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Schmerzen sind eine Geissel der Menschheit.
In den Industrieländern haben 80% aller Menschen mindestens einmal
im Leben beträchtliche Rückenschmerzen. In der Schweiz gaben bei
der Gesundheitsbefragung 1993 41% aller Befragten an, sie hätten
im Moment leichte Rückenschmerzen, 11% klagten über starke Rückenschmerzen.
34% der Befragten litten unter leichten, 9% unter starken Kopfschmerzen.
Die Frauen waren gemäss dieser Untersuchung häufiger von Schmerzen
betroffen als Männer.
Grundsätzlich kann jeder Körperteil
als schmerzhaft empfunden werden. Lange Zeit wurden in der Medizin
allein abgenützte Gelenke oder eingeklemmte Nerven als Hauptursache
für die häufigen Schmerzen im Bewegungsapparat angesehen. Erst in
den letzten Jahren ist klar geworden, dass viele Schmerzen in den
Muskeln entstehen.
Oft ist eine Überbelastung Ursache
eines Muskelschmerzes, oft auch ein Unfall, manchmal entwickeln
sich die Schmerzen schleichend und die Ursachen sind nicht direkt
bekannt. Viele Muskelschmerzen sind Begleiterscheinungen von Bandscheibenvorfällen
oder Arthrosen. Bei einer Mehrzahl der Patienten sind aber nur die
Muskeln erkrankt.
Solche Muskelschmerzen gibt es am ganzen Körper.
Ein grosser Teil der Rückenschmerzen hat
einen muskulären Ursprung, nur bei einem Bruchteil werden Bandscheibenvorfälle,
degenerative Veränderungen oder Gelenksentzündungen als Ursache
gefunden. Bei den häufigen Schulterschmerzen
entsteht ebenfalls nur ein Teil der Schmerzen im Gelenk selber,
bei vielen Schulterschmerzen sind nur die Muskeln erkrankt. Beim
Tennisellbogen handelt es sich
um einen typischen Schmerz, der ursprünglich in verschiedenen überlasteten
Muskeln entsteht. Auch ein Teil der Kopfschmerzen
nimmt seinen Ausgang in verspannten Nacken- und Halsmuskeln. Im
weiteren haben die Leistenschmerzen
der Fussballer, die chronischen Zerrungen
der Leichtathleten sowie Knie-
und Achillessehnenschmerzen der
Läufer praktisch immer eine Ursache in überbelastungsbedingten Muskelerkrankungen.
Die Tatsache, dass die muskulären
Ursachen von Schmerzen so lange übersehen worden sind,
hat eine plausible Ursache. Sie besteht darin, dass der Ort, an
welchem der Schmerz entsteht, und der Ort, wo der Schmerz empfunden
wird, am Körper oft weit auseinander liegen. So liegt die Quelle
von Rückenschmerzen manchmal in der Bauchmuskulatur, bei einigen
Patienten ist die Ursache für einen Tennisellbogen in der Daumenballenmuskulatur
zu suchen, Kopfschmerzen können in der vorderen Halsmuskulatur ihren
Ausgang nehmen, Knieschmerzen gehen oft von der vorderen Oberschenkelmuskulatur
aus und der häufige Achillessehnenschmerz entsteht praktisch immer
in der Wade.
Vor etwa vier Jahrzehnten haben amerikanische
Wissenschaftler entdeckt, dass unter Stress gewisse Überleitungsstellen
zwischen den Nerven und den Muskeln erkranken können, so dass sich
im Muskel bestimmte Fasern verkrampfen und verkürzen. Diese Stränge
drücken die Blut- und Sauerstoffversorgung ab, was, wie bei einem
Herzinfarkt, zu starken lokalen Schmerzen führt. Diese empfindlichen
Stellen in einem verspannten Muskelstrang werden als Triggerpunkte
bezeichnet. Bei einer starken Störung erzeugen diese Triggerpunkte
einen Dauerschmerz, ist die Störung geringer, tut nur die Bewegung
und die Dehnung des Muskels weh.
Durch den Dauerbeschuss mit Reizen
im schmerzleitenden Nervensystem können im Rückenmark gewisse Schmerzübertragungssubstanzen
überfliessen und andere Schmerzbahnen in Betrieb setzen. Dies ist
die Ursache dafür, dass starke oder chronische
Schmerzen schliesslich auch an Körperstellen empfunden
werden, die mit der Verletzung gar nichts zu tun haben.
