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(hierzu 2 Tafeln), die Kriegshandlungen, welche Angriff und Verteidigung permanent befestigter Plätze
mit sich bringen. Bis zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurden für den Festungskrieg im allgemeinen noch die von Vauban, namentlich
für den Angriff, aufgestellten Grundsätze als maßgebend angesehen. Die während dieses Feldzugs durchgeführten
Belagerungen haben indessen die gänzliche Veraltung jener Lehren
[* 3] erkennen lassen und gezeigt, daß die seitdem vollzogene
totale Umgestaltung des Geschützwesens auch eine ganz andre Verwendung der Artillerie, der Hauptwaffe des Festungskriegs,
bedingt.
War man
hierdurch schon gezwungen, andre Normen für den Festungskrieg aufzustellen, so trat in weiterer Folge des
Kriegs als zweites umgestaltendes Moment die Umwandlung unsrer Festungen durch Erbauung von Forts weit außerhalb ihres Hauptwalles
hinzu. Diese Bedingungen haben sodann im Verein mit der in den letzten zehn Jahren zur Ausführung gekommenen vollständigen
Neugestaltung der Festungs- und Belagerungsartillerie und der außerordentlich fortgeschrittenen Ausbildung
der Artillerietruppe im Schießdienst Erfahrungen gezeitigt, die uns auf andre Bahnen verwiesen.
Sie machten die Aufstellung einer neuen Lehre
[* 4] für den Festungskrieg notwendig, die man jetzt als Taktik des Festungskriegs bezeichnet.
Sie umfaßt naturgemäß nur allgemeine Grundsätze, die sowohl dem Terrainvor der anzugreifenden Festung
[* 5] als den
von dieser getroffenen Verteidigungsmaßregeln sorgsam angepaßt werden müssen. Es läßt sich daher, ohne die Grenzen
[* 6] allgemeiner
Gültigkeit zu überschreiten, der Plan einer Belagerung nur schematisch darstellen, wie es auf Tafel I (entworfen vom Ingenieurgeneral
v. Bonin für seine Schrift »Festungen und Taktik des Festungskriegs in der Gegenwart« im Beiheft 8 zum »Militär-Wochenblatt«
1878) geschehen ist.
Auf eine bestimmte Festungübertragen, würde dieser Schemaplan ganz andre Formen annehmen, aber auch dann für diese Festung
gelten. Tafel II zeigt eine solche Anwendung, die Belagerung von Straßburg
[* 7] 1870, die jüngste, welche von moderner Belagerungsartillerie
durch geführt wurde, allerdings den heutigen Waffen
[* 8] und Grundsätzen nicht mehr ganz entsprechend; doch
bietet für diese die Kriegsgeschichte noch kein Beispiel. Die Neuheit der Taktik des Festungskriegs und der Mangel an Kriegserfahrung
erklären die sich widersprechenden Ansichten von Autoritäten auf diesem Gebiet, die im nachstehenden thunlichst Berücksichtigung
finden werden.
Die Wahl des zur Eroberung einer Festung anzuwendenden Angriffsverfahrens wird bedingt sein a) durch die
hierzu zur Verfügung stehenden Truppen und Kampfmittel, namentlich an Artillerie; b) durch die Art und den Wert der zu belagernden
Festung in fortifikatorischer Beziehung, ihrer Armierung und Besatzung sowie durch die Vorkehrungen, welche zu ihrer Verteidigung
getroffen sind. Hat man es mit einer Festung älterer Bauart zu thun, eine schwache und nachlässige Besatzung
sich gegenüber, so kann ein gewaltsamer Angriff, ein Überfall oder eine Überrumpelung Erfolg versprechen. Es müssen indessen,
um diesen zu sichern, so viele günstige Bedingungen zusammentreffen, auf deren schneller Erfassung und kühner Ausnutzung
allein das Gelingen beruhen kann, daß ein solcher Fall bei unsern modernen Kampfmitteln zu den größten
Seltenheiten gehören wird.
