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„Wenn ich an Wil denke, dann kommt bei mir immer etwas Wehmut auf“, erklärte die Führerin Ingrid Buri zu Beginn des Rundgangs durch das Konventsgebäude der Reichsabtei Ochsenhausen in der Gegend von Biberach. Der Grund: Mit der Säkularisation wurde die Reichsabtei, deren Geschichte ins Jahr 1093 zurück reicht, 1803 gewaltsam aufgelöst. Der Grossteil der Güter gelangte in den Besitz des Grafen Franz Georg von Metternich.
1809 erwarb ein Geistlicher mit Hilfe von Stiftern aus der Stadt Wil den Tabernakel, der zuvor auf dem Hochaltar in der Klosterkirche Ochsenhausen gestanden war und schenkte diesen dem Kloster St. Katharina. Seither ist der Tabernakel, in dem in den katholischen Kirchen das eucharistische Brot, die Hostie, aufbewahrt wird, ein Kleinod des Wiler Dominikanerinnenklosters St. Katharina. Geschaffen wurde der Tabernakel 1735/37 von Franz Thaddäus Lang in Augsburg.
Das weitläufige Konventsgebäude, das in der heutigen Form in den Jahren 1615 bis 1618 entstand, fiel 1806 an das damalige Königreich Württemberg. Seit 1986 erfüllen Musikklänge die Anlage, ist doch in den Klostermauern die Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg untergebracht. „Wir haben hier wohl die schönste Kantine in ganz Deutschland“, erklärte Ingrid Buri bei der Besichtigung des prunkvollen Speisesaals. Im Refektorium, wo die Mönche einst ihre Mahlzeiten einnahmen, sitzen heute die vorwiegend jungen Menschen unter Deckenfresken, deren biblische Motive alle die Gastfreundschaft thematisieren.
Tabernakel-Kauf war legal
Auch Max Herold, der die Gruppe durch die Klosterkirche führte, kam sofort auf den Tabernakel zu sprechen. „Auf Sie habe ich gewartet“, meinte er bei der Begrüssung mit einem verschmitzten Lachen. Herold hatte bei der kürzlich abgeschlossenen Renovation der Klosterkirche der Baukommission angehört. In dieser Funktion gehörte er einer Delegation an, die vor wenigen Jahren der Stadt Wil einen Besuch abstattete. Am Verbleib des Tabernakels in Wil gab es allerdings nichts zu rütteln. Der Kauf dieses Kirchenschatzes war damals auf legalem Weg erfolgt.
Die Barockkirche St. Georg mit der vielleicht schönsten Fassade in ganz Oberschwaben wurde 1465 vollendet. Im Juni dieses Jahres wurde sie von Papst Franziskus zur Basilica minor erhoben.
„Schwäbischer Escorial“
Von Ochsenhausen ging es mit dem Reisecar von Baden-Württemberg nach Bayern. Nach dem Mittagessen in Ottobeuren, dem Geburtsort von Sebastian Kneipp, wartete auf die Reisegruppe die Besichtigung des Klosters Ottobeuren. Die Benediktinerabtei wird aufgrund ihrer Dimensionen auch als „Schwäbischer Escorial“ bezeichnet. El Escorial bei Madrid gilt als grösster Renaissancebau der Welt. Auch in Ottobeuren gibt es eine Verbindung zur Ostschweiz, kamen doch im Jahr 764 die ersten Mönche von St. Gallen und der Insel Reichenau. Die von 1737 bis 1766 als vierter Bau an der gleichen Stelle errichtete Klosterkirche erschlägt mit seiner barocken Pracht beinahe die Besucherinnen und Besucher.
Mönche blieben trotz Säkularisation
Auch die Benediktinerabtei Ottobeuren wurde 1802 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst. 18 der ursprünglich 48 Mönche konnten jedoch in Ottobeuren bleiben. 1835 wurde das Kloster als Priorat der Augsburger Abtei St. Stephan wieder errichtet. Seit 1918 ist es wieder eine selbständige Abtei. Nach 1250 Jahren ununterbrochenes Klosterleben wird diese derzeit von 14 Mönchen weiter geführt.
Nach dem Besuch des Klostermuseums wurde nach einem erlebnisreichen Tagesausflug an der Oberschwäbischen Barockstrasse, die sich auf zwei Strecken über rund 500 Kilometer vom Bodensee bis nach Ulm erstreckt, die Heimfahrt angetreten. Von Vereinspräsident Hans Vollmar erfuhren die Teilnehmenden, dass die beiden traditionellen Kulturfahrten im kommenden Jahr zur Reichsabtei Weingarten jenseits des Bodensees und ins Kloster Disentis führen werden.