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Was ist Entwicklungszusammenarbeit: Eine Einordnung.
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Entwicklungszusammenarbeit (EZA) hat zum Ziel Not und Armut weltweit zu lindern, sowie die Einhaltung der Menschenrechte zu verbessern und Demokratie zu fördern. Die EZA dient oft auch als aussenpolitisches Werkzeug von Regierungen. «Entwickelte» Länder zählen zu den grössten Geldgebern und sprechen sich im Rahmen des OECD Development Assistance Committees (DAC) ab. Als globaler Referenzrahmen der EZA dient die Agenda 2030 (Sustainable Development Goals, SDG).
Der Begriff „Entwicklung“ kann als eurozentristisch kritisiert werden, weil der westliche soziale Wandel als gegebener Fortschritt menschlicher Entwicklung angesehen wird. Zudem kann man beanstanden, dass mit der EZA Denkmodelle der Kolonialzeit weitergeführt werden.
Die Schweiz ist seit 60 Jahren in der EZA tätig. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) sowie das Staatssekretariat für Migration (SEM) zählen zu den EZA-Akteuren der Schweizer Regierung. Die Schweiz gab im 2021 0,51% des Bruttonationaleinkommens (BNE) für EZA und Humanitäre Hilfe aus (3.6 Milliarden). Für Entwicklungsländer sind Rücküberweisungen von Migrant:innen(Remittances) sowie Investitionen (FDI) meist wichtiger als EZA Gelder.
Die Makro- und Mikro-Perspektiven.
Um die Eingangsfrage zu beantworten, können Aid Optimists mit Aid Pessimists verglichen werden. Die zwei Strömungen prüfen auf Länderebene (deswegen Makro Perspektive) verschiedene Entwicklungsindikatoren. Die Optimisten argumentieren, dass Gelder und Projekte des Westens benötigt werden, um ärmere Länder aus der Armutsfalle zu befreien (Sachs, 2015). Die Pessimisten hingegen sagen, dass Länder sich am besten selbst helfen, denn EZA kreiere Abhängigkeiten und verunmögliche so Innovation (Moyo, 2009). Seit den letzten Jahren sind tendenziell die Optimisten in der Mehrzahl. Es gibt tendenziell eher eine leicht positive Wirkung der EZA auf Wirtschaftswachstum. Die Beweislage ist weniger konklusiv für die Wirkung der EZA auf Bildung, Einkommen und Gesundheit (Glennie & Sumner, 2016). Folglich sollte die Frage nicht mehr pauschal gestellt werden, ob EZA wirkt, sondern, unter welchen Bedingungen die EZA die soziale und wirtschaftliche Entwicklung unterstützen kann. Hier knüpft die Mikro Perspektive an.
Die Frage der Wirksamkeit muss auf der Ebene der einzelnen Projekte oder Interventionen beantwortet werden. Nach den Autoren Banerjee & Duflo (2011) kann dies durch wissenschaftliche Methoden und Befragungen der Projekteilnehmer:innen geschehen. So konnte man z.B. herausfinden, dass die lange propagierte Kostenbeteiligung der Projektteilnehmer:innen an Malaria-Mücken-sicheren Moskitonetzen, vermehrt negative Effekte hat. Es sei sinnvoller, die Netze gratis zur Verfügung zu stellen. Weiterhin konnte man für Wasserprojekte herausfinden, dass Wasser sich oft durch falsche Aufbewahrung wieder verunreinigt. So sollten Wasserprojekte nicht nur Brunnen bauen, sondern auch eine sichere Aufbewahrung in den Haushalten ermöglichen . Es gibt in vielen Bereichen genügend Evidenz, die durch EZA Organisationen nur genutzt werden muss.
Beispiele von Bangladesch:
- Mit Arsen verunreinigtes Trinkwasser, zählt zu den grössten Versäumnissen der Entwicklungszusammenarbeit: The Guardian, Arsenic in Bangladesh: how to protect 20 million from the world’s largest poisoning, 18.10.2016
- Gute Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft, Regierung, UN sowie internationalen NGOs unterstützte die Entwicklung in Bangladesch (Hossain, 2017). So konnte man z.B. die Geburtenrate von 7 in den 70er Jahren auf etwas mehr als 2 reduzieren, ohne 2-Kind-Politik.
