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Tarquino Provini 1933 - 2005
Tarquinio Provini wurde am 29.05.1933 in Roveleto di Piacenza als Sohn eines Motorrad-Händlers geboren. Sein Vater förderte die Motorrad-Leidenschaft seines Sohnes nach Kräften, und so besaß Tarquinio schon im Alter von nur 10 Jahren sein erstes eigenes Leichtmotorrad.
Er konnte es kaum abwarten, endlich in den Sattel eines Rennmotorrades zu steigen, und so begann er seine Racer-Karriere bereits im Alter von nur 16 Jahren. Natürlich konnte er damals in dem Alter noch keine Renn-Lizenz beantragen, und so wurde dieses Problem in der Familie gelöst: Sein Onkel Cesare hatte eine Lizenz, und im Lizenz-Formular wurde einfach sein Passfoto durch eines von Tarquinio ersetzt, und schon stand dessen Renn-Leidenschaft nichts mehr im Weg. Es dauerte nicht lange, und „Cesare“ Provini hatte seine ersten lokalen Meisterschaften gewonnen.
Papa Provini war befreundet mit Peppino Boselli aus der Familie, die die damals im Rennsport sehr erfolgreiche Marke MONDIAL besaß. Daher war es klar, auf welcher Marke er seine Karriere begann, und er blieb ihr treu, bis MONDIAL sich nach der Saison 1957 vom Rennsport zurückzog.
Bis 1953 hat er sich im nationalen italienischen Rennsport etabliert, und wer weiß, wie stark besetzt die damalige Szene dort war, kann einschätzen, wie sich Tarquinio dort durchbeißen musste. Damals entwickelt er seinen unwiderstehlichen Stil, der ihn zum gefürchteten Konkurrenten bei seinen Wettbewerbern machte.
Natürlich tritt er in dieser Zeit auch bei den populären Langstrecken-Rennen an, und nach einem zweiten Platz bei den 125ern bei Milano – Taranto, nur geschlagen von Leopoldo Tartarini auf der Benelli, gewinnt er 1954 den Motogiro. Mitten in dieser Saison erhält er endlich die lang ersehnte internationale Lizenz, und er fällt sofort durch seine Klasse bei den Grand Prix auf. In Monza steht er zum ersten Mal auf dem Podium als zweiter bei den 125ern, und beim letzten 125er GP der Saison in Barcelona gewinnt er seinen ersten GP, wobei beide Erfolge natürlich begünstigt wurden durch den Rückzug der Rennföxe nach dem Unfall von Rupert Hollaus.
In den Folgejahren steht MONDIAL im Schatten der MVs, und so konzentriert sich Tarquinio auf die nationale Szene, wo es ihm gelingt, vier italienische Meisterschaften in den Jahren von 1955 bis 1957 zu gewinnen. Allerdings gelangte die lombardische Marke 1957 zurück an die Welt-Spitze, und das nun nicht nur bei den 125ern, sondern auch bei den 250ern. So wurde 1957 zum besten Jahr von Tarquinio’s Karriere, denn er konnte zu den zwei italienischen Meisterschaften (125 und 250) noch den ersten seiner zwei WM-Titel hinzufügen, und zwar in der 125er Klasse.
MONDIAL musste wie einige weitere italienische Marken sich am Ende der Saison 1957 aus finanziellen Gründen vom internationalen Rennsport zurückziehen, so dass sich Tarquinio einen neuen Rennstall suchen musste für die Fortsetzung seiner Karriere, und so akzeptierte er ein Angebot von Conte Domenico Agusta, die WM in den Klassen 125 und 250 auf MVs zu bestreiten. Der Conte wollte sicherlich Tarqinio’s Karriere keinesfalls fördern, er wollte nur nicht gegen ihn konkurrieren, wenn Tarquinio ein Angebot einer anderen Marke akzeptiert hätte. Für Tarquinio selbst war es auch keine einfache Situation, denn er kam nun in den Rennstall, der praktische alle Asse unter Vertrag hatte, und gegen die musste er sich nun auf der Piste durchsetzen. Es gelang ihm glänzend, denn er konnte 1958 den 250er WM-Titel erobern, aber 1959 gingen die beiden Titel in den kleinen Klassen wieder an Carletto Ubbiali, und Tarquinio ging leer aus. Immerhin konnte er einen Doppelsieg auf der Isle of Man erringen, nachdem er in den zwei Jahren zuvor jeweils einen Sieg bei der TT landen konnte.
Die interne Rivalität im MV-Rennstall führte aber zu einer in der Öffentlichkeit ausgetragenen „Krieg“ zwischen Ubbiali und Provini, so dass Tarquinio nach der Saison 1959 die Konsequenzen zog und zu Morini wechselte, mit dem festen Vorsatz, die MVs in der 250er Klasse zu besiegen. Die Morini war in dieser Zeit bereits sehr konkurrenzfähig, obwohl sie erst einige Jahre später den Zenit ihrer Entwicklung erreichen sollte.
Beim ersten Rennen der Saison 1960, der TT, wird er allerdings nur Dritter hinter den MVs von Ubbiali und Hocking, und in Spa stürzt er zum ersten Mal schwer, so dass er die Saison nur auf Platz 9 bei den 250ern beendet.
1961 ist er wieder mit der schnellen Bologneser Monocilindrica am Start, doch es sind nun nicht mehr die MVs, die es zu schlagen gilt bei den 250ern, denn der Honda Vierzylinder trat in dem Jahr seinen Siegeszug an. Für Tarquinio blieb nur Platz 6 am Ende der Saison, und im Folgejahr kann er immerhin einmal in Monza in die Honda-Phalanx einbrechen und Platz zwei erringen. Der fünfte Platz in der Endabrechnung des Jahres konnte seinen Ehrgeiz natürlich überhaupt nicht befriedigen.
1963 beginnt die Saison dann mit zwei Paukenschlägen, als Tarquinio nicht nur den ersten GP in Barcelona auf dem winkligen Montjuich-Kurs gewinnt, wo man eine starke Leistung der handlichen Morini erwarten konnte. Er schlägt die Hondas dann aber auch auf dem ultraschnellen Hockenheimer Kurs. Am Jahresende fehlen ihm nur zwei Punkte zum ersehnten dritten WM-Titel, und es wurde seitdem viel spekuliert, warum der Titel verpasst wurde. Oft hörte man, dass der versäumte Start am Sachsenring dafür verantwortlich war, aber es darf bezweifelt werden, ob er dort in den Kampf zwischen Mike Hailwood/MZ und Jim Redman/Honda hätte eingreifen können. Außerdem nahmen die beiden MZs von Hailwood und Shepherd der Honda von Jim Redman wichtige Punkte weg, wodurch der Kampf um den Titel länger offen blieb. Fest steht jedenfalls, dass sich Tarquinio spätestens 1963 durch seinen heldenhaften Kampf gegen die technisch überlegene Kombination Redman/Honda in die MOTORCYCLE HALL of FAME gefahren hat. Schließlich wird diese Saison unter den Fans heute immer noch diskutiert.
Tarquinio ist am Ende der Saison jedoch überzeugt, dass die Hondas mit einem Einzylinder, und sei es auch der schnellste der Welt wie die Morini, nicht mehr zu schlagen seien, und so wechselt er zu Benelli, weil er sich mit dem Vierzylinder aus Pesaro bessere Chancen ausrechnet. Die Saison 1964 beginnt gut für ihn, denn die Hondas lassen den ersten GP in Daytona aus, wo Alan Shepherd mit der MZ überraschend den Sieg holt. In Barcelona kann er seinen Vorjahres-Triumph wiederholen, aber im Rest der Saison steht er keineswegs im Mittelpunkt, denn die Saison ist geprägt vom Duell Honda/Yamaha, wobei sich mit dem großartigen Phil Read im Sattel zum ersten Mal ein Zweitakter die 250er WM-Krone holt.
Tarquinio Provini gibt trotzdem nicht auf und setzt seine Rennsport-Karriere fort, doch er kann nie mehr entscheidend in den WM-Kampf eingreifen. 1965 kann er noch einmal in Monza gewinnen, aber der Titelkampf war längst erneut zugunsten der Yamaha mit Phil Read entschieden, dem eine überzeugende Titelverteidigung gelang.
Trotzdem trat Tarquinio auch 1966 wieder mit der Benelli an, jedoch beendete ein grauenhafter Sturz beim TT-Training am 25. August (die TT fand in dem Jahr ausnahmsweise im Spätsommer statt, nach dem Ulster GP) seine Karriere. Seine Wirbelsäule war ernsthaft verletzt, so dass die Ärzte ihn komplett eingipsten, um ihn damit nach einem zweiwöchigen Zwangsaufenthalt auf der Ilse of Man transportfähig zu machen.
Natürlich dachte er daran, seine Karriere fortzusetzen, aber er fand sich dann doch damit ab, den Helm an den Nagel zu hängen.
Er hat sich später einige Male in Interviews zu dem Unfall geäußert, und er hat nie dem sicherlich gefährlichen Kurs die Schuld gegeben. Als er genügend Abstand gefunden hatte, pflegte er zu scherzen, dass unmittelbar vor dem Sturz eine Manx-Katze über die Straße gelaufen sei, doch er nahm ihr das nicht übel, denn er beherbergte viele Jahre lang einen Manx-Kater bei sich daheim, den er sehr mochte.
Tarquinio Provini fand dann eine neue Aufgabe mit seiner Firma PROTAR, die Motorrad-Modell-Bausätze herstellte, und natürlich waren seine Rennmotorräder, mit denen er seine großen Erfolge feierte, die ersten Typen, die er auf den Markt brachte.
Nun hat Tarquinio Provini leider seinen letzten Kampf aufgeben müssen, was überhaupt nicht seinem Naturell entspracht, seinen Kampf gegen den Krebs.
RS