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Einst eine Wiese mit Obstbäumen ausserhalb des Dorfs, dann ein Militärareal und in Zukunft ein lebendiges Zentrum für Kultur und Begegnung: Ein Areal im Wandel!
Prestigeobjekt Zeughaus
Zeughäuser wurden ab dem späten Mittelalter als Lager für Kriegsmaterial errichtet. Typisch für die Konstruktion sind die fehlende Unterkellerung, gepflasterte Erdgeschossböden, Steinsäulen, grosse Eingangstore für Fuhrwerke und Geschütze sowie durch Holzpfeiler gestützte Obergeschosse. Zürichs ältestes Zeughaus steht am Paradeplatz und wird als Restaurant Zeughauskeller genutzt. Zeughäuser verkörperten das Prestige eines Staates und wurden im 18. Jahrhundert wie Museen von der bürgerlichen Bildungsschicht besucht. Das erste eidgenössische Zeughaus wurde 1861 in Thun gebaut, das letzte 1986 in Affoltern am Albis.
Ein Projekt der Krisenjahre (1936 – 1938)
Die Geschichte des Zeughausareals Uster beginnt in den Krisenjahren um 1936. Uster zählte gerade einmal 9’663 Einwohnende. Die Arbeitslosigkeit war gross. Uster wollte zum Standort eines Zeughauses werden und erhoffte sich davon die Schaffung von Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Aufschwung. Wichtiger Fürsprecher dieses Projekts war der damalige Gemeindepräsident Dr. Emil Stadler. Vorgesehen war für das Zeughaus eine 32’000 m² grossen Fläche ausserhalb des Dorfes, die «Alte Gassen» genannt wurde. Die Stimmbürger waren bereit, dieses Land für 150’000 Franken zu kaufen, um es ohne Bedingungen dem eidgenössischen Militärdepartement zu verschenken. Dieses baute die vier noch heute bestehenden Zeughäuser auf dem Areal. Von der Volksabstimmung bis zur Eröffnung 1938 dauerte es weniger als zwei Jahre.
Die Ära geht zu Ende (1938 – 2005)
Mit den fertiggestellten Zeughäusern wurde Uster zu einem Korpssammelplatz. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges rückten ungefähr 10’000 Soldaten nach Uster ein. Drei Kompanien blieben über eine längere Zeit. Nach dem Krieg wurden die Zeughäuser zu Notvorratslagern: Getreide, gedörrte Kartoffelscheiben, Speiseöl und Kernseife wurden eingelagert. Später erfolgte ein Ausbau der logistischen Anlagen für Betriebsstoffe, Schmiermittel und Verpflegung. Parallel dazu wurden Material und Munition für die Panzertruppen eingelagert. 2003 nahm das Schweizer Stimmvolk die Armeereform XXI an. Diese führte zu einer Verkleinerung der Armee. Der Bedarf an Zeughäusern reduzierte sich. Am 25. September 2003 wurde der Mobilmachungsplatz zum letzten Mal vom Militär genutzt. Neben verschiedenen Ansprachen gab es einen Apéro und eine «Ustrinkete». 2005 wurden die Zeughäuser in Uster definitiv geschlossen.
Die Stadt kauft das Areal zurück (2005 – 2017)
Am Morgen des 9. Aprils 2005 trafen sich rund zweihundert interessierte Personen aus Bevölkerung, Wirtschaft, Politik und Kultur, um am Stadtentwicklungsgespräch gemeinsam über das Zeughausareal und seine zukünftige Nutzung zu diskutieren. Die Versammlung war sich einig: Die Stadt sollte eine Führungsrolle übernehmen und schnell für ein lebendiges und offenes Areal sorgen. Mit dem Bund wurden Verhandlungen für den Kauf des Areals aufgenommen. 2008 präsentierte der Stadtrat sein Entwicklungskonzept «Zeughausareal Zentrum» und den «5-Phasen-Plan»: Dieser sah vor, dass die Stadt die Hälfte des Areals kaufen sollte, um einen Ersatzbau für den Stadthofsaal und den damaligen Kulturraum Qbus zu realisieren. Im Gegenzug könne der Bund auf der anderen Hälfte des Areals Wohnungen realisieren. Gegen den Plan wurde das Referendum ergriffen. So konnten die Stimmberechtigten am 27. September 2009 erstmals über die Entwicklung des Areals abstimmen: Mit 70% Ja-Stimmen stimmten sie deutlich für die geplante Umnutzung. Zu einer weiteren Volksabstimmung kam es am 5. Juni 2016, weil auch gegen den privaten Gestaltungsplan das Referendum ergriffen wurde. Auch bei dieser Abstimmung bestätigte das Volk seinen Willen zur Entwicklung des Areals und nahm die Vorlage erneut deutlich mit 66% Ja-Stimmen an. Damit war der Weg frei, dass die Stadt am 28. Juni 2017 die östliche Hälfte vom Bund für 4.77 Millionen Franken zurückkaufen konnte.
