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Peter Trinkler: Mein Radsport-Blog --> mehr Radsport
Hugo Koblet (1925-1964), Pédaleur de Charme
Ich habe mich in den letzten Wochen etwas intensiver mit der Lebensgeschichte von Hugo Koblet, dem grössten Schweizer Radtalent aller Zeiten, beschäftigt. Mich berührt und fasziniert die grandiose und tragische Geschichte dieses Ausnahmekönners, Sieger der Tour de Suisse 1950, 53 und 55, des Giro d'Italia 1950 und der Tour de France 1951. Der Frauenschwarm und Liebling der Massen geht aufgrund seiner Eleganz, seiner Leichtigkeit, Freundlichkeit und seinem guten Aussehen als Pédaleur de Charme in die Geschichte ein. Nach der Sportkarriere kommt Koblet mit seinem Leben aber nicht zurecht. Mit nur 39 Jahren nimmt er sich 1964, total verschuldet und von seiner Frau verlassen, das Leben.
1950 gelangt Koblet mit seinem Sieg am Giro, den er als erster Ausländer überhaupt gewinnt, explosionsartig an die Weltspitze. Er lässt die als beinahe unschlagbar geltenden italienischen Superstars Gino Bartali (dieser wird hinter Koblet Zweiter) und Fausto Coppi (dieser stürzt schwer und scheidet aus, hat zu diesem Zeitpunkt aber bereits grossen Rückstand auf Koblet) hinter sich. Koblet entfacht, zusammen mit seinem Schweizer Rivalen Ferdy Kübler (Tour de France Sieger 1950 und Strassen-Weltmeister 1951) eine nie zuvor und nie danach gekannte Radsportbegeisterung in der Schweiz (die legendären K+K Zeiten).
Die Tour de France 1951 gewinnt Koblet mit unglaublichen 22 Minuten Vorsprung. Sein Sieg in der 11. Etappe dieser Tour von Brive nach Agen zählt für Experten bis heute zu den grössten sportlichen Leistungen aller Zeiten. Koblet fährt über 130 Kilometer alleine voraus während sich auf der mehrheitlich flachen Strecke die gesamte Weltelite beständig ablöst und mit vollem Einsatz hinter Koblet herjagt. Doch sie können ihn nicht einholen, er gewinnt solo. Einer allein stärker als ein voll dahinjagendes Feld? Unfassbar! Dieser Husarenritt und die Leichtigkeit und Eleganz, mit der er diese Tour de France gewinnt (allein an dieser Tour gewinnt er fünf Etappen, bei beiden Zeitfahren siegt er überlegen), machen Koblet, der sich nach den Etappen jeweils sofort mit einem nassen Schwamm das Gesicht wäscht und seine Haare kämmt (eines seiner Markenzeichen), zur Legende.
Was mir bisher nicht bewusst war: Ohne Koblet hätte der sechs Jahre ältere Ferdy Kübler (1919-2016, bekannt als Ferdy National) wahrscheinlich nie die Tour de France gewonnen und wäre vielleicht auch nicht Strassen-Weltmeister bei den Profis geworden. Küblers Sieg an der Tour de France 1950 war eine direkte Reaktion Küblers auf Koblets Girosieg 1950. Der Höhenflug seines Landmannes Koblet stachelte den Asketen und drahtigen Willensmenschen Kübler derart an, dass dieser sein bereits hohes Niveau noch einmal steigern konnte, über seine bisherigen Möglichkeiten hinauswuchs und nur zwei Monate nach Koblets Girosieg als erster Schweizer die Tour de France gewann. Und Küblers Sieg an den Strassen-Weltmeisterschaften 1951 war eine direkte Reaktion auf Koblets Tour-de-France-Sieg wenige Wochen zuvor. Kübler, der Jahrzehnte später zum Schweizer Sportler des Jahrhunderts gewählt wird, meinte: "Das konnte ich mir nicht gefallen lassen, dass einer (Koblet) alles gewinnt und ich nichts." Kübler selbst bezeichnete Koblet als "sein Doping". Umgekehrt war aber auch Kübler mit seinen Leistungen eine grosse Motivation für Koblet.
