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14.08.2018 - Anhaltende Niederschlagsarmut und Wärme in den vergangenen Wochen hat zu einer ausgeprägten Niedrigwassersituation in den Schweizer Gewässern geführt. Zudem sind die Wassertemperaturen Anfang August vielerorts höher angestiegen als in den Jahren 2003 und 2015.
Die Schweiz erlebte gemäss Angaben von MeteoSchweiz den niederschlagsärmsten Frühling und Sommer seit fast 100 Jahren. Dazu kam eine Rekordwärme, welche die überdurchschnittlichen Schneemengen, die im Winter 2017/2018 in den Alpen gefallen waren, schon früh abschmelzen liessen. Die Niederschlagsarmut kombiniert mit den hohen Temperaturen seit April und der dadurch verstärkten Verdunstung sind die Ursache für die aktuell herrschende Trockenheit.
Ausgeprägte Niedrigwassersituation in den Flüssen
In der Folge sind die Abflüsse der Fliessgewässer in fast der ganzen Schweiz ausgeprägt unterdurchschnittlich: Viele kleinere und mittlere Flüsse im Jura, Mittelland und in den Voralpen führen Niedrigwasser. Insbesondere im zentralen und östlichen Mittelland sind die Wasserstände einiger Flüsse extrem tief. Teilweise werden tiefere Werte gemessen als im Hitzesommer 2003. Sehr niedrige Abflüsse werden nicht nur an kleineren und mittleren Flüssen registriert, sondern auch an vielen grösseren Fliessgewässern der Deutschschweiz (Limmat, Reuss, Aare und Rhein). Hier liegen die Abflussmengen nahe oder teils auch unterhalb der langjährigen saisonalen Tiefststände. Auch im Tessin haben die Flüsse sehr tiefe Wasserstände.
Reiht man die bis Ende Juli beobachteten Messwerte in die Niedrigwasserstatistik ein, so werden an vielen Flüssen Abflussmengen gemessen, wie sie nur alle zwei bis zehn Jahre auftreten. An zahlreichen Flüssen liegt die Jährlichkeit des Niedrigwassers auch deutlich höher. So zum Beispiel an der Lorze bei Zug, an der Kleinen Emme bei Emmen oder an der Glatt bei Rheinsfelden, aber auch an der Wigger bei Zofingen.
Eine detaillierte Zusammenstellung der niedrigsten Abflusswerte im Juli 2018 ist untenstehender Tabelle zu entnehmen.
Ganz anders präsentiert sich die Lage aktuell in den hochalpinen, vergletscherten Einzugsgebieten. Hier führte die Hitzewelle von Ende Juli und Anfang August zu einer markanten Gletscherschmelze und entsprechend zu normalen bis deutlich überdurchschnittlichen Abflüssen. So erreichten die Abflüsse der Massa bei Blatten im Wallis Anfang August 2018 mehrmals Werte im Bereich der Gefahrenstufe 3 (erhebliche Gefahr). Die Simme bei Oberried/Lenk führte am 27. Juli 2018 kurzzeitig Hochwasser nach dem Ausbruch des Lac de Faverges auf dem Plaine Morte-Gletscher.
Sehr tiefe Seewasserstände
An einigen regulierten Seen (z.B. Thunersee und Bielersee) werden zum Teil noch durchschnittliche Wasserstände gemessen. Ausserordentlich tiefe Wasserstände werden aber am Vierwaldstätter-, Zuger- und Zürichsee verzeichnet. So hat der Zürichsee einen neuen Tiefststand für August erreicht (Vergleichsperiode seit 1951). Und der Pegel des Zugersees lag in der zweiten Augustwoche nur wenige Zentimeter über dem absoluten Minimum seit Messbeginn 1930 (413.12 m ü.M. im Oktober 1947). Diese Seestände sind damit auch deutlich tiefer als jene in den Sommermonaten der Jahre 2003 und 2015.
Nicht reguliert sind der Boden- und der Walensee. An beiden Seen sind die Wasserstände für August extrem tief.