Die gute Nachricht ist, dass die erkrankten
Muskelstellen auch nach Jahren noch heilbar sind. Mit Handgriffen
oder mit Nadeln können die erkrankten Muskelstellen so beeinflusst
werden, dass die Blutzirkulation in den Triggerpunkten wieder hergestellt
wird und dass der Schmerz dabei verschwindet. Es gelingt allerdings
nicht immer, Schmerzfreiheit wieder zu erreichen. Sind die Schmerzen
stark und haben sie lange angedauert, so sind die Schmerzfühler
in den Muskeln sensibilisiert worden, an gewissen Stellen im Rückenmark
beginnen die Schmerzbahnen im Leerlauf Schmerzreize zum Gehirn zu
senden und dort etabliert sich manchmal ein Schmerzgedächtnis, das
Schmerzempfindungen unterhält, auch wenn in der Peripherie keine
schädlichen Reize mehr wirken. Sorgen, Angst und negative Gefühle
verstärken solche Prozesse im Nervensystem. Bei diesen Chronifizierungsvorgängen
werden in der Peripherie gewisse Körperstellen so empfindlich, dass
man sie kaum mehr berühren kann. Eine Behandlung mit Handgriffen
wird dann unmöglich.
Wenn Sie unter störenden Schmerzen
leiden, lohnt es sich, dass Sie von einem Arzt untersucht werden,
der sich in Muskelschmerzen (in myofaszialen Schmerzsyndromen) auskennt.
Und Sie profitieren vielleicht davon, wenn Sie sich von einem Physiotherapeuten/einer
Physiotherapeutin behandeln lassen, welche/r die nicht einfachen
Techniken der Triggerpunkt-Therapie erlernt hat. Entsprechende Adressen
finden Sie auf unserer Homepage (www.imtt.ch). Je rascher Ihre Schmerzen
sachkundig beurteilt und von interessierten Fachkräften behandelt
werden, um so eher besteht die Möglichkeit, volle Beschwerdefreiheit
wieder zu erlangen.
Eine Triggerpunkt-Therapie verlangt
auch von Ihnen einen Beitrag. Ihr Therapeut/Ihre Therapeutin arbeitet
an den Stellen des Körpers, wo die stärksten Schmerzen provozierbar
sind. Dies ist nicht angenehm. Sie können aber bei einem ausgebildeten
Triggerpunkt-Therapeuten mit dem Wort "Stopp" die
Behandlung jederzeit unterbrechen, wenn es Ihnen zuviel wird. Es
muss nicht alles an einem Tag geheilt werden. Sind die Schmerzen
unerträglich, so kann man Sie mit Kaltluft oder mit einem Eisbeutel
mildern oder der Arzt kann Ihnen vorgängig zur Behandlung eine Spritze
machen.
Nach einer Triggerpunktbehandlung
schmerzt der behandelte Körperteil einige Tage lang. Die Haut wird
durch die Behandlung etwas gereizt und manchmal gibt es an der behandelten
Stelle auch einen kleinen Bluterguss. Es unterstützt den Heilungsprozess,
wenn Sie nach der Therapie ein heisses Bad nehmen und gegebenenfalls
zwei bis drei Tage lang eine Antirheuma-Tablette schlucken.
Was Sie weiter tun können, um eine Heilung zu beschleunigen:
- Jeden behandelten Muskel sollten Sie einige Wochen lang während
2 x 30 Sekunden täglich ruhig dehnen.
- Sofern die Schmerzen dies zulassen, sollten Sie wieder anfangen,
2 mal pro Woche etwas Sport zu betreiben: Walken, Joggen, Velofahren,
Schwimmen, Krafttraining, Vita Parcours, Turnen, Joga, Feldenkrais,
Qi Gong, Tanzen usw.
- Achten Sie auf schmerzverursachende Haltungen und Arbeitsgänge
im Alltag und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
Wenn Sie Fragen haben, sollten Sie
diese Ihrer/Ihrem behandelnden Physiotherapeutin/Physiotherapeuten
stellen und nicht locker lassen, bis Sie Klarheit über Ihre Schmerzen
und über die Behandlungsmöglichkeiten gewonnen haben.