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Thüringen, um 1910
Biskuitporzellan, bemalt (Kopf)
Papiermaché (Körper); Kunststoff (Hände) Baumwolle, Maschinenspitze
L. 38 cm; L. 52 cm, B. 27 cm, B. 27 cm (Steckkissen)
Inv. 2009.611.
1909 hatte die in Waltershausen in Thüringen produzierende Spielzeugfabrik Kämmer und Reinhardt im grossen Berliner Warenhaus Tietz eine völlig neue Puppenschöpfung vorgestellt. Die sog. Charakterpuppen besassen nicht wie die früheren Puppen einen vereinfacht geformten, idealisierten Kopf, sondern waren ganz nach dem Vorbild wirklicher Säuglinge gebildet: Grübchen und Doppelkinn, spärlicher Haar-wuchs auf dem säuglingshaft geformten Köpfchen und eine zurückhaltende Bemalung des matten Biskuitporzellans gaben den Puppen eine naturalistische, dadurch auch sehr berührende Ausstrahlung. In Fach- kreisen wurden diese Puppen hoch gelobt, in Produzentenkreisen schnell imitiert. Der hier vorgestellten Puppe fehlt eine Marke, so dass sie wohl von einem der vielen Nachahmerproduzenten in Thüringen stammt.
Die Erstbesitzerin der «Heinerle» genannten Puppe wurde 1904 geboren; also war sie mit ca. 6 Jahren im besten Puppenmutteralter. Mit Puppen dieses Typus begann der bis heute anhaltende Siegeszug der «Babypuppe».