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Paul Juon (1872-1940)
Павел Фёдорович Юон/Pawel Fjodorowitsch Juon
Paul Juon (russisch: Pavel Fyodorowich Yuon) wurde am 8. März 1872 in Moskau geboren. Sein Vater, Theodor Friedrich Juon, geboren 1842 in Goldingen, war der Sohn eines Zuckerbäckers, der ca. 1830 aus Masein, bei Thusis (Kanton Graubünden) ausgewandert war. Paul besuchte die deutsche Realschule in Moskau und unternahm bereits 1885 die ersten Kompositionsversuche.
1889 wurde er in Moskau als Student ins Staatliche Konservatorium aufgenommen, wo er zuerst bei Jan Hrimaly ein Violinstudium begann und später Kompositionsstudien bei Sergej Tanejew und Anton Arensky absolvierte. 1896 heiratete er Katharina Schachalova und gewann im selben Jahr den Mendelssohn-Preis für Komposition, was ihm eine Stelle als Violin- und Theorielehrer am Konservatorium von Baku ermöglichte. Bereits 1898, als 26-Jähriger, übersiedelte Juon mit seiner Frau nach Berlin, wo er die Bekanntschaft mit dem berühmten Geiger Joseph Joachim machte, der ihn 1906 als ordentlichen Professor für Komposition an die Hochschule für Musik in Berlin berief.
In seiner 28 Jahre dauernden Lehrtätigkeit bildete er so bedeutende Komponisten wie Heinrich Kaminski und Philipp Jarnach aus. 1934, gezeichnet von einem labilen Gesundheitszustand, ging er vorzeitig in Pension und übersiedelte in die Schweiz nach Vevey, wo er am 21. August 1940 verstarb.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Juon ein in ganz Europa bekannter Komponist und viele seiner Werke wurden sogar in den Vereinigten Staaten herausgegeben und aufgeführt. Nach dem zweiten Weltkrieg geriet sein Werk immer mehr in Vergessenheit, was auf drei Gründe zurückzuführen ist: Der erste ist persönlicher Art: Juons aussergewöhnliche Bescheidenheit behinderte die Verbreitung seines Werkes. Der zweite Grund ist biographischer Natur. Schon mit 22 Jahren hatte er Russland verlassen, aus Deutschland hatte er sich zurückgezogen, bevor der Weltkrieg ausbrach, und in der Schweiz hatte er keinen Anschluss mehr gefunden. Die dritte Erklärung ist musikgeschichtlicher Art. Juons frühe Werke stehen in der Nachfolge von Johannes Brahms; den plötzlichen Aufbruch der Zwanzigerjahre in die Neue Musik von Schönberg, Ravel, Bartòk, Strawinsky, Skrjabin, Honegger, Orff, Hindemith und Kodaly hat er nicht mitgemacht. Juon geriet persönlich, beruflich und künstlerisch in eine unbefriedigende Situation und wurde zur unfassbaren Grösse: weder Schweizer noch Russe oder Deutscher, weder Romantiker, Neutöner noch Folklorist.