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Elektroakupunktur
Definition
Bei der Elektroakupunktur handelt es sich um eine Variante der herkömmlichen Akupunktur. Dabei wird die Wirkung der Akupunkturnadeln durch elektrischen Strom verstärkt.
Herkunft
Die Akupunktur gehört zu den wichtigsten Behandlungsmethoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Grabfunde aus der Zeit von vor etwa 6000 Jahren zeigen, dass schon im damaligen China Menschen Steinsplitter verwendeten, um damit in schmerzende Körperstellen zu stechen. Später wurden Bambussplitter, Fischgräten und Knochen zu diesem Zweck eingesetzt.
In einem der wichtigsten Grundlagenwerke der chinesischen Medizin, dem „Huang Di Nei Jing“, dem „Buch des Gelben Kaisers über Innere Medizin“, das wahrscheinlich um 200 v. Chr. entstand, werden erstmals etwa 160 Akupunkturpunkte und Indikationen für ihre Anwendung beschrieben. Im Lauf der Zeit wurde die Akupunktur weiter entwickelt: In späteren historischen Werken werden 14 Haupt-Meridiane und bis zu 350 Akupunkturpunkte beschrieben.
Die erste Erwähnung der Akupunktur in Europa stammt aus dem 17. Jahrhundert. Damals beschrieb ein holländischer Arzt in einer Veröffentlichung erstmals die Verwendung von Nadeln, um das energetische Gleichgewicht im Körper wieder herzustellen. Der Begriff Akupunktur wurde von Jesuitenmönchen in Peking geprägt. Im Jahr 1809 begann der Pariser Arzt Louis Berlioz mit ersten klinischen Versuchen zur Wirksamkeit der Akupunktur in der Schmerztherapie. Von ihm stammt auch die Idee, routinemässige Akupunkturbehandlungen durch den Einsatz von elektrischem Strom zu ergänzen. Für kurze Zeit kam die Akupunktur damals in Europa regelrecht in Mode, geriet jedoch im 19. Jahrhundert zunächst wieder in Vergessenheit, da sie sich nicht mit der neuen wissenschaftlichen Denkweise in der Medizin vereinbaren liess.
In China wurden die TCM und die Akupunktur zwar erfolgreich bei Alltagsleiden angewendet, gegen schwerere Krankheiten konnten sie jedoch wenig ausrichten und eine Chirurgie im heutigen Sinn gab es überhaupt nicht. Deshalb wurde das traditionelle Medizinsystem nach der Einführung der westlichen Medizin in China im 19. Jahrhundert zunächst in den Hintergrund gedrängt. Im Jahr 1929 wurde die TCM in China sogar teilweise verboten. In den 1950er Jahren begann die kommunistische Regierung der neu gegründeten Volksrepublik China alte nationale Kulturgüter zu fördern. In diesem Zusammenhang bemühte man sich auch, die Medizintradition der TCM wiederzubeleben und zu verbessern. Dies war der Beginn der „modernen“ TCM. Heute werden TCM und Akupunktur in China parallel zur westlichen Medizin an den chinesischen Universitäten gelehrt. Ein Teil der medizinischen Einrichtungen in China arbeitet nach den Prinzipien der traditionellen Medizin, der Bevölkerung ist freigestellt, welche Art der Behandlung sie im Krankheitsfall wählt.
Mit der Öffnung der Volksrepublik China in den 1970er Jahren nach aussen begann der Transfer der TCM-Methoden nach Nordamerika und Europa. Vor allem die Akupunktur erlebte einen regelrechten Boom, nachdem ein amerikanischer Journalist über die erfolgreiche Akupunktur-Schmerzbehandlung vor und nach seiner Blinddarmoperation in China berichtet hatte. Inzwischen gehört die Akupunktur zu den am weitesten verbreiteten alternativen Heilmethoden. Sie wurde ständig weiterentwickelt und es entstanden Varianten wie die Elektroakupunktur, die Laser-Akupunktur und die Ohrakupunktur.
In Europa begannen in den 1950er Jahren verschiedene Ärzte damit, das Prinzip der Elektroakupunktur zu entwickeln. In Frankreich waren dies Roger de la Fuye (1890-1961) und J. E. H. Niboyet, in Deutschland beschäftigte sich W. Schmidt mit dieser Idee. Als Variante entstand dabei auch die Elektroakupunktur nach Voll, die sich jedoch von der TCM-Elektroakupunktur massgeblich unterscheidet.
Grundlagen
Die Elektroakupunktur beruht auf denselben Theorien und Prinzipien wie die Akupunktur mit Nadeln. Zu den grundlegenden Prinzipien der chinesischen Medizin gehört unter anderem die Vorstellung, dass der menschliche Körper von einer Lebensenergie (Qi) durchströmt wird und dass diese Lebensenergie in bestimmten Leitbahnen (Meridianen) fliesst. Die Meridiane durchziehen den ganzen Körper und verbinden Organe und Organsysteme zu funktionellen Einheiten. Auf den Meridianen liegen zahlreiche Akupunkturpunkte, über die der Fluss der Lebensenergie beeinflusst werden kann. Krankheiten entstehen nach chinesischer Auffassung, wenn das gleichmässige Zirkulieren der Lebensenergie im Körper gestört ist.
Bei einer Akupunkturbehandlung versucht der Therapeut, Blockaden oder Stauungen der Lebensenergie durch das gezielte Einstechen von Nadeln in bestimmte Akupunkturpunkte zu beseitigen. Bei der Elektroakupunktur werden die Akupunkturnadeln zusätzlich elektrisch stimuliert, sodass sie einen schwachen Strom in das Gewebe um den jeweiligen Akupunkturpunkt abgeben. Der TCM-Theorie zufolge wird dadurch die Zirkulation von Qi zusätzlich angeregt.
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