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Ein Crash kurz nach dem Start, der mehrere Fahrer das Rennen kostete. Ein Neustart, bei dem nur Lewis Hamilton in der Startaufstellung stand. Ein Überraschungssieger und eine Disqualifikation nach dem Rennen. Der GP von Ungarn hatte alles zu bieten. Wir fassen die verrückten Ereignisse noch einmal zusammen.
Es war eines der verrücktesten Formel-1-Spektakel, das sich den Motorsport-Fans in Budapest am Sonntag bot. Kurz vor dem Start begann es heftig zu regnen, woraufhin alle 20 Fahrer ihre Autos mit Intermediates bereifen liessen. Die nasse Strecke führte bereits wenige Augenblicke nach Rennbeginn zu einem grossen Crash.
Wenig später musste das Rennen unterbrochen werden. Nach dem Restart ging der actionreiche Grand Prix weiter. Selbst Stunden nach der Zieleinfahrt des Überraschungssiegers Esteban Ocon war das Drama noch nicht vorbei. Da kann man leicht den Überblick verlieren – deshalb fassen wir die wichtigsten Geschehnisse noch einmal zusammen.
Es hätte ein erneutes Duell zwischen den grossen Rivalen der laufenden Formel-1-Saison werden können. Nach dem katastrophalen Start von Valtteri Bottas, der hinter seinem Teamkollegen auf Platz zwei losfuhr, lenkte Lewis Hamilton vor Max Verstappen in die erste Kurve ein. Doch der Niederländer wurde jäh aus der Verfolgungsjagd auf Hamilton gerissen.
Bottas, der auf den fünften Rang zurückgefallen war, verbremste sich und rutschte in das Heck von Lando Norris. Der McLaren konnte Verstappen nicht mehr ausweichen und beschädigte den Red-Bull-Boliden des Weltmeisterschafts-Führenden. Der grosse Profiteur war Lewis Hamilton, der erst einmal vorneweg fahren konnte.
Doch es war nicht der einzige Zusammenstoss in der ersten Kurve. Lance Stroll geriet aufs Gras und rauschte in den Ferrari von Charles Leclerc hinein. Sieben Boliden waren in den Crash in der ersten Kurve involviert. Bottas, Leclerc, Stroll und Sergio Perez mussten das Rennen infolgedessen aufgeben. Der Auslöser des Crashs erklärte nach dem Rennen, dass es keine Absicht war: «Ich hatte nicht erwartet, dass die Räder blockieren und die Jungs vorne haben auch ziemlich früh gebremst. Aber ich war derjenige, der hinten war und deshalb lag es in meiner Verantwortung, früh genug zu bremsen.»
Die weiteren Beteiligten waren natürlich enttäuscht. So schrieb Charles Leclerc auf Twitter: «Schönes Bowling-Spiel. Es ist so frustrierend.» Auch Max Verstappen, der erheblichen Schaden davontrug, konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. «Es ist enttäuschend, bei zwei Rennen in Folge so viel Pech zu haben», schrieb der Niederländer auf demselben Medium.
In der dritten Runde wurde das Rennen unterbrochen, um die Teile der beschädigten Autos von der Strecke zu räumen. In der Zwischenzeit hatte es aufgehört zu regnen und die Rennstrecke war zu grossen Teilen wieder getrocknet. Daher entschieden die verbliebenen Fahrer und ihre Teams, vor dem Start auf Trockenreifen zu wechseln. Anstatt für den Neustart in die Startaufstellung zu fahren, fuhren sie in die Boxengasse.
Einzig Mercedes schaltete nicht früh genug. So stand Lewis Hamilton alleine vor den roten Lichtern und wartete darauf, dass diese erlöschen. Am Ende der ersten Runde nach Wiederaufnahme des Rennens musste auch er die Reifen wechseln und fiel auf die letzte Position zurück.
Auch die Boxenstopps der 14 Fahrer, die gleichzeitig zum Reifenwechsel fuhren, blieben nicht ohne Aufreger. Alfa Romeo liess Kimi Räikkönen zu früh wegfahren und Nikita Masepin im Haas konnte ihm nicht mehr ausweichen. Das Rennen des Russen war nach diesem Zwischenfall beendet. Räikkönen bekam eine Zehn-Sekunden-Strafe.
Während des Rennens kam es doch noch zum Duell zwischen den beiden Konkurrenten um die Weltmeisterschaft. Dieses fand aber leider nicht auf der Strecke statt. Lewis Hamilton, der in der 19. Runde erneut zum Reifenwechsel ging, schaffte den Undercut und konnte an Verstappen, der eine Runde später in die Boxengasse einbog, vorbeiziehen. Es war ein ungewohntes Duell zwischen den dominierenden Fahrern der Saison. Keiner der Fahrer befand sich zum Zeitpunkt des Überholmanövers auf einem Punkte-Rang.
