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Einheimische nennen sie die «Villa-Bunker». Sie liegt unterhalb von Gletterens FR am Neuenburgersee auf einer 45'000 Quadratmeter grossen Parzelle mitten in der Landwirtschaftszone. Die Villa heisst «La Chatelaine», und sie machte 2008 international Schlagzeilen: weil der russische Präsident Wladimir Putin angeblich ein Auge auf den atombombensicheren und abgelegenen Luxusbau geworfen hatte. Dies berichtete damals die Zeitung «Blick». Die Villa gehörte einem Briten, der sie einige Jahre zuvor erworben hatte, offenbar, um sie mit Gewinn wieder zu verkaufen.
Den damaligen Informationen zufolge stand eine Schweizer Grossbank mit einem Verwandten von Putin in Kontakt, erste Besichtigungen hatten bereits stattgefunden. Putin wolle die mysteriöse Villa kaufen, um für unsichere Zeiten für sich und seine Geliebte Alina Kabajewa vorzusorgen.
Kabajewa (38) ist die Frau, die sich laut dem Bericht eines US-Portals derzeit im Tessin aufhalten soll. Als er den Krieg gegen die Ukraine lostrat, soll Putin (69) sie und ihre mittlerweile angeblich vier gemeinsamen Kinder in der Schweiz in Sicherheit gebracht haben.
Im April 2008, als es um die Villa-Bunker am Neuenburgersee ging, war Putin einerseits scheidender Präsident Russlands. Im Mai 2008 sollte Dmitri Medwedew das Amt übernehmen, Putin war fortan Premierminister. Es war unsicher, hiess es damals, ob sich Putin an der Macht würde halten können. Dieser suche offenbar für alle Fälle einen sicheren Zufluchtsort für sich und seine Familie.
Zum anderen hatte, ebenfalls im April 2008, die russische Zeitung «Moskowskij Korrespondent» berichtet, dass Putin sich von seiner Frau habe scheiden lassen und dass er die damals 24 Jahre alte Kunstturnerin Kabajewa heiraten werde. Dass solche Meldungen überhaupt von einer Zeitung abgedruckt wurden, war für Beobachter ein möglicher Hinweis darauf, dass Putin die Macht entgleiten könnte, dass man ihn destabilisieren wollte. Aber offensichtlich behielt Putin die Oberhand: Der Oligarch Alexander Lebedew, dem das Blatt gehörte, stellte die Zeitung wenige Tage später ein.
Die mysteriöse Villa «La Chatelaine» unterhalb des Bauerndorfes Gletterens war Ende der Siebzigerjahre von einem ebenso mysteriösen, offenbar in Belgien geborenen Amerikaner namens Maurice Kingsley für über 25 Millionen Franken gebaut worden. Wie er die Bewilligung dafür von Kanton und Gemeinde erhalten hatte, wurde nie geklärt. Oberirdisch sind zwei Stockwerke sichtbar, der grosse Teil der Nutzfläche von 15000 Quadratmetern ist unter dem Boden. Hauptbaustoff war weisser und schwarzer Marmor.
Zur Villa führt ein Autotunnel von 100 Metern Länge, der aussen mit Stahltoren gesichert ist. Die Inneneinrichtung inklusive Schwimmbad war Luxus pur, aber Kern des bombensicheren Baus war ein gigantisches Rechenzentrum mit angeblich Dutzenden von direkten Leitungen in die USA. Gerüchte besagten, die CIA habe die Hände im Spiel. Kingsley war ein Banker, ein Trader, angeblich ein Informatikgenie, der mit schnellen Devisen-Transaktionen reich geworden sei.
Es hiess aber auch, und dazu könnte die CIA-These passen, dass der zuvor im Kanton Waadt wohnhafte Amerikaner in Tat und Wahrheit im Waffenhandel tätig war. Jedenfalls hatte er, das sagten Anwohner einhellig, ständig Angst, einem Attentat zum Opfer zu fallen. In seiner Villa-Bunker mit Helikopter-Landeplatz auf dem Dach hielt es der Amerikaner nicht lange aus, schon nach einigen Monaten war er weg.
1986 verkaufte er den Luxus-Bunker an einen Immobilienspekulanten, der wenig später Pleite ging. Kingsley selbst soll 1986 bei einer Explosion auf seiner 60-Meter-Jacht ums Leben gekommen sein. Seine Todesangst jedenfalls scheint nicht grundlos gewesen zu sein.
Die Angaben zum Interesse Putins an der Villa, die der «Blick» publizierte, stammten aus Kreisen, die Nachrichtendiensten und Banken nahestanden. Es könnte im Hintergrund darum gegangen sein, zu verhindern, dass Putin den Bunker am Neuenburgersee tatsächlich kaufte und zu seiner eigenen Luxusfestung aus- und umbaute.
Dass Putin Sicherheit und luxuriöses Wohneigentum in der Schweiz suchte, gerade für seine Frauen und Nachkommen, ist naheliegend. Das halten Putins Oligarchen-Freunde, die unter seiner schützenden Hand ihr rohstoffreiches Land plündern, nicht anders.
Weitere Spuren Putins in der Schweiz wurden wenige Jahre später öffentlich. Im März 2015 berichtete der «Corriere del Ticino», dass Putins mutmassliche Ehefrau Alina Kabajewa in der Privatklinik Sant'Anna in Sorengo TI ein Mädchen zur Welt gebracht habe; andere Quellen reden von Zwillingen.
Laut Tessiner Fernsehen RSI waren für die Russen zwei Zimmer reserviert worden: Eines für die Geburt und ein zweites für die Bodyguards und für die Familie. Weitere Kinder des Paars sollen 2009 und 2012 zur Welt gekommen sein.
Ob Kauf-Interesse an der Bunker-Villa, Geburten oder Verstecke im Tessin: Der Kreml dementiert alles regelmässig, das Privatleben des Russen-Herrschers ist tabu.
Heute gehört die Villa-Bunker über dem See der britischen Barclays Bank. Sie kaufte das Objekt laut «Le Temps» 2012 bei der Zwangsversteigerung für 17 Millionen Franken und klagte gegen den letzten Besitzer, den Briten. Dieser habe seine Vermögensverhältnisse einst falsch dargestellt und sich von der Bank einen Finanzierungskredit von 16.3 Millionen erschlichen, hiess es.
Die Bank wollte zuletzt ein grosses Spital- und Wohnzentrum für Reiche auf dem Gelände errichten, aber diese Pläne wurden kürzlich vom Bundesgericht für nicht zonenkonform erklärt und durchkreuzt. Das Gelände muss, das steht nun fest, landwirtschaftlich genutzt werden. (aargauerzeitung.ch)
Sabine Keller-Busse, Chefin der UBS Schweiz, sieht ihre Bank gut aufgestellt. Gefragt nach den Spekulationen um eine mögliche Übernahme der Credit Suisse (CS) durch die UBS, sagte sie in einem Interview mit der «SonntagsZeitung»: «Spekuliert wird immer viel.»