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Was für die Amerikaner:innen der Oscar, ist für die Europäer:innen der European Film Award. Jedes Jahr vergibt die European Film Academy einen Preis für den besten Kurzfilm. 29 Festivals (darunter die Berlinale, die Filmfestspiele von Venedig, das Locarno Film Festival und seit 2020 auch die Kurzfilmtage) schlagen die von den jeweiligen Jurys ausgewählten Filme der Akademie vor. Wir freuen uns, mit einer Auswahl der Kandidaten von 2021 einige der herausragendsten Werke des aktuellen europäischen Kurzfilmschaffens zu präsentieren.
The Martyr Fernando Pomares / Spanien 2020 / 18'14" / DCP / Farbe / Arabisch/Katalanisch / Fic
Syrierin Lina lebt mit ihrer Tochter in einem Flüchtlingslager. Ihre Stimme erzählt die Geschichte ihrer zwei Brüder, Jammal und Khaled, die versuchen, die Grenze zu einem westlichen Land zu überqueren. Dabei wird Khaled von einer Kugel getroffen. Auf der folgenden schwierigen Reise vermischen sich Träume, Erwartungen und Religion. Der Film kombiniert die Emotionen der Figuren mit der Ironie eines absurden Endes, das ihre menschliche Würde infrage stellt.
Jahre nachdem sie von einer Wahnstörung und Zwangsneurose geheilt ist, findet Kristin Johannessen ihre alten Digitalkameras beim Ausräumen ihres Kinderzimmers. Sie wohnte während ihrer Erkrankung dort und filmte oft stundenlang. Die Filme waren nicht als Dokumentation gedacht, sondern dienten ihr lediglich zur Beruhigung. Das Material wurde am nächsten Tag meistens wieder gelöscht, um für neue Filme Platz zu machen.
Eine frisch verheiratete Frau lebt bei den Schwiegereltern, während ihr Mann im benachbarten Griechenland arbeitet. Eines Tages findet er eine Leiche, und das ganze Dorf stürzt sich in einen Kampf um die nationale Fernsehberichterstattung.
Bartholomew Whisper geht zum Arzt. Dort trifft er auf Personal, das sich für experimentelle Chirurgie begeistert, sowie auf einsame MRT-Geräte. Immerhin entwickelt sich das wachsende Loch in seinem Kopf zu einer ziemlich schönen Angelegenheit.
In Flow of Words Eliane Esther Bots / Niederlande 2021 / 22'17" / DCP / Farbe / Serbisch/Kroatisch/Bosnisch/Englisch / Doc
Der Film erzählt die Geschichte von drei Dolmetscher:innen am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Sie mussten schockierende Berichte von Zeug:innen, Opfern und Täter:innen übersetzen, ohne ihre eigenen Gefühle und persönlichen Geschichten ins Spiel zu bringen. Im Gegensatz zu ihrer Rolle am Gericht rückt der Film ihre eigenen Stimmen und Erfahrungen ins Zentrum.
Filmemacher Fernando Pomares kombiniert in seinen Projekten Realfilm mit Animation. Aktuell arbeitet er an seinem ersten langen 3D-Animationsfilm für die Produktionsfirma Tilma Films. Er ist ausserdem Professor für Dokumentarfilm an der ESCAC und Professor für Regie im Master für Stop-Motion-Animation an der BAU.
Der Kurzfilm ist nicht einfach ein kürzerer Film. Er ist eine eigene Kunstform, die wir mit unserem Festival jährlich in den Fokus stellen.
Der Kurzfilm erscheint in allen Genres und kann unterschiedlich lang – oder eben kurz – sein. Einfachere Produktionswege machen es ihm möglich, den Zeitgeist und Strömungen rasch einzufangen und abzubilden. Der kurze Film kann unterhalten, überraschen, die Gesellschaft analysieren, eine politische Haltung einnehmen oder Einblick in uns fremde Welten geben.
Wir bündeln unsere Kurzfilme in thematischen Programmen oder nach bestimmten Sektionen, wie z.B. unsere Wettbewerbe, und stimmen die Filme und Reihenfolge aufeinander ab. Für den Kurzfilmgenuss gibt es somit nur eine Voraussetzung: die Neugierde, Neues zu entdecken und sich überraschen zu lassen.
Das Festival
Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur sind das bedeutendste Kurzfilmfestival der Schweiz. Jeden November verwandeln wir die Stadt Winterthur für sechs Tage in eine Kurzfilmmetropole.
An den Kurzfilmtagen gibt es für alle etwas zu entdecken: Wir zeigen sorgfältig zusammengestellte Kurzfilmprogramme zu aktuellen Geschehnissen oder zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen. Die Wettbewerbsblöcke fühlen den Puls des aktuellen, weltweiten Filmschaffens und die Installationen, Performances und weiteren Specials machen audiovisuelle Formen in ihrer ganzen Vielfalt erlebbar. Ein Rahmenprogramm mit Konzerten, Lesungen und mehr erweitert das Festivalerlebnis.