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Jeremias Gotthelf wäre stolz
Die Novelle «Die schwarze Spinne» von Jeremias Gotthelf ist ein Stück Weltliteratur und erhielt nun eine starke Verfilmung mit Lilith Stangenberg, Anatole Taubman und Marcus Signer. Die Geschichte ist und bleibt zeitlos.
Manch einer wird sich noch an die gelben Reclam-Ausgaben verschiedener literarischer Meisterwerke erinnern, die während der Schulzeit zur Pflichtlektüre im Deutschunterricht gehörten.
«Die schwarze Spinne» vom Schweizer Schriftsteller Jeremias Gotthelf war so eine Novelle. Gotthelf war übrigens ein Pseudonym des Pfarrers Albert Bitzius.
Die Version von 2022 ist bereits die dritte Verfilmung des Buches. Die Erste ist von 1921 und die Zweite von 1983. Darin versuchte sich Regisseur Marc Rissi an einem moderneren Ansatz. Er zog einen Vergleich zu Umweltskandalen und Drogenelend der damaligen Gegenwart.
Die Novelle handelt von einem christlichen Bauerndorf, dass durch den Ritter Hans von Stoffeln zu hartem Frondienst gezwungen wurde. Er verlangte dabei immer absurdere Arbeiten in derart kurzer Frist, dass die Bauern ihre Felder nicht mehr betreiben konnten und Hunger litten.
Als eines Tages der Teufel in Gestalt eines Jägers zu den armen Bauern kommt, erledigt jener die Arbeit für sie – im Gegenzug verlangt er ein neugeborenes, ungetauftes Kind. Nur die zugezogene Christine geht auf den Deal ein. In Kürze: Als der Teufel die Arbeit erledigt hat und er seine «Bezahlung» nicht erhält, verbreitet er im Dorf die Pest, «die schwarze Spinne».
Diese Umschreibung wird Gotthelfs Erzählung freilich nicht gerecht, aber in der Kürze liegt die Würze.
Nun wurde die Novelle neu verfilmt. In den Hauptrollen sehen wir Lilith Stangenberg («Bella Block», «Tatort»), die Christine verkörpert und aus jener Perspektive die Geschichte erzählt wird. Mit dabei sind auch die Schweizer Schauspieler Marcus Signer («Wilder») und Anatole Taubman, der den Teufel mimt.
Vorneweg: Der Mystery-Film ist sehr düster, wie es schon die Novelle war. Kalte Farben, dreckiges Setting, man fühlt sich unwohl. Er erinnert streckenweise an den Horror-Film «Sennentuntschi» von Michael Steiner.
Weiter hat sich Regisseur Markus Fischer dafür entschieden, die Geschichte aus der weiblichen Perspektive, aus jener von Christine, zu erzählen. Eine gute und zeitgemässe Entscheidung.
Als Höhepunkt fällt einem jedoch Marcus Signer auf. Der «Wilder»-Darsteller ist ein hervorragender Schauspieler, als wäre er tatsächlich ein gekrümmter, unterernährter und überarbeiteter Bauer aus dem Mittelalter. Schlicht phänomenal.
Auch schön zu sehen, ist Anatole Taubmans Involvierung. Der Schweizer war schon in einigen internationalen Produktionen zu sehen, doch kommt immer wieder in die Heimat zurück, etwa für «Zwingli» oder auch «Die Akte Grüninger». Seine Exzentrik passt zu dem Teufel im Film und Taubmann festigt seinen Ruf als Garant für gutes Schauspiel.
Diese Verfilmung von «Die schwarze Spinne» wird der Novelle von Jeremias Gotthelf mehr als gerecht. Womöglich kommt sie als Begleitung zur Pflichtlektüre ebenfalls in die Schweizer Klassenzimmer.
«Die schwarze Spinne» läuft ab 10. März in allen blue Cinema Kinos.