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Poliomyelitis (Kinderlähmung)
Die Erreger der Kinderlähmung (Poliomyelitis), die sogenannten Polioviren, zerstören die Zellen des Nervensystems und rufen dadurch Lähmungen in verschiedenen Körperregionen hervor.
Bei 90% der Infizierten äussert sich dies nur in grippeähnlichen Beschwerden. Bei manchen Erkrankten kommt es jedoch anschliessend zu einer Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen und Erbrechen und einer fortschreitenden Muskellähmung. Die Muskeln in den betroffenen Gliedmassen (v.a. Beine) bleiben oft lebenslang geschwächt oder völlig gelähmt. In schweren Fällen wird die Atemmuskulatur lebensgefährlich gelähmt.
Wenn Ihr Kind bei einer Fiebererkrankung nicht nur über Gliederschmerzen klagt, sondern einzelne Glieder nicht mehr bewegen kann, sollten Sie sofort zum Arzt gehen. Wegen Ansteckungsgefahr und zur sicheren Diagnosestellung wird das Kind in ein Spital aufgenommen. Kinderlähmung kann bis heute nicht richtig behandelt werden. Antibiotika sind nutzlos. Der Erkrankte wird überwacht und bei Atembeschwerden künstlich beatmet. Die vollständige Genesung kann bis zu zwei Jahre dauern.
Dank konsequenten Impfens ist die Kinderlähmung in der Schweiz seit 20 Jahren verschwunden – davor gab es pro Jahr durchschnittlich 700 Erkrankungen und 80 Todesfälle. Durch die Zunahme von Auslandreisen besteht das Risiko einer Infektion mit Polioviren jedoch weiterhin. In Entwicklungsländern scheiden ca. 10% aller Kinder das Poliovirus über den Darm aus. Anstecken kann man sich über verunreinigtes Wasser oder infizierte Nahrungsmittel, aber auch beim Baden in stehenden, warmen Gewässern. So kann das gefährliche Virus jederzeit auch in eine gut durchgeimpfte Bevölkerung eingeschleppt werden. Ein Beispiel ist ein Ausbruch in den Niederlanden 1992/1993 in einer Glaubensgemeinschaft, die Impfungen ablehnt: 71 Menschen erkrankten, 2 starben. Deshalb ist es weiterhin wichtig, durch konsequente Impfung vor dieser Gefahr zu schützen.
Seitdem die Polioimpfung nicht mehr als Schluckimpfung (mit abgeschwächten, aber vermehrungsfähigen Viren) sondern als Spritzimpfung (mit abgetöteten Polioviren) durchgeführt wird, ist sie viel besser verträglich. Auch die früher selten aufgetretene Komplikation der „Impfpolio“ ist damit ausgeschlossen. Die Polio-Impfung wird in der Regel als Sechsfach-Kombinationsimpfung mit der Diphtherie-Pertussis-Tetanus- und Hib-Impfung sowie neu auch Hepatitis B (HBV) durchgeführt. Geimpft wird mit 2, 4 und 12 Monaten und aufgefrischt im Alter von 4-7 Jahren, vorzugsweise vor Eintritt in den Kindergarten. Eine erneute Auffrischung der Impfung erfolgt 10 Jahre nach der letzten Impfung oder aber bei Einreise in Endemie-Gebiete.
Letzte Aktualisierung : 03-05-16, BH