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Stell dir eine einst grosse, von Mauern umgebene Hafenstadt vor. Hier wird gehandelt und gefeilscht. Die Exportschlager Weihrauch und arabische Pferde werden in die halbe Welt verschifft. Die Rede ist von der Hafenstadt Al Baleed. Irgendwann im Laufe der wechselhaften Geschichte wird die Stadt jedoch aufgegeben und vom Wüstensand verschluckt. Erst viele Jahrhunderte später werden die Überreste dieser historischen Hafenstadt wiederentdeckt und von amerikanischen, italienischen, deutschen und omanischen Archäologen in mehreren Etappen freigelegt. Heute ist die Ausgrabungsstätte des Al Baleed Archäologie-Parks ein UNESCO-Weltkulturerbe. Auf dem Gelände befindet sich auch das Museum of the Frankincense Land.
Ich lade dich ein, lass dich inspirieren und finde heraus, warum du Al Baleed und dem Museum of the Frankincense Land unbedingt einen Besuch abstatten solltest, wenn du in Salalah bist.
Al Baleed – eine archäologische Ausgrabungsstätte und Museum of the Frankincense Land
Der einzige Zugang zur Ausgrabungsstätte Al Baleed und dem Museum of Frankincense Land erfolgt durch ein Tor an der Küstenstrasse As Sultan Qaabos Street. Fahre durch das Tor, parke das Auto und bezahle den Eintritt. Dieser ist unabhängig von der Anzahl Personen und richtet sich nach der Anzahl der Fahrzeuge.
Die Hafenstadt Al Baleed entstand erst sechs Jahrhunderte nachdem Sumhuram, der berühmte Hafen für Weihrauch, untergegangen war. Da wir uns die Ausgrabungen gern im Licht des Sonnenuntergangs anschauen wollen, fahren wir erst am Nachmittag los. Und beginnen unseren Besuch mit dem Museum of Frankincense Land. Das Museum ist in zwei Bereiche, die «History Hall» und die «Maritime Hall» unterteilt.
Museum of the Frankincense Land – History Hall
Wir beginnen unseren Rundgang durch die «History Hall». Direkt am Eingang befindet sich ein grosses Relief des Oman. Dieses verdeutlicht neben den geologischen Besonderheiten des Wüstenstaates auch die geostrategische Lage an der Strasse von Hormus.
Besonders interessant fanden wir die Erklärungen des Falaj Bewässerungssystems. Im Oman gibt es dieses Bewässerungssystem schon seit mindestens 1000 Jahren. Das Falaj-System besteht aus einem Netzwerk von unterirdischen oder oberirdischen Kanälen, die das Wasser von natürlichen Quellen oder Wasserläufen aufnehmen und in die landwirtschaftlichen Felder leiten. Dabei wird das natürliche Gefälle des Geländes ausgenutzt.
Abhängig vom Ursprung des Wassers werden drei Arten unterschieden: das «Aini-Falaj» für Quellwasser, das «Iddi-Falaj» für Grundwasser aus einem tiefen Brunnen und das «Ghaili-Falaj» für das Grundwasser eines Wadis. Nur bei letzterem wird das Wasser oberirdisch durch Kanäle transportiert.
Auch wenn man seit den 70er Jahren die Wasserversorgung mit Pumpen sicherstellt, restauriert und wartet man die Falaj-Systeme wieder. Es stellte sich nämlich heraus, dass die Verteilung des Wassers bei den Falaj-Systemen haushälterischer war. Die Pumpen führten zu steigendem Wasserverbrauch und sinkendem Grundwasserspiegel. Insofern treffen wir auf dieses als Weltkulturerbe eingestufte Bewässerungssystem öfter auf unserer Reise durch den Oman, beispielsweise im Wadi Bani Khalid und in Mudayrib.
