Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03321.jsonl.gz/1586

Vergangene Woche geriet Boris Johnson heftig unter Druck: In den Reihen der eigenen Partei wurde gegen ihn rebelliert. Streitpunkt: die Verschärfung der Corona-Massnahmen. Daneben sorgt auch die Enthüllung einer heimlichen Weihnachtsparty, die letztes Jahr trotz strikten Kontaktbeschränkungen stattgefunden haben soll, für rote Köpfe. Es soll mit Wein und Käse gefeiert worden sein – offenbar nicht zum ersten Mal. Premierminister Johnson streitet eine Teilnahme am mutmasslichen Weihnachtsfest ab. Bei der angeblichen «Besprechung» vom 15. Mai 2020 wird das schwieriger.
«The Guardian» liegt ein Foto vor, welches Johnson mit seiner damaligen Verlobten, dem damaligen Gesundheitsminister Matt Hancock und etwa 16 anderen Mitarbeitenden im Downing Street Garten zeigt.
Der «Guardian» berichtete bereits vergangene Woche von diesem mutmasslichen Event vom 15. Mai. Demnach sollen sich die Mitarbeitenden nach einer Pressekonferenz in der Downing Street zusammengefunden haben, um Wein zu trinken und Käse sowie Pizza zu essen.
Johnson selbst soll während 15 Minuten anwesend gewesen sein. Sie hätten einen Drink für die Bekämpfung des Coronavirus verdient, soll der Premierminister einer Angestellten gegenüber gesagt haben. Er selbst soll gemäss Quellen aber nichts getrunken haben und früh gegangen sein. Andere Mitarbeitende wiederum seien offenbar bis spät in die Nacht geblieben.
Ein offizieller Sprecher Johnsons dementiert, dass am 15. Mai eine Party stattgefunden haben soll. In den Sommermonaten sei der Downing Street Garten von Mitarbeitenden regelmässig für Treffen genutzt worden. Demnach habe es sich bei dem Event am 15. Mai «um eine kurze Besprechung mit dem damaligen Gesundheitsminister und seinem Team im Anschluss an eine Pressekonferenz» gehandelt. Danach habe sich der Premierminister kurz nach 19 Uhr in seine Residenz begeben. Und weiter: «Eine kleine Anzahl von Mitarbeitenden, die arbeiten mussten, blieb für einen Teil des Nachmittags und Abends im Garten der Downing Street.»
Das nun aufgetauchte Foto lässt allerdings starke Zweifel an der Produktivität dieser Arbeit aufkommen: Zwei Grüppchen sitzen um einen Tisch, eine Gruppe von 9 Personen steht weiter hinten im Garten. In ihrer Mitte ebenfalls ein Tisch. Nach Dokumenten, Laptops oder sonstigen Arbeitsmaterialien sucht man vergebens. Stattdessen sind auf den Tischen Weinflaschen, Gläser und eine Käseplatte auszumachen.
Nach dem Weihnachtsparty-Vorfall verärgert Johnson die bereits erhitzten Gemüter in Politik und Gesellschaft damit noch mehr. Das sei «ein Schlag ins Gesicht der britischen Öffentlichkeit», wettert Angela Rayner, die stellvertretende Vorsitzende der Labour-Party. «Der Premierminister zeigt uns immer wieder, dass er sich nicht an die Regeln hält, die er für den Rest von uns aufstellt.»
Matt Hancock, der damalige Gesundheitsminister, forderte die Bevölkerung an eben diesem 15. Mai dazu auf, sich an die Regeln zu halten. Man solle das gute Wetter über das Mai-Wochenende nicht nutzen, um sich in Gruppen zu treffen.
Unbeeindruckt vom Fotobeweis sieht man an der Downing Street kein Problem in der sozialen Zusammenkunft. Ein Sprecher äusserte sich gestern dazu: «Wie wir bereits letzte Woche sagten, finden in den Sommermonaten häufig Arbeitssitzungen im Garten der Downing Street statt. Bei dieser Gelegenheit trafen sich die Mitarbeitenden nach einer Pressekonferenz in Nr. 10 für eine Sitzung.» (saw)
In der schwer vom Hochwasser getroffenen Grossstadt Orenburg ist der Wasserstand des Flusses Ural über Nacht noch einmal um neun Zentimeter auf einen historischen Höchststand gestiegen. «Am frühen Morgen hat der Ural bei Orenburg die Marke von 11,71 Meter erreicht», teilte Gouverneur Denis Pasler am Samstag auf seinem Telegramkanal mit. Nach Behördenangaben sind im Laufe der letzten 24 Stunden weitere 800 Häuser und 1800 Gartengrundstücke überschwemmt worden. Insgesamt stehen in der Stadt mehr als 3000 Häuser unter Wasser.