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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.
Es waren eilig dahingeschriebe Sätze, mit denen Frédéric-César de Laharpe den Lauf der Geschichte zu ändern versuchte. Am 7. Januar 1800 verschanzte er sich mit zwei Getreuen im Direktorium der Helvetischen Republik. Die Pistole im Halfter, die Feder in der Hand: ein Verlierer, der versuchte, die Spielregeln ein letztes Mal zu verbiegen, um doch noch an der Macht zu bleiben. Es gelang ihm nicht.
Geboren worden war Laharpe 46 Jahre zuvor in Rolle – in der unter Berner Diktat stehenden Waadt. Einem Studium in Tübingen folgten Reisen nach Italien, von dort rief ihn Katharina die Grosse nach Petersburg und macht ihn zum 1783 zum Erzieher ihres Enkels Alexander – des künftigen Zaren. Ausgerechnet Laharpe. Ein Republikaner, der gegen Gewaltherrschaft war, von einer Waadtländer Rebellion gegen Bern träumte und 1789 begeistert war über die Nachrichten von der Französischen Revolution. Zwölf Jahre erzog er den russischen Thronfolger, dann brachte er die Revolution in die Schweiz: Er appellierte an Napoleon Bonaparte und erreichte, dass dieser Frankreich zur Schutzmacht der Waadt erklärte.
Wenig später fielen die Franzosen in der Schweiz ein. Die meisten Orte kapitulierten ohne grössere Gegenwehr. Den ernsthaftesten, aber auch verzweifeltsten Widerstand leisteten die Nidwaldner. Frankreich installierte eine zentrale Regierung und Frédéric-César de Laharpe wurde als einer von fünf Direktoren berufen. Allerdings sind gute Revolutionäre selten gute Regenten. Laharpe wollte eine Offensivallianz mit Frankreich eingehen, regierte autoritär und vor allem komplett an den Sorgen der Leute vorbei. «Unser Getreide ist gegessen, die Tiere geschlachtet, das Futter verzehrt. Kurz: drei Viertel unserer Mitbürger sind in der Misere», stellte Dolder, der Präsident des Direktoriums, fest. «Unser Geld ist weg, unsere Gesetze werden nicht beachtet, die Steuern nicht bezahlt und die Bevölkerung ist ganz einfach unzufrieden.»
Dolder und ein weiterer Direktor traten deshalb zurück und das Parlament setzte Laharpe und die beiden anderen mit deutlicher Mehrheit ab. Die drei verschanzten sich daraufhin im Direktorium, versuchten die französische Armee auf ihre Seite zu ziehen und schrieben eilig Beschlüsse, um sich selbst diktatorische Vollmachten zu geben. Es brachte nichts. Laharpe war gescheitert und das Parlament setzte die Absetzung mit Gewalt durch. Trotzdem dauerte es nochmals drei Jahre, bevor die Schweiz einigermassen zur Ruhe kam.
Der Vaudois hingegen verschwand. 15 Jahre lang lebte er zurückgezogen bei Paris. Dann tauchte er wieder auf – 1815 am Wiener Kongress.
Digital in die Vergangenheit
Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch