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Bevölkerungsbefragung 2019 des Kantons Basel-Stadt
In der sechsten kantonalen Bevölkerungsbefragung wird die Lebensqualität im Kanton besser bewertet als in den vergangenen Befragungen. Die höchsten Zufriedenheitswerte entfallen auf den öffentlichen Verkehr. Das Wohnungsangebot erhält eher kritische Wertungen. Bei der offenen Frage nach den grössten Problemen entfallen am meisten Nennungen auf die Verkehrssituation, während umgekehrt das Kulturangebot als grösster Pluspunkt betrachtet wird.
Die Auswertung der sechsten Bevölkerungsbefragung zeigt, dass 95% der befragten Personen sehr gerne oder eher gerne im Kanton Basel-Stadt leben. Die Lebensqualität wird auf einer 10er-Skala mit 8,0 benotet und erreicht damit den höchsten Stand seit der ersten Durchführung 2003. Besonders zufrieden sind die befragten Personen mit den Angeboten des öffentlichen Verkehrs, den Einkaufsmöglichkeiten sowie der Abfallentsorgung. Eine eher geringe Zufriedenheit besteht beim Wohnungsangebot, der Lärmsituation sowie der Luftqualität. Das Wohnungsangebot wird trotz tiefer Bewertung höher eingestuft als bei der Befragung 2015, hat aber noch nicht wieder das Niveau von 2011 erreicht.
Bei der offenen Frage nach den grössten Problemen im Stadtkanton nennen die Befragten das knappe Wohnungsangebot an dritter Stelle; noch häufiger werden die Verkehrssituation und die Sicherheit erwähnt. Auf die ebenfalls offene Frage nach den positiven Aspekten steht, wie schon in der Vergangenheit, das kulturelle Angebot an erster Stelle, gefolgt vom öffentlichen Verkehr und den kurzen Wegen aufgrund der Kleinräumigkeit des Kantons.
Nach 2005 und 2011 enthielt der Fragebogen zum dritten Mal Fragen zum Dreiland und der grenzüberschreitenden Mobilität. 91% der Befragten waren im Jahr vor der Erhebung mindestens einmal im grenznahen Ausland, 51% mehr als zehn Mal. Besonders häufig gingen die Befragten fürs Einkaufen, für Ausflüge sowie für einen Restaurantbesuch über die Grenze. Erstmals sprechen sich weniger als 50% der Befragten für zusätzliche ÖV-Linien ins grenznahe Ausland aus. Für eine aktivere Zusammenarbeit mit den ausländischen Nachbargemeinden votieren 47%, während 24% einer solchen eher kritisch gegenüberstehen. 51% wünschen sich ein stärkeres Zusammenwachsen von Basel mit dem umliegenden Ausland. 2011 haben sich dafür noch deutlich mehr Befragte ausgesprochen.
Die sechste kantonale Bevölkerungsbefragung fand von Februar bis April 2019 statt. Bis 2015 wurde die Befragung jeweils telefonisch durchgeführt. Aufgrund der zunehmend schwierigen telefonischen Erreichbarkeit erfolgte die Umstellung auf Mixed-Mode (Online- und Papierfragebogen). Von den 7 000 zufällig ausgewählten Bewohnerinnen und Bewohnern des Kantons Basel-Stadt nahmen insgesamt 2 108 Personen an der Befragung teil, was einem Rücklauf von 30% entspricht. Gegenüber den früheren Befragungen beteiligten sich mehr ausländische und jüngere Personen.
Lebensqualität für alle, heute und in Zukunft
Kommentar und politische Einordnung
Die Lebensqualität in Basel ist hoch, das urbane Leben wird geschätzt und die Menschen fühlen sich mit dem Stadtkanton verbunden. Die Lebensqualität auch in Zukunft für alle zu erhalten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken stellt in Zeiten eines immer schnelleren Wandels eine grosse Herausforderung dar. Besonders gefordert ist Basel-Stadt bei der Wohn- und bei der Verkehrspolitik.
Für Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann ist die Bevölkerungsbefragung ein unverzichtbarer Seismograf: Sie liefert wertvolle Informationen zur Bevölkerung sowie deren Einschätzungen, etwa zur Zufriedenheit mit den Wohn- und Lebensbedingungen, zur Beurteilung der angebotenen Dienstleistungen sowie Angaben zum Mobilitäts- und Freizeitverhalten.
