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Antithesen zu den «Thesen zu den Jugendunruhen 1980»
Der Feind heisst Nihilismus
von Jeanne Hersch
Schädliche «Thesen»
Im Anschluss an die «Jugendunruhen» in verschiedenen Schweizer Städten im Laufe des Jahres 1980 hat die Regierung eine Expertenkommission beauftragt, einen Bericht auszuarbeiten, welcher unter dem Titel «Thesen zu den Jugendunruhen 1980» erschienen ist.
Diese «Thesen zu den Jugendunruhen 1980» sind nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa – und vor allem in Deutschland – ein Bestseller geworden. Dennoch: Neues findet sich in dieser Broschüre kaum. Es ist vielmehr eine systematische Zusammenstellung dessen, was «jedermann» zu diesem Thema gesagt und geschrieben hat. Mit «jedermann» meine ich die überwiegende Mehrheit jener, die in den Medien mehr oder weniger ins gleiche Horn stossen und den Ton angeben: Journalisten, Soziologen, Erziehungstheoretiker, alle, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Gegenwart und die Zukunft zu verstehen, aufgeschlossen und mit dem Herzen grosszügig zu sein, kreativ und nicht elitär zu denken; kurz, was die in ihren Augen konformistische und ängstliche Masse nicht zu denken wagt.
Neu ist an dieser Broschüre lediglich der allerdings wichtige Vermerk: «aufgestellt von der Eidgenössischen Kommission für Jugendfragen». Dadurch erhalten die «Thesen» erstmals eine Art amtliches Gütezeichen und damit besonderes Prestige, um die Gewaltanwendung zu rechtfertigen, um Eltern, Erzieher und Behörden unsicher und ratlos zu machen und den Sinn für die Rechtsordnung (für die die «Thesen» einzustehen vorgeben) so zu schwächen, dass Freiräume der Anarchie unerlässlich scheinen.