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Die Forchstrasse ist schon seit vielen hundert Jahren ein Verkehrsweg – auch die Postkutsche verkehrte einst über die Forch. Die heutige Autostrasse wurde in den 1960er-Jahren gebaut – das ist also noch gar nicht so lange her. Obwohl mit Lärm, Mehrverkehr und starken landschaftlichen Eingriffen verbunden, gab es damals kaum Widerstand gegen den Bau der Schnellstrasse.
Der Verkehrsweg von Zürich über die Forch ins Zürcher Oberland hat eine lange Geschichte, wurde der Übergang doch bereits 1259 erstmals erwähnt. Immer wieder liest man in historischen Dokumenten von Gütertransporten und Truppenbewegungen über die Forch. Der Bau von Wirtshäusern entlang der Strasse ist ein klares Zeichen für den steigenden Verkehr.
Postkurs über die Forch
Am 1. Juli 1836 errichtete dann die kantonale Postverwaltung den wöchentlich zweimal verkehrenden Postkurs von Zürich über Neumünster, Forch, Egg, Grüningen nach Wald. Die mit vier Pferden bespannte Postkutsche enthielt 12 Sitzplätze. 1844–46 wurde dann eine neue Strasse mit teils neuer Streckenführung über die Forch gebaut. Vom 1. Mai 1896 an verkehrten täglich zwei Kurse Zürich – Forch – Egg mit Anschluss an die Postkurse Uster – Egg – Meilen und Hinteregg – Esslingen – Stäfa.
Der Bau der Forchbahn 1912 brachte aber keine Entlastung auf der Forchstrasse. Im Gegenteil: Das Bahntrassee befand sich ja weitgehend auf der bestehenden Strasse.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Siegeszug der Mobilität. Felix Aeppli schrieb in der Geschichte der Gemeinde Maur: «Der seit den fünfziger Jahren überall stark aufkommende Privatverkehr erlaubte es, die Abgeschiedenheit der Gemeinde Maur schlagartig zu überwinden, wobei die geringe Distanz zur Wirtschaftsmetropole Zürich die Entwicklung beschleunigt hat.» Wer würde heute noch von einer «Abgeschiedenheit der Gemeinde Maur» sprechen, auch wenn Aesch, Ebmatingen und Binz durch die Stadtnähe früher von einer regen Bautätigkeit betroffen waren als die Orte am Greifensee.
Weitsichtige Planer
Erstaunlich früh hat sich der Kanton Zürich um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur bemüht, wenn man bedenkt, dass das erste Teilstück der N1 (Grauholzautobahn) erst 1962 eröffnet wurde. Bereits neun Jahre früher (1953) hat der Regierungsrat des Kantons Zürich vom Projekt über den Ausbau der Forchstrasse von Zollikerberg bis Esslingen, mit Verlegung der Forchbahn auf ein eigenes Trassee, in zustimmendem Sinne Kenntnis genommen.
Im Herbst 1958 konnte mit dem Ausbau der Forchstrasse zwischen Zollikerberg und der Gemeindegrenze Zumikon begonnen werden. Als Nächstes erfolgte der Strassenbau von Zumikon bis Forch mit Einweihung Mitte der 1960er-Jahre, und 1971 konnte die Umfahrungsstrasse zwischen Forch und Esslingen eröffnet werden.
In all diesen Jahren hat man von einer Umfahrungsstrasse oder einer neuen Hauptverkehrsstrasse gesprochen, erst später dann von einer Forchautostrasse und seit einigen Jahren von der A52. Erstaunlich, dass es damals gegen den Bau der neuen Strasse kaum Widerstand gab. Strassenlärm und Abgase waren kein Thema. Auf generell bemerkenswerte hohe Zustimmung stiessen in jener Zeit Projekte zum Ausbau der Infrastruktur.
Recht eigentlich neu gestaltet wurde dabei die Forch. Umfangreiche Erdarbeiten, die Verlegung von Station und Einstellhalle der Forchbahn an den heutigen Ort sowie eine Trasseeverlegung in einen Tunnel unter die neue Forchstrasse brachten überaus starke Eingriffe ins Ortsbild. Aber es hätte noch schlimmer werden können. 1978 erfolgt der Erlass eines kantonalen Richtplans mit «Schreckgespenst» einer Forchentlastungsstrasse über die Gemeinde Maur, mit einer richtungsgetrennten, vierspurigen Hochleistungsstrasse von Forch-Scheuren nach Ebmatingen und Binz. Davon wurde aber nur die Umfahrung Binz realisiert.
Man kann zur A52 stehen, wie man will, aber wenn manbedenkt, dass zur Zeit der Planung
in der ganzen Schweiz rund 300000 Autos registriert warenund heute allein im Kanton Zürich das Dreifache, dann kann man den
Planern wahrlich keine Kurzsichtigkeit vorwerfen.
Bildunterschrift:
Die Postkarte von 1914 zeigt im Hintergrund die neu erbaute Strecke der Forchbahn, im Vordergrund Kutschen und sogar ein Auto, die beim Gasthof Krone vorbeifahren. Die Forchautostrasse wurde rund 50 Jahre später gebaut. Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv