Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/1165

Novak Djokovic hat in Wimbledon soeben seinen neunten Grand-Slam-Titel gewonnen . Dass der Serbe den Tennissport in den letzten Jahren so dominierte und zur Weltnummer 1 aufstieg, verdankt er seiner angepassten Ernährung.
Wir wissen nicht, wie Novak Djokovic Dr. Igor Cetojevic anschaute, als dieser ihm eine Scheibe Brot zwischen die linke Hand und den Bauch klemmte, ihn aufforderte den rechten Arm auszustrecken und dann versuchte diesen herunter zu drücken. Schade. Hätte sicher ein schönes Bild gegeben.
Immerhin wissen wir, wie Djokovic reagierte: Der Arm liess sich leichter herunterdrücken als zuvor, als Djokovic die gleiche Übung ohne das Stück Brot machte. Da hatte sich Cetojevics Befürchtung bewahrheitet: Djokovic reagierte empfindlich auf Gluten. Gluten ist ein Eiweissgemisch, welches in diversen Getreidearten vorkommt und auch in Nahrungsmitteln wie Brot, Pasta oder Kuchen.
Das Ganze ereignete sich im Juli 2010 in Kroatien. Djokovic war mit dem Davis-Cup-Team unterwegs. Warum es überhaupt zum Treffen der beiden Serben kam, ist eine ähnlich schräge Geschichte, wie der Test mit dem Brot: Cetojevic zappte im Januar 2010 zuhause auf Zypern gelangweilt durch die TV-Kanäle. Als die Partie Djokovic – Tsonga erschien, bat ihn seine Frau dieses Viertelfinale der Australian Open zu schauen. Obwohl Cetojevic kein Tennisfan war, gehorchte er seiner besseren Hälfte vorbildlich und schaute sich das Spiel im fernen Down Under an.
Djokovic lag 2:1 nach Sätzen vorne. Dann musste er sich pflegen lassen. Verschwand kurz in der Garderobe, gewann in den nächsten beiden Durchgängen kraftlos noch vier Games und schied mit 2:3 aus. Einmal mehr hatte ihn eine Schwächephase eine Partie gekostet. Es war nicht das erste Mal. Atemnot begleitete die damalige Weltnummer 3 (mit klarem Rückstand auf Federer und Nadal) schon die ganze Karriere lang. Während Djokovic die Schuld bei der Hitze suchte, vermutete Cetojevic eine Gluten-Intoleranz. Durch gemeinsame Freunde entstand der Kontakt, ein halbes Jahr später kam es zum besagten Brot-Test in Kroatien.
Weitere Untersuchungen zeigten: Djokovic leidet stark an einer Intoleranz von Milch und Weizen, sowie einer leichten Tomaten-Intoleranz. Er stellte die Ernährung radikal um. Pasta, Pizza, Brot waren ab sofort tabu, dafür stürmten Gemüse, Bohnen, weisses Fleisch, Fisch, Früchte oder Nüsse seinen Ernährungsplan. In den folgenden Monaten verlor der Serbe an Gewicht, wurde zum wohl fitesten Spieler der Tour und stürmte die Weltnummer-1-Position, welche er seither mit kleinen Unterbrüchen inne hat.
Jetzt liegt die Schlussfolgerung für den 0815-Sportler auf der Hand: Gluten-frei essen und der Aufstieg ist kaum mehr aufzuhalten. Aber dem ist nicht so. Andy Murray versuchte die gleiche Diät, gab aber bald auf und erklärte, er habe sich meist müde gefühlt. Prophylaktisch auf Gluten zu verzichten bringt nichts. Nur wer sie nicht verträgt, sollte sie weglassen. Bevor man die Umstellung macht, sollte man sich bei einem Arzt gründlich untersuchen lassen. Dies bemerkt auch Djokovic im Kleingedruckten seines Erfolgsbuches «Serve to Win».