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Herr Biemans, was verschlägt einen Österreicher nach Aruba?
Ewald Biemans: Meine Eltern sind in den 60er Jahren nach Südamerika ausgewandert. Sie haben jahrelang in Venezuela gearbeitet und ich bin dann mit 15 Jahren nach Südamerika ausgereist und war zehn Jahre in Venezuela. Ich kam öfters nach Aruba. Die Insel war niedlich und ruhig, das hat mir sehr gefallen. Gearbeitet habe ich in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas. Dort war es natürlich laut und dreckig. Irgendwann bin ich auf Aruba hängengeblieben – das war vor 53 Jahren.
Sie haben dort 1987 das Bucuti & Tara Beach Resort gegründet. Wie kam es dazu?
Das ist eine lange Geschichte. Als ich damals hier ankam, war die Exxon-Raffinerie die grösste der Welt. Das Unternehmen beschäftigte ungefähr 15'000 Angestellte. Doch sie beschloss, sich zu verkleinern – und in Folge dessen wurden rund 10'000 Menschen entlassen. Dadurch gab es in den 60er Jahren eine unwahrscheinliche Arbeitslosigkeit auf der Insel. Die holländische Regierung beschloss, dass sich die Insel auf den Tourismus fokussieren sollte. Das war die einzige Möglichkeit, hier zu überleben. In den 50er Jahren wurde das erste Hotel erbaut, in den 60ern kamen ein paar Kleine hinzu und in den 70er Jahren bauten grosse Ketten ihre Häuser hier. Zu diesem Zeitpunkt fasste ich hier Fuss.
Es war aber immer noch sehr ruhig als Exxon beschloss, die Raffinerie ganz zu schliessen. Es wurden wieder circa 6000 Leute entlassen. Zur gleichen Zeit beschloss die holländische Regierung, dass 200 Millionen Dollar gezahlt würden an jene Menschen, welche im Tourismus durchstarten wollten. Die Regierung hatte Angst, dass die Tausenden Arbeitslosen in die Niederlande ausreisen würden. Ich habe mich entschieden, ein Grundstück zu kaufen und mir etwas aufzubauen mit dem Bucuti & Tara Beach Resort. Die holländische Regierung gab mir 2,5 Millionen Dollar Darlehen und ich baute die ersten 60 Zimmer des Beherbergungsbetriebes. Bis heute ist die Unterkunft durchgehend zu fast 100 Prozent ausgelastet. Wir sind sehr zufrieden und glücklich.
Sie hatten also einfach Glück im Unglück?
Ja, Aruba hat nur eine gewinnbringende Industrie: Den Tourismus. Es gibt sonst nichts: Keine Landwirtschaft oder Fabriken. Und die Regierung wiederum lebt ja auch nur von Steuern – und diese kommen vom Tourismus. Es gab keine andere Möglichkeit für mich. Die Raffinerie sorgte jahrelang für Arbeit, doch plötzlich war sie weg.
Sicherlich gingen die Pandemie und die Auswirkungen der Krise nicht spurlos an Ihnen vorbei. Wie haben Sie mit ihrem Betrieb die Krise erlebt?
Vor der Pandemie bewegte sich die Auslastung immer zwischen 95 bis 97 Prozent. Im März 2020 ging es dann los mit den Problemen. Die Regierung beschloss, die Insel abzuriegeln. Ich konnte mein Hotel aber weiterhin offen lassen – als einziges Hotel auf der Insel. In den Monaten zwischen März bis Juli, bis zur Wiedereröffnung der Insel, beherbergte ich unter anderem Airline-Crews und Regierungsmitglieder aus Holland, die uns beigestanden haben. Als die Insel im Juli 2020 wieder öffnete, stieg die Auslastung wieder auf 50-60 Prozent. Seit Dezember 2020 verzeichnen wir wieder zwischen 80-90 Prozent Auslastung.
