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Wir hatten schon mehrere Male das Glück, unsterbliche Blues-Legenden zu bewundern. Doch bei einer ganz bestimmten Künstlerin ist dieses Glück noch eine Spur spektakulärer; weil ihre Geschichte tatsächlich in die Gründerzeit des Blues zurückreicht, weil sie inzwischen eine von uns ist, hier in Basel lebt – und weil sie dem Begriff «unsterblich» neue Dimensionen verleiht: Othella Dallas. Vier Musik-Generationen hat sie hinter sich – und auf der Bühne singt und tanzt sie mit 93 Jahren (!) noch immer mindestens so energievoll wie eine Dreissigjährige. Schlicht und einfach phänomenal! Wenn Othella nun in Basel zusammen mit der Schweizer Ausnahme-Sängerin Yvonne Moore und unserem in den USA lebenden Blues-Ambassador Sam Burckhardt die Bühne betritt, machen wir uns nichts vor: Es gibt eine Sommerzeit, eine Winterzeit – und eine Othella Dallas-Zeit. Oder anders: Sie wird stillstehen, die Zeit.
Alles, nur nicht stillstehen wird Othella Dallas. Kann sie nicht, will sie nicht – Tanzen ist ihr Herzschlag. Geboren wurde sie 1925 in Memphis. Mit fünf Jahren wurde sie von ihrer Mutter, der ersten im Radio zu hörenden afroamerikanische Pianistin, auf den Esstisch gehoben mit der Aufforderung, Stepp zu tanzen. Ihr Babysitter war kein Geringerer als W.C. Handy, einer der Urväter des Blues (seine Komposition «Memphis Blues» von 1912 gilt als erster veröffentlichter Blues-Song der Geschichte). Während Grossmutter einkaufen ging, liess sie Othella in der Beal Street bei W.C.; der sang dem Mädchen seine Stücke vor und sagte: «Okay Girl, Stepptanz, Digidigidigidi ...!» Mit 19 wurde ihr Tanztalent von der legendären Choreografin Katherine Dunham entdeckt. Othella verfeinerte ihre Kunst in New York und reiste nach Europa, wo sie 1949 in Paris den Schweizer Peter Wydler kennenlernte, heiratete und schliesslich eine zweite Karriere als Jazzsängerin begann. Othella Dallas sang und tanzte mit Stars wie Edith Piaf, Sammy Davis Jr., Cole Porter, Quincy Jones, King Curtis oder Nat King Cole, erhielt von Duke Ellington zwei Songs auf den Leib geschrieben – und trat im legendären Apollo Theatre in Harlem auf. 1960 liess sie sich in der Schweiz nieder; es wurde ruhiger um sie, die Familie hatte Vorrang. Dem Tanz blieb Othella treu; sie gründete in Zürich eine Tanzschule und unterrichtete Margrit Läubli, Ruedi Walter und Margrit Rainer. Seit 1975 wohnt die Grand Old Lady des Blues und Jazz nun in Basel, wo sie bis heute ebenfalls Tanz unterrichtet. Mit über 80 Jahren lancierte sie ihre Gesangskarriere neu und ist seither regelmässig unterwegs mit ihrer fantastischen Schweizer Band. Als Special Guests wird sie im Volkshaus zwei Blues-Diamanten aus der Schweiz begrüssen: Einerseits Yvonne Moore, hierzulande eine der renommiertesten, faszinierendsten und vielseitigsten Stimmen – und dieses Jahr hochverdient für den Swiss Blues Award nominiert. Andererseits Sam Burckhardt (Swiss Blues Award 2008), der Saxophonist und Heimweh-Basler, der damals von Blueslegende Sunnyland Slim nach Chicago gerufen wurde und seither in der US-Szene tief verankert ist. Diesen Abend werden Sie nie vergessen; auch deshalb, weil Othella den Mojo danach gleich weitergeben wird – an Gitarrenlegende Robben Ford. (rk)