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Umberto Eco: ''Im Unterschied zum Tier ist der Mensch zum Lachen gekommen, weil er weiss, dass er sterben wird'..
Wir würdigen
Umberto Eco: Nun ist er weg ...
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Umberto Eco:
Charakteristika
-'Im Unterschied zum Tier ist der Mensch zum Lachen gekommen, weil er weiss, dass er sterben wird'..
- Platon hat eine Republik der Werte geschaffen...
- Sprache ist situativ, besteht aus Listen und Substanz....
- Weisheit ist nen sagen zu können - da mache ich nicht mit
- Zweifel ist angesagt: Fallibilismus,
(vom Lateinischen fallibilis, „verpflichtet zu irren“) ist eine erkenntnistheoretische Position, nach der es keine absolute Gewissheit geben kann und sich Irrtümer niemals ausschließen lassen. Eine Strategie der Begründung oder Rechtfertigung mit dem obersten Ziel, eine Letztbegründung zu geben, kann niemals zum Erfolg führen. Daher verbleibt nur, Überzeugungen, Meinungen oder Hypothesen immer wieder auf Irrtümer hin zu überprüfen und nach Möglichkeit durch bessere zu ersetzen (siehe Falsifikationismus).
https://de.wikipedia.org/wiki/Fallibilismus
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Umberto Eco
(* 5. Januar 1932 in Alessandria, Piemont; † 19. Februar 2016[1] in Mailand) war ein italienischer Schriftsteller, Kolumnist, Philosoph, Medienwissenschaftler und wohl der bekannteste zeitgenössische Semiotiker. Durch seine Romane, allen voran Der Name der Rose, wurde er weltberühmt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Umberto_Eco
Erinnerung an Umberto Eco: "Er sprach wie ein Buch"
Von Volker Weidermann
Er liebte Comics und antike Büsten und die "Kritik der reinen Vernunft" von Immanuel Kant. Sein Exemplar hatte er so oft gelesen, dass die immer neuen Spuren der immer neuen Lektüre, immer neue Unterstreichungen und Anmerkungen einander überlagerten, und bei jeder neuen Lektüre las er ein neues Buch, in dem sich der Original-Text mit all den Ideen des lesenden Ecos der Jahre seines Lebens vermischte.
Am Ende war es ganz und gar zerfallen, und Umberto Eco klagte über das erbärmliche Papier, aus dem seit vielen Jahren unsere Bücher hergestellt werden. Vor langer Zeit, vor Erfindung des E-Books, wünschte er sich einmal Bücher aus Plastik. Schonen die Bäume, halten ewig. Stattdessen bekamen wir Bücher aus Strom.
Doch E-Books waren nichts für ihn, den Buchbewohner Umberto Eco. Vor einigen Jahren schrieb er mal einen Text aus der Perspektive eines E-Books. Das E-Book fand sich selbst ungeheuer interessant und war begeistert von all den Geschichten und Menschen und Weltmöglichkeiten, die sich in ihm auftaten. Es war nur irgendwann alles ein bisschen viel, sein Benutzer war ein unruhiger, moderner Mensch, der mal dies, mal jenes las, nichts wirklich wichtig fand, nichts anstrich: "Ich weiß nicht, ob ich noch lange durchhalten werde", schrieb Eco als E-Book: "Ich bin ein fahriges, unzusammenhängendes Buch, viele Leben und viele Seelen zu haben ist wie kein Leben und keine Seele zu haben, und außerdem muss ich aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr in einen Text verliebe, denn am nächsten Tag könnte mich mein Benutzer löschen."
Ein Ich, das sich davor fürchtet, sich zu sehr in einen Text zu verlieben, das ist dann doch etwas mehr Eco als E-Book. Das ist er, der Comic-Gelehrte, der seine umfassende Bildung, wenn er wollte, auf so populäre Weise aufschreiben konnte, dass die ganze Welt ihn las, wie in "Der Name der Rose", und der dann einfach, nachdem er dies also locker bewiesen hatte, der Welt zeigte, dass er all das Triviale, Populäre, Eingängige auch einfach weglassen konnte, um mit dem "Foucaultschen Pendel" die Leser der Leichtigkeit vor den Kopf zu stoßen und sie in dem Gewirr der Rätsel einfach alleinzulassen.
Isoliert in der Gelehrtenwelt
Er selbst war gern allein, in seinen Büchern, allein beim Schreiben, in einer abgeschlossenen Welt. Als ich ihn einmal in seiner Wohnung in Mailand besuchte, das war vor zwölf Jahren, in Deutschland war gerade sein Sachbuch über die Schönheit und sein Roman "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" erschienen, da traf ich einen Menschen, der in einem weißen Sessel unter einer weißen Adonis-Büste saß und seine Welt regierte. Am Rand des Raums lagen die Comicbücher seiner Jugend in Glasvitrinen.
