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lange nicht alle Arten berücksichtigt. Diese Flora ist mehr gefährdet und im Rückgang begriffen, als die andern Abteilungen unsrer Flora, weil die Sümpfe entwässert und zu Kulturland gemacht werden. Es wäre eine verdienstliche Aufgabe der in allen Kantonen neu entstandenen Naturschutzkommissionen, grössere Stellen, die noch Kolonien der selteneren Sumpfpflanzen beherbergen, in Schutz zu nehmen.
Die grossen Wälder des aargauischen Molassehügellandes beherbergen wieder eine eigene Flora im lichten Walde, an abgeholzten Stellen und am Rand des Waldes. Die forstwirtschaftlich sorgfältig besorgten Waldungen bestehen aus Rottannen, Weisstannen, Lärchen, Kiefern, Buchen und Eichen; auch Birken und Erlen sind eingestreut. Sie werden durch natürliche Verjüngung erzogen, wodurch den kleinen Waldpflanzen eher eine Existenz geboten wird, als das bei der alten Methode mit Kahlschlagbetrieb der Fall war. Im ersten Frühling erfreuen uns im Wald die Windröschen (Anemone nemorosa), deren weisse, oft rötlich angelaufene Blüten meist grosse Flächen überdecken; seltener ist das gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides) und das Leberblümchen (Anemone hepatica), welche beiden mehr im östl. Teile des Kantons vorkommen.
Auch der Sauerklee (Oxalis acetosella) bedeckt oft grosse Stellen des Waldbodens mit seinen saftiggrünen Blättern und den zartweissen Blüten. An andern etwas feuchten Stellen wachsen grosse Bestände des Springkrautes (Impatiens noli tangere), und in den letzten Jahrzehnten hat das früher in unserer Gegenden fehlende, sehr seltene kleine Springkraut (Impatiens parviflora) seinen Einzug gehalten. Gar vielerlei Pflanzen, Kräuter und Unkräuter beherbergt der Wald noch an günstigen Stellen, während im dichten geschlossenen Waldbestand fast keine kleinern Pflanzen zu finden sind.
Auf Stellen, wo das Holz noch nicht lange geschlagen wurde, erscheint, alles überwuchernd, ein Feld von Waldweidenröschen (Epilobium spicatum), das durch die vielen Blütenähren von Weitem rot aufleuchtet, im Herbst aber in Menge die mit weisser Wolle versehenen Samen ausschickt. Im lichten Wald blühen im Frühling die Frühlingswalderbse und die knollige Walderbse (Lathyrus vernus und L. montanus), der Bergklee (Trifolium montanum), das Hexenkraut (Circaea Lutetiana), die weissblühende Rapunzel (Phytheuma spicatum), mehrere Wintergrünarten (Pirola secunda, P. media, P. minor, P. rotundifolia), das blattlose und farblose Ohnblatt (Monotropa hypopitys), der Hain-Ampfer (Rumex nemorosus); dann von Orchideen die schöne rote Cephalanthera rubra, die Sumpfwurz (Epipactis latifolia und E. atrorubens), das Zweiblatt (Listera ovata), die auf Wurzeln und moderndem Laub schmarotzende Nestwurz (Neottia nidus avis). Am Wegbord im Wald nicken auf langen, schlanken Stengeln die roten Blüten des Hasenlattichs (Prenanthes purpurea), das Waldhabichtskraut (Hieracium murorum), die grossblumigen Glockenblumen (Campanula persicifolia und C. Trachelium).
Auf einem verborgenen Waldweg im Zofinger Bannwald kommt das sehr seltene wollblättrige Habichtskraut (Hieracium lycopifolium) vor. Grosse Komplexe im Walde werden bedeckt von der Heidelbeerstaude (Vaccinium myrtillus) und vom Haidekraut (Calluna vulgaris), das im Herbst seine lieblichen roten Blütensträusse entwickelt. Auch die beiden Seggen (Carex brizoides und C. silvatica) nehmen grosse Flächen ein; erstere wird im Grossen gesammelt und dient als «Lische» zum Füllen von Matratzen. Auch die Erdbeeren (Fragaria vesca) und die Himbeeren und Brombeeren (Rubus Idaeus, R. caesius und R. fruticosus) werden gesammelt und bieten während der Fruchtreife armen Leuten nicht unbedeutenden Erwerb.
Auf feuchten, wenig begangenen Waldwegen und deren Umgebung trifft man nicht häufig die weissen Blütenkolben und später die grossen Blätter der weissen Pestilenzwurz (Petasites albus), den ziemlich seltenen Bergehrenpreis (Veronica montana) und die noch selteneren zwei Hexenkräuter (Circaea intermedia und C. alpina). Letztere Pflanze ist im Zofinger Bannwald, wo sie auf einer alten Grundmoräne wächst, als Relikt aus der Gletscherzeit zu betrachten.
