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Ferdinand Ullrich (Broschüre)
Wien, 1828
Kupferstiche, koloriert
Buchdruck; Kartonschachtel
H. 17 cm (Giraffe)
H. 11,4 cm (Elefant)
H. 2,2 cm, B. 22,6 cm
T. 14,3 cm (Schachtel)
Inv. 1957.28.
Das Tierreich in Wort und Bild
Die «Plastische Naturgeschichte des Thierreichs Oder systematische Beschreibung der merkwürdigsten Thiere», wie der vollständige Titel lautet, sollte der «nützlichen und lehrreichen Unterhaltung für die Jugend» dienen. Dieses Ziel sollte mit 56 Tieren aus Papier (in nicht ganz korrekten Grössenrelationen) und einer umfangreichen, 121 Seiten umfassenden Broschüre erreicht werden. In ihr wird eine erste Vorstellung von der Systematik des Tierreiches vermittelt, die in sechs Klassen gegliedert (Säugetiere, Vögel, Amphibien, Fische, Insekten und Würmer) und jeweils in mehrere Ordnungen unterteilt ist. Diese Systematik fusst auf der bis heute gültigen Klassifizierung des Tierreichs, die der schwedische Biologe Carl von Linné 1758 publiziert hatte, ist jedoch stark vereinfacht. Ausserdem wird nicht wie bei Linné – und wie es der Evolution entspricht – mit den einfachsten Lebewesen begonnen, sondern es stehen die Menschenaffen am Anfang. Auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft sind die beigegebenen Bezeichnungen nach Linné in der sog.
binären Nomenklatur, d.h. mit den lateinischen, für Wissenschaftler aller Sprachen verbindlichen Doppelnamen, wie etwa Rhinoceros unicornis für das Nashorn, angegeben.
Auffallend ist die grosse Anzahl der Säugetiere, von denen achzehn Beispiele vertreten sind, obwohl sie nur einen kleinen Anteil an der Gesamtheit der Tierarten ausmachen. In dieser Gewichtung erkennt man deutlich eine Anpassung an die Vorlieben der Kinder, die mehr für die grossen Wildtiere wie Elefanten, Nashörner und Giraffen zu begeistern sind als für Käfer oder Würmer. Dem wird auch in den Texten Rechnung getragen, die bei den bekannten, grossen Tieren nicht nur Informationen, sondern auch kleinere Anekdoten enthalten.
Einige der vorgestellten Tiere kannte man noch nicht allzu lange und nicht allzu gut. So gab es zum Zeitpunkt des Erscheinens des Spiels 1828 in ganz Europa insgesamt nur drei Giraffen zu sehen, und selbst die Lebensdauer von einheimischen Tieren wie den Fledermäusen war noch unbekannt.