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Wanderzeit:
2 Std 30
Die Dörfer
Prato und Sornico sind die natürlichen Ausgangs- und Zielpunkte,
um eine Wanderung zur Soveltra Hütte zu unternehmen.
Wenn
man von Süden kommt ist man von der Pracht der großen bürgerlichen
Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert beeindruckt. Diese bilden
den Kern von Prato (742 M.ü.M.), am linken Flußufer auf dem
Schuttkegel.
Nach der Brücke, auf der rechten Seite des Platzes, dringt man
in die engen Gassen des Dorfes ein und wird von den Dekorationen an
den Fenstern, sowie von den Wappen der Patrizierfamilien (Mignami, Poncetta,
Berna, Guidi, Medici), die auf den Faßaden gemalt sind, angezogen.
Vom kleinen Platz im Dorfzentrum vor der Kirche (den Heiligen Fabian
und Sebastian gewidmet und 1487 konsekriert) aus, kann man vier Gassen
betreten. Man wähle die Hauptgasse links, auf der man, gerade nach
der Kirche -immer auf der linken Seite-, dem Haus der Familie Berna
begegnet. Im Haus befindet sich die Bibliothek der gleichnamigen Familie.
Auf der Faßade steht der wunderschöne Balkon deutlich hervor,
mit dem hochwertigen Geländer, deßen mittlere Medaillon das
Wappen der Familie trägt.
Nach dem Dorf dringt man in die Val di Prato (Pratotal) ein und ist
sofort von der Rüdheit der Landschaft beeindrückt. Auf dem
Weg atmet man den Duft der Laubbäume (Kastanienbaum, Linde, Esche,
Birke, Haselnuß), während man von Eidechsen oder Smaragdeidechsen,
die unter vertrockneten Blättern und Steinen fliehen, überrascht
wird. Auf dem gegenüberstehenden Hang, der nach Norden blickt,
findet man hingegen vorwiegend eine typische alpine Vegetation. Dann
begegnet man vielen Alpen (La Presa, Al Faèd), Zeugnisse des
vergangenen Landlebens.
Nach
ca. eine Stunde erreicht man Pradée (1000 M.ü.M.), die größte
Alp. Sie ist vom heiligen Buchenwald geschützt, der früher,
wie der Rest dieser Gegend, bewohnt war. In diesem malerischen Winkel
des Tales, befindet sich das S.Carlo Oratorium (1618), vor kurzem renoviert.
Die Eigenartigkeit und Schönheit von Pradée sind auch den
bezaubernden Wasserfällen zu verdanken. Diese sind aber leider
nur nach begiebigen Regenfällen ganzheitlich zu bewundern. Weiter
vorne verzweigt sich der Weg: nach Rechts führt er nach Sonogno
im Verzascatal durch den Passo Redorta, nach links kommt man zu den
höheren Alpen (Schièd, La Fronda und weiter oben Corgell);
hier hört die befahrbare Straße auf und man beginnt den Aufstieg
zur Hütte auf einem Bergweg. Aus diesem Punkt aus, kann man beobachten,
wie das Wasser in eine Röhre gedrängt wird, um zu den hydroelektrischen
Kraftwerken Cavergno und Verbano geleitet zu werden. Der Weg führt
sehr rasch zum beeindrückendsten Punkt. Kurz bevor steht die S.
Lorenzo Kapelle. Sie war früherl ein Aufenthaltspunkt nicht nur
für Männer, sondern auch für's Vieh, das hier momentan
festgebunden werden konnte, bevor man den beanspruchenden "Scalinate"
Aufstieg unternahm. Diese "Scalinate" sind eine Art Treppe
aus Mauer, die über einer Schlucht gebaut wurden. Dieser war früher
der Weg der Alp und wurde meistens von Alpler benutzt, die schwer beladen
hinauf und hinab gingen, weil, vor dem Bau der Luftseilbahn, alle Alpenprodukte
durch diesen engen Durchgang mußten. Ende Juni und im September
führte man auch das Vieh auf diesem Weg (vor 50 Jahren, gabs mehr
als 100 Kühe, 300 Ziegen und ca. 20 Schweine). Dieser Durchgang
ist besonders faszinierend im Punkt wo der Weg fast bis zum Fluß
hinab führt, um dann wieder hinaufsteigen auf einer langen und
steilen Treppe (die "Scalada Longa").
