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Wer baut die meisten Zuckerrüben im Kanton Bern an? Nein, es ist nicht etwa das Zuckerstädtchen Aarberg, sondern die Gemeinde Fraubrunnen.
Auf über 200 Hektaren werden in Fraubrunnen die süsslichen Pflanzen angebaut, was 13-mal dem Messegelände der Bernexpo entspricht oder zweimal der Fläche des Oeschinensees. Nach der Ernte ab September werden die Rüben im Zuckerwerk Aarberg verarbeitet. Dabei wird nicht nur Zucker gewonnen, sondern auch Tierfutter, Melasse und Pflanzenerde hergestellt – die Zuckerrübe wird «rübis u stübis» verwertet.
Wo die Kiebitze brüten
Nebst den vielen Zuckerrüben hat Fraubrunnen die zweitgrösste Kiebitzkolonie der Schweiz. Die stark gefährdeten Vögel mit ihren unverkennbaren Federhauben und den wie «kiju-wit» klingenden Rufen sind mit ein bisschen Glück im Fraubrunnenmoos zu beobachten. Auch der Biber hat dieses Naturschutzgebiet als Lebensraum wiederentdeckt.
Unheilvolle Besucher
Nicht alle Ankömmlinge waren dem Ort so friedlich gesinnt wie die Biber oder die Kiebitze. Im Jahr 1375 überfielen und brandschatzten die Gugler – englische und französische Söldner – Fraubrunnen. Um die ungebetenen Gäste wieder loszuwerden, zündeten die Berner in einer kalten Dezembernacht die Abtei des Klosters an, in der sich die Gugler vorübergehend einquartiert hatten. So vertrieben sie die Söldner, doch das Kloster und das Dorf wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Ein paar Jahrhunderte später kam erneut unheilvoller Besuch nach Fraubrunnen: Napoleon legte 1797 auf seiner Reise durch die Schweiz Halt im Gasthof zum Brunnen ein. Für seinen Besuch hatte niemand Vorbereitungen getroffen, was der General als ungutes Zeichen wertete. Nachdem er in der dunklen Wirtsstube ein paar gebratene Schnepfen verspeist hatte, drängte er missmutig auf eine baldige Weiterfahrt in Richtung Solothurn.
Maria als Namensgeberin
Der ursprüngliche Name von Fraubrunnen ist «zen den mulinon» (bei den Mühlen). Nach der Gründung des Frauenklosters 1246 wurde der ursprüngliche Ortsname allmählich durch den Namen des Klosters «Fons beatae Mariae» (Quelle der seligen Jungfrau Maria) ersetzt. Daraus entstand der deutsche Ortsname, der urkundlich erstmals 1267 als «Frouwenbrunnen» bezeugt ist. Mit dem Wort «Frau» ist die Jungfrau Maria gemeint, der das Kloster gewidmet war.
Text: Salome Heiniger
Illustration: Thibaut Muller
Das ist Fraubrunnen
- BFS-Nr. : 0538
- 3312 Fraubrunnen
- Fläche 32 km2
- 5326 Einwohnerinnen und Einwohner (Januar 2022)
- www.fraubrunnen.ch