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Algorithmus ist ein Fremdwort, das so fremd ist, dass wir immer wieder darüber stolpern. Zum Beispiel über seine Rechtschreibung: Algorithmus schreibt sich mit i und hat mit Rhythmus (mit y) nichts zu tun.
Das Wort kommt vom Namen des iranischen Universalgelehrten Mohammed al-Chwarizmi. Der schrieb ums Jahr 825 ein Lehrbuch über das Addieren und Subtrahieren mit dem hinduistischen Dezimalsystem, das dem in Europa gebräuchlichen Rechnen mit den römischen Zahlen weit überlegen war. Der Band wurde ins Lateinische übersetzt und beginnt mit den Worten Dixit Algorismi, «Algorismi hat gesagt». Aus diesem Namen wurde unser Algorithmus. Das Hauptwerk des Gelehrten hiess übrigens al-Jebr, woraus unser Wort «Algebra» entstanden ist.
Ein Algorithmus ist im Grunde nichts anderes als ein Berechnungsverfahren zur Lösung einer bestimmten Problemstellung. In der Schule haben wir gelernt, wie man Zahlen schriftlich addiert und subtrahiert – sozusagen al-Chwarizmis Algorithmen der ersten Stunde. Ein algorithmisches Verfahren lässt sich in endlich viele einzelne Schritte unterteilen, die in genau dieser Form und Abfolge auszuführen sind. Bei gleicher Ausgangslage führt ein Algorithmus daher immer zum exakt gleichen Ergebnis. Das Verfahren kann, wie wir aus der Schule wissen, anstrengend und fehleranfällig sein, und damit ist auch gleich erklärt, weshalb der wahre Meister des Algorithmus heute der Computer ist.
So seltsam sie auch heissen, Algorithmen bestimmen unser Leben. Im Computerspiel mischen sie die Karten, sie verschlüsseln unsere Bankdaten, und sie sagen Börse und Wetter vorher. Bei all seiner Klarsicht: Das hätte sich selbst der Visionär in seiner iranischen Oase nie träumen lassen.
Amerika, das ist Offenheit, Toleranz und Demokratie. Amerika, das ist auch Enge, missionarischer Eifer und Hegemonie. Amerika, das ist weit mehr als nur ein Name, obwohl es im Grunde tatsächlich nur ein Name ist.
Das Wort ist eigentlich der Vorname des italienischen Seefahrers Amerigo Vespucci. Zwar war Vespucci längst nicht der erste Europäer, der seinen Fuss auf diesen Kontinent setzte (das waren Christoph Kolumbus und vor ihm vermutlich Vikinger), doch hat Vespucci ums Jahr 1500 als einer der ersten erkannt, dass Kolumbus nicht einen neuen Weg nach Indien, sondern etwas ganz anderes entdeckt hatte.
Der Navigator Amerigo Vespucci stand in den Diensten der mächtigen Bankiersfamilie Medici, die ihn als Schiffsausrüster nach Spanien geschickt hatte. Kolumbus’ phantastische Reiseberichte veranlassten ihn, sich 1499 einer aus zwei Schiffen bestehenden Expedition nach Südamerika anzuschliessen. Dort angekommen, dämmerte ihm, dass er nicht in Indien war, sondern auf einem noch unentdeckten Kontinent. In einem Brief an die Medici schreibt Vespucci von einem novus mundus, lateinisch für Neue Welt. Damit prägte er einen Begriff, den wir auch heute noch im Munde führen.
Viermal navigierte Vespucci Schiffe nach Amerika. Und seine Neue Welt brachte die Kartographen in Zugzwang: Wenn die neue Route nämlich nicht nach Indien führte, dann brauchte die Welt des ausgehenden Mittelalters dringend einen neuen Kontinent. Und der, natürlich, einen Namen. Der Deutsche Kartograf Martin Waldseemüller griff anno 1507 zum Nächstliegenden: zum Namen des umtriebigen Navigators. Und damit war Amerika geboren – und Kolumbus’ Fundamentalirrtum korrigiert.
Jedenfalls in geografischem Sinn – ein zweiter Irrtum blieb nämlich bestehen: Die Ureinwohner der Neuen Welt, die nun eben doch nicht Indien war, heissen bis auf den heutigen Tag «Indianer».
«Heureka!» («Ich hab’s gefunden!») rief Archimedes aus, nachdem er im Bad das nach ihm benannte Prinzip erkannt hatte: So will es eine Anekdote. Die nette Geschichte ist vermutlich erfunden wie so vieles, wenn es um den griechischen Gelehrten geht. Das Ganze ist ja auch schon ein Weilchen her: Archimedes von Syrakus lebte im dritten Jahrhundert v. Chr. in Sizilien, und vieles über diesen genialen Mathematiker, Physiker und Ingenieur ist verloren und vergessen gegangen.
