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|Die Kolumne "Gopfried Stutz" erschien zuerst im|
Vor vielen Jahren erklärte mir mein Schwiegervater, weshalb er sich vorzeitig pensionieren lässt: "Gehe ich jetzt in Pension, so erhalte ich so viel." Und er legte die Hände mit einem Abstand von rund 50 Zentimetern auf den Tisch. "Arbeite ich bis 65, gibt’s so viel", worauf der Schwiegervater die eine Hand um geschätzte 10 Zentimeter nach aussen verschob. Und jetzt legte er die Hände mit einem kleinen Abstand von 10 Zentimetern auf den Tisch und sagte: "Für so viel gehe ich nicht arbeiten."
Mein Schwiegervater lebt nicht mehr. Er braucht sich keine Sorgen darüber zu machen, dass ihm die Rente, die ihm bei der Pensionierung versprochen wurde, gekürzt wird.
Doch geht es nach Josef Bachmann, so müssten sich viele Rentnerinnen und Rentner genau diese Sorge machen. Bachmann war Chef der Pensionskasse des Beratungsunternehmens PwC und ist heute Präsident des Vereins "Innovation Zweite Säule". Er hat die Volksinitiative "Für eine generationengerechte Altersvorsorge" lanciert. In diesen Tagen will er mit der Unterschriftensammlung beginnen.
Falls die Initiative zustande kommt (was ich bezweifle) und später vom Schweizer Volk angenommen wird (was ich erst recht bezweifle), so könnten Rentnerinnen und Rentnern laufende Pensionskassenrenten gekürzt werden.
Der ehemalige Pensionskassenmanager begründet das mit dem Umstand, dass heute viele Renten als Folge des zu hohen Umwandlungssatzes ungenügend finanziert sind, so dass die Aktiven die Lücke bezahlen müssten. Sieben Milliarden Franken werden dadurch von Jung zu Alt verschoben – zu Lasten jüngerer Generationen.
Gegenüber dem Fachmagazin "Schweizer Personalvorsorge” räumt Josef Bachmann ein, dass es nicht der Fehler der heutigen Rentnerinnen und Rentner ist, dass ihnen zu hohe Renten versprochen wurden. Doch sei es erst recht nicht der Fehler der Jungen, die nun jährlich sieben Milliarden Franken quersubventionieren müssten.
Damit wären wir beim Schwiegervater. Vor der Pensionierung muss man wissen, mit welcher Rente man rechnen kann. Man kann nicht plötzlich die Spielregeln ändern. Anders verhält es sich, wenn im Pensionskassenreglement Rentenkürzungen im überobligatorischen Bereich vorgesehen sind. Da können sich angehende Rentner darauf einstellen. Josef Bachmann hat dieses Modell bei der PwC eingeführt.
Auch der grünliberale Nationalrat Thomas Weibel strebt gesetzliche Veränderungen an, um laufende Renten im überobligatorischen Bereich kürzen zu können. Seine parlamentarische Initiative wurde kürzlich in der Sozialkommission nur knapp abgelehnt und wird dereinst im Nationalrat behandelt.
Ich frage mich, wie die Gewerkschaften dagegen ankämpfen, falls es überhaupt so weit kommen wird. Der Kampfslogan "Rentenklau" ist mittlerweile etwas abgegriffen, dafür würde er dieses Mal auch wirklich zutreffen.