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Die britisch-deutsche Schröder Familie gehörte im 19. Jahrhundert zu den reichsten und mächtigsten Bankiersfamilien der Welt.
Johann Heinrich Schröder (1784-1883) wurde als Sohn eines Kaufmanns und Bürgermeisters von Hamburg geboren. 1804 zog Johann nach London zu einem Bruder und gründete dort 1818 eine eigene Bank. 1819 folgte eine weitere Bank in Hamburg, wohin Johann schliesslich zurückzog. 1868 wurde er zum preussischen Freiherr geadelt. Sein Bruder Christian Matthias Schröder (1778-1860) war ebenfalls Kaufmann und zudem Senator von Hamburg. Er gründete zusammen mit anderen deutschen Kaufleuten den „Colonisations-Verein von 1849“ mit dem Ziel, eine deutsche Kolonie (das heutige Joinville) in Brasilien zu finanzieren und organisieren. Die Kaufleuten durften dem portugiesischen Hochadel Land in Brasilien abkaufen. Unter den Kaufleuten waren auch einige mit britischen Verwandten oder britischen Wurzeln.
Seit Beginn des 19. Jahrhundert hatte sich in Hamburg eine Community aus britischen Geschäftsleuten gebildet, während sich in London eine aus Hamburger Geschäftsleuten bildete. Eine wichtige Rolle nahm dabei John Parish ein. Der Schotte emigrierte 1756 nach Hamburg und wurde dort als Kaufmann tätig. Er förderte erst den Handel zwischen Hamburg und England. Nach der Gründung der USA wurde er dort geschäftlich aktiv und förderte die amerikanisch-deutschen Handelsbeziehungen. John Parish wurde zu einem der reichsten Männern der Welt. Seine Kontakte nach England und Nordamerika eröffnete der Hamburger Elite neue Möglichkeiten zu diesen Ländern Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Zudem war seit dem Jahr 1714 eine deutsche Adelsfamilie (Haus Hannover) auf dem britischen Thron, die zugleich den Thron von Hannover besetzte. Dies verbesserte sicherlich die geschäftlichen Beziehungen der deutschen Bankiers zur Kolonialweltmacht Grossbritannien. Im 18. und 19. Jahrhundert zogen viele deutsche Bankiersfamilien nach Grossbritannien sowie Nordamerika und begannen rasch die dortige Finanzindustrie zu dominieren.
John Henry Schröder (1825-1910) war der Sohn von Johann Heinrich Schröder. Er leitete die britische Bank seines Vaters weiter. Durch den erblichen Adelstitel seines Vaters war er ebenfalls preussischer Freiherr. 1892 wurde er von Queen Victoria zum Baron geadelt aufgrund seiner Dienste zugunsten des königlichen Haushalts.
Die Bank Schroders in London gehörte im 19. Jahrhundert und anfangs des 20. Jahrhunderts zu den grössten Banken der Welt. Die Schröders galten im 19. Jahrhundert als die reichsten Bankiers neben den Familien Rothschild und Baring. Die Bank befindet sich bis heute in Besitz der Familie Schröder (stand 2019).
Bemerkenswerte Mitarbeiter der Schroders Bank sind oder waren:
- Avery Rockefeller
- Geoffrey Bell, Gründer und Mitglied der Group of Thirty (mächtigste Finanz-Lobbyorganisation der Welt)
- Frank Cyril Tiarks, arbeitete für die Bank of England (britische Zentralbank) und die Anglo-Persian Oil Company (heutiger BP-Konzern), war Mitglied der Anglo-German Fellowship (ein britisch-deutsches Elitenetzwerk das in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg aktiv war)
- James Wolfensohn, Präsident der Weltbank, Mitglied des Council on Foreign Relations und weiteren Think Tanks und Stiftungen, Treuhänder der Rockefeller Foundation und der Brookings Institution (einer der einflussreichsten Think Tanks der Welt)
- Andrew Knight, arbeitete für die Rothschild Bank, schrieb als Journalist für grosse Zeitungen, war Direktor der News Corporation (einer der mächtigsten Medienkonzerne der Welt), war im Vorstand von Reuters (grösste Nachrichtenagentur der Welt)
- Graf David Drummond, stammte aus dem schottischen Drummond Clan und er gehört zu einer der ältesten noch aktiven Bankiersfamilien der Welt.
- Der schottische Graf David Ogilvy, Mitglied des Privy Council (Geheimrat der Königsfamilie), höchster Beamte des königlichen Haushaltes und auch persönlich mit den britischen Royals verbunden, er stammte aus dem schottischen Ogilvy Clan
Kurt Freiherr von Schröder (1889-1996) war ein Urenkel von Johann Heinrich Schröder. Der Bankier war 1932 einer der Unterzeichner der Industrielleneingabe, ein an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gerichteter Brief, der von 20 führenden Vertretern der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft unterzeichnet war. Darin forderten sie den Reichspräsidenten auf, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Am 4. Januar 1933 arrangierte Schröder ein Treffen zwischen Adolf Hitler und dem adligen Politiker Franz von Papen, bei dem Schröder auch dabei war. Bei einem mehrstündigem Gespräch zu dritt einigte man sich auf eine Reichskanzlerschaft Hitlers. Somit kann man das Treffen als die Geburtsstunde des dritten Reiches betrachten (Quelle).
