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Wie erwähnt, lag die erste Pfäffiker Schiessstatt im Obermattareal. Sie wurde für Wettkämpfe aller Waffen verwendet, hauptsächlich jedoch für die Büchsenschützen. Da die Armbrust aber noch lange Zeit im Gebrauch war, wurde damit ebenfalls noch intensiv geübt. Zu diesem Zwecke veranstalteten die Schützen «Tätschschiessen». Für deren Durchführung bedurfte es keiner offiziellen Schiessstatt, nein diese Schiessen wurden an allen möglichen und unmöglichen Orten durchgeführt. Vielfach wurde sogar über die Strasse geschossen, damit Vorübergehende um eine Spende angehalten werden konnten. Geschossen wurde auf einen mit Lehm gefüllten Holzrahmen, welcher an einer Mauer oder an einem Baum befestigt war. So entnehmen wir einem Bericht:
«In Bussenhausen schossen unser 3 Armbrust- Schützen, wir hatten einen «Plattenbueb» und einen «Bolzbueb». Der Ertrag der von Vorbeigehenden eingesammelten Gaben ergab während jeder Übung 14 Schilling bis 2 Gulden. Im Schiessen erreichten wir eine grosse Fertigkeit, nicht selten trafen 30 Schüsse nacheinander ins Schwarze».
Diese wurden in erster Linie zur Förderung der Knaben für den späteren Kriegsdienst unterstützt. Der Staat verabfolgte dazu ebenfalls Gaben, sogenannte «Blatten» aus Zinn. Der Tagessieger musste jeweils am folgenden Sonntag als Bolz- und Blattenbueb amten, damit wieder ein anderer eine Chance hatte.
Die Distanz der Scheiben war gemäss Vorschrift von 1608 mit mindestens 815 Schuh (= ca. 250 m) für die Musketen und mindestens 665 Schuh (= ca. 200 m) für die Handrohre festgelegt.
Da vor allem die Scheibenstände sehr gefährlich angelegt waren, ereigneten sich viele Unfälle. Neben jeder Scheibe war ein kleines Zeigerhäuschen aufgebaut. Zum Zeigen trat der Zeiger dann vor die Scheibe und damit natürlich ins Schussfeld. Die Disziplin musste deshalb streng überwacht werden. Aber auch die Verständigung des Schützen mit dem Zeiger gab Probleme, sie wurde durch Zuruf, mit Glocken oder einem Schnurzug usw. vorgenommen. Eine Glücksache für den Zeiger, wenn er das richtige Signal verstanden hatte! 1617 musste man in Genf einen Paragraphen in die «Ordonnances du noble jeu de l'arquebuse» aufnehmen, der bei Busse verbot, während des Schiessens kreuz und quer über das Schussfeld zu laufen.
Das Schiessen auf eine falsche Scheibe wurde aber gleichzeitig nicht verboten, man regelte vielmehr nur, in welchem Falle ein Schuss, der in eine falsche Scheibe abgegeben wurde, Gültigkeit besitze und in welchem Falle nicht !
Streng gebüsst wurde hingegen der Schütze, welcher im Zorn fluchte oder sich sonst «uflätig» benahm. Auch einer offenbar öfters vorkommenden Unsitte, aus Wut die Flinte «ins Korn», also von sich zu werfen, musste mit saftigen Bussen begegnet werden.
Im Jahr 1621 setzte man im fürstäptischen Wil fest: «Es soll keiner über den Stand oder in die unrechte Scheibe schiessen, bei 3 Kreuzern Busse. Wer die Bussen nicht gleich bezahlt, kann nicht mehr gültig schiessen.»
Der Wunsch der Schützen, die Schiesspflicht in der Nähe ihres Wohnortes erfüllen zu können, bewirkte im Laufe der Zeit eine Abbröckelung der «Aussenbezirke» von der Zielschaft Pfäffikon. Die Regierung gewährte 1674 den Schützen der Kirchgemeine Bauma, welche zuvor teils auf der Schiessstätte Pfäffikon, teils Kempten zugeteilt war, die Einrichtung einer eigenen Zielstätte.
Wesentlich mitbestimmend für die Gründung neuer Zielstätten war die starke Zunahme der Mitgliederzahlen. Während im Jahr 1679 im Schiessbezirk Pfäffikon noch 166 Gewehrtragende wohnten, schossen 100 Jahre später, 1770 schon 370 Schützen + Wehrmänner.
