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Weine werden oft pauschal in den Topf «Alte Welt» oder «Neue Welt» geworfen. Für die meisten ist es einfach ein Herkunftsmerkmal mit den entsprechenden Weincharakteristiken: Alte Welt = Europa, Neue Welt = Übersee.
Aber ist der Begriff wirklich nur eine Unterscheidung nach Herkunft?
In Tat und Wahrheit meint der Ausdruck nicht nur einen geographischen Ursprung, sondern ist in vielen Fällen auch eine Aussage über die Stilistik des Weines. Diese wiederum lässt sich aber nicht nur auf die Herkunft reduzieren.
Die beiden Begriffe werden oft verwendet, um stilistische Unterschiede zwischen Alter Welt und Neuer Welt aufzuzeigen. Dies mündet in einer Verallgemeinerung, die nicht immer zutreffend ist. Trotzdem ist es wahr, dass Regionen der Neuen Welt häufig von einem wärmeren Klima geprägt sind, als es in der gemässigteren Alten Welt zu finden ist.
Dieses wärmere Klima hat zur Folge, dass die Weine mehr Körper, mehr Alkohol, meist weniger Säure und dafür mehr Frucht haben.
Wie bereits angedeutet, lässt sich diese Einteilung aber nicht pauschalisieren. Insbesondere vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels gerät die bequeme Unterscheidung zwischen Alter und Neuer Welt etwas ins Wanken.
Italien beispielsweise gehört zwar zur Alten Welt. Aber wir alle wissen, dass es dort zahlreiche warme Regionen gibt, in denen kräftige und fruchtige Weine entstehen. Wir denken nur ans, die Toscana oder natürlich die südlicheren Regionen wie Apulien oder Sizilien.
Es kann also festgehalten werden, dass die Begriffe einerseits etwas mit der geografischen Herkunft zu tun haben. Die Weinstilistik innerhalb der Welt hat dann ab er sehr viel mit dem Weinstil zu tun. So gibt es also Weine aus der Alten Welt mit der Stilistik der Neuen Welt. Und umgekehrt gibt es Weine der Neuen Welt in der Stilistik der Alten Welt.
Schauen wir kurz nach Argentinien und Chile, den beiden wichtigsten Weinländer Südamerikas. Durch die extremen Höhenlagen in vielen Regionen, insbesondere in Argentinien, erinnert die Stilistik der Weine nicht selten an die Alte Welt.
Und noch eine Besonderheit
Eine Sache dient vielleicht der zusätzlichen Abgrenzung der zwei Begriffe: Bis auf Nordamerika liegen alle Weinländer der Neuen Welt auf der südlichen Erdhalbkugel. Wenn in der Alten Welt die Ernte in der Regel in den Monaten August und September stattfindet, beginnt die Lese in der Neuen Welt bereits im März und April. Daher ist es keine Seltenheit beispielsweise ein argentinischer Torrontés bereits im Jahr der Lese konsumiert werden kann, während in Europa gerade noch geerntet wird.
Wurden denn die Weine in der Alten Welt «erfunden»?
Nein, nicht wirklich. In der Antike wurden die ersten Weine nämlich in Ländern wie der Türkei, Armenien, Libanon, Georgien, Israel, Iran, Ägypten, Syrien, Irak, Aserbaidschan, Jordanien, Zypern und Griechenland gekeltert. Sie blicken auf eine Jahrtausend alte Weinbautradition zurück. Heute stammen zwar noch immer aus einigen dieser Länder gute Weine. Sie haben aber auf dem Weltmarkt kaum eine Bedeutung.