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▶︎ Person
Vergeigt hat Felix Keller (58) sein Studium der Geografie mit den Nebenfächern Physik, Geologie, Mathematik und Fotografie keineswegs. Aber finanziert hat es sich der passionierte Geiger, indem er in Orchestern spielte und als Salonmusiker in den Engadiner Hotels auftrat. «Ich habe mir immer überlegt, ob ich nicht Profimusiker werden sollte», sagt er.
Allerdings haben den Bündner eben auch Schnee und Eis stets fasziniert. So erstellte er 1988 für seine Diplomarbeit die erste Permafrostkarte des Nationalparks, und für seine Dissertation an der ETH beschäftigte er sich vertieft mit dem Thema Schnee.
Er blieb lieber in den Bergen, baute an der Academia Engiadina ein eigenes Institut auf und erhielt 2004 zudem einen Lehrauftrag an der ETH für Fachdidaktik Umweltlehre. «Unser Ziel war dort, den Klimaschutz zu einem Trend zu machen.» Die heutige Klimajugend bezeichnet er als «ein Geschenk».
▶︎ Produkt
2015 sagte sein Chef an der Academia Engiadina spasseshalber zu Felix Keller, wenn er als Glaziologe etwas wert wäre, könnte er den Morteratschgletscher retten. Am nächsten Tag dachte Keller beim Fischen darüber nach. Könnte man nicht Gletscherwasser oben behalten und im Sommer Schnee daraus machen? Damit das Sonnenlicht auf dem Gletscher besser reflektiert und der Schmelzprozess verringert würde. «Ich dachte lange darüber nach, fand aber keinen Grund, weshalb das nicht gehen sollte.»
Keller fing Feuer, begann zu rechnen und publizierte seine Projektidee. Das Echo war international. Er gewann zwei Industriepartner und vier Fachhochschulen und erhält von der Förderagentur Innosuisse 2,5 Millionen Franken für das Projekt.
Bei der Talstation Diavolezza nimmt er nun eine Testanlage in Betrieb: An einem 240 Meter langen Seil ist eine 30 Meter lange Beschneiungsleitung angebracht – eine Kombination von Beschneiungs- und Seilbahntechnologie.
▶︎ Potenzial
Auf dem Piz Corvatsch soll nächsten Winter eine Testanlage mit einem 600 Meter langen Seil entstehen. Die Energie dafür gewinne man letztlich rein aus dem Wasserdruck. Ausserdem arbeitet Keller an einer Machbarkeitsstudie für den Morteratschgletscher. Im Blick hat er aber nicht in erster Linie die Schweiz. «Am meisten Nutzen bringen dürfte das Verfahren im Himalaya und in den Anden.» An Orten, wo insgesamt 200 Millionen Menschen existenziell vom Gletscherwasser abhängig sind.
Kellers Anlage sollte den Schmelzprozess der dortigen Gletscher massiv abbremsen. Das Marktpotenzial schätzt er auf mindestens 100 Millionen Franken ein.