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Wissenschaft und Handwerk sowie u.a. die Dichtkunst blühten fast explosionsartig auf. Es war die Zeit solcher berühmten Persönlichkeiten wie beispielsweise Bahmanyar al-Aserbaidschani, Nizami Gencevi (resp.: Mohammed Ilyas Ibn Nizami), Abu Bakr Gencevi und Mehseti Gencevi, Qatar Tabrizi und Khatib Tabrizi sowie Khangani Shirwani und Omar Kafi ad-Din.
Ajami lebte in der damals mit rd. 250 Tausend Einwohnern grossen und in dem Kulturkreis ältesten Stadt Nachitschewan, der heutigen Hauptstadt der Autonomen Republik Nachitschewan in der Republik Aserbaidschan. Nachitschewan-Stadt wurde nach persischen Quellen 1539 vor Chr. und nach der Legende von Noah gegründet.
Im„Ajaib-Addunya“ („Gimmicks der Welt“) beschrieb ein anonymer Autor des 13. Jahrhunderts Nachitschewan „als eine auf einer Anhöhe gelegenen befestigten Stadt mit Palästen und Burgen, mit teilweise drei und viergeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern, mit Staats- und Regierungsgebäuden und einer Festung aus Stein sowie Medressen (i.d.R. durch Stiftungen finanzierte Stätten des Studiums u.a. der arabischen Sprachwissenschaft, Koranwissenschaft, Hadith-Wissenschaft und z.T. auch der Logik und Mathematik), wobei diese vom Fluss Aras (Araks) durchflossene Stadt im August besonders prachtvoll ist.“
Über die Geschichte ist uns zwar nichts aus dem persönlichen Leben von Ajami erhalten, wohl aber von seinen Werken. Dieses ahnend hatte er aus Furcht, vergessen zu werden, am Momine-Khatun-Mausoleum die Inschrift angebracht:
„Wir sind vergänglich, die Welt ist ewig.
Wie werden gehen, die Welt wird bleiben.
Wir werden sterben und in Erinnerung bleiben.
Oh, Gott, halte das böse Auge fern!
Und die Erinnerung an Ajami überdauert.
Das Momine-Khatun-Mausoleum gilt als das grösste und schönste in Aserbaidschan und ist allgemein bekannt als „Atabey Gyumbazi“. Momine-Khatun war die Frau des Atabey Shams ad-Din ll-Deniz (1136-1175) – auch bekannt als Atabey Shamsaddin Eldeniz. Sie wirkte mit bei der Erschaffung und Stärkung des Staates der „ Atabeys von Aserbaidschan“. Shams ad-Din ll-Deniz war der Atabey von Arslan-Shah. Ein Ata-bey oder auch Ata-beg ist ein väterlicher Herr bzw. beschützender Vormund eines minderjährigen Prinzen oder einer Prinzessin aus der Seldschuken-dynastie. Der Atabey war der de facto Herrscher und nicht jeder Atabey schützte den Prinzen und gab wirklich die Macht zurück, sondern gründete u.U. eine eigene Dynastie.
Die Momina oder auch Momine-Khatun starb 1175, kurz zuvor starb Il-Deniz (1174). Ihm folgte sein und ihr Sohn Nasir ad-Din Mhammad Jahan Pehlevan bzw. Dschahan Pahlawan (1174-1186), der das erst im April 1186 letztlich fertiggestellte Mausoleum erbauen liess. Er verlegte die Hauptstadt der „Atabeys von Aserbaidschan“ 1161 von Nachitschewan nach Hamadan (im heutigen West-Iran), nachdem Hamadan 1055 von den Seldschuken erobert wurde und der junge Seldschuken-Prinz von Hamadan unter die Kontrolle von Jahan Pehlevan fiel. Dabei war Ekbatana, wie Hamadan früher hiess, die älteste Stadt des Meder-Reiches gewesen und der Ausgangsort, von dem die Heiligen 3 Könige nach Bethlehem aufgebrochen waren.
Das Mausoleum war Teil einer überwiegend zerstörten, im Westen von Nachitschewan-Stadt hochgelegenen Anlage/Ensemble zusammen mit einer Moschee und einem Eingangsportal, bei dem das Portal an den Seiten mit zwei kolossalen runden Türmen (Minaretten) „bewehrt“ war. Bis zu den Zerstörungen im 19. Jahrhundert bezeugte eine Inschrift: „Arbeit von Ajami. Das Mausoleum von Momine Khatun.“ Dabei wurde ein derartiges Portal mit zwei Minaretten nach Expertenmeinung erstmals von Ajami gebaut und fand schnell viel Resonanz und Imitation in der muslimischen Welt.
Das Mausoleum besteht aus einer unterirdischen Gruft (Krypta) und darüber, auf einer Fundamentplatte aus Diorit stehend, einem zehneckigen Denkmal aus gebrannten Ziegeln gegen das Vergessen der beerdigten Persönlichkeit. Alle zehn Seiten, ausgenommen der Eingangsfassade im Osten, sind identisch und enthalten kleine mit Ornamenten dekorierte Nischen. Das Mausoleum wird gekrönt von einem Fries mit einem Vers aus dem Koran. Dieser in der geometrischen Kufir-Schrift geschriebene Text besteht aus fast einen Meter hohen glasierten Ziegeln.
Trotz einer Höhe von 24 Metern (vor der Zerstörung: 36 m) und der Monumentalität wirkt das Mausoleum dennoch eher grazil harmonisch und schafft die Verbindung zur Momine-Khatun bzw. allgemein zu Frauen.
