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Wachsende Akzeptanz der PeritoneaIdialyse
Dr.med. H. Kütemeyer
Die Behandlungsmethoden unter dem Oberbegriff Peritonealdialyse haben in der Häufigkeit ihrer Anwendung weltweit zugenommen. Am stärksten verbreitet ist die CAPD, die der Patient ohne maschinelle Unterstützung selbständig durchführen kann.
Erstmals wurde diese Behandlung am Menschen im Jahr 1927angewandt. Einen gewissen Durchbruch erreichtedie Peritonealdialyse jedoch erst, nachdem sie von den beiden amerikanischen Ärzte Popovich und Moncrief als Selbstbehandlungsmethode vorgestellt und erfolgreich eingesetzt worden war.
Man nennt diese Therapie: Continuierlich Ambulante Peritoneal-Dialyse = CAP
Diese Art der Peritonealdialyse ist heute weltweit am meisten verbreitet. Hauptgrund dafür ist vor allem die Tatsache, daß sie ohne maschinellen Aufwand vom Patienten selbst zuhause, am Arbeitsplatz oder am Urlaubsort durchführbar ist.
Bei der Peritonealdialyse spielt – wie schon der Name sagt – das ,,Peritoneum“ (,,Bauchfell“) die entscheidende Rolle. Dieses Bauchfell ist ein wichtiges Organ unseres Körpers, das die gesamte Leibeshöhle vom Zwerchfell bis zum Leistenbereich und die darin enthaltenen Organe ganz oder teilweise auskleidet bzw. überzieht. Es dient u. a. der Infektabwehr von Krankheiten in diesem Körperbereich und ist deshalb besonders gut durchblutet. Außer dieser guten Durchblutung mit Blut- und Lymphgefäßen besitzt dieses Organ auch, ähnlich wie die Haut, kleine, Poren genannte Öffnungen, durch die ein reger Stofftransport erfolgt. Diese Eigenschaften des Peritoneums bzw. der Bauchhöhle werden für die Peritonealdialyse genutzt. Erste Voraussetzung ist allerdings ein Zugang von außen.
Dazu dient ein in die Bauchhöhle eingepflanzter Kunststoffkatheter, durch den eine besonders zusammengesetzte Spülflüssigkeit in die Bauchhöhle ein- bzw. abgeleitet werden kann.
Die im Blut vorhandenen, von den kranken Nieren nicht mehr erfaßbaren Stoffwechselschlacken werden über das Bauchfell in diese Flüssigkeit abgegeben. Durch die Zugabe von Glucose, einem Zuckerstoff, wird erreicht, daß aus dem Körper darüber hinaus auch Flüssigkeit entfernt wird. Auf diese Weise wird bei dieser Behandlung gleichzeitig das Problem der Wassereinlagerungen im Körper des Nierenkranken gelöst.
Folgende Krankheitssituationen schließen die Möglichkeit der Peritonealdialyse aus:
- Sog. peritoneale Fibrose
- starke peritoneale Verwachsungen nach operativen Eingriffen im Bauchraum
- chronische infektiöse Darmerkrankungen, Hernien (Leisten- oder Bauchwandbrüche)
- abdominelle Aortenaneurismen (Krankhafte Gefäßveränderung der Hauptkörperschlagader)
- starke räumliche Einengung der Bauchhöhle, z.B. durch große Zystennieren, Wasseransammlungen in der Bauchhöhle (Ascites) oder chronische Wasseransammlungen in der Brusthöhle (Hydrothorax).
Der Giftstofftransport von den Blutgefäßen im Bauchfell zur Spülflüssigkeit in der Bauchhöhle folgt einfachen physikalischen Regeln. Durch den höheren Konzentrationsgehalt der Giftstoffe in den Blutgefäßen des Peritoneums entsteht gegenüber der Spülflüssigkeit in der Bauchhöhle ein Konzentrationsgefälle. Die Giftstoffe wandern vom Ort der höheren Konzentration, also dem Blut, durch die Poren und Kanäle im Bauchfell in die Spülflüssigkeit.
Dies geschieht solange, bis sich ein gewisses Gleichgewicht zwischen den Konzentrationen im Blut einerseits und der Spülflüssigkeit andererseits einstellt. Erfahrungsgemäß wird dieser Punkt nach etwa vier Stunden erreicht. Die mit Giftstoffen angereicherte Spülflüssigkeit wird jetzt über den Katheter wieder aus der Bauchhöhle abgeleitet.
Für den Wechsel der Flüssigkeit macht man sich das Gesetz der Schwerkraft zunutze. Die Spülflüssigkeit befindet sich in einem Kunststoffbeutel, der durch den Katheter direkt mit der Bauchhöhle verbunden wird. Der Flüssigkeitsbeutel liegt höher als die Bauchhöhle, der Inhalt fließt deshalb von selbst in das tieferliegende Peritoneum. In umgekehrter Richtung wird ein leerer Beutel tiefer als die Bauchhöhle gelegt, in den sich die Flüssigkeit entleert.
Durch mehrfache Wiederholung dieses Vorgangs während eines Tages kann eine wirksame Entfernung von Stoffwechselschlacken aus dem Körper erreicht werden. Erfahrungsgemäß sind für eine gute Kontrolle der Krankheitssituation täglich vier solcher Flüssigkeitswechsel notwendig.
Ein Patient wird, ehe die Selbstbehandlung zuhause beginnt, sorgfältig in das Verfahren eingeführt. Das Training erfolgt durch Ärzte und besonders geschultes Pflegepersonal. Ähnlich wie bei der Hämodialysebehandlung, wo zur Vorbereitung der späteren Dauertherapie für die Anlage eines Shunts ein gefäßchirurgischer Eingriff notwendig ist, wird auch für die Peritonealdialyse ein Eingriff für die Einpflanzung des Katheters in die Bauchdecke notwendig.
Katheter als dauerhafte Verbindung
Dieser Katheter ist eine dauerhafte Verbindung zwischen Körperoberfläche und Bauchhöhle und deshalb mit besonderer Vorsicht zu behandeln: Bei unsachgemäßer Handhabung des Flüssigkeitswechsels oder bei Mißachtung der hygienischen Regeln beim Umgang mit dem Katheter droht die Gefahr einer Peritonitis, einer Infektion der Bauchhöhle.
Diese Infektionsgefahr ist gewissermaßen die Achillesferse dieser Behandlungsmethode. Allerdings wird dieses Risiko gelegentlich übertrieben, vor allem von denjenigen, die die Peritonealdialyse als eine Alternative zur Hämodialysebehandlung ablehnen. Man darf dabei aber nicht vergessen, daß auch eine unsachgemäße Punktion bei der Vorbereitung der Hämodialyse zu einer lebensbedrohlichen Infektion des Blutes und der Blutgefäße führen kann. Durch ständige Verbesserungen an den Kathetern und übrigen Materialien wurde die Gefahr einer Bauchhöhlenentzündung deutlich verringert.
Wer sich für diese Behandlungsmethode entscheidet, muß sich jedoch klar darüber sein, daß nur äußerste Vorsicht und Sorgfalt vor Problemen schützen.
Das Verfahren setzt eine große Portion Eigenverantwortung im Umgang mit Krankheit und Therapie voraus. Gewissermaßen als ,,Belohnung“ bietet die Peritonealdialyse verhältnismäßig viel Freiraum bei der Gestaltung der Behandlungszeiten und bei der Wahl des Behandlungsortes.
Bereitschaft zu hoher Eigenverantwortung
Dieser Vorzug einerseits und die aktive Bereitschaft und Befähigung zu größerer Eigenverantwortung müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
Sowohl die Hämo- als auch die Peritonealdialyse haben Vor- und Nachteile, die jeweils nur unter den ganz persönlichen Aspekten des einzelnen Patienten abgewogen werden können. Eine Selbstbehandlungsmethode wie die CAPD ist für einige Gruppen von Kranken ausgeschlossen, die über Nierenprobleme hinaus unter weiteren komplizierten Begleiterkrankungen leiden und deshalb der dauernden ärztlichen Überwachung bedürfen.
Formen der Peritonealdialyse
Peritonealdialyse ist der Oberbegriff für mehrere unterschiedliche Behandlungsmethoden. Neben der meistverbreiteten CAPD gibt es zwei weitere Verfahren.
IPD: Die Intermittierende Peritoneal-Dialyse ist keine Selbstbehandlungsmethode, sondern erfolgt mit maschineller Unterstützung in aller Regel in der Klinik oder in einem Behandlungs- zentrum. Die Flüssigkeit wird über den Katheter während einer 10- bis 12 stündigen Behandlungsdauer ein- und ausgepumpt.
CCPD: Die Continuierliche Cyclische Peritoneal-Dialyse, auch als Automatische Peritoneal-Dialyse = APD bezeichnet, erfolgt ebenfalls maschinenunterstützt, wird aber nach Abschluß des Trainings vom Patienten zuhause, in aller Regel nachts, durchgeführt.