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Drei Länder, zwei Währungen, ein Wirtschaftsraum
Niklaus Blattner, Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank
Freiburger Montags-Gesellschaft, Freiburg i. Br., 06.06.2005
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Die EuroRegion Oberrhein besteht aus Baden und der Südpfalz, aus dem Elsass und der Nordwestschweiz. Wie steht es um die Wirtschaft dieser Region? Ist sie so dynamisch wie wir sie gerne hätten? Sind die Landesgrenzen, welche die Region durchschneiden, ein Handicap oder haben wir gelernt, mit ihnen zu leben? Welche Folgen bringt es mit sich, dass die Region zwei Währungen kennt?
Ein erstes Fazit ist: Die EuroRegion Oberrhein ist wirtschaftlich stark. Dazu tragen nicht zuletzt die Investitionsgüterbranche und die pharmazeutisch-chemische Industrie bei, wobei letztere vor allem in der Nordwestschweiz für eine hohe Wertschöpfung sorgt. Europaweit gehört die Oberrheinregion aber nicht zu den Allerbesten. Während sich das Niveau der wirtschaftlichen Wertschöpfung durchaus sehen lässt, fiel das Wachstum in den letzten Jahren im Vergleich mit anderen Regionen deutlich geringer aus. Die Region steht deshalb vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Wirtschaftsräume in Kontinentaleuropa.
Ein zweites Fazit lautet: Die grenzüberschreitende Integration der EuroRegion Oberrhein ist hoch. Es bestehen vielfältige wirtschaftliche Verflechtungen zwischen den nationalen Teilräumen, welche in einem regen Güter-, Kapital- und Personenverkehr zum Ausdruck kommen. Die Befürchtung, dass die Grenzen in der EuroRegion Oberrhein zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Entwicklung führen, wird durch die Betrachtung der wirtschaftlichen Verflechtung nicht bestätigt. Die abnehmende relative Bedeutung des intraregionalen Aussenhandels und der intraregionalen grenzüberschreitenden Direktinvestitionen ist mehr auf die Globalisierung und somit das zunehmende Gewicht der Volkswirtschaften Osteuropas und Asiens zurückzuführen als auf eine loser werdende Verbindung innerhalb des Oberrheingrabens.
Ein drittes Fazit ist: Das herausragende Merkmal des Verhältnisses zwischen dem CHF und dem Euro seit dessen Einführung im Jahr 1999 ist seine Stabilität. Das heisst aber nicht, die Frage nach einem Beitritt der Schweiz zum Euroraum sei bedeutungslos. Für die Schweiz bringt die eigene Währung den Vorteil, dass sie eine autonome, auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtete Geldpolitik betreiben kann.
Ein viertes und letztes Fazit lautet schliesslich: Die Wirtschaftspolitik kann dazu beitragen, dass die Region weiterhin prosperiert, indem sie die noch bestehenden Einschränkungen z.B. auf Stufe Arbeitsmarkt, Güter- und Dienstleistungstausch (Cassis-de-Dijon-Prinzip) abbaut. Der Weg in eine prosperierende Zukunft führt über eine gut integrierte Wirtschaftsregion.
„Drei Länder, zwei Währungen, ein Wirtschaftsraum“, der Titel des Papiers, beschreibt die Realität und ist gleichzeitig Programm.