Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03626.jsonl.gz/588

Der Mark II war die erste echte Sportlimousine.
Die von Sir William Lyons (1901-1985) in Blackpool gegründete Swallow Sidecar Company brachte 1928 ihr erstes Auto auf der Basis eines kleinen Austin auf den Markt und zog 1928 nach Coventry in die Midlands, wo sich ein Grossteil des britischen Automobilwissens angesammelt hatte. 1935 entstand erstmals ein Sportwagen, - wiederum auf Austin-Chassis –, dem Lyons die Bezeichnung Jaguar angedeihen liess. Nach dem Krieg kreierte Lyons aus der Grosskatze den Markennamen für seine Autos. Mit der Vorstellung des Sportwagen XK120 adelte sich der Firmengründer zum Stardesigner, denn bis 1960 zeichnete er seine Autos selber. Die Serie XK120 bis 150 wäre heute noch vergnügungssteuerpflichtig, sofern ein Politiker eine solche erfunden hätte. Das kann ja noch kommen. Jedenfalls verwandelten die Jaguar-Motoren schon damals Kraft nicht bloss in Geräusch. Seit 1951 ist Jaguar Hoflieferant der britischen Krone. Limousinen wie der MK.V, MK.VII, sowie die nachfolgenden MK.II ab 1956, schrieben Geschichte als Sportlimousinen und wurden in beachtlichen Stückzahlen exportiert. 1960 übernahm Jaguar im geschäftlichen Aufwind den britischen Konkurrenten Daimler.
Das XK-Coupé gilt als einer der ersten richtigen Sportwagen.
Jaguar E-Type
1961 löste der E-Type die XK-Reihe ab und war die Sensation auf dem Genfer Salon. Nicht nur das Design begeisterte alle; auch die Technik und die Fahrleistungen galten als aussergewöhnlich, und dies zu einem Preis (Fr. 27 500.-), der den italienischen und deutschen Autobauern die Schamröte ins Gesicht trieb. Als Hoffnungsträger für die britische Autoindustrie konnte der E-Type leider nicht dienen, dazu war das avisierte Kundensegment damals zu schmal. Sondern die gesamte Industrie auf der Insel kam ins Trudeln. Premier Sir Alec Douglas Home (Konservative, 1963 bis 1964) und Harold Wilson (Labour, 1964-1970) gerieten die starken Gewerkschaften ausser Kontrolle; Produktion und Qualität litten. Dank dem Commonwealth-Verbund lief es zu lange ohne nennenswerte Konkurrenz zu gut; es gab noch richtig harte Zölle. 1966 kam es zur Jaguar-Integration in die British Motor Corporation (BMC) mit Austin und Morris/MG, welche sich zwei Jahre später mit den Marken Rover und Triumph zur British Leyland Motor Corporation (BLMC) zusammenschloss und 1975 verstaatlicht wurde, fortan British Leyland (BL) hiess. Edward Heath (1970-1974) und nochmals Harold Wilson (1974-1976), sowie James Callaghan (1976-1979) schafften es nicht, Ordnung in den Laden zu bringen. Selbst der verbriefte Spruch von Prinz Philip, dem Ehemann der Queen; «Wenn dein Mann einer Frau die Autotür öffnet, ist entweder die Frau neu, oder das Auto» kam gegen den Untergang der britischen Autoindustrie nicht an.
Der E-Type gilt als Markenikone schlechthin
Jerry Cotton im E-Type auf Verbrecherjagd in New York
Frau Thatcher
Dazu brauchte es eine Frau namens Margaret Thatcher (Premierministerin 1979-1990), und es ging nur über den Verlust einst erfolgreicher Marken von BL und auch der Rootes Group (u.a. Hillmann, Sunbeam). 1989 griff die Ford Motor Company zu, übernahm die unkaputtbare Jaguar-Division und investierte Millionen in Produktion und Qualität. Den Turnaround schafften die Amerikaner trotz Ausdehnung des Modellportfolios nicht, weil Ford im Zuge der Wirtschaftskrise 2008, anders als GM und Chrysler, nicht in Insolvenz gehen, sondern über den Verkauf von Jaguar (und Land Rover) an die indische Tata-Gruppe, aus eigener Kraft überleben wollte. Seither läuft der Vertrieb von Jaguar und Land Rover unter gemeinsamen Dächern, technisch operieren die beiden Marken jedoch weitgehend selbstständig. Teilweise konkurrenzieren sie sich sogar, weil Jaguar entsprechend dem weltweiten Kauftrend hin zu SUV-Fahrzeugen nun auch im Segment wildert, welches Land Rover 1970 mit dem Range Rover aufgegleist hatte. Unter den aktuellen Baureihen XE (Sportliche Mittelklasse), XF (Obere Mittelklasse), F-Type (Sportwagen), E-Pace (Kompakt-SUV), F-Pace (SUV) und I-Pace (SUV mit Elektroantrieb), sind F- und E-Pace, - also die Sportutilitys - in der Schweiz die mit Abstand meistverkauften Modelle. So läuft es aktuell; man wählt Grün um das Gewissen zu befriedigen, aber fahren tut man, was angesagt ist. Dabei baut Jaguar, wie seit je auch schöne, effiziente und familientaugliche Limousinen.
Der aufseheneregende Reihensechszyliner