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Bild
Titel:
Druckerinnen und Formstecher
Thema: Wirtschaft
Datum: 23.01.1858
Masse: 30 x 23,5 cm
Standort: Museum Herisau
Urheber/-in: Vorstand Firmenkrankenverein Herisau
Beschreibung:
Der am 23. Januar 1858 ausgestellte Mitgliedsschein des Firmenkrankenvereins mit Ansichten des Meyer’schen Fabrikareals am Glattbach und des Dorfzentrums Herisau. Dieser «Cassen-Schein» trägt ein Papiersiegel sowie die Unterschriften von Johann Ulrich Diem und Bartholome Frehner als damalige Vorsteher der «Fremden- und Kranken Cassa». Das grafische Blatt war ein Werk der örtlichen Lithografie-Anstalt von Witwe Weiss.
Geschichte:
Für die Textildrucker und Modelstecher der Herisauer Fabrik des Laurenz Meyer bestand seit 1842 ein Krankenverein. Erstere bedruckten die vorbehandelten Baumwollgewebe, letztere stellten in aufwendiger Handarbeit die hölzernen Druckmodel her. Um 1870 beschäftigte diese damals grösste Ausserrhoder Stoffdruckerei über 200 Arbeiter, darunter 55 Frauen und 28 Kinder. Zur Belegschaft gehörte auch die von auswärts zugezogene Handdruckerin Barbara Bürgi, die 1858 einen Ausweis über regelmässig bezahlte Krankenkassenbeiträge erhielt.
Der auf Anregung des Firmeninhabers Laurenz Meyer (1800–1868) entstandene Krankenverein bezweckte, «jedem Mitglied bei eintretenden Krankheits- und Todesfällen durch einen bestimmten Geldbetrag Unterstützung und Erleichterung zu verschaffen». Erkrankte ein Kassenmitglied, so hatte dieses Anrecht auf ein Wochengeld, und im Todesfall erhielten die Hinterlassenen immerhin 20 Franken.
Firmenbezogene Vereine bestanden auch in der Appretur Tribelhorn & Meyer, der Männerkrankenverein seit 1851 und der Frauenkrankenverein seit 1858. Ebenfalls geschlechtergetrennt wurden die zwei Herisauer Krankenvereine für Dienstboten geführt, die für nichtappenzellische Mägde und Knechte obligatorisch waren. Die älteste Einrichtung am Ort war die 1814 gegründete Gesellenhülfskasse.
Um 1858, da der Kunstdruck entstand, umfasste das Etablissement Meyer «in der Fabrik» bereits mehrere Werksgebäude. Einige davon bilden Teil der perspektivischen Ansicht. Linksseitig ist das Stammhaus mit Durchfahrtsöffnung und weit ausladendem Walmdach erkennbar. Nordseits des Glattbachs steht das neue zweigeschossige Farbhaus mit fensterreicher Hauptfassade. Daneben ist das kurz nach 1800 erstellte Druckhaus mit Mansardwalmdach erkennbar. Am rechten Bildrand steht der mit Stoffbahnen behängte Tröckneturm. Eine vornehm gekleidete Personengruppe und mehrere einfache Arbeiter sowie zur Naturbleiche ausgelegte Tuchbahnen beleben die Szenerie.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr das Fabrikareal eine markante Ausweitung. Als neue Eigentümerin betrieb die Aktiengesellschaft Cilander hier in ihrem Werk III während mehrerer Jahrzehnte eine Rouleaux-Druckerei. Zwischen 1990 und 2010 wurde das nicht mehr fabrikmässig genutzte Gelände sukzessive zurück- und umgebaut. Übrig geblieben sind ein Hochkamin, ein überdachtes Wasserreservoir und das «Schwarze Haus». In dessen Kernbau, einer auf mittelalterliche Zeiten zurückgehenden Kornmühle, richtete Daniel Merz (1715–1777) wohl kurz nach 1750 eine Stoffdruck-Manufaktur samt Farben-Mahlwerk ein. Das mit 12 Drucktischen verhältnismässig kleine Unternehmen führte auch Druckaufträge für das bedeutende Handelshaus Zellweger in Trogen aus. Sohn Johann Ludwig Merz (1745–1814) erweiterte die Stammliegenschaft um 1777 zur «neuen Fabrique». Fortan diente das um ein Mehrfaches vergrösserte Gebäude zugleich als Werk-, Wohn-, Tröckne- und Lagerhaus. Im Jahr 1800 ging die Liegenschaft samt umfangreichen Wasserrechten an die Firma Meyer & Mittelholzer über. Damit begann mit Laurenz Meyer (1769–1828) die Ära einer neuen Industriellendynastie.
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
Quellen:
StAAR, Mq.08 Forschungsdokumentation Textilindustrie am Glattbach.
Literatur:
Eugster, August: Die Gemeinde Herisau im Kanton Appenzell A. Rh. Herisau 1870.
Fuchs, Thomas et al.: Geschichte der Gemeinde Herisau. Herisau 1999.
Meyer, Karl H.: Einiges aus der Geschichte der Meyer vom Schochenberg. St. Gallen 1987.
Witschi, Peter: Das Schwarze Haus am Glattbach – Ein Herisauer Industriedenkmal. Bern 1999 (Schweizerische Kunstführer GSK).
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