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durch den Windschlag 113 Firsten im Dörfchen Randa. Indirekt verheerend wirkte im Jahr 1818 der Sturz des Giétrozgletschers. (Val de Bagne, Kt. Wallis.) Er staute nämlich die Dranse zu einem See von 2,5 km Länge. Umsonst versuchte man das Wasser durch einen Stollen zu entleeren. Die letzten ⅔ des Sees (20000000 m3) brachen auf einmal durch und verwüsteten das ganze Dransethal bis Martigny hinaus. Das neueste Beispiel ist der Gletscherabbruch an der Altels, wo am 4500000 m3 etwa 1440 m hoch herunterstürzten, die Spitalmatte und den Gemmiweg verschütteten und 6 Menschen und 158 Stück Rindvieh töteten.
Litteratur: Coaz. Die Lawinen der Schweizer
alpen. 1881. -
Heim. Handbuch der Gletscherkunde. 1885. -
Heim.
Die Gletscherlawine an der
Altels. (Neujahrsblatt der naturf. Ges. in Zür. 1896).
[Dr Aug. Æppli].
E. DIE PFLANZENWELT.
Die durch die zunehmende Höhe über Meer bedingte Wärmeabnahme übt naturgemäss auf das organische Leben einen grossen Einfluss aus, so dass den verschiedenen Höhengürteln je ihre ganz bestimmten und für sie charakteristischen Pflanzenarten und Vegetationsverhältnisse eigen sind.
Wir unterscheiden:
a) Die Hügelregion (200-700 m),
das eigentliche Gebiet des Ackerbaues, mit ausgedehntestem Anbau von Futterpflanzen und Obstbaumzucht. Letztere reicht selten
höher hinauf; immerhin findet man an geschützten Lagen den Apfel- und Birnbaum bis ca 900 m, den Kirschbaum
bis 1000 m und höher. Das nämliche gilt von der Weinrebe, die zwar ihre hauptsächlichste Verbreitung im schweizerischen
Hügellande hat, dank besonderer klimatischen Bedingungen jedoch längs der grossen
Thäler noch ziemlich weit in die
Alpen
hinein vorrücken kann. So verdankt das
Rheinthal vom
Bodensee bis
Chur die ausgezeichnete Güte seines
Weines dem herbstlichen
Fön; sobald dieser aussetzt, wird die Qualität des Weines eine merklich geringere. Die grossen Weinberge
des
Rhonethales von
Montreux bis
Aigle und von
Martigny bis
Brig zählen mit unter die besten der
Schweiz. Noch höher hinauf
wird die Weinrebe in den südlichen Thälern angetroffen; im Tessinthale z. B. steigt sie bis
Giornico und
Olivone, im Maggiathal
bis
Bignasco u. s. f.
b) Die Bergregion (700-1200 m)
weist noch vereinzelt Obstbäume auf, und auch der Anbau der Cerealien ist noch möglich, doch nimmt er nur mehr kleine Flächen ein und verschwindet in dem Masse, als die Einfuhr von fremdem Getreide eine leichtere wird. Hier finden wir die grossen ausgezeichneten Wiesen und die Maiensässe (franz. mayens, roman. acla), die vom Vieh zu Beginn des Sommers als erste Weide bezogen werden, deren Gras im Hochsommer meist geschnitten wird und die im Spätsommer dem von den Alpweiden heimkehrenden Vieh wieder als Weide dienen.
Der eigentlich bezeichnende Zug
der Bergregion ist aber das Auftreten des aus Nadel- und Laubholz zusammengesetzten Mischwaldes.
Die wichtigsten Vertreter des letztern sind
Eiche,
Buche,
Esche und
Ahorn. Die
Eiche tritt sowohl als Stiel- wie als Steineiche
auf, bildet aber doch im
Alpengebiet nur kleine Bestände - kleinere noch als im
Mittelland - und erreicht
ihre obere Grenze schon in 800-1000 m. Durchschnittlich um 300 m höher steigt die
Buche, die weit häufiger auftritt und
grosse Waldungen bildet.
