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Er war immer da. Schaltete man am Wahlsonntag den Fernseher ein, wackelte irgendwo im Hintergrund sein Lockenkopf auf dem behäbigen Körper. Unvergessen sein Victoryzeichen nach der Abwahl Christoph Blochers. Luc Recordon stand; vor ihm sass eine übertölpelte SVP-Fraktion. Zweimal schickten die Grünen Luc Recordon in den Bundesratswahlkampf. Zweimal zog er seine Kandidatur zurück: 2007, um Eveline Widmer-Schlumpf zu unterstützen; ein Jahr später, um Hansjörg Walter zu portieren.
Nun also ist Recordon plötzlich weg, abgewählt im zweiten Ständeratswahlgang in der Waadt. Verdrängt von einem FDP-Kandidaten, der in seiner Partei bloss zweite Wahl war. Und doch hatte sich der Sieg von Olivier Français abgezeichnet: weil er sich einreiht in die derzeitigen Erfolge der FDP. Weil die Grünen auch im Kanton Waadt Stimmen eingebüsst hatten. Und weil die SVP auf einen Sprengkandidaten verzichtete. Die bürgerliche Basis stimmte geschlossen für Olivier Français. Recordon fehlten am Ende 3000 Stimmen.
Recordon gehört zu einem seltenen Typus in Bern: Er geniesst trotz unorthodoxer Positionen weit über die Parteigrenzen hinaus Respekt. Dem Anwalt, der infolge einer genetischen Anomalie ohne Schienbeine und mit verkrümmten Händen auf die Welt kam, wird nachgesagt, er sei ein Bonvivant. Parteikollegen wie Gegnerinnen attestieren ihm ausserdem eine scharfe Intelligenz, Originalität und eine konstruktive Arbeitsweise.
Seine Partei fasste dank Recordon eine Parole, die man von den Grünen nicht erwartet hatte: «Ja zur Präimplantationsdiagnostik». Im Nationalrat hatte Recordon mit der Aussage polarisiert, es sei besser, gar nicht geboren zu werden als so behindert wie er (siehe WOZ Nr. 21/2015). So gradlinig wie diese Aussage war Recordons Reaktion auf seine Abwahl. Er verzichtet auf den Sitz, der ihm im Nationalrat zustehen würde, und tritt ihn stattdessen an die knapp nicht gewählte Grünen-Kopräsidentin Adèle Thorens ab. Als «sechzigjähriger Elefant» müsse er der Jugend Platz machen, schloss er letzten Sonntag vor den Medienkameras. Es ist, immerhin, ein Abschied in Würde.