Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03360.jsonl.gz/371

Am 1. Januar 2016 trat die Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen (Abfallverordnung, VVEA; SR 814.600) in Kraft und löste die bis dahin geltende Technische Verordnung über Abfälle (TVA) ab. Wie es die Namensänderung bereits andeutet, verfolgt die VVEA mehrere Ziele, insbesondere die Transformation der Abfallwirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft:
1. Mensch und Umwelt sollen vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen geschützt werden, die durch Abfälle erzeugt werden.
2. Die Belastung der Umwelt durch Abfälle soll vorsorglich begrenzt werden.
3. Die umweltverträgliche Verwertung von Abfällen soll gefördert werden, um natürliche Rohstoffe nachhaltig zu
nutzen.
Entsprechend dem 3. Ziel ist ein Abschnitt der VVEA der Verwertung von Abfällen gewidmet. In diesem findet sich Artikel 15 zu phosphorreichen Abfällen, der besagt: «Aus kommunalem Abwasser, aus Klärschlamm zentraler Abwasserreinigungsanlagen oder aus der Asche aus der thermischen Behandlung von solchem Klärschlamm ist Phosphor zurückzugewinnen und stofflich zu verwerten.» Ausserdem ist auch der in Tier- und Knochenmehl enthaltene Phosphor stofflich zu verwerten. Im Artikel 15 wird ferner gefordert, dass bei der Phosphorrückgewinnung aus Abfällen die darin enthaltenen Schadstoffe nach dem Stand der Technik zu entfernen sind und dass die Anforderungen der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV; SR 814.81) erfüllt werden, falls der zurückgewonnene Phosphor für die Düngerherstellung verwendet wird. Für die Umsetzung von Artikel 15 wird eine Übergangsfrist von 10 Jahren gewährt.
Mit dieser Verpflichtung zur Phosphorrückgewinnung wird die Schliessung des Phosphorkreislaufes in der Schweiz bezweckt. Aktuell ist die Schweiz Netto-Importeur von Phosphor; rund 15'000 Tonnen Phosphor werden pro Jahr eingeführt. Diese Importabhängigkeit wird als problematisch eingeschätzt. Zwar stehen mittelfristig ausreichend Phosphaterze zur Verfügung, aber die Vorkommen konzentrieren sich grossenteils auf Länder in geopolitisch instabilen Regionen. Überdies können die importierten Phosphordünger unerwünschte Cadmium- und Urankonzentrationen aufweisen, auch wenn die im Anhang 2.6 der ChemRVV formulierten Qualitätsanforderungen für Dünger in der Regel eingehalten werden. Mit der Umsetzung der VVEA könnten bei einer Rückgewinnungsquote von 100% jährlich ungefähr 9000 Tonnen Phosphor zurück in den Kreislauf gebracht werden. Damit könnte der nationale Bedarf an Mineraldünger von rund 4200 Tonnen Phosphor pro Jahr gedeckt werden.
Der Abfall in der Schweiz, der am meisten Phosphor enthält, ist das Abwasser. Über diesen Abfallstrom gehen jährlich ca. 6500 Tonnen Phosphor verloren. Um eine Überdüngung der Gewässer zu hindern, wird der Phosphor in der Abwasserreinigung gezielt ausgeschieden. Deswegen finden sich knapp 90% des Phosphors des ARA-Zulaufs im Klärschlamm wieder und der Rest im gereinigten Abwasser. Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, um den Phosphor aus dem Abwasser, aus dem Klärschlamm oder aus der Asche, die bei der Klärschlammverbrennung anfällt, zurückzugewinnen (Fig. 1).
Das seit dem 1. Oktober 2006 geltende Verbot, Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft auszubringen, bleibt weiterhin bestehen. Gemäss Art. 10 VVEA muss Klärschlamm in geeigneten Anlagen thermisch behandelt werden. Zu den geeigneten Anlagen zählen: Monoverbrennungsanlage, Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) und Zementwerk. Es fallen jährlich rund 180 000 Tonnen Trockensubstanz (TS) Klärschlamm an, die in diesen drei Anlagetypen verbrannt werden. Für eine Phosphorrückgewinnung eignen sich zum heutigen Zeitpunkt nur der Klärschlamm sowie die Klärschlammasche aus Monoverbrennungsanlagen. Dagegen ist die Rückgewinnung von Phosphor aus KVA-Schlacke aktuell weder technisch möglich noch wirtschaftlich. Auch aus den Rückständen der thermischen Behandlung im Zementwerk lässt sich Phosphor nicht zurückgewinnen. Demzufolge ist im Anhang 4 der VVEA geregelt, dass Klärschlamm aus zentralen Abwasserreinigungsanlagen nur dann als Brennstoff im Zementwerk eingesetzt werden darf, wenn der Phosphor vorgängig zurückgewonnen wurde.
Zusammen mit den Kantonen, Branchenverbänden der Wirtschaft sowie anderen Bundesämtern erarbeitet das BAFU derzeit eine Vollzugshilfe für die VVEA. Diese ist in zehn Module unterteilt, darunter befindet sich das Modul «Phosphorreiche Abfälle». Die einzelnen Module werden über einen Zeitraum von mehreren Jahren gestaffelt und entsprechend ihrer Priorität erarbeitet. Acht Module wurden bereits publiziert. Zu diesen gehört das Vollzugshilfemodul für die Rückgewinnung von Phosphor aus phosphorreichen Abfällen [1].
Mit diesem Modul soll den Kantonen und den betroffenen Organisationen der Wirtschaft ein Rahmen für einen möglichst einheitlichen Vollzug bei der Phosphorrückgewinnung gegeben werden. Es werden sowohl die Anforderungen aus der Gesetzgebung erläutert als auch der Stand der Technik bei der Phosphorrückgewinnung beschrieben. Dabei wird der Stand der Technik regelmässig überprüft und wenn nötig angepasst. In der Vollzugshilfe sind folgende Grundsätze für die Phosphorrückgewinnung formuliert:
Des Weiteren werden quantitative und qualitative Anforderungen an die Phosphorrückgewinnung gestellt: Grundsätzlich soll so viel Phosphor aus dem jeweiligen Abfallstrom zurückgewonnen werden, wie gemäss dem Stand der Technik machbar ist. Aktuell gilt als Stand der Technik, dass der Anteil der zurückgewonnenen Phosphorfracht im Input des Rückgewinnungsprozesses (Schlammwasser, Klärschlamm oder Asche) mindestens 50% beträgt. Zudem sind Schadstoffe gemäss der entsprechenden Gesetzgebung für das Endprodukt zu eliminieren. Falls der zurückgewonnene Phosphor zur Herstellung eines Düngers verwendet werden soll, gelten die Anforderungen des Anhangs 2.6 der ChemRRV an Recyclingdünger.
Um die Umsetzung des Phosphor-Recyclings gemäss Art. 15 VVEA und der BAFU-Vollzugshilfe voranzutreiben, braucht es die Zusammenarbeit aller wichtigen Akteure – Bund, Kantone, Gemeinden, ARA, Klärschlamm-Trocknungsanlagen, KVA, Zementwerke, Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen, Landwirtschaft, Düngerhersteller. Dafür wurde das Netzwerk SwissPhosphor ins Leben gerufen. Dieses bezweckt, in einem partizipativen Prozess gemeinsam eine Entscheidungsgrundlage für das Phosphorrecycling in der Schweiz zu erarbeiten und damit die Umsetzung der Gesetzgebung zu konkretisieren, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren zu fördern sowie die Aktivitäten zu koordinieren.
Am ersten SwissPhosphor-Forum (März 2019) wurden Grundlagen und erste Ideen vorgestellt. Diese sind auch im Grundlagenbericht SwissPhosphor zusammengefasst [2]. Neben den rechtlichen Grundlagen werden darin u. a. das internationale Umfeld, der Ist-Zustand der Klärschlammentsorgung in der Schweiz, Ideen, Projekte und Stossrichtungen der Kantone auf dem Gebiet des Phosphorrecyclings wie auch die mögliche Vermarktung von Recycling-Phosphor behandelt. Basierend auf diesem Bericht und den Ergebnissen des ersten SwissPhosphor-Forums erarbeitete ein Kernteam ein Planungsdokument. Rückmeldungen dazu wurden von den verschiedenen Akteuren eingeholt und flossen in die Überarbeitung des Dokuments ein. Geplant war, das überarbeitete Dokument «Planung 2.0 SwissPhosphor» [3] an einem zweiten Forum im November 2020 vorzustellen. Aufgrund der Pandemiesituation in der Schweiz konnte diese Veranstaltung jedoch nicht durchgeführt werden. Die wichtigsten Punkte der zweiten Version des Planungsdokuments werden im Folgenden zusammengefasst.
Das Planungsdokument enthält die Vision 2036, die den Zustand beschreibt, der langfristig beim Phosphorrecycling in der Schweiz unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben erreicht werden soll: «Phosphor aus Klärschlamm, Klärschlammasche sowie anderen phosphorreichen Abfällen, wie Tier- und Knochenmehl, wird zu 75% möglichst effizient und ökologisch zurückgewonnen und zu wirtschaftlich tragfähigen Konditionen in den Kreislauf zurückgeführt.»
Daran anschliessend sind langfristige Massnahmen aufgelistet, die ergriffen werden sollen, um die Vision 2036 zu erreichen:
Schliesslich werden im Planungsdokument neun strategische Ziele genannt, die bis Ende 2028 erreicht werden sollen und somit den Weg hin zur Erfüllung der Vision 2036 ebnen. Diese Ziele oder Zwischenschritte sind in zwei Prioritätengruppen eingeteilt. Während die Ziele zweiter Priorität (Ziele 5 bis 9) spätestens in den Jahren 2026–2028 erreicht werden sollten, müssen die Ziele der ersten Priorität (Ziele 1 bis 4) schon früher umgesetzt sein. Die ersten beiden Ziele bilden zudem eine wichtige Basis für die Umsetzung der nachfolgenden Ziele. Einen Überblick über die strategischen Ziele, dargestellt auf einem Zeitstrahl, gibt Figur 2.
Es herrscht Klarheit in Bezug auf die Leistung, die ökologischen Aspekte sowie die Kosten der relevanten Phosphorrückgewinnungsverfahren. Die Kosten-Nutzen-Verhältnisse der verschiedenen Verfahren sind ausgewiesen.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird basierend auf Informationsupdates, die Verfahrensanbieter und Anlagenbetreiber regelmässig liefern sollen, der Stand der Entwicklungen immer wieder aktualisiert und bekannt gegeben. Es muss betont werden, dass diese Übersicht nicht einen neuen Stand der Technik definieren wird. Alle Informationen zum Phosphorrecycling werden gebündelt und auf einer Plattform zur Verfügung gestellt. Überdies ist der Aufbau einer Anlaufstelle für den Wissenstransfer sowie die Beratung der Anlagenbetreiber geplant.
Es liegen die Grundlagen für Finanzierungslösungen vor, die die unterschiedlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen, sodass ein kostendeckender Betrieb möglich ist.
Dafür wird zurzeit eine Studie über mögliche Finanzierungsmodelle durchgeführt. Anhand der Ergebnisse dieser Studie können schliesslich die verschiedenen Lösungen und deren Umsetzbarkeit diskutiert und nach Möglichkeit umgesetzt werden. Ausserdem sollen die Möglichkeit der Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten aufgezeigt und den Interessenten in Form von Faktenblättern zur Verfügung gestellt werden.
In der Schweiz besteht jederzeit Entsorgungssicherheit für alle phosphorreichen Abfälle. Gemäss einer Landkarte «Phosphorrecycling Schweiz 2026» (s. unten «Landkarte als Planungsgrundlage») sind die Klärschlamm-Verwertungszentren (Verbrennung oder andere Verfahren) ab 2024 in der Realisierung und die Standorte der Phosphorrückgewinnung verbindlich festgelegt.
Um die Landkarte zu aktualisieren sowie deren Umsetzung zu überprüfen, legen die Kantone – unter Einbezug der Anlagenbetreiber – halbjährlich den Planungsstand bezüglich Phosphorrecycling offen. Gestützt auf Art. 18 GSchV und Art. 4 VVEA werden die Kapazitäten koordiniert, indem bei absehbaren Über- oder Unterkapazitäten versucht wird, lenkend einzugreifen.
Aus Schlammwasser, Klärschlamm zentraler Abwasserreinigungsanlagen oder aus der Asche der thermischen Behandlung von Klärschlamm zentraler Abwasserreinigungsanlagen ist die Phosphorfracht im Prozessinput zurückzugewinnen. Nach dem Stand der Technik gilt, dass für Anlagen der Anteil der zurückgewonnenen Phosphorfracht mindestens 50% beträgt. Dieses Ziel soll bis Ende 2025 erreicht sein.
Zentral hierfür ist, dass das Phosphorrückgewinnungsmodul der BAFU-Vollzugshilfe [1], in dem der ab dem 1. Januar 2026 geltende Stand der Technik beschrieben ist, umgesetzt wird. Die Kantone geben dem BAFU periodisch Rückmeldung zum Stand der Umsetzung.
