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Fürsterzbischof von Salzburg 1619–1653
Die Grafen Lodron als Domherren in Salzburg
Herkunft aus dem «Wälschtirol»
Paris oder Paride[1] Lodron wird am 13. Februar 1586 als erster Sohn des Nikolaus Graf von Lodron[2] und der Dorothea Freiin von Welsperg[3] im Schloss Castelnuovo di Noarna geboren. Das Schloss der bedeutenden Adelsfamilie liegt über Villa Lagarina und Nogaredo im südlichen Teil des Fürstbistums Trient. Die beiden Ortschaften des italiensichsprachigen Trentino sind Herrschaftsorte der Grafen Lodron von Val Lagarina. Seit 1452 sind sie Reichsgrafen und können ihre Unabhängigkeit vom Fürstbischof in Trient dauernd, von den tirolischen Landesfürsten bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts behaupten. Erst Kaiserin Maria Theresia erreicht Mitte des 18. Jahrhundert die volle Eingliederung der Grafschaft in den Landesverband. Meist stehen die Grafen trotzdem im Dienst des habsburgischen Kaiserhauses. Vater Nikolaus ist Obrist und Statthalter in Tirol. Die Mutter Dorothea stammt aus dem Adelsgeschlecht der Welsperg-Primör, das im östlichen Trentino (Primiero, Primör) beheimatet ist. Ihre jüngere Schwester Maria Sidonia heiratet 1599 Hans Rudolf von Raitenau, den Bruder des Salzburger Fürsterzbischofs.[4] Das Ehepaar Lodron-Welsperg hat sechs Kinder, die das Erwachsenenleben erreichen. Vier sind Mädchen. Ungewöhnlich ist, dass der erstgeborene Sohn Paris zum geistlichen Stand bestimmt wird. So muss der 1688 geborene Sohn Christoph die Stammhalterrolle einnehmen.[5] Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratet der 70-jährige Vater 1620 auf Anraten seines Sohnes Paris nochmals, stirbt aber 1621 nach der Rückkehr von einem Besuch in Salzburg. In der von Fürsterzbischof Paris Lodron als Grablege seiner Eltern gebauten Rupertuskapelle von Villa Lagarina ist ein Epitaph mit ihren Porträts zu sehen, gemalt von Fra Arsenio Mascagni. Beide Eltern sind kniend, der Vater im vergoldeten Harnisch dargestellt.[6] Der Stamm der Lodron von Val Lagarina, der sogenannte Petrische Hauptstamm, erlischt 1702. Auch der Georgische Hauptstamm erlischt 1821.[7]
Ausbildung und Dompfründe
Der Lebensweg des jungen Grafen Paris Lodron ist nur rudimentär erfasst. Mit 11 Jahren ist er als Schüler in Trient dokumentiert. Auch ein Studium in Bologna ist erwähnt. Spätestens im Alter von 16 oder 17 Jahren wechselt er in den deutschsprachigen Norden, denn 1604 ist er an der Jesuitenuniversität Ingolstadt belegt. Seine am 10. November 1604 vorgetragene und approbierte Disputation erscheint im Druck.[8] Präsides ist der Philosophieprofessor Pater Paul Laymann S.J.[9] Paris Lodron widmet die Schrift seinem Grossonkel Anton Lodron.[10] Schon seit 1559 ist der Grossonkel Kapitular in Salzburg, später auch in Passau. Er ist der Wegbereiter seines Grossneffen im deutschsprachigen Norden. 1606 wird Anton Lodron zum Dompropst von Salzburg gewählt. Nun kann sein Grossneffe Paris das freigewordene Kanonikat in Salzburg erben. Ein weiterer Verwandter, Wolf Dietrich von Raitenau, ist zu dieser Zeit Salzburger Fürsterzbischof. 1608 kann Paris noch eine Domherrenpfründe in Trient und in Regensburg erwerben, die ein Cousin freigibt.[11]
Das Sammeln möglichst vieler Domherrensitze ist zwar seit dem Konzil von Trient verpönt. Aber kaum ein junger Adeliger schlägt die nepotistischen Angebote aus, denn für die Versorgungssicherheit und als Sprungbrett zur Karriere in der Reichskirche sind sie unerlässlich. Auch Paris Lodron ist keine Ausnahme. Die 1611 erfolgte Ernennung zum Propst von Maria Saal in Kärnten zeigt nochmals, wie gut seine beiden Verwandten in Salzburg, Anton von Lodron und Wolf Dietrich von Raitenau, für ihn sorgen.
