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Eine Familie im SOS Kinderdorf Plagiari (Foto: SOS-Archiv)
Griechenland liegt in Südosteuropa am südlichsten Rand der Balkanhalbinsel und umfasst zahlreiche Inseln im Ägäischen und Ionischen Meer. Griechenland grenzt im Norden an Albanien, die Republik Mazedonien und Bulgarien sowie im Osten an die Türkei. Die griechische Bevölkerung beträgt 10,7 Millionen Einwohner (2011, Schätzung), davon sind 93 Prozent griechische Staatsangehörige. Athen ist die Hauptstadt und mit 3,1 Millionen Einwohnern die größte Stadt Griechenlands.
In den vergangenen Jahrzehnten hatte Griechenland einen hohen Lebensstandard und war somit in den Studien über die Lebensqualität unter den führenden Ländern verzeichnet. Die griechische Wirtschaft geriet Ende 2009 in eine schwere Krise, und die vollen Auswirkungen dieser Krise auf den Lebensstandard der Bevölkerung sind noch nicht absehbar.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch war teils durch die internationale Wirtschaftskrise bedingt, aber auch durch die Hinterlassenschaften hoher öffentlicher Ausgaben verursacht. Im Jahr 2010 betrug das Staatsdefizit 15,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), und die Staatsschulden wurden auf ca. 126 Prozent des BIP geschätzt, was zur höchsten Staatsverschuldung unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) zählt. Die griechische Regierung erhielt ein Rettungspaket von der EU und dem Internationalen Währungsfonds - unter der Bedingung, dass eine Reihe von Sparmaßnahmen eingeführt werden, die auch Einsparungen bei den Staatsausgaben und Steuererhöhungen beinhalten. Diese Aktionen waren bei der Bevölkerung sehr unbeliebt, so wurden eine Reihe von Demonstrationen und Streiks als Protest gegen die Sparmaßnahmen organisiert.
Die Arbeitslosenquote liegt im Jahr 2011 bei 16,3 Prozent; die Anzahl der Menschen ohne Arbeit ist somit 40 Prozent höher als im Jahr davor. Junge Menschen unter 24 Jahren sind in besonders hohem Ausmaß von der Arbeitslosigkeit betroffen. Der Großteil der Erwerbstätigen arbeitet im Dienstleistungssektor. Mit ca. 16 Millionen Besuchern pro Jahr ist die Tourismusbranche eine wichtige Einkommens- und Beschäftigungsquelle; die Einnahmen aus dem Tourismus machen 15 Prozent des BIP aus.
Die griechische Gesellschaft durchlebt zur Zeit eine Reihe demographischer und sozialer Veränderungen - die Bevölkerung altert, die Heiratsquote sinkt, und die Scheidungsrate nimmt zu. Griechenland war in der Vergangenheit ein Auswanderungsland, Millionen Griechen sind ins Ausland emigriert. Seit den 80er Jahren hat sich diese Entwicklung jedoch ins Gegenteil verkehrt, da mehr und mehr Menschen auf der Suche nach Arbeit nach Griechenland kamen. Griechenland ist ebenfalls ein Transitland für Immigranten - viele Menschen kommen über die Grenzen Griechenlands in die EU und arbeiten eine Zeitlang im Land, bevor sie in ein anderes EU-Land weiterziehen.
Eine Familie im SOS Kinderdorf Vari (Foto: SOS-Archiv)
In Griechenland leben ungefähr 1,9 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Die jüngsten Veränderungen haben auch ihr Leben in Mitleidenschaft gezogen. Schätzungsweise ein Fünftel der Bevölkerung lebt unter der staatlich festgelegten Armutsgrenze, darunter sind auch viele Kinder.
Kinder in ländlichen Regionen und Kinder in Haushalten mit mehr als drei Kindern, deren Eltern jung oder schlecht ausgebildet sind, sind besonders von Armut bedroht. Das Risiko der Verarmung für Kinder aus Migrantenfamilien ist fast doppelt so hoch. Darüber hinaus ist die Schulabbrecherquote bei Kindern von Migranten und Roma besonders hoch - sie bekommen folglich nicht die notwendige Ausbildung, um den Kreislaufs der Armut zu durchbrechen.
Griechenland ist sowohl Bestimmungs- als auch Transitland für den Kinderhandel. Obwohl die Anzahl der betroffenen Kinder nur schwer ermittelt werden kann, geht man davon aus, dass sich die Zahl in den letzten zehn Jahren erhöht hat. Einige dieser Kinder werden sexuell ausgebeutet, andere zur Arbeit in den Straßen Griechenlands gezwungen - sie betteln, verkaufen Blumen oder putzen Windschutzscheiben.