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Hanspeter Renggli, Mittelland Zeitung (12.06.2007)
Luzerner Theater: Vivaldis Oper «Motezuma» mit Ergänzungen von Thomas Leininger in einer optisch reizvollen Neufassung, die aber in der Regie langfädig und musikalisch zwiespältig blieb
Die Rückgabe des Notenarchivs der Berliner Singakademie 2001 aus der Ukraine in seine ursprüngliche Heimatstadt war nicht allein wegen der Funde aus der Bach-Familie eine Sensation. Es fand sich auch das Fragment einer späten Oper von Antonio Vivaldi. Zwar ist das Textbuch, aber bloss ein Bruchteil der Musik von Vivaldi erhalten. Der Cembalist und Komponist Thomas Leininger hat nun das Experiment von ergänzenden Neukompositionen im Stile von Vivaldi realisiert. So wurde das gemeinsame Projekt des Luzerner Theaters und des Theaters Heidelberg einer zumindest partiellen «Uraufführung» einer Barockoper (sic!) Wirklichkeit.
«Motezuma» erzählt die Geschichte der Erniedrigung der mexikanischen Azteken durch die spanischen Eroberer und von einem schönfärberischen Friedensschluss. Dass die barocke Oper in erster Linie Teil einer Festkultur war, kam in Luzern vor allem in der schillernden Farbigkeit der reizvollen Kostüme (Humberto Spíndola) zum Ausdruck. Doch damit war die szenische Fantasie bereits erschöpft. Martín Acosta gelang keine auch nur halbwegs attraktive Regie. Die Personenführung beschränkte sich auf einzelne Positionsbezüge und Rampensingen. Der letztlich wenig einsichtige szenische Versuch einer ironischen Desillusionierung blieb im Ansatz stecken.
In Verbindung mit der ungleichen Qualifikation der Solisten wurde das oft kolportierte Negativbild der Barockoper als einer öden Aneinanderreihung sich ähnelnder Arien vielmehr bestätigt als korrigiert. Einzig Teodora Gheorghiu als mexikanischer General und Tanja Ariane Baumgartner als Gattin des Aztekenkaisers brillierten im Koloraturenfach, während Simone Stock als deren Tochter und Caroline Vitale als spanischer Eroberer zumindest ein gewisses Mass an Verzierungstechnik in die Gleichförmigkeit der Wiederholungen einbrachten. Insbesondere Howard Quilla Croft (Motezuma) und der Altist Bernhard Landauer waren jedoch ihren Aufgaben nicht gewachsen.
Michael Form hat sich mit dem Barockensemble des Luzerner Sinfonieorchesters um akzentreiches und engagiertes Musizieren bemüht. Die Wackler sowie die Intonationsprobleme und Unsicherheiten in der Abstimmung störten jedoch das Gesamtbild derart, dass man sich die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Ergebnis stellen muss.