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und Zusammenhang stand, sie nicht nur an Höhe überragte, sondern auch zu breit war. Man war daher genötigt, auf der Südseite eine Verbreiterung vorzunehmen und im Hofe die Stockwerke zu erhöhen.
Blondel.
Perrault hatte durch die That bewiesen, daß die französische
Kunst der Selbständigkeit fähig sei. Es war ihm
geglückt, die klassische Gesetzmäßigkeit mit einem Hauch des neuen Geistes zu durchdringen, gegen
den er sich als Lehrer so ablehnend verhielt. Er vertrat die Anschauung, daß das willkürliche Walten der Einbildungskraft,
das für die italienischen Barockmeister maßgebend war, der
Kunst verderblich sei. Nicht freie Ungebundenheit, sondern Gesetze
und Regeln seien nötig; den Begriff von Schönheit dürfe nicht jeder Einzelne nach seinem Ermessen
sich bilden, sondern er müsse «festgestellt» sein. Auf sein Andringen,
das auffallenderweise auch Lebrun unterstützte, wurde die bereits erwähnte Akademie der Bau
kunst gegründet, als «Hüterin»
der Gesetzmäßigkeit, an deren Spitze
François Blondel trat, Mathematiker und Artilleriegeneral, welcher dann auch
ein Lehrbuch der Bau
kunst schrieb. In diesem suchte er die Regeln der Schönheit auf mathematische Gesetze zurückzuführen
und in Verhältniszahlen auszudrücken.
Damit trat er in Gegensatz zu Perrault, der zwar auch die Gesetzmäßigkeit verfocht, aber auch eine gewisse Freiheit dem Künstler zugestehen wollte, dem Zeitgeschmacke ent-
^[Abb.: Fig. 639. St. Sulpice.
Paris.] ¶
sprechend neue Verhältnisse zu erfinden. Nicht in der mechanischen Verwertung der aus antiken Bauten herausgerechneten Regeln und Zahlenverhältnisse, sondern in der auf verstandesmäßiger Erkenntnis beruhenden Richtigkeit, beziehungsweise in dem Einklange der Verhältnisse beruhe das Gesetzmäßige der Schönheit.
Nunmehr war die Pariser Künstlerschaft in drei Lager geteilt: die Anhänger Lebruns, mit ihrer malerisch-barocken Auffassung;
jene Perraults, welche die klassische Formensprache der Antike selbständig weiterbilden wollten;
und endlich jene Blondels, welche auf Vitruv, Palladio und die «Zahlen» eingeschworen waren.
Wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, wurde die Mittelpartei erdrückt. Lebrun auf der einen, Blondel auf der andern Seite behielten vorerst die Oberhand.
Die von letzterem aufgeführte Porte St. Denis wurde als Meister- und Musterwerk gepriesen, welches ebenso großartig wie richtig, kraftvoll wie feinlinig sei (Fig. 635). Für sein Ansehen zeugt auch der Umstand, daß er berufen wurde, für das Zeughaus in Berlin den Entwurf zu liefern.
Hardouin-Mansart. Vor der Gefahr, daß diese Gegensätze, bis zum Aeußersten übertrieben, jeder in
seiner Richtung zur Einseitigkeit führen würden, wurde die französische
Kunst jedoch bewahrt durch das Auftreten eines
Meisters, dem es glückte, einen Ausgleich zu finden, die Strenge des Klassischen mit der Freiheit des Barock, die
kunstwissenschaftliche
Auffassung mit dem Walten künstlerischer Einbildungskraft zu versöhnen. Es war dies
^[Abb.: Fig. 640. Pantheon.
Paris.] ¶