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Schützenhilfe
TatortSchweiz240 Seiten, gebunden
Oktober 2011
978-3-85791-641-0
Am Stadtrand von Bern sitzt Anwalt Schild beim Essen. Just als seine Frau in die Küche geht, tritt jemand aus dem Garten ins Haus, erschiesst ihn und verschwindet wieder. Sein aktueller Mandant war ein Finanzbetrüger, der sich nach Lipari abgesetzt hatte und den er verteidigen sollte. Der Expolizist Alexander Bergmann hält sich mit Schnüffelarbeiten über Wasser und träumt von einer grossen Aufgabe. Jetzt erhält er von Schilds Chefin den Auftrag, dessen Mörder zu suchen beziehungsweise möglichst viele Indizien und Beweise zu sammeln. Da sie selbst darauf spezialisiert ist, Anklagen zu zerpflücken, um Schuldige freizubekommen, fürchtet sie, dass es auch für den Mörder ihres Angetellten am Ende nicht für eine Verurteilung reichen reichen könnte. Bergmann lehnt ab – bis sie mit einem grösseren Geldbetrag winkt. Immer leicht überfordert, beginnt er zu ermitteln.
© Limmat Verlag
Gabriel AnwanderGabriel Anwander, geboren 1956, aufgewachsen in Abtwil (SG), durchlief die Ausbildung zum Landwirt und besuchte anschliessend die Fachhochschule in Zollikofen. Er lebte und arbeitete in Kanada, Indien und Kamerun. Heute lebt er in Langnau im Emmental, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.
Wer sein Geschäft ...Wer sein Geschäft in einem Gebäude wie diesem zu betreiben vermochte, im Zentrum der Stadt, der musste in der höchsten Liga spielen und regelmässig gewichtige Aufträge an Land ziehen. Abgesehen von der Stadtverwaltung, die leistete sich ihre Büros auch an bester Lage.Ich war froh, hatte ich meinen alten Wagen nicht vor dem Haus abgestellt. Frau Scheidegger hätte den Verdacht hegen können, ich sei nicht der Beste meiner Branche.
Im zweiten Stock trat ich in den Flur.
Das Parfum der Sekretärin hing noch in der Luft wie Sommerflieder, eingepackt in Muskat und getragen von Kernseife. Moderne, winzige Leuchtdioden erhellten die dunkle Holzverkleidung und spiegelten sich seidenweich auf dem Teppich, der so dünn war wie der Schinken in den Sandwichs der Polizeikantine. Ich spürte Ehrfurcht aufkommen.
Ich kam an einer Kanzlei mit Milchglas und dem Schild «Anmeldung » vorbei, klopfte an einer schalldichten Tür, die lediglich angelehnt war, atmete tief durch und trat ein.
Das Erste, was ich wahrnahm, war frischer Zigarrenrauch; dann sah ich sie, am Eckfenster stehend, von wo sie einen Überblick über den Bahnhofplatz und weit die Bärengasse hinab haben musste. Sie rauchte eine Havanna. «Sie haben lange gebraucht», stellte sie mit Blick auf die fast abgebrannte Zigarre fest.
Ich sagte: «Mord ist eine ernste Sache. Da gilt es, ruhig und überlegt zu handeln.»
Sie nickte, kam näher, kniff ihre Augen zusammen und richtete ihre Pupillen wie einen Laser auf meine, es fühlte sich an, als verschaffte sie sich durch meine Augen hindurch Zutritt in mein Inneres, als erforschte sie meine Gesinnung und meine Haltung. Ich hielt ihrem Blick stand und wartete. Sie nickte wieder, fasste die Zigarre mit ihrer Linken, hielt sie von ihrem Körper abgewinkelt, bot mir ihre Rechte an, dann einen Stuhl und sagte: «Sie verzeihen, dass ich rauche. Rauchen muss.»
«Solange Sie … bei dem Kraut bleiben.»
Sie liess sich nichts anmerken und fragte: «Möchten sie auch eine? – Oder lieber was zu trinken?»
Ihr Schreibtisch glich einem Flugzeugträger aus Birnbaumholz, der lederne Sessel dahinter einem englischen Thron und die Bücherwand dahinter einer rege benutzten Ausleihe. Die drei Stühle vor dem Pult waren gepolstert, hatten Armstützen und sahen bequem aus. Ich setzte mich in den ersten, drehte mich nach ihr um, sah, wie sie einen Schrank öffnete, erspähte zwischen etlichen Flaschen mit allerlei klaren und gefärbten Inhalten einen Single Malt, den ich kannte, und sagte: «Einen Fingerhut von dem, und ich schweige, bis Sie mir alles erzählt haben.»
«Eis?»
«Drei Tropfen Wasser, bitte.»
Sie schüttete Whisky ins Glas, als wäre es Milch, gab wenig Wasser dazu und hielt mir das Glas hin. Danach stellte sie sich wieder vor die beiden Eckfenster, hinter denen die Geranien mit ihren roten Blüten von Zeit zu Zeit hereinwinkten. Sie rauchte mit spitzen, altrosa geschminkten Lippen und leicht nervös, wie mir schien: «Gestern Abend ist unser Mitarbeiter, Dr. Reto Schild, ermordet worden. Er sass zusammen mit seiner Frau zu Hause in seinem Wintergarten beim Abendessen. Seine Frau begab sich in die Küche, um …», hier stutzte sie, trat an das Pult, auf dem nichts lag als ein dünnes Dossier, schlug es auf, fand auf Anhieb, was sie suchte, und zitierte daraus: «‹… um den Zucker zu holen›. Kaum war sie in der Küche, hörte sie einen Schuss, und als sie zur Tür hin rannte, sass, nein hing ihr Mann sterbend in seinem Stuhl.»
Sie blickte zur Decke und redete erstaunlich gelassen weiter: «Jemand hat ihn erschossen.»
«Das Erstlingswerk Gabriel Anwanders ist ein Genuss. Unabhängig von der Tatsache, dass der Leser wissen möchte, ob es Alexander Bergmann schafft den Mord aufzulösen, bereitet der Krimi schon alleine wegen seiner bildhaft lebendigen Ausdrucksweise echtes Lesevergnügen. Ein Buch, das einen bis zum Ende in seinen Bann zieht. Auf einen Nachfolgeroman darf man gespannt sein.» Wochen-Zeitung Emmental und Entlebuch
«Sommer-Lektüre mit Pfiff.» Gegenwart