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HUGO Martin Scorseses abenteuerliche und märchenhafte Erzählung über einen Waisenjungen, der im Paris der 30er Jahre lebt und das Geheimnis um einen Apparat, das Automaton, das einzige was von seinem Vater übriggeblieben ist , zu lösen versucht.
Shore und Scorsese arbeiteten 1985 in After Hours das erste Mal zusammen. Danach dauerte es 17 Jahre, ehe sich die Wege der beiden wieder kreuzten. Seither komponierte Shore die Musiken zu Gangs of New York, The Aviator und für den famosen The Departed und ist damit sowas wie Scorsese Stammkomponist geworden – und das will was heissen beim speziellen Filmmusikgeschmack des Regisseurs.
Hugo beginnt, scheinbar unausweichlich, mit einem kleinen Walzer für Akkordeon und leichtfüssiges Orchester. Ja, Shore bedient sich hier des altbekannten Klischees, dass französische Musik immer durch ein Akkordeon symbolisiert wird (in meinen 20 Jahren alljährlichen Frankreichbesuchen ist mir dieses Klischee übrigens noch nie begegnet). Erst kürzlich ist ja John Williams in selbige Schablone verfallen. Shore kostet sie allerdings weitaus mehr aus als Williams in Adventures of Tintin. Öfters gleitet Shores Musik gar in traditionelle „Pariser“-Gefilde ab, so wie in „The Clocks“ etwa.
Erstmals düster, aber stets verspielt bleibend, wird es in „Snowfall“, in dem das Bassklarinett und die Oboe das im tiefen Register spielende Orchester begleiten. Später übernehmen Klavier und Gitarre in „Hugo’s Father“ für einmal die Spielzeiten des Akkordeons, in „The Station Inspector“ ist es das Fagott, das dem neuen Thema einen ironischen Anstrich verleiht.
Grundgerüst des ganzen Scores aber bleiben die in „The Thief“ angetönten Klänge, Instrumentierungen und natürlich der unvermeidliche „französische“ Stil. Das dortig verwendete, fröhliche Thema geht in unzählige Orchestrationen und Variationen über, Shore führt es fast ad nauseam vor. Ihm zur Seite stellt er ein (oder zwei?) düsteres, geheimnisvolleres Motiv (wie oben angetönt ist eine Variante in „Snowfall“ zu hören), das Shore manchmal auch als Erinnerungsstück an Hugos Vater („Hugo’s Father“…) verwendet.
Freunde verspielter, melodischer und Hollywood-französisch angehauchter Scores dürften an Hugo sicherlich ihre Freude haben, doch meiner Meinung ist die Musik zwar über die ganze Länge ein wirklich gut gemachtes Werk, aber es fehlen die Höhepunkte und die Besonderheiten, die einen Shore an sich ausmachen. Was wir hier zu hören bekommen, ist zwar hübsch und nett, aber auch Shore light; und wer schon mit Mrs. Doubtfire und Big seine Problemchen hatte, der wird sie auch hier bekommen. Kommt dazu, dass ich selten eine Musik zu einem Martin Scorsese Film gehört habe, die so unschuldig und märchenhaf daherkam – was an sich nichts schlechtes ist, denn das liegt freilich am Filmstoff selber – und so hat Shore eine Musik geschrieben, die dem gwundrig unterhaltenden, bezauberndem Film zwar gerecht wiird, auf CD aber als Ganzes halt manchmal als Einheitsbrei (trotz der vielen Motive) und über die Länge gesehen, man möge mir verzeihen, langatmig erscheint. Insgesamt ist Hugo für mich eine leise Enttäuschung.