Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03260.jsonl.gz/1474

| Gregor der Grosse († 604) - Vier Bücher Dialoge (Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum)

Zweites Buch
XXVII. Kapitel: Von dem Gelde, das wunderbarer Weise dem Schuldner eingehändigt wurde
Auch das darf ich nicht verschweigen, was einer seiner Schüler, mit Namen Peregrinus, gern erzählte. Es war nämlich einmal ein gläubiger Mann in arger Schuldbedrängung und sah nur den einen Ausweg, zu dem [S. 90] Manne Gottes zu gehen und ihm zu sagen, von welcher Schuld er bedrängt werde. Er kam also in das Kloster, fand den Diener des allmächtigen Gottes und vertraute ihm an, daß er wegen zwölf Goldstücken von seinem Gläubiger hart bedrückt werde. Der ehrwürdige Vater sagte ihm, er habe keine zwölf Goldstücke, tröstete ihn aber doch mit freundlicher Rede in seiner Not und sprach: „Gehe und komm’ nach zwei Tagen wieder; denn heute habe ich das nicht, was ich dir geben soll.” An diesen zwei Tagen aber oblag er nach seiner Gewohnheit dem Gebete. Als am dritten Tage der bedrängte Schuldner wieder kam, fand man auf einmal auf einer Klostertruhe, die Getreide enthielt, dreizehn Goldstücke. Der Mann Gottes ließ sie herabnehmen und dem betrübten Bittsteller geben mit dem Bemerken, er solle die zwölf Goldstücke heimbezahlen und eines für seine eigenen Ausgaben behalten.
Aber jetzt muß ich zu den Wundern zurückkehren, die ich von seinen am Anfang dieses Buches genannten Schülern erfahren habe. Ein Mann hatte von der Eifersucht eines Feindes viel zu leiden; dieser ging in seinem Haß soweit, daß er ihm heimlich Gift ins Getränke tat. Das Gift konnte ihm zwar das Leben nicht nehmen, veränderte aber doch die Hautfarbe derart, daß sich bunte Flecken auf dem Körper zeigten, die wie Aussatz aussahen. Man führte ihn zu dem Manne Gottes, und sogleich wurde er wieder gesund. Denn sowie er ihn berührte, vertrieb er die Flecken von der Haut.