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Es beginnt mit einem Todesfall. Bei Pierre Arditi, Sabine Azéma, Lambert Wilson, Michel Piccoli und zahlreichen anderen Schauspielern klingelt das Telefon. Der gefeierte Theaterautor Antoine d'Anthac sei verstorben, heisst es am anderen Ende. Sein letzter Wunsch: Posthum möge sich die gesamte Schauspieltruppe in d'Anthacs Residenz versammeln.
Dies allerdings nicht, um an einer Trauerfeier teilzunehmen, sondern um der verfilmten Inszenierung eines seiner Theaterstücke beizuwohnen. Eine junge Theatertruppe hat die d'Anthac-Version von «Orpheus und Eurydike» einstudiert, und den Veteranen obliegt es nun, diese Fassung per Video zu begutachten und für allfällige Aufführungen grünes Licht zu geben.
Zwei Stücke in einem Film
Für seinen neusten Film hat Alain Resnais (91) gleich zwei Werke des Theaterautors Jean Anouilh miteinander verwoben: Die Rahmenhandlung rund um die Einladung eines verstorbenen Autors entstammt einem Stück namens «Cher Antoine ou l'Amour Raté», der Film im Film hingegen basiert auf Anouilhs «Eurydice». Und diese beiden Theatertexte werden sich im Verlauf des Films die Hand reichen.
Alain Resnais ist seit seinen avantgardistischen Spielfilm-Anfängen mit «Hiroshima mon amour» (1959) und «L'année dernière à Marienbad» (1961) berüchtigt dafür, ein konzeptuell überladenes, äusserst vielschichtiges und oft schwer greifbares Kopfkino zu veranstalten. Zuviele Ebenen, zuviele Verweise und zuviele Interpretationsmöglichkeiten können abschreckend wirken, wenn man sich ohne Vorwissen an einen Resnais-Film heranwagt.
Eintritt in die Erinnerung
Doch auch für Resnais' neusten Streich gibt es einen ganz einfachen Schlüssel: Geht man mit offenen Augen und Ohren an die Sache heran und lässt sich von der verträumten, zutiefst poetischen Stimmung tragen, so öffnet sich der Film samt seinen vertrackten Realitätsverschiebungen von selbst.
Natürlich gerät man im Zuschauerraum in Versuchung, der ganzen Sache mit Logik und Analyse beikommen zu wollen – aber man tut gut daran, diese Überlegungen auf einen Moment nach dem Kinobesuch zu verschieben. Es genügt in einer ersten Phase, die Auswirkungen einer griechischen Sage auf ein modernes Ensemble und die dadurch wach werdenden Erinnerungen emotional auf sich wirken zu lassen.
Denn Erinnerungen sind in Resnais' Filmen nie Kehrtwenden in die Vergangenheit, sondern Übergriffe einer gefühlten Vergangenheit auf die Gegenwart. Und so schlecht sich dieser philosophische Ansatz in Worte fassen lässt, so selbstverständlich wirkt er auf der Leinwand: Es gibt letztlich keinen cineastischeren, keinen herzlicheren Grundgedanken als einen Spielfilm, der funktioniert wie das kollektive Gedächtnis seiner Schauspieler – und seiner Zuschauer.