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Die ZSC Lions haben den Titel nicht verteidigt. Die Enttäuschung wird durch die Einsicht gemildert, gegen einen grossen HC Davos verloren zu haben.
Lions-Trainer Marc Crawford spricht nach der vierten und entscheidenden Niederlage gegen den neuen Meister Davos von der «fine Line», die in dieser Serie zwischen Sieg und Niederlage stand. Die kleinen Dinge, die über Sieg und Niederlage entschieden haben. «Das gehört zum Sport. Ein Teil war Puck-Luck.» Eine zentrale Rolle habe Torhüter Leonardo Genoni gespielt: «Wir haben bei den Torschüssen im Verhältnis von 3:1 dominiert, bei den Torchancen sogar mit 4:1 und wir haben doch keinen Weg gefunden, um die Serie zu gewinnen. Das sagt, wie gut der gegnerische Torhüter war.»
So knapp es auch war, niemand hadert mit dem Schicksal, niemand sucht Ausreden. Marc Crawford sagt, es sei eine sehr gute Serie gewesen und der HC Davos ein verdienter Meister. Er sagt es nicht nur, er meinte es auch so. Dann wird er gefragt, was er nun tun werde. Er schaut auf die Flasche, die er in der Hand hält und sagt: «Mein Bier trinken.» Und kehrt in die Garderobe zurück.
Tatsächlich wird die Zukunft von Marc Crawford ZSC-Sportchef Edgar Salis stark beschäftigen. «Er kann bis zum 15. Juni aus seinem Vertrag aussteigen und in die NHL wechseln.» Weil dort einige Jobs frei werden, wird Marc Crawford in die Verlosung kommen. Will heissen: Er wird bei mehreren NHL-Klubs ein valabler Kandidat sein. Frage daher an Edgar Salis: «Haben Sie schon einen Plan B, wenn der Trainer gehen sollte? Der Sportchef würde seine Arbeit nicht machen, wenn er sich auf einen solchen Fall nicht vorbereiten würde.» Er weiss also schon, wer neuer ZSC-Trainer wird, wenn Marc Crawford gehen sollte? «Nein.»
Aber er weiss, wie es ist, wenn der Trainer, den er behalten möchte, doch geht: Meistertrainer Bob Hartley hat seine Ausstiegsoption im Sommer 2012 praktisch am letzten Tag eingelöst, um Coach der Calgary Flames zu werden. Er hat die Mannschaft soeben in die Playoffs geführt – nachdem fünfmal hintereinander die Playoffs verpasst worden sind.
Hat diese Finalniederlage Konsequenzen bei der Zusammenstellung der Mannschaft? Edgar Salis sagt, es sei jetzt, in den Emotionen des Augenblickes, noch zu früh, um eine solche Frage zu beantworten. Er könne nur so viel sagen, dass er eine Ausländerposition neu besetzen könne. Marc-André Bergeron, Ryan Shannon und Ryan Keller haben weiterlaufende Verträge.
Warum ist die Titelverteidigung erneut nicht gelungen? Als Spieler hat Edgar Salis die letzte Titelverteidigung unseres Hockeys im Frühjahr 2001 mit den ZSC Lions miterlebt. «Darüber haben sich schon klügere Leute als ich Gedanken gemacht. Ich weiss es nicht. Das gewisse Etwas fehlte uns. Man könnte sagen, der Siegeshunger habe gefehlt. Aber das trifft es nicht. Ich kann unseren Spielern keinen Vorwurf machen. Sie haben alles gegeben. Es hat einfach nicht ‹Klick› gemacht. Bei unserer Offensive war zu viel Vorspiel und zu wenig Abschluss.»
Diese Aussage provoziert eine launige Bemerkung: Wenn man ihn richtig verstanden habe, könne man seine Aussage trivial in einem Satz auf den Punkt bringen: Eine Finalserie wie schlechter Sex. Nun wird trotz der Niederlage doch noch gelacht und Edgar Salis sagt: «Okay, aber auch schlechter Sex ist Sex.»
Wo sieht er im Rückblick den Wendepunkt dieser Serie? «Das war das dritte Spiel am Ostermontag in Zürich.»