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Der Röstigraben tat sich auch bei den Wahlen 2019 auf. Eine grafische Auswertung der Wahlergebnisse zeigt, wie stark sich die Landesteile unterscheiden. Während die Linke in der Romandie mit 40 Prozent Wähleranteil doppelt so stark ist wie die SVP, liegt sie in der Deutschschweiz hinter dem rechten Lager zurück.
Noch sind erst 233 der 246 Sitze in der Bundesversammlung besetzt. 13 Ständeratssitze in neun Kantonen werden in den zweiten Wahlgängen während den nächsten beiden Sonntagen noch besetzt. In einem Landesteil hingegen ist die Wahl zu Ende: Sämtliche Parlamentssitze der Romandie sind nach den zweiten Ständeratswahlgängen in Genf, Freiburg und der Waadt vom letzten Sonntag vergeben.
Der Blick über den Röstigraben zeigt: Das Parlament würde deutlich anders aussehen, wenn es nur von den Romands gewählt würde – oder von den Tessinern, wenn man über den Polentagraben blickt.
Das Bundesamt für Statistik wird erst Ende November eine detaillierte Auswertung der Wahlergebnisse nach Sprachregionen veröffentlichen, welche das Stimmverhalten in den Landesteilen präzise abbildet. Diese Auswertung wird die mehrsprachigen Kantone entlang der Sprachgrenze aufschlüsseln. Das wird den Wähleranteil der Parteien im Vergleich zu dieser Auswertung noch leicht verändern.
Es ist davon auszugehen, dass die CVP bei der BfS-Auswertung in der Romandie etwas schwächer und in der Deutschschweiz etwas stärker abschneidet. Grund dafür: Sie ist in den deutschsprachigen Gebieten der Kantone Freiburg und Wallis stärker als in den französischsprachigen. Gleiches gilt für die SVP. Bei SP und FDP ist es genau umgekehrt. Deren Wähleranteil dürfte in der detaillierten Auswertung des BfS in der Romandie etwas höher, in der Deutschschweiz etwas tiefer ausfallen.
In der Deutschschweiz dominiert die SVP eindeutig. Sie ist in sämtlichen Kantonen die stärkste Kraft, ausser in Basel-Stadt (SP), Glarus (BDP), Luzern, Uri und Appenzell Innerrhoden (CVP). Mit ihren 29,1 Prozent Wähleranteil liegt die SVP in der Deutschschweiz fast 13 Prozentpunkte vor der zweitstärksten Partei, der SP.
In der Romandie hingegen landet die SVP lediglich auf Rang vier – sogar noch hinter den Grünen. 2015 war die SVP noch drittstärkste Kraft in der Westschweiz. Wie vor vier Jahren ist die FDP in der Romandie die stärkste Partei, ebenso wie im Tessin.
In keinem Kanton der lateinischen Schweiz ist die SVP stärkste Kraft: Hier liegen drei Mal die FDP (NE, VD, TI), zwei Mal die SP (JU, FR), und je einmal die CVP (VS) und die Grünen (GE) vorne.
Interessant ist auch ein Blick auf die Kräfteverhältnisse zwischen den politischen Lagern. Die Linke (SP, Grüne und kleine Linksparteien) erreicht in der Romandie zusammen 39,5 Prozent Wähleranteil. Das rechte Lager aus SVP, EDU und Mouvement Citoyen Romand kommt hingegen lediglich auf 18,4 Prozent Wähleranteil. Die Mitte (CVP, BDP, EVP und GLP) kommt auf 20,1 Prozent Wähleranteil.
In der Deutschschweiz vereinigt die Linke über zehn Prozentpunkte weniger Wähler auf sich als in der Romandie, nämlich 29,1 Prozent. Das rechte Lager hingegen erreicht mit 30,5 Prozent fast zwölf Prozentpunkte mehr als in der Romandie. Die Mitte kommt auf 25,1 Prozent.
