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Bis zur Draupner-Welle 1995 glaubte man noch nicht mal an Wellen auf offener See, die höher als um die 15m werden. Physik und so.
Am 17. November 2020 peitschte ein Sturm im Pazifik vor Vancouver Island (Kanada) die See zu rund sechs Meter hohen Wellen auf – nichts Besonderes in dieser Region. Doch dann kam plötzlich eine einzige viel höhere Welle, eine sogenannte Monsterwelle. Wir wissen es, weil eine Boje, die sieben Kilometer vor dem Küstenort Ucluelet verankert war, von der Wasserwand um 17,6 Meter nach oben getragen wurde. Das entspricht beinahe der dreifachen Höhe der anderen Wellen und ist damit Rekord.
Die Ucluelet-Welle, deren wissenschaftliche Auswertung vor rund einem Jahr im Fachmagazin «Scientific Reports» veröffentlicht wurde, ist nicht die höchste jemals gemessene Welle, sondern die höchste bisher bekannte Extremwelle im Verhältnis zum umgebenden Seegang. Die höchste durch eine Boje ermittelte Welle wurde am 8. September 2019 vor der Küste Neufundlands in Kanada während des Hurrikans Dorian gemessen: Sie erreichte 30,7 Meter. Der Unterschied zu anderen Wellen war hier aber bedeutend geringer; mehrere davon waren etwa 25 Meter hoch.
Während «Monsterwelle» in der Umgangssprache einfach eine sehr hohe Welle bezeichnet, ist sie für Ozeanografen – die eher von «Extremwellen» sprechen und auch die englischen Begriffe «Freak wave» oder «Rogue wave» verwenden – genauer definiert: Damit eine Welle eine Monsterwelle ist, muss sie die sogenannte signifikante Wellenhöhe (Hs) um das 2,2-fache überschreiten. Die signifikante Wellenhöhe ist ein Durchschnittswert, der über einen bestimmten Zeitraum – meist 20 Minuten – ermittelt wird, wobei nur die Werte eines Drittels der Wellen zur Berechnung herangezogen werden, und zwar des höchsten Drittels. Die höchste bisher gemessene signifikante Wellenhöhe liegt bei exakt 19 Metern, sie wurde im Nordatlantik zwischen Island und Grossbritannien gemessen.
Monsterwelle ist nicht gleich Monsterwelle. Die Ozeanografen unterscheiden drei verschiedene Typen:
Monsterwellen, die anscheinend aus dem Nichts entstehen, galten lange Zeit als Seemannsgarn. Es gab jedoch Indizien, dass sie tatsächlich existieren. So verschwand beispielsweise der moderne, 261 Meter lange Frachter «München» 1978 mit 28 Mann Besatzung im Nordatlantik – beinahe spurlos. Doch ein leeres Rettungsboot, das gefunden wurde, zeigte Spuren einer massiven Kraft, die seine Aufhängung verformt hatte. Das Boot war augenscheinlich von einer Welle getroffen worden, während es noch am Schiff hing – in 20 Metern Höhe. 1982 sank die damals grösste Bohrinsel «Ocean Ranger», die als unsinkbar galt. Alle 84 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Auch hier wird als Ursache eine Monsterwelle vermutet.
Den definitiven Beweis lieferte dann am Neujahrstag 1995 die sogenannte Draupner-Welle. Sie ist nach der Ölbohrplattform «Draupner E» benannt, die sich etwa 160 Kilometer südwestlich der Südspitze Norwegens in der Nordsee befindet. Die Plattform war mit – für die damalige Zeit – modernen Messinstrumenten zur Ermittlung der Wellenhöhe ausgestattet. Während Stunden betrug die dort gemessene signifikante Wellenhöhe etwa 12 Meter, doch eine einzelne Welle erreichte 25,6 Meter – mehr als die doppelte signifikante Wellenhöhe. Schäden an der Bohrinsel in entsprechender Höhe zeigten zweifelsfrei, dass es sich nicht um einen Messfehler handeln konnte.
Einen weiteren Beweis lieferte noch im selben Jahr die «Queen Elizabeth 2». Der britische Luxusliner, der auf dem Weg von Cherbourg nach New York war, wurde am 11. September über der Neufundlandbank von einer 33 Meter hohen Monsterwelle getroffen. «Es sah aus, als steuerten wir auf die weissen Kliffs von Dover zu», erinnerte sich Kapitän Ronald Warwick, der sagte, er habe in seinem ganzen Leben noch nie eine so hohe Welle gesehen. Die Welle zerschlug die Fenster des 22 Meter über dem Wasser liegenden grossen Salons. Das 293,5 Meter lange und 32 Meter breite Schiff überstand den Aufprall der Wasserwand und blieb fahrtüchtig, war aber schwer beschädigt und musste generalüberholt werden.
Danach begann die wissenschaftliche Erforschung des Phänomens, und seither hat man mehrere dieser gewaltigen Wellen registriert. Sie entwickeln zerstörerische Kräfte: Wenn eine Welle bricht und das Wasser auf ein Schiffsdeck stürzt, wiegt jeder Kubikmeter eine Tonne. Es ist dann so, als ob mehrere Kleinwagen zugleich auf das Schiffsdeck aufprallen. Jedes Jahr gehen im Schnitt schätzungsweise zehn Schiffe der 200-Meter-Klasse durch Seeschlag verloren, einige davon höchstwahrscheinlich aufgrund einer Monsterwelle.
Wie aber entstehen solche Monsterwellen? Ozeanografen haben verschiedene Modelle zur Erklärung von Extremwellen entwickelt:
Die Bedrohung der Schifffahrt durch Monsterwellen könnte sich in Zukunft noch akzentuieren: Mehrere neuere Studien kommen zum Schluss, dass die Klimaerwärmung, die dem Wettersystem mehr Energie zuführt, zu höheren Wellen führen wird. Die Monsterwelle von Ucluelet könnte ihren Rang als Rekordhalter womöglich bald einbüssen.
Die Gemeinde Buchholterberg liegt auf einem sonnigen Hügelzug nordöstlich von Thun und gehört zur Grenzregion zwischen dem Berner Oberland und dem Emmental. Die von der Landwirtschaft geprägte Gemeinde besteht aus verschiedenen Weilern und dem Dorf Heimenschwand.