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Ganz plötzlich tritt der Tinnitus auf und macht sich durch ein stetes Brummen, Pfeifen oder Klingeln im Ohr bemerkbar. Diese andauernden Geräusche bedeuten für die Betroffenen meist eine grosse Einschränkung ihrer Lebensqualität. Wie die störenden Geräusche entstehen und wie sich Tinnitus behandeln lässt, erfahren Sie hier bei uns.
Was ist Tinnitus?
Tinnitus ist keine eigentliche Krankheit, sondern ein medizinisches Symptom. Er zeichnet sich durch unangenehme Ohrengeräusche aus, die nur der Betroffene auf einem Ohr oder auf beiden Ohren wahrnimmt. Eine externe Quelle für sie existiert demnach nicht. Unter dieser Störung der Hörfunktion leiden schätzungsweise circa 40 % der Schweizer mindestens einmal für einen kurzen Zeitraum in ihrem Leben. Bei bis zu 20 % besteht die Diagnose eines chronischen Tinnitus, was bedeutet, dass die Ohrengeräusche länger als drei Monate anhalten. Das Entstehen der Geräusche begründet sich nach gesicherten Ergebnissen der Neuroforschung in einer abnormalen Aktivität von Gehirnnervenzellen. Somit liegt beim Tinnitus die Ursache nicht im Ohr selbst.
Was sind die Ursachen von Tinnitus?
Grundsätzlich unterscheidet die Medizin bei den Ursachen für Tinnitus zunächst zwischen zwei Tinnitus-Arten: objektiver und subjektiver Tinnitus. Bei einem subjektiven Tinnitus existiert eine Schallquelle nicht. Für seine Entstehung existieren folgende mögliche Ursachen:
- Schalltrauma
- Hörsturz
- Altersschwerhörigkeit
- Entzündungen des Ohrs und virale sowie bakterielle Infekte
- Autoimmunerkrankungen des Innenohrs
- Fremdkörper im Gehörgang
- chronische Mittelohrentzündung
- Krankheiten des zentralen Nervensystems
- Akustikusneurinom (gutartiger Tumor im Gehörgang)
- Otosklerose (Erkrankung des Knochens um das Innenohr)
- Herz-Kreislauf-Krankheiten
- Dekompressionskrankheiten
- Nieren- und Stoffwechselerkrankungen
- Morbus Ménière (Erkrankung des Innenohrs unbekannter Ursache)
- funktionelle Beschwerden des Kiefergelenks oder der Halswirbelsäule
Gehört Stress zu den Ursachen des subjektiven Tinnitus?
Obgleich rund 26 % der Menschen mit chronischem Tinnitus vor ihren Ohrengeräuschen stark stressbelastet sind, scheidet bei Tinnitus Stress als Ursache aus. Es gibt jedoch einen engen Zusammenhang zwischen dem Krankheitsanzeichen und einer erheblichen seelischen Belastung. So vermögen Stress, Depressionen und andere psychische Faktoren keinen Tinnitus im Gehirn auszulösen, aber es ist unbestreitbar, dass sie zu seiner Entstehung beitragen und diese begünstigen. Stress führt zu einer veränderten Hormon-Ausschüttung im Körper und zu Störungen der Durchblutung, wodurch die Möglichkeit zu einer Ausbildung eines Sauerstoffmangels im Innenohr besteht. Ebenfalls berichten Betroffene des Burnout-Syndroms oder von depressiven Verstimmungen verstärkt über Tinnitusbeschwerden. Damit wird das Ohrengeräusch zu einem körperlichen Ausdruck eines Konflikts der Psyche.
Beim objektiven Tinnitus keine psychosomatischen Ursachen entscheidend
Der objektive Tinnitus tritt nur bei rund 1 % der Betroffenen auf. Bei ihm kann der Arzt eine tatsächliche Schallquelle im Körper ausmachen. Dazu zählen beispielsweise die Strömungsgeräusche in den Blutgefässen. Bei einem objektiven Tinnitus sind psychische Ursachen zu vernachlässigen. Ebenso scheiden bei dieser Form des Tinnitus Ursachen wie die Halswirbelsäule aus. Stattdessen liegen beim pulssynchronen Tinnitus die Ursachen in folgenden speziellen Krankheiten:
- Blutschwämme (tumorartige Gefässneu- oder entwicklungsbedingte Gefässfehlbildung)
- Tumore im Mittelohr
- Gaumensegelnystagmus (unkontrollierbare, rhythmische Bewegung des Gaumensegels)
- Blutstromveränderungen der Halsvenen
- Tubenfunktionsstörungen
Wie beuge ich Tinnitus vor?
Die häufigste Ursache für Tinnitus ist eine Ohrschädigung durch Lärm. Daher ist es ratsam, bei bestimmten Anlässen wie Rockkonzerten einen adäquaten Gehörschutz zu tragen. Stress als begünstigender Faktor von subjektiv wahrgenommenen Ohrengeräuschen gilt es zu minimieren, was durch ein optimiertes Zeitmanagement und Entspannungsübungen möglich ist. Auch eine gesunde Ernährung reduziert das Tinnitusrisiko. Treten akute Ohrengeräusche auf, ist das Aufsuchen eines Spezialisten ratsam. Dieser kann frühzeitig auf das Problem eingehen und unter Umständen einen chronischen Verlauf verhindern.
Was kann ich gegen Tinnitus tun?
Unabhängig davon, ob der Tinnitus einseitig oder der Tinnitus beidseitig ist: Die Ursache ist für eine gezielte Behandlung entscheidend. Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Tinnitus zählen medikamentöse Verfahren, akustische Stimulation und verhaltenstherapeutische Massnahmen. Ebenfalls haben sich der Einsatz von elektrischer und magnetischer Gehirnstimulation und physiotherapeutische Verfahren bewährt. Problematisch ist, dass sich chronischer Tinnitus nicht einfach „abschalten“ lässt, er ist nicht heilbar. Ziel von Therapien ist in der Regel, den Betroffenen ein Leben mit dem Tinnitus zu ermöglichen. Therapien sollen deshalb dafür sorgen, dass Betroffene die Störgeräusche weniger intensiv wahrnehmen und sich ihre Lebensqualität verbessert. Im akuten Stadium reicht der Arzt bevorzugt intravenös gegebene Lokalanästhetika, durchblutungsfördernde Mittel und Glukokortikoide (Steroide).
Ist bei Tinnitus eine Behandlung mit einem Hörgerät möglich?
Obgleich beim Tinnitus die Ursachen die Behandlung bestimmen, existieren Massnahmen zur Unterstützung der Therapie. Dazu zählt das Hörgerät, da rund 95 % der Betroffenen eine Hörschwäche beschreiben. Bei 89 % liegt diese auf beiden Ohren vor. Hörgeräte verfügen meist über einen sogenannten Noiser, der ein gleichmässiges leises Rauschen erzeugt. Dieses hilft dem Gehirn dabei, den Tinnitus nach einiger Zeit nicht mehr wahrzunehmen. Durch den Hörgeräteeinsatz steigert sich somit die Lebensqualität der Patienten. Zugleich senkt dies die psychische Belastung durch den Tinnitus.
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