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Stellungnahme der Primar- und Sekundarschulbehörde Kreuzlingen
Kreuzlingen – Im Bericht vom 5. Dezember versucht der Autor Stefan Böker, dem Leser glaubhaft darzulegen, dass es sich beim Dresscode an den Schulen in Kreuzlingen um eine Falschmeldung bzw. um eine Zeitungsente handelt.
Aus dem Artikel lässt sich die persönliche Haltung des Verfassers zu einer gemachten Empfehlung erkennen, was objektiv betrachtet jedoch nicht der absoluten Wahrheit entspricht, auch dann nicht wenn der Verfasser sie im Rahmen seiner journalistischen Freiheit so darstellt.
Zutreffend ist, dass die Schulgemeinde anlässlich eines Workshops zu verschiedenen anderen Themen einen solchen zur Wirkung der Bekleidung durchführte, welcher vom anerkannten Stilberater Herrn Jeroen van Rooijen geleitet wurde. Die rund 70 teilnehmenden Lehrkräfte haben an diesem besagten Workshop eine Bekleidungsempfehlung ausgearbeitet, die aus ihrer Sicht für ihre Berufskategorie angemessen ist. Dass dabei auch Elemente als «no goes» deklariert wurden, zeigt die professionelle Grundhaltung der Kreuzlinger Lehrpersonen.
Herr van Rooijen wurde von der Pädagogischen Kommission und dem Schulpräsidium autorisiert, den verfassten Artikel in der NZZ zu publizieren. Dass dieser Artikel Anlass dazu gab, dieses Thema national und international in den Medien aufzunehmen, hat überrascht. Vielleicht liegt es auch daran, dass ein Thema enttabuisiert wurde. Aufgrund dieser Entwicklung sah sich die Behörde veranlasst die Lehrpersonen dahingehend zu informieren, dass wider allfälliger anders lautenden Mitteilungen in den Medien, der Dresscode als wegweisende Empfehlung an der Schule Kreuzlingen gilt, was aber keineswegs als Rechtfertigung zu interpretieren ist, wie dies Herr Böker ausführt und in der Unterstellung gipfelt, dass der Schulpräsident dafür gesorgt haben soll, anstelle eines Dementis, die Falschmeldung international zu verbreiten.
Ebenso wenig ist es richtig, dass eine Hausordnung existiert, die eine Schulleitung dazu berechtigen würde bezüglich Kleidung Weisungen zu erteilen! Der von einem Teil der Kreuzlinger Lehrpersonen ausgearbeitete Dresscode ist und bleibt eine Empfehlung die unter dem im Leitbild festgehaltenen Grundsatz subsumiert werden kann, der unter anderem lautet: «Unsere Mitarbeitenden setzen sich aktiv dafür ein, dass unsere Schule von der Bevölkerung positiv wahrgenommen wird und sich mit ihr ebenso identifiziert.»
Wir zeigen uns davon überzeugt, dass die Kleidungsempfehlung auch Teil unseres Leitbildes sein darf. Wie die Medien darüber berichten, ist sicher nicht der Schulgemeinde anzulasten.
Stellungnahmen geben ausschliesslich die Meinung der Einsender wieder.
Es ist lustig zu lesen, dass ein „anerkannter Stilberater“ ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern Modeunterricht erteilt. Da bildet sich ein neues Fach für die PHTG heraus. Oder wird darüber bereits doziert und die entsprechende pädagogische Botschaft ist nicht überall angekommen? Medien nehmen selbstverständliche solche „pädagogischen Stilversuche“ genüsslich auf.
