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Auf Anregung von Professor Albert Heim organisierte der berühmte Schweizer Luftfahrtpionier Eduard Spelterini (1852-1831) die erste Ballonfahrt über einen Teil der Alpen, wobei dieses Projekt von Anfang an im Dienste der Forschung stand. Neben dem Kapitän Spelterini, der nicht nur das Fahren des Ballons sondern auch die Rolle des Fotografen übernommen hat, haben sich Albert Heim und der Meteorologe Julius Maurer an der wissenschaftlichen Ballonfahrt beteiligt.
Die kühne Pionierleistung wurde durch ein Crowdfounding-Projekt finanziert. 18 Unternehmer und Privatpersonen haben diese aussergewöhnliche Ballonfahrt mit rund 5’630 Franken unterstützt. Die Finanzierung des Ballons Wega selbst wurde von Frau Fanny Forst aus Koblenz übernommen, die als Dank für ihre grosszügige Schenkung als vierter Passagier an dieser Forschungsreise teilnehmen konnte.
Für den Geologen Heim sollte nun seine vierte Ballonfahrt die aufregendste werden:
«Unsere Ballonfahrt ist weder die höchste noch die weiteste, die bisher ausgeführt worden ist. Aber ist die erste, die ein bedeutendes Gebirge überquert hat und sie ist auch die erste, deren Bahn nicht nur auf wenige Monate, sondern sehr lange und sehr weit sich in Höhen über 5000 und 6000 m gehalten hat. Sie war «Hochfahrt», «Weitfahrt», «Schnellfahrt» und Dauerfahrt» zugleich».
Während Julius Maurer die meteorologischen Beobachtungen übernahm, befasste sich Albert Heim mit der Kontrolle des Horizontalganges des Ballons.
Die Prüfung und Aufzeichnung eines Grundrissbildes der Fahrt der Wega auf der Karte war zur damaligen Zeit eine wissenschaftliche Herausforderung, für die Albert Heim eine praktische Lösung fand:
«Schon bei früheren Ballonfahrten habe ich erfahren, wie schwierig es bei grossen Höhen über dem Boden wird, den Punkt zu bestimmen, senkrecht über welchem man sich befindet. (…) Als einfachstes Beobachtungsmittel hat sich mir schliesslich ein weiss gefärbtes Gewicht an langer Schnur am Fahrkorbrande befestigt, ergeben, über welches man hinunterblickt, und sodann die fixierten Grundrisspunkte sofort in der Karte unter Zusatz der Zeitnotiz einzuschreiben».
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konnte Heim die Kontrolle der Horizontalgeschwindigkeit der Wega bestimmen und diese auf der Karte abbilden. Die 229 Kilometer Flugbahn von Sitten über die Alpen bis zur Landung auf einer Wiese in Rivière (in der Nähe von Besançon) wurde mit einer Geschwindigkeit von 12,3 m / Sekunde in 5 Stunden und 44 Minuten zurückgelegt. Albert Heim zieht die Schlussfolgerung, dass die Wega mit der Geschwindigkeit eines Schnellzuges auf dieser Strecke lief.
Nicht nur Heim hat die gesammelten Forschungsdaten auf einer Karte abgebildet. Julius Maurer konnte auf Grund seiner meteorologischen Beobachtungen während des Ballonfluges auch eine Wetterkarte für den 3. Oktober erstellen.
Bis heute ist der Alpenüberflug der Wega eine der berühmtesten Forschungsreisen geblieben, die nicht nur in wissenschaftlichen Aufsätzen, sondern auch in der Literatur verewigt ist.
So widmet beispielsweise Alex Capus In seinem Essayband «Himmelsturmer» der kühnen Luftfahrt der Wega und ihrem Kapitän einen besonderen Platz.
Literatur
- Albert Heim, Julius Maurer, Eduard Spelterini: Die Fahrt der “Wega” über Alpen und Jura am 3. Oktober 1898. Basel: Benno Schwabe, 1898. ETH-Bibliothek, Alte und Seltene Drucke, Rar 3409. Online via e-rara.ch: https://doi.org/10.3931/e-rara-17125
- Joh. Graf: Fanny Biedermann. Winterthur, vor 22. März 1898. In: Familienalben. Albert Heim “Album l”. Album mit 99 Fotoabzügen, ca. 1900. ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs_0494b-0115-045-AL
- Prof. Albert Heim, Lehrer an der ETH Zürich. In: Familienalben. Albert Heim “Album l”. Album mit 99 Fotoabzügen, ca. 1900. ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs_0494b-0115-048-AL
- Alex Capus: Eduard Spelterini. In: Himmelsstürmer: Über Madame Tussaud, Jean-Paul Marrat und andere Revolutionäre. München, 2019, S. 127-154