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Als familiäre Hypercholesterinämie bezeichnet man erblich bedingte Erhöhungen der Cholesterinwerte. Es gibt verschiedene Formen. Bei der häufigsten Variante spielen neben den genetischen Faktoren der Lebensstil und die Ernährung eine wichtige Rolle. Sie heisst: polygene familiäre Hypercholesterinämie.
Die Cholesterinwerte im Blut liegen bei dieser Form meist zwischen 250 und 350 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise 6,4 und 9 Millimol pro Liter (mmol/l). Der Gesamtcholesterinwert sollte aber unter 200 mg/dl beziehungsweise 5,2 mmol/l liegen.
Wesentlich seltener lassen sich erhöhte Cholesterinspiegel auf eine sogenannte monogene familiäre Hypercholesterinämie zurückführen. Bei ihr spielt die Vererbung eine weitaus grössere Bedeutung als bei der polygenen Form.
Die Mutation betrifft das Gen, das die Andockstelle (Rezeptor) der Leberzellen für das «schlechte» LDL-Cholesterin steuert. Entweder mangelt es an dem Rezeptor oder er funktioniert nicht richtig.
Vererbt nur ein Elternteil die genetische Veränderung, wirkt es sich nur auf eine gewisse Anzahl der Rezeptoren aus. Fachleute nennen dies heterozygote familiäre Hypercholesterinämie. Die Cholesterinwerte liegen bei dieser Form meist zwischen 300 und 500 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 7,7 und 12,9 Millimol pro Liter. Die heterozygote familiäre Hypercholesterinämie betrifft etwa 1 von 500 Personen.
Nur etwa 1 von 1 Million Personen erbt die Mutation von beiden Elternteilen. In solchen Fällen stehen gar keine funktionstüchtigen Rezeptoren für das LDL-Cholesterin bereit. Es handelt sich um die sogenannte homozygote familiäre Hypercholesterinämie. Das LDL-Cholesterin steigt auf extrem hohe Werte von etwa 500 bis 1.200 Milligramm pro Deziliter (12,9 bis 30,9 Millimol pro Liter). Schon im Kindesalter treten erste Symptome der Fettstoffwechselstörung auf, beispielsweise Fettablagerungen in der Haut. Betroffene können aufgrund von Gefässablagerungen zudem bereits im Kindes- oder Jugendalter Herzinfarkte erleiden.
Der Arzt stellt eine familiäre Hypercholesterinämie anhand der stark erhöhten Blutfettwerte und Cholesterinwerte fest. Ausserdem gibt es Gentests, die die häufigsten krankheitsauslösenden Genveränderungen nachweisen, die zu einer monogenen familiären Hypercholesterinämie führen können.
Eine leichte familiäre Hypercholesterinämie lässt sich durch cholesterinarme Ernährung behandeln. Bei ausgeprägteren Formen mit hohen Cholesterinwerten ist es in aller Regel unumgänglich, den Cholesterinspiegel und die Fettwerte durch Medikamente oder spezielle Verfahren wie die sogenannte LDL-Apherese (eine Art Blutreinigung) zu senken.
Die familiäre Hypercholesterinämie ist eine erblich bedingte Störung des Cholesterin- und Fettstoffwechsels. Sie führt zu einem erhöhten Cholesterinspiegel – vor allem aufgrund hoher LDL-Cholesterin-Werte – und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Man unterscheidet vor allem folgende Formen:
Die polygene Form unterscheidet sich insofern von den monogenen Formen, dass nicht allein die Gene ausschlaggebend sind, sondern neben erblichen Faktoren vor allem der Lebensstil zu erhöhten Cholesterinwerten führt: falsche, zu fettreiche Ernährung; Übergewicht; Bewegungsmangel.
Die monogene familiäre Hypercholesterinämie hingegen führt schon allein durch die genetischen Veränderungen zu einem hohen Cholesterinspiegel. Das veränderte Gen steuert die Andockstellen der Leberzellen für das «schlechte» LDL-Cholesterin und hat daher eine wichtige Funktion im Stoffwechsel inne.
Die Begriffe heterozygot und homozygot beziehen sich darauf, wie ausgeprägt eine monogene familiäre Hypercholesterinämie ist:
Manche Definitionen rechnen die polygene Form nicht zu den familiären Hypercholesterinämien.
