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Grüne oder gelbe Zitronen?
Die Farbe der Fruchtschale sagt nichts über den Reifegrad einer Zitrone aus. Die Färbung hängt nämlich von den nächtlichen Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit während der Reife ab. In tropischen Ländern sind vollreife Zitronen grasgrün. Der hiesige Markt verlangt aber leuchtend gelbe Zitronen. Aus diesem Grund werden Zitrusbäume und -früchte schon vor der Ernte arg malträtiert. Zur „Entgrünung“ werden die südeuropäischen Zitronen mit dem Pflanzenhormon Ethylen begast, was das grüne Chlorophyll abbaut und die Gelbfarbstoffe zum Vorschein bringt. Diese Hormonkur beschleunigt allerdings die Alterung der Zitronen und lässt die Fruchtsäure schwinden. Ausserdem werden die Früchte für Schimmel anfällig. Deshalb werden sie nach der Hormonbehandlung noch einer Kur mit Fungiziden unterzogen.
Um die Färbung in Richtung Gelb zu intensivieren, schälen südeuropäische Produzenten manchmal einen Teil der Rinde um den Stamm ab, so dass der Saftstrom gedrosselt wird. Einzelne Bauern würgen auch den Baumstamm mit einer Drahtschlinge ab. In dieser widernatürlichen Lage bringt der Baum seine Früchte zur Notreife. Bisweilen wird auch der ungekehrte Vorgang eingeleitet: Um die Reifung zu bremsen und die Saison zu verlängern, werden die Plantagen gegen Ende der Erntezeit mit Hormonen wie Gibberelline oder Nitrat besprüht. So bekommen die VerbraucherInnen jederzeit leuchtend gelbe Zitronen.