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Der Kampf gegen virale Hepatitis ist komplex. Bisherige Massnahmen in der Schweiz konzentrierten sich auf Prävention bei Risikogruppen wie Drogenbenutzern und Impfempfehlungen. Andere europäische Länder verfügen schon seit einigen Jahren über eine nationale Strategie mit eindrücklichen Erfolgen, beispielsweise Frankreich und Schottland. Auch die Schweiz braucht eine Hepatitis-Strategie, um die Auswirkungen von Hepatitis-Infektionen zu minimieren und Neuinfektionen zu verhindern.
Eine Hepatitis-Strategie ist nötig, weil:
- chronische virale Hepatitis in der Schweiz noch kaum ein Thema ist,
- weniger als die Hälfte aller Betroffenen getestet ist,
- nur ein Bruchteil der Patienten behandelt wird und dies oft erst spät,
- Hepatitis C und B unbehandelt schwere Erkrankungen wie Leberversagen und Leberkrebs auslösen können,
- Hepatitis C der häufigste Grund für Leberkrebs und Lebertransplantationen ist,
- Fälle von Leberkrebs und -zirrhose aufgrund von Hepatitis-Erkrankungen zugenommen haben und weiter zunehmen werden,
- es schweizweit ein koordiniertes Vorgehen beim Testen, Diagnostizieren und Behandeln braucht, um diese schwerwiegenden Folgeerkankungen und die damit verbundenen Kosten einzudämmen.
Chronische Hepatitis-Infektionen sind ein akutes Problem der öffentlichen Gesundheit und sollten auch in der Schweiz als solches behandelt werden.
Hepatitis C ist der häufigste Grund für Lebertransplantationen. Leberkrebs und Leberversagen als Folgen von viraler Hepatitis haben in den letzten Jahren zugenommen und werden weiter stark zunehmen, wenn nicht rasch umfassende Massnahmen zur Bekämpfung der Epidemie eingeleitet werden. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für die Folgen von Hepatitis-Infektionen in der Schweiz im internationalen Vergleich gering: Die Schweiz belegt im Euro Hepatitis Index den Platz 12, im Bereich «Testen» gar nur den Rang 17, hinter Polen und Portugal, vor Rumänien und Litauen. (s. Euro Hepatitis Care Index 2012, PDF)
Die heutige Situation ist paradox: Einerseits stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, die wenig Nebenwirkungen haben, einfach einzunehmen sind, kurze Therapiezeiten und sehr hohe Heilungsraten aufweisen. Gleichzeitig sind diese Medikamente wegen der hohen Kosten von 30’000 bis 120’000 Franken pro Behandlung rationiert: Nur Erkrankte, die einen mittelschweren Leberschaden aufweisen (mittelschwere Fibrose oder Zirrhose, Stadien F2, F3 und F4), erhalten die Therapie durch die Grundversicherung vergütet. Seit 1. Juli 2017 steht nun allerdings ein erstes Medikament ohne Einschränkung für die Behandlung der Genotypen 1 und 4 zur Verfügung.
Doch dieses Aufschieben der Therapie könnte zu mehr Todesfällen und häufigeren Ansteckungen führen. Eine vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie der Universitäten Bern und Zürich hält fest: Je weiter die Behandlung von Hepatitis C hinausgeschoben wird, desto höher steigt das Risiko für Leberversagen, Leberkrebs und Tod aufgrund von Leberschäden. Gemäss dem Modell könnte die Sterberate von 10 auf 5 Prozent reduziert werden, wenn früher behandelt werden könnte. Gut wäre dies auch für die Prävention. Gemäss der Studie würde dies dazu führen, dass Patienten im Durchschnitt nur noch 5 statt 15 Jahre ansteckend wären.
Auch wenn die Medikamente für alle verfügbar wären: Die Mehrheit der Betroffenen weiss nichts von ihrer Infektion. Eine Hepatitis-Strategie wird die Aktivitäten aller Akteure im Bereich Hepatitis koordinieren, zielgerichtete Massnahmen ermöglichen, die schliesslich den betroffenen Menschen und der öffentlichen Gesundheit zu Gute kommen.
Verbreitung: Zirka 1,5 Prozent der Bevölkerung sind in der Schweiz mit einer viralen Hepatitis infiziert.
Hepatitis C: ca. 40'000 Betroffene
Hepatitis B: ca. 40'000 Betroffene
Jährliche Neudiagnosen: Diagnostiziert werden jährlich 1’200 (HBV) respektive 1’500 (HCV) chronische Fälle. Über die Zahl der jährlichen Neuansteckungen liegen keine gesicherten Zahlen vor.
Hauptübertragungswege sind: intravenöser Drogengebrauch (machen nach wie vor den Hauptteil der Ansteckungen aus, Tendenz abnehmend), Bluttransfusionen (bevor Blut auf Hepatitis C getestet werden konnte, das heisst vor 1990. Kommt heute kaum mehr vor), sexuell (bei frisch Infizierten nehmen die Fälle der sexuellen Übertragungen zu, insbesondere in der Gruppe von Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).
Therapien: Im 2015 wurden ungefähr 2’200 Hepatitis-C-Therapien durchgeführt.