Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03133.jsonl.gz/269

Papst Shenouda III. hat in Genf die erste koptisch-orhodoxe Kirche eingeweiht und St. Maurice im Wallis besucht. Er ist Oberhaupt dieser christlichen Kirche, die ihren Ursprung in Ägypten hat.
Der Besuch des Kirchen-Patriarchen wirft ein Schlaglicht auf die Gemeinde der rund 1000 Kopten in der Schweiz.
"Mit der Einweihung der ersten koptischen Kirche in der Schweiz, im Genfer Meyrin, hat seine Heiligkeit Shenouda III. gezeigt, wie wichtig ihm die koptische Diaspora ist", sagte Wahid Hassab Alla, ein koptischer Theologe, der seit 27 Jahren in der Schweiz lebt.
In der Schweiz leben nur einige hundert Angehörige dieser Kirche, die vor allem in Ägypten verbreitet ist. Der 117. "Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhles vom Heiligen Markus", so der ganze Titel des Kopten-Papstes, kümmert sich um sieben bis zehn Millionen Gläubige in Ägypten und rund zwei Millionen, die über die ganze Welt verstreut sind.
Seit 40 Jahren in der Schweiz
"In die Schweiz sind die ersten Kopten in den 60er-Jahren gekommen", sagt Hassab Alla. "Die meisten kamen aus wirtschaftlichen Zwängen in die Schweiz oder waren Studenten."
Georges Abi-Saab, Professor am renommierten Genfer Institut für internationale Beziehungen (HEI) erklärt, dass die Auswanderung nach der Machtergreifung von Gamal Abdel Nasser und dem Beginn dessen sozialistischer Revolution zu Beginn der 60er-Jahre erfolgt sei.
Flucht aus Ägypten
"Seither sehen sich die Kopten als Opfer religiöser Diskriminierung", ergänzt der Professor mit ägyptischen Wurzeln. "Aber die Not hatte ebenso soziale Ursachen."
Ein gewichtiger Teil der Kopten war Teil der Bourgeoisie, einer Klasse die unter den Verstaatlichungs-Programmen von Präsident Nasser in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Professor Abi-Saad unterstreicht aber gleichzeitig die zunehmende Bedeutung islamischer Gruppen wie den Muslim-Brüdern. Der Nachfolger Nassers, Anwar al-Sadat, stützte sich auf solche Gruppen, um seine Macht zu konsolidieren; zum Nachteil der politischen Parteien.
Glauben und Kultur bewahrt
Seither sei es, so der Professor weiter, zu Konflikten zwischen den Kopten und islamistischen Gruppierungen gekommen. "Vor allem aber wanderten die Kopten, wie auch viele andere Ägypter, aus wirtschaftlichen Gründen aus."
Heute bilden die Kopten eine enge Gemeinschaft. "Über all die Jahrhunderte haben sie ihren Glauben und ihre Kultur bewahren können."
Märtyrer für Katholiken und Kopten
Laut der Überlieferung hat der Apostel Markus Ägypten im Jahre 40 unserer Zeitrechnung evangelisiert. Die koptische Kirche ist also eine der ersten Quellen des Christentums.
Sie beeinflusste gar die Christianisierung der Schweiz: St. Maurice im Wallis verdankt seinen Namen dem Offizier Mauritius von der römischen Legion von Theben (heute Luxor) in Ägypten.
Er und seine Soldaten wurden auf Geheiss des römischen Kaisers massakriert, weil sie sich weigerten, zu den alten Göttern zu beten. Ihre Gebeine liegen im heutigen Kloster St. Maurice aus dem 4. Jahrhundert, das angeblich auf ihren Grabstätten errichtet wurde.
Kopten pilgern ins Wallis
"Seit mehreren Jahren organisieren die Kopten in der Schweiz eine Pilgerfahrt nach St. Maurice", erklärt der Theologe Hans Rahm.
Bei seiner Schweiz-Reise hat Papst Shenouda III. auch St. Maurice besucht, um den christlichen Märtyrer zu ehren. Es ist der erste Besuch eines Kopten-Papstes im Wallis.
swissinfo, Frédéric Burnand in Genf
(Übertragung aus dem Französischen von Philippe Kropf)
Fakten
Die Kopten-Kirche entstand im 1. Jahrhundert in Ägypten.
Apostel Markus evangelisierte diese Region.
Weltweit zählt sie die Kirche rund 11 Mio. Gläubige.
Rund 1000 Kopten leben in der Schweiz.
Ihr Papst Shenouda III. besuchte kürzlich die Schweiz.