Mit ihrer langen Vegetationsperiode ist die dem feuchten Seeklima angehörende
Buche übrigens in den
an Niederschlägen reichen
Alpen ganz an ihrem
Platze. Die
Esche kommt bis zur gleichen
Höhe vor, wie die
Buche (1300 m), immerhin
aber ist der für die Bergregion eigentlich charakteristische
Baum der Bergahorn, der in der Ebene nicht gut gedeiht, sich
dagegen in Höhen von 1000-1600 m besonders schön entwickelt. Dabei sind die nahe der obern Verbreitungsgrenze
stehenden Exemplare oft die schönsten und kräftigsten. Meist steht der
Ahorn vereinzelt und schaart sich nur hie und da
zu lichten
Wäldern.
c) Die
Alpenregion (1200-2600 m)
besteht in ihren untern Teilen aus Wald und Weide, in den obern ausschliesslich aus Alpweide. An einigen besonders geschützten Stellen der Hochthäler kann der Getreidebau noch bis in eine erstaunliche Höhe vordringen: so gehen z. B. im Engadin Gerste und Roggen bis 1700 m, und 1850 konnte der damals in starkem Vorrücken begriffene Gornergletscher ein noch in 1848 m Höhe gelegenes Weizenfeld zerstören. Es sind dies aber seltene Ausnahmen, und diese kleinen vorgeschobenen Aecker bringen auch nur magern Ertrag.
Der
Wald der
Alpenregion besteht ausschliesslich aus Nadelhölzern, in denen die vier Arten der Rottanne, Föhre, Lärche
und
Arve weitaus vorherrschen. Die übrigen Arten spielen eine nur untergeordnete
Rolle; die
Weisstanne (Abies alba Mill.) -
empfindlicher als ihre Schwester - wagt sich seltener in die
Alpenregion und Wachholder und Taxus treten
nur vereinzelt auf. In allen erdenklichen Gestalten und Formen finden wir die Rottanne (Picea excelsa): bald als stolz ragende
Säule im geschlossenen
Hochwalde;
bald als vereinzelte Wettertanne, knorrig, von Blitz, Sturm und Schneedruck verstümmelt, immer aber mit stets erneuter Kraft gegen die feindlichen Elemente ankämpfend;
bald als verkrüppeltes Buschwerk von konischer Form, in seinem Wachstum durch das die Knospen abweidende Vieh derart gehemmt, dass es trotz einem Alter von oft 20-30 Jahren kaum die zwerghafte Höhe von einem Meter zu erreichen vermag (Geissetännli).
Während die Rottanne durch das ganze
Alpengebiet verbreitet ist, bildet die Föhre (Pinus silvestris)
nur an einzelnen
Stellen der Schweizer
Alpen ganze Wälder. Solche finden sich z. B. im Wallis
von
St. Maurice bis
Brig und in St. Gallen
und
Graubünden
von
Flums bis
Ems. Die Bergföhre (Pinus montana) dagegen gedeiht auf der
Lenzerheide, im
Davos,
Engadin,
am
Ofenpass etc.
Die Lärche (Larix decidua) kommt überall im Wallis und in Graubünden vor, dann auch im Berner Oberland (Thäler der Saane und Kander), im Weisstannenthal und im östlichen Teil der Säntisgruppe. Sie leidet weniger unter der Trockenheit als die Rottanne, und der jährliche Laubwechsel gestattet ihr, einige Frostgrade mehr ohne Schaden zu ertragen, als die im Mittel sich um 100-200 m tiefer haltende Tanne. Die höchsten Standorte der Lärche sind bei Zermatt (2300 m), Münster (Graubünden) und am Stelvio (2400 m).
Die für die Alpen bezeichnendste Conifere ist aber die Arve (Pinus cembra) mit ihrem kräftigen Stamm, ihrer abgerundeten Krone und ihren gedrängten Nadelbüscheln. Unglücklicherweise ist sie aber heute im allmähligen Verschwinden begriffen, da ihren Früchten, den sog. Arvennüssen, von Liebhabern sowohl im Reiche der Tiere als der Menschen zu häufig nachgestellt wird, als dass ihr eine kräftige Fortpflanzung möglich wäre. Einzig im Val d'Anniviers und ob Sitten sind die für eine natürliche Vermehrung des schönen Baumes notwendigen Bedingungen noch günstige geblieben.
Selten findet sich die Arve in ganzen Wäldern beisammen; meist bildet sie nur kleine Gruppen inmitten ihrer Verwandten, die sie aber mit zunehmender Höhe nach und nach alle hinter sich lässt. Ihre eigentliche Heimat sind die Seitenthäler des Wallis und Engadins, in Gruppen findet man sie auch noch in den Thälern des Berner Oberlandes, selten und nur vereinzelt in der Zentralschweiz, im Kanton Glarus und an den Churfirsten. Kaum unter 1800 m herabsteigend ist die Arve der wahre Typus des alpinen Baumes.
Der Uebergang vom Wald zur Weide wird häufig durch Buschwerk vermittelt, das als Brennmaterial für die Sennhütten der obern Alpweiden seine wirtschaftliche Rolle spielt, aber weit wichtiger ist durch die Fähigkeit, mit seinen Wurzeln das lockere Erdreich der abschüssigen Halden zusammenzuhalten und zu verfestigen. Es sind hier besonders zu erwähnen die Grün-Erle (Alnus viridis, Dros oder Tros der Aelpler) und die Legföhre (Pinus Pumilio). Erstere wird niemals auf Kalkboden angetroffen; letztere dringt weniger tief in den Boden ein, kann aber mit ihren weit ausgreifenden Wurzeln und dem schirmförmig vom Boden aufsteigenden Astwerk den lockern Boden ebensogut zusammenhalten. Am höchsten, bis 2500 m, steigt der Zwergwachholder (Juniperus nana). Der alpine Brüsch (Erica carnea) wird von den Bewohnern der Thäler trotz seiner schönen und zahlreichen Blütenähren im Allgemeinen weniger beachtet als die Alpenrose, die mit ihrem dichten Astwerk weite Hänge bekleidet und ihnen glänzenden Schmuck verleiht. Von ihren beiden Arten ist die rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) weit verbreiteter als die gewimperte Alpenrose (Rh. ¶
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hirsutum), die die trockenen Standorte vorzieht und daher auch fast gänzlich sich auf die Kalkalpen beschränkt. Die erste Art dagegen ist überall in den Alpen zu Hause; sie steigt bis zu 2300 m Höhe, kann aber auch längs der Wasserläufe und Lawinenzüge bis zu den Seen der südlichen Alpenthäler hinabwandern.
An die Baum- und Buschregion schliessen sich nach oben die Alpweiden mit ihrem frischen und saftigen Grün an, die ein so reizvolles Element der Alpenlandschaft bilden und deren wirtschaftlicher Wert den der Wälder weit überwiegt. Hier erlustigen sich auf Hängen und in Thalkesseln die Heerden mit ihrem Glockengetön, hier geniessen die Hirten und Sennen ihr friedliches, von einem Hauche der Poesie umwobenes und von den Bewohnern der Ebene so oft beneidetes Dasein, hier gedeihen in dichten Polstern die saftigsten Kräuter, die, unter der Sichel gefallen, dem Vieh auch im Winter ein duftendes Futter sind.
Weiter oben schiebt sich der grüne Teppich zwischen Schutthalden und Lawinenreste ein und erscheint bald nur noch in vereinzelten kleinen Flecken. Auch Felsbänder und ebenere Teile an Steilwänden geben dem verwegenen Wildheuer noch Ausbeute, der hier, wo das Vieh nicht mehr hingelangen kann, kühnen Fusses das würzige Heu sammelt. Wo immer sich sonst noch ein Grasfleck zeigt, da klettern Ziegen und Schafe hin, die sich auch an dem kleinsten Kräutlein noch gütlich tun.
So vollzieht sich allmählich der Uebergang zur höchsten und letzten Region,
d) der Schneeregion, oberhalb 2600 m.
Keineswegs herrscht in diesen Höhen ein ewiger Winter, der die Entfaltung jedes organischen Lebens zur Unmöglichkeit machen würde. Es ist im Gegenteil keine Höhe so gross, dass sie nicht wenigstens für eine kurze Zeitspanne ein freudiges Spriessen ermöglichte, und die unwirtlichsten Gebiete weisen noch ihre ihnen besonders eigentümliche und durchaus nicht arme Flora auf. In den Glarner Alpen fand Oswald Heer über 2760 m noch 24, in den Bündner Alpen noch 105 Pflanzenarten; der Piz Linard hat von 3250 m bis zu seinem Gipfel noch 11 und die Vincentpyramide in der Monte Rosa-Gruppe über 3158 m noch 47 Arten. Sogar der leichte rosige Hauch, der ziemlich häufig den Firnschnee überzieht, wird durch die Anwesenheit von Tausenden von mikroskopisch kleinen Algen, dem Protococcus nivalis, hervorgerufen.
Die biologischen Eigentümlichkeiten dieser nivalen Flora, die nur auf kleinen mitten in Felsen, Firn- und Eisfeldern zerstreuten Plätzchen Fuss fassen kann, sind bedingt durch ihre kurze Vegetationsperiode, durch die tagsüber starke Insolation, die bedeutende Abkühlung während der Nacht und durch häufigen Schneefall. Daher ihr eigenartiges Gepräge: gedrängter polsterartiger Wuchs, weitausgreifende Rhizome, niedliche Rosetten von winzigen, lederharten Blättchen, die mehrere Jahre aushalten können, stengellose Blüten von prächtigem Farbenschmelz. Der nivalen Flora gehören fast ausnahmslos nur stark widerstandsfähige Pflanzen an, die nicht in jedem Sommer ihre Früchte zur Reife bringen können; oft sind sie auch zu weiterem Schutze mit einem dichten Pelz von Wollhaaren überkleidet.
Analoge Eigentümlichkeiten zeigen auch die tiefer unten, auf den Alpweiden, wohnenden Pflanzen. Haben sie einen hohen Stengel, so ist dieser genügend stark entwickelt, um dem Schneedruck Widerstand leisten zu können. Die interessanteste Erscheinung der Anpassung an die Umgebung aber ist der sogenannte Viviparismus, der darin besteht, dass sich der Stengel unter dem Gewichte der voll entwickelten Blüten zur Erde neigt, damit die Samen dort ungehindert eindringen und Wurzel fassen können. Natürlich sind die alpinen Pflanzen zahlreicher als die nivalen. Während z. B. die nivale Flora Graubündens 105 Arten zählt, hat sie ca 500 alpine Arten über 1800 m.
Nicht überall entwickelt die Flora denselben Artenreichtum. In erster Linie stehen hier die Walliser Alpen mit nahe an 1800, dann die Graubündner Alpen und in dritter Linie die Berner Alpen mit nur noch 1300 Arten. Eher als die Beschaffenheit des Untergrundes bedingt Richtung und Stärke des die Samen transportierenden Windes die reichere oder ärmere Entwicklung des Pflanzenlebens. Das Wallis z. B. verdankt seinen Florenreichtum der Einwanderung von Pflanzen aus S. und SW., und zahlreich sind die beobachteten Fälle, dass dieser Einwanderung gerade die Passübergänge der Alpen die Wege gewiesen haben.
Mitten durch die Alpen gehen die Grenzlinien zwischen nördlicher und südlicher Flora einerseits, und östlicher und westlicher andererseits. Die erstgenannte zieht sich längs des Kammes der Berner Alpen hin und setzt sich über den Gotthard, Adula und die Maloja fort. Die Flora des Wallis ist stark von W. her beeinflusst worden, und dieser Einfluss lässt sich bis ins Ober-Engadin verfolgen, während sich das Unter-Engadin schon mehr der Flora der Ostalpen nähert. Die Flora der Tessiner Alpen endlich steht stark unter Einfluss von S. her.
Wie man sieht, hat demnach die Flora der Schweizer Alpen durchaus nicht durchweg ein einheitliches Gepräge. Was daher gewöhnlich unter dem Begriffe der alpinen Flora verstanden wird, entspricht blos den besonderen biologischen Eigentümlichkeiten, die die Flora des Hochgebirges unter dem Einfluss des diesem eigenen Klimas anzunehmen gezwungen ist.
