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Der Psychiater Peter Gasser hat in der weltweit ersten LSD-Studie Krebspatienten mit der verbotenen Substanz behandelt. Mit gutem Erfolg, wie er sagt. Dennoch wird LSD wohl nicht therapeutisch verwendet werden.
LSD hat ein schlechtes Image: Nachdem die Hippies die Droge als bewusstseinserweiterndes Manna betrachtet und sich sorglos auf den Trip begeben hatten, wurde die Substanz 1966 in den USA und in den Siebzigerjahren auch in Europa von den Behörden geächtet. Das internationale Verbot war so strikt, dass auch medizinische Versuche nicht mehr möglich waren.
Der Solothurner Psychiater Peter Gasser benötigte denn auch eine spezielle Genehmigung des Bundes, damit er seine LSD-Studie durchführen konnte. Die begann 2007 und wurde nun abgeschlossen.
Am Dienstag erschienen die Resultate der Studie im Fachmagazin «Journal of Nervous and Mental Disease». Und sie wurden international beachtet: Die «New York Times» widmete Gassers Studie in ihrer Online-Ausgabe einen ausführlichen Artikel.
Gasser hatte in der ersten klinischen Studie mit LSD seit über 30 Jahren zwölf Patienten behandelt. Sie alle litten unter Angststörungen, da sie aufgrund ihrer Krebserkrankung den Tod vor Augen hatten; die meisten befanden sich im terminalen Stadium der Krankheit. Einige starben innerhalb eines Jahres nach dem Versuch – aber nicht, bevor sie ein «mentales Abenteuer» erlebt hatten, das «die existentielle Schwermut ihrer letzten Tage zu lindern schien», wie es die «New York Times» formuliert.
In den jeweils zwei achtstündigen psychotherapeutischen Sitzungen verabreichte Gasser acht der zwölf Patienten, die im Übrigen nicht an schweren psychiatrischen Krankheiten litten, eine Dosis LSD, während die anderen vier lediglich ein Placebo erhielten. Der Effekt der Droge dauerte etwa zehn Stunden; danach schlief der Patient auf einer Couch im Büro, stets unter Aufsicht von Gasser oder eines Assistenten.
«Ich sagte ihnen, dass jede Sitzung hier stattfinden werde, in einer sicheren Umgebung, mit mir als Teil davon», erzählte Gasser laut der «New York Times». Er habe ihnen auch gesagt, er könne nicht garantieren, dass sie nicht intensive Verzweiflung fühlen würden. Doch falls dies geschehe, werde es vorbeigehen.
Der Psychiater zog ein durchwegs positives Fazit: «Die Studie verlief gut und ohne schwere Zwischenfälle wie Hospitalisationen oder schlechte Trips», sagte er gegenüber DerBund.ch. Die Therapie sei auch, sofern sich dies angesichts der geringen Anzahl von Probanden überhaupt sagen lasse, wirksam: «Bei den mit LSD behandelten Patienten sanken die Angstparameter deutlich stärker und schneller.»
Eigentlich hätte die neue Studie damit die Tür für ein neues LSD-Projekt geöffnet, glaubt Gasser. Gerade in der Schweiz seien die Restriktionen für solche Studien nicht mehr so stark wie früher. Die Kritik von Fachkollegen, die sich generell gegen die Verwendung von Drogen in der Psychotherapie aussprechen, sei auch leiser geworden.
Doch trotz der ermutigenden Resultate will Gasser keine neue LSD-Therapie mehr beginnen. Der Aufwand sei für ihn als frei praktizierenden Psychiater zu gross, sagte er «DerBund.ch». Aufgrund des nach wie vor schlechten Rufs des LSDs, so vermutet Gasser, wollen aber auch andere Therapeuten derzeit keine LSD-Projekte lancieren. «LSD ist immer noch ein heisses Eisen», sagte Gasser dazu. (dhr)