Grundwasserstände: Verbreitet tief mit sinkender Tendenz
Auch die Grundwasserstände und Quellabflüsse sind in den letzten Monaten stetig zurückgegangen. Anfang August 2018 sind sie wie die Oberflächengewässer in fast der ganzen Schweiz ausgeprägt unterdurchschnittlich. Vor allem die Grundwasserstände in Lockergesteins-Grundwasserleitern, die an Flüsse mit Einzugsgebiet im Mittelland bzw. auf der Alpensüdseite gebunden sind, und solche ohne Flussanbindung und mit geringem Flurabstand, liegen zunehmend tief. Dagegen weisen Grundwasserstände in Talschotterebenen entlang der grossen Alpenflüsse infolge der ausgeprägten Schneeschmelze teilweise noch normale, wenn auch zunehmend sinkende Grundwasserstände auf. Kurzfristige Starkniederschläge infolge von Gewittern haben bei Grundwasserständen in oberflächennahen Lockergesteins-Grundwasserleitern jeweils einen vorübergehenden Anstieg zur Folge. Im Grundwasser sind 2018 für den Monat Juli noch keine neuen Monatsminima aufgetreten.
Auffallend ist, dass im Vergleich zu 2003 und 2015 die Grundwasserstände im Frühling 2018 in den Talebenen entlang der grossen Alpenflüsse früh anstiegen. Dies ist bedingt durch die hohen Lufttemperaturen seit April 2018 und der dadurch früh einsetzenden Schnee- und Gletscherschmelze. Im Sommer sanken die Grundwasserstände infolge der raschen Ausaperung wieder früh ab, wie z.B. im Rheintal in Maienfeld (GR).
Karstquellen im Jura weisen infolge der überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen von Anfang Jahr sowie im Zuge der wiederholten Gewitterniederschläge im Lauf des Frühlings und Sommers derzeit leicht höhere Quellabflüsse als in 2003 und 2015 auf, wie z.B. die Areusequelle in St-Sulpice (NE).
Wassertemperatur: Neue Rekorde
Die geringe Wasserführung in Kombination mit der starken Sonneneinstrahlung und den hohen Lufttemperaturen führte an vielen Flüssen im Mittelland bis Anfang August zu aussergewöhnlich hohen Wassertemperaturen. An 25 von 83 Temperaturmessstellen des BAFU wurden neue Höchstwerte seit Messbeginn verzeichnet. An weiteren Stationen wurden neue Maxima für den Monat August registriert. Die Temperatur zahlreicher Flüsse lag somit höher als in den Hitzesommern 2003 und 2015 (Beispiele: Aare bei Bern 23.8 °C am 6. August oder Rhein bei Rekingen 26.6°C am 5. August). Deutlich über der 25 °C -Marke lag die Wassertemperatur an allen Rhein-Stationen unterhalb des Bodensees. Auch andere Fliessgewässer überschritten diese kritische Marke, u.a. die Limmat bei Baden (27.0°C) und die Thur bei Andelfingen (27.5°C). Aber auch die Rhone beim Ausfluss aus dem Genfersee erreichte 27.6°C.
Bei den Gewässern mit einem hohen Anteil an Gletscherwasser, wie z.B. bei der Messstation Massa-Blatten unterhalb des Aletschgletschers, waren bisher keine aussergewöhnlichen Abkühlungen wie im Jahre 2003 zu beobachten.
Die Stationen mit neuen Rekordwerten für den Monat August bzw. für die gesamte Messperiode sind in folgender Tabelle zusammengestellt:
Wie lange braucht es für eine Normalisierung der Lage?
Wann sich die Lage wieder normalisieren wird, hängt von der Wetterentwicklung ab. Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um ein Wasserdefizit in den Böden und im Grundwasser wieder auszugleichen und damit sich die Abflussmengen in den Fliessgewässern wieder normalisieren. Kaltfronten können die Wassertemperaturen relativ rasch abkühlen.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 14.08.2018