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Wettbewerb, Juli 2001
Projektidee
Die Auseinandersetzung mit der historischen Bausubstanz des Bernischen Historischen Museums bildet die Grundlage für das vorliegende Projekt. Bestimmte charakteristische Eigenschaften, wie die mächtige und malerische Schaufront gegen den Helvetiaplatz, die weitgehend geschlossene Rückfassade und die spezielle Grundrissgeometrie mit den nach Norden und Süden abgewinkelten Flügelbauten, prägen die bestehende Anlage.
Im Sinne der bereits bestehenden Selbstständigkeit der additiv zusammengestellten Baukörper und der verschiedenen Hofbildungen auf der Südseite werden auch die neuen Gebäudeteile eingefügt.
Die verschiedenen Elemente sind auf vielfältige Weise miteinander verknüpft und bilden gemeinsam mit dem Bestand ein zusammenhängendes Ensemble.
Drei neue Baukörper bestimmen die unmittelbare Umgebung des Museums: der Ausstellungssaal, das Stadtarchiv mit der Bibliothek und den wissenschaftlichen Abteilungen sowie das Verbindungselement vom bestehenden Museum zum Ausstellungssaal. Jedes dieser drei Elemente zeichnet bestimmte Merkmale der bestehenden Anlage nach.
Der Ausstellungssaal thematisiert die künstlich aufgeschüttete Topographie um das bestehende Museum, übernimmt die Höhe des Terrains seitlich des Ostflügels und ermöglicht die Ausgestaltung des Daches zu einer begehbaren Terrasse.
Der freistehende Baukörper mit der Bibliothek, den wissenschaftlichen Abteilungen und dem Stadtarchiv greift ein zentrales Thema der Museumsinsel auf: die Querstellung von Gebäudetrakten und die damit verbundene Hofbildung.
Der Verbindungskörper wird analog zu den baulichen Erweiterungen des ursprünglichen Museums als eigenständiger Annexbau ausgebildet.
Das Aufteilen des geforderten Programms in unterschiedlich grosse Gebäudevolumen ermöglicht eine differenzierte Ausformulierung der Aussenräume und unterstützt die Lesbarkeit des bestehenden Bernischen Historischen Museums als schlossartiger Solitärbau. Zusätzlich wird mit der baulichen Erweiterung ein selbstverständliches Gesamtensemble angestrebt.
Erschliessungsstruktur
Eine «promenade architecturale» verknüpft die verschiedenen Bereiche. Das bestehende Museumsfoyer, der Wechselausstellungssaal, der neue Empfangsbereich an der Helvetiastrasse und die Bibliothek sind miteinander verbunden. Die einzelnen Abschnitte erhalten spezifische räumliche Merkmale, so dass sie je nach Eingangs- und Betriebsszenario attraktiv genutzt werden können. Die Raumsequenzen werden mit wandelnden Tageslichtführungen begleitet.
Die Lage der neuen Baukörper erweitert den umliegenden Garten des bestehenden Museums und schafft neue, öffentliche Verbindungen zu den rückseitigen Freiräumen. Zwischen dem vertikalen Element des Bibliothekgebäudes und dem horizontalen Volumen des Wechselausstellungssaals entsteht ein neuer Zugang von der Helvetiastrasse. Hier befindet sich der Eingang zur Bibliothek, den wissenschaftlichen Abteilungen wie auch dem Foyer des Wechselausstellungssaals. Ein weiterer Weg führt vom Helvetiaplatz durch die «dekorative, mit Spitzbogen durchbrochene Mauer» des Museums zur neuen Terrasse über dem Ausstellungssaal, die für Freiraumausstellungen und Aussenveranstaltungen genutzt werden kann.
Die Wegsequenzen der Innen- und Aussenräume ermöglichen vielfältige Sichtbezüge. Durch die Setzung der Baukörper entsteht ein Netzwerk von Sichtverbindungen und Wahrnehmungen unterschiedlichster Art. Nähe und Distanz, Horizontalität und Vertikalität, Alt und Neu werden zueinander in Beziehung gesetzt. Ein räumlich erlebbares Ensemble entsteht.
Tragkonstruktion
Die gesamte Tragkonstruktion ist in Stahl-/Spannbeton vorgesehen. Einzig für die hohe Glasfassade mit der vertikalen Lamellenstruktur im Einführungsteil mit seiner Rampentreppe wird eine feingliedrige Stahlkonstruktion vorgeschlagen. Das Dach des Ausstellungsgebäudes, welches auch für Publikum und Ausstellung nutzbar ist, wird von Spannbetonträgern im Verbund mit der Decke getragen. Die Lasten werden über Innenstützen aus Beton in die Bodenplatten übertragen.
Die Aussenwände, welche zum Teil bis 5m hoch erdberührt sind, stützen sich seitlich auf das Dach des Ausstellungsgebäudes ab. Das Untergeschoss des Ausstellungsgebäudes wie auch der Bibliothekstrakt sind als Platten-/ Stützensysteme mit einem rationellen Stützenraster von 6.3 bzw. 5.8 m Spannweite ausgebildet. Der gläserne Lichtkörper zwischen Vorbereitung und Ausstellung steht frei und wird von den auskragenden Decken gehalten.