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Der aufliegende Lebenslauf von Konrad Schmid beinhaltet wohl wichtige Ereignisse. Wer aber will an ihnen die Fähigkeiten und Gefühle eines Menschen ablesen?
Die ausgestellten Dokumente bezeugen, dass Schmid ein vollendeter, überaus einfühlsamer Redner war. Wenn er irgendwo sprach — sei es als Prediger bei der Museggprozession in Luzern oder am Grossmünster in Zürich — ging sein Wort unter die Haut. Weit besser als Zwingli vermochte er schwierige Zusammenhänge verständlich und treffend zu formulieren. Dies ist z.B. für die Berner Disputation über die Abendmahlsfeier bezeugt oder geht aus seinen Briefen im Zusammenhang mit den sog. Täufern hervor. Auf das Eingehen in diesen Themenbereich wurde bewusst verzichtet, vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, in einigen Jahren eine gesonderte Ausstellung darüber zu gestalten.
Wir dürfen annehmen, dass hinter manchem religiösen Druckwerk Zwinglis die Formulierungskunst und das sprachliche Umsetzungsvermögen Konrad Schmids zu finden wäre. Überhaupt scheint es, dass gerade in den ersten Jahren des Reformprozesses Schmid neben Zwingli eine entscheidende Rolle spielte. Dank seinen Komturkollegen verfügte Schmid über ein weitgespanntes Informationsnetz, das von Deutschland bis tief in die Innerschweiz hinein reichte.
Konrad Schmid ging es stärker um eine schrittweise kirchliche Erneuerung als um die Errichtung einer «Staatskirche», wie sie Zwingli anstrebte. Während Zwingli eine starke Verflechtung von Politik, Staat und Kirche wünschte, stand Schmid solchen Bestrebungen fern. Viel eher finden wir ihn auf der Seite der ausgleichenden, teilweise bewahrenden Kräfte.
Als Zwingli im Überschwang seiner Gefühle 1522 die Abschaffung der Leibeigenschaft und des Zehnten verkündete, stellte sich Schmid in der Frage des Zehnten öffentlich gegen Zwingli.
Inwieweit er beim Innerschweizer Reformentwurf der Tagsatzungen vom Januar und März 1525 mitwirkte, muss — wie so vieles im Leben Konrad Schmids — vorläufig offen bleiben.
Bei der Abschaffung der Messe und bei der Entfernung der Bilder aus den Kirchen warnte Konrad Schmid den Rat von Zürich unüberhörbar vor übereilten Schritten. Er forderte Zwingli auf, sich einer anständigen Wortwahl zu bedienen. Aussprüche wie «die messe sei vom tüfel, der tüfel hätt die mönche und orden erdacht» seien zu meiden. Im weiteren verlangte er von Zwingli, dass er seine Lehre zuerst in kurzer, schriftlicher Form darlege («Kurze christliche Einleitung» vom Oktober 1523). Schmid war der Ansicht, das Zürcher Volk müsse auf solche Schritte vorbereitet werden; die Predigten am Grossmünster allein reichten dafür nicht aus. Die neue Lehre müsse zuerst in den Städten und auf dem Lande verbreitet werden. Gerade auf dem Lande dächten die Menschen anders als die wohlhabenden Städter in Zwinglis Umfeld.
Ein Satz Konrad Schmids mag hier für viele stehen:
«Man sol je dem schwachen sinen stab / daran er sich hept / nit uss der hand ryssen / man gebe jm dann einen anderen / oder man fellet jn gar ze boden.»