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Am vergangenen 4. Dezember hatte er in Havannas Teatro Carlos Marx feierlich das «Festival Internacional del Nuevo Cine Latinoamericano» eröffnet. Elf Tage später erklärte er Kubas grössten Kulturanlass am gleichen Ort für erfolgreich abgeschlossen und verabschiedete die Anwesenden bis zum nächsten Dezember.
Seit 34 Jahren war dies ein jährlich wiederkehrendes Ritual im Leben von Alfredo Guevara – das Filmfestival Havanna war sein Kind.
Der 1925 geborene Kubaner hatte es 1979 gegründet, als ausländische Paten standen damals Leute wie Gabriel Garcia Marquez oder der argentinische Regisseur Fernando Birri zur Seite. Das andere, lange Zeit viel wichtigere «Kind» von Guevara war das allmächtige kubanische Filminstitut ICAIC. Dieses hatte der promovierte Philosoph, Literaturwissenschaftler und glühende Marxist im März 1959, dreieinhalb Monate nach dem Sieg der kubanischen Revolution, mitbegründet und bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2000 geleitet – mit einem Unterbruch ab 1983, als er Botschafter bei der Unesco in Paris wurde. Guevara kehrte im Frühling 1991 an seinen früheren Posten zurück, um das ICAIC zu retten. Das Filminstitut sollte damals «aus Spargründen» abgeschafft werden, zugleich gab es Wirbel um Daniel Díaz Torres’ zensurierten Film «Alicia en el pueblo de maravillas».
Guevara exponierte sich damals und verteidigte die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks gegen die Arroganz der Macht. Doch er konnte auch anders. Tomás Gutiérrez Alea, Kubas bedeutendster Regisseur, geriet mehrfach mit Guevara aneinander. Alea schrieb einmal, es gehe nicht an, dass ein einziger Mann bestimme, welche Filme produziert werden und welche nicht. Doch das kümmerte Guevara nicht. Er verstand es immer, sich seine eigene Unabhängigkeit zu bewahren. Am vergangenen Freitag ist Alfredo Guevara in Havanna mit 87 Jahren gestorben.