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Die Baha'i-Religion
Die Baha'i glauben an einen Gott, der allwissend, allmächtig, allgegenwärtig und absolut transzendent ist. Der Gedanke, dass es nur einen einzigen Gott gibt, ist für sie zentral. Dieser Einheit entspricht auch die Einheit der Menschheit und die der Schöpfung. Und auf Einheit hin werden die Endzeitverkündigungen aus AT, NT und Koran gelesen: Die alte Weltordnung wird zerfallen und stufenweise ein friedlicher Weltstaat unter Baha'ullah entstehen.
Der Mensch muss Gott anerkennen und lieben. Ihn teilweise zu erkennen, ist möglich durch die Schöpfung und v.a. durch „Manifestationen Gottes", als welche z. B. Krishna, Moses, Christus und Mohammed gelten. Es sind Menschen, die als Spiegelungen Gottes die Menschen zur Wahrheit führen. Ihre Offenbarungen sind göttliche Wahrheit, ihre jeweilige Form entspricht aber dem Erkenntnisvermögen der Menschen ihrer Zeit und wird immer deutlicher. Der Prophet für das gegenwärtige Zeitalter - aber nicht der letzte - ist Baha'u'llah. Er gilt als der Heilsbringer, den die einzelnen Religionen für die Endzeit erwarten.
Entstehung
Dies löste eine scharfe Verfolgung gegen den Bab und seine Anhänger aus, bei denen der Bab 1850 erschossen wurde. Seine Nachfolge übernahm einer seiner Anhänger, Mirza Husain Ali Nuri, der sich später Baha'u'llah (Herrlichkeit Gottes) nannte. Die weiteren Ereignisse führen Baha'u'llah in die Verbannung nach Akka (im heutigen Israel). In Israel (Haifa) liegt heute auch das Weltzentrum der Baha'i, das Universale Haus der Gerechtigkeit. Weltweit soll es etwa 5 Millionen Baha'i geben. Im Iran sind sie nach wie vor streng verboten.
Der Sohn von Baha'u'llah, Badu'l Baha, übernimmt nach dessen Tod die Führung. Er unternimmt Missionsreisen in den Westen, die zum starken Wachstum der Bewegung führen und sie dazu zwingen, eine eigene Struktur zu finden. Zuoberst steht als geistiges Oberhaupt und unfehlbarer Ausleger des Wortes Gottes der Hüter. In seinem - z.T. ebenfalls wieder angezweifelten - Testament verfügt er, dass sein ältester Enkel Shogi Effendi die im Kitab-al-Aqdas angelegte Ordnung in die Realität umsetzen soll. 1921 übernimmt er diese Aufgabe als sog. „Hüter des Bundes". Er betätigt sich ausserdem als Übersetzer von Offenbarungsschriften ins Englische und verfasst eigene Werke.
Da das geistige Oberhaupt der Bah'i ein direkter männlicher Nachkomme Baha'u'llahs sein muss und Shogi Effendi keinen Sohn hatte, die übrigen in Frage kommenden Verwandten aber alle „Bündnisbrecher" geworden waren, wird das Amt seit seinem Tod nicht mehr besetzt.
Organisation
Anderseits gibt es neunköpfige gewählte Gremien. Auf der untersten Ebene sind das die örtlichen geistigen Räte, die z.B. die Feste organisieren, die Armen unterstützen und den Glauben verbreiten. Über ihnen stehen die nationalen geistigen Räte, die u.a. die nationalen Besitztümer verwalten. Zusammen mit dem indirekt gewählten Universalen Haus der Gerechtigkeit bilden diese Räte den gewählten oder verwaltenden Pfeiler.
Das oberste Verwaltungsorgan, das Universale Haus der Gerechtigkeit, hat seinen Sitz in Haifa. Es ist oberster Gerichtshof in der Rechtsprechung und erlässt Gesetze für die Gegenwart in Ergänzung zu Baha'u'llah. Das von ihm gesetzte Recht gilt als mittelbar göttliches Recht. Mitglieder sind nur Männer. „Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit entscheidet, ist die Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abgeht, gehört wahrlich zu denen, die Uneinigkeit lieben, Bosheit zeigen und sich vom Herrn des Bündnisses abkehren." (Abdu'l-Baha, Wille und Testament)
Die Verwaltungsordnung ist also zu einem guten Teil demokratisch, doch sind auch die autokratischen Züge des Systems und sein hoch gegriffener Anspruch der Gottgegebenheit beachtlich.
Praxis
Die Einzelnen sind seit Abdu'l-Baha zur Einehe verpflichtet und haben vor der Heirat die Zustimmung der Eltern einzuholen. Alkohol und andere Rauschmittel sind verboten. Wichtig und auch dem Grundsatz der Einheit verpflichtet ist die Forderung nach Nächstenliebe.
Die Baha'i kennen keinen Priesterstand und keine sakramentalen Handlungen, doch strukturieren Pflichten und Feste das Leben: Täglich sollen rituelle Waschungen und Gebete (keine freien Gebete) durchgeführt werden. Der letzte Monat des Baha'i-Jahres, das aus 19 Monaten à 19 Tagen besteht, ist Fastenzeit. Eine Reise zu den heiligen Stätten ist erstrebenswert. Gefeiert werden das Neujahrsfest, das Ridvan-Fest und andere Tage, die an Geschehnisse aus der Geschichte der Religion erinnern. Monatlich findet das 19-Tage-Fest statt, eine dreiteilige Feier mit Lesung aus Schriften von neun Hochreligionen, einem beratenden und einem geselligen Teil. In der Beratung werden Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit verlesen und Probleme der Gemeinde besprochen. Hier können auch einzelne Vorschläge ins Gespräch bringen, die gegebenenfalls an höhere Instanzen weitergeleitet werden. Nicht-Baha'i dürfen an dieser Feier nicht teilnehmen.
Bewertung
Sympathisch ist dagegen ihre Aufforderung an die Menschheit, die Wahrheit (selbst) zu suchen. Ebenso ihre Aufforderung zu Einheit und Nächstenliebe, was aus christlicher Sicht die Baha'i weit über den Islam hinaushebt, aus dem sie ursprünglich kommen. Die Verpflichtung zur Einehe und zu einem gesunden Lebensstile (ohne Drogen aller Art) berührt Christen angenehm. Ihre Feste betonen die Gemeinschaft, ihre Gottesdienstpraxis kommt dem christlichen Ideal des allgemeinen Priestertums nahe.
Kritik muss allerdings bei ihrer Forderung nach einem Weltstaat unter Baha'ullah einsetzen. Hier haben die Baha'i ähnlich wie der Islam die Trennung zwischen Religion und Staat nicht gemacht, sondern sehen sie als Einheit, was immer wieder verhängnisvolle Folgen zeitigt und gezeitigt hat. Im Neue Testament ist diese weltweite Einheit zwar verheissen, aber nicht in dieser Zeit. Die Forderung, das Paradies aus eigener Kraft zu schaffen, was die Baha'i letztlich erreichen möchten, weckt böse Erinnerungen aus christlicher Vergangenheit.

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