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Einfache metallische Substanzen verhindern die Keimung der Pflanzen; Metalloxyde begünstigen sie je nach ihrem Oxydationsgrad. Diese Entdeckungen, die er 1793 gemacht hatte, veranlaßten den Autor, nach einem Stoff zu suchen, an den der Sauerstoff nur schwach gebunden wäre, so daß er leicht von ihm getrennt werden könnte; er wählte oxygenierte Kochsalzsäure, vermischt mit Wasser. Kresse (Lepidium sativum) zeigt in oxygenierter Kochsalzsäure nach 6 Stunden Keime, in gewöhnlichem Wasser nach 32 Stunden. Die Wirkung der ersten Flüssigkeit auf die Pflanzenfaser kündigt sich durch eine ernorme Menge an Luftblasen an, welche die Körner bedecken; dieses Phänomen zeigt sich in reinem Wasser erst nach 30 bis 45 Minuten. Diese Versuche, die in Humboldts Flora subterranea Fribergensis und in seinen Aphorismen aus der chemischen Physiologie der Pflanzen bekannt gemacht wurden, sind von anderen Physikern mit Erfolg wiederholt worden. (Siehe die Fragmente neuerer Pflanzenkunde von Uslar, die Physiologie von Plenck, die Baumzucht von Willdenow, das Physikalische Wörterbuch von Gehler…). Sie wurden bei einer Temperatur von 12 bis 15 Grad ausgeführt. Im Sommer 1796 nahm Humboldt diese Versuche wieder auf; er fand heraus, daß man das vegetabile Wachstum noch stärker beschleunigen kann, wenn man dem Stimulus des Sauerstoffs den der Wärme hinzufügt. Er nahm Samen von Lepidium sativum, Pisum sativum, Phaseolus vulgaris, Lactuca sativa, Reseda odorata. Davon wurden gleiche Mengen in reines Wasser und in oxygenierte Kochsalzsäure von einer Temperatur von 25 Grad geworfen. Innerhalb von 3 Stunden zeigte die Kresse in der oxygenierten Kochsalzsäure Keime, im Wasser dagegen erst nach 26 Stunden. In Salzsäure, Salpetersäure1 oder Schwefelsäure, rein oder mit Wasser vermischt, gab es gar keine Keimung; der Sauerstoff schien darin zu innig mit den Basen des Stickstoffs und des Schwefels … verbunden zu sein, um durch die Affinitäten, welche die Faser aufweist, freigesetzt zu werden. Der Autor kündigte an, daß seine Hoffnungen eines Tages der Pflanzenkultur zugute kommen würden. Seine Untersuchungen sind durch die Arbeiten mehrerer hervorragender Gelehrter ergänzt worden. Professor Pohl in Dresden brachte in der oxygenierten Kochsalzsäure das Samenkorn einer neuen Art von Euphorbia zum Keimen, das er einem 110 bis 120 Jahre alten Herbarium von Bocconi entnommen hatte. Jacquin und Van der Schot in Wien warfen alle alten Samen, die seit 20 bis 30 Jahren im Botanischen Garten aufbewahrt worden waren und deren Aussaat bisher vergeblich versucht worden war, in oxygenierte Kochsalzsäure; der größte Teil wurde erfolgreich zum Keimen angeregt; die härtesten Samenkörner gaben diesem Wirkstoff nach. Man sah Guilandina bonduc keimen, Cytisus cajan, Dodonaea angustifolia, Mimosa scandens, neue Arten von Homaea … In Wien werden auch kostbare Pflanzen gezeigt, die man der oxygenierten Kochsalzsäure verdankt und die jetzt schon 5 und 8 Zoll hoch sind. Kürzlich hat er die Clusia rosea zum Keimen gebracht, deren Samen Boose von den Bahama-Inseln mitgebracht hatte und die bisher jeder Aussaat widerstanden hatten. Er hat dafür eine neue Methode angewandt, die für Gärtner, die sich keine oxygenierte Kochsalzsäure beschaffen können, leichter durchführbar scheint; er machte einen Teig, indem er den Samen mit Braunsteinkalk vermengte, worauf mit Wasser verdünnte Kochsalzsäure gegossen wird: 3 Kubikzoll Wasser wurden mit ½ Kubikzoll Salzsäure vermischt. Das Gefäß, das diese Mischung enthält, muß bedeckt, darf aber nicht verkorkt sein, weil es leicht platzen könnte. Bei einer Temperatur von 28 Grad oxydiert die Salzsäure stark, das frei werdende oxygenierte Salzsäuregas zieht durch die Samen, und bei diesem Durchgang geschieht die Reizung der Pflanzenfaser.