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Die Breitbandversorgung ist derzeit ein grosses Thema. Detaillierte, umfassende Informationen dazu liegen nicht vor, da diese von den Telekomanbietern aus betrieblichen oder wettbewerblichen Gründen nur teils angegeben werden. Aufgrund verschiedener Abklärungen und von Besprechungen mit der Swisscom ergibt sich aber ein grobes Bild zum Stand der Breitbanderschliessung in Graubünden.
von Boris Spycher*
Im Jahre 2010 hat das Amt für Raumentwicklung die Situation der Breitbanderschliessung im Kanton Graubünden erstmals analysiert. Es wurde geprüft, wie viele Einwohner und Arbeitsplätze sich im näheren und weiteren Umfeld der Swisscom Telekomverteiler befinden, daraus wurde die Breitbandversorgung über das Kupferkabel ermittelt.
Aufgrund dieser groben Abschätzung konnte damals geschlossen werden, dass die Versorgung Graubündens in etwa dem schweizerischen Durchschnitt entspricht. Es ist allerdings davon auszugehen, dass mit der gewählten Methode tendenziell ein etwas zu optimistisches Bild ermittelt wurde.
Kantonale Breitbandversorgung im Vergleich zur Schweiz
In Graubünden finden regelmässige Besprechungen zwischen der Swisscom und dem Departement für Volkswirtschaft und Soziales statt. Aufgrund der von der Swisscom präsentierten Zahlen zeigt sich, dass Graubünden bei der Erschliessung über das Festnetz im Vergleich zur Schweiz etwas hinterherhinkt und erst mit einer Verzögerung von zirka drei Jahren den gleichen Erschliessungsstand erreichen wird.
Im Bereich des Mobilfunks haben sowohl das Angebot wie auch die Nachfrage in den letzten Jahren stark zugenommen. Bei Einführung einer neuen Mobilfunkgeneration können sich zu Beginn Verzögerungen ergeben. Dafür erfolgt der Ausbau danach umso rascher. Mit einer Verzögerung von weniger als einem Jahr wird Graubünden den gleichen Erschliessungsstand wie der Rest der Schweiz erreichen.
Internationale Einordnung: die Schweiz ist vorne dabei
Die Schweiz belegt in internationalen Vergleichen Spitzenränge und kann ihre Position weiter verbessern. Während sie in Bezug auf die durchschnittliche Internetgeschwindigkeit im Jahre 2009 noch auf Rang acht lag, belegt sie 2016 den fünften Platz. Sehr deutlich ist auch der zunehmende Vorsprung der Schweiz zu seinen Nachbarländern. In ländlichen Gebieten beträgt die Abdeckung mit 30 Mbit/s bereits 89 Prozent. Diese ist fast dreimal so hoch wie in der EU. Da Graubünden, wie in der Grafik aufgezeigt, nur geringfügig schlechter erschlossen ist als die Schweiz als Ganzes, ist zu folgern, dass der Kanton auch im internationalen Vergleich sehr gut dasteht.
Erfahrungen mit einzelnen Gemeinden
Der Ausbau der Breitbandversorgung in Graubünden schreitet rasch voran, und die mittlere Erschliessungsqualität ist gut. Nichtsdestotrotz kommt es immer wieder vor, dass einzelne Gemeinden – beziehungsweise zunehmend nur noch einzelne Fraktionen oder Häusergruppen – verspätet erschlossen werden und so zumindest vorübergehend schlecht versorgt sind. In den letzten vier Jahren wurde der Kanton insgesamt zehnmal wegen unbefriedigenden Erschliessungssituationen kontaktiert. In den meisten dieser Fälle ist inzwischen eine gute Erschliessung hergestellt worden, in einzelnen Fällen ist eine Verbesserung der Erschliessung absehbar.
Innerkantonale Differenzierung
Statistiken zur innerkantonalen Differenzierung der Erschliessungssituation liegen nicht vor. Einen optischen Eindruck vermittelt aber der vom Bundesamt für Kommunikation veröffentlichte Breitbandatlas. Dieser zeigt im Hektarraster die Erschliessungssituation bei verschiedenen Bandbreiten auf. Betrachtet man z.B. die Erschliessung mit hochauflösendem digitalem Fernsehen (HD-TV), so wird im kantonalen Überblick deutlich, dass heute alle Regionen des Kantons erschlossen sind. Erst bei einer vertieften kleinräumigen Analyse zeigen sich punktuelle Bereiche mit schlechterer Versorgung. Dies sind meist kleinere räumlich abgesetzte Häusergruppen.
Versorgungsengpässe sind also primär ein punktuelles Phänomen und nicht grossräumig zu finden. Bei höheren Bandbreiten (z.B. 100 Mbit/s Download) sind noch grössere Gebiete nicht erschlossen beziehungsweise regionale Unterschiede auszumachen. (Siehe Abbildungen unten, https://map.geo.admin.ch).
Ausbaupläne bis 2021
Die Investitionen im Telekommarkt pro Kopf sind in der Schweiz weltweit am höchsten. Alle Anbieter investieren jährlich grosse Beträge, die Swisscom als Marktführerin alleine 1,75 Milliarden Franken pro Jahr. Dank günstiger Rahmenbedingungen, starker Nachfrage und des Wettbewerbs zwischen den Anbietern dürfte die Investitionstätigkeit weiterhin hoch bleiben.
Die Swisscom hat ihre Ausbaupläne unter dem Titel .mia Svizra. kommuniziert. Demnach wird das Breitbandnetz in allen Gemeinden bis Ende 2021 modernisiert. Danach sollen rund 90 Prozent der Gebiete mit Ultrabreitband erschlossen sein (mindestens 80 Mbit/s). Für die übrigen Gebiete ist eine kombinierte Versorgung mittels Festnetz und Mobilfunk und einer Bandbreite von 60 bis 80 Mbit/s vorgesehen.
*Boris Spycher ist Geograph beim Amt für Raumentwicklung und betreut Spezialprojekte.