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Rennfahrer, Erfolgsschriftsteller und Tierschützer: Das pralle Leben des 2007 verstorbenen Schweizer Rennfahrers Hans Rüesch schillerte in vielen Farben. Und ganz sicher lassen sich in seinen Romanen viele autobiographische Facetten entdecken. Wie auch im nach ihnen gedrehten Film.
In diesem Jahr hätte Hans Rüesch seinen 105. Geburtstag feiern können. Im Jahr 1913 wurde er als Sohn eines Schweizer Philosophen und Industriellen in Neapel geboren, wohin es seine Eltern aus beruflichen Gründen verschlagen hatte. Schon mit 19 Jahren beendete er das Klausenrennen 1932 auf einem MG als Klassensieger. Aber vor allem die klassischen italienischen Marken reizten seine Motorsport-Leidenschaft.
In den dreissiger Jahren avancierte Rüesch zusammen mit Christian Kautz zum international bekanntesten Schweizer Rennfahrer. Zwischen 1932 und 1953 hat der Maserati-, Alfa Romeo- und Ferrari-Fahrer 91 Rennen bestritten, darunter ein Dutzend sogenannter Grandes Épreuves (heute wären dies WM-Läufe) auf dem Nürburgring, in Monza, auf der Avus, in Tripolis, Pescara und Brünn. Daneben nahm er an zahlreichen Rennen für Voiturettes (1,5-Liter-Rennwagen mit Kompressor) sowie an Bergrennen teil. Die Mille Miglia hat er zweimal und die Targa Florio einmal bestritten. Der am 17. Mai 1913 in Neapel aus reicher Familie geborene Hans Rüesch debütierte 1932 beim Bergrennen am Jaunpass auf einem MG J3 750, aber ab 1933 trat er ausschliesslich auf italienischen Wagen an.
Der Herrenfahrer mit akademischer Bildung startete auf Alfa Romeo 8C 2300 und 6C 1500 sowie auf den von der Scuderia Ferrari übernommenen Alfa Romeo P3 und 8C 34 3,8. Seine Maserati waren der 4CS-1500 sowie die GP-Modelle 8CM-3,0 und 6C 34-3,7. Mit dem 8CM stellte er in Montlhéry einen Weltrekord für den stehenden Kilometer mit 142,152 km/h auf. Unter anderem wurde er 1934 und 1937 Tagessieger beim Bergrennen Rheineck–Walzenhausen–Lachen, 1937 gewann er mit dem Alfa Romeo 8C 35 in Helsinki, Chimay (B) und Montlhéry, wobei er beim GP von Südafrika in East London den vierten und im Grosvenor GP in Kapstadt den fünften Platz belegte. Sein grösster Erfolg war mit dem 8C 35 der GP von Donington 1936, wo er sich am Steuer des 3,8-Liter-Alfa von Richard Seaman ablösen liess. Nach dem Krieg versuchte er 1953 ein Comeback auf einem Ferrari 340 MM mit 4,1-Liter-Motor, wobei er auch an der Vue-des-Alpes an den Start ging; später jedoch setzte ein Unfall seiner Rennfahrerkarriere ein Ende.
Aber Hans Rüesch wurde auch zu einem Erfolgsautor von Romanen. Nach seinem Buch wurde 1955 der Film «The Racer» mit Kirk Douglas in der Hauptrolle gedreht. Ein Welterfolg war sein Roman «Im Lande der langen Schatten» (aus dem Leben der Eskimos, 2,5 Millionen Auflage). Hans Rüesch befasste sich auch intensiv mit der Bekämpfung von Tierversuchen und schrieb auch in diesem Bereich Werke, die sich in Kreisen der Vivisektion als recht unbequem erwiesen. Mit zunehmendem Alter hatte er sich total von der Automobilsportwelt getrennt, er wollte auch nicht Mitglied des «Club des Anciens Pilotes de Grand Prix» werden und lebte in Klosters, Grasse und Lugano. Dort starb er auch am 27. August 2007.