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Fast drei Millionen Menschen sind nach den schweren Erdbeben in Nepal auf Hilfe angewiesen, mehrere Tausend wurden schwer verletzt und 9’000 Menschen haben bei der Katastrophe ihr Leben verloren.
Die Nothilfe in Nepal läuft auf Hochtouren: die Partnerhilfswerke der Glückskette stehen unter enormen Zeitdruck, denn die Regenzeit kündigt sich an und die unwegsamen Strassen in die Berggebiete werden bald unpassierbar sein.
Die Glückskette besuchte vier Wochen nach dem nationalen Sammeltag einige Partnerhilfswerke vor Ort und machte sich selber ein Bild über die laufenden Hilfsarbeiten.
Die Spitäler in Kathmandu sind überfüllt mit Patientinnen und Patienten aus den umliegenden Gebieten. Einige von ihnen wurden mit Helikoptern für die Behandlung aus den entlegenen Gebieten in die Hauptstadt geflogen. Hier müssen sie nach der Behandlung die Spitäler so schnell wie möglich wieder verlassen und werden in temporären Aufnahmezentren untergebracht.
Unter anderem werden Zeltlager, Frauenhäuser und Yogazentren als temporäre Unterkünfte verwendet. Hier werden die Verletzten teilweise noch wochenlang von Handicap International betreut, bevor sie sich auf den beschwerlichen Heimweg machen können, da ihre Dörfer oftmals mehrere Tagesmärsche entfernt liegen.
Der 59-jährige Kancha Tamang wurde in seinem Haus verschüttet und mit einem komplizierten Beinbruch nach Kathmandu geflogen. Hier muss er noch mindestens zwei Monate lang behandelt und therapiert werden, bevor er die Heimreise antreten kann.
Die 8-jährige Shristi ist mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in einem der Zeltlager untergebracht. Ihr Bein musste wieder eingerenkt werden und ist nun fixiert.
Apsara Ceiri (16 Jahre) wurde mit ihren vier Schwestern im Haus verschüttet und schwer an der Hand und am Arm verletzt. Die kleinste Schwester starb. Ihre jüngere Schwester Asmrita (13 Jahre) kam mit ihr nach Kathmandu und ist momentan in einem Frauenhaus untergebracht.
Das rechte Bein der 6-jährigen Nirmala wurde beim Beben von einem herunterfallenden Stein zertrümmert und musste amputiert werden. Nun wird sie von Physiotherapeuten von Handicap International betreut.
Während die Zerstörung in Kathmandu auf den ersten Blick nicht immer sichtbar ist, wird diese auf dem Land offensichtlich: rund drei Autostunden von der Hauptstadt entfernt, liegen im Dorf Saku ganze Häuserzeilen flach. Hier allein starben 60 Menschen in den Trümmern. Medair war bereits vor den beiden Erdbeben vor Ort und konnten nur wenige Stunden nach der Katastrophe mit der Nothilfe beginnen: medizinische Versorgung sowie Verteilung von Zelten und Nothilfe-Material (Blachen, Matratzen, Wolldecken, etc.) oder Nahrungsmitteln und Saatgut.
Wendy van Amerongen ist für Medair unterwegs und berichtet:
«Wenn die Monsun-Zeit beginnt, werden Erdrutsche und verschüttete Strassen den Zugang zu den entlegenen Dörfern erschweren und die Dorfbewohner noch mehr gefährden. Es ist sehr wichtig, dass die Menschen, die zurzeit in Behelfsunterkünften leben, so schnell wie möglich unser Baumaterial erhalten, um sich vor dem Regen zu schützen und Krankheiten vorzubeugen.»
Vom Haus von Subha Lakshmi (54 Jahre) ist nur noch eine Ruine übrig. Nun lebt sie mit ihren Kindern in einer aus Überresten gezimmerten Notunterkunft.
Terre des hommes - Kinderhilfe arbeitet in mobilen Kliniken, welche jeden Tag an einem anderen Ort aufgestellt werden, damit die Menschen sich vor Ort untersuchen und behandeln lassen können. Falls ihre Verletzungen zu kompliziert für eine lokale Behandlung sind, werden sie in ein Spital weiter verwiesen.
Gleichzeitig werden traumatisierte Kinder spielerisch betreut und die Eltern von fachkundigem Personal beraten.
Sebastian Zug von Terre des homme- Kinderhilfe erklärt:
«Das Erdbeben hat nicht nur zerstört, verletzt und getötet, es hat sich tief in den Gedanken festgesetzt. Abwechslung vom Alltag bringt Kinder auf andere Gedanken. Wir unterstützen sie dabei, die Situation zu verarbeiten.»
Die Glückskette unterstützt bisher fünf Nothilfeprojekte von ADRA, Handicap International, Medair, Solidar Suisse und Terres des hommes - Kinderhilfe. Weitere Hilfswerke haben bereits angekündigt, dass sie ebenfalls bereits laufende Nothilfeprojekte zur Finanzierung unterbreiten werden. Diese Projekte werden von der Glückskette entsprechend rückfinanziert.