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Meine Bekanntschaft mit zwei jungen Männern
Ich habe ein paar Semester meines Studiums in Florenz absolviert. Dabei hatte ich das Glück mitten im antiken Zentrum eine zahlbare und attraktive Einzimmerwohnung zu finden, mit einer Küche mit Herd und Backofen, geräumig genug um als auch als Esszimmer zu dienen, und einem Mini-Badezimmer mit Klo, WC und Dusche. Für eine Badewanne war kein Platz. Und das zu einem Preis den ich mir, dank meines Teilzeit-Jobs als Uebersetzerin und Reiseführerin bei einem Tourismusbüro, leisten konnte.
Wir ergänzten uns trefflich! Sie durften jederzeit – nach Anmeldung – meinen Backofen benutzen, und ich, die ein warmes Bad in der Wanne bis heute über alles liebe, durfte dafür in ihrer Badewanne nach Herzenslust herumplanschen.
Und zudem hatte ich von da an für abendliche Ausgänge ins Kino oder ins Konzert immer einen männlichen Begleiter, hübsch, galant und unaufdringlich. Einer brachte mich hin, der andere holte mich ab. Was will frau mehr?
Eines Tages, als die beiden gerade wieder einmal in meiner Küche herumwerkelten, klingelte es, und vor der Türe stand ein mit Block und Bleistift bewaffneter Mann. Er wies sich als ein Beamter der Fremdenpolizei aus.
"Sind Sie die Mieterin dieser Wohnung?" wollte er wissen.
"Ja".
"Und wohnen sie allein hier?"
"Ja".
Genau in diesem Augenblick schepperte es in der Küche, ein Kuchenblech war zu Boden gefallen. Der Beamte blickte mich streng an. "Ich habe Besuch", sagte ich. "Zwei benachbarte Freunde, die meinen Backofen benützen dürfen."
"Ach so", sagte der Beamte, den Backofen ... und setzte ein schmieriges Lächeln auf.
Was er auf seinem Block notiert hatte, weiss ich nicht. Und dass die beiden ein Paar waren, behielt ich für mich.
12. Oktober 2015
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