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Guggenhürli
Die Geschichte
Das ehemalige Reb- und Sommerhaus ist, neben der Kirche Oberkirch, wohl das bedeutendste historische Gebäude auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Langdorf.
Erbaut wurde es um 1720 durch den reichenauisch-konstanzischen Amtmann (Vogt) Joseph Anton Bruno Johner, genannt Rüpplin. Das wurde bis vor kurzem so angenommen. Heute wissen wir, dass sich im Gebäude und an seinen Fassaden ältere Bauteile aus den Jahren 1575 und 1590 befinden. Gewisse Konstruktionsformen, Reste von historischer Zierbemalung sowie ein altes Wappen der Rüpplin stützen diese Vermutung. Um 1791 baute ein Hans Ulrich Holzer den östlichen Anbau.
Der Name Guggenhürli ist durchaus anständig. Er stammt von „Guggen“ (schauen, sehen) und vom althochdeutschen Begriff „Hora“, „Hüreli“ (kleiner Hügel), welcher Aussicht gewährt. Ein Schelm, wer dabei anderes vermutet.
WICHTIGE EIGENTÜMER UND BESUCHER
Johann Conrad Freyenmuth, Regierungsrat und Eigentümer (1775 – 1843). Seine bedeutendste Leistung als Baudirektor war der Bau der Kantonsstrasse zwischen Frauenfeld und Weinfelden mitsamt dem Bau der Brücke in Eschikofen, was allerdings in einem finanziellen Fiasko endete, so dass Freyenmuth zurücktreten musste.
Die bedeutendste Eigentümerpersönlichkeit ist wohl Johann Conrad Kern(1808 – 1888) oder präziser seine Frau Aline Kern, Tochter von Johann Conrad Freyenmuth. Auch Kern war Regierungsrat des Kantons Thurgau, zudem u.a. Oberrichter, Erziehungsrat, Nationalrat, Bundesrichter, Nationalratspräsident, Ständerat, Mitbegründer der ETH Zürich, Unterhändler im Neuenburgerhandel, sowie ausserordentlicher und bevollmächtigter Minister in Paris am Hof Napoleon III.
Dramatisches ereignete sich im Jahr 1799, als sich in und um Frauenfeld im Rahmen des Koalitionskrieges österreichische und französische Truppen gegenüber standen, und es zu einem handfesten Gefecht kam. Quellen besagen, dass damals der französische Befehlshaber, General Charles Nicolas Oudinot beim Guggenhürli, dort wo er Übersicht auf das Geschehen hatte, seinen Gefechtsstand einnahm. Dieses ging jedoch zu Ungunsten der Franzosen aus, und sie zogen sich nach Zürich zurück, wo sie später mehr Erfolg hatten.
Später ging es ums Guggenhürli weniger kriegerisch zu. Nach 1853 wechselten die Besitzer in kürzeren Abständen. Im Nebengebäude wurden von der Firma Burkhardt, aus welcher die Firma Hero hervorging, Lebensmittelkonserven hergestellt.
Das Guggenhürli kam schliesslich ins Eigentum der Schulgemeinde Frauenfeld, welche hier zwei Kleinwohnungen einrichten wollten. Doch die Stimmbürger wollten nach einem emozionalen Wortwechsel in der Presse den Kredit dafür nicht freigeben. Ein Abbruch des kleinen Hauses schien deshalb unausweichlich, bis sich 1963 eine Gruppe von verantwortungsvollen Bürgern zusammenfand, um das verfallende Haus zu erwerben und es nach denkmalpflegerischen Kriterien zu restaurieren.
Die Genossenschaft Guggenhürli war gegründet, und das Langdorf und Frauenfeld sind um ein gern besuchtes und gepflegtes Baudenkmal reicher. Nun findet sich hier eine kleine Ausstellung über die Eheleute Kern, eine kleine Sammlung von Bildern der Frauenfelder Malerin Martha Haffter, sowie ein kleiner Raum, der sich für Ziviltrauungen bestens eignet (er soll zu den 50 schönsten Traulokalen der Schweiz gehören).
Die Genossenschaft Guggenhürli bewirtschaftet zudem am Fuss des Hügels einen kleinen Rebberg. Der Müller-Thurgau ist ein ausgezeichneter Weisswein, welcher nicht nur von den Brautpaaren, sondern auch von einer anspruchsvollen Kundschaft geschätzt wird.