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Ashoka, der erste pazifistische Herrscher
Macht verdirbt den Charakter. Besonders verhängnisvoll ist dies bei Politikern, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat. Es gibt aber auch Ausnahmen. Eine der grössten ist nach Ansicht von Historikern der altindische Herrscher Ashoka, (304 bis 232 v. Chr.), der erste bekennende Pazifist auf einem Königsthron. Zu Beginn seiner 36-jährigen Herrschaft lebte er nach dem Buch der Könige, nach dem Nachbarn als Feinde zu betrachten und zu unterwerfen seien. Nach der äusserst blutigen Eroberung der mächtigen Stadt Kalinga – es gibt Zeugnisse über 150’00 Todesopfer – fiel Ashoka in eine existenzielle Krise und konvertierte zum Buddhismus, den er wohl schon vorher gekannt hatte. Er begann eine umfassende Friedenspolitik mit Neuverteilung des Landes, gerechten Steuern und baute Schulen und Spitäler, sogar für Tiere. Er propagierten den Vegetarismus und verbreitete seine Friedensbotschaft auf beschrifteten Steinsäulen, die im ganzen Land aufgestellt wurden. Obwohl Buddhist, förderte Ashoka auch andere Religionen. U.a. liess er für die hinduistischen Asketen Höhlen als Unterschlupf während der Monsunzeit graben. Offenbar zeigte sein Reich bereits gegen Ende seiner Herrschaft Zerfallserscheinungen. Während seine Säulen ein historischer Schatz erster Ordnung darstellen, hinterliessen seine Nachfolger keine Inschriften. Mit dem Ende der Maurya-Dynastie 185 v. Chr. dürfte auch der Buddhismus seine Status als Staatsreligion in Indien verloren haben. Aber seine Werk wirkt bis heute nach. Gandhi bezeichnete Ashoka als sein grosses Vorbild. Und das Dharma-Rad, das Symbol der buddhistischen Lehre, wurde bei der Staatsgründung Indiens 1947 in die Flagge aufgenommen.
In der Mediathek des ZDF findet sich eine dreiviertelstündige Video-Dokumentation über die Herrschaft Ashokas.
Ashoka ist auch der Name einer 1980 vom Amerikaner Bill Dayton gegründeten Organisation, die in rund 70 Ländern social entrepreneurs fördert. Bekanntester Ashoka-Fellow ist der Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus, Gründer der Grameen Bank.
Weitere Geschichten, Aufsätze und Beispiele über die Verbindung von Geist und Politik im Zeitpunkt 121 mit dem Schwerpunkt «Politik und Spiritualität» (Erscheinen Ende August)
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