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Syngenta verkauft in anderen Ländern hochgiftige Pestizide, die in der Schweiz schon lange verboten sind. Darunter sind Pestizide, aufgrund deren es zu tausenden Vergiftungen gekommen ist – teils mit tödlichem Ausgang.
Im zentralindischen Yavatmal wurden 2017 innert kurzer Zeit hunderte Kleinbäuer:innen und Landarbeiter:innen vergiftet, nachdem sie auf Baumwollfeldern Pestizide versprüht hatten. Mitverantwortlich dafür: Das Syngenta-Pestizid Polo. Es führte in Kombination mit anderen Pestiziden zu 96 Vergiftungen, in 36 Fällen wurde sogar ausschliesslich Polo benutzt. Die Betroffenen berichteten, dass sie nach dem Sprühen von Polo unter akuten Vergiftungssymptomen litten. Die Symptome reichten von Übelkeit und Atemnot über temporären Sehverlust bis hin zu mehrtägiger Bewusstlosigkeit. Amtliche Dokumente aus Indien liefern auch Hinweise auf zwei Todesfälle im Zusammenhang mit Polo.
Der in Polo verwendete Wirkstoff Diafenthiuron wurde im Wallis hergestellt und nach Indien exportiert. Dieser Wirkstoff ist in der Schweiz verboten und wird von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) als «giftig beim Einatmen» und als «bei längerer oder wiederholter Exposition organschädigend» eingestuft.
Syngenta nimmt Todesfälle in Kauf
Im April 2021 berichtete die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens über eine verstörende Recherche von Public Eye zu Paraquat. Zehntausende Erwachsene und Kinder sind laut Schätzungen am toxischen Pestizid gestorben – schon ein Löffel kann tödlich sein, ein Gegenmittel gibt es nicht. Deshalb ist das Pestizid hierzulande längst verboten. Syngenta verkauft es aber bis heute in Ländern wie Indien, Mexiko, Kolumbien und Südafrika.
Die Recherche von Public Eye zeigt anhand von hunderten internen Dokumenten, wie Syngenta und seine Vorgängerkonzerne diese Todesfälle seit Jahrzehnten in Kauf genommen haben: Spätestens seit 1990 weiss der Konzern, dass die Konzentration an Brechmittel in ihrem Paraquat-Produkt «Gramoxone» viel zu tief ist, um tödliche Unfälle oder Suizid-Versuche durch Schlucken des Pestizids zu verhindern. Um die Gefährlichkeit des Pestizids zu reduzieren, müsste das Produkt verdünnt, mehr Brechmittel hinzugefügt oder das flüssige Pestizid mit einem festen Granulat ersetzt werden.
Doch Syngenta weigert sich bis heute – aus reinen Renditeüberlegungen. Schlimmer noch: Der Konzern benutzte offenbar Falschinformationen über die angebliche Wirksamkeit der tiefen Brechmittel-Konzentration, um Kontrollbehörden weiszumachen, sein Paraquat-Produkt sei sicherer als jenes der Konkurrenz. So schaffte es der Konzern immer wieder, Paraquat-Verbote zu verhindern und machte weiterhin hohe Gewinne mit dem hochgiftigen Produkt.
Recherchen basierend auf Marktdaten zeigten, dass Syngenta 2018 weltweit fast 40% seiner Pestizidumsätze mit dem Verkauf von Stoffen erzielte, die hochgiftig für Mensch oder Umwelt sind.*
Mehr Information:
«Paraquat Papers», Recherche von Public Eye März 2021
«Verbotene Pestizide: Die giftige Doppelmoral der Europäischen Union», Recherche von Public Eye, September 2020
«Neue Fakten im Fall Yavatmal: Syngenta-Pestizid spielt weit grössere Rolle bei Vergiftungswelle als bislang bekannt», Recherche von Public Eye, September 2020
«Milliarden-Umsätze mit Pestiziden, die krebserregend sind oder Bienen vergiften», Recherche von Public Eye, Februar 2020
Medienberichte:
10vor10 Beitrag: «Vergiftungsgefahr in Indien» vom 17.09.2018
*Schätzungen beruhen auf den besten verfügbaren Marktdaten; die realen Umsatzzahlen sind höher.