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Die Ökonomie-Debatte wird in der Schweiz durch negative Schlagzeilen über stagnierendes Wachstum, Konkurrenz-Mangel und ewig steigende Gesundheitskosten beherrscht.
In einem Interview mit swissinfo sagt Wirtschafts-Nobelpreis-Träger John Nash jedoch, die Schweizer Wirtschaftspolitik komme dem Ideal sehr nahe.
Einen ähnlichen Kommentar zur Schweizer Wirtschaft gab Professor John Nash in einem Artikel des "Wall Street Journal". Andere Nobelpreisträger favorisieren eher Länder wie Norwegen, die Vereinigten Staaten und China.
swissinfo unterhielt sich mit John Nash, dem Pionier der Spieltheorie, über die Schweizer Wirtschaftspolitik, die Rolle des gesunden Menschenverstandes im Geschäftsleben und die Grenzen der Volkswirtschaftslehre.
swissinfo: Was denken Sie, macht die Schweiz richtig?
John Nash: Einfach gesagt, ich denke sie begeht gewisse Fehler nicht, die anderen unterlaufen, wenn es um die Stärkung des Wirtschaftswachstums geht; Fehler, die langfristig keinen Fortschritt ermöglichen.
Zudem bin ich der Ansicht, dass die Schweiz enorm profitiert hat von ihrer im Vergleich sehr stabilen Währung. Dies hat das Klima für Unternehmen wie Versicherungen oder Investmentbanken gefördert. Es ist kein Zufall, dass der Finanzsektor in der Schweizer Wirtschaft eine so wichtige Rolle spielt, es sind nicht nur Käse und Schokolade, die exportiert werden.
swissinfo: Was ist falsch, was sollte die Schweiz vermeiden?
J. N.: Einige Leute könnten vorschlagen, den Schweizer Franken abzuschwächen um den Export anzukurbeln. Selbstverständlich ist da was Wahres dran, aber es schadet dem Ansehen der Währung.
Der Dollar wird mit der Zeit immer weniger geschätzt. Aber er kann gut mit dem Euro, dem englischen Pfund oder dem Yen konkurrieren. Unter dem Dollar rangieren die Währungen von Argentinien und Brasilien, deren Abwertung nicht viel gebracht hat.
Der Schweizer Franken befindet sich auf dem besten Niveau, und das ist sehr wichtig. In der Schweiz denken die Menschen vermutlich nicht die ganze Zeit daran, dass sie ihr Geld besser in Dollar auf einem ausländischen Konto anlegen sollten.
Was sind die Wurzeln des gesunden Frankens?
J. N.: Jemand erhielt einmal einen Nobelpreis für die Entwicklung des Konzepts der rationalen Erwartungen. Dieses besagt, dass vieles Propaganda ist, was Regierungen behaupten. Im privaten Sektor kann man solche Behauptungen besser einordnen, man weiss was man zu erwarten hat. So kann man sagen, dass ihr Ruf darauf basiert, was sie denken.
swissinfo: Welche anderen Länder kommen einer guten Wirtschaftspolitik am nächsten?
J. N.: Ich denke, dass Japan es gar nicht so schlecht macht. Das Land wird für seine falschen Wirtschaftsmassnahmen kritisiert, aber wer hat den höchsten Lebensstandard in Asien? Wenn Japan einen hohen Lebensstandard hat, ist das ein Zeichen einer guten Wirtschaft.
swissinfo: Wenn Sie einen wirtschaftpolitischen Rat an irgendein Land geben müssten, welcher wäre das?
J. N.: Genau so etwas habe ich nicht auf Lager. Das ist so, wie wenn man einem Arzt raten würde, wie er seine Patienten behandeln sollte, wenn der Patient bereits zu viel behandelt worden ist. Viele Länder leiden darunter, dass ihre Währung ein schlechtes Ansehen hat. In Argentinien, beispielsweise, hätten sich die Dinge anders entwickeln können. Aber auch wenn es besser gemacht worden wäre, hätte es kein Wirtschaftswunder gegeben. Sie müssen einsehen, dass selbst wenn Sie es am besten machen, Sie möglicherweise nur einen bescheidenen Erfolg haben werden.
swissinfo: Die Schweiz ist der EU nicht beigetreten. Welches sind Ihrer Meinung nach die Auswirkungen dieser Entscheidung?
J. N.: Draussen zu bleiben ist offensichtlich nicht einfach. Aber die Schweiz scheint mit ihrer Unabhängigkeit relativ gut gefahren zu sein. sie wird jedoch nicht darum herumkommen, dem Euro-Währungsverbund beizutreten. Ich denke aber, dass die Schweiz mindestens warten sollte, bis sich die Briten, Dänen und Schweden anbinden, bevor sie es selbst tut.
swissinfo-Interview: Chris Lewis
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)
Fakten
John Forbes Nash, Mathematik-Professor an der Princeton Universität in New Jersey, gewann 1994 den Wirtschafts-Nobelpreis.
Er ist bekannt für seine Pionierarbeit im Bereich der Spieltheorie - dem mathematischen Modell, wie Menschen aufeinander einwirken, zum Beispiel in Vertrags-Verhandlungen.
Nashs Person war auch Thema des Buchs und des Films "A Beautyful Mind".
In Kürze
Für Professor Nash steht die Schweiz an der Spitze in Bezug auf die Wirtschaftspolitik.
Er sagt, die Schweiz hätte enorm von ihrer stabilen Währung profitiert und von Politikern, die nicht versucht hätten, dies zu ändern.
Nash sagt, dass eine gute Wirtschaftspolitik darauf basiert, dass die Politiker nicht das tatsächliche Marktverhalten vorschreiben können.