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Das Limpachtal einst und heute
Wer heute von einem erhöhte Standort aus die fruchtbare Ebene des Limpachtales überblickt, kann sich kaum vorstellen, dass sich hier bis weit ins Mittelalter eine versumpfte Niederung mit Tümpeln, Schilffeldern und einem vielfach verzweigten Bach ausdehnte, der des geringen Gefälles wegen die ganze Talschaft immer wieder unter Wasser setzte. Die Siedlungen lehnen sich denn auch beidseits schutzsuchend an die Flanke der Hügelzüge, und die Verbindungswege quer über das Tal, über das Moos, mögen in früheren Zeiten beschwerlich und nicht ungefährlich gewesen sein.
Die Kirchgemeinde
So führten denn die beiden Talseiten durchaus ihr Eigenleben. Die Gemeinden Messen, Balm, Oberramsern - Lüterswil und Gächliwil hatten in Balm ihr eigenes Gotteshaus, während zur Kirchgemeinde Messen nur Siedlungen auf der Südseite des Tales gehörten. Erst nach der Reformation sank das ehemals vielbesuchte Wallfahrtskirchlein von Balm zu einer Filiale von Messen ab. Daher gehören heute zur Kirchgemeinde Messen die solothurnischen Gemeinden Messen (mit den Dorfteilen Messen, Balm, Brunnenthal und Oberramsern), Gächliwil, sowie die bernischen Dörfer Ruppoldsried, Mülchi, Etzelkofen und der Weiler Scheunen.
Auf römischen Fundamenten
Die Kirche von Messen steht auf einer kleinen Erhebung mitten im Dorf. Weithin ist ihr hoher, mit einem imposanten Dachreiter gekrönter Turm zu sehen.
In der ersten Hälfte der fünfziger Jahre wurde das ganze Bauwerk einer gründlichen Aussen- und Innenrenovation unterzogen. Dabei bot sich die willkommene Gelegenheit, durch Wand- und Bodenuntersuchungen Aufschlüsse über frühere Bauten zu erhalten. So zeigte sich, dass an der Stelle der Kirche ehemals ein ausgedehntes römisches Gebäude war, ein Gutshof, oder vielleicht ein Rasthaus (Mansio), was den eigenartigen Dorfnamen erklären könnte. In den Ruinen dieses Gebäudes legten später die germanischen Eroberer einen Begräbnisplatz an. Wohl in spätkarolingischer Zeit entstand dann das erste nachweisbare Gotteshaus, ein einfacher Rechteckbau, zum Teil direkt auf den Fundamenten des römischen Gebäudes ruhend, mit einer halbrunden Apsis auf der Ostseite. War es Zufall oder Absicht, dass dieser Altarraum über dem Grab eines vornehmen Merowingers errichtet wurde, das anhand der Beigaben von den Wissenschaftern in die Zeit um 700 datiert wird?
Abbruch und Neubau
Diese früheste Kirche wurde später vollständig abgebrochen und durch einen rechteckigen romanischen Bau ersetzt, der in der Grösse dem heutigen Kirchenschiff entsprach. Vermutlich gehörte zu diesem Bauwerk auch schon ein Turm.
Man darf wohl auch annehmen, dass an dem Neubau die Herren von Messen, kiburgische Dienstleute, die erstmals 1158 bezeugt sind und ihren Sitz auf der "Burg" (Gemeinde Brunnenthal) hatten, massgeblich beteiligt waren. Jedenfalls verschenkte später die Edelfrau Adelheit von Messen ihre Herrschaft Messen samt dem Patronatsrecht der Kirche daselbst freiwillig und zu ihrem Seelenheil dem Gotteshaus zu Solothurn (St.-Ursen-Stift), welche Vergabung 1278 urkundlich fixiert wurde. Kurz vor dem Eintritt Solothuns in den Bund der Eidgenossen (1481) wurde in Messen wieder gebaut. In einem Bericht von 1480 ist von einem neuen Turm und einer neuen Sakristei die Rede. Ob damals oder schon vorher auch der geräumige gotische Chor angebaut wurde, entzieht sich vorderhand unserer Kenntnis.
Einige Spuren hinterliessen ein halbes Jahrhundert später die Stürme der Reformation: Sakristei und Altar wurden abgebrochen, die bemalten Wände von ihrem Bildschmuck befreit und neu verputzt, ein Sakramentshäuschen und zwei Türen wurden zugemauert.
Spätere Veränderung
Spätere Veränderungen lassen sich noch verschiedentlich nachweisen, doch betreffen sie mehr die Ausstattung des Gotteshauses: Die Jahrzahl 1763 steht am eigenartig verzierten Sandsteingewände des Westeinganges und 1764 auf dem Taufstein. Aus der gleichen Zeit stammt wohl auch die schöne Kanzel aus Nussbaumholz. Der elegante Dachreiter wurde 1796 auf den aus mächtigen Tuffquadern erstellten Käsbissenturm gesetzt, und 1812 bauten der Ammann von Messen und der Statthalter von Mülchi den Glockenstuhl. Darin hängen vier Glocken. Die älteste stammt aus dem Jahre 1466. Der heilige Mauritius (Patron der Kirche Messen), der heilige Theodul und eine Madonna mit Kind schmücken sie. Die gleichen Figuren finden sich wieder auf der grössten Glocke, die 1516 gegossen wurde. 1652 ist das Geburtsjahr der dritten Glocke, und die vierte, undatiert, mag etwas mehr als hundert Jahre alt sein.
Die Kirche heute
Das Innere dieser traditionsreichen Kirche bietet sich heute dem Betrachter als schlichter, heller Raum dar, in dem Altehrwürdiges sozusagen nahtlos mit Neuem verbunden ist. Modern in ihren strengen Formen präsentiert sich die Orgel auf der alten Empore, buntes Licht fällt durch die neuen Glasfenster auf die gotische Sakristeitüre.
Die drei Fenster im Chor zeigen Geburt, Tod und Auferstehung Christi. Sie sind ein Frühwerk des damals in Unterramsern tätigen bekannten Malers Max Brunner.
Gotthelfs Rache
Mehr als Kuriosum sei noch erwähnt, dass sich auch einmal ein gewisser Albert Bitzius um die Pfarrstelle zu Messen bewarb. Es ist nicht bekannt, warum die Kandidatur des nachmals als Jeremias Gotthelf bekannt gewordenen Pfarrers nicht berücksichtigt wurde, aber aus dieser Sicht ist verständlich, wenn Gotthelf in seinen späteren Werken den Bucheggbergern gelegentlich eins auswischt.
Quelle H.Guggisberg, Messen