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sind. Nach Stahls Untersuchungen steht diese Blattstellung mit dem Erdmagnetismus in gar keiner Beziehung, sie ist vielmehr
nur ein besonderer Fall von Heliotropismus, wie er bei der großen Mehrzahl der Laubblätter beobachtet wird; die Blätter des
wilden Lattichs unterscheiden sich von denen andrer Pflanzen nur durch ihre größere Empfindlichkeit gegenüber
intensivem Licht. Wiesner hat gezeigt, daß die fixe Lichtlage der Blätter im allgemeinen nicht durch das direkte Sonnenlicht,
sondern durch das zerstreute Licht bestimmt wird.
Gerade in diesem Punkt macht der wilde Lattich eine Ausnahme. Pflanzen, die nur in den Morgenstunden von der Sonne beschienen
werden, stellen ihre Blätter senkrecht auf die Strahlen der Morgensonne; dasselbe gilt in analoger Weise
für Stöcke, die nur in den Nachmittagsstunden das Sonnenlicht genießen. Bei vollständig frei stehenden und den ganzen
Tag über besonnten Pflanzen ist die Oberseite der einen Blätter nach Osten, die der andern nach Westen gekehrt. Diese Erscheinung
ist an der Hand der bekannten Wachstumsgesetze leicht zu erklären.
Das Licht der aufgehenden Sonne fällt bei einem Teil der in Entstehung begriffenen Blätter auf die Rückseite, bei einem andern
unter mehr oder weniger spitzem Winkel auf die Vorderseite. Diese letztern Blätter werden die notwendigen Krümmungen, resp.
Torsionen ausführen, bis sie mit ihrer Oberseite senkrecht zum Sonnenlicht stehen. Bald nimmt aber infolge
der starken Beleuchtung und der gesteigerten Transpiration die Wachstumsintensität und mit ihr die Fähigkeit, heliotropische
Bewegungen auszuführen, ab; die Blätter verharren in der eingenommenen Stellung.
Gegen Abend, wo die Wachstumsbedingungen wieder günstiger werden, nehmen dann die schon in der Knospenlage nach
Westen schauenden Blätter die Senkrechtstellung zum Lichte der untergehenden Sonne ein. Offenbar erwachsen der Pflanze durch
diese Blattstellung gewisse Vorteile: geringerer Wasserverlust durch Transpiration und Milderung des zu intensiven Sonnenlichts.
Damit stimmt überein, daß die Meridianstellung am schärfsten hervortritt bei Exemplaren, die an trocknen Standorten vegetieren.
Bei diesen letztern sind auch die Borsten, welche die Mittelrippe auf der Blattunterseite bedecken, am
stärksten entwickelt und bilden nebst den etwas schwächern Randborsten der Blätter ein allseitig abstehendes Borstensystem,
durch welches die zartern Blattspreiten gegen Berührung gesichert sind. Silphium laciniatum (Komposite) ist in Nordamerika
von Michigan und Wisconsin westlich bis zum Felsengebirge, südlich bis Texas und Alabama eine sehr verbreitete
Präriepflanze, deren Eigenschaft, ihre Blattränder nach Norden und Süden zu kehren, den Jägern, welche die Prärien durchstreifen,
schon lange bekannt gewesen zu sein scheint.
General Alvord berichtete darüber 1842, doch wurden seine Angaben mehrfach bezweifelt, da es nicht gelang, sie an den
in botanischen Gärten kultivierten Exemplaren zu verifizieren. In der That müssen die Silphien an freiem,
sonnigem Standort kultiviert werden, wenn die Meridianstellung der Blätter deutlich hervortreten soll. Außer diesen beiden
Pflanzen zeigen die Meridianstellung, wenn auch zum Teil viel weniger deutlich, noch drei Kompositen: Aplopappus rabiginosus,
Lactuca saligna und Chondrilla juncea. Die Zahl der sogen. Kompaßpflanzen dürfte
sich aber noch beträchtlich vermehren, sobald man, namentlich in trocknen Vegetationsgebieten, diesen Verhältnissen mehr
Aufmerksamkeit schenken wird.
