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Graphischer Nachlass Marcel Poncet
Der Genfer Künstler Marcel Poncet (1894–1953) war sowohl als Maler wie auch als Glasmaler tätig. Nachdem er neben dem Besuch der Genfer Kunstschule eine Ausbildung als Glasmaler absolviert hatte, begann er seine Glasmaler-Karriere auf einer Baustelle, die für die Erneuerung der schweizerischen und europäischen religiösen Kunst bestimmend war: der Kirche Saint-Paul de Grange-Canal. Bei dieser Gelegenheit begegnete er seinem zukünftigen Schwiegervater Maurice Denis (1870–1943) und Alexandre Cingria (1879–1945), zwei wichtigen Protagonisten der damaligen künstlerischen Zeit. 1919 gründete Marcel Poncet gemeinsam mit Cingria in Genf die Gruppe Saint-Luc, eine Künstler-Vereinigung, der das Wiederaufleben der katholischen sakralen Kunst ein zentrales Anliegen war. Er distanzierte sich jedoch schon seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wieder von ihr. Marcel Poncet ist Autor wichtiger Glasgemälde, die mehrheitlich für Kirchen in der West- und Deutschschweiz bestimmt waren, für die Kathedrale von Lausanne (1922 und 1927), die Kirche St. Josef in Gstaad (1932), die Kirche Saint-Sigismond in Saint-Maurice (1943–1946) oder die Kollegiatskirche in Neuenburg (1950–1951). Marcel Poncet war der Kunstfertigkeit und der traditionellen künstlerischen Technik der mittelalterlichen Glasmaler stark verbunden und realisierte seine Glasfenster von der ersten Skizze an, über die Wahl der Gläser bis hin zum Brand in seiner eigenen Werkstatt. In stilistischer Hinsicht bewies er eine Modernität, die zuweilen schockierend auf seine Zeitgenossen wirkte. Seine Karriere kennzeichnen verschiedene, stilistisch kontrastierende Phasen, die oft mit seinen Entdeckungen und Erfahrungen in der Tafelmalerei in Zusammenhang stehen.
Der graphische Nachlass besteht aus Skizzen, Entwürfen und Kartons und beleget den Schaffensprozess des Künstlers während der Anfertigung eines Glasgemäldes. Der Fonds liefert auch bisher unbekannte Informationen zu nicht realisierten Aufträgen, für die solche Entwurfsarbeiten oft die einzigen Zeugen bleiben. Der Nachlass wurde 1996 von den Nachkommen des Künstlers dem Vitrocentre Romont zur Verwahrung übergeben. Die Kunsthistorikerin Sophie Donche-Gay erstellte ein Vor-Inventar, das seit 2012 von Camille Noverraz wieder aufgenommen und ergänzt wurde und schliesslich in einer Master-Arbeit mündete, die im Herbst 2014 verteidigt wurde. Die Werke wurden digitalisiert, und die damit verbundenen Forschungen sind ebenfalls über die Datenbank vitrosearch publiziert. Seit Ende 2017 sind schon mehr als 600 Werke abrufbar.
Mitarbeiterinnen
Sophie Donche-Gay (Vorinventar 1996)
Camille Noverraz (seit 2012)
Publikationen
Noverraz, C. (2014). Marcel Poncet (1894-1953) : Au coeur de l’oeuvre d’un artiste-verrier. (Mémoire de maîtrise inédit). Université de Lausanne.
Noverraz, C. (2015, September). Autour d’un artiste-verrier de la première moitié du XXe siècle : Marcel Poncet (1894-1953) : à la jonction de la peinture et du vitrail. Poster vorgestellt am 20. Kongress der AIHV, Fribourg - Romont, Suisse.