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15.06.2004
Im Hardware Store von Bowen werden nicht nur Gasfittings und Schläuche verkauft, hier wird auch rege politisiert. Ein grosser Teil Australiens (Süden bis fast an den Tropengürtel) kämpft seit einigen Jahren mit grosser Trockenheit und viele Rinder weiden auf dürren Flächen, welche kaum genügend Nahrung herzugeben scheinen. In der Region Bowen gibt es viele grosse Gemüseplantagen, welche ihren Wasserbedarf aus dem Grundwasser decken. Der Grundwasserspiegel sinkt jedoch kontinuierlich und die Einwohner warten sehnlichst auf einen Zyklon um eine Dürrekatastrophe zu verhindern. Ein Zyklon bringt schnell fürchterlich viel Regen und lässt die Gewässer sehr schnell fliessen, dadurch wird der Grund aufgewühlt und das Wasser kann im Boden versickern. Läuft das Wasser nur träge durchs Bachbett bleibt dieses hart und undurchdringlich und es fliesst ins Meer ab, wo es ungenutzt verdunstet. Weil der letzte Zyklon in den 80er Jahren über Bowen hereingekommen ist wurde ein Projekt für einen Stausee erstellt, welches jedoch von der Regierung mit wenig Interesse bedacht wurde und nicht weiterverfolgt wird.
Samstag, 5./Sonntag, 6. Juni. Peter hat noch immer Albträume wegen des Ankerns. Mitten in der Nacht reisst er die Vorhänge zurück und sucht Anhaltspunkte, ob wir uns verschoben hätten. Er erwacht und sieht lediglich die sich leise im Wind bewegenden Blätter umstehender Bäume und Wohnwagen/Camper, die ganz fest auf dem Boden stehen. Jetzt kann er wieder ruhig einschlafen.
Nordwärts wird es viel grüner und wir fahren stundenlang durch Zuckerrohrfelder, ein tropisches Gras. Die Pflanzen benötigen 12 – 16 Monate und jährlich mindestens 1500 mm Regen, um 2 bis 4 m hoch zu werden. Soeben hat die Ernte begonnen, welche bis im Dezember dauern wird. Früher wurden die Felder vor dem Ernten angezündet um drohende Seuchen abzuwenden und die sich darin befindlichen Schlangen loszuwerden, damit gefahrlos der Arbeit nachgegangen werden konnte. Heute ist dies noch in den südlicheren Regionen Brauch, wo das Zuckerrohr trocken geerntet wird und der Abfall nicht als Dünger auf dem Feld liegen gelassen werden kann, weil er wegen zu kalter Temperaturen nicht schnell genug vermodert. Weiter oben im Norden jedoch, wo das Grundwasser ein wenig tiefer liegt, wird das Zuckerrohr grün geerntet und dieser Abfall ist willkommenes Deckmaterial, damit dem Boden die Feuchtigkeit erhalten bleibt und weniger Unkraut wächst sowie um der Bodenerosion entgegen zu wirken.
Der Zuckerrohr-Anbau erstreckt sich von Grafton (New South Wales) bis Mossman (Queensland). 95 % des Gesamtanbaus entfallen auf Queensland und drei Viertel davon auf die Tropenregion nördlich von Rockhampton. Australien ist das grösste Zucker-Exportland. Jährlich werden über 38 Mio. Tonnen Zuckerrohr geerntet, dies ergibt ungefähr 5 Mio. Tonnen Rohzucker. Zucker ist, nach dem Weizen, Australiens zweitgrösstes Exportgut. Die insgesamt 26 Zuckermühlen liefern den Rohzucker in 7 „Bulkterminals“, also Lagerhäuser. Vom Zuckerrohr kann alles verwertet werden, es gibt absolut keinen Abfall: Brennstoff, Dünger und Tierfutter sind sozusagen Nebenprodukte der Zuckerherstellung. In der Zuckerproduktion in Queensland werden über 20'000 Leute beschäftigt.
Weil wir bereits in Townsville stoppen, können wir einen gemütlichen Sonntagnachmittag verbringen und einfach ein wenig durchs Städtchen schlendern.
