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Durchschnitte und Normen helfen uns, Standarte zu berechnen. Ein Bett ist beispielsweise meist 200 cm lang. Die Arbeitshöhe in einer Schweizer Küche liegt üblicherweise bei 90 cm. Ein Arbeitstisch hat eine Höhe von 72 cm und ein Esstisch 75 cm. Diese Vorgaben sind meist so gemacht, dass sie für die Mehrzahl der Menschen funktionieren. Vielleicht kommen Sie auch ganz gut mit diesen Normen klar und haben sich nie ärgern müssen über zu tiefe Türrahmen oder zu kurze Betten. Doch selbst wenn Sie die durchschnittliche Höhe von 164 cm für Frauen und 178 cm für Männer aufweisen. Sie sind ganz sicher kein Durchschnittsmensch.
Nicht nur unsere Fingerabdrücke sind einzigartig
Jeder hat eine eigene Anatomie. Zwei Menschen können exakt gleich gross sein und am selben Arbeitsplatz arbeiten. Person A kann nach zwei Stunden Arbeit an eben jenem Platz Nackenschmerzen bekommen und Person B ist komplett glücklich und fühlt sich noch gut. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn Person A einen längeren Oberkörper hat. Er ist ein sogenannter «Sitzriese» und muss sich nach unten bücken, um zu arbeiten. Folglich verspannt sich sein Nacken und beginnt zu schmerzen.
Die anatomischen Unterschiede werden auch im Sport gut sichtbar. Person C kann 100 Meter in kürzerer Zeit zurücklegen als Person D, obwohl sie beide gleich viel trainieren, demselben Trainingsplan folgen und sich gleich ernähren. Das kann daran liegen, dass Person C von Natur aus eine höhere Anzahl an weissen Muskelfasern aufweist. Diese weissen Muskelfasern können vom Nervensystem schneller angesteuert werden, mehr Kraft entwickeln und eignen sich besser für schnelle Sportarten, wie das Sprinten.
Diese Beispiele zeigen, wieso wir uns nicht allzu sehr auf Normen und Vorgaben verlassen sollten. Und wir könnten Ihnen noch das ganze Alphabet aufzählen, Beispiele gibt es genug. Nicht alles funktioniert bei jedem Menschen gleicht gut und tut ihm gleich gut.
Wann das zum Problem wird
Problematisch werden die Durchschnittswerte dann, wenn Sie sich lang in einer bestimmten Haltung befinden. Nach ein paar Stunden Gemüse schnetzeln schmerzt der Rücken. Macht man Büroarbeit am Esstisch schlafen die Arme ein. Oder was denken Sie, wenn ich sage: Ein Hoch auf Langstreckenflüge! Neun Stunden in einem Flugzeugsitz (der Economy-Class wohl bemerkt) eingepfercht sein ist wohl eines der bekannteren Beispiele. Hätten wir mehr Beinfreiheit oder ein gemütliches Bett würden wir uns am Zielflughafen nicht fühlen wie durch den Fleischwolf gedreht.
An dieser Stelle: Wie sieht’s mit Ihrem Arbeitsplatz aus? Wie fühlt sich ihr Körper nach einem langen Arbeitstag an? Gibt es womöglich Verbesserungspotential?
Auch beim Sport kann es problematisch werden, nicht auf den Körper zu hören. Vielleicht sollten Sie nicht in den Laufschuhen Modell «hyperfast» laufen, weil dieser Ihre nach aussen knickenden Füsse noch mehr nach aussen zwingt. Mag beim Kollegen zwar passen, kann bei Ihnen aber zu Knieschmerzen und Gelenkschäden führen. Oder im Fitnesscenter: Vielleicht sollten Sie eine bestimmte Übung (noch) nicht ausführen, weil Ihnen die Grundmuskulatur dazu fehlt. Sie spüren das zwar irgendwie, aber der Kollege heizt sie so lange an die Übung zu machen, bis Sie es tun und danach einen Muskel eingeklemmt haben.
Worauf Sie sich verlassen sollten
Im Endeffekt gibt es zwei Dinge worauf Sie sich immer verlassen können: Ihr Körpergefühl und die Hilfe von Fachpersonen. Unser Unterbewusstsein nimmt sehr gut wahr, wenn etwas für uns nicht stimmt. Vielleicht fühlen Sie sich mit der Standardeinstellung des Bürostuhls nicht ganz wohl, vielleicht kommen Sie mit dieser einen, von allen so geliebten Fitnessübung einfach nicht klar oder Ihnen ist diese Büroleuchte schlichtweg zu hell. Vieles mag auf einen Blick nicht erklärbar sein, muss es aber auch nicht. Meist macht es Sinn, mit einer Standardeinstellung zu starten, und dann seine individuelle Einstellung zu finden. Probieren Sie aus und hören Sie auf das Feedback Ihres Körpers.
Fachpersonen können Sie hierbei unterstützen. Gute Ergonomen und Trainer werden Ihren Körper individuell anschauen und Ihnen kein vorgegebenes allgemeingültiges Rezept abgeben. Es sollte immer ein Mix aus Fachwissen und Ihrem eigenen Körpergefühl sein, der zur besten individuellen Lösung führt und Ihren Körper und Ihre Gesundheit so unterstützt, wie es für Sie richtig ist.