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«Das vergisst man nie»
Der Bomberabsturz von Zuzgen – Emil Sacher erinnert sich genau
Am 16. April 1945 stürzte auf dem Zuzger Chriesiberg ein amerikanischer Bomber ab. Emil Sacher ist der einzige noch Lebende, der das Ereignis als unmittelbarer Augenzeuge mitbekommen hatte. Er berichtet darüber, als wäre es gestern gewesen.
Hans Zemp
Wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges stürzte in der bewaldeten Garwiden auf dem Zuzger Chriesiberg ein amerikanischer Bomber des Typs B-26 Marauder ab. Am Nachmittag des 16. April 1945 war eine aus achtunddreissig Bombern bestehende Staffel der amerikanischen Flugwaffe beordert, von Frankreich aus ein deutsches Versorgungsdepot im Kempten zu vernichten. Kurz nach Donaueschingen stellte Pilot Raymond W. Reid Rauch an einem seiner beiden Motoren fest. Er entledigte sich allen Ballastes, drehte ab und versuchte die Schweiz zu erreichen, weil er und seine Crew nicht in deutscher Gefangenschaft landen wollten. Beim Einflug in die Schweiz erwischte ihn auch die schweizerische Flab (Fliegerabwehr). Fünf Mitglieder der sechsköpfigen Crew konnten über Deutschland oder der Schweiz rechtzeitig abspringen und überlebten. Für Reid kam sein Rettungsversuch deshalb zu spät, weil er seine sinkende Maschine nicht in bewohntem Gebiet zerschellen lassen wollte. Sein Rettungsversuch scheiterte darum, weil sich der Fallschirm aus nur 250 verbleibenden Höhenmetern nicht mehr rechtzeitig öffnen konnte.
Emil Sacher musste dem Unglück zuschauen
Der Zuzger Emil Sacher, geboren am 19. März 1923, war zum Zeitpunkt des Ereignisses zusammen mit seinem Cousin auf dem Chriesiberg am Pflügen und musste aus etwa 500 Metern Entfernung das Unglück miterleben. Darum erinnert er sich als einzig noch lebender Zuzger Augenzeuge ganz genau an die Details. Das Flugzeug kam von Zeiningen her ganz tief über den Wald und f log Richtung Garwiden. Im Militär hatte er gelernt, dass man sich in solchen Situationen sofort auf den Boden wirft, damit sie einem nicht sehen. Die beiden Männer bekamen dann mit, wie das Flugzeug Waldbäume wegrasierte, eine noch lange sichtbare Schneise in den Wald riss und zerschellte. In Stücken flogen die Bomberteile umher, die beiden Sternmotoren rollten als Blöcke in den Wald hinein. Das Kerosin geriet in Brand. Die bis fünf Meter hohen Flammen löschten dann aber wieder.
Wir gingen uns das anschauen
Die beiden Pferde haben sie bis zum Waldrand mitgenommen. «Dort frassen sie Laub», meint Emil Sacher. Selbst schauten sie sich die Unfallstelle genau an. «Eine Kanone steckte mit dem Rohr im Boden.» Schnell waren auch weitere Leute anwesend und alle nahmen etwas mit. Von Mumpf her war aber rasch eine Patrouille vor Ort, sicherte den Unfallplatz ab und schickte die Zivilisten weg, räumte den Platz und führte das Trümmermaterial weg. Das von den Einheimischen zusammengelesene Material war abzugeben. Klar hielten sich nicht alle an diesen Befehl, jedenfalls nicht vollumfänglich. Nachdem das Militär geräumt hatte, suchten viele Zuzger nach weiteren Bestandteilen des Bombers. Später hörte Emil Sacher aber nichts mehr von diesem Unfall. Was Emil Sacher aber machte: er schrieb einen Zeitungsartikel über das Gesehene und Erlebte. «Ich schrieb nur, was ich sah», präzisiert er.
Vierzig Jahre nach dem Unfall habe ihn ein Deutscher, auch er war Pilot im Krieg, besucht. Weil dieser damals Urlaub hatte, sah er über den Rhein den Absturz. Zum ganzen Ereignis meint der einzige noch lebende, direkte Zuzger Augenzeuge: «Das vergisst man nie.» Man habe beim Ereignis nichts gedacht, nur geschaut, habe einfach das gemacht, was man im Militärdienst gelernt habe: Sich hinlegen. Spezielle Gefühle habe man im Moment keine gehabt.