Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/722

Die Regierungsratssitzung vom 4. April hatte es in sich. Die Magistraten entschieden beispielsweise über eine Unfallentschädigung für den Bannwart von Schänis (Nr. 827), über eine Zwangsversorgung (Nr. 839) und über einen komplizierten Vormundschaftsfall in Goldach (Nr. 831). Ausserdem berieten sie über die Fischerei im Zürichsee (Nr. 829): Es sei den Fischern angesichts der Verteuerung der Lebensmittel bei gegenwärtiger Kriegszeit zu erlauben, unter gewissen Auflagen auch während der Schonzeit vom 15. April bis zum 5. Mai im st.gallischen Teil des Zürichsees zu fischen.
Viel zu debattieren gab die sogenannte „Kommunalnachschau“ in der Gemeinde Sargans. Die Bezirksämter hatten unter anderem die Aufgabe, die Amtsführung der Gemeinden regelmässig zu kontrollieren. Die Zustände in Sargans hatten bei einer ersten Visitation 1915 einiges zu beanstanden gegeben. Der Regierungsrat hatte deshalb das Bezirksamt Sargans beauftragt, eine Nachschau zu halten, die folgendes Resultat ergab: Der Bericht weist neuerdings auf den Übelstand des Anwachsens der Zahlungsrückstände bei der politischen Gemeinde hin. Die Interessen eines geordneten Gemeindehaushalts verlangen gebieterisch strenge Massnahmen, die Gutmütigkeit des Kassiers gereicht der Gemeinde nur zum Schaden. Die Abwandlung der Polizeistraffälle durch den Gemeinderat wird immer noch als zu milde bezeichnet.
Auch die Ortsgemeinde Sargans wies erhebliche Zahlungsrückstände auf und litt an einer schweren Schuldenlast. Der Regierungsrat bemerkte hierzu: An Mahnungen seitens der Oberbehörde, bezw. des referierenden Departementes, hat es seit vielen Jahren nicht gefehlt, denen gegenüber der Ortsverwaltungsrat auch mit Versprechungen besserer Ordnung im Inkasso nicht kargte. Wenn diese Behörde es nun, wie der bezirksamtliche Bericht erwähnt, wirklich einmal einsieht, dass dieses Krebsübel der grossen Zahlungsrückstände nicht weiter geduldet werden darf, so ist zu hoffen, dass die ökonomische Lage der Ortsgemeinde Sargans sich bald besser gestalte. Die Vernehmlassung des Ortsverwaltungsrates vom 11. März mit der Bemerkung, es würden die Zahlungsrückstände mit Zinsen belastet, so dass diesfalls der Ortskasse kein Nachteil erwachse, und schliesslich erscheine es der Behörde nicht ratsam, in diesen schweren Zeiten durch allzu schroffe Massregeln die Bürger zu ruinieren, ist nicht dazu angetan, jene Hoffnung und Erwartung zu beleben; es klingt hier allzu sehr das alte Lied der Nachsicht und Milde wieder durch. Am Schluss seiner Beratungen zu diesem Fall beschloss der Regierungsrat, die politische und die Ortsgemeinde Sargans anzuhalten, endlich einen energischen Steuereinzug zu betreiben und dem Departement Ende April, Mai und Juni jeweils zu berichten, wie die Zahlungsrückstände abgebaut werden konnten.
Derselbe Regierungsratsbeschluss enthielt auch weitere Hinweise zur Aktenführung und Archivierung in den einzelnen Gemeindeteilen von Sargans: Bei der Primar- und Sekundarschulgemeinde mangelt immer noch die Präsidial-Unterschrift in den im Kopierbuch enthaltenen ausgehenden Schreiben. Die Aufbewahrung der Vermögenstitel bedarf eines besseren Schutzes vor Feuchtigkeit. Die Buchaufschriebe und der wirkliche Geldverkehr des Schulkassiers stimmten eine Zeit lang nicht überein.
Alle Beschlüsse des Regierungsrats vom 4. April 1916 sind im vollen Wortlaut hier nachzulesen:
Quellen: Staatsarchiv St.Gallen, ARR B2-1916 (Texte) und W 238-05.01-02 (Bild)