Für die Art und Weise, wie der Angriff zunächst am vorteilhaftesten auszuführen ist, lassen sich daher kaum irgend welche
Regeln aufstellen, da dieselbe allein von den gegebenen Verhältnissen abhängen wird. Es könnte z. B.
unter günstigen Umständen einem kühnen Angreifer wohl gelingen, mit Feldtruppen zwischen zwei Forts
hindurchzustürmen und gegen diese im Rücken wie gegen die Stadt einen Stoß auszuführen, dessen Folgen für den Verteidiger
verhängnisvoll werden können; ebenso kann aber auch der Angreifer dabei vernichtet werden. Soll ein Überfall nicht gewagt
werden, so muß der Angriff mit einer möglichst schnell mit Hilfe vieler Kavallerie auszuführenden Einschließung
die Berennung beginnen, die der Festung jede Verbindung nach und
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mehr
Zufuhr von außen abschneidet, welche deshalb bei einer volkreichen Stadt und hinreichender Dauer die Festung wegen Mangels
an Lebensmitteln (Aushungerung) zur Übergabe zwingen kann. Hat die Festung keine Forts, eine gedrängt wohnende Bevölkerung,
[* 10] wenig bombensichere Unterkunftsräume für die Besatzung und einen wenig thatkräftigen Kommandanten, so kann ein Bombardement
durch seine materielle und moralische Wirkung eine schleunige Übergabe herbeiführen. Bei einer gut ausgestatteten
und energisch verteidigten Festung wird nur der förmliche Angriff oder die eigentliche Belagerung, bei der man sich nach und
nach der Festung gedeckt nähert und die feindlichen Kampfmittel systematisch zu zerstören sucht, Aussicht auf Erfolg versprechen.
Im nachstehenden soll daher ausschließlich der förmliche Angriff auf eine gut verteidigte Festung mit
detachierten Forts behandelt werden.
Das Belagerungskorps besteht aus der Belagerungsartillerie mit einer der Größe der Festung entsprechenden Anzahl Sektionen
des Artilleriebelagerungstrains, mit etwa 400-500 Geschützen für eine Festung mit Forts, einer oder mehreren Sektionen des
Ingenieurbelagerungstrains und einer entsprechenden Anzahl Pionierkompanien sowie einer oder mehreren
Truppendivisionen oder, je nach der Größe des Platzes, Armeekorps, die in der Regel ihre taktische Zusammensetzung behalten.
Die Kavallerie wird zunächst auf den Hauptstraßen gegen die Festung zu deren Beobachtung und zum Schutz der behufs Feststellung
der Angriffsfronte und der besondern Maßregeln zur Einschließung auszuführenden Rekognoszierung vorgeschoben.
Sie soll zwar der Festung den Verkehr jeder Art nach außen abschneiden, muß jedoch hierbei vermeiden, diejenigen Verkehrswege,
die für die Heranführung des Belagerungsmaterials notwendig sind, unbenutzbar zu machen.
Man wird deshalb grundsätzlich den Belagerungspark in möglichster Nähe der Eisenbahn etablieren, auf
der sein Material herbeikommt, und bei entsprechender Entfernung Förderbahnen von der Entladestation zum Park und von hier
zu den Batterien anlegen. Es muß dies unter dem Schutz der Einschließungstruppen geschehen, nötigen Falls sind Feldverschanzungen
mit Geschützemplacements zum Zurückweisen von Ausfällen aus der Festung zum Schutz der Parke, die etwa
7-10 km von den Forts ab bleiben, anzulegen.
Im F. ist die Artillerie die Hauptwaffe, da nur sie im stande ist, den Verteidiger aus seinen befestigten Stellungen im Vorterrain
zu vertreiben sowie ihn zu zwingen, seine Kampfthätigkeit auch in den Forts und Zwischenbatterien und
schließlich auf der Hauptenceinte einzustellen; es muß deshalb immer die Aufgabe aller andern Waffen sein, die Artillerie
in der Erreichung dieser Ziele nach Kräften zu unterstützen und sich selbst diesem Zweck unterzuordnen. Zunächst ist der
Verteidiger soweit wie möglich und für die Einschließung erforderlich aus dem Vorterrain zurückzudrängen,
wobei in der Regel nur Feldartillerie, gegen verschanzte Ortschaften aber stets schwerere Geschütze
[* 13] mit überwältigender
Wirkung
in Thätigkeit kommen werden, da auch der Verteidiger solche Positionen mit Aufbietung aller verfügbaren Mittel zu behaupten
suchen wird.
Diese sollen die Artillerie in den Forts und deren Zwischenstellungen bekämpfen, feindliche Kampfmittel vernichten,
die Ausführung weiterer Verteidigungsarbeiten verhindern und so der eignen Infanterie das Vorgehen und Festsetzen auf dem
Angriffsfeld ermöglichen. Diese Batterien werden daher meist nicht näher als 3000, in einzelnen Fällen bis 2000 m an die
Forts herangehen können und müssen daher mit weittragenden, wirkungsvollen Geschützen, 15 cm Ringkanonen, schweren 12 cmKanonen und 21 cmMörsern, und bei geringern Entfernungen auch mit kurzen 15 und 21 cmKanonen armiert werden.
