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Auf dem Gebiet des heutigen M. entstandene indian. Hochkulturen und Reiche wurden 1519-21 von den Spaniern unter Hernan Cortés zerschlagen. Nach 300 Jahren span. Herrschaft wurde M. 1821 unabhängig. Nach Jahrzehnten, die vom Gegensatz der antiklerikalen Liberalen und der klerikalen Konservativen, von Bürgerkriegen und Interventionen ausländ. Mächte geprägt waren, sicherten die Liberalen unter Benito Juárez 1866 die mexikan. Unabhängigkeit. Nach der Diktatur unter Porfirio Díaz (1877-1910) und der Mexikan. Revolution (1910-17) wurde M. zur föderalistisch verfassten Präsidialdemokratie unter der nationalrevolutionären Partei (1946 Partido revolucionario institucional, PRI). Nach dem 2. Weltkrieg führte die Einparteienherrschaft zu innerer Erstarrung. Sie endete nach Korruptionsskandalen, dem Staatsbankrott von 1982, dem Beitritt zur Nafta und dem gleichzeitigen Aufstand in Chiapas 2000 mit dem Wahlsieg des Partido Acción Nacional (PAN).
Bereits 1827 wurde ein schweiz. Konsulat in M.-Stadt errichtet und 1847 in ein Generalkonsulat umgewandelt, was die grossen Erwartungen in der Schweiz hinsichtlich der wirtschaftl. Entwicklung ausdrückte. Während des 2. Weltkriegs übernahm die Schweiz für Italien ein Schutzmandat in M. Erst 1945 wurde eine schweiz. Gesandtschaft in M. eröffnet; M. errichtete ein Jahr später eine Gesandtschaft in der Schweiz. 1958 wurden beide Gesandtschaften zu Botschaften aufgewertet. Die schweiz. Botschaft in M. ist auch für die diplomat. Beziehungen mit der Dominikan. Republik, Haiti, Jamaika und Belize zuständig. 1950 wurde ein Handelsabkommen und 1966 ein Abkommen über den regelmässigen Luftverkehr unterzeichnet. 1987 kam es zu einem Schuldenkonsolidierungsabkommen. 1991 unterzeichneten die beiden Staaten ein Memorandum of Understanding über die wirtschaftl. Zusammenarbeit, 1993 ein Doppelbesteuerungsabkommen und 1995 ein Investitionsschutzabkommen. Mit dem Freihandelsabkommen der Efta-Staaten von 2001 erhielten diese ein mit der Konkurrenz aus der EU und aus dem Nafta-Raum vergleichbaren Zugang zum mexikan. Markt. M. seinerseits erhoffte sich, Alternativen zur einseitigen Ausrichtung auf den nordamerikan. Markt aufzubauen.
Autorin/Autor: Thomas Fischer
Zur Zeit des Vizekönigtums Neuspanien wirkten schweiz. Jesuitenmissionare als Lehrer und Wissenschaftler. Gegen Ende der Kolonialzeit folgten erste Händler und Unternehmer, die auch im 19. und 20. Jh. prägendes Element der schweiz. Auswanderung nach M. waren. Die wachsende Schweizerkolonie, um 2000 ca. 4'000 Personen, davon ein Drittel Doppelbürger, ist auf die Präsenz schweiz. Firmen in M. zurückzuführen.
Nach der mexikan. Unabhängigkeit begannen die wirtschaftl. Beziehungen zu M. mit dem Export von Textilien und Uhren, der im Laufe des 19. Jh. an Umfang zunahm. Einige schweiz. Handelshäuser in M. spezialisierten sich auf die Einfuhr von schweiz. Artikeln, ein Grossteil der Waren gelangte aber über den Zwischenhandel nach M. An der mexikan. Aussenverschuldung versuchte sich in den 1850er Jahren insbesondere Jean-Baptiste Jecker aus Pruntrut durch Anleihen zu bereichern. Dieses Spekulationsgeschäft endete mit der franz. Intervention (1862-67). 1900 wurde in Genf die Société Financière pour l'industrie au Mexique gegründet. Diese Firma spielte eine zentrale Rolle im europ. Kapitalexport nach M. Nach zeitgenöss. Schätzungen beliefen sich die schweiz. Werte beim Ausbruch der Mexikan. Revolution von 1910 auf ca. 600 Mio. Fr. 1919 erhielten Schweizer Bankenvertreter Einsitz im International Committee of Bankers on Mexico, das v.a. die während der Mexikan. Revolution geschädigten US-amerikan. Finanzinteressen zu schützen versuchte. Zugleich verweigerte die Schweiz die diplomat. Anerkennung der Putschregierung Álvaro Obregóns (1920-24) und anerkannte erst 1925 die Nachfolgeregierung von Elias Calles. Schweiz. Unternehmen reagierten auf die steigenden Importzölle in M. ab den 1920er Jahren mit vermehrten Direktinvestitionen. Als erstes schweiz. multinationales Unternehmen nahm Nestlé 1935 in Ocotlán eine Fabrik in Betrieb, die gezuckerte Kondensmilch und Milchpulver produzierte. In rascher Folge wurden weitere Produktionsstätten u.a. 1944 in Lagos de Moreno, 1955 in Coatepec, 1961 in Toluca, 1963 in Tamuin und 1971 in Chiapa de Corzo eröffnet. Weitere Unternehmen wie Ciba-Geigy, Sandoz und Hoffmann-La Roche folgten. Zu Beginn des 21. Jh. unterhalten etwa 300 Schweizer Firmen in M. Produktionsstätten, die auf den Nafta-Raum ausgerichtet sind. Sie sind zugleich die Schrittmacher für Importe aller Art aus der Schweiz. Aus M. wurde ab 1998 der in Puebla produzierte Autotyp VW Beetle in die Schweiz eingeführt.
