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Wie bereits am Telefon besprochen, wollen wir heute mit Dir ein Interview machen. Wir beide sind natürlich sehr glücklich und stolz, Dich persönlich zu kennen. Für uns Beide bedeutet dieses Interview mit Dir zusammen sehr viel, und daher möchten wir Dir noch einmal dafür sehr herzlich danken, dass Du Dir extra die Zeit dafür genommen hast.
WebDjs:
In welchem Alter hast Du eigentlich die Begeisterung zur Musik entdeckt?
Gutze Gautschi:
Ich war damals etwa 16 Jahre alt und ein grosser ’’Beatles und Stone’’ Fan. Ich bin natürlich zu dieser Zeit mit ihnen aufgewachsen und die Musik hat mich fasziniert. Jedoch war ich kein Elvis Fan. Zur gleichen Zeit spielte mein Bruder bereits schon in einer Band.
Zu welchem Zeitpunkt bist Du professionell in die Musikszene eingestiegen?
Wie gesagt, spielte mein Bruder in einer Band und er fragte mich eines Tages, ob ich nicht die Bass-gitarre spielen möchte. Ich hatte keine Ahnung wie man das spielt. Dadurch dass mir ein Gitarrist die Künste einer Gitarre zeigte, bin ich danach voll in diesem Business eingestiegen. Wir hatten nie nach Noten gespielt, sondern nach unserem Gehör. Das war etwa Anfang/Mitte der 60‘er Jahre.
In dem Fall warst Du natürlich nicht gleich von Anfang an auf der Discowelle, da diese Musik ja erst später populär wurde?
Das ist richtig. In dieser Periode spielten wir natürlich das, was zu dieser Zeit populär war. z.B. ähnliche Stücke wie von ’’Jimmy Hendrix’’, oder sonstige spezielle Sachen. Unsere Gruppe hiess übrigens ’’Expellt’’ und wir waren sehr bekannt. Damals sind wir bei grossen Konzerten, wie bei den legendären ’’Pink Floyd’’, als Vorgruppe aufgetreten.
In welchen Gruppen hast Du gespielt?
Ich hatte damals einige Anfragen aus dem Ausland, wollte jedoch meine eigene Band nicht verlassen.
1969 bekam unser Gitarrist von England ein Angebot, welches er nicht ausschlagen konnte. Durch sein Gehen wurde dann die Band aufgelöst. Daraufhin hatte ich mich zurückgezogen. Nach fünf Jahren Abwesenheit von der Musikbranche, sagte ich zu mir: Ich muss jetzt wieder Musik machen, denn ohne Musik geht es bei mir einfach nicht. So fing ich mit Gitarrenspielen an. Daraufhin gründete ich meine erste Band. Dies war ungefähr 1975 und unser Musikstil war ’’Blues, Pop und Rock.
1976/1977 kam plötzlich die Punkwelle, von der ich sehr begeistert war. Wir waren damals ein Trio und gaben diverse Konzerte. Dann kam um ca. 1978 ’’Dieter Meyer’’, später als ’’Jellow’’ bekannt, ins Spiel. Bald danach hatten wir auch unseren ersten Plattenvertrag. Wir produzierten zwei Albums. Ein Album mit dem Namen ’’Dieter Meyer’’ und ein Album mit dem Namen ’’FreshColor’’. Dieter Meyer hatte bei beiden Alben gesungen. Zur Aufnahme gingen wir ins ’’Mountain Studio’’ nach Montreux (Schweiz). In diesem Studio produzierten schon Gruppen wie: ’’Queen, oder David Bowie’’, ihre Aufnahmen. Es war ein sehr professionelles Studio. Auch gaben wir zu dieser Zeit zusammen mit Dieter Meyer diverse Konzerte. Nun kamen die Platten auf den Markt. Von beiden Platten wurden ca. 60‘000 – 70‘000 Stücke verkauft. Anfragen aus dem Ausland blieben nicht aus. So bekamen wir auch Anfragen von den USA. Zur gleichen Zeit jedoch gab es einige Ungereimtheiten mit Dieter Meyer, so dass wir uns entschlossen, uns von ihm zu trennen. Ich machte dann zusammen mit einer Sängerin im ’’Punk und New Wave Stil’’ weiter und produzierte einige Platten.
