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Relationship before Horsemanship ist ein Zitat von Warwick Schiller. Und er hat so recht damit! Ich würde behaupten mindestens 95% aller Probleme die Pferde machen sind keine Pferdeprobleme sondern Beziehungsprobleme. Also etwas das zwischen Mensch und Pferd abgeht. Doch was heisst das eigentlich? Beziehung bedeutet viel viel mehr als nur ich mag das Pferd und das Pferd mag mich grundsätzlich auch und als Besitzer bin ich auch noch eingetragen.
Das bedeutet, vertraut mir das Pferd, dass ich sein bestes Interesse im Sinn habe? Vertraut mir das Pferd dass ich sehen kann, wenn es sich unwohl fühlt, Schmerzen hat oder ängstlich ist und traut es mir zu, dass ich eine konstruktive Lösung dafür finde? Fühlt es sich verstanden und gesehen? Fühlt sich das Pferd in meiner Gegenwart so wohl, dass es sich entspannen kann? Und was kann das Pferd entspannt zulassen? Kann ich eine Atmosphäre kreieren, so dass sich das Pferd entspannen kann? Kenne ich Wege die dem Pferd helfen Entspannung zu finden? Wie entspannt bin ich? Wie sehr bin ich in Kontakt mit mir selber, so dass ich überhaupt fühlen kann, wie entspannt dass ich bin? Kann das Pferd zulassen, dass ich es berühre? Lässt es sich überall berühren? Putzen? Lässt es mich eine Wunde verarzten? Wie begegne ich dem Pferd wenn ich es berühren möchte? Wie achtsam bin ich mit meinen Berührungen? Wie achtsam bin ich mit den Grenzen des Pferdes und dessen was es mir kommuniziert, wenn ich mich dem Pferd nähere? Was macht es mit mir wenn ein Pferd sich nicht berühren lassen möchte? Lässt es sich einfangen und mitnehmen? Wie fühlt es sich dabei? Ist es positiv gestimmt oder kommen schon Sorgen auf und Stress entsteht? Bin ich reflektiert genug und mutig genug um genau hinzuschauen, was dem Pferd Probleme bereitet? Kann ich selber Lösungen dafür finden oder bin ich bereit mir Hilfe zu holen?Kann ich ein Pferd dazu einladen dass es mir folgt? Wie einfach lässt es sich auf diese Einladung ein? Was löst diese Einladung im Pferd aus? Was löst es in mir aus?Kann ich das Pferd dazu auffordern sich zu bewegen? Wie offen ist es für diese Anfrage? Was macht dies mit mir? Getraue ich mich, mich klar und deutlich auszudrücken? Kann ich so kommunizieren, dass das Pferd mich verstehen kann? Weiss es dass es meine Sprache verstehen kann? Hört es zu? Ist es bereit hinzuhören? Ist es bereit zu reagieren? Reagiert es wohlüberlegt und kontrolliert oder tut es einfach irgendwas? Wie offen ist das Pferd, sich auf den Menschen einzulassen? Wie gut ist der Mensch darin das Pferd einzuladen, sich auf ihn einzulassen? Wie reagiere ich wenn das Pferd nicht das macht was ich von ihm möchte? Kann ich Grenzen setzen? Wie reagiert das Pferd darauf wenn ich Grenzen setze? Was ist meine Beziehung zum Thema Grenzen? Was hat das Pferd für Erfahrungen damit gemacht?
Viele viele Fragen die alle aufzeigen was in der Pferd-Mensch-Beziehung alles abgeht. Schlussendlich ist es der Mensch der Kontakt zum Pferd initiiert, denn er kauft das Pferd oder sucht sich ein Pferd mit dem er arbeiten darf, darum darf man nie vergessen dass der Mensch damit eine Verantwortung übernimmt und er diese auch nicht abgeben kann. Besitzt man ein Pferd, ist das Pferd ganz hart gesagt der Gefangene. Es kann nicht einfach seine Koffer packen und ausziehen und sich einen besseren Menschen suchen. So sehr die meisten von uns sich bemühen, dem Pferd ein schönes Leben zu bieten, ist es keine auf allen Ebenen gleichwertige Beziehung. Das Pferd ist uns ausgeliefert und es ist wichtig, dass wir uns dieser Verantwortung bewusst sind. Das bedeutet auch, dass es am Menschen liegt, Lösungen zu finden. So oft habe ich schon gehört "ja das Pferd kann das einfach nicht", nein in den meisten Fällen sollte es heissen "ich weiss nicht wie ich es dem Pferd beibringen kann". Siehst du wie sich da die Verantwortung verschiebt? Bist du dir dieser Tragweite bewusst?
