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01.03.2018 - Linus Baur
01.03.2018
Linus Baur
Die Klassische Moderne mitgeprägt
Es handelt sich um eine Sammlungsausstellung aus dem eigenen Haus über Künstler, die im Zeitalter der von der abstrakten Kunst geprägten Moderne «gegenständlich» arbeiteten, aber dennoch neue, bedeutende Impulse setzten. Die im Ausstellungstitel genannten drei Künstler René Magritte, Adolf Dietrich und Henri Rousseau stehen für eine ganze Reihe von Künstlern, die zur Zeit der abstrakten Strömung gegenständliche Bilder malten. In der Ausstellung werden auch Werke von Félix Vallotton, André Bauchant, Camille Bombois, Élie Lascaux, Grandma Moses, Niklaus Stoecklin und Salvador Dalí gezeigt. Sie alle schufen Werke, die auf je eigene Weise die Klassische Moderne mitprägten.
Rousseau, Vallotton, Bauchant, Bombois, Lascaux und Moses zählen zu den frühen und späteren «Naiven», die mit visionären Bildwelten der Imagination in der Ausstellung vertreten sind. Die beiden Schweizer Dietrich und Stoecklin stehen für eine schweizerische Ausprägung der hauptsächlich in Deutschland geprägten «Neuen Sachlichkeit», die als Reaktion auf den
Ersten Weltkrieg und den damit einhergehenden Sinnverlust entstand. Magritte und Dalí sind Vertreter des Surrealismus, die mit den Mitteln gegenständlicher Kunst unbewusste Inhalte darstellten oder konkrete Inhalte ad absurdum führten.
Einzigartig, märchenhaft Schlichtes und Ursprüngliches
Henri Rousseau (1844–1910), auch der «Zöllner» genannt, begann erst um 1880 in Paris zu malen. Der Autodidakt war befreundet mit dem Poeten Apollinaire und den Malern Robert Delaunay und Pablo Picasso. Sie erkannten sein Genie, dennoch blieb seine Arbeit zu Lebzeiten unterbewertet. Doch mit seinen verrutschten Bildkompositionen und den tief traumhaften Objekten seiner Malerei hatte er entscheidenden Einfluss auf die moderne Kunst, vom Surrealismus bis zur abstrakten Kunst. Bis heute ist es ein Rätsel, wie ein einfacher Autodidakt diese modernen Entwicklungen vorausahnen konnte.
Adolf Dietrich (1877–1957) gilt heute als ein «Hauptvertreter der Naiven Malerei». Auch er begann seine malerische Karriere als Autodidakt, verbrachte sein ganzes Leben in Berlingen am Bodensee und pflegte trotz grosser Erfolge einen bescheidenen Lebensstil. Seine Motive beziehen sich fast immer auf die Landschaft am Bodensee, das Dorf Berlingen, den Seerücken, auf Tiere und speziell auf Vögel. Dietrichs Kunst ist «einzigartig», hat «etwas märchenhaft Schlichtes und Ursprüngliches», schreibt Kurator Philippe Büttner in der Vorschau auf die Ausstellung: «Sie präsentiert sich in Form unverwechselbarer Ausstanzungen aus der kleinen Welt, die den Holzstich umgab, auf dem seine Bilder entstanden. Im Detail sehr anspruchsvoll, etwa durch das Einbeziehen von Fotografien und das Collagieren von Motiven, verzichtet sie aber weitgehend auf die Komplexität, die dadurch entsteht, wenn Kunst auf andere Kunst oder Kunstformen reagiert.»
Der konventionellste unter den Surrealisten
René Magritte (1898–1967) ist untrennbar mit den Surrealisten verbunden. In den Mitteln, die er verwendete, gilt er als der konventionellste unter den Surrealisten. In den Inhalten aber, die er vermittelt, aber gehört er zu den revolutionärsten von allen. Im Gegensatz zu Dalí, der mit altmeisterlicher Präzision in noch nie gesehene Ecken des Unbewussten leuchtete, setzte Magritte eine «vorgeblich gegenständliche Malerei ein, um über eine Tour de Force der Sinnvermeidung das friedliche Zusammenleben von Form und Inhalt ad absurdum zu führen und neu zu dynamisieren» (Philippe Büttner). Gegenwärtig wird Magrittes Werk anlässlich seines 50. Todesjahres in mehreren Grossausstellungen in Belgien und Deutschland gewürdigt.
Die Ausstellung «Visionäre Sachlichkeit – Magritte, Dietrich, Rousseau» bietet Neues im alten Gewand. Alle ausgestellten Künstler verwendeten Verfahren der gegenständlichen Malerei wie in alten Zeiten. Und doch vermitteln sie auf je eigene Weise den Aufbruch in etwas ganz Neues, ins Imaginäre. Das für die Surrealisten so wesentliche Traumartige ihrer Bilder sei eine Eigenschaft vieler der in der Ausstellung vereinigten Werke, schreibt Philippe Büttner. Denn: «Es überrascht ja auch gar nicht wirklich, dass das Gegenständliche und das Traumartige so gut zusammenpassen: Was wir nachts träumen, kommt ja in der Regel auch nicht im Stil der ‹peinture› daher.»
Henri Rousseau, Portrait de Monsieur X (Pierre Loti), 1906, Öl auf Leinwand, 61 x 50 cm, Kunsthaus Zürich, 1940