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«Mein Wunsch geht brennend darauf aus meiner geliebten Vaterstadt noch manch‘ schoenes Stück erwerben zu können», schrieb Louise Bachofen-Burckhardt (1845–1920) im Januar 1916 an Wilhelm von Bode, den grossen Berliner Museumsmann, der ihr regelmässig Bilder zum Ankauf vorschlug. Tatsächlich hatte sie den Plan gefasst, die Öffentliche Kunstsammlung in Basel grundlegend zu transformieren: Aus einer regional bedeutsamen Sammlung mit oberrheinischem Akzent sollte ein Museum von europäischem Rang werden, wie sie es in London, Berlin und Paris kennengelernt hatte. Zu diesem Zweck baute sie den Bestand an Gemälden, den ihr Mann Johann Jakob Bachofen-Burckhardt in die Ehe eingebracht hatte, enorm aus und überführte sämtliche Bilder 1904 in eine Stiftung, die sie in seinem Namen errichtete. Diese Stiftung sollte ausschliesslich dem Kunstmuseum Basel zugute kommen, das so nach Louise Bachofen-Burckhardts Tod nicht weniger als 305 Gemälde vom Spätmittelalter bis an die Wende zum 20. Jahrhundert in Empfang nehmen konnte. Unter diesen befinden sich Hauptwerke von Bartolomeo Vivarini, Lucas Cranach d. Ä., Hans Memling, Jan Brueghel d. Ä., Frans Francken II., Dirck Hals, Nicolaes Maes, Nicolaes Berchem, Jacob van Ruisdael, Jan van Goyen, Harmen Steenwyck, Rachel Ruysch, Jean-Étienne Liotard und Alexandre-François Desportes.
Es war Louise Bachofen-Burckhardts ausdrücklicher Wunsch, als Person hinter dem Werk zurückzutreten, das sie zum Andenken an ihren Mann, den Verfasser des berühmten Buches zum Mutterrecht als Ursprung aller Gesellschaftsformen, verrichtet hatte. Nachrufe etwa verbat sie sich testamentarisch. So ist sie bis heute eine grosse Unbekannte geblieben, obwohl sie sicherlich zu den bedeutendsten Kunstsammlerinnen einer Zeit gehörte, in der Frauen auf diesem Gebiet noch wenig aktiv waren. Ihr 100. Todestag bietet jetzt den willkommenen Anlass, anhand von unpublizierten Quellen Licht auf die Stifterin und ihr Agieren auf dem boomenden Kunstmarkt um 1900 zu werfen. Zugleich stattet das Kunstmuseum Basel mit der Ausstellung zu Louise Bachofen-Burckhardt den Dank an ihre Stiftung ab, die sich 2015 dazu entschloss, ihre seit langem als Dauerleihgaben im Museum deponierten Gemälde diesem zu schenken.
Wieviel Louise Bachofen-Burckhardt zum heutigen Charakter des Kunstmuseums beigetragen hat, führt die Ausstellung eindrücklich vor Augen. Dabei ist nicht nur die unmittelbare Bereicherung der Sammlung durch ihre Werke von Belang – immerhin erhöhte sich dessen Gemäldebestand auf einen Schlag um mehr als ein Viertel – sondern auch ihre Wirkung als leuchtendes Vorbild: Als Pionierin des Sammelns und Stiftens in der Schweiz hat sie gewiss viele spätere Basler Schenker wie Hans Vonder Mühll und Max Geldner inspiriert.