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Kurt Stoll (war vor seinem Eintritt in die Balair Stationsleiter der Swissair in Lagos/Nigeria – kannte die Hadj-Ops also von zwei Seiten sehr gut)
Die Swissair Bordküche hatte die großartige Idee, man könnte doch die Hadj-Flüge mit Essen aus dem Nigeria Airways Catering bestücken, anstatt mit viel Aufwand die Mahlzeiten aus der Schweiz zu liefern.
In einem unmissverständlichen Telex wurde ich aufgefordert, den Chef des lokalen Catering Betriebes aufzusuchen und ihn um eine Offerte zu bitten. Die Zusammenstellung überließen sie ihm, da er ja auch für die eigenen Flüge zuständig sei. Als ich vor dem Catering Gebäude vorfuhr, flogen gleich dutzende von Hühnern von einem Abfallhaufen auf, den auch ein paar Ziegen durchwühlten. Im Inneren der Anrichte schwebte ein fürchterlicher Geruch. Ich kehrte um und antwortete, dass ich dies der Umstände halber nicht weiter verfolgen werde. Die Antwort kam prompt, ich hätte mir da keine Gedanken zu machen. Sie würden dem Mann einen Vorschlag telexieren, und ich solle diesen abholen. Nochmals wies ich auf die Hygiene und andere Fakten hin, die weit entfernt vom Swissair Standard seien. Aufgebracht durch die Widerspenstigkeit eines kleinen Stationsleiters befahl er mir, für den Dienstag ein Hotelzimmer für ihn zu buchen; er werde dort übernachten und mit dem Donnerstagflug wieder heimkehren.
Ich holte ihn am Flugzeug ab, und schlug vor, wir würden jetzt zuerst das Catering besuchen, und dann würde ich ihn ins Hotel fahren. Seine Augen wurden ganz klein, als er den stinkenden Abfallhaufen sah, dahinter das Cateringgebäude mit weit geöffneter Tür. Wir traten in den Anrichteraum, und plötzlich flitzen zwei wohlgenährte Ratten vor unseren Füssen vorbei. Der gute Abgesandte aus Zürch bat mich, das Hotelzimmer zu annullieren und kehrte auf der gleichen Maschine wieder zurück. Immerhin entschuldigte er sich bei mir, für den wohl etwas fehl platzierten Ton seiner Telexe.
Robert Appel: SWISSCO war die Lösung: Mitte der 70er Jahre entwickelte die Konservenfabrik Roco zusammen mit Swissair Catering ein neue Produktelinie, „Swissco“, welches heutzutage als „Covenience Food“ glatt durchgehen würde. In Alu-Cocotten fest verschweisst, mussten sie zum Verzehr im Ofen nur noch heiss gemacht werden. Ideal also für die Pilgerflüge (Hadj) und die Frachtflüge mit der IDU. Und so wurde jeweils eine Fracht-Wochenration verschiedenster Menues in der Galley gelagert.
Klar, dass es vor allem bei den Cockpit Crews (und nochmals vor allem bei den IDU-Crews) heftigste Proteste dagegen gab. Es sei nicht essbar, ungeniessbar etc. Und überhaupt!
Sonderbar nur: oftmals waren bereits am Mittwoch sämtliche Swissco-Meals bereits weg. Wurden sie im Flugzeug verspeist? Oder zuhause bei Familienausflügen als Picknick? Hauptsache, man hat gebührend reklamiert!