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Alles beginnt im Kleinen
Das freie Wasser eines Gewässers bietet, im Gegensatz zum Uferbereich, kaum Verstecke für grössere Tiere. In den obersten Wasserschichten wimmelt es dafür von Phyto- und Zooplankton. Unzähligen Kleinstlebewesen ernähren sich davon und sind ihrerseits Futter für Insektenlarven und Jungfische. So findet sich hier der Ursprung zahlreicher Nahrungsketten rund um ein Gewässer.
Die Sonneneinstrahlung und der Wind bestimmen die Dynamik des Wasserkörpers. Durch Temperaturunterschiede und starke Winde gelangt Sauerstoff auch in tiefere Schichten, so dass dort absterbendes organisches Material abgebaut werden kann.
Zu viele Nährstoffe, zu wenig Sauerstoff
Die drei Seen im Seebachtal weisen von Natur aus einen hohen Gehalt an gelösten Nährstoffen und organischen Substanzen auf. Ursprünglich reichten die jährliche Umwälzung durch Temperaturunterschiede im Wasser und die Frühlingsstürme aus, um tiefere, sauerstoffarme, nährstoffreiche Wasserschichten mit sauerstoffreichem Oberflächenwasser zu mischen. Dieses Gleichgewicht wurde durch verschiedene Prozesse massiv gestört:
- Phosphor aus unseren Haushaltabwässern gelangte bis 1979 in grossen Mengen über ungeklärtes Wasser in die Seen. Nach dem Bau der Kläranlage und der Regulierung von Phosphor haben diese Einträge stark abgenommen.
- In der Landwirtschaft wurden im 20. Jahrhundert zunehmend mineralische Dünger verwendet. Davon gelangten oft grosse Mengen durch Auswaschung oder über die Luft in angrenzende Gewässer. Erst 1991 wurde der Düngerverbrauch über das Gewässerschutzgesetz reguliert.
Die hohen Nährstoffeinträge verstärkten das Algenwachstum in den Seen. Die Algen produzieren zwar Sauerstoff, solange sie leben. Sobald sie absterben, werden sie unter Verbrauch von Sauerstoff zersetzt. ist davon zuwenig im Wasser gelöst, sinkte das organische Material ab und verfault am Seegrund. So entsteht dort eine Schlammschicht, in welcher kein Leben mehr möglich ist.
In den 1980er-Jahren sank der Sauerstoffgehalt der Seen so bedenklich, dass über weitgreifende Massnahmen nachgedacht werden musste. Andere Kleinseen in der Schweiz erlebten ein ähnliches Schicksal. So wurde der Pfäffikersee ab 1992 bis 2011 mit einer Pumpe belüftet, damit sich die Sauerstoff-versorgung verbessern konnte.
Tiefenwasserableitung
Im Seebachtal fand man eine andere Lösung. Mit dem Bau einer Tiefenwasserableitung 1999 wurde eine verbesserte Sauerstoffversorgung insbesondere in den Sommermonaten angestrebt. Dazu wurden im See zwei Leitungen von je 50 cm Durchmesser verlegt, welche Wasser aus 8 bzw.14 Metern Tiefe in den Seebach leiten. Dadurch kann sauerstofffreies Wasser aus der Tiefe gezielt abgeleitet werden und es findet im See eine bessere Durchmischung in die Tiefe statt. Die Entnahme aus zwei unterschiedlichen Wasserstufen ist nötig, um eine bachverträgliche Wasserqualität im Seebach zu gewährleisten. Das Verhältnis wird in der Mischkammer gesteuert. Seitdem hat sich die Gewässerqualität der Seen beträchtlich verbessert, der Sauerstoffgehalt nahm auch in tieferen Schichten zu, der Phosphorgehalt ab.
Noch immer können aber fast jedes Jahr im Herbst grosse Mengen an Blaualgen beobachtet werden. Diese sind jedoch nicht die Folge einer möglichen Überdüngung. Vielmehr wird vermutet, dass sich durch die verbesserte Wasserqualität die ökologischen Nischen verschoben haben und die Blaualge möglicherweise davon profitiert, dass Algenarten, welche eher nährstoffreiche Bedingungen bevorzugen, nur noch selten vorkommen.