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Mangaia-Liest - Todiramphus ruficollaris
Atiu-Salangane - Collocalia sawtelli
Rarotonga-Star - Aplonis cinerascens
Kerearako-Rohrsänger - Acrocephalus kerearako
© 2005 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Die Cook-Inseln sind eine Schar von fünfzehn Inseln, welche mitten im Südpazifik über ein Areal von 2,2 Millionen Quadratkilometern verstreut liegen, jedoch eine gesamte Landfläche von lediglich 240 Quadratkilometern aufweisen. Politisch gesehen handelt sich um ein neuseeländisches Aussenterritorium mit innerer Selbstverwaltung.
Die Cook-Inseln gliedern sich in zwei Gruppen: Die Nordgruppe umfasst fünf Atolle (Penrhyn, Rakahanga, Manihiki, Pukapuka, Suwarrow) und eine Koralleninsel ohne Zentrallagune (Nassau). Sie alle ragen kaum über den Meeresspiegel auf und haben insgesamt eine Landfläche von bloss 26 Quadratkilometern. Die Südgruppe ist mit insgesamt 214 Quadratkilometern etwas grossflächiger und zudem unterschiedlicher: Sie besteht aus zwei Atollen (Palmerston und Manuae), einer flachen Koralleninsel (Takutea) und sechs grösseren Inseln, welche die Spitzen alter untermeerischer Vulkankegel darstellen (Rarotonga, Aitutaki, Atiu, Mangaia, Mauke, Mitiaro). Die letzteren vier (Atiu, Mangaia, Mauke, Mitiaro) wurden in erdgeschichtlich jüngerer Zeit durch Verformungen der Erdkruste angehoben und weisen darum rundherum einen terrassenförmigen Korallenkalkring (polynesisch: «Makatea») auf.
Wie alle polynesischen Inseln sind die Cook-Inseln «ozeanische» Inseln, waren also zu keiner Zeit mit einem Kontinent verbunden gewesen. Alle heute auf dem Archipel heimischen Wildtiere stammen darum von Vorfahren ab, die es irgendwann in grauer Vorzeit geschafft hatten, über das Meer hinweg hierher zu gelangen und sich niederzulassen.
Zur ursprünglichen Fauna - also denjenigen Tierarten, die ohne fremde Hilfe den weiten Weg auf die Cook-Inseln geschafft hatten - kamen in erdgeschichtlich jüngerer Zeit verschiedene Tierformen, welche vom Menschen eingeführt bzw. eingeschleppt wurden. Hierbei spielten nicht nur die Europäer eine Rolle, welche ab 1595 in dieser Erdregion aufkreuzten, sondern auch die Polynesier, welche die Cook-Inseln schon lange zuvor entdeckt und mindestens ab dem 7. Jahrhundert besiedelt hatten.
Zu den ursprünglichen Wirbeltierarten der Cook-Inseln gehören zwangsläufig vor allem solche, welche die Fähigkeit haben, unbeschadet grössere Strecken auf oder über dem Meer zurückzulegen. Dementsprechend gibt es auf den Cook-Inseln keine ursprünglichen Amphibien. Und es findet sich bloss ein ursprüngliches Landsäugetier, nämlich der Tonga-Flughund (Pteropus tonganus)
, ein ausdauernder Flieger mit einer weiten Verbreitung im südlich-zentralen Pazifik. Bessere, weil zähere «Seefahrer» sind die Reptilien: Immerhin zehn Landreptilienarten, mehrheitlich Geckos und Skinke, haben sich auf den Cook-Inseln niederzulassen vermocht. Wie viele von ihnen auf natürlichen Flössen - beispielsweise treibenden Baumstämmen - hierher gelangt sind und wie viele als «blinde Passagiere» mit den Booten der frühen Polynesier angereist kamen, entzieht sich allerdings unserer Kenntnis.
