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Und zwei neue schöne Oolongs!
Dieses Bild zeigt uns, was man heute in Yunnan aus Taidi Cha alles machen kann.
Taidi Cha, der Pu Er Tee aus der Plantage. Ein Tee, der rund ums Jahr gepflückt wird. Ein Tee, der Menge ausmacht, anstatt Qualität. Die Teepflanzen sind gestresst, die Erde ausgelaugt und der Tee hat keine Identität. Das macht nicht. Die Pflanzen können ausgetauscht werden, wenn sie sterben oder nicht mehr produktiv sind. Die Erde kann man dünnen. Der Tee kann man mit Zertifikat aufpeppen.
Man kann ihn zu Yinzhen Baihao herstellen, zu grünem Mao Jian, zu roten Dian Hong!
Alles, was Du denken kannst.
Und sie sind alles BIO.
Mein Lehrer Atong ist der „Andere“ in der Teewelt Taiwans.
Er ist bekannt für seine scharfsinnige unverpackte Rhetorik und schafft viele Anfeindung. Trotz Feindschaft geniesst dieser Andere im Mainstream Teewelt doch ein hohes Ansehen, weil er grosses fundamentales Wissen verfügt und seine Kritik oft ins Schwarze trifft.
In diesem Sommer hat er mit seinem Schüler einen Artikel in offiziellem Blatt des Verbands veröfflicht, darin übt er scharfe Kritik an den Trend der Schwarztee Produktion im Anbaugebiet von Xiao Ye Zhong ( Gattung von kleinen Blatt von camelia Sinnesis).
Für Atong ist die richtig Frequenz der Ernte bei solchen Camelia Pflanzen nur 1-2 Male im Jahr. Mehr als zweimal wird die Pflanzen zu stark ausgebeutet und verringert die Lebensdauer. Die Pflanzen bilden viele knospe um sich zur Fortpflanzung vorzubereiten. Die schwächeren Pflanzen schaffen es nicht einmal zu blühen, sondern warten auf Tod.
Im Moment wird in Taiwan plädiert die Sommerernte zum schwarzen Tee zu produzieren. Die meisten Produktion ist nicht richtig fermentiert, ist ein Produkt zwischen Oolong und schwarzen Tee. Atong regt sich fürchterlich auf, falsche Ernte zum falschen Tee herzustellen.
Er sagte, in Wudong bei Chaozhou wird der Shuixian Dancong nur einmal im Jahr gepflückt und die Pflanzen können über Hunderjahre alt werden! Warum sollen wir die Pflanzen ausbeuten, anstatt sie zu schonen? Ein alter Teepflanzen hat aussergewöhnliche Aroma wenn man ihn richtig herstellet!
Der Rougui Hong Cha und der erstmalige Shuixian Hong Cha von seinem Familiegarten ist ein einmaliger Produkt. Die Pflanzen wachsen sehr gut, so dass es ein Korrektur Schnitt braucht und verträgt. Daraus hat er zum schwarzen Tee machen lassen. Der Rougui Hong Cha gibt es nicht mehr. Das ist im Moment die letzte Möglichkeit in unserer Selektion in Shui Tang.
Als Nachfolger testeten wir gerade den Baiye Dancong Shui Xian, dessen Ernte aus der ebenfalls wegen gutem Wachstum eine korrekturschnitt brauchte. Wieder einmalig.
Der Tee, den wir testeten, war ein Mao Cha, noch nicht fertig gestellter Tee. Die unverwechselbare Pfirsichnote kam richtig zur Sprache! Das typische Süsse von einem gut fermentierten schwarzen Tee bleibt im Mund nachhaltig. Ich bin gespannt auf den fertigen Shuixian Hong Cha aus Mingjian Taiwan!
Aus dem 3000 Meter über den Meeresspiegel entsteht dieser eleganter aromatischer schwarzer Tee. Auch wenn er genetisch wild ist, zeigt uns der Geschmack von einer kultivierte Schönheit von floraler und frischer Figur.
