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«Das schwarze Schaf, das bin ja ich!» Diese entrüstete Feststellung machte meine Tochter vor sechs Jahren, als über die Ausschaffungsinitiative abgestimmt wurde.
Wir wohnten noch in Uster, waren gerade aus der S-Bahn ausgestiegen, und unsere Blicke fielen auf ein riesengrosses Plakat: Drei weisse Schafe auf rotem Hintergrund, eines davon kickt ein schwarzes Schaf aus dem roten Feld. Mein damals zehnjähriges Kind wollte wissen, warum das weisse Schaf das macht. Ich versuchte es ihr zu erklären. Meine Tochter ist zur Hälfte Südländerin und identifiziert sich stark mit beiden «Hälften» ihrer Herkunft. Sie fühlte sich durch das Plakat arg angegriffen und fand es zudem beleidigend für ihren Vater.
Sechs Jahre später: Meine Tochter kommt empört nach Hause. «Die haben schon wieder ein schwarzes Schaf auf dem Abstimmungsplakat! Ich finde das zum Heulen!» Noch immer empfindet sie diese Plakate als persönliche Verletzung. Deswegen habe ich zur Charmekeule gegriffen: Ich habe den Flyer für die Durchsetzungsinitiative aus dem Altpapier gefischt und das schwarze und das weisse Schaf ausgeschnitten. Dazu schnipselte ich kleine Herzen aus dem roten Hintergrund. Auf unserem Briefkasten schauen sich nun die beiden Schafe ins Gesicht, dazwischen steigen Herzlein in die Höhe. Machen Sie es mir nach?