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Der 38-jährige Raphael Knopf hat sein Glück auf der gegenüberliegenden Seite der Erdkugel gefunden. Vor 15 Jahren verliess er seinen Geburtsort in der Westschweizer Region Broye Richtung Neuseeland. Seither produziert er dort Bio-Honig im Einklang mit der wilden Natur in seiner Wahlheimat.
swissinfo.ch: Wann und weshalb haben Sie die Schweiz verlassen?
Raphael Knopf: Das war im September 2002. Nachdem ich Fähigkeitsausweise in zwei Berufen erworben und den Militärdienst absolviert hatte, plante ich, nach Nepal zu gehen, um beim Bau eines Staudamms mitzuhelfen. Aber weil dort ein Bürgerkrieg ausbrach, war das nicht möglich. Deshalb war meine zweite Wahl Australien, danach Neuseeland.
Ich wollte Neues erleben und hatte das Verlangen nach viel Platz und Abenteuern.
swissinfo.ch: Wie verliefen die ersten Monate?
R.K.: Ich fühlte mich entwurzelt. Ich sprach kaum Englisch. Während meiner Schulzeit hatte ich kein Interesse, Englisch zu lernen, weil ich dachte – und das denke ich immer noch –, dass man zuerst die nationalen Sprachen lernen sollte.
Die Kommunikation während der ersten Monate war ziemlich schwierig. Im ersten Monat hielt ich mich in der australischen Wüste auf. Es kam vor, dass ich wochenlang keinem Menschen begegnete ausser einem Tankwart. Die Einsamkeit gab mir bestimmt Antworten auf einige meiner Fragen…
Ich wurde mir bewusst, dass ich keine Angst haben musste, auf mich allein gestellt zu sein, und dass ich es nicht nötig hatte, Selfies zu machen, um mich wohl zu fühlen.
swissinfo.ch: Hatten Sie die Schweiz verlassen, um nie mehr zurückzukehren?
R.K.: Am Anfang hatte ich vor, irgendwann zurückzukommen, aber ohne fixes Datum. Nach einigen Monaten auf Reisen stellte ich fest, dass ich eine Möglichkeit hatte, meine Träume zu verwirklichen: auf dem Feld zu arbeiten, mich in eine Hütte in der Einsamkeit der weiten Wälder zurückzuziehen, zu jagen, ohne Angst zu leben, mich der Masse anzupassen oder ein falsches Bild von mir abgeben zu müssen.
swissinfo.ch: Welchem Beruf gehen Sie nach?
R.K.: Derzeit bin ich Vater eines Sohns und zusammen mit meinem Vater Ko-Direktor des Familienunternehmens Knopfhoney Limited, Bienenzüchter, Bauer und Baggerfahrer.
Wir haben 22 Bienenzüchter angestellt, wir machen alles von A bis Z: Konstruktion der Bienenhäuser, Herstellung und Verkauf des Manuka-Bienenhonigs. Seit diesem Jahr setzen wir nur noch organische Produkte für die Bekämpfung der Varroa-Milben ein.
Ich stehe morgens mit viel positiver Energie auf, mit dem Willen zu reüssieren und meinem Sohn später etwas übergeben zu können. Ich bin dankbar für die guten Ratschläge meines Vaters und der ganzen Familie, die mich immer unterstützt hat in schwierigen Situationen, trotz der grossen Distanz.
Das Geschäft läuft sehr gut. Wir sind in einem Sektor tätig, der eine vielversprechende Zukunft hat. Wir setzen avantgardistische Techniken ein, für all unseren Honig ist die Rückverfolgbarkeit gewährleistet.
Manuka-Honig ist einer der reinsten. Er wird nicht nur für medizinische Produkte, Verbandsmaterial und Salben verwendet, sondern auch als gewöhnliches Lebensmittel. Die antiseptische und entzündungshemmende Wirkung ist unglaublich, gegen Halsschmerzen, Muskelkater, Verbrennungen, Entzündungen.
swissinfo.ch: Wo wohnen Sie gegenwärtig?
R.K.: Mein Sohn und ich wohnen in Huntervilleexterner Link. Wir leben bescheiden, haben Gemüse aus dem eigenen Garten, Fleisch vom Bauernhof oder von der Jagd. Ich koche selber.
Aber in Neuseeland wird die Mittelklasse zunehmend benachteiligt. Im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen sind die Preise für Lebensmittel in der Schweiz tiefer.
swissinfo.ch: Was ist in ihrem Herkunftsland sonst noch besser als in ihrer Wahlheimat?
R.K.: Derzeit ziehe ich Neuseeland vor, weil es dort mehr Platz und deshalb auch mehr Freiheit gibt. Ich hatte das Glück, dort ein solides Familienunternehmen aufzubauen und meine Träume zu verwirklichen: Agrikultur, Bienenzucht, Fischerei, Jagd, etc..
swissinfo.ch: Wie sehen Sie die Schweiz aus der Distanz betrachtet?
R.K.: Von hier aus betrachtet, scheint das Land gut zu funktionieren. Meine einzige Sorge ist die sozialistische Tendenz und deren Folgen für die nächsten Generationen der Schweizer in der Schweiz.
Als ich nach Neuseeland ging, habe ich nichts gratis erhalten. Wenn ein Fremder in ein anderes Land kommt, muss er selber Schritte unternehmen, um sich zu integrieren, und nicht darauf warten, dass die anderen etwas unternehmen, um ihn zu akzeptieren.
swissinfo.ch: Wie ist die politische Situation in Neuseeland? Interessieren Sie sich für die Lokalpolitik?
R.K.: Hier ist die politische Situation stabil. Aber das Land hat auch Schwächen. In diesem Jahr finden Wahlen statt. Die Nationalisten können sich darauf freuen. Ich verfolge die Lokalpolitik sehr aufmerksam, weil ich hier lebe und meine Steuern bezahle.
swissinfo.ch: Nehmen Sie an den Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz teil?
R.K.: Ja, manchmal nehme ich auf dem Korrespondenzweg an Abstimmungen in der Schweiz teil.
swissinfo.ch: Was fehlt Ihnen am meisten von der Schweiz?
R.K.: Meine Familie, die alten Freunde und der Winter in den Bergen.
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Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten, unter anderem zum Gastland und über dessen Politik, sind ausschliesslich jene der porträtierten Person und müssen sich nicht mit der Position von swissinfo.ch decken.
swissinfo.ch (das Interview wurde schriftlich geführt)