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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2007 von Kurt Rohr
KAMERADSCHAFT DURCH GEMEINSAMEN GESANG
Im Frühjahr 1907 gründeten einige junge Männer der Langrüti (Wädenswiler Berg) aus Freude am Singen den Männerchor. Im Verlauf des Vereinsjahrhunderts konnte der Verein viele Erfolge feiern, hatte aber, vor allem während und zwischen den beiden Weltkriegen, auch Krisen zu bewältigen.
AUS FREUDE AM SINGEN
Der Funke, der das Feuer der Begeisterung entfachte, kam vom bereits bestehenden Töchterchor. Dieser hatte am 23. Februar 1907 eine überaus gelungene Abendunterhaltung durchgeführt, die bei den jungen Männern die in letzter Zeit feststellbare Sangeslust noch verstärkte. Der Einladung einiger Initianten folgten 17 Gesangesfreunde zur Gründungsversammlung mit der Wahl von Vorstand und Rechnungsrevisoren. Da in der Person von Frau Peter, Lehrerin in der Schule Langrüti und Leiterin des Töchterchors, eine Dirigentin zur Verfügung stand, konnte ein rundes Dutzend aktiver Sänger bereits am 8. März 1907 mit den Gesangsproben beginnen.
«Wie ein stolzer Adler schwingt sich auf das Lied», war das erste Werk, das eingeübt wurde. Die sofortige Aufnahme der Gesangsproben war wichtig, weil sich der Männerchor vorgenommen hatte, bereits am 1. August an der Bundesfeier auf dem Furthof einige Heimatlieder vorzutragen. Dieser Auftritt fand dann wirklich statt und kam bei den Besuchern sehr gut an. Das ermunterte die Sänger, sich auf weitere öffentliche Anlässe vorzubereiten. Für den 18. Januar 1908 plante man, gemeinsam mit dem Töchterchor, die Durchführung einer Abendunterhaltung im Gasthaus Hirschen unten im Dorf.
ERFOLGREICHES WIRKEN
Bereits im ersten Jahr seines Bestehens wurde der Männerchor in den Sängerverband Zimmerberg aufgenommen. Die «Langrütler» wollten nicht nur «Trittbrettfahrer» sein, sondern dokumentierten gleich ihren Willen zur Mitarbeit, indem sie sich bereit erklärten, 1911 das Zimmerberg-Verbandssängerfest in Wädenswil durchzuführen.
Der Männerchor Langrüti im Jahre 1912.
Der Männerchor erfuhr in den folgenden Jahren Zuzug von weiteren aktiven Sängern, was ihm nicht nur bei den öffentlichen Darbietungen, sondern auch an den Gesangswettkämpfen sehr zustatten kam. Die folgenden Jahre verliefen erfolgreich und waren geprägt durch eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Töchterchor. Diese äusserte sich insbesondere in der gemeinsamen Durchführung der Abendunterhaltung, bei der dem Konzert stets eine Theateraufführung folgte. Für fröhliches Beisammensein gab es immer wieder Gelegenheiten, vor allem auch bei den Vereinsausflügen, Wanderungen, Familien-Picknicks, Jassmeisterschaften, usw., oft unter Einbezug der Familien- und Passivmitglieder. Aus verschiedenen Jahresberichten ging deutlich hervor, wie sehr diese Aktivitäten parallel zum Singen auch der Kameradschaft förderlich waren.
VON KRISEN NICHT VERSCHONT
Nebst den erfreulichen Erfolgen und der guten Entwicklung des Männerchors waren auch Krisen zu bewältigen. So war in der Zeit der beiden Weltkriege 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 ein geregeltes Verseinsleben wegen Militärdienst zahlreicher Mitglieder oft gar nicht möglich. Die Weltwirtschaftskrise der Dreissigerjahre, die mancher Familie ernsthafte Probleme brachte, hatte auch direkte Auswirkungen auf die Vereinstätigkeit, aber mitunter auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. So schrieb Aktuar Rudolf Wälti beispielsweise im Anhang zum Protokoll vom 5. März 1932 folgendes: «Die Teilnahme am Sängertag 1925 in Horgen sollte der Abschluss einer guten Zeit unseres Vereins sein. Obwohl noch einige Veranstaltungen folgten, lebten wir seitdem im Zeichen einer Vereinskrise, deren Ursachen ich hier verschweige. Seit längerer Zeit ist unsere Gesangstätigkeit lahm gelegt. Heute haben wir auch im Beruf Krisen zu überstehen, wie wir sie zuvor nie gekannt hatten. Mit Bangen sehen wir der Zukunft entgegen. Dessen ungeachtet bekunde ich hier den sehnlichsten Wunsch, dass sich unser Verein wieder zu einem leistungsfähigen Männerchor gestalte und dass wir einen energischen, seiner Aufgabe bewussten Leiter finden werden.»