Die Schutzvorschriften reichten nicht aus, um einen unfallfreien Schiessbetrieb zu erreichen. Auch die grelle Bekleidung der Zeiger, welche später eingeführt wurde, schützte diese zu wenig.
Bei einem Freudenschiessen in Wermatswil traf ein Schütze statt der Scheibe versehentlich einen Kameraden aus Pfäffikon so unglücklich, dass dieser an seinen Verletzungen starb.
Am Eidg. Schützenfest 1829 in Freiburg wurde ein Zeiger erschossen. Zu der Gefahr gesellte sich das Problem des Lohnausfalles bei Unfällen oder die Entschädigung der Hinterbliebenen, da keine Versicherung bestand und auch keine Haftpflicht der Schützen oder Organisationen gefordert werden konnte. Einsichtige Männer begannen in einzelnen krassen Fällen mit Geldsammlungen, den Schaden zu lindern. Offensichtlich stand aber auch das Ansehen des Schiesswesens durch diese Missstände in Gefahr. Dies führte schliesslich dazu, dass am 22. Januar 1888 in einer Gründungsversammlung der «Unfallversicherungsverein Zürcherischer Schützengesellschaften» ins Leben gerufen werden konnte. Diesem Verein trat der Schiessverein sofort d.h. am 17. Februar 1888 bei. Damit war der Grundstein für die Unfallversicherung Schweizerischer Schützenvereine USS gelegt, welche innerhalb von 2 Jahren für die ganze Schweiz verwirklicht wurde.
Mit dem Erlangen der kirchlichen Selbständigkeit erwirkte auch Hittnau seine Loslösung von der Zielstatt Pfäffikon. Zur gleichen Zeit machte sich auch Ettenhausen als Zielstatt unabhängig.
Auch innerhalb des Bereiches der Kirchhöfe Pfäffikon führten Trennungsbestrebungen zur Ablösung der Schützen von Irgenhausen, Auslikon und Balm.
Nach den bisherigen gesteckten Feldscheiben entwickelte der Bieler Amtsschützenmeister E. Schmalz eine neue Drehscheibenanlage.
Zwei Scheiben waren an einer horizontalen Stange befestigt, welche ihrerseits in einer senkrecht stehenden Achse auf einem Pfosten drehbar angeordnet war. Der Zeiger in seinem Häuschen konnte also der ihm zugedrehten Scheibe einen Stoss versetzen und so die beschossene Scheibe hinter seinen Schutz transportieren. Das Zeigen konnte so auch von sicherer Warte aus erfolgen. Erst 1836 finden wir in Lausanne am Eidg. Schützenfest einen Zeigergraben mit Kehrscheiben. Doch das elektrische Läutwerk als Signal für den Zeiger wurde erstmals 1864 in Gossau am St. Gallischen Kantonalschützenfest angewendet.
1871
Die erste Schiessstatt im Obermattareal musste bis ins Jahr 1871 ihren Dienst tun. Leider ist nicht bekannt, wie ihr Ausbaustandard war, aber Schussfeld und die Ziele lagen sicher im offenen Kulturland ohne deckenden Hintergrund. Es ist anzunehmen, dass die vielfach durchgeführten Gefechtsschiessen auf Feldscheiben ebenfalls auf diesem Schussfeld abgehalten wurden.
Die Gemeinde erstellte 1872 - 76 im Lehmboden, also unweit des heutigen Standortes, mit Schussrichtung Torfried, eine neue Schiessanlage.
Das Gebäude wurde zweistöckig gebaut, damit im oberen Stock die Scheiben (zu dieser Zeit ausschliesslich Feldscheiben) aufbewahrt werden konnten. Das stattliche Lokal diente auch eine Zeit lang den Turnern als Übungslokal (TV gegründet ~ 1872). Später, anno 1879, wurden dann Zeigerwehren (die weiter oben erwähnten Schutzhäuschen neben den Scheiben) erbaut und bereits 1892 mussten diese verstärkt werden. Der Schiessverein leistete zu diesem Zweck beträchtliche Fronarbeit.
Angeblich wegen Gefährdung der Waldbestände im Ried und westlich davon (gegen Faichrüti) durch abirrende Kugeln, wurde ein neues Projekt bearbeitet.
1898 baute die Gemeinde auf der Gujernwiese in der Matte ein neues Schützenhaus. Der Standort war vermutlich da wo heute noch ein altes Schöpfli steht, westlich der Minelli AG.
