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Fight The Darkness heisst Michael van Merwyks erstes Soloalbum. Es sei «die Antwort auf die Ungerechtigkeiten des Lebens», schreibt er dazu auf seiner Website. Man könne sich «darüber ärgern, sich darüber beschweren, oder ihnen den Kampf ansagen» und darum geht es in den vierzehn Songs, die alle aus der Feder Merwyks stammen. Die Aufnahmen erfolgten «live» im Bielefelder Watt Matters Studio ohne Overdubs und sind eine One-Man-Show. Zum Einsatz kamen eine akustische Gitarre, eine Resonator Gitarre und eine Diddley Bow. Heraus gekommen ist ein wunderbares, akustisches Album irgendwo zwischen Blues, Soul und Country, meisterlich gespielt und schön gesungen, mit attraktiven Texten.
Pete Borel, János Szenogrady alias Grady Lee und Imad Barnieh kennen wir von ihren eigenen Karrieren. Golden Blues Band nannte sich die Gruppe mehr als drei Jahre lang, bevor sie sich nun in Blues Rocket Men umbenannt hat. «Lifted» heisst das Anfang 2017 bei «Stormy Monday Records» erschienene Album und bleibt damit im Weltraum-Jargon. Das Cover zeigt auch das Portrait eines Astronauten. Da ist es nur konsequent, dass der erste Song der CD, Diamond Lil, als Countdown beginnt. Doch zündet die Rakete auch? Ja, sie hebt ab, und wie!
Der dänische Gitarrist, Sänger und Komponist Tim Lothar hat 2014 den German Blues Award gewonnen, wurde am «Copenhagen Blues Festival» als Blues Artist Of The Year ausgezeichnet und erhielt 2008 den dänischen Musikpreis für das beste Musikalbum. Er repräsentierte Dänemark 2011 an der European Blues Challenge und war Halbfinalist an der International Blues Challenge 2014. Fünfundzwanzig Jahre lang sass er am Schlagzeug, bevor er 2004 die Gitarre in die Hand nahm und zwei Jahre später seine Debut CD «Cut To The Bone» einspielte. Seither hat er fünf weitere Alben produziert. Wir haben die beiden neusten angehört.
Die 2016er Ausgabe des Blues Caravan wurde bestritten von drei Frauen mit starken Stimmen, die auf dem hier veröffentlichten Sampler alle als Solo-Act sowie als All-Star-Formation zu hören sind. Es sind dies Ina Forsman, Layla Zoe und Tasha Taylor, und die drei Damen werden begleitet von einer kleinen Band, bestehend aus Gitarrist Davide Floreno, Bassist Walter Latupeirissa und Schlagzeuger Markku Reinkainen, die den Namen zufolge wohl die reguläre Begleitband von Finnlands Blues-Export Ina Forsman darstellen dürften. Das Album ist ein kombiniertes Doppelformat von CD und DVD. Das Album umfasst drei bis vier Solo-Performances jeder Künstlerin mit eigenem Material und dann einen gemeinsamen Auftritt alles drei, bei der sie sich auf den kleinsten musikalischen Nenner einigten und u.a. einen Song der Beatles, Stones und B.B. Kings covern.
Ein weiteres gutes Album legt der dänische Bandleader mit Change My Game vor, professionell eingespielt, schöner Gesang, mit stilistischer Vielseitigkeit. Aber es gilt weiterhin, was hier bereits bei der Rezension eines früheren Albums festgestellt wurde: Die Musik der Band bleibt eine stilistische Wundertüte, wo für jeden etwas dabei ist, aber auch für niemanden alles. Somit bleibt wirklich die grösste Frage, wieso dieses Album Change My Game heisst. Sogar die Ästhetik des Cover Shots gleicht den früheren Veröffentlichungen. Aber die Band bleibt dem Konzept treu: Musik, die nicht zu auffällig ist, die im Mix leben kann, und die sich an unterschiedliche Vorlieben richtet, indem sie für jeden was dabei hat.
Was passiert, wenn man einen Texas-Style Gitarristen und einen Chicago-Style Pianisten in einer Band von einer Hammer-Rhythmusgruppe treiben lässt, das führt die GProject Blues Band auf ihrer CD Diversified vor, wo sie schwere Chicago-Rhythmen und perlendes Piano mit der brachialen Gitarre «Leo» Kyriakakos im Texasstil mischt. Was die GProject Blues Band spielt ist moderner Blues, der die Traditionen in sich verarbeitet hat, und die Band spielt ihn meisterlich. Seien es Covers oder eigene Titel, jedes Stück ist eine Freude für Bluesfans. Auf der Website gibt es fünf Hörbeispiele. Die Band ist in jeder Hinsicht gut besetzt und die Jungs wissen, was zu tun ist: Blues der in die Füsse geht und ins Herz, Blues mit stilistischer Variation. Ein schönes Album einer Band, die Freude an ihrem Sound hat und die Fähigkeit, dies auch rüber zu bringen.
Der äusserst umtriebige Gitarrist und Sänger Mike Zito hat sein dreizehntes Album veröffentlicht. Nach seiner Trennung von der Royal Southern Brotherhood ging er zu Ruf Records, um dort mal wieder richtig die sprichwörtliche Sau rauszulassen. Zumindest klingt die neue Scheibe genauso: Spielfreude, starke Verzerrung, treibende bis leicht gehetzte Rhythmen und eine in die Ohren sägende Gitarre, die Echos von Luther Allisons Slidespiel und von Roy Buchanans Solospiel in sich vereint. Auch der Künstler selbst bezeichnet es als «Really fun Album», und das ist auch zu hören: Hier kann Mike Zito so ans Werk gehen, wie er das will und das tut er dann auch.
Musik von Hand gemacht
Die Deutsche Sprache verdankt das inzwischen etwas angestaubte Wort «Liedermacher» angeblich Wolf Biermann, der es als proletarisches Äquivalent zum «Schumacher» verstanden haben wollte, also als ehrlichen, fast handwerklichen Beruf, bei dem der Liedermacher einsteht für sein Produkt, das er selbst plant und ausführt. In dem Sinn ist Bad Temper Joe ein Liedermacher – seine Musik ist von A bis Z sein eigenes Ding: er schreibt die Titel selbst und spielt die Saiteninstrumente dazu. Entsprechend authentisch und engagiert klingt das auch: akustischer Blues der edlen Sorte, mit viel Gefühl gesungen und gespielt.
Der selbsternannte Bannerträger der speziellen musikalischen Tradition von New Orleans, Dr. John, hat ein Album mit launigen und musikalisch abwechslungsreichen Covern von 13 Songs veröffentlicht, die Louis Armstrong einst sang. Dazu hat er sich «Guest Stars» eingeladen, und er teilt die Songs u.a. mit den Blind Boys of Alabama, Bonnie Raitt, Shemekia Copeland, Anthony Hamilton und der Dirty Dozen Brass Band. Der Charakter jedes einzelnen Covers ist so unterschiedlich wie die Kooperationen, und es ist die spezielle Singstimme Mac Rebenacks, die als Klammer um das Ganze herum dient. Manche Titel bleiben dem Original treu, andere sind nur noch am Text zu erkennen. Das ganze Album ist unterhaltsam anzuhören und wer Dr. Johns Stimme etwas abgewinnen kann, wird viel Vergnügen haben.
Er ist nicht mehr sehr bekannt, obwohl seine Musik längst ihren Platz im Kanon nicht nur des Blues gefunden hat: «Blind» Willie Johnson. Sein Song Dark Was the Night - Cold Was the Ground wurde als einer der musikalischen Beiträge für die «Golden Records» ausgesucht, jenen beiden Datenträgern, die 1977 den Raumsonden Voyager 1 und 2 von der NASA auf eine Reise ohne Ziel in die Unendlichkeit mitgegeben wurden. Die Datenträger sollen allfälligen extraterrestrischen Lebewesen, welche die Raumsonden vielleicht eines Tages entdecken, ein Bild von der Erde und den Menschen vermitteln. Nun erweist Alligator Records zum 120ten Geburtstag dem Musiker und Prediger die Ehre mit einer Kompilation, die elf seiner Songs enthält, welche von verschiedenen Künstlern interpretiert werden.
Südafrikas Hard-Bluesrock-Gitarrist Dan Patlansky hat der Bluesnews-Redaktion seine zweite CD zukommen lassen, und sofort wird klar: er macht dort weiter, wo er mit Dear Silence Thieves aufgehört hat: harter Bluesrock gespielt von einer kleinen Band (Trio plus Hammond/Keyboard), produziert von Theo Crous und aufgenommen in den Bellville Studios in Südafrika. Also in jeder Hinsicht eine Fortsetzung des vorhergehenden Albums, und auch die Musik unterscheidet sich nicht: Patlansky ist Südafrikas Antwort auf Stevie Ray Vaughans meteoritenartige Erschütterung der Bluesszene, und wie der Texaner mit den sagenhaften Riesenhänden spielt auch der weisse Südafrikaner eine abgeruntzte Sunburst Fender Strat, und auch er ist Endorser bei der kalifornischen Firma. Insofern gibt es wenig Neues zu sagen, und auch wenn die in der letzten Rezension geäusserte Hoffnung, diesen Mann dereinst auf einer Schweizer Bühne sehen zu können, sich durch einen Auftritt in Lausanne umsetzen liess, so bleibt gleichzeitig zu hoffen, dass er auch an einem grösseren Festival in der Deutschschweiz dereinst zu sehen sein wird.
