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Über das Verhältnis von Tier und Mensch
Das Verhältnis zwischen Tieren und Menschen ist seit jeher ein hierarchisches. Früher, als die Tiere noch die Übermacht besassen, waren die Menschen entweder Beute oder Bedrohung. Die Beziehung änderte sich aber ziemlich schnell, als die Menschen die ersten Waffen und Werkzeuge entwickelten. Jedes Tier konnte bewältigt werden, egal ob es schwächer war oder stärker. Da der Mensch zu Dominanz gegenüber sich selbst und anderen Lebewesen neigt, wurden und werden überall auf der Welt Tiere unterdrückt. Im folgenden Text liste ich ein paar Beispiele aus Bereichen auf, in denen die Tiere nach wie vor unterdrückt und misshandelt werden, was mir im Laufe der letzten Jahre immer bewusster wurde.
Fleisch
Der Mensch ist ein Allesfresser, so hat er im Gegensatz zu gewissen Tieren nicht die Veranlagung, dass er nur Fleisch essen kann. Trotzdem ernährt er sich weiterhin zu einem grossen Teil von Tieren und dessen Produkten, obwohl es schon immer Alternativen gab, diese meist günstiger und bekömmlicher waren und die Alternativen auch laufend weiterentwickelt werden. Fleisch war früher ein Luxusgut, dies ist heutzutage in Europa aber auf keinen Fall mehr so. Die Tierschlachtung wurde so industrialisiert, dass ein Salami- oder Schinkensandwich oftmals günstiger ist als die Alternative mit Käse oder diejenige, die ganz ohne tierische Produkte auskommt, zum Beispiel mit Gemüse oder Tofu. Nutztiere werden aber oft unter unwürdigsten Bedingungen gehalten und geschlachtet. Dass diese Lebewesen während ihrer kurzer Lebensdauer aber Schmerzen und Ängste haben, wird oft verdrängt, da das System der Fleischwirtschaft gut läuft. Dies ist zu einem Grossteil auf den Kapitalismus zurückzuführen. So wird überall gespart, um die Kosten zu drücken, leiden müssen darunter aber vor allem die Stimmlosen. Es ist ihnen nicht möglich, sich zur Wehr zu setzen und so lange sich nicht mehr Menschen für diese einsetzen, werden die Verursacher diese Bedingungen sicher nicht ändern, höchstens noch verschlimmern, um mehr Profit herauszuholen.
Das Produkt Fleisch hat sich durch die Industrialisierung auch immer mehr weg vom Tier bewegt. So hat einen Packung Schinken im Kühlregal nicht mehr viel mit dem toten Tier zu tun, von dem es stammt. Dies ist vor allem bei Verarbeitungen wie eben Aufschnitten, Würsten oder Hackfleisch der Fall. Diese Produkte sind für die meisten Menschen zwar noch tierischen Ursprungs, aber wenn sie diese Verarbeitungen essen, so sind sie sich oftmals nicht bewusst, dass sie nun ein anderes Lebewesen essen.
Milch
Kinder müssen heutzutage zuerst lernen, dass die Milch nicht einfach aus dem Tetrapack kommt, sondern von Kühen stammt. Was sie aber nicht lernen, ist, wieso diese Kühe Milch produzieren. Die Kühe produzieren nicht Milch, weil sie so altruistisch sind, sondern weil sie ihr Neugeborenes füttern möchten, so wie fast jede neugewordene Mutter dies auch will. Damit sie aber überhaupt Milch produzieren, müssen sie zuerst schwanger werden, was in der Milchwirtschaft durch einen Veterinär erledigt wird, der die männliche Samen der Kuh spritzt. Nach der Schwangerschaft wird ihr das Kalb meist nach kurzer Zeit weggenommen, da einerseits der Trennungsschmerz mit jeder Stunde steigt, andererseits die Milch nun fliesst, die in diesem System nicht für das Kalb, sondern für den Produzenten bestimmt ist. Das Kalb wird oft mit Milchersatz gefüttert und die Mutterkuh produziert dann durch die Zucht dermassen viel Milch, dass rund ein Drittel der Milchkühe an einer Euterentzündung leiden. Wenn die Kuh nicht mehr rentabel ist, da sich ihre Milchproduktion verringert, wird sie geschlachtet, was meist nach etwa 5 Jahren der Fall ist. Sie hat damit knapp einen Viertel ihrer Lebenserwartung von 20 Jahren erlebt, trotzdem aber viel länger als ihre meist männlichen Geschwister in der Fleischproduktion gelebt.
