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Im Oktober 1970 und im April 1971 eröffnete im Basel in zwei Schritten das Basel Institute for Immunology (BII). Das Forschungsinstitut war wie eine akademische Institution organisiert, gehörte aber zum Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche. Das BBI widmete sich der biomedizinischen Grundlagenforschung, also der Forschung, „welche sich nicht direkt mit praktisch anzustrebenden Zielen befasst“, wie ein Roche-Dokument festhielt. Durch die Erforschung immunologischer Prozesse hoffte Hoffmann-La Roche mittelfristig auf neue Heilungsansätze bei Krankheiten wie Krebs oder Rheumatismus, bei Organtransplantationen oder allergischen Reaktionen auf Arzneistoffe. Erster Leiter war der dänische Immunologe Niels Jerne, der 1984 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet werden sollte. Sein Institut widmet sich unter anderem der genetischen und zellulären Regulierung der Immunabwehr sowie der molekularen Struktur von Antikörpern.
Freiraum für neue Ideen
Zuvor hatte Roche 1967 in den USA bereits das Roche Institute of Molecular Biology (RIMB) ins Leben gerufen. Und die mit Geigy fusionierte Ciba realisierte 1970 in Basel das Friedrich Miescher Institut (FMI). All diesen Forschungseinrichtungen war gemein, dass sie – obwohl Teil eines Pharmakonzerns – wie eine akademische Institution funktionierten. Das heisst, die dort tätigen Forscher waren eng mit der akademischen Forschung vernetzt und sie konnten ihre Untersuchungsgegenstände weitgehend frei wählen. Die Institute erhielten einen grösstmöglichen Freiraum, „um den Graben zwischen der akademischen Biologie und der Industrieforschung zu überwinden“, wie der Historiker Michael Bürgi schreibt.
Unter Innovationsdruck
Die Institutsgründungen sind Ausdruck einer strategischen Aufwertung, die die biologische Forschung in den späten 60er Jahren erfahren hatte. Die Pharmaunternehmen fürchteten in dieser Zeit um ihre Innovationsfähigkeit und sie realisierten, dass das längerfristige Überleben nur durch eine Investition in die Grundlagenforschung zu gewährleisten war. Darüber hinaus wollten sie über die neuen Institute erstklassige Forscher rekrutieren, denn die akademische Disziplin der Molekularbiologie war in der Schweiz erst im Aufbau, und sie musste sich an den Universitäten erst gegen den Widerstand traditioneller Fachrichtungen der Zoologie und der Botanik durchsetzen. In Basel gelang dies insbesondere mit dem 1971 eröffneten Biozentrum an der Universität Basel, an deren Baukosten sich die Industrie ebenfalls beteiligte. Im Jahre 2000 stellt Roche das BII ein. Einer der Gründe war, dass die früheren Rekrutierungsprobleme unterdessen verschwunden waren, wie Historiker Bürgi schreibt: „Anders als noch Mitte der 60er Jahre bildeten die schweizerischen Hochschulen mittlerweile genügend Molekularbiologen und Molekularbiologinnen aus.“
Dieser geschichtliche Abriss basiert auf der Dissertation des Historikers Michael Bürgi: Pharmaforschung im 20. Jahrhundert – Arbeit an der Grenze zwischen Hochschule und Industrie. Chronos-Verlag, Zürich 2011.