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Slash-Akkorde sind Akkorde, in denen ein anderer Basston gespielt wird, als der Grundton des Akkords. In diesem Artikel erfährst du, wieso es Slash-Akkorde gibt, wie sie zu lesen sind und einige Tipps zu ihrer Verwendung.
Slash-Akkorde verstehen
Normalerweise spielt der Bassist der Band – oder die Linke Hand am Klavier – den Grundton des Akkords. Wenn der Akkord ein Dm ist, spiele ich im Bass ein D.
«Slash» ist Englisch für «Schrägstrich» und deutet auf einen alternativen Basston hin. Der Ton nach dem Slash soll als Basston gespielt werden.
Ein Dm/A zum Beispiel besagt, dass du einen Dm-Akkord spielst mit einem A als tiefsten Ton.
Zwei verschiedene Typen von Slash-Akkorden
Grundsätzlich unterscheiden sich die Slash-Akkorde darin, ob der angegebene Basston im angegebenen Akkord vorkommt (Typ 1) oder nicht (Typ 2).
Im obigen Beispiel Dm/A kommt der Ton A im Akkord Dm grundsätzlich sowieso vor: D-Moll besteht ja aus den Tönen D, F und A. Somit ist Dm/A ein Typ 1 Slash-Akkord.
→ Wenn du lernen willst, zu wissen, aus welchen Tönen Akkorde bestehen, lies hier weiter.
Typ 1 Slash-Akkorde sind Akkord-Umkehrungen. Es wird nur die Anordnung der Töne geändert, sodass nicht mehr der Grundton des Akkords als Bass-Ton gespielt wird, sondern die Terz (der mittlere Ton des Dreiklangs) oder die Quint (der obere Ton des Dreiklangs).
Beispiel: ein D-Akkord hat normalerweise ein D im Bass, ist also ein «D/D». Wenn du seine erste Umkehrung als Akkord notieren willst, dann willst du die Terz – das F# – als Basston haben, also schreibst du D/F#. Für die zweite Umkehrung schreibst du D/A.
Anders wäre es z.B. mit einem Am/G – das wäre ein Typ 2 Slash-Akkord. A-Moll besteht aus den Tönen A, C und E; Das G kommt nicht vor. Der Akkord Am wird hier um das G erweitert, gleichzeitig mit der Anweisung, das G im Bass zu spielen.
Jeder Typ 2 Slash-Akkord kann in einen Typ 1 Slash-Akkord umgeschrieben werden. Um beim Am/G zu bleiben: Das G ist die Septime (7. Ton) von A aus. Somit ist der Akkord, der aus den Tönen A, C, E und G besteht eigentlich ein Am7-Akkord.
Somit ist Am7/G der exakt selbe Akkord wie ein Am/G. Ersterer ist explizit, weil das G nicht nur als Basston benannt wird, sondern auch die Funktion vom Ton G (die Septime) auch notiert wird.
Typische Verwechslungen
Sobald ein Akkord mindestens vier Töne hat, gibt es z.T. verschiedene Möglichkeiten, denselben Akkord zu notieren. Oder anders gesagt: Verschiedene Akkorde haben z.T. die exakt selben Töne.
Beispielsweise ein G6-Akkord hat die Töne G, B, D und E. Ein Em7 hat die Töne E, G, B und D – genau dieselben. Wenn ich diese vier Töne spiele, dann wird der Basston entscheiden, ob unsere Ohren ein G6 oder ein Em7 wahrnehmen.
Damit entstehen Möglichkeiten für mehr oder weniger sinnvolle Akkordnotation. Der Slash-Akkord Em7/G macht in den meisten Fällen wenig Sinn, weil er als G6 wahrgenommen wird – der Akkord wird nach Dur klingen. Umgekehrt ist ein G6/E nur eine unnötig komplizierte Schreibweise für einen Em7.
Wann macht ein Typ 2 Slash-Akkord Sinn?
Klar, ein Typ 1 Slash-Akkord ist einfach eine Akkord-Notation für eine Umkehrung des Akkords. Macht Sinn, denn Umkehrungen der Akkorde klingen unterschiedlich und manchmal will man sich das genau notieren können.
Aber wann macht es Sinn, einen Typ 2 Slash-Akkord zu verwenden? Wieso würde man z.B. C/Bb schreiben, anstatt C7/Bb, wenn doch der Ton Bb die Septime ist von C?
Es gibt zwei Möglichkeiten:
- Entweder es geht darum, dass die Töne klar aufgeteilt werden zwischen Bassist und Gitarrist bzw. zwischen linke und rechte Hand;
- oder die Slash-Notation wird dafür benutzt, einen Basslauf zu notieren.
Im ersten Fall würde ein C/Bb (Typ 2) darauf hindeuten, dass der Gitarrist ein C spielen soll (und kein C7), der Bassist aber unbedingt einen Ton Bb. Gemeinsam ergibt sich der Klang vom C7-Akkord.
Im zweiten Fall muss der Akkord im Kontext angeschaut werden. Wenn du zum Beispiel folgende Akkorde siehst:
C C/Bb F/A F/G Dm/F C/E G/D C
Dann erkennst du relativ schnell, dass die Basstöne dieser Akkorde einen Abstieg machen:
Die Basslinie ist in den Akkorden verpackt und man könnte sagen, dass die Information, dass der C/Bb eigentlich ein C7 ist und der F/G eigentlich ein Fadd9, nicht relevant ist. Dennoch ist diese Information richtig – man hört bei einem C/Bb tatsächlich einen C7 und der F/G klingt nach einem Fadd9.
Spezialfall Orgelpunkt
Der Begriff Orgelpunkt bezeichnet einen Basston, der über verschiedene Akkorde hinweg bestehen bleibt. Dessen Notation ist nur mit Slash-Akkorden möglich. Wenn du z.B. folgende Akkorde siehst:
C F/C G/C F/C C
Dann ist der Fall klar: Der Bass bleibt auf dem C und die Akkorde mit der rechten Hand wechseln von C zu F zu G und zurück.
Ein Beispiel hierfür ist der berühmte Song Thriller von Michael Jackson. Hier bleibt der Basslauf immer gleich:
Der Grundton, den man vom Bass-Lauf wahrnimmt ist ein C#. Das ist auch der erste Ton der Bass-Melodie, sowie der letzte Ton, sowie der Ton, der am meisten vorkommt.
Die Akkorde, die in der Strofe notiert sind und gespielt werden, sind aber nicht immer dieselben. Sie wechseln von C#m7 zu F#7 und z.T. auch zu G#m.
Diese harmonische Bewegung ergänzt den repetitiven Bass und macht die Musik spannend. Streng genommen müsste man die Strofen-Akkorde eigentlich als C#m7, F#7/C# und G#m/C# aufschreiben.
Und beim G#m/C# (Typ 2 Slash-Akkord) müsste man sich auch überlegen, ob es nicht eigentlich ein C#7sus2 ist.
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