Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03189.jsonl.gz/718

Wofür steht Case Management?
Der Begriff Case Management wird heute in unterschiedlichen Anwendungsgebieten benutzt. Case Management ist ein ursprünglich amerikanisches Fachwort, ausgelehnt aus dem Gebiet der Sozialarbeit. Der Begriff bezeichnete in den USA ein Konzept von Unterstützungsmanagement für Einzelfallhilfe (Case Work), bei welchen systemische und ökosoziale Sichtweisen zu einer Gesamtbetrachtung verbunden wurden.
Mittlerweile hat sich der Begriff – entweder in seiner englischen, in einer partiellen (Fall Management) oder vollständigen Übersetzung (Fallbetreuung) – auch im deutschen Sprachgebrauch etabliert, wobei es nebst der geographischen Verbreitung gleichzeitig zu einer Erweiterung des begrifflichen Konzeptes kam.
Der Begriff Case Management wird heute nebst der Sozialarbeit auch im Gesundheitswesen für die Betreuung von Patientinnen und Patienten in der integrierten medizinischen Versorgung und im Rahmen der Pflegeberatung verwendet. Gleichzeitig wird er aber auch für die berufliche Wiedereingliederung nach einer Phase der medizinischen Betreuung benutzt, weshalb auch die Verwendung des Begriffes im betrieblichen Gesundheitsmanagement naheliegend ist.
Da der Begriff ein strukturiertes Handlungskonzept zur Gestaltung von Beratungs- und Unterstützungsprozessen für Menschen in komplexen Problemlagen beschreibt, findet er ebenfalls Eingang in weiteren interdisziplinären Feldern, von der Arbeit mit Jugendlichen bis hin zu der Betreuung von Seniorinnen und Senioren. In allen Anwendungsbereichen scheint ein wesentliches Merkmal die Problemlösung durch eine Zusammenarbeit über die Grenzen von Institutionen und Disziplinen zu sein.
Der Begriff Case Management findet sich ebenfalls in einer erweiterten Wortzusammensetzung in der Namensgebung von nationalen oder internationalen Fachverbänden oder Vereinen. Die Mission solcher Fachverbände ist die Verbreitung von Case Management als Methode und gleichzeitig die Definition von Standards zur Sicherung der Qualität.
Der Verein Netzwerk Case Management Schweiz positioniert sich auf seiner Web-Seite wie folgt:
Das Netzwerk Case Management Schweiz ist ein Verein von im Gesundheits-, Sozial- und Versicherungsbereich tätigen Personen und Institutionen, die mit der Methode des Case Management arbeiten. Es bildet die massgebliche Plattform für den fachlichen Erfahrungsaustausch über qualitätsvolle Konzepte, Verfahren und Instrumente des Case Managements.
Weiter umschreibt Artikel 2 der Vereinsstatuten den Vereinszweck wie folgt:
Der Verein bezweckt die aktive Förderung des Case Managements in der Schweiz. Er verfolgt insbesondere folgende Ziele:
- Erforschung, Weiterentwicklung und Verbreitung von Case Management Verfahren / Methoden
- Förderung des Case Managements und seiner Anwendung in allen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens
- Förderung des Fachwissens und des Rollenverständnisses der Case Manager
- Förderung und Anerkennung von Weiterbildungsangeboten im Bereich Case Management
- Vernetzung der im Bereich Case Management tätigen Personen und Institutionen
- Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit
- Der Verein arbeitet nicht gewinnorientiert
Gemeinsam scheint allen Zielsetzungen dieser Organisationen ein besonderes Augenmerk auf das «Schnittstellen-Management» zu sein. Schnitt – oder Nahtstellen sind erfahrungsgemäss Momente, in denen leicht Brüche statt Übergänge entstehen; es sind also im weitesten Sinn heikle oder gar kritische Momente, welche über Erfolg oder Misserfolg vor- und nachgelagerten Phasen entscheiden können.
Eine dieser Nahtstellen ist der Übergang zwischen Gesundheit und Krankheit und – damit zusammenhängend – bei berufstätigen Erwachsenen zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit. Durch diesen Fokus können wir einem weiten Kreis von Case Management-Interessierten das Konzept und dessen Anwendungsbereiche in einem für sie bekannten und somit nachvollziehbaren Kontext aufzeigen und die Wirksamkeit von Case Management als Methode zur Optimierung der Hilfe im konkreten Fall erläutern.
Dazu kommt, dass der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und die Vermeidung oder wenn möglich die Verkürzung von Arbeitsunfähigkeit sowohl aus der Sicht eines Individuums, aber auch aus betriebswirtschaftlicher und nicht zuletzt volkswirtschaftlicher Sicht von Interesse ist, und nicht zuletzt durch die Kostendiskussion im Gesundheitswesen einen hohen Aktualitätsgrad beinhaltet.