Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/2076

Freiburg Die Gründung von Emil Jenzers Berner Handpresse geht auf die Initiative zweier 19-jähriger Schriftsetzer zurück, die im Jahr 1927 in Eigenregie Gottfried Kellers Erzählung «Die drei gerechten Kammacher» herausgaben: Emil Jenzer war für Handsatz und Druck zuständig, sein Freund Emil Zbinden für die handkolorierten Holzschnitte. Zbinden, der zu einem der bedeutendsten Schweizer Realisten des 20. Jahrhunderts werden sollte, legte anschliessend in Berlin und Leipzig den Grundstein für seine künstlerische Laufbahn.
Die Presse im Zimmer
Jenzer ging ebenfalls nach Deutschland, um sich in Offenbach beim Schriftkünstler Rudolf Koch ausbilden zu lassen. Nach Hitlers Machtübernahme kehrte er 1933 zurück in die Schweiz. Er wurde Setzer in einer Buchdruckerei in Burgdorf. Parallel dazu kaufte er eine Kniehebelhandpresse, die er in seinem Junggesellenzimmer aufstellte und mit der er die Berner Handpresse begründete.
Weil Jenzer keine Schrift besass, schnitt ihm Emil Zbinden die Texte als Block in Holz. Jeremias Gotthelfs «Sprüche» waren das erste von 40 Büchern, die im Laufe der Jahre entstehen sollten. Über die Jahre arbeitete Jenzer mit vielen wichtigen Schweizer Illustratoren seiner Zeit zusammen, nebst Emil Zbinden etwa Emil Burki, Burkhard Mangold oder Otto Baumberger. 1951 bat der damals noch kaum bekannte Maler Franz Gertsch Jenzer um eine Zusammenarbeit; drei Werke sollten aus diesem Kontakt entstehen.
Typografische Drucke
In den Fünfzigerjahren wurde es stiller um die Berner Handpresse. 1957 übernahm Jenzer die Druckerei von Fritz Haller, die er unter dem Namen Haller und Jenzer AG bis 1981 führte. Gleichzeitig experimentierte er mit Bleibahnen, wie sie zum Einrahmen von Inseraten gebraucht wurden, und entwickelte die typografischen Drucke als eigenständige Kunstform.
Die wichtigsten bibliophilen Werke aus der Berner Handpresse sowie einige typografische Drucke sind bis zum 6. März im Gutenberg-Museum Freiburg zu sehen. cs
Gutenberg-Museum, Liebfrauenplatz 16, Freiburg. Bis zum 6. März. Mi., Fr. und Sa. 11 bis 18 Uhr, Do. 11 bis 20 Uhr, So. 10 bis 17 Uhr.