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Prosaschreiben wäre mein Ding, aber stattdessen mache ich Diary oder Eclats, die man nicht Gedichte nennen kann.
Der Grund für meine Hemmung, wieder in Prosa zu steigen und mir so einen sinnlosen, miserablen Alltag zu strukturieren, liegt in der Angst, mit einmal angefangener Prosa nicht zum Ende zu kommen.
Diese Angst ist ja nicht unbegründet, wenn man bedenkt, dass ich für meinen Roman, der immer noch in den letzten Zügen ist, fast mein ganzes Leben benötigte. Ich habe so unendlich viel Arbeit (Papier) angehäuft und laufend gelöscht, dass ich damit einen Eifelturm bauen könnte, stattdessen elaboriere ich nun an einzelnen, holprigen Übergängen herum, die doch nichts mehr ändern können am Timbre dieser Arbeit—- die vielleicht oder wahrscheinlich den Titel Verschwinden tragen wird.
Ich hätte auch gerne den Titel: Erniedrigung, denn es ist ja ein Roman, in dem ein Mensch sich erniedrigt erfährt durch eine besondere Konstellation von äusseren Umständen und ev. inneren Anlagen. Das Problem oder ausserordentliche ist, dass ich selbst, die Autorin, diese Figur bin, und nicht die Autorin, die über eine marginalisierte Figur spricht, mit der nötigen und zugestandenen Erhabenheit und Autorität.
Ich habe eben eine Doku über Joyce Carol Oates gesehen, von der ich früher einige Romane las. Joyce Carol Oates sagt, dass man über Menschen schreibt, nicht über Themen wie Rassismus, Sex, Krieg usw., sie aber so gut wie nie über sich selbst schreibt. Es gibt sogar eine Stelle in diesem (Arte) Inteview, in dem sie bekennt, dass sie ihre eigenen Probleme für sich behält, sogar vor ihrem Mann, weil sie findet, man sollte sich gegenseitig nicht mit den Problemen und Abgründen belasten….
Vielleicht hat sie recht, und doch staune ich über diese Aussage, da ich immer der Meinung war, dass man das Herz auf der Zunge tragen muss, gerade, wenn man dichten will, dass Verbindung und Interaktion ohne obsessiven Austausch wie eine Suppe ohne Würze ist…..
aber damit stehe ich wohl allein da. (zumindest seit sich Ted und Sylvia auf diese Art gegenseitig verschlungen haben). Nun aber, und das habe ich mich gefragt, wie kommt es, dass Joyce Carol Oates über so viele Menschen in ihrem Leben Bücher schreiben konnte, ganze Bücher und Geschichten? Sie muss diese Menschen doch gekannt und erfahren haben?!
Ich habe es da wie Sylvia, offenbar gibt es etwas in der Art meiner Perzeption, dass ich nicht von mir abrücken kann, dass ich das Zentrum bin, von dem eine Entropie ausgeht, und die mir den Zugang und die Griffigkeit zu den andern verwehrt. (Natürlich ist das die Isolation der Myalgic E., aber nicht nur.)
Um zurück auf einen quälenden Punkt zu kommen: es ist schwierig, Literatur zu machen über eine randständige Person, wenn man diese selbst ist. Es ist tausendmal einfacher von einer (etablierten) Aussenposition über marginalisierte Minorität(en) zu schreiben und zu publizieren, weil man dann als der gilt, der sich mit der Realität und Annahme eines armen Schluckers profiliert und ein Engagement für Aussenseiter beweist, während der, der über sich selbst als Randfigur schreibt, ein Rebell sein muss….
Darum der Titel Erniedrigung.
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Ich werde den Titel nicht Erniedrigung nennen.
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Prosa schreiben würde also bedeuten, dass ich zu einer kontinuierlichen Arbeit wieder ja sage, aber Kontinuität ist etwas, das mir in meinem fragilen Zustand Angst macht. Es ist wie ein Berg, der mir schon beim Anblick zu gross und an Besteigungsmöglichkeiten zu komplex vorkommt. Vielleicht heissen meine kurzen Texte darum auch: Eclats de Minutes.
Ich meine, mit etwas anfangen und gleich danach damit fertig werden, ist ein gutes Gefühl. Es wäre auch das Timbre, das meinem Lebensgefühl entsprochen hätte, bevor daraus ein unendlicher Murks wurde…..
So ist oder war also mein hauptsächliches Schaffen die meiste Zeit doch eher ein therapeutischer, medikamentöser Weg (Rausch), statt Kunst im Sinne eines Resultates von literarischer Fertigkeit.
„I only write because there is a voice in me
that cannot be still.“ (Sylvia Plath, the red Comet)
Und ich, ich bin nur ein Ausdrücklings-Bückling.