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Wie «LA SEMEUSE» zum Namen kam
Der Markenname des Meisterrösters aus La Chaux-de-Fonds steht heute für hohe Kaffeequalität. Doch wussten Sie, woher der Name Ihres Lieblingskaffees ursprünglich stammt ?
Marc Bloch (1877-1916) und sein Bruder Nathan betrieben ab 1900 ein Kolonialwarengeschäft in der Rue Neuve in La Chaux-de-Fonds. Wir wollten herausfinden, warum sie dem Öl, das sie dort verkauften, den Namen LA SEMEUSE gaben.
Der Deutsch-Französische Krieg 1870-1871
Ein erster Grund liegt in der Herkunft der Gründer-Brüder. Sie stammten aus dem Elsass, welches Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg von 1870-1871 zusammen mit Lothringen ans Deutsche Reich verlor. Die Familie von Marc Bloch war hin und her gerissen. Sollte sie im Elsass bleiben und die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen? Oder sollte sie auswandern und mit der Vergangenheit brechen? Familie Bloch entschloss sich, in den Neuenburger Jura umzusiedeln. Marc Bloch und sein Bruder Nathan fanden in der boomenden Stadt auf 1000 Metern Höhe die ideale Umgebung für die Gründung eines Unternehmens. Im Jahr 1900 eröffneten sie ein Lebensmittelgeschäft mit Produkten aus den damaligen Kolonien. Sie nannten es «HUILE LA SEMEUSE».
Ursprünglich war der Name LA SEMEUSE nur als Markenname des Erdnussöls gedacht, das in dem Kolonialwarenladen verkauft wurde. Doch für die Brüder Bloch stand die Bezeichnung auch für ihr Heimatland. Denn La Semeuse, die Säerin, ist ein Symbol der französischen Republik.
La Semeuse – die Säerin
Heute ziert die Säerin noch einige französischen Euromünzen. Früher war sie lange Zeit allgegenwärtig auf Franc-Münzen und auf Briefmarken. Geschaffen wurde die Figur 1886 von Louis-Oscar Roty für eine Medaille des Landwirtschaftsministeriums. Die voranschreitende Frau erinnert an Marianne, die heldenhafte Fahnenträgerin auf dem berühmten Gemälde zur Französischen Revolution. Wie diese, trägt sie eine phrygische Mütze.
Marc Bloch hat sich bei der Namensgebung bei diesem französischen Freiheitssymbol bedient. Wobei der Name LA SEMEUSE ursprünglich nur der Markenname des Erdnussöls war, das im Kolonialwarenladen in La Chaux-de-Fonds verkauft wurde..
Frauensache
Forschen wir noch etwas weiter, so zeigen sich weitere Bezüge zur Erdnussölmarke LA SEMEUSE. Denn der Name verweist auf den inzwischen untergegangenen Beruf der Säerin.
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert waren landwirtschaftliche Betriebe in der Regel kleine Familienbetriebe. Die Aufgabe der Aussat auf den gepflügten Feldern war meist Frauensache, da sie keine grosse Körperkraft erforderte. Hilfsmittel standen kaum zur Verfügung und nur langsam eroberten Maschinen die Felder. Es waren also Frauen, die das Land bestellten, ohne ihre Arbeit wäre die Getreideernte ausgeblieben. Das ist bei Erdnüssen für die Ölproduktion nicht anders, weshalb sich der Name LA SEMEUSE anbietet.
In den 1920er Jahren begannen die Nachfolger von Firmengründer Marc Bloch, Kaffee zu rösten. In den 1950er Jahren konzentrierte sich das Unternehmen allein auf diese Aktivität. Die Firmenführung beschloss, dem Kaffee denselben Markennamen zu geben wie zuvor dem Erdnussöl – les cafés La Semeuse waren geboren.