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Gegen das Schulhaus zu erweckt ein schon fast herrschaftliches Wohnhaus unsere Aufmerksamkeit. Es steht an Stelle eines schon früher vorhandenen Hauses und wurde 1863 erbaut. Wohnhaus und Ökonomiegebäude bilden ein Hufeisen, das von seiner Grösse her einen stattlichen Hof verrät. Es ist der in den Urkunden als Schlatterhof bezeichnete Lehenhof des Steiner Spitals. 1478 hatte ihn ein Hans Schlatter inne, der ihn 1501 dem Steiner Spital verkaufte.
Heute lädt eine kleine Gartenwirtschaft, das «Beizli 19» zum Innehalten ein.
Der Häuserkomplex liegt mitten im Dorf und wird gegen Norden, Westen und Osten von Strassen und im Süden von einem Servitutenweg begrenzt. Im Mittelalter reichte das zu diesem Hof gehörigen Land bis an den Rhein. Das ganze Grundstück war, wie auf dem Plan von Jakob Schäppi von 1727 zu sehen ist, eingezäunt. Im Mittelalter hatte dieser Zaun eine besondere Bedeutung, indem er einen eigenen Rechtsbezirk umschloss. Aus Urkunden, Lehenbriefen und Urbarien (Abgabenverzeichnissen) erhalten wir einige Aufschlüsse über die Geschichte dieses Hofes.
1478 Ein Hans Schlatter von Ebringen hatte vor einigen Jahren dem Klaus Spöhili von Hemishofen den sogenannten Schlatterhof verkauft. Da die Fertigung nicht zustande kam, wurde der Hof von den Erben des Hans Schlatter nach dessen Tod durchgeführt. Die Urkunde wurde von Ritter Hans von Randeck gesiegelt. «1. Juni 1478. Klaus Spöhili von Hemishofen errichtet einen Schuldbrief um 150 Gulden, welche er den Gebrüdern Schlatter von Ebringen beim Kauf des Schlatterhofes zu Hemishofen als Kaufpreisrest schuldig geworden ist. Spöhili bestellt darum für die Verkäufer auf dem Kaufobjekt einen jährlichen Zins von 7 Pfd. und 10 Schilling Heller für jeden Verkäufer ein Drittel.»
Am 31. Juli 1501 wurde der Hof dem Spital zu Stein verkauft. Während den folgenden 241 Jahren bewirtschafteten viele verschiedene Pächter den Hof bis am 26. November 1742 geschrieben steht: «Johannes Schweitzer verkauft seinen vom Spital zu Erblehen erkauften Hof und Gewerbe mit Haus, Hof, Hofstatt, Scheune und Stall, Speicher, Trotte, Trottengeschirr, Kraut- und Baumgarten, samt 2 Hanfpünten, Reben etc. an Abraham Meili. Kaufpreis 1800 Gulden.»
1810 kaufte der Gemeindepräsident Jakob Götz das Gehöft, baute 1811 die Trotte neu, 1819 das Waschhaus, 1832 den Kachelofen mit den Inschriften Hi Götz (Hans Jakob Götz 1763–1842), A Hann (seine zweite Frau Anna Hann 1769–1846).
1839 wurde eine Dreschscheune gebaut, 1862 die Dreschscheune mit dem Trottengebäude vereinigt.
1863 Neubau des Wohnhauses. (der Kachelofen wurde vom abgebrochenen Wohnhaus in die untere Stube des Neubaus versetzt). 1987 Marcel Gfeller bricht das Trottengebäude ab und errichtet an dessen Stelle ein Wohnhaus.
2020 kaufen Frank und Ankie Vroomen den Schlatterhof, renovieren Haus und Waschhaus, gestalten den Garten neu und errichten ein Restaurant mit Gartenwirtschaft, das «Beizli 19».