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Weinsektor in Europa - derzeitige Lage und Perspektiven
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Die weltweite Bedeutung des europäischen Weinsektors wird daran deutlich, dass die Europäische Union in mehrfacher Hinsicht an erster Stelle der Weinerzeuger steht:
a) Erzeugung: Die europäische Rebanbaufläche macht rund 45% der weltweiten Gesamtrebfläche aus und kommt für durchschnittlich 60% der Weltweinerzeugung auf.
b) Verbrauch: Auf die Union entfällt 60% des weltweiten Weinverbrauchs.
c) Handel: die Union ist weltweit zugleich grösster Ausführer und grösster Einfuhrmarkt.
Wein kommt für einen nicht unbeträchtlichen Teil des Wertes der landwirtschaftlichen Endproduktion der meisten Erzeugerländer auf (vor allem in Spanien: 5,4%, Österreich: 6,1%, Luxemburg: 7,5%, Italien: 9,8%, Frankreich: 14,3%, Portugal: 16,8%). Vor allem aber auf regionaler und lokaler Ebene spielt der Weinsektor eine entscheidende Rolle in der Landwirtschaft und im Wirtschaftsleben. In vielen Regionen übersteigt der Wert der Weinerzeugung 20%, ja sogar 30% der landwirtschaftlichen Endproduktion, in der Region Languedoc-Roussillon sogar 50%. Auf tieferen Ebenen der Verwaltungsgliederung erreichen diese Anteile erreichen häufig noch höhere Werte.
Der Weinbau bietet von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sowie von Region zu Region ein sehr unterschiedliches Bild, nicht nur hinsichtlich des Spezialisierungsgrads der Weinbaubetriebe, sondern auch bezüglich der Grösse der Rebflächen und der Art des Erzeugnisses. Zudem tragen die regionalspezifischen önologischen Verfahren und die ausgeprägten lagebedingten Besonderheiten dazu bei, die regionalen Merkmale des europäischen Weinbaus zu verstärken.
Der Weinbau ist nicht nur ein wesentliches Gestaltsmerkmal der Landschaft in den Weinbaugebieten, sondern trägt auch zu deren Erhaltung bei, da er die Erosion der Böden verhindert und die Präsenz des Menschen in Gebieten mit besonders stark gefährdeter Umwelt sicherstellt, die zudem oftmals keine wirklichen Bewirtschaftungsalternativen bieten. Der Weinbau kann aber auch negative Begleiterscheinungen haben, so durch unangepasste Mechanisierung, intensive Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, Überdüngung usw.
Seit 1975/76, als die Neuanpflanzung verboten und eine Rodungsprämie für die endgültige Aufgabe der Erzeugung eingeführt wurde, ist die europäische Rebanbaufläche stetig zurückgegangen, eine Entwicklung, die sich seit Beginn der neunziger Jahre noch beschleunigt hat. Zwischen 1976 und 1996 ist die Rebanbaufläche der Union von 4,5 auf 3,4 Mio. Hektar zurückgegangen, was einem jährlichen Rückgang von 1,4% oder rund 56 000 ha/Jahr entspricht. In den letzten Jahren hat sich dieser Rückgang allerdings deutlich verlangsamt. Im übrigen zeigen die europäischen Rebflächen eine Tendenz zur allmählichen Überalterung, da sie nicht zügig genug erneuert werden, um ihre Rentabilität aufrechtzuerhalten, von einigen herausragenden Ausnahmen in bestimmten Regionen einmal abgesehen. Mit einer Erzeugung, die sich in den letzten fünf Jahren zwischen 152 und 165 Mio. Hektolitern bewegte, ist die Union bei weitem der grösste Weinerzeuger weltweit. Die Erzeugung ist von starken jährlichen Schwankungen gekennzeichnet, die zum einen witterungsbedingt sind und zum anderen mit den Anbauverfahren zusammenhängen. Von den jährlichen, witterungsbedingten Schwankungen einmal abgesehen, war in den letzten zwanzig Jahren ein deutlicher, tendenzieller Produktionsrückgang bei Wein zu verzeichnen: ausgehend von einem Niveau von 210 Mio. Hektolitern der ersten Hälfte der achtziger Jahre ist die Durchschnittserzeugung auf 155 Mio. Hektolitern den letzten Jahren zurückgefallen.
Der tendenzielle Produktionsrückgang ist vor allem auf die Verringerung der Rebflächen zurückzuführen. Die Erträge hingegen zeigten zwischen 1977/97 nämlich keine ausgeprägte Tendenz. Vielmehr unterliegen sie ebenso wie die Produktion starken jährlichen Schwankungen.Der Verbrauch von Wein in der Fünfzehnerunion erreichte 1996 knapp 128 Mio. Hektoliter, das sind im Schnitt etwas über 34 Liter pro Kopf und Jahr. Dieser Gemeinschaftsdurchschnitt verschleiert jedoch die deutlichen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten: vor allem in den Haupterzeugerländern erreicht der Verbrauch mehr oder weniger das Doppelte des Gemeinschaftsdurchschnitts. Der Weinverbrauch ist in den letzten zwanzig Jahren spürbar gesunken, vor allem in den Erzeugerländer mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch.. Zwischen 1986 und 1996 ist der Weingesamtverbrauch in der Fünfzehnerunion um 10 Mio. Hektoliter zurückgegangen. Dieser Rückgang zeigt eine ausgeprägte Tendenz, die mit dem Wandel der Lebensgewohnheiten, des Verbraucherverhaltens, der Stellenwert des Weins in der Ernährung usw. zusammenhängt.
Wie bei allen alkoholischen Getränken ist die Besteuerung im Weinsektor von einem Mitgliedstaat zum anderen sehr unterschiedlich, obwohl seit der Vollendung des Binnenmarkts eine ganze Reihe von Richtlinien zur Angleichung des Steuerrechts erlassen wurden. So schwanken die Verbrauchssteuern auf Wein je nach Mitgliedstaat zwischen 0 und 320 ECU je Hektoliter für Stillwein (bzw. 550 ECU je Hektoliter für Schaumwein). Im übrigen liegen die Mehrwertsteuersätze für Wein zwischen 5% und 25%.
Die Union hat 1995 und 1996 durchschnittlich etwas über 10 Mio. Hektoliter Wein im Werte von 2,4 Mrd. ECU ausgeführt. Die vorläufigen Zahlen für 1997 belegen eine deutliche Zunahme der Ausfuhren sowohl mengen- wie wertmässig. Die Union baut daher ihre Stellung als weltweit grösster Weinausführer aus. Die wichtigsten Ausfuhrmärkte sind die Vereinigten Staaten, die Schweiz, Kanada und Japan. Diese Mengen werden grösstenteils (über 75% im Wirtschaftsjahr 96/97) ohne Erstattungen ausgeführt.
Die Union ist auch weltweit grösster Weineinführer mit einem Durchschnittsvolumen von 5,3 Mio. Hektoliter zwischen 1995 und 1997. Die wichtigsten Ursprungsländer sind Australien, Chile, die Vereinigten Staaten, Ungarn, Bulgarien, Südafrika und das ehemalige Jugoslawien. Im übrigen sind 1995 und 1996 im Zuge des Produktionsrückgangs in Spanien und der Abschaffung des Referenzpreises in der Europäischen Union aufgrund des WTO-Übereinkommens der Uruguay-Runde die Einfuhren aus Argentinien auf Rekordhöhe geschnellt.
Die bestandsbereinigten Weinversorgungsbilanzen für die Fünfzehnerunion belegen den tiefgreifenden Wandel seit 1994/95 gegenüber dem davor liegenden Zeitraum. Während noch bis 1993/94 eine ständige Überschusslage auf dem Gemeinschaftsmarkt zu verzeichnen war, zeigt die Bilanz für die Wirtschaftsjahre 1994/95 und 1995/96 ein Defizit nach Abzug der für den Trinkalkoholsektor notwendigen Mengen (vor allem Branntwein und Likörwein). So wurde die Versorgung dieses Marktsegments im wesentlichen durch zunehmende Einfuhren sowie durch die seit den achtziger Jahren aufgelaufenen Alkoholbestände gesichert.
