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Die Besitzerin berichtet, dass der Hund seit 2-3 Monaten ständig müde wirke, bei den Spaziergängen nur noch hinterher schlurfe und an den Ohrrändern einen Haarverlust aufweise. Ausserdem hat Lona innert 3 Monaten bei gleichbleibender Futtermenge deutlich Gewicht zugelegt und lahmt nach Liegephasen manchmal am rechten Vorderbein.
Lona hat tatsächlich innert 3 Monaten über 2 kg Gewicht zugelegt. Der orthopädische Untersuchungsgang verläuft unauffällig; die Ohrränder weisen wie von der Besitzerin beschrieben einen Haarverlust auf. Die beschriebenen Symptome und beobachteten Veränderungen wecken den starken Verdacht einer Schilddrüsenunterfunktion; entsprechend entnehmen wir Blut, bestimmen das Schilddrüsenhormon (T4) und das Schilddrüsen-Steuerungshormon (TSH) und werden tatsächlich fündig: Während das T4 massiv zu tief ist, ist das TSH ebenso massiv erhöht, ein klassisches Bild bei einer Schilddrüsenfunktion.
Lona erhält einen Entzündungshemmer gegen die Lahmheit sowie Schilddrüsenhormone in Tablettenform, welche die Besitzer morgens und abends verabreichen.
3 Wochen später sehen wir Lona wieder zur Blutentnahme. Sie ist laut Besitzerin schon deutlich aufgeweckter, hat auch schon Gewicht abgenommen und die Veränderungen an den Ohrrändern bilden sich langsam zurück; auch die Lahmheit ist verschwunden. Im Blut ist das Schilddrüsenhormon nun im unteren Normalbereich; das Schilddrüsen-Stimulationshormon TSH ist zwar tiefer als zu Beginn, aber immer noch deutlich erhöht.
Es ist möglich, dass die Hormonregulation schlicht noch etwas mehr Zeit zur Rückkehr zur Normalität benötigt und das Steuerungshormon deshalb noch erhöht ist. Aus verschiedenen Gründen entschliessen wir uns aber, die Medikamentendosis noch etwas zu erhöhen und vereinbaren eine weitere Blutkontrolle in 3 Wochen. Wenn die Unterfunktion durch das als Tabletten verabreichte Hormon einmal korrigiert ist, sind Blutkontrollen nur noch in grösseren Intervallen nötig; allerdings müssen die Tabletten bis an das Lebensende der Hündin verabreicht werden.
Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine recht häufige hormonelle Erkrankung beim Hund. Wie beim Mensch wird die Produktion des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4) durch ein von der Hirnanhangsdrüse produziertes Steuerungshormon (TSH) geregelt, welches seinerseits durch ein übergeordnetes Steuerungshormon (TRH) kontrolliert wird, welches im Hypothalamus (eine Hirnregion) gebildet wird. In den allermeisten Fällen ist die Unterfunktion bedingt durch eine verminderte Produktion des Hormons in der Drüse selbst - in seltenen Fällen liegt der Mangel beim Steuerungshormon (TSH) oder gar dem übergeordneten Releasing-Hormon (TRH). Die übergeordneten Steuerungshormone reagieren empfindlich auf die im Blut vorhandene Hormonmenge - eine Erhöhung des Thyroxins lässt die Steuerungshormonauschüttung sinken, eine Senkung der Hormonmenge lässt sie steigen. So wird gewährleistet, dass der Thyroxin-Spiegel ständig dem aktuellen Bedarf entspricht.
Sinkt nun also die Hormonmenge aufgrund einer Schädigung der Schilddrüse wie bei Lona, so wird die Ausschüttung des Steuerungshormons TSH erhöht und es resultiert das klassische Laborbild einer Schilddrüsenunterfunktion: Ein erniedrigtes T4 und ein erhöhtes TSH.
Trotzdem die Schilddrüsenunterfunktion schmerzlos ist, kann der Hormonmangel eine ganze Serie von Problemen verursachen - von Gewichtszunahme, Müdigkeit, Hautveränderungen und Haarverlust über ständige Ohrenentzündungen, Speiseröhrenerweiterung und Verhaltensstörungen bis zu Unfruchtbarkeit.
Die Diagnose kann wie bei Lona manchmal recht einfach und klar sein; manchmal ist sie insbesondere bei widersprüchlichen Blutresultaten ein ganzes Stück Arbeit: Eine ganze Serie von Umständen (zB gewisse Medikamente oder jegliche unterliegende Erkrankung) kann den Thyroxinspiegel im Blut unter den Normalwert sinken lassen, obwohl die Hormonproduktion normal ist.
Grafik: Geo-Science-International - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47357720