Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03151.jsonl.gz/2051

Heute stellt Hagen Seehase einen besonderen Panzer aus der britischen Waffenschmiede Vickers-Armstrong vor: den Valentine, den er als Infanteriepazer charakterisiert.
Der Valentine von Vickers-Armstrong
Von Hagen Seehase
Der Panzer wurde ab 1938 von Vickers-Armstrong auf der Grundlage des Panzers Cruiser Mk II entworfen. Er sollte den Matilda II als Infanteriepanzer ablösen.
Der Infanteriepanzer („Tank, Infantry“) war eine britische Eigenart.
Die Panzerdivisionen enthielten die Masse der britischen Kampfpanzer, ab September 1940 sollten alle Panzer der Panzerdivisionen mit den schnellen Kampfpanzern (dank Christie-Laufwerk) der Cruiser-Reihe ausgerüstet sein. Prominente Vertreter im Laufe des Krieges waren Cruiser Mk III, Crusader, Cromwell, Comet.
Neben den Panzerdivisionen gab es auch noch die „Tank Brigades“ bzw. die „Armoured Brigades“, die selbständigen Panzerbrigaden, die mit den langsamen, aber gut gepanzerten Infanteriepanzern ausgerüstet wurden. Diese Panzerbrigaden dienten zur Unterstützung der Infanteriedivisionen. Zu ihrer Ausstattung gehörten die Infanteriepanzer Matilda, Matilda II, Valentine und Churchill.
Durch den Zulauf amerikanischer Panzermodelle wurde dieses System dann durchbrochen. Gegen Kriegsende fand man bei den Panzerdivisionen die Shermans und Comets, bei den unabhängigen Panzerbrigaden Churchills und ebenfalls Shermans.
Der Valentine hatte das Laufwerk des Cruiser Mk II, der für einen Cruiser eigentlich eine „lahme Ente“ war und folgerichtig ab September 1940 nicht mehr weiterproduziert wurde.
1940 wurden Vereinfachungen im Entwurf des Valentine durchgeführt, um den Anforderungen der Massenproduktion Rechnung zu tragen. Bis Anfang 1944 wurden 8275 Exemplare in Großbritannien produziert, weitere in Kanada (die meisten kanadischen Valentines gingen an die Sowjetunion).
Die ersten in England gefertigten Exemplare liefen den hastig aufgestellten „Motor Machine Gun Brigades“ zu, die unter dem Eindruck der drohenden deutschen Invasion aufgestellt wurden. Die 1st Brigade (sie bestand von Mai bis Oktober 1940) hatte in jedem ihrer drei Regimenter je einen Valentine-Kampfpanzer und einen „Malcolm Campbell´s Armoured Car“ und dazu einige Humber Light Reconnaissance Cars.
Der erste Kampfeinsatz der Valentines erfolgte in November 1941 im Rahmen der „Operation Crusader“ in Nordafrika beim 8th Royal Tank Regiment, die letzten Kampfeinsätze erfolgten in Burma gegen die Japaner. Der Valentine kann für sich in Anspruch nehmen, einer der Kampffahrzeugtypen mit dem größten Einsatzbereich gewesen zu sein: von Malta bis Madagaskar.
Am 5. Mai 1942 landeten britische Streitkräfte unter dem Kommando von Generalmajor R.G. Sturges auf der von Vichy-französischen Truppen gehaltenen Insel Madagaskar („Operation Ironclad“). Dabei waren auch einige Tetrarch-Panzer, die zusammen mit Valentine-Kampfpanzern in einer Panzereinheit eingesetzt wurden. Die größten Probleme bereiteten den Panzern Geländehindernisse, es kam zu einigen Ausfällen. Als die Panzer auf eine alte französische Befestigungslinie stießen, bei der alte Artilleriegeschütze aus gut getarnten Stellungen schossen, gingen drei Tetrarchs und einige Valentines verloren.
Dieser Kampfpanzer, der eine ganze Zeit der am häufigsten verwendete Kampfpanzer der Briten war, lief sogar beim Reconnaissance Corps (obwohl er für diesen Einsatzzweck so gar nicht geeignet war), und zwar verwendete ihn das 42 (Lowland) Reconnaissance Regiment (eine Squadron).
Es wurden auf der Basis des Valentine-Fahrgestells Sonderfahrzeuge entwickelt, von denen einige in Gebrauch blieben, als der Valentine-Kampfpanzer längst ausgemustert waren: die Bishop-Selbstfahrlafette (mit 25-Pfünder-Kanonenhaubitze), der Valentine-Brückenlegepanzer, die Archer-Selbstfahrlafette (mit 17-Pfünder-Pak). Als Beobachtungspanzer der Artillerie waren Valentines noch 1945 beim Endkampf in Deutschland im Einsatz.
Problem des Valentine-Panzers war die Untermotorisierung (ein AEC-Dieselmotor mit 131 PS oder ein AEC-Benzinmotor mit 135 PS) und der enge Zweimannturm (bei den Ausführungen Mark I, II, IV, VI bis XI), der keinen Platz für ein weiteres Besatzungsmitglied (Ladeschütze) ließ und damit automatisch den Kommandanten überforderte (die Versionen Mark III und Mark V hatten einen Ladeschützen).
Die ersten Versionen (Mark I bis VII) hatten eine 2-Pfünder-KwK und ein koaxiales Besa-MG, manchmal kam noch ein Bren-Fla-MG hinzu. Die Munitionsbevorratung betrug 79 Schuß für die Hauptwaffe und 2000 Schuß für das MG. Spätere Versionen hatten schwerere Hauptwaffen: so der Mark VIII bis X den 6-Pfünder (57mm), die letzte Version Mark XI eine KwK mit 75mm Kaliber.
Technische Daten
Länge: 5,41 m
Breite: 2,63 m
Höhe: 2,29 m
Gewicht: rund 16 Tonnen
Panzerstärke: maximal 65 mm
Höchstgeschwindigkeit: 24 km/h auf Straßen, 15 km/h im Gelände
Nutzer (neben den britischen Streitkräften) waren die Sowjetunion, Kanada (nur 30 Fahrzeuge, für Trainingszwecke), Neuseeland (diese Panzer wurden im Pazifikraum von der 3. Division eingesetzt), Australien und Portugal.
Außerdem verwendeten die tschechoslowakischen Exiltruppen den Panzer.