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Im Jahre 213 n. Chr. ist der erste Alemanneneinfall über den Rhein in unserer Gegend dokumentiert und von da an kam es immer öfter zu Überfällen mit Plünderungen durch alemannische Horden. Diese erfolgten allerdings nicht durch reine Kriegslust, sondern wohl eher infolge einer gewissen Notlage. Das kälter gewordene Klima (-3 Grad) liess die Ernten vor allem im nördlichen Teil Europas dramatisch einbrechen, was zuerst die Goten, dann die Kimbern und Teutonen veranlasste, in südlichere Gebieten zu ziehen. So entstand ein Nord-Süd-Wanderungsdruck, der sich bis an den Limes auswirkte.
Die nach Süden drängenden Völker schoben oder zogen die Alemannen mit sich. Als die Römer diesem Druck nicht mehr standhalten konnten, gaben sie den Limes auf und verteidigten neu den Rhein als ihre nördliche Reichsgrenze, wozu sie zahlreiche befestigte Wachttürme errichteten. Wegen den immer zahlreicher werdenden Übergriffe der Alemannen begannen die Römer, ihre Städte und Strassen mit Verteidigungsanlagen auszustatten. Diese bestanden im Kanton Zürich aus einer Reihe von Wachttürmen entlang dem Rhein, sowie aus Kastellen bei den Siedlungen Zürich, Stein am Rhein, Pfyn, Winterthur, Zurzach und Zürich, daneben noch 2 Kastelle an Römerstrassen bei Pfäffikon und Nürensdorf. Zusätzlich gab es noch einen einzelnen Wachtturm auf dem Üetliberg.
Schaut man diese Verteidigungsanlagen aus der Übersicht an, dann erkennt man sofort, dass ein Wachtturm (spectatio) in Seebach nicht in das Schema passt. Die auf dem Bühl gefundenen Grundmauern aus Kalktuff können aber kaum anders gedeutet werden, denn für eine Fluchtburg waren sie doch eher zu klein. Daher muss vorerst von einer kleinen Baute unbekannten Typs, aber doch im Sinne einer Spectatio zur Beobachtung der römischen Heeres- und Handelsstrasse von Zürich nach Kloten ausgegangen werden. Man darf auch annehmen, dass es eine Baute war, welche zum mutmasslichen Seebacher Gutshof gehörte. Die Strasse zur Burg, die um 1868 noch geläufiger Ausdruck in Seebach war, bestätigt daher diese Vermutung.
Fluchtburgen wurden von den Römern an zahlreichen Orten erstellt, erscheinen aber in den Übersichten der römischen Verteidigungsanlagen nicht. Man kann daher annehmen, dass die Überreste der römischen Baute von den später hier siedelnden Alemannen als Steingrube benutzt wurde, bis sie erschöpft war. Das würde die geringen Überreste und gleichzeitig den Strassennamen erklären. Die Römerstrasse führte genau am Fusse des Bühls vorbei. Die Ausbeutung der Burgüberreste erfolgte allerdings erst später, denn es ist bekannt, dass die frühen Alemannen Steinbauten der Römer und Kelten mieden.
Die Verwendung von Kalktuff als Fundament ist eine typisch römische Bauweise, die auch bei zahlreichen Gutshöfen im übrigen Kantonsgebiet beobachtet wurde. Daher ist die Zuordnung der Grundmauer auf dem Bühl an die Kelten sehr unwahrscheinlich. Die Kelten haben Steinbauten nur bei grösseren Siedlungen im Zusammenhang mit Befestigungswerken angewandt. Die Seebacher Siedlung war dazu viel zu klein und unbedeutend. Steinburgen haben nur ganz grosse keltische Stammesfürsten erstellen lassen. Dazu gehörte der kleine Trupp in Seebach mit Bestimmtheit nicht.
Der Bühl wurde ganz oben kurz nach Beginn der 1930er Jahre bebaut, wobei aus dieser Zeit keinerlei auffällige Meldungen an die Behörden gelangt sind, sodass man davon ausgehen kann, dass die paar Mauerreste, welche Ferdinand Keller 1868 entdeckt hat, 1932 beim Aushub ahnungslos oder mutwillig, je nach Geschichtsbewusstsein des Bauführers, beseitigt oder gleich für die Grundmauern weiterverwendet wurden. Diese doch über 2 Jahrhunderte unbeachtet gebliebenen, geringen Überreste lassen vermuten, dass das Bauwerk früher grösser gewesen sein musste, sonst hätte es keine Burgstrasse gegeben. Der Begriff Burgstrasse lebte in Seebach noch bis Ende des vorletzten Jahrhunderts. Man sprach entweder von einer Strasse zur Burg oder vereinfacht von einer Burgstrasse.
Was mit dem Bauwerk im Laufe der 1600 Jahre geschehen ist, kann recht leicht rekonstruiert werden. Es ist bekannt, dass die Alemannen die Bauten der Römer in ihrer ersten Siedlungszeit eher gemieden haben, was vermutlich durch ihren heidnischen Glauben begründet war. Erst später, als sie längst zum Christentum gewechselt haben, dürften sie begonnen haben, die römische Baute als Steinbruch zu nutzen. Das war vermutlich erst im späteren Mittelalter der Fall, denn der Begriff einer Burg in Seebach lebte ja noch bis ins vorletzte Jahrhundert, also musste damals noch etwas vorhanden gewesen sein. 1868 waren dann alle Steine abgetragen, den Ferdinand Keller fand nur noch das Fundament vor. Dass diese Annahme durchaus begründet ist, zeigt das Schicksal des Krattenturms ob Schwamendingen, wo Herr Dürst in seiner weiter unten aufgeführten Website zu einer ähnlichen Erklärung kam, was das Verschwinden des Bauwerks betrifft.