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Nach der ersten politischen Karte bezüglich des Verfassungsrates, basierend auf den Abstimmungen über die Debatten zu den Grundsätzen im Jahre 2020, publizieren wir nun eine zweite politische Karte auf der Basis der Abstimmungen der ersten Lesung vom Herbst 2021.
Auf dieser Karte repräsentiert jeder Punkt ein Mitglied des Verfassungsrats. Die Position auf der horizontalen Achse hängt vom Abstimmungsverhalten der jeweiligen Person ab. Auf der vertikalen Achse entspricht die Position dem Prozentsatz der Abstimmungen, die sie gewonnen hat, das heisst, bei denen sie ein Teil der Mehrheit war.
Die Methodik, mit der die Karte erarbeitet wurde, wird weiter unten erklärt.
Wenn Sie den Cursor über die einzelnen Punkte bewegen, wird der Name der Person angezeigt. Standardmässig werden nur die Personen angezeigt, die an mehr als 50% der Abstimmungen teilgenommen haben. Um das Lesen zu erleichtern, können Sie diese Visualisierung in einem neuen Fenster öffnen. Die Karte lässt sich am besten auf einem Computerbildschirm lesen.
Die zweite politische Karte bestätigt einige Erkenntnisse, die bereits bei der ersten politischen Karte zur Lesung zu den Grundsätzen identifiziert wurden:
- Die Mitte Valais romand (ex PDC) und die Liberal-Radikalen (VLR) sind diejenigen Kräfte, die in der Lage sind, Mehrheiten zu kippen. Diese Fraktionen sind die Königsmacher. Die vertikale Achse stellt den Anteil der Abstimmungen dar, die von den einzelnen Mitgliedern gewonnen wurden. Im Durchschnitt gewannen die Mitglieder der Mitte Valais romand mehr als 80 Prozent der Abstimmungen. Die VLR über 75 Prozent.
- Unter den Oberwalliser Fraktionen gewannen die Gelben (CSPO) die meisten Abstimmungen (durchschnittlich 70 Prozent), vor den Schwarzen (Mitte Oberwallis) mit 65 Prozent. Die Mitte Oberwallis ist somit gleichauf wie die unabhängige Bürgerbewegung Appel Citoyen. Zukunft Wallis gewannen 59 Prozent der Abstimmungen. Die SVPO 48 Prozent der Abstimmungen und liegt damit gleichauf mit der französischsprechenden SVP (UDC).
- Von den Personen, die an mehr als 99 Prozent der Abstimmungen teilgenommen haben, gehören acht (die sieben Mitglieder der Mitte Valais romand Bernard Troillet, Kamy May, Marie Zuchuat, Florence Carron Darbellay, Grégoire Vannay, Géraldine Pouget-Zuffery und Marius Dumoulin sowie die VLR-Vertreterin Raymonde Schoch) in mehr als 80 Prozent der Fälle zur Mehrheit. Wenn Sie wissen wollen, wie die Mehrheit des Verfassungsrats über ein Thema denkt, wird es Ihnen in acht von zehn Fällen die Meinung dieser Personen sagen.
- Umgekehrt gewannen der unabhängige Gerhard Schmid, die Sozialdemokratin Claudia Alpiger oder Martin Schürch von der Mitte Oberwallis weniger als 60 Prozent der Abstimmungen. Die SVP-Vertreter des französischsprechenden Wallis, Jean-Dominique Cipolla und Marc-Antoine Genolet, sowie die SVPO-Vertreter Romano Amacker und Fabian Zurbriggen gewannen weniger als eine von zwei Abstimmungen.
- Die « konservativ-progressiv » Achse (horizontal in der Grafik) zeigt auf, wo sich die Mitglieder des Verfassungsrats zwischen den beiden Polen konservativ (bewahrend) und progressiv (fortschritlich) verorten. In der rechten Hälfte der Grafik finden sich die Mitglieder der Fraktionen Grüne, PS et Gauche Citoyenne, Appel Citoyen, Zukunft Wallis und VLR. Diese wurden denn auch oft als die progressiven Kräfte des Verfassungsrats beschrieben. In der linken Hälfte der Grafik finden sich die Fraktionen SVPO, UDC, die Mitte Oberwallis, le Centre Valais romand und die CSPO. Sie gehören somit mehrheitlich zu den konservativen Kräften im Verfassungsrat. Es ist anzumerken, dass die Positionen innerhalb einiger Fraktionen nicht kompakt sind. Es gibt Einzelpersonen, die konservativer oder progressiver sind, als der Durchschnitt der jeweiligen Fraktion. Wo die einzelnen Personen stehen, kann auf dieser Grafik eingesehen werden.
Neu ist jedoch, dass die zweite politische Karte bei einigen Parteien im Vergleich zur ersten Lesung eine Verschiebung zeigt. Dies deutet auf eine neue Dynamik bei der Positionierung der Fraktionen untereinander hin:
- Die Fraktion der Mitte Oberwallis (die Schwarzen) liegt näher bei der französischsprechenden SVP, als bei der Mitte Valais romand.
- Der weniger konservative Flügel der Mitte Valais romand nähert sich zusammen mit dem Grossteil der CSPO (die Gelben) vermehrt an die progressiven Kräfte des Verfassungsrats an, bleibt aber deutlich konservativer als die VLR.
- Die VLR-Fraktion hat sich deutlich von der Mitte Valais romand entfernt, um sich näher bei den anderen progressiven Fraktionen zu positionieren.
Weitere interessante Entdeckungen in diesen Daten? Lassen Sie uns daran teilhaben! Die Details aller Abstimmungen des Verfassungsrates können Sie jederzeit auf Wer stimmt wie? abrufen.
Die Plenarsitzungen der zweiten Lesung werden Anfang September 2022 wieder aufgenommen. Seien Sie dabei!
Florian Evéquoz (Conthey)
Johan Rochel (Monthey)
Danica Zurbriggen Lehner (Zermatt)
Dominik Knubel (Bürchen)
Methodik
Die horizontale Achse zeigt die Positionierung der Mitglieder im Verhältnis zueinander. Sie wird auf der Grundlage der Ähnlichkeiten im Abstimmungsverhalten konstruiert: Je näher die Punkte beieinander liegen, desto ähnlicher ist das Abstimmungsverhalten dieser Personen. Die Position jeder Person wird rein mathematisch berechnet, ohne das Thema der Abstimmungen zu berücksichtigen. Die Karte zeigt daher eine faktische Nähe, die nur auf den Abstimmungen beruht. Der Wert 0 entspricht dem Durchschnitt der Positionen aller Mitglieder.
Beispielsweise haben die beiden Mitglieder der Mitte Valais romand, Géraldine Pouget-Zufferey und Marius Dumoulin, in 9 von 10 Fällen gleich gestimmt. Sie werden daher auf der Karte sehr nahe beieinander dargestellt (Werte von -5.4 und -5.23). Im Gegensatz dazu stimmen die Sozialdemokratin Janine Rey-Siggen und der UDC-Vertreter Marc-Antoine Genolet nur in einem von sieben Abstimmungen gleich. Mit den Werten 16,5 und -21,1 sind die beiden jene Personen, die auf der Karte am weitesten voneinander entfernt sind.
Auf der vertikalen Achse entspricht die Position jedes Punktes dem Anteil der gewonnenen Abstimmungen, das heisst dem Anteil der Abstimmungen, bei denen die Person Teil der Mehrheit war, die sich durchgesetzt hat. Auf der Karte sind nur die Personen dargestellt, die an mehr als 50 Prozent der Abstimmungen beteiligt waren. Dies liegt daran, dass die Berechnung der Position bei Personen, die nur an wenigen Abstimmungen teilgenommen haben, weniger robust ist. Es ist jedoch möglich, alle Personen anzuzeigen indem man den Filter am unteren Rand der Grafik anpasst (nach Anzahl der Stimmen filtern). Man kann auch das Verhalten einzelner Fraktionen hervorheben (anklicken).
Die Berechnung der politischen Koordinaten auf der horizontalen Achse erfolgt mithilfe einer statistischen Methode namens Hauptkomponentenanalyse, einer Methode aus derselben Familie, die auch smartvote zum Darstellen der Smartmap verwendet.
Der politische Raum wird ausschliesslich auf der Grundlage der Abstimmungen dargestellt, auf rein mathematische Weise. Es gibt keine subjektiven Elemente, zum Beispiel keine thematische Einordnung der Abstimmungen, keine Auswahl von Schlüsselabstimmungen oder ein politisches Werturteil, das a priori auf die Abstimmungen angewendet wird. Jede der 561 Einzelstimmen wird für jede Person als Zahl modelliert: 1, wenn die Person mit JA gestimmt hat, 0, wenn sie sich der Stimme enthalten oder nicht abgestimmt hat, -1, wenn sie mit NEIN gestimmt hat. Jedes Mitglied des Verfassungsrates kann somit durch den Vektor all seiner Abstimmungen dargestellt werden. Mit anderen Worten durch eine Folge von 561 Ziffern (entweder 1, 0 oder -1, gemäss dem Abstimmungsverhalten). Die statistische Methode der Hauptkomponentenanalyse ermittelt die Projektion dieser Vektoren, die die Varianz der Daten am besten erklärt. Das heisst die Ähnlichkeit und Verschiedenheit zwischen den Personen hervorhebt. Die Wirkung besteht darin, für jede Person einen eindeutigen Koeffizienten (in diesem Fall eine Zahl zwischen ungefähr -20 und +20) zu liefern, der ihr Wahlverhalten charakterisiert. Dieser Koeffizient entspricht der Position der Person auf der horizontalen Achse der Karte.
Um diese Dimensionsreduktion – von 561 Einzeldimensionen auf eine einzige – zu erreichen, trägt jede Einzelabstimmung mehr oder weniger stark zur Berechnung des Koeffizienten bei. Und damit der Position der Mitglieder auf der horizontalen Achse. Die mathematische Methode weist jeder Abstimmung automatisch eine Gewichtung zu, die als absoluter Wert zwischen 0 und 0,07 liegt. Diese Gewichtung wird durch mathematische Optimierung bestimmt, um sicherzustellen, dass die Varianz, das heisst die Vielfalt der Punktwolke, erhalten bleibt. Schliesslich ist zu beachten, dass es keine Möglichkeit gibt, zwischen Nichtwählern und Enthaltungen zu unterscheiden, da beide den Wert 0 haben. Daher wird die Position von Personen, die wenig gewählt haben, tendenziell weniger genau sein und sich eher der Mitte der horizontalen Achse annähern.