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Die Schweiz ist stark vom Klimawandel betroffen: Zur Illustration des fortschreitenden Klimawandels wird die Temperaturentwicklung in der Schweiz oft mit derjenigen der globalen Mitteltemperatur verglichen. MeteoSchweiz stellt den Verlauf beider Messreihen über die vergangenen rund 150 Jahre im Detail vor und erklärt Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Die bodennahe Lufttemperatur ist ein zentrales Element der Beobachtung des Klimawandels. So ist die globale Mitteltemperatur in den letzten 150 Jahren um rund 1 °C, die Schweizer Temperatur sogar um rund 2 °C angestiegen. Was führt zu diesem Unterschied und ist die Schweiz ein Ausnahmefall? Wir wollen hier einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede werfen, um die Schweizer Kurve besser verstehen und einordnen zu können.
Erwärmungstrends weltweit
Die globale Temperaturkurve setzt sich aus der Entwicklung der Temperatur aller Regionen der Erde zusammen, und diese Entwicklung war längst nicht überall die gleiche. Dies zeigt die Weltkarte der Erwärmungstrends (Abb. 1) sehr deutlich, wobei sich zwei grössere Muster erkennen lassen:
Die Erwärmung ist einerseits über den Ozeanen geringer als über Land. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass Meere riesige Wärmespeicher sind. Die zusätzliche Energie wird teilweise vom Wasser absorbiert und führt zur Erwärmung der tieferen Meeresschichten. Landmassen hingegen können Wärme schlechter speichern, so dass mehr Energie für die Erwärmung der darüber liegenden Luft zur Verfügung steht. Ein zweiter Grund für das unterschiedliche Erwärmungsmuster liegt darin, dass die zusätzliche Energie auch zur Verdunstung von Wasser eingesetzt wird, welches über dem Meer unbeschränkt zur Verfügung steht. Über Land ist das Wasserangebot und damit die Verdunstung beschränkt, weshalb die zusätzliche Energie vermehrt in die Erwärmung der Luft geht. Die geringere Erwärmung über den Ozeanen dehnt sich auch etwas ins Landesinnere aus, so z.B. sichtbar in Nordamerika oder in Westeuropa.
Das zweite auffällige Muster auf der Weltkarte zur Erwärmung ist die stärkere Zunahme der Temperatur in den höheren Breiten im Vergleich mit den Äquatorregionen (in der Wissenschaft auch als polar amplification bezeichnet). Die Prozesse dahinter sind kompliziert und die Ursachen divers. Ein wichtiger Effekt ist die zusätzliche Erwärmung, welche durch den Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung entsteht. Die freigelegten Flächen sind dunkler, absorbieren mehr Sonnenstrahlung und erwärmen sich somit stärker. Zusätzlich wird diskutiert, dass die globale Erwärmung auch zu einem verstärkten Wärmetransport von niederen Breiten zu den Polen führt. Aufgrund der Lage der Schweiz als Teil der Landmasse der mittleren nördlichen Breiten wird also deutlich, wie sich die stärkere Erwärmung von rund 2 °C im Vergleich mit der globalen Entwicklung grundsätzlich erklären lässt.
Verlauf der Temperatur
Zusätzlich zur stärkeren Erwärmung fallen beim Vergleich der Schweizer Temperaturkurve mit der globalen Entwicklung auch die deutlich grösseren Schwankungen auf, z.B. die Kältephase um 1890, die warmen, späten 1940er Jahre und der abrupte Temperaturanstieg Ende der 1980er Jahre. Auch diese Unterschiede sind durch die Mittelung über verschieden grosse Gebiete erklärbar. Je kleiner eine Region gewählt wird, umso stärker zeigt sich die natürliche Variabilität des Klimas, insbesondere in den mittleren Breiten. Das Zusammenspiel von speziellen Anströmungsmustern mit dem langjährigen Erwärmungstrend kann neben kurzzeitigen Ausschlägen auch zu abrupten Veränderungen wie Ende der 1980er oder zu Beginn der 2010er Jahre führen.
Um die Unterschiede zwischen grösseren und kleineren Regionen sowie zunehmender nördlicher Breite noch etwas zu verdeutlichen, schauen wir uns den Verlauf der über alle Längengrade gemittelten Landtemperaturen auf der geografischen Breite der Schweiz (45-50°N) an (vgl. Abb. 2). Wir sehen, dass diese Kurve die starken regionalen Abweichungen der Schweizer Kurve zwar nicht mitmacht, aber insgesamt eine ähnlich starke Erwärmung im Bereich von etwa +2 °C zeigt. Der auffällige Schweizer Temperatursprung Ende der 1980er Jahre ist 15 Jahre später wieder eingeholt. Die weiter nördlich liegenden Landmassen (60-80°N) haben diese Entwicklung ebenfalls mitgemacht. Deren Erwärmung liegt seit der Jahrtausendwende noch deutlich höher und erreicht bald 3 °C.
Fazit
Die Schweiz ist stark vom Klimawandel betroffen. Im Vergleich mit der globalen Entwicklung ist die Temperatur hierzulande über die vergangenen 150 Jahre rund doppelt so stark angestiegen. Die Unterschiede zwischen der Schweizer und globalen Temperaturentwicklung können gut erklärt werden. Die stärkere Zunahme zeigt sich in fast allen Regionen der nördlichen Breiten und sie vergrössert sich mit der Nähe zur Arktis.