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Früher hatten Bauerndörfer wie Wittnau kein eigenes Wappen. Für die offiziellen Stempel und Siegel der Gemeinde verwendete man noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das Wappen des Kantons Aargau.
In diesem Stempel wurden beide Wappen - das Kantonswappen des Aargaus und das Schweizerkreuz der Eidgenossenschaft - miteinander verbunden.
Sehr ähnlich ist dieser Stempel; die Form des Aargauerwappens ist leicht verändert, Eiche- und Lorbeerzweig sind vertauscht.
Von den Wappenadlern ist noch weit und breit nichts zu sehen.
Wer ein eigenes Siegel besass, war die Kirche, genauer die Probstei Wittnau.
Es zeigt St. Martin zu Pferd. Am Boden kauert ein Bettler, der das Wittnauer Wappen hält. Der Wappenschild ist geteilt: Im unteren Feld steht ein W (für Wittnau), im oberen zwei Knochen über einem Dreiberg. Die Knochen sind ein Motiv des Wappens von Mariastein. Das Kloster im Kanton Solothurn hatte das Recht den Wittnauer Pfarrer einzusetzen. Vor 1648 war die Benediktinerabtei in Beinwil / SO angesiedelt. ("Bein" = Knochen).
Über die Farben dieses Wittnauer Wappens können wir heute leider nichts mehr sagen. Ausser dem Siegel im Gemeindearchiv (?) Wittnau sind uns von diesem Wappen keine Belege bekannt.
1915: Im Büchlein "Die Gemeindewappen des Kantons Aargau" stellte der Historiker Walther Merz fest: "Wittnau führt kein Wappen." Und er machte auch gleich einen Vorschlag: "Da im Banne des Dorfes die alte Homberg lag, wäre die Annahme des Homberger Schildes zu rechtfertigen (in Gelb zwei schwarze Adler):"
Farbige Abbildungen des Homberger Schildes sind aus der Zürcher Wappenrolle und der berühmten Manesse-Handschrift bekannt.
1939: Schweizerische Landesausstellung in Zürich. Kurz vor Eröffnung der Ausstellung riefen die Organisatoren alle Gemeinden auf, zum Schmücken des Höhenweges je zwei Fahnen von der Grösse 50 x 50 cm einzusenden. Gegen 3000 Gemeinden folgten dem Aufruf. Nicht so die Gemeinde Wittnau; eine Wittnauer Fahne gab es noch immer nicht.
1945: Die Aargauische Historische Gesellschaft ergriff die Initiative und setzte eine fünfköpfige Wappenkommission ein. Wappenlose Gemeinden wie Wittnau wollte man mit Rat und Tat unterstützen.
1947 und 1952: Die Wappenkommission unterstützte Walther Merz' Vorschlag von 1915, das Homburger Wappen mit den zwei übereinander gestellten Adlern zum Gemeindewappen zu erklären. Allerdings bestand die Kommission auf einer Farbänderung ("Brisüre"): weisse, rot bewehrte Adler auf blauen Hintergrund.
1952: Im Spätherbst fasste der Gemeinderat den Entscheid zu Gunsten des neuen Wittnauer Wappens.
Weitere Infos in der Jahresschrift «Adlerauge» 1997:
Karl Schmid-Schwarz: Vom Hochadel zum Wittnauer Wappen.