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Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche und degenerative – das heisst mit einem Zellverlust einhergehende – Erkrankung des Nervensystems.
Was ist Multiple Sklerose (MS)?
Infolge einer Fehlfunktion des Immunsystems können körpereigene Zellen das sogenannte Myelin, die fett- und eiweissreiche Hülle, die Nervenfasern umgibt und isoliert, und/oder Zellen im zentralen Nervensystem (= Gehirn und Rückenmark) angreifen.
Das Myelin kann man sich stark vereinfacht wie eine Isolationsschicht um eine elektrische Leitung vorstellen. Der Verlust dieser Schicht ist mit Fehlfunktionen bei der Weiterleitung von Signalen verbunden. Diese Attacke des Immunsystems auf die Nervensubstanz führt zu Entzündungen und Schädigungen der Nervenfasern und schon zu Beginn der Multiplen Sklerose zu einer Zerstörung der Nervenzellfortsätze (Axone).
Wegen dieser beiden entscheidenden Mechanismen wird die Multiple Sklerose auch als "duale Erkrankung" bezeichnet. Die Störung der Nervenleitung und der Verlust der Zellen im Zentralnervensystem führen zu den typischen neurologischen Funktionsstörungen bei MS.
Die Multiple Sklerose verläuft zumeist schubförmig. Nach einem Schub und der damit einhergehenden Attacke auf die Nervensubstanz setzt im Laufe einer gewissen Zeit (manchmal Tage oder auch Monate) eine Besserung der Ausfälle ein. An den Entzündungsherden bildet sich ein verhärtetes Narbengewebe. Multiple Sklerose bedeutet daher wörtlich übersetzt "vielfache Verhärtung". Das kann zu dauerhaften Einschränkungen der Nervenfunktionen führen.
Mögliche Ursachen und Auslöser für Multiple Sklerose
Die Ursachen für Multiple Sklerose konnten bisher nicht vollständig geklärt werden. Genetische Einflüsse gelten jedoch als gesichert: Man geht davon aus, dass diese bei bestimmten Personen die Entstehung einer MS begünstigen können. Diese Tatsache gilt auch für viele andere Erkrankungen, bei denen das Immunsystem fehlgesteuert ist.
Auch der Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entstehung einer MS wird diskutiert. Hier scheinen insbesondere virale Erkrankungen eine Rolle zu spielen. Als Auslöser der Multiplen Sklerose oder einzelner Schübe kommen eine Vielzahl von Faktoren in Frage, die bei allen MS-Betroffenen unterschiedlich sein können: So können zum Beispiel Stress, Infektionserkrankungen mit Fieber oder Unfälle zu der Erstmanifestation, einem Multiple Sklerose Schub oder einer Verschlechterung bereits bestehender MS-Symptome führen.
Bei den Immunprozessen in unserem Körper handelt es sich um ein kompliziertes Netzwerk von Einzelvorgängen, die zusammenwirken, um unseren Körper zu schützen. Bei Multiple Sklerose Betroffenen scheint dieses komplexe System – das Immunsystem – fehlgesteuert zu sein.
Die Pathologie der MS
Was während eines MS-Schubes passiert, ist gut erforscht. Allerdings gibt es nun Hinweise darauf, dass die Veränderungen im Gehirn nach einem Schub nahezu unbemerkt voranschreiten. An welchem Punkt steht die Forschung heute und welche Rolle spielen die einzelnen Protagonisten des Immunsystems bei dem akuten Schubgeschehen und vor allem danach?
Sie möchten diese komplexen Prozesse vorher kennenlernen? Dann erfahren Sie in den folgenden drei Animationsfilmen, welche Zellen wann zum Einsatz kommen und welche Funktionen die einzelnen Protagonisten in der akuten Schubphase und vor allem in der Zeit danach haben.
