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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
VII. Kapitel
61.
1. Wenn wir also sowohl Christus selbst Weisheit1 nennen als auch seine Wirksamkeit durch die Propheten, durch die man die gnostische Überlieferung erlernen kann, wie er selbst zur Zeit seiner Erscheinung die heiligen Apostel lehrte, so dürfte Weisheit wohl die Erkenntnis sein, [S. 279] die ein Wissen und Verstehen des Gegewärtigen, Zukünftigen und Vergangenen ist, das nicht wankend gemacht oder erschüttert werden kann, da es von dem Sohne Gottes überliefert und geoffenbart worden ist.2
2. Und wirklich, wenn höchstes Ziel des Weisen das unmittelbare Schauen ist,3 so strebt zwar der noch Philosophierende nach dem göttlichen Wissen, erlangt es aber noch nicht,4 wenn er nicht durch Unterricht die Erklärung des prophetischen Wortes erhält, wodurch er erfährt, wie sich "die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit"5 verhält und verhielt und verhalten wird.
3. Diese Erkenntnis ist aber seit der Zeit der Apostel in ununterbrochener Folge von einem zum anderen mündlich ohne Verwendung schriftlicher Aufzeichnung an wenige weitergegeben worden und so bis zu unserer Zeit herabgekommen. Infolgedessen muß die Erkenntnis oder Weisheit durch Übung bis zu dem ewigen und unveränderlichen Zustand des unmittelbaren Schauens entwickelt werden.
1: Vgl. 1Kor 1,24.30
2: Vgl. oben § 54,1 f.
3: Vgl. Strom II 130,2, wo diese Bestimmung des höchsten Zieles als die das Anaxagoras angegeben ist.
4: 3
5: Vgl. Hom. Il. 1,70.