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Fortsetzung folgt nicht – Editorial
Das Magazin N°27 – 6. Juli 2019
Finn Canonica beendet das Editorial in „Magazin“ N° 27 (das sich mit dem drohenden Klimakollaps befasst) mit den Worten: «Andere errichten gigantische Gedankengebäude und entwickeln abstruse Theorien, von denen die ganze Welt überzeugt werden soll. Diese Typen sind gefährlich.»
Allerdings, wer «die ganze Welt überzeugen» will, richtet sich zumindest nicht gezielt an rassistische oder fundamentalistische Gruppen. Gefährlich ist allerdings, dass abstruse Theorien Beachtung finden. Dies, im Gegensatz zu Mathematik und Physik, wo nur gut überprüfte Theorien Bestand haben (Beispiel: Quadratur des Kreises).
Aber auch beim Klimakollaps sollten gute Theorien möglich sein, denn es ist nicht die Natur, die zurückschlägt, sondern die Physik und die Mathematik. Zum Beispiel: Die Menschheit hat sich in hundert Jahren vervierfacht. Sie kann sich nicht beliebig oft verdoppeln. Mathematik ist deshalb Vorbild, weil ihre Theorien widerspruchsfrei sind. Im Gegensatz dazu gibt’s etwa bei den Menschenrechten (die hier eine wichtige Rolle spielen) den Widerspruch zwischen dem Recht auf Eigentum (unabdingbares Mittel gegen das Prinzip «Tragödie der Allmend») und den Rechten auf Lebensunterhalt (Mittel gegen das Prinzip «The winner takes it all»).
Bedenklich ist der Mangel an Interesse, eine «gute» Theorie zu entwickeln. Ein erster Grund ist wohl die Art und Weise, wie üblicherweise die Berufswahl getroffen wird. Menschen mit technischem Flair wählen technische Berufe und werden als Nieten gesehen, wenn sie keinen Beitrag leisten zum Anwachsen der ökonomischen Gräben. Menschen hingegen, die mit Mathematik nichts am Hut haben, entwickeln Theorien, die nur dann akzeptiert werden, wenn sie sich nicht allzu konkret mit Demografie befassen.
Der zweite Grund ist, dass diejenigen Verhaltensweisen, die die Menschheit ins Schlamassel führen, positiv bewertet werden. Kinderreichtum wird seit jeher als Segen angesehen, er soll den Lebensabend der Eltern sichern, Prestige geben, die Ausbreitung der eigenen Ideologie fördern, schliesslich auch Perspektiven geben, auch als Ersatz für die Perspektiven, die fehlende eigene Erwerbsarbeit bieten kann. Auf der anderen Seite hat das als positiv gesehene Streben nach Fortschritt der Menschheit bisher ein unaufhörliches Wachstum ermöglicht (hinsichtlich Kopfzahl, aber auch hinsichtlich des Konsums), was schliesslich mit zur aktuellen Problemsituation geführt hat.
Das Fehlen guter Theorien ist wohl auch ein Grund, warum Typen, die sich nicht in ein Schema einordnen lassen, sich zu extremistischen Theorien verleiten lassen. Notwendig sind Theorien, die mathematisch und physikalisch belegte Fakten (auch zu den demografischen und ökonomischen Gräben) und historische Erfahrungen ausreichend gewichten.
Mit freundlichen Grüssen
Gernot Gwehenberger
4143 Dornach SO