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Als Standort bezeichnete sie ein Gelände über einem Salzstock am Ionischen Meer in der Gemeinde Scanzano Jonico (Region Basilicata). Am 18. November liess die Regierung ihren Entscheid in der Gazzetta Ufficiale veröffentlichen, womit er an das Parlament geht. Dieses muss ihn binnen 60 Tagen behandeln, kann ihn genehmigen, aber auch abändern oder zurückweisen. Wegen des massiven Protests - besonders auch der lokalen Behörden in der süditalienischen Region - entschied sich die Regierung am 27. November für ein weniger forsches Vorgehen und änderte ihre Vorlage: Sie strich den Namen der bezeichneten Standortgemeinde aus dem Artikel 1 zu Gunsten zusätzlicher breiter Standortabklärungen und sieht dafür eine Frist von 12 bis 18 Monaten vor. Auch will sie jetzt den Bau von Zwischenlagern an gewissen bestehenden Nuklearstandorten zulassen. Scanzano Jonico bleibt freilich auf der Liste der Standorte, an denen breitere Abklärungen vorgesehen sind.
Die erste Standortwahl für das zentrale nationale Lager in einer Region, die früher als bitter arm galt, in den letzten Jahren jedoch einen touristischen Aufschwung erlebte, beruhte auf einem Vorschlag der Sogin (Societä gestione impianti nucleari perazioni). Dieses nationale Unternehmen ist für die Stilllegung von Kernanlagen sowie die Lagerung und Beseitigung der radioaktiven Abfälle zuständig. Die Sogin hatte an 17 potenziellen Standorten nähere Abklärungen durchführen lassen. Das von ihr bevorzugte Projekt in der Basilicata weist technische Ähnlichkeiten mit dem amerikanischen Waste Isolation Pilot Plant auf.
Laut der ersten Regierungsvorlage vorgesehen ist - als nationale Priorität - der Bau eines zentralen Endlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle bis 2009 und eines Zwischenlagers für hochaktive Abfälle einschliesslich bestrahlter Brennelemente in Scanzano Jonico. Parallel dazu soll ein Zehnjahres-Forschungsprogramm abklären, ob sich die rund 150 m mächtige, mindestens 5 Mio. Jahre alte, von 700 m Ton überlagerte Salzformation an diesem Standort als Wirtgestein eines Langzeitlagers für hochaktiven Abfall tatsächlich eignet. Das zweite Dekret weitet die Abklärungen auf andere potenzielle geologische Formationen in ganz Italien aus. Die zu bauenden Entsorgungseinrichtungen sind dafür auszulegen, alle radioaktiven Abfälle aufzunehmen, die zurzeit an über 150 über das Land verstreuten Orten lagern. Es sind dies rund 55'000 m3 schwach- und mittel- sowie 8500 m3 hochaktive Abfälle. Die Rückstände aus der Stilllegung und dem Abbruch der vier gemäss einem Entscheid von 1987 stillgelegten Kernkraftwerksblöcke sind eingerechnet. Die Regierungsvorlage regelt auch die Finanzierung der Untersuchungen, des Baus und des Betriebs der zentralen Entsorgungseinrichtungen sowie des begleitenden Informationsprogramms.
Quelle
P.B. nach NucNet und Nucleonics Week, 20. November, sowie Tagesmedien, 27. November 2003