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Das Wasserwerk Weiermatt des Zweckverbands WRZ
In den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts wurde nach längeren Beratungen der damaligen Wasserbaukommission Reigoldswil ein Projekt für eine Wasseraufbereitungsanlage erstellt. Geplant war der Bau dieser Anlage auf halbem Weg zwischen den Eisetquellen und dem südlichsten Dorfteil (Chilchli). Es war damals vorgesehen, vorläufig nur das Wasser der Eisetquellen aufzubereiten. Das Wasser der Weiermattquelle war praktisch nie verunreinigt und zudem war ein Teil dieses Wassers anno 1936 an die Gemeinde Ziefen verkauft worden. Auf Drängen des kantonalen Lebensmittelinspektorats wurden 1970 Verhandlungen zwischen Reigoldswil und Ziefen aufgenommen mit dem Resultat, dass eine gemeinsame Anlage bei der Weiermattquelle gebaut werden sollte. Dazu wurde eine paritätische Wasserbaukommission der beiden Gemeinden bestellt und in der Folge der „Zweckverband WRZ Wasseraufbereitung Reigoldswil - Ziefen“ gegründet.
Ein neues Projekt wurde vom Ingenieurbüro Itin + Kipfer aus Liestal erarbeitet und Ende 1972 konnte mit dem Bau begonnen werden. Im Mai 1974 wurde das Wasserwerk in Betrieb genommen. Die Aufbereitung des Wassers erfolgte mittels Flockung mit Alusulfat und Sedimentation, dann mit Ozonierung, und am Schluss der Kette durchlief das Wasser einen Quarzsandfilter. Bei grösseren Verunreinigungen des Wassers der Eisetquellen wurde dieses in den Bach geleitet und nur das leider viel härtere Wasser der Weiermattquelle genutzt. 1987 wurde mit den Gemeinden Liedertswil und Titterten ein Liefervertrag abgeschlossen. Liedertswil kann seit 1988 die Fehlmengen aus dem Wasserwerk in Reigoldswil beziehen. Titterten wird dies bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls tun (Nachtrag, der Anschluss erfolgte 2022).
Mitte der 90er-Jahre zeigte der Ozonerzeuger Alterserscheinungen und wurde durch einen neuen ersetzt. Leider fiel die Wahl auf ein Produkt, welches nicht zufriedenstellend arbeitete. Nachdem die Eisetquellen vom Kantonalen Labor während einiger Zeit gesperrt wurden, musste man sich eine grössere Sanierung der Anlage überlegen. Ein erstes günstigeres Projekt wurde von der Gemeindeversammlung Reigoldswil zurückgewiesen und kam daher in Ziefen gar nicht zur Abstimmung. Darauf wurde das neutrale Ingenieurbüro K. Lienhard AG aus Buchs-Aarau beigezogen und eine neue Projektstudie erstellt. Dieses Projekt fand vor dem Souverän Gnade und konnte in der Folge weiterbearbeitet werden. Im Laufe des Jahres 2004 wurde mit dem sehr komplizierten Umbau des Werks begonnen, kompliziert deshalb, weil während der gesamten Umbauzeit einwandfreies Wasser aus dem Werk an die Gemeinden abgegeben werden musste. Ende 2005 war der Umbau abgeschlossen und die Anlage, welche dem neuesten Stand der Technik entspricht, kann nun das weichere Wasser der drei Eisetquellen (max. 24° französische Härte) praktisch zu 100 % nutzen. Weiermattwasser mit bis zu 52° franz. Härtegraden wird normalerweise nur noch zur Deckung von Fehlmengen genutzt, wenn das Wasser vom Eiset bei grosser Trockenheit nicht ausreicht.
Die verschiedenen Reinigungsstufen der neuen Anlage sind aus dem Kurzbeschrieb und das Gesamtkonzept und die Details der Membranfilter und der Aktivkohlefilter aus den Bildern ersichtlich.
Alle baulichen Arbeiten wurden durch einheimische Firmen ausgeführt. Die eigentliche Wasseraufbereitungsanlage wurde von der WABAG Wassertechnik AG in Winterthur als Generalunternehmung erstellt. In die darin enthaltene elektronische Steueranlage der Firma Rittmeyer AG, Zug ist auch die gesamte Steuerung der Wasserversorgung Reigoldswil integriert worden. Der künstlerische Fassadenschmuck wurde teilweise durch Sponsorenbeiträge der am Bau beteiligten Firmen ermöglicht und von Herrn Nicolas Vionnet, freischaffender Künstler aus Sissach gesprayt (Bild anklicken für Details).
Die Gesamtumbaukosten inkl. einige Arbeiten zu Lasten von Rückstellungen beliefen sich auf rund Fr. 2'600'000.-, wobei allein die interne Aufbereitungsanlage inklusive Steuerung (exkl. Anteil Reigoldswil) mit gut 1.6 Millionen Franken den Hauptanteil der Kosten ausmachte. Für neue Druckpumpen, die Sanierung des Stufenpumpwerks Chläberen und die neue Steuerung hat die Gemeinde Reigoldswil rund Fr. 200'000.- ausgegeben.
Der Zweckverband wird von einer paritätischen Betriebs- resp. Verwaltungskommission geleitet. Die Amtszeit derselben beträgt jeweils 4 Jahre und läuft parallel mit derjenigen der Gemeinderäte. Die Kommission arbeitet unabhängig, muss sich allerdings aufgrund der Statuten des Zweckverbands Neu- und Erweiterungsbauten von den beiden Gemeindeversammlungen in Reigoldswil und Ziefen genehmigen lassen. Die Finanzierung der Zinsen und Betriebskosten erfolgt über den Wasserabgabepreis (pro m3) an die Gemeinden, d.h. diese kaufen das aufbereitete Wasser zu den jeweiligen Gestehungskosten ab Wasserwerk.
Beilagen:
- Schemata
- Systemübersicht, Kurzbeschrieb, Membranfilter und Aktivkohlefilter
- Zeitungsbericht der Einweihung im Jahr 2005
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Bericht eines Ingenieurbüros aus dem Jahre 1910 über die Wasserversorgung in Reigoldswil. (Link)
Beitrag Heimatkunde Reigoldswil zum Thema Wasserversorgung, verfasst von Hans Feldner im Jahr 2008. Hans Feldner hat während 40 Jahren in den verschiedenen Wasserkommissionen von Reigoldswil mitgewirkt. 1968 wurde er in die damals 11-köpfige Wasserkommission gewählt. Später wurde eine paritätische Kommission mit Ziefen gebildet. Aus dieser ist die Betriebskommission WRZ entstanden. Von 1984 bis 2008 hat Hans Feldner diese Kommission präsidiert.
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