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Der Dammbruch von Brumadinho ging durch alle Medien. Kurz nachdem ihn der TÜV geprüft hatte, brach Ende Januar ein Damm in der brasilianischen Eisenmine des Bergbauunternehmens Vale. Mindestens 180 Menschen starben in der Schlammlawine, mehr als 100 werden noch vermisst. Die brasilianische Regierung blockierte nach dem Unglück zunächst drei Milliarden Dollar Vales für Rettungsmassnahmen und Entschädigungen. Die Aktie ging auf Talfahrt.
Das sind jedoch nicht die einzigen Probleme, die der weltgrösste Eisenerz-Exporteur mit der brasilianischen Regierung hat. In der Schweiz ist zwischen 2009 und 2015 tonnenweise Eisenerz aus Brasilien angekommen. Theoretisch. Gesehen hat es hier nie jemand. Das liegt daran, dass es von Brasilien aus gleich an die Endabnehmer in China und Japan verschifft wurde. Dieses Manöver war nicht nur für die Transportwege praktisch, sondern auch für Vales Steuerlast. Das Eisenerz, das für die grössten Abnehmer Vales in China und Japan bestimmt war, wurde zunächst unter Marktpreis an die Schweizer Niederlassung in Saint-Prex verkauft. Diese verkaufte es zu marktüblichen Preisen weiter.
Sechs Milliarden Dollar durch einen kleinen Umweg über die Schweiz
Vale habe durch diese Scheintransaktion rund sechs Milliarden US-Dollar an Steuern gespart, rechnet eine Studie vor. Das ist doppelt so viel, wie die brasilianische Regierung zunächst für die Kosten des Brumadinho-Unglücks veranschlagt hat. Das Non-Profit-Unternehmen«Instituto de Justica Fiscal» (IJF), das von brasilianischen Steuerprüfern und Ökonomen gegründet wurde, hat die Einkommenssteuer und CSLL (eine Sozialabgabe) nachgerechnet. Ein Steuerprüfer, der darum bat, anonym zu bleiben, bewertete den Fall als «Betrug». Vale bestreitet das. «Transaktionen mit im Ausland ansässigen kontrollierten Unternehmen sind gesetzlich vorgesehen, werden reguliert und kontrolliert», äusserte ein Sprecher der Bergbaugesellschaft.
Vale profitiert in der Schweiz von sehr günstigen Konditionen. 2006 verlegte das Unternehmen den internationalen Sitz in die Schweiz. Bis Ende 2015 musste es keine Kantons- und Gemeindesteuern entrichten und sparte dabei mehrere Milliarden Franken. Wieviel Steuern Vale seither bezahlt, sei nicht öffentlich bekannt, berichtete SRF Ende Januar 2019. Ein Vorstoss der Grünen im Waadtländer Kantonsparlament, die wissen wollten, welche Rabatte momentan gelten, blieb bisher unbeantwortet. Organisationen wie zum Beispiel «Public Eye» kritisieren die Steuerpraktiken Vales schon seit einiger Zeit.
Andere Bergbauunternehmen sind auch nicht besser
Vale ist mit dieser Vorgehensweise keinesfalls allein. Andere Bergbaugesellschaften bedienen sich des gleichen Modells. Samarco, an dem Vale beteiligt ist, Usiminas und Gerdau haben Niederlassungen in Steuerparadiesen wie den Cayman-Inseln, den britischen Jungferninseln, Luxemburg oder Dänemark.
Die brasilianische Steuerbehörde hat unter anderem aufgrund der IJF-Studie im Dezember 2018 angekündigt, gegen solche Scheinexporte und andere Formen von Kapitalflucht im Agrar- und Bergbausektor vorzugehen.
- Siehe auch«So verschieben Konzerne ihre Gewinne in Steueroasen» auf Infosperber.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine