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Pferdeantilope
Hippotragus equinus
© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Die Pferdeantilope (Hippotragus equinus) gehört zu den grössten Antilopen Afrikas: Die Männchen erreichen eine Schulterhöhe von 150 bis 160 Zentimetern und ein Gewicht von 260 bis 300 Kilogramm, die Weibchen eine Schulterhöhe von 140 bis 150 Zentimetern und ein Gewicht von 220 bis 270 Kilogramm. Männchen und Weibchen sind ähnlich gefärbt und tragen beide Hörner, welche gewöhnlich eine Länge von 60 bis 90 Zentimetern aufweisen, wobei aber die der Weibchen durchschnittlich etwas kürzer, dünner und weniger stark gebogen sind als die der Männchen. Der Längenrekord liegt bei 99,1 Zentimetern.
Die Pferdeantilope war einst in beträchtlicher Zahl über weite Bereiche Afrikas südlich der Sahara verbreitet gewesen. Heute ist sie aus vielen Gebieten vollständig verschwunden und in anderen sehr selten geworden. Grössere Bestände finden sich nur noch in einigen Regionen des westlichen und des zentralen Afrikas, während im östlichen und südlichen Afrika, der traditionellen «Hochburg» der Antilopen, die Bestände fast überall stark ausgedünnt sind.
Vorzugsweise bewohnt die Pferdeantilope halboffene Graslandschaften mit mittelhohen bis hohen Gräsern und reichlich eingestreuten Einzelbäumen sowie Gehölzinseln. Sie besiedelt aber auch Buschwald. Wälder mit geschlossenem Kronendach meidet sie hingegen ebenso wie Kurzgrasflächen. Sie benötigt im Übrigen das ganze Jahr über Zugang zu einer Tränke, denn sie kann Wasser höchstens zwei bis drei Tage lang entbehren.
Als Nahrung dienen der Pferdeantilope hauptsächlich Gräser. Krautpflanzen sowie Blätter von Büschen und Bäumen bilden nur einen geringen Teil der Kost. Sie ist also ein typischer «Grazer» und kein «Browser». Abgesehen vom Gang zur Tränke um die Mittagszeit ist die Pferdeantilope nur morgens bis gegen 9 und abends ab etwa 17 Uhr aktiv. Den Rest des Tages verbringt sie zumeist ruhend im Schatten eines Gehölzes. Ob sie sich auch nachts zeitweise dem Nahrungserwerb widmet, wissen wir nicht; es ist aber anzunehmen.
Wie die meisten grösseren Huftiere sind die Pferdeantilopen gesellig lebende Wesen. Mehrheitlich streifen sie in kleinen Haremtrupps umher, die sich aus einem voll ausgewachsenen Männchen und ein paar Weibchen mit deren Nachwuchs zusammensetzen. Die Grösse der Haremstrupps beträgt gewöhnlich fünf bis zwölf Individuen. Das Männchen ist zwar das stärkste Mitglied des Trupps. Angeführt wird derselbe aber von einem älteren, dominanten Weibchen. Es ist diese Leitkuh, welche die Richtung beim Aufsuchen von Weidegründen, Rastplätzen oder Tränken und auch bei der Flucht bestimmt.
Jeder Trupp streift im Allgemeinen das ganze Jahr über in einem festen Stück Savanne umher. In Kenia beispielsweise konnte ein bestimmter Trupp während 30 Jahren im selben Streifgebiet beobachtet werden. Das voll ausgewachsene Männchen im Trupp duldet zwar keine gleichwertigen Bullen in einem Umkreis von 300 bis 500 Metern und verbringt viel Zeit damit, aufdringliche Rivalen durch Droh- und Imponiergesten sowie nötigenfalls durch Hornkämpfe von «seinen» Weibchen fernzuhalten. Die kreisrunde Intoleranzzone bewegt sich aber mit dem Trupp fort und ist somit kein räumlich festgelegtes Territorium.
Die jungen Pferdeantilopen kommen nach einer Tragzeit von knapp neun Monaten als Einzelkinder zur Welt. Ihre Hörner beginnen im Alter von sechs Wochen zu spriessen. Mit Muttermilch ernährt werden sie etwa sechs Monate lang. Die Lebenserwartung der Pferdeantilopen liegt in der freien Wildbahn bei maximal 17 oder 18 Jahren. In diesem Alter ist ihr Gebiss dermassen stark abgenutzt und lückenhaft, dass sie sich nicht mehr ausreichend ernähren können und darum durch Fressfeinde, an Krankheiten oder schlicht an Unterernährung sterben.
Noch wird die Pferdeantilope von der Weltnaturschutzunion (IUCN) nicht als gefährdet eingestuft. Dies dürfte sich aber leider bald ändern, denn die Bestände sind in den meisten Bereichen des Artverbreitungsgebiets weiterhin stark rückläufig. Der Schwund ist einerseits auf die (meistenorts illegale) Bejagung, andererseits auf den Nahrungswettstreit mit den Nutztieren des Menschen zurückzuführen. Hausrinder, -ziegen und -schafe machen sich heute in riesiger Zahl in vielen Bereichen des Verbreitungsgebiets breit. 1999 wurde geschätzt, dass afrikaweit lediglich noch 76 000 Pferdeantilopen überleben.
Gegenwärtig lebt etwa ein Drittel der verbleibenden Pferdeantilopenpopulation in Schutzgebieten. Leider gehen die Bestände der grossen Antilope aber selbst in solchen teils deutlich zurück. Mit Wilderei allein lässt sich dieses Phänomen nicht erklären. Es könnte ein Wandel der Niederschlagsmengen und -muster - im Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel - für den Rückgang verantwortlich sein. Ferner Krankheiten wie der Milzbrand. Noch sind die genauen Ursachen ungeklärt.
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