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Geschichte INCA / ILS
Die Frères und die Schweiz
Immer wieder hört man von Eltern, die mit ihren Söhnen das Institut Catholique Neuchâtel besichtigen, dass ihnen die "Frères" als Orden überhaupt nicht bekannt sind. Dabei wirkten die ersten Frères schon vor etwa 270 Jahren in der Schweiz. Bereits 1750 eröffneten sie ein erste Schule in Estavayer-le-Lac. Nach Estavayer-le-Lac folgten diverse Gründungen, bis dann 1863 die ersten Frères nach Neuchâtel kamen, um dort eine schon bestehende Primarschule zu übernehmen. Der erste Biograph von Jean-Baptiste de La Salle, Frère Bernard (Jean d'Auges), stammte aus Fribourg. Sehr wahrscheinlich begegnete er schon 1713 zum ersten Mal dem Ordensstifter de La Salle.
Quelle aller Artikel: Institut Catholique - Ouverture sur la vie 1893 - 1993
Waum ein Pensionat in Neuchâtel?
Neuenburg war im 19. Jahrhundert Universitätsstadt geworden und eine städtische Handelsschule bot den Deutschschweizern die Möglichkeit, ihre zweite Landessprache gründlich zu erlernen. Dies wusste Fr. Joseph, der Generalobre der Frères, als er 1888 die Communauté von Neuchâtel besuchte. Auch von katholischer Seite, so schlug er vor, sollte jungen Menschen die Möglichkeit geboten werden, ihre Französischkenntnisse zu verbessern und in einem Internat zu wohnen.
Der Start vor 130 Jahren
Zur Zeit wirkte schon seit 20 Jahren Frère René-Marie Ribeau von den Frères und der Bevölkerung geschätzt, als Directeur der Ecole Catholique von Neuchâtel. Der Pfarreirat und Pfarrer Berset stimmten dem Vorhaben des Generalobern zu. Deshalb entschloss man sich am 24. Juni 1890 zum Kauf (CHF 180'000) der "Propriété Nicolet" (Faubourg du Crêt 31, heute Maladier 1).
Im Vertrag zwischen dem Generalobern der Frères und Pfarrer Berset, "président de la Société libre des catholiques romains de Neuchâtel", wurden unter anderem folgende Bestimmungen festgehalten:
- das "Hôtel Fauche" soll der Primarschule sowie dem Pensionat dienen
- das "Institut des Frères" hat eine jährliche Miete nach der Anzahl Pensionnaires zu entrichten, ausserdem für entstehende Ausgaben für Mobiliar oder Einrichtungen des Pensionats aufzukommen
- sollte der geplante Kirchenbau auf diesem Gelände verwirklicht werden (im jetzigen Schulhof), so wir ein neuer Vertrag erstellt
In kurzer Zeit wurden die nötigen Umbauten vorgenommen. Vorgesehen war Platz für ca. 30 Pensionäre.
Die Eröffnung des Pensionats fand am 1. Oktober 1893 statt, aber in weit bescheidenerem Masse als erhofft. Zuerst meldeten sich nur drei interne Schüler aus Goldau (SZ) an, später folgten deren fünf. In einem Brief von 1892 meinte Pfarrer Berset noch, dass keine Zweifel bestünden bezüglich des Bedarfs für ein Internat. Er beantworte jährlich zwanzig bis dreissig solche Anfragen aus der Deutschschweiz.
Warum das Pensionat bald wieder geschlossen wurde
Wie aus dem erwähnten Brief von Pfarrer Berset zu entnehmen ist, zeigte sich offenbar Frère René-Marie in Sachen Ausgaben zu wenig grosszügig bei der Inbetriebnahme des Internats. Sein Nachfolger, Frère Robustien, war Franzose und konnte sich scheinbar zu wenig in die Mentalität der Schweizer einfühlen. Jedenfalls stagnierte auch unter seiner Leitung die Zahl der Anmeldungen für das Pensionat. Zehn Schüler meldeten sich für Oktober 1894 an, und an Ostern des folgenden Jahres schmolz diese Zahl auf drei, vier Schüler. Pfarrer Berset glaubte aber auch, einen Grund für das geringe Interesse der ersten Jahre zu kennen: Diese jungen Deutschschweizer fügten sich nur widerwillig den disziplinarischen Anforderungen. Somit wurde der Vertrag am 24. Juni 1896 gekündigt und das Pensionat geschlossen.
Übrigens... Eine Übernachtung kostete dazumal im Institut monatlich CHF 60.00...
Die Regierung Frankreichs und das Institut Catholique
1904 war ein schlimmes Jahr für die Frères von Frankreich. Kirchenfeindliche Gesetze brachten die Schliessung vieler Schulen der Frères mit sich. Die leitenden Instanzen der französischen Ordensprovinz, welcher die Frères von Neuchâtel unterstellt waren, erwogen deshalb eine Wiedereröffnung des Pensionats. Nach Rücksprache mit dem Ordensgeneralat von Rom kamen wieder Frères nach Neuchâtel mit konkreten Vorschlägen für eine Neueröffnung. Eine eigens dazu einberufene Pfarreiversammlung sprach sich einstimmig dafür aus.
Frère Directeur Raynaud, ein Elsässer, schloss für das erwähnte Hôtel Fauche einen dreijährigen Mietvertrag ab. Im 2. Stock richtete man zwei kleine Schlafsäle ein, ein kleiner Pferdestall im Hof wurde entfernt, modernere Toiletten wurden eingebaut, und somit war der Wiedereröffnung des Internats nichts mehr im Wege. Dies geschah im Oktober 1904.
Das «Typische» am INCA von 1905 bis heute
Während der Amtszeit von Frère Raynaud Albisser (bis 1917) zählte das Internat durchschnittlich 25 Schüler. Davon aber besuchte regelmässig eine gewisse Anzahl die öffentlichen Schulen, vor allem die städtische Handelsschule. Dieser Umstand bewog die Frères, selbst einen «Cours commercial» zu eröffnen. 1905 besuchten ihn 12 Schüler (6 interne und 6 externe). Folgende Fächer wurden unterrichtet: Französisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte, Geographie, Buchhaltung, Handelskorrespondenz, Kaligraphie und Stenographie. Um diesen Kurs zu fördern, aber auch als Folge von disziplinarischen Problemen, nahmen man ab 1907 keine Pensionäre mehr auf, welche die öffentliche Handelsschule besuchen wollten.
Ein erster mutiger Schritt der Frères
Nachdem die Neuenburger Katholiken im Jahr 1897 ihre neue Kirche, «l’Eglise Rouge» erbauen liessen, spürten sie die finanzielle Last dieses Unternehmens immer mehr. Man hatte deshalb die Absicht, einen Teil des erworbenen Schulgeländes zu verkaufen. Um eine Zerstückelung des Grundstückes zu verhindern griff Frère Raynaud ein und bat seine Vorgesetzten darum, das ganze Grundstück zu erwerben.
Die erste lakonische Antwort aus Rom lautete: «Quoi faire? Et où trouver l’argent nécessaire pour faire une semblable acquisition?».
Nach langem Hin und Her war es aber dann am 15. Juni 1909 so weit: Der eigens dafür gegründet Verein «La Sauvegarde» gelangte in den Besitz des Hôtel Fauche.
Ein zweiter mutiger Schritt der Frères
Ein Nachbar hatte sich zwar auch nach dem Kaufpreis erkundigt, aber zu spät … Die Frères erwarben das ganze Grundstück, weil sie die Absicht hatten, ihren Wirkungskreis in Neuchâtel auszudehnen. Man wollte ein stattliches Gebäude für die Primarschule und das Pensionat errichten.
Frère Géraldus aus Clermont-Ferrant zeichnete die ersten Pläne. Sie wurden dann vom Architekten U. Grassi aus Neuchâtel ergänzt und den zuständigen Behörden vorgelegt, die sie behaltlos annahmen.
Das heutige INCA wächst aus dem Boden
Wo jetzt das Pensionat steht, erhob sich 1911 noch ein kleines einstöckiges Wohnhaus. Es musste abgerissen werden. Am 10. August 1911 konnte man mit den Aushubarbeiten für die Fundamente des neuen Gebäudes beginnen. Zwei Wochen darauf, am 26. August, fand die Einsegnung des Grundsteins durch Pfarrer Mouthod statt. Fünf Frères der Institutsleitung, neun Frères der damaligen Communauté und viele Freunde und Gäste waren zugegen.
