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Der preisgekrönte britische Schriftsteller Ian McEwan lässt in seinem neuesten Roman «Solar» einen unsympathischen, zynischen NobelpreisPreisträger für Physik auftreten. Michael Beard, klein, dick und gierig, leitet ein politisches Prestigeprojekt, das Institut für Erneuerbare Energien - doch die ganze Diskussion um die Klimaerwärmung hält er für eine grosse Mär: «Was gingen ihn die wüsten Kommentare an, wonach die Welt in Gefahr sei und die Menschheit auf eine Katastrophe zutreibe: Küstenstädte, die von den Fluten verschlungen würden, Missernten, Hunderte Millionen Flüchtlinge, die von einem Land, von einem Kontinent zum anderen zögen, getrieben von Dürre, Überschwemmungen, Hungersnot, Unwettern und endlosen Kriegen um schwindende Rohstoffe.»
Beard driftet in seiner philosophischen Rechtfertigung weiter ab: «Die Warnungen hatten etwas Alttestamentarisches, etwas von Beulenpest und Froschregen; in seinen Augen deutete das nur darauf hin, dass der Mensch über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu dem Glauben neigte, er selbst lebe in einer Endzeit, wodurch der eigene Tod mit dem Ende der Welt zusammenfiel, was ihm einen höheren Sinn verlieh oder ihn zumindest etwas weniger unbedeutend erscheinen liess.»
Mit seiner ins Groteske überzeichneten Romanfigur trifft McEwan ins Schwarze. Man erinnert sich: Vor dem Klimagipfel in Kopenhagen konnte man das Ende der Welt buchstäblich erahnen. Die dem Untergang geweihte Welt erlebte einen spektakulären Hype. Die Erwartungen an das Klimatreffen waren immens. Das überfrachtete Paket zur Rettung der Welt konnte nur scheitern - und es scheiterte grandios.
Seither hat sich Ernüchterung breitgemacht. Der Weltklimarat der Uno kämpft mit Problemen. Die wegen der Krise und der Rezession überschuldeten Staaten haben die Klimaerwärmung von ihrer Prioritätenliste gestrichen. Die breite Öffentlichkeit mag von schmelzenden Gletschern und gestrandeten Eisbären nichts mehr hören. Amerikaner und Chinesen liegen sich vor dem nächsten Klimatreffen in Cancún in den Haaren.
Das ist fatal. Die neusten wissenschaftlichen Studien und Zahlen belegen: Die Klimafront hat sich nicht beruhigt. Rückversicherer rechnen vor, wie teuer die wachsende Zahl von Naturkatastrophen die Volkswirtschaften zu stehen kommen wird. Deshalb dürfen weder die Politik noch die Wissenschaft und die Unternehmen in ihren Bemühungen nachlassen, ihren Beitrag zur Reduktion von CO? zu leisten. Dass sich nämlich das Klima verändert, ist und bleibt ein Fakt.