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jedenfalls kaum noch in Gußeisen ausgeführt werden. Bei den Eisenhochbauten, bei denen der reine Nutzzweck nicht in gleichem Maße im Vordergrund steht, bei denen die schmückende Zuthat mehr Bedürfnis ist und überdies die Bildung größerer, d. h. geschlossener Massen im Programm liegt, wird auf den reinen Eisenbau mehr oder weniger verzichtet und unter Hinzunahme andrer Materialien gemischter Eisenbau angewandt werden müssen.
Bezüglich der verschiedenen Eisenbrückengattungen und ihrer Konstruktionen wird auf den Artikel »Brücken« [* 2] (Bd. 3, S. 491 ff.) verwiesen. Was die ästhetischen Momente betrifft, so kommen diese bei Brücken mit vollwandigen Trägern kaum in Betracht. Ihr Eisenoberbau hat aber doch immer noch eine gewisse Masse und bietet dadurch bei der Einzelbildung Gelegenheit zur Anbringung schmückender Zuthat, mit welcher freilich, da sie sich auf Belegen oder Bemalen der Trägerwandungen mit passendem, bescheidenem Ornament beschränkt, nur geringe Wirkung zu erzielen ist (s. Taf. I, [* 1] Fig. 2). Die Fachwerkbrücken bieten auch sehr wenig Anhalt [* 3] für die stilistische Bethätigung.
Bei ihnen wird es im wesentlichen auf eine den allgemeinen Schönheitsgesetzen thunlichst entsprechende Anordnung der Gesamtbaumasse sowie der Trägerbegrenzungslinien und des füllenden Gitterstabwerks ankommen. Leider aber stehen selbst mit dieser ersten Anforderung die für den Ingenieur vor allem maßgebenden Nützlichkeitsrücksichten oft im stärksten Widerspruch. Die größten Brückenbauten der Neuzeit, welche gerade dieser Gattung angehören, die Brücken aus Trägern mit schwebenden Stützen, sogen. Cantilever- oder Auslegerbrücken, sind zum Teil wahre Urbilder von Geschmack- und Stillosigkeit (vgl. z. B. die Coloradobrücke, Taf. I, [* 1] Fig. 3). Eins der berühmtesten Beispiele der neuesten Zeit, die Fowlersche Forthbrücke in Schottland (Taf. II, [* 1] Fig. 7), befriedigt das Schönheitsgefühl wenigstens in ihrer Gesamtanordnung einigermaßen.
Schöner im allgemeinen sind die Hänge- und Bogenbrücken. Die Hängebrücken namentlich dann, wenn ihre Hängekurve der natürlichen Kettenlinie folgt, wie dies bei den frühern und kleinern Ausführungen der Fall zu sein pflegt; weniger, wenn bei großen Brücken zum Zwecke der Versteifung diese Linie aufgegeben und die Tragkette durch anders begrenzte Trägerformen ersetzt wird, oder wenn Bündel von Hilfsseilen den harmonischen Eindruck der Aufhängevorrichtung stören.
Mit einer Bogenbrücke wird den ästhetischen Anforderungen immer entsprochen werden können, wie die Ausführungen allerorten beweisen. In kleinerm Maßstab, [* 4] für den sie sich besonders eignen, ausgeführt, wird bei diesen Brücken sogar bis zu gewissem Grade ornamentale Zuthat am Platze sein (vgl. z. B. Taf. I,. [* 1] Fig. 1, 4, 5 u. 6). Wie aber auch bei bedeutenden Verhältnissen lediglich durch Schönheit der Linien und der Gesamtanordnung das Ziel erreicht werden kann, beweisen Beispiele, wie die auf Taf. II, [* 1] Fig. 6, abgebildete wundervolle Sichelträger-Bogenbrücke über den Nordostseekanal [* 5] bei Grünenthal.
Der Unterbau der Brücken, d. h. die Gesamtheit der den Oberbau derselben stützenden Teile, wird selbst bei Eisenbrücken [* 6] meist in Stein ausgeführt. Genau genommen sind diese dann keine reinen Eisenbauten. Jedoch treten für den Anblick der Brücken jene Teile der Eisenkonstruktion gegenüber meist stark zurück. Kommen Eisenpfeiler vor, so erhalten sie bei großen Abmessungen gewöhnlich röhrenförmige Gestalt oder die Form großer Böcke aus Stabwerk und bieten
wenig Anhalt für das Einsetzen architektonischer Behandlung. Anders bei kleinern Verhältnissen, wo die Stützen auf Säulenform gebracht werden können. Hier sind künstlerische Bildungen von Eigenart schon vielfach gelungen, besonders bei der dem Eisenbau ureigen angehörten Pendelsäule, für welche z.B. die Berliner [* 7] Stadteisenbahn gute Lösungen aufweist (s. Taf. II, [* 1] Fig. 8 u. 9).
