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Nach Abschluss eines zweijährigen Evaluations- und Prüfverfahrens hat der Internationale beratende Ausschuss der UNESCO für das Weltdokumentenerbe «Memory of the World» am 27. Oktober 2017 weitere 78 Bestände zur Aufnahme in das Weltregister empfohlen. Die damalige UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova hat die Empfehlungen genehmigt, womit die Bestände offiziell in das Register aufgenommen wurden.
Die Vorschläge für Neueinträge kamen von Staaten aus der ganzen Welt. Die neuen Bestände widerspiegeln die grosse Vielfalt des dokumentarischen Welterbes in Bezug auf Trägermedien und Inhalte. Zum «Memory of the World» gehören unter anderem die Dokumente zum Unfall von Tschernobyl, die Werke George Orwells und das Manuskript der Sarajevo-Haggada. Die vollständige Liste der 2017 aufgenommenen Bestände kann hier eingesehen werden. Das Weltdokumentenerbe umfasst derzeit (Stand: 2017) 427 Dokumente und Sammlungen aus der ganzen Welt auf unterschiedlichsten Trägermedien, von Stein über Pergament bis zu Tonaufzeichnungen und Zelluloid.
Die Aufnahme in das Weltregister erleichtert die Bewahrung des Dokumentenerbes, unter anderem dank der Möglichkeit, auf das Expertennetz des Programms zurückzugreifen, um Informationen auszutauschen und Ressourcen für die Erhaltung, Digitalisierung und Erschliessung der Bestände zu mobilisieren.
Die Schweizerische UNESCO-Kommission hat beim Nominierungsprozess zwei sehr unterschiedliche Sammlungen unterstützt. Sie freut sich daher besonders, dass beide in das Weltregister aufgenommen wurden. Es handelt sich dabei um die gesammelten Erklärungen der indigenen Völker in der UNO 1982–2015, die vom Dokumentations-, Forschungs- und Informationszentrum für indigene Völker (Docip) in Genf verwaltet werden, und um das Stiftsarchiv und die Stiftsbibliothek St. Gallen.
Erklärungen der indigenen Völker in der UNO 1982–2015, Docip
Das 1978 auf Antrag der indigenen Völker geschaffene Zentrum verwaltet tausende Dokumente, die für UNO-Foren in Genf und New York verfasst wurden. Die Sammlung umfasst aussergewöhnliche Dokumente, welche indigene Völker aus der ganzen Welt im Namen ihrer Gemeinschaften erstellt haben. Sie enthalten juristische, historische und kulturelle Argumente sowie Forderungen zu verschiedenen UNO-Themen, die wichtig für die Weiterentwicklung des Völkerrechts und die Stärkung der Rechte indigener Völker auf innerstaatlicher Ebene sind.
Dokumentarisches Erbe der Abtei St. Gallen im Archiv der Abtei und in der Stiftsbibliothek St. Gallen
Das Stiftsarchiv und die Stiftsbibliothek St. Gallen beherbergen eine einzigartige Sammlung von Dokumenten, die einer seit 1300 Jahren ununterbrochenen Aufbewahrungstradition zu verdanken ist. Das hier aufbewahrte dokumentarische Erbe der ehemaligen Abtei St. Gallen ist einmalig, was Klosterarchive und Bibliotheken anbelangt. Der Stiftsbezirk St. Gallen gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Unseres Wissens ist es das erste Mal, dass die UNESCO sowohl das «Gefäss» als auch den «Inhalt» eines Archivs in das Dokumentenwelterbe aufgenommen hat. Diese Aufnahme bedeutet eine grossartige Anerkennung des entscheidenden Einflusses der 719 gegründeten Abtei St. Gallen bei der Entwicklung der westeuropäischen Zivilisation seit dem Mittelalter.
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