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Nubĭen,
das bis 1882 dem Vicekönig von
Ägypten
[* 2] unterworfene Gebiet von dem
Parallelkreis der Katarakte bei
Assuan
im N. bis zur Savannenebene von Ostsudan im S., also etwa bis zum Breitengrade von
Chartum, und von den
Küsten des
Roten
Meers und den nordwestl. Grenzen
[* 3]
Abessiniens
bis in das
Innere der großen
Libyschen Wüste westlich vom
Nil und jenseit des
Oasenzugs. (S. Karte:
Ägypten.) Von S. nach
Nubien durchströmt der
Nil das Land in einer S-förmigen
Krümmung, deren südl.
Bogen
[* 4] die Bajudasteppe und der nördliche die Nubische Wüste umschlingt.
Durch letztere führt die Karawanenstraße von Korosko nach Abu-Hammed. Das ganze Gebiet ist Wüste mit einzelnen Oasen; nur im S. liegt eine Übergangsform von der Wüste zur tropischen Savanne; das Nilthal selbst ist kulturfähig und hat seßhafte Bewohner, während die andern Nomadenvölker sind. Meistens reicht die Sand- oder Felsenwüste aber bis dicht an den Nil heran, so daß nur ein sehr schmaler Streifen mit Hilfe von Wasserrädern ertragfähig gemacht werden kann; dagegen breitet sich das Thal [* 5] in Dar-Dongola zu einer 220 km langen, fruchtbaren Ebene aus.
Die zahlreichen Inseln sind sehr fruchtbar. Datteln, Gummi, Sennesblätter sind die wichtigsten Produkte. Unter den verschiedenen Stämmen des Landes wird nur das bronzebraune, kräftige Volk als Nubier (in Ägypten als Barabra, s. d.) bezeichnet, die übrigen Stämme sind teils Hamiten, teils Araber. Die Nubä werden zuerst von Eratosthenes als eine große Nation im W. des Nils in der heutigen Bajudasteppe erwähnt; Ptolemäus unterscheidet Nubi in der Libyschen Wüste und Nubä im O. des Nils. Procop berichtet, der Kaiser Diocletianus habe in den letzten Jahren des 3. Jahrh. dem Nomadenstamm der Nobatä, welcher in der Umgegend der Großen Oase (El-Chardscheh) weidete, das Nilthal oberhalb Syene (Assuan) bis sieben Tagereisen weit aufwärts eingeräumt, damit sie Ägypten vor den räuberischen Einfällen der Blemmyer (der Nomadenstämme der Nubischen Wüste, mit den heutigen Bedschas identisch) schützen sollten. Um die Mitte des 5. Jahrh, fielen diese «Nubades» mit den Blemmyern vereint in Oberägypten ein, und in der zweiten Hälfte des 6. Jahrh, haben die Blemmyer das Nilthal von Syene aufwärts bis Primis (Ibrim) inne, während die «Nubadi» unter dem König Silco südlich von ihnen ein großes Reich bis gegen die Insel Meroe (Sennar) und gegen Abessinien hin erobert haben.
Seit dem 6. Jahrh. drang das
Christentum nach jakobitischer
Lehre
[* 6] bei den Nubiern ein. Ihr
Reich ward mächtig und blühend.
Ihr König residierte in der Stadt Donkola (dem jetzigen
Alt-Dongola). Die einzelnen
Provinzen wurden von
besondern
Statthaltern regiert. Vom 7. bis zum 14. Jahrh. blühte das christliche
Nubien; zahlreiche
Kirchen und Klöster wurden im Nilthal, namentlich in der
Provinz
Dongola, gebaut, deren Ruinen noch erhalten sind. Auch die
beiden andern großen Südreiche waren christl.
Staaten und gehörten derselben Sekte wie die kopt.
Kirche
an. In späterer Zeit wird daher der nubische
Name in kirchlicher
Beziehung zuweilen auf alle drei
Reiche ausgedehnt. Seit dem
Anfang des 14. Jahrh. unterlag das nubische
Reich den andringenden
Arabern und zerfiel in eine Reihe von kleinen
Staaten. 1820 wurde
es von Ismail Pascha, einem
Sohne
Mehemed
Alis von
Ägypten, erobert. Seitdem blieb es bei
Ägypten, bis zum
Aufstand des
Mahdi
(s. d.) im J. 1882. – über die Litteratur s.
Ägypten.