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Szenarien für das Bildungssystem – AnalysenSzenarien 2010-2060 zum Bildungsniveau der Bevölkerung: wichtigste Ergebnisse
Deutliche Erhöhung des Bildungsniveaus der Bevölkerung der Schweiz
Das Bildungsniveau ist der gängigste Indikator, um den Humankapitalbestand eines Landes zu messen. Seine Entwicklung ist von besonderer Bedeutung in einer Welt, die sich schnell verändert, in der das Wissen eine Schlüsselrolle für die globale Wettbewerbsfähigkeit spielt und in der die Gesellschaft immer mehr qualifiziertes Personal benötigt.
Auf individueller Ebene hat das Bildungsniveau einen massgeblichen Einfluss auf die Beschäftigungsperspektiven und bei Personen, die nur über einen Abschluss der obligatorischen Schule verfügen, ist das Prekaritätsrisiko deutlich erhöht.
Mehrere Szenarien zur zukünftigen Entwicklung des Bildungsniveaus werden hier vorgestellt. Soweit dies möglich ist, berücksichtigen sie sowohl bildungsrelevante Entwicklungen innerhalb der Schweiz als auch den migrationsbedingten «Humankapitalfluss». Darüber hinaus können Ergebnisse zur künfigen Entwicklung des Bildungsniveaus der ausländischen Bevölkerung in der Schweiz präsentiert werden.
Das Referenzszenario rechnet mit einem Anstieg des Anteils der Personen mit Tertiärabschluss (Hochschulen und höhere Berufsbildung) bei den 25- bis 64-Jährigen von 35 Prozent im Jahr 2009 auf 50 Prozent bis ins Jahr 2025. Bis im Jahr 2045 wird der Anteil der Bevölkerung mit Tertiärabschluss rund 60 Prozent erreichen. Gemäss dem «hohen» Szenario, wird die 50-Prozent-Schwelle bereits gegen das Jahr 2020 überschritten. Beim «tiefen» Szenario dagegen wird ein Höchstwert von 45 Prozent ungefähr im Jahr 2035 erreicht.
Bei allen Szenarien geht der Anteil der Personen ohne nachobligatorische Ausbildung signifikant zurück (beim Referenzszenario von 13 Prozent im Jahr 2009 auf unter 8% gegen das Jahr 2035). In der ausländischen Wohnbevölkerung dürfte dieser Anteil von 28 Prozent im Jahr 2009 in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf weniger als 20 Prozent sinken.
Aktualisierung: 1. Juli 2010
Achtung: Aktualisierte Ergebnisse bis 2022 sind auf der folgenden Seite verfügbar.
Künftige Entwicklung des Bildungsniveaus der Gesamtbevölkerung der Schweiz
Das Bildungsniveau der Bevölkerung der Schweiz dürfte sich unabhängig vom gewählten Szenario in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Gemäss dem mittleren Szenario dürfte der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss in der Bevölkerungsgruppe der 25- bis 64-Jährigen von 35% im Jahr 2009 bis 2025 auf ein Niveau von 50% steigen und bis 2045 nahezu 60% erreichen. Diese für ein mittleres Szenario starke Zunahme ist jedoch nicht wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Tertiärabschlussquote 2007 50% betrug, was bedeutet, dass in 30 bis 40 Jahren auch ohne Erhöhung der Abschlussquote ein Stand von rund 50% erreicht werden wird. Der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss erreicht beim hohen Szenario die Schwelle von 50% vier Jahre früher als beim mittleren Szenario, also bereits 2021. Dieser Prozentsatz würde dann bis 2030 auf 60% steigen und ab 2040 würden mehr als zwei Drittel der Bevölkerung über einen Tertiärabschluss verfügen. Gemäss dem tiefen Szenario würde der Anteil der Personen mit Tertiärausbildung deutlich schwächer zunehmen und bis 2035 einen maximalen Stand von 46% erreichen.
Alle drei Szenarien gehen also von einer Zunahme des Anteils von Personen mit Tertiärabschluss um 10 bis 30 Prozentpunkte in den kommenden 15 Jahren aus. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass bei einer Interpretation dieser hohen Tertiärabschlussquoten der bedeutende Beitrag der höheren Berufsbildung zur Zahl der Diplomierten auf Tertiärstufe zu berücksichtigen ist.
