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Manchmal staunt Albin Reichmuth heute noch, dass damals niemand Fragen stellte. Nicht der Hotelbesitzer im Maderanertal, nicht die Zimmervermieterin im Appenzellerland, auch niemand in Rom. Alle schwiegen, wenn Pfarrer Alfred Amiet in Begleitung des Schulbuben Albin in die Ferien fuhr und das Zimmer mit ihm teilte. Auch im gottesfürchtigen Elternhaus im solothurnischen Trimbach fragte niemand nach. «Es war schlicht undenkbar, dass ein Priester Kinder missbrauchte.»
Als sich der Pfarrer zum ersten Mal an ihm verging, war Albin Reichmuth neun Jahre alt. Das Martyrium dauerte sechs lange Jahre, von 1956 bis 1962.