Bei der Phosphorrückgewinnung hat die Verwertung aller anfallenden Abfälle eine hohe Priorität. Es werden möglichst wenige Abfälle auf Deponien abgelagert.
Dazu sind im Rahmen des Bewilligungsverfahrens (durch die Kantone) die Stoffströme und deren Verwertung zu bilanzieren. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Reduktion des Deponievolumens, indem die stoffliche Verwertung der mineralischen Nebenprodukte optimiert wird. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass Verfahren mit geringer Beanspruchung von Deponievolumen zur Anwendung kommen.
Ist eine Aufbereitung der Phosphorrezyklate zu Düngerausgangsstoffen notwendig, so liegt für die Schweiz ein konkretes Umsetzungsprojekt vor.
Zur Zielerreichung sind mehrere Massnahmen vorgesehen: So sollen die Anforderungen an die mineralischen Recyclingdünger formuliert werden, damit die Bauern diesen auch abnehmen. Weiter werden Bauern und der Detailhandel gezielt informiert, um die Akzeptanz zu erhöhen. Die Abnehmer des Düngers sollen frühzeitig in den Prozess eingebunden und nicht erst am Schluss vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Ausserdem sollen die maximal verarbeitbaren Mengen an Phosphorrezyklaten festgelegt und die technischen Lösungen für die Herstellung eines Düngerproduktes aufgezeigt werden.
Nachdem zunächst ein Vorprojekt zur Produktion eines Düngerausgangsstoffes ausgearbeitet worden ist, soll schliesslich eine Anlage zur Produktion eines Düngerausgangsstoffes erstellt werden. Die Düngemittelindustrie kann den Ausgangsstoff direkt für die Formulierung von Mehrnährstoffdüngern verwenden und daraus Fest- oder Flüssigdünger produzieren.
Mit der Phosphorrückgewinnung wird ab dem 1. Januar 2026 mindestens ein Drittel des jährlichen Phosphordüngerbedarfs mit mineralischem Recyclingdünger abgedeckt. Dies im Sinne eines Zwischenziels auf dem Weg, den Phosphorkreislauf zu schliessen, die Importabhängigkeit zu reduzieren und den qualitativen Bodenschutz zu optimieren.
Einerseits wird eine Marktanalyse durchgeführt, um die Frage, wo kann von wem wie viel substituiert werden, zu beantworten. In die Analyse soll auch der internationale Markt für Recyclingdünger (inkl. Import/Export von Klärschlammasche und/oder Recyclingdünger) einbezogen werden. Andererseits sind auch die Grenzwerte für Mineraldünger gemäss ChemRRV zu vollziehen.
Die geplanten Verfahren der Phosphorrückgewinnung werden nach dem Stand der Technik betrieben, sind effizient und langfristig finanziert. Sie berücksichtigen alle Stoff- und Energieströme.
Als Hilfestellung für Kantone und potenzielle Anlagenbetreiber soll ein Merkblatt zur Überprüfung des Standes der Technik der Phosphorrecyclingverfahren gemäss VVEA-Vollzugshilfe erarbeitet werden. Im Rahmen von Betriebs- bzw. Baubewilligungen stellen dann die Kantone sicher, dass der Stand der Technik, der in der BAFU-Vollzugshilfe «Phosphorreiche Abfälle» sowie im Merkblatt beschrieben ist, eingehalten wird.
Die bestehende Infrastruktur zur Klärschlammentsorgung wird, soweit die obenstehenden Ziele erfüllt sind, bis zum Ende ihrer technischen Lebensdauer genutzt.
Die bestehende Infrastruktur wird daher bei der laufenden Aktualisierung der Planung sowie der Phosphorrecycling-Landkarte mitberücksichtigt. Die Kantone erfassen die bestehende Infrastruktur in ihrem Gebiet, die für die Phosphorrückgewinnung weiterverwendet werden soll, und überprüfen regelmässig die Betriebsbewilligungen.
Die Landkarte «Phosphorrecycling Schweiz 2026» visualisiert einen möglichen Zielzustand. Sie basiert auf den verschiedenen Planungen und aktuellen Projekten, dem heutigen Wissensstand sowie der Abschätzung, wie sich die Infrastrukturen für das Phosphorrecycling im Sinne der Vision 2036 entwickeln könnte. Das primäre Ziel dieser Karte besteht darin, den Vollzugsbehörden aufzuzeigen, wie Entsorgungsengpässe sowie Überkapazitäten – und dadurch Fehlinvestitionen – vermieden werden können.