Um diese Zeit dürfte Paris Lodron mehrheitlich in Salzburg residieren. Während des Salzkrieges von 1611 mit Bayern ist er Sprecher von Wolf Dietrich. Nach dessen Einkerkerung auf Hohensalzburg geht er im Dezember 1611 für Vermittlungen nach Rom. Er benutzt den Romaufenthalt auch für ein Breve des Papstes Paul V. zur Übertragung der Erzpfarrei S. Maria Assunta in Villa Lagarina, die ihm sein Grossonkel Anton Lodron überlässt. An der römischen Kurie setzt sich Paris Lodron nicht für den inhaftierten Wolf Dietrich ein, sondern übermittelt die ausführliche Botschaft des dem Inhaftierten feindlich gesinnten Domkapitels. Mit einem anderen Verhalten hätte er sich das Wohlwollen des neuen Fürsterzbischofs Markus Sittich von Hohenheim verscherzt, zu dessen Wahl im März 1612 er wieder in Salzburg anwesend ist. 1613 reist er im Gefolge von Markus Sittikus während dreier Monate an den Reichstag nach Regensburg. Nach der Rückreise verbleibt er als Gesandter des Fürsterzbischofs zur Unterzeichnung des Reichsabschieds zurück.[12] 1614 empfängt er die Priesterweihe. Als Ende 1615 sein Mentor und Grossonkel Anton Lodron stirbt, wird Paris Lodron im Januar 1616 von Markus Sittikus, aber gegen den Willen der Mehrheit der Domkapitulare, in einem zweiten Wahlgang als neuer Dompropst[13] durchgesetzt. Zwei Monate später ernennt ihn der Fürsterzbischof zum Präsidenten der Hofkammer. Als Dompropst und Präsident der Hofkammer ist Paris Lodron nun für die Wirtschafts- und Finanzbelange des Hochstifts zuständig.
Fürsterzbischof von Salzburg
Wahl am Beginn des Dreissigjährigen Krieges
Am 9. Oktober 1619 stirbt Markus Sittikus von Hohenems. Wie schon vor sieben Jahren, setzt auch jetzt der bayrische Herzog Maximilian I. wieder grossen Druck auf das Wahlgremium aus. In die Wahlkapitulation fliesst deshalb die schon 1612 gestellte Bedingung des Beitrittes Salzburgs zur Katholischen Liga ein, und auch die eigennützige bayrische Forderung nach Wiedererrichtung der «Landschaft» findet Eingang.[14] Erst am 13. November erfolgt die Wahl. Nicht überraschend lehnt das Wahlgremium bayrische und kaiserliche Beeinflussungsversuche ab. Nicht der vom Bayernherzog vorgeschlagene Kölner Kurfürst Ferdinand,[15] aber auch nicht der vom Kaiser empfohlene Erzherzog Leopold[16] wird gewählt. Als neuer Fürsterzbischof geht gleich im ersten Wahlgang der Dompropst und Präsident der Hofkammer Paris Lodron hervor.
Neutralitätsbestrebungen und Festungsbauten
Paris Lodron setzt die Taktik der Vorgänger fort, sich zwar zum Bündnis der Katholischen Liga zu bekennen, aber nicht aktiv am Krieg mitzuwirken. Noch immer kann er sich auf die grosse bestehende Schuldenlast Salzburgs berufen, die sich seit dem Salzkrieg mit Bayern und dem bayrischen Monopol auf dem Salzhandel seit 1611 aufhäuft.[17] Von der 1620 wiedererrichteten Landschaft wird er in seiner Haltung aktiv unterstützt. Den Nachbarn hilft er mit salzburgischen Truppenkontingenten. Vor allem den kriegerischen Passauer Erzbischof und Tiroler Landesfürsten Leopold V. unterstützt er 1620–1622 mit Truppen zur Eroberung der Bündner Pässe. Er kann so mit viel diplomatischem Geschick eine stillschweigende Anerkennung der faktischen Neutralität Salzburgs aufrechthalten. Daran ändert auch der Fürstentag von 1623 in Regensburg nicht, an dem der bayrische Herzog, schärfster Kritiker der Abseitsstellung Salzburgs, zum Kurfürsten ernannt wird. Nach der Rückkehr aus Regensburg verstärkt Paris Lodron die Anstrengungen zur Landesverteidigung. Schon seit 1620, gewarnt durch die bayrische Annektion Oberösterreichs, beginnt er mit den Fortifikationen der Stadt und der Landesfestungen. 1621 ist Baubeginn der Schanzen vor Mirabell. Nun lässt er nach neuesten venezianischen Festungstheorien die Stadt allseitig befestigen. Noch 1644 wird daran gearbeitet. Matthäus Merian stellt in diesem Jahr das befestigte Salzburg in seinem Stichwerk vor. Salzburg wird jetzt als uneinnehmbar betrachtet. Selbst die bayrische Kurfürstin Elisabeth flüchtet mit ihrem Hofstaat 1632 vor dem schwedischen Ansturm nach Salzburg, während sich der Kurfürst nach Braunau am Inn zurückzieht und die Wertsachen auf die salzburgische Festung Hohenwerfen bringen lässt. Mit Hilfe der Landstände, die nun wieder regelmässig einberufen werden, kann Paris Lodron auch die hohen Steuerlasten durchsetzen. Die fortwährenden Bemühungen der Landstände um Reduktion dieser Belastungen und auch die Furcht vor Aufständen nach dem Beispiel des oberösterreichischen Bauernaufstandes von 1626 tragen Früchte, sodass der Dreissigjährige Krieg für das Hochstift Salzburg mit Ausnahme eines Aufstandes im Zillertal relativ ruhig verläuft. Die Verschonung vor den Gräueln des Dreissigjährigen Krieges ist der Hauptverdienst des Diplomaten Paris Lodron auf dem Salzburger Fürstenthron.
