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Redewendungen S1b
Redewendungen, S1b
Bis zum Umfallen haben wir uns in den letzten Wochen Redewendungen in die Birne gekloppt. Zunächst standen wir zwar etwas auf der Leitung, war ja alles Neuland. Das sind doch alte Zöpfe, diese Redewendungen! Da kämen wir nie auf einen grünen Zweig, dachten wir.
Und doch konnten wir uns einiges hinter die Ohren schreiben. Zum Schluss haben wir diese Redewendungen einfach aus dem Ärmel geschüttelt. Mehr noch, wir waren sogar imstande, uns Geschichten zu deren Entstehung aus den Fingern zu saugen.
Aber reden wir nicht mehr um den heissen Brei herum. Hier sind vier unserer frei erfundenen Entstehungsgeschichten:
Jemandem einen Bären aufbinden
Es war im Jahr 1464. In einem kleinen Dorf in Schweden lebte ein Mann, der von sich behauptete, er wäre der Stärkste der Starken. Naja, das war er nicht wirklich.
Er war nur ein armer Fischer, der sich nach einem Abenteuer sehnte.
Am 19. Mai 1464 war der König von Norwegen unterwegs in Schweden, um dort neue Krieger für sein Reich zu kaufen. Zufälligerweise ritt der König auch durch das kleine Dörfchen, in dem jener Mann lebte. Als der Fischer davon erfuhr, rannte er sofort zum König und bat ihn um eine Stelle in seinem Heer. Der König schaute ihn an und dachte sich: «Ich will ihn nicht ihn meinem Heer, er stinkt, ist klein und arm. Aber wieso keinen Spass haben?»
Er sagte dem Mann er solle einen Bären töten, ihn sich auf den Rücken binden und dreimal um das Dorf laufen, wenn er das schaffte, würde er ins Heer aufgenommen werden. Erstaunlicherweise schaffte es der Fischer. Doch als er samt dem Bären zurück ins Dorf kam, war der König weg.
«Jemandem einen Bären aufbinden» sagt man seither, wenn man angelogen wurde. Du hast mir einen Bären aufgebunden.
Nils Aron Hofmann
Jemandem Sand in die Augen streuen
Das Überwachungssystem von den heutigen Läden ist sehr ordentlich. Der Käufer geht in den Laden, wählt jene Produkte aus, welche er besitzen möchte und bringt sie an die Kasse. Falls dies nicht so ist und ein nicht bezahlter Gegenstand den Laden verlässt, geht der Alarm los und wenn der Dieb die Flucht ergreifen will, hat die Kamera ihn schon erfasst.
Früher war das leider nicht so einfach, denn im alten Ägypten gab es noch keine Kameras, Alarme oder Sicherheitssysteme. Die damaligen Händler hatten es also sehr schwer. Sie mussten in der heißen Sonne alleine an ihrem Verkaufsstand stehen und hoffen, Geld zum Überleben zu verdienen. Meistens kamen nicht sehr viele Kunden, weshalb jeder Käufer zählte. Doch darunter gab es auch Diebe. Diese gaben sich meist als Kunden aus, die viele Waren für hohe Summen erwerben wollten. Die Verkäufer waren bei den hohen Beträgen dann so überrascht, außer Fassung und abgelenkt, dass es die Betrüger nicht schwer hatten. Ihre Taschen waren nämlich voller Sand und während die Verkäufer abgelenkt waren, dauerte es weniger als drei Sekunden, um den Sand rauszuholen und den armen Händlern in die Augen zu schmeißen.
In einem Wagenschlag stahlen sie anschließend die am wertvollsten aussehenden Gegenstände, Geld und Schmuck und waren in null Komma nichts verschwunden.
Die Verkäufer waren mit schmerzenden Augen außer Gefecht gesetzt, da es selten war, dass sie den Sand direkt auswaschen konnten. Sie wurden irregeführt und meist verarmten sie danach.
Durch diese Ungerechtigkeit damals sagt man bis heute noch «jemandem Sand in die Augen streuen», wenn man jemanden irreführt.
Joy Ibude
Nicht alle Tassen im Schrank haben
Es war einmal ein kleines Dorf im Berner Oberland. Ein neuer Laden hatte eröffnet: Ein Laden, der Geschirr und Tassen verkaufte. Dieses Dorf war sehr abgelegen und darum war so ein Laden hier oben sehr erfolgreich. Vor allem wurden viele Tassen verkauft, weil sie so ein schönes Muster hatten.
Einer kaufte davon mehr als alle anderen: Peter. Er mochte es, viele Tassen zu haben und sie danach hoch aus dem Fenster heraus auf die Strasse zu werfen. Viele Leute fuhren durch die Scherben und bekamen einen Platten.
Peters Ruf wurde immer schlechter und bald kannte ihn jeder als «Tassenkiller» und als nicht sehr schlauen Menschen.
Einmal, als die Strasse wieder voller Scherben war, sagte eine Frau, dass er sicher nicht mehr alle Tassen im Schrank habe.
So kam sie auf die Idee, eine Redewendung zu erfinden, die nicht so schlauen und nicht nachdenkenden Menschen gewidmet ist. Nämlich: «Du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank!»
Sean Tremmel
Jemandem einem Denkzettel verpassen
Eine Frau war mal fürchterlich sauer auf ihren Mann. Jedesmal, wenn die Frau ihn zum Wochenmarkt schickte, um etwas zu essen kaufen, brachte er das Falsche mit nach Hause. Obwohl die Frau ihm tausendmal sagte, was sie brauchte.
Eines Tages hatte sie genug. Also überlegte sie, was sie machen könnte.
Sie überlegte Tage und Nächte bis ihr der perfekte Einfall kam. Sie nahm ein Stück Pergamentpapier und schrieb mit Tinte darauf, was sie alles benötigte. Als sie den Mann wieder zum Wochenmarkt schickte, sagte sie: «So, damit du das Richtige kaufst, habe ich dir einen Zettel geschrieben, wo alles darauf steht, was ich brauche. Denk daran!!!»
So ging der Mann los und kam kurze Zeit später wieder nach Hause. Die Frau war überglücklich, denn ihr Ehemann hatte tatsächlich alles eigekauft, was auf dem Zettel stand. So entstand die Redewendung «jemandem einen Denkzettel verpassen».
Jael Reinhard