Erste Zwischennutzung (2007 – 2020)
Als symbolischer Startschuss für die kulturelle Nutzung kann das «Kulturhappening» im Oktober 2006 betrachtet werden. Das Gebäude K1 mutierte unter dem Titel «Kunstkanister» zum Experimentierfeld. Ab 2007 konnten dank minimalen baulichen Eingriffen im Gebäude K1 die Zeughausbar, zahlreiche Ateliermieterinnen und –mieter sowie das Druckereimuseum Graphos einziehen. Auf der Wiese schlug der Zirkus Filacro sein Zelt auf. Im gegenüberliegenden Gebäude K2 war bereits früher der Unteroffiziersverein mit seinem Lager und Museum eingezogen. Das Areal wurde mit den Jahren zu einem beliebten Austragungsort für verschiedene Events für ein sehr breites Publikum: Public-Viewings zur Fussball-WM und EM, Kunstausstellungen, Food-Festivals, politische Veranstaltungen von links bis rechts und seit 2016 sogar ein eigenes Musikfestival, das H2U-Openair Uster.
Nach dem Kauf des Areals durch die Stadt änderten sich die Grundlagen für diese erste Zwischennutzung. Die Kapital- und Bewirtschaftungskosten stiegen und mit ihnen die Mietpreise. Obwohl diese noch immer vergleichsweise tief blieben und die Stadt höhere Förderbeiträge zur Kompensation in Aussicht stellte, waren einige Mieter nicht mehr bereit, sich auf die neue Situation einzulassen. Dank der Vermittlung von Stadtpräsidentin Barbara Thalmann zeichnete sich zwar im Dezember 2019 noch eine Lösung ab, aber es half alles nichts: Die Grossmieter Graphos, Unteroffiziersverein und Filacro verliessen 2020 das Zeughaus. Sie hatten davor das Areal mit ihrem grossen Engagement stark geprägt. Ihr Auszug markierte ein neues Kapitel in der Entwicklung des Zeughausareals, in dem neue Herausforderungen aber auch neue Chancen auf das Projekt zukommen werden.
Projekt Kultur- und Begegnungszentrum
(2016 – 2028)
Mit dem Ja am 5. Juni 2016 zum privaten Gestaltungsplan begann die Planung des Kultur- und Begegnungszentrums. Die Grundlagen für die Zusammenführung des Stadthofsaals und des Kulturraums Qbus wurden jedoch schon 2006 mit dem «Raumkonzept Kultur» gelegt. Der Stadthofsaal war in die Jahre gekommen und wies erste Mängel auf. Der Qbus musste wegen eines Neubauprojektes geräumt werden und in ein Provisorium ins ehemalige Kino Central umziehen.
Im Herbst 2016 setzte der Stadtrat eine Begleitgruppe ein, die aus rund 25 Personen aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Jugend, Verwaltung und aus Zeughausmieterinnen zusammengesetzt war. Die Gruppe erarbeitete in einem Mitwirkungsprozess die Grundlagen für die weitere Entwicklung des Areals. Sie verfasste die «Entwicklungsvision Zeughausareal», das «Zwischennutzungskonzept», das «Träger- und Betriebsmodell» sowie das «Wettbewerbsprogramm, inklusive Raumprogramm». Der Gemeinderat bestätigte im Januar 2018 die Vorarbeit der Begleitgruppe und erteilte den Auftrag für den Architekturwettbewerb. Für die Hochbauten definierte er einen Kostenrichtwert von netto 20 Millionen Franken (ohne Land, Parkgarage und Drittmittel).