Bei der familiären Hypercholesterinämie liegen im Blut erhöhte Cholesterinwerte vor (griech. hyper = über). Bei den monogenen Formen, die Betroffene von beiden Elternteilen vererbt bekommen haben (sog. homozygote Form,) führt dies schon im Kindes- und Jugendalter zu Veränderungen an den Gefässen und kann Folgeerkrankungen wie einen Herzinfarkt nach sich ziehen.
Der Fettstoffwechsel des Menschen beruht auf der Aufnahme von Fetten über die Nahrung, dem Transport der Fette zur Leber und dem ständigen Austausch von Fetten zwischen Leber und Fettgewebe sowie anderen Organen und Geweben. Dabei bauen Enzyme die Fette in vielen verschiedenen Prozessen ab und um. Wichtiger Vertreter der Fette sind die Triglyzeride – Cholesterin zählt chemisch zur Gruppe der Lipide, nicht zu den Fetten.
Ein gesunder Mensch nimmt Cholesterin etwa zu einem Drittel mit der Nahrung auf. Wichtig zu wissen: Nur tierische Lebensmittel enthalten Cholesterin! Etwa zwei Drittel des Gesamtcholesterins bildet der Körper selber, und zwar vor allem in der Leber, in geringerem Masse auch im Darm. Cholesterin braucht der Mensch unter anderem, um Sexualhormone und Gallensäuren zu bilden. Cholesterin löst sich schlecht in Wasser und somit auch im Blut. Um den Transport im Blut zu ermöglichen, bindet es dort an Transporteiweisse – sogenannte Apolipoproteine.
Die Verbindung aus Cholesterin und Transporteiweiss nennt man auch Lipoprotein. Je nach Zusammensetzung und Dichte dieser Lipoproteine unterscheidet man:
Typisch für die familiäre Hypercholesterinämie: Die hohen Cholesterinwerte gehen vor allem auf eine erhöhte Konzentration des LDL-Cholesterins im Blut zurück. Umgangssprachlich bezeichnet man LDL-Cholesterin als schlechtes Cholesterin, weil es massgeblich an der Entstehung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose) beteiligt ist. HDL-Cholesterin hingegen gilt als gutes Cholesterin – ein hoher Wert ist positiv.
Am häufigsten ist die polygene Form der familiären Hypercholesterinämie. Die monogene Form tritt je nach Variante unterschiedlich oft auf – abhängig davon, ob man der Betroffene die Stoffwechselstörung von einem oder von beiden Elternteilen geerbt hat:
Die familiäre Hypercholesterinämie hat erblich bedingte Ursachen. Die Erbkrankheit ist vor allem durch ein erhöhtes LDL-Cholesterin gekennzeichnet. Bei der häufigsten Variante der familiären Hypercholesterinämie spielen neben den erblichen Ursachen auch äussere Faktoren wie der Lebensstil eine wichtige Rolle. Diese Form heisst polygene familiäre Hypercholesterinämie.
Auslöser der sogenannten monogenen Formen der familiären Hypercholesterinämie sind Veränderungen an bestimmten Genen. Vererbt nur ein Elternteil eine solche Genveränderung, entsteht beim betroffenen Kind die heterozygote Form der Hypercholesterinämie. Sind beide Elternteile von der Fettstoffwechselstörung betroffen, verursacht dies bei den Nachkommen die homozygote Form – bei ihr sind die Cholesterinwerte am höchsten. Die betroffenen Gene sind für den Fettstoffwechsel von Bedeutung. Sie heissen: LDL-Rezeptor-Gen und Apolipoprotein-B-Gen.
Wissenschaftler kennen mehr als 100 Genveränderungen, die sich in unterschiedlicher Weise auf den LDL-Rezeptor auswirken und so eine familiäre Hypercholesterinämie verursachen. Folgender Mechanismus führt zu den erhöhten Cholesterinwerten:
Die Folge: Der Abbau des LDL-Cholesterins ist gestört, und dies ist die Ursache für die erhöhte Konzentration von LDL-Cholesterin im Blut, wie sie bei familiärer Hypercholesterinämie auftritt.
Wann eine familiäre Hypercholesterinämie erste Symptome verursacht, hängt von der vorliegenden Form ab. Die sehr häufige polygene Hypercholesterinämie geht mit weniger hohen Cholesterinwerten einher als die monogenen Formen. Typische Merkmale wie Fettablagerungen in der Haut oder Beschwerden treten bei der polygenen Variante daher später auf als bei den monogenen.
