Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03217.jsonl.gz/97

Von Renato Mattli
Während Sie diese Zeilen lesen, sitzen Sie wahrscheinlich. Haben Sie sich heute schon bewegt? Und wie viel körperliche Aktivität werden Sie sich bis am Ende der Woche zu Gute getan haben? Falls es pro Woche mehr sind als 2.5 Stunden bei mittlerer Intensität (wie beispielsweise Gehen oder Gartenarbeit) oder 1.25 Stunden bei hoher Intensität (wie Laufen oder Tennis), dann bewegen Sie sich gemäss der Weltgesundheitsorganisation ausreichend und werden als körperlich aktiv eingestuft. Körperlich Aktive haben ein geringeres Risiko an einer Vielzahl nicht-übertragbarer Krankheiten zu erkranken als körperlich Inaktive.
In der Schweiz sind 28% der erwachsenen Bevölkerung körperlich inaktiv. Dieser Anteil unterscheidet sich gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung jedoch stark zwischen den Sprachregionen: Während in der deutschsprachigen Schweiz 23.6% inaktiv sind, sind es in der französischsprachigen 37.0% und in der italienischsprachigen 39.1%. Die Gründe dafür liegen nicht etwa in den sozioökonomischen oder den umweltbezogenen Unterschieden. Nein, wahrscheinlich sind primär die kulturell geprägten Gewohnheiten des täglichen Lebens dafür verantwortlich.
Körperliche Inaktivität verursacht hohe Kosten
Dieser Unterschied im Anteil der körperlich Inaktiven beeinflusst zusammen mit anderen Faktoren die mit der körperlichen Inaktivität verbundenen gesellschaftlichen Kosten. Diese Kosten haben wir in Zusammenarbeit mit Kollegen des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts und der Universität Basel in einer kürzlich publizierten Studie geschätzt. Dabei resultierten in der französischsprachigen und italienischsprachigen Schweiz doppelt so hohe Kosten wie in der deutschsprachigen Schweiz:
Aufgrund der grossen Unterschiede bei den Kosten der körperlichen Inaktivität zwischen den Sprachregionen kann gefolgert werden, dass sich die Kosten-Wirksamkeit von Interventionen zur Reduktion der körperlichen Inaktivität zwischen den Regionen stark unterscheidet. Deshalb empfehlen wir, bei der Beurteilung der Kosten-Wirksamkeit von solchen Interventionen regionale Unterschiede zu berücksichtigen um einen optimalen Einsatz der finanziellen Mittel zur Gesundheitsförderung und Prävention zu gewährleisten.
Sitzen Sie immer noch? Ich nehme an schon. Wahrscheinlich hat Sie der Artikel zumindest nicht physisch vom «Hocker gerissen». Dann bleiben Sie doch noch einen Moment sitzen und überlegen sich wieder einmal, wie Sie mehr körperliche Aktivität in Ihren Alltag integrieren können. Ich wünsche Ihnen anschliessend viel Spass bei der Umsetzung!
Renato Mattli ist Teamleiter der Fachstelle HTA und gesundheitsökonomische Evaluationen am WIG.