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Für all jene, die Mode für oberflächlich halten, soll gesagt sein: Ihr Wert, zum Beispiel für die Literatur, ist nicht zu unterschätzen. Kürzlich lernte ich auf dem Franko-Irischen Literaturfestival, bei dem Redakteure von Vogue und Elle mit Roman- und Drehbuchautoren diskutierten, einiges über die Rolle der Mode in der Literatur hinzu. Kleidung dient in dem Genre dazu, einen Charakter zu umschreiben, uns die Persönlichkeit eines Protagonisten besser einschätzen zu können und fremde Orte zu erkunden. Wie Mark Twain einst sagte: „Kleider machen Leute. Nackte Menschen haben wenig bis gar keinen Einfluss auf die Gesellschaft“. Hier die sieben wichtigsten Momente von Bekleidung in der Literatur.
7. Giacomo Leopardi
In Giacomo Leopardis Gedicht mit dem Titel Dialog zwischen der mode und dem Tod, stellt der Poet einige Parallelen der beiden heraus: “Mode: Kennst du mich nicht? [...] Ich bin die Mode, deine Schwester [...] Erinnerst du dich nicht, daß [sic!] wir alle Beide Kinder der Hinfälligkeit sind? Tod: :.Wie soll ich mich erinnern, da ich Todfeind des Gedächtnisses bin! Mode: Aber ich weiß es noch recht gut und weiß auch, daß [sic!] wir Beide uns in gleicher Weise Mühe geben, die irdischen Dinge zu zerstören und zu verwandeln, wenn auch du einen andern Weg zu diesem Ziele einschlägst, als ich.“
Obwohl das Gedicht 1824 geschrieben wurde, hat die Aktualität der Message, nämlich, dass die Mode ein dem Tod ähnliches Gemüt hat, nicht nachgelassen. Gerade in Zeiten der Fast Fashion, die Katastrophen wie jene in Rana Plaza begünstigt und durch ihre Schnelllebigkeit viele ihrer Protagonisten, wie beispielsweise Alexander McQueen—der viel zu früh, mit 40, seinem Leben ein Ende setzte—geradezu verzehrt.
Image:Orlando Erste Ausgabe, The Hogarth Press 1928 source: www.smith.edu/libraries, und Burberry September 2016
6. Virginia Woolf
“Kleidung hat viel wichtigere Aufgaben, als uns nur warm zu halten; sie verändert unseren Blick auf die Welt und den Blick der Wlet auf uns“, schrieb Viriginia Woolf in Orlando, ihrem 1928 geschriebenen Buch über einen Adligen, der mühelos zwischen Geschlechtern hin und her wechselt und nie altert. In der Filmversion von 1992 wird er von der androgyn wirkenden Tilda Swinton gespielt. Der Roman war damals, trotz des ungewöhnlichen Themas ein Erfolg und bereitete den Weg für spätere Gender-Bender.
Image: Source Wikimedia Library of Congress, Photographer, Napoleon Sarony, 1882
5. Oscar Wilde
Oscar Wilde, bekannt für seine rasiermesserscharfen Verstand und seine ebenso scharfe Zunge, diente als Inspiration für die Alexander McQueen 2017 Menswear-Kollektion. Wildes berühmter Aphorismus: „Mode ist eine Form von Hässlichkeit, so unerträglich, dass wir sie alle sechs Monate ändern müssen“ scheint aus heutiger Social-Media-hungriger Sicht fast wie eine Weissagung. Als Redakteur des Magazins The Woman's World, sagte er außerdem in 1887 voraus, dass Frauen sich zunehmend der Herrenmode zuwenden würden. Auch seinen Worten: „Wenn man sich schlecht benehmen möchte, sollte man dies in schmeichelhafter Kleidung tun“, blieb er stets treu.
4. Margaret Mitchell
In Margaret Mitchells Roman Gone With The Wind von 1936 ist Scarlett O’Haras Lifestyle in den konföderierten Südstaaten in Gefahr, weil eine Niederlage im amerikanischen Bürgerkrieg die dort praktizierte Sklavenhaltung beenden könnte. Das arme reiche Mädchen muss also findig werden und sich ein Kleid aus Vorhängen nähen. Wie sonst sollte sie sich ihren Helden und sein Geld schnappen? Sie schickt also ihr Dienstmädchen auf den Dachboden, um die Schnitte für Kleider herabzuholen (“Scoot up to the attic and get my box of dress patterns, Mammy…I’m going to have a new dress”) Auch wenn man heute nur Kopfschütteln für die Selbstverständlichkeit übrig hat, mit der Scarlet andere herumkommandiert, sollte man sich vor Augen führen, dass Fast Fashion und Globalisierung die Sklavenarbeit nur ans andere Ende der Welt verlagert, aber bei weitem nicht abgeschafft haben. Man könnte O’Hara jedenfalls eine frühe Form des Upcycling attestieren, wenn man möchte.
