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«Europa masernfrei bis Ende 2015» heisst das gemeinsame Ziel der Mit-gliedstaaten der europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zu der auch die Schweiz gehört. Dazu wurde die nationale Masern-eliminationsstrategie 2011–2015 erarbeitet, die 2011 vom Bundesrat zur nationalen Umsetzung verabschiedet wurde.
Die Masern gelten in einem Land oder einem Kontinent als eliminiert, wenn jährlich noch maximal ein Fall pro Million Einwohner auftritt. Dazu müssen 95% der Bevölkerung immun sein, das heisst, zweimal gegen Masern geimpft sein (oder die Krankheit durchlebt haben). Bei einer Durchimpfung von 95% entsteht eine so genannte Herden-immunität ; die Masernviren können sich nicht mehr verbreiten und verschwinden aus einer Population. Dass dies möglich ist, zeigen mehrere Länder Skandinaviens, Australien sowie ganz Nord- und Südamerika : sie sind heute dank der guten Durchimpfung praktisch masernfrei, wodurch auch diejenigen Menschen geschützt sind, die sich nicht impfen lassen können. Zwar hat in der Schweiz die Durchimpfung in allen Altersklassen stetig zugenommen, aber zurzeit sind erst 86% der Zweijährigen mit 2 Dosen vor den Masern geschützt und es bestehen grosse kantonale Unterschiede. In der Schweiz konnten dank Impfungen bereits die Kinderlähmung (Polio) sowie die Pocken eliminiert werden, bei letzteren gelang dies 1981 sogar weltweit (Eradikation).
Weltweit kommen die Masern heute vor-wiegend noch in Asien, Afrika und einigen Ländern Europas mit einer zu niedrigen Impfrate – wie der Schweiz – vor ; im Jahr 2011 starben etwa 185 000 Menschen, meist Kinder, an Masernkomplikationen. Würde in der Schweiz überhaupt nicht gegen die Krankheit geimpft, käme es jedes Jahr durchschnittlich zu etwa 70 000 Erkrankungen und 20 bis 30 Maserntodes-fällen. Die Schweiz erlebte von 2006 bis 2009 eine Epidemie mit über 4400 gemeldeten Erkrankungen, Hunderten von Hospitalisationen und Kosten von über 15 Millionen Schweizer Franken. 2009 starb in der Schweiz ein zuvor gesundes Mädchen an den Komplikationen der Masern.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Epidemie rief die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) dazu auf, die Elimination der Masern in der Schweiz anzustreben. Zudem forderten 2009 drei parlamentarische Motionen eine nationale Maserneliminationsstrategie. Die Strategie wurde daraufhin in einem breit abgestützten partizipativen Prozess erarbeitet, bei welchem die Kantone mit der GDK und der Vereinigung der Kantonsärzte Schweiz (VKS), die FMH, die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) sowie weitere wichtige Akteure des Gesundheitswesens beteiligt waren.
Das Ziel der nationalen Maserneliminationsstrategie 2011–2015, die Elimination der Krankheit in der Schweiz bis Ende 2015, soll mittels verschiedener Massnahmen auf kantonaler und nationaler Ebene erreicht werden. Die Strategiemassnahmen wurden dabei in 6 Interventions-Achsen gegliedert.
In Achse 1 «Politisches Engagement und Unterstützung aller involvierter Akteure» setzt sich seit 2013 das Komitee «Für eine Schweiz ohne Masern» für die breite politische und kommunikative Abstützung der Masernelimination ein. Dessen 15 Mitglieder sind Persönlichkeiten aus Gesundheit, Konsumentenschutz, UNICEF, Sport und Politik. Ein Ausschuss des Komitees hat schliesslich auch die Aufgabe, die Zielerreichung gemäss den Vorgaben der WHO Europa zu verifizieren. Ausserdem soll die Unterstützung aller Fachpersonen im Gesundheits-, Bildungs- und Erziehungsbereich durch eine angemessene Anerkennung der Leistungen sowie durch eine adäquate Ausbildung und Information gefördert werden.
In Achse 2 soll dauerhaft erreicht werden, dass 95% der zweijährigen Kinder mit zwei Impfdosen vor den Masern geschützt sind. Dies garantiert die nachhaltige Er-reichung der Masernelimination und eine masernfreie Schweiz auch in Zukunft. Die Ärztinnen und Ärzte sollen dazu beitragen, in dem sie die Eltern mit ihren Kindern zum richtigen Zeitpunkt zur Impfung einladen. Kindertagesstätten sollen beim Einschreibung die Eltern informieren und die Impf-ausweise kontrollieren lassen, möglichst mit Unterstützung einer betreuenden Ärztin oder einem Arzt. Auch sollen die Eltern frühzeitig darüber informiert sein, dass im Falle eines Masernausbruchs ungeimpfte Kinder vorübergehend aus der Kita oder Schule ausgeschlossen werden können.
