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24. Februar 2024 | 18.30 Uhr, opus278 Fazioli-Raum, St. Gallen
PROGRAMM
Ralph Vaughan Williams (1872 - 1958)
Songs of Travel (Text: Robert Louis Stevenson)
The Vagabond
Let Beauty Awake
The Roadside Fire
Youth and Love
In Dreams
The Infinite Shining Heavens
Whither Must I Wander
Bright Is the Ring of Words
Have Trod the Upward and the Downward Slope
Ralph Vaughan Williams war Sohn eines Pfarrers und wuchs nach dem frühen Tod des Vaters bei seiner Tante auf, die ihm auch ersten Musikunterricht gab. Nach seinem Musikstudium in England nahm er u.a. Unterricht bei Max Bruch in Berlin und Maurice Ravel in Paris. Fasziniert von der Volksmusik begann Vaughan Williams, englische Lieder zu sammeln und zu bearbeiten. Er entdeckte die Musik der Tudorzeit (vor allem Henry Purcell), welche sein kompositorisches Schaffen beeinflusste. Die Musik von Vaughan Williams ist klingender Spiegel seiner englischen Heimat –inspiriert von den alten Traditionen der Volks- und Kirchenmusik. Diese bildeten tatsächlich einen Schwerpunkt seines Schaffens – bis hin zum 100. Psalm, den er 1953 zur Krönung von Queen Elizabeth II. in Musik setzte. Er komponierte zudem auch neun Sinfonien und einige, wenig erfolgreiche, Opern. Vaughan Williams hatte grossen Einfluss auf nachfolgende englische Komponisten wie Benjamin Britten oder Michael Tippett.
In der Vertonung der Texte von Stevenson beschreibt Vaughan Williams die Schönheit der heimischen Natur und des traditionellen Volkslieds. Robert Louis Stevenson, der berühmte schottische Autor der «Schatzinsel», hinterliess bei seinem Tod 1894 auf Samoa im Südpazifik eine Sammlung von 44 Gedichten mit dem Titel «Songs of Travel». Neun dieser Reiselieder hat Ralph Vaughan Williams zwischen 1901 und 1904 vertont. Damit schuf er einen beliebten Liederzyklus des englischen Repertoires. Diese Songs of Travel wurden auch schon als englische Winterreise bezeichnet. Reiselieder mit der Figur des Wanderers waren in der europäischen Romantik sehr beliebt. Fast immer haben diese Umhergetriebenen mit der Erfahrung zu tun, nicht mehr geborgen zu sein. Auch der Vagabund in den Songs of Travel lässt alle menschlichen Bindungen hinter sich. Die Vorstellung, Gott im Himmel über sich zu haben, gibt ihm anfangs noch Vertrauen. Doch nach Liebe und Trennung erfährt er seine Verlorenheit in einem Niemandsland.
Ivor Gurney (1890 - 1937)
Five Elizabethan Songs (Text: John Fletcher)
Nr. 4 Sleep
Der im deutschen Sprachraum kaum bekannte Komponist und Dichter Ivor Gurney wurde in Gloucester geboren und sang schon früh im Chor der berühmten Kathedrale. Mit 14 Jahren begann er zu komponieren und gewann 1911 ein Stipendium für das Royal College of Music. Seine Studien wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen, in dem er Opfer eines Gasangriffs wurde, welcher starke Auswirkungen auf seine Gesundheit hatte. Nach dem Krieg kehrte Ivor Gurney nach London zurück und setzte sein Musikstudium bei Ralph Vaughan Williams fort. Sein Geisteszustand verschlimmerte sich ständig, so dass er die letzten 15 Jahre seines Lebens in psychiatrischen Kliniken verbrachte.
Ivor Gurney gilt aber auch als einer der grossen englischen Dichter des Ersten Weltkriegs und schilderte oft die Schrecken des Krieges als Kontrast zur Schönheit und Ruhe der ursprünglichen englischen Landschaften. Er schrieb hunderte von Gedichten, aber auch über 300 Lieder und er gehört damit zu Englands bedeutendsten Liedkomponisten. Er wurde auch schon als English Schubert bezeichnet. Am bekanntesten sind die Fünf Elisabethanischen Gesänge (er nannte sie The Elizas). Ihnen liegen weltliche Gedichte von William Shakespeare und seinen Zeitgenossen zu Grunde. Ivor Gurney komponierte während seines Studiums um den Jahreswechsel 1913/1914 diesen Liederzyklus; publiziert wurde er nach dem Krieg im Jahre 1920. Stilistisch ähneln die Lieder eher deutschen Kompositionen als britischer Vokalmusik.
