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Porträt Lehrstuhlinhaber
Porträts der gesetzlichen Lehrstuhlinhaber der Medizinischen Fakultät der Universität Basel und ihrer Vorläufer
Die Geschichte der verschiedenen Fächer wird im Folgenden anhand von Kurzbiographien der Ordinarien beschrieben. Die Portraits konzentrieren sich auf die medizinischen Aspekte und lassen die übrigen Facetten der Persönlichkeiten zumeist ausser acht. Falls es zu einem der Portraitierten einen Wikipedia Artikel gibt, wird dieser verlinkt.
Denn die Basler Ordinarien waren oftmals nicht nur Ärzte und Lehrer sondern haben sich auch in den Künsten, der Politik oder schlicht als Originale hervorgetan. So war ein Basler Ordinarius nicht nur ein geachteter Fachmann, sondern auch als Solist in Haydns Schöpfung (F. Miescher 1855-1871) geschätzt. Ein anderer (A. Werthemann 1937-1967) besass zu seiner Zeit das einzige Cembalo in Basel und war auch viele Jahre Präsident des Basler Musikvereins. Er war es auch, der Lilien auf dem Grab Borchert's niederlegte.
Er glaubte, seine grösste wissenschaftliche Leistung sei, die Identifizierung des Schädels von Erasmus von Rotterdam (Desiderius Erasmus von Rotterdam, geboren 1466, gestorben 1536 in Basel, bedeutender holländischer Humanist und Theologe), die sich nach seinem Tod als Fehlinterpretation erwies (siehe unten). Die von ihm angewandte Technik, das Schädelskelett in Abbildungen von Erasmus zu projizieren, kann allerdings als Vorläufer der heute in der Rechtsmedizin vielfach eingesetzten Computer-assistierten Gesichtsrekonstruktion angesehen werden.
Kultur Tatort
Erasmus`zertrümmerter Schädel- ein Wissenschaftskrimi
Georg Kreis
BaZ Kulturmagazin Samstag 8. Juli 2006
Einem Basler Ordinarius verdankt Einstein sein Leben (R. Nissen 1952-1967). Ersterer verteilte auch Krawatten an Studenten, die ohne eine Krawatte einen Patienten untersuchen wollten. Andere wiederum machten sich zusätzlich einen Namen als Lokalpolitiker (H. Löffler 1965-1986). Doch diese Leistungen und Interessen der Lehrstuhlinhaber, die uns sicher die Persönlichkeiten näher gebracht hätten, bleiben hier (leider) unerwähnt.
Dieses Kaleidoskop hat aber noch einen anderen Nachteil: Es lässt alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - akademische und nicht-akademische - unerwähnt, ohne die über die Jahrhunderte Lehre und Forschung nicht erfolgreich gewesen wären. Sie waren es, die oft mehr als die Ordinarien, die Studierenden für den Arztberuf begeistert oder ihnen eine bestimmte Fachrichtung nahe gebracht haben. Und was wären alle Professoren und Dozenten ohne die Studentinnen und Studenten, die sich ihrerseits ihrer Professoren erinnern. (Das kann man nachlesen in "Erzählte Erfahrung 1935-1960 und im "Norweger" und Finnenbuch").
Zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sollen hier kurz vorgestellt werden:
Josef Klingler (1888-1963) entwickelte als Präparator in der Anatomie Hirnpräpatationstechniken, die die Grundlage für Hirnatlanten bildeten und damit einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Stereotaxie leisteten. Für diese Arbeiten wurde ihm der Ehrendoktor der medizinischen Fakultät verliehen. Publikation A. Agrawal et al.
Prof. Zarko Dolinar (1920-2003) war Träger des Ehrentitels "Gerechter unter den Völkern", der ihm für die Rettung von Juden während des Naziregimes in Kroatien von der Gedenkstätte Yad Vashem verliehen wurde. Gleichzeitig war er einer der erfolgreichsten Tischtennisspieler Jugoslawiens. Er gewann acht Medaillen bei Weltmeisterschaften und wurde 1954 Weltmeister im Doppel. Auch besass er eine mehrere 10'000 Exemplare umfassende Autografensammlung von Politikern, Künstlern und Sportlern (siehe Wikipedia).
Literaturangaben:
- Erzählte Erfahrung: Alumni der Medizinischen Fakultät der Universität Basel, (Red.: Michael J. Mihatsch, René Fröscher), Basel 2005
- Vagantes Basilienses: Norwegische Ärzte und Zahnärzte, die in Basel von 1950-1980 ausgebildet wurden.
- Finnenbuch