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Die Kleidung des Mittelalters fasziniert Historiker, Reenactor und Besucher von Mittelaltermärkten oder LARP's gleichermassen. Doch was Wissen wir wirklich darüber, was Frauen und Männer im Mittelalter trugen? Wie und aus welchen Stoffen wurden mittelalterliche Kleider hergestellt und warum gab es Kleiderordnungen? Antworten auf diese Fragen in diesem Blogbeitrag.
Gibt es die Kleidung des Mittelalters?
Die kurze Antwort lautet, nein! Zuerst muss definiert werden, von welcher Epoche des Mittelalters wir sprechen. Dann muss geklärt werden von welcher Kultur und welcher geografischen Gegend wir sprechen. So unterschied sich beispielsweise die Kleidung des Frühmittelalters im hohen Norden deutlich von jener am Mittelmeer. Gleichwohl wurde die Kleidung des Mittelalters stets mehr durch die Religionen, welche die Völker verband, als durch die einzelnen Länder, geprägt.
In unserem Blogbeitrag beleuchten wir das europäische Mittelalter von der Epoche des Frühmittelalters über das Hochmittelalter bis zum Spätmittelalter.
Was wissen wir über die Kleider des Mittelalters?
Es gibt Funde von Teilen mittelalterlicher Kleidung, welche trotz der vielen Jahrhunderte erstaunlich gut erhalten geblieben sind. Allerdings sind diese Funde nur von geringer Zahl. Unser Wissen über die Kleider des Mittelalter stützen sich hauptsächlich auf schriftliche und insbesondere bildliche Quellen. Die meisten Abbildungen zeigen Personen mit höherem Status in der Gesellschaft. Personen von geringerem Stand sind leider weniger häufig auf Abbildungen zu finden. Dadurch ist auch unser Wissen über die Kleidung einfacherer Bevölkerungsschichten des Mittelalters geringer, als unser Wissen über die Gewandungen des Adels.
Ein grosser Fund mittelalterlicher Textilien und Materialien zur Herstellung von Kleidung stammt aus Deutschland. Genauer gesagt aus der Innenstadt von Wiesloch. Die Funde datieren auf das späte 11. bis frühe 12. Jahrhundert. Gefunden wurden Reste von rund 150 Geweben aus Wolle, Filzen und Garnen. Bei den Fundstücken handelt es sich weitestgehend um mittlere und grobe Gewebe, die in Tuch- oder Köperbindung hergestellt wurden. Zudem wurden Garne, Zwirne, ein Band aus Seide sowie Gewebe aus pflanzlichen Fasern gefunden. Die meisten aus Flachs oder Leinen.
Eine weitere Informationsquelle für die Kleidung des Mittelalters sind die sogenannter Kleiderordnungen. Diese beinhalten Regelungen die jedem gesellschaftlichen Stand eine angemessene Kleidung vorschrieben.
Die erste Kleiderordnung wurde vermutlich von Karl dem Grossen im Jahre 808 n.Chr. erlassen.
Weitere belegte Kleiderordnungen stammen aus dem Jahr 1180 n.Chr. aus Frankreich und 1350 n.Chr. aus Deutschland. Die Vorschriften hatten den Zweck, den Adel klar vom einfachen Volke zu unterscheiden sowie die hohen moralischen Anforderungen der oberen Schichten beim einfachen Volke durchzusetzen. Teilweise gingen die Kleiderordnungen sehr weit. So schreibt beispielsweise der Rat von St. Gallen vor, wer Röcke aus Seide tragen darf und wie lange Schuhspitzen sein dürfen.
Die relativ spärlichen Informationen zur Kleidung des Mittelalters steht im Gegensatz zur hohen wirtschaftlichen Bedeutung. Die Herstellung von Kleidungsstücken war im Mittelalter einer der bedeutensten Produktionszweige. Mancherlei Berufshandwerke waren rund um die Herstellung der Kleidung involviert.
Welchen Zweck hatte die Kleidung des Mittelalters?
