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Die Überwachung der Gebissentwicklung
Allgemeines
Die Gebissentwicklung und das Wachstum der Kieferknochen vom Kleinkind bis zum Jugendlichen stellen sehr komplexe Vorgänge dar, bei welchen neben den normalen Abläufen in grosser Variationsbreite oft auch eigentliche „Betriebsunfälle“ der Natur vorkommen. Von den ersten Milchzähnen, die etwa im Alter von 6 Monaten in der Mundhöhle des Säuglings erscheinen, bis zum vollständigen bleibenden Gebiss eines etwa 12 – 13 jährigen Kindes spielen sich die Entwicklung und der Durchbruch von 20 Milchzähnen und die Zusatzbezahnung und Abtausch durch 28 bleibende Zähne ab. Wenn man die Weisheitszähne, welche allerdings erst mit etwa 18 – 20 Jahren durchbrechen dazu zählt, verfügt das bleibende Gebiss dann über 32 Zähne.
Zahndurchbruch und Zahnwechsel
Etwa im sechsten Altersjahr fallen die Milchschneidezähne im Unterkiefer aus und sie werden durch zuerst 2, darnach 4 bleibende Schneidezähne ersetzt. Gleichzeitig erscheinen als neue Zusatzbezahnung hinter den Milchbackenzähnen bleibende Backenzähne (Molaren). Im 7. Jahr fallen die mittleren Milchschneidezähne im Oberkiefer aus und ihre bleibenden Nachfolger zeigen sich. Ein Jahr später geschieht das selbe mit den oberen seitlichen Milchschneidezähnen. Damit ist eine erste Phase des Zahnwechsels abgeschlossen und in den folgenden 2 Jahren verändert sich die Zahl und Art der Zähne nicht mehr. In dieser Zeit werden die Kieferknochen aber noch etwas grösser, so dass die bleibenden Zähne, welche breiter sind als die Milchzähne, noch etwas mehr Platz bekommen.
Die zweite Phase des Zahnwechsels findet dann etwa zwischen dem 10. und 12. Altersjahr statt, bei den Knaben etwas später als bei den Mädchen. Dabei werden die seitlichen Milchzähne, also die Milchmolaren und Milcheckzähne gegen ihre bleibenden Nachfolger abgetauscht. Zusätzlich erfolgt am hinteren Ende der Zahnreihe eine weitere Zusatzbezahnung durch einen zweiten bleibenden Molaren. In dieser Phase verändert sich die Breite der Kieferknochen im vorderen Bereich der Zahnreihe aber nicht mehr, so dass die neuen Zähne mit dem zur Verfügung stehenden, meist etwas knappen Platz auskommen müssen. Die Milchmolaren haben deshalb eine wichtige Bedeutung als Platzhalter, bis sie von den bleibenden Nachfolgern abgelöst werden.
Bei diesen beiden Phasen des Zahnwechsels und bei den Durchbruchszeiten gibt es grosse individuelle Unterschiede, die aber keinen Grund zur Beunruhigung darstellen. Folgenschwerer ist es dagegen, wenn die Anzahl der Zähne nicht stimmt. Als Betriebsunfall der Natur kann man es etwa nennen, wenn überzählige Zähne vorhanden sind, oder wenn einzelne oder gar mehrere Zähne nicht angelegt sind, also fehlen und nie erscheinen werden. Auch Verlagerungen einzelner Zähne, anderseits Zysten und Tumore der Zahn- und Knochengewebe können vorkommen. Es macht deshalb Sinn, auf einem Übersichtsröntgenbild allfällige Fehlanlagen oder krankhafte Prozesse im etwa 9./10. Altersjahr zu erkennen. Es können dann rechtzeitig korrigierende Massnahmen eingeleitet werden, um die Entwicklung zu einem guten bleibenden Gebiss zu steuern.
Das Kieferwachstum
Das Wachstum von Ober- und Unterkiefer und des Schädels verläuft in der Regel einigermassen gut auf einander abgestimmt und es entsteht eine sehr grosse Variation von verschiedenen Gesichtstypen mit mehr oder weniger harmonisch dazu passender Zahnstellung. Kosmetische Unvollkommenheiten des Kauorgans können nach Wunsch meist nach dem Durchbruch aller bleibenden Zähne noch korrigiert werden.
Es können aber auch leichte, zufällige bis schwere angeborene Störungen des Kieferwachstums oder gar Missbildungen auftreten. Die damit verbundenen Fehlstellungen der Zähne und die Korrektur derselben ist das Gebiet der Kieferorthopädie. Die Überwachung der Gebissentwicklung stellt sicher, dass Abweichungen und Störungen rechtzeitig erkannt und einer kieferorthopädischen Behandlung zugeführt werden können.