Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03648.jsonl.gz/899

Vom 16. bis 19. März fand das Finale der Schweizer Philosophie-Olympiade statt. Die Top 13 von ursprünglich 140 Teilnehmenden schrieben an der Universität Bern um die Wette. Zu gewinnen gab es neben Antworten auf existenzielle Fragen auch Medaillen und eine Reise in die Wiege der Philosophie. Der erste Platz ging zum ersten Mal seit zehn Jahren an die Romandie.
Hinten, von links nach rechts: Fares Mourad, Bastien Aeby, Mauro Baumann, Anthony Zufferey, Guihlem Demierre, Yannis Müller, Meike von Kampen. Vorne, von links nach rechts: Sebastian Rojas Camenzind, Laurine Frauchiger, Nicole Ng, Kora Bürgi, Filipa Lüthy, Ana Maria Abril Gaona. (Alle Bilder: Lara Gafner, Schweizer Philosophie-Olympiade)
Guihlem Demierre mit Goldmedaille.
Yannis Müller mit Goldmedaille.
Fares Mourad mit Silbermedaille.
Ana Maria Abril Gaona mit Silbermedaille.
Mauro Baumann mit Bronzemedaille.
Filipa Lüthy mit Bronzemedaille.
Laurine Frauchiger und Anthony Zufferey ordnen bei einem Workshop verschiedene metaethische Positionen ein.
Beim Essayschreiben standen Zitate von Hannah Arendt, Simone Weil, Nelson Goodman und Edmund Burke zur Auswahl.
Bei einem Ausflug ins Stapferhaus Lenzburg diskutieren die Teilnehmenden über das Verhältnis von Mensch und Natur.
Am vergangenen Wochenende wurde in Bern tief geschürft: Nach Weisheit, aber auch nach Gold. Eine Goldmedaille ging an Guihlem Demierre vom Collège de Gambach in Fribourg, die zweite an Yannis Müller vom Gymnasium Muttenz. Mit Guihlem hat es erstmals seit 2013 ein französischsprachiger Teilnehmer auf den ersten Platz der Schweizer Philosophie-Olympiade geschafft. Zum ersten Mal in der Geschichte des 2006 gegründeten Essaywettbewerbs gewann ein Berufsschüler eine Medaille: Mauro Baumann vom Berufs- und Weiterbildungszentrum Rapperswil-Jona holte Bronze.
Das Denken und die Welt
Am Samstagmorgen hatten die Teilnehmenden vier Stunden Zeit, einen Essay über eines von vier philosophischen Zitaten zu verfassen.
Die Jury, bestehend aus Philosophie-Lehrpersonen und fortgeschrittenen Studierenden, bewertete die Essays anonymisiert nach den Kriterien Relevanz, Originalität, philosophisches Verständnis, Kohärenz und Qualität der Argumentation.
Auch während die Tastaturen ruhten, standen die Hirne nie still. Die pausenlosen Diskussionen zwischen den Teilnehmenden seien interessant, aber auch anstrengend, erzählt der Walliser Anthony Zufferey beim Abendessen im Hostel. Dann wendet er sich wieder einem Gespräch über die Klimakrise zu, die ihn sehr beschäftigt. Einige der Teilnehmenden haben es sich zum Ziel gemacht, die Welt im Konkreten zu verändern – sei dies nun, indem sie die Gesellschaftsordnung radikal in Frage stellen oder indem sie sich für Reformen im Schulsystem engagieren. Philosophie müsse aber auch nicht immer angewandt sein, meint Yannis nach einem Workshop über Umweltethik. Der Zweitplatzierte plädiert für Mut zum Abstrakten.
Nächster Halt: Olympia
Auf das nationale Finale folgt die Internationale Philosophie-Olympiade, die dieses Jahr in der Heimat von Sokrates, Plato und Aristoteles zu Gast ist. Vom 11. bis 14. Mai werden junge Talente aus fast 50 Ländern nach Olympia in Griechenland reisen. Normalerweise würden die beiden Gold-Gewinner die Schweiz vertreten. Durch die auf internationaler Ebene geltende Altersgrenze von 20 Jahren ist Guihlem, der nach dem Schulabschluss ein Philosophiestudium an der Universität Fribourg plant, allerdings von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Zürcher Silber-Gewinner Fares Mourad wurde eingeladen, nachzurücken. Die Delegation steht jedoch erst Ende Woche endgültig fest, da Terminkonflikte mit Maturaprüfungen abgeklärt werden müssen.
Die Wissenschafts-Olympiade fördert Jugendliche, weckt wissenschaftliche Begabungen und Kreativität und beweist: Wissenschaft ist spannend. Zehn Olympiaden finden jedes Jahr statt: Workshops, Lager, Prüfungen sowie Wettbewerbe für 5'000 Talente in Biologie, Chemie, Geographie, Informatik, Linguistik, Mathematik, Philosophie, Physik, Robotik und Wirtschaft. Die Organisatoren sind junge Forschende, Studierende oder Lehrpersonen, die freiwillig viele Stunden und Herzblut in das nationale Programm investieren.