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24.06. bis 01.07.2013
An der Grenze nach Russland hatte es wie erwartet viel Verkehr, aber alles klappte reibungslos. Wir lernten dabei noch Egemon, einen türkischen Motorradfahrer, kennen. Er war unterwegs auf einem „Kurztrip“ in die Mongolei, und wollte Ulaanbaatar in einem Monat erreichen. Nachdem wir die obligatorische russische MFK-Versicherung organisiert hatten, machten wir uns zu dritt auf den Weg nach Vladikavkas. Die Strasse führte durch das schöne Tal des Flusses Terek, da die Region aber wegen der Nähe zu Dagestan, Tschetschenien und Nordossetien als gefährlich gilt, haben wir uns strikt an die Hauptstrassen gehalten. In Vladikavkas bezogen wir ein sauberes Hotel und für die Motorräder fanden wir auf dem bewachten Hotelparkplatz einen sicheren Platz. Am Morgen verabschiedeten wir uns von unserem temporären Reisekumpanen und schleppten unsere Taschen zu den Motorrädern. Der Parkplatzwächter erklärte mit Gesten sichtlich belustigt, wie die Putzfrauen auf Karins Motorrad ein Fotoshooting gemacht hatten… und dafür bezahlt man Geld! Wir haben uns geärgert, da wir es nicht mögen, wenn jemand ungefragt auf unsere Motorräder sitzt. Weil wir aber kein Russisch können, und die Involvierten allesamt kein Englisch sprachen, liessen wir es dabei bleiben.
Die Fahrt führte uns durch die Regionen Inguschetien, Nordossetien, Kabardino-Balkarien und Stavropol. Wir kamen durch die Stadt Beslan, welche im Jahr 2004 Schauplatz eines schrecklichen Geiseldramas wurde. Tschetschenische Terroristen nahmen über 1200 Personen, vorwiegend Kinder, in einer Schule als Geiseln. 331 Personen, ebenfalls vorwiegend Kinder, wurden dabei getötet. Mit einem bedrückenden Gefühl fuhren wir durch die Ortschaft.
Die Landschaft war nun geprägt von immensen Getreide- und Sonnenblumenfeldern sowie Obstplantagen, deren Ende wir kaum ausmachen konnten. Die letzten hügeligen Ausläufer des Nordkaukasus-Gebirges verliefen sich zusehends in der flachen Ebene. Es sollte für die nächsten Wochen so bleiben…
In Stavropol fanden wir eine Motorrad-Werkstätte, wo unsere Ketten blitzblank gereinigt und neu geschmiert wurden. Zwischenzeitlich durften wir mit dem Eigentümer der Garage im herrlich gekühlten Büro Kaffee trinken. Und weil er sich so sehr über Gleichgesinnte aus der fernen Schweiz freute, offerierte er uns den kleinen Service umsonst. Frisch gestärkt und geschmiert, und mit vielen Glückwünschen und Erinnerungsfotos machten wir uns erneut auf die Strasse. Am Abend konnten wir endlich wieder unser Zelt aufstellen, und wir genossen die Kühle der hereinbrechenden Nacht inmitten von gemähten Kornfeldern.
Am kommenden Tag erreichten wir die Region Kalmückien, deren Hauptstadt Elista ist. Elista ist die einzige buddhistisch geprägte Stadt auf europäischem Boden. Die Einwohner stammen von den Mongolen ab, was nicht zu übersehen ist. Auch die Landschaft veränderte sich nun zusehends. Wir fuhren zum ersten Mal durch eine richtige Steppe. Es war 40°C heiss, da es aber gleichzeitig auch sehr trocken war, liess sich die Hitze dennoch gut aushalten.
Nach dem kurzen Aufenthalt in Elista erreichten wir tags darauf das Volga-Delta am kaspischen Meer. Mangels besser geeigneter Camping-Möglichkeiten entschieden wir uns für einen Platz im Volga-Detla. Wegen der Nähe zum Wasser mussten wir uns mit hunderten von Mücken herumschlagen, und diese liessen sich weder vom Mückenspray noch von den Motorradkleidern abhalten (ja, sie können durch den dicken Stoff hindurch stechen…)! Dafür waren wir am nächsten Tag früh in Astrakhan und hatten genügend Zeit, uns auf den bevorstehenden Grenzübergang nach Kasachstan vorzubereiten, Mails zu schreiben und sonstiges Allerlei zu erledigen (und mal wieder einen McDonalds-Burger zu geniessen).
Die Weiterfahrt bis zur Grenze führte, wie seit unserer Einreise nach Russland, über einwandfreie Strassen und schon bald erreichten wir die russische Grenzstation. Nach Abwicklung der Formalitäten ging es weiter über eine Strecke, welche rund 10 Kilometer durchs Niemandsland führte. Erst dann erreichten wir den kasachischen Zoll. Wider erwarten ging das Einreiseprozedere ziemlich flott und schon bald wurden wir mit einem freundlichen „Welcome to Kazakhstan“ begrüsst.
Russland Teil 1 – unsere Eindrücke in Kurzform:
- 1‘229 gefahrene Kilometer in 8 Tagen
- Kornfelder, soweit das Auge reicht
- Wow… die erste Steppe!
- Keine Probleme mit der Polizei…
- … dafür viele Probleme mit den Mücken