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Das Wichtigste in Kürze
- Regisseur Ruben Östlund nach 2017 zum zweitem Mal mit Hauptpreis ausgezeichnet.
Die Jury zeichnete seine Gesellschaftssatire «Triangle of Sadness» am Samstagabend mit der Goldenen Palme aus. Den Grossen Preis der Jury teilten sich der belgische Regisseur Lukas Dhont («Close») und die französische Filmemacherin Claire Denis («Stars at Noon»). Als beste Schauspieler wurden die Iranerin Sar Amir Ebrahimi und der Südkoreaner Song Kang Ho ausgezeichnet.
«Wir hatten das Ziel, einen spannenden Film für das Publikum zu machen und zum Nachdenken anzuregen», sagte Östlund, als er die mit hundert Diamanten besetzte goldene Trophäe entgegennahm. Der 48-jährige Regisseur hatte bereits 2017 mit seinem Film «The Square» die Goldene Palme in Cannes gewonnen.
«Die gesamte Jury war extrem schockiert von diesem Film», sagte Jury-Präsident Vincent Lindon bei der Preisverleihung über den diesjährigen Gewinnerfilm, in dem unter anderem die deutsche Schauspielerin Iris Berben und Hollywood-Star Woody Harrelson mitspielen.
«Triangle of Sadness» handelt von Models und Superreichen, deren Reise auf einem Luxuskreuzfahrtschiff ein katastrophales Ende nimmt. Eine Szene, in der ausgiebig gezeigt wird, wie sich die Gäste des Schiffs übergeben und an heftigem Durchfall leiden, hatte bei der Premiere in der vergangenen Woche für reichlich Gesprächsstoff in Cannes gesorgt. Der Film wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert.
Die im französischen Exil lebende Iranerin Sar Amir Ebrahimi wurde bei der Gala am Samstagabend für ihre Rolle in «Holy Spider» als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Ebrahimi war vor 16 Jahren nach einer Verleumdungskampagne über ihr Liebesleben aus ihrer Heimat geflohen.
Der Preis für den besten Schauspieler ging an den aus dem Film «Parasite» bekannten Südkoreaner Song Kang Ho, der die Jury in Cannes als Hauptdarsteller des Films «Broker» überzeugte. Als bester Regisseur wurde der Südkoreaner Park Chan Wook geehrt, der mit seinem Film «Decision to Leave» im Wettbewerb in Cannes angetreten war.
Um die Goldene Palme in Cannes hatten insgesamt 21 Filme konkurriert. Ein deutscher Beitrag war nicht im Rennen. Zu der neunköpfigen Jury unter der Leitung des französischen Schauspielers Lindon gehörten unter anderem der iranische Regisseur Asghar Farhadi, sein norwegischer Kollege Joachim Trier und die britische Schauspielerin und Filmemacherin Rebecca Hall.
Bereits am Vormittag hatte «All That Breathes» von Shaunak Sen über die Rettung von Greifvögeln in Neu Delhi die Auszeichnung «L'Oeil d'Or» für den besten Dokumentarfilm erhalten. Mit der Ehren-Palme wurde in diesem Jahr Hollywood-Star Forest Whitaker für sein Lebenswerk geehrt.
Vergangenes Jahr hatte das unkonventionelle Fantasy-Drama «Titane» der französischen Filmemacherin Julia Ducournau die Goldene Palme gewonnen. Es war erst das zweite Mal in der Geschichte des Festivals, dass ein Film unter der Regie einer Frau mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde.
Die diesjährigen Filmfestspiele standen im Zeichen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. In Cannes stellten sowohl der ukrainische Regisseur Sergej Losniza als auch der Russe Kirill Serebrennikow, der inzwischen in Berlin lebt, ihre neuen Filme vor. Auch der posthum vollendete Film des im April in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol getöteten litauischen Filmemachers Mantas Kvedaravicius wurde in Cannes gezeigt.
Bei der Eröffnungszeremonie vor knapp zwei Wochen war überraschend der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj zugeschaltet worden. In seiner Ansprache hatte er an die Filmwelt appelliert, sie müsse gegen den Krieg in der Ukraine «die Stimme erheben».
Das berühmte Festival an der Côte d'Azur feierte in diesem Jahr seine 75. Ausgabe. Dazu fand am Dienstagabend eine Gala mit Stars wie Sophie Marceau, Kristen Stewart, Diane Kruger und Guillermo del Toro statt.
Für Glamour an der Croisette sorgten dieses Jahr auch Hollywood-Produktionen wie die Filmbiografie «Elvis» von Baz Luhrmann und der Actionstreifen «Top Gun: Maverick» mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Vergangenes Jahr war das Festival in Cannes wegen der Corona-Pandemie in den Sommer verlegt worden, 2020 musste es Corona-bedingt ausfallen.