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Der Hafer nährt ein ausgepowertes Nervensystem, entschlackt den Körper und senkt einen zu hohen Cholesterin- und Blutzuckerspiegel. Er beruhigt juckende Haut und sorgt für erholsamen Schlaf.
Hafer ist nicht nur ein gesundes, sättigendes Nahrungsmittel, sondern auch ein Heilmittel. Seine therapeutische Wirkung ist seit dem Mittelalter bekannt. Damals schrieben Kräuterheilkundige wie Matthiolus oder Lonicerus: «Zu Speiss gebraucht, ist es eine edel Arzney zum täglichen Stuhlgang, gibt kräftige Nahrung, wider der Räude (Hauterkrankung), stillet den rohten Bauchfluss (Magen-/Darmentzündung) und treibet den Harn, samt allem Unrath aus dem Körper (Rheuma, Nierensteine, Gicht).»
Als Nahrungspflanze kennen wir den Hafer seit ungefähr 5000 v. Chr. Erstmals wurde er in der Schwarzmeerregion und in Polen nachgewiesen. In Mitteleuropa erscheint er erst 2400 v. Chr. Funde von Hafer in Pfahlbauten am schweizerischen Bodensee gelten als frühester Beleg für dessen Anbau. Vermutlich wuchs das Rispengras ursprünglich wild auf Gersten- und Weizenfeldern, bevor man es als Getreide kultivierte.
Habern wir uns kräftig!
Hafer schenkt uns Energie in unterschiedlichster Form: als Kraut, Stroh, Kleie oder Frucht. Das Haferkraut besteht aus den noch grünen oberirdischen Teilen, die man kurz vor der Vollblüte erntet. Es enthält Kieselsäure, Flavonoide, Triterpensaponine, Kalziumsalze, Vitamin B, E und K. Die kleine Menge an Indolalkaloid-Granin soll für die nervenberuhigende Wirkung verantwortlich sein. Hafertinktur entspannt, während Hafertee ausleitend wirkt. Diesen trinkt man traditionell bei Rheuma und Gicht oder zur Durchspülung bei Nierensteinen und -leiden. Haferflocken, die man durch Pressen der Früchte respektive der Kerne erhält, enthalten neben den komplexen Polysacchariden die Gruppe der Vitamine B, Eiweisse sowie in geringen Mengen Magnesium, Zink und Eisen. Die Polysaccharide weisen einen niedrigen glykämischen Index auf, weshalb der Genuss von Hafer Heisshungerattacken vorbeugt. Fürs Bad greift man zum Haferstroh: Es enthält Kieselsäure und Triterpensaponine. Diese Inhaltsstoffe lindern Entzündungen der Haut und machen diese angenehm geschmeidig. Menschen mit Neurodermitis, nässenden Hautkrankheiten und Juckreiz seien zwei bis drei Badegänge pro Woche empfohlen.
Entspannend für die Psyche
Die Frucht des Hafers sowie die Haferkleie senken nachweislich den Serum-Cholesterinspiegel, vermehren die verdauungsfördernden Darmbakterien und helfen gegen Blähungen. Dank des hohen Fasergehalts senkt Hafer erhöhten Blutzucker, durchblutet die Schleimhäute des Darms und sorgt für regelmässigen Stuhlgang. Das Haferkraut in Form von Tinktur hilft gegen Ängste, Verspannungen und Unruhe und lindert nervös bedingten Juckreiz. Zur Unterstützung einer Raucherentwöhnung oder Therapieausleitung von starken Schmerzmitteln wie Morphin wirkt eine Hafertinktur angstlösend. Man nehme zu diesem Zweck mehrmals täglich 5 bis 15 Tropfen.
Steckbrief
Familie
Süssgrasgewächs (Poaceae)
Aussehen
Der Hafer ist ein Rispengras, das alle Jahre neu keimt. Der Stängel ist hohl, rundlich und aufrecht. Im Gegensatz zu anderen Getreidearten bildet der Fruchtstand eine Rispe und keine Ähre: Die Früchte (Körner) hängen entlang der Stängelspitze herab. Der Hafer bildet langgezogene lanzettförmige Blätter. Seine Farbe ist grünblau. Aus diesem Grund erinnert ein Haferfeld, durch das der Wind weht, ans Meer.
Standort
Als Kulturpflanze in ganz Europa
Botanische Einordnung
Der Hafer ist ein einjähriges Kraut.
Erntezeit
Je nach Zuchtform und Standort zwischen Juli und September. Das Kraut entspricht dem oberirdischen Teil im Blühzustand. Die ausgereiften Früchte befreit man von den Spelzen und trocknet sie. Danach verwendet man sie entweder ganz als Korn oder gepresst als Haferflocken. Das oberirdische Kraut ohne Früchte ergibt das Haferstroh.
Verwendung
Kraut (Avenae herba): Tee, Tinktur, Urtinktur oder Pulver
Haferstroh (Avenae stramentum): Für ein Bad 50 bis 100 g Haferstroh mit 1 l Wasser ca. 30 Minuten lang kochen, dann ins Badewasser geben. Badedauer: 10 bis 15 Minuten, 1- bis 4-mal pro Woche
Früchte (Avenae fructus): Haferflocken als Powernahrung, zur diätischen Regulierung des Cholesterin- und Blutzuckerspiegels sowie zur Unterstützung der Darmflora
Haferkleie (Avenae furfur): zur Darmregulation