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Johann Nikolaus Grooth, Basel, um 1765
Ölmalerei auf Leinwand
H. 60,5 cm, B. 50 cm
Inv. 1980.5.a.
In Basel geboren, besuchte Christian von Mechel (1737– 1817) Gymnasium und Universität. Dann liess er sich in Nürnberg und Augsburg zum Kupferstecher ausbilden.
Wegweisend wurde sein Aufenthalt in Paris bei Johann Georg (Jean-Georges) Wille, wo er den Kunsthandel kennenlernte, Eingang in die höchsten Kunstkreise fand und sah, wie man rasch zu Geld kam. 1764 kehrte er nach Basel zurück und heiratete Elisabeth Haas, Schwester des Buchdruckers und Schriftsetzers Wilhelm Haas, der die Schriftgiesserei zu Weltruhm führte. Mechel wurde sofort geschäftlich tätig. Die eigene künstlerische Tätigkeit gab er um 1766 praktisch auf, reiste nach Italien und empfing dort prägende Eindrücke. Er wurde zum Klassizisten.
Ende September 1766 kehrte er nach Basel zurück.
Mechel erlangte Bedeutung nicht als Künstler, sondern als Pionier der Kunstvermittlung. Er katalogisierte die Düsseldorfer Gemäldegalerie und die kaiserliche Sammlung im Belvedere in Wien. Er stellte einen Katalog der Werke Hans Holbeins d. J. (Kat. 131) zusammen. Pionier war er auch in der Präsentation der Gemälde grosser Galerien.
In Wien hängte er die Bilder nach Schulen und Epochen, d. h. nach kunsthistorischen Kriterien und nicht mehr nach Motiven und Grösse. Pioniertaten waren – zumindest in der Schweiz – die Eröffnung der Kunsthandlung mit Wechselausstellungen und die Einrichtung der Stecherwerkstatt und des Kunstverlags, später einer Mal- und Zeichenschule.
Die drei berühmten, prachtvollen Kupferwerke – die Medaillen von Hedlinger, die Galerie in Düsseldorf und Holbeins Totentanz – schuf Mechel nicht selbst. Dafür stellte er Dutzende, meistens fremde Kupferstecher an. Als Geschäftsvirtuose legte er Wert auf Qualität und erkannte früh manches Talent. Er reiste oft, besass einen riesigen Bekanntenkreis und verkehrte mit Personen fast aller europäischen Metropolen und Residenzen. Mittelsmänner waren in Paris, Rom, Wien und vielen deutschen Städten.
Persönlichkeiten aus England, Deutschland und Frankreich, aber auch aus Schweden, Dänemark und Russland besuchten Mechel in der St. Johanns-Vorstadt als sachverständigen Vermittler und weltgewandten Gesellschafter.
So modern Mechel als Händler und Kunstsachverständiger war, so rückwärtsgewandt waren seine Ansichten über Politik und Gesellschaft. Trotz republikanischer Herkunft, die er gern betonte, lebte er ganz in der Welt des europäischen Adels. Viele Adelige aus Frankreich, Deutschland und England waren seine Kunden. War irgendwo eine fürstliche Zeremonie, Mechel eilte hin, so 1775 nach Reims zur Krönung König Ludwigs XVI. oder 1790 nach Frankfurt zur Krönung Kaiser Leopolds II. Mechel war um 1780 die kosmopolitischste Person Basels. Fast die gesamte Welt der Sammler besuchte Mechels Akademie im Erlacherhof in der St. Johanns-Vorstadt oder korrespondierte mit ihm.
Mit den Wirren der Französischen Revolution und der Neuordnung Europas verlor Mechel seine Kundschaft.
1806 machte er Bankrott. Mechel zog nach Berlin an den preussischen Hof König Friedrich Wilhelms III. Am 11. März 1806 wurde er in die Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Die königliche Pension war sein einziges Einkommen. Krank und einsam verbrachte er die letzten Lebensjahre. Am 4. November 1817 starb er in Berlin.
Das Porträt Mechels, zu dem als Pendant das Bildnis seiner Frau Elisabeth Haas gehört, schuf Johann Nikolaus Grooth (1723–1797). Der in Stuttgart geborene Maler war um 1760 nach Basel gekommen.