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Königreich Marokko. Hauptstadt: Rabat. Fläche: 453'730
km2. Einwohner: 31 Mio.

Marokko besitzt weite
Ebenen und die höchsten Gebirge im Nördlichen Afrika. Das Land ist
physiographisch in vier Regionen eingeteilt. Parallel zur Mittelmeerküste im
Norden befindet sich das Hochland von Er Rif mit Höhen bis zu 2 456 m. Das
Atlasgebirge zieht sich von Südwesten nach Nordosten zwischen dem Atlantik und
dem Er Rif durch das Land. Seine Berge sind durch die Taza Depression
voneinander getrennt. Man unterscheidet dabei den Hohen Atlas, den sich
anschließenden Antiatlas im Südwesten mit Höhen von 1 100 bis 2 000 m und den
Mittleren Atlas im Nordosten mit einer maximalen Erhebung von 3 340 m. Entlang
des Atlantiks ziehen sich weite Küstenebenen, die vom Er Rif und dem
Atlasgebirge umrahmt sind. Die Ebenen und Täler südlich des Atlasgebirges gehen
entlang der südöstlichen Landesgrenzen in die Sahara über.
Am Mittelmeer herrscht in Marokko ein subtropisches
Klima, das durch Meereseinflüsse abgemildert wird und den Städten zu einer
gemäßigten Temperatur verhilft. In As-Sawïrah (Mogador) beispielsweise betragen
die Durchschnittstemperaturen im Januar 16 °C und im August 22 °C. Zum
Landesinneren hin sind die Winter kälter und die Sommer wärmer. So betragen in
Fes die Temperaturen im Januar 10 °C und im August 27 °C. In hohen Lagen sind
Extremwerte von unter -18 °C nicht ungewöhnlich.
Der Weinbau in diesem nordafrikanischen Land geht bis auf die Phönizier zurück.
Anfang des 1. Jahrhunderts übernahmen die Römer die Herrschaft, nannten die von
Berbern bewohnte neue Provinz Mauretanien
und führten Rebsorten ein. Ende des 7. Jahrhunderts
wurde es von den Arabern erobert und damit
kam der Weinbau völlig zum Erliegen. Im Zeitraum 1912 bis 1956 war Marokko
französisches Protektorat. Vor dem ersten Weltkrieg gaben französische
Kolonisten dem Weinbau neue Impulse. Inmitten grosser
Wüstengebiete mit heissem und trockenem Klima entstanden gepflegte Weingärten.
1956 wurde Marokko unabhängig und verhängte ein Exportverbot von Weinen nach
Frankreich, was starke Einbussen verursachte. Viele französischen
Weingut-Besitzer wurden im Jahre 1973 enteignet. Zu diesem Zeitpunkt wurden aber
immer noch
etwa drei Millionen Hektoliter Wein produziert. Bis Mitte der 1980er-Jahre wurde dann
der grösste Teil der Weinberge vom Staat übernommen. Im Jahre 2000 wurden von
ca. 20.000 Hektar Ertrags-Rebfläche nur mehr etwa um 300.000 Hektoiliter Wein produziert. Der weitaus grösste Teil der Ernte diente
der Erzeugung von Tafeltrauben. Die wichtigsten Sorten sind die drei roten
Carignan, Cinsault und Grenache Noir, von denen rund 85% der gesamten
Wein-Produktion gekeltert wird. Die marokkanischen Rotweine sind zumeist
farbstark, alkoholreich und eher säurearm. Weitere bekannte Rebsorten sind Cabernet
Sauvignon, Chardonnay, Clairette, Grenache, Merlot, Mourvèdre, Muscat
d´Alexandrie, Sauvignon Blanc, Syrah und einige lokale Sorten. Künstliche
Bewässerung ist zwar erlaubt, erfolgt aber nur in geringem Umfang.
Nur durch eine rigorose Kontrolle der Temperatur
und der gelesenen Trauben schaffen es die marokkanischen Top-Winzer,
Spitzenweine zu keltern. Die Hitze im Sommer und während der Lese lässt keine
andere Wahl.
Nach französischem Vorbild wurde im Jahre 1956 das Appellations-System AOG
(Appellation d´Origine Garantie) eingeführt, das sehr streng kontrolliert wird.
Das wichtigste und beste Anbaugebiet ist die Region Fès-Meknès in den nördlichen
Ausläufern des Atlas-Gebirges. Hier liegen die Appellationen Sais, Beni Sadden,
Beni M´Tir, Guerrouane und Zerkhoun. Von hier stammen drei ausgezeichnete
Rotweine aus Carignan, Cinsaut und Grenache mit den Namen Chantebled und Tarik
(in Marokko jedoch unter Les Trois Domaines). Ein weiteres Anbaugebiet ist die
Küstenebene um die Hauptstadt Rabat in den Regionen Chellah, Gharb, Zaer und
Zemmour. Der Bereich Berkane-Oujda liegt im Osten an der Grenze zu Algerien.
Südlich an der Küste in der Region Casablanca gibt es die Zonen Doukkala, Sahel
und Zennata (letztere mit dem Rotwein Ourika). Das grösste Weingut ist die im
Jahre 1993 erbaute staatseigene Domaine de Sahari bei Meknès. Diese produziert
zum Beispiel den „Rouge de Guerrouane“ (Verschnitt aus Cinsaut, Carignan,
Grenache, Alicante Bouschet und Syrah) sowie Rotweine aus Cabernet Sauvignon und
Merlot. Weitere Erzeuger sind Celliers de Meknès, Chaudsoleil und Sicomar.
Der Celliers de Meknès entwickelte sich in den
letzten Jahren von einem bloss 10 ha Rebfläche umfassenden Weingut auf eine rund
1'400 ha grosse "Rebplantage". Über 20 verschiedene Weiss-, Rosé und Rotweine
werden in rund 25 Millionen Flaschen jährlich abgefüllt. Der grösste Teil davon
wird auf dem heimischen Markt abgesetzt, obwohl dort immer noch ein
Alkoholverbot herrscht, offiziell. Der beste Wein des Weinguts Celliers de
Meknès ist mit Sicherheit der Château Roslane, eine Assemblage zu gleichen
Teilen aus Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon , Merlot und je nach Jahrgang
etwas Syrah. Der "Wine Spectator" zeichnete diesen Wein mit 94 Punkten aus. Der
Château Roslane reift nach mehrwöchiger, temperaturkontrollierter Gärung 12
Monate in französichen Barrique-Fässern. Die jährlich 80'000 Flaschen verkaufen
sich mittlerweile beinahe von selbst.
Eine
Spezialität als Erfrischungsgetränk ist der hochfarbige, süsse AOG-Dessertwein
Vin Gris, hergestellt aus Cinsault- und Carignantrauben, aus der Lage Boulaouane zwischen Casablanca
und Marrakesch. Dieser Rosé wird aus roten Trauben hell gekeltert und macht rund
10% der Wein-Produktion aus. Marokko ist auch ein relativ wichtiger Lieferant
für Korken.