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Er hat zwar keine Zähne, aber auch eine Begegnung mit seinen kräftigen Armen und Krallen könnte unangenehm sein. Doch Lorenzo, der Kleine Ameisenbär im Zoo Zürich, ist ein äusserst friedfertiges Tier.
Trotz seines Namens gehört der Ameisenbär nicht zu den Bären, sondern zu den Nebengelenktieren. Diese heissen so aufgrund ihrer zusätzlichen Wirbelfortsätze am Rückgrat. Ebenfalls zu dieser Ordnung gehören Faul- und Gürteltiere.
Der Kleine Ameisenbär, auch Südlicher Tamandua genannt, stammt aus dem nördlichen und zentralen Südamerika. Was seine Ansprüche an den Lebensraum angeht, ist er recht flexibel. Er kommt in Regen-, Trocken-, und Mangrovenwäldern ebenso zurecht, wie auf offenen Flächen, wie Baumsavannen oder Kulturland.
"Nahrung, die unangenehm werden kann"
Dort ist er tags und nachts unterwegs auf Nahrungssuche. Mit den starken Armen und ebensolchen Krallen kann er Termitenbauten aufbrechen, um dann mit der langen feinen Zunge, die Insekten aus ihrem Bau zu holen. Weil Kleine Ameisenbären keine Zähne haben, wird die Beute nicht zerkaut sondern zerrieben.
Der Kleine Ameisenbär plündert die Baue nicht komplett. Dies allerdings nicht, weil er auf Nachhaltigkeit bedacht ist, sondern deshalb, weil Ameisen und Termiten äussert wehrhaft sind und "je länger man sich mit dieser Mahlzeit beschäftigt, desto unangenehmer wird sie", sagte Zoo-Kurator Robert Zingg am Mittwoch vor den Medien.
Der erste Tamandua kam 2007 in den Zoo Zürich. Das Tier starb jedoch zwei Jahre später. Aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm kam dann ein Pärchen nach Zürich, das auch mehrfach Nachwuchs hatte. Doch keines der Jungtiere überlebte.
Der letzte seine Art in Zürich
Nun ist Lorenzo, der 2014 in die Anlage einzog, der einzige und vorerst wohl der letzte Kleine Ameisenbär hier. Für eine längerfristige Haltung müsste mehr Raum zur Verfügung gestellt werden.
Mit seinen 18,5 Jahren ist Lorenzo ein echter Senior. Denn die durchschnittliche Lebenserwartung von Tamanduas liegt bei 7,6 Jahren. Von 43 Männchen, die in Zoos leben, ist er der drittälteste.
Ein Versuch, ihn bei den Goldgelben Löwenäffchen in der Nachbaranlage unterzubringen, scheiterte. Das dortige Zuchtmännchen attackierte Lorenzo. Dieser ertrug dies zwar stoisch, wie Zingg sagte. Doch nun wohnt der Kleine Ameisenbär wieder allein. Für ihn ist das kein Problem, denn Tamanduas sind auch in der Natur als Einzelgänger unterwegs.