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Am 22. September werden wir über die Wehrpflicht abstimmen, viele Leute fragen sich bestimmt: Welche Option ist besser, wäre die Armee noch schlagkräftig genug ohne Wehrpflicht, gehen noch Leute ins Militär wenn man sie selbst entscheiden lässt?
Es gibt jedoch ein Problem, welches in der Debatte um die Wehrpflicht kaum zur Sprache kommt: Was machen unsere Soldaten eigentlich im Dienst? Natürlich viele verschiedene Dinge, Übungen für den Ernstfall, Wiederholungskurse und noch vieles mehr. Vor allen Dingen (besonders in den Wiederholungskursen) jedoch eines:
Warten.
Man kann jeden Rekruten fragen: Viel zu oft müssen unsere Soldaten sich die Zeit vertreiben und mit der Langeweile kämpfen, während sie darauf warten, dass sie etwas zu tun bekommen.
Dazu kommt noch, dass die Armee sich öfters über einen Mangel an Mitteln und fehlende Ausrüstung beklagt.
Betrachtet man diese beiden Probleme einzeln, könnte man den Eindruck bekommen, die Armee bekommt einfach zu wenig finanzielle Mittel vom Bund, um ihre Aufgaben zufriedenstellend ausführen zu können.
Wenn man jedoch diese beiden Tatsachen – Die Soldaten sind zu wenig ausgelastet und die Armee sagt, sie habe nicht genug Mittel – im Zusammenhang betrachtet muss es einem doch klar werden, dass das Problem nicht darin liegt, dass die Armee viel zu wenig Mittel hat, sondern dass die Armee schlichtweg ineffizient organisiert ist und, für die Grösse der Schweiz, zu viele Soldaten hat.
Denn was bringen der Armee mehr finanzielle Mittel, wenn das Problem in Wirklichkeit ist, dass die Soldaten schlichtweg zu wenig zu tun haben, weil die Aufgaben auf zu viele Leute verteilt werden müssen?
Eine Armee mit vielen Soldaten ist nicht unbedingt eine gute Armee, die Schweiz und ihre Produkte sind schliesslich auch dafür bekannt, hauptsächlich mit Qualität und nicht nur mit Quantität zu überzeugen.
Sollten wir, wenn wir schon eine Armee haben, sie nicht so organisieren, dass wir am Ende weniger Leute benötigen und diese dafür professioneller ausbilden, als wir es heute tun?
Sollten wir nicht auf einen relativ kleinen Teil der Soldaten verzichten, und dafür die übrigen – somit besser beschäftigten – Milizsoldaten zu Profis ausbilden, anstatt wie heute zu versuchen, Beschäftigungen für einen Haufen halbwegs ausgebildeter Soldaten zu finden?
Würde dies die Armee nicht sogar schlagkräftiger machen als heute?
Sollte nicht auch die Armee mit Qualität statt Quantität überzeugen?
Übrigens stellte sogar der Bundesrat in seinem „Armeebericht 2010“ fest, dass wir mehr Soldaten haben, als wir brauchen und schlug einen Sollbestand von 80‘000 Mann vor, wobei jedoch nur 23‘000 für die Verteidigung und Auslandseinsätze vorgesehen sind, während ganze 35‘000 Mann für die Unterstützung der zivilen Behörden vorgesehen sind – was ja eigentlich nicht die Kernaufgabe einer Armee ist und stattdessen entweder von zusätzlichem Personal bei den zuständigen Zivilbehörden oder – ganz einfach – je nach Aufgabenbereich von Zivilschutz, Polizei oder Zivildienst übernommen werden könnte. Dies wäre insbesondere eine gute Option, weil die Initiative den Zivildienst zusätzlich stärken würde, da er dann auch den Frauen offen stünde.
Damit stellt sich natürlich noch die Frage: Kann man 80‘000 Leute auf freiwilliger Basis rekrutieren?
Absolut, denn schon heute ist es so, dass ein beachtlicher Teil der Stellungspflichtigen schlussendlich doch nicht ins Militär geht, sei das weil sie Zivildienst leisten oder weil sie aus medizinischen oder anderen Gründen für untauglich erklärt werden.
Man könnte sagen, der Militärdienst ist bereits heute freiwillig, denn wer nicht ins Militär gehen will, der muss das bereits heute nicht mehr, dennoch haben wir einen Überschuss an Soldaten, die nicht wirklich gebraucht werden.
Wieso also nicht ein Prinzip der Freiwilligkeit im Gesetz verankern, welches ja de facto heute bereits gilt? Dass die Armee zu wenig Soldaten haben wird, wird nicht die Folge davon sein, denn wie gesagt: die Soldaten von heute sind praktisch bereits Freiwillige.
Der Unterschied von der heutigen Situation zu einer abgeschafften Wehrpflicht ist eigentlich nur, dass heute die Männer, welche den Militärdienst nicht leisten wollen, unerwünschte Orientierungstage und Rekrutierungen sowie einen sinnlosen bürokratischen Hürdenlauf vor sich haben, bevor sie vom Militär in Ruhe gelassen werden, obwohl sie dann immer noch die Wehrpflichtersatzabgabe zahlen müssen.
Zu all dem bringt diese Initiative noch eine weitere entscheidende Verbesserung mit sich: Männer und Frauen hätten endlich auch in militärischen Fragen die gleichen Rechte und Pflichten.
Ob man nun eher für oder gegen das Militär ist spielt keine Rolle: Eine Annahme der Wehrpflichts-Initiative brächte praktisch nur Vorteile – und würde sogar den Grundstein für eine massive Verbesserung der Streitkräfte legen.
Wenn wir schon eine Armee haben, sollten wir’s richtig machen.