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Nur wenige Wochen nach seinem 95. Geburtstag ist Felix Schwank am 4. August nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.
Für den Schaffhauser Stadtrat: Peter Neukomm, Stadtpräsident
Mit Felix Schwank verliert unsere Stadt eine markante Persönlichkeit, die sich während einer langen politischen Laufbahn mit Herzblut für Schaffhausen eingesetzt und auch nach dem Rücktritt aus der aktiven Politik bis ins hohe Alter weiterhin rege am Geschehen unserer Stadt Anteil genommen hat.
Felix Schwank war in Romanshorn aufgewachsen und hatte dort die Schulen besucht, bis sein Vater Ende der 30er-Jahre als Postverwalter nach Schaffhausen gewählt wurde. Nach der 1942 bestandenen Maturität leistete Felix Schwank längere Zeit Militärdienst. Gegen Kriegsende nahm er an der Universität Zürich das Studium der Rechtswissenschaften auf, welches er im Herbst 1949 mit dem Doktorat abschloss. Nach dem Rücktritt von Verhörrichter Wilhelm Votsch wurde er im Herbst 1951 zum wohl jüngsten Verhörrichter in der Geschichte der Schaffhauser Justiz gewählt. Wenige Jahre später wurde er bereits Staatsanwalt.
Im Jahre 1951 heiratete Felix Schwank Ruth Suter. Ihrer Ehe entsprossen zwei Kinder. Die Wahl zum Stadtschulrat 1956, den er 1959 ein Jahr lang präsidierte, war für den jungen Familienvater ein erster Schritt in die Politik. 1960 wurde der damals erst 38-Jährige in den Schaffhauser Stadtrat gewählt, wo er schnell mit Walther Bringolf zu harmonieren begann. Nach acht Jahren Stadtrat wählten ihn die Schaffhauser – den Schaffhauserinnen war damals ja das Wählen und Abstimmen noch verwehrt – zu ihrem Stadtpräsidenten.
20 Jahre blieb Felix Schwank im Amt, unbestritten, wenn auch nicht immer von allen gleichermassen geliebt. Felix Schwank setzte mit einer neuen Bauordnung und der verkehrsfreien Innenstadt wichtige Akzente in der Stadtentwicklung Schaffhausens. Ferner förderte er kulturelle Institutionen wie das Museum zu Allerheiligen, das Stadttheater, Bibliotheken und das Stadtarchiv.
Hartnäckig, aber respektvoll
Durch seine klaren Vorstellungen und seinen Willen, zu gestalten statt zu verwalten, prägte er die Stadt während zweier Jahrzehnte. Mit besonderer Hingabe widmete er sich der Förderung von Kunst und Kultur und im Besonderen der Förderung neuer künstlerischer Richtungen. Durch seine natürliche Autorität wie auch durch seine persönliche Ausstrahlung war Felix Schwank zu einer Vaterfigur, zu einem Stadtvater, geworden. Seine Amtszeit ging deshalb auch als «Ära Schwank» in die Geschichte ein. Felix Schwank gehörte nicht zu jenen Politikern, die unauffällig im Strom schwimmen. Er vertrat stets seine eigene Meinung, fand aber auch immer Ansatzpunkte zu vermitteln. Er konnte ein recht unbequemer und hartnäckiger Gesprächspartner sein; doch gaben seine Standpunkte immer wieder zu Diskussionen Anlass, die stets respektvoll und auf demokratische Weise geführt wurden. Die demokratische Ausmarchung von Kontroversen lag ihm sehr am Herzen. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, darf mit Anerkennung festgestellt werden, dass Felix Schwank in einer Zeit des raschen Wandels ganz wesentlich zur Gestaltung und Weiterentwicklung unserer Stadt beigetragen hat.
Nach seinem Rücktritt aus der Politik wollte er eigentlich loslassen, sich seinen vielen sonstigen Interessen widmen, lesen, schreiben, jedenfalls nicht mehr politisieren. Aber so einfach war das nicht, er konnte nicht aus seiner Haut. So wies er in regelmässigen Abständen immer wieder darauf hin, wenn er politische Kurzsichtigkeit oder einfältige Entscheide ortete. «Unverstand» ärgerte ihn. Er war überzeugt, dass, wer die Gegenwart verstehen und gestalten wolle, auch Sinn für Kontinuität haben müsse. Diese historische Verantwortung wurde in seinen Augen von den Politikern und den «ewigen Umorganisierern» oft zu wenig ernst genommen. Dabei, so argumentierte er, dürfe der «Blick in den Rückspiegel», in die Vergangenheit nicht fehlen! In den 1990er-Jahren schrieb er mehrere Bücher, die Erinnerungen zum Inhalt haben. Auch in den «Schaffhauser Nachrichten» erschienen immer wieder Reminiszenzen aus seinem Leben, aus seiner vielseitigen Tätigkeit, in denen seine Ehefrau Ruth eine wichtige Rolle spielte. Für vergangene Ereignisse konnte er sich stets auf seine Tagebuchnotizen verlassen, die er sorgsam aufbewahrte.