Noch sind zu erwähnen der am Abhang von Schluchten und an andern geeigneten Stellen Horste bildende Adlerfarn (Pteris aquilina) und einige weitere Farne, welche den Rand der die Waldschluchten durchfliessenden Bächlein zieren (Anthyrium Filix femina, Aspidium montanum, A. spinulosum, A. Filix mas u. a.). Die erratischen Blöcke, die nicht selten in diesen Schluchten liegen, sind oft verziert mit kleinen Farnkräutern, wie Asplenium Ruta muraria, A. Trichomanes, Phegopteris Dryopteris. Auf faulenden Baumstrünken wächst das Engelsüss (Polypodium vulgare) und in den kleinen Sümpfen, die vom Waldbächlein gebildet werden, der Fluss-Schachtelhalm (Equisetum Telmateja), und der Winterschachtelhalm (Equisetum hiemale), daneben das grossblumige Weidenröschen (Epilobium hirsutum) und etwa auch der Aronsstab (Arum maculatum).
Wo Waldwiesen oder an den Wald stossende unbebaute Plätze existieren, kommen eine Anzahl Orchideen vor, das männliche Knabenkraut (Orchis mascula), das seltene purpurne Knabenkraut (Orchis purpurea), das Helmknabenkraut (Orchis militaris), das gefleckte Knabenkraut (Orchis maculata), der langspornige Nacht-Drüsenständel (Gymnadenia conopsea), das zweiblättrige Breitkölbchen und das Bergbreitkölbchen (Platanthera bifolia und P. montana). Auf dem «Heiternplatz» bei Zofingen kam bis 1900 der Herbstdrehling (Spiranthes autumnalis) vor.
Der Waldsaum wird gebildet von vielerlei Straucharten, vom Pfaffenhütchen (Evonymus europaeus), Liguster (Ligustrum vulgare), Weissdorn (Mespilus oxyacantha), von der Hagrose (Rosa arvensis), der Traubenkirsche (Prunus padus) und vor allem vom Haselstrauch (Corylus Avellana). Im Mai entwickelt an diesen Orten der Bocksbart (Spiraea Aruncus) seine mächtigen Blütenbüschel, ebenso in einigen Gegenden der immergrüne Besenstrauch (Sarothamnus scoparius). Im Bezirk Zofingen haben die Jäger durch massenhaftes Aussäen von Samen letztern Strauch eingebürgert, der im Winter den Hasen zur Nahrung dienen soll. Weiter im Innern des Waldes wächst unter dem Schutze der alten Buchen die ebenfalls immergrüne Stechpalme (Ilex aquifolium).
Ein floristisches Unikum besitzt der Aargau in dem Alpenrosenhorst bei Schneisingen, bestehend aus ¶
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Rhododendron ferrugineum. Es ist dies eine Kolonie von Alpenrosen mitten im Wald. Um sie zu schützen und zu erhalten, ist sie vor Jahren von der aargauischen Naturforschenden Gesellschaft angekauft und eingefriedigt worden. Die Kolonie bedeckt etwa eine Bodenfläche von 20 m2 und stellt wahrscheinlich ein Relikt aus der Glazialzeit vor.
Zum Schluss kommt noch die Flora der aargauischen Thäler zur Sprache. Die angebauten Wiesen enthalten neben den Hauptpflanzen, einer grossen Anzahl Gräser, auch noch je nach der Jahreszeit ihre Charakterpflanzen, die ihnen eine weithin erkennbare Färbung geben. Da öffnet im Frühling zuerst der Löwenzahn (Taraxacum officinale) seine Blüten, und die ganze Pflanzendecke erscheint tief dottergelb. Später ist Blauviolett oder Lila die vorherrschende Farbe, herrührend vom Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) und noch später übernimmt die Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos cuculi) die Färbung; die Wiesen erscheinen dann rot. Dann sieht man rot und weiss blühende Kleefelder, und so könnte man den Turnus noch weiter führen bis zum Herbst, wo die Wucherblume (Chrysanthemum Leucanthemum) mit ihren grossen weissen Strahlenblumen mit gelber Mittelscheibe die Führung hat.
Auch das Getreide hat seine Charakterpflanzen. Während des Wachstums bringt die Klatschrose (Papaver Rhoeas) mit ihren grell dunkelroten Blüten Farbe in die Felder, in geringerem Masse die violettrot blühende Kornrade (Agrostemma Githago) und die azurblaue Flockenblume (Centaurea Cyanus). Leider beteiligen sich auch minder schöne und lästigere Unkräuter an den Getreidefeldern, so die gelbe Gänsedistel (Sonchus arvensis) und die rötliche Felddistel (Cirsium arvense).
Auch einige hochwachsende Gräser wohnen im Getreide, so die Getreidetrespe (Bromus secalinus), die Sammettrespe (Bromus velutinus) und der Windhalm (Agrostis Spica venti). Nach der Ernte erscheinen in den Stoppelfeldern ganz andere Pflanzen, wie z. B. der Bauernsenf (Iberis amara), die Haftdolde (Caucalis daucoides), der Breitsame (Orlaya grandiflora) und der weidenblättrige Lattich (Lactuca saligna). Bei Boswil hat sich auch der seltene Mäuseschwanz (Myosurus minimus) eingestellt.
