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Jahresanlass der FDP Waldstatt vom 14. November 2009
FDP Waldstatt zu Besuch in der Sondermülldeponie Kölliken
Die FDP Waldstatt besuchte am Jahresanlass 2009 die Sondermülldeponie Kölliken. „Es ist ein Projekt der Superlative. Weltweit erstmalig: Der Rückbau einer Sondermülldeponie“. So die Stimmen auch der internationalen Presse.
Geschichte
Bei einer ausführlichen Präsentation wurde uns die Geschichte dieser Sondermülldeponie vorgesellt. Das Areal selbst ist aus der stillgelegten Tongrube der Kölliker Mergelgrube entstanden und hat eine Fläche von etwa 7 ha. Der nördliche Teil der Deponie geht bis in eine Tiefe von ca. 13m, der südliche Teil bis 10m.
Das Konsortium Sondermülldeponie Kölliken wurde Mitte der 70er Jahre für das Erstellen und Betreiben einer Sondermülldeponie gegründet. Zielsetzung war, der Industrie und dem Gewerbe eine saubere und geordnete Entsorgung ihrer Abfälle anbieten zu können und damit den immer häufiger anzutreffenden „wilden“ Deponien und anderen illegalen Entsorgungen (z.B. Kanalisation) einen Riegel zu schieben. Insgesamt sind zwischen 1978 bis 1985 250'000 m3 Sonderabfälle unterschiedlichster Herkunft und Zusammensetzung in die Deponie eingelagert worden. Das Konzept, das Pflichtenheft sowie die Einlagerungsbedingungen entsprachen dem damaligen Stand des Wissens und der Technik. Es wurden Einnahmen von 9 Mio. CHF prognostiziert. Die Deponie wurde 1985 auf Grund Reklamationen der Anwohner infolge starker Geruchsemissionen vorzeitig geschlossen. Als in einer benachbarten Gemeinde das Trinkwasser durch eine chemische Verunreinigung stark verschmutzt wurde, begann man auch in Kölliken das Wasser und die Grube zu kontrollieren. Da die Werte immer schlechter wurden, beschloss man 1998 die Grube vollständig zu sanieren. Im Frühjahr 2006 begannen die Arbeiten an der Deponie.
Rundgang
Nach der Einführung mit Film führte uns Herr Gabriel durch die imposanten Anlagen. Der Besucherweg führte uns in die Lagerhalle und weiter in die Manipulationshalle, in der jetzt der Abbau von Sondermüll, ungefähr ein viertel der Gesamtmenge, abgeschlossen ist. Zurzeit ist die Sanierung für ca. 7 Monate unterbrochen, um bauliche Anpassungen vorzunehmen und anschliessend den grossen Rest abzutragen. Der Rückbau der landesweit bedeutendsten Altlast erfolgt in einer gigantischen Halle, die in 19 Monaten über der Deponie erstellt wurde. Über 500'000 Tonnen Giftmüll und verseuchte Erde werden ausgebaggert und entsorgt. Die Gesamtkosten für den Rückbau sind auf 700 Millionen Franken veranschlagt.
Danach überquerten wir das riesige Dach der stützenlosen Halle mit einer Fläche von 7 Fussballfeldern. Diese Abbauhalle befindet sich in einem Unterdruck, so dass weder Staub noch Geruchsemissionen ungefiltert in die Umwelt gelangen können. Die Gase werden mit Hilfe von Erdgas verbrannt. In der Kläranlage erklärte Herr Gabriel mit einer eindrücklichen Geruchsprobe des Wassers die Wirkung dieser Anlage vor und nach dem Klärvorgang.
Anschliessend stiegen wir über eine Wendeltreppe in die Tiefe und durchwanderten den 600 m langen Entwässerungsstollen. Hier wird alle 4 m mit einem Drainagebrunnen (vertikale Sickerleitung) das Wasser in einer Tiefe von 6 m gefasst und mit riesigen Pumpen in die hauseigene Kläranlage gepumpt. Wieder am Tageslicht besichtigten wir einen Teil der gigantischen Baumaschinen. Bei diesen Dimensionen konnten wir uns gut vorstellen, dass auch mit den grössten Maschinen noch bis mindestens 2012 weiter gebaggert werden muss.
Fazit
Das Beispiel der Sondermülldeponie Kölliken zeigt, wie der Umgang mit Abfällen für nachfolgende Generationen zum Problem werden kann. Obwohl die Experten bei der Eröffnung sicher waren, eine gute Lösung für die Lagerung von Sondermüll gefunden zu haben, musste die Anlage in den letzten Jahren unter Aufwendung hoher Summen saniert werden, um die Gefährdung von Mensch und Umwelt durch austretende chemische Stoffe zu vermindern. Nun wird die Deponie sogar komplett rückgebaut. Der „Fall Kölliken“ ist ein anschauliches Beispiel, weil er sowohl von der Grösse her als auch in der zeitlichen Dimension gut fassbar ist.
Die Geschichte der Sondermülldeponie soll auch als Warnung verstanden werden: Nicht nur, dass mit sich verbesserndem Wissensstand unvorhersehbare Probleme auftauchen können - bei Deponie-Projekten sind immer auch politische, persönliche und finanzielle Interessen im Spiel, hinter welchen die Sicherheit auf der Strecke bleiben kann.
Am Beispiel der SMDK wird ersichtlich, wie ein zum Zeitpunkt seiner Realisierung seriös und weitsichtig geplantes Projekt im Laufe der Zeit von neuen Erkenntnissen, neuem Wissen, einem neuen Verständnis des Umweltschutzes sowie von den Entwicklungen der Technik überholt worden ist. (mr)
Weitere Informationen:
Beschreibung der Sanierung
Webseite der Sondermülldeponie www.smdk.ch