Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03104.jsonl.gz/2621

Gehrig Bruno, Prof. Dr., *1946
Der Winterthurer Bruno Gehrig hat schweizweit in interessantesten und unterschiedlichsten Sparten und Engagements Karriere gemacht und damit seine Vielfältigkeit unter Beweis gestellt. In der Eulachstadt ist er in einer breiteren Öffentlichkeit eher weniger bekannt. Umso mehr interessiert seine spannende Laufbahn.
Bruno Gehrig kam am zweiten Weihnachtstag (26.12.) 1946 in Rorschach zur Welt. Die Volksschule absolvierte er in Rorschach um anschliessend die Maturität an der Kantonsschule St. Gallen zu erlangen. Mit der ursprünglichen Idee, Soziologie zu studieren, ging er an die Universität Bern, dem damaligen Mekka in dieser Studienrichtung. Aber er wechselte bald in die Volkswirtschaftslehre, weil er dieses Studium attraktiver fand. Er schloss sein Studium mit einer Dissertation in Geldtheorie ab. In den oberen Semestern lernte er Prof. Karl Brunner von der Universität Rochester kennen, einen hervorragenden Ökonomen und späterer Freund. Es folgten Aufenthalte an der Universität Rochester N.Y., in denen Gehrig sich an der Universität Bern habilitierte.
Von 1981 bis 1992 folgten privatwirtschaftliche Einsätze als Chefökonom, Börsenchef und CEO der Tochterbank Cantrade AG der Schweizerischen Bankgesellschaft. In diese Zeit fiel sein Engagement zu Gunsten der Errichtung eines Optionenmarktes Schweiz (SOFFEX). 1992 wurde Gehrig als ordentlicher Professor für "Money and Banking" an die Hochschule St. Gallen berufen. Dort hat er vor allem praxisorientierte Vorlesungen und Seminare gegeben. Parallel zur universitären Tätigkeit wurde er Mitglied der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK), die heute FINMA heisst. Die Gleichzeitigkeit dieses Mandats mit der Lehre erwies sich als grosser Vorteil.
1996 wurde Gehrig zum Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank durch den Bundesrat gewählt, wo er später Vizepräsident wurde. In diese Zeit gehören vor allem zwei geldpolitisch wichtige Entscheidungen. Einmal die Änderung des geldpolitischen Konzepts von der Geldmengensteuerung zur Zinssteuerung. Und zum anderen die Einführung der Basisgeldversorgung durch Repo-Transaktionen. Damit konnten für die Nationalbank die Bankenrisiken minimiert werden, was sich später als sehr positiv erweisen sollte.
Ab 2003 folgten wieder privatwirtschaftliche Einsätze mit Verwaltungsratsmandaten bei der Swiss Life Holding AG (früher Rentenanstalt). Von 2003 bis 2009 stand er dem Verwaltungsrat als Präsident vor. Die Ausgangslage war schwierig. Das Unternehmen litt schwer unter der Rentenklau-Debatte und nach dem Crash an den Börsen unter Eigenkapitalproblemen. Weitere Verwaltungsratsmandate folgten, so bei F. Hoffmann-La Roche AG (als Vizepräsident 2004 - 2013), bei der UBS AG nach ihrer Krise (2008 - 2012) und nach dem Grounding der Swissair - als Präsident der SWISS Luftfahrtsstiftung von 2005 - 2010.
Von 2010 bis 2016 war Gehrig Präsident des Verwaltungsrates der SWISS International Air Lines AG. Dieses Mandat machte ihm besondere Freude - eine attraktive, konkrete Dienstleistung und ein Umfeld, wo er seine vielfältigen Beziehungen erfolgreich einsetzen konnte. Für die SWISS waren vor allem zwei Ziele wichtig: Erstens die Sicherheit. Die SWISS hat seit sie existiert keinen Unfall erlitten. Und zweitens die Eigenständigkeit im Rahmen des Lufthansa Konzerns. Immerhin hat der Konzern die Investitionen in neue Flugzeuge (B-777, C-Series) trotz angespannter Finanzlage immer bewilligt.
Heute ist Gehrig Verwaltungsrat der Wirz-Gruppe (Kommunikation und Werbung), der Investec Bank in Zürich und der Privatbank Maerki Baumann AG. Er ist Mitglied des Stiftungsrates der Kartause Ittingen, im Beirat des Klosters Einsiedeln und im Vorstand des Musikkollegiums Winterthur.
Gehrig war Präsident der Studiengruppe Wirtschaftspolitik der Schweizerischen CVP von 1984 -1991. Er hat zahlreiche wissenschaftliche und praxisbezogene Publikationen verfasst. Insbesondere in den Gebieten Geldtheorie und -politik, Banking und Finance und in der allgemeinen Wirtschaftspolitik. Daneben hat er zu diesen Themen und zum Flugverkehr unzählige Referate gehalten. Er wurde 2006 Ehrendoktor der Universität Rochester, NY.
Bruno Gehrig kam mit seiner fünfköpfigen Familie 1980 nach Winterthur. Eigentlich zufällig; es musste einfach die Region Zürich sein. Mittlerweile lieben Gehrig und seine Frau Verena (eine echte Winterthurerin) diese Stadt, nicht nur, aber auch, wegen ihrer Zentralität. Als private Aktivitäten liest Gehrig sehr viel, geniesst klassische Musik, macht gerne Reisen und hat viel Freude an seinen Enkelkindern.