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»Dr. Linton.« Maritza, die Anwältin von Dani Coopers Familie, näherte sich dem Zeugenstand. »Können Sie uns sagen, was als Nächstes geschah?«
Sara holte Luft, dann sagte sie: »Ich kniete auf der Rollbahre und fuhr mit in denOP hinauf, damit ich Danis Herz ohne Unterbrechung weiter massieren konnte. Ich wurde den üblichen Hygienemaßnahmen unterzogen, dann übernahmen die Chirurgen.«
»Und dann?«
»Ich beobachtete die Operation.« Sara blinzelte. Auch drei Jahre später sah sie Dani noch vor sich, wie sie auf demOP-Tisch lag, die Augen mit Klebeband verschlossen, ein Schlauch ragte aus ihrem Mund, die Brust war aufgespreizt, weiße Bruchstücke von Rippen waren wie Konfetti im Brustraum verteilt. »Die Chirurgen taten, was sie konnten, aber Dani war nicht mehr zu retten. Sie wurde gegen zwei Uhr fünfundvierzig für tot erklärt.«
»Danke.« Maritza kehrte zu den Unterlagen auf ihrem Tisch zurück und blätterte darin. Ihr Mitarbeiter beugte sich zu ihr und flüsterte etwas. »Euer Ehren, wenn ich mir einen Moment Zeit nehmen dürfte?«
»Beeilen Sie sich«, sagte Richterin Elaina Tedeschi.
Es wurde still im Gerichtssaal, man hörte nur die Geschworenen auf ihren Stühlen herumrutschen und gelegentlich ein Husten oder Schniefen aus dem halb vollen Zuschauerraum. Sara holte erneut tief Luft. Sie war bereits drei Stunden lang im Zeugenstand gewesen. Eben waren sie von der Mittagspause zurückgekehrt, und alle waren müde. Dennoch saß sie aufrecht und blickte geradeaus auf die Uhr an der Rückseite des Saals.
Eine Reporterin im Zuschauerraum tippte in ihr Handy, aber Sara ignorierte die Frau, so gut es ging. Sie konnte Danis Eltern nicht ansehen, denn der Schmerz der beiden war fast so niederschmetternd wie ihre Hoffnung, auf irgendeine Weise einen Schlussstrich ziehen zu können. Auch durfte sie die Jury nicht ansehen. Sara wollte mit niemandem Augenkontakt herstellen und keinesfalls eine falsche Botschaft übermitteln. Es war heiß und stickig im Gerichtssaal. Prozesse schritten nie so zügig voran oder waren so interessant, wie es im Fernsehen den Anschein hatte. Die medizinischen Fakten konnten in ihrer Fülle verwirrend sein. Die Geschworenen sollten sich konzentrieren und zuhören und sich nicht fragen, warum Sara sie komisch angesehen hatte.
Es ging in diesem Gerichtsverfahren nicht um Sara. Es ging darum, das Versprechen zu halten, das sie Dani Cooper gegeben hatte. Der Mann, der sie vergewaltigt hatte, musste aufgehalten werden.
Sie ließ ihren Blick zu Thomas Michael McAllisterIV. wandern. Der Zweiundzwanzigjährige saß zwischen seinen teuren Anwälten am Tisch der Verteidigung. Seine Eltern, Mac und Britt McAllister, waren direkt hinter ihm im Zuschauerraum. Gemäß Richterin Tedeschis Anweisungen war Tommy als derBeklagte und nicht als derAngeklagte zu bezeichnen, damit für die Geschworenen klar war, dass es sich hier um einen Zivilprozess und nicht um ein Strafverfahren handelte. Es ging nicht um Gefängnis oder Freiheit, sondern vielmehr um Millionen von Dollar für die widerrechtliche Tötung von Daniella Cooper. Mac und Britt konnten es sich problemlos leisten, zu bezahlen, aber noch etwas anderes stand auf dem Spiel, etwas, das selbst ihr enormer Reichtum ihnen nicht garantieren konnte: der gute Ruf ihres Sohnes.
Bisher hatten sie alles zu Tommys Schutz unternommen, was sie konnten, angefangen von einemPR-Manager, den sie engagiert hatten, um das Narrativ in den Medien zu gestalten, bis zu Douglas Fanning, einem bekannten Anwalt, dessen Dienste sie sich gesichert hatten. Fanning wurde wegen seiner Art, Zeugen im Zeugenstand zu zerfleischen, »der Hai« genannt.
Das Verfahren war erst zwei Tage alt, und es war Fanning bereits gelungen, einiges von dem herauszuhalten, was er als Tommys »jugendliche Unbesonnenheiten« bezeichnete. Als wäre praktisch jeder Heranwachsende mit elf verhaftet worden, weil er den Hund des Nachbarn gequ