. Dasselbe macht Google mit seiner jährlich stattfinden Konferenz "Crazy Search Ideas". 3M geht sogar so weit, dass die Ingenieure dort einem Rotationsprinzip folgen und in regelmässigen Abständen innerhalb des Unternehmens die Abteilung wechseln.
Ideentransfer zwischen den Abteilungen
Dieser Austausch auf horizontaler Ebene hat zur Folge, dass die Angestellten beginnen, Informationen zu berücksichtigen, die sie normalerweise als trivial ansehen würden, oder dass sie Analogien zwischen Bereichen herstellen, die auf den ersten Blick keine Verbindung aufweisen. So hat sich einer der Ingenieure von 3M vom durchsichtigen Klebstoff des Scotch-Klebebands - einer Innovation der Firma aus Minnesota aus dem Jahr 1925 - inspirieren lassen und daraus die Touchscreen-Technologie entwickelt, die heute in den Smartphones eingesetzt wird. Mit dem Klebstoff wird auf dem Bildschirm eine elektrisch geladene Glasplatte befestigt.
Quelle: Imagine: How Creativity Works, Jonah Lehrer, Houghton Mifflin Harcourt, 2012.