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Heute, am 11. Oktober, hat Blick am Abend in einer kurzen Buchrezension ein interessantes Werk vorgestellt: «Die amerikanische Verschwörung» von Jesse Ventura (im Original: «American Conspiracies»).
Jesse Ventura, u.a. Ex-US-Gouverneur und Ex-Wrestler, ist eine charismatische Persönlichkeit mit ausgesprochenen Showmaster-Qualitäten. Das bedeutet allerdings nicht, dass Ventura auch immer Vernünftiges zu erzählen hat - das Verbreiten von Verschwörungstheorien ist mittlerweile eine lukrative Einnahmequelle für ihn.
Das im Blick besprochene Buch habe ich zwar nicht vorliegend, eine Kostprobe Venturas Erzählkunst ist aber auch in Videoform zu haben. Etwa zum Thema Klimawandel (Stichwort «New World Order»):
Wie sehr Ventura seine eigenen Verschwörungstheorien ernst nimmt, ist schwer abzuschätzen. Klar ist hingegen, dass Ventura klassische irrationale Verschwörungstheorien verbreitet: Die vorläufig gültige Erklärung wird nicht widerlegt, sondern einfach abgelehnt und eine unbewiesene Alternativerklärung bevorzugt. Dabei will ich nochmals bemerken, dass ich das Buch «Die amerikanische Verschwörung» nicht gelesen habe und entsprechend den Inhalt nicht kenne - es ist an sich auch möglich, dass Ventura in diesem Buch einen kritisch-skeptischen Ansatz verfolgt und unbewiesene Verschwörungstheorien ablehnt.
So weit, so unspektakulär: Interessanter ist die kurze Rezension des Buches in Blick am Abend. Der letzte Satz lautet «Hochspannende Lektüre, aber mit Vorsicht zu geniessen». Was soll diese Phrase bedeuten? Ist es gefährlich, das Buch zu lesen, weil man dann als Insider auf einer schwarzen Liste der CIA landet?
Wahrscheinlich soll impliziert werden, dass man die Lektüre «geniessen» kann, aber nicht erwarten soll, dass alles stimmt - aber dann ist es angebracht, auch zu erklären, warum genau das Buch «mit Vorsicht» zu geniessen ist, was genau also das Problem ist.
Die falsche Logik der Verschwörungstheoretiker liesse sich auch in einer solch kurzen Rezension aufzeigen; zum Beispiel, indem man sarkastisch eine neue Verschwörungstheorie aufstellt: Jesse Ventura war US-Gouverneur und ist als Macht-Insider selber Teil der Verschwörung! Wie sonst könnte jemand, der so viele Geheimnisse verrät, von den dunklen Mächten noch nicht umgebracht worden sein!
Irrationale Verschwörungstheorien wenden meistens eine Variante des klassischen «argument from ignorance»-Fehlschlusses an: Die Abwesenheit von Beweisen für Hypothese X wird als Beweis für Hypothese X gedeutet. Warum Blick am Abend dieses fundamentale Problem nicht anspricht, ist unklar. So ist eine mögliche Lesart des Blick am Abend-Textes, dass es sich dabei nicht um eigenständige journalistische Berichterstattung handelt, sondern um kaum verschleierte Werbung für bestimmte Bücher.