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Ende Mai/Anfang Juni 2015 kurvt der Zeppelin NT in den Farben von Edelweiss über der Region Zürich. Parallel dazu ist die Pazifik-Überquerung von «Solar Impulse 2» ein intensiv beobachtetes Ereignis. Daraus ergeben sich hoffentlich Impulse für den Luftverkehr.
«NT» beim Zeppelin steht für «Neue Technologie» – das Flugzeug von Bertrand Piccard und André Borschberg trägt Impuls im Namen. Neue Technologien und Impulse sind tatsächlich dringlich erforderlich, soll der Luftverkehr eine nachhaltige Zukunft haben.
Nicht nur in der Schweiz wird die überwiegende Zahl von Flugreisen von Privaten unternommen, hauptsächlich für Ferien- und allenfalls Städtereisen. Für Edelweiss Air findet sich dazu in Wikipedia die entsprechende Formulierung: Edelweiss Air fliegt von Zürich aus zahlreiche europäische und interkontinentale Urlaubsziele an.
Fliegen stellt ein wesentlicher Teil des ökologischen Fussabdruckes von Menschen aus wohlhabenden Ländern dar. Der Ausstoss von Treibhausgasen aus dem übermässigen Verbrauch endlicher fossiler Ressourcen ist ein Aspekt davon, der übermässige Lärm insbesondere in Start- und Landphase ein weiterer. Festzustellen ist, dass etwa die Plausibilität der Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft einzig an der Frage der zukünftigen Bedeutung des Flugverkehrs gemessen wird.
Es braucht also Entwicklungen Richtung Nachhaltigkeit, zum Beispiel deutlich weniger Treibhausgase, deutlich weniger Lärm. Zeppelin NT und Solar Impulse zeigen mögliche Entwicklungen.
Am Beispiel Zeppelin NT: dieser kurvt deutlich tiefer über Zürich als die üblichen Verkehrsflugzeuge. Sind sowohl Zeppelin NT wie ein die Reiseflughöhe anpeilendes Verkehrsflugzeug gleichzeitig über Zürich unterwegs, dominiert eindeutig der Lärm des Verkehrsflugzeuges. War ist der Zeppelin NT langsamer als das Verkehrsflugzeug. Aber: beim Flugzeug sind die lauten Düsentriebwerke sowohl für die Sicherstellung des Auftriebs als auch den Vortrieb verantwortlich. Beim Zeppelin NT wird der Auftrieb durch ein im halbstarren Gerüst angebrachtes Heliumvolumen geleistet, während die leise brummenden (Benzin-)Motoren ausschliesslich für den Vortrieb zuständig sind. In dieser Ausstattung erreicht der Zeppelin NT eine maximale Reisegeschwindigkeit von 115 Kilometern pro Stunde.
Bei Solar Impulse sind ebenfalls Auftrieb und Vortrieb durch die Energieversorgung zu übernehmen, welche auf den auf den Flügeln angebrachten Solarzellen aufbaut. 8’000 Kilometer in fünf Tagen ist das Ziel der Pazifik-Überquerung von Solar Impulse. Dies entspricht einer mittleren Reisegeschwindigkeit von etwa 67 Kilometern pro Stunde.
Auftrieb nach dem Prinzip des Zeppelins, also mit z.B. Helium, Vortrieb durch Elektromotoren wie bei Solar Impulse, welche durch Strom aus Solarzellen angetrieben werden – dies könnte ein zukunftsfähiges Konzept für den Flugverkehr ergeben.
Warum gibt es diese Solarluftschiffe noch nicht? Dazu gibt es mehrere Hintergründe: es wird davon ausgegangen, dass selbst bei ambitiösen Klimaschutzzielen (zum Beispiel die 1.5 K-Limite des Mensch gemachten Klimawandels) die Treibstoffansprüche des zudem kräftig zunehmenden Luftverkehrs prioritär abgedeckt werden oder durch Kompensationsmassnahmen ausgeglichen werden. Zusätzlich wird angenommen, dass als Alternative zu fossilem Flugtreibstoff Alternativen wie etwa Solarbenzin zur Verfügung stehen könnten. Zudem wird vorausgesetzt, dass das aktuelle Geschwindigkeitsniveau der Verkehrsflugzeuge unverhandelbar ist im Reisemarkt (welcher vor allem ein Tourismusmarkt ist).
Wie sieht es nun tatsächlich mit den Reisezeiten aus? Wenn die erforderlichen Entwicklungsschritte an die Hand genommen werden, sollte eine Reisegeschwindigkeit von 250 Kilometer pro Stunde erreichbar sein. Der Pazifikflug der Solar Impulse sollte so innerhalb von 32 Stunden, also in anderthalb Tagen, bewältigt werden können. Ein Flug von Zürich nach New York (etwas mehr als 6000 Kilometer) wäre dann in etwa einem Tag zu bewältigen. Ein Städteflug für ein Weekend liegt da nicht mehr drin, aber Start und Ende einer längeren Reise lassen sich angesichts des in einem Luftschiff möglichen Komforts (Typus Hotel) sehr angenehm gestalten.
Einmal mehr: Energie- und Klimaschutz erfordern auch beim Flugverkehr das Überdenken bisheriger Verhaltensmuster, um eine zukunftsfähige Steigerung der Nachhaltigkeit zu erreichen.