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Vor einer Woche hatte Iusha eine Kralle verloren, nachdem sie damit an einem Gegenstand hängen geblieben war. Kurze Zeit später gingen zwei weitere Krallen verloren. Dem Hund geht es sonst gut.
Die Mehrzahl der noch verbleibenden Krallen zeigen im Krallenfalz Bildung eines eitrigen Sekrets und erscheinen gelockert und schmerzhaft. Der restliche Untersuch verläuft unauffällig.
Da beinahe alle der Krallen verändert sind, erscheint eine simple traumatische Ursache für die Krallenverluste unwahrscheinlich. Die Veränderungen sind verdächtig für eine sogenannte „Symmetrische Lupoide Onychodystrophie“ – eine vermutlich immunvermittelte Störung des Krallenwachstums.
Um einen generalisierten Pilzinfekt des Krallenbettes auszuschliessen, wir auch eine Pilzkultur angelegt, welche aber negativ ausfällt.
Unter Narkose werden alle Krallen entfernt, was ohne grösseren Kraftaufwand möglich ist, da die Krallen allesamt sehr locker sitzen. Die nun freiligende Krallenbette werden in einer desinfizierenden Lösung gebadet und die Pfoten mit einem Wundverband versehen. Der Hund erhält ein Antibiotikum gegen den bakteriellen Infekt der Krallenbette; ausserdem wird entsprechend dem gängigen Protokoll für die vermutete Onychodystrophie Cortison und ungesättigte Fettsäuren verschrieben.
Im Verlauf der folgenden Wochen wachsen die Krallen wieder nach, allerdings ist die Hornqualität schlechter als vorher.
Der Begriff "Symmetrische lupoide Onychodystrophie" beschreibt ein Krankheitsbild beim Hund, dessen Ursache weitgehend ungeklärt ist. "Lupoid" bezeichnet den Umstand, dass die Krankheit Elemente eines sogenannten "Lupus" beinhaltet (eine Erkrankung, welche durch einen Angriff des Immunsystems auf körpereigene Strukturen (eine sogenannte Autoimmunerkrankung) gekennzeichnet ist). "Onychodystrophie" ist der Fachausdruck für eine Krallenerkrankung, welche durch eine Entwicklungsstörung des Gewebes verursacht wird.
Betroffen von dieser seltenen Erkrankung sind meistens junge und mittelalterliche Hunde. Eine Abgrenzung von ähnlichen Krankheitsbildern (Pilzinfekte des Krallenbettes, Arzneimittelunverträglichkeitsreaktionen und Autoimmunerkrankungen der Haut) ist im Zweifelsfall nur mittels der Gewebsuntersuchung eines Zehens, welcher zu diagnostischen Zwecken amputiert wurde, möglich. Bei Iusha wurde aufgrund des typischen Erscheinungsbildes auf diese relativ drastische Massnahme verzichtet. Die Ursache der Erkrankung liegt im Dunkeln.
Therapeutisch bestehen verschiedene Ansätze - der Einsatz von Cortison, ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E, Niacin oder Tetracyclin (ein Antibiotikum) kann zu einer Abheilung führen. Sind die Krallen sehr locker, ist eine Entfernung unter Narkose notwendig.
Die Prognose für das Nachwachsen der Krallen ist recht gut, obwohl bei manchen Hunden die Krallen dauerhaft missgestaltet und brüchig bleiben. Bei manchen Tieren kann die Therapie nach einiger Zeit abgesetzt werden, bei anderen ist eine lebenslange Behandlung notwendig.