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Filmkritik: Before the Touchscreen was the Schreibmaschiin
Im Jahre 1958 sucht sich der Versicherungsvertreter Louis (Romain Duris) in der Haute-Normandie eine Sekretärin. Die Auswahl ist gross, denn die Frauen reissen sich so sehr um den Job, dass sie sogar mit Fensterglas im Brillengestell zum Vorstellungstermin erscheinen, um einen klügeren Eindruck zu machen. Louis' Wahl fällt jedoch auf die blonde Rose (Déborah François), die zwar keine Referenzen hat, dafür umso tifiger die Schreibmaschinentasten haut. Das Zehnfingersystem beherrscht Rose zwar (noch) nicht, aber sie erhofft sich als Vorzimmerdame den ersten Schritt weg aus der miefigen Provinz, in der ihr Vater sie gerne auch in Zukunft sehen möchte.
Zwar brilliert Rose nicht gerade in allen Tätigkeiten, die eine Sekretärin eigentlich können sollte, doch Louis ist so fasziniert von ihrer Geschwindigkeit als Tippse, dass er mit ihr an Maschinenschreibmeisterschaften teilnehmen möchte. Sein Plan geht bei der ersten regionalen Teilnahme jedoch kläglich schief, weshalb Rose fortan bei Louis einzieht, um in einer Art Trainingslager auf Wettkampfniveau gebracht zu werden. Dabei kommt man sich nicht nur auf professioneller Ebene näher, und bald schon kämpft Rose gegen die nationale Championne (Mélanie Bernier) um eine Reise zur 10-Finger-WM in New York und einen lukrativen Sponsoringdeal mit einem Schreibmaschinenhersteller. Auch der Kampf um Louis' Herz ist dabei noch lange nicht entschieden.
Populaire - das "Mademoiselle" musste nur für den deutschen Titel angefügt werden - heisst der erstaunlich souveräne Erstling von Régis Roinsard. Fasziniert von einer Doku über die Geschichte der Schreibmaschine kam dem französischen Werbefilmer die Idee zum Film über Tippmeisterschaften. Und wer hätte gedacht, dass Maschinenschreiben so sportiv gehandhabt werden könnte? Mit der Dynamik eines Sportlerfilms und dem Look einer in der französischen Provinz gedrehten Mad Men-Episode erzählt der Film im Grunde die Geschichte einer 21-jährigen aus der Provinz, die sich zu emanzipieren beginnt.
Die Verortung der Geschichte in den Fünfzigerjahren ist aber Anlass zu allerlei toll gelungenen Teilaspekten. Die Kostüme von Charlotte David, die auch schon OSS 117 ausstattete, Popmusik aus der entsprechenden Epoche ("Les secrétaires Cha Cha Cha"), faszinierende Oldtimer, die um den Eiffelturm tuckern, ein hoffnungslos veralteter Umgang mit Frauen im Beruf und sogar eine lichtgestalterische Referenz an Vertigo von Alfred Hitchcock - ein Film, der mit Produktionsjahr 1958 genau zur Zeit passt, in der Populaire spielt.
Alles zusammen war das sicher nicht billig und wohl nicht zuletzt mit der Zusage des französischen Schauspielstars Romain Duris erst finanzierbar geworden. Sein Mittun zahlt sich aber aus, weil er bestens mit der Belgierin Déborah François (La Tourneuse de Pages) harmoniert, und nicht nur den fiesen Quäler im Training gibt, sondern auch Gefühle zeigen darf. In einer Nebenrolle ist auch Bérénice Bejo aus The Artist zu sehen. Die Hauptattraktion bleiben aber die Wettstreite an den Schreibmaschinen. Wie die Damen bis zur Erschöpfung die Buchstaben hacken, sowas hat die Welt seit den 1950ern nicht mehr gesehen. Spektakulär populär!
Roland Meier [rm]
Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.
Herrliche Retro-Komödie. Eine Liebeserklärung an die guten alten mechanischen Schreibmaschinen. Ein Augenschmaus, diese Ausstattung. Ein herziger naiver Humor wie in früheren Doris Day-Filmen, doch mit diesen Schreib-Wettrennen um ein paar Nuancen anders und sogar recht spannend zwischendurch. lustig, musste in dieser Farbwechsel-Szene auch gleich an Hitchcock denken.