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Hauterive,
deutsch Altenryf (Kt. Freiburg, Bez. Saane, Gem. Posieux). 580 m. Lehrerseminar, am linken Ufer der Saane und in einer vom Fluss gebildeten Halbinsel, 3 km ssö. der Station Matran der Linie Bern-Freiburg-Lausanne und 7,5 km sw. Freiburg. 3 Häuser, 117 kathol. Ew. Ehemals berühmtes Zisterzienserkloster, 1137 von Wilhelm von Glâne gestiftet, der hier als Klosterbruder 1142 starb. Sein Grab befindet sich heute noch in der Kirche neben dem Hauptaltar. Das Kloster erhielt reiche Vergabungen von den Grafen von Greierz, Neuenburg, Genf, Savoyen u. a. und erfreute sich des besondern Schutzes von Seiten der Herzoge von Zähringen, der Bischöfe von Lausanne und auch der Päpste.
Mehrere dieser letztgenannten verliehen ihm in besonderen
Bullen eine Reihe von Vorrechten, so 1198 Innozenz III.
in Bezug auf die Diözesansynoden, Abtwahl, Priesterweihe; 1416 erhielt der Abt von
Martin V. das Recht zum Tragen der Mitra,
des Hirtenringes und verschiedener anderer kirchlichen Ornamente. Der Abtei
Hauterive unterstanden in kirchlichen und weltlichen
Angelegenheiten das
Frauenkloster in der
Maigrauge und der
Fille Dieu, sowie das Kloster
Cappel; sie liess
ferner durch ihre eigenen
Mönche den Gottesdienst in den zu ihr gehörenden Pfarreien
Écuvillens,
Onnens,
Cugy (bei
Estavayer),
Lentigny,
Nuvilly,
Treyvaux und
Cormondes ausüben. Infolge der Urbarmachung und Kolonisation grosser Landstriche und guter Verwaltung
gelangte das Kloster zu bedeutendem Reichtum und gestaltete sich zu einem
Herde der Gesittung, der weitherum
seinen wohltätigen Einfluss auszuüben vermochte und zu beiden Ufern der
Saane Ackerbaukolonien,
Mühlen, Werkstätten und
eine Tuchfabrik erstehen liess.
Mehrere der Aebte haben sich durch ihre Frömmigkeit und ihre Talente ausgezeichnet. Girard starb 1157 im Geruch der Heiligkeit; der 1449 verstorbene Peter von Avry ¶
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darf als zweiter Gründer des Klosters angesprochen werden und war der erste Abt, der die Mitra trug; Bernhard von Lenzburg ward 1782 Bischof von Lausanne.
Der Klosterbruder Guilelmus Altaripanus machte sich als Gesandter und Prediger in Deutschland bekannt. 1387 wurde das Kloster durch eine Abteilung Berner Truppen geplündert, 1578 legte eine Feuersbrunst einen Teil der Gebäulichkeiten in Asche und 1532 suchte hier der letzte Abt von Frienisberg ein Asyl für den Rest seines Lebens. Der stets zu Tage gelegten Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft des Klosters erfreuten sich besonders die ihm nahe gelegenen Gemeinden. So liess es z. B. während der Teuerung von 1816-17 2000 Säcke Weizen aufkaufen, um daraus Brot zu backen und dieses an die angrenzenden Pfarreien auszuteilen. 1848 ward das ehrwürdige Kloster aufgehoben und sein Gut zum Staatseigentum erklärt; 1859 einigten sich die religiösen und zivilen Behörden dahin, dass das Klostervermögen zu einem Teil vom Bistum zur Aufbesserung von Pfarrerbesoldungen und zum andern Teil vom Staat zu wohltätigen Stiftungen verwendet werden sollte.
Nach der Säkularisation dienten die Klosterbauten während einiger Jahre als landwirtschaftliche Schule, worauf sie 1858 zu dem hier heute noch bestehenden Lehrerseminar umgewandelt wurden. Dieses zählt jetzt 9 Lehrer und 80 Schüler (wovon 50 Lehramtskandidaten) in vier Jahreskursen. Am d. h. am Abend nach Schluss der Osterferien, brach Feuer aus, das einen grossen Teil der der Schule dienenden Gebäude zerstörte. Den Wiederaufbau benutzte man zugleich zu längst wünschbaren umfassenden Reparaturen an allen Gebäuden, was zusammen eine Summe von etwa 100000 Franken kostete.
Kirche und Kloster
Hauterive, in romanischem und gotischem Baustil gehalten, sind in architektonischer
Beziehung recht bemerkenswert. Die aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammenden Chorstühle gehören zu den schönsten
der Schweiz. Das Mittelschiff der Kirche wird durch je fünf Pfeiler von den Seitenschiffen geschieden, die Kapitäle sind
untereinander durch Spitzbogen verbunden, und Mittelschiff wie Chor tragen ein Spitzbogengewölbe. Ein
typisches Bauwerk für den Uebergangsstil ist der Kreuzgang, dessen gewölbte Arkaden von Doppelsäulen getragen werden.
Die Fensteröffnungen sind reich verziert. Die prachtvollen Glasmalereien des Chors hat man 1848 entfernt und nach ungeschickter
Restauration im Chor der St. Nikolaus Kirche zu Freiburg
angebracht. Man beabsichtigt, mit finanzieller Beihilfe
der Eidgenossenschaft die Klosterkirche von
Hauterive würdig restaurieren zu lassen und besonders auch die jetzt noch zum
Teil übertünchten dortigen Wandmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert freizulegen und auf ihren kunstgeschichtlichen
Wert zu prüfen. Der Name
Hauterive oder Altenryf vom latein. alta ripa = hohes Steilufer. (Vergl. Fribourg
artistique à travers les âges. Jahrg. 1890, 1891, 1893, 1894, 1896, 1898 und 1899). Vergl. auch unsere Abbildung im Geograph.
Lexikon, Bd. II, S. 175.