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Sie ist wie eine Versicherung: Weitgehend unsichtbar, aber zuverlässig da, wenn man sie braucht: Die Feuerwehr. Vor 150 Jahre fand auf Einladung der Freiwilligen Feuerwehr Herisau am 6. und 7. Juni ein schweizweites Feuerwehrfest statt, mit dem Ziel, sich unter Fachleuten über das Feuerwehrwesen auszutauschen. Das Fest war die Geburtsstunde des Schweizerischen Feuerwehrverbandes. Heute gibt es in der ganzen Schweiz ca. 1900 Feuerwehren, die jederzeit bereit sind, für «ihre» Mitbürgerinnen und Mitbürger buchstäblich durchs Feuer zu gehen.
Von den Anfängen
Für heutige Verhältnisse kamen die Dinge damals unfassbar schnell ins Rollen: Schon zwei Wochen nach dem Feuerwehrfest in Herisau nahm die Abgeordnetenversammlung der Feuerwehren die Statuten des Schweizerischen Feuerwehr-Vereins an und wählte den ersten Zentralvorstand unter der Leitung des Solothurner Obersten Adolf Schädler. Drei Jahre später, am 9. Mai 1872 wurde eine Unterstützungskasse für die Angehörigen von verunglückten Feuerwehrleuten gegründet und 1873 wurde ein erstes Organisationsreglement publiziert, auf dessen Grundlage die Feuerwehrleute einheitlich ausgebildet wurden. Auch dokumentierte es den Stand der technischen Ausrüstung und trug zur verbesserten Einsatzführung bei. Etwas harziger verlief der Prozess bei der Durchsetzung eines schweizerischen Normalschlauchschlosses, welches 1879 erst auf Intervention des Feuerwehr-Zentralverbands bei den Kantonsregierungen durchgesetzt werden konnte.
Stolze Erfolge nach kurzer Zeit
1911 umfasste der Schweizerische Feuerwehr-Verein bereits 2885 Sektionen mit rund 200’000 versicherten Feuerwehrleuten. Eine erste Reorganisation wurde 1914 nötig, als zahlreiche Feuerwehrleute während dem ersten Weltkrieg in die Armee einberufen wurden. Hinzu wurden die Bestände durch zahlreiche Grippeopfer geschwächt. Auch die Bespannung der Feuerwehrwagen wurde zum Problem, weil die Armee immer mehr Pferde benötigte, welche dann den Feuerwehren fehlten.
International vernetzte sich der Schweizerische Feuerwehr bereits 1931 mit dem «Comité Technique International de Prévention et dl’Extinction de Feu» CTIF. Im gleichen Jahr traten übrigens auch der Schweizerische Rückversicherungsverband und der Brandverhütungsdienst für Industrie und Gewerbe dieser Organisation bei. Der Austausch und die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene sollten zur Sicherheit der Bevölkerung sowie der Feuerwehrleute beitragen.
Auch die technische Entwicklung ging voran. Einen grossen Fortschritt brachten die ersten Atemschutzgeräte. Noch ausgangs des 19. Jahrhunderts wurde von der Anschaffung von Rauchschutzapparaten ernstlich gewarnt: Ein nasser Schwamm und die Rauchbrille seien zurzeit immer noch vorzuziehen, hiess es in einem Bericht zur Feuerwehr-Requisitenausstellung in St.Gallen von 1889. In der Schweizerischen Feuerwehr-Zeitung von 1930 wurde vom Leiter des technischen Büros, Ing. A. Witzig, in einem Artikel auf die Bedeutung des Atemschutzes bei der Brandbekämpfung dargelegt wurde. Es dauerte dann aber noch bis 1940, bis dazu ein erstes Reglement erschien.
Ansonsten zeigten sich die Feuerwehren in der Regel Neuerungen gegenüber offen. 1967 entschied sich der Feuerwehr-Verein für die neue Bezeichnung Schweizerischen Feuerwehrverband und gab sich eine Totalrevision der Statuten. Damit konnten auch weibliche Feuerwehrleute sowie Betriebsfeuerwehren in die Korps und die Hilfskasse aufgenommen werden. Auch die Führungs- und Verwaltungsstruktur wurde modernisiert.
