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Jahrzehntelang wehrten sich jenische Eltern erfolglos gegen die Wegnahme ihrer Kinder. Erst eine Pressekampagne bewirkte 1973 das Ende der Aktion «Kinder der Landstrasse», deren Folgen jedoch bis heute andauern.
In der Propaganda der Stiftung und während langer Zeit auch in der Presse wurde der Kampf gegen die fahrende Lebensweise als grosser Erfolg ausgegeben. Das Vorgehen wurde mit wissenschaftlichen Studien legitimiert. Widerstand leisteten hauptsächlich die betroffenen Eltern. Sie setzten sie sich auch mit rechtlichen Mitteln zur Wehr, oft mit Hilfe von Anwälten. Ihre Rekurse gegen die Entscheide der Vormundschaftsbehörden blieben aber ohne Erfolg. Auch bei der Presse fanden sie lange Zeit kein Gehör. Erst die kritische Berichterstattung von Hans Caprez im «Schweizerischen Beobachter» sorgte in der Öffentlichkeit für Empörung und bewirkte 1973 schliesslich das Ende der Aktion.
1986 wurden die umfangreichen Vormundschaftsakten der «Kinder der Landstrasse» aufgrund einer verwaltungsrechtlichen Beschwerde ins Bundesarchiv überführt. Im gleichen Jahr entschuldigte sich Bundespräsident Alphons Egli für die finanzielle Beteiligung des Bundes an der Aktion «Kinder der Landstrasse». 1987 folgte die Entschuldigung der Pro Juventute. Das Parlament bewilligte schliesslich 11 Millionen Franken zur «Wiedergutmachung». Die Betroffenen erhielten jedoch höchstens je 20’000 Franken. Die finanzielle Entschädigung hatte symbolischen Charakter. Zusammen mit der Entschuldigung bildete sie aber die Anerkennung des erfahrenen Unrechts und Leids.
Nach der Auflösung der Aktion «Kinder der Landstrasse» schlossen sich die Fahrenden in Organisationen zusammen und kämpfen seither für ihre Rehabilitierung und die Anerkennung ihrer Lebensweise. Zu ihren Forderungen gehörte stets auch die historische Aufarbeitung ihrer Geschichte in der Schweiz, wozu in der Zwischenzeit einige Publikationen vorliegen.
Es waren und sind gerade auch ehemalige «Kinder der Landstrasse», die dazu beitragen, dass die alten Handwerke und die jenische Sprache wieder gepflegt und traditionelle Feste wieder gefeiert werden. In literarischen Selbstzeugnissen kommt das erstarkte Selbstbewusstsein ebenso zum Ausdruck wie das unermessliche Leid, das ihnen widerfahren ist, und die Suche nach ihrer Identität. Für sie ist die Vergangenheit nicht einfach Geschichte, sie ist Teil ihres Lebens.
Die Fahrenden sind seit 1998 als nationale Minderheit anerkannt. Ihre Lebensweise ist aber nach wie vor bedroht.