Wann hat Dich eigentlich das Italo Disco Fieber gepackt?
Die Musikszene war damals gerade im Umbruch. Es kamen neue Stilrichtungen wie ’’Disco, Dance, Elektrobeats. Zu dieser Zeit entstanden dann die ersten Gruppen wie: ’’Kraftwerk oder Depeche Mode’’. Auch die ’’Neue Deutsche Welle’’ war sehr angesagt. Das war ungefähr im Jahre 82/83. Ich hatte zu dieser Zeit meine Gruppe neu formiert und gab ein Inserat in dem Musikblatt ’’Pop – Rocky’’ auf. Ich war auf der Suche nach einem neuen Bassisten. Es hat sich dann auch jemand aus ’’Läufelfingen’’ (Schweiz) bei mir gemeldet. Beide zusammen waren wir dann das Kernstück der Gruppe ’’FreshColor’’. Unser Stil war damals im Stil von ’’Neuer Deutscher Welle’’ und das erste Lied hiess:’’Computermädchen’’. Dann kam 1984 der Italo Disco. Ich war von dieser Musik so fasziniert das ich mir sagte: das ist meine Musik. Bald darauf suchte ich auch einen neuen Sänger. Ein Kollege von mir kannte damals von England jemanden, welcher in ’’Wohlen’’ (Schweiz), in einer Band spielte. Jedoch gefiel es ihm in dieser Band nicht mehr. Dieser jemand war niemand geringerer als ’’Humphrey Robertson’’. Zusammen stiegen wir dann voll in die Italo Disco Szene ein. Als erstes schrieb ich ’’Disco Future’’ und Humphrey schrieb den Text. Das Ganze wollten wir auch so richtig professionell durchziehen und gingen aus diesem Grund nach Italien (Milano). Wir kamen dann wieder in die Schweiz zurück und holten uns einen Plattenvertrag. Danach kam die Platte auf den Markt und sie wurde zu einem Erfolg. In der Schweizer Hitparade stiegen wir von Null auf den 15. Platz. Dies war eigentlich der erste Song, welcher ich selber produziert und geschrieben habe, so wie ich ihn auch wollte und zwar so ganz nach meinem Geschmack.
Hattest Du auch diverse Auftritte?
Ja, wir gaben einige Konzerte. Vor allem in Deutschland, denn dort waren wir sehr beliebt.
Wie kam es eigentlich zur Gründung von ’’Fresh Music’’? Du warst/bist ja auch in einer Gruppe Namens ’’FreshColor’’. Wie kommt der Zusammenhang der beiden Namen, oder ist das Zufall?
Nein, ganz und gar nicht. 1985 gingen wir zusammen mit ’’Valerie Dore’’ auf grosse Deutschland Tournee. Wir traten etwa fünf Wochen lang fast jeden Abend an einem anderen Ort auf. Danach folgte unser zweiter Hit mit dem Titel ’’Sing With Me Tonight’’ von 1985. Nach dem zweiten Hit folgte 1986 das Album.
Mit der Zeit jedoch bemerkte ich, dass ich mich veränderte. Ich hatte viele Ideen in meinem Kopf, Ideen für die Produktion von Cover-Versionen. So lernte ich 1986 in Luzern (Schweiz) ’’Mark Wyss’’ kennen. Wir hatten uns auf Anhieb sehr gut verstanden und produzierten gemeinsam den Song ’’4 You – I Was Made For Loving You’’, welches eine Cover-Version der Gruppe ’’Kiss’’ war. Das Ganze wurde natürlich mit einem Italo Touch aufgepäppelt. Aufgenommen wurde der Song hier in der Schweiz und produziert wurde er in Italien. Auch dieses Lied verkaufte sich in der Schweiz sehr gut und erreichte in der Schweizer Hitparade den 6. Platz. Danach produzierte ich ’’Arabella – Le Freak - C’est Chic’’ und ’’Arabella – Shame, Shame, Shame’’. Beide Songs landeten ebenfalls in den Charts.
