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Gebo et l'ombre (2012)
Gebo et l'ombre (2012)
Oder: Der Alte
Portugal im 19. Jahrhundert: Trotz seines hohen Alters und seiner Gebrechen arbeitet der Buchhalter Gebo (Michael Lonsdale) immer noch hart, da er seine Familie durchbringen muss: seine Ehefrau Doroteia (Claudia Cardinale) und seine Schwiegertochter Sofia (Leonor Silveira), die für ihn wie ein eigenes Kind geworden ist, seit der Sohn Joâo (Ricardo Trêpa) nicht mehr im Hause ist. Seit acht Jahren ist dieser abwesend, und Doroteia verzweifelt vor Sorge um ihren einzigen Sohn. Um seine Frau nicht noch stärker zu verletzen, als sie es schon ist, erfindet Gebo Nachrichten von ihrem Sohn, die ihm durch einen angeblichen Boten überbracht werden.
Eines Abends kehrt der verlorene Sohn unverhofft nach Hause zurück. Doch die Freude der Eltern und seiner Ehefrau, ihn wieder bei sich zu haben, ist nur von kurzer Dauer. Denn als Joâo die Armut sieht, in denen seine Eltern leben, wächst in ihm die Überzeugung, dass dies nicht das Leben ist, das er führen will. Als sich seine Eltern schlafen gelegt haben, fällt er eine Entscheidung, die für die ganze Familie Folgen haben wird.
Film-Rating
Es wäre ja nicht besonders schwierig, Gebo et l'ombre mit flapsigen Sprüchen in die Pfanne zu hauen. Wie beispielsweise mit demjenigen, dass der mittlerweile knapp 104-jährige (!) Manoel de Oliveira offenbar mal Lust gehabt habe, mit der jungen Generation zu arbeiten und daher die Jungspunde Michael Lonsdale (81), Claudia Cardinale (74) und Jeanne Moreau (84) vor die Kamera geholt habe. Höhöhö. Andererseits ringt die trotz biblischen Alters ungebrochene Arbeitswut des portugiesischen Altmeisters doch auch ein bisschen Respekt ab, so dass Sarkasmus hier nicht richtig angebracht scheint.
Bei Oliveiras neuem Werk handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Raul Brandão. Und damit ist das Wichtigste auch gleich gesagt. Oliveiras Film ist verfilmtes Theater. 99 Prozent der Handlung spielen am selben Ort (in Gebos Wohnung), im Zentrum stehen die Dialoge, die von der unbeweglichen Standkamera eins zu eins wiedergegeben werden - oft minutenlang ohne Schnitt. Anders gesagt: Die Mittel, die das Medium Film bietet, werden höchst spärlich genutzt.
Akzeptiert man dies, darf man sich immerhin an den durchaus ansprechenden Leistungen der ebenfalls schon recht betagten Darsteller erfreuen. Allen voran an derjenigen von Michael Lonsdale, der die tragische Figur des Gebo mit einer stoischen Resigniertheit verkörpert. Auch Claudia Cardinale hat als Doroteia eine beachtliche Ausstrahlung, wenn sie auch ein wenig zum Overacting neigt - sofern ein solches bei einem solch eher bewegungsarmen Film überhaupt möglich ist. Jeanne Moreau, die in einer Nebenrolle zu sehen ist, droht ihr hier fast das Wasser abzugraben. Eine Generation weiter unten kann Elenor Silveira in der Rolle der Sofia den Schauspiel-Veteranen durchaus die Stirn bieten.
Dennoch: Der Film erfordert Geduld. Natürlich muss nicht jeder Film auf die MTV-Generation zugeschnitten sein, fast könnte man hier von einer wohltuenden Abwechslung zum hektischen Hollywoodkino sprechen. Aber nur fast. Denn Gebo et l'ombre bleibt bei allem Wohlwollen ein sehr zähes, dialoglastiges Stück Kino, das auf der Theaterbühne genauso gut aufgehoben wäre. Doch auch wenn der Film in seiner reichlich trockenen Machart nur schwer ans Herz zu gehen vermag: Schön ist es, die Kino-Legenden wiedermal auf der Leinwand zu sehen. Eine Cardinale ist halt einfach immer noch eine Cardinale.
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09.09.2012 / ebe
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