Die sportlichen Höhepunkte in Koblets Karriere sind die Jahre 1950 und 1951 mit Giro- und Tour-de-France-Sieg. In den folgenden Jahren kann er, obwohl er immer noch zahlreiche Siege und Achtungserfolge erzielt (unter anderem wird er am Giro 1953 und 1954 jeweils Zweiter, gewinnt die Tour de Suisse 1953 und 1955, die Tour de Romandie 1953 und das wichtige Eintagerennen Meisterschaft von Zürich 1952 und 1954) nie mehr ganz an seine frühere Leistungsfähigkeit anknüpfen. Der Grund ist, dass Koblet an der Tour de Suisse 1952 kaputtgespritzt wird. An dieser Tour de Suisse ist Koblet das Aushängeschild. Wegen der nasskalten Witterung in den ersten Etappen erkrankt er an einer Nierenbeckenentzündung mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Die sofortige Aufgabe des Rennens wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen. Doch Renndirektor Senn will nicht auf sein Zugpferd verzichten. Folge: Der offizielle Tour-Arzt spritzt Koblet auf Geheiss (auf Befehl!) des autoritären Renndirektors "fit um jeden Preis", mit einer Ampulle des aggressiven Amphetamins Akzedron – Doping, das damals nicht verboten war (es gab weder eine Dopingliste noch Kontrollen). Koblet zahlt einen hohen Preis: Kollaps (in der Steigung nach Crans fährt er zickzack und stirbt beinahe) und Aufgabe des Rennens. Noch schlimmer: Er trägt einen irreversiblen Herzschaden davon, der ihn für den Rest seiner Karriere limitieren wird. 20% des gepumpten Blutes fliessen durch kaputte Herzklappen (die Aorta-Klappe verschliesst sich nicht mehr ganz) gleich wieder zurück statt in die arbeitenden Muskeln. Ein Professor, der ihn untersucht, meint: "Dieser Mann darf nicht mehr Velo fahren." Diese Spritze habe ihn zehn Jahre seines Lebens gekostet äussert sich Koblet später.
Wer sich näher für die aussergewöhnliche Geschichte Hugo Koblets und die Bedeutung des Radsports in der damaligen Zeit interessiert, dem empfehle ich das Buch Hugo Koblet: Ikarus auf Rädern von Daniel Sprecher, siehe meine Buchrezension. In diesem Buch wird aussergewöhnlich detailliert auf die Lebensgeschichte Koblets eingegangen, seine Jugend, seine Zeit als Rennfahrer, seine Rückschläge, die Rivalität mit Ferdy Kübler, die Zeit nach der Karriere, seine Beziehung zu den Frauen und wie es dazu kam, dass Koblet seinen Sportwagen mit Autobahntempo bewusst in den Stamm eines Birnbaums steuerte, woran er viel zu früh verstarb. Die sehr detaillierten Aufzeichnungen von Koblets Rennfahrerjahren (praktisch von jedem Rennen gibt es Aufzeichnungen über Rennverlauf, Sieger, Zuschauer usw.), dürften für jeden echten Radsportfan ein Leckerbissen sein, zeigen sie doch die Bedeutung des Radsports von damals und erfährt man mehr über die Geschichte des Radsports im Allgemeinen. Koblet, der Mozart der Strasse, war ein internationaler Superstar mit unzähligen Verehrern und vor allem Verehrerinnen, vergleichbar mit den Groupies der heutigen Pop- und Musiksuperstars. Dass Koblet auch nach seiner gravierenden Herzklappenschädigung an der Tour de Suisse 1952, die ihn einen Fünftel seiner Herzkapazität kostete und die einer (nie geahndeten) Tätlichkeit mit schwerer Körperverletzung durch den Tourdirektor und den Tourarzt gleichkam, niemals jammerte, dass er trotz vieler weiterer Rückschläge immer freundlich, ausgesprochen grosszügig und ein Gentleman blieb, und dass er trotz seines stark handicapierten Herzens immer noch zu Weltklasseleistungen auf dem Rad fähig war, zeigt vielleicht die wahre Grösse und Fähigkeiten dieses Champions.
Eine wunderbare Hommage und Würdigung dieser aussergewöhnlichen Persönlichkeit ist das 2005 zum 80. Geburtstag Koblets erschienene Buch Hugo Koblet - Der Pédaleur de Charme, herausgegeben von Peter Schnyder. Inhaltlich top mit aussergewöhnlich vielen grossformatigen Bildern - einmalig! Das Buchformat ist 24x30 cm (sehr gross), das Papier ist dick (entsprechend ist der Preis des Buches). Für jeden Fan ein wahrer Schatz. Der 2010 erschienene Film Hugo Koblet - Pédaleur de Charme, bei dem verschiedene Szenen aus Koblets Leben nachgespielt werden und mehrere Weggefährten Koblets zu Wort kommen (zum Beispiel Ferdy Kübler, die Ikone der Sportreporter Sepp Renggli, Koblets treuer Mannschaftshelfer Gottfried Weilenmann, sein Partner bei Sechstagerennen Armin von Büren, Koblets ehemalige Verlobte und Filmstar Waltraut Haas), enthält zahlreiche Originalaufnahmen.
Mein persönliches Fazit zu Hugo Koblet und seinem viel zu frühen Tod: Es ist eine Schande, dass dieser Hochbegabte, in dessen Glanz sich unzählige seiner Landsleute sonnten, und von dessen Glanz auch etwas auf das Land abfiel, dessen Sohn er war, so früh und so tragisch sterben musste. Es ist beschämend, dass eine Gesellschaft zulässt, dass einzelne ihrer Mitglieder so lange gequält, geschädigt und drangsaliert werden, bis sie an den Punkt kommen, an dem sie in höchstem Masse verzweifelt nur noch zwischen Tod (Suizid) und Wahnsinn wählen können. Der Pfarrer, der Koblets Beerdigung leitete, wies in seiner Trauerrede auf die edle und grosszügige Wesensart des Verstorbenen hin, welche den dunklen Kräften nicht standzuhalten vermochte. Er meinte treffend: "Hugo, der Gutmütige, der mit intelligenter Kopfarbeit seine Rennen zum Siege fuhr, war in seiner treuherzigen Art den Oppositionskräften, den dunklen Kräften, die jedem Leben untergründig begegnen, nicht gewachsen. So wie diese dunklen Kräfte immer wieder zuschlagen – unergründlich, unerforschlich – so haben sie auch bei Hugo Koblet zugeschlagen." Was der Pfarrer nicht sagte (und wohl auch nicht wusste), war die Antwort auf die Frage, warum diese Dunkelkräfte überhaupt existieren und das Leben von ehrlichen und aufrechten Menschen zur Hölle machen (für die Antwort siehe Hierarchie des Universums).
Übrigens: Mit einer Grösse von 1,88 m war Koblet auf den Zentimeter gleich gross wie ich und mit seinem Gewicht von 76 bis 77 kg (wenn er in Form war) auch praktisch auf das Kilogramm gleich schwer.
Siehe auch
22. August 2016
Olympia Rio
Was sich beim Strassenrennen der Damen und Herren in der letzten Abfahrt wenige Kilometer vor dem Ziel ereignete war echt krass. Bei den Herren stürzten Vincenzo Nibali, der als Top-Abfahrer gilt, und Sergio Henao aus dem Spitzentrio mit der sicheren Medaille vor Augen, verletzten sich und hatten mit der Entscheidung nichts mehr zu tun. Mit Greg Van Avermaet gab es dann doch einen verdienten Sieger, der bereits bei der Tour de France mit seinen langen Fluchten in Spitzengruppen und der zeitweiligen Übernahme des Leadertrikots mit mehreren Minuten Vorsprung eine grosse Show geboten hatte. Bei den Damen stürzte die Niederländern Annemiek van Vleuten alleine in Führung liegend mit der fast sicheren Goldmedaille vor Augen so heftig, dass mir allein vom Zusehen schlecht wurde.
Fabian Cancellara in seinem letzten Jahr als Profi zeigte mit seinem Sieg im Zeitfahren einmal mehr eine grandiose Leistung. Mehr als Platz drei hätte ich auf einer solch schweren Strecke und mit seiner gezeigten Form in der Tour de France 2016 nicht für möglich gehalten. Der zweitplatzierte Tom Dumoulin, der seine Gegner beim ersten Zeitfahren der Tour de France vor wenigen Wochen noch in Grund und Boden gefahren hatte, verlor 47 Sekunden, was ziemlich viel ist. Ohne den Handbruch von Dumoulin in der letzten Tour-Woche und seine nicht optimale Vorbereitung auf Olympia wäre es wohl ultraknapp zwischen ihm und Cancellara geworden.
Das persönliche Highlight für mich, zumindest in Sachen Unterhaltungswert, war der aktuelle Strassenweltmeister Peter Sagan. Weil er sich im Strassenrennen aufgrund der langen Steigungen offenbar wenig Chancen ausrechnete, verzichtete er auf das Strassenrennen und startete kurzerhand im Mountainbike-Rennen. Sagan glaubte wohl, dass ein Bergfahrer das Strassenrennen gewinnen würde. Mit Van Avermaet gewann dann allerdings ein Fahrer (Klassikerjäger), der in der Regel exakt die Rennen gewinnt, die auch optimal auf Sagen zugeschnitten sind. Weil Sagan seit sieben Jahren keine Mountainbike-Rennen mehr gefahren ist (vor acht Jahren wurde er Junioren-Weltmeister bei den Bikern) musste er das Rennen vom 50. und letzten Startplatz aus in Angriff nehmen, was beim Mountainbike, in welchem der Start extrem wichtig ist, ein grosser Nachteil ist. Experten meinten, dass Sagan aufgrund seiner schlechten Startposition, aber auch wegen des fehlenden Trainings im Gelände und weil bei Bikern andere Qualitäten als auf der Strasse gefragt sind, keine Chance hätte mit den Top-Cracks mitzuhalten und dass es für ihn sehr schwierig würde während des Rennens überhaupt je in eine vordere Position zu kommen.
Und was macht Sagan: Bereits 500 Meter nach dem Start, bei dem alle abgehen wie die Feuerwehr, fährt er auf Position acht, kurz danach auf Position drei direkt hinter dem Schweizer Favoriten und späteren Sieger Nino Schurter. Anschliessend fährt Sagan, während hinter ihm Löcher aufgehen, die gesamte erste Runde auf Platz drei und hält scheinbar locker mit. Unglaublich! Dann hat er leider einen Defekt, muss fast eine halbe Runde bis zur nächsten Technikzone mit einem platten Reifen fahren, was ihn mehr als zwei Minuten kostet, und hat anschliessend noch weitere Defekte. Das Ende für ihn in diesem Rennen. Dennoch: Ich beginne immer mehr zu verstehen, warum seine Teamgefährten, als Sagan neu im Profizirkus ankam, völlig aus dem Häuschen gewesen waren und meinten: Da kommt ein neuer Eddy Merckx, einer, der alles kann: Sprinten, Zeitfahren, Bergfahren, wie ein Wahnsinniger runterfahren, locker im Feld die Position halten, und das alles mit einer Supertechnik. In Sachen Unterhaltungswert ist Sagan definitiv nicht zu schlagen ... und auch sonst fast nicht! Herzliche Gratulation an den Schweizer Nino Schurter, der nach Bronze in Peking und Silber in London seinen Medaillensatz mit Gold in Rio jetzt komplett hat. Vier Jahre minutiöse Vorbereitung perfekt auf den Punkt gebracht! Jetzt gehört er mit einem kompletten Olympia-Medaillensatz und fünf Weltmeistertiteln definitiv zu den Grössten in der Geschichte des Mountainbikesports.