Montag, 7. Juni 2004. Wir kaufen einen fast neuen Reifen, lassen diesen aufs Reserverad montieren und befestigen den alten an unserer Bullbar. Es ist sicherer, auf der Fahrt zum Cape York zwei Ersatzreifen mitzunehmen, denn zu schnell steckt ein Ast im Rad oder ein scharfer Stein im Wasser schlitzt den Pneu auf – „you never know“.
Der Regenwald des Paluma Range Nationalparks bringt uns Abwechslung zu den Zuckerrohrfeldern, die über hunderte von Kilometern die Strasse säumen. Endlich unternehmen wir auch wieder einmal eine kleine Wanderung - z’gäch dörfe mer jo no ned grad drii. Die Distanzen sind hier so riesig, dass wir einfach viel mehr im Auto sitzen, als zu Fuss unterwegs sind.
Am Dienstag treffen wir, nach einem kurzen Abstecher an die Mission Beach und ins Zuckermuseum in Innisfail, bereits in Cairns ein.
Am Mittwochmorgen früh veranstalten wir eine Riesen Auslegeordnung mit Werkzeugen, Bergungsmaterial, Ersatzteilen und allem was wir für notwendig erachten mit ins Outback zu nehmen. Wir müssen wissen, ob alles funktionstüchtig ist und herausfinden was uns noch fehlt. Die Liste umfasst einen hydraulischen Wagenheber; einen mechanischen Wagenheber (High Lift Jack), mit welchem wir das Fahrzeug bis einen Meter hoch anheben oder auch einen Pneu von der Felge abdrücken könnten, wir haben auch die Möglichkeit, ihn als Winde einzusetzen; eine Handwinsch mit Umlenkrolle; zweiter Reservepneu mit Schlauch; elektrischen Luftkompressor; eine Fusspumpe; zwei Pneuheber; Schlauch-Reparaturset; diverse Keilriemen; Kühlerschläuche; je ein 3 m’ und ein 6 m’ langes Abschleppseil; Steckschlüsselsatz, Beil, Hammer und Schraubenzieher. Auf der Hema-Spezialkarte vom Cape York sind die Koordinaten von Kreuzungen und „Roadhouses“ angegeben und wir werden mit dem GPS jeweils unsere Position kontrollieren, damit wir auf dem richtigen Weg bleiben. Jetzt sind wir mit allem eingedeckt und könnten eigentlich los, doch vorerst gilt es noch, Cairns zu entdecken.
Donnerstag fahren wir mit dem Zug von Freshwater Station nach Kuranda. Dafür benötigen wir, mit einem Zwischenhalt zur Besichtigung der Barron Wasserfälle, 1 ½ Stunden. In Kuranda gibt es allerhand Souvenirs zu kaufen und Peter verliebt sich in ein wunderschönes Digeridoo, welches er gleich nach Hause schicken lässt. Wir haben es vorher fotografiert und können es so jederzeit auf unserem Laptop anschauen. Für den Weg zurück besteigen wir die Gondelbahn, welche uns über den Baumkronen des Regenwaldes auf einer 45minütigen Fahrt wieder ins Tal hinunter bringt. Am Freitag besuchen wir Tjapukai, einen Aboriginal Kulturpark und, obwohl dieser speziell für Touristen gemacht wurde, bringt er uns das Leben der Ureinwohner ein bisschen näher.
Danach interessieren wir uns für die „School of Distance Education“, die im Jahre 1972 mit 11 Schülern ins Leben gerufene Schule, welche früher per Funk und heute per Telefon und Computer stattfindet. Im Juni 2004 werden über 400 Schüler/Studenten von insgesamt 46 Lehrern unterrichtet und es werden sogar verschiedene Sprachkurse angeboten. Viele Familien, die sehr entfernt auf einer Farm wohnen, nutzen die Möglichkeit, ihre Kinder aus der Ferne unterrichten zu lassen. Eine Familie ist in einem Wohnmobil unterwegs und ein Paar mit drei Kindern lebt auf einem Segelschiff. Diese Schulart bedingt jedoch auch, dass die Eltern konsequent sind, sich selber mit dem Schulstoff auseinandersetzen und sozusagen als Hilfslehrer fungieren. Die Schüler erhalten normalerweise täglich zwei Lektionen zu 30 – 45 Minuten und der Lehrstoff wird immer individuell angepasst. Aufgaben werden zu einem bestimmten Termin eingesandt und kommen immer prompt korrigiert wieder zurück. Von Zeit zu Zeit werden die Familien auch von den Lehrern besucht und für Prüfungen kommen die Studenten in die Schule nach Cairns. So oft wie möglich, mindestens jedoch ein Mal pro Jahr, werden Zusammenkünfte organisiert und die Schüler sind dann für eine Woche zusammen in Cairns in der Schule oder in einem Camp. Die Kosten der Telefonverbindungen werden vom Staat übernommen.
