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Wissenschaftlicher Artikel über Eislawinen am Eigergletscher
Der im Journal Cold Regions Science and Technology veröffentlichte Artikel beschreibt die Lawinen- sowie die glaziologische Situation des Hängegletschers am Eiger in den Schweizer Alpen. Der Getscher befindet sich in der Westwand des Berges, direkt oberhalb dem Ausgangspunkt zur populären Touristenattraktion Jungfraujoch. Die historische Jungfraubahn führt in einen Tunnel durch die berühmte Eigernordwand zur höchsten Bahnstation Europas. Bevor die Bahn im Tunnel verschwindet, hält sie an der Station Eigergletscher, wo zudem im Winter eine Skipiste des Jungfrau Skigebietes beginnt. Die exponierte Bahnstation wird gefährdet durch Eislawinen vom oberhalb gelegenen Hängegletscher, vor allem falls diese auf ihrem Weg weiteren Schnee mitreissen und sekundäre Schneelawinen auslösen (Bild 1 unten). Im Herbst 2015 bildete sich direkt hinter der Gletscherfront eine Spalte, die auf einen bevorstehenden Eisfall beträchtlicher Grösse (maximales Eisvolumen 80’000 m³) hindeutete. Daraufhin führte das Forscherteam um Stefan Margreth vom WSL Institut für Schnee und Lawinenforschung SLF eine umfassende Gefahrenanalyse von Eislawinen durch. Dabei wurden vier verschiedene Szenarien definiert und Berechnungen zu deren Lawinendynamik ausgeführt.
Bild 1: Übersichtsdarstellung des Eiger-Hängegletschers, der Bahnstation Eigergletscher und eine mögliche Lawinenbahn.
Figure 2: Im Winter 2016 ereigneten sich drei Eisfälle, welche mithilfe der Zeitreihenanalyse der vom interferometrischem Radar aufgezeichneten Geschwindigkeiten alle korrekt vorausgesagt werden konnten. Diese Eisfälle waren jedoch zu klein um den Alarm auszulösen und einen der Schliessungspläne zu aktivieren.
Sicherheitskonzept mit Radarüberwachung
Die Auswertung dieser vier Szenarien bildete die Basis zur Entwicklung von unterschiedlichen Schliessungsplänen und einem entsprechenden Sicherheitskonzept für den Bereich der Eigergletscher Bahnstation. Ein zentraler Punkt des Sicherheitskonzeptes ist die kontinuierliche Gefahrenüberwachung, welche dank einem kombinierten Alarm- und Überwachungssystem von Geopraevent stets sichergestellt werden kann. Einerseits misst das interferometrische Radar (Gb-InSAR) stets die Fliessgeschwindigkeit des Gletschers und gibt durch eine Geschwindigkeitsbeschleunigung Aufschluss über Vorboten eines bevorstehenden Eisfalls. Anderseits agiert das Dopplerradar als Alarmsystem, indem es die Lawine in Echtzeit erkennt und das Ergreifen von sofortigen Sicherheitsmassnahmen, wie das Evakuieren von Personen und Zügen innerhalb 35 – 45 Sekunden, erlaubt. Sämtliche Daten, wie beispielweise Lawinenbahnen und -merkmale, sind über das Geopraevent Online Datenportal jederzeit und von überall für authorisierte Benutzer zugänglich.
Video: Das Lawinenradar detektiert neben den Eislawinen auch eine grosse Anzahl an “normalen” Schneelawinen in der Westwand des Eigers. Dieses Video zeigt den Zeitraum von 4 h am Spätnachmittag vom 19. April 2016. Alle Lawinen wurden korrekt erfasst und in der online zugänglichen Karte mitsamt wichtigen Merkmalen dargestellt.