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Kanada veröffentlicht einen Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen für ein Forschungsprogramm, das die Lebensbedingungen der Inuit verbessern und gleichzeitig ihr Wissen in das Projekt einfließen lassen soll.
Letzte Woche veröffentlichte der Nationale Forschungsrat Kanadas (NRC) einen Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen für Entwicklungsbeihilfen für sein Programm „Arctic and the North Challenge“. Der Zweck dieser Fördermittel ist es, „die notwendigen Ressourcen für die Durchführung von Konsultationen mit der Bevölkerung bereitzustellen und sicherzustellen, dass die lokale Bevölkerung die Idee hinter dem Projekt unterstützt“, wie es in der Ankündigung auf der Website der kanadischen Regierung heißt. Mit anderen Worten: Die lokale Bevölkerung soll in das Challenge-Programm einbezogen werden.
Die Challenge-Programme, die 2019 im Rahmen des kanadischen Innovations- und Qualifizierungsplans und des Engagements für die Förderung von Unternehmensinnovationen eingeführt wurden, sind Bestandteil der neuen Programme für kooperative Forschung und Entwicklung. Die Programme, die den öffentlichen, privaten und akademischen Sektor zusammenbringen, werden vom NRC geleitet und zielen darauf ab, Lösungen für bestimmte Probleme des Landes zu finden.
Das Programm „The Arctic and the North“ wurde im vergangenen Jahr mit einem ersten Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen für Forschungsprojekte gestartet, die sich auf vier Hauptbereiche konzentrierten: Wohnen, Gesundheitsversorgung, Ernährung und Wasser — vier entscheidende Themen für die Menschen, die in der kanadischen Arktis leben.
70 % der Inuit-Haushalte in Nunavut sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. Die Hälfte der Bevölkerung von Inuit Nunangat lebt in überfüllten Wohnungen (im Vergleich zu 9 % der allgemeinen kanadischen Bevölkerung), was zu Tuberkulose-Epidemien beiträgt, wie im strategischen Rahmen für die Arktis und den Norden, den die kanadische Regierung im vergangenen September veröffentlicht hat, erwähnt wird.
Der Zugang zu Trinkwasser ist im Norden ein ständiges Problem, da die Verteilungsinfrastrukturen unzureichend oder brüchig sind, was die Qualität des Wassers beeinträchtigt und zu häufigen Fällen von Wasserverschmutzung führt. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist begrenzt, lückenhaft und unzureichend, was sich unverhältnismäßig stark auf den allgemeinen Gesundheitszustand der indigenen Bevölkerung auswirkt.
Das Ziel des Programms ist sowohl die Beteiligung der lokalen Bevölkerung an angewandten Forschungsprojekten als auch der Erwerb von Fähigkeiten im Norden. „Daher sollen Forschungsprojekte unter der Leitung des Nordens, die sich stark auf den Aufbau von Kapazitäten im Norden konzentrieren, Vorrang haben“, heißt es in einer ersten Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen, die letztes Jahr veröffentlicht wurde.
Die Zuschüsse für erfolgreiche Vorschläge belaufen sich auf bis zu 50.000 C$ (34.000 €) über einen Zeitraum von 12 Monaten. Förderfähig sind nur Regierungen, Gemeinden und Organisationen mit Sitz in den Northwest Territories, Yukon oder Inuit Nunangat (zu denen Nunavut, Nunavik, Inuvialuit Nunangat und Nunatsiavut gehören). Die Frist für die Einreichung von Vorschlägen endet am 6. Oktober.
Mirjana Binggeli, PolarJournal / Deutsche Version: Julia Hager, PolarJournal