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Es sind eine Menge Stories über die 30 Meter hohe Christusstatue „Cristo Redentor“ – den Christus dem Erlöser – auf dem Corcovado im Umlauf, auch eine Menge Witze – über sein mildes Lächeln, seine ausgebreiteten Arme, seinen Mantel, warum er gerade auf dem Corcovado steht und nicht woanders.
Nun, der Carioca ist bekannt für seinen skurrilen Humor und es gibt sicher kein öffentliches Denkmal, keine moderne Skulptur und kein Gebäude mit aussergewöhnlichem Design in seiner Stadt, das nicht schon von ihm in eine humorvolle Legende eingebunden, zur Witzfigur gemacht oder mit einem treffenden Spitznamen belegt worden ist.
Die portugiesischen Eroberer nannten den Berg „Pináculo (oder „Pico“) da Tentação“ (Berg der Versuchung) – in Anlehnung an einen biblischen Berg. Im 17. Jahrhundert wurde er in „Corcovado“ umbenannt – ein Name, den man von seiner Form ableitete – sie ähnelt einem „Buckligen“.
1824
Dom Pedro I. leitete persönlich die erste Expedition auf den Corcovado und lässt anschliessend einen Fussweg zum Gipfel anlegen.
1859
Anlässlich seines Besuchs in Rio de Janeiro, ist der Lazaristische Pater „Pedro Maria Boss“ dermassen von dem dekorativen Bergmassiv beeindruckt, dass er der Prinzessin Isabel die Errichtung eines religiösen Monuments auf dem Berggipfel ans Herz legt.
1882
Dom Pedro II. beauftragt die Ingenieure „João Texeira Soares“ und „Francisco Pereira Passos“ mit der Konstruktion der Corcovado-Bahn.
1884
Der Bahn-Abschnitt zwischen dem Stadtteil „Cosme Velho“ und der Station „Paineiras“ wird eingeweiht, unter Anwesenheit der kaiserlichen Familie.
1885
Der zweite Abschnitt, zwischen „Paineiras“ und dem Gipfel des Corcovado wird eingeweiht. Damit ist die Gesamtstrecke von 3.800 Metern fertig gestellt.
1910
Die Kompanie „The Rio de Janeiro Tramway, Light and Power“, besser bekannt unter dem Kurznamen „Light“, ist seit 1906 Konzessionär der „Estrada de Ferro do Corcovado“ und wandelt das Bähnchen in die erste elektrische Eisenbahn Brasiliens um.
1921
Die Idee der Errichtung einer riesigen Christus-Statue auf dem Corcovado-Gipfel, kommt erstmals anlässlich der Vorbereitungen zur Einhundert-Jahrfeier der brasilianischen Unabhängigkeit auf, die im folgenden Jahr ansteht. Es findet ein Meeting der ersten Versammlung zur Diskussion des Projekts im Katholischen Zirkel statt. Für das Monument stehen auch zur Wahl: der Zuckerhut und der Santo Antônio-Gipfel – die Mehrheit stimmt für den Corcovado.
1922
Eine Petition, deren Inhalt, unterzeichnet von mehr als 20.000 Namen, welche das Projekt verwirklicht sehen wollen, wird dem Präsidenten Epitácio Pessoa überreicht. Der Grundstein für das Monument wird am 4. April des Jahres 1922 auf dem Corcovado-Gipfel feierlich ausgelegt.
1923
Man ruft zu einem öffentlichen Projekt-Wettbewerb auf – das Gewinner-Projekt ist vom Ingenieur „Heitor da Silva Costa“ eingebracht worden. Im September organisiert man eine „Semana do Monumento“ (Denkmals-Woche), eine überregionale Kampagne, mit der man Geld für die Denkmals-Kasse sammelt.