Eine Leistung, die zumindest in Teilen mit Radsport zu tun hat, möchte ich noch erwähnen, und zwar die der Schweizer Triathletin Nicola Spirig, die vor vier Jahren in London die Goldmedaille im Triathlon geholt hatte und hier in Rio die Silbermedaille gewann. Was sie im Damenrennen gezeigt hat, war für mich nicht zu glauben. Ich kann Spirig nur als Tier bezeichnen. Zwei Drittel des gesamten Radsplits fährt sie von vorne mit hohem Tempo an der Spitze der rund 18-köpfigen Spitzengruppe. Sie hat praktisch im Alleingang die nachfolgende Gruppe um mehr als drei Minuten distanziert. Ich habe mich dauernd gefragt "Was macht die? Ist die verrückt geworden, so viel und so energisch zu führen?" Ich bin überzeugt: Jede andere Fahrerin, die so gefahren wäre (falls es überhaupt jemand gekonnt hätte), wäre nach dem Radsplit derart platt gewesen, dass ein Rang unter den ersten 20 im abschliessenden Lauf völlig unmöglich geworden wäre. Spirig aber wusste genau was sie tat: Sie wusste, dass sie mit Abstand am fittesten von allen war (aber nicht die alle anderen überragende Läuferin ist), und wollte alle so müde fahren, dass sie mit schweren Beinen zum Laufen kamen. Das gelang ihr fast perfekt. Dass mit Gwen Jorgensen letztlich doch die überragende Läuferin gewann, hat einzig damit zu tun, dass beim Radfahren Windschatten gefahren werden darf und Spirig nicht (auch noch) die alle anderen übertreffende Superläuferin ist. Würde der olympische Triathlon so ausgetragen wie ein Ironman, nämlich ohne die Möglichkeit beim Radfahren Windschatten zu fahren, hätte Spirig mit zwei Minuten Vorsprung gewonnen. Genau wie Schurter hat auch sie es geschafft voll auf den Punkt fit zu sein und ihre Medaille bereits im Vorfeld mehr oder weniger angekündigt (zumindest über ihren Trainer) ... und das trotz einer schweren Verletzung einige Monate vor dem Wettkampf. Hut ab und grösste Hochachtung meinerseits!
28. September 2015
Gratulation an Peter Sagan zum Weltmeistertitel auf der Strasse
Der 25-jährige Peter Sagan ist ein Fahrer, der praktisch alles kann. Er ist einer der schnellsten Sprinter weltweit, ein hervorragender Techniker (er kann unter anderem problemlos längere Zeit nur auf dem Hinterrad fahren: Wheelie), er ist in der Lage (kleinere) Rundfahrten zu gewinnen, ist ein überdurchschnittlicher Zeitfahrer und mit Sicherheit einer der besten – wenn nicht sogar der beste – Abfahrer der Welt. Im Jahr 2011 gewann er gar eine höchst anspruchsvolle Bergetappe der Tour de Suisse mit dem 16 Kilometer langen schweren Aufstieg über die Grosse Scheidegg (Kulminationspunkt 11 Kilometer vor dem Ziel) und zeigte damit, dass ihm kaum Grenzen gesetzt sind. Sagan ist durch seine attraktive Fahrweise einer der auffälligsten Fahrer im gesamten Profifeld.
Zwar hat Sagan in den letzten Jahren enorm viele Rennen gewonnen – auch Etappen an der Tour de France –, und noch mehr Podestplätze herausgefahren, ein wirklich grosser Sieg in einem wichtigen Eintagesrennen (Klassiker/Monument oder WM) fehlte ihm aber bisher. Schon fast galt er als ewiger Zweiter (um nicht zu sagen Verlierer, und das obwohl er die letzten vier Jahre in Folge das Punkteklassement der Tour de France gewonnen hat!), der die (über)grossen in ihn gesetzten Erwartungen in den wirklich wichtigen Rennen nicht zu erfüllen vermag ... und das mit seinen gerade einmal 25 Jahren. Immer wieder wurde er in grossen Rennen als Favorit bezeichnet, immer wieder schauten viele auf ihn, manchmal griff er zu früh an, oft schaffte er "nur" einen Top 5 Platz.
Diesmal war alles anders. Im Vorfeld nannten ihn nur wenige als einen der Topfavoriten, im Rennen sah man ihn bis drei Kilometer vor dem Schluss praktisch nicht, doch dann folgte seine unwiderstehliche Attacke und er erreichte das Ziel solo. Sagan ist jetzt definitiv ein Grosser und hat mit diesem Sieg all die Versprechen, die durch sein enormes Talent und seine attraktive Fahrweise bereits seit Jahren im Raum standen, eingelöst. Im Siegerinterview zeigte er durch seine nachdenklichen und motivierenden Worte zur schwierigen Situation in Europa (Flüchtlingswelle etc.), dass er auch neben dem Sport ein Champ ist.
