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Kronenmaki
Lemur coronatus
© 1995 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Die Trockenwälder im Bereich von Madagaskars Nordspitze - zwischen dem Cap d'Ambre im Norden, dem Ankarana-Massiv im Südwesten und dem Fanambana-Fluss im Südosten - sind die Heimat des Kronenmakis. Dort ist der hübsche Lemur tagsüber unterwegs und ernährt sich rein vegetarisch - vor allem von Früchten, teils auch von Blättern. Gewöhnlich hält er sich im Kronenbereich des Waldes auf und erweist sich als ein flinker Kletterakrobat, der selbst meterweite Lücken im Geäst mühelos zu überwinden vermag. Eher selten steigt er auf den Boden hinunter, etwa um «Fallobst» aufzulesen, Mineralsalze zu lecken oder an Wasserstellen seinen Durst zu stillen.
Kronenmakis leben in kleinen Trupps von gewöhnlich fünf bis zehn Individuen, bestehend aus zumeist zwei erwachsenen «Ehepaaren» und ihren unselbständigen Nachkommen. Jeder Kronenmakitrupp bewegt sich ganzjährig in einem etwa zehn Hektaren grossen Waldstück umher, in welchem die Tiere sämtliche Winkel kennen und darum immer genau Bescheid wissen, wo gerade schmackhafte Früchte oder saftige Blätter zu finden sind. Schon beim ersten Tageslicht werden die zierlichen Affen munter und begeben sich auf Fresswanderung durch ihr Wohngebiet. Über Mittag schalten sie eine zwei- bis dreistündige Ruhepause ein. Anschliessend gehen sie erneut auf Futtersuche, um dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit ihren Schlafbaum für die Nacht zu beziehen.
Die Kronenmakikinder kommen gewöhnlich im südlichen Sommer, das heisst während der nahrungsreichen Regenzeit, zur Welt. Zwillinge und Einzelkinder sind etwa gleich häufig. Anfangs werden die Babys von ihrer Mutter am Bauch umhergetragen, später reiten sie dann bei Ortsverschiebungen auf ihrem Rücken mit.
Natürliche Feinde haben die Kronenmakis kaum zu fürchten, denn grosse Raubtiere kommen auf Madagaskar nicht vor. Erhebliche Gefahr droht jedoch vom Menschen, der die rotbraunen Halbaffen ihres schmackhaften Fleischs wegen gern bejagt. Zwar ist der Kronenmaki auf seiner Heimatinsel seit mehr als zwanzig Jahren gesetzlich geschützt. Wie vielerorts hapert es jedoch auch auf Madagaskar mit dem Vollzug der Artenschutzgesetze, weshalb der «Ankomba», wie die Madagassen den Kronenmaki nennen, keineswegs sicher ist.
Noch mehr als die direkte Verfolgung durch den Menschen macht dem Kronenmaki allerdings die Zerstörung seines Lebensraums zu schaffen. Madagaskar war ursprünglich ein einziges Waldland - so lange, bis die Völker rund um den Indischen Ozean die fruchtbare Insel entdeckten und in mehreren Wellen besiedelten. Um Kultur- und Siedlungsland zu gewinnen, wurden die Wälder in der Folge immer weiter zurückgedrängt. Heute sind gegen 90 Prozent der madagassischen Waldbestände verschwunden, und die Waldvernichtung hält noch immer an. Sämtliche der insgesamt 28 auf Madagaskar heimischen Lemurenarten sind deshalb vom Untergang bedroht.
Auch der Kronenmaki gilt als bedrohte Art. Sein Bestand dürfte auf unter 10.000 Tiere gefallen sein - Tendenz rückläufig. Einen kleinen Lichtblick bildet immerhin die Tatsache, dass er in vier Naturschutzgebieten vorkommt: den Reservaten Analamera, Ankarana und Forêt d'Ambre sowie dem Nationalpark Montagne d'Ambre. Leider ist aber die Bewachung dieser letzten Rückzugsgebiete des bedrängten Halbaffen mangelhaft - nicht etwa zufolge fehlenden guten Willens seitens der madagassischen Behörden, sondern wegen des chronischen Mangels an finanziellen und fachlichen Mitteln. So wird in den Schutzgebieten weiterhin Holz geschlagen, werden Ziegen geweidet, wird auf Wildtiere geschossen.
Diesen Missständen versuchen verschiedene internationale Organisationen nun endlich abzuhelfen, indem sie die madagassische Regierung bei ihren Bestrebungen zum Schutz der einzigartigen Flora und Fauna ihrer Insel tatkräftig unterstützen. Mit solcher Hilfe von aussen und der erklärten Bereitschaft der Madagassen, zum natürlichen Reichtum ihrer Insel Sorge zu tragen, sollte es dem Kronenmaki eigentlich doch noch gelingen, den Sprung in die Zukunft zu schaffen.
Der Kronenmaki (Lemur coronatus) ist ein Mitglied der Sippe der Lemuren, jener wohlbekannten Halbaffen, welche auf Madagaskar und den Komoren im Indischen Ozean heimisch sind. Mit einer Kopfrumpflänge von 35 Zentimetern und einem Gewicht von 2 Kilogramm hat er zwar «Lemurenmittelmass», ist aber ein recht zierliches Säugetier.
Kronenmaki
Lemur coronatus
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Herrentiere
Familie: Eigentliche Lemuren
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 32-36 cm
Schwanzlänge: 42-51 cm
Gewicht: ca. 2 kg
Fortpflanzung
Jungenzahl: 1-2 je Geburt
Tragdauer: ca. 4 Monate
Höchstalter: ca. 25 Jahre
Bestandssituation
Bestand: weniger als 10 000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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