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Hochgeehrter Herr
Heute erhalte ich zwei Berichte die ich Ihnen nicht einen Augenblick vorenthalten will.
Gestern Vormittag richteten 25, Mitglieder des arg. Grossen Rathes, veranlasst durch das dortige Eisenbahncomité an die Regierung das Gesuch um ausserordentliche Einberufung des Grossen Rathes. Sie verlangen dass das für die Bözbergbahn vorgelegte Tracé | nicht angenommen u das sog. Stampfebachproject gewählt werde. Ich muss gestehen dass mir der Zusammenhang dieser Verhältnisse nicht klar ist; glaube aber nicht sehr zu irren wenn ich voraussetze, dass das Comité von Aarau von einer Seite aus die mit der Centralbahn eng liirt ist zu diesem Schritt instigirt wurde. Wie ich vernehme wird die Regierung unbedingt an ihrem Beschlusse festhalten, den, wie ich glaube, auch der Grosse | Rath zu dem seinigen machen wird. Meinerseits habe ich sofort mich dafür verwendet um die in meinen Augen möglicherweise sehr schweren Folgen von dem Canton abzuwenden.
Gleichzeitig mit dem besprochenen Begehren erhielt die Regierung ein Memorial von der Regierung von Zürich über die Linie Winterthur– Koblenz in welchem auseinandergesetzt wird dass das Prioritätsrecht im Canton Zürich nur dann «in RechtsKraft erwachsen» könne, wenn die | NOstbahn sich verpflichte auch die Strecke auf aarg. Gebiet u zwar mit der directen Verbindung über die Brücke bei Coblenz zu erstellen. Der Baudirector wird bei der Regierung den Antrag stellen vor allem aus der NOstbahn von dem Actenstück Kenntniss zu geben.
Ich halte darauf diesen Brief noch dem nächsten Zug zu übergeben u beschränke mich auf diese kurze Anzeige.
Ihr Hochachtungsvoll ergeben
E Welti
2 Mai 1871.