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Erleben die USA gerade einen „Minsky-Moment“
Auszug aus der Zeitung Südostschweiz vom 23. August 2007
Ergänzungen von Siegfried Schmid
Ein halb vergessener US-Ökonom erlebt aus aktuellem Anlass eine Renaissance: Hyman Minsky entwickelte eine Theorie zum Thema, wie Finanzblasen entstehen und platzen.
Von Luzian Caspar
Washington. - «Stehen wir vor einem 'Minsky-Moment'?» fragte Nouriel Roubini, ein bekannter Ökonom, Ende Juli in seinem Internet-Blog (www.rgemonitor.com).
Die Frage sei, ob man sich heute auf dem Höhepunkt eines Schulden- und Kreditzyklus' befinde, wie er von Minsky beschrieben worden sei.
Die gleiche Frage hatte kurz zuvor George Magnun gestellt, der «Grand Old Man» der UBS-Ökonomen. Und Paul Mc Culley, Wirtschaftswissenschaftler bei der Pacific Investment Management Company (Pimco), dem grössten Obligationenhändler der Welt, erklärte vor kurzem: «Wir stehen mitten in einem `Minsky-Moment', oder am Rand eines 'Minsky-Kollapses'.» «Ich schätze Minskys Theorien immer mehr», meinte Lawrence Meyer, ein ehemaliger Notenbank-Gouverneur, der mit Minsky zusammen an einer Universität in St. Louis lehrte, diese Woche gegenüber dem «Wall Street Journal». «Manchmal, wenn ich mir selber zuhöre, denke ich mit Schrecken: Ich klinge ja wie Hyman Minsky. »
Freie Märkte, mehr Risiko
Minsky, geboren in Chicago, fand zu Lebzeiten nur wenig Gehör, denn er war in einer Zeit aktiv, in der die neoliberale Schule der Ökonomie, die in Reaktion auf die Theorien von John Maynard Keynes entstanden war, ihren Höhepunkt erlebte. Die meisten neoliberalen Ökonomen sind überzeugt, dass die Finanzmärkte effizient seien. Da kam eine Theorie, die aufzeigte, wie Finanzmärkte unweigerlich Schulden- und Kreditblasen produzieren, wenig gelegen. Laut dem im Jahr 1996 77-jährig verstorbenen Minsky führen freie Finanzmärkte unweigerlich dazu, dass die Akteure immer mehr Risiko auf sich nehmen und immer mehr Schulden anhäufen. Gleichzeitig lockern die Kreditgeber und Aufsichtsbehörden - oder, wie im heutigen Fall, die Rating-Agenturen - die Konditionen. Die Folge ist, dass die Papierwerte an den Börsen und Immobilienmärkten immer mehr ansteigen und die Risikoprämien immer weiter sinken. Doch irgendwann kommt nach Minskys Theorie der Punkt, an dem die ersten Schuldner ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können - die Blase platzt.
Zeche für Kredit-Orgie wartet
An diesem Punkt sei man heute, sagen jetzt mehr und mehr unabhängige - ausserhalb des Börsenbetriebs stehende - Ökonomen. Die Zeche für die Kredit-0rgie der letzten Jahre müsse bezahlt werden, und die Rechnung liege auf dem Tisch.
Roubini zum Beispiel betont, dass es sich bei der heutigen Situation nicht nur um eine Liquiditätskrise handle, sondern um eine Insolvenzkrise:
In den USA seien heute Hunderttausende von Haushalten. Dutzende von Hypothekarbanken und Generalunternehmern. zahlreiche Hedge-Fonds und andere Finanzfirmen, sowie nicht wenige Industrieunternehmen bereits insolvent. Eine Insolvenzkrise sei viel gefährlicher als eine Liquiditätskrise, denn sie könne nicht gelöst werden, indem man den Banken neues Geld zur Verfügung stelle. Im Gegenteil. Liquiditätsspritzen der Zentralbanken würden die Blase nur weiter autblähen und damit das Problem noch verschärfen.
