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Untertitel: Öffnung der Schweiz zu Europa und zur Dritten Welt
Alt Bundesrat Pierre Graber wurde am 6. Dezember 1908 in La Chaux-de-Fonds geboren. Er studierte in Neuenburg und Wien, wo er 1931 ein juristisches und ein wirtschaftswissenschaftliches Lizenziat erwarb. 1933 eröffnete er in Lausanne eine Anwaltskanzlei. Er trat der SP bei und wirkte ab 1934 in den Legislativen von Lausanne und des Kantons Waadt, ferner als Stadtpräsident von Lausanne (1946 bis 1949) und als Waadtländer Regierungsrat. Von 1942 bis 1969 war er Nationalrat und wirkte in der Jura-Kommission mit.
Annäherung an Europa
Als 61-Jähriger wurde Graber 1969 – als Nachfolger von Willy Spühler – in den Bundesrat gewählt, wo er das Departement für auswärtige Angelegenheiten übernahm. In diesem Amt trug er wesentlich zur Annäherung der Schweiz an die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bei.
Er wirkte bei den Verhandlungen für den Freihandelsvertrag zwischen den Efta-Staaten und der EWG, der heutigen EU, mit. Ausserdem setzte er sich für den Beitritt der Schweiz zur Europäischen Menschenrechtskonvention ein, der 1974 erfolgte. 1975, in seinem Amtsjahr als Bundespräsident, unterzeichnete Graber für die Schweiz die Schlussakte von Helsinki. Diese begründete die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Wichtige Erfolge waren das Entwicklungshilfe-Gesetz von 1975 und der Aufbau der Schweizerischen Katastrophenhilfe.
Gemässigter Sozialdemokrat
Als Sozialdemokrat hatte Graber wesentlichen Anteil an der Reform der Waadtländer SP, die während des Zweiten Weltkrieges tief gespalten war. 1949 bis 1963 präsidierte er die Kantonalpartei, nach 1963 war er auch SPS-Vizepräsident. Er vertrat stets einen gemässigten sozialdemokratischen Kurs. Seinen persönlichen Werdegang hat er im Buch «Mémoires et réflexions» beschrieben, das 1992 erschienen ist. An seinem 90. Geburtstag im Dezember 1998 hatte Pierre Graber sich als «wahnsinnig glücklichen Menschen» bezeichnet.
Für die SP Schweiz verkörperte Graber, der erste Romand-Sozialdemokrat im Bundesrat, die Schweizer Sozialdemokratie des 20. Jahrhunderts, wie SPS-Sprecher Jean-Philippe Jeannerat ausführte. Graber habe das politische Leben der Schweiz auf allen Ebenen mitgeprägt und sich besondere Verdienste um die SP in der Romandie erworben.