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David Dreman: «Der Herbst 2010 ist eine sehr gute Zeit zum Einstieg»
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- Montag, 13. September 2010 17:41
Der Contrarian-Guru wartet auf ein zweites Stimulierungsprogramm für die US-Wirtschaft und glaubt an die Chancen der Aktienmärkte.
Herr Dreman, was sagen Sie zu den heutigen Märkten und den hohen Kursschwankungen?
Wenn man in die Börsenhistorie schaut, muss man sagen: Solche Märkte, wie wir sie heute erleben, haben wir noch nie gesehen. Ich denke, diese Finanzkrise ist die Schlimmste in der Menschheitsgeschichte. Der Grund dafür ist, dass vor dieser Krise Fehler begangen wurden, wie sie zuvor noch nie gemacht wurden.
Welche Fehler meinen Sie?
In den USA hatten wir mit Alan Greenspan einen Notenbank-Chef, der vom Grundsatz her ein Laisser-faire-Ökonom war, der sich an den Jahren um 1830 orientierte. Aus mir unbekannten Gründen glauben diese Laisser-faire-Ökonomen, dass diese Zeit eine wundervolle Zeit war. Wenn Sie sich zurückversetzen, war es eine Zeit mit Kinderarbeit und Unterernährung.
Es war eine schreckliche Zeit – ausser für die freie Marktwirtschaft. Für diese war es eine magische Zeit mit absolut keinen Einschränkungen. Und wie Sie wissen, wollen uns etliche Ökonomen wieder in diese Zeit zurückführen.
Im Falle von Greenspan ist es so, dass er ein totaler Anhänger des Laisser-faire-Ansatzes ist, der glaubt, dass der Markt alles von alleine regelt. Deshalb hat er die Regulierung der Märkte gestoppt. Dass eine Krise im Anzug ist, war bekannt. Es gab viele Kommentare von guten Marktbeobachtern wie Morgan Stern oder Paul Krugman.
«Die Krise verschlafen»
Sehen Sie eine realistische Chance, dass die US-Wirtschaft eine zweite Rezession verhindern kann?
Nun, ich hoffe es. Meiner Meinung nach braucht die US-Wirtschaft möglichst rasch ein zweites Stimulus-Paket. Allerdings reicht ein weiteres monetäres Geldpaket nicht aus. Diesbezüglich bin ich von Ben Bernanke nicht sonderlich beeindruckt. Bernanke wie Greenspan haben die Krise völlig verschlafen. Wenn Sie die Zeitachse der Ereignisse anschauen und dann betrachten, was Bernanke unternommen hat, stellen Sie fest, dass er immer extrem langsam reagiert hat. Er hatte schlichtweg keinen Plan.
Hat Bernanke heute einen Plan?
Ich bezweifle es. Ich befürchte, dass er bereits alle seine Pfeile aus dem Köcher verschossen. Doch alleine nur die Zinsen zu senken, reicht nicht aus. Das Problem ist, dass die Menschen weniger konsumieren und mehr sparen. Das erste Rettungsprogramm war ausschliesslich für die Banken mit ihren schlechten Hypotheken und Krediten. Da die Finanzinstitute unterstützt wurden, haben sie es überhaupt nicht eilig die schlechten Papiere loszuwerden.
«Über Nacht nach oben»
Wohin geht die US-Wirtschaft und mit ihr die Börse?
Das hängt von der Regierung ab. Sie sollte möglichst rasch ein zweites Stimuluspaket lancieren. Das erste Paket war nicht gut organisiert. Wir müssen schauen, dass die Menschen mehr in die Hände bekommen. Falls wir ein zweites Stimuluspaket sehen, werden die Märkte über Nacht nach oben drehen.
Doch ich glaube nicht, dass Obama den Mut hat, vor den Wahlen im November ein solches Paket zu lancieren. Somit werden wir wahrscheinlich noch einige Zeit einen sehr schwankenden Markt erleben. Was mir auch Sorge macht, sind die Staatsobligationen. Ich habe gelesen, dass heute mehr Geld in diese Anlageklasse geflossen ist als in die IT-Bubble im Jahr 2000.