Die Symptome der MS
Multiple Sklerose kann sich durch unterschiedliche körperliche Anzeichen äussern. Neurologen nennen diese auch "Symptome" der MS. MS-Symptome können bei jedem Multiple Sklerose Betroffenen sehr unterschiedlich ausfallen. Manche treten häufig auf, manche eher selten. Die Palette der MS-Symptome reicht von Sehstörungen über Gangunsicherheiten bis hin zu Gefühlsmissempfindungen. Viele Multiple Sklerose Betroffene können zudem Bewegungsstörungen mit Spastik, Lähmungen, Koordinationsprobleme oder Sprechstörungen haben.
Auch Blasenschwäche und Einschränkungen in der Verdauungsfunktion oder der Sexualität treten im Zusammenhang mit Multipler Sklerose häufig auf. Viele Menschen mit MS verspüren eine starke Ermüdbarkeit (Fatigue). Auch Depressionen sind keine seltene Begleiterscheinung der Multiplen Sklerose. Bei der Vielfalt der MS-Symptome gilt es zu bedenken, dass Multiple Sklerose dank der heute verfügbaren diagnostischen Verfahren bereits im Frühstadium diagnostizierbar ist.
Reden Sie mit Ihrem Arzt, und lassen Sie sich zu einem Neurologen überweisen, der Sie gut beraten wird und die unterschiedlichen Symptome überprüft.
Leben mit MS – Tipps
Multiple Sklerose Betroffene werden ständig aufs Neue mit den grösseren und kleineren Fragen und Herausforderungen des Alltags konfrontiert. Im Folgenden finden Sie einige Hinweise, wie Menschen mit MS zusätzliche Belastungen vermeiden können:
- Ignorieren Sie nie Veränderungen Ihrer MS-Symptome oder das Auftreten einer neuen Symptomatik. Sofortige Massnahmen können das Ausmass eines möglichen Multiple Sklerose Schubes reduzieren.
- Vermeiden Sie unnötigen Stress! Er führt zu einer Dauerbelastung, die sich negativ auf die Multiple Sklerose und die Seele auswirken kann.
- Geniessen Sie Alkohol nur in Massen.
- Versuchen Sie, auf das Rauchen zu verzichten! Man muss nach dem heutigen Kenntnisstand davon ausgehen, dass Rauchen die Progression der MS beschleunigen kann.
- Bevor die Augen müde werden, sollten Sie Fernseher und PC abschalten. Sehstörungen gehören zu den häufigsten Multiple Sklerose Symptomen. Ihre Augen werden es Ihnen danken, wenn Sie sie nicht überstrapazieren!
- Meiden Sie übermässige Hitze wie in der Sauna und ausgiebige Sonnenbäder, denn Hitze kann zu dem sogenannten Uhthoff-Phänomen, einer Verstärkung der MS-Symptome aufgrund von Wärme, führen. Tasten Sie sich am besten langsam an jenes Ausmass heran, bei dem Sie sich noch wohlfühlen! Auch bei Kälte ist Vorsicht geboten. Sie wird zwar meist besser vertragen, doch setzt man sich leicht einer Erkältungsgefahr oder Blaseninfektion aus.
- Machen Sie sich niemals selbst für Ihre Multiple Sklerose verantwortlich und versuchen Sie nicht über schlimmste Eventualitäten nachzudenken.
FAQ - häufig gestellte Fragen
Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche und degenerative Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Aufgrund dieser beiden Krankheitsmechanismen sprechen Experten auch von einer dualen Erkrankung. Infolge einer Fehlfunktion des Immunsystems können körpereigene Zellen das so genannte Myelin (= fett- und eiweissreiche Hülle, die die Nervenfasern umgibt und isoliert) und/oder Zellen im zentralen Nervensystem (= Gehirn und Rückenmark) angreifen. Die damit einhergehenden Entzündungen und Schädigungen der Nervenfasern führen zu Störungen der Nervenleitung und somit zu neurologischen Funktionsstörungen.