Die Bauarbeiten gingen erstaunlich rasch voran: nach nur einem Jahr Bauzeit war das Pensionat bezugsbereit. Es war das zweite in Neuchâtel errichtete Eisenbetongebäude. Mit dem ersten dieser Bauart hatte man Probleme, deshalb wurde beim Bau des Pensionats weder an Eisen noch an Zement gespart! Die damals offiziell ausgeführte Belastungsprobe ergab eine Senkung von nur 0.5 mm! Nach den Sommerferien konnten drei Primarklassen in die neuen Räume des ersten Stocks einziehen. Am 25. September richteten sich 27 Pensionäre in zwei neuen Klassenräumen im 2. Stock ein. Der neue Schlafsaal im 3. Stock war ebenfalls bezugsbereit. Einige Zimmer im 4. Stock wurden Schülern zugeteilt, die ihre Ausbildung in der städtischen Handelsschule weiterführten.
Was hat sich im Gebäude verändert seit 1911?
Die Grundnutzung des Hauses blieb erhalten. Nur das ganze Erdgeschoss (jetzt Spiel- und Studiersaal) war zu Beginn eine Kapelle mit zwei Reihen von je 17 Bänken. Schon 1918 wurde diese zu grosse Kapelle unterteil. Vier Klassenräume (Hofseite) mit einem drei Meter breiten Gang bildeten den 1. Stock. Im zweiten standen zwei weitere Klassenräume, ein kleiner Mehrzweckraum, ein Bureau für die Direktion und ein Raum für Schulmaterialen zur Verfügung. Der 3. Stock bot Platz für 60 Betten. Der vierte Stock blieb bis heute unverändert, was die Aufteilung betrifft.
Erweiterung des «Hôtel Fauche» (1912)
Östlich vom Hôtel Fauche (Seite Postzentrale) stand ein kleines Gebäude, das im November 1911 niedergerissen wurde. Die Ordensobern hatten nämlich die Absicht, die Ausbildung für junge Franzosen, die das Leben als Frère kennenlernen wollten, nach Neuchâtel zu verlegen. Dazu waren wieder Neubauten notwendig. Man verlängerte deshalb das Hôtel Fauche durch einen Anbau nach Osten (heute: grosser Speisesaal und Aufbau). Auch diese Konstruktion ging sehr rasch voran. Nach nur 8 ½ Monaten Bauzeit war dieser neue Flügel fertiggestellt. Später sollte auch er dem Pensionat dienen. Mit einer kurzen Unterbrechung blieb diese Ausbildungsstätte für zukünftige Frères bis 1922 in Neuchâtel.
Mitten im Ersten Weltkrieg …
Übernahm Frère Rose Blime die Schulleitung, (6. Mai 1917). Er war aber kein Neuling, seit 1904 lebte er in Neuchâtel. Die erfreuliche Entwicklung des Pensionats nahm mit dem Krieg ein jähes Ende. Viele der Schüler waren bisher Franzosen. Politische und finanzielle Probleme bewirkten, dass in diesen Jahren nur noch wenige Pensionäre in Neuchâtel blieben. Die Schulgebäude dienten regelmässig als Unterkunft für internierte Zivilisten und Militärs. Die Kosten für die Pensionäre stiegen und die meisten Lebensmittel waren rationiert.
Französischkurse für Deutschschweizer
Pensionäre aus Frankreich kamen auch nach dem Krieg nur noch wenige, weil der Geldwechsel für sie sehr ungünstig ausfiel. Die Frères wandten sich in der Folge der Deutschschweiz zu und man passte die Lernprogramme dieser neuen Situation an. Ein besonderer Kurs wurde gegründet mit vielen Französischlektionen, und etwas Geographie, Arithmetik und Buchhaltung. Die Ferienkurse werden auch zu dieser Zeit das erste Mal erwähnt (1924).
Die Zahl der Pensionäre stieg nur langsam an. In den ersten Nachkriegsjahren zählte das Internat zwischen 20 und 30 Schüler. Ab 1925 stieg die Zahl auf etwa fünfzig an. Allerdings besuchte fast die Hälfte davon die städtische Handelsschule. Diesen Zustand hielt man für unbefriedigend. Ab 1926 nahm man deshalb nur noch wenige Schüler auf, die nicht die hauseigenen Sprachkurse besuchten. Zu erwähnen ist, dass die Anfänger damals den ersten zwei Klassen der Primarschule zugeteilt wurden. Sie erhielten aber zusätzlich noch einige Stützlektionen.
Damals noch ohne «plaquettes» und «coupons» …
Um die Fortschritte im Erlernen der französischen Sprache zu fördern, beschloss die Institutsleitung, dass die Deutschschweizer untereinander Französisch sprechen mussten. Das war 1924. Allerdings fiel diese neue Pflicht den damaligen Schülern sehr wahrscheinlich leichter als den jetzigen, denn der tägliche Kontakt mit den «Romands» war damals irgendwie natürlicher als heute. Die Disziplin wurde auch gestrafft: es gab weniger «sorties libres», auch für die Besucher der städtischen Handelsschule. Übrigens waren diese «sorties» zu jener Zeit nur als Belohnung für tadelloses Benehmen und gute schulische Leistungen gedacht.
Verschiedene Umbauten (1926 – 28)
Die Kapelle im Erdgeschoss des Pensionats war noch immer zu gross. Im Sommer des Jahres 1926 richtete man deshalb eine kleinere Kapelle im alten Gebäude ein, im 1. Stock (heute Videosaal und Klassenzimmer). Der grosse Saal im Erdgeschoss wurde als Spiel- und Theatersaal mit Bühne eingerichtet. Auch die Frères legten Hand an: Während den Osterferien 1926/27 tapezierten sie z. B. mehrere Zimmer für die Pensionäre. Im neuen Flügel des Hôtel Fauche wurde damals auch der grosse Speisesaal eingerichtet. Den früheren Speisesaal unterteilte man in ein Sprechzimmer und einen Billardsaal. (Das Sprechzimmer dient heute als kleiner Speisesaal für die Primarschule und der Billardsaal wurde zum Réfectoire der Frères). 1927 wurde dem Dactylounterricht ein eigener Raum zugeteilt. Im Jahr darauf verblieb nur noch eine einzige Klasse der Primarschule im neuen Gebäude.
Krisenjahr (1928 – 35)
Man kann den Vermutungen des Chronisten jener Jahre sicher zustimmen, wenn er als Ursache des zahlenmässigen Rückgangs der Pensionäre folgende Gründe angibt: die weltweite Wirtschaftskrise, der Geburtenrückgang und die besondere Krise im Hotelgewerbe (Hoteliersöhne waren stark vertreten). Im Jahre 1935 sind nur noch 12 interne Schüler verzeichnet. Das Institut war sogar auf die finanzielle Unterstützung des Ordensmutterhauses in Besançon angewiesen. Ein wirtschaftlicher Rückschlag anderer Art verschlimmerte die finanzielle Situation noch beträchtlich: Durch den Konkurs einer kanadischen Schifffahrtsgesellschaft verloren die Frères Aktien im Wert von CHF 35'780.00. Für das Jahr 1930 z. B. sah die Bilanz folgendermassen aus: Einnahmen: CHF 62'905.38; Ausgaben: CHF 62'975.88. Trotz der Schwierigkeiten war man immer darauf bedacht, das Haus in gutem Zustand zu erhalten. Deshalb konnte Frère Régimbert Clerget, ein Franzose, damals als Direktor in einer Chronik schreiben: «Tout a été entretenu dans la propreté et netteté qui caractérisent la Suisse».
Intensives religiöses Leben
Das religiöse Leben der Pensionäre wird in dieser Periode als vorbildlich geschildert. Es war eine marianisch geprägte Zeit. Sie fand auch ihren Ausdruck in einer Lourdes-Grotte, die ein ehemaliger Schüler im Hof errichtete, dort wo gegenwärtig die Kletterstangen stehen. Die Schule erhält vorübergehend den Namen «Pensionnat de l’Immaculée Conception». Mehrere Schüler folgten dem inneren Ruf und wurden Priester, Missionar, Frère oder traten in andere Ordensgemeinschaften ein.
Neubeginn mit Fr. Raynaud Carrard als Directeur
Schon zwischen 1921 und 31 war Frère Raynaud in Neuchâtel tätig. Seine Amtsperiode als Directeur (1935-46, Kriegszeit) sollte unvergesslich bleiben. Überall pries man seine liebevolle, grosszügige und verständnisvolle Art, mit allen ihm Nahestehenden umzugehen. Frère Raynaud – damals 48jährig – stammte aus Estavayer-le-Lac und war Sohn eines Dampfschiffkapitäns.
Die Ausgangslage war sehr prekär: 7 Pensionäre im September 1935. Fr. Raynaud schrieb dazu in die Chronik: «C’est lamentable!» Dies sollte sich aber bald ändern, dank der mutigen und vielseitigen Massnahmen, die er zur Verbesserung der Situation einleitete.
Der «clevere Manager»
Dieser moderne Ausdruck stellt nur eine Seite von Frère Raynaud dar, denn er war ein tiefgläubiger Mensch, hatte volles Vertrauen in Gott. Von seinen Vorgesetzten «erhielt» er als willkommene Lehrkräfte mehr als ein Dutzend gut ausgebildete deutsche Brüder. Sie blieben zwar meistens nur kurze Zeit in Neuchâtel, weil für sie ein Einsatz im Nahen Osten geplant war. Trotzdem halfen sie sehr effizient am Erneuerungsprozess des Internats mit. Dann wurden 1'200 neue Prospekte in die ganze Deutschschweiz versandt. Schliesslich beauftragte Fr. Raynaud noch einen Mitbruder, während den Ferien über mehrere Jahre Pfarrer und Familien zu besuchen, um das Institut bekannt zu machen und neue Schüler anzuwerben.
Der Erfolg blieb nicht aus. Schon für den Frühjahrseintritt von 1936 vervierfachte sich die Zahl der Pensionäre und drei Jahre danach sind es zum ersten Mal über hundert. Dasselbe gilt für die Ferienkurse. Die durchschnittliche Schülerzahl betrug nahezu 90.
Im Jahresbericht liest man: «Ces derniers chiffres sont encourageants, ils témoignent du savoir-faire du cher Frère Directeur, du zèle des Frères et de la compétence des professeurs». (1938)
1946 gründete man erstmals eine «Vereinigung ehemaliger Schüler des Internats» und die Zeitschrift «Entre Nous» (später «Face à la vie»). Während die Vereinigung nur einige Jahre bestehen blieb, erschien die Zeitschrift ohne Unterbruch bis 1981.
Fr. Raynaud liess 1943 eine damals hochmoderne Küche einrichten und auch der Studiensaal wurde renoviert.
Im Konzentrationslager der Nazis hatte er es gelobt…
sich ganz für die Jugend einzusetzen. Obwohl Schweizer Staatsbürger – aber damals in Besançon tätig – wurde Frère Joseph Clémence am 11. Oktober 1941 dort von der Gestapo verhaftet und kam dann auf Umwegen (Fresnes (Paris) – Regensburg – Sonnenburg Brandenburg) für 40 Monate in deutsche Gefangenschaft. Sein Gelöbnis hat Frère Joseph (Directeur von 1946-55 und 55-57) während seines segensreichen Wirkens im Institut Catholique ganz sicher realisiert. Ein sichtbares Zeichen davon waren die vielen Jugendlichen, die sich nach ihrem Institutsjahr für das Leben als Frère entschlossen hatten, nämlich über dreissig. Frère Joseph übte das Amt als Directeur und Préfet gleichzeitig aus. Die verschiedenen Räumlichkeiten der beiden Häuser wurden methodisch renoviert. 1949 wurde die Lourdes-Grotte in die Kurve der Hofeinfahrt versetzt, wo ein Brunnen steht. Die Kapelle fand 1950 ihren jetzigen Platz. Das interne Telefonnetz wurde 1953 erweitert, die Duschräume wurden saniert und vieles andere mehr. Es wurde somit möglich, weitere Schüler aufzunehmen: jährlich ca. 140.
Nicht die Marseillaise, sondern das «TE DEUM» singen wir jeweils am 14. Juli.
Dies obwohl in den ersten 50 Jahren der Geschichte des Internats hauptsächlich französische Frère in Neuchâtel tätig waren. Am 14. Juli 1954 ging nämlich die herrlich gelegene Liegenschaft von Fontaine-André in den Besitz der Frères über. Dies Dank der Vermittlung von M. Henry Brissot, damals Arithmetik Lehrer im Institut.
In Fontaine-André konnte man ohne viele Umstände direkt 50 Pensionäre logieren. Sie wurden täglich von den Transports Neuchâtelois ins Institut gefahren. Somit stieg die jährliche Schülerzahl auf rund 185 und es blieb dabei bis 1973.
Der Préfet von nahezu 3'000 Schülern
Frère Leo Egli trat im Jahre 1957 die Nachfolge von Frère Joseph Clémence als Präfekt an. Er blieb es bis 1972. Die 190 Schüler pro Jahr zu dieser Epoche wurden von 10-14 Frères unterrichtet und betreut – bis 1961 kam noch ein Laie (M. Brissot) dazu. Man lebte zwar schon ein bisschen zusammengepfercht, aber man war zufrieden, wie es scheint…
Diese vielen Schüler – man kann von einer «Glanzperiode» der INCA-Geschichte reden - kannten das «Insti» einzig und allein von der Mundpropaganda. Zwei Zahlen sollen dies erhärten. Aus der alljährlich durchgeführten Umfrage bei den Schülern am Ende des Schuljahres wissen wir, dass über 90% mit ihrem Institutsaufenthalt «sehr» oder «recht» zufrieden waren und die Schule auch weiterempfehlen wollten. Ein anderes Anzeichen erfolgreicher Mundpropaganda: Jeder siebte Schüler war damals Bruder eines Ehemaligen. Übrigens sind diese Zahlen bis zum heutigen Tag ungefähr gleichgeblieben. Nie hatte man die geringste Sorge, genügend Schüler zu haben, ganz im Gegenteil. In den sechziger Jahren musste man regelmässig jährlich um die 200 Anfragen abweisen. Die Chronik vom Jahre 1964 spricht sogar von 500 Bewerbungen, die man nicht berücksichtigen konnte.
Das INCA-Jahr, ein «Noviziat» für das christliche Leben…
So kann man in der Chronik des Jahres 1965 lesen: «Des prêtres amis prétendent que nos élèves internes font un vrai noviciat de la vie chrétienne pendant cette année à l’INCA.» Ein Ehemaliger aus dem Jahre 70-71 meint, dass ihm «die lebensnahe Auslegung von Evangelien Texten durch Frère Leo» in besonderer Erinnerung bleibt.
Die vielen positiven Eindrücke aus jener Zeit sind wohl auf ein ganzes Ensemble von Fakten zurückzuführen. Einiges sei hervorgehoben. Jeden Abend vor dem Schlafengehen erzählte Frère Leo «aus dem Leben» («les fameuses réflexions»). Viele Gemeinschaftserlebnisse prägen das Jahr: Schweigemarsch, Besinnungstage (damals hiessen sie «Exerzitien»), das Fest der Muttergottes am 8. Dezember, die Weihnachtsaktion, die «Jazzmessen», ökumenische Begegnungen (z. B. mit den Soeurs von Grandchamp), Vorträgen von Fachleuten (z. B. Fussballtrainer, Soziologen…), Kontakte mit der Dritten Welt (Bischöfe aus Kamerun, Haïti, Vietnam, Brasilien, Tansania, Indien… besuchten die Schüler), Verbindungen mit «modernem Ordensleben» (Focolari, Gen-Rosso, Loppiano), ausserdem Fussballtreffen, Skiausflüge, Winzerfest, Theaterabende, viele Exkursionen…
15 Sträflinge dürfen das Gefängnis verlassen…
«Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.» Sehr viele Schüler durften dieses Christuswort in die Tat umsetzen. Mehrmals jedes Jahr spielte die Schülermannschaft – und sie tut es jetzt noch – gegen die Fussballer von den Gefängnissen Witzwil oder Bellechasse. Das war nicht nur Spiel, das war auch menschliche Begegnung. 1966 kam es zu einem Gegenbesuch – eine Premiere für Witzwil. Die Gefangenen verloren zwar den Match, aber einer schrieb nachher: «…Wir hatten also doch einen Sieg errungen, und durch unser korrektes Verhalten haben wir uns Freunde geschaffen…».
Ausbildung der Frères
190 Schüler, das verlangte den vollen Einsatz aller Kräfte. So geriet in den fünfziger Jahren die vollständige Ausbildung der jungen Frères ein wenig ins Hintertreffen. Die Direktoren danach holten dies auf. Das waren Frère Georges Cuenot (57-60), Frère Rollin Mougin (60-61), Frère Romaric Bedel, Frère Dominique Meyer (62-65), Frère Lucien Infanger (65-68), Frère Raymond Böhi (68-74). Fast alle jungen Frères verbrachten dann zuerst einige Jahre in den Lehrerseminaren des Ordens, wo sie in Frankreich (Besançon und Lille) das Baccalauréat als erstes Ziel erlangten. Nachher in dieser Zeitspanne von ca. 15 Jahren erarbeiteten rund 25 Frères ihre Lehrer- und Fähigkeitsdiplome in den verschiedenen Richtungen an den Universitäten Fribourg, Zürich, Neuchâtel, Besançon oder Lille. Einige von ihnen waren dabei sehr erfolgreich.
Jedes Jahr 700 Kindern eine Weihnachtsfreude.
Eine bis heute erfolgreiche Idee geht ebenfalls auf die Zeit unseres Frère Leo zurück. Er hatte 1957 die «Caisse des Pauvres» gestartet. Kinderreiche Bergbauernfamilien zu unterstützen und Gefangenen zu helfen, das waren zwei Grundgedanken dieser Initiative. Die ganze «Institutsfamilie» kommt dabei jedes Jahr zum Einsatz: Schüler durch den Einkauf, die Briefe und das Verpacken, Ehemalige durch die Spenden, Frères und Lehrer mit der Organisation. 1971 kam noch die Aktion «Ferien für Mütter» dazu. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit können so Geschenke im Wert von zehntausenden von Franken verteilt werden.
Hoher Besuch im Institut
Zwei ehemalige Bischöfe, Mgr. F. von Streng (1968) und Mgr A. Hänggi (1971), konnte Frère Leo als Präfekt den Schülern dieser Jahrgänge vorstellen. 1970 war es unser Generalobere aus Rom, Frère Charles-Henry, der uns mit seinem Besuch ehrte.
Bauen? Kaufen? Übernehmen? Diversifikation
Fontaine-André ist nicht nur ein schönes Haus. Es ist umgeben von 20 Hektaren herrlich gelegenem Terrain. Und in den 60er Jahren «boomte» das INCA an Frères. Es fehlte weder an Schülern noch an Frères… Sollte in Fontaine-André ein neues Institut gebaut werden? Sollte das Institut «Clos Rousseau» in Cressier gekauft werden? Die deutsche Provinz bat um Frères aus Neuchâtel als Hilfe für ihr Haus in Knutwil. Der Bischof schlug die Übernahme vom Institut Stavia in Estavayer-le-Lac vor. Alle diese Möglichkeiten wurden ernsthaft erwogen und diskutiert. 1969 wurde ein Baukomitee gegründet mit einem Architekten und Psychologen. 1972 kam die Frères-Vollversammlung dann zum Entscheid, keine dieser Alternativen weiterzuverfolgen. Die Frères sollten sich eher an weiteren Orten engagieren. Dazu kam es dann schliesslich auch. Ab 1970 wirkten mehrere Frères in den katholischen Schulen in Zürich, andere halfen bei der Pfarreiarbeit mit oder widmeten sich sozialen Engagements. Auch Einsätze in der Dritten Welt wurden erwogen. In Fontaine-André wurde ab 1973 eine Auffangstation für Jugendliche in Notsituationen geführt.
Frère Raynaud, Frère Ambroise und Monsieur Brissot sind nicht mehr.
Sie alle sind in diesen sechziger Jahren verstorben. Frère Raynaud Carrard darf man wohl als denjenigen betrachten, der das Institut wieder zur vollen Blüte brachte und es in der deutschen Schweiz neu bekannt machte. Güte, Einsichtsfähigkeit, viel gesunden Menschenverstand, Pietät und grosse Menschlichkeit machten ihn beliebt bei Mitbrüdern, Zivillehrern und Schülern. Er starb in Besançon als 73jähriger.
Frère Ambroise Epple war 12 Jahre lang im Institut als Deutschlehrer und Schneider. Wie viele Soutanen hat er doch für die Frères angefertigt. 1959 verliess er Neuchâtel und verbrachte die letzten acht Jahre seines Lebens in Italien, wo er nach langer Krankheit Ende 1967 verstarb.
Welch Ehemaliger, der ihn gekannt hat, erinnert sich nicht an den jeweiligen Arithmetik-Lektionsbeginn: «Bonjour Messieurs, assoyez-vous, prenez votre cahier de brouillon.» Elf Jahre hindurch unterrichtete M. Brissot dieses Fach. Ihm verdanken wir auch, dass wir 1954 Fontaine-André kaufen konnten.
«L’habit ne fait pas le moine»
So etwa dachten die meisten Frères im April 1967, als sie nach den Reformen des Konzils und ihres Generalkapitels zum letzten Mal das Kleid trugen, das alle Schüler bis dahin mit dem Wort «Frère» in Zusammenhang brachten. Das historische Erscheinungsbild mit der schwarzen Soutane, dem Dreispitz und allen anderen Accessoires sollten aus dem Stadtbild von Neuchâtel verschwinden. Seit 1863 war es dort bekannt und verursachte manchmal Verwechslungen mit den reformierten Pastoren.
Modernisierung im Institut
Der Hauptakzent während der 60er und frühen 70er-Jahre lag sicher im Bereich, den man als «l’esprit de la maison» bezeichnen könnte. Aber die verschiedenen Direktoren dieser Periode vernachlässigten auch den materiellen Bereich keinesfalls. Im Jahre 1963 bekam die Hauskapelle (grösstenteils von den Ehemaligen finanziert) ein ganz neues Aussehen. Frère Leo engagierte damals für die künstlerische Gestaltung Bruder Xaver aus dem Kloster Engelberg. 1965/66 ersetzte man alle Pulte im Studiensaal sowie die Tische im Speisesaal. Neue Klassenpulte gab es 1971. Das Krankenzimmer wurde 1964-65 ganz renoviert. Gleichzeitig musste der Ölheizkessel erneuert werden. Der Hof bekam 1968 eine neue Asphaltschicht. Um der Küchenmannschaft die Arbeit zu erleichtern, wurde unter der Verantwortung von Frère Kurt 1971 im entsprechenden Gebäude ein Lift eingebaut. Der grosse Schlafsaal wurde 1967 zu Gruppenabteilen umgerüstet und möbliert.
Die Allianz mit der Alliance
Natürlich war das hauseigene «Diplôme de langue et de commerce» immer noch für viele Schüler der krönende Abschluss ihres Neuenburger Aufenthaltes. Ein recht grosser Anteil versuchte auch zwischen 1954 und 1968, das Schreibmaschinendiplom «Aimé Paris» zu erwerben. Die grosse Neuerung aber trat 1970 ein. Zum ersten Mal gelang es damals 33 von den 37 Kandidaten, das «Diplôme de langue française» der «Alliance Française» aus Paris zu bestehen. Die Frères François Riechsteiner und Rolf Schaad hatten zuvor das «Diplôme de professeur» in Paris gemacht und erreicht, dass eine der Hauptverantwortlichen dieser internationalen Institution – Madame M. C. Hameau – nach Neuchâtel kam, um das Terrain für diese Examen vorzubereiten. Seither besteht in unserer Schule die Möglichkeit, diese Prüfungen hier zu machen. 15 Jahre lang kam Madame Hameau ins Institut und nahm die schriftlichen und mündlichen Examen ab. Ab 1976 konnten sich auch die Mädchen vom Pensionat Montmirail den Prüfungen stellen. In den letzten Jahren waren dabei noch nahezu 10 andere Schulen beteiligt. Seit 1970 haben 877 unserer Schüler dieses allgemein anerkannte Sprachdiplom bestanden. Das ist im Schnitt etwas mehr als ein Drittel der ganzen Schülerschaft.
Drei Ostschweizer am Steuer …
Als Nachfolger von Frère Leo übernahm an Ostern 1972 Frère Antoine (Réole) Galliker die Rolle des Préfet. Er übte diesen Posten bis 1981 aus, in erfreulicher harmonischer Zusammenarbeit mit drei aus der Ostschweiz stammenden Direktoren. Frère Raymond Böhi war Directeur des INCA von 1968 bis 74, Frère Othmar Würth von 1974 bis 80 und Frère Richard Böhi, Bruder des erstgenannten, von 1980 bis 88. Die so mit der Leitung betrauten Frères waren nie nur mit administrativer Arbeit beschäftigt, ganz im Gegenteil. Sie alle hatten auf verschiedene Art immer wieder direkten Kontakt zu den Schülern. Sie waren z. B. gleichzeitig Schreibmaschinen-, Religions-, Französischlehrer, hatten Aufsicht im Schlafsaal, leiteten die Gruppe der Volontaires und beteiligten sich mit ihnen an den Reinigungsarbeiten.
Die Funktion des Klassenlehrers neu gelagert
Frère Antoine war es wichtig, das Internat nicht allein zu leiten. Er wollte eher als Primus inter pares wirken, er wünschte sich vielmehr Teamwork. Die Klassenlehrer erhielten neue Aufgaben zugeteilt. Sie sollten auch vermehrt den direkten Kontakt zu den Eltern ihrer Schüler pflegen. Die verschiedenen Konfliktsituationen sollten gemeinsam angegangen werden. Dies verlangte natürlich grösseren Informationsfluss und intensiveres Zusammenarbeiten zwischen Préfet und Klassenverantwortlichen.
Vor Platznot fast geplatzt
Zu Beginn seiner Amtsperiode hatte Frère Antoine wie Frère Leo zuvor 190 Schüler zu betreuen. Es waren 6 Klassen zu je 30 Schüler (dazu kamen noch die Volontaires). Im Schuljahr danach, weil Fontaine-André die schon erwähnte Zweckbestimmung erhielt, machte man einen ersten Versuch mit 3 Klassen (3 mal 28 Schüler), dann zwei Jahre lang 4 Klassen (3 mal 28 und 1 mal 24 Schüler). Ab 1979/80 entschied man sich für 3 Klassen zu 28 Schülern und so blieb es für drei Jahre. Die Schülerzahl ist also stufenweise von 180 auf 90 gesenkt worden und zwar bewusst aus pädagogischen Erwägungen: Die Räumlichkeiten an der Maladière waren einfach nicht für 180 Schüler gedacht … Somit führt das Institut seit dem Schuljahr 1982-83 vier Klassen, drei mit 24 und eine mit 20 Schülern.
Willkommene Neuerungen für die Schüler
Ab Mitte Schuljahr jedes zweite Wochenende nach Hause gehen können (seit 1971), sich nicht mehr obligatorisch mit der Steno abrackern müssen (1972), am Sonntagmorgen ausschlafen dürfen (1976) – «lever glissant!» (1976) – einen vollständig erneuerten Spiel- und Studiersaal zur Verfügung haben (1977), im vierten Stock frisch gestrichene Zimmer beziehen können (1978) – das alles wurde von den damaligen Schülern sehr geschätzt. Auch eine Sportart – der Handball nämlich – war in den siebziger Jahren «neu» in dem Sinne, dass unsere Mannschaft regelmässig und mit beachtlichem Erfolg in der Regionalliga spielte. Übrigens integrierte man damals den Sportunterricht in die eidgenössische Organisation «Jugend und Sport».
Weiterbildung bei den Frères
An den Universitäten Fribourg und Zürich und an der Handelsschule Neuchâtel beendeten in diesen Jahren einige Frères ihre Ausbildung. Andere bemühten sich in den verschiedensten Bereichen um ihre Weiterbildung: durch Sprachaufenthalte in England und Italien, Teilnahme am Funkkolleg (Musik, Pädagogik), Kurse auch im sportlichen Bereich (Ski, Schiedsrichter) und an der Kunstakademie, Praktiken im Jugendheim Prêles oder im Gefängnis Bellechasse. Man sieht, dass der traditionelle Rahmen der Ausbildung gesprengt und erweitert wurde.
Die Frères in den Ferien
Bis 1973 verbrachten die Frères ihre Sommerferien meistens in Fontaine-André. In Erinnerung an die Prämonstratenser Mönche, die dort einmal ihr klösterliches Leben geführt hatten, sangen sie damals jeden Abend vor der Terrasse, nach Osten gerichtet, das Salve Regina. Es waren immer erholsame, aber auch nützliche Ferien, denn die Sommergäste verrichteten die verschiedensten Arbeiten in Wald und Feld: Instandstellen von Strassen und Waldwegen, von Wegbeleuchtungen, Heu- und Weizenernte, Reparaturen im Haus usw. waren anfallende Arbeiten. Alle legten nach Kräften Hand an.
Ab 1973 war diese Art Aufenthalt nicht mehr möglich. Die Ferienwege führten die Frères nun zu anderen Abenteuern … Mit dem Zelt ins damalige Jugoslawien, mit Zelt und 2 Vespas nach Südfrankreich, zu Mitbrüdern in die Bretagne, in die Skiferien nach Amden, Gstaad, Arosa, Sion oder Engelberg. Reich an Erinnerungen kehrten sie in den Schulalltag zurück. An eine Heimfahrt werden sich einige Frères zeitlebens erinnern. Im Sommer 73 kam der VW buchstäblich gerade noch zwischen mehreren grossen Felsblöcken hindurch, die auf die Strasse niederbrachen.
Als einziger Frère der Welt …
der jemals im Sold des Papstes stand, kann sich Frère Marc Hofer bezeichnen. Im Sommer 1973 leistete er zwei Monate lang Dienst in der bekannten Uniform der Schweizergarde im Vatikan. Frère Marc schrieb damals: «Beim Wacheschieben im päpstlichen Residenzpalast und an den drei Haupteingängen des Vatikanstaates versuchte der frischgebackene Hellebardier vor allem während der Geisterstunden, sich die Grundkenntnisse der italienischen Sprache anzueignen …».
Souvenirs, Souvenirs
Erfreulich gute Schulresultate sind in diesen siebziger Jahren zu verzeichnen. Es gelang durchschnittlich beinahe jedem zweiten Schüler, das «Diplôme de langue de l’alliance Française» zu erwerben. So intensives Lernen wurde aber regelmässig unterbrochen und aufgelockert. Die traditionellen Ausflüge nach Genf (Autosalon), nach Besançon und andern Destination, der Besuch der Suchard-Fabrik, die Soirées mit dem Appenzeller Toni Gauer, dem Schlagzeugspezialisten Reto Weber (Ehemaliger), dem Kabarettisten Tagad (Ehemaliger der Primarschule; er kam während mehr als 25 Jahren zu seinem Auftritt ins Institut), die Konzertbesuche bei der Gen-Rosso Band, damit sind sicher bei vielen Ehemaligen Erinnerungen verknüpft.
Was Schächental, Prêles und Nagamalai verbindet
Frère Antoine führte natürlich die guten Traditionen weiter, so auch die «Caisse des pauvres» (Weihnachtsaktion und Ferien für Mütter aus den Bergen). Aber er wollte diese pädagogisch und sozial wertvolle Aktivität noch erweitern und für die Schüler direkter konkretisieren.
Durch Frères Marcs Engagement in Indien (1978) kam ein Kontakt zu ganz armen Bevölkerungsschichten dieses Landes zustande. Andern Benachteiligten, ganz nahe bei uns, wurde durch persönlichen Einsatz am Ort geholfen. Es lag Frère Antoine am Herzen, den Schülern direkt bewusst zu machen, wie z. B. eine Bergbauernfamilie lebt, wie sie um die rein materielle Existenz kämpfen muss. Dreimal (1974, 75 und 77) fuhr eine Schülergruppe mit mehreren Frères ins Urnerland, um einer Bergbauernfamilie bei Bauarbeiten zu helfen. Dank der Initiative von Frère Romon Frey besuchten andere Schüler (ab 1980) regelmässig gleichaltrige Jugendliche im Jugendheim Prêles und verbrachten mit ihnen einen Teil ihrer Freizeit.
Nach uns die Zukunft
Wie weiter? Das war das Thema mehrerer Versammlungen der Neuenburger Frères im Verlauf des Jahres 1980. Man suchte unter der Leitung eines aussenstehenden Fachmannes (Priester und Psychologe) nach Lösungen. Dazu ein Zitat aus einer Chronik: «La vie de pension pour les jeunes de la génération actuelle est elle encore la bonne formule? Pour nous les Frères, qui voyons nos rangs s’éclaircir et viellir sans espoir de relève, l’avenir nous fait réfléchir sérieusement et nous cherchons quelle direction nous devrons prendre pour survivre.» Schlussfolgerung war, dass die Zusammenarbeit mit Laien zu intensivieren und gleichzeitig eine Erweiterung unseres Einsatzbereiches anzustreben sei.
