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letzterer trägt entweder
gar keine oder doch einfachere Gliedmaßen, während an der Brust meist die eigentlichen Bewegungsorgane (Beine, Flügel) angebracht
sind.
In den höhern Klassen der Gliederfüßler ist die Anzahl der Körperglieder meist gering; bei vielen verwachsen
manche Ringe miteinander, wie denn z. B. der Kopf der Insekten
[* 10] aus einer Anzahl völlig miteinander verschmolzener Segmente hervorgegangen
ist. Bei manchen Krebsen etc. verwachsen Kopf und Brust zu dem sogen. Cephalothorax (Kopfbruststück). Im allgemeinen trägt jeder
Ring ein einziges PaarGliedmaßen (höchst selten deren zwei, häufig keins), so daß man aus der Anzahl
der letztern die Zahl der miteinander verschmolzenen Segmente ermitteln kann.
Die von der Haut nach außen abgeschiedene Chitinschicht gestattet eine Ausdehnung
[* 15] durch Wachstum nur in
sehr geringem Maß, wird daher von dem wachsenden Tier in gewissen Zeiträumen abgeworfen; die unter ihr bereits fertige geräumigere
Schicht ist anfangs weich, erhärtet jedoch bald. Bei diesen Häutungen, die bei vielen Gliederfüßlern zeitlebens erfolgen,
bei andern (Insekten) auf die Jugendzeit beschränkt sind, werden auch alle Veränderungen mit Bezug auf
den Bau des Körpers (Metamorphosen) sichtbar; anscheinend treten dieselben also sprungweise auf, sind aber bereits und zwar
oft seit langer Zeit unter der alten Haut vorbereitet. Es erneuert sich aber nicht nur die Oberfläche der Haut, sondern auch
die des größten Teils des Darms, die der Ausführungsgänge der Drüsen, der Muskelsehnen etc., kurz
aller der Teile, welche eine Chitinbedeckung haben.
Gehörorgane sind nicht überall zweifellos nachweisbar und liegen zwar meist am Kopf, jedoch mitunter an den Beinen oder im
Schwanz. Geruchs- und Geschmacksorgane sind sehr verbreitet; zum Tasten dienen eigentümlich geformte Haare
[* 20] an den meisten Körperteilen, vor allen an den Fühlern oder Antennen. Die Verdauung besorgt ein meist kurzer, oft sehr langer
und dann vielfach gewundener Darm,
[* 21] dessen Anfang (Vorderdarm) und Ende (Hinterdarm) Hauteinstülpungen sind.
Schlauchs (Rückengefäß) auf der Rückseite des Körpers über dem Darm. Das Blut wird von ihm hinten aufgenommen und vorn oder
seitlich ausgepumpt; es strömt dann entweder in besondern Gefäßen im Körper umher, oder zirkuliert in den zwischen den
Eingeweiden, Muskeln etc. befindlichen Lücken wie in bestimmten Bahnen. Mit Sauerstoff versorgt es sich in
den Atmungsorganen. Diese sind sehr vielfältiger Natur. Bei dünnhäutigen Wassertieren kann die ganze Körperoberfläche
den Austausch der im Wasser gelösten Atemluft mit dem Blut vermitteln oder auch nur der Darm, indem er rhythmisch Wasser ein-
und auspumpt, dies besorgen; meist jedoch haben die in Wasser oder feuchter Luft lebenden Gliederfüßler besondere
Kiemen, d. h. dünnhäutige Körperteile, in denen das Blut sich oxydieren kann.
Die eigentlichen Landtiere aber besitzen Tracheen,
[* 23] d. h. vielfach verzweigte Luftröhren, die gewöhnlich zu mehreren vorhanden
sind; jede dringt von einer besondern Öffnung am Rumpf aus in das Innere des Körpers ein und löst sich dort
zwischen und in den Organen in die feinsten Zweige auf. Während also in den Kiemen das Blut der Luft entgegenströmt, sucht umgekehrt
in den Tracheen die Luft im Innern des Körpers das Blut auf. Dieser Unterschied ist so wichtig, daß man für die Insekten, Tausendfüße
etc. als Tracheentiere (Tracheaten) eine besondere Abteilung der Gliederfüßler eingerichtet hat (s.
unten).
