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Was ist, wenn der Schmerz, den man in früheren Jahren erlebt hat, so stark ist, dass man alles macht, um diesen nie mehr spüren zu müssen? Das Leben zeigt einem aber auf, dass man sich selbst im Weg steht und aufbrechen möchte, in die Welt der Freiheit, die vor einem liegt. Damit dies möglich ist, braucht es Vergebung, Mut und den Wunsch sich weiterzuentwickeln.
Folgende Erzählung ereignete sich auf einer Wanderung: «Du hast so viel Schreibtalent, warum schreibst du eigentlich keine Blogtexte?», fragte ich einen meiner besten Kollegen. «Ich weiss, dass ich mit den negativen Kommentaren nicht fertig werde», war seine Antwort. Er erzählte mir, würde er einen Blogtext veröffentlichen, käme der innere Richter und gäbe ihm zu verstehen, dass seine Beiträge niemanden interessieren und die Welt definitiv nicht auf seine Texte warten würde. Der Richter in seinem Inneren nimmt in diesen Momenten viel Platz ein und ist gross, erdrückend und mächtig.
Es waren die Schmerzen, die ihm seine Mitschüler und Mitschülerinnen in seiner Kindheit zugefügt hatten, als sie ihn ausgestossen oder ihm Gegenstände gestohlen hatten. Von seinen Eltern hätte er sich damals gewünscht, dass sie ihn unterstützen und ihn vor den anderen Kindern beschützen würden. Die Eltern vertrauten aber auf ihn und wussten, was ihn nicht umbringt, macht ihn stark.
Während der Wanderung sah er den kleinen Jungen vor sich, der diese Angst in sich hatte, wieder verletzt zu werden. Er sah sich, als erwachsene Person und konnte sich aber als Erwachsener von den Emotionen nicht lösen. Er brauchte einen Beschützer, einer der ihm Sicherheit und Geborgenheit garantierte. Er erwähnte einen Samurai, der auf dem Pferd dahergeritten kam. Der Samurai nahm den kleinen Jungen zu sich und gab ihm den nötigen Schutz.
Während des Prozesses entdeckte er ein bekanntes Haus. Sofort sagte er, dass er den Richter jetzt zu diesem Haus schicken würde, damit er dort seinen Raum einnehmen konnte. Somit befreite er sich emotional vom Richter und wusste aber immer noch, wo er war, falls er ihn doch noch einmal für etwas Nützliches gebrauchen wollte. Diese Bilder und emotionalen Erfahrungen haben ihm geholfen, seine mentale Freiheit wieder zu erlangen und den Mut aufzubringen, sich in den sozialen Medien zu zeigen. Falls er negative Kommentare bei seinen Blogtexten lesen wird, würde er den Samurai holen, der ihn in diesem Moment beschützt. Er wird danach weiterhin Freude haben, sein Weltbild, seine Meinung und seine Gedanken, die ihm zurzeit im Herzen brennen, der Menschheit in schriftlicher Form zur Verfügung zu stellen.
Sein erster Blogeintrag folgte ein paar Tage später.
Viele Menschen kennen den inneren Richter nur zu gut. Man könnte ihn auch den Zweifler oder den Verurteiler nennen. Er ist da und wir betreiben Selbstsabotage, weil wir immer denken, dass wir nichts können oder nicht wichtig genug sind. Wie gehst du mit dem inneren Richter um?