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Mit den steigenden Temperaturen und der höheren Luftfeuchtigkeit sind die Bedingungen für Flöhe wieder optimal. So erhöht sich auch das Risiko, diese unliebsamen Plagegeister ins Haus zu holen.
Der Floh zählt zu den häufigsten Hautparasiten des Hundes. Dieser verursacht nicht nur Hautprobleme wie Juckreiz, sondern überträgt auch den Gurkenkernbandwurm und gelegentlich gesundheitsschädliche Mikroorganismen wie Bartonellen, Rickettsien oder Mykoplasmen. Wenn man den Lebenszyklus des Flohs versteht, kann man mit geeigneten Massnahmen und einer adäquaten Flohprophylaxe den Sommer flohfrei überstehen.
Jedem Tierchen sein Floh
Flöhe haben sich zu wahren Lebenskünstlern entwickelt und sich auf verschiedene Tierarten sowie den Menschen spezialisiert. In Mitteleuropa gibt es ungefähr 80 Floharten. Diese sind in den meisten Fällen stark wirtsspezifisch (zum Beispiel der Menschenfloh Pulex irritans). Der Floh kann gelegentlich auch andere Säugetiere beissen, aber zur Vermehrung braucht dieser Floh Menschenblut. Im Mittelalter waren dann auch der Rattenfloh (Xenopsylla cheopis) und der Menschenfloh für die Verbreitung der tödlichen Pest in Europa verantwortlich.
Flöhe sind in der Tierwelt weitverbreitet. Der wichtigste unter unseren Haustieren (Hund, Katze) und urbanen Wildtieren (beispielsweise Fuchs, Dachs, Marder, Wildkatze) ist der Katzenfloh (Ctenocephalides felis). Der Katzenfloh hat im Gegensatz zu den meisten anderen Floharten ein weites Wirtsspektrum und macht circa 70 Prozent allen Flohbefalls bei Mensch, Hund, Katze und weiteren Heimtieren (zum Beispiel Kaninchen) aus. Mit der Verbreitung des Katzenflohs, der hohen Dichte von Haustieren und urbanen Wildtieren, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Hund von einem Floh befallen wird.
Der Steckbrief des Flohs
Flöhe sind kleine (circa zwei bis drei Millimeter lange) unbeflügelte, dunkelbraune, seitlich abgeflachte Insekten mit Sprungbeinen. Diese starken Sprungbeine erlauben es den Flöhen von Tier zu Tier zu springen. Eine Übertragung kann aber auch indirekt erfolgen. Da der ausgewachsene Floh auf Blutmahlzeiten und Schutz angewiesen ist, lebt er während dieser Phase als obligater Parasit auf seinem Wirt, dem Hund.
Der Floh durchläuft vier grössere Zyklusphasen, deren Dauer (12 bis 175 Tage) stark von Umwelteinflüssen bestimmt wird. Als ideal werden Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius und eine relative Luftfeuchtigkeit im Bereich von 70 Prozent betrachtet. Solche Zustände werden in der Regel während der zweiten Sommerhälfte erreicht.
Sobald ein erwachsenes Flohweibchen einen Hund befällt, beginnt es mit der Blutaufnahme. Nach der ersten Blutmahlzeit setzt die Eierproduktion schon nach 24 bis 36 Stunden ein. Ein einziger Floh kann während 100 Tagen bis zu 50 Eier täglich produzieren. Die meisten Eier fallen dann von den Tieren ab und sammeln sich üblicherweise an den Orten an, an welchen sich der Hund am häufigsten aufhält. Innert 1,5 bis 10 Tagen schlüpfen Larven aus den Eiern, die sich dann tief in Teppiche, Polstermöbel, unter Möbel sowie in Hundebetten verkriechen. Dabei können die Flohlarven eine Distanz von bis zu 40 Zentimetern zurücklegen. Die Larven sind sehr anfällig gegen klimatische Einflüsse (speziell gegen Austrocknung) und nur etwa 25 Prozent der Larvenpopulation überleben. Sie ernähren sich von Flohkot, anderen Flohlarven und organischem Material und treten nach 5 bis 10 Tagen in das Puppenstadium ein. Wenn die Bedingungen nicht ideal sind, kann der Floh in diesem Stadium bis zu 140 Tage verharren. Der ausgewachsene Floh, der auf dem Hund lebt, macht nur circa fünf Prozent der gesamten Flohpopulation aus, während die restlichen 95 Prozent in der Umgebung des Wirtes leben.
