Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03220.jsonl.gz/907

Im Facebook waren sie schon immer da: Die klagenden Stimmen über die riesigen Deiche, die heute – nach der Tsunami-Katastrophe – in vielen Orten an der Küste von Tohoku gebaut wird. Laut Asahi-Zeitung beträgt die Gesamtlänge des Baus rund 400 km, die Gesamtbausumme ca. eine Billion Yen (ca.8 Milliarden Franken).
In den Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima wird insgesamt an 594 Stellen ein Deich gebaut. An 180 Stellen wurde der Plan nach dem Protest der Bevölkerung aufgearbeitet.
Zum Beispiel in der Stadt Kesennuma. Am Süden des Hafens wird eine 6.4 m hohe „Wand“ mit Fenster gebaut. Viele Bewohner machen sich Sorgen darum, den Blick über das Meer zu verlieren, wenn ein riesiger Daich gebaut wird. Beim Tsunami von 2011 verloren viele Leute, die sich in einem Ort ohne Meerblick befanden, ihr Leben. Sie konnten nicht sehen, dass das Meer so wuchtig geschwollen hat. Um die Angst, die aus dieser noch frischen Erinnerung kommt, zu lindern, hat man eben diese Fenster im Deich eingebaut. Ob sie die Bewohner zufriedenstellen, ist jedoch fraglich.
Der Osabe-Hafen von Rikuzen-Takata wird auch allmälich von einer rund 10 Meter hohen Wand umringt. Die gesamtlänge beträgt ca. 660 Meter. Ursprunglich stand hier ein vier Meter hocher Deich. Für den neuen gibt man rund 1.4 Millarden Yen aus. Aber hier wird niemand mehr wohnen. Nach der Katastrophe wurde diese Gegend zur Gefahrenzone erklärt, wo nur Firmen ihre Gebäude bauen dürfen. Ein 75-jähriger Fischer meinte gegenüber der Asahi-Zeitung: „Der neue Deich ist nicht nötig, hier wohnt ja niemand mehr. Wenn man den von der Katastrophe zerstörten Deich reparieren würde, könnte man das Geld für andere Sachen verwenden.“
Einige Fotos sind hier zu sehen: http://www.asahi.com/articles/photo/AS20150918000441.html