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Margherita Sarfatti und Umberto Boccioni lernten sich 1909 in Mailand kennen. Eine tiefe und enge, manchmal auch stürmische Beziehung.
In den Sommern 1910 und 1911 war der Künstler zu Gast in Sarfattis Landhaus in Cavallasca, wo er u.a. Bilder wie „Strohhaufen in der Sonne“ oder „Porträt von Fiammetta“ (Sarfattis Tochter) schuf. Februar 1913 vollendete Boccioni das Gemälde „Antigrazioso“ (Antigraziös), ein Porträt Margherita Sarfattis (siehe Foto). Laura Mattioli Rossi schreibt darüber:
„Das Adjektiv ‘antigrazioso‘, trotz des weiblichen Subjekts männlich gebeugt, bezieht sich nicht auf die Frau, sondern auf das Geschlecht von ‘Porträt‘: Der Künstler will damit unterstreichen, dass es sich um ein Porträt antigraziösen Typs handelt, nicht um eine wenig graziöse Frau, was besonders hinsichtlich der enormen Faszination von Margherita evident ist. Da er es ausgerechnet ihr (es gibt von Boccioni noch andere Werke mit dem gleichen Titel wie z.B. die Skulptur aus Gips, siehe Foto) erstmalig zugeschrieben hat, bezeichnet das Adjektiv ‘antigrazioso‘ die Porträtierte zudem als Sinnbild einer neuen weiblichen, futuristischen Identität, energisch und intelligent statt süßlich und graziös. Gewiss verstand Margherita alle dem Bild innewohnenden Bedeutungen, auch wenn sie die Identität der porträtierten Person weitestgehend geheimhielt. In einem Brief von 1950 an Gianni Mattioli, der sie beharrlich zu überreden suchte, das Bild zu kaufen, schreibt sie: ‘Für mich ist jedes Gemälde, und vor allem das „Antigrazioso“ mit vielen kostbaren Erinnerungen verbunden… auch an die kühne Gestalt Boccionis mit all seinen enormen Schwächen als Snob, Emporkömmling, Selbstgefälliger, etc. etc., und zwar trotz oder vielleicht gerade wegen seines Egotismus und Egoismus… trotzdem er meiner Meinung nach ein Charmeur war‘”.