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Mit zwei kurzen Aussagen – einer eigenen und einer fremden – kann man die Schaffensperiode von Jules Bernhard Hunziker, in seinen letzten fast 40 Jahren, ab Mitte der Fünfzigerjahre, umschreiben: „Die Farbe ist für mich wichtiger als die Form“ und „Die Natur ist keine Kunst, sie ist eine Realität, Kunst ist etwas künstliches.“ Die Farbe ist auch schon vor dieser Zeit wichtig für JB Hunziker gewesen; sie hatte jedoch immer eher nur eine unterstützende Funktion und kaum eine zentrale Bedeutung für die Aussage eines Bildes. Solange er mit der Staffelei oder seinem Skizzenbuch unterwegs war, um ein möglichst getreues Abbild der Natur festhalten zu können, war die Form noch das Wichtigste. Das änderte sich dann aber anfangs der Fünfziger Jahre; Hunziker wurde „farbiger“. Er löste sich immer mehr vom Abzeichnen und kopieren der Natur und begann sein Arbeitsfeld fast ausschliesslich ins Atelier zu verlegen, wo er dann die skizzierten Sujets nach andern – seinen eigenen – Kriterien neu erschuf, was natürlich dann auch bedeutete, dass die Formen genauer denjenigen in der Natur entsprechen mussten.
Die Aussage von Gilson, dass etwas künstlerisch Gestaltetes in jedem Falle etwas Künstliches sei und die Natur in diesem Sinne auch nie nachahmen könne, ist JB Hunziker sehr hilfreich gewesen. Er begann langsam zu verstehen, was mit ‚Kunst‘ gemeint sein könnte – nämlich die Schaffung einer neuen, eigenständigen Wirklichkeit. Das führte ihn dann auch dazu, die Natur, beziehungsweise das was draussen überall zu sehen ist, nur noch als „Vehikel“ zur Umsetzung seiner „Farbvisionen“ zu benutzen und nicht mehr als das Hauptelement zu betrachten. Die ersten rund 30 Jahre hat Hunziker fast ausschliesslich mit Ölfarben gemalt – es gab ja neben den Wasserfarben und Pastellkreiden auch nicht viel anderes. Aber je länger je mehr befriedigten ihn die Ölfarben nicht mehr: sie waren ihm zu stumpf, zu wenig leuchtend, zu wenig aussagekräftig. Sie gaben nicht das wieder, was er an Farben vor seinem geistigen Auge sah. Die Leuchtkraft seiner, in der Folge selbst hergestellten, Pastellkreiden kam dann seinen Farbvorstellungen schon sehr nahe. Das Malen mit Pastell ist jedoch etwas aufwändig – jedes Blatt muss mehrere Male fixiert, das heisst mit Fixativ besprüht werden und jedes fertige Bild muss durch ein Glas geschützt werden. Die sich daraus für den Betrachter unvermeidlich ergebenden Spiegelungen sind immer unbefriedigend.
Angeregt durch einen Hinweis in der Fachliteratur begann Hunziker mit Versuchen auch andere Farben selbst herzustellen: als Bindemittel anstatt Öl aber ein flüssiges Harz zu verwenden. Es brauchte dann aber über drei Jahre unermüdlichen Pröbelns bis seine Bemühungen von Erfolg gekrönt waren – und die Farboberflächen beim Trocknen nicht mehr in die gefürchteten ‚Spinnen‘ zersprang. Die lasierende Wirkung des Harzes steigerte die Leuchtkraft der Farben beträchtlich. Endlich entsprachen die ihm zur Verfügung stehenden Farben auch seinen Vorstellungen und seinen „Farbsymphonien“ stand nun nichts mehr im Wege. Seine Farbskala umfasst nur zwölf reine Farben: vier gelbe, vier rote und vier blaue. Dazu kommt noch weiss. Mit den zwölf Farben lassen sich alle nur erdenklichen Farbnuancen erzielen. Hunziker mischte grundsätzlich nie mehr als zwei Farben miteinander. Wenn irgendwie möglich benützte er sogar nur einen reinen Farbton. Die Verwendung von reinen Farben steigert deren Leuchtkraft innerhalb eines Bildes sehr stark. Jede dieser zwölf Farben kann auch als Grundton eines Bildes dienen. Mit einer – manchmal über eine längere Zeit in seinem Kopf gereiften – Farbvorstellung vor Augen, suchte er sich dann ein Sujet, das diese „Vision“ am besten unterstützen und ergänzen würde. Manchmal bearbeitete er ein Sujet in verschiedenen Grundfarben um letztlich nur die beste Version weiter zu verfolgen.
Die Gegenfarben oder auch Komplementärfarben genannt, spielen in Hunzikers Farbgebung eine zentrale und dominierende Rolle. Damit bezeichnet man zwei Farben, die, wenn miteinander gemischt, ein dunkles Grau ergeben. Jede der beiden zueinander gehörenden Gegenfarben erhöht die Leuchtkraft der andern, wenn sie neben einander stehen, zum Beispiel rot-grün, gelb-violett oder blau-orange. So ist es denn eben möglich, dass eine – in der Natur an sich grüne oder weisse – Landschaft von Hunziker in rot, gelb, blau oder violett dargestellt werden kann. Die Aussagekraft des Sujets wird dadurch ausserordentlich gesteigert; die Farbe ist eben wichtiger als die Form, wichtiger als die naturgetreue Wiedergabe.