Im Hochbau gelangt der reine Eisenbau fast nur für untergeordnete Zwecke, so z. B. für Bahnwärterhäuser, Schuppen u. dgl., zur Anwendung. Die Wände solcher Gebäude werden aus einem schlichten Guß- oder Walzeisengerippe hergestellt, dessen Gefache man mit Wellblechtafeln, Gußeisenplatten, gepreßtem Flußeisenblech 2c. schließt. Das Dach [* 8] pflegt aus Trägerwellblech gebildet zu werden, manchmal sogar das ganze Gebäude, dem dann das Eisengerippe fehlen kann.
Taugen solche Bauten der guten Wärmeleitungsfähigkeit und Luftundurchlässigkeit des Eisens wegen zum Wohnen wenig, so macht sie die Möglichkeit, sie leicht von einem Platze zum andern zu schaffen, für gewisse Zwecke, z. B. zur Verwendung in Kolonien, geeignet. Gegen die architektonische Formgebung verhalten sie sich spröde. Auch aus diesen Gründen bringt mannn Hochbau meist gemischten Eisenbau zur Anwendung und zwar derart, daß bei den Wänden sowohl wie bei den Decken und Dächern das Eisen [* 9] nur das konstruktive Gerüst bildet, während zur Herstellung der raumabschließenden Teile andre Materialien herangezogen werden.
Die Bildung der Wände kann dabei auf zweierlei Weise geschehen. Entweder das Eisengerüst wird außen sichtbar gemacht und erhält in seinen Gefachen eine innig mit ihm verbundene, den eigentlichen Wandschluß bildende Ausfüllung, allenfalls auch noch eine Umhüllung mit anderm Material; oder das Eisengerüst wird eingestellt, d. h. es ist mit der raumschließenden Wand, die dann in der Regel aus Stein besteht, nicht überall innig verbunden, sondern im Innern des Gebäudes, um Decken und Dach zu tragen, vor jene gestellt und mit ihr nur entsprechend verankert.
Die erste Weise bildet eine vollständige Analogie zum Holzfachwerk und wird daher auch, besonders wenn der Wandschluß durch Steine erfolgt, als Eisenfachwerk bezeichnet. Seine formale Behandlung war anfänglich wenig charakteristisch und lehnte sich unmittelbar an die des Holzfachwerts an. Die Wirkung war unbefriedigend, mager, trocken, namentlich wenn einfache Walzeisen zur Verwendung tamen. Für die Erscheinung dankbarere, wenn auch nur wenig eigenartigere Bildungen waren schon früher durch Anwendung gußeiserner Gerippe gewonnen worden. Wesentlich bezeichnender wurde später das Eisenfachwerk gestaltet, indem einerseits das Eisengerippe mehr gemäß seiner konstruktiven Wirkungsweise angeordnet, anderseits auch das Steinwerk, seinem ausfüllenden, raumschließenden Wesen entsprechend, nach Art von Teppichen reich musivisch behandelt wurde. Die Meniersche Schokoladenfabrik in Noisiel (Taf. I, [* 1] Fig. 8) und die Mannschaftsgebäude der Kaserne Louviers in Paris [* 10] (Taf. I, [* 1] Fig. 9) geben dafür bekannte gute Beispiele. Auch der Bau der Berliner Stadtbahn und die Pariser Weltausstellungen von 1878 und 1889 brachten bemerkenswerte einschlägige Versuche, welche namentlich darauf hinauslaufen, der Magerkeit des Eisengerippes durch die verschiedensten Anordnungen abzuhelfen. Stilistisch besondere Beachtung verdienen diese Versuche, wenn sie das Schönheitsgefühl befriedigende Wirkungen ergeben haden, ohne zu massegebenden ¶
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Umhüllungen der Eisenteile mit allerhand getriebenem, verziertem Blech ihre Zuflucht zu nehmen. Ein sehr schönes Beispiel bildet unter anderm das Palais du Champ de Mars [* 12] von der 1878er Ausstellung in Paris, bei welchem die in Eisengitterwerk hergestellten Wandpfeiler nach außen farbige Fayencefüllunqen erhalten hatten (Taf. II, [* 11] Fig. 4). Auch das Hauptgebäude der Pariser Ausstellung von 1889 (Taf. II, [* 11] Fig. 2) darf hier als bedeutendes Beispiel angeführt werden, obwohl es keinen wesentlichen Fortschritt darstellt. An Stelle der raumabschließenden Steinwände sind hierbei übrigens vielfach Glaswände getreten, was ja auch bei dem gesamten in dieses Kapitel gehörigen, für die stilistische Entwickelung aber kaum in Betracht kommenden Gewächshausbau der Fall ist. Die zweite Art der Wandbildung im E., diejenige mit eingestellter Eisenkonstruktion, hat namentlich in Frankreich Anwendung gesunden, wie denn überhaupt die Entwickelung des Eisenbaues vornehmlich in diesem Lande stattgefunden hat. Hervorragende Beispiele sind unter anderm die Lesesäle der Bibliotheken Ste.-Geneviève und Nationale, der Lichthof in der École des beaux-arts (Taf. II, [* 11] Fig. 5) und die Kirche St. Augustin (Taf. I, [* 11] Fig. 7) in Paris.
