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Maya Onken, 29.10.2019
Immer wieder, im Laufe, meines Lebens, hatte ich das Gefühl, den Sinn-Check-Pot geknackt zu haben.
Mit 20 dachte ich, es ginge um eine persönliche Laufbahn, garniert mit bestechendem Aussehen, blendenden Noten und einem sich stetig anfüllenden Bankkonto.
Mit 30 befand ich, es ginge um die Schmiede des persönlichen Glückes, indem ich eine Familie gründete, zwei herzallerliebste Mädchen gebar und ihnen die Liebe, Zuneigung und die Möglichkeit auf ein eigenes erfolgreiches Leben "kellenweise" verabreichte.
Mit 40 erkannte ich, dass es eine Balance braucht zwischen persönlichen Zielen und dem Einsatz für andere. Unermüdlich in sonntäglichen Zwiegesprächen mit mir selbst und jährlichen Auszeiten auf südlichen Inseln schrieb ich Pläne, wie ich all die Dinge unter einen Hut bringen könne.
Nun bin ich 50 und merke, dass es lange nicht mehr um die Perspektive einer einzelnen Ameise geht, die versucht, ein angenehmes Plätzchen für sich und ihre Liebsten im Ameisenvolk zu ergattern und mit viel Fleiss und Arbeit auszubauen. Es geht um den Adlerblick. Es geht um den grossen Sinn im Leben. Um das ewige Kreisen um die Frage «Wofür das alles?».
Dazu diese Geschichte vom Versteck der Weisheit: Vor langer Zeit überlegten die Götter, dass es sehr schlecht wäre, wenn die Menschen die Weisheit des Universums finden würden, bevor sie tatsächlich reif genug dafür wären. Also entschieden die Götter, die Weisheit des Universums so lange an einem Ort zu verstecken, wo die Menschen sie solange nicht finden würden, bis sie reif genug sein würden.
Einer der Götter schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg der Erde zu verstecken. Aber schnell erkannten die Götter, dass der Mensch bald alle Berge erklimmen würde und die Weisheit dort nicht sicher genug versteckt wäre. Ein anderer schlug vor, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu verstecken. Aber auch dort sahen die Götter die Gefahr, dass die Menschen die Weisheit zu früh finden würden.
Dann äusserte der weiseste aller Götter seinen Vorschlag: "Ich weiss, was zu tun ist. Lasst uns die Weisheit des Universums im Menschen selbst verstecken. Er wird dort erst dann danach suchen, wenn er reif genug ist, denn er muss dazu den Weg in sein Inneres gehen."
Die anderen Götter waren von diesem Vorschlag begeistert und so versteckten sie die Weisheit des Universums im Menschen selbst.