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Was steckt hinter den einzelnen Anklagepunkten?
Am 05. Juni wurde die Binance Holding Ltd, die in den USA ansässige Tochtergesellschaft BAM Trading Services und ihr Gründer Changpeng Zhao (CZ) von der SEC wegen diverser Verstösse gegen das Wertpapierrecht und manipulativen Handel verklagt. Aus der 136-seitigen Anklageschrift geht unter anderem hervor, dass Binance nicht-registrierte Wertpapiere angeboten haben soll. Zudem wird auch Klage gegen das "Staking Programm" von BAM Trading Anklage erhoben. Für den Handel wie auch das Angebot von Staking Programmen seien separate Lizenzen als "Exchange", "Broker" und "Clearing Agency" notwendig, die weder Binance.com und Binance.US besitze. Der Gründer von Binance, CZ, wird zudem zivilrechtlich verklagt, da er laut SEC zu jederzeit Hauptentscheidungsträger beider Unternehmen war.
Insgesamt werden von der SEC 61 Kryptowährungen als Wertpapier eingestuft. Bitcoin zählt nicht dazu. Gary Gensler geht sogar so weit und behauptet, dass alle Kryptowährungen ausser Bitcoin ein Wertpapier sein und damit in den Zuständigkeitsbereich der SEC fallen. Spielt man diesen Gedanken weiter, würde das knapp 25'500 verschiedene Kryptowährungen betreffen.
Nur einen Tag später verklagte die SEC die amerikanische Kryptobörse Coinbase, welche ebenfalls wie Binance, Kryptoanlagen zum Handel angeboten habe, die als Wertpapiere eingestuft und damit registrierungspflichtig sein. Staking Angebote von Coinbase finden sich ebenfalls in den Anklagepunkten wieder die sich auf XTZ (Tezos), ATOM (Cosmos), ETH (Ethereum), ADA (Cardano) und SOL (Solana) beziehen. Die Anklage führte zu einem unmittelbaren Kursverlust von 28 Prozent der an der Nasdaq gelisteten Aktie von Coinbase (COIN). In den Folgetagen erholte sich der Titel jedoch wieder um knapp 15 Prozent.
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Anklage gegen Coinbase deutlich "milder" formuliert ist und auch nicht auf kriminelle Aktivitäten wie im Fall von Binance abzielt. Nichtsdestotrotz hätte die Schliessung des Staking-Angebots für Coinbase einen erheblichen Einfluss auf deren Bilanz. 2020 beliefen sich der Anteil der Einnahmen von Staking-Angeboten auf nur etwa 0.7 Prozent des Unternehmens, während sich der Anteil Ende 2022 auf über 10 Prozent der Gesamteinnahmen ausbaute. Durch den Handel von Kryptowährungen verdient Coinbase aktuell mit knapp 60 Prozent Anteil noch das meiste Geld, jedoch ist hier ein stark abfallender Trend zu beobachten (circa. 90 Prozent Ende 2021).
Ist damit der Streifzug der SEC beendet?
Die aggressive Haltung der SEC lässt vermuten, das mit Binance und Coinbase das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Theoretisch könnte die SEC ihren Angriff auf Kryptowährungen bzw. die dahinterstehenden Organisationen wie Tether oder Ethereum direkt abzielen. Gemessen an der Gesamtmarktkapitalisierung wären das mit 83 Mrd. USD und 221 Mrd. USD gegenüber 12 Mrd. USD bei Coinbase deutlich grössere Fische und die Auswirkungen auf den gesamten Krypto-Markt dementsprechend fataler.
Wie reagiert der Krypto-Markt?
Während die Anklage von Binance zu einem unmittelbaren Kurseinbruch bei Bitcoin von knapp 5 Prozent führte, war die darauffolgende Anklage gegen Coinbase scheinbar bereits eingepreist. Bitcoin stieg innerhalb von 24 Stunden zeitweise um knapp 7 Prozent an und holte die vorangegangenen Verluste wieder auf. Bei Ethereum, der weltweit zweitgrössten Kryptowährung verlief die Preisentwicklung nahezu identisch.
Auch der Derivatemarkt liefert derzeit keine Indikationen für übermässige Sorge. Die implizite (erwartete) Volatilität über kurz und längerfristige Zeiträume liegt unverändert auf historisch niedrigen Werten. So werden am Geld liegende BTC Call Optionen mit einer Laufzeit von 1 Woche bis 3 Monate mit einer erwarteten Volatilität von nur 38 Prozent gepreist. Zum Vergleich, zu Beginn des Jahres lagen diese noch bei knapp 50 Prozent. Die Volatilität von Puts gegenüber Calls mit vergleichbarer Laufzeit und identischem Strike liegt aktuell knapp 2 Prozent höher. Im März, als der Krypto-Markt von starken Kursverlusten aufgrund kollabierender krypto-freundlicher Banken wie Silvergate heimgesucht wurde, stieg die sogenannte "Skew" (implizite Volatilität von Puts vs. Calls) zeitweise auf über 10 Prozent an.
Der Futures- und Forward Markt spiegelt ein ähnlich gelassenes Bild wider. So handeln BTC Juni Futures derzeit mit einem Aufpreis von knapp 3 Prozent (annualisiert). September Futures handeln derzeit bei knapp 26'900 USD und damit 490 USD höher als der Spot-Markt. Die Forward-Kurve von BTC und ETH handeln beide im Contango und deuten damit auf längerfristige Zuversicht von Anlegern hin.