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Tagfalter-Index
Tagfalter bevorzugen vorwiegend offene und halboffene Lebensräume und reagieren empfindlich auf Veränderungen ihrer Umgebung. Sie eignen sich hervorragend als Zeigerarten, da sie auffällig und relativ einfach zu erheben sind. Aufgrund ihrer ausgeprägten Empfindlichkeit u.a gegenüber klimatischen Faktoren sind Tagfalter zuverlässige Indikatoren für die Auswirkungen der Klimaerwärmung. Die Beobachtung langfristiger Trends erlaubt Rückschlüsse auf den Einfluss des Klimawandels auf die Verbreitungsgebiete der Arten.
Seit 1990 haben wärmeliebende (thermophile) Arten in der Schweiz stark zugelegt. Die kälteliebenden (psychrophilen) Arten des Hochgebirges, wie zum Beispiel der Gletscherfalter, gehen hingegen zurück. Aufgrund der Klimaerwärmung neigen höhere Temperaturen bevorzugende Arten dazu, ihr Verbreitungsgebiet auszudehnen, während sich Arten, die an niedrige Temperaturen angepasst sind, zurückziehen. Mittelfristig wird diese Entwicklung – also die Verdrängung der alpinen Spezialisten durch weiter verbreitete Arten der tieferen Lagen – zu einer Vereinheitlichung und damit zu einer Verarmung Artengemeinschaften führen.
Im Gegensatz zum Swiss Bird Index, der Veränderungen in den Bestandsgrössen misst, verwendet der Tagfalter-Index die Verbreitung der Arten (Vorkommen bzw. Absenz in einem bestimmten Perimeter). Aus ökologischer Sicht verläuft dieser Prozess viel langsamer. Bereits eine geringfügige Variation des Index deutet daher auf erhebliche Bestandsveränderungen hin.
Die Bewertung des Indikators bezieht sich nur auf die Entwicklung der psychrophilen Arten, da diese am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels bedroht sind.
Die Berechnungsmethode des Index ähnelt jener des «EU Grassland Butterfly Indicator». Die beiden Indices unterscheiden sich aber in der Zahl, Auswahl und Ökologie der berücksichtigten Tagfalterarten und sind deshalb nicht direkt vergleichbar
Der Index basiert auf der kombinierten Auswertung von Daten des Biodiversitätsmonitorings (BDM) und der Datenbank von info fauna. Er bewertet die Veränderung des Verbreitungsgebiets der Arten. Der Durchschnitt der Verbreitungsgebiete der Jahre 2003 bis 2007 lag bei einem Indexwert von 100. Um der Heterogenität der Datenlage Rechnung zu tragen, werden die verschiedenen Datenquellen (z. B. Zählungen im Rahmen der Roten Liste der Tagfalter oder punktuelle Beobachtungen) getrennt betrachtet. Auf diese Weise wird der Tatsache begegnet, dass nicht jede Datenquelle alle Arten gleichermassen abdeckt. Diese Unterschiede werden in der Schätzung zur Entwicklung der Bestandszahlen berücksichtigt. So konnten für 170 der rund 200 in der Schweiz beobachteten Tagfalterarten Trends geschätzt und von Fachpersonen validiert werden. Die ökologischen Präferenzen der Arten wurden der Fauna Indicativa entnommen. Die Trends der kälteliebenden und der wärmeliebenden Arten wurden anschliessend aggregiert. Das Resultat sind die hier dargestellten Kurven.
|Angestrebte Entwicklung||Anfangswert||Endwert||Veränderung in %||Beobachtete Entwicklung||Beurteilung|
|Stabilisierung||Mittel 1990-1992||Mittel 2019-2021||-23.32%||Abnahme||negativ|
|Basis: Kältezeiger|
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