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Die Mutter der Schattenmorelle
Dass Sauerkirschen mit den Süsskirschen verwandt sind, war schon länger klar. Nun haben Wissenschaftler die Genomsequenz entschlüsselt.
Sauerkirschen (Prunus cerasus L.) stammen von der Süsskirsche (P. avium) und der Steppenkirsche (P. fruticosa) ab. Einer Forschungsgruppe des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dresden-Pillnitz, der Universitäten Budapest, Greifswald und Hohenheim sowie der niederländischen Firma KeyGene ist es nun gelungen, die Bausteine des Erbguts der Steppenkirsche zu entschlüsseln. Die in der Fachzeitschrift Genomics veröffentlichte Studie beschreibt die neuartige Technologie zur Erzeugung langer DNA-Sequenzen, mit deren Hilfe das bislang grösste Kirschengenom mit einer Länge von 1.1 Mrd. Basen sequenziert wurde. Die daraus abgeleiteten acht Basischromosomen ergeben eine Gesamtgrösse von 366 Millionen Basen.
Auf Basis des genetischen Codes können die Forschenden nun Gene der Steppenkirsche im Genom der Sauerkirsche zuordnen. Dieses Wissen lässt sich praktisch nutzen, denn damit können nun bessere Vorhersagen über positive oder negative Eigenschaften bei der Züchtung neuer Sauerkirschensorten getroffen werden. «Das hilft uns dabei, die Sauerkirsche in Zukunft robuster gegenüber Krankheiten und fit für den Klimawandel zu machen», so Erstautor Wöhner.
Hintergrund
Sauerkirschen haben ihren Ursprung in Osteuropa und Kleinasien. Ein Vorfahre, die Süsskirsche, ist in ganz Europa und in Kleinasien weit verbreitet. Die Steppenkirsche als zweiter Vorfahre ist in den weiten Steppen Osteuropas und Westasiens heimisch. Schon Ende der 1960er-Jahre wurde nachgewiesen, dass die Sauerkirsche ein natürlicher Bastard zwischen der Steppenkirsche und der Süsskirsche ist. Während sich die beiden elterlichen Arten evolutiv zunächst unabhängig voneinander entwickelten, kam es später in Gebieten, in denen beide Arten gleichzeitig vorkommen, zufällig zu Hybridisierungen mit der heutigen Sauerkirsche. Das Genom der Sauerkirsche besteht folglich je zur Hälfte aus Chromosomen der Süsskirsche und der Steppenkirsche. Das Genom der Süsskirsche ist bereits sequenziert worden. Nun liegen alle genetischen Daten vor.
Titelbild
Steppenkirsche Prunus fruticosa. (© Thomas Wöhner)