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Im Gegensatz zu herkömmlichen lichthärtenden Kompositmaterialien, die in einzelnen Schichten von ca. 2 mm appliziert werden müssen, um eine ausreichende Materialdurchhärtung zu gewährleisten, lassen sich Bulk-Fill-Komposite (BFKs) in Schicht- stärken von 4 bis 5 mm applizieren und lichtpolyme- risieren. Die erhöhten Durchhärtungstiefen der BFKs werden zum einen durch eine Erhöhung der Transluzenz der Materialien und zum anderen durch den Einsatz optimierter, hochreaktiver Photoinitiatorsysteme erreicht.
BFKs kann man in zwei Gruppen unterteilen: niedrigvisköse, fließfähige und hochvisköse, modellierbare Materialien. Im Unterschied zu modellierbaren müssen fließfähige BFKs mit einer okklusalen 2-mm- Deckfüllung aus einem herkömmlichen Hybridkompositmaterial überschichtet werden, da sie aufgrund ihres geringeren Füllergehalts schlechtere mechanische Eigenschaften aufweisen und weniger abrasions- fest sind. Eine Sonderstellung nimmt SonicFill (Kerr) ein. Dieses hochgefüllte Komposit wird mit Hilfe eines speziellen Handstücks während der Applikation schallaktiviert, um es von einer festen in eine fließ- fähige und damit besser adaptierbare Konsistenz zu überführen. Sobald die Schallaktivierung beendet ist, steigt die Viskosität wieder an, so dass das Material modellierbar wird. Allerdings wurden einige Aspekte dieser vereinfachten Restaurationssequenz in Frage gestellt, z. B. die von Herstellerseite beschrie- bene Effektivität der Polymerisation durch dicke Inkremente. Probleme in dieser Hinsicht können die mechanischen und biokompatiblen Eigenschaften verringern sowie gleichzeitig das Risiko einer postoperativen Empfindlichkeit und eines frühzeitigen Versagens der Versorgung erhöhen.
In der vorliegenden Literaturübersicht sollten wissenschaftliche Erkenntnisse über die Aushärtungstiefe von BFKs und verwandte Faktoren untersucht werden. Die Datenbanken PubMed/Medline, Embase, Scopus und ISI Web of Science wurden nach Beiträgen aus dem Zeitraum von Oktober 2016 bis Mai 2017 durchsucht. In englischer Sprache veröffentlichte Untersuchungen zur Beurteilung der Aushärtungstiefe von BFKs durch Mikrohärteprüfung und/oder Umwandlungsgrad (DC) wurden eingeschlossen. Studien, die ausschließlich ISO 4049 und Proben mit einer Tiefe von weniger als 4 mm ver- wendeten, sowie Arbeiten, die keine Expositionszeit und/oder Bestrahlungsstärke von Lichthärtegeräten angaben, wurden ausgeschlossen.
Insgesamt wurden 742 Studien gefunden, von denen 33 eingeschlossen werden konnten. Von 21 Stu- dien, in denen die Mikrohärte der BFKs bewertet wurde, zeigten 10 für alle getesteten Materialien ein akzeptables Boden-Oberseiten-Verhältnis (≥ 0,8). Materialabhängige Ergebnisse und unbefriedigende Mikrohärteverhältnisse (< 0,8) wurden jedoch in 9 bzw. 2 Untersuchungen beschrieben. Von 19 Studien, die den Umwandlungsgrad bewerteten, zeigten 11 akzeptable Ergebnisse (≥ 50 %) für alle getesteten BFKs, während 8 Studien materialabhängige Ergebnisse beschrieben. Insgesamt reichte die Bestrahlungsstärke der Lichthärtegeräte von 650 bis 1.330 mW/cm2 und die Expositionszeit von 5 bis 60 Sekunden. Der Einsatz von Lichthärtegeräten mit Leistungen ≥ 1.000 mW/cm2 und Belichtungszeiten ≥ 20 Sekunden führte zu günstigen Ergebnissen bei der Aushärtungstiefe.
Schlussfolgerungen: Die Aushärtungstiefe von BFKs hängt von einigen Faktoren wie Material, Bestrahlungsstärke und Expositionszeit ab. Polywave- Lichthärtegeräte waren nützlich, aber nicht un- verzichtbar für die Polymerisation von BFKs mit alternativen Photoinitiatoren. LED-Härtungsgeräte (Polywave oder Monowave) mit einer Bestrahlungsstärke ≥ 1.000 mW/cm2 und 20 Sekunden Bestrahlungszeit sind für eine erfolgreiche Polymerisation der meisten BFKs unerlässlich.Lima RBW, Troconis CCM, Moreno MBP, Murillo- Gómez F, de Goes MF. Depth of cure of bulk fill re- sin composites: A systematic review. J Esthet Restor Dent 2018 Oct 29 [Epub ahead of print]. Randspalten und Sekundärkaries
Sekundärkaries ist definiert als eine kariöse Läsion, die sich angrenzend an einen Restaurationsrand entwickelt. Das Vorhandensein eines kariogenen Bio- films in Verbindung mit einer Diskontinuität/Lücke am Restaurationsrand gilt als entscheidender Faktor für die Entwicklung von Sekundärkariesläsionen.
Das sogenannte Macroleakage ist die am meisten akzeptierteTheorie zur Erklärung der Entstehung von Sekundärkaries. Nach dieser Theorie sollte die Breite, die für die Bildung von Defekten innerhalb des Randspaltes benötigt wird, groß genug sein, um einen kariogenen Biofilm aufzunehmen, der teilweise auf mehr als 225 μm geschätzt wird. Die Macroleakage-Theorie wurde in verschiedenen Studien in Frage gestellt, welche gezeigt haben, dass die Breite des Spaltes, der für die Entwicklung von Sekundärkaries erforderlich ist, durchaus kleiner sein kann, als die Macroleakage-Theorie dies vorschlägt. Selbst Rand- spalten von ca. 15 μm sind in der Lage, Biofilm zu akkumulieren. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Sekundärkaries sich in vitro in sehr kleinen Spalten entwickelte, so dass man eine minimale Spaltgröße für die Läsionsbildung von etwa 30 μm vorschlug. Diese Ergebnisse untergraben die vorherrschende Theorie, aber es sind immer noch ergänzende Validierungen durch klinische In-situ-Studien nötig.
In der vorliegenden klinischen Studie wurde der Einfluss sehr kleiner Spalten bei der Entwicklung einer Sekundärkaries untersucht. 21 Tage lang trugen 15 Freiwillige eine modifizierte okklusale Schiene, in die mit verschiedenen Schnittstellen restaurierte Dentin-Komposit-Proben platziert wurden: verklebt (V = mit einem kompletten Adhäsivverfahren restau- riert), nicht verklebt (NV = mit Komposit ohne Adhäsivverfahren restauriert) sowie 30, 60 und 90 μm (ohne Adhäsivverfahren und mit absichtlich erzeugtem Spalt). Die Schiene wurde 8-mal täglich für 10 Minuten in eine 20%ige Saccharoselösung getaucht. Nach Aufnahme der Proben mittels transversaler wellenlängenunabhängiger Mikroröntgenographie erfolgte eine Berechnung der Läsionstiefe und des Mineralverlustes. Die durchschnittliche Läsionstiefe von jedem Freiwilligen wurde bestimmt, und entsprechend den Werten erfolgte bei den Probanden eine Einteilung in hohe, mittlere und niedrige Kariesaktivitäten.
In den Gruppen V und NV wurden keine Läsionen beobachtet. Im Allgemeinen führten absichtlich erzeugte Spalten unabhängig vom Kariesaktivitätsniveau der Probanden zu einer Läsionstiefenprogression der Sekundärkaries. Bei zwei Freiwilligen konnten keine wesentlichen Läsionen gefunden werden. Ein Trend zu tieferen Läsionen in größeren Spalten wurde für die Gruppe mit hoher Kariesaktivität beobachtet.
Schlussfolgerungen: Unabhängig vom Aktivitätsniveau der Karies des Patienten scheint die Schwellenspaltgröße für die Bildung einer Sekundärkaries höchstens 30 μm zu betragen.MaskeTT, Hollanders ACC, Kuper NK, Bronkhorst EM, Cenci MS, Huysmans MCDNJM. A threshold gap size for in situ secondary caries lesion development. J Dent 2018 Nov 2 [Epub ahead of print].