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Diese würfelförmige Sonnenuhr stammt aus der Sammlung von Rudolf Wolf. Laut seinem Inventar von 1873 hat er diese Sonnenuhr angekauft. Sonnenuhren stellten einen Sammlungsschwerpunkt von Wolf dar und es schien ihn zu interessieren, möglichst unterschiedliche Modelle aus verschiedenen Epochen zu sammeln und diese miteinander zu vergleichen. So schreibt er über diese Sonnenuhr:
«Sie ist den unter Nr. 115 [links abgebildet, d.V.] entsprechenden Sonnenuhren ähnlich und unterscheidet sich eigentlich von der Erstern [sic] nur dadurch, dass die Bussole am Fussgestelle angebracht ist, und der Würfel mittelst eines Gelenkes etwas gedreht werden kann.»
Wolf, Inventar 1873, S. 57.
Sowohl die oben abgebildete Nr. 115 als auch die 3D-digitalisierte Sonnenuhr stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.1 Die Sonnenuhr, die nun als 3D-Modell vorliegt, besteht aus einem Holzwürfel, meist aus Eiche oder einem Obstbaum. Der Würfel wird von einer gedrechselten Stange getragen, die auf einer rechteckigen Grundplatte befestigt ist. Mittels eines Gelenkes kann der Würfel geneigt werden. Auf fünf Seiten des Holzwürfels wurden bedruckte und handkolorierte Papierzifferblätter einer Nord-, West-, Süd- und Ostsonnenuhr sowie einer horizontalen Sonnenuhr aufgeklebt. So konnte die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang abgelesen werden. Die Messingscheiben dienten als Schattenstäbe oder Gnomone. In die Bodenplatte ist ein Kompass eingelassen.
Solche polyedrischen Sonnenuhren dienten in erster Linie der Unterhaltung und weniger der Zeitmessung. Sie sind damit eigentlich Nachfahren der für die Kunstkammern hergestellten Sonnenuhren.2
Der Nürnberger Kompassmacher David Beringer
Auf der Nord-Sonnenuhr befindet sich die Inschrift D. Beringer. Sie verweist auf den Hersteller der Sonnenuhr, David Beringer (1756-1821), hin. Beringer war ein bekannter Kompassmacher – so nannte man die Hersteller von Sonnenuhren. Er wurde 1777 zum Kompassmachermeister in Nürnberg ernannt. Nürnberg galt seit dem 15. Jh. als Zentrum für die Herstellung von Sonnenuhren. Mehr dazu lesen Sie im Blogbeitrag über unsere Elfenbein-Klappsonnenuhr.
Beringer arbeitete häufig mit seinem Onkel Georg Paul Seyfried zusammen. In diesem Fall tragen die Sonnenuhren beide Signaturen auf, zusätzliche verwendet Beringer dann sein Meisterzeichen, eine Lilie. Bei den von ihm allein gefertigten Sonnenuhren verwendete er kein Meisterzeichen.3
Beringer starb am 28. Oktober 1821 in Folge eines Schlagflusses – der historischen Bezeichnung für einen Schlaganfall.
3D-Digitalisierung
Objektauswahl
In verschiedenen Museen sind solche Holzwürfelsonnenuhren von David Beringer erhalten. Weltweit sind 30 Exemplare bekannt, einige in besserem, andere in schlechterem Zustand. Unsere Sonnenuhr ist in einem sehr guten Zustand, es fehlt nur das Pendel zur Einstellung der Position (vgl. Annotation 8). Bei anderen Sonnenuhren ist das aufgeklebte Papier zerrissen oder vergilbt oder es fehlen der Kompass oder das Deckglas. Die 3D-Digitalisierung ermöglicht somit für Wissenschaftshistoriker:innen einen ortsunabhängigen Zugang zu einer gut erhaltenen Würfelsonnenuhr von David Beringer. Für Museen, die ebenfalls eine Würfelsonnenuhr von David Beringer besitzen, ist unser 3D-Digitalisat eine gute Möglichkeit, die Uhren zu vergleichen. Erst durch den Vergleich mit anderen Uhren ist uns nämlich aufgefallen, dass unserer Sonnenuhr das Pendel fehlt.
Photogrammetrie und Modellierung
Die Textur dieser Sonnenuhr ist matt, auch die Messinggnomone reflektieren kaum. Die Sonnenuhr konnte daher photogrammetrisch gut erfasst werden. Das Glas der Bussole musste manuell modelliert werden.