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Die Ottawa-Charta, auf welcher die Gesundheitsförderung basiert, fordert mit dem Postulat der Chancengleichheit u.a. auch, dass Gesundheitsförderung - und das gilt genauso für die Prävention - die unterschiedlichen Realitäten und Hintergründe von Mädchen/Frauen und Jungen/Männer bei der Planung, Durchführung und Evaluation von Projekten und Massnahmen einbezieht. Damit soll der Kategorie Geschlecht als differenzierende Variable vermehrt Rechnung getragen werden, was aber nicht heisst, dass Ethnie, soziale Schicht oder Alter als weitere Variablen vernachlässigt werden sollen.
Im englischen steht der Begriff 'Gender' für das soziale Geschlecht; 'sex' meint im Unterschied dazu das biologische Geschlecht.
Lebens- und Verhaltensweisen, so auch das Gesundheitsverhalten, werden sowohl durch Verhältnisse und Lebensbedingungen als auch ganz stark durch die Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen und durch das Geschlecht bestimmt. Durch nach wie vor unterschiedliche Sozialisations- und Entwicklungsbedingungen verfügen Mädchen/Frauen und Jungen/Männer über unterschiedliche Alltagsrealitäten, ebenso differieren die Erwartungen der Gesellschaft an ihr Verhalten resp. ihre Rolle.
Aus der geschlechtervergleichenden Gesundheitsforschung ist bekannt, dass sich die Geschlechter in vielen Bereichen voneinander unterscheiden, sowohl in der Lebenserwartung, in Krankheitssymptomen, im Risikoverhalten aber auch in der Verfügbarkeit unterschiedlicher Coping-Strategien.
Der Einbezug des Gender-Kriteriums leistet einen relevanten Beitrag zur Qualitätsentwicklung in Projekten, indem Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Zielgruppen klarer einbezogen werden.
Literaturhinweise
- Babitsch, Birgit (2005). Soziale Ungleichheit, Geschlecht und Gesundheit. Bern: Huber.
- Sie befürchten, mit der Berücksichtigung der Genderperspektive ist viel Mehrarbeit verbunden.
- Sie denken, Ihnen fehlt das Know-how, um diese Perspektive adäquat einzubeziehen.
- Sie nehmen an, es geht darum, nun v.a. Mädchen-/Frauenprojekte umzusetzen.
- Sie befürchten, dass nun andere Variablen, wie Ethnie, soziale Schicht oder das Alter vernachlässigt werden.
- Sie gehen davon aus, dass nun alle Projekte – ob es nun Sinn macht oder nicht – für beide Geschlechter differenziert werden müssen.
Durch die Berücksichtigung der Genderperspektive leisten Sie einen Beitrag zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheit.
Die Differenzierung der Zielgruppen nach Geschlecht erhöht Reichweite und Qualität des Projekts, weil auf diese Weise adäquate Angebote für die unterschiedlichen Realitäten der verschiedenen Zielgruppen entwickelt werden können.
Durch die Kenntnis der Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen, die für Männer und Frauen unterschiedlich sind, verfügen Sie über gute Voraussetzungen, um individuelle Verhaltensänderungen sowie nachhaltige strukturelle Änderungen zu erzielen.
Sie tragen dazu bei, den Handlungsspielraum von Frauen und von Männern für die Verbesserung ihres gesundheitlichen Wohlbefindens zu erweitern.
Sollten Sie in Ihrem Team auf Widerstände treffen, so finden Sie im Argumentarium auf der Website von Gesundheitsförderung Schweiz weitere Argumente, um Ihre Mitarbeitenden zu überzeugen. Dort finden Sie überdies ein Grundlagenpapier, ein Glossar, Literatur- und Weblinklisten sowie weitere Instrumente.
Weitere Information und Hinweise zum Thema Chancengleichheit und Gesundheit finden sie auf der Online-Plattform 'genderhealth.ch'.
- Reflektieren Sie immer wieder von neuem Ihre eigene Geschlechtsrolle und nehmen Sie eine geschlechtersensible Haltung ein?
- Prüfen Sie in allen Projektphasen, ob der Sachverhalt für Frauen/Mädchen und Männer/Jungen das Gleiche oder etwas unterschiedliches bedeutet und verhindern Sie dadurch geschlechterbezogene Verzerrungseffekte?
- Beziehen Sie die spezifischen persönlichen und sozialen Ressourcen, die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse im Hinblick auf Geschlechtsunterschiede gezielt ein?