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Nachlese
1. Dez 2020
27. Oktober 2020
Unter diesem Titel veröffentlichen wir hier jeweils die Predigt des vergangenen Sonntags.
Predigtgedanken von Br. George am 25. Oktober 2020 in St. Maria, Luzern
30. Sonntag im Jahreskreis A
Evangeliumstext: Matthäus 22,34–40
Liebe Brüder, Schwestern, Kinder
Ich habe ein Gemälde in meinem Büro, das mich an die grosse Flut in Kerala erinnert. Es war im Jahr 2018, als ich meine Eltern das letzte Mal besucht habe. Das Gemälde wurde von einem Mitbruder gezeichnet. Warum habe ich es aus Indien in mein Zimmer hier in die Schweiz mitgenommen? Es steckt eine Geschichte dahinter. Es kam damals zu einer grossen Überschwemmung, bei der Hunderte von Menschen starben und vermisst wurden, und mehr als eine Million Menschen ihr Haus verlor. Das Wasser stieg viele Meter hoch, und die Rettungskräfte und die Regierung wussten nicht, was sie in dieser Situation machen sollten. Einer der Pfarrer im südlichen Teil von Kerala, an der Meeresküste, kündigte über Lautsprecher an, sich mit den Fischerbooten bereit zu machen, um die Menschen aus ihren Häusern zu retten. Seine Gemeindemitglieder waren Fischer, die jeden Tag gegen die starken und hohen Wellen auf dem Meer kämpfen. Sie retteten mehr betroffene Menschen als die Armee mit ihren Helikoptern retten konnte. Unser Bundespräsident beschrieb die Fischer als "Armee unseres eigenen Volkes", die auf ihren Komfort und ihre Sicherheit verzichteten, um ihre Mitmenschen zu retten. Ich brauche hier nicht zu erklären, dass diese Fischer Christen sind.
Es war eine grosse Werbung für die 'Nächstenliebe’ oder ‘selbstlose Liebe’ und für die christliche Liebe.
Nächstenliebe, lateinisch "Caritas", ist ein Wort, das Jesus Christus und "Christ*innen" dieser Welt geschenkt haben. Nächstenliebe ist im christlichen Denken die höchste Form der Liebe und bezeichnet die wechselseitige Liebe zwischen Gott und Mensch, die sich in der selbstlosen Liebe zu den Mitmenschen manifestiert. Der heilige Thomas von Aquin stellte die Nächstenliebe in den Kontext der anderen christlichen Tugenden und spezifizierte ihre Rolle als "Fundament oder Wurzel" von ihnen allen. Nächstenliebe ist kein fakultatives Zusatzgebot, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens.
Im heutigen Evangelium fragt einen Gesetztes-Lehrer Jesus, welches von den 613 Geboten im Gesetz des Moses das Grösste ist. Er zitiert zwei Gesetze, eines aus dem Buch Deuteronomium und das andere aus dem Buch Levitikus. Er verbindet sie zu einem einzigen und erklärt, dass das gesamte Gesetz und die Lehre der Propheten in diesem einen Gesetz zusammengefasst sind.
Ich denke über diese drei Aspekte der Liebe nach: Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe. Wir können nicht herausfinden, ob wir Gott wirklich lieben. Aber ich persönlich habe das Gefühl, unsere Beziehung zu Gott beweist sich vor allem in unserer Beziehung zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen.
In der heutigen Lesung beglückwünscht Paulus die Thessalonicher zu den positiven Auswirkungen ihres Beispiels, einander so zu lieben, wie Jesus es ihnen geboten hat. Paulus anerkannte, dass ihr Ruf einen Wert des Evangeliums hatte. Wie wir uns verhalten, besonders gegenüber anderen, kann dazu beitragen, die Gute Nachricht zu verbreiten.
Entsprechend dieser aussergewöhnlichen Zeit wird von uns erwartet nicht nur einander zu lieben, sondern auch einander zu schützen. Genau wie das Prinzip der Verwendung von Masken. Aus Liebe zu den anderen und zu mir. «Sich selbst und andere schützen! Dazu müssen wir alle beitragen.» so appelliert Regierungsrat Guido Graf. Für diesen Augenblick wäre erwünscht von uns, ein ‘Super-Spreader’ der Liebe zu werden, statt ein ‘Super-Spreader’ des Virus.
Heute begehen wir den Welttag der Missionen. Wir alle sind Missionare, wenn wir in dieser Zeit der Pandemie selbst zu Werkzeugen der Liebe werden. Schützen wir uns gegenseitig, helfen wir einander, beten wir für andere, denken wir an die Mitmenschen, respektieren wir das Alter und respektieren wir die Träume und das Leben aller. Paulus rät uns in der Lesung, ein Vorbild für die anderen zu sein, so wie er selbst den Thessalonichern ein Vorbild gewesen ist.
Zum Schluss zitiere ich von Marcianus Aristides von Athen, der vor allem als Autor der Aristides-Apologie bekannt ist. Er schrieb im 2. Jahrhundert dem Kaiser Hadrian über die Christen: "Die Christen lieben einander. Sie versäumen es nie, den Witwen zu helfen; sie retten die Waisen vor denen, die ihnen wehtun würden. Wenn einer von ihnen etwas hat, schenkt er es denen, die nichts haben. Wenn sie einen Fremden sehen, nehmen die Christen ihn mit nach Hause und sind so glücklich, als ob er ein echter Bruder wäre. Sie betrachten sich nicht als Brüder im üblichen Sinne, sondern als Brüder durch den Geist in Gott. Und wenn sie hören, dass einer von ihnen im Gefängnis sitzt oder verfolgt wird, weil er den Namen seines Erlösers verkündet hat, geben sie ihm alles, was er braucht. Das ist wirklich eine neue Art von Menschen. Es ist etwas Göttliches in ihnen."
Was würde unser Leben schreiben?
Amen.
Br. George
Die Predigt gibt es unten auch als PDF zum Herunterladen.
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