Die Schiessstatt Gujernwiese wurde modern ausgebaut. Sowohl ein 300 m Scheibenstand mit Zeigergraben und Zugscheiben wurde eingerichtet, als auch ein hoher Wall auf 400 m Distanz mit den altbewährten Zeigerwehren. Doch auch an diesem Standort kamen wieder Bedenken wegen Gefährdung auf, diesmal war es das Dorf Wermatswil, welches nach Einführung der neuesten Waffen (Armeegewehr 1911) in der Gefahrenzone lag. Noch während des ersten Weltkrieges 1914-18 wurde der Stand aberkannt. Die beiden Pfäffiker Vereine, Standschützen und Schiessverein, durften ihre Schiessstatt nicht mehr verwenden und mussten die Übungen auswärts abhalten, die Standschützen in Hittnau und der Schiessverein in Fehraltort.
1921 kehrte die Schiessstätte wieder in den Lehmboden/Saumholz zurück. Dieser Standort konnte in der Folge bis heute beibehalten werden. Ohne Opposition lief dies allerdings nicht ab, im Bericht über die Gemeindeversammlung v. 13. März 1921 steht: «Schliesslich mussten wir froh sein, dass der Kredit für unsere Gewehrschiessanlage bewilligt wurde. Aus den Äusserungen einiger Bürger konnte man nämlich die Devise ableiten: Lieber keinen Schiessstand, als nur einen Rappen mehr Steuern. Es war halt nicht mehr wie anno 1918, als der Bolschewiki mit seiner Faust drohte, und man zum Schiessstand hinzu noch jedem eine Pistole gratis in die Hand gedrückt hätte».
Eine moderne Schiessanlage mit einem mächtigen Scheibenwall auf 300 m zur Sicherung von Wald und Hintergelände wurde gebaut. Am 23. April wurde, gemäss dem Tagesbefehl des Vorstandes, der Graben für das Sonneriekabel gegraben. Mit Pickel und Schaufel rückten 36 Mitglieder des Schiessvereins auf dem Platz ein. Der Most wurde gespendet ! Die Anlage wurde mit einem «Gemeindefestchen» am 14. August 1921 eingeweiht.
Eine notwendige Kleinigkeit fehlte im Schützenhaus: das Wasser ! Der Schiessverein offerierte deshalb der Gemeinde, den Bau der Leitung vom nahen Friedhof in Fronarbeit auszuführen. Die Gemeinde hatte nur das Material zu liefern.
Die erste Erweiterung wurde 1940 vorgenommen mit der Einrichtung der 50 m Anlage mit 12 Scheiben für die Pistolen und Kleinkaliber- Schützen. Der Grund dafür war der Überfall der Truppen Hitlers auf Frankreich, was die sofortige Sperrung der Ordonnanzmunition zur Folge hatte. Um den Gewehrschützen das Training trotzdem zu ermöglichen, baute die Gemeinde eine 50 m Anlage ein. Schon 1941 wurde diese Sperre teilweise aufgehoben und einige Übungen konnten auf 300 m abgehalten werden. Die Freude am Kleinkaliberschiessen blieb bei vielen Schützen erhalten, sodass diese Disziplin weiter gepflegt wurde und daraus dann 1948 die Kleinkaliberschützen Pfäffikon als selbständiger Verein aus der Taufe gehoben wurde.
Die Jagdschützen erhielten die Bewilligung einen Teil der Schiessanlage ebenfalls zu benützen. Sie erstellten einen eigenen Feldstand, um so auf 100 m auf den bestehenden 300 m Scheibenstand zu schiessen. Später kamen dazu noch je eine Tontauben- Keiler- und Hasenanlage. Das Benützungsreglement von 1922 musste neu überarbeitet werden.
Ein Projekt für einen Totalumbau des Schützenhauses mit 26 Scheiben 300 m und 12 Laufscheiben 50 m wurde angenommen. Viele Fronstunden der Vereine wurden erbracht, bis die Anlage 1965 den Vereinen im neuen Kleid wieder übergeben werden konnte. Eine dem Bezirkshauptort wohl anstehende verbesserte Anlage war entstanden.
