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Das Domkapitel B. ist erstmals um 830 in den Verbrüderungsbüchern der Abteien Reichenau und St. Gallen bezeugt. Spätestens ab der 2. Hälfte des 12. Jh. war die Vita communis aufgehoben, und die Domherren wohnten getrennt vom Bf. in Häusern um das Basler Münster. Vom 13. Jh. an übte das Domkapitel das Bischofswahlrecht aus und beteiligte sich vom 12./13. Jh. an zunehmend an der Bistumsverwaltung. Ab 1261 sicherte es sich sein Mitbestimmungsrecht durch Verträge, sog. Wahlkapitulationen, zu deren Einhaltung sich jeder Domherr vor der Bischofswahl verpflichtete. Damit suchte das Domkapitel v.a. einer Verschuldung des Bistums vorzubeugen. Die ältesten Statuten stammen von 1289. Das gemischtständ., geschlossene Kapitel zählte 24 Pfründen und ergänzte sich selbst. Dignitäre waren Propst, Dekan, Kantor, Grossarchidiakon, Kustos und Scholaster. 1337 schlossen die Domherren die bürgerl. Basler vom Zugang zum Kapitel aus, es sei denn, ein Kandidat war väterlicherseits von adliger Abstammung. Die Zahl der Graduiertenpfründen blieb auf fünf beschränkt. Ab 1453 waren 18 Pfründen dem Adel vorbehalten, die übrigen (darunter die Priesterpfründe) standen graduierten Nichtadligen offen. Gemäss den Statuten von 1466 musste ein adliger Kandidat den Nachweis adliger Herkunft aller vier Grosseltern erbringen.
Ein eigenes Siegel des Domkapitels ist erstmals 1183 belegt, eine von den bischöfl. Gütern getrennte Verwaltung der Kapitelsgüter ab 1185 nachzuweisen. Die vom 12. Jh. an fassbaren Besitzungen lagen in B. und seiner Umgebung (z.B. Benken, Bubendorf), in der Markgrafschaft Baden (z.B. Istein), im Fricktal und v.a. im Oberelsass (z.B. Hüningen, Michelfelden, Hagenthal, Spechbach). Die Verwaltung des eigentl. Stiftsguts unterstand der ausschliessl. Leitung des Dompropstes. Daneben bildete sich aber allmähl. Kapitelsgut, das dem ganzen Domkapitel oblag. Vom 14. Jh. an lassen sich fünf voneinander getrennte Verwaltungsbereiche unterscheiden, die unter der Leitung eines Schaffners über eine eigene Administration verfügten: die Dompropstei und die Kapitelschaffnei, aus denen die Erträge der Domherrenpfründen ausgerichtet wurden, die Cottidian und die Präsenz, die den Jahrzeiten- und Präsenzgelderfonds betreuten, und die Münsterfabrik, die für den baulichen Unterhalt zu sorgen hatte.
Die Basler Reformation beraubte das Kapitel seiner in und um B. gelegenen Besitztümer und Einkünfte. Nicht zuletzt deshalb verlegte es 1529 seine Residenz nach Freiburg i.Br., um seinen Besitzungen im Oberelsass, Sundgau und Markgräflerland nahe zu sein. Verm. aufgrund der reduzierten Einkünfte wurde die Zahl der Kanonikate von 24 auf 18 herabgesetzt. Den Chorgang absolvierten die Domherren im Freiburger Münster. Die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr nach B. zerschlug sich, als Fürstbf. Jakob Christoph Blarer von Wartensee 1585 im Badener Vertrag - den das Domkapitel nicht unterzeichnete - für seine Ansprüche in der Stadt B. entschädigt wurde.
Im Krieg zwischen dem Ks. und Ludwig XIV. konfiszierten franz. Truppen 1675 die Haupteinkünfte des Kapitels im Elsass und Sundgau. Deren Rückgabe wurde unter der Bedingung einer Rückkehr ins Fürstbistum B. zugesichert. Im Dez. 1678 übersiedelten die Domherren deshalb nach Arlesheim, wo Fürstbf. Johann Konrad von Roggenbach Kapitelhäuser und 1679-81 eine Domkirche in frühbarockem Stil erbauen liess. Das Domkapitel gab sich 1681 neue Statuten, die als Eintrittsbedingung für adlige Domherren eine 16er Ahnenprobe (ritterl. Herkunft der Ururgrosseltern) forderten. Mit dieser Bestimmung wurde Schweizern der Zugang erschwert. Die adligen Domherren des 17. und 18. Jh. stammten v.a. aus dem Fürstbistum selbst, dem Elsass und dem Breisgau. Weitere Anforderungen an Kandidaten waren Zeugnisse u.a. über dt. Abstammung, geleistete Studien (für Graduierte: Studienabschluss und vierjährige Ausbildung) und erhaltene Tonsur.
Nach der Rückkehr in das Territorium des Fürstbistums B. beteiligte sich das Domkapitel wieder an der weltl. Regierung. Zwei Abgesandte befanden sich regelmässig am fürstbischöfl. Hof in Pruntrut. Häufig übertrug der Fürstbf. den Domherren diplomat. Missionen. Gemäss den ab 1575 vollst. vorhandenen Wahlkapitulationen bedurften die Ernennungen der Geheimen Räte, des Kanzlers, des Landhofmeisters und des Obervogts der Ajoie der Zustimmung des Kapitels.
Mit seinen Einkünften - der jährl. Ertrag eines Domherrn belief sich im 18. Jh. auf etwa 1'000 Gulden - nahm das Basler Domkapitel in der Reichskirche eine mittlere Stellung ein. Im schweiz. Vergleich war es von allen Domkapiteln am besten ausgestattet.
Nach dem Einmarsch der Franzosen 1792 in Arlesheim unter Hausarrest gestellt, übersiedelten die Domherren im Frühjahr 1793 erneut nach Freiburg i.Br. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss (1803) versammelte sich das Domkapitel noch einmal 1814 in Offenburg (D). Mit dem Wiener Kongress (1814-15) zerschlug sich die Hoffnung auf eine Wiederherstellung des Basler Fürstbistums. 1828 verzichteten die noch lebenden Domherren darauf, in das neue Domkapitel der Diözese B. aufgenommen zu werden.
Literatur
– P. Bloesch Das Anniversarbuch des Basler Domstifts 1334/38-1610, 2 Bde., 1975
– A. Kaspar, Das Basler Domkapitel an der Wende zur Neuzeit, Liz. Basel, 1978
– C. Bosshart-Pfluger, Das Basler Domkapitel von seiner Übersiedlung nach Arlesheim bis zur Säkularisation (1678-1803), 1983
– P. Preiswerk Das Basler Domkapitel z.Z. des Konzils von B. 1431-1448, Liz. Freiburg, 1988
Autorin/Autor: Catherine Bosshart-Pfluger