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Rückfall / Vorfall
- Rückfälle, das heisst erneuter Konsum nach einer Phase der Abstinenz, gehören zum normalen Verlauf einer Suchttherapie
- Das folgende Diagramm veranschaulicht verschiedene Situationen bzw. Gefühlslagen, die mit einem erhöhten Rückfallrisiko einhergehen können
In Anlehnung an das Rückfallmodell von Marlatt und Gordon (1985) unterscheidet man kurze Rückfälle („lapse“, “Vorfälle”) von länger dauernden Rückfällen („relapse“). “Vorfälle” können von Betroffenen mitunter schnell wieder gestoppt werden, während eigentliche Rückfälle länger andauern und oftmals negative Konsequenzen nach sich ziehen.
- Rückfälle fallen nicht vom Himmel, sondern deuten sich meist lange vor dem ersten Schluck durch einen Rückfall in alte Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Konsum an
- “Unausgewogener Lebensstil zwischen Sollen und Wollen” (keine Balance zwischen Vergnügen und Verpflichtung)
- Suchtmittelverlangen mit der Erwartung an eine unmittelbare positive Alkoholwirkung z.B. durch Erinnerung an frühere angenehme Alkoholerlebnisse
- Gesunkenes Selbstvertrauen (geringes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Selbstwirksamkeit)
- “Rückfallschock” nach dem ersten Alkoholschluck (“Jetzt ist doch alles egal...”); dieser verführt dann zu weiterem Trinken
Gerade "Vorfälle“ sollen nicht dramatisiert werden und mit den Patientinnen oder Patienten reflektiert und thematisiert werden. Rückfälle können als Zeichen verstanden werden, dass eine Lebensaufgabe noch nicht gelöst ist oder Lebensereignisse nicht angemessen beachtet wurden.
Rückfälle und Vorfälle bieten also eine Chance etwas zu lernen.
Eventuell müssen Therapievereinbarungen angepasst werden, aber nicht primär im Sinne von Sanktionen, sondern von Frühwarnung (häufigere Gespräche; evtl. Angebot von Atemalkoholkontrollen als therapeutische Unterstützung) und Hilfestellung.
Insgesamt ist das Leben in Abstinenz wie die Umstellung vom Rechts- auf den Linksverkehr: Am Anfang ist es am schwierigsten. Sind einmal die ersten Kilometer gefahren, dann wird es immer leichter. Problematisch kann es dann noch beim Abbiegen werden, insbesondere beim Rechtsabbiegen. So ergeben sich auch bei der Aufrechterhaltung der Abstinenzsituationen, die spielend gemeistert werden und solche, bei denen es schwierig ist die Abstinenz aufrechtzuerhalten und ggf. „Ausrutscher“, also das Zurückfallen in alte, bekannte und Sicherheit gebende Verhaltensweisen auftreten. Der enge Kontakt zu den Betroffenen und die positive Verstärkung: „Du schaffst es und ich helfe Dir!“ sind häufig ausschlaggebend für die Wiedererlangung der Abstinenz und der Abstinenzzuversicht.