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Ein englischer General in Ermatingen
Im Sommer 2006 entdeckte Ernst Mühlemann (1930 - 2009, er war Nationalrat) auf dem katholischen Teil des Ermatinger Friedhofs den Grabstein von General Thomas Lindsay. Der englische General lebte fast 30 Jahre in Ermatingen und wurde auf dem Friedhof Ermatingen vor 160 Jahren beerdigt. Er galt als "väterlicher Freund" des Prinzen Louis Napoleon vom Schloss Arenenberg.
(Bild: KD)
Lindsays Grab besitzt für unsere Region besondere Bedeutung, da es das einzige noch sichtbare Monument von verstorbenen Personen aus dem Umfeld des Schlosses Arenenberg darstellt (Nähere Angaben hierzu von Magrith Pfister-Kübler im Tagblatt, 19. 8. 2008).
Auf Vorschlag von Ernst Mühlemann wurde daher der verwitterte Grabstein sorgfältig restauriert und nunmehr an der nördlichen Aussenwand der Ermatinger Kirche aufgestellt, wo er - mit einer Gedenktafel versehen - für alle Kirchgänger sichtbar, an das Leben des englischen Generals in Ermatingen erinnert. Die Gebeine des Generals ruhen weiterhin auf dem Friedhof Ermatingen.
Unten die Inschrift auf dem Sockel des Grabsteins (Original und Übersetzung, Bild: KD)
Hier ruht
Effingham Thomas Lindsay
General-Leutenant im Dienste Englands
Geboren am 16. Februar 1774 in Dublin,
gestorben am 18. Mai 1848 in Ermatingen
Ehrenwerter Mann, tapferer Soldat, gläubiger Christ. Er hat
gelebt, er hat gekämpft, er ist gestorben im Zeichen des Kreuzes.
Friede seinem Geist, Respekt seinem Andenken.
Wer war General Lindsay?
Lindsay war der Sohn eines englischen Obersten und wurde 1774 in Dublin geboren. Mit 10 Jahren trat er in ein Jesuitenkolleg ein und konvertierte zum katholischen Glauben. Danach stand er im Dienste der englisch-ostIndischen Kompagnle und kämpfte als Soldat mit Auszeichnung in Ost- und Westindien. 1804 verlor Lindsay bei Kämpfen in Delhi ein Bein. 1811 war er Generalstabschef bei der Einnahme der Ile-de- France und Kommandant der Truppen in Port Louis. Er wurde zum General befördert und die Zugehörigkeit zu seinem Regiment behielt er bis an sein Lebensende.
Das Ehepaar Lindsay im Schloss Hard
Der britische General Thomals Effingham Lindsay (1774 - 1848) zog im Jahre 1820 im Alter von 46 Jahren, mit seiner um 23 Jahre jüngeren Gattin nach Ermatingen, kaufte das damalige Schloss Hard und liess es als Alterssitz gründlich restaurieren. Mit der erweiterten Parkanlage, wofür er auch die Durchgangsstrasse nach Märstetten verlegen liess, wurde das noch aus dem 13. Jahrhundert stammende Schloss Hard wieder zum stattlichen Herrensitz, den das Ehepaar Lindsay bis zu seinem Tod 1848 bewohnte.
Die Lindsays waren grosse Musikfreunde und das Schloss Hard war daher oft Schauplatz besonderer Musikabende. Mit den französischen Besitzern der benachbarten Schlösser Arenenberg, Wolfsberg und Louisenberg wurden gute gesellschaftliche Beziehungen gepflegt. General Lindsay galt als "väterlicher Freund" des Prinzen Louis Napoleon. Seine Gattin, Lady Mina Lidsay, soll eine ausserordentlich schöne Kreolin gewesen sein, welche die Aufmerksamkeit aller Gäste auf sich zog, unter denen sich auch der Prinz Louis Napoleon befand.
(Doppelbild oben links: SC, rechts: E)
Das Schloss Hard nach dem Tod von General Lindsay
Kurz nach dem Tod des Generals, im September 1848, verkaufte Lady Lindsay das Schlossgut an den Engländer George Treherne Thomas. Sie starb 1863 im Alter von 66 Jahren.

Später wurde das Schloss Hard zunächst als Parkhotel genutzt und ab 1901 als Heilanstalt für Alkoholkranke unter der Leitung von Dr. Dumeng Bezzola. Dieser trat für die Abstinenzbewegung ein und entwickelte in Ermatingen eine eigene Form der Psychoanalyse. Daneben betätigte er sich als Botaniker und Sprachforscher.
(Ein späteres Bild des Schlosses Hard) (SC)

Nach 1945 diente das Schloss noch als Kurhaus, Pensionat und zuletzt als Gastarbeiter-Unterkunft, bevor es 1982 engültig abgerissen wurde. Damit endete die etwa 800-jährige Gechichte des Schlosses Hard.
(Ein Photo des Schlosses Hard aus dem Jahre 1945) (SC)
Textquellen:
Viele Angaben im Text verdanken wir dem Artikel von Frau Margrith Pfister-Kübler "Der englische General", erschienen im Tagblatt am 19. 8. 2008.
Bildquellen:
KD: Photos von K. Dransfeld vom Grabstein und Gedenktafel am Nordausgang der Ermatinger Kirche
E: Relief aus Gips, präsentiert 2008 von Tobias Engelsing, Photo von Nikolay E. A. Schutzbach
SC: Bilder entnommen aus www.swisscastles/thurgau/hardd.html, nachbearbeitet von K. Dransfeld