Frères und Laien immer mehr miteinander …
In den ersten fünfzig Jahren des Pensionates waren fast alle Lehrer und Erzieher Frères. Obwohl die Personallisten aus den frühen Jahren mangelhaft sind, kann man annehmen, dass erstmals in den dreissiger Jahren Laienlehrer zum Einsatz kamen. Von 1962 bis 70 waren wieder «nur» Frères im Internat tätig. Ihre Zahl schwankte zwischen 10 und 14. Ab Ostern 1970 wurden dann regelmässig Laien engagiert. So kam z. B. 1973 Monsieur Fouad aus Ägypten und blieb 9 Jahre im INCA. Bei den Schülern war er als Arithmetik- und Sportlehrer immer sehr geschätzt. Seit diesen Jahren hat das Institut immer wieder Surveilants und Sportlehrer aus Afrika beschäftigt. Im Jahre 1985-86 waren ebenso viele Laien wie Frères im Institut tätig, und seither, besteht das Lehrer- und Erzieherteam mehrheitlich aus Laien.
«Au revoir Abbé Lang, Abbé Epple, Frère Roch …»
Sie alle hatten eine beträchtliche Zeitspanne ihres Lebens dem Institut geschenkt, waren markante und prägende Gestalten vom INCA. Sie starben in diesen Jahren: Abbé Otto Epple 1972, Abbé Johann Lang 1976 und Frère Roche 1980. Abbé Lang war sechzehn, Abbé Epple siebzehn Jahre lang Hausgeistlicher im Institut. Letzterer wirkte auch 12 Jahre als Deutschlehrer. Frère Roch unterrichtete nur zeitweise im Internat, aber er ist trotzdem vielen Schülern noch als unbestechlicher «Cantonal» (jetzt: Xamax)-Fan lebhaft in Erinnerung.
1981 – 89 Frère Romon Frey, Préfet
Directeur, Préfet und Krankenpfleger in einer Person…
Zu Beginn des Schuljahres 1981-82 übernahm Frère Romon Frey mit dem Präfektposten auch – wie jeder Préfet zuvor – die Leitung des Internats. Als Directeur war bis 1988 noch Frère Richard Böhi tätig, dann folgte ihm auch in dieser Funktion Frère Romon, der sie bis heute innehat. Zugleich ist er seit vielen Jahren und mit grossem Einsatz der Krankenpfleger des INCA. In den 80er Jahren engagierte man zu dieser Zeit auch immer mehr Laienlehrer, und wie es sich in einigen Fällen später erwies, hatte man in der Wahl nicht immer eine glückliche Hand. Das bedeutete für Frère Romon nicht selten eine harte und mühsame Mehrbelastung. Eine neue Entwicklung begann an Ostern 1986 mit der Ernennung von Monsieur Patrice Ettlin zum Schulverantwortlichen. Er übernahm die Organisation des Internats im schulischen Bereich und die Anstellung von Lehrkräften, in Zusammenarbeit mit dem Préfet.
Auf Juli 1992 ist Frère Romon nach zehn Jahren pausenlosen und sehr engagierten Einsatzes vom Amt des Préfet zurückgetreten. Er wollte sich wieder vermehrt dem Unterricht widmen, und hat nun den Cours C als Klassen- und Französischlehrer übernommen. Zudem übt er sich weiterhin in seinen handwerklichen Fähigkeiten als Verantwortlicher für Gebäudeunterhalt und Reinigung.
Nur noch Demi-Volontaires
Mit dem Schuljahr 81-82 waren zum letzten Mal Vollzeit-Volontäre im Institut. Seit über 60 Jahren hatten jeweils einige Absolventen des Jahreskurses die Möglichkeit mit Dienstleistungen im Haus die Kosten für ihr Welschlandjahr zu begleichen (Küche, Reinigung). Ab Ostern 82 wurden sie durch 12 «Demi-Volontaires» ersetzt. Sie zahlen etwas weniger als zwei Drittel des Pensionspreises, leisten aber täglich etwa 3 Stunden Küchendienst. Ein variables Taschengeld soll sie zur Arbeit motivieren. Daneben haben sie das gleiche Schulprogramm wie die andern Pensionäre. Frère Kurt ist es im Laufe der Jahre gelungen, beide Système in Sachen Effizienz und Präzision immer wieder zu verbessern. Die Führung einer Küche für 100 – 200 manchmal auch verwöhnte Kostgänger ist, wie man sich leicht vorstellen kann, nicht immer problemlos. Ausserdem sind einige Schüler im Kücheneinsatz infolge ihres grossen Tagespensums auch manchmal müde und unkonzentriert. Nach 33 Jahren Dienst hat Frère Kurt im Herbst 1992 das Internat verlassen. Er verbringt jetzt ein wolhverdientes « Sabbatjahr » in Fontaine-André. Da der Koch ins Pensionsalter kam, wurde der ganze Sektor «cuisine» neu organisiert. Ein Küchenchef trägt die Gesamtverantwotung, hat als direkte Mitarbeiter einen Verantwortlichen der Halbvolontäre und eine Hilfsköchin.
Mehr «Sorties» und «Week-ends»
Den Schülern am Wochenende etwas zu bieten, was für die meisten nicht du «déjà vu» ist, wurde immer schwieriger. Auch scheint für viele eine gewisse Frustration, die durch das Fehlen der gewohnten Umgebung entstehen kann, etwas schwerer erträglich zu sein als zu früheren Zeiten. Die freien Wochenende, seit dem Jahr 71 gängige Praxis, wurden deshalb im letzten Jahrzehnt sukzessive ausgedehnt. Zur Freude der Schüler, aber auch zur Entlastung der Betreuer, wurde ab Pfingsten 83 der vierzehntägliche Heimurlaub eingeführt (jedes zweite Wochenende).
Auch in der Ausgangsregelung spiegeln sich die gewandelten Gewohnheiten. Zum ursprünglich exklusiven Samstags-Sortie kam zuerst der Dienstag-Sortie hinzu, 1988 auf einen Vorschlag des Schülerrates hin noch der Donnerstag als freier Abend. Bei dieser Regelung ist es bis heute geblieben. Auch in der Schlafenszeit gab es kleine Veränderung. Wie die meisten Familien zu Hause, gehen nun auch die Schüler später zu Bett als vor zehn und mehr Jahren.
Plaquettes, coupons, bons, …
Diese Worte sind bei den meisten Ehemaligen mit mehr oder weniger unangenehmen Erlebnissen verbunden. Immer geht es um das zwar von den Schülern gewünschte, aber immer hart erkämpfte «Parler français». Dass es erwünscht ist, erfahren die Frères und Lehrer/innen an jedem Schuljahrende, denn dann sagen die Schüler jeweils lächelnd, dass sie in diesem Bereich mehr Strenge erwartet hätten. Das frühere Plaquettensystem wurde immer mehr als «Spitzelorganisation» empfunden. (Jeder Schüler, der einen andern deutsch sprechen hört, gibt diesem eine Plaquette weiter, und alle «Besitzer» einer solchen werden dann z. B. mit einer zusätzlichen Französischaufgabe oder einer kleinen Geldstrafe bedacht). Im Schuljahr 1984-85 wurden dann die immer noch berüchtigten «Coupons» erfunden. Jetzt nimmt ein Lehrer oder Erzieher dem Deutschsprechenden einen «Coupon». Parallel dazu händigte man eine Zeitlang aber auch denjenigen die viel französisch sprachen, ein «Diplôme de parler français» aus. Später kamen zu den «Coupons» noch «Bons» (also verschiedene Belohnungen). Ob es je ein ideales System gab? Kaum. Wenn ein Schüler nicht zum ganz persönlichen Entschluss gekommen ist, französisch zu sprechen, dann sind alle für ihn erdachten Mittel mehr oder weniger zwecklos. Das ist jedes Jahr wieder erlebte Realität.
