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Zufall
(lat. Casus), im gewöhnlichen Leben alles, was uns nicht als notwendig oder beabsichtigt erscheint, oder für dessen Eintreten wir einen Grund nicht nachweisen können, oder was ebensogut in anderer Weise und zu andrer Zeit hätte geschehen können. Das Zufällige steht daher dem Notwendigen, dem Wesentlichen und dem Absichtlichen entgegen, und ebenso wird auch die Zufälligkeit bald der Notwendigkeit, bald der Wesentlichkeit, bald der Absichtlichkeit entgegengesetzt.
Das Zufällige kann selbst als ein Notwendiges vorgestellt werden, wenn uns die
Bedingung desselben nicht bekannt ist. Deshalb
sagt man auch: zufällig ist, was unter gewissen
Bedingungen sein oder nicht sein, so oder anders sein
könnte. Wenn wir uns auf den
Zufall als etwas die
Dinge Beherrschendes, Gestaltendes, Veränderndes, Zerstörendes berufen, so
gestehen wir damit eigentlich nur unsre Unwissenheit in betreff des Zusammenhanges des Geschehens und der
Gründe desselben
ein.
Wer den
Zufall als die gänzliche Ursachlosigkeit alles Geschehens faßt, der verfällt in den
Widerspruch, an welchem der
Begriff des absoluten
Werdens leidet (s.
Ursache). Es geschieht nichts ohne
Ursache und insofern auch
nichts durch bloßen, blinden
Zufall (casus purus). Der
Schein des
Zufalls aber entsteht für uns aus der Mangelhaftigkeit unsrer
Einsicht in die
Gründe und
Folgen der Begebenheiten. In juristischer Bedeutung nennt man
Zufall ein Ereignis,
das nicht in dem
Willen und der Absicht des Handelnden liegt.
Vgl.
Windelband, Die
Lehren
[* 3] vom
Zufall (Berl. 1870);
Cantor, Das Gesetz im Z. (das. 1877).