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Weichteilorientierte Operationstechniken und ein neuer künstlicher Kniegelenkoberflächenersatz lindern deutlich die Schmerzen und erhöhen die Mobilität.
Bei jedem Menschen findet im Lauf seines Lebens eine normale Knorpelabnutzung statt. Das Kniegelenk ist das grösste Gelenk im Menschen. Es ist von einer zirka fünf Millimeter dicken Knorpelschicht überzogen, die eine schmerzfreie und reibungsarme Beweglichkeit gewährleistet. Beim normalen Gehen wird das Kniegelenk pro Schritt mit dem Zweifachen des eigenen Körpergewichtes belastet. Beim Treppensteigen steigt diese Belastung sogar um das Vierfache an. Durch die Arthrose sind Stellen im Gelenk nicht mehr mit dem schützenden Knorpel
bedeckt. Das Fortschreiten der Arthrose führt zu typischen wellenförmigen Schmerzen bei Belastung (z. B. Treppensteigen), im Ruhezustand und insbesondere in der Nacht. Hinzu kommen eine Schwellung des betroffenen Gelenkes, Bewegungseinschränkungen und Verkürzung der Muskulatur, Gangunsicherheit mit Sturzgefahr bis hin zu Gehunfähigkeit.
Abklärung und Diagnose
Starke Knieschmerzen mit einhergehender Behinderung müssen sorgfältig abgeklärt werden. Nach der persönlichen Befragung des Patienten, wann und wie die Schmerzen auftreten, folgt eine klinische Untersuchung des Kniegelenks. Anschliessend wird eine radiologische Abklärung des betroffenen Gelenkes vorgenommen.
Konservative Therapien
Ist die Gelenkarthrose noch nicht weit fortgeschritten, kann sie mithilfe von speziellen Schuheinlagen oder Schuhen sowie mit Medikamenten und Spritzen gegen Schmerzen beziehungsweise für Knorpelkräftigung sowie auch mit einer Gewichtsreduktion konservativ behandelt werden. Dadurch wird jedoch nur der Arthroseschmerz reduziert und das
Fortschreiten der Knorpelabnutzung verlangsamt. Die Arthrose selbst kann nicht gestoppt werden. Genügen diese Massnahmen nicht, kann eine gelenkserhaltende
Operation (z. B. Arthroskopie) durchgeführt werden. Sie verlangsamt das Fortschreiten der Arthrose deutlich, führt aber in den meisten Fällen nur zu einem befristeten und unbefriedigenden Erfolg.
Künstlicher Oberflächenersatz
Mit der gegenwärtigen Methode des weichteilorientierten Kniegelenkoberflächenersatzes steht heute eine chirurgische Behandlung zur Verfügung, welche schonend und wirksam zugleich ist. Im Gegensatz zu den früheren Methoden, wo mithilfe des Computers darauf geachtet wurde, dass die Ober- und Unterschenkelachse im Lot stehen, wird bei der weichteilorientierten Methode während der Operation die Kraft des Innen- und Aussenbandes in gebeugter und gestreckter Stellung mithilfe eines speziellen Weichteildruckmessgerätes gemessen. Vernarbte Seitenbänder werden so lange gelöst, bis das betroffene Knie bei gleicher Kraftanwendung auf das Innen- und Aussenband wieder gerade steht. So ist es möglich, den künstlichen Kniegelenkoberflächenersatz an die unterschiedlichen krankheitsbedingten Veränderungen des Kniegelenkes individuell anzupassen.
Erst wenn die Seitenbänder balanciert sind, wird der Oberflächenersatz, welcher nun den «neuen Knorpel» bildet, eingesetzt. Der Patient hat durch diese Operationstechnik deutlich weniger Schmerzen, eine bessere Beweglichkeit und Stabilität. Es muss zudem kein Blut vor der Operation gespendet werden. Nach der Operation kann der Patient das Knie sofort wieder belasten und bewegen. Der Klinikaufenthalt beträgt zwischen fünf und zehn Tagen, respektive 14 Tagen bei einem beidseitigen Gelenksersatz.
PD Dr. med. Andreas L. Oberholzer
ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Spezialisierung in Endoprothetik und Fusschirurgie. Er leitet das Zentrum für Gelenk- und Sportchirurgie der Klinik Pyramide in Zürich. www.gelenk-sportchirurgie.ch