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Die Ferrero-Schokoladenfabrik in Südafrika fährt auf Kosten der lokalen Arbeiter*innen Gewinne ein – trotz erfolgreicher Arbeitskämpfe.
An einer unscheinbaren Strasse am Rande von Walkerville, einer kleinen Stadt südlich von Johannesburg, befindet sich eine Fabrik, die fest in die globalen Wertschöpfungsketten eingebunden ist. Hier, wo Arbeitsplätze schwierig zu finden sind, beschäftigt die Ferrero-Fabrik mehr als 300 Arbeiter*innen – die meisten von ihnen Frauen. Sie stellen Kinder-Überraschungen und Tic Tac her, verpacken Ferrero-Rocher-Schokoladen. Der Kampf dieser Arbeiter*innen zeigt exemplarisch, wie globale Unternehmen in Südafrika neue Formen der Gelegenheitsarbeit durchsetzen.
Ferrero erfindet neue Ausbeutungsformen
Von Kinderarbeit bei der Herstellung von Nutella bis zu Salmonellen in Kinderschokolade, die Hunderte junge europäische Konsument*innen mit blutigem Durchfall ins Spital brachten: Ferrero kam in den letzten Jahren nicht aus den Schlagzeilen. Im Schatten der Eukalyptusbäume von Walkerville, weit weg vom Scheinwerferlicht der internationalen Medien, hat der Schokoladengigant eine weitere Grenze der Temporärarbeit in Südafrika überschritten: mit der Etablierung von Null-Stunden-Verträgen. 2015 hatte der Kampf von Gelegenheitsarbeiter*innen mit Unterstützung der Solidar-Partnerorganisation Casual Workers Advice Office (CWAO) zu einer Gesetzesänderung geführt. Seither müssen die Unternehmen Menschen, die sie über Arbeitsvermittlungen anstellen, nach drei Monaten die gleichen Arbeitsbedingungen bieten wie Festangestellten. Trotzdem beschäftigt Ferrero die meisten Mitarbeitenden mit flexiblen, nicht garantierten Arbeitszeiten. Eine von ihnen ist die 34-jährige Sthembile Ntshangase. Im Juli konnte sie nur einen Tag aarbeiten. So brachte sie weniger als 48 Dollar nach Hause. Ihr Lohn muss jedoch drei Kinder ernähren.
Verzögerungstaktik
2020 argumentierte das Unternehmen, die Gleichbehandlung von Temporärarbeiter*innen mit Festangestellten bedeute nicht, dass ihnen Mindestarbeitszeiten angeboten werden müssten. Es drohte damit, dass die angebliche finanzielle Belastung – eine Erhöhung der Lohnkosten um 250 Prozent – womöglich zur Schliessung des Unternehmens führen würde. Ferrero behauptete, in Südafrika noch nie Gewinne gemacht zu haben, weigerte sich jedoch stets, Buchhaltungszahlen und Prognosen vorzulegen, die diese Behauptung belegen. Vertreten von CWAO, brachten Sthembile Ntshangase und ihre Kolleg*innen den Fall erfolgreich vor die Kommission für Schlichtung, Mediation und Schiedsverfahren: Diese lehnte Ferreros Null-Stunden-Verträge ab und ordnete an, dass den Beschäftigten dieselben Arbeitszeiten garantiert werden müssen wie Festangestellten. Der nun bereits zwei Jahre zurückliegende Sieg hat das Leben der Ferrero-Beschäftigten jedoch kaum verändert. «Ich fühle mich vom Gesetz im Stich gelassen», sagt Ntshangase. Denn Ferrero hat gegen die Entscheidung Berufung eingelegt und verzögert den Prozess immer wieder – eine teure Option, wofür dem Unternehmen das Geld nicht zu fehlen scheint. In den Worten von Ntshangase: «Wenn du Geld hast, kannst du dir alles kaufen. Auch das Gesetz.»
«Wenn du Geld hast, kannst du dir alles kaufen. Auch das Gesetz. Ich fühle mich vom Gesetz im Stich gelassen.»