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Highlights Swiss Payment Monitor 1/2021
1. Zahlungsverhalten im Lichte der Coronapandemie
1.1 Von Befragten erklärte Verhaltensänderung
Abbildung 1 zeigt die Antworten der Befragten auf die Frage nach der Veränderung des Bezahlverhaltens aufgrund der Coronapandemie. Insgesamt ist zu erkennen, dass eine überwiegende Mehrheit der Personen angegeben hat, seit Ausbruch der Coronapandemie sehr viel weniger Bargeldzahlungen (60%) und Bargeldbezüge (47%) zu tätigen sowie sehr viel weniger Bargeld im Portemonnaie (32%) mit sich zu führen. Dies deckt sich mit dem effektiven Bargeldbestand im Portemonnaie, welcher im Vergleich zum Vorjahr rund 30 Prozent abgenommen hat (vgl. Kapitel 3). Die meisten Personen gaben an, gleich viel Bargeld oder weniger Bargeld zu Hause aufzubewahren (91%) sowie gleich hohe oder tiefere Bargeldbeträge abzuheben (92.3%) im Vergleich zu vor der Pandemie. Die effektiven Angaben zum Bargeldgebrauch deuten jedoch darauf hin, dass die befragten Personen im Jahresvergleich mehr Bargeld zu Hause aufbewahren und im Durchschnitt pro Monat weniger Bargeld beziehen (vgl. Kapitel 3). Frauen gaben statistisch signifikant häufiger an als Männer, weniger Bargeld im Portemonnaie zu haben, weniger Bargeld zu beziehen und weniger mit Bargeld zu bezahlen. Umgekehrt haben die Deutschschweizer mehr Bargeld im Portemonnaie als die Befragten aus der italienischsprachigen Schweiz.
Eine Mehrheit der Befragten gab an, mehr oder sehr viel mehr mit kontaktlosen Debit- und Kreditkarten (60% bzw. 50%) zu bezahlen als vor der Coronapandemie. 52 Prozent der Befragten erklärte, mehr mobile Bezahllösungen zu verwenden. Insbesondere die Deutschschweizer benutzten herkömmliche Debitkarten weniger häufig als die Befragten aus der französischsprachigen Schweiz.
Abbildung 1
Das Zahlungsverhalten korreliert stark mit dem Konsumverhalten. Im ersten Schritt werden Entscheide über die Art und Weise der Bedürfnisbefriedigung (Konsum) getroffen und erst im zweiten Schritt, wie diese Leistungen und Güter bezahlt werden. Aus diesem Grund wurde die Schweizer Bevölkerung im Rahmen des SPM zusätzlich befragt, inwiefern sie ihr Konsumverhalten aufgrund der Coronapandemie verändert hat. Es zeigt sich, dass Frauen ihr Konsum- und Zahlungsverhalten aufgrund der Coronapandemie statistisch signifikant stärker verändert haben als Männer.
Abbildung 2 macht deutlich, dass über die Hälfte der Personen angab, weniger Einkäufe vor Ort im Ladengeschäft (61%), in der Stadt (56%) und im Ausland (55%) getätigt zu haben als vor der Coronapandemie. Insbesondere Frauen gaben signifikant häufiger an als Männer, ihre Vor-Ort-Einkäufe reduziert zu haben. 60 Prozent und 42 Prozent der Befragten erklärten, deutlich mehr online und in der Nachbarschaft eingekauft zu haben. Vor allem einkommensstarke Personen erhöhten ihre Einkäufe online und vor Ort. Eine Mehrheit gab zusätzlich an, etwa gleich viel langlebige und verderbliche Gebrauchsgüter erworben zu haben wie vor Ausbruch der Coronapandemie.
Abbildung 2
1.2 Effektive Verhaltensänderung
Mithilfe der Tagebuchbefragung lassen sich die effektiven Verhaltensänderungen mit Blick auf die Zahlungsgewohnheiten abbilden. Abbildung 3 undAbbildung 4 zeigen die Entwicklung des Umsatzanteils (gemessen an den Gesamtausgaben) und des Anteils der Transaktionen (gemessen an der gesamten Anzahl Transaktionen) verschiedener Zahlungsmittel im Zeitverlauf. Die Werte aus den vergangenen Jahren basieren auf den Angaben im Swiss Payment Monitor 2019 und 2020.