Besonders konsequent ist das in Rede stehende Konstruktionsprinzip bei dem letztgenannten Bauwerk zur Durchführung gebracht. Allerdings läßt es dort auch die Grenzen, [* 13] die ihm gesteckt sind, recht erkennen. Eisen und Stein treten als Rivalen auf. Ihr Nebeneinander führt bald zu doppeltem Ausdruck ähnlicher oder gleicher Konstruktionsgedanken und dabei naturgemäß zur Verkümmerung der Steinformen, bald zu Konflikten beider Bauweisen, deren Bewältigung die größten Schwierigkeiten bereitet.
Doch sind auch glücklichere Lösungen zu verzeichnen; so Labroustes Lesesäle der genannten beiden Pariser Bibliotheken, bei denen die Rolle, die der Eisenbau spielt, allerdings eine wesentlich untergeordnetere ist. Bei der Bildung der Decken des gemischten Eisenbaues bildet die Eisenkonstruktion fast immer das allein tragende konstruktive Gerüst und tritt dabei mit bald mehr, bald weniger Selbständigkeit in die Erscheinung. Die ästhetischen Schwierigkeiten sind nicht so groß wie bei den Wänden, weil größere Leichtigkeit, Kühnheit und Masselosigkeit mehr im Wesen der Decke [* 14] liegen als in dem der Wand.
Überdies wird ein gewisser Schönheitsüberfluß sich hier leichter geben lassen, welcher übrigens stilistisch richtiger in schmückender Zuthat als in einhüllender Verkleidung zu bestehen haben wird. Die großen Bauten der letzten Pariser Weltausstellung zeigten hierfür bemerkenswerte Beispiele. Durch Anordnung von Gefachausfüllung mit Terrakotten [* 15] und allerhand Steinplattenwerk, durch Aufheften von Kartuschen, [* 16] Schilden sowie von naturalistisch-pflanzlichem Schmuck auf das frei gezeigte Gitterwerk der Binder, Gurte 2c., durch geeignete Anbringung selbständiger Malereien und in barocker Weise aus ihren Rahmen ungezwungen heraustretender Skulpturen sind Ergebnisse gewonnen, welche mehr als dekorative Bedeutung beanspruchen können. Das eben von den Decken Gesagte gilt übrigens auch für die Wandbildungen, wenn, wie z. B. bei den großen Hallenbauten, Decke und Wand nahezu vollständig zu einer Einheit zusammenschmelzen, wie dies, um eins der bedeutendsten neuern Beispiele anzuführen, bei der Empfangshalle des Hauptbahnhofs in Frankfurt [* 17] a. M. (Taf. II, [* 11] Fig. 1) der Fall ist. Bei diesen Hallenbauten pflegen auch Decke und Dach eins zu sein; letzteres wird also von innen
sichtbar und kommt stilistisch auch nur in solchem Fall als Teil des Eisenbaues in Betracht. Als besondere Gattung von Eisenhochbauteu der Neuzeit sind schließlich noch die eisernen Turmbauten zu erwähnen. Sie zeigen bald gemischten, bald reinen Eisenbau. Oft dienen sie (als Leuchttürme, Wassertürme u. dgl.) so ausschließlich Nutzzwecken, daß das formale Moment sehr stark zurücktritt; sie können aber auch eine ästhetisch und damit stilistisch bedeutsame Rolle spielen. Hervorragendster Vertreter der letztern Art ist der bei Gelegenheit der mehrerwähnten 1889er Pariser Weltausstellung der Hauptsache nach als Schau- und Repräsentationsstück errichtete Eiffelturm [* 18] (Taf. II, [* 11] Fig. 3), ein Meisterwerk der Ingenieurkunst auch in architektonischer Beziehung und ein schlagender Beweis dafür, wie ein Eisenbauwerk lediglich durch seine Gesamtanordnung und Linienschönheit zum Kunstwerk werden kann.
Was geschichtlich über die stilistische Entwickelung des Eisenbaues zu sagen ist, erhellt in der Hauptsache aus dem vorstehenden von selbst. Vorangegangen ist im allgemeinen Frankreich. Dort sind zumeist die ersten sowohl als bedeutsamsten charakteristischen Lösungen der schwierigen Probleme entstanden. England und Amerika, [* 19] auch Italien [* 20] haben wenig zur Sache gethan. Deutschland [* 21] hat sich besonders um die tektonische Durchbildung der Einzelheiten bemüht (vgl. z. V. Taf. I, [* 11] Fig. 1, 2, 5, 6; Taf. II. [* 11] Fig. 8, 9,10), hat dabei jedoch oft die großen Gesichtspunkte aus dem Auge [* 22] verloren. Immerhin sind aber auch auf deutschem Boden Werke entstanden, die von dem erfolgreichen Bestreben Zeugnis ablegen, diese Bauweise auch im großen künstlerisch fortzuentwickeln.