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Prof. Susan Reynolds Whyte
Die Philosophische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde einer Doktorin ehrenhalber an Frau Prof. Susan Reynolds Whyte. Sie würdigt damit eine herausragende und engagierte Wissenschaftlerin, die empirisch, theoretisch und methodisch und mit Blick vor allem auf Afrika zentrale ethnologische Perspektiven auf soziale Themenfelder wie Behinderung, AIDS, Fragilität des Alterns, körperliche Sicherheit und Kriegsfolgen eröffnet hat.
Susan Reynolds Whyte absolvierte ihr Studium am Smith College und an der University of Washington in Seattle, an der sie 1973 mit der Arbeit «Social implications of the interpretation of misfortune in Bunyole» in Ethnologie promoviert wurde. Sie führte in Ostafrika, vornehmlich in Uganda – dort erstmals von 1969 bis 1971 – ethnologische Feldforschungen durch. Susan Reynolds Whyte ist seit 1974 als Professorin an der Universität Kopenhagen tätig.
Inhaltlich verortet sich Susan Reynolds Whyte in einer anwendungsorientierten, pragmatischen, ethnographisch starken Ethnologie, die ihre Arbeit betont in den Dienst einer Entwicklungsforschung stellt. Von 1994 bis 2008 leitete sie in Uganda das Enhancement of Research Capacity Programme «Danida» und engagierte sich in zahlreichen internationalen und vor allem auch afrikanischen Institutionen und Kommissionen sowie in der Erforschung relevanter sozialer Themen und in der Ausbildung von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern aus Ländern des Südens.
Besondere Verdienste erwarb Susan Reynolds Whyte zunächst auf dem Gebiet einer Anthropology of Disability. Gemeinsam mit der Norwegerin Benedicte Ingstad erweiterte sie Ansätze der Disability Studies wesentlich um kritisch ethnologisch Perspektiven. Die von den beiden Wissenschaftlerinnen herausgegebenen Bände «Disability and Culture» aus dem Jahr 1995 und «Disability in Local and Global Worlds», 2007, sind ebenso wie die zahlreichen Bücher und Beiträge von Susan Reynolds Whyte zu Themen wie Behinderung, Krankheit, Altern, HIV/Aids in Kontexten von Kultur, Medizin und Gesundheitssystemen, Technologie, Entwicklung, Konflikt, Unsicherheit, Leid und auch zur Forschungsmethodik in diesen Feldern richtungsweisend.
Massgeblich beeinflusst von Susan Reynolds Whyte ist seit 2008 auch an der Universität Zürich eine Generation von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern herangewachsen. Im Rahmen des SNF-Projekts «Disability and Technology» betreuen Ethnologinnen und Ethnologen aus der Schweiz und Uganda inzwischen gemeinsam die Promotionsvorhaben von Studierenden, darunter auch hörbehinderte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus beiden Ländern.