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Die rund 3 Millionen Rinder, Rinder und Schweine in der Schweiz produzieren sehr viel Gülle und Mist, woraus grosse Mengen Ammoniak (NH3) in die Atmosphäre entweichen. Diese Emissionen entstehen in Ställen und offenen Güllelagern sowie bei der Ausbringung auf die Äcker und Wiesen. Früher oder später gelangt dieser Stickstoff flächendeckend auf die Böden – und damit auch in wertvolle Lebensräume, in denen die ungewollte Düngung eine negative Entwicklung in Gang setzt (siehe Grafik). Ein Teil des Stickstoffs entweicht als Lachgas wieder aus den Böden, das nicht nur ein hochpotentes Treibhausgas ist, sondern auch die Ozonschicht angreift. Betroffen sind auch die Gewässer: Nitrat, zu dem Bakterien Ammoniak umgewandelt haben und das nicht von den Pflanzen aufgenommen werden kann, wird ins Grundwasser sowie in die Bäche und Flüsse geschwemmt, wo es nicht erwünscht ist. Weitere wichtige stickstoffhaltige Luftschadstoffe sind Stickoxide (NOX), die vor allem bei der Verbrennung von fossilen Brenn- und Treibstoffen gebildet werden. Sie steuern im Schweizer Durchschnitt ein Drittel zum gesamten Stickstoffeintrag in die Ökosysteme bei.
Pflanzenverfügbarer Stickstoff war lange Zeit in einem weitgehend geschlossenen Kreislauf gebunden und wurde zwischen Boden, Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen immer wieder rezykliert. Mit der Erfindung des Stickstoffkunstdüngers und der stark zunehmenden Verbrennung von Holz, Kohle, Gas und Erdöl wurde der Stickstoffkreislauf weltweit aufgebläht. Importierte Futtermittel sind ein weiterer Eintrag in den Stickstoffkreislauf. Sie erlauben höhere Nutztierbestände und vergrössern so die Güllemengen, der Kreislauf ist zum offenen System geworden: In der Schweiz entweicht jedes Jahr ein grosser Teil des Stickstoffs aus landwirtschaftlichen Systemen in die Umwelt.
Von Natur aus beträgt der atmosphärische Eintrag von biologisch aktivem Stickstoff lediglich 0,5 bis 2 Kilogramm pro Hektare und Jahr. Dieser Eintrag hat sich infolge der Stickstoffemissionen in den letzten 100 Jahren vervielfacht. Die Karte oben rechts zeigt, wo und wie stark die kritischen Eintragsgrenzen derzeit überschritten werden. Fast alle Hochmoore, drei Viertel der Flachmoore, fast 90 Prozent der Wälder und ein Drittel der besonders artenreichen Wiesen und Weiden erhalten zu viel Stickstoff aus der Luft. Auf diesen Flächen verändern sich die Umweltbedingungen so stark, dass bestimmte Arten mittel- bis langfristig verdrängt werden (siehe Grafik). Im Wald schädigen übermässige Einträge das Nährstoffgleichgewicht der Bäume und machen sie anfälliger für Stürme, Trockenheit und Krankheiten.
Ein Vergleich mit der Situation 1990 (linke Karte) zeigt aber auch, dass die Stickstoffeinträge abgenommen haben. Dank sinkenden Tierzahlen und emissionsmindernden Massnahmen in der Landwirtschaft konnten die landwirtschaftlichen Ammoniakemissionen insbesondere zwischen 1990 und 2000 gesenkt werden. Seit der Jahrtausendwende haben diese Emissionen allerdings nur noch wenig abgenommen. Auch der Rückgang der Stickoxidemissionen trägt zu sinkenden Stickstoffeinträgen bei.
Letzte Änderung 24.02.2021