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Prof. Adrian Pfiffner, Geologe, Universität Bern:
«Der Blick auf den Hoch Büel offenbart deutliche Erosionsrinnen, die das fliessende Wasser in den weichen Untergrund, die Nolla-Tonschiefer, eingeschnitten hat. Zuoberst zeigen die Rinnen deutliche Trichter. Die weichen Tonschiefer liegen auf der Ostflanke des Hoch Büel parallel zur Hangneigung, wodurch der Hang an einigen Stellen abrutscht. So rutschte zum Beispiel der Untergrund des Dorfes Massügg Richtung Osten ab. Der Gipfel des Beverin besteht aus einer 100 Meter dicken Schicht von hartem, erosionsresistentem Quarzit. Dieser schirmt die darunterliegenden weicheren, mehr tonig-sandigen Gesteine von der Erosion ab. Als Folge davon bilden sie steile Felswände unterhalb des Gipfels.»
Die Alpen entstanden bei der Kollision der Europäischen und der Adriatischen Platte. Zwischen den beiden Festlandmassen bestand vor 100 Millionen Jahren ein Meeresbecken, in welchem Sand und Schlamm abgelagert wurden. Zu Beginn der Kollision wurde dieses Meer geschlossen, wobei die Ablagerungen zusammengestaucht, erwärmt und verhärtet wurden. Heute bauen sie als Kalksteine, Sandsteine und Tonsteine den Beverin und den Untergrund des Glasergrates auf. Sie reichen bis 10 km Tiefe in den Untergrund und werden als «Bündnerschiefer» bezeichnet. Auch die Bergzüge westlich des Safientals (Piz Tomül – Piz Fess) und die Stätzerhornkette östlich des Domleschgs bestehen aus Bündnerschiefer.
Die Sandstein-Tonstein-Abfolgen der Bündnerschiefer sind leicht erodierbar was dem Heinzenberg seine sanfte Form gibt. Der Gipfel des Beverin hingegen besteht aus hartem, erosionsresistentem Quarzit, welcher durch Umwandlung des Sandsteins entstanden ist. Dadurch bilden sich die schroffen Formen des Beverin.
Der Nolla-Tonstein, der vorwiegend zwischen Glaspass und Thusis vorkommt, ist eine Schicht innerhalb der Bündnerschiefer. Er enthält viel organischen Kohlenstoff, weswegen er so dunkel ist. Diese Gesteine verwittern äusserst leicht und erleichtern dem Bergbach Nolla die Einkerbung einer tiefen Furche. Wie rasch eine solche Einkerbung passieren kann zeigte sich vor 400 Jahren, als der Nolla gewaltige Schlammlawinen aus Tonstein in Richtung Thusis verfrachtete.
Die Tonsteine in der Bündnerschiefer sind zudem auch wasserundurchlässig. Das Regenwasser sammelt sich deshalb in den obersten Schichten und verursacht eine instabile Oberfläche. Als Folge davon entstehen Rutschungen. Zusätzlich begünstigt werden diese Rutschungen durch das Einfallen der Schichten nach Osten. Rutschungen erfassen heute den gesamten Osthang des Heinzenbergs. Sie verursachen ein eigentliches Bergzerreissen, eindrücklich angedeutet durch die Doppelgräte am Glasergrat und Lüschgrat. Durch Entwässerung der obersten Schichten versuchte man dem Hang mehr Stabilität zu geben.