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Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) stellt fest, dass die schweizerischen Kernanlagen im Jahr 2000 wiederum mit grosser Sicherheit betrieben wurden. In den fünf Kernkraftwerken und den übrigen Kernanlagen hatte die HSK acht Vorkommnisse gemäss ihren Sicherheits-Richtlinien zu klassieren. Alle diese Vorkommnisse sind auf der international gebräuchlichen Bewertungsskala auf der untersten Stufe registriert. Der Strahlenschutz für Personal und Bevölkerung war immer gewährleistet. Alle Transporte abgebrannter Brennelemente zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich wurden ordnungsgemäss und ohne Kontaminationen durchgeführt.
Kernkraftwerke:
Die fünf Kernkraftwerke Beznau 1 und 2, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg zeigten im vergangenen Jahr ein sicheres Betriebsverhalten. Die HSK klassierte nach ihrer Richtlinie 7 (im Vorjahr 13) Vorkommnisse, 3 im Kernkraftwerk Leibstadt und 4 in den beiden Blöcken des Kernkraftwerkes Beznau. Sie wurden alle auf der international angewandten Bewertungsskala INES der niedrigsten Stufe 0 zugeordnet. Unter den Vorkommnissen befinden sich eine Reaktorschnellabschaltung, grössere Brennelementschäden in einer Anlage, vier Störungen an Sicherheitseinrichtungen bei Funktionstests und die Überschreitung eines vorgeschriebenen Prüfintervalls von Messgeräten. Der sichere Betrieb der Anlagen war durch die Vorkommnisse nicht beeinträchtigt.
Die Kernkraftwerke haben auch im Jahre 2000 Systeme und Einrichtungen, die zur Sicherheit beitragen, verbessert. Zu erwähnen sind hier der Ersatz des Reaktorschutz- und Regelsystems in der Anlage Beznau 1, die Ertüchtigung der gesicherten Speisewasserversorgung in Beznau 1 sowie die Einspeisung von Edelmetallen ins Reaktorwasser zum Schutz der Reaktoreinbauten vor Spannungsrisskorrosion in der Anlage Mühleberg.
Als letztes Kernkraftwerk der Schweiz wurde Mühleberg im November 2000 einer Überprüfung durch ein internationales Team (Operational Safety Review Team, OSART) unter Leitung der Internationalen Atomenergie Organisation IAEO unterzogen. Wie schon bei den anderen KKW in den früheren OSART-Missionen bestätigte das Team dem Kernkraftwerk Mühleberg einen hohen Stand der betrieblichen Sicherheit. Einige Empfehlungen zur weiteren Verbesserung werden im Bericht der IAEO erwähnt werden, der in einigen Monaten erscheinen wird.
Die gegen eine Verfügung der HSK im Januar 2000 erhobene Beschwerde des Kernkraftwerkes Gösgen konnte weitgehend behandelt werden. Zu 11 verfügten Massnahmen stimmte das Werk zu, nach Präzisierung der Forderung durch die HSK und teilweiser Verlängerung der ursprünglich zu kurz angesetzten Erledigungstermine. Zu vier Forderungen ist das Verfahren beim Departement UVEK noch im Gange. Zwei dieser Forderungen betreffen die Nachrüstung einer Füllstandsmessung im Reaktordruckbehälter für schwere Störfälle sowie eines Reaktorschnellabschaltsignals bei hohem Frischdampfdruck; weiter sind die Forderungen nach einem Konzept zur Wasserstoffbeherrschung im Sicherheitsbehälter (Containment) bei schweren Störfällen und nach einer ferngesteuerten, zeitverzugslosen Auslösung der Sirenen in der Zone 1 noch zu klären.
