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Wenn die “Vila Isabel“ heute ihren gerechten Favoritismus bestätigt bekommt, dann gewinnt die These, dass nicht jedes Sponsorat schlecht ist. Das Geld eines Agrar-Multis verschaffte der Karnevalistin Rosa Magalhães die Möglichkeit einer weiteren schönen Arbeit, diesmal gestützt auf einen herrlichen Samba und auf eine Kommune, die den Alltag der Schule belebt.
Obwohl das Thema ihrer Schule sich mit der Landwirtschaft befasste, aber ohne Anspielungen auf den Sponsor, bleibt die Frage: Sollte eine Samba-Schule, mit allem, was sie historisch darstellt, das Geld eines Unternehmens akzeptieren, das genetisch modifiziertes Saatgut produziert? Mitten im Karneval ist es natürlich eine hässliche Frage, ob Ethik ein Prinzip ist, oder eher ein Mittel zum Zweck?
Für den Fall, dass die Mangueira kein gutes Ergebnis erzielt, werden die Puristen sagen, dass die Frechheit bestraft worden ist. Die Perkussion in zwei Teile aufzuspalten, hat beim Publikum zwar einen Schock verursacht, aber ermöglichte der Schule ein paar Mal ihre Evolution zu stoppen und sogar zu singen . . . als die rosarote Perkussion spielte und man die Ton-Apparatur wechselte, hörte plötzlich die Hälfte der Mitwirkenden den Samba nicht mehr und “durchkreuzte“ den Gesang – etwas, das man im Sambódromo schon lange begraben hatte.
Die Paraden stossen an ihre Grenzen.
Wem es gelingt, Geld zu ergattern, der profitiert von dem grossen Platz in den Barracken der “Cidade do Samba“, um dort enorme – und unmögliche – Allegorien zu konstruieren. Selbst die stets untadelige Schule “Beija-Flor“ musste ein Teil eines ihrer Wagen abreissen, damit er in die Avenida einfahren konnte. Die “Unidos da Tijuca“ ebenfalls. Die “Mangueira“ hat mal einen ihrer Türme vergessen, der seit den 80er Jahren dort herumsteht.
Die Gestelle der Front-Kommissionen haben sich zu neuen Allegorien entwickelt. Die Alas (kostümierte Themengruppen) marschieren inzwischen mit LED-Lämpchen, Neonbeleuchtung und pyrotechnischen Effekten – um auch von oben aus dem Flugzeug gesehen zu werden?
Die äusserste Anzahl der allegorischen Wagen sollte von acht auf sechs beschränkt werden. 3.500 Komponenten pro Schule wäre eine vernünftige Grenze.
Während Millionen Menschen sich gratis auf den Strassen von Rio de Janeiro vergnügen – voll purer Lebensfreude und ihnen die Spezialeffekte schnurz-piep-egal sind – blähen sich die Samba-Schulen immer mehr auf und rennen in die Pleite. Sie könnten die Richtung dieser Geschichte ändern – aber werden es nicht tun.
2014 wird alles genauso weitergehen – oder noch schlimmer.
Quelle: Analyse von Luiz Fernando Vianna, Koordinator des Institut Moreira Salles. Er hat vier Bücher über Samba publiziert