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Prosper Donderer wird am 5. Mai 1715 als Johannes Michael in Oberwaldbach[1] im Tal der Mindel bei Jettingen geboren. Er besucht 1725–1729 das Jesuitengymnasium in Dillingen und studiert anschliessend in Augsburg Artes und Recht. 1731 tritt er in das regulierte Chorherrenstift Kreuzlingen ein. 1738 wird er, nun Doktor der Theologie, zum Priester geweiht. Er ist seit 1745 Statthalter der Propstei Riedern. 1760 wird er zum Abt gewählt. Das Kloster erlebt unter seiner Regentschaft eine letzte Blütezeit. Er ist Förderer der Seelsorge in den Pfarreien und hebt das wissenschaftliche Leben im Kloster an, was für zwei Chorherren auch zum Ruf an Universitäten führt. Eine weitere Leidenschaft des Abtes ist das Bauwesen. Er habe die Bauten zweckmässig und mit grossem Geschick ausgeführt, «wenn er auch vom herrschenden Geschmacke der damaligen Zeit nicht ganz unbeeinflusst bleiben konnte», schreibt Kuhn 1876. Dieser von Kuhn bedauerte Umstand sind die heute bewunderten Rokokoräume, mit deren Bau Abt Prosper schon im Jahr seiner Wahl beginnt. Er baut 1760–1762 die Heiligkreuzkapelle mit dem Ölberg, beginnt 1761 mit dem Rokokoumbau des Prälaturflügels und gibt 1765–1770 der Kirche das heutige heitere Rokokogewand. 1767 beginnt er mit dem Bau der grossen Bibliothek im südwestlichen, heute abgebrochenen Flügel. Sie macht mit ihren Bücherbeständen und den 32 Stuckmarmorsäulen selbst auf den Herzog von Württemberg Eindruck. Der rührige Bauabt verändert an der Strassenfassade auch die typischen liegenden «Schlüsselochfenster» der Baumeister Michael Beer und Jakob Sailer mit der Bemerkung, dass «ein Ordenshaus nicht das Aussehen eines Zuchthauses haben soll».
Abt Prosper ist zudem Bauherr von neuen Pfarrhäusern in Rankweil, Horgenzell, Wilhelmskirch und Wurmlingen. Ein Brand der Ökonomiegebäude, deren Neuaufbau nun die Mittel verschlingen, beendet 1774 die Rokokobauphase.
Prosper Donderer stirbt mit 64 Jahren am 26. Juni 1779 in Kreuzlingen.
Im Prälaturflügel der ehemaligen Abtei und heutigen Lehrerseminars hängen im Gang des 2. Obergeschosses hofseitig die Äbteporträts. Abt Prosper Donderer ist hier von Franz Ludwig Hermann im Alter von ungefähr 50 Jahren gemalt. Links ist eine infulierte Wappenkartusche schwach sichtbar. Sie zeigt ein geviertetes Schild, in 1 und 4 das von Silber in Rot gespaltenen Wappen der Abtei, welches rechts ein rotes Kreuz und links einen silbernen Abtsstab aufweist. In 2 und 3 sehen wir sein persönliches Wappen, in Silber einen blitzschleudernden Zeusadler. Im Herzschild ist die Mondsichelmadonna mit Kind zu sehen. Es ist das Wappen der inkorporierten Propstei Riedern am Wald. Im Herzschild ist das Wappen Propstei Riedern dargestellt. Das Wappen von Abt Prosper finden wir auch prominent über dem schiffseitigen Chorbogen der Kirche, am Chorgestühl, an der Chororgel und als Steinplastik über dem Hauptportal des Prälaturflügels.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Kuhn Konrad: Thurgovia Sacra II, Frauenfeld 1876.
Schmutz, Jürg und Stöckly, Doris: Kreuzlingen, in: Helvetia Sacra, Abteilung IV, Band II, Basel 2004.
Baumer-Müller, Verena: Donderer, Prosper, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Basel 2005.
Erni, Peter und Raimann, Alfons: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band VII, Der Bezirk Kreuzlingen I, Die Stadt Kreuzlingen (Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 115 der Gesamtreihe), Bern 2009.
Links:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15170.php
Anmerkungen:
[1] Nach Helvetia Sacra und Thurgovia Sacra. Der Ort in der heutigen Marktgemeinde Burtenbach hat zu dieser Zeit 78 Anwesen, von denen 55 dem Baron von Stauffenberg und 20 dem Baron von Stain gehören. In der Thurgovia Sacra (1865) schreibt Kuhn: «geboren zu Waldbach in der schwäbischen Herrschaft Staufenberg». Zwei Wegstunden von Oberwaldbach entfernt liegt das Augustiner-Chorherrenstift Wettenhausen. Die Herkunftsangabe im Historischen Lexikon der Schweiz (Wald-Michelbach in Hessen, damals in der Kurpfalz gelegen), ergibt keinen Sinn, wird aber in allen neueren Veröffentlichungen übernommen.
|Abt CanA Prosper Donderer (1715–1779) in Kreuzlingen|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|5. Mai 1715||Oberwaldbach Baden-Württemberg D||Burgau Vorderösterreich|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt des Augustiner-Chorherrenstifts Kreuzlingen||1760–1779|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|26. Juni 1779||Kreuzlingen Thurgau CH||Herrschaft Abtei Kreuzlingen|
|Kurzbiografie|

Abt Prosper Donderer ist ein Prälat des Rokoko und steht dem Chorherrenstift Kreuzlingen in seiner letzten Blütezeit vor. Er fördert Wissenschaft und Bildung im Kloster und setzt sich für eine verbesserte Seelsorge in den Pfarreien ein, wo er auch einige neue Pfarrhöfe baut. Ihm verdankt die Klosterkirche ihr Rokokokleid, er baut auch die Prälatur und den Bibliotheksflügel grosszügig um. 1774 beendet ein Grossbrand der Ökonomiegebäude die Rokoko-Bauphase. Die Mittel müssen jetzt für den Wiederaufbau eingesetzt werden. Vom verdienstvollen Abt wird in der Leichenpredigt in Anspielung auf seinen Namen gesagt, er habe in Allem mit Geschick (prospere) gehandelt.
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