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Emanzipatorische Prozesse in gesetzlicher Sozialer Arbeit
Eine qualitative Forschung aus soziologischer Perspektive
Im sozialpolitischen Diskurs in der Sozialhilfe dominieren aktuell ökonomische Argumente. Vor diesem Hintergrund interessiert, wie die Ziele des Sozialhilfegesetzes des Kantons Bern (SHG) in der Praxis der Sozialhilfe umgesetzt werden. Dabei werden die Ziele des SHG in den übergeordneten Begriff der Selbständigkeit überführt.
Die vorliegende Master-Thesis nimmt eine soziologische Perspektive ein und sieht demnach Selbständigkeit als Prozess in Bezug auf soziale Gruppen. Daraus wurde die forschungsleitende Fragestellung „Wie beeinflussen Organisationsstruktur und Institutionskultur emanzipatorische Prozesse in der gesetzlichen Sozialen Arbeit?“ entwickelt. Um die tragenden Elemente der genannten Fragestellung zu kontextualisieren, wurden entsprechende Theorielinien beigezogen. Als zentral erwiesen sich hier das AGIL-Schema von Talcott Parsons, die Theorie des kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas und der argumentativ gesättigte Diskurs von Martin Graf.
In einem qualitativen Forschungsverfahren wurden mittels der Teilnehmenden Beobachtung Daten aus der Praxis der Sozialhilfe im Kanton Bern erhoben und im Anschluss nach dem praktischen Verfahren zur Fallanalyse und Intervention von Christian Vogel ausgewertet.
Die wichtigsten Ergebnisse konnten hier aus zwei Beratungsgesprächen in der Sozialhilfe, zwischen Sozialarbeitenden und Klientel, gezogen werden. Hier zeigte sich, dass emanzipatorische Prozesse prozesshaft in Form von Selbständigkeit, Autonomie und Emanzipation, sowohl bei den Sozialarbeitenden, wie auch bei der Klientel, stattfinden. Dabei wurden reziproke Einflüsse der Organisationsstruktur, wie auch der Institutionsstruktur, sichtbar, die sowohl förderlich als auch erschwerend auf emanzipatorische Prozesse wirken.
Schliesslich konnte aufgezeigt werden, dass emanzipatorische Prozesse die gesetzliche Soziale Arbeit legitimieren. Im Weiteren sind emanzipatorische Prozesse von einem ökonomischen Standpunkt und auch in Hinblick auf die prozesshafte Erreichung der Ziele des Sozialhilfegesetzes des Kantons Bern interessant.