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Jetzt liegen detaillierte Informationen darüber vor, dass dem Schneesturm, der vom 10. bis 12. Dezember 2019 in Nordisland tobte, rund 100 Pferde zum Opfer fielen. Einen derartigen Schaden hat Winterwetter in Island seit Jahrzehnten nicht mehr verursacht. 0.5 Prozent der etwa 20 000 Pferde, die sich an jenen Tagen in den betreffenden Nordlandgebieten im Freien befanden, sind umgekommen.
Auf insgesamt 46 Höfen sind Verluste zu beklagen
Auf 29 Höfen im Distrikt Austur-Húnavatnssýsla (61 Pferde), auf 9 in Vestur-Húnavatssýsla (20 Pferde) und auf 8 Höfen im Skagafjörður (22 Pferde) sind hohe Verluste zu beklagen. In den meisten Fällen kamen auf diesen Höfen eines bis vier Pferde um, im Durchschnitt zwei 2 Pferde pro Hof. Aus der Verteilung lässt sich schliessen, dass der Schaden nicht auf ungenügende Haltungsbedingungen oder mangelnde Vorbereitung auf einzelnen Höfen zurückzuführen ist. Die Wetterbedingungen und die Stärke des Sturmes waren in den verschiedenen Gegenden dieses Landesteils unterschiedlich katastrophal. Pferde jeglichen Alters starben in diesem Unwetter: 29 Fohlen, 34 Jungpferde und 30 Stuten, ausserdem 15 Wallache, meistens erwachsene und schon ältere Pferde. Die meisten Stuten waren ebenfalls schon älter, und man kann daher sagen, dass der Sturm den meisten Schaden unter jungen und älteren Tieren anrichtete.
Windschutz wurde zur Todesfalle
Häufig trieb der Sturm Pferde vor sich her in Gräben, Zäune oder andere Gefahren. Es kam aber auch vor, dass sich die Schneemassen immer weiter über Pferden aufluden, die in Windschutz getrieben worden und dort gefüttert worden waren. Es gab Beispiele dafür, dass man sich zwei Meter tief auf die Kadaver hinunter graben musste. Wo Windschutz zu finden war, entstanden manchenorts ungeheuer hohe Schneewehen. Allgemein gesehen kamen mehr Pferde in Strandnähe um als in höher gelegenen Weidegebieten. Das lag vermutlich daran, dass es weiter oben kälter war, weshalb sich nicht im gleichem Masse Eispanzer auf dem Fell der Pferde bildeten.
Es geschieht ausserordentlich selten, dass bei einem derart heftigen Nordsturm Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen und starker Schneefall einsetzt. Diese Wetterverhältnisse führten dazu, dass der Nassschnee sich im Fell der Pferde festsetzte und gefror. Das erschwerte ihnen alle Bewegungen bei dem sich nun verstärkenden Schneesturm, der zeitweise die Windstärke eines Hurrikans erreichte. Wo die schlimmsten Verhältnisse herrschten, war Windschutz nun nutzlos, das galt sowohl für natürlichen als auch speziell errichtete Windschutzwände. Die Herden waren vor dem Unwetter allgemein in gutem Zustand, weil der Herbst für alle freilaufenden Pferde günstig gewesen war.
Zentrale Organisation für Rettungseinsätze
Anders, als in der Schweiz mit getrennten Rettungsdiensten wie dem Grosstier-Rettungsdienst Schweiz und Liechtenstein gibt es in Island nur eine Organisation, die Icelandic Search and Rescue Association (ICR-SAR). Sie ist hochtechnisiert zu Wasser, an Land und in der Luft ausgerüstet und wird von gut ausgebildeten, sehr motivierten Helfern betrieben. In einem äusserst schwierigen Umfeld und Klima hat sie bei Vulkanausbrüchen, Gletscherläufen, Orkanen und in dem letzten Schneesturm unzählige Einsätze geleistet. Die Weltföderation Islandpferde FEIF hat ihre Mitgliedsländer aufgerufen, die ICE-SAR für die Pferdeeinsätze zu unterstützen.
Prof.Ewald Isenbügel, Gründungspräsident FEIF (Text und Bild)