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Hansruedi Widmer
Er ist heutiger Geschäftsführer der Bäckerei-Konditorei Widmer. 1955 geboren und ist heute über dreissig Jahre mit Norma Widmer-Hueber verheiratet. Gemeinsam führen sie das Geschäft fast ebenso lange.
Hallo Papa, du hast das Interview mit Grossmutter gelesen. Es käme nun der folgende Teil bis heute. Was hat dich bewogen, das Geschäft zu übernehmen?
Nun, ich hatte meine Lehre als Elektroniker abgeschlossen. Mein Wunschtraum war damals, Militärpilot zu werden. Ich bekam aber einen negativen Bescheid, weil ich teilweise farbenblind bin. Damit war die Karriere als Pilot mit einem einzigen Testresultat zunichte gemacht. Da wegen der starken Rezession 1975 -78 als Elektroniker keine Arbeit zu finden war machte ich erst mal im Militär weiter als Korporal. Zu dieser Zeit bekam Herrmann, mein Vater, immer mehr gesundheitliche Probleme, und von meinen Geschwistern wollte keines den elterlichen Betrieb übernehmen. So entschloss ich mich mit 23, noch die Lehre als Bäcker-Konditor anzufangen, und übernahm dann, nachdem ich ein Jahr in Zermatt gearbeitet hatte, das Geschäft am 1. Februar 1986.
Was waren die ersten Sachen, die du gemacht hast?
Ich war mit meiner Frau Norma zusammen, und wir ersetzen den bisherigen Lieferwagen recht bald durch den Verkaufswagen, mit dem wir fortan die Brottour im Tal machten. So machten wir es, bis das Fahrzeug etwa 20 Jahre später altersschwach war und es absehbar war, dass nicht mehr so viel gekauft werden wird wie am Anfang. Wir verkauften das Auto und führten das heutige Brotkastensystem ein.
Ich weiss, dass du damals 1988 expandieren wolltest. Das geschah dann ja 1994 mit dem Snackbeck in Arosa.
Oh, wir betrieben davor auch den Volg-Laden in Langwies. Das war fast ein Pflichtkauf, weil der Laden sonst geschlossen worden wäre. Und es war uns klar, dass, wenn die Leute in andere Orte einkaufen gehen, die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass sie auch das Brot dort kaufen. Doch der Volg rentierte nicht und war in einem anderen Haus als der Bäckereiladen. Es war unsinnig und aufwändig, zwei Lokalitäten zu betreiben, wenn auch eine reichen würde. Der Standort des Volg war schlecht und der Brotladen zu klein. Die Idee war, die Bäckerei auszubauen und beide Läden zu vereinen. Das wurde uns aber durch unsere Nachbarn verunmöglicht, die uns das abbruchreife Häuschen neben der Bäckerei zwei Jahre lang versprachen, sich aber im letzen Moment anders entschieden und es jemand anderem verkauften, der von unseren Plänen nichts wissen wollte. Damit waren wir blockiert. Wir wollten nicht unser ganzes Leben in der älter werdenden Bäckerei verbringen, die, wie du weisst, nicht sehr wohnfreundlich war. Es kam uns vor, als ob alle gegen uns seien, da alle unsere Versuche, uns zu verbessern, vereitelt wurden. Also orientierten wir uns nach aussen, weg von Langwies. Wir errichteten deshalb am 14. Dez 1994 die Filiale Snackbeck in Arosa und belieferten sie von Langwies aus. Der Snackbeck lief von Anfang an sehr gut, so gut, dass wir in Langwies Kapazitätsprobleme bekamen. Daher produzierte die Bäckerei Hunkeler zwei Jahre lang einen Teil der Brotware für uns in Arosa. Dann, im Jahre 1997, übernahmen wir die Bäckerei in Pacht, und Jörg & Trudi Hunkeler arbeiteten als Angestellte bei uns. Damit übernahmen wir auch deren Kunden.
Und dann ist unsere Familie nach Arosa gezogen. Das war im Jahr 2002.
Richtig. Der Schwerpunkt hat sich verlagert. Langwies verlor immer mehr an Bedeutung für uns. Ich pendelte dann einfach nach Langwies, um zu arbeiten.
Dann kam das Angebot mit der Simmen-Bäckerei.
Genau. Die Bäckerei Simmen ging Konkurs und wurde im Jahr 2004 von Herrn Mörgeli an der Auktion ersteigert. Dieser kam eines Tages im Jahr 2009 zu uns in den Snackbeck und machte uns das Angebot, die Bäckerei Simmen zu übernehmen. Er suchte jemand, der das Geschäft führt, weil er Probleme mit der bisherigen Leitung hatte. Das war für uns ein grosses Risiko, aber auch eine Chance, denn wir konnten dadurch die Produktion ganz nach Arosa holen und uns das lange Transportieren, das entsprechend frühe Aufstehen, das Verpacken und alles, was so ein langer Weg mit sich bringt, sparen.
Womit die Notwendigkeit für die Langwieser Bäckerei endgültig verschwand, die wir dann am 1. April 2011, fast auf die Stunde genau sechzig Jahre nach der Ankunft deiner Eltern, verkauften.
Im Nachhinein ist es vielleicht ein Vorteil gewesen, das wir damals so ausgebremst wurden, weil wir so nichts mehr investierten. So konnten wir die Bäckerei Langwies, als die Gelegenheit kam, guten Gewissens verkaufen. Übrigens demjenigen, der damals das Nachbarhäuschen bekommen hatte.
Und heute sind wir in Arosa und beliefern das Tal von hier aus. Ich hoffe, dass die Leute, wenn wir hier uns verbessern wollen, uns besser gesinnt sind. Wir werden sehen.