3. Bret Easton Ellis
In einer Passage aus Bret Easton Ellis’, American Psycho, in der es um eine Diskussion über die Band U2 geht, die der schneidig angezogene Psychopath und Protagonist Patrick Bateman mit seinem Date führt, zeigt sich seine Liebe für italienisches Design:
"The Edge trägt Armani," ruft sie, auf den Bassisten zeigend."Das ist nicht Armani", rufe ich zurück. "Es ist Emporio." "Nein," ruft sie. „Armani.“ "Die Grautöne sind zu gedeckt, ebenso die dunklen Braun- und die Navytöne.“ Die Konversation geht noch ein Stück weiter, und Bateman wundert sich, wie es möglich ist, dass Sie die Unterschiede nicht erkennt, die für ihn klar auf der Hand liegen. Ein klarer Fall für die Axt, wer den Unterschied zwischen Armani und Emporio nicht sieht.
Image: Audrey Hepburn in Breakfast at Tiffany's. Trailer screenshot
2. Truman Capote
Truman Capotes Novelle Frühstück bei Tiffany von 1958 schuf die allseits bekannte Rolle der Holly Golightly. Auch denn sie später zur Paraderolle für Audrey Hepburn ind den Klamotten von Hubert de Givenchy werden sollte, war bereits das Buch stark von Mode geprägt:
“Es war ein warmer Abend, fast Sommer und sie trug eine schmales schwarzes Kleid, schwarze Sandalen und einen Perlen-Choker. Trotz ihrer schicken schlanken Figur hatte sie eine Gesundheit an sich, die an Frühstücksflocken erinnerte, eine Reinheit, die an Seife und Zitrone denken ließ und ein raues Pink, das ihre Wange färbte“ Golightly wurde seither immer wieder als Muse von Designern bemüht.
Image: Miss Havisham: Wikimedia By Harry Furniss from the library edition of Great Expectations, created 31 December 1909.
1. Charles Dickens
Die ultimative Verschmelzung von Mode und Fiktion bringt uns zurück zum Ausgangspunkt: Mode = Verfall = Tod. Ich rede von der ultimativen gruseligen viktorianischen alten Jungfer – verbittert, skelettartig und in einem Zimmer neben ihrer vor sich hin rottenden Hochzeitstorte eingesperrt: Charles Dickens’ Miss Havisham aus dem Roman Große Erwartungen. Die Passagen darüber, wie sie in Flammen aufgeht, mögen zu den virtuosesten gehören, die jemals geschrieben wurden, aber auch das erste Aufeinandertreffen zwischen ihr und Pip inspirieren seit Jahrzehnten die Designer: (Originalversion)
She was dressed in rich materials — satins, and lace, and silks — all of white. Her shoes were white. And she had a long white veil dependent from her hair, and she had bridal flowers in her hair, but her hair was white. Some bright jewels sparkled on her neck and on her hands, and some other jewels lay sparkling on the table. Dresses, less splendid than the dress she wore, and half-packed trunks were scattered about. She had not quite finished dressing, for she had but one shoe on — the other was on the table near her hand — her veil was half arranged, her watch and chain were not put on, and some lace for her bosom lay with those trinkets and with her handkerchief, and gloves, and some flowers, and a prayer-book, all confusedly heaped about the looking-glass. [...] I saw that everything within my view which ought to be white, had been white long ago, and had lost its luster, and was faded and yellow. I saw that the bride within the bridal dress had withered like the dress, and like the flowers, and had no brightness left but the brightness of her sunken eyes. I saw that the dress had been put upon the rounded figure of a young woman, and that the figure upon which it now hung loose, had shrunk to skin and bone.
Header image from Wikimedia of Oscar Wilde: Unknown photographer, Held at British Library, 1875-1905 and Alexander McQueen Menswear Fall 2017
Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mellon unterrichtet in NYC verschiedene Modekurse und ist die Autorin des Buches ‚Silk fort he Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie angesiedelt ist .