Die Schweizer Band mit dem eingänglichen, weil einzigartigen Namen Furhammer legt mit Tarred & Feathered ihr Debutalbum vor. Die zwölf bluesigen Titel sind alles Eigenkompositionen und das Album wurde per Crowdfunding produziert. Die Tatsache, dass das Crowdfunding den angestrebten Betrag um 10% übererfüllt hat, kann sicher als Zustimmung zur Musik und dem Groove-Feeling der vier Musiker aus dem Grossraum Zürich gewertet werden, die in den letzten Jahren zahlreiche Gigs gespielt und sich so die nötig Erfahrung erspielt hat.
Mit grossem Tamtam wurde das neue Album der Rolling Stones angekündigt. «Back to the Blues» titelte das Magazin «Rolling Stone» über das 26. Studioalbum der Britischen Namensvettern. Verständlicherweise ist bei den Rolling Stones alles eine Nummer grösser. So gibt es nach diversen Vorveröffentlichungen nun das gesamte Album, und bereits zwei Tage nach Veröffentlichung auch schon die Wikipedia-Seite zum Album – und zwar in elf Sprachen! Dort liest man die Eckdaten des Albums: Erstes Album der Stones überhaupt mit ausschliesslich Coversongs, Erstes Album seit Dirty Work (von 1986) auf dem Mick Jagger keine Gitarre anfasst. Guest appearance Eric Clapton. Auch die Namen der Komponisten und der Bandmitglieder werden genannt und neben den einzelnen Titeln gibt es schon eine Spalte für die höchste Charts-Platzierung der Songs. Was man im Netz noch selten findet, sind Rezensionen des Albums, nachdem man es tatsächlich gehört hat. Bluesnews.ch bietet nun eine solche, denn in den Redaktionsräumen liefen die Titel jetzt intensiv.
Der norddeutsche Slide-und Roots-Gitarrist Greyhound George wurde schon vermehrt mit seinen Alben vorgestellt. So wurden seine Veröffentlichungen von 2013 und 2014 hier bereits erörtert, weshalb sich hier ein kurzer Hinweis empfiehlt. Für das neue Album The Longest Road I Know hat der «Windhund» erneut die Zusammenarbeit mit dem «Alligator» gesucht und so ist das Album als Koproduktion mit Andy Grünert veröffentlicht. Der Harp-Spieler und der Gitarrist haben schon auf Cleaning Up wunderbar harmoniert und das ist hier nicht anders: 13 Songs, davon 3 von Greyhound George selbst geschrieben (unter dem Klarnamen Jürgen Schildmann) und einige berückend schöne Covers. Insbesondere Fats Dominos Sick and Tired hat es mir angetan. Im Gegensatz zur Veröffentlichung von 2014, auf der vor allem Eigenkompositionen zu Gehör gelangten, sind es hier die Coverversionen, die dominieren.
Der Engländer Si Cranstoun hat sich der Vintage-Musik verschrieben, sein Engagement mit seiner Band in Old-Time-Diskotheken der Themse-Stadt hat ihn den rechten Groove finden lassen, und sein aktuelles Album Old School zeigt, was die Band kann und vor allem auch, was Si Cranstoun selbst kann, dessen Gesang herausragend die Stimmung von Rock’n’Roll-Unterhaltungsmusik der 1950er Jahre nachempfindet. Beeinflusst von seinen Vorbildern klingt er wie Jackie Wilson oder Sam Cooke, also mit mehr Soul in der Musik als die Rock’n’Roll Revues von Elvis-Impersonatoren. Seine Musik baut auf die Kerninstrumente Gitarre, Bass, und Schlagzeug mit nur seltenem Einsatz von Bläsern, Piano oder Background-Sängern und die Band hat das erforderliche Feeling: gemächlich und geniesserisch werden die Titel zelebriert – grosses Kino und eine Scheibe, die nicht nur bei der Ü50-Party für Furore sorgen dürfte. Die Musik ist ebenso gut dem Original nachempfunden wie das CD-Cover. Vintage ohne Kompromisse wird hier geboten.
«Rock-Gitarrist, aus Texas, Alter Mitte vierzig, mit Band und einiger Erfahrung, sucht seinen Platz im Rampenlicht.» Was wie eine x-beliebige Kontaktanzeige daherkommen könnte, ist keine ganz normale «Bewerbung» um Ruhm und Ehre – denn der fragliche Mann trägt den Nachnamen erlauchter Angehöriger des Blues-Rock-Adels in den USA: Allman. Was Devon Allman, dem 1972 geborenen Sohn von Gregg Allman und Shelley Kay Jefts, aber höchstens genetische Vorteile brachte, denn die Eltern trennten sich und Devon wuchs in Texas als normales Vorstadtkind auf und lernte seinen Vater erst als Teenager kennen. Devon Allman war Mitglied der Bands Honeytribe und Royal Southern Brotherhood, und nach dem Erstling Ragged & Dirty mit der Devon Allman Band liegt nun mit Ride or Die schon das dritte Album vor. Zu hören ist Rock mit Anspruch, sorgfältig arrangiert und vorzüglich abgemischt (Kompliment an Ruf Records), kaum etwas daran ist Blues, die Musik ist eher als Country-Rock oder Southern Rock.