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Inhalt:
Ein humanoider Roboter, der reglos im All schwebt, wird an Bord der Voyager gebeamt. Nach langen Bemühungen gelingt es Torres, den Roboter zu aktivieren. Der Roboter erweist sich als intelligente Lebensform, die von einer inzwischen ausgestorbenen Rasse erbaut wurde. Dieser Roboterrasse ist es nicht möglich, ihre Energiemodule zu reparieren. Sie sind daher ebenfalls vom Aussterben bedroht. Da B'Elanna das Energiemodul ihres Patienten erfolgreich reparieren kann, bittet der Roboter sie, einen Prototyp eines solchen Moduls zu entwerfen, den die anderen Roboter dann nachbauen können. Doch Janeway verbietet ein solches Vorgehen wegen der Hauptdirektive. Der Roboter hat dafür wenig Verständnis. Er entführt Torres, beamt sich mit ihr auf das Roboterschiff und droht, die Voyager zu vernichten, wenn Torres ihm nicht hilft. Daraufhin gibt Torres nach und beginnt, ein solches Modul zu entwerfen. Das ganze erweist sich zunächst als schwierig, weil die Energiemodule der Roboter unterschiedliche Energiecodes haben. B'Elanna gelingt es jedoch, einen Prototypen zu erstellen, der in der Lage ist, die unterschiedlichen Energiemuster zu erzeugen. Plötzlich taucht eine andere Roboterrasse auf. Es stellt sich heraus, daß beide Roboterrassen für den Krieg konstruiert worden waren. Als die Erbauer die Roboter nach dem Krieg zerstören wollten, hatten sich die Roboter gewehrt und ihre Schöpfer ausgerottet. B'Elanna erkennt, daß sie durch ihren Prototypen eine dauerhafte und sehr gefährliche Roboterarmee erschaffen hat, etwas, das die Erbauer gerade verhindern wollten. Also zerstört B'Elanna ihren Prototypen. Beide Roboterschiffe eröffnen das Feuer. Tom Paris nutzt das Chaos, um Torres mit einem Shuttle zu retten.
Kritik:
Das Technikkauderwelsch, das in der zweiten Staffel von "Star Trek - Voyager" erfreulich weniger geworden war, wurde im ersten Akt von "Prototype" doppelt und dreifach nachgeholt. Das Technobabble war derart geballt, daß ich hier ernsthaft einen Scherz der Autoren vermute. Ich kann daher den Mitgliedern der Anti-Technobabble-Vereinigung nur raten, es auch wirklich mit Humor zu nehmen und nicht alles so verbissen zu sehen. Spätestens bei der Szene, als Torres im Nachthemd einem stirnrunzelnden Holodoc eine komplette Ladung Technikgeschwätz verpaßte, war ich mir sicher, daß es sich hier um einen gar nicht mal schlechten und durchaus kurzweiligen Gag der Autoren handelte.
Einen weiteren Insider-Joke gab es, als Chakotay zu Paris meinte: "I'd hate to lose another shuttle." (dt.: Ich möchte nicht noch ein Shuttle verlieren.) Tja, offenbar fiel hier den Autoren auch langsam auf, daß der Voyager-Crew die Shuttles bald schneller ausgehen als die Photonentorpedos. Witzig war auch die schlagfertige Antwort von Tom Paris ("Your concern for my welfare is heartwarming" - dt.: Ihre Sorge um mein Wohlbefinden ist herzerwärmend!), in welcher geschickt auf das nach wie vor gespannte Verhältnis zwischen Tom Paris und Chakotay angespielt wurde.
Das Verhältnis zwischen Tom Paris und Chakotay wurde seit dem Pilotfilm nie mehr richtig aufgegriffen, und es wundert mich, daß es bislang keine Folge gab, in der die beiden auf einem verlassenen Planeten notlanden müssen und aufeinander angewiesen sind.
Die Diskussion über die Hauptdirektive folgte diesmal nach dem Grundsatz: In der Kürze liegt die Würze. Die Autoren waren sich offenbar sehr wohl darüber bewußt, daß manche Zuschauer allmählich das Wort Hauptdirektive nicht mehr hören können und erledigten alles in einem kurzen, aber gehaltvollen und großartig geschriebenen Dialog.
Sehr interessant war auch ein Gespräch zwischen B'Elanna und dem Roboter 3947. B'Elanna erzählt darin nicht nur vom Androiden Data, sie erwähnt auch, daß es in der Föderation etliche Roboter gibt, die über kein Bewußtsein verfügen und den Menschen ihre Dienste erbringen. Da fragt man sich, warum es diese Roboter bislang in Star Trek noch nie zu sehen gab? Vom Reinigungsroboter bis hin zum Kistenstapler wären da doch genügend Möglichkeiten, auch mal Roboter in Star Trek zu zeigen!
Durchaus vergnüglich waren die Szenen, als es zum Kampf zwischen der Voyager und dem Roboterschiff kam. Allerdings fällt auf, daß die Kampfszenen in "Star Trek - Voyager" immer haargenau gleich sind. Es gibt Rotalarm, das Schiff wackelt und dann dauert es nicht mehr lange, bis irgendwelche Konsolen explodieren und diverse Ensigns verletzen. (Langsam begreife ich auch, warum der Stuhl des Captains immer weitab jeglicher Konsole in der Mitte der Brücke ist! Das scheint mir der sicherste Platz zu sein.) Dann meldet Tuvok ein paarmal, daß die Schutzschilde immer niedriger werden, wieder explodieren ein paar Konsolen, es dampft aus irgendwelchen Leitungen und Tom Paris gibt ein paar ironische Kommentare zum Besten... Auch in dieser Folge hätte man ruhig eine Kampfszene aus einer anderen Folge einbauen können, es wäre überhaupt nicht aufgefallen. Wenn den Autoren da nicht bald was Neues einfällt, ist die Gefahr groß, daß diese Szenen bei aller Action bald nur noch langweilen.
Die Robotermaske erinnerte ein wenig an den Film "Metropolis". Sie wurde vielfach als primitiv und "lächerlich" kritisiert, auch Regisseur Jonathan Frakes äußerte sich unzufrieden darüber. Gut, das Gesicht der Roboter wirkte ein wenig primitiv, aber warum sollte man irgendwelchen Kampfrobotern ein aufwendiges Gesicht mit bewegbaren Lippen verpassen?
Recht originell war auch der Beginn der Episode, der aus der Sicht des im All treibenden Roboters gezeigt wurde.
Fazit: Intelligente Dialoge und eine temporeiche Inszenierung sorgten trotz aller Star Trek-Klischees für eine kurzweilige Episode.