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Der strafende Sozialstaat. Konzeptuelle Überlegungen zur Geschichte fürsorgerischer Zwangsmassnahmen
Ausgehend von aktuellen Debatten um die Geschichte von Heim- und Verdingkindern untersucht der Beitrag die strafenden Dimensionen moderner Sozialstaaten, die in den teleologischen Narrativen der Sozialstaatsgeschichte meist ausgeblendet werden. Im Bereich der Sozialhilfe unterstützte der Sozialstaat nur einen Teil der Klientel mit finanziellen Transferleistungen. Andere Hilfsbedürftige erhielten keine finanzielle Unterstützung und kaum Schutz vor Integritätsverletzungen. Vielmehr wurden ihre Bürger- und Menschenrechte eingeschränkt und sie teilweise offener physischer Gewalt ausgesetzt – insbesondere im Rahmen von Erziehungsheimen und -anstalten des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Beitrag formuliert drei Forschungsdesiderate: die Integration der Heim- und Anstaltsgeschichte in die übergeordnete Sozialstaatsgeschichte, die Analyse institutionalisierter physischer Gewalt in Heimen und Anstalten, schliesslich die Rolle von Fremdplatzierungen als Teil einer staatlichen Familienpolitik.
Erschienen in: traverse, 2018/1, S. 180.