Die Kreditkarte ist das umsatzstärkste Zahlungsmittel in der Schweiz (vgl. Abbildung 3): Mit ihr geben die Menschen am meisten Geld aus, nämlich 24 Prozent ihrer Ausgaben. Dahinter folgen die Rechnung (22%), die Debitkarte (21%) und Bargeld (13%). Der Umsatzanteil von mobilen Geräten (v.a. mit dem Mobiltelefon) rangiert mit 8 Prozent auf dem fünften Platz, gefolgt von Internetbezahlverfahren wie Paypal (7,5%).
Im Vergleich zum Vorjahr hat die Kreditkarte (+3 Prozentpunkte [PP] Umsatzanteil) somit die Debitkarte (-7 PP) von der Spitzenposition abgelöst. Die Rechnung (+5 PP) hat Bargeld (-10 PP) vom zweiten Platz verdrängt. Dies ist zweifelsohne auf den Umstand zurückzuführen, dass die Schweizer Bevölkerung während der Coronapandemie und den damit einhergehenden beschränkten Konsummöglichkeiten vermehrt online einkaufte, wo generell häufiger per Kreditkarte und auf Rechnung bestellt wird, insbesondere bei höheren Beträgen. Ausserdem waren im Befragungszeitraum noch nicht viele neue online-fähige Debitkarten im Umlauf.
Gemessen an der Anzahl Transaktionen ist Bargeld immer noch das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel mit einem Anteil von 32 Prozent (vgl. Abbildung 4), knapp vor der Debitkarte (31%) und der Kreditkarte (18%). 9 Prozent der Gesamttransaktionen werden mit mobilen Geräten abgewickelt. Der Bargeldgebrauch ging allerdings betreffend Transaktionsanzahl rund 13 PP gegenüber dem Vorjahr zurück, während der Anteil von Debit- und Kreditkarte rund 4 PP und derjenige von mobilem Bezahlen um rund 3 PP zunahm. Insbesondere im Kleinbetragsbereich (unter 20 Fr.) haben die Bargeldzahlungen abgenommen.
Abbildung 3
Abbildung 4
1.3 Verhaltensänderung im gesamtwirtschaftlichen Kontext
Ein Vergleich der Ergebnisse des aktuellen Swiss Payment Monitors zeigt, dass in den letzten drei Jahren eine Verschiebung der Anteile von Bargeld hin zu bargeldlosen Zahlungsmitteln stattfand (vgl. Abbildung 3 und 4). Dies sagt allerdings noch nichts aus über die absolute Entwicklung der Anzahl Transaktionen und der Gesamtausgaben mit Debit- und Kreditkarten.
Abbildung 5 bis Abbildung 8 zeigen die Entwicklung von Zahlungen mit Schweizer Debit- und Kreditkarten im gesamtwirtschaftlichen Kontext gemäss den Daten der Schweizerischen Nationalbank. Im Jahr 2020 wurden in der Schweiz mit der Kreditkarte rund 515 Mio. Transaktionen über einen Gesamtbetrag von rund 40 Mia. Fr. getätigt. Es ist ersichtlich, dass die Coronapandemie im Vergleich zum Jahr 2019 den Wachstumstrend stoppte und stattdessen zu einem Rückgang von Transaktionshäufigkeit und Umsatz der Kreditkarte in Höhe von -2,8 respektive -15,4 Prozent führte. Dies ist hauptsächlich auf den deutlichen Rückgang der Auslandzahlungen zurückzuführen, sowohl hinsichtlich Anzahl Transaktionen (-15,2%) als auch hinsichtlich des Umsatzes (-35,1%). Die Reisebeschränkungen und der ausbleibende Einkaufstourismus waren die Hauptgründe für diesen Rückgang. Umgekehrt stiegen die Transaktionen und der Umsatz mit Kreditkarten in der Schweiz um rund 5 respektive 1 Prozent an (vgl. Abbildung 5 und 7). Das zeigt, dass Schweizer Kreditkartenbesitzer im Jahr 2020 auch vermehrt kleinere Beträge mit der Kreditkarte bezahlten.
Im Gegensatz zur Kreditkarte hatte die Coronapandemie 2020 insgesamt einen positiven Einfluss auf das seit Jahren anhaltende, stetige Wachstum von Anzahl Transaktionen und Umsatz der Debitkarte. Die Anzahl Transaktionen mit Debitkarten stieg in der Schweiz im Vergleich zu 2019 überdurchschnittlich um 13,3 Prozent auf 1,183 Mia. an. Der Umsatz legte um 11,4 Prozent auf 58 Mia. Fr. zu. Einerseits bezahlte die Schweizer Bevölkerung während der Coronapandemie häufiger mit der Debitkarte statt mit Bargeld und andererseits gab sie mehr aus für Güter (des alltäglichen Bedarfs), welche häufig mit der Debitkarte bezahlt werden.
