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Datierung
1997
Objektmasse
50 x 150 x 5 cm
Technik/Material
Acryl auf Leinwand
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Galerie am See
Inv.-Nr.
SK98008
Histoire de bleu et orange
Christian Floquet (1961 Genf, CH) lernte während seiner Ausbildung an der ESAV – Ecole Supérieure d’Art Visuel in Genf John M. Armleder und Olivier Mosset kennen. Von ihren Diskursen über die Geometrie im Zeichen der Postmoderne angeregt, wandte er sich um 1984 von expressionistisch inspirierten Figurendarstellungen ab und einem geometrisierten Stil zu. Ausgangs- und Angelpunkt seiner Malerei bildet die intensive Auseinandersetzung mit den Wirkungskräften der Asymmetrie. Meist wird der Bildgrund so aufgeteilt, dass, wie in «Histoire de bleu et orange», eine kleinere dreieckige Fläche eine grössere rechteckige vom Rand her durchschneidet oder ein einzelner oder auch mehrere Streifen den Bildgrund durchkreuzen. Dieses dynamische Prinzip wird seit Ende der 1980er Jahre zusätzlich akzentuiert, indem sich Floquet auf nur zwei Farben und in der Regel zwei Formen beschränkt. Abgesehen von diesen Grundsatzentscheidungen hält sich Floquet weder an formale noch chromatische Vorgaben, sondern entwickelt Werk für Werk, zunächst im Entwurf auf Papier, neu aus sich selbst. Je nachdem, wie er das Spannungsfeld aufbauen und dessen Kulminationspunkt verorten will, wählt er das Quadrat-, ein Hoch- oder auch ein gestrecktes Querformat, den komplementären Farb- oder auch den reinen Schwarz-Weiss-Kontrast. Grundsätzlich an der «bi-dimensionnalité», d.h. der Flächigkeit interessiert, hält Floquet an einem vollständig deckenden Farbauftrag ohne Tiefenwirkung fest.
«Histoire de bleu et orange» – eines der wenigen Werke mit Titelangabe – ist in der Zeit von Floquets Aufenthalt in Paris 1982–1998 entstanden. Darin wird das Prinzip der Asymmetrie sprichwörtlich auf die Spitze getrieben: Die Bildfläche in kühlem Türkisblau, die sich ausdehnt wie ein lang anhaltender Ton, wird linksseitig abrupt durch die Synkope eines kleinen Dreiecks in Orange beendet. Das Spannungsfeld ist in diesem Werk auf die linke Randzone verlegt, sodass das Betrachterauge, selbst wenn es auf der blauen Fläche verweilen möchte, nicht anders kann, als immer wieder zur Keilform in Orange zurückzukehren.
Floquets Malerei erbringt den Nachweis, dass das künstlerische Spiel mit Asymmetrien noch längst nicht ausgereizt ist; gerade mit seinen bestechend einfachen und doch effektvollen Kompositionen hat der Künstler dem Diskurs um die Neue Geometrie – nicht nur in der französischsprachigen Schweiz – einen neuen Schub verliehen.
Elisabeth Grossmann