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Im Rennen sahen wir ein hartes Manöver von Webber, der seinen angreifenden Teamkollegen gegen die Boxenmauer drängte. Dennoch kam Vettel vorbei. Darauf folgte der Funkspruch des Teamchefs Christian Horner: «Das war dumm, Sebastian!» Das ergab zuerst keinen klaren Sinn.
Aufklärung gab’s beim Interview auf dem Podest. Webber: «Ich führte, das Team sagte, das Rennen ist gelaufen, Drehzahl runter, Auto ins Ziel bringen. Doch Seb (Vettel) hat heute seine eigenen Entscheidungen getroffen…» Im Klartext: Vettel griff an, obwohl das Team Stillhalten befohlen hatte.
Vettel und Webber: Keine Freunde
Interessant: Auf dem Podest hatte Vettel noch vom Rad-an-Rad-Duell gesprochen, an der Pressekonferenz 10 Minuten später entschuldigte er sich, fand aber, es sei keine Absicht gewesen, im Team-Communiqué streute er dann viel Asche auf sein Haupt und bereute offen, «mit dem Ignorieren der Team-Order den Erfolg gefährdet zu haben.»
Freunde werden Vettel und Webber nie mehr. Zuviel ist schon passiert. In Istanbul 2010 kam es zum Crash, als Vettel den Führenden Webber angriff. In Silverstone 2011 griff Webber Vettel an, obwohl das Team ihn anwies: «Abstand halten!». Beim WM-Finale 2012 in Sao Paulo wiederum war Webber nach dem Start für Vettel mehr Hindernis als Hilfe.
Und weshalb ist Webber «Man of the Race»? Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Dies soll kein Plädoyer für Team-Order sein. Das ist ein anderes Thema. Und schon gar nicht soll Vettel bei nächster Gelegenheit Webber einen Sieg schenken, wie es an der Pressekonferenz gefordert wurde. Das würde Webber selber kaum wollen.
Webber ist mein «Man of the Race», weil er heute einfach eine grossartige Leistung zeigte. Am Start rang er Massa und Hamilton nieder. Als Vettel etwas zu früh auf Slicks wechselte, übernahm Webber die Spitze, und er gab sie nicht mehr her, bis eben Vettel zum Angriff blies. Wie der älteste Fahrer im Feld das Rennen dominierte, war grosse Klasse. Und wie souverän er auf dem Podest zum verbalen Gegenangriff blies, war ebenso stark.
Vier Punkte für Sauber
In seinem ersten Rennen für Sauber bewies Nico Hülkenberg seine Qualitäten. Kampfgeist, Konstanz, keine Fehler. Am Start schnappte er sich die beiden Lotus, im Regen rang er Sutil, Massa und Pérez nieder, doch dann war Ende Regen, und wie erwartet war der Sauber C32 nun weniger konkurrenzfähig. Massa, Grosjean, Räikkönen, alle setzten sich wieder vor Hülkenberg. Sogar Pérez kam nach dem dritten Stopp vorbei, doch drei Runden vor Schluss entschied Hülkenberg das Duell mit seinem Vorgänger bei Sauber doch noch für sich.
Freude über die vier Punkte liess Hülkenberg nicht gross aufkommen: «Wir haben noch viel, viel Arbeit vor uns,» mahnte er am Funk.
Esteban Gutierrez freute sich bis fünf Runden vor Schluss auf den ersten WM-Punkt, da liessen ihn die Reifen im Stich. Die Sauber stoppten wie die Mehrheit viermal. Nur Grosjean und (wieder) Räikkönen, sowie Vergne und Bottas kamen mit drei Stopps durch.
Apropos Räikkönen:
Der Finne fuhr heute zum 19. Mal in Folge in die Punkteränge. Der Rekord von Michael Schumacher (24) ist greifbar nahe. Schumachers Serie (Ungarn 2001 – Malaysia 2003) ist aber weit mehr wert, weil bis zum Ende der Saison 2002 Punkte nur für die ersten sechs vergeben wurden. 2012 hätte Fernando Alonso übrigens Schumachers Serie beinahe egalisiert. Er fuhr 23 Punkteränge in Folge heraus ehe ihn Grosjean in Spa abschoss.