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Am Osterwochenende fiel verbreitet Schnee, besonders intensiv in der Nacht auf Karsamstag vom nordwestlichen Tessin bis in die zentralen Gebiete am Alpennordhang. Oft starker Wind aus wechselnden Richtungen verfrachtete den lockeren Alt- und Neuschnee in der Höhe. Die Verhältnisse waren in der Höhe winterlich mit zeitweise sehr kritischer Lawinensituation. Mit Regen bis in mittlere Lagen sowie mit der starken Erwärmung gingen vermehrt nasse Lawinen und unterhalb von rund 2400 m an allen Expositionen Gleitschneelawinen nieder. Sie erreichten aufgrund der stark überdurchschnittlichen Schneehöhen teils grosse Ausmasse.
Der März war insgesamt gesehen rund 1 Grad kälter als im Vergleich zur Norm 1981−2010. Im Norden fiel wiederholt Schnee bis in tiefe Lagen. Im Süden war es einer der kühlsten Märzmonate der letzten 30 Jahre (Quelle: Klimabulletin der MeteoSchweiz). Ganz in diesem Trend verhielt sich auch das diesjährige Osterwochenende, das auf Ende März/Anfang April fiel (Abbildung 1).
Gründonnerstag, 29.03.: Ende der Schneefälle im Norden
Von Mittwoch- bis Gründonnerstagmorgen fielen am Alpennordhang, im Unterwallis, im Gotthardgebiet und von Nordbünden bis nach Samnaun 10 bis 20 cm, lokal bis 30 cm Schnee oberhalb von 2000 m. Tagsüber war es bewölkt mit einzelnen Schauern. Damit ging eine viertägige Schneefallperiode zu Ende, die in der Vorwoche am Montag, 26.03. begann. In Summe fielen bis zum Gründonnerstagmorgen im Westen und Norden verbreitet 15 bis 30 cm, gebietsweise im Unterwallis, am Alpennordhang sowie in Samnaun bis 50 cm Schnee.
Karfreitag, 30.03. bis Ostersonntag, 01.04.2018: ergiebige Schneefälle, hohe Intensität in der Nacht auf Karsamstag, sinkende Schneefallgrenze
In der Nacht auf Karfreitag setzten im Süden Niederschläge ein, die sich in der Nacht auf Karsamstag intensivierten und in einer Gegenstromlage auch auf den Norden übergriffen. In der intensivsten Phase in der Nacht auf Karsamstag fiel in den zentralen Gebieten des Alpennordhanges vom Brienzersee bis nach Muotathal mit 50 bis 80 cm Schnee in 12 Stunden deutlich mehr Schnee als erwartet (vgl. Abschnitt Schneedecke, Lawinengefahr und Lawinenaktivität). Der Südwind blies im Süden und in der Höhe stark. Am Ostersonntag fiel dann im Norden und Westen verbreitet Niederschlag mit mässig bis starkem Nordwestwind. Im Süden wurde es zunehmend sonnig. Abbildung 2 zeigt die 3-Tages-Neuschneesumme bis Ostersonntagmorgen. Mit gut 1 m Neuschnee fiel am meisten in den zentralen Gebieten der Schweizer Alpen, nach West und Ost nahmen die Schneemengen ab. Die Schneefallgrenze sank im Verlauf dieser Tage von 1800 auf rund 800 m.
Ostermontag, 02.04. bis Mittwoch, 04.04.2018: Schwache Schneefälle im Süden, starker Südwind, im Norden mit Föhn sehr mild
Der Ostermontag war verbreitet sonnig. Der Wind drehte auf West und blies mässig. Die Temperaturen stiegen von Westen her markant an (Abbildung 1) und lagen mittags auf 2000 m zwischen +5 °C im Westen und +2 °C im Osten und Süden. In der Nacht auf Dienstag setzte in der Höhe starker Südwind ein, der bis Mittwochnachmittag anhielt. In den Föhngebieten des Nordens blies zeitweise starker Föhn bis in die Täler. Auch in den Nächten war es nur zeitweise aufgehellt und mild. Am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Berninagebiet und südlich davon fielen 10 bis 20 cm, ganz im Westen 5 bis 10 cm Schnee. Die Schneefallgrenze lag bei 1500 m.
