Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/166849

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Erfolg der landwirtschaftlichen angewandten Forschung in der Schweiz ist seit Langem international bekannt und erlaubt es, eine Landwirtschaft aufzubauen, die den Konsumenten nahe ist, die Umwelt berücksichtigt und innovativ ist. Die Einführung der Normen der integrierten Landwirtschaft, die Züchtung neuer Getreidearten und neuer resistenter Weinsorten, die Erforschung neuer Produktionstechniken, all dies ist der angewandten Forschung auf eidgenössischer Ebene, vor allem dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, Agroscope, zu verdanken, die einen bedeutenden Beitrag für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft sowie eine intakte Umwelt leistet und somit zur Verbesserung der Lebensqualität beiträgt.</p><p>Per 1. Januar 2014 wurde Agroscope zwecks einer Zusammenführung der verschiedenen Forschungsanstalten in vier Institute unter einer gemeinsamen Direktion als Schweizer Forschungsanstalt für die Land- und Ernährungswirtschaft gegründet. Es wurden neue Organisationsstrukturen geschaffen und substanzielle Einsparungen realisiert. Diese Reorganisation liefert anscheinend nicht die erhofften Resultate.</p><p>Agroscope ist zusätzlich mit den Folgen des Stabilisierungsprogramms konfrontiert. Um die Kosten zu senken, werden 14 Kaderstellen in der Forschung abgebaut. Dies bedeutet den Verlust wichtigen Know-hows und die Streichung bestimmter Aufgaben.</p><p>Im Bundesbudget sind eine Erhöhung der Direktzahlungen um 61,1 Millionen Franken und eine Kürzung der Mittel für die Forschungsanstalten vorgesehen. Diese Sparpolitik hat gravierende Konsequenzen für die Forschungsanstalt Agroscope. </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Kann die Forschung garantiert und das Weiterführen von Agroscope intakt bleiben, wenn diese Stellen abgebaut werden? </p><p>2. Welche Politik gedenkt er im Bereich der landwirtschaftlichen angewandten Forschung zu führen? Soll sich diese Politik weiterhin an der Praxis sowie an den realen Bedürfnissen von Landwirtschaft und Bevölkerung orientieren? </p><p>3. Ist er sich bewusst, dass die Umsetzung der Sparmassnahmen einen enormen Verlust von Forschungskompetenz zur Folge hat und das Renommee einer international anerkannten Institution gefährdet? </p><p>4. Was gedenkt er zu unternehmen, um dem Vertrauensverlust des Personals gegenüber seinen Führungsorganen etwas entgegenzusetzen? </p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Neuaufstellung von Agroscope per 1. Januar 2017 setzt einerseits die Sparvorgaben des Bundesrates um, welche vor dem Hintergrund der drohenden Budgetdefizite beschlossen wurden, andererseits ist sie eine Antwort auf Kritiken, welche auch nach der Reorganisation per 1. Januar 2014 immer wieder geäussert wurden. Gleichzeitig ermöglicht die neue Organisation, effektiver und effizienter auf die absehbaren Herausforderungen der Agrarforschung Schweiz zu reagieren. Detaillierte Ausführungen finden sich im Zwischenbericht zur Neuaufstellung Agroscope (<a href="http://www.agroscope.admin.ch/08608/index.html?lang=de">http://www.agroscope.admin.ch/08608/index.html?lang=de</a>).</p><p>Die Fragen werden wie folgt beantwortet:</p><p>1./3. Mit der Streichung einer Führungsebene im Organigramm Agroscope wurden die bisher 24 oberen Kaderpositionen auf neu 10 reduziert. Die Anzahl Kadermitarbeitende (inklusive Gruppenleiter) wird damit von 95 auf 81 vermindert. Neun der zehn neuen oberen Leitungsstellen konnten mit bisherigen Führungspersonen besetzt werden; sieben weitere ehemalige Kaderpersonen werden künftig auf anderen Agroscope-internen Stellen tätig sein. Der Prozess der internen und externen Stellensuche ist noch im Gange.</p><p>Mehr als die Hälfte der 24 durch die Neuaufstellung betroffenen Kaderpersonen wird sich also weiterhin für Agroscope einsetzen. Zusammen mit den rund 1200 Mitarbeitenden von Agroscope wird der Know-how-Verlust der austretenden Kaderpersonen aufzufangen sein.</p><p>Der Leistungsauftrag Agroscope bleibt von der Neuaufstellung unberührt. Das Renommee einer Forschungsinstitution misst sich am wissenschaftlichen Output und am Outreach. Die Neuorganisation von Agroscope ist auf diese Qualitätskriterien ausgerichtet. Die Wirkung von Agroscope sollte sich also erhöhen und das Renommee entsprechend steigen.</p><p>2. Die primäre Aufgabe der anwendungsorientierten Forschung von Agroscope ist es, auf nationaler Ebene Wirkung zu erzielen. Der Bundesrat hat bisher den Leistungsauftrag - dies nach Konsultation des Landwirtschaftlichen Forschungsrates, sowie der parlamentarischen Kommissionen WAK und FK - beschlossen. Zudem haben die Anspruchsgruppen von Agroscope vorgängig die Möglichkeit, ihre Anliegen im Rahmen einer breitangelegten Bedürfniserhebung einzubringen. Mit der Einführung des neuen Führungsmodells für die Bundesverwaltung wird der bundesrätliche Leistungsauftrag durch den Voranschlag mit integrierter Aufgaben- und Finanzplanung ersetzt, der dem Parlament jährlich unterbreitet wird.</p><p>Mit der Neuaufstellung von Agroscope wurde das Leistungsprofil geschärft und wurden sowohl die praxis- als auch die forschungsrelevanten Leistungen gestärkt. Zuständigkeiten, Aufgaben und Anforderungen sind klarer und die Entscheidungswege kürzer als heute. Die neue Struktur erlaubt es, schneller und direkter als bisher auf die spezifischen Anliegen der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft einzugehen. Die neuen Kompetenzzentren erleichtern den Austausch und die Zusammenarbeit mit der Praxis. </p><p>4. Mit der Reorganisation Agroscope per 1. Januar 2014 konnten mehrere der gesetzten Organisationsziele nicht erreicht werden. Zum Beispiel beklagten sich Mitarbeiter wiederholt über lange, ineffiziente und nicht immer sachorientierte Entscheidungsprozesse. Entsprechend wurde die angekündigte Neuaufstellung, nach Erläuterungen anlässlich von internen Informationsveranstaltungen, auf der materiellen Ebene mehrheitlich positiv aufgenommen. Die vorgängig geäusserte Kritik betraf überwiegend den Prozess der Neuaufstellung beziehungsweise die mangelnde Information. Mit der Bekanntgabe ihrer Ernennung haben die neuen Führungspersonen sofort und mit grossem Elan begonnen, sich auf ihre neuen Aufgaben auszurichten und ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen. Dies hat sich spürbar positiv auf die Motivation der Mitarbeitenden ausgewirkt, die Vertrauensbildung ist im Gange.</p>  Antwort des Bundesrates.