Erwartungsgemäss bilden die Vögel die grösste Gruppe von Wirbeltieren auf den Cook-Inseln. Die Avifauna der Nordgruppe setzt sich fast ausschliesslich aus Meeresvögeln zusammen. Der einzige bodenständige Landvogel ist dort die Pazifikfruchttaube (Ducula pacifica)
. Die Avifauna der Südgruppe besteht hingegen aus elf Landvögeln, von denen sechs auf den Cook-Inseln endemisch sind, also sonst nirgendwo vorkommen. Über vier von diesen wollen wir hier berichten: den Mangaia-Liest (Todiramphus ruficollaris)
, die Atiu-Salangane (Collocalia/Aerodramus sawtelli)
, den Rarotonga-Star (Aplonis cinerascens)
und den Kerearako-Rohrsänger (Acrocephalus kerearako)
.
Der Mangaia-Liest
Der Mangaia-Liest, der lokal «Tanga'eo» heisst, ist ein mittelgrosses Mitglied der Familie der Eisvögel (Alcedidae): Erwachsene Individuen erreichen eine Länge von 20 bis 22 Zentimetern.
Mangaia, die einzige Insel, auf der er vorkommt, weist eine Landfläche von 52 Quadratkilometern auf, gehört zur Südgruppe und ist die zweitgrösste Cookinsel nach der Hauptinsel Rarotonga. Es handelt sich um eine stark erodierte Vulkaninsel mit einer maximalen Höhe von 170 Metern. Der bevorzugte Lebensraum des Mangaia-Liest ist der urtümliche, etwas schüttere Wald, der auf der erhöhten, ringförmigen Makatea-Kalksteinterrasse wächst. Seine Bestandsdichte beträgt ein bis zwei Individuen je fünf Hektar; sein Gesamtbestand wird auf rund 400 bis 700 Individuen geschätzt.
Wie zahlreiche andere Mitglieder der Eisvogelfamilie ist der Mangaia-Liest kein Fischfänger, sondern macht Jagd vor allem auf kleinere Echsen und grössere Insekten. Nach seinen Beutetieren hält er vor allem im oberen und mittleren Bereich des Waldes Ausschau. Dazu setzt er sich ruhig auf einen günstigen Ast, beobachtet aufmerksam seine Umgebung und stösst hie und da unvermittelt vor, um mit seinem kräftigen Schnabel ein vorbeifliegendes Insekt oder ein im Blattwerk krabbelndes Kleintier zu packen.
Die Brutsaison der Mangaia-Lieste dauert von November bis Januar. Interessanterweise beteiligen sich in etwa einem von sechs Fällen nicht wie üblich zwei, sondern drei erwachsene Vögel an einer Brut. Diese Trios können aus zwei Männchen und einem Weibchen, aber auch aus zwei Weibchen und einem Männchen bestehen. Ihr Nest legen die Vögel anderthalb bis zehn Meter über dem Boden in einer selbst geschaffenen Ast- oder Stammhöhlung an. Bei Paaren umfasst das Gelege gewöhnlich zwei Eier, bei Trios drei. Das Bebrüten derselben dauert 21 bis 23 Tage, wobei sich bei den Paaren wie bei den Trios tagsüber alle erwachsenen Vögel in Schichten von jeweils ungefähr 45 Minuten ablösen. Auch zur Fütterung der Nestlinge tragen sie gemeinschaftlich bei. Die Jungen sind im Alter von knapp vier Wochen flügge.
Die Atiu-Salangane
Die Atiu-Salangane, in der Lokalsprache «K'peka» genannt, ist ein Mitglied der Familie der Segler (Apodidae). Wie bei anderen pazifischen Vogelarten sehen die Salanganen auf den verschiedenen Südseearchipelen einander sehr ähnlich und stammen sehr wahrscheinlich von denselben Vorfahren ab. Es ist darum nicht ganz klar, welche Bestände als eigene Arten zu betrachten sind und welche nicht. Die Atiu-Salangane ähnelt stark der seltenen Tahiti-Salangane (Collocalia/Aerodramus leucophaeus)
sowie der weit verbreiteten Weissbürzelsalangane (Collocalia/Aerodramus spodiopygius)
, müsste also möglicherweise mit diesen beiden zu einer übergeordneten Art zusammengefasst werden. Die Länge der erwachsenen Individuen bemisst sich auf ungefähr zehn Zentimeter.
Wie der Mangaia-Liest kommt auch die Atiu-Salangane einzig auf der Insel vor, der sie ihren Namen verdankt. Atiu weist eine Landfläche von 27 Quadratkilometern auf. Es handelt sich um eine stark erodierte Vulkaninsel, deren zentrales Plateau eine Höhe von maximal neunzig Metern erreicht.
