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Auf dem Rücken eines kleinen Moränenhügels im Quartier Riesbach liessen sich über lange Zeit wohlhabende Zürcher Familien Villen mit weiten Parkanlagen bauen. Auch die Villa «Schönau» war von einem solchen Park umgeben. Auf diesem Areal wurde während vierjähriger Bauzeit der neue Botanische Garten errichtet. Am 27. Mai 1977 war es so weit: Der neue Botanische Garten wurde eingeweiht. Ein Charakteristikum für den Neubau sind die Glas-Kuppel-Gewächshäuser – bautechnisch damals eine europäische Neuheit. In diesen gläsernen Kuppeln erwartete die Besuchenden eine Reise in die Welt der Tropen, Savannen und Trockengebiete mit Pflanzen aus Amerika, Afrika, Asien und Australien.
Die Geschichte des Botanischen Gartens geht weit zurück. So legte der Zürcher Naturforscher und Stadtarzt Conrad Gessner (1516–1565) bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem Privatgarten Zürichs ersten botanischen Garten an. Er sammelte Pflanzen, um sie zu klassifizieren und zu beschreiben – durch seine Enzyklopädien mit genauen Beobachtungen legte er die Basis für die botanische und biologische Forschung. Als im Jahr 1833 die Universität Zürich gegründet wurde, wurde der Beschluss gefasst, dass Anlage und Betrieb eines botanischen Gartens in den Aufgabenbereich des Staates fallen. Im Jahr 1837 pflanzte der Landschaftsarchitekt Theodor Fröbel (1810–1893) unter der Leitung des Professors für Botanik Oswald Heer (1809–1883) auf einem Moränenhügel am Schanzengraben (dem ehemaligen Bollwerk «Zur Katz») einen Garten an. Auch ein Gewächshaus und eine Grotte wurden errichtet. Da finanzielle Mittel nur knapp vorhanden waren, pflanzte Fröbel Schnittblumen im Garten an, die verkauft wurden.
Mit dem Neubau-Projekt wurde die Architektengemeinschaft Hans und Annemarie Hubacher und Peter Issler beauftragt. Der neue Botanische Garten entstand nicht auf der ehemaligen Befestigungsanlage, wo der alte Botanische Garten von Theodor Fröbel angepflanzt wurde, sondern auf dem Areal der Villa Schönau an der Zollikerstrasse. Die Platzverhältnisse im alten Park (18'000m2) genügten den Anforderungen nicht mehr, sodass eine Verlegung des Botanischen Gartens unerlässlich wurde. Auf dem Areal an der Zollikerstrasse stand dem Botanischen Garten eine Fläche von 56'581m2 zur Verfügung. Das Areal wies klimatisch und topographisch hervorragende Bedingungen auf und schaffte so ideale Verhältnisse und Lebensbedingungen für die unterschiedlichen Pflanzenarten. Zu dem bereits vorhandenen Baum- und Pflanzenbestand wurde unter anderem ein Alpengarten, ein Trockenflussbett sowie Mittelmeerflora angepflanzt.
Für Forschung und Lehre ist der Botanische Garten sehr wichtig. In einem Gebäude im neu errichteten Botanischen Garten wurden das Institut für Pflanzenbiologie und das Institut für systematische Botanik untergebracht. Die beiden Institute haben mit der Anlage nicht nur eine gemeinsame Lehr- und Forschungsstätte erhalten, sondern eine reiche Vielfalt an lebendigem Anschauungsmaterial in der weitläufigen Freilandanlage und den Schauhäusern.
Was besonders ins Auge sticht, sind die Halbkugeln der Schauhäuser. Für die Errichtung der drei kuppelförmigen Schauhäuser wurde eine Fläche von ungefähr 1000m2 in Anspruch genommen. Die Konstruktion aus nicht rostenden dünnen Aluminiumrohren, die die grossflächige Acryl-/Plexi-Verglasung trägt, wurde in den USA entwickelt. Als grösstes Schauhaus wurde das Tropenhaus mit einem Durchmesser von 27m errichtet, das Savannenhaus sowie das Subtropenhaus wurden mit einem Durchmesser von jeweils 23m gebaut. Für das Tropenhaus wurde im Sommer ein mittleres Tagesklima von 25°C (80% relative Luftfeuchtigkeit), für das Savannenhaus ebenfalls ein mittleres Tagesklima von 25°C (50% relative Luftfeuchtigkeit) und für das Subtropenhaus eine Temperatur im Sommer von 22°C (60% relative Luftfeuchtigkeit) geschaffen. Die Besucher durften sich in den neu erstellten Schauhäusern an tropischem Regenwald, Nutzpflanzen und Orchideen (Tropenhaus), an Sukkulenten und Kanarenpflanzen (Savannenhaus) sowie an Farnen, Eukalyptus und Erdbeerbäumen (Subtropenhaus) erfreuen. Im Vergleich zu älteren Gewächshäusern profitierten die drei Schauhäuser aufgrund der schlanken Tragkonstruktion der Dome von einem grossen Lichteinfall. Durch den Einsatz des leicht getönten Plexiglases wurde die Wärmeeinstrahlung vermindert. Eine mehrstufige Lüftungsanlage wurde für die Klimatisierung eingerichtet. Für die Luftbefeuchtung wurden Hochdrucknebeldrüsen eingesetzt. Es wurde eine vollautomatische Steuerungs- und Alarmanlage installiert, um die eng begrenzten Werte zu überwachen und das Innenklima konstant zu halten, unabhängig vom Tagesablauf, Witterungsbedingungen und den Jahreszeiten.
Es zeigt sich, dass die Kuppeln komplexe technische Voraussetzungen erfüllen mussten, um für die Pflanzen optimale Verhältnisse zu schaffen. Der Garten, im Gegensatz zur freien Natur, als ein künstliches oder künstlerisches Phänomen birgt spannende Erkenntnisse, lässt Betrachtungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu und spricht vielfache Interessengruppen an. So zieht der Botanische Garten Botanikerinnen und Botaniker, Studierende, Gärtnerinnen und Gärtner sowie auch Pflanzeninteressierte gleichermassen in seinen Bann und dient als Forschungsgarten, Erholungspark und touristische Attraktion zugleich.
Schweizer Radio und Fernsehen: Blickpunkt vom 23.05.1977, Botanischer Garten Zürich [Ausschnitt]. Copyright: SRF
(UAZ) E.5.1.340 Zeitungsartikel: Botanischer Garten
(UAZ) E.5.1.252 Zeitungsartikel: Neuer Botanischer Garten Zürich (Fernsehsendung)
Rutishauser, Rolf: Zürichs Botanischer Garten. Zürich 1987.
Wirz, Tanja: Fundraising mit Blumen (Rückspiegel). In: UZH Magazin Nr. 1/2014.
Frischknecht, Roland / Joos, Anna / Steeb, Silvia: «Der neue Botanische Garten in Zürich». In: Kunst + Architektur in der Schweiz. Band 67 (2016), Heft 3. doi.org/10.5169/seals-685676 [Stand: 31.05.2022].