Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03227.jsonl.gz/287

Abstract
Fallpräsentation: Patientin mit Jahrgang 1990, die seit Jahren unter Migräne und Kopfschmerzen litt. Sie hatte im Laufe der Jahre viele, unter anderem auch sehr starke, Medikamente eingenommen. Diese hatte sie aber wieder absetzen müssen, weil die Nebenwirkungen zu stark waren und sie im Berufsleben behinderten. Da die Schmerzen danach aber zurückkehrten, war sie nun bereit, die medizinische Massage als Alternative zu testen.
Behandlung und Resultate: Nach drei Behandlungen mit Triggerpunkt-Therapie war die Patientin schmerzfrei. Die ihr gezeigten Übungen und Selbstbehandlungen ermöglichten es ihr, eine Therapiepause einzulegen.
Diskussion: Bei Kopfschmerzen und Migräne ist häufig eine myofasziale Komponente vorhanden, die aber zu oft ignoriert wird. Würde diese Komponente früher in den Behandlungsprozess integriert, könnten viele Fälle von Kopfschmerzen oder Migräne effizient, nebenwirkungsarm und günstig behandelt werden.
Fallpräsentation
Eine Patientin mit Jahrgang 1990, die seit Jahren unter Migräne und Kopfschmerzen litt, hatte unterem anderen während eines Zeitraums von drei Jahren das Medikament Topamax eingenommen. Hierbei handelt es sich um ein Antiepileptikum, welches auch zur Behandlung von Migräne bei Erwachsenen verwendet wird. Der Link in den Quellenangaben unten führt zu einer detaillierten Beschreibung des Medikaments. Hier in Kürze die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen bei der Behandlung von MigränepatientInnen: Schläfrigkeit (6.2%), Übelkeit (9.3%), Durchfall (9.3%), Abgeschlagenheit/Fatigue (15%), Geschmacksstörungen (15.4%), Parästhesien, dies sind Missempfindungen wie Ameisenlaufen, Taubheit oder Jucken (35.7%). Bei der Patientin führten die unerwünschten Wirkungen (vor allem Parästhesien und Fatigue) dazu, dass sie das Medikament nach drei Jahren absetzte, um ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Da die Migräne danach aber zurückkehrte, war sie nun bereit, die medizinische Massage als alternative Behandlungsmethode zu testen.
Behandlung und Resultate
Der Befund ergab eine grosse Anzahl von myofaszialen Triggerpunkten. Ventral: M. sternocleidomastoideus, Mm. scaleni, M. pectoralis major, dazu kamen Druckdolenzen an verschiedenen Stellen der Clavicula (Ansatz des M. sternocleidomastoideus, des M. pectoralis major und des M. trapezius desc.) und eine Druckdolenz des Proc. coracoideus (Ansatz des M. pectoralis minor), sowie dorsal: Triggerpunkte im M. trapezius desc. und asc., M. levator scapulae, sowie Druckdolenzen am Occiput (Ursprünge des M. sternocleidomastoideus sowie des M. trapezius desc.), am Angulus superior scapulae (Ansatz des M. levator scapulae) und paravertebral im ganzen thorakalen Bereich. Hinzu kam eine allgemein stark reduzierte Hautverschiebbarkeit des gesamten Schultergürtels, was auf myofasziale Adhäsionen schliessen liess. Entsprechend begann die Behandlung mit Hautrollungen und -mobilisierungen (ohne Öl) und wurde mit myofaszialer Triggerpunkt-Therapie aller oben erwähnter Triggerpunkte weitergeführt (mit wenig Arnika-Öl). Bei der ersten Behandlung konnten sowohl die Hautrollungen als auch die Triggerpunkt-Therapie weitgehend in schwacher bis mittlerer Intensität durchgeführt werden, denn die von der Therapie verursachten Schmerzen liessen noch keine hohe Intensität zu. Bereits bei der zweiten Behandlung berichtete die Patientin aber, sie habe weniger Kopfschmerzen gehabt und sich entspannter gefühlt. Während der zweiten und dritten Behandlungen konnte bis zu einer hohen Intensität gesteigert werden. Nach drei Behandlungen à 40 Minuten, verteilt über einen Zeitraum von 4 Wochen, war die Patientin frei von Kopfschmerzen und bereit für eine Therapiepause. Die Übungen, welche sie für zuhause erhalten hatte, bestanden aus Dehnungen der oben erwähnten Muskulatur, leichten Mobilisierungen für den Schultergürtel sowie Selbstbehandlungen mit einer kleinen Blackroll oder dem Blackroll Peanut-Ball (klein).
Diskussion
Dass Kopfschmerzen im Allgemeinen und Migräne im Speziellen unter anderem myofaszial verursacht werden können, ist keine Neuigkeit. Auch im hier vorliegenden Fall traf dies zu, dieser Fall ist aber daher bemerkenswert, da die Patientin eine (meiner Meinung nach unnötig) lange Leidensgeschichte hinter sich hat, über Jahre ein Antiepileptikum einnahm, unter erheblichen unerwünschten Nebenwirkungen litt und schliesslich nach nur drei Behandlungen à 40 Minuten mit medizinischer Massage beschwerdefrei wurde. Dies zeigt einmal mehr auf, dass die Methoden der medizinischen Massage effizient, nebenwirkungsarm und günstig sind. Würde diese Behandlungsmethode früher im Krankheitsprozess angewendet, könnten myofasziale Komponenten einer Schmerzproblematik früher bestätigt oder auch ausgeschlossen werden. In den Fällen, in welchen eine myofasziale Kompomente ausgeschlossen wird, hätte dann auch die medikamentöse Therapie (die leider oft schwere unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringt) eine grössere Berechtigung.