Es wurde festgestellt, dass dieses Mausoleum von Menschlichkeit so erfüllt ist wie es die besten Werke der klassischen Literatur des Osten sind, wie es das romantische Epos „Leila und Madschnun“ des aserbaidschanischen Dichters Nizami Gencevi (1141-1209) und das nationale Epos Shah-nama (Das Buch der Könige) des persischen Poeten Ferdowsi (977-1010) sind.
Diese in der östlichen Welt neue Art des Turm-Mausoleums mit der unterirdischen Krypta und dem oberirdischen Denkmal zum ewigen Gedächtnis in Verbindung mit dem islamischen Verbot der bildhauerischen Darstellung von Müssiggang und Stillstand spielte auch eine Rolle in bild-hauerischen Monumenten in (West-)Europa. Nahe beim Mausoleum befindet sich das Monument mit Statue zu Ehren des Architekten Ajami.
Zu den ältesten Monumenten Nachitschewans gehört auch, und es ist eines der beiden erhaltenen Meisterstücke von Ajami, das 1162 erbaute Mausoleum Yusuf Ibn Kuseir – in der Bevölkerung auch bekannt als „Atababa Gyumbezi“.
Auch dieses Mausoleum besteht aus einer unterirdischen Gruft und einem oberirdischen Turm, hier in Art eines achtseitigen Pavillons, der mit Ornamenten auf angebrachten Ziegelsteinen dekoriert ist. Auf dem Fries des Mausoleums werden in dekorativer Kufir-Schrift Verse aus dem Koran verkündet. Die Kufir-Inschrift über dem Eingang erklärt: “Dies ist ein Schrein von Haji, geboren Rais, Schönheit des Islams, Oberhaupt der Scheiche: Usif ibn Kuseir. In der Zeit von Shaval, dem siebten Jahr und dem 50ten und dem 500ten (557/1162)“ Und links neben dem Eingang steht der Name des Architekten: Ajami ibn Abubekr oglu Nachitschewan. Da diese Inschrift zu Yusuf ibn Kuseir sehr klein und lange übersehen war, wurde 24 Jahre später die Inschrift für Momine-Khatun sichtbar grösser und über der Hauptkammer angebracht. Darüber war auch die Innenausstattung bei Momine-Khatum gegenüber der bei Yusuf ibn Kuseir durch Einlagen von blau-grünen Kacheln von Ajami weiter entwickelt.
Ajami bzw. Ajami (aus) Nachitschewan gilt als der Gründer der Nachitschewan-Architektur-Schule und war aufgrund seiner grossen Kreativität sowie seiner innovativen architektonischen Gestaltungen schnell, und er ist bis heute ein Quell von Ideen und Impulsen für die Architekten in der muslimischen Welt ebenso wie im Okzident bzw. Westen: Ein viel beachteter und hoch geschätzter aussergewöhnlicher Architekt jener Zeit. Er schuf für viele Jahrhunderte die bedeutendsten Neuerungen und Entwicklungen durch die Verbindung von Architektur und ingenieurwissenschaftlichen Erkenntnissen, wobei seine Werke zugleich höchste ästhetische Bewunderung hervorriefen. Es ist deshalb begründet und nachvollziehbar, dass Ajami in Quellen des 13. Jahrhunderts als „sheikh-ul-muhandisi“, d.h. als Scheich der Ingenieure geehrt wurde.
Zu den von Ajami insgesamt geschaffenen, leider nicht im Original erhaltenen Gebäuden gehören natürlich auch Moscheen. Bekannt sind die Illustrationen und Beschreibungen der grossen Juma-Moschee durch die französischen Reisenden Tavernye und Delafrua. Eine Zeitung (der „Caucasus“) beschrieb die Moschee wie folgt: `Es ist ein grosses Bauwerk mit Bögen mit glasierten Stein. Im Inneren befinden sich perfekte Relief Ornamente. Ein Teil des Gebäudes ist bereits zerstört und ein anderes Teil befindet sich in der Gefahr des Zerfalls. Es ist sehr wahrscheinlich (gemäss Zeichnungen usw.), dass sich in dem Raum von der Moschee bis zu den Toren Medressen oder Karawansereien befanden`. Ajami Nachitschewan hatte in Nachitschewan, der ältesten Stadt in der Tat ein Ensemble von Bauten erschaffen, das nicht weniger majestätisch war als die viel später entstandenen herausragenden Ensembles der östlichen muslimischen Welt wie beispielsweise der Naghsh-e Jahan Platz in Isfahan/Iran und Registan in Samarkand/Usbekistan und das Taj-Mahal in Agra/Indien. Es war vollkommen ungewöhnlich wie in Nachitschewan auf breiter Flur Denkmäler standen und der majestätische Palast des il-Denizex, die Juma Moschee, eine Medresse sowie Karawansereien und weitere Regierungsgebäude. Leider blieben bis heute nur die zwei beschriebenen Denkmäler erhalten.
Für viele Jahrhunderte blieb Ajamis Genie ein grosser Fundus für Inspiration und Imitation für viele Architekten aus Aserbaidschan und anderen Ländern. So haben Forscher nach fast 300 Jahren den Einfluss von Ajami selbst in den Arbeiten des grossen türkischen Architekten Sinan in Istanbul entdeckt. Es bleibt zu wünschen und das wäre das bestmögliche Denkmal für Ajami, dass sich die heutigen Architekten an Ajamis Motto erinnern:
“Wir werden sterben – es bleibt die Erinnerung“.
Wilfried Fuhrmann, Prof. Dr., Potsdam
Dschingis Kadschar, Prof. Dr., Baku
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