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Definition
Die Kontrolle über Blasenentleerung und Kontinenz findet im Gehirn, im Rückenmark und in den peripheren, sich ausserhalb des Zentralnervensystems befindenden Nerven statt. Abhängig von der Höhe der Rückenmarksschädigung kann sich eine Blasendysfunktion unterschiedlich äussern.
Typisch für Patienten mit einer Querschnittslähmung sind eine gestörte Blasenkoordination sowie eine gestörte Koordination der Blasenwandmuskulatur und des Schliessmuskels. Dies äussert sich in unkontrollierten Blasenkontraktionen ohne dass der Schliessmuskel erschlaffen kann. Bis in die 70er Jahre führte diese Dysfunktion dazu, dass 80 Prozent der Patienten aufgrund von Nierenspätschäden gestorben sind. Eine gleichzeitige Störung beim Zusammenspiel der Schliessmuskeln, verbunden mit einem hohen Blasendruck und ein damit einhergehender Rückfluss von Urin in die Harnleiter und Nieren können zu einem Nierenversagen führen. Sie stellt eine der häufigsten Todesursachen nach Rückenmarksverletzungen dar. Eine Heilung von Rückenmarksverletzungen wird in der näheren Zukunft vermutlich nicht möglich sein. Daher hat der Nierenschutz bei diesen Patienten weiterhin oberste therapeutische Priorität. Medikamente und elektrische Geräte werden zur Wiederherstellung der Kontrolle über den Harn- und Geschlechtsapparat sowie den Magen- und Darmtrakt benötigt.
Die Selbstkatheterisierung durch den Patienten ist eine einfache und effiziente Methode zur Blasenentleerung. Da ein Blasenkrampf vorliegt, werden ausserdem verschiedene Medikamente benötigt, um den Blasendruck niedrig zu halten. Zusätzlich oder alternativ kann auch ein Gerät eingesetzt werden, welches dem Patienten das Blasenvolumen anzeigt und somit den richtigen Zeitpunkt für eine Blasenentleerung durch den Katheter. Zur Entspannung der Blase werden sog. anticholinerge Medikamente eingesetzt, welche aber häufig auch unerwünschte Wirkungen auslösen. Eine weitere Möglichkeit ist das direkte Einspritzen des Nervengiftes Botulinumtoxin in die Blase. Dadurch kann die Blasenhyperaktivität zwar reduziert werden, eine elektrisch ausgelöste Blasenentleerung ist allerdings nicht mehr möglich.