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«Wir sind keine Freunde mehr!», sagt Kind 2 und blitzt mich böse an. «Ich bin deine Mutter, nicht deine Freundin», entgegne ich. «Gut, dann sind wir keine Mütter mehr», meint das Kind grinsend. Also, wenns mit seiner Ausbildung irgendwie nicht klappen sollte, könnte das Kind immer noch Comedian werden. Beruhigend.
Ich bin Mutter, nicht Kumpel
Trotzdem überlege ich mir, ob nicht langsam der Zeitpunkt hier ist, meine Denkweise zu ändern. Solange Kinder nicht halbwegs erwachsen sind, ist für mich klar: Eltern sind Eltern, nicht Freunde. Selbstverständlich haben Kinder im Alltag Mitspracherechte, werden bei Entscheidungen angehört und miteinbezogen. Aber das Zusammenleben braucht Regeln, und die bestimmen am Ende die Eltern. Jemand muss Entscheidungen treffen, und das sind die, die dafür die Verantwortung übernehmen müssen: die Eltern. Ich bin Mutter, nicht Kumpel, und als solche darf und muss ich mich halt auch hin und wieder unbeliebt machen.
«Was bin ich, wenn ich nicht mehr die Mama bin, die in jeder Lage die Verantwortung übernimmt, und auch dementsprechend die Regeln durchgibt? Macht mich das wirklich zur Freundin, die einem jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht und eine Schulter zum Ausheulen bietet, und sonst nichts?»
Aber Kind 1 ist jetzt offiziell erwachsen, Kind 2 ins Arbeitsleben eingestiegen. Sie sind selbstständig, übernehmen immer mehr Eigenverantwortung. Das ändert auch meine Rolle in ihrem Leben. Aber wie? Was bin ich, wenn ich nicht mehr die Mama bin, die in jeder Lage die Verantwortung übernimmt, und auch dementsprechend die Regeln durchgibt? Macht mich das wirklich zur Freundin, die einem jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht und eine Schulter zum Ausheulen bietet, und sonst nichts? Ich weiss nicht. Zumal mir Leute, die sagen, ihr Kind sei ihr bester Freund, immer ein bisschen schräg reinkommen. Das selbe gilt für die, die sagen, ihre Eltern seien ihre besten Freunde.
Meine Mutter ist immer noch meine Mutter
Meine Mutter ist nicht meine beste Freundin, sie ist meine Mutter. Immer noch, auch wenn ich schon sehr, sehr lange erwachsen bin. Meine Freundinnen sorgen sich nicht um mich in der Art, wie es meine Mutter tut. Meine Freundinnen kritisieren mich nicht so, wie es meine Mutter tut. Und ich teile mit niemandem die gleiche Geschichte wie mit meiner Mutter. All das macht sie zu einer Person in meinem Leben, die es kein zweites mal gibt. Meine Mutter eben.
Trotzdem hat sich unser Verhältnis natürlich im Lauf der Zeit verändert. Wohl eher schleichend, nicht bewusst. So versuche ich auch, zuzulassen, dass sich das Verhältnis zu meinen Kindern langsam ändert. In der Gewissheit, dass ich nie ihre beste Freundin werde, sondern immer ihre Mutter bleibe. Auch wenn manche das nicht gern hören.