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Unterwegs im kolumbianischen Departamento la Guajira
Das sind Kinder der Wayuu (Eintrag auf Wikipedia) im kolumbianischen Departamento la Guajira. La Guajira ist eine flache Landschaft von karger Schönheit, die in der Hitze flimmert, voller Sand, Staub, Felsen, flache Küste, wenig Vegetation. Die Halbinsel ganz im Norden des Landes grenzt an Venezuela und ist nur dünn besiedelt.
Bewohnt wird die Halbinsel von den Wayuu, einem indigenen Volk, das seine eigenen Bräuche und traditionelle Lebensweise pflegt. Die Wayuu leben in Grossfamilien nach matriarchalen Strukturen, in weit verstreuten Hüttenansammlungen, den Rancherias, unter einfachen Bedingungen und mit wenig Infrastruktur.
Harte Lebensbedingungen
Manch eine Fata Morgana lässt in der Ferne Wasser glitzern. Aber Regen fällt hier selten, die Lebensbedingungen sind hart. Auch politisch ist die Situation schwierig in dieser von der Regierung vernachlässigten Region, die Durchgangsgebiet ist für Schmuggler und illegale bewaffnete Gruppen.
Wo es Infrastruktur hat, wird Rohstoffabbau im grossen Stil betrieben. El Cerrejón ist der grösste Steinkohleabbau Lateinamerikas und einer grössten der Welt. Verfeuert wird die Kohle in den USA, Europa und China. Die sozialen und ökologischen Konsequenzen tragen die Wayuu. Sie selber dürfen Salzabbau betreiben, aber mit eingeschränkten Hilfsmitteln und nur für den Tierfuttergebrauch.
Die Mochila, farbige Zeugin der Wayuu-Kultur
Der wichtigste Besitz der Wayuu sind ihre Ziegen. Je mehr Ziegen und anderes Vieh, desto höher der Status einer Familie. Ihr bekanntestes Produkt sind jedoch die Beutel, die in ganz Kolumbien von Frauen und Männern getragen werden. Diese charakteristischen, gehäkelten und gewobenen Mochilas werden von den Wayuu-Frauen mit traditionellen oder modernen Mustern und Farben hergestellt. Sie sind Teil ihrer Kultur und eines traditionellen Lernprozesses, den jedes Mädchen auf dem Weg zur Frau durchläuft. Heute sind sie wichtige Einkommensquelle.
«Antushi Jia» – das heisst «willkommen» in der Sprache der Wayuu. Touristen, die direkt in der Guajira Mochilas kaufen könnten, hat es aber im Vergleich zu den westlich gelegenen Städten Santa Marta und Cartagena wenig. Sie werden in zwei- bis viertägigen Touren von Riohacha, der Hauptstadt des Departamentos La Guajira, in klimatisierten Allrad-Fahrzeugen via Salzabbau in Manaure zum Kite-Surfer-Hotspot Cabo de la Vela und weiter nach Punta Gallinas gefahren.
Auf dem Touristenpfad nach Norden
Tourenanbieter gibt es einige, aber die Touristen unterschiedlicher Unternehmen finden sich in den gleichen Jeeps wieder. Gleiche Strecke, gleiche Restaurants, gleiche Zwischenstopps, gleiches Boot. Sicherheit ist einer der Gründe dafür. Die Touristen schlafen wie die Wayuus in grossen Hängematten, den Chinchorros, überdacht und aufgereiht.
Der Weg nach Norden führt über staubige, bucklige Pisten, gesäumt von Kakteen und dürrem Gestrüpp. Die Fahrzeuge weichen Ziegen aus. Wo die erdige Piste enger wird, sind plötzlich Ketten und Seile über die Strasse gespannt, viele hintereinander. Es sind Kinder, die so die Fahrzeuge zum Anhalten zwingen. Sie erbetteln Kekse, fragen nach Wasser. Ältere Mädchen haben schwarze Gesichter. Es ist Schlamm, der ihre Haut vor der immer brennenden Sonne schützt. Manche Kleinen sprechen kein Spanisch, nur die Sprache der Wayuu.
Die grosse Leere
Weiter oben im Norden werden die Rancherias seltener. Die Kinder scheinen aus dem Nichts heran zu rennen, wenn sie von Weitem die Staubwolke eines Fahrzeugs sehen. Einige Frauen tragen Schüsseln voller Garnelen, die sie den Vorbeifahrenden an ihren improvisierten Strassensperren verkaufen, andere bieten Mochilas und Armbänder an. Sie tragen ihre traditionellen, weiten Kleider, die im Wind flattern.
Dann ist der nördlichste Punkt des Kontinents erreicht: Punta Gallinas. Ein Leuchtturm steht dort und eine Ruine. Da ist sonst nichts, nur blau und braun, da lebt niemand ausser den Krabben zwischen den Felsen. Erst weiter westlich der Küste entlang, in Bahia Hondita, ändert die Landschaft wieder und Flamingoschwärme und Mangroven setzen farbige Akzente.
Eine traurige Hauptstadt
Rückfahrt. Uribia, die indigene Hauptstadt Kolumbiens, gewinnt keinen Schönheitspreis. Auch sie ist staubig und windig, in ihrem Umkreis liegt und fliegt Abfall. Am Strassenrand wird billiges Benzin aus Venezuela verkauft in Kanistern und Flaschen. Auf dem kleinen Markt sind die Mochilas teurer als in Riohacha. In der Hauptstadt des Departamentos bekämen sie Subventionen, sagen die Frauen. Einigen ist die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben.
Zurück in Riohacha. Fliessendes Wasser, ein Zimmer, ein Bett, eine Klimaanlage. Luxus pur.