Demgegenüber gingen im Jahr 2020 ähnlich wie bei der Kreditkarte die Anzahl und der Umsatz der Auslandzahlungen mit Debitkarten gegenüber 2019 zurück (-26,6% respektive -31,2%). Bei der Debitkarte machte das Auslandgeschäft aber bereits vor 2020 nur einen kleinen Anteil aus und lag 2020 noch bei rund 3 Prozent der Transaktionen und rund 5 Prozent des Umsatzes (vgl. Abbildung 6 und 8).
Abbildung 5
Abbildung 6
Abbildung 7
Abbildung 8
2. Mobiles Bezahlen
Beim mobilen Bezahlen wird die Transaktion mit oder auf einem mobilen Gerät wie zum Beispiel dem Mobiltelefon getätigt. Wie in Abbildung 3 zu sehen ist, machen solche mobilen Zahlungen bezogen auf den Umsatzanteil mittlerweile bereits 8 Prozent aus und haben sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Auch die Anzahl Transaktionen mit mobilen Geräten hat um mehr als die Hälfte auf 9 Prozent zugenommen (vgl. Abbildung 4). Diese Anteile sind über alle Betragshöhen hinweg relativ stabil. Bei Kleinst- und Kleinbeträgen (Beträge kleiner als 5 Fr. bzw. 20 Fr.) sowie bei Onlinezahlungen war das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr besonders ausgeprägt. Auch kleinere Beträge werden also immer öfter mobil bezahlt.
Im Distanzgeschäft (Onlinehandel) macht mobiles Bezahlen mit knapp 30 Prozent der Transaktionen sogar den grössten Anteil aus, gefolgt von der Rechnung (29%) und der Kreditkarte (23%). Gemessen am Umsatzanteil dominieren im Onlinehandel die Rechnung (45%), Internetbezahlverfahren (17%) (z.B. Paypal) und Kreditkarten (15%).
Am häufigsten mobil bezahlt wird über Apps mit integrierter Bezahlfunktion (21% der Transaktionen über mobile Geräte). Ein Beispiel dafür ist der Ticketkauf in Apps von ÖV-Unternehmen. Daneben nutzen viele Menschen das Mobiltelefon zum Zahlen in Ladengeschäften via QR-Code (20%), via kontaktlose Datenübertragung (NFC) (13%) und für Überweisungen an Privatpersonen (10%). Am meisten Geld wird mit mobilen Geräten online ausgegeben (28% des Umsatzes über mobile Geräte), gefolgt von den Ausgaben in einer App mit integrierter Bezahlfunktion (22%) und in einem Ladengeschäft via QR-Code (13%).
Twint ist die mit Abstand meistgenutzte mobile Bezahllösung in der Schweiz: 74 Prozent des Umsatzes und 78 Prozent der Transaktionen mit mobilen Geräten werden mit Twint abgewickelt. Apple Pay hingegen macht 13 Prozent des Umsatzes und 9 Prozent der Transaktionen mit mobilen Geräten aus.
In-App-Zahlungen sind die mobile Bezahlform, die den Menschen am besten gefällt, gefolgt von Überweisungen an Privatpersonen via Bezahl-Apps wie Twint sowie dem Bezahlen im Internet mit QR-Code und mit hinterlegten Bezahldaten (vgl. Abbildung 9). Weniger beliebt sind die beiden mobilen Bezahlformen via QR-Code und NFC im Ladengeschäft. Bezahlen mit Wearables (z. B. Uhr oder Armband) und mit dem Mobiltelefon via Bluetooth in einem Ladengeschäft rangieren auf den letzten beiden Plätzen. Bei Personen über 60 Jahren sind alle Formen des mobilen Bezahlens statistisch signifikant weniger beliebt als bei jüngeren Personen.
Abbildung 9
3. Blick ins Portemonnaie
Auch der Blick ins Portemonnaie zeigt deutlich, dass die von den Befragten erklärten Änderungen im Konsum- und im Bezahlverhalten aufgrund der Coronapandemie sich auch im Bargeldbezug und in der Bargeldhaltung widerspiegeln (vgl. Abbildung 10). Während von einer durchschnittlichen (Medianwert) in der Schweiz lebenden Person im Vorjahr noch 150 Fr. Bargeld pro Person monatlich bezogen wurden, sank der monatliche Bargeldbezug in der neusten Erhebung um 33 Prozent auf 100 Fr. Ebenfalls etwa um ein Drittel verringerte sich verglichen mit der letzten Erhebung der mittlere Bargeldbestand im Portemonnaie, nämlich von 70 Fr. auf 50 Fr. (Medianwert).