Als letztes besuchen wir die Flying Doctor Basis in Cairns. Diese Organisation wurde im Jahre 1928 gegründet, damit den Menschen in den entferntesten Gegenden eine medizinische Versorgung geboten werden kann. Die Queensland Sektion transportiert jährlich 6000 Patienten für Spezialbehandlungen. Zudem bieten die Aerzte und Krankenschwestern regelmässige Kliniken in isolierten Orten, Minen oder Stationen. Der fliegende Doktor ist Notfallarzt sowie der Hausarzt für 47'500 Queensländer jedes Jahr. Von Cairns aus sind zwei Flugzeuge ständig unterwegs und ein drittes wird für Notfälle eingesetzt. In über 1000 Stationen, oftmals im Pub, gibt es medizinische Kästen mit über 150 nummerierten Medikamenten. In vielen Fällen kann der Arzt eine Behandlung telefonisch vornehmen, denn der Patient hat die Möglichkeit genau anzugeben, wo der Schmerz sitzt. Der menschliche Körper ist auf einem Bild in Zahlen von 1 – 12 (für die Vorderseite) und in Buchstaben von A – J (für den Rückenbereich) eingeteilt. Die Aerzte und Krankenschwestern können so, zusammen mit einer genauen Schmerzbeschreibung, herausfinden was die Ursache ist. Kann eine „Fernbehandlung“ erfolgen, erhält der Patient das Medikament mit der entsprechenden Nummer aus dem Medizinkasten.
Am Samstag schauen wir uns Cairns, respektive vor allem die Marina von Cairns, an. Von etwa drei Stunden verbringen wir höchstens 30 Minuten in der Stadt und dann zieht es uns bereits wieder hinaus.
Für Sonntag haben wir einen Ausflug mit Cheryl und Bob auf deren Segelschiff „Bittersweet“ zum Barrier Reef gebucht. Die 45 Fuss Rennjacht besitzt eine Pinnensteuerung statt ein Steuerrad, was bei dieser Grösse eher eine Seltenheit ist und für uns etwas ganz neues. Das
Wetter ist leider nicht sehr gut, doch Wind und Wellen ganz angenehm. Nach gut 2 ½ Stunden Segeln ankern wir am Upolo Reef. Ich fühle mich von Beginn weg nicht sehr wohl, aber ein wenig Schnorcheln im Riff kann ich mir trotzdem nicht entgehen lassen. Es ist wunderschön, was es hier alles zu sehen gibt: Riesige Muscheln; Fische in den tollsten Farben, wie man sie bei uns nur im Aquarium sieht; blaue Seesterne, die man sogar anfassen kann (ich natürlich nicht!) und die verschiedensten Korallen. Wenn die Sonne scheint sind die Farben noch viel intensiver, deshalb haben wir das Kapitel „Great Barrier Reef“ noch nicht abgehakt und werden vielleicht mit einem Touristenboot nochmals zum Schnorcheln hinausfahren. Auf dem Rückweg geht es dann leider auch Peter nicht mehr so gut und wir stellen fest, dass wir noch nie so seekrank waren wie auf diesem relativ kurzen Trip.
Am Montag geht es uns wieder besser. Eigentlich wollten wir in Cairns noch ein paar Tage segeln, doch wir brauchen eine Pause und werden uns frühestens in Darwin wieder mit diesen Elementen auseinandersetzen. Unsere Reise auf die Cape York Halbinsel wird am Mittwoch in Mossman beginnen und wir begeben uns schon langsam Richtung Norden. Beim Zwischenstopp in Port Douglas aktualisieren wir nochmals die Homepage, bevor wir für zwei bis drei Wochen vom Bildschirm verschwinden, weil ab hier keine Natel-Verbindung mehr existiert.
