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Sie legten in Brunnen, Flüelen oder in Buochs an: Vor genau hundert Jahren, ab dem 11. Februar 1916, entstiegen die ersten Kriegsinternierten den Dampfschiffen; auf Bahren, an Krücken oder mit dicken Verbänden. Die Bevölkerung bereitete den vom Krieg gezeichneten Männern einen herzlichen Empfang.
Auf Initiative des Roten Kreuzes und durch päpstliche Vermittlung beschlossen die Krieg führenden Mächte im Januar 1916, dass schwer verwundete und kampfunfähige Soldaten in der Schweiz interniert werden durften. Im Ersten Weltkrieg gerieten rund 8,5 Millionen Armeeangehörige in Kriegsgefangenschaft.
Rund 68’000 beider Kriegsparteien von ihnen genossen zwischen 1916 und 1919 einen mehrwöchigen bis mehrmonatigen Aufenthalt in der Schweiz, auf Kosten der Kriegsparteien, notabene. Das Berner Oberland und die Zentralschweiz gehörten dabei zu den wichtigsten Aufnahmeregionen. Hier schwankte die Zahl der Internierten zwischen 2800 und 4600.
Unterkunft in Hotels
In der Zentralschweiz wurden mehrheitlich deutsche Internierte aufgenommen. Sie wohnten hauptsächlich in den leer stehenden Hotels in den Tourismusregionen, eine profitable Einkommensquelle für den darniederliegenden Fremdenverkehr, der mit dem Ausbruch des Krieges fast alle Gäste verloren hatte.
Die Internierten waren nicht nur zur Erholung in der Schweiz, sie waren auch verpflichtet, zu arbeiten oder allenfalls zu studieren. In Nidwalden waren durchschnittlich etwa 600 Internierte untergebracht. Ein Teil von ihnen arbeitete etwa bei der Trockenlegung der Allmend von Buochs, Stans und Ennetbürgen mit. Wegen der schwierig gewordenen Lebensmittelversorgung während des Ersten Weltkrieges mussten die Anbaugebiete vergrössert werden.
Entsprechend leisteten die Internierten auch Pflanz- und Ernteeinsätze. Andernorts, etwa bei Sempach oder auf dem Zugerberg, stachen sie Torf, der als Ersatz für die knapp gewordene Kohle diente. Internierte Soldaten fanden nicht selten auch eine Beschäftigung in privaten Betrieben, wie der Beromünstermer Arzt Dr. Edmund Müller-Dolder ins seinen Tagebüchern notierte, etwa in einem Eintrag vom 6. August 1917:
«Ein neuer Internierter ist eingerückt. Baumeister Jakob Zeier hat einen zweiten deutschen Kriegsgefangenen aus Schlesien angestellt, der in der Schlacht von Arras verwundet u. von den Engländern gefangen wurde.»
Herzlich willkommen
Insgesamt fanden die internierten Soldaten eine freundliche Aufnahme bei der Bevölkerung. In Nidwalden und wohl auch anderswo veranstalteten die Dorfvereine Benefizkonzerte zugunsten der Interniertenhilfskasse. Im Gegenzug organisierten die Kriegsgefangenen «musikalisch-theatralische Aufführungen» für die Einheimischen. Geradezu schwärmerisch beschrieb die zu ihrer Zeit populäre Nidwaldner Dichterin Isabelle Kaiser den Aufenthalt in der Broschüre «Unsere deutschen Kriegsgäste am Vierwaldstädtersee»:
«Nie werden wir die Tage der Ankunft der kranken Krieger vergessen! Wenn ich auch nur ihren Einzug in mein Dörfchen Beckenried beschreiben kann, so bleibt er typisch für alle Küstenorte unseres Sees, denn der herzbewegende Anblick und der liebreiche Empfang wiederholten sich in der gleichen Tonart in Weggis, Vitznau, Buochs, Hergiswyl, Gersau, Brunnen, Flüelen und Burgfluh.»
Nüchterner betrachtet profitierte die Schweiz nicht nur von der Arbeitskraft der Internierten: Die Hoteliers konnten zumindest teilweise ihre leeren Betten füllen und so den Kollaps einer wichtigen Branche verhindern, die wirtschaftlich völlig vom Ausland abhängige Schweiz konnte mit der Aufnahme der Kriegsgefangenen zumindest einen kleinen politischen Handlungsspielraum zurückgewinnen und ihr humanitäres Engagement als Tradition festlegen.
Das Museum Burg Zug zeigt ab dem 17. April die grosse Wanderausstellung «14–18 Die Schweiz und der Grosse Krieg» exklusiv in der Zentralschweiz und präsentiert deren spezifische Situation während des Ersten Weltkrieges in einem Sonderteil.
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