Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03476.jsonl.gz/2159

Am 18. Mai 1657 schrieb der Zuger Stadtschreiber ins Ratsprotokoll: «Mit den Schwesteren allhie zu reden, dass sey den jungen Döchteren Schull halten.» Später fügte er hinzu: «Wellent jhr Best thun, aber nit verbunden syn.» Offensichtlich hatte das Kloster Maria Opferung unter der Bedingung zugesagt, dass es sich nicht langfristig verpflichten wolle.
Kosttöchter und «Meitlischull» im Ancien Régime (bis 1798)
Leider finden sich im Klosterarchiv und im Archiv der Bürgergemeinde Zug kaum Angaben darüber, wie die Schule im Ancien Régime funktionierte. Es handelte sich vor allem um religiöse Unterweisung und christlich-sittliche Erziehung. Nur Kinder aus besser gestellten Familien konnten eine höhere Schule besuchen, die ärmeren Kinder lernten im Unterricht Texte memorisieren und buchstabieren, aber nicht wirklich das Lesen.
In den Aufbruchsjahren um 1800 wagte es die Schwester Theresia Uttinger (1758–1824), ein Internat aufzubauen, das dem Konvent Einnahmen von bis zu einem Drittel des Einkommens bescherte. Die Schülerinnenzahlen wuchsen in der Folge kontinuierlich, von 83 Töchtern 1804 bis auf über 180 um 1810/11.
Öffentliche städtische Volksschule für Mädchen (1848–1965)
Bis 1965 führte das Kloster Maria Opferung eine öffentliche Mädchenschule neben seinem Internat. Diese Schule wurde über die Jahre zunehmend professionalisiert; hatten anfangs die Schwestern keine oder nur eine interne Ausbildung, so änderte sich das über die Zeit; 1912 etwa hatten von 12 unterrichtenden Schwestern 8 ein Lehrerinnenpatent. 1965 beschloss das Kloster, sich von der öffentlichen Schule zurückzuziehen und sich auf das Führen des Internates zu fokussieren. Die Stadt mietete in der Folge das Schulgebäude und übernahm es 1991 im Baurecht für die Tagesschule.
Konzentration auf eine moderne Mädchenschule (1965–2003)
Die letzten vier Jahrzehnte der Mädchenschule bei Maria Opferung waren geprägt vom mangelnden Nachwuchs an Schwestern und damit verbunden immer höheren Aufwändungen für die Entlöhnung der externen Lehrerinnen. Nach erfolgreichen und von einem guten Geist geprägten Jahren musste 1975 die Handelsklasse aufgegeben werden, Mitte der 1980er Jahre die drei Realklassen und die Sprachkurse. Dies reduzierte die Anzahl der Schülerinnen immer mehr. Und obwohl 1991 wieder ein Sprachkurs und 2000 auch wieder eine Handelsklasse eingeführt wurde, kam das Ende der Schule 2003, bedingt durch den Rückgang der Schwestern.