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In der Pfarrei Gampel dürfte seit Jahrhunderten eine Vereinigung, die den Kirchengesang pflegte, bestanden haben; eine Vereinigung, die wahrscheinlich nicht streng organisiert war, aber die Aufgabe hatte, pfarreiliche Anordnungen und Verfügungen sorgfältig und systematisch vorzubereiten und umzusetzen. Diese Annahme stützt der Hirtenbrief der Fastenzeit für das Jahr 1883, in dem Bischof Adrien Jardinier zur Gründung eines diözesanen Cäcilienvereins aufruft, dessen Statuten der Bischof am 8.4.1889 genehmigte. Der Cäcilienverein wurde gemäss Akten im Jahre 1906 auf Anregung von Pfarrer Leopold Loretan gegründet und hat sich bald danach dem Verband der Cäcilienvereine des Oberwallis angeschlossen. Schon zuvor muss ein Cäcilienverein bestanden haben, denn gemäss eines Gemeindeprotokolls aus dem Jahre 1885 wurde auf Anregung des hochwürdigen Herrn Pfarrers Ignaz Roten beschlossen, "den Choralgesang in der Kirche einzuführen, und Eduard Andereggen sollte die Sänger mit Entschädigung einüben." Das Gehalt des Organisten betrug um die Jahrhundertwende jährlich 10 Franken. Der Verein war bestrebt, das erreichbar Beste zur Verherrlichung Gottes zu leisten und stellte sich auch bei weltlichen Veranstaltungen bereitwillig zur Verfügung. Zum Dank spendierten die Gemeindeväter den Sängern alljährlich im November einen festlichen Imbiss, das so genannte Sängermahl. Das Sängermahl wurde abwechslungsweise im Hause eines Mitglieds abgehalten, das das Bedien- und Küchenpersonal gratis zur Verfügung stellte. Da die Orgel noch nicht mit einem elektrisch betriebenen Blasebalg bespielbar war, wurde auch der Kalkant, der Orgelblasebalgzieher zum Mahle eingeladen. Das Amt des Blasebalgers versah Johann Joseph Venetz mustergültig während mehrerer Jahrzehnten. Der Kirchenrat bezahlte im Jahre 1910 für das Sängermahl 12.50 Franken. Bis zu Beginn des Jahres 1962 sang der ca. 40 Mitglieder zählende Männer-Cäcilienverein in jedem Fest- und Sonntagsgottesdienst. Der Männerchor hatte gemäss Statuten den Auftrag, die kirchlichen und weltlichen Feiern und Feste zu verschönern und mitzugestalten. Im Pfarreiarchiv sind undatierte Statuten, vermutlich die ersten "Statuten des Cäcilienvereins von Gampel" archiviert, zudem sind die "Cäcilienvereinsstatuten für das Dekanat Leuk" aus dem Jahre 1890 eingeordnet. Ende der 50er Jahre hatte der Verein grosse existentielle Schwierigkeiten, da einerseits die Mitgliedschaft im Kirchenchor nicht mehr begehrt war. Andererseits war die Disziplin während den Proben und Aufführungen auf ein klägliches Minimum gesunken, so dass der Dirigent Oskar Burkard im Jahre 1962, des hohen Alters wegen, seine "unwiderrufliche Demission" einreichte. Da seit wenigen Jahren ein Töchterchor vor allem während der Sommermonate geistliches und weltliches Liedgut einübte, besprach man in den Männerchorkreisen die Gründung des gemischten Chores. In der ausserordentlichen Generalversammlung vom 31. Januar 1962, abgehalten in der Burgerstube, wurde unter der Leitung des Präsidenten Emil Martig die Sachlage des Männerchors besprochen und die Gründung eines gemischten Chores erörtert. Der Töchterchor hatte keinen bestimmten Auftrag und übte meistens nur in den Sommermonaten und in der Ferienzeit, wenn der Musiker Willi Sommer aus Lethmate/D, in unseren Gemarkungen die Ferien verbrachte.
