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Jerusalem. Es ist ein drückend heisser Tag in Jerusalem. Der Hip-Hop-Mogul Russell Simmons, Gründer einer grossen Plattenfirma und eines Bekleidungsunternehmens, fächelt sich mit einer Zeitschrift Luft zu. Neben ihm sitzt der orthodoxe Rabbiner Marc Schneier, Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses.
Die beiden Männer sind ein ungleiches Paar. Simmons zeigt sich in karierten Shorts und dazu Yogaperlen, Turnschuhe und eine Yankee-Baseball-Kappe. Schneier trägt seinen gutsitzenden dunklen Anzug, die schwarze Kippah (eine von orthodoxen jüdischen Männern getragene Kappe) und glänzende Schuhe – ohne dass auch nur eine Schweissperle auf seiner Stirn zu sehen ist. Schneier ist Gründungsrabbiner der Hampton Synagogue in New York und Spross einer bekannten Rabbinerfamilie. Simmons ist Veganer und Multimillionär, stammt aus dem Stadtteil Queens in New York praktiziert Transzendentale Meditation.
Ja, sie sind ein ungleiches Paar. Aber nur auf den ersten Blick.
Denn die beiden befinden sich offensichtlich im Einklang miteinander; einer beendet die Sätze des anderen, sie werfen sich Antworten mit der Leichtigkeit einer langjährigen Freundschaft wie Bälle zu und klopfen der zwischen ihnen sitzenden Interviewerin häufig auf die Schulter, um ihre Argumente zu unterstreichen, die nicht selten mit grosser Leidenschaft, im selben Moment und mit voller Lautstärke vorgebracht werden.
Es ist Simmons Jungfernfahrt nach Israel, aber eine, auf die er lange Zeit hingearbeitet hat.
Obwohl selbst kein Muslim, ist Simmons ein langjähriger Fürsprecher von mehr Toleranz und Verständnis gegenüber den Muslimen in Amerika. Er ist mit Schneier hierhergekommen, um für die Foundation for Ethnic Understanding (FFEU) zu werben, eine Organisation, die sie mitbegründet haben; ihr Anliegen ist es, die muslimisch-jüdischen Beziehungen in der ganzen Welt zu stärken.
Das Flaggschiff-Projekt der FFEU, das so genannte Partnerschaftsprogramm („twinning programme“), bringt jüdische und muslimische Gemeinden für ein Wochenende zum Gespräch zusammen; in diesen Tagen werden gemeinsame Programme und Partnerschaften aufgebaut, deren Ziel eine langfristige Zusammenarbeit ist.
Zusammen mit dem Jüdischen Weltkongress und der Islamic Society of North America hat die FFEU hunderte von Gemeinden „verpartnert“ und Imame zu jüdischen Gemeinden in Synagogen sowie Rabbiner in Moscheen geschickt.
„Es ist eine einfache Idee, aber sie wird nicht umgesetzt“, sagt Simmons bei einem Glas Wasser auf der President’s
Conference, einem jährlich in Jerusalem stattfindenden viertägigen Treffen von Intellektuellen und Führungspersonen, die sich mit dem Nahen Osten beschäftigen. Die beiden Männer sind vom israelischen Präsidenten Schimon Peres eingeladen worden.
„Wir teilen die feste Überzeugung, dass es für Juden und Muslime höchste Zeit ist zu lernen, wie sie einander trauen und füreinander – und nicht gegeneinander – kämpfen können“, erklärt Schneier. „Und dafür muss man einander tatsächlich kennen“, fügt Simmons hinzu.
Simmons ist ein erfahrener Aktivist, der für Veganismus und Umweltangelegenheiten und Tierrechte kämpft, der sich für die Rechte Homosexueller einsetzt und – wie jüngst – für die Occupy-Wall-Street- Bewegung, die gegen wirtschaftliche Ungleichheit protestiert. Doch er sagt: „Kein anderes Anliegen, für das ich mich engagiert habe, hat sich auch nur annähernd so schnell verbreitet wie unsere Arbeit mit Schwarzen, Muslimen und Juden. Wir haben über einhundert Programme in Amerika und Zweigstellen in über dreissig Ländern in der ganzen Welt gegründet.“
Israel-Palästina war immer ein besonders herausforderndes Thema, wie sie zugeben; aber eines, mit dem sie sich auch schon immer gerne auseinandersetzen wollten. Und nun sind sie ins Heilige Land gekommen – da sie spüren, dass die Zeit dafür reif ist.
In Haifa hat Schneier sich mit einem Konsortium von Rabbinern und Imamen getroffen, die sich für das Partnerschaftsprojekt interessieren. Unterdessen war Simmons zu einem Treffen mit dem Grossmufti von Jerusalem, Muhammad Ahmad Hussein, um das Projekt zu erklären und ihm vorzuschlagen, sich als persönliches Beispiel mit einem der Oberrabbiner Israels zusammenzusetzen.
„In Haifa konnte ich buchstäblich sehen, wie während unseres Treffens den Leuten Lichter aufgingen“, sagt Schneier. „Sie ist so offensichtlich, diese Partnerschaft. Aber manchmal braucht es jemanden von aussen, um das Offensichtliche zu erkennen.“
Der Mufti stand dem Projekt ebenfalls positiv gegenüber, sagt Simmons. „Ich wurde ermutigt. Es gibt Potenzial“, fügt er hinzu. „Was er über Religion gesagt hat, war das Toleranteste, das ich jemals gehört habe. Wir sprachen über seine Liebe für das jüdische Volk und über das Potenzial für Frieden. Wenn Sie diese Botschaft vom Grossmufti hören und eine ähnliche Botschaft vom Oberrabbiner, fühlen Sie sich hoffnungsvoll“, schliesst Simmons.
Simmons weiss, dass es Grenzen dessen gibt, was die Stiftung tun kann. Weder er noch Schneier können versprechen, dass sich der Grossmufti und der Oberrabbiner zusammensetzen werden. Aber sie glauben daran.
Originalversion: Hip-hop mogul and Orthodox rabbi push “twinning” project in the Holy Land by Danna Harman, Common Ground News Service (CGNews), 24 July 2012. Deutsche Übersetzung © Audiatur-Online.