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Der auf Tatsachen beruhende Roman würdigt unter anderem die Rolle des Hauses «Wartheim» in Heiden, das Zufluchtsort für jüdische Kinder war. Am Beispiel des Ehepaars Raymond und Ruthi zeichnet Reiss die Geschichte der in ständiger Angst lebenden Juden im Zweiten Weltkrieg nach. Obwohl in der Schweiz wohnhaft, sind die Ängste des Ehepaars angesichts der von den Nazis in Deutschland verübten Gräueltaten und der drohenden Übergriffe auf die Schweiz enorm. Als Ruthi Mutter eines Mädchens wird, sucht das Ehepaar nach Sicherheit, wobei das «Wartheim» ins Spiel kommt. «Wir müssen rechtzeitig von hier verschwinden. Ich habe eine Idee: Sobald es hier losgeht, bringst du mich nach Heiden. Dort gibt es ein von Juden geführtes Kinderheim», wird Ruthi im Buch zitiert. Das «Wartheim» war früher eines der vielen Kurhäuser in Heiden, das 1926 vom Israelitischen Frauenverein Zürich erworben und in ein Kinderheim umgewandelt wurde. Grosse Bedeutung erlangte das Haus in den Kriegsjahren, gewährte es doch jüdischen Kindern ein sicheres Refugium.
Ruth Westheimer kam mit fünfzig anderen Kindern
In der Nachlese erinnert Autor Roger Reiss an das Leben der 1928 geborenen Karola Siegel als berühmteste «Wartheim»-Bewohnerin, die in einer jüdisch-deutschen Familie aufwuchs und 1939 mit fünfzig anderen Kindern aus Frankfurt in Heiden eintraf. Das Mädchen besuchte die Schule in Heiden und wanderte am Kriegsende nach Israel aus. Später übersiedelte sie in die USA, wo die junge Frau Soziologie studierte. Nach der Heirat mit Manfred Westheimer nahm sie den Vornamen Ruth an, und als Ruth Westheimer avancierte sie zur bekanntesten Sex-Therapeutin und -Beraterin Amerikas.
Aufbruchsstimmung nach dem Krieg
«Das Schweizer Volk war 1945 mit dem Ende des Weltkriegs sichtlich erleichtert. So auch Raymond und Ruthi. Im «Wartheim» machte sich eine wahre Aufbruchstimmung breit. Die von den Behörden aus humanitären Gründen bewilligten und zwölfmal verlängerten Aufenthalte gingen ihrem Ende entgegen. Gänzlich unvorbereitet mussten die Jugendlichen nun ihr hartes Leben in die eigenen Hände nehmen …» schreibt der Autor. Das «Wartheim» verlor seinen ursprünglichen Zweck und wurde 1988 verkauft.