Selbstverständlich findet auch der Weihrauch, dem diese Gegend in früheren Jahren ihren Reichtum verdankte, im Museum des Weihrauch Landes einen Platz. Unter anderem lernst du die verschiedenen Qualitätsklassen des Weihrauch unterscheiden.
In einem Film wird die Entwicklung des Omans von der Steinzeit bis heute dargestellt. Weiterhin nimmt die Herrschaft von Sultan Qaboos viel Raum in der Ausstellung ein. Es ist beachtlich, zu welchem Wohlstand der Oman und seine Bevölkerung unter der Herrschaft des sehr beliebten Sultan Qaboos gekommen sind.
Museum of the Frankincense Land – Maritime Hall
In der «Maritime Hall» geht es vor allem um den Schiffbau. Neben Modellen von wichtigen omanischen Schiffen und verschiedenen Daubauweisen kannst du auch einen originalgetreuen Nachbau des Hecks eines grossen Segelschiffs erkunden. Daus sind dickbauchige, flache Küstensegelboote, die in allen Anrainerländern des Indischen Ozeans zu finden waren.
Neben Schiffen werden die alten Handelsrouten thematisiert. Bereits 2200 vor Christus wurde im Oman im grossen Stil Kupfer abgebaut und verschifft. In alten Schriften wird der Oman auch als Magan bezeichnet. Die Omanis haben Seehandel sowohl mit Indien und China als auch mit Ostafrika betrieben. Dazu veranschaulichen Landkarten die Seewege vom Oman in die Welt.
Der Bereich des maritimen Lebens im Wasser wird nur mit wenigen Plakaten angerissen.
Die Ausgrabungsstätte Al Baleed zum Sonnenuntergang
Für 500 Baizan pro Person lassen wir uns mit einem Golfwagen durch die Ausgrabung fahren, um erst einmal einen Überblick zu erhalten. Wir können dir das nur empfehlen, denn das Gelände des Al Baleed Archäologie-Parks ist riesig. Die Gebühr bezahlt man am Eingangstor. Die Quittung muss man dann am anderen Ende des Parkplatzes an einem Office abgeben. Der Fahrer hält immer wieder an, sodass man die Informationen auf den Tafeln lesen kann.
Die Fahrt startet vor den Daus. Entlang der Lagune geht es in rasanter Fahrt zur Ausgrabungsstätte Al Baleed. Das mag daran liegen, dass die Fahrer bald Feierabend haben und wir eine der letzten Touren bekommen haben. Deshalb empfehlen wir dir, dich zu erkundigen, wie lange die Golf-Carts fahren, denn die Al Baleed Ausgrabungsstätte hat viel länger geöffnet.
Al Baleed (hocharabisch al-Balad, «die Stadt») bezeichnet eine sehr wohlhabende antike Hafenstadt.
Es wird vermutet, dass zur Blütezeit von Al Baleed im 10. bis 14. Jahrhundert bis zu 30.000 Menschen hier lebten. Die Stadt war von einer grossen Mauer umgeben.
Einst war Al Baleed von einem vom Meer kommenden Kanal (Khor) umgeben. In der Literatur finden sich Hinweise darauf, dass die drei Haupttore der Stadt in Richtung Hafen lagen. Heute ist die Zufahrt allerdings versandet. Im Inneren der Stadtmauern befindet sich eine Burg (Sultanspalast). Zwischen der Burg und der grossen Moschee befand sich wahrscheinlich ein grosser öffentlicher Platz.
Bauweise der Gebäude von Al Baleed
In einem Interview lesen wir, dass die Bauweise von Kalksandstein mit Holzeinlagen zur Stabilisierung des Mauerwerks überraschend für die Archäologen war. Jedoch können wir selbst bei näherer Betrachtung keine Hölzer entdecken. Die aufgefundenen, verbauten Holzteile stammen von Schiffen, die aus Indien oder China stammten. Die ältesten Hölzer sind 1.000 Jahre alt.
