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Kapitalismus, Sozialismus, Demokratie Der britische Historiker Niall Ferguson trat am St.Gallen Symposium 2019 dafür ein, nicht von Kapitalismus und Sozialdemokratie westlicher Prägung abzukommen. Der chinesische Weg biete keine Alternative. 9. Mai 2019. Ferguson basierte seine Ausführungen vor allem auf Daten aus den USA, wo der «Sozialismus» mit populären Politikern wie Alexandria Ocasio-Cortez oder Bernie Sanders gerade ein Comeback feiere. Doch was ist dort mit «Sozialismus» überhaupt gemeint? Kaum das, was ein Europäer darunter verstehen würde. Sondern eher das, was unter Europäern als Sozialdemokratie verstanden wird. Also zum Beispiel medizinische Versorgung für alle oder Bildungsinstitutionen von guter Qualität, die allen offenstehen. Kein ideologischer Kampf zwischen Kapitalismus und Sozialismus In den USA verweise man gerne auf Länder wie Norwegen, Schweden oder Finnland, wenn man von «Sozialismus» spreche, sagte Niall Ferguson. Diese seien zwar bekannt für ihre ausgeprägt sozialdemokratische Politik, gehörten gleichzeitig aber auch zu den wettbewerbsfähigsten und somit kapitalistischsten Staaten der Welt. Das heisse folglich, sagte Ferguson, es solle nicht um einen neuen ideologischen Kampf zwischen Kapitalismus und Sozialismus gehen, sondern um Debatten zu sozialdemokratischen Themen wie etwa zu steuerlicher Umverteilung. Es sei wichtig, dies zu verstehen und zu unterscheiden. Steuerverteilung und Chancengleichheit offen debattieren Denn sozialistische Alternativen seien zum Beispiel Venezuela, das im erwarteten Chaos versinkt. Oder China, das zwar wirtschaftlich auf kapitalistische Weise erfolgreich ist, sich aber auch weit weg von einem Rechtsstaat und einer allgemeingültigen Achtung der Menschenrechte bewegt. Ferguson forderte dazu auf, Steuerverteilung, Chancengleichheit und vieles andere in den westlichen Demokratien offen und ehrlich zu debattieren. Er warnte aber davor, unsere Freiheit aufzugeben und in eine neue Grundsatzdebatte zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu verfallen. Darum könne es nicht gehen. Niall Ferguson ist Senior Fellow der Hoover Institution an der Stanford University und Professor am Center for European Studies der Harvard University.