Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03481.jsonl.gz/2512

"An Weltmeisterschaften zählt der Rang und nicht die Zeit", kommentierte die 29-jährige Waadtländerin ihr Rennen. Die Enttäuschung über ihre Klassierung, die vor den Titelkämpfen nicht erwartet werden durfte, überwog im ersten Moment. "Ich brauche wohl noch den Trainer, der mir bestätigt, dass ich ein sehr gutes Rennen gelaufen bin", fügte sie an.
Allerdings trat die Europameisterin von Berlin nicht derart niedergeschlagen vor die Medien, dass gleich ein Trostspender notwendig gewesen wäre. "Ich bin leider Vierte geworden, aber es ist Schweizer Rekord. Die Gefühlslage ist fifty-fifty. Ich bin zwar die beste Europäerin, aber heute war der Wettkampf auf Weltniveau und der nächste Grossanlass ist auch auf Weltniveau. Ich muss noch besser werden", hielt die ehemalige Mehrkämpferin fest.
Mit etwas Distanz wird Sprunger feststellen: Die Podestläuferinnen an diesem Abend waren schlicht zu stark. Die Amerikanerin Dalilah Muhammad unterbot in 52,16 Sekunden ihren Weltrekord um 4 Hundertstel und ihre Landsfrau Sydney McLaughlin (52,23) war ihr dicht auf den Fersen. Bronze holte in 53,74 Sekunden die Jamaikanerin Rushell Clayton, auch sie lief eine persönliche Bestleistung. Mehr als Platz 4 lag für die Schweizerin in Doha nicht drin. "Sie hat alles richtig gemacht", meinte ihr Coach Laurent Meuwly.
Die eigene Bestzeit verbesserte Sprunger um 23 Hundertstel. Endlich tilgte die 29-Jährige den 28 Jahre alten Rekord von Anita Protti aus dem Jahr 1991. Und dies gleich um 19 Hundertstel. Sprunger hatte den Schweizer Rekord über 200 m diesen Sommer an Mujinga Kambundji abgeben müssen, dafür erhält sie nun die Bestmarke in ihrer Paradedisziplin.
Die Hallen-Europameisterin über 400 m war wie Kambundji zu Saisonbeginn nicht auf Touren gekommen und galt als Sorgenkind. Nach Doha reiste Sprunger mit einer Saisonbestzeit über 55 Sekunden an. Doch der Formaufbau hat wie bei der WM-Dritten Kambundji gepasst. Im Vorlauf blieb die Westschweizerin mit 54,98 Sekunden erstmals in diesem Jahr unter der 55er-Marke, im Halbfinal steigerte sie sich auf 54,52 Sekunden. Nach Hürdensprinter Jason Joseph stellte Sprunger als zweite Vertreterin von Swiss Athletics beim Saisonhöhepunkt einen Schweizer Rekord auf. Alles richtig gemacht.
(sda)