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Mit Alejandro Jodorowsky kommt einer der grössten Spinner der Filmgeschichte nach Locarno. Er entfesselte H.R. Gigers Talent für den Film. Achtung: nach 24 spektakulären Bildern spielen auch noch Dita von Teese und Marylin Manson eine Rolle!
«Bei Angriff senkt sich die Maske und beisst ins Poulet oder küsst den Stern.» So heisst es auf der Skizze von H.R. Giger. Die «Maske» ist die Kuppel des Harkonnen-Palastes, wenn sie sich senkt, erscheint ein Schädel mit einer Zunge, die sich die Angreifer schnappt.
Der Harkonnen-Palast wurde nie gebaut. Die Skizze gehört zur Konkursmasse von «Dune», dem Film, der nie gedreht wurde. Beziehungsweise, der von David Lynch 1984 ganz anders gedreht wurde. Und nicht vom Chilenen Alejandro Jodorowsky, dem Mann mit den weltraumgrossen Visionen.
Es war 1975. Jodorowsky wollte den Science-Fiction-Bestseller «Dune» von Frank Herbert verfilmen. Den Bestseller über einen Planeten, auf dem ein Gewürz wächst, das eigentlich LSD ist. Der Film sollte genau so wirken: wie LSD.
Jodorowsky – der in den 50ern übrigens gleichzeitig mit Dimitri beim gleichen Lehrer in Paris Pantomime studiert hatte – gewann den Comiczeichner Moebius, Mick Jagger, Orson Welles, Udo Kier, Pink Floyd, Amanda Lear und Salvador Dalí. Und Dalí schlug ihm den surrealen Schweizer H.R. Giger vor.
Der Schweizer wollte zuerst nicht. Zum Kennenlernen schleppte ihn Jodorowsky deshalb an ein Konzert der Rockband Magma in Paris, Giger konstatierte: «Ich fühlte mich wie Christus, wenn er ans Kreuz geschlagen wird, das war faszinierend, diese Musik.» Jodorowsky sagte: «Ich brauche dich, wie du bist. Du suchst in der tiefsten Dunkelheit der Seele. Und das ist gut.»
Danach begann Giger den Palast des bösen Baron Harkonnen (Orson Welles) zu zeichnen (und während er in Paris war, verkuppelte Dalí Gigers Freundin mit einem jungen Hippie): «Sex konnte keiner gezeigt werden. Es war, als ob ich für Kinder zeichnen müsste. Jodorowsky hatte es satt, dass seine Filme immer zensiert wurden.»
Die Sache mit dem abwesenden Sex kompensierte Giger natürlich. Zum Beispiel in vielen phallischen Knochengebilden, die ebenso phallische Speere ausfahren konnten, wie hier, auf der Schlosstreppe von Harkonnen. Oder über einen «ausfahrbaren Penis» (Giger), der als Zugbrücke funktionierte.
«Dune» mit Gigers Düster-Design hätte es so durchaus geben können. Wenn Jodorowsky nicht darauf bestanden hätte, dass der Film 12 bis 20 Stunden lang werden müsste. Logisch, dass sich dafür kein Geld fand. Aber da hatte Ridley Scott schon ein Auge auf Giger geworfen, und dieser ging zusammen mit ein paar anderen «Dune»-Visionären zu «Alien».
Doch der Harkonnen-Palast verliess ihn nie mehr. Denn natürlich hatte er sich den Palast nicht nur von aussen, sondern auch von innen ausgedacht. Und die Möbel, skelettgestützte Throne und ein Tisch, der aussieht wie ein Platine, schon mal in Auftrag geben lassen. Er dachte sich, dass seine Fans sie kaufen würden. Die Fans interessierten sich nicht dafür, aber wenigstens hatte Giger so schon die Einrichtung seiner zukünftigen Giger-Bars beisammen.
Chris Foss, der normalerweise Cover von Science-Fiction-Romanen entwarf, kreierte dieses angeschossene Raumschiff für Jodorowsky. Die austretende blaue Wolke sind natürlich Drogen.
Von Foss stammt auch dieser gelbe Palast, die gelben Hörner (Detail letztes Bild) sind aufwärts fliessendes Wasser.
Die Kostümentwürfe stammen vom französischen Comicstar Moebius (Jean Giraud). Er hat auch das ganze «Dune»-Storyboard gezeichnet.
Dieser Psychedelik-Gottesdienst wurde von Jodorowsky-Fan John Lennon mit einer Million Dollar unterstützt.
Am 3. Dezember 2005 vermählte er Marilyn Manson und Dita Von Teese in einem alchimistischen Ritual. Natürlich in einem Kostüm aus «La montagna sagrada». Und natürlich nicht irgendwo, sondern im irischen Schloss des österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein.
Die Ähnlichkeit mit Dalí ist offensichtlich.