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Bei einer autistischen Störung (oder Autismus-Spektrum-Störung ASD) kommt es zu einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung des Kindes, die sich durch Abkapselung von der Aussenwelt und mangelndem Interesse an sozialen Kontakten bemerkbar macht. Die Bezeichnung Autismus kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Wörtern „autos“ = selbst und „ismos“ = Zustand zusammen. Es beschreibt also eine Art Rückzug ins Innenleben.
Je nach Schweregrad unterscheidet man vier verschiedene Erscheinungsformen, wobei die beiden häufigsten Formen den Namen „Kanner–Syndrom“ und „Asperger-Syndrom“ tragen. Knaben sind häufiger betroffen als Mädchen. Meist macht sich eine autistische Störung vor dem 3. Lebensjahr bemerkbar. Neuere Forschungen gehen sogar davon aus, dass bereits im Alter von 6 Monaten der Augenkontakt, das soziale Lächeln sowie weitere Kriterien der sozialen Interaktion abnehmen.
Als derzeit bester Fragebogen zur ersten Abklärung autistischer Symptome gilt der M-CHAT (Modified Checklist for Autism in Toddlerhood). Wichtigste Fragen darin sind: Zeigt Ihr Kind Interesse an anderen Kindern? Hat Ihr Kind jemals den Zeigefinger benutzt, um auf etwas zu zeigen oder um Interesse für etwas zu bekunden? Reagiert Ihr Kind auf seinen Namen, wenn Sie es rufen?
Bei der Entstehung spielen nach dem heutigen Wissensstand mehrere Faktoren eine Rolle:
erbliche Veranlagung, d.h. genetische Veränderungen an den Chromosomen 5 und 11;
Stoffwechselstörungen im Gehirn und Funktionsstörungen des Gehirns;
familiäre Gegebenheiten - vor allem ein höheres Alter des Vaters wird immer wieder als begünstigend in Betracht gezogen;
auch eine Begünstigung der Entstehung durch Röteln in der Schwangerschaft wird diskutiert.
Ganz sicher ist aber, dass ein Autismus nicht durch Erziehungsfehler oder familiäre Konflikte entsteht.
Hauptproblem bei autistischen Kindern ist das mangelnde Interesse zur Kommunikation. Das macht es für viele Eltern nur sehr schwer möglich, einen Kontakt zu ihrem autistischen Kind herzustellen. Die Verhaltensauffälligkeiten machen sich vor allem in drei Bereichen bemerkbar:
Beeinträchtigte Kommunikation, sowohl sprachlich als auch nicht sprachlich: Autisten treten nur selten durch Blickkontakt oder Lächeln mit anderen Menschen in Kontakt. Auf Versuche von aussen reagieren sie oft mit Abweisung, z.B. sträuben sich autistische Kinder oft vor Umarmungen. Wenn Autisten sprechen, dann fallen oft Eigenheiten der Sprache auf: ungewöhnliche Betonungen, veränderte Stimmmelodie, Geschwindigkeit oder Tonhöhe, häufig werden bestimmte Wörter oder Sätze ständig wiederholt oder Wörter erfunden.
Mangelndes Interesse an zwischenmenschlichen Kontakten: Häufig nehmen Autisten andere Menschen und deren Gefühle nicht wahr, z.B. reagiert das autistische Kind nicht auf den Kummer der Mutter oder es vermag den eigenen Kummer nicht auszudrücken. Ein anderes Beispiel wäre, dass zum Abschied kein Winken erwidert wird. Beziehungen zu anderen Menschen werden nur sehr schwer aufgebaut, so beziehen sie beim Spielen nur selten andere Personen mit ein.
Eingeschränkte Interessen und Aktivitäten: Autistische Kinder sind oft von optischen und akustischen Reizen überfordert. Sie sind nicht in der Lage, die „normale“ Welt zu verstehen und sich mitzuteilen. Dies fördert den Rückzug in die „eigene Welt“. Autisten sind bestrebt, eine gewisse Gleichmässigkeit von Abläufen oder ihrer Umgebung zu erhalten. Auf Veränderungen (z.B. Umstellen von Möbeln oder Änderung von gewohnten Abläufen) reagieren sie oft mit starker Erregung. Häufig werden auch bestimmte Körperbewegungen, z.B. Handbewegungen immer wieder wiederholt. Insgesamt sind die Interessen der Betroffenen stark eingeschränkt, wobei aber verbleibenden Interessen (häufig an mechanischen Objekten, wie z.B. der Waschmaschine) besonders beharrlich nachgegangen wird.
"So tun als ob-Spiele" gibt es praktisch nicht. In der kindlichen Fantasie verwandelt sich ein Bauklotz schnell einmal in ein Stück Käse, eine Tänzerin oder ein Auto. Autisten spielen kaum auf diese Weise - bei ihnen bleibt ein Spielzeug das, was es ist.
Es geht primär darum, festzustellen, welche Probleme in welchem Ausmass beim Kind vorliegen. Dies erfolgt einerseits durch gezielte Befragung der Eltern nach Verhaltensauffälligkeiten und andererseits durch Beobachtung des Kindes in verschiedenen Spielsituationen. Zu diesem Zweck wurden standardisierte Fragebögen und Beobachtungsskalen entwickelt, um autistische Symptome gezielt abfragen und erkennen zu können.
Das wichtigste Therapieziel ist die Verbesserung und Förderung der kommunikativen und sozialen Fertigkeiten des Kindes. Dazu eignet sich eine autismusspezifische Verhaltenstherapie, und zwar je früher desto besser: nachdem die Defizite des Kindes genau erfasst sind, wird versucht, die jeweiligen Störungen durch gezieltes Training zu verbessern. Dabei ist der Einbezug der Eltern oder Betreuungspersonen äusserst wichtig, um die Übungen auch zu Hause durchzuführen. So werden beispielsweise bei Sprachstörungen Sprechübungen gemacht oder Übungen zur Kontaktaufnahme usw. Andere Behandlungsansätze wie Musiktherapie, Bewegungstherapie oder Tiertherapie können im Einzelfall ebenfalls hilfreich sein.
Autismus ist eine chronische Erkrankung. Zwar nimmt das Erscheinungsbild im Laufe des Erwachsenenalters oft ab, eine völlige Normalisierung ist jedoch trotz Therapie unwahrscheinlich. In manchen Fällen ist allerdings ein relativ normales Leben möglich. Autisten bleiben aber meist stark isoliert und erfordern daher grosse Toleranz von den Angehörigen. Bei zusätzlich auftretenden geistigen Einschränkungen ist auch im Erwachsenenalter eine Betreuung in entsprechenden Institutionen erforderlich.
Weitere Informationen erhalten Sie in spezialisierten Beratungsstellen und Förderungfseinrichtungen, z.B. im Autismuszentrum in Riehen (BS): www.gsr.ch/autismuszentrum.html