Die gemeinsame Marktorganisation für Wein (GMO Wein) ist eine der kompliziertesten und umfangreichsten der Gemeinsamen Agrarpolitik. Grund dafür ist, dass diese GMO nicht nur die klassischen Aspekte jeder Marktorganisation (Preise, Intervention, Handel usw.) regelt, sondern darüber hinaus weitere Aspekte, die für den Weinsektor eigentümlich sind (z. b. Bestimmungen für Erzeugung, Handel und Inverkehrbringen von Weinbauerzeugnissen sowie für önologische Verfahren).Die Gemeinschaftsvorschriften unterscheiden zwischen zwei Grosskategorien von Wein, nämlich Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete, auch Q.b.A. genannt, und Tafelwein. Sie überlassen jedoch die Anerkennung und Kontrolle der Q.b.A. den Mitgliedstaaten. Dies hatte zur Folge, dass die Mitgliedstaaten bei der Klassifizierung von Wein unterschiedlichen Ansätzen folgen: Deutschland, Luxemburg und teilweise das Vereinigte Königreich haben es vorgezogen, fast alle erzeugten Weine als Q.b.A. einzustufen, während andere Mitgliedstaaten viel restriktiver verfahren. Diese Einstufung sagt nicht unbedingt etwas über die tatsächliche Qualität des Weins aus, zumal bestimmte Tafelweine, zum Beispiel jene mit einer geographischen Angabe (Landwein, vins de pays, indicazione geografica tipica usw.), preislich und qualitätsmässig mit Spitzenwein zuweilen durchaus mithalten können, wohingegen bestimmte Q.b.A. mitunter nicht ohne weiteres Absatz finden und niedrige Marktpreise erzielen. Die meisten Regelungen der GMO Wein betreffen nur Tafelwein, während den Q.b.A. keinerlei Preisregelung, Direktinterventionsregelung oder Ausfuhrerstattungsregelung zugute kommt. Hingegen geniessen letztere einen Bezeichnungsschutz (zumindest innerhalb der EU).
Die Destillation ist das bevorzugte Instrument der Intervention auf dem Markt im Rahmen der GMO Wein. Damit werden Produktionsüberschüsse zu einem garantierten Mindestpreis vom Markt genommen. Der Wein wird anschliessend destilliert und der dabei gewonnene Alkohol dem Trinkalkoholmarkt zugeführt, wobei die Mengen, die auch dort keinen Absatz finden können, als Kraftstoff Verwendung finden. Das Gemeinschaftsrecht unterscheidet zwischen sechs Arten der Destillation, von denen drei für die Erzeuger obligatorisch und drei freiwillig sind. Der Destillationsankaufspreis für Wein ist je nach Destillationsart verschieden. Im übrigen wurden bestimmte Arten der Destillation in den letzten Jahren nicht mehr durchgeführt. Dies gilt beispielsweise für die Destillation von Tafelwein, die eröffnet wird, wenn der Markt ein starkes Ungleichgewicht aufweist, und für die sogenannte ergänzende Destillation. Die vorbeugende Destillation wiederum ist freiwillig und dient der Marktrücknahme absehbarer Weinüberschüsse zu Beginn des Wirtschaftsjahres, was sich positiv auf den Preis auswirken soll. Die Preise liegen bei der präventiven Destillation höher als bei den verschieden Arten der obligatorischen Destillation- Eine andere Form der obligatorischen Destillation ist die obligatorische Destillation der Nebenerzeugnisse der Weinbereitung, die die Weinqualität sicherstellen und verhindern soll, dass Traubentrester und Weintrub vollständig ausgepresst werden (diese Nebenprodukte der Weinerzeugung müssen der Destillation mit einem bestimmten Alkoholmindestgehalt angeliefert werden).
