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Schlittenhunde haben im westgrönländischen Ort Aasiaat einen sechsjährigen Jungen totgebissen. Die Hunde seien beim Skiclub der Stadt angekettet gewesen, teilte die Polizei am Montagabend mit. Ein gleichaltriger Freund, der das Unglück beobachtet hatte, sagte der Polizei, dass der Junge den Tieren zu nahe gekommen sei. Daraufhin hätten die Hunde ihn angefallen. Krisenhelfer kümmern sich den Angaben zufolge um den Zeugen und die Angehörigen des Toten.
Nach dem Vorfall wurden vier Schlittenhunde eingeschläfert. Bereits im März 2022 kam es in England zu einem tragischen Zwischenfall mit einem Schlittenhund, als dieser vor den Augen der Familie ein 3 Monate altes Baby tötete. Nach der Hundeattacke versuchten die Einsatzkräfte, das Leben des Mädchens zu retten. Doch die Verletzungen an Kopf und Hals waren zu schwerwiegend.
In Nunavut vermeldeten die Gesundheitsbehörden ebenfalls eine steigende Zahl von Hundeangriffen, wobei hier diese Steigerung eher mit der Warnung der Behörden vor dem Tollwutvirus im Zusammenhang steht. Dadurch melden Einwohner Hundebisse wahrscheinlich häufiger als früher.
Wie gefährlich sind Schlittenhunde?
Schlittenhunde gelten als friedliebende Tiere, solange sie gut sozialisiert und artgerecht gehalten werden. Doch die Erziehung der Hunde ist schwierig. Ob die Schlittenhunde in dem tragischen Fall nicht richtig gehalten wurden, ist unklar.
In der Arktis werden verschiedene Rassen als Schlittenhunde eingesetzt, die alle auch unterschiedliche Eigenschaften haben. In Grönland haben sich vor allem grössere, kräftige Hunde mit einer grossen Ausdauer durchgesetzt, die allgemein als „Grönlandhund“ bezeichnet werden. „Siberian Huskies“ sind eine weitere Rasse und sind in der Regel die kleinsten, aber schnellsten Schlittenhunde. Sie sind nicht mit den „Alaskan Huskies“ zu verwechseln, die von den ersteren abstammen und die heute zu den am weitesten verbreiteten Schlittenhunden zählen. Auch die „Alaskan Malamute“ sind eine bekannte Rasse und gelten als die grössten und kräftigsten Schlittenhunde.
Schlittenhunde sind in der Arktis überlebenswichtige Nutztiere und Familienmitglieder der Bevölkerung geworden. Ihnen werden Intelligenz und gute Dirigierbarkeit nachgesagt und sie sind so ein guter Begleiter und williger Arbeitshund. In vielen arktischen Regionen werden die Tiere bei den Fahrten auch als „Alarmanlagen“ gegen Eisbären eingesetzt, da sie diese oft schon früh wittern. Doch Schlittenhunde sind keine Wachhunde und sie zeigen sich, je nach Rasse und Charakter, gegenüber Fremden oder anderen Hunden selten misstrauisch. In Grönland werden Schlittenhunde als Welpen oft von den Kindern betreut, jedoch von ihnen später getrennt, da die Tiere in der Regel als Arbeits- und nicht als Schmusetiere gelten. Die Hunde werden oft auch nicht zuhause gehalten, sondern in Stationen, wo sie meist angeleint auf Einsätze warten. In vielen Fällen, besonders in den ländlicheren Gegenden werden die Tiere auch oft unter Bedingungen gehalten, die von den Behörden als „mangelhaft“ bezeichnet wird. Dadurch werde das Risiko für Angriffe durch verwahrloste Hunde gesteigert. Wie die Sachlage im Fall des Angriffs in Aasiaat liegt, ist nicht bekannt.
Heiner Kubny, PolarJournal