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Kehlkopfkrebs gehört zu den Kopf-Hals-Tumoren und tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen.
Der grösste Risikofaktor ist Tabak, der durch grossen Alkoholkonsum potenziert wird. Bei der Therapie stehen je nach diagnostizierter Krebsart mehrere Möglichkeiten zur Auswahl.
Epidemiologie von Kehlkopfkrebs
In der Schweiz wird Kehlkopfkrebs jedes Jahr an rund 270 Personen diagnostiziert (1). Dieser Tumor tritt besonders bei Männern auf (85 % der Fälle gegen 15 % bei Frauen), seit die Zahl der Raucherinnen am wachsen ist, vermehrt aber auch bei Frauen. Die Inzidenz von Kehlkopfkrebs nimmt mit dem Alter zu. Bei der Erstdiagnose ist die Hälfte der Betroffenen 50 bis 69 Jahre alt, rund 40 Prozent sind über 70 (2).
Die Überlebens- und Heilungschancen sind sehr unterschiedlich und hängen vom Ort des Ersttumors, vom Alter der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose sowie vom Krankheitsstadium ab und bewegen sich zwischen 20 und 90 Prozent (2).
Der Kehlkopf ist ein Knorpelorgan, das zwischen Rachen und Luftröhre liegt. Er ist an der Atemfunktion beteiligt und sorgt dafür, dass beim Essen nichts in die Luftröhre gelangt. Im Kehlkopf sind die Stimmbänder angesiedelt, die zur Lautbildung und daher zum Sprechen dienen. Im Allgemeinen entsteht der Tumor in der Schleimhaut, mit welcher der Kehlkopf überzogen ist. Er kann sich aber auch an den Stimmbändern, am Kehlkopfdeckel oder am Kehlkopfrand bilden.
Die verschiedenen Krebsarten der oberen Atem- und Verdauungswegen (wie der Kehlkopfkrebs) weisen viele Gemeinsamkeiten auf.
Drei bösartige Kehlkopfkrebsarten
Je nach Ort des Auftretens werden drei bösartige Kehlkopfkrebsarten unterschieden (3):
- Glottisches Karzinom: auf den Stimmbändern gelegen, betrifft rund zwei Drittel der Kehlkopfkrebsdiagnosen
- Supraglottisches Karzinom: über den Stimmbändern gelegen, betrifft rund ein Drittel der Kehlkopfkrebsdiagnosen
- Subglottisches Karzinom: unter den Stimmbändern gelegen, tritt nur äusserst selten auf
Es gibt weitere, seltene Arten von Kehlkopfkrebs wie Nebenspeicheldrüsenkrebs, Hautkrebs, Lymphdrüsenkrebs und Sarkome.
Der grösste Risikofaktor für Kehlkopfkrebs ist der Tabakkonsum. Dieser wird durch zusätzlichen Alkoholkonsum potenziert. Das bedeutet, dass die Kombination von Tabak- und Alkoholkonsum für das Auftreten von Kehlkopfkrebs besonders riskant ist.
Weitere Faktoren können das Risiko steigern, etwa eine papillomvirale Infektion, das Einatmen von gewissen Reizstoffen, Metalldämpfen oder chemischen Mitteln.
Die Symptome
Gewisse klinische Befunde können Anzeichen für Kehlkopfkrebs sein, besonders wenn sie anhaltend auftreten (4):
- Probleme der Stimmbildung (Dysphonie: belegte Stimme, Redebeschwerden), die allmählich auftreten und bleiben
- Chronische Heiserkeit
- Anhaltender Husten
- Blutiger Auswurf
- Engegefühl im Hals, ständiger Räusperzwang
- Atembeschwerden
- Schluckbeschwerden
- Schmerzen bis hin zu Ohrenschmerzen
- Unübliche Müdigkeit
- Appetitlosigkeit
- Gewichtsabnahme
Das typischste Symptom ist die Dysphonie, gerade bei Menschen, die rauchen und Alkohol trinken.
Wenn die hier beschriebenen Symptome länger als drei Wochen anhalten, wird dringend zu einem Arztbesuch geraten.
Nur ein*e Hals-Nasen-Ohren-Spezialist*in kann eine Kehlkopfkrebsdiagnose stellen. Dazu wird unter Narkose eine eingehende Endoskopie von Mund, Hals, Kehlkopf und Luftröhre vorgenommen. Dabei können von verdächtigen Orten Gewebeproben zur Biopsie entnommen werden.
Um die Halsgegend abzubilden, kann auch eine Ultraschall- oder Computertomografie-Untersuchung veranlasst werden.
Therapeutische Möglichkeiten
Die gewählte Therapiestrategie bei Kehlkopfkrebs hängt von mehreren Kriterien ab wie der Art des ermittelten Tumors, sein Grading, sein Stadium, seine Ausbreitung usw.
