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Der SC Langenthal hat zum zweiten Mal nach 2007 die NLB-Qualifikation gewonnen. Sind die Langenthaler jetzt bereit für die NLA? Sollten sie den NLB-Titel gewinnen, wollen sie auch aufsteigen.
Schon zweimal stand der SC Langenthal ganz weit oben. Im Frühjahr 2007 gewannen die Langenthaler erstmals die NLB-Qualifikation (vor Biel). Geschäftsführer Heinz Schlatter liess eine Studie über die NLA-Tauglichkeit erstellen.
Doch Langenthal flog, wie einst Ikarus, zu hoch und stürzte ab. Bereits in der ersten Playoffrunde folgte sensationell das «Aus» gegen die GCK Lions, Trainer Mike Posma wurde gefeuert und im Herbst war Heinz Schlatter nicht mehr Geschäftsführer.
2012 wurde der SC Langenthal mit Heinz Ehlers NLB-Meister. Das war Ambris Glück. Die Langenthaler wollten nicht aufsteigen und die Liga-Qualifikation war eine reine Show-Serie. Ambri hatte keine Mühe (4:1) und blieb in der NLA.
Nun hat Langenthal am Freitag vorzeitig nach dem 5:1 gegen die GCK Lions zum zweiten Mal die NLB-Qualifikation gewonnen. Die Oberaargauer sind auch heisse Anwärter auf den NLB-Titel.
Die kräftigste Mannschaft der Liga ist gut organisiert, spielt einfach und rau, hat am drittmeisten Treffer erzielt und mit Abstand am wenigsten kassiert. Der «hundertjährige Sturm» (Jeff Campbell/35, Brent Kelly/34, Stefan Tschannen/32) ist die beste Angriffsreihe der NLB und der ehemalige Davoser-Junior Marco Mathis ein sicherer Torhüter. Er ist klar besser als Gottérons Benjamin Conz. Trainer Jason O’Leary (38) mahnt im Wesen und Wirken an einen kleinen Bruder von Chris McSorley.
Kommt der SC Langenthal heil durch die NLB-Playoffs (eine schwierige Angelegenheit!), dann wird es für den NLA-Vertreter in der Liga-Qualifikation gefährlich. Nach 2008 (Basel), 2013 (Langnau) und 2015 (Lakers) könnte es wieder einen Absteiger geben. Denn auf die alles entscheidende Frage («Kann sich Langenthal eine Mannschaft in der höchsten Spielklasse leisten?») gibt es inzwischen eine Antwort. Ja.
Noch nie spielte eine Mannschaft aus Langenthal im Fussball oder im Eishockey in der NLA. Aber jetzt ist ein Aufstieg in die höchste Liga zum ersten Mal keine Utopie mehr. Er kann Wirklichkeit werden.
Im Frühjahr 2012 spielte Langenthal in der Liga-Qualifikation gegen Ambri um einen Platz in der NLA. So nahe war Langenthal der Erstklassigkeit noch nie – und doch so unerreichbar fern. Der SCL gewann zwar ein Spiel und verlor die Serie ehrenvoll (1:4-Siege). Aber der Aufstieg war nie ein Thema. Ambri kam sozusagen «gratis» zum Ligaerhalt.
Geschäftsführer Gian Kämpf sagt heute, warum es damals unmöglich war, mit aller Konsequenz die Promotion anzustreben. «Für den Aufstieg waren wir noch nicht bereit.» Die Finanzierung für ein NLA-Abenteuer war noch nicht gesichert, die sportliche Basis war zu schmal.
Nun ist vieles anders. Gian Kämpf mag zwar nicht über «ungelegte Eier» reden. Im Sport meiden Manager, Trainer und Spieler das öffentliche Spekulieren über mögliche Triumphe wie der Teufel das geweihte Wasser. Aus gutem Grund: Wird das Ziel dann nicht erreicht, sind Häme und und Schadenfreude bei der Konkurrenz und den Neidern gross.
