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Tbilisi ist eine faszinierende Mischung von Alt und Neu. Die Skyline der Stadt wird von der mittelalterlichen Narikala-Festung und vom sowjetischen Fernsehturm dominiert. Währenddessen überspannt die futuristische, glasige Peace Bridge den zentralen Kura-Fluss.
Wenn man durch die belaubte Altstadt von Tbilisi schlendert, fallen die neoklassizistischen Gebäude direkt ins Auge. Wenige dieser Häuser sind renoviert, was den Charme der Stadt bloss authentischer macht. An den zerbröckelnden Fassaden sind meist immer noch die bunten Anstriche aus dem 19. Jahrhundert erkennbar. Zwischen den weissen Säulen sind die Wände oft himmelblau, gelb, türkis, grün oder rötlich. Die meisten dieser Häuser sind noch mit einem zierlichen Balkon oder einem Erker geschmückt.
Oft sind die Häuser um einen ruhigen, bepflanzten Innenhof gebaut, wo Wäsche getrocknet wird, Kinder spielen und Katzen in der Sonne baden. Wenn man Glück hat, ist die Türe zu einem Haus offen und es treten Tapeten in verschnörkelten Treppenhäusern zum Vorschein. Solche Wohnviertel sind oft hinter grösseren, monumentalen Gebäuden versteckt, man muss sie daher in den Gässchen suchen gehen. Findig wird man beispielsweise hinter den prächtigen Bauten der Rustavelistrasse, wo das protzige Parlamentsgebäude, das an Paris erinnernde Opernhaus und hier und da ein von deutschen Händlern gebauter Jugendstilpalast, in dem jetzt ein McDonald’s haust, stehen.
Doch die imposantesten Gebäude der georgischen Hauptstadt sind vielleicht diejenigen aus der Sowjetzeit. Man findet sie in der ganzen Stadt und vorallem an den Stadträndern verteilt. Die typischen, riesigen Betonwohnblöcke sind natürlich, wie in jedem postsowjetischen Land, allgegenwärtig. Aber in Tbilisi gibt es auch tolle Exemplare des sowjetischen Modernismus. Dieser Architekturstil liess keine verzierten, holzigen Balkone oder Blumenornamente mehr zu. Strikte Formen und minimalistische Bauweisen wurden zur Norm. Die einzige Dekoration, die ein sowjetmodernistischer Bau zuliess, waren Mosaike. Auf einer Tour durch die Stadt habe ich die eindrücklichsten Gebäude dieser Epoche fotografiert.
Dieses interessante Gebäude, welches an eine georgische Kirche erinnert, wurde 1984 gebaut. Der Palast wurde als Kompromiss zur orthodoxen Kirche gebaut. Hier konnten Leute ihre Hochzeiten oder Beerdigungen trotzdem in einem prunkvollen Umfeld feiern, obwohl kirchliche Zeremonien in der Sowjetzeit verboten waren. Den Palast sieht man schon aus weiter Entfernung. Er steht prachtvoll auf einem Hügel und strahlt durch seine cremige, beinahe weisse Farbe. Leider kann man den Bau nicht mehr von der Nähe aus bewundern, da er von allen Seiten abgesperrt und bewacht wird. Ein georgischer Oligarch hat den Palast der Zeremonien zur Benutzung als Privatresidenz aufgekauft und duldet keine Besucher.
Der Hauptsitz der Bank of Georgia war früher das Ministerium für Autobahnen der georgischen Sowjetrepublik. Es wurde 1975 fertig gebaut und gewann schnell an internationaler Bekanntheit. Der Architekt Giorgi Tschachawa liess sich von Brücken und von den Ästen der kaukasischen Wälder inspirieren. Architekturinteressierte fahren noch heute nach Tbilisi, um dieses interessante Gebäude zu bestaunen.
In diesem Park in einem unscheinbaren Viertel von Tbilisi stehen mehrere eindrückliche Pavillons und Denkmäler. Die Fassaden sind teilweise mit aufwendigen Mosaiken versehen, welche die Errungenschaften sowjetischer Arbeiter und Wissenschaftler darstellen. Hier fanden regelmässige Ausstellungen statt, an denen die neusten Entwicklungen und Erfolge der Sowjetunion zur Schau gestellt wurden. Noch heute zeigen hier georgische Künstler ab und zu ihre Bilder und Skulpturen.
In Tbilisi sind die von Expräsident Saakaschwili in Auftrag gegebenen und vom Westen geprägten Bauwerke die auffälligsten. Sie zeichnen sich durch gläserne Fassaden und futuristischen Strukturen aus und ragen zwischen mittelalterlichen Kirchen und hölzernen Wohnhäusern hervor. Nach der Rosenrevolution wollte Saakaschwili Georgien zu einem modernen, europäischen Staat umformen. Die imposanten, neuen Projekte sollten Georgiens neue westliche Orientierung symbolisieren. Die durchsichtigen Glasfassaden sollten alle an die jetzige Transparenz der Autoritäten erinnern.
Diese Brücke wird auch ‚Always Bridge’ genannt, da sie wie eine Frauenbinde aussieht.