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Mehrere skandinavische Länder haben leicht erhöhte Strahlenwerte gemessen. Die Ergebnisse deuten auf einen Zwischenfall in einem Atomreaktor hin. Liegt der Ursprung in Russland?
Eine Meldung aus Skandinavien lässt aufhorchen: Nachdem Norwegen, Finnland und Schweden erhöhte Radioaktivität gemessen haben, haben sich auch die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen und die Internationale Atomenergiebehörde gemeldet. t-online.de erklärt die Lage.
Die ersten auffälligen Befunde machte die norwegische Strahlenschutzbehörde (DSA). An zwei Messstationen im Nordosten Norwegens an der Grenze zur russischen Halbinsel Kola wurden in der ersten Juni-Woche sehr geringe Mengen an radioaktivem Jod-131 gemessen. Auch eine Station auf Spitzbergen registrierte das Jod-131. Es zerfällt vergleichsweise schnell, die Halbwertszeit liegt bei acht Tagen.
Jeweils im Süden der Länder stiessen Schweden in der Woche darauf und Finnland am 16. und 17. Juni auf geringe Mengen von längerlebigen radioaktiven Isotopen: Kobalt-60, Ruthenium-103, Cäsium-134 und Cäsium-137. Die Organisation hinter dem Atomwaffen-Sperrvertrag, die CTBTO, die ein eigenes Messnetz betreibt, registrierte am 22. und 23. Juni in Schweden ebenfalls Cäsium und Ruthenium. Die genannten Nuklide sind allesamt Spaltprodukte von Prozessen in Atomkraftwerken, also künstliche radioaktive Stoffe.
Alle Behörden betonen, dass keine Gefahr für den Menschen oder die Natur von den gemessenen Werten ausgeht. Der Höchstwert an der Grenze zu Russland lag bei 1,3 Mikrobecquerel pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: Im September und Oktober 2017 war radioaktives Ruthenium-106 in vielen Ländern Europas nachgewiesen worden. In Deutschland meldete das Bundesamt für Strahlenschutz einen Höchstwert von rund fünf Millibecquerel pro Kubikmeter Luft, also rund 5000 Mikrobecquerel, und beruhigte, dies sei 100'000 mal kleiner als der Wert, an dem Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergriffen werden müssten.
Wildschweinfleisch, in dem auch 34 Jahre nach dem Super-Gau von Tschernobyl noch Cäsium nachgewiesen wird, darf bis zu einer Strahlenbelastung von 600'000 Millibecquerel pro Kilogramm verkauft werden.
Die skandinavischen Länder halten sich mit Aussagen dazu zurück. Ein wenig konkreter wurde die Organisation des Vertrages über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen. Lassina Zerbo, Chef der Atomwaffen-Sperrvertrags-Organisation CTBTO, twitterte aber eine Karte, die zeigen soll, wo 72 Stunden zuvor der mögliche Ursprungsort gewesen sein könnte. Es ist ein riesiges Gebiet.
Zerbo erläuterte, die Organisation könne die wahrscheinliche Region der Quelle angeben. «Aber es liegt ausserhalb des Mandats des CTBTO, den genauen Ursprung zu identifizieren.» Die Internationale Atom-Energiebehörde erklärte am Samstag, sie habe aus den Ländern Informationen erbeten, ob diese Radioisotope nachgewiesen wurden und zu der Freisetzung ein Zwischenfall passt.
Das Nationale niederländische Institut für Umwelt erklärte, die Radionuklide müssten von einem Schaden an einem Brennelement stammen. Eigene Berechnungen zeigten, dass die Nuklide aus Richtung Westrussland kommen müssen. Wegen der wenigen Messungen sei ein genauer Ursprungsort aber nicht zu identifizieren.
Auf den Seiten des Kernkraft-Monopolisten Rosenergoatom, Betreiber der zivilen Anlagen, findet sich keine Meldung. Es gebe auch nichts zu melden, berichten die Agenturen Interfax und Tass unter Berufung auf den Konzern. In den beiden Kernkraftwerken Leningrad und Kola seien die Kontrollwerte nicht überschritten worden. Die Seite der russischen Behörde für Umweltüberwachung Roshydromet zeigt an keiner Messstelle erhöhte Werte.
Greenpeace Russland verweist darauf, dass die Freisetzung auch möglich sei durch den Reaktor eines nuklearen Eisbrechers oder eines Atom-U-Boots. Russlands Umweltüberwachungsbehörde habe zudem in der Vergangenheit Kritik an den veralteten Messstationen der staatlichen Atomenergie-Agentur Rosatom geübt. Der Nachweis von Radionukliden in geringen Konzentrationen ist nur möglich durch Spezialgeräte mit Luftstaubsammlern, die grosse Mengen Luft durch Filter leiten.
Dazu kommt: Auch bei der europaweit gemessenen Ruthenium-106-Wolke im Jahr 2017 hatte Russland zurückgewiesen, dass die Quelle ein Zwischenfall in Russland sein könnte. Internationale Forscherteams sind dagegen zu diesem Schluss gekommen.
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