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Warren Tracey ist ein Profi-Baseballspieler, der es nie ganz nach oben geschafft hat. Sein Sohn Paul hat ein schwieriges Verhältnis zum Vater. Als Junge wollte er ihn so gern bewundern, aber der Vater hatte kein grosses Interesse an seinem Sohn. Paul ist längst erwachsen, hat eine eigene Familie, aber die Distanz zum Vater ist geblieben. Das ist der eine Erzählstrang im neuen Roman von John Grisham.
Joe Castle ist ein Ausnahmetalent im Baseball. Als junger Mann wird er als Ersatzspieler eingesetzt. Aber es dauert nicht lange, und er schlägt einen Rekord nach dem anderen. Zuerst glaubt jeder an Anfängerglück, aber bald wird klar: Joe Castle ist ein Jahrhunderttalent, und er wird im ganzen Land umjubelt. Dies ist der andere Erzählstrang im neuen Roman von John Grisham.
Die Sekunde, die ein Leben verändert
Eines Tages treffen Warren Tracey und Joe Castle in einem wichtigen Spiel aufeinander. Und Warren wirft einen Ball, der Joes Leben für immer verändert. Von einer Sekunde auf die andere ist seine vielversprechende Baseball-Karriere zerstört.
Dreissig Jahre später macht sich Paul auf, um Joe und Warren miteinander zu versöhnen. Das bedingt, dass auch Vater und Sohn sich mit ihrer Vergangenheit, mit den Fragen von Schuld und Vergebung – vor allem aber auch mit ihrer Beziehung zueinander auseinandersetzen müssen.
Anstrengend für den Nicht-Baseball-Kenner
Mit «Home Run» hat John Grisham eine berührende Vater-Sohn-Geschichte geschrieben. Es gelingt ihm, ihre zerrüttete Beziehung und den Versuch, sie zu verbessern, bildhaft zu beschreiben. Grisham bleibt auch in diesem Roman seinem Schreibstil treu: direkt, klar – so, dass man die Geschichte wie einen Film vor dem inneren Auge sieht.
Walks, Strikeouts und das zweite Inning
Allerdings sind die ersten rund 100 Seiten für einen Nicht-Baseball-Kenner schwierig zu verstehen. Dieser erste Teil des Romans besteht fast nur aus Sätzen wie «Der Pitcher der Philllies war Linkshänder mit einer Präferenz für Fastballs, der genauso viele Walks abgab wie er Strikeouts warf. Als Joe im zweiten Inning zur Home Plate ging …» Solche Beschreibungen machen den Roman für die Leserschaft, die mit Baseball nicht viel am Hut hat, anstrengend.
Baseball ist ein typisch amerikanisches Spiel. Welches Publikum also soll «Home Run» ansprechen? Gibt es denn genug deutschsprachige Leserinnen und Leser, die über Baseball lesen wollen? Der Heyne-Verlag beruft sich auf die Erfolge anderer Romane über Baseball im deutschsprachigen Raum. So zum Beispiel Chad Harbachs «Die Kunst des Feldspiels», in dem wie in «Home Run» nicht nur der Sport thematisiert wird.
Stoff für einen Hollywood-Film
Wie erfolgreich der Roman tatsächlich ist, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist es ein typisch amerikanisches Thema, das John Grisham auch auf sehr amerikanische Art behandelt: emotional, humorvoll, kitschig – aber auch berührend. Und man sieht die Hollywood-Verfilmung tatsächlich schon vor sich.