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Das Wichtigste in Kürze
Für Fans der alten Rock- und Pop-Helden ist es ein gutes Jahr. Nicht nur, dass die Stones mal wieder ein echt gutes Album gemacht haben, jetzt gibt es sogar auch noch einen "neuen" Song der Beatles aus der Feder von John Lennon.
Es ist keine Seltenheit, das für Jubiläums-Editionen berühmter Alben plötzlich unveröffentlichte Aufnahmen auftauchen und eifrig vermarktet werden. Dass aber ein ganz neuer Song als Single veröffentlicht wird, ist schon recht ungewöhnlich. Vor allem wenn er von der wohl einflussreichsten Pop-Band des Planeten stammt: The Beatles. Und dann wäre da ja noch die nicht zu verachtende Tatsache, dass nur noch zwei der Fab Four am Leben sind. Wie kam es also dazu, dass man nun diese wundervolle, von John Lennon geschriebene und gesungene Ballade "Now And Then" hören kann?
Das kam so: Im Januar 1994 übergab John Lennons Witwe Yoko Ono Paul McCartney zwei Musikkassetten mit privaten Songaufnahmen von John Lennon. Darauf war auch "Now And Then", das Lennon in den später 70ern in seiner Wohnung im New Yorker Dakota Building aufgenommen hatte. Insgesamt waren jedoch vier Songs auf den Tapes. "Grow Old With" war bereits auf dem 1984 postum veröffentlichten Lennon/Oko-Album "Milk and Honey" zu hören. "Free As A Bird" wurde 1994 von den damals noch drei verbliebenen Beatles vollendet und veröffentlicht, "Real Love" im Folgejahr. Blieb noch "Now And Then", das die Beatles vor damals schwer lösbare Probleme stellte: Diese Demo-Aufnahme war nämlich voller Störgeräusche, die logischerweise auf demselben Band waren wie das Klavier und die Vocals von Lennon.
Mit Hilfe neuester Computer-Technik und Künstlicher Intelligenz konnte man diese nun digital rausfiltern und Lennons Stimme freilegen. Überwacht hat diesen Prozess Giles Martin. Er ist der Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin und assistierte diesem schon als Teenager im Studio, als sein Vater langsam sein Gehör verlor, aber immer noch bei den Beatles am Mischpult saß. In den letzten Jahren hat Giles Martin mit dem Segen der Beatles und ihren Erben bereits diverse Alben neu abgemischt, um sie einer jüngeren Zielgruppe schmackhaft zu machen. Martin erklärte den Prozess des KI-Einsatzes so: "Zusammengefasst geht das so: Man nimmt genug Daten und füttert einen Computer, der dann lernt, wie Johns Stimme klingt. Und dann ist man in der Lage, all die überlagernden Töne abzutragen. Das ist wie Archäologie." Die Gitarren zu "Now And Then" hatte George Harrison noch zu Lebzeiten aufgenommen, Paul McCartney und Ringo Starr kamen extra noch einmal ins Studio. So klingt "Now And Then" tatsächlich erstaunlich organisch – wie ein wehmütiger Abschiedsgruß, der in Teilen aus dem Jenseits herübergeweht kommt.