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SKZ: Was hat Sie angespornt, dieses Buch zu schreiben?
Ulrich Luz: Mir fiel auf, dass es keine Einführung in das Neue Testament für interessierte Nicht-Theologen gibt, die kurz und knapp und zugleich verständlich ist. Diese Lücke wollte ich füllen.
Warum haben Sie Nicht-Theologen mit ins Boot geholt?
Vor allem, um mich als Universitätstheologen «vom hohen Ross herunterzuholen», wie man so schön sagt. Dann natürlich auch, um die Fragen zu beantworten, die potentielle Leser wirklich haben. Dabei kam es natürlich zu Kompromissen zwischen dem Stoff, den ich vermitteln wollte, und den Interessen und Fragen meiner Mitarbeiter. Oft entdeckten sie, dass scheinbar nicht Interessantes sehr spannend sein kann.
Wie haben Sie diese Mitarbeiter gefunden?
Ich habe ein Inserat in der Lokalzeitung aufgegeben mit dem Titel: «Wer hilft mir, ein Buch zu schreiben?» und darin das Projekt vorgestellt. Darauf haben sich mehr als 20 Nicht-Theologen gemeldet. Bis zum Schluss blieben elf übrig: fünf Katholiken und sechs Protestanten, sechs Frauen und fünf Männer. Unser Jüngster war damals 19 Jahre alt, unser Ältester 77.
Wie sind Sie konzeptionell vorgegangen?
Die Grundidee des Buches war, dass ein Kapitel auf einer Doppelseite Platz haben sollte. Da die einzelnen Kapitel in sich abgeschlossen sind, kann der Leser herauspicken, was er möchte und was ihn besonders interessiert. Querverweise auf andere Kapitel deuten an, wo man zu einem bestimmten Thema mehr findet. Der Nachteil der kurzen Kapitel ist natürlich, dass der Text ziemlich konzentriert ist. Irgendwelches Bla-bla konnten wir uns nicht leisten. Die 73 Kapitel sind in acht Hauptkapitel aufgeteilt, z. B. in «Jesus», «die Evangelien», «Paulus» und «der Kanon».
Gab es Überraschendes oder gar Erhellendes?
Die schönste Erfahrung war, wie gut die Gespräche in den Kleingruppen funktionierten. Manchmal musste ich nach einer solchen Sitzung einen Textentwurf völlig neu schreiben. Meine Mitarbeiter haben mich auch in anderer Hinsicht nicht geschont. Sie sagten mir, wenn sie etwas uninteressant oder unverständlich fanden. Fremdwörter und Fachbegriffe haben sie radikal ausgemerzt.
Für wen ist das Buch besonders geeignet?
Der Verlag verkauft das Buch als «lesergeprüft». Ich zähle darum die Berufe meiner Mitarbeiter auf: Logopädin, Pflegefachfrau, Sozialarbeiterin, Religionslehrerin, Kinderphysiotherapeutin, Betriebsökonom, Chemiker, Tierarzt, Kinderarzt, Student. Für solche Menschen ist das Buch geschrieben. Etwas allgemeiner: für lesefähige, an der Bibel interessierte Leser, die sich etwas Anspruchsvolles zumuten wollen.
Ging es in den Gesprächen mit Ihren Mitarbeitern auch um Gott und seinen Namen?
Natürlich. Alle hatten ihre persönlichen Gottesbilder und -vorstellungen. In den Gesprächen haben wir gelernt, dass man zwischen den eigenen – menschlichen – Gottesbildern und dem wahren Gott, der uns in Christus begegnet ist, unterscheiden muss. Das letzte, 73. Kapitel «Gotteswort und Menschenwort» ist eine Frucht solcher Gespräche.
Interview: Brigitte Burri