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Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten die Kaufhäuser der Brüder Knopf zu den Grossen der Branche. Der Ausgang des Ersten Weltkriegs und die Hitlerdiktatur erschütterten das Handelsimperium in seinen Grundfesten. 1978 schloss die letzte Filiale.
Die Firmengeschichte der Warenhausketten, welche die vier Brüder Knopf Ende des 19. Jahrhunderts gründeten, ist reich an jähen Wechselfällen. Ihr letztes Kapitel wurde 1978 in Basel geschrieben, als das Warenhaus Knopf an der Streitgasse an die Textilkette C&A verkauft wurde.
Die ursprünglich aus Posen stammenden Brüder legten den Grundstein zu ihren jeweiligen Firmenketten an verschiedenen Orten. Zunächst eröffneten sie 1881 in Karlsruhe ein Leinen-, Wäsche- und Weisswarengeschäft. Von Karlsruhe aus wuchs im Laufe der nächsten Jahrzehnte das Imperium von Max Knopf.
Auf beiden Seiten des Rheins
Ein Jahr später, 1882, eröffnete Moritz Knopf in Strassburg ein kleines Textil- und Kurzwarengeschäft. Moritz Knopf expandierte in der Folge vor allem im damals deutschen Elsass und Lothringen. Sein 1898 fertiggestelltes neues Warenhaus in Strassburg war ein Juwel der Jugendstilarchitektur. Laut dem Autor Bernd Serger, der sich eingehend mit der Geschichte der Knopfs und ihrer Kaufhäuser befasst hat und nun eine Ausstellung zum Thema kuratiert, besass Moritz Knopf 1914 gegen 30 Filialen.
Die dritte Knopf-Kaufhauskette nahm in Freiburg im Breisgau ihren Anfang. Hier betrieb Sally Knopf ab 1887 sein erstes Wäsche-, Kurz-, Weiss- und Wollwarengeschäft. Auch er expandierte bald. Mit der Zeit gehörten ihm in Südbaden und der Schweiz mehr als 20 Filialen.
Albert Knopf, der vierte Bruder, versuchte sein Glück 1893 an der Zürcher Bahnhofstrasse. Bald verfügte er über sechs weitere Geschäfte im Grossraum Zürich. Nach Albert Knopfs frühem Tod im Jahr 1898 kam die Expansion aber ins Stocken. Seine Erben führten die Firma – allerdings in kleinem Umfang – noch bis in die 1920er-Jahre weiter.
Enteignung durch den französischen Staat
Als Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg Elsass und Lothringen wieder an Frankreich abtreten musste, hatte das für die Knopfs gravierende Folgen. Als deutsche Kaufleute wurden Max und Moritz Knopf vom französischen Staat enteignet und verloren so ihre Kaufhäuser im Elsass und in Lothringen.
In Deutschland selbst verloren die Knopfs als jüdische Händler ihre Warenhäuser in den 1930er-Jahren. Margarethe Knopf, die von ihrem Vater Max Geschäfte unter anderem in Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim und Ravensburg geerbt hatte, sah sich gezwungen, diese zu verkaufen und mit ihrem Mann 1940 aus Deutschland in die USA zu fliehen.
Von der Gestapo verhaftet
Auch Arthur Knopf, der Sohn und Erbe von Sally Knopf, der unter anderem in Freiburg ein grosses Kaufhaus besass, musste 1937 seine Geschäfte verkaufen. Die Agitation gegen jüdische Warenhäuser, ein Reklameverbot und stetig wachsende Zwangsabgaben bei sinkenden Einnahmen liessen ihm keine andere Wahl.
Im November 1938 wurde er gar von der Gestapo verhaftet, im KZ Dachau misshandelt und schliesslich mit der Auflage entlassen, seinen Grundbesitz aufzulösen und das Land zu verlassen. Im Mai 1939 rettete er sich zu seinen Verwandten in der Schweiz. Hier übernahm er 1941 in Basel das einst von seinem Vater Sally Knopf gegründete Unternehmen.
Seit 1895 in Basel
In Basel hatte Sally Knopf 1895 zunächst an der Freien Strasse Fuss gefasst. 1898 eröffnete er einen zweiten Laden an der Greifengasse, 1899 bezog er – ebenfalls an der Freien Strasse – ein neu erbautes Geschäftshaus. 1913 zog das Warenhaus Knopf dann in das vormalige Bankhaus von Speyr an der Freien Strasse 56/Streitgasse 14–18.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Firma Knopf – auch unter dem Druck der Konkurrenz – von einem Warenhaus, in dem man fast alles kaufen konnte, zu einem Haus für gehobene Damenmode.
In den 1970er-Jahren liess sich mit einem solchen Geschäftsmodell nicht mehr genügend Gewinn erwirtschaften. Nachdem ein Jahr zuvor bereits die Luzerner Knopf-Filiale verkauft worden war, widerfuhr dem Basler Mutterhaus 1978 das gleiche Schicksal.
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Dreiländermuseum Lörrach: «Waren-Haus-Geschichte – Der geraubte Erfolg des jüdischen Knopf-Imperiums». Die von Bernd Serger kuratierte Ausstellung dauert bis 1. Mai 2016.