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Sieht so ein Rebell aus? Als Novak Djokovic vor drei Jahren seine neue Spielerorganisation Professional Tennis Players Association (PTPA) vorstellte, geschah dies mit viel Getöse und löste sogleich Widerstand bei den etablierten Tennisverbänden aus, aber bei auch bei den anderen grossen Stars Roger Federer, Rafael Nadal und Andy Murray. «Die Welt erlebt eine schwierige Zeit. Wir brauchen im Tennis Einheit, nicht Spaltung», macht der Spanier klar. Djokovic schert sich bekanntlich nicht gross um die öffentliche Meinung. Aber Hubert Hurkacz?
Vergangene Woche stand der Pole im Bauch der St. Jakobshalle und sprach über seine Unterstützung für die PTPA. Hurkacz ist 1,96 m gross, die Nummer 11 der Welt und hat in seiner Karriere schon 12,5 Mio. Dollar verdient. Doch der 26-Jährige aus Breslau ist schüchtern, er spricht leise. Vor seiner Premiere an den Swiss Indoors hatte er sich etwas Sorgen gemacht, weil er im Wimbledon-Viertelfinal 2021 die Karriere von Roger Federer beendet hatte und er sich fragte, ob ihm das die Fans in Basel übel nehmen könnten.
Interessenkonflikt bei der ATP
Und doch hört man dem stets freundlichen und angenehm unaufgeregten Hurkacz zu, wenn er sich Gedanken über die Zukunft des Sports macht. «Wir wollen das Tennis verbessern, und dafür brauchen wir eine Organisation, die nur die Spieler und ihre Interessen vertritt», erklärte er gegenüber Keystone-SDA. Dazu muss man wissen, dass die ATP - wie auch die WTA - zu je 50 Prozent den Turnierbesitzern und den Spielern gehört. Der Interessenskonflikt ist offensichtlich. Die Turniere möchten, dass die Topspieler möglichst oft spielen, diese klagen über die zunehmende Belastung.
In kaum einem Sport dauert die Saison so lang, und das in einer eigentlichen Terminhatz von Ende Dezember bis Mitte November mit mehreren langen Reisen über Zeitzonen und Kontinente hinweg. Ein Kritikpunkt, der auf den ersten Blick marginal erscheint: immer wieder wechselnde Bälle. Die Turniere wählen diese nach Preis und Sponsorenverträgen, die Spieler wünschen sich mehr Einheitlichkeit. «Wenn wir wenigstens für eine bestimmte Saison immer mit den gleichen Bällen spielen könnten, wäre das besser für uns und würde sicher helfen, Verletzungen zu vermeiden», glaubt Hurkacz.
Zu schwer oder zu leicht
Wie schwierig es werden könnte, nur schon unter den Spielern Einigkeit zu finden, zeigt sich allerdings schnell. «Die Bälle sind schrittweise schwerer geworden und - Überraschung - es killt unsere Körper», sagte Vasek Pospisil, Mitbegründer und neben Djokovic lautester Vertreter der PTPA, im Sommer. «Fast jeder Spieler, mit dem ich spreche, denkt so.»
Wenige Tage später tönte es am US Open bei Alexander Zverev dann aber so: «Wenn es windig wird, ist es unfassbar schwierig, Tennis zu spielen mit diesem Ball», sagte der deutsche Olympiasieger. «Ich habe das Gefühl, dass dieser Ball zu leicht ist.» Einig sind sich allerdings alle, dass es ein Unding ist, dass im Sommer auf der Nordamerika-Tour innerhalb von drei Wochen mit drei verschiedenen Ballmarken gespielt wurde.
«Es gibt auch bei den Turnieren viele verschiedene Ansichten», stellte Hurkacz fest. «Manche hören zu, andere weniger.» Unter den Spielern spürt er aber ein Umdenken. «In diesem Jahr hat sich eine ziemliche Dynamik entwickelt.» Bereits über 250 Spielerinnen und Spieler sollen mittlerweile Mitglied sein.
Verbesserungen für die zweite Riege
Ob wegen des zunehmenden Drucks oder aus eigenem Antrieb: Auch die ATP bleibt nicht untätig und hat sich vor allem der zweiten wichtigen Forderung der PTPA angenommen: den Verdienstmöglichkeiten der etwas weniger guten Spieler. Obwohl Tennis global von 1,3 oder 1,4 Milliarden Menschen verfolgt wird, könnten nur etwa 450 Spieler (Männer, Frauen, Doppel) davon leben, so lautet der Vorwurf.
Die ATP sichert den besten 250 Spielern des Jahresend-Rankings ein garantiertes Einkommen zu. Kommt jemand nicht über das Preisgeld auf den entsprechenden Betrag stockt die ATP auf 300'000 (Top 100), 150'000 (101 bis 175) respektive 75'000 Dollar (176 bis 250) auf. Zudem werden die Bücher der Turniere offen gelegt, die Spieler sollen stärker an Gewinnen partizipieren.
Topspielern wie Djokovic oder Hurkacz geht es nicht in erster Linie um die eigenen Einnahmen, sondern darum, dass ein grösserer Teil der Tennisprofis von ihrem Sport gut leben kann. Oder wie es Hubert Hurkacz sagt: «Am Ende wollen wir die beste Lösung für Spieler, Turniere und Fans.» Und dafür müssten die Spieler eben eine eigene Interessenvertretung haben. «Die Fortschritte sind gut», sagt der Pole. «Immer mehr Spieler hören zu und sind begeistert.»