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Schweizerische Interessen an der italienischen Elektrizitätsindustrie und das amerikanische Vorgehen, um sie durch die von Currie präsidierten Gesellschaften zu kontrollieren.
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Ich lasse Ihnen in der Beilage in dreifacher Ausfertigung Kopie eines Schreibens, das Herr Oberst Jenny an meinen Mitarbeiter, Herrn Dr. Robert Sulzer gerichtet hat, und das in erster Linie die Interessen der schweizerischen Elektrizitätsindustrien berührt, zugehen; ferner drei Kopien eines Artikels, welcher am 20. Juni im New York Times über die Bildung der neuen italienischen Regierung erschienen ist, und der ebenfalls ein gutes Licht auf die momentane Situation in Italien wirft2.
Herr Oberst Jenny verweist vor allem auf die grosse Gefahr, dass die italienischen Industrien, insbesondere die Elektrizitätsindustrie, vom italienischen Staat oder eventuell von amerikanischen Interessengruppen übernommen und in Zukunft kontrolliert werden könnten. Er betont immer wieder, dass die interessierten schweizerischen Finanzgruppen, so schnell wie möglich in Aktion treten sollten, um dies zu verhindern.
Wie nun Herr Oberst Jenny, auf Grund von Nachrichten, die er aus Amerika erhalten hat, meinem Mitarbeiter vor zwei Tagen mitteilte, wäre Herr Lauchlin CURRIE, der bereits schon an der Spitze der FEA. (ForeignEconomic Administration) steht, nun auch am 1. Juli Präsident der «International Industrial Development Corporation» geworden. Gleichzeitig würde er auch noch die Präsidentschaft über die «International Commercial Trading Company» übernehmen, welche von der erstern Gesellschaft kontrolliert sei. Herr Currie habe, als er seine Europareise unternahm3, bereits schon von dieser bevorstehenden Entwicklung Kenntnis gehabt und habe sich wahrscheinlich mehr mit den Problemen der beiden letztgenannten Korporationen beschäftigt, als mit denjenigen der FEA.
Die beiden Gesellschaften hätten einen ausserordentlich starken finanziellen Hintergrund und beabsichtigten nicht nur die Industrien in den vom Kriege betroffenen Ländern Europas zu finanzieren und wieder aufzubauen, sondern dieselben gänzlich unter ihre Kontrolle zu bringen, da sie überall bestrebt seien, die Aktienmajorität zu erwerben. Entsprechend den genannten Nachrichten aus Amerika, wäre es die Absicht dieser beiden Gruppen, europäische Industrien wieder aufzubauen, zu modernisieren und an vielen Orten neue Industrien zu errichten, und durch die Zusammenarbeit der beiden Gesellschaften würden sie nicht nur die Kontrolle über diese Unternehmen ausüben, sondern auch im internationalen Handel eine starke Aktivität entwickeln und natürlich versuchen, nach Möglichkeit ihre eigenen Unternehmungen zu begünstigen.
Die italienische Kommission, die vor ein paar Wochen nach Amerika gesandt worden ist, habe offiziell mit Herrn Currie wegen Kreditangelegenheiten der FEA. verhandeln müssen. Unzweifelhaft habe Herr Currie aber in erster Linie an die Interessen der beiden neugegründeten Gesellschaften gedacht und habe den Mitgliedern der italienischen Kommission die Situation so dargestellt, dass für das Funktionieren der beiden genannten grossen amerikanischen Gesellschaften nun in Italien amerikanischerseits schon gute Vorarbeit geleistet worden sei.
Nur rasche und energische Reaktion privaterseits könne den sehr ausgedehnten Kontrollgelüsten dieser beiden Gesellschaften, sowie auch noch andern, die wahrscheinlich noch entstehen würden, einen Riegel schieben.
Die italienische Regierung sei zu schwach um Widerstand zu leisten, und darum müssten die schweizerischen Privatinteressierten sich vereinigen und gemeinsam Schritte gegen diese bevorstehende Gefahr machen.
Herr Oberst Jenny wird in den nächsten Tagen wieder nach Amerika und dort ins Zivilleben zurückkehren. Er wäre, falls dies schweizerischerseits gewünscht werden sollte, bereit, dann wieder nach Europa zu kommen und sich den schweizerischen Elektrizitätsgesellschaften als «Zivil Consulting Engineer» zur Verfechtung ihrer Privatinteressen zur Verfügung zu stellen4.
Wie Sie ja auch aus seinen Ausführungen in der Schweiz entnehmen konnten, hat er hier in Italien immer die Ansicht vertreten, dass die bestehenden Privatinteressen unterstützt werden sollten und hat sich dadurch natürlich zu denjenigen Gruppen, die alles von Amerika aus kontrollieren möchten, in Opposition gesetzt. Schliesslich ist es seinen Gegnern dann gelungen, ihn aus seiner Stellung als Direktor der «Subcommission for Reconstruction of Public Works» zu verdrängen. Man hat ihm dann einen gewissen Antolini vor die Nase gesetzt, der jetzt aber schon nach Amerika zurückgekehrt ist, um in die beiden neugegründeten, durch Herrn Currie kontrollierten Gesellschaften einzutreten.
Herr Oberst Jenny meint, dass man schweizerischerseits wohl am besten versuchen sollte, Schritt für Schritt vorzugehen, und, dass z. B. die «Meridionale»5 einmal damit anfangen müsste, die Pescaragruppe wieder aufzubauen. Es seien dort Installationen, die nicht in Amerika gebaut werden könnten und für diese müsste die Bewilligung für den Bezug der nötigen Maschinerie aus der Schweiz erwirkt werden. Wenn dann einmal auf diese Weise der Beweis geleistet worden sei, dass auf Grund von privater Initiative wieder etwas aufgebaut werden könne, dann sei das natürlich auch für die übrigen Unternehmungen in Italien ein Ansporn und verstärke ganz automatisch den Widerstand gegen amerikanische Kontroll- oder italienische Verstaatlichungstendenzen.
Ich überlasse es Ihrem Gutdünken, die schweizerischen Elektrizitäts-Holding-Gesellschaften, in der Ihnen geeignet erscheinenden Weise, von den Ausführungen des Herr Oberst Jenny in Kenntnis zu setzen6.
- 1
- Schreiben: E 7110/1967/32/821/I.↩
- 2
- Nicht abgedruckt.↩
- 3
- Vgl. DDS, Bd. 15, Thematisches Verzeichnis: III.2.3. Négociations économiques avec les Alliés à Berne en février et mars 1945.↩
- 5
- Zur Frage der schweizerischen Interessen in dieser Gesellschaft vgl. DDS, Bd. 14, Dok. 295, dodis.ch/47481.↩