1962: 31.1.: In der ausserordentlichen Generalversammlung, die in der Burgerstube statt findet, wird der Ist-Zustand des Chores besprochen und die Gründung eines gemischten Chores erörtert. 17.2.: An der Versammlung werden die neuen Statuten beraten und danach der gemischte Chor, der Pfarrcäcilienverein, gegründet. Erster Präsident des neugegründeten gemischten Chores ist Emil Martig, dem Dirigent Otto Bellwald und Vizedirigent Hans Rotzer sen. als Fachpersonen an die Seite gestellt werden. Vorstand: Emil Martig, Charlotte Schnyder, Hedwig Hildbrand und die Herren Arthur Hildbrand und Werner Hildbrand. 54 Mitglieder konnten mit Elan und Begeisterung an die Arbeit gehen. Nach der Gründung wurden während Monaten drei Wochenproben abgehalten, um einfache polyphone Kompositionen einzuüben und den Choralgesang zu pflegen. Da die katholische Kirche in den 60er Jahren den Gregorianischen Choral wieder nachhaltiger pflegte, widmete der Chor dem Urgesang der Kirche ein besonderes Augenmerk, indem die Chorsänger auch die Grundelemente wie die Neumennomenklatur, das Singen der Psalmen, gründlich studierten. Die Mitgestaltung der Messfeier war das Hauptanliegen des Vereins; in den 60er und 70er Jahren wurden die sonntägliche Messfeier und die Festgottesdienste regelmässig mitgestaltet. In den folgenden Jahren hatte der Chor jeden vierten Sonntag im Monat frei. Danach feierte der Chor Jahre lang Eucharistie am ersten Sonntag und am zweiten Samstag des Monats. In den 80er Jahren war das Interesse der Choristen für das alte Liedgut nicht mehr vorhanden; der Dirigent hatte sich nach andern Kompositionen, nach Gospelliteratur, englischen Songs, umzusehen, um das Interesse der Chormitglieder am Chorgesang zu erhalten. Seit Ende der 90er begleitet der Chor die Eucharistiefeier am ersten Sonntag im Hauptgottesdienst und am zweiten Samstag des Monats im Vorabendgottesdienst. Vor der nächtlichen Christmette singt der Chor seit Jahren zur Einstimmung auf das grosse Geburtsereignis alte und neue Weihnachtslieder.
1978: 21.5.: Während der Eucharistiefeier wird das erste Vereinsbanner von Pfarrer Heinrich Mathieu gesegnet. Geschenkt wurde die Vereinsfahne von den Paten Pia Hildbrand-Rotzer und Willy Hildbrand.
1980: 24.11.: Anlässlich der Generalversammlung werden Professor Bruno Brunner, Brig und Josef Burkard, des Hermann, Siders, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Chor nimmt regelmässig an den Kantonalen Gesangfesten teil und wurde für die guten Leistungen nahezu immer mit der Note "Excellent" belohnt. In kleinern und grösseren Abständen wurden mit einem ad hoc Orchester aus Bern unter der Leitung von Louis Dober, Violinlehrer am Konservatorium in Bern, geistliche Konzerte aufgeführt. Die Aufführung des "Oratorio de Noël" von Camille Saint Saëns, der Bach Kantate "Erschallet ihr Lieder" und des "Gloria" von Antonio Vivaldi. Ende der 70er Jahre waren Höhepunkte im Schaffen des Cäcilienchores. Jedes Jahr wurden für die Bevölkerung Bunte Abende, Liederabende, Theater und Sketch vorbereitet. Unter der Leitung des Dirigenten Alfred Kesseli wurde im Jahre 1987 in der Pfarrkirche die Rock Oper "Jesus Christ Superstar" von Andrew Lloyd Webber und Timothy Rice mit Beteiligung des Kirchenchors, des Jugendchors und des Kinderchors aufgeführt.
In den 90er Jahren brachte der ständige Wechsel des Dirigenten, es waren fünf Chorleiter in 10 Jahren, vermutlich erhebliche Nachteile. Die "moderne" Zeit bot den Gampjern viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, so dass vor allem die jungen Menschen für die Arbeit im Kirchenchor kaum noch Interesse zeigten und nicht mehr zu begeistern waren. Die Folge war die überalterung, die sich auf die Güte des Chors nachteilig auswirkte. Seit einigen Jahren kann der Chor dank modernem Liedgut und attraktiven Projekten auch wieder junge Leute zu seinen Mitgliedern zählen.
Seit 1981 wird verdienten Chormitgliedern die Aktiv-Ehrenmitgliedschaft verliehen. Alle zwei Jahre organisierte der Vorstand, zumeist während der Auffahrtstage, eine dreitägige Reise in die heimischen Gefilde oder ins nahe Ausland.
Der Chor von Gampel im Jahre 2004 mit Pfarrer Kenneth Ekeugo und Pfarrer Domherr Franziskus Lehner