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Kapitel 1
Freitag, 7. September
Aslak Rød stellte sich vor den Eingang des Dorfladens, in dem er arbeitete. Es war halb zwei. Er steckte sich eine Zigarette an und saugte das Nikotin ein, während er zu zwei Wolken hinaufsah, die am blauen Himmel ineinanderglitten. Ein Wagen kam angefahren und parkte. Die Fahrerin, die in seiner Erinnerung immer schon uralt gewesen war, stieg aus und bewegte sich langsam auf die Eingangstüren zu, während sie sich auf eine Krücke stützte. Aslak Rød hörte sie ein schwaches »Hallo« murmeln, als sie an ihm vorbeiging. Im selben Moment, in dem die Türen aufglitten und sie einließen, konnte er Glenn an der Kasse etwas sagen hören, was von dem jungen Mann, der gerade seine Waren einpackte, mit einem höflichen Lachen quittiert wurde.
Aslak Rød starrte auf die Glut seiner Zigarette.
Er hatte Glenn schlechte Scherze machen hören, seit der vor zwanzig Jahren im Laden angefangen hatte. Dagegen war auch so weit nichts einzuwenden – solange nur sie beide anwesend waren. Und ja, manchmal landete er durchaus einen Volltreffer. Das Problem war nur, dass Glenn nicht begriff, wann etwas nicht mehr lustig war. Irgendwie kapierte er nicht, wann er besser aufhören und den Mund halten sollte. Und so tischte er einen blöden Witz nach dem anderen auf, derweil die Kunden ihre Waren aufs Band legten, bezahlten, einpackten, gingen und dabei die Augen verdrehten. So wie Aslak Rød jetzt.
Er blickte die Landstraße hinunter, die sich zwischen dem Laden auf der einen und der Tankstelle auf der anderen Straßenseite fortsetzte. Er drehte eine kleine Runde über den Parkplatz, rauchte weiter und glotzte über die Straße hinweg einen Mann an, der mit dem Helm in der Hand neben seinem Motorrad stand und tankte.
Die Ladentüren gingen wieder auf, und der Kunde mit dem höflichen Lachen trat auf die Straße. Er wünschte Aslak Rød ein schönes Wochenende und schritt mit einer Tragetasche in jeder Hand auf seinen Wagen zu.
»Ebenfalls«, entgegnete der Kaufmann und klopfte die Asche an seiner Zigarette ab. »Schönen Gruß zu Hause.«
Er rauchte zu Ende, trat die Zigarette auf dem Boden aus und ging wieder hinein. Dort stellte er sich vor die Kasse, an der Glenn saß, und hörte die Tür des Milchkühlschranks knarren, als die am anderen Ende des Ladens geöffnet wurde.
»Die müsste mal geölt werden«, sagte Glenn, während er den Verschluss einer Limonadenflasche aufdrehte und seine vollen Lippen um das Mundstück legte.
»Und wieso ölst du sie dann nicht, Glenn?«
Statt zu antworten, nahm Glenn zwei Schluck. Der Tischventilator, den er neben sich aufgebaut hatte, lief auf vollen Touren, nutzte aber nicht viel. Glenns Stirn glänzte. Die ohnehin schon dunklen Flecken unter seinen Armen waren noch größer geworden und korrespondierten mit den feuchten Streifen rechts und links unterhalb seiner Brust. Es spielte keine Rolle, ob das Thermometer zwanzig Grad über oder zwanzig Grad unter null an