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Anfang April 2022 ist die erste Stufe des offenen Projektwettbewerbes, welcher in zwei Stufen durchgeführt wird, abgeschlossen. Im November 2022 wird voraussichtlich das Siegerprojekt aus der zweiten Stufe präsentiert.
Für den offenen Projektwettbewerb haben sich ca. 170 Architekturbüros angemeldet.
Ich habe mich gegen eine Teilnahme entschieden, da das Projekt meine Bürokapazitäten übersteigen würde.
Aus dem Programm des Wettbewerbes ist ersichtlich, dass für die erste Stufe Grundrisse, Schnitte und Fassaden im Massstab 1:200 verlangt werden. Für mich ein unverhältnismässig grosser Aufwand, welcher in keiner Weise für eine Beurteilung in dieser Phase des Wettbewerbes nötig ist. Für einen zweistufigen Wettbewerb muss für die erste Stufe der Aufwand möglichst klein gehalten werden für die teilnehmenden Architekten-Teams. In einer ersten Stufe geht es in erster Linie um die städtebauliche Setzung. Ein Figurgrundplan mit Silhouette im Massstab 1:500 und ein Gipsmodell erfüllen da den Zweck vollauf. Um zu prüfen, ob eine städtebauliche Idee auch das geforderte Raumprogramm erfüllt, quantitativ wie auch funktional, kann in Form von Schemaplänen, Grundrisse und Schnitte im Massstab 1:500 mit überschaubarem Aufwand ein Nachweis erbracht werden.
Wie die Planungstiefe für eine erste Stufe für solch einen Wettbewerb aussehen könnte, will ich mit diesem Blogbeitrag dokumentieren. Für die «Ideen-Skizze» hatte ich ca. 100 Stunden Aufwand inklusive Strichperspektive. Bei einer kleinen Umfrage bei vier Büros, welche am Wettbewerb teilnehmen, kam ein durchschnittlicher Stundenaufwand pro Büro für die erste Stufe von ca. 600 Stunden zusammen – ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn!
Ich habe bereits am 20. September 2020 einen Blogpost unter dem Titel – Neubau Luzerner Theater: Gebäude müssen kommunizieren! – publiziert, da ich mit der Testplanung, welche viel zu detailliert ausgearbeitet wurde, ohne die städtebaulichen Fragen genügend zu beantworten, nicht einverstanden war.
Es ist interessant zu sehen, wie das aktuelle Raumprogramm des Projekt-Wettbewerbs als «Ideen-Skizze» umzusetzen ist – mit der städte-baulichen Idee: Eines respektvollen Nebeneinanders in Form eines angemessenen Freiraums zwischen Kirche und Theater. Der Schlüssel zu einem grosszügigen Theaterplatz, von über 2’000 Quadratmeter Fläche zwischen Kirche und Theater, ohne in die Tiefe zu bauen und so mit dem Grundwasser in Konflikt zu kommen, liegt in der Platzierung des Saals im 1. Obergeschoss.
Das Raumprogramm (Unterlage 03 A) ist in 9 Funktions-Gruppen aufgeteilt:
1. Publikumsräume 998 m2 (rot)
2. Bühnen 1’696 m2 (blau)
3. Orchesterräume 300 m2 (violett)
4. Proberäume 136 m2 (gelb)
5. Garderoben 270 m2 (orange)
6. Gastronomie 500 m2 (pink)
7. Personalräume 257 m2 (braun)
8. Veranstaltungsbetrieb 772 m2 (grün)
9. Gebäudetechnik 1’155 m2 (grau)
Alle Flächen im Raumprogramm sind Nettoflächen, das bedeutet, dass keine Innen- und Aussenwände eingerechnet sind. Daher sind für die «Ideen-Skizze» 12 Prozent zusätzliche Flächen zu den Nettoflächen aufgerechnet. Für die Erschliessungsflächen wurden im Raumprogramm keine Quadratmeter Angaben gemacht, da projektabhängig. Die Publikum-Erschliessungsflächen sind in der «Ideen-Skizze» den Publikums-Räumen (Vestibül, Foyer, Saal, Toiletten) angerechnet. Die internen Erschliessungen sind in der «Ideen-Skizze» hellgrau dargestellt und als einzelne Flächen nicht ausgewiesen. Weiter ist im Parterre eine zusätzliche Nutzung (Retail) in der «Ideen-Skizze» dazugekommen, welche im Raumprogramm nicht vorgesehen ist.
Die Gastroflächen (pink) sind in der «Ideen-Skizze» bewusst grösser, als im Raumprogramm gefordert, ausgewiesen. Im Parterre ist ein Bistro zur Bahnhofstrasse und Reuss vorgesehen. Im Attika ist ein Restaurant mit grosser Terrasse in Richtung Jesuitenkirche geplant. Weiter ist in unmittelbarer Nähe zum Restaurant nordseitig eine Bar / Lounge angedacht, mit einer grandiosen Sicht auf Altstadt und Reuss. Mit diesen drei Möglichkeiten der Gastronomie ist das Theaterhaus nicht nur für Theaterbesuche interessant.
In der «Ideen-Skizze» sind bis auf die beiden Funktionsgruppen Publikumsräume (998 m2 zu 3’034 m2) und Gastroräume (500 m2 zu 744 m2), welche grösser sind als gefordert, alle anderen Funktionsgruppen in ihren Nettoflächen nahezu identisch (siehe «Ideen-Skizze» Flächen / Volumen) mit dem vorgegebenen Raumprogramm.
Beim aktuellen Wettbewerb gab es die Möglichkeit, das die teilnehmenden Architekten-Teams schriftlich Fragen zum Raum-Programm stellen konnten. Bei der Frage, ob die beiden Hauptnutzungen: Grosser und Mittlerer Saal räumlich zusammengelegt werden müssen, wie im Betriebskonzept beschrieben, kam die Antwort vom Auslober, dass das technisch aus akustischen Gründen nicht machbar sei! Wenn so ein wichtiger Bestandteil des Raumprogramms erst mit der Fragebeantwortung abschliessend entschieden werden kann, ruft das doch gewisse Irritationen hervor bezüglich der Qualität der Vorabklärungen …
Die Qualität der Testplanung, wie auch die Art und Weise, wie das zweistufige Wettbewerbs-Verfahren durchgeführt wird, ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Daher ist zu hoffen, dass das ganze Theater um das Luzerner Theater mit einem grossartigen Sieger-Projekt ein glückliches Ende finden wird.
Dass eine städtebaulich wie auch betrieblich hochwertige Neubaulösung für das Luzerner Theater am bestehenden Ort möglich ist, soll mit dieser «Ideen-Skizze» aufgezeigt werden.
Tipps:
- Offener Projektwettbewerb Luzerner Theater: «Ideen-Skizze» Pläne 15. April 2022 (PDF)
- Neues Luzerner Theater: Offener Projektwettbewerb in zwei Stufen (Programm 1. Stufe)
- Stadtfragen vom 2. Juli 2021: Wettbewerb «neues Luzerner Theater» lanciert
- Luzern Zeitung vom 4. Juni 2021: «Wieso nicht Kirche einbeziehen?»
- ArchitekturCumulus 17.08.09: Qualität von Wettbewerbsgrundlagen und Juryberichten…