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Die Massenbilanz eines Gletschers bezeichnet die Differenz zwischen Massengewinn (Akkumulation) und Massenverlust (Ablation). Die Massenbilanz reagiert sofort auf Veränderungen des Klimas und gibt Auskunft über die Gesundheit des Gletschers.
Massenbilanzmessungen sind für die Untersuchung von Gletscherveränderungen im Zusammenhang mit Klimaänderungen wichtig. Sie ermöglichen es direkte Aussagen über den Einfluss des Klimas auf die Gletscher zu machen. Die Gletscher-Massenbilanz ist deshalb ein zentrales Element der Gletscherbeobachtung, die aber nicht einfach zu bestimmen ist. Im Akkumulationsgebiet wird der Massengewinn anhand von Schneeschächten gemessen. Im Ablationsgebiet auf den Zungen kann die Schmelze an Stangen gemessen werden.
Erste Massenbilanzmessungen wurden bereits in den Jahren 1884 - 1910 am Rhonegletscher durchgeführt. Seit nahezu 100 Jahren wird an vier Messstellen auf rund 3000 m ü. M. auf dem Claridenfirn, dem Grossen Aletschgletscher und dem Silvrettagletscher die lokale Massenbilanz ohne Unterbruch zweimal pro Jahr gemessen. Mit diesen weltweit einzigartigen Messreihen kann untersucht werden, wie sich die Klimaveränderung im letzten Jahrhundert auf die Gletscher auswirkte.
Unter Einsatz der glaziologischen Messmethode werden momentan auf den Gletschern Basòdino (seit 1991), Findelen (2004), Gries (1961), Pizol (2006), Plaine Morte (2009), Rhone (2006), Silvretta (1918) und Tsanfleuron (2009) detaillierte Massenbilanzdaten erhoben. Diese Messreihen sind darauf ausgelegt, die Verteilung der Massenbilanz über die gesamte Gletscherfläche zu ermitteln. Zusätzlich dazu werden langjährige Messungen an einzelnen Standorten mit saisonaler Auflösung am Grossen Aletschgletscher (Jungfraufirn, seit 1921), am Claridenfirn (1914), auf den Gletschern Giétro (1966), Corbassière (1996), Allalin (1955) und Schwarzberg (1955) weitergeführt.
Die Massenbilanz eines Gletschers ist weitgehend von der Menge des Winterschneefalls und der Lufttemperatur während des Sommers abhängig. Hohe Temperaturen im April, Mai oder Juni können die Winterschneedecke schnell zum Schmelzen bringen und die darunterliegenden dunkleren Eisflächen bereits im Juli der Sonne aussetzen. Im Juli und August ist die Sonneneinstrahlung hoch und das Schmelzen des ungeschützten Eises wird verstärkt. Bei eine Kombination dieser beiden Faktoren werden sehr negative Massenbilanzen, wie bei der Hitzewelle des Sommers 2003 erwartet. Anderseits schützt eine Sommerschneedecke bis zur Gletscherzunge die Eisfläche vor dem Schmelzen und führt zu weniger negativen Massenbilanzen.
Technische Fortschritte in der Fernerkundung, bei Klimamodellen sowie Modellrechnungen ermöglichen, die Massenbilanz auch indirekt zu ermitteln. Obwohl sehr grosse Anstrengungen unternommen wurden, die Massenbilanz mit geringerem Aufwand indirekt zu bestimmen, liefern die Feldmessungen nach wie vor die zuverlässigsten Resultate und stellen eine hohe zeitliche Auflösung, sowie eine Separierung der massgebenden Prozesse (Akkumulation, Schmelze) sicher. Allerdings ist es erforderlich diese von Zeit zu Zeit mit einer unabhängigen Methode zu überprüfen um systematische Fehler bei den Messungen zu erkennen und zu reduzieren.
Über das GLAMOS Portal können alle Daten der Gletscherbeobachtung der Schweiz bezogen werden.