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Endgültiges Aus für Barsebäck-1
Die Eigentümerin Sydkraft erhält als Gegenleistung für die politisch erzwungene Stilllegung eine gleichwertige Stromproduktionskapazität aus dem staatlichen Elektrizitätsversorgungsunternehmen Vattenfall. Konkret heisst das, die Kernkraftwerke Barsebäck und Ringhals - letzteres im Besitz der Vattenfall - werden zu einer einzigen Produktionsgesellschaft fusioniert. Die Sydkraft wird daran zu 25,8% und die Vattenfall zu 74,2% beteiligt. Die Regierung lässt sich diesen Handel umgerechnet rund SFr. 1,1 Mrd. kosten. Davon werden SFr. 500 Mio. in den nächsten vier Jahren bar an Vattenfall ausbezahlt. Die Mehrausgaben der neuen Gesellschaft, die wegen des Einzelbetriebs von Barsebäck-2 und wegen der Stilllegung von Barsebäck-1 entstehen, werden mit umgerechnet rund SFr. 600 Mio. entschädigt, wovon SFr. 75 Mio. im ersten Jahr ausbezahlt werden. Zusätzlich wird Sydkraft jährliche Zahlungen von umgerechnet ca. SFr. 20 Mio. an Vattenfall leisten, weil Barsebäcks Produktionskosten etwas höher als diejenigen von Ringhals sind.
Barsebäck-2 wird unter der Leitung der neuen Produktionsgesellschaft Ringhals/Barsebäck weiterbetrieben. Falls dieser Block auch aus politischen Gründen abgestellt wird - in der gemeinsamen Erklärung von Sydkraft, Vattenfall und der schwedischen Regierung wird kein Datum dafür bekannt gegeben - erhöht sich Sydkrafts Anteil an der neuen Gesellschaft auf 30%. Die Vattenfall würde bei diesem Szenario vom Staat zusätzlich finanziell entschädigt. Das Geschäft muss im kommenden Frühjahr noch vom schwedischen Parlament verabschiedet werden, und die Aktionäre von Sydkraft werden darüber an einer ausserordentlichen Versammlung vor Weihnachten befinden.
Die Schliessung von Barsebäck-1 nach nur 24 Jahren am Netz ist von Industrievertretern und den Beschäftigten der Energieversorger kritisiert worden. Der Verband der schwedischen Elektrizitätswerke bezeichnete den Entscheid als politisch, mit der nationalen Umweltpolitik nicht vereinbar und von der Bevölkerung des Landes nicht unterstützt. Gemäss einer diesen Sommer durchgeführten Meinungsumfrage befürworten nur 16% der schwedischen Bevölkerung den Entscheid der Regierung, Kernkraftwerke vorzeitig stillzulegen; 82% wünschen den Weiterbetrieb aller zwölf Reaktorblöcke Schwedens. Zu den negativen Umweltauswirkungen der Barsebäck-Schliessung erklärte Nils Andersson, Präsident des Verbandes der schwedischen Elektrizitätswerke: "Schwedens harte Anstrengungen in Bezug auf Umweltfragen waren erfolgreich und haben international als gutes Beispiel gedient. Die Emissionen von Kohlendioxid aus der schwedischen Stromproduktion betragen heute nur einen Fünftel derjenigen von 1970, während sich im gleichen Zeitraum der Stromverbrauch verdoppelt hat. Unglücklicherweise verfolgt die Regierung nun einen Entscheid, der in die entgegengesetzte Richtung geht und die Freisetzung an die Umwelt radikal erhöht."
Die jetzt fehlende Stromerzeugung aus Barsebäck-1 beläuft sich jährlich auf mehr als vier Milliarden Kilowattstunden. Diese Produktion muss in erster Linie durch den Import von Elektrizität aus kohlebefeuerten Kraftwerken in Dänemark und Deutschland ersetzt werden. Schwedens Ausstoss von Kohlendioxid wird deshalb indirekt um vier Millionen Tonnen pro Jahr oder rund 10% ansteigen - ein krasser Widerspruch zu den internationalen Verpflichtungen, in Übereinstimmung mit dem Kyoto-Abkommen die Freisetzung von Treibhausgasen zu verringern. Die Angestellten der schwedischen Kraftwerke äussern in einem offenen Brief zudem die Befürchtung, der Entscheid werde zu einer Abwanderung von Fachleuten führen: "Wir haben unseren Glauben in die Zukunft verloren", fügt der Brief hinzu.