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Reibungslos: Die Rheintaler Skiwachs-Firma Toko wird an den Olympischen Winterspielen manchen Rennläufern zu Gold verhelfen.
Die gelbe Wachsmarke Toko aus dem Rheintal gehört wie die orange Ovomaltine zu den Schweizer Kultprodukten. Seit Einführung der ersten Blöckliwachse 1940 wurde die Typographie zwar immer mal modernisiert, doch der charakteristische, schräg hochlaufende Schriftzug wurde nie verändert. «Toko 1-3-5» gehörte jahrzehntelang zur Pflichtausrüstung jedes Skilagers. Toko Silber war immer mal Retter in der Not, wenn Ski Stollen ansetzten.
Die Traditionsfirma wird nun wieder gefragt sein, wenn es darum geht, Skirennläufern während der Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang zu Bestleistungen zu verhelfen.
Hohe Nachfrage nach Skiwachs
Jacob Tobler gründete 1916 in Altstätten eine Einzelfirma für Hauspflegemittel, die er zu Beginn in der privaten Waschküche herstellte. Schnell berühmt wurden seine Büffelbeize für Tannenböden und das Juchtenmark für Stiefel, für das er im Ersten Weltkrieg regen Absatz bei der Armee fand. Mit der «Dauerhartgleitmasse» Skigliss (einer Belagsgrundierung) und dem Haftwachs Skimont wurden 1933/34 die ersten Skiprodukte angeboten.Durch den Olympiasieg Bernhard Russis 1972 und durch die ersten Schweizer Nordisch-Medaillen in Grenoble und Sapporo erlebten Ski alpin und das Langlaufen in der Schweiz einen Popularitäts-Höhepunkt, aber auch der Absatz von Skiwachsen. Gründer-Enkel Hans Jörg Tobler errichtete 1970 die Tobler Holding, zu der elf Tochterfirmen gehörten.
Besitzverhältnisse bei Toko im Wandel
1982 übernahm Alexander Schmidheiny von Tobler einige der Firmen – darunter die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Hauptfirma Tobler & Co. Nach Alexanders Tod sollte 1993 die gesamte Tobler Holding in die Conzzeta-Gruppe der Gebrüder Stefan und Thomas Schmidheiny übergeführt werden, was aber misslang. Erst seit 2003 steht die Conzetta-Holding im Besitz von Jacob Schmidheiny, einem Cousin von Stephan und Thomas.
Mit den Gewinnen von Toko wurde die Marke Mammut stark ausgebaut. Zwar erging es Toko besser als der Marke Raichle, die nach der Übernahme im Mammut-Brand aufging. Lediglich die eigene Produktion in Altstätten wurde eingestellt und zur Frike-Group ausgelagert, dafür wurde ein modernes Labor eingerichtet. Gleichwohl schien die Conzzeta-Liaison nicht die glücklichste zu sein. Durch Mammut war die Gruppe ausgesprochen textilaffin. Da die Schmidheiny-Brüder den norwegischen Industriellen Johan Andresen kannten, zu dessen Ferd-Gruppe Toko viel besser passte (neben Elopak gehört auch etwa Wachskonkurrent Swix dazu), kam es 2010 zur «Vernunftsscheidung».
Kunden beklagen «Apothekerpreise»
Unter dem Skisport-affinen Andresen war nun Gewähr für die nötigen Investitionen, die für Udo Raunjak, Tokos neuen Chef Research & Development, nötig waren. Heute lässt das kleine, aber feine Labor in Altstätten keine Wünsche offen: «Wir haben mit Abstand das besteingerichtete Labor aller Wachsfirmen; das erlaubt uns, sämtliche Analysen selbst vorzunehmen – ein gewichtiger Konkurrenzvorteil», so Raunjak. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten: «Vor zehn Jahren mussten wir bei den Teams noch anklopfen – heute rennen sie uns die Bude ein, alle!»
