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Mit einer Idee auf der Flucht
Albert Lück, am 20. Oktober 1887 in Wilmersdorf bei Berlin geboren, war Bauingenieur, Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und Reichstagsabgeordneter. Noch vor der Machtübernahme der Nazis wanderte er in die Schweiz aus, wo er 1934 die Bau-Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbau Zürich, die BAU AG, gründete, um Bauarbeiten, Bauaufträge sowie ganze oder Teile von Betrieben zu übernehmen. 1952 erhielt er das Schweizer Bürgerrecht von der Zürcher Gemeinde Erlenbach.
Schneller Erfolg
Die BAU AG, von Albert Lück als Hauptaktionär mit einem Aktienkapital von 30’000 Franken gegründet, genoss in der Baubranche schon bald den Ruf eines erfolgreichen Unternehmens. Als mittelgrosse Firma mit rund 300 Angestellten führte sie Bauarbeiten im Auftrag Dritter aus und agierte schon früh auch als Generalunternehmerin. Ab 1942 baute die BAU AG auch ein eigenes Liegenschaften-Portfolio auf.
Mit Umsicht und Gemeinsinn
Als Idealist setzte sich Albert Lück für soziale Gerechtigkeit ein. Sein Vorbild war der deutsche Physiker und Unternehmer Ernst Abbe, der mit Carl Zeiss die Grundlagen der modernen Optik schuf und schliesslich als Alleininhaber der Firma Carl Zeiss sein sozialpolitisches Engagement im Kampf gegen das Ungleichgewicht zwischen Arbeitgeber und -nehmer demonstrierte.
So behielt Albert Lück neben seinem Geschäft stets auch seine ideellen Werte im Auge. Erstens setzte er sich für das Wohl seiner Mitarbeitenden ein: mit einer Altersparkasse, mit Fürsorgefonds, Erfolgsbeteiligungen und Mitsprache im Betriebsausschuss. Zweitens engagierte er sich für die Förderung des Bauwesens: Er rief die Albert Lück-Stiftung ins Leben, der er die Aktien der BAU AG übertrug. Mit dem Eintrag ins Handelsregister am 18.12.1957 wurde die Stiftung angewiesen, die BAU AG zu führen, den Mitarbeitern Sorge zu tragen und das Bauwesen an der ETH Zürich zu unterstützen. Drittens förderte er den sozialen Wohnungsbau für eine breitere Bevölkerungsschicht.
Zu seinem 80. Geburtstag wurde sein Lebenswerk mit Attributen wie Gewissenhaftigkeit, Ordnungsliebe, Qualitätskontrolle, soziale Aufgeschlossenheit und persönliche Bescheidenheit gewürdigt. Er starb am 17. Februar 1974 in Erlenbach.
Krise als Prüfstein
Unternehmerische Fehlentscheidungen brachten die BAU AG 1997 an den Rand des Konkurses. Der neu eingesetzte Verwaltungsrat beschloss Sanierungsmassnahmen, die in den folgenden zehn Jahren umgesetzt wurden – mit Erfolg: Ende 2006 war die Ertragssituation wieder stabil und eine Gewinnausschüttung wieder möglich. Vor diesem Hintergrund entschied die Alleinaktionärin, die Albert Lück-Stiftung, Unternehmen und Stiftung per 1.1.2007 zusammenzuführen; das Vermögen der BAU AG wurde an die Stiftung übertragen, danach wurde die Aktiengesellschaft liquidiert.
Bauobjekte, die man heute noch kennt
Als Generalunternehmen erstellte die BAU AG in der ganzen Schweiz Wohnbauten. Daneben engagierte sich das Baugeschäft bei Bauten der öffentlichen Hand, mehrheitlich in der Region Zürich: Industriebauten, Schulhäuser, Kirchen, Alters- und Krankenheime, Bürohäuser. Manche dieser Bauten sind auch heute noch vielen ein Begriff wie zum Beispiel:
Die 1951/52 erstellten Hochhäuser am Letzigraben. Architekt war der damalige Stadtbaumeister und spätere Professor an der ETH Zürich, Albert Heinrich Steiner. Die Baumeisterarbeiten wurden von der BAU AG ausgeführt, wobei als Besonderheit für das Mauerwerk Vibrosteine verwendet wurden.
Kunstgewerbeschule in Zürich, für das Hochbauamt Zürich in den Jahren 1974-1977 erstellt; Architekt Eduart Del Fabro, Zürich.
Der erste Kirchenbau: Die katholische Kirche St. Peter in Rümlang, gebaut von 1969-1970; Bauherrschaft kath. Kirchgemeinde Rümlang, Architekt: Bernhard Weis, Rümlang.
In den Jahren 1957/58 wurden in Untervaz für die Holderbank-Zementwerke sechs Rohmehlsilos und ein Vorratssilo erstellt. Als Schalung für die Silos wurde eine Gleitschalung der Firma Bangerter in Lyss verwendet.
Der über lange Zeit grösste je erhaltene Baumeisterauftrag: Bauten auf dem Hönggerberg für die Physik, die Molekularbiologie und die Infrastruktur der ETH Zürich-Hönggerberg, die in den Jahren 1961-1984 erstellt wurden. Bauherr war das Amt für Bundebauten in Bern, vertreten durch die Baukreisdirektion in Zürich.
Richtstrahlstation Albis-Felsenegg 1960/61: Der Richtstrahlturm besteht aus 15 bis 18 cm starken doppelarmierten Betonwänden, was bei einer Geschosshöhe von rund fünf Metern an die Betonier-Equipe hohe Ansprüche stellte.
Milchbucktunnel Südportal, Zürich 1979-1983