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Obwohl nicht alles stimmt, was Streuber in seinem Reiseführer zur Stadt Basel 1854 über die Barfüsserkirche sagt, ist es doch ein spannendes Zeugnis:
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«Eine Kirche, die gegenwärtig nicht mehr zum Gottesdienste benutzt wird, die aber künstlerisch sehr merkwürdig ist, ist die Franziskaner- oder Barfüßser-Kirche. Die Anhänger des H. Franz von Assisi siedelten sich, wie oben erzählt, im Jahr 1234 in Basel an; aber erst zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts oder in den ersten Jahrzehnten des vierzehnten ist wohl der äußere Bau des Klosters und der Kirche vollendet gewesen. Beim Erdbeben 1356 ist das Schiff ohne Zweifel großentheils zusammengestürzt; vom Chor ist vermuthlich mehr stehen geblieben. Die gegen den Barfüßerplatz schauende Vorderseite zeigt zwischen zwei stark hervorspringenden Strebepfeilern eine durch einen reich gegliederten Pfeiler in zwei Theile in zwei Theile getheilte, mit Spitzbogen überwölbte Eingangspforte und über derselben ein hohes schön gebildetes Fenster. Der obere durch drei starke Bogenlinien begränzte Theil desselben zeigt eine Rose, deren Gliederung drei länglicht gebogene und drei durch das Dreieck gebildete Grundformen hat, welche sämmtlich in dem Mittelpunkt der Hauptform zusammenlaufen. Diese Rose ist getragen von drei Haupt-
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feltdern des unteren Fensters, deren jede sich wieder in zwei Theile theilt. Die Kirche ist in der Basilikenform in große ehrfurchtgebietenden Verhältnissen (selbst größern als das Münster) gebaut. An das 32’ 7’’ breite Mittelschiff lehnen sich die beiden um einige Fuß schmälern ebenen Seitenschiffe an, die früher nur 16’ und einige Zoll gemessen zu haben scheinen. Die Totallänge der Kirche mit dem Chor ist 274’. Das Chor ist 95’ lang und 81’ hoch; daher galt es auch für das höchste aller Franziskaner-Kirchen am Rheinstrom. Es erhebt sich in herrlichen Verhältnissen deutscher Baukusnt. Der Abschluß des Chores ist nach dem Achteck gebildet und hat einen dreiseitigen Schluß. Seine vornehmste Zierde sind 13 in hochstrebendem Spitzbogenstil gebildete Fenster, welche ein reiches Licht in die sonst dudnke Kirche werfen. Unter den architektonischen Zierden, welche im Besondern das Bauwark schmücken, sind vor allem die Fensterrosen bemerkenswerth. Dem Hauptfenster der Westseite entspricht in der Tiefe des Chors ein Fenster, das noch besondres woh erhalten ist; seine drei fünfblätterigen Rosen sind sehr schön ausgearbeitet. Die Kirche war früher mit Grabdenkmälern, Frescomalereien, von denen noch Reste vorhandne sind, und Bildwerken reichlich geschmückt, und das große Dach prangte ehemals im Glanze glasierter Ziegel. Zwischen der Kirche, der Stadtmauer mit dem Eselthurme und dem Barfüsserplatze dehnten sich die wei-||tein Räume der Klostergebäude aus. An die Südseite der Kirche neben der Sakristei lehte sich der Kreuzgang an, in einem Viereck gebaut, ringsum mit Hallen, die vom offenen Hofe durch eine Reihe von 80 Spitzbogen getrennt waren; über diesen erhoben sich auf drei Seiten Zellen. Nach Einführung der Reformation (als Anhänger derselben wird Pellikan, Guardian des Klosters, ehrenvoll genannt» diente die Kirche noch zwei Jahrhunderte dem evangelischene Gottesdienste. Aber gegen Ende des vorhigen Jahrhunderts nahm das Kaufhauzs von ihr Besitz, nachdem das Chor schon längst zu solchen Zwecken verwendet worden war. 1845 wurde dann die Kirche vollends zum Lagerhaus eingerichtet und dem Kaufhaus incorporirt, was mit möglichster Schonung der Architektur des vielsagenden Bauwerks geschehen ist.»
S. 356
«Daß die Barfüßerkirche dem Kaufhause |357| nun als Lagerhaus dient, ist schon gemeldet worden. Nachdem das eidgenössische Zollgesetz festgesetzt hatte, daß mit dem Eintritt der neuen schweizerischen Zölle alle obligatorischen Kaufhausgebühren aufgehoben seien, hörte auch seit 1850 das Basler Kaufhaus auf, eine obligatorische Anstalt zu sein, wurde aber als freiwillige vom Staat besorgte und beauftragte Anstalt neu organisirt und vermochte, trotz einer Herabsetzung der Gebühren, die Concurrenz auszuhalten, da es fast ausschließlich vom Handelsstande benutzt wird. »
S. 357: Das Bild ist im Original ca. 7cm breit:
Mehr zur Barfüsserkirche:
Fehlmann, Marc / Hofmeier, Thomas, Die Barfüsserkirche, in: Baumann & Cie, Banquiers (ed.), Basler Kostbarkeiten 39, Basel 2018; 60 S., 37 meist farbige Abbildungen, grosse Falttafel mit Plänen und Zeitstrahl.
Käuflich im Historischen Museum für 6.– CHF.