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J. sind von kath. Pfarreien und Klöstern geführte Verzeichnisse der alljährlich an bestimmten Daten für die Seelenruhe von Verstorbenen zu feiernden Gedächtnisse. Ihre Einteilung lehnte sich ab dem 10. Jh. an den röm. und an den Festkalender an, später auch an die Jahreseinteilung mit Sonntagsbuchstaben (Kirchenjahr). Die J. bildeten sich im MA aus frühchristl. und frühma. Formen des Totengedenkens (z.B. Libri confraternitatum) heraus. Zu unterscheiden sind die hoch- und spätma. necrologia der Stifte, Kapitel und Klöster, in denen reine Listen der an einem bestimmten Datum verstorbenen Konventsmitglieder, Wohltäter und Verbrüderten eingetragen wurden, um ihrer im gemeinsamen Gebet zu gedenken. Diese Nekrologien entwickelten sich ab dem 14. Jh. zu eigentl. J.n (obituaria, auch libri vitae, libri anniversariorum), die in Klöstern, Stiften, Spitälern und Pfarrkirchen bis ins 20. Jh. geführt wurden. Vermögende Personen stifteten Jahrzeiten, damit ihrer nach dem Tod jährlich im Gebet, in der Messe und durch gute Werke gedacht werde. Den Gedenktag legte man auf den Todestag oder auf ein anderes Datum. Ab dem ausgehenden 15. Jh. wurden mit dem Anwachsen des Kapitaleinsatzes die Einträge ausführlicher. Verstorbene Verwandte wurden miteinbezogen und die einzuhaltenden liturg. Handlungen immer detaillierter festgelegt. Auch versah man die Stiftungen zunehmend mit Jahrzahlen, die bislang gefehlt hatten. Die J. waren auf Dauer angelegt (Pergament, Ledereinband) und grossformatig. Sie dienten der Einhaltung der Termine, der Verwaltung der Kapitalien, die meist auf genanntem Grund und Boden sichergestellt waren, und der Ausrichtung der mit den Jahrzeiten verbundenen, in den Stiftungen vorgeschriebenen Almosen an die Messe lesenden Priester, die Konventualen und die Armen. In den Pfarrkirchen verkündete man am Sonntag den Wochenzettel mit den in die folgende Woche fallenden Jahrzeiten. Die teilweise edierten J. vermitteln Informationen zu allen hist. Bereichen.
Literatur
– Das Schlachtenjahrzeit der Eidgenossen nach den innerschweiz. J.n, hg. von R. Henggeler, 1940
– N. Huyghebaert, Les documents nécrologiques, 1972
– LexMA 6, 1078 f.
– M. Othenin-Girard, Ländl. Lebensweise und Lebensformen im SpätMA, 1994
Autorin/Autor: Fritz Glauser