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Wo verläuft die Grenze zwischen Alkoholgenuss und Alkoholmissbrauch? Diese Frage stellt sich so manche Person, die regelmässig Alkohol konsumiert. Aber auch Gelegenheitstrinker tun gut daran zu wissen, wie viel Alkohol ihr Körper verträgt und welche Risiken der Alkoholkonsum mit sich bringt.
Catherina Bernaschina
Der Konsum von Alkohol hat eine jahrtausendealte Geschichte. Auf den Alkohol und seine berauschende Wirkung kamen die Menschen wohl eher zufällig. Und zwar durch den Verzehr von überreifen Früchten, bei denen bereits die Gärung eingesetzt hatte. Seitdem wird Alkohol weltweit als Genussmittel konsumiert. Ob Wein, Bier oder Spirituose – Alkohol kann bei riskantem Umgang auch zum Rausch- und Suchtmittel werden: In der Schweiz verursacht der Alkoholkonsum rund 1600 Todesfälle pro Jahr (Quelle: Bundesamt für Gesundheit). Global geht die jährliche Zahl der Todesfälle infolge von Alkoholkonsum sogar in die Millionen. Was aber macht es so gefährlich und wie sieht ein normaler Alkoholkonsum aus?
Faustregel: ein Glas pro Tag
Ein risikoarmer Konsum für gesunde Erwachsene sieht bei Frauen maximal ein Standardgetränk pro Tag und bei Männern maximal zwei Standardgetränke pro Tag vor. Ein solches Getränk enthält zehn bis zwölf Gramm reinen Alkohol (Ethanol). Hier einige Beispiele dafür:
- 1 Stange (30 cl) respektive 1 Flasche (33 cl) Bier oder Alcopop
- 1 Glas (10 cl) Rot- oder Weisswein respektive Prosecco
- 1 Glas (3 cl) Spirituosen
- 1 Mischgetränk mit 3 cl Spirituose (zum Beispiel Vodka Orange), Quelle: Zürcher Fachstelle für Alkoholprobleme
Achtung: Ganz auf Alkohol verzichten solltest du, wenn du ein Fahrzeug oder Velo fährst, Sport treibst, Medikamente nimmst, schwanger bist oder stillst. Aber auch bei der Arbeit oder beim Lernen ist ein Alkoholkonsum nicht angebracht. Generell empfiehlt es sich, an einigen Tagen pro Woche eine Alkoholpause einzulegen, um nicht in eine Abhängigkeit abzurutschen.
Wann gilt man als Alkoholiker?
Den meisten Menschen bereitet Alkohol keine Probleme. Ein Gläschen Prosecco bei einer speziellen Gelegenheit oder etwas Wein oder Bier in einer gemütlichen Runde sind Teil unserer Gepflogenheiten und machen noch niemanden abhängig. Gefährlich wird es, wenn die Ausnahme zur Regel wird. Der Übergang von einem unproblematischen Alkoholkonsum zu Alkoholproblemen ist in der Regel fliessend und verläuft oft unbemerkt. Man trinkt zunehmend öfters und auch allein, um zu vergessen, sich zu entspannen oder aus anderen Beweggründen. Doch die Gefahr lauert nicht allein in der Abhängigkeit, sondern in den gesundheitlichen Problemen, die starkes und regelmässiges Trinken mit sich zieht.
Was der Alkohol mit dem Körper macht
Wissenschaftler der University of California in San Francisco haben herausgefunden, dass das Gehirn nach dem Trinken von Alkohol Endorphine ausschüttet, die Glücks- und Belohnungsgefühle auslösen. Die relativ junge Studie liefert den ersten konkreten Beweis dafür, wie Alkohol positive Gefühle in uns erzeugt. Bei Alkoholikern führt Alkohol zudem gleichzeitig zu einem starken Rauschgefühl. Das Gehirn von starken Trinkern lernt dadurch, das Glücksgefühl mit dem berauschenden Getränk zu verbinden. Diese Erkenntnis könnte gemäss den amerikanischen Wissenschaftlern ein Hinweis dafür sein, wie Alkoholsucht entsteht.
Direkte Auswirkungen von Alkohol
Zu den unmittelbaren Auswirkungen gehören:
- erhöhte Unfallgefahr
- Selbstüberschätzung
- Enthemmung
- schlechtes Benehmen
- Verwirrtheit
- Aggressivität
- Alkoholvergiftung
Alkoholwerte und Messung
Die Menge von Alkohol im Blut (Blutalkoholkonzentration) wird in Gewichtsanteilen (g/kg) bzw. in Promille angegeben und lässt sich anhand verschiedener Messsysteme berechnen. Das bekannteste Messverfahren ist wohl der Atemalkoholtest mit dem Blasröhrchen (die Verkehrspolizei lässt grüssen). Bereits ab 0,1 Promille können wir die enthemmende Wirkung von Alkohol spüren. Ab ca. 1 Promille kommt es zum Rausch. Die Reaktionsfähigkeit ist stark gestört, Sprech- und Orientierungsstörungen treten auf. Bei 2 Promille verabschiedet sich das Reaktionsvermögen. Die meisten Menschen müssen sich spätestens dann übergeben. Bei 3 Promille droht Bewusstlosigkeit. Man ist kalt, blass und kaum ansprechbar. Bei 4 Promille fällt man ins Koma und es kann zum Atemstillstand kommen.
Längerfristige Risiken
Wenn der Körper sich nach und nach an den Konsum gewöhnt und ihn sogar braucht, hat dies auch negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Ein regelmässiger, übertriebener Alkoholkonsum führt unter anderem zu:
- Übergewicht
- Lebererkrankungen wie Fettleber, Leberzirrhose und Schrumpfleber
- Bluthochdruck
- Herzproblemen
- einem erhöhten Krebsrisiko (vor allem in Mund, Rachen und Magen/Darm)
- Gedächtnisverlust und Konzentrationsproblemen
- Schädigungen der Nervenbahnen
- Muskelschäden
- aufgedunsener Haut
- Schleimhautentzündungen
- Erektionsproblemen
Gerade Jugendliche sollten am besten ganz auf Alkohol verzichten, da sich ihr Gehirn und die Organe noch im Wachstum befinden. Denn Alkohol wirkt sich negativ auf die körperliche Entwicklung aus.