Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03335.jsonl.gz/730

Ghana und die Elfenbeinküste sind die grössten Kakao-Produzenten der Welt. Rund zwei Drittel der weltweit geernteten Bohnen kommen von hier. Wegen der besonders hohen Qualität der dortigen Pflanzen bezieht die Schweizer Industrie mehr als die Hälfte des Kakaos aus Ghana (siehe Grafik).
70 Prozent für Kakaobauern
Die Kakaopreise in Ghana und der Elfenbeinküste sind staatlich reguliert. Nun haben sich beide Länder gemeinsam auf einen Preisaufschlag pro Tonne verständigt. «Die beiden Länder gehen von einem Zielpreis von 2600 Dollar aus. Die Idee dahinter ist, dass davon 70 Prozent bei den Kakaobauern ankommen», erklärt Urs Furrer, Direktor von Chocosuisse, dem Verband der Schweizer Schokolade-Fabrikanten.
Aktuell liegt der Preis etwas höher. Deshalb sollen alle Einnahmen, die über dem Zielpreis liegen, in einen Fonds kommen. «Die Regierungen haben vor, diesem Stabilisierungsfonds Gelder zu entnehmen, wenn der Preis wieder sinkt, um den Bauern am Schluss den Zielpreis zahlen zu können», so Furrer weiter.
Keine Illusionen machen
Stabile Einkünfte, die spürbar höher sind als heute – das ist das Ziel. Die Bauernfamilien haben das Geld bitter nötig, denn die meisten leben unter der von der Weltbank definierten Armutsgrenze. Auch Kinderarbeit ist auf den Plantagen weit verbreitet.
Der neue Kakao-Mindestpreis kann dazu beitragen, das Leben der Bauern zu verbessern. Aber man dürfe sich keine Illusionen machen. «Ein höherer Preis für den Kakaobauern führt nicht auch automatisch zu einem höheren Einkommen», betont Urs Furrer. Vielmehr müssten die Bauern versuchen, auf den Plantagen höhere Erträge zu erzielen.
Noch viel zu tun
Das sei das Hauptproblem in Westafrika. Die Erträge pro Hektar Land seien in Lateinamerika doppelt so hoch wie in Westafrika, wo die Anbauflächen erst noch kleiner seien. Das hänge damit zusammen, dass in Lateinamerika mehr Wettbewerb herrsche und sich die Bauern mehr als Unternehmer verstünden, weiss Furrer. Diesbezüglich hätten Ghana und die Elfenbeinküste noch viel zu tun.
Dass Abnehmer von Kakaobohnen nun auf andere Länder ausweichen, weil Ghana und die Elfenbeinküste den Preis anheben, sei wenig wahrscheinlich, glaubt Chocosuisse-Direktor Urs Furrer. Kein Unternehmen werde funktionierende Geschäftsbeziehungen leichtsinnig aufgeben. Gerade auch weil Kakao aus Ghana eine sehr hohe Qualität aufweise, dürften Schweizer Abnehmer ihren dortigen Lieferanten treu bleiben.
Schokolade wird nicht teurer
«Wenn man eine hohe Qualität der Rohstoffe halten will und damit auch Beziehungen zu den Lieferanten, kann man nicht einfach von einem Tag auf den anderen in ein anderes Land wechseln», so Furrer. Hinzu kommt, dass die höheren Kakao-Preise in Ghana und der Elfenbeinküste für alle Abnehmer gleichermassen gelten. Es gibt keine Wettbewerbsverzerrungen.
An Ghana und der Elfenbeinküste führe kaum ein Weg vorbei, heisst es auch bei der Migros-Tochtergesellschaft Chocolat Frey auf Anfrage. Frey geht nicht davon aus, dass der höhere Mindestpreis für Kakao zu einem Preisanstieg für Schokolade führen wird. Die Ernte-Erträge und Währungsschwankungen hätten einen viel grösseren Einfluss auf den Preis, den wir hier in den Läden zahlen.