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Nächstes Jahr wird in Malaysia ein neues Geschichtsbuch für alle Schulen des Landes herausgegeben. Für den Theatermacher Mark Teh ein guter Anlass für eine neue Theaterproduktion.
Die Zeit sei günstig, sagt er, denn seit der Unabhängigkeit des Landes 1957 – also seit mehr als 60 Jahren – wurde Malaysia von derselben Partei regiert. Bis letztes Jahr die Opposition die Wahlen gewann. «Unsere Geschichtsschreibung ist dementsprechend monolithisch und nur durch eine einzige Perspektive geprägt.»
Besonders gespannt ist Mark Teh darauf, wie im neuen Geschichtsbuch die Zeit des Kalten Krieges dargestellt wird. Diese Zeit direkt vor der Nationalstaatengründung werde in der offiziellen Geschichtsschreibung oft unterbelichtet und ideologisch einseitig dargestellt.
Wo ist die linke Geschichte?
«Im heutigen Malaysia ist es einfach, jemand zu diskreditieren, indem man ihm vorwirft, Kommunist zu sein», sagt Mark Teh. Mit dem Kunstkollektiv «Five Arts Center» in Kuala Lumpur arbeitet er schon seit Jahren an einen «kommunistischen Archiv» der Region.
In seinem neuen Theaterstück «Notional History» bringt er die kommunistische Perspektive auf die Geschichte mit den aktuellen Debatten über das neue Geschichtsbuch zusammen. Der Titel des neuen Theaterstücks «Notional History» ist ein Wortspiel aus «national» und «notional», Letzteres bedeutet «fiktiv».
Künstlerische Strategien
Mark Teh macht dokumentarische Theaterstücke, die die individuellen Geschichten seiner Performer mit der politischen Geschichte der Region verweben. Er zeigt Widersprüche, aber auch Alternativen auf.
Und er ist nicht der einzige Künstler der Region, der sich so intensiv mit der Geschichte von Südostasien beschäftigt. Auch Ho Tzu Nyen aus Singapur interessieren seit vielen Jahren die Auswirkungen der hegemonialen Machtstrukturen in Südostasien.
Südostasien: ein historisches Konstrukt
Schon die Frage: Was ist Südostasien? sei nicht einfach zu beantworten: «Südostasien ist ein historisches Konstrukt», sagt Ho Tzu Nyen. Ein Konstrukt, das die Briten erfunden haben, als sie die Region nach dem Zweiten Weltkrieg zurückerobern wollten.
In seinem multimedialen Langzeitprojekt «The Critical Dictionary of Southeast Asia» sammelt er Filme, Dokumente, Musik und Geschichten in einer stetig wachsenden Datenbank. Aus dieser generiert er seine Arbeiten, die komplex, poetisch und interdisziplinär sind.
Ein dreifacher Agent als Theaterheld
In seiner aktuellen Performancearbeit beschäftigte sich Ho Tzu Nyen mit Lai Teck: Dem Führer der kommunistischen Partei Malaysias Ende der 1930er Jahre, der später enttarnt wurde, sowohl für die Franzosen, die Briten und die Japaner spioniert zu haben. Eine ambivalente Figur mit mehr als 50 Decknamen.
Auf der Bühne wird Lai Teck durch einen übermenschengrossen Roboter dargestellt, der an einem Schreibtisch sitzt und seine (fiktive) Biografie erzählt.
Er sei eine Projektionsfläche für all das, was man in Lai Teck hineinphantasieren kann. «Lai Teck ist ein Teil von Südostasien, so ambivalent und vielschichtig wie die Region und ihre Geschichte selbst.»