Inzwischen haben die Langenthaler das Projekt NLA intern wieder durchgerechnet. Und sind zum Schluss gekommen: die NLA ist jetzt machbar. Wenn es im 21. Jahrhundert gelingt, in den beiden wirtschaftlich schwächsten Regionen des Landes – im oberen Emmental (Langnau) und in der Leventina (Ambri) – NLA-Eishockey zu finanzieren, dann gibt es keinen Grund, warum dies im vergleichsweise reichen und wirtschaftlich viel stärkeren Oberaargau nicht möglich sein sollte.
Frage Nummer eins: reicht das Geld? Der SC Langenthal arbeitet heute mit einem Budget von rund vier Millionen und investiert eine weitere Million in den Nachwuchs. In der NLA braucht es ein Budget von zehn bis zwölf Millionen. Gian Kämpf sagt, in einer ersten Saison wäre es möglich, erst einmal mit sieben bis acht Millionen auszukommen. Das Budget müsste also in einem ersten Schritt verdoppelt werden.
Ist das möglich? Der SC Langenthal hat keinen «Mäzen» («Götti»), der eine Verdoppelung des Budgets finanzieren könnte. Getragen wird das Unternehmen von 40 Kernaktionären. Dabei handelt es sich um lokale Unternehmer und um Männer und Frauen mit abgeschlossener Vermögensbildung. Der «harte Kern der Kernaktionäre» ist dazu in der Lage, im Falle eines Falles diese Budget-Verdoppelung im Rahmen eines gediegenen Abendessens im Hirserenbad zu regeln.
Diese Kernaktionäre sind bereit, bis zum Bezug einer neuen beziehungsweise einer sanierten Arena durch Zuschüsse die wirtschaftliche Existenz zu sichern. Sie müssten für drei bis vier Jahre ein jährliches Betriebsdefizit von zwei bis drei Millionen abdecken. Das ist machbar.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der SC Langenthal schon einmal vor einem ähnlich grossen sportlichen und wirtschaftlichen Schritt stand wie es jetzt der Aufstieg in die NLA wäre.
Im Frühjahr 2002 gewann der SC Langenthal die Amateurmeisterschaft (1. Liga) und stand vor der Frage: Können wir uns die NLB leisten? Die Skepsis war damals sehr gross. Die Antwort lautete mehrheitlich: Nein. Die Pessimisten verwiesen auf das Jahr 1985. Unter Präsident Hansjürg Käser (dem heutigen Regierungsrat) war der SC Langenthal mit einer Million Schulden krachend aus der NLB abgestiegen. Nun wieder NLB Hockey? Nein, sagten die Pessimisten. Das könne man sich heute noch weniger leisten als damals. Profihockey lasse sich in Langenthal nicht mehr finanzieren. Man solle sich mit gutem Amateurhockey begnügen.
Stephan Anliker (er ist heute auch Präsident des NLA-Fussballclubs GC) liess sich nicht beirren. Er übernahm das Präsidium unter der Bedingung, dass das verrückte Abenteuer NLB gewagt wird. Heute gehört der SC Langenthal zu den Vorzeige-Hockeyunternehmen der NLB. Sportlich konkurrenzfähig, wirtschaftlich stabil. Mit einer besseren Infrastruktur wäre der SCL der SCB der NLB.
Die Infrastruktur (das Stadion) ist noch nicht auf NLA-Niveau, sie entspricht ungefähr jener in Ambri. Aber die Liga würde Langenthal unter grossen Auflagen erst einmal für eine Saison die provisorische Spielbewilligung für die NLA im Schoren geben. Es wäre mit ziemlicher Sicherheit sogar möglich, zwei oder drei weitere Jahre im Schoren (1961 gebaut, 1980 überdacht) NLA-Hockey zu spielen. Doch parallel müsste ein konkretes Neubauprojekt präsentiert werden.
