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Christoph Badertscher
Geboren 1966 in Gossau/St. Gallen, arbeitete als Typograf und absolvierte dann ein Übersetzerstudium an der Dolmetscherschule Zürich. Heute lebt er in Bern, wo er als Redakteur für die eidgenössischen Räte arbeitet. Er ist Vater eines Sohnes. (2015)
Werke (Auswahl)
Toboggan oder Das gestohlene Bild.
Verlag Nagel & Kimche AG, 2004
Toboggan oder Das gestohlene Bild
Verlag Nagel & Kimche AG, 2004
Aus: Christoph Badertscher. Toboggan oder Das gestohlene Bild. Verlag Nagel & Kimche AG, 2004
«Joël, aufwachen!»
«Was ist? Wo bin ich?»
«Es ist halb zwei, es ist Zeit.»
«Zeit wozu?»
«Den Unbekannten zu beobachten, du Penntüte!»
Joël gähnte und stand auf. Hinter ihm ging mit lautem Scheppern das Klappbett zu Boden.
«Leise!», zischte Noël. Wo er doch extra den Wecker unter das Kopfkissen gesteckt hatte, damit Mama nicht erwachte!
Sie zogen den Vorhang zur Seite und öffneten das Fenster. Auf der anderen Strassenseite schlenderte prompt der unbekannte Spaziergänger mit dem Dackel über den Gehsteig. Sobald der Lichtkegel der Strassenlampe hinter ihm lag und er nur noch vom Mondlicht beschienen wurde, blieb er stehen. Wie eine Eule drehte er den Kopf auf den Schultern und sah zu den Fenstern des Museums hoch. Dazu bewegte er die Lippen. Noël hielt sich die Hände hinter die Ohrmuscheln und horchte angestrengt, doch es war kein Laut zu hören.
«Eines ist klar», flüsterte Joël: «Der Alte führt etwas im Schild. Aber wieso spricht er dauernd mit sich selbst?»
Durch ein Fenster im zweiten Stock des Museums sahen sie einen Wachmann, der mit einer Taschenlampe in der Hand durch einen Saal schritt. Der tanzende Lichtstrahl warf den Schatten des Wächters in riesenhafter Vergrösserung an die Wand. Als die Taschenlampe erlosch, warf der Spaziergänger einen Blick auf seine Armbanduhr und setzte sich in Bewegung.
«Los», flüsterte Joël. «Ihm nach!»