30.06.2004
Im Tropic Breeze Village, Port Douglas, treffen wir ganz überraschend Ruth & David, die wir in Airlie Beach kennen gelernt hatten. Wir feiern das Wiedersehen, holen uns noch ein paar wertvolle Tipps, weil sie das Cape York schon bereist haben und lassen uns vom hilfsbereiten David die nur noch schwach brennende Gaslampe reparieren.
Die Cape York Halbinsel ist mit 207’000 km2 fünf Mal so gross wie die Schweiz und hat lediglich 15'000 Einwohner (ca. 5 x soviel wie Safenwil). 60 % davon sind Aboriginals, die vorwiegend in Reservaten auf der ganzen Halbinsel verteilt wohnen. Zwischen 1883 bis 1886 wurde mit 47 Leuten unter harten Bedingungen eine Telegrafenleitung von Cooktown bis zum Kap erstellt. Monsunregen im Sommer und die Attacken der Aboriginals erschwerten den Bau. Im zweiten Weltkrieg gelangten Meldungen vom nördlichsten Punkt Australiens so schnell zu der Ostküste. Am 24. Juni 1964 wurde das letzte Telegramm über diese Leitungen gemorst, die endgültige Stilllegung erfolgte jedoch erst 1987.
Am Mittwoch treffen wir uns beim Roadhouse in Lakeland mit Kurt aus Neuseeland, der mit Bike Tours Australia zum Cape York unterwegs ist. Das Treffen haben wir vor Tagen per SMS für Laura vereinbart, doch ein vorausfahrender Motorradfahrer des Teams verrät uns, dass in Lakeland eine Mittagspause geplant ist. Wir füllen beide Dieseltanks und fahren mit 180 l Sprit weg, die für min. 1000 km bis ans Cape reichen sollten. Ab hier beginnt die Naturstrasse mit Wellblechpisten und tiefen Löchern.
Dank der Motorradfahrer Gruppe erleben wir unser erstes Buschcamp beim Kennedy River und dies ist genau das, was wir uns in Australien erhofft haben. Von Sydney bis Cairns hielten wir uns immer in der Zivilisation auf, wo uns das frei Campieren und Lagerfeuer entzünden nicht einfach erschien. Das gemütliche Beisammensein mit den 12 Leuten am Lagerfeuer ist für uns eine willkommene Abwechslung. Wir erleben Natur pur, sehen den Sternenhimmel mit Millionen von Sternen und hören Vogelstimmen in begeisternder Vielfalt – der Kookaburra mit seinem Lachen sticht aus allen heraus.
In den lichten Wäldern gibt es Eucalyptus- und Papierrinden-Bäume sowie Termitenhügel in den bezauberndsten Formen. Ueber Zuckerstöcke in allen Grössen, verwinkelte Burgen, bis zu 4 Meter hohen schroffen Bergzinnen bauen diese kleinen Tierchen wahre Kunstwerke. Die Farbpalette erstreckt sich von weiss, grau, gelb über braun, ocker zu rot und hat machmal sogar grünliche Töne, je nach Farbe der Erde.
Am Donnerstag laufen uns ausgemergelte Kühe und ein muskulöser Leguan über den Weg, sogar ein Wildschwein überraschen wir beim Äsen.
Nachdem die Strecke auf den letzten Kilometern rau und löchrig war wird sie ab Coen wieder besser und die erste Rast am Freitag ist beim Archer River Roadhouse. Zirka 50 km später kommt die Abzweigung Richtung Cape York auf eine lange einspurige Sandpiste. Dies ist ein Stück des originalen "Old Telegraph Track".
Die verschiedensten gelben Schilder weisen auf bevorstehende Gefahren hin: DIP – eine Senke mit oder ohne Wasser; TRAFFIC HAZARD AHEAD – irgendeine Gefahr lauert; ROUGH SURFACE – raue Oberfläche (fast normal); GRID – Viehrost; DUST HOLES sind sehr gefährlich – nicht sichtbare Löcher, weil mit weichem Sand gefüllt; CREST – Hügel und viele mehr.
Auf dem Weg zum Jardine River biegen wir zu den Fruit Bat Falls ab und kühlen uns mit einem erfrischenden Bad, tut das gut den Staub abzuspülen!
