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Mit Miniaturfiguren wird auf einem selbstgebauten, frei zusammengestellten Spielfeld eine fiktive oder reale Schlacht nachgespielt. Strategie spielt eine wichtige Rolle, aber im Gegensatz zum bekannten Schach-Spiel, muss sich ein jeder auch auf das Glück der Würfel oder Spielkarten verlassen, die nicht über die ganze Schlacht, sehr wohl aber über einzelne Kampfaktionen entscheiden. Die Ursprünge des Miniaturenspiels sind in Preussen am Anfang des 19. Jahrhunderts zu finden, wo es als Simulation bevorstehender Schlachten oder als taktisches Training diente.
Der besondere Reiz liegt aber nicht bloss im Spiel an sich, sondern auch im Bau und der Bemalung von Miniaturmodellen und Miniaturfiguren. Ein selbstgebautes Spielfeld, das sich aus den abstrakten klassischen Brettspielen erhebt, bietet durch seine plastische Darstellungskraft eine faszinierende Immersionsleistung.
Über all die Jahrzehnte sind unzählige unterschiedlichen Spielregeln entstanden, angefangen bei H.G. Wells’ Spielregeln „Little Wars: ein Spiel für Jungs ab zwölf bis 150 Jahren und für gewitzte Mädchen, die Spiele und Bücher für Jungs mögen.“ aus dem Jahr 1913, bis zum grossen Fantasy- und Science-Fiction-Tabletop-Giganten Games Workshop mit der wahrscheinlich bekanntesten Marke Warhammer, um nur zwei der zahlreichen Vertreter zu nennen.
Gespielt wird auf dem Boden oder auf Tischen (darum auch Tabletop-Spiele), die zu Miniaturlandschaften umgebaut werden. Manchmal ganz simpel mit Tüchern oder Grasmatten ausgelegt, oft auch mit festen Plattenelementen aus Holz oder Plastik. Das Spielfeld wird zum Brennpunkt einer Auseinandersetzung mit bestimmten topografischen Hindernissen. Hügel oder Berge versperren den Weg, ein dunkler Wald verlangsamt das Vorankommen oder ein Fluss zwingt die Armee durchs heikle Nadelöhr eines einzelnen Brückenübergangs.
In der Regel werden die Spielzüge rundenbasierend abgehandelt. Zur Fortbewegung der Figuren bedient man sich Messinstrumenten wie Massbändern oder auf eine bestimmte Grösse zugeschnittene Holzstäbchen, die ebenfalls als Distanzmesser dienen. Miniaturenspiele können das Spielfeld aber auch in Quadrate oder Sechsecke teilen, mit denen der Bewegungsradius durch sichtbare Einheiten, analog den bekannten Brettspielen, vorgegeben wird. Die Grösse des Spielfeldes ist oft keinen Regeln unterlegt. Je mehr Platz, desto grösser die Möglichkeiten und desto länger die Spieldauer. Für Auseinandersetzungen mit nur wenigen Figuren, hat sich ein Spielfeld von 60x60cm bewährt. Auch die Grösse der Miniaturfiguren variiert von 6mm bis zu 10cm. Eine beliebte Grösse für grössere Schlachten ist 28mm oder kleiner, was dem Massstab 1:64 entspricht.
Wer sich im Laden zum ersten Mal eine Schachtel mit Miniaturfiguren kauft, wird vielleicht überrascht sein, dass diese noch in einem Gussrahmen stecken und darum erst herausgelöst und zusammengebaut werden müssen. Ausserdem sind sie gänzlich unbemalt. Aber genau diese Schritte sind ein wichtiger Bestandteil des Hobbys. Sorgfältiges Zusammenbauen, individuelle Veränderungen und die farbliche Gestaltung von Rüstung und Kleidung sind für viele Miniaturenspieler mindestens so wichtig wie das Spielen selbst.
Der thematischen Breite von Minaturenspielen sind wahrlich keine Grenzen gesetzt. Angefangen von historisch akribisch nachgebauten Schlachten, wie zum Beispiel Napoleons verhängnisvolle Niederlage gegen die alliierten Truppen bei Waterloo oder Caesars Kampf gegen die Gallier und der Schlacht um Alesia. Bis hin zu nachgestelten Fantasy-Themen wie der Schlacht um Minas Tirith aus Herr der Ringe oder Raumschiff-Schlachten aus Science-Fiction-Universen wie Star Wars. Darüber hinaus gibt es zahlreiche ganz eigene, nicht selten eigens für ein bestimmtes Miniaturenspiel entwickelte Geschichten, die in Form von Kampagnen nachgespielt werden können.
Es müssen aber nicht immer grosse Schlachten sein, oft sind es auch nur kleine Scharmützel, die in sogenannten Skirmish-Spielen abgehandelt werden. Hier kämpfen nicht Infanterien und Kriegerhorden gegeneinander, sondern nur wenige Spielfiguren. Obwohl der grösste Teil der Miniaturenspiele auf die Kraft der Würfel setzt, gibt es auch einzelne Vertreter, die darauf gänzlich verzichten und auf Spielkarten setzen. Viele kleinere Spiele haben beide Elemente in den Regeln vereint.
Ob im Himmel, im Wasser oder auf dem Land, ob grüne Felder oder urbaner Raum, ob grosse Schlachten oder kleine Abenteuer in Dungeons, ob Fantsy oder Science-Fiction, ob Piraten- oder Steampunk-Thematik, ob Fusssoldaten oder moderner Panzer, Miniaturenspiele bieten einen besonderen Reiz und unzählige erfrischende Möglichkeiten sozialer Interaktion in Basteln, Malen und Spiel.