Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03463.jsonl.gz/1942

Die Orgeln
Die Hauptorgel
Die heute auf der Westempore stehende Orgel mit ihrem Prospekt von 1756 ist in musikalischer wie in gestalterischer Hinsicht eine Kostbarkeit. Der Bau der ersten Orgel geht wohl auf die Zeit um 1700 zurück, als sie unter den Händen von Jakob und Joachim Richner in Rupperswil gefertigt wurde. 1728 erwarb der Rat der Stadt Bern dieses Instrument für die Französische Kirche.
Doch schon ein Vierteljahrhundert später fanden die Berner in dieser umgebauten Kirche keine Verwendung mehr für das Instrument. So kam es, dass die Aarauer, die mit dem Wunsch nach einer Orgel für ihre Stadtkirche an Bern gelangt waren, von dessen Obrigkeit gleich mit dem alten, überflüssig gewordenen Instrument beschenkt wurden. Auf der Aare gelangte das Orgelwerk im Frühjahr 1755 nach Aarau, wo es vom Schaffhauser Orgelbauer Johann Konrad Speissegger (1699–1781) installiert wurde.
Der prachtvolle Prospekt entstand 1755/56 in Aarau nach seinem Entwurf. Die Schnitzereien stammen aus der Werkstatt des Mellinger Bildhauers Franz Xaver Widerkehr (1680–1760). Mit einem Rückpositiv ergänzt, versah die Orgel, trotz mancher Fehler und vieler Reparaturen, ihren Dienst bis zur Renovation von 1891 auf dem Lettner. Dieses Jahr bedeutete das Ende des alten Orgelwerks, das durch ein neues von Friedrich Goll (1839–1911) aus Luzern ersetzt wurde. Ohne Rückpositiv, aber im alten, spätbarocken Gehäuse kam es auf die Westempore zu stehen.
Anfang der sechziger Jahre konstituierte sich eine Orgelbaukommission unter dem Präsidium von Stadtrat Otto Raas. Sie schuf zusammen mit namhaften Experten durch die Orgelbaufirma Kuhn AG, Männedorf, nach der Disposition des Organisten Ernst Gerber ein neues und hervorragendes Instrument, das grosse Berühmtheit erlangt hat und allein schon den Besuch der Stadtkirche wert ist.
Die 1962 fertiggestellte Orgel besteht aus einem Rückpositiv in der Brüstung der Westempore, einem Hauptwerk mit dem Prospekt von 1756 auf der Westempore und einem freistellenden Spieltisch. Dieser verfügt über vier Manuale und ein Pedal:
Die Chororgel
Die Orgel an der Nordwand des Chors stammt von 1983 und ersetzte ihre Vorgängerin von 1939. Das Vorbild für Aarau ist die berühmte Schwalbennestorgel der Valeriakirche in Sitten, deren Gehäuse auf die Zeit um 1435 zurückgeht. Mit seinen aufklappbaren Flügeln erinnert dieser Orgeltyp an einen gotischen Flügelaltar. Auch dieses Instrument weist Schnitzereien auf und wurde ebenfalls von der Orgelbaufirma Kuhn AG in Männedorf nach der Disposition des bereits erwähnten Organisten Ernst Gerber erbaut. Es verfügt über zwei Manuale und ein Pedal. Das Haupt- und Brustwerk sowie das Pedal besitzen zusammen 1098 Pfeifen, davon sind 894 aus Metall und 204 aus Holz. 18 Register und drei Koppeln stehen zur Verfügung; die Spieltraktur und die Register sind rein mechanisch. Diese Orgel unterstützt hauptsächlich die im Chor abgehaltenen Gottesdienste.
Eine besondere musikalische Möglichkeit besteht im Zusammenspiel der Hauptorgel mit der Chororgel.