Mit der «Arena Oberaargau» ist es bisher allerdings wie mit dem Ungeheuer von Loch Ness. Viel wird darüber geredet. Gesehen hat es noch niemand. Bis heute ist das Projekt jeweils vor lokalen Wahlen aktiviert worden und dann wieder sanft entschlafen.
Das soll sich ändern. Ein Aufstieg in die NLA gäbe dem Stadionprojekt den Schub, den es für die Verwirklichung braucht. Die Sanierung und der Ausbau auf NLA-Standard des bisherigen Stadions, einem Provisorium am Waldrand mit Charme und einem Fassungsvermögen von 4500 Zuschauern, würde rund 20 Millionen kosten und könnte bis im Sommer 2021 über die Bühne gehen. Ein Neubau braucht, je nach Projekt und Standort, zwei bis drei Jahre mehr Zeit. Es gibt zwei Varianten: ist eine kommerzielle Nutzung (sog. Mantelnutzung) möglich, würden die Kosten für die Steuerzahler bei rund zehn Millionen liegen. Den Rest würden private Investoren aufbringen. Das wäre politisch machbar.
Ist keine Mantelnutzung möglich, müssten die öffentliche Hand rund 30 Millionen aufwenden. Das wäre politisch nicht durchzubringen.
In der ganzen Stadionfrage hat der SC Langenthal einen ganz grossen Vorteil: Gian Kämpf muss für die Planung nicht einmal sein Bürogebäude verlassen. Er steigt in eines der unteren Stockwerke. Dort residiert sein Präsident Stephan Anliker. Dessen Unternehmen hat das gesamte Knowhow um einen Stadionbau oder -Umbau zu orchestrieren oder zumindest die dazu notwendigen Kontakte.
Die Lösung der Stadionfrage ist für eine Zukunft in der NLB existenziell. Nur in einer neuen Arena (oder einem sanierten Schoren) kann der SCL die Mittel für eine Spitzenposition in der NLB erwirtschaften. Die übrigen NLB-Spitzenklubs (Visp, Olten, die Lakers) haben bereits NLA-Stadien oder ein konkretes Stadionprojekt. Sogar Ajoie baut eine neue Arena. «Mit der aktuellen Infrastruktur können wir kein NLB-Spitzenteam bleiben», sagt Gian Kämpf. «Wir müssten bereits mittelfristig unsere Selbständigkeit aufgeben und allenfalls ein Farmteam eines NLA-Klubs werden oder dann zurück in die Amateurliga.» Ohne realistische Aussicht auf eine bessere Infrastruktur würden die Kernaktionäre das NLA-Abenteuer wohl nicht länger als zwei Jahre finanzieren.
Bleibt noch die Frage: Kann der SCL sportlich den Aufstieg schaffen? Der Weg ist lang. Scheitern ist schon in den NLB-Playoffs möglich. Die Verletzung eines Schlüsselspielers (wie im Vorjahr jene von Leitwolf Stefan Tschannen) kann die Mannschaft destabilisieren.
Aber wenn der Puck den Weg der Langenthaler geht, ist ein Aufstieg möglich. Wenn der NLB-Meister in der Liga-Qualifikation auf den Verlierer der NLA-Playouts trifft, dann ist es das Duell eines charismatischen Siegerteams gegen mutlose Verlierer. Die Chancen stehen dann mindestens 50:50. Es wird mit zwei Ausländern gespielt. Der NLA-Vertreter muss zwei seiner besten Spieler aus der Mannschaft nehmen.
Wir haben im Cup gegen Lugano und Kloten (die mit vier Ausländer spielen durften!) gesehen, dass die Langenthaler an einem guten Abend mit jedem NLA-Team auf Augenhöhe spielen können. Kloten könnte sich dank seiner Tempofestigkeit wohl retten und die SCL Tigers würden gegen den Lokalrivalen die Leidenschaft und Intensität für die Rettung aufs Eis bringen. Für Gottéron und Ambri aber gilt im Falle einer Liga-Qualifikation gegen Langenthal: hütet euch am Schoren!