Hier sollten wir ein erstes Mal eine grobe Unterteilung vornehmen. Nämlich die Unterteilung in die Kleidung des einfachen Volkes und des Adels. Ein Kleid einer Bäuerin oder eines Leibeigenen musste einen anderen Zweck erfüllen als das Gewand einer adeligen Dame oder eines Hofherrn. Der gemeinsame Zweck der Kleidung für beide Stände kann in drei Gruppen unterteilt werden. Erstens der Schutz vor Witterungseinflüssen wie Sonne, Regen und Kälte. Zweitens die Bedeckung bestimmter Körperteile zur Wahrung der Schicklichkeit. Und drittens diente die Kleidung an sich als sichtbarer Ausdruck des Standes und des Rangs des Trägers oder der Trägerin in der Gesellschaft. Nicht umsonst ist ein Sprichwort aus dem Mittelalter noch Heute in unserem Sprachgebrauch zu finden.
Kleider machen Leute.
Die Kleidung der einfachen Stände musste vor allem bequem zu tragen und robust sein. Zudem durfte sie während der harten Arbeit nicht stören. Die Kleider der gehobenen Stände dienten, neben der Abgrenzung zu den einfachen Ständen, auch der äusseren Wahrnehmung des Wohlstandes des Trägers oder der Trägerin.
Unterscheidungen der mittelalterlichen Kleidung nach Stand
Im Frühmittelalter unterschied sich die Kleidung der adeligen Bevölkerung fast nur durch die verwendeten Materialien, die Farben und die Verzierungen der Kleidung von jenen der einfachen Bevölkerung. Im Hoch- und Spätmittelalter kamen weitere Differenzierungsmerkmale wie die Kombination von Stoffen, die Färbung sowie der Schnitt der Kleidung hinzu. Durch diese Merkmale konnte der Stand des Trägers oder der Trägerin bereits von weitem anhand der Kleidung erkannt werden. Um diesen Unterscheidungsstatus aufrecht zu erhalten wurden im Mittelalter immer wieder sogenannte Kleiderordnungen erlassen. Mehr über die Kleiderordnungen findet Ihr im Abschnitt "Was wissen wir über die Kleider des Mittelalters".
Wie wurde Kleidung im Mittelalter hergestellt?
Vor allem in den ländlichen Gebieten des Mittelalters war die Herstellung von Kleidung ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Arbeit. Die Herstellung der Kleider war meistens Frauensache. Ausnahmen waren bestimmte Aufbereitungsprozesse wie beispielsweise das Brechen von Flachs, bei dem Männer halfen. Dadurch befanden sich die Produktionsstätten der mittelalterlichen Kleidung meistens im häuslichen Umfeld. Erst im Hochmittelalter bildeten sich in den Städten erste Zünfte der Schneider, Schuhmacher und Hutmacher. Diese fertigten Kleider auf Anfrage und auf Mass der Trägerin oder des Trägers an. Im Mittelalter war jedes Kleidungsstück ein Einzelstück. Massenfertigung gab es damals noch nicht.
Zur Herstellung der Kleidungsstücke waren meistens mehrere Arbeitsschritte notwendig. Aus den Fasern wurden Stoffe gesponnen und zu einem groben Stoff verarbeitet. Wolle von Schafen oder Kaninchen wurden erst vorbereitet, gewaschen und verspinnt um anschliessens daraus ein Kleidungsstück zu weben. Die gewebten Stoffe mussten oft aufwendig geklopft und gewalkt werden. Tretwebstühle, die das Weben von Hand einfacher machten, wurden erst im 11. Jahrhundert erfunden.
Hergestellte Kleidung und Tuche zählten im Mittelalter oft zu den Abgaben, welche das einfache Volk an den Adel und den Klerus zu entrichten hatte.
Welche Materialien wurden für die Kleides des Mittelalters verwendet?