Eine dunkelhäutige Bedienstete mit weißer Haube und Spitzenschürze servierte auf Zuruf "Cafétino" und Eco beklagte den Niedergang der Schönheit und des Schönheitsideals in der Welt. Ich war vor dem Besuch bei ihm die Via Dante auf- und abgelaufen und war von der Schönheit der Häuser, der Menschen, der Frauen dort draußen noch ganz ergriffen und widersprach nun also entsetzt und entschieden: Die Schönheit sei doch da, und sie sei groß, er müsse doch nur mal auf die Straße gehen. "Sie kommen mir mit der Straße!", rief er empört über dieses lächerliche Missverständnis und hob seine schwere Hand, in der eine glühende Philipp Morris Light steckte. "Ich aber schreibe über Kultur! Über Schönheitsideale. Und da muss ich Ihnen sagen, ein Forscher der Zukunft wird das Ideal unserer Tage nicht erkennen können. Was Sie da auf der Straße sehen, spielt für einen Kulturforscher gar keine Rolle."
Der Besuch bei ihm war wie der Besuch in einem Museum. Eine hermetische Gelehrtenwelt, scheinbar ohne Bezug zu all dem, das draußen leuchtete. Es war kalt und prachtvoll, und Eco selbst sprach wie ein Buch. Später gingen wir die Bücherreihen in seiner Bibliothek entlang, 30.000 Bände hatte er allein hier, in seiner Stadtwohnung. Insgesamt habe er 50.000 Bücher. Schon damals, vor zwölf Jahren, wollte er gerne weniger Bücher haben. Er organisierte regelmäßig Bücherverschenkungsaktionen für Studenten, die er "Take a book and run" nannte.
Stets bestens informiert
Nun, da er gestorben ist, steht in fast allen Nachrufen über ihn, er sei ein Universalgelehrter gewesen, ein Enzyklopädist wie Diderot. Er redete tatsächlich wie ein Lexikon und war bestens informiert, egal worauf man ihn ansprach. Als ich ihn nach seinen Wissenslücken fragte, zögerte er kurz und sagte dann: Mathematik. Und fügte sogleich hinzu, so ganz schwach sei er da auch nicht. Immerhin habe er kürzlich für den "L'Espresso" eine Rezension über ein Buch über Primzahlen veröffentlicht und zahlreiche Mathematikprofessoren hätten ihn dafür gelobt, aber abgesehen davon - doch, ja, es sei eine echte Schwäche.
Und dann noch Musik, das müsse er zugeben. Zwar spiele er zahlreiche Instrumente, aber theoretisch sei er da etwas schwach. Und als ich ihn später fragte, was er von dem damals extrem erfolgreichen Roman "Sakrileg" von Dan Brown halte, sagte Eco mit wegwerfender Geste, er kenne das Buch nicht; er kenne aber jede der darin beschriebenen Theorien. "Geben Sie mir fünfzig Euro, und ich schreibe Ihnen dieses Buch. Und zwar besser als Dan Brown."
Umberto Eco wusste beinahe alles, und er sprach gern darüber. Er kam gar nicht auf die Idee, dass so eine lässige Angeberei auf einen plötzlichen Besucher aus der Welt da draußen verstörend wirken könnte. Oder vielleicht kam er darauf, aber es war ihm egal.
Wie werden wir ihn in Erinnerung behalten, den großen Schriftsteller und Weltgelehrten Umberto Eco, der am Freitag gestorben ist? Ein bisschen natürlich wird er immer das Gesicht von Sean Connery tragen, der in der Verfilmung von "Der Name der Rose" Ecos Alter Ego William von Baskerville spielte und der, als er in die Klosterwelt einritt, um die geheimnisvollen Morde aufzuklären, bei der Untersuchung der ersten Leiche sagte: "Merkwürdig, seine Zunge ist schwarz." Es wird danach noch eine Weile dauern, bis er erkennt, dass ein giftiges Buch die Mordwaffe war.
Damals, in seiner Wohnung mit dem Adonis und den Comics hinter Glas, meinte Umberto Eco, am liebsten seien ihm die Bücher, an denen er am längsten geschrieben habe, wie "Das Foucaultsche Pendel", an dem er acht Jahre schrieb. "In diesen Jahren habe ich mein privates Leben, und niemand weiß, in welcher Welt ich lebe." Die Welt der Bücher. Seine Welt. Es schien, als sei sein Traum, sich selbst, sein Leben, in ein Buch zu verwandeln.
Jetzt ist er fort. Sein Wissen, seine Geschichten und seine Anstreichungen in der Weltliteratur hat er uns da gelassen. In seinen Büchern. Auf Papier.
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/umberto-eco-eine-letzte-begegnung-mit-dem-genie-a-1078467.html
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