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Andere Erkrankungen
Der Tabakkonsum spielt bei der Entstehung von zahlreichen Erkrankungen, darunter eine Reihe schwerwiegender und tödlich verlaufender Erkrankungen, eine bedeutende Rolle. Bestandteile des Rauches gelangen über das Blut in alle Regionen des Körpers und aus der Forschung kommen täglich neue Erkenntnisse über die schädigende Wirkung des Tabakkonsums. Hier werden einige der Auswirkungen des Rauchens auf die Gesundheit beschrieben. Die Nennung der Erkrankungen ist nicht vollständig.
Geschlechterspezifische Folgeschäden
- Lungenkrebs
Bei gleich hohem Tabakkonsum ist das Risiko für Lungenkrebs bei den Frauen 28fach erhöht, bei den Männern „nur“ rund 10fach erhöht und bei der Frau manifestiert sich der Lungenkrebs im Durchschnitt fünf Jahre früher. Bei den Männern sinkt die Häufigkeit von Lungenkrebs, während sie bei den Frauen immer noch ansteigt.
- Sexualität und Fertilität
Sowohl bei Frauen wie bei Männern beeinträchtigt das Rauchen die Sexualität und Fertilität. Die Zigarette wird deshalb auch "die stille Verhütung" genannt.
Bei Frauen, die rauchen, tritt die Menopause etwa 2 Jahre früher ein. Raucherinnen, die orale Kontrazeptiva einnehmen, haben ein wesentlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Zudem haben rauchende Frauen ein erhöhtes Risiko für Unfruchtbarkeit.
Bei Männern führt das Rauchen häufiger zu erektiler Dysfunktion und zu einer Verminderung und Schädigung der Spermien.
Augen und Sehstörungen
Rauchen gilt als der wichtigste Risikofaktor bei der altersabhängigen Degeneration der Netzhaut. Mit zunehmendem Alter verkümmern die lichtempfindlichen Sehzellen. Die Folgen sind Lesestörungen, Schwierigkeiten bei der Licht-Dunkelanpassung etc. Rauchen fördert diese irreversiblen Alterungsprozesse erheblich.
Haut und Wundheilung
20 Zigaretten täglich führen im mittleren Lebensalter zu einem vorzeitigen Alterungsprozess der Haut um ca. 10 Jahre. Tabakrauch beschleunigt auf mehreren Wegen den normalen Prozess der Hautalterung: Er hemmt die Kollagensynthese und die Verdickung der einzelnen Fasern. Der durch das Rauchen niedrigere Vitamin-A-Spiegel und die freien Radikale aus dem Tabakrauch aktivieren zudem die Enzymaktivität der Metallo-Proteinase-1 (MMP-1), was zu einer Degeneration des Kollagens führt. Gleichzeitig induziert Rauchen über eine verstärkte Elastase-Aktivität einen übermässigen Abbau des Elastins in der Dermis. Der vasokonstriktorische Effekt des Nikotins erhöht zudem die Gewebeischämie und beschleunigt die Hautalterung.
Rauchen beeinträchtigt die Wund- und Frakturheilung, indem die vasokonstriktorische Wirkung des Nikotins eine verminderte Proliferation der für die Narbenbildung und die Infektabwehr notwendigen roten Blutzellen, Fibroblasten und immunkompetenten Gewebsmakrophagen verursacht. Nikotin steigert zudem die Thrombozytenaggregation, was wiederum die Mikrozirkulation beeinträchtigt. Das Kohlenmonoxid führt zur zellulären Hypoxie oder Anoxie. Die reduzierte Kollagen-Neubildung verlangsamt die Wundheilung.
Schliesslich erhöht das Rauchen das Risiko für verschiedene Hautkrankheiten, hauptsächlich wenn die immunologischen Auswirkungen des Rauchens eine Rolle spielen. So induziert das Rauchen bei Pustulosis palmoplantaris, Psoriasis, Akne vulgaris und inversa, atopischer Dermatitis und Thrombangiitis obliterans eine Entzündungsreaktion. Bei der malignen Transformation einer Humanen-Papilloma-Virus-Infektionen (HPV)-Infektion sind Inhaltsstoffe des Tabaks Co-Karzinogene.
Akne tritt bei Rauchern mit 41% wesentlich häufiger auf als bei Nichtrauchern (25%), wobei die Akne umso stärker ist, je mehr geraucht wird.
