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Konzept
Der Tod eines Königs war, auch wenn er unter natürlichen Umständen zu Stande kam, immer ein kritischer Moment in der Geschichte einer Herrschaft. Er war meist Ausgangspunkt für einen komplizierten Prozess der Machtübergabe, der einen langen Zeitraum der politischen Krise einleiten konnte. Er schloss immer auch die Möglichkeit einer Neuordnung des Königreichs mit ein, in der die Machtverhältnisse zurechtgerückt wurden. Es mangelt nicht an Beispielen, in denen das Verschwinden des Monarchen ein provozierter Akt war, ein zusätzliches Element im Machtpoker der mittelalterlichen Politik. Manchmal aber war er auch ein durch die gesamte Gemeinschaft bedauertes Ereignis.
Der Tod des Königs hat eine ausufernde Literatur hervorgebracht. Der unmittelbarste Reflex findet sich in den Chroniken. Das Ableben des Monarchen spielt hier eine wichtige die Erzählung strukturierende Rolle: Er verbindet das Ende einer Herrschaft mit dem Beginn der nachfolgenden. Die Hofdichter liessen sich diese Gelegenheit nicht entgehen, um lobende Gedichte auf den verstorbenen Monarchen zu schreiben, mittels seiner symbolischen Gestalt an die Flüchtigkeit des Lebens zu erinnern und ihren Gehorsam gegenüber dem neuen Herrscher zum Ausdruck zu bringen. Die Exempla-Literatur transformierte gewisse Episoden in moralisierende Erzählungen.
Auf die ein oder andere Weise wurde das Ableben des Königs immer und immer wieder erzählt, manchmal sogar in sich widersprechenden Versionen. Der vielleicht typischste Fall ist wohl derjenige des Todes von Peter I. von Kastillien in den Armen seines Halbbruders Heinrich II. Eine Episode, die zu einem Streitobjekt während des 100-jährigen Krieges wurde und die in divergierende Erzählungen, nicht nur in kastillischen und französischen Chroniken mündete, sondern ebenfalls in volkstümlichen Gedichten und Exempla.
Dieser Kulminationspunkt des Lebens eines Königs war stark symbolisch aufgeladen. Die Zeremonien um die Beisetzungsfeierlichkeiten herum, waren ebenso wichtig, wie diejenigen bei der Krönung. Auch sie mussten eine Antwort auf das zwiespältige Verhältnis zwischen menschlichem und zugleich göttlichem Körper des Monarchen finden. Auf der einen Seite war der König eine symbolische Figur, die unsterblich war, auf der anderen Seite wurde er das beste Beispiel für die Flüchtigkeit des Lebens.
Das Mittelalter kannte auch die Erzählung des Todes von legendären Königen. Der Erzählzyklus über Alexander den Grossen schliesst mit dem heimtückischen Tod des Helden, so in der Alexandreis des Walter von Châtillon; der Arthur-Zyklus endet mit der Schlacht zwischen Artur und seinem Sohn Mordred, die das Ende der arthurischen Ära markiert. Als legendär einstufen lässt sich auch der Tod von Bertrand du Guesclin, dessen Gebeine in der Königsgrablege in Saint-Denis zugelassen wurden und der in der Folge während der französischen Revolution das gleiche Schicksal erfuhr, wie die französischen Könige.
Die Grabmonumente, ihre Skulpturen und Ikonographie spielen eine wichtige Rolle für die Memoria des Königs. Die Plantagenêts wählten ihre Grablege in Fontevrault; der Heilige Ludwig von Frankreich etablierte eine wahre Begräbnispolitik in der Abtei Saint-Denis. Die Gräber, ihre Anordnung in der Kirche und ihre Skulpturen galten vor allem der symbolischen Figur des Monarchen.
Das Freiburger Colloquium 2019 hat zum Ziel einen interdisziplinären Blick auf diesen transzendenten Moment des Lebens eines Königreichs zu werfen. Wir möchten über die reiche Literatur, die dieses Ereignis begleitet (chronikale Berichte, Begräbnispoesie, volkstümliche Erzählungen, Exempla) ebenso nachdenken, wie über ihre Repräsentationsformen und Symbole (Gräber, Ikonographie, Skulpturen) und über ihre politische Bedeutung.
Die Tagungssprachen sind Französisch, Deutsch und Englisch. Wie bei den vorangegangenen Freiburger Colloquien des Mediävistischen Instituts ist die Publikation der Tagungsakten in der institutseigenen Reihe ,Scrinium Friburgense‘ beim Reichert Verlag Wiesbaden vorgesehen.