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In den 1980er-Jahren waren Energydrinks (deutsch: Energiegetränke) in Asien populär, ab 1987 verbreiteten sie sich in Österreich, Grossbritannien und Osteuropa, ab 1994 auch in der Schweiz und in Deutschland.
20 Jahre später stehen sie bei Schweizer Jugendlichen immer höher im Kurs. Morgens in Tram und Zug hält fast jeder eine der glitzernden, schlanken Büchsen mit den peppigen englischen Namen in der Hand und verbreitet einen süsslichen, chemischen Geruch. Fast 60 Prozent der 15-Jährigen und 38 Prozent der gleichaltrigen Mädchen konsumieren mindestens einmal pro Woche solche Getränke (HBSC-Schülerstudie von 2010, unter Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation).
Süsses Koffein
Die Getränke sollen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit steigern und das Wohlbefinden verbessern. Verspricht die Werbung. Die Wissenschaft sagt: «Wir können das nicht nachweisen.» Alle Energydrinks haben mehr oder weniger dieselben Inhaltsstoffe: Wasser, Zucker oder Süsstoff, Koffein oder koffeinhaltiges Guaranaextrakt, Taurin, Glucuronolacton, Inosit, Vitamine, Mineralstoffe, Kohlensäure, Farb- und Aromastoffe. Manche enthalten überdies Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure, manche auch Carnitin.
Zucker
Zwischen 10 und 12 Gramm Zucker stecken im Schnitt in 100 ml Energydrink, 7 bis 8 Zuckerstücke je Dose à 250 ml. Energydrinks sind also in etwa gleich süss wie Cola oder Citro. Und entsprechend zurückhaltend sollten Sie sie trinken. Denn reiner Zucker erhöht den Energiegehalt der Ernährung, ohne irgendwelche lebenswichtigen Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe zu liefern. Zudem steigert ein übermässiger Konsum zuckerhaltiger Getränke das Risiko für Übergewicht. Und nicht zuletzt ist Zucker schädlich für die Zähne. Mit Süssstoff gesüsste Energydrinks können hier eine Alternative sein. Allerdings sind künstliche Süssstoffe bezüglich ihrer Auswirkungen sehr umstritten.
Koffein
Eine Dose Energydrink enthält etwa 80 mg Koffein, das ist ungefähr gleich viel wie eine Tasse Kaffee. Zum Vergleich: Ein Ristretto enthält 40 mg, ein Espresso 60 mg, eine Tasse Filterkaffee 65 bis 179 mg und ein Glas Cola ca. 35 bis 55 mg Koffein. Koffein regt die Herzfunktion und den Kreislauf an. Es vermindert die Schläfrigkeit und verbessert vorübergehend die Aufmerksamkeit. Doch zu viel Koffein ist ungesund. Bei Erwachsenen, die keine besondere Koffeinempfindlichkeit haben, entspricht die Höchstdosis ungefähr 400 mg pro Tag. Wer zu viel Koffein zu sich nimmt, kann unter Nervosität, Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Problemen, Muskelzittern und Schlaflosigkeit leiden. Das Schweizer Gesetz schreibt vor, dass auf der Verpackung von Energydrinks mit über 150 mg Koffein pro Liter ein Hinweis steht, dass sie wegen ihres erhöhten Gehalts an Koffein massvoll konsumiert werden sollen und dass sie für Kinder, schwangere und stillende Frauen nicht geeignet sind.
Taurin
Taurin ist ein im menschlichen Körper vorhandenes Eiweissabbauprodukt. Gesunde Erwachsene produzieren 50 bis 125 mg Taurin pro Tag. Ausserdem wird der Stoff über Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte oder Milch aufgenommen.
Taurin kommt bei verschiedenen Stoffwechselprozessen zum Tragen, etwa beim Sehen oder bei der Kalziumregulation in den Zellen. Ausserdem soll es positiv auf die Konzentrationsfähigkeit wirken. Sportler erhoffen sich von dem Stoff ein verbessertes, schnelleres Muskelwachstum. Aber: Diese Vermutungen hat die Wissenschaft am Menschen bislang nicht bestätigen können. Das Taurin in Energydrinks wird übrigens künstlich hergestellt und stammt nicht aus Stierhoden.
