Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03615.jsonl.gz/2652

Weitere Luftaufnahmen von Freiburg
Gebaut von Francois-Philippe von Lanthen-Heid (gestorben 1713) zwischen 1698 und 1701, steht das Schloss Poya mit seinem Park als eine einmalige Gesamtheit im Kanton Freiburg, dessen internationaler Wert in Kennerkreisen bekannt ist.
Aussergewöhnlich ist, dass dieses Patrizierhaus nie in seinen drei Jahrhunderten der Geschichte verkauft wurde, was ihren aussergewöhnlichen Erhaltungszustand und das leidenschaftliche Festhalten der Eigentümer erklärt. Der Herr von Cugy, Vesin, Aumont und Ménières, der Bauherr, damals Landvogt von Freiburg, hielt sich etwa zwei Jahre in Paris auf, als Botschafter von Ludwig XV beauftragt, die Schulden einzufordern, die durch Frankreich am Kanton Freiburg fällig wurden. Das im Grünen errichtete Vergnügungshaus ist "eine der ersten europäischen Demonstrationen des Neo-Palladianismus".
Das Zimmer der Hausherrin, der grosse Salon, beinhaltet eine der grössten Gesamtheit von Stuck der Schweiz, aus Borrominienischen Ursprung.
Mit seiner grossen Allee, seinen bäuerlichen Park und seinen Neo-Klassischen Garten, wird La Poya als ein Stück der Anthologie der Geschichte des Gartens angesehen.
Geplant als sommerlicher Wohnsitz und als Empfangsort auf dem Hügel Poya, der eines der schönsten Panoramen von Freiburg anbietet, kombiniert dieses aussergewöhnliche Haus in der Mitte eines landwirtschaftlichen Bereiches die Funktionen von einer Vorortvilla und einem Patrizierherrenhaus, das das ganze Jahr bewohnbar war. Seine bevorzugte Lage prädestinierte es natürlich, um als Empfangsort für die Eingeladenen von den Exzellenzen, dann von den Vertretern der schweizerischen Gesellschaften und von den Gastgebern der Regierung, denen man somit die Betrachtung einer Stadt anbieten konnte, die in im Mittelalter wie erstarrt scheint.
Ihrer Verantwortung bewusst, angesichts einer solchen Aussage der europäischen Kultur, bemühen sich seine Eigentümer dieses aussergewöhnliche Erbe aufrechtzuerhalten und dafür zu sorgen, dass der Empfangsort bei offiziellen Prestigebesuchen weiterhin seine Rolle spielt.
Auf seiner Anhöhe im Norden der Stadt, gut sichtbar vom bewaldeten Parkgrund, steht La Poya als Blickfang. Dieses Schmuckstück unter den Herrenhäusern, von einem unbekannten Architekten errichtet, gilt in der Schweiz als eines der ersten und bedeutendsten Manifestationen mit Palladischen Stils. Der Bauherr hiess Francois-Philippe von Lanthen-Heid (1650-1713). Er war eine einflussreiche Persönlichkeit, wie es die Aussage der Hauptetappen seiner politischen Karriere glauben lässt: Als Mitglied des kleinen Rates mit 29 Jahren, Bürgermeister mit 35, Landvogt vom Kanton Freiburg und gelegentlicher Delegierter des Botschafters im Hof von Ludwig XIV. In seinem Testament wird das Vermögen der Familie erwähnt: ausser La Poya findet man dort die Erwähnung von den Schlössern bei Cugy und Montet, von einem kostbaren Wohnsitz in der Stadt (an der Hauptstrasse 56), Mühlen, einen Gasthof, eine Menge an Ländereien, Wälder, Weinberge, Rechte an Gewässer und Wasserläufe, Steinbrüche, Bergwerke, usw..
Das Schloss La Poya (zwischen 1698 und 1701 errichtet) entspricht dem Typ der Vorort-Villa, oder Villa suburbana, das durch die antiken Repräsentationen geprägt wurde, wie es Alberti, Architekt und Theoretiker des 15. Jahrhunderts, beschrieb. Die Nähe der Stadt liess sie nicht um ihre Unabhängigkeit sorgen. In Wirklichkeit war La Poya kein echtes Landgebiet, sondern eher ein Sommerwohnsitz, der Festlichkeiten und Empfängen einen Traumdekor anbot. Eine geschickte Einfügung des Gebäudes in die Landschaft erlaubte dem Schloss, das Ideal zu verwirklichen, das seit der Renaissance einen Einklang zwischen Natur und Kunst suchte. Eine Allee aus dem Norden durchquert den grossen Park und führt zum Schloss. Im Süden öffnet sich die Fassade zu einer Freitreppe; eine Aussentreppe steigt in Richtung eines französischen Erdgeschosses herab. Gemäss dem klassischen Schema von französischen Schlossern fügt sich das Gebäude zwischen der Zugangsallee und dem Garten: andererseits missachtet die Organisation der Fassade den klassischen Gebrauch. So scheint die Fassade am Gartenseite verstärkt durch die Säulenhalle die für den Empfang reservierte Hauptfassade zu sein: aber der viel bescheidener Eingang befindet sich auf der Nordseite. Die Anordnung der Fassade im Süden manifestiert ein Verlangen nach rationelle Klarheit und Harmonie. Dorische Kolonnen unterteilen den Eingang des Portals, zu dem eine Treppe führt. Beiderseits werden die Anhänge, mit ihren hohen Fenstern, von Pilastern flankiert. Ein Fries mit kleinen anliegenden Fenster liegt über der Fassade und schont den Übergang zum Kranzgesims, in der Mitte von welchen ein mächtiger gebogener Giebel ausruht. Die ursprünglichen Wappen machen Platz denjenigen von Diesbach von Belleroche (links) und Cardevac (rechts), die fünften Eigentümer von La Poya nach chronologischer Reihenfolge.
Eine Brüstung maskiert das Dach, und diese Besonderheit bringt uns selbstverständlich auf Frankreich zurück (Louvre oder Versailles). Aber was ist es, das uns eigentlich eine Verwandtschaft mit den Werken von Andrea Palladio suchen lässt? Zweifellos geht dies weniger aus den besonderen Formen als aus den Gesamtausdruck hervor. Das integrierte Portal und diese Art und Weise, wie sich der Giebel sozusagen im Kranzgesims verankert, finden wir zum Beispiel auf der Fassade der Emo-Villa in Fanzolo in der Nähe von Treviso wieder. Nichts im Gegensatz zu den Palladien im grossen gebogenen Giebel und der Brüstung, die in Italien nur eine Rechtfertigung als Terrasse hat. Die zwei an beiden Seiten des Schlosses symmetrisch hinzugefügten, abgerundeten Konstruktionen sowie die Küche sind Vergrösserungen, die aus 1911 datieren. Der damalige Architekt, Henry Berchtold von Fischer, schafft eine harmonische Allianz zwischen dem Alten und dem Neuen. Der etwas kalten Eleganz der Fassade entspricht dem Salon innerhalb des Schlosses. Sein Dekor, in dem Weiss und Gold dominieren, gibt auch das Gefühl einer eleganten Diskretion. Die Stucks von grossem Wert sind vermutlich das Werk eines unbekannten französischen Künstlers, dem man ebenfalls die Stuckwerke zuschreibt, die im Freiburger Herrensitz an der Hauptstrasse 56 ausgeführt wurden.
Bibliographie