Ralph Vaughan Williams (1872-1958)
Five Mystical Songs (Text: George Herbert)
Nr. 1 Easter
Nr. 4 The Call
Nr. 5 Antiphon
Ralph Vaughan Williams hat seine Five Mystical Songs (fünf mystische Lieder) in den Jahren 1906 bis 1911 komponiert und dirigierte die Uraufführung am 14. September 1911 in Worcester selbst - in einer Fassung für Baritonsolo, Orchester und gemischten Chor. Der Text stammt aus der Sammlung
The Temple: Sacred Poems des walisischen Dichters George Herbert (1593 - 1633). Dieser war Priester und ein jüngerer Zeitgenosse Shakespeares.
Die Musik weist die gleiche innere Spiritualität auf wie die einfachen Verse von George Herbert. Obwohl in der Regel zusammen aufgeführt, gibt es bedeutende Unterschiede zwischen den fünf Liedern. Am deutlichsten kommt das bei Nr. 5 zum Ausdruck. Während die ersten vier Lieder den
Charakter von ruhigen Meditationen aufweisen, erklingt das letzte (Antiphon) als triumphierender Lobgesang: Let all the world in every corner sing, my God and King!
John Ireland (1879 - 1962)
Two Poems from John Masefield
Vagabond
Sea Fever
Die Familie von John Ireland war schottischer Herkunft. Bereits mit 14 Jahren wurde er an das Royal College of Music in London aufgenommen. Nachdem er dort Klavier, Orgel und später Komposition studiert hatte, unterrichtete er am College selber Komposition bis zum Jahre 1953. Als junger
Komponist wurde Ireland stark beeinflusst von Debussy und Ravel, wie auch von Strawinsky und Bartók. Unter diesen Einflüssen entwickelte er seinen eigenen Stil eines englischen Impressionismus. Wie die meisten impressionistischen Komponisten bevorzugte Ireland kleine Formen und schrieb weder Sinfonien noch Opern. Sein Schaffen umfasst vor allem Kammermusik und Klavierwerke. Eine Bereicherung des englischen Vokalrepertoires bilden seine zahlreichen Lieder. Infolge seiner Stellung als Organist und Chorleiter an der St. Luke’s Church schrieb er darüber hinaus Hymnen, Chorlieder und andere geistliche Chormusik. John Ireland liess sich stark von der englischen Poesie inspirieren. Seine Vertonungen der Gedichte von Housman, Hardy, Rossetti, Masefield und Brooke gehören zu seinen bekanntesten Werken. John Masefield, der Dichter von Vagabond und Sea Fever, lebte von 1878 bis 1967. Er begann mit seiner literarischen Tätigkeit, nachdem er wegen einer Krankheit den Dienst bei der Marine aufgeben musste.
Gerald Finzi (1901 - 1956)
Let Us Garlands Bring, op. 18 (Text: William Shakespeare)
Come away, come away, death
Who is Sylvia?
O mistress mine
Fear no more the heat o’ the sun
It was a lover and his lass
Der hierzulande wenig bekannte englische Komponist Gerald Finzi komponierte in der Tradition von Edward Elgar, weshalb seine Musik zu seinen Lebzeiten unzeitgemäss erschien. Er entwickelte aber einen ganz persönlichen Stil, der am deutlichsten in seinen empfindsamen Liedern und Chorwerken erkennbar wird. Da steht die Musik mit jedem Wort in Einklang, was auf seiner gründlichen Kenntnis der englischen Literatur beruht. Gerald Finzi hat vor allem für die menschliche Stimme komponiert; die Zahl seiner Instrumentalwerke ist vergleichsweise gering. Der Liederzyklus Let Us Garlands Bring (Lasst uns Girlanden bringen), für Bariton und Klavier, entstand zwischen 1929 und 1942; die fünf Lieder basieren alle auf Texten aus Bühnenwerken von William Shakespeare. Gerald Finzi hat diesen Zyklus auch für Bariton und Streichorchester bearbeitet.
