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desGetreides, das
Keimen der
Körner in den
Ähren der in Gelege gebreiteten oder schon aufgemandelten Feldfrüchte
bei anhaltendem Regenwetter. Warme
Temperatur begünstigt diesen Vorgang, der nicht allein den Ertrag
schmälert und den Ausdrusch erschwert, sondern auch infolge innerer Umbildungen ein
Korn liefert, dessen Mehl
[* 2] der Gesundheit
schädlich sein kann. Es ist daher ratsam, ausgewachsenes Getreide
[* 3] vor dein Vermahlen im
Backofen oder in Riegen gründlich
zu dörren, das Mehl nicht rein zu brauchen, sondern stets bis zur Hälfte mit gesundem Mehl zu vermischen,
und bei der Gärung dem
Teige etwas Kochsalz zuzusetzen.
das vorübergehende oder dauernde Verlassen des Heimatstaates zum Zwecke der Wohnsitznahme in einem
andern
Lande. Von einer längere Zeit dauernden
Reise unterscheidet sich die Auswanderung hauptsächlich dadurch, daß der Auswandernde
in der
Heimat weder Wohnsitz noch eigene Wirtschaft behält. Im jurist.
Sinne wird die Auswanderung, sofern sie nicht
nach
Kolonien des Mutterlandes gerichtet ist, erst vollendet, wenn der Auswanderer seine bisherige
Staatsangehörigkeit verliert.
Dieser
Verlust tritt aber nicht nur durch förmliche Entlassung aus dem Staatsverbande, sondern nach den verschiedenen Gesetzgebungen
auch noch unter andern
Bedingungen ein, z. B. sehr häufig durch einen über eine gewisse Zeitgrenze hinaus
fortgesetzten ununterbrochenen Aufenthalt im
Auslande. Für die
Statistik ist es immer sehr schwer, Auswanderer und Reisende
scharf voneinander zu trennen. Soweit es sich um die überseeische Auswanderung handelt, giebt die Zahl der durch
Auswandererschiffe beförderten
Personen eine gute Grundlage. Weitere Anhaltspunkte bieten dann die Entlassungsurkunden,
die Auslandspässe und besondere Ermittelungen der Ortsbehörden. Zu letztern gehört auch die Feststellung der ungesetzlichen
Auswanderung, die namentlich zum Zweck der
Umgehung der Militärpflicht erfolgt. Gegenstück der Auswanderung ist die Einwanderung (s. d.).
Hinsichtlich der Art der Auswanderung hat man zu unter scheiden zwischen solcher, welche von einem
ganzen
Volke oder einem
Teile desselben gemeinsam unternommen wird (Massenwanderung), und derjenigen einzelner
Personen oder
Familien (Einzelwanderung). Die Auswanderung geschieht entweder gewaltsam oder freiwillig, und dann namentlich aus
politischen, religiösen oder wirtschaftlichen
Gründen.
In den ältesten
Zeiten erscheint die
Massenauswanderung in der Gestalt von Eroberungszügen ganzer Völkerschaften,
oder als staatliche
Kolonisation, wie sie z.B. von den phöniz. und griech.
Städten aus in ausgedehnter
Weise unternommen wurde.
Im
Orient kam es öfter vor, daß überwundene Volksstämme von dem despotischen
Sieger zwangsweise nach neuen Wohnsitzen versetzt
wurden. Das bekannteste
Beispiel dieser Art bietet das Geschick der Bewohner der Königreiche Israel und
Juda dar.
Auch die große
Völkerwanderung am Anfang des Mittelalters bestand teilweise aus einer Reihe von erzwungenen Auswanderung, indem
eine Völkerwelle die andere von
Osten nach Westen drängte; wenn sie auch ihren Ursprung in dem wirtschaftlichen Bedürfnis
nach neuem Landbesitz gehabt haben wird. Im Beginne der neuern Zeit bezeichnet die
Vertreibung der Mauren
aus
Spanien
[* 4] eine Zwangsauswanderung im großen Maßstabe. Im 19. Jahrh. sind
Beispiele dieser Art die Vertreibung des Indianerstammes
der Seminolen aus Florida und desjenigen der Cherokees aus
Georgia.
Auch die
Verbrecherkolonien (wie z. B. früher
Botanybai) kann man auf eine Art von Zwangsauswanderungen zurückführen. Mit
der erzwungenen hängt sehr nahe diejenige Auswanderung zusammen, welche durch polit. oder religiöse Bedrückung
oder Verfolgung oder überhaupt durch politische oder religiöse
Gründe veranlaßt wird.
Beispiele von
Massenauswanderung aus
polit.
Gründen in neuerer Zeit liefern die Wanderungen (das
Trekken) der südafrik.
Boers, sowie die der
Tscherkessen.
