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Das musst du wissen
- Hydroxychloroquin und Lopinavir galten als Hoffnungsträger im Kampf gegen das neue Coronavirus.
- Entscheidend ist aber nicht nur die Konzentration der Medikamente im Blut, sondern wieviel davon in der Lunge ankommt.
- Die WHO hat kürzlich entschieden, dass eine Studie mit Hydroxychloroquin und Lopinavir nicht fortgesetzt werden soll.
Seit Februar 2020 laufen an Universität und Universitätsspital Basel Studien mit Patientinnen und Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt sind. Die Forschungsgruppe untersuchte, wie sich die durch Sars-CoV-2 verursachte Entzündung auf die Konzentration von Medikamenten im Blut auswirkt. «Frühere Forschungen haben gezeigt, dass der Arzneimittelstoffwechsel durch eine Entzündung gehemmt werden kann», erklärt Catia Marzolini, Professorin für Experimentelle Medizin und Erstautorin der Basler Studie. «Wir wollten deshalb die Wirkung der Entzündung auf die Konzentration von Hydroxychloroquin und Lopinavir im Blut untersuchen.» Bei einer starken Hemmung können sehr hohe Medikamentenkonzentrationen im Körper auftreten.
Die soeben veröffentlichte Studie hat ergeben, dass die Konzentration des HIV-Medikaments Lopinavir tatsächlich mit der Intensität der Entzündung zusammenhängt. Die Forschungsgruppe hat aus der Medikamentenkonzentration im Blut errechnet, wie hoch die Konzentration von Lopinavir und Hydroxychloroquin in der Lunge gewesen sein muss – also am Ort der Infektion mit Sars-CoV-2. Laut den Ergebnissen ist es unwahrscheinlich, dass beide Medikamente ausreichende Konzentrationen erreichen, um die Virusvermehrung in der Lunge zu hemmen.
Science-Check ✓Studie: Effect of Systemic Inflammatory Response to Sars-CoV-2 on Lopinavir and Hydroxychloroquine Plasma ConcentrationsKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsUntersucht wurden 92 Patienten im Alter zwischen 24 und 85 Jahren, darunter waren 42 Männer. 30 Prozent der Patientinnen und Patienten waren auf der Intensivstation. Ihnen wurde Lopinavir während 5 bis 7 Tagen und danach drei Dosen Hydroxychloroquin innerhalb von zwei Tagen verabreicht. Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Peer-reviewed. Die statistische Signifikanz der Befunde ist deutlich gegeben. Die Autorin hat nach Einreichung der Studie bereits weitere Kommentare an das Journal geschickt, in denen sie die Befunde weiter erläutert. Studien-Art: Klinische UntersuchungAlle Informationen zum higgs-Science-Check
Aus ihren Untersuchungen schliesst die Forscherin, dass die Entzündung, die Sars-CoV-2 im Körper verursacht, ein Enzym namens Cytochrom P450 3A4 hemmt. Dieses kommt vor allem in der Leber vor und spielt beim Abbau vieler Arzneistoffe eine wichtige Rolle. «Diese Erkenntnis ist sehr wichtig», sagt Marzolini auf Anfrage von higgs. «Denn wir sehen bei vielen Covid-19-Patienten Entzündungswerte, die extrem viel höher sind als zum Beispiel bei einer chronischen Arthritis.»
Die Forschungsgruppe stellte sehr hohe Lopinavir Konzentration im Blut von Covid-19 Patienten fest. Darauf hat die Gruppe aus der Medikamentenkonzentration im Blut errechnet, wie hoch die Konzentration von Lopinavir und Hydroxychloroquin in der Lunge gewesen sein muss – also am Ort der Infektion mit Sars-CoV-2. Laut den Ergebnissen ist es unwahrscheinlich, dass – trotz sehr hohen Blutkonzentrationen – beide Medikamente ausreichende Konzentrationen erreichen, um die Virusvermehrung in der Lunge zu hemmen.
«Das müssen Ärzte wissen, wenn sie Medikamente gegen Covid-19 verabreichen», sagt Marzolini. Einfach die Dosis der Medikamente erhöhen ist nicht möglich. «Es bräuchte sehr viel mehr Lopinavir und Hydroxychloroquin in der Lunge. Dazu müssten so hohe Dosen verabreicht werden, dass sie für den restlichen Körper toxisch wären.»