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Wie die Welt in den Computer kam
Ordnen und rechnen
Die Geschichte beginnt bei den Grossrechnern der 1950er Jahre, als Remington Rand den UNIVAC präsentierte. Eigentlich beginnt sie aber bei der Frage, was ein Computer überhaupt ist: «Darüber, was zu den wesentlichen Eigenscharten eines Computers zählte, waren sich nicht einmal jene einig, die bereits einen gebaut hatten», schreibt Gugerli. Dass schnelles Rechnen dazu gehört, ist unbestritten. Umso erstaunlicher sei, dass im Werbefilm zum UNIVAC das Rechnen nie als Prozess auftauchte, sondern nur als Resultat. «Die Rechnerei war bereits in die Blackbox der Maschine entschwunden», stellt Gugerli erstaunt fest. Um in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass der Rechner in Frankreich noch heute «ordinateur» heisst. Ein Begriff, der den Akzent auf das Sortieren und Klassifizieren von Informationen legt, also Tätigkeiten, die vor dem eigentlichen Rechenprozess kommen und die als erstes in den Computer kamen.
Widerstände überwinden
Im Zentrum von Gugerlis Erzählung stehen nicht die Maschinen, sondern die Frage, was es brauchte, um sie zu benutzen. Also das Personal, das die Aufträge so vorbereiten musste, dass die schnellen Rechenmaschinen arbeiten konnten. Gugerli berichtet etwa von den Erfahrungen Eduard Stiefels, Professor für angewandte Mathematik, der Anfang der 50er Jahre zu den Pionieren gehörte. Er betrieb mit seiner Gruppe an der ETH Zürich die «Z4» von Konrad Zuse und stellte fest, dass die Vorbereitung meistens ein Mehrfaches an Zeit und Denkarbeit gebraucht habe, als was die einmalige Durchführung der Rechnung von Hand benötigt hätte. Stiefel habe postuliert, eine Bibliothek von Standardprogrammen anzulegen, mit denen die Automaten ohne grossen Vorbereitungsaufwand genutzt werden könnten. Die Arbeit des Programmierens habe er als langweilig eingeschätzt.
Anhand vieler solcher Beispiele zeigt Gugerli die Widerstände, die es zu überwinden und die Diskussionen, die es zu führen galt, bis die neuen Maschinen wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden konnten. Er zeigt anschaulich, welche enormen organisatorischen Anstrengungen notwendig waren, wie in Firmen Arbeitsprozesse angepasst wurden und in den Anfangszeiten Regeln implementiert, die es erlaubten, die rare Infrastruktur in Form von Grossrechnern gemeinsam zu nutzen. Besonders eindrücklich schildert er das komplexe technisch-organisatorische Zusammenspiel am Beispiel des Mission Control Center der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA in Houston.
Autor(in) Roland Baumann, ETH-News