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einflußreichen Hofmann. So hielt Kaiser Maximilian I. seinen treuen Hofnarren Kunz von der Rosen sehr hoch. Otto der Fröhliche, Herzog von Steiermark, [* 2] trieb manche Kurzweil mit seinem Lustigmacher Wiegand von Theben, dem sogen. Pfaffen vom Kahlenberg, dessen nicht selten an Eulenspiegel erinnernde Schwänke auch gedruckt sind. Die Kurfürsten von Sachsen [* 3] hatten ihren groben Klaus von Ranstädt, den sogen. Klaus Narren, und den witzigen F. Taubmann. Beider Einfälle und Possen sind ebenfalls durch den Druck bekannt geworden.
Viel genannt ist auch der Hofnarr des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz, der Zwerg Perkeo, dessen hölzernes Standbild noch jetzt im Keller des Heidelberger Schlosses zu sehen ist. Wie das Benehmen der Hofnarren von dem andrer Leute verschieden war, so wurde es nach und nach auch ihre Tracht. Der beschorne Kopf scheint sich von den alten Mimen auf die Narren späterer Zeiten vererbt zu haben, und in dieser Beziehung werden sie nicht selten mit den tonsurierten Mönchen zusammengestellt.
Die Narrenkappe (Gugel, [* 4] Kogel, cucullus) war ein kugelförmiger oder turbanähnlicher Kopfputz, wie ihn jetzt noch die Bergleute zu tragen pflegen. Da aber auch Gelehrte, Mönche und gemeine Leute sich der Gugel (s. d.) bedienten und diese an und für sich den Narren nicht mehr genugsam charakterisierte, so setzte man ihr schon im 15. Jahrh. Eselsohren an oder verzierte sie mit dem Hahnenkamm, einem ausgezackten Streifen roten Tuches, welcher von der Stirn bis in den Nacken lief. Zu dem Putz eines Hofnarren gehörte ferner der breite Halskragen, welchen man auch noch an unserm deutschen Hanswurst wahrnimmt, und die Schellen, welche im Mittelalter von Reichen und Vornehmen, seit dem 15. Jahrh. aber nur von privilegierten Narren und zwar an der Kappe, an den Eselsohren, an der Brust, am Gürtel, [* 5] an den Ellbogen, an den Knieen und an den Schuhen getragen zu werden pflegten.
Soll, wie das Sprichwort sagt, ein Narr einem König gleich sein, so darf ihm das Zepter nicht fehlen, und er besaß es auch wirklich in der Gestalt des Narrenkolbens, welcher anfangs nichts weiter als der in Sümpfen wachsende Rohrkolben (Typha L.), der daher auch den Namen Narrenzepter führt, gewesen zu sein scheint. Später fertigte man ihn aus Leder, in Form einer Herkuleskeule, woran sich oben gewöhnlich ein Narrenkopf mit herausgereckter Zunge als Verzierung befand.
Der Narr hatte diese Angriffs- und Verteidigungswaffe an einem Riemen an der Hand [* 6] oder am Arm hängen. Schon gegen das Ende des 15. Jahrh. artete das Wesen der Hofnarren besonders in Deutschland [* 7] aus; da nämlich zuletzt fast jeder Edelmann seinen Hofnarren hielt, so ward das Land mit Narren und Spitzbuben zugleich übersäet, indem viele Gauner sich vom ersten besten Adligen das Narrenpatent ausstellen ließen, um unter dieser Firma Schelmen- und Schurkenstreiche ausüben zu können.
Auf den Reichstagen von 1495 bis 1575 wurden gegen diesen Unfug und namentlich gegen die Titularnarren strenge Beschlüsse gefaßt. Die französische Hofsitte verdrängte zu Anfang des 18. Jahrh. endlich die Hofnarren von den europäischen Höfen. Der närrische Pedant J. P. Gundling am Hofe Friedrich Wilhelms I., welcher nur durch die unzähligen Possen, die man mit ihm trieb, berühmt geworden ist, war kein eigentlicher Hofnarr. Nur am russischen Hof [* 8] begann um dieselbe Zeit erst die Blüte [* 9] der Hofnarren, aber in neuer, durchaus origineller Art. Peter d. Gr. und die Kaiserin Anna benutzten das Institut der Hofnarren zur Zügelung und Züchtigung ihrer Umgebung, indem sie diejenigen, welche irgend eine Thorheit begangen hatten, dafür zu Hofnarren ernannten.
Auf diese Weise wurde z. B. der Fürst Galizyn Hofnarr, weil er im Ausland die Religion gewechselt hatte, und der Fürst Wolchonski erhielt, weil er sehr lustig war, als Hofnarr den Titel eines Aufsehers über die Windhunde der Kaiserin. Bei Karnevals- und ähnlichen öffentlichen Aufzügen finden wir die Narren im alten Kostüm [* 10] noch jetzt; unsterblich geworden sind sie aber durch Shakespeare.
Vgl. Flögel, Geschichte der Hofnarren (Leipz. 1789);
Nick, Die Hof- und Volksnarren (Stuttg. 1861, 2 Tle.).