Das schwer Messbare & unbeabsichtigte Konsequenzen.
Die Wirkung der einzelnen Interventionen hängt jedoch auch davon ab, wie sie umgesetzt werden. Welche Prinzipien und Werte verfolgt die EZA in der konkreten Umsetzung von Projekten?
Dabei wird beispielsweise der «White Savior Komplex» kritisch gesehen. Es gibt in Projektländern oft genügend gut ausgebildete oder motivierte Personen, die Projekte umsetzen können. Es benötigt oft keine «weissen Westler:innen», die für ein paar Wochen oder Monate in eine Projektregion reisen und helfen. Dies kann auch als Spiegelbild der Kolonialzeit gesehen werden (siehe auch Eingangsbemerkung).
Die EZA sollte vermehrt lokalisiert werden. Damit ist der Einbezug von Projektbeteiligten, lokalen Partnern, der Lokalregierung und weiteren Stakeholdern gemeint. Möglichst viele Entscheidungen sollten von den Betroffenen für sich selbst gefällt werden. Möglichst wenig soll in den Geberländern entscheidet werden. Wenn man sich vor Augen führt, dass die EZA auch als aussenpolitisches Instrument genutzt wird, ist das jedoch einfacher gesagt als getan.
Nicht monetäre Aspekte, die schwer messbar sind, müssen unbedingt auch berücksichtigt werden, wenn es um die Frage nach Wirksamkeit geht. So sind beispielsweise Versöhnung, Gewaltprävention, Würde, Kultur und Identität wichtige Dimensionen, die ein Projekt berücksichtigen sollte. Auch die Sprache, Bilder sowie unhinterfragte technische Begrifflichkeiten der EZA können dazu führen, koloniale Denkmuster zu reproduzieren. Die Christliche EZA kann hier auch einen wichtigen Beitrag leisten Menschen ganzheitlich zu begegnen. Sie berücksichtigt die Frage der Spiritualität und Religion, welche für viele Menschen in den Entwicklungsländern zentral ist. Zudem bietet der christliche Glaube die Chance, ungesunde Machtverhältnisse in der EZA zu hinterfragen. Oftmals langfristige Partnerschaften, eine dienende Haltung sowie eine Betonung der Ebenbildlichkeit Gottes aller Menschen können dazu beitragen. Zudem sind kirchliche Strukturen oft stark lokalisiert und arbeiten direkt mit den Betroffenen zusammen. Anders als säkulare NGOs, die sich teilweise zurückziehen, wenn Projekte vorbei sind, bleiben Kirchen fortdauernd in den Regionen.
Konklusion
- EZA ist grundsätzlich wichtig und kann sich positiv auswirken. Es kommt jedoch auf die einzelnen Projekte an.
- Spender:innen sollten vermehrt wirkungsorientierte Organisationen unterstützen.
- Bei der Projektumsetzung sollen Prinzipien der Lokalisierung Einzug finden.
- Veränderung in der Schweiz ist ebenso wichtig, um globale Probleme zu lösen: Advocacy!
Literatur
Banerjee, A. V, & Duflo, E. (2011). Poor economics: A radical rethinking of the way to fight global poverty. Public Affairs.
Glennie, J., & Sumner, A. (2016). Aid, Growth, and Poverty. Palgrave Macmillan. https://doi.org/10.1057/978-1-137-57272-1
Hossain, N. (2017). The Aid Lab: Understanding Bangladesh’s Unexpected Success. Oxford University Press.
Moyo, D. (2009). Dead aid: Why aid is not working and how there is a better way for Africa (1st ed.). Farrar, Straus and Giroux.
Sachs, J. D. (2015). The End of Poverty: Economic Possibilities for Our Time (2nd ed.). Penguin Books.
Videos der Impulse:
(Das Video beinhaltet Kapitel. Am Schluss Fragen zur Reflexion oder Diskussion)