Sehr hoher und dicker Stamm verrät uns das hohe Alter des Baumes und die trockenen Grass erzählt uns von frühen Frühlingsstimmung. Eisenhaltige Erde prägt den mineralischen Geschmack. Die erste Sendung in Shui Tang ist bereits ausverkauft. Wir warten sehnsüchtig nach der vollständigen Ankunft!
Bitte, lieber pöstler, kommen Sie, bitte!
Ich leide unter Jetleg.
Gegen 15 Uhr war ich erst bei Atong.
Atong, unser Teelehrer erzählte mir von einem Schwiegersohn Taiwans, der gegen Mittag kam und eine kleine Tüte von Dianghong brachte. Ein junger Deutschen sagte er. Ich weiß nicht wer es war.
Dieser Dianhong haben wir gleich desgustiert. Dieser Tee ist nicht mehr ganz frisch und zu feucht. Aber man erkennt an ihn den typischen Charakter des roten Tees und Dianhongs – anders als viele andere trendy Dianhong oder Ganz teueren roten Tee!
In dem Garten meiner Großmutter Süden Taiwans reifen Bananas, Magos, Ananas, Guaven und Pamelos. In der schönsten Zeit unserer Kindheit – meine Schwester und ich, verbrachten wir in diesem sonnigen Land. Ich lernte Blumen zu binden und Hexentrank mit den gesammelten Kräuter herzustellen, Hüne zu ärgern und Frosch zu jaggen. Nur dort duften wir mit anderen Kinder spielen, anders als in Taipei, wo wir nur mit Büchern gestopft waren.
Meine Großmutter war Alleinerziehende. Tapfer, hart und stark blieb sie in meiner Erinnerung. Sie verteidigte das Grundstück in einer sehr hungrigen Zeit und verzeunte das Grundstück nicht, denn viele Nachbaren durch ihren Garten täglich passierten. Ich kann mich noch recht gut erinnern, als sie uns sagte, „Niemals versperren wir den Weg des anderen.“ Eine sehr einfache Weisheit, die eine einfache Frau ihr Leben lang praktzierte. Als sie starb, war ich kaum traurig. Überall im Haus und im Garten wurde mit knalligem Rot geschmückt. Es gäbe etwas zu feiern…
Mein Großonkel verspielte das ganze Grundstück und starb sehr rasch danach. Aus diesem Früchtegarten sind 20 Reihenhäuser entstanden. Zwei davon seien Geisterhäuser. Niemand schaffte dort unbeschädigt zu verweilen.
Seit mehr als 10 Jahren besuchte ich diesen Ort nicht mehr. Als ich letztes Mal da war, war ich nicht allein. Ich roch die frisch blühenden Pamelo-Blüte im Februar und fand kaum Früchte. Die Zeiten haben sich geändert. Das Land wurde zum Spekulationsmittel und die Gesichter der Menschen wechselten. Eine traurige Ahnung überwältigte mich und ich beschloss all diese Bilder für immer auf das Speicher zu legen.
Sehr viele Menschen fragten mich nach dem Qimen Hongcha. Ein berühmter Schwarztee, der einst von Twinning mit Ceylon zusmman mischte und als Englisch Breakfast vermarktet wird. Ein einfacher Tee, der selten auffällt und nie abstossend wirkt. Ich fand diesen Tee charakterlos und viel zu einfach. Als er in letzten zehn Jahren auf dem Teemakrt Chinas zum Spekulationsmittel wurde, fand er bei mir noch weniger Gefallen.
Ich liebe Dianhong. Am liebsten Hongyu. Ach, ein Qimen, wie langweilig? Langweilig war auch der gefällige Duft und einfallsarme Aroma…
Dieses Jahr, in dem die meisten Tees problematisch wurden, bekam ich einen Qimen von Luo zu degustieren. Er sagte, er sei vernüpftig und einfach. Das arrogante Ich erwiderte ihn, „Weiß Du, Vernüpftig ist nicht genug.“ Mit einer gepflegten Distanz und dem gewollten Abstand goss ich nicht besonders erfreut diesen Tee auf. Es war sonnig warm. Die Zürcher waren meistens am See. Zuerst wärmte ich die Gaiwan auf. Dann paar Blätter hinein, Deckel zu. Nach paar Sekunde entdeckte ich die reifen Früchtegarten in der Tasse, als der warme süsse Duft in meine Nase aufstieg. Was roch ich? Bananas, Mango, Guaven, Pflaumen… Ich sah meine Großmutter, die ihre Füchte sortierte. Mein Onkel, der nur einen Arm hatte, lächelte mir mit einem reifen roten Mango. Meine Schwester fing an zu weinen, weil sie an dem Tag des Rückkehr nach Taipei dachte. Und ich – versteckte mich hinter dem großen Pamelo-Baum und träumte.
(Anluss an dem vorherigen Beitrag)
Er sagte mir, dass Herzen von meisten Menschen in diesem Bergland total versteinert sind. Sie können nicht mehr weinen.
Ich antwortete, weil die Tränen salzig sind. Wir vertragen es nicht, wenn wir etwas an uns selbst schmecken können… Wenn wir nicht einmal riechen dürfen!
Salzig ist auch unser Blut. Wenn unser Blut mit Sauerstoff in Berührung kommt, wird es rot.
Mich berühren immer Männer (und Menschen), die weinen können. Mein Bruder weint vor uns, wenn es ihm schlecht geht. Mein Vater weint, als sein geliebte Partie die Wahl verlor. Und er weint, wenn ich das Flugzeug nach Europa einsteige. Auch wenn ich wußte, dass seine Welt und meine Welt nicht immer die gleiche ist – das Herz meines Vaters war so nah.
Was ist dann, wenn man nicht mehr weinen kann? Wie muss man denn kontrollieren, dass die Tränen nicht runterfallen und das Herz nicht berührt wird? Wie muss man denn das eigene und das andere Leben kontrollieren, so dass alles genau so wie planmässig läuft, ohne Panne?
Die Schweiz ist ein perfektes Uhrwerk. In dem harten Leben im Gebirge musste man einst alles richtig organisieren und kontrollieren, damit man den harten langen Winter überlebte. So vergisst man nicht das Leben zu organisieren auch in der urbanen Moderne. In diesem perfekt funktionierenden Uhrwerk stört das Gefühl – das Leben! Das Gefühl ist wie Sand… Sand im Uhrwerk ist ein schlimmes Störfaktor!
Wie ist das, wenn das Leben durch und durch organisiert ist? Wie ist das, wenn die Gesellschaft durch und durch organisiert ist? Ein sehr alter Mann, ein früherer NZZ-Journalist kommt ab und zu zu Shui Tang. Einmal unterhielten wir darüber. Er sagte, das System macht die Menschen hier dumm. Und es muss auch so sein, damit sie leicht zu regieren sind.
Menschen können leichter manipuliert werden, wenn sie nach Erfolge, Ruhm und Prestige jaggen – überhaupt wenn sie Dinge nach Aussen verlangen. Haben anstatt Sein. In einem perfekten Uhrwerk lebt das Leben irgendwann nicht mehr, sondern nur funktioniert.
Was ist, wenn die Produktion des Tees einfach nur funktionieren muss?
Ich bekame zunehmend Tees zur verkosten, die tot riechen.
