Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03436.jsonl.gz/714

Wer sich an seinen lange zurückliegenden Geschichtsunterricht erinnert, weiss vielleicht noch, dass im alten Griechenland Thukydides, ein Stratege und Autor, lebte. Die damalige «Grossmacht» Athen beobachtete mit steigendem Unmut das aufstrebende Sparta. Die Konkurrenz der beiden entlud sich schliesslich im 5. Jahrhundert vor unserer Zeit im langen Peloponnesischen Krieg, der zu Niederlage und Bedeutungsverlust Athens führte (Thukydides berichtete unter dem Titel «Der Peloponnesische Krieg» ausführlich darüber).
Graham T. Allison, Douglas Dillon Professor of Governement an der Harvard Kennedy School, hat mit seinem Buch «Destined for War: Can America and China Escape Thucydides Trap?» (2017) den Begriff «Thukydides-Falle» geprägt und meint damit Entwicklungen, wie sie damals Athen und Sparta betrafen und heute zum Beispiel die USA und China. Das heisst eine dominierende Grossmacht fühlt sich durch einen Aufsteiger konkurrenziert, verdrängt, dann ernsthaft bedroht, was möglicherweise zu einem Krieg führt. (Das vor der Inkraftsetzung stehende neue chinesische Verteidigungsgesetz, unterstützt durch eine massive Aufrüstung, verheisst diesbezüglich nichts Gutes.)
In einem Interview der bedeutenden Tageszeitung der KP Chinas, der «Global Times» vom 13. Dezember dieses Jahres, mit Professor Allison kann man lesen, dass sogar Xi Jinping, der Staatspräsident Chinas, bereits mehrmals unter Hinweis auf die Spannungen und die Gefahr eines Krieges mit den USA von der «Thukydides-Falle» sprach. Deretwegen hat der chinesische Staatsrat und Aussenminister Wang Yi vor wenigen Tagen gefordert, China und die USA müssten auf allen Stufen Verhandlungen aufnehmen und dauerhafte Lösungen suchen, um friedlich zu koexistieren («Global Times»: «Compete and Coexist»). «Thukydides-Falle» dürfte als neuer Begriff im Wörterbuch der Strategie seinen Platz gefunden haben. Schon in der Mai-2019-Ausgabe der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift forderte der Verfasser aus demselben Grund: «Die Welt braucht einen neuen Westfälischen Frieden.» •
Unsere Website verwendet Cookies, damit wir die Page fortlaufend verbessern und Ihnen ein optimiertes Besucher-Erlebnis ermöglichen können. Wenn Sie auf dieser Webseite weiterlesen, erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen zu Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Wenn Sie das Setzen von Cookies z.B. durch Google Analytics unterbinden möchten, können Sie dies mithilfe dieses Browser Add-Ons einrichten.