MANUEL WALSER - Biographie
Der Schweizer Bariton Manuel Walser studierte Gesang bei Thomas Quasthoff an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Beim internationalen Wettbewerb „Das Lied“ in Berlin wurde er 2013 mit dem 1. Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Manuel Walser war bis 2019 für fünf Spielzeiten festes Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Im Januar 2018 gab Manuel Walser sein Debüt an der Berliner Staatsoper Unter den Linden als Harlekin in Strauss‘ Ariadne auf Naxos. Im Februar 2021 debütierte er in Strauss Salome an der Mailänder Scala und im Sommer 2021 war er als Donner in einer Neuproduktion von Wagners Rheingold bei den Festspielen in Erl zu erleben und feierte ebendort im August 2023 sein Rollendebüt als Gunther in Wagners Götterdämmerung. Im Sommer 2024 wird er für den gesamten Ring dorthin zurückkehren. Im Dezember 2022 war Manuel Walser als Sprecher in einer Neuproduktion von Mozarts Zauberflöte an der Opéra National du Rhin in Strasbourg zu hören und debütierte im Herbst 2023 als Papageno in einer konzertanten Aufführung der Zauberflöte unter der Leitung von Martin Wåhlberg. Manuel Walser geht seit langem einer regen Konzerttätigkeit nach. Er arbeitete bislang mit renommierten Orchestern wie dem Concertgebouw Orkest, den Wiener Symphonikern, der Staatskapelle Dresden, dem Israel Philharmonic Orchestra, dem Tonkünstlerorchester Niederösterreich, dem Orchestre de la Suisse Romande, der J. S. Bach-Stiftung, dem Concentus Musicus Wien, dem Ensemble Pygmalion unter Dirigenten wie Anja Bihlmaier, Alfred Eschwé, Stefan Gottfried, Manfred Honeck, Martin Haselböck, Ton Koopman, Jonathan Nott, Raphaël Pichon, Andreas Spering und Jordi Savall. Mit besonderer Leidenschaft widmet sich Manuel Walser der Gattung Lied. Liederabende führten ihn nach Barcelona, Paris, in die Londoner Wigmore Hall, zur Schubertíada Vilabertran, in den Pierre-Boulez Saal, ins Konzerthaus Berlin, zu den Salzburger Festspielen, in den Wiener Musikverein, nach München, Zürich, ins Teatro de la Zarzuela nach Madrid und zur Schubertiade Schwarzenberg.
Das Wiener Konzerthaus präsentierte Manuel Walser in der Saison 2019-2020 als "Great Talent" mit unterschiedlichen Konzerten, wohin er mit Bach-Kantaten, Heinichens Le nozze di Nettuno e di Teti, sowie mit Bachs Matthäus-Passion zurückkehren wird. Weitere Höhepunkte in dieser Spielzeit sind Beethovens Missa Solemnis und Beethovens IX. Symphonie, sowie Bachs Johannes-Passion unter Jordi Savall, Bach-Kantaten gemeinsam mit dem Freiburger Barock Orchester unter der Leitung von Kristian Bezuidenhout, Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen mit dem Residentie Orchester unter der Leitung von Andrew Grams, Schumanns Das Paradies und die Peri in der Elbphilharmonie Hamburg unter der Leitung von Jörg Endebrock und sein Debüt in der Titelpartie von Mendelssohns Elias unter der Leitung von Johanna Soller mit dem Münchener Bach-Orchester bei den Ottobeurer Basilikakonzerten.
Weitere Informationen: www.manuel-walser.com
CLAIRE PASQUIER - Biographie
Die Pianistin Claire Pasquier wurde in Grossbritannien geboren und hat in Australien, Italien und Grossbritanien studiert. Seit über 30 Jahren ist sie erfolgreich als Musikerin tätig. Als Korrepetitorin war sie an folgenden Institutionen engagiert: Victoria State Opera in Melbourne, English National Opera Studio und Royal Opera House in London, English National Opera in Glyndebourne, Fondation Royaumont in Paris, Israeli Vocal Arts Institute in Tel Aviv (Zusammenarbeit mit der New Israeli Opera und der Metropolitan Opera New York), Wiener Symphoniker, Theater St. Gallen, Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz und Bregenzer Festspiele. Sie war Preisträgerin verschiedener Kammermusikwettbewerbe. Heute arbeitet Claire Pasquier als freischaffende Pianistin. Sie tritt solistisch auf und wird europaweit als Begleiterin geschätzt. Sie arbeitet mit vielen Sängerinnen und Sängern zusammen sowie auch mit Orchestern und Kammermusikensembles. 2008 hat sie ihre eigene Künstleragentur Absolutely Classical für private Anlässe und Konzerte gegründet (www.absolutelyclassical.ch).Seit 2020 wirkt Claire Pasquier an den meisten Konzerten des Vereins opus278 mit, den sie mitgegründet hat. Sie will den wunderbaren Klang des Fazioli Flügels mit moderner Technik kombinieren und steht auch für professionelle Audio- und Videoaufnahmen zur Verfügung.
