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Arcadie
Altflöte solo
Arcadie pour flûte alto solo
Für Pierre Boulez war Claude Debussy der entscheidende musikalische Pionier, der wichtige Elemente zu Beginn der als „musique contemporaine“ bezeichneten Kompositionsweise in seinem Gesamtwerk eingeführt hatte.
Mit seinen arabeskenartigen Melodiefragmenten, die rhythmisch einen flexiblen Ablauf in Bezug auf Spannung und Entspannung favorisieren, hat er die „bouées dans le temps“ (die zeitlichen Bojen) abgeschafft, die in der Barockmusik bis zur Romantik entscheidende Impulse vermittelten.
Die Grundlagen der verwendeten musikalischen Elemente hat er auf seine ganz eigene Weise neu kombiniert. Neben der Ganztonleiter ist die pentatonische Skala von Wichtigkeit. Die Harmonik mit aufgetürmten Quinten und den endlosen Orgelpunkten sind zwei typische Merkmale seiner Musik.
Neben Debussy waren die Komponisten Stravinsky, Webern und Messiaen wichtige Angelpunkte in Pierre Boulez’ Werdegang. Als Student des Berner Musikologen Theo Hirsbrunner, der seinerseits ein Schüler von Pierre Boulez war, haben mich die gleichen Tonsetzer geprägt.
Im Gegensatz zu Boulez, der den totalen Bruch mit der tonartgebundenen Musik der Vergangenheit vollzog und die „Emanzipation der Dissonanz“ im Sinne Schönbergs suchte, habe ich meinerseits quasi die „Emanzipation der Konsonanz“ in der atonalen Musik gesucht.
Arcadie, das kurze Solostück für Altflöte, das mit den letzten beiden Tönen von Syrinx, dem Flöten-Solostück von Debussybeginnt, versucht den Spagat zwischen den als unvereinbar geltenden Grundlagen der tonalen und der, durch 12-Ton Elemente hergeleiteten atonalen Musik zu realisieren.
J-L. D.