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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Vierzehnte Unterredung, welche die elfte des Abtes Nesteros ist, über die geistliche Wissenschaft.
15. Einwurf, daß viele Unreine die Wissenschaft haben und Heilige sie nicht besitzen.
Germanus: Jene Lehre stützt sich, wie uns scheint, keineswegs auf Wahrheit, noch fußt sie auf einem annehmbaren Grunde. Denn da es offenbar ist, daß Alle, welche den Glauben Christi entweder gar nicht annehmen oder ihn durch ruchlose Fälschung der Dogmen verderben, unreinen Herzens sind, wie haben dann viele Juden und Häretiker oder auch Katholiken, die in verschiedenen Lastern sich wälzen, eine vollkommene Kenntniß der Schriften erlangt und rühmen sich der Größe ihrer geistlichen Wissenschaft, während eine unzählige Menge heiliger Männer, deren Herz von aller Befleckung der Sünden gereinigt ist, sich begnügt mit der Reinheit des einfältigen Glaubens und die Geheimnisse einer tiefen Wissenschaft nicht kennt? Wie soll also jene Lehre Stand halten können, welche die geistliche Wissenschaft nur der Herzensreinheit zutheilt?