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Die Tafel von Gempen
Gempenplateau ist der westlichste Teil des Tafeljuras. Seine Malm- und Doggerschichten werden durch Brüche zerlegt und bilden somit keine eigentliche Tafel, sondern eine Fastebene, eine sogenannte Peneplain. Wie die geomorphologische Karte zeigt, ist das Plateau von grossen Schichtstufen im Westen und im Osten begrenzt und zwar im Westen durch die Linie Schartenflue–Falkenflue und im Osten durch die Linie Schauenburgflue–Bürenflue.
Die aus Kalk aufgebauten Felsabstürze, welche die Plateauränder immer wieder akzentuieren und dank ihrer vorgeschobenen Lage ausgezeichnete Aussichtspunkte sind, wurden schon früh als Hochwachten verwendet. So finden wir auf der Scharten- und der Schauenburgflue sowie auf dem Hügel «Wacht» südöstlich Gempen Standorte solcher ehemaligen Hochwachten. Übrigens befindet sich heute nur 800 Meter weiter südwestlich der «Wacht» das für den Flugverkehr wichtige Funkfeuer Hochwald.
Das Gempenplateau befindet sich im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). In diesem werden seine Besonderheiten erwähnt, wie der geomorphologisch reiche Formenschatz in Form von , Trockentälern, oder . Weiter werden die interessanten Lebensgemeinschaften der Wälder und der Gewässer sowie Zeugen der prähistorischen Besiedlung seit der Altsteinzeit, römische Funde, Burgen und Burgruinen aufgeführt. Typisch sind auch die Tafeljuradörfer Gempen und Hochwald. Das Gempenplateau ist ein wichtiges und nahe liegendes Wandergebiet für die Einwohner der Stadt Basel und der Agglomeration.
Entwicklung der Kulturlandschaft
Die Entwicklung der Kulturlandschaft auf dem Gempenplateau wurde bis etwa in die 1970er-Jahre durch zwei Faktoren gekennzeichnet:
Erstens fand eine Absonderung der Plateaulandschaft durch die staatsräumliche Entwicklung satt. Im Hochland von Gempen stösst der Kanton Solothurn am weitesten gegen das Hochrheintal vor, wobei die Grenze oft dem Plateaurand folgt. Im Westen greift er über den Dornachberg bis in den Rheingraben hinunter (Dornachbrugg) und im Osten umfasst er den ganzen Plateauhang bis zur Tiefe des Oristales.
Alle Besitzungen im Raume des Gempenplateaus hat Solothurn durch Kauf von verschiedenen Herren in den Jahren 1485–1522 erworben, wobei es im Bestreben, sein Gebiet bis an den Rhein auszudehnen, in scharfem Konkurrenzkampf mit Basel stand. Die Stadt hatte sowohl am Blauen (Amt Rotberg) als auch auf dem Gempen das Nachsehen, konnte aber immerhin Muttenz und Pratteln, entgegen den Bemühungen Solothurns, erwerben.
Zweitens war die neuzeitliche Entwicklung durch Industrialisierung und Verkehrsentwicklung geprägt. Diese verstärkten die Divergenz zwischen Plateau und Tälern. Anfangs des 20. Jh. kam zwar die Idee auf, Gempen und die Schartenflue mit einer Zahnradbahn von Dornach-Arlesheim aus zu erschliessen, jedoch ohne Erfolg. Als Folge der Divergenz entwickelte sich in den Tallandschaften eine urbane Gesellschaft, während auf dem Plateau eine überwiegend agrarische Struktur mit Bevölkerungsrückgang erhalten blieb. Dies änderte sich erst in den letzten 40 Jahren. Eine wichtige Voraussetzung dafür war der Ausbau der Wasserversorgung. In den Jahren 2004–2010 fand zudem eine Güterregulierung statt.
Das Dorf Gempen
Gempen liegt auf 680 m ü. M. und ist neben Hochwald die einzige Siedlung auf der Plateauhöhe. Beide Dörfer liegen in relativ windgeschützten Mulden innerhalb der ursprünglichen Gewannfluren, welche von einem nahezu geschlossenen Waldgürtel eingefasst sind. Noch in den 1960er-Jahren war Gempen ein T-förmiges Strassendorf. Erst in den 1970er-Jahren begann die Erschliessung der östlich vom Zentrum liegenden Flächen. In den 1980er-Jahren erfolgte die Ausdehnung nach Süden Richtung Zwärchacher und nach Norden in Richtung Scharten.
In den letzten 20 Jahren wurde entsprechend dem Bevölkerungswachstum die Bauzone immer mehr überbaut. Die Gemeinde selbst möchte als Planungsziel für 2020 die Bevölkerung auf 1000 Einwohner beschränken und die Bauzone auf keinen Fall erweitern.
Die Einzelhöfe Schönmatt, Stollen und Baumgarten
Der Hof Schönmatt
liegt am alten Baselweg, welcher von Gempen über Hof Gruth nach Münchenstein führt. Er gehört zu der älteren Generation der Plateauhöfe und erscheint schon in der Mitte des 17. Jh. auf Plänen.
Noch deutlich älter ist der Hof Baumgarten, welcher schon zur Zeit der Schlacht von Dornach (1499) erwähnt wurde. Erst nach der Aufhebung des Flurzwanges zu Beginn des 19. Jh. entstanden die Höfe Stollen und Schartenmatt. Diese Höfe liegen alle im nordwestlichen Teil des Plateaus weit abseits des Tafeldorfes. Der Hof Schönmatt mit seinem Restaurant ist ein bedeutendes Ausflugsziel im Bereich des Gempenplateaus, vor allem auch weil er durch eine öffentlich zugängliche Strasse erreichbar ist.
Stollen
ist eine Weilersiedlung, welche zu Beginn des 19. Jh. mit der Allmendteilung entstand. Vorher bildeten deren Felder eine Zelge der Gempener Flur. Die Siedlung verfügt über eine relativ günstige Wasserversorgung, liegt sie doch nahe einer Bruchlinie, an welcher der Quellhorizont des Oxfordien ausgeht. Ehemals existierten drei Sodbrunnen und gefasste Quellen.Diese Bruchlinie verläuft in Richtung Nordost-Südwest dem Waldrand des Schartenwaldes entlang. Oberhalb dieser Bruchlinie sind Wälder mit Kalkuntergrund anzutreffen. Unterhalb der Bruchlinie liegen die Höfe Schartenmatt, Baumgarten und Stollen in Flächen, die aus weichem Dogger bestehen.
Der Hof Baumgarten
hiess ursprünglich «Dünkelberg» oder «Dichelberg». Der Name «Dünkelberg» ist noch in den Siegfriedkarten von 1877
und 1908 anzutreffen. Der Name «Dichelberg» geht auf die alten aus Tannen oder Föhren hergestellten Wasserleitungen, die Teucheln, zurück. Im Dichelberg südwestlich Baumgarten hat man solche gefunden. Der Hof wurde 1501 erstmals erwähnt. 1829 gab es einen Wasserleitungsbau Baumgarten mit einer Wasserfassung im Dünkelberg. Erst 1962/63 wurde der Anschluss des Unteren Baumgarten an die öffentliche Wasserversorgung Gempen bewerkstelligt.
HPM