Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03606.jsonl.gz/1327

Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang einer Vertreterin oder eines Vertreters in den St.Galler Stadtrat hat sich geklärt: Neben Mathias Gabathuler (FDP), der auch für das Stadtpräsidium kandidiert, tritt auch Trudy Cozzio (CVP) nochmals an. Sie darf auf die Stimmen der Grünen hoffen.
Im Vorfeld haben die Grünen dargelegt, dass sie auf eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten verzichten, sofern die CVP erneut kandidieren werde. Einen bürgerlichen Sitz anerkannten sie, doch ziehen sie offensichtlich Trudy Cozzio vor, die sie für grüner und auch sozialer halten als Mathias Gabathuler. Damit war der Weg für Cozzio zu einer nochmaligen Kandidatur geebnet. Mit ein Grund für die Beteiligung im zweiten Wahlgang war das gute Abschneiden im ersten Wahlgang mit nur tausend Stimmen weniger als Gabathuler, der eine grössere Plattform hatte als Cozzio, weil er von Anfang an auch für das Stadtpräsidium kandidierte. Zudem möchte die CVP das verlorene Mandat in der städtischen Exekutive zurückerobern.
Zweikampf in Sicht
Es dürfte aller Voraussicht nach zu einem Zweikampf zwischen Mathias Gabathuler und Trudy Cozzio kommen, alles andere als sich die Freisinnigen gewünscht haben. Sie hofften auf eine bürgerliche Einigung auf Gabathuler, obwohl die bürgerliche Allianz schon beim ersten Wahlgang nicht funktioniert hat. Die FDP steht vor einer schwierigen Situation. In einem Communiqué gab sie ihrer Empörung auf die Kampfansage Ausdruck, die im Widerspruch zu einer unterzeichneten Vereinbarung stehe. Im ersten Wahlgang waren die vier bisherigen Mitglieder der fünfköpfigen Regierung, Peter Jans (SP), Maria Pappa (SP), Sonja Lüthi (glp) und Markus Buschor (parteilos) gewählt worden. Für das Stadtpräsidium verfehlte Maria Pappa zwar das absolute Mehr im ersten Wahlgang, steigt aber aus der Pole Position in den zweiten Durchgang. Markus Buschor hat sich noch nicht entschieden, ob er am zweiten Wahlgang teilnehmen will, obwohl seine Aussichten gewählt zu werden, gering sind. Das Wahlergebnis der anderen Kandidaturen dürfte er kaum wesentlich beeinflussen. Karin Winter-Dubs (SVP) hat sich für die Stadtratswahl als Folge des schlechten Abschneidens im ersten Wahlgang rasch zurückgezogen. Die Kandidaturen sind bis 15. Oktober der Stadtkanzlei bekanntzugeben, eine
Überraschungs-Kandidatur ist darum nicht gänzlich auszuschliessen.
Wie liegen die Chancen?
Gabathuler hat im Wahlkampf zu erkennen gegeben, dass er über den nötigen Schliff und das nötige politische Gespür verfügt, um die Führungsposition gut zu meistern und die Stadt gekonnt zu repräsentieren. Doch seine Wahlbasis ist geschrumpft. Die SVP wird sich kaum gross um ihn bemühen, nachdem die anderen bürgerlichen Parteien ihre Kandidatin Karin Winter-Dubs derart im Regen haben stehen lassen. Die Grünen werden sich auf Cozzio ausrichten, die sie ja zur Kandidatur ermuntert haben. Wenn Cozzio in den Stadtrat gewählt wird, dürfte Maria Pappa im zweiten Wahlgang das Amt als Stadtpräsidentin erobern. Sie hat an den öffentlichen Auftritten vor der Wahl einen guten Eindruck hinterlassen. Als sie zum Beispiel gefragt wurde, ob sie für die dritte Autobahnröhre samt Anschluss Güterbahnhof samt Zubringer Liebegg sei, antwortete sie, man werde ja sehen, wie das Volk entscheide.
Ein noch offenes Rennen
Gesamthaft ist somit heute von einem offenen Rennen zwischen Gabathuler und Cozzio beziehungsweise zwischen Gabathuler und Pappa auszugehen. Mitentscheidend ist, wie sich die Kandidatinnen und der Kandidat und ihre Parteien bis zum zweiten Wahlgang am 29. November präsentieren. So oder so wird der Stadtrat aufgrund der Ergebnisse des ersten Wahlgangs nicht die Kräfteverhältnisse im Stadtparlament widerspiegeln, sondern linker stehen, was die politische Arbeit erschwert.
(Quelle: St.Galler Nachrichten, 7. Oktober 2020)