Schweiz. Privatbanken wurden in erhebl. Masse vom Zahlungsmoratorium der mexikan. Regierung im Jahr 1982 in Mitleidenschaft gezogen. Ein Grossteil der wirtschaftl. und diplomat. Kontakte bezog sich in den 1980er Jahren auf Umschuldungsmassnahmen. Insgesamt geriet aber kein schweiz. Finanzinstitut in unüberwindbare Schwierigkeiten. Vor dem Beginn der wirtschaftl. Öffnung war die Schweiz der viertgrösste Investor in M. Mit der Liberalisierung unter Carlos Salinas de Gortari (1988-94) ist sie auf den zwölften Rang zurückgefallen (ohne die internen Investitionen multinationaler Firmen). M. bleibt nach Brasilien das wichtigste Land für schweiz. Direktinvestitionen in Lateinamerika. Erhebl. Privatguthaben mexikan. Bürger werden durch die Schweizer Banken verwaltet, darunter auch Geld aus kriminellen Quellen.
Autorin/Autor: Thomas Fischer
M. ist ein Land, das die Neugier schweiz. Kulturforscher, Wissenschaftler und Künstler inspirierte. Ein Bericht des in die USA ausgewanderten Berner Gelehrten Adolphe-François Bandelier über eine Forschungsreise zu den Ruinen in Cholula und Mitla im Jahr 1881 gehört nach wie vor zu den Grundlagentexten über altamerikan. und kolonialspan. Archäologie. Gertrud Düby setzte sich ab 1943, lange vor dem Chiapas-Aufstand, für das Volk der Lakandonen ein und erforschte und dokumentierte dessen Lebensumstände. Zur gleichen Zeit erhielt der Schweizer Architekt Hannes Meyer einen Ruf an das Institut für Städtebau und Planung in M.-Stadt. Zum Studium der Architektur reiste 1951-52 der Schriftsteller Max Frisch nach M. Ein Teil seines 1957 veröffentlichten technikkrit. Romans "Homo faber" spielt sich in mexikan. Wüsten- und Urwaldgebieten ab. Der Schweizer Historiker Hans Werner Tobler erforschte die Sozialgeschichte zur Zeit der Revolution und publizierte 1984 "Die mexikan. Revolution", die 1994 in einer span. Ausgabe auch in M. erschien.
1965 wurde die erste Schweizerschule in M.-Stadt gegründet. 1993 folgte eine Filiale in Cuernavaca, 2007 eine in Querétaro. Rund 700 Schüler - davon mehr als die Hälfte mexikanische - werden derzeit ausgebildet. Die NZZ hat als eine der wenigen europ. Tageszeitungen einen Korrespondenten in M.-Stadt stationiert.
Mexikan. Kunst und Literatur erreichte die Schweiz v.a. über die europ. Metropolen. Die mexikan. Muralistas beeinflussten den europ. Surrealismus, und 1998 richtete die Fondation Pierre Gianadda in Martigny eine erste Ausstellung zum Werk von Diego Rivera und Frida Kahlo aus. Neben Carlos Fuentes und Octavio Paz wurden zunehmend auch jüngere mexikan. Schriftsteller in dt. oder franz. Sprache verlegt und in der Schweiz gelesen. Mexikan. Ess- und Trinkgewohnheiten, oder das, was man dafür hielt, eroberten die schweiz. Konsumgesellschaft über die Vermittlung schweiz. M.-Touristen oder über den Umweg der USA. Eine der besten Ausstellungen über mexikan. Kulturgut gelang 1999 dem Musée Rath in Genf unter dem Titel "Mexique terre des Dieux" über präkolumb. Traditionen in M. (und Guatemala). 1969 war M. Gastland am Comptoir Suisse und 1975 an der Muba.
Autorin/Autor: Thomas Fischer
Autorin/Autor: Thomas Fischer