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Harz, 1970
- DE: Pfändlers Grabschrecke
- EN: Pfaendler's Molehopper
- FR: Le Tridactyle genevois
- Syn.: Tridactylus indistinctus Harz, 1979 | Tridactylus musicus Harz, 1978 | Xya pfaendleri palaestinae Harz, 1971
Morphologie
Xya pfaendleri gleicht stark der nahe verwandten Xya variegata und zählt mit dieser zu den kleinsten mitteleuropäischen Kurzfühlerschrecken. Die Grundfarbe der Art ist ein recht einheitlich glänzendes Schwarz. Hellere Stellen, die elfenbeinfarben oder bräunlich sein können, befinden sich an den Beinen und am Hinterleib. Im Gegensatz zu Xya variegata ist bei Xya pfaendleri der rundliche Halsschild weitestgehend schwarz. Meistens ist der hintere Winkel des Halsschild-Unterrands mit einem kleinen weisslich-gelben Fleck versehen. Die fadenförmigen Fühler umfassen 10-12 Glieder und sind durchschnittlich etwas länger als bei Xya variegata. Die kurzen, stark sklerotisierten Vorderflügel sind einheitlich schwarz gefärbt und lassen manchmal Längsadern erkennen. Auf der Flügelunterseite fehlen Schrillzäpfchen. Die Hinterflügel überragen die Vorderflügel sichtbar. Es treten auch bei dieser Art regelmässig langflügelige Exemplare auf. Die Vorderschienen sind zu kleinen Grabschaufeln abgeflacht. Die Mittelschenkel und -schienen sind abgeflacht. Die kräftigen Sprungbeine umfassen auf der Unterseite in Ruhestellung die Schienen und die Füsse weisen in Richtung Kopf. Die Cerci sind zweigliedrig und bilden zusammen mit den Styli vier gut sichtbare Hinterleibsanhänge. Die Unterscheidung der Geschlechter ist nicht einfach und kann im Feld anhand des Habitus vorgenommen werden. Die Weibchen sind deutlich grösser und kräftiger als die Männchen. Der Ovipositor der Weibchen ist stark reduziert und höchstens als kleines Höckerchen zwischen dem 9. Bauchsegment und der Subgenitalplatte sichtbar.
Gesang
Hörbare Gesänge oder Geräusche konnten wir bei Xya pfaendleri noch nie feststellen. Allerdings kann bei beiden Geschlechtern ein reges Kommunizieren beim Aufeinandertreffen beobachtet werden. Häufig tasten sich die Tiere mit den Fühlern ab, wobei diese auffällig schnell in Vibrationen versetzt werden. Vor der Paarung konnten wir verschiedentlich ein balzartiges Verhalten der Männchen beobachten, wie es von vielen Kurzfühlerschrecken bekannt ist, wobei die Hinterschenkel auf und ab bewegt werden. Für die Paarung schiebt sich das Männchen unter das Weibchen und fasst dieses von unten mit dem Hinterleib.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Xya pfaendleri erstreckt sich von Osteuropa bis Indien. Die westlichsten Vorkommen erreichen eine Linie zwischen Graz und Wien in Österreich. In Ungarn und Bulgarien sowie auf dem nördlichen Festland Griechenlands ist die Art weit verbreitet. Interessanterweise scheint sie in einer breiten Zone entlang der Adriaküste zu fehlen. Die historischen Funde aus der Schweiz bei Genf sind auf Fundortverwechslungen zurückzuführen. Xya pfaendleri hat unseres Wissens nie in der Schweiz gelebt. In Österreich ist die Art ausschliesslich im Osten von Niederösterreich, dem Burgenland und im Süden der Steiermark verbreitet.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Xya pfaendleri können während des ganzen Jahres angetroffen werden.
Im Frühling findet man neben Larven meist besonders viele ausgewachsene Tiere, da vermutlich sowohl die Larven als auch adulte Tiere den Winter überdauern.
Die Tiere legen im feuchten, sandigen Uferbereich ihre typischen Galerien an. Die fragilen Galerien (Tunnels) aus Sandkörnern oder Schlick verraten die Anwesenheit der Xya-Arten rasch, können allerdings auch mit Galerien von Käfern verwechselt werden. Die Gänge werden mit den grabschaufelartigen Vorderbeinen gebaut. Häufig kann man aber auch Tiere beobachten, wie sie einzelne Sandkörner mit den Mundwerkzeugen bearbeiten, wobei sie den Algenfilm darauf abweiden. Nachdem die Oberfläche abgeweidet wurde, werden die Sandkörner mit einer seitlichen Kopfbewegung am Rand der Wohnröhre angefügt. Die einzelnen Sandkörner kleben dabei aufgrund der feuchten Oberfläche (Van-der-Waals-Kräfte) aneinander. Die Galerien werden nicht in den Sand gegraben, sondern oberflächlich aufgebaut. Die Beständigkeit der Tunnel ist nur von kurzer Dauer, bereits kleinste Störungen zerstören das Bauwerk, weshalb die Tiere stets mit Bauen und Erweitern beschäftigt sind. Bei schlechtem Wetter oder bei Gefahr ziehen sie sich in die Tunnel zurück. Werden die Tiere gestört, kann man ihre grosse Sprungkraft beobachten. Endet ein solcher Fluchtsprung, der über 50 cm betragen kann, im Wasser, wird das Land schwimmend rasch wieder erreicht. Die Tiere sind sehr gute Schwimmer und können dank der speziellen Fussanatomie direkt aus dem Wasser aufspringen. Dabei werden die langen lappenförmigen Tarsen abgespreizt und wie ein Ruder eingesetzt. Die Eier werden in Paketen unterirdisch abgelegt und haben eine Entwicklungsdauer von ca. 15 Tagen. In optimalen Lebensräumen findet man sehr hohe Individuendichten auf engem Raum.
Lebensraum
Xya pfaendleri wird häufig zusammen mit Xya variegata in demselben Lebensraum gefunden. Besiedelt werden gut besonnte, vegetationsarme bis vegetationsfreie Uferbereiche an Gewässern. Dabei ist Xya pfaendleri sowohl an Fliess- als auch an Stillgewässern zu finden. Oft werden auch Sekundärhabitate wie Fischteiche oder Kiesgruben besiedelt. Meistens halten sich die Tiere im andauernd feuchten Substrat der Uferlinie auf, je nach Standortbedingungen aber auch in den oberflächlich sandig-trockenen Bereichen etwas oberhalb der Wasserlinie. Bei ausreichender Bodenfeuchte ist die Art auch an vegetationsarmen Stellen in Feuchtwiesen oder entlang von Feldwegen zu finden. Das Substrat besteht vorwiegend aus relativ feinkörnigem Sand und Feinsediment. Ein Gewässer in unmittelbarer Umgebung muss jedenfalls vorhanden sein – fernab davon trifft man die Tiere nicht an.
Gefährdung & Schutz
Die bedeutendste Gefährdungsursache für Xya pfaendleri stellt die Regulierung der Gewässer dar. Durch die Begradigungen und den technischen Verbau der dynamischen Ufer werden die erforderlichen Lebensräume zerstört. Mit der Uferbefestigung und der Wasserkraftnutzung wird die Gewässerdynamik unterbunden, womit vegetationsfreie Uferabschnitte verschwinden. Besonders bei den wichtigen Sekundärlebensräumen in der intensiven Kulturlandschaft stellt zudem die Wiedereingliederung der Flächen in die Landwirtschaft nach Abschluss der Abbaunutzung aufgrund von gesetzlichen Regelungen ein ernstzunehmendes Problem dar. Selbiges betrifft z.B. auch auf Retentionsbecken zu, die für den Hochwasserschutzes angelegt wurden und danach kaum mehr gepflegt werden, womit die offenen Bodenbereiche schnell zuwachsen. Mit einer Beweidung oder regelmässigen Mahd, kann der Lebensraum besser erhalten werden. Es ist anzunehmen, das Xya pfaendleri im Osten Österreichs vor der Gewässerregulierung deutlich weiter verbreitet war. Eine weitere Gefährdungsursache wird im erhöhten Pestizideintrag in die Gewässer vermutet.
Bei der Besiedlung neuer Standorte spielen die regelmässig auftretenden makropteren Individuen eine wichtige Rolle. Diese gut flugfähigen Tiere können mit dem Wind auch über grössere Distanzen verfrachtet werden. Auf längere Sicht kann der Art auch die Klimaveränderung zu Gute kommen. Gezielte Nachsuchen in der Nähe bekannter Vorkommen könnten durchaus positiv verlaufen. Wie die Erfahrungen in Österreich oft gezeigt haben, reichen der Art auch schon kleinste Bereiche von sandigem Boden an Gewässerufern. Diese sind aufgrund der oben genannten Gefährdungsfaktoren jedoch oft nur sehr kurzlebig, was im Idealfall ein schnelles naturschutzfachliches Eingreifen erfordert.
- CH: RE (In der Schweiz ausgestorben)
- DE: Abwesend
- AT: EN (Stark gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Xya pfaendleri ist der nahen verwandten Xya variegata sehr ähnlich. Der Anteil heller Bereiche ist bei Xya variegata höher. Insbesondere befinden sich auf den sklerotisierten Vorderflügeln helle Flecken und der Halsschild-Unterrand ist breit hell gesäumt. Aufgrund des einzigartigen Erscheinungsbild sind die Xya-Arten in Europa kaum mit anderen Arten zu verwechseln. Einzig im Süden Spaniens und Portugal kommt mit Xya iberica eine weitere ähnliche Art vor. In Griechenland und in der Schwarzmeer-Region ist mit weiteren Vertretern der sehr ähnlichen Gattung Bruntridactylus zu rechnen.