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An outstanding personality!
Es war der 1. Mai 1985. Gerade eben hatte ich in Zuoz meinen Abschluss gemacht. In Zürich lebend wurde ich zum Family Picknick beim damals einzigen Fivescourt in Geeren/Dübendorf eingeladen. Plötzlich stand ein nicht sehr grosser Mann hinter mir. Sein Trainingsanzug war aus den frühen 70er Jahren, aber das schien ihn nicht zu interessieren. Er stellte sich vor: „Benny Oei, Orania“, und beim "Orania" glänzten seinen Augen. Kurz nach der Vorstellung zeigte sich, dass er ein leidenschaftlicher Sportler war. Den kleinen weissen Fivesball federte er schnell und mit höchster Präzision im Court umher. Und prompt erspielte er sich mit seinem Partner das Recht des „Foot down“ – Matchball! (dabei muss erwähnt werden, mit welchem Erfindergeist er jahrelang seine Fiveshandschuhe mit Leim und Microwelle (!) bearbeitete, um mit diesen einen optimalen Spinn erzielen zu können.)
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich auf der Basis des Sports zwischen uns eine intensive Beziehung. Seine Favoriten waren Cricket, Fives und Tennis. Als der Zuoz Club zu Beginn der 90er Jahren einen Sportscaptain suchte, meldete er sich mit Stolz. Mit grosser Akribie organisierte er die Zusammensetzung der Teams für die Summer- und Wintergames. Dies machte er aber nicht etwa in der stillen Kammer. Nein, er ernannte für jede Sportart und jedes Team einen Captain und lud diese Gruppe von bis zu 30 Personen zum „Captains-Meeting“ in die Veranda des Hotel Engiadina ein. Er hatte die einmalige Fähigkeit, Menschen unterschiedlichster Herkunft, Alter und Hautfarbe zu begeistern. Schon während seiner Schulzeit am Lyceum (1937-42) war er in dieser Hinsicht eine herausragende, starke Persönlichkeit. Dies zeigte sich u.a. auch darin, dass er die damalige politische Stimmung nicht akzeptierte und es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Rektor kam, in deren Folge er das Lyceum unfreiwillig verlassen musste.
Bennys herausragende Eigenschaft, junge Menschen in die Zuozer Games einzuführen, sollte durch diesen Zwischenfall keinen Schaden nehmen. Wenn er mit seiner geliebten Frau Marianne auf AI zu den Summer Games erschien, wurde er von jungen Schülern (und Schülerinnnen!) überschwänglich umringt. Benny war Zeit seines Lebens ein sehr beliebter und erfolgreicher Sportler. Er erhielt in seinem Leben zahlreiche Auszeichnungen; besonders stolz war er auf den „Tripple-Collar“, welcher er als Schüler im Jahr 1942 erhielt. Diesen Batch (bis heute die höchste sportliche Auszeichnung am Lyceum) trug er aber nicht wie üblich auf einem Cricket-Pullover, sondern er lies ihn in die Innenseite eines Jackets einnähen: Bescheidenheit und Unterstatement waren die charakteristischen Merkmale dieser grossen Persönlichkeit.
Beim traditionellen Zuozer Weekend im September wurde auf AI der „Benny Oei Award“ ins Leben gerufen. Es spricht für den Kosmopoliten, dass der Award von einem Old Boy aus der Türkei initiiert wurde. Die Trophy repräsentiert den Zuozer Spirit: Fairplay/Fairness, Anstand, Teamgeist und Selbstverantwortung. Benny verkörperte diese Geisteshaltung ein Leben lang.
Als Anhänger von Konfuzius glaubte Benny an die Reinkarnation. Und in diesem Glauben wird Benny auch stets ein Teil des Zuoz Club sein. Ich bin sicher, dass Benny irgendwo auf AI auf seinem Klappstuhl sitzt und die Geschehnisse am Lyceum mit einem breiten Lachen geniesst.
Foot down – dear friend!
Daniel Haering, Teutonia
Sportscaptain Zuoz Club 1992-2002