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Der erste von vier Beiträgen zum Thema Abhängigkeitserkrankung im Alter mit Fokus Alkohol dreht sich um die Unterteilung und Symptomatik.
Abhängigkeitserkrankungen spielen auch im Alter eine Rolle. Die Zahl von älteren Menschen mit einer Abhängigkeitsproblematik nimmt aufgrund des demographischen Wandels zu, allerdings wird die Problematik oftmals tabuisiert. Im Alter bezieht sich die Abhängigkeit oft auf Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch. Dies kann auch in Pflegeinstitutionen zum Problem werden. Die Thematik ist unter anderem besonders wichtig, weil ältere Menschen ohne Abhängigkeitserkrankung länger selbständig bleiben. Häufig kommen zur Abhängigkeit auch körperliche Beschwerden sowie psychiatrische Erkrankungen hinzu, weswegen Betroffene auf Medikamente angewiesen sind.
Unterteilung
Die Grenze vom genussvollen Konsum zur Abhängigkeit ist oft schleichend. Von einem chronischen Alkoholkonsum wird dann gesprochen, wenn an mindestens 3 Tagen die Woche mehr als 3 alkoholische Getränke konsumiert werden. Übermässiger Alkoholkonsum kann sowohl zu körperlichen Erkrankungen als auch zu seelischen Problemen, kognitiven Einschränkungen und einem höheren Sturzrisiko führen. Die Risiken sind noch grösser, wenn Alkohol und Medikamente kombiniert werden.
Die Abhängigkeitsproblematik kann in “early onset” und “late onset” unterteilt werden. Bei einem “early onset”, also einem frühen Beginn, lässt sich der Anfang der Abhängigkeit bereits im frühen oder mittleren Erwachsenenalter finden. Bei einem “late onset”, also spätem Beginn, tritt die Problematik erst im Alter auf. Der Grund für einen “late onset” kann in Schwierigkeiten mit einer neuen Lebenssituation liegen, wie sie im Alter auftritt. Dazu gehören die Pensionierung, der Eintritt in eine Pflegeinstitution, die Angst vor Pflegebedürftigkeit, der Tod eines Lebenspartners, der Wegfall sozialer oder beruflicher Rollen und anderes mehr.
Symptome
Bei älteren Menschen zeigt sich eine Abhängigkeitsproblematik an Verhaltensauffälligkeiten. Dazu kommen Gleichgewichtsstörungen mit wiederholten Stürzen sowie Prellungen und Verbrennungen. Betroffene leiden an Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Ein weiteres Symptom können Schlafstörungen sein. Oftmals zeigen sich eine Unterernährung oder ein Vitaminmangel. Betroffene leiden an Inkontinenz oder Polyneuropathie. Viele ältere Menschen mit einer Abhängigkeitsproblematik zeigen eine allgemeine Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen oder eine depressive Verstimmung. Es kann sich eine neu aufgetretene, verminderte Entschlussfreudigkeit zeigen. Betroffene klagen über innere Unruhe, können aber gleichzeitig eine Antriebsminderung verspüren. Bei manchen kommt es zu Verwirrtheit oder Halluzinationen. Viele ältere Menschen mit Abhängigkeitsproblematik sind sozial isoliert und sehen verwahrlost aus. Die Toleranz für Medikamente kann aufgrund der Abhängigkeitsproblematik zu- oder abnehmen. Betroffene klagen über Kopfschmerzen. Einige leiden unter epileptischen Anfällen. Viele dieser Symptome werden dem Alter zugeschrieben, weswegen eine allfällige Abhängigkeitsproblematik manchmal nicht oder zu spät erkannt wird.
Substanzen werden im Alter nicht mehr gleich schnell abgebaut wie in jüngeren Jahren. Der verlangsamte Stoffwechsel führt zu Kumulationseffekten. Deswegen reicht eine geringere Menge an Alkohol bereits für eine Intoxikation aus. Zudem nimmt der Wasseranteil des Körpers mit dem Alter ab. Somit wird der Alkohol in weniger Flüssigkeit verteilt, und der Blutalkoholgehalt steigt stärker an als bei jüngeren Menschen.
Der problematische Alkoholkonsum hat einen negativen Einfluss auf andere Erkrankungen, die im höheren Alter häufig vorkommen. Dazu gehören Diabetes, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Depression, Demenz und gastrointestinale Erkrankungen.
Geschlechtsunterschiede
Da Frauen eher weniger schwer sind, ihr Körperwassergehalt niedriger ist und sie Alkohol langsamer abbauen, wirken dieselben Mengen Alkohol auf sie stärker als auf einen Mann. Dies zeigt sich einerseits an einem höheren Blutalkoholgehalt und andererseits an einem schneller einsetzenden Gefühl der Intoxikation. Die erhöhte Sensibilität wirkt protektiv gegen die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit und könnte erklären, weshalb Frauen weniger oft und geringere Mengen an Alkohol konsumieren. Falls es aber doch zu einer Abhängigkeitsproblematik kommt, so zeigen Frauen schneller die Symptome einer Abhängigkeit oder Folgeschäden aufgrund des problematischen Konsums. Zudem wird letzterer bei Frauen stärker gesellschaftlich tabuisiert, weshalb Frauen häufig heimlich trinken und später Hilfe aufsuchen als Männer.
Männer hingegen nutzen Alkohol öfter als Copingstrategie für ihre Stressregulation. Zudem sind bei Männern Impulskontrollstörungen, Störungen im Sozialverhalten sowie aggressive Verhaltensweisen mit einem höheren Alkoholkonsum assoziiert.