Wie die meisten Mitglieder der Seglerfamilie verbringt die Atiu-Salangane die meiste Zeit ihres Lebens im Flug. Pfeilschnell schiesst sie über das offene oder bebuschte Land sowie an Waldrändern entlang und fängt dabei kleine Fluginsekten. Zur Brut schreitet sie wie manche Fledermäuse in geräumigen Höhlen. Auf Atiu sind zwei Kalksteinhöhlen bekannt, in denen sie brütet. Anlässlich einer neueren Erhebung wurden total 175 Brutpaare gezählt.
In der Dunkelheit der Höhlen orientieren sich die Salanganen ähnlich wie die Fledermäuse mittels Echoortung. Die Laute, die sie dabei äussern, bewegen sich allerdings im Unterschied zu denjenigen der Fledermäuse nicht im Ultraschallbereich, sondern können vom menschlichen Ohr gut als Klicken wahrgenommen werden.
Ihre zierlichen Nester befestigen die Atiu-Salanganen an den teils glatten Wänden ihrer Bruthöhlen. Sie bestehen hauptsächlich aus dünnen Pflanzenfasern, die sie im Flug von jungen Kokospalmwedeln abreissen, ferner aus kleinen Flechten- und Moosstückchen. Mit Speichel werden diese Stoffe aneinander und an die Höhlenwand geklebt. Das Gelege umfasst stets zwei Eier. Männchen und Weibchen wechseln sich beim Bebrüten derselben partnerschaftlich ab. Die Jungvögel wiegen beim Schlüpfen bloss ein Gramm und bringen sieben bis acht Wochen später, wenn sie ausfliegen, ungefähr zehn Gramm auf die Waage.
Der Rarotonga-Star
Der Rarotonga-Star, der auf den Cook-Inseln «I'oi» heisst, gehört zur Familie der Stare (Sturnidae), der auch die Beos, Mainas, Atzeln, Glanzstare und Madenhacker angehören. Mit einer Länge um zwanzig Zentimeter ist er ein mittelgrosses Mitglied seiner Sippe.
Auch der Rarotonga-Star kommt einzig auf der Insel vor, der er seinen Artnamen verdankt. Mit einer Landfläche von 67 Quadratkilometern ist Rarotonga die grösste der Cook-Inseln. Hier befindet sich das Verwaltungszentrum Avarua und wohnt gut die Hälfte der insgesamt rund 18 000 Cook-Insulaner.
Auch Rarotonga ist eine alte, stark erodierte Vulkaninsel, weist aber von allen Cook-Inseln die «vulkanartigste» Form auf: Im Inneren der kreisrunden Insel ragt steil ein kegelförmiger Berg bis 652 Meter über den Meeresspiegel auf, während allein ein schmaler Küstenstreifen, der sich rings um die Insel herum zieht, einigermassen eben ist und sich zum Siedeln eignet.
Die Rarotonga-Stare bewohnen auf ihrer Heimatinsel vorzugsweise ungestörten, ursprünglichen Wald, wie er heute nur noch in Höhenlagen oberhalb von etwa 150 Metern ü.M. wächst. Sie scheinen paarweise verhältnismässig grosse Territorien zu besetzen, in denen sie keine fremden Artgenossen dulden. Der Gesamtbestand wird auf rund 500 Individuen geschätzt.
Die Rarotonga-Stare sind scheue, heimlich lebende Vögel, welche zumeist im Kronendach auf die Nahrungssuche gehen. Ihre Kost besteht aus verschiedenen Früchten und Insekten sowie Blütennektar. Über ihr Brutverhalten ist erst wenig bekannt: Die Brutsaison dauert von August bis Dezember, das Nest wird in Baumhöhlungen angelegt, und die Gelege umfassen mindestens zwei Eier.
