Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03135.jsonl.gz/2241

Lieutenant James King, Kommandant der Discovery (1779) auf der 3. Reise von James Cook, beschrieb als erster Europäer, wie die Ureinwohner Hawaiis das Surfen ausüben:
«But a diversion the most common is upon the Water, where there is a very great Sea, and surf breaking on the Shore. The Men sometimes 20 or 30 go without the Swell of the Surf, & lay themselves flat upon an oval piece of plan about their Size and breadth, they keep their legs close on top of it, & their Arms are us'd to guide the plank, thye wait the time of the greatest Swell that sets on Shore, & altogether push forward with their Arms to keep on its top, it sends them in with a most astonishing Velocity, & the great art is to guide the plan so as always to keep it in a proper direction on the top of the Swell, & as it alters its direct» (…)[1]
Zusammengefasst auf Deutsch: “ (…) Manchmal gehen 20-30 Männer mit dem Wellengang der Brandung aufs Meer, legen sich flach auf ein ovales Stück Holz ihrer Größe und Breite, lassen ihre Füße direkt darauf und nutzen ihre Arme, um die Holzplanke zu steuern. Sie warten, bis die Brandung am Höchsten ist, und paddeln alle zusammen mit den Armen, um auf der Spitze der Wellen zu bleiben und mit erstaunlicher Geschwindigkeit Richtung Strand zu rauschen (…) ”.
Allerdings ergaben neuere Forschungen, dass der Eintrag über das Surfen nicht auf der Discovery, sondern im Bordbuch der Resolution erfolgte. Allerdings kann es auch sein, dass auf beiden Schiffen Einträge erfolgten.
Das Wellenreiten war zu dieser Zeit ein
Hauptbestandteil der hawaiianischen Kultur. Es war nicht nur Sport und Zeitvertreib, es war auch gesellschaftlicher und religiöser Bestandteil der Polynesier. Es ist anzunehmen, dass das
Wellenreiten ursprünglich auf Tahiti und seinen umliegenden Inseln entstand und sich dann mit der Wanderung der Polynesier gegen Osten auf Hawaii ausbreitete. Hawaii war und ist aufgrund seiner
Meeresströmungen bzw. den dort entstehenden Wellen prädestiniert für den Surfsport. Die Gesellschaftsinseln, zu denen Tahiti gehört, weisen häufig Riffe auf, so dass das Surfen nur bedingt
ausgeübt werden konnte.
Als Captain Cook 1779 auf seiner 3. Weltreise mit der Discovery und Resolution auf Hawaii ankam, konnte er feststellen, dass die Hawaiianer diesem eine grosse Bedeutung schenkten. Je nach Rang durfte man spezielle Boards und spezielle Orte (Reefs) benützen. Die Surfer wurden von den Einwohnern verehrt und die Wettkämpfe wurden mit grosser Anteilnahme verfolgt. Das Surfen der Ureinwohner war auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung.
Über die Entstehung des Surfens gibt es verschiedene, unbewiesene Theorien. Eine davon besagt, dass die Geschichte des Surfens westlich der peruanischen Küstenstadt Trujillo begann[2]. Fischer sollen Binsenboote, die ähnlich wie Surfbretter aussahen, der Küste entlang als Pontons benutzt haben.
Die heute mehr oder weniger bestätigte Theorie besagt, dass das Surfen in Polynesien bzw. eben Tahiti entstand [3]. Wie auch immer, ist es glaubhaft, dass das Surfen im Pazifischen Raum entstand und dort durch das über das Meer wanderte Volk der Polynesier verbreitet wurde. Der Pazifische Raum ist auch der Raum, im welchem sich das Surfen in neuerer Zeit manifestierte und erst viel später nach Europa überschwappte.
Nach der Entdeckung Hawaiis durch die Europäer kam es auf den Inseln zum Niedergang des Surfens. 1819 landeten calvinistische Missionare auf den Inseln, um die «Wilden» zu zivilisieren und, wie man so schön sagt, zu retten.
