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Im allgemeinen denken wir beim Wort "Zwang" an einen äusseren Einfluss. Doch kennen viele von uns auch einen inneren Zwang. Hier ein kurzes Beispiel für einen solchen inneren Zwang:
Sie haben geglättet/gebügelt, sind fertig damit und verlassen nun das Haus. Vor der Tür fragen Sie sich, ob Sie das Bügeleisen wirklich abgestellt haben. Eigentlich sind Sie sich sicher, dass Sie es abgestellt und den Stecker herausgezogen haben. Doch Sie sind sich bewusst, was alles Schreckliches passieren könnte, falls Sie es doch nicht getan hätten. Sie versuchen sich zu beruhigen, indem Sie sich daran erinnern, dass Sie bis jetzt jedesmal den Stecker gezogen haben, doch lässt Ihnen das Ganze keine Ruhe. Schliesslich gehen Sie noch einmal zurück, schauen nach und sehen, dass Sie selbstverständlich auch diesmal den Stecker herausgezogen haben. Nun können Sie wirklich beruhigt das Haus verlassen.
Sicher können Sie dieses Beispiel gut nachvollziehen. Es gibt jedoch auch Menschen, deren Verhalten erscheint Ihnen vielleicht absurd, weil z.B. eine solche Person sehr viel gründlicher ist, als Sie es als normal empfinden würden. Man denkt (oder sagt es vielleicht hinter vorgehaltener Hand): der hat halt seine Macke, sie ist ein Putzteufel, er ist ein Ordnungsfetischist, sie hat einen Sammeltick.
Der Grad solchen Verhaltens kann sehr unterschiedlich sein. Im normalen Fall handelt es sich einfach um ein Persönlichkeitsmerkmal, das niemandem wirklich grosse Probleme bereitet. Eine andere Erscheinungsform wird als zwanghafte Persönlichkeit bezeichnet. Ein solcher Mensch zeigt vielleicht ähnliche Symptome wie jemand, der an einer Zwangsstörung leidet. Im Gegensatz zu diesem, beurteilt eine zwanghafte Persönlichkeit ihr Tun jedoch als sinnvoll. Oft gelingt es diesen Menschen auch, ihr zwanghaftes Verhalten positiv einzusetzen (besondere Gründlichkeit, etc.). Am anderen Ende des Spektrums liegt die wirkliche Zwangsstörung. Hierbei ist das zwanghafte Verhalten kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein Zwang, der als sehr quälend und einschränkend empfunden wird. Wenn das Ausmass der Symptome bekannt ist, ist es auch für Aussenstehende ersichtlich, dass es sich nicht mehr um einen Tick, sondern eine ernsthafte Krankheit handelt: z.B. weil sich jemand nicht nur 5 mal, sondern 50 mal die Hände wäscht, bis die Haut offen und rot ist; oder wer immer wieder mehrmals durch dieselbe Strasse fahren muss, um sich zu vergewissern, niemanden unabsichtlich überfahren zu haben.
Manche Krankheiten haben ebenfalls zwanghafte Züge, wie z.B.
- Pyromanie (krankhafte Brandstiftung)
- Kleptomanie (krankhaftes Stehlen)
- Spielsucht
- Drogenmissbrauch
Im Allgemeinen handelt es sich jedoch nicht um eine Zwangsstörung. Das heisst, dass diese Krankheiten auch anders behandelt werden müssen.
Wenn Sie unschlüssig sind, ob Sie oder ein Angehöriger von einer Zwangsstörung betroffen ist, können Sie unseren Selbsteinschätzungstest
machen. Auf jeden Fall sollten Sie Ihren Arzt / Ihre Ärztin fragen.
Quelle: Lundbeck (Schweiz) AG