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Die Geschichte einer Schneeflocke
Keine Schneeflocke gleicht der anderen. Eine bekannte Binsenwahrheit die genau betrachtet viel Wahres enthält. Das Aussehen jeder Schneeflocke, die wir auf unserer Jacke oder unseren Handschuhen sehen, erzählt die Geschichte ihres Lebenszyklus: ihr Entstehen in den Wolken, ihr langsames Fallen, ihre Interaktion mit anderen Kristallen und den atmosphärischen Bedingungen.
Das Entstehen von einem Schneekristall
Die wesentlichen Faktoren, die das Entstehen von diversen Schneekristallen beeinflussen, sind Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Diverse Kombinationen dieser beiden Faktoren führen zu unterschiedlichen Kristallen. So können sich zum Beispiel stäbchenförmige Eiskristalle bilden oder sechseckige, plättchenartige oder aber auch schöne dendritische Flocken (wie zum Beispiel der Schneestern auf dem Weihnachtsbaum, der uns dabei unweigerlich in den Sinn kommt).
Und nach der Entstehung?
Kaum ist der entstehende Kristall gross und schwer genug, beginnt er langsam auf die Erde zu fallen (anfangs mit einer Geschwindigkeit von ein paar Zentimetern pro Sekunde). Und dann kommt das Schöne. Auf seiner langen, langsamen Reise in Richtung Boden trifft der Kristall während einer gewissen Zeit auf Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen, die sich von denjenigen, die bei seiner Entstehung herrschten unterscheiden, was ihn zwangsläufig verändert. Ein Kristall wie z. B. der CPC (eine Kombination aus stäbchenförmig-plättchenartig), Abb. 1, war wahrscheinlich am Anfang stäbchenförmig und durchdrang dann einen Atmosphärensektor der seine Enden in andere plättchenartige Formen verwandelte.
Wechselwirkungen
Die Umwandlungen der Kristalle aufgrund von Temperatur und Feuchtigkeit sind sehr langsame, sanfte Prozesse. Es gibt jedoch zwei andere turbulentere und heftigere Interaktionsarten: Aggregation und Raureifbildung (in Englisch “riming”). Die Aggregation ist ein mögliches Resultat einer Kollision von zwei oder mehreren Kristallen, die dann einen grösseren, komplizierter gestalteten Komplex bilden: Nun kann man tatsächlich von einer Schneeflocke sprechen. Die Raureifbildung ist ein ebenso interessanter Prozess: Er entsteht sobald ein Schneekristall (oder eine Flocke) mit vielen Wassertröpfchen (von Nebel oder Wasserdampf in der Luft) in Berührung kommt, die beim Kontakt mit seiner kalten Oberfläche sofort erstarren. Um einen kulinarischen Vergleich zu machen: Es ist als wenn man den Weihnachtskuchen in den Puderzucker taucht, der in diesem Fall die Wassertröpfchen sind.
Hören wir uns die Geschichte des Schnees an
Wenn wir uns all dieser kleinen Informationen gewiss werden, können wir die Schneekristalle oder Flocken auf unserer Jacke mit anderen Augen sehen. Versuchen wir uns ihre Geschichte vorzustellen und all die Wechselwirkungen, welche die Flocken geprägt und verändert haben, um so zu werden wie sie sind. Und da bei atmosphärischen Prozessen ständig Chaos herrscht, unterscheidet sich jede einzelne leicht von der anderen. Im Grunde so wie wir: Ein Resultat von Lebenserfahrungen, die sich zwar ähneln aber einzigartig sind.