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Kommt es so weit, dass die Intensivstationen in den Schweizer Spitälern nicht mehr alle Patienten, die Intensivpflege benötigen würden, aufnehmen können, muss eine Auswahl getroffen werden. Nach welchen Kriterien das geschehen würde, erklärt Miodrag Filipovic. Er leitet im Kantonsspital St. Gallen die Intensivmedizin.
Miodrag Filipovic
Stv. Chefarzt/Leiter Intensivmedizin
Seit 2014 ist Filipovic stv. Chefarzt und Leiter Intensivmedizin am Kantonsspital St. Gallen. Er hat bei der Ausarbeitung der Schweizerischen Triage-Richtlinien mitgearbeitet.
SRF News: Nach welchen Kriterien würde eine Triage funktionieren?
Miodrag Filipovic: Das Hauptkriterium ist die Abschätzung der kurzfristigen Prognose, ob der Patient dank der intensiven Therapie mit einer höheren oder einer weniger hohen Wahrscheinlichkeit das akute Problem überleben wird.
Wie viele Ressourcen müssen eingesetzt werden, dass der Patient diesen Benefit erreichen kann?
Das ist der Grundsatz. Und der zweite Grundsatz ist die Frage: Wie viele Ressourcen müssen dafür eingesetzt werden, dass der Patient eben diesen Benefit erreichen kann? Das sind die zwei Säulen, auf denen diese Kriterien beruhen.
Gibt es Krankheiten, die bevorzugt oder benachteiligt würden?
Es gibt keine Auflistung von Krankheiten, aber es gibt eine Auflistung von Zuständen, die die Prognose eben in die eine oder andere Richtung beeinflussen.
Was sind das für Zustände?
Das sind Fragen der chronischen Erkrankungen oder der zugrundeliegenden Erkrankung. Es geht um die Prognose in dieser Situation, auch um den Zustand, in dem sich der Patient befindet. Welche Begleiterkrankungen liegen vor? Welche quasi funktionalen biologischen Reserven weist der Patient auf? Solche Kriterien werden abgeklärt und entsprechend abgewogen.
Laut den Richtlinien ist der Impfstatus kein Triagekriterium, weshalb nicht?
Der Impfstatus ist kein Triagekriterium, weil man der Meinung ist, dass alle Patienten gleich behandelt werden sollen. Wenn man den Impfstatus als Kriterium nimmt, dann müsste man sich auch überlegen, ob beispielsweise nicht-adipöse gegenüber adipösen Patienten zu bevorzugen seien. Das wollen wir nicht und deshalb ist der Impfstatus in diesem Sinne kein Kriterium.
Der Impfstatus kann den Verlauf beeinflussen.
Hingegen muss man sehen, dass der Impfstatus den Verlauf beeinflussen kann. Wir wissen, dass geimpfte Patienten, auch wenn sie schwer erkranken können, einen milderen Verlauf haben als Patienten, die ungeimpft in diese Situation kommen. Aber als primäres Kriterium wird der im Status nicht in Betracht gezogen.
Es ist möglich, dass in den Schweizer Spitälern in den nächsten Wochen und Monaten triagiert werden muss. Werden die Ärztinnen und Ärzte bereits dafür geschult?
Ja, wir diskutieren das natürlich im Team. Es ist so, dass es die Erfahrensten sind, die solche Entscheidungen treffen werden. Diese Entscheidungsträger sind in einer sehr kleinen Anzahl vorhanden und entsprechend sind sie auch schnell geschult.
Es sind die Erfahrensten, die solche Entscheidungen treffen werden.
Wir thematisieren diese Frage ständig. Wichtig ist auch der Aspekt des Ausgleichs der Patienten über die Schweiz. Nicht, dass in einem Landesteil eine Triage vorgenommen wird und in einem anderen noch Kapazitäten frei sind.
Das Gespräch führte Manuel Ramirez.