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Procalcitonin-Messung zum Entscheid für oder gegen Antibiotika
Akute Infekte der oberen Luftwege sind die Hauptursache für den Einsatz von Antibiotika, obwohl bekannt ist, dass diese meistens viral bedingt sind. Briel und Kollegen haben untersucht, wie sich eine Therapieentscheidungsstrategie mit Messung des Procalcitonins – einem Marker für bakterielle Infektionen – auf die Verschreibungsrate von Antibiotika auswirkt.
Aus 53 Grundversorgerpraxen haben die Studienautoren 458 Patienten, welche aufgrund eines oberen Luftwegsinfekts gemäss behandelndem Arzt Antibiotika bräuchten, rekrutiert. Je nach Randomisierung erfolgte eine Procalcitonin-gesteuerte Antibiose oder ein Standard-Approach (ohne Bestimmung des Procalcitonins). In der Procalcitoningruppe riet der Arzt den Patienten bei einem Procalcitonin-Wert ≤ 0.25 µg/l von einer Antibiose eher ab und empfahl eine solche bei einem Wert > 0.25 µg/l. Der Follow-up dauerte 28 Tage. Endpunkte waren die Verschreibungsrate von Antibiotika, die Anzahl Tage mit eingeschränkter Aktivität und das Vorliegen von Symptomen aufgrund eines weiter bestehenden oder rezidivierenden Infekts.
In der Gruppe, in der die Entscheidung für oder gegen eine Antibiose durch die Bestimmung des Procalcitonins unterstützt wurde, war die Verschreibungsrate von Antibiotika nach 14 Tagen um 72% niedriger als in der Vergleichsgruppe. Dies musst nicht durch eine erhöhte Anzahl Tage mit eingeschränkter Aktivität erkauft werden (Zunahme um durchschnittlich 0.14 Tage in 14 Tagen). Nach 28 Tagen berichteten in beiden Gruppen gleich viele Patienten über weiter bestehende oder wieder aufgetretene Symptome.
Konklusion der Autoren: Die Messung des Procalcitonins bei Patienten mit oberem Luftwegsinfekt zur Unterstützung eines Entscheids für oder gegen Antibiotika führt zu einer starken Reduktion der Antibiotikaverschreibungen. Der geringere Einsatz von Antibiotika war nicht mit einem schlechteren Patienten-Outcome assoziiert.
Link zur Studie
Arch Intern Med 2008;168:2000-2007 - Briel M et al
15.10.2008 - dde