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Titel
Baumwollspinnerei.
Die Baumwolle [* 2] (s. d. und Gespinstfasern) [* 3] ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Textilindustrie (s. d.). Sie bildet die Samenhülle der Baumwollpflanze (s. Tafel: Columniferen, [* 1] Fig. 2). Diese Samenhüllen werden nach dem Einsammeln sortiert, an der Luft getrocknet und am Gewinnungsorte selbst dem sog. Egrenieren (Entkernen) unterworfen, wodurch die Fasern sich von den Samenkörnern und den noch anhängenden Teilen der Kapseln [* 4] trennen. Von den hierzu dienenden Vorrichtungen hat man namentlich zwei Arten:
1) Die Sägen-Egreniermaschine (s.
Tafel:
Baumwollspinnerei,
[* 1]
Fig. 3). Der Cylindern ist abwechselnd aus Kreissägen und hölzernen
Scheiben zusammengesetzt; durch letztere werden die Sägen
[* 5] in einer Entfernung von 18
mm auseinander gehalten, und da ihr
Durchmesser kleiner als der der Sägeblätter ist, treten die
Zähne
[* 6] hervor.
Über dem Sägecylinder ist
ein aus gebogenen flachen Eisenstangen bestehender Rost c c derart angebracht, daß die
Zähne der Sägen durch die engen
Zwischenräume der
Stäbe hindurchgreifen.
Dieser Rost ist einerseits bei o um Scharniere drehbar befestigt, andererseits bei d durch Stellschrauben e nach Belieben höher oder tiefer zu stellen, je nachdem die Zähne mehr oder weniger hervortreten sollen. Diesem Rost wird die zu egrenierende Baumwolle regelmäßig zugeführt; die Zähne des rotierenden Sägecylinders erfassen die Fasern und ziehen sie durch den Rost hindurch, und da die Körner nicht folgen können, wird die Wolle von ihnen abgerissen. Hinter dem Sägecylinder ist die mit Haarbüscheln dicht besetzte Bürstenwalze b gelagert, die dazu dient, die an den Zähnen der Säge [* 7] sitzende Baumwolle abzustreifen und in der Richtung der Pfeile 2, 3 über die Platte t aus der Maschine [* 8] fortzuführen, während die von den Fasern abgelösten Körner durch den Schlitz bei k über die Platte d herausfallen. Die durch eine Scheidewand getrennten Räume unterhalb der beiden Walzen dienen zur Aufnahme der Schmutz- und Staubteile, die, schwerer als die Baumwolle, nach unten fallen. Eine derartige Maschine mit 80 Sägeblättern auf dem Cylinder liefert, durch Dampf [* 9] betrieben, in 10 Stunden etwa 625-675 kg egrenierte Wolle von etwa 2500 kg Rohwolle; da sie aber viele Fasern zerreißt, wird sie nur bei geringern, kurzfaserigen Sorten angewendet.
2) Weit mehr wird die Faser durch die Kamm-Egreniermaschine von Macarthy [* 1] (Fig. 1) geschont. A ist eine mit weichem Büffelleder überzogene Walze, die in der Richtung des Pfeils rotiert, hierbei die Fasern der ihr zugeführten Baumwolle erfaßt und mit sich führt, während das ihrem Umfange möglichst nahe gestellte Messer [* 10] a die Samenkörner zurückhält, die durch zwei schnell auf und nieder schwingende Messer b b' von den Faserbüscheln abgerissen werden, um zwischen den Stäben des Rostes i unten herauszufallen; die Messer b b' sitzen an den Enden der Hebel [* 11] c und erhalten ihre Bewegung von einer im untern Teile des Maschinengestells gelagerten Welle aus mittels zweier Excenter [* 12] und der Excenterstangen d d'. Die rohe Wolle wird auf einem Lattentuch ausgebreitet, das über zwei Spannwalzen r gelegt ist und durch diese eine umlaufende Bewegung erhält; sie geht unter der Riffelwalze h durch und wird von einer Stachelwalze s in den Trog H geworfen, um endlich durch den schwingenden Kamm J periodisch gegen die Lederwalze A geschoben zu werden. Die schnell rotierende Riffelwalze G entfernt die egrenierte Wolle von der Walze A und läßt sie in die zu ihrer Aufnahme bestimmten Behälter fallen. Die Maschine, wie sie von Platt Brothers & Comp. in Oldham gebaut wird, ergiebt eine Leistung von 25 bis 50 kg gereinigter Baumwolle in der Stunde.
Ehe die so egrenierte, in stark gepreßtem Zustande in den Handel kommende Baumwolle zu Garn verarbeitet werden kann, muß dieselbe zunächst aufgelockert und von allen noch anhaftenden Unreinigkeiten befreit werden. Zu den diese Arbeit verrichtenden Maschinen gehört der Klopfwolf oder Whipper [* 1] (Fig. 5), bei dem innerhalb eines hölzernen Gehäuses zwei mit Schlagarmen versehene, horizontale Wellen [* 13] in schneller Umdrehung sich befinden. Die Schlagarme sind so gestellt, daß diejenigen der einen Welle zwischen denen der andern Welle hindurchgehen; den Zwischenräumen beider entsprechen außerdem im Innern des Gehäuses in zwei Reihen angeordnete feststehende Stäbe.
