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Die Bronzeskulptur «Lauschende Mädchenfigur» von Hermann Hubacher (1885–1976), fotografiert von Hans Dubach, 1967. Das Haus, das Brahms in Hofstetten bewohnte, wurde 1932 wegen einer Strassenverbreiterung abgerissen. An seiner Stelle erinnert heute ein Gedenkstein an die Aufenthalte des Komponisten in Thun. Die abgebildete Skulptur – ein Sinnbild für die Musik – steht seit 1933 am Brahmsquai und erhielt von den Thunerinnen und Thunern den Übernamen «Brahmsrösi».
«Hofstetten bei Thun, da sitze ich heute früh in einer ganz reizenden Wohnung, unmittelbar hinter Hotel Bellevue, am Fluss. Ich glaube, es ist die schönste Wohnung, die ich noch hatte, und ich bin sehr froh, mich zur Reise hierher entschlossen zu haben.» Dies schrieb der Komponist Johannes Brahms am 28. Mai 1886 an den Musikalienhändler Fritz Simrock. Tatsächlich: Es gefiel Brahms in Thun sehr gut, verbrachte er doch nicht nur die Sommermonate des Jahres 1886 hier, sondern auch diejenigen der nachfolgenden Jahre 1887 und 1888. Dass Brahms gerade Thun als Aufenthaltsort wählte, liegt an seinem Berner Freund Joseph Viktor Widmann (1842–1911), Redaktor der bernischen Tageszeitung «Der Bund», der Brahms die Stadt empfohlen hatte.
Brahms stieg keineswegs im 1875 eröffneten Grandhotel der Luxusklasse, dem Thunerhof, ab, sondern logierte bescheiden in einer Wohnung im ersten Stock eines Hauses in Hofstetten, das damals noch zur Einwohnergemeinde Goldiwil gehörte. Den Kaffee braute er sich selbst mit einer Kaffeemaschine, die er eigens aus Wien mitgebracht hatte. Die Vormittage widmete Brahms der Arbeit an seinen kompositorischen Werken. Die Thuner Sommer waren für ihn eine sehr fruchtbare Zeit, entstanden doch die Werke op. 99–109 zu einem schönen Teil in Thun. Zu nennen sind beispielsweise das Konzert für Violine und Violoncello op. 102, Zigeunerlieder für vier Singstimmen op. 103 oder die Sonate No. 3 für Pianoforte und Violine op. 108. Für Speis und Trank suchte Brahms gerne einen Wein- oder einen Biergarten auf. Das Essen in formeller Umgebung – an einer Table-d’Hôte in einem Hotel – sagte Brahms weniger zu. Leger war auch seine Kleidung, wie Widmann in seinen Erinnerungen an Brahms festhielt: «Im gestreiften Wollhemd, ohne Krawatte, ohne angeknöpften weissen Kragen war ihm am wohlsten.» Auch grössere Ausflüge standen auf dem Programm. So bestieg Brahms einmal zu Fuss den Niesen, einmal weilte er in Mürren und an einem Sonntag besuchte er ein Schwingfest in Wimmis, für einen Komponisten klassischer Musik wohl ein spezielles Ereignis. Oft weilte Brahms auch bei seinem Freund Widmann in Bern, der dem Komponisten jeweils seine Bücher auslieh.42