Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/37

Maß, Zahl und Farbe: ein Widerspruch? Einerseits ist die Goethesche Farbenlehre mit ihrer großen Mannigfaltigkeit an qualitativen Beziehungen der Farben ein oft gepflegtes Gebiet, anderseits liegen in der physikalischen Farbenlehre auch quantitativ faßbare Fakten vor (z.B. die Beugung oder die Dispersion, die noch heute mit den üblichen Modellvorstellungen wie z. B. mit elektromagnetischen Wellen in Verbindung gebracht werden).
Ein dreigliedriger Ansatz mit projektiver Geometrie stellt nun ein mathematisches Werkzeug bereit, um den quantitativen Teil der Farbenwelt ohne mechanische Reminiszenzen und ohne die üblichen Modellvorstellungen zu fassen: ein Gedankenweg, der vom «Menscheitsrepräsentanten» Rudolf Steiners bis zu einer konkreten Farberscheinung führt. Gleichzeitig wird die Grenze der phänomenologischen Vorgehensweise sichtbar: die verschiedenen Farbmischungen werden voneinander abgegrenzt.
Die Einführung eines Maßes in die Farbenwelt bringt den Begriff des lokal verschieden gekrümmten Farbraums. Der damit gewonnene Kontext ergibt eine mögliche sinnvolle Deutung für den viel diskutierten «Versuch von Einsingen».