Die rein erblichen Formen der familiären Hypercholesterinämie (monogene Formen) äussern sich früher durch erste Symptome. Das Risiko, bereits im Alter von etwa 40 Jahren eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln, ist bei monogener familiärer Hypercholesterinämie um das Vierfache erhöht, am stärksten bei der sehr seltenen homozygoten Form, die nur 1 von 1 Million Personen trifft. Bei ihr kommt es meist schon im Kindesalter zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund der Arterienverkalkung. Typischerweise leiden auch die Eltern an entsprechenden Symptomen – bei der heterozygoten Form ein Elternteil, bei der homozygoten Form beide Eltern.
Für die familiäre Hypercholesterinämie sehr typische Symptome sind leicht erhabene, orange-gelbe Fettablagerungen. Diese sogenannten Xanthome liegen oberflächlich in der Haut von:
Die homozygote familiäre Hypercholesterinämie verursacht solche Symptome schon in den ersten Lebensjahren, manchmal auch schon vor der Geburt. Mit zunehmendem Lebensalter treten die Xanthome an den Sehnen der Hand auf, die die Hand strecken, sowie an der Achillessehne, unterhalb des Knies und am Ellenbogen.
Als Xanthelasmen bezeichnet man gelbliche, leicht erhabene Fetteinlagerungen im Bereich der Augenlider. Sie kommen bei familiärer Hypercholesterinämie vor, aber auch bei normalem oder nur leicht erhöhtem Cholesterin. Sie bilden sich – ähnlich wie die Xanthome – meist wieder zurück, wenn die Cholesterinwerte sinken.
Bei etwa der Hälfte der Betroffenen entwickelt sich bis zum 30. Lebensjahr eine ringförmige, weisse Trübung am Rand der Hornhaut des Auges, fachsprachlich Arcus lipoides corneae.
Zudem kann eine familiäre Hypercholesterinämie Symptome verursachen, die aufgrund der Arterienverkalkung entstehen, zum Beispiel
Bei Verdacht auf eine familiäre Hypercholesterinämie besteht einer der ersten Schritte zur Diagnose darin, im Blut die Cholesterinwerte und die Triglyzeride zu messen.
Wichtige Hinweise erhält der Arzt darüber hinaus, indem er den Betroffenen nach bestehenden Beschwerden und Krankheiten befragt und dabei auch die Gesundheit der Familienmitglieder in Erfahrung bringt.
Bei der polygenen Form handelt es sich um eine sogenannte Ausschlussdiagnose: Nur wenn sicher keine anderen Ursachen für die hohen Cholesterinwerte gefunden werden, stellt der Arzt die Diagnose, dass eine polygene familiäre Hypercholesterinämie vorliegt.
Bei einer körperlichen Untersuchung auf mögliche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Vielleicht lässt er auch ein EKG schreiben. Zudem bestimmt er den Blutzuckerwert und gegebenenfalls den HbA1c-Wert, der auch als Blutzuckergedächtnis bezeichnet wird. Zudem ist bedeutsam, ob die Person übergewichtig ist und ob sie Sport treibt. Auch Ernährungsgewohnheiten und der Konsum von Genussmitteln wie Alkohol oder Tabak spielen eine Rolle.
Wie hoch die Konzentrationen des Cholesterins und der Fette sind, hängt massgeblich davon ab, welche Form der familiären Hypercholesterinämie vorliegt. Die sogenannte polygene Form geht meist mit Cholesterinwerten zwischen 250 und 350 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise 6,4 und 9 Millimol pro Liter (mmol/l) einher.
Bei der nur von einem Elternteil vererbten (sog. heterozygoten) Form der monogenen familiären Hypercholesterinämie liegen die Cholesterinwerte im Blut der Betroffenen meist zwischen 300 und 500 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 7,7 und 12,9 Millimol pro Liter. Bei der von beiden Eltern vererbten (sog. homozygoten) Form betragen die Blutcholesterinwerte 500 bis 1.200 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 12,9 bis 30,9 Millimol pro Liter.
