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Haben Sie sich schon gegen Corona impfen lassen? Der Druck steigt von allen Seiten. Selbst ein Impfzwang ist kein totales Tabu mehr. Schliesslich stehe das Überleben der Menschheit auf dem Spiel. Wenn aber der ganze Planet auf der Intensivstation liegt, löst das keine Massenpanik aus. Gäbe es eine Impfung gegen klimaschädigendes Verhalten, wäre die Impfquote wohl noch viel, viel tiefer. Als erstes müssten nämlich die zehn reichsten Prozent der Menschheit immunisiert werden, die für 36 bis 45 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.
Diese Zahlen stammen ebenfalls aus dem Bericht des Weltklimarates, allerdings aus dem Teil, der erst im März nächsten Jahres veröffentlicht werden sollte. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern wollte aber nicht so lange warten und hat die Katze jetzt schon aus dem Sack gelassen. Diese reichsten zehn Prozent verantworten rund zehnmal so viele Treibhausgase wie die ärmsten zehn Prozent. «Die Konsummuster von Verbrauchern mit höherem Einkommen sind mit einem grossen Kohlenstoff-Fussabdruck verbunden», heisst es im IPCC-Bericht. «Die Spitzenemittenten dominieren die Emissionen in Schlüsselsektoren, so ist beispielsweise das obere ein Prozent für 50 Prozent der Emissionen aus dem Luftverkehr verantwortlich.»
Aber auch das wissen wir doch schon längst.
Ein überaus innovativer Beitrag zu einer sauberen Energieversorgung kommt ausgerechnet aus einem der ärmsten Länder der Welt. Rund drei Viertel der Bevölkerung in Sierra Leone haben kaum Zugang zu elektrischem Strom. Das befeuert offenbar kreatives Denken. Jeremiah Thoronka, 20 Jahre alt, wuchs in einem Slum am Rande von Freetown auf. Er sah zu, wie das Verbrennen von Kohle und Holz vor allem Kindern zusetzte, billige Kerosinlampen immer wieder Hausbrände auslösten, die Wälder abgeholzt wurden. Der junge Mann suchte nach einer Lösung, denn «Zugang zu Elektrizität ist ein Menschenrecht».
Thoronka erhielt ein Stipendium für die African Leadership Universität in Ruanda, wo er mit 17 Jahren Optim Energy gründete, das auf kinetische Energie – Bewegungsenergie – setzt. Er entwickelte ein piezoelektrisches Gerät, das Energie gewinnt aus Wärme, Bewegung und Druck. Wird dieses Gerät unter einer Strasse eingebaut, in einer Gegend mit viel Verkehr und Fussgängerinnen, absorbiert es die Vibrationen und macht daraus Strom. Nichts muss dafür verbrannt werden, es braucht keine Batterie, es entstehen keine Emissionen. Ja, die Menschen generieren Strom, ohne dass sie es überhaupt merken.
Das Pilotprojekt in Jermiah Thoronkas unmittelbarer Umgebung, in Kuntoluh, zeigt vielversprechende Resultate. Mit nur zwei Geräten, konnte sein Start-up 150 Haushalte mit rund 1 500 Menschen und 15 Schulen mit 9 000 Studierenden mit Gratisstrom versorgen. «Die Menschen akzeptieren lokale Lösungen. Sie sind sehr offen, wenn sie etwas nachvollziehen können.» Thoronkas Arbeit hat Aufmerksamkeit erregt. Er wurde mit dem Commonwealth Youth Award ausgezeichnet, das jedes Jahr an fünf junge Menschen vergeben wird, die das Leben in ihrer Gemeinde verbessern und mithelfen, die Nachhaltigkeitsziele der Uno zu erreichen. Ganz bescheiden sagt der junge Mann: «Bewegung ist eine gewaltige Ressource, die brach liegt. Wir sollten sie als Energiequelle nutzen.»
Christa Dettwiler