Die Fortpflanzung geschieht nie durch Teilung oder Sprossung, wie bei manchen Würmern oder andern niedern Tieren, sondern stets
durch Eier;
[* 24] doch brauchen diese durchaus nicht immer befruchtet zu sein. Vielmehr wird die Anzahl der Fälle, in denen unzweifelhafte
Jungfernzeugung (Parthenogenesis s. d.) beobachtet ist,
immer größer; gewöhnlich treten aber nach einer Reihe von Jungferngenerationen wieder Männchen auf, welche die Eier befruchten
und ihnen damit eine längere Entwickelungsfähigkeit verschaffen.
Männchen und Weibchen sind übrigens manchmal so sehr voneinander verschieden, daß man ihre Zusammengehörigkeit erst durch
besondere Beobachtungen feststellen kann; nicht selten leben die Männchen geradezu als Parasiten auf den
viel größern Weibchen. Die Anzahl der Eier ist gewöhnlich sehr groß, die Zeitdauer der Entwickelung bis zur Geschlechtsreife
häufig sehr kurz, so daß die Vermehrung alsdann ungemein rasch vor sich geht. Doch sind auch Fälle bekannt, in denen das
Weibchen überhaupt nur ein Ei
[* 25] legt.
Bei den Krebsen tritt die Geschlechtsreife meist sehr früh, lange bevor die Tiere ausgewachsen sind, ein und dauert lange fort;
bei den Insekten und andern Arten hingegen bildet sie das Ende des Daseins, so daß nach der Begattung das Männchen, nach der
Eiablage auch das Weibchen stirbt. Die Entwickelung geschieht zum Teil derart, daß das Junge aus dem Ei
bereits in vollendeter Form (wenn auch noch nicht in der spätern Größe) ausschlüpft, zum Teil so, daß es in einer andern
Gestalt daraus hervorgeht und nun noch manchen Verwandlungen (Metamorphosen) unterliegt, ehe es seinem Erzeuger ähnlich wird.
Namentlich bei den Insekten sind die Larvenstadien als Raupe, Made, Puppe etc. wegen ihrer Abweichungen von
den Erwachsenen schon von alters her jedermann geläufig.
Die Zahl der bekannten Arten von Gliederfüßlern ist weit größer als die jedes andern Tierstammes; der Grund dafür liegt
ebensowohl in der großen Mannigfaltigkeit der Formen wie in der Menge von Forschern, welche seit mehreren
Jahrhunderten namentlich auf dem Insektengebiet
thätig gewesen sind. Indessen stellt sich in der Neuzeit heraus, daß
ein großer Teil der beschriebenen Arten nicht zu Recht besteht, vielmehr nur auf leichte individuelle Abänderungen zurückzuführen
ist.
Immerhin würden, wenn selbst die Hälfte der Arten aus diesem Grund einginge, allein für die Käfer
[* 26] schon
über 30,000 übrigbleiben. FossileArten sind verhältnismäßig ungemein wenig aufgefunden worden; zur Erkennung der Abstammung
der Gliederfüßler tragen sie wenig oder gar nichts bei. Auf Grund der entwickelungsgeschichtlichen und anatomischen Thatsachen glaubt
man zur Zeit, daß die Gliederfüßler von Würmern abstammen, weiß aber noch nicht bestimmt, ob alle den gleichen
Ursprung haben, oder ob nicht für einzelne Gruppen eine besondere Herkunft anzunehmen sei. Vielfach gebräuchlich ist gegenwärtig
noch die Einteilung der in vier große Gruppen: Krebse, Spinnen,
[* 27] Tausendfüße und Insekten;
doch trägt die folgende den neuesten
Untersuchungen mehr Rechnung: