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Allgemein:
Die Willis-Orgel der englischen Kirche ist ein besonderes Kulturobjekt. Im Kanton Graubünden ist sie die einzige englische Orgel. Zusätzlich beeindruckt sie durch das perfekte Zusammenspiel des Kirchenraumes und seiner Ausstattung aus der Zeit knapp vor der Jahrhundertwende.
1882 wurde in Davos die "English Church of St. Luke" eingeweiht. Diese Kirche konnte gebaut werden, weil die vielen Engländer, die zur Kur in Davos waren, viele kleinere und grössere Gaben zusammenlegten.
Da zu einem Gotteshaus auch eine Orgel gehört, begann man bald nach der Einweihung der Kirche auch darüber Gedanken zu machen. Das Geld für die neue Orgel und die nötige Vergrösserung der Orgelkammer kam fast ausschliesslich durch die Anstrengungen von Miss Fuller zusammen. Durch einen Brief in der "Times" sowie durch persönliche Werbung wurde schliesslich 1892 die erforderliche Summe erreicht; die letzten dreissig Pfund schenkte Mrs. Addington Symonds.
So konnte ein Leitungsmitglied der englischen Kirche Davos, General Haig, im April 1892 bei Willis and Sons in London eine Orgel bestellen. Diese wurde im folgenden Jahr in der Kirche eingebaut. Am 19. Februar 1893 war sie dann in der Kirche fertig installiert.
In der Folgezeit wurde sie von verschiedenen Orgelbauern gewartet. Einer davon war Albert Metzler (Orgelbauer von Felsberg). Von ihm befindet sich noch eine Inschrift in der Orgel aus dem Jahre 1913.
1969 wurde die Willis - Orgel durch die kantonale Denkmalpflege in das Orgelinvetitar des Kantons Graubündens aufgenommen.
Als 1979 die Englische Kirche von den Engländer verkauft wurde, war die Orgel schon lange revisionsbedürftig. Da aber die nötigen Finanzen fehlten, begnügte man sich 1980 mit einer kleinen Revision. Die Arbeiten nützte man, um anstelle der Schöpfbalganlage einen Orgelventilator einzubauen.
Die Willis - Orgel von 1893 der englischen Kirche ist auch in der Ausführung eine ganz besondere Orgel. Sie zeichnet sich durch ihre romantische Disposition sowie durch ihre klassische Bauweise aus.
Handwerklich ist sie hervorragend ausgeführt und noch mit rein mechanischen Schleifladen (Manualladen) ausgerüstet - dies zu einer Zeit, da bei uns in Mitteleuropa nicht nur längst die Kegelladen üblich waren, sondern auch die Mechanik zugunsten der Pneumatik aufgegeben worden war.
Die grossen Metallpfeifen aus Naturzink, denen Labiate aus Zinn eingesetzt wurden, prägen das sichtbare Aussehen der Orgel. Die "unsichtbaren" Pfeifen bestehen besonders in der Mittel- und Diskantlage aus sehr schweren, recht bleihaltigen Pfeifen.
Die Originaldisposition lautete:
I. GREAT (C- g‘‘‘)
Open Diapason 8‘; Claribel Flute 8‘;
Dulciana 8‘; Principal 4';
Flute Harmonique 4'
II. SWELL (C-g‘‘‘)
Lieblich Bourdon 16‘; Viola da Gamba 8‘;
Clara Bella 8‘; Voix Celeste 8‘;
Octave Gamba 4‘; Harmonique Flutte 2‘
III. PEDAL (C-f‘)
Bourdon 16‘; Lieblich Gedakt 8‘
Das Pedal wurde als Radialklaviatur gebaut - für viele Organisten ein ungewohntes "Spielvergnügen" und besitzt eine mechanisch-pneumatische Schleiflade mit einer separaten Luftzufuhr.
Die Windanlage besass ursprünglich eine Handbetätigung. Beim Einbau des Gebläsemotors wurde sie jedoch stillgelegt. Der mehrfaltige Kastenbalg ist dagegen im originalen Zustand erhalten geblieben. Im Inneren fallen einem ebenfalls die sauber ausgeführten Zink- und Bleikondukten auf und die Eisenschwerter der Registertraktur.