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Hydria von Grächwil
(Historisches Museum Bern. Foto: Stefan Rebsamen)
Die Hydria von Grächwil ist eines der bedeutendsten Sammlungsstücke im Bernischen Historischen Museum. Obschon über das Gefäss mit der geflügelten Göttin am Zierhenkel schon viel geforscht wurde, ist es immer noch geheimnisvoll vieldeutig und faszinierend. Das Bronzegefäss mit reich verziertem Schauhenkel wurde 1851 vom Altertumsforscher Albert Jahn entdeckt.
Im Gegensatz zum Krug, von dem nur Fragmente sicherstellt worden waren und der anhand von Vergleichsobjekten zur 56 cm hohen Hydria rekonstruiert wurde, war der reich verzierte Henkel mit der geflügelten Göttin und neun Tieren nahezu vollständig erhalten. Neben zwei Hasen sind ein Raubvogel, zwei Schlangen und vier Löwen darge-gestellt. Die Komposition ist in dieser Figurenzusammensetzung und mit dieser Figurenmenge bis heute einzigartig. Die Fachleute nehmen an, dass das Gefäss um 570/80 v. Chr. vermutlich in Tarent in Süditalen hergestellt worden war.
Zierhenkel der Hydria von Grächwil
(Historisches Museum Bern. Foto: Stefan Rebsamen)
Der mächtige Grabhügel an der Strasse von Ortschwaben nach Grächwil, unweit des Naturschutzgebietes Widi misst 32 m im Durchmesser und ist über 5 m hoch. Der Hügel war vor 1850 zur Sandgewinnung abgegraben worden, wobei immer wieder Metallgegenstände zum Vorschein gekommen waren. Erst als der damalige Unterförster realisierte, dass es sich um Altertümer handelt, wurde Albert Jahn beigezogen. Oben im Hügel stiessen die Ausgräber zuerst auf mindestens zwei frühmittelalterlich Gräber. Darunter fanden sie "vermoderte eiserne Rüstungen " und "eiserne Radschienen". Unter diesen kamen die Überreste der "Grächwiler Hydria" zum Vorschein. Noch tiefer wurden Asche von Brandbestattungen, das Eisenwerk eines zweirädrigen Wagens und zahlreiche Ton- und Bronzefragment entdeckt. Da die Funde im 19. Jahrhundert nicht genau dokumentiert und lokalisiert wurden, ist die zeitliche Einordnung der Bestattungen schwierig bis unmöglich. Das älteste Brandgrab könnte aus dem 8. Jahrhundert vor Christus angelegt worden sein, die Hydria stammt aus einer jüngeren Bestattung einer hochrangigen Persönlichkeit. Und die jüngsten Bestattungen erfolgten im Frühmittelalter.
Im zweiten, kleineren Hügel wurden keine Objekte gefunden, die eine Datierung ermöglichten. Es ist sogar unsicher, ob es sich ebenfalls um eine frühkeltische Grabstätte handelt.
Grabhügel von Grächwil,
gezeichnet von Albert Jahn 1852
Keltischer Grabhügel in Grächwil
Quelle:
Lüscher, Geneviève: Die Hydria von Grächwil. Ein griechisches Prunkgefäss aus Tarent. Hrsg. vom Bernischen Historischen Museum. (Glanzlichter aus dem Bernischen Historischen Museum 8.) Bern, 2002.