Mark Wyss und ich arbeiteten in der gleichen Plattenfirma. In dieser Firma arbeitete auch ein genialer Sänger und mit ihm zusammen flogen wir für ein Wochenende nach Deutschland zu ’’Axel Breitung’’ und produzierten den Titel ’’In The Air Tonight’’. Auch dieser Titel landete ziemlich weit vorne in den Charts. Dazwischen und danach produzierte ich noch ’’Veroniqué, Sharon und Air Project’’ und dies alles unter meinem eigenen Label Namens ’’Fresh Music’’, welches ich inzwischen aufgebaut hatte. Dies war natürlich die Ableitung von unserem Gruppennamen ’’FreshColor’’. 1990/1991 gründete ich dann meine eigene Vertriebsfirma auf den Namen ’’Fresh Music’’. Das Studio kam erst später.
Zur gleichen Zeit trat auch ’’DJBobo’’ in mein Leben. Mark Wyss war es dann auch, welcher DJBobo ermöglichte, in einer Disco aufzulegen. DJBobo produzierte damals drei Songs und ich habe sie vertrieben. Der dritte Song von Bobo hiess ’’Let’s Groove On’’. Es waren jedoch alles Billigproduktionen. Dies sagte ich auch zu Bobo, dass das nichts für ihn wäre. Ich sagte ihm, er bräuchte einen richtigen Produzenten und nahm das Ganze dann selber in die Hand. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten und der erste von mir produzierte Song ’’DJBobo – Somebody Dance With Me’’ wurde sogleich zu einem Megahit und schlug ein wie eine Bombe. Es war zu der Zeit, als auch ’’Captain Hollywood, Culture Beat und Haddaway’’ ihre ersten Hits hatten. 1993 trat DJBobo zum ersten mal in Deutschland (Nürnberg) auf, zusammen mit ’’Army Of Lovers und B.G. The Prince Of Rap’’. Es war eine sensationelle Show.
Du bist Gitarrist, Produzent, Keyboarder und Songschreiber. (Bitte korrigiere uns, wenn etwas davon nicht stimmen sollte). Welches von den vier Dingen machst Du am liebsten?
Am liebsten bin ich Produzent.
Wann waren Deine grössten Erfolge?
Meine grössten Erfolge waren mit meiner Plattenfirma, als Produzent mit meinem eigenen Studio und natürlich mit DJBobo.
Als was waren Deine Erfolge grösser: Als Bandmitglied, oder als Produzent?
Ich würde sagen als Produzent.
In Deinem Leben taucht immer wieder der Name ’’Mark Wyss’’ auf. Wer ist das, wie und wo hast Du Ihn kennen gelernt?
Wie schon einmal erwähnt, lernte wir uns in Luzern kennen. Ich pflege auch heute noch einen engen Kontakt zu ihm, da er einer meiner besten Freunde ist. Er hat jedoch nicht viel Zeit, da er beruflich sehr engagiert ist.
Wie steht ihr heute zueinander? Macht ihr immer noch gemeinsamen Sachen?
Er würde zwar gerne, doch fehlt ihm wie gesagt die Zeit dazu, um gemeinsam etwas zu lancieren.
Was ist deine Lieblingsmusik?
Ich habe nicht unbedingt meine Lieblingsmusik, ich höre verschiedene Sachen. Ich höre mir gerne ein Trance Stück an, wenn es gut gemacht ist, oder auch House Musik. Was ich nicht mehr höre, dass sind ’’Beatles, Stones’’ und solche Sachen.
Du bist ja seit den 80’er Jahren von dem typischen Disco Beat fasziniert. Wie weit hat Dich ’’Italo Disco’’ in Deiner Musik beeinflusst?
Ich würde sagen, sehr viel. Auch bei Bobo war dazumal dieser Italo Touch vorhanden. Ich war eigentlich schon immer ein Typ, welcher auf einfache Musik abgefahren ist. Es gibt dazu eine geniale Interpretation und zwar:’’Die Stärke im Minimum’’. Oder in eigenen Worten,’’minimaler Sound, aber genial verpackt’’. Es ist schon fast eine Kunst, mit wenig Mitteln, welche zur Verfügung stehen, das Maximale raus zu holen.
Einer Deiner grössten Erfolge als Produzent war sicherlich zusammen mit DJBobo. Ist das richtig?
