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Frühwarnung: Alarm- oder Warnsystem?
Der Klimawandel wird die Auswirkungen von Naturkatastrophen verstärken (SwissRe, 2014). In alpinen Gebieten werden das Schmelzen von Permafrost, Überschwemmungen, Murgänge, Felsstürze und Lawinen voraussichtlich zunehmen. Neben den direkten Kosten durch die verursachten Schäden entstehen auch indirekte Kosten wie beispielsweise Zeitverzögerungen im Verkehr oder Kosten durch Betriebsunterbruch. Der Felssturz in Gurtnellen im Jahr 2012 verursachte aufgrund des Bahnunterbruches geschätzte Kosten von 10-20 Millionen CHF (Tagesanzeiger, 2012).
In den letzten Jahren haben sich Frühwarnsysteme für Naturgefahren stark entwickelt. Sie bieten eine kosteneffiziente und wirksame Alternative oder Ergänzung zu traditionellen baulichen Massnahmen (ISDR, 2007). Frühwarnsysteme liefern frühzeitig Informationen über das bevorstehende Ereignis. Dadurch können präventive Massnahmen getroffen und Schäden verringert werden.
Zwei Kategorien von Frühwarnsystemen
Frühwarnsysteme für Naturkatastrophen werden in zwei Kategorien eingeteilt: Warn- und Alarmsysteme (Sättele et al., 2012). Warnsysteme erkennen Vorläufer des Ereignisses und erlauben dadurch rechtzeitig (Tage oder Wochen) Massnahmen zu planen und einzuleiten. Alarmsysteme hingegen erkennen das Ereignis selbst. Die Vorlaufzeit ist meist kurz (wenige Sekunden bis Minuten). Alarmsysteme lösen Massnahmen automatisch aus.
Warnsysteme
Alarmsysteme
Funktion
Warnsysteme erkennen Vorläufer eines Ereignisses. Die Vorlaufzeit reicht von Stunden bis Wochen. Diese Systeme eignen sich für Naturprozesse, welche sich langsam und kontinuierlich entwickeln.
Messwerte
Niederschlag, Schneehöhe, Pegel, Deformation, Temperatur, Aktivität (z.B. Steinschlag, Lawinen), Erschütterungen
Aktionen
Interpretation der Erkenntnisse durch Experten. Massnahmen sind üblicherweise in einem Alarmkonzept vordefiniert und werden “manuell” ausgelöst.
Funktion
Alarmsysteme erkennen das Ereignis selbst. Die Vorlaufzeit reicht von wenigen Sekunden bis Minuten. Alarmsysteme werden bei sich spontan auslösenden / schnell aufbauenden Naturprozessen verwendet.
Messwerte
Geschwindigkeit, Deformation, Druck, Fliesshöhe, Pegel, Erschütterung
Aktionen
Unmittelbare und automatische Aktionen. Automatisches Sperren von Strassen, Bahnen, Evakuation von Gebieten (z.B. Baustellen). Alarmierung über priorisierte Dienste.
Manchmal ist die Kombination von Warn- und Alarmsystemen sinnvoll. Das Beispiel der Eigergletscher Überwachung zeigt die Vorteile eines kombinierten Alarm-/Warnsystems: das Georadar warnt frühzeitig vor einer erhöhten Bewegung des Gletschers und ermöglicht es, z.B. Wanderwege zu sperren. Das Lawinenradar alarmiert bei einem akuten Ereignis und stoppt die Jungfraubahn automatisch innert wenigen Sekunden.
Erfahren Sie hier mehr, warum es elektronische Alarm- und Überwachungsanlagen braucht.