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ich mache gerade eine Recherche zum Umgang Bachs mit Taktwechseln. Im Barock ist dieses Element der Musik eher verschmäht worden, dennoch interessiert mich, nach welchen Kriterien Bach kompositorisch vorgegangen ist.
Bisher konnte ich nur 2 Beispiele bei Bach finden:
Wiki:
Johann Sebastian Bach hat im 4. Brandenburgischen Konzert (BWV 1049, vor 1721) als Thema des 1.Satzes (Allegro) eine Melodie, die eigentlich in einem Taktwechsel 6/4 - 3/2 notiert werden müsste und denselben Rhythmus hat wie einige Zwiefache (z.B. Neun Dörfer). In den gängigen Ausgaben ist der Satz durchgängig im 3/4-Takt notiert, mit Akzenten auf den unregelmäßig betonten Noten. Siehe 4. Brandenburgischen Konzert.
Und, ein weiterer Taktwechsel ist bei Bach bekannt in Kantate BWV 154 - Mein liebster Jesus ist verloren in Arie Nr.7 beginnend im 4/4, dann Wechsel nach 3/8 und Schluss wieder 4/4.
Falls jemand weitere Beispiele weiß, würde mir das weiter helfen.
Danke, und eine schöne Zeit mit Bach
Klaus Schaaff
22 Aug 2016 08:31 - 22 Aug 2016 08:35#582 von Yo El Mismo
Hallo Klaus!
Leider kann ich dir bei deinem Thema nicht helfen. Wir Bachjünger, die wir uns schon seit Jahrzehnten mit Bach und seinem Werk beschäftigen, vertiefen uns häufig in einige Teilaspekte, die für uns selber von Interesse sind, um das Werk besser verstehen zu können. Die Anfangsfrage lautet dann häufig: Warum hat er das gemacht? Mich beschäftigen im Sommerhalbjahr oft Fragen zum Orgelwerk. Im Moment ist es die unvollendete Fuge zu BWV 562 Fantasie und unvollendete Fuge in c-Moll. Dazu gibt es Noten von diversen Organisten, die sich mit ihrer persönlichen Vollendung ein mehr oder weniger großes Denkmal in der Fachwelt setzen wollten. Wie gesagt: Das ist momentan mein Thema.
Liebe Grüße
Yo
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Letzte Änderung: 22 Aug 2016 08:35 von Yo El Mismo.
mit meiner Frage geht es mir vielleicht ähnlich, wie Dir. Vertieft in einen Teilaspekt von Musik, habe ich festgestellt, dass es in der moderenen Musik Taktwechsel gibt, die sich aus unterschiedlichsten Gründen kompositorisch ergeben.
Ausgangspunkt war ein Stück der Beatles "Hello Goodbye", wo im Übergang zum Refrain ein 2/4 Takt eingeschoben wird, gegenüber dem Haupttakt 4/4. Dabei fiel mir auf, die Musiktheorie bietet dafür keine Erklärungskonzepte an.
Deshalb, mal bei Bach nachgeschaut, und festgestellt, nein so etwas, als Einschubtakt, gibt es bei Bach nicht. Dann die weitere Frage, was gibt es bei Bach an anderen Formen? Auch da, so gut wie nichts, obwohl der "Zwiefache" als Tanzform älter als Bach ist. Nur eine kleine Anleihe im 4. Brandenburgischen gibt es, die allerdings in der Notation von Bach nicht berücksichtigt wurde. Ich habe mal geschrieben, Bach war einer der sichersten Notisten seiner Zeit, doch hier wurde meine Einschätzung von Bach ziemlich zurecht gerückt!
Nebenbei: Meine Frage, war nur für den Fall, dass jemand von Euch solche Taktunregelmäßigkeiten bei Bach bekannt sind. Nätürlich, das habe ich vergessen, gibt es da noch die Unregelmäßig der Großtakte im C-Dur Präludium BWV 846, der als Schwenk'scher Takt eingegangen ist.
Dein aktuelles Thema, BWV 562 scheint auch spanndende Fragen aufzuwerfen. Warum unvollendet? In der frühen Phase (Weimar), hat sich Bach mit dem Thema befasst und hat es dann liegen lassen. Die Ausarbeitung von Zoltán Göncz der Fuge ist sicherlich im Bach'schen Stil korrekt ausgeführt, bringt allerdings für einen jungen Bach keine neuen Impulse mehr, in das sonst strenge und lange Stück. Für einen älteren Bach (Kunst der Fuge), wäre das eher ein lohnendes Thema gewesen, das anscheinend 1745 in Leipzig nochmals aufgegriffen wurde. Der junge Bach legt im Gegensatz zum Alten, sehr viel mehr Wert auf die Wirkung beim Zuhörer. Ständig neue Impulse zu setzen, scheint mir die Antriebsfeder der jungen Bach-Ära zu sein, während der alte Bach sich auch mit dem reinen Wesen der Musik im scholaren Sinn auseinander setzt. Nicht immer ... aber immer öfter.
hier noch eine gefundene Kuriosität zum Thema Taktwechsel bei Bach, allerdings aus vollkommen anderen Gründen. Es dreht sich um Kantate - Herz und Mund und Tat und Leben - BWV 147. In beiden Chorälen Nr.6 und Nr.10 notiert Bach einen 9/8 gegenüber einem 3/4 Takt.
Wie passt das zusammen? Ganz einfach, der 9/8 ist eigentlich ein triolischer 3/4. Nur, hätte Bach das korrekt notiert im 3/4, hätte er über jeden 3-Achtelbalken eine 3 schreiben müssen. Das sieht zwar auf den ersten Blick sehr seltsam aus, aber ein Musiker sollte das sofort verstehen.