Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03503.jsonl.gz/789

Verpackungs-Material als Kunstwerk
Die Frage "Was ist Kunst?" darf bei der Ausstellung des mexikanischen Künstlers Carlos Amorales im Zürcher Migros Museum ruhig wieder einmal gestellt werden: Wird industrielles Verpackungsmaterial zum Kunst-Gegenstand, weil es im Museum steht?
Mehrere Verpackungs- und Transportkisten stehen assortiert innerhalb eines gelben Vierecks auf einer grünen Matte im Museumsraum. Ein flüchtiger Blick in die Ausstellung "Cabaret Amorales" erinnert an Fabrikhallen, wo die Produkte verpackt und gestapelt auf den Abtransport warten.
Der Künstler Carlos Amorales, 1970 in Mexiko geboren, setzt sich in seiner Ausstellung mit den mexikanischen Kleinfirmen, nahe an der amerikanischen Grenze gelegen, auseinander. Die "Maquiladoras" sind spezialisiert auf die Produktion von arbeitsintensiven Teilstücken, die von US-Firmen kostengünstig bezogen werden.
Auf andern gelben Vierecken stehen ein Esel mit einem Fernseher auf dem Rücken oder vier riesengrosse bunte Lippenstifte aus Kunststoff. Der Künstler, der heute in Amsterdam lebt, möchte damit die Diskrepanz zwischen der südamerikanischen Arbeiterwelt und der westlichen Unterhaltungsindustrie thematisieren.
Ob ihm dies jedoch in der simplen Gegenüberstellung gelingt, ist eine andere Frage. Da hilft auch ein pseudotheoretischer Meta-Diskurs der Museumsmacher nicht weiter, die das Museum als "Produktionsstätte und Zwischenlager für die Globalisierung der Kunstwelt und -wirtschaft" fungieren sehen.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Diskutieren Sie mit!