Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03590.jsonl.gz/523

Das kanadische Wunderkind inszeniert ein Theaterstück von Jean-Luc Lagarce wie eine Oper ohne Gesang. Aber mit viel Musik und mit einer Perlenkette von Stars: Nathalie Baye, Vincent Cassel, Gaspard Ulliel, Marion Cotillard und Léa Seydoux.
Die tragische Schönheit der Kameliendame ist ihr bevorstehender Tod. Und beim schwulen jungen Schriftsteller Louis (Ulliel) ist das nun auch so. Louis hat sich entschieden, seine Mutter und seine Geschwister zu besuchen, die er jahrelang nicht mehr gesehen hat.
Style over Substance sind wir ja gewohnt von Nicolas Winding Refn. Aber in diesem Film sind die Dialoge und die Handlung dermassen platt, dass man sie am liebsten ausblenden würde. Was bliebe, wäre eine gestylte Bildorgie und ein weiterer Soundtrack von Cliff Martinez. Beides sinnlos, aber schön.
Leider greift Refn aber einmal mehr in die C-Picture Mottenkiste. The Neon Demon erzählt die Geschichte der 16jährigen Jesse (Elle Fanning) einem blonden Engel aus Georgia, die nach L.A. kommt, um eine Modelkarriere zu machen.
Vor neun Jahren erblühte mit dem in den 80er Jahren spielenden Abtreibungsdrama 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage von Cristian Mungiu das rumänische Filmwunder hier in Cannes mit voller Wucht. Mungiu holte die goldene Palme. Mit seinem jüngsten Film ist der Rumäne nun mitten in der nicht weniger harten Gegenwart seines Landes.
Ein rund fünfzig Jahre alter Arzt in einer transylvanischen Bergstadt hat seine Tochter mit dem Ziel aufgezogen, sie schulisch so weit zu fördern, dass sie den Heimatort nach der Matura mit einem Stipendium so schnell und so weit wie möglich verlassen kann.
Zwei Palmen haben sie schon, und in der Regel jedes zweite Jahr einen Film im Wettbewerb von Cannes. Die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne sind Habitués. Ihrem jüngsten Film merkt man das auch ein wenig an.
Adèle Haenel (eben noch bestens in Erinnerung als überlebenstrainierender Teenager in Les combattants von Thomas Cailley) spielt die junge Ärztin Jenny Davin. Sie hat einige Monate die Praxis eines sich zurückziehenden alten Hausarztes geführt und soll in ein paar Tagen in einer renommierteren Klinik in Liège anfangen.
Das Beste an dieser brasilianisch-französischen Koproduktion ist ohne jeden Zweifel das Wiedersehen mit der grossen Sonia Braga (Kiss of the Spider Woman, 1985). Sie spielt umwerfend und hinreissend die Mittsechzigerin Clara, die den Kampf gegen ein Baukonsortium aufnimmt.
«Julieta, bist Du es wirklich? Ich habe deine Tochter getroffen, am Lago di Como…» die Jugendfreundin von Julietas Tochter Antía hat keine Ahnung, was sie auslöst, als sie Julieta in Madrid von dieser Begegnung erzählt.
Denn Julieta hat ihre Tochter seit Jahren nicht mehr gesehen, nichts von ihr gehört, seit diese kurz nach ihrem 18. Geburtstag die Mutter völlig überraschend verlassen und jeden Kontakt zu ihr abgebrochen hat.
Eine amüsante Verquickung von Lifestyle, Kunst und Spiritismus ist Olivier Assayas gelungen, mit Kristen Stewart in der Titelrolle und ektoplastischen Erscheinungen zweifelhafter Natur in diversen Nebenrollen.
Stewart hat in ihrer Rolle als Assistentin des von Juliette Binoche gespielten Filmstars in Sils Maria nicht nur das Publikum und die Kritiker bezirzt, sondern offensichtlich auch ihren Regisseur. Jedenfalls hat Assayas sie nun gleich noch einmal als Assistentin eines Stars besetzt. Bloss ist diesmal Stewarts Maureen tatsächlich die Hauptfigur.
Jeff Nichols (Take Shelter, Grand Prix de la Semaine de la Critique, Cannes 2011) war eben noch im Februar mit Midnight Special im Wettbewerb der Berlinale, nun ist er im Rennen um die goldene Palme. Und da ist er gar nicht schlecht aufgestellt mit einem Film, der alles ein wenig anders macht.
Mildred und Richard Loving werden in Virginia 1958 wenige Tage nach ihrer Heirat in Washington DC verhaftet. Die Ehe zwischen Schwarzen und Weissen ist gegen die Gesetze des Staates. Jeff Nichols‘ Film nimmt eine Geschichte auf, die schliesslich zu einer Verfassungsänderung in den USA führte.
Der jüngste Effort von Jim Jarmusch wirkt ein wenig wie das zum Langfilm ausgebaute Konzept von Coffee & Cigarettes, auch wenn definitiv nirgends geraucht wird. Paterson ist sowohl der Name der Stadt in New Jersey, wie auch der Figur von Adam Driver, der einen Paterson-Bus-Driver spielt.
Die schöne Iranerin Golshifteh Farahani (About Elly) spielt Patersons Frau Laura. Sie ist allerdings massiv unterfordert mit der Rolle der schönen, liebenswerten, kreativen kleinen Hausfrau.