Das Ende der «Surveillants» - es leben die «Educateurs» - Wichtige Reform in der INCA-Organisation
Seit dem Schuljahr 1989-90 wurde unter dem Impuls von Herrn P. Ettlin vermehrt der erzieherische Bereich des Internats verstärkt. In diesem Sinne wurde die Rolle der «Surveillants» zum Aufgabenbereich eines «Educateurs» erweitert, also eines Betreuers. (Siehe dazu Kapitel: «Das pädagogische Konzept des Institut Catholique» heute und morgen). Drei Educateurs sind vollamtlich tätig (ein Frère und zwei Laien) und einer im Halbpensum. Gleichzeitig haben wir die Organisation des Instituts geändert. Den schulischen Teil (08.00 – 16.00) und das eigentliche Leben im Internat (16.00 - 08.00) betreuen zwei gesonderte Teams. Beide Sektoren haben einen Verantwortlichen, den Schulvorsteher für den Schulbetrieb und den Préfet für das Internat. Leitung und Verantwortung für den administrativen, finanziellen und personellen Bereich liegen beim Directeur. Alle Lehrer und Betreuer bilden zusammen ein Team, das wir «équipe éducative» nennen. Wichtige Entscheide, die das Institut betreffen, werden zumeist in regelmässigen Sitzungen vom ganzen Team diskutiert und kollegial gefällt. Seit Herbst 1992 ist Frère Antoine (vielen Ehemaligen unter dem Namen Frère Réole bekannt) Préfet. Er hat sich bereit erklärt, für eine Übergangsperiode von zwei Jahren diesen gewiss nicht leichten Posten zu übernehmen. Während dieser Zeit wird sich ein neuer Betreuer einarbeiten, der dann das Amt des Préfet ab Herbst 94 übernehmen sollte. Somit würden die Préfet wie auch die Directeur-Charge von Laien besetzt werden.
Änderungen im Stundenplan
Informatik kann seit 1986 als Freifach gewählt werden. Es wird im kommenden Schuljahr (1993-94) Pflichtfach sein. Dagegen wurde Schreibmaschinenunterricht 1992 vom Pflichtfach zum Freifach, weil viele Schüler schon vor dem Institutsjahr Maschinenschreiben gelernt haben. Die Schwerpunkte im Lehrprogramm sind also weiterhin als Vorbereitung für kaufmännische Berufe und andere gedacht. So ist neben den oben erwähnten Änderungen auch seit 1991 Englisch als Pflichtfach eingeführt worden.
Das Folgende ist zwar keine Änderung im «Insti», nur in der nahen Umgebung. Einige frühere Schüler werden sich an einen nächtlichen Licht- und Mauerflirt zum naheliegenden Mädcheninstitut erinnern… Das ist seit Frühjahr 1986 nutzlos geworden, denn es kommt keine Antwort mehr… ganz einfach deshalb, weil es seine Tore für immer geschlossen hat…
Andere Kontakte: Das «Insti» ist keine Insel
Dank der Initiative von Frère Romon und Monsieur Ettlin nehmen jedes Jahr vermehrt Schüler am städtischen Vereinsleben teil, sei es in sportlichen oder kulturellen Bereichen. Erfahrungs- und Ideenaustausch findet regelmässig statt, wenn sich die Leiter der verschiedenen Institute der Suisse Romande oder der Deutschschweiz treffen. Seit anfangs der 70er Jahre sind wir Mitglied der KKSE (Konferenz der Katholischen Schulen und Erziehungsinstitutionen). Der Beitritt zum «Verband Schweizerischer Privatschulen (VSP)» gibt den Schülern seit 1987 die Möglichkeit, auch die Sprachdiplome dieser Institution zu erlangen. Seit 1976 nahmen auch Mädchen vom Pensionat Montmirail an den Prüfungen der Alliance Française in unserem Institut teil, später schlossen sich weitere Schulen an: die Ecole Supérieure de Commerce der Stadt, Benedict- und Migros Schulen von Neuchâtel, La Chaux-de-Fonds und Biel sowie andere Privatschulen; 1992 waren 10 verschiedene Schulen daran beteiligt.
Seit Jahren gehört Frère Romon auch einer Gruppe von Amnesty International an. So werden auch politische und ethische Fragen ins «Insti» getragen. Er und Frère Meinrad beteiligten sich auch mit Pensionären an internationalen Jugendtreffen von Schülern und Ehemaligen von Frères-Schulen in Parménie (bei Grenoble), Reims und in Québec (Canada).
Ein Lehrer beurteilt das INCA
«Glücklich und in jeder Beziehung zufrieden bin ich von meinem Besuch in Ihrem Institut nach Hause zurückgekehrt, mit «vollem Rucksack», mit vielen äusserst guten Gedanken versehen, reich an Ideen und vor allem einmal mehr angesteckt vom Liebreiz des Romand und der Romandie. Ich möchte die passenden Worte finden um Ihnen für die Freundschaft, die ich spürte, danke zu sagen, um Ihnen meine besten Gefühle nach dem Besuch an Ihrem Institut auszudrücken.
Im speziellen war ich beeindruckt von der guten Atmosphäre innerhalb der Mauern und auf dem ganzen Areal des Instituts, unter den Lehrern und dem Personal wie auch den Schülern. Es war für mich eindrücklich zu sehen, wie gut sich die Rollen ich Ihrem Team eingespielt haben, es war ebenso eindrücklich, feststellen zu können von welch guter Beschaffenheit jeder Geist ist, der die ganze Schülerschaft schon jetzt erfasst. Eine solche Identifikation mit der eigenen Schule – davon können wir nur träumen …» (Glauser, Reinach, 1987)
Anderthalb Millionen…
wurden seit anfangs den 80er Jahren im Internat für verschiedene Renovationsarbeiten investiert. Neue Rolläden und Waschräume im 3. Stock, neues Bettmaterial, Stühle im Studiersaal, verschiedene Malerarbeiten, neue Schreibmaschinen, Videosaal, Renovation aller Klassenzimmer, Abwaschraum mit neuer Geschirrspülmaschine, Informatikraum, Lehrerzimmer, Sekretariat, alle Fenster (mit Ausnahme des 4. Stocks) und die beiden Eingangstüren, um nur das Wichtigste zu nennen, summierten sich zu einer erheblichen Investition. Die Zukunft muss nun weisen, wie der weitere Finanzhaushalt ausgeglichen werden kann.
Nachwuchs.
Frère Leo, Frère Othmar und Frère Jean in der Dritten Welt
Die Communauté der Frères freut sich, nach langen Jahren (1971 zum letzten Mal) wieder einen jungen Frère in Ausbildung zu haben. Mehrere Schüler haben zwar einen ersten Schritt in Richtung «Leben als Frère» getan und sind in die «Schnupperphase» eingetreten, aber es blieb leider bei diesem ersten Schritt… Trotzdem hat es die «Association des Frères Suisses» für richtig befunden, Mitglieder freizustellen für die Dritte Welt oder Einsätze ausserhalb von Internat und Schule. So ist Frère Leo im September 87 für ein Jahr nach Lima (Peru) abgereist, Frère Othmar ist seit Februar desselben Jahres in Rwanda im Einsatz (Leiter eines Lehrerseminars sowie Initiator der Aktion «Strassenkinder») und Frère Jean ersetzt seit Juni 88 Frère Leo in Lima.
Nach bald 40 Jahren wieder ein Ferienkurs
Der letzte Ferienkurs fand 1953 statt. (Intensivkurse: Sprache, Kultur, Sport im Juli / August). In den Jahren danach haben die Frères oft während der Sommerferien in Fontaine-André unter beträchtlichem Einsatz und auch mit etwas Stolz allerlei erneuert oder neu eingerichtet. (Abkürzungswege durch den Wald, elektrische Beleuchtung desselben, Reinigungsarbeiten im Wald, Korrekturen der Strasse, Abschlussmauer u.a.). Seither sind aber regelmässig Anfragen wegen eines Ferienkurses eingetroffen. Die finanzielle Lage des INCAs ist in den letzten Jahren immer prekärer geworden. So hat für den Sommer 1990 Monsieur Ettlin wieder einen Ferienkurs organsiert. Mit 25 Teilnehmern war dies ein bescheidener Neubeginn dieser vorher langjährigen Tradition im Institut. Die erste Erwähnung eines Cours d’été geht nämlich auf das Jahr 1924 zurück. Es sprach sich aber noch 1990 schnell herum, dass man sein Französisch im «INSTI» in den Sommerferien wieder etwas auffrischen kann, dann in den folgenden Sommerferien waren 43, dann 50 Teilnehmer zu verzeichnen. Der Kurs dauert drei Wochen, und eine Reise nach Paris ist inbegriffen.
Feste und Feierlichkeiten im INCA
Am 8. Dezember, dem früher feierlich mit einer Mitternachtsmesse begangenen Fest der Mutter des Herrn, wurde im Laufe der Jahre der vorweihnächtliche Adventsmarsch zur Tradition. Am 8. Dezember wird auch die Weihnachtsaktion mit den Schülern durchgeführt: Einkaufen, Pakete machen, Begleitbriefe schreiben. Anlässlich der 30. Weihnachtsaktion (1987) haben Frère Romon und Monsieur Ettlin zum ersten Mal ein grosses Weihnachtsfest organisiert. Alle Eltern werden dazu eingeladen. Es kommen jeweils etwa 250 Gäste. Wegen den vermehrten freien Wochenenden kommen immer weniger Eltern nach Neuchâtel, um ihre Söhne zu besuchen. Dieses Fest bietet somit eine gute Kontaktmöglichkeit für Eltern, Lehrer und Betreuer.
Unseren Ordensbrüdern etwas vorzustellen, sein Leben und Werk sowie unser eigenes Leben als Frère, die Ziele und Prinzipien einer de La Salle-Schule dem Schüler näherzubringen, versuchen wir jeweils an der «Journeé de La Salle»: dies seit 1986.
Nach Aussagen vieler Ehemaligen machen Schüler auch durch die angebotenen Gebetsmomente und Mediationen bereichernde Erfahrungen. Sie werden jede Woche 1 – 2 Mal dazu eingeladen. Frère Meinrad animiert seit 1981 diese Momente der Besinnung, und Frère René hilft seit 1989 Schülern, Zeiten des Gebetes zu gestalten.
Neu ist auch seit 1986, auf eine Initiative von Herrn Ettlin zurückzugehen, dass alle Schüler auf Wunsch an einer viertägigen Reise nach Paris teilnehmen können. Praktisch jeder profitiert jeweils vom Angebot und sieht darin einen der Höhepunkte des Schuljahres.
1989 – 93 Monsieur P. Ettlin, Directeur
Erstmals in der Geschichte des Institut Catholique
Am 1. August 1989 übernahm Monsieur Patrice Ettlin die Schulleitung als 22. Directeur des Institut Catholique. Die «Association Suisse des Frères des Ecoles Chrétiennes» hat durch diese Ernennung ein Zeichen setzen wollen, dass die Zusammenarbeit von Frères und Laien im Institut Catholique nicht nur als Stützaktion, sondern als Konzept der geteilten Verantwortung verstanden wird. Monsieur Ettlin sind seit 1893 einundzwanzig Frères in dieser Funktion vorausgegangen. Er hat eine vielseitige und reiche Erfahrung mit ins Institut gebracht. Primarlehrer und Sekundarlehrerdiplom erwarb er in Fribourg. Jahre hindurch war er auf kantonaler Ebene bei den Pfadfindern tätig, später auch in einem Aufnahmeheim für Asylbewerber in den Diensten von Caritas und Terre des hommes. Seit 1984 wirkt er als Lehrer und Educateur in verschiedenen Bereichen des Instituts. 1987/88 besuchte er in Paris die zentralen Kurse der de la Salle-Gemeinschaften, an denen die eigene Pädagogik und Erzieher-Spiritualität vermittelt werden. Mit seiner Frau und zwei Töchterchen wohnt P. Ettlin im Val de Ruz.
Eine neue Frères-Communauté in Neuchâtel
Trotz Mitarbeit in Schule und Internat wohnen Fr. Leo Egli und Fr. Richard Böhi seit dem 25. September 1988 in einem eigenen Haushalt etwa 200 Meter vom Institut entfernt. Zu ihnen gesellte sich noch Fr. Marc Hofer, Ordensprovinzial. Diese Wohnung ist seither für unsere Schüler und viele andere Jugendliche aus der Stadt zu einem vielbesuchten sympathischen «point de rencontre » geworden.
Intensivkurs 18.4. bis 14.7.1989
Zur Überbrückung des Langschuljahres hatten wir einen dreimonatigen Kurs ausgeschrieben. Vierzig junge Deutschschweizer profitierten davon. Es war eine interessante Zeit mit reichlich Abwechselung und vielen Möglichkeiten, mit der französischen Kultur in der Suisse Romande in näheren Kontakt zu kommen (Themenzentrierte Tage mit Exkursionen, ausserdem Paris-Reise). Als bleibende «Institution» dieses Kurses wurde in jenem Jahr von den Schülern selbst die erste «Insti-Bar» betrieben, die nun mit neuer Einrichtung weiter zu den Attraktionen zählt.
Fussballstadion Xamax – Mini-Golf – Kunsteishalle - Hallenbad
Im letzten Jahrzehnt hat die Stadt Neuchâtel sehr viel in ihre Infra- und Freizeitstruktur investiert. Es sind eine ganze Reihe angenehmer und attraktiver Orte für Sport und Begegnung entstanden, besonders auf dem Ufergelände (z. T. aufgeschüttet). Natürlich profitieren auch unsere Schüler davon: Ein ganz modernes Hallenbad, eine Mehrzwecksporthalle, ein renoviertes Fussballstadion, mit einem attraktiven NL-A-Club (Welcher Schüler vergisst schon den Xamax-Sieg gegen Bayern München oder Real Madrid), ein Minigolfplatz, ein Eisstadion u.a.m. sind gut besucht. Die meisten dieser Anziehungspunkte sind nur einige Minuten vom Institut entfernt. Überhaupt verfügt das Institut über eine gute Lage, denn Bahnhof, Zentrum und Seepromenade sind auch nur wenige Gehminuten entfernt.
Abschiede
Wohl alle Ehemaligen der betreffenden Zeit werden gewisse Erinnerungen mit gewissen Frères verbinden… Beim Stichwort «Réflexions du soir» denken wohl viele an Frère Joseph Clémence. In Sachen Steno, CC, Fontaine-André mag sich wohl mancher an Frère Rudolphe Meyenhofer erinnern. Und wer sich seine Zeit mit Cinéma, Salle de jeux, sonstigen Loisirs oder in der Infirmerie «verkürzt» hat, wird Frère Pacifique kaum vergessen haben. Damit sind auch schon ihre «Frère-Karrieren» charakterisiert.
Neben Frère Raynaud Carrard darf man sicher Frère Joseph erwähnen wegen seiner besonderen Verdienste um die Entwicklung des Instituts. Man denke an die zahlreichen Schüler, die sich in jener Zeit zum Leben als Frère entschlossen hatten oder etwa an den weitsichtigen Kauf von Fontaine-André.
Einen Viertel seines Lebens – er starb 73jährig in Lyon – hat Frère Pacifique dem Institut geschenkt in beispielhaftem und ungebrochenem Einsatz.
Frère Rudolphe verbrachte gar fast sein ganzes Leben im Dienste der Frères und der Schüler, zuerst 32 lange Jahre als Lehrer an der Maladière, dann ab den siebziger Jahren als «moine bâtisseur» in Fontaine-André. Er verstarb am 22. Juni 1991.
Neugründung eines Ehemaligenvereins
Der erste Verein dieser Art für Ehemalige des Internats bestand zwischen 1946 und 50. Die mit ihm verbundene Zeitschrift «Entre nous» und später «Face à la vie» erschien bis 1982. Am 2. März 1991 wurde ein neuer Ehemaligenverein gegründet. Momentan zählt er 363 Mitglieder. Sein Präsident ist Alex Staub aus Zug (Schuljahr 1964-65). Alex Staub ist Präsident des Zuger Obergerichts.
«Fondation lasallienne de l’Institut Catholique de Neuchâtel»
Am 23. November 1992 gründete die «Association suisse des Frères des Ecoles Chrétiennes» eine Stiftung, die «Fondation lasallienne de l’Institut Catholique de Neuchâtel», zu der neben den Frères auch Laien gehören. Diese Gründung entspricht der Tatsache, dass sich in den letzten Jahren immer mehr Laien in Gemeinschaft mit den Frères bei den vielfältigen Aufgaben engagiert haben für die menschliche und religiöse Erziehung von Jugendlichen im «Institut Catholique». Dieser überzeugten Mitarbeit sollte damit ein neues Fundament gegeben werden.
Seit einigen Jahren schlagen wir den Schülern mit Beginn des Schuljahres ein Motto vor, das sie durchs Jahr hindurch begleiten soll. Anlässlich der Gottesdienste z. B. wird immer wieder versucht, an diese Leitideen anzuknüpfen. Vielleicht können die Leitsätze der vergangenen drei Jahre auch als Zusammenfassung der Atmosphäre gelten, in der wir mit unseren Schülern in ihrem Neuenburger-Jahr leben möchten: «Sorg ha zom Läbe» - «Se rencontrer» - «Prendre le temps, écouter – Sich Zyt neh, lose».