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Der Globus, von Laien kartographiert
Eine Landkarte der Welt, gemacht von der Welt, für die Welt – das ist das Ziel von Simon Poole, Präsident von Open StreetMap, und einem globalen Netzwerk von mehr als einer Million freiwilliger "Kartographen", die Kartensoftware für die Allgemeinheit entwickeln.
Laut Poole hat OpenStreetMap einige Regionen kartographiert, lange bevor es Google gemacht hat, aber nicht mit deren Satellitenbildern konkurrieren konnte. Trotzdem zielt das Projekt darauf ab, Geodaten für alle frei zugänglich zu machen.
Der Physiker hat einige schweizerische Internet-Firmen gegründet und verkauft. Im September 2012, als der Gründer Steve Coast zu Microsoft wechselte, übernahm Poole das Präsidium der Open StreetMap-Stiftung.
swissinfo.ch: Welches ist der Zweck von OpenStreetMap?
S.P.: Als das Projekt lanciert wurde, gab es diese Vorstellung, die Welt zu kartographieren. Alle dachten, dass dies unmöglich sei. Als ich dem Projekt vor rund vier Jahren zum ersten Mal begegnete, prophezeite ich, dass nichts daraus werde, weil es fast unmöglich sei.
Aber wenn man heute anschaut, was in den letzten Jahren geschehen ist, kann man sagen, dass wir auf dem Weg sind, der Welt Kartendaten zu liefern. Am Schluss wollen wir nur jene Daten liefern, welche die Leute haben wollen.
swissinfo.ch: Als OpenStreetMap mehr als eine Million Nutzer registrierte, war viel die Rede von einem Konkurrenzprodukt zu Google. Was sagen Sie dazu?
S.P.: Das hängt sehr von der Region ab, von der wir sprechen. Im deutschsprachigen Europa konkurrieren wir klar mit jedem anderen Anbieter in Bezug auf die Datendichte und –Verbreitung. Das ist eine der Stärken von OpenStreetMap. Wir verfügen über solide lokale Communities. Wenn etwas ändert,zum Beispiel ein für die Schweiz typischer neuer Kreisel, dann gelangt die Änderung am gleichen Tag in die Karte, wie der Kreisel eröffnet wird, oder schon vorher.
In den USA sind wir nicht so stark, aber wir holen ein bisschen auf, und andernorts auf der Welt ist es sehr unterschiedlich. Stark sind wir in Russland, und in einigen Entwicklungsländern sind wir die einzige Organisation, die vernünftige Karten hat.
Google hat ein bisschen aufgeholt – vor einigen Wochen haben sie zum Beispiel angekündigt, dass sie in Nordkorea Karten hätten, was wir schon seit Jahren haben (dank Antennenbild-Analysen und Überläufern, die mithalfen). Google hat auch angekündigt, dass sie Ski-Resorts und Pisten kartographieren würden – solche Daten gibt es bei Open StreetMap seit langem.
Nicht mithalten können wir gegenüber Google, was das Angebot von Satellitenbildern betrifft, also Street View und ähnliche Produkte. Aber wir betrachten dies derzeit als nicht zu unserem Tätigkeitsfeld gehörend und konzentrieren uns auf Kartendaten, die für die Entwicklung von Konkurrenzprodukten zu Google nützlich sind.
Was wird kartographiert?
Laut OpenStreetMap-Präsident Simon Poole kann jede und jeder die Geodaten verwenden, um etwas zu kartographieren, das ihm oder ihr nützlich ist.
Die Nutzer können unter der Rubrik "Explore map data" alles sehen, was in irgendeiner Sache auf Open StreetMap je kartographiert worden ist.
Einige Beispiele einzigartiger Dinge, welche die Leute kartographiert haben:
Robidog-Stationen, wo Hundehalter mit Plastikbeuteln versorgt werden und wo sie diese Beutel mitsamt dem Kot ihrer "Lieblinge" entsorgen sollen.
Gas-Pipelines und Hochspannungsleitungen
Rad-, Wander- und Sportwege sowie ein 400 km langer Inline-Skate-Pfad durch die Schweiz
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swissinfo.ch: Wie stellen Sie sicher, dass die Karten, zu der alle beitragen können, stimmen?
S.P.: Einige Leute nennen es das Prinzip der Tausend Augen. Wir vertrauen den lokalen Communities, dass sie in der Lage sind, die Daten in der Datenbank zu kontrollieren. In Regionen, wo wir starke Communities haben, wie in der Schweiz, bleiben Fehler nicht unerkannt und werden kurzfristig korrigiert.
Im Allgemeinen kann man feststellen, dass substanzielle Fehler innerhalb eines Tages korrigiert werden. Ausserdem haben wir Qualitätssicherungs-Werkzeuge, die auf Dinge wie Strassennamen, fehlende Hausnummern und Strassen achten, die nicht korrekt verbunden sind.
swissinfo.ch: Wer sind die Mitwirkenden?
S.P.: Dazu kann ich nur Vermutungen machen. Wir haben eine sehr, sehr lange Reihe seltener Mitwirkender. Es sind einerseits Leute, welche die Daten des Restaurants hinzufügen, in dem sie gerade gegessen haben, oder jene ihrer Hausnummer, aber nicht mehr. Andererseits sind es aber auch Leute, die umfangreiche Angaben liefern, die es sich zum ernsthaften Hobby gemacht haben und mehrere Stunden pro Woche kontrollieren, Daten liefern und das ganze Projekt verfeinern helfen.
Dabei kann es sich auch um Software-Entwicklungen handeln, Programme, die wir für die Datenerfassung oder Tools verwenden. All dies ist "Open source" und wird von den Mitwirkenden entwickelt.
swissinfo.ch: Wer benutzt OpenStreetMap? Nutzen viele Leute regelmässig die Technologie, ohne sie zu kennen?
S.P.: Die Applikationen, welche die Technologie benutzen, sind nicht alle als Open StreetMap gekennzeichnet. Hier stösst eine Basisorganisation an ihre Grenzen. Wir hängen von den Communities ab, um diese Software herzustellen, und diese wollen ihre eigenen Marken setzen. Es gibt keinen Open StreetMap-Namen, den wir ausserhalb unserer zentralen Website auf das Material stempeln. Auf dieser kontrollieren wir, was erhältlich ist, und dies ist eines unserer offiziellen Produkte. Aber alles andere, die Herausgeber, die Applikationen, gelten als Dritte.
Die Medien nutzen unsere Karten sehr häufig auf ihren Websites, weil keine Lizenzgebühren erhoben werden und man die Karten selber kontrollieren kann. Wenn wir Glück haben, befindet sich ein Hinweis auf Open StreetMap darauf. Aber es gibt viele Leute, die unsere Daten verwenden, ohne dass es jemand merkt.
Aber darum geht es bei dem ganzen Projekt. Wir wollen die Kartendaten für alle Nutzer frei zugänglich machen, und das ist ein Erfolg. Es gibt viele Organisationen, die einerseits aus Kostengründen und andererseits wegen der besonderen Freiheit bei der Benutzung der Daten auf OpenStreetMap umschalten.
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