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Dialogo
für Violine, Horn (Alphorn, Naturhorn, Ventilhorn) und Ensemble
Mit „Dialogo“ betitelte Galileo Galilei seinen Artikel über die Beschaffenheit der Erde. Im Gegensatz zur Vorstellung von Ptolemaeus (Erde als Scheibe) tendierte er zur Annahme der Kugelgestalt, die in der Folge zur Entdeckung der Gravitationskraft führte.
Ein heliozentrisches System war aber mit der Lehre der katholischen Kirche nicht vereinbar. Es kam zum historischen Prozess. Nachdem er öffentlich seine Vorstellungen ablehnen musste, soll er gemunkelt haben „eppur si muove“...
Eine Entsprechung zum Phänomen der Anziehungskraft, die zwischen verschiedenen Massen besteht, könnte auch im musikalischen Bereich in anderer Weise vorliegen.
Die klassische Harmonielehre beschreibt zwingende Tonschritte, die sich nur durch Anziehungskräfte der einzelnen Akkorde zueinander erklären lassen.
Nachdem anfangs des 20. Jahrhunderts die bisherige Musiktheorie zu bröckeln begann, wurde Debussy gefragt, was denn seine Musik im Innersten zusammenhalte. Er antwortete: „Je ne le sais pas. Ce sont des liens mystérieux“.
In der Folge entstanden in der Neuen Musik Tonaggregate, die durch Verdichtung und Verdünnung neue Wechselwirkungen erzeugten.
In meinem Stück Dialogo kreist die wendige Violine oft „elliptisch“ um Zentraltöne des bezüglich Klangstärke und tonlicher Präsenz dominierenden Horns. Allerdings sind die klanglichen Qualitäten der drei verwendeten Horntypen sehr verschieden. Das Alphorn, für den heutigen Komponisten ein Albtraum, kann nur ganz wenige Obertöne „sauber“ beitragen. Dafür ist der Klang extrem tragfähig, man hört in den Bergen Hirten, die über bestimmte kleine Motive (ähnlich jenen der im Raume kommunizierenden Jäger) mit ihren Kollegen Kontakte pflegen, bis zu einer Entfernung von 10 bis 15 km sehr deutlich.
Das vorgeschriebene Naturhorn (aus Mozarts Zeit stammend) ist dagegen sehr introvertiert, da viele Töne durch Stopfen mit der Hand entstehen und natürlicherweise entsprechend leise sind.
Das moderne Ventilhorn ist bezüglich seiner Vorgänger eine „Erlösung“, sowohl für den Bläser wie für den Komponisten, alle Töne stehen ohne wesentliche Einschränkungen zur Verfügung.
Der Dialog, der durch den spannenden Kontrast der beiden Solisten entsteht, wird vom Ensemble mit grosser Anteilnahme verfolgt und entsprechend „kommentiert“.
Die Verwendung dieser drei Hörner im selben Stück (ich hatte sie schon in meinem Hornkonzert „Trittico“ eingesetzt) darf als weitere Première im Bereiche der Hornkonzerte betrachtet werden.
J-L. D.