Es werden grundsätzlich drei Verlaufsformen der MS unterschieden:
- schubförmiger-remittierender Verlauf der MS
- sekundär-progredienter Verlauf
- primär-progredienter Verlauf
Bei etwa 80% der Patienten beginnt die MS mit einem schubförmigen-remittierenden Verlauf, d.h. die Schübe bilden sich nach Tagen oder Wochen mehr oder weniger vollständig zurück (=Remission). Diese schubförmig-remittierend verlaufende MS geht bei etwa 30-50% der Betroffenen innerhalb von 6 bis 10 Jahren in die sekundär-progrediente Verlaufsform über. Dabei kommt es zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der MS. Schübe treten gar nicht mehr oder seltener auf.
Etwa 20% der Erkrankten erleiden von Beginn ihrer Erkrankung an einen primär-progredienten Verlauf: Die Erkrankung schreitet kontinuierlich ohne Schübe voran, und bleibende Behinderungen nehmen stetig zu.
Man spricht von einem Schub, wenn akut Symptome (Nervenfunktionsstörungen) auftreten, die länger als 24 Stunden anhalten. Es können dabei entweder neue Symptome oder aber akut vorhandene Symptome in verstärkter Form auftreten. Die Symptome bessern sich meist nach einigen Tagen oder Wochen (= Remission). Damit zwei Schübe als separat voneinander betrachtet werden können, müssen sie mindestens vier Wochen voneinander getrennt sein.
Die Ursachen der MS konnten bisher nicht vollständig geklärt werden. Genetische Einflüsse können eine mögliche Ursache sein. Man geht davon aus, dass bei bestimmten Personen eine Neigung besteht, eine MS entwickeln zu können. Auch der Einfluss von Virusinfekten auf die Entstehung der MS wird diskutiert.
In der Schweiz geht man von insgesamt etwa 15‘000 MS-Betroffenen aus. Das bedeutet, dass etwa jeder 560. Einwohner an MS leidet.
Auf Grund des individuell sehr unterschiedlichen Verlaufs und der Vielfalt der Symptome ist die MS nicht einfach zu diagnostizieren. Ihre Diagnose ist vielmehr eine Sammlung von Befunden, die durch körperliche neurologische Untersuchungen und durch Techniken wie die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie MRT/MRI), die Untersuchung des Liquor cerebrospinalis (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, nicht fachsprachlich Nervenwasser) sowie elektrophysiologische Untersuchungen zusammengefügt wird.
Die MS-Therapie hat mehrere Ansätze. Einige zielen auf die Beeinflussung des Prozesses selbst (= Dauer- oder Basistherapie), andere richten sich gegen die durch die MS verursachten Beschwerden (= symptomatische Therapie). Während eines akuten Schubes werden für einige Tage Glukokortikosteroide zur Unterdrückung der akuten Entzündungsprozesse verabreicht. Bei der Langzeittherapie stehen verschiedene immunmodulierende Substanzen zur Verfügung. Sie können den Verlauf der MS, so z.B. Schubhäufigkeit oder Schubschwere, positiv beeinflussen. Bei der symptomatischen Therapie werden die Symptome der MS, wie z.B. Spastik, medikamentös bzw. auch durch nicht-medikamentöse (Begleit-) Massnahmen behandelt.
Die MS ist keine Infektionskrankheit und somit nicht ansteckend.
Aus medizinischer Sicht ist die Multiple Sklerose kein Hindernis, ein Kind zu bekommen; sie sollte aber mit dem behandelnden Neurologen und einer Gynäkologin geplant werden. Die Fruchtbarkeit bei MS-Betroffenen ist nicht reduziert und bei Schwangerschaft sowie Entbindung sind grundsätzlich nicht mehr Komplikationen zu erwarten als bei gesunden Frauen. Eine Schwangerschaft scheint den Verlauf der MS sogar positiv zu beeinflussen. Zu beachten ist jedoch, dass in den ersten 6 Monaten nach der Geburt das Schubrisiko etwas erhöht ist. Zudem ist eine langfristige Planung der Kinderbetreuung notwendig, um auch auf Situationen während eines schlechten gesundheitlichen Zustandes vorbereitet zu sein.
Das Risiko, MS weiterzugeben, ist sehr gering und liegt zwischen 1% und 5%. Es besteht aber eine gewisse ererbte Veranlagung („genetische Disposition“), eine MS zu entwickeln.
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