1926
Die Bauarbeiten werden aufgenommen – der 8 Meter hohe Sockel und fast 30 Meter hohe Corpus der Statue sind innerhalb weniger Monate fertig, aber die Feinarbeiten – das endgültige Design unter der Leitung des bildenden Künstlers „Carlos Oswald“ und vor allem der Kopf, dessen Ausführung dem französischen Bildhauer „Paul Landowski“, in Paris, anvertraut wurde, brauchen ihre Zeit. Er wird dann per Schiff nach Rio transportiert und mit einem komplizierten Elevations-System auf den Körper aufgesetzt. Beinahe fünf Jahre gehen ins Land, bis man soweit ist.
1931
Die Statue des „Cristo Redentor“ (Christus der Erlöser) wird am 12. Oktober eingeweiht. Das Denkmal des Erlöser-Christus ist die grösste Art-Deko Skulptur der Welt!
Die Eröffnungszeremonie glänzt mit so illustren Persönlichkeiten, wie dem „Kardinal Dom Sebastião Leme“, dem Chef der provisorischen Regierung, „Getúlio Vargas“, sowie seinem gesamten Ministerium. Ein italienischer Wissenschaftler, „Guglielmo Marconi“ wird eingeladen, die Beleuchtung des Monuments auf ungewöhnliche Art und Weise in Betrieb zu nehmen – nämlich von seiner Yacht Electra aus, die im Hafen von Neapel vor Anker liegt. Die findigen Spezialisten hatten sich dazu folgendes einfallen lassen: Von der Yacht ausgesandt, würde ein elektrisches Signal von einer Empfangsstation in Dorchester/England aufgefangen und zu einer Antenne in „Jacarepaguá“/Rio de Janeiro weitergeleitet werden, von wo aus dann die Lichter auf dem Corcovado angehen sollten.
Aber, wegen des allgemein schlechten Wetters verliert sich diese Impulsverkettung irgendwo in Grönland und der Christus wird schliesslich direkt aus Rio angestrahlt, was den allen Anwesenden ein befreites „Ah!“ entlockt und dem Gesamteindruck letztlich keinen Abbruch tut – und auch der Christus steht ungerührt.
Dem Kardinal Dom Sebastião Leme hatte das Schauspiel der Eröffnungszeremonie so gut gefallen, dass er die „Ordem Arquidiocesana do Cristo Redentor“ ins Leben rief, eine Gruppe von Chlerikern, die sich von da an um die Administration des Cristo Redentor und um seine Erhaltung und Pflege zu kümmern hatten.
1932
Auf Initiative der Tageszeitung „O GLOBO“ wird die bisher provisorische Beleuchtung des Standbilds durch eine definitive Lichtanlage ersetzt.
1934
Die Regierung überstellt die Administrationsrechte der Corcovado-Gipfelfläche von 477 m² den Chlerikern.
1960
Auf Anordnung des neuen Kardinals und Erzbischofs von Rio de Janeiro, Dom Jaime de Barros, wird die „Ordem Arquidiocesana do Cristo Redentor“ aufgelöst und von der „Mitra Arquiepiscopal do Rio de Janeiro“ ersetzt.
1973
Das Denkmal des Cristo Redentor wird von der nationalen Institution „Instituto do Patrimônio Histórico Nacional“ (IPHAN) unter Denkmalschutz gestellt.
1980
Der Christus wird anlässlich des Papstbesuchs gesäubert – vor allem auch seine inneren Installationen.
1990
Eine Vereinigung von Sponsoren, wie der „Rede Globo de Televisâo“, „Shell do Brasil“, „Mitra Arquiepiscopal do Rio de Janeiro“, „Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e Recursos Naturais Renováveis“ (IBAMA), „Secretaria do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional“ (SPHAN) und der „Prefeitura do Rio de Janeiro“ findet zusammen, um die gesamte Gedenkstätte von Grund auf zu renovieren und technisch zu modernisieren.
