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Harry, ein diplomatischer Angestellter eines nordischen Konsulats, lebt mit seiner Tochter, fremd von jeglichen Bezügen zu seiner Umwelt, in einer Westschweizer Stadt. Was ihn hier hält, in einem Land, das ihm weder gefällt noch missfällt, in einer Stellung, die ihn nicht ausfüllen kann und die ihm doch, nebst einigen zwiespältig glücklichen Momenten, die er mit Ingrid, seiner Tochter, verbringt, seinen einzigen Lebensinhalt gibt, ist unklar. Vielleicht scheut er jegliche Verbindlichkeit, jeglichen echten Bezug und zieht es vor, in einem Zustand der inneren Heimatlosigkeit vor sich hin zu leben.
Ein weiterer Film über Beziehungslosigkeit, über den Verlust der Zugehörigkeit, die innere wie äussere Entwurzelung, die dem Leben jeglichen fundierten Sinn entzieht. Das Milieu, das Jean- Bernard Menoud beschreibt, kennt absolut keine Probleme, die materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Auch die Gelegenheitsprostituierte Anna und ihr kumpelhafter Freund John, ein Fahrer bei grossen „Tieren“, beide Profiteure eines von Geld triefenden Milieus, kennen keine materielle Not. Auf ihre halblegalen Geschäfte, die sie nebenbei tätigen, sind sie nicht wirklich angewiesen. Sie bringen ihnen in ihrem unausgefüllten Leben le diglich ein wenig oberflächliche Abwechslung und Spannung. Anna, die als weibliche Statistin den Job ausführt, Männer auf einem Empfang des Konsulats zu unterhalten, lernt bei dieser Gelegenheit Harry kennen, in den sie sich verliebt. Sie scheint ihren bisherigen inhaltslosen Lebenswandel satt zu haben und sucht in der Beziehung zu Harry eine Verbindlichkeit, die dieser nur schwer erwidern kann. Zu tief sitzt seine Verstocktheit, seine Weigerung, sich auf das Leben wirklich einzulassen, um in die Liebe zu Anna vertrauen zu gewinnen, seine fatale, indifferente Lebenshaltung abzulegen. Einer gemeinsam geplanten Reise nach Istanbul bleibt er in letzter Minute fern und lässt Anna, von John auf demütigende Weise den Stellenwert ihrer Beziehung klarmachend, einen Umschlag mit Geld überbringen. Parallel zur frustrierten Liebesgeschichte Harrys, zeigt Jean-Bernard Menoud die erste, abtastende Liebe Ingrids. Eine Liebe, die noch Hoffnungen und Utopien einschliesst, die durch die Unbelastetheit frisch und lebensbejahend ist. Was sind die Erfahrungen und Enttäuschungen, die ein Mensch durch machen muss, um den Punkt zu erreichen, wo eine Beziehung wie im Falle von Ingrids Vater nicht mehr möglich ist? Die beiden, zwangsläufig miteinander verbundenen Liebesgeschichten werden im Film gewissermassen als Pole dargestellt. Wie es zu der von Harry verkörperten Verhärtung und Beziehungsunfähigkeit kommen kann, wird hingegen im Film nicht aufgezeigt.
Jean-Bernard Menoud benützt eine komplizierte, in sich verwobene Erzählstruktur. Die dabei vermeintlich entstehenden Brüche, Sequenzen, die sich nicht auf Anhieb in den Kontext der erzählten Geschichte einordnen lassen, reihen sich nach und nach alle ins Gesamtgefüge ein. Es gibt keine eigentlichen Brüche in der Geschichte. Jean- Bernard Menoud spielt nur mit diesem formalen Effekt. Mit schönen, fast zu perfekten Bildern, die allerdings mit dem aalglatten Diplomatenmilieu korrespondieren, erzählt er uns von den privaten Problemen heimatloser Leute, die auch nicht mehr zu einer inneren Heimat finden können.