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Der achte März ist der Weltfrauentag. Wir feiern ihn mit Erna und Else, zwei kletternden Frauen im Werk von Arthur Schnitzler.
„Und ich möchte wieder einmal kraxeln.“
Sagt die kecke Erna Wahl in der Auftaktszene des ersten Aktes in „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler, einer Tragikomödie in fünf Akten, die am 14. Oktober 1911 gleichzeitig an neun deutschsprachigen Theatern uraufgeführt wurde. In dem Jahr also, in dem erstmals der Weltfrauentag begangen wurde (am 19. März; seit 1921 ist es der 8. März). Die Antwort auf Ernas Kletterwunsch gibt der Arzt Franz Mauer: „So? Da trifft man sich vielleicht auf irgend einer Felsenspitze. Mich zieht es nämlich auch in die Dolomiten.“ Als Seilpartner hat er den Fabrikanten Friedrich Hofreiter vorgesehen, der vor sieben Jahren auf einer Tour in den Dolomiten einen Freund verloren hat und seither nicht mehr klettern war. Aber, wie es so geht im Leben und auch auf der Bühne: Der Mauer hat ein Auge auf Erna geworfen, und diese wiederum himmelt den Friedrich an, obwohl dieser älter und verheiratet ist.
Natürlich geht es in „Das weite Land“ nicht nur um Berge und Menschen. Aber das Klettern nimmt eine wichtige Rolle ein. Der dritte Akt spielt im Schlerngebiet im Süditrol, am Völser Weiher und in dem an ihm liegenden Grand Hotel. Im Mittelpunkt steht der fiktive Aignerturm, eine schwierige und vor allem gefährliche Felsspitze, die Erna mit einem Führer und den beiden möglichen Liebhabern erklettert. Zum Entsetzen aller, die unten geblieben sind, mit Ausnahme des Hoteldirektors Aigner, der den Turm als Erster bestiegen hat. Er gesteht Friedrich:
„Wissen Sie, wann ich die Erstbesteigung dieses Turms unternahm, von dem Sie eben herunterkommen? – Es war sehr bald, nachdem ich mich von … meiner Frau getrennt hatte.“
„Wollen Sie damit sagen, daβ da – ein Zusammenhang bestand?“
„Gewissermaβen … Ich will ja nicht behaupten, daβ ich den Tod gesucht habe – der wäre einfacher zu haben gewesen – aber viel am Leben lag mir damals nicht.“
Von solchen düsteren Gedanken und Gefühlen ist Fräulein Erna weit weg: „Es war die schönste Stunde, Herr von Aigner, die ich je erlebt hat.“ – „Ja, dort oben!“
Dort oben möchte auch Fräulein Else sein, die Hauptfigur in Arthur Schnitzlers gleichnamiger Novelle von 1924. In einem langen inneren Monolog reflektiert sie ihren letzten Abend in einem Hotel im Dolomiten-Kurort San Martino di Castrozza und zerbricht an Geld- und Lust-Forderungen der Männer. Gleich auf der ersten Seite der Novelle denkt Fräulein Else: „Was für ein wundervoller Abend! Heut wär das richtige Wetter gewesen für die Tour auf die Rosetta-Hütte. Wie herrlich der Cimone in den Himmel ragt! – Um fünf Uhr früh wär man aufgebrochen. Anfangs wär mir natürlich übel gewesen, wie gewöhnlich. Aber das verliert sich. – Nichts köstlicher als das Wandern im Morgengrauen.“ Und ganz am Schluss der Novelle (und ihres Lebens) gehen Else diese Gedanken durch den Kopf: „Ich will noch auf viele Berge klettern. Ich will noch tanzen. Ich will auch einmal heiraten. Ich will noch reisen. Morgen machen wir die Partie auf den Cimone.“
Arthur Schnitzler: Das weite Land, 1911; Fräulein Else, 1924. Beide als Reclam-Bändchen erhältlich.