Ein Tag nach der Machtübernahme der Nazis trat Schröder in die NSDAP ein und spendete ihr im Laufe der Zeit Millionenbeträge. Er wurde Wirtschaftsberater der NSDAP und SS-Brigadeführer. Er war Mitglied der Deutsch-Englischen Gesellschaft. Diese war eine deutsche Organisation zur deutsch-britischen Verständigung und bestand von 1935 bis 1939. In der Gesellschaft waren der deutsche Adel und die deutsche Wirtschafts- und Finanzelite sowie einzelne NSDAP Mitglieder vertreten. Joseph Goebbels war Ehrenmitglied. Ehrenvorsitzender und Präsident der Gesellschaft war der deutsche Adlige Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, der ebenfalls zu den wichtigsten Förderern Hitlers und des Naziregimes gehörte. Er war ein Enkel der britischen Königin Victoria. Die Schwesterorganisation der Deutsch-Englischen Gesellschaft war die Anglo-German Fellowship, die von der britischen Elite geführt wurde und ebenfalls der deutsch-britischen Verständigung diente. Die Schröder Familie hat wie bereits erwähnt, schon früher deutsch-britische Beziehungen gefördert. Auch zur Zeiten des Naziregimes war ein Teil der Familie in Grossbritannien und der andere Teil in Deutschland sesshaft.
Kurt Freiherr von Schröder war auch Mitglied des deutschen Herrenklubs, ein Klub der damaligen deutschen Elite, die zu der Zeit noch zum grössten Teil aus Adligen bestand. Schröder gehörte zum Keppler-Kreis, eine Gruppe von deutschen Industriellen und Bänkern mit dem Ziel, Einfluss auf die Wirtschaftspolitik des dritten Reiches zu nehmen. In der Zeit von 1933 bis 1945 war Schröder zudem in über 30 Aufsichtsräten von deutschen Unternehmen. Schröder gehörte zum Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die eine wichtige Rolle bei der Finanzierung des Naziregimes spielte und am Goldraub der Nazis beteiligt war. Über den Verwaltungsrat der BIZ kannte er auch Bekannte der Rockefeller Familie. Die BIZ ist bis heute eine der einflussreichsten Instanzen der Finanzelite und gilt als Zentralbank aller Zentralbanken.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde Kurt Freiherr von Schröder zu drei Monaten Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt und erhielt eine Geldstrafe von 1500 Reichsmark. Seine Mutter war in zweiter Ehe mit Carl Heinrich Johann Freiherr von Merck verheiratet, der Inhaber der Bank „H. J. Merck & Co.“ war. Erwin Merck, der ebenfalls bei der Bank arbeitete, gehörte auch zu den Unterzeichnern der oben bereits erwähnten Idustrielleneingabe. Das Pharma/Chemieunternehmen der Merck Familie unterhielt ab dem Jahr 1942 Zwangsarbeiter (Quelle). Der Aufstieg der Merck Familie zur einer der einflussreichsten deutschen Familien begann genau wie bei den Schröders, anfangs des 19. Jahrhundert in Hamburg. Zu der Zeit trat Heinrich Johann Merck den deutschen Freimaurern bei und begann auch Kontakte zu den englischen Freimaurern zu knüpfen (Quelle). Vielleicht stand ihr wirtschaftlicher Aufstieg in Zusammenhang mit dem Logenbeitritt. Soviel bekannt ist war kein Schröder Freimaurer, aber sie kannten mehrere aus Deutschland und Grossbritannien.
Der Bankier Bruno Schroder (1933-2019) war ein direkter Nachkomme von Johann Heinrich Schröder und lebte in Grossbritannien. 2018 wurde sein Vermögen auf 6,2 Milliarden Dollar geschätzt. Er war Mitglied in der Pilgrims Society, ein angloamerikanisches Elitenetzwerk, das von der britischen Königsfamilie geführt wird. Er kannte daher auch elitäre Familien wie Rockefeller, Rothschild und Astor.
Die Schröders gründeten 1967 eine Bank in der Schweiz (die gefragteste Steueroase der Welt), die sich auf vermögende Kunden konzentriert. 1923 gründeten sie eine Bank in New York. Die Schröders und die Führungskräfte der Bank haben nach wie vor Kontakt zum britischen Königshaus (Quelle).
Die Schroders Bank war 1985 Mitgründer der britischen Beteiligungsgesellschaft Permira, die den Ruf als Heuschrecke hat.
Der deutsche Zweig der Schröders gehörte, soviel ich weiss, bis in die 1990er Jahren zu den bedeutendsten deutschen Privatbankiers. Ihr Bankhaus „Schröder Gebrüder & Co.“ war von 1846 bis 1969 in Betrieb und fusionierte dann mit zwei anderen Banken zu „Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co.“. Diese wurde zur drittgrössten unabhängigen Bank Deutschlands, bis sie 1997 von der UBS übernommen wurde.