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Nach zweijähriger Ausbildung an der Kunst-
wo er auch die Brera-Akademie besuchte. Danach
wiederum an der
Brera-Akademie Mailand. 1952 schloss er seine
Ausbildung an der Ecole des Beaux-Arts in Paris
ab. Ab 1974-1984 lehrte er als Professor für plast- isches Gestalten an der Kunstgewerbeschule St.Gallen.
Preise und Stipendien: 1953 Eidgen. Stipendium
der Kiefer-Hablitzel-Stiftung, 1955 Anerkennungs-
preis der Stadt Luzern, 1956 Eidgenössiches Sti-
pendium, 1970 Kunstpreis der Stadt Luzern.
Zahlreiche Ausstellungen in der Schweiz, sowie
im Ausland.
"Ich arbeitete im Auslaand und kam wieder zurück in den Raum Innerschweiz. Mir gefällt es hier, und ich habe hier eine Existenz. Ich finde die Landschaft schön. Ich arbeite in der Klasse, dann im Atelier von Marino Marini, der ein grosser und starker Baum war.
Diese Nähe zu spühren ist sicher einige Zeit gut und von Vorteil, aber auf die Dauer ist es wahrscheinlich gefährlich, auf Distanz ist es besser möglich sich selber zu finden, obwohl man von Leuten wie den Malern Carlo Carra und Giorgio de Chirico und dem Bildhauer Giacomo Manzu an der Akademie sehr viel lernen konnte.
Ich glaube, dass die Umgebung in der ich mich befinde, sich nicht auswirkt auf die Art, wie ich mich ausdrücke. Ich arbeite in Paris, Hamburg, Mailand, Toskana, in Pietra Santa bei Marino Marini und an vielen anderen Orten. Ich habe festgestellt, dass Sonne und Landschaft schon einen Einfluss haben auf mich, aber zuletzt sind für mich die vier Wände, der Boden, der im Blei ist, das Licht, das von der richtigen Seite hereinkommt, sehr wichtig, dann ist es mir egal, wo ich bin; die Welt müssen Sie primär in sich selber drin haben.
Wenn Ihnen das Sensorium fehlt, können Sie nach New York gehen und Sie erleben nichts, aber wenn ich New York in Luzern spüre, erlebe ich es vielleicht eher.
Mit den Ansprüchen, die an einen gestellt werden, kann man wachsen oder untergehen. Von den Ansprüchen her, die mir in der Schweiz gestellt wurden, bin ich sicher nicht untergegangen. Paris beflügelte mich zwar sehr, machte mich an, etwas zu tun, aber es fehlte mir das Atelier, das ich in Luzern habe. Dies brachte mit sich, dass ich viel zeichnete also nur Papier und Bleistift brauchte. Der Beruf des Bildhauers, so wie ich ihn ausübte, ist konservativ. Ich arbeite mit den gleichen Mitteln wie die Griechen, mit Ton, mit Stein, mit Wachs. Dies bringt es mit sich, dass man doch mehr oder weniger an einen Ort gebunden ist. Ich gehe auch jetzt noch sehr viel weg, um hereinzuholen, zu schauen, aber ob ich es dort ausführe oder hier, spielt mir keine Rollle. Ein Raum, den ich schlies-sen und im Winter heizen kann, beheimatet mich.
Was Ich mache, mache ich gerne und mit Ueberzeugung und spüre, dass es eine Funk-
tion und eine Richtigkeit hat und auch eine Mitteilung, nicht eine hochphilosophische, sondern eine ganz einfache. Es gibt doch Leute, die diese Mitteilung ablesen. Wenn ich einen Menschen porträtiere, versuche ich mit ihm zu reden, hinter seine Denkweise zu kommen, schaue, ob er gross oder klein ist, ob er sich schnell oder langsam bewegt. Dies ergibt eine Synthese der Persönlichkeit, die ich ins Porträt hineinzulegen versuche. Ich habe schon Köpfe auswendig gemacht, einfach aus der Kenntnis eines bestimmten Menschen. Hier fängt die Aussage an, und wo sie aufhört, weiss ich nicht genau. Man könnte auch sagen: Die Form als Form ist schon Aussage, ohne dass ich ein Thema hineinprojieziere. Was soll ich einfache Gedanken kompliziert ausdrücken, wie es heute sehr oft passiert? Wenn ich an einen Punkt gelange, wo es formal gut ist, brauche ich gar keine Philosophie dazu. Mein Anliegen geht in erster Linie in diese Richtung, es ist ein zeitloses.
Ich habe das Glück, dass ich so arbeite, dass es nie zu einem hundertprozentigen Selbst-
gespräch wird, sondern dass es auch Mitteilung ist an die Umwelt. Die Familiengärtner,
die meine Atelier-Nachbarn sind, haben Freude, dass ich hier bin, und ich freue mich, wenn sie verstehen, was ich mache; ich frage nicht Martin Kunz vom Kunstmuseum - ob-
wohl ich Ihn gut mag - , ob es Ihm gefällt. Ich wäre nicht glücklich in einer totalen Isolation. Ich bewundere Menschen wie van Gogh masslos, die keine Anerkennung hatten im Leben, das sind Titanen; ich weiss nicht, ob ich diese Kraft hätte. Ohne dass man ein faules Lob will, braucht man doch eines Tages ein bisschen Anerkennung. Meine öffentlichen Arbeiten fügen sich nahtlos in mein freies Schaffen ein, mit einem Unterschied: Bei der Arbeit für die Post in Rheinfelden ist die Aufgabe eine andere als für das Seeufer in Luzern. ("La Joie de vivre")
Man richtet sich nicht nach dem Auftraggeber, aber nach der gegebenen Situation.
Bei einem Wettbewerb muss man Richtlinien einhalten oder sich selber geben. Diese Einengung, die von vielen Künstlern verpönt wird, ist sogar das Schöne an der Aufgabe.
Freiheit ist nur Freiheit mit Disziplin.
Ich finde das, was ich mache, die einzig sinnvolle Beschäftigung im Leben. Dass mir Bänninger sagte, ich würde ja vierzigjährig, bis ich ein bürgerliches Einkommen hätte, zählte nicht. Wenn ich nicht mehr arbeiten könnte, würde mich das Leben nicht mehr interessieren. Es ist wirklich ganz eng mit meinem Leben verknüpft. Ich würde genau das gleiche nochmals machen.
Es gibt Leute aus der Innerschweizer Kunstszene, die ich von Ihrer Haltung, weniger von den eingesetzten Mitteln her schätze. Ich arbeite weniger mit dem Intellekt, mehr mit dem Gefühl, dazu getrauen heute viele gar nicht mehr zu stehen, jede Art von Kontinuität ist bald suspekt. Kontinuität ist aber nicht in jegem Fall auch Stillstand. Es war auch nie die Aufgabe der Kunst, in absolut hässlichen Materialien zu arbeiten. Für mich ist die Innerschweizer Kunstszene - mit Ausnahmen - uninteressant und langweilig, weil sie nach dem ausgerichtet ist was im Trend liegt. Dies interessiert mich nicht, obwohl es vor Jahren schwierig war, diese Haltung zu verteidigen. Aber, je abstrakter unsere Umbebung wird, desto mehr möchte ich Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit mitteilen. Ich habe aber gelernt - wenn ich aufgerufen bin, z.B. im Universitäts-
preisgericht in Zürich, mir mit anderen Menschen zusammen ein Urteil zu bilden so stark von mir zu abstrahieren, dass ich auch bei Künstlern, die etwas total anderes machen, Qualtäten sehen kann.
(20.5.1985 Ateliergespräch mit Franco Annoni))