MATTHIAS FLÜCKIGER - Biographie
Matthias Flückiger, Schauspieler und Regisseur, wurde 1965 in Biel geboren und studierte nach der Matura von 1987 - 1991 Schauspiel an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst “Mozarteum” in Salzburg. Das Studium schloss er mit Auszeichnung ab. Von 1991 bis 2001 war er Mitglied des Schauspielensembles am Theater St. Gallen. Während dieser Zeit hatte er mehrere Gastengagements, so in den USA, in Frankreich und in Deutschland. Im Jahr 2001 erhielt er den Förderungspreis der Stadt St. Gallen und ist seither freischaffend tätig, u.a. mit Auftritten in den Sophiensälen Berlin, am Theater Basel, Schlachthaus Bern, Theater Chur, Theater St. Gallen, Theater an der Winkelwiese Zürich, Theaterspektakel Zürich. Matthias Flückiger wirkte in zahlreichen Filmen, Fernsehserien und Hörspielen mit. Seit 2015 ist er regelmässig in St. Gallen im Theater “parfin de siècle” (neu: „Theater Trouvaille“) zu sehen, dessen Leitung er am 1. Januar 2021 übernommen hat.
KONZERT & DINNER
So exquisit es aus dem Fazioli-Flügel klingt, so exquisit duftet es aus dem Buchenholzgrill des Restaurants Lagerhaus an derselben Adresse. Dort werden jeweils exklusiv für die Konzertbesucherinnen und -besucher im Anschluss an die Veranstaltung Drei-Gang-Menüs ab 45.00 Franken angeboten. Die Platzzahl ist auf 20 Personen begrenzt.
Wir bitten um zusätzliche Reservation.
ÜBER OPUS278 :
DIE KONZERTE MIT DEM FAZIOLI-KLANG
opus278 realisiert Besonderes: Hauskonzerte in kleinerem Rahmen mit jeweils ca. 50 Gästen. Hierfür wurde von uns der Konzertflügel Fazioli F278 gekauft, auf dem bereits Herbie Hancock und Angela Hewitt vorzugsweise spielten. Die Konzerte werden immer unter Einbezug dieses aussergewöhnlichen Instruments aufgeführt.
Der Verein wurde im Jahr 2020 von der Pianistin Claire Pasquier, dem Schauspieler Matthias Flückiger und dem Architekten Georg Streule gegründet. Der Sitz ist im Lagerhaus an der Davidstrasse 40 in St.Gallen, Schweiz.
Wir organisieren und realisieren Aufführungen mit ausgezeichneten Pianistinnen und Pianisten, Solistinnen und Solisten und mit verschiedenen Kammerorchestern, welche nach dem Vorbild der ehemaligen Hauskonzerte in kleinerem Rahmen durch- und aufgeführt werden. Unser Jahresprogramm finden Sie hier.
Unser Fazioli-Raum ist tagsüber Stätte des kreativen Denkens, Entwerfens und Kreierens von Architekten.
Zudem atmet das Lagerhaus in St. Gallen mit seinen vielen kulturellen Institutionen und Ateliers einen ganz eigenen inspirierenden Geist. Dem Konzerterlebnis in diesen Räumen verleiht diese Atmosphäre zusätzlich speziellen Charakter. Unmittelbare Begegnungen zwischen Publikum und Auftretenden ist bei uns Programm!
Für einen fachlichen und geselligen Austausch laden wir jeweils nach den Konzerten alle zur persönlichen Begegnung mit den Musikschaffenden und zu einem Apéro ein.
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