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Nach Ende der vergangenen Saison zog der EV Zug sein Farmteam EVZ Academy aus dem Spielbetrieb der Swiss League zurück. Dies war wohl eine Folge dessen, dass sich die Swiss League eigenständig machen und dabei ohne Farmteams auskommen wollte. Dies richtete sich in erster Linie gegen die EVZ Academy und die HCB Ticino Rockets, letztere durften schlussendlich nach einem langen Hin und Her in der Liga verweilen.
Über die Gründe für den Rückzug des Farmteams zu spekulieren, ist jetzt jedoch nicht mehr nötig. Fakt ist aber, dass den Zugern genau dieses Farmteam fehlt. In dieser Saison gab es bereits mehrere Situationen, in denen dies deutlich wurde und sich das Fehlen des Sprungbretts Swiss League bemerkbar gemacht hat:
Keine Spielpraxis für Spieler aus der zweiten Reihe auf Profistufe
Dies betrifft Spieler, welche zwar im Profikader stehen, aber bei Vollbesetzung keinen Platz im Line-Up finden. Dies trifft in erster Linie auf die Verteidiger Dario Wüthrich (23), Rémi Vogel (21) und Arno Nussbaumer (20) sowie die beiden Stürmer Luca de Nisco (22) und Daniel Neumann (20) zu.
Genau diese Spieler konnten in der Vergangenheit vom Zuger Farmteam profitieren. Sie konnten in der Swiss League Stück für Stück an den Profibetrieb herangeführt werden und konnten bei Bedarf nahtlos ins NL-Kader eingefügt werden. Die jungen Spieler profitierten davon, weil sie in der Swiss League Spielpraxis in einem Team sammeln konnten, in dem sie eine feste Rolle hatten und Verantwortung übernehmen konnten. Der EVZ profitierte seinerseits, weil man bei Verletzungen schnell reagieren konnte und einen Spieler ins Fanionteam holen konnte, der sich nicht zuerst ans (im Vergleich zur U20-Elite) wesentlich höhere Niveau gewöhnen muss. Diese Möglichkeit gibt es nun nicht mehr. Die Konsequenz? Die Spieler werden bei anderen Teams platziert, wo der EVZ die Entwicklung der Spieler nicht mehr unter Kontrolle hat. Dario Wüthrich spielte zuerst drei Monate beim Ligakonkurrenten in Ambri, nun spielt er seit Mitte Januar beim EHC Visp in der Swiss League. Rémi Vogel pendelte bis Weihnachten zwischen Fanionteam und U20-Elite, ehe er nun Ende Januar in die Swiss League zum HC La Chaux-de-Fonds ausgeliehen wurde. De Nisco war bis Anfang Dezember sogar Stammspieler im Fanionteam, nun spielt er auf Leihbasis beim SL-Topteam EHC Olten. Wie Wüthrich und Vogel ist die Leihe auch bei De Nisco bis Saisonende angesetzt. Die drei Spieler müssen sich nun also in einer bereits gefestigten Mannschaft zu Recht finden, in der sie in erster Linie für etwas sorgen: Kadertiefe. Natürlich ist das besser als Einsätze in der U20-Elite, aber sie haben unter Umständen nicht den gleichen Effekt wie bei der EVZ Academy, da sie meist weniger Verantwortung übertragen bekommen haben. Ob sich die Leihe gelohnt hat, wird sich zeigen. Während Vogel und Wüthrich mittlerweile regelmässig Eiszeit erhalten, hatte De Nisco zuletzt eher eine Nebenrolle inne und war beim Playoff-Auftakt des EHCO gegen den SC Langenthal überzählig.
Schon gar nicht mehr zum Kader gehört Daniel Neumann. Der deutsche Center mit Schweizer Spiellizenz wurde an den DEL-Club Schwenninger Wild Wings ausgeliehen. Neumann wurde dort mehrheitlich als Center in der zweiten oder dritten Linie eingesetzt und konnte überzeugen. Nun hat er einen Vertrag bis 2025 bekommen und wird somit nicht mehr nach Zug zurückkehren.
