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Die meisten grossen Reedereien meiden das Rote Meer. Die Passage durch den Suezkanal ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, doch sie ist gefährlich geworden: Seit der Eskalation im Nahostkonflikt haben es die Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf Containerschiffe abgesehen. Sie haben seit Mitte November über 20 Schiffe mit Raketen und Drohnen attackiert oder zu entführen versucht. Damit wollen die Hamas-nahen Huthi Druck aufbauen auf die westlichen Staaten, die Israel unterstützen.
Das scheint zumindest teilweise zu gelingen. Jedenfalls auf der wirtschaftlichen Ebene. Laut der internationalen Frachtbuchungsplattform Freightos sind die Seefrachtpreise für einen Container sprunghaft angestiegen. So haben sich die Kosten für den Transport von Asien nach Nordeuropa auf über 4000 Dollar pro Container mehr als verdoppelt. Zwischen Asien und dem Mittelmeerraum stiegen sie auf 5175 Dollar.
Manche Reedereien gehen sogar noch weiter, so etwa die französische CMA CGM: Ab Mitte Januar kostet der Transport eines 40-Fuss-Containers zwischen Asien und dem westlichen Mittelmeer 6000 Dollar – gegenüber 3000 Dollar am 1. Januar. Die Preise ins östliche Mittelmeer, in die Adria, das Schwarze Meer und nach Syrien wurden ebenfalls stark angehoben.
Hinzu kommen laut Freightos teilweise noch Zuschläge von 500 bis 2700 Dollar pro Container, welche die Reedereien eingeführt haben. Sie müssten die Fahrpläne anpassen, ihre Schiffe aufstocken und die steigende Gefahr von Staus und Engpässen einkalkulieren.
Immerhin: Nach Angaben von Freightos sind die Spediteure «besser gerüstet als während der Pandemie». Sie würden versuchen, Umleitungen zu managen und den Containerverkehr aufrechtzuerhalten. Auch die damaligen Höchstpreise sind noch lange nicht erreicht, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Diese lagen 2021 bei 14000 Dollar für einen 40-Fuss-Container zwischen Asien und Nordeuropa sowie dem Mittelmeer.
Gemäss Angaben der Vereinten Nationen fahren inzwischen 18 Reedereien nicht mehr durch den Suezkanal. Dazu gehören etwa die MSC mit Sitz in Genf, die dänische Maersk und die deutsche Hapag-Lloyd. Sie leiten ihre Schiffe um den afrikanischen Kontinent herum. Mit der Umleitung über Südafrika sollen die Angriffe auf Schiffe reduziert werden. Doch auf diesem Weg sind die Frachter eine bis drei Wochen länger unterwegs, was die Treibstoff- und Personalkosten erhöht.
Das trifft die globalen Lieferketten, die eng getaktet sind. Es drohen Lieferengpässe und Produktionsausfälle. Denn die Route durch den Suezkanal ist der schnellste Weg, um Treibstoff, Lebensmittel und Konsumgüter aus Asien und dem Nahen Osten nach Europa zu verschiffen.
Gemäss einem Reuters-Bericht verzögerten die Anschläge bereits die Auslieferung von Produkten, die für zahlreiche Unternehmen bestimmt seien, da die Suez-Route etwa von Grosskonzernen wie Ikea oder Amazon genutzt werde. Bis zu einem Drittel der weltweiten Containerfracht werde über den Suezkanal transportiert, darunter etwa Spielzeuge, Turnschuhe, Möbel und Tiefkühlkost. (aargauerzeitung.ch)
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