Die Jardine River Fähre ist von 8 – 17 Uhr in Betrieb und wir lösen am Abend schon das Ticket. Am Sonntag hat der Fährmann Verspätung, vermutlich hat er beim Aboriginal-Fest am Samstagabend in Bamaga zu lang gefeiert. Auf jeden Fall ist der nicht in der Lage die Fähre zu starten. Er bringt mit seinem Dingi ein Seil über den Fluss und ein Aussie zieht mit seinem 4x4 Fahrzeug die Fähre hinüber. Grosse Werkzeugschlüssel könnten die Lösung des Problems bringen, doch der gute Mann hat offenbar lediglich vergessen einen Hebel umzulegen. Als der Motor endlich läuft und die Fähre sich ohne Fremdhilfe bewegt geht es zügig vorwärts und schon bald sind alle Fahrzeuge auf der Seite wo sie hin wollten.
An vielen Stellen ist die Bodenerosion kilometerweit dem Weg entlang sichtbar bis dieser dann selbst betroffen wird und tiefe Längs- und Querrillen aufweist. Die Strasse ist abwechslungsreich, von tiefem weissem Sand über rote Wellblechpisten zu Wasserdurchfahrten und zerfurchten bachbettartigen Waldwegen erleben wir alles. Es ist nicht schwierig, aber trotzdem sehr anspruchsvoll. Wir möchten ja unseren Buschcamper noch ein Jahr fahren und tragen ihm Sorge, indem wir den tiefen Löchern ausweichen oder sie langsam durchfahren.
Wir erreichen „The Tip“ am Sonntag, 20. Juni um ein Uhr Mittags, ohne Panne und ohne auch nur einmal den 4x4 eingeschaltet zu haben. Die Bodenfreiheit des Landcruisers ist der wesentliche Punkt für diese Tour. Die Motorradfahrer laden uns zu einem Glas Champagner ein und wir stossen auf eine gelungene Fahrt an – herzlichen Dank Euch allen!
Bike Team Australia legt am Montag einen Ruhetag an der Punsand Bay ein. Wir planen einen längeren Halt an der Chilli Beach im Iron Range Nationalpark, verabschieden uns von der Gruppe und fahren 300 km bis zur Moreton Telegraph Station.
Am Dienstagmorgen in der Frühe schlagen Kerry und Sandra, die wir unterwegs bereits zwei Mal angetroffen hatten, vor, zusammen zur Chilli Beach zu fahren. Sie rüsten uns mit einem Funkgerät mit ca. 4 km Reichweite aus und dann geht es los. Sandra informiert uns über Gefahren, entgegenkommende Fahrzeuge oder Tiersichtungen. Kängurus, eine ganze Wildschweinfamilie und Vögel von der Grösse eine Storchs bis zu ganz kleinen laufen über den Weg oder begeben sich in Sicherheit sobald wir in die Nähe kommen.
Die 130 km bis zur Chilli Beach sind eine grosse Herausforderung und alles andere als einfach, wir benötigen dazu sechs Stunden. Die Durchfahrt des Wenlock- und des Pascoe Rivers sind dabei noch die geringsten Schwierigkeiten. Vor allem auf der Ostseite der Bergkette, wo der Regenwald beginnt, stellen die steilen Auf-/Abfahrten mit tiefen Gräben oder richtige Schlammrutsche weit grössere Anforderungen an Fahrzeug und Fahrer – und wir müssen denselben Weg wieder zurück.
Der weisse Sand der Chilli Beach präsentiert sich uns leider nicht von seiner schönsten Seite. Es hat viel Abfall, der vermutlich mit der Flut angeschwemmt wurde und es regnet am Abend, in der Nacht und am Morgen. Eigentlich wollten wir zwei Nächte hier verbingen, doch Peter und Kerry sind sehr besorgt, wieder herauszukommen und beschliessen deshalb, bereits am Mittwochvormittag den Rückzug anzutreten. Die „Mudslips“ (Schlammpassagen) werden immer weicher und jedes Fahrzeug hinterlässt eine noch tiefere Spur. Weil unsere Reifen schmal und das Profil nur noch etwa 50 % sind gelangen wir zwei drei Mal wirklich an die Grenze, doch Peter meistert alle Aufgaben gekonnt.