Das Resort wurde 2020 als erstes Hotel weltweit mit dem UN Global Climate Action Award ausgezeichnet. Welche Bestrebungen waren notwendig, um diese Auszeichnung zu erhalten?
Wir haben schon vor 30 Jahren angefangen, uns für Nachhaltigkeit zu engagieren. Dies nach der Rio-Konferenz im Jahr 1990. Seitdem interessiere ich mich für den Umweltschutz. Damals wurde Green Globe gegründet, das die Green Globe Environmental Certificates vergibt. Es war das erste Zertifikat, das ich erhalten habe. Nebenbei gab es auch noch das ISO4001 dazu und später in den 2000er Jahren wurden wir Lead-Certified von den USA. Wir sahen schliesslich die Möglichkeit, CO2-neutral zu werden. Die Massnahmen, welche wir jahrelang ergriffen haben, führten dazu, dass wir im Jahr 2018 klimaneutral wurden. Die WTO schrieb einen Preis aus, wir machten mit und gewannen diesen im Jahr 2018. Danach kamen die United Nations auf uns zu und fragten nach Informationen über unsere Massnahmen, welche wir der WTO natürlich gerne zur Verfügung stellten. 2020 erhielten wir dafür oben genannte Auszeichnung von den United Nations. Die Auszeichnung kam also nach jahrzehntelangem Engagement.
«Schon vor 20 Jahren habe ich Plastik komplett abgeschafft aus meinem Hotel. Ausschlaggebend dafür war ein deutscher Tourist, der sich aufregte, dass wir das Bier in Plastikbechern servieren»
Welche konkreten Massnahmen unternehmen Sie denn?
Das sind eine Menge! Grund für unsere Bestrebungen waren teilweise auch die Ölkrisen in verschiedenen Jahren in den 80ern und 90ern. Wir haben dadurch gelernt, wie wir Energie sparen können. Wir produzieren heute etwa 45 Prozent des Stromes durch Sonnen- und Windenergie. Schon vor 20 Jahren habe ich Plastik komplett abgeschafft aus meinem Hotel. Ausschlaggebend dafür war ein deutscher Tourist, der sich aufregte, dass wir das Bier in Plastikbechern servieren. Abfalltrennung und Recycling ist ebenfalls ein grosses Thema, genauso wie die Bestellung der Ware in grossen Behältern. Somit reduzierten wir den Abfall um 68 Prozent. Auf einer kleinen Insel wie Aruba mit 1,8 Millionen Touristen pro Jahr ist das eine gewaltige Reduktion. Wir haben des Weiteren irgendwann von amerikanischen Portionen auf europäische umgestellt. Damit sparen wir etwa 30 Prozent der Lebensmittel. Was trotzdem noch übrig bleibt, geht zu einem Landwirt, der die Reste seiner Tiere verfüttert. Und unser Garten wird komplett mit Abwasser instand gehalten. Wir untersuchen jeden Aspekt und Bereich unseres Betriebes und versuchen, den Umweltschutz mit einzubeziehen.
Können sich Ihre Gäste ebenfalls engagieren?
Ja, wir haben verschiedene Programme. Einmal im Monat laden wir die Touristen ein, den Strand gemeinsam mit unserem Personal zu säubern. Zudem haben wir eine Organisation gegründet, mit welcher wir jährlich bis zu 6000 Katzen und Hunde kostenlos sterilisieren, um die Bevölkerung zu unterstützen, welche sich das nicht leisten kann. Damit haben wir wiederum weniger Streuner.
«Die Leute dachten immer, dass ich spinne»
War es schon immer ihr Ziel, das nachhaltigste Hotel der Welt zu führen?
Nicht seit immer, aber schon seit vielen Jahren. Die Leute dachten immer, dass ich spinne. Aber ich habe gesehen, dass der Tourismus auch Negatives mitbringt. Viele Dinge wie beispielsweise Recycling, kannten die Menschen hier nicht. Die Insel war schmutzig, was auch mit ein Grund war, weshalb ich mir vermehrt Gedanken über den Umweltschutz gemacht habe. Für die europäischen Gäste ist dies nämlich wichtig. Und wenn die Touristen sich jetzt entscheiden hierherzukommen, machen sie umweltfreundliche Ferien ohne schlechtes Gewissen.
