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Der Wert des Bodens – Reformideen
Heute spielen bei der Bewertung des Bodens der Verkaufspreis und die Kapitalverzinsung eine Hauptrolle. Man spricht von Bodenrente und meint den Geldertrag, den ein Grundstück erbringen kann. Wenn Boden gegen Geld getauscht werden kann, oder wenn er gegen Geld verpachtet werden kann, hat er einen Preis wie irgendeine andere Ware. In der Wirtschaftstheorie hält man heute am Warencharakter des Bodens fest, weil der Boden im Kreditwesen eine große Rolle spielt. Das enorme Kreditvolumen, das die neuere Wirtschaft für Investitionen benötigt, wird mit Vorliebe gegen Verpfändung des Bodens gegeben. Der Boden kann als Sicherheit dienen, weil er im Notfall verkauft werden könnte. Im Regelfall bietet aber eigentlich der Erfolg eines Unternehmens die reale Sicherheit, weil doch immer erwartet wird, dass die Unternehmer die Kredite mit Zinsen zurückzahlen werden. Die Hypotheken bieten nur eine Scheinsicherheit, die im Bankgeschäft durch andere Methoden ersetzt werden kann (siehe Seite Kapital und Prodkuktionsmittel).
Auch wenn der Boden keinen Preis hat, hat er doch einen wirtschaftlichen Wert, den man beschreiben kann. Man kann sagen, wofür ein Grundstück geeignet ist und welche wirtschaftlichen Werte darauf erzeugt werden können. Der Boden ist ein Produktionsfaktor, aber kein Produkt (siehe die Ausführungen auf der Seite Arbeit und Einkommen). Er wird wertvoll, wenn etwas damit gemacht wird, wenn er genutzt wird. Erst dann erbringt er eine Bodenrente. Nun stellt sich die Frage, ob man diese Bodenrente in Zahlen ausdrücken kann. Der Gesamtertrag, der auf einem Stück Boden erwirtschaftet werden kann, besteht aus drei Teilen, einem Teil, der aus der Arbeit hervorgeht, einem Teil, der dem Kapital zuzuschreiben ist, und einem Teil, den der Boden selbst hervorbringt, eben der Bodenrente. Nun ist es üblich zu fragen, wie hoch diese Teile sind, wie hoch insbesondere die Bodenrente ist und wo sie erscheint.
Man sagt: Die Arbeitskosten sind durch die Löhne bestimmt, die Kapitalkosten durch den Kapitalmarkt. Diese soll man vom Gesamtertrag abziehen, und als Rest ergibt sich die Bodenrente. Man sagt, sie sei der Gewinn, der auf diesem Boden erwirtschaftet werden kann, und gehöre dem Eigentümer des Bodens. Diese ganze Berechnung verliert aber ihren Sinn, wenn es keine Arbeitskosten gibt, sondern wenn die Mitarbeiter ihr Einkommen durch eine gerechte Gewinnverteilung bekommen. Es ist eine ausgedachte, spekulative Rechnung, die keine realen Vorgänge wiedergibt. Die Bodenrente ist im Gewinn enthalten, und man kann nicht herausrechnen, wie groß sie ist. Die Aufteilung und Verwendung des Gewinns ist ein unabhängiger Akt, für den nicht die Herkunft, sondern der Bedarf maßgeblich ist (siehe Seite Arbeit und Einkommen).
Viele Reformideen, von denen die meisten auf Silvio Gesell (1862 -1930) zurückgehen, wollen die Bodenrente durch eine Nutzungsgebühr abschöpfen, damit sich die Bodenbesitzer nicht privat bereichern können. Die Nutzungsgebühr soll der Allgemeinheit zugute kommen. Es gibt zahlreiche Vorschläge für eine Bodenreform, die sich in Einzelheiten unterscheiden. Es ist aber allen gemeinsam, dass sie den Bodeneigentümern die Bodenrente im Voraus wegnehmen wollen und dass dafür staatliche Gesetze geschaffen werden sollen. Dann muss, wer Boden nutzen will, mit einer Nutzungsabgabe oder Nutzungsgebühr rechnen, ganz ähnlich wie der Pächter mit dem Pachtzins rechnen muss. Damit ist der Preis des Bodens nicht abgeschafft, sondern er wird nur so gut wie möglich abgeschöpft und der Allgemeinheit zugeführt.
Wenn man eine Bodenreform durch Gesetze erzwingen will, ist nichts anderes möglich, denn die Bodenrente kann nicht zum Verschwinden gebracht werden. Sie entsteht immer, und das Gesetz muss sich damit begnügen, sie den privaten Bodennutzern wegzunehmen.