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Früher oder später finden die meisten Filme ihr Echo im amerikanischen Branchenblatt Variety. Bei Schweizer Filmen dauert es meistens ein wenig länger, weil die in der Regel erst an einem grösseren Festival im Ausland zu sehen sein müssen, um wahrgenommen zu werden. Zu Luki Friedens Tausend Ozeane (Trailer) meint Boyd van Hoeij, der ambitiöse Film hänge etwas durch, bevor die grosse Enthüllung komme. Aber die Schauspieler und die Ideen seien stark genug, dass sich die Indie-Filmfestivals den Film sichern dürften, bevor er von den europäischen Fernsehanstalten verschluckt werde.
Manchmal bringt es etwas, einen Film erst sehr spät zu sehen. Im Fall von David Finchers F. Scott-Fitzgerald-Verfilmung The Curious Case of Benjamin Button habe ich einen ganzen Monat gebraucht, einen Monat, in dem ich diverse Besprechungen gehört und gelesen habe, und gesehen habe, wie der Film von dreizehn Oscar-Nominationen ganze drei einlösen konnte, alle drei für seine Oberflächengestaltung (Makeup, Art Direction, Visual Effects). Tatsächlich, so scheint mir, hat David Fincher diese sehr oberflächlich geschriebene, auf einem einzigen Einfall ruhende Geschichte Fitzgeralds sozusagen flächendeckend ausgebreitet. Entsprechend anregend funktioniert diese mit Gold- und Silberfäden durchwirkte filmische Webarbeit, und nach jeder sorgfältig eingeflochtenen Anregung zur gedanklichen Vertiefung blitzt Fincher die mit einem kleinen szenischen Gag weg: Da ist der Altersheimbewohner, der – als running Gag – immer wieder erzählt, wie er sieben Mal in seinem Leben vom Blitz gegtroffen worden sei. Und jedes Mal zeigt Fincher einen dieser Blitzschläge, auf liebevoll gealtertem Filmmaterial.
Während bei uns die Diskussion um neue Atomkraftwerke angelaufen ist, wirbt in den USA die Kohleindustrie unverfroren mit Regierungshilfe und dem Slogan ‚clean coal‘ für ihre Kohlekraftwerke. Dabei gehören die zu den grössten Umweltverpestern der Welt. Dagegen kämpft unter anderem die Reality Organisation, seit neustem mit Hilfe der CoenBros. Deren neuer Fernsehspot, der sich über die clean-coal-Behauptung lustig macht, läuft mittlerweile bereits auf diversen Kabelkanälen und schlägt entsprechende Wellen.
Auf dem Microblogging-Service Twitter finden sich viele falsche Prominente (man zähle bloss mal all die Britneys …) aber auch ein paar echte Filmkoryphäen, denen man ganz gerne followt, wie das die Twitterati neudeutschen. Ich lese schon eine ganze Weile mit Vergnügen die Twits von Stephen Fry, jene von Diablo Cody sind seltener geworden, und neuerdings habe ich auch noch David Lynch in der Liste. Wem das alles nicht genügt: Da wäre auch noch mein Twitter.
SFGate, die online-Ausgabe des ‚San Francisco Chronicle‘, berichtet, wie sich im prächtigen historischen Castro-Kino in SF die Besucher der Oscar-Live-Übertragung gefreut haben über die Academy Awards für ‚ihren‘ Film. Denn im Castro spielt nicht nur Gus van Sants Film über Harvey Milk, im Castro-Kino lief auch der Film seit seinem Start vor regelmässig ausverkauftem Haus. Ich habe Milk im Dezember im Castro gesehen und die einmalige Stimmung in diesem Kino hat mich berührt.
Da habe ich mich ja nicht gerade mit hellseherischem Ruhm bekleckert bei meinem Oscar-Orakel vom Freitag! Von meinen 24 Vorhersagen hat die Academy gerade einmal die Hälfte umgesetzt. Grün sind in der Liste meine Treffer, durchgestrichen die Fehlprognosen, und in Rot stehen die tatsächlichen Gewinner da.
ACTOR, LEADING Sean Penn in “Milk” Mickey Rourke in “The Wrestler” BEST PICTURE “Slumdog Millionaire”
ACTOR, SUPPORTING Heath Ledger in “The Dark Knight” SHORT FILM, ANIMATED “La Maison en Petits Cubes” “Oktapodi” ACTRESS, LEADING Kate Winslet in “The Reader” „Sennhausers Oscar-Debakel“ weiterlesen
Ich lehne mich weit aus dem Fenster und zähle auf, wer wofür in der Nacht auf Montag einen Oscar gewinnen wird. Wohlgemerkt: Wer gewinnen wird, nicht, wer meiner Meinung nach gewinnen sollte.
ACTOR, LEADING: Mickey Rourke in “The Wrestler”
BEST PICTURE: “Slumdog Millionaire”
ACTOR, SUPPORTING: Heath Ledger in “The Dark Knight”
SHORT FILM, ANIMATED: “Oktapodi”
ACTRESS, LEADING: Kate Winslet in “The Reader” „Sennhausers Oscar-Orakel“ weiterlesen
Ende Januar habe ich in Zürich mit Ursula Meier eine Stunde über ihren Film Home gesprochen. Jetzt ist die Sendung fertig, pünktlich zum Filmstart in der Deutschschweiz. Wer die Powerfrau im Originalton hören möchte, kann das morgen Donnerstag um 11 Uhr auf DRS2 tun. Oder ab ca. 12 Uhr direkt hier im Blog, oder morgen im Filmpodcast.
Nicht immer sind sind sich Kritiker und Jury an einem Filmfestival einig. Aber der goldene Bär für Claudia Llosas La teta asustada hat den allgemeinen Erwartungen entsprochen. Claudia Llosa ist auch in der Schweiz keine Unbekannte, ihren letzten Film Madeinusa hat der trigon-Filmverleih herausgebracht, und man darf Walter Ruggle und seinem Team daher jetzt herzlich zum Berlinale-Gewinner 2009 gratulieren. trigon hat den Film schon eine Weile auf der Liste der kommenden Attraktionen, nun dürften sich die Chancen erhöhen, dass La teta asustada auch ein grösseres Publikum anspricht.
Ein trauriges Ende für diese Berlinale ist der Abschlussfilm von Costa-Gavras. Dass er, wie die meisten anderen Altmeisterfilme, ausser Konkurrenz läuft, erspart dem einst so raffinierten und wirkungsmächtigen Regisseur von Z oder Missing wohl bösere Kritiken (wie auch Theo Angelopoulos), aber dieser Film ist ihm einfach missraten. Dabei wäre der Einfall eigentlich erfrischend gewesen, das Schicksal eines Emigranten aus dem Osten für einmal nicht nur als Tragödie, sondern stellenweise als pikareskes Abenteuer eines blauäugigen Jünglings zu inszenieren. Die erste halbe Stunde, in welcher der hübsche junge Mann (Riccardo Scamarcio) sich vom Boot schwimmend in einen Club Med rettet, hält noch einigermassen die Balance zwischen Komik und Schrecken. Wie er sich mal als Angstellter, dann wieder als Gast von einer brenzligen Situation in die andere rettet, das lässt zumindest ahnen, wie dieser Film einmal gemeint war. „Berlinale09: ‚Eden à l’ouest‘ von Costa-Gavras“ weiterlesen