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Sebastian Vettel feierte seine Siege mit Ferrari jeweils mit italienischem Gesang – in den Boxenfunk als Belohnung für seine Mechaniker. In Abu Dhabi legte er einen neuen Song auf, das berühmte «Azzurro» von Adriano Celentano, «denn es war meiner Ansicht nach die beste Art, sie zu ehren», so Vettels Erklärung. Mit dem vierfachen deutschen Weltmeister erlebten nicht weniger als sieben Piloten, ein gutes Drittel der Startaufstellung also, das Ende eines Abenteuers im Rahmen ihrer Karriere, egal wie nachhaltig dieses war. Wegen Vettel, der zu Aston Martin, dem zukünftigen Namen von Racing Point, wechselt, muss Sergio Pérez gehen. Dass der Eigentümer des Teams, Lawrence Stroll, nicht auf seinen Sohn Lance verzichten würde, um Platz für den Ex-Ferrari-Mann zu machen, war klar. Die Karriere des Mexikaners in der Formel 1 geht damit zu Ende, es sei denn, dass man sich im Red-Bull-Reich von Alex Albon trennt (immerhin Rang 7 in der WM-Fahrerwertung, punktgleich mit dem zukünftigen Ferrari-Piloten Carlos Sainz).
«Wieder um Podiumplätze kämpfen»
In der Königsklasse ist das Pech des einen (manchmal) das Glück des anderen. Ferrari pickte sich Carlos Sainz heraus, um Charles Leclerc, den neuen Fahrer Nummer 1, zu unterstützen. So wie damals mit Michael Schumacher. Sainz macht wiederum einen Platz frei bei McLaren, den Daniel Ricciardo bereits länger im Visier hatte, schon vor seiner Unterzeichnung bei Renault, einer der bestbezahlten Verträge in der Formel 1. Vettel, Sainz, Ricciardo – diese drei sind erneut untergebracht und fahren weiter in der Formel 1. Bei Pérez ist es noch nicht endgültig. Drei andere Fahrer aber bleiben bei diesem Personenkarussell ganz sicher auf der Strecke: Romain Grosjean, Kevin Magnussen und Daniil Kvyat.
Die von Haas aufgrund von Budgetzwängen geopferten Grosjean und Magnussen müssen gut dotierten Neuankömmlingen weichen (Mick Schumacher von Ferrari und Nikita Mazepin mit seinem milliardenschweren Vater). Der Genfer Grosjean weiss selbst noch nicht, was er in Zukunft macht, der Däne geht in die USA «in eine Rennserie (Imsa – Red.) und ein Team (Ganassi – Red.), wo ich endlich wieder um Podiumsplätze kämpfen kann.» Ein Ziel, das auch Grosjean und Kvyat unbedingt anstreben.
«Geteilte Leidenschaft»
Der Russe ist einer der wenigen, die bereits drei Chancen in der Formel 1 erhalten haben, eine vierte wird es wohl nicht geben. Auch wenn die Red-Bull-Nachwuchsförderung aufgrund ihrer brutalen Auswahl fast an Selbsterschöpfung leidet, stehen noch weitere Jungtalente vor der Tür. Wie zum Beispiel der Japaner Yuki Tsunoda, glänzender Dritter der Formel 2, der bei Alpha Tauri anfängt. Oder der Este Juri Vips, der eifrig am Simulator in Milton Keynes, dem Sitz von Red Bull Racing, lernt und nächste Saison in die F2 aufrückt.
Mit der Pyramide im Rücken
In Abu Dhabi gab es, wie erwähnt, einige herzzerreissende Abschiedsszenen. Einmal abgesehen von den Ergebnissen – ob gut oder schlecht –, es ist immer das Ende eines menschlichen Abenteuers, wenn so ein Kapitel zu Ende geht. An der Spitze des Eisbergs ist der Fahrer nicht viel wert ohne die Crew, die hinter ihm steht und für ihn und für sich selbst arbeitet. Das schafft Bande, welche über die einfache Beziehung Arbeitgeber zu Arbeitnehmer hinausgehen. «Ich werde nie die Erinnerung an die verbindende Leidenschaft des Teams vergessen», lautet das Fazit von Vettel.
«Gut für alle»
Diese Chemie gilt es woanders wieder zu schaffen, bei Aston Martin für Vettel, bei Ferrari für Sainz und bei McLaren für Ricciardo. Eine Herausforderung, die man nicht unterschätzen darf. Für den 33-jährigen Deutschen geht es um die Fortsetzung seiner Karriere, die an einem Scheidepunkt angekommen ist. Für den Spanier (26 Jahre) und den Australier (31 Jahre), die noch vielversprechende Jahre vor sich haben, gilt es, in eine neue Dimension vorzustossen.
Als noch enger an Mercedes gebundenes B- Team kann Aston Martin Vettel die ideale Plattform für einen Neustart bieten. Der Heppenheimer braucht das, allein schon für sein Selbstvertrauen: «Warum gab es eine so grosse Differenz zwischen den beiden Rennautos in dieser Saison? Das ist mir unbegreiflich», fragte er sich noch in Abu Dhabi. «Kein anderes Team in der F1 hatte meiner Meinung nach einen so riesigen Unterschied.» Eine Überlegung, die natürlich auch Sainz, den neuen Fahrer der Scuderia, absolut etwas angeht. «Aber egal, wie die Antwortet lautet, man weist nicht die Chance zurück, für Ferrari zu fahren», so das Statement des Spaniers. Den besten Deal macht wohl Ricciardo, der zu McLaren geht, einem Team mit konstanter Aufwärtskurve, das künftig auch von Renault- auf Mercedes-Triebwerke umstellt. «Ich bin da, um vorne mitzumischen», so der Australier. Jede Chance, die sich ihm bietet dorthin zu kommen, ist willkommen. «Und wenn nächste Saison Renault Mercedes anspornt, noch besser zu werden, dann ist das gut für alle.» 2021 kann kommen!