Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/2840

Im städtebaulichen Eingriff für den neuen Hauptsitz der Helvetia Italien suchten wir in dem uneindeutigen, mehrschichtigen Gefüge der vorhandenen Stadt keine vereinheitlichende Antwort, sondern verfolgten – auf den Spuren der Mailänder Meister wie Luigi Caccia Dominioni – vielmehr heterogen-polyphone Strategien des Ausdrucks.
Das vorgegebene Grundstück weist zur Via G.B. Cassinis, eine der mehrspurigen Ausfallachsen, die das Zentrum von Mailand mit dem neuen Dienstleistungsquartier San Donato verbindet, eine Schauseite auf. Allerdings lassen die bestehenden turmförmigen Baukörper, deren Spiegelglasfassaden die Boomphase ihrer Errichtung verraten, nur eine sehr geringe Lücke zur grossen Achse offen und verhindern die Ausbildung einer eigentlichen Frontfassade. Erst im Verhältnis zwischen dieser Lücke und dem ruhigen, rückwärtsgewandten Hof findet der Entwurf sein Thema. Ein keilartiger Baukörper schiebt sich mit Gewalt am Bestand vorbei und endet mit der Geste einer enormen Auskragung über dem Eingang an der Via Cassinis. Von dort aus zeichnen zwei sehr unterschiedliche seitliche Fassaden in die Tiefe des Areals. Nicht die minimale Stirnseite, sondern diese Längsfassaden bilden für den Blick aus der Bewegung an der grossen Achse die Schauseiten.
Die entwerferische Intervention arbeitet entsprechend dieser geometrischen Einschnürung mit den Längsfassaden, die in die Tiefe führen: einerseits durch Anbau und grosse Nähe mit den spiegelnden Hüllen des Bestandes und andererseits durch Brechungen an einem plastisch stark sich verjüngenden Gebäudekörper. Die Heterogenität des urbanen Kontextes spiegelt sich in der Janusköpfigkeit der beiden Hauptfassaden, die kaum mehr etwas gemein haben mit einer traditionellen unterschiedlichen Formulierung von Strassen- und Hoffassade.
Die neue, horizontal reliefierte Ansicht im Hof bildet einen räumlichen Hintergrund – ähnlich einem Bühnenprospekt –, der durch seine seitliche Bewegungssuggestion einen Verweis auf den Haupteingang macht. In fast konträrer Art ist die Südfassade mit einem durchgehenden Balkon ausgebildet. Die Horizontalität des Blickfeldes ist gefesselt durch die unendlichen Verkehrsbewegungen auf der Tangenziale in der Weite der Poebene. Grüne, vertikale Hängepflanzen unterbrechen im Vordergrund dieses Panorama. Teils lichtdurchlässig, aus einer Mischung von immergrünen und farbigen Pflanzen gebildet, nimmt diese künstliche Natur mit einer Art hängendem Teppich die Tradition der Mailänder Dachgärten auf.≥ Download Projektdokumentation