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|Inhalt||19.JH|
|Höherer gebrauch||Das 19. jahrhundert beginnt eigentlich 1789 mit der französischen revolution. Sie ist der ausdruck für die forderung des durch die aufklärung erwachten bürgertums nach gleichberechtigung. So formuliert Mengs in "Gedanken über die schönheit und über den geschmack" 1756 noch: "Schön ist, was den meisten gefällt." Diese worte waren an ein adeliges publikum gerichtet, wo die kunst ihren festen platz und damit lebensfunktion hatte. Das bürgertum fügt die kunst in sein erziehungssystem ein und fordert einen "höheren gebrauch" von malerei, eine sittlich-pädagogische aufgabe der kunst, und zwar bestehe dieselbe

1. In der unterstützung der andacht in tempeln
2. In erweckung patriotischer gesinnung in öffentlichen gebäuden
3. In nahrung der privattugend in zimmern.
|Bürgerlich||Die staatlich subventionierte akademie wird die autoritative instanz, die die interessen des bürgertums gegenüber der kunst vertritt. Öffentliche aufträge werden so nur an solche künstler vergeben, die der bürgerlichen ästhetik genügen. Jede kritik bleibt praktisch unwirksam und fällt auf den kritisierenden als ächtung zurück. So beginnt eine entfremdung der schöpferischen elite von der gesellschaft und damit das problem des verkannten künstlers. Nur der bürgerlich anerkannte ist wirtschaftlich tüchtig und somit erfolgreich und darum ein guter künstler.|
|Idealismus und Realismus||Dieses begriffspaar bezeichnet den das jahrhundert beherrschenden grundkonflikt. Nachdem sie den boden der bürgerlichen ästhetik mit ihren zweckgebundenen idealen und ihrem sentimentalen verhältnis zur realität verlassen haben, fliehen sich beide richtungen, bekämpfen sich gelegentlich sogar programmatisch, ohne voneinander loszukommen. Der idealismus bedient sich weitgehend naturalistischer formen und mittel, um seine ideen ins bild zu setzen. Aber auch die realisten sind davon besessen, eine idee auszudrücken oder eine natur-"Anschauung" zu verwirklichen. Ein charakteristisches nebenprodukt dieses konflikts ist der kitsch, dessen reiche entwicklung mit dem 19. jahrhundert einsetzt. Er ist das ergebnis jener bestrebungen, einen gefühlsgehalt oder einen ideellen wert mit (naturalistischen) mitteln potenziert auszudrücken.|
|Einfluss der fotografie||Die erfindung der fotografie 1839 wirkt anregend auf die kunst. Vom auftrag des dokumentierens befreit (besonders im porträt), muss sie sich neue aufgaben stellen: Dekoration? Selbstausdruck? Darstellung eines neuen weltbildes? Diese fragen werden erst im 20. jh beantwortet, die ausgangslage befindet sich am ende des 19. jh. Speziell im impressionismus wird auf das problem der kurzen verschlusszeit, dh des flüchtigen augenblicks und der spontanen komposition eingegangen.

Die künstler benutzen die fotografie mehr oder weniger versteckt als bildvorlage.
Die fotografen richten sich in ihrer bildauffassung nach der bildenden kunst und versuchen ebenfalls idealistische bilder zu machen. Auch hier kommt eine eigenständige auffassung erst nach dem ersten weltkrieg zum tragen.
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