Die Bilanz der Durchführung der verschiedenen Arten der Destillation ist bei weitem nicht zufriedenstellend. Gewiss hat die Regelung eine gewisse Effizienz hinsichtlich des Ziels der Marktpreisstützung gezeigt. Wie bei Preisstützungen so oft, hat sie aber auch verhindert, dass die Erzeugung an die Nachfrage angepasst wird, und hat somit zum Entstehen von Überschüssen beigetragen. Dies gilt vor allem für die vorbeugende und die obligatorische Destillation von Tafelwein. Was zunächst die vorbeugende Destillation anbetrifft, bleibt festzustellen, dass ihre Effizienz als Marktstützungsinstrument im Laufe der Zeit merklich nachgelassen hat. Aber vor allem die obligatorische Destillation hat zahlreiche Nachteile und eine Reihe von widersinnigen Auswirkungen gezeigt, die die Effizienz dieser Massnahme als Instrument zur Wiederherstellung des Marktgleichgewichts erheblich schmälern.
Zur Beherrschung des Weinbaupotentials stehen vor allem zwei Arten von Massnahmen zur Verfügung: a) das Neuanpflanzungsverbot und die zeitliche Einschränkung des Rechts der Wiederbepflanzung (8 Jahre); b) die Gewährung einer Prämie für die endgültige Aufgabe des Weinbaus auf Rebflächen. Gegen das Neuanpflanzungsverbot wurden eine ganze Reihe von Einwänden vorgebracht, sowohl aus wirtschaftlicher wie aus rechtlicher Sicht. Insbesondere wurde eingewandt, dass bestimmte Erzeuger verlangten, das Pflanzen stärker zu liberalisieren, da die Drittlandserzeuger diesen Beschränkungen nicht unterlägen. Im übrigen wurden zahlreiche Unregelmässigkeiten festgestellt, und die Kontrolle der Anwendung dieser Beschränkungen ist recht schwierig.
Im Rahmen der Regelung über die Prämie für die endgültige Aufgabe von Rebflächen konnten seit 1988/89 etwa 490'000 ha Rebflächen gerodet werden. Dies hatte gewiss erhebliche Auswirkungen auf die Verringerung des Weinbaupotentials in der Union. Seit 1996 jedoch hat diese Massnahme infolge einer vom Rat beschlossenen Änderung der Vorschriften, der zufolge die Mitgliedstaaten einen Teil oder die Gesamtheit ihres Hoheitsgebiets von dieser Regelung ausnehmen können, erheblich an Wirkung eingebüsst.
Das am 1. Juli 1995 in Kraft getretene WTO-Übereinkommen der Uruguay-Runde hat die Regelung des Handels mit den Drittländern im Weinsektor tiefgreifend verändert. Vor diesem Zeitpunkt wurde der Aussengrenzschutz durch die Verpflichtung der Einhaltung eines Einfuhrmindestpreises (Referenzpreis) und durch Erhebung eines Zolls an den Grenzen sowie gegebenenfalls einer Ausgleichsabgabe gewährleistet. Das Inkrafttreten des WTO-Übereinkommens der Uruguay-Runde hatte zur Folge, dass der Referenzpreis als Aussenschutzmassnahme abgeschafft wurde und die Zölle binnen fünf Jahren um 20% verringert werden müssen. Dies bedeutet, dass der Gemeinschaftsmarkt nicht länger als mehr oder weniger von der Aussenwelt abgeschotteter Markt Bestand hat, sondern vielmehr für Billigpreiseinfuhren aus Drittländern sehr durchlässig wird, vor allem, wenn die Preise auf dem Gemeinschaftsmarkt während des Wirtschaftsjahres hoch sind, wie dies 1995/96 der Fall war. Eine weitere wichtige Folge des Inkrafttretens dieses Abkommens ist folgende: in einem offenen Markt, wie dem Weinmarkt der Europäischen Union, ist es schwieriger, eine Sanierung durchzuführen und die Preise durch Rücknahme der Überschüsse zu stützen. Unter diesen Umständen entsteht ein Sog auf weitere Mengen von draussen, und die Preise können nicht spürbar über das Preisniveau der eingeführten Waren ansteigen.