Fertilität des Mannes
Bei Tabakkonsum kommt es häufiger zu Erektionsstörungen als bei Nichtrauchern, das Odds-Ratio für erektile Dysfunktion ist 1,7 (95 % CI). Die Ursache ist in vielen Fällen eine Gefässerkrankung in den Arterien, die den Penis versorgen. Raucher haben auch eine verminderte Spermaqualität und –dichte und erhöhte Leukozytenzahl in der Spermaflüssigkeit.
Fertilität der Frau
Raucherinnen haben signifikant häufiger eine hormonell bedingte Sterilität, denn Rauchen senkt die natürliche Fertilität der Frau. Raucherinnen haben ein erhöhtes Risiko für Eileiterschwangerschaften und Schwangere ein erhöhtes Risiko von Fehlgeburten, Frühgeburten, vorzeitigen Blasensprung, Plazenta praevia und vorzeitige Plazentaablösung.
Osteoporose
Tabakkonsum führt zu einer Abnahme der Knochendichte durch Veränderungen auf hormoneller und zellulärer Ebene. Es beeinträchtigt die Knochenstruktur bei Frauen in der Menopause, unabhängig von der hormonellen Situation.
Nikotin verringert die Serum-Konzentration von Vitamin D und Parathormon und beeinflusst dadurch den Calcium-Haushalt. Rauchen geht insbesondere bei Personen ab 50 Jahren mit einer signifikanten Reduktion der Knochenmasse und einem erhöhten Frakturrisiko einher.
SIDS
(Sudden Infant Death Syndrome), plötzlicher Säuglingstod
Der plötzliche Säuglingstod ist in den Industrieländern mit rund 25% aller Todesfälle zwischen einem Monat und einem Jahr die häufigste Todesart im Kindesalter jenseits der Neugeborenenperiode. Ein systematisches Review über 29 Fall-Kontroll-Studien und zehn Kohorten-Studien wies 1997 eine Verdopplung des SIDS-Risikos durch Rauchen in der Schwangerschaft nach. Auch das Rauchen der Eltern nach der Geburt erhöht das Risiko für SIDS.
Vitamin-C-Mangel
Die Aufnahme von Vitamin C ist beim Raucher um ca. 10 % geringer, zusätzlich steigt der Umsatz der Antioxydantien um ca. 40 %. Raucher haben also einen um 50 % erhöhten Bedarf an Vitamin C (150 mg/Tag).
Zahnhalteapparat
Eine Vielzahl von Querschnittsstudien sowie prospektive Langzeitstudien haben das Zigarettenrauchen auch als wichtigen Risikofaktor für die Entstehung sowie das Fortschreiten von Schädigungen des parodontalen Gewebes bestätigt. Rauchen ist ein bedeutender Risikofaktor für Erkrankungen des Zahnhalteapparates, führt darüber auch zu Zahnausfall und verursacht Krebs im Mund- und Rachenraum. Rauchen verschlechtert die Durchblutung im Mundraum. Besonders tückisch ist dabei, dass Rauchen das Zahnfleischbluten unterdrückt, welches ein typisches Zeichen einer Parodontitis und ein Warnhinweis für die Erkrankung ist.
Mehr als 70 % der Zahnarztpatienten mit chronisch verlaufenden Parodontalerkrankung sind Raucher. Sie haben gegenüber Nichtrauchern ein etwa 5- 6fach höheres Risiko, starke Raucher, die über 20 Jahre mehr als 20 Zigaretten/T rauchen, haben gar ein 20-fach höheres Erkrankungsrisiko. Raucher haben deutlich mehr erkrankte und tiefere Zahnfleischtaschen, einen grösseren den Zahn umgebenden Knochen- und Bindegewebsverlust und höheren Zahnverlust. Der Behandlungserfolg einer zahnärztlichen Parodontitistherapie ist bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern deutlich schlechter, sodass die meisten Behandlungsmisserfolge bei Rauchern auftreten.
Referenzen
- Chapman S. Erectile dysfunction and smoking: subverting tobacco industry images of masculine potency. Tob Control 2006;Apr; 15(2):136-9
- Shah T, Sullivan K, Carter J. Sudden infant death syndrome and reported maternal smoking during pregnancy. Am J Public Health 2006;96:1757-9
- Wolf R. Erectile dysfunction and fertility related to cigarette smoking Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. Vol. 6 (3), 1996, 209-216
- Mirone V et al. Cigarette Smoking as Risk Factor for Erectile Dysfunction: Results from an Italian Epidemiological Study. European Urology, Vol. 41 (3), 2002, 294-297
- Walter C, Saxer UP et al. Einfluss des Tabakonsums auf das Parodont: Up-date I und II. Schweiz Monatsschr Zahnmed 2007; 117. 45 – 54 und 153 - 163