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So weit, so gut. Stan Wawrinka übersteht am Australian Open trotz Erkältung die erste Turnierwoche ohne Satzverlust. Am Montag werden wir erfahren, was für den Schweizer in Melbourne noch alles möglich ist.
Denn die ersten drei Runden lassen eine schlüssige Beurteilung von Stan Wawrinkas Formstand nicht zu. Der erste Gegner, Dimitri Tursunow, bestritt das erste Einzel auf der Tour seit mehr als einem Jahr und gab nach zwei Sätzen desillusioniert auf. Und die beiden Tschechen Radek Stepanek (2. Runde) und Lukas Rosol (3. Runde) rückten beide über 40 Mal ans Netz vor, weshalb sich Wawrinka in Grundlinienduellen in Melbourne noch gar nicht richtig beweisen musste.
Gegen Lukas Rosol (ATP 51) setzt sich Stan Wawrinka in einer Stunde und 50 Minuten 6:2, 6:3, 7:6 (7:3) durch. Die Vorentscheidung fällt in den ersten 50 Minuten, während denen Wawrinka auf 6:2, 4:2 davonzieht. Erst in der letzten Stunde der Partie findet Rosol besser ins Spiel. Im zweiten Satz realisiert er ein Break, welches ihm alllerdings nichts mehr nützt. Und im dritten Satz kann er die Breakmöglichkeit zum 4:2 nicht verwerten, weil Wawrinka den Breakball mit einem Aufschlag-Ass mit kontert.
Wawrinkas Aufschlag stellt die Überraschung des Spiels dar. Dem bald 31-jährigen Lausanner gelingen 18 Asse. Rosol, der als ausgezeichneter Aufschläger gilt, bringt es bloss auf zwei Asse und sechs Doppelfehler. Wawrinka hebt nach der Partie aber einen anderen Schlag hervor: «Gewiss, ich schlug ausgezeichnet auf. Aber dass Rosol nur zu zwei Assen kam, war mein Verdienst. Meine Returns waren noch besser als die Aufschläge. Ich brachte praktisch alles zurück.» Rosol muss insbesondere zu Beginn der Partie um alle Aufschlagpunkte kämpfen. Nur vier seiner ersten acht Aufschlagspiele serviert er nach Hause.
Die Returns von Wawrinka schüren Hoffnungen für das Achtelfinale gegen Milos Raonic, einen Service-Kanonier von erheblich gröberem Kaliber als Lukas Rosol. Stan Wawrinka spricht vom Kanadier nur in den höchsten Tönen. «Ich hätte keinen schwierigeren Gegner in diesem Stadium des Turniers erwischen können. Vor etwas mehr als einem halben Jahr war Raonic noch die Nummer 4 der Welt. Er ist einer derjenigen Newcomer, die jederzeit jeden schlagen und ein Grand-Slam-Turnier gewinnen können.»
Und der 25-Jährige ist in Form. Das hat er mit dem Turniersieg sowie dem Finalerfolg in Brisbane über Roger Federer unter Beweis gestellt. Und in Melbourne hat er noch keinen Satz abgegeben.
Er besiegte in den ersten drei Runden Lucas Pouille (6:1, 6:4, 6:4), Tommy Robredo (7:6, 7:6, 7:5) und Viktor Troicki (6:2, 6:3, 6:4). Robredo war einst selber die Nummer 5 der Welt, Troicki gewann unmittelbar vor dem Australian Open das Vorbereitungsturnier von Sydney.
Für Wawrinka sprechen im Achtelfinal die bisherigen Direktbegegnungen. 4:1 führt da der Schweizer. Aber auch diesen Fakt lässt Wawrinka so nicht gelten: «Ja, ich habe viermal gegen ihn gewonnen. Aber einfach war es nie.» Das letzte Duell vor einem Jahr in Rotterdam gewann Wawrinka 7:6, 7:6. Wawrinka: «Und Anfang Januar (am Einladungsturnier) in Abu Dhabi habe ich gegen Raonic in der Vorrunde verloren.»
Die Tagesform wird von Bedeutung sein. Und in dieser Hinsicht weiss selbst Wawrinka nicht genau, wo er im Vergleich zur Konkurrenz steht. Die Erkältung, die ihn bei Turnierbeginn plagte, ist mittlerweile abgeklungen; seine Stimme war am Samstag aber immer noch heiser. «Die entscheidende Frage wird sein, in welcher Verfassung ich mich präsentieren kann», sagt Wawrinka. Aber die Zuversicht ist gross: «Gesundheitlich geht es mir von Tag zu Tag besser. Und was spielt es für eine Rolle, ob die Stimme heiser ist oder nicht. Wichtig ist einzig und allein, dass ich mich auf dem Platz gut fühle. Und das war schon am Samstag der Fall.» (ole/sda)