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Julie Bondeli (1732–1778), als «génie féminin» bezeichnet, bildete das Zentrum verschiedener Salons und intellektueller Zirkel in Bern, die dem Geist der Aufklärung verpflichtet waren. Einblick in das Leben und Denken dieser ausserordentlichen Frau gewährt ihre umfangreiche Korrespondenz mit zahlreichen Gelehrten des In- und Auslands. Sie korrespondierte unter anderem mit dem Literaten Christoph Martin Wieland, dem Arzt und Schriftsteller Johann Georg Zimmermann, der Genfer Gelehrten Suzanne Necker-Curchod, dem Aufklärer Elie-Salomon-François Reverdil, dem Geistlichen und Reformpädagogen Leonhard Usteri, der Schriftstellerin Marie Sophie La Roche, dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau und dem Geistlichen Johann Caspar Lavater.
Die Briefe behandeln literarische, philosophische, naturwissenschaftliche und ästhetische Fragen, erörtern ökonomische Diskussionen sowie gesellschaftspolitische Anliegen der Aufklärer. Sie sind ein eindrückliches Zeugnis einer vergangenen Zeit und eines individuellen Emanzipationsversuchs. Anschaulich vermitteln sie den intellektuellen Austausch und gewähren bisweilen intime Einblicke in das private und öffentliche Leben im Bern des Ancien Régime. Julie Bondeli schildert darin ebenso ihr persönliches Wohlbefinden und ihre körperlichen Leiden, wie sie über die Rolle der gelehrten Frau im 18. Jahrhundert nachdenkt.