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Die Weltkarte des Internetzeitalters weist immer noch gigantische weisse Flecken auf. Mit Absichtserklärungen wie nun am Weltinformationsgipfel der Vereinten Nationen wird die Digitalisierung weiter Teile Afrikas, Asiens und Lateinamerikas allerdings ebenso wenig gelingen wie mit der Verschiffung ausrangierter Hardware aus dem Westen. Gebraucht werden Rechner, die auf die Bedingungen von Entwicklungsländern zugeschnitten und bezahlbar sind. Genau hier setzen drei Initiativen an: der brasilianische «Volkscomputer», der indische Simputer und der 100-Dollar-Laptop des Massachusetts Institute for Technology (MIT). Alle drei laufen mit dem frei verwendbaren Computerbetriebssystem Linux, die Konzepte selbst unterscheiden sich jedoch deutlich.
«Die Basis des Volkscomputers ist nicht der Desktop-PC, sondern ein Server, an den man Rechner ohne Festplatten anschliesst», erläutert Sergio Campos, Informatikprofessor an der Universität von Minas Gerais in Brasilien. So werden sämtliche Daten an einem Punkt gespeichert. «Fehler können dann nur an einem Ort auftreten.» Das ist wichtig, weil ausserhalb der Grossstädte kaum ausgebildete ComputertechnikerInnen zur Verfügung stehen, die die Rechner einrichten und warten können. Derzeit stehen bereits in 1000 öffentlichen Schulen des Bundesstaates Minas Gerais solche Volkscomputer. Bis Ende 2006 sollen alle 4000 Schulen damit ausgestattet sein. Weil die brasilianische Regierung sich vor zwei Jahren aus dem Projekt zurückzog, gründete das Team um Campos die Firma Metasys, die den Volkscomputer nun produziert. Der Preis liegt um ein Viertel niedriger als der handelsüblicher Linux-PCs. «Bis auf die Prozessoren werden sämtliche Bauteile in Brasilien gefertigt», sagt Campos. Derzeit entwickelt Metasys Software für Kleinunternehmen, die auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten ist.
Auch der indische Simputer ist eine Eigenentwicklung. Anders als der Volkscomputer ist dieser ein Handcomputer, der mit einem Plastikstift bedient wird. Die Programme sind dabei auf die Anforderungen des Subkontinents zugeschnitten. E-Mails können in jeder beliebigen Schrift oder als Zeichnungen verfasst und ohne Aufruf eines Emailprogramms verschickt werden.
«Das Gerät kann von mehreren Personen genutzt werden», sagt Swamy Manohar, CEO des Herstellers PicoPeta Simputers, der bisher mehr als 2000 Stück produziert hat. Bislang wird der Simputer vor allem von AussendienstmitarbeiterInnen von Firmen und Behörden zur mobilen Datenerfassung genutzt. «Wir arbeiten allerdings mit der ABN Amro Bank an einer Software für Mikrokredite», sagt Manohar. DörflerInnen, die Kleinkredite bekommen wollen, müssten dann nicht in die nächstgelegene Stadt reisen, die Bank käme zu ihnen aufs Land.
Schwarzweiss im Sonnenlicht
Während die Hersteller von Volkscomputern und Simputern in lokalen Dimensionen denken, plant Nicholas Negroponte vom MIT den ganz grossen Wurf: Die von ihm gegründete 100-Dollar-Laptop-Initiative will in den nächsten Jahren gemeinsam mit Hardwarekonzernen und Drittweltregierungen hundert Millionen Laptops in die digitale Provinz des Globus liefern. Um den niedrigen Preis zu ermöglichen, setzt
er auf dreissig Dollar teure Schwarzweissmonitore, die auch bei Sonnenlicht gut lesbar seien. In Gegenden ohne Stromversorgung sollen die Batterien auch mittels eines Handkurbeldynamos wiederaufladbar sein. Negroponte will den ersten Prototyp am Weltinformationsgipfel in Tunis vorstellen.
Negroponte hält nichts von gemeinschaftlich genutzten Rechnern. Das Ziel lautet: für jedes Kind einen Laptop. Seinem Ansatz stehen Campos und Manohar skeptisch gegenüber. Während sich Campos nicht vorstellen kann, wie so viele Flachbildschirme in so kurzer Zeit produziert werden könnten, bemängelt Manohar, dass die Benutzeroberflächen nicht an die lokalen Kulturen angepasst sind. Jedem Kind Laptop und Internetanschluss zu geben sei zudem nicht dasselbe wie Bildung, so Manohar: «Sie fangen am falschen Ende an.»