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Die Grundlagen der Lam Rim erklären die stufenweisen Entwicklung von Boddhichitta sind einem Studierenden relativ leicht zugänglich und verständlich. Die Schwierigkeiten kommen jedoch üblicherweise in der konsequenten Umsetzung der Vorsätze, nämlich dann, wenn die Theorie in die Tat umgesetzt werden sollte. Wenn man sich beispielsweise darauf konzentriert sein, bewusst offen und freundlich zu sein und alle diese Bemühungen als Schwäche ausgebeutet werden, kann die gute Motivation schnell in Frustration gipfeln.
Die Entwicklung eines tiefen intrinsischen Mitgefühls ist ein langwieriger Prozess, der viel Zeit und geistige Arbeit erfordert. Üblicherweise dauert die Auseinandersetzung mit einem Thema viele Jahre oder nach der buddhistischen Auffassung sogar mehrere Leben. Der Grund für unsere langsame Entwicklung wird in unserem konventionellen Denken und egozentrierten Erleben gesehen, das uns immer wieder aus der Balance wirft.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben sich verschiedene Übungsmethoden oder Yogas als erfolgreich erwiesen, die in Übungssets zusammengefasst wurden, die ihrerseits als Tantras bezeichnet werden. Ein Tantra beschreibt die beinhalteten Übungen und ordnet sie zu einer Praxis für den Übenden.
Das Kernstück vieler Tantras bildet das sogenannte Gottheiten-Yoga das auf der Visualisation einer idealen Parallel-Realität beruht, die frei ist von allen Makeln und Konzepten der konventionellen Wirklichkeit und als Mandala (Sanskrit: Kreis) bezeichnet wird. Der eigene Geist wird in dieser Meditation als eine klar definierte Buddha Manifestation visualisiert, die mit verschiedenen Attributen und besondere Eigenschaften ausgestattet ist. Alle Aspekte dieser Meditationsübung haben eine symbolische Bedeutung, die den Übenden während der Übung an die verschiedenen zu verwirklichenden Grundgedanken erinnern.
So steht die grüne Göttin Tara zum Beispiel für:
- das weibliche Prinzip, das im Buddhismus ein Symbol für die Weisheit ist
- Allumfassende Liebe, aufgrund ihrer friedvollen Erscheinung
- Schnelligkeit, symbolisiert durch die Farbe Grün, die das Luftelement symbolisiert
- Geben, durch die Haltung ihrer rechten Hand
- Lehren, durch die Haltung der linken Hand
- Unbeflecktheit von konventionellen Konzepten, durch ihren Sitz auf einer Lotusblume, die zwar aus dem Sumpf wächst, komplett sauer ist wenn sie erblüht.
Die Übungen wurden so ausgestaltet, dass sie alle Sinne miteinbeziehen und dadurch die Immersion in diese ideale Parallel-Realität erleichtert.
Eine solche Meditationspraxis sollte täglich geübt werden, um Fortschritte zu erzielen. Es ist dabei ähnlich mit einem Instrument, das man meistern möchte: es braucht viel Übung und Ausdauer in der Auseinandersetzung mit den eigenen Konzepten, die über weite Strecken kognitiv neu eingeordnet werden müssen.
Die Einführung in tantrische Meditationen muss immer durch einen kompetenten erfahrenen Meditationsmeister erfolgen, dem das Mandala selbst übertragen wurde, der es ausführlich studiert und massgeblich praktiziert hat. Hat man an einer Einweihung in ein Tantra teilgenommen, besteht eine dauerhafte Lehrer-Schüler-Beziehung zum einführenden Meditationsmeister, wobei der Meister den Übenden künftig in der Meditationspraxis anleitet. Dies könnte am ehesten mit einem erfahrenen Coach im Sport verglichen werden, wobei diese Beziehung und ihre Bedeutung als direkter Zugang zu den Lehren Buddhas selbst als wichtige Meditationsgrundlage angesehen wird. Dem Lehrer wird aus diesem Grund grosser Respekt zuteil.
Entscheidend ist aus der Sicht eines Übenden ist deshalb die sorgfältige Prüfung des Lehrers bevor man ihn oder sie um eine Einweihung bittet.
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