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Oder eine nicht ganz alltägliche Hochzeitsgeschichte in Südostasien,
beruhend auf wahren Tatsachen, zum einjährigen Hochzeitstag von Nicha und Andi.
Vorspiel.
Für ein letztes Dokument reisten sie in die Hauptstadt, die nicht mehr ganz so junge Thai-Lady aus dem Isaan und der ältere Farang. Vor beinahe neun Jahren haben sie sich kennen gelernt, aus der langjährigen Freundschaft wurde erst eine Wohngemeinschaft und ein Jahr später eine amouröse Lebens-Partnerschaft. An sich hätten die zwei in dieser Konstellation weiter leben können, von der bäuerlichen Dorfgemeinschaft problemlos akzeptiert und respektiert, und es gab auch kein Konkubinats-Verbot.
Hätte, wenn nicht der Mächtigste des Landes aufgrund des anhaltenden Ungehorsams seiner Untertanen drohte, er würde das Land allenfalls schliessen wollen. Diese Drohung wurde von Regierungssprechern sofort relativiert und landete in der Kiste der witzigen Ausrutscher. Schwamm drüber und wieder gut geschlafen allerseits.
Wochen später tauchte diese Recherche eines Journalisten auf, zuerst in Englisch, dann in Deutsch. Sie besagte, dass das Land schon einmal im 17. Jahrhundert geschlossen wurde, die Grenzen dicht gemacht und abgeschottet. Dieser Zustand soll 180 Jahre gedauert haben und für das Land wirtschaftlich sehr erfolgreich gewesen sein, so interpretieren die Historiker. Und alle Farangs mussten damals raus! Durch die Zeilen war zu lesen, dass der witzige Ausrutscher des Staatschefs durchaus ernst zu nehmen sei, denn er wurzle in eben diesen historischen Tatsachen und werde von einer Elite des Landes portiert. 5!
Die Nächte des Farangs wurden wieder deutlich kürzer, in den Hirnwindungen nistete sich ein Szenario ein, welches nichts Gutes versprach. Angenommen, das „Zurück ins Mittelalter“ würde tatsächlich stattfinden und er müsste seine Partnerin, Freundin, Geliebte einfach zurücklassen… undenkbar!
„Ich bin zu alt für einen solchen Scheiss!“, sagte er zu sich und machte ihr ein Heiratsangebot. Ihr Ja-Wort löste eine wilde Dokumentensuche aus, welche wie eingangs beschrieben, auf einem Amt irgendwo in der Hauptstadt endete. Und sie nahm dort auch ein abruptes Ende, weil auf mindestens der Hälfte der mitgebrachten Dokumente ihr falscher Name und das falsche Geburtsjahr standen. Nicht gesehen da nicht kontrolliert da geglaubt, die Staatsdiener weit oben im Isaan würden ihren Job richtig machen! 5! (lauter)
Zurück auf der Gemeindekanzlei im Isaan begann das Fest. Sechs Angestellte bemühten sich um die richtigen Daten und Namen und Stempel, nach zwei Stunden intensivster Arbeit zogen sich alle auf Kosten des Farangs in ein wunderbares Esslokal mit den herrlichsten Isaan-Speisen zurück. Der nun richtige Start einer Hochzeit wurde auf das Ausgiebigste, wenn nicht schon auf das Unverschämteste gefeiert.5! (ziemlich laut).
Von nun an nahm alles seinen Lauf. Der nächste wichtige Schritt war der Besuch beim Lompho Kanong, dem alten Mönch im Waldtempel. Er hat nur ein altes Nokia und trotzdem, er sieht was in der Welt so alles abläuft, deshalb besuchen ihn die Menschen von weit her und bitten ihn um Rat. Mit den Jahren hatte der Farang festgestellt, dass die hellseherischen Fähigkeiten des Lompho das rationale westliche Denken eindeutig ausstechen. Die Trefferrate des Lompho sei über 90 Prozent, meinte die zukünftige Braut. Und dem Lompho gefielen die Heiratsabsichten offensichtlich, denn es gebe keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, meinte er. Ebenso meinte er, es könnte allenfalls etwas kompliziert werden……5!(mit etwas Genugtuung).