Kopf der Siedler war Hiram Bingham, der Grossvater des später berühmt gewordenen Archäologen Hiram Bingham III, der Machu Picchu entdeckte. Bingham schrieb: (…), dass sie plötzlich von einer Meute von Menschen jeden Alters, Geschlecht und Ranges umringt waren und zwar schwimmend, auf Surfbretter treibend oder in Kanus fahrend.[4]
Natürlich fanden die calvinistischen Missionare den Surfsport als unchristlich und nutzlos und verboten diesen. Die Hawaiianische Bevölkerung ging den Weg aller durch die Europäer «beglückten» Heiden, sie starben an den eingeführten Krankheiten, verfielen dem Alkohol und starben viel und früh. Der Surfsport aber lebte im geheimen weiter und starb nie ganz aus.
Jack London, der berühmte Schriftsteller kam 1907 mit seinem Boot «Snark» nach Hawaii und sah zum ersten Mal am Strand von Waikiki die Ausübung des Surfsports. Er war schon damals ein weltbekannter Mann und Abenteuer-Schriftsteller. So war es nicht verwunderlich, dass er diesen Sport unbedingt ausprobieren wollte. Bei Einheimischen nahm er Unterricht und versuchte sich in den Wellen Hawaiis als Surfer. In einem langen Essay «A Royal Sport»[5] schrieb er: That is what it is, a royal sport for the natural kings of earth (…). Er machte den Surfsport weltweit bekannt.
Der Surfsport auf Hawaii blühte auf und 1908 wurde der 1. Surferverband der Welt gegründet, der «Outrigger Canoe and Surfboard Club», welcher von Alexander Hume Ford gegründet wurde.
Bald verbreitete sich der Sport von Hawaii aus nach Kalifornien, wo er sich von Los Angeles an der gesamten Küste etablierte.
Der Waikiki Beach aber blieb der Strand, wo der Surfsport sein Herz hatte. Vor allem wurde der Sport durch Duke Kahanamoku, den Patriarchen, verkörpert. Er gründete 1911 den Surf- und Kanuklub Hui Nalu, der im Gegensatz zum Outrigger Canoe and Surfboard Club nur wirklichen Surfern offenstand, die den Sport auch ausübten. Duke Kahanamoku machte den Surfsport äusserst populär.
1935 gab es eine Revolution im Brettbau: Tom Blake erfand die Finne, welche das Surfbrett stabilisierte und Kurvenfahrten ermöglichte. Auch wurden Bretter in verschiedenen Grössen und Gewichten hergestellt, die je nach Wellengang eingesetzt werden konnten. Jedoch wurden in den 1930-iger Jahren immer noch weniger als rund 5'000 weltweit aktive Surfsportler gezählt.
Ein Geschäft mit diesem Sport wurde damals nicht gemacht, er blieb ein Sport für Individualisten. Während des 2. Weltkrieges kam der Sport beinahe zum Erliegen, u.a. auch, weil die Materialien durch Ausbruch des Krieges für die Herstellung der Surfbretter fehlten.
1946 entwickelte Bob Simmons ein schaumstoffgefülltes Board mit Balsaholz Einlagen und einem Deck aus Sperrholz. Einige Jahre später erfand Pete Peterson das Fiberglasboard, welches nur noch 12 kg wog. Fiberglas wurde während des 2. Weltkrieges in Zusammenhang mit militärischen Entwicklungen erfunden. 1958 wurden dann Boards vollkommen aus Schaumstoff und Fiberglas hergestellt und der Markt wurde revolutioniert. Die Boards wurden schneller und leichter und konnten auch von nicht so geübten Surfern gefahren werden.
Zu dieser Zeit entstand auch die Surfmode. Erste Manufakturen produzierten die typischen Hawaii-Hemden und die dazugehörenden Hosen, die reissenden Absatz fanden.