Unabhängig vom Stand des Trägers oder der Trägerin waren Leinen und Wolle die meistverwendeten Stoffe zur Herstellung der Kleider des Mittelalters. Für die Herstellung der Unterbekleidung wurde zumeist Leinen und für die Oberbekleidung Wolle verwendet. Als weitere Stoffe für die Fertigung kamen Baumwolle, Hanf, Barchent (Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen), Nessel (aus den Fasern der Brennnessel hergestelltes Gewebe) oder Seide zum Einsatz.
Die Materialien für die Herstellung von Kleidungsstücken des einfachen Volkes stammten vielfach aus eigenem Anbau. Die Kleidungsstücke des Adels wurden vielfach mit kostbaren Stoffen aus fernen Ländern ergänzt. Auch die Kreuzritter brachten auf dem Rückweg Stoffe mit, die sie dann in den Städten verkaufte. Meistens wurden die Stoffe in Ballen transportiert und dann in den jeweiligen Städten zum dort üblichen Masse verkauft. Baumwolle kam aus dem Orient nach Europa und galt lange als besonders feiner Stoff. Lediglich Seide war ein noch teurerer Stoff als Baumwolle.
Welche Farben hatten die Kleider des Mittelalters?
Die Farbe der Kleidung spielte im Mittelalter eine grosse Rolle. Sie unterlag einer gewissen Symbolik und ganze Berufsgruppen waren in bestimmten Farben gekleidet. Generell galten bunte Kleider als schick und oft waren diese aus verschiedenen farbigen Stoffen zusammengesetzt. Es gilt allerdings feszuhalten, dass nur die oberen Schichten der Gesellschaft sich farbige Kleidung leisten konnte. Die Kleidung des einfacheren Volkes war meistens Natur- oder Erdfarben. Dies weil die natürlichen Farben der verwendeten Materialien für Wolle schwarz, braun, grau und weiss und für Flachs- und Hanf-Stoffe grau waren. Die Kleider erhielten ihre Farbe entweder durch Färben des ganzen Kleidungsstückes oder durch Färben des Fadens selbst. Aus den farbigen Fäden konnten dann farbige Kleider hergestellt werden. Die Methode des Färbens ist sehr alt. In germanischen Siedlungen aus dem Jahre 3000 v.Chr. wurden Materialien gefunden um Kleidungsstücke zu färben.
Die Farben zum Einfärben der Kleider oder der Stoffe wurden auf unterschiedliche Weise gewonnen. Vielfach aus Pflanzenteilen wie beispielsweise den Wurzeln der Färberröte. Oder auch aus exotischen Gewürzen wie Safran. Auch seltsame Materialien wie zerriebene Edelsteine oder das Sekret von Schneckendrüsen wurden verwendet. Mit diesem Sekret konnte die Kleidung in das seltene und wertvolle Purpur eingefärbt werden. Die meisten Färbstoffe wurden zuerst gereinigt, getrocknet und bei Bedarf gemahlen. Anschliessend in einem grossen Kessel mit Wasser aufgekocht und dann das Kleidungsstück oder der Faden mit der sogenannten Küpe oder Flotte gefärbt.
Wie Eingangs erwähnt hatte die Farbe der Kleidung oft auch symbolischen Charakter. Fahles und blasses Gelb oder Gelbgrün war das Zeichen sozial abgeschnittener. Huren erkannte man oft an gelben Hauben oder Bändern. Das Goldgelbe symbolisierte die Sonne und das Göttliche und war dem Adel vorbehalten. Die Farbe der Liebe war im Mittelalter das Grün. Rot war die Farbe des Blutes und wurde zeitgleich als Farbe des Teufels angesehen. Nicht ohne Grund galten Frauen mit roten Haaren viele Jahrhunderte als Hexen. Eine sehr edle Farbe war das Purpur während Blau die Farbe des Himmels, des Gottes, der Keuschheit und der Treue symbolisierte. Die Grundfarbe Weiss bedeutete Unschuld und Reinheit und Schwarz stand für Trauer, Tod und die Nacht.