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Das Ausmass der EU-Überschuldung
"GOLDSTÜCK" vom 3. Oktober 2013
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Die zweifellos für ganz Europa wichtigen Wahlen in Deutschland sind vorbei. Das Tun, als ob die Euro-Krise bewältigt sei, gelangt damit an sein Ende.
Ein deutscher Unternehmensberater, Daniel Stelter, Buchautor und Berater grosser Finanzgesellschaften, hat kürzlich (TagesAnzeiger, 21. September 2013) die Summe aller öffentlichen und privaten Schulden im Euro-Raum auf den unglaublichen Betrag von fünf Billionen Euro berechnet.
Fünf Billionen: Kann sich jemand diese Geldsumme konkret vorstellen? Auf Papier gebracht wird sie dargestellt mit einer Fünf, der zwölf Nullen angehängt werden: 5‘000‘000‘000‘000 Euro.
Gemessen am einzelnen Menschen
Doch auch wer diese Zahl hinzuschreiben versteht, hat noch keine klare Vorstellung von der Geldsumme, die sich hinter dieser Zahl verbirgt. Dazu eine einfache Rechnung:
Wenn ein Mensch ab dem Moment seiner Geburt in jeder Sekunde seines Lebens einen Euro – oder auch einen Franken oder einen Dollar – beiseitelegt, wenn er also bereits eine Minute nach seiner Geburt sechzig Euro und eine Stunde später 3‘600 Euro auf die Seite gelegt hat, wenn er auf diese Weise am Ende seines ersten Lebenstags bereits 86‘400 Euro gespart hat – wie viele Jahre seines Lebens muss dieser neugeborene Mensch Sekunde um Sekunde einen Euro beiseitelegen, bis er die Summe von fünf Billionen Euro erreicht hat?
Er müsste, um dieses Sparziel zu erreichen, ziemlich lange leben. Wäre er Methusalem, jener biblische Urvater, der ein Lebensalter von 969 Jahren erreicht haben soll, so hätte er am Ende seines fast tausendjährigen Lebens als Sekunden-Euro-Sparer erst gut dreissig Milliarden zusammengelegt. Eine erkleckliche Summe – allerdings noch weit von fünf Billionen entfernt.
Um fünf Billionen durch im Sekundentakt beiseitegelegte Euromünzen anzuhäufen, müsste dieser Sparer ziemlich genau 158‘550 Jahre leben, also nahezu hundertsechzigtausend Jahre.
Rückzahlung unmöglich
Was soll diese Rechnung? Sie vermittelt eine Vorstellung, auf welch unglaublich grossem, unglaublich tiefem Schuldenloch die Euro-Staaten sitzen.
Einige mögen einwenden, diese gewaltige Schuldensumme laste ja nicht auf einem einzelnen, vielmehr auf Millionen von Menschen. Die siebzehn Länder der Euro-Zone zählen schliesslich 321 Millionen Einwohner. Werden die fünf Billionen Schulden zu gleichen Teilen verteilt auf die gesamte Einwohnerschaft der erst seit gut zehn Jahren existierenden Eurozone, dann lastet auf jedem in diesen siebzehn Ländern wohnhaften Menschen – Neugeborene, Kinder, Senioren, Greise, Arbeitslose und Mittellose miteingerechnet – eine Schuld von gut 15‘100 Euro.
Diese Zahl illustriert den beunruhigenden Kommentar des erwähnten deutschen Unternehmensberaters Daniel Stelter zum von ihm errechneten Schuldenberg im Euroraum. Stelter kurz und bündig: «Dieses Geld ist futsch!»
Eine Rückzahlung, ja auch bloss eine marktgerechte Verzinsung dieser exorbitanten Gesamtschuld überfordert sowohl alle menschlichen als auch alle volkswirtschaftlichen Möglichkeiten sämtlicher Länder dieser Zone – auch jener, die äusserlich noch im Wohlstand leben.
Schulden wachsen weiter
Zwar wurden Sparbudgets beschlossen – aber die Schulden wachsen weiter, immer rascher – trotz von den EU-Regierungen durchgesetzter «Zinsnullung».
