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Vor vielen Jahren arbeitete ich mit einem Verkäufer zusammen. Ich kann mich erinnern, dass er mich ziemlich zu Beginn unserer Zusammenarbeit mal bat, eine wichtige Offerte durchzulesen und auf mögliche "Fehler" in der Berechnung zu prüfen, denn es ging um einige hunderttausend Franken. Nun, die Berechnung war richtig, nur der Begleittext hatte noch Potenzial. Die Offerte wurde von "Wie wir bereiz am Televon besprochen haben..." eingeleitet. Er verriet mir etwas unbehaglich, dass er Legastheniker sei.
Und da erinnere ich mich wieder an die für uns sehr spannende Geschichte meiner Freundin. Ihre Tochter hat letztes Jahr in die 1. Klasse gewechselt und lernt jetzt Schreiben, Rechnen und was noch so dazu gehört. Sie erzählte mir, dass die Kinder ihre Briefe und sonstigen Texte jetzt ein Jahr lang so schreiben dürfen, wie sie wollen und sie dürfe Fehler auch nicht korrigieren. Es ginge jetzt noch nicht um Rechtschreibung. Und so bekam sie eines Tages den ersten Brief von ihrer Tochter: "Libe Mama, ...". Lass uns mal kurz überlegen, was das bedeutet. Das Gehirn darf jetzt ein Jahr lang die Strategie lernen, dass Rechtschreibung auditiv ist. Also gesprochen könnten wir ja "Liebe Mama" durchaus in "Libe Mama" verwandeln, richtig? Oder bereits in bereiz, Vogel in Fogel usw. Das heisst, sie sagen sich das Wort vor und achten darauf, wie es sich anhört. Nach einem Jahr wird dann den Kindern beigebracht, dass sie das jetzt also falsch gemacht haben und künftig doch bitte richtig schreiben sollen. Und meistens wird ihnen auch jetzt noch nicht beigebracht, was denn eine sinnvolle Strategie wäre. Das wird daran liegen, dass die meisten Lehrer selber keine Ahnung haben, wie eine gute Rechtschreibstrategie funktioniert.
Nun, wie geht denn nun gute Rechtschreibung. Wenn Du jemanden kennst, der gut in Rechtschreibung ist, kannst Du das gleich nachprüfen - ich hoffe natürlich gleich bei Dir selbst. :-) Gute Rechtschreibung ist visuell und kinästhetisch abgeglichen. Das heisst, diese Menschen sehen das zu schreibende Wort riesengross vor sich - wahlweise vor sich hin projiziert oder vor dem inneren Auge, wenn die Äugelein geschlossen sind. Die einzelnen Buchstaben sind dann mindestens 20 cm gross. Oft sind einzelne Buchstaben farbig und markieren damit Passagen oder Wichtigkeiten am Wort. Und, es fühlt sich für sie gut an. Wenn man diese Menschen dann bittet, das Wort in der gleichen Grösse falsch zu schreiben, reagieren sie oft mit einer Grimasse und einem "ähhhhh" oder "bääähhh". Sie beschreiben ebenfalls, dass das Wort blass, grau oder unleserlich wird. Spannend oder?
Wenn Du Deine Rechtschreibung nun verbessern wollen würdest, könntest Du Dir ein sehr grosses Blatt Papier besorgen (oder einen Flipchart) und beginnen, die Worte riesig dahin zu schreiben. Also wirklich in 20-30 cm grossen Buchstaben. Idealerweise machst Du das auch noch farbig, so dass Dir Besonderheiten gleich in Erinnerung bleiben und Dein Gefühl dazu auch schön fröhlich ist. Merkst Du wie cool das lernen mit Kindern jetzt wird, sobald Du weisst wie Du es in Deinem Kopf machst, während Du es machst?
Hach, ich mag Rechtschreibung und ich mag Satzzeichen. Ich hoffe, dass wir das "Aussterben" dieser Techniken aufhalten können.
Nun entlasse ich Dich mit einem Lachen und herzlichen Grüssen. Ganz viel Spass beim Ausprobieren :-)