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Wie bei jeder Erkrankung sollte auch die Behandlung einer MS den Betroffenen möglichst grossen Nutzen bringen, gleichzeitig aber mit so wenig Risiken wie nötig verbunden sein. Wie Prof. Piehl (Karolinska Universitätsspital, Stockholm/Schweden) zu Beginn seines Vortrags darlegte, zeigten Studien, dass die Antikörper Ocrelizumab, Ofatumumab und Rituximab (sogenannte «Anti-CD20-Antikörper» oder «B-Zell depletierende Therapien») eine sehr starke Unterdrückung der entzündlichen Krankheitsaktivität bewirken.
«Wir setzen diese Antikörper, vor allem Rituximab, in Schweden daher sehr häufig ein. Dies, sowohl direkt nach der Diagnose der Erkrankung, als auch bei Betroffenen, die vorgängig mit Interferonen, Glatirameracetat oder Natalizumab behandelt wurden», schilderte er. Auswertungen von Daten, die in Schweden in den vergangenen Jahren zum praktischen Einsatz der Antikörper gesammelt wurden, bestätigen die gute und längerfristig anhaltende Kontrolle der Erkrankung durch diese Art der Behandlung, vor allem auch beim frühen Einsatz direkt nach der Diagnose. «Wie wir zudem sehen konnten, bleibt ein Grossteil der mit B-Zell depletierenden Therapien behandelten Personen auch über längere Zeit ihrer Behandlung treu», so der Experte.
Die Kehrseite der Medaille
Wie Prof. Piehl weiter ausführte, geht der grosse Nutzen der Anti-CD20-Antiköper aber auch mit gewissen Risiken einher. «Ursprünglich wurde diskutiert, ob die Behandlung mit diesen Antikörpern zu einem erhöhten Risiko für Krebserkrankungen führen könnte», erläuterte er. Untersuchungen mit längerer Nachbeobachtung haben jedoch gezeigt, dass dies nicht der Fall zu sein scheint. Allerdings zeigen Studien mit Daten über eine längere Behandlungsdauer ein erhöhtes Risiko für Krankenhausinfektionen im Vergleich zur Behandlung mit Interferonen oder Glatirameracetat. «Es gibt nun auch Hinweise darauf, dass schwerere Infektionen das Risiko eines Fortschreitens der Behinderung bei Menschen mit MS erhöhen können», betonte Prof. Piehl in diesem Zusammenhang.
Verlängerung des Therapieintervalls als Lösung
Die schwedischen Neurologen haben in der Folge nach Strategien gesucht, um einerseits den hohen Nutzen der Anti-CD20-Antikörper zu erhalten, gleichzeitig aber das Risiko für Infektionen zu reduzieren. «Eine mögliche Lösung sahen wir in der Verlängerung des Intervalls zwischen zwei Medikamenten-Applikationen. Ein Grossteil unserer MS-Betroffenen enthält daher nur noch alle 2 Jahre eine Rituximab-Infusion», beschrieb er das Vorgehen.
Die bisher durchgeführten Studien zeigen zwar, dass das Risiko von Schüben auch bei deutlich verlängerten Behandlungsintervallen nicht zunimmt. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um zu prüfen, ob das Risiko einer Behinderungszunahme gering bleibt.
Prof. Piehl und sein Team führen nun solche Studien durch, teilweise in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Basel: Zum einen untersuchen sie den relativen Nutzen eines frühen Beginns der Anti-CD20-Therapie im Vergleich zu anderen MS-Medikamenten bei Menschen mit neu diagnostizierter schubförmiger MS. Zum anderen befassen sie sich mit der Frage, ob grössere Dosierungsintervalle das Nutzen-Risiko-Verhältnis für Menschen verbessern, die schon länger an MS leiden.
«MS State of the Art Symposium»
Das «MS State of the Art Symposium» ist der bedeutendste Fachkongress zum Thema Multiple Sklerose in der Schweiz und wird von der Schweiz. MS-Gesellschaft und ihrem Medizinisch-wissenschaftlichen Beirat organisiert. 2024 fand das Symposium am 27. Januar im KKL Luzern statt.