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Ferdy Kübler ist im Alter von 97 Jahren friedlich eingeschlafen. Er war unser Sportler des letzten Jahrhunderts. Die Schweizer gaben ihm den Ehrentitel «Ferdy National».
Ende der Vierziger- bis Mitte der Fünfzigerjahre war Ferdy neben Fausto Coppi, Gino Bartali, Louison Bobet, Rik van Steenbergen und Hugo Koblet einer der ganz Grossen. Nie mehr seit dieser goldenen Epoche hat der Radsport mehr Stars in einem Peloton erlebt.
Es war eine andere Zeit. Sie waren Helden der Landstrasse. Die Velos wogen über zehn Kilos. Defekte musste der Rennfahrer selbst beheben. Hilfe war verboten. Und wer Getränke beim Sportlichen Leiter im Materialwagen holte, wurde vom Rennen ausgeschlossen. Viel trinken war in jenen Zeiten verpönt, Teigwaren gar verboten!
Es war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Alles war im Aufbau. Wer Ferdy Kübler sehen wollte, der musste an den Strassenrand. Fernsehen war damals noch kein Thema. Wer ihn hören wollte, schaltete Radio Beromünster ein. Vor dem Radio bastelte sich jeder Hörer seinen eigenen Ferdy Kübler.
Ferdy Kübler war auf dem Velo ein Angreifer. Jeden Tag wollte er alle in Grund und Boden fahren. Die Franzosen taufen Kübler später «le fou pédalant». Er wird 1940 Profi und beendete 1957 mit mehr als 400 Siegen (bei 2300 Starts) seine Karriere. Er ist 38-jährig.
1983 wird er zum populärsten Schweizer Sportler der letzten 50 Jahre gewählt. 2010 erhält er für sein Lebenswerk vom Schweizer Fernsehen den «Lifetime Award».
Ferdy «National» Kübler gewann als erster Schweizer die Tour de France 1950. Er war Strassenweltmeister 1951. Er gewann 1951 und 1952 sowohl die Flèche Wallonne als auch Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Nach seiner Karriere bleibt er populär. Er machte nun die längsten Autogramm- und Werbetouren. Er wirbt für Bio-Strath, Mercedes, die National-Versicherung und für die Schweizerische Kreditanstalt (heute CS).
Seit seinem Rücktritt war er an rund 1800 Tagen für verschiedene Firmen und Anlässe im Einsatz. Hat rund eine Million Unterschriften gezeichnet. Viele davon ruhen in den Schubladen der Schweizer Stuben. Werden vom Grossvater bis zu den Enkeln vererbt. Der Nachkriegs-Generation und den Baby-Boomern bleibt er in den Herzen.Publiziert am 30.12.2016 | Aktualisiert am 05.01.2017