Das ist richtig.
Wann kam bzw. entstand eigentlich die Idee zum Megahit ’’Somebody Dance With Me’’?
Ende 1991/Anfang 1992 kam die Idee zu ’’Somebody Dance With Me’’.
Wie ist das so, wenn Du ein Stück einstudierst. Kannst Du vorhersagen, dass dieses Lied nun ein Hit wird oder nicht?
Ich sag es mal so: die meisten produzierten Platten wurden ein Hit, bis auf ein paar Ausnahmen. Wir hatten damals ein bestimmtes Budget festgelegt und wollten mit ’’Newcomer Bands’’ ein paar Sachen machen, welche anschliessend doch keine Hits geworden sind. Es waren jedoch gute Songs dabei. Es war damals auch schwierig, denn es gab so viele Newcomer und alle hatten einfach nicht Platz, besser gesagt, der Markt war zur dieser Zeit gesättigt.
Was für Instrumente benutztest Du bei den ersten vier Hits von DJBobo, welche ja alle Du produziert hast, so wie die beiden ersten Albums?
Das waren alles minimale Sachen wie: guter Bass Sound = synthetische Musik, Wave Roland u.s.w.
Auf dem ersten Album von DJBobo steht auch der Name ’’Robyx’’. Insider kennen natürlich diesen Namen. Es ist niemand geringerer als ’’Savage’’ alias Roberto Zanetti. Wie kommt es dazu?
Wir waren 1993 auf der Musikmesse in ’’Cannes’’ (Frankreich). Dort trifft sich jedes Jahr die Szene aus der ganzen Welt. Dort trafen wir dann Robyx. Er kam zu uns und zeigte Interesse an unserem Song (Somebody Dance With Me) und fragte uns nach einer Lizenz zur Veröffentlichung in Italien und diverser anderer Staaten an. Daraufhin wurde ein Vertrag ausgehandelt. Ich wollte damals von (Somebody Dance With Me und Keep On Dancing) auch ein Remix machen und fragte Robyx an, ob er daran interessiert wäre. Als er ja sagte, gingen wir für 3 – 4 Tage nach Italien in sein Studio, wo die Remixes dann verwirklicht wurden. Ich finde, er ist einer der genialsten Produzenten und er ist trotz allem, auf dem Boden geblieben. Er hat kaum Starallüren und vor allem ist er ein sehr ruhiger Typ. Wir haben uns danach noch ein paar Mal in Lugano getroffen, zwecks Erledigung geschäftlicher Dinge. Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm. Aber man kann ja nie wissen.
Wie sieht es mit anderen Produzenten aus. Hattest bzw. hast Du noch Kontakte mit anderen Italo Produzenten?
Kontakte zu anderen Produzenten habe ich keine. Ich kenne einfach viele vom Namen her und natürlich von meiner eigenen Platten Sammlung.
Wie sieht es eigentlich heute zwischen Dir und Humphrey Robertson aus. Arbeitet ihr noch zusammen?
Wir haben ein gutes Verhältnis und sind auch gute Freunde. Er wohnt ja bei mir gleich in der Nähe. Wir treffen uns auch jede Woche zum Kaffee. Arbeiten tun wir nicht zusammen, da er den typischen Synthesizer Sound produziert, was nicht so ganz meiner Wellenlänge entspricht.
Und nun zu der alles entscheidenden Frage. Wie sehen Deine Zukunftspläne aus?
Im Moment mache ich diverse Neuauflagen wie z.B. von ’’FreshColor’’ und bringe sie erneut auf den Markt. Auch werde ich mehr eigene Stücke und neue Stücke produzieren. Dann werde ich sicherlich auch wieder einige ’’Sampler’’ veröffentlichen.
Als nächstes werde ich eine Neuveröffentlichung von dem Hit von 1988 Namens ’’Digitronic – Disco Night’’ in Betracht ziehen. Und zwar im Sommer/Herbst dieses Jahres.
Ok, wir (die WebDjs) danken Dir ganz herzlich für dieses Interview, welches uns sehr viel bedeutet und wünschen Dir für Deine Zukunft alles Gute!
Ich danke euch. Es hat mich sehr gefreut, mit euch beiden dieses Interview zu führen.