Dieser tote Geschmack schmeckt in ungeübter Nase häufig euphorisch als schokoladig gefeiert. Diese scheinbare schokoladige Note ist so penetrant und dominant, dass er sofort auffällt und unharmonisch sticht. Als ich zum ersten so einen Tee zum verkosten bekam, verdächtigte ich ihn als verkohlt. Ihn schickte ich zu Atong und bat um Kommentare. Mein Lehrer Atong gab mir zu wissen, dass dieser Tee Sauerstoff-Mangel erlitt – er wurde erstickt. Die Blatter waren zu zart. Der Teemaker hatte zu wenig Erfahrungen. Das Ganze sollte so effizient produziert werden, so dass die Zeit einfach fehlte! Die ausreichende Zeit und Geduld wäre die Rettung gewesen!
Schwarztee ist wie Oolong, brauchen reife Pflückgut. Wenn man allerdings dem modernen Trend nach jaggt, zarten Pflückgut zu ernten, braucht man Zeit, Erfahrungen und Mut, gewisse Prozedure ausriechende Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, damit die Feuchtigkeit aus dem Pflückgut richtig ausgeschieden werden kann und die Fermentation richtig im Gang gesetzt werden kann. Wenn man allerdings nicht nach dem Leben sondern nach dem Konzept arbeitet, dann passt man nicht an den Gegebenheit an. Man macht einfach so nach dem Muster! (Was für ein Muster hast Du?) Alles so schnell wie möglich, so effizient wie möglich. Weil es zu wenig Zeit da war, spart man den Fermentationsprozess. Um aber diesen zu kompensieren, lässt man diesen Tee gestapelt ruhen. Damit es schneller geht, stapelt man die Schicht der Teeblätter so dick (!) – dass sie ersticken! Wenn Teeblätter nicht mehr atmen können, werden sie tot…
Und wir, fördern den Tod des Tees, wenn wir den toten Geschmack als „exotisch“ feiern. Wir fördern den Tod des Tees, wenn wir die Produktion des Tees einfach als „Funktion“ verstehen!
Wenn der Mensch in der Gesellschaft bloss ein Kostenfaktor ist! Wie können wir denn erwarten, dass der Tee noch genügend Sauerstoff bekommt, nicht tot riecht und schmeckt? Alles muss doch einfach nur funktionieren! Nach-Denken stört.
Zhengshan Xiaozhong heisst im Westen Lapsang Souchung. Er ist eigentlich ein stink normaler Tee. Zu normal, dass man einfach mit Schwarzwälderschinken verwechselt. Gerade, so ein normaler Tee zerbricht meinen Kopf, um einen richtigen Zhengshan Xiaozhong zu finden!
Er ist rauchig, stark und dunkel. Mehr weiß man nicht von ihm.
In der chinesischen Literatur steht: er duftet nach Dattel, wird von Hand verarbeitet und stammt aus einem Pass Tongmuguan in Wuyishan. Er ist der älteste Schwarztee in der Weltgeschichte und der einzige Schwarztee, der erhitzt wird, um den Fermentationsprozess zu vollenden. Weil es im Mai noch recht kalt war in Tongmuguan, wurde der Raum mit Kieferholz erhitzt und der Tee mit der Wärme vom Kieferholz verarbeitet. Durch diese klimatische Gegebenheit ist der weltberühmte Rauchtee entstanden.
Heute findet man überall Rauchtee im Westen. Kieferholz gibt es nicht mehr sehr viel. Um diese starke Nachfrage für den Export gerecht zu werden, gibt es natürlich künstliche Methode nachzuhelfen. Die Konsumenten orientieren sich meistens immer nur an das sofort wieder Erkennbare (!): Rauch und schwarz.
Ich will Dattel und honigsüße Note, die von der Leichtigkeit des Rauches beflügelt werden kann!
Heute in China ist man Teilnehmer von dem globalen Reichtum geworden und man hat immer mehr Anspruch auf den Genuss des Tees. Heute in China ist man beeindruckt von der Zartheit und Jungfräulichkeit der Dinge. Oolong hat in dem modernen Trend two-Leaves and one Bud – Fehlbedingung für einen guten Oolong. Schwarztee sollte immer zarter sein – am besten nur aus Tipps. Ich bekomme fünf Muster von Top – Zhengshan Xiaozhong. Jeder kostet mindestens im Grosshandel bereits ab 120 Euros – wer kauft heute so etwas? Selten Rauchnote – das kommt in China nicht gut an, sagte mein Tee-Spion. Sehr zart, zu zart! Ich beschwerte mich im Telefon, während sie in der anderen Seite von Telefonleitung staunten.