EIN ZUKUNFTSFREUDIGER NEUANFANG
Es dauerte noch einige Jahre und bedurfte etlicher Initiativen, bis im nach wie vor bestehenden Verein namens Männerchor Langrüti die Gesangstätigkeit wieder aufgenommen wurde. In den Vierzigerjahren wuchs nach und nach bei den (früheren) Sängern das Bedürfnis, den Männerchor nicht sterben zu lassen und ihn auch nicht einfach als ziellosen Verein am Leben zu halten, sondern ihn wieder seinem ursprünglichen Sinn und Zweck zuzuführen.
Nach einem eher zögerlichen Anfang fanden die Männer erneut Freude am Singen und waren bereit, wieder ernsthafte Probenarbeit zu leisten. Damit schuf sich der Männerchor wieder die Basis, die es ihm erlaubte, öffentliche Aufgaben wahrzunehmen, wie etwa Auftritte an der Erstaugustfeier, Mitwirkung bei Gottesdiensten (Erntedankfest) in der reformierten Kirche und im Pavillon Langrüti, Ständchen in den Heimen und im Freien, über die sich die Anwohner jeweils besonders freuten. Der Männerchor war nach einiger Zeit auch wieder in der Lage, an Gesangswettbewerben teilzunehmen.
Der Töchterchor hatte sich inzwischen leider aufgelöst. Aber 1936 wurde zum zweiten Mal (erstmals 1884) der «Gemischte Chor Langrüti» gegründet, mit dem der Männerchor während vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit pflegte. Diese bezog sich vor allem auf die stets gemeinsam, aber mit wechselnder Verantwortung durchgeführten Abendunterhaltungen sowie die jeweils mit einigen Liedern begleiteten Bundesfeiern. Leider musste der Gemischte Chor, nach einer überaus erfreulichen und gesellschaftlich wertvollen Zeit, mangels aktiver Sängerinnen und Sänger im Jahr 1993 aufgelöst werden.
SÄNGERTREFFEN – FREUDENFESTE
Obwohl dem Vorstand des Männerchors schwierige Zeiten im Vereinsleben nicht erspart blieben, darf sich die Erfolgsbilanz nach hundertjährigem Bestehen zweifellos sehen lassen. Es war ein Glück, dass es immer wieder Männer gab, die den Mut nicht verloren, wenn nicht alles rund lief, sondern erst recht zupackten und das in Schieflage geratene Vereinsschiff wieder auf Kurs brachten.
Es gab stets Höhepunkte, die Freude machten und motivierten, kameradschaftlich weiterzumachen. Die Sängerfeste des Zimmerberg-Verbandes, aber auch andere Festanlässe, spornten immer wieder zu intensiver Probenarbeit an, um sich in friedlichem Gesangs-Wettstreit mit anderen Chören zu messen und auch zu bewähren.
Die Freude war jeweils gross, wenn der Männerchor mit einer guten Bewertung, wie beispielsweise 1997 aus Stans, mit einem «sehr gut» heimkehren konnte. Es wurden mitunter aber auch Festanlässe ausserhalb der engeren Region besucht, vor allem «das Zentralschweizerische».
Als ganz besondere Freudenfeste galten natürlich die eigenen Festanlässe, die zwar immer mit einem besonderen Aufwand verbunden waren. Bereits 1911 organisierte der Männerchor das Verbandssängerfest, bei welchem mit einem feierlichen Akt die Weihe der ersten Vereinsfahne vorgenommen wurde. Dann wurden auch verschiedene Vereinsjubiläen würdig gefeiert. Während man 1932, mitten in der Wirtschaftskrise, wenig Lust zum Feiern verspürte, wurde das «Fünzigjährige» zu einem glanzvollen Fest im Rahmen des 21. Sängertages der Gesangvereine am Zimmerberg.
