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Der (Lasten-)Esel
Lastentier mit vier Buchstaben – wer kennt ihn nicht, den Esel? Er ist nicht nur Lasten-, sondern auch Zug- und Reittier in biblischen Zeiten und ist neben dem Rind mitverantwortlich für das Entstehen der damaligen Hochkulturen. Wo Handel getrieben wird, müssen Lasten transportiert werden. Der Esel wurde hierfür genutzt. Sein Ansehen im alten Israel war gut. Das genüg- und arbeitsame, friedfertige Tier war unentbehrlich und gern gesehen. Abraham ritt auf einem Esel (1.Mose 22,3), die Frau aus Sunem auf dem Weg zu Elia (2.Kön 4,24), Abigail auf dem Weg zu David (1.Sam 25,42), ebenso der Prophet Bileam (4.Mose 22,2). In jener Geschichte schreckte die Eselin vor einem Engel Gottes zurück. Sie wird von Bileam drei Mal geschlagen, worauf ihr Gott eine Stimme verleiht (4.Mose 22,28). Heute wird die Bileam-Geschichte zum einen als Traumbild des Propheten gedeutet, zum anderen zeigt sie uns auf, wie Tieren im alten Bund die Fähigkeit zugestanden wird, «das Göttliche» wahrnehmen zu können. Ebenso fasziniert der Hinweis, dass es aus biblischer Sicht zu verurteilen ist, ein Tier zu schlagen.
Die besondere Bedeutung von Rind und Esel zeigt sich auch darin, dass diese beiden Tiere im 10. Gebot namentlich genannt werden (2.Mo 20,17; 5.Mo 5,21). Auch in den Weisungen zum Sabbat werden Rind und Esel explizit erwähnt (5.Mo 5,14). Im Hinblick auf Jesus Christus prophezeit Sacharja den Ritt des Messias auf einer Eselin (Sach 9,9), eine Prophezeiung, die sich am Palmsonntag erfüllte (Mt 21,1-9). Die Aussage von Jesaja «Ein Rind kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn» (Jes 1,3) führt dazu, dass «Ochs und Esel» heute bei Weihnachtskrippen ihren festen Platzfanden, obwohl dies im Neuen Testament so nirgends beschrieben ist. Heute gilt der Esel weniger als edles, kluges und geduldiges Tier. Eher sieht man in ihm ein dummes, störrisches Tier. Das zeigt allerdings eher unsere Entfremdung von den Haustieren, als dass es die Wirklichkeit widerspiegelt.
Jürg Meier