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Hammond (1910-1987) eine entscheidende Rolle. John Hammond war nicht nur reich sondern auch musikalisch gut ausgebildet. Klassische Musikausbildung wurde in seiner Familie von ihm erwartet. Er interessierte sich aber seit seiner frühsten Jugend viel mehr für die Musik seiner afroamerikanischen Bediensteten. So brach er sein Viola Studium an der Yale University ab und wurde Promoter, Plattenproduzent und z.T. gefürchteter Musikkritiker. Er machte Boogie „salonfähig“. Im Dezember 1938 und 1939 organisierte er die legendären „From Spirituals to Swing“ Konzerte, die die Entwicklung der afroamerikanischen Jazzmusik präsentierten und ein regelrechtes Boogie-Woogie-Fieber auslösten. Es wurde überliefert, dass nach einem der Konzerte, die Türsteher einige in Extase geratenen Boogie Fans auffordern mussten, von den Kronleuchtern runter zu klettern. Zum Boogie Fieber trug auch die Gründung des Cafe Society in New York durch den ehemaligen Schuhverkäufer Barney Josephson bei. „Genervt“ durch die immer noch herrschende Rassentrennung in den Musikklubs gründete er 1938 in Greenwich Village den ersten und 1940 einen weiteren gemischtrassiger Club sowohl für Künstler als auch für das Publikum ein. Das Motto war: „Der richtiger Ort für die Falschen Leute“ – „The right place for the wrong people“. Auch hier half in schwierigen Zeiten beratend und finanziell der Promoter John Hammond. Cafe Society wurde bald zum Treffpunkt der linken Intellektuellen. Das führte letztendlich in der McCarthy Ära zu einer äußerst negativen Pressekampagne und zur Schließung im Jahr 1950. Sowohl in der Carnegie Hall als auch in Cafe Society traten die drei größten Vertreter der nächsten Pianistengeneration auf: Albert Ammons, Meade „Lux“ Lewis und Pete Johnson. Sie entwickelten eine solche technische Perfektion und musikalische Verfeinerung, das sie zu den bekanntesten Pianisten ihrer Zeit wurden.
Das Grosse Trio: Albert Ammons, Mead "Lux" Lewis und Pete Johnson
Albert Ammons geb. 1907 in Chicago, gestorben 1949 in Chicago mit 42 Jahren. Mead “Lux” Lewis geb. 1905 in Chicago, gestorben 1964 in Minneapolis bei einem Autounfall. Pete Johnson geb. 1904 in Kansas City, gestorben 1967 in Buffalo.
Albert Ammon´s und Meade “Lux” Lewis pianistische Freundschaft ist ausgerechnet mit einem Taxiunternehmen verknüpft: Der Silver Taxicab Company in Chicago. Um 1925 arbeiteten sie dort zusammen mit weiteren Pianisten als Taxifahrer, “verschwanden” aber während der Arbeit regelmäßig, um gemeinsam woanders Piano zu spielen. Der verzweifelte Besitzer löste das Problem, indem er ein Instrument im Büro der Taxizentrale aufstellte und auf diese Weise “die Jungs” immer einsatzbereit hielt.
In dieser Zeit lebten Ammons und Lewis zusammen mit Pinetop Smith (der Lewis Piano-Unterricht erteilte) in einem Haus. Da nur Ammons ein Klavier besaß, wurde seine Wohnung zum beliebten Treffpunkt für Boogie-Sessions. Lewis nahm schon 1927 den “Honky Tonk Train Blues” für Paramount auf: Ein Echo aus seiner Kindheit, in der er in der Nähe eines Güterzugbahnhofs aufgewachsen ist. Zu diesem Zeitpunkt war aber das durch die Wirtschaftskrise geprägte Amerika nicht offen für diese Musik.
Der dritte Piano Boogiemeister kam nicht aus Chicago. Pete Johnson aus Kansas City – ursprünglich Schlagzeuger – lernte erst mit 18 Jahren Klavier spielen. Er wurde dennoch zu einem virtuosen Boogie- und geschätztem Allround Jazzpianisten. Johnson komponierte den Dive Bomber, der zu den komplexesten Boogie Stücken überhaupt gehört.
Schon in den späten 1920er Jahren arbeitete er mit dem Sänger Big Joe Turner (1911-1985) zusammen. Diese Arbeit setzte 1978 Axel Zwingenberger fort: Zusammen mit Big Joe Turner produzierte er “Let´s Boogie Woogie All Night Long” und diese Aufnahme wurde mit dem Deutschen Schallplattenpreis der Phono Akademie ausgezeichnet.
Zitat von Big Joe Turner: “We was doin´ rock and roll before anyone ever heard of it.” Ihre größten Erfolge feierten Ammons, Lewis und Johnson in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre, nachdem die Weltwirtschaftskrise langsam überwunden war. Lewis musste noch bis 1935 als Wagenwäscher arbeiten, um seine dürftigen Einnahmen aufzubessern. Erst als ihn dort der engagierte Promoter Hammond persönlich rausholte und nach New York brachte, schaffte er den “Durchbruch”. 1935 nahm er den “Honky Tonk Train Blues” ein weiteres Mal auf. Ammons gründete 1934 seine eigene Band – die Rhythm Kings – und nahm 1936 den berühmten Boogie Woogie Stomp auf
Im Dezember 1938 traten Ammons, Lewis und Johnson mit Big Joe Turner bei dem bahnbrechenden From Spirituals to Swing Konzert in der Carnegie Hall auf. Das goldene Zeitalter des Boogie begann – ein regelrechtes Boogie Woogie Fieber war ausgebrochen. In den Folgejahren konnten sich die drei autodidaktischen Meisterpianisten materiell und musikalisch etablieren. Solo-, Duo- und Trioaufnahmen wurden regelmäßig produziert. Sie gründeten in New York das Boogie Woogie Trio, welches bald zur Hausband des Cafe Society wurde. Johnson und Ammons traten in den 1940er Jahren als ein festes Piano-Duo auf. Deren perfektes Zusammenspiel steht bis heute als Referenz für alle Boogie Woogie Piano Duos.
Ammons, den seine Zeitgenossen als einen sehr lebensfrohen Mann beschrieben, spielte in den 1940er Jahren auch mit Benny Goodmann, Harry James und Lionel Hampton. Kurz vor seinem Tod trat er bei der Amtseinführung von Präsident Harry S. Truman auf. Zu seinem 100-ten Geburtstag trat seine Enkelin Lila Ammons mehrfach mit Axel Zwingenberger auf. Sein Sohn Gene Ammons war ein bekannter Tenorsaxophonist. Johnson verlor bei einem Unfall 1952 einen Finger und mußte seine Karriere beenden. Trotz regelmäßiger Einnahmen in den goldenen Zeiten, war er in seinen letzten Lebensjahren ziemlich verarmt. Ein deutscher Jazzfan – Hans Maurer hatte 1965 “The Pete Johnson Story” herausgegeben, um für den Musiker Geld zu sammeln. Das Buch, inzwischen eine Rarität, ist in nur wenigen Antiquariaten weltweit für sehr viel Geld zu erwerben. Johnson starb 1967.