2000
Das „Projekt Cristo Redentor“ wird gestartet – mit folgenden Aktionen: Gesamtrenovierung des Monuments mit der Installation eines kathodischen Korrosionsableiters, einer neue Beleuchtung, der Schaffung einer historischen und touristischen Signalisation.
2001
Die „Gerdau S.A.“ schliesst sich dem Projekt an, um sich der Erweiterung des Corcovado-Bahn-Plattform zu widmen, der Verbesserung der Infrastruktur und dem Einbau von Aufzügen, Metall-Laufstegen und Rolltreppen auf dem Corcovado selbst.
2002
In diesem Jahr wurden die wichtigsten Etappen des Projekts ausgeführt und sämtliche Zielvorhaben erreicht.
2003
Am 20. Januar konnten der Corcovado und sein Christus-Standbild, schöner denn je, der Öffentlichkeit wieder übergeben werden.
2007
In Lissabon wurde am 07. Juli im Rahmen einer pompösen Fernsehshow bekannt gegeben, dass die Christusstatue von Rio zu den “New 7 Wonders of the World“ “eines der sieben neuen Weltwunder“ gewählt wurde.
2011
Das Wahrzeichen von Rio de Janeiro – der Cristo Redentor – feierte am 12. Oktober das 80-jährige Jubiläum.
2016
Der Cristo Redentor feierte am 12. Oktober seinen 85. Geburtstag mit Chor, Konzert und Kuchen.
Es wurden drei Panorama-Aufzüge installiert, jeder mit einer Kapazität für 13 Personen und einer Tragkraft von 1 Tonne. Der Zugang liegt an einer günstigen Stelle, sowohl für Besucher, die von den Parkplätzen kommen als auch für jene, die aus der Bahn aussteigen. Der Spass beginnt schon an dieser Stelle, denn der Aufzugturm, von 33 m Höhe, enthüllt einen atemberaubenden Blick auf die Stadt.
Die Auffahrt dauert nicht länger als zirka 20 Sekunden, wobei sowohl die Geschwindigkeit und die Kapazität der Aufzüge so kalkuliert wurden, dass selbst bei Stosszeiten die Wartezeit 6 Minuten nicht überschreitet. Darüber hinaus waren bei der Auswahl des entsprechenden Aufzugmodells die ambientalen Bedingungen und die Energieersparnis massgebende Kriterien. Deshalb fiel die Wahl auf die neu lancierten „Otis“-Modelle Gen2, die aus Frankreich importiert wurden. Sie brauchen kein Maschinenhaus, da die traditionellen Stahlkabel in diesem Modell durch mit Poliuretan ummantelte Gurte ersetzt werden – ein Material, das keine Schmierung benötigt und den elektrischen Verbrauch um zirka 30% verringert.
Um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten, werden die Aufzüge per Monitor überwacht – mögliche Operations-Probleme werden auf dem Bildschirm angezeigt.
Die reelle Kapazität dieser Aufzüge liegt 12 mal höher als in diesem Fall benötigt, und sie machen keinen Lärm – maximal 62 Dezibel – ein Level, das ungefähr einer normalen Unterhaltung entspricht.
Um den Zugang zur Christus-Statue zu vervollständigen, wurden vier Rolltreppen installiert – zwei für den Aufgang und zwei für den Abgang. Sie sind in Deutschland hergestellt und haben eine Länge von 16 Metern und einen Neigungswinkel von 30 Grad, mit einer Geschwindigkeit von 0,5 m/sek. Jedes Paar dieser Treppen überwindet einen Höhenunterschied von 6 Metern und ist durch Laufstege miteinander verbunden, welche die Besucher zum Monument geleiten. Ausser einer lateralen Begrenzung, um Unfälle zu vermeiden, sind die Treppen mit zusätzlichen Sicherheitseinrichtungen versehen, wie zum Beispiel Antirutsch-Aluminium auf den Treppen, die besonders widerstandsfähig gegen wechselnde Temperaturschwankungen sind, wie Gewitter und Winde bis zu 140 km/Std. – häufig in einer Höhe von 700 m – alles in allem garantieren die Treppen totale Sicherheit. Ihre Geräuschentwicklung liegt noch unter der der Aufzüge: 58 Dezibel.
Um nun den Christus nicht seiner Charakteristika zu berauben und das Monument so zu belassen, dass man es wie bisher von allen Seiten ansehen kann, ohne von der neuen Technik behindert zu werden, wurden Untersuchungen zur Minimalisierung des visuellen Impakts mit der neuen Struktur durchgeführt. Danach wurden Aufzüge und Rolltreppen so eingebaut, dass sie die Topografie des Berges ausnutzen und so fast unsichtbar hinter Bäumen, an der Nordwand, ihren Dienst tun. Um sie noch mehr in die Natur zu integrieren, sind alle Einbauten grün gestrichen – mit einer antikorrosiven Farbe – und die Fenster sind aus nicht reflektierendem Material.
Bevor allerdings die schwere technische Struktur eingebaut werden konnte, musste die gesamte Struktur des Felsens auf ihre Festigkeit und Tragfähigkeit neu überprüft werden. In der nächsten Etappe wurden die Basen und Halterungen der Struktur eingebaut, wobei die Arbeiter zum Teil sehr schwierige Situationen und Bedingungen zu überwinden hatten – viele betrieben regelrecht „Rappel“, um zu den entsprechenden Ansatzpunkten zu gelangen.
Anfangs glaubte man, insgesamt 26 Bäume und Büsche entfernen zu müssen, um die neue Struktur einzubauen. Aber im Laufe der Durchführung wurde die Bilanz viel positiver: nur vier Bäume mussten gefällt werden, die nicht einmal native Spezies waren. Darüber hinaus wurde innerhalb des Projekts auch ein Wiederaufforstungsprogramm durchgeführt, welches die lokalen Spezies durch Exemplare des Atlantischen Regenwaldes ergänzte. Mit dem doppelten Vorteil: einerseits die Originalflora zurückzubringen – denn solche Bäume standen ursprünglich mal auf dem Corcovado – und andererseits helfen sie bei der Befestigung der Humusschicht.
Eine ganz grossartige Neuheit wurde, nach der gesamten Reinigung und Befestigung sämtlicher Oberflächenteilchen, innerhalb der Christus-Statue eingebaut: eine „kathodische Protektion“ – dabei handelt es sich um ein Netz aus Titanstahl, das, wenn es elektrisch aufgeladen wird (positive Ladung), alles zerstörerische Salz (negative Ladung) aus der Luft und vor allem aus dem damals für die Konstruktion des Christus verwendeten Mörtels (enthält Sodiumchlorit) anzieht. Auf diese Weise bleibt die Metallstruktur, die den Christus stützt, von Korrosion verschont, da sich das Salz um das Titannetz ansiedelt. Diese Technologie wird im modernen Schiffsbau verwendet – eine amerikanische Firma spendete das Titannetz für den Christus.
Als man damals (1930) mit dem Material für die Verkleidung der Christus-Statue experimentierte, entschied man sich für den Speck- oder Seifenstein – das gleiche Material, was „Aleijadinho“ in Minas Gerais für seine 12 Propheten in „Congonhas do Campo“ benutzt hat. Obwohl dies ein weiches Material sein mag – man kann es mit dem Fingernagel einritzen – ist es doch extrem widerstandsfähig gegen den Zahn der Zeit, weder verformt es sich noch bekommt es Risse durch Temperaturschwankungen!
Nicht einmal ein Stromausfall kann der neuen Beleuchtung des Christus etwas anhaben: Um jedem Fall vorzubeugen, ist das neue System mit einem Generator von 36 KVA ausgestattet, der die Projektor-Einheiten im Stand-by speist und bis zu 50 Stunden durchhält!