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MSc Florian Peter, Fachpsychologe der Privatklinik Wyss AG, zum Thema Burnout.
Herr Peter, was versteht man unter dem Begriff Burnout?
Mit dem Begriff Burnout wird ein psychovegetatives Erschöpfungssyndrom infolge einer chronischen und arbeitsbedingten Beanspruchungsreaktion bezeichnet (nicht auf Erwerbsarbeit begrenzt). Etwas simpler ausgedrückt: Es handelt sich um eine Stressfolgeerkrankung. Der Begriff wird einerseits als Zustandsbild (ausgebrannt sein), andererseits auch als Prozessbeschrieb verwendet (ausbrennen). Als Krankheit ist er jedoch noch nicht anerkannt, beziehungsweise die Diskussion dazu ist im Gange.
Wie merkt der Betroffene, dass er an einem Burnout leidet?
Wie erwähnt handelt es sich dabei um eine Stressreaktion. Leider liegt es in der Natur der Sache, dass Betroffene mögliche Frühwarnzeichen inklusive Rückmeldungen vom Umfeld häufig gekonnt ausblenden. Betroffene gehen meist vorerst von einer somatischen Erkrankung aus und wenden sich beispielsweise aufgrund von langanhaltender Schlafstörung oder Erschöpfung an den Hausarzt. Typische Frühwarnzeichen wären nebst diversen körperlichen Reaktionen zunehmende Überstunden, verstärkte Gereiztheit, ausbleibendes Abschalten und Abgrenzen können von der Arbeit und Vernachlässigung von sozialen Aktivitäten und Hobbies.
Welche körperlichen Symptome treten bei einer Erkrankung auf?
Nebst der allgemeinen Stressreaktion (erhöhtes Schwitzen, Zittern, An- und Verspannungen, Unruhe, Harndrang, Nägelkauen und Zähneknirschen) sind zunehmende und anhaltende Schlafstörungen, Erschöpfung, Herz-Kreislauf-Störungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Konzentrationsstörungen sowie ein mittel- und längerfristig geschwächtes Immunsystem (vermehrte Infekte) typische Anzeichen.
Kann der Krankheitsverlauf in verschiedene Phasen unterteilt werden?
Der Krankheitsverlauf ist immer individuell. Modellartig und über verschiedene Patientenverläufe betrachtet, kann man aber durchaus Phasen umschreiben, welche gleichzeitig auch den Mechanismus hinter dem Burnout-Prozess erkennbar machen. Ein übersichtliches Beispiel aus der Stressforschung stellt das Drei-Phasen-Modell dar. Bestehend aus der Aktivierungsphase, Widerstandphase und der Erschöpfungsphase. Die Aktivierungsphase beinhaltet die natürlich Stressreaktion des Menschen. Unser Körper ist darauf ausgerichtet, dass eine Bedrohung temporärer Natur ist und sich nicht über Wochen und Monate erstreckt. Wenn genau dies jedoch eintrifft, befinden wir uns in der Widerstandphase. Der Körper versucht dabei «weiterzukämpfen» und zerrt von seinen Energiereserven. Es stellt sich eine weitere Stressreaktion ein, welche uns kurzfristig stärkt, jedoch mittel- und längerfristig Prozesse im Hirn blockiert und negativ verändert. In diesem Stadium befinden wir uns in der Erschöpfungsphase.
Wer ist besonders gefährdet?
Typischerweise entsteht ein Burnout dort, wo Menschen mit einem hochmotivierten, leistungsbereiten, engagierten, harmoniebedürftigen oder besonders perfektionistischen Persönlichkeitsstil auf ein Umfeld stossen, welches von zwischenmenschliche Konfliktsituationen mit niedrigem Respekt- oder Belohnungsgrad, hohe Verantwortung mit tiefer Entscheidungsfreiheit sowie hohem zeitlichen und inhaltlichem Arbeitsaufwand geprägt ist. Es gibt in dem Sinne auch Berufsgruppen, welche einem grösseren Risiko ausgesetzt sind, sowie zum Beispiel Lehrpersonen, Polizisten und Polizistinnen oder Pflegekräfte. Aber auch gewisse Funktionen innerhalb eines Betriebes sind prädestinierter als andere, so beispielsweise das mittlere Management, in dem man gegenüber dem oberen Vorgesetzten und den unteren Mitarbeitern oftmals gegensätzlichen Ansprüchen ausgesetzt ist.
