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Ciao James!
Vor einer Woche starb der britische Designer James Irvine. An die liebenswürdige Person, den begnadeten Netzwerker und den präzisen Desigern erinnert sich Sven Adolph.
Vor einer Woche starb der britische Designer James Irvine mit 54 Jahren. Nach seinem Studium am Royal College of Art liess er sich 1984 in Mailand nieder, arbeitete bei Olivetti unter Michele de Lucchi und Ettore Sottsass. Olivetti war es auch, die ihn 1987 für ein Jahr nach Tokyo ans Toshiba Design Center schickte. Zurück in Mailand machte er sich mit seinem Studio selbständig und war zugleich von 1993-1998 Partner bei Sottsass Associati. Ein Generalist seines Faches, entwarf er Möbel, Leuchten, Büro- und Schreibgeräte, Messeauftritte, aber auch die Busse für die Hannoveraner Expo 2000 - mit einer Handschrift, die funktionale Anforderung und formale Selbstverständlichkeit in extrem glaubwürdige und langlebige Entwürfe übersetzte. An die liebenswürdige Person, den begnadeten Netzwerker und den präzisen Designer erinnert sich der Industrial Designer Sven Adolph:
«Ich erinnere mich gut an meine erste Begegnung mit James Irvine, im Jahr 1998. Nach meinem Studium in den USA und einigen Jahren Berufserfahrung an der Ost- und Westküste war ich nach Mailand gekommen, mit dem festen Entschluss dort Fuss fassen. Mit meinem Portfolio unter dem Arm klapperte ich die einschlägigen Studios ab. Einer der wenigen die Interesse zeigten war James. Nach unserem ersten Gespräch lud er mich für den nächsten Tag zum Mittagessen ein. So war er. Schnell waren wir uns einig und ich konnte anfangen. In ganz Mailand war er der Einzige, der mir einen Lohn anbot, von dem man existieren konnte. Etwas Glück war auch dabei: James war mitten in den Vorbereitungen für sein bisher grösstes Projekt, das Design für einen Stadtbus für die Expo 2000 in Hannover. Da war ein «Assisten» mit deutscher Muttersprache natürlich ideal.
Wir machten uns an die Arbeit: mit einfachsten Mitteln, ohne CAD und hochglänzenden 3D-Computer Renderings präsentierten wir die Ideen als eine Serie von massstabsgetreuen Illustrationen. Der Bus basierte auf einem Chassis von Mercedes-Benz und sollte von Mercedes umgesetzt werden. Natürlich glaubten dort etliche Leute, «ihr» Standard-Produkt könne man nicht verbessern – völlig unnötig, ein eigenes Design für Hannover zu kreieren... Ich erinnere mich an hitzige Diskussionen und an James' Strategie, bei Zeiten ein Time-Out, eine Kaffee- und Zigaretten-Pause auszurufen. James liess sich nie zu wichtigen Entscheidungen drängen, sondern bot sich immer Bedenkzeit aus.
James lernte ich als gewissenhaften und präzisen Gestalter kennen, der immer genau wusste was er wollte. Zehn verschiedene Varianten erarbeiten und diese dem Kunden zur Auswahl vorzulegen, war nicht sein Ding. Er glaubte an seine Vision der Dinge, ohne sich der Kritik zu verschliessen. An einem Entwurf wurde so lange gefeilt, bis er allen Anforderungen genügte und dabei klar als sein Werk erkennbar war. Seine eigene Handschrift war ihm sehr wichtig.
James Irvine gehörte zu Mailand wie kaum ein anderer Nicht-Italiener. Ihm haben wir es auch zu verdanken, dass die Bar Basso während der Möbelmesse zu dem Treffpunkt schlechthin für Designer aus aller Welt geworden ist. Nachdem James, der in der Nachbarschaft wohnte, eines Tages auf die Idee kam, während des Salone die Bar zu mieten und seine Freunde dorthin einzuladen, wurde dies zur Tradition, mit immer grösseren Dimensionen. Irgendwann hat sich dieser Event dann verselbständigt und ist nun Teil seines Vermächtnisses. Ciao James, grazie per la tua ospitalità!»