„Diese Informationen sind deshalb so wertvoll“, so die Regierungspräsidentin, „weil wir den Auftrag haben, die Lebensqualität für alle zu erhalten, heute und auch in Zukunft. Wenn die Politik eine aktive und gestaltende Rolle zugunsten der Einwohnerinnen und Einwohner einnehmen soll – und das wird zurecht erwartet – müssen wir mit der Befragung auf die Bevölkerung zugehen, müssen hinein ins Leben gehen und aufgreifen, was die Menschen beschäftigt, welche Fragen sie sich stellen. Anschliessend ist die Politik aufgefordert, Antworten darauf zu suchen.“
Die Verfassung schreibe vor, dass sich das staatliche Handeln am Wohlergehen der Bevölkerung auszurichten habe, sagt Lukas Ott, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung: „Deshalb ist es wichtig, dass Basel auch tatsächlich gute Noten erhält, um dem Verfassungsauftrag nachzukommen: Die Bewertung der Lebensqualität steigt seit 2003 kontinuierlich an. Die Menschen leben sehr gerne in Basel.“
Attraktiver Wohn- und Arbeitsort
Die hohe Bewertung der Lebensqualität ist Ausdruck einer starken wirtschaftlichen Entwicklung, Basel ist ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort, der in den letzten zehn Jahren stetig gewachsen ist. Die Bevölkerung fühlt sich verbunden mit dem Wohnstandort, das zeigt sich auch darin, dass die wenigsten umziehen wollen und wenn, dann innerhalb des Kantons.
Gleichzeitig bleibt die Wohnfrage zentral. Die Zufriedenheit mit dem Wohnungsangebot ist zwar marginal gestiegen. Trotzdem bereitet dieser Bereich der Bevölkerung Sorgen, wie Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann betont: „Die Förderung von vielfältigem und günstigem Wohnraum bleibt weiterhin wichtig. Entsprechende Gesetze und Massnahmen sind aufgegleist.“
Die hohe Nachfrage nach Wohnraum hat aber auch damit zu tun, dass urbanes Leben hoch im Kurs steht. Die Stadt der kurzen Wege, die Einkaufsmöglichkeiten, die Kultur- und Freizeitangebote, das ÖV-Angebot, die Gesundheitsversorgung, das Angebot an Grünflächen und kulturelle Vielfalt der Gesellschaft werden geschätzt, wie die Befragung zeigt. Ebenso die Lage in der trinationalen Region. Auch die Zufriedenheit mit der Sicherheit und Sauberkeit ist gestiegen und das Sicherheitsempfinden hat sich verbessert.
Bei den grössten Problemen wird der Verkehr an erster Stelle genannt. Es sind jedoch auch starke Anzeichen eines nachhaltigen Mobilitätsverhaltens zu erkennen – eine hohe Zufriedenheit mit dem ÖV und gleichzeitig auch eine steigende Nutzung, weniger Haushalte mit eigenem Auto, mehr Velos, mehr Car-Sharing. „Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit des Klimaschutzes ist die Bevölkerung in diesem Verhalten zu stärken“, wie Elisabeth Ackermann unterstreicht.
Staat als verlässlicher Partner
Verhaltener ausgefallen ist in der diesjährigen Befragung das Vertrauen in Politik und Regierung. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist das Vertrauen jedoch zentral. Es sei ihr ein wichtiges Anliegen, dieses Vertrauen zu stärken, so Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann: „Wichtig ist dabei die möglichst breite politische Teilhabe in der Bevölkerung.“ Letztlich gehe es darum, dass der Staat sich als verlässlicher Partner erweise.
Die hohe Lebensqualität zu erhalten, stellt in Zeiten eines immer schnelleren Wandels eine grosse Herausforderung dar. „Die Ergebnisse der Befragung ermöglichen es, diese Herausforderungen noch gezielter zu eruieren, den entsprechenden Handlungsbedarf zu definieren und Ziele und Massnahmen festzulegen“, so Kantons- und Stadtentwickler Lukas Ott.
Sämtliche Analysen und Berichte der Bevölkerungsbefragung sowie die Grundauswertung mit Tabellen und Grafiken zu jeder geschlossenen Frage sind ab dem 30. Januar 2020, 10:00 Uhr, unter www.statistik.bs.ch/bevoelkerungsbefragung abrufbar.