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Unter Atmung verstehen wir den physiologischen-funktionellen Atemvorgang. Der Mensch überlebt einige Wochen ohne Nahrung und mehrere Tage ohne Wasser, aber nur wenige Minuten ohne Sauerstoff. Der Sauerstoff wird in den Zellen rund um die Uhr gebraucht.
Die äussere Atmung versorgt die Zellen mit Sauerstoff und entsorgt das anfallende Kohlendioxid. Sie umfasst die Aufnahme aus der Luft und den Transport zu den Zellen sowie den Abtransport des Kohlendioxids und die Abgabe an die Luft. Dieser Gasaustausch erfolgt in der Lunge, es wird Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen der Atemluft und dem Blut ausgetauscht.
Die innere Atmung ist die Verbrennung, die wir als Zellatmung bezeichnen. Die Zellen verbrauchen den Sauerstoff bei der Zellatmung, durch die sie Energie bereitstellen.
Die Atmung hilft auch unseren Säure-Basen Haushalt auszugleichen. Die Atmung beeinflusst den Stoffwechsel und regelt die Lebensfunktionen des Menschen wie Verdauung, Stoffwechsel, Sekretion und Wasserhaushalt.
Der Atem ist die elementarste, grundlegend wichtigste Quelle der Lebensenergie. Wir atmen etwa zwanzigmal in der Minute.
Leider nehmen wir den Atem erst wahr, wenn sich gesundheitliche Probleme zeigen.
Solange wir keine massiven Beschwerden haben, schenken wir dem Atem keine Beachtung.
Oft sehen die Menschen die Zusammenhänge nicht klar.
Jeder körperliche, seelische und geistige Reiz hat eine direkte Auswirkung
auf unser Atemgeschehen. Der Atem reagiert sofort auf alle äusseren und inneren
Einflüsse unseres Lebens. Er wird auch ständig angeregt von unseren Gedanken und
Sinneseindrücken. Der Atem wiederspiegelt unser Befinden, er ist der Spiegel
unserer körperlichen, seelischen und geistigen Verfassung.
Einige Beispiele: Bei Angst und Schrecken stockt der Atem. Bei zuviel Stress zeigt sich der Atem kurz und oberflächlich. Bei Anstrengungen und Schmerzen wird der Atem oft angehalten. Menschen mit Zeitnot vergessen fast den Ausatem, befreiend wirkt ein tiefer Seufzer. Er zeigt sich aber voll und tief bei Freude, oder ein Aufatmen stellt sich ein wenn etwas Schwieriges gelungen ist. Auch der Duft einer Blume oder eine sanfte Berührung lässt den Atem tiefer einwirken.
In all diesen Situationen reagiert der Atem spontan, und das ist gut so. Die
lebenserhaltende Funktion der Atmung geschieht unwillkürlich. Sie wird von den
Gehirnregionen gesteuert. Wir atmen auch wenn wir schlafen oder bewusstlos
sind. Gleichzeitig ist der Atem unserem Willen unterworfen: wir können ihn
anhalten, rhythmisieren, verlangsamen oder beschleunigen. Halten chronische
Schmerzen, belastende Umstände, Hektik, innere Unruhe und Konflikte über
längere Zeit an, verliert der Atem seine natürliche Funktion und gerät aus
dem Gleichgewicht. Dies zeigt sich häufig an muskulären Verspannungen, bei
Schmerzen, vitalen Beeinträchtigungen und Leistungsdefiziten.
Dieses lebendige Atemgeschehen gilt es zu begreifen und befreien.
Ein natürlicher, gestärkter, tiefer und ausgewogener Atem ist zentral für unsere Gesundheit, das Wohlbefinden und die Vitalität des Menschen.
Atem ist Bewegung. Es ist der Atem der uns bewegt.
Die Atembewegung breitet sich im Körper aus und ist real spürbar. Mit der optimalen Atembewegung erreichen wir tiefere Körperstrukturen. Die Atembewegung ist ein immerwährendes Weitwerden und Zurückschwingen der Körperwände zur Mitte hin. Atemkraft wird in Körperbewegung freigegeben.
Brustatmung: Bei genügender Flexibilität weitet die dreidimensionale Atembewegung den Brustkorb.
Bauchatmung: Ein bewegtes Zwerchfell — der Hauptatemmuskel — regt durch seine ständige massageartige Auf und Abwärtsbewegung die Funktion der darauf liegenden Organe Lunge und Herz, und die darunterliegenden Organe wie Magen, Darm, Leber, Nieren in ihrer Tätigkeit an.
Durch eine optimale Atembewegung von Brust- und Bauchatmung — zusammen Vollatmung genannt — setzt sich die Bewegung wie eine Druckwelle durch den ganzen Leib fort. Durch Ein- und Ausatmung wird die Druckwelle ausgelöst. Sie breitet sich aus, beginnend mit dem Impuls des Zwerchfells, und weiter in alle tieferliegenden Körperstrukturen im Rumpf, bis in die Extremitäten und in den Kopf, sofern ihr nicht muskuläre Verspannungen und blockierende Gelenke Einhalt gebieten. Eine vitale Atembewegung im Körper bewirkt zudem auch ein räumliches Empfinden, was uns Vertrauen und Sicherheit vermittelt.
Der natürliche Atemrhythmus in der Ruheatmung besteht aus drei Atemphasen.
Einatem – Ausatem – Atempause
Ist dieser Atemrhythmus mehrheitlich ausgewogen, nehmen wir Ausgeglichenheit wahr.
Ein ausgewogener Atemrhythmus wirkt beruhigend. Es lässt uns aufatmen und wir können Kraft schöpfen. Ein Beispiel vom ruhigen Meer: die Wellen kommen und gehen, auch in diesem Geschehen setzt eine Pause ein.
Menschen leben ihren Rhythmus schnell oder langsam, geführt oder gelassen, lebendig oder gleichförmig, unregelmässig, stockend oder fliessend. Dieser Rhythmus zeigt sich in einem entsprechend ersichtlichen Ausdruck nach aussen.
Der Rhythmus verändert sich natürlich bei Aktivitäten in dem die Atempause wegfällt. Ebenso beim Sprechen und Singen, der Ausatem wird verlängert, und der Einatem zu einem sogenannten reflektorischen Einatem verkürzt. Bei jedem Menschen geschieht der Atemrhythmus unterschiedlich, denn er reagiert entsprechend seiner Anlagen und Lebenserfahrungen verschieden.
Wie atme ich richtig? Im Volksmund hört man oft: Bauchatmung ist gut, Hochatmung sei schlecht und langsames Atmen besser als schnelles Atmen. Durch die Nase einatmen und durch den Mund ausatmen. Den Einatem tief holen und den Ausatem wegstossen, u.s.w.
Was man heute über das Atemgeschehen weiss, ist, dass es für jeden Menschen so einmalig ist wie die eigene Biografie. Der Atem reagiert seismografisch auf alles, wie zum Beispiel auf unsere Tagesform oder auf die aktuelle Lebenssituation. Deshalb lässt sich dieses lebendige Geschehen nicht in Schubladen von richtig oder falsch stecken.
Der Mensch hat von Natur aus eine Vollatmung. Beim Einatmen weitet sich der Rumpf in alle Richtungen während sich das Zwerchfell senkt. Auf diese Weise strömt in kürzester Zeit eine grosse Menge Luft in die Lungen. Beim Ausatem entspannen sich die Körperwände, das Zwerchfell schwingt in die Ausgangslage zurück und die Atemluft entweicht. Atemnot und Atemlosigkeit entstehen durch ungenügendes Ausatmen. Erst der losgelassene verströmte Ausatem schenkt die nötige Pause und ermöglicht — wie von allein — einen Einatem der erfrischt und nicht bedrängt.