In der Regel ermittelt der Arzt folgende Werte:
Bei der zur Diagnose der familiären Hypercholesterinämie nötigen Bestimmung der Fettwerte sollten die Betroffenen nüchtern sein: Zwischen der letzten Nahrungsaufnahme und der Blutabnahme sollten mindestens zwölf Stunden liegen.
Neben den laborchemischen Methoden stehen heute Gentests zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe lassen sich die häufigsten Veränderungen an den Erbanlagen, die eine monogene familiäre Hypercholesterinämie nachweislich verursachen können, nachweisen.
Liegt eine familiäre Hypercholesterinämie vor, zielt die Therapie darauf ab, die Werte des Gesamtcholesterins sowie des LDL-Cholesterins zu senken. Bei der ausgeprägten Form, der monogenen familiären Hypercholesterinämie, erfolgt dies in erster Linie durch Medikamente. Wer von der familiären Hypercholesterinämie betroffen ist, sollte seinen Lebensstil kritisch prüfen und bei Bedarf ändern. Dazu gehört, sich gesund – vor allem fettarm – und ausgewogen zu ernähren, das Rauchen aufzugeben und sich mehr zu bewegen.
Bei leichter Hypercholesterinämie, wie sie häufig bei der polygenen Form besteht, kann die Kombination aus fett- und cholesterinarmer Ernährung und Sport mitunter die Werte ausreichend senken. Ob dies im individuellen Fall ausreicht, müssen Betroffener und Arzt im Lauf der Zeit bewerten.
Regelmässige Kontrolluntersuchungen dienen dazu, den Erfolg der Therapie zu überwachen.
Die familiäre Hypercholesterinämie erfordert eine Therapie, die auch die Ernährung einbezieht. Folgende Grundregeln helfen Ihnen dabei, Ihren Cholesterinspiegel und Ihre Blutfettwerte (z.B. Triglyzeride) zu senken:
Viel Cholesterin steckt in folgenden tierischen Lebensmitteln:
Bevorzugen Sie mageres Fleisch von Kalb, Rind oder Wild und ersetzen Sie fette Wurstwaren wie Salami, Mortadella, Cervelatwurst, Fleischkäse oder Schinkenspeck durch magere Wurstsorten, die weniger als 20 Prozent Fett enthalten.
Essen Sie cholesterinarme Fische wie zum Beispiel Forelle, Kabeljau (Dorsch), Schwertfisch, Seelachs, Seezunge oder Zander.
Ergänzend zur Ernährungsumstellung empfiehlt es sich, überschüssige Pfunde zu verlieren – und das dauerhaft. Hierfür eignen sich Sportarten an der frischen Luft besonders gut. Versuchen Sie es mal mit Walking, Nordic Walking, Joggen oder Velofahren.
Es ist nur begrenzt möglich, die monogene familiäre Hypercholesterinämie in ihrem Verlauf durch eine entsprechende Diät zu beeinflussen. Trotzdem sollte eine gesunde Ernährung Teil der Therapie sein, da sie generell bei Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems vorteilhaft ist.
Liegt eine monogene Form der familiären Hypercholesterinämie vor, ist eine medikamentöse Therapie meist unvermeidlich, um die erhöhten Cholesterinwerte zu senken. Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die auf unterschiedliche Weise wirken.
Die wirksamsten Medikamente gegen eine familiäre Hypercholesterinämie sind die sogenannten Statine. Dazu zählen Wirkstoffe wie beispielsweise:
Man bezeichnet Statine allgemein als Cholesterin-Synthese-(Enzym)-Hemmer (CSE-Hemmer). Sie unterdrücken, dass der Körper in der Leber selbst Cholesterin bildet. Dies tun sie, indem sie das Schlüsselenzym der Herstellung (Synthese) von Cholesterin hemmen: die sogenannte HMG-CoA-Reduktase. Aus diesem Grund heissen Statine auch HMG-CoA-Reduktasehemmer.
Dank der Behandlung sinkt der Cholesterinwert, da vermehrt Cholesterin aus dem Blut in die Leberzellen gelangt, der Körper aber keines nachbildet. Mit Statinen lässt sich das LDL um etwa 30 bis 40 Prozent senken. Allerdings spricht nicht jeder gleichermassen auf eine Therapie mit Statinen an. Die Wirkung kann sehr unterschiedlich ausfallen.
