Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03118.jsonl.gz/2470

In Deutschland herrscht übrigens Rechtsverkehr, wenn man mit dem Zug von Kreuzlingen nach Konstanz fährt, wechselt man die „Strassenseite“.
Quizfrage: Wo und wann fuhr die erste Eisenbahn der Schweiz und wie wurde sie genannt? Vermutliche Antwort: die Spanisch-Brötli-Bahn von Baden nach Zürich im Jahr 1847. Richtig? Der Kandidat wäre wohl eine Runde weiter. Sachkundige Bähnlerinnen und Bähnler wissen aber, dass diese Antwort nur teilweise korrekt ist. Die Spanisch-Brötli-Bahn war tatsächlich die erste Eisenbahn, die komplett auf Schweizer Boden verkehrte. Sie fuhr aber nicht auf der ersten Eisenbahnstrecke der Schweiz.
Um die Frage komplett richtig zu beantworten, reisen wir vom historischen Bahnhof in Baden einige Jahre in die Vergangenheit und etwa 50 km weiter westlich nach Basel. Um 1840 waren in den Nachbarländern der Schweiz bereits einige Hundert Kilometer Bahngleise gebaut und in Betrieb. In der Schweiz erkannten Unternehmer das wirtschaftliche Potential der Eisenbahn und regten erste Bahnprojekte an.
Mit der Umsetzung wollte es aber noch nicht so richtig klappen. Zu generellen Animositäten zwischen den Kantonen, die 1847 im Sonderbundskrieg gipfelten, kamen Uneinigkeiten über die Linienführung. Dass es damals noch keinen Bundesstaat gab, der die Streitigkeiten schlichten und die kantonsübergreifenden Projekte hätte führen können, machte die Sache nicht einfacher.
Nördlich von Basel waren im Herbst 1840 die ersten Teilstücke der Bahnstrecke zwischen Strassburg und Saint Louis in Betrieb genommen worden. Im Juni 1843 entschied der Basler Grosse Rat, die Bahngleise, die bis an die Schweizer Grenze reichten, bis nach Basel zu verlängern. Er vergab dazu der Gesellschaft der Strassburg-Baseler-Eisenbahn (Compagnie du chemin de fer de Strasbourg à Basle) eine Konzession.
Obwohl der Streckenteil auf Schweizer Boden nur zwei der rund 130 Kilometer bis nach Strassburg ausmachte, stellten die Basler Behörden ein ausführliches Pflichtenheft auf, das neben dem Bau der Gleise und des Bahnhofs auch die Betriebszeiten an Sonn- und Feiertagen, die Transporttarife sowie viele weitere Details regelte.
Umstritten im Basler Rat war zunächst die Frage, ob der Bahnhof für den Zug aus Frankreich inner- oder ausserhalb der Stadtmauern zu stehen kommen sollte. Die Meinungen gingen weit auseinander. Die NZZ befürchtete sogar, «dass hier eine eidgenössische Stadt französische Uniform anziehe», sollte ein französischer Bahnhof innerhalb der Mauern gebaut werden.
Die Politiker entschieden sich allerdings mit einer knappen Mehrheit für den Fortschritt, machten zur Sicherheit jedoch die Auflage, dass der Durchgang der Bahn durch die Stadtmauer mit einem verschliessbaren Eisenbahntor gesichert werden sollte.
Am 15. Juni 1844 fuhr der erste Eisenbahnzug mit der Dampflokomotive «Napoléon» über die Schweizer Grenze und in den noch provisorischen Bahnhof vor der Stadt. Eineinhalb Jahre später, am 11. Dezember 1845, folgte dann die feierliche Eröffnung des ersten offiziellen Bahnhofs der Schweiz am Standort des heutigen Biozentrums der Universität Basel. Fünf Zugpaare verkehrten täglich auf der Strecke. Nach der Einfahrt des letzten Zuges in die Stadt wurde das eiserne Fallgitter im Eisenbahntor am Abend von Wachsoldaten heruntergelassen und am Morgen wieder geöffnet.
Ein Grossteil dieser historischen Eisenbahnstrecke sowie der Bahnhof existieren bereits seit den 1860er-Jahren nicht mehr. Mit der Eröffnung der Strecke Basel-Liestal nahm die Schweizerische Centralbahngesellschaft einen provisorischen Bahnhof im Osten der Stadt in Betrieb.
Der 1860 eröffnete Centralbahnhof am heutigen Standort des SBB-Bahnhofs verband die Strecke Basel-Liestal mit der Strecke aus dem Elsass und machte den ersten Bahnhof unnötig. Die Gleise wurden um die Altstadt herum zum heutigen SBB-Bahnhof verlegt und die alten Bauten abgebrochen, sodass von diesem für die Schweiz geschichtsträchtigen Bauwerk heute nichts mehr zu sehen ist.
Übrigens: Dass bei der Eisenbahn nicht wie auf der Strasse Rechts- sondern Linksverkehr herrscht, hat historische Gründe. Ab 1825 wurden in England Dampflokomotiven im geregelten Linienbetrieb eingesetzt. Entscheidenden Einfluss hatte der Englische Eisenbahnpionier George Stephenson (1781-1848), dessen Know-How später auch in anderen Ländern Europas gefragt war. Dort übernahm man neben Stephensons Spurweite von 1,435m auch den in England üblichen Linksverkehr.