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Impfgegner überzeugen: Argumente an Intuition anpassen
Ein Team um die US-Forscherin Avnika Amin befragte über 1000 US-amerikanische Eltern von Kindern unter 13 Jahren zu ihren Einstellungen zum Impfen. Dabei zeigte sich, dass 16 Prozent der Befragten die Immunisierung ihrer Kinder gegen verschiedene Krankheiten ganz oder teilweise ablehnen.
Impfungen zu verweigern hat viel mit moralischen Urteilen zu tun. Die sozialpsychologische "Moral Foun- dations Theory" geht davon aus, dass Menschen in der Regel automatische und intuitive moralische Urteile über einen bestimmten Sachverhalt generieren, bevor sie diese rückwirkend mit Argumenten untermauern. Die Basis dieser moralischen Intuitionen besteht aus sechs Bereichen: Fürsorge, Autorität, Loyalität, Freiheit, Reinheit und Fairness.
Die Forschungsgruppe ermittelte, in welchen dieser Bereiche die Eltern, die an der Studie teilnahmen, moralisch zu verorten sind. Dabei zeigte sich, dass insbesondere Reinheit und Freiheit bei impfskeptischen El- tern eine wichtige Rolle spielen. Impfgegner diskreditieren Immunisierungen häufig als Giftcocktail (Reinheit) oder als Zwangsmassnahme einer von Marktinteressen korrumpierten Politik (Freiheit).
Impfkampagnen hingegen fokussierten gewöhnlich eher auf Fragen der Fairness, wie etwa die Senkung des Ansteckungsrisikos in der Gesamtgesellschaft. Diese Botschaft komme bei impfkritischen Eltern nicht an. Eine erfolgreiche Kampagne müsse auf die Intuitionen der Skeptiker ausgerichtet werden, so die Forschenden. Als Argumente dienen könnten, dass die Impfung die natürliche Abwehr gegen Krankheiten stärkt (Reinheit) oder dass Eltern dadurch die Kontrolle über die Gesundheit ihrer Kinder erhalten (Freiheit).
Studie:
Amin, A., Bednarczyk, R., Ray, C., Melchi- ori, K., Graham, J., Huntsinger, J., & Omer, S. (2017). Association of moral values with vaccine hesitancy. Nature Human Behaviour. doi: 10.1038/s41562-017-0256-5