Nach den "Scalinate" und nach der Brücke "Ponte
della Campea", öffnet sich das Tal wieder und man ist von
Alpenweiden umgeben, wo Blumen, Heidekraut Rhododendron- und Heidelbeerbüsche
eine spontane und bezaubernde Komposition bilden.
In wenigen Minuten erreicht man die Soveltra Hütte, von der man
einen wunderschönen Blick auf die prächtigen Spitzen der Umgebung,
die vom zentralen Pizzo Campo Tencia (der einzige 3000er vollständig
auf Tessiner Gebiet) dominiert ist, genießt. An seinen Füßen
befinden sich zahlreiche Alpen: Fontana, Campala, Campo Tencia und Soveltra.
Die Gegend bietet interessante Wanderrouten ,unterschiedlich an Wanderzeit
und Schwierigkeitsstufe, an (Wanderungen auf jeder verschiedenen Alp:
Fontana, Campo Tencia, Soveltra und Campala, die Ueberquerung Passo
Fornale-Lago Mognola mit Abstieg nach Fusio, die Ueberquerung Bassa
Campala-Barone Hütte, die Bergtouren auf den Spitzen: Tencia, Barone,
Ruscada, Madas).
Nach einer erholsamen Pause in der schönen und gemütlichen
Soveltra Hütte (ehemaliger Stall, 1927 gebaut) , wer für diese
Wanderung keine Zeit mehr hat, kann zurück nach Prato Sornico.
Aber nicht mehr über die Schlucht, sondern indem er in 20 Minuten
die Maierei Cascina Nova der Campala Alp, die auf einer natürlichen
Terrasse am gegenüberstehenden Hang in einer wunderschönem
Torfgrubengegend, erreicht. Während der Abfahrt, erreicht man die
Campala Hütte und danach genießt man einen schönen Blick
über das Pratotal und somit über die hintergelaßene
Strecke. Am Ende des Pratotals, fährt man weiter der Hauptstraße
entlang, um das Dorf Sornico (754 M.ü.M., ehemaliger Hauptort der
Lavizzara Gemeinschaft und dann provisorische Residenz des Landvogten)
zu besichtigen. Das Dorf behält die ältesten historischen
und architektonischen Zeugnisse der Region. Das Kern des Dorfes Sornico
besteht aus Bauten aus dem 16. Jahrhundert, welche die prächtige
Kirche umgeben. Eine große Treppe führt zur Kirche und rechts
ist das Justizgebäude oder Haus des Landvogten (Gebäude aus
dem Jahre 1576 mit drei Bogengängen; neben den zwei kleinen Gefängnißen
ist auch einen Pranger zu besichtigen).
Die S. Martino Kirche ist die erste Kirche der Lavizzara und geht auf
dem 14. Jahrhundert zurück. Sie wurde schon um das Jahr 1000 genannt
und ist also eine der ersten Kirchen des Maggiatales. Neben ihr erhebt
sich, als ob er über das Dorf wachen würde, der hohe Glockenturm
(aus dem Jahr 1628, 47 m hoch); nicht weit weg findet man eine "Torba",
einen alten Getreidespeicher aus Holz, der auf Pfeilern steht (schon
im Jahre 1376 genannt). Auf dem kleinen Platz im Dorfzentrum steht das
Haus Moretti, früher Cotti genannt, mit Graffiti an den Fenstern
und seinem unechten Bossenwerk; es ist eins der wenigen Häuser
der Gegend, das teilweise aus Holz gebaut ist.