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Was ist Brustkrebs?
Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in der Schweiz und weltweit. Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Mit nicht einmal einem Prozent der Diagnosen ist Brustkrebs bei Männern aber sehr selten.
6.000
Frauen erkranken ca. jährlich
in der Schweiz an Brustkrebs
30 %
aller Krebsdiagnosen bei Frauen
entfallen auf Brustkrebs
80 %
aller Brustkrebspatientinnen
sind über 50 Jahre alt
40
Männer erkranken ca. jährlich in der Schweiz an Brustkrebs
Dank moderner Diagnose- und Therapieverfahren ist die Überlebensrate bei Brustkrebs in den letzten Jahren jedoch kontinuierlich gestiegen.
Brustkrebs bei Männern ist oft ein Tabuthema, da die Erkrankung als typische Frauenkrankheit gilt. Hilfreiche Informationen finden Männer auf der Webseite der Krebsliga Schweiz.
Aufbau der Brust
Die weibliche Brust (lateinisch: mamma) besteht hauptsächlich aus Fett- und Bindegewebe. Darin eingebettet liegt das milchproduzierende Drüsengewebe. Dieses setzt sich aus mehreren Drüsenlappen (lateinisch: lobuli) sowie zur Brustwarze führenden Milchgängen (lateinisch: ducti) zusammen. Stützendes Bindegewebe gibt der Brust ihren Halt und verleiht ihr ihre äussere Form. Neben Blutgefässen durchziehen auch Lymphgefässe das Brustgewebe, die in den Lymphknoten der Achselhöhle münden.
Querschnitt durch die weibliche Brust
(1) Muskeln
(2) Fettgewebe
(3) Drüsenlappen bestehend aus Drüsenläppchen
(4) Brustdrüse
(5) Milchgang
(6) Brustwarze
(7) Rippen
Arten von Brustkrebs
Eine Tumorerkrankung der Brust wird als Brustkrebs oder Mammakarzinom bezeichnet. Der Ursprung von Brustkrebs kann entweder von den Zellen der Milchgänge (ductales Mammakarzinom) oder von den Zellen der Drüsenlappen (lobuläres Mammakarzinom) ausgehen.
Am häufigsten entsteht Brustkrebs aus den Zellen der Milchgänge.
Brustkrebs kann invasiv oder nicht-invasiv sein: Ein invasives Mammakarzinom zeichnet sich dadurch aus, dass Krebszellen bereits in das umgebende Gewebe eingedrungen sind. Bei nicht-invasivem Brustkrebs handelt es sich dagegen um einen lokal begrenzten Tumor, der sich nicht ausgeweitet hat. Die veränderten Zellen können über Jahre an ihrem Ursprung verbleiben und nicht weiter wachsen. Daher handelt es sich bei diesem Karzinom innerhalb des Milchgangs eigentlich nicht um Brustkrebs, sondern um eine Vorstufe. Ärzte bezeichnen diese Krebsvorstufe als „duktales Carcinoma in situ (DCIS)“ (lat. in situ für „am Ort“). Häufig entwickelt sich erst nach einigen Jahren, wenn überhaupt, aus einem duktalen Carcinoma in situ ein invasives duktales Karzinom.
Brustkrebs, der noch auf die Brust beschränkt ist oder nur in wenige benachbarte Lymphknoten gestreut hat, bezeichnen Mediziner als „frühen Brustkrebs“. In diesem Stadium ist Brustkrebs heilbar (kurative Behandlung). Bei „lokal fortgeschrittenem Brustkrebs“ ist der Lymphknotenbefall bereits ausgedehnt oder der Tumor hat eine kritische Größe erreicht. Dennoch ist hier auch eine vollständige Heilung möglich und die Behandlung wird danach ausgerichtet. Haben sich bereits Tochtergeschwulste, sogenannte Metastasen, außerhalb der Brust gebildet, spricht man von „metastasiertem Brustkrebs“. In diesem Stadium gilt die Erkrankung als nicht mehr heilbar. Die sogenannte „palliative“ Behandlung dient dazu, das Tumorwachstum zu bremsen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patientinnen zu erhalten. Weitere Informationen hierzu finden Sie unten im Kapitel „Stadieneinteilung“ sowie in der Rubrik Behandeln.
