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Durchmischte Bauweise
Nach dem sich die Bauten von der Anbindung an die Strasse und den Garten emanzipiert hatten, folgte mit dem Konzept der durchmischten Bauweise ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg der städtebaulichen Auflösung. Man machte sich daran die Strenge der parallel angeordneten, gleich hohen Bauten aufzubrechen.
(… vorher) Die durchmischte Bauweise ist ein städtebauliches Konzept der 40-er und 50-er Jahre. Dessen prominenteste Vertreter in der Schweiz, die Architekten Haeffeli, Moser, Steiger, nahmen im Zuge der Einführung neuer Baugesetze an der Entwicklung einer aufgelockerten Siedlungsform teil. Die Bauten sollten sich nicht nur an der Sonne oder der Aussicht orientieren. Diese Qualitäten hatte man mit der Werkbundsiedlung Neubühl schon 1930 realisieren können (Siehe Text: Auflösung durch die Ausrichtung). Fünfzehn Jahre später wollte man die Häuser organisch in die Landschaft komponieren. Sonja Hildebrand beschreibt in ihrem Beitrag über die Architekten die Absichten jener städtebaulichen Typologie (1): Die Einführung der Ausnützungsziffer habe im selben Gebiet unterschiedlich hohe Gebäude zugelassen. Diese neue Möglichkeit hätten die Architekten in ihrer Projektierung der Siedlung „Sus Mont Goulin“ im Lausanner Vorort Prilly eingesetzt. Neben der beabsichtigten sozialen Durchmischung, auf die hier nicht weiter eingegangen wird, sei vor allem der Umgang mit der Topografie Kern der neuen Bebauungsform gewesen. Mit den unterschiedlich hohen Bauten sollten die Terrainbewegungen überformt und damit sichtbar gemacht werden. Die Siedlung sollte so, durch die Eigenheiten des Ortes, ihre Identität erhalten.
Das Beispiel von Prilly kam aus politischen Gründen letztendlich nicht zur Ausführung. In Zürich finden sich jedoch mehrere Siedlungen, welche sich an der Idee der durchmischten Bauweise anlehnen. Überwiegend bestehen diese aus parallelen Zeilenbauten, ergänzt durch einzelne Hochhäuser. Eine Ausnahme bildet hier die Siedlung Hegifeld III (1954/55) an der Brahmsstrasse (2). Albert Heinrich Steiner, Stadtbaumeister bis 1957, entwickelte eine Bebauung aus rechtwinklig zu einander stehenden Häusern. Drei zur Strasse hin orientierte Viergeschosser werden von je einem Achtgeschosser sekundiert. Die Gebäudepaare spannen grossflächige Freiräume auf, ganz anders als wir das von der parallelen Bauweise her kennen. Auch die Unterschiede der Gebäudehöhen führen zu einem gänzlich neuen Bild und erlauben eine neuartige Differenzierung auf dem Grundstück. Im flachen Gelände wie hier, ist es denn auch nicht die Topografie, worauf sich die Gebäudehöhen beziehen. Vielmehr trägt die Höhenabstufung zur städtebaulichen Einbindung bei. Die flachen Bauten richten sich nach der Bauhöhe an der Strasse. Die Achtgeschosser sind auf den rückwärtigen Park ausgerichtet. Untereinander bilden die Bauten eine spannungsvolle Komposition. Auch die Häuser selbst haben mit den Reihenhäusern und addierten Mehrfamilienhäusern nichts mehr gemein. Es ist ihre abgewinkelte Gebäudeform, welche den Bauten eine eigenständige Körperhaftigkeit verleiht. Sie sind durch den Knick in ihrer Mitte klar zentriert und auf beiden Seiten abgeschlossen. An eine klassische Reihung ist so nicht zu denken.
Was die Siedlungsform auszeichnet sind ihre grossen, dreiseitig gefassten Grünflächen. Der Abstand zwischen den Häusern wird damit so gross, dass nur noch die architektonische Erscheinung der Bauten für Zusammenhalt sorgt. Trotz dreifacher Wiederholung ist von der strengen Parallelität der 30-er und 40-er Jahre nichts mehr zu spüren. Damit fällt ein weiteres Ordnungsmerkmal der Stadt weg. Die städtebauliche Auflösung ist nun beinahe komplett. (Weiter bei …)
(1) Beitrag von Sonja Hildebrand in: Sonja Hildebrand, Bruno Mauerer und Werner Oechslin (Hrsg.), Haeffeli, Moser, Steiger, Die Architekten der Schweizer Moderne, gta Verlag, 2007, S.68-69
(2) Kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungsbau in Zürich, Ein Inventar der durch die Stadt geförderten Wohnbauten 1907-1989, Michel Koch, Mathias Somandin, Christian Süsstrunk, Finanzamt und Bauamt der Stadt Zürich