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Emotionaler Abschied eines kleinen Grossen
Mit David Ferrer tritt am Mittwochabend ein unterschätzter Spieler und eine grosse Persönlichkeit von der Tennisbühne ab. Kaum einer litt mehr unter der Konkurrenz der «Big 4» als der Spanier.
Als David Ferrer 1999 seine erste Partie als Tennisprofi bestritt, war Alexander Zverev süsse zwei Jahre alt. Auch die aktuelle Nummer 4 der Welt wusste aber genau um die Bedeutung des Moments am späten Mittwochabend in der «Zauberkiste» von Madrid. Der 22-jährige Deutsche hatte drei Matchbälle und hielt noch einmal inne und forderte die Fans zu einer Standing Ovation für den Spanier auf. Es war eine ebenso schöne wie verdiente Geste. Dann ging eine grosse Karriere würdig zu Ende.
Ausgerechnet der Mann, der Ferrer 17 Mal bezwang und nie gegen ihn verlor, fand in seiner Botschaft bei der anschliessenden Verabschiedung überschwängliche Worte. «Ich habe den allergrössten Respekt für David», betonte Roger Federer. «Ich bewundere seine Arbeitseinstellung und seine Persönlichkeit. Für mich ist er ein Spieler auf dem gleichen Level wie ich.»
Das ist Ferrer natürlich nicht, auch wenn seine Zahlen eindrücklich sind. Seit Einführung der ATP Tour im Jahr 1990 ist der 37-Jährige aus Valencia mit 1111 gespielten Matches die Nummer 3 und mit 734 Siegen die Nummer 4 - ex-aequo mit Pete Sampras und einen Sieg vor Andre Agassi. Mit 27 ATP-Titeln weist er elf Turniersiege mehr auf als Stan Wawrinka. Den Davis Cup holte er dreimal, fünf seiner sechs Einzel in Finals gewann er.
Was aber fehlt, ist ein Exploit auf höchster Ebene. Ferrer ist eines der prominentesten «Opfer» der Ära der Giganten. 2013 verlor er den French-Open-Final gegen Rafael Nadal, beim US Open und dem Australian Open war je zweimal im Halbfinal Endstation (dreimal gegen Novak Djokovic, einmal gegen Andy Murray) und den Masters-Final 2007 verlor Ferrer gegen Roger Federer.
Fehlende Grösse als Handicap
Für die meisten gehört der kämpferische Spanier zu den besten Tennisspielern, die nie ein Grand-Slam-Turnier gewonnen haben. Von Bitterkeit jedoch keine Spur: «Diese Spieler haben mich besser gemacht», hält er fest. Aber nicht gut genug für die grossen Titel. Dafür war er mit seinen 1,75 m wohl einfach zu klein. Zwar war Ferrer immer einer der schnellsten und intelligentesten Spieler auf der Tour, das physische Handicap und die fehlenden Gratispunkte beim Aufschlag konnte er aber bei allem Einsatz nicht wettmachen. Es gibt deshalb auch eine andere Sichtweise: Kaum einer hat aus seinen Möglichkeiten so viel herausgeholt wie der David des Tennis.
Bereits im letzten Sommer hatte Ferrer entschieden, dass er in Madrid seine Karriere beenden würde. Die 19 Jahre Spitzentennis haben ihren Tribut gefordert. Noch einmal ging er gegen Zverev mit zum Teil brillant herausgespielten Punkten 4:1 in Führung, dann waren die Batterien leer. Am Tag zuvor hatte er Roberto Bautista Agut, immerhin die Nummer 21 der Welt und in diesem Jahr schon zweimal Bezwinger von Novak Djokovic, in drei Sätzen niedergerungen. «Ich kann nicht mehr zwei Tage hintereinander meine beste Leistung bringen», stellte Ferrer fest. «Es ist ein weiteres Zeichen, dass es an der Zeit ist, meine Karriere zu beenden.»
Gegenüber Journalisten war der ruhige und stets überlegte Valencianer kein Lautsprecher, vor seinen spanischen Anhängern sprach er aber am Mittwochabend volle elf Minuten lang und voller Emotionen. Neben seiner Frau und dem gut einjährigen Sohn Leo sagte Ferrer zu den Fans: «Es stimmt, ich habe nie in Madrid, Roland Garros oder bei anderen Turnieren triumphiert, die ich gerne gewonnen hätte. Meine Trophäen stehen bei mir zuhause, aber die sind nur Material. Was ich wirklich mitnehme, ist die Liebe, die ich von euch bekommen habe. Ihr werdet immer in meinem Herzen sein.» Mit Ferrer ist ein kleiner Grosser - im wahrsten Sinn des Wortes - von der grossen Bühne abgetreten.