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Menschen mit einem stark ausgeprägten Talent für analytisches Denken sind ständig auf der Suche nach Gründen und Ursachen. Sie machen sich ein genaues Bild sämtlicher Faktoren, die eine bestimmte Situation beeinflussen können.
So die offizielle Beschreibung des Talentes Analytisch durch Gallup.
Analytisch ist Teil der Domäne Strategisches Denken. Die Frage, die es ständig stellt, ist: Ist das wahr? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, versucht es, Beweise zu finden.
Analytisch durchsucht bekannte Fakten und findet Beweise.
Menschen mit analytischen Fähigkeiten sind für ihre Umwelt oft eine Quelle ständiger Herausforderung. Theorien werden zerpflückt, Aussagen seziert. Dabei geht es nicht darum, sich hervorzutun, besser zu sein als andere. Es geht auch nicht darum, etwas zu zerstören. Es geht um Qualität. Und es geht um Vernunft.
Auf der anderen Seite liefern „Analytiker“ den Theorien, welche sie bestätigen, ein festes Fundament, aufgebaut auf Fakten und Daten.
Analytiker brauchen die Referenzen in wissenschaftlichen Arbeiten. Sie brauchen die Formeln, um selber nachrechnen zu können. Sie brauchen die Zeit, um sich eingehend mit etwas zu beschäftigen.
Analytiker entdecken Muster in Daten. Big Data ist des Analytikers Vorstellung von Himmel: entdecke menschliche Verhaltensmuster oder technische Zusammenhänge in riesigen Datenmengen.
Ein Beispiel
Vor einiger Zeit waren ein paar meiner Freunde an einem Kongress einer Hirnforscherin über Neuroplastizität und christlichen Glauben. Beides Themen, die mich brennend interessieren.
Ich hatte bereits ein Werk dieser Autorin gelesen – oder besser – gehört. Die Hörbuchversion enthielt keinerlei Referenzen, und verschiedene Internetartikel bestätigten mir, dass diese Forscherin ihre Arbeit kaum mit Referenzen ausstattet.
Ich erlaubte mir, die Firma der Forscherin direkt anzuschreiben, und erhielt ausreichend Daten, um meine Analyse zu beginnen. Jetzt war es mir möglich, selber einen entsprechenden Unterbau zu recherchieren.
Bin ich überzeugt?
Die Schattenseiten
Die Schattenseiten von Analytisch: wann ist etwas bewiesen? Wenn ich weiss, dass eine Studie existiert? Wenn ich die Studie gelesen habe und weiss, wie sie zustande kam? Wenn ich weiss, dass die Studie Peer Reviews erhalten hat? Wenn sie oft genug zitiert wurde? Wenn die Personen, die die Studie durchgeführt haben, einen guten Ruf besitzen? Wenn ich deren Referenzen geprüft habe? Oder wenn sich ein Ergebnis mit meinen eigenen, analytisch erworbenen Ansichten deckt?
Es ist wichtig, zu wissen, wann es genug ist, und zu vertrauen.
Eine weitere Schattenseite kann es sein, dass Analytisch so sehr die Beweise braucht, dass Neues nicht entstehen kann.
Ein weiteres Beispiel
Im Moment studiere ich Theologie. Theologische Arbeiten werden hauptsächlich analytisch bewertet. Gedankengänge müssen durch Referenzen abgesichert sein, und diese Referenzen müssen entsprechendes Ansehen und Bekanntheitsgrad haben, um als vertrauenswürdig zu gelten.
Entweder kommen die referenzierten Quellen aus der Denomination oder Tradition, welcher sich die Schule verpflichtet hat, oder sind allgemein anerkannt – und daher meist schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten tot.
Eine Entwicklung des Glaubenslebens kann daher kaum aus der Theologie entstehen.
Doch genug von den Schattenseiten.
Unterschiede zu anderen Talenten
Im Gegensatz zum Talent Intellekt basiert Analytisch auf Daten und Fakten. Intellekt verwendet erworbenes Wissen, interne und objektive Logik, das bereits erstellte Weltbild, und eigene Konzepte, um ein Thema zu durchdenken. Analytisch hingegen verlässt sich auf externe Quellen.
Intellekt fragt: Was wäre wenn? Ist da noch mehr? Ist das nicht wie…?
Analytisch fragt: Ist das wahr? Geben die Daten das her? Und was versteckt sich sonst noch in diesen Daten?
Die letzte Frage zeigt es auf: Im Gegensatz zur Vorstellungskraft entdeckt Analytisch bereits vorhandene Muster und Prinzipien in Daten.
Analytisch kreiert neue Erkenntnis durch die Analyse vorhandener Daten, also durch die Aufbereitung historischer Datenbestände, ähnlich dem Talent Kontext, welches die Gegenwart aus der Vergangenheit erklärt.
Die Vorstellungskraft wäre dann für Analytisch, was Zukunftsorientierung für Kontext darstellt.
Zusammenarbeit der Talente
Die Vorstellungskraft kreiert neue Ideen, welche dann von Analytisch reduziert und kalkuliert werden. So bleibt, was Bestand hat und Sinn macht.
Die Zukunftsorientierung leitet neue Trends dann Analytisch aus Daten ab.
Wissbegier merkt dann Analytisch, dass lernen faktenbasiert sein darf und muss.
Strategie wird unterstützt durch die entsprechende Analyse der vorliegenden Fakten.
Verbundenheit erhält Nahrung durch all die Fakten, wächst aber darüber hinaus und weiss, dass es auch Geheimnisse gibt.
Die Zusammenarbeit von Behutsamkeit und Analytisch wird klar im ersten Beispiel: Ich sehe das Risiko, und werte die Faktenlage aus, um es einzuschätzen.
Wie führt Analytisch?
Wie mit allen Stärken geht es bei der Führung anderer darum, Vertrauen zu bilden, Mitgefühl zu zeigen, Stabilität zu bringen, und Hoffnung zu kreieren.
Alle Stärken der Domäne Strategisches Denken haben dasselbe Problem: es braucht Zeit, bis andere die Vorteile sehen, die sich aus ihnen ergeben. Manchmal denke ich, dass es die anderen Domänen da einfacher haben.
Wenn Veränderungen oder Unbekanntes anstehen, wird dem Analytiker vertraut. Der hat das gut durchdacht. Vergessen Sie die menschliche Komponente nicht.
Setzen Sie ihre Stärke gezielt ein, wenn andere in der Datenflut unterzugehen drohen.
Stabilität bringt, dass Sie ihre Entscheidungen aus den Daten herleiten können.
Hoffnung bringen kann die objektive Analyse einer Situation – losgelöst von allen Gefühlen. Es erlaubt dem anderen, aus seiner Situation mal auszutreten, und eröffnet neue Horizonte.
Eine Anekdote
Meine Mutter fuhr mit dem Zug von Winterthur nach Bern. Ihr gegenüber sass ein Mann, mit dem sie langsam ins Gespräch kam. Meine Mutter war Sozialarbeiterin, der Mann sagte, er sei Analytiker. Meine Mutter war begeistert: ein Mann ihres Fachs. Aber das Gespräch war auf einer theoretischen Ebene, trocken, mit wenig persönlichen Aspekten.
Wo sie dachte, einen Psychoanalytiker vor sich zu haben, war der Mann aber ein IT-Analytiker.
Unsere Stärken beeinflussen einander, und Analytisch kann die unterschiedlichsten Färbungen annehmen.
Was ist Ihre Färbung?