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1880–1900
Erster Bauboom bei der Post
In Kantonshauptorten und weiteren grossen Ortschaften entstehen rund 26 monumentale Postbauten. Die Post repräsentiert durch die grossen wie auch die kleinen Postgebäude den neuen Bundesstaat in allen Regionen der Schweiz.
Inhaltsbereich
Als 1849 der Bund das Postwesen übernimmt, besteht bereits ein dichtes Netz von Pferdeposten mit gutem Angebot für Reisen und Postberförderung. Die eidgenössische Post übernimmt die Infrastruktur der kantonalen Postbetriebe und damit auch den Grossteil der Postgebäude in Miete, darunter einige repräsentative Bauten in grösseren Städten. Gerade die kleinen Poststellen repräsentieren den jungen Bundesstaat bis in die entlegensten Landesteile.
Nähe zu Bahnhöfen zählt
Das Eisenbahnzeitalter und die Zunahme des Verkehr wirken sich auf die Poststandorte aus: Die vor 1850 erbauten Postgebäude in grösseren Orten sind bald zu klein. Zudem sind die Gebäude nun ungünstig gelegen. Die Postverwaltung möchte eigene Postgebäude in Bahnhofsnähe bauen, aber erst in den 1880er-Jahren kann sie dieses Vorhaben umsetzen: Die 1887 eröffnete Hauptpost St. Gallen ist das erste vom Bund gebaute Postgebäude.
Danach entstehen in schneller Abfolge repräsentative Postgebäude in den Kantonshauptorten und weiteren grösseren Orten der Schweiz. Der Architekturstil orientiert sich – zumindest in der Deutschschweiz – an der klassischen Antike und der italienischen Renaissance. Nach der Jahrhundertwende orientieren sich die Postneubauten stärker an regionalen und lokalen Traditionen.
Bedeutendes Gebäude: Sihlpost
Wegen des Ersten Weltkrieges unterbricht die Post ihre Bautätigkeit. Erst Mitte der 1920er-Jahre nimmt sie weitere Neubauten in Betrieb. Man wendet sich von den repräsentativen Palastbauten ab und moderneren Stilen zu. Im wichtigsten Postbau der damaligen Zeit, der 1930 eröffneten Sihlpost in Zürich, treffen Tradition und Moderne direkt aufeinander. Erstmals bestimmen die inneren postbetrieblichen Abläufe die Architektur. Die Sihlpost ist mit Förderanlagen, Drehtischen, Rutschen ausgestattet. Einziger bildnerischer Schmuck: die Mosaike an den Haupteingängen.
In der Hochkonjunktur bis zur Ölkrise 1973 wachsen die Aufgaben des Bundes und damit auch der Platzbedarf für die Verwaltung. 1970 eröffnet die PTT ihren funktionalen Bau für die Generaldirektion in Bern-Schönburg.
Grosse Paket- und Briefzentren entstehen
Innovative Akzente setzt die PTT in den 1990er-Jahren zum Beispiel mit dem Ensemble aus Postautostation und PTT-Betriebsgebäude beim Bahnhof Chur. Auch Verarbeitungszentren bestimmen das Bild der Post in der Öffentlichkeit: Bis 2010 entstehen im Rahmen von Grossprojekten drei neue Paketzentren in Daillens, Härkingen und Frauenfeld sowie drei neue Briefzentren in Zürich-Mülligen, Härkingen und Eclépens.
Quellen:
Karl Kronig, Bauen für eine Nation. Von Postpalästen, PTT-Bauten und Kunst am Bau, in: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK (Hg.), Kunst + Architektur in der Schweiz, Nummer 4/2020 (Zeitschrift).
Karl Kronig, Museum für Kommunikation (Hg.): Ab die Post! 150 Jahre schweizerische Post, Bern 1999.
Walter Knobel, Schweizerische Post (Hg.): Gelb bewegt. Die Schweizerische Post ab 1960, Bern 2011.