Weiter beinhaltet die Strategie in Achse 3 einen möglichst einfachen Zugang und niederschwellige Angebote zur Nachhol-impfung für die Jahrgänge ab 1964 und jünger. Dank einer Franchisenbefreiung der Masern- und MMR-Nachholimpfung von 2013 bis 2015, müssen über-18-Jährige nur noch den Selbstbehalt bezahlen. Dies betrifft die Konsultation, den Impfstoff und die Impfung. Die Ärzteschaft, sei es in der Klinik oder in der Praxis, spielt bei der Beratung und der Verbesserung der Durch-impfung eine wichtige Rolle, es ist wichtig, schon nur «an Masern zu denken». Möglichst jeder Arzt-Patientenkontakt soll dazu genutzt werden, den Impfstatus zu überprüfen, beispielsweise bei Tetanus-Auffrischimpfungen, gynäkologischen Kontrollen oder reise-medizinischen Beratungen, bei Bedarf die MMR-Nachholimpfung anzubieten, Risiken und Vorteile der Impfung zu besprechen sowie auf Fragen einzugehen.
Um die rechtzeitige Impfung der Kinder zu erleichtern und um Impflücken einfacher zu identifizieren, werden technische Hilfsmittel wie etwa das System Viavac/meineim-pfungen.ch, eine Software für Fachpersonen und die Bevölkerung, zur Verfügung gestellt (www.viavac.ch). Der Impfstatus wird automatisch überprüft, Erinnerungen für die nächste empfohlene Impfung werden automatisch generiert (per e-Mail oder SMS) und das Impfbüchlein kann jederzeit ausgedruckt werden.
Bei der in Achse 4 von Bund und Kantonen entwickelten nationalen Informations-kampagne «Gegen Masern impfen und nichts verpassen» handelt es sich um eine einheitliche Dachkampagne mit unterschied-lichen kantonalen Ausprägungen, um den Gegebenheiten und Bedürfnissen der einzelnen Kantone gerecht zu werden. Jugend-liche und Erwachsene werden ab Oktober 2013 mittels Plakaten, Inseraten, einem Kino- und TV-Spot sowie der Webseite www.stopmasern.ch zum Thema Masern und Masernimpfung sensibilisiert und Nicht-immune zur Nachholimpfung motiviert.
Schliesslich soll in den Achsen 5 und 6 die epidemiologische Überwachung der Masern optimiert und eine national einheitliche Masernausbruchs-Kontrolle sicher-gestellt werden. Dazu hat das BAG in Zusammenarbeit mit den Kantonen und weiteren Akteuren die «Nationalen Richtlinien zur Bekämpfung von Masern und Masernausbrüchen» erarbeitet und veröffentlicht.1 Jeder Masernverdacht (Trias : 1. Fieber, 2. makulopapulöses Exanthem (Abbildung 1), 3. Husten, Rhinitis oder Konjunktivitis) sollte innert 24 Stunden dem kantonsärztlichen Dienst gemeldet und eine Laboruntersuchung veranlasst werden. Nur so haben die Massnahmen zur Ausbruchskontrolle Erfolg. Bei einem Masernfall sind alle nicht-immunen Personen, die während der Anste-ckungsperiode Kontakt zur erkrankten Person hatten, sehr rasch zu identifizieren. Um geschützt zu sein, müssten die nicht-immunen Personen innerhalb von 72 Stunden nach dem ersten Kontakt mit der ansteckenden Person gegen Masern (MMR) geimpft werden. Ist die fristgerechte post-expositionelle Impfung nicht möglich, sollte ein Ausschluss der potenziellen Überträ-ger für die Zeitdauer von 21 Tagen nach Letzt-exposition zum Erkrankten von Gemeinschafts-einrichtungen (Kindertagesstätte, Schule, etc.) erfolgen. Der Entscheid obliegt der Kantonsärztin/dem Kantonsarzt.
▸ Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die kombinierte MMR-Impfung : die erste Dosis im Alter von 12 Monaten, die zweite zwischen 15 und 24 Monaten
▸ Eine Nachholimpfung ist in jedem Alter möglich und wird allen nicht-immunen Personen empfohlen, die 1964 oder später geboren wurden. Ältere Menschen gelten als immun, da sie früher, in der Regel bereits als Kind, die Masern durchmachten
▸ Bei Säuglingen mit erhöhtem Risiko einer Masernerkrankung (Frühgeborene, Besuch einer Krippe) ist die MMR-Impfung ab dem Alter von 9 Monaten empfohlen (der Impfschutz sollte dann im Alter von 12-15 Monaten mit einer zweiten Dosis ver-vollständigt werden)
▸ Bei einer Masernepidemie bzw. bei Exposition kann die MMR-Impfung bereits ab dem Alter von 6 Monaten gegeben werden
▸ Die Impfung ist und bleibt freiwillig