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Beschreibung
Anhand aller verfügbaren Quellen stellen die zwei Autoren Chinas Diktator vor, ein Urteil überlassen sie dem Leser. Dieser wird unbestritten mit Respekt seine Lebensgeschichte verfolgen: Xi studierte Chemie und promovierte in Jura und besuchte mehrfach auch Europa. Es war ein recht steiniger Weg, seine nicht wenigen Rivalen zu beseitigen, um dann die recht wichtige Position des KPCh-Generalsekretärs und sogar des Staatspräsidenten zu erringen. Hatte er noch 2014 begrüsst, ein Staatsoberhaupt solle lediglich zwei Amtsperioden innehaben, hob der von Konkurrenten gesäuberte und ihm treu ergebene Volkskongress dies wenige Jahre später für Xi auf: In seiner Machtgier kann er bis zum Tode wie ein absolutistischer Kaiser in China herrschen!
Anstelle des Mao-Götzenkults treten jetzt die inzwischen sogar in der Verfassung verankerten «Xi-Jinping-Gedanken». Kritiker werden zu Parteifeinden. Xi’s Scheidung von einer Botschafter-Tochter, die den freien Westen dem kommunistischen China vorzog, ist noch heute Staatsgeheimnis. Ähnliches gilt für die Tochter mit seiner jetzigen Frau, die anstatt linientreu in Peking beim «Klassenfeind » in Harvard studiert.
Xi’s bisher grösster Fehler war, das Ende 2019 in Wuhan festgestellte Corona-Virus nicht pflichtgemäss sofort der WHO zu melden und damit das Sterben von Millionen Menschen zu verhindern, sondern erst am 7. Januar 2020 die Parteispitze zu informieren. Im Gegensatz zu all seinen Reden, die jeder Chinese lesen soll, ist diese nirgendwo veröffentlicht – wäre sie doch ein Dokument seines Versagens!
Xi’s Rede in Davos vom freien Welthandel bejubelten viele westliche Industriebosse. Inzwischen spürten sie deutlich, dass sie keineswegs die gleichen Chancen haben wie die chinesischen Firmen. Die oft gepriesene Neue Seidenstrasse ist «nichts anderes als eine Schuldenfalle»: Durch hoch verzinsliche Darlehen geraten Länder, die ihre Schulden nicht begleichen, in Abhängigkeit Pekings, das sich strategischen Einfluss auf deren Häfen sichert.
Xi’s Versprechen, die Unabhängigkeit zu respektieren, wurde durch das Schicksal Hongkongs drastisch widerlegt. Taiwan versicherte er vor Jahren, beide Seiten «sollten sich respektieren». Heute ist es «eine reale Bedrohung für den «Frieden» und er warnt vor einem Krieg, als sei Taiwan eine militärische Gefahr für die Volksrepublik.
Xi prahlt, «der chinesische Traum kommt allen Völkern der Welt zu gute». Ist seine Diktatur bei all seinen Wirtschaftserfolgen wirklich unserer freien Gesellschaft überlegen? Zu Recht fordern die Verfasser: «Wir müssen unsere Ideen von Freiheit und Menschenrechten offensiv vertreten». Bisher war davon allerdings leider kaum etwas zu spüren.
Stefan Aust und Adrian Geiges: «Xi Jinping», 287 Seiten, Piper-Verlag, München.
ISBN: 978-3-492-07006-5