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Grabeskirche als Vorbild
Im Jahre 1130 schenkte Freiherr Lütolf II. von Regensberg dem Kloster Einsiedeln Güter bei Fahr am rechten Limmatufer mit der Auflage, hier ein Nonnenkloster zu errichten. Es entstand ein Benediktinerinnenkloster, das bis heute mit Einsiedeln ein Doppelkloster bildet. Eine die Limmat überquerende Fähre gab Fahr den Namen. Bereits vor der Klostergründung stand hier eine Kapelle. Geweiht war sie Nikolaus von Myra, dem Patron der Fährleute und Schiffer. Das Gotteshaus bestand aus einem turmartigen, wahrscheinlich von einer Kuppel bedeckten Rundchor mit angefügtem Langhaus. Offenbar handelte es sich um eine freie Nachbildung der Grabeskirche in Jerusalem. Nach einem Brand im 13. Jh. erhielt die Kapelle einen Rechteckchor. In dessen Bodenbelag ist der Umriss der früheren Rotunde eingeritzt, von der stehengebliebene Reste die heutigen Chorbogenpfeiler bilden. Sie verengen die Chorbogenöffnung nach Osten und lenken so die Blicke der Gläubigen zum Altar hin. 1623 erhielt das Kirchlein einen Anbau mit Wohnung für einen Kaplan. Sie dient heute als Seminarraum.
Malereien aus zwei Epochen
Im Innern der Kapelle stehen sich grundsätzlich verschiedene Wandmalereien aus zwei Epochen gegenüber. Die spätromanischen Fresken im Chor aus der Zeit um 1300 sind schlecht erhalten und ihre Inhalte nur noch ansatzweise erkennbar. Ihr Programm ist der Johannesoffenbarung entnommen und widmet sich der Wiederkehr des Herrn. Reste einer im Mittelalter verbreiteten Darstellung enthält die Ostkappe des Gewölbes: Eine Mandorla, ein mandelförmiger Rahmen, der einen, heute kaum mehr sichtbaren, auf einem Regenbogen sitzenden Christus umgibt. Die Figur rechts des Chorscheitelfensters wird als Nikolaus von Myra gedeutet, der in der Mitte des 16. Jh. von der hl. Anna als Hauptpatronin der Kapelle abgelöst wurde.
Das Langhaus setzt sich nicht nur architektonisch deutlich vom Chor ab, sondern ebenso durch die künstlerische Ausstattung. Ein vom Einsiedler Pater Bernard Flüeler 1930 geschaffener Bilderzyklus erzählt das Leben der hl. Anna.
Beliebter Taufort
Nach der Gründung des Klosters diente die Kapelle den Nonnen bis zur Errichtung einer Klosterkirche als Gotteshaus. Anlässlich der Innenrenovation der Kirche Ende der 1990er Jahre wurde die Annakapelle für den Konvent während zwei Jahren erneut zur „Klosterkirche“. In der altehrwürdigen Kapelle finden auch Trauungen statt. Beliebt ist der stimmungsvolle Sakralraum vor allem als Taufort: Allein 2013 erhielten hier 28 Kinder das Sakrament der Taufe gespendet. (lh)
Standort
Die Kapelle steht auf dem Klosterareal südlich des Propsteigartens.
Ab Bahnhof Dietikon mit der Buslinie 302 oder ab Bahnhof Schlieren mit der Buslinie 302 oder 308 bis zur Haltestelle Eckstein in Unterengstringen. Auf der Schneckentreppe hinuntersteigen zum Wanderweg an der Limmat. Bis zum Kloster sind es ca. 10 Minuten Fussweg.
Einkehrmöglichkeit
Restaurant zu den Zwei Raben beim Kloster.
Öffnungszeiten
Die Kapelle ist während des Tages geöffnet.
Kontakt
Kloster Fahr, Priorat, 8109 Kloster Fahr, T 043 455 10 40, <email-pii>