Gleichzeitigt entwickelte Jack O’Neill den ersten Neoprenanzug, welcher Schutz vor dem kalten Wasser gab. Nun begann sich auch Hollywood an dem Sport zu interessieren. Der erste Film, der Surfen zum Thema hatte «Gidget» kam 1959 in die Kinos.
Ein Meilenstein in der Entwicklung des Surfens war Ende der 60er Jahre die Erfindung des «Shortboards» durch die Australier McTavish und George Greenough. Diese Bretter waren nur noch 7’ – 9’ lang, aber etwas breiter und äusserst wendig.
Zum ersten Mal war es möglich am Fuss der Welle eine Wendung zu vollziehen und wieder wandaufwärts zu gleiten. Eine Sensation, die in die Surfgeschichte einging. Mit den kürzeren Boards entstand ein vollkommen neuer Surfstil. Es wurde nicht mehr auf den Longboards umhergewandert, um es zu steuern, sondern das Brett wurde von einem fixen Standpunkt aus durch Gewichtsverlagerung bewegt. Wie Drew Kampion es ausdrückte: Surfen wurde mit anderen Worten vom Brettreiten zum Wellenreiten [6].
1970 erfand Pat O’Neill, Sohn von Jack O’Neill die «Leash», d.h. die Sicherungsschnur, die das Brett mit dem Knöchel des Surfers verband. Damit musste der Surfer nicht mehr seinem Brett mühsam nachschwimmen und die Gefahr von alleine durch die Wellen treibenden Brettern wurde gebannt.
Die Surfer konnten nun auch in Gebieten surfen, wo es vorher nicht möglich gewesen war. Die Entwicklung des Shortboards und der Leash gab dem Surfsport einen unglaublichen Impuls, der noch nie da gewesen war.
Der Surfsport wurde in den 70er- und 80er Jahren professionalisiert und die Vermarktung explodierte.
Firmen, wie RipCurl und Billabong, Quicksilver und wie sie alle heissen entstanden und entwickelten sich sehr rasch zu Konzernen, die Millionen Dollars umsetzten und sämtliche Produkte im Umfeld des Surfens anboten.
Neben dem reinen Surfen wurden Unterarten, wie das Windsurfing, das Skateboarden und natürlich in der Schweiz bestens bekannt, das Snowboarden erfunden. Grundsätzlich gingen diese Sportarten alle aus dem Surfen hervor. Zig Publikationen, Filme und Bücher verbreiteten die Aura des Surfens bzw. des Surflebensstiles.
Die Profi-Surfer konnten plötzlich von ihrem Beruf leben: Preisgelder und Werbeinnahmen explodierten, so dass sie sich nur noch ihrem Sport widmen konnten. Weltweit surfen heute vielleicht rund 20 Millionen Menschen und die Surfindustrie erzielt Umsätze von etwa 10 Milliarden USD. Dennoch hat sich bei diesem Sport eine gewisse Individualität und Romantik erhalten. Er ist naturverbunden und häufig sind Surfer auch sehr umweltbewusste Menschen. Es ist auch wichtig als Surfer die Umwelt zu beachten und sie zu schonen, denn die Natur ermöglicht die Ausübung dieses Sports, der in seiner Urform nur eine Welle, einen Menschen und ein Brett benötigt; sonst gar nichts.
[1] vgl. Aus dem Tagebuch 3. Weltreise von James Cook, http://www.captaincooksociety.com/home/the-journals
[2] vgl. Jim Heimann, Surfing, Taschen, Seite 6
[3] vgl. Jim Heimann, Surfing, Taschen, Seite 6
[4] vgl. Jim Heimann, Surfing, Taschen, Seite 8
[5] vgl. Jack London, A Royal Sport, 1907 und 1911
[6] vgl. Drew Kampion in Surfing, von Jim Heimann, Seite 37