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Was bedeutet Brennweite? Was bedeutet Bildwinkel? Wie verändert sich die Brennweite an einer anderen Kamera? Ich erkläre Ihnen diesen wichtigen technischen Begriff und zeige, wie unterschiedliche Brennweiten wirken.
Als Brennweite wird die Strecke bezeichnet, auf der parallele Strahlen – zum Beispiel von einem Baum – hinter der Linse zu einem Punkt gebündelt werden. Je länger (grösser) die Brennweite eines Objektivs ist, desto weiter entfernt können Sie von einem Sujet stehen, um es formatfüllend auf den Sensor zu bannen. Je kürzer (kleiner) die Brennweite ist, desto näher können Sie an ein Objektiv herangehen. Haben Sie eine bestimmte Brennweite an einer Kamera, so unterschiedet sich der Bildwinkel je nach Grösse der Sensoren.
Brennweite
Die Brennweite ist vorne am Objektivrand oder am Objektivkörper in Millimetern (mm) angegeben.
Beispiel: Sigma f/2.8 70-200 mm Telezoom
Brennweitenvergleich
Mit der Brennweite können Sie den Bildausschnitt von Ihrem aktuellen Aufnahmestandort aus verändern. Nehmen Sie ein Teleobjektiv, wird das entfernte Haus Format füllend abgebildet. Wechseln Sie zu einem Weitwinkelobjektiv mit kleiner Brennweite (zum Beispiel 27 mm), können Sie die ganze Umgebung des Hauses abbilden.
Der Bildwinkel ist abhängig von der verwendeten Brennweite und der verwendeten Sensorgrösse. Während die Brennweite eines Objektives an einer anderen Kamera mit kleinerem Bildsensor gleich bleibt, ändert er sich durch den kleineren Sensor. In der Digitalfotografie spricht man vom Crop-Faktor (to crop = zuschneiden).
Bildwinkel verändern sich:
- Je kleiner der Sensor, desto kleiner der Bildwinkel.
- Je kürzer (kleiner) die Brennweite, desto grösser der Bildwinkel. Sie bekommen viel auf Ihr Bild. Objektive mit kleiner Brennweite nennt man Weitwinkel-Objektive.
- Je länger (grösser) die Brennweite, desto kleiner der Bildwinkel. Sie bekommen viel weniger mit auf ihr Bild, können so ein Detail herausformen. Objektive mit grosser Brennweite nennt man Teleobjektive.
- Je näher Sie an ein Motiv herangehen, desto kleiner wird der Bildwinkel. Es passt weniger auf Ihr Bild.
- Je weiter Sie von einem Motiv zurücktreten, desto grösser wird der Bildwinkel. Es passt mehr auf Ihr Bild.
Beachten Sie die unterschiedlichen Bildausschnitte: Das erste Bild mit einem Weitwinkel von 27 mm zeigt das Dorf eingebettet in der Landschaft. Das letzte Bild zeigt mit 450 mm Brennweite einen ganz kleinen Ausschnitt aus dem Dorf – den Römerturm von Bergün.
Alle Bildausschnitte habe ich vom gleichen Standpunkt aus aufgenommen:
Brennweiten-Kategorien
Je nach Brennweite werden Objektive in gewisse Kategorien eingeteilt:
|Bezeichnung
|Brennweitenbereich
|Bildwinkel in Grad
|Super-Weitwinkel-Objektive
|11 bis 24 mm
|126 bis 84°
|Weitwinkel-Objektive
|25 bis 35 mm
|82 bis 63°
|Normal-Objektive
|40 bis 50 mm
|57 bis 47°
|Portrait-Objektive
|85 bis 130 mm
|29 bis 19°
|Tele-Objektive
|140 bis 250 mm
|17 bis 10°
|Super-Tele-Objektive
|260 bis 600 mm und mehr
|10 bis 4°
Unterschiedliche Bildwinkel (und Brennweiten)
Stehen Sie nahe einer schönen Landschaft und möchten Sie viel auf Ihr Bild bringen, so benötigen Sie einen grossen Bildwinkel und eine kurze Brennweite.
Fotografieren Sie dagegen im Zoo einen Schimpansen in einem weitläufigen Gehege, können Sie mit einem kleinen Bildwinkel und einer langen Brennweite das Tier grossformatig abbilden.
Mit den Händen zoomen:
Machen Sie den Versuch mit Hilfe Ihrer Hände: Bilden Sie mit den beiden Daumen und den Zeigefingern rechte Winkel, sodass Sie durch einen Bilderrahmen hindurchschauen können. Nun ändern Sie die Entfernung des Bilderrahmens. Beachten Sie, wie sich der Ausschnitt verändert: Wenn Sie den Fingerrahmen näher ans Gesicht nehmen, können Sie folglich beinahe das ganze Zimmer überblicken. Wenn Sie jedoch die Arme ganz strecken, wird der Bildausschnitt jedoch immer kleiner, bis Sie nur noch die Lampe Format füllend abbilden können. Sie haben soeben gezoomt – das Bild näher herangeholt, bzw. den Bildausschnitt verkleinert. Sie ändern so den Bildwinkel.
Wenn die Brennweite in etwa der Diagonalen des Film- oder Sensorformates entspricht, erhalten Sie den natürlichsten Eindruck einer Szene. Das heisst, dass unser natürliches Sehfeld diesen Ausschnitt gleich sieht oder empfindet. Objektive mit einer Brennweite von etwa 50 mm KB (Kleinbild = Vollformat) entsprechen deshalb diesem natürlichen Eindruck. Berücksichtige ich noch den Crop-Faktor bei Halbformat-Sensoren (z.B. Nikon DX oder Canon), dann entspricht das einem Objektiv mit der Brennweite 35 mm (Crop-Faktor Halbformat Nikon 1.5 x 35 mm = 52 mm, Canon Halbformat 1.6 x 35 mm = 56 mm) und bei einem MFT-Sensor (2.0 x 25 mm = 50 mm) einem Objektiv von 25 mm Brennweite.
Weitere Fotomotive auf zangl photographs
Weitwinkel- und Teleobjektive an Kameras
Objektive, welche die Brennweite verändern können (zum Beispiel 35 – 70 mm) nennt man Zooms (Kurzform von Zoomobjektiven) oder Vario-Objektive.
Kompaktkameras ohne auswechselbare Objektive haben heute praktisch immer ein eingebautes Zoom. Spiegelreflexkameras oder spiegellose Systemkameras ermöglichen einen Wechsel der Objektive und erweitern damit die Gestaltungselemente und Einsatzmöglichkeiten enorm. Der Nachteil von veränderbaren Brennweiten (Zooms) ist oft ihr Gewicht und die durch den Bau bedingte geringere Lichtstärke. Im teuren Segment erhalten Sie ein Zoom aber auch mit hoher Lichtstärke (Beispiel: Sigma f/2.8 70-200 mm), dafür einem veritablen Gewicht von gegen einem Kilogramm oder mehr. Festbrennweiten sind den Zoomobjektiven qualitativ überlegen, aber nehmen Sie gerne fünf schwere Objektive mit auf die Pirsch?
Abstand, Perspektive und Brennweite
Wenn Sie ein Sujet Format füllend aufnehmen möchten, hängt der Abstand vom Objekt zum Objektiv von der gewählten Brennweite ab: Mit einem Teleobjektiv können Sie den Abstand vergrössern, mit einem Weitwinkelobjektiv müssen Sie jedoch näher an das Motiv herangehen.
Wenn Sie aus einer grossen Entfernung die Freiheitsstatue fotografieren oder sich in der Nähe der monumentalen Figur befinden, so werden die verschiedenen Perspektiven gut sichtbar.
Andere interessante Perspektiven sind die Vogel- oder Froschperspektive. Sie sehen: Perspektiven- und Objektiv-Wahl sind wichtige Gestaltungselemente der Fotografie.
Brennweite im APS-Format (Halbformat-Kameras)
Wenn Sie mit einer Halbformatkamera (Beispiel Nikon DX) fotografieren, wird durch den kleineren Sensor der Bildausschnitt folglich enger als bei einer Vollformatkamera. Damit Sie trotzdem das Gefühl dafür bekommen, mit welcher Brennweite Sie fotografieren, gibt es eine Faustregel für APS-Kamera:
Ein Normalobjektiv hat die Objektivbrennweite von 30-35 mm (Vollformatsensor 50 mm). Alle Brennweiten, die höher sind, gehören zum Tele-Bereich, alle, die kleiner sind zu den Weitwinkelobjektiven.
Ein 100 mm-Objektiv bringt Ihnen den Bildausschnitt eines 150-160 mm-Objektivs.
» Der Crop-Faktor – oder: Warum wird ein die Brennweite eines 50 mm-Objektivs an einer APS-Kamera zu einem 75 mm-Objektiv?
Den fotografischen Blick schulen
Wenn Sie sich wie mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen, werden Sie automatisch einen besseren Blick für ein Motiv entwickeln. Sie können einschätzen, ob Ihr Motiv eine kürzere oder längere Brennweite erfordert. Sie werden öfters mit unterschiedlichen Brennweiten, Distanzen zum Motiv arbeiten und experimentierfreudiger werden. Gerade die Arbeit mit starken Weitwinkelobjektiven ist gar nicht so einfach. Oft verleiten sie dazu, viel zu viel auf das Bild zu packen. Die spezielle Perspektive, die entsteht, wenn Sie damit nahe an ein Motiv gehen, ist überraschend. Den Link dazu finden Sie gleich hier unten. Viel Spass beim Ausprobieren. Klick!
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