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Die dramatische Preisvolatilität des Bitcoins könnte durch eine Übernahme der Kryptowährung in das etablierte Finanzsystem gestoppt werden. Das ist die Meinung von Jon Matonis, einem Gründer der Bitcoin Stiftung. Aber dessen Ansicht sorgt für rote Köpfe unter den Bitcoin-Kritikern.
Im vergangenen Jahr stieg der Preis für einen einzigen Bitcoin von rund 1000 Dollar auf 20'000 Dollar. Derzeit wird er für rund 7000 Dollar gehandelt. Am 12. April schoss der Preis plötzlich auf bis zu 8000 Dollar innerhalb einer Stunde, wahrscheinlich aufgrund der Aktivitäten eines grossen Händlers.
Gegenwärtig können bereits eine relativ kleine Zahl von Bitcoins-Sammlern, die so genannten Wale, oder grössere Händler die Preise in die eine oder andere Richtung schnellen lassen. Aber wenn die Regierungen ihre Reservewährungen mit Bitcoins ausstatten würden oder wenn die wichtigsten Börsen den Handel mit Bitcoins neben Dollar, Euro und Franken erlauben würden, wäre die Sache anders, argumentiert Matonis.
"Die Volatilität ist das Resultat unzureichender Liquidität an den Börsen. Die Börseninfrastruktur muss robuster sein, damit jemand, der Bitcoin im Wert von 12 Millionen Franken verkauft, den Markt nicht bewegen könnte", sagte er gegenüber swissinfo.ch am Rande einer Krypto-Konferenz in Zürich.
"Der Markt ist im Moment so dünn, dass diese Volatilität eintritt, wenn etablierte Händler in dieser Grössenordnung einsteigen."
Riesige Ausschläge in die Höhe oder Tiefe machen Bitcoin zu einer unzuverlässigen Zahlungsform. Wenn man nicht sagen kann, wie viel ein Bitcoin in einem Monat wert sein wird, wie soll man sich dann auf diese Einkommensform verlassen oder sie zum Kauf von Waren und Dienstleistungen verwenden?
Die Argumente dagegen
Zu den Kritikern von Bitcoin gehören unter anderen Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse, Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der UBS, und Adriano B. Lucatelli, Gründer des Schweizer Fintech-Unternehmens Descartes und Dozent an der Universität Zürich. Sie argumentieren, dass Bitcoin eine Modeerscheinung ohne inneren Wert sei, die von der irrationalen Begeisterung von Amateurinvestoren und Spekulanten getrieben werde.
Lucatelli hatte sich schon früh für Bitcoin als dezentralisierte Privatwährung ausserhalb des Einflusses von Zentralbanken und Regierungen interessiert. Angesichts der starken Volatilität hält sich seine Begeisterung inzwischen in Grenzen. Am Crypto-Mountain-Rocks-Meeting in Davos im vergangenen Monat verglich Lucatelli Bitcoin mit der Dotcom-Blase.
Bitcoin hat nur solange einen Wert, als die Anleger glauben, dass sie ihre Risikoeinlagen wieder in normale Währungen umtauschen können. "Wenn die Leute befürchten, nicht wechseln zu können, ist die Kryptowährung tot", sagt er. "Alle Vorstellungen, welche die Leute von Bitcoin haben, sind falsch." Irgendwann wird das jede und jeder merken. Wenn alle miteinander durch die Tür hinauslaufen, entsteht grosser Druck, und viele Leute werden ihre Wunden lecken."
Matonis widerspricht den Vorhersagen eines baldigen Endes, obwohl er anerkennt, dass die dezentralisierte Bitcoin-Währung vor einer schwierigen Aufgabe steht, vom konventionellen Finanzsektor akzeptiert zu werden.
"Wenn man damit beginnt, Bitcoin als Reservewährung für die Stützung des Papiergeldes zu verwenden, bringt es das Ganze auf eine andere Ebene. Dann haben Sie echten Wettbewerb zwischen Krypto- und Zentralbankgeld und das Beste wird sich durchsetzen. Aber die Behörden können es nicht auf diese Weise betrachten, weil sie wissen, dass es Zentralbankgeld bedroht," sagte er.
Projekte zur Stabilisierung des Bitcoins
Matonis hält nichts von der Idee, den Zentralbanken die Herausgabe des digitalen Geldes zu übertragen bzw. die Technologie von Bitcoin zu nutzen und die Kontrolle zu zentralisieren. Dies würde laut Matonis die Innovation zerstören, welche durch die Kryptowährung entstand.
Inzwischen wurden weltweit Anstrengungen zur Stabilisierung unternommen, insbesondere durch die Bindung der "Münzen" an Basiswerte. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Kryptowährung Tether Coin, die von sich behauptet, durch US-Dollar, Euro und Yen gestützt zu werden. Aber die Behauptung wird derzeit von den US-Behörden untersucht.
In der Schweiz wollen die Projekte SwissRealCoin und Tiberius Coin ihre "Münzen" an Immobilien bzw. an einen "Korb" physisch lieferbarer Metalle binden. Forctis, ein weiteres Schweizer Startup, hat ebenfalls ein Projekt zur Stabilisierung seiner "Münzen".
(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler)