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Wenig zu lächeln
Geboren als Overton Amos Lemons, sorgte der New Orleans-Gitarrist und Songwriter unter seinem Künstlernamen Smiley Lewis (1913–1966) für Furore im tiefen Süden. Einige seiner Stücke wurden zu Klassikern, aber der Mann starb zu früh, um sich eine Chance zu geben, in den rassendurchlässigen USA der späten 1960er und 1970er Jahren erfolgreich zu sein. Und sein ganzes Leben litt er darunter, dass er grossartige Musik schrieb, die Früchte des Erfolgs aber von Fats Domino geerntet wurden. Eine Retrospektive seines Schaffens ermöglicht nun die 4-CD-Box mit remasterten Aufnahmen von 76 Titeln.
Der Mann, der als Smiley Lewis bekannt werden sollte, wurde als mittlerer von drei Söhnen in DeQuincy geboren, einem Flecken im ländlichen Louisiana. Seine Mutter starb noch während seiner Kindheit, und so machte sich der noch nicht volljährige Overton Lemons auf den Weg nach New Orleans, wo er gestützt auf seine kräftige Stimme und Grundkenntnisse des Gitarrenspiels eine Musikerkarriere anstrebte. In der grossen Stadt wohnte er bei einer irischen Familie, deren Namen Lewis er zu seinem eigenen machte. Er spielte für Kleingeld im French Quarter der Stadt, oft begleitet von Pianist Isidore «Tuts» Washington (1907-1984). Gelegentlich trat er in den 1930er Jahren mit Thomas Jefferson's Dixieland Band auf.
1938 heiratete Lewis eine Frau namens Leona Robinson, und das junge Paar lebte bei der Schwiegermutter, bis sich eigener Nachwuchs ankündigte, und sie umziehen mussten. Lewis begann in dieser Zeit unmittelbar vor dem Kriegseintritt der USA in einer Fabrik zu arbeiten und nur abends Musik zu machen. Lewis und Washington spielten nach Kriegsausbruch 1941 wieder gemeinsam in Kid Earnest Molieres Band, und sie formten sogar eine gemeinsame Band mit Schlagzeuger Herman Seals, die auf Truppenstützpunkten im Süden sowie in der Bourbon Street spielte. Das Trio nach 1947 auch eine Single für DeLuxe Records auf, die aber keinen Erfolg hatte und deshalb gab es auch keine weiteren Aufnahmen mehr.
1950 wurde dann Dave Bartholomew auf Lewis aufmerksam. Bartholomew war der Produzent von Fats Domino und er hatte eben dessen ersten Hit The Fat Man herausgebracht und bot nun Smiley Lewis als Künstler für das Label «Imperial» seine Chance, die dieser mit Tee Nah Nah auch nutzte. Die erste Hälfte der 1950er Jahre war die grosse Zeit, in welcher Lewis diverse bescheidene Hits in den Schwarzen R&B Charts hatte. 1954 spielte er Blue Monday ein, dass dann zwei Jahre später Domino zu einem Nr. 1 Hit machte. 1955 spielte er I Hear You Knocking ein, dass es immerhin bis auf den zweiten Platz der Charts schaffte. 1956 schliesslich schrieb er den Song One Night (of Sin), eine Nr. 11 in den Charts und später bekanntlich ein grosser Erfolg für Elvis Presley (unter Streichung der «Sünde» im Titel) und in der Folge für Willie de Ville.
Verschiedene andere Label versuchten, die stockende Karriere von Smiley Lewis anzuschieben, in den 1960er Jahren schliesslich sogar das Label «Loma Records», wo Produzent Allen Toussaint 1965 einen letzten Versuch machte, aber der zu diesem Zeitpunkt bereits an Magenkrebs erkrankte Smiley Lewis war zu schwach und krank, und im Herbst des folgenden Jahres starb er dann, ohne das Folk Revival der späten 1960er Jahre erlebt zu haben. Den Zugang zu einem nationalen Schwarzen Publikum blieb Lewis ebenso versagt wie der Erfolg bei Weissen Fans.
Lewis’ musikalisches Schaffen ist vor allem der New Orleans Sound, den Fats Domino bekannt machte, aber er spielte auch den Crooner, etwa mit dem Titel I Love You For Sentimental Reasons oder den religiösen Country-Sänger mit You Are My Sunshine oder I Shall Not Be Moved. Sein Erfolg blieb auf den lokalen Markt von New Orleans oder Louisiana begrenzt, aber wenn man die Aufnahmen heute hört, bleibt das unverständlich, denn Lewis klingt tatsächlich wie eine Mischung aus Fats Domino und Big Joe Turner: mit gewaltiger Stimme und viel Energie singt er seine Titel, die sich nicht hinter den erfolgreicheren Konkurrenten zu verstecken brauchen. Ein Geheimtipp, den zu entdecken sich auf jeden Fall lohnt. Der Mann klingt stark wie Domino, was sowohl eine Warnung aber vor allem auch eine Empfehlung ist.