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Pheasant’s Tears
Bevor Sie diesen Ausnahmewein degustieren, sollten Sie alles vergessen, was Sie über Wein wissen!
Zurück zu den Ursprüngen, lautet hier das Motto, denn dies ist ein Wein, wie ihn schon unsere Vorfahren vor Jahrtausenden tranken. Der Wein von Pheasant’s Tears in Georgien ist ein seltener, authentischer Tropfen mit einer langen Geschichte, der aus der Rebsorte Kisi erzeugt wird.
Traditionelle Weinbereitung in Amphoren
Seit über 8000 Jahren wird in Georgien Wein nach einer denkbar einfachen Methode hergestellt: Zunächst werden die Trauben mit den Füssen gemaischt, dann wird der Traubensaft samt Weinbeerenhäuten (den Schalen), Kernen und Rappen in ein grosses Keramikgefäss geschüttet, das «Qvevri» genannt wird. Um die Temperatur konstant zu halten, wird das Qvevri dann vollständig in der Erde versenkt. Die Hefen, die von Natur aus im Weinkeller («Marani» genannt) oder auf den Trauben wachsen, lösen eine spontane Gärung aus. Das Qvevri, also die Amphore, wird im Keller mit einem Tondeckel verschlossen und dann mit Erde bedeckt. Bei den Weissweinen verbleiben die Schalen 3 bis 6 Monate lang im Wein, bei den Rotweinen jedoch nur einen Monat lang, weil sonst der Tanningehalt zu hoch wird. Anschliessend wird der Wein ohne die Schalen, Kerne und Rappen, die sich durch die Schwerkraft inzwischen am Boden abgesetzt haben (der Bodensatz wird auch «Chacha» genannt und im Anschluss destilliert), in eine andere Amphore umgefüllt. Der Wein wird in dieser neuen Amphore noch einige weitere Monate gelagert, um dann in der Osterzeit des Folgejahres in Flaschen abgefüllt zu werden. Da die Reben praktisch nie behandelt wurden, sind die Qvevri-Weine gänzlich naturbelassen und damit von höchster Bioqualität.
Georgischer Orangewein der aus der Reihe tanzt. Blasses Aprikosengold und orange Reflexe mit ein paar feinen Partikeln, da der Wein unfiltriert abgefüllt wurde. In der Nase würzige Aromen nach getrocknetem Heu, untermalt mit Aromen von weisser Mandelblüte und Weinbergspfirsich. Am Gaumen präsente, griffige Gerbstoffe, ein ungewohnt kräftiges Tanningerüst für einen Weisswein aufgrund vom ausgedehntem Schalenkontakt. Ein eigenständiger, nicht alltäglicher Weisswein für Experimentierfreudige.
Oranger Wein
Bei einem handelsüblichen Weisswein verbleiben die Hülsen, Kerne und Rappen nur wenige Stunden im Wein. Beim Amphorenwein sind es mehrere Monate. Folglich übernimmt der Wein die Anthocyan-Pigmente dieser Pflanzenkomponenten, die ihm einen Bernsteinton verleihen, aber auch die Tanninnote ihrer Polyphenole. Schliesst man die Augen, könnte man glauben, einen Rotwein zu trinken. David Harvey bezeichnete diese Weinsorte 2004 erstmals als «orange wine» (oranger Wein). Der englische Weinhändler wollte seinen Kunden damit den besonderen Charakter dieser Weine näherbringen.
Wenn Sie mehr über orange Weine erfahren möchten, kann ich Ihnen die Lektüre von «Amber Revolution» empfehlen, dem einzigen, nur auf Englisch erhältlichen Buch über dieses Thema, das im Herbst 2018 vom Fachjournalisten Simon Woolf veröffentlicht wird. Sie können es unter folgendem Link vorbestellen: https://www.themorningclaret.com/shop/
Pheasant’s Tears
Die Weinkellerei Pheasant’s Tears (die Tränen des Fasanen) wurde 2007 von John Wurdeman und Gela Patalishvili gegründet und nach einer georgischen Legende benannt, die besagt, dass nur die besten Weine einen Fasan zum Weinen bringen. Natürlich könnten man sich jetzt fragen, wer wohl diesen Vögeln Wein serviert … Alle Weine der Kellerei fermentieren in Amphoren – je nach Rebsorte zwischen 3 Wochen und 6 Monaten lang.
