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Mathias uf der Kel
Lebensbeschreibung[1]
Unter dem Namen dieses unscheinbaren Waldbruders verbirgt sich der Spross einer der reichsten und angesehensten Bürgerfamilien der Stadt Thun im Berner Oberland, Mathias Hattinger. Robert Durrer reiht ihn in seinem monumentalen Werk "Bruder Klaus, die ältesten Quellen über den seligen Nikolaus von Flüe" unter die Vorläufer von Bruder Klaus im Unterwaldnerland ein.[2] Denn Bruder Mathias hatte sich in eine Klause bei Wolfenschiessen, etwas oberhalb des sogenannten Höchhus zurückgezogen. Hier und auf dem nahen Altzellerberg lebten die meisten Verwandten des Bruder Klaus, mit denen er enge Beziehungen unterhielt, sodass Bruder Mathias leicht noch auf den späteren Eremiten im Ranft Einfluss gewinnen konnte. Durrer widmet ihm denn auch ein ganzes Kapitel seines Werkes. Unter dem 1. März 1415 gewährt Klaus Bruder von Wolfenschiessen dem Mathias ein Wegrecht durch sein eigenes Gut "uf der Kel" und das Recht, im nahen Wald für sich das nötige Holz zu holen.[3] Am 16. August 1415 übergibt Ulrich, Ammann von Wolfenschiessen dem Bruder Hattinger das Haus und die Hofstatt "uf der Kel" für eine Einsiedelei, gestattet dem Bruder, seine Nachfolge selber zu bestimmen und stellt die Stiftung unter sei und der Kirchgenossen Schutz.[4] Einer seiner Verwandten war Schaffner des Frauenklosters Engelberg, wie sich aus dem Nekrolog II ergibt: "Item Hettinger (a) von Thun, der unser getrüwer Schaffner ist sin und siner elichen husfrow und aller siner vordren."[5] Bruder Mathias Aufenthalt in der Klause "uf der Kel" ist nicht genau zu bestimmen. Auf jeden Fall erhielt er in Wolfenschiessen eine Jahrzeit, wie das dortige Jahrzeitbuch zum 30. Januar überliefert: "Es fallt Jarzit bruder mathisens Hattingers ab der Khell, der hat geben diser kilchen den bessten kelch, so diser kilchen hat und 20 pfund darzue, das man järlich sin jarzit begange uff disen tag." Dass er in Wolfenschiessen gestorben und begraben sei, ist damit allerdings nicht gesagt. Er ist auch im Jahrzeitbuch von Engelberg eingetragen als "bruoder matis uf der keln".[6] Er wird hier nicht ausdrücklich als Konventuale bezeichnet. Aber seine Beziehungen zu Engelberg, auf die Durrer aufmerksam macht machen dieses Verhältnis doch wahrscheinlich.[7] Dazu kommt, dass Hattinger noch unter dem persönlichen Einfluss von Johannes von Bolsenheim stehen mochte, der bis 1411 noch als Propst belegt ist, während Hattinger 1415 in Wolfenschiessen auftritt und der Beginn der Eremitenzeit des Waldbruders sehr wohl mit Bolsenheim zusammenhängen kann. Als Todestag kann der 30. Januar oder der 2. Februar gelten.
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
- Durrer, Robert: Bruder Klaus, die ältesten Quellen über den seligen Nikolaus von Flüe. Sarnen 1917 - 1921 II, S. 1048.
- Ib., S. 1048.
- Ib., S. 1049. Auf S. 1051 gibt Durrer auch eine gute Übersicht über die Familie Hattingen.
- StibiEbg cod. 10, f. 25r zum 8. Januar.
- StibiEbg cod. 10, f. 3 zum 2. Februar.
- Durrer, Bruder Klaus, S. 1038 ff.
Bibliographie
- Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 86.
- StiArEbg Professbucheinträge nach P. Gall Heer.