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Joh 20,28 Wird Jesus auch Gott genannt?
Wird Jesus auch Gott genannt? Es gibt in der Tat Bibelstellen, in denen Jesus mehr oder weniger eindeutig Gott genannt wird. Damit ist Jesus übrigens nicht allein, denn auch Mose wurde Gott (Elohim) genannt, ebenso die, an die das Wort Gottes erging. (An anderer Stelle werde ich näher auf einzelne Stellen eingehen.)
Am Bekanntesten dürfte die Stelle sein, in welcher Thomas sagt: Mein Herr und mein Gott! (Joh 20,28) Verschiedene Ausleger sind verschiedener Meinung zu dieser Stelle. Ich möchte zunächst nur dies sagen: Jesus kommentiert diese Aussage nicht, weder so noch so. Zweitens redet Jesus im selben Kapitel von seinem Gott (V17). Und drittens geht es im Johannesevangelium darum, Jesus als den Sohn und Christus Gottes zu beschreiben (V31).
Sehr oft wird als Beleg auch der „Johannesprolog“ genannt, also der Anfang des Johannesevangeliums: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. (Joh 1,1-2) Hier dreht sich die Argumentation um das Wort „Wort“, (griech. Logos), das allgemein nicht als Wort im Sinn von Wort, Rede, Zusage, Verheißung usw., sondern als Person angesehen wird, konkret als Jesus, der irgendwie ein himmlisches Wesen war (als Gott bei Gott war) und lt. Vers 14 in einen Menschen „verwandelt“ wurde, daher die Formulierung: „Gott wurde Mensch“ anstelle von „das Wort wurde Fleisch“.
Wenn man in Vers 1 + 2 das Wort als Person und nicht als Sache ansieht, kommt man, wenn man konsequent bleibt, nicht umhin, von zwei Göttern zu reden, also sinngemäß: der, der Wort heißt und Gott ist, war bei dem der Gott ist... (Es steht nun mal nicht da, dass sie zusammen nur ein Gott sind.) Bleibt man dagegen bei Wort im Sinn von Wort, Rede, Verheißung, Plan usw., dann ist Gott der Höchste und das Wort das Höchste, was in der Bibel bestätigt wird, denn Jesus sagte, dass eher Himmel und Erde vergehen als ein Strichlein von Moses Gesetz oder auch eines seiner Worte. Mose und Jesus haben im Auftrag Gottes geredet, Gottes Wort steht über allem Geschaffenen, das Wort des Höchsten ist eben das Höchste.
Als dritte Stelle sei Heb 1,8 angeführt, in der der Sohn Gottes sehr eindeutig Gott genannt wird: von dem Sohn aber: Dein Thron, Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Aufrichtigkeit ist Zepter deines Reiches. Wenn man V9 ausblendet, hat man ein eindeutiges Zeugnis, dass Jesus Gott ist. Somit zwar einen Widerspruch zu Jesu eigener Aussage, dass der Vater allein wahrer Gott ist, aber das könnte man ja als Geheimnis darstellen (das ist etwas spitz geschrieben, ich will damit aber niemanden verletzen). Im gleich darauf folgenden Vers steht: du hast Gerechtigkeit geliebt und Gesetzlosigkeit gehasst; darum hat dich, Gott, dein Gott gesalbt mit Freudenöl vor deinen Gefährten (Heb 1,9). Wieder wird Jesus Gott genannt, zugleich aber ist von seinem Gott die Rede, ähnlich wie in Joh 20 Vers 17 und 28.
Jesus wird also Gott genannt (zur Erinnerung: Mose auch), gleichzeitig ist aber auch von seinem Gott die Rede. Ist das ein Widerspruch? Als Antwort kann 1Kor 8,5-6 dienen: Denn wenn es auch so genannte Götter gibt im Himmel oder auf Erden - wie es ja viele Götter und viele Herren gibt -, so ist doch für uns ein Gott, der Vater, von dem alle Dinge sind und wir auf ihn hin, und ein Herr, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.
Demnach gibt es im Himmel und auf der Erde viele, die Gott genannt werden, aber im absoluten Sinn ist der Vater allein Gott.
Anmerkung: „Götter“ sollte nicht mit „Götzen“ verwechselt werden. Götzen sind Nichtse, tot, bedeutungslos, Götter ist die Mehrzahl von Gott. Jesus zitiert Ps. 82, in dem Gott jene Götter nennt, an die sein Wort erging (Joh 10,34). Außerdem ist Gott der Gott aller Götter (5Mo 10,17), aber er ist nicht der Gott von Toten (Lk 20,38).
Der Vater des Herrn Jesus ist auch der Gott des Herrn Jesus. Und das nicht nur in der Zeit, als Jesus hier gelebt hat, sondern auch jetzt als der erhöhte Herr, der für immer zur Rechten Gottes sitzt: s. z.B. Off 3,12. Viele weitere Bibelstellen dazu sind in der Bibelstellenliste als Unterthema zu finden.