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«Folio» kommt vom lateinischen in folio, «auf einem Blatt». Im Format namens «Folio» spiegelt sich die ganze Geschichte des Schreibens: Das Folioformat entsteht, wenn man einen Bogen einmal faltet und damit – «auf einem Blatt» – vier beschreibbare Seiten erhält. Wie gross dieses Blatt sein sollte, war im frühen Mittelalter recht beliebig. Geschrieben wurde mit Gänsekiel auf Pergament, das aus der Haut eines Kalbs, einer Ziege oder eines Schafs hergestellt wurde. «Folio» richtete sich ganz pragmatisch nach der Grösse des Tiers, dem man die Haut abgezogen hatte.
Das änderte sich mit der Verbreitung des Papiers – und ganz besonders im 15. Jahrhundert mit Johannes Gutenberg: Mit den ersten gedruckten Büchern, die man Inkunabeln nannte, wurde «Folio» zum Begriff für Bände mit einer Rückenhöhe von 32 bis 35 Zentimetern. Die Längenmasse aber waren oft von Stadt zu Stadt verschieden. Dazu kamen die unterschiedlichen Formate: Ein Bogen liess sich nämlich nicht nur einmal, sondern auch mehrmals falten – zweimal zum sogenannten Quartformat, oder dreimal zum Oktavformat. So entstanden aus einem Bogen gleich 8 oder gar 16 Seiten.
Die Vielfalt der Formate hatte einen gewichtigen Nachteil: Ordnete man die Bücher nach Autor oder Inhalt und nicht nach ihrer Grösse, ergab sich auf den Regalen ein wildes Durcheinander, und der knappe Raum in den Gestellen wurde denkbar schlecht genutzt. Preussische Bestrebungen im 19. Jahrhundert, die Buchformate zu normieren, blieben wenig erfolgreich, und heute werden bei der Katalogisierung ganz einfach Seitenzahl und Buchhöhe erfasst. Überlebt hat das Folioformat trotzdem: im Wort «Foliant» – für einen dicken Wälzer.