Um volle hundert Millionen Euro wachsen diese Schulden weiter – nicht pro Woche, auch nicht pro Tag, vielmehr pro Stunde! Die EU hat sich in der Schuldenfalle rettungslos verstrickt. Nur andere Methoden – im Klartext: kriminelle Methoden – gestatten noch eine gewisse Hinauszögerung des Kollaps‘! Es sind Methoden, welche masslosen Raub am Vermögen der Bürger anvisieren – mittels nicht mehr tragbarer Maximalbesteuerung einerseits, mittels bewusster Inflationierung der Währung durch die Regierungen andererseits.
Die Schweiz als Zielscheibe
Die Schweiz ist das nahezu einzige Land in Europa, das einen noch leidlich gesunden Finanzhaushalt auszuweisen in der Lage ist – allein dank der hier geltenden Direkten Demokratie, die den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern eine Notbremse in die Hand gibt, wenn Behörden die Ausgaben explodieren lassen wollen.
Weil die Schweiz noch über leidlich gesunde Finanzen verfügt, wird sie zur Zielscheibe. Zur Zielscheibe jener Regierungen und Funktionäre, welche die Überschuldung Europas zu verantworten haben. Zur Zielscheibe aber auch der US-Administration, welche die heillose Überschuldung der Vereinigten Staaten zu verantworten hat.
Alle diese Schulden-Verursacher wollen ans Schweizer Geld. Es geht in diesem Krieg allein um auf dieser Welt noch greifbares Geld – längst nicht mehr um «gerechte Finanzordnung» oder auch nur um «gerechte Besteuerung». Nackte Geldgier bestimmt das Geschehen. Geldgier, von der besondere Gefahr ausgeht, wenn sie mit politischer Macht gepaart ist. Dann wird Geldgier für das ins Visier genommene Opfer existenzbedrohend – wie das die Schweiz derzeit erlebt.
Die Alternative
Überlegte, beharrlich verfolgte Gegenstrategie müsste entwickelt werden. Als der Euro vor rund zwei Jahren dem freien Fall verfiel, musste die Nationalbank – auf dass die Exporte nicht zusammenbrechen – als Notmassnahme die Anbindung des Frankens an den Euro bei einem Kurs von Fr. 1.20 durchsetzen. Der Schweizer Franken ist damit an eine Währung gebunden, deren Fundament längst nur noch aus Schulden besteht.
Inzwischen hat sich der Euro gefestigt. Er liegt derzeit – aus eigener Kraft – über dem von der Nationalbank fixierten Mindestwechselkurs. Die Nationalbank wäre gut beraten, die Gelegenheit zu nutzen, ihre viel zu hohen Eurobestände mit Schuldenlöchern als «Fundament» Schritt für Schritt und ohne jedes Trara abzubauen. Um stattdessen werthaltige Reserven aufzubauen – Reserven aus Gold.
Die wirtschaftlich derzeit markant wachsenden Länder wie China und Indien vergrössern gegenwärtig ihre Goldreserven gezielt: Offensichtlich vorsorgend für Krisenzeiten. Und selbst in Europa gibt es vergleichsweise noch gesündere Länder, die ihre Goldreserven mit besonderer Sorgfalt pflegen. Soeben wurde bekannt, dass Finnland und Polen die im Ausland lagernden Teile ihrer Goldreserven ins eigene Land zurückholen. Man weiss ja nie…
Rückführung aller Goldreserven ins eigene Land: Diese Forderung stellt auch die vor einem halben Jahr in der Schweiz zustande gekommene Goldinitiative. Im Blick aufs Weltgeschehen ist dazu festzustellen: Wollte die Nationalbank vorrausschauend handeln, würde sie mit der Rückholung des im Ausland lagernden Teils der Schweizer Goldreserven nicht warten, bis die Initiative angenommen ist.
Der Newsletter «Goldstück» wird herausgegeben vom Komitee «Ja zur Goldinitiative – Rettet unser Schweizer Gold», Postfach 23, 8416 Flaach
Autor der heutigen Ausgabe:
Ulrich Schlüer