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Die einen haben viel davon, andere etwas weniger. Und in den Schulen werden sie nicht immer vermittelt, oder höchstens nebenbei. Dabei sind soziale Kompetenzen etwas ganz Zentrales im menschlichen Zusammenleben.
Fällt es Ihnen leicht, neue Freunde zu finden oder einen guten Kontakt zu Kollegen zu haben? Verstehen Sie gut, was andere wirklich meinen, wenn sie etwas sagen? Können Sie andere motivieren und unterstützen? Erkennen Sie die Bedürfnisse anderer? Können Sie Kritik entgegennehmen, ohne gleich in die Luft zu fahren? Können Sie anderen vertrauen und können Sie Verantwortung übernehmen? Sind Sie fähig, sich bei Konflikten auf einen Kompromiss einzulassen? Können Sie eigene Bedürfnisse auch einmal zurückstecken? Und müssen Sie bei Diskussionen nicht immer das letzte Wort haben?
Wenn Sie guten Gewissens alle diese Fragen mit Ja beantworten können, dann verfügen Sie über hohe soziale Kompetenzen. Dann sind Sie in einer Gruppe oder in einem Team beliebt und bestimmt auch fähig, gute Beziehungen zu leben und grundsätzlich mit allen Widrigkeiten des Lebens umgehen zu können. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Nur sehr wenige Menschen ziehen es vor, alleine durch das Leben zu gehen. Die meisten schätzen es, in einer Familie zu leben, Freunde zu haben, in einem Team mit anderen zusammenzuarbeiten, mit anderen Menschen etwas zu unternehmen, mit der Nachbarin einen kurzen Schwatz abzuhalten oder mit den Arbeitskollegen nach Feierabend noch ein Bier zu trinken.
Wir leben bekanntlich in einer akademisierten Gesellschaft. Für alles und jedes gibt es Ausbildungen, Weiterbildungen und Studien. Und dann entsprechende Zertifikate und Diplome. Abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen im sozialen Bereich sind soziale Kompetenzen in den meisten Ausbildungen dennoch kein Thema. Oder höchstens nur am Rande. Das heisst: Soziale Kompetenzen eignet man sich nur ganz selten im Erwachsenenalter im Rahmen einer Ausbildung an.
Soziale Kompetenzen zu definieren ist recht einfach: Es sind die Fähigkeiten, die den zwischenmenschlichen Umgang fördern; sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Meist werden unter dem Begriff «soziale Kompetenz» mehrere Kompetenzen zusammengefasst. Kurz formuliert, geht es um Folgendes:
Ein ideales Beispiel fehlender Sozialkompetenz ist Donald Trump, der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten. Sehr oft äussert und verhält er sich gegenüber Andersdenkenden absolut respektlos. Er nimmt andere nicht ernst, er beleidigt sie, erniedrigt sie, er teilt heftige Kritik aus; doch wenn er selbst auch nur ansatzweise kritisiert wird, dann rastet er komplett aus und beschimpft andere aufs Gröbste. Er stellt sich permanent in den Mittelpunkt, er wird nicht müde, sich selbst zu rühmen und andere zu verunglimpfen. Es gibt wohl nichts Unangenehmeres, als mit einer solchen Person zusammenarbeiten zu müssen …
Und genau das ist das Tragische: Menschen, denen es so massiv an sozialer Kompetenz fehlt wie etwa Donald Trump, haben damit selten ein Problem. Meistens merken sie gar nicht, dass sie sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen. Ihr Motto ist: «Ich bin gut, ich weiss, wie es geht, ich habe immer recht, ich bin der Grösste, ich bin das Wichtigste.» Das Problem haben jeweils all jene, die mit einer solchen Person zusammenarbeiten oder im schlimmsten Fall zusammenleben müssen.
Leider fruchten Diskussionen mit diesen Personen über ihr Verhalten nur wenig. Sie spüren offenbar gar nicht, was sie anderen antun, es mangelt ihnen an Empathie und Einfühlungsvermögen. Sie können sich gar nicht vorstellen, dass andere unter ihrem Verhalten leiden, weil sie grundsätzlich nur mit sich und mit ihren eigenen Themen und Befindlichkeiten beschäftigt sind.
Soziale Kompetenzen sind nicht nur im Privaten gefragt, also in der Familie, in der Nachbarschaft oder in einem Verein, sondern auch in der Berufswelt. Je nach Job hat man täglich Kontakt mit unterschiedlichsten Personen, auf die man sich individuell einstellen muss. Vor allem bei Personen in einer Führungsposition oder mit Personalverantwortung ist ein hohes Mass an sozialer Kompetenz gefragt. Wenn Führungspersonen über ein sehr hohes Fachwissen verfügen, es ihnen aber an sozialer Kompetenz fehlt, dann richten sie meist den grösseren Schaden an, als wenn sie weniger Fachwissen, dafür eine hohe Sozialkompetenz aufweisen. Der Grund dafür ist einfach: Angestellte arbeiten effizienter und sind zu höheren Leistungen bereit, wenn sie respektiert, ernst genommen und gut behandelt werden. Einen technischen Fehler kann man einem Vorgesetzten eher verzeihen als ein grobes soziales Verhalten.
Soziale Kompetenzen entwickeln wir in der Regel in der Kindheit. Und so ist es auch nicht ganz einfach, sich als Erwachsener diese Kompetenzen noch anzueignen. Doch unmöglich ist es nicht. Es braucht dazu eine hohe Motivation und genügend Zeit. Und es braucht dazu Hilfe von aussen.
Menschen, denen es an sozialer Kompetenz fehlt, merken dies ja meist gar nicht selbst. Man muss es ihnen sagen; was nur dann etwas nützt, wenn sie das Gesagte auch hören und verstehen wollen.
Und genau da liegt oft das Problem: Menschen mit bescheidenen sozialen Kompetenzen lassen sich eben nicht so gerne korrigieren.
Mangelnde soziale Kompetenzen können übrigens auch sehr unangenehme berufliche Folgen haben, wie das folgende Beispiel zeigt: Ein Unternehmen mit knapp 50 Angestellten geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste fast die Hälfte der Belegschaft abbauen. Die Geschäftsleitung ging der Frage nach, wen man entlassen soll und wen man behalten möchte. Folgende Möglichkeiten wurden diskutiert: Soll man die ältesten Mitarbeitenden entlassen (ihre Berufslaufbahn ist ja schon bald zu Ende), soll man den Jüngsten kündigen (sie verfügen noch nicht über viel Erfahrung und finden sicher bald einen neuen Job), soll man sich von jenen trennen, die über weniger fachliche Kompetenzen und weniger Ausbildungen verfügen?
Schliesslich trafen die Mitglieder der Geschäftsleitung eine überraschende Entscheidung: Einen blauen Brief erhielt, wer zu geringe Sozialkompetenzen hatte. Die Begründung dazu: Die Zusammenarbeit mit Leuten ohne Sozialkompetenzen ist am schwierigsten, sie stören das Arbeitsklima, die Atmosphäre und folglich Effizienz und Produktivität.