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Nach den Auseinandersetzungen mit den Piloten scheint es wahrscheinlich, dass der ehemalige Regionalbereich der Crossair wieder abgespalten wird. Ernüchterung macht sich breit.Dieser Inhalt wurde am 18. Juli 2002 - 11:58 publiziert
Eine völlige Gleichstellung von Regionalflug- und Linienstrecken-Piloten ist laut swiss-Konzernchef André Dosé unmöglich. Ein solcher Schritt würde soviel kosten, dass die Swiss daran zugrunde gehen würde, sagte Dosé in einem "Blick"-Interview.
Es gebe keine Airline auf der ganzen Welt, wo Regionalflug- und Langstreckenpiloten gleich viel verdienten. Dazu seien die Margen im Regionalfluggeschäft viel zu tief. Die swiss habe im übrigen den früheren Crossair-Piloten bereits 16 Prozent mehr Lohn geboten.
David Bieli, Präsident der swiss Pilots (ehemals Crossair-Piloten-Gewerkschaft CCP), sagte, die Gleichstellung würde gut 35 Mio. Franken im Jahr kosten. Seine Gewerkschaft warte nun auf Vorschläge des swiss-Managements.
Es sei nicht an ihnen, für die Fehler der Gesellschaft gerade zu stehen, die mit der Piloten-Gewerkschaft Aeropers (ex-Swissair) einen separaten Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt habe.
Überhaupt habe er den Eindruck, der GAV-Konflikt müsse nun als Argument für die Ausgliederung einer Regional-Fluggesellschaft analog der Crossair herhalten. Einer solchen Ausgliederung widersetzten sich die swiss Pilots.
Heikle Ausgliederung
Auf die Frage, ob die Ausgliederung der Regionalfliegerei aus der swiss ein gangbarer Weg sei, sagte Dosé: "Wir prüfen alle Varianten."
Laut Aviatik-Journalist Sepp Moser ist die Abspaltung inoffiziell bereits beschlossen, im Moment aber nicht vollziehbar.
Eine Ausgliederung des Regionalfluggeschäftes, das nach dem Grounding der Swissair erst vor kurzem in die swiss integriert worden war, hätte wohl Rückgriffe der Swissair-Gläubiger gegen swiss zur Folge, so Moser in der "Weltwoche" und gegenüber SF DRS.
Preisdumping
Die Zusammenführung der Unternehmenskulturen von Ex-Crossair und Ex-Swissair sei bisher nicht gelungen, zog der Aviatik-Journalist eine ernüchternde Bilanz drei Monate nach dem offiziellen Start der swiss. Die Flugzeuge seien zwar gut gefüllt, die Kassen aber leer.
Verantwortlich dafür sei nicht zuletzt das Preisdumping der swiss. So koste ein Retourflug nach Bangkok ab Zürich 1350 Franken. Ab Berlin (via Zürich) werde der Flug in die thailändische Hauptstadt für 825 Franken angeboten.
Die Durchschnittserträge pro Fluggast seien etwa 20 Prozent niedriger als letztes Jahr und tiefer als bei den wichtigsten Konkurrenten Lufthansa und British Airways. Solche Zahlen nährten Zweifel an den swiss-Budgets für die kommenden Jahre.
Dosé bekräftigt Gewinnprognose
swiss-Chef Dosé hält dagegen an der Prognose fest, dass die swiss Ende 2003 die Gewinnschwelle erreichen und 2004 mit Gewinn fliegen wird.
Die Airline wolle kostenbewusst bleiben. Das sei sie nicht zuletzt auch den Schweizer Steuerzahlern schuldig.
Einbruch beim Flughafen Zürich
Mit Problemen kämpft im Moment nicht bloss die swiss, sondern auch die Zürcher Flughafen-Gesellschaft Unique. Man sei zurzeit wieder auf dem Stand vor 4 Jahren, sagte Unique-Finanzchef gegenüber SF DRS.
Ein Vergleich des TV-Magazins 10vor10 zeigte, dass der Rückgang der Flugbewegungen wie auch der Passagiere in Zürich am stärksten ist. Seit dem 11. September 2001 geht es auch den Flughäfen Frankfurt, München oder Amsterdam schlecht - doch nirgends war ein solch grosser Einbruch zu verzeichnen, wie in Zürich (ein Viertel weniger Passagiere Januar - Mai 2002).
swissinfo und Agenturen