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Eine meiner letzten Fragen im Gespräch mit Kuno Lauener zu «Haubi Songs» betrifft das beim Hochwasser von 2005 überschwemmte Studio von Züri West, dessen Renovation die Band im Internet mit einem Fototagebuch dokumentiert hat. Es wäre schön geworden, antwortet Kuno. Ob ich es schon gesehen hätte? Ich verneine.
«Komm, dann zeig ich’s dir», lädt er mich ein und beendet damit den Frage- und Antwortteil des Interviews.
Eine halbe Stunde später, nach einem kurzem Spaziergang durch Berns Altstadt, betreten wir das in einem dritten Untergeschoss und somit wohl im Berner Mattequartier liegende U3 Studio. Die grosse Scheibe, die den Kontrollraum vom Studio teilt, strukturiert als dunkle Fläche den grauen Kellerraum. Kuno macht Licht und entschuldigt sich dafür, dass bloss ein paar Mikrofone und Gitarrenständer herumstünden. Der Rest des Equipments wäre mit der Band auf Tournee. Doch mir reicht das vollauf, um eine Vorstellung davon zu erhalten. Zwei weitere Räume sind erkennbar, worin die Gitarre und das Schlagzeug separat aufgenommen werden. Kuno erläutert mir im Kontrollraum das Mischpult.
Beim Verlassen des Studios bleibt mein Blick auf einem Foto von Charlotte Gainsbourg und dem Produktionsplan des Albums «Haubi Songs» hängen, die beide an der Türe kleben.
«Charlotte, unsere Muse», sagt Kuno. Ich erinnere mich: «05:55», der erste Song des Albums ist ihr und ihrer Schlaflosigkeit gewidmet. «Charlotte über alles», der erste Satz der noch zu schreibenden Rezension, wird im Geiste notiert. Selbst im grob gerasterten Schwarzweissfoto einer schlecht gedruckten Zeitung überstrahlt Gainsbourgs Schönheit die graue Kelleratmosphäre.
Kuno knippst das Licht aus, danach schimpft er über die Mitbenützer des Studios. Schon beim Eintreten war mir rechterhand ein Lichtschacht aufgefallen, worin weiterhin Licht brennt.
«Den wollte ich dir noch zeigen», sagt Kuno und drückt einen weiteren Lichtschalter. Plötzlich umgeben von der natürlich strahlenden Dunkelheit eines dritten Untergeschosses, unterscheidet das Auge ausser verschiedenen Schwarztönen nichts mehr. Nach einem Moment geht im Studio wieder das Licht an.
«Das ist unser Tageslichtschalter», erklärt Kuno. Ungläubig gehe ich zum Lichtschacht. Kuno löscht darin das Licht.
«Ich dachte, dass hier tatsächlich Tageslicht aus der Stadt runterscheint.»
«Nein», erwidert Kuno, «die Neonröhren habe ich selbst montiert. Das ist nur ein Lüftungsschacht.»
Mir gefällt die Idee des Tageslichtschalters ausserordentlich. Spüre den Musenkuss… – Kann aber nichts intelligentes formulieren. «Tageslichtschalter ist ein guter Songtitel. Allerdings sollte der Inhalt etwas mehr als bloss das Cliché von ‹du kippst meinen Tageslichtschalter an und es geht mir gut› sein», sage ich zu Kuno. Er schaut mich an und sagt:
«Moll, das isch cool» und löscht erneut das Licht im Schacht. Die schon fast wohlvertraute Berner Studioschwärze umgibt uns wieder für einen Moment, dann öffnet Kuno die Studiotüre.