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Das Casino Interlaken und seine vielseitige Geschichte
Vor 150 Jahren wurde der Kursaal Interlaken erbaut und konnte seither eine einzigartige Geschichte schreiben, die den Lauf der Zeit und die Veränderungen der Jahrzehnte miterlebte. Es sollte 1959 ursprünglich als Casino und Kuranstalt fungieren, durch das Verbot des Spielens wurde dies allerdings bereits nach nur einem Monat wiedereingestellt.
Stattdessen kam der Kursaal für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke zum Einsatz: Von der Bierwirtschaft zum Ballsaal, zur Lagerhallte und zum Theater, bis es schlussendlich wieder als Casino Verwendung fand.
Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude im Berner Oberland ist ein wahrlicher Prachtbau. Er befindet sich auf einem 14 Hektar grossen Grundstück, das früher zum ehemaligen mittelalterlichen Augustinerkloster gehörte und mit einer Parkanlage und einem grossen Springbrunnen beeindruckt. Seit 2002 rollen und fliegen hier wieder die Roulettekugeln, Würfel und Spielkarten, doch bis dies möglich war, hat hier über die Jahre so allerlei stattgefunden.
Ein holpriger Start für das Casino
Im Jahr 1958 wurde das weitläufige Grundstück von 33 Privatpersonen gekauft, um dort im Folgejahr einen Molke-Kurbetrieb mit Casino zu eröffnen. Als Spielbank konnte das Gebäude lediglich einen Monat lang fungieren, denn genau in diesem Jahr entschloss der Kanton Bern, jegliche „Hasard-Spiele“ zu verbieten. Mit dem neuen Verbot einhergehend wurde das Casino wieder geschlossen, erst fast 100 Jahre später sollte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Im Oktober 2001 wurden in der Schweiz schliesslich eine Anzahl an Spielkonzessionen vergeben, für die sich Interlaken direkt bewarb.
Trotz der Ablehnung von 20 Anträgen, ging die B-Lizenz an Interlaken, die zunächst für 20 Jahre gelten soll. Nach der Lizenzvergabe eröffnete das Casino Interlaken auf ein Neues im Juli 2002. Inzwischen hat es sich zu einem angesehenen B-Casino mit einem umfassenden Spielangebot und eleganten Ambiente entwickelt. Das Grosse Spiel umfasst neben amerikanischem Roulette und Blackjack auch Poker. Gäste spielen hier „Ultimate Texas Hold’em“, eine andere Variante der beliebtesten Version von Poker „Texas Hold’em“, wo gegen den Dealer gespielt wird. Das Kleine Spiel lockt mit über 120 Spielautomaten der neusten Generation.
Von der Kuranstalt zur Konzerthalle
Nachdem das Casino im Jahr 1859 wieder geschlossen wurde, wurde der Molke-Kurbetrieb zunächst weitergeführt. In Folge einer Medizinaluntersuchung wurde auch dieser eingestellt und nie wieder aufgenommen. Ohne Nutzungszweck standen die Kuranlagen zunächst leer und wurden als Bierwirtschaft und zu diversen Veranstaltungen verwendet. Es folgte ein grosser Umbau, der die Kuranlagen 1910 in einen Ball-, Konzertsaal und ein Kongresszentrum verwandelte. Nur vier Jahre später brach der Weltkrieg aus, woraufhin das Gebäude für beide Kriege zum Teil als Lagerhalle und Lazarett diente. Erst nach einer umfassenden Restrukturierung ab 1946 wurde der Kursaal mit neuer Gartengestaltung und dem prachtvollen Springbrunnen erneut eröffnet.
Obwohl es zu dieser Zeit noch keine Konzessionierung zum Spielbetrieb gab, wurde bereits 1967 das „Petit Casino“ eingeführt, wo trotz Verbot gerne und viel gespielt wurde. Mit einer solch vielseitigen und langen Geschichte wurde das Gebäude 1980 unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt. Es wurde erneut saniert, weitergebaut und ein Kongressgebäude eröffnet, das heute als Congress Centre Kursaal Interlaken fungiert und den geeigneten Rahmen für Kongresse und Unternehmensveranstaltungen bietet. Als 1998 die Legalisierung des Spiels durchgesetzt wurde, stand schliesslich wieder die Einführung des Casinos an – mit 150 Jahren Verspätung.
Das Casino Interlaken bietet mehr als nur einen spannenden Spieleabend. In den Hallen des historischen Kursaals lebt die eindrucksvolle Geschichte des Gebäudes förmlich weiter und schafft ein aussergewöhnliches Ambiente. Von welchem Bau kann man schon behaupten, dass es sowohl Kuranstalt und Casino als auch Ballsaal und Lazarett in seiner Geschichte war? Dass das sagenhafte Gebäude mit dem weitläufigen Grundstück in die Liste der Kunstaltertümer unter Denkmalschutz aufgenommen wurde, ist da kein Wunder. Der aufwendig angelegte Park mit dem grossen Springbrunnen, der langen Promenade und der Blumenuhr stellen die perfekte Kulisse für den Kursaal dar und rundet das Erlebnis weiter ab. Ob als Gast im Casino, im Kongresszentrum, im erstklassigen Restaurant oder auch einfach nur als Besucher des Parks, das Casino Interlaken schafft es zu beeindrucken.
Titelbild: Boris-B – shutterstock.com