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Meiner Meinung nach fing das Buch ganz phantastisch an. Der Prolog, in dem der Protagonist des Romans Dr. Ernest Lash, Psychoanalytiker aus San Francisco, seinen älteren Kollegen Dr. Seymor Trotter für die Ethikkommission seines Fachbereiches über die Arbeitsweise Dr. Trotters ausfragen soll, ist absolut brilliant geschrieben und machte Lust darauf, mehr zu erfahren. Trotter ist angeklagt, ein Verhältnis mit einer vierzig Jahre jüngeren Patientin gehabt zu haben, wobei dieser darauf besteht, dass eine sexuelle Beziehung zwischen den beiden das einzige Mittel gewesen sei, um die Frau, eine Borderlinerin, vor ihrem selbstzerstörerischen Handeln zu bewahren. Was Ernest aus diesem Gespräch mit nimmt, ist die Idee, zukünftig mit jedem Patienten absolut ehrlich umzugehen. Die erste Patientin, auf die Ernest trifft und die quasi sein Experiment sein soll, ist Carol. Eine Anwältin, die erfahren hat, dass ihr Ehemann, der sie für eine andere, viel jüngere Frau verlassen hat, bei Ernest in Therapie war und den sie für das Handeln ihres Mannes verantwortlich macht. Von schweren Rachegefühlen gegenüber Ernest gebeutelt, der ihren Mann so dermaßen aufgewiegelt hat, nimmt sie eine Therapie bei Ernest auf, mit dem Ziel, ihn zu verführen und ihm wegen sexueller Belästigung seine Zulassung zu entziehen....
Soweit so gut, die ersten 184 Seiten sind wirklich spannend und die Erotik in den Gesprächen zwischen Carol und dem armen Ernest, der sich wirklich wacker schlägt, ist zum Greifen nah. Aber dann plötzlich hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte kippt und plötzlich nicht mehr Ernest und Carol die Protagonisten sind, sondern Marshal Streider, der Supervisor von Ernest, und sein Klient namens Mr. Macondo. Auch der Teil, in dem Marshal vor der Kommission spricht und einen Kollegen für sein Verhalten verurteilt, war mir viel zu langatmig. Ich mußte mich wirklich zwingen, weiter zu lesen. Immer in der Hoffnung, ich würde bald wieder etwas über Ernest und Carol lesen. Damit von der Geschichte nicht zu viel verraten wird, möchte ich mich hier mit weiteren detaillierteren Kommentaren zurück halten, aber die Geschichte zwischen Ernest und Carol verliert sich irgendwann mehr und mehr im Hintergrund. Ich hätte es gerne gesehen, dass die beiden ihre Therapie etwas mehr auskosten, die Spannung noch höher steigt, Carol nur wirklich sehr langsam von ihren Rachegelüsten befreit wird. Letzteres ging mir einfach zu schnell für den hohen Erregungsgrad bezüglich ihrer Rachegefühle, die sich bei ihr aufgebaut hatten. Auch wirkte das Ende der Geschichte, welche sich dann zwischen Carol und Marshal abspielte, auf mich völlig unglaubwürdig. Hier wurden die Rollen plötzlich völlig vertauscht und das wirkte absolut nicht authentisch auf mich.
Davon abgesehen bietet das Buch dem Leser bzw. der Leserin, der oder die sich zugegebenermaßen schon für die Psychoanalyse interessieren sollte, da dieses Buch stark therapielastig ist, viele witzige, ironische und interessante Themen. Am Anfang beginnt das Buch unglaublich spannend, aber der Mittelteil, als auch das Ende haben mich nicht wirklich gepackt, daher gibt es nur 3 Sterne von mir.
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