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Wer regelmässig diesen unregelmässigen Blog liest, kennt die Real-Rechnung. Für alle die dies nicht tun; die Real-Rechnung ist der Grund für das klägliche Scheitern der Schweizer Nati an Olympia in PyoengChang. Kurzgefasst: Naticoach Fischer dachte mit offensiven Talenten die Konkurrenz dominieren zu können. Er musste aber schnell feststellen, dass die Schweizer Talente dafür zu wenig talentiert sind. Defensiv solide, weniger talentierte Teams (wie Deutschland, leider) schnitten deutlich besser ab als die Eidgenossen. Im Nachhinein klar: Fischer hätte defensiv solide Büezer selektionieren sollen. Keine offensiv-talentierten Tischbomben.
Wieso dieser Rückblick? Wieso Fischers Unvermögen Wochen später noch einmal aufgreifen? Wegen den NLA-Playoffs. Was? Ganz einfach: Einerseits entlasten NLA-Playoffs Fischer. Aber vor allem: Die NLA-Playoffs beweisen wie Recht ich mit meiner Olympia-Analyse hatte. Tribun ist ein Eishockey-Guru!
Eine schlichte Behauptung? Von wegen. Hier die Erklärung: Die ZSC Lions und der HC Lugano stehen im Playoff-Final. Lapierre, Lajunen, Hoffmann, Bertaggia, Cunti, Fazzini, Sanguinetti, Johnston, Brunner, Bürgler; die geballte Schlagkraft der Lugano-Offensive. Beim ZSC: Korpikoski, Shore, Petterson, Sutter, Wick, Herzog, Klein, Pestoni, Blindenbacher, Nilsson. Alle diese Namen in den Kadern von nur zwei Teams?! Man könnte meinen es handle sich um ein All-Star Game, nicht die Affiche des Playoff-Finals. Eines ist klar. Diese Teams spielen (nur) offensives Eishockey. Klassisches Einbahn-Eishockey. Die Spieler kennen nur den Weg nach vorne. Über einen Rückwärtsgang verfügen die wenigsten. Die meisten waren im Skating-Training in den Junioren das letzte Mal rückwärts unterwegs. Natürlich, in den Playoffs versuchen sich auch diese offensiven Waffen im Verteidigen. Ihre angewiderten Gesichtsausdrücke entgehen dank HD-TV niemandem. Diese Spieler hassen das Verteidigen; sie können es nicht und wollen es auch nicht!
„Offense wins games, defense wins championships!“ Ein viel bemühte Plattitüde. Sie trifft auch zu. In der NHL. Und wie wir alle miterleben mussten; auch an der Olympiade. In der Schweiz hingegen trifft sie nicht zu. Kein Bisschen. Für die Schweiz gilt: „Offense wins games and championships!“ Defensiv solide Teams wie Bern oder Davos blieben in den Playoffs chancenlos. Das Talent der All-Star Teams in Zürich und Lugano dominierte. Widerstandslos. So auch im Playoff-Final. Das Motto: Defensiv katastrophal, offensiv attraktiv. Beispiel: Im vierten Spiel vom Mittwoch (Endresultat 3:2 n.V. für die Lions) kamen drei von fünf Treffern aufgrund haarsträubender defensiver Fehler zu Stande. Berni, Geering und Sanguinetti die Sündenböcke. Das Wort „Defensive“ fehlt im Wortschatz der Spieler komplett. Was jedoch niemanden zu kümmern scheint. Weder die Spieler, noch die Zuschauer oder die Coaches. Nicht einmal den Naticoach., wie wir wissen.
Die NLA ist geprägt von der Real-Rechnung. Nur verständlich, dass sich Naticoach Fischer der Illusion hingab, die offensiven Stars würden auch auf internationalem Parkett ihre Magie wirken. Soviel zu seiner Entlastung. Nun dazu mir selbst eine Medaille umzuhängen. Das Lugano gegen den ZSC um den Schweizermeister-Titel kämpft belegt die Real-Rechnung. Meine Olympia-Analyse war messerscharf. Ob die Real-Rechnung für ein Team aufgeht, hängt alleine vom Niveau der Konkurrenz ab. Die Konkurrenz innerhalb der NLA ist so tief, dass die talentgespickten Teams dominieren. Die Defensive ist in der NLA vernachlässigbar. Werden die Verteidiger besser, funktioniert diese Strategie nicht mehr. Was sich an Olympia zeigte.
Noch etwas: Genau das ist der Grund, weshalb sich nie ein Topstar der NLA in der NHL durchsetzt. Weniger Platz sicher, aber vor allem: Bessere Verteidigung und härteres Spiel. Die Schweizer Offensivspieler sind Diven. Das reicht für die NLA, in Übersee und international nicht. Nur Spieler die sich schon als Junioren in Nordamerika beweisen können, schaffen den Sprung.
Noch mal etwas: Dass die Real-Rechnung in der Schweiz aufgeht, fördert die Einkaufsmentalität in der NLA. ZSC und Lugano. Zwei Teams, die sich ihre Kader zusammenkaufen. Nach ein, zwei Jahren beim Stammverein lockt das Geld alle Talente. Geld spielt in Zürich und Lugano keine Rolle. Der Erfolg rechtfertigt die Mittel. Talent gewinnt die NLA. Geld gewinnt die NLA. Schade!
Noch etwas Letztes: ZSC wird Schweizermeister! In Zürich liegt mehr Geld, mehr Talent. Der ZSC ist das Real Madrid der NLA. Für den ZSC ist die Rechnung aufgegangen.