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EIN INNERSCHWEIZER INGENIEUR VON
SCHWEIZERISCHEM FORMAT
Zur Biographie von Karl Emanuel Müller
- Ingenieur, Unternehmer, Staatsmann. 1804-1869
Text: Martin Stadler ...
Nachdruck gegen
Beleg erwünscht.
Karl Emanuel Müller (1804 - 1869) beschritt als
Sohn einer konservativen Urner Magistratenfamilie
einen für damalige Innerschweizer Verhältnisse erstaunlichen Berufsweg.
Ingenieur werden war noch aussergewöhnlich. Doch gerade als Ingenieur und
Unternehmer schuf er Werke von schweizerischer Bedeutung.
Der Ingenieur K. E. Müller war auch Politiker.
In den stürmischen Jahren 1845 - 47 vor der Bundesgründung stand er als
Exponent der führenden Urner Familien sowie als Luzerner Regierungsrat und als
Kommandant der Gotthardexpedition an vorderster Front des konservativen
Sonderbundes... Dennoch wirkte er später als Ständerat konstruktiv am
Aufbau
des neuen Bundesstaates mit.
Wichtiger aber als seine politischen Mandate
war Müllers berufliche Zusammenarbeit mit wichtigen Ingenieuren seiner Zeit,
mit den Baubehörden des Bundes und mit eidgenössischen Fachexperten. Seine
Beziehungen und Freundschaften über Kantons-, Partei- und
Konfessionsgrenzen hinweg trugen viel zur inneren Festigung des jungen
Bundesstaates und zur eidgenössischen Versöhnung nach dem Sonderbundskrieg
bei.
Dies hat die
schweizerische Geschichtsschreibung bisher zu wenig beachtet.
Unter anderem hat Müller durch seine
massgebende Rolle als Ingenieur und Unternehmer beim Aufbau der
Verkehrsinfrastruktur den Kanton Uri
für die Industrialisierung geöffnet. Er wirkte auch als Kantonsbaumeister in
Glarus. In
Obwalden meliorierte er das sumpfige
Aaried in Giswil. In
Bern baute er die Nydeckbrücke
und die Kirche St. Peter und Paul. In Uri korrigierte er die
Reuss. Als Bahnexperte war er
in mehreren Kantonen gefragt. Und sein
Einsatz für die Gotthardbahn (für die er ein richtungsweisendes
Vorprojekt vorlegte) half mit, der Transitachse durch die Zentralschweiz die
dominante Stellung zu verschaffen. Das letzte Werk Müllers war die
Stiftung des Kantonsspitals Uri, ein
bleibendes Werk echter Humanität.
Leckerbissen
Wie wurden Ingenieure anfangs des 19.
Jahrhunderts ausgebildet? Die ETH gab es noch nicht, Techniken
ebenfalls nicht. Müller studierte an der 1815 gegründeten Technischen
Hochschule in Wien, die sehr praxisbezogen war -
ähnlich wie die heutigen Fachhochschulen. Es wehte an dieser Hochschule auch
ein universitärer Geist. So schuf der Physikprofessor Müllers nebenbei
musikalische Werke - zusammen mit Franz Schubert...
***
1828, als Karl Emanuel Müller berufstätig
wurde, gab es noch nicht viele Ingenieure in der Zentralschweiz. In Uri war er
sogar der einzige. Und er wurde gleich mit einer schwierigen Aufgabe betreut,
dem Bau der Gotthardstrasse von Göschenen
nach Andermatt. Das Kernstück war die Teufelsbrücke über die
Schöllenenschlucht. Anschaulich schilderte der
Referent die damalige Brückenbautechnik sowie die Finanzierungsmethoden und
die baubetrieblichen Probleme, die sich dabei stellten.
***
Müller war projektierender und beratender
Ingenieur, aber auch selber Bauunternehmer, der zahlreiche Bauten
realisierte, darunter Strassen (Gotthardstrasse, Axenstrasse,
Passstrassen), Brücken, einen Kirchenbau, Meliorationen, Flusskorrekturen usw. Er
verkörperte schon damals reiche Vielseitigkeit,
Interdisziplinarität...
***
Ausserdem gründete Müller eine
Postdampfschiffgesellschaft, die (nach anfänglicher Konkurrenz und
späteren Kartellabsprachen) mit der Dampfschiffunternehmung des Luzerners
Kasimir Knörr zur heutigen Schiffahrtsgesellschaft
Vierwaldstättersee (SGV) fusionierte. Schon im 19. Jahrhundert - zu
Beginn der Industrialisierung - gehörten Markt, Konkurrenz,
Kartellierung und Kapitalkonzentration zum
wirtschaftlichen Umfeld des tätigen Ingenieurs.
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Übrigens war Karl Emanuel Müller auch
Papierfabrikant - in Horw, in unmittelbarer Nähe zur heutigen Hochschule
für Technik + Architektur Luzern! Die Suche nach einem günstigen
Unternehmensstandort war damals ein Energieproblem. Wo gab es fliessendes
Wasser für Antriebszwecke? Er wurde fündig in Kriens
und an der Isleten (Uri)... Und er entwickelte die
eingesetzten Maschinen zur Papierfabrikation weiter, betrieb also eine
„Realkapitalproduktion“ (wie die Ostschweizer Textilunternehmer, welche auf
diese Weise die Maschinenindustrie induzierten). Müller meldete gar ein Patent
an und verkaufte es in Wien.