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Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die im Rahmen einer Krebstherapie Gebrauch von komplementärmedizinischen Methoden machen, liegt zwischen 30 und 70%, abhängig davon, was alles dazugezählt wird.1 Aber : 77% dieser Patienten sagen gemäss einer amerikanischen Untersuchung ihrem Arzt nichts davon.2
Der Titel dieses lesenswerten Buchs 3 zeigt sehr schön, dass die Initiative für eine komplementärmedizinische Behandlung praktisch immer von den Betroffenen selbst aus geht. Motivation ist dabei in über 50% der Wunsch, einen eigenen Beitrag zur Gesundung zu leisten und nur in weniger als 10% die Enttäuschung über die Schulmedizin.4
Komplementäre Krebstherapien werden als ergänzende Methoden in der Onkologie angewendet.
Im Gegensatz zu alternativen Therapien, welche anstelle (alternativ) konventioneller Verfahren empfohlen werden. Die Richtung, welche etablierte, komplementäre Methoden in die Onkologie integrieren möchte, wird «integrative Onkologie» genannt.1 Alle grossen Comprehensive Cancer Centres der USA führen übrigens unterdessen ein Department für Integrative Onkologie, z.B. das Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, das MD Anderson Cancer Center, Dana Faber, etc.
Als Hauptgrund, weshalb sich Ärzte zurückhaltend äussern gegenüber komplementärmedizinischen Methoden, hört man immer wieder die Aussage : «weil es nicht bewiesen ist». Dabei wird vergessen, dass in den letzten 10 Jahren auch im Bereich der Komplementärmedizin tausende von randomisierten kontrollierten Studien durchgeführt worden sind.5 Anhand dieser Studien, die den Nutzen der Komplementärmedizin nachweisen, wurden auch Guidelines für die Integrative Onkologie erstellt.6
Die Mistel ist die in den deutschsprachigen Ländern am häufigsten eingesetzte komplementärmedizinische Krebsbehandlung. Sie gilt sozusagen als biologische Standardtherapie. Die zytostatische und die immunstimulierende Wirkung eines Extraktes von Viscum album (Abbildung 1) ist in vielen präklinischen Studien nachgewiesen worden.7
In klinischen Studien ist vor allem die Verbesserung der Lebensqualität und die Reduktion von Nebenwirkungen unter Chemotherapie methodisch einwandfrei nachgewiesen worden.8 Ein Überlebensvorteil zeigt sich nur in Kohortenstudien und in methodologisch insuffizienten Untersuchungen. Hingegen konnte auch der einmal postulierte negative Effekt beim Malignen Melanom bisher nicht nachgewiesen werden. Die Misteltherapie 7 kann also zumindest als supportive Therapie bei den meisten Krebspatienten empfohlen werden (Tabelle 1).
Trotz der dokumentierten klinischen und pharmakologischen Wirksamkeit ist die Mistel aber nicht nur als isoliertes Immuntherapeutikum zu verstehen, sondern als Bestandteil einer ganzheitlichen anthroposophischen Krebstherapie. Diese wurde vor nahezu 100 Jahren von Rudolf Steiner begründet und seither weiter entwickelt. Sie besteht aus einer multimodalen Therapie, deren Elemente nach den Bedürfnissen der Patienten massgeschneidert zusammengestellt werden. Dazu gehören unterstützende Massnahmen wie Wickel und Einreibungen oder Rhythmische Massage, aber auch Gesichtspunkte zur Ernährung. Ein wichtiger Bestandteil sind künstlerischen Therapien wie Maltherapie, Musiktherapie, Sprachtherapie oder Heileurythmie. Zusätzlich kommen je nach Situation auch Gesprächstherapien, am ehesten im Sinne von kognitiven Copingstrategien oder Biographiearbeit dazu. Dabei soll der Patient immer in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden.9