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In ihrem poetischen Film über den zerstörten Norden von Jaffa lässt die israelische Filmemacherin Anat Even frühere Bewohner des Stadtteils Manschieh „zurückkehren», arabische aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und jüdische aus den Jahren nach dem Bürgerkrieg. Sie kommen mit ihren Familien zu einem Picknick auf den Rasenflächen, die die Ruinen ihrer Häuser bedecken. Sie streifen umher, atmen die vertraute Seeluft der alten Küstenlinie von Jaffa ein und versuchen, den Ort des Hauses zu lokalisieren, von dem aus sie entweder zur Flucht gezwungen oder von den Behörden und Investoren vertrieben wurden. Der Park dient als Zeugenstand, als Bühne, auf die die Spuren der Erinnerung projiziert werden. Mit ihren Kindern erzählen sie, auf Arabisch oder Hebräisch, die kleinen Geschichten aus einem unterbrochenen Alltag. Ihre Stimmen sind ein lebendiges Zeugnis für das menschliche Gefüge einer einstmals gemischten Nachbarschaft.
Schweizer Premiere von Disappearances, Israel/Frankreich 2017, 75 min, Hebräisch/arabische Originalfassung mit englischen Untertiteln. Nach der Filmvorführung tritt die Filmwissenschaftlerin Jenny Billeter ins Gespräch mit Anat Even.
Anat Even produziert, schreibt und führt Regie bei allen ihren abendfüllenden Filmen. Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit Erinnerung, Identität und Zugehörigkeit und richten einen kritischen Blick auf die israelische Gesellschaft. Anat Even unterrichtet Kino am Academic College Sapir.