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Kunst
Chronist der Love-and-Peace-Generation
Die Coverzeichnung zu Fritz the Cat, einer Figur, die Robert Crumb 1969 erschuf, erzielte unlängst (Mai 2017) die wahnwitzige Rekordsumme von 717.000 US-Dollar. Das ist wohl mit Abstand der höchste Preis, der je für eine Zeichnung eines lebenden Comickünstlers erzielt wurde. Wer sich jetzt also einen Crumb zulegt, der könnte dann in knapp 50 Jahren vielleicht sogar zum Dollarmillionär werden, wobei post mortem die Preise ja ohnehin noch in die Höhe schnellen. Das vorliegende Sketchbook, Vol. 3: 1975-1982 beruht auf den Bänden 5 und 6 aus der zweiten Crumb-Sketchbook-Box. Der vorliegende Band kommt in einem hochwertigen festen Einband mit vom Meister handkolorierten Front- und Backcoverillustrationen und handelt von Crumbs Umzug nach Kalifornien, seiner Ehe mit Aline Kominsky, der Geburt von Tochter Sophie, die verstrahlten Aktivitäten von Mr Natural, dem schelmischen Mr. Snoids, politischem Ingrimm, schweißtreibender Existenzangst, massig-mächtigen Frauen, Mao Zedong, Mick Jagger und moralischer Entrüstung.
Madonna, mia!
Oder ist es vielleicht mehr moralische Entrüstung, die Crumb traf? Schon auf den ersten Seiten zeigt eine italienische Mama ihrem Zögling ihren Muff, worauf dieser erwidert: "Madonna, mia!" Humor vom Feinsten erwarten den Leser auch auf den noch folgenden 443 Seiten, denn Robert Crumb arbeitet immer noch wie ein Berserker, obwohl er sich längst mit seiner Frau Aline Kominky nach Südfrankreich abgesetzt hat und eigentlich die Sonne und den Wein dort genießen könnte. "Don’t you know it’s the fool, who plays it cool", zitiert Crumb die Beatles und macht sich dabei Gedanken über Beatniks, kleine Kerle und andere Außenseiter. Erstmals kommen übrigens auch Punks vor - das vorliegende Sketchbook versammelt Zeichnungen von 1975-1982 und die Jugendbewegung, die die Hippies mehr oder weniger ablöste, wird von Crumb natürlich ebenso durch den Kakao gezogen wie andere Hipsters und Tripsters.
Chronist der Love-and-Peace-Generation
Eines Nachts träumte Robert Crumb sogar von Mao Zedong - wie er in einem Comicsketch freimütig erzählt. Dieser habe ihm versprochen, dass sie "durchkämen", wie er ihm "from one poet to another" gesteht, auch wenn es natürlich auch einen Preis dafür zu bezahlen gäbe. Und in derselben Nacht als Crumb dies träumte, soll der große Vorsitzende gestorben sein. Zufall? Das Leben, das er ihm im Traum versprach, wäre wohl ohnehin nichts für den Chronist der Love-and-Peace-Generation gewesen. Robert Crumb - der unermüdliche Arbeiter in Gottes großem Steinbruch der sexuellen Obsessionen, Zwangsneurosen und Psychosen - in einer großformatigen Ausgabe des TASCHEN Verlages wird noch bis ins Jahr 2020 mit drei weiteren Sketchbooks fortgesetzt, die man nicht versäumen sollte.