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Einblick in das Leben von Max Westermaier
Hans Meier schreibt über Max Westermaier in der „Geschichte der Universität Freiburg Schweiz”, Band 2, Fribourg 1991, 842-843, folgendes:
Der erste Inhaber des Lehrstuhls für Botanik war Maximilian Westermaier. Am 6. Mai 1852 in Kaufbeuren (Bayern) geboren, hatte Westermaier an der Universität und an der Technischen Hochschule München Chemief, Mineralogie und beschreibende Naturwissenschaften studiert und 1873 das Lehramtsexamen abgelegt. Anschliessend wurde er Assistent für Botanik bei Radlkofer und dem Schweizer von Nägeli und verfasste unter der Leitung des letzteren seine preisgekrönte Doktorarbeit über „Die ersten Zellteilungen im Embryo von Capsella bursa pastoris. 1878 zog er nach Berlin zu Professor Schwendener, einem Schweizer, der dort ein neues Botanisches Institut aufbaute. Schwendener war der Begründer der sogenannten teleologischen Forschungsrichtung in der Botanik, welche Bau und Funktion der Pflanzen in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit und Zweckmässigkeit studierte. 1879 habilierte sich Westermaier. Im damaligen Deutschland stand seine ausgesrpochene katholisch-kirchliche Einstellung vermutlich einer Beförderung hindernd im Wege. Wohl hatte ihn die kaiserlich leopoldinische Akademie der Naturforscher zu Halle in Anerkennung seiner verdienste zu ihrem Mitglied ernannt. Auch war ihm nach dem Tode Casparys provisorisch die Botanikprofessur in Königsberg übertragen worden, aber die Ernennung zum Professor erfolgte nicht. so nahm er im Jahre 1890 einen Ruf an das Lyzeum in Freising (Bayern) an, wo er nur noch wenig Zeit für wissenschaftliche Forschungsarbeiten hatte. Als 1894 Decurtins ihn in Freising besuchte, um ihm den Lehrstuhl für Botanik in der zu errichtenden Naturwissenschaftlichen Fakultät Freiburg anzubieten, war dies für den bereits 42jährigen, forschungsbegierigen Gymnasiallehrer eine sehr grosse Freude, und er wollte gleich zustimmen. Der Erzbischof von München-Freising und auch der Rektor und die Lehrerschaft des Lyzeums in Freising versuchten aber, ihn unbedingt an seinem Weggehen zu hindern. Es bedurfte schliesslich Descurtins’ Intervention in Rom und eines von Staatssekretär Kardinal Rampolla an den Münchner Nuntius gerichteten Schreibens, das den Wunsch von Papst Leo XIII. enthielt, man möge Westermaier an die katholische Universität Freiburg ziehen lassen.
Im September 1896 nahm Westermaier seine Tätigkeit in Freiburg provisorisch in den Räumen der alten Waggonfabrik auf. Ab 1897 standen ihm im neuen „Kopfgebäude” der Fakultät ein Mikroskopierraum mit zehn Fensterplätzen, ein Arbeits -und Bibliotheksraum für ihn selbst, ein kleiner Raum für die Pflanzenkultur und, zur ersten Einrichtung des Instituts, Fr. 3000.- zur Verfügung. In den Hörsaal teilten sich Botanik, Geographie, Geologie und Mathematik. Die Professoren der Botanik und Zoologie hatten zudem einen gemeinsamen „Diener” zur Verfügung.
Bereits im September 1898 unternehm Westermaier eine botanische Studienreise in die Tropen. Das Ziel war Buitenzorg auf Java, weil daselbst ein berühmter Botanischer Garten und ein gut eingerichtetes Botanisches Institut bestanden. Im Februar 1899 trat er die Rückreise mit viel wertvollem Pflanzenmaterial für den Unterricht und für weitere Untersuchungen an.
In den wenigen Jahren, die Westermaier in Freiburg verbrachte (er starb plötzlich an einer Darmverschlingung am 1. Mai 1903), betreute er sechs Doktorarbeiten. Sein Leitmotiv in seinen Forschungsarbeiten war, von Schwendener geprägt, Formen und Strukturen mit Funktionen in Beziehung zu bringen und nach dem „wozu” zu fragen. Diese teleologische Problemstellung ist auch in der heutigen modernen biologischen Forschung noch durchaus aktuell.
Die Ausführungen über die Westermaier-Periode des Botanischen Institutes wären unvollständig ohne die Erwähnung, dass der erste Lehrstuhlinhaber ausgezeichnet in die von der katholischen Weltanschauung geprägte, im Kampf gegen Materialismus und Atheismus gegründete junge Universität Freiburg hineinpasste. Er versuchte immer wieder aufzuzeigen, dass es zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und Gottesglauben keinen Widerspruch geben kann, und legte durch sein persönliches Leben und Wirken in eindrücklicher Weise Zeugnis für das Christentum ab. Aus diesem Grunde wurden schliesslich im Jahre 1948 durch Bischof François Charrière die Vorarbeiten für die Seligsprechung Max Westermaiers durch die katholische Kirche aufgenommen. Nach dem unerwartet eingetretenen Tod Westermaiers trat er seit dem Wintersemester 1902 angestellte Assistent, Alfred Ursprung, die Nachfolge Westermaiers an.