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Die Bosch Hockenheim Historic findet üblicherweise im April statt. 2021 war das leider nicht möglich, aber einfach absagen war keine Option. Der Veranstalter suchte nach einer Lösung, die mit der Verschiebung auf das letzte Augustwochenende gefunden wurde. Der Event heisst genau Bosch Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival und ist dem am 7. April 1968 auf dem Hockenheimring tödlich verunglückten Jim Clark gewidmet.
Jim Clark
James „Jim“ Clark erblickte am 4. März 1936 in Kilmany Five in Schottland das Licht der Welt. Schon im Alter von 18 Jahren kam er, entgegen dem Wunsch seiner Eltern, erstmals mit dem Motorsport in Kontakt. Regionale Rallyes, Geschicklichkeitsprüfungen und Sprintrennen standen auf dem Programm, bevor er 1956 sein erstes Rundstreckenrennen auf einem DKW 3=6 seines Freundes Ian Scott Watson bestritt. Im Jahr 1958 stellte das Border Reivers Team dem talentierten Jim Clark den ersten richtigen Rennwagen, einen Jaguar D Type, zur Verfügung. Nationale Rennen in Mallory Park, Silverstone sowie ein erstes Internationales Rennen im belgischen Spa-Francorchamps standen an. Im November 1959 kam es bei einem Lotus-Testtag in Brands Hatch zur ersten Begegnung von Jim Clark und Colin Chapman. Clark erhielt die Gelegenheit einen Lotus Formel-1-Rennwagen zu testen. Clark stand also nicht über Nacht im Rampenlicht des Internationalen Rennsports. Bevor er 1960 fest in einem Formel-1-Lotus Platz nehmen durfte, bestritt er bei 54 Veranstaltungen 123 Wettbewerbe. Im Jahre 1960 begann die Erfolgsgeschichte Clark/Chapman. Clark fuhr für das Lotus-Team einen Typ 18 Formel Junior so erfolgreich, dass ihm Colin Chapman bereits im selben Jahr einen Start in der Formel 1 ermöglichte.
2004 fand die Bosch Hockenheim Historic erstmals statt. Der Event bietet packenden Motorsport und viele Rennserien fahren an diesem Wochenende ihre Rennläufe. Dieses Jahr gab es Wettbewerbe in diesen Klassen:
Tourenwagen HTGT um die Dunlop-Trophy
CanAm und Sportscars
Colmore YTCC
HRA Historic Racecar Association
Tourenwagen Classics
VFV GLPPro
Formel Vau Europe
GT-Classics
Dunlop Gentle Drivers ’65
Race Club Germany
Gruppe C Cuper Cup
Da hat es für jeden Geschmack etwas dabei. Weiter gibt es noch die beliebte Serie ‘Kampf der Zwerge’, wo sich ein grosses Rudel Kleinwagen wie Mini Cooper, Fiat 500 und 600, NSU TT usw. heisse Duelle auf der Strecke liefern. Schon seit 1992 gibt es diese Rennserie. In den vergangenen Jahren wurden auch Läufe zur BOSS GP ausgetragen. Diese Big Open Single Seater vermittelten einen Hauch moderner Formel 1 und es gibt viele, die nur wegen dieser Serie an den Hockenheimring reisten. Als kleinen Ersatz konnten dieses Jahr die Demoläufe der ‘Black & Gold Collection’ betrachtet werden.
Diese Sammlung von historischen Rennwagen von ChromeCars feierte an der Bosch Hockenheim Historic Weltpremiere. Charakteristisch ist die schwarze Lackierung mit den goldfarbenen Lettern des damaligen Sponsors und Tabakwarenherstellers JPS – John Player Special. Lotus trat 1972 erstmals mit diesen Sponsorenfarben an und der Brasilianer Emerson Fittipaldi wurde prompt Weltmeister. Da kommen natürlich Erinnerungen hoch an die Siebzigerjahre, als auf vielen Rennwagen für Zigarettenmarken noch Werbung gemacht werden durfte. Ob es deswegen heute weniger Raucher gibt darf bezweifelt werden, aber es gibt noch heute genügend Konzerne, die sich einen Werbeauftritt im Sport Millionen kosten lassen. Die faszinierende Sammlung besteht mittlerweile aus mehreren Fahrzeugen, die an ausgewählten Rennsportevents gezeigt werden. Und das nicht nur in den Boxen, nein, die Rennwagen werden auch auf der Strecke gezeigt. Einer der Piloten ist bekannte Rennfahrer Marco Werner, der seit vielen Jahren in der Schweiz lebt. Marco Werner meint zu seinem Einsatz für die Black & Gold Collection: Diese tollen Boliden fahren zu dürfen, ist ein Privileg. Da hat er sicherlich recht. Marco Werner war gar doppelt privilegiert, denn in Hockenheim durfte er noch mit dem Gebhardt C88 im Gruppe C Supercup an den Start.
Natürlich trifft man in Hockenheim auch immer auf viele Schweizer, denn allzu weit weg ist die Rennstrecke im Schwäbischen ja nicht. Einmal mehr vom Pech verfolgt war Roger Bolliger in seinem Pontiac Trans Am. Schon am Freitagabend im Training. Angeschoben von einem anderen Teilnehmer kam Roger ausgangs der Sachskurve von der Strecke ab, das feuchte Gras geriet zur Rutschbahn. Das Ende war dann der Reifenstapel. Schade, aber ‘that’s racing’. Zwei auffällige Fahrzeuge waren der knallgrüne Dodge Challenger von Beat Gubler und der ebenfalls grüne Cheetah G606, gefahren von Erich Rickenbacher. Dieser in der Schweiz von ‘Chuck’ Graemiger gebaute Rennwagen ist der letztgebaute Cheetah. Einer, der schon seit Jahrzehnten im und für den Motorsport tätig ist, ist Jo Vonlanthen. Seit 1976 nicht mehr aktiv, trifft man den gebürtigen Frauenfelder, der schon lange im Tessin wohnt, auch als Organisator an diversen Anlässen. In Hockenheim sass er am Lenkrad eines G.R.D. Ford Formel 2 von 1975.
Klassische Fahrzeuge auf einer Rennstrecke so zu bewegen, wie es sich gehört, fordert auch materialmässig immer wieder Opfer. Moderne Rennwagen mögen da bezüglich Materialien robuster sein, aber alles hat seine Grenzen. An Fahrzeugen, die schon einige Jahrzehnte aktive Nutzung hinter sich haben, geht leider schneller etwas kaputt. Diese Erfahrung machte auch das Team Pfessdorf. Am flammenspeienden Mercedes 300SL Gullwing, gefahren von Christian Pfessdorf, brach die Kupplung. Der Schaden konnte aber vor Ort behoben werden und der Mercedes war wieder flott. Gerade an Rennen auf einer Rundstrecke gibt es in den Boxen immer Interessantes zu entdecken und man bekommt Einblicke in die Technik der Fahrzeuge, wie hier am Brabham BT 36 des Schweizers Luciano Arnold.
Die Bosch Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival bot wieder einmal feinen und vielseitigen Rennsport auf einer fantastischen Strecke. Durch die Verschiebung auf den Spätsommer muss man nicht wieder ein Jahr auf die nächste Austragung warten, die vom 06. bis 08. Mai 2022 sattfinden wird. Alle Termine und Resultate kann man auf der Website des Veranstalters nachlesen.