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Liebe Kandidaten des Ständigen Diakonats
Das liturgische Kleid des Diakons ist die schräg getragene Stola und die Dalmatik. Die Stola ist immer Ausdruck der Amtsvollmacht, in diesem Zusammenhang der Vollmacht eines Diakons, der Vollmacht, welche aus der Diakonsweihe hervorgeht, der Vollmacht, die an Christi Auftrag Anteil gibt. Denn der Herr sendet die Seinen mit Vollmacht aus. So berichtet uns der Evangelist Matthäus: „Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen“ (Mt 10,1). Vollmacht ist eine Gabe des Herrn.
Anderseits gehört die Dalmatik zur Ausstattung eines Diakons. Sie war anfänglich ein langes geschlossenes Kleidungsstück mit Ärmeln, mit je einem karminfarbigen Streifen von der inneren Schulter bis zum unteren Saum, und dies auf der Brust- und auf der Rückenseite. Sie reichte vom Hals bis zu den Knöcheln. Sie hatte die Form eines T – des Buchstabens T, war also ein längeres T-Shirt.
Der Ursprung dieser Bekleidung ist das Land Dalmatien. Von dort kommt der Name. Die Dalmatik wurde dann im frühchristlichen Rom zu einem Kleidungsstück des Papstes und seiner Diakone und entwickelte sich zur allgemeinen liturgischen Gewandung des Bischofs und des Diakons, vor allem für die Feier der heiligen Messe. Bei großen Feierlichkeiten trägt der Bischof heute noch die Dalmatik unter der Kasel, unter dem Messgewand. Der Diakon selber erfüllt seinen liturgischen Dienst normalerweise in der Dalmatik.
Liebe Kandidaten, Ihr werdet heute mit der Dalmatik, die eine etwas kürzere Form als ursprünglich hat, eingekleidet. Diese Einkleidung erfolgt in der vorgesehenen Form ohne Worte. Früher wurde sie begleitet mit der Formel: „Es bekleide dich der Herr mit dem Gewand des Heils und mit dem Kleid der Freude. Die Dalmatik der Gerechtigkeit umhülle dich immer.“ In diesem ausdeutenden Begleitwort kommen drei Begriffe vor, die für Euren Dienst grundlegend sind: Heil, Freude, Gerechtigkeit.
Den Anstoß zum Amt des Diakons gab die Frage der Gerechtigkeit. Der Diakon wurde dazu berufen, für Gerechtigkeit zu sorgen. Dabei ging es um ganz alltägliche Dinge, nämlich um die Nahrung. Menschen kamen zu kurz bei der täglichen Versorgung der jungen christlichen Gemeinde. Der Diakon wurde erwählt, damit dieser Missstand ein Ende nehme. So ist es die Aufgabe des Diakons auch heute für die Gerechtigkeit im Alltäglichen ein waches Auge zu haben; dafür zu sorgen oder darauf zu achten, dass Gerechtigkeit geschieht; dass die Menschen gerecht behandelt werden; ebenso, dass sich Gottes Gerechtigkeit in dieser Weltzeit durchsetzt, in der Kirche, in unserer Gesellschaft, in unseren Betrieben, auf unseren Arbeitsplätzen, in unseren Parlamenten, bei unseren Regierungen, in der staatlichen Gesetzgebung.
Die Gerechtigkeit, die Gerechtigkeit Gottes ist auch der Hintergrund der Berufung Samuels. Er wird vom Herrn berufen, weil am damaligen Tempel in Schilo oder Silo großes Unrecht geschah, Unrecht gegenüber den Menschen, Unrecht gegenüber Gott. Er erhält vom Herrn den Auftrag, als Prophet gegen dieses Unrecht aufzutreten. Es ist gut, wenn wir diese eindrückliche Berufungsgeschichte 1 Sam 3,1-10 aus dieser Perspektive betrachten. Sonst wirkt sie zu romantisch und emotional.
Heil, Freude, Gerechtigkeit, das wird mit der Dalmatik bezeichnet. Kommen wir zum Heil. Ihr tragt das Gewand des Heils. Das heißt zunächst: Ihr werdet an Eurem Leib Gottes Heil erfahren. Der Herr schützt jene, welche sich in seinen Dienst begeben. Er lässt sie nicht ohne seinen Beistand, ohne sein Heil. Ihr seid ja – und alle, welche im Dienste des Herrn stehen – zerbrechliche Gefäße. Deshalb sagt Paulus in 2 Kor 4,7: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.“ Das Übermaß der Kraft ist eben Gottes Heil, das Euch schützt und stützt. Ihr seid aber anderseits berufen, das Heil zu verkünden. Das Gewand des Heils verpflichtet Euch dazu. Es ist wichtig, dass wir diesen Auftrag erkennen, der uns von jedem anderen Berufstand unterscheidet: Letztlich geht es bei unserer Berufung immer um das Heil, um das rettende Wirken Gottes. Für dieses Heil sind wir da, ist die Kirche da. Sonst hätte die Kirche und die Arbeit im Auftrag der Kirche keinen Sinn. Der heilige Paulus fasst es so zusammen: „Wir verkündigen nämlich nicht uns selbst, sondern Jesus Christus als den Herrn, uns aber als eure Knechte um Jesu willen“ (2 Kor 4,5). Verbringt Eure Zeit nicht mit irgendwelchen Geschäften, mit Gesellschaftsereignissen und Freizeitangeboten, verbringt Eure Zeit mit der Verkündigung Jesu Christi, des rettenden Wirkens Gottes; denn ihr tragt das Gewand des Heils. Deshalb müsst Ihr auch nicht erschrecken vor dem, was der Herr im Evangelium sagt: „Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Lk 10,3). Ihr tragt das Gewand des Heils, des Schutzes Gottes, wenn immer Ihr Euch für sein Reich, seine Gerechtigkeit, seine Wahrheit und seine Liebe einsetzt.
Heil, Freude, Gerechtigkeit! Es bleibt uns noch die Freude. Freude ist ein vielschichtiger und vieldeutiger Begriff. Im Glauben hat er es mit der Ankunft Gottes zu tun: Freude entsteht dort, wo Gott kommt, wo Gott eingreift, wo Gott sich offenbart. Denn Gott selber ist der endgültige Inhalt der Freude des Menschen. Wer seinen Glauben verstanden und begriffen hat, der lebt in der Freude eben dieses Glaubens; weil der Glaube letztendlich nichts anderes ist, als Gott erkennen, Gott umfassen, Gott erfahren, was eben Freude hervorruft. Diese Freude dürft Ihr in Eurem Herzen tragen, in dieser Freude seid Ihr – davon gehe ich aus – hergekommen, um Euch senden zu lassen. Die Dalmatik ist auch Zeichen dieser Eure Freude. In dieser Freude macht Ihr euch auf den Weg, wenn Jesus nun auch zu Euch sagt: „Geht! Ich sende euch … Heilt die Kranken … und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe“ (Lk 10,3.9). Ihr werdet zu Boten der Freude, wie es der Prophet Isaias sagt: „Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sagt den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott“ (Jes 40,9).
Lassen wir uns das Wort zur Dalmatik nochmals sagen: „Es bekleide dich der Herr mit dem Gewand des Heils und mit dem Kleid der Freude. Die Dalmatik der Gerechtigkeit umhülle dich immer.“ So könnt Ihr Euch nun vertrauensvoll dem Herrn übergeben. Amen.