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«Büron darf stolz sein auf sein neues Schulhaus. Es reiht sich den im Kanton in den letzten Jahren erbauten würdig zur Seite und übertrifft manch eines an Schönheit und praktischer Einfachheit!» So freute sich am 4. Mai 1913 das «Luzerner Tagblatt» in seiner Berichterstattung über die Einweihungsfeier des Burgschulhauses. Der Spatenstich war 1912 erfolgt, kaum ein Jahr später war es vollendet.
Das Schulhaus wies sechs zentral beheizte Klassenzimmer und eine Turnhalle auf, die gleichzeitig als Gemeindesaal diente - dazu zwei Lehrerwohnungen, ein Brausebad, eine Milch-Suppen-Küche und die Gemeindekanzlei. Gebaut wurde es im sogenannten Heimatstil und passte in die damalige Zeit: Um 1900 waren sich die Schulhäuser weitherum sehr ähnlich. So stammt auch das Schulhaus Nottwil vom Luzerner Architekten Heinrich Meili-Wapf, es wurde ebenfalls 1913 eingeweiht.
Die zeitliche Koinzidenz war kein Zufall. Die positive Wirtschaftsentwicklung ging einher mit einem raschen Bevölkerungswachstum und mit steigenden Schülerzahlen. Dies führte zwischen 1900 und 1914 zu einer intensiven Bautätigkeit. Die auffällige Bauweise der neuen Schulhäuser sollte auf die gestiegene Bedeutung der Volksbildung hinweisen.
1914 wurde das Büroner Schulhaus in der Zeitschrift «Schweizer Baukunst» wie folgt rezensiert: «Ein Zweckbau gewiss, kein in eine Schule verwandeltes Kastell; eine praktische Anlage, bei der aber, aus Grundriss und Bestimmung heraus, eine harmonische Massenverteilung und eine reich gegliederte Silhouette erreicht wurde, die das Schulhaus zum Schmuck des Dorfes machen.»
Abb.5: Sekundarschülerinnen aus Schlierbach und Büron vor der neuen Turnhalle im Jahr 1961. Klassenlehrerin war Elisabeth Bekic (Zweite von rechts, mit Brille), eine gebürtige Wienerin mit ungarischen Wurzeln, die während des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Familie in die Schweiz gekommen war.
Für den Schulhausbau verwendete man Steine der Burgruine. Das Schulhaus erfuhr ab den 1940er-Jahren etwa jedes Jahrzehnt verschiedene Umbauten und Renovationen. So wurde 1960 eine zusätzliche, separate Turnhalle gebaut, und Anfang der 1970er-Jahre zog die Gemeindekanzlei mitsamt dem Archiv ins Dorf. Das Burgschulhaus steht seit 1996 unter Denkmalschutz.
Das Burgschulhaus war nicht das erste in Büron. 1804 wurde die erste Schule im Dorf eröffnet und befand sich an jener Stelle, wo später der «Träff-Ponkt» entstand.
|1850||Erste Kleinkinderschulen in Malters und Luzern eröffnet.||

Ende II.
Weltkrieg
|Bildungsreform im Kanton Luzern: Umstellung auf Schweizer Schulschrift, achtjährige Schulpflicht wird auch während der Erntezeit durchgesetzt.|
|1874||Bundesverfassung verpflichtet Kantone, für «genügend Primarunterricht» zu sorgen.||1957||Lehrerinnenzölibat wird abgeschafft (Arbeitsverbot nach der Heirat).|
|19. Jh.||Liberale und Konservative kämpfen um Bildungshoheit im Kanton Luzern.||1968||Kulturwandel im Bildungswesen.|
|1868||Für Männer wird das Lehrerseminar in Hitzkirch eröffnet.||

1971
|Keine Geschlechtertrennung mehr, Kantonsschulen werden gebaut.|
|1885||Töchterinstitut für Ausbildung von Lehrerinnen in Baldegg geschaffen.||

1979
|Verbot körperlicher Strafen im Unterricht.|
Borner-Bossard Heidi, Vom Kulturkampf zur Belle Epoque. Der Kanton Luzern 1875 bis 1917, Basel 2017.
Chronik Gemeinde Büron.
Fischer Raffael, Schule und Bildung – Der lange Weg zum Bildungszentrum, in: Der Kanton Luzern im 20. Jahrhundert, Band 1, Zürich 2013, S.245-281.
Panoramafotografie, Fotograf Marco Bucher, Juli 2021.
Abb.1: Archiv Gemeinde Büron, um 1912.
Abb.2: Schweizer Baukunst, 1914, Dr. J. Coulin, Basel, S.207.
Abb.3: Archiv Gemeinde Büron, vermutlich 1932.
Abb.4: Archiv Gemeinde Büron, 1936.
Abb.5: Archiv Gemeinde Büron, 1961.
Abb.6: Archiv Gemeinde Büron, 1982.