Keine direkte Verstärkung für das NL-Team bei Verletzungen
Dieser Punkt schliesst an das vorherige Argument an und ist eine direkte Folge dessen. Insbesondere im vergangenen November, als sich Abwehrchef Niklas Hansson und dessen Verteidigerkollegen Samuel Kreis und Nico Gross innert kürzester Zeit verletzten, war die Verunsicherung im Zuger Defensivverbund noch deutlicher spürbar als ohnehin schon. Ihre Stellvertreter Rémi Vogel und Arno Nussbaumer machten ihre Sache zwar sehr ordentlich, man merkte ihnen aber den Niveauunterschied zu Beginn an. Beide Spieler spielten zuvor mehrheitlich in der U20, womit eine Berufung ins Profiteam einem grossen Niveauunterschied gleichkam.
Wie schon bei ersten Punkt erwähnt, fehlt diesen Spieler die Spielpraxis auf Stufe National League oder Swiss League. Dadurch ist es für solche Spieler auch schwieriger, einen direkten Impact zu machen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Fehlen von verletzten Stammspielern oder Starspielern mehr ins Gewicht fällt.
Dazu lohnt sich ein Vergleich zur Vorsaison. Am 26. Oktober 2021 tritt der EV Zug mit einem Rumpfteam zum Auswärtsspiel beim Lausanne HC an. Die Sturmreihen drei und vier bestehen ausschliesslich aus Academy-Spielern: Luca De Nisco, Dario Allenspach, Daniel Neumann, Simon Wüest, Devin Stehli und Valentin Hofer. Trotzdem zeigt der EVZ einen beherzten Auftritt, zeigt gute Offensivaktionen und auch die Academy-Spieler – insbesondere Daniel Neumann – können positiv auf sich aufmerksam machen. Der EVZ gewinnt das Spiel dank einem Lino-Treffer in der Overtime mit 3:4. Auch in den Spielen danach gelingt es dem Team, die verletzungsbedingten Absenzen so gut wie möglich zu kompensieren. Diese sechs Stürmer kamen aufgrund von Verletzungen während der Saison zu mehreren Einsätzen und machten einen guten Job.
In dieser Saison tritt der EVZ am 26. November 2022 mit einer geschwächten Defensive zum Auswärtsspiel in Rapperswil an. Statt Niklas Hansson, Nico Gross und Samuel Kreis stehen die U20-Spieler Arno Nussbaumer, Rémi Vogel und Leandro Hausheer im Line-Up. Die Zuger gewinnen das Spiel zwar, aber die Verteidigung wirkt wackelig. Teilweise unterlaufen haarsträubende Fehler, dies ist zwar nicht die direkte Schuld der drei jungen Verteidiger, aber die Veränderung im Line-Up und die damit verbundene Verunsicherung in der Defensive war spürbarer als zuvor.
Natürlich sind die beiden Situationen aufgrund der unterschiedlichen Lage im sportlichen Bereich nicht direkt vergleichbar. Auch sollte man den Fakt nicht ausser Acht lassen, dass der Sprung von der U20 in die National League einfacher wäre, wenn es dem EVZ sportlich gut laufen würde. Allerdings lässt es sich kaum abstreiten, dass das Farmteam bei diesem Problem helfen würde. Es ist schwierig für das gesamte Team, wenn die jungen Spieler sich zuerst noch herantasten müssen, wenn sie für verletzte, gesperrte oder kranke Spieler ins Team rutschen.
Fällt ein Torhüter über längere Zeit aus, steht kein passender Ersatz bereit
Mit Alessio Brun (18) und Valentino Zaetta (19, Bruder von Ex-EVZ-Junior Gianluca Zaetta) besitzt der EVZ ein talentiertes Torhütergespann in seiner U20-Mannschaft. Die beiden Torhütertalente besitzen jedoch keinerlei Profierfahrung.
