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Yoga kommt aus Indien. Viele der Tugenden, die Yoga vermitteln will, wurden dort früher als wesentlicher Bestandteil der Bildung und Erziehung verstanden. Die Übungstechniken wurden von Generation zu Generation in Familien weitergegeben, während die Schriften über die geistigen Grundlagen nur in Familien von Yogagelehrten überliefert wurden. Die zentralen Konzepte der Weltanschauung des Yoga sind in einigen Hauptwerken enthalten. Wichtig unter ihnen sind das Yoga Sutra (YS), die Bhagavadgita und die Hatha-Yoga-Pradipika. Viele spätere Werke zu Yoga, auch die heutige Yogapraxis, haben in der einen oder anderen dieser drei Grundlagenwerke ihre Wurzeln.
Yoga kann sowohl als Wissenschaft als auch als Lebenskunst verstanden werden. Patanjali, ein indischer Gelehrter, schrieb ca. 200 vor bis 200 nach Chr. als Erster die Wissenschaft des Yoga mit der Grundlage des klassisch-philosophischen Yoga als Leitfaden in seinem Yoga Sutra auf. Dieser Text beschreibt die Wirkungsweise des Geistes und zeigt einen Weg auf, wie Störungen überwunden und wahre Erkenntnis über sich und die Welt erfahrbar werden kann. Das ist ein klares Ziel im Yoga. Das Yoga Sutra zeigt, wie wir dieses Ziel erreichen können, wenn unser Geist ruhig und frei von Ablenkungen wird und ein ausgewogenes und gesundes Wachstum ermöglicht wird. Um solche Qualitäten zu kultivieren und Hindernisse auf dem Weg zu beseitigen, lehrt das Yoga Sutra den achtgliedrigen Übungspfad. Laut dem Verfasser, Patanjali, führt dieser Übungspfad sowohl zur Gesundheit des Körpers als auch zur Beherrschung des Geistes, sodass der Mensch klar, klug und mitfühlend handelt.
Die acht Glieder sind:
Yama = der Umgang mit den Mitmenschen
Niyama = persönliche Disziplin
Asana = Beherrschung des Körpers (Yogahaltungen)
Pranayama = Beherrschung der Atmung
Pratyahara = Beherrschung der Sinne
Dharana = achtsamkeitsbasierende Konzentration
Dhyana = Meditation – innere Stille
Samadhi = Einheitserfahrung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Yoga ein Weg ist, eine gesunde und ganzheitliche Entwicklung von Körper und Geist zu ermöglichen. Er fördert ein umfassendes Wachstum, das das Sozialverhalten, die Körperintelligenz, die Wahrnehmung und die Gedankenwelt integriert.
In der Zeit 800 bis 1200 nach Chr. entstand dann die Hatha-Yoga-Pradipika von Svatmarama, gewissermaßen ein ergänzendes, übungsorientiertes Handbuch zu Patanjalis Yoga Sutra. Dieses Buch zeigt Wege auf, wie wir mittels Körperpraktiken Kraft und Festigung erreichen und zu tiefer Erkenntnis und Klarheit gelangen können. Es leitet an, den Körper direkt als Erfahrungsmittel einzusetzen. Dadurch soll die optimale Balance im Körper sowie im Bewusstsein entstehen.
Die Silbe bzw. der Laut „HA“ ist Symbol für die Sonne und die Silbe bzw. der Laut „THA“ ist der Mond, so heißt es. Somit bedeutet Hatha-Yoga die Vereinigung von Sonne und Mond.
Beim Hatha-Yoga geht es um das Bewahren von Dualität im Körper. Dies geschieht unter anderem mit Hilfe von dynamisch oder statisch ausgeführten Körperhaltungen, Asanas genannt. Eine Asana sollte so ausgeführt werden, dass Atem, Bewegung, Wahrnehmung, Entspannung, Anspannung und Motivation integriert werden. Praktisch heißt das, dass alle Körperübungen mit Achtsamkeit, Konzentration in Übereinstimmung mit dem Atem ausgeführt werden. Dabei werden die Haltungen so aufeinander aufgebaut, dass eine gezielte Stärkung und Aktivierung des Körpers, des Atems und des Geistes möglich sind. Hatha-Yoga ist der Yogastil, der diese Art der Übung ganzheitlich integriert.
Die Lehren des Hatha-Yogas fließen in die unterschiedlichen, langbewährten Yogatraditionen auf verschiedene Art und Weise hinein. Die meisten Yogastile, die heute in Europa verbreitet sind, gehen auf den Hatha-Yoga zurück.
„Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen.“ Mahatma Gandhi
(Quelle: Yoga für Kinder und Jugendliche, Sriram, R.; Becker-Oberender, K.; 2015)