Verwandtenpatronage
Nepotismus ist in der Reichskirche des 17. und 18. Jahrhunderts weit verbreitet. Auch Paris Lodron hat sich 1606 mit Hilfe seiner Verwandtschaft in Salzburg niedergelassen und setzt jetzt als Landesfürst alles ein, um seine Familie zu stärken. Er sorgt vor allem für die Nachkommen seines Bruders Christoph. Mit der Errichtung der Primogenitur- und Sekundogenitur-Fideikommisse will er für eine Besitzstandwahrung zu Gunsten der Nachkommen seines Bruders sorgen. Direkter vollzieht er seine Besetzungen von wichtigen reichskirchlichen Salzburger Ämtern mit Verwandten. So wird die zweite Ehefrau seines Vaters 1636 Äbtissin der Abtei Nonnberg. An zwei jüngere Nachkommen des georgischen Hauptstamms verschafft er Domherrrensitze in Salzburg und dann Bischofssitze in Gurk.[18] Einem weiteren, erst 13-jährigen Verwandten aus dem georgischen Hauptstamm verhilft er zu einem Sitz im Domkapitel.[19] Diese drei Verwandten sind auch Pröpste des Schneeherrenstifts, einer Kollegiatstiftung, die Paris Lodron 1622 vornimmt.[20]
Auch ein Neffe, Sohn seiner Schwester Barbara, wird 1636 Domherr in Salzburg und 1644 Bischof von Chiemsee und Domdechant.[21]
Die Förderung durch Paris Lodron gilt nicht nur Verwandten. Bestes Beispiel ist Guidobald von Thun-Hohenstein, der 1633 Einsitz im Domkapitelnimmt und 1641, nach seiner Rückkehr von Romstudium und Kavaliersreise, von Paris Lodron sofort in wichtige Positionen befördert wird. 1644 ist er Domdechant, 1645 Generalvikar und Konsitorialpräsident. Er wird später der würdige Nachfolger von Paris Lodron. Dass dann sein böhmischer Bruder die Nichte von Paris Lodron in Salzburg heiratet, ist der Thunschen Familienfürsorge zu verdanken.[22]
Die Benediktineruniversität
1620 erfolgt die kaiserliche Anerkennung der unter Markus Sittikus gegründeten «Hohen Schule» als Universität. Eine historisch einmalige Trägerschaft von Benediktinerabteien, die sich 1618 zu einer Konföderation zusammenschliessen steht am Beginn der Salzburger Universität.[23] Paris Lodron, der im gleichen Jahr als Propst den Grundstein für das «Sacellum» im schon weit gediehenen Universitätsbau legt, setzt nach seiner Wahl den begonnenen Bau fort. 1621 ist der Bau beendet. Die kaiserliche Anerkennung als Universität ist inzwischen schon ein Jahr alt. Aber rst nach vertraglicher Absicherung des Universitätsbetriebes durch die Benediktienr-Konföderation eröffnet Paris Lodron 1623 die Universität. 1625 erhält die «Hohe Schule des gesamten Wissens» auch das päpstliche Privilegium. Die Bauten der Universität werden 1631 weitergeführt und 1655 mit der Fertigstellung des Südflügels unter dem Nachfolger Guidobald von Thun beendet. Jetzt beginnt eine jahrhundertlange Erfolgsgeschichte der einzigen kollektiv von Benediktinerabteien getragenen Universität, die erst mit der Säkularisation endet. Paris Lodron gebührt das Verdienst der beharrlichen Weiterführung ihrer Einrichtung während des Dreissigjährigen Krieges und ihrer weiteren finanziellen Unterstützung durch ein grosszügiges Stiftungskapital. Er hat verdient, dass heute die Universität nach ihm benannt wird, auch wenn sie eigentlich das Werk des Vorgängers und vor allem der Benediktiner-Konföderation ist. Aber selbst er sieht sich nicht unbescheiden als ihr Stifter und Gründer.[24]
Paris Lodron als Bauherr
Santino Solari
Parallel zu den enormen Anstrengungen während des Dreissigjährigen Krieges für den Festungsbau setzt Paris Lodron auch die grossen, noch von seinen Vorgängern begonnen Bauten fort. Planung und Bauleitung aller Bauwerke überträgt er weiterhin an Santino Solari.[25] Er hat den Hofbaumeister offensichtlich schon als Domherr und Propst schätzen gelernt und schenkt ihm sogar Grundstücke am Michaelsplatz, dem heutigen Mozartplatz. 1625–1629 baut Solari auch den Zentralbau der Lodronschen Grabkapelle in Villa Lagarina. Die hohe Wertschätzung für seinen Baumeister zeigt er auch nach dessem Tod durch 100-jährige Messstiftungen.
Festungsbau und Domneubau
Die Befestigung der Stadt und der Einfallsachsen in die Landschaft beanspruchen während der ganzen Regierungszeit von Paris Lodron enorme Reserven. Dass unter diesen Umständen trotzdem wichtige Bauten fertiggestellt oder gar neu begonnen werden, ist bemerkenswert. Nicht nur die Universitätsbauten, auch der Neubau des Doms zählen dazu.