Die erste Vereinsfahne von 1911.
«FREUDIG SCHALLEN UNSERE LIEDER»
Das Wochenende vom 22./23. Juni 1957 war dafür vorgesehen und alles für das Fest vorbereitet. Doch da die Dispositionen von «Wettermacher Petrus» gar nicht vielversprechend lauteten, musste sich das Organisationskomitee, gegen allerhand Widerstände und schweren Herzens, zu einer Verschiebung des Anlasses um eine Woche durchringen. Diesen Entscheid hat Männerchor-Präsident Ernst Zollinger (Wendel) in seinem Jahresbericht wie folgt festgehalten:
«Es hat sich schon so manches Blech, als pures Gold erwiesen,
und wie so oft wird manches Pech, hernach als Glück gepriesen.
Kein Mensch bleibt ohne Missgeschick, trotz fluchen oder flennen.
Wer manchmal Pech hat, hat auch Glück, er muss nur warten können.»
Die Verschiebung hatte sich gelohnt. Es war herrliches Festwetter. Am Samstag freute sich eine grosse Festgemeinde über die unterhaltsamen Darbietungen.
Am Sonntag, dem eigentlichen Sängertag, zog ein farbenfroher Festzug mit rund 500 Sängerinnen und Sängern, angeführt vom Musikverein Schönenberg, auf dem Festplatz Geren ob Wädenswil ein. Der gastgebende Männerchor Langrüti eröffnete den friedlichen Gesangswettstreit mit dem Lied: «Freudig schallen unsere Lieder».
Im Jahr 1982 hätte der Männerchor sein 75-Jahr-Jubiläum feiern können. Da aber der Männerchor Hütten dem Vorstand des Zimmerberg-Verbandes zugesichert hatte, den Sängertag ausgerechnet in diesem Jahr in Hütten durchzuführen, beschlossen die «Langrütler», ihr Jubiläumsfest um zwei Jahre zu verschieben.
Unter der Leitung von OK-Präsident Heinrich Burri ging dann am Wochenende vom 23./24. Juni 1984 ein grossartiges Fest über die Bühne, mit Fahnenweihe und Abendunterhaltung am Samstag und den Gesangswettbewerben der verschiedenen Chöre am Sonntag. Aus dem Jahresbericht des damaligen Präsidenten, Paul Schätti, geht hervor, dass dieser Anlass nicht nur ein tolles Fest war, sondern dass die grosse Arbeit vor, während und nach dem Fest durch die Mitglieder und verschiedene Helferinnen und Helfer tadellos und in echter Kameradschaft geleistet worden sei.
Die 1982 zum 75-Jahr-Jubiläum angeschaffte aktuelle Vereinsfahne.
HÖHEPUNKT DES VEREINSJAHRES
Wenn kein selber zu veranstaltender Sängertag auf dem Programm steht, gilt seit der Gründung des Männerchors die Abendunterhaltung als Höhepunkt des Vereinsjahres. Früher fand das «Langrütler-Chränzli» jeweils im Saal des Restaurants Tanne statt. Seitdem die Gemeinde Schönenberg das «Dorfhuus» erbaut hat, geniessen die «Langrütler» freundlicherweise Gastrecht in diesem schönen Saal. Der Anlass findet jedes Jahr am letzten Samstag im Januar statt. Wahrscheinlich ist es die Vielfalt des Abends mit dem Liederkonzert, der Theateraufführung, der lüpfigen Tanzmusik und der immer wieder mit tollen Gaben bestückten Tombola, weshalb der Saal stets bis auf den letzten Platz besetzt ist. Die diesjährige Abendunterhaltung stand natürlich ganz im Zeichen des 100-Jahr-Jubiläums. Die Sänger, seit neun Jahren unter der bewährten Leitung von Philippe Delitroz, erfreuten die Festbesucher mit einem bunten Strauss von Heimat- und Weinliedern. Mit dem höchst amüsanten und ebenso turbulenten Zweiakter «Zwee herti Nüss» sorgten die engagierten Laienschauspieler mit viel Freude am Spielen für einen fröhlichen Samstagabend.
Theateraufführung 2007: «Zwee härti Nüss».
