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Die Ausbildung zur Lehrerin hat Anna Keller zwar noch nicht abgeschlossen. Dennoch steht sie seit einigen Wochen täglich im Klassenzimmer. Die Studentin unterrichtet zehn ukrainische Kinder im Alter zwischen neun und zwölf Jahren, die vor kurzem in die Schweiz geflüchtet sind.
In Basel-Stadt, wo Keller unterrichtet, werden separate Einführungsklassen für die Neuankömmlinge angeboten. Dort sollen sie gezielt einen Grundwortschatz in Deutsch erarbeiten. Weil in den vergangenen Wochen mehrere hundert ukrainische Kinder neu in die Schule gekommen sind, muss der Kanton improvisieren.
Lehrkräftemangel verstärkt durch Krieg
Neben Basel-Stadt greifen auch weitere Kantone auf Lehrerinnen und Lehrer zurück, die noch in Ausbildung oder bereits pensioniert sind. Hintergrund ist der Mangel an Lehrkräften, der durch den Ukraine-Krieg und der damit verbundenen Fluchtbewegung noch verstärkt wird.
Die ukrainischen Kinder werden aber nur zeitweise in einer separaten Klasse unterrichtet. Oft gingen die Kinder auch in die Regelklasse, beispielsweise wenn Musik oder Turnen auf dem Stundenplan stehen, sagt Anna Keller. Auch freie Räume zu finden, ist nicht immer einfach.
Für die Lehrerinnen und Lehrer stellen sich aber sowohl in der Regelklasse als auch in der separierten Klasse ähnliche Probleme: die Sprache.
Wenn ich versuche, ein ukrainisches Wort auszusprechen, klingt das meistens falsch und die Kinder müssen lachen.
Sie löse Sprachprobleme meist spielerisch, erzählt Lehrerin Albulina Thaci, die 13- bis 16-jährige Ukrainerinnen und Ukrainer unterrichtet. Kürzlich habe sie das Wort «häufig» nicht mit Gesten erklären können und deswegen einen Online-Übersetzer benutzt, erzählt sie lachend. Und weiter: «Wenn ich versuche, ein ukrainisches Wort auszusprechen, klingt das meistens falsch und die Kinder müssen lachen.» Das Lachen sei gut für die Kinder, findet Thaci. «Gleichzeitig lernen sie dabei, dass auch sie Fehler machen dürfen in Deutsch.»
Unterschiedliche Voraussetzungen
Neben der Sprache ist laut Keller und Thaci eine weitere Herausforderung, dass der Wissensstand innerhalb einer Klasse unterschiedlich ist. Keller erzählt von einem Mathematikgenie, das in der Ukraine eine Spezialschule besucht habe und von einem Mädchen, das in der Heimat kaum Bildung genoss. In der Schweiz besuchen sie dieselbe Klasse.
Wenn wir ihre Bilder ansehen, erahnen wir, was alles mit ihnen passierte.
Ein anderer Junge sei ohne Eltern geflüchtet. «Er hat Konzentrationsschwierigkeiten und ist traurig», sagt Keller. Aufgrund der Sprachbarriere sei es schwierig, von den Kindern zu erfahren, was sie alles erlebt hätten. Sie greife deshalb zuweilen auf Bilder zurück, die die Kinder malen. «Da erahnen wir, was alles mit ihnen passierte. Verstehen, was Krieg bedeutet, können wir trotzdem nicht.»
Unterricht in Ukrainisch am Abend
Auch wenn die Kinder und Jugendlichen in der Schule in der Schweiz viel lernen, sei dies noch längst nicht der ganze Schulstoff, den sie verarbeiten müssten, erzählt Thaci. «Nach der Schule in Basel beginnt für viele der Online-Unterricht auf Ukrainisch.» Ukrainische Lehrkräfte würden die Kinder via Computerlektionen in Schulfächern bilden und ihnen auch Hausaufgaben geben.
Und so haben beide eine doppelte Schulbelastung: die Lehrkräfte, die ihre Lektionen individuell auf die Kinder anpassen müssen und die Schülerinnen und Schüler, die nach dem Unterricht im Klassenzimmer zum Unterricht am Computer wechseln.
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