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Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Wassersituation in der Schweiz, dem Wasserschloss Europas, aus? Diese Frage stand im Zentrum des NCCS-Forschungsprojektes Hydro-CH2018, dessen Resultate am 16. März 2021 veröffentlicht werden. Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL war mit mehreren Projekten beteiligt.
Wasserzukunft der Schweiz
Die Sommer werden trockener und ein grösserer Teil des Niederschlags im Winter fällt als Regen und nicht mehr als Schnee. So sieht in etwa die hydrologische Zukunft der Schweiz aus.
- Mit seinem Team hat der WSL-Hydrologe Massimiliano Zappa Modellrechnungen zur zukünftigen Wasserknappheit und zu extremen Ereignissen wie Dürre oder Überschwemmungen gemacht.
- Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird es künftig im Sommer zu lokaler Wasserknappheit kommen, insbesondere dann, wenn keine Klimaschutzmassnahmen getroffen werden.
- Da Starkregenfälle im Sommer zunehmen, sind manche Regionen auch von häufigeren Überschwemmungen bedroht.
(Ansprechperson: Massimiliano Zappa)
Schmelzende Gletscher
- Aufgrund des Klimawandels werden die Schweizer Gletscher bis 2100 voraussichtlich zwischen 59 % und 93 % ihres Eisvolumens von 2018 verlieren.
- Dies hat Auswirkungen auf die Umwelt, menschliche Bedürfnisse und Naturgefahren.
- Mit der Schmelze fliesst erst mehr, dann weniger Wasser in die Gewässer, mit einem Maximum in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts.
- Die kontinuierliche und langfristige Überwachung der Alpengletscher mit modernen Techniken wird eine Notwendigkeit sein, ebenso die Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften.
(Ansprechperson: Daniel Farinotti)
Sinkende Schneemengen
- Auf Grund der Klimaerwärmung nimmt der Anteil des Niederschlages, der als Schnee fällt, messbar ab.
- Seit 1961 sind die Tage mit Schneefall unter 500 m ü.M. schon um ca. 40% zurückgegangen und das im Frühling im Schnee zwischengespeicherte Wasser unterhalb von 1000m ü.M. um ca. 75%.
- Die Winterabflüsse nehmen insgesamt zu, die Sommerabflüsse ab. Bis Ende Jahrhundert geht der Anteil der Schneeschmelze am verfügbaren Wasser schweizweit deutlich zurück, wenn auch weniger stark als der Anteil aus der Gletscherschmelze.
(Ansprechperson: Christoph Marty)
Wasserspeicher gegen Sommertrockenheit?
WSL-Forschende haben das Potenzial von natürlichen und künstlichen Wasserspeichern zur Minderung zukünftiger Wasserknappheit abgeschätzt, insbesondere für die Sommermonate.
- Eine Mehrzwecknutzung von natürlichen und künstlichen Wasserspeichern (Stauseen) kann eine sinnvolle Klimaanpassungsmassnahme darstellen. Nur ein kleiner Anteil des Speichervolumens (durchschnittlich 3.5%) ist aber tatsächlich nutzbar.
- In den Alpen gibt es in der Regel mehr als genug Wasser. Wasserknappheit wird zukünftig jedoch vorwiegend in landwirtschaftlich genutzten Regionen im Mittelland auftreten, wo das Potenzial der Speicher nur gering ist.
- Für die Planung von Mehrzweckspeicher-Projekten müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen, Fragen der Wirtschaftlichkeit (hohe Kosten für seltene Ereignisse) und Auswirkungen auf Ökologie und Landschaft berücksichtigt werden.
Grundwasser und Schneeschmelze
Gemeinsam mit den Universitäten Neuenburg und Lausanne hat das Team Schneehydrologie des SLF die Zusammenhänge von Grundwasserspeicherung und dem Zeitpunkt der Schneeschmelze mit Modellrechnungen untersucht. Sie fanden, dass der Abfluss im Sommer bei Flüssen, die mehr Wasser aus dem Grundwasser bekommen, trotz früherer Schneeschmelze weniger rasch zurückgeht. Grundwasserspeicher übernehmen somit eine Pufferfunktion.
(Ansprechperson: Tobias Jonas)