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Ökozid - Konzerne unter Anklage
Der US-Konzern Monsanto verletze durch seine Aktivitäten die Rechte der Menschen auf Gesundheit, Nahrung und eine intakte Umwelt. Eine Broschüre dokumentiert das Monsanto-Tribunal
Ökozid nennt man die grossflächige Zerstörung natürlicher Ökosysteme. Ursachen können extensive Ölförderung, Überfischung oder der Einsatz von Pestiziden sein. Wegen letzterem wurde der US-Konzern Monsanto vor Gericht verurteilt - zumindest symbolisch. Denn bislang hat Ökozid keine strafrechtlichen Folgen. Das sollte sich ändern, befand eine Gruppe aus der Zivilgesellschaft und rief das sogenannte Monsanto-Tribunal ins Leben, das die Verbrechen des Konzerns öffentlich verhandeln wollte. Im Organisationskomitee finden sich namhafte Persönlichkeiten wie die indische Umweltaktivistin Vandana Shiva oder Olivier de Schutter, ehemaliger Sonderberichterstatter der UNO für das Recht auf Nahrung. Das Tribunal tagte am 15. und 16. Oktober, geleitet von fünf internationalen RichterInnen und 30 ZeugInnen.
Darunter waren Bauern, Imker, Anwälte, Gesundheitsexperten und Wissenschaftler aus Nord- und Südamerika, Europa, Asien und Afrika. Das Internationale Tribunal sollte auch diesen Opfern ein Forum bieten, in dem sie ihre Anliegen vorbringen können und angehört werden. Viele von ihnen haben in ihren Herkunftsländern keinerlei Zugang zur Justiz.
Monsanto war ebenfalls eingeladen, hatte eine Teilnahme aber abgelehnt. Das Unternehmen erklärte, das Tribunal habe eine «Gruppe ausgewählter Gegner der Landwirtschaftstechnik und Monsanto-Kritikern inszeniert, die sich gleichermaßen als Organisatoren, Richter und Jury gaben.»
In den Verhandlungen berichteten viele Opfer über die verheerenden Wirkungen des Herbizids Roundup und seinem Wirkstoff Glyphosat:
«In den Reisfeldern wurden Herbizide in grossen Mengen angewendet, zuerst das Produkt «Gramoxone», das jedoch bald von Roundup abgelöst wurde. Wenige Jahre später traten die ersten Fälle von chronischen Nierenkrankheiten auf und nur zwanzig Jahre später war diese Krankheit in den trockenen, fruchtbaren Zonen Sri Lankas zum wichtigsten Problem der öffentlichen Gesundheit geworden. Schätzungsweise sind über 60 000 Menschen daran erkrankt und bereits mehr als 20 000 gestroben.» Kolon A. Saman Prasanna, Sri Lanka
Im April 2017 stellten die fünf RichterInnen in Den Haag die Rechtsgutachten des Monsanto Tribunals der Öffentlichkeit vor: Der Konzern verletzt die Menschenrechte auf eine intakte Umwelt, Nahrung, Gesundheit, und freie Ausübung der Wissenschaft und wäre des Ökozids schuldig, wenn es diesen Straftatbestand schon gäbe.
Der Verein Europäisches BürgerInnen Forum hat das Tribunal nun in einer Broschüre dokumentiert. Dort weisen eindrückliche Zeugenaussagen auf die Wichtigkeit hin, der Macht der internationalen Konzerne Einhalt zu gebieten. Im Vorwort dazu schrieb Alt-Ständerat Dick Marty: «Der Laschheit der Politik, die oft reines Entgegenkommen bis zur Komplizenschaft zelebriert, steht glücklicherweise die Zivilgesellschaft entgegen. Dank ihr wurde das Monsanto-Tribunal ins Leben gerufen.»
Die Broschüre «Ökozid – Konzerne unter Anklage» kann bei www.forumcivique.org bestellt werden. Hier finden Sie Auszüge der Broschüre, die eigentlich 120 A5-Seiten umfasst.
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