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Römische Armee der Kaiserzeit
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Die römische Armee im Frieden
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Die Armee als Romanisierungsfaktor und der Stellenwert der Kultur
Das Militärdiplom (allgemeine Erläuterungen)
Der Gegenstand : Ein Militärdiplom ist eine Urkunde auf
Bronze, die eine doppelte Wachstafel, ein sog. Diptychon (ungefähr
15 x 13 cm) nachahmt. Das Militärdiplom war verschnürt mit
einem Bronzedraht und versiegelt mit den Siegeln von normalerweise
sieben Zeugen. Die Innenseite enthielt den rechtsgültigen Text,
der auf der Aussenseite wiederholt wurde, um eine Öffnung des
Dokumentes zu vermeiden. Bis heute sind ungefähr 600 Militärdiplome
bekannt, die meisten als ganz kleine Fragmente, die sich aber leicht
ergänzen lassen, da der Aufbau des Textes immer gleich ist. Die
meisten Militärdiplome stammen aus den Donauprovinzen (der Grund
ist unbekannt : Mode bei den Auxiliarsoldaten der Donauprovinzen ?
Forschungslücken in anderen Grenzprovinzen ?). Die meisten Militärdiplome
betreffen Soldaten der Auxiliartruppen, vor allem Reiter, die mit
der Entlassung nach 25 Jahren Dienstzeit das römische Bürgerrecht
für sich und ihre Nachkommen und das "conubium", d.h.
das Recht eine rechtsgültige Ehe zu schliessen, erhielten.
Neben den Militärdiplomen für die Soldaten der Auxilien
(Alen und Kohorten) sind weitere Militärdiplome für Soldaten
der Flotten und für die Kaiserreiter, dann auch für die
Praetorianer und die Soldaten der cohortes urbana bekannt,
während die Soldaten der cohortes vigilum diese Privilegien
automatisch durch ein Gesetz erhielten und deshalb keine Militärdiplome
benötigten. Die Diplome, vor allem auch frühe Diplome bis
zur Zeit Vespasians unterscheiden sich nur in wenigen Einzelheiten,
auf die wir hier nicht eingehen.
Der Aufbau des Textes eines Militärdiplomes : Der Aufbau
eines Militärdiplomes ist immer derselbe, da es sich um ein häufig
gebrauchtes amtliches Schriftstück handelt.
Es können folgende Teile unterschieden werden :
1) Name des Kaisers oder der Kaiser, die das Privileg erteilen (immer
im Nominativ und immer mit voller Titulatur).
2) Im Dativ plural die Empfänger : der Kaiser entlässt immer
alle Veteranen einer militärischen Einheit, die die Bedingungen
erfüllt haben.
3) Genaue Aufzählung der militärischen Einheiten, die unter
dem Befehl eines bestimmten Statthalters standen (bei den Auxiliareinheiten
werden zuerst die Alen, dann die Kohorten genannt). Im Falle der Flotten
wird der Flottenpräfekt genannt.
4) Darauf folgen die Voraussetzungen, die zur Erreichung der Privilegien
erfüllt werden mussten (Anzahl der Dienstjahre = stipendia).
5) Aufzählung der Privilegien. Ende des ersten Textes.
6) Genaues Datum mit Tag und Jahr (nach der Konsulzählung).
7) "Individueller Teil" : Militärische Einheit des
Empfängers mit dem Namen des Kommandanten; Name des Soldaten,
der entlassen wird und die Privilegien enthält; Name der Ehefrau
und der Söhne sowie Töchter, falls diese bereits geboren
sind.
8) Beglaubigungsformel (das ausgehändigte Militärdiplom
ist von der in Rom ausgehängten "constitutio" beglaubigt
kopiert worden).
9) Aussenseite : Liste der Zeugen im Genitiv, zu verstehen als : (Siegel)
des XYZ.
Rechtsfragen : Die Befugnis zur Erteilung des Bürgerrechtes
sowie des Privilegs der rechtsgültigen Ehe lag in der Kaiserzeit
beim Kaiser. Der Kaiser erteilte im 1. Jh. n.Chr. die genannten Privilegien
nur an ausgewählte Armeeeinheiten, im 2. Jh. n.Chr. aber generell
bei ehrenhafter Entlassung. Er erteilte die genannten Privilegien
an alle zu entlassenden Soldaten der Einheit in einem Rechtsakt, in
einer sogenannten "constitutio". Diese Konstitution wurde
erstens in den Akten der kaiserlichen Verwaltung aufbewahrt und zweitens,
für alle sichtbar, in Rom auf einer grossen Bronzetafel (vgl.
den Textschluss : "der Bronzetafel, die in Rom befestigt ist
auf dem Kapitol, auf dem Altar des Julischen Geschlechtes") ausgehängt.
Vom Ende des 1. Jh. (88/90 n.Chr.) an gibt es nur noch einen Aushängeort,
nämlich "die Mauer hinter dem Augustustempel bei der Minerva";
leider sind alle bronzenen Konstitutionen aus Rom verloren. Der Veteran,
der nun römischer Bürger geworden war, musste sich ausweisen
können. Offenbar wünschten sich nun viele Veteranen eine
schöne, haltbare Urkunde, eben ein Militärdiplom in Händen
zu halten, das die von sieben Zeugen bestätigte Abschrift der
Urkunde in Rom darstellte. Die einfachere Variante war vermutlich
eine versiegelte Wachstafel. Während die sieben Zeugen im 1.
Jh. noch Personen aus dem Bekanntenkreis der Soldaten sein konnten,
scheint im 2. Jh. (nach 138 n.Chr.) in Rom eine Art Notariatsbüro
für die Auxiliarsoldaten, die Flottensoldaten und die Kaiserreiter
amtiert zu haben, da immer die gleichen Namen auftauchen.
Der historische Wert der Militärdiplome : Der historische
Wert dieser merkwürdigen und spröden Quelle ist sehr hoch
: Durch die genau datierten Militärdiplome können die Konsulate
und die Kaisertitulaturen präzisiert werden. Dann liefern die
Militärdiplome die Namen von Statthaltern einer bestimmten Provinz
und von Truppenkommandanten einer bestimmten Einheit zu einer gegebenen
Zeit. Weiter werden im Falle eines Auxiliarsoldaten alle Auxilien
einer Provinz aufgezählt (siehe Text Nr. 2), so dass der moderne
Historiker dadurch die Heeresgeschichte im einzelnen rekonstruieren
kann. Die Namen der Soldaten, ihre Herkunft sowie die Namen ihrer
Frauen und Kinder können ebenfalls ausgewertet und allenfalls
in Bezug zum Fundort des Militärdiploms gesetzt werden (siehe
dazu die Erläuterungen zum Militärdiplom vom 9. Februar
71).