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1896 gründeten mutige und weitsichtige Frauen in Fribourg den Schweizerischen Mädchenschutzverein (Association nationale suisse des œuvres de protection de la jeune fille). Sie hatten die soziale Not erkannt, die durch die Industrialisierung und Verstädterung entstanden war und fühlten sich als Christinnen aufgerufen, tatkräftig Hilfe zu leisten. Viele junge Mädchen – oft erst 14 bis 15 Jahre alt – verliessen ihr Zuhause, um ihren Lebensunterhalt in den Städten oder im Ausland zu verbringen. Die Gründung fällt auch in die Zeit der sogenannten ersten Frauenbewegung, deren wichtigste Forderung war, Frauen den Zugang zur Bildung zu verschaffen. Ziel war, sich für die Würde und Stellung der Frau einzusetzen, vor allem aber auch, die jungen Mädchen vor Ausbeutung und Prostitution zu schützen und sie in ihrem Leben in der Fremde zu begleiten.
Innert weniger Jahre wurden in fast allen Kantonen Sektionen gegründet, um die interkantonale Zusammenarbeit zu fördern:
1896: Fribourg, Genf, Waadt, Solothurn
1897: Zug, Wallis
1898: Aargau, Appenzell, Luzern, Schwyz, St. Gallen, Zürich
1899: Bern, Neuchâtel
1901: Bern Jura, Nidwalden, Tessin
1902: Graubünden
1912: Obwalden, Uri
1913: Thurgau
1918: Schaffhausen
1926: Glarus
Im Jahre 1897 wurde auch der internationale Verband ACISJF, Association Catholique Internationale de Services pour la Jeunesse Féminine, gegründet.
In Genf nahm die Betreuung am Bahnhof ihren Anfang. Die jungen Frauen wurden von Helferinnen empfangen und in Pensionen geleitet. Diese wurden vorwiegend von Ordensfrauen geführt und man war auch bei der Suche nach Arbeit behilflich. Daraus entstanden dann nach und nach, über die ganze Schweiz verteilt, die «Bahnhofhilfen», Heime und Stellenvermittlungen.
Heute wird die «BahnhofHilfe» in Zusammenarbeit mit COMPAGNA (ehemals FJM, Freundinnen junger Mädchen) und den SBB noch an 10 Bahnhöfen geführt. Der Dienst kann von jedermann unentgeltlich beansprucht werden, wird in erster Linie von älteren Menschen und Behinderten benützt.
Das grosse Standbein von PRO FILIA war und ist auch heute noch die Vermittlung und Betreuung von Au-pairs im In- und Ausland. Heute steht im Vordergrund, eine Fremdsprache in einer Familie zu lernen. In 11 Kantonen wird ein Büro geführt mit dem Anliegen, zu bescheidenen Gebühren ohne Profitdenken Vermittlungen zu tätigen. Während des Au-pair-Aufenthaltes, eines Spital- oder Heimpraktikums ist der Besuch eines Sprachkurses selbstverständlich. Gesamtschweizerische Richtlinien und Verträge schützen Arbeitnehmer/in und Arbeitgeber/in vor unliebsamen Folgen.
Heute gehören PRO FILIA in 10 Kantonen insgesamt 13 Liegenschaften, teils mit Pensions-, Foyer- oder Hotelcharakter. Seit einiger Zeit werden in einigen Häusern auch Männer aufgenommen.
Der Vorstand des schweizerischen Dachverbandes besteht aus ehrenamtlich tätigen Mitgliedern und einer Teilzeitsekretärin. 18 Kantonalvereine arbeiten autonom und gewährleisten die Dienstleistung für PRO FILIA.