Interview mit John Wurdeman, dem Gründer von Pheasant’s Tears
Der Amerikaner John Wurdeman war einer der ersten, der sich für die traditionell im Qvevri gereiften Weine aus Georgien stark gemacht hat. Ich selbst bin John 2011 zum ersten Mal begegnet. Dieser sanfte und mittlerweile perfekt zweisprachige Mann beeindruckte mich durch seine Begeisterung für die georgische Kultur. In einem Exklusivinterview mit Mondovino schilderte uns John seinen ungewöhnlichen Lebensweg.
Der Amerikaner John Wurdeman ist Kunstmaler und heute auch passionierter Winzer in Georgien.
José Vouillamoz: Was hat einen amerikanischen Maler nach Georgien verschlagen und zum Winzer werden lassen, der traditionellen Amphorenwein herstellt?
John Wurdeman: Schon als Kind faszinierten mich die polyphonen georgischen Gesänge, die hier eine lange Tradition haben. Damals träumte ich davon, eines Tages nach Georgien zu reisen, um sie aufzunehmen und zu erlernen. Tatsächlich kam ich dann 1995 erstmals hierher. Schon ein Jahr später kaufte ich ein Haus in Sighnaghi, einer Stadt, die für ihre lokale Kunstszene bekannt ist. Da ich bildende Kunst studiert habe, begann ich als Erstes, die Menschen und Landschaften Georgiens zu zeichnen. Dabei begegnete ich meiner künftigen Frau Ketevan, die als Folklore-Sängerin und Tänzerin tätig war. Meine Leidenschaft für die georgische Küche und den Wein des Landes entstand erst zehn Jahre später. Ich gründete die Weinkellerei Pheasant’s Tears, um etwas zum Erhalt der traditionellen Weinbereitung in Amphoren, den sog. «Qvevris», beizutragen.
J.V.: Wie viele Flaschen Kisi erzeugst du?
J.W.: Etwa 2000 Flaschen pro Jahr.
J.V.: Woher kommen deine Amphoren, und wie werden sie hergestellt?
J.W.: Sie stammen grösstenteils aus Imereti in Zentralgeorgien, wo die Amphorenherstellung eine lange Tradition hat. Eine Ausnahme bildet unser Originalkeller, in dem alte Qvevris aus Kachetien lagern. Das älteste Qvevri stammt aus dem Jahr 1878.
J.V.: Hat sich durch deinen Erfolg die Anzahl der Kisi-Rebflächen wieder erhöht?
J.W.: Nein, das zu behaupten, wäre dann doch übertrieben. Die Rebsorte Kisi war früher sehr viel weiter verbreitet. Ich und eine Handvoll anderer Winzer haben sie vor etwa 15 Jahren zu neuem Leben erweckt.
J.V.: Welche Gerichte passen am besten zu deinen Kisi-Weinen?
Mezze oder Tapas mit intensiven, gern auch kontrastierenden Geschmacksrichtungen, zum Beispiel gebratenes Lamm, Pilze, fermentiertes Gemüse, Grillfleisch, würzigen Gerichte usw. Orange Weine passen eigentlich zu vielem!
Kisi 2015, Pheasant’s Tears
Kisi ist eine sehr seltene, autochthone Rebsorte. Man findet sie nur auf ca. 50 Hektar in der Region Kachetien, die im Südosten von Georgien liegt. Sie braucht ihr eigenes Mikroklima sowie einen besonders sonnigen Weinberg. Kisi wird oft in Assemblage mit Rkatsiteli angeboten. Sie bereichert die Mischung mit ihren blumig-fruchtigen Noten. Einige Winzer erzeugen reine Kisi-Weine, entweder auf moderne Art in Edelstahltanks oder, wie in diesem Fall, auf traditionelle Weise in Amphoren.
John Wurdeman erklärte uns, dass seine Kisi-Weine je nach Jahrgang unterschiedlich erzeugt werden. 2015 entschied er sich für eine dreimonatige Hülsenmaischung mit einer 80-prozentigen Entrappung, da dieser Kisi-Wein schon von Natur aus sehr tanninhaltig war. Die attraktive, orange Robe verbindet sich mit einem Aroma von getrockneten Kräutern und Feigen sowie von Kamille und Stroh. Die Säure kommt kaum zum Tragen, dafür schmeckt man neben den Trockenaprikosennoten die Tannine deutlich heraus. Sehr langer Abgang mit intensiven Tanninen. Dieser Wein ist eine echte Naturgewalt!
92/100
Ihr Weinexperte Dr. José Vouillamoz