So oft verzweifeln Pferde an ihren Besitzern. Und meistens ist dabei absolut kein böser Wille, der Mensch sieht die Situation einfach nicht klar und macht Fehler die er nicht erkennen kann. Eine der wichtigsten und fairsten, aber auch schmerzhaftesten Fragen die wir uns regelmässig stellen sollten ist: Was übersehe ich? Was tue ich unbewusst, dass das in meinem Pferd ein Verhalten auslöst, dass ich nicht möchte?
Sich mit dieser Frage zu beschäftigen, öffnet das Tor für eine konstruktive Pferd-Mensch-Beziehung. Ohne den Mut diese Frage zu stellen und auch die Antwort hören zu wollen, wird niemals eine Beziehung möglich sein.
Wenn ich mit einem Pferd arbeiten möchte, brauche ich zuerst als Voraussetzung, dass etwas konstruktives entstehen, kann die Fähigkeit des Pferdes sich entspannen zu können, hinzuhören und die Bereitschaft mitmachen zu wollen. Fehlt einer dieser Punkte sind Konflikte vorprogrammiert. Diese Punkte muss man sich verdienen, die kann man nicht einfach so vom Pferd verlangen. Keiner dieser Punkte kann erzwungen werden, ist dir das schon aufgefallen? Man kann ein Pferd dazu zwingen etwas zu tun, man kann einem Pferd aber nicht aufzwingen mitmachen zu wollen. Das ist ein grosser Unterschied. Und das entscheidet auch darüber welche Qualität man in der Arbeit mit dem Pferd erreichen kann.
Doch was bedeutet es, sich das Vertrauen, die Offenheit und die innere Bereitschaft des Pferdes zu verdienen? Hier beginnt die grosse Arbeit. So einfach das auch tönt, mit so viel Arbeit ist es verbunden. Es reicht nicht einfach ein paar Guzis zu füttern damit das Pferd Freude hat. Es ist auch nicht damit getan die Ansprüche runterzuschrauben und einfach die Komfortzone nicht zu verlassen. Ja das hilft mal kurzfristig und möglicherweise kann man sich dann auch einreden, was man doch für eine tolle Beziehung zum Pferd hat, doch ohne Herausforderung kein Wachstum.
Das Leben braucht eine gewisse Herausforderung, es braucht eine gewisse Reibung, Resilienz entsteht dadurch, dass man lernt Schwierigkeiten zu überwinden. So sehr ich auch für Entspannung, Fairness und kleine Schritte bin, es kann auch auf dieser Seite ins Ungesunde abkippen. Es ist für ein Pferd genauso schädlich wenn es sich ständig langweilt und verhätschelt wird, wie wenn es als Sportgerät missbraucht wird. Der Grat ist schmal. Es braucht eine ganze Menge an Gefühl, Fachkompetenz und Erfahrung um den besten nächsten Schritt zu wählen. Und wenn einem diese Punkte fehlen, dann weisst du, wo die Arbeit für dich beginnt. Keiner von uns kommt mit Gefühl, Fachkompetenz und Erfahrung auf die Welt und jeder wird Fehler machen und wahrscheinlich werden wir nie einen Punkt erreichen, an dem wir so gut sind, dass wir immer genau den perfekten nächsten Schritt wählen. Wir müssen beginnen uns mit dem Thema auseinanderzusetzen, damit wir besser werden können. Und da hilft uns diese Frage wieder weiter wenn es irgendwo nicht so ganz geschmeidig geht: "Was übersehe ich?"
Besonders mit meiner jungen Stute wird mir immer wieder bewusst, wie wichtig es ist diese Basis zu legen. Es bringt nichts von ihr etwas zu verlangen, wenn es ihr schon schwerfällt loszulassen ohne dass ich was von ihr will. Jeder Tag ist anders und manchmal fühlt es sich an als müsse ich wieder ein paar Schritte zurück gehen, doch wir sind da, wo wir an dem Tag sind. Nicht da wo wir gestern waren. Und ich weiss aus Erfahrung, lege ich nicht als erstes den Fokus darauf ob sich das Pferd entspannen und zuhören kann und die Bereitschaft hat mitzumachen, wird sich das in einem Konflikt an einem anderen Ort zeigen. Jetzt beschäftige ich mich mit der Frage was mein Pferd braucht und wie ich ihr helfen kann sich wohl zu fühlen und motiviert dabei zu sein. Manchmal fühlt es sich so an als würde man nicht vom Fleck kommen wenn diese Themen priorisiert, doch ich bin mir sicher, es wird sich auszahlen. Und es ist das Richtige so zu priorisieren.