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Am Anfang war das Modem
Zunächst wurde eine Möglichkeit gesucht, z. B. die Post über eine Kette
mehrerer anderer Rechner weiterzuleiten und gegebenfalls auch einmal Dateienzu transferieren. Es entstanden die Programme, die heute unter dem Oberbegriff'uucp' zusammengefaßt sind. Die Abkürzung 'uucp' steht für'Unix to Unix Copy'. Bei uucp handelt es sich um ein System von Programmenund Protokollen zum Offline-Datentransfer, d. h. Mail, Kopieraufträgeoder die Ausführung von Kommandos wurde zunächst in Form vonAuftragsdateien in einem Verzeichnis (meist /var/spool/uucp) abgelegt.
In regelmäßigen Zeitabständen wird dann der eigentlicheDatentransfer gestartet (Programm 'uucio' = Unix to Unix Copy I/O). Per
Modem wird Kontakt zu einem entfernten Rechner aufgenommen und wechselseitig
Daten ausgetauscht. Ist alles erledigt, wird die Verbindung wieder unterbrochen.
Heute wird vieles online im Netz erledigt, aber uucp hat immer noch seine
Daseinsberechtigung, z. B. zum Austausch von Mail und Usenet-News. Wenn
jemand beispielsweise sowieso nur einmal am Tag seine Mail bearbeitet dann
kann dies offline, d. h. lokal geschehen und der Transfer irgendwann Nachts
oder im Lauf des Tages erfolgen. Uucp-Software gibt es auch für andere
Betriebssysteme (z. B. das Paket 'Waffle' für DOS) und so ist auch
ein platformübergreifender Datenverkehr möglich. Außerdem
kommt man so auch in Gegenden an seine Mail, in denen nur eine Telefonverbindung
verfügbar ist. Das Thema wird im Kapitel über das Internet nochmals
aufgegriffen. Um erreichbar und von anderen Rechnern unterscheidbar zu
sein, braucht jedes System einen eindeutigen Knotennamen. Mit deren Hilfe
gab es dann auch die erste Möglichkeit, Benutzer auf anderen Rechnern
zu adressieren.
uname [-amnrsv]
Ausgabe des Knotennamens und weiterer Info. Wichtig sind:
s System Name des Rechners
n Knotenname des Rechners
Das Versenden von Post an ein anderes System erfolgte anfangs durch Angabe von
Knotennahmen und Loginnamen des Empfängers, getrennt durch ein Ausrufezeichen,
z. B.:
mailx -s "Konferenz an 12.7." werk2!hans
Die übrige Bedienung
von mail erfolgt dann wie schon beschrieben. Es ist auch möglich,
die Post über mehrere Knoten zu leiten, wenn zwischen dem eigenen
Rechner und den Zielrechner keine direkte Verbindung besteht. Angenommen
alle Rechner eines Unternehmens sind pr uucp gekoppelt, dann könnte
der mail-Aufruf so aussehen:
mailx -s "Konferenz am 12.7." werk1!werk2!werk4!klaus
Nachteil dieser Wegbeschreibung, die wegen der Ausrufezeichen als 'Bang-Path'
bezeichnet wird, ist die Festlegung ebe gerade auf einen Weg. Ist der Rechner
"werk2" gerade nicht betriebsbereit, bleibt die Post hängen. Deshalb
ist man schon sehr bald zu einer wegeunabhängigen Adressierung übergegangen,
der an anderer Stelle beschriebenen Domain-Adressierung, die heute verwendet wird.
Manchmal findet man noch Mischformen, bei denen sozusagen die letzte Wegstrecke
noch als Bangpath notiert ist. Es gibt eine ganze Reihe von uucp-Kommandos:
uucp [Optionen] Quelldatei(en) Zieldatei
(Unix to Unix Copy) Kopieren von Dateien zwischen zwei Unix-Systemen.
Für Quell- und Zeildatei kann dabei folgendes angegeben werden:
Der Pfadname kann angegeben werden als:
~Loginname[Pfadname]
- Ein Pfadname auf dem lokalen System
- Kombination aus Knotenname(n) und Pfadname
(absoluter Pfad) - uucp setzt für die Tilde ~
dann den Pfad zum Home-Directory des Benutzers ein.
~/Pfadname
uucp setzt für die Tilde ~ dem Pfad /usr/spool/uucppublic/
ein und hängt den angegebenen Pfad an.
Von den Optionen werden nur einige vorgestellt:
|-j||gibt die Auftragskennung aus|
|-m||Sendet an der Aufrufer einen mail-Mitteilung über den Erfolg der Kopieraktion|
|-n||Empfänger-Loginname Der Empfänger wird per mail über
den Kopiervorgang informiert.|
uux [-jmu] Kommandostring
(Unix to Unix command eXecution) Ermöglicht
die Ausführung eines Kommandos auf einem anderen UNIX-Rechner. Die
Dateien des Kommandos können auf eine ausgewählten Maschinen
liegen. Der Kommandostring ist ähnlich aufgebaut wie bei uucp:
Knotenname[~Loginname]Kommando
Mit "uux Konotenname!login" kann man sich auf dem fremden Rechner anmelden,
als ob man an einem seiner Terminals wäre. Dazu wird oft aber auch
das folgende Kommando angeboten:
cu [Optionen] Knotenname
(Call Unix) Einloggen am Rechner mit dem angegebenen Knotennanmen.
Es erfolgt dann ganz normal die Login-Aufforderung des entfernten Rechners -
sozusagen die Minimalform eines Terminalprogramms für das Modem.
cu wird heute fast nur noch verwendet, um angeschlossene Modems zu
testen, Mit dem Parameter "-l" kann man eine Schnittstelle direkt
ansprechen, z. B. cu -l /dev/ttyS0.
Die uu-Kommandogruppe kennt noch eine Reihe weiterer Kommandos für
den Verkehr zwischen UNIX-Rechnern - siehe weiterführende Literatur.
uucp-Verbindungen sind jedoch in jedem Fall für Mail, Netnews und
gelegentliche Dateitransfers ausreichend. Sehr viel komfortabler wird es
jedoch, wenn über Netzwerkkabel, Standleitung, Modemverbindung oder
sogar Satellitenfunk die einzelnen Systeme direkt vernetzt sind.