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Das Aufkommen der Wässermatten war ein wichtiger agrarischer Fortschritt im Mittelalter. Davor befand sich das Grünland in einem schlechten Zustand, weil sich die Bauern auf die ertragreicheren Äcker konzentriert hatten. Zugleich war es ein umfangreicher Eingriff in die ökologischen Verhältnisse eines Gebiets. Eine Voraussetzung für das Anlegen von Wässermatten waren durchlässige Böden oder eine flache Hangneigung, damit das Wasser versickern oder in Entwässerungsgräben wieder aufgefangen werden konnte. Bis in die 1920er-Jahre existierten Anlagen im Eital unterhalb von Zeglingen, im Ergolztal unterhalb von Oltingen, im Homburgertal, am Bennwilerbach und am Violenbach. Reste früherer Wuhranlagenwirtschaft existieren heute noch in Riehen (Brühl). Im Eital wurden wieder Wässermatten in Betrieb genommen.
Bewässerungssysteme gab es in trockenen Gebieten schon im Altertum. Da Wässermatten mehrheitlich in niederschlagsreichen Gegenden angelegt wurden, stand hier nicht die Wasserzufuhr im Vordergrund. Es ging vielmehr darum, auf den bewässerten Matten eine Bodenverbesserung und eine Ertragssteigerung durch im Wasser gelöste Nährstoffe, Feinerde und organische Substanzen herbeizuführen. Ein weiterer Vorteil war die Bodenerwärmung durch Wässerungen im Frühjahr, welche die Schneeschmelze beschleunigten und den Boden erwärmten. Das Graswachstum setzte so ein paar Wochen früher ein. Die Überflutung der Matten vertrieb oder vernichtete auch Schädlinge wie Wühlmäuse oder Engerlinge.
Wässermatten waren wichtige Retentionsgebiete bei Überschwemmungen. Die Grasnarbe war durch das Wässern stark verdichtet und daher vor Erosion geschützt. Ausserdem versickerte das Wasser auf den durchlässigen Schotterböden relativ rasch. Um die Wässermatten mit Wasser zu versorgen, schlossen sich die örtlichen Bewirtschafter zu Wuhrgenossenschaften zusammen. Diese legten gemeinsam ein künstliches Grabensystem sowie Wuhren (Wehre) an und betrieben dieses in gegenseitiger Absprache. Von den etwas erhöht liegenden zuführenden Gräben floss das Wasser über die Wiesen zu den abführenden Kanälen. Mithilfe raffinierter Schleusen- und Verteilwerke leitete man das Wasser auf die Wiesen. Um die nötigen Niveauunterschiede für die Wässerung zu erreichen, waren Erdbewegungen nötig.
Die Gräben der Wässermatten waren ökologisch wertvolle Lebensräume. Manchmal bildeten sich auch Flächen, auf denen das Wasser noch längere Zeit nach der Wässerung stehen blieb. Diese Wasserflächen lockten Watvögel wie zum Beispiel Kiebitze an und dienten als Rastplatz dieser Vögel. Nicht nur Vögel, sondern auch Libellen wie die Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale) und der Kleine Blaupfeil (Orthetrum coerulescens), Amphibien wie der Laubfrosch (Hyla arborea) und die Gelbbauchunke (Bombina variegata) sowie heute bedrohte Pflanzenarten wie die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) und der Wassersellerie (Berula erecta) lebten in den Gräben der Wässermatten.
Gegen Ende des 19. und vor allem im 20. Jh. gingen die Wässermatten zuerst langsam und dann immer schneller zurück. Eine wichtige Ursache war die Aufhebung des Flurzwangs, wodurch die Bauern nicht mehr an zeitliche und örtliche Vorgaben der Dreifelderwirtschaft gebunden waren; ein koordiniertes System der Bewässerung wurde zu kompliziert. Weitere Ursachen waren die Ausdehnung des Ackerlands und das Aufkommen neuer Düngemethoden. Der Ackerbau bekam durch den Einsatz ertragreicher Sorten und neuer Anbautechniken sowie von Mineraldüngern einen grösseren Stellenwert gegenüber der bisherigen Grünlandbewirtschaftung und wurde deshalb immer weiter ausgedehnt.
DK