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Persönliches:
- Zivilstand: verheiratet
- Kinder: eine Tochter
- Ausbildung: keine
- Wie lange im maxi.mumm: 9 Monate, davon 7 Monate Praktikum
- Wie lange wieder im ersten Arbeitsmarkt: 1,5 Jahre
maxi.mumm: Sie stammen ursprünglich aus China. Schlossen sie dort eine Ausbildung ab?
Herr H.: Nein. Ich ging nur acht Jahre lang in die Schule. Später arbeitete ich im Restaurant meiner Familie, aber nicht in der Küche, sondern als «Chef» (lacht).
maxi.mumm: Warum wollten Sie aus China flüchten?
Herr H.: Mein Vater wurde in China aus politischen Gründen verfolgt und musste ins Gefängnis. Nach zwei Monaten war er tot. Wieso, weiss ich nicht. Auch ich musste ins Gefängnis – eigentlich für acht Jahre. Meine Mutter starb bei der Geburt meines kleinen Bruders, als ich fünf Jahre alt war. Mein Bruder überlebte zwar die Geburt, nach sieben Monaten starb aber auch er. Mein Zwillingsbruder war ebenfalls für ungefähr vier Jahre im Gefängnis.
Nach fünf Jahren war ich wegen den miserablen Haftbedingungen schwer krank. Wir hatten wenig Essen, mussten auf engstem Raum zusammenleben und durften fast nie an die frische Luft. Mein Körper war kaputt. Meine Familie musste dann der Polizei viel Geld zahlen – umgerechnet etwa 10'000 Franken – damit ich überhaupt ins Spital durfte. Später musste sie noch einmal zahlen.
Und dann floh ich aus dem Spital.
maxi.mumm: Wohin?
Herr H.: Nach Hongkong. Wir mussten eine Menge Geld zahlen, damit meine Frau und ich mit dem Schiff dorthin gebracht wurden. Leisten konnten wir uns dies, da wir von meinem Vater viel geerbt hatten. Zudem verkaufte ich noch mein Haus.
Von Hongkong aus ging die Flucht weiter, nach rund einem Monat kamen wir in Italien oder Frankreich an – welches Land es war, weiss ich nicht mehr ganz genau. Dann wurden wir mit dem Auto in die Schweiz gefahren. Damals war ich 38 Jahre alt.
maxi.mumm: Wie ging es in der Schweiz für Sie weiter?
Herr H.: Zu Beginn war ich in verschiedenen Asylheimen, zuletzt acht oder neun Jahre lang im Flüchtlingsheim in Aarwangen. Vom Migrationsamt erhielt ich immer wieder negativen Bescheid: Ich sollte zurück nach China. Ich wehrte mich aber dagegen, schliesslich ist meine Tochter hier geboren und hat auch keinen Ausweis um in China zu leben. Ich habe es also auch meiner Tochter zu verdanken, dass ich schliesslich einen B-Ausweis erhielt.
Sobald ich diesen Ausweis hatte, arbeitete ich zu 50 Prozent im Asylheim. Ich erledigte beispielsweise Gartenarbeiten. Am Nachmittag besuchte ich jeweils einen Deutschkurs. Nach fünf Monaten kam ich dann ins maxi.mumm in den Betrieb «Gastronomie»..
Nachdem ich dort gut gearbeitet hatte, durfte ich kurz darauf in einem Altersheim ein Praktikum in der Küche beginnen und bekam nach sieben Monaten eine Festanstellung.
maxi.mumm: Hatten Sie in China bereits kochen gelernt?
Herr H.: Nein. Ich kochte beispielsweise Peking-Ente zum ersten Mal hier in der Schweiz. Vor meinem Einsatz im maxi.mumm, als ich noch im Asylheim wohnte, hatte ich aber in einem China-Restaurant eines Kollegen ausgeholfen. Ich koche sehr gerne – auch privat. Meine Frau jedoch nicht so. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, muss ich also auch noch für meine Familie kochen (lacht).
maxi.mumm: Wie ist das für Sie, wieder jeden Monat einen Lohn zu bekommen?
Herr H.: Einen grossen Unterschied macht das nicht. Ausgaben für Essen, Miete, Krankenkasse - viel bleibt da bei meinem Lohn nicht übrig. Zudem wurde bei meiner Frau Krebs diagnostiziert. Zum Glück ist es heilbar, aber sie kann nun nicht arbeiten und die Behandlung kostet natürlich auch Geld.
maxi.mumm: Haben Sie noch Kontakt zu Verwandten in China?
Herr H.: Ja, mein Zwillingsbruder lebt beispielsweise noch dort. Letztes Jahr war ich nach längerer Zeit wieder mal dort in den Ferien. Es war schon ein bisschen anders. Nun habe ich auch keine politischen Probleme mehr. Den aktuellen Präsident Xi Jinping finde ich gut.
maxi.mumm: Haben Sie irgendeinen Traum, den Sie sich erfüllen möchten?
Herr H.: In China hatte ich dank meinem reichen Vater ein luxuriöses Leben: viel Geld, ich musste nicht arbeiten, konnte im Restaurant essen... Mittlerweile habe ich eine andere Sicht aufs Leben. Ich will nicht viel Geld, ich brauche nicht jeden Tag ein Mittagessen im Restaurant, ich arbeite gerne. Ich bin zufrieden, wenn meine Familie und ich genug zu essen haben und wir gesund sind. Das, was ich als junger Mann in China hatte, war nicht das richtige Leben.
maxi.mumm: Könnten Sie sich vorstellen, irgendeinmal wieder zurückzugehen nach China?
Herr H.: Ja, vielleicht, wenn ich pensioniert bin. China war schliesslich meine Heimat, bis ich 38 Jahre alt war und es ist immer noch ein bisschen meine Heimat.
In der Schweiz ist es schon sehr anders als in China. Das politische System in der Schweiz ist gut. Ich vermisse aber zum Beispiel das chinesische Essen. Hier ist zudem alles um 21 oder 22 Uhr bereits geschlossen. Dann geht es in China aber erst richtig los: draussen essen, mich mit Kollegen bis in den frühen Morgen unterhalten, … Ich bin in China geboren, ich verstehe diese Welt. Meiner Tochter, die in der Schweiz geboren wurde, hat es aber nicht so gefallen.
Text: Manuela Bohrer