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Obwohl Maulbeeren schon in der Bibel erwähnt wurden, zählen sie hierzulande eher zu den exotischen Früchten. Und doch gehören sie zu den ältesten Kulturpflanzen: Im alten China spielten die Blätter des weissen Maulbeerbaums (Morus alba) eine wichtige Rolle.
Sie sind rund sechs bis zwölf Zentimeter lang und weisen eine herzartige bis breit eiähnliche Form auf. Ihre Oberseite ist sehr rau und glänzt dunkelgrün. Im Kontrast dazu ist die Unterseite heller und nur noch geringfügig entlang der Hauptnerven behaart.
Sie sind das perfekte Futter für Seidenraupen! Damit können sich die Larven ordentlich satt fressen, bevor sie sich für die Verpuppung in einen schützenden Kokon einhüllen.
Dieser besteht aus einem einzigen bis zu 900 Meter langen Faden, aus dem in mühsamer Handarbeit bereits vor etwa 5000 Jahren edle Seidenstoffe gewonnen wurden. Mit der Zeit begann schliesslich ein reger Handel mit dem kostbaren Gewebe – ein bekanntes Beispiel ist die sagenumwobene Seidenstrasse, deren Kernstück sich von der ostiranischen Hochebene und der Stadt Merw im Westen bis zur Wüste Gobi und der Stadt Dunhuang im Osten sowie der Abzweigung Richtung Süden nach Kaschmir und Peschawar erstreckt.
Ein leckeres Früchtchen
Neben der weissen Maulbeere ist die schwarze Maulbeere aus Persien weit verbreitet. Wie der Name schon sagt, liegt der Unterschied in der Farbe der Früchte. Daneben gibt es noch rote Maulbeeren aus Nordamerika. In jedem Fall ähneln die Früchte den Brombeeren, sind allerdings mehr eiförmig mit einer Länge von etwas mehr als zwei Zentimetern.
Selbstverständlich sind sie saftig, süss und sehr schmackhaft. Sie können entweder roh vernascht oder aber zu kulinarischen Köstlichkeiten weiterverarbeitet werden.
Sehr beliebt sind leckere Marmeladen, feine Gelees oder süffige Maulbeerweine. Bereits in der Antike wurde aus den aromatischen Früchten Wein gewonnen. Und die alten Griechen sind dafür bekannt, dass sie ihren Weinen mit Maulbeeren eine intensive dunkelrote Farbe verliehen. Maulbeeren können aber auch wie Rosinen getrocknet werden. Zur Erntezeit hängen oftmals bereits viele trockene Früchte am Baum. Zusammen mit den saftigen, reifen Beeren werden sie gepflückt und auf Tüchern in der Sonne fertig getrocknet. Zum Schluss müssen dann viele fleissige Hände die schlechten Früchte aussortieren.
Kurdische Frauen bereiten zudem einen nahrhaften Dicksaft namens Pekmez zu. Damit werden kränkelnde Kinder und geschwächte Alte wieder aufgepäppelt. Für lange Winterabende stellen sie ausserdem Pestil her – das ist eine Art Fruchtgummi mit Nüssen.
Siegeszug in Europa
Aus botanischer Sicht zählt der Maulbeerbaum mit Feigen und Gummibäumen zu den Maulbeergewächsen, den Moraceaen. Bei den alten Griechen symbolisierte er Klugheit – er treibt seine Blätter nämlich erst im späten Frühjahr aus, wenn keine heimtückischen Nachtfröste mehr zu befürchten sind.
Die alten Römer trugen schliesslich dazu bei, dass die Maulbeere in das nördliche Europa vorstiess. Vor allem in Weinanbaugebieten mit mildem Klima trifft der kleine Baum gute Wuchsbedingungen nördlich der Alpen an.
Auch Karl der Grosse (747-814) erkannte die Vorzüge des Baums: In seiner wegweisenden Landgüterverordnung „Capitulare de villis“ wurde die schwarze Maulbeere unter der Nummer 84 katalogisiert. Der Anbau der darin aufgelisteten Bäume und Pflanzen wurde auf seinen Krongütern empfohlen. Mit dieser Vorschrift sollte die zweckmässige Bewirtschaftung gewährleistet werden, um die Versorgung Karls des Grossen mit seinem grossen Gefolge sicherzustellen.
Heilträchtige Beere
In der Benediktinerabtei Brauweiler, die sich im nördlichen Rheinland von Deutschland befindet, steht ein rund 1000-jähriger Maulbeerbaum. Es wird sich die Geschichte erzählt, dass Mathilde (979-1025), Tochter des Kaisers Otto II., an dieser Stelle die Klostergründung im Jahr 1024 beschloss.
Ebenso schätzte die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) den Maulbeerbaum – sie empfiehlt in vor allem bei Leberleiden. Später preist der deutsche Naturforscher und Arzt Lonicerus (1528-1586) Maulbeerlatwerge ebenfalls bei Leberschmerzen. Zudem beschreibt er die Wurzelrinde des Maulbeerbaums als Abführmittel.
In China wird sie schon lange unter der Bezeichnung Sang-ken-pai-p’i bei Diabetes, Wassersucht und Nierenunterfunktion eingesetzt. In Europa sind es eher die Blätter, denen eine schwache antidiabetische Wirkung bei zu hohem Blutzucker nachgesagt wird. Des Weiteren soll der Saft der Maulbeere die Blutgefässe schützen und damit einem Schlaganfall oder Herzinfarkt vorbeugen. Was ist an dieser Aussage dran? Tatsächlich enthält Maulbeersaft den Pflanzeninhaltsstoff Resveratrol, der eine antioxidative und antientzündliche Wirkung besitzt.
Egal ob in Europa, China, Persien oder Nordamerika – der Maulbeerbaum ist eine vielseitig nutzbare Kulturpflanze: Er verhilft uns zu kostbarer Kleidung, füllt unsere hungrigen Mägen und fördert unsere Gesundheit.
Maulbeer-Muffins
Zutaten:
1 Becher Joghurt
2 Becher Zucker
1 Becher Sonnenblumenöl
3 Eier
3 Becher Mehl
1 Päckchen Backpulver
Etwas Milch
Getrocknete, kleingehackte Maulbeeren
Zubereitung:
Joghurt, Zucker, Öl, Eier, Mehl und Backpulver in einer Schüssel verrühren. Gegebenenfalls etwas Milch dazugeben, falls der Teig zu fest wird. Zum Schluss die Maulbeeren unterheben und die Masse auf Muffinförmchen verteilen. Im Ofen bei 180°C rund 20 Minuten backen.
Maulbeer-Smoothie
Zutaten:
3 dl gekühlten Orangensaft
1 Banane
300 g Beerenmix
2 TL Vanillezucker
Zubereitung:
Alle Zutaten im Mixer pürieren und auf Gläser verteilen. Am besten schmeckt es an einem heissen Sommertag mit Eiswürfeln.
Buchtipp
Warum schmecken Maulbeeren am besten nackt?
Ute Woltron
Brandstätter Verlag
2013, 176 Seiten
ISBN: 978-3-85033-716-8
Fr. 39.90