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Leni Riefenstahl ist zweifelsfrei eine der umstrittensten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Sie war Künstlerin, Filmemacherin, aber auch Propagandistin und Regisseurin der Nazis. In ihrem Leben musste sie sich für ihr Tun immer wieder erklären und rechtfertigen.
«Ich habe Hitler nicht gekannt. Woher sollte ich mehr wissen? Das sind alles Legenden und Geschichten, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben», erklärte Riefenstahl einst in einem Interview.
Mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben in diesem Fall vor allem die Aussagen von Riefenstahl. «Riefenstahl glaubte irgendwann selbst, was sie da sagt. Sie hat sich ihre eigene Realität gebaut. Das hat nichts mit dem zu tun, was tatsächlich vorgefallen ist», sagt Lutz Kinkel, Autor eines Buches über Riefenstahl, 2002 im Schweizer Radio.
Von der Tänzerin zu Hitlers Regisseurin
Natürlich kannte Riefenstahl Adolf Hitler. Klar war sie sein Kameraauge und selbstverständlich machte sie für ihn Propagandafilme.
Eine erste Karriere machte Leni Riefenstahl noch als Tänzerin. Verletzungsbedingt folgte ab 1926 die zweite Karriere als Schauspielerin, bis sie dann auch hinter die Kamera wechselte. Mit dem mystisch-romantischen Bergfilm «Das blaue Licht» feierte sie einen Erfolg als Regisseurin und Hauptdarstellerin und zog zugleich das Interesse von Adolf Hitler auf sich. Dieser beauftragte sie schliesslich mit der Produktion von insgesamt sechs Filmen, darunter «Triumph des Willens» über den Nürnberger Parteitag der NSDAP von 1934.
Im rund zweistündigen Film setzte Riefenstahl auf neue Techniken und aussergewöhnliche Kameraeinstellungen. Sie inszenierte Hitler und den Nationalsozialismus. Riefenstahl selbst wollte dabei nur das Ästhetische, die Schönheit der Bilder und das Dokumentarische sehen. Nicht aber die Botschaft und die Wirkung hinter Massenszenen, Militärparaden oder dem euphorischen Jubel.
«Ich habe das, was sich dort abgespielt hat, aufgenommen. Ich hatte keinen Einfluss darauf, was auf dem Parteitag passiert war», rechtfertigte sich Leni Riefenstahl.
Kunst trifft Propaganda
Auch zu den Filmen über die Olympischen Spiele von 1936 sagte Riefenstahl, sie habe sich nur von künstlerischen Ideen leiten lassen. Es sei ihr bei «Fest der Völker» und «Fest der Schönheit» nur um Ästhetik gegangen, um die Darstellung der athletischen Körper. Und doch passte ihre filmische Umsetzung zur Ideologie und zu den Vorstellungen der Nazis. Ihre Filme waren Kunst und Propaganda zugleich.
Sie machte das «Böse» schön
«Riefenstahl selber hat bewiesen, dass man in einer Diktatur grosse Kunst veranstalten kann, erklärt Kinkel: «Sie hat gezeigt, dass das ‹Böse› auch schön sein kann. Riefenstahl ist zweifellos eine bedeutende Filmautorin, Regisseurin und Filmkünstlerin.»
Eine moralische Verantwortung für die Naziverbrechen wies Riefenstahl jedoch bis zu ihrem Tod am 08. September 2003 von sich.