Wie würden Sie Ihre Kundschaft beschreiben?
Wir beherbergen vor allem Luxus-Kunden bei uns. Diese Gäste merken oftmals aber gar nicht, dass wir solch grossen Wert auf den Umweltschutz legen. Das einzige was ihnen vielleicht auffällt ist, dass die Klimaanlagen, welche wir lediglich in den Zimmern haben, nicht kälter als 21 Grad gestellt werden können. Der Luxus ist immer noch hier, hinter den Kulissen wird der Verbrauch aber in allen Bereichen so weit wie möglich reduziert. Wir sagen immer: Luxus und Nachhaltigkeit schliessen sich nicht gegenseitig aus. Es passt zusammen. Die meisten Leute sind hoch begeistert. Gerade in den letzten Jahren haben Themen rund um die Klimaerwärmung und –krise dominiert und die Menschen haben daraus auch etwas gelernt. Sie achten von sich aus mehr auf den ökologischen Fussbadruck.
Welche Bedeutung hat der Markt Schweiz für Sie?
Die Schweizer Kunden waren schon immer sehr wichtig für uns. Wir begrüssen sehr viele Wiederhohler aus der Schweiz und freuen uns seit Jahren über eine sehr gute Zusammenarbeit mit grossen Schweizer Reiseveranstaltern.
Welche Zielgruppe möchten Sie konkret ansprechen?
Wir sind auf Honeymooners spezialisiert oder Paare, welche ein Jubiläum feiern und sich etwas Luxus in einem typisch karibischen Hotel und nicht einem riesigen Bunker gönnen wollen. In der Schweiz wird unser Haus als Vier-Sterne-Deluxe-Resort eingestuft. Die Schweizerinnen und Schweizer, welche zu uns kommen, sind meist vermögend und suchen nach einem authentischen Karibik-Erlebnis. Dafür ist Aruba ideal, weil wir nicht im Hurrikan-Gebiet liegen, das ganze Jahr die Sonne scheint, das Essen lecker und das Wasser sogar aus der Leitung trinkbar ist – und das zu einem fairen Preis.
Welche Ausflüge und Angebote haben Sie im Luxussegment zu bieten?
Wir bieten beispielsweise begleitete Touren mit einem Vogelexperten an. Auch Tauch- und Schnorchelausflüge mit dem Boot können wir unseren Gästen organisieren. Romantisch wird es bei einer privaten Bootsfahrt in den Sonnenuntergang. Die meisten unserer Kunden mieten sich jedoch ein Auto und erkunden die Insel auf eigene Faust. Sehr viel gibt es nicht zu sehen – Aruba eignet sich perfekt für ruhesuchende Menschen, die sich nach Erholung sehnen.
Und zum Abschluss, welche kulinarischen Köstlichkeiten bietet Ihr Resort?
Wir sind kein All-Inclusive-Hotel, sondern eher ein Bed & Breakfast. Im Hotel selbst haben wir zwei Restaurants. Zum einen das «Elements» mit internationaler Küche und vegetarischen Optionen, sowie ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Das zweite Restaurant ist das «Chefs Table» wo die Leute vom Küchenchef selbst serviert werden. Er bereitet seine Kreationen vor den Augen der Gäste zu. Der Sommelier empfiehlt den passenden Wein. In der Nachbarschaft gibt es aber auch zahlreiche Restaurants in Gehdistanz, wo sich unsere Gäste verpflegen können. Wir haben auch ein tolles Dining-Programm für Gäste, welche Halbpension buchen. Sie erhalten Voucher von uns, mit welchen sie bis zu zehn Restaurants in der Umgebung besuchen können.