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Weil sein Vater als Held starb, musste er durch die Hölle
Tattoos, Drogen und düsterer Humor – so therapierte sich Komiker Pete Davidson nach dem Tod seines Vaters. Der Film «The King Of Staten Island» gibt Einblicke in einen mental und körperlich zerrütteten Menschen.
«Klopf, Klopf» – «Wer ist da?» – «Nicht dein Vater!» Mit diesem Witz beginnt das semi-autobiografische Werk von Pete Davidson. Fadengrade. Das entspricht genau dem Humor, den Davidson in seinen Bühnenprogrammen an den Tag legt: Seine Komik ist rabenschwarz, und er macht keinen Hehl daraus, dass sein Vater – ein Feuerwehrmann –, bei einem Einsatz bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ums Leben kam. Pete war damals sieben Jahre alt.
Der 26-Jährige leidet darum seit Jahren unter Psychosen, er ist depressiv. Neben den mentalen Problemen wurde Davidson zudem noch mit Morbus Crohn diagnostiziert, einer chronischen Darmerkrankung, die ihm «höllische Schmerzen bereitet» und der Grund sei, warum er «so viel Gras» rauche.
Pete Davidson ist ein kaputter Mensch – psychisch labil und körperlich angeschlagen. Seit einigen Jahren scheint es ihm jedoch besser zu gehen. Er findet Freude an seiner Comedy und bekommt stetig Rollen in Filmen. Nun sogar eine Hauptrolle: Im Film «The King Of Staten Island» erzählt er auf komische und herzzerreissende Art, warum er so geworden ist, wie er ist – und was für einen Einfluss der Tod seines Vaters auf ihn hatte.
«Ihr seid das Letzte!»
Im Film spielt Davidson eigentlich sich selbst, auch wenn seine Figur Scott heisst. Das war übrigens auch der Name seines richtigen Vaters.
Dieser Scott ist 24 und lebt mit seiner Mutter und Schwester in einem Haus in Staten Island am Rand von New York. Sein Vater kam ums Leben, als er zwei Menschen aus einem brennenden Haus gerettet hat. Scotts tägliche Routine beinhaltet eigentlich nur, zusammen mit seinen Freunden Marihuana zu rauchen und nichts zu tun. Dies, bis seine Schwester aufs College geht und seine Mutter (Marisa Tomei) genug von ihrem faulen Sohn hat – und ihn kurzerhand rausschmeisst.
Zu allem übel erfährt Scott auch noch, dass seine Mum wieder jemanden getroffen hat: Nach 17 Jahren ohne Ehemann oder Freund lässt sie sich wiederum auf einen Feuerwehrmann ein. Ray (Komiker Bill Burr) hat ein grosses Herz, doch Scott will nichts davon wissen und findet es nur abartig, dass der erste Mann, den seine Mutter nach dem Tod seines Vater datet, wieder ein Feuerwehrmann ist.
Und so entsteht während des Films eine Dynamik zwischen Scott, seiner Mutter und Ray, die für den echten Davidson therapeutisch gewesen sein dürfte. Er hat kein Verständnis für Feuerwehrmänner, die ihre Familien tagein tagaus einem Horror aussetzen. «Es sollte euch nicht erlaubt sein, Familien zu haben», sagt er zu Rays Truppe während eines Baseball-Spiels. «Kinder, die jeden Tag hoffen müssen, dass ihr Daddy wieder nach Hause kommt – bis er das eines Tages nicht mehr tut. Ihr seid das Letzte!»
Regisseur Judd Apatow («Knocked Up», «This Is 40») hatte wohl einiges mitzureden beim Drehbuch, denn wäre das eine pure Pete-Davidson-Komödie, dürfte der Humor noch um einiges düsterer ausgefallen sein – noch düsterer als er teils sowieso schon ist.
Schritt für Schritt – und nicht zuletzt dank seiner plötzlichen Obdachlosigkeit – lernt Scott die Feuerwehrmänner kennen und sie ihn. Langsam entsteht eine gegenseitige Toleranz. Die Geschichte an sich ist nicht weltbewegend, es ist eine klassische Apatow-Feel-Good-Komödie. Der Kontext für den Film macht ihn allerdings sehr emotional – und sicherlich nicht zur einfachsten Aufgabe, die Davidson mit Blick auf seinen Vater zu bewältigen hatte.
Auch viele Freunde des Protagonisten finden sich im Film wieder: Neben seinen echten und unbekannten Freunden hat Davidson auch mehrere seiner berühmten Kumpanen engagiert. Da wären beispielsweise die beiden Rapper Machine Gun Kelly und Action Bronson oder eben Komiker-Kollege Bill Burr. Dieses Thema mit seinen echten Freunden zu verfilmen – und gerade weil es nur halb-biografisch ist –, dürfte den Dreh wohl noch surrealer gemacht haben.
Das Schauspiel, besonders von Davidson, ist herausragend. Er schien kein Problem damit zu haben, sich selbst zu spielen – oder eine Figur, die sehr nahe an seiner echten Persönlichkeit liegt. Für Schauspieler sind für gewöhnlich immer diese Rollen die schwierigsten. Jemanden zu spielen, der einem komplett fremd ist, fällt vielen leichter.
Bleibt nun zu hoffen, dass der kaputte Davidson dadurch ein wenig zusammengeflickt werden konnte. Ich wünschte es ihm.
«The King Of Staten Island» läuft ab 30. Juli in den Kinos und ist digital auf VOD abrufbar.Zurück zur Startseite