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Jahreskonzert 2009
Instrumentalensemble Goldau
1759 erhielt Haydn seine erste wichtige Position als Kapellmeister für den Grafen Karl von Morzin. In dieser Funktion dirigierte er ein kleines Orchester, und für dieses Ensemble schrieb er seine ersten Sinfonien. Die frühen Sinfonien Haydns waren vielleicht nicht so raffiniert wie die, die Mozart später im gleichen Alter schrieb, aber haydn suchte auch nach seinem Weg. Mozart konnte später Haydns Sinfonien schon als Vorbild nehmen. Haydn aber hatte solche Modelle kaum. Es ist faszinierend wie "barock" der frühe Haydn klingt. Bei Mozart gibt es das selten, aber Haydns frühe Sinfonien klingen ein bisschen so, als ob sie von Mozarts Vater sein könnten. Bei Haydn gibt es diese ungeheuer umfangreiche und zugleich auch stetige Produktion.
Aus drei Gründen war Haydns Schaffen für die Geschichte der Sinfonie von grosser Bedeutung:
Die eigentliche Sonatenform verwendete Haydn stets im ersten, oft auch im letzten Satz. Häufig ist dieser auch ein Rondo, niemals aber ein Menuett oder eine Gigue, wie dies noch bei seinen Vorgängern geläufig war. Die langsamen Sätze komponierte er oft in Variationsform -- damals für die Sinfonie ein Novum --, und das Menuett bekam mehr lebendigen und humorvollen Charakter, wenn es auch die übliche Tanzform beibehielt.
Als Besonderheit hören Sie in den Sinfonien von Haydn zwei Naturhörner (gespielt von Flavian und Ramon Imlig), wie sie zu Haydns Zeit üblich waren und bis vor kurzem auch von den Wiener Philharmonikern noch gespielt wurden.
Das Naturhorn im weiteren Sinne ist ein Instrument, bestehend aus einer Resonanzröhre, die mit den Lippen in Schwingung versetzt wird. Da es keinerlei Klappen oder Ventile hat und die Rohrlänge nicht ohne Weiteres veränderbar ist, können darauf nur Naturtöne einer bestimmten Tonart gespielt werden. Bekannte Naturhörner sind das Alphorn, das Posthorn und das Parforcehorn.
Das Naturhorn im engeren Sinne bezeichnet den Vorgänger der heutigen Ventilhörner. Es ist ein waldhornähnlich gewickeltes Blechblasinstrument. Für das Erreichen der verschiedenen Tonarten kann ein Teil der Rohrlänge -- der so genannte Bogen -- ausgewechselt werden. In den beiden Haydn-Sinfonien werden der eher lange D-Bogen und der kürzere G-Bogen verwendet. Um auch einzelne Nicht-Naturtöne spielen zu können, hat sich die Stopftechnik entwickelt. Dabei wird die Hand mehr oder weniger weit in den Schalltrichter eingeführt. Dadurch entsteht eine recht unterschiedliche Klangfarbe, das heisst die Nicht-Naturtöne klingen gepresst oder eben gestopft.
Bis zur Entwicklung der ersten Ventilhörner um 1820 waren die Hornstimmen in klassischen Werken für Naturhörner ausgelegt. Sowohl Haydn wie auch Mozart und Beethoven hatten bei der Orchestrierung Naturhörner im Kopf; eine Tatsache, die durch den Einsatz von Ventilhörnern in vielen Orchestern lange vergessen war und in der jügnsten Zeit unter dem Stichwort der historischen Aufführungspraxis wieder etwas in Erinnerung gerufen wurde.
Geniessen Sie die etwas anderen Hornklänge in den beiden Sinfonien von Josef Haydn.
Michail Iwanowitsch Glinka gilt allgemein als der "Vater der russischen Musik". Dieser Ruf gründet sich hauptsächlich auf seine beiden Opern "Ein Leben für den Zaren" und "Ruslan und Ljudmila", während seine Kammermusikwerke weitgehend in Vergessenheit geraten waren.
Das Quartett F-Dur für zwei Violinen, Viola und Violoncello war 1829/30 kurz vor seiner italienischen Reise entstanden.
Das Allegro spirituoso ist, da eine eigentliche Entwicklung nicht stattfindet, als Anfangssatz auffallend kurz gehalten. Auch wenn das zweite Thema eindeutig russischer Herkunft ist, sodass man in der tanzähnlichen Coda fast einen Vorgriff auf "Ruslan und Ljudmila" zu erkennen glaubt, ist die Musik doch ganz im Geiste Mozartscher Leichtigkeit geschrieben. Die weitausladende Melodie des Andante con moto ist italienisch empfunden, möglicherweise beeinflusst durch das zeitgenössische Opernschaffen, das Glinka uneingeschränkt bewunderte. Der dritte Satz, obwohl als Minuetto bezeichnet, ist in Wirklichkeit eine verkappte Mazurka, rhythmisch betont und für alle Instrumente ebenso wirkungsvoll wie dankbar gesetzt. Das Finale Allegretto ist ein schwungvolles Rondo mit manch hübschem Einfall, wobei ein kurzes Fugato nicht fehlt.
Hugo Herrmann, geboren in Ravensburg, war deutscher Komponist, Organist und Chorleiter. Er stammte aus einer Lehrerfamilie und hatte zunächst selbst das Ziel, Volksschullehrer zu werden. Seine erste Stelle fand er in Reichenbach am Heuberg. Im Ersten Weltkrieg wurde er im Alter von knapp 22 Jahren schwer verwundet. Nach dem Krieg kam er in den Schuldienst nach Balingen. Aber schon bald kam Herrmann nach Ludwigsburg und nutzte die Nähe zu Stuttgart, um am dortigen Konservatorium Musik zu studieren. Seine nächste Station führte ihn an die Hochschule für Musik nach Berlin, wo er Klavier, Orgel, Komposition und Dirigieren studierte. Zu seinen Lehrern zählten hier Walther Gmeindl und Franz Schreker. Seinen Lebensunterhalt verdiente Herrmann als Pianist und Organist, schon bald entstanden seine ersten Kompositionen. Im Jahre 1923 unternahm er eine Konzertreise in die Vereinigten Staaten und Herrmann beschloss, als Konzertmusiker, Organist und Kirchenchorleiter in Detroid, USA zu bleiben. Erst zwei Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück. Er bekam Kontakt zu Paul Hindemith, einer damals zentralen Figur unter den deutschen Komponisten. In den Jahren 1925 bis 1935 verfaste er über 90 Kompositionen in den verschiedensten Besetzungen, 1926 erhielt er durch Vermittlung von Hindemith den Auftrag für eine Komposition für die Tage Neuer Msuik in Donauschingen. Hierfür entstand das Akkordeonwerk "Sieben neue Spielmusiken", welches den musikalischen Grundstein der Originalmusik für das Akkordeon legen sollte. Im Jahre 1930 entstand im Auftrag des Stadttheaters Wiesbaden seine Oper "Vasantasena", f&uum;r die er einen Staatspreis erhielt, nach dem 1928 erhaltenen Schubert-Preis seine zweite wichtige Auszeichnung. 1935 - 63 war er Leiter der Trossinger Harmonika-Fachschule, dem heutigen Hohner-Konservatorium. 1950 wurde er zum Professor ernannt. 1966 erhielt er das Grosse Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.