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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Schweiz bildet im Gesundheitsbereich nicht genug Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner aus und muss daher ausländisches Personal einstellen, um die Nachfrage an den Spitälern und an anderen medizinischen Institutionen befriedigen zu können.</p><p>Die neuen Erkenntnisse und die schnelle Entwicklung der Technologien im medizinischen Bereich führen zu einem Wandel des Gesundheitssystems, zu einer Ausweitung der Aufgaben gewisser Berufe und somit zu einer neuen Aufteilung der Verantwortung zwischen den zwei medizinischen Hauptberufen, den Ärztinnen und Ärzten zum einen und den Pflegefachfrauen und -männern zum anderen. Wissenschaftliche Studien zeigen deutlich auf, dass die postoperative Sterblichkeit, die Zahl der Infektionen, die Dauer des Spitalaufenthalts, die Zahl der Rehospitalisierungen, die Zahl der Komplikationen usw. geringer sind, wenn das Pflegepersonal gut ausgebildet ist. Mit einer Ausbildung von hoher Qualität kann den Entwicklungen im Gesundheitssystem optimal begegnet werden. </p><p>Was tut die Romandie, um diese Herausforderung zu meistern? Sie bietet für medizinische Pflege lediglich einen Bildungsgang auf Fachhochschulniveau an, für den die Zahl der Studierenden stetig zunimmt (plus 40 Prozent zwischen 2006 und 2011), und sie verzichtete darauf, den Bildungsgang der höheren Fachschule, wie vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) angestrebt, anzubieten. </p><p>Aus diesen Gründen stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass medizinische Pflege viele Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert, ob bei den technischen Vorgängen, die ausgeführt werden müssen, oder beim theoretischen Wissen, das präsent sein muss, </p><p>und findet er nicht auch, dass die Verantwortung des Pflegepersonals tendenziell immer grösser wird?</p><p>2. Wie stark hängen nach Einschätzung des Bundesrates die Berufschancen im Pflegebereich vom Ausbildungsniveau ab?</p><p>3. Welchen Platz nimmt der Bildungsgang der höheren Fachschule, der vom BBT als Zwischenniveau vorgeschlagen wird, in der Entwicklung unseres Gesundheitssystems (Managed Care, Mangel an Ärztinnen und Ärzten usw.) ein?</p><p>4. Angesichts des Mangels an Ärztinnen und Ärzten, der uns bevorsteht, müssen schon bald mehr Kompetenzen von den Ärztinnen und Ärzten an das Pflegepersonal übergeben werden. Ist es angesichts dessen vertretbar, mehr Pflegepersonal an höheren Fachschulen ausbilden zu wollen?</p><p>5. Wie will der Bundesrat die Nachfrage nach Praktikumsplätzen in der Romandie, an denen es nur schon für die Studierenden an der Fachhochschule mangelt, befriedigen, falls neu ein Bildungsgang der höheren Fachschule für medizinische Pflege angeboten wird?</p><p>6. Kann der Bundesrat bestätigen, dass 90 Prozent der Pflegefachfrauen und -männer in der Deutschschweiz zwar die Ausbildung an einer höheren Fachschule absolviert haben, sie aber eigentlich gar keine andere Wahl hatten, da es an den Fachhochschulen in der Deutschschweiz einen Numerus clausus gibt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der vom Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement (EVD) initiierte Masterplan "Bildung Pflegeberufe" hat zum Ziel, mit den Kantonen und der Branche koordiniert dem Personalmangel in den Pflegeberufen zu begegnen. Mit einem Bündel von Massnahmen soll mittel- und langfristig die Zahl der inländischen Abschlüsse im Pflegebereich erhöht werden.