Der Dom ist beim Tod von Markus Sittikus teilweise noch nicht unter Dach. In der Wahlkapitulation 1619 verspricht Paris Lodron die Fertigstellung. In die Jahre 1623–1635 fällt die Fertigstellung der inneren Ausstattung, meist durch Landsleute von Santino Solari. Mit dem erneuten Beizug des schon für Markus Sittikus tätigen Malers Fra Arsenio Mascagni beweist Paris Lodron eine glückliche Hand. Einweihung ist schon 1628, obwohl das Bauwerk zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertig ausgestattet ist. Nach 1635 ruhen die Arbeiten. 1652 stiftet Paris Lodron ein Legat von 40 000 Gulden, dank dem unter seinem Nachfolger Guidobald von Thun die völlige Fertigstellung erfolgt.
Die «Lodronstadt»
Die rechtsufrige Stadtbefestigung mit den Schanzen nördlich der Loretogasse (heute Paris-Lodron-Strasse) und um das Schloss Mirabell vergrössert die Baufläche der Vorstadt um die Hälfte. Diese Erweiterung wird noch heute Lodronstadt genannt, in erster Linie deshalb, weil Paris Lodron die Gelegenheit nutzt, die Familie seines Bruders und die Familienstiftungen standesgemäss unterzubringen. 1631 baut hier Solari für die Familienstiftung den riesigen Primogeniturpalast.[26] 1652 folgt das heute nicht mehr existierende Gebäude des Sekundogeniturpalastes.[27] Zum Besitz der Primogenitur zählen auch fünf Häuser an der gegenüber dem Primogeniturpalast einmündenden Bergstrasse. Dazu gehört auch das 1645 eingerichtete Collegium Marianum, eine Stiftung von Paris Lodron für 12 Jünglinge, deren drei aus seiner italienischen Heimat stammen müssen.[28]
Tod und Nachruhm
Grablege im Dom
Zunehmend hält sich jetzt Paris Lodron im Schloss Mirabell auf.[29] Hier stirbt er am 15. Dezember 1653 im Alter von 67 Jahren, nach 34-jähriger Regierung. Er wird in der Domkirche in der Gruft unter der Kuppel bestattet. Sein Nachfolger Guidobald von Thun errichtet ihm ein Epitaph auf der rechten Seite des Altars, in gleicher Gestaltung wie dasjenige von Markus Sittikus auf der linken Seite. Schon auf dem Epitaph wird das Fernhalten Salzburgs vom Dreissigjährigen Krieg und Standhaftigkeit von Paris Lodron gegenüber ausländischen Mächten als sein Hauptverdienst genannt.
Walhalla
Seine fürsorgende Art, die mit vielen Stiftungen nicht nur der Familie gilt, und die Verdienste um Salzburg im Dreissigjährigen Krieg bleiben unvergessen. Als Kornprinz Ludwig von Bayern 1806 den Beschluss fasst, in Donaustauf über der Donau eine Walhalla als Ruhmeshalle nationaler deutscher Grössen zu bauen, wird für eine der 127 Büsten in der oberen Reihe auch Paris Lodron vorgeschlagen. Ludwig von Bayern hat Bedenken, nicht weil damit Paris Lodron als Kirchenfürst in der illustren Reihe von Fürsten, Künstlern, Wissenschaftlern, Militärpersonen und Reformatoren aus der Reihe fallen würde, sondern weil er Italiener sei. Er lässt sich aber umstimmen und bestellt die Büste beim Bildhauer Eberhard in Rom. Sie wird 1840 aufgestellt. Nebst Johann Philipp von Schönborn bleibt Paris Lodron einziger Kirchenfürst in der Walhalla.
|Wappen Lodron

Das Wappen der Grafen von Lodron zeigt in Rot einen aufgerichteten silbernen Löwen mit einem dreimal in Form eines Liebesknoten ineinandergeschlungenen Schweifs. Er wird salopp als «Löwe mit dem Bretzelschweif» genannt. Das persönliche Wappen von Paris Lodron ist geteilt. Unten ist das Wappen Lodron, oben das gespaltene Wappen des Erzstifts Salzburg (vorne in Gold ein schwarzer Löwe und hinten in Rot ein silberner Balken) zu sehen. Überhöht ist der Schild mit dem scharlachroten Kardinalshut (Galero) mit sechs Quasten, der dem Erzbischof von Salzburg zusteht.
|Ausschnitt mit Wappen Lodron aus dem Porträt 1638 (oben). Foto: WolfD59 2013 in Wikipedia.|
Pius Bieri 2017
|Literatur:

Costa, Margherita: Istoria del viaggio d'Alemagna del serenissimo gran duca di Toscana Ferdinando Secondo. Venezia 1630. >Zum Download. >Zum Beschrieb von Paris Lodron durch Margherita Costa.
