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Erweitertes Bewusstsein
durch Rhythmus
Die Veränderung des Bewusstseins durch schamanisches Trommeln
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Trommelrhythmen udn Gehirnwellen? Wenn ja: was bedeutet "Theta-Trommeln" aus dieser Sicht? "Weltsprache Rhytmus" veröffentlichte Forschungsergebnisse von Melinda Mo Maxfield, die als erste mit dieser Forschung begonnen hat:
"Im Herbst 1986 machte ich meine erste Erfahrung mit einer schamanischen ”Trommelreise”. Dabei begegnete ich lebendigen inneren Bildern, in denen die klassischen schamansichen und archetypischen Themen enthalten waren. Ich war fasziniert und spürte, dass ich dabei in einen erweiterten Bewusstseinszustand kam, der ähnlich, aber doch anderes als Meditation war. Drei Jahre später begann ich meine Forschungsarbeit mit Hilfe der Biofeedback Technologie der "Mind Center Corporation" in Palo Alto, Kalifornien.
In allen Kulturkreisen gelten Schamanen als Meister der Extase. Sie verbinden auf ihren rituellen Reisen die Welt der "Geistwesen" mit der Alltagswelt der Menschen. Auf einer solchen Reise kann ein Schamane zugleich mehrere Realitätsebenen erleben. Er kann zwischen gewöhnlicher und aussergewöhnlicher Realtät hin und herreisen.
Michael Harner, ein Wegbereiter des Schamanismus im Westen, berichtet, dass ein monotoner Trommelpuls von ungefähr viereinhalb Schlägen pro Sekunde der grundlegende Rhythmus für eine schamanische Reise ist. Schamanen unterschiedlicher Kulturkreise bestätigen, dass sie in vielen Zeremonien einen monotonen pulsierenden Trommelrhythmus von ungefähr vierheinhalb Schlägen pro Sekunde spielen, um in einen Zustand erweiterten Bewusstseins zu gelangen. Seit durch Forschung bekannt wurde, dass diese Art des Trommelns die Thetawellen im menschlichen Gehirn starkt simmuliert, wird dieses Trommeln auch ”Theat-Trommeln” genannt. Bis zum heutigen Tage gab es nur wenig Forschung über die physiologischen und neurophysiologischen Wirkungen von Trommeln. Jeanne Achternberg beschreibt die physiologischen Voraussetzungen, die eine Verbindung von Klang und erweiterten Bewusstseinszuständen ermöglichen, folgendermassen:
Die Gehörnerven gehen direkt in das netzartige Aktivierungssystem (RAS - reticula activating system) des Gehirns. Das RAS ist ein massives Netz von Nerven, das die Koordinaten von Sinneseindruck und Bewegungstonus ermöglicht. RAS weckt die Grosshirnrinde für die eingehende Information auf. Klang, der über diesen Weg weitergeleitet wird, ist in der Lage, das gesamte Gehirn zu aktivieren. Intensiver, sich wiederholender ”Beschuss” von Nerven in den Gehörbahnen, der sich von dort ausgehend in die Grosshirnrinde fortsetzt, wie dies beim schamanischen Trommeln erfolgt, kann das kognitive Bewusstsein überlagern. Sinneseindrücke aus der ”gewöhnlichen Realität”, ja sogar Schmerz, können so ausgefiltert werden. Unser Bewusstsein ist dann frei, neue Gebiete der Wahrnehmung zu erforschen.
Physiologische Reaktionen
Die meiste frühe wissenschaftliche Forschung über Stimulation des Gehörs wurde mit Hilfe von Klicken und einzelnen Tönen durchgeführt. Erst Andrew Neher hat die Trommel in seine Tests einbezogen. Neher vermutete, dass der Klang einer Trommel einzigartige physiologische Reaktionen hervorruft und führt dafür allem zwei Gründe an:
1. Jeder einzelne Ton, der auf einer Trommel gespielt wird, hat viele unterschiedliche Frequenzen. Beim
Trommeln werden also verschiedene Klangfrequenzen vom Nervensystem in das Gehirn weitergeleitet und
erreichen dort einen grösseren Bereich unseres Gehirns fals ein einzelner Ton doer ein Klicken.
2. In den Klängen vieler Trommeln sind vorwiegend tiefe Frequenzen enthalten. Die Rezeptoren des Ohrs, welche für diese tieferen Frequenzen verantwortlich sind, sind robuster als die sensiblen Rezeptoren, die die höheren Frequenzen verarbeiten. Diese Tieffrequenz – Rezeptoren können einen höheren Schalldruck verkraften und weiterleiten, daher können wir vermutlich mit einer Trommel mehr Energie zu usnerem Gehirn ”schicken” als mit einzelnen Tönen oder Klick-Pulsation. Das System der ”Mind Center Corporation”, in der ich meine Forschung durchgeführt habe, besteht aus vier beschallbaren Räumen, in denen Licht- und Schalleinwirkkung von aussen völlig abgeschirmt sind. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit sich hinzulegen, so wie dies in traditonellen schamanischen Reisen der Fall ist. In jedem Raum stand ein Tonsystem zur Beschallung und aus jedem dieser Räume wurden die Theta, Alpha und Beta-Gehirnstromaktivitäten der Teilnehmer auf einen Monitor in den Versuchsraum gespielt. Von den Kopf-Haut-Elektroden, die an vier verschiedenen Punkten angebracht waren, wurden bipolare Kanäle (links und rechts) abgenommen und aufgezeichnet. Zwölf Teinehmer wurden für den Versuch in drei Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe wurde an drei unterschiedlichen Tagen in drei Sitzungen untersucht. Dies gab 36 individuelle Untersuchungen. Jede Gruppe bekam drei unterschiedliche Trommelrhythmen zu hören, die vorher auf Tonband aufgenommen wurden:
• a. Schamanisches Trommeln: Theta Trommeln von ca. 41/2 Schlägen pro Sekunde – der Rhythmus einer traditonellen schamanischen Reise.
• b. I Ching Trommeln: Ein Rhythmus, dessen Figuren auf den Hexagrammen des I Ging aufbauen, gespeilt in einer Frequenz von ca. 3 - 4 Schlägen pro Sekunde.
• c. Freies Trommeln: Trommeln bei dem es keine länger andauernde Grundpulsation gibt. Die Teilnehmer wurden gebeten sich zu entspannen, der Musik zuzuhören und körperlich möglichst ruhig zu liegen, da jede kleine Bewegung künstliche Störungen in den Elektroden (sogenannte Artifekte) erzeugt, die die Gehirnströme überlagern.
Kein Teilnehmer hatte irgendeine Information über inner Bilder oder eine schamansiche Reise bekommen und für alle Teilnehmer waren schamansische Trommelreisen neu. Um die Ergebnisse der Forschung zu verstehen, ist es notwendig, einige Grundlagen über das Elektroenzephalogram (EEG) und die verschiedenen Arten der Gehirnströme zu kennen. Das EEG ist ein Messgerät, welches Gehirnströme messen und visuelle aufzeichnen, bzw. akkustisch wiedergeben kann. EEG-Wellen unterscheiden sich je nachdem, wie oft sich eine Welle innerhalb einer Sekunde ereignet, aber auch nach der Ausschlaggrösse (Amplitude) der Wellen. Wenn eine Welle dreimal pro Sekunde pulsiert, dann ist das eine Welle mit 3 Hertz, oder auch eine Welle von 3 Zyklen pro Sekunde.
Es gibt vier verschiedene Gehirnwellenbereiche, die mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen verbunden sind: Delta, Theta, Alpha und Beta-Wellen;
DELTA (unter 4 Hertz): ist die längste udn langsamste Welle. Sie wiederholt sich vier Mal pro Sekunde. Diese Gehirnwellen sind verbunden mit tiefem Schlaf oder Bewusstlosigkeit.
