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Hirntumor als Kontraindikation für Organtransplantationen?
Maligne Tumoren bei potenziellen Organspendern gelten normalerweise als Kontraindikation für Transplantationen, da ein geringes, aber unvermeidbares Risiko einer Übertragung besteht. Experten betrachten dieses Risiko bei Hirntumoren als vertretbar, da diese extrem selten ausserhalb des Zentralnervensystems metastasieren.
Patienten mit Hirntumoren sind tendenziell eher jung. Sie könnten hochwertige Organe spenden, die man in diesem chronisch unterversorgten Bereich dringend benötigt.
Dennoch gibt es immer wieder Bedenken, insbesondere bei aggressiven Hirntumorarten und vorherigen Operationen oder Bestrahlungen, die das Risiko einer Übertragung erhöhen könnten.
Das sei umso mehr ein Thema, als Patienten mit Hirntumoren tendenziell jünger sind und in diesem chronisch unterversorgten Bereich qualitativ hochwertige Organe spenden könnten.
Dennoch gibt es auch hier immer wieder Bedenken. Als Risikofaktoren gelten etwa eine besonders aggressive Histologie des Hirntumors sowie eine vor Tod und Transplantation stattgehabte Operation, die möglicherweise die Chancen einer Übertragung erhöhen können.
Studie mit 282 Spendern, die einen Hirntumor hatten
Eine Studie mit 282 Spendern, die einen Hirntumor hatten, wurde von Dr. George H. B. Greenhall und seinem Team vom NHS Blood and Transplant in Bristol durchgeführt (1). Von den insgesamt 887 zwischen 2000 und 2016 transplantierten Organen stammten 262 von Spendern mit hochaggressiven Tumoren und 494 von Spendern, die vor ihrem Tod eine neurochirurgische Operation und/oder eine Radiotherapie erhalten hatten.
Der primäre Endpunkt der Studie war eine mögliche Übertragung des Hirntumors auf den Empfänger. Bei 778 der 887 transplantierten Organe (88 %) konnte dieser Endpunkt über einen Zeitraum von durchschnittlich sechs (maximal neun) Jahren verfolgt werden. In diesem Zeitraum traten insgesamt 83 Malignome (ausser nicht-melanotischem Hautkrebs) nach der Transplantation auf, jedoch keiner davon war ein Hirntumor, der histologisch dem des Spenders entsprach.
Kein Unterschied in den Überlebenschancen
Die Überlebenschancen der Empfänger von Nieren, Lebern, Herzen und Lungen waren vergleichbar mit denen von Kontrollgruppen, bei denen die Spender keinen Hirntumor hatten. Das Risiko einer Übertragung war also geringer als bisher angenommen, selbst wenn vermeintliche Risikofaktoren vorlagen.
Es zeigte sich jedoch eine gewisse Zurückhaltung bei der Verwendung von Organen von Spendern mit aggressiven Hirntumoren. Nieren, Lebern und Lungen wurden seltener von diesen Spendern transplantiert im Vergleich zu den gematchten Kontrollgruppen.