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Am Donnerstag (30.08.) präsentierte die Unabhängige Expertenkommission erste Berichte zur Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Vorgestellt werden vor allem die Wirtschafts- und Finanz-Beziehungen zu Nazi-Deutschland, unter anderem auch der Einsatz von Zwangsarbeitern.Dieser Inhalt wurde am 30. August 2001 - 13:28 publiziert
Die acht Studien sind Teil des 25-bändigen Schlussberichtes der Unabhängigen Expertenkommission (UEK), welche vom Schweizer Historiker Jean-François Bergier geleitet wird. Der Schlussbericht umfasst 17 detaillierte historische Studien, sechs Forschungs- und zwei juristische Beiträge. Eine Synthese wird schliesslich Ende Jahr dem Bundesrat vorgelegt und im Frühjahr 2002 veröffentlicht.
Von Dezember 1996 bis Dezember 2001 untersuchte die UEK das Verhalten der Schweizerinnen und Schweizer während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die stets kritische Ansicht der UEK sorgte in der Öffentlichkeit für Kontroversen. Hauptsächlich die zwei Zwischenberichte zu Goldtransaktionen (veröffentlicht 1998) bzw. zur Flüchtlingspolitik (veröffentlicht 1999) wurden von konservativen Kreisen in der Schweiz heftig kritisiert.
Keine politische Debatte mehr
Die acht Berichte werden in der Öffentlichkeit wohl auf weniger Widerstand stossen. Die politische Debatte um die Rolle der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges hat mit dem Abkommen zwischen den Schweizer Banken und Jüdischen Klägern im Jahre 1998 an Brisanz verloren. Die Schweizer Finanzinstitute erklärten sich damals bereit, rund zwei Mrd. Franken Entschädigung zu zahlen.
Drei der acht Berichte könnten aber dennoch für Diskussionen sorgen: Sie handeln von der Schweizerischen Holding der IG Farben, vom Zahlungsverkehr der Schweiz mit den Achsenmächten sowie von Schweizer Industrieunternehmen und Zwangsarbeit.
Interhandel, Zwangsarbeit und Clearing
Als "Interhandel" wurde die ehemalige Holding des deutschen IG-Farben-Konzerns (IG Chemie) nach dem Zweiten Weltkrieg zum Gegenstand eines legendären Rechtstreites. Die Gesellschaft wurde 1928/29 "verschweizert", allerdings blieb dies stets umstritten. So beschlagnahmte die US-Regierung das Unternehmen 1942 als Feindgut, während die beteiligten Schweizer Anspruch auf die grossen, einst der IG Farben gehörenden industriellen Komplexe in den USA erhoben. Die Analyse der verschlungenen Affäre durchleuchtet ein komplexes Beziehungsnetz zwischen Deutschland, der Schweiz und den USA.
Die Geschäftslage und das Produktionsprogramm von Schweizer Tochterunternehmen in NS-Deutschland beschreibt der Band "Geschäfte und Zwangsarbeit". Es wird untersucht, inwieweit diese Firmen in die Kriegs- und Rüstungswirtschaft eingebunden waren und wie sich die Betriebe gegenüber den politischen Zwängen und Ansprüchen des NS-Systems verhielten.
Mit "Clearing" ist schliesslich jener Band betitelt, der den Zahlungsverkehr der Schweiz mit den Achsenmächten erläutert. Er untersucht die Entstehung und Durchführung des bilateralen Verrechnungssystems (Clearing) und zeigt, wie die Achsenmächte den Zahlungsverkehr mit der Schweiz instrumentalisierten.
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