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Methoden der Geschichtsforschung
Von "Geschichte" im engeren Sinn sprechen wir, wenn es schriftliche Überlieferungen aus der Zeit (man spricht in der Geschichte auch von "schriftlichen Quellen") gibt, die wir studieren und interpretieren (erklären) können. Ein grosser Teil der Geschichte spielt sich aber zu einer Zeit ab, wo die Menschen noch nicht schreiben können und demzufolge auch keine schriftlichen Überlieferungen hinterlassen haben. Hier sprechen wir von der "Urgeschichte“ oder „Vorgeschichte". Dazwischen gibt es eine Zeit, in der die ersten schriftlichen Quellen auftauchen, es aber gleichzeitig Kulturen gibt, die weiterhin keine Schrift kennen. Hier reden wir von der "Frühgeschichte".
Für die Zeit, wo wir keine schriftlichen Quellen haben, sind wir auf Funde (Gebrauchsgegenstände, Waffen, Schmuck, Gräber, Siedlungsreste...) angewiesen. Sie aufzuspüren, auszugraben, zeitlich einzuordnen und zu interpretieren ist Aufgabe der Archäologie (Altertumsforschung). Nach den Ausgrabungen werden solche Funde genau vermessen, fotografiert, kartografiert, gegebenenfalls konserviert (haltbar gemacht)... Zur Datierung stehen heute eine Vielzahl von Methoden zur Verfügung. Als Beispiele seinen genannt:
Die Radiocarbonmethode (C14-Methode)
Organische Substanzen lagern während ihres Lebens neben dem Kohlenstoff C12 auch den radioaktiven Koh-len¬stoff C14 ein und das in einem genau festgelegten Verhältnis. Stirbt der Organismus, beginnt sich das radioaktive C14 abzubauen und zwar mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren. Das heisst, nach dieser Zeit ist nur noch die Hälfte des C14 vorhanden, das sonst bei einem lebenden Organismus zu erwarten wäre. So sind Altersbestimmungen von einigen Jahrzehnten über einen Zeitraum von 50'000 Jahren möglich. Das Problem der Methode liegt bei den zahlreichen Faktoren, die die Probe und die Messung beeinflussen können und bei der sehr ge¬ringen Menge von C14, die in lebenden Organismen vorkommt (auf 1012 [eine Billion!] normale Kohlenstoffatome kommt im Schnitt ein radioaktives C14-Atom).
Die Dendrochronologie (Auswertung der Jahresringe)
In unseren Breiten wachsen die Bäume nicht gleichmässig. Es entstehen so zwischen Sommer- und Winterholz Jahresringe, die für eine bestimmte Region und für einen bestimmten Zeitraum wie ein Fingerabdruck sind. Sind datierbare Hölzer (z.B. aus einem dokumentierten Häuserbau) vorhanden, können unbekannte Hölzer aus derselben Region mit ihnen verglichen und ihr Alter auf das Jahr genau bestimmt werden. Zu diesem Zweck werden heute umfangreiche Datenbanken angelegt, die Auswertung erfolgt mittels Computern.
Vergleiche mit schon bekannten Funden
Archäologie hat viel mit Wissen und Erfahrung zu tun. Werden neue Funde gemacht, werden sie mit den bereits bekannten verglichen. Zum Beispiel vergleicht man die Art einer bestimmten Waffe, die Besonderheiten eines Schmuck¬stücks, Verarbeitung und Verzierung von Töpferwaren ... Daraus lassen sich sowohl zeitliche Angaben ableiten, wie auch Herkunft und Verbreitung eines Gegenstandes. Dabei wird sichtbar, dass oft schon in der Jungsteinzeit ein reger Handel geherrscht hat zwischen Nord und Süd, aber auch zwischen dem Westen und Osten Europas.
Besondere Artefakte
Artefakte sind in der Archäologie Gegenstände, die ihre Form oder Besonderheit durch menschlichen Einfluss und nicht durch die Natur erhalten haben. Das Wort setzt sich zusammen aus ars/arte = Kunst und factum = das Gemachte. Solche Artefakte finden wir z.B. in den prähistorischen (vorgeschichtlichen) Steinkreisen, in behauenen Steinen, die als Werkzeuge gedient haben, in Ritzzeichnungen auf Felsen, in Höhlenmalereien ... Vieles weist darauf hin, dass die Zeichnungen und Malereien einen religiösen (kultischen) Hintergrund gehabt haben. Auch sie lassen, neben Knochenfunden, Funden von Essensresten in ehemaligen Feuerstellen, Grabfunden, Tonscherben ... Rückschlüsse auf die prähistorischen Kulturen zu.