Inzwischen hatte die nicht mehr ganz so junge Thai-Lady aus dem Isaan und der ältere Farang eine Auseinandersetzung, was die Unterschrift der zukünftigen Schweizerin betraf. Ihr war zwar klar, dass sie den Familiennamen des zukünftigen Ehemannes annehmen würde, aber sie wollte den partout in Thai-Schrift auf die zukünftigen Dokumente setzen. Das gehe so nicht, meinte er, in der Schweiz könne das niemand lesen, eine Unterschrift sollte man doch irgendwie entziffern können. Obwohl, einerseits gefiel dem Farang diese hieroglyphische Unterschrift irgendwie schon, und andererseits kennen wir ja auch die hingeschmierten und unleserlichen Unterschriften der Intelligenzija (Ärzte, Anwälte etc.)im Heimatland. Im Grunde ging es bei der ganzen Diskussion aber nur um den Gesichtsverlust, einmal mehr. Denn, obwohl in der englischen Sprache sehr bewandert (autodidaktisch gelernt), konnte sie unsere Schrift nicht fliessend schreiben. 5! (feststellend).
Und es füllten sich A4-Seiten mit Unterschriften, am Anfang noch etwas kritzelig, dann immer schwunghafter, ab der vierten Seite dann schon eindeutig reproduzierbar. Das fand unter Beteiligung der ganzen Familie mit viel Sanook statt.5555555!
Hauptakt.
Flug gebucht, ein Tag vor Valentine, die Braut mit 40 Grad Fieber im Bett, Spital, eine Tüte voller Medikamente, Antibiotika-Bombe, Grippe. Eine Konsequenz der kürzlich über das Land gezogenen Kältewellen. Noch vor einer Woche waren es beinahe fünf Tage bei höchstens elf Graden. Unglaublich, Thailand gleich Eskimoland, alle froren sie erbärmlich und die Grippe krallte sich mehr als die Hälfte der Dorfbevölkerung, selbst der abgehärtete Farang aus dem Alpenland befand, sein Wohlbefinden sei eindeutig beeinträchtigt.5! (etwas entrüstet).
Trotz alledem, der Valentins-Tag war der Start, kurzer Flug in die Hauptstadt, Taxi zum Hotel, ausschlafen.
Tag eins:
Dokumenten-Check auf der Botschaft, wohlwollende Zustimmung der netten Dame am Schalter, mit einer Auslese von 9 Dokumenten zum Übersetzer, zurück ins Hotel, antibiotische Schlafkur der Braut.
Tag zwei:
Dokumente abholen und zurück zur Botschaft, ihr geht es ziemlich schlecht, Taubenfüttern am Strassenrand ohne Tauben, er ziemlich besorgt, aus den vielen Papieren wurde eine Marriage Application in Englisch, ihre erste zittrig reproduzierte amtliche Unterschrift, zurück ins Hotel, Fortsetzung der antibiotischen Schlafkur.
Tag drei:
Taxi-Odyssee durch Bangkok, der dritte Taxifahrer fand gegen Mittag das Aussenministerium (Ministry of Foreign Affairs), dort wo die Marriage Application in Thai übersetzt und beglaubigt werden soll. Nach 9 Uhr morgens ginge gar nichts mehr, hiess es, zwei Tage auf die Stempel warten wurde angedroht, es begann kompliziert zu werden. Der Farang, mit seiner typisch europäischen Voraussicht, wollte wissen, wie es denn nach dem Aussenministerium weiter gehen würde. Dann werde geheiratet auf der Amphoe Bang Rak, das würden alle Farangs da tun. Der junge Mann, welcher sich um die Übersetzung kümmern wollte, begann zu telefonieren, und es wurde immer komplizierter. Eine 20-minütige Erklärung am anderen Ende der Leitung besagte, das Standesamt sei auf Tage ausgebucht, zudem brauche es je einen Farang- und Thai-Zeugen, beide müssen des Englischen mächtig sein. 5!!! (Hatte nicht Lompho Kanong gesagt, es könnte allenfalls kompliziert werden….?)
Nachdem diese bedrohliche Kulisse aufgebaut war und sich langsam die Verzweiflung bei den Brautleuten breit machte, kam eine mögliche Lösung durch die Hintertüre, die würde zwar eine Stange Geld kosten. Normalerweise würden Farangs gleich von Anfang an eine Heirats-Agentur beauftragen, meinte der junge Mann mit einem höflichen Lächeln. Aber er hätte da auch eine persönliche und günstigere Lösung. Das Lächeln und das Angebot waren überzeugend und man einigte sich.
Tag vier:
High Noon im Aussenministerium, es dauerte dann nochmals zwei Stunden bis die Stempel endlich angetrocknet waren. Kurze Taxifahrt zum Bezirksgebäude Lak Si, also nicht Bang Rak wo alle Farangs sonst heiraten würden, nette englisch-sprechende Standesbeamtin, Dokumente ausfüllen, viele Unterschriften, mit allem zum Chef – der wollte hauptsächlich wissen, ob der Farang denn den mörderisch scharfen Papaya-Salat „Somtam Isaan“ essen könne – Stempel in blau und rot, und endlich die Heiratsurkunden, alles in Thai geschrieben, selbst der Name des Farangs, ein bisschen falsch wie sich erst später herausstellen sollte. Geschafft! 5!(langausklingende Erleichterung).
Tag fünf:
da haben sie dem Farang doch tatsächlich ein „i“ in den Nachnamen geschmuggelt, genau zwischen zwei Konsonanten. Das gibt dem Namen zwar diese typisch schweizerische Verniedlichung, aber auch einen neuen Sinn. Das bewog die neu Vermählten nochmals den langen Weg auf das Standesamt Lak Si unter die Räder zu nehmen, diesmal in einer Kombination von Skytrain und Taxi. Dieselbe Dame, diesmal leicht gereizt, händeringend, ja sie könne da gar nichts machen, denn das sei ja vom Aussenministerium überbeglaubigt worden, und genau aufgrund dieser grossen roten Stempel hätte sie ja die Heiratsurkunden……….also die Brautleute müssten sich geradezu wieder scheiden lassen und dann nochmals von vorne beginnen.
Ein grosses 5 fiel sogleich ins Bodenlose, bleiche Gesichter, Totenstille. Aber sie hätte da auch eine einfache Empfehlung, diesmal sogar kostenfrei! Der Farang solle doch einfach auf der Wohngemeinde, weit oben im Isaan, sein gelbes Hausbuch (Tabien Ban- schon drei Jahre alt) erneuern und den „falschen“ Nachnamen einsetzen lassen. Dann wären alle in Thai geschriebenen Nachnamen des Farangs zwar falsch, aber deshalb auch wieder richtig. Thailogik? Ja, Thailogik! 5! (etwas knurrend). Wasdennsonst!
Das Nachspiel bleibt offen und vor allem spekulativ. Wird die Heiratsurkunde von der Botschaft des Farangs akzeptiert? Was sagt das Immigration Office dazu, wenn es um das nächste Jahresvisum geht? Welchen Nachnamen kriegt die Braut in ihren Pass geschrieben?
weit oben im Isaan und hielten sich die Hände. Zum ersten Mal kam etwas Romantik auf, die Blütenpracht erwärmte die beiden Herzen nach den lärmigen Tagen an der Sukhumvit Road mit Dauerstaus in der grossen Stadt. Etwas nachdenklich waren sie zwar schon, die nicht mehr ganz so junge Thai-Lady und der ältere Farang, aber irgendwie doch glücklich. Und er fragte sie zärtlich: “mit welchem von den beiden Farangs willst Du denn heute Abend ins Bett?“
Die Fortsetzung der turbulenten Hochzeitsgeschichte der nicht mehr ganz so jungen Thai-Lady aus dem Isaan und des älteren Farangs, oder eben,
das Nachspiel:
Auf der Gemeinde war man sichtlich empört über die Idee der Bangkok-Beamten, den falschen Nachnamen des Farangs hier oben in die Dokumente einzutragen. Was meinen die da in der Hauptstadt denn eigentlich? Auch sie hier, in den Pampas, würden die Gesetze und Regulierungen des Landes genau kennen, meinte der Abteilungsleiter mit leicht errötetem Kopf. Er nahm den Telefonhörer und rief sofort die Dame in Lak Si an. Aufgrund der sehr lauten Unterhaltung war anzunehmen, dass die Dame in Lak Si nicht sehr glücklich war. Sie sollen noch einmal nach Bangkok kommen, die nicht mehr ganz so junge Thai-Lady aus dem Isaan und der ältere Farang, hiess es.
Nachdem der falsch geschriebene Nachname des Farangs mit einem weiteren Behördengang in der grossen Stadt bereinigt wurde – selbstverständlich wollte dafür niemand geradestehen – landete der Ball wieder auf der Thai-Seite. Es ging darum, dass die nicht mehr ganz so junge Thai-Lady den Nachnamen ihres Ehegatten annehmen wollte. Schwierig, schwierig …hiess es von der Front hier lebender Expats, das würden sie dringend abraten, denn dann könne die Thai-Lady nicht einmal mehr Land kaufen in ihrem eigenen Land… unmöglich hiess es auf der Thai-Freundinnen-Seite, mit welchem Farang sie auch immer verheiratet waren.
Ja, und der Wechsel des Rentner- zum Verheirateten-Jahresvisum, ein Ding der Unmöglichkeit und kompliziert sag ich euch……unbedingt nichts sagen und Rentnervisum beibehalten, machen wir alle so, hiess es bei den Expats. Der schon etwas ältere Farang mit den mittlerweile weiss gewordenen Haaren hatte keine andere Wahl: die Haare konnten nicht noch weisser werden. 5! Wirbelstürme im Schnapsglas!
