Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03127.jsonl.gz/180

Häufig gestellte Fragen
Saisonale Grippe oder COVID-19 – was ist gefährlicher?
Die beiden Erkrankungen haben viele Parallelen.
- 75 – 80% der Erkrankungen verlaufen mild, auch bei der saisonalen Grippe.
- Die Todesfallrate scheint momentan vergleichbar, beim neuen Coronavirus etwas höher.
- Die Beschwerden sind sehr ähnlich, die Krankheitsverläufe beim neuen Coronavirus tendenziell öfters schwer.
Die Erkrankungen bringen aber unterschiedliche Voraussetzungen.
- Gegen die Grippe besteht in der Bevölkerung eine gewisse Immunität, da sie eben saisonal und damit immer wiederkehrend auftritt. Dies verzögert die Ausbreitung, auch wenn das Grippevirus oft mutiert.
- COVID-19 ist jedoch eine neuartige Erkrankung, die sich ungehindert ausbreiten kann, da in der Bevölkerung bisher keinerlei Immunität dagegen besteht, auch wenn das Coronavirus selten mutiert.
- Weil sich das neue Coronavirus deshalb rasant ausbreiten kann, erkranken viele Personen gleichzeitig.
- Dass unser Gesundheitssystem die notwendigen Kapazitäten für eine gleichzeitige Behandlung von abertausenden schwer erkrankter Patienten aufbringen kann, ist fraglich. Niemand kann vorhersagen, ob und wann diese Kapazitätsgrenze erreicht wird.
Wer wird getestet?
Bereits jetzt sind Testressourcen mancherorts beschränkt. Deshalb sollen nur noch Personen getestet werden, wo der Test eine Konsequenz für die weitere Behandlung hat, auch wenn dadurch nicht weniger Erkrankungsfälle erfasst werden.
Konkret sind das Personen mit typischen Beschwerden UND…
- schweren Symptomen (Spitalbedürftigkeit)
- besonderer Gefährdung (Risikogruppen)
- Arbeit im Gesundheitswesen (Übertragungsrisiko)
Die Testung findet nicht in Praxen sondern in dafür eingerichteten Zentren, vornehmlich in den Notfallstationen der Spitäler, statt. Unabhängig einer allfälligen Testung sollte jede Person mit akuten Atemwegsbeschwerden strikt die gleichen Verhaltensregeln befolgen.
Wie lange wird die Pandemie anhalten?
Genau vorhersagen kann das niemand. Eine Studie eines Teams des Imperial College London, eine der weltweit renommiertesten Universitäten, kommt zu ernüchternden Resultaten. Sie basiert auf mathematischen Modellen, welche voraussagen, dass die Pandemie noch lange anhalten wird. Sie vergleichen zwei Strategien:
- Strategie 1: die weitere Ausbreitung möglichst zu unterdrücken, so dass die Fallzahlen rückläufig sind
- Strategie 2: die Ausbreitung so zu verzögern, dass das Gesundheitssystem jederzeit genügend Kapazitäten garantiert, was zu zyklischen Fallzahlen führt
Unabhängig der Strategie kommen die Autoren zum Schluss, dass Social Distancing wohl die effektivste Massnahme ist.
- Die Ausbreitung vollständig zu unterdrücken, wäre aus Sicht der öffentlichen Gesundheit eigentlich die zu bevorzugende Strategie. Um sie erfolgreich zu verfolgen, müssten Massnahmen aber kontinuierlich inkraft sein, bis ein Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar ist. Konkret bedeutet das monatelanges Social Distancing – Schätzungen für die Verfügbarkeit einer Impfung gehen von frühestens anfangs 2021 aus.
- Eine realistischere Strategie scheint für die Autoren, dass die behördlichen Massnahmen an den Kapazitäten des Gesundheitssystems ausgerichtet werden. Das bedeutet konkret, dass gemäss dem Modell für Grossbritannien die Massnahmen während zwei Drittel der gesamten Zeit inkraft sein müssten, um die Pandemie zu kontrollieren und stets genügend medizinische Versorgung anbieten zu können. Auch hier würde das Ende der wiederkehrenden Massnahmen erst durch eine ausreichende Immunität der Bevölkerung möglich sein. Das wäre der Fall bei Verfügbarkeit einer Impfung oder nachdem etwa zwei Drittel der Bevölkerung die Erkrankung durchgestanden haben.
Das heisst für uns: Auch wenn die Fallzahlen in einigen Wochen rückläufig sein sollten, ist im Falle einer Lockerung der Massnahme mit einer zweiten Welle zu rechnen. Wir beobachten gespannt den weiteren Verlauf in China, wo die Fallzahlen aktuell rückläufig sind.
Quelle: Report 9: Impact of non-pharmaceutical interventions (NPIs) to reduce COVID19 mortality and healthcare demand. Ferguson N,
Laydon D, Nedjati Gilani G, Imai N, Ainslie K, Baguelin M. Imperial College COVID-19 Response Team, London. 16 March 2020. Link
Was ist eine Pandemie?
Mit Pandemie ist eine weltweite, also länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit gemeint. Das ist momentan bei COVID-19 der Fall. Einzelne Grippevirenstämme führten in der Vergangenheit ebenso zu Pandemien.
Eine Epidemie hingegen tritt örtlich und/oder zeitlich beschränkt auf, wie es für die Virenstämme der saisonalen Grippe in aller Regel der Fall ist.