Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/1423

Als Patricia Highsmith ihren autobiographisch unterfütterten Roman «Carol» 1952 zum ersten Mal veröffentlichte, hiess er noch «The Price of Salt» und Highsmith publizierte ihn unter dem Pseudonym Claire Morgan.
Nun spielt Cate Blanchett für Todd Haynes die Carol, die schöne, in einer standesgemässen Ehe gefangene Frau, in die sich Hals über Kopf die junge Departement-Store-Verkäuferin Therese Belivet (Rooney Mara) verliebt. „Cannes 15: CAROL von Todd Haynes“ weiterlesen
Als Nanni Moretti mit Michel Piccoli Habemus Papam (2011) drehte, starb seine Mutter, eine beliebte Latein- und Griechischlehrerin. Und so wie Moretti mit La stanza del figlio schon zehn Jahre früher Trauerarbeit leistete, wollte er es jetzt wieder tun.
Allerdings spielt er den Regisseur, der sich gleichzeitig um die sterbende Mutter, einen Filmdreh in Schieflage und einen mühsamen amerikanischen Schauspieler kümmern muss, diesmal nicht selber. Er hat die Rolle mit drei Ko-Autorinnen zusammen für die grossartige Margherita Buy geschrieben. „Cannes 15: MIA MADRE von Nanni Moretti“ weiterlesen
Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Gus van Sant Peter Liechtis The Sound of Insectsgesehen hat. Jedenfalls wirkt sein Film wie eine für Disney oder Spielberg aufgepeppte und amerikanisierte Version davon: Das Wesentliche ist auf poetische Schlagworte reduziert, die dramatischen Momente auf maximalen Einschlag zugespitzt.
Matthew McConaughey spielt den Amerikaner Arthur Brennan, zu Beginn des Films stellt er sein Auto am Flughafen ab, lässt den Schlüssel stecken, das Parkingticket auf dem Sitz liegen und checkt ohne Gepäck ein auf einen Flug nach Tokyo. Sein Ziel ist der Aokihagara, jener Wald am Fusse des Fujiama, der einerseits ein geschlossenes Naturreservat ist, andererseits aber seit den sechziger Jahren und einigen literarischen Aufarbeitungen auch ein beliebtes Ziel für suizidale Menschen. „Cannes 15: THE SEA OF TREES von Gus van Sant“ weiterlesen
Kino im Kopf, am Mikrofon ist Brigitte Häring. Cineasten der Welt schauen dieser Tage wieder nach Cannes, wo grosse Regiestars und junge Talente ihre neuen Filme präsentieren. Wir hören hin, was Michael Sennhauser aus Cannes berichtet. Aber auch hier läuft Vieles im Kino: zum Beispiel der Film «Sous les jupes des filles». Michael Sennhauser hat die Schauspielerin und Regisseurin Audrey Dana getroffen. Ausserdem in der Rolle: die wöchentlichen Kurztipps und ein klingendes Tonspurrätsel.
Es ist ein ziemlicher Brocken, den das Festival dieses Jahr zur Eröffnung ausgewählt hat. Aber der Film ist gut. Catherine Deneuve spielt eine Jugendrichterin, welche die Delinquenten-«Karriere» des jungen Malony über zehn Jahre geduldig und formend begleitet.
Schon die erste Szene des Films macht deutlich, was für eine Geduld nötig sein wird. Die Mutter des Sechsjährigen lässt diesen völlig aufgelöst im Büro der Richterin zurück, weil sie einfach überfordert ist von seiner Aggressivität und dem Schreien seines kleinen Halbbruders in ihren Armen. Dabei sitzt Malony da wie ein kleiner Engel, und als die Mutter weg ist, kullert ihm eine einzige Träne über die Backe. „Cannes 15: LA TÊTE HAUTE von Emmanuelle Bercot“ weiterlesen
Kino im Kopf – heute mit Michael Sennhauser in der Vorführkabine. Mit Russel Crowe und seinem Nachkriegs-Drama The Water Diviner. Mit Arami Ullón aus Paraguay und ihrem Dokumentarfilm El tiempo nublado. Und mit einem Ausflug in den Berliner Martin-Gropius-Bau, wo eine grosse Ausstellung an den grossen Rainer Werner Fassbinder erinnert. Orson Welles wäre diese Woche 100 geworden. Wir haben die Kurztipps wie immer. Und eine Tonspur aus längst vergangenen Kino-Tagen.
El tiempo nublado von Arami Ullón. Eine Filmemacherin dokumentiert ihr Dilemma zwischen Pflege der Mutter in Paraguay und ihrem eigenen Leben in der Schweiz und lässt dabei etwas völlig Neues entstehen.
X and Y von Morgan Matthews. Ein leicht autistischer Junge findet seinen Platz im Mathematik-Olympia-Team und im Leben. Die Hollywood-Dramaturgie kann dem britischen Film den Realismus zum Glück nicht austreiben. Und die Schauspieler, Asa Butterfield, Rafe Spall, Eddie Marsan und vor allem Sally Hawkins, sind grossartig.
Ex Machina von Alex Garland. Ein junger Programmierer verfällt einer verführerischen künstlichen Intelligenz in diesem raffinierten Turing-Test von einem Film.
Les combattantsvon Thomas Cailley. Eine junge Frau bereitet sich auf den Weltuntergang vor, ein junger Mann schenkt ihr die Aussicht auf eine neue Welt. Ein erstaunlicher Film aus Frankreich, der Zukunftsangst zu einer positiven Kraft macht.
Theeb von Naji Abu Nowar. Der erste Weltkrieg im nahen Osten, im Wadi Rum, von weitem erlebt mit den Augen eines Beduinenjungen, dessen Name «Wolf» bedeutet. Fast alles an diesem Film ist anders.
Und morgen mehr im Filmpodcast, zu The Water Diviner, El tiempo nublado, Orson Welles und Rainer Werner Fassbinder.
Kino im Kopf – heute mit Michael Sennhauser, mit dem leicht autistischen Nathan in X and Y aus England, den französischen Elektro-DJs in Mia Hansen-Løves Eden, einem Blick auf das schwul-lesbische Filmfestival Pink Apple und mit einem Besuch bei den Mumins an eben diesem Festival. Die Tonspur schlägt eine Brücke in die Kinogeschichte, und unsere Kurztipps schliesslich helfen Ihnen beim Planen.