Die dünne Luft der Hochalpen hat eine merkliche Verminderung ihres Vermögens, Wasserdampf aufzunehmen, im Gefolge, woraus eine grössere Transparenz der Atmosphäre resultiert, die hier nur noch unvollständig ihre in den niederen Regionen so wohl zur Geltung kommende Rolle als Wärmeregulator ausüben kann. Daher haben die Gipfelregionen im Vergleich zur absoluten Feuchtigkeit ein eher trockenes Klima und verfallen in Wärmeextreme, an die sich die Vegetation nur während der kurzen Zeit anpassen kann, da die Dauer der täglichen Insolation eine genügend grosse ist, um dem Boden mehr Wärme zuzuführen als ihm durch die nächtliche Ausstrahlung entzogen wird. Je grösser die Höhe über Meer, desto kürzer ist die Dauer der sommerlichen Vegetationsperiode. So ist z. B. an dem 3333 m hohen Theodulpasse ein Pflanzenleben blos von Juni bis September möglich.
Während dieser vier Monate stieg nach Beobachtungen in den Jahren 1865 und 66 das Thermometer blos an 53 Tagen von 7 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends über den Nullpunkt und blos an 91 Tagen Mittags auf 2° C. oder darüber. Die vegetative Periode kann aber in den Alpen eine noch kürzere sein, indem z. B. die Arten von Draba, Silene und Saxifraga, die am Finsteraarhorn und Mont Blanc noch bei 4000 m und darüber ausharren, sich mit einer Zeit von kaum mehr als 50 Tagen begnügen müssen, um ihre Blätter bilden und ihre zarten Blütenkelche öffnen zu können.
Unter dem Einflusse solcher eigenartigen Bedingungen ist es begreiflich, dass die alpine und nivale Flora eine Reihe von Anpassungserscheinungen erkennen lässt: Die Pflanzen sind im Allgemeinen ausdauernd und entwickeln eher Wurzeln und Rhizome als üppige Oberflächengebilde;
die oft in Rosetten angeordneten Blätter sind meist lederartig oder behaart und die Blütenknospen sorgfältig geschützt, zahlreiche Arten drängen sich in Polstern und Büscheln zusammen.
Alle gehorchen der Notwendigkeit einer strikten Beschränkung in der Entwickelung ihrer Organe. Der Widerstand, den sie der starken Insolation am Tage und dem Froste der Nacht gegenüber leisten müssen, äussert sich in einer schwachen Transpiration, die die Trockenheit der Luft aber immer zu steigern bestrebt ist. Die Gesamtheit aller angeführten Eigentümlichkeiten verleiht der alpinen Flora im engeren Sinne ihren erwähnten einheitlichen biologischen Charakter, den man in ähnlicher Weise übrigens bei der Flora aller in grosser Höhe über Meer gelegenen Gebiete wiederfindet.
Schon seit langer Zeit sind diese Eigentümlichkeiten der alpinen mit denjenigen der arktischen Flora verglichen worden. Ihre äussere Aehnlichkeit ist ja auch eine recht verständliche, da die Pflanzen im äussersten Norden wie in den Hochalpen, wenn auch aus recht verschiedenen Ursachen, nur über eine kurze Vegetationsdauer verfügen und dies dazu noch bei allerdings oft enbliger ^[richtig: nebliger], an absoluter Feuchtigkeit aber doch recht armer Atmosphäre.
Betrachten wir das alpine Gebiet mit Bezug auf die in ihm vorkommenden Pflanzenarten in seiner Gesamtheit, so fällt uns sofort auf, dass ihm jede Einheitlichkeit fehlt und dafür eine Verschiedenartigkeit vorherrscht, zu deren ¶
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Verständnis uns die geologische Entwicklungsgeschichte unseres Landes und dessen heutige topographischen und klimatologischen Verhältnisse den Schlüssel geben.
Eines der am besten gestützten Hauptgesetze der Pflanzengeographie ist der Satz, dass sich die den verschiedenen Gebirgen eigentümlichen Höhentypen der Pflanzen auf Kosten der am Fusse der Gebirge lebenden Arten entwickelt haben. Nun beherbergen auch die Alpen eine gute Anzahl von Pflanzenformen, deren nächste Verwandten in keinem der unmittelbar angrenzenden Gebiete mehr angetroffen werden. Es trifft dies - um nur einige Jedermann bekannte Arten zu erwähnen - insbesondere zu für das Edelweiss, die Alpenrosen und verschiedene Tragantarten.