Der Kerearako-Rohrsänger
Der Kerearako-Rohrsänger, dessen Artname sich nicht auf seine Heimatinsel, sondern auf seinen lokalen Namen «Kerearako» bezieht, ist ein Mitglied der Familie der Grasmücken (Sylviidae). Mit einer Länge von etwa 17 Zentimetern gehört er zu den stattlicheren Mitgliedern seiner Sippe. Er ähnelt in seinem Aussehen stark den Rohrsängern, welche auf der Insel Rimatara (Französisch-Polynesien) sowie auf den Inseln Henderson und Pitcairn (Pitcairninseln) vorkommen. Verschiedene Ornithologen fassen die vier Bestände zu einer einzigen Art zusammen.
Im Unterschied zu den drei bereits vorgestellten Vogelarten kommt der Kerearako-Rohrsänger auf zwei Inseln vor, nämlich Mangaia (52 km2) und Miti'aro (22 km2) in der Südgruppe. Auf beiden Inseln ist er verhältnismässig häufig, denn er ist hinsichtlich seines Lebensraums wenig wählerisch und kann in Waldungen ebenso wie in Pflanzungen oder Röhrichtbeständen angetroffen werden. Gemäss einer Schätzung soll der Gesamtbestand mehrere tausend Individuen umfassen.
Zur Hauptsache ernährt sich der Kerearako-Rohrsänger von Insekten, ergänzt aber seine tierliche Kost gelegentlich mit Beeren und Blütennektar. Wie die drei anderen Vogelarten schreitet er in den feuchteren Monaten gegen Jahresende zur Brut. Er besetzt dann ein Nestterritorium, aus dem er alle fremden Artgenossen unnachgiebig vertreibt. Sein Nest ist ein robuster Napf, der einen Durchmesser von etwa 20 Zentimetern und eine Höhe von ungefähr 8 Zentimetern aufweist. Der Unterbau besteht aus sorgfältig miteinander verwobenen Pflanzenfasern und Würzelchen, die Auskleidung aus Federchen und anderen feinen, weichen Stoffen. Das Gelege umfasst meistens zwei oder drei Eier und wird von beiden Altvögeln bebrütet. Die Jungvögel schlüpfen nach rund 15 Tagen.
Unberechenbar: Naturkatastrophen und Seuchen
Der Mangaia-Liest, die Atiu-Salangane, der Rarotonga-Star und der Kerearako-Rohrsänger haben - im Gegensatz zu zahlreichen anderen pazifischen Landvogelarten - die Besiedlung ihrer abgeschiedenen Inseln durch den Menschen und die damit verbundenen vielfältigen Eingriffe in die Inselnatur einigermassen gut überstanden. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass die in Höhlen brütende Atiu-Salangane vor langer Zeit auch auf Mangaia und Miti'aro vorkam und dort möglicherweise ausgerottet wurde. Ferner können wir davon ausgehen, dass der scheue Rarotonga-Star heute erheblich seltener ist als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Insgesamt scheint aber keine der vier Arten unmittelbar vom Aussterben bedroht zu sein.
Als Schadfaktoren sind die Zerstörung der natürlichen Pflanzendecke, die Beeinträchtigung durch eingeführte Raubsäuger, insbesondere Ratten, und der Wettstreit um Nahrung und Nistplätze mit eingeführten Vogelarten, darunter dem Hirtenmaina (Acridotheres tristis)
, zu nennen. Im Falle der Atiu-Salangane wird ferner befürchtet, dass der häufige Besuch ihrer Bruthöhlen durch Inseltouristen Störungen der Vögel beim Brutgeschäft und damit eine Verminderung des Bruterfolgs bewirken könnte. Erfreulicherweise scheint aber keiner dieser Schadfaktoren die Landvögel der Cook-Inseln wirklich gravierend zu beeinträchtigen.
Erheblicher ist laut Fachleuten die potenzielle Gefährdung durch unvorhersehbare Schadereignisse. Denkbar sind Tsunamis und andere Naturkatastrophen, aber auch Seuchen wie die Vogelmalaria oder die Vogelpocken. Die sehr kleinen Verbreitungsgebiete, das heisst das begrenzte Angebot an Lebensraum und die entsprechend geringen Artbestände, machen die südpazifischen Landvogelarten sehr anfällig auf Einflüsse dieser Art. Der Mangaia-Liest, die Atiu-Salangane und der Rarotonga-Star werden darum von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als «verletzlich» eingestuft, während der Kerearako-Rohrsänger, der immerhin auf zwei Inseln vorkommt, als «nahezu gefährdet» gilt.
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