|Zauner, Judas Thaddäus: Neue Chronik von Salzburg, erster Teil. Salzburg 1813.|
|Albrecht, Dieter: Maximilian I. von Bayern 1573–1651, München 1998.|
|Lippmann, Wolfgang: Der Salzburger Dom 1598–1630, Weimar 1999.|
|Ortner, Franz: Paris Graf von Lodron, in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 67-68.|
|Keller, Peter u. a. (Hrsg.): Erzbischof Paris Lodron (1619–1653). Ausstellungskatalog Salzburg 2003.|
|Mandelli, Vittorio: Lodrone Paride, in: Dizionario Biografico degli Italiani - Volume 65 (2005).|
|Web:

Wikipedia-Biografie, Stand 2017 (https://de.wikipedia.org/wiki/Paris_von_Lodron)
|Wikipedia (Lodron), Stand 2017 (https://de.wikipedia.org/wiki/Lodron)|
|Wikipedia Salzburg (Lodron), Stand 2017 (http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Lodron)|
Anmerkungen:
[1] Der Vorname Paride ist in Italien verbreitet. Er ist ursprünglich griechisch, wird aber von einem heiliggesprochenen frühchristlichen Bischof von Teano in Kampanien abgeleitet. Er wiederholt sich bei den Lodron seit dem frühen 13. Jahrhundert in jeder zweiten Generation. Lateinisch, deutsch und englisch lautet der aus dem Griechischen stammende Vorname Paris und wird derart ausserhalb Italiens auch als Mädchenname benutzt.
[2] Nikolaus Graf von Lodron oder Nicolò conte di Lodron (1549–1621), Sohn von Paris oder Paride (1522–1566)und Barbara von Liechtenstein-Kastelkorn (*1525). Er heiratet 1585 Dorothea Freiin von Welsperg (siehe unten) und 1620 Johanna von Wolkenstein-Rodenegg (1594–1654), welche 1636 Äbtissin von Nonnberg in Salzburg wird.
[3] Dorothea Freiin von Welsperg und Primör (1559–1615), heiratet 1585 Nikolaus Graf von Lodron.
Kinder: Paris*1586, Barbara *1587, Christoph *1588, Eleonore *1589, Beatrix *1600, Margaretha.
[4] Maria Sidonia (1570–1646) heiratet in zweiter Ehe 1599 Hans Rudolf von Raitenau, Herr von Langenstein, Rosegg und Gmünd (1575–1633), Bruder von Wolf Dietrich von Raitenau (1659–1617), Fürsterzbischof von Salzburg 1587–1612. Zu Wolf Dietrich von Raitenau siehe die Biografie in dieser Webseite.
[5] Christoph Graf von Lodron (1588–1659) heiratet 1626 Katharina Gräfin von Spaur-Flavon (1603–1676). Die Heirat wird von seinem Bruder Paris arrangiert. Das Ehepaar hat zwei Söhne und vier Töchter. Für ihn und seine Nachkommenschaft gründet Paris Lodron 1631 das Fideikommiss der Lodronschen Primogenitur. Christoph wird vom Bruder protegiert und früh nach Salzburg mitgenommen. So ist er schon 1613 im Gefolge des Fürsterzbischofs am Reichstag in Regensburg als Kämmerer und Mundschenk mit fünf Dienern und vier Pferden aufgeführt. 1633 überträgt Paris Lodron Schloss und Herrschaft Gmünd in Kärnten, das von Hans Rudolf von Raitenau an die Landesherrschaft heimgefallen ist, an seinen Bruder. In den 1650er-Jahren übernimmt die Ehefrau Katharina die Angelegenheiten ihres erkrankten Ehemanns. Nominell ist er noch bis 1651 salzburgischer Landmarschall.
| [6] Siehe das Bilddokument (Foto Alba Sinceri) mit den Erläuterungen.

In Salzburg befinden sich zwei weitere Porträts, 1589 und 1621, beide lebensgross in gleichen Bilddimensionen gemalt. Das Porträt des Vaters (1621) entsteht anlässlich des Besuches bei seinem Sohn Paris in Salzburg.
[7] Trotz des Erlöschens dieser Hauptstämme verbreiten sich im 19. Jahrhundert die Grafen von Lodron fast explosiv. Durch die immer wieder auf neue Namensträger erweiterten Fideikommisse, als Fortsetzung der Salzburgischen Primo- und Sekundogenitur von Paris Lodron, werden unübersichtlich viele Familienzweige erbberechtigt. Sie nennen sich im 19. Jahrhundert Grafen und Gräfinnen von Lodron-Laterano. Ärgerlicherweise wird der Zusatz Laterano auch auf Familienmitglieder des Petrischen Hauptstammes angewendet. Mit Sicherheit stammen die heutigen «Grafen» und «Gräfinnen» von oder zu «Lodron-Laterano und Castelromano» nicht von männlichen Mitgliedern der Familie Lodron des 16. Jahrhunderts ab. Seit 1932 sind auch alle Fideikommisse des Familienverbandes aufgelöst. Selbst in Österreich sind auch die Adelstitel nicht mehr erlaubt. Dass noch heute Grafen zu Lodron existieren, ist der Regenbogenpresse und der österreichischen Adelssehnsucht zu verdanken.
[8] Titel: Disputatio Philosophica de varietate scientiarum et artium. Eingangswidmung für den Onkel Anton Graf Lodron und für den Vater Nikolaus Graf Lodron. Schlusswidmung für seinen Bruder Christoph.