Die Grundlage für die Erstellung der Landkarte bildeten Gespräche mit den Vorstehern der kantonalen Umweltämter in allen KVU-Regionen der Schweiz sowie die Rückmeldungen anlässlich des ersten Forums SwissPhosphor. Eine weitere Basis bildet die Ist-Situation (Quellen, Entsorgungswege und Mengen) der Klärschlammentsorgung in der Schweiz, die im Grundlagenbericht SwissPhosphor dargestellt ist [2]. Ergänzt werden diese durch Angaben der Zementindustrie. Figur 3 zeigt die heutige Klärschlammentsorgung (Stand 2017). Die gesamte Klärschlammmenge, die aktuell in 783 Abwasserreinigungsanlagen (ARA) pro Jahr anfällt, beträgt rund 177 kt TS. Davon werden ungefähr zwei Drittel (113 600 t TS) in Schlammverbrennungsanlagen, 25 000 t TS in KVA und 34 450 t TS in Zementwerken thermisch behandelt. In Tabelle 1 ist dargestellt, welche Phosphorfrachten daraus zurückgewonnen werden könnten bzw. sollten.
Eine erste Version der Karte (Fig. 4) hätte am SwissPhosphor-Forum im November 2020, das wegen der momentanen Pandemiesituation nicht stattfinden konnte, präsentiert und diskutiert werden sollen. Demgemäss sind sechs Phosphorrückgewinnungsanlagen vorgesehen. Es wird vorgeschlagen, dass in einer zentralisierten Anlage in Zuchwil der Phosphor bzw. die Phosphorsäure mit dem Phos4Life-Verfahren aus Aschen der Klärschlammmonoverbrennung der ERZ sowie aus der Nordwestschweiz, der Südwestschweiz und allenfalls aus dem Tessin extrahiert wird. An fünf weiteren Standorten sind folgende Verfahren vorgesehen:
Es ist geplant, dass die Karte zweimal pro Jahr aktualisiert wird.
Der Einbezug und die aktive Mitarbeit aller Akteure ist der Schlüsselfaktor, um in der Schweiz eine neue Phosphor-Landschaft aufzubauen, die sich durch einen geschlossenen Kreislauf auszeichnet. Daher wurde vom BAFU das Projekt SwissPhosphor aufgegleist, um zusammen mit den verschiedenen Akteuren Lösungen für die Umsetzung des Phosphorrecyclings gemäss Art. 15 VVEA und der VVEA-Vollzugshilfe zu entwickeln. Wichtige Grundlagen wurden bereits geschaffen: Im Grundlagenbericht SwissPhosphor [2] werden die Ist-Situation der Klärschlammentsorgung umrissen und Ideen sowie geplante und bestehende Projekte zur Phosphorrückgewinnung aufgezeigt. Die Vollzugshilfe «Phosphorreiche Abfälle» liegt vor [1]. Schliesslich liegt die zweite Version des SwissPhosphor-Planungsdokuments vor [3], einer Entscheidungshilfe für die Umsetzung des Phosphorrecyclings in der Schweiz. Ein zentrales Element ist die Landkarte «Phosphorrecycling Schweiz 2026». Die Planung soll in der Anfangsphase regelmässig überprüft und wenn erforderlich angepasst werden, damit den aktuellen Entwicklungen in den Kantonen und bei den Technologien Rechnung getragen werden kann.
[1] BAFU (2020): Phosphorreiche Abfälle – Vollzugshilfemodul für die Rückgewinnung von Phosphor aus phosphorreichen Abfällen. Vorpublikation der definitiven Fassung
[2] SwissPhosphor (2020): Grundlagenbericht SwissPhosphor
[3] SwissPhosphor (Nov. 2020): Planung 2.0 «SwissPhosphor»: Entscheidungshilfe für die Umsetzung des Phosphorrecyclings in der Schweiz
[4] VBSA (2019): Klärschlammentsorgung in der Schweiz im Hinblick auf die Rückgewinnung von Phosphor. Im Auftrag des BAFU
Mit dem Online-Abo lesen Sie das «AQUA & GAS»-E-Paper am Computer, auf dem Smartphone und auf dem Tablet.
Mit dem Online-Abo lesen Sie das «Wasserspiegel»-E-Paper am Computer, auf dem Smartphone und auf dem Tablet.