Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03132.jsonl.gz/2124

Ende eines eher düsteren Kapitels der Schweizer New-Economy. Pragmatica wird wieder zu einer "normalen" mittelgrossen Beratungsfirma.
Clino Vallone, Grossaktionär und Verwaltungsratspräsident der Pragmatica Holding, hat seine Beteiligung von 49,23 Prozent an die Beteiligungsgellschaft SBFTC (Swiss British Fiduciary Trust Center) verkauft. SBFTC bezahlte gemäss NZZ 2.50 Franken pro Aktie - also den Preis, den die Pragmatica-Aktien vor dem spekulativen Auf und Ab der letzten zwei Wochen hatte.
Die Beteiligungsgesellschaft wird einen "substantiellen Teil" von etwa 30 % der deutschen FloraEcoPower Holding in Pragmatica einbringen und die Holding später umtaufen. Der VR der Pragmatica Holding soll an der nächsten GV mit SBFTC-Leuten umbesetzt werden. FloraEcoPower ist bereits am "Offenen Markt" in Frankfurt kotiert. Die Firma baut in Äthiopien und China Pflanzen an, aus denen Biodiesel hergestellt werden kann und will zudem mit CO2-Zertifikaten handeln.
Die Beratungsfirma Pragmatica behält ihren Namen und führt das angestammte Geschäft weiter. Für Kunden und Mitarbeitende ändere sich nichts, heisst es in einer Medienmitteilung.
Complet-e, Pragmatica als "IBM für KMU", WinOffice und andere Geschichten aus der Vergangenheit
Mit dem Einstieg von SBFTC, der es um die Börsenkotierung von Pragmatica geht, geht ein langes und teilweise komisch-trauriges Stück Schweizer "E-Business"-Geschichte zu Ende.
Es begann mit dem Börsengang des kleinen Software-Herstellers Complet-e im Jahre 1999. Vor dem Börsengang wurden völlig unrealistische Erwartungen geweckt und der Schreibende lernte, dass die Seriösität einer Firma umgekehrt proportional zum "Bhaltis" für Journalisten an der IPO-Pressekonferenz ist. Complet-e konnte die Hoffnungen der gutgläubigen "Investoren" nie erfüllen und geriet rasch in die Krise.
In dieser Situation übernahm Pragmatica im November 2000 unter Clino Vallone und José Mercurio die Firma in einem "reverse takeover". Mit der Börsenkotierung in der Hand wollten die beiden die Firma rasch durch Übernahmen wachsen lassen und sie zu einem Komplettdienstleister für KMU ausbauen ("IBM für KMU"). Doch auch diese Pläne scheiterten und Pragmatica reduzierte sich nach und nach wieder auf einen klassischen IT-Berater.
Die Wege von Mercurio und Vallone trennten sich und das Geschäft mit der in Veruf geratenen Software Complet-e wurde aus Pragmatica herausgelöst. Seitdem wird sie unter dem Namen WinOffice als normale Business-Software für Schweizer KMU vertrieben. Pragmatica trennte sich ebenfalls vom Hardware-Geschäft (Teile der ehemaligen PC-Net AG gingen an Bechtle, das AS/400-Business an Symotech). Auch das Business mit der SAP-KMU-Lösung Business One wurde (an Steffen) abgestossen.
Bio-Diesel statt E-Business
Die Aktionäre scheinen am Bio-Diesel-Geschäft von FloraEcoPower Freude zu haben. Der Börsenkurs von Pragmatica machte heute Freudensprünge. Bis 2011 will die Firma 700'000 Tonnen Bio-Diesel herstellen und vermarkten.
FloraEcoPower ist ein Spin-Off einer weltweit aktiven israelischen Agrarfirma. Im Verwaltungsrat sitzt mit René C. Jäggi (Adidas, FC Basel, 1. FC Kaiserslautern) eine prominente Figur der Schweizer Wirtschaft. (Christoph Hugenschmidt)