Auch die grosse Moschee soll aus Steinen mit Holzeinlage, wahrscheinlich um 1000 – 1100 nach Christus erbaut worden sein. Da von den ehemals 144 Säulen nur noch wenige Säulenstümpfe erhalten blieben, wurden die fehlenden Säulen durch halbhohe Steinsäulen ersetzt. Dadurch bekommen wir einen guten Eindruck von diesem Bauwerk. Innerhalb der Stadtmauern Al Baleeds wurden ausserdem über 50 weitere kleine Moscheen gefunden.
Al Baleed befindet sich bereits seit dem Jahr 2000 auf der Liste für Weltkulturerbe. Doch es wartet noch viel Arbeit auf die Archäologen, denn nur ein kleiner Teil der Anlage wurde bisher ausgegraben.
Lagune, Café und botanischer Garten – weitere Tipps für den Besuch von Al Baleed
Nach der Runde mit dem Golf-Cart kannst du beim Schiffsanleger hinter dem Museum of the Frankincense Land schauen, ob Bootsfahrten auf der Lagune angeboten werden. Aber auch zu Fuss lohnt sich ein Spaziergang entlang der Lagune. Du kannst viele Vögel beobachten. Auf der Wiese laufen Gänse herum. Am Wasserrand stehen die Reiher und warten auf vorbei schwimmende Fische.
Der Botanische Garten ist leider nicht ganz so spektakulär. Dennoch versammelt er die seltenen und endemischen Pflanzen der Dhofar Region. Bedauerlicherweise fehlen häufig die Schilder, sodass man nicht erfährt, wen man da sieht. Du findest den Garten, wenn du hinter dem Museum of the Frankincense Land links am Wasser vorbeigehst. Hinter dem Museum befinden sich auch die Toiletten, ein kleines Café sowie ein Souvenirshop.
Die Entscheidung, ob du zuerst das Museum of the Frankincense Land besuchst, solltest du abhängig von den Temperaturen und dem Sonnenuntergang treffen.
Wir kehren dem Botanischen Garten bald den Rücken und warten den Sonnenuntergang am Kanal ab.
Weitere Empfehlungen
Da uns der Besuch von Al Baleed und dem Museum of the Frankincense Land hungrig gemacht hat, fahren wir in die Innenstadt von Salalah zu einem indischen Restaurant namens The Cascade. In der Dunkelheit erwacht die Stadt überraschend zum Leben. Das Verkehrsaufkommen ist enorm. Das Restaurant befindet sich direkt neben der Freitags-Moschee. Sofern man nicht die Einfahrt verpasst, könnte man gut direkt vor dem Restaurant parken. Im Inneren ist es recht gemütlich. Inder und Libanesen sitzen wie wir Europäer im Restaurant. Für die Omanis gibt es Séparées, kleine private Räume, in denen die Schleier abgelegt werden können. Das Essen ist sehr empfehlenswert.
In Salalah und Umgebung gibt es viel zu entdecken. Begib dich auf die Spuren des Weihrauchs und besuche die antike Stadt Sumhuram, das Wadi Darbat, einen Weihrauch Souk und das Quellgebiet Ain Razat. Landschaftlich sehr reizvoll ist eine Fahrt von Salalah zur jemitischen Grenze. Dabei kommst du an einem der schönsten Strände Salalahs, dem Mughsail Beach vorbei, kannst den Blowholes Hallo sagen, fährst mit dem Auto die Zig Zag Road entlang und siehst Küstenwälder in der Wüste. Ebenso ist eine Fahrt zum Viewpoint des Jebel Samhan eindrucksvoll.
Direkt neben der Ausgrabungsstätte Al Baleed empfängt das Al Baleed Resort Salalah luxuriös seine Gäste. Die Lage ist traumhaft. Sind unsere Beiträge für deine Urlaubsplanung hilfreich, würden wir uns freuen, wenn du die Unterkünfte deiner Wahl über unseren Link buchst.