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Nach einer UN-Studie haben 77 Millionen Brasilianer und damit fast 40 Prozent der Bevölkerung keinen Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung oder Zugang zu Trinkwasser. Auf eine adäquate sanitäre Lösung müssen zudem mehr als die Hälfte der Brasilianer verzichten. Betroffen ist dabei vor allem die ärmere Bevölkerung.
Das südamerikanische Land hat sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich und sozial stark entwickelt. Diese Verbesserungen spiegeln sich jedoch nicht bei der Versorgung mit Trinkwasser und der Abwassersituation nieder, wie UN-Berichterstatterin Catarina de Albuquerque ausführt. Mangelnde Investitionen in diesen Bereichen kommen das Land indes teuer zu stehen. Laut dem UN-Bericht mussten in einem Jahr 400.000 Menschen aufgrund von Durchfallerkrankungen stationär behandelt werden. Dadurch seien Kosten in Höhe von 46 Millionen Euro entstanden.
Vor allem in den ländlichen Regionen des riesigen Landes, den Stadtrandgebieten und den Favelas landet das Abwasser ungeklärt in schlichten Sickergruben oder wird einfach in Flüsse, Bäche und das Meer geleitet. Bei der Trinkwasserversorgung sieht es ähnlich aus. Viele Randsiedlungen, Armenviertel und Anwesen auf dem Land beziehen ihr Trinkwasser aus eigenen Brunnen oder Fließgewässern ohne eine regelmäßige Kontrolle der Qualität und ohne jegliche Behandlung.
Im Norden Brasiliens leben 31 Prozent der Bevölkerung unter diesen Bedingungen, im Nordosten 21,5 Prozent. Die mangelnde Versorgung scheint dabei mit der Einkommenssituation verbunden zu sein. Während von den Familien mit fünf Mindestlöhnen 95 Prozent Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, sind es bei den Menschen mit nur einem Viertel des Mindestlohnes lediglich 65 Prozent. Der gesetzlich festgelegte monatliche Mindestlohn in Brasilien liegt derzeit bei umgerecht etwa 240 Euro.
Kritisiert wird von den UNO-Vertretern auch der von der Regierung initiierte „nationale Plan zur sanitären Grundversorgung“. Dieser sieht vor, bis 2033 etwa 99 Prozent der Bevölkerung an die Trinkwasserversorgung anzuschließen. Damit bliebe ein Prozent außen vor, beim Abwasser wären es sogar acht Prozent. Die UN-Vertreter vermuten, dass von diesem Ausschluss vor allem die ärmeren Menschen in abgelegenen Gebieten betroffen sein werden. Sie fordern deshalb, den Plan zu überdenken und die Trinkwasserversorgung sowie die Abwasserbehandlung als Grundrecht ins Gesetz aufzunehmen.