Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03454.jsonl.gz/1736

Finanziert wurde die Studie durch das US Department of Energy (DOE). In den Betriebsbewilligungen für zivile Kernanlagen gingen die amerikanischen Behörden seinerzeit davon aus, Flugzeugabstürze seien die Folge von Flugunfällen. Sie würden daher an allen Standorten mit ganz wenigen Ausnahmen so selten eintreten, dass der allgemeine Schutz gegen Einwirkungen von aussen wie Tornado und Erdbeben ausreiche. Nach dem 11. September 2001 schien es ratsam, diese Annahme zu überprüfen. Technische Einzelheiten der Überprüfung werden aus Sicherungsgründen nicht veröffentlicht, jedoch eine zehnseitige englische Zusammenfassung der Annahmen und Ergebnisse. Sie ist auf dem Internet einzusehen und bestätigt das Vertrauen der Kraftwerksbetreiber und Bewilligungsbehörden in den bestehenden Auslegungsschutz, indem sie nachweist, dass er auch gegen gezielte Abstürze ausreichen sollte.
Für die Berechnungen wurde der Absturz einer voll beladenen und betankten - also rund 200 t schweren - Boeing 767-400 angenommen. Sie prallt im ungünstigsten Winkel voll auf die äusseren Strukturen des Reaktorcontainments, Nasslagers, Trockenlagerbehälters oder Transportbehälters auf. Der gewählte Flugzeugtyp deckt 85% aller zivilen Flugbewegungen in den USA ab. Er ist mit Triebwerken ausgerüstet, die für fast 90% aller Flugzeuge repräsentativ sind, darunter namentlich auch die Boeing 747 (Jumbo), die Mc-Donell-Douglas MD-11 und den Airbus A-330. Die Aufprallgeschwindigkeit wurde mit 560 km/h gewählt. Das ist die maximale Geschwindigkeit, bei der solche Flugzeuge in Bodennähe noch einigermassen zu steuern sind. Die Flügelspannweite der Boeing 767-400 ist mit fast 52 m grösser als der Durchmesser eines typischen Druckwasserreaktor-Containments und erst recht eines Siedewasserreaktor-Primärcontainments, Lagers oder Behälters. Deshalb kommt in keinem Fall die volle Aufprallenergie zur Wirkung. Hingegen wird in den Berechnungen berücksichtigt, dass der grösste mechanische Schaden von aufprallenden Triebwerken ausgeht. Mit computergestützten, in Versuchen geeichten Verfahren wurden die Folgen eines Aufpralls im Reaktor- und Nasslagerbereich einer typischen Druckwasser- und Siedewassereinheit sowie auf die am weitesten verbreiteten Trockenlager- und Transportbehälter berechnet. Als Daten für die Beton- und Stahlwandstärken sowie die Armierungen ging das EPRI von konservativen, unter dem Medianwert der in den USA üblichen Auslegungsdaten aus. Die Modellrechnungen zeigen, dass es zwar bei Betonstrukturen zu Rissen und Abplatzungen an der Innenwand und bei Stahlhüllen zu Eindellungen käme, aber in keinem Fall die Schutzfunktion so stark beeinträchtigt wäre, dass für die Umgebung eine Gefahr durch austretende radioaktive Stoffe entstünde. Weder Reaktorsysteme noch Nasslager würden als Folge des Aufpralls Kühlflüssigkeit verlieren und die Langzeitkühlbar-keit der bestrahlten Brennstoffe bliebe gewährleistet. Auch würde kein Flugzeugtreibstoff in das Innere der Containment oder Behälter eindringen. Zusammenfassend kommt die Studie zum Schluss, dass bei einem solchen Ereignis zwar mit grossen materiellen Schäden an der Kraftwerksanlage und einem längeren Unterbruch der Stromerzeugung zu rechnen ist, aber der Schutz von Mensch und Umwelt stets gewährleistet bleibt.
Quelle
P.B. nach NucNet und NEI-Mitteilung, 23. Dezember 2002