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Der Westschweizer Autor Jean-Luc Benoziglio starb am vergangenen Donnerstag unerwartet in einem Spital in Paris, wie sein Deutschschweizer Verlag Die Brotsuppe auf seiner Homepage mitteilt. Benoziglio wurde 72 Jahre alt.
Seit seinem Erstling «Quelqu'un bis est mort» von 1972 veröffentlichte er 15 Romane, zuletzt erschien auf deutsch 2007 «Louis Capet, Fortsetzung und Schluss», für dessen Originalausgabe er 2005 den renommierten Prix Dentan und den Hörerpreis des Westschweizer Radios erhielt.
Hang zur Geschichte
Jean-Luc Benoziglio wurde am 19. November 1941 in Monthey VS geboren. Er studierte in Lausanne Jura, ging dann ins Verlagswesen und begann zu schreiben. Seit 1966 lebte der Schweizer mit französischem Pass in Paris, als Verlagslektor und Autor. Trotz seines langen Exils blieb die Schweiz in seinem Werk präsent – seine Kindheit im Wallis und in Lausanne ebenso wie die Schweizer Geschichte, namentlich die Haltung der Regierung während des Zweiten Weltkriegs.
Benoziglio, von seinen Freunden und sich selber «Beno» genannt – wie in seinem vierten Roman «Béno s'en va en guerre» (1976) – hatte neben Schweizer auch türkische und italienische Wurzeln. Sein Vater Nissim stammte von sephardischen Juden ab, die 1492 aus Spanien in die Türkei geflohen waren und war selber 1920 als Psychiater ins Wallis gekommen.
Jean-Lucs Benoziglios Mutter war gebürtige Italienerin und von viel fröhlicherem Temperament als der verschlossene Vater. Das Paar wurde früh geschieden, und Jean-Luc wuchs bei der Mutter in Lausanne auf, wo er Rechtswissenschaft und Politologie studierte. Die vielen verschiedenen nationalen und religiösen Einflüsse prägten ihn.
Schockierender Humor
Bernard Comment, Benoziglios Verleger bei Seuil, wo alle seine Bücher erschienen sind, bezeichnet den Verstorbenen gegenüber der Zeitung «24 heures» als einen ausserordentlichen Autor. «Sein schwarzer, bisweilen gar schockierender Humor war stark geprägt von der Vorstellung des Exils. Er war der ewige Fremde».
Auf Deutsch übersetzt wurden von Benoziglios Werken unter anderen die Romane «Porträt-Sitzung» (Benziger 1990), für den er den Medicis-Preis erhielt, «Der Tag, an dem Kary Karinaky auf die Welt kam» (Rowohlt 1993), «Bilder einer Ex» (Rowohlt Tb, 1993), «Stillleben mit Pistole» (1998) und «Das Losungswort» (Die Brotsuppe, 2011). 1998 erhielt Benoziglio den Schillerpreis und den Prix Lipp für sein Gesamtwerk und 2010 den Grand Prix Ramuz, ebenfalls für sein Lebenswerk. In der Schweiz war der Autor trotzdem zeitlebens unterschätzt.