Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03620.jsonl.gz/1318

Durchschnittlich alle vier Sekunden peilt eine Wasserfledermaus im Tiefflug über stiller Wasseroberfläche eine Mücke oder Schnake an. Rund 2‘500 dieser Insekten frisst sie pro Nacht, was fast der Hälfte ihres eigenen Körpergewichts entspricht. Wo Wasserfledermäuse jagen, kann man die Sommerabende im Freien geniessen. Von den Mittellandseen bis hinauf zu den Bergseen und über allen natürlich verlaufenden Flüssen mit vegetationsreichen Ufern und ruhig dahinfliessender Wasseroberfläche stellen sie den stechenden Plagegeistern nach.
Tagsüber verstecken sich Wasserfledermäuse hauptsächlich in Baumhöhlen gewässernaher Wälder. Den Transit vom Schlafplatz ins Jagdrevier legen sie im Tiefflug, immer denselben Landschaftsstrukturen folgend, zurück. Drastische Landschaftsveränderungen tolerieren sie kaum, und ausgeräumte Agrarlandschaften meiden sie ebenso wie hell beleuchtete Siedlungen. Komfortabel haben es jene Wasserfledermauskolonien, die sich direkt am Gewässer in Hohlräumen von Brücken und in Bootshäusern niederlassen. Mit dem Aufhängen von Fledermauskästen an Uferbäumen kann man ihnen optimale Unterschlüpfe anbieten.
Die Wasserfledermaus ist eine mittelgrosse Fledermausart, wiegt 10 Gramm und hat eine Spannweite von 27 Zentimetern. Muttertiergruppen mit Jungtieren umfassen in Baumhöhlen einige Dutzend, in Brücken und Gebäuden oft mehrere Hundert Individuen. Die Kolonien wechseln häufig von einer Baumhöhle in eine andere, sei es um den Störungen durch Stare und Spechte auszuweichen, um Feinde wie Marder und Waldkäuze zu verwirren oder auf der Suche nach optimaler Wärme für die Jungenaufzucht. Wichtig ist darum ein grosses Baumhöhlenangebot in gewässernahen Wäldern. Als Ersatzmassnahme können auch Fledermauskästen dienen.
Im Juli werden die Jungen flügge und beginnen selber zu jagen. Und ihrer typischen Jagdflugweise verdanken Wasserfledermäuse denn auch ihren Namen. Eine Wasserfledermaus kreist über Stunden ausdauernd und wiederholt auf denselben Flugschleifen nur knapp 30 Zentimeter über ruhigen Wasseroberflächen von Seen, Weihern, Flüssen und Kanälen. Immer wieder schnappt sie Insekten von der Wasseroberfläche weg, keschert sie mit der Schwanzflughaut oder ergreift sie mit ihren grossen, krallenbewehrten Füssen. Gefressen werden viele frisch geschlüpfte Mücken- und Fliegenarten, deren Larven sich im Wasser entwickeln. Mit einem Ultraschall-Detektor lassen sich Wasserfledermäuse belauschen und mit einer starken Taschenlampe beobachtet man ihre Flugmanöver.