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Rekrutierung: Körpersprache im Vorstellungsgespräch (Teil 2)
Begrüssungen haben eine wichtige Funktion im täglichen Miteinander und natürlich auch im Vorstellunggespräch. Sie geben uns die Möglichkeit, die Anwesenheit anderer zu bestätigen und bilden den Auftakt zum Gespräch. Gleichzeitig sind sie Bestandteil der gesellschaftlichen Konventionen und geben uns Auskunft über die Art der Beziehung zwischen zwei Menschen und deren Intensität und Nähe (ein Beitrag von: Tatjana Strobel, HR Today).
Beim ersten Eindruck, spielt diese erste körperliche Berührung eine grosse Rolle. Sie verbindet zwei Menschen im wahrsten Sinne des Wortes. Gleichzeitig ziehen wir unbewusst unsere Schlüsse zu der Art und Weise, wie die andere Person uns begegnet.
Der Handschlag tauchte erst im 17. Jahrhundert auf und war ursprünglich nur zur Besiegelung von Finanzverträgen üblich. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich der Händedruck als gängige Geste der Begrüssung.
Die grosse Wirkung des Händedrucks belegt ein Experiment, das Allen Konopacki in den USA durchgeführt hat: Ein Student liess in einer Telefonzelle einen Vierteldollar liegen. Die meisten Menschen, die danach die Telefonzelle nutzten, steckten den Vierteldollar ein. Als sie aus der Zelle traten, ging der Student auf die Menschen zu und fragte, ob sie sein Geld gesehen hätten. Mehr als 50 Prozent der Befragten verneinten dies. Im zweiten Teil des Experimentes ging der Student auf die Menschen zu, die aus der Telefonzelle kamen, reichte ihnen seine Hand und stellte sich und sein Anliegen vor. Jetzt behaupteten nur noch 24 Prozent der Teilnehmer, die Münze nicht gesehen zu haben. Der Händedruck hatte eine Bindung hergestellt, die das Lügen erschwerte.
Welche unterschiedlichen Arten von Händedruck kennen Sie? Achten Sie heute schon bewusst auf diese wichtigen 2-3 Sekunden? Welche sind Ihnen schon begegnet?
Am bekanntesten dürften der feste und der feuchte Händedruck sein. Kennen Sie aber auch den «Toten Fisch», den «Knochenbrecher», den «Ranzieher» und den «Wegdrücker»? Und wissen Sie, was ein über- oder untergeordneter Händedruck ist? In den nächsten Minuten möchte ich Ihnen die 10 wichtigsten Arten des Händedrucks vorstellen, die Ihnen im Vorstellungsgespräch immer wieder begegnen werden.
Im ersten Eindruck scannen wir unser Gegenüber binnen Millisekunden ab. Wir schätzen ein, ob das Gegenüber stärker oder schwächer als wir selbst ist oder ob wir es mit jemandem zu tun haben, der uns ebenbürtig ist. Das Ergebnis unserer Einschätzung geht in unseren Händedruck ebenso mit ein, wie die Sympathie oder Antipathie, die wir für die andere Seite empfinden.
«Normaler Händedruck»
Der «Normale Händedruck» sollte 3 Sekunden dauern – inklusive klaren, direkten Augenkontakts. Das ist die Wissenschaftliche Erfolgsformel! Damit gibt der Bewerber ein gutes Selbstwertgefühl und entsprechendes Selbstbewusstsein nach aussen. Er zeigt damit an, dass er der Situation gewachsen ist. Wird Ihrem Blickkontakt ausgewichen, der Händedruckzeitraum auf 1-2 Sekunden reduziert, so haben Sie es eher mit Unsicherheit und Zurückhaltung zu tun. Spannend wird es ejtzt, welchen Händedruck erhalten Sei zum kurzen oder langen Blickkontakt.
«Fester Händedruck»
Beim «festen Händedruck» berühren sich die Handinnenflächen sowie die Finger beider Personen, die Daumen umfassen die Hand des jeweils anderen. Der Druck ist leicht, weder zu fest noch zu locker, für das Gegenüber angenehm. Die Dauer: zwei bis vier Sekunden. Hier treffen zwei gleichberechtigte, selbstbewusste Persönlichkeiten aufeinander. William Chaplin von der University of Alabama hat eine Studie zum Thema Händeruck und Persönlichkeit durchgeführt. Dabei zeigte sich ganz klar, dass extrovertierte und emotional expressive Menschen zu einem festen Händedruck neigen, während schüchterne und introvertierte Menschen eher zu einem schwachen Händedruck tendieren. Bei Frauen mit einem festen Händedruck stellte Chaplin zudem fest, dass sie offen für neue Erfahrungen waren.
«Toter Fisch»
Bei einem Händedruck vom Typus «toter Fisch» findet keine Berührung der Handinnenflächen sowie der Finger statt. Sie empfinden die Hand Ihres Gegenübers als leb- und kraftlos. Ihr Gegenüber geht auf Distanz, meist aus Angst und Unsicherheit. Gehen Sie mit einem solchen Menschen sehr behutsam um. Er benötigt viel Einfühlungsvermögen. Achten Sie auf den Abschiedshändedruck: Wenn Sie beide ein angenehmes und positives Gespräch miteinander hatten, könnte er sich schon ganz anders anfühlen.
«Fingerspitzengeber»
Reicht Ihr Gegenüber Ihnen lediglich die Fingerspitzen, so ist er oder sie entweder nicht sehr erpicht darauf, Sie kennenzulernen oder hat gesundheitliche Bedenken, Sie zu berühren. Immerhin leiden zwei bis drei Prozent der Bevölkerung unter besonderer Angst vor Bakterien (Bakteriophobie) oder unter einer generellen Angst vor anderen Menschen (Anthropophobie). Dass der andere Ihnen also nicht mehr als seine Fingerspitzen gönnt, müssen Sie also nicht unbedingt in jedem Fall persönlich nehmen. Beobachten Sie sein oder ihr sonstiges Verhalten Ihnen gegenüber und wägen Sie später ab, ob ein solches Verhalten der angestrebten Funktion entspricht.
«Knochenbrecher»
Der «Knochenbrecher» tut anderen bei der Begrüssung weh. Nicht selten gehen sie bei seinem Händedruck buchstäblich in die Knie, werden also kleiner, und unmittelbar neben oder unter einem Ring kann es sogar blaue Flecken geben. Der «Knochenbrecher» zeigt seine Stärke, unter Missachtung der ungeschriebenen Regel, dass man sich beim Händedruck auf den Druck des anderen Menschen einstellt. Auch im übertragenen Sinne fehlt diesem Menschen oft das Gespür für andere, oder er möchte von Anfang an klarmachen, dass er nicht so schwach ist, wie er aussieht. Hier ist natürlich wichtig, welche Funktion der Gesprächspartner zukünftig einnehmen wird, und was von ihm erwartet wird. In Führungspositionen trifft man diesen Händedruck sehr häufig an.
«Feuchter Händedruck»
Den «feuchten Händedruck» fürchten wir alle, und zwar gleichermassen bei uns selbst wie bei anderen. Gefeit davor ist aber keiner, denn unter Stress bekommt jeder feuchte Hände. Reicht Ihnen jemand eine feuchte Hand, ist er oder sie entweder grundsätzlich ein ängstlicher Mensch oder befindet sich aufgrund des Vorstellunggespräches in einer Stresssituation. Möglicherweise leidet Ihr Gegenüber auch unter Hyperhidrose, einer verstärkten Neigung zum Schwitzen – dies trifft auf ca. fünf Prozent der Weltbevölkerung zu. Ganz gleich, was die Gründe sind, versuchen Sie Ihrem Gegenüber die Aufregung oder Peinlichkeit von feuchten Händen durch einen wertschätzenden Umgang zu nehmen und achten Sie hier bewusst am Ende des Gespräches auf den «Abschluss-Händedruck». Hat sich der Bewerber beruhigt, so dürfte von feuchten Händen nichts mehr zu spüren sein.
«Übergeordneter Händedruck»
Beim übergeordneten Händedruck dreht einer der Beteiligten die Hand des anderen nach unten. Dies passiert innerhalb von Sekundenbruchteilen. Es handelt sich dabei um eine ganz klare Dominanzgeste. Der betreffende Mensch behält im Wortsinne die Oberhand und signalisiert damit: «Ich bin hier der Chef.»
«Untergeordneter Händedruck»
Den «untergeordneten Händedruck» findet man selten. Wenn es Ihnen aber passiert, dass Ihr Gegenüber die eigene Hand nach unten dreht, dürfen Sie daraus auf ein besonderes Engagement bzw. die Bereitschaft schliessen, dienstleistungsorientiert und bereit zu sein.
«Ranzieher»
Der «Ranzieher» holt Sie während des Händedrucks in seine Nähe und unterschreitet dabei den «zulässigen» Sicherheitsabstand von etwa 80 Zentimetern. «Ranzieher» können sehr rasch eine persönliche Beziehung zu ihrem Gegenüber herstellen; sie sind herzliche Menschen, mit denen man problemlos ins Gespräch kommt.
«Wegschieber»
Der «Wegschieber» ist sehr auf Sicherheitsabstand bedacht, weswegen er die Distanz zu anderen beim Händedruck zu vergrössern versucht. Das Wegschieben kann auch einen Dominanzanspruch ausdrücken. Im weiteren Gespräch mit einem «Wegschieber» sollten Sie auf Smalltalk weitgehend verzichten und sehr sachlich bleiben, also nicht über Privates, über Gefühle etc. sprechen.
«Väterlicher/mütterlicher Handschlag»
Der «väterliche/mütterliche Handschlag» ist eine sehr liebevolle, emotionale Geste: Einer der Beteiligten legt dabei seine linke Hand sanft über die zum Händedruck gefassten Hände. Ich weiss noch, dass meine Grossmutter mich in den letzten Monaten ihres Lebens oft so begrüsste oder verabschiedete. Der «väterliche/mütterliche Handschlag» verstärkt den physischen Körperkontakt und betont die Bindung zum Gegenüber. Es kann auch stehen für «Ich helfe dir und bin für dich da». Häufig zeigen ältere Menschen diese Geste im Umgang mit Jüngeren. Wer diesen Händedruck ausführt, übernimmt ganz klar die Kontrolle.
«Gelenkheber»
Achtung! Der «Gelenkheber» will Sie im wahrsten Sinne des Wortes im Griff haben: Er hält beim Händedruck Ihr Handgelenk oder Ihren Ellborgen fest – eine klare Macht- und Dominanzgeste: Ihre Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt.
Versuchen Sie den Moment des Händedrucks ab sofort bewusst zu erleben, werden Sie verblüfft sein, was dieser Ihnen über die andere Person verrät, und welche weiteren Verhaltensweisen Sie im Gespräch bemerken werden.
Mehr erfahren Sie unter www.tatjanastrobel.chRekrutierung: Körpersprache im Vorstellungsgespräch (Teil 2),