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Brotauswerfen – Geschichte & Hintergrund
Zum Ursprung
Der Brauch lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Es wird angenommen, dass dem Brotauswerfen das Almosengeben zugrunde liegt, welches vor allem im 17. und 18. Jahrhundert dankbar anerkannt wurde, als in mancher Einsiedler Familie nicht gerade Überfluss herrschte.
Weitverbreitet ist die Meinung, dass die Joheen und Mummerien über ihren Verlust hinwegtäuschen wollten und während ihrer Heimkehr Geld sammelten, aus welchem sie dann in der Heimat Brot kauften und an die Armen verteilten, sodass das Volk glauben sollte, die Heimkehrenden hätten noch genug Geld im Sack gehabt. Das Volk kam dieser List allerdings auf die Spur, machte die verlumpten Gesellen aus, neckte und hänselte sie.
Schenkung an den Vorstand des TVE
Brot ausgeworfen wurde schon lange, bevor es den Turnverein gab. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts «veranstaltete ein Kreis befreundeter Herren, unter denen sich Behördenmitglieder und Offiziere befanden, jeweils am Fastnachtsmontag Volksvorstellungen auf öffentlichen Plätzen und sammelten bei wohltätigen Familien Geld für das Brotauswerfen am Fastnachtsdienstag».
Ende des 19. Jahrhunderts bis um die Jahrhundertwende war der Brauch in den Händen der Pfauen-Wirtefamilie Gyr. Pfauenwirt Karl Gyr-Kälin schenkte 1903 die Garderobe und einige Larven dem Vorstand des Turnverein Einsiedeln, mit der Pflicht, diesen altüberlieferten Brauch und die Kostüme auch künftig zu pflegen, was der Vorstand des TVE (ihm allein obliegt der Brauch, die GV hat kein Mitbestimmungsrecht) bis an den heutigen Tag immer noch macht.
An der Fasnacht von 1904 traten die Turner-Mummerien, -Joheen und -Bajazzos erstmals auf. Weiter ist in diesem Jahr auch die Rede davon, dass das überschüssige Geld von den Sammlungen im Dorf an arme Leute zu verteilen sei. Dieser Akt ist in seinem Grundsatz bis heute geblieben, denn jenes Geld, welches nach den Zahlungen und Rückstellungen noch übrigbleibt, wird restlos wohltätigen Einsiedler Institutionen zufliessen. Die Kasse des Turnvereins Einsiedeln sieht davon keinen Rappen. In den Jahren 1926/27 wurden die Bajazzos durch die heutigen Höreli-Bajassen ersetzt.
Von 1940 bis 1949 wurde infolge der Kriegswirren kein Brot ausgeworfen. Von 1945 an wurde jeweils lediglich ein Umzug durchs Dorf veranstaltet.
Grosse Nachfrage
Infolge der grossen Nachfrage kam es immer wieder zu Diskussionen, wer denn nun Brot auswerfen dürfe. Deshalb wurde 1951 erstmals ein Reglement gutgeheissen, welches den Zweck hatte, diesen Diskussionen endgültig den Riegel zu schieben.
Heute gilt folgende die Regel:
- Die Auswerfer müssen 1 Jahr im TVE aufgenommen sein.
- Die Vorstandsmitglieder erhalten den Vorzug.
- Der Oberturner legt im Auftrag des Vorstands fest, welche weiteren Turner auswerfen können, wobei jene mit den wenigsten Turnstunden-Absenzen zu bevorzugen sind und eine gesunde Mischung aus jungen und erfahrenen Turnern anzustreben ist.
Eine Riesenorganisation
Für diesen Brauch, welcher Jahr für Jahr am Fastnachtsdienstag tausende von Schaulustigen in seinen Bann zieht, muss natürlich einiges organisiert werden. Die zwanzig Turner, die am Dienstag jeweils Brot auswerfen und vorgängig die Haussammlungen durchführen, sind bei der Bevölkerung zwar wohl bekannt, aber wer spricht denn schon von jenen Turnern, welche die Bühnen vermännen, aufstellen und wieder abprotzen? Wer weiss davon, dass am Fasnachtsdienstag einige Turner als «Mädchen für Alles» unterwegs sind, welche den Johee nach einem Chalenbruch mit dem so notwendigen Utensil versehen, dem Bajass die Höräli wieder annähen, eine frische Wachslarve hinterhertragen oder die Süüblouterä an den Stecken binden, den ganzen Tross nach einem Auswerfen mit Erfrischungstüchli und gutem Zureden wieder fit für das Nächste machen und während dem Auswerfen immer wieder Mütschli fangen, welche sie dann an die weniger guten Fänger verteilen?
Wer hat schon davon Kenntnis, dass am Fastnachtsdienstag rund 2’000 Kilogramm Brot, was etwa 8’000 Mütschli entspricht, an die Menge verteilt wird, dass die beiden Altersheime mit einer Delegation und das Regionalspital mit dem ganzen Tross besucht wird und jeder Bewohner bzw. Patient ein Mütschli erhält, dass die Kostüme gewaschen, die Krausen gestärkt und das Ganze wieder versorgt werden muss? Wie eingangs erwähnt eine Riesenorganisation, welche der Vorstand des Turnvereins Jahr für Jahr auf sich nimmt um einen der wohl schönsten Bräuche in der Region am Leben zu erhalten.