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In Anlehnung an unseren letzten Blogeintrag folgen Informationen zur Definition von Perfektionismus in seiner ungünstigen Form und seiner Entstehung.
Perfektionismus wird unter folgenden Voraussetzungen als problematisch verstanden, wobei nicht alle gleich stark ausgeprägt sein müssen:
Es bestehen hohe eigene Ansprüche oder Standards, die man sich setzt (perfektionistische Standards).
Anstatt auf das Gelungene liegt der Fokus auf mögliche Fehler im eigenen Handeln (Defizitorientierung oder perfektionistische Bedenken), was dazu führt, dass Betroffene mit der eigenen Leistung praktisch nie zufrieden sind.
Es besteht die Erwartung negativer Konsequenzen bei Nichterfüllen der Standards, die mit dem eigenen Selbstkonzept zusammenhängen: Die Person stellt sich selbst in Frage und/oder es besteht die Erwartung, dass dies andere tun werden.
Infolge dessen ist das eigene motivationale Handeln darauf ausgerichtet, Misserfolge zu vermeiden. Die Anstrengung zum Erreichen der eigenen Standards wird als Beweis dafür genommen, dass man dieser motivationalen Ausrichtung gerecht wird.
Die eigenen hohen Standards sind starr, das heisst, es wird an ihnen festgehalten, auch wenn bemerkt wird, dass sie nicht erreicht werden können.
Häufige Begleiter der beschriebenen Handlungsmotivation sind ausgeprägte Versagensängste, Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit und niedrige Selbstwirksamkeitserwartung, die alle als Risikofaktoren für die Entstehung psychischer Erkrankungen gelten und rasch zu psychischer Erschöpfung führen können.
Die Verknüpfung des eigenen Selbstwerts mit der Leistung (gesetzt nach den eigenen hohen Standards) lässt solche Personen anfälliger auf fehlende Anerkennung oder Misslingen reagieren.
Zwillingsstudien zeigten zwischen 30 – 50 % Erblichkeit bei der Entstehung von perfektionistischen Standards. Untersuchungen zu möglichen Umwelteinflüssen bei deren Entstehung fokussierten vor allem Elternverhalten. Je nach Modell, das untersucht wurde, unterscheiden sich die Resultate diesbezüglich. Eine untersuchte Theorie ist die, des Lernens am Modell (Kinder lernen perfektionistisches Verhalten von perfektionistischen Eltern), wobei andere Studienergebnisse auch zeigen, dass perfektionistisches Verhalten ebenfalls als Copingmechanismus bei ausgeprägter Strenge oder Missbrauch entstehen kann. Weitere Resultate legen nahe, dass perfektionistische Standards eher dann entstehen, wenn die Anerkennung der Eltern an die Leistung des Kindes gekoppelt auftrat. Werden Fehler bestraft und bleibt Anerkennung gleichzeitig aus, besteht ein Zusammenhang mit häufigerem Entstehen von perfektionistischen Bedenken.
Übersicht in: Altstötter-Gleich, C. & Geisler, F. (2018). Perfektionismus. Mit hohen Ansprüchen selbstbestimmt leben. Köln: BALANCE Buch + Medien Verlag. Ratgeber und Arbeitsbuch, 156 Seiten.