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ZUCHTHENGST DER SCHWEREN KALTBLUTRASSE COMTOIS (GUT 1000 KG LEBENDGEWICHT) AUS DEM FRANZÖSISCHEN JURA MIT SCHWEREM KUMMETGESCHIRR FÜR ZWEIRADKARREN (TOMBEREAU/1990).
SCHWERES LUXUS-KAROSSERIEPFERD MIT EINSPÄNNERGESCHIRR (PASSEND Z.B. FÜR EIN COUPÉ ODER EINEN MYLORD)
Bei den Recherchen zu diesem Bericht tauchen erstaunlicherweise zu keinem Zeitpunkt Animositäten zwischen den Brüdern und der Schwester dieser Settelen-Generation auf. Zu allen möglichen Anlässen lädt man sich ein, ist Mitglied in denselben Vereinen und - wenn es ums Geschäft geht, gewährt man sich gegenseitig Darlehen oder unterschreibt Bürgschaften. Julius hätte wohl kaum ohne die Unterstützung und den Einfluss seiner Brüder Emil und Victor das «Rösslitram» heil über die Runden gebracht.
Ob die überlieferten Gründe die einzigen sind, die zur geschäftlichen Trennung von Victor und später von Ernst führen, kann heute bezweifelt werden. Ist es nicht eher so, dass die beiden durch das ungebremste Streben von Julius nach raschem Fortschritt und risikoreichen Investitionen möglicherweise überfordert waren?
Die in der Schweiz am meisten verbreitete Pferdrasse war der von der Armee geförderte, häufig auch als «Eidgenoss» bezeichnete, «Freiberger». Diesem gutmütigen, leichten Kaltblutpferd mutete man eine Traglast von 150 kg und ein Zuggewicht von etwas mehr als einer Tonne im «Dauerbetrieb» zu.
Da ein Pferd mit einer Traglast langsamer geht als mit einer Zuglast, wurden Güter wenn immer möglich auf Wagen verladen. Um ein Pferd vor einen Wagen zu spannen, braucht es ein Geschirr. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen Kummetgeschirr und dem meist für leichtere Arbeit bestimmten, dafür eleganteren Brustblatt- oder Silengeschirr.
Die weit verbreitete Meinung, die Haut des Pferdes sei besonders robust, ist irrig. Um Druckstellen, die schnell zu eitrigen Geschwüren führen, zu vermeiden, müssen Kummet und Kammdeckel, beim Einspänner auch Sellette genannt, von einem hoch qualifizierten Sattler individuell angefertigt und angepasst werden. Die Standardteile des Zuggeschirres bestehen aus gut zehn verstellbaren Riementeilen, die aus verschiedenen Lederstücken zusammengenäht und mit Schnallen versehen sind. Das Gleiche gilt für das Zaumzeug (Kopfgeschirr), das dem Lenken des Pferdes dient.
Die in diesem Teil integrierte Kandare gibt es in einem guten Dutzend verschiedener Ausführungen. Sie muss der Anatomie und dem Charakter des Pferdes entsprechen. Dazu kommen noch Kettenstücke, Ringe und Karabinerhaken. Das alles ist beim Einschirren vom Kutscher auf das richtige Mass einzustellen, was viel Sachverstand verlangt, denn ein nicht sauber eingestelltes Geschirr vermindert die Arbeitsleistung des Pferdes und kann zu Unfällen führen. Verschiebt sich z. B. eine Scheuklappe so, dass die Wimpernhaare daran anstossen, kann dies zu einem reflexartigen «Durchbrennen» des Pferdes führen. Da für den einspännigen und den mehrspännigen Zug unterschiedliche Geschirre nötig und für den schweren Wagenzug andere Anspannungen gefragt sind als bei Luxusfuhrwerken, gab es bei Settelen für jedes einzelne Pferd praktisch zwei komplette, fix eingestellte Geschirre. Dies reduzierte die «Einschirrzeit» auf fünf bis zehn Minuten. Die Bedeutung eines guten und schönen Geschirrs war früher etwa von demselben Prestigewert wie heute die der Alu-Felgen an einem Automobil.