Deshalb wäre es ein gewisses Risiko gewesen, in der Abwesenheit von Luca Hollenstein einen der beiden Torhüter einzusetzen und damit Stammtorhüter Leonardo Genoni eine Pause zu gönnen – insbesondere in Anbetracht der sportlichen Situation. Dass sich dann HCL-Leihgabe Thibaut Fatton auch noch verletzte, ist schlichtweg Pech. Einen Schweizer Torhüter von einem Ligakonkurrenten auszuleihen, den man ohne Problem zugunsten von Genoni ins Tor stellen kann, ist ein schwieriges Unterfangen. Das ist unter anderem dem Fakt geschuldet, dass heutzutage jedes Team mindestens zwei gute Torhüter braucht. Ob es etwas geändert hätte, wenn man Zaetta oder Brun nun aus dem SL-Farmteam – wenn dieses noch existieren würde - hochbeordern hätte können, ist schwierig zu sagen. Allerdings hat Headcoach Dan Tangnes schon bewiesen, dass er auf seine jungen Torhüter vertraut. In den beiden letzten Saisons setzte er jeweils in einem Spiel im Saisonendspurt auf Academy-Stammtorhüter Robin Meyer und verzichtete freiwillig auf einen gesunden Leonardo Genoni. Allerdings liess es die sportliche Situation auch zu, ein solches Pokerspiel (wenn man es als solches bezeichnen will) einzugehen.
So war der EVZ gezwungen, während der rund zweimonatigen Verletzungspause von Luca Hollenstein trotz eng getaktetem Spielplan voll und ganz auf Leonardo Genoni zu setzen. Dies machte sich auch auf dem Eis teilweise bemerkbar. Dass eine Rotation im Tor eine positive Wirkung auf die Leistung von Torhütern hat, ist längst kein Geheimnis mehr.
Keine Aufbauhilfe für den langzeitverletzten Reto Suri
Am 26. November feierte Publikumsliebling Reto Suri sein Comeback nach schwerer Knieverletzung. Der Powerstürmer war fortan – mit Ausnahme eines Spiels – wieder fester Bestandteil des Zuger Line-Ups. Suri brauchte – verständlicherweise – einige Zeit, um wieder in Schwung zu kommen. Besonders mit dem hohen Tempo schien er zu Beginn noch Mühe zu haben. Ein persönlicher Befreiungsschlag gelang Suri am 17. Januar im so wichtigen CHL-Rückspiel gegen Tappara Tampere, als er den eminent wichtigen Führungstreffer erzielen konnte.
Seit Jahresbeginn zeigt die Formkurve von Suri deutlich nach oben. Die vierte Linie mit Suri, Leuenberger und Abdelkader gehört mittlerweile zu den wenigen Konstanten im Zuger Spiel. Man darf davon ausgehen, dass es Suri geholfen hätte, wenn er im Farmteam behutsam aufgebaut hätte werden können. Zu Beginn seines Comebacks erhielt Suri einige wenige Minuten Eiszeit. Mit wenig Eiszeit ist es schwieriger, wieder in den Rhythmus zu kommen. Dass ein behutsamer Aufbau nach einer langen und komplizierten Verletzungspause eine gute Sache ist, bewiesen Simon Lüthi (Saison 2016/17), Carl Klingberg (Saison 2018/19), Miro Zryd (Saison 2019/20), Livio Stadler (Saison 2019/20), Jesse Zgraggen (Saison 2019/20 und 2020/21) und Jérôme Bachofner (Saison 2019/20). Diese Spieler kamen jeweils nach längeren Pausen unter anderem in der Academy zum Zug zwecks behutsamen Aufbaus.
Würde es dem EV Zug mit Farmteam in dieser Saison besser laufen? Es wäre zu einfach, wenn man diese Frage mit Ja beantwortet. Aber es gibt durchaus Situationen, bei denen die Existenz des Farmteams möglicherweise einen positiven Einfluss hätte haben können. Abschliessend beantworten lässt sich diese Frage ohnehin nicht, da zu viele Faktoren eine Rolle spielen.