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Kriege ...
... werden nicht für Freiheit und Selbstbestimmungsrecht der Völker geführt, sondern um kommerzielle Interessen durchzusetzen! Darauf hat Steiner schon während des 1. Weltkriegs hingewiesen:
"Es gibt noch zahlreiche anerkennenswerte Idealisten – ich sage das nicht im Entferntesten aus irgendeinem Spott heraus, sondern weil Idealismus auch da, wo er irrt, immer anerkennenswert ist –, die da glauben, dass jenes Netz von kommerziell-industriellen Maßnahmen, welches sich von Seiten des Britischen Reiches aus über verschiedene Länder verbreitet, nur so lange aufrechterhalten wird, wie der Krieg dauert, und dass dann die Menschen schon wiederum ihre Freiheit im kommerziellen Verkehre haben werden. Abgesehen von einigen Illusionen, die man erwecken wird durch Interregnen, durch dasjenige, was man machen wird, damit die Leute nicht gleich stutzig werden, ist dasjenige, was in dieser Kriegszeit an Kontrollierung des kommerziellen Verkehrs über die Welt hin begonnen worden ist, nicht so gedacht, dass es mit dem Kriege wieder verschwindet, sondern so, dass es mit dem Kriege nur seinen Anfang nimmt und dann seine Fortsetzung hat. Der Krieg soll nur die Gelegenheit geben, die Nase in die Geschäftsbücher der Leute hineinzustecken, aber man soll nicht glauben, dass dieses Hineinstecken der Nasen in die Geschäftsbücher nach dem Kriege aufhören wird – ich meine das nur symbolisch für dasjenige, was im weitesten Umfange geschehen soll. Gemeint ist, dass gerade die kommerzielle Weltherrschaft immer intensiver und intensiver wird.
[…] Ich sagte: Die kommerzielle Weltherrschaft –; denn man braucht nicht gleich vom Anfange an all die Territorien auch wirklich zu besitzen, sondern es genügt, sie so zu arrangieren, dass sie, wie man sagt, in die Einflußsphäre fallen. Und dann ist es sehr schlau angeordnet, gerade diejenigen Gebiete zunächst in die Einflußsphäre zu kriegen, die ich gestern mit dem gelben Stifte als die eigentlich britisch in Anspruch zu nehmenden bezeichnete: die Randgebiete. Und man kann ja, um den andern Menschen das Wohlgefühl eines gewissen Idealismus noch zu lassen, die Sache auch so machen, dass man die kommerzielle Herrschaft ausübt und den andern das Spiel mit den Territorien eine Zeit noch überlässt. Aber die Einflußsphären werden so erstreckt werden, wie das gezeichnet worden ist. Es kommt ja wirklich nicht darauf an, ob es im Jahre 1950 ein Belgien gibt, ein Frankreich, das bis an die Grenze geht, sondern es kommt darauf an, welche Macht Belgier in diesem Belgien, Franzosen in diesem Frankreich haben, und welche Macht Briten in Belgien oder in Frankreich haben. Zur Begründung der kommerziellen Weltherrschaft ist es nicht nötig, auch immer gleich die Territorien unmittelbar anzustreben. Aber vor allen Dingen müssen wir uns klar sein, daß diese Weltherrschaft eine kommerziell-industrielle ist. Das begründet etwas sehr Wichtiges.
Nun würde ich allerdings eine ganze Reihe von Vorträgen halten müssen, wenn ich Ihnen das in den Einzelheiten begründen würde. Dies könnte aber durchaus geschehen, denn was ich sage, ist tief begründbar. Ich kann es aber heute nur andeuten. Will man nämlich eine kommerziell-industrielle Weltherrschaft begründen, so muss man das Hauptgebiet, auf das es ankommt, zunächst in zwei Teile teilen. Das hängt zusammen mit der Natur des Kommerziell-Industriellen. Ich kann mich nur durch einen Vergleich ausdrücken: Es fordert dasjenige, was auf der Welt des physischen Planes geschieht, immer eine Zweispaltung. Stellen Sie sich einmal einen Lehrer ohne Schüler vor – das gibt es nicht. So kann auch nicht ein Kommerzium da sein ohne ein Gebiet, das einem Kommerzium gegenübersteht. Daher muß ebenso, wie auf der einen Seite das britische Kommerzium begründet wird, der russische als der dazugehörige gegensätzliche Pol geschaffen werden. Damit sich die entsprechende Differenzierung ergibt zwischen Einkauf und Verkauf, damit sich die Zirkulation ergibt, braucht man diese zwei Gebiete. Man kann nicht die ganze Welt zu einem einheitlichen Reiche machen; da würde man nicht ein kommerzielles Weltreich begründen können. Es ist das nicht genau dasselbe, aber es ist ähnlich damit, dass wenn man etwas erzeugt, man Abnehmer braucht; sonst kann man nicht erzeugen. So muss es die Zwiespältigkeit geben. Und dass man dieses als einen großen Zug hereingebracht hat in die Sache, das ist ein großer, ein gigantischer Gedanke von jenen okkulten Brüderschaften, von denen ich gesprochen habe. Es ist ein weltgigantischer Gedanke, den Gegensatz zu schaffen, gegenüber dem alles andere als eine Kleinigkeit erscheint, diesen Gegensatz zwischen dem britischen Kommerzimperium und demjenigen, was sich aus dem Russischen heraus ergibt mit der durch die spirituellen Anlagen bewirkten Vorbereitung für den sechsten nachatlantischen Zeitraum mit alledem, was ich Ihnen geschildert habe. – Das ist ein großer, gigantischer, bewundernswürdiger Gedanke von diesen okkulten Brüderschaften, von denen gesprochen worden ist. Denn, trivial ausgedrückt, man kann sich kaum einen schöneren Gegenpol denken für dasjenige, was sich im Westen als höchste Blüte des kommerziellen und industriellen Denkens ausbildete, als den künftigen russischen Slawen, der in der Zukunft ganz gewiss noch weniger als heute geneigt sein wird, sich mit Kommerziellem berufsmäßig zu betätigen, und der ja gerade dadurch ein ganz ausgezeichneter Gegenpol sein wird."
Rudolf Steiner GA 174, Seite 161ff.