THETA (4 Hertz bis 8 Hertz): Diese Wellen entstehen im Bereich zwischen Wachsein und Schlafen. Theta-Wellen sind auch verbunden mit Träumen und traumähnlichen inneren Bildern. Für die meisten Menschen ohne langjährige Meditationserfahrung ist es schwer, in Thetaphasen das Wachbewusstsein zu bewahren.
ALPHA (8 Hertz bis 13 Hertz): ist verbunden mit Zuständen von Entspannung und allgemeinem Wohsein. Alphawellen entstehen im allgemeinen in den Gehirnregionen des Hinterkopfs wenn die Augen geschlossen sind. Das Bewusstsein ist wach, aber unfokussiert oder auf die Innenschau gerichtet.
BETHA (über 13 Hertz): ist verbunden mit den aktiven Aufmerksamkeit und einem Fokussieren auf die Umgebung, wie dies bei Aktivitäten im Alltag der Fall ist. Betawellen entstehen auch in Zusänden von Anspannung, Ängstlichkeit udn Furcht. Forschungsergebnisse Während im schamansichen Trommeln der Thetabereich drastisch zunimmt, stiegt beim rhythmisch freien Trommeln der Betabereich.
Neurophysiologische Effekte
Die Forschungsergebnisse unterstützen die Hypothese, dass der Gebrauch der Trommel bei Urvölkern in Ritualen und Zeremonien einen spezifischen neurophysiologischen Effekt hat. Dieser ist mit vorübergehender Veränderung der Gehirnströme verbunden und ermöglicht den Zutritt zu erweiterten Bewusstseinszuständen. Die Frequenz des Trommelrhythmus, welche die Thetawellen am deutlichsten aktiviert, ist 41/2 Schläge pro Sekunde – die typische Frequenz im schamanischen Trommeln. Das freie Trommeln hingegen brachte keine messbaren Bewusstseinsveränderungen.
Aus einer subjektiven Befragung der Teilnehmer ging ausserdem hervor, dass schamanische Trommeln innere Bilder und Vorstellungen mit zeremoniellen oder rituellen Inhalten induziert, selbst wenn das Trommeln, wie hier im Labor, aus dem kulturellen oder rituellen Rahmen genommen wird. Alle zwölf Versuchspersonen hatten visuelle und/oder körperliche Empfindungen. Für acht Versuchspersonen waren diese inneren Bilder sehr lebendig. Falls das Trommeln mindesten 13 bis 15 Minuten andauerte, stimmte die Frequenz des Trommelrhythmus direkt mit den entsprechenden Gehirnwellenmustern überein. In vielen Fällen erfolgt eine erste Veränderung der Theta und Alpha-Wellenbereiche ain der 9. Minute.
Die Forschungsergebnisse und die subjektiven Berichte der Teilnehmer stimmen auch überein, dass die meisten Teilnehmer ca. 13 bis 15. Minuten brauchten, um den Effekt des Trommelns zu spüren. Nach dieser Zeitspanne erfolgt eine weitere Aktivierung de Alpha- und Thetawellen. Diese Arbeit ist nur ein Beginn und es braucht weitere intensive Forschung: Verhalten sich Menschen, die mit Schamanismus und Trance Erfahrung haben anders als Unerfahrene? Wirken Live-Trommeln anders auf den Menschen als Musik von der Kassette? Welche Wirkungen haben all die anderen Rhythmen, die fixe Bestandteile von Ritualen verschiedener Kulturkreise sind? Forschung in dieser Richtung kann dazu beitragen, Schamanismus und rituelles Trommeln von den anmassenden Vorurteilen zu befreien, das es sich dabei um Aberglauben oder kollektive Einbildung handelt.”