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CD : Soundjournalismus in der Sperrzone
Zunächst ein nervöses Fiepen, ein Stakkato von einzelnen Tönen. Elektronische Sounds von einem Messgerät, die sich verlangsamen und wieder beschleunigen. Im Hintergrund sind Windgeräusche und undeutlich die Stimmen von Menschen zu vernehmen. Eine Männerstimme murmelt: «Six hundred», nach wenigen Sekunden dann: «Seven hundred», gefolgt von «nine hundred», steigt hoch auf «one thousand» und geht wieder runter, bei «seven hundred» bricht die Stimme ab. Dreieinhalb Minuten sind vergangen.
Der britische Musiker und Klangforscher Peter Cusack bewegt sich zusammen mit Misha Maltsev, seiner Begleiterin und Übersetzerin, in der Sperrzone von Tschernobyl. Im Dörfchen Kopachi misst Cusack die radioaktive Strahlung, bei 1000 Mikroröntgen oder Mikrosievert kehrt er um. Er zeichnet die Geräusche des Riesenrads auf, das im Vergnügungspark von Pripyat einsam in den Himmel ragt. Man hört das Knacken der Hochspannungsleitungen, die Strom nach Tschernobyl liefern, der nun die Tausende von ArbeiterInnen versorgt, die mit den endlosen Aufräumarbeiten beschäftigt sind. Man hört alte Waschmaschinen rumpeln, wie Cusack über den mit Scherben übersäten Boden im Kindergarten von Pripyat geht oder über die Saiten eines verlassenen Instruments streicht.
Dann ertönen wieder die Messgeräusche, diesmal ruft dazu ein Kuckuck, weitere Vögel zwitschern in der Ferne. Svetlana Tsalko, eine Frau aus einem der Dörfer, rezitiert aus einem Gedicht: «Die Kuckucke rufen / rufen und fragen / ‹Warum verlasst ihr uns …›», und am Freitagabend treffen sich alle Zurückgebliebenen aus der Sperrzone in der Bar. Draussen singt die Nachtigall, und später beginnen die Frösche zu quaken.
Cusack hat seine akustischen Funde aus den vergangenen acht Jahren auf zwei CDs mit dem Titel «Sounds from Dangerous Places» versammelt. Sie gehören zu einem Buch mit erläuternden Texten und Fotografien. Cusack nennt seine Arbeit «sonic journalism».