Gegenwärtig sind die treibendenGründe der Auswanderung weitaus überwiegend wirtschaftlicher Natur. Dementsprechend
richtet sich im allgemeinen der
Strom der Auswanderer aus den
Ländern mit hochentwickelter alter Kultur nach den Gebieten
mit reichen, aber noch unerschlossenen natürlichen Hilfsquellen. Hat sich auch in manchen Gegenden ein traditioneller, unternehmungslustiger
Wandersinn ausgebildet, dem viele, in der Hoffnung ihrGlück zu machen, folgen, ohne in ihrer
Heimat gerade
von
Not bedroht zu fein, so ist es doch hauptsächlich der oft durch verhältnismäßige
Übervölkerung erzeugte
Notstand,
der größere Scharen, und zwar vorzugsweise die noch nicht ganz verarmten, energischern Elemente über das
Meer treibt, übrigens
wird in einem geburtenreichen
Lande wieDeutschland der Überschuß der
Geburten über die Sterbefälle
in absehbarer Zeit auch nicht annähernd durch Auswanderung ausgeglichen, und keineswegs ist das Anwachsen der Auswanderung lediglich
durch die
Stärke
[* 10] der natürlichen Volksvermehrung bedingt.
Auch zur
Dichtigkeit der
Bevölkerung
[* 11] steht die in keinem unmittelbaren Verhältnis.
Eher verhält sich, in
Deutschland wenigstens,
die
Größe der Auswanderung umgekehrt wie die Volksdichtigkeit der einzelnen Landesteile. So haben z. B.
in
Preußen die weniger dicht bevölkerten
Provinzen Westpreußen,
[* 12]
Pommern
[* 13] und
Posen
[* 14] eine außerordentlich starke Auswanderung, während
viele der dichter bevölkerten Gegenden, namentlich die Rheinprovinz,
[* 15] nur wenige Auswanderer stellen. Eine im Gegensatz zu
Westpreußen besonders auffallende Ausnahme macht die
Provinz Ostpreußen, die bei einer nur geringen
Volksdichtigkeit sich verhältnismäßig j sehr wenig an der Auswanderung beteiligt.
Daß die ländliche und agrarische
BevölkerungPreußens
[* 16] in stärkerm
Maße auszuwandern pflegt als die städtische und industrielle, hat nicht zum geringsten darin seinen
Grund, daß der Erwerb eigenen
Landes, besonders dort, wo der Großgrundbesitz überwiegt, der
¶
mehr
bäuerlichen Bevölkerung erschwer, teilweise unmöglich gemacht ist, während andererseits die rasch emporgeblühte Industrie
im Laufe der letzten Jahrzehnte immer zahlreichern Händen Beschäftigung gegeben und die Seßhaftigkeit der Bevölkerung der
betreffenden Gegend gesteigert hat. Während vor 1855 die beiden westl. Provinzen fast immer eine bedeutend größere Zahl
von Auswanderern lieferten als die sechs östl. Provinzen zusammengenommen, hat seitdem die Zahl der letztern
die der erstern mehr und mehr überholt.
Was die übrigen größern deutschen Staaten anbetrifft, so zeigt sich in Sachsen
[* 18] wieder die Fähigkeit einer hochentwickelten
Industrie, trotz einer außerordentlich dichten Bevölkerung die Auswanderung verhältnismäßig gering zu erhalten. Andererseits aber
lehrt das BeispielBayerns, daß ein mehr Ackerbau treibendes Land bei günstigen bäuerlichen Besitzverhältnissen
wohl im stande ist, seine Bevölkerung einigermaßen zusammenzuhalten. Die starke von Württemberg
[* 19] und Baden
[* 20] dürfte mehr auf
Überlieferung und Unternehmungslust als auf schwere, drückende Notstände zurückzuführen sein. Das merkwürdigste Beispiel
einer durch wirtschaftliche Not unterhaltenen Massenauswanderung bietet jedenfalls Irland dar, dessen Bevölkerung
von (1841) 8175124 Seelen teils durch große Sterblichkeit, hauptsächlich aber durch Auswanderung bis auf (1891) 4704750
zurückgegangen ist.
Die starke Beteiligung der ländlichen Bevölkerung, nicht nur der kleinen Besitzer, sondern auch der an rauhe Arbeit gewöhnten
Tagelöhner und Dienstboten sowie der ländlichen Handwerker an der Auswanderung ist durchaus
natürlich. Leute dieser Klassen vermögen nicht nur zu der wirtschaftlichen Eroberung der für den Ackerbau geeigneten Länder
das meiste beizutragen, sondern haben von Haus aus außerdem auch das eifrige Streben nach Grundbesitz, das sie in der Heimat
gar nicht oder nur in geringem Maße befriedigen können, während jenseit des Meers das Land noch ganz
oder fast unentgeltlich zu haben ist (in den Vereinigten Staaten
[* 21] von Amerika z. B. auf Grund des Heimstättengesetzes), die
gewöhnliche Arbeit dagegen gut bezahlt wird und daher auch dem Mittellosen die Möglichkeit geboten ist, das nötige kleine
Kapital für einen eigenen Betrieb zusammenzubringen.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Auswanderung ist keineswegs allein nach dem Privatwirtschaftlichen Nutzen zu
beurteilen, den die Auswanderer in der Regel aus dem Verlassen ihrer alten Heimat und dem Aufsuchen neuer Wohnsitze zu ziehen
vermögen. Als einen sehr wesentlichen Umstand hat man daneben die Folgen ins Auge
[* 22] zu fassen, die sich
für die zurückbleibende Bevölkerung, den Heimatstaat, ergeben. Da ist nun kaum darauf zu rechnen, daß die Mißstände
einer etwaigen verhältnismäßigen Übervölkerung durch Verminderung der Volkszahl mittels Auswanderung beseitigt werden könnten.
