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40 Jahre liegt die erste Weltmeisterschaft für Frauen nun zurück. Anlässlich dieses Jubiläums sollen die erfolgreiche Entwicklung und die Gleichberechtigung im Judo in einem würdigen Rahmen zelebriert werden. Dieser Jahrestag hätte mit einer grossen Veranstaltung gefeiert werden sollen, doch leider blieb es durch Corona bei einem virtuellen Festakt, der am Wochenende vom 27./29. November stattfindet. Mehr dazu…
Die Leitidee.
Es geht darum, sich daran zu erinnern, dass es für die Frauen von damals keine einfache Sache war, an Wettkämpfen teilzunehmen. In Europa fanden bereits Kontinentalmeisterschaften statt, jedoch nicht in anderen Erdteilen. 1978 gründeten die Verantwortlichen der damals aktiven Nationen in London das «Multinationale Komitee für die Aufnahme der Frauen an den Olympischen Spielen». Rosmarie Manser Lettow vertrat die Schweizerinnen in diesem Gremium, das sich dafür einsetzte, dass Kontinentalmeisterschaften als auch später die Zulassung zu den Olympischen Spielen umgesetzt werden konnten.
Die Ausgangslage.
«Es war noch eine andere Judo-Welt damals», so Rosmarie. Die heute dominierenden Japanerinnen waren noch weit weg vom Weltniveau. Erst 1978 fanden überhaupt die ersten japanischen Meisterschaften für Frauen mit gerade mal 37 Athletinnen statt. «Uchi-mata war für Frauen in Japan eine verbotene Technik im Wettkampf», erinnert sich Rosmarie. Und erst zwei Jahre später und ein Monat vor der WM ging die erste Asiatische Meisterschaft mit weiblicher Teilnahme über die Bühnen.
Auch in der Schweiz gestalteten sich die Anfänge harzig. «Wettkämpfe der Frauen kamen nicht gut an», so Rosmarie weiter. «Und ebenso unbeliebt war es, wenn man sich für die Gleichberechtigung einsetzte.» Doch trotz allen Widerstandes erzielten die Schweizerinnen immer wieder glanzvolle Resultate. Schliesslich hatten sie auch bei der ersten WM 1980 gute Erfolgsaussichten.
Die WM.
Drei Athletinnen waren in New York vertreten: Thérèse Nguyen (-56kg), Ruth Steiner (-61kg) und Judith Salzmann (-72kg). Begleitet wurden sie vom damaligen Nationaltrainer Hiroshi Katanishi und Headcoach Rosmarie Manser Lettow.
Absolute Stille! Denn Coaching war damals noch nicht erlaubt, nicht einmal von der Tribüne aus. «Ich war sehr nervös!», weiss Thérèse noch als wäre es gestern gewesen, «Diese Weltmeisterschaft bedeutete für mich der Höhepunkt meiner bisherigen Judolaufbahn. Mir fehlte jedoch eine mentale Technik, diese Nervosität abzulegen – ein Mentalcoach war zu jener Zeit ein Fremdwort.» Doch Thérèse bestätigte an dieser ersten WM ihre konstanten und über die Jahre vorzüglichen Resultate. Sie kämpfte souverän, gewinnt die beide ersten Runden und verlor in der Folge gegen die nachmalige Weltmeisterin. Im Kampf um Bronze hatte sie unglaubliches Pech: Ein Tomoe-Nage-Angriff wird für die Gegnerin als Ippon gewertet! Die Enttäuschung von Thérèse und uns allen war riesig. Trotz allem bleibt ein respektabler fünfter Rang im Gedächtnis.
Ruth Steiner hatte die Ehre, die 1. Weltmeisterschaft der Frauen mit ihrem ersten Kampf zu eröffnen. Dies trug jedoch nicht zu einem guten Omen bei: Leider schied sie in diesem ersten Kampf aus. Nicht besser ging es Judith Salzmann. Auch sie verliess das Wettkampfgeschehen nach dem zweiten Kampf.
Japanerinnen waren unterlegen.
Mit grossem Interesse wurden an diesem Anlass die Wettkämpfe der asiatischen Frauen verfolgt. Dabei galt die Aufmerksamkeit allen voran den Japanerinnen, da deren Niveau absolut unbekannt war. «Insgesamt konnten gute technische Ansätze beobachtet werden, jedoch war deutlich erkennbar, dass sie wenig Wettkampferfahrung hatten», so Rosmarie rückblickend. Nur gerade in der Gewichtsklasse -52 kg vermochte sich die Japanerin Yamaguchi bis in den Final vorzukämpfen, wo sie jedoch der Europameisterin Edith Horvath (AUT) unterlegen war.
Für Rosmarie war dies insgesamt eine gute Bestätigung: «Wir sahen uns an dieser ersten Weltmeisterschaft darin bestätigt, dass sich die Hochburg des Weltniveaus für Frauen stets in unserer allernächsten Umgebung befand. Alle acht Weltmeistertitel gingen an West- und Mitteleuropäerinnen und in jeder Gewichtsklasse waren drei der vier Medaillengewinnerinnen aus Zentraleuropa. Und genau in diesem Umfeld des höchsten Wettkampfniveaus der Welt erreichten unsere Frauen immer wieder Erfolge und Medaillenränge!»
Hiroshis Eindrücke.
«Es zeigte sich, dass Frauen-Judo in Europa gut entwickelt war, und diese erste WM 1980 bestätigte das Niveau. Aber es war auch die Gelegenheit für die japanischen Frauen, ihren Rückstand zu erkennen», analysiert Hiroshi Katanishi rückwirkend. «Dieser Moment der Wahrheit bestätigte nicht nur den Kämpferinnen, sondern auch den Trainern und den Verbandsverantwortlichen, dass Judo ebenso für Frauen wie für Männer prädestiniert ist. Diese Erkenntnis hatte einen grossen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Frauen-Judo weltweit. Dank dieser Weltmeisterschaft und der positiven Auswirkungen haben die Frauen das Wettkampfniveau der Männer bis heute praktisch eingeholt.»
Abschliessend zeigt sich Rosmarie sehr dankbar für die Unterstützung von Hiroshi: «Für die Entwicklung und Anerkennung innerhalb des SJV hat viel dazu beigetragen, dass sich Hiroshi Katanishi für uns engagierte. Und: Über all’ die Jahre habe ich mich nicht gescheut anzuecken, weil ich überzeugt war, das Richtige für die Judofrauen zu tun.»
Und wir bedanken uns von Seiten des SJV für diese Pioniertaten!