Professionalisierung, Kompetenzerweiterung und Digitalisierung
Natürlich verändert sich auch die Welt der Feuerwehren stetig. Bedingt durch einen Rückgang der Feuerwehrorganisationen (2004: 2319, 2007: 1985) sowie des Personalbestands werden Kooperationen und Professionalisierung vorangetrieben. Ein grosser Schritt Richtung Zukunft erfolgte 2004 mit der Gründung eines Dachverbands, zusammen mit der Schweizerischen Feuerwehr-Instruktoren-Vereinigung und dem Verband der Schweizerischen Berufsfeuerwehren. Im gleichen Jahr erhielt der Schweizerische Feuerwehrverband von der Feuerwehrkoordination Schweiz das Mandat zur Ausbildung künftiger Feuerwehr-Instruktoren. Seit 2008 gibt es einen Eidgenössischen Fachausweis für Feuerwehrleute. Weiterbildungen in den Bereichen «Rettungen aus fliessenden Gewässern» oder «Absturzsicherung» stärken und erweitern die Kompetenz der Feuerwehrleute. Erste E-Learning-Module sowie die Erweiterung der Ausbildungen mit der Unterrichtsprache Englisch sprechen für die Wandlungsfähigkeit der Feuerwehrleute. Der Berufsverband ist darum seit 1999 auch eine wertvolle Partnerorganisation im System des schweizerischen Bevölkerungsschutzes. Auch hier ist er heute nicht mehr wegzudenken.
Feuerwehrhauptmann Sascha Ullmann
Ja, ich habe einen persönlichen Bezug zur Feuerwehr: 20 Jahre lang habe ich im Feuerwehr-Korps von Zollikon gedient, zuerst als einfacher Soldat, dann, mit den entsprechenden Erfahrungen und Weiterbildungen als Unteroffizier und zuletzt fünf Jahre lang als Kommandant. Für mich ist die Feuerwehr etwas Besonderes, denn im Gegensatz zu anderen Organisationen wie der Armee oder dem Zivilschutz ist der Einsatz im Ernstfall keine vage Eventualität: Ein Unfall, ein Brand, ein Katastropheneinsatz oder eine Bergungsaktion kann rund um die Uhr passieren. Auch heute geniessen alle aktiven, ehemaligen und zukünftigen Feuerwehrleute meinen allergrössten Respekt.
Preisgekrönte Feuerwehren
Fünf Feuerwehrkorps wurden mit dem Milizpreis 2019 der Swiss Re ausgezeichnet. Die Stützpunktfeuerwehr Kloten verstärkt mit ihrem ELZ-Support Team, bestehend aus Angehörigen der Feuerwehren Kloten, Bassersdorf, Altbach und Embrachertal, die Einsatzleitzentrale von Schutz und Rettung bei Unwetterlagen. Die speziell ausgebildeten Feuerwehrleute können bei Unwettern separat aufgeboten werden und nehmen in der Einsatzleitzentrale Telefonanrufe entgegen. Ausgezeichnet wurden die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Miliz- und Berufsorganisation sowie der grosse Nutzen für die Bevölkerung bei Bedrohungslagen. Die Alarmzentralen sind in Überlastungssituationen besser erreichbar, was das Sicherheitsgefühl für die Bevölkerung) massgeblich steigert. https://www.kloten.ch/aktuellesinformationen/762481
Ausgezeichnet wurde auch der Liechtensteiner Feuerwehrverband für ihr Konzept «Frauen in der Feuerwehr», die Feuerwehr Eggenwil für das Kinderbetreuungsangebot, mit dem sichergestellt wird, dass der Nachwuchs der Feuerwehrleute bei Alarmeinsätzen nicht unbeaufsichtigt zuhause bleiben muss. https://www.feuerwehr-eggenwil.ch/index.php/kinderbetreuung.html#milizpreis sowie die Feuerwehr Kandersteg, bei welcher ehemalige Feuerwehrleute (Pensionäre) für die Hochwasserüberwachung in Gefahrensituationen eingebunden werden. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Betriebsfeuerwehr des Kantonsspitals Aarau.
Mein persönlicher Glückwunsch geht an die fünf ausgezeichneten Feuerwehren und mein Dank und meine Bewunderung an alle Angehörigen sämtlicher Feuerwehren in der Schweiz. Sie verdienen für ihren Einsatz den allergrössten Respekt der Bevölkerung.