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Über Bienen…
Seit dem Film „MORE THAN HONEY“ hat das Bewusstsein der Bevölkerung, wie wichtig die Bienen für uns Menschen sind, stark zugenommen, und auch die Anzahl Jungimker ist gestiegen.
Aber was wissen SIE eigentlich über Bienen?
Es gäbe unzählige interessante Informationen zu Bienen und zum Imkerwesen. Aber ich will hier nicht einen endlosen Beitrag schreiben. Deshalb konzentriere ich mich auf allgemeine und doch vielleicht für die Einen oder Anderen neue Informationen.
Wer an weiteren Informationen interessiert ist, darf sich gerne bei mir melden.
Hier ein paar interessante Fakten, damit wir die Bienen etwas besser kennen lernen:
Die Biene ist eines der ältesten Insekten und der Mensch profitiert vom Honig seit mindestens 12’000 Jahren (älteste entdeckte Höhlenmalerei von Honigjägern).
Ein Bienenvolk besteht in der Hochsaison aus einer Königin, ca. 40’000 Arbeiterinnen und 2’000 Drohnen. Während die Königin ca. 3 Jahre alt wird, leben die Arbeiterinnen im arbeitsreichen Sommer nur 3-5 Wochen. Im Winter können sie ca. 6-9 Monate alt werden. Die männlichen Drohnen (ohne Stachel), deren einzige Aufgabe die Begattung von jungen Königinnen ist, gibt es nur im Sommer.
Eine Arbeiterin braucht vom Ei über das Larvenstadium bis zum Schlüpfen der fertigen Biene 21 Tage, eine Drohne 24 Tage, die Königin nur 12 Tage. Die Königin geht ein paar Tage nach dem Schlüpfen auf den Begattungsflug.
Dabei wird sie in der Luft von Drohnen begattet. Die Spermien speichert sie und kann damit ein Leben lang ihre Eier befruchten. Die Drohne stirbt nach der Begattung.
Ob aus einem Ei eine Arbeiterin oder eine Drohne wird, entscheidet die Königin: für Drohnen verwendet sie nicht befruchtete Eier (ziemlich einzigartig, dass aus einem nicht befruchteten Ei etwas entstehen kann).
Ob aus einem Ei eine Arbeiterin oder eine Königin entsteht, liegt hingegen nicht in der Entscheidung der Königin sondern in der Hand der brutpflegenden Arbeiterinnen: für die Königin wird eine andere „Zelle“ gebaut und vor allem wird die Larve mit Gelée Royale gefüttert.
Ein Schwarm (wie man sie im Frühsommer etwa an Bäumen oder Büschen hängen sieht) ist die natürliche Völkervermehrung der Bienen. Das starke Volk zieht eine junge Königin nach und meist kurz bevor sie schlüpft macht sich die alte Königin mit ca. 1/3 des Volkes auf die Suche nach einem neuen Zuhause.
Wenn der Schwarm im Baum oder Strauch hängt ist dies jedoch nur die Warteposition, während die Späher auf die Suche gehen nach dem neuen Bienenstock. Dies kann in der Natur z.B. ein hohler Baum oder in der heutigen Zeit eben auch mal ein Unterdach oder eine hohle Wand sein.
Kommt ein Späher mit der Meldung einer geeigneten Behausung zurück zum Schwarm, löst sich dieser innert Sekunden von seiner Traubenform auf und fliegt als Bienenwolke zum neuen Standort. Dann hat der Imker meist keine Chance mehr, ihn einzufangen.
Über Imker…
Bienen könnten heute ohne Imker leider nicht mehr überleben.
Ein Grund ist die vor drei Jahrzehnten von Asien eingeschleppte Varroamilbe. Dieser Schädling beeinträchtigt die Biene, kann sie mit Viren infizieren und vermehrt sich in der Bienenbrut rasant. In genügend grosser Anzahl schwächt er das Volk nachhaltig. Ohne Behandlung durch den Menschen überleben wilde Völker dies maximal zwei Jahre.
Bild: Biene mit Varroa Milbe und deformierter Flügel (Virenkrankheit Varroatose)
Die intensive landwirtschaftliche Betriebsweise ist ein weiterer Grund. Das Gras wird immer früher gemäht und obschon mittlerweile ökologische Ausgleichsflächen zum Betriebskonzept gehören, gibt es zu wenig unberührte Wildblumenwiesen.
