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Weiter unter Druck: Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon.
KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA(sda-ats)
Die Präsidentschaftskandidatur von François Fillon erhält in Frankreich nur noch wenig Unterstützung. Die Erklärungen Fillons in der Scheinbeschäftigungs-Affäre um seine Ehefrau stossen laut einer Umfrage bei zwei Dritteln der Franzosen auf Skepsis.
65 Prozent der Befragten sagten, sie hätten den Auftritt des konservativen Politikers vom Montag nicht überzeugend gefunden, wie das Institut Harris interactive am Dienstag mitteilte. Nur 35 Prozent hiessen es gut, dass der 62-Jährige an seiner Präsidentschaftskandidatur festhält.
Fillon hatte am Montag erstmals "Fehler" eingeräumt und die Wähler um Entschuldigung gebeten. Den Vorwurf eines Gesetzesverstosses wies er jedoch erneut zurück. Mehr als zwei Millionen Menschen verfolgten den Live-Auftritt im Fernsehen und im Internet.
Fillon hat seine Ehefrau Penelope nach eigenen Angaben mehr als 15 Jahre lang als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt. Nach seinen Angaben erhielt sie dafür 680'380 Euro. Die Investigativzeitung "Le Canard Enchaîné" berichtet, die Ehefrau habe für das Geld nicht wirklich gearbeitet.
Unterstützung von Partei
Im bürgerlichen Lager ist die Zustimmung für Fillon deutlich grösser: 58 Prozent fanden den Auftritt vom Montag der Umfrage zufolge überzeugend. Bei den Anhängern seiner Partei der Republikaner waren es sogar 62 Prozent. 67 Prozent seiner Parteifreunde befürworteten seine Kandidatur.
Der Fraktionschef der konservativen Republikaner im Parlament, Christian Jacob, sagte laut der Nachrichtenagentur AFP nach einem Treffen von Abgeordneten mit Fillon: "Die Basis hat gehalten." Man sei nun in den Wahlkampf zurückgekehrt.
Es hatte in den vergangenen Tagen mehrfach Spekulationen gegeben, wonach Ex-Premier Alain Juppé Fillon ersetzen könnte. Doch der Bürgermeister von Bordeaux erklärte öffentlich, er stünde nicht für einen "Plan B" zur Verfügung.
Kritik von Le Pen
Nicht überzeugt von Fillons Erklärungen zeigte sich seine Konkurrentin im Präsidentschaftsrennen, die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Der Konservative habe sich zwar für die Beschäftigung seiner Frau und seiner beiden Kinder entschuldigt, doch gleichzeitig erklärt, alles sei legal gewesen.
"Ich kann mir keinen Reim darauf machen, was François Fillon macht und sagt", sagte die Chefin des rechtsextremen Front National (FN) dem Sender LCI. Im Hinblick auf Erklärungen Fillons sprach die 48-Jährige auch von "Lüge".
Nur noch dritter Platz
Seit Bekanntwerden der Affäre sind Fillons Zustimmungswerte eingebrochen. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts Opinionway zufolge droht ihm bereits in der ersten Wahlrunde das Aus: Hinter Le Pen (25 Prozent) und Emmanuel Macron (23 Prozent) würde er mit 20 Prozent abgeschlagen auf dem dritten Platz landen und ausscheiden.
In der Stichwahl am 07. Mai dürfte Macron laut der Umfrage mehr Stimmen als Le Pen holen und damit neuer französischer Präsident werden. Macron war bis Sommer 2016 Wirtschaftsminister unter dem sozialistischen Präsidenten François Hollande, der angesichts schwacher Umfragewerte auf eine erneute Kandidatur verzichtete.
Der sozialliberale Macron wird von keiner etablierten Partei unterstützt und gründete seine eigene Bewegung "En Marche", die er innerhalb kürzester Zeit zu einer Hausmacht ausbaute.
Allerdings muss sich auch Macron gegen Vorwürfe wehren: Russische Medien griffen Spekulationen über eine aussereheliche Affäre mit einem Mann auf. Seine Sprecherin erklärte, Macron habe ein "klares Dementi" abgegeben. Der 39-Jährige ist seit 2007 mit seiner früheren Lehrerin Brigitte Trogneux verheiratet.
SDA-ATS