Wie entsteht Brustkrebs?
Bei der normalen Zellteilung im Körper passieren jeden Tag viele Fehler (siehe u.a. Risikofaktoren), die allerdings durch einen körpereigenen Schutzmechanismus repariert werden können. Funktioniert dieser jedoch nicht richtig oder treten zu viele Fehler auf, sterben die Zellen normalerweise ab. In seltenen Fällen kann es passieren, dass die Zellen nicht absterben und sich zu Krebszellen entwickeln. Die fehlerhafte Veränderung des Erbguts der Zelle wird bei ihrer nächsten Teilung an die Tochterzellen weitergegeben. Die betroffenen Zellen geraten ausser Kontrolle und beginnen, sich unbegrenzt zu vermehren. Sie bilden infolgedessen eine Geschwulst, welche auch als Tumor bezeichnet wird.
Zellteilung
(1) Bei einer gesunden Zelle findet eine kontrollierte Zellteilung statt. (2) Kommt es zu einem irreparablen Zellschaden, kommt es bei der gesunden Zelle zur Selbstzerstörung. (3) Findet bei einem irreparablen Zellschaden keine kontrollierte Selbstzerstörung statt, spricht man von einer Krebszelle. Diese wächst und teilt sich: es kommt zum Tumorwachstum.
Risikofaktoren für Brustkrebs
Die eigentlichen Ursachen von Brustkrebs sind nicht bekannt. Es gibt aber Faktoren, die mit dem Entstehen von Brustkrebszellen in Verbindung gebracht werden. Einige davon können wir durch unsere Lebensweise beeinflussen, die meisten sind aber nicht beeinflussbar.
Belasten Sie sich nicht mit der Frage nach der Schuld. Die genaue Ursache für Brustkrebs bleibt letztlich ungeklärt.
Beeinflussbare Faktoren
- Rauchen
- Ungesunde Ernährung und Übergewicht
- Diabetes mellitus (Typ 2)
- Erhöhter Alkoholkonsum
- Geringe Stillzeiten
- Umweltfaktoren (z. B. Strahlung)
Nicht beeinflussbare Faktoren
- Früh einsetzende Menstruation (erste Periode vor dem 13. Lebensjahr)
- Späte Menopause (Wechseljahre nach dem 52. Lebensjahr)
- Kinderlosigkeit oder späte Geburt des ersten Kindes (Mutterschaft mit 30 Jahren und später)
- Geringe Stillzeiten (unfreiwillige Entscheidung)
- Allgemeines Altersrisiko (ab dem 50. Lebensjahr)
- Familiäre Belastung: Wenn eine oder mehrere Verwandte ersten Grades (Mutter, Schwester, Tochter) bereits an Brustkrebs erkrankt sind
- Behandlung mit Hormonersatztherapie nach der Menopause
- Diabetes mellitus (Typ 1)
- Genetische Veranlagung (beispielsweise eine Veränderung der BRCA-Gene)
Früherkennung von Brustkrebs
Je früher Brustkrebs entdeckt wird, desto höher sind in der Regel die Heilungschancen und umso schonender kann meist behandelt werden. Die Beobachtung der eigenen Brust ist eine effektive Form der Früherkennung. Dabei bedeutet aber nicht jeder getastete Knoten automatisch Brustkrebs; auch Zysten können die Ursache für eine Veränderung sein. Trotzdem sollte jeder tastbare Knoten von einem Gynäkologen abgeklärt werden.
Symptome und Selbstuntersuchung
Auch wenn Brustkrebs im Frühstadium in der Regel keine Beschwerden verursacht, können Frauen durch eine regelmässige Selbstbeobachtung Veränderungen an ihrer Brust wahrnehmen. Dabei sollte auf folgende Auffälligkeiten besonders geachtet werden:
- Veränderungen in Grösse oder Form der Brust
- Neu auftretender Grössenunterschied zwischen beiden Brüsten
- Einziehungen, Falten oder Vorwölbungen der Brust
- Hautauffälligkeiten wie Rötungen, Entzündungen oder „Orangenhaut“
- Verhärtungen oder Knoten im Brustgewebe
- Knoten oder Schwellungen in der Achselhöhle
- Eingezogene oder gerötete Brustwarze oder Austritt von Flüssigkeit
- Schmerzen im Bereich der Brust
Mammografie-Screening zur Früherkennung
Die Selbstbeobachtung ersetzt nicht die ärztliche Untersuchung oder eine Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs. In vielen Kantonen gibt es Programme, die alle Frauen ab 50 Jahren im Abstand von zwei Jahren zu einer Früherkennungs-Mammografie einladen.
Informationen zu den kantonalen Früherkennungsprogrammen stellt der Verband swiss cancer screening zur Verfügung. Im Rahmen dieser Programme oder bei einem familiär erhöhten Brustkrebsrisiko übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Mammografie.
Erblicher Brustkrebs
Fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebserkrankungen liegt eine erbliche Veranlagung zugrunde. In etwa der Hälfte dieser Brustkrebserkrankungen sind die Gene BRCA1 oder BRCA2 (engl. BReast CAncer) verändert. Die Genveränderung wird von Mutter oder Vater auf die Kinder übertragen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Krebs zu erkranken. Hinweise auf ein genetisches Risiko für Brustkrebs können sein:
- In der Familie tritt gehäuft Brust- oder Eierstockkrebs auf.
- Familienmitglieder erkrankten an Brust- und Eierstockkrebs.
- Diese Erkrankungen traten in jungem Alter (unter 50 Jahren) auf.
Besteht der Verdacht, dass ein genetisches Risiko vorliegt, kann sich die Familie an eine Fachstelle für genetische Beratung wenden. Adressen finden Betroffenen auf der Webseite der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Genetik (SGMG). Nach einer ausführlichen Beratung kann dort ein Gentest durchgeführt werden, der anhand einer kleinen Blutprobe Genveränderungen feststellen kann.
Wird im Gentest eine Veränderung festgestellt, sollten Betroffene das weitere Vorgehen ausführlich mit einem Facharzt besprechen. Experten empfehlen den Patientinnen intensivierte Früherkennungsuntersuchungen. Weiterhin stehen eine medikamentöse Prävention oder ein operatives vorgehen zur Diskussion.
Die Diagnose von Brustkrebs
Eine Auffälligkeit in der Brust ist beunruhigend, auch wenn sich diese meist als harmlos erweist. Mithilfe moderner Diagnoseverfahren können Ärzte Tumoren in der Brust frühzeitig erkennen. Diese Verfahren haben zusammen mit modernen Therapien (Behandeln) zu einer erheblich verbesserten Heilungsprognose bei Brustkrebs geführt. Die routinemässig eingesetzte Untersuchung des Tumorgewebes hilft dabei, Brustkrebs gezielt und gut zu behandeln.
Die Diagnoseverfahren im Überblick
Durch die Kombination von bildgebenden Verfahren und Biopsie lässt sich die Diagnose mit grosser Sicherheit stellen. Den Ärzten steht eine Vielzahl an präzisen Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Dabei ist aber nicht jedes Verfahren bei jedem Patienten notwendig. Welches zum Einsatz kommt, hängt von der individuellen Krankheitssituation ab.
Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust. Sie gibt Auskunft über Lage und Grösse eines Knotens im Brustgewebe. Die Mammografie dient der Früherkennung von Brustkrebs, aber auch zur Abklärung auffälliger Befunde.
Mithilfe von Schallwellen untersucht der Arzt Lage, Grösse und Beschaffenheit einer geweblichen Veränderung. Ein Vorteil der Ultraschalluntersuchung ist, dass sie keine Strahlenbelastung für die Patientin bedeutet.
Bei der Magnetresonanztomografie werden mithilfe von Magnetwellen zahlreiche Schnittbilder des Brustgewebes aufgenommen. Die Brustkrebsdiagnostik nutzt diese Methode nur bei speziellen Fragestellungen.
