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Deutsche Bank-Rettung: nur, wenn Herrhausen-Tradition wiederbelebt wird!
Die unmittelbar drohende Insolvenz der Deutschen Bank ist zwar keineswegs der einzige potentielle Auslöser für eine erneute Systemkrise des transatlantischen Bankensystems, die um einige Größenordnungen tödlicher ist als die von 2008, aber sie bietet einen einzigartigen Hebel, um einen Absturz ins Chaos zu verhindern.
Hinter dem Hilferuf des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, nach einem 150 Milliarden Euro schweren EU-Programm zu Rekapitalisierung der Banken steht die in den internationalen Finanzmedien offen diskutierte Gefahr, daß das gesamte europäische Bankensystem faktisch insolvent ist und auf einem Berg von mindestens zwei Billionen an notleidenden Verbindlichkeiten sitzt. Die Deutsche Bank ist zudem die Bank weltweit, die mit insgesamt 55 Billionen Euro an ausstehenden Derivatkontrakten und einem Leverage-Faktor von 40:1 selbst denjenigen von Lehman Brothers zum Zeitpunkt des Kollapses dieser Bank noch übertrifft, und deshalb die gefährlichste Achillesferse des Systems darstellt. Die Hälfte der Bilanz der Deutschen Bank, deren Aktien in den letzten 12 Monaten 48% an Wert verloren haben und nur noch 8% ihres Höchstwertes zählen, betrifft sogenannte Level-3- Derivate, d.h. Derivate in einem Volumen von ca. 800 Milliarden Euro ohne Marktpreis.
Alfred Herrhausen war der letzte echte Industriebanker Deutschlands. Er setzte sich u.a. für den Erlaß ohnehin nicht bezahlbarer Schulden der Entwicklungsländer ein, ebenso wie für die langfristige Kreditfinanzierung von wohldefinierten Entwicklungsprojekten. Im Dezember 1989 wollte er in New York einen Plan für die Industrialisierung Polens vorstellen, der sich an den Kriterien der KfW beim Wiederaufbau Deutschlands nach 1945 orientiert und damit eine ganz andere Perspektive als die sogenannte „Reformpolitik“ der Schocktherapie Jeffrey Sachs’ gewiesen hätte.
Herrhausen wurde am 30. November 1989 von der „Dritten Generation der RAF“ ermordet, deren Existenz bis heute nicht nachgewiesen ist. Dies geschah zwei Tage, nachdem Bundeskanzler Kohl, dessen engster Berater Herrhausen war, sein Zehn- Punkte-Programm zur schrittweisen Überwindung der deutschen Teilung vorgelegt hatte. Das cui bono des Attentats ist bis heute eine der schicksalhaftesten Fragen der jüngeren Geschichte Deutschlands, die dringend der Aufklärung bedarf.
Tatsache ist, daß die Nachfolger Herrhausens einen fundamentalen Paradigmenwandel bei der Philosophie der Bank eingeleitet haben, der die Deutsche Bank nicht nur in die abenteuerliche Welt der Profitmaximierung um jeden Preis, sondern zu zahllosen geahndeten und ungeahndeten rechtlichen Verstrickungen geführt hat, denen sich die Verantwortlichen - vor allem wegen der Prämisse „too big to jail“ - bisher entziehen konnten. Die Kehrtwende der Deutschen Bank zur globalen Investmentbank mit der höchsten Derivat-Exposure angesichts gleichzeitiger Kreditklemme beim deutschen Mittelstand ist symptomatisch für einen Irrweg, der an den Rand der jetzigen Katastrophe geführt hat.
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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).
Der lesenswerte Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, <email-pii>
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