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AUTHOR: Sascha Roesler
CONTEXT: Prof. Dr. Winfried Nerdinger, Bayerischen Akademie der Schönen Künste, MünchenBayerische Akademie der Schönen Künste, Jahrbuch 31, 2017, S. 139-160
Vor dem Hintergrund der kulturtheoretischen Überlegungen Sempers und Riegls möchte ich im nun Folgenden den Blick auf ein durch Stoffwechsel geprägtes Architekturprojekt richten und dabei die Frage der Aktualität dieser damaligen Überlegungen stellen. Beim Projekt handelt es sich um das architektonisch vielleicht bedeutendste ägyptische Wohnbauprojekt des 20. Jahrhunderts – das Umsiedlerdorf New Gourna bei Luxor, entworfen vom ägyptischen Architekten Hassan Fathy (Abb. 4). Der in diesem Projekt sich abzeichnende Stoffwechsel steht, um einen berühmten Ausdruck von Benedict Anderson zu verwenden, im Zeichen einer »Erfindung der Nation«;20 die Planung und Errichtung von New Gourna zwischen 1948 und 1954 fällt in die Jahre des modernen ägyptischen Nation-building. Am 23. Juli 1952 wurde König Faruq durch junge Offiziere abgesetzt und am 18. Juni 1953 die Republik ausgerufen. New Gourna entstand in dieser entscheidenden Übergangszeit vom Königreich zum modernen Nationalstaat; es steht für ein neu erlangtes, gleichermaßen kulturelles und politisches Selbstbewußtsein arabischer Gesellschaften.
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