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Ich bin immer noch in Saigon, aber in weniger als vier Stunden werde ich im Flugzeug Richtung Bangkok sitzen. In Saigon wollte ich eigentlich Sightseeing machen, da es einige Tempel, Pagoden und sogar Kirchen zu sehen gibt. Dies ist aber leichter gesagt als getan. Wenn man vom Dorf (Bern)kommt, meint man, dass es auch andernorts möglich sein sollte, die Stadt zu Fuss zu erkunden. Allerdings musste ich den Unterschied zwischen Dorf und Grossstadt realisieren – beispielsweise lief ich fast einen halben Tag in Saigon herum, um die Kathedrale zu besichtigen. Irgendwie lief ich aber immer in die falsche Richtung; als ich kurz davor war aufzugeben, sah ich plötzlich die Kirchtürme vor mir. Ein netter älterer Herr, der sich als Belgier entpuppte, der seit 15 Jahren in Saigon lebt, gab mir den entscheidenden Hinweis für die richtige Richtung. Gerade vis-a-vis ist die Hauptpost, die sich in einem ehemaligen Kolonialgebäude befindet und einen recht modernen Eindruck macht.
Hätte ich wirklich die Stadt besichtigen wollen, hätte ich fast ein Taxi mieten müssen, aber dazu hatte ich nicht wirklich Lust. So beschränkte ich mich darauf, ein bisschen herumzulaufen und von Zeit in einem der vielen klimatisierten Cafés Zuflucht zu suchen sowie den Leuten zuzuschauen, was ich auch jetzt grad tue, ich sitze nämlich mit meinem Netbook in einem Strassencafé.
Die 2 1/2 Wochen in Vietnam sind wie im Flug vergangen. Ich war dauernd unterwegs, da die Distanzen zwischen den einzelnen Etappen riesig sind. Insgesamt habe ich drei Nächte im Bus verbracht, allerdings im komfortablen Sleeper-Bus.
Irgendwie werde ich den Eindruck eines gesichtslosen Landes nicht los. Das kulturelle Erbe scheint weitgehend zerstört zu sein, was nach jahrhundertelangen Besetzungen durch fremde Mächte sowie einem 20jährigen Unabhängigkeitskrieg nicht weiter erstaunt. Wie überall in den sogenannten Schwellenländern ist das soziale Gefälle riesig, wobei auch in Vietnam keine derart himmelschreiende, ungerechte, bittere sowie vor allem augenfällige Armut herrscht wie beispielsweise in Indien. Die vietnamesische Oberschicht ist mit den neuesten elektronischen Gadgets (Iphone, Ipad)ausgerüstet und sitzt im klimatisierten Cafe, während draussen auf der Strasse fliegende HändlerInnen mit dem Verkauf von allem möglichen versuchen, sich über Wasser zu halten. Auch ist die Infrastruktur mindestens in den urbanen und den touristisch erschlossenen Gebieten sehr gut.
Ich finde es sehr schade, dass die „Entwicklungs-“ oder Schwellenländer wie man sie nennt, die Fehler der westlichen Welt wiederholen – Hanoi beispielsweise erstickt mangels eines öffentlichen Verkehrswesens fast im Verkehr, da sich Tausende von Mofas durch die (Alt)stadt zwängen, was einen entsprechenden Effekt auf die Luftverschmutzung hat. DER Ozonticker für Hanoi muss wohl erst erfunden werden – mir jedenfalls wurde nach zwei Tagen Hanoi wegen der dreckigen Luft sterbensübel. Da hat man es in Hoi An besser gemacht – man hat den MIV (motorisierten Individualverkehr) aus der Altstadt verbannt (etwas, das man in Bern immer nocht nicht geschafft hat). Aus welchem Grund ausgerechnet Hanoi als Partnerstadt von Bern im Gespräch ist, ist mir völlig schleierhaft. Einerseits ist Vietnam nicht gerade das, was man als Musterdemokratie bezeichnen könnte (hust) andererseits finde ich Hanoi völlig chaotisch und unattraktiv. Aber wahrscheinlich hat man unserem Stadtpräsidenten auf seinem Hanoireisli im letzten Jahr nur die Fünfsternhotel-Gegend gezeigt. Uebrigens war es spannend zu erfahren, WER alles an dieser Reise teilgenommen hat, jedenfalls nicht alle, die eigentlich eingeladen gewesen wären…….
Aber trotzdem gibt es viele Gründe, zurückzukehren: die Menschen, die unheimlich nett und hilfsbereit sind, das Mekong-Delta sowie die Badestrände in Phu Duoc.