Wie erkennt man einen Flohbefall?
Ein Flohproblem kann man an verschiedenen Anzeichen erkennen. Der Floh selbst kann auf dem Hund lange unbemerkt verweilen, vor allem wenn der Hund ein dichtes und langes Fell hat und die Anzahl der Flöhe niedrig ist. Flöhe sind sehr flink und können sich bei Gefahr rasch zurückziehen. Aus diesem Grund sollte man sich nicht auf die eigenen Augen verlassen. Nimmt die Anzahl der Flöhe zu, wird ab einem gewissen Zeitpunkt eine Schwelle erreicht, bei der durch die wiederholten Flohbisse der Juckreiz einsetzt. Oft sieht man dann die betroffenen Hunde im hinteren Rückenbereich, Bauch und Hinterbeinen knabbern, lecken und beissen. Dies kann dann bei genügend starkem Selbsttrauma zu einer nässenden Hautentzündung, auch Hotspot genannt, führen.
Bei einem stärkeren Flohbefall kann man mittels eines Flohkamms relativ einfach Flöhe oder Flohkot identifizieren. Beim Flohkot handelt es sich um kleine dunkelbraune Schüppchen, die auch ohne sichtbare Flöhe Zeichen eines Flohbefalls sind. Wenn man sich nicht sicher ist, kann man die verdächtigen Schüppchen auf einem nassen Papiertuch zerdrücken. Wenn sich dabei das Papier rostbraun verfärbt, ist das ein deutlicher Hinweis auf Flohkot.
Was sind die gesundheitlichen Risiken?
Flöhe sind Träger des Gurkenkernbandwurmes (Dipylidium caninum). Wird ein infizierter Floh vom Hund geschluckt, entwickelt sich der Bandwurm im Hundedarm zu einem ausgewachsenen Gurkenkernbandwurm. Die weisslichen Bandwurmglieder, die Gurken- oder Kürbiskernen ähneln, werden dann mit dem Kot ausgeschieden. Manchmal haften die Bandwurmglieder am After.
Eine Flohbissallergie tritt bei Hunden auf, die allergisch auf Proteine im Flohspeichel reagieren. Die meisten Flohbissallergiker entwickeln die klinischen Symptome bis zum fünften Lebensjahr. Die Allergie betrifft alle Rassen und beide Geschlechter gleichmässig. Um eine allergische Reaktion auszulösen, braucht es oft nur eine geringe Anzahl Bisse und der Juckreiz kann dann über Tage bis Wochen andauern. Da die Zahl der Flöhe meistens gering ist, sind diese oft nicht nachweisbar. Bei Verdacht einer Flohbissallergie kann zur Überprüfung ein Allergietest durchgeführt werden. Flohbissallergiker haben aber auch sonst eine empfindliche Haut und leiden meistens noch an anderen Allergien. Am häufigsten sind auch hier die hintere Hälfte des Rumpfes und die Rute betroffen. Durch die allergische Reaktion und das Selbsttrauma ist die Haut oft entzündet, geschwollen, schuppig und häufig von Fellverlust an den betroffenen Stellen begleitet.
Prophylaxe und Bekämpfung
Der Kontakt mit einem Floh kann nicht zu 100 Prozent verhindert werden. Mit einer guten und regelmässigen Flohprophylaxe kann man aber die Vermehrung der Flöhe und ein Einschleppen in Haus oder Wohnung verhindern. Obwohl nur fünf Prozent der gesamten Flohpopulation in Form des ausgewachsenen Flohs einen direkten Effekt auf die Hunde haben, handelt es sich hierbei um das wichtigste Stadium, das es zu kontrollieren gilt.
