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Damit meint er, dass jedem Menschen eine bestimmte Tätigkeit besonders gut liegt. Nur, wenn der Mensch eben diese Tätigkeit ausübt und sich seinen Möglichkeiten entsprechend entfaltet, kann er glücklich werden.
Um das vollkommene Glück zu finden, muss man auch behutsam mit dem Charakter umgehen und einen guten «Daimon» (gutes Schicksal oder ein glückliches Händchen) besitzen. Daher ist seine These über die Glückseligkeit auch unter dem Namen «Eudaimonie» bekannt. Epikur dagegen glaubte nicht, dass das Glück einzig und allein mit der spirituellen Welt zu tun habe, sondern auch mit irdischen Gegebenheiten.
Nietzsche ist der Meinung, dass ein Leben in Hülle und Fülle und ohne jegliche Besorgnis der Wunsch mittelmässiger Personen sei, die dem Leben nicht mehr Wert zuschreiben würden. Er steht dem Glück kritisch gegenüber. Glück bedeutet für Nietzsche, dass es einem gut geht, weil die Bedingungen günstig sind oder das Schicksal es gut mit einem meint. Jedoch sei das nur ein Zustand von kurzer Dauer, der jederzeit wieder vorbei sein könne.
Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek ist davon überzeugt, dass Glück abhängig von der eigenen Meinung und nicht von der Wahrheit sei. Zizek betrachtet es als ein Produkt der kapitalistischen Werte, die vollkommene Befriedigung durch Konsum versprechen. Doch im Inneren sei der Mensch unzufrieden, weil er in Wahrheit gar nicht wisse, was er wirklich will.
Für den spanischen Philosophen José Ortega y Gasset entsteht Glück, wenn «das vorgestellte Leben» und «das wahre Leben» übereinstimmen, das heisst, wenn unsere Wünsche der Realität entsprechen.
«Wenn wir uns fragen, worin dieser ideale spirituelle Zustand namens Glückseligkeit besteht, kommen wir ganz leicht auf diese Antwort: Das Glück besteht darin, etwas zu finden, was uns wirklich befriedigt.»
Sehnen wir uns nicht alle nach einem Quäntchen Glück nach zwei Jahren der Drangsalierung, Gehirnwäsche und Einschränkungen? Mit Glück meine ich keinen materiellen Reichtum, sondern die Gewissheit, dass ich selbst meinem Leben den Sinn geben kann, den ich wähle. Nicht den Sinn, den mir die Politik oktroyieren will. Bin ich etwa heutzutage nur dann ein glücklicher Bürger, wenn ich unkritisch bin, dem Impfwahn zustimme und einer technikgesteuerten, sterilen Welt den Weg ebne? Wohl kaum.
Der Frühling reizt besonders dazu, Samen für Neues zu säen. Richtet man seinen Blick auf das Geschehen in der Natur, auf aromatisch duftende Rosen, die Knospen der Apfelbäume und lauscht dem Gesang der Vögel, kommt man dem Glück vielleicht wieder ein Stückchen näher. Das bedeutet nicht, dass der aufgeklärte Mensch sich vom Weltgeschehen abwenden und sich der Ignoranz hingeben soll, sondern vielmehr, dass er wieder zu seinem Glück findet. Einem Lebensglück, das in letzter Zeit bei vielen getrübt ist.
Der österreichische Psychologe Paul Watzlawick hat 1983 das Buch «Anleitung zum Unglücklichsein» verfasst. Es bildet die parodistische Antwort auf die in den 1980er Jahren vor allem in den USA weit verbreitete Ratgeberliteratur. Darin zeigt Watzlawick auf, wie man sein Leben unerträglich gestalten kann.
Watzlawick beginnt sein Buch mit einem Zitat aus den «Aufzeichnungen aus dem Kellerloch» von Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Es illustriert, worum es ihm in dem Buch ging.
«Was kann man nun von einem Menschen (…) erwarten? Überschütten Sie ihn mit allen Erdengütern, versenken Sie ihn in Glück bis über die Ohren, bis über den Kopf, so dass an die Oberfläche des Glücks wie zum Wasserspiegel nur noch Bläschen aufsteigen, geben Sie ihm ein pekuniäres Auskommen, dass ihm nichts anderes zu tun übrigbleibt, als zu schlafen, Lebkuchen zu vertilgen und für den Fortbestand der Menschheit zu sorgen – so wird er doch, dieser selbe Mensch, Ihnen auf der Stelle aus purer Undankbarkeit, einzig aus Schmähsucht einen Streich spielen. Er wird sogar die Lebkuchen aufs Spiel setzen und sich vielleicht den verderblichsten Unsinn wünschen, den allerunökonomischsten Blödsinn, einzig um in diese ganze positive Vernünftigkeit sein eigenes unheilbringendes phantastisches Element beizumischen. Gerade seine phantastischen Einfälle, seine banale Dummheit wird er behalten wollen …».
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Volksweisheit, wenn sie behauptet, nichts sei schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen. Der bedeutende römische Polyhistor Marcus Terentius Varro zählte nicht weniger als 289 Ansichten darüber, was Glück sei.
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich für meinen Teil möchte mir mein persönliches Lebensglück zurückholen und es mir nicht von unfähigen Politikern, ignoranten Snobs und unkritischen Mitmenschen vermiesen lassen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen glückbeseelten Frühlingsanfang.
Herzlich,
Lena Kuder
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