Entsprechend ist Toko wieder sehr profitabel – kein Wunder, bei den «Apothekerpreisen», wie manche Toko-Kunden beklagen. Die schnellen Topfinish-Produkte kosten gegen 100 Franken pro Dose. «Mitnichten», sagt Udo Raunjak, «unsere Margen sind nicht zu vergleichen mit der Pharmabranche. Wir haben hohe Ausgaben für Rohstoffe (bis zu 20 000 Franken pro Kilogramm für Spezialadditive). Dazu kommt eine jahrelange Entwicklungs- und Testphase.» Er korrigiert auch die Meinung, dass die Produkte teuer seien, weil den Rennsportlern das Material «nachgeworfen» werde. «Bei uns müssen alle Mannschaften die Produkte kaufen.» Lediglich die von Toko gesponserte Freestylerin Fanny Smith hat einen gewissen Freibezug auf Material.
Neue Flüssigwachs-Generation zeigt aufwendige Produktion
Ein Beispiel für die aufwendige Produktentwicklung ist das High Performance Liquid Paraffin (HPLP), eine neue Flüssigwachs-Generation in höchster Konzentration, die dank neuen Molekülverbindungen direkt in die Mikrostruktur des Skibelags eindringt. Es ersetzt das Heisswachsen, das für eine gute Gleit-Performance im Alpin- wie Langlaufbereich bislang unumgänglich war, bei Hobbyläufern wegen des Aufwands aber verpönt ist. Das neue Wundersprühmittel überzeugt durch die staub- und spanfreie Präparierung, die maximale Wasser- und Schmutzabweisung und die lange Wachshaftdauer von 60 bis 80 Kilometern.
So überzeugend die Performance, so sperrig und lang hört sich der Name High Performance Liquid Paraffin an. Gemäss Brandmanager Lukas Keel sind solche Bezeichnungen in der Wachsbranche geläufig. Damit wird eine neue Namens- und Produktegruppe eingeläutet anstelle der bisherigen Bezeichnungen HF oder LF für hohe oder niedrige Fluorierung. Hintergrund ist, dass durch eine neue EU-Regelung ab 2020 strengere Grenzwerte gelten: Die langkettigen Fluorcarbone müssen durch besser abbaubare, kurzkettige und reinere Verbindungen ersetzt werden. Das HPLP ist das erste Produkt, das der neuen Norm genügt, nächstes Jahr folgen die Heisswachse und die Topfinish-Produkte.
Biathlon und Skisprung bedeutender für Toko
Durch die wachsende Zahl von Spezialprodukten im Langlauf ist die nordische Sparte (zu der auch Biathlon und Skisprung zählen) bei den Topprodukten für Toko bedeutender als der Alpinbereich. An sich sind die Gleitwachse für alpine und nordische Verwendung seit Jahren identisch, weshalb Toko keine Unterscheidung macht. Am Gesamtvolumen dürfte die Alpinverwendung aber einiges höher sein. Was auch Tokos angestammter Position entspricht: Zu Zeiten der puren Holzbeläge musste zwingend gewachst werden und Toko hatte in der Schweiz bei Alpin eine Monopolstellung. Demgegenüber waren die skandinavischen Firmen Swix und Rex im Langlauf tonangebend. Mit dem Zusammenschluss von Swix und Toko kommen die beiden Firmen in der Schweiz auf einen Marktanteil von 85 Prozent.
Immer noch einen wertvollen Anteil hat auch Tokos Pflegelinie – sie kommt noch auf rund 20 Prozent des «gelben Sortiments»; auch sie grösstenteils in neuer Eco-Qualität. Es handelt sich vor allem um Textilimprägnier- und -waschprodukte und noch wenige Schuhpflegemittel. Die riesige Palette von einst Dutzenden von Produkten sei vor allem deshalb verschwunden, weil der Anteil des beratenden Schuhfachhandels stetig abnehme.