Wie läuft die Diagnostizierung eines Burnouts ab?
Häufig gelangen Betroffene über den Hausarzt zum psychologischen Psychotherapeuten oder Psychiater. Dort erfolgt über das klinische Interview und dem spezifischen Testfragebogen eine diagnostische Beurteilung. Weiter werden vermehrt auch 24-Stunden-EKGs eingesetzt, wodurch typische Veränderungsmuster des vegetativen Nervensystems teils deutlich erkennbar sind. Aktuell laufen weitere Untersuchungen zu möglichen Biomarkern (zum Beispiel erhöhter Cortisolwert im Blut). Ein eindeutiger Biomarker in Bezug auf Burnout konnte jedoch bisweilen nicht gefunden werden.
Wie unterscheidet sich das Burnout von einer Depression?
Wenn man bei dieser Frage ein Burnout als phasenhaften Prozess betrachtet, kommt es sehr auf den Betrachtungsmoment an. Befindet sich jemand am Anfang eines sich anbahnenden Burnout-Prozesses, sind mehrheitlich die oben beschriebenen Körperreaktionen im Vordergrund. Betroffene würden aber nicht zwingend von depressiver Stimmung, Freudlosigkeit oder Antriebsstörungen berichten. Bei einem voll ausgewachsenen Burnout finden sich dann schlussendlich wenige Unterschiede zur Depression, weshalb man offiziell auch nicht von einem eigenständigen Krankheitsbild spricht.
Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Auch hier kommt es wieder auf den Ausprägungsgrad an. Begibt sich jemand frühzeitig in Behandlung, reichen oftmals ambulante Psychotherapie-Sitzungen aus. Dabei liegt der Fokus nach erfolgter Standortbestimmung häufig auf der Stärkung von Ressourcen (Sport, Ausgleich, soziale Kontakte etc.), konkreter Reduktion von Belastungen sowie Auseinandersetzung mit den eigenen Persönlichkeitsanteilen (wie übertriebener Perfektionismus). Je weiter der Prozess jedoch fortgeschritten ist, desto mehr ist eine intensivere ambulante oder auch stationäre Behandlung inklusive zusätzlicher medikamentöser Unterstützung notwendig. Nebst der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, werden bei uns individuell auch achtsamkeitsbasierte, körper-, mal- wie auch kunsttherapeutische Methoden erfolgreich miteinbezogen.
Was kann man tun, um ein Burnout zu vermeiden?
Eigentlich weitgehend dasselbe, was auch in der Therapie im Fokus steht. Wichtig scheint mir, dass man ein sich anbahnender Burnout-Prozess nicht als unausweichliche Gefahr, sondern als hilfreiches Warnsignal sieht. Wer seine persönlichen Stressmuster und Reaktionen kennt, kann diese besser wahrnehmen und entsprechend frühzeitig reagieren. Ein regelmässiges Überprüfen der persönlichen Werte, Ziele und Ansprüche kann helfen, sich selbst nicht zu verlieren.
Wie lange dauert eine Burnout-Behandlung im Durchschnitt?
Auch hier kommt es auf die individuelle Situation und den aktuellen Zustand an, bei dem sich jemand in Behandlung begibt. Die Behandlungsdauer ist daher sehr unterschiedlich und kann zwischen Monaten bis Jahren dauern.
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.
Für Anregungen und Inputs, können Sie uns gerne per Mail kontaktieren: mdtcsch
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