Ich sagte meinen lieben Spionen, diese Tees, die ich zur Probieren bekam, seien bereits tot. Sie waren zu zart, so zart, dass man ihn einfach falsch behandelt! Warum lässt man ihn nicht am Baum reifer werden, richtig behandeln, Zeit aufwenden, ihn richtig zu Ende fermentieren lassen anstatt mit Kalkül am Ende ihn ermorden lassen?
Möchtest Du wissen, wie ein toter Tee schmeckt?
Das Provinz Fujian ist das Heimat von hochwertigen roten Tee bzw. Schwarztee. Hochwertiger Roter Tee wird als Gongfu Hongcha bezeichnet: per Hand verarbeitet und in einem aufwendigen Verfahren. Bailin Gongfu war zwar ein Begriff, wirklich interessiert war ich nicht.
Ich bin ein Dianhong Fan und Hongyu Süchtige. Ich liebe kräftige Schwarztee mit Milch – das darf ich vielleicht nicht ganz laut sagen. Aber es ist wahr.
Bailin-Gongfu hieß früher, immerhin hat dieser Tee breits mehr als 100 Jahre alte Tradition: „Elegante Kaiserin“ (Xiu Li Huang Hou). Dieser Name reizte mich nicht besonders, ihn kennen zu lernen.
Bailin Gongfu
Aber man täuschte sich – bzw. ich täuschte mich.
Der Name ist oft nur eine Projektion.
Einmal scherzte Carola, dass unsere erste Begegnung sie sehr enttäuschte. Das war 2006 Sommer, ich war unter dem Stress von dem Qigongmeister Chens Besuch und seinen Fans. Für sie war ich nicht nur hektisch, sondern gar nicht teeistisch. Eine Teefrau, oder eine so genannte Meister im Tee sollte doch stets in Ruhe und Eleganz verweilen. Meine Erscheinung bewies den Gegenteil. Zum Glück zog irgendetwas vom Tee sie so stark an, dass sie trotzdem bei mir paar Kurse mitmachte und wir wurden die besten Teams. Diese großzügige Löwinschwester ist unentbehrbar. Was uns verbindet ist nicht bloss die persönliche Zuneigung, die wieder wegen Zu- und Abneigung abgewendet werden kann, sondern die gemeinsame Liebe zu einem Material und der gemeinsame Weg.
Das Blog ist inzwischen so weit, dass viele Teefreunde mir darüber direkt ansprechen. Sicher freue ich mich darauf und möchte allerdings immer relativieren, dass es auch nur eine Erscheinung ist.
Glaube mir nicht zu viel, sondern sei kritisch, was hier alles steht. Tee ist nicht nur das, was hier geschrieben wird – ich ebenfalls nicht. Eine Person hat verschiedene Facetten. Was eine tatsächlich ist, kann man nicht über seine geschriebene oder gesprochene Worte lesen. Eine Person kennen zu lernen, lernt man am besten, in dem wie sie in einer Interaktion steht. In einem Monolog lernt man nur die geschriebene oft nicht gelebte Wünschvorstellung kennen, nicht die Person. Man lernt mich eigentlich erst richtig kennen, wenn es eine Interaktion stattfindet. Z. B. wie ich die Kommentare attakiere oder antworte – nicht was die Buchstaben sich darstellen.
Ebenfalls kann man Tee nicht kennen lernen, wenn man die geschriebenen Worte oder gesprochene Erzählung ernt nimmt. Tee spricht für sich. Die Art, wie ein Tee sich in verschiedenen Materialien, verschiedenen Zubereitungsmethode und Ziehzeit manifestieren, verrät er, was er ist – nicht in seiner Form, seine Ettikette.
