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Am Anfang war das reine Wort. Das männliche Wort. Die erste Tagesschau, welche am 29. August 1953 in einer Testphase über den Sender ging, war eine Sendung aus Bildberichten, gesprochen von einer männlichen «Off»-Stimme.
Die sichtbaren Sprecher, welcher die Nachrichten am Bildschirm vortrugen, begrüssten und verabschiedeten, wurden erst auf Druck des damaligen Tagesschau-Redaktionsleiters Felix Hurter 1966 eingeführt. Damit reagierte Hurter auf interne Kritik, die Tagesschau wirke zu statisch und zu unpersönlich.
Andererseits wuchs innerhalb der Redaktion das Bedürfnis auf eine aktuellere Berichterstattung. Ein Live-Sprecher konnte auch wichtige Nachrichten vermelden, die erst kurz vor der Sendung eintrafen.
Geschlechterrollen in den 50er und 60er Jahren
Frauen am Bildschirm gab es seit den Pionierzeiten des Fernsehens. Als Fernsehansagerinnen waren die jungen Frauen von der breiten Öffentlichkeit hochgeschätzt, in einer Informationssendung hingegen waren sie unvorstellbar. Frauen sollten unterhalten und gefallen, Männer standen für Kompetenz, Seriosität und Sachlichkeit, so das dominierende Rollenverständnis der 50 und 60er Jahre.
Gleichstellung und «Blüsli der Nation»
Vor dem Hintergrund der Gleichberechtigung von Mann und Frau, des Frauenstimmrechtes (1971) in der Schweiz und des Gleichstellungsartikels in der schweizerischen Verfassung (1981) brach das traditionelle Rollenverständnis auf.
Die SRG reagierte auf die Institutionalisierung der Gleichstellungsfrage, indem sie Ende der 70er Jahre die Berufsbilder öffnete und Frauen in Männerberufe hineinliess. Therese Bernhard-Fuchs und Marie-Therese Guggisberg waren die ersten Frauen, welche die Tagesschau moderierten.
Die Wegbereiterinnen hatten es nicht einfach. Obschon Marie-Theres Guggisberg eine gestandene Radiojournalistin war, wurde sie als Tagesschau-Moderatorin zu wenig ernst genommen – am Ende sogar auf ihr Äusseres reduziert. Ein Zürcher Kolumnist gab Guggisberg denn auch den Spitznamen «Blüsli der Nation.»
Attraktiv und kompetent bis heute
In den 80er Jahren konnten sich erfahrene Journalistinnen wie Annet Gosztonyi, Dominique Rub und Ellinor von Kauffungen als Moderatorinnen der Tagesschau-Hauptausgabe durchsetzen. Doch blieben sie am Bildschirm zahlenmässig in der Minderheit.
1993 schlug die Tagesschau mit der damals 30jährigen Katja Stauber erneut einen Richtungswechsel ein. Das Argument der Stunde hiess «Attraktivität». Nachrichtensendungen sollten zwar informieren, aber auch attraktiv sein, schliesslich war man ein Bildmedium. So schlossen sich Sex-Appeal und Kompetenz am Sender nicht mehr aus. Heute sind Moderatorinnen, auch junge und schwangere, in Informationssendungen eine Selbstverständlichkeit. Eine Selbstverständlichkeit mit einem langen Anlauf.