Felix Schwank hatte gesundheitlich auch im hohen Alter kaum Probleme, auch im Geist war er jung geblieben. Nur sein Gehör machte ihm zu schaffen. Es war traurig, als er, naturverbunden, wie er stets war, eines Tages sagen musste, «auf einmal hörte ich im Wald die Vögel nicht mehr, plötzlich war es totenstill». Trotzdem wusste er auch damit umzugehen und verfolgte bis in die letzten Tage seines Lebens das Geschehen nah und fern.
Schaffhausen verliert mit Felix Schwank eine bedeutende Persönlichkeit. Der Stadtrat gedenkt seiner in grosser Dankbarkeit und entbietet den Angehörigen sein aufrichtiges Beileid.
Felix Schwank Geprägt vom weiten Horizont des Sees
von Othmar Schwank, Rüdlingen
Felix Schwank zog 1936 von Romanshorn nach Schaffhausen um, wo sein Vater eine Stelle als Postverwalter antrat. Im 1994 erschienenen Buch «Sonnenohr» schildert er im ersten Kapitel diesen Umzug. Eintritt in die Lateinklasse der Realschule, nach einem Jahr Übertritt in die Kantonsschule. Schule empfand der junge Felix oft als Freiheitsberaubung. Zurechtfinden in der neuen Umgebung der Stadt war für den Seebuben nicht einfach. «Ich vermisste den weiten Horizont See, seine Farbe, seinen Duft.» Der Rhein war ein Teilersatz. Rauschen wie ein See konnte der Rhein am Moserdamm, wo die Weite aber vom Cholfirst begrenzt wird. Ich konnte ihn gut verstehen. Mit dem Bürgerort Altnau verbinde auch ich die Weite des Sees.
Weitblick und Orientierung fand mein Vater in der Kultur, der Natur, mit der Familie auf Bergwanderungen. Gesetzte Ziele halfen, Kräfte zu mobilisieren. Schon früh wurde mir klar, dass er keine halben Sachen mochte. So etwa, wenn ich bei Diktatverbesserungen flickte oder Tintenkleckse im Reinheft hinterliess.
Für makellose Reinschrift bewunderte ich später die Stadtrats-Hüttenbucheinträge von alt Stadtschreiber Hans Müller. Die Stadtratshütte ob Lieblosen war ein Ort, wo ich meinen Vater im Kreise anderer Stadtratsfamilien, fernab der Politik und doch politiknah, erfahren konnte. Die Hütte bot Raum zu Begegnungen quer zu politischen Bindungen. Prägend waren auch die Auftritte des Herrn Präsidenten, Walther Bringolf, an diesem Ort. Seine Erzählungen faszinierten die Runde und im späteren Jugendalter auch mich. Ich erahnte, dass Weitblick und Politik keine Gegensätze sein müssen. Visionen für die Zukunft dieser Stadt können verbinden. Das taten sie, begünstigt durch den wirtschaftlichen Boom der 60er-Jahre. Es war eine Zeit, wo führungsstarke Exekutiven gefragt waren.
«Neben seiner Abneigung gegen halbe Sachen trug mein Vater die Flamme der Freiheit in sich.»
Mein Vater trug in sich die Flamme der Freiheit, neben seiner Abneigung für halbe Sachen. Diese Flamme offenbarte er uns Kindern beim Geschichtenerzählen. Eine weitere Öffentlichkeit spürte sie in seinen Reden, Texten und seinen Büchern. Die Forderung «Macht aus dem Staat Gurkensalat» der autonomen Jugendbewegung der 1980er-Jahre konnte ihn, den Konzilianten, auf die Palme bringen. «Ihr wisst nicht, was ihr tut, mit solchen Forderungen zu sympathisieren», redete er mir mit Nachdruck ins Gewissen. Weder er noch ich ahnten 1980, dass ein Staat, der Leistungen im Rechtsrahmen wirksam erbringt, einmal «von oben» bedroht sein könnte: durch Laisser-faire in Finanzmärkten, durch supranational organisierte Raubritterzüge auf Vermögen und Steuereinnahmen.
Deals waren nicht seine Sache
Die Flamme der Freiheit hat in der Politik keinen leichten Stand, auch in einer Kleinstadt nicht. Um sie und seine Handlungsfreiheit zu schützen, wirkte mein Vater oft unnahbar, ja stur. Als arrogant hatte ich ihn nie erlebt. Kompromisse ja, aber bitte keine Deals nach dem Prinzip «Gibst du mir die Wurst, lösch ich dir den Durst». Er wusste, dass es bei Letzteren immer Dritte gibt, welche einen Preis bezahlen. Er hatte in schwierigen Kantonsschul- und Studienjahren nach dem Tod seiner Mutter selbst erfahren, was es bedeutet, einen solchen Preis zu bezahlen. Über Verletzungen der Seele spricht ein Politiker selten. Mein Vater suchte nach der Pensionierung dazu den Weg der Annäherung über die Bücher mit biografischer Strickleiter «Verdunkelte Tante» und «Sonnenohr». Und er freute sich über Besuche und Gespräche mit Freunden auf der Terrasse an der Randenstrasse. Mit ihm ist ein Freund der Stadt und ein Kind seiner Zeit von uns gegangen.