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Die wechselhafte Geschichte der "Baslerischen Droschkenanstalt"
102 dynamische, städtische Unternehmer gründeten 1853 mit einem Aktienkapital von Fr. 140'000.- die "Baslerische Droschkenanstalt". Ihr Ziel war es, einen Vorzeigebetrieb aufzubauen und diesen später an einen geeigneten Unternehmer weiter zu verkaufen. Bereits im zweiten Betriebsmonat (Juni 1854) erreichte der an der St. Johanns-Vorstadt 4 domizilierte Betrieb mit 12 dunkelgrün lackierten, fabrikneuen Droschken die Gewinnschwelle. Saisonal bedingt brach in den Herbst- und Wintermonaten die Nachfrage dramatisch ein - nicht zuletzt wegen des Fehlens der auswärtigen Touristen und Geschäftsleute, die damals v. a. zur warmen Jahreszeit reisten. So musste, um die Pferde fit zu halten, die um 40% reduzierte Anzahl von einspännigen Droschken, im Winter häufig zweispännig gefahren werden. Überzählige Droschkiers wurden in der kalten Jahreszeit entlassen. Für den Winter 1854/55 resultierte daraus ein Betriebsverlust von ca. Fr. 12'000.-.
Der Verwaltungsrat hatte zwar das Rechnungswesen hervorragend im Griff, aber es fehlte ihm eindeutig das fachliche "Know-how". Beim Aufbau der Firma liess dieses Gremium seine internationalen Verbindungen spielen. Es kaufte Wagen und Geschirre dort ein, wo sie am billigsten zu haben waren. Dies sollte sich in einem exorbitanten Reparaturaufwand rächen. Ähnliche Fehleinschätzungen führten zu unnötigen Kosten für Futter und Pferde. Wen wundert's, dass dieser Verwaltungsrat, der sich um jedes Detail kümmerte, zwischen 1854 und 1858 drei Direktoren verheizte!
Bereits 1856 war die Hälfte des Risikokapitals aufgebraucht. Einige Aktionäre drängten auf eine Liquidation des "Etablissements". 1862 übernahm Fuhrhalter Jos. Häni an der Heumattstrasse 8 den Namen, das Inventar und wohl auch das Personal der Basler Droschkenanstalt, nicht aber den Aktienmantel. Nur acht Jahre später übergab er den Betrieb an Christian Buess, Davidsgasse 15. Der aufstrebende Fuhrhalter Louis Herdener, der sein Domizil ursprünglich an der Hebelstrasse 1 hatte, kaufte 1876 den Betrieb von Buess, inklusive der Liegenschaft an der Davidsgasse.
Der wiederholte Besitzerwechsel lässt vermuten, dass der Geschäftserfolg kaum den Erwartungen entsprach. Eine Statistik, die im Mai 1869 eröffnet und bis Ende 1925 weitergeführt wurde, erhärtet diese Vermutung. Bis zum Kauf der Basler Droschkenanstalt durch die Brüder Ernst und Julius Settelen im Juni 1892 schrumpfte der Umsatz seit 1869 um über 60%. Die Anzahl der durchschnittlich eingesetzten Droschken sank von 25,4 auf 9,3, obwohl die Stadt in der gleichen Zeit über 10% mehr Konzessionen erteilte. Besonders markant war der Einbruch nach dem Tode von Louis Herdener im Jahre 1889.
Julius und Ernst Settelen verhalfen der Basler Droschkenanstalt - mit rund 50 Jahren Verspätung - zum seit 1853 angestrebten Erfolg. Ihr Konzept: Mit gut gehaltenem aber diszipliniertem Personal, rasch erneuertem Fahrzeugpark mit Vollgummibereifung und der Einführung von Taxametern waren sie der Konkurrenz immer einen Schritt voraus.