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In einer Pressemitteilung informierte die brasilianische Bundesanwaltschaft Mitte Februar über eine Intervention, die darauf zielte, «eine grosse kriminelle Organisation zu zerschlagen, die Gold aus illegalen Minen im Amazonasgebiet schmuggelt». Dabei wurden drei Personen festgenommen und 27 Hausdurchsuchungen bei Unternehmen an verschiedenen Orten im Amazonasgebiet durchgeführt, unter anderem in Belém, Itaituba, Manaus, Campinas und Sinop. Die Behörden beschlagnahmten Vermögen im Gegenwert von 36 Millionen Franken, die Operation führten die brasilianische Bundespolizei und die Steuerbehörde gemeinsam durch.
Der Kampf gegen den illegalen Goldabbau ist eine Priorität von Brasiliens Präsident Lula da Silva. Nur einen Monat nach seinem Amtsantritt im Januar veranlasste er die Luftüberwachung des Gebiets der indigenen Yanomami an der Grenze zu Venezuela, wo das Problem am grössten ist.
Anfang Mai wurden in diesem Reservat vier Goldschürfer von der Polizei getötet, als diese eine illegale Mine auflösten. Illegale Minen besetzten im Jahr 2022 mehr als 3200 Hektaren Land, was 46 Prozent mehr sind als 2021, so das jüngste Monitoring der Vereinigung Hutukara Yanomami (HAY) mit Sitz in Boa Vista auf den Kapverden.
Laut HAY wurde diese Zunahme vom ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro begünstigt. «Abgesehen von der Waldrodung und der Verschmutzung der Flüsse hat die Goldwäscherei im Yanomami-Gebiet zu einer Explosion von Malaria und anderen Infektionskrankheiten geführt», heisst es im Monitoring.
Schweizer Käufer
Damit das Gold auf den Markt gelangen konnte, haben ihm die Kriminellen zunächst den Anschein von Legalität verliehen.
Laut den Ermittlungen, die 2021 in Brasilien begannen, «werden Unternehmen, vor allem Briefkastenfirmen, dazu benutzt, Rechnungen auszustellen, die dem Gold, das von zwei anderen Unternehmen (…) verkauft und gekauft wird, einen Anschein der Rechtmässigkeit verleihen». Laut den von der brasilianischen Bundesanwaltschaft online publizierten Gerichtsdokumenten handelt es sich bei diesen beiden Unternehmen um Pena&Mello (auch bekannt als Pemex) sowie Amazônia Comércio Importação e Exportação LTDA. Insgesamt wurden fast 45 Kilogramm Gold in Barren beschlagnahmt.
Zwischen Anfang 2020 und Ende 2022 hätten diese in Brasilien angeklagten Unternehmen betrügerische Rechnungen im Wert von über 4 Milliarden Reais (718 Millionen Franken) ausgestellt. Dies entsprach etwa 13 Tonnen illegalem Gold. Also gleich viel wie etwa in einem Jahr in die Schweiz exportiert wird. Laut der offiziellen Edelmetallstatistik importierte die Schweiz im Jahr 2022 13,5 Tonnen Bergwerksgold aus Brasilien mit einem Gesamtwert von 587 Millionen Franken.
Nach Angaben der brasilianischen Staatsanwaltschaft wird illegal abgebautes Gold hauptsächlich von der US-amerikanischen Firma Ororeal LLC gekauft und dann an Kunden in Italien, Hongkong, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Schweiz weiterverkauft. Der Schweizer Käufer wird in diesem Stadium des Verfahrens nicht namentlich genannt. «Eine Möglichkeit war die Schaffung fiktiver Goldbestände, um eine enorme Menge an Erz ohne Nachweis einer legalen Herkunft zu verbergen», so Brasiliens Behörde.
Mangelnde Rückverfolgbarkeit
Laut der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), die sich auf das Thema spezialisiert hat, wurden zwischen April 2020 und September 2021 rund fünf Tonnen Gold aus dem Amazonasgebiet in die Schweiz importiert. Dies entnahm die NGO der offiziellen brasilianischen Aussenhandelsstatistik. Nach wie vor ist jedoch unklar, wer das Gold in der Schweiz angenommen hat.
«Alle Raffinerien behaupten, kein Gold aus dieser spezifischen Region erhalten zu haben», bemerkt Christoph Wiedmer, Experte bei der NGO. «Aber im August 2021 wurden 20 Kilogramm Gold aus Brasilien in einem Handgepäck am Flughafen Zürich konfisziert…»
Am 1. Juli 2022 hatten die wichtigsten Schweizer Raffinerien – Valcambi, Metalor, Argor Heraeus, MKS Pamp und PX Précinox – eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der sie erklärten, dass sie kein illegales Gold aus dem Amazonasgebiet erhalten würden.
Dieser Beitrag ist zuerst auf swissinfo.ch erschienen.
Editiert von Virginie Mangin. Übertragung aus dem Französischen: Benjamin von Wyl
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.