Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/2188

Gespräch mit Selbstkelterer Axel Maye, dessen Vater zu den Gründern der Confrérie gehörte:
Die Confrérie Saint-Théodule wurde 1966 gegründet.
Zu Beginn der 1960er-Jahre kellerten im Wallis erst ganz wenige unabhängige Weinbauern und Traubenproduzenten ihre eigenen Weine ein.
1966 schlossen sich diverse Winzer zusammen, um eine Berufsorganisation unter dem Schutz des Walliser Bischofs Saint-Théodule zu gründen.
Unter dem Präsidium von Louis Moff tat sich ein Dutzend Weinbauern zusammen, unter ihnen Simon Maye, Victor Moulin und Charles Caloz, und gründete die Bruderschaft Saint-Théodule. Das Ziel dieser Winzer: sich vereinigen, um sich in der Branche besser behaupten zu können und vor allem, um für eine bessere Weinqualität zu kämpfen.
Von den Nachkriegsjahren an bis in die Sechzigerjahre bestand das allgemeine Ziel der Weinbranche in einem möglichst hohen Ertrag.
Das erste Ziel der Confrérie war es, die Qualität der Weine zu steigern. Dafür musste man sich neu positionieren, um Weine von sehr hoher Qualität anbieten zu können – was nur möglich war bei geringen Erträgen.
Ein weiteres Ziel war, sich gegenseitig zu unterstützen, beispielsweise, indem man gemeinsam Material einkaufte.
Zu den erklärten Zielen gehörte es auch, sich selber ständig zu verbessern. Das schloss eine Perfektionierung auf dem Niveau der önologischen Fertigkeiten und der Vinifikation mit ein, erlangt durch Reisen und ständige Weiterbildung. Damals gab es noch kaum Weinbauschulen und schon gar kein Internet, um sich zu informieren und zu bilden. In den ersten Jahren der Confrérie wurden deshalb zahlreiche Reisen organisiert, nach Bordeaux, ins Burgund, nach Italien oder Portugal, auf denen die Winzer lernen wollten, was andernorts besser gemacht wurde und wie sie die Qualität ihrer Weine verbessern könnten.
Diese Winzergruppe war getragen von einem enormen Respekt für die Natur und einer tiefen Liebe für grosse Weine.
Ihre Philosophie: geringe Erträge produzieren, was den Praktiken der damaligen Epoche völlig zuwiderlief. Diese Pioniere waren die ersten, die im Monat Juli in die Rebberge gingen, um Trauben herauszuschneiden und auf diese Weise die Erträge zu zügeln.
Mit dieser strengen Ertragsbegrenzung ist es ihnen gelungen, die Qualität der Walliser Weine zu steigern.
Auf ihrer Suche nach Qualität schufen diese Winzer eine zu jener Zeit vollkommen inexistente Struktur: eine Degustationskommission. Die Aufgabe dieser Kommission war es, die Weine gemäss sehr strikter Kriterien zu überprüfen und sie nicht mit Medaillen, sondern mit einem Label auszuzeichnen, das auf den Flaschen angebracht werden konnte.
Die Resultate dieser Kontrolldegustationen wurden ausschliesslich den Mitgliedern mitgeteilt. So war gewährleistet, dass die Winzer der Degustationskommission alle ihre Weine offen zur Prüfung vorlegten. Sie erhielten dafür eine Entschädigung in Form eines Labels; das Wichtigste waren aber die Anmerkungen zu den Weinen, sowohl zu ihren Qualitäten, ihren Besonderheiten, aber auch zu ihren Fehlern.
Am Anfang standen zwölf Winzer.
Die Confrérie wuchs stetig und erreichte Anfang 1980 eine Mitgliederzahl von rund vierzig. Mitte der 1980er-Jahre trat eine grosse Anzahl Winzer der Bruderschaft bei, bis die Confrérie schliesslich mehr als neunzig Mitglieder zählte. Zu jener Zeit gab es bereits eine weitere Organisation für selbsteinkellernde Weinbauern namens Association des Vignerons-Encaveurs du Valais, parallel zur Confrérie Saint-Théodule. Mitte der 1990er-Jahre näherten sich dieser Verband und die Confrérie einander an, um sich auf Branchenniveau gegenseitig zu stärken. Zu Beginn der 2000er-Jahre fusionierten die beiden Vereinigungen schliesslich.
Bei der Gründung dieser neuen Union des Vignerons Encaveurs du Valais oder kurz UVEV, wurde die Qualitätscharta der Confrérie beibehalten.