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Die Olympischen Spiele sind verschoben!
Die rasante Ausbreitung des neuen Coronavirus traf auch den Sport mit voller Wucht. Reihenweise grosse und kleine Veranstaltungen mussten abgesagt werden, die Aufrechterhaltung eines normalen Trainingsbetriebs wurde stark eingeschränkt oder sogar komplett unmöglich und die Athletinnen und Athleten sahen sich plötzlich mit Einkommensausfällen, Mehrfachbelastungen und vor allem grossen Unsicherheiten bei der Zukunftsplanung konfrontiert.
Am vergangenen Dienstag wurde dann das bisher unvorstellbarste Szenario Tatsache. Die olympischen Spiele in Tokyo werden verschoben. Dies gaben das Internationale Olympische Komitee und das japanische Organisationskomitee in einem gemeinsamen Statement bekannt. Mittlerweile ist auch klar, dass die Spiele vom 23. Juli bis 08. August 2021 stattfinden werden, also genau ein Jahr nach dem geplanten Datum.
Der Sommer 2020 hätte für viele Athletinnen und Athleten den absoluten Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere darstellen sollen. Viele Jahre lang haben sie dem Traum „Tokyo 2020“ alles untergeordnet, hart trainiert, sich akribisch vorbereitet und grosse Opfer gebracht. Freunde, Familie, Freizeit, Ausbildung und Arbeit wurden hinten angestellt, um am Tag X die bestmögliche Leistung erbringen zu können.
Auch im Kanuverband liefen die Vorbereitungen für die olympischen Spiele in Tokyo auf Hochtouren. Nach dem Gewinn von zwei (!) Quotenplätzen bei den Kanu-Slalom Herren im vergangenen September fanden im Oktober und November bereits Trainingslager auf der Olympiastrecke statt, es konnten zusätzliche Beiträge bei Swiss Olympic für wichtige Vorbereitungsmassnahmen ausgelöst werden und gleichzeitig wurde ein spezifisches Programm gestartet, um auch bei den Damen noch einen Quotenplatz zu gewinnen. Dieser Quotenplatz wurde wegen der Absage der Slalom-Europameisterschaft im Mai zumindest vorübergehend Tatsache. Mit dem Entscheid des IOC werden diese Vorbereitungen natürlich nicht vollkommen wertlos. Trotzdem stellt sich die Frage, wie es für die betroffenen Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainer und alle anderen Beteiligten weitergeht.
Ralph Rüdisüli, sportlicher Direktor des Kanuverbands meint zur aktuellen Situation: „Swiss Canoe begrüsst den Entscheid des IOC sehr, die Spiele um ein Jahr zu verschieben. Er erleichtert es den Athletinnen und Athleten sowie ihren Trainerinnen und Trainern sehr, ihre Verantwortung und und Rolle als Mensch und Familienmitglieder besser zu übernehmen zu können. Die Verschiebung der Spiele schafft auch Klarheit, dass sich die Athleten und Trainer nun nicht unter den aktuell schwierigen Bedingungen auf Tokyo 2020 vorbereiten müssen. Gleichzeitig stehen nun aber viele Fragen im Raum: Insbesondere wie die noch offenen Quotenplätze vergeben werden oder, im Falle unserer beiden schon selektionierten Slalom-Spitzenathleten, ob Swiss Olympic an ihrer Selektion auch für 2021 festhalten wird. Vieles wird davon abhängen, ab wann die Normalität wieder Einzug hält und ein geregelter Trainings- und Wettkampfbetrieb möglich ist. Nun braucht es etwas Geduld bis das IOC, die ICF und Swiss Olympic sich ordnen konnten und die Rahmenbedingungen für die Spiele in Tokyo neu definieren konnten. Ich vertraue auf die Flexibilität und Innovationskraft unserer Teams, um auch in dieser Situation die best möglichen Leistungen hervorbringen zu können.“
Slalom Head Coach Christian Bahmann findet ähnliche Worte und unterstreicht zudem, dass auch für die Athletinnen und Athleten in der Krise der Sport in den Hintergrund rückt: „Eine Verschiebung der Spiele ist noch nie da gewesen und unterstreicht die Tragweite dieser weltweiten Krisensituation. Natürlich nimmt die Entscheidung des IOC viel Druck von den Athleten, die von den aktuellen Einschränkungen stark betroffen waren. Für uns bleiben jedoch auch mit der Verschiebung weiterhin viele Fragen offen. Dabei geht es nicht nur um Trainings, Wettkampfkalender und Jahresplanungen oder ob wir den erst kürzlich gewonnenen 3. Olympiastartplatz für das Schweizer Slalomteam des SKV behalten dürfen. Vielmehr stellen sich natürlich viele Athleten im Moment die Frage, wofür und warum sie sich weiter motivieren sollen, weil aktuell ganz elementare Dinge in den Vordergrund treten.“
Für unsere beiden bereits selektionierten Athleten Martin Dougoud und Thomas Koechlin ist die Situation im Moment besonders prekär. Beide leben und trainieren im südfranzösischen Pau, wo seit über zwei Wochen Ausgangssperre herrscht. Trotzdem, oder gerade deswegen, steht Thomas Koechlin der Olympia-Verschiebung positiv gegenüber: „Für mich ist die Verschiebung dieses Events eine gute Nachricht, so wird es friedlich stattfinden können. Die Sicherheit aller ist wichtiger als der Sport. Unsere Reise nach Tokyo verlängert sich, aber wir sind glücklich, denn der Weg zählt mehr als das Ziel!“.
Es soll an dieser Stelle nicht vergessen werden, dass auch auf dem flachen Wasser noch um Quotenplätze gekämpft wird. Franziska Widmer und Andri Summermatter hatten ihre Planung ebenfalls auf Tokyo 2020 ausgerichtet. Nun heisst es abwarten, wann die neuen Selektionsbestimmungen für Kanu-Slalom und Kanu-Regatta bekanntgegeben werden. Sobald das der Fall ist, werden unsere Athletinnen und Athleten in beiden Disziplinen ihre Saisonplanungen definitv auf das neue Ziel "Tokyo 2020 in 2021" ausrichten können. Wir wünschen allen Beteiligten viel Durchhaltewillen und Kraft und freuen uns, in einem Jahr hoffentlich gut vorbereitete, faire und vor allem sportlich interessante Spiele erleben zu dürfen.