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«Die Frage … ist eine Schulform, die das Leben so gut wie gar nicht kennt. Im Leben wird man nicht von jemand gefragt, der uns das wissen lassen will, was er weiss; sondern wenn man uns fragt, so will der Fragende von uns das wissen, was er nicht weiss.»
(Gaudig in Aebli: 1989; S. 363)
Lehrpersonen stellen im Unterricht dauernd Fragen, deren Antworten sie bereits kennen. Trotzdem sind diese Fragen – aus didaktischer Sicht – gerechtfertigt. Aebli bezeichnet sie als didaktische Fragen. Er meint damit, dass die Lehrperson mit solchen Fragen die Lernenden auffordert, «einen vorliegenden Gegenstand unter einem bestimmten Gesichtspunkt zu betrachten.»
(Aebli S. 364)
Didaktische Fragen lösen Prozesse aus, sie veranlassen eine Tätigkeit, die geistiger oder körperlicher Art sein kann. Didaktische Fragen können in der Regel nicht von den Lernenden gestellt werden.
Aebli, H. (1983). Zwölf Grundformen des Lernens. Eine Allgemeine Didaktik auf psychologischer Grundlage. Stuttgart: Klett.
Funktionen
Fragen können verschiedene Funktionen haben wie z.B.:
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Nachdenken auslösen:
("Warum haben sich die unterdrückten Bauern nicht gewehrt?"
"Warum dauern Tag und Nacht nicht immer gleich lang?")
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Vorkenntnisse ermitteln:
("Was wisst ihr bereits über die Judenverfolgungen im 3. Reich?"
Was wisst ihr bereits über das Blut?")
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manipulieren:
(„Seid ihr nicht auch der Meinung, dass…“)
Disziplinierungsfrage:
("Urs, was habe ich soeben erklärt?")
Gliederung der Lehrerfrage nach Anspruchsniveau
Fragend-entwickelnder Unterricht
Lehrgespräche und fragend-entwickelnder Unterricht sind nicht identisch. Der Unterschied besteht in der Häufigkeit, mit der die Lehrperson durch gezielte Fragen helfend einspringen muss. Häufig zeigt sich diese Situation bei Beweisen: Die Lernenden haben durch Probieren das Problem erkannt. Nun muss ein Beweis für die Behauptung gefunden werden. Dies ist in vielen Fällen nur möglich, wenn die Lehrperson durch geeignete Fragestellungen und Lösungshinweise "auf die richtige Spur" führt.
Fragend-entwickelnder Unterricht kann ebenfalls zum Frage-Antwort-Pingpong werden, wobei die Fragen so gestellt sind, dass die Antworten in ihnen enthalten sind. Jetzt zeigt sich spätestens, dass der Gesprächsgegenstand nicht geeignet für ein Gespräch war und besser eine andere Methode gewählt worden wäre.
Man muss den Mut haben, ein Gespräch abzubrechen, wenn man spürt, dass es nicht gelingen will, indem man z.B. eine geeignete Frage stellt und die Antwort in Partnerarbeit suchen lässt.