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Simon Koster und Valentin Gautier haben das Segelhandwerk auf einem Mini gelernt. Beide wollten danach auf ein grösseres Boot wechseln. Angesichts der gigantischen Aufgabe haben die beiden Schweizer beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln und als Rösti Sailing Team auf einer Class40 gemeinsam den Atlantik zu überqueren. Ein 100% schweizerisches Hochseeteam hatte es seit den Bourgnon- und den Ravussin-Brüdern nicht mehr gegeben.
Sie sind beide Mini-Segler, zwei Einhandsegler im gleichen Boot. Inwiefern ergänzen Sie sich?
Simon Koster: Wir ergänzen uns vor allem beim Projektmanagement. Valentin ist ein geborenes Kommunikationstalent, bei mir war Kommunikation schon immer ein Schwachpunkt. Ich hingegen bringe Erfahrung im Bootsbau mit (Anm. d. Red.: Simon Koster segelte in der Mini-Klasse bei den Prototypen). Das ist mit unserer Entscheidung, ein Boot zu bauen, enorm wichtig geworden. Beim Segeln bin ich der Ruhigere, Valentin ist nervöser und impulsiv, was in bestimmten Situationen von Vorteil sein kann.
Sie haben mit Ihren Sponsoren ein Dreijahresprojekt vereinbart. Welche sportlichen Ziele haben Sie sich gesetzt?
Valentin Gautier: Unser oberstes Ziel ist die Teilnahme an der Transat Jacques Vabre. Dort eine bestimmte Platzierung anzustreben ist schwierig, denn unsere Class40 wird erst im Juli, also relativ spät, zu Wasser gelassen. Wir werden unseren Probelauf im August am Rolex Fastnet absolvieren und nur sehr wenig Zeit haben, um das Boot für unsere erste Transat vorzubereiten, zu konsolidieren und zu optimieren. Unser sportliches Ziel besteht darin, unsere Jacht und unser Team bis zum Schluss und ohne Bruch im Rennen zu halten und die Class40 so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. Wir wollen mit einem zuverlässigen, sorgfältig präparierten Boot und einem siegfähigen an die Jacques Vabre 2021.
Sie bauen eine Class40 der vierten Generation. Das sind Siegerboote. Worin besteht das Pflichtenheft?
Simon Koster: Die Boote sind kräftezehrend und nicht sehr ergonomisch. Unser erster Schwerpunkt ist daher der Schutz des Seglers. Wir achten darauf, dass wir gut geschützt sind und dadurch über längere Dauer Leistung bringen können. Als zweiten Schwerpunkt wollen wir das Boot kraftvoller machen als die Boote der älteren Generationen, auch wenn die Bauvorschriften keinen Platz für Revolutionen lassen. Wir versuchen, aus dem Rumpf so viel Leistung herauszuholen wie möglich, ohne dass wir bei wenig Wind oder auf Vorwindkursen allzu stark beeinträchtigt werden.
Valentin Gautier: Unser Boot wurde von Samuel Manuard entworfen und von Nicolas Groleau in seiner Werft JPS in Trinité gebaut. Die beiden arbeiten seit geraumer Zeit miteinander, unter anderem an den drei ersten Generationen der Class40. Mittlerweile sind wir an der vierten, der Mach40.4, angelangt. Wir haben es mit einem sehr erfahrenen Duo zu tun, daher können wir das Boot auch in so kurzer Zeit fertigstellen. Mithilfe von Simulationen haben wir einen Rumpf entworfen, der bei halbem Wind pfeilschnell ist, aber vor dem Wind und bei wenig Wind deutlich an Leistung einbüsst. Jetzt müssen wir Lösungen suchen, um einen guten Kompromiss zwischen Leistung und Vielseitigkeit zu finden. Im Übrigen kann die Performance mit einer guten Ergonomie entscheidend verbessert werden. Wenn man sich die Bilder der Route du Rhum anschaut, sieht man Segler, die sich unter Deck festklammern, während das Boot mit Autopilot fährt. Sie mussten das Rennen über grosse Zeiträume über sich ergehen lassen, konnten das Boot also weder steuern noch trimmen. In diesem Bereich besteht noch viel Verbesserungspotenzial.
Die Class40 werden eigentlich nur für einen Zweck gebaut: die Teilnahme an der Route du Rhum, die ja bekanntlich eine Einhandregatta ist. An der Jacques Vabre treten sie aber als Zweihandteam an. Hat sich dadurch beim Projektmanagement und beim Bootsbau etwas geändert?
Valentin Gautier: Ein paar Dinge waren schon anders. Auf den meisten für Solo-Regatten optimierten Booten wird eine Rollgenua verwendet. Wir verzichten jedoch darauf. Weil das Vorsegel abgeschlagen werden kann, reduziert sich das Gewicht im oberen Bereich, was den Krängungsgrad verkleinert. Wir haben uns zudem für ein Liektau anstelle eines Travellers entschieden. Es ist einhand schwieriger zu bedienen, spart aber Gewicht.
Sie sind beides Solosegler und werden bestimmt zum Einhandsegeln zurückkehren. Haben Sie schon Pläne, wie es nach 2021 weitergehen soll? Nimmt einer den Rumpf und der andere das Rigg mit?
Simon Koster: Im besten Fall können wir beide mit je einem Boot weitermachen, das ist jedenfalls unser Plan. Deshalb werden wir auch alles geben, um mit unserem Zweihandprojekt auf uns aufmerksam zu machen und davon zu profitieren.
Valentin Gautier: Falls einer von uns nicht rechtzeitig genügend Sponsoren für eine Route-du-Rhum-Kampagne auftreiben kann, bekommt er das Boot. Momentan ist unser Projekt auf drei Jahre ausgelegt, danach folgt die Route du Rhum. Anschliessend werden wir sehr wahrscheinlich wieder solo unterwegs sein. Falls uns das Zweihandprojekt aber Türen für ein grösseres Schweizer Teamprojekt öffnet… warum nicht?* *Lesen Sie den Artikel über The Ocean Race auf Seite 56.