Was man weiss, ist allerdings staunenswert genug. Archimedes entwickelte Lehrsätze der Geometrie, berechnete die Kreiszahl π (Pi) und entwickelte ein Zahlensystem, mit dem sich astronomisch grosse Zahlen fassen liessen. Er entwickelte die Wasserschraube und entdeckte die Hebelgesetze, das Prinzip der kommunizierenden Gefässe und, eben, das Archimedische Prinzip, das besagt, dass der Auftrieb eines eingetauchten Körpers dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeit entspricht. Er baute komplizierte Planetarien, die zum sogenannten Mechanismus von Antikythera führten, dem ersten astronomischen Computer der Geschichte.
Daneben – leider, möchte man sagen – konstruierte Archimedes auch mächtige Wurfmaschinen und Katapulte, die bei der Verteidigung von Syrakus gegen die angreifenden Römer eingesetzt wurden. Diese seine Leidenschaft für Kriegsgerät war fatal: Als die Stadt im Jahr 212 v. Chr. fiel, wurde Archimedes von einem plündernden römischen Soldaten kurzerhand erschlagen.
Wenn Sie Ihrer Figur in Ihrem Lieblingsgame oder auf Twitter ein Gesicht verleihen – ein Foto oder eine Grafik –, dann nennt man diese Figur Avatar. Der Avatar ist unser virtuelles Selbst in der Brave New World des Internet, und spätestens seit 2009 und dem 3D-Kinospektakel dieses Namens, das seinen Machern gegen drei Milliarden Dollar in die Kassen gespült hat, ist das seltsame Wort auch im Deutschen angekommen. Mit Web oder Kino hat der Avatar hat allerdings nicht das mindeste zu tun: Das Wort stammt aus der altindischen Tempelsprache Sanskrit und ist der Name für einen vom Himmel herabgestiegenen Gott oder für die Verkörperung einer göttlichen Eigenschaft in Form eines Menschen oder Tiers. Im Hinduismus ist der Avatar ein Gefährte, ein Lehrer des Menschen auf seinem Weg hin zur Vollkommenheit.
Doch Nerds, ganz besonders die Programmierer von Computergames, haben einen unbezähmbaren Hang zum Profanen. Schon 1986, notabene drei Jahre vor der Geburt des World Wide Web, brachte die Firma des Star-Wars-Produzenten George Lucas in Kalifornien ein Game für den Commodore C64 auf den Markt. Das Spiel hiess «Habitat» und entführte den Spieler via Telefon, Akustikkoppler und Modem in ein virtuelles Universum. In «Habitat» hiessen die Figuren der Gamer zum ersten Mal «Avatar», und das Game erwies sich als so erfolgreich, dass seine Nachfolger wie zum Beispiel «World of Warcraft» heute Jahr für Jahr Milliarden einspielen. In einem Projekt mit dem Namen «2045 Initiative» arbeitet der 32-jährige russische Multimillionär Dimitri Itskow gar daran, einen buchstäblich unsterblichen Roboter zu schaffen, in Menschengestalt und Massenproduktion, mit einem ausdrucksfähigen künstlichen Gesicht, menschliche Intelligenz, Bewusstsein und Persönlichkeit inbegriffen. Sein Name: «Avatar».
Bargeld ist teuer. Das Drucken einer Banknote kostet zwar nur rund 30 Rappen. Weil die im Durchschnitt aber nur drei Jahre lang hält, fallen bei der Schweizerischen Nationalbank jedes Jahr Ersatzkosten von 20 bis 30 Millionen Franken an. Münzgeld ist noch teurer. Was Wunder, dass immer mehr Länder über die Abschaffung von Bargeld nachdenken.
2014 nannte der Harvard-Professor Kenneth Rogoff in einem vielbeachteten Aufsatz zwei gewichtige Gründe, die gegen Bargeld sprechen. Bargeld ist – erstens – eine Nullzinsanlage. Um in Zeiten einer drohenden Deflation Preise und Währungen stabil zu halten, haben die Notenbanken Negativzinsen eingeführt. Im Klartext sind das Gebühren, die die Geschäftsbanken am Ende bei ihren Kunden eintreiben. Auf einmal lohnt sich das Horten von Papiergeld, weil es unter der Matratze seinen Wert behält, auf dem Bankkonto dagegen nicht. Es liegt – zweitens – in der Natur des Bargelds, dass der Empfänger nichts über seine Herkunft zu wissen braucht. Bares, über oder unter dem Tresen durchgeschoben, verleiht Anonymität. Damit ist es dazu angetan, den Handel vor dem Staat zu verschleiern. Es wird geschätzt, dass weltweit mehr als die Hälfte allen Geldes im Untergrund verschoben wird.
Diese beiden Gründe – Nullzins und Anonymität –, dazu das Überhandnehmen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und die neuen Kryptowährungen wie Bitcoin legen laut Rogoff den Verzicht auf Bargeld nahe, zumindest erst einmal der grossen Noten. Ein so radikaler Vorschlag bleibt natürlich nicht unwidersprochen. Aber: Eine Reihe von Ländern haben bereits Barzahlungs-Höchstbeträge eingeführt, und als erstes Land der Welt ist Schweden dabei, das Zahlen mit Cash gänzlich abzuschaffen.