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Wikipedia plus Expertentum: Citizendium
Der amerikanische Erkenntnistheoretiker Larry Sanger, ein Mitbegründer von Wikipedia, versucht, eine Alternative zur Online-Enzyklopädie Wikipedia aufzubauen, das „Citizendium“, das „Bürger-Kompendium“. Der Clue des ehrgeizigen Unternehmens: Nicht nur die Allgemeinheit, sondern auch Experten sollen federführend sein. Erhebt die Gegenreformation gegen Wikipedia, den stürmischen Reformator des enzyklopädischen Wissens, ihr Haupt? Ein kürzlich aufgeschalteter Essay von Sanger erlaubt, sich in Sachen Wikipedia und seine Kritiker über den derzeitigen Stand der Diskussion zu informieren.
Auf Wikipedia gilt das Prinzip der Gleichheit, nicht in Bezug auf die Fähigkeit zu wissen, sondern in Bezug auf das Recht, sich zu äussern. Dass nicht jedermann gleich viel weiss, würde wohl kein Wikipedianer bestreiten, doch jedermann soll das Recht haben sich zu äussern, so gut er es kann. In einem Essay auf www.edge.org erläutert Larry Sanger, warum er dieses Recht zwar nicht grundsätzlich bestreiten, wohl aber durch eine „sanfte“ Privilegierung von Experten-Meinungen relativieren will. Ein Argument Sangers lautet, dass Experten ja sowieso omnipräsent seien in Form von Fussnoten, von Verweisen. Das meiste Wissen, das in Wikipedia zusammen komme, stamme aus Büchern, die Experten geschrieben hätten. Warum solle man ihnen denn nicht gleich einen privilegierten Status geben? Der Erkenntnistheoretiker endet sein Plädoyer für einen Einbezug von Experten mit dem Bekenntnis: „It’s Truth versus Equality, and as much as I love Equality, if it comes down to choosing, I’m on the side of Truth.“
Zwei programmatische Unterschiede bestehen zwischen den Online-Enzyklopädien „Citizendium“ und Wikipedia, davon abgesehen, dass die englischsprachige Neugründung Citizendium derzeit rund 1’500 Artikel enthält, die englischsprachige Ausgabe von Wikipedia deren 1’731’000…: Citizendium biete einen „gentle expert oversight“ und verlange von ihren Teilnehmern, dass sie mit ihrem realen Namen auftreten. Wird sich das am 15. September erstmals aufgeschaltete, aber erst seit 27. März für die Öffentlichkeit frei zugängliche Konkurrenz-Unternehmen neben Wikipedia behaupten können? Noch scheint das angesichts der schieren Masse auf Wikipedia wenig wahrscheinlich. Und wenn sich denn die Masse auf Citizendium einstellte: Können dann „die Experten“ noch den Überblick und so das Label der „verlässlicheren“ Enzyklopädie garantieren?
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