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Wohl eine der spektakulärsten Schöpfungen des Schweizer Automobilbaus sind die Dufaux Rennwagen aus den Jahren 1904 und 1905. Zwei Fahrzeuge sind heute noch erhalten, das eine steht im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern, das andere in der Cité de l’Automobile, ehem. Musée National, bekannt auch unter dem Namen Schlumpf-Museum im elsässischen Mülhausen. Entworfen, konstruiert und gebaut wurden diese interessanten Rennwagen von den Gebrüdern Dufaux aus Genf. Charles und Frédéric Dufaux, zwei ehemalige Radrennfahrer, hatten kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert die Idee, Autos zu bauen. In Erinnerung an ihre Radrennfahrerkarriere mussten es Autos sein, die im Rennsport eingesetzt werden können. Sie machten sich also an die Arbeit und setzten sich ein ehrgeiziges Ziel, den Rennwagen für das Gordon-Bennett-Rennen 1904 fertigzustellen, was tatsächlich auch gelang. Wenn man schon so einen Aufwand treibt muss das Ziel natürlich der Sieg sein. Man muss bedenken, dass im ersten Jahr nicht einmal eine eigene Werkstatt zur Verfügung stand, die Gebrüder Dufaux bauten das erste Fahrzeug in den Werkstätten der Firma Piccard-Pictet, die eigene Fahrzeuge unter dem Namen Pic-Pic bauten. Erst ein Jahr später wurde am Stadtrand von Genf eine eigene Werkstatt gegründet. Die Arbeiten am Rennwagen starteten also unter eher schwierigen Bedingungen aber das Resultat ist erstaunlich, denn nach relativ kurzer Zeit stand der Rennwagen einsatzbereit auf den grossen 820 x 120er Rädern.
Die damaligen Autorennen fanden noch nicht auf Rennstrecken statt, sondern auf unbefestigten Landstrassen. Der Gordon-Bennett-Cup wurde zwischen 1900 und 1905 6 Mal ausgetragen und gilt als erste Motorsportveranstaltung, an welcher sich verschiedene Automobilhersteller messen konnten. Die Streckenlänge mass jeweils zwischen 550 und 650 Kilometer, da war also ein leistungsstarkes und zuverlässiges Fahrzeug gefragt. Diesem Umstand trugen die Gebrüder Dufaux Rechnung und bauten einen der allerersten 8-Zylinder-Reihenmotoren überhaupt. Der riesige Motor hat 4 gegossene Zylinderblöcke zu je 2 Zylindern, einen Hubraum von 12‘761 ccm und rund 80 PS Leistung bei 1200 Umdrehungen pro Minute. Andere Quellen nennen 100 bis 120 PS bei 1300 Umdrehungen. Jedenfalls war das recht mutig, was da in Genf gebaut wurde. Sonst ist an dem Auto nicht viel dran. Ein einfaches Chassis mit Spritzwand, zwei kleine Schalensitze, dahinter ein grosser runder Benzintank. Der Antrieb erfolgt über ein Dreiganggetriebe mittels zwei mächtigen Ketten auf die Hinterräder, Instrumente gibt es keine. Als Spitzengeschwindigkeit wird 115 km/h angegeben. Eigentlich gute Voraussetzungen für erfolgreiche Renneinsätze und der erste Start hätte dann wie geplant am Gordon-Bennett-Cup in Homburg im Taunus erfolgen sollen. Leider aber kam es nicht dazu, denn ein Schaden an der Vorderachse, der sich bis zum Rennen nicht beheben liess, verunmöglichte die Teilnahme am Rennen. Dieser erste Dufaux-Rennwagen existiert noch, es ist das Fahrzeug, das sich heute im Museum in Mulhouse befindet. Gewonnen wurde das Rennen übrigens von Léon Théry auf einem französischen Richard-Brasier.
Auch der im Verkehrshaus der Schweiz ausgestellte Dufaux-Rennwagen kann mit abgenommener Motorhaube besichtigt werden, sonst bliebe der imposante Motor verborgen und es ist ja gerade der Motor, der diese beiden Rennwagen so einzigartig macht. Die Fahrzeuge weichen in vielen Details voneinander ab, so haben die Kühler unterschiedliche Formen und beim Fahrzeug im Verkehrshaus sind die Sitze aus Korbgeflecht. Ob das der Gewichtsverminderung diente oder einfacher war in der Herstellung ist leider nicht bekannt. Das in Luzern ausgestellte Fahrzeug wurde in den Sechzigerjahren restauriert. Der Name Dufaux ist auch ein Begriff im Schweizer Motorradbau. Die Cousins von Charles und Frédéric Dufaux, Henri und Armand Dufaux, gründeten 1899 die Société en commandite H. & A. Dufaux & Co. in Genf, später bekannt unter dem Namen Motosacoche. Dufaux lieferte seine Einbaumotoren an zahlreiche Hersteller. In unserer Sammlung befindet sich ein Peugeot-Rennmotorrad von 1909 mit einem Dufaux-Motor. Leider ist heute vom Erbe der Gebrüder Charles und Frédéric Dufaux nicht mehr viel erhalten geblieben.