Zum Beispiel das Mähen der Frühlingswiese, bevor der Löwenzahn verblüht ist, bedeutet für die Bienen den Verlust einer der wichtigsten Pollen- und Nektarquellen im Frühling. Heutzutage entsteht im Juni, also zwischen der Frühlings- und der Waldtracht, eine „Trachtlücke“, in der die Bienen nur noch wenig Nahrung finden. Ohne imkerliche Unterstützung hungern sie und werden so in ihrer Entwicklung gehemmt, was sich negativ auf die Überlebenschancen für den nächsten Winter auswirkt.
Die Umweltverschmutzung durch den Menschen (Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung, Pestizide, Fungizide, Insektizide, etc.) verkürzt ausserdem das Leben der Bienen. So wurden früher Königinnen noch bis 5 Jahre alt, während sie heute meist nur noch 3 Jahre schaffen. Auch bei den Sommerbienen ist die kürzere Lebensdauer bemerkbar. Das bedeutet, dass mehr junge Bienen schlüpfen müssen, um genügend Arbeiterinnen zu haben. Hier ein kleines Rechenbeispiel: Wenn Sommerbienen 5 Wochen alt werden gibt das bei 40’000er Völkern 2’000 Bienen, die Ende Juni TÄGLICH als Eier gelegt werden müssen, damit gleich viele Tiere schlüpfen können. Oft leben sie nur noch 4 Wochen. Dann sind es 2’500 Eier, d.h. die Königin und die Brutpflegerinnen haben 25% mehr Arbeit für den gleichen Ertrag.
Über Honig…
Honig kommt von den Bienen. Das wissen wir doch…
Aber wie machen die Bienen den Honig?
Entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben entsteht er nicht aus Blütenpollen, die offensichtlich als „Höschen“ von den Bienen ins Volk gebracht werden.
Nein, Honig entsteht aus süssen Flüssigkeiten, die die Bienen sammeln und in die Wabe einlagern. Beim Einlagern wird die Flüssigkeit eingedickt (Wasser entzogen), bis sie die bekannte Honigkonsistenz hat.
Am Ende wird die Wabe mit einem Deckel zugedeckt und ist bereit als Vorratskammer für Schlechtwetterphasen oder die Überwinterung (nur nehmen wir ihnen den Honig dann wieder weg, füttern sie dafür aber mit Zuckerwasser für den Winter).
Grundsätzlich gibt es zwei Kategorien von Basis für den Honig:
Der Blütenhonig:
Der Waldhonig:
|Darunter fallen auch die meisten als sortenrein angepriesenen Honigsorten wie Lindenblüten-, Raps-, Akazien-, Kastanien-, Heide- und Kleehonig, sowie viele weitere Sorten. |
Die Bienen holen den Nektar aus den Blüten und dicken ihn in ihrer Honigblase zu Honig ein. Blütenhonig gibt es jedes Jahr.
Schlechtes Frühlingswetter kann aber die Flugtage der Bienen und dadurch die Sammelkapazität reduzieren und vor allem bei den Obstblüten kann Frost oder Hagel die nektarhaltigen Blüten zerstören.
Normalerweise ist der Blütenhonig bei uns ein Gemisch aus den verschiedenen Blüten. Für sortenreinen Honig wie z.B. Akazienhonig darf in 1-3km Umkreis des Bienenstocks keine andere Pflanze blühen.
|Für diesen Honig (Tannenhonig, Fichtenhonig, etc.) verwenden die Bienen jedoch nicht den Nektar von Blüten sondern das sogenannte Honigtau. Dieses entsteht durch blattsaugende Insekten wie z.B. Blattläuse, die den Blattsaft umwandeln und als Honigtau auf Blättern und Nadeln hinterlassen. |
Waldhonig hat viel mehr Mineralstoffe und Enzyme als Blütenhonig und enthält auch ätherische Öle, die z.B. bei Bronchial- und anderen Atemwegserkrankungen wohltun.