Um 13.45 Uhr erreichen wir die „Autobahn“ und geniessen das sanfte Vorwärtskommen auf der roten Erde. Beim Stopp im Archer River Roadhouse verwöhnen wir uns mit einem der grossen bekannten Hamburger und sind gestärkt für den letzten Abschnitt des heutigen Tages bis nach Coen.
Im Fluss legen Kerry und Sandra drei Krabbenkörbe aus und bis am Donnerstagmorgen früh finden sich darin insgesamt neun Krustentiere. Diese werden zum Frühstück gekocht, ich darf zwei davon mitnehmen, weil sie mir zum Zmorge ein bisschen zuwider sind, zum Lunch jedoch bilden sie eine willkommene Abwechslung.
Um halb neun verabschieden wir uns von unseren angenehmen Begleitern und setzen den Weg Richtung Süden und durch den Lakefield Nationalpark alleine fort. Hier entdecken wir eine neue Landschaftsform, in der Nifold Ebene gibt es tausende von Termitenhügeln und nur wenig Bäume, dies sieht ganz eigenartig aus und fasziniert uns unheimlich.
Wir hoffen, in der Nähe des Kalpowar Campingplatzes ein Krokodil zu sichten, doch trotz verschiedener Warnungen lässt sich keines blicken. Kängurus, Vögel und Echsen gibt es viele, doch unsere Kameras wirken so bedrohlich, dass die scheuen Tiere das Weite suchen, bevor wir nah genug sind um diese zu fotografieren.
Am Freitagnachmittag, 25. Juni, kurz nach ein Uhr erreichen wir die Teerstrasse vor Cooktown und erleben einen kleineren Schrecken. Bei ca. 80 km/h schlägt das Steuerrad fürchterlich und es tönt, als ob wir gleich ein Rad verlieren würden. Glücklicherweise finden wir bald einen Mechaniker, der schnell unters Fahrzeug liegt, einige Sachen checkt und nach einer kurzen Probefahrt die Ursache erklären kann: Er sagt Peter, wir hätten lediglich ein Auswuchtgewicht am Rad verloren. Tatsächlich, dasjenige am linken Vorderrad ist weg und wir lassen dieses im Pneushop in Cooktown ersetzen.
Auf der Fahrt von Cooktown über den Bloomfield Track nach Cape Tribulation hat es viele steile Auf- und Abfahrten, vergleichbar mit dem Balmberg. Manchmal erreichen wir den Hügel nur im ersten Gang. Leider führt der Bloomfield River momentan so wenig Wasser, so dass aus der lang ersehnten Wasserdurchfahrt über den „Causeway“ eine ganz normale Brückenüberquerung wird – Schade. In den steilen Passagen sind wir jedoch sehr froh, dass es trocken ist, denn sonst würden diese Wege rutschig und müssten sehr vorsichtig befahren werden.
Die Landschaft ist fantastisch und wir erleben einen üppigen Regenwald mit Palmen an den Flussufern und ab und zu einem Blick über die dichten Baumkronen hinunter aufs tiefblaue Meer.
Auf dem Campingplatz an der Noah Beach begegnet uns ein „Lace Monitor“, ein grosser Waran. Er lässt sich auch ganz aus der Nähe ablichten und verschwindet erst, als ein Auto vorbeifährt, ganz schnell auf einen Baum. Viel später, als wir schon lange nicht mehr an das Tier denken, sehen wir es senkrecht und mit dem Kopf voran wieder vom Baum herunterklettern.
Die Sonntägliche Etappe von Cape Tribulation nach Cairns ist eine Spazierfahrt auf Teerstrassen, einzig an den dichten Verkehr müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Die holprigen Wellblechpisten haben an unserem Fahrzeug ihre Spuren hinterlassen. Lockere Schrauben müssen nachgezogen, Türscharniere ersetzt und der Luftansaug-Schnorchel geklebt werden.
Bevor wir am Mittwoch die pulsierende Stadt verlassen und auf dem einsamen Gulf Savannah Track von Normanton, Karumba, über Burketown nach Catherine weiterreisen, müssen wir in der Stadt noch ein paar wichtige Angelegenheiten erledigen.
Der nächste Kontakt via Internet oder Natel wird erst in Catherine am Stewart Highway, das wir voraussichtlich in drei bis vier Wochen erreichen werden, stattfinden können.