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Der Syrah – in Australien Shiraz genannt
Die Rebsorte Syrah wird in Australien «Shiraz» genannt – und auf den Etiketten auch so geschrieben. Die Australier sind stolz darauf, dass sie als einzige diese Original-Schreibweise beibehalten haben. Die Traube Shiraz, so will es die Legende, sei von den Kreuzrittern aus der Stadt Shiraz mitgebracht worden, einem Weinbauort im früheren Persien (heute der Iran).
Mit dem DNA-test wurde diese Legende dann jedoch begraben. 1998 entdeckten Forscher der Universität von Kalifornien in Davis und des INRA von Montpellier die Eltern des Syrah. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine natürliche Kreuzung zwischen den französischen Rebsorten Dureza und Mondeuse Blanche handelt. Dureza ist eine alte schwarze Rebsorte aus den Départements Ardèche und Isère, die vom Aussterben bedroht ist, und die Mondeuse Blanche, die früher in Ain, Isère und der Haute-Savoie angebaut wurde, ist heute nur noch auf wenigen Hektar des Anbaugebietes in der Haute-Savoie auffindbar. Die Syrah-Traube stammt daher mit grösster Wahrscheinlichkeit aus der Isère. 1781 wurde sie als «Sira»-Traube im «Ermitage» zum ersten Mal erwähnt. Von diesen berühmten Weinbergen der Ermitage und Côte-Rôtie aus wurde der Syrah dann exportiert und 1832 in Australien von James Busby angebaut, dem «Gründer» des australischen Weinbaus, der fast 70 weitere Rebsorten aus Europa eingeführt hat. Auf der Etikette der Stecklinge stand damals «Scyras», wahrscheinlich aufgrund einer Fehlinterpretation der mündlichen Überlieferung. In australischem Englisch wurde daraus Shiraz – eine Schreibweise, die man heute auch in Deutschland und manchmal auch in Italien findet. Der australische Shiraz hat daher rein gar nichts mit Persien zu tun!
In den Weingütern im «Land der Kängurus» findet man hundertjährige Syrah-Reben, die aussergewöhnliche Weine hervorbringen, wie den Grange de Penfolds oder den Hill of Grace von Henschke, zwei der renommiertesten Weine Australiens. Die Reben sind zum Teil über 150 Jahre alt und stellen daher für Frankreich eine genetisch interessante Ressource dar, da dort inzwischen nur noch ein gutes Dutzend zugelassener Klone verwendet wird.
Der Syrah aus Australien zeichnet sich durch Noten von Leder, Lakritz, schwarzem Pfeffer, Brombeeren und dunkler Schokolade aus. Bei sehr reifen Trauben kann man auch Pflaumen herausschmecken. Die Struktur ist dicht, fruchtig und schmelzend.
Dr. José Vouillamoz, September 2017