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Mit dem Tod von Shirley Walker im November 2006 verliess eine Filmkomponistin die Bühne, die es musikalisch mit jedem KomponistEN hat aufnehmen können, kommt noch dazu, dass sie eine der sympathischsten Vertreterinnen ihres Fachs war.
Turbulence ist eine Mischung aus Flugzeugkatastrophen- und do-it-yourself-Film, das mit Die Hard ein neues Blockbustergenre schuf. Hier nun ist, kleine Parallel zum Bruce Willis Hit, Weihnachten und einige Lastminute-Passagiere haben sich auf einem Inlandflug eingefunden. Mit dabei sind auch zwei Schwerkriminelle, in Handschellen und vermeintlich gut bewacht. Und wie es ebenso geschieht, einer der beiden (Ray Liotta) versucht schliesslich die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen, ihm entgegen stellt sich nur noch, nachdem Bewacher und Piloten ausgeschaltet wurden, die tapfere Stewardess Teri (Lauren Holly). Der Film von Robert Butler ist eher 08/15 auch wenn Ray Liotta als Bösewicht durchaus Klasse zeigt. Das ganz grosse Plus aber ist eindeutig Shirley Walkers Musik.
Für Walker war Turbulence eine willkommene Abwechslung nach John Carpenters völlig missratenem Escape from L.A. und zwischen Space: Above and Beyond und den diversen TV-Superhelden-Animationsfilmen, die Walker betreute. Und wieso sollte eine Frau nicht auch einen zünftigen Die HardVerschnitt vertonen sollen? Auf jeden Fall ist Turbulence ein Score, der sich gewaschen hat.
Was kurz weihnachtlich beginnt, mit den unverkennbaren Klängen von „Carol o‘ the Bells“, wird alsbald zu einem deftigen Mitreisser. Zunächst aber nimmt Walker die ersten vier Noten von „Carol o‘ the Bells“ und verwendet sie à la Herrmann in „Christmas Shopping/I’m Innocent“. Hier setzt Walker auch gleich den Ton von Turbulence: Ungemütlich, kühl, beklommen. Ein Statement des heroischeren Themas, das Parallelen zu Loris Thema aufweist, ist in „F.A.A. 214“ und in „The Take-Off“ vom Blech, begleitet von Perkussion, elektronisch und „in natura“, zu hören (erinnert durchaus an Space: Above and Beyond). Ab hier beherrscht zunächst Spannung, erzeugt mit der Streichersektion, („Storm Clouds/Marty’s Mistake“) die Szenerie, mehr und mehr in prickelnde Action übergehend, in der die Blechbläser, auffällige Streicherfiguren und zuweilen Perkussion aus dem Synthesizer mehrheitlich das Kommando übernehmen. Ab jetzt bleiben nur wenige Momente der Ruhe wie in „Ident Switch“, in dem Walker kurz Platz für das Hauptthema macht, gespielt von Klavier und Oboe über auffälligen Synthieflächen. Etwas durchschnaufen kann man auch bei Suspensestücken wie „Level Six/Last Breath“ – und wenn dann die Celesta „Carol o‘ the Bells“ spielt, ist das fast höhnisch. „Don’t Trust Him/Teri/Teri Looks for Maggie“: hypnotisch mit den Schlägen von Timpani, Tomtom, Pauke, verführerischem Klavier, Fagott und Streicher des tiefen Registers. Mit zunehmender Länge häufen sich die pfundigen Actionstücke, bis hin zum grossen Finale mit „Fighter Escort“, „Here’s Johnny“ und „The Landing/Welcome Home, Teri“.
Turbulence ist eine schlichtweg hervorragend gemachte Filmmusik, man könnte heute schon fast von „alter Schule“ sprechen (dann fühlt man sich aber wirklich alt…). Dass Walker ihr Handwerk versteht, darin bestehen keine Zweifel, viel Praxis als Orchestratorin und Dirigentin bei diversen Projekten, als auch als Konzertpianistin, haben ihr ein Fachzeugnis par excellence ausgestellt. Und dass sie als Komponistin einiges drauf hat, das zeigt nicht zuletzt, aber ganz sicher Turbulence. Für Fans von, und das möchte ich deutlich unterstreichen, gut gemachten Actionmusiken ist hier eine ganze Menge (77 Minuten inkl. der beiden End Credits Stücke) zu hören; enjoy the ride, könnte man auch sagen.
Auch auf das Booklet kann man sich freuen. John Takis gibt Einblicke zu den musikalischen Hintergründen (mit diversen Ausschnitten aus einem Interview mit Shirley Walker) und Track-by-Track Infos.