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Nachfolgend ein weiterer Reisebericht unseres Tierarztes, Peter Müller:
Cabo Verde ist ein afrikanischer Inselstaat vor der Küste Senegals mit portugiesischer Kolonialvergangenheit. Das Archipel ist vulkanischen Ursprungs und hat ein halbwüstenähnliches Klima. Die Inselgruppe ist insbesondere bei Wassersportlern aufgrund der geringen Regenmenge und dem konstant wehenden Passatwind eine beliebte Destination - nicht zuletzt aufgrund der so generierten Einkünfte konnte sich der Staat in der letzten Zeit aus den hintersten Rängen des Human Development Index wegbewegen. Nichtsdestotrotz sind die Kapverden ein armes Land, das Pro-Capita-Einkommen betrug 2012 ungefähr 3600 USD (Schweiz: 80'000 USD).
Wie in jedem armen Land ist es auch hier um die Betreuung der Tiere schlecht bestellt - augenfällig bei meinem Besuch auf der Insel Sal ist insbesondere die grosse Zahl an herrenlosen Hunden und Katzen.
Um meine schmerzenden Muskeln und Knochen nach mehreren Tagen Kitesurfen ausruhen zu lassen, besuche ich die einzige Tierärztin im Städtchen Santa Maria auf der Insel Sal.
Fatima Santos ist Kapverdianerin und hat, unterstützt von Stipendien, in Portugal Veterinärmedizin studiert. Sie betreut seit knapp 10 Jahren die Hunde und Katzen von Sal; zuerst mangels Infrastruktur als mobile Tierärztin und seit kurzer Zeit nun mit Basis in einer kleinen Praxis am Rand von Santa Maria. Neben ihrer "bezahlten" Arbeit mit Tieren, welche Besitzer haben, widmet sich Fatima auch auf eigene Kosten den vielen herrenlosen Hunden und Katzen von Sal. Obwohl diverse europäische Hilfsorganisationen punktuell in Sal Tierhilfe leisten (insbesondere mittels Kastrationsaktionen), haben die Streuner keine permanente Betreuung bei Gesundheitsproblemen. Hauptsorge von Fatima sind insbesondere parasitäre Hauterkrankungen - tatsächlich sieht man, dass sich die viele Hunde und Katzen permanent kratzen. Die geringen Mittel, welche die Tierärztin aus dem eigenen Sack mobilisieren kann, reichen aber natürlich bei weitem nicht aus, um das Problem zu entschärfen.
Kurz vor meiner Abreise war mir von Kunden unserer Praxis, welche aufgrund der Fälle "Lyssbach's Vétérinaires sans Frontières" auf meine Reisetätigkeit aufmerksam geworden waren, eine Spende überreicht worden. Gerne übergab ich Fatima den Betrag in der lokalen Währung zur Verwendung bei der Betreuung der Streunertiere auf Sal; die Tierärztin war über den unerwarteten Zustupf aus der Schweiz natürlich hell erfreut.
Beim Menschen ist heute die Ansicht, dass in der Entwicklungshilfe versucht werden sollte, der Bevölkerung in ihrer Heimat nachhaltig bessere Bedingungen bezüglich Gesundheit, Arbeit und Menschenrechten zu schaffen, unumstritten.
Entsprechend ist Tier-Entwicklungshilfe vor Ort (Geburtenkontrolle, Vermittlung von Tierschutzgedanken bei Einheimischen, Parasitenbekämpfung, Impfaktionen) sicherlich eine nachhaltigere Art, Probleme langfristig zu lösen, als der Import von Hunden aus Drittweltstaaten zur Platzierung in der Schweiz. Neben der Verbreitung von exotischen Krankheiten (Beispiel Leishmaniose, Tollwut) ist auch der riesige Einsatz an finanziellen Mitteln für ein einzelnes Individuum, welche vor Ort einer viel grösseren Zahl von Tieren zugute kommen könnte, kaum vertretbar. Abgesehen davon scheint es fraglich, ob sich ein Tier, das zeitlebends auf den Strassen von Santa Maria gelebt hat, in einem schweizerischen Haushalt wirklich wohlfühlen würde.
Gerne nehme ich auch in Zukunft Spenden für solche zielgerichtete Unterstützungsaktionen vor Ort entgegen!