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| Hieronymus († 420) - Briefe

II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
130. An Demetrias
3.
Es ist bei den Rednern, wenn sie jemand loben wollen, Sitte, rühmend auf Ahnen und Urahnen und den Adel alter Geschlechter hinzuweisen. Sind die Äste spärlich, dann wuchert die Wurzel um so üppiger; fehlt es an Früchten, kann man wenigstens den Stamm bewundern. Deshalb müßte ich eigentlich die berühmten Namen der Prober und Olybrier anführen 1 und das berühmte Geschlecht des Anicius 2 erwähnen, das kein oder wenigstens kaum ein Mitglied zählt, welches nicht die konsularische Würde bekleidet hätte. Ich müßte Olybrius, den Vater unserer Jungfrau, nennen, den ein früher Tod zum Leidwesen der ganzen Stadt hinweggerafft hat. Ich scheue mich, mehr zu sagen, um die Wunde der heiligen Mutter nicht von neuem aufzureißen; würde doch ein Hinweis auf seine Tugenden ein Wiederaufleben des Schmerzes bedeuten. Er war ein guter Sohn und liebevoller Gatte, ein milder Herr und [S. 243] leutseliger Bürger. In jungen Jahren Konsul, wurde er als Senator durch seinen tugendhaften Lebenswandel noch berühmter. Für ihn war der Tod ein Glück, brauchte er doch den Zusammenbruch des Vaterlandes nicht zu schauen. Noch glücklicher aber wurde er durch seine Tochter Demetrias, die den alten Adel ihrer Urgroßmutter Demetrias durch das Gelöbnis der Jungfräulichkeit zu höherem Glänze erhob.
1: Vgl. S. 148 f.
2: Anicius Gallus, der Besieger des Königs Gentius von Illyrien, war Konsul im Jahre 159 v. Chr.