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Die International Fire Academy empfiehlt, beim Erkunden und beim Suchen & Retten in Tunneln grundsätzlich in Richtung Feuer vorzugehen. Dieser Beitrag erläutert ausführlich, weshalb die Risiken der Einsatzkräfte dadurch erheblich verringert werden können.
Risiko Eindringtiefe
Eines der wichtigsten Elemente der Eigensicherung ist die Rückwegsicherung. Sie ist bei Brandeinsätzen in Tunneln und ähnlichen unterirdischen Verkehrsanlagen besonders wichtig, weil die Eindringtiefen – und damit auch die Rückzugswege – mehrere hundert Meter betragen können.
Die untenstehende Grafik zeigt folgenden Fall: Ein Trupp geht zum Erkunden oder zum Suchen & Retten von Notausgang 2 (N 2) aus in Richtung Feuer vor. Nimmt die Hitze zu, weil sich der Brand intensiviert, kann sich der Trupp Richtung N 2 zurückziehen. Dabei nimmt seine Wärmbelastung mit zunehmender Distanz vom Brandort ab.
Die zweite Grafik zeigt folgende Situation: Der Trupp geht von Notausgang 2 (N 2) aus in Richtung Notausgang 1 (N 1) und damit vom Feuer weg. Das kann gutgehen. Was aber, wenn der Trupp auf seinem Weg zu N 1 auf ein unüberwindbares Hindernis trifft oder N 1 blockiert ist? Dann könnte der Trupp versuchen, sich in Richtung N 2 zurückziehen. Wenn sich der Brand inzwischen aber verstärkt hat, nehmen die Temperaturen auf der Abströmseite zu. Der Trupp würde somit beim Rückzug einer wachsenden Wärmebelastung ausgesetzt, die kritisch hoch werden könnte. Im schlimmsten Fall wäre der Trupp zwischen dem Hindernis bzw. N 1 und der entgegenströmenden Hitze gefangen.
Immer mit Blockaden rechnen
Wie die beiden Grafiken zeigen, ist es deutlich weniger riskant, in Richtung Feuer zu suchen oder zu erkunden. Mit unüberwindbaren Hindernissen ist stets zu rechnen. Das untenstehende Bild zeigt zwei Beispiele aus der Einsatzpraxis. Notausgänge können blockiert sein. Ursache war in diesem Fall ein Verkehrsunfall, durch den die Schiebetür des Notausgangs erheblich beschädigt worden war. Die Schiebetür konnte bis zur Reparatur für einige Zeit nicht geöffnet werden. Beim Brand eines Güterzuges im Simplontunnel am 9. Juni 2011 hatten sich infolge der Hitzeeinwirkungen Stahlrohre von einem Güterwagen gelöst und den Weg unpassierbar gemacht.
Weil Blockaden für die Einsatzkräfte gefährlich sein können, sind sie fester Bestandteil der Übungsszenarien für die praktische Ausbildung der International Fire Academy. In der Übungstunnelanlage Balsthal werden Fahrzeuge zum Beispiel so gestellt, dass sie den Weg versperren und die Übenden dafür eine Lösung finden müssen.
Eindringrichtung präzise kommunizieren
Im täglichen Ausbildungsbetrieb erleben wir immer wieder, dass ein Trupp meint, selbst entscheiden zu müssen, in welche Richtung er eindringen soll. Diese Entscheidung sollte jedoch bei der Einsatz- bzw. Abschnittsleitung liegen und von dieser präzise kommuniziert werden. Von den oben gezeigten Grafiken ausgehend könnte der Auftrag z. B. lauten: «Suchen & Retten von N 1 bis N 2!». In jedem Fall muss der Trupp vor dem Eindringen melden, in welche Richtung er geht. Erstens um den Auftrag rückzubestätigen und somit eventuelle Missverständnisse noch rechtzeitig korrigieren zu können. Zweitens muss die Atemschutzüberwachung wissen, in welchem Abschnitt der Trupp unterwegs ist.
Solche Meldungen sind nur eines von vielen Beispielen für die immens grosse Bedeutung der Kommunikation an der Einsatzstelle. Ob mehrstöckiges Wohnhaus oder grosse Tunnelanlage: Klare Aufträge und präzise Meldungen können überlebenswichtig sein und sollten deshalb regelmässig praktisch geübt werden.