Die wachsende Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zeichnet sich auch mit Blick auf die Entwicklung des Bezahlkartenbestandes ab. Die Anzahl an Bezahlkarten im Portemonnaie der Schweizerinnen und Schweizer stieg auch in diesem Jahr erneut, von 3,9 auf 4,7 Karten pro Person und damit um 21 Prozent (Medianwert). Allerdings fällt die diesbezügliche Steigerung des Kartenbestandes im Vergleich zum Wachstum des Vorjahres weniger stark aus (2020: +33%). Weiterhin fällt auf, dass mittlerweile mehr als zwei Drittel aller Kartenzahlungen kontaktlos abgewickelt werden. Wie bereits in Kapitel 1.2 beschrieben hat die Kreditkarte im Vergleich zu den anderen Zahlungsmitteln an Bedeutung gewonnen und ist das Zahlungsmittel, mit dem der Durchschnittschweizer am meisten Geld ausgibt.
Trotz dieser Entwicklungen und der aktuellen Lage hat Bargeld für die überwiegende Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer noch einen zentralen Stellenwert. So verzichtet weniger als einer von zehn Befragten (8%) völlig auf den Besitz von Bargeld. Zudem hat Kapitel 1.2 gezeigt, dass der Durchschnittsschweizer verglichen mit den anderen Zahlungsmitteln noch immer am häufigsten mit Bargeld bezahlt.
Abbildung 10
4. Neobanken
4.1 Bekanntheit und Nutzung
Insgesamt kennen rund zwei Drittel der Personen hierzulande mindestens einen der gängigsten Neobanken-Anbieter. Am bekanntesten sind, wie in Abbildung 11 zu sehen, die Anbieter CSX der Credit Suisse (40% Bekanntheitsanteil), Revolut (37%) und Zak (29%).
Ein Fünftel der Schweizerinnen und Schweizer hat schon mindestens einmal neue Online-Banklösungen einer Neobank genutzt. Dabei nutzen Männer und Deutschschweizer Neobanken statistisch signifikant häufiger als Frauen und Personen aus der lateinischsprachigen Schweiz. Revolut wird am häufigsten genutzt (10% der Befragten), gefolgt von TransferWise (wie Revolut ein britischer Anbieter) und dem Schweizer Anbieter Neon (je 6% der Befragten). Die grosse Kluft zwischen Kennern und Nutzern von Credit Suisse CSX ist dadurch zu erklären, dass dieses Angebot erst im Oktober 2020 lanciert und mit einer breiten Marketingkampagne bekannt gemacht wurde. Zudem ist der Name der bekannten Grossbank Teil des Namens des digitalen Bankangebotes CSX, was zu einer Überschätzung des Anteils der CSX-Kenner geführt haben könnte.
Abbildung 11
4.2 Gründe und Zweck der Nutzung
Gemäss Abbildung 12 sind die Hauptgründe für die Nutzung von Neobanken sind rasche Überweisung von Geldbeträgen (64%), die einfache und praktische Handhabung (54%) und die ständige Verfügbarkeit (54%). Interessanterweise wurden die vorteilhafte Gebührenstruktur und insbesondere die günstigen Wechselkurse von Neobanken in der aktuellen Erhebung im Vergleich zu den Vorjahren an der Spitze der wichtigsten Nutzungsgründe abgelöst.
Drei Fünftel der Nutzerinnen und Nutzer von Neobanken verwenden die Online-Bankservices von Neobanken ergänzend zu den herkömmlichen Anbietern für bestimmte ausgewählte Zwecke. Mehr als ein Viertel der Befragten nutzt Neobanken bereits als primäres Zahlungsmittel beziehungsweise als Hauptbankverbindung, wobei Befragte aus der französischsprachigen Schweiz in dieser Gruppe proportional übervertreten sind. Rund 11 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund der neuen Online-Bankservices Leistungen eines herkömmlichen Anbieters gekündigt zu haben. Weitere rund 30 Prozent beabsichtigen, dies in Zukunft zu tun. Vor allem junge, gut ausgebildete Befragte haben bereits Teile ihres herkömmlichen Bankangebotes gekündigt, wogegen ältere Nutzer von Neobanken mit höherem Einkommen diesen Schritt (noch) seltener vollzogen haben.
Abbildung 12