Aufgrund der schrittweisen Erneuerung der im Allgemeinen wenig gebildeten Generationen durch Generationen mit einem sehr hohen Anteil an Personen, die einen nachobligatorischen Bildungsgang absolviert haben, sinkt der Anteil der 25- bis 64-jährigen Personen ohne abgeschlossene nachobligatorische Ausbildung unabhängig vom Szenario praktisch während des gesamten Beobachtungszeitraums. Beim mittleren Szenario reduziert er sich von 13% im Jahr 2009 auf unter 8% gegen 2035. Beim hohen Szenario wird ungefähr 2040 die Grenze von 5% erreicht, während der Anteil der Personen ohne nachobligatorische Ausbildung beim tiefen Szenario ungefähr im Jahr 2025 auf 10% sinkt und dann stagniert.
Bildungsniveau der Bevölkerung ausländischer Nationalität
Die Entwicklung des Bildungsniveaus der ausländischen Bevölkerung ist schwieriger vorherzusagen, weil es von einer grossen Zahl von Faktoren beeinflusst wird: Dazu gehören die Integration der Ausländerinnen und Ausländer und der Studienerfolg der in der Schweiz geschulten ausländischen Bevölkerung; Humankapitalfluss; Veränderungen der ausländischen Bevölkerungsstruktur und Auswirkung dieser Veränderungen auf zukünftige Generationen.
Durch den Import von Humankapital hat der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss innerhalb der ausländischen Bevölkerung in den letzten Jahren stark zugenommen und 2009 den Stand von 34% erreicht, der fast demjenigen der schweizerischen Bevölkerung entspricht. Gemäss dem mittleren Szenario dürfte der Anteil ausländischer Personen mit Tertiärausbildung letztlich 50% betragen. Beim hohen Szenario dürfte sich der Anteil der ausländischen Bevölkerung mit Ausbildung auf Tertiärstufe sehr ähnlich entwickeln wie derjenige der schweizerischen Staatsangehörigen; Gründe dafür wären die Zuwanderung sehr gut qualifizierter Personen sowie eine zunehmende Angleichung der Bildungswahrscheinlichkeiten von ausländischen und schweizerischen Personen. Gegen 2040 dürfte der Anteil der ausländischen Bevölkerung mit Tertiärabschluss 70% betragen.
Der Hauptunterschied zu den Schweizerinnen und Schweizern betrifft den Anteil der Personen ohne abgeschlossene nachobligatorische Ausbildung, der 2009 für die ausländische Bevölkerung 28% betrug (gegenüber 8% bei den Schweizerinnen und Schweizern). Dieser Anteil dürfte unabhängig vom Szenario sinken, da wenig gebildete Generationen nach und nach erneuert werden. Sie werden abgelöst durch besser ausgebildete Jugendliche und durch eine Zuwanderung mit einem niedrigeren Anteil an Personen ohne nachobligatorische Ausbildung. Der Anteil der ausländischen Personen ohne nachobligatorische Ausbildung dürfte demnach in 10 bis 15 Jahren auf 20% gesunken sein. Allerdings geht nur das hohe Szenario davon aus, dass sich der Anteil der Personen ohne nachobligatorische Ausbildung in der ausländischen Bevölkerung zunehmend dem Niveau der Schweizerinnen und Schweizer angleicht und bis 2035 auf unter 10% sinkt. Bei den andern Szenarien bleibt ein Sockel von 12% bis 15% von ausländischen Personen ohne nachobligatorische Ausbildung bestehen.
Bildungsniveau der “in der Schweiz geschulten“ ausländischen Bevölkerung
Die oben dargelegten Entwicklungen sind von zwei Komponenten beeinflusst: von der Zuwanderung von Humankapital und von der Integration und damit auch vom Bildungsprozess der ausländischen Bevölkerung in der Schweiz. Man weiss einerseits, dass die zugewanderte Bevölkerung sehr gut gebildet ist, stellt andererseits aber auch fest, dass 20% der 18- bis 24-jährigen Ausländerinnen und Ausländer über keinen nachobligatorischen Bildungsabschluss verfügen (gegenüber 5% in der Bevölkerung schweizerischer Nationalität).
Wenn man diejenigen Ausländerinnen und Ausländer, die vor dem Alter von 17 Jahren in die Schweiz gekommen sind oder hier geboren wurden, betrachtet, dann zeigt sich, dass der Anteil der Diplomierten auf Tertiärstufe in dieser Bevölkerungsgruppe deutlich tiefer ist als in der gesamten ausländischen Bevölkerung. Zudem hat er zwischen 2003 und 2009 nur gerade um 2,9 Prozentpunkte zugenommen (gegenüber 9% für alle Ausländerinnen und Ausländer). Gemäss dem mittleren Szenario dürfte der Anteil der Tertiärdiplomierten unter den in der Schweiz geschulten Ausländerinnen und Ausländern deutlich langsamer ansteigen als jener der gesamten ausländischen Bevölkerung und sich von 17% im Jahr 2009 letztlich auf 30% erhöhen (gegenüber 50% für die gesamte ausländische Bevölkerung der Schweiz). Dies weist darauf hin, dass der heutige und zukünftige Anstieg des Bildungsniveaus der ausländischen Bevölkerung zu einem grossen Teil «exogenen» Trends zuzuschreiben ist und dass das Bildungsniveau der in der Schweiz geschulten Ausländerinnen und Ausländer deutlich langsamer steigt.
Ergebnisse für Personen in Ausbildung
Interessant ist dabei, wie diese Vorausschätzungen die 10-Jahres-Szenarien für das Bildungssystem verlängern und wie hoch ungefähr die Studierendenbestände sein werden, die zu den oben ausgeführten Entwicklungen des Bildungsniveaus führen.
Aus verschiedenen Gründen sind jedoch nur approximative Vergleiche möglich; es wurden unterschiedliche Quellen und Populationen verwendet (hier wurden die Vorausschätzungen für die gesamte Tertiärstufe vorgenommen und danach für die Hochschulen umgerechnet). Das mittlere Szenario 2010–2060 führt zu ganz ähnlichen Ergebnissen für die Hochschulen wie die Szenarien 2010–2019: ein Anstieg der Studierendenbestände, der sich ab etwa 2012 verlangsamt. Gemäss dem mittleren Szenario dürfte die Zahl der Studierenden in den darauffolgenden Jahrzehnten bei 210'000 bis 230'000 verharren, da im Bildungssystem keine Entwicklung erfolgt und sich die Bevölkerungsgruppe der 20- bis 24-Jährigen nur wenig verändert. Ein Anteil von 60% Personen mit Tertiärabschluss in der Bevölkerung (siehe oben) würde demnach erreicht, ohne dass die Studierendenbestände gegenüber den heute gemessenen Zahlen um mehr als 15% zunehmen.
Ganz anders sehen die Ergebnisse des hohen und des tiefen Szenarios aus. Im ersten Fall steigen die Studierendenbestände an den Hochschulen unter dem Eindruck eines starken Bevölkerungswachstums und einer deutlich verstärkten Teilnahme an der Tertiärstufe kontinuierlich an: Bereits im Jahr 2030 dürfte die Zahl von 300'000 Studierenden erreicht werden und ab 2040 würde die Grenze von 350'000 überstiegen. Beim tiefen Szenario führen der Rückgang der Bevölkerungszahlen und ein schwächerer Zulauf zu den Hochschulen dazu, dass sich die Studierendenbestände verkleinern und bis in 35 Jahren unter die Schwelle von 150'000 fallen. Die Varianten A-15-2010 («mittlere Bevölkerungshypothesen und hohe Bildungshypothesen») und A-16-2010 («mittlere Bevölkerungshypothesen und tiefe Bildungshypothesen») zeigen, dass die Anzahl Studierender an den Hochschulen alleine aufgrund einer verstärkten beziehungsweise verminderten Studienaufnahme in 30 Jahren auf maximal 300'000 steigen oder aber auch auf einem Niveau stagnieren könnten, das rund 10% unter dem heutigen liegt.
Weiterführende Informationen
Auskünfte:
Bildungsperspektiven, Jacques Babel, BFS, Sektion Bildungssystem, Tel.: +41 58 46 36381