Je nach Stadium entscheidet sich das Ärzteteam für eine chirurgische oder medikamentöse Behandlung.
Chirurgische Eingriffe
Auch die Wahl des chirurgischen Eingriffs hängt vom Krebsstadium ab. Im Allgemeinen setzen die Ärzte und Ärztinnen alles daran, den Kehlkopf zu retten. Es bestehen folgende Möglichkeiten:
- Gesamtentfernung (totale Laryngektomie): Entfernung des gesamten Kehlkopfs, wenn sich der Tumor zu sehr ausgedehnt hat, insbesondere in den Knorpel (letztes Mittel)
- Teilentfernung: Entfernung einer beschränkten Zone, wenn der Tumor weniger gross ist, sodass die Funktion des Kehlkopfes erhalten bleibt (Schlucken, Stimmbildung)
Chemotherapie
Besonders bei einer Teilentfernung kann eine Chemotherapie erforderlich sein. Dazu kann nur ein Medikament eingesetzt oder es können zwei oder mehr Medikamente assoziiert werden.
Die häufigsten Chemotherapien bei Kehlkopfkrebs sind (alleine oder assoziiert):
- Cisplatin
- Carboplatin (Paraplatin, Paraplatin AQ)
- Paclitaxel (Taxol)
- Docetaxel (Taxotere)
- 5-Fluoruracil (Adrucil, 5-FU)
Bei einer assoziierten Radiochemotherapie wird während drei Wochen oft Cisplatin (1× pro Woche) abgegeben und werden zugleich Bestrahlungen vorgenommen.
Gezielte Therapie
In einigen Fällen wird die Chemotherapie mit einer Immuntherapie mit Cetuximab (Erbitux) kombiniert. Diese kann bei Patientinnen und Patienten, die auf die unerwünschten Nebenwirkungen der Radiochemotherapie sensibel reagieren, auch mit einer Strahlentherapie kombiniert werden (5).
Strahlentherapie
Eine Strahlentherapie kann die genannten Therapien ergänzen. Oft wird sie bei kompletter Kehlkopfentfernung, bei ungenügendem Ansprechen auf die postchirurgische konservierende Chemotherapie oder zusammen mit der Chemotherapie eingesetzt.
Nutzen der Strahlentherapie
Bestrahlung ist bei Kehlkopfkrebs eine Standard-Therapie.
Für diese Krebsart wird vor allem die konventionelle dreidimensional konformale oder die intensitätsmodulierte konformale Radiotherapie verwendet.
Sie dient im Allgemeinen folgendem Zweck:
- als Haupttherapie für einen Kehlkopftumor im frühen Stadium oder wenn der Gesundheitszustand keinen chirurgischen Eingriff zulässt
- im Rahmen einer gleichzeitigen Radiochemotherapie als Hauptbehandlung für einen grossen Tumor oder wenn Metastasen in den anliegenden Lymphknoten vorliegen
- nach einem operativen Eingriff, um die verbleibenden Tumorzellen zu beseitigen und ein Krebsrezidiv zu vermeiden, unter Umständen ergänzt durch eine Chemotherapie
- nach einem operativen Eingriff, wenn der Tumor nicht vollständig beseitigt werden konnte oder Metastasen in den anliegenden Lymphknoten vorliegen
- palliativ, um die Symptome von Kehlkopfkrebs im fortgeschrittenen Stadium zu lindern
Gewöhnlich dauert die Strahlentherapie bei Kehlkopfkrebs rund sieben Wochen mit fünf Sitzungen pro Woche.
Literatur
- Schweizer Krebsbericht 2021 – Stand und Entwilcklungen, PDF
- Krebsliga.ch (2018)
- Adeel M, Faisal M, Rashid A, Usman S, Khaleeq U, Abbas T, Rehman A, Malik K, Hussain R, Jamshed A. An Overview of Laryngeal Cancer Treatment at a Tertiary Care Oncological Center in a Developing Country. Cureus. 2018 Jun 1;10(6):e2730. doi: 10.7759/cureus.2730 . PMID: 30083491 ; PMCID: PMC6070066.
- Koroulakis A, Agarwal M. Laryngeal Cancer. 2022. National Library of Medicine. National Cencer for Biotechnology Information. StatPearls [Internet].
- Parmar A, Macluskey M, Mc Goldrick N, Conway DI, Glenny A-M, Clarkson JE, Worthington HV, Chan KKW. Interventions for the treatment of oral cavity and oropharyngeal cancer: chemotherapy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2021, Issue 12. Art. No.: CD006386. DOI: 10.1002/14651858.CD006386.pub4
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