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Umbau statt Abrissbirne
Der Umbau der ehemaligen Molkerei, die in Zukunft von der der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und zwei Departementen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sowie für Wohnungen und Gewerberaum genutzt werden soll (siehe Info-Kasten «Toni-Areal»), begann im Januar 2009. Rechtliche Probleme mit dem Zwischenmieter des «Rohstofflagers», einem Clubbetreiber, führten zu rund eineinhalb Jahren Verzögerung gegenüber der Planung. Erst Mitte September fand im Untergeschoss des Gebäudes die letzte Party statt. «Entsprechend hat das Bauprojekt eine gewisse Verzögerung erfahren», erläutert Iten. «Wir mussten gewisse Rückbauarbeiten zurückstellen, konnten daneben aber im Flachbau einige Baumeisterarbeiten vorziehen.»
Dass die frühere Milchfabrik nicht abgerissen wurde, hat zum einen wirtschaftliche Gründe: Aufgrund der Lage des Gebäudes in einem Grundwasserträger hätte man für einen Neubau in denselben Dimensionen keine Bewilligung erhalten, wie Giuseppe Di Girolamo, der Projektleiter Ausführung, erklärt (siehe «Nachgefragt», Seite 19). Und Laurenz Iten ergänzt: «Ausserdem war die bestehende Statik ausreichend, um die neue Nutzung aufzunehmen. Bei der Bodenplatte im Flachbau müssen, ausser gewissen Massnahmen zur Erdbebenertüchtigung, keine Verstärkungen vorgenommen werden.»
So wurde der stattliche Flachbau der 155 Meter langen und 90 Meter breiten ehemaligen Milchfabrik stehen gelassen. Lediglich die vier Treppenhäuser in den Ecken des Gebäudes wurden abgerissen und neu gebaut. Ausserdem wird das Hauptgebäude aufgestockt und am Ende sieben Geschosse umfassen, dazu einen begehbaren Dachpark. Im Inneren der immensen Fläche wurden fünf Lichthöfe ins Gebäude geschnitten. Aussen enthält der ganze Komplex eine neue Hülle: eine mehrschichtige Haut aus perforierten, räumlich modulierten Metall- und Glaselementen. Diese wird die architektonische Einheit des ganzen Volumens betonen. Das Turmgebäude an der Pfingstweidstrasse stockt man zu einem 22-geschossigen Hochhaus von 75 Metern Höhe auf. Die obersten zehn Geschosse werden die 100 Mietwohnungen beherbergen. Hierbei gibt es sowohl kleinere Etagenwohnungen, als auch grosse Maisonettewohnungen, die sich über die ganze Gebäudetiefe erstrecken.
Im Moment sind die letzten Rückbauarbeiten beim Turmgebäude im Gange, sodass nur zwischen 35 und 40 Arbeitern auf der Baustelle anzutreffen sind. «Zu Spitzenzeiten, wenn der Innenausbau an der Reihe ist, werden es dann aber 200 bis 300 Personen sein», so Laurenz Iten. Bevor es allerdings soweit ist, erfolgt im nächsten Frühjahr oder Sommer zuerst die Aufstockung des Flachbaus. Ab dem Spätsommer, so schätzt Iten, kann man auch damit beginnen, den Wohnturm im Turmgebäude hochzuziehen.
Für die Passagiere der S-Bahn, die vom Viadukt aus den Umbau des Toni-Areals wie von einem Logenplatz aus verfolgen konnten, wird im Spätherbst 2011 die «Show» allmählich zu Ende gehen. «Dann», erläutert Laurenz Iten, «beginnen wir das Gebäude entlang der SBB-Geleise mit der Elementfassade zu schliessen.» (Ben Kron)
Auf dem knapp 25000 Quadratmeter grossen Areal in Zürch West, zwischen der Pfingstweid- und der Förrlibuckstrasse gelegen, stand von 1977 bis 1999 Europas grösste Milchfabrik. Bis zu einer Million Liter Milch täglich wurden hier verarbeitet. Zuvor, von 1924 bis in die 1960er-Jahre, hatte sich auf dem Areal das Stadion Förrlibuck befunden, in welchem die Zürcher Young Fellows ihre Heimspiele absolvierten. 2005 erwarb die Zürcher Kantonalbank die brachliegende Industrieliegenschaft, 2008 schliesslich erfolgte die Eigentumsübertragung der Liegenschaft an Allreal.
Ab Mitte 2013 wird der Gebäudekomplex, der für rund 350 Millionen Franken umgebaut wird, die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und zwei Departemente der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) beherbergen. 5000 Studenten belegen dann ca. 70000 Quadratmeter und damit drei Viertel der Nutzfläche von total 92000 Quadratmetern. Dazu entstehen im Hochhaus 100 Mietwohnungen. Im Erd- und Untergeschoss werden ausserdem 240 Parkplätze geschaffen. Das Gebäude wird nach dem Umbau die Minergie-Standards für Neubauten erfüllen.