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Hypnotherapie als heilsamer Schlaf
Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf weiss das Sprichwort, und ganz offensichtlich bedient Er sich dabei nicht des bewussten Denkens und des Intellekts. Die alte Medizin kannte den Tempelschlaf, bei dem Asklepios, der Gott der Heilung, den Heilsuchenden im Traum erschien und auf diesem Weg mitteilte, was ihnen fehlte.
Spitzenvertreter der Industriegesellschaft erkennen heute, dass mit noch so vernünftigen und hochintelligenten Analytikern die bestehenden Aufgaben nicht zu bewältigen sind. Die Industrie schickt ihre Manager auf Selbsterfahrungs- und Meditationsseminare. Dort lernen sie dann wieder, was jedes Kind noch kann: phantasieren und träumen, kreativ spielen und meditieren.
Albert Einstein liess keinen Zweifel daran, dass seine bahnbrechenden Erkenntnisse, ganz wesentlich seiner Intuition zu verdanken seien. Zwischen Urlaub, Alltagsproblemen und zwanglosem Herumspielen mit Modellen fiel Watson und Crick gleichsam nebenbei der Schlüssel zum genetischen DNS-Code allen Lebens zu. Geradezu sprichwörtlich wurde Kekulés Suche nach der Benzolformel, dem zur damaligen Zeit grössten Geheimnis der organischen Chemie. Im Traum soll er eine Schlange gesehen haben, die sich in den eigenen Schwanz biss. Beim Aufwachen wusste er dann, dass es sich um eine Ringstruktur handeln musste. Von Richelieu ist bekannt, dass er sich vor allen wichtigen Entscheidungen erst einmal eine Stunde auf’s Ohr legte. Oder vom englischen Seehelden Sir Francis Drake wird berichtet, er habe sich angesichts der Bedrohung durch die spanische Armada erst einmal schlafen gelegt. Als die feindliche Flotte in Sichtweite kam, habe er zwar das Bett verlassen, aber noch auf eine Partie Boule mit seinen vor Nervosität vergehenden Admiralen bestanden. Dann erst ging er an Bord und schlug mit der viel kleineren englischen Flotte den übermächtigen Gegner vernichtend.
In Afrika gab es bis ins letzte Jahrhundert einen Stamm, der die Träume in den Mittelpunkt des Lebens stellte. So wie wir die Nacht benutzen, um uns für den nächsten Tag zu regenerieren, nutzten die Senoi den Tag, um sich auf die Nacht vorzubereiten. Mit ihrer Ausrichtung auf die inneren Bilder sollen die Senoi über die Massen friedliche und zufriedene Menschen gewesen sein.
Der Volksmund weiss von der Nützlichkeit, grosse Entscheidungen noch einmal zu überschlafen. In Schlaflabors wurde experimentell nachgewiesen, dass wir ohne nächtliche Traumbilder erkranken. Versuchspersonen wurden stets in ihrer beginnenden Traumphase geweckt. Sie erreichten zwar so ihre normale Schlafzeit, fühlten sich nach einer solchen Nacht meist wie gerädert. Nach weiteren Nächten beginnen diese, tagsüber mit offenen Augen Traumbilder zu sehen. Hörten sie dann noch Stimmen, erfüllten sie schwerwiegende psychiatrische Diagnosen.
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Die Wirkung von inneren Bildern
Innere Bilder sind also wichtig, ja sogar lebenswichtig, um gesund zu bleiben und das Leben meistern zu können.
Für intellektuell gebildete Menschen ist es häufig schwer annehmbar, dass vorgestellte innere Bilder wirksam sein sollen. Zu oft haben sie bereits als Kind gehört, dass Träumereien und Einbildungen nicht nur nichts wert, sondern sogar schädlich seien. Während die Alltagserfahrung zeigt, dass eingebildete Ängste erheblich ängstigen, eingebildete Sorgen stark deprimieren oder eingebildete Schmerzen entsetzlich schmerzen können. Bereits das Wort Einbildung belegt, dass bei diesem Prozess Bilder die entscheidende Rolle spielen – wie überhaupt bei unserer hoch eingeschätzten Bildung. In beiden Fällen geht es also um Bilder, die sich im Inneren bilden und wirken. Bei genauerem Hinsehen wird schnell deutlich, dass letztlich alle Bilder innere Bilder sind. Wenn wir draussen etwas sehen, fallen Lichtstrahlen von diesem Objekt auf unser Auge und lösen auf der Netzhaut in der Tiefe des Auges einen elektrischen Reiz aus, welcher über den Sehnerv zum Sehzentrum ins Gehirn geleitet, zu einem Bild verrechnet wird. Das eigentliche Sehen geschieht damit immer im Gehirn und folglich eindeutig innen.
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Wissenschaftlichkeit der Hypnotherapie
Die Belege für die therapeutischen Wirksamkeit der inneren Bilder werden vor allem im Bereich der Psychotherapie zahlreicher. Hypnotherapeutische Bilderreisen werden in der Psychoonkologie schon länger lebensverlängernd eingesetzt. Und die eher neue Disziplin der Psychoneuroimmunologie erforscht die Wirkung innerer Bilder auf den Körper.
In einer therapeutischen Meditation steht das bewusste und rationale Denken mehr im Hintergrund, wodurch sich Zugänge zu unbewussten, intuitiven Prozessen öffnen und Selbstheilungskräfte in Gang kommen können. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich gut belegt. Insbesondere wurden mit den Methoden der Kernspinresonanztomographie (MRT) und der Elektroenzephalographie (EEG) hirnphysiologische Korrelate von hypnotischen Zuständen klar nachgewiesen. Bereits wenige Sitzungen können deutliche Veränderungen bewirken, beispielsweise beiDepressionen, Ängsten oder zur Steigerung des Selbstwertgefühls, zum Stressabbau oder bei Schlafstörungen. Auch bei der Behandlung von chronischen Schmerzenkonnte Reduzierung der erlebten Schmerzstärke nachgewiesen werden (siehe mehr dazu: Revenstorf et al., Expertise zur wissenschaftlichen Evidenz der Hypnotherapie, 2003).