Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03394.jsonl.gz/645

Die Strassen im US-Westenalbano, Guadalajara (Mexiko) im Dezember 1998
Eine Verbindungsstrasse heisst zunächst einmal Highway. Ist die Strasse kreuzungsfrei und hat langgezogene Ein- und Ausfahrten, wird sie zum Freeway, zur Autobahn. Fahrräder gehören in der Regel nicht auf Freeways. Manchmal werden sie allerdings, mangels Alternativen, geduldet.
Die Strassen sind, wo immer möglich, grosszügig angelegt. Oft gehört ein mehr oder weniger breiter Seitenstreifen dazu, auf den man sich als Radfahrer zurückziehen kann. So hat man meist genügend Platz zwischen den aufdringlichen Wohn- und Lastwagen und dem Strassenrand. Die Spuren sind meist zusätzlich zu den gelben oder weissen Linien noch mit Rückstrahlern voneinander getrennt.
Der Schilder sind viele. Sie teilen ihr Anliegen viel öfter als in Europa durch Worte mit und nicht durch Bilder. Die Signalisation scheint sich nach dem begriffsstutzigsten Verkehrsteilnehmer zu richten. So steht beispielsweise neben dem Pfeil, der eine nach rechts abbiegende Spur symbolisiert geschrieben, dass diese Spur rechts abbiege. Das Anti-Abfall-Programm trägt seinen Teil zum Schilderwald bei. Eine Person oder Gesellschaft kann ein Strassenstück von zwei Meilen adoptieren und sich somit verpflichten, dieses sauberzuhalten. Ein Schild am Anfang jedes Abschnitts weist jeweils auf diese Vormundschaft hin.
Die grosszügige Bauweise zeigt sich auch bei den verschiedenen Geschäften, die in besiedelten Gebieten die Strassen säumen. Hier zeigt sich deutlich, dass die Städte zusammen mit den Benzinkutschen gross geworden sind. Die Parkplätze nehmen nämlich meist mindestens soviel Platz ein wie die Gebäude. Dazu kommen grossräumige Zufahrten und begrünte Verkehrsteiler. Für einige Dienstleistungen, besonders für Speisen und Getränke, braucht man nicht einmal das Automobil zu verlassen. Man fährt vor, bestellt seinen Hamburger und erhält ihn einige Meter weiter vorne und Sekunden später prompt geliefert; mittlerweile auch in Europa kein unbekanntes Vorgehen mehr.
In den Städten kreuzen sich die Strassen meist rechtwinklig. Wegen der vielen Spuren ist für Radfahrer das Linksabbiegen manchmal etwas schwierig. In besonders ungemütlichen Situationen schafft aber dreimaliges Rechtsabbiegen um einen Häuserblock herum praktische Abhilfe. Ausserdem ist es von Vorteil zu wissen, dass das Ende der Gelbphase der Lichtsignale den Anfang der Grünphase für den Querverkehr bedeutet.
Erstaunlich, dass die Strassennetze der Agglomerationen trotz der riesigen Fläche, die dem Verkehr zur Verfügung steht, zu Spitzenzeiten regelmässig überlastet sind. Die verschiedenen Entlastungsversuche zeigen nur bescheidene Wirkung, zu sehr hängen die US-Bürger an der individuellen Mobilität. Es gibt einige attraktive öffentliche Verkehrsmittel, welche einem aber natürlich niemals genau zur gewünschten Zeit an den gewünschten Ort führen. Praktisch unmöglich muss es sein, zwei Personen zu finden, welche zur gleichen Zeit an den gleichen Ort wollen. Ein so beladenes Sammelauto dürfte nämlich die auch zu Stosszeiten fast leere Carpool-Spur benützen, welche man auf verschiedenen Freeways antrifft.
© 12.4.1999 albano & team