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Nach einer Woche in der ländlichen Zona Cafetera hat uns das Stadtleben wieder.
Wir sind in Medellín, der zweitgrössten Stadt Kolumbiens. Eine Stadt mit einer bewegten Geschichte. Uns allen lebhaft in Erinnerung in Zusammenhang mit dem berüchtigten Medellín-Kartell rund um Pablo Escobar.
Während der Hochkonjunktur der Drogen-Kartelle war Medellín eine gefürchtete Stadt. Die Bandenkriege wurden auf offener Strasse bei hellichten Tag ausgefochten. Die Mordrate war überdurchschnittlich hoch. Die Ära Escobar trieb dann die Kriminalität nochmals kräftig an, wenn auch Medellín selbst von Escobar eher profitierte. Während er seine Todesschwadronen in ganz Kolumbien und vor allem in Bogotá wüten liess, setzte er sich in Medellín selbst für Schulen, Krankenhäuser und Arbeitsplätze ein. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass er hier in Medellín als eine Art Robin Hood auch heute teilweise noch verehrt wird.
Man kann übrigens heute das ehemals luxuriöse Anwesen von Escobar ganz offiziell besuchen. Es wurde ein kleiner Vergnügungspark eingerichtet, quasi als Zweitnutzung der Skurrilitäten, die Escobar erbauen liess. Der Mann wusste ja nicht wohin mit seine Geld. Also liess er für seinen Sohn lebensgrosse Dinosaurier aus Zement nachbauen (die sogar brüllen können) und flog einen ganzen Zoo von seltenen Tieren ein. Einige Flusspferde verwilderten nach seinem Tode und haben sich in der Region inzwischen kräftig vermehrt. Denen gefällt es hier.
Heute ist Medellín nun aber ganz anders. Nach dem Niedergang der Kartelle wurde in der Stadt kräftig aufgeräumt. Medellín liegt in einem Hochtal und wird von Süden nach Norden von einem Fluss durchschnitten. Das Zentrum liegt im Tal unten, während sich an den Flanken der umliegenden Berge die Siedlungen hochziehen. Heute ist Medellín sicher und nimmt einem als Besucher freundlich und offen in Empfang.
Was für eine südamerikanische Stadt selten ist: In Medellín gibt es eine Art Stadt- und Verkehrsplanung. So wurde entlang dem Fluss beispielsweise eine Metro oder eher eine Hochbahn gebaut. Diese verkehrt pünktlich alle 3 Minuten – also quasi ständig – in beide Richtungen entlang dem Fluss. So eine Art Paternoster auf der Nord-Süd-Achse. Mit der Bahn gelangt man schnell zum Ziel.
Zweite clevere Idee: von der zentralen Metro-Achse weg führen verschiedene Seilbahnen in die Hangsiedlungen hoch. Eine schnelle und geschickte Art, Waren und Leute zu transportieren. Selbstverständlich gibts daneben aber auch die üblichen Autos und Busse und eine Unmenge von Taxis.
Nebst den Verkehrsverbindungen wurden aber auch öffentliche Plätze und Pärke geschaffen. So etwa ein grosses Erholungsgebiet rund um die Universität mit botanischem Garten, Planetarium und Aquarium. Das tut einer Stadt einfach gut, wenn solche grünen Lungen existieren.
Wir haben uns für die Woche ein AirBnB genommen, ganz zentral im Poblado-Quartier. Dieses Quartier ist bekannt für viele neue Bars, Restaurants und Boutiquen. Tatsächlich haben wir um unsere Wohnung herum gleich mehrere Top-Restaurants gefunden, sodass wir die Woche auch kulinarisch geniessen konnten. Nach der eher frittierten Landwoche tat uns zur Abwechslung mal was leichtes Grünes gut. Und weil es direkt neben unserem Haus einen Argentinier hat, gabs dann auch mal noch ein ordentliches Stück Fleisch :-)