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Absolut berauschendes Spiel, absolut beeindruckender Spieler und Mensch.
Keine Frage: Carlos Alcaraz ist der Mann der Stunde auf der ATP-Tour. Der 19-jährige Spanier holte sich in beeindruckender Manier den Titel beim Masters-1000-Turnier in Madrid. Es ist bereits sein fünfter Turniersieg, der vierte in diesem Jahr und der zweite bei einem Turnier der 1000er-Klasse.
Der 6:3, 6:1-Erfolg gegen Alexander Zverev war der 28. Sieg von Alcaraz in diesem Kalenderjahr – kein anderer Spieler hat öfter gewonnen. Ab heute Montag wird «Carlitos», wie er gerne genannt werden möchte, deshalb bereits als Nummer 6 der Weltrangliste geführt. Vor einem Jahr lag er noch auf Position 120. In der Jahreswertung belegt er Rang 2, nur Australian-Open-Sieger Rafael Nadal liegt noch hauchdünn vor ihm.
«Junge, im Moment bist du der beste Spieler der Welt», fasste Zverev nach der knapp einstündigen Machtdemonstration seines Gegners das zusammen, was momentan alle denken, und flüchtete sich danach in Galgenhumor: «Du bist zwar erst fünf Jahre alt, dennoch schlägst du uns alle der Reihe nach, wie du gerade willst.»
Die neuste Tennis-Sensation krönte sich nicht nur zum jüngsten Sieger in Madrid, sondern machte sich gleichzeitig zum ersten Spieler seit dem Argentinier David Nalbandian im Jahr 2007, der bei einem Masters-1000-Turnier drei Spieler aus den Top 4 der Weltrangliste bezwang.
Vor der Weltnummer 3 Zverev schaltete Alcaraz als erster Spieler überhaupt an einem Masters-1000-Turnier nacheinander Rafael Nadal (ATP 4) und Novak Djokovic (ATP 1) in beeindruckender Manier aus. Kein Wunder, gilt der Teenager aus Murcia nach seinen Titeln in Barcelona und Madrid mittlerweile als Topfavorit für das French Open.
Alcaraz überzeugte in Madrid vorwiegend mit seiner variantenreichen Spielweise und seinen explosiven Grundschlägen. Immer wieder streute er Stoppbälle ein, stiess oft ans Netz vor, um seinen Gegnern dann wieder eine Vorhand mit 160 km/h um die Ohren zuschlagen. Auch mental wirkt der Spanier schon extrem reif. «Dass jemand in seinem Alter so souverän, so mutig, so entschlossen spielt, ist bemerkenswert», lobte Djokovic. «Er kann alles erreichen», glaubt Nadal.
Ein unbändiger Kampfgeist, die Vorhand als stärkste Waffe, grosse Erfolge bereits im Teenager-Alter – die Parallelen zu Nadal sind unübersehbar. Auch ein besonderes Ritual hat sich Alcaraz schon zugelegt: Vor jedem Match hört sich der junge Spanier den Soundtrack zur berühmten Rocky-Filmreihe an. «Das motiviert mich. Wenn ich diese Musik höre, erinnere ich mich an den Film und an den grossartigen Kampfgeist von Rocky. Diese Erfahrung versuche ich in jede Partie mitzunehmen», verriet der Tennis-Shootingstar nach seinem Triumph in Barcelona.
Doch Alcaraz' Coach Juan-Carlos Ferrero, einst selbst French-Open-Sieger und die Nummer 1 der Welt, hört die ständigen Nadal-Vergleiche nicht gerne und drückte bei seinem Schützling deshalb auf die Euphorie-Bremse. «Er will, dass ich mich auf mich fokussiere, auf Carlos Alcaraz, und nicht versuche, jemand anderes zu sein. Dieser Rat hat mir sehr geholfen», verriet der Mann der Stunde zuletzt. So ganz wegdiskutieren lassen sich die Parallelen aber freilich nicht. Denn auch neben dem Platz sind sich Alcaraz und Nadal ziemlich ähnlich. Grundsätzlich voller Selbstbewusstsein und dennoch stets bescheiden.
Angesprochen auf seinen aktuellen Lauf legte Alcaraz seine Zurückhaltung nach dem Turniersieg in Madrid aber für einmal ab. «Klar hoffe ich, dass nun alle Angst vor mir haben», sagte er mit einem Lächeln bei Eurosport. «Der Sieg gibt mir eine Menge Selbstvertrauen für die kommenden Turniere. Momentan sehe ich keine Grenzen für mich. Ich fühle mich bereits für die Topspieler in jedem Turnier, in jedem Match, auf jedem Belag.»
Was für eine Kampfansage! Beim Masters-1000-Turnier in Rom wird Alcaraz allerdings nicht angreifen. Sein Team hat beschlossen, ihm vor den French Open eine Pause zu gönnen, bevor er in Paris dann nach seinem ersten Major-Titel greift. Natürlich würde der Spanier im Falle der Fälle einmal mehr in die Fussstapfen von Rafael Nadal treten. Schon der noch amtierende Sand-König gewann 2005 in Paris nach einem ähnlich kometenhaften Aufstieg mit 19 seine erste Grand-Slam-Trophäe.
In Bad Ragaz, wo sich die Schweizer Nationalmannschaft im vergangenen Jahr auf die EM vorbereitet hatte, trafen am Donnerstagmittag die aufgebotenen Spieler zum langen Zusammenzug ein.