Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03137.jsonl.gz/363

Babys zur Ruhe bringen
Signifikante Verringerung der Schreidauer durch Probiotika
Schon lange wird vermutet, dass hinter Dreimonatskoliken eine unausgewohnte Darmflora des Babys steckt. Ob Probiotika bei gestillten Kindern gegen die Schreiattacken helfen, hat eine aktuelle Metaanalyse untersucht.
Bei vielen Babys kommt es in den ersten Lebensmonaten zu regelrechten Schreiattacken. Sind andere Erkrankungen ausgeschlossen, liegt die Diagnose «Dreimonatskoliken» nahe. Deren Ätiologie ist weiterhin unklar. Immer wieder diskutiert wird die Beteiligung einer unausgewogenen Darmflora, durch die das Ungleichgewicht von pathogenen und nicht pathogenen Darmbesiedlern zu Darmentzündung und Kolik führt. Mehrere Studien und Metaanalysen konnte bereits zeigen, dass die zusätzliche Gabe von Lactobacillus reuteri (L. reuteri) zur Verringerung der Schreidauer bei Säuglingskoliken beitragen kann.
Schreidauer signifikant verringert
Wie die Behandlung bei ausschliesslich gestillten Säuglingen anschlägt, haben brasilianische Forscher im Zuge einer Metaanalyse untersucht. Eingeschlossen waren insgesamt acht klinische Studien, in denen die Gabe von L. reuteri ausschliesslich bei gestillten Babys geprüft wurde.
Darin zeigte sich eine signifikante Verringerung der Schreidauer bei den supplementierten Babys im Vergleich zu denen, die keine Probiotika bekommen hatten. Am Ende der ersten Woche reduzierte sich das Schreien um knapp 30 Minuten pro Tag. Nach zwei und drei Wochen schrien die Probiotika-Babys täglich etwa 60 Minuten weniger als die Kontrollgruppe, in der vierten Woche rund 80 Minuten weniger.
Zur endgültigen Beurteilung fehlen bessere Studien
Die Wirksamkeit der Behandlung definierten die Autoren mit einer Verringerung der durchschnittlichen täglichen Schreidauer um mehr als 50 Prozent. Sie erwies sich ebenfalls zu allen vier Zeitpunkten als signifikant. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die kumulative Evidenz der Studien spärlich ist. Gründe dafür sind beispielsweise der zu geringe oder nicht repräsentative Stichprobenumfang, die Subjektivität der Schreizeitmessung, die fehlende Bewertung der Adhärenz sowie andere Heterogenitäten und Ungenauigkeiten der Studien.
Auch welchen Effekt eine Probiotika-Gabe in der frühen Kindheit auf die weitere Entwicklung des gesamten Organismus hat, ist bis dato unbekannt.
Referenz
Dos Reis Buzzo Zermiani AP et al. Evidence of Lactobacillus reuteri to reduce colic in breastfed babies: Systematic review and meta-analysis. Complement Ther Med. 2021 Dec;63:102781. doi: 10.1016/j.ctim.2021.102781.