Mit zwei aktuellen Passfotos von ihm, den Heiratspapieren und ein paar Fotos, welche das Zusammenleben beweisen sollten bewaffnet, traten sie das Duell mit der Immigrations-Offizierin an. Es waren knallharte vierzig Minuten Ausfüllens und Unterschreibens – mindestens je 40 Unterschriften von jedem Beteiligten. Der Nahkampf durch die Papiere wurde durch unbeherrschte Schmunzel-Anfälle der Beamtin unterbrochen, als sie sich z.B. das Foto der beiden im Schlafzimmer ansah, wo da drauf beide authentisch unter einer Bettdecke hervorlugend………Peng! Wieder ein roter Stempel im Pass, ein sogenanntes Übergangsvisum für einen Monat, mal ganz was Neues! Diesen Monat würden die Beamten nutzen wollen, das frisch vermählte Ehepaar in ihrem Hause besuchen zu kommen, hiess es. Und sie kamen, zu Dritt, und es gefiel ihnen so gut auf dem Anwesen, dass der Farang in einem Anflug von Gastfreundschaft den Offizieren anerbot, Zelte für die Nacht zu besorgen. 5555. (Sanook)
Auch für die nicht mehr ganz so junge Thai-Lady hat sich ausser dem Nachnamen nichts geändert, sie ist und bleibt Thai-Staatsbürgerin mit allen Rechten und Pflichten, sie könnte die halbe Provinz kaufen wenn sie wollte und das Geld dazu hätte, aber das hatten die beiden ja in den Zeiten des turbulenten Hochzeitens schon ausgegeben.
Nachträgliche Erklärungen
Bei ihrem dritten Besuch des Standesamtes Lak Si las der Farang ein an der Wand aufgehängtes Plakat: Der Farang, im Besitze einer vom Aussenministerium beglaubigten Marriage Application kann in jeder Gemeinde des Landes zusammen mit seiner Braut das thailändische Hochzeitszertifikat beantragen. 5!! In jeder Gemeinde!!
Die Thanon Sukhumvit beginnt in Bangkok als direkte Verlängerung der Rama I und der Thanon Ploenchit, welche zum Königspalast führen. Die Sukhumvit ist mit über 400 km eine der längsten Strassen des Landes, sie endet an der kambodschanischen Grenze im Osten. So gibt es noch weitere Hauptstrassen, welche vom Königspalast an die Grenzen führen, so je eine in den Norden (Phahon Yothin), Nordosten (Mittraphap) und Süden (Phetkasem).
Farang ist die Bezeichnung für weisse Ausländer aus Europa und den USA. Arabischstämmige sind Käg und dann gibt’s noch Khon Dschin, die Chinesen……
Einer der wichtigsten Ausdrücke hierzulande ist Sanook = Spass haben. Ohne Sanook geht gar nichts. Vor lauter Sanook verpasst man gerne mal die Ziele, aber das lässt sich auch wieder mit Sanook ausgleichen….
5 auf Thai heisst HA!
Nachtrag für heiratswütige Farangs:
- Lasse jedes Thai-Dokument immer von Anfang bis Ende genauestens überprüfen, eine entsprechende Bitte muss kompromisslos sein, den in der Denkweise eines/einer Thai macht er/sie nie Fehler, weiss alles und kann alles……Staatsdiener sind ohnehin unfehlbar!
- Nach der Übersetzung/ Überbeglaubigung der Marriage Application durch das Aussenministerium (kontrollieren!)sofort ab nach Hause, Heirat in der Wohngemeinde……..
- Die beschriebene Heirat mit amtlichen Papieren wird von der ländlichen Bevölkerung und Familie der Braut nicht wirklich anerkannt, obwohl diese der Braut die einzige wirkliche Sicherheit bietet (Aussicht auf Staatsbürgerschaft des Heimatlandes des Farangs).
- Vielmehr wird erwartet, dass das Paar buddhistisch heiratet. Traditionell wird im Isaan dazu ein stattliches/angemessenes Brautgeld ausgehandelt und ein grosses Fest für Familie, Verwandte und das ganze Dorf veranstaltet. Damit soll auch demonstriert werden, dass die Familie mit dem Zuzug eines begüterten Farangs finanziell und sozial aufsteigt…..Die traditionell-buddhistische Heirat wird ohne Dokumente vollzogen, ermöglicht somit den Brautleuten jederzeit aus der Ehe wegzurennen. Sehr viele Thai-Ehen werden nur so geschlossen, die „Ausstiegsrate“ ist entsprechend hoch. Es soll sogar Farangs geben welche in Europa noch verheiratet sind und mit dieser Art von Heirat die „Unverbindlichkeit“ nutzen. Mehr zum Thema „Brautgeld“ in meinem nächsten Blog……