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Liebe Leserinnen, lieber Leser
Als Unternehmergeist bin ich auch ein Unternehmer mit Sitz in Bern und zahle jedes Jahr Kirchensteuern. Warum tue ich das? Glaube ich an Gott? Ja, ein bisschen. Bin ich ein Kirchgänger? Na ja. Bin ich einfach zu faul, um auszutreten? Vielleicht ein bisschen. Aber der Hauptgrund ist, dass ich die Kirchensteuern als eine Art Investition betrachte. Eine Investition in die Gesellschaft, in die Moral, in die Kultur.
Die Kirchen sind mehr als nur Gebäude, in denen Menschen beten. Sie sind auch Orte, an denen Kunst, Musik, Bildung und soziale Dienste gefördert werden. Sie sind Teil unserer Geschichte und Identität. Sie sind Symbole für Werte, die mir als Unternehmer wichtig sind: Respekt, Verantwortung, Solidarität, Nächstenliebe. Ohne diese Werte würde die Gesellschaft nicht funktionieren. Ohne diese Werte würde ich nicht funktionieren.
Kirchensteuern für Firmen in der Schweiz sind jedoch ein umstrittenes Thema, das sowohl rechtliche als auch ethische Fragen aufwirft. Die Kirchensteuer ist eine Abgabe, die von den anerkannten Landeskirchen (evangelisch-reformiert, römischkatholisch und christkatholisch) erhoben wird, um ihre Tätigkeiten zu finanzieren. Die Kirchensteuer wird sowohl von natürlichen als auch von juristischen Personen bezahlt, die Mitglied einer dieser Kirchen sind oder deren Sitz in einem Kanton liegt, der eine Kirchensteuer für Firmen vorsieht. Die Höhe der Kirchensteuer variiert je nach Kanton und Kirche, liegt aber meist zwischen 0,1 und 0,5 Prozent des steuerbaren Gewinns oder Kapitals.
Aber wie steht es mit der Trennung von Kirche und Staat? Ist es gerecht, dass ich als Unternehmer einen Teil meines Gewinns an eine Institution abgeben muss, die nicht demokratisch kontrolliert wird und der ich nicht kündigen kann? Ist es fair, dass ich indirekt die Religion meiner Mitarbeiter finanziere, auch wenn sie vielleicht eine andere oder gar keine haben? Ist es sinnvoll, dass ich Geld an eine Organisation bezahle, die sich manchmal gegen meine Interessen stellt, wie zum Beispiel die Kampagne gegen die Unternehmenssteuerreform. Diese hatte nichts mit kirchlichen Themen zu tun gehabt, sondern sich einzig gegen die Unternehmen gerichtet.
Grundsätzlich denke ich, dass diese Fragen nicht einfach zu beantworten sind. Ich respektiere die Meinungsfreiheit und das Recht auf Religionsausübung. Ich verstehe auch, dass die Kirchen einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Aber ich frage mich auch, ob es nicht andere Wege gibt, um diese Leistungen zu unterstützen, ohne die Gewissensfreiheit und die Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen.
Vielleicht wäre es besser, wenn die Kirchensteuern für Firmen freiwillig wären. Oder wenn sie durch eine allgemeine Kultursteuer ersetzt würden, die allen gemeinnützigen Organisationen zugutekäme. Oder wenn sie transparenter und gerechter verteilt würden, zum Beispiel nach dem Prinzip der Subsidiarität.
Ich bin kein Theologe oder Jurist. Ich bin nur ein Unternehmer mit einem Gewissen. Ich möchte das Richtige tun für meine Firma, für meine Mitarbeiter, für meine Kunden, für meine Gesellschaft. Ich möchte auch meinen Glauben leben, so gut ich kann. Aber ich möchte nicht blindlings einer Tradition folgen, die vielleicht nicht mehr zeitgemäss ist.
Als Unternehmergeist bin ich von meinem Wesen her offen für einen Dialog mit den Kirchen und den Behörden. Ich bin bereit, meine Kirchensteuern zu zahlen, solange ich davon überzeugt bin, dass sie sinnvoll verwendet werden. Aber ich bin auch bereit, meine Meinung zu ändern und dafür zu kämpfen, dass sich die Umstände bzw. die Zustände ändern.
In diesem Text habe ich die Gründe dargelegt, warum ich als Unternehmer in Bern Kirchensteuern zahlen muss. Ich habe argumentiert, dass die Kirchensteuern eine Investition in die Gesellschaft, die Moral und die Kultur sind, die mir als Unternehmer wichtig sind. Ich habe aber auch die rechtlichen und ethischen Fragen aufgezeigt, die sich aus der Kirchensteuer für Firmen ergeben. Ich bin mir bewusst, dass die Kirchensteuer ein umstrittenes Thema ist, das nicht nur mich, sondern auch viele andere Unternehmer und Bürger betrifft.
Deshalb möchte ich diesen Text mit einem Satz abschliessen, der meine Haltung ausdrückt: Kirchensteuern sind für Unternehmen wie ein Geschenk an die Kirche: Man bezahlt, aber man weiss nie genau, was damit passiert.
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