Im Tessin hat die Linke mit 27 Prozent einen geringeren Wähleranteil als in den anderen Regionen. Das rechte Lager aus Lega, SVP und EDU kommt auf 29,62 Prozent. Die Mitte erreicht 19,17 Prozent Wähleranteil.
Die Wähleranteile spiegeln sich natürlich in der Zusammensetzung des Nationalrats wieder. Allerdings können Listenverbindungen und die teilweise geringe Anzahl Sitze, welche in einem Kanton vergeben werden, zu Verzerrungen führen. Im neuen Nationalrat stellt das linke Lager 69 Sitze, die Mitte 47 Sitze, die FDP 29 Sitze und das rechte Lager (SVP, EDU, Lega) 55 Sitze.
Hätten alleine die Kantone der Romandie den Nationalrat gewählt, sähen die Kräfteverhältnisse in der grossen Kammer entschieden anders aus. Von den 52 Nationalratssitzen der sechs Westschweizer Kantone hat die Linke mit 24 Sitzen fast die Hälfte erobert – gemeinsam mit der GLP wäre sie in der Mehrheit. Die SVP stellt mit acht Sitzen lediglich die viertgrösste Abordnung aus der Romandie.
Ganz anders sieht es aus, wenn man die 140 Sitze der 19 Deutschschweizer Kantone anschaut. Hier ist die SVP mit 44 Sitzen die deutlich stärkste Kraft. Sie alleine stellt mehr Nationalräte als SP und Grüne zusammen, die auf 40 Sitze kommen. Die Mitte hält 35 Mandate, die FDP hat 17 Deutschschweizer Nationalratssitze.
Die acht Nationalratssitze des Kantons Tessin hingegen verteilen sich sehr ausgeglichen über die Lager hinweg. Linke, CVP, FDP und das rechte Lager halten je zwei Sitze.
Die endgültige Zusammensetzung des Ständerats steht wie einladend erwähnt erst am übernächsten Sonntag fest, wenn die letzten der 13 noch offenen Sitze vergeben sind. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass die CVP, die sich bereits 11 Sitze gesichert hat, stärkste Kraft bleiben wird, gefolgt von der FDP (9 Sitze).
Sowohl SP (5 Sitze), Grüne (4 Sitze) als auch SVP (3 Sitze) hoffen in den zweiten Wahlgängen noch auf weitere Sitze. Während die Grünen sich im Vergleich zur vergangenen Legislatur bereits jetzt drei Sitze zugelegt haben, wird die SP ihre bisherige Sitzzahl (12) nicht mehr erreichen. Noch offen ist, ob die SVP (bisher: 4 Sitze) am Ende zulegen wird.
Aus der Romandie sitzt wie in der vergangenen Legislatur kein einziger SVP-Vertreter im Ständerat. Grüne, SP, CVP und FDP teilen sich die zwölf Westschweizer Ständeratssitze gleichmässig untereinander auf. Sie alle schicken drei Vertreter aus der Romandie in die kleine Kammer. Im Vergleich zu vor den Wahlen büsst die SP damit zwei Sitze auf Kosten der Grünen ein, während die CVP einen an die FDP abtreten musste.
Offener ist das Bild der Deutschschweizer Vertretung im Ständerat – hier sind noch neun Sitze zu vergeben. Diesseits des Röstigrabens ist Rotgrün im Vergleich zur Romandie deutlich schwächer vertreten, während die Dominanz von CVP und FDP ausgeprägt ist.
Die beiden Ständeratssitze des Kantons Tessin werden erst im zweiten Wahlgang am 17. November vergeben.
Der Ruf nach Umweltschutz und Massnahmen gegen den Klimawandel schallt in Hinblick auf die Nationalratswahlen im Oktober aus (fast) allen Schweizer Parteizentralen. Im Tenor unüberhörbar singt auch die FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi mit. Sie betont in einem Interview mit Tamedia-Zeitungen, die FDP sei keine klimafeindliche Partei: «Der Umweltschutz gehört eigentlich zur DNA des Freisinns».
Gehört der Umweltschutz tatsächlich zur DNA des Freisinns? Oder handelt es sich bei der Aussage nur um …