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Ende Juni wird das Unesco-Komitee für das Weltkulturerbe über die Kandidatur der Uhrenstädte La Chaux-de-Fonds und Le Locle im Jura entscheiden.
Weniger als ein Jahr nach der Aufnahme der Rhätischen Bahn (Albula, Bernina) und der tektonischen Arena Sardona in die Unesco-Liste der Welterbe könnte die Schweiz eine weitere Attraktion zu ihren Unesco-geschützten Kultur- und Naturerbestätten hinzufügen.
In den letzten Juni-Woche wird das Unesco-Komitee über weitere Kandidaturen entscheiden, die verschiedene Länder eingereicht haben. Darunter befindet sich auch das Dossier der beiden Uhrenstädte im Neuenburger Jura.
Im Dezember 2007 hatte der Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK), Jean-Frederic Jauslin, das Bewerbungsdossier unterzeichnet, und zwar in einem der ältesten erhaltenen Uhrenateliers der Schweiz, la Maison DuBois et Fils in Le Locle.
Daraufhin wurde das 500-seitige Dossier bei der Unesco in Paris eingereicht. Die Liste des Weltkulturerbes erlaube es, das kulturelle Erbe gleichzeitig zu schützen und weltweit bekannt zu machen, sagte Jauslin.
Wenn Le Locle und La Chaux-de-Fonds in die Liste aufgenommen werden, vergrössere dies automatisch deren Bekanntheit. "Menschen aus der ganzen Schweiz, ja aus der ganzen Welt werden sich für diese Städte interessieren - ohne ein neues Gesetz zu machen, erhöht dies automatisch ihren Schutz", sagte Jauslin.
Kandidatur der Schweiz im Welterbekomitee
Der BAK-Direktor sagte, die Schweiz plane, 2009 für einen Sitz im Welterbekomitee zu kandidieren. Heute hat die Schweiz lediglich einen Beobachterstatus.
Das BAK arbeitet für die Kandidatur mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und dem Bundesamt für Umwelt zusammen.
Wenn die Schweiz gewählt wird, wird sie an den Welterbeversammlungen der Jahre 2010 bis 2014 als Komiteemitglied teilnehmen.
Stadtmarketing und Standortkonkurrenz
Das Kandidatur-Dossier der Uhrenstädte wurde von einem Team von zwölf Wissenschaftern erstellt. Es steht unter einem Leitungsausschuss aus politischen Vertretern der beiden Städte und Fachleuten von Kanton und Bund.
Darin werden unter anderem die beiden Neuenburger Uhrenstädte unter geographischen, historischen und sozialen Aspekten präsentiert.
Es handle sich um eine entwicklungsfähige städtische Landschaft von ausserordentlichem universellem Wert, wird der Antrag auf den Eintrag begründet. Die beiden Städte seien ein architektonisches Zeugnis der industriellen Entwicklung der Uhrenproduktion.
Es begann mit einer Kopie
Die Legende besagt, dass es einem Bauern in La Chaux-de-Fonds, damals noch ein Dorf, um 1700 gelang, die Uhr eines englischen Handelsreisenden zu reparieren - und zu kopieren. Damit war der Grundstein für die neue Epoche gelegt.
Zeit hatten die Bauern in den langen Wintermonaten im Überfluss, handwerkliches Geschick offenbar auch. Das Uhrmacherhandwerk braucht zudem nicht viel Platz, einzig Licht. Grosszügig angelegte Festerreihen an den Häusern im alten
Stadtkern erinnern heute noch daran. Die Gebäude sind Zeugen der fortschreitenden Industrialisierung dieser Zeit.
"Die Stadt ist dank der Uhrenindustrie und für die Uhrenindustrie entstanden", sagt der städtische Denkmalpfleger Jean-Daniel Jeanneret. Heute leben in dem Städtchen 37'000 und im benachbarten Le Locle 10'000 Menschen. In La Chaux-de-Fonds arbeiten rund 5'500 Menschen in der Uhrenindustrie, in Le Locle sind es 2000.
Luxusmarken im Fokus
"Es macht im Marketing einen Unterschied, wenn wir das UNESCO-Label als Uhrenstadt tragen", sagt Jeanneret. Die Uhrenstädte Biel und Grenchen etwa könnten es nicht vorweisen.
Erklärtes Ziel der Promotoren ist deshalb, dass Luxusmarken, die ihre Uhren in La Chaux-de-Fonds produzieren, dies auch zu sagen wagen.
swissinfo.ch und Agenturen (Ursina Trautmann, SDA)
Kultur- und Naturerbe
Bis heute wurden in der Schweiz im Bereich des Kulturerbes die Berner Altstadt, der Stiftsbezirk St. Gallen, das Benediktinerinnen-Kloster St. Johann in Müstair, die Burgen und die Stadtbefestigung von Bellinzona und in diesem Jahr die Kulturlandschaft Weinbaugebiet Lavaux aufgenommen.
Im Bereich des Naturerbes sind es die Stätten Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn und Monte San Giorgio im Tessin.
Jüngst gutgeheissen wurde im Bereich des Kulturerbes die "Rhätische Bahn in der Kulturlandschaft Albula/Bernina", im Bereich des Naturerbes die "Glarner Hauptüberschiebung".
Weltweit sind bis heute rund 900 Orte dem Welterbe zugeordnet.
Sie liegen in über 140 Ländern. Am besten vertreten ist Italien.