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Der Welttag der Feuchtgebiete wird seit 1997 jährlich am 2. Februar gefeiert, im Gedenken an die Ramsar-Vereinbarung, dem Übereinkommen über Feuchtgebiete. Dieser völkerrechtliche Vertrag wurde 1971 in Ramsar, Iran unter Anleitung der UNESCO unterzeichnet und soll eine internationale Zusammenarbeit zum Schutz von Feuchtgebieten gewährleisten. Trotz solcher Übereinkommen werden Feuchtgebiete auf der ganzen Welt weiterhin zerstört. Zum diesjährigen Welttag der Feuchtgebiete begeben wir uns auf eine Reise nach Südamerika, an den „Bedrohten See des Jahres 2021“: Ins Pantanal-Feuchtgebiet.
Das grösste Süsswasser-Feuchtgebiet der Welt
Das südamerikanische Pantanal (von pântano, portugiesisch für Sumpf) ist das grösste Süsswasser-Feuchtgebiet der Welt. Es erstreckt sich über eine Fläche von 230’000km2 — mehr als fünfmal so gross wie die Schweiz — und liegt hauptsächlich im mittleren Südwesten Brasiliens; kleinere Teile reichen gar in die Nachbarstaaten Paraguay und Bolivien. Streng genommen ist es kein einzelner See — es ist vielmehr ein gigantisches Mosaik aus verschiedenen Seen, Flüssen, Auen, Sümpfen und Lagunen, sowie tropischen Wäldern und Trockenzonen. Die Grösse des Pantanals ist vom jährlichen Regen- und Trockenzyklus bestimmt. Weite Teile der Tiefebenen werden während der Regenzeit teilweise metertief überschwemmt.
In diesem einzigartigen Lebensraum sind geschätzt 650 Vogelarten, 120 Säugetierarten, 240 Fischarten, 100 Reptilien- und 60 Amphibienarten, über 2000 Pflanzenarten und unzählige Insekten beheimatet. Im Pantanal ist das grösste Vorkommen von Hyazinth-Aras in ganz Brasilien zu verzeichnen und es ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für den vom Aussterben bedrohten Riesenotter. Unter den Säugetierarten befinden sich Raubtiere wie der Jaguar, der Puma und das Ozelot, sowie ihre Beutetiere: Der Sumpfhirsch, das Nabelschwein und das grösste Nagetier der Welt — das Capybara. Zwischen Oktober bis März, wenn das Pantanal überflutet ist, bedecken prächtig blühende Victoria-Seerosen weite Teile des Sumpfgebiets.
Ein Hyazinth-Ara-Pärchen nistet im Pantanal. Roi Dimor, Unsplash
Das Pantanal wird zerstört
Obwohl Teile des Pantanals unter Naturschutz stehen und es 2000 durch die UNESCO zu einem Welterbe erklärt wurde, ist es durch Industrialisierung und Rodung gefährdet. So kommt es zu diesem traurigen Rekord: Bereits zum zweiten Mal erhält das Pantanal den Titel „Bedrohter See des Jahres“, welcher jedes Jahr anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete vom Global Nature Fund (GNF) und dem Netzwerk Living Lakes verliehen wird. Die Zerstörung dieses Naturwunders hat verschiedene Ursachen, doch den Verursacher haben sie alle gemein: Uns Menschen.
Vor dem Jahr 2000 wurden grosse Gebiete des Pantanal durch Holzeinschlag unwiderruflich zerstört. Doch selbst nach der Ernennung zum Welterbe ging die Zerstörung weiter. Die Waldfläche im Feuchtgebiet ist seit den 1980er-Jahren um ein Viertel zurückgegangen, während sich die landwirtschaftlich genutzte Fläche mehr als verdoppelt hat. Die Wälder werden gerodet und in Weideland oder Anbauflächen für Zuckerrohr und Soja umgewandelt.
Verschlimmert wird die Situation durch den Klimawandel. Vergleichbar mit dem Amazonasgebiet, das mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, führt im Pantanal der Verlust von Waldflächen zu regionalen Temperaturanstiegen und kürzeren Regenzeiten. Dadurch fehlt es an Wasser für eine ausreichende Verdunstung, die üblicherweise eine dichte Wolkendecke über dem Feuchtgebiet schafft. Ohne diese Wolken, die die Sonneneinstrahlung mindern, trocknet das Land aus.
Verheerende Brände im Pantanal am 7. November 2020. Pierre Markuse, flickr
Brände wie nie zuvor
Zwischen Oktober 2019 und März 2020 verzeichnete das Pantanal 40% weniger Niederschlag als in den Jahren zuvor. Ende des vergangenen Jahres erlebte es schliesslich die schlimmsten jemals aufgezeichneten Feuer: Mehr als 11’000 Brände brachen aus, die etwa ein Drittel der Fläche des Pantanal auffrassen. Mehr als 70’000km2 Marsch- und Waldland sind verbrannt — das entspricht einer Fläche von 4 Millionen Fussballfeldern. Auch die Zahl getöteter Tiere geht in die Millionen. Experten sind sich einig, dass ein Grossteil der verheerenden Brände auf Brandstiftung zur Erschliessung neuer Landwirtschaftsflächen zurückzuführen ist — eine noch immer gängige Praxis in Brasilien. Wegen der anhaltenden Dürre springen diese Feuer immer häufiger auf naturbelassene Flächen über.
Die Viehhaltung sowie der Zuckerrohr- und Sojaanbau boomen in Brasilien, angeheizt durch die grosse Nachfrage aus Industrienationen und bestärkt durch eine Regierung, deren Wirtschaftspolitik sämtliche Natur- und Umweltschutzregulationen übergeht.
Biodiversität… nicht nur in Brasilien
Das Leben kam bekanntlich ursprünglich aus dem Wasser. Die Übergangsregionen von Wasser und Land — die Feuchtgebiete — blieben über die gesamte Erdgeschichte wichtige und reichhaltige Habitate für Tiere und Pflanzen: Nicht nur in Brasilien, sondern überall auf der Welt. Ebenso verbreitet fielen sie schon früh den Ansprüchen und Tätigkeiten des Menschen zum Opfer. Jetzt, da ihre Fläche schon erheblich geschwunden, ihre Bedeutung für unser eigenes Dasein aber auch endlich erkannt ist, gilt es umso mehr, die verbliebenen Moore, Auen und Marschlande bestmöglich zu schützen und zu erhalten.