Bei der heterozygoten Form der familiären Hypercholesterinämie lässt sich durch eine Kombination aus Statinen und Mitteln, die die Gallensäure binden (sog. Anionenaustauscher), das Cholesterin unter Umständen um bis zu 50 Prozent senken. Der zusätzliche Einsatz des Wirkstoffs Nikotinsäure kann die Werte sogar um bis zu 75 Prozent senken.
Bei der von beiden Eltern vererbten (homozygoten) Form der Fettstoffwechselstörung sind Statine in bestimmten Fällen nicht zur Therapie geeignet, etwa, wenn die LDL-Rezeptoren auf der Zelloberfläche vollständig fehlen. Dann kann kein LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zelle gelangen – die Statine bleiben wirkungslos.
Die familiäre Hypercholesterinämie lässt sich auch durch sogenannte Anionenaustauscherharze oder Gallensäurenbinder therapieren: Diese Medikamente, zum Beispiel Colestyramin, binden Gallensäuren im Darm, die der Mensch anschliessend ausscheidet. Diese Gallensäuren kann der Körper nicht wiederverwerten und somit auch nicht das in den Gallensäuren enthaltene Cholesterin – es geht ebenfalls verloren.
Mit dieser Methode lassen sich die Cholesterinwerte um 15 bis 20 Prozent senken. Während der Anwendung der Anionenaustauscher kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine im Darm vorübergehend vermindert sein.
Zu den Fibraten zählen unterschiedliche Wirkstoffe wie zum Beispiel:
Bisher fehlen Daten, die belegen, dass sich durch Fibrate Todesfälle aufgrund von Erkrankungen des Herzens oder des Kreislaufsystems verhindern lassen.
Wie Fibrate wirken, ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Wahrscheinlich greifen sie an zwei Punkten im Fettstoffwechsel an: Zum einen steigern Fibrate die Aktivität eines Enzyms namens Lipoproteinlipase. Die Lipoproteinlipase baut die sehr lockeren Transportformen der Fette im Blut, VLDL (very low density lipoproteins) genannt, zu dichter gepackten Formen wie LDL (low density lipoproteins) oder sogar zu HDL (high density lipoproteins) mit sehr hoher Dichte um.
Zum anderen hemmen Fibrate in der Leber, dass sie Cholesterin bildet und VLDL-Transportformen freisetzt. Dies bremst die Herstellung von Cholesterin ganz allgemein und die Menge der gefährlichsten Transportform verringert sich.
Bedeutsame Nebenwirkung: Fibrate verändern die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit und erhöhen damit das Risiko, dass sich Gallensteine entwickeln. Personen mit Gallenbeschwerden und -steinen sollten daher keine Fibrate einnehmen.
Eine weitere Möglichkeit, die familiäre Hypercholesterinämie zu therapieren, ist der Wirkstoff Nikotinsäure: Nikotinsäure vermindert die Bildung von LDL-Cholesterin. Die Cholesterinwerte lassen sich um maximal 10 bis 15 Prozent senken. Allerdings liegen bisher keine Ergebnisse aus klinischen Studien vor, die beweisen, dass Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall seltener auftreten.
Aufgrund der ausgeprägten unerwünschten Wirkungen ist der Einsatz von Nikotinsäure bei familiärer Hypercholesterinämie individuell abzuwägen. Beispiele für unerwünschte Wirkungen sind:
Medikamente, die verhindern, dass das Cholesterin im Darm aufgenommen wird, kommen unter Umständen als Therapie infrage. Zu solchen Hemmern der Cholesterinaufnahme (fachlich: Cholesterinabsorptionshemmer) zählt der Wirkstoff Ezetimib. Bislang fehlen Studienergebnisse, die belegen, dass sich die Prognose unter einer Therapie mit diesen Mitteln bessert. Weitere Fakten aus klinischen Studien bleiben entsprechend abzuwarten.
Personen, die ihre familiäre Hypercholesterinämie von beiden Eltern geerbt haben (homozygote Form), können ihr Cholesterin weder durch eine Diät noch durch eine medikamentöse Therapie erfolgreich senken. In solchen Fällen helfen sogenannte extrakorporale Verfahren (extrakorporal = ausserhalb des Körpers) und möglicherweise eine Operation.
Die Cholesterin- beziehungsweise LDL-Werte lassen sich bei homozygoter familiärer Hypercholesterinämie nur durch frühzeitig begonnene und regelmässig fortgesetzte extrakorporale Verfahren senken, ähnlich der Dialysebehandlung von Menschen mit Niereninsuffizienz.
