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Für Peggy Guggenheim war sie die First Lady Venedigs.
1920: Die fünfundzwanzigjährige Margherita, die in ihrem Heimatstädtchen Treviso die Zeitungen austrägt, wird durch die Heirat mit dem adeligen Antonio Revedin zur First Lady Venedigs. Heute ist ihr Name vergessen: Doch Margherita verstand es, sich durch ihre unvoreingenommene Art zum Mittelpunkt einer sich neu erfindenden Stadt zu machen.
Peggy Guggenheim wird ihre beste Freundin, und die Künstlerfeste auf der Terrasse des Hotel Excelsior, zu denen sie Greta Garbo, Coco Chanel, Clark Gable oder Pablo Picasso einlud, werden legendär.
Jana Revedin erzählt mitreissend von den Schicksalsjahren Venedigs - und ihrer eigenen Familie.
Misslungener Roman, der seine Protagonistin eher uninteressanter als interessanter macht
Bewertung am 14.03.2023
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Als grosse Venedig-Liebhaberin hatte ich dieses Buch schon lange auf meiner Liste. Für den letzten Venedig-Besuch habe ich es nun endlich gekauft. Was für eine Enttäuschung! Nach 40 Seiten hätte ich es am liebsten in die Ecke geschmissen. Wenn ich nicht Zeit zu lesen und sonst nichts dabei gehabt hätte, hätte ich es nicht zu Ende gelesen.
Die Autorin hat versucht, aus dem Leben der Grossmutter ihres Mannes einen Roman zu machen. Offenbar hatte sie viel Material aus dem Familienarchiv und öffentlichen Quellen zur Verfügung. Es ist aber überhaupt nicht gelungen, dies in einen spannenden Roman zu verpacken. Die Dialoge lesen sich, als hätte die Autorin informative Inhalte aus historischen Quellen etwas halbherzig in Anführungszeichen gesetzt und ihren Personen in den Mund gelegt. Die reden alle entsetzlich gestelzt und in unmöglichen Schachtelsätzen wie in Fachbüchern, um Informationen und Sachverhalte zu vermitteln. Ein grosses Anliegen der Autorin war offenbar, Wiederholungen zu vermeiden, sodass die Personen oft reden wie Absätze aus Reiseführern oder Artikeln, wo man nicht zu oft "Venedig" sagen darf es dann immer wieder mal mit "die Lagunenstadt" oder "die Serenissima" ersetzen muss. Zusätzlich hat sie es peinlich genau vermieden, gewöhnliche Inquit-Formeln wie "sie / er sagte" zu verwenden und schreibt immer Sachen wie ".'....', wusste Luigi die Antwort auswendig" oder '"'...', hatte Margherita die Antwort parat".
Bekannte Persönlichkeiten, mit denen Margherita Revedin in ihrem Leben Kontakt hatte (wie Peggy Guggenheim, Coco Chanel, Pablo Picasso etc.) werden als eine schier endlose Namedropping-Phalanx ohne tiefergehende Einsichten angeführt. Das Ganze wirkt wie ein "Guckt mal, wen die Grossmutter meines Mannes alles kannte"-Katalog.
Der Roman erzählt in grossen Zeitsprüngen und bleibt sehr an der Oberfläche. Die Personen haben mich weder interessiert noch berührt. Offenbar wurde Margherita von der alteingesessenen venezianischen Gesellschaft geächtet, weil sie aus dem einfachen Volk kam. Dieser Aspekt allerdings wird bloss mal erwähnt, dabei hätte das doch viel Material für eine interessante Handlung geboten. Stattdessen verfolgen wir sie ständig nur dabei, wie sie mit der Handvoll Personen, die ihr zugetan sind, anstrengende Konversationen führt, in denen alle Protagonisten sich viel Mühe geben, den Leser*innen historische Sachverhalte vorzutragen.
Als gegen Schluss des Romans Margheritas Sohn Luigi seine Frau vor seiner Mutter versteckt und sie aus obskuren Gründen zur Geburt des Kindes in eine Kurklinik auf dem Lido bringt statt in ein Krankenhaus mit richtiger Geburtsabteilung und dann selber zu einem Fussballspiel geht, haben mich diese irrigen Anwandlungen dieser Familie schon gar nicht mehr interessiert - zumal sie sich nachher vollkommen reibungslos in Wohlgefallen auflösen und aus dem sperrigen Verhältnis von Mutter, Sohn und Schwiegertochter dann mit einem Schlag eine heile Familie wird.
All dieses Material, das der Autorin aufgrund ihrer Heirat mit Margheritas Enkel zur Verfügung stand, wäre besser in einer sachlichen und informativen Biographie aufgehoben gewesen. Der Versuch, dies in eine Romanhandlung zu verpacken, ist vollkommen misslungen. Einen Gefallen hat Jana Revedin ihrer Schwieger-Grossmutter damit wohl eher nicht getan - die Person der Margherita Revedin erschien mir nach Beenden des Romans uninteressant und farblos. Viel Name Dropping und wenig Tiefgang.
Margherita
Bewertung aus Geroldswil am 12.02.2021
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Buch hat mir sehr gut gefallen ! Ich mag auf Wahrheit basierende Geschichten !