Jetzt ich bin verwirrt. In dem Artikel „Dresscode: Zeitungsente des Jahres“ vom 5. Dezember heisst es, es gebe an Kreuzlinger Schulen keinen Dresscode – also keine verpflichtende Vorschrift – für Lehrerinnen und Lehrer, es gebe „nicht einmal eine offizielle Empfehlung der Schulbehörden“. Für diese Aussage wird ein Mail der Schulbehörden und die Aussage eines Schulleiters zitiert. Dies im Gegensatz zu Meldungen über einen (angeblich) verpflichtenden Dresscode in mehreren Medien. Die wiederum hatten ihre Artikel aus der NZZ abgeschrieben, wo Jeroen von Rooijen über das Ergebnis eines (von ihm geleiteten) Workshops mit Kreuzlinger Lehrkräften berichtete. Also: keine Vorschriften. Jetzt schreibt die Behörde in dieser Stellungnahme, der Schulpräsident habe gegenüber der Lehrerschaft den „Dresscode als wegweisende Empfehlung“ bezeichnet, die „an der Schule Kreuzlingen gilt“. Also doch eine Vorschrift (die allerdings rechtlich kaum durchsetzbar ist)?
Oder soll die Behördenstellungnahme mitteilen, dass der Schulpräsident es – diplomatisch ausgedrückt – nicht schätzt, dass ihm eine Mitschuld daran gegeben wird, dass sich die Meldung, es gäbe eine Vorschrift blitzartig ausbreitete, weil er diese Behauptung nicht dementiert habe? Naja, wenn er den Dresscode wirklich „als wegweisende Empfehlung, die an der Schule Kreuzlingen gilt“ bezeichnete, dann konnte er ja nicht dementieren. Allerdings wird ihm in dem Artikel nirgends das behauptet, was die Behörde in ihrer Stellungnahme kritisiert, nämlich „dass der Schulpräsident dafür gesorgt haben soll, anstelle eines Dementis, die Falschmeldung international zu verbreiten.“ Da wird etwas dementiert, was nicht geschrieben wurde. Aber vielleicht verstehe ich das alles ja nur nicht richtig? Vielleicht sollte die Behörde bei einem der Kreuzlinger Deutschlehrer eine Nachhilfestunde nehmen zum Theme „Wie drücke ich mich klar aus?“ und bei einem PR-Berater eine zum Thema „Wann man besser keine Dementis verfasst“?.
Liebe Frau Schiesser, Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Die Stellungnahme, die wir bringen mussten, ist übrigens das erste offizielle Dokument, in dem Schulpräsident und Behörde speziell ihren Lehrern den Dresscode empfehlen. Wo die Lehrer diesen (vollständig!) einsehen können und wie bindend eine solche Empfehlung ist, sind allerdings nur einige der Fragen, die hier offen bleiben.
Liegt nun die eigentliche Aussage darin, dass die (akademisch) gebildeten Pädagogen nicht in der Lage sind, sich selbständig die angemessene Kleidung anzuziehen?
…und die Schulbehörde deshalb entweder den Lehrkräften eine „Kleiderzulage“ zahlt, damit sie sich so richtig schön einkleiden gehen können oder den Posten eines „Garderobiers“ für Lehrkräfte schafft? Rechtlich durchsetzen kann die Behörde das alles ja kaum – sonst müssten die Bekleidungsvorschriften Teil des Anstellungsvertrages sein. Und da würde sich noch die Frage stellen, ob das haltbar wäre. So lange kein Lehrer in der Badehose und/oder ungewaschen oder keine Lehrerin in Netzstrümpfen, Highheels und rotem Lackmini in der Schule einläuft (ausser zu Schultheateraufführungen…), fragt sich ja auch, was der ganze Aufstand soll. Ist die Fähigkeit, Schulkindern etwas beizubringen und sie zu begeistern von der Bekleidung der Lehrperson abhängig? Sind Lehrer mit Schlips und Kragen erfolgreicher als solche in Jeans und Lamapulli? Gibt’s dazu irgendwelche Untersuchungen? Oder ist das Ganze in Wirklichkeit nur eine gute PR-Aktion für Jeroen van Rooijen und die Schulbehörde heizt das Getue mit wirren Stellungnahmen noch an?