Neben den kultivierten Feldern gibt es aber doch noch Stellen im Gelände, wo sich eine freie Flora entwickeln kann. Dazu gehören die Ufer der kleinen Flüsse, welche die Thäler durchfliessen und diesen meistens auch den Namen geben. Da sieht man Bestände von Sträuchern, namentlich Weiden-Hornstrauch (Cornus sanguinea) u. a., sowie auch einzelne Bäume, wie Erlen, Eschen und Eichen, welche in dichtem Bestände das Ufergebüsch bilden. Darin wachsen wieder einige Charakterpflanzen.
An der Wigger z. B. blühen die Wiesenraute (Thalictrum aquilegifolium), der Pastinak (Pastinaca sativa), das Seifenkraut (Saponaria officinalis). Auch die beiden Waldnelken siedeln sich gerne am Flussborde an, die weissblühende Melandrium vespertinum und die dunkelrotblühende Melandrium diurnum. Auf den grossen Ruinen der Uferbauten haben sich der Mauerpfeffer (Sedum acre), das Hungerblümchen (Erophila verna) und oft auch der dreifingerige Steinbruch (Saxifraga tridactylites) eingefunden. Im Wiggerthal kommt die Ufernelkenwurz (Geum rivale) mit ihren schönen rötlich-gelben, nickenden Blütenköpfchen nicht vor, wohl aber im benachbarten Uerkenthal, wo sie mit der dunkelrot leuchtenden Tags-Lichtnelke (dem schon erwähnten Melandrium diurnum) weithin sichtbare rote Uferstellen bildet.
Eine Pflanze, die im Bezirk Zofingen nicht vorkommt, im östl. Kantonsteile aber stellenweise häufig ist, z. B. an Waldrändern, Eisenbahndämmen und ähnlichen Orten ist der geflügelte Ginster (Genista sagittalis); auch den deutschen Ginster (Genista germanica) findet man nur im östl. Teil des Kantons, z. B. im Bezirk Baden. Ueberall, wo sich zwischen den durch die Kultur besetzten Stellen noch unbenützte Plätze und Plätzchen finden, drängt sich die frei wachsende Flora hervor.
Solche Stellen sind z. B. ein mit der grasförmigen Sternmiere (Stellana graminea) übersponnenes Wegbord;
eine mit dem rosmarinblättrigen Weidenröschen (Epilobium rosmarinifolium) rot oder mit der Nachtkerze (Oenothera biennis) gelb geschmückte, verlassene Kiesgrube;
ein mit einem Bestande von Kandelabern der Königskerze (Verbascum nigrum, V. Thapus, V. Lychnitis) oder mit Färberwaid (Isatis tinctoria) versehenes Eisenbahnbord;
ein Schutthaufen, auf dem sich einige Stöcke der an die Kaktuspflanzen des Südens erinnernden Eselsdistel (Onopordon Acanthium), oder ein Gebüsch von grossen Kletten (Lappa officinalis), die unsere Kleider unliebsam zusammenkleben, angesiedelt haben.
Ueberall erobert sich die Natur noch ein Plätzchen, wo sie ihre Pflanzen anbringen kann, und auch der Botaniker noch einige Freude erlebt.
5. Die Fauna
des Aargau ist im Allgemeinen die gleiche, wie die des ganzen schweizerischen Mittellandes mit Inbegriff des Juras und weist nur wenige besondere Eigentümlichkeiten auf. In Bezug auf grössere Wirbeltiere ist sie arm zu nennen. Die jagdlichen Verhältnisse der Schweiz sind für die Erhaltung eines grösseren Jagdwildstandes, wenn ihn die örtlichen Verhältnisse erlauben würden, nicht günstig; sie sind im Aargau immerhin etwas günstiger, weil hier die Jagd revierweise verpachtet wird, wobei ein Wildstand noch eher aufkommen kann, als bei dem in den meisten Kantonen üblichen Vergeben von Jagdbewilligungen durch Patente, durch welches einer unerbittlichen Konkurrenz und einem Ausrottungskriege gegen das Jagdwild Vorschub geleistet wird. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren im Aargau nur ausnahmsweise grössere wilde Säugetiere anzutreffen; zur Seltenheit hörte man etwa einmal von einem verlaufenen Wildschwein (Sus scrofa) oder von einem ebensolchen Reh (Cervus capreolus).
Gegenwärtig hat sich der Rehstand etwas gehoben, indem es jahrelang verboten war, Rehgeissen zu erlegen. Auch konnte nach dem deutsch-französischen Kriege eine Vermehrung konstatiert werden durch Rehe, die vor dem Kriegslärm flohen und in unser Land einzogen. Im Frickthal hat sich dieses zierliche Tier namentlich angesiedelt und vermehrt, und die dortigen Reviere werfen deshalb einen höhern Ertrag ab als andere, wo diese Wildart nur in geringer Zahl vorhanden ist und Mühe hat, fortzukommen. Mit den zahlreichen Wildschweinen, die während des Krieges in die Schweiz verdrängt worden waren und von denen an verschieden Stellen des Aargaus ganze ¶