EIN GELUNGENES JUBILÄUMSFEST
Am 15. Juli 2007, einem prächtigen Frühsommer-Sonntag, trafen sich elf Frauen-, Männer- und gemischte Chöre zum Sängerfest der Gesangvereine am Zimmerberg in Hütten. Aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums hatte der Männerchor Langrüti Wädenswil die Organisation des Anlasses übernommen, an dem 220 Sängerinnen und Sänger den von einem zahlreichen Publikum besuchten Wettgesang bestritten. Die Experten werteten die überaus vielseitigen Gesangsvorträge recht gut, wiesen aber auch auf Verbesserungsmöglichkeiten hin. Rainer Held, Präsident der Musikkommission der Schweizerischen Chorvereinigung, bezeichnete die Darbietungen als eine positive Gesamtleistung.
Das Jubiläum des Männerchors Langrüti fand, eingebettet ins Verbandssängerfest, einen überaus passenden Rahmen. Nach dem Vortrag der Wettlieder in der für diesen Zweck bestens geeigneten katholischen Kirche, füllte sich das Festzeit mehr und mehr. Nach dem Einzug der Vereinsfahnen unter den Klängen des Fahnenmarsches erhielt die Festwirtschaft Gelegenheit, ihre hohe Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, was ihr sehr gut gelungen ist. Nach einer kurzen Rückschau auf die für einen kleinen Verein recht erheblichen Vorbereitungsarbeiten gab OK-Präsident Ueli Rusterholz seiner Freude über das gute Gelingen Ausdruck. Nebst verschiedenen Grussadressen der Präsidenten von Kantonal- und Zimmerbergverband lobten Stadtpräsident Ernst Stocker (Wädenswil) und Gemeindepräsident Otto Ritter (Hütten) die Qualität der Wettgesänge. Musik und Gesang seien etwas sehr Wichtiges im Leben und Ausdruck von Geselligkeit und Zufriedenheit. Sie dankten den Organisatoren für die grosse Arbeit und wünschten den Sängerinnen und Sängern weiterhin viel Freude an ihrem Hobby.
Der Männerchor Langrüti im Jubiläumsjahr 2007. Vorne von links: Erich Schlegel, Max Rusterholz, Gusti Fust, Hans Müller, Franz Schlegel, Franz Lüber, Adriano Gioia, Jakob Stocker. Hinten von links: Thomas Zocchi, Jean-Daniel Zangger, Hanswerner Bass, Pilippe Delitroz (Dirigent), Walter Looser, Fredi Hauser, Hanspeter Spring, Ueli Rusterholz, Emil Haab, René Leber, Toni Niederberger (Präsident).
SINGEN MACHT FROH
Alle Gesangvereine, so auch der Männerchor Langrüti, haben mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Glücklicherweise erhielten die «Langrütler» nach der Auflösung des Sängerkollegiums Wädenswil durch ein paar sichere Stimmen Unterstützung. Das Sängerkollegium hat bisher jedes Jahr im Altersheim Frohmatt eine Samichlausfeier durchgeführt. Diese Tradition wird jetzt der Männerchor Langrüti weiter pflegen. Gemeinsames Singen bedeutet Kameradschaft und Lebensqualität. Der Männerchor Langrüti würde Männer jeden Alters gerne zu einem Schnupper-Probeabend einladen. Auskunft gibt gerne der Präsident, Toni Niederberger.
Kurt Rohr
DIE DIRIGENTEN
1907–1909
Frau Peter
1909–1911
Heinrich Huber
1911–1912
Adolf Wild
1912–1920
Tätigkeit eingestellt
1920–1922
Adolf Wild
1922
Anton de Mont
1922–1928
H.J. Rinderknecht
1928–1930
Hermann Schweizer
1931–1942
Tätigkeit eingestellt
1942–1950
Josef Folie
1950–1959
Johannes Grob
1959–1981
Jakob Kundert
1981–1988
Josy Eschmann
1988
Hans Bär
1988–1992
Jöri Bernhard
1992–1996
Hildegard Wohlwend
seit 1996
Philippe Delitroz
DIE PRÄSIDENTEN
1907
Ernst Bickel
1907–1909
Robert Hottinger
1909–1910
Julius Rusterholz
1910–1912
Walter Stocker
1912–1920
Tätigkeit eingestellt
1919–1920
Ernst Zollinger, sen. Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit