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Auszug aus dem Buch von Charles-Ferdinand Ramuz
«Auf den Pfaden des Dichters»
«Bovard schon wieder in seinen Reben …Und der liebe Gott höchst persönlich hat entschieden, dass es ein Rebberg sein soll, nachdem er den Berg so ausgerichtet hatte, wie es sein muss. Er sagte: ‘Ich werde absichtlich einen schönen Abhang erschaffen, mit der Ausrichtung und der Neigung, die es braucht, und ich werde noch ein Gewässer hinzufügen, damit so, neben dem Sonnenschein von oben, zwei weitere Sonnen von oben nach unten, und von unten …’ Der liebe Gott hat den Hang erschaffen, aber wir haben dafür gesorgt, dass er hält und, dass er erhalten bleibt. Also: würde sein Kleid aus Steinen erst heute gewürdigt?, sagt er noch. Anderswo begnügt sich der Mensch mit ansähen, pflanzen und umackern; wir haben zuerst Pflanzkästen bauen müssen, schaut ‘mal hin, ob es wahr ist, was ich sage; in Pflanzkästen, völlig alles in Kästen anbauen und diese Kästen übereinander stapeln … Er zeigt sie mit seiner Hand, die ruckartig höher und immer höher steigt, entlang der viereckigen Mauerwerke, die wie Treppen nach oben führen. Das ist nicht mehr natürlich, das ist hergestellt. Alles wurde von uns erschaffen und nur dank uns hält es auch; es ist kein Abhang mehr, es ist eine Konstruktion, es ist ein Turm, es ist die Vorderseite einer Festung. … Seit uralten Zeiten, seit wir existieren, seit den Römern und den Mönchen, seit alten Zeiten, seit uralten Zeiten; es wird hier immer noch Abtei genannt, es gibt den Wein der Äbtissinnen, es heisst Priorei, lauter Namen und Werke aus dieser Zeit. Und schaut doch diese Mauern an, Mauern soweit das Auge reicht, soweit der Blick von oben nach unten, von links nach rechts schweift. Wie viele sind es?
Sie waren nötig, ohne sie wäre die Erde abgerutscht. Man hat also eine erste Mauer gebaut, dann eine zweite, dann noch eine, und dann zehn, und hundert und dann tausend, zuerst am Seeufer, darauf sind sie aufgestiegen, mit unseren Möglichkeiten gestiegen bis zum Himmel, und wenn sie noch weiter hätten klettern können, hätten sie es getan … Seit alten Zeiten, von allem Anfang an, von Jahr zu Jahr: die Römer, die Mönche, die Menschen in Roben, die Menschen in Hosen, weitere und immer weitere, und dann unsere Urgrossväter, die Grossväter, dann unsere Väter, und dann wir: wiederaufbauen und ständig wiederaufbauen, unterhalten, nochmals zementieren; jedes Jahr Erde auf dem Rücken nach oben tragen, mit Tragkörben den ganzen Hang erklimmen; nachschauen, wo es geplatzt ist, wo der Berg nach vorne drückt, da wo der Stein nachgibt, wo er Risse hat; und Löcher stopfen, Risse ausbessern, den Berg zurückdrängen, sicherstellen, dass es trotzdem hält, dass es erhalten bleibt – vielleicht hält es seit zweitausend Jahren, aber es hätte nicht gehalten, wenn wir uns nicht eingemischt hätten, wenn wir nicht immer wieder aufgebaut hätten, die ganze Zeit.
Hier hält er inne, erschöpft von all diesen Worten».