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Der Prozess gegen die ehemaligen Besitzer der Eternit S.p.A in Genua steht im Zusammenhang mit einer hohen Anzahl von astbestbedingten Todesfällen und Erkrankungen. Die Anklage wirft Schmidheiny und de Cartier vor, dass sie verantwortlich dafür seien, dass in den vier Fabriken der Eternit S.p.A. zwischen 1973 und 1986 Sicherheitsmassnahmen unterlassen worden seien. In allen vier italienischen Eternit-Fabriken wurde Asbest verarbeitet.
Schmidheiny und de Cartier sollen deshalb nach Ansicht der Turiner Staatsanwaltschaft je 20 Jahre hinter Gitter. Ausserdem verlangt sie für beide den Ausschluss aus allen öffentlichen Ämtern und ein Verbot, zehn Jahre lang ein Unternehmen zu führen.
Der Eternit-Prozess hatte am 10. Dezember 2009 begonnen. Der Schweizer Milliardär und der belgische Baron sind der vorsätzlichen Tötung und der absichtlichen Verursachung einer Umweltkatastrophe angeklagt. Auf diese Vorwürfe stehen in Italien maximal 12 Jahre Haft. Der Staatsanwalt begründete seinen Antrag mit der Fortdauer der mutmasslichen strafbaren Handlungen.
Über 2000 Tote
Staatsanwalt Raffaele Guariniello wirft Schmidheiny und de Cartier deshalb vor, für den Tod von 2056 Menschen und für die Erkrankung von 833 Menschen verantwortlich zu sein. Der Tod tausender Arbeitnehmer sei eine «riesige Tragödie», sagte er vor Gericht.
Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Die Eternit S.p.A. war 1952 von ihrem italienischen Gründer an die belgische Eternit S.A. (heute Etex), die damals von Max Schmidheiny kontrollierte Amiantus Holding AG und an die französische Eternit verkauft worden.
Zunächst hielten die Belgier die Aktienmehrheit. Ab Anfang der 1970er Jahre erhöhten die Schweizer ihren Anteil schrittweise, bis sie schliesslich die Aktienmehrheit besassen. Der Grund: Stephan Schmidheiny, der im Verlauf dieses Jahrzehnt seinem Vater Max nachfolgte, wollte die italienischen Eternit-Werke modernisieren.
Vor 25 Jahren pleite
So stellte er die Trockenproduktion von Asbestzement auf Nassproduktion um, was den Anteil Asbest-Fasern in der Luft verringerte. Gemäss Schmidheiny zogen die beiden anderen Anteilseigner bei den Investitionen, die via Kapitalerhöhungen finanziert wurden, nicht mit. Schmidheiny investierte gemäss seinem Sprecher 50 Millionen Franken in die italienischen Fabriken. Diese gingen dennoch 1986 Konkurs.
Asbest ist ein feuerfestes und witterungsbeständiges Mineral und galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Wunderfaser. Doch hat diese den Tod zehntausender Arbeiter weltweit verursacht. Asbestfasern greifen die Lungen an und verursachen unter anderem die Asbest-Staublunge (Asbestose), Lungenkrebs oder Mesotheliom, einen Krebs des Brust- und Bauchfells.
Schon 1939 anerkannte die SUVA Asbestose als Berufskrankheit. 1964 gelang einem Wissenschaftler der Nachweis, dass Asbest auch die neue Krebsform Mesotheliom verursacht. Erst danach begann in der Industrie die Suche nach einem Asbest-Ersatz.
(cms/sda)