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Universelles Leben
älterer Name: Heimholungswerk Jesu Christi
Gegründet wurde die Gemeinschaft Universelles Leben (UL) von Gabriele Wittek (geb. 1933 in Wertingen bei Augsburg). Gabrieles Vater war Schneidermeister. Das katholische Umfeld prägte ihre Jugend. Trotz regelmässigem Gottesdienstbesuch und Mitgliedschaft im Kirchenchor fand sie aber nicht zur rechten Andacht. Sie machte eine Ausbildung als Kontoristin und heiratete mit 22 Jahren den Ingenieur Rudolf Wittek.
Nach dem Tod ihrer Mutter (1970), mit der sie ein enges Verhältnis verband, begann Gabriele Wittek die ersten «inneren Worte» zu hören. Zuerst war es die Mutter, die ihr erschien, später ein Geistwesen mit dem Namen «Bruder Emmanuel» und schliesslich Jesus Christus persönlich. Bald schon sammelte sie Zuhörer um sich. 1975 formierte sich daraus eine Gruppe mit dem Namen «Heimholungswerk Jesu Christi». 1979 zog Walter Hofmann zu den Witteks. Er kannte sich in Esoterik aus und hatte sich lange u.a. mit «Transzendentaler Meditation» (Maharishi Mahesh Yogi) befasst, womit er die Lehre der Gabriele Wittek stark beeinflusste.
1984 wurde die Gruppe um Gabriele Wittek in «Universelles Leben» umbenannt. Zur selben Zeit wurde der wirtschaftliche Aspekt immer stärker betont: Christus fordere wirtschaftliche und gesellschaftliche Aktivitäten. Erfolg stelle sich als direkte Folge des richtigen Glaubens ein. 1987 wurde ein Leitungsgremium «Urgemeinde Neues Jerusalem» formiert.
Im Jahr 2005 wollte Gabriele Wittek die Leitung des UL jüngeren Kräften übertragen. Seit dem Jahr 2010 sind keine neuen Offenbarungen von Gabriele Wittek mehr bekannt geworden.
In den letzten Jahren hat das UL einige Abgänge z.T. auch bekannter Mitglieder erfahren. Manche treffen sich in eigenen Kreisen.
Gemäss der Lehre des Universellen Lebens erlebt die Welt im Augenblick eine Zeitenwende: Sie sei vergleichbar mit einem sinkenden Schiff. Es gelte nun, die Rettungsboote ins Wasser zu lassen, um die, welche die gefährliche Situation erkennen und erlöst werden wollen, zu retten. Für diese Geretteten entstehe aus den Trümmern der untergehenden Zivilisation ein Friedensreich Jesu Christi.
Im Hintergrund dieser endzeitlichen Vorstellungen steht ein gnostischer Mythos: Vor der Materie habe eine Kraft existiert, das sog. «Vater-Mutter-Prinzip». Es sandte Energie aus, worauf «Gott Vater» entstand, der einen Sohn «Christus» hatte. Der Vater schuf in sieben Tagen die Schöpfung. Als erstes weibliches Wesen liess er Satana entstehen und krönte sie zu seiner geistigen Frau. Da sie als weibliches Prinzip aber keinen Anteil an der Urkraft erhalten hatte, wollte sie aus Neid ein eigenes Reich gründen. Sie fiel mit ihren Verbündeten aus dem Himmel. Durch ihren Fall verdichtete sich ihre Energie und wurde zu Materie. Menschen sind Fallwesen, deren Ätherleib sich am stärksten verdichtet hat.
Als sich die Seelenschwingung der Menschen noch stärker zu verringern drohte, inkarnierte sich Christus. Bei seinem Tod sei ein Erlöserfunke in das Bewusstseinszentrum jedes Menschen gesprungen. Diesen Erlösungsfunken greift das UL auf und lässt ihn zuletzt vollendet aufleuchten.
Mit solchen endzeitlichen Vorstellungen werden von der Gemeinschaft Reinkarnations- und Karma-Ideen (in westlicher Interpretation) verbunden: Der Mensch sei zwar in seinem Handeln frei, aber die Seele müsse in einer folgenden Reinkarnation für jede Tat und jeden Gedanken gerade stehen. Es gibt auf der Welt keinen Zufall: Jedes Leid und jede Krankheit ist selbstverschuldet. Ein gereinigtes Bewusstsein sei frei von Krankheit und Leid.
Da jede Wirkung eine Ursache habe, lasse sich von organischen Erkrankungen ausnahmslos auf ein Fehlverhalten schliessen, bzw. jedes Fehlverhalten habe eine bestimmte Krankheit zur Folge. Weil körperliche Gesundheit als mit seelischem Heil kausal verbunden gilt, interessiert sich das Universelle Leben sehr für die körperliche und seelische Gesundheit, manchmal auch zum Nachteil der Kranken, die nun auch nach spirituellen Ursachen für ihr Leiden suchen.
Ziel der Lehre des Universellen Lebens ist es, das Bewusstsein zu reinigen, damit Christus im Menschen ungehindert wirken kann. Diese Methode wird „innerer Weg“ genannt und führt über vier Stufen: Vergangenheitsbewältigung, Überwindung des Eigenwillens, Ablegung des Individuellen, Befreiung vom Intellekt und Arbeit vom erschlossenen Bewusstsein her.
Zur Erreichung dieser Ziele dienen Meditation und ein Leben in der Gemeinschaft Gleichdenkender, um die Individualität zu überwinden.
Ein wichtiges Anliegen ist auch die Erziehung des Nachwuchses im Sinne der Lehre des Universellen Lebens: Als Ideal gilt die in Wohngemeinschaften lebende Grossfamilie. Die Eltern sollen die Kinder nicht an sich binden, sondern in die Gemeinschaft einbringen. In Kindergärten, -krippen und «Vater-Mutter-Häusern» werden die Kinder ganztägig betreut. Seit 1991 besteht ausserdem eine «Christusschule», wo die Kinder im Sinne der Lehre unterrichtet werden.
Die Gemeinschaft Universelles Leben, die mittlerweile auch zu einer beachtlichen wirtschaftlichen Grösse angewachsen ist, erhebt den Anspruch, wahres Christentum zu leben. Die Prophetin Gabriele Wittek «berichtigt» die Bibel und behauptet, mit Christus direkt in Kontakt zu stehen. Von den traditionellen Kirchen setzt sich die Gemeinschaft mit scharfer Polemik ab. Kritiker empfinden den inneren Kreis, die «Bundgemeinde Neues Jerusalem» als Elite, geborgen in der sicheren Arche, geschützt vor der steigenden Flut.
Strenge Ordnungen regeln den Alltag der Gemeinschaftsmitglieder. Individualität und eigenes Denken sollen auf dem Schulungsweg, der als Weg zu Gott gilt, aufgehoben werden, ein Vorgehen, das von Seiten von Kritikern den Vorwurf der Bewusstseinskontrolle laut werden liess.
Die Schätzungen über die Mitgliederzahl des Universellen Lebens reichen von 2’000 bis 10’000 Personen. Die Abgänge in den letzten Jahren dürften den unteren Bereich dieser Schätzungen plausibler machen.
In der Schweiz existierten in den 1990er Jahren lokale Gruppen in verschiedenen Städten. Heute scheint deren Anzahl deutlich geringer zu sein.