[9] Ein Präsides ist Vorsitzender der Disputation. Präsides ist bei Paris Lodron Pater Paul Laymann S. J. (1575–1635) aus Arzl bei Innsbruck, 1603–1609 Professor für Philosophie in Ingolstadt, bis 1625 Moraltheologe in München, dann Professor für kanonisches Recht in Dillingen, geht 1688 als Professor für scholastische Theologie nach Dillingen und ist ab 1691 wieder in Ingolstadt.
[10] Anton Lodron (1536–1615) ist seit 1559 Kanoniker in Salzburg und seit 1562 auch in Passau. Er ist auch Erzpriester von Villa Lagarina. Er ist Grossonkel zweiten Grades und Taufpate von Paris Lodron, der ihn als zweiten Vater bezeichnet. 1606 wird er zum Dompropst von Salzburg gewählt und verzichtet auf die Kanonikate. 1620/21 lässt Paris Lodron die Kreuzkapelle auf dem Petersfriedhof durch Santino Solari und Fra Arsenio Mascagni als Grabstätte für Anton Lodron herrichten.
[11] Alphons Lodron (1580–1647) ist Sohn von Kaspar Lodron und Anna Berka von Dubá und Lipa. Er ist damit Cousin zweiten Grades von Paris Lodron. 1608 verzichtet er zu dessen Gunsten auf die Kanonikerpfründe in Trient und Regensburg. Grund ist das Ausscheiden von Cousin Alphons aus dem Klerikerstand nach einer Lösung der Erbschaftsfrage für die Herrschaft Castelnuovo. Er heiratet nach 1639 zweimal, stirbt aber kinderlos.
[12] Die Reise dauert vom 26. Juli bis zum 20. Oktober. Der Tross des Fürsterzbischofs Markus Sittikus von Hohenems ist gewaltig. Er umfasst 457 Personen und 317 Pferde. An der Reise nimmt auch Christoph von Lodron teil.
[13] Im ersten Wahlgang wird der Domherr und Bischof von Chiemsee, Ehrnfried von Kuenburg, gewählt. Nachdem Markus Sittikus die Zustimmung verweigert, verzichtet Kuenburg auf das Amt. Das Amt des Dompropstes ist lukrativ. Als höchstdotierter Kapitular bezieht er allein aus der Propstei-Dotation Windisch-Matrey jährlich 4300 Gulden (Stand um 1620). Zum Vergleich: Die gleichzeitige Jahresbesoldung von Hofbaumeister Solari beträgt 40 Gulden. Der Dompropst wohnt in der Dompropstei an der Kapitelgasse 1.
[14] Als Landschaft wird die Vertretung der Stände im Landtag bezeichnet. Diese ständische Vertretung schafft Wolf Dietrich von Raitenau ab. Auch Markus Sittikus von Hohenems bleibt bei der Abschaffung. Der bayrische Herzog sieht in der verlangten Einführung vor allem vermehrte Einflussmöglichkeiten, denn demokratische Mitbestimmung der Stände ist auch ihm zuwider, was er 1628 mit der Abschaffung der Landschaft in der Oberpfalz beweist.
[15] Der Kölner Kurfürst Ferdinand von Bayern, Bruder des Herzogs Maximilian I, ist auch Domkapitular in Salzburg. Mit der Wahl hätte er damit nebst den Bischofssitzen von Köln, Münster, Lüttich, Hildesheim und Paderborn auch noch Salzburg erhalten. Die zielstrebige und letztendlich für die Reichskirche zerstörerische Eroberung der Bischofsitze durch Bayern beginnt schon im 16. Jahrhundert.
[16] Erzherzog Leopold V. von Österreich ist bereits Bischof von Passau und Strassburg und wird 1619 auch Landesfürst in Tirol. Auch ist er gleichzeitig Domkapitular in Salzburg. Ebenso kriegerisch wie religiös veranlagt, führt er das Land Tirol sofort in den Dreissigjährigen Krieg.
[17] 1620 beträgt die Staatsschuld 635 366 Gulden. Die Staatseinnahmen 1624 betragen 387 130 Gulden.
[18] Es sind die Söhne von Gerolamo Felice Lodron in Concesio bei Brescia, Sebastiano Bartolomeo oder Sebastian (1601–1643) und Francesco Antonio oder Franz Anton (1614–1652). Sebastian wird 1626 Domherr in Salzburg und 1630 Bischof von Gurk. 1626–1643 ist er auch Propst des Schneeherrenstifts. Franz Anton folgt ihm 1643 als Bischof von Gurk. Er ist 1643–1652 ebenfalls Propst des Schneeherrenstifts. Gurk ist Salzburger Eigenbistum. Die Bischofswahl steht abwechselnd dem Kaiser und dem Salzburger Erzbischof zu. Salzburg hat Vorschlags- und Einspruchsrecht.
[19] Johann Baptist Lodron (1625–1681), Sohn des Philipp Jakob, wird 1638 ins Domkapitel aufgenommen. 1653 bis 1681 ist er Propst des Schneeherrenstifts. 1673 –1681 ist er auch Dompropst.
