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Wörter wie Kladderadatsch, Holterdipolter, Blubber liebe ich. Es sind lautmalerische Wörter. Sie malen mit den Lauten das, was sie aussagen wollen. Wenn man sie ausspricht, zergehen sie auf der Zunge wie ein Stück Schokolade und im Kopf läuft ein Film ab. Holterdipolter – da sehe ich etwas Grosses und Schweres, vielleicht einen Sack Holz, mit Getöse die Treppe hinunterpurzeln. Kladderadatsch ist ursprünglich berlinerisch und heisst: etwas fällt herunter und zerbricht, zusammengesetzt aus Klatsch und Kladatsch. Das Wort war auch Titel einer Berliner Satirezeitschrift. Blubber stehen mir von Berufs wegen nahe: Wenn jemand ein P oder T mit viel Luft nahe am Mikrophon ausspricht, dann macht es «blubb». Es gibt so etwas wie eine kleine Explosion auf der Aufnahme, eben einen Blubber. Auch Jodeln ist lautmalerisch. Keine Texte, sondern Lautsilben werden gesungen, etwa «Johodraeho» singen die Jodlerchöre.
Die besten Lautmalerinnen und Lautmaler sind die kleinen Kinder, wenn sie anfangen zu reden. «Wauwau» ist der Hund und «Mau» die Katze. Wobei schon die alten Ägypter, für welche die Katze ein heiliges Tier war, für sie den Namen «Mau» verwendet haben. Das bedeutete auch «Licht». (Man lernt viel in den Internet-Suchmaschinen! Auch dass Lautmalerei den noblen Namen «Onomapoesie» trägt.)
Kürzlich habe ich ein neues lautmalerisches Wort entdeckt: Klapotetz. Der oder die Klapotetz, darüber streitet man sich – ich entscheide mich für die Klapotetz. Das ist eine hölzerne «Rätsche», sie wird angetrieben von einem Windrad. In der Steiermark steht sie vom Sommer bis zur herbstlichen Weinlese auf hohen Stangen in den Weinbergen. Im Rhythmus des Windes erzeugt sie unregelmässiges Rätschen und Klappern und will damit die Vögel von den süssen Traubenbeeren verjagen. Vermutlich haben sich die gefiederten Freunde in der Steiermark ebenso an das Geräusch der Klapotetz gewöhnt wie bei uns an die schwingenden farbigen Spiralen und an die schrecklichen Schiessautomaten. Doch schöner als Schüsse in den Reben ist das Geräusch der Holzklappern sicher. Die Klapotetz wird aus verschiedenen Hölzern zusammengebaut: die Flügel aus Fichtenholz, die Klappern aus Buche, der Block aus Esche oder Kastanie – und das Schlagbrett muss aus Kirschbaumholz sein, weil dieses schrille Töne erzeugt. Interessierten Weinbauern, die ihre Schiessmaschinen durch Klapotetz ersetzen wollen, gebe ich gern eine Skizze weiter.
Ursy Trösch