Sie werden in möglichst umfassender Ausdehnung
[* 14] gruppenweise angelegt und müssen alle in das Angriffsfeld wirkenden feindlichen
Geschützaufstellungen bekämpfen. Können sie nicht in die Nähe von Straßen gelegt werden, so sind für
die Armierung und den Munitionsersatz Wege dorthin anzulegen. AlleBatterien sollen möglichst in Einer Nacht erbaut werden
und gleichzeitig ihr Feuer am nächsten Morgen eröffnen. Dem Vorschreiten der Infanterie werden auch Batterieanlagen folgen
und zum Teil mit den Geschützen rückwärts liegender Batterien armiert werden, so daß bei einer hartnäckigen
Verteidigung der Übergang von der ersten zur zweiten Artillerieaufstellung (Tafel I hinter der 1., Tafel II an und dicht
hinter der 2. Parallele)
[* 15] sich allmählich, Schritt für Schritt vollzieht.
Grundsatz des Angriffs ist, daß das Artilleriefeuer niemals ins Stocken kommen darf; die Batterien der zweiten Artillerieaufstellung
werden daher auch unter dem Schutz der rückwärtigen Batterie und der ersten Infanteriestellung (Tafel
I als 1. Parallele bezeichnet) auf etwa 1500-1000 m von den feindlichen Batterien, auf welchen Entfernungen ein Niederkämpfen
der letztern möglich wird, erbaut. Die Erfolge der zweiten Artillerieaufstellung sind für den weitern Verlauf des Angriffs
entscheidend, da auf diesen Entfernungen eine der beiden Parteien durch Niederkämpfung der gegnerischen
Artillerie die Oberhand gewinnen muß; jetzt entbrennt daher der eigentliche Artilleriekampf.
sind die Ansichten geteilt, angelegt und erhält von rückwärts her gedeckte Zugänge durch Laufgräben, die, um sie der Längsbeschießung
zu entziehen, in Zickzackform geführt werden. In der zweiten Artillerieaufstellung werden 12 cm und kurze 15 cm, in besondern
Fällen auch wohl noch 15 cm Ringkanonen Verwendung finden, nächstdem aber zum Bewerfen des Innern von
Festungswerken namentlich 15 cmMörser und zum Einwerfen von Hohlbauten auch noch 21 cmMörser. In neuerer Zeit ist man nach
Schießversuchen zu der Ansicht gekommen, daß indirektes Feuer, namentlich in Rücksicht auf die große Treffsicherheit der
gezogenen Mörser, viel schneller zum Ziel führen wird als das Feuer der besten weittragenden Kanonen.
Während daher in der ersten Artillerieaufstellung die langen Kanonen überwiegen, werden in der zweiten kurze Kanonen und
Mörser vorherrschen. Auch sind die Ansichten darüber geteilt, ob es zweckmäßiger ist, 6-8 oder nur 2-4 Geschütze batterieweise
zu vereinigen oder gar unter Umständen Geschütze einzeln aufzustellen. Wenn auch letztere Aufstellungen
den Vorzug der bessern Anpassung an das Terrain und weniger durch das feindliche Feuer zu leiden haben, so ist doch bei dieser
Vereinzelung der Geschütze die Munitionsversorgung, namentlich aber die Feuerleitung und damit das Konzentrieren des Feuers
einer Anzahl Geschütze zur systematischen Niederkämpfung feindlicher Geschützaufstellungen, die z. B.
der Infanterie das Behaupten wichtiger Terrainpunkte unmöglich machen, sehr erschwert.
Von den Artilleristen wird allgemein angenommen, daß, wenn es dem Angreifer möglich wird, seine Batterien bis auf 1000 oder 900 m an
die Forts heranzubringen, die beschossenen Forts in nicht langer Zeit derart in Trümmerhaufen verwandelt werden, daß es dem
Verteidiger nicht möglich wird, sich darin zu halten, geschweige denn Geschütze innerhalb derselben
noch ins Feuer zu bringen, so daß ihre Übergabe von selbst erfolgen muß. Es wird wahrscheinlich auch möglich sein, durch
einige Geschütze aus der zweiten Artillerieaufstellung die Stadt zu beschießen, unter Umständen sogar ein erfolgreiches
Bombardement zu eröffnen, hierdurch aber wie durch die Beschießung der von den Forts zur Stadt führenden
Kommunikationnen ^[richtig: Kommunikationen] die Übergabe der Forts zu beschleunigen.
Von andern wird dagegen angenommen, daß auch in Zukunft der von den Ingenieuren auszuführende Nah- oder Ingenieurangriff
(Sappenangriff) nicht wird entbehrt werden können, der auch bei Straßburg (Tafel II, Nebenkärtchen) noch
zur Ausführung gekommen ist. Zu diesem Zweck wird unter dem Feuer der Belagerungsbatterien und dem Schutz der ersten Infanteriestellung
auf halber Entfernung zwischen dieser und dem Fort die zweite Infanteriestellung und demnächst auf 150-200 m eine dritte Infanteriestellung
eingerichtet, die, unter sich durch
Laufgräben in gedeckter Verbindung stehend, der Infanterie die Bekämpfung
des Verteidigers durch gezielte Schüsse gestatten und den Pionieren als Basis zum Vorgehen mit der bedeckten Sappe bis zur
Krönung des Glacis, Anlage des Grabenniedergangs bis zur Grabensohle oder bis zum Wasserspiegel bei nassen Gräben und Herstellung
des Grabenübergangs zur Bresche dienen, die von der zweiten Artillerieaufstellung geschossen wird.
Kommt es zu einem solchen Vorgehen der Pioniere, so ist zu erwarten, daß auf dem Glacis der Minenkrieg beginnen wird; der
Angreifer sucht durch tief liegende überladene Minen sowohl die Konterminen zu zerstören, als gleichzeitig oberirdisch einen
Trichter auszuwerfen, um in ihnen gedeckt neue Angriffsminen vorzutreiben und so schließlich bis in
die Nähe der Glaciskrete zu gelangen, diese zu krönen und den Grabenniedergang
[* 20] herzustellen, durch welche die in den Laufgräben
gesammelten Sturmkolonnen zum Grabenübergang gelangen.
Sollte es dem Angreifer nicht gelungen sein, die Grabenkaponnieren zu zerstören, und der Verteidiger im stande sein, hier
gegen den SturmGeschütze ins Feuer zu bringen, so wird bei der heutigen Geschützwirkung ein Gelingen
des Sturms sehr in Frage gestellt. Gelang der Sturm, und ist der Verteidiger zu weiterm Widerstand durch eine inzwischen eingerichtete
Zwischenstellung rückwärts der Forts vorbereitet, so muß der Angriff gegen dieselbe in ähnlicher Weise wie gegen die Forts
mit ihren Zwischenbatterien begonnen und bis zum Sturm der in den Hauptwall gelegten Bresche nach gleichen
Grundsätzen fortgeführt werden.
In denFestungen werden die für ihre Verteidigung erforderlichen Geschütze nebst Zubehör sowie die Munitionsteile für eine
gewisse Anzahl Schüsse im Frieden bereit gehalten. Für die verteidigungsfähige Aufstellung der Geschütze
und die gegen feindliches Artilleriefeuer gesicherte Unterbringung aller Kampfmittel muß gesorgt sein. Die Armierung einer
Festung hat den Zweck, letztere aus dem Friedenszustand in den der Verteidigungsfähigkeit überzuführen; sie zerfällt in
die fortifikatorische, artilleristische, ökonomische und Sanitätsarmierung.
Erstere betrifft die Vervollständigung der Sturmfreiheit, der gesicherten Unterkunft der Garnison und ihrer
Vorräte, Herstellung von Befestigungen im Vorterrain, Stauung der Gewässer zur Inundation (s. d.) des Vorterrains, Vorbereitung
des Minenkriegs etc. Die artilleristische Armierung soll die Geschütze der ersten Geschützaufstellung oder der Sicherheitsarmierung
an den Stellen, an denen die Geschütze nach dem bereits im Frieden bearbeiteten Armierungsentwurf Aufstellung finden sollen,
kampfbereit fertig machen sowie die Munition anfertigen und die artilleristischen Streitmittel, z. B.
Pulver etc., kriegsmäßig lagern.
Die ökonomische Armierung soll die Lebens- und Quartierbedürfnisse der Besatzung bereit stellen und unterbringen und die
Sanitätsarmierung alle Mittel zur Handhabung des Sanitätsdienstes in Bereitschaft stellen. Eine größere Anzahl von Geschützen
wird als Reserve bereit gehalten, um auf der Angriffsfronte dann Verwendung zu finden, sobald diese entschieden
ist. Als Grundsatz für eine aktive Verteidigung gilt, daß dem Angreifer das Vorterrain solange wie möglich streitig gemacht
und das Festsetzen in demselben erschwert werden muß. Zu diesem Zweck müssen solche Punkte, die der Verteidigung günstig,
und deren Besitz dem Angreifer Vorteile bringen würde, bei
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