[20] Die Gründung des neuen Kollegiatstiftes erfolgt 1622 mit grossem Stiftungsvermögen aus der Privatschatulle von Paris Lodron. Im Gegensatz zum Domkapitel werden hier höhere Weihen, sowie Residenz- und Präsenzpflicht verlangt. Der jeweilige Propst kann frei über die Besetzung verfügen. Grund für diese Stiftung dürfte die Schaffung eines Gegengewichtes zum weltlichen Domherrenstift sein, dessen politische Steuerung an Bischofswahlen offenkundig ist.
[21] Franz Vigil Reichsgraf von Spaur (1609–1670), Sohn des Georg Friedrich Freiherrn von Spaur und Valör sowie der Barbara Gräfin von Lodron.
[22] Guidobald Thun von Hohenstein (1616–1668) ist Bruder des Michael Oswald (1631–1694), der 1654 in Salzburg die Nichte Elisabeth von Lodron heiratet.
[23] 33 Benediktinerabteien des süddeutschen Raums sind 1617 beteiligt. Anschliessend treten dem Bündnis auch vier Abteien der schweizerischen Kongregation bei. Weiteres zur Gründung der Universität und ihrer Baugeschichte siehe im Beitrag Benediktineruniversität und Kollegienkirche Salzburg in dieser Webseite.
[24] Die Buchstaben P.A.S.F. auf dem Zepter der Universität (1650) bedeuten «Paris Archiepiscopus Salisburgensis Fundator». Fundator heisst Gründer oder Stifter. Die Ausklammerung der Benediktiner-Konföderation und des Vorgängers Markus Sittikus als Gründergremium entspricht damit nicht dem beliebten Geschichtsbild, das dem Machthaber zum Zeitpunkt des offiziellen Aktes (Grundsteinlegung, Vertrag, Eröffnung) auch das Werk zuspricht. Tatsächlich müsste Markus Sittikus als Begründer des Gymnasiums und der Universität bezeichnet werden. Alle Voraussetzungen zu ihrer Anerkennung sind schon 1618 vorhanden.
[26] Im 19. Jahrhundert Borromäum. Heute (völlig umgebaut) Mozarteum am Mirabellplatz 1 und der Dreifaltigkeitsgasse 15– 19.
[27] An der Stelle von Gebäude Mirabellplatz 7–10 / Paris-Lodron-Strasse 1. Das Gebäude brennt 1818 ab und wird 1908 durch einen neubauähnlichen Umbau ersetzt.
[28] Bergstrasse 16, zusammen mit dem lodronschen Getreidekasten, 1818 durch Brand zerstört.
[29] Der Zustand des Schlosses 1644 ist im Merian-Stich festgehalten. Es wird nach 1710 völlig umgebaut und brennt 1818 aus.
Ein Porträt von Paris Lodron stellt ihn laut der Beschriftung über dem Wappenschild (rechts, über der Mitra) im Alter von 52 Jahren dar. Der Maler des Gemäldes ist unbekannt. Unten ist eine Schriftkartusche angehängt, die das Datum der Wahl (13. November 1619) festhält.
Paris Lodron lässt sich im Pontifikalornat mit einer goldbestickten Kasel darstellen. Er ist in Dreiviertelfigur aufrechtstehend und leicht nach links gewandt gemalt. Mit der rechten Hand berührt er das Pallium, das Zeichen seiner Würde als päpstlicher Legat und Erzbischof. Die linke Hand hält er auf ein kleines Buch, wahrscheinlich ein Brevier. Auf dem Tisch steht eine weisse und übergrosse Mitra. Wie in allen bekannten Porträts trägt er einen modischen Knebelbart. Schon früh hat er die markante Stirnglatze, wie die Beschreibung anlässlich des Besuches vom Grossherzog der Toskana bestätigt.
«Er ist heute im Alter von ungefähr 43 Jahren, von hoher Statur, beleibt, mit schwarzen Haaren und einer leichten Glatze. Er sieht in der Nähe schlecht und braucht eine Brille, ist aber sonst von schöner und herrschaftlicher Erscheinung» notiert Margherita Costa 1628.
Gehe zur Beschreibung von Paris Lodron durch Margherita Costa 1630.
Gemälde Inv. Nr. 1111130441; ausgestellt im Salzburg Museum, Öl auf Leinwand, Grösse 112,5 cm (B) / 196,5 cm (H).
Foto: WolfD59 2013.
|Paris Graf von Lodron (1586–1653)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|13. Februar 1586||Castelnouvo di Noarna (Trentino I)||Grafschaft Lodron|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürsterzbischof von Salzburg||1619–1653|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|15. Dezember 1653||Salzburg||Erzstift Salzburg|
|Kurzbiografie|

Die Regentschaft des Fürsterzbischofs Paris Graf von Lodron ist eine der längsten und erfolgreichsten in der Geschichte des Erzstifts Salzburg. Sein Hauptverdienst ist das Fernhalten Salzburgs vom Dreissigjährigen Krieg, dies vor allem wegen seiner Standhaftigkeit gegenüber Bayern und Österreich. Er ist sehr fürsorglich und, dank seines grossen Vermögens, Stifter vieler öffentlicher Einrichtusngen. Nicht zuletzt zählt dazu auch die Benediktineruniversität. Er ist Vollender des Domneubaus, den eine römische zeitgenössische Autorin «schöner als Il Gesù und von perfekter Vollkommenheit» beschreibt. Für einen Kirchenfürsten aussergewöhnlich ist sein Platz unter den Geistesgrössen und deutschen Fürsten in der Walhalla.
