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Musikzimmer erhält ein Wissenssystem, das Cabinet. Deshalb mache ich mir immer wieder Gedanken zur Frage: «Was ist Wissen?» Das ist eine alte Frage, die mich, seit ich qualifiziert zu denken begonnen habe, begleitet.
Wissen als Feld – ist natürlich eine Metapher. Sie zeigt an, dass wir das, was wir «Wissen» nennen, gerne verräumlichen. Durch die Verräumlichung scheint es handhabbar zu werden: vorstellbar, denkbar, kommunizierbar, darstellbar. Aber Wissen ist ein komplexer, ein philosophischer Gegenstand.
Metapher «Feld». Das Feld des Wissens wird kartografiert. Hat zwei Dimensionen mit x- und y-Koordinaten. Oder es hat ein Zentrum und von ihm aus sind verschiedene Orte radial und über ihre Distanz zum Zentrum bestimmbar.
Das Feld kann auch dreidimensional sein. Wir müssen, wie in guten geografischen Karten üblich, Höhenlinien einzeichnen.
Aber was bedeuten diese Dimensionen im Fall des Wissens? Und wie viele Dimensionen hat Wissen? Eine, zwei, drei, vier, n?
Eindimensional sind Listen. Mnemotechniken, die mit Zahlen funktionieren und Zahl-Bilder. Man kann sich so eine Geschichte merken. «Das, dann das, dann das, dann das und schliesslich das.»
Zweidimensional sind die allenthalben beliebten Tabellen und Matrizen:
Bei Niklas Luhmann in der Wissenssoziologie gibt es die drei Wissens-Dimensionen: zeitlich, sachlich und sozial. Seine Vorstellung war, dass Wissen kommuniziert sein muss, um zu existieren. Das ist heute wohl common sense, wenngleich man ergänzt, das es ein know-how gibt, ein Wissen, wie man etwas tut, ohne dass man über dieses Tun einen wissenschaftlichen Report schreibt. Wissen ist Kommuniziert und als Kommunikation kann man es
- in einem bestimmten sozialen Feld festmachen (in bestimmten Institutionen wie der Wissenschaft, in bestimmten Organen wie einer Zeitschrift usw. – wieder die Feldmetapher, sie stammt hier von mir),
- zu einer bestimmten Zeit feststellen (nach und vor anderen Kommunikationen) und
- als Kommunikation zu einer bestimmten Sache identifizieren.
Wenn Wissen sich in einem Text als einem Kommunikat manifestiert, dann sind Textstrukturen vielleicht eine Art Karte des Wissens – ein Template, eine leere Struktur.
Den praktikabelsten, simpelsten, weil eindimensionalen Ansatz, das Wissen zu verräumlichen, haben Bibliotheken mit ihren Ablagesystematiken geschaffen; Stichwort: Bibliotheksklassifikation.
Bibliotheksklassifikationen sind wie das Inhaltsverzeichnis eins Buches, nur existieren sie eine Ebene höher, weil sie Bücher klassifizieren und damit eine Ordnung des Wissens schaffen, wo Inhaltsverzeichnisse das Gegenstandsfeld einer wissenschaftlichen/thematischen Arbeit klassifizieren und damit Ordnung in diesem Feld schaffen (und im Kopf des Autors und seiner geneigten Leserschaft). Eines ist klar: Es existiert eine Vielzahl solcher Klassifikationssysteme. Spätestens seit Foucault weiss man, dass solche Klassifikationen beliebig/arbiträr sind, aber auch struturelle Macht ausüben, wenn sie zu ernst genommen werden, ja schon wenn sie institutionalisiert werden. Im schlechten Fall bringen sie sogar gesellschaftliche Missstände und Ungerechtigkeiten hervor. Einteilungen wie roh/gekocht, Mann/Frau, Herr/Knecht, Kopf/Hand sorgen für Stoffe unzähliger Seminare.
Dennoch. Die Welt einzuteilen, macht Lust. Genau wie das Sammeln der Vielfalt dieser Welt. Sammeln, kennen, wissen! Und so ist ein Kategorienbaum der Populären Musik entstanden, der hier verzeichnet ist. Zu den einzelnen Kategorien werden mit der Zeit Stichworteinträge entstehen und zu den Stichworten wird es Playlisten, Sammlungen und Literaturlisten geben. Ein Beispiel ist der Eintrag zur Kategorie «Songwriter-Produzent», der eine Erklärung des Begriffs und verlinkte Vertreter dieses Musikertyps enthält.
Für diesen Kategorienbaum habe ich eine durchaus pragmatische Dreiteilung gewählt in Grundlagen (beliebt an erster Stelle im Baum des Wissens – siehe Illustration oben), Geschichte und Systematik (diese Unterteilung in Einzelwissenschaften sehr beliebt – ich koche mit Wasser).
Natürlich fühlt sich die Einteilung vorläufig an, aber sie kommt nicht aus Nichts. Sporadisch habe ich mich im Zeitraum von mehr als einem Jahr damit auseinandergesetzt. Ich wollte die Themen aller mir verfügbaren Lehrbücher noch berücksichtigen und einbauen, habe das aber aus ökonomischen gründen wieder fallen gelassen. Einen sachlichen Grund gibt es auch: die Lehrbücher sind meist Geschichten der Pop- oder Rockmusik, d.h. in sich historisch und nicht systematisch geordnet. Hier muss man Diedrich Diederichsen nennen, der mit seinem Buch «Über Pop-Musik» eine der wenigen sowohl neueren als auch umfassenden Versuche vorgelegt hat, Popmusik zu systematisieren (Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2014).
Meine Klassifikation hat Eigenheiten: zum Beispiel das Gewicht das ich der Generationentheorie gebe, weil sie für mich in sozialer Hinsicht Geschichte konstituiert (wie die Ästhetik in sachlicher Hinsicht).