Die Elektronik begann langsam auch in sportliche Bereiche Einzug zu halten. Polytronic in Muri baute eine elektronisch anzeigende Scheibe. Die Scheibe wurde aus 2 isolierten Schichten aus leitfähiger Gummifolie hergestellt. Kreis- und Sektorelemente gestatteten, die 10er Wertung anzuzeigen. Das Signal wurde über ein Kabel auf den Monitor neben dem Schützen übertragen und mit Wert und Schusslage angezeigt. Die Einrichtung begeisterte natürlich auch die Pfäffiker Schützen. Auf deren Antrag bewilligte die Gemeinde 1974 den Kredit für 5 solche Anlagen. Für das Training waren diese Scheiben trotz Kinderkrankheiten schon ein Hit.
In der Schiessplatzkommission regte der Schiessverein an, einen Umbau der gesamten 300 m Anlage auf die inzwischen weiter entwickelten elektronischen Scheiben zu prüfen. Die Konkurrenten Polytronic und SIUS hatten inzwischen beide das System der Schalldifferenz-Messung eingeführt, wobei in der Scheibenbasis 3 Mikrofone eingebaut sind, welche die Lage des Geschosses durch Messung der Schalldifferenz bestimmen. Die eigentliche Scheibe ist als Hohlkammer (Schallmesskammer) gebaut und vorn und hinten mit einer Gummifolie abgeschlossen. Die Gemeindeversammlung vom 27.10.86 bewilligte den Kredit für den Einbau von 20 SIUS- Scheiben.
Unmittelbar nach dem Winterschiessen wurden die Zugscheiben abgebrochen und mit der Umbau-Vorbereitung begonnen. Die Vereine leisteten wieder Fronstunden, allein der Schiessverein über 200 h, sodass am 9. Mai mit dem ersten Bedingungsschiessen die Anlage ohne jede Störung in Betrieb genommen werden konnte.
Sirenengeheul der Feuerwehr weckte den Aktuar der Schiessplatzkommission, welcher es fast nicht glauben konnte, aber «sein Schützenhaus» stand im Vollbrand, durch unbekannte Schänder angezündet!! Durch rasches Reagieren konnte die Munition und etwas Material aus den Vereinskästen gerettet werden. Das ganze Schützenhaus war bis auf das Fundament abgebrannt. Im Brandschutt konnten noch die ausgebrannten Gehäuse der neuen SIUS-Anlage und an einem Mauerresten noch der Lauf des alten Vetterli-Gewehres ausgemacht werden.
Notsituation für die Vereine! Die Bedingungsschiessen waren noch nicht abgeschlossen, sofort wurden Kontakte zu den umliegenden Vereinen aufgenommen. Schiessverein und Pistolenschützen durften in Fehraltorf Zuflucht finden, während die Standschützen in Hittnau unterkommen konnten. Für die abendlichen Trainingsschiessen konnte der Schiessverein den Stand Hermatswil benützen. Einzig die Jagdschützen führten ihre Übungen fast ohne Behinderung durch, auch ihnen fehlte allerdings die Schützenstube.
Einer hatte aber dazu eine gute Idee, unser damaliger Stubenwirt. Er versorgte die Schützen, wo immer sie waren, mit einer fliegenden kleinen Beiz, brachte Tranksame und etwa ein paar Servelats mit.
Der Gemeinderat bemühte sich sofort, einen Wiederaufbau einzuleiten. So konnte die SPK bereits am 26.09.89 die Baukommission bestimmen. Nach einer zügigen Planungsphase bewilligte die Gemeindeversammlung am 3. Dezember 1990 den erforderlichen Kredit. Dann aber stoppte der Regierungsrat den Baubeginn und verlangte eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Diese UVP nahm ein ganzes Jahr in Anspruch. Am 16. Januar 1992 konnte dann aber bei -10 Kälte (!) der Spatenstich erfolgen.
Das neue Schützenhaus konnte auf das Winterschiessen im Februar 1993 hin bereitgestellt werden.
Die Anlage umfasst: Eine vom Schiesslärm abgekehrte Schalterhalle, eine 300 m Anlage SIUS mit 20 Scheiben, 12 Laufscheiben 50 m für Pistole und Kleinkalibergewehre, sowie 2 x 5 Scheiben 25 m Pistole. Die geräumige Schützenstube mit 80 Plätzen musste durch die Schützen selber ausgebaut werden. Hunderte von Fronstunden wurden geleistet. Es ist eine zweckmässige und äusserst gefällige Anlage entstanden, welche allen Anforderungen gerecht und durch alle Schützen sehr geschätzt wird.
Die Schützen sind dem Gemeinderat, dem Souverän, dem Architektenteam und der Baukommission zu grossem Dank verpflichtet.