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Sie sehen aus wie versteinertes Kleingeld und werden wohl auch deswegen im Volksmund Münzensteine genannt. Die Rede ist von Nummuliten – einzellige Lebewesen mit einer Kalkschale, die auch heute noch im Meer leben. Im Vergleich zu ihren Artgenossen sind sie aber riesig; ihr Durchmesser beträgt zwischen 1.5 und 5 Zentimeter.
Es handelt sich um eine sehr alte Gattung: Bereits in der Kreidezeit, also vor 145 bis 66 Millionen Jahren tauchten die ersten Einzeller auf. Im Tertiär, das auf die Kreidezeit folgte, hatten die Nummuliten ihre Blütezeit. Ein bis zwei Zentimeter gross lebten sie im warmen Flachwasser des Tethysmeers – ein Ozean, der bis zur Verschiebung der Landmassen des heutigen Afrika und Indiens existiert hatte.
Vor 30 bis 40 Millionen Jahren starben viele der Tiere, eventuell aufgrund der Austrocknung von Meeresbecken oder durch die Absenkung des Meeresspiegels. Zu Boden gesunken und mit dem sie umgebenden Schlamm wurden die Nummuliten über die Jahrmillionen zu festem Kalkstein, der sich heute etwa in der Umgebung des Zentralschweizer Sihlsees findet.
Die alten Ägypter verwendeten dieses Material für den Bau der Pyramiden von Gizeh, wie im fünften Jahrhundert vor Christus bereits der griechische Geschichtsschreiber Herodot feststellte – noch ohne zu wissen, um was genau es sich dabei handelte.
Einem späteren griechischen Historiker, Strabon, der die Pyramiden um 25 vor Christus besuchte, wurde dann erzählt, es handle sich bei den kreisförmigen Gebilden um Essensreste, die von Arbeitern zurückgelassen wurden und dann versteinert seien.
Bereits Strabon nahm diese These aber trotz seines Namens – der auf deutsch «der Schielende» bedeutet — nicht für bare Münze, hatte er doch ähnliche Formen in seiner Heimat schon gesehen. Er ging eher davon aus, dass es sich um einfache Steine handeln musste, die vom Wasser in Form geschliffen worden waren.
Ihren Namen erhielten die Nummuliten dann Anfang des 19. Jahrhunderts vom französischen Botaniker Jean-Baptiste de Lamarck, dessen Hauptverdienst es unter anderem ist, als erster eine Evolutionstheorie vorgelegt zu haben.
Dieser vom Lateinischen nummus (zu Deutsch Münze oder Geld) abstammende Name der Einzeller sorgte für Spekulationen: Wurden die versteinerten Wesen von den Ägyptern etwa auch als Währung genutzt? Oder hat sich nicht eher Lamarck bei der Namensgebung einfach von der Form verleiten lassen?
Für Letzteres sprechen die Forschungen zu den Währungspraktiken im alten Ägypten. Mit dem so genannten «shât» bestand zwar zeitweise eine Rechnungseinheit, die an den Goldwert gebunden war: Ein shât entsprach 7,5 Gramm Gold. Damit konnte der Tauschwert einzelner Waren bestimmt werden. Allerdings führten die Ägypter nie eine echte Währung ein und der «shât» verschwand ab der Herrschaft von Ramses des II. (1279-1212 v. Chr.)