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„Tambouren und Pfeifer haben eine unterschiedliche Mentalität“
Der Walliser Robert Métrailler (63) kandidiert an der Delegierttenversammlung Ende Jahr als neuer Präsident des Schweizerischen Tambouren- und Pfeifervebandes. Métrailler über: Die Harmonie zwischen Tambouren und Pfeifern, seinen Führungsstil – und Fendant.
Weshalb kandidierst Du als neuer STPV-Präsident?
Vor der Anfrage durch Roman Lombriser hatte ich mich nie damit auseinandergesetzt. Ich habe aber in der Trommel- und Pfeiferszene fast alles gemacht: Juror, Komponist, TK-Präsident, Dirigent, OK-Präsident eines Wettspiels. Ich bringe einen gut gefüllten Rucksack mit. Trommeln und Pfeifen sind sehr wichtig in meinem Leben.
|Steckbrief:
Jahrgang: 1960
Welche Rolle spielte die Frühpensionierung bei deinem Entscheid, als STPV-Präsident zu kandidieren?
Der Zeitfaktor war ein zentraler Punkt. Denn ich habe gesehen, wie viel Arbeit Roman Lombriser und Daniel Gachet geleistet haben. Jetzt wird es einfacher sein, es ist aber immer noch viel Arbeit. Es war nun Zufall, dass die Anfrage und meine Frühpensionierung zeitlich zusammen fielen. Ich werde mehr Zeit haben, deshalb passt das jetzt.
Normalerweise ist der STPV-Präsident entweder Tambour oder Pfeifer. Du bist zwar Tambour, hast aber in deinem Verein immer mit Tambouren und Pfeifern zusammengearbeitet und bist auf beide Instrumente sensibilisiert. Kann das für das neue Amt ein Vorteil sein?
Tambouren und Pfeifer haben eine unterschiedliche Mentalität. Ich bin es mich seit Jahrzehnten gewohnt, dass Tambouren und Pfeifer gleich wichtig sind, dass ich beiden Gruppierungen zuhöre. Meine Frau und meine Tochter spielten beziehungsweise spielen Piccolo. Als Dirigent war es für mich normal, beide Instrumente gleichermassen zur Geltung zu bringen.
Du bist ein Walliser, ein Romand, hast als Gewerkschaftssekretär bei Transfair jahrelang in Bern gearbeitet. Du sprichst gut deutsch und französisch als Muttersprache. Auch das ist in einer zweisprachigen Szene sicher kein Nachteil.
Ja, das finde ich auch. Ich habe vorhin gesagt, dass man den Leuten zuhören muss. Nicht nur, wenn sie musizieren, sondern auch, wenn sie sprechen. Also ist es ein Vorteil, wenn man beide Sprachen spricht und versteht.
Du warst bei einer Gewerkschaft tätig. Dort werden Werte wie gegenseitiger Respekt gross geschrieben. Und Du bist vermutlich harte Verhandlungen mit Arbeitgebern gewohnt, in denen Du Kompromisse finden musstest. Wie kompromissfreudig bist Du?
Als Branchenleiter hatte ich Mandate von unseren Gewerkschafts-mitgliedern. Dort waren oft rote Linien definiert: darunter gehen wir nicht. Und so funktioniere ich auch: die rote Linie überschreite ich nicht, dazwischen gibt es aber viel Raum für Kompromisse. Das ist oft ein Prozess. Immer gleich ist aber, dass man einander zuhören muss, aufeinander zugehen und verstehen muss, welches Ziel das Gegenüber verfolgt.
Was wäre dein Hauptziel als neuer STPV-Präsident?
Zuerst werde ich Lehrling sein und mir die Zeit nehmen, dem bisherigen Team zuzuhören, von ihnen zu lernen und mir danach mein eigenes Bild machen. Nachher müssen wir vielleicht bestehende Projekte weiterentwickeln und neue Vorhaben kreieren. Immer natürlich im Interesse des Verbandes. Als sehr positives Beispiel möchte ich die neu eingeführten Swiss Fifes & Drums Awards erwähnen, dieses Projekt finde ich super.
Wo siehst Du die grössten Herausforderungen?
Die wichtigsten Positionen im Zentralvorstand zu besetzen, wird zentral sein. Eine Person fürs Vizepräsidium und eine Leiterin oder einen Leiter Kommunikation suchen wir noch. Ich könnte mir vorstellen, dass gerade die Kommunikation künftig noch wichtiger werden könnte. Die jungen Leute sind heute noch viel stärker als vor wenigen Jahren auf Social Media unterwegs. Dieser Entwicklung müssen wir Rechnung tragen.
Zum Schluss noch die wichtigste Frage: Trinkt eigentlich jeder Walliser Fendant?
(lacht) Natürlich trinke ich Fendant, gerne aber auch die anderen Walliser Weine.
Interview: Philippe Müller