Kernanlagen des Paul Scherrer Institutes (PSI):
Bis Ende Juni 2000 stand das gesamte PSI unter Aufsicht der HSK. Da das PSI immer mehr Forschungsanlagen betreibt, die nicht der Kernenergie zugerechnet werden, wurden diese Anlagen ab 1. Juli 2000 der Aufsicht durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) unterstellt. Die HSK beaufsichtigt jetzt noch den Forschungsreaktor PROTEUS, der für Physikexperimente zur genaueren Bestimmung des Verhaltens von Neutronen in Reaktorbrennstäben verwendet wird, sowie die Forschungsreaktoren DIORIT und SAPHIR, die beide nicht mehr in Betrieb sind und abgebrochen werden. Zum weiteren Aufsichtsbereich der HSK gehören das Hotlabor, in welchem u.a. wichtige, die Sicherheit von Materialien und Brennstäben betreffende Untersuchungen gemacht werden, sowie die Abfallbehandlungs-Anlagen, wie die Pilot-Verbrennungsanlage und das Bundes-Zwischenlager. Die Anlagen unter Aufsicht der HSK zeigten ein sicheres Verhalten. Im Jahre 2000 ereignete sich im PSI ein Vorkommnis, welches der Stufe 0 auf der INES-Skala zugeordnet wurde. Es handelte sich dabei um den Ausfall eines Messsystems zur Überwachung der Abgaben radioaktiver Stoffe aus der Verbrennungsanlage.
Schutz des Personals und der Umwelt vor ionisierender Strahlung:
Die Kernkraftwerke und das PSI haben dem Schutz des Personals, der Bevölkerung und der Umwelt vor ionisierender Strahlung grosse Bedeutung beigemessen. So konnten die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung für die Dosis von beruflich strahlenexponierten Personen eingehalten werden. Die Kollektivdosen für das Personal, d.h. die Summe aller Individualdosen, lagen sehr tief. Im Kernkraftwerk Leibstadt wurde mit einer Kollektivdosis von ca. 1 Sievert die niedrigste Dosis für ein volles Betriebsjahr seit Aufnahme des kommerziellen Betriebes erzielt. Dasselbe trifft für das Kernkraftwerk Mühleberg mit einer Kollektivdosis von ca. 0,79 Sievert und das Kernkraftwerk Gösgen mit ca. 0,53 Sievert zu. Für die beiden Blöcke Beznau 1 und 2 ergab sich zusammen eine Kollektivdosis von ca. 0,8 Sievert. Die Abgaben radioaktiver Stoffe an die Umwelt über die Abluft und das Abwasser waren wie in den früheren Jahren sehr klein und verursachten Dosen für Personen, die in der Umgebung der Kernkraftwerke und des PSI wohnen, von weniger als 10 Mikrosievert (μSv). (Mittlere Strahlenbelastung der Schweizer Bevölkerung aus natürlichen Quellen, der Industrie und medizinisch-diagnostischen Untersuchungen: ca. 4000 μSv pro Jahr).
Das Projekt eines Lagers für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMALager) am Wellenberg:
Die HSK als Aufsichtsbehörde hat für das Projekt eines SMA-Lagers am Wellenberg in einem Bericht die Art und Menge der Abfälle umschrieben, die in das Lager eingebracht werden können. Für einige Abfälle aus der Medizin, Industrie und Forschung hat sie weitere Untersuchungen verlangt. Damit soll gezeigt werden, ob diese Abfälle in einem SMA-Lager oder in einem Lager für hochaktive Abfälle entsorgt werden sollen. Weiter hat die HSK Ausschlusskriterien festgelegt. Diese dienen dazu, die Ergebnisse der Untersuchungen aus dem geplanten Sondierstollen eindeutig und auch für einen Nichtfachmann nachvollziehbar beurteilen zu können. Der Bericht “Anforderungen der HSK an das Projekt eines Lagers für schwach- und mittelaktive Abfälle am Wellenberg”, HSK 30/15 vom November 2000 ist bei der HSK erhältlich und über Internet abrufbar.
Transporte abgebrannter Brennelemente:
Im Jahre 2000 wurden 12 Transporte abgebrannter Brennelemente aus den schweizerischen Kernkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich durchgeführt. Die neu eingeführten Massnahmen zur Vermeidung unzulässiger Kontaminationen an Transportbehältern und Eisenbahnwagen haben sich bewährt: alle Transporte erfolgten kontaminationsfrei. Zu den Massnahmen gehören u.a. die gründliche Reinigung der Transportbehälter mit Hochdruckwasser, die Abdeckung der Behälteroberflächen vor dem Eintauchen in das leicht kontaminierte Wasser des Beladebeckens, eine umfangreiche Messung des Behälters und des Wagens vor dem Abtransport durch das Personal des Kernkraftwerks sowie durch eine unabhängige Messstelle. Die HSK hat die Erfahrungen und Ergebnisse der ersten 12 Transporte, die zwischen August 1999 und Juli 2000 stattfanden, in einem Bericht (Zwischenbilanz über die Transporte abgebrannter Brennelemente, HSK-AN-3854, Oktober 2000) zusammengestellt und veröffentlicht. Der Bericht kann bei der HSK bezogen werden und ist auf dem Internet einsehbar.
Transporte abgebrannter Brennelemente zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield (England) in die Fabrik der British Nuclear Fuel Limited (BNFL) fanden keine statt. Die englische Aufsichtsbehörde, das Nuclear Installation Inspectorate (NII), hatte Verbesserungsmassnahmen auf dem Gebiet der Sicherheit, des Strahlenschutzes und des Managements der Anlagen der BNFL verlangt. Das NII hat die HSK informiert, dass es eine umfassende Kontrolle der Verbesserungsmassnahmen vornimmt. Bis Ende November 2000 hatte BNFL 3 der 28 vom NII verlangten Massnahmen erfüllt. Für die meisten der übrigen Verbesserungsmassnahmen wurde zwischen BNFL und NII das weitere Vorgehen vereinbart. Die HSK wird vom NII über den Fortschritt der Arbeiten periodisch orientiert.
Das Zentrale Zwischenlager in Würenlingen:
Die Zwischenlager Würenlingen AG (ZWILAG) besitzt seit August 1996 die bundesrätliche Bewilligung für den Betrieb der Lagerhallen und seit März 2000 diejenige für die Konditionierungsanlage und für die Verbrennungs- und Schmelzanlage. Vor der Einlagerung der ersten Behälter mit radioaktiven Abfällen bzw. der Behandlung oder Verbrennung von Abfällen benötigt die ZWILAG die entsprechenden Freigaben der HSK. Die HSK hat vorgängig zu prüfen, ob alle Bedingungen und Auflagen der Bau- und Betriebsbewilligungen sowie der Anforderungen der HSK-Richtlinien erfüllt sind. Im Freigabeverfahren verblieben Ende Jahr noch offene Punkte. Es handelt sich u.a. um die Fertigstellung von Betriebsdokumenten und Verfahrensvorschriften, die korrekte Installation der Brandschutzeinrichtungen und den Nachweis, dass die höher als ursprünglich vorgesehenen Behältertemperaturen den Betonboden der Lagerhalle nicht schädigen. Bei der Schmelz- und Verbrennungsanlage sind noch Anpassungen an der Anlage notwendig, um die Bestimmungen der Luftreinhalteverordnung zu erfüllen. Die Verzögerung in der Bearbeitung dieser Auflagen und Bedingungen ist zum Grossteil nicht technisch bedingt, sondern im Wesentlichen durch ein zu kleines Projektteam des Unternehmens. Die ZWILAG hat Ende 2000 das Team verstärkt, um die offenen Punkte möglichst rasch klären und erledigen zu können.
Die HSK wendet ein Qualitätsmanagement-System an:
Die Arbeit und die Entscheide der HSK basieren häufig auf komplexen wissenschaftlichen und technischen Studien und Untersuchungen. Um den Weg zu einem Entscheid der HSK für alle daran Interessierten nachvollziehbarer zu gestalten, hat die HSK für sich ein Qualitätsmanagement-System eingeführt. Es ist seit Anfang November 2000 n Kraft. Ende 2001 wird sich die HSK mit diesem System zertifizieren lassen.
Der Jahresbericht 2000 der HSK, der im April 2001 erscheinen wird, enthält umfassende und weiterführende Angaben zu den angesprochenen Themen.