Die Anreicherung ist ein önologisches Verfahren zur Anhebung des natürlichen Alkoholgehalts von Wein. Dabei werden entweder Saccharose oder Reberzeugnisse (Most) verwendet. Im ersten Fall spricht man auch von Chaptalisierung. Die Anreicherung mit Hilfe von Zucker ist ein seit alters in vielen Weinbaugebieten im nördlichen Mitteleuropa verwendetes Verfahren. Die für die Alkoholerzeugung mit Hilfe von Zucker entstehenden Kosten betragen je Grad Alkohol etwa ein Drittel der Kosten, die bei der natürlichen Mostvergärung je Grad Alkohol anfallen. Damit die südeuropäischen Erzeuger durch dieses Verfahren nicht benachteiligt werden, wurde 1982 eine Beihilfe für die Verwendung Traubenmostkonzentrat und rektifiziertem Traubenmostkonzentrat zur Anhebung des Alkoholgehalts von Wein eingeführt. Die Möglichkeit der Erzeugung von Alkohol zu einem gegenüber dem Traubenpreis geringeren Preis je Grad Alkohol hat nicht nur Kosten für den EAGFL verursacht, sondern zur Folge gehabt, dass die Möglichkeit der Anreicherung über Gebühr in Anspruch genommen wurde, (sogar in Regionen, in denen zuvor noch nie angereichert wurde), dass der natürliche Alkoholgehalt, wie er zur Weinerzeugung notwendig ist, zurückging, und dass infolge dessen Erträge und Erzeugung gemeinschaftsweit anstiegen.
Die Haushaltsausgaben für die GMO Wein betreffen ausschliesslich Tafelwein, da dem Qualitätswein b.A. unmittelbar weder eine Marktinterventionsmassnahme noch Ausfuhrerstattungen zugute kommen. Infolge der Produktionsschwankungen sind diese Haushaltsausgaben von einem Jahr zum anderen sehr unterschiedlich und machen in einem normalen Jahr zwischen 2,5% und 5,5% der Gesamtkosten des EAGFL, Abteilung Garantie, aus. Für das Jahr 1998 sind aufgrund der Haushaltsprognosen Gesamtausgaben von 826 Mio. ECU gegenüber 970 Mio. ECU im Jahre 1997 zu erwarten. Das grösste Ausgabenpaket entfällt auf die verschiedenen Arten der Destillation (etwa 264 Mio. ECU im Jahre 1998). Es folgen die Ausgaben für die Übernahme von Alkohol (159 Mio. ECU) und für die Beihilfe für Traubenmost (148 Mio. ECU). Die Rodung von Rebflächen dürfte 1998 lediglich 65 Mio. ECU kosten, während sie 1993 noch Kosten von über 400 Mio. ECU verursacht hatte. Im übrigen sei darauf hingewiesen, dass dem Weinsektor wie den übrigen Produktionssektoren Fördermittel für Umweltschutzmassnahmen in der Landwirtschaft zur Verfügung stehen, die im Rahmen der flankierenden Massnahmen zur GAP-Reform von 1992 eingeführt wurden, sowie die Strukturmassnahmen für die Ziele 1, 5a und 5b, die bereits vor der Reform von 1992 bestanden.
Die Lage auf dem EU-Weinsektor und dessen mittelfristigen Aussichten haben sich seit dem Beginn der neunziger Jahre merklich geändert. Bis zu dieser Zeit war der Weinmarkt immer wieder von erheblichen Produktionsüberschüssen gekennzeichnet, deren Abbau, so schien es, nicht abzusehen war. Seit Beginn der neunziger Jahre schien es dann auf mittlere Sicht gelungen zu sein, das Marktungleichgewicht in spürbar erträglichen Grenzen zu halten. Dies dürfte auch für die Zukunft gelten. Unter der Voraussetzung, dass die Weinbauflächen um rund 5 000 ha/Jahr (gegenüber 56 000 ha/Jahr im Jahre 1996) zurückgehen und die Erträge nicht nennenswert steigen, wie dies in den letzten zehn Jahren der Fall war, wird sich die Weinerzeugung bis zum Jahre 2002/03 bei 158 Mio. Hektolitern einpendeln. Im übrigen wird die Binnenverwendung auf knapp 148 Mio. Hektoliter (einschliesslich der zur Destillation zur Erzeugung von Trinkalkohol bestimmten Mengen) geschätzt, was einen Rückgang von rund 13 Mio. Hektolitern gegenüber dem Jahre 1996/97 entspricht; Grund dafür ist vor allem der anhaltende Rückgang des Weindirektverbrauchs (von 34,3 Liter pro Kopf im Jahre 1996/97 bis 30,8 Liter pro Kopf im Jahre 2002/03). Bezieht man auch den Handel mit ein, so lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass die Weinversorgungsbilanz - ohne Bestandsveränderungen - bis zum Jahre 2002/03 einen Überschuss von 5,3 Mio. Hektolitern in einem Durchschnittsjahr erreicht, jedoch bei günstigen Witterungsbedingungen auf knapp 17 Mio. Hektoliter ansteigen dürfte. Dagegen könnte der Gemeinschaftsmarkt bei geringen Ernten ein Defizit von über 6,0 Mio. Hektolitern aufweisen.
Angesichts einer von geringen Überschüssen gekennzeichneten Marktlage und der Möglichkeit, dass die Erzeugung sogar zuweilen unter den Binnenverbrauch abfallen könnte, sollte die Rodungsregelung künftig an Bedeutung einbüssen, was ohnehin bereits jetzt schon der Fall ist. Wegen der Anfälligkeit dieses Gleichgewichts und der Gefahr der Entstehung neuer Marktungleichgewichte im Weinsektor kann man sich fragen, ob es sinnvoll ist, das Verbot der Neuanpflanzung völlig aufzuheben, auch wenn es wünschenswert ist, den Austausch von Wiederbepflanzungsrechten flexibler zu handhaben, vor allem zugunsten der Erzeugung von Wein, der auf dem Markt Absatz finden kann.
In der Vergangenheit waren die gemeinschaftlichen Interventionen im Weinsektor vor allem darauf gerichtet, das Erzeugungspotential zu drosseln (durch Rodung und Beschränkung der Neuanpflanzung) und den Markt zu sanieren (durch Destillation). Angesichts der für die kommenden Jahre absehbaren Lage sollten die Bemühungen überwiegend darauf gerichtet sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaftserzeugung zu verbessern, sowohl auf dem Binnenmarkt als auch auf den internationalen Märkten. Voraussetzung dafür ist, dass nicht nur die Fortsetzung der qualitativen Anpassung an die Nachfrage, eine Beschleunigung der Erneuerung von Rebflächen und eine Rationalisierung der Produktionsstrukturen ermöglicht wird, sondern auch die Modernisierung auf allen Ebenen des Weinbausektors, von der Abfüllung über die Anpassung der Kellereitechnik, der Erzeugerorganisationen und der Werbung bis hin zur Vermarktung und zum Marketing, insbesondere auf bestimmten, vielversprechenden Aussenmärkten.
Schliesslich sollte insofern, als der Weinbau eine wesentliche Rolle bei der sozioökonomischen Entwicklung der Weinbaugebiete spielt, die oftmals keine tragfähigen wirtschaftlichen Alternativen bieten, vermieden werden, die Aufgabe des Weinbaus in diesen Gebieten bedenkenlos zu fördern, auch wenn eine gewisse Produktionsverlagerung in Gebiete, in denen der Weinbau rentabler ist, kaum unterbunden werden kann. Die Erhaltung des Weinbaus in zahlreichen traditionellen Anbaugebieten ist im übrigen nicht nur unerlässlich für die Erhaltung des Landschaftsbildes, sondern auch für die Verhinderung der Bodenerosion in diesen Gebieten. Ebensowenig sollte man aber vergessen, dass der Weinbau auch negative Begleiterscheinungen haben kann, so durch intensive Anwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Daher ist es notwendig, den Weinbau in die Programme zur Durchführung von Umweltschutzmassnahmen in der Landwirtschaft einzubeziehen, die darauf abzielen, Wirtschaftsweisen einzuführen oder zu erhalten, die den Erfordernissen des Umweltschutzes und der Erhaltung des ländlichen Raums Rechnung tragen.
© Europäische Gemeinschaften, 1995-2000