Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03405.jsonl.gz/2957

Schon am 15. September wurde abgebaut, was man erst im Juni noch errichtete: Die Strandbar!
Alles, was nicht nagelfest ist, muss vor dem Winter weggeräumt und an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, ansonsten droht es noch vor Weihnachten den Besitzer auf Nimmerwiedersehen zu wechseln. Das ist die andere Seite meines “Bella Italia”.
Weniger muss man sich um das Relikt des 2. Weltkrieges, einen Bunker sorgen. Zwar ist er im Laufe der 90 Jahre etwas in Schieflage geraten, aber er verbleibt unverrückt an einst strategisch wichtiger Stelle. Dem herumliegenden Unrat nach gemessen: leere Bier- und Spirituosenflaschen, leere Zigarettenschachteln, Zigarettenstummeln zu hauf, Spritzen und sonst noch alles, was eine heruntergekommene Spezies unserer Gesellschaft zurücklässt, scheint es ein vielbesuchter Ort zu sein. Ich bemühte mich durch den heissen Sand, um mir dort oben einige Gedanken und Überlegungen anzustellen, halt nicht bereit, es bei einer oberflächlichen Betrachtung sein zu lassen.
Was müssten die deutschen Landser denken, wenn sie sehen könnten, was hier geworden ist? Sie, die einst in einem sinnlosen Krieg ihrer Familien und Kindern entrissen, in langen und langweiligen Monaten des Jahres 1943 stundenlang durch Betonschlitze beobachtend der Alliierten harten, die eine Invasion versuchen könnten. Ihr General Albert Kesselring (1946 als Kriegsverbrecher in Nürnberg zum Tode verurteilt), zugegebenermassen ein gewiefter Stratege, hatte mit den noch begrenzt zur Verfügung stehenden Mitteln ein Abwehrdispositiv errichtet, das sich äusserst wirksam erweisen sollte und den Amerikanern und Engländern grosse Verluste zufügte.
Wer an dieser Stelle zum Einsatz kam, hatte insofern Glück, weil die Invasion und die damit verbundenen Kriegshandlungen vor allem in Salerno bei Napoli erfolgten. Die Engländer schlugen 30 Kilometer nördlich dieser Stelle, in Taranto zu. Ab diesem Bunker fiel wohl kein Schuss. Der Munitionsvorrat blieb liegen. Wie eine Parodie zum damaligen Geschehen empfand ich die unerträglich wertlosen grünen Kugeln im “Super Poly”, mit welchen heute versucht wird, den Kindern den Kopf zu verdrehen, um den Touristen 2 € aus der Tasche zu ziehen.
Über den Wert ihres Einsatzes im Kriege müssten sich die damals an diesem Frontabschnitt Beteiligten hinterfragen. Schätzungen zufolge starben zwischen September 1943 und Mai 1945 über 60’000 Alliierte und 50’000 deutsche Soldaten in Italien.
Mit ungefähr 320’000 alliierten und über 330’000 deutschen Toten, Verwundeten oder Vermissten, war Italien einer der verlustreichsten Kriegsschauplätze in Westeuropa überhaupt.
Die Frage nach dem Sinn seiner Kriege könnte sich schliesslich auch einer der mächtigsten Herrscher Europas, König Karl V stellen (1500- 1558). Dreht man sich im Bunker des 2. Weltkrieges um 180 Grad, erblickt man einen Turm einer ausgedehnten Abwehranlage, die er einst im Kampf gegen osmanische Eindringlinge errichtete.
Man könne aus der Geschichte lernen, ist eine vielgehörte Parole.
Nur fragt sich halt, was man lernen will.
Zwischen Karl V und Benito Mussolini (mit dessen Einverständnis letztlich dieser Bunker errichtet wurde), liegen 400 vermeintlich lehrreiche Jahre.
Heute noch wünschten sich viele Süditaliener Mussolini zurück.
Das hat seine tiefen Gründe, die viele Analysten im Norden, weit weg vom hiesigen Geschehen, nie verstehen werden.