Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03221.jsonl.gz/827

Vor Kaltfront im Süden nochmals schwül
Während auf der Alpensüdseite im Vorfeld der Kaltfront die schwüle Luft für hohe Nachttemperaturen von über 24 Grad und für kräftige Gewitter hauptsächlich im nördlichen Sottoceneri sorgte, kam es nördlich der Alpen am Nachmittag hinter der Kaltfront zu einer allmählichen Wetterberuhigung. In der Ostschweiz konnte sich die Sonne bis am Abend allerdings kaum durchsetzen, so dass die Höchsttemperaturen dort nur wenig über 20 Grad stiegen, demgegenüber reichte es in den Niederungen der Alpensüdseite für 28 Grad.
Heftige Gewitter auf der Alpensüdseite, des besonders ausserhalb der Schweiz
Heute überquerte eine Kaltfront die Alpen ostwärts. In ihrem Vorfeld bildeten sich vor allem auf der Alpensüdseite teils kräftige Gewitter, dies besonders zwischen Lugano und der Magadinoebene. Dabei kam es auch zu Hagelschlag. Ein noch heftigeres Gewitter ging etwas ausserhalb der Schweiz im Bereich des Gardasees nieder. Die Luftschichtung war dort offenbar derart labil, dass die aufsteigenden Luftpakte stark beschleunigt wurden und deshalb bis in grosse Höhen vorstossen konnten. So herrschte gemäss Satellitenbild an der Wolkenobergrenze eine Temperatur von bis -71 Grad. Dies entspricht etwa einer Höhe von 14000 Metern, was doch selten vorkommt. Die aufsteigenden Luftpakete konnten offensichtlich über die Tropopausenhöhe vorstossen, bevor sie durch die Isothermie oberhalb der Tropopause immer mehr abgebremst wurden und anschliessend zum Stillstand kamen.
Drückend schwüle Nacht in den Niederungen des Tessins
Eine Luftmasse, welche derart intensive Vertikalbewegungen auslösen kann, muss im Sommer in den unteren Luftschichten sehr warm sein. Dies war besonders bei den Tiefsttemperaturen zu sehen. In Locarno-Monti beispielsweise sank die Temperatur in der Nacht nicht unter 24 Grad. Dies kann als sehr warme Nacht bezeichnet werden. Nächte mit Temperaturminima von über 20 Grad sind in den Niederungen der Alpensüdseite keine Seltenheit, 24 Grad und mehr ist dann aber doch selten.
Tiefste Minima über 24 Stunden in Locarno nicht bei schwüler Luft, sondern bei Nordföhn
Allerdings muss gesagt werden, dass die Tiefstwerte früher immer zwischen 07.30 Uhr und 07.30 Uhr des Folgetages bestimmt wurden. Seit Beginn der automatischen Messungen anfangs der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist dies zwischen 00.00 UTC und 24 UTC der Fall. Um damit ein hohes Minimum zu erzeugen, braucht es daher zwei sehr warme Nächte. Die Messreihe von Locarno-Monti besteht seit 1935. Seit diesem Zeitpunkt wurden dreimal mehr als 24 Grad als Tiefstwert festgestellt. Es sind dies der 11. August 2003 mit 24.2 und der 23. Juni 1945 mit 24.1 Grad. Die heute Nacht gemessenen 24 Grad werden übrigens nicht als Rekord eingehen, denn heute Nachmittag sank die Temperatur bei kräftigen Gewittern auf 20.7 Grad, was für Locarno-Monti nichts Aussergewöhnliches ist. Beide Male war nicht schwüle Gewitterluft für die hohen Nachtminima verantwortlich, sondern der Nordföhn. Im 3. Rang befindet sich der 7. Juli 2015, als die Tiefsttemperatur bei 24.0 Grad lag.
Wirklich extrem hohe Nachttemperaturen - der Föhn in den nördlichen Alpentälern zeigt, wie das geht
Die wärmsten Nächte werden im übrigen nicht in den Niederungen der Alpensüdseite, sondern in den Föhntälern auf der Alpennordseite verzeichnet. Wenn nämlich aus Süden bis Südwesten heisse Saharaluft die Alpen überquert und als Föhn sich in den nordalpinen Tälern bemerkbar macht, sind fast unglaublich hohe Werte möglich. Ein Beispiel war die Nacht vom 31. Juli auf den 1. August, also vor knapp einer Woche. Mit einem nächtlichen Tiefstwert von 27.7 Grad werden die heute Nacht in Locarno-Monti gemessenen Temperaturen deutlich überboten. Aber auch dort sorgten Gewitter am Folgeabend für eine deutliche Abkühlung, wobei die Temperatur innert kurzer Zeit von 31 auf 18 Grad sank. Nachttemperaturen von 28 Grad sind in Altdorf nicht einmal das Ende der Fahnenstange, zumindest nicht, wenn man einzelne Zeitabschnitte anschaut. So zeigte das Thermometer am 1. August 1983 in Altdorf in den frühen Morgenstunden fast unglaubliche 31.5 Grad an, und bis am Morgen um 6 Uhr Sommerzeit sank die Temperatur nicht unter 29.9 Grad, ehe der Föhn zusammenbrach. Dies sind Temperaturen, welche mit Ausnahme der Föhntäler gar nicht denkbar sind.