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Ein grosser Koloss steht im Garten von Yves Senn in Rickenbach. Es ist ein fünf Tonnen schwerer Tresor, der auf dem Grundstück des 44-Jährigen vor sich hinrostet. Dass er schon lange jedem Wetter ausgesetzt ist, sieht man ihm an.
Senn hatte den Tresor mit seinem Kollegen im Frühsommer 2014 für einen Franken ersteigert und aus dem Aargau nach Rickenbach gebracht. Bis heute weiss niemand, was sich darin befindet, denn es hat noch niemand geschafft, dessen Türen zu öffnen.
«Der einzige Millionär, der nicht weiss, dass er einer ist»
«Vor einem halben Jahr hat es ein professioneller Schmied versucht», sagt Senn, der als Bijouter in Winterthur arbeitet. Der Öffnungsversuch dauerte einen halben Tag, dann musste der Schmied aufgeben. «Er versicherte mir zuvor, dass er bereits jeden Tresor aufgebracht hat.» Nun klafft eine offene Stelle an der Rückwand des Tresors. Der Schmied musste verschiedene Schichten herausschneiden: Beton, Metall, Beton und wieder Metall. Und immer noch trennen einige Schichten Yves Senn von dem Innern des Tresors. «Mittlerweile bin ich nicht mehr so optimistisch, dass sich etwas Gutes darin befindet», sagt er. Seine Freunde seien positiver. «Mein Kollege hat zu mir gesagt: Du bist der einzige Millionär, der nicht weiss, dass er einer ist.»
Inhalt wiegt zwei Tonnen
Als er und sein Kollege den Tresor vor knapp sechs Jahren auf Ricardo kauften, hatten sie auch noch andere Vorstellungen vom Inhalt. «Wir dachten, dass sich darin Gold oder Geld befindet, oder etwas Verbotenes wie Sprengstoff oder Waffen.» Gar eine Leiche gehörte zu den Fantasien der beiden. «Mein Kollege ist immer noch optimistisch, was den Inhalt betrifft. Ich hingegen habe je länger je mehr das Gefühl, dass sich nichts darin befindet», sagt Senn. Doch die Information des Tresor-Herstellers lässt an dieser Aussage zweifeln. «Er behauptet, dass der Tresor eigentlich drei Tonnen schwer sein müsste.» Beim Transportieren und Platzieren habe sich aber herausgestellt, dass der Tresor fünf Tonnen schwer sei. Das lasse Platz für Fantasien. «Für mich ist diese Zahl aber unrealistisch.»
Zwei Mal sollte der Tresor schon geöffnet werden, Bohrspuren beweisen es. Angebote zum Öffnen trafen beim Bijouter viele ein. «Oft waren sie unseriös oder wollten den Tresor zum Öffnen mitnehmen», sagt er. Senn hatte bereits mit Tresor-Knackern in England Kontakt, leider aber sei es nie zu einem Treffen gekommen. Mit seinem Kollegen versuchte er auch schon ein Crowdfunding für 6000 Franken zu starten, aber ohne Erfolg. «Nur drei Personen waren bereit, 100 Franken dafür zu bezahlen.» Selbst haben die beiden geschätzt bereits 1500 bis 2000 Franken für Transport und Öffnungsversuche ausgegeben. Yves Senn bereut den Kauf und die damit verbundenen Kosten nicht. «Ich wäre auch bereit, nochmals 1000 Franken für die Öffnung des Tresors zu bezahlen, wenn diese ein Erfolg ist.»
Tresor als Deko oder zum Verkauf
Momentan dient der Tresor als Dekoration und Lärmschutz. Die Entsorgung würde Yves Senn 3000 Franken kosten, deshalb behält er ihn vorerst einmal. «Vielleicht wird er einst ein Problem, wenn ich das Haus verkaufen will», sagt er. Er sei aber bereit, den Tresor zu verkaufen, wenn ihm jemand ein Angebot mache. Die Hoffnung, dass der Tresor irgendwann geöffnet werden kann, hat er aber noch nicht ganz verloren. «Es fehlt einfach das Geld. Für 5000 Franken würde uns die Hersteller-Firma den Tresor öffnen und auch entsorgen. Den Inhalt dürften wir behalten.»
Update: Eine erneute Bohrung hat gezeigt, dass der Tresor leer ist. Yves Senn ist enttäuscht, aber froh, nun Klarheit zu haben. Hier geht's zum Artikel.