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Die Erfassung der Firmenkonkurse ist Teil des Gesellschaftsmonitorings COVID-19 des Statistischen Amtes und beruht auf einer Auswertung der im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) veröffentlichten Meldungen der kantonalen Handelsregister. Weil zwischen der Eröffnung eines Konkursverfahrens durch das Gericht und der Publikation im SHAB in der Regel nur wenige Arbeitstage verstreichen, geben die Daten zeitnah Auskunft über das kantonale und nationale Konkursgeschehen nach Branchen. Die Visualisierung bereitet das Datenmaterial so auf, dass man sich rasch ein Bild von der aktuellen Situation machen kann.
Wie ist die Visualisierung zu lesen?
Der obere Teil der Visualisierung zeigt die kumulierte, d.h. aufsummierte Zahl der Konkurseröffnungen seit Jahresbeginn für die COVID-freien Vergleichsjahre 2017 bis 2019 (blaue Kurven) und die COVID-Jahre 2020 und 2021 (rote Kurven). Je weiter oben eine Linie liegt, desto mehr Firmen können ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.
In der Liniengrafik gut erkennbar sind die gesetzlichen Betreibungsferien sieben Tage vor und sieben Tage nach Ostern, vom 15. bis zum 31. Juli sowie sieben Tage vor und nach Weihnachten. Die Linien verlaufen als Folge davon jeweils horizontal, weil es fast keine Konkurse gibt. Ebenfalls sichtbar ist der vom Bundesrat im letzten Jahr zusätzlich verhängte Betreibungsstopp von Mitte März bis Mitte April, der teilweise von den Oster-Betreibungsferien überlagert wurde. Im Frühling 2020 stagnieren deshalb die kumulierten Konkurseröffnungen während eines längeren Zeitraums als in den Vorjahren.
Die untere Balkengrafik zeigt, wann es dieses Jahr im Vergleich zum Durchschnitt der Vergleichsperiode 2017 bis 2019 mehr oder weniger Konkurse gegeben hat. Wird zum Beispiel für die Schweiz und alle Branchen am 25. Januar ein Wert von -32 angezeigt, gab es im laufenden Jahr zwischen dem 18. und 25. Januar 32 Konkurseröffnungen weniger als üblich. Zu beachten ist, dass die Fallzahlen oft sehr tief sind, besonders bei gleichzeitiger Filterung der Konkurse nach Branche und Kanton. Dies sollte bei der Einschätzung der Situation berücksichtigt werden. Auch wenn es über einen längeren Zeitraum überdurchschnittlich viele Konkurse gibt, kann die Zahl der Konkurse absolut betrachtet immer noch sehr tief sein.
Weniger Konkurse als in den Vorjahren
Klar zum Ausdruck kommt, dass es im Jahr 2020 zu weniger Konkurseröffnungen gekommen ist als in den Vorjahren. Somit hat die COVID-Krise bis jetzt eher den Fortbestand von unprofitablen Firmen bewirkt, als eigentlich gesunde Firmen in den Konkurs getrieben. Dies ist sicher auch Folge der Unterstützungsmassnahmen durch die öffentliche Hand. Möglich ist aber auch, dass die Gläubiger teils kulanter sind, etwa indem sie längere Zahlungsfristen gewähren oder auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
Wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickeln wird, ist schwierig vorherzusagen. Auf der einen Seite sind weitere Unterstützungsmassnahmen angekündigt, auf der anderen Seite bestehen weiterhin Einschränkungen für weite Teile der Wirtschaft und es ist anzunehmen, dass es aus dem letzten Jahr aufgeschobene Konkurse gibt. Je nach Firma dürfte es unterschiedlich lange dauern, bis die Finanzreserven aufgebraucht sind, der Zugang zu Krediten verweigert wird und die Gläubiger ihre Forderungen einzutreiben beginnen. Sollte es künftig zu mehr Konkursen kommen, erfolgt der Anstieg der Zahlen deshalb wahrscheinlich nicht abrupt, sondern gemächlich.
Das sollten Sie wissen, wenn Sie die Entwicklung beobachten
Die Angaben basieren auf einer Auswertung der im SHAB publizierten Meldungen der Handelsregister. Konkurse von Einzelfirmen, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, werden nicht erfasst. Abgerufen werden die Meldungen über eine Schnittstelle, die von der Moneyhouse AG betrieben wird. Das Datum bezieht sich auf die Publikation im SHAB, die im Normalfall mehrere Tage nach der Publikation der kantonalen Ämter erfolgt.
Erfasst wird die Zahl erstmaliger Konkursverfahrenseröffnungen gegen Firmen. Verfahrenseröffnungen aufgrund organisatorischer Mängel einer Firma (Art. 731b OR) werden nicht erfasst, weil diese nicht per se mit Zahlungsschwierigkeiten in Zusammenhang stehen. Da es keinen national gültigen Standard für die Erfassung und Kategorisierung von Meldungen über die Eröffnung eines Konkursverfahrens gibt, kommt ein mehrstufiges Filterverfahren zur Identifikation der relevanten Meldungen zum Einsatz, das u.a. auch auf einer Stichwortsuche basiert. Aufgrund von Unterschieden bei der Datenerhebung kann es zu Abweichungen von anderen Auswertungen zum Konkursgeschehen kommen. Wenn es zu nachträglichen Erfassungen in der Datenquelle kommt, sind rückwirkende Anpassungen der ausgewiesenen Werte die Folge.
Die ausgewiesenen Branchen entsprechen einer Auswahl von NOGA-Hauptabschnitten, wobei die Bezeichnungen vereinfacht sind. Weitere Information finden sich im Github-Repo.
Weiterführende Informationen
Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.