Donnerstag, 05.04.2018: Schneefälle im Westen und Süden
Der Wind flaute ab und blies schwach bis mässig aus westlichen Richtungen. Im westlichsten Unterwallis, in den Waadtländer und Freiburger Alpen und am Alpensüdhang fielen vor allem in der Nacht auf Donnerstag 15 bis 30 cm, sonst wenige Zentimeter Schnee. Tagsüber war es im Süden und in Graubünden teils sonnig, sonst meist bewölkt mit schwachen Schneeschauern oberhalb von rund 1500 m.
Die Schneehöhen stiegen in dieser Berichtswoche an vielen hoch gelegenen Stationen noch einmal an und waren für Anfang April in hohen Lagen verbreitet stark überdurchschnittlich, in mittleren Lagen jedoch nur im Wallis, in der Zentralschweiz und am Alpensüdhang. Die Schneedecke war an Südhängen unterhalb von rund 2300 m durchnässt, an Nordhängen unterhalb von rund 1800 m. Schwachschichten in der trockenen Schneedecke lagen in höheren Lagen vor allem an West-, Nord- und Osthängen im Neu- und Triebschnee. Nach wie vor waren aber im oberen Bereich der Altschneedecke schwache, immer noch störanfällige Schichten vorhanden. Dies vor allem im Wallis und in Graubünden.
Die verbreitet sehr komplexe Situation am Übergang vom Winter zum Frühling kombiniert mit viel Wind und starken Niederschlägen an den Osterfeiertagen führte zu einer hohen Aktivität von nassen und trockenen Lawinen. Die Lawinengefahr erreichte in der Nacht auf Karsamstag, 31.03. die Stufe 4 (Gross). Da die Niederschläge weiter als erwartet auf die nördlichen Gebiete übergriffen, wurde das prognostizierte Gebiet mit Stufe 4 (Gross) am Karsamstagmorgen im Lawinenbulletin auf die nördlichen Gebiete ausgedehnt (vgl. Gefahrenverlauf unten). Neu- und Triebschnee waren sehr störanfällig und es lösten sich viele mittlere und teils grosse spontane Lawinen (Abbildung 3).
Die Lawinen rissen oft auch in tiefere Schneeschichten durch, in den schneeärmeren Gebieten teils auch bis in bodennahe Schichten (vgl. Bildgalerie). Vor allem in den Hauptniederschlagsgebieten rissen die Lawinen in ihrer Sturzbahn den nassen Schnee mit und stiessen teils bis in die Täler vor (Abbildung 4). Die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen blieb mit der starken Erwärmung und oft bedeckten Nächten bis zum Ende dieser Berichtswoche erhöht. Aufgrund der grossen Schneehöhen waren die Lawinen teils recht gross (vgl. Bildgalerie).
Der Spitze der Lawinenaktivität wurde am Karsamstag erreicht (Abbildung 5). Abseits der geöffneten Pisten war die Situation aber auch am Ostersonntag und mit dem starken Südwind und der starken Erwärmung auch an den folgenden Tagen für Touren und Varianten noch sehr heikel mit verbreitet und anhaltend erheblicher Gefahr für trockene und nasse Lawinen (Stufe 3).
Dem SLF wurden in dieser Berichtswoche 14 Lawinenunfälle mit 20 erfassten Personen gemeldet (Abb. 6). Dabei ereignete sich am Karsamstag, 31.03. ein grosser Lawinenunfall im Gebiet Fiescheralpe (VS), als eine Gruppe mit fünf Tourengängern erfasst und ganz verschüttet wurde. Zwei Personen erlitten leichte Verletzungen, drei Personen kamen in der Lawine ums Leben. Bei acht Lawinenniedergängen entstanden Sachschäden an Verkehrswegen/Wald oder es mussten Kontrollsuchen durchgeführt werden.
Ende März 2018 lag die Anzahl der in Lawinen erfassten Personen leicht über dem Durchschnitt, die Anzahl der Todesopfer in Lawinen mit 23 Personen leider deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (18 Todesopfer durchschnittlich bis Ende März in den letzten 20 Jahren).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.