Eier
Männliche Küken von Legehennen legen keine Eier, setzen aber auch kein Fleisch an – darum werden diese nach der Geburt sofort aussortiert und vergast und landen dann auf dem Abfall. Die weiblichen Geschwister werden nach ihrer Geburt gefüttert, bis sie anfangen, Eier zu legen und danach sollten sie möglichst jeden Tag ein Ei legen, obwohl sie keineswegs dafür gemacht sind. Ein normales Huhn legt ein paar Dutzend Eier in einem Jahr, ein Industriehuhn sollte schon etwa auf 300 kommen, um möglichst rentabel zu sein. Diese Belastung ist für den Körper sehr gross, so dass diese Hühner oft geschwächt sind und krank werden. Deshalb werden auch viele Hühner mit Medikamenten vollgepumpt. Damit sie die anderen Legehennen nicht verletzten, wird ihr Schnabel gekürzt. Ein Industriehuhn lebt aber oft nur 15-18 Monate, da sie in dieser Zeit am meisten Eier produzieren, danach wird es geschlachtet, sobald die Erneuerung der Federn beginnt. Die Haltung von den Hennen ist oft sehr unwürdig, in Europa meist in Käfigen, die den Hennen vormachen, dass Frühling ist - durch Licht und Wärme - so dass
diese meinen, es sei Legezeit. Auch die Hühner in Freilandhaltung kämpfen mit vielen gesundheitlichen Problemen und werden nach der genau gleichen Lebenszeit geschlachtet, obwohl ihre Lebenserwartung durch die Freilandhaltung etwa 10-15 Jahre betragen würde.
Unter-haltung
Ein Haustier zu haben, ist sehr beliebt und eigentlich auch etwas Schönes, da man einem Tier ein Zuhause gibt. Das weniger Schöne daran sind aber einerseits die Doppelmoral und andererseits die Zucht. Die Doppelmoral, dass der Hund auf dem Sofa mehr wert ist als das Schwein auf dem Teller, ist weit verbreitet. Dass aber wohl beide Tiere sehr ähnliche Bedürfnisse haben, wird dabei vergessen und so wird zum Beispiel als makaber und pervers angesehen, Hundefleisch zu konsumieren, obwohl der Geschmack sehr ähnlich sein kann. Die Zucht ist genau so ein Geschäft wie jedes andere kommerzielle Geschäft auch, es geht darum, möglichst einwandfreie Produkte nach den Wünschen des Kunden herzustellen und diese dann zu einem möglichst profitablen Preis zu verkaufen. Dass so ein Vorgehen die Würde jedes Tieres verletzt, müsste eigentlich offensichtlich sein. Doch wird die Zucht nur noch weiter getrieben, so dass die Tiere oftmals nicht mehr lebensfähig sind und dann ihr ganzes Leben Medikamente nehmen müssen, weil sie zum Beispiel Herz- oder Atemprobleme haben. Dies spielt dann wieder den Tierärzten und der Pharmabranche Geld zu, was zur Folge hat, dass die Tierärzte oft auch die Züchter unterstützen.
