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Yusuf Yesilöz löst das Kampfjetproblem.
Die Schweiz schaut sich Nachrichten über den Kauf von Kampffliegern namens Gripen an, sie schläft mit Gripen ein, sie wacht mit Gripen auf.
Und das seit einigen Jahren. Mancher Schreibende hat sich schon vertippt und «Grippen» statt «Gripen» geschrieben. Die Kauflust für Kampfflugzeuge ist tatsächlich wie eine immer wiederkehrende Grippeepidemie. Vernünftige Menschen fragen sich, warum die Schweiz neue Kampfflieger für über drei Milliarden Schweizer Franken braucht. Wie viele Löhne eines Durchschnittsverdieners macht dieser Betrag aus?
Die 22 neuen Kampfflugzeuge, die gigantisch teuer gekauft werden, brauche man, sagen die zuständigen Herren, weil die bestehenden Tigerflieger veraltet seien. Die Armee müsse eine starke Luftwaffe haben, und dazu gehörten taugliche Flugzeuge, die flögen, ihren Auftrag erfüllten und technisch den modernsten Anforderungen genügten. Wir haben in der Schweiz offenbar auch bei den Kampffliegern ein Überalterungsproblem!
Wir sollten uns aber eine einfache Frage stellen: Was haben die alten Kampfflieger dem Alpenland gebracht? Waren uns die alten Flugzeuge je nützlich? Nein. Nur die Militärpiloten, die selbst ernannten Patrioten, hatten ihre Freude daran, über die Alpen und Täler zu fliegen, ihren Jugendtraum auszuleben und nach der Landung den Schaulustigen enthusiastisch zu erzählen, wie herrlich das Spektakel gewesen sei. Die schönen Bergspitzen und die prächtige Landschaft von oben zu sehen, sei ja ganz einmalig.
Für diese Fluggelüste würde ja ein Simulatorraum vollkommen genügen. Der Kauf von neuen Fliegern dürfte bei den älteren, grauen Piloten, die vor der Pensionierung stehen, sowieso nur Neid erzeugen, weil sie die neuen Kampfflugzeuge nicht fliegen können.
Weil ich den Eindruck hatte, dass die EntscheidungsträgerInnen keine gescheite Idee haben, einen Ausweg aus dieser verzwickten Lage zu finden, nahm ich die Frage mit zu Ruth, für die ich aus einem Buch vorzulesen hatte. Die Germanistin im Ruhestand empfing mich in ihrer durch den Kachelofen angenehm gewärmten Stube. Beim Tee beklagte Ruth sich zunächst wortreich über ihren Sohn Ueli, der ihr zu Weihnachten aus der Toskana, wo er lebt, für alle Fälle einen Rollator mitgebracht habe.
Ruth hatte die beste und weiseste Idee, fand ich, das Problem namens Gripen zu lösen: Mit dem neuen FDP-Präsidenten Philipp Müller habe das Land eine einmalige Chance dazu bekommen. Der oberste Chef der Partei der Anwälte und der Banker sei bekanntermassen ein erfolgreicher Gipsermeister. Beim allerbesten Willen könne Ruth ihm nicht zu seinem politischen Erfolg gratulieren, weil ihr ein solcher nicht bekannt sei.
Aber wegen der Wahlpräferenzen von Müllers Tochter, die grün stimme, wie der Vater kürzlich einer Zeitung verraten habe, will Ruth ihm ihre Bewunderung ausdrücken. «Was will ein Vater mehr, als eine klügere Tochter als er selbst zu haben?», fragte sie mit Nachdruck. Müller könnte als Gipsermeister aus seinen Erfahrungen schöpfen und vier Exemplare des Gripen in Gips eingiessen lassen.
Jeden Flieger solle man in einer anderen Landessprache anschreiben, die besten Graffitimaler beauftragen, die Maschinen bunt zu bemalen, und sie in einem verkehrsgünstig gelegenen Museum ausstellen. Ruth garantierte, dass dieses wohl das bestbesuchte Museum der Schweiz aller Zeiten werde, so passioniert, wie sich die Schweizer mit dem Thema befassen.
Sie auf jeden Fall wolle dieses Museum besuchen, im Notfall mit ihrem Rollator.
Yusuf Yesilöz ist Schriftsteller und Dokumentarfilmer. Er lebt in Winterthur. Sein jüngstes Buch «Kebab zum Bankgeheimnis» ist im Zürcher Limmat-Verlag erschienen.