In einem dünn bevölkerten, auf Landwirtschaft angewiesenen Gebiete wird die Verminderung der Arbeitskräfte möglicherweise
sehr nachteilig wirken, indem die Lage der größern und mittlern Landwirte erschwert wird, während von
den kleinern viele in das ländliche Proletariat versinken.
Auch in anderer Beziehung ist eine starke Auswanderung für das Mutterland eine nichts weniger als erfreuliche Erscheinung. Die
Auswanderer gehören vorzugsweise zu den energischern und kräftigern Bestandteilen der wirtschaftlich bedrängten Bevölkerung,
während die schwächlichen und verkommenen Elemente zurückbleiben. Die Auswanderer sind
meist nicht
ganz mittellos, es sind in der Regel solche, die den Untergang herannahen sahen, aber vor dem vollen Ausbruche desselben sich
zur Auswanderung aufgerafft haben, oder solche, die durch längeres Sparen (z. B.
als Dienstboten) ein kleines Kapital zusammengebracht haben. So ist es zweifellos, daß durch die Auswanderung dem
Lande zahlreiche Arbeits- und Kapitalkräfte entzogen werden.
Vielfach hat man nun versucht, den wirtschaftlichen Wert dieser Arbeitskräfte nach dem in demselben angelegten Erziehungskapital
zu schätzen, und ist dabei oft zu ganz außerordentlich hohen Summen gelangt. Man betrachtet dabei jenes Kapital, soweit es
noch nicht durch die Arbeitsleistungen der betreffenden Personen abgetragen ist, als für das Mutterland
verloren. Ebenso hat man die Geldsummen veranschlagt, die die Auswanderer mit sich führen, und diese Ausfuhr als
eine arge Schädigung des nationalen Wohlstandes beklagt.
Derartige Schätzungsmethoden gehen jedoch meistens von mehr oder minder unzutreffenden Voraussetzungen aus. Will
man die menschliche Arbeitskraft als wirtschaftliches Gut in Geldwert veranschlagen, so sind hierbei nicht die aufgewendeten
Erziehungskosten zu Grundezu legen, sondern die thatsächlichen Leistungen dieser Arbeitskraft, ihre Verwendbarkeit bei der
wirtschaftlichen Erzeugung. Hat das Inland für die Arbeitskraft keine Beschäftigung, so ist auch ihr wirtschaftlicher Wert
gleich Null und der Versuch des Arbeiters, im Auslande eine angemessene Verwertung seiner Kräfte zu suchen,
keineswegs zu beklagen.
Übrigens werden jene Erziehungskosten im allgemeinen überhaupt nicht aus dem Volksvermögen, sondern aus dem Volkseinkommen
bestritten, und man ist nicht zu der Annahme berechtigt, daß dieselben andernfalls erspart worden wären; sie würden vielfach
im Interesse einer bessern Lebenshaltung verwandt worden sein. Was endlich die bar ausgeführten Geldsummen
anlangt, so ist zu beachten, daß wenn die betreffenden Personen nicht ausgewandert wären, sondern ihr kleines Vermögen
wegen mangelnder Erwerbsgelegenheit unfruchtbar im Lande verzehrt hätten, der Verlust an Nationalvermögen ebenso groß gewesen
wäre.
Dasselbe gilt für den Fall, daß sie zwar selbst Verwendung für ihre Arbeitskraft gefunden, aber durch
ihren Wettbewerb andere zu unfruchtbarer Verzehrung oder gar zur Beanspruchung von Armenunterstützung genötigt hätten.
Daß in diesen letztern Fällen «das Geld im Lande geblieben wäre» ist volkswirtschaftlich von keinem Belange. Die Auswanderung ist nach
alledem zwar häufig ein Zeichen ungesunder wirtschaftlicher Verhältnisse im Mutterlande, jedoch weder
als ein Heilmittel für dieselben, noch auch andererseits an sich für so bedenklich anzusehen, wie sie auf Grund statist.
Berechnung vielfach hingestellt zu werden pflegt.
Die Aufgaben des Staates gegenüber der Auswanderung bilden gegenwärtig den weitaus wichtigsten Teil seiner Bevölkerungspolitik überhaupt.
Auch wenn die Nachteile der Auswanderung größer wären als sie sind, wäre der auf den Grundsätzen
der bürgerlichen Freiheit stehende Staat nicht berechtigt, die Auswanderung seiner Angehörigen zu verbieten oder wesentlich zu beschränken
(Princip der Auswanderungsfreiheit). Die frühern Beschränkungen dieser Art hingen entweder (wie das Detraktrecht, die Nachsteuer)
mit der Hörigkeit zusammen, oder waren Ausflüsse der Willtür des absoluten Polizeistaates. In der neuern
Zeit ist der Grundsatz der Freiheit der in den
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