Eine Möglichkeit, die Hypercholesterinämie erfolgreich zu behandeln, ist zum Beispiel die LDL-Apherese (extrakorporale LDL-Elimination):
Neben dieser lebenslang fortzuführenden, zeit- und kostenintensiven Therapie kommt möglicherweise eine Lebertransplantation infrage: In diesem Fall gleicht das neue Organ das bei homozygoter familiärer Hypercholesterinämie angeborene Fehlen des LDL-Rezeptors an den Leberzellen aus. Dieser Rezeptor dient als Bindungsstelle für LDL-Cholesterin.
Die familiäre Hypercholesterinämie zeigt einen individuell sehr unterschiedlichen Verlauf. Er hängt von verschiedenen Faktoren ab – vor allem davon, ob es sich um die polygene Form oder die monogene Form der familiären Hypercholesterinämie handelt.
Im Unterschied zur polygenen Form – hier spielen die Gene vor allem kombiniert mit einem ungesunden Lebensstil eine Rolle – hängen die monogenen Formen massgeblich von den Genen ab. Bei ihnen entsteht früher eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und die damit verbundenen Krankheiten wie zum Beispiel koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bei der polygenen Form treten Symptome erst im fortgeschrittenen Alter auf. Das liegt daran, dass die Cholesterinwerte nicht so stark erhöht sind wie bei den monogenen Formen.
Es ist sehr wichtig, dass bei den monogenen Formen möglichst frühzeitig eine wirksame Therapie beginnt. So lassen sich die erhöhten Cholesterinwerte senken und damit auch das Risiko, dass eine Arterienverkalkung eintritt. Dies beugt Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems vor.
Je nachdem, welche Form der familiären Hypercholesterinämie vorliegt, geht sie mit einer unterschiedlichen Prognose einher.
Etwa jeder zweite Mensch, der die monogene Form von nur einem Elternteil geerbt hat (sog. heterozygote Form), entwickelt bis zum 40. Lebensjahr eine koronare Herzkrankheit (KHK). Sie erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt erheblich: Bis zum 60. Lebensjahr haben etwa 85 Prozent der Männer und etwa 50 Prozent der Frauen mit heterozygoter Hypercholesterinämie einen Herzinfarkt, wenn eine Therapie ausbleibt. In der gleichaltrigen Normalbevölkerung betragen diese Werte etwa 15 (Männer) beziehungsweise 10 Prozent (Frauen).
Liegt die monogene familiäre Hypercholesterinämie in der von beiden Eltern vererbten (homozygoten) Form vor, entwickelt sich bereits vor dem zehnten Lebensjahr eine koronare Herzkrankheit. Herzinfarkte können ebenfalls sehr früh auftreten. Die meisten Betroffenen sterben bereits im Kindesalter. In seltenen, weniger stark ausgeprägten Fällen erreichen die Betroffenen das zweite oder dritte Lebensjahrzehnt.
Der weitaus häufigsten Form der familiären Hypercholesterinämie, der polygenen Form, können Sie vorbeugen! Bei dieser Variante spielt die Erbanlage in Verknüpfung mit dem Lebensstil eine Rolle. Wer sich gesund und fettarm ernährt, Übergewicht vermeidet und sportlich aktiv ist, beugt erhöhten Cholesterin- und Blutfettwerten vor.
Die monogene familiäre Hypercholesterinämie ist eine Erbkrankheit. Bei ihr kommt es auch ohne Ernährungseinflüsse zu hohen oder sehr hohen Cholesterinwerten. Daher können Sie ihrer Entstehung nicht vorbeugen, wenn die zugrunde liegende Schädigung an der Erbanlage (sog. Gendefekt) bei Ihnen vorliegt.
Gehören Sie zu den Betroffenen, ist es jedoch ratsam, Ihre Kinder auf erhöhte Cholesterinwerte hin untersuchen zu lassen. So können Sie den Risiken der familiären Hypercholesterinämie wie Arteriosklerose und deren möglichen Folgen durch eine frühzeitige Therapie Ihrer Kinder entgegenwirken.
In jedem Falle sollten sich alle Betroffenen gesund und fettarm ernähren, um die Werte nicht weiter steigen zu lassen.