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Friedrich Meyer, Basel, 1805 (Miniatur)
Einträge von 1802–1803, 1805–1806 und 1814
Gouache auf Papier; Saffianledereinband, Goldschnitt
H. 12 cm, B. 20,3 cm
Inv. 1941.313.
Der spätere Goldschmied Johann Jakob III. Handmann (1789–1868) ging, wie so viele Knaben des Bürgertums, im Alter von ungefähr dreizehn Jahren für einige Zeit ins Welschland, wohl zum Erlernen der französischen Sprache, vielleicht auch zur Vorbereitung auf die Konfirmation. Die Eintragungen seiner Pensionatsfreunde in sein Stammbuch belegen seinen Aufenthalt in Neuenburg im Winter 1802 und Frühjahr 1803. Die handschriftlichen Einträge sind teilweise noch ungelenk und allenfalls von schlichten Zeichnungen begleitet. Nach zweijährigem Unterbruch setzen die Einträge im Sommer 1805 wieder ein, aber in ganz anderer Art: Seine Mutter, seine drei Schwestern und der Schwager Gottfried St(a)ehelin tragen sich in dichter Folge in Basel ein und lassen ihre Zeilen von Darstellungen eines professionellen Zeichners illustrieren, der aufgrund des Monogramms FM als der Basler Maler Friedrich Meyer (gest. 1837) zu identifizieren ist.
Vermutlich war es ein abermaliger Aufenthalt in der Fremde, der die Wiederaufnahme der Eintragungen veranlasste.
1805 war Johann Jakob Handmann 16 Jahre alt, gerade alt genug für eine weite Reise und das Sammeln weiterer beruflicher Erfahrungen. 1809 wurde er von der Zunft zu Hausgenossen aufgenommen und führte danach die Werkstatt weiter, die seine Mutter seit dem frühen Tod des Vaters 1793 geleitet hatte. Bevor es dazu kam, wird er eine längere und weitere Reise unternommen haben – ein Eintrag aus Genf (1806) und die (undatierte) Widmung eines Berliner Freundes lassen das vermuten. Da aber die Eintragungen in dieser Zeit sehr spärlich sind, kann man die Reise weder beweisen, noch deren Länge oder den Verlauf rekonstruieren.
Bei der ganzformatigen Szene handelt es sich um die Begrüssung des mit der Postkutsche eingetroffenen Jünglings Johann Jakob Handmann durch seine Familie.
Das kleine Kind, das sich am Kleid der Grossmutter festhält, scheint vor dem aus der Fremde heimgekehrten Verwandten zu «fremdeln». Die reizvolle, lebendig geschilderte Szene spricht, ganz im Geist des Zeitalters der Empfindsamkeit, von Wiedersehensfreude und Familienzusammenhalt, und sie gibt auch den ängstlichen Regungen eines kleinen Kindes ausreichend Raum.
Die Szene findet vor der breiten Kutschendurchfahrt des nahe beim Marktplatz gelegenen heutigen Stadthauses statt, das in den 1770er Jahren als Sitz des Direktoriums der Kaufmannschaft erbaut worden war. Da dieses Direktorium bis 1798 auch das Postregal innehatte, war das gesamte Postwesen hier beheimatet und blieb es auch, nachdem das Postregal zunächst an die Helvetische Republik, dann 1803 an die Stadtgemeinde übergegangen war. Das Posthaus war der Abfahrts- und Ankunftsort von verschiedenen Postlinien, und die dafür verwendeten Kutschen wurden in den schmalen Remisen des Innenhofes oder in der grossen, heute noch ansatzweise erhaltenen Remise des Nebengebäudes eingestellt.