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Namibia - St. Helena - Salvador da Bahia (Brasilien)
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Am 10.04.2006 verlassen wir
Walvis Bay und segeln in Richtung St. Helena. Es ist regnerisch und
in der Nacht so kalt, dass wir sogar Handschuhe und Mützen anzie-hen müssen. Der kalte Benguelastrom vor der
Afrikanischen Küste macht sich bemerkbar. In der Nacht vom 17.4.
auf den 18.4. auf meiner Wache höre ich einen lauten Knall. Der
Reacher (grosses Vorsegel) flattert, saust herunter und taucht ins Wasser.
Ich bin am Steuer und muss erst die beiden Männer wecken, damit
sie das Segel bergen können. Mit einer kurzen aber intensiven Anstrengung
gelingt es das schwere Tuch an Deck zu hissen und an der
Seereling zu fixieren. Das Fall (Seil an welchem das Segel hochgezogen
wird) wurde oben am Mast durchgescheuert.
Beim Morgengrauen sollten wir
eigentlich St.
Helena sehen können, aber die Wolken hängen tief und Regenschauer
behindern die Sicht. Später klart es auf und die Insel ragt wie
ein Klotz mit beinahe senkrechten Felswänden aus dem Meer. Wir ankern
vor der Hauptstadt Jamestown, welche eingeklemmt in einem engen
in die Felsmassen eingekerbten bis zum Meer reichenden Tal
liegt. Das Versorgungsschiff die St. Helena ist kurz vor uns angekommen.
Es bringt der Insel alle 2-4 Wochen die benötigten Lebensmittel und Konsumgüter
und stellt die Verbindung für die Einheimischen und einige wenige
Touristen nach Ascension und Südafrika sicher. Ein Flugplatz ist
geplant, wird aber unter den Bewohnern recht kontrovers diskutiert.
Der Ankerplatz ist sehr rollig, wir schaukeln Tag und Nacht
und die Wellen klatschen an die ferne Kaimauer. Das Anlanden mit dem
eigenen Beiboot ist nicht ratsam. Ein kleines Fährboot holt die einheimischen Fischer und Segler ab und fährt
sie an Land. Am Kai ist eine hohe Querstange mit pendelnden dicken Stricken montiert.
Wenn das Boot nahe genug an der Mauer ist, packt man einen Strick, wartet auf
einen Wellenkamm und schwingt sich aufs sichere Land (Tarzan lässt grüssen).
Das Leben auf St. Helena ist gemächlich, alles braucht seine Zeit. Bewacht
von alten Festungen dämmert der verschlafene Hauptort vor sich hin. Niemand
läuft schnell, alle schlendern. Die Leute sind sehr freundlich und schwatzen
gerne ein Bisschen. Die Einklarierungs Taxen müssen in St. Helenapfund bezahlen
werden. Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Die Lokale Währung bekommen
wir als Cash Advance auf der kleinen Bank. Das St. Helenapfund entspricht dem
Englischen. Aber nur Noten und Münzen mit dem Aufdruck oder Prägung St.
Helena sind hier gültig.
Napoleon hat seine letzen Lebensjahre in Verbannung auf St. Helena verbracht.
Wir besuchten sein Grab (er ist allerdings später in Paris beigesetzt worden)
und seinen Wohnsitz im Innern der Insel. Eigentlich hat er hier nicht schlecht
gelebt aber eben in Verbannung ohne Möglichkeiten zur Flucht.
Die Inselstrasse windet sich den steilen Hängen nach (meistens nur 1½ spurig)
bis auf ein Hochplateau mit atemberaubender Aussicht über die Insel und
das Meer. Tropische Vegetation, sattgrüne Wiesen, eingeschnittene Täler
und bizarre Felsformationen prägen die Landschaft. Viehhaltung, Gemüse-
und Früchteanbau wären möglich, aber die „Saints“,
wie sich die Einwohner nennen, mögen keine solchen Anstrengungen. London
schickt Geld und die Versorgung kommt (angeblich kostengünstiger als der
Selbstanbau) aus Südafrika.
Nicht unerwähnt bleiben darf die Jakobsleiter, welche vom Hafen extrem steil
mit 700 Treppenstufen zur 200m höher gelegenen Festung führt.
