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Auch ich surfe gern im Internet. Regelmässig gehe ich da verloren. Noch lieber lese ich in Almanachen und Kalendern, alten und neuen. Die Geschichten, die Johann Peter Hebel ab 1803 für den «Badischen Landkalender» verfasste und ab 1807 für dessen Nachfolger, den «Rheinländischen Hausfreund», zählen zu meinen liebsten Texten. Und als Bub bekam ich von Tante Viva, meiner Gotte, zu Weihnachten stets den «Helveticus» und den «Pestalozzikalender» geschenkt.
Letzteren gibt es noch immer, auch wenn er jetzt «Pestalozzi-Schüleragenda» heisst. Inzwischen pflegt er thematische Schwerpunkte: letztes Jahr Umwelt, heuer, im 109. Jahrgang, Sport, nächstes Jahr wird es Musik sein. Drei unverdrossene junge Leute geben den gut 300 Seiten starken Leinenband im Taschenformat – komplett mit Lesebändchen und Bleistift – heraus. Und weil ich lebenslang Schüler bin, macht mir das Büchlein immer noch Freude.
Ich trage es mit mir herum und lerne immer wieder etwas Neues. Beispielsweise, dass die ukrainische Kunstturnerin Larisa Semyonovna Latynina 48 Jahre lang den Rekord über die meisten gewonnenen Medaillen an olympischen Spielen hielt, bevor sie 2008 vom US-amerikanischen Schwimmer Michael Phelps übertroffen wurde. Mit dem Wissen über die 1934 geborene Athletin bereichere ich in diesen Sommertagen leichtfüssig jede Partygesellschaft. Die Cüpli-Schickeria ist entzückt, weil sie solche Kenntnisse bei mir nicht vermutet hätte.
Damit habe ich aber mein Pulver noch längst nicht verschossen. Ich kann auch locker einflechten, dass im Jahr 1939 ein gewisser Lothrop Withington an der Harvard University Jahrgangs-Sprecher werden wollte und, um sich bekannter zu machen, im Rahmen einer Wette einen lebendigen Goldfisch verspeiste. Daraus wurde ein regelrechter Studentensport. Erst nach dem angeblichen Rekord von 200 verschluckten Fischen schritt die Universitätsleitung ein – nicht etwa aus Mitleid mit den Tierchen, sondern weil sie die Physis der jungen Männer gefährdet sah.
Seit ich die Ausgabe 2017/18 der Pestalozzi-Schüleragenda kenne, kann ich auch Interessantes über das Vollstopfen von Telefonkabinen mit Studenten berichten. Im südafrikanischen Durban sollen in den 1950er Jahren 25 Menschen zumindest mit der Hälfte ihres Körpers in einer Zelle gesteckt haben. In unserer postmodernen Gesellschaft, die Telefonzellen kaum noch kennt, ist diese Geschichte ein ganz grosser Ankommer.
Ich kann aber immer noch einen drauflegen: 1963 fanden an der amerikanischen Westküste Ringkämpfe von Tauchern mit bis zu 27 Kilo schweren Kraken statt. Das alles weiss ich dank dem schönen kleinen Jahrbuch in meiner Jackentasche.