Damit die Bienen Waldhonig machen können, muss vieles stimmen: im richtigen Moment genügend Regen, damit die Blätter saftig sind, aber wenig Regen wenn dann der Honigtau auf den Blättern ist, damit er nicht abgewaschen wird. Auch müssen die Sauger-Populationen stimmen usw.
Je nach Region kann man sagen, dass es nur durchschnittlich jedes zweite Jahr Waldhonig gibt und nur alle paar Jahre eine wirklich gute Ernte.
Was ist jetzt aber mit den Pollenhöschen?
Basis ist die allseits bekannte „Blumen und Bienen“ Theorie: Pflanzen produzieren Nektar, damit die Insekten kommen und diesen holen. Während sie dies tun streift die Pflanze die Pollen auf die Insekten und durch den Wechsel der Insekten von männlichen auf weibliche Pflanzen werden diese bestäubt. Aber natürlich werden nicht alle Pollen wieder abgestreift. Und so macht sich die Biene die Pollen zu Nutze: sie streift mit den Beinen über den Körper, so dass die Pollen an speziellen Härchen der Beine hängen bleiben und so Schritt für Schritt die Höschen geformt werden. So kann sie den Pollen dann einfach transportieren und mit in die Wabe nehmen. Die Pollen werden dann in der Wabe in der Nähe von bald schlüpfenden Jungbienen eingelagert und dienen dann als „Babynahrung“.
Über Bienenstiche…
Wir kennen das alle: Bienen können uns stechen. Der Stachel ist aber eigentlich zur Verteidigung gegen andere Insekten oder Raubtiere gedacht und nicht gegen den Menschen. So stechen Bienen auch nur, wenn sie sich oder ihr Volk bedroht fühlen oder wenn sie zerdrückt werden. Im Gegensatz z.B. zu Wespen ist es auch so, dass der Stachel in der menschlichen Haut stecken bleibt und so die Biene nur fliehen kann, indem sie sich den Hinterteil mit dem Stachel aus dem Leib reisst. Mit tödlichen Folgen für die Biene…
Was tun bei Bienenstichen?
Allergie?
Sofortmassnahmen:
Man sollte sich und der Einstichstelle auch etwas Ruhe gönnen, dann wird es übermorgen weniger geschwollen und schmerzhaft sein.
Allergische Reaktionen erkennt man an Symptomen, die nicht nur bei der Einstichstelle, sondern am ganzen Körper unabhängig von der Einstichstelle auftreten:
Am wichtigsten ist dann Ruhe bewahren, in den Schatten sitzen, Notruf alarmieren. Wer bereits allergisch ist, sollte wirklich immer die Notfallmedikamente mit sich führen.
Imkerhandwerk früher und heute…
Als mein Grossvater vor ca. 80 Jahren zu imkern begann, war die Tätigkeit noch verhältnismässig einfach: im Frühling die Honigwaben einhängen, gegen Sommer die Schwärme einfangen und den Blütenhonig schleudern und Anfang August allfälligen Waldhonig schleudern und Zuckerwasser als Ersatz füttern für den Winter.
Heute ist der Imkerkalender voll und ein Imker kann es sich kaum noch leisten, in der Saison Ferien zu machen:
im Frühling müssen schon die Varroamilben beobachtet werden. Hat ein Volk zu viele Milben muss der Imker reagieren. Noch vor ein paar Jahren reichte eine Behandlung im Sommer, jetzt wird im Sommer/Herbst, im Winter und zunehmend im Frühling ein Eingriff nötig.
Im Juni muss der Imker dann aufpassen, dass die Völker wegen der „Trachtlücke“ nicht hungern. Nach dem Entnehmen des Waldhonigs können wir auch nicht mehr einfach auffüttern sondern müssen abwechselnd füttern und gegen Varroa behandeln.
Wegen der Verbreitung von Brutkrankheiten, die durch geschwächte Völker (Varroa/Trachtlücke/fehlende Selektion durch Imker) begünstigt werden, muss die ganze Zeit von Frühling bis Sommer regelmässig die Brut entsprechend kontrolliert werden.
Ein Imker braucht also viel mehr Zeit als früher und vor Allem ein gut durchdachtes imkerliches Betriebskonzept, um seine Völker langfristig in gutem Zustand zu halten.