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Mittwoch, 14.12.2011, 16:15 Uhr
Öffentlicher Vortrag im Rahmen der Reihe Interdisziplinäre Vorlesungen und Kolloquien zu Schlüsselkonzepten der Geistes- und Sozialwissenschaften des Doktoratsprogramms Interdisciplinary Cultural Studies
In menschlichen Gesellschaften findet man überall und zu jedem Zeitpunkt eine Semantik des Fremden, die sich auf jene Anderen konzentriert, die als störend und irritierend wahrgenommen werden. Vor dem Hintergrund dieser Wahrnehmungen entstehen gesellschaftliche Mechanismen des Umgangs mit Fremden. Die deutsche Sozialtheorie hat dann seit der Romantik auch die Anfänge einer Soziologie des Fremden formuliert, die die sozialen Beziehungen theoretisiert, die uns mit jenen verbinden, die im Verhältnis zu uns zugleich nahe und fern sind. Die Vorlesung wird als eine Einführung in das Problem des Fremden zuerst einen kurzen Blick auf diese historischen Selbstbeobachtungen und Sozialtheorien werfen. Sie wird sich dann auf zwei Leitthemen konzentrieren. 1. Einen Abriss und systematischen Vergleich der gesellschaftlichen Mechanismen, die in verschieden verfassten Gesellschaften für den Umgang mit Fremden entworfen worden sind. 2. Im Blick auf die Weltgesellschaft der Gegenwart wird sich die Frage eines abrupten Umbruchs in der Erfahrung des Fremden stellen: Es sind jetzt alle Anderen, auf die wir in einer funktional definierten Sinnsphäre stossen, für uns mehr oder minder Fremde, oder in einer alternativen Deutung: Die Universalisierung des Fremden führt dazu, dass niemand mehr als ein Fremder aufzufassen ist. Die paradoxen Strukturen der Ambivalenz, Indifferenz und Sympathie, die sich unter diesen Umständen bilden, wird der Vortrag untersuchen.
Rudolf Stichweh ist Professor für soziologische Theorie an der Universität Luzern. Als Professor oder Gastprofessor hat er unter anderem in Princeton, Bielefeld, Paris, Wien und Nijmegen gelehrt. Arbeitsschwerpunkte sind die Theorie der Weltgesellschaft, die evolutionäre Theorie sozialer Systeme, die Theorie und Geschichte der Wissenschaft, der Universitäten und der Kunst. Wichtigste Publikationen: Der Fremde: Studien zu Soziologie und Sozialgeschichte (2010); Inklusion und Exklusion: Studien zur Gesellschaftstheorie (2005); Die Weltgesellschaft (2000); Wissenschaft, Universität, Professionen (1994); Der frühmoderne Staat und die europäische Universität (1991); Zur Entstehung des modernen Systems wissenschaftlicher Disziplinen: Physik in Deutschland 1740-1890 (1984).
Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Universität Luzern
Datum: 15. Dezember 2011
Zeit: 09:30 - 16:30 Uhr
Ort: Universität Bern, UniS, Schanzeneckstrasse 1, Raum A-124