Während sich der subalpine Wiesenteppich aus einer ziemlich beschränkten Anzahl von Pflanzen der Tiefe zusammensetzt, die allen Ebenen des zentralen Europas gemeinsam sind, und mit ihrem Ansteigen bergwärts bloss an Grösse des Wuchses einbüssen, sind die nächsten Verwandten der weitaus grössten Zahl sowohl der eigentlich alpinen als auch der für die Tiefenregionen bezeichnendsten Formen entweder in der circumpolaren Region und in den Gebirgen von N.- und W.-Asien, oder aber im Mittelmeerbecken und sogar in den asiatischen Steppen zu finden.
Die heutigen Lebensbedingungen allein können solche merkwürdige Analogien und räumlich so weit auseinanderliegende Verwandtschaften durchaus nicht rechtfertigen; dagegen wird dies Verhalten verständlich, sobald wir uns die ganz besonderen Verhältnisse vergegenwärtigen, die die durch fortschreitende Abnahme der mittleren Wärme bedingte einstige mächtige Ausdehnung der Gletscher geschaffen hatte.
Die voreiszeitlichen Alpen mussten zweifellos von Pflanzenformen bewohnt gewesen sein, die sich zwar an die durch die Höhenverhältnisse geschaffenen Lebensbedingungen angepasst hatten, deren nächste Verwandten aber doch überall in den benachbarten anliegenden Gebieten zu finden gewesen sein mussten. Verschiedene solcher tertiären Formen sind uns denn auch in manchen miocänen und pliocänen Ablagerungen des schweizerischen Molasselandes (s. diesen Art.) erhalten geblieben, besonders immergrüne Bäume und Sträucher, die grosse Aehnlichkeiten mit der heutigen Flora von Japan verraten.
Als die eiszeitlichen Gletscher unser Land überfluteten, ging die weitaus grösste Anzahl dieser tertiären Formen zu Grunde, während ein kleinerer Teil derselben nach S. zurückgedrängt wurde, wo sie sich dann zu den Stammformen eines beträchtlichen Prozentsatzes der heutigen mediterranen Arten entwickelten. Nach dem Rückzuge der Gletscher, den wieder eine allgemeine Wärmezunahme veranlasste, eroberten sich mehrere dieser Arten das alpine Gebiet durch Aufwärtswandern in den Thälern der Rhone und des Po neuerdings zurück. Diesen typisch mediterranen Arten gehören an die Zistrosen und Baumheiden der Tessiner Alpen, der Mömpelgarder Tragant (Astragalus monspessulanus), die Raute (Ruta graveolens) der Granatapfel, die Mandel, Feige u. a.
Ebensowenig kann die bereits erwähnte asiatische Verwandtschaft bestritten werden, wenn sie auch auf verwickeltere Ursachen zurückzuführen ist. Sie erklärt sich zum Teil durch die grosse Einförmigkeit, die zu Ende des Tertiärs die Flora der grossen Bergketten der nördlichen Halbkugel auszeichnen musste und die von den durchgreifenden geologischen Veränderungen der Erdoberfläche zerstört worden ist. Gleichsam als Zeugen der einstigen Zusammengehörigkeit haben sich dann noch einige Arten erhalten, die in ihrer heutigen sporadischen Zerstreuung und geographischen Verbreitung aber zu sehr ohne alles Gesetz verteilt sind, als dass ihr gleichzeitiges Auftreten in derart weit auseinanderliegenden Gebieten sich durch eine zufällige Ausbreitung (etwa durch den Wind) erklären liesse. Als klassisches Beispiel dieser Arten von getrenntem Verbreitungsbezirk nennen wir die Pleurogyne carinthiaca, einen kleinen Alpenenzian, der vereinzelt im Altai, Ural, Kaukasus, in Kärnten und an 3-4 Standorten in den Alpen gefunden worden ist.
Ausser diesen Arten, deren nächste Verwandten in den asiatischen Gebirgen zu suchen sind, gibt es eine Anzahl von auf warme und trockene Lokalitäten unserer Alpen beschränkten Formen, die blos in den asiatischen oder südrussischen Steppen mit Sicherheit wieder nachgewiesen worden sind. Es trifft dies zu für Astragalus alopecuroides, Bunias orientalis und ganz besonders für das Edelweiss, das in Sibirien ganze Wiesen bildet und dort mehr als 30 cm hoch wird.
