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Weitere Luftaufnahmen von Steckborn
In Steckborn am See zum Ende einer engen Gasse steht ein sehr schönes Gebäude mit viereckigen Grundriss, das sich auf vier Stockwerke erhebt. Was es charakterisiert, ist es seine Laternenkuppel und die vier Ecktürmchen. Der Besucher befindet sich vor dem "Turmhof", ein Gebäude, das der Abt von Reichenau, Diethelm von Castell, zu Beginn des 14. Jahrhunderts in der schon gebauten Stadt errichten liess. Er wollte es zur Basis der Abteimacht in der Region machen. Falls es möglich ist, dieses Monument zu datieren, ist es nur dank seiner Maurerarbeit von grossen Steinen mit starkem Relief - heute verputzt - und dank seinen eckigen Bruchsteinen in Bossenwerk, aber auch dank verschiedener historischen Angaben.
Während ihrer langen Geschichte hat der Turm von Steckborn schon zweimal schwerwiegende Veränderungen erfahren; zum ersten Mal am Ende des 14. Jahrhunderts unter dem Abt Werner von Rosenegg; das zweite Mal in 1583, als er der Familie Deucher von Steckborn gehörte. Eine wichtige Vergrösserung wurde ausserdem gegen 1600 in Betracht gezogen. Es wurde vorgesehen, ein Gebäude, das dem Turm im Westen ähnlich sah und vor diesem Gebäude einen runden Turm aufzurichten. Die Abtei von Reichenau, der die Opposition zu diesen Projekten leitete, erreichte es, dass die Vergrösserung nicht stattfand, obwohl das Treppentürmchen bereits zu Dreivierteln gebaut worden war und allein stehend neben dem Turm stand. Man nimmt an, dass es zur Mitte des 17. Jahrhunderts eine andere Vergrösserung unternommen wurde, und dass seit diesem Datum der Westflügel errichtet wurde.
Das Dorf von Steckbom hatte als Urspungsort ein Gebiet der Abtei von Reichenau, die seit dem 9. Jahrhundert wichtige Güter in der Region besass. Sie vertraute Vögten und Vidamem den Schutz ihrer weltlichen Rechte an. Die Herrschaften von Steckborn erschienen zum ersten Mal in Dokumenten der Vögten aus dem Jahr 1221. Sie waren ebenfalls Vögte von Petershausen und hatten ausserdem einige Güter im Norden des unteren Sees. Aber wo wohnten sie, als der "Turmhof" noch nicht erbaut war, der ja erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet wurde? Durch Zufall kann man nun diese Frage beantworten, denn im Jahre 1930 deckte man die Grundmauern eines viereckige Turmes mit einer Seitenlänge von 9,2 Metern auf. Seine Mauern hatten zuunterst eine Dicke von drei Metern und somit blieb eine Wohnfläche von neun Quadratmetern. Diese Konstruktion war das Zentrum eines grösseren Werkes, wie die Mauerüberreste, die im Süden und im Westen des Turmes gefunden wurde, bestätigen. Der Turm wurde vermutlich gegen 1200 durch die Vögte der Abtei, in diesem Fall die Herrschaften von Steckborn, errichtet und liegt über dem Dorf - zweifellos durch Palisaden und einen Graben (heute noch trägt eine Strasse von Steckborn den Namen "Burggraben") verteidigt.
Kaiser Heinrich VII, alter Graf von Luxemburg und Nachfolge von Albert I von Habsburg, der 1308 ermordet wurde, befolgte dem Antrag von Diethelm von Castell, Abt von Reichenau und von Petershausen, und autorisierte Steckborn in 1313 jeden Donnerstag Markt zu halten. Er schuf somit die Bedingungen, die das Dorf in eine Stadt verwandelten. Zu dieser Zeit beschloss Abt Diethelm, den "Turmhof" innerhalb der Stadt zu bauen, die seit kurzem mit Wällen, von denen einige Überreste geblieben sind, umrundet wurde. Das neue Werk wurde vom Rest der Stadt durch eine sogenannte Immunitätsmauer, wie sie manche Klöster besitzen, getrennt. Es unterlag ausserdem seiner eigenen Rechtsprechung, und ein Asylrecht wurde ihm gewährt, das heisst, dass jede verfolgte Person oder jeder Missetäter, der die Tür der Immunitätsmauer erreichte, innerhalb des Gebiets flüchten konnte, wo das Asyl ihm während sechs Wochen und drei Tagen gewährt wurde. Der eindrucksvolle Wohnturm, der bis heute steht, wurde also der Verwaltungssitz der Intendanten der Abtei von Reichenau.
Ab dem 14. Jahrhundert, nachdem eine Reform die Stadt von der Beherrschung durch die Abtei befreit hatte, wechselte es oft die Eigentümer. 1521 gelangte es sogar während eines kurzen Zeitraums zu den sieben eidgenössischen Kantonen, die seit 1460 über den Thurgau herrschten. Dann ging es erneut in den Privatbesitz. 1642 verkaufte Ulrich Deucher, Hotelbesitzer vom "Löwen" und Eigentümer des Turmes, diesen an die Stadt. Aber zuvor musste er lange mit der Abtei von Reichenau parlementieren, da sie nie auf ihre Forderungen verzichtet hatte. Deucher verlangte vom neuen Eigentümer, dass er nie den Turm wiederverkaufen würde. Im Übrigen interessierte sich die Stadt sich sehr für diesen, denn seit Jahrhunderten besass der "Turmhof" Jagd- und Fischereirechte.
Sie liess sechs Wohnungen im Innern des Turmes einrichten, was leider manchen Elementen die ursprüngliche Substanz entzog. Im Jahre 1902 spendete die Stadt den "Turmhof" der evangelischen Gemeinschaft, die noch heute Eigentümer ist. 1934 wurde er restauriert und beherbergt jetzt ein interessantes lokales Museum.
Herrliberger (18e siècle)
Bibliographie