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Sonntagmorgen in einer Kirche in N’Djaména: Vorne an der Tafel steht «Zefanja Kap. 1-2», der Bibeltext für die Predigt. Der Pastor will ihn auf Französisch lesen und nachher auf Tschadarabisch erklären. Da ruft eine Übersetzerin: «Das Buch gibt es schon auf Tschadarabisch!» Der Pastor ist freudig überrascht. Sofort lässt er die Übersetzerin nach vorne kommen und den tschadarabischen Text von der App auf ihrem Smartphone vorlesen. Die Leute sind begeistert, als sie den Text in ihrer Sprache hören und problemlos verstehen. Und der Pastor schliesst seine Predigt direkt an. 2013 erschien das Neue Testament auf Tschadarabisch. Es wird viel benutzt — als Buch, Audio-Ausgabe oder App. Die ganze Bibel soll bis Ende 2018 in römischer und arabischer Schrift für den Druck bereit sein. Bei der Übersetzung arbeiten SIL Tschad (Partner von Wycliffe) und die Tschadische Bibelgesellschaft zusammen. Das Team umfasst eine Übersetzerin und einen Übersetzer aus Tschad, zwei ausländische Exegetinnen und einen Übersetzungsberater vom Weltbund der Bibelgesellschaften.
Die Arbeit der Übersetzer
Tschadarabisch ist die wichtigste Handelssprache im Tschad mit etwa fünf Millionen Sprechern. Die Übersetzerin stammt aus der zentralen Region im Tschad und spricht Arabisch als Zweitsprache. Sie vertritt somit mehrere Millionen Tschader und viele Christen, die Tschadarabisch fast so gut wie ihre Muttersprache sprechen. Der Übersetzer ist Araber mit nomadischem Hintergrund und einer guten Ausbildung in Standardarabisch. Er vertritt die arabische Bevölkerung und ihre Denkweise.
Die Übersetzung ist ein langwieriger Prozess, sind sich Übersetzerin und Übersetzer einig. Es braucht viel Geduld und Durchhaltewillen vom ersten Verstehen des Textes über alle Etappen bis zur Prüfung durch den Übersetzungsberater. Manchmal ist der Originaltext schwer verständlich und die verschiedenen Übersetzungen in Französisch und Standardarabisch scheinen sich zu widersprechen. Dann muss eine Exegetin helfen, die Zugang zu englischen Übersetzungshilfen und Kommentaren hat.
Die Übersetzerin fand das Buch Hesekiel (Ezechiel) besonders schwierig zum Übersetzen. Es sei von Lebewesen in der Gegenwart Gottes die Rede, die vier Gesichter und vier Flügel haben. “Das sind geistliche Realitäten, von denen kein Mensch wirklich weiss, was da beschrieben wird. Darum war es auch schwierig, diese Texte in unsere Sprache zu übersetzen.” Für den Übersetzer war es Das Hohelied: “Dort wird über die Liebe gesprochen in Worten und mit Bildern, die wir in unserer Kultur nicht verwenden dürfen.”