Schon das Runterschauen ist schwindelerregend und auf den Fitnesstest der Besteigung
habe ich verzichtet. Die Schulkinder, so wurde uns gesagt, rutschen auf den Geländern
runter.
Nach einer knappen Woche vor Anker setzten wir wieder Segel. Die Windrichtung
ist für unseren Kurs ungünstig, wir müssen vor dem Wind kreuzen
(Wind von hinten, so dass ein Zick-Zack-Kurs gesegelt werden muss). Dies braucht
mehr Zeit und ist eine längere Strecke. Unser Ziel in Brasilien ist nicht
wie ursprünglich geplant Recife, sondern Salvador da Bahia. Unser Motor
hatte schon längere Zeit immer wieder Mühe auf eine höhere Tourenzahl
zu kommen, mehr Gas brachte Nichts. Viele Mechaniker in diversen Ländern
werkelten daran, tauschten Teile aus oder veränderten Einstellungen. Doch
nichts half. Das Problem konnte somit nur noch am Propeller liegen. Um diesen
zu Ersetzen müssen wir das Schiff aus dem Wasser heben. Der einzige Ort
mit einem genug grossen Lift ist in der Bahia Marina Salvador.
Die Überfahrt ist problemlos. An den übliche Wacherhythmus gewöhnen
wir uns schnell und steuern meistens von Hand. Ich kann schon nach 2 Tagen die
Medikamente gegen die Seekrankheit weglassen. Es ist Leermond und die Nächte
rabenschwarz. Es ist so dunkel, dass einzelne Sterne Lichtstreifen auf das Wasser
zeichnen. Ich war fasziniert, dass das Wasser ein anderes Schwarz als der Himmel
hat und der Horizont immer zu erkennen war. Schwarz ist nicht gleich schwarz.
Nach 14½ Tagen erreichen wir bei Sonnenuntergang die Baìa de
Todos os Santos und laufen bei Dunkelheit in die Bahia Marina von Salvador
da Bahia ein, wo uns am Steg die Marinaangestellten erwarten und unsere Leinen
abnehmen und befestigen.
1549 wurde Salvador im Auftrag des Portugiesischen Königs erbaut und blieb
Hauptstadt der Kolonie bis 1763 Rio de Janeiro diesen Titel bekam. Zuckerrohrexport,
Tabakanbau, Viehzucht und später Gold- und Diamantenminen im Innern des
Landes brachten der Stadt Reichtum. Aber man brauchte auch viele Arbeitskräfte.
So wurde Salvador zum Importhafen afrikanischer Sklaven. Noch heute sind die
meisten Bewohner Bahias von dunkler Hautfarbe und die afrikanischen Traditionen
leben in Tänzen, in religiösen Bräuchen sowie kulinarisch weiter.
Neben der modernen Stadt mit Hochhäusern (Salvador hat 2,4 Millionen Einwohner)
gibt es die Altstadt, Cidade Alta oder Pelourinho genannt.. Hier drängen
sich an kopfsteingepflasterten, teilweise sehr steilen Gassen und Plätzen
die alten Häuser und die zahlreichen Kirchen. Leider besteht ein grosser
Renovatiosbedarf. Prunkvolle goldene Altäre und Figuren sind im Innern der
Kirchen zu sehen. Zahlreiche Läden, Restaurants und Bars verlocken zum Kaufen
und Konsumieren. Abends gibt’s Musik auf den Plätzen, es wird getanzt
und gefeiert. Es herrscht eine fröhliche ausgelassene Stimmung bis tief
in die Nacht hinein.
Aber es liegen auch Obdachlose und Strassenkinder auf Türschwellen und Bänken.
Gelegentlich wird man angebettelt und es ist nicht empfehlenswert Wertgegenstände,
eine gute Uhr oder viel Bargeld mitzutragen. Durch die auffällige Polizeipräsenz
ist die Kleinkriminalität allerdings stark zurückgegangen.
Salvador ist eine lebensfrohe und jetzt wegen der laufenden Fussball WM mit gelben
und grünen Fähnchen dekoriert, eine noch buntere Stadt.
Von Salvador aus haben wir eine Landreise süd- und südwestwärts
gemacht. Darüber werde ich in meinem nächsten Bericht schreiben.

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