Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03559.jsonl.gz/2644

Die Schweiz hat vier Landessprachen und 26 verschiedene Schulsysteme.
Die Verhältnisse sind kompliziert und zeigen auch Nachteile und Grenzen des helvetischen Föderalismus auf.
In der gesamten Schweiz beginnt das Schuljahr Ende Sommer. Dies mag als Banalität erscheinen, ist es aber nicht. Um dieses einheitliche Prinzip ins Schweizer Schulwesen einzuführen, war 1989 ein neuer Verfassungsartikel notwendig.
Dies ist nur ein Beispiel für die komplexen Strukturen des Schweizer Schulsystems, auch wenn es natürlich Grundsätze gibt, die für alle gleich sind: Neun Jahre obligatorische Schulzeit, Schulbesuch gratis, Gewährleistung der Meinungs- und Religionsfreiheit.
26 Kantone - 26 Systeme
Doch sonst haben alle 26 Kantone oder Halbkantone ihr eigenes Schulsystem. In einigen Kantonen werden die Kinder mit sechs Jahren eingeschult, in anderen mit sieben. Die Unterrichtsstunden pro Jahr schwanken je nach Kanton zwischen 7300 und 9000.
Unterschiede gibt es nicht nur bei den Rahmenbedingungen, sondern auch in den Lehrprogrammen. Die obligatorische Schule wird durch kantonale Gesetze geregelt und im Normalfall (zumindest bei den Primarschulen) von den Gemeinden organisiert. Regionale Eigenarten spiegeln sich somit im Bildungsprogramm und in der Auswahl der Lehrmittel.
Einheitlicher wird das System nach der obligatorischen Schulzeit. Sowohl in den Gymnasien, als auch in den Berufsschulen und Universitäten spielt der Bund eine wichtige koordinierende Rolle. Aber einzig die Eidgenössischen Technischen Hochschulen von Zürich und Lausanne unterstehen vollumfänglich dem Bund.
Babylonisches Sprachengewirr
Die komplexe Situation in den Schulen überschneidet sich zusätzlich mit den Sprachbesonderheiten des Landes. Die Sprachgrenzen verlaufen quer durch die Verwaltungseinheiten: Bern, Freiburg und das Wallis sind Kantone mit zwei Sprachen (Deutsch und Französisch), in Graubünden koexistieren sogar drei Sprachen (Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch).
Insofern erscheint es logisch, dass die Kantone und Gemeinden im Schulwesen eine weitgehende Autonomie besitzen. Lehrpläne und Bildungsziele lassen sich so besser an die regionalen Besonderheiten anpassen.
Andererseits ist es eine der Hauptaufgaben der Schule, die Verständigung zwischen den verschiedenen Sprachregionen zu fördern. Durch den Unterricht einer anderen Landessprache als erster Fremdsprache soll der nationale Zusammenhalt gefördert werden.
Ein Modellfall in der Krise?
Das traditionsreiche Schweizer Modell gerät jedoch zusehends in Konflikt mit den Erfordernissen der heutigen Gesellschaft. Dies zeigt die emotionsgeladene Debatte über den Zürcher Entscheid, Englisch als erste Fremdsprache an den Primarschulen einzuführen. Das Gleichgewicht, das bisher eine Koexistenz der Landessprachen garantierte, steht vor einer Belastungsprobe.
Andrea Tognina
(Übertragung aus dem Italienischen. Gerhard Lob)
Fakten
26 Kantone - 26 Systeme
Neun Jahre obligatorische Schulzeit
Schulbesuch gratis
Meinungs- und Religions-Freiheit gewährleistet
Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: <email-pii>