Endlich haben wir auch noch von circumpolaren Typen gesprochen; die bezeichnendsten derselben sind Silene acaulis, Dryas octopetala, Saxifraga oppositifolia, aizoïdes und stellaris, Erigeron alpinus, Azalea procumbens, Myosotis alpestris, Polygonum viviparum, Salix retusa und herbacea, Phleum alpinum, Poa alpina, Juniperus nana.
Man nimmt an, dass zur Zeit der grossen Vergletscherungen die Flora der alpinen Moränen, die mit diesen bis nach Mitteldeutschland gewandert sei, dort mit derjenigen der nördlichen Gebiete, deren weitestes Vorrücken nach Süden in die nämliche Epoche fiel, habe in Verbindung treten können. Beweise für diese vermutete Mischung von arktischen und alpinen Typen liefern uns die in den meisten Torflagern von Centraleuropa erhaltenen pflanzlichen Ueberreste.
Um aber die zahlreichen Aehnlichkeiten zwischen arktischer und alpiner Flora zu erklären, brauchen wir diese gegenseitige Annäherung nicht einmal anzuziehen. Es genügt hiefür die Betrachtung, dass ein grosser Prozentsatz der arktisch-alpinen Formen seine Beiden gemeinsamen Verwandten in im nördlichen und westlichen Asien vertretenen Typen besitzt. Wenn wir ausserdem noch beifügen, dass dieser Prozentsatz von arktisch-alpinen Formen abnimmt, je weiter nach Süden oder nach Osten gelegene Gebirgsketten wir untersuchen, so bestätigt sich wiederum unsere Annahme von der in Bezug auf Verteilung der Pflanzenarten von der Eiszeit gespielten Rolle.
Nachdem wir den verschiedenen Ausgangspunkten unserer heutigen alpinen Flora gerecht geworden, erübrigt uns noch, auch ihrer sicher endemischen Formen kurz zu gedenken.
H. Christ (Pflanzenleben der Schweiz, S. 285 f.) sagt hierüber Folgendes: «Die endemische Alpenflora unterscheidet sich nun von der alpin-nordischen dadurch, dass erstere weit vorherrschend aus trockenen Felsenpflanzen, letztere aus Wasser- und Moorpflanzen besteht. Bei den alpinen Arten steht ein Sechsteil von Pflanzen der nassen Standorte fünf Sechsteln von solchen gegenüber, welche den Fels oder den trockenen Rasen bewohnen. Und diese Mehrheit enthält gerade die bezeichnendsten Alpenarten.» Wir nennen die schaftlosen Androsace, die Felsenprimeln, verschiedene Potentillen und Steinbreche, die Mehrzahl der Enziane, Glockenblumen, Rapunzeln, Schafgarben, Habichtskräuter und Hauswurze trockener Lagen.
«Es steht fest, dass die wärmere und trockenere Alpenkette vorzugsweise solche Arten erzeugt hat, die sich zur Besiedelung derjenigen Oertlichkeiten eigneten, welche den nordischen nicht entsprachen, und dass diese hinwieder dem Wasser folgten und die trockenen Gebiete den endemischen Arten überliessen...»
Diese allgemeine Auseinandersetzung über die beträchtliche Rolle, die die geologischen und klimatologischen Faktoren in der Zusammensetzung der alpinen Flora gespielt haben, war zur Erklärung der grossen ihr heute eigentümlichen Verschiedenartigkeit und besonders auch ihrer merkwürdigen Verwandtschaftsverhältnisse zur Flora so gänzlich anderer und räumlich von ihr weit getrennter Gebiete durchaus notwendig.
Es ist in den Alpen nicht immer möglich, die verschiedenen Florengebiete mit der orographischen Gliederung in Einklang zu bringen. Da die Flora hauptsächlich vom Klima abhängt, müssen wir in dieser Beziehung unser Augenmerk eher auf die Thäler als auf die Bergketten richten. So entsprechen das insubrische Seengebiet, die Thäler der Rhone und des Rheins, das Engadin ebensovielen natürlichen, scharf gesonderten Florengebieten, die in den Artikeln Tessin, Wallis, Waadt, Graubünden, Engadin beschrieben werden sollen.
Leichter schon kann bei den nördlichen Hochalpen die orographische Einteilung auch für unsere Zwecke verwendet werden, und es wäre wohl möglich, in dieser Beziehung z. B. die Gruppen des Wildhorns, des ¶