27. Juli 2014
Tour de France 2014: Rückblick
Gratulation an Vincenzo Nibali, der jetzt als einer von nur sechs Fahrern in der Geschichte
alle drei grossen Landesrundfahrten gewonnen hat. Alles richtig gemacht und
extrem souverän und stabil gefahren. Top-Vorbereitung, kein einziger schwacher Tag, in den Bergen sehr stark,
in der schweren Kopfsteinpflaster-Etappe sogar Spezialisten wie Cancellara und Vanmarcke abgehängt.
Gratulation auch
an die Franzosen für die starken Leistungen im Gesamtklassement und generell: zwei Fahrer auf dem Podest, drei in den
Top Sechs, Tony Gallopin mit gelbem Trikot und Etappensieg im Stile eines Klassikjägers.
17. April 2014
Nochmal zu Cancellara: Hey, was für ein grossartiger Rennfahrer. Ich meine, welcher Fahrer möchte nicht die Fähigkeiten von Cancellara besitzen und Rennen so gewinnen wie er es tut? Nachfolgend ein youtube-Video von 2011. Wie er die Tour-de-France Etappe 2007 mit dem gelben Trikot gegen alle Sprintermannschaften und Top-Sprinter gewinnt (ab 0:45 Min. im Video), einmalig! Wie er Tom Boonen an der Muur in der Flandern-Rundfahrt 2010 stehen lässt (ab 2:00 Min. im Video), wie er bei Paris-Roubaix 2010 wie ein Motorrad davonfährt (ab 4:10 Min. im Video), legendär! Und das Non-Plus-Ultra: Wenn Cancellara einmal 5 Meter Vorsprung hat, und das auf der Ebene, kommt keiner mehr ran, nicht einmal ein Supersprinter wie Boonen, siehe beim E3-Preis in Harelbeke 2010 (ab 8:35 im Video) und dann das Gleiche nochmal 2011 (ab 10:15 im Video und Wegfahren ab 11:45). Einen Fahrer am Berg abhängen, okay, aber Fahrer, die an deinem Hinterrad hängen auf der Ebene rausschrauben, unglaublich!!! Rohe Brachial-Power eines vierfachen Zeitfahrweltmeisters und Olympiachampions! Super Video, tolle Musik, danke an die Person, die das zusammengeschnitten und hochgeladen hat.
15. April 2014
Gratulation an Fabian Cancellara für seine tolle Frühjahrssaison. Zweiter bei Mailand-San Remo, Sieger bei der Flandern-Rundfahrt und Dritter bei Paris-Roubaix. Meiner Meinung nach das Maximum aus der vorhandenen Form herausgeholt. Körperlich nicht mehr ganz so dominant wie in früheren Jahren, dafür cleverer. Ich habe mehrmals gestaunt, welche Nerven Cancellara hat, wenn Gruppen vorne wegfahren, wie er zugewartet hat und dann andere das Loch wieder zugefahren haben. Er hat sich nicht in die Top-Favoritenrolle drängen lassen, sondern die anderen ebenfalls zum Arbeiten gebracht. In der Flandern-Rundfahrt war dieses Jahr vielleicht sogar Greg van Avermaet der Stärkste, aber durch die lange Vorausfahrt hat ihm im Spurt wohl die letzte Power gefehlt, so dass Cancellara nicht zu schlagen war. Und Sep Vanmarcke hat jetzt auch mal einen grossen Sieg verdient.
Apropos Flandern-Rundfahrt: Für mich das "geilste" (Eintages-)Rennen des ganzen Jahres. Wer dieses Rennen gewinnt ist ein Held! Hier kommt einfach alles zusammen: Die Tradition, die vielen Zuschauer, die unvergleichliche Stimmung, die tollen Fernsehbilder (mit Aufnahmen auch der sportlichen Leiter in den Autos) und eine interessante Streckenführung, die meist bis fast zum Schluss vieles offenlässt. Für mich persönlich ist ein Sieg in Flandern fast so viel Wert wie ein WM-Titel.
April 2014: Start meines Radsport-Blogs