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«Es ist auf den Arbeiten von mir nicht viel Gezeichnetes, deswegen soll auch nicht viel gesagt werden, es sei denn, der übriggebliebene Raum rege zum Denken an.»
(Corsin Fontana)
Für den Schreiber ist mit den Worten des Künstlers die Hürde hoch gelegt. Ich möchte diesen Anspruch nicht überbieten: Im Heft sind neun von insgesamt dreissig eigens zur Ausstellung in Serie realisierten Zeichnungen kaum verkleinert abgebildet. Horizontalen Schwarzbalken ist als gleichbleibendes Richtmass eine orthogonale Gitterstruktur unterlegt, mit Bleistift und Lineal gezeichnet. Corsin Fontana bringt mit diesem Raster ein Charakteristikum der Kunst unseres Jahrhunderts ins Spiel, das etwa denken lässt an Mondrian, die Kubisten, radical paintings der jüngeren Geschichte. Im allgemeinen sind Rasterpläne Kulturprodukte, wir kennen sie als Diagramme bei wissenschaftlicher Quantifizierung, als Mittel zum Kartografieren, als Träger rationaler information. Die Zeichnungen Corsin Fontanas stehen in beider Hinsicht in einer Tradition.
Über das neutrale Gitter sind schwarze Balken gezogen, deren Breite jener der verwendeten Ölkreiden entspricht. Das Material liegt spürbar auf, das Schwarz hat Tiefe, die Konturen sind weich. In horizontaler Binnenausrichtung greifen die Balken Raum und bauen eine Beziehung auf zu den Rändern des Blatts. Rhythmisch, fast musikalisch, an Partituren oder an geschwärzte Druckzeilen erinnernd, sind die Differenzen von Zeichnung zu Zeichnung ausgebildet. lm Blättern durch die Zeitschrift werden sie in den Abbildungen augenfällig. Die Unterschiede zwischen den Blättern der Serie folgen keiner Gesetzmässigkeit ausser dem Prinzip des Zufalls, der Frage nach der Ausgewogenheit der Elemente im jeweiligen Bildfeld und den Ordnungskriterien des Ornamentalen.
In der Ausstellung betont stärker noch das Ornament eine 27-teilige Folge von Ölkreidezeichnungen, die vom Räumlichen her das Neben- und Übereinander von Flächenwerten thematisiert. Ein vorgegebenes, aus der Mitte leicht nach unten gerücktes, rechteckiges Rahmenfeld ist dekliniert im Prinzip des unterschiedlichen Gewichtens seines Umfelds durch Markierungen. In Reihung entsteht ein variierendes Band, dessen Leserichtung offen gehalten bleibt, wie es auch für die abgebildeten Arbeiten gilt.
Corsin Fontana zeichnet spielerisch, fast malerisch, nicht konzeptuell. Er hält das Gewicht der authentischen Autorenschaft in der Schwebe sowie den Widerstreit zwischen harmonischer Ordnung und beiläufig Zugefallenem offen. Nicht Füllen, sondern Wegnehmen und Konzentration sowie Kontemplation und Bereinigen sind Thema.
Text von Andreas Baur