</p><p>1. Der Bundesrat teilt die Beurteilung der Interpellantin: Wir benötigen in der Pflege ausreichend und sehr gut qualifizierte Fachkräfte. Die Ausbildungen in der höheren Berufsbildung und an den Hochschulen mit unterschiedlichen Profilen entsprechen diesen Anforderungen. In allen Landesteilen sind Bachelor-Studiengänge an den Fachhochschulen (FH) in der Pflege etabliert. Seit dem Herbst 2009 werden in der französischsprachigen Schweiz und seit 2010 in der Deutschschweiz Master-Studiengänge in der Pflege angeboten. In der Deutschschweiz und im Tessin bestehen zusätzlich Bildungsgänge in der Pflege an den höheren Fachschulen (HF). Weiter werden unter der Federführung der OdA Santé Kompetenzprofile für eidgenössische Prüfungen (Berufs- und höhere Fachprüfungen) erarbeitet.</p><p>2. Skill- und Grade-Mix ist das Erfolgsmodell in vielen Branchen in der schweizerischen Arbeitswelt. Es sichert auch im Gesundheitsbereich einen effizienten Einsatz der Personalressourcen und die Kohärenz in der Zusammenarbeit von Fachleuten mit unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen in den verschiedenen Versorgungsbereichen (Akut-, Langzeitpflege und Spitex). Die Erarbeitung und Weiterentwicklung von Berufsprofilen in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Organisationen der Arbeitswelt sichert die Praxisnähe. Neue Ausbildungen werden dann konzipiert, wenn im Berufsfeld ein entsprechender Bedarf nachgewiesen und die Abgrenzung zu bestehenden Berufen geklärt ist.</p><p>3. Die höheren Fachschulen bilden in praktisch allen Branchen (Technik, Wirtschaft, Gesundheit usw.) hochqualifizierte und eigenständige, auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragte Fachkräfte auf der Tertiärstufe aus. Es handelt sich bei der HF-Pflege keinesfalls um ein "niveau intermédiaire". Absolventinnen und Absolventen von HF- und von FH-Studiengängen erwerben alle erforderlichen Kompetenzen, um eine effiziente und funktionierende Zusammenarbeit im Rahmen der neuen Versorgungsmodelle im Gesundheitsbereich zu gewährleisten.</p><p>4. Wir benötigen mehr qualifizierte Pflegefachkräfte auf der Stufe HF und FH, um die Gesundheitsversorgung und eine effiziente Zusammenarbeit mit den Medizinalberufen sicherzustellen. Als hochqualifizierte Fachkräfte sind Absolventinnen und Absolventen von höheren Fachschulen und Fachhochschulen gleichermassen befähigt, die ihrer Ausbildung entsprechenden Aufgaben in der interdisziplinären Versorgung kompetent und eigenständig wahrzunehmen.</p><p>5. Die Branche ist gefordert, die für die Gesundheitsversorgung und Nachwuchssicherung nötigen Praktikumsplätze bereitzustellen. Unter der Führung der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) wird im Rahmen des Masterplans "Bildung Pflegeberufe" die Neuregelung der Finanzierung der betrieblichen Ausbildungsleistungen vorangetrieben. Die Arbeiten sind weit vorangeschritten. In diesem Rahmen sollen auch die Modalitäten einer Ausbildungsverpflichtung der Betriebe geklärt und Voraussetzungen für neue Regelungen in den Kantonen geschaffen werden. Ziel ist es, die Anzahl der Praktikumsplätze mit gezielten Massnahmen zu erhöhen.</p><p>6. Das BBT und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) haben sich bereits im Bericht EVD "Bildung Pflegeberufe" (März 2010) dafür ausgesprochen, die von der GDK beschlossene Quote von 5 bis 10 Prozent FH-Pflegeausbildungsplätzen in der Deutschschweiz aus bildungs- und gesundheitspolitischer Optik zu überprüfen. Die Festlegung von Quoten bezüglich Einsatz von Pflegenden mit Abschluss auf der Stufe Fachhochschule und höhere Fachschule liegt aber letztlich in der Zuständigkeit der Kantone. Ziel müsste sein, allen Studierenden, welche die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, den Zugang zu einem Fachhochschulstudium in der Pflege zu ermöglichen. Im Rahmen des Masterplans "Bildung Pflegeberufe" soll vorab geprüft werden, ob und in welchem Umfang Studierende in der Deutschschweiz aufgrund des Numerus clausus keinen Zugang zu einem Fachhochschulstudium in der Pflege haben.</p>  Antwort des Bundesrates.