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Da liegt er also, «Le Fritz», auf eisernem Lager in einer Baracke am Rand von Delémont; seit vielen Jahren wird er hier versteckt, weil man weitere Attentate fürchtet. Vier Meter lang und kein schöner Anblick: der Kopf abgeschlagen, das Bajonett gestohlen, die Überreste von Brandanschlägen gezeichnet. Die Besichtigung hat etwas Gespenstisches. Als eine Besucherin laut zu reden beginnt, wird sie von ihrem Mann zurechtgewiesen.
«Fritz» oder «La Sentinelle des Rangiers», wie er richtig heisst, war ein Soldatendenkmal im Jura, ein steinerner Wachtposten zur Erinnerung an die Grenzbesetzung 1914 bis 1918 auf dem Pass Les Rangiers zwischen Delémont und Porrentruy. Initiiert vom regionalen Fremdenverkehrsverein, entworfen von Bildhauer Charles L’Éplattenier, eingeweiht 1924 von der obersten Landesbehörde, vielfach abgebildet auf Postkarten und Briefmarken, diente die Figur als TouristInnenmagnet und im zweiten Aktivdienst 1939 bis 1945 als nationale Ikone. Zu seinen Füssen fanden patriotische Kundgebungen statt, jedes Schweizer Kind kannte den «Fritz».
Als in der Nachkriegszeit der Jurakonflikt eskaliert, erhält das Denkmal eine andere Bedeutung. Zuerst gibt es kleine Anschläge gegen die Figur, 1964 verhindern jurassische AutonomistInnen eine militärische Erinnerungsfeier auf Les Rangiers mit Gewalt und versetzen damit Bundesrat und Presse in helle Aufregung: Armeeeinsätze gegen die Autonomiebewegung und regionale Waffenplatzprojekte machen aus «Le Fritz» ein Symbol des Berner Kolonialismus. 1984, als der unabhängige Kanton Jura längst existiert, wird die Skulptur eines Nachts gesprengt. Man richtet sie wieder auf, sie wird erneut beschädigt und noch einmal gesprengt. Im Juni des Jahres 2004 zerschlagen maskierte Männer vor dem Rathaus von Delémont den Kopf des Denkmals öffentlich in kleine Stücke.
So liegt «Le Fritz» nun versteckt in dieser Baracke. Letzten Samstag durfte man ihn erstmals wieder besichtigen, nur ein paar Stunden lang. Auf einer Tagung im Jurassischen Museum wurde über seine Vergangenheit diskutiert. Zukunft hat er vermutlich keine. Aber es gab auch kein neues Attentat.