Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03611.jsonl.gz/1869

Lungenkrebs gilt als Sammelbegriff für irgendeine Art von bösartigem Tumor (Geschwulst), der sich in den Lungen ausbreitet. Meist gehen sie von der Schleimhaut der tiefen Atemwege, den Bronchien, aus und werden in diesem Fall in der Fachsprache Bronchuskarzinom oder Bronchialkarzinom genannt. Andere bösartige sowie gutartige Tumore der Lunge sind bedeutend seltener.
Das Bronchuskarzinom kann Metastasen in andere Organe streuen, besonders oft in die lungennahen und am Hals gelegenen Lymphknoten und ins Gehirn. Umgekehrt siedeln sich in den Lungen Ableger (Lungenmetastasen) anderer Krebserkrankungen an, zum Beispiel als Folge von Darmkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs.
In der Schweiz ist das Bronchialkarzinom bei Männern nach dem Prostatakarzinom die zweithäufigste Krebserkrankung, bei Frauen nimmt die Häufigkeit zu. Jährlich erkranken etwa 3800 Personen neu an einem Lungenkrebs.
Im Folgenden wird das Bronchialkarzinom beschrieben, da es neben den Lungenmetastasen die häufigste Art von Lungenkrebs ist.
Die genaue Ursache ist nicht bekannt, gut untersucht sind aber viele Risikofaktoren. Schadstoffe, die wiederholt und während längerer Zeit eingeatmet werden, lagern sich in der Schleimhaut der Bronchien und Lungenbläschen ab, schädigen das Gewebe chronisch und wirken schliesslich Krebs auslösend.
Bronchialkarzinome haben keine spezifischen Frühsymptome, sie werden mehrheitlich zufällig und leider oft auch zu spät entdeckt. Vielleicht besteht nur ein trockener Reizhusten mit oder ohne geringe Mengen an Auswurf, was nicht weiter beachtet wird. Alle therapieresistenten Erkältungskrankheiten sowie immer wiederkehrende Lungenentzündungen sind im Alter ab 40 Jahren karzinomverdächtig. Wenn deutliche Krankheitszeichen auftreten, ist der Tumor erfahrungsgemäss nicht mehr im Frühstadium. Abhängig von der Grösse, dem Ort und der Ausbreitung treten folgende Symptome auf:
Nicht rauchen, am besten nie. Es lohnt sich aber jederzeit, damit Schluss zu machen, denn innerhalb von etwa 15-20 Jahren nach Aufgeben des Rauchens sinkt das Risiko ein Bronchialkarzinom zu entwickeln wieder auf das Risikoniveau eines Nichtrauchers. Es existieren diverse Raucherentwöhnungsprogramme. Ein Nikotinstopp sollte gut vorbereitet und ärztlich begleitet werden (siehe Rauchstopp). Mit dem Rückgang des Zigarettenkonsums in den USA sinkt dort auch die Anzahl der Neuerkrankungen an Lungenkrebs.
Geeignete Schutzmassnahmen reduzieren die Gefährdung durch krebserregende Substanzen, z.B. am Arbeitsplatz.
Eigentliche Vorsorgeuntersuchungen, wie sie für Brust- oder Prostatakrebs angeboten werden, gibt es für Lungenkrebs bislang nicht.
Eine Heilungschance besteht nur, wenn das Karzinom frühzeitig erkannt wird. Beim Beobachten von Verdachtsmomenten muss man daher ohne Verzug zum Arzt gehen. Insbesondere sind dies anhaltender Husten von mehr als zwei bis drei Wochen Dauer, wiederholte Bronchitis, blutiger Auswurf, plötzliche Veränderung des Charakters von chronischem Husten, Auftreten von Atemnot oder andauernder Heiserkeit.
Die Diagnostik ist aufwändig. Erste Anhaltspunkte kann das Röntgenbild der Lungen liefern. Weitere bildgebende Verfahren zum Nachweis von Tumor oder Metastasen sind Computer- oder Magnetresonanz-Tomographie, Skelettszintigraphie, Ultraschall. Bisweilen können bereits in ausgehustetem Schleim Krebszellen nachgewiesen werden. Eine sichere Diagnose erlaubt indessen einzig die Bronchoskopie (Spiegelung der Atemwege), bei der Gewebe zur mikroskopischen Untersuchung entnommen wird. Mit einer Lungenfunktionsprüfung lässt sich die Leistungsfähigkeit des Organs beurteilen.
Für die Behandlung entscheidend sind die Ausdehnung des Tumors, das Vorhandensein oder Fehlen von Metastasen und die Funktion des gesunden Lungengewebes.
Bei frühzeitigem Erkennen kann ein relativ kleiner Teil der Patienten durch eine Operation geheilt werden, abhängig vom Typ der Krebszellen, der Lage und der Ausbreitung des Tumors (Fernmetastasen) und der Frage, ob die Atemfunktion des zurückbleibenden gesunden Lungengewebes ausreichen wird. Die Grösse des Eingriffs reicht vom Entfernen eines einzelnen Lungenlappens (Lobektomie) bis zum Herausnehmen der ganzen rechten oder linken Lunge (Pneumonektomie) einschliesslich der zugehörigen Lymphknoten. Bisweilen wird vor oder nach dem Eingriff eine Chemotherapie durchgeführt.
Wenn eine Operation nicht möglich oder nicht sinnvoll ist, wird mit Chemo- und Strahlentherapie versucht, den Tumor zu verkleinern oder das Tumorwachstum zu verlangsamen. Palliative Behandlungsmethoden bezwecken, Atemwegsverengungen oder Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge zu beheben und so die Atemnot zu beseitigen. Palliativ bedeutet: Behandlung zur Verbesserung der Lebensqualität bei fortgeschrittener Krankheit und begrenzter Lebenserwartung.
Angefügt sei, dass auch die viel selteneren gutartigen Tumore der Lunge wegen ihres Entartungsrisikos meist operativ entfernt werden.
Die Prognose ist insgesamt schlecht. Nur etwa. 30% aller entdeckten Bronchialkarzinome sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung operabel, und unter diesen liegt die Aussicht auf 5-Jahresheilung bei 15%. Wichtiges Ziel der Nachsorgeuntersuchungen ist es, ein Rezidiv (erneutes Krebswachstum) möglichst früh zu erkennen und zu behandeln.