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Die Beschreibung der Person von Paris Lodron ist Bestandteil einer längeren Schilderung des Einzuges und Aufenthaltes von Ferdinando II. de' Medici (1610–1670), Gran Duca di Toscana, in Salzburg. Der Grossherzog hält sich hier vom 7. bis zum 12. Juni 1626 auf seiner Reise durch Tirol, Bayern, Nürnberg, Böhmen und Oberösterreich auf. Die römische Poetin und Dramaturgin Margherita Costa schildert in ihrem Tagebuch den Salzburger Aufenthalt auf Seite 269–304 sehr detailliert und beschreibt darin auch die Stadt und ihre Bewohner.
Originaltext Seite 298 und 299:
«Questa dignità Archiepiscopale di Salzburgh è presentemente tenuta da Monsignor Paris de Conti di Lodrone, che sono Conti Imperiali del Triolo (Tirolo?), fú eletto l'anno mille seicento diciannove dopo la morte dell' Arcivescovo Sittico, essendo egli all'hora Proposto del Capitolo; è d'età di circa quaranta tre anni, di statura alta, è grossa, di pel nero don la testa un pò calva. Hà la vista corta, che però adopera un occhiale, ed è nel resto di bella, e maestosa presenza.
Tiene Corto poco meno, che il Signor Arciduca Leopoldo, ed hà particolarmente dodici Paggi vestiti di velluto rosino, che è livrea assai simile à quella del Gran Duca. Tiene quattordici Camerieri, che sono tutti Cavalieri, e portano tutti le chiave d'oro, come quelli del'Imperadore. Ha guardia à piedi di trenta, che portano le partigiane, e cavalcano con le carabine, quando Egli cavalca fuor della Città; tiene ancora una compagnia di circa cinquanta Archibusieri a cavallo, hà una Cappella finita di Musici, e d'instrumenti, di che Egli si diletta assai all' usanza de Principi die Germania, e nel resto si fà servire all'usanza più tosto d'Italia, che di Germania; Hà gusto havere in casa sua Ospiti grandi per poterla honorare; è molto pio, ed elemosiniero; Mantiene del suo il Convento de Cappiccini, e somministra grand' aiuti allo spedale de Frati dellasporta, senza contare l'altre elemosine, e nella legha Cattolica hà concorso con grand' aiuto di gente, e di denari; Fa fabricare vicino al Palazzo un nouvo Duomo all' usanza moderna, e sù la forma della Chiesa del Giesù di Roma, ma è anco più bello, ed è quasi ridotto à perfezzione…».
Übersetzung:
Die Würde der erzbischöflichen Herrschaft von Salzburg wird aktuell von Paris aus dem Haus der Grafen von Lodron wahrgenommen, welche Reichsgrafen des Tirols sind. Er wurde 1619 nach dem Tod des Erzbischofs (Markus) Sittikus als Propst des Domkapitels gewählt und ist heute im Alter von ungefähr 43 Jahren. Er ist von hoher Statur, beleibt, mit schwarzen Haaren und einer leichten Glatze. Er sieht in der Nähe schlecht und braucht eine Brille, ist aber sonst von schöner und herrschaftlicher Erscheinung.
Er hält einen kleineren Hof als Erzherzog Leopold und hat im Wesentlichen zwölf in rosafarbenen Samt gekleidete Pagen, deren Livree ähnlich denjenigen des Grossherzogs (der Toskana) ist. Ihm dienen 14 Kammerherren, alles Adelige, welche einen goldenen Schlüssel wie denjenigen des Kaisers tragen. Er besitzt eine Leibgarde von 30 Hellebardieren, welche als Reiter noch einen Karabiner tragen. Wenn er (Paris Lodron) aus der Stadt ausreitet, begleitet ihn zusätzlich eine Kompagnie von ungefähr 50 Arkebusieren (Infanterie mit Vorderladern). Er hat eine vollendete Musikkapelle mit Instrumenten, mit denen er (Paris Lodron) sich nach der Art deutscher Fürsten vergnügt, im übrigen bevorzugt er die italienische vor der deutschen Art. Er hat Freude, hohe Gäste zu beherbergen und sie zu ehren. Er ist sehr fromm und wohltätig, unterhält aus eigenen Mitteln das Kapuzinerkloster und ist Geldgeber des Spitals der minderen Brüder (Frati della Sporta: Volkstümliche Bezeichnung der kapuzentragenden Religiosen), ohne seine weiteren Wohltätigkeiten zu erwähnen. Er ist an der Katholischen Liga mit grosser Finanz- und Truppenhilfe beteiligt. In der Nähe der Residenz lässt er einen neuen Dom nach moderner Art errichten, der die Form von Il Gesù in Rom hat, aber viel schöner und zur Vollkommenheit geführt ist.