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Das übergeordnete Ziel des vorgeschlagenen Projekts ist es, zu verstehen, wie der ungleiche Zugang zu Reproduktionstechnologien die Bewertung bestimmter Körper und Leben widerspiegelt. Wessen Körper in Zukunft reproduziert werden, hängt davon ab, wer Zugang zu Reproduktionstechnologien hat. Darunter sind sowohl Low- als auch High-Tech-Technologien zu verstehen, die Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit, Empfängnis und Verhütung, Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch sowie Geburt und Kindstötung betreffen. Während die Staaten in der Vergangenheit die Fertilität durch Gesundheitsregime, Familienplanungsprogramme und Eugenik kontrollierten, hat der stratifizierte Zugang zu Reproduktionstechnologien in der Gegenwart zu einem neuen Modus der reproduktiven Governance geführt. Das Forschungsfeld der reproduktiven Geopolitik, das wir in diesem Projekt entwickeln wollen, wird zeigen, wie der Zugang zu Reproduktionstechnologien geopolitisch wird, wenn Individuen, Staaten, internationale Organisationen, transnationale Unternehmen sowie religiöse und nichtstaatliche Organisationen definieren und anfechten, wessen Körper als wünschenswert für die Reproduktion gelten und wessen Körper die Reproduktion verweigert oder eingeschränkt wird. Wir werden die geopolitische Steuerung der Fruchtbarkeit anhand von drei marginalisierten Bevölkerungsgruppen untersuchen: asylsuchende Frauen in der Schweiz, indigene Frauen in Mexiko und landwirtschaftliche Wanderarbeiterinnen in Spanien.
In den drei Unterprojekten werden die Verflechtungen der internationalen und nationalen Politik - in den Bereichen Migration, Gesundheit sowie Sexual- und Reproduktionspolitik - mit dem Intimleben von Frauen analysiert. Sie bringen das Feld der feministischen Geopolitik voran, indem sie eine reproduktive Geopolitik artikulieren, die verdeutlicht, wie die Steuerung der Reproduktion einige Körper gegenüber anderen aufwertet und so die Grenzen der Nation schützt.
Um die intimen Erfahrungen marginalisierter Frauen mit reproduktiver Governance empirisch zu erfassen, wird in diesem Projekt eine affektive Methodologie entwickelt, die aus verschiedenen partizipatorischen und kreativen Methoden besteht, die wir mit Hilfe einer affektiven Methoden-Toolbox entwickeln. Die affektiven Methoden werden akustische, visuelle, kartografische und Online-Daten erzeugen, die wir nutzen werden, um diese Erfahrungen durch eine Online- und Offline-Dokumentation einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Swiss National Science Foundation
2021 - 2025
Carolin Schurr
Laura Perler
Nora Komposch
Mirko Winkel