Hundehaltern steht eine ganze Palette von Flohmitteln zur Verfügung, welche mit Insektiziden die Flöhe effektiv dezimiert. Wichtig ist, dass alle Tiere, die im selben Haushalt leben, eine Flohprophylaxe erhalten, damit sich die Flöhe nicht auf ein unbehandeltes Tier zurückziehen können. Obwohl kaum ein Flohmittel einen Flohbiss verhindern kann, tötet dieses die Flöhe innert der ersten 24 Stunden, also bevor die Eierproduktion einsetzt. Seit circa 20 Jahren werden Spot-ons (beispielsweise Frontline®, Advocate®, Advantix®, Stronghold®, Exspot®) eingesetzt, die monatlich auf die Haut aufgetragen werden. Ausserdem gibt es auch Halsbänder wie Seresto® oder Scalibor®, deren Wirkung bis zu sechs Monate anhält. Eine weitere Kategorie von Flohmitteln hat uns in den letzten Jahren erreicht. Dabei handelt es sich um Wirkstoffe der Gruppe der Isoxazoline (Nexgard®, Bravecto®, Simparica®), welche je nach Produkt einmal oder alle drei Monate oral verabreicht werden.
Bei Flohbissallergikern sind diese Insektizide empfehlenswert, da die Wirkung im Vergleich zu den Spot-ons schneller eintritt und somit die Kontaktzeit der Flöhe auf dem Hund verkürzt werden kann. Am besten lassen Sie sich vom Tierarzt beraten, welches Produkt für Ihren Hund am geeignetsten ist. Generika, die man im Internet oder im Petshop kaufen kann, sind nicht empfehlenswert, da die Wirkung dieser Produkte nicht ausreichend überprüft wurde. Tierhalter, die gegen Insektizide skeptisch eingestellt sind, versuchen es oft mit alternativen Methoden wie Kokosöl, Schwarzkümmelöl, Teebaumöl und so weiter. Studien, die eine Wirkung dieser Produkte gegen Flöhe zeigen, gibt es bisher nicht. Auch wenn diese Produkte einen abstossenden Effekt hätten, bestünde weiterhin das Problem, dass die Flohpopulation in der direkten Umgebung nicht abnimmt, da diese die Flöhe nicht abtöten.
Zusätzlich zur Flohprophylaxe kann man den Infektionsdruck in der Umgebung des Hundes durch häufiges Staubsaugen (inklusive Polstermöbeln, unter den Möbeln, Auto, Türvorleger) und häufiges Waschen der Hundedecken (mindestens einmal pro Woche) gering halten. Flöhe halten sich sehr gerne tief in Teppichen auf, wo sie mit üblichen Staubsaugern nicht eliminiert werden können. Sollte der Verdacht bestehen, dass ein Teppich befallen ist, können Insektizide oder dimeticonhaltige Produkte (zum Beispiel Flee-Umgebungsspray) eingesetzt werden.
Aufgrund des stark variablen Lebenszyklus der Flöhe kann es mehrere Monate dauern, bis ein starker Flohbefall in der Umgebung eliminiert ist. Trotz aggressiver Therapie kann es in solchen Fällen vorkommen, dass nach mehreren Monaten immer mal wieder ein Floh beobachtet werden kann. Eine Umgebungskontrolle der Flöhe draussen oder im Garten ist jedoch unmöglich, da diese Bereiche oft von Wildtieren und Katzen frequentiert werden und so immer wieder Flöhe eingeschleppt werden können.
In Kürze
Flöhe sind die häufigste Ursache von Juckreiz während der warmen Jahreszeit. Wegen des variablen Lebenszyklus der Flöhe muss eine stark befallene Umgebung über mehrere Monate behandelt werden. Eine gute und regelmässige Flohprophylaxe ist die effektivste Art, um ein Flohproblem zu Hause zu vermeiden.
Text: Dr. med. vet. Patrick Hensel