Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03573.jsonl.gz/983

Dass der Bub, der am 4. Januar 1900 in Philadelphia zur Welt kam, jemals so berühmt werden sollte, war nicht vorherzusehen. Doch sein Name war Bond. James Bond.
Bond wuchs im US-Staat New Hampshire und in England auf, machte seinen Abschluss in Cambridge und kehrte danach in die USA zurück. Doch nicht als Geheimagent, mit Gadgets, Frauen und wilden Verfolgungsjagden. Nein, er wurde Banker.
Aus der Bank in die Natur
Doch glücklich wurde James Bond in dieser Rolle nicht. Bereits als Kind interessierte er sich mehr für die Natur. Und so verliess er die Bank und schloss sich einer Expedition in den Amazonas an. Dort sollte er Proben für die Naturwissenschaftliche Akademie von Philadelphia sammeln.
Bald drang Bonds Leidenschaft für Vögel durch, er betätigte sich fortan als Ornithologe an der Akademie. Damals war es gar nicht so ungewöhnlich, dass jemand ohne einen traditionellen Universitätsabschluss eine solche Position bekam.
Schnell machte sich Bond einen Namen als Instanz auf dem Gebiet der Vögel der Karibik. 1936 veröffentlichte er das Buch «Birds of the West Indies», es galt als Standardwerk auf dem Gebiet.
Der unerwartete Namensvetter
Doch ausserhalb der akademischen Welt wurde Bond durch ganz andere Bücher berühmt. Als James Bond 1961 in einer britischen Zeitung eine Rezension seines Vogel-Buchs las, bemerkte er komische Anspielungen auf Waffen, auf ein ausschweifendes Sex-Leben und Geheimdienstaktivitäten. Er war verwirrt.
So entdeckte der Ornithologe, dass es offenbar noch einen zweiten James Bond gab. Einen gänzlich anderen. Die Romanfigur von Ian Fleming feierte in Grossbritannien bereits grosse Erfolge und war dabei, auch in den USA zu einer Kultfigur zu werden.
Bonds Ehefrau Mary wollte Klarheit und entschloss sich, dem Autor einen Brief zu schreiben. Aus Witz schrieb sie, Fleming solle sich schämen, ihren Mann als solchen «Flegel» zu beschreiben. Eine Antwort erwartete sie nicht.
«Kurz, unromantisch und maskulin»
Doch Fleming antwortete. Der 007-Autor sei selbst ein begeisterter Vogel-Beobachter und als er auf Jamaica an der ersten Geschichte des Geheimagenten schrieb, habe er sich auf der Suche nach einem passenden Namen auf seine «Bibel», das Buch «Birds of the West Indies», besonnen. «Ich wollte einen gewöhnlichen, nichtssagenden Namen. ‹James Bond› ist so schön kurz, unromantisch und doch maskulin. Er ist perfekt.» (Nachzulesen in: «How 007 Got His Name», Mary Wickham Bond, 1966)
Als Wiedergutmachung bot Ian Fleming Mary einen Tausch an: «James Bond darf meinen Namen für alles brauchen, was er will. Vielleicht entdeckt er ja mal einen besonders hässlichen Vogel und will ihn nach mir benennen, um mich zu beleidigen.» Ausserdem lud Fleming die Bonds in seine Ferienwohnung nach Jamaika ein, eine Einladung, die die Bonds gerne annahmen, allerdings ohne sich zuvor anzukündigen. (Nachzulesen in: «The Man with the Golden Typewriter», Fergus Fleming, 2015)
Als die Bonds plötzlich vor der Türe Flemings standen, dachte dieser zuerst, dass er jetzt von ihnen verklagt werden würde. Stattdessen entwickelte sich ein angeregtes Gespräch und am Ende des Treffens überreichte Fleming dem Ornithologen eine Ausgabe seines neusten Buchs «You Only Live Twice» mit der Widmung: «Für den richtigen James Bond von seinem Identitätsdieb.»
Verwechslungen mit dem fiktiven Bond
James Bond erlebte den Höhenflug des Geheimagenten in Buch und Film bis zu seinem Tod mit 89 Jahren. Auch wenn er laut seiner Frau gerne mit dem berühmten Namen angab, war er damit nicht immer glücklich. So wurde ihm schon mal ein Flug verwehrt, da die Behörden dachten, sein Pass sei gefälscht.
Ebenfalls beklagte sich seine Frau Mary, dass des Öfteren in der Nacht das Telefon klingelte und sich junge Frauen nach 007 erkundigten. Worauf Mary jeweils antwortete: «Ja, James ist hier. Aber hier spricht Pussy Galore und er ist momentan gerade beschäftigt.» (Nachzulesen im Buch: «To James Bond with Love», Mary Wickham Bond, 1980)