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«Babypuppen trösten mich nach meiner Fehlgeburt»
Der Verlust ihres ungeborenen Kindes hatte Tony Daly so traumatisiert, dass sie in eine Depression verfiel. Jetzt geht es der Britin wieder besser – dank ihrer kleinen Begleiter!
Tony Daly aus London sorgt rührend für ihre fünf Kleinen. Sie werden gewickelt, gefüttert und im Buggy spazieren gefahren. Doch der «Nachwuchs», um den sie sich so hingebungsvoll kümmert, sind keine echten Kinder, sondern fünf lebensecht aussehende Puppen. Was wie eine völlig schräge Macke wirkt, hat jedoch einen traurigen Hintergrund. Mit den Babypuppen versucht die 25-Jährige, das Trauma einer Fehlgeburt zu verarbeiten.
Die Hundetherapeutin hatte im Juni 2017 nach zwölf Wochen ihr ungeborenes Kind verloren. Zum Schmerz über den Verlust kam noch der Streit mit ihrem damaligen Partner hinzu, der zur Trennung führte. Tony war allein und versank in Depressionen. Sie erzählte dem Magazin «Closer»: «Ich fühlte mich einsam und traurig. Also tat ich so, als sei es nicht passiert. Am Ende stellte ich fest, dass es nicht half, und meine psychische Gesundheit verschlechterte sich im ersten Lockdown. Ich fing an, Phantomschwangerschaften zu haben. Es war wirklich hart.» Sie erlebte Symptome von Übelkeit, bildete sich ein, dass ihre Brüste wachsen – und sie fühlte sogar, dass «sich etwas in mir bewegte».
Die Britin sprach mit einem Therapeuten über ihre Probleme. Und entschied sich dann im Juni 2020, für 150 Euro eine handgefertigte Babypuppe zu kaufen – sie nannte sie Ben. Sie behauptet, dass die Verbindung mit der Puppe sofort ihre Symptome linderte und ihre Angst und Depression verbesserte. Aber Tony war wie besessen von den Puppen – und vergrösserte ihre neue Familie schnell. Im Februar 2021 kaufte sie ein weiteres Neugeborenes namens Hazel. Ein halbes Jahr später folgten Emmanuela, ein Einjähriges, Lucas, ein Frühchen, wie das, das sie verloren hatte, und Tahlia, ein Frühgeborenes, das ungefähr 25 Wochen alt ist. Jetzt hat Tony eine Sammlung von fünf Kinder-Puppen – im Wert von insgesamt 1000 Euro. «Sie beruhigen mich, und wenn ich wieder traurig werde, kann ich Lucas an meine Brust halten», erklärt sie.
Ihr doch etwas skurriles Mama- Dasein mit Ankleiden und Füttern lebt Tony allerdings nicht nur zu Hause aus: Sie nimmt ihre «Babys» auch in einem Kinderwagen mit nach draussen. Wenn Leute sie fragen, wie viel ihre Kleinen bei der Geburt gewogen haben oder wie alt sie sind, spielt Tony oft mit. Denn meist reagieren Fremde schockiert, wenn sie merken, dass der Nachwuchs nicht echt ist. «Einmal fragte mich jemand in einem Café, wie alt Hazel sei, und ich sagte: ‹Würden Sie mir glauben, wenn ich Ihnen sage, dass sie eine Puppe ist?› Die Frau war sehr erstaunt, aber alle waren wirklich nett und interessiert – die Leute haben sogar Fotos gemacht.» In der virtuellen Welt wird Tony dagegen beschimpft und verhöhnt. «Ich musste eine Pause von den sozialen Medien machen, weil es zu viel wurde.»
Grosses Verständnis hingegen bekommt sie von ihrem neuen Partner, den sie bereits 2017 kennenlernte und der ihr während der schweren Zeit stets zur Seite stand. Beide hoffen, eines Tages eigene Kinder zu bekommen. Aber noch haben die fünf Puppen für Tony Priorität und geben ihr Halt