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Die SFV-Delegation hat die Kandidatur für die EM 2025 der Frauen eingereicht. Präsident Dominique Blanc spricht über die anstrengenden letzten Monate, die grosse Unterstützung für das Projekt und darüber, wie er das Exekutivkomitee der Uefa vom Schweizer Dossier überzeugen will.
Dominique Blanc, das Dossier für die Kandidatur zur EM 2025 in der Schweiz ist eingereicht. Sind Sie zufrieden mit dem Endprodukt?
Ja. Projektleiterin Marion Daube hat sich dieser Herausforderung im Januar angenommen und jetzt während neun Monaten praktisch ununterbrochen daran gearbeitet. Es steckt sehr viel Zeit und Energie in dieser Bewerbung. Und wir sind sehr zufrieden mit dem Resultat.
Was war in dieser Zeit die grösste Herausforderung?
Am Anfang war es sicher die Auswahl der Spielstätten. Zuerst hatten wir ganz viele Optionen. Jetzt haben wir acht Stadien, die auch ein gutes Verhältnis zwischen der Deutschschweiz und der Romandie abbilden. Die nächste Herausforderung waren die Diskussionen mit den Städten und Kantonen über die finanzielle Unterstützung des Projekts. Wir haben aber von allen sehr positive Rückmeldungen erhalten.
Basel, Bern, Zürich, Luzern und Thun haben bereits finanzielle Unterstützung in der Höhe von rund 45 Millionen Franken gesprochen. Wie sieht es mit den anderen aus, also Genf, St. Gallen und Sion?
Dort wurde das Thema noch nicht in den jeweiligen Parlamenten diskutiert. Aber es wird sicher thematisiert werden, und ich bin zuversichtlich, dass wir auch von diesen Städten positive Signale erhalten werden. Mündliche Zusicherungen haben wir zum Teil bereits erhalten, aber der ganze Prozess muss natürlich formell von den Parlamenten abgesegnet werden.
Wann wird das etwa passieren?
Ich denke, Anfang Januar sollten die Entscheide in allen Städten gefällt worden sein.
Wird das Projekt auch im Tessin gestützt, obwohl dort keine Spiele vorgesehen sind?
Diese Europameisterschaft soll eine schweizweite Veranstaltung sein. Leider gibt es im Moment im Tessin kein Stadion, das den Ansprüchen der Uefa für ein solches Turnier genügen würde. Aber wir würden sicher einige Veranstaltungen im Tessin durchführen. Zum Beispiel die Auslosung der Gruppen.
Neben der Finanzierung ein anderes potenzielles Problem ist der Kunstrasen, der aus den Stadien in Bern und Thun entfernt werden müsste. Brauchte es diesbezüglich viel Überzeugungsarbeit?
Die Verantwortlichen haben sich sicher überlegt, was das für sie bedeuten würde, aber dieses Thema war kein Bremsklotz für unser Dossier. Sowohl Bern als auch Thun haben sich dazu bereit erklärt, für dieses Turnier zumindest vorübergehend Naturrasen in ihren Stadien zu verlegen.
Neben der Schweiz kandidieren Frankreich, die Ukraine, Polen sowie ein Bündnis aus vier skandinavischen Ländern für die Austragung der EM 2025. Welche dieser Länder sehen Sie als grösste Konkurrenz an für die Schweizer Bewerbung?
Nach heutigem Wissensstand dürften das die skandinavischen Länder sein. Wir bereiten sowieso eine Argumentenliste vor, auf der wir auflisten, was im Vergleich zu den anderen für uns spricht. Aber viel lieber, als dass wir uns mit den anderen vergleichen und konkurrenzieren, wollen wir unsere eigenen Stärken und Vorzüge herausstreichen. Ich denke, wir haben doch einige gewichtige Argumente.
Zum Beispiel?
Die Infrastruktur. Alles ist bereit. Die Stadien, aber auch die Verkehrs- und Transportinfrastruktur bestehen bereits. Das Turnier könnte im Prinzip morgen beginnen. Das sorgt auch für Nachhaltigkeit. Zwei Spiele an einem Tag könnten mit einem Zugticket besucht werden. Die Distanzen sind gering, und in der Schweiz ist die Sicherheit sichergestellt. Zudem denken wir, dass es für die Uefa ein gutes Signal wäre, wenn die Schweiz den Zuschlag erhalten würde.
Weshalb?
Neben den fünf grossen Verbänden (Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien) gibt es in der Uefa viele mittelgrosse Verbände wie eben die Schweiz, und ich glaube, dass eine EM der Frauen eine Veranstaltung ist, die von einem solchen mittelgrossen Verband alleine organisiert und durchgeführt werden kann. Wir möchten zeigen, dass das machbar ist. So hat die Uefa nicht das Gefühl, dass nur die Grossen überhaupt für ihre Veranstaltungen infrage kommen.
Nils Nielsen sagte letzte Woche, dass die Qualifikation für die WM 2023 in Neuseeland und Australien, die mit dem Sieg gegen Wales geschafft worden ist, zusammen mit der Austragung der EM 2025 dazu führen würde, dass die Schweiz über Jahre zu den Top-Nationen bei den Frauen gehören könnte. Erwarten Sie auch einen solchen positiven Effekt?
Es freut mich natürlich, dass unser Nationaltrainer so etwas sagt. Ja, die WM-Teilnahme und die EM 2025 würden uns helfen, die Förderung des Frauenfussballs weiter voranzutreiben. Aber ich muss auch klar sagen, dass es noch viel Verbesserungspotenzial gibt in der Schweiz.
Wo zum Beispiel?
Bei der Nachwuchsförderung. Die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen ist uns ein grosses Anliegen, aber gerade im Nachwuchs besteht diesbezüglich noch ein Ungleichgewicht. Weil die Förderung der Frauen viel später angefangen hat als die der Männer.
Auch die Infrastruktur ist ein Problem, oder?
Die Zahl der Mädchen und Frauen, die mit Fussballspielen anfangen, ist steigend. Letztes Jahr um 10,5 Prozent. Heute gibt es in der Schweiz rund 31’000 Mädchen und Frauen, die Fussball spielen, und diese Zahl wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Etwa ein Drittel der Vereine verfügt aber über ungenügende Infrastruktur, wo zum Beispiel nicht genügend Platz zum Trainieren und Spielen vorhanden ist. Für die Talente gibt es mit dem Ausbildungszentrum in Biel einen Ort, wo die Infrastruktur natürlich top ist. Die Verbesserung der Infrastruktur ist aber ein Prozess wie bei den Männern auch. Da hat er aber vor 25 Jahren angefangen. Heute gibt es 14 Leistungszentren bei den SFL-Clubs, und wir verfügen über genügend Qualität, um den Nachwuchs zu fördern. Dieser Prozess ist auch bei den Frauen im Gang, aber halt mit 15 Jahren Verspätung.
Das Exekutivkomitee der Uefa fällt den Entscheid am 25. Januar 2023. Was passiert bis dahin noch?
Jetzt beginnt eine sehr wichtige Phase, die Phase des Lobbyings. Wenn die Verantwortlichen der Uefa im Land eine starke Unterstützung der Bevölkerung spüren, ist das auch ein wichtiges Kriterium für einen Entscheid des Exekutivkomitees.
Also werden Sie in den nächsten Monaten viel in Nyon am Uefa-Hauptsitz anzutreffen sein?
Im Rahmen der Auslosung für die EM-Qualifikation 2024 letzte Woche in Frankfurt habe ich viele Mitglieder des Exekutivkomitees bereits getroffen. Auch in Doha an der WM im November werden viele anwesend sein. Dort wollen wir sie einzeln treffen und von unserem Projekt überzeugen. In der zweiten und dritten Januarwoche sind zudem weitere Gespräche mit dem Exekutivkomitee geplant. Es wird also eine kleine Tour d’Europe geben (lacht).
Mit welchem Gefühl schauen Sie auf diesen 25. Januar?
Ich bin gespannt. Es ist, wie wenn sich ein Team auf eine WM vorbereitet. Das dauert meist mehrere Monate mit grosser Konzentration und Anspannung, und dann, am Tag X, muss man bereit sein. Ich möchte nicht, dass wir etwas bedauern. Deshalb wollen wir wirklich alles unternehmen, um die Entscheidungsträger zu überzeugen, dass unsere Kandidatur die beste ist.