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Bild des Monats September 2013: Vergegenwärtigung des genealogischen Ursprungs
Die Melusine Thürings von Ringoltingen (1473) erzählt den mythischen Ursprung des Geschlechtes Lusignan. Der Holzschnitt bebildert eine zentrale Szene des Prosaromans: Der Sohn Melusines und Raymonds, genannt Goffroy mit dem Eberzahn, stößt in einem Berg auf eine Kammer, in der er das Grabmal eines Königs sowie eine Statue am Fußende dieses Grabes findet, die eine Schrifttafel in den Händen hält. Erst durch den Text auf dieser Tafel wird die genealogische Verbindung zu Goffroy selbst preisgegeben: Die Statue verkörpert Goffroys Großmutter Persine, die ihm in einem fingierten mündlichen Gespräch ihre eigene Geschichte sowie die ihres Mannes, König Helmas, und seiner Mutter Melusine erzählt. Im Roman fungiert die Statue als Stellvertreterin für die Großmutter und die Schrifttafel als deren Stimme. Die Schrifttafel vergegenwärtigt folglich medial das Abwesende und Vergangene.
Anders als der Text stellt der Holzschnitt die Schrifttafel gerade nicht aus, sondern zeigt neben Goffroy Personen, von denen in der Geschichte Thürings von Ringoltingen die Schrifttafel erzählt. Der Holzschnitt verbildlicht also was im Romantext fingiert wird: die Realpräsenz der Großeltern. Die auf dem Bild an der Seite des Grabes erkennbaren rätselhaften Schriftzeichen können als Verweis auf die Schrifttafel und deren Geschichte um den mythischen Ursprung des Geschlechts im Text gelesen werden; beide bedürfen einer Dechiffrierung.