Wird nun die Baumwolle mittels eines endlosen Lattentuchs und zweier Speisewalzen in das Innere des Gehäuses geführt, so erfolgt eine energische Auflockerung derselben, indem die aus dem Ballen entnommenen dichten Wollhaufen zerschlagen und so in kleinere Büschel verwandelt werden. Ein Klopfwolf braucht 3-5 Pferdestärken Betriebskraft. [* 1] Fig. 8 zeigt eine Auflockerungsmaschine anderer Art, den sog. Öffner (opener), bei dem die Bearbeitung der Baumwolle durch vier mit daumenförmigen Erhöhungen (Zähnen) versehene Trommeln erfolgt, die die Baumwolle von einem Zuführungsapparat empfangen und wiederholt gegen eine feststehende Reihe ähnlicher Zähne werfen; unterhalb dieser Schlagtrommeln ist ein aus dünnen Eisenstäben zusammengesetzter Rost angebracht, durch den alle fremdartigen Körper (Sand, Laub, Samenkörper) hindurchfallen. Die auf solche Weise aufgelockerte und von groben Verunreinigungen befreite Baumwolle passiert hierauf noch zwei mit feinmaschigem Drahtgewebe überzogene Trommeln, aus deren Innerm durch ein Schleudergebläse die Luft abgesaugt wird. Indem sich die Baumwolle an den Umfang dieser Siebe anlegt, wird sie durch die durchdringende Luft von den feinsten Staubteilen sowie von den allzu kurzen Härchen befreit.
Eine der wichtigsten Vorbereitungsmaschinen der in der Wirkung den oben beschriebenen ähnlich, ist die Schlagmaschine (Batteur), die zur weitern Reinigung und Auslösung der von dem ¶
mehr
Whipper oder Öffner gelockerten Baumwolle dient. [* 14] Fig. 2 stellt eine Schlag- und Wickelmaschine mit Siebtrommel dar. Die Baumwolle wird hier, auf einem Lattentuche ausgebreitet, durch Riffelwalzen dem im Innern des Gehäuses a schnell rotierenden Schlagflügel zugeführt; die drei mit der Achse parallelen Schienen dieses Flügels sollen aus die zwischen den Speisewalzen hervortretende Wolle in rascher Aufeinanderfolge schlagend wirken und so die noch vorhandenen büschelweisen Anhäufungen auflösen.
Unterhalb des Schlagflügels ist ein Rost angebracht, durch dessen Spalten die gröbern Unreinigkeiten entweichen. Die Baumwolle passiert den sog. Flugraum b und vereinigt sich auf dem Umfang der Siebtrommel c, aus deren Innerm die Luft durch ein Windrad [* 15] beständig entfernt wird, zu einer dünnen Watte, die von dem Walzenpaar d abgelöst, zwischen den Walzen e f g h verdichtet und auf einer großen Holzspule i zu einem Wickel geformt wird. Damit die Ablösung der Baumwolle von der Siebtrommel leichter von statten geht, ist im Innern derselben ein Schirm l angebracht, der den Windstrom an der betreffenden Stelle unterbricht, indem er mittels des Armes m und eines hohlen Zapfens auf der rotierenden Trommelwelle sitzt und durch das Gegengewicht n in horizontaler Lage gehalten wird. [* 14] Fig. 7 zeigt eine einfache Schlag- und Wickelmaschine in perspektivischer Ansicht. Damit für kurze Fasern die wirkende Kante des Schlagflügels der Stelle möglichst nahe gebracht werden kann, an welcher die Wolle zwischen den Walzen hervortritt, hat man die Zuführungswalzen mit Erfolg durch eine Art Mulde a [* 14] (Fig. 4) und eine über dieser gelagerte Stachelwalze b ersetzt. Um die menschliche Arbeitskraft entbehrlich zu machen, die zur Überführung der Baumwolle von einer Auflockerungsmaschine zur andern erforderlich ist, hat man neuerdings mehrere derselben in solcher Art zu einem Ganzen vereinigt, daß der Transport des leicht beweglichen Faserstoffs von einer zur andern mittels eines Windstroms in einer Rohrleitung erfolgt. So stellt [* 14] Fig. 6 eine solche von Lord Brothers in Todmorden ausgeführte kombinierte Vorbereitungsmaschine als Vereinigung eines Whippers A mit einem sog. Saugöffner C und einer Schlag- und Wickelmaschine D dar.
Die Überführung der Fasern von A nach C erfogt ^[richtig: erfolgt] in einem Blechrohr B durch einen saugenden Windstrom, der von einem zum Öffner C gehörigen kräftigen Windrad erzeugt wird; die Baumwolle gelangt hierbei von dem ersten Obergeschoß des Gebäudes in das Erdgeschoß, wobei sich in einer Abteilung B' der Rohrleitung vermöge einer hier vorhandenen Querschnittserweiterung Gelegenheit giebt, noch etwa vorhandene Fremdkörper auszuscheiden; die Entfernung von Staub und kurzen Fasern erfolgt mittels der in der Schlagmaschine vorhandenen Siebtrommeln, deren Innenraum mit den Säugöffnungen eines besondern Ventilators in Verbindung steht. - Die nun folgenden Arbeiten, welche die Herstellung eines gleichmäßigen Bandes von parallelen Fasern, ferner eine zweckentsprechende Zerteilung und Verdichtung dieses Bandes, sowie die endliche Zusammendrehung zu einzelnen Fäden (Garn, Gespinst) bezwecken, sind im Artikel Spinnerei behandelt. - Über Geschichtliches, Statistisches und Litteratur s. Baumwollindustrie.