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In der Umgegend des Klosters Muri und im ganzen sogenannten Freiamt ( Kanton Aargau) erzählt das Volk von dem Stiefeli- Rüter (gestiefelten Reiter). Den Kindern droht man: "Wart, de Stifelirüter chunt!" Derselbe ist ein Vogt gewesen, welcher stets in grossen Stiefeln auf einem Schimmel daher ritt. Er erlaubte sich viele Ungerechtigkeiten gegen seine Untergebenen, und durch Wucher und andern Betrug erwarb er sich ein grosses Vermögen. Einem Bauer nahm er einst ein Stück Land und auf demselben schwur er im Beisein der Richter, dass er auf seinem eigenen Grund und Boden stehe. Er hatte aber vorher Erde von seinem Lande in die Schuhe getan. Auch hatte er den Hut aufbehalten, in welchem er einen großen Schöpflöffel („Schöpfer") und einen Kamm (mundartlich „Richter") verborgen trug. Sein Schwur lautete: So wahr er über ihm habe seinen Schöpfer und Richter, so wahrhaftig sei auch das Land, worauf er jetzt stehe, sein eigen. Plötzlich starb der Bösewicht und muss nun zur Strafe im Freiamt umgehen. Viele haben ihn zur Nachtzeit in seinen Stiefeln daher reiten gesehen.
Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen - Volksüberlieferungen aus der Schweiz, aus Vorarlberg, Kärnten, Steiermark, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Wien 1858.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung www.maerchen.ch