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Kann eine Sharing-Plattform à la Airbnb, Uber, Sharley für Unternehmen als Nutzer und Anbieter interessant sein? Ja!
Von Sharing Economy zu Collaborative Consumption
Das erste Mal verwendete Professor Lawrence Lessig an der Harvard-Universität im Jahr 2008 den Begriff Sharing Economy. Er bezeichnete es als neues Paradigma des Konsums. Die Basis der Sharing Economy war ursprünglich das Teilen ohne den Austausch von Geld, wie es beispielsweise aus dem Couchsurfing-Konzept bekannt ist. Im Lauf der Zeit entstanden viele Geschäftsmodelle, die den ökonomischen Zweck in den Vordergrund rückten und die Sharing Economy in Richtung Collaborative Consumption (Botsman & Rogers, 2010) entwickelte. Begriffe wie die On-Demand Economy, Peer Economy, Ko-Konsum, Collaborative Economy oder Collaborative Capitalism sind im Rahmen der Sharing Economy anzutreffen. Wer mehr über eine kritische Betrachtung der Gig Economy wissen möchte, findet einen interessanten Überblick im Blogartikel Gig Economy auf diginect.
Die Sharing Economy gehört zu den Megatrends
Die Sharing Economy wird als aufstrebender ökonomischer Trend gehandelt. Eine Studie der PwC prognostiziert ein Wachstum des Marktvolumes in der Sharing Economy von USD 15 Milliarden im Jahr 2013 auf USD 325 Milliarden im Jahr 2025. (Aeb, 2016) Das Bundesamt für Statistik veröffentlichte eine Statistik, die zeigt, dass bereits ein Viertel der Schweizer Bevölkerung in Form von Sharing Economy konsumiert. (BFS, 2017)
Sharing Economy im Alltag
Es gibt bereits Geschäftsmodelle zwischen Unternehmen und Kunden (B2C) und Kunden zu Kunden (C2C), die sich etabliert haben. Über Airbnb buche ich ein Appartement für die nächsten Ferien in New York. Mit einem Auto von Sharoo besuche ich Freunde im Tessin oder über Skillharbour biete ich dir mein Backtalent an, dafür kann ich von einem anderen Nutzer die handwerklichen Fähigkeiten für die gleiche Zeit beziehen. Über die Plattform Margrit offeriere ich fremden Personen ein Abendessen gegen Bezahlung an oder lasse jemanden über Croqqer mit meinem Hund spazieren gehen. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten sich in der Sharing Economy zu beteiligen.
Quelle: in Anlehnung an PwC, 2014.
Bei einer genaueren Betrachtung der Anbieter im Bereich Sharing Economy lässt sich erkennen, dass
die Geschäftsmodelle sehr unterschiedlich sind. Es gibt Anbieter wie Mobility oder O-Bike, die eine
eigene Fahrzeugflotte bereitstellen für das Teilen bereitstellen. Wiederum existiert
Sharoo, welche die Fahrzeuge von privaten Personen an andere Private vermittelt. Dies kann von Plattformen unterschieden werden, die den Community Gedanken im Vordergrund sehen und keine monetären Mittel als Austausch für eine Leistung erlaubt ist, als Beispiel Couchsurfing.Quelle: eigene Darstellung.
Die drei Treiber der Sharing Economy
Für die heutige Verbreitung der Sharing Economy sind soziale, ökonomische und technologische Aspekte verantwortlich. Das Bevölkerungswachstum, der Wunsch nach Nachhaltigkeit und Ressourcen zu schonen, beflügeln die Ideen der Sharing Economy. Aus ökonomischer Sicht regte die Wirtschaftskrise 2008 den Trend zum Sharing an, da einige Arbeitnehmer durch Kündigungen oder Kurzarbeit finanziell knapper ausgestattet waren. Über die Sharing Economy erhielten Personen temporären Zugang zu Gegenständen oder Leistungen, die sie sich sonst nicht mehr leisten konnten. Durch das Teilen ihrer Besitztümer (Wohnung, Auto, Fahrrad) generierten einige betroffene der Wirtschaftskrise ein notwendiges Nebeneinkommen.
