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Jaspers hat in zahlreichen Schriften religionsphilosophische Gedanken reflektiert. Das begann 1919 mit der „Psychologie der Weltanschauungen“ und endete 1964 mit dem Buch über Nikolaus Cusanus. Die Höhepunkte dieser Reflexion waren die Metaphysik der Chiffren, das Konzept des philosophischen Glaubens und die Kritik der Offenbarungsreligionen.
Die Chiffrenlehre wird schon im dritten Band der „Philosophie“ breit entfaltet. Danach sind Chiffren vieldeutige Zeichen, die für Existenz auf Transzendenz hinweisen können. Im Prinzip kann alles zu einem solchen Zeichen werden. Dennoch schliesst Jaspers eine Möglichkeit kategorisch aus: Jesus von Nazareth ist kein Gott und keine Chiffre der Gottheit. Was aber die wirkliche Gottheit wirklich sei, lässt sich in keiner Weise direkt sagen, noch ob sie überhaupt sei. Insofern bewegt sich Jaspers’ Denken hier in der Nähe des Agnostizismus, aber nicht eines passiven, sondern eines aktiven Agnostizismus, der keine Ruhe im Denken und Glauben findet, dass Gott nicht sei. Die Chiffre aber, wohin sie auch weise, ist nie identisch mit dem, worauf sie weist. Im Lesen der Chiffre lässt sich die Transzendenz nicht erkennen, aber vielleicht erhellen.
Ein Glaube, der weiss, dass er nicht weiss, aber aus dem, was ihm zur Chiffre wird, sich erhellt, nennt Jaspers einen philosophischen Glauben. Der philosophische Glaube kennt keine Dogmen, sondern bestenfalls Grundsätze. Er bestätigt sich nicht durch Gewalt gegen Andersglaubende, sondern durch die Fähigkeit zur Kommunikation mit ihnen. Er immunisiert sich nicht in einem Gespinst von Absurditäten, sondern setzt sich den Einwänden der Vernunft aus und gewinnt sich je neu aus dem Unglauben.
Der philosophische Glaube entspricht einer Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft, wie sie schon Kant gesucht hat. Indes: Die sogenannten abrahamitischen Religionen: das Judentum, das Christentum und der Islam, wählten in Feindschaft gegeneinander einen anderen Weg. Sie haben sich als Offenbarungsreligionen verstanden, mit dem Anspruch auf Ausschliesslichkeit ihrer religiösen Wahrheit. Daraus folgte eine lange Geschichte der religiös motivierten Grausamkeit, die Jaspers in aller Schärfe kritisiert.
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