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Ob wir nun eine neue Regierung bekommen oder die alte behalten ich erwarte eine Rechtschreibreform der Rechtschreibereform für erneute hundert Millionen Mark, diesmal in Euro, aus dem Fenster zu werfen […].
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Kunert, Günter
Der Leser von Morgen […] würde über viele Wendungen und Formulierungen in den Werken beispielsweise Thomas Manns stolpern, weil er ja etwas anderes in der Schule gelernt hat.
Der leser von übermorgen (nach der abschaffung der substantivgrossschreibung) würde hier nicht mehr stolpern. Wir danken dem besorgten schriftsteller für die beweisführung: 1. Der leser braucht die grosschreibung, um die bedeutung zu erfassen (Morgen = morning, morgen = tomorrow). 2. Es funktioniert nicht; selbst der empfindliche schriftsteller führt uns in die irre. 3. Es macht nichts; man versteht es trotzdem. 4. Der leser braucht keine künstlichen ortografischen krücken.
Mir scheint, die wachsende Neigung, einen Kunstobmann zu installieren, basiert auf der tiefinnerlichen deutschen Sehnsucht, alles und jedes zu regulieren, zu ordnen und zu verwalten. Bisher konnten nur die bundesländlichen Kultusminister in die Kultur hineinpfuschen und sich lächerlich machen: Siehe "Rechtschreibreform". Gemeinsam gebaren die Herren und Damen einen teuren, allzuteuren Homunculus, der wenig lebensfähig ist. Solche Pleite kann man natürlich auch in anderen, übergreifenden Bereichen anzetteln.
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