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Geschichte
Dracula: Eine Figur, ihre Geschichte und ihr Mythos
Nur wenige können mit dem Namen Dracula nichts anfangen. Das liegt an den unzähligen Büchern und Filmen, die sich mit dem Stoff befassen. Doch was ist dran am Mythos des transsylvanischen Grafen? Hat er wirklich gelebt? Und hat er tatsächlich das Blut seiner Opfer getrunken?
Die Antwort ist, man ahnt es schon, nicht ganz eindeutig. Licht in die dunkle Geschichte bringt das Sachbuch eines emeritierten Professors für Osteuropäische Geschichte an der Universität Basel. Heiko Haumann heißt der Autor; Dracula. Leben und Legende der klug gewählte Titel - denn beides hat nichts miteinander zu tun.
Vlad Draculea lebte von 1431 bis 1477. Von seinem Vater, Vlad Dracul, erbte er den Titel eines Herrschers (Woiwode) über das Fürstentum Walachei, den heutigen Süden Rumäniens. Dynastische Konflikte machten ihm ebenso zu schaffen wie das aufstrebende osmanische Reich, das seit der Eroberung Konstantinopels 1453 massiv nach Westen und Norden vordrang. Durch geschickte Bündnispolitik und oft brutale Kriegführung, auch gegen die Zivilbevölkerung, konnte sich Draculea zeitweise gegen die Übermacht behaupten. Doch schon mit 36 Jahren fand er den Tod auf dem Schlachtfeld gegen Sultan Mehmed II.
Beliebt beim Volk war Draculea nicht. Allerdings gibt es keine historischen Belege, dass seine Herrschaft wesentlich blutrünstiger war als zu seiner Zeit üblich. Schon gar nicht hat er seine Feinde zur Ader gelassen. Der Vampirmythos ist geraume Zeit später entstanden, da war Draculeas Fürstenlinie bereits ausgestorben. Erst im 18. Jahrhundert begann man in Ost- und Südosteuropa, an Vampire zu glauben, an Wiedergänger aus dem Totenreich, die sich durch das Aussaugen junger, meist gutaussehender Opfer eine Frischzellenkur verpassten. Der Mythos war zunächst nur regional verbreitet, bis er mit dem Aufkommen von Zeitungen auch nach Westeuropa getragen wurde. Dabei blieb die Lokalisierung auf die Ursprungsregion beschränkt.
Richtig populär wurden Vampire durch einen einzigen Protagonisten. Er entstammte der Feder eines britischen Autors. Bram Stoker warf in seinem Roman Dracula Fakten und Mythos wild durcheinander. Sein Graf Dracula hatte nichts mit dem Fürsten Draculea gemein; erst als Stoker ein Buch über dessen Leben las, entschloss er sich - wohl wegen der Geschichten über dessen Grausamkeit - seine Hauptfigur nach dem Woiwoden zu benennen und den Namen ein wenig abzukürzen. Das Buch wurde ein Erfolg, ein viel größerer als Jules Vernes realistischere Bearbeitung unter dem Titel Das Karpatenschloss. Auch zahlreiche Spielfilme über dasselbe Thema reüssierten: F. W. Murnaus Nosferatu, Roman Polanskis Tanz der Vampire und Francis Ford Coppolas Bram Stoker’s Dracula, allesamt eng an Stokers literarische Vorlage angelehnt, zogen das Publikum magisch an.
Kein Kassenschlager wurde Fürst der Finsternis. Die nordamerikanisch-rumänische Koproduktion, Untertitel: Die wahre Geschichte von Dracula, nahm sich die historischen Ereignisse zur Vorlage. Den Nerv der Filmzuschauer traf sie nicht, was aber kein Qualitätsmerkmal darstellen soll.
Wer also etwas über den wahren Fürst Dracul(e)a erfahren, ihn historisch einordnen und in Bezug zum Vampirmythos stellen möchte, sollte 8 Euro 95 investieren und Haumanns ebenso informatives wie unterhaltsames Buch erwerben.