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Protest-Emails: Unsere Replik auf Syngentas Antwort
27. November 2002
Sehr geehrte Damen und Herren
Herzlichen Dank all denjenigen, die sich an der Stopp-Paraquat-Kampagne beteiligten und Syngenta ein Protestmail oder –brief gesandt haben.
In der Zwischenzeit haben die AbsenderInnen des Protestmails von Syngenta eine Replik auf unsere Kritik erhalten. Wir möchten im Folgenden kurz dazu Stellung nehmen:
1. Es stimmt, dass Paraquat ein gut untersuchtes Produkt ist. Syngenta erwähnt Publikationen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Weltgesundheitsorganisation WHO. Doch welche Schlüsse wurden aus diesen Studien gezogen? Die genannten Organisationen haben gemeinsam Sicherheitsrichtlinien (International Chemical Safety Cards) zu Paraquat herausgegeben, wo klar auf die negativen Gesundheitsauswirkungen hingewiesen wird:
“AUSWIRKUNGEN EINER KURZFRISTIGEN EXPOSITION”: Die Substanz reizt die Augen, die Haut und die Atemwege. Die Inhalation der Substanz kann Lungenödeme verursachen. Die Aufnahme durch den Mund kann Lungenblutungen und Fibrose verursachen. Die Substanz kann Auswirkungen auf Lunge, Leber, Nieren, Herz- und Gefässsystem und den Verdauungstrakt verursachen, was zu einer beeinträchtigten Funktion der Organe und zu Gewebeläsionen führt. Aufnahme von hohen Konzentrationen können zum Tod führen. Diese Auswirkungen können verzögert auftreten. Medizinische Beobachtung ist angebracht.
AUSWIRKUNGEN EINER LANGDAUERNDEN ODER WIEDERHOLTEN EXPOSITION: Wiederholter oder anhaltender Kontakt mit der Haut kann zu Dermatitis, Missbildungen und zum Verlust der Fingernägel führen. Durch eine anhaltende oder wiederholte Aussetzung mit dem Aerosol können die Lungen betroffen sein.”
Vor wenigen Wochen hat die WHO zudem einen Bericht publiziert, indem festgehalten wird, dass in Samoa 90 Prozent der Suizide mit Paraquat vorgenommen werden. Die Zahlen stammen aus dem Jahre 1988, doch ist das Problem bis heute ungelöst.
2. Syngenta behauptet, Paraquat sei „ausserordentlich umweltverträglich”. Sie übersehen dabei wichtige Fakten, welche wir bereits in unserem Bericht “Paraquat – Syngenta´s controversial pesticide” erwähnt haben.
Anlässlich der Evaluation von Paraquat folgerte der Wissenschaftsausschuss für Pflanzen der Europäischen Kommission (2002), ”dass erwartet wird, dass Paraquat tödliche und nicht-tödliche Auswirkungen für Hasen hervorruft und dies durch Feldstudien bestätigt wurde.” Der Ausschuss folgerte auch, dass von Paraquat eine Gefahr für Vogelembryos ausgeht. Trotz dieser Bedenken behauptet Syngenta, dass bei Anwendung des Produktes unter den empfohlenen Bedingungen keine Schäden an der Tier- und Pflanzenwelt entstehen. Syngenta sagt, dass Paraquat den Vorteil hat, schnell deaktiviert zu werden, was aber nicht bedeutet, dass die Substanz harmlos ist oder einfach verschwindet. Sie schädigt Bodenorganismen und wird durch Bodenpartikel absorbiert (Halbwertszeit zwischen 6 Monaten und 13 Jahren). Aufgrund einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) folgert die staatliche deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ): „Der Gebrauch der Substanz wird aufgrund der hohen Toxizität für Menschen und Tiere nicht empfohlen. Diese Empfehlung wird aufgrund der hohen Persistenz im Boden noch bekräftigt.“
3. Syngenta lobt die eigenen Schulungsprogramme, ohne jedoch eine Evaluation dieser Programme vorzulegen. Die beanspruchten Erfolge der Schulungsprogramme verwechseln Aktivität (Zahl der geschulten Personen) mit Ergebnis (tatsächliche Aneignung eines sichereren Umgangs mit Pestiziden).
Die hohe Zahl von dokumentierten Vergiftungsfällen in den vergangenen Jahren, sind der beste Beweis dafür, dass Jahrzehnte von Schulungsprogrammen nicht ausgereicht haben, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Der ungenügende Erfolg dieses Ansatzes zeigt wie wichtig das Verbot von Paraquat ist.
4. Syngenta behauptet, dass es unter bestimmten Bedingungen keine Alternativen zu Paraquat gibt. Das Verbot des Produktes in diversen Staaten, wie auch der totale (freiwillige) Verzicht durch Chiquita und die Organisationen des fairen Handels zeigen, dass es konkurrenzfähige Alternativen gibt.
Syngentas Antwort kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Paraquat (Gramoxone) auf der ganzen Welt immer noch grosses Leid verursacht. Die Firma will sich immer noch hinter dem Argument verstecken, dass der ordnungs- und sachgemässe Gebrauch des Produktes sicher ist. Eine überaus zynische Antwort, wenn man weiss, dass die sachgmässe Anwendung vielerorts aus materiellen Gründen, oder wegen klimatischen Bedingungen oder mangelhafter Information ein Wunschtraum bleibt.
Die an der Stop-Paraquat Kampagne beteiligten Organisationen werden den Druck gegen Syngenta deshalb sukzessive erhöhen, bis die Firma die Produktion beendet. Wir sind ihnen dankbar, wenn Sie uns in diesem Bemühen auch weiterhin unterstützen.
Mit freundlichen Grüssen
Im Namen der unterstützenden Organisationen
François Meienberg
Erklärung von Bern