Kleider
Es ist in unserer Gesellschaft nicht verpönt, sich mit toten Tieren zu schmücken. Es gibt bei diesem Punkt auch keine gute Argumentation dafür, die häufigste ist aber wohl die des Aussehens und der Resteverwertung. Die Resteverwertung ist aber oftmals nicht so, wie man sich das vorstellt. Dass zum Beispiel für einen Nerzmantel nicht die Resten verwendet werden, ist noch einigermassen offensichtlich, doch verhält es sich mit den meisten Lederarten gleich. Es gibt Kühe, die nur für das Leder gezüchtet werden. Eine Milchkuh hat nach einem sehr strapazierenden Leben keine schöne Haut mehr. Die Aussage, Tiere wegen dem Aussehen zu tragen, ist doch sehr anmassend. Genügend Alternativen gibt es und zu behaupten, ein Tier nur zu töten, um danach gut auszusehen, würden sich wohl die wenigsten getrauen. Deshalb handelt es sich wohl auch bei diesem Fall um ein Problem, das sich etwas zu fest etabliert hat, um hinterfragt zu werden. Auch Kleidung, die aus tierischen Materialien besteht, bei denen die Tiere nicht getötet wurden, ist sehr umstritten. Einerseits wurden zum Beispiel Schafe darauf gezüchtet, dass ihr Fell viel schneller und dichter nachwächst, so dass ein ungeschorenes Schaf heutzutage den Sommer mit dem Fell nicht überstehen würde. Andererseits sind die Methoden der Gewinnung keineswegs schonend für die Tiere, vor allem Angora- oder Kaschmirwolle sind sehr heikel, da der Markt für diese durch eine enorme Beliebtheit schnell gewachsen ist und Angorawolle meist aus China stammt. Die Angorahasen werden dort oftmals gehäutet und gar nicht geschoren, so dass viele danach verbluten oder unendliche Schmerzen haben, da dies alles ohne Sedierung passiert. Aber auch bei Schafen oder Alpakas ist die Scherung keineswegs problemlos, die Tiere wehren sich meist stark dagegen, so dass diese Tiere oft an allen vier Beinen festgebunden werden müssen, um sie scheren zu können.
Jagd
Die Jäger bezeichnen ihr Hobby oft als Dienst an der Natur. Sie würden mit ihren gezielten Tötungen den Wildtierbestand regeln, so dass keine Art Überhand nehme. Den Vorwurf, Tiere bloss aus Spass zu töten, lassen sie oft nicht gelten, doch ist es ziemlich offensichtlich, dass es sich hierbei um einen Elitensport handelt, der genau dieses Ziel verfolgt. Sie regeln nämlich den Bestand auch, indem sie im Winter das Wild füttern (Hege), so dass dieses den Winter überlebt und die Jäger im Herbst mehr Arbeit beziehungsweise Spass haben. Die Natur selbst ist durchaus auch ein guter Regler von Tierbestand, zumindest in vielen Jahren, in denen sich keine Menschen in die Ökosysteme des ganzen Planeten einmischten. Gibt es von einer Art zu viel, so leiden diese oft an Hunger, da es nicht für alle genug hat, das Gleiche gilt für den umgekehrten Fall. Der Jäger leistet somit unnötige Arbeit und tötet Tiere aus Freude am Töten. Dies macht er alles legal, teilweise sogar noch mit Unterstützung vom Staat und ohne Ächtung der Gesellschaft.
Meine Haltung
Dieser Text stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, so gibt es viele weitere Bereiche, bei denen Tiere missbraucht werden, wie zum Beispiel im Zirkus, in Zoos oder bei Tierversuchen. Es sind alles Themen, die mich gerade beschäftigen und zu denen ich irgendeinen Bezug habe, sei es mit einer künstlerischen Arbeit oder auch im Privaten. Es sind zudem alles Beispiele, wieso ich mein Verhältnis zu Tieren verändert habe. Ich möchte ihnen nämlich nichts wegnehmen und ich möchte auch nicht, dass sie wegen mir leiden oder sterben müssen. Bei den meisten Tätigkeiten ist dies auch problemlos möglich. Ich kann nicht verstehen, wieso es erst eine sehr kleine Minderheit gibt, die so tierleidfrei wie möglich lebt und handelt. Je länger je mehr wird es für mich unvorstellbar, wie man andere Lebewesen essen und sie extra züchten, füttern, aufziehen und schlachten kann, um sie dann zu verspeisen. Diese lange Kette ist nicht nur sehr unökologisch und fördert sehr viel Leid, sie ist auch einfach nicht menschlich. Meines Erachtens sollten die Menschen, die Zugang zu Bildung und genügend Essen haben, auch genügend Verstand haben, um zumindest in einem ersten Schritt auf das Essen anderer Lebewesen zu verzichten. Doch scheint mir auch dieses Ziel sehr idealistisch und leider sehr unwahrscheinlich. Obwohl es für die einzelnen Menschen nur eine kleine Umstellung wäre, wäre es für die Erde und die Tiere eine riesige Chance. Obwohl ich als Einzelner nur ziemlich wenig ändern kann, versuche ich den in unserer Gesellschaft wehr- und stimmlosen Tieren eine Stimme zu geben und für sie einzustehen.
Niklaus