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Erdbeben in der Schweiz
Menschen haben berechtigte Angst vor Erdbeben, und die Schweiz ist diesbezüglich kein Ruhekissen, das wissen viele. In der letzten Zeit fanden wieder grössere Ereignisse mit vielen Todesopfern statt. Daher stellen sich viele Schweizer die Frage, wie sicher oder unsicher eigentlich ihre Region ist.
Die Behauptung, dass sich grössere Erdbeben gegenseitig "triggern", ist unter den "wissenschaftlichen" Seismologen höchst umstritten, wer es wagt, darüber zu sprechen, wird sofort zum Schmuddelkind und Scharlatan abgestempelt, nach dem Motto: "Alle Macht dem Mainstream."
Dennoch beobachten wir immer wieder, dass sehr bald nach einem grossen Beben auf dieser Welt an ganz anderer Stelle ebenfalls ein verheerendes Ereignis folgt. Am 15.04.2016 ereignete sich um 16:25 (UTC=Coordinated Universal Time) in Kyushu im Südwesten Japans ein relativ starkes Erdbeben mit der Magnitude 7.0. Am 16.04.2016 folgte um 23:58 (UTC) das nächste schwere Beben nahe der Küste von Ecuador mit Magnitude 7.8, um nur ein Beispiel von sehr vielen konkret zu nennen.
Heute weiss jeder, dass tektonische Erdbeben sehr viel mit der Plattentektonik der Erde zu tun haben. Wenn sich an einer Stelle aufgestaute mechanische Spannungen als Erdbeben entladen, kann diese instantane Änderung in den Spannungsverhältnissen von Erdplatten sehr wohl einen Einfluss nehmen auf Spannungszustände weit entfernt davon. Es ist wie eine globale Weitergabe von Informationen, die sehr schnell und impulsförmig durch das Gestein erfolgt.
Aber wie steht es um die Erdbebengefahr in der Schweiz?
Warum gab und gibt es in Italien deutlich stärkere Beben als in der Schweiz? Die gesamte afrikanische Platte schiebt sich unaufhaltsam mit einer Geschwindigkeit von wenigen Zentimetern pro Jahr nach Norden voran und drückt von Süden her gegen Europa, das kaum eine Möglichkeit zum Ausweichen hat. Von Nordwesten her drückt die Spreizungszone des mittelatlantischen Rückens gegen Schottland und Norwegen, und im Nordosten lastet der unverrückbare sibirische Block. So gesehen ist "pretty old Europe" wie in einem Schraubstock eingespannt, der langsam immer weiter zugedreht wird. Und mittendrin im Kampf der Giganten liegt die kleine Schweiz, die von den unbändigen Kräften des Erdinneren schon recht nett nach oben gehoben wurde. Alpen nennen wir dieses Phänomen.
Die erste "Wut" von Afrika bekommt allerdings Italien zu spüren, das neben stärkeren Beben auch vulkanische Tätigkeit zu verkraften hat. Aber auch Griechenland und die Türkei mit ihrer berühmten nordanatolischen Verwerfungszone, die direkt durch Istanbul verläuft, kämpfen tapfer an der Erdbebenfront. Die Schweizer und Österreicher geniessen den Vorzug des Zuschauers in der zweiten Reihe. Etwas weiter entfernt vom grossen Zusammenprall der Kontinente haben sie es noch eher mit "intrakontinentalem" Spannungsauf- und Abbau zu tun mit der moderaten Folge, dass in der Schweiz die grössten Erdbeben der letzten Jahrzehnte eine Magnitude von 5 kaum überstiegen. Das stärkste in der Geschichte dokumentierte Schweizer Erdbeben mit einer Magnitude von ca. 6.6 ereignete sich 1356 in Basel. Derartig starke Beben sind in der Schweiz (nur) einmal pro 1500 Jahre zu erwarten. Rein statistisch wird es hier also erst in 840 Jahren wieder einen solchen "Knall" geben. Allein, auf Statistik sollte man sich lieber nicht verlassen.
Erdbeben von Menschen gemacht?
Nun ist der Mensch grundsätzlich nicht zufrieden mit dem, was die Natur ihm zur Verfügung stellt, er will mehr, viel mehr. Und so schickt er sich an, den Grund unter unseren Füssen zum Beben extra zu stimulieren. Und in der Tat sind nicht alle Erdbeben natürlichen Ursprungs. In diesen Fällen sprechen die Wissenschaftler von "induzierten Erdbeben" oder "induzierter Seismizität".
Menschgemachte Erdbeben wurden zum Beispiel auch schon im Zusammenhang mit dem Kohlebergbau ausgelöst. In der Schweiz ist diese Art von induzierten Beben im Wesentlichen im Zusammenhang mit Geothermieprojekten in den Fokus der Medien gerückt. Im Jahre 2006 wurde bei Basel ein Erdbeben der Magnitude 3,4 durch Wasser ausgelöst, das unter sehr hohem Druck zielgerichtet zum Fracking in den Untergrund gepresst worden war. Bei St. Gallen ereignete sich 2013 ein vergleichbares Beben der Magnitude 3,5.
Natürlich war und ist es eine bestechende, vermeintlich umweltfreundliche Idee, das schier unerschöpfliche Reservoir an Erdwärme zur Energieversorgung der Menschen zu nutzen, aber: Nichts ist umsonst, wir zahlen immer einen Preis, und der Geizige zahlt doppelt.
Bildquelle: pixabay.com