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Mazdaznan
Der Gründer der Mazdaznan-Bewegung nannte sich Otoman Zar-Adusht Ha’nish und gab an, im Jahr 1844 in Teheran als Sohn des russischen Botschafters und dessen deutscher Frau geboren worden zu sein sowie eine Zeitlang in einem zarathustrischen Kloster gelebt zu haben.
Bürgerlich hiess er vermutlich Otto Hanisch. Er könnte im Jahr 1856 im damals preussischen Posen geboren worden und später in die USA emigriert sein.
Klar ist jedenfalls, dass Hanish im Jahr 1890 in Chicago das erste Mazdaznan-Zentrum aufbaute. Im Jahr 1902 zog Hanish nach New York, ab 1917 lebte er vorwiegend in Los Angeles, wo er 1936 starb.
Hanishs Mitarbeiter David und Frieda Ammann, beide schweizerischer Herkunft, brachten die neue Bewegung 1907 nach Deutschland und in die Schweiz. David Ammann, 1914 aus Sachsen ausgewiesen, gründete 1915 in Herrliberg am Zürichsee die Mazdaznan-Siedlung «Aryana» mit angeschlossener internationaler Mazdaznan-Schule. Die Siedlung bestand bis 1930.
Der Name „Mazdaznan“ soll aus den persischen Worten „Mazda“ und „Znan“ gebildet sein und „Meister Gedanke“ im Sinne von “Meister des Gottesgedankens“ oder „meisterlich konzentriertes Denken“ bedeuten. Gemeint ist zarathustrisches Denken wie es als Weg zum Heil betrachtet wird. Hanish und seine Anhänger halten Mazdaznan für die Fortsetzung einer arischen Urlehre.
Über Jesus wird wesentlich anders gelehrt als in der Bibel. Yussu, so wird gesagt, ist am 23.Mai des Jahres 749 nach der Gründung Roms geboren und von essenischen Lehrern ausgebildet worden. Reisen führten ihn nach Ägypten, Griechenland und Indien. Er ist schliesslich nach seiner Verurteilung noch lebend vom Kreuz genommen und durch einen Geheimgang aus dem Grabe gerettet worden. Im Grunde genommen war er ein neuer Zarathustra.
Der Mensch wird auf den Pfad der Selbstentwicklung und Selbsterlösung verwiesen. Entscheidend ist die zarathustrische Aufforderung: Gutes denken, Gutes reden, Gutes tun. Umfassende Körperpflege, eine auf ein zweites, in den Lungen befindliches Lebenszentrum ausgerichtete Atmung, Waschungen und Ernährungsvorschriften (vegetarische Nahrung) sind dabei von entscheidender Bedeutung. Die Anhänger halten die Mazdaznan-Lehren auch zur Heilung von Kranken geeignet.
Bei den Zusammenkünften werden Ansprachen angehört und Körperübungen durchgeführt. Zudem führt Mazdaznan eine Bibliothek in Zürich.
Freiwillige Spenden nach Veranstaltungen decken die Unkosten der Gemeinschaft.
Umstritten ist Mazdaznan vor allem wegen der rassistischen Lehren, die O.Z.A. Hanish vertrat und von David Ammann verbreitet wurden, etwa in der Publikation Masdasnan-Rassenlehre. Nach Dr. O.Z. Hanish ins Deutsche übertragen von David Ammann, Masdasnan-Verlag Herrliberg 1919.
Hier wird die weisse, „arische Rasse“ als die herrschende bezeichnet, die durch „Blutmischung“ mit anderen Rassen gefährdet sei, sodass Kriege notwendig wären, um die arische Rasse rein zu erhalten.
Mit diesen Ideen der Notwendigkeit eines Kriegs der „arischen Rasse“ gegen andere Rassen erscheint Hanish als ein Vorläufer und Wegbereiter des nationalsozialistischen Geschichtsbilds.
Von Vertretern der „schwarzen Rasse“ behauptet Hanish, dass sie ein „kleines Gehirn“ hätten, „lebhaft wie die Affen“ seien und Sprachen mit sehr beschränktem Wortschatz sprächen: „Trotz allen Fortschritts neigt aber der Neger immer zu Rohheit, fällt leicht in Unwissenheit und Aberglauben zurück und fürchtet sich sehr vor dem Tode.“ (Masdasnan-Rassenlehre s. 11).
In der Schweiz existieren Gruppen in Bern, Biel, Genf und Zürich. Die Zahl der Mitglieder war in den letzten Jahren tendenziell rückläufig.