Die Computertomografie wird bei Verdacht auf Metastasen eingesetzt. Mithilfe von Röntgenstrahlen kann der gesamte Körper abgebildet und auf Tumorabsiedlungen untersucht werden.
Mithilfe der Szintigrafie können Metastasen in den Knochen sichtbar gemacht werden. Der Arzt spritzt ein radioaktives Kontrastmittel, das sich in den Knochen sammelt und so das gesamte Skelett abbildet. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering und mit einer Röntgenaufnahme zu vergleichen.
Bei der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) macht eine schwach radioaktive Zuckerlösung die Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar. Tumoren weisen häufig im Vergleich zum gesunden Gewebe einen veränderten Stoffwechsel auf. Die Kombination aus PET und CT (PET-CT) ermöglicht es, die Tumoren genaue einer Körperregion oder einem Organ zuzuordnen.
Biopsie bezeichnet die Entnahme und anschliessende Untersuchung einer Gewebeprobe. Die Gewebeentnahme geschieht meist über sogenannte minimalinvasive Verfahren, bei denen mit einer feinen Nadel Gewebeproben entnommen werden.
Testung: Die Gewebeuntersuchung
Neben einer gesicherten Diagnose liefert die Biopsie wichtige Hinweise auf biologische Merkmale der Tumorzellen. Diese ermöglichen es, gezielt die bestmögliche Therapie zu finden.
Bestimmt werden:
Auf gesunden Zellen des Brustdrüsengewebes befinden sich Hormonrezeptoren, die die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron binden. Bei etwa 70 bis 80 Prozent aller Brustkrebspatientinnen weisen die Tumorzellen ebenfalls diese Rezeptoren auf. Der Brustkrebs wird dann als Hormonrezeptor-positiv (HR+) bezeichnet. Binden Östrogen oder Progesteron an die Rezeptoren, wird das Wachstum der Zellen angeregt und der Tumor wächst hormonabhängig. Befinden sich auf den Tumorzellen keine Rezeptoren, handelt es sich um Hormonrezeptor-negativen Brustkrebs (HR-).
HER2 bezeichnet einen Rezeptor, der Wachstumssignale von der Zelloberfläche ins Zellinnere übermittelt. Auf Brustkrebszellen kann HER2 übermässig vorhanden sein, sodass zu viele Signale übermittelt werden und der Tumor in seinem Wachstum gefördert wird. Man spricht dann von einem HER2-positiven Brustkrebs. Etwa 14 Prozent aller Brustkrebspatientinnen in der Schweiz sind HER2-positiv.
Ki67 ist ein Protein, das nur dann in Zellen vorkommt, wenn diese sich teilen, also vermehren. Der Ki67-Wert wird in Prozent angegeben und gibt Aufschluss über die Wachstumsgeschwindigkeit eines Tumors. Ist der Ki67-Wert hoch, handelt es sich um einen schnell wachsenden Tumor.
In einigen Fällen wird auch eine sogenannte Genexpressionsanalyse der Tumorzellen durchgeführt, wenn die Bestimmung der Tumormerkmale keine eindeutige Therapieentscheidung zulässt. Hier werden beispielsweise auch Veränderungen der BRCA-Gene untersucht.
Stadien: Das bedeuten die Einteilungen
Die Stadieneinteilung beschreibt die Ausbreitung der Brustkrebserkrankung und hilft den Ärzten dabei, die individuell richtige Therapie zu finden. Sie erfolgt über die sogenannte TNM-Klassifizierung. TNM steht dabei für:
- T (Tumor): Grösse und Ausdehnung des Tumors
- N (lat. Nodus, Knoten): Fehlen oder Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen
- M (Metastasen): Fehlen oder Vorhandensein von Fernmetastasen
Anhand der TNM-Klassifikation wird Brustkrebs in die Stadien I bis IV eingeteilt.
|Stadieneinteilung von Brustkrebs (Staging)|
|Lokal begrenzter Brustkrebs (früher Brustkrebs)|

|Lokal fortgeschrittener Brustkrebs (früher Brustkrebs)|

|Metastasierter Brustkrebs (fortgeschrittener Brustkrebs)|