Was die Okonomen, besonders beunruhigt, ist die Tatsache. dass es sich um eine weltweite Kreditblase handelt und die Schuldenpyamide die grösste ist, die je aufgebaut wurde. «Kein Konjunkturboom war je so stark auf Kredit und geborgtem Geld aufgebaut wie der Boom, den wir seit 2001 erlebt haben». schrieb David Rosenberg, der Chefökonomen, von Merrill Lynch, letzte Woche. Denn die Marktteilnehmer glaubten an ein «neues Paradigma» - ähnlich' zu Zeiten der Hightech-Blase, als Street-Analysten glaubten, es sei nicht mehr nötig, dass Unternehmen Gewinne erzielen. Man träumte, das, die Konjunkturzyklen irgendwie obsolet geworden seien. dass die Zentralbanken ein magisches Mittel gefunden hatten, Inlationsschühbe und ,an:? damit Rezessionen zu vermeiden, und dass es somit gerechtfertigt sei, die Risikoprämien immer weiter zu senken. «Die gegenwärtige Krise ist unvergleichlich Schlimmer als die Finanzkrisen von 1997/93», glaubt Roubin; Denn wie Minsky voraussagte ist die Landschaft immer mehr von spekulativ agierenden Kreditnehmern und Schuldnern bevölkert
Weiterer Kreditanbieter pleite
New York / Brüssel. - Die Krise am US-Immobilienmarkt hat nun auch einen der grössten unabhängigen Hypothekenanbieter des Landes in die Pleite getrieben. First Nlagnus Fixnancial beantragte Glsubierschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts.
Erst vor einer Woche hatte First Magnus seine Kreditgeschäfte eingestellt. Das vor elf fahren gegründete Unternehmen kündigte am Dienstagabend die Liquidierung an. Es entliess bis auf 60 Angestellte alle seiner knapp 6000 Mitarbeiter. Tags zuvor hatte Sun Trust die Streichung von 2400 Stellen bekannt gegeben. Und Capital One, ein weiteres grosses amerikanisches Finanzinstitut, macht die erst vor kurzem erworbene Hypothekarsparte dicht. Dadurch entfallen 1900 Arbeitsplätze.
Derweil pumpte die Europäische Zentralbank (EZB) nach den 200 Milliarden, zusätzliche 40 Milliarden Euro ins Finanzsystem, um die Kapitalmärkte zu beruhigen. Trotz der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten hält die EZB an ihrer geplanten Zinserhöhung im September fest, wie EZB Präsident Jean-Claude Trichet gestern bekannt gab. (sda / ap)
Inzwischen haben weiter 2 Deutsche Landesbanken infolge riesigen Insolvenzproblemen durch den Handel mit Hedge Funds den Besitzer gewechselt. Eine riesige Menge wird folgen.
Bedenkliche Zeiten
Die Zeit wird uns bedenkliche Zeiten zeigen und bringen, weil die Blase platzt. Dies Blase wird alle Menschen der Erde treffen. Doch die Wohlstandsverwöhnten werden hier schwierige Zeiten erleben. Pluto im Steinbock bringt es ab dem 26. Januar 2008 an den Tag, bedenken wir, dass er dort 12 Jahre Zeit hat, um die Weltwirtschaft und die verheerende Geldpolitik der Notenbanken und der Banknotendruckereien zu sanieren.
Kommentar: Gemäss Aussagen von Marc Felber auf www.ringier.tv ein gesund denkender Investor, wurden zwischen dem 3. und 23 August 3000 Milliarden US Dollars an der Börse vernichtet worden. Das Jahresende wird schlimm, wenn die Pensionskassen und die Banken, die Geldinstitute ihre Zahlen bekannt geben müssen. Köpfe werden rollen, die Selbstmorde von Pleitegeiern auch.
Es ist eine Frechheit wie die Grossbanken ihre faulen Hedge Fonds den Kunden verkauft haben, weil sie durch Insiderwissen wussten, dass diese amerikanischen Papiere verloren gehen. (UBS)
Astrologisch gesehen dürfte zwischen dem 7. und dem 15 September 2007 ziemlich sicher jetzt nochmals ein Schub nach unten an der Börse kommen, denn viele Banken sind durch die Vernetzungen mit den riesigen künstlichen inflationären Geldmengen in die Spirale der kommenden Bankrotte gegangen. Wie diese Geldmengen dann deflationär werden, diese Geschichte muss noch geschrieben werden. Ab jetzt ist sicher der Trend geht trotz der guten Werte der jeweils besten Papiere an der Börse vorläufig nicht mehr nach oben.