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Der Langbogen
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde der Langbogen in Westeuropa zur effektivsten Fernkampfwaffe, die von einem einzigen Menschen bedient werden konnte. Als fähige Langbogenschützen waren insbesondere die Engländer bekannt. Diese übernahmen den Langbogen von den Walisern, die im späten 13. Jahrhundert von dem englischen König Eduard unterworfen wurden. Bereits im 11. Jahrhundert wird von walisischen Bogenschützen überliefert, deren Pfeile vier Zoll dicke Eichentore durchschlugen. Das sind mehr als 10 cm! Setzten die Engländer zunächst auf walisische Bogenschützen, gingen sie bald dazu über, sich selbst am Langbogen zu üben.
Im mittelalterlichen England wurden Gesetze erlassen, welche die männliche Bevölkerung dazu verpflichteten, sich im Umgang mit dem Langbogen zu üben. Zudem mussten englische Väter ihre Söhne mit einem Langbogen ausrüsten, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht hatten. Sogar im englischen Bürgerkrieg in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden noch Langbögen verwendet. Heutige Versuche haben ergeben, das eine derartige Waffe unter Idealbedingungen eine Plattenrüstung durchschlagen konnte. Um mit einem Langbogen eine solche Wirkung zu entfalten, war jahrelange Übung notwendig. Bei Skelettfunden, die man englischen Langbogenschützen zuordnen konnte, wurden verformte Armknochen festgestellt. Zur Herstellung von Langbögen verwendeten die Engländer Eibenholz, da dieses sowohl hart als auch elastisch ist. Noch heute finden sich zahlreiche Eiben in England, da sie gezielt für den Bogenbau angepflanzt wurden. Die meisten englischen Langbögen reichten dem Schützen im ungespannten Zustand mindestens bis auf Augenhöhe.
In anderen europäischen Reichen wurde der Nutzen dieser Waffe schnell erkannt, so dass der Langbogen auch ausserhalb Englands Verbreitung fand. Anscheinend brachten aber aufgrund ihrer langjährigen Übung nur die Engländer die Wirkung des Langbogens zur vollen Entfaltung.
In den Schlachten des Spätmittelalters bewährte sich der Langbogen vielfach, doch hatte der Einsatz dieser Waffe auch Nachteile. Gerieten gegnerische Reitereien unter die meist ungepanzerten Bogenschützen, blieb diesen nur ein Dolch oder ein leichter Kriegshammer zur Verteidigung. Solche Kämpfe endeten meist in einer Katastrophe für die Bogenschützen, die aufgrund ihrer langen Ausbildung nur schwer zu ersetzen waren. Deshalb bezogen die englischen Langbogenschützen meist hinter spitzen Holzpfählen Deckung, die in die Erde gerammt wurden. Davor postierten sich schwer gepanzerte Ritter, die zu Fuss kämpften und mit ihren Lanzen gegnerische Truppen auf Distanz halten sollten.
Gerieten englische Bogenschützen in Gefangenschaft, wurden ihnen oft der rechte Zeige- und Mittelfinger amputiert, mit denen die Sehne gezogen wird. Dies machte sie als Bogenschützen wertlos. Eine entsprechende Geste der Hand, die dem Gegner zeigen sollte “Ich hab’ sie noch” (ein mit dem Handrücken nach außen gedrehtes V, im Gegensatz zumVictory-Zeichen) gilt noch heute als schwere Beleidigung in England. Entsprechend sollen auch die "crossed fingers" als Glückssymbol aus dem Hundertjährigen Krieg stammen.
Noch im Jahre 1590 verteidigte der englische Adlige Sir John Smythe den Nutzen des Langbogens gegenüber den damals gebräuchlichen Arkebusen und Musketen. Smythe wies darauf hin, das ein Bogen im Gegensatz zu einer Feuerwaffe über keinen Mechanismus verfügt, der versagen könnte. Zudem hob er die deutlich höhere Feuerrate des Bogens im Vergleich zu Feuerwaffen hervor. Außerdem würde ein dichter, heranfliegender Pfeilhagel die Moral des Gegners schwer schädigen. Trotzdem wurde der Langbogen auch in England während des 17. Jahrhunderts endgültig verdrängt. Die Musketen hatten im Vergleich zum Langbogen eine immer höhere Feuerkraft und Reichweite entwickelt und konnten Panzerungen leichter durchschlagen. Zudem konnten die immer stärker eingesetzten Kanonen durch einen einzigen Volltreffer zahlreiche Langbogenschützen töten, bei denen es sich um die am wenigsten austauschbaren Soldaten handelte. Die Ausbildung eines Musketenschützen war weniger anspruchsvoll und vor allem deutlich kürzer.
Das Bogenschiessen
Beim Blank-, Lang- und Jagdbogenschiessen sind weder Zielhilfe noch Stabilisatoren oder gar Ablasshilfen (Abzugshilfe, sog. Release) erlaubt. Das Zielen erfolgt meistens über die Pfeilspitze. Manche Schützen praktizieren auch das Stringwalking (Abgreifen auf der Sehne mit den Fingern). Lang- und Jagdbögen bestehen aus Holz und können je nach Ausführung zum leichteren Transport auch geteilt werden, während bei Blankbögen die Mittelteile auch aus Metal bestehen können.
Recurveschützen dürfen mit Visier und Stabilisatoren schiessen (sog. olympischer Recurve). Recurveschiessen hat den stärksten Zuspruch bei den Bogenschützen. Recurveschiessen ist die Königklasse des Bogenschiessens und auch olympische Disziplin.
Der Compoundbogen
Das Schiessen mit dem Compoundbogen findet trotzdem viele Anhänger. Das Besondere bei dieser Bogenart ist das nachlassende Zuggewicht , das auf dem Flaschenzugprinzip basiert. Bei dieser Art des Schiessens wird auf High-Tech gesetzt und es sind sämtliche technische Hilfsmittel wie Stabilisatoren, Ablasshilfe (Abzugshilfen), Wasserwaage und Vergrösserungslinse erlaubt. Es gibt an Turnieren unterschiedliche Compoundklassen, teilweise sind nicht alle Hilfsmittel erlaubt und es werden spezielle Anforderungen an Visier, maximalem Zuggewicht und/oder maximale Pfeilgeschwindigkeit gestellt.
Die Turniere
Turnierdistanzen liegen zwischen fünf und 60 Meter im Feld- und Jagdbereich, dem Field- oder 3D-Schiessen. Hier wird auf Papierauflagen oder auch auf 3D-Tiere geschossen. Im FITA–Bereich im Freien schiessen die Herren 90, 70, 50 und 30 Meter, die Damen schiessen auf 70, 60, 50 und 30 Meter.
Im Winter werden Turniere in der Halle über 18,3 Meter (20 Yards) ausgetragen. Für Jugendliche sind die Distanzen kürzer oder es wird auf grössere Auflagen geschossen. Hier wird nur auf Papierauflagen geschossen.
Von links nach rechts: Langbogen, Jagdbogen/Blankbogen, Recurve, Compound