Glucuronolacton
Glucuronolacton ist ein Kohlenhydrat. Es ist Bestandteil des Bindegewebes vieler Tiere und pflanzlicher Fasern. Der Stoff wandelt körpereigene Abfallprodukte um. Der Körper produziert selber Glucuronolacton in ausreichenden Mengen, sodass es nicht von aussen, etwa mit Energydrinks, zugeführt werden muss. Wein ist übrigens die grösste natürliche Quelle für Glucuronolacton. Der Stoff soll gegen Müdigkeit wirken, entgiften und als Antioxidans funktionieren. Aber: Überdosierungen können schädlich sein. Ausserdem kann Glucuronolacton die Wirkung anderer Stoffe negativ verstärken.
Inosit
Inosit ist süsslich im Geschmack und wird auch «Muskelzucker» genannt. Der Stoff soll die Signalübertragung der Zellen verbessern. Bei Bodybuildern ist Inosit weit verbreitet, da er die Fettverbrennung unterstützen soll, doch das ist nicht nachgewiesen. Einige klinische Studien weisen darauf hin, dass der hoch dosierte Einsatz bei Patienten mit Bulimie, Depression, bipolarer Störung, Panik oder Zwangsstörung wirkt. Für gesunde Menschen ist eine zusätzliche Aufnahme von Inosit unnötig, da unser Körper Inosit in ausreichenden Mengen selber produziert.
Vitamine, Mineral- und Farbstoffe
Die den Energydrinks zugesetzten Vitamine und Mineralstoffe nimmt ein gesunder Mensch bei einer vollwertigen, ausgewogenen Ernährung in ausreichenden Mengen mit der Nahrung auf. Es ist also unnötig, sie künstlich durch ein Getränk aufzunehmen.
Die in Energydrinks oft verwendeten Farbstoffe wie zum Beispiel Chinolingelb (E104), Azorubin (E122) und Brillantblau (E133) können für allergiegefährdete Personen bedenklich sein.
Eicosapentaensäure, Docosahexaensäure und Carnitin
Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure sind Omega-3-Fettsäuren. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die der Körper nicht selber herstellen, jedoch umwandeln kann, erfüllen wichtige Funktionen und sind in allen Körperzellen enthalten, insbesondere im Gehirn. Omega-3-Säuren regulieren die Blutfettwerte (Cholesterin), senken den Blutdruck und können Entzündungen hemmen. Auch sollen die Fettsäuren positive Auswirkungen auf das Immunsystem sowie die psychische Befindlichkeit haben. Viel Omega-3-Fettsäuren sind in Fisch.
Carnitin ist eine chemische Verbindung aus den Aminosäuren Lysin und Methionin. Es ist notwendig für den Energiestoffwechsel tierischer und pflanzlicher Zellen. Dem Stoff wird eine körperfettreduzierende Wirkung nachgesagt, was wissenschaftlich nicht erwiesen ist.
Alkohol und Sport
Beliebt ist es, Energydrinks mit Alkohol zu mischen. Fachleute warnen davor: Das Koffein überdeckt die Wirkung des Alkohols, ohne ihn weniger gefährlich zu machen. Der Konsument wird seine Fähigkeiten überschätzen, was ihn dazu veranlassen kann, mehr Alkohol zu trinken und unüberlegte Risiken einzugehen.
Auch wer Sport treibt, sollte besser keine Energydrinks trinken. Die Getränke entziehen dem Körper Flüssigkeit statt, wie nach schweisstreibendem Sport nötig, ihm Flüssigkeit zuzuführen. Das kann die Erholung der Sportler beeinträchtigen.
Dass Energydrinks die Gesundheit gefährden, ist nicht nachgewiesen. Es fehlen wissenschaftliche Daten darüber. Trotzdem ist Skepsis vorhanden. So hat das staatliche deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schon 2008 vor möglichen Gesundheitsrisiken dieser Getränke gewarnt. Das Risiko hängt, so das BfR, von der Menge Koffein und Taurin sowie der individuellen Empfindlichkeit ab. Das Institut vermutet, dass sich die Inhaltsstoffe in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Es ist sicher sinnvoll, Energydrinks nur massvoll zu konsumieren und als Genussmittel zu betrachten.