Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03383.jsonl.gz/3038

Manchmal ist man im Nachhinhein gescheiter.
Ältere Leser mögen sich vielleicht noch an Anzhi Machatschkala erinnern: die Mannschaft aus aus der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala war im vergangenen Dezember mit ihren Stars Samuel Eto’o, Lacina Traoré und anderen hochdotieren und hochbezahlten Fussballern im Berner Wankdorf zu Gast. Trotz der 1:3 Niederlage gegen die beste Mannschaft der Welt überstanden die Multimillionäre aus dem Kaukausus die Gruppenphase der Europa-League, zogen aber im Achtelfinal gegen die zweitbeste Mannschaft der Welt den kürzeren und schieden aus. Auch in der russischen Liga reichte es nur zu Platz drei, und in der angelaufenen Saison holte Anzhi erst zwei Punkte aus den ersten vier Runden.
Eigentlich wollte der Besitzer des Clubs, Suleiman Kerimov, ja die Champions League gewinnen und anschliessend die Weltherrschaft erringen. So jedenfalls muss jemand ticken, der als neunzehntreichster Russen den bis dahin eigentlich bedeutungslosen Club seiner Heimatstadt kauft und ihm ein geschätztes Jahresbudget von 180 Millionen Dollar zur Verfügung stellt. Mit dem Geld leistete sich Anzhi den bestbezahlten Spieler, wenn nicht gar Sportler der Welt (Samuel Eto’o, 20 Mio € / Jahr), einen hochqualifizierten Trainer (Guus Hiddink) und einen prestigeträchtigen Sportchef (Roberto Carlos). Vor Beginn der Saison 2013/14 holte man für die stolze Summe von 35 Mio. € auch noch Willian von Schachtjor Donetsk, einer Mannschaft, die ebenfalls im Oligarchen-Geld schwimmt. Die Mannschaft lebt und trainiert derweil in Moskau, dort trägt sie auch die internationalen Partien aus, weil die UEFA Dagestan dafür als zu problematisch einstuft. Für die Heimspiele in der russischen Meisterschaft wird das Team jeweilen ein- und danach auch wieder ausgeflogen. Distanz: über 2’000 Kilometer, einfache Strecke.
Jetzt ist aber Schluss mit der Herrlichkeit. Gemäss Twittermeldungen des Klubpräsidenten Konstantin Remchuchov werden Spielerverkäufe im grossen Massstab folgen, die Starspieler werden also ihren Spind bald räumen müssen. Das Budget soll auf ein Drittel zurückgefahren werden. Guus Hiddinks Nachfolger, René Meulensteen, wurde nach nur 16 Tagen im Amt bereits wieder entlassen. Bereits wird spekuliert, dass Gadschi Gadschiev, der den Verein vor der Übernahme durch den Milliardär trainierte, das Amt erneut übernehmen wird. Suleiman Kerimov bereut inzwischen sein Investment; Berichte darüber, dass ihm der Misserfolg seiner Mannschaft auf die Gesundheit geschlagen haben sollen, wurden allerdings als Scherz bezeichnet.
Falls Sie diese Meldung nun sehr bedrückt und Sie Herrn Kerimov helfen wollen, dann gehen Sie jetzt bitte zu Ihrer Bank und investieren Sie all Ihr Erspartes in Aktien der Firma Uralkali. Dort hat der kaukasische Oligarch drum ganz viel Geld reingesteckt und jetzt läuft das Geschäft aber auch überhaupt nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Denn Sie wissen ja: Kaliummangel ist ungesund!
Auf unserem Bild sehen Sie Herrn Kerimov rechts; der links ist Ramsan Kadyrov, ein ehemaliger Freund eines ehemaligen Xamax-Besitzers.