Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03541.jsonl.gz/1642

Zivilrechtlicher Kindes- und Erwachsenenschutz in der Tageszeitung
Empirische Untersuchung der Berichterstattung zu Vormundschaftsbehörden und KESB über einen Zeitraum von 10 Jahren (2008-2017)
Mit der Gesetzesrevision vom 01. Januar 2013 wurden die professionellen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) eingeführt, welche das kommunale Laiensystem der Vormundschaftsbehörden (VB) abgelöst haben. Seither sind die neu geschaffenen Behörden, insbesondere in den Medien, wiederholt und stark in Kritik geraten. Primäres Ziel dieser Arbeit ist, einen Forschungsbeitrag zur Darstellung der KESB in der Öffentlichkeit zu leisten und diese mit der Darstellung der einstigen Vormundschaftsbehörden zu vergleichen. Dazu werden in einer Vorerhebung durch qualitative Inhaltsanalyse Kriterien entwickelt, welche spezifisch auf die Berichterstattung von entscheidungsbefugten Behörden im zivilrechtlichen Kindes- und Erwachsenenschutz abgestimmt sind. Auf dieser Grundlage folgt eine quantitative Inhaltsanalyse, welche eine Vollerhebung von zwei deutschschweizerischen Tageszeitungen und eine Teilerhebung einer Gratiszeitung umfasst. Eine Frequenzanalyse zeigt auf, dass die Berichterstattung zu KESB ab dem Jahr 2015 in der Deutschschweiz massiv angestiegen ist. Die Kindstötung von Flaach Anfang Jahr 2015 allein vermag diese Entwicklung nicht zu erklären, in der Untersuchung konnten weitere Einflussfaktoren identifiziert werden. Über den Untersuchungszeitraum von 10 Jahren hinweg ist am häufigsten über Themen des zivilrechtlichen Kindesschutzes berichtet worden. Themen des Erwachsenenschutzes sowie rechtliche Bezüge haben in der Berichterstattung eine untergeordnete Rolle gespielt. In der Berichterstattung zu entscheidungsbefugten Behörden des zivilrechtlichen Kindes- und Erwachsenenschutzes werden häufig die Emotionen Ärger, Machtlosigkeit und Empörung vermittelt. Medienmitteilungen durch Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden sind am Vorbild anderer staatlichen Organisationen zu gestalten und dienen der öffentlichen Vertrauensbildung.