Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03315.jsonl.gz/1125

Befürworter der Lohntransparenz meinen, dass die Lohnoffenlegung mögliche Missstände im Unternehmen aufdeckt und zu gerechteren Löhnen führt. Demgegenüber betonen die Gegner negative Folgen wie Konflikte und Neid unter Arbeitskollegen, eine geringere Lohnflexibilität und einen höheren Rechtfertigungsaufwand.
Wie sich die Lohntransparenz auf das Verhalten der Arbeitnehmenden und deren Engagement auswirkt, wurde bisher allerdings noch nicht untersucht. Die Wissenschaftlerinnen Shelly Marasi von der Tennessee Technological University, Alison Wall von der Southern Connecticut State University sowie Rebecca J. Bennett von der University of Central Florida beschäftigten sich nun erstmals mit dieser Fragestellung. Dazu entwickelten und validierten die Forscherinnen ein Instrument zur Messung der Lohntransparenz.
Dabei unterschieden sie zwischen zwei Dimensionen: wieviel Lohninformationen ein Unternehmen den Mitarbeitenden gegenüber preisgibt und inwieweit die Mitarbeitenden davon abgehalten werden, über ihren Lohn zu sprechen. Innerhalb der Studie wurden zudem 611 Beschäftigte in den USA mithilfe eines Online-Fragebogens befragt.
Die Studienresultate weisen darauf hin, dass Lohntransparenz das Fehlverhalten von Mitarbeitenden reduziert und ihr Engagement erhöht. Dabei wirke sich die Lohntransparenz nicht direkt auf das Verhalten und das Engagement aus, sondern auf das Gerechtigkeitsempfinden der Arbeitnehmenden.
Beschäftigte, die wenig Lohninformationen erhalten und Kommunikationsrestriktionen ausgesetzt sind, empfinden die Informationslage als ungerecht, was sich wiederum negativ auf die wahrgenommene Verteilungsgerechtigkeit auswirkt.
Somit haben Beschäftigte in Unternehmen mit geringer Lohntransparenz eher das Gefühl, im Vergleich zu Kollegen unangemessen bezahlt zu werden. Das führt schlussendlich dazu, dass sie sich weniger engagieren, öfters zu spät zur Arbeit kommen oder etwas stehlen, um ihr Gerechtigkeitsempfinden wiederherzustellen.
Lohntransparenz zahlt sich somit aus. Das bedeutet aber nicht, dass die Löhne jedes einzelnen Mitarbeitenden offengelegt werden müssen. Unternehmen können auch mehr Transparenz schaffen, indem sie Lohnfestlegungsprozesse und -kriterien offenlegen, um die Nachvollziehbarkeit zu verbessern. Zudem sollten Unternehmen ihre Beschäftigten nicht davon abhalten, über ihre Löhne zu sprechen. Dies führt gemäss der Studie zu einer Misstrauenskultur und hat weitere negative Folgen.
Quelle:
- Shelly Marasi, Alison Wall & Rebecca J. Bennett (2018). Pay openness movement: Is it merited? Does it influence more desirable employee outcomes than pay secrecy? Organization Management Journal, 15(2), 58-77. DOI: 10.1080/15416518.2018.1471978