Der Bailin Gongfu hat mich überrascht. Ich bekam von zwei Klienten aus zwei Länder den Auftrag einen guten Bailin zu suchen. Wie muss ein Balin schmecken? Ein Tee, der im Frühling einen schönen Yinzhen Baihao ist, und im Sommer zu einer eleganten „pfiffigen“ Kaiserin verwandelt wird?
Man lobte ihn einst: langhaltige zurückhaltende aber präsente Duftnote, leicht fruchtig. Der Aufguss geschmeidig und sanft. Der Abgang fein und lang.
Ich schmeckte in ihm einen ausgeprägten Mandelduft, der in Hongyu ebenfalls vorkommt. Bei Hongyu war noch eine leichte Nuance von Pfefferminz, während bei diesem Bailin reine fruchtige Aromen leicht nach Apfel, Aprikose-Kern und frisch gemalenen Mandel sich zum Ausdruck kommen.
Irgendein alter Chinese (Zenmönch Nanqian) sagte einmal: „Wissen ist eine Verblendung. Nichtwissen ist ein Mangel an Unterscheidung.“ Dieser Satz berührt mich zu tiefst im Herzen.
Zhengshan Xiaozhong, der älteste Schwarztee in der Geschichte, ist allerdings ein rästelhafter Tee, dessen wirkliches Gesicht immer verschwommen wird. Ich kenne diesen Tee erst in Europa und betrachtete ihn als ein stark rauchig whiskyartiger Tee, dessen rauchige Note mich eher abschreckte und zu dominant erschien. Lange verstand ich nicht, weshalb dieser Tee so einen Ruhm besitzt.
Da Hubert in seinem Laden gerne diesen Tee einführt, wurde ich beauftragt diesen Tee zu suchen. Der Zhengshan Xiaozhong, den Suzanne mir einmal brachte sollte laut der Inhaberin des Strassburger Ladens ein Tee aus Sichuan stammen, aber als Zhengshan Xiaozhong deklariert wurde. Insgesamt beauftragte ich drei „Spionen“. Leider waren alle Muster nur nach dem westlichen Vorbild produziert, was man hier bereits überall findet und als selbstverständlich bezeichnet – ein Zhengshan Xiaozhong sollte so sein. Nur diese kleine Packung von L. schien mir ganz anders zu sein.
Seine trockene Blätter sind nach Vorbild Wuyi Yancha gerollt, nicht gehackt oder nadelartig. Sie duften in trockene Form bereits nach roten Dattel und eine unauffällige Longgan-Frucht-Note. Süss, dezent honigsüss und fruchtig. Der rauchige Geschmack bemerkbar aber ausgeglichen. Sein Aufguss zeigt mir einen sehr schönen „Body“, geschmeidig, voll und aromatisch. Der Abgang langhaltig, fruchtig und balsamierend. Ich war ein bisschen unverschämt, dem L. zu sagen, dass dieser Tee noch mehr fruchtige Note haben könnte! Er belächelte mich leicht im Telefon und sagte, „Weiss Du, dieser Tee stammt von dem besten Teemaker in Tongmuguan!“ “ Mir ist es egal von wem. Aber man könnte ihn noch mehr fördern – rösten!“ “ Ausserdem ist er nicht mehr zu kaufen!“ „Wie bitte?“
Dass ich bis Mai warten muss, um auf einen Zhengshan Xiaozhong, den ich endlich gefunden habe, zu warten, ist richtig grausam. Eine zweite Wahl wäre jetzt erhältlich versicherte er mir. Aber was mache ich mit meiner Erinnerung und dem Erkenntnis, dass ein Zhengshan Xiaozhong anders sein kann als diese zu habene zweite Wahl?
Longgan Frucht – Longyan auf Chinesisch