Was umso erstaunlicher ist, wenn man sich die tiefen Zinsen vor Augen führt. . .
Ja, richtig. Ich sehe derzeit nicht, wie wir es verhindern können, dass die Teuerung in den kommenden zwei, drei oder vier Jahren enorm steigt. Andererseits brauchen die Staaten Inflation. Es gibt keinen anderen Weg, die Schuldenberge abzubauen.
Seit 2008 wurde bereits sehr viel Neugeld gedruckt. Wieso haben wir nicht bereits heute eine höhere Inflation?
Weil die Banken den grössten Teil dieser Liquidität erhalten haben. Und diese sitzen jetzt auf dem Geld, weil sie es für die Wiederherstellung ihrer Portfolios benötigen.
Erachten Sie als Contrarian die heutige Situation an den Börsen als günstig?
Wenn Sie die historische Entwicklung von Aktien in Zeiten von Inflation betrachten, stellen Sie fest: Aktien haben sich in Zeiten von hoher Inflation immer gut entwickelt. Allerdings nicht in den ersten drei bis sechs Monaten, wenn die Inflation markant steigt; während dieser Zeit fallen die Aktienmärkte.
Ein gutes Beispiel liefert die Zeit der Weimarer Republik in Deutschland. Zu Beginn der Krise der Weimarer Republik gingen die Märkte nach unten. Danach erholten sie sich aber sehr schnell. Dasselbe Muster haben wir auch in Brasilien gesehen und sehen wir jetzt in Argentinien. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir noch nie in der Geschichte mehr Inflation erlebt.
Aktien sind in dieser Zeit deutlich besser gelaufen als Obligationen. Was wir derzeit erleben ist ein temporärer Rückschlag. Gute Aktien werden sich gut entwickeln.
«Zwingend durchziehen»
Ist der Herbst 2010 ein guter Einstiegszeitpunkt für Aktieninvestoren?
Der Herbst 2010 ist ein sehr guter Einstiegszeitpunkt. Doch wer auch immer einsteigt, sollte wissen, dass er gute Nerven brauchen wird und seine Investments zwingend durchziehen muss. Denn wir wissen nicht, wo das Ende des gegenwärtigen Abwärtstrends ist. Dieses könnte noch mehrere Jahre entfernt sein. Aber wenn man ein Haus kauft und weiss, dass es in fünf Jahren den doppelten oder dreifachen Wert haben wird, ist es unwichtig, ob der Hauspreis zwischenzeitlich unter den Kaufpreis fällt.
Man darf einfach nicht den Fehler machen und es während dieser fünf Jahre verkaufen. Gleichzeitig ist es bei Aktien aber kritisch eine generelle Kaufen-und-Halten-Haltung einzunehmen. Doch gegenwärtig kann man es tun, denn die Cashflows von vielen US-Firmen sind deutlich am Steigen.
«Profiteure einer Inflation favorisieren»
Welche Sektoren bevorzugen Sie heute?
Ich muss vorausschicken, dass wir stark von der Inflations-These überzeugt sind. Folglich bevorzugen wir Aktien, deren Firmen von einer starken Inflation profitieren werden. Ich mag Explorations- und Entwicklungsfirmen aus dem Bereich Erdöl und Erdgas. Seit 1980 wird jedes Jahr weniger Erdöl und Erdgas gefunden, als wie die Nachfrage steigt.
Wir erwarten, dass dieser Trend anhält. Somit werden wir deutlich höhere Energiepreise sehen. Deshalb kaufen wir Aktien von amerikanischen Explorern und Entwicklern im Energiebereich.
David Dreman publizierte 1998 den Bestseller «Contrarian Investment Strategies: The Next Generation». Er schreibt seit bald 30 Jahren regelmässig für das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes». Seine Firma Dreman Value Management verwaltet mehr als 4,7 Milliarden Dollar.
Das ganze Interview lesen Sie in der neuesten Ausgabe des «STRATEGIE-Magazin».
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