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Proton Technologies, die Firma hinter Protonmail, soll eine Art "Protonmail-G-Suite" planen beziehungsweise baue an einer Lösung, die man mit derjenigen von Google vergleichen könne, sagten uns Insider. Das stimme, bestätigt ein Protonmail-Sprecher auf Anfrage. "Obwohl wir nicht den Begriff 'ProtonMail-G-Suite' verwenden würden, bauen wir in der Tat eine Reihe von Diensten auf, die es unseren Nutzern ermöglichen, ihre Daten sicher und privat zu halten."
Die Genfer Firma, nach eigenen Angaben der weltweit grösste sichere E-Mail-Provider mit über einer Million Nutzern will auf den hauseigenen Services aufbauen: "Die Benutzer von Proton haben bereits Zugang zu verschlüsselten E-Mails, Kontakten, Kalendern und VPN. In den kommenden Monaten werden wir auch ProtonDrive, einen verschlüsselten Cloud-Storage-Dienst, auf den Markt bringen und erwägen, in Zukunft weitere digitale Werkzeuge zu entwickeln."
Das klingt wie David gegen Goliath, beziehungsweise ein paar Dutzend Angestellte gegen einen Riesenkonzern. Was wäre denn die USP für Proton? "Der Hauptunterschied zwischen den Dienstleistungen von Proton und denen, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind, besteht darin, dass alle unsere Produkte durchgehend verschlüsselt sind, was bedeutet, dass wir keinen Zugang zu den Daten der Benutzer haben. Dies garantiert den Nutzern das Eigentum an ihren Daten und stellt sicher, dass niemand, auch nicht Proton, darauf zugreifen oder sie monetarisieren kann", erklärt der Firmensprecher.
Wenn die Verschlüsselung als Verkaufsargument auch im Enterprise-Segement dient, stellt sich die Frage: Was meinen Sie mit "Verschlüsselung" genauer? Advanced Encryption Standard (AES) 256? Und in welchem Modus wie beispielsweise "Stromverschlüsselung" (stream cipher)? "Die Verschlüsselungstechnologie von Proton basiert im Kern auf einem Asymmetrischen Kryptosystem (public private cryptography). Dazu verwenden wir sowohl RSA-4096-Verschlüsselung als auch neuere Verschlüsselung mit elliptischen Kurven. Wir sind einer der weltweit führenden Technologieanbieter in diesem Bereich, da wir die Hauptautoren und Verwalter einiger der weltweit am häufigsten verwendeten Web-Verschlüsselungsbibliotheken sind, die Tausende von Anwendungen auf der ganzen Welt betreiben und zehn Millionen von Benutzern weltweit bedienen. Für die Datenverschlüsselung setzen wir AES-256 ein", antwortet der Proton-Sprecher und fügt hinzu, die Firma sei aktiv an der Kryptographie-Forschung und -Entwicklung beteiligt. "Wir haben ein eigenes Forschungsteam in der Schweiz, das sich darauf konzentriert."
Die Arbeiten an "ProtonDrive" sind schon relativ weit fortgeschritten, die Beta-Version soll bis Ende 2020 auf den Markt kommen, kündigt er an. Man werde eine preislich modular aufgebaute Lösung lancieren. "Wir glauben, dass jeder Zugang zu sicherer E-Mail und einer privaten Internetverbindung haben sollte. Aus diesem Grund bieten ProtonMail und ProtonVPN sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Optionen an. Wir haben bereits Tausende von Geschäfts- und Firmenkunden, und wir sind dabei, weitere Funktionen speziell für sie zu entwickeln. Wir bieten zwar keinen kostenlosen Zugang für Unternehmensnutzer an, aber wir werden verschiedene kostenpflichtige Stufen haben, um den unterschiedlichen Bedürfnissen dieser Kunden gerecht zu werden."
Zwei Millionen Euro hatte Proton 2019 von der EU aus Horizon-2020-Fördergeldern erhalten, um Services wie ProtonDrive zu entwickeln.
"Unmöglich in der Schweiz zu wachsen"
Damit stellt sich auch die Frage, welche Rolle die Schweiz bei solchen Cloud-Diensten spielen soll und warum. Der Sprecher betont die lange Geschichte der Schweiz, was Sicherheit und Privatsphäre betrifft. "Historisch gesehen war die Schweiz der weltweite Aufbewahrungsort für Gold und Reichtum, aber Daten sind die neue Währung des 21. Jahrhunderts. Wenn sie es richtig macht, hätte die Schweiz ein grosses Potenzial, ein sicherer Aufbewahrungsort für die Datenrevolution zu sein und eine führende Rolle in der Industrie der Zukunft zu übernehmen."
Allerdings hatte Andy Yen, Gründer und CEO von Proton Technologies, in der 'NZZ' ein stärkeres Engagement der Schweiz für einen besseren Datenschutz gefordert. Was heisst das im Einzelnen? Was sind aus der Sicht von Proton Technologies die grössten rechtlichen Mängel? "Aus unserer Sicht ist das 2016 von der Schweizer Regierung verabschiedete Gesetz zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF) generell ein regressiver Schritt für die Privatsphäre in der Schweiz, ebenso das Nachrichtendienstgesetz (NDG). Viele der Massnahmen des BÜPF werden auch in der Schweiz falsch angewandt, und zwar in einer Weise, die Schweizer Start-ups übermässig belastet und ein Umfeld schafft, dass es vielversprechenden Technologieunternehmen unmöglich macht, in der Schweiz zu wachsen. Darüber hinaus ist das Schweizer Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG), das die Rahmenbedingungen für den Schutz der Privatsphäre verbessern soll, seit Jahren in Revision und kommt nur sehr langsam voran", kritisiert der Sprecher des Startups. "Wir bedauern das Fehlen eines Konsenses der politischen Institutionen zu diesem Thema."