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Manche Tiere hören ganz hohe Töne, andere sehr tiefe. Welche Tiere das beste Gehör haben und warum manche Insekten ihre Hörorgane sogar auf ihren Fühlern tragen.
«Grundsätzlich funktioniert das Gehör bei allen Säugetieren in etwa gleich wie beim Menschen», sagt Neurobiologieprofessor Stephan Neuhauss vom Institut für Molekulare Biologie der Universität Zürich. Das heisst: Sie nehmen die Schallwellen wahr, die über die Luft ins Mittelohr und über das Trommelfell ins Innenohr gelangen. Bei Meeressäugern wird der Schall über Vibrationen im Wasser ins Ohr übertragen.
«Wenn man untersucht, wie leise ein Ton ist, den man gerade noch wahrnehmen kann, ist das Gehör der Menschen gut», so der Professor. Betrachtet man jedoch den Frequenzbereich, also wie tief oder wie hoch die Töne sind, die wir noch hören können, bewegen sich die Menschen im Mittelfeld. Es gibt viele Tiere, die besser hören als Menschen.
Der Mensch hört in einem Bereich von 40 (sehr tief) bis zu 20 000 Hertz (hoch). Der Schall wird in Hertz, also Schwingungen pro Sekunde gemessen. Im Vergleich dazu: Fledermäuse hören Frequenzen bis zu 300 000 Hertz. Kommt noch hinzu, dass die obere Hörgrenze bei den Menschen mit dem Alter sinkt. In der Regel geht sie mit jedem Jahrzehnt um rund 2000 Hertz zurück.
Fledermäuse hören sehr gut, sehen aber fast gar nichts. Sie können sehr hohe Töne wahrnehmen und benutzen ihr Gehör zur Orientierung im Raum, zur sogenannten Echolokalisation. Fledermäuse stossen Laute im Ultraschallbereich aus. Trifft die Schallwelle auf ein Objekt wie einen Baum oder eine Beute, wird sie reflektiert. Das Ohr der Fledermaus fängt diese Reflektion auf. Anhand der Zeit, die das dauert, bis der Ton zu ihr zurückkehrt, kann die Fledermaus wahrnehmen, wie weit das Objekt entfernt ist, in welche Richtung es sich bewegt und mit welcher Geschwindigkeit es unterwegs ist.
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Auch Hunde hören sehr gut. Ein gutes Beispiel dafür ist die Hundepfeife, die wir Menschen nicht hören. Hunde hören Töne bis zu 50 000 Hertz. So können sie nicht nur ein Kaninchen im Gras rascheln hören, sondern auch schon von weitem die Schritte des Frauchens oder Herrchens hören, die auf dem Nachhauseweg sind.
Dasselbe gilt für Katzen. Genau wie Hunde waren sie Jäger, bevor sie Haustiere wurden. Katzen verfügen über einen grossen Hörbereich: zwischen 45 und 64 000 Hertz. Sie können ihre Ohren auch viel effektiver drehen als Hunde, so dass sie Geräusche aus allen Richtungen um sich herum aufnehmen können.
Ein sehr gutes Gehör haben auch Pferde. Zudem sind sie Meister im Ausrichten ihrer Ohren und können sie in mehrere Richtungen drehen. So können sie besser orten, woher Geräusche kommen. Bei freilebenden Pferden, verlässt sich die ganze Herde auf das Gehör des Wachpferdes, das nach Gefahren Ausschau hält.
Insekten haben Hörorgane, die durchaus mit den Ohren der Menschen vergleichbar sind, so haben sie auch ein Trommelfell. Allerdings bezeichnet man die Hörorgane bei Insekten nicht als Ohren, sondern als Tympanalorgane. Und, erklärt der Neurobiologe: «Ihre Hörorgane sitzen meist nicht rechts und links am Kopf, sondern anderswo am Körper. Bei Heuschrecken zum Beispiel an den Kniegelenken, bei anderen Insekten auf den Fühlern.» Denn: Je weiter die Hörorgane auseinanderliegen, desto besser können die Schallquellen lokalisiert werden.
Viele Insekten können sehr hohe Töne hören und zum Beispiel die Frequenzen von Fledermäusen wahrnehmen. So schützen sie sich vor dem Gefressenwerden. «Es gibt sogar Insekten, die ihre Flügel zusammenklappen und sich zu Boden fallen lassen, sobald sie einen bestimmten Ton hören.»
Ihr Echolot-Ortungssystem ist dem der Fledermäuse ähnlich, funktioniert aber noch besser. Delfine können gleichzeitig zwei Ultraschall-Clicks mit unterschiedlicher Frequenz aussenden und das in verschiedene Richtungen. Das sogenannte Delfin-Doppelsonar ist das vielleicht am höchsten entwickelte Navigations- und Ortungssystem der Natur. Die Meeressäuger können damit nicht nur organische Körper scannen, sondern durch Sand am Meeresboden eingegrabene Fische aufspüren.
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Ihre Brunftgesänge haben eine so tiefe Frequenz, dass sie noch in 2000 Kilometern Entfernung von einem anderen Wal gehört werden. Das entspricht einer Entfernung von der Nordsee bis ins Mittelmeer. Wale schwimmen lange Distanzen, ohne diese Fähigkeit könnten sie nur schwer einen Partner finden.
Tintenfische haben gar kein Gehörorgan. «Ihre Wahrnehmung funktioniert rein visuell», sagt Neuhauss. Oktopusse können nicht nur mit den Augen sehen, sondern auch über ihre lichtempfindliche Haut. Zwar kann die Haut keine Informationen direkt ans Gehirn weiterleiten, aber sie ermöglicht es den Tintenfischen, ihre Tarnung in Rekordgeschwindigkeit an die Struktur und Farbe der Umgebung anzupassen.
«In der Tendenz ist es so, dass Tiere, die gut sehen eher schlechter hören», sagt Neuhauss. Dazu kommen Tiere, die unter degenerativen Krankheiten leiden. So hören zum Beispiel Terrier sehr schlecht. Schlangen hören ebenfalls schlecht. Sie haben keine Aussenohren. «Früher dachte man deshalb, dass sie gar nichts hören. Das stimmt nicht.» Allerdings nehmen Schlangen Vibrationen im Boden nicht über die Ohren, sondern mit dem ganzen Körper wahr.
Grosse Ohrmuscheln helfen, den Schall besser aufzufangen, deshalb können viele Tiere mit grossen Ohren auch sehr gut hören. Elefanten benutzen ihre riesigen Ohren jedoch vor allem für die Abkühlung, obwohl sie gut hören. Interessant ist, so Neuhauss, die spezielle Form der Ohrmuscheln mit ihren Grübchen und Erhebungen. «Indem sich der Schall an den Grübchen bricht, wird der Höreindruck beeinflusst. Fledermäuse zum Beispiel haben ganz bizarr geformte Ohrmuscheln, so können sie mehr Informationen aus dem Schall auslesen.»