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Alte Meister
Schauspiel
Stückinfo
Seit über dreissig Jahren verbringt Reger jeden zweiten Vormittag im Kunsthistorischen Museum. Was er dort tut? Er geht gegen das Vollkommene vor, und zwar genau an jenem Ort, wo dem Vollkommenen die ewige Ruhestätte zugewiesen wurde: In der Sammlung der Alten Meister. Auf einer Bank im Bordone-Saal sitzend, betrachtet Reger stundenlang Tintorettos Meisterwerk «Weissbärtiger Mann» und fahndet nach einem fehlerhaften Detail. Denn, so lautet Regers Überzeugung, «erst, wenn wir immer wieder darauf gekommen sind, dass es das Ganze und das Vollkommene nicht gibt, haben wir die Möglichkeit des Weiterlebens». Nur wenige Vertraute wissen von Regers Experiment. Und von dem zerstörerischen Verlust jenes Menschen, mit dem Reger einst selbst den Versuch der Vollkommenheit unternahm. Diese Zeugen bringt Thomas Bernhard in seinem Roman «Alte Meister» zum Sprechen. Er fordert von ihnen wahrheitsgemässe Aussagen über einen Mann, der die persönliche Tragödie zu einer umfassenden Tragödie von Gesellschaft, Staat und Kunst vergrössert und die Mechanismen der Existenz als Teile einer von Unvollkommenheiten durchdrungenen Wirklichkeit entlarvt.