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Es braucht nicht viel, um ein Held zu werden. Manchmal reicht ein einziger Gang durchs Scheinwerferlicht, irgendwo in New York. Denn Berühmtsein ist nichts als ein Spiel.
Jeder braucht seinen Helden. Meiner ist River Phoenix. Der Schauspieler aus «My Own Private Idaho» wirkt integer, ist wunderschön und kommt aus einem Umfeld der Hippie-Kultur, die schon in den 70er-Jahren vegan lebte. Er stirbt 1993 im Alter von 23 Jahren an einer Überdosis Heroin vor dem kleinen Club von Johnny Depp, dem «Viper Room» in Hollywood.
Drei Jahre später liege ich in genau diesem Club im Klo auf dem kalten Boden. Jemand von der Security leuchtet mir mit der Taschenlampe ins Gesicht. Eine Stimme hallt verschwommen: «Nein, er ist nur betrunken.» Ich liege, wo River lag, bevor er sich auf die Strasse schleppte und verstarb. Ich finde es spirituell.
Weniger spirituell berührt, lerne ich ein Jahr später einen lebenden Helden kennen, einen, der als Teenager bei Andy Warhol gearbeitet hat und selbst zum berühmten Künstler herangewachsen ist: David LaChapelle. Wir sitzen in irgendeiner Kneipe in Manhattan und er meint, dass ich nicht Model bleiben dürfe, ich solle etwas «Seriöses» machen: Popstar? Ich zögere. Begeistert sagt er: «Ich produziere dich.» Doch ich habe kein Bedürfnis, «gemacht» zu werden.
Weil David berühmt ist, sind wir am nächsten Abend an die U2-Konzertpremiere im grossen Stadion eingeladen. Es wird auf die Leinwand übertragen, wie wir uns auf die Gästetribüne setzen. Als ich ins Scheinwerferlicht trete, jubelt die Arena. Und zwar, ohne zu wissen, wer ich bin. Aber weil ich aus dieser Türe komme, bin ich es in ihren Augen nun mal, wenn auch nur für zehn Sekunden: ein Held.
Auf der Tribüne sitze ich neben Björk, die mit weiten Augen verzückt dem Konzert lauscht und sich über ihr Kind nervt, das nicht still sitzen will. Nach der Show pisse ich im Klo neben Lenny Kravitz und schüttle Bono artig die Hand. Auf der Treppe draussen wartet müde Naomi Campbell. Der Fahrer in der Limo ist eingeschlafen. David weckt ihn mit heftigem Klopfen ans Autofenster und erzählt mir, dass wir am nächsten Tag zur Privatparty von Grace Jones gehen sollten. Falls ich will. Ich will nicht. Irgendwie fühle ich mich nicht wohl in dieser Welt, diesem exklusiven Universum voller Helden.
Zwanzig Jahre später bin ich immer noch «nur» ich und freue mich, dass einige meiner alten Bekannten aus L.A. Helden geworden sind: die unscheinbare Kate Winslet, der freche Leonardo DiCaprio. Ich erinnere mich, wie wir damals regelmässig beim Mexikaner Unmengen an Frozen Margaritas getrunken haben. Und stockbesoffen durch die nächtliche Stadt der Engel cruisten.
Wir machten uns über die Unsitten der Stadtkultur lustig, indem wir extra banal gekleidet in Luxusbars und -clubs gingen, in abgewetzten Jeans und weissem T-Shirt. Wo man dachte, dass wir Helden sein müssen, denn wer so banal daherkommt, hat es nicht nötig, sich darzustellen. Wir definierten es als das Understatement des Stars.
Mein Running Gag war, nach einer Schweizer Zigarre zu verlangen und erstaunt die Augen aufzureissen, wenn man bedauerte, keine zu haben. Es war alles ein Spiel. Und ich bin froh, ist es nur beim Spiel geblieben.