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Sieyès
(spr. ssjejäß oder ssiäß), Emanuel Joseph, franz. Staatsmann, geb. zu Fréjus, bildete sich auf dem Seminar St.-Sulpice zu Paris [* 2] für den geistlichen Stand aus, ward Kanonikus in der Bretagne, dann Generalvikar des Bischofs von Chartres, hierauf Mitglied der Chambre supérieure des französischen Klerus. 1788 wohnte er als Abgeordneter seines Standes der Provinzialversammlung zu Orléans [* 3] bei. Mehrere seiner auf die brennenden Zeitfragen bezüglichen Broschüren, darunter der »Essai sur ¶
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les privilèges« und das Pamphlet »Qu'est-ce que le tiers-état?« (Jan. 1789; neu hrsg. Von F. Koppel, Dresd. 1876), übten eine gewaltige Wirkung auf die Menge aus. Von der Stadt Paris in die Nationalversammlung gesandt, gewann er hier, obschon kein ausgezeichneter Redner, einen bedeutenden Einfluß. Er wirkte für die Vereinigung der drei Stände und redigierte im Ballhaus den berühmten Eid, durch welchen die Deputierten alle bis auf einen schwuren, sich nicht eher wieder zu trennen, als bis sie Frankreich eine Konstitution gegeben hätten.
Seine Schrift »Reconnaissance et exposition des droits de l'homme et du citoyen« (Juli 1789) war der Vorläufer der Erklärung der Menschenrechte. Den Antrag, konstitutioneller Bischof von Paris zu werden, wies er zurück. In den Konvent gewählt, stimmte er im Januar 1793 für den Tod des Königs. In der Schreckenszeit hielt er sich sehr zurück und entging dadurch der Guillotine. Nach Robespierres Sturz ward er Mitglied des Wohlfahrtsausschusses und nahm an den Baseler Friedensverhandlungen teil.
Eine Mitwirkung am Verfassungswerk des Jahrs III verweigerte er; ebensowenig trat er in das Direktorium. Dagegen ließ er sich in den Rat der Fünfhundert wählen. Ein vom Abbé Poulle gegen ihn versuchter Meuchelmord hatte bloß eine Verwundung an der Hand [* 5] und an der Brust zur Folge. 1798 als bevollmächtigter Minister nach Berlin [* 6] gesandt, entfaltete S. hier eine große diplomatische Gewandtheit. Nach seiner Rückkunft trat er 1799 für Rewbell ins Direktorium und ließ sich dann von Bonaparte für den Staatsstreich vom 18. Brumaire gewinnen, nach welchem er die neue komplizierte Verfassung ausarbeitete.
Auch war er provisorischer Konsul, wurde aber von Bonaparte aus aller Macht verdrängt und durch die Ernennung zum Senator und die einträgliche Staatsdomäne Crosne entschädigt. Ferner erhielt er den Grafentitel. Nach der zweiten Restauration wurde er als Königsmörder verbannt. Er begab sich nach Brüssel [* 7] und kehrte von da erst nach der Revolution von 1830 nach Paris zurück, wo er Mitglied der französischen Akademie wurde und starb.
Vgl. (Ölsner) Notice sur la vie de S. (Par. 1795);
Mignet, Notice historique sur la vie et les travaux de S. (das. 1836);
Beauverger, Tableau historique des progrès de la philosophie politique, suivi d'une étude sur S. (das. 1858).