Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/473

La Maison
Das Haus, auf das der Titel anspielt, ist ein Altbau, dessen einstige Pracht trotz der offenkundig mangelnden Instandhaltung erkennbar ist. Das riesige Haus mitten im Wald war ein Thermalkurort, den seinerzeit sogar Casanova und Voltaire besucht haben sollen. Die Quelle wurde verschlossen, und Nestlé, ihr Betreiber, schloss auch das Haus, in dem heute ein alternderMann am Rande der Gesellschaft lebt. Aber er ist nicht allein in diesen Mauern und im Takt der Jahreszeiten gehen verschiedene Gruppen ein und aus, die einen mit ständig neuen Sanierungsvorhaben, die anderen mit einem improvisierten Klavierabend in einer Werkstatt … Mali Aruns Interesse gilt nichtder Beschreibung der Orte und ihrer Funktion, denen sie dennoch eine grosse Bedeutung beimisst und die sie in Fragmenten festhält, jedoch ohne sie komplett zu enthüllen. Was sie beobachtet, ist die Philosophie, die sich an diesem aussergewöhnlichen Ort entfaltet. Eine freie, aus der Zeit herausgelöste Denkweise, die Zuflucht gefunden zu haben scheint – eine lebendige, ohne feste Reihenfolge aufkeimende, vibrierende Denkweise, die die Filmemacherin durch ihre einzigartige Herangehensweise und ihre geschmeidige, fliessende Präsenz einfängt.
Madeline Robert