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(Kt. St. Gallen,
Bez. Ober
Toggenburg). 637 m. Gem. und grosses Pfarrdorf, am rechten Ufer der
Thur und
an der Toggenburgerstrasse; 26,5 km sw. St. Gallen.Ebnat-Kappel ist Endstation der
von Wil ausgehenden Toggenburgerbahn. Postbureau, Telegraph,
Telephon. Die Gemeinde besteht aus zwei ungleich grossen Abteilungen, deren kleinere nordwestliche einzig das Dorf Kappel
umfasst und ganz von der Gemeinde
Ebnat umschlossen ist, während die grössere südöstliche zu beiden
Seiten der
Thur liegt und die
Weiler und Häusergruppen
Bendel, Blomberg,
Brandholz.
Brüggli,
Gieselbach,
Horben,
Letz, Lüpfertwil,
Schwand,
Steinenbach,
Steinthal und
Wintersberg umfasst. Gemeinde: 408
Häuser, 2187 zur Mehrzahl reform. Ew.; Dorf: 91
Häuser, 734 Ew.
Von grosser Bedeutung ist hier die industrielle Tätigkeit. Grosse Webereien, Stickereien und Färbereien.
Bedeutendes Holzmanufaktur- und
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Teigwaarengeschäft. Käsereien. Wasserversorgung mit Hydrantennetz, elektrisches Licht. Schöne Schulhäuser. Gemeinsam
mit Ebnat ein Sekundarschulhaus mit Turnhalle. Zahlreiche Gesang- und Musikvereine. Kappel, das mit Ebnat eigentlich nur ein
einziges Dorf bildet, ist schön gelegen und besteht aus sehr schmucken Häusern, deren jedes seinen kleinen Garten besitzt.
Tannenwaldungen, Wiesen und Weiden. Kräftigende Luft, windgeschützte Lage. Beliebte Sommerfrische.
Der Ort wird als Capella zum erstenmal 1213 erwähnt und hatte schon längst seine eigene Kirche, als er noch immer zum Kloster
NeuSt. Johann eingepfarrt war. Nachher wurden die Katholiken zu Wattwil, die Reformierten zu Krummenau pfarrgenössig. Seit 1620 eigene
katholische und seit 1679 reformierte Kirchgemeinde. Erste reformierte Kirche 1822 erbaut. Am zerstörte
eine Feuersbrunst 71 Häuser und die beiden Kirchen, die seither wieder aufgebaut worden sind.
Jenes ist gemeinsames Eigentum aller Gemeinden des Bezirkes, während diese eine gemeinnützige Stiftung ist, in der 140 Insassen
sich mit Landwirtschaft, Herstellung von Papiersäcken und Strohflechterei beschäftigen. Seit 1894 besteht hier
auch ein von der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes erstelltes Krankenhaus mit 16 Betten. Die Zisterzienserabtei zu
Kappel wurde 1185 vom Freiherrn Walter II. von Eschenbach und seinen Geschwistern gestiftet und gelangte bald durch zahlreiche
Schenkungen zu grossem Reichtum, so dass sie im
Amt, am Zürichsee und in anderen Gegenden viele Höfe
und Weinberge besass.
Mit der Mehrung des Besitzes rissen aber auch Unordnung und Zuchtlosigkeit unter den Mönchen ein. Bei der Teilung des Aargaus
kam die Gemeinde 1415 an die Stadt Zürich, deren Burgerrecht das Kloster schon 1403 erworben hatte. 1443 ward es von den
Eidgenossen geplündert und zerstört, aber bald wieder aufgebaut, worauf es zu neuer Blüte gelangte,
um unter der Leitung unwürdiger Aebte (Ulrich Trinkler u. A.) neuerdings in Zerfall zu geraten. 1493 ein zweitesmal durch
Feuer zerstört und nochmals aufgebaut.
Der letzte Abt des Klosters, der dem Reformator Ulrich Zwingli befreundete Wolfgang Joner, war zugleich der bedeutendste
aller seiner bisherigen Leiter. Er berief 1523 Heinrich Bullinger aus Bremgarten als Lehrer an die Klosterschule. Joner und
seine Mönche traten zur Reformation über; 1525 entfernte man die Bilder aus der Klosterkirche und schaffte die Messe ab, worauf 1527 Abt
und Konvent das Stift an die Regierung zu Zürich
abtraten. Die bisherigen Mönche wirkten zum Teil als Pfarrer
und Prediger der neuen Lehre. Die Stadt Zürich errichtete hierauf im KlosterKappel eine Schule, in der eine Anzahl fähiger
und hoffnungsvoller Knaben der Stadt zu Prädikanten und Schulmeistern gebildet werden sollten. Diese Anstalt, an der Wolfgang
Joner Heinrich Bullinger, Peter Simmler, Joh. Frei u. A. wirkten, wurde 1547 in den Kappelerhof zu Zürich
verlegt.
Kappel ist auch aus den Religionskriegen des 16. Jahrhunderts bekannt.
Hier fand am die blutige Schlacht zwischen den reformierten Zürchern und Katholiken statt, in der Ulrich Zwingli
fiel und Hans Kambli, Uli Denzler, Adam Näf u. A. das BannerZürichs retteten. Die vom Feind erbeutete
und bewahrte Rüstung und das Schwert Zwinglis wurden 1847 an Zürich
zurückgegeben und befinden sich jetzt zusammen mit dem Schwert
von Adam Näf im Schweizerischen Landesmuseum. Die Stelle, wo Zwingli fiel, ist seit 1838 durch einen Granitblock mit
Inschriften auf zwei eisernen Tafeln bezeichnet. Die in Form eines Kreuzes gebaute Klosterkirche enthält prachtvollen Schmuck
und ist noch heute eine Zierde des Ortes. Kappel gehörte bis 1798 zur Landvogtei Knonau. (Vergl. Mitteilungen der antiquar.Gesellschaft inZürich.
Band 2, 3, 18, 23. - Meyer v. Knonau, Ger. Regestender Zisterzienserabtei Kappel.Chur
1850). Auf dem Rüteli bei Uerzlikon befand sich einst ein Fischteich, an dem man eine zürcherische Brakteate gefunden hat.
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