Am 17. September 2019 wurde das Siegerprojekt «KUZU» von EM2N Architekten aus Zürich vorgestellt. Das Projekt ergänzt das bestehende nordöstliche «Zeughaus K2» mit zwei einfachen, in der Grösse und Struktur unterschiedlichen Bauten: Dem «Grossen Saal» und dem «Kulturregal». Der denkmalgeschützte Altbau «Zeughaus K2» wird dabei im Erdgeschoss als Foyer des «Grossen Saals», für die Cateringinfrastruktur, als Büro und als Lagerraum genutzt. Das Projekt sieht vor, die Ober- und Dachgeschosse des «Zeughaus K2» gemäss heutigen energetischen Vorschriften zu sanieren, um sie anschliessend im Rohbau für eine öffentliche Nutzung oder im Baurecht abzugeben oder zu vermieten.
Die Fachjury würdigte das Projekt als ein «abwechslungsreiches Ensemble mit jeweils spezifischen räumlichen Qualitäten». Dies drücke sich klar in den drei unterschiedlichen Baukörpern «Grosser Saal», «Kulturregal» und «Zeughaus K2» aus. Die Anordnung der Gebäude zum offenen «Kulturhof» schaffe Orientierung und ergäbe eine verbindende, gemeinsame Mitte. Die Fachjury urteilte, dass die einzelnen Einheiten städtebaulich sinnvoll angeordnet seien, und sich auch die funktionalen Abläufe optimal organisieren liessen. Die Idee, das neue Kultur- und Begegnungszentrum aus einfachen, an Gewerbebauten erinnernde Baukörper zu erstellen, passte laut Fachjury zur angestrebten Nutzung. Die Bauweise ermögliche eine spätere Weiterentwicklung und schaffe den nötigen Spielraum für unterschiedlichste Angebote und die gewünschte Belebung des Areals.
Für die Ausarbeitung und Planung des Siegerprojektes sprach der Gemeinderat im November 2020 einen Projektierungskredit von 2.3 Millionen Franken. Gegen diesen Beschluss kam erneut ein Referendum zustande. Somit wird die Ustermer Stimmbevölkerung am 13. Juni 2021 zum dritten Mal über die Entwicklung des Zeughausareals abstimmen (LINK WEISUNG). Sagt sie erneut ja, wird das Volk in rund zwei Jahren ein viertes Mal zur Urne gebeten, um über das Projekt und den Baukredit abzustimmen. Bei einem erneuten Ja, könnte die Eröffnung 2028 stattfinden.
Während für den Bau der Zeughäuser 1936 nur eine Abstimmung nötig war und es vom Konzept bis zur Eröffnung lediglich 2 Jahre dauerte, werden für den Bau des Kultur- und Begegnungszentrum voraussichtlich 4 Abstimmungen nötig, und es wird voraussichtlich rund 20 Jahre vom Konzept bis zur Eröffnung dauern.
Zur Geschichte des Zeughausareals veröffentlichte das Stadtarchiv Uster 2020 die Publikation «Zeughaus Uster: Gestern, heute, morgen und übermorgen». Diese steht unter folgendem Link als PDF kostenlos zur Verfügung.
Weitere Links zur Geschichte und Entwicklung des Zeughausareals:
- Projektwettbewerb Kulturzentrum Uster | 18. September 2019
- Weisung 102/2017 Entwicklung Zeughausareal Phase 5 | 18. Januar 2018
- Leitbild Zeughausareal | 5. April 2017
- Abstimmungsweisung «Privater Gestaltungsplan Zeughausareal» | 5. Juni 2016
- Newsletter Zentrumsentwicklung | 21. März 2013
- Städtebaulicher Studienauftrag Zeughausareal Uster | 31. Januar 2013