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Kolumne
Seit siebzehn Jahren lebe ich in der Schweiz. Am Anfang dachte ich über die Schweiz so wie man über ein fremdes Hotel nachdenkt, man breitet seine Gepäck in völlig fremden Zimmer aus und hört sich Geräusche an. Man studiert den Portier und die Putzfrau, die Speisekarte und das Fernsehenprogramm, und findet alles seltsam. Aber man wird es für kurze Zeit überleben. Damit es leicht geht, suchte ich Bücher in meiner Heimatsprache und fand keine. Das gab mir einen Stich im Herz, als ob meine vorherige Bleibe nichts besonderes sei für die Gäste des Hotels, Damit ich das Hotel, wo ich wegen der Liebe war, schneller verlassen konnte, arbeitete ich im Hotel und fand viele Meinesgleiche welche sich genau so drin eingerichtet hatten. Ausländer. die anderen. Die, welche für das reibungslose Funktionieren des Hotels zuständig waren. Sie stotterten wie die Herrschaften, und doch nicht so. Sie gaben ihre Kinder in Obhut von Kindergartentanten oder liessen sie bei eigenen Tanten oder Müttern, ohne das sie diese aufzogen. Die Kinder bekamen immer falsche Kleider, zu grosse, weil sie schneller wachsen als die Gedanken ihrer Mütter.
Ich wurde überfallen von einer schweizer Soldatenkrankheit Heimweh.
Nach zehn Jahren kehrte ich diesem unwirklichen Aufenthaltsort den Rücken, um die Heimat zu finden. So wie sie war bevor ich ging, nein so wie sie war als ich noch Kind war, nein so wie sie war an jenem Sommer Tag als mein Grossvater warmes Brot aus Split brachte. Der Grossvater war tot, der Sommer hatte bald Kriegswolken im Gesicht und ich betrachtete die Heimat so wie man ein Hotelzimmer betrachtet, wo man sich jezt eindeckt mit Büchern, auf deutsch, und sich für kürtzere Zeit einzurichten, Ich beobachtete leute welche die selbe Sprache sprachen und verstand kein Wort mehr. Ich schrieb Briefe in die Schweiz, mit der Bitte mir meine Heimat zu erklären. Nach drei Jahren kehrte ich in die Schweiz zurück, ich musste vor dem Krieg flüchten. Ich nahm jezt nur ein Buch mit: "Tvrdjava" (das Schloss) von Mésa Selimovic. In diesem Buch geht es um einem Dichter welcher sich nach dem Krieg nicht in die Machenschaften des Friedens der Welt zurechtfindet, er wird immer ärmer, seine Frau verliert ihr Baby und hält zu ihm. Es ist die Liebe schreibt Mésa Selimovic sie ist die einzige welche alle Einrichtungen der Welt überdauert, es gilt sie zu schützen und zu verteidigen es ist das erste Buch welches von solcher uneingeschränkter Achtung, von Würde und Klugheit der Frau spricht, meine Jugend, und meine jetzige Lektüre.
Jetzt lebe ich in der Schweiz. Ich bin noch immer als Ausländer in Rubriken eingetragen, Ich betrachte aber die Schweiz nicht mehr als Hotel, aus welchem ich bald verschwinden will.
Heute stand im st. Galler Tagblatt in einer Kolunme das Integration von Ausländern eine romantische Vorstellung sei.
Ich anerkenne aber kein anderes Gesetz als das Gesetz der Zeit und das Gesetz der Liebe welches uns formt und zueinander bringt. Es ist wie in einem Fluss, wo die Steine langsam glatter werden, so überwindet man die Fremdheit, wenn man aufhört sich selber so zu sehen. Nur kann es geschehen, das alle anderen einem unaufhörlich daran erinnern das man sich fremd fühlen soll,weil man eben fremd ist. Diese Kolumne wird durch eine grosszügige Spende des Hilfswerks der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) in den Recherchierfonds der FriZ ermöglicht.
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