Unterschiedlicher hätte der Verlauf des Rests des Grand Prix für die beiden Rivalen nicht sein können. Hamilton konnte sich Rang für Rang nach vorne kämpfen und beendete das Rennen auf dem 3. Platz. Verstappen hatte mit dem beschädigten Boliden ein sehr schwieriges Rennen, wie er nach dem Rennen mitteilte. Der 23-Jährige fuhr auf den zehnten Schlussrang.
Viele der Fahrer konnte Lewis Hamilton ohne grosse Probleme einsacken. Doch sein alter Rivale Fernando Alonso wehrte sich mit Händen und Füssen gegen ein Überholmanöver des siebenfachen Weltmeisters. Der Spanier fuhr 2007 eine Saison lang mit Lewis Hamilton bei McLaren. Zwischen den beiden kriselte es gewaltig und nach einem Jahr ging Alonso zurück zu Renault.
Dass die Spannungen zwischen den beiden Weltmeistern noch nicht verschwunden sind, merkte man im Interview vom 40-Jährigen. Gegenüber «Ziggo Sport» berichtete er nach dem Erreichen des fünften Platzes: «Es war sehr schwierig, Hamilton hinter mir zu halten. Doch es war wichtig für Max Verstappen, also habe ich mein Bestes gegeben.» Als der Reporter ihn informierte, dass Hamilton sich über Alonsos Fahrweise beschwerte, sagte Alonso: «Er jammert ständig.»
Ein Rennen wie dieses konnte nur einen Überraschungssieger hervorbringen. Esteban Ocon im Alpine kann zum ersten Mal in seiner Karriere einen Sieg feiern. Der Franzose blieb in der ersten Kurve unbeschadet und fuhr nach dem Restart als zweites Auto hinter George Russell aus der Boxengasse. Den Williams kassierte er ziemlich schnell und nach Hamiltons Reifenwechsel in der 5. Runde führte Ocon das Rennen an.
Diese Führung gab er nicht mehr her und nach 70 Runden in Budapest konnte er die Ziellinie als Erster überqueren. Dem 24-Jährigen fehlten nach dem Rennen die Worte: «Dieser Moment wird mir für immer in Erinnerung bleiben!» Auch seinem Teamkollegen Fernando Alonso, der Hamilton lange erfolgreich hinter sich hielt, sprach er einen Teil des Sieges zu: «Was für eine Fahrt von der Legende selbst. Fernando Alonso gehört ein Teil des Erfolgs.»
Der Rennsieger war aber nicht der Einzige, der eine Premiere zu feiern hatte. Williams hatte gleich doppelten Grund zum Feiern. Sowohl Super-Talent George Russell als auch Nicholas Latifi konnten sich in den Punkterängen platzieren. Es waren die ersten Punkte für das britische Team seit Juli 2019 und das erste Mal seit August 2018, dass beide Autos in die Punkte fuhren.
Russell konnte sein Glück über den neunten Schlussrang gar nicht fassen – im Interview nach dem Rennen brach er in Tränen aus. Auf Twitter schrieb der 23-Jährige, der als Ersatzfahrer für Mercedes bereits einmal Punkte holen konnte: «Es ging um mehr als nur das Resultat. Da steckt so viel Arbeit drin und trotz der harten Zeiten und knappen Verfehlungen haben wir nie aufgehört, daran zu glauben.»
Sein Teamkollege Nicholas Latifi fuhr sogar noch vor dem Briten auf dem achten Platz ins Ziel. Auch einen Tag nach dem Sieg war die Freude bei ihm noch riesig. Für den Kanadier waren es die ersten Zähler im 28. Rennen für Williams. Sein Teamkollege bewies während des Rennens grossen Teamgeist. Da Latifi der besser platzierte der beiden Piloten war, bot Russell seine Unterstützung an: «Wenn ihr mein Rennen aufgeben müsst, um Nicky zu helfen, dann tut es. Er hat Priorität.» Das berichtet der Formel-1-Experte Chris Medland auf Twitter.
Selbst nach Rennende kehrte rund um den Grand Prix von Ungarn keine Ruhe ein. Sebastian Vettel drohte die Disqualifikation, da er nach dem Rennen weniger als den geforderten Liter Benzin im Tank hatte. Die FIA bestätigte die Befürchtung und strich den Deutschen aus der Wertung, da nur 0,3 Liter Kraftstoff entnommen werden konnten.
Somit verliert Vettel seinen starken zweiten Platz und die damit verbundenen 18 Punkte. Aston Martin kündigte bereits einen Protest gegen die Entscheidung an. Durch die Disqualifikation des 34-Jährigen würden alle folgenden Fahrer um einen Platz aufrutschen.