Der technologische Treiber, der allgegenwärtige Gebrauch von Smartphone und Internet fördern die Logins auf Sharing-Plattformen. Soziale Netzwerke bieten mittlerweile ebenfalls viele Tauschforen für gebrauchte Gegenstände und verbreiten so den Sharing Gedanken. Die immer sichereren und einfacheren Bezahlsysteme auf Plattformen tragen ihren Teil zur erfolgreichen Sharing Economy bei. (Böckmann, 2013)
Neue Potenziale für Unternehmen (B2B)
Sobald eine Unternehmung heutzutage eine Maschine benötigt, gibt es die Optionen Kaufen, Leasen, Mieten, die Produktion outsourcen oder sie über das persönliche langwierig aufgebaute Geschäftsnetzwerk zu organisieren. Die Form des Eigentums hat in weiter Zukunft vielleicht bald ausgedient. Forscher meinen, dass sich die Ressourcen in Zukunft verknappen und es durchaus ein Szenario ist, dass für Unternehmen das Prinzip des Eigentums von Ressourcen nicht mehr allzu lange aufgeht (Belk, 2014, S. 1599). So rückt das Mieten oder das Teilen über ein Netzwerk ins Zentrum. Durch die Sharing Economy erweitert sich das eigene Netzwerk durch ein paar Klicks um ein Vielfaches.
Einerseits kommen immer mehr Vermieter von Maschinen (Geschäftsmodell Vermietung) auf die Idee ihre Produkte auch über Plattformen anzubieten. Andererseits gibt es auch grosse Potenziale zwischen Unternehmen, die nicht die Vermietung als Geschäftsmodell verfolgen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Stellen wir uns einen typischen handwerklichen Schreinerei-Betrieb in der Schweiz vor. Aufgrund eines zusätzlichen grossen Auftrages kommt die Unternehmung kurzfristig an ihre Grenzen. Einerseits fehlen Maschinen in der Produktion, andererseits auch Personal. Die Unternehmung findet durch eine Sharing Plattform eine andere Unternehmung, die gerade weniger ausgelastet ist und bereit ist ihre Maschine oder ihr nicht ausgelastetes Personal gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen.
In der Schweiz existiert bereits die Plattform FaberPlace, in Europa klickrent oder Floow2, die Unternehmen mit Ressourcenengpässen oder -überschüssen einander vermitteln.
In der Logistik kann das Teilen von Leerfahrten einer Unternehmung zusätzliche Erträge einbringen, der anderen Unternehmung den Einsatz von teuren Logistikunternehmen ersparen. In diesem Bereich arbeiten Cargomatic oder Timocom, die in den USA oder in Europa Leerfahrten vermitteln.
In der IT hat sich Sharing etabliert. Benötigt eine Unternehmung eine Serverlösung oder eine neue Software, wird dies meist über Anbieter-Unternehmen als Cloud Lösung offeriert.
Auch die temporäre Erweiterung von Büroräumlichkeiten, Produktionshallen oder Lagerräumen beispielsweise zur Überbrückung von Projekten, ist eine Option durch kurzfristiges Nutzen in fremden Räumlichkeiten. Dies wird unter anderem durch workspace2go oder wework angeboten.
Quelle: eigene Darstellung.
Vor- und Nachteile für Nutzer
Was kann Unternehmen dazu bewegen als Nutzer oder Anbieter an der B2B Sharing Economy teilzunehmen? Es existieren einige Vor- und Nachteile aus beiden Teilnehmerperspektiven.
Vor- und Nachteile für Anbieter
Warum soll sich eine Unternehmung entscheiden, ihre Ressourcen als Anbieter auf einer Sharing Plattform anzubieten? Folgend sind die Vor- und Nachteile für Anbieter aufgelistet.
Kritische Faktoren für eine zukünftige B2B-Sharing Economy
Die Grundprinzipien der Sharing Economy (B2C und C2C) sind gemäss Botsman & Rogers die kritische Masse, überschüssige Kapazität, der Glauben in die Gemeinschaft und Vertrauen zwischen Fremden. Diese Prinzipien können ähnlich auf die Konstellation zwischen Unternehmen (B2B) angewendet werden.
Der Haupttreiber für den Erfolg einer Sharing Plattform ist die kritische Masse an Anbietern und Nutzern, die erreicht werden muss. Ein Unternehmen muss sich entscheiden, an der Sharing Economy teilnehmen zu wollen und sich mit nicht genutzten Ressourcen auseinandersetzen und diese organisiert bewirtschaften.
Die überschüssige Kapazität kann auch als ein Vorurteil, als Zeichen von schlechter Bewirtschaftung oder schlechter wirtschaftlicher Lage eines Unternehmens gedeutet werden. Dies bringt einen kritischen Blick auf eine allfällige Zusammenarbeit mit einer anderen Firma.
Zwischen Unternehmen besteht teilweise ein grosser Konkurrenzdruck und darum ist es verständlich, wenn Unternehmen Vorbehalte haben mit ihrer direkten Konkurrenz zu teilen.
Zudem ist ein Vertrauensaufbau sehr wichtig als Basis für das Teilen von Ressourcen (Hong, Kim, Choi, Lee & Cho, 2014, S. 74). Dies zeigt sich bei guten Geschäftsbeziehungen, die langwierig aufgebaut werden müssen. Ein weiterer Stolperstein bei grossen Unternehmen können die komplexen Prozesse sein. Hier ist es nicht sehr einfach mit einem Sharing Konzept in die eingespielten Abläufe einzugreifen (Ouishare, 2016).
Eine weitere Begründung bezieht sich auf die demografischen Faktoren, dass die Generation Sharing, die Millenials, erst in ein paar Jahren in Führungsetagen präsent sein werden und daher die Option Sharing in Unternehmen noch nicht an den grossen Tischen diskutiert wird. (Entrepreneur, 2016)
So liegt es unter anderem an uns, den Millenials, die Option des Sharing bei unseren Arbeitgebern ins Gespräch zu bringen. Let’s share!
Quellen:
AEB (2016). The sharing economy: are you still buying or already sharing? Abgerufen am 25.11.2017 von https://www.aeb.com/blog/2016/11/15/sharing-economy/
Belk, R. (2014). You are what you can access: Sharing and collaborative consumption online. Journal of Business Research, 67 (8), 1595–1600. doi: https://doi.org/10.1016/j.jbusres.2013.10.001
BFS (2017). Internetnutzung in den Haushalten. Abgerufen am 1.12.2017 von https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-datenbanken/medienmitteilungen.assetdetail.3782199.html
Böckmann, M. (2013). The Shared Economy: It is time to start caring about sharing; value creating factors in the shared economy. 1st IBA Bachelor Thesis Conference, Enschede, Netherlands. Abgerufen am 24.09.2017 von https://static1.squarespace.com/static/58d6cd33f5e231abb448d827/t/58ea595e1b10e3a416e8ab5b/1491753311257/bockmann-shared-economy.pdf
Botsman, R., & Rogers, R. (2011). What’s mine is yours: how collaborative consumption is changing the way we live (Rev. and updated ed). London: Collins.
Entrepreneur (2016). How Millenials are defining the sharing economy. Abgerufen am 1.12.2017 von https://www.entrepreneur.com/article/275802
Hong, S. G., Kim, H. J., Choi, H. R., Lee, K., & Cho, M.-J. (2014). Critical Success Factors for Sharing Economy among
SMEs. In Proceedings of the 2014 International Conference on Applied Mathematics and Computational
Methods in Engineering II (S. 177). Prag. Abgerufen am 1.10.2017 von http://www.inase.org/library/2014/prague/AMCME-EBA.pdf
Klickrent (2017). Sharing Economy goes B2B. Abgerufen am 22.10.2017 von https://magazin.klickrent.de/2017/01/17/sharing-economy-goes-b2b/
Maschinenring Schweiz. (2017). Maschinenvermittlung. Abgerufen am 11. November 2017 von https://www.maschinenring.ch/zentrale-luzern/leistungen-fuer-die-landwirtschaft/maschinen/maschinenvermittlung
OuiShare (2013). Collaborative consumption for business to business. Abgerufen am 20.11.2017 von https://www.youtube.com/watch?v=xjacx1TT1zQ
PwC. (2014). The rise of the sharing economy. Looking ahead, 108–111. Abgerufen am 14.11.2107 von http://thinkers50.com/wp-content/uploads/The-Rise-of-the-Sharing-Economy.pdf