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“Die Urner Grünen sehen rot”, hiess es kürzlich im allabendlichen Pendlerheftli. So wurde die Ankündigung der Grünen des Kantons Uri kommentiert, etwas kürzer zu treten und zu den nationalen Wahlen in diesem Jahr nicht mehr anzutreten. Es gäbe in Uri einfach zu wenig Potenzial für die Grünen und die ganze Parteiarbeit hänge an zu wenigen Personen, war die einleuchtende Begründung. Die Reaktion der Berner Parteizentrale folgte prompt: Man bedaure den Entscheid der Urner und wolle ihnen helfen, damit sie bei den Wahlen doch antreten könnten. Die Begründung von Miriam Behrens, der Generalsekretärin, lautete dabei fast ähnlich wie die kürzliche Spendenaktion auf dem Bundesplatz, jede Stimme zähle. Auch wenn die Chance gering oder fast null sei, solle man doch antreten. In dieser Logik müssen die Urner auch wenn es total aussichtslos ist, antreten, damit der landesweite Wähleranteil der Grünen etwas höher liegt (was dann wiederum hilft, den ersehnten Bundesratssitz zu reklamieren).
Das Argument, dass jede Stimme zählt, ist gewiss nicht falsch. Aber die Wahlarithmetik zeigt, dass für den schweizweiten Wähleranteil die Urner tatsächlich nicht stark relevant sind. Ein kleiner Kanton hat nun mal ein kleineres Gewicht als ein grosser. Das zeigen ein paar Beispiele:
1. Bei den Wahlen 2007 traten die Grünliberalen erstmals an und erreichten im Kanton Zürich mit 7% gleich 3 Mandate, in St. Gallen immerhin 3% der Stimmen. Das ergibt zusammen bereits einen Wähleranteil von 1,4% (zusammen mit einer verwandten Formation im Kanton Waadt 1,7%).
2. Gleichzeitig gab es im Kanton Schwyz neu wieder eine grüne Liste mit vier Kandidaten, die 3,4% der Stimmen holten. Auf den schweizweiten Wähleranteil der GPS hatte dies kaum Auswirkungen: Er lag 2007 bei 9,6% und ohne Schwyzer wäre er bei 9,52% gelegen.
3. Bei den Wahlen 2003 traten die Urner Grünen letztmals zu den Nationalratswahlen an. Armin Braunwalder erreichte dabei gegen Gabi Huber und einen SVP-Mann sehr beachtliche 30,6% aller Stimmen. Die Grünen Schweiz erzielten damals einen Wähleranteil von 7,4%. Rechnet man die Stimmen der Urner weg, so sinkt dieser auf 7,3%. Die über 30% im Kanton Uri ergeben also auf die ganze Schweiz umgerechnet 0,1% – das ist einigermassen ernüchternd.
Ich finde darum, dass es für eine Kleinpartei in einem kleinen Kanton völlig legitim ist, nur bei jenen Wahlen anzutreten, bei denen auch reele Wahlchancen bestehen. Erst recht, wo Wahlen jahrzehntelang ein abgekartetes Spiel waren (die beiden Ständeräte für die CVP, den Nationalrat für die FDP). Wenn die Urner Grünen ihren persönlichen Einsatz und ihre bescheidenen finanziellen Mittel auf den Landrat konzentrieren, so ist das meines Erachtens verständlich und zu respektieren. Hauptsache, es gibt weiterhin engagierte Grüne. Zwingt man die wenigen Leute, die hinter grünen Idealen stehen, bei jeder auch noch so erfolglosen Wahl anzutreten, dann erreicht man möglicherweise nur eines, dass auch diese wenigen zuletzt völlig frustriert aufgeben. Ob das im Sinne der Berner Parteileitung ist?