Vgl. Stahl, Über sogenannte Kompaßpflanzen (2. Aufl., Jena 1883).
(neulat. Compatibilitas, franz. Compatibilité),
Vereinbarkeit, Verträglichkeit, im Gegensatz zu Inkompatibilität, womit man den Zustand der Unverträglichkeit
zweier Dinge miteinander bezeichnet. Namentlich wird es im öffentlichen Leben als Inkompatibilität hingestellt, wenn gewisse
öffentliche Funktionen gleichzeitig von einer und derselben Person nicht ausgeübt werden können. So ist z. B. die Ausübung
des Reichstagswahlrechts inkompatibel mit der Angehörigkeit zu dem stehenden Heer, während die Kompatibilität eines Reichstagsmandats
mit ebendieser Angehörigkeit nicht ausgeschlossen, ein Offizier also wählbar ist. Dagegen ist die Stellung
des Bundesratsmitglieds mit derjenigen eines Reichstagsabgeordneten inkompatibel; in Frankreich kann der Avoué (Sachwalter,
Parteivertreter) nicht gleichzeitig Avocat (Rechtsbeistand) sein etc. Im Kirchenrecht versteht man unter Inkompatibilität
die Unzulässigkeit der gleichzeitigen Übertragung gewisser Kirchenämter, während bei andern Pfründen
und kirchlichen Benefizien Kompatibilität besteht.
August, Violinspieler, geb. 15. Aug. 1831 zu Brückenau, erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater, seine weitere
Ausbildung auf der Musikschule in Würzburg, und vollendete sein Studium unter Spohrs und Ferdinand Davids
Leitung.
Mitte der 50er Jahre wurde er als erster Violinist an der Hofkapelle zu Kassel angestellt, kam später in gleicher
Eigenschaft nach Hannover und folgte 1867, nachdem er inzwischen auf verschiedenen Konzertreisen, namentlich in Paris, großen
Beifall geerntet, einem Ruf als Konzertmeister nach Weimar.
(lat.), die wechselseitige Aufhebung und Ausgleichung der Wirkungen zweier einander gegenüberstehender
Ursachen oder ursachlicher Thatsachen, z. B. in der Physik die Ausgleichung der Wirkung einer Kraft, welche
ohne Kompensation störend eingreifen würde. So verändern Temperaturschwankungen die Länge des Pendels, und man benutzt in sinnreicher
Weise die ungleiche Ausdehnung verschiedener Metalle, um diese Schwankungen auszugleichen (s. Ausdehnung, S. 109). Ebenso wird
bei Chronometern die Abhängigkeit der Unruhe von der Temperatur ausgeglichen. In der Medizin versteht man
unter Kompensation die Ausgleichung einer vorhandenen Störung durch eine andre. Anomalie, z. B. eines Herzfehlers durch allmählich sich
ausbildende Herzhypertrophie. - Besonders gebräuchlich ist der Ausdruck Kompensation (Aufrechnung, Wettschlagung) im Rechtswesen.
Man spricht z. B. von Kompensation gegenseitiger Injurien, indem das deutsche Strafgesetzbuch (§ 199, 233) den Richter
ermächtigt, in Fällen, in welchen eine Beleidigung mit einer solchen, oder eine leichte Körperverletzung mit einer solchen,
oder Beleidigungen mit leichten Körperverletzungen, oder umgekehrt letztere mit Beleidigungen erwidert wurden, Freisprechung
eintreten zu lassen. Ebenso spricht man von Kompensation der Prozeßkosten in dem Sinn, daß die streitenden Teile in
Ansehung des
mehr
Kostenpunktes miteinander aufheben, so daß jeder Teil die auf seiner Seite erwachsenen Kosten trägt. Dies pflegt namentlich
bei dem teilweisen Unterliegen und dem teilweisen Obsiegen einer Partei sowie bei Vergleichen zu geschehen, während sonst
dem unterliegenden Teil die sämtlichen Prozeßkosten zur Last fallen. Nach der deutschen Zivilprozeßordnung (§ 93) gelten
die Kosten bei einem Vergleich als kompensiert, wofern die Parteien ein andres nicht vereinbart haben. Im engern und eigentlichen
Sinn aber versteht man unter Kompensation die wechselseitige Aufhebung zweier einander gegenüberstehender Forderungen. Es hat z. B.
