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1967
Jahresversammlung: Ansprache von Karl Meier / Rolf
Der Nachlass Eugen Laubacher / Charles Welti enthielt auch die Kopie des Protokolls dieser Versammlung, verfasst am 27. Oktober 1967 von Robert Abraham (Abonnent Nr. 246), Zürich. Beigefügt waren zudem die Reden von Karl Meier / Rolf und Eugen Laubacher / Charles Welti. Aus dem Protokoll - und aus der Rede von Karl Meier:
Anwesend: 9 Mitglieder der KREIS-Leitung und 94 Abonnenten.1
Traktanden:
- Eröffnung durch Rolf
- Protokoll der letzten Versammlung vom 26.2.1967
- Ansprache von Rolf
- Bericht des Kassiers
- Ansprache von Charles
- Diskussion und Beschlüsse
Nach Eröffnung und Protokollabnahme folgte Punkt 3:
Ansprache von Karl Meier / Rolf
"[...] Die heutige Zeit ist der Monatsschrift [...] vorausgeeilt; im Grunde braucht sie auch die Mehrzahl der Homophilen in dieser Form nicht mehr. Die grundlegende Diskussion ist in der Tagespresse der umliegenden europäischen Länder längst kein Tabu mehr und in literarischer Hinsicht können neue Bücher viel weiter in der Schilderung homophiler Liebesszenen und Praktiken gehen, als es je einer schweizerischen Zeitschrift erlaubt wäre.
Aber selbst wenn es erlaubt wäre, könnte der verantwortliche Herausgeber aus weltanschaulichen Gründen nicht zu solchen Laszivitäten stehen - die Zeitschrift müsste einen anderen Herausgeber finden. [...]"
Zuvor hatte er mit der Preiserhöhung und deren Begründung begonnen und den dramatischen Rückgang der Abonnentenzahlen geschildert. Nun fuhr er fort mit Hinweisen auf den zwar wenig befriedigenden, aber doch tabubrechenden Bericht im schweizerischen Fernsehen, was beweise, dass noch viel zu tun sei. Dann erwähnte er die neue US-Zeitschrift Drum, welche zum halben Preis (7 statt 14 Dollar wie der Kreis) ausschliesslich englischen Text und viel mehr Bildmaterial bringe und daher einen grossen Abonnentenschwund in den USA auslöste.
In dieser für ihn ungewohnten Rede ohne klaren Aufbau wechselte er abrupt auf Begründungen, warum er trotz gelegentlicher Kritik an der ausführlichen Berichterstattung über Entwicklungen in Deutschland und Österreich festhalten wolle.
Als nächstes folgte das Schildern von Möglichkeiten und Aufgaben, die von einem jüngeren Leiterteam zu beachten seien. Nur unter diesen Umständen könne die alte Leitung ihre Erfahrungen den Neuen weitergeben. Zum Conti-Club bemerkte er sodann:
"Eine Weiterführung ohne den hinter ihm stehenden KREIS dürfte kaum möglich sein. Im Moment ist zu sagen, dass unser Club-Leiter Fredy [Fredy Lohner] aus Gesundheitsgründen auf Ende Jahr seine Tätigkeit aufgibt."
Ausführlich schilderte er darauf, was der KREIS über all die Jahre angestrebt und erreicht habe. Nun aber seien die jüngsten Werbeaktionen leider ohne Erfolg geblieben, auch die Hilfsfonds-Kampagne habe nicht breit genug gegriffen. Dies alles beweise das grosse Desinteresse und sei eine "bittere Pille":
"Die Ereignisse der letzten Zeit haben mir schwer zu schaffen gemacht und es hat einige schlaflose Nächte gebraucht, bis ich den Abbruch meiner Lebensarbeit überwunden hatte."
Fredi Brauchli erzählte uns (Röbi Rapp und Ernst Ostertag) damals, dass "Rolf" ganze Nächte hindurch geweint habe und gesundheitlich recht unstabil sei.
Dann legte der Kassier Eduard Meyer / André seinen Bericht vor: Es sei die Auflösung unumgänglich, weil im Konto der Zeitschrift noch Fr. 21'500.- gegenüber Ausgaben von Fr. 21'000.- stünden. Man zehre von den Reserven, und das könne so nicht weiter gehen. Darauf richtete sich Eugen Laubacher / Charles Welti an die Versammlung.
Ernst Ostertag, Januar 2006
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Anmerkungen
- 1
Das war mit Abstand die höchste Beteiligung an einer solchen Versammlung, die wir je erlebt hatten