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Erkern, Balkonen, Geländern, Kuppeln und runden oder mehr pyramidalischen Domen geschmückt und mit Blumen, Tier-, Menschen- und Göttergestalten sehr bunt bemalt. Benares ist Mittelpunkt der Verehrung des Schiw oder Mahadeo (sanskritisch: Schiwa oder Mahadewa), und die Zahl der dieser Gottheit geweihten Tempel [* 2] (Schiwala) daselbst soll sich auf mehr als 1000 belaufen; die meisten sind als Bauwerke wenig großartig. Der bedeutendste, älteste, geehrteste und besuchteste ist der des Bischeswar, d. h. des Herrn der Welt. In allen sind aufrecht stehende Linga aus Stein Hauptgegenstand der Anbetung.
Dem Schiwa geweihte Stiere laufen allenthalben frei in den Straßen umher, während die in den Tempeln der Durgā früher zahllos herumspringenden Affen [* 3] jetzt auf Verfügung der engl. Regierung fast ganz verschwunden sind. Von den der Sekte der Dschain angehörenden Tempeln sind besonders der Man-Mandil sowie der Dschain-Mandil oder Tempel der Dschain, wiewohl schon im Verfalle, ihrer Architektur wegen bemerkenswert. Hoch über den Man-Mandil erhebt sich die 1693 von Radscha Tschai-Singh errichtete Sternwarte, [* 4] die mit ihrem großartigen Instrumentenschatz noch heute in Gebrauch ist. Von den 272 Moscheen ist die von Aurangseb, unweit des Ganges auf der Stelle eines niedergerissenen Hindutempels erbaut, mit 3 Kuppeln und 2 Minarets eine der großartigsten. Interessant ist ferner der große Palast des Radschas von Nepal (mit Tempel), ein äußerst malerischer Baukomplex, dessen Stil an den chinesischen erinnert.
Die Bevölkerung betrug 1881, einschließlich Garnison (6075 Mann), 199 700, 1891: 219 467 E. (Zunahme: 11 Proz.), darunter 168 691 Hindu, 49 405 Mohammedaner, 1206 Christen, wechselt aber sehr wegen der Menge täglich nach Benares strömender Wallfahrer und anderer Fremden, die zur Zeit des Ram-Lila, des größten, und des Diwali, des glänzendsten aller zu Benares gefeierten religiösen Feste mehr als 100000 betragen. Unter der Bevölkerung [* 5] befinden sich mehr als 20000 Brahmanen, eine sehr große Anzahl von Bettlern, Landstreichern, Müßiggängern aller Art und von Schmutz bedeckten, fast nackten Fakiren.
Aber auch viele reiche und vornehme Hindu halten sich zeitweilig oder während der letzten Lebensjahre in Benares auf, teilweise um dort zu sterben. Lieblingsaufenthalt der Bevölkerung sind die von den Quaien zu dem Ganges hinabführenden Ghat oder Ufertreppen. Um im Angesichte des Ganges zu sterben, lassen Todkranke sich dorthin tragen, während auf einigen dieser Ghat auch Leichenverbrennungen stattfinden. Die heiligsten Plätze sind der Daßaswamedh-Ghat, Mani-Karnikis Brunnen [* 6] mit Wischnus Schweiß, der Gopal-Mandir oder Krischnatempel und vor allem der genannte Bischeswartempel. Benares ist noch immer, wie in alter Zeit, der Hauptsitz brahmanischer Gelehrsamkeit und Wissenschaft, obgleich Kalkutta [* 7] in neuerer Zeit, namentlich mit Bezug auf das Studium ind. Sprachen, mit Benares wetteifert.
Die Benares-Pandits gelten noch immer in allen religiösen Fragen als erste Autoritäten. Von den zahlreichen Lehranstalten sind das Hindukollegium und das 1792 gestiftete Sanskritkollegium die bemerkenswertesten. Beide genießen die Unterstützung der engl. Regierung. In ersterm wird Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, dem Gesetze der Hindu, in deren heiliger Litteratur, dem Sanskrit, und der Astronomie [* 8] erteilt. In dem andern lehrt man die engl. Sprache, [* 9] Geschichte und Litteratur, das Sanskrit, das Hindi und Persische sowie Mathematik, Staatsökonomie u. s. w. Benares, das durch Eisenbahn nach O. mit Patna und Kalkutta, nach W. und NW. mit Mirsapur, Allahabad, Kanpur, Lakhnau, Pischawar verbunden ist, ist auch der Sitz einer blühenden Industrie und als Handelsplatz von großer Bedeutung. Berühmt sind die dort verfertigten Schmucksachen [* 10] von edeln Metallen, die Gold- und Silberbrokate, Sammete, seidenen und baumwollenen Stoffe. Zu Markte kommt daselbst alles, was Indien und die Nachbarländer an edeln und kostbaren Erzeugnissen des Kunstfleißes sowie an Naturprodukten hervorbringen, zugleich mit allen nur denkbaren Erzeugnissen der engl. Industrie. Von den Kaufleuten in Benares zählen einige zu den reichsten in ganz Indien.
Geschichte. Benares ist eine uralte Stadt, in den sanskritischen Dichtungen Kaschi, d. i. die Glänzende, genannt und als Brahmanenschule gefeiert. Hier predigte Gautama Buddha zuerst; an 800 Jahre blieb Benares die heilige Stadt der Buddhisten. In Sārnāth, dem ältesten Teile von Benares, befinden sich noch bedeutende buddhistische Ruinen. An jene Zeit erinnert noch der Lat-Bhairo, eine gebrochene Säule, die vom König Aßoka (im 3. Jahrh. v. Chr.) errichtet worden sein soll. 1194 wurde Benares von Mohammed Ghori erobert und 1529 von Babar dem Reiche von Dehli einverleibt. Bei dem Verfalle des letztern zu Anfang des 17. Jahrh. schwang sich der Nawwab-Wasir von Oudh (Fürst von Ghasipur) zum Gebieter über die Stadt und das Gebiet von Benares auf, kam 1775 unter die Oberherrlichkeit der Englisch-Ostindischen Compagnie, wurde aber 1781 von letzterer abgesetzt und verlor sein Gebiet. -
Vgl. Sherring, The sacred city of the Hindus. An account of the Benares in ancient and modern times (Lond. 1868);
ders., Hindu tribes and castes, as represented in Benares (Benares 1872).