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Erholung, Bildung, Naturschutz & Forschung – ein zeitloser Auftrag: Vor 90 Jahren wurde der Zoologische Garten Zürich gegründet. Stufen einer Zooentwicklung, unter anderem anhand der Elefantenhaltung.
Am 16. Februar 1928 wurde von der Tiergarten-Gesellschaft die Genossenschaft Zoologischer Garten Zürich gegründet. Mit dem Erwerb der Liegenschaft «Säntisblick» an der Zürichbergstrasse 221 am 1. Juni desselben Jahres konkretisierten sich die schon länger gehegten Pläne, auch in Zürich einen Zoologischen Garten zu erstellen. Nach nur elfmonatiger Bauphase öffnete der Zoologische Garten Zürich am 7. September 1929 dann seine Tore.
Zoostart mit zwei Elefanten
Schon der Start des Zoologischen Gartens war von grossem Wohlwollen begleitet. Ein Kreis von «Überseern», Auslandschweizern, startete eine Geldsammlung, um dem jungen Unternehmen zwei Elefanten zu schenken, einen grösseren und einen kleinen. Diese beiden Elefanten, die erwachsene Kuh Mandjullah und das Bullenkalb Chang, kamen am 3. September 1929 nach Zürich, kurz vor der Eröffnung des Zoologischen Garten, erworben in der Tierhandlung Hagenbeck in Hamburg.
Die vorgesehene Unterbringung der beiden Elefanten konnte schon vorgängig einem Artikel in der NZZ vom 19. Juni 1929 entnommen werden. Dort wurde ein Rundgang durch den Zoo beschrieben. Da hiess es unter anderem beim nächst zum Eingang gelegenen Hauptgebäude: «Eine Treppe führt ins Erdgeschoss, wo die von unseren Auslandschweizern gestifteten Elefanten ihre provisorische Unterkunft gefunden haben». An den Stall angrenzend erstreckte sich das Aussengehege mit Bassin, durch einen Graben von den Besuchern getrennt.
Mandjullah wurde als Reitelefant eingesetzt und trug unzählige Kinder durch den Zoo. Der kleine Chang wurde knapp zweieinhalb Jahre nach seiner Ankunft nach Nürnberg weitergegeben und vier Jahre später durch Chang II, einen gleichfalls jungen Bullen ersetzt. Dieser Chang II sorgte 1947 als elfjähriger Bulle für negative Schlagzeilen. An Heiligabend tötete er seinen Pfleger. Schon drei Jahre zuvor hatte Chang eine nächtliche Zoobesucherin getötet, die sich unberechtigt Zutritt zum Stall verschafft hatte.
1948 wurde die etwa vierjährige Valaya neue Gesellschafterin von Mandjullah. Die «provisorische» Unterkunft war inzwischen etwas ausgebaut worden. Mandjullah starb 1966 im Alter von gut 57 Jahren. In der Folge wurde der Elefantenbestand ausgebaut. Von einem Schweizer Tierhändler erworben kam 1966 Thaia in den Zoo. Und im Folgejahr schenkte der König von Buthan dem Zoo die beiden weiblichen Jungtiere Chhukha und Druk.
Ende des langjährigen Provisoriums
Das «Provisorium» im Hauptgebäude hatte 1971 mit der Eröffnung der neuen Elefantenanlage endlich ausgedient. Die neue und moderne Anlage bot eine wesentlich grössere, reich gestaltete Aussenanlage. Die Betreuung der Tiere blieb traditionell im direkten Kontakt. Nachts wurden die Elefanten an ihren Plätzen angekettet, auch um zu verhindern, dass sie in den Graben zwischen Stall und Besucherraum fallen konnten.
Als weiterer Zugang traf 1976 Ceyla-Himali als noch nicht ganz einjähriges Jungtier in Zürich ein.
Beginn einer erfolgreichen Zucht
Die neue Anlage bot noch keine Möglichkeit, auch einen Bullen sicher unterzubringen. So schickte man die Kuh Thaia zweimal per Eisenbahnwaggon nach Kopenhagen. Diese «Hochzeitsreisen» waren nicht von Erfolg gekrönt.
1981 konnte die Anlage dank der Unterstützung grosser Elefantenliebhaber um einen Bullenstall erweitert werden, der im gleichen Jahr vom früheren Zirkuselefanten Maxi bezogen wurde. In diesen Jahren wurden die weiblichen Elefanten auch auf Spaziergänge ausserhalb des Zoos mitgenommen. Mit Komali wurde 1984 schliesslich der erste Elefant in Zürich geboren, der Start einer bis heute erfolgreichen Zucht.
Kleine Entwicklungsschritte in der Haltung
Auf Initiative der Tierpfleger wurde 1994 eine mobile Absperrung eingebaut, mit der der Graben im Haus gesichert werden konnte. Von da an wurden die Elefanten auf dem Podium nachts nicht mehr angekettet. Lediglich für das Waschen wurden die Tiere an ihren Plätzen noch mit Ketten festgehalten. Während der Anwesenheit der Tierpfleger wurde die Grabenabsperrung heruntergefahren und so hatten die Besucher eine freie Sicht auf die Elefanten.
Die klassische Elefantenhaltung zeichnete sich zu jener Zeit aus durch ein Management der Tiere im direkten Kontakt und durch einen Austausch von Einzeltieren. Das schränkte die Möglichkeiten ein, als gefährlich eingestufte Tiere zu platzieren, und riss Familienstrukturen auseinander. Einzig Bulle Maxi wurde von Beginn an im geschützten Kontakt betreut. Er hatte einen eigenen, durch eine Mauer vom Kuhgehege abgetrennten Aussenbereich.
2002 wurde diese Mauer aufgebrochen und das Bullengehege in den anderen Gehegebereich erweitert. Mit der kettenlosen Haltung wurde es möglich, den Elefanten auch nachts Zugang zum Aussengehege zu geben.
1999 übernahm der Zoo vom Circus Knie die Elefantenkuh Indi. Schon der erste Kontakt von Indi mit Maxi trug 22 Monate später mit der Geburt von Chandra Früchte. Um die möglichen Risiken zu minimieren, wurde die werdende Mutter jeweils in einer Wurfbox abgetrennt und die Geburt mit Nachtwachen begleitet, um notfalls eingreifen zu können.
Dass die Tiere sehr wohl selber die Geburten managen können, zeigte die erste Gruppengeburt auf der Aussenanlage im Jahre 2005. Die weiteren Kälber sind seither jeweils in der Gruppe geboren worden.
Ausbau und Neubau der Elefantenanlage
Für das Jahr 2005 kündeten sich zwei Geburten an. Mit diesem Zuwachs war absehbar, dass das bestehende Platzangebot im Haus nicht ausreichen würde. Im Schnellverfahren wurde zur Raumerweiterung ein Annexbau realisiert.
Die ersten Diskussionen zur grundlegenden Neugestaltung der Elefantenhaltung im Zoo Zürich starteten 2007 mit der Festlegung der Vorgaben für die neu zu planende Elefantenanlage. Stichworte dazu sind der Wechsel vom direkten zum geschützten Kontakt (Sicherheit für die Pfleger, freie Entwicklung der sozialen Organisation), Aufbau matrilinearer Gruppen, Möglichkeit der Haltung von zwei Bullen, abwechslungsreiches und für die Tiere räumlich wie zeitlich aufwändigeres Fütterungssystem, grösseres Platzangebot (aus klimatischen Gründen insbesondere im Innenbereich) und landschaftlich gestaltete Innenanlagen. Im Hinblick auf die Umstellung des Managementsystems von direktem zum geschütztem Kontakt wurden sowohl die Pfleger als auch die Tiere mit Unterstützung externer Fachleute in neue Trainingsmethoden eingeführt.
Die Eröffnung des neuen Kaeng Krachan Elefantenparks mit neuem Management erfolgte im Juni 2014. Kurz darauf wurde Omysha, die zweite Tochter von Indi, geboren. Und im gleichen Jahr ergänzte Thai als zweiter Bulle den Bestand.
Dank des Trainings und der entsprechenden Infrastruktur können die Elefanten auch im geschützten Kontakt weiterhin gut gepflegt und medizinisch betreut werden. Das gilt gleichermassen für die Jungtiere – am 25. Februar 2017 kam Ruwani in zweiter Zoogeneration zur Welt, – deren Interesse die Tierpfleger als «Aussenstehende» zuerst wecken müssen.