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Jean-Luc Darbellay
1946 in Bern geboren, studierte zuerst Klarinette am Berner Konservatorium und liess sich später bei Pierre Dervaux und Franco Ferrara zum Dirigenten ausbilden. Darauf folgten Kompositionsstudien bei Cristóbal Halffter, Dimitri Terzakis und, besonders massgeblich, bei Edison Denisov, dessen Assistent er bei den Luzerner Meisterkursen im Rahmen der IMF war. Er besuchte die Seminarien von Pierre Boulez am „Collège de France“ und am IRCAM und bildete sich in den Meisterkursen von Klaus Huber und Heinz Holliger weiter aus.
Eine intensive Zusammenarbeit mit Siegfried Palm führte zur Entstehung von sieben Werken, die dem legendären Cellisten gewidmet sind. 1992 findet in Witten anlässlich des WDR-Festivals die Uraufführung von György Kurtágs Lebenslauf statt, ein Stück das er für Elsbeth und Jean-Luc Darbellay geschrieben hatte (beide als Bassetthornspieler). Im selben Jahr Zusammenarbeit mit John Cage in Perugia anlässlich seines letzten Festivals in Europa.
Als Komponist ist J-L.Darbellay äusserst vielseitig. Anssi Karttunen war der Solist bei der Uraufführung des Concerto pour violoncelle et ensemble 1989 im Pariser „Maison de la Radio“. Im Auftrag des Westschweizer Radios (RSR) und von Radio Kanada komponierte er 1996 das Streichquartett Ecumes. Der Mitteldeutsche Rundfunk wandte sich an ihn mit der Bitte, zum 70. „Bauhaus-Jubiläum“ im Jahre 1996 in Dessau ein Werk mit Bezug zum Maler Paul Klee zu schaffen. Es entstand das Ensemblestück Ein Garten für Orpheus.
Die Uraufführung von Incident Room (Text: Ken Edwards) fand 1999 im Théâtre Molière in Paris durch Noëlle-Anne Darbellay, Violine und Stimme, statt.
Mit dem NEC (Nouvel Ensemble Contemporain) führte J-L.Darbellay seine Kompositionen Chandigarh und Mégalithe-La Tène zum ersten Mal auf. Es erfolgte ein erneuter Auftrag des Westschweizer Radios, als dessen Ergebnis das Orchestre de la Suisse Romande unter der Leitung von Fabio Luisi dem Publikum im September 2000 das Werk Oyama für grosses Orchester vorstellte. Das Konzert wurde direkt übertragen und vom Westschweizer Fernsehen gefilmt. Die ersten Aufführungen in Deutschland fanden in Weimar und im Leipziger Gewandhaus statt, wobei das MDR Symphonieorchester wiederum unter Fabio Luisi spielte. Das Leipziger Konzert wurde von verschiedenen deutschen Radiosendern und auch von France-Musique ausgestrahlt. Des weiteren wurde Oyama an der „Tribune internationale des compositeurs“ vorgestellt.
2005 fand im Gewandhaus zu Leipzig die UA seines Requiems statt, einem AW des MDR mit Solisten, Chor und Orchester des MDR, wiederum unter der Leitung des italienischen Maestros.
2007 wurde das Auftragswerk von Radio France Echos im Rahmen des Festivals Présences de Radio France in Montpellier aus der Taufe gehoben. Ilan Volkov dirigierte das Orchestre philharmonique de Radio France mit dem Solisten Jean-Jacques Justafré. Im gleichen Jahre erklang die asiatische Premiere von Oyama mit dem Hong Kong Philharmonischen Orchester unter Tsung Yeh.
Im Jahre 2008 fand die Tokyo Première des Stückes Mégalithe-Lutèce sowie die französische Erstaufführung in der Cité de la Musique in Paris wiederum im Rahmen des Festivals Présences mit Olivier Darbellay als Solisten und der Tokyo Sinfonietta unter der Leitung von Yasuaki Itakura statt. Im selben Jahre hob Stephan Siegenthaler im Prager Rudolfinum das Klarinettenkonzert Zéphyr aus der Taufe. Das Prague Philharmonia Ensemble musizierte unter der Leitung von Kaspar Zehnder.
2010 Uraufführung von Dernière lettre à Théo, einem Auftragswerk der „Association des amis genevois de l’Orchestre de la Suisse Romande“ über einen Text von Metin Arditi in der Victoria Hall in Genf. Solist war der Bariton Rudolf Rosen. Im gleichen Jahr fand die Schweizer Erstaufführung vom Requiem im Rahmen des Lucerne Festivals unter der Leitung von Emilio Pomàrico statt.
2011 Uraufführung von Noori für Violine, Horn und Streicher während des Festivals „Rencontres musicales de Champéry“ mit Noëlle-Anne Darbellay, Violine, Olivier Darbellay, Horn, unter der Leitung des Komponisten. Im gleichen Jahr Uraufführung von Cosmos für Perkussion und Orchester anlässlich der Residenz beim Orchestre de Chambre de Lausanne, mit Dame Evelyn Glennie als Solistin, Dirigent war Pascal Rophé. Direktübertragung durch Radio Suisse Romande Espace 2 und Realisation eines Dokumentarfilmes durch die Télévision Suisse Romande. 2012 Residenz beim Festival „Les sommets musicaux de Gstaad“. Uraufführung von 8 kurzen Stücken für Violine und Klavier durch junge Solisten (Auftrag des Festivals).
Mehrere Festivals für zeitgenössische Musik haben Werke von J-L.Darbellay in ihre Programme aufgenommen: Festival Alternativa Moskau, Festival Présences Paris, Panasiatisches Festival Seoul, Brucknerfest Linz, Wien modern, Prague Premières, Odessa „two days and two nights“, Kiev Fest, Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik, Weltmusiktage in Bukarest, Luxemburg, Yokohama, Hong Kong, Ljubljana, Göteborg, Zagreb (im Rahmen der Biennale) und in der Schweiz.
Am Wettbewerb des Berner Symphonieorchesters 2002 hat der Komponist ausserdem den Publikumspreis mit dem Werk Ondes unter der Leitung von Dmitri Kitajenko gewonnen.
1978 gründete J-L.Darbellay das „LUDUS Ensemble“, das er seither dirigiert. Er ist ferner Gründungsmitglied der Komponistengruppe „Lacroix“ und des Festivals l’art pour l’Aar (zusammen mit vier Komponistenkollegen) und war von 1994 bis 2007 Gründerpräsident der SGNM (Schweizer Gesellschaft für neue Musik) sowie von 2003-2007 Vorstandsmitglied der IGNM. Er initiierte die Durchführung der Weltmusiktage 2004 in der Schweiz, ein Festival das viel Beachtung fand.
Zahlreiche Konzerttourneen, oft mit dem 1996 gegründeten ORION-Ensemble, führen den Komponisten durch ganz Europa, in die USA, nach Kanada, Südamerika, Asien und Australien.
Sein Schaffen umfasst bis heute 250 Werke aller Gattungen.
Die Musik von Jean-Luc Darbellay wurde von vielen Orchestern und Ensembles aufgenommen und gespielt, unter anderen von den Rundfunk-Symphonieorchestern Stuttgart und Leipzig, vom Philharmonischen Orchester Moskau, dem Orchestre philharmonique de Radio France, dem String Orchestra of New York City, dem Hong Kong Philharmonic, dem Nationalorchester des rumänischen Radios, der Tokyo Sinfonietta, der Luxembourg Sinfonietta, dem Brasilianischen Nationalorchester, dem Philharmonia Orchester Prag, dem Nationalorchester der Ukraine, dem Symphonischen Orchester Thailand, dem Symphonischen Orchester Santa Fé, sowie dem Orchestre de la Suisse Romande, dem Orchestre de Chambre de Lausanne, dem Berner Symphonieorchester, dem Orchestra della Svizzera italiana, dem Symphonieorchester Biel, dem Kammerorchester Basel, dem Thurgauer Kammerorchester und der Camerata Bern.
Die meisten Werke des Musikers sind bei Ricordi München verlegt.
2005 wurde Jean-Luc Darbellay zum „Chevalier dans l’Ordre des arts et des lettres“ des französischen Staates ernannt.
2009 erschien bei Claves in Ko-Produktion mit dem MDR eine Porträt-Doppel-CD.
2011 publiziert die Mediathek Wallis/Sion „Jean-Luc Darbellay, compositeur, éléments biographiques et liste des oeuvres“, zusammen mit einer Ausstellung, einer Vortragsreihe und einem Portrait-Konzert anlässlich des Transfers seines Archivs nach Sion.
Im selben Jahr erscheint eine „Musiques Suisses-Grammont-Portrait-CD“ mit Kammermusikwerken (u.a. verschiedene Solostücke mit Noëlle-Anne Darbellay, Violine und Stimme) und dem Konzert für Horn und Orchester Mana mit Olivier Darbellay und dem Bieler Sinfonieorchester unter der Leitung von Thomas Rösner.