A. von B. 100 Mk., B. von A. 60 Mk. zu fordern; hier kann B. mit seiner Gegenforderung
kompensieren, so daß er dem A. nur 40 Mk. zu bezahlen braucht.
Derartige Gegenforderungen sind, wenn es zum Prozeß kommt, einredeweise (Kompensationseinrede, Exceptio compensationis) geltend
zu machen. Nach der deutschen Zivilprozeßordnung (§ 136) kann jedoch die Kompensationseinrede vom Gericht zur getrennten
Verhandlung verwiesen werden, wenn die einredeweise geltend gemachte Forderung mit der eingeklagten nicht
in rechtlichem Zusammenhang steht. Eine Forderung ist ferner nur dann kompensabel, wenn sie fällig und mit der eingeklagten
Forderung kongruent ist, d. h. beide Forderungen müssen auf eine gleichartige Leistung, z. B. auf die Zahlung von Geldsummen,
gerichtet sein.
Die Forderungen müssen einander aber auch direkt gegenüberstehen, Schuldner und Gläubiger müssen dieselben
Personen sein. Hieraus rechtfertigt sich die wichtige Bestimmung des deutschen Handelsgesetzbuchs (Art. 121), daß bei Handelsgesellschaften
eine Kompensation zwischen Forderungen der Gesellschaft und Privatforderungen des Gesellschaftsschuldners gegen einen einzelnen Gesellschafter
während der Dauer der Gesellschaft gar nicht und nach deren Auflösung nur insoweit stattfindet, als die
Gesellschaftsforderung dem betreffenden Gesellschafter bei der Auseinandersetzung überwiesen worden ist. Im Konkurs kann ein
Einzelschuldner des Gemeinschuldners der Konkursmasse gegenüber nur unter bestimmten Voraussetzungen (deutsche Konkursordnung,
§ 46 ff.) mit einer Forderung an den Gemeinschuldner kompensieren (s. Konkurs).
Eine Modifikation der Regel, daß Gläubiger und Schuldner identisch sein müssen, daß also der Schuldner
der Hauptforderung Gläubiger in Ansehung der Kompensationsforderung und umgekehrt der Gläubiger der Hauptforderung Schuldner
der Kompensationsforderung sein muß, findet insofern statt, als der Bürge mit Forderungen des Hauptschuldners und der Zessionar
mit der ihm zedierten Forderung kompensieren kann; ebenso kann aber auch der Debitor cessus dem Zessionar
gegenüber mit einer Forderung kompensieren, welche ihm gegen den Zedenten zusteht (s. Zession); auch kann bei einer Korrealverbindlichkeit
(s. d.) der eine Korrealschuldner eine Gegenforderung eines andern Korrealschuldners
in Aufrechnung bringen.
Dadurch, daß man das Rechtsinstitut der Kompensation mit dem der Delegation (s. d.) in Verbindung gebracht hat, ist
die für das Geschäftsleben so wichtige Abrechnung oder Skontration entstanden. Hier treten nämlich mehrere Personen, in der
Regel Kaufleute, zusammen, um untereinander ihre Forderungen und Schulden möglichst auszugleichen und aufzuheben. A. ist z. B.
dem B. 1000 Mk. schuldig, B. dem C. 1000 und C. dem A. 1000 Mk.;
A. weist nun seinen Schuldner C. an, diese 1000 Mk.
an B., den Gläubiger des A., zu zahlen;
da aber B. ebensoviel an C. schuldet, so kompensiert C. mit dieser seiner Gegenforderung,
und so werden alle drei Forderungen getilgt;
s. Abrechnung.
Vgl. Brinz, Die Lehre von der Kompensation (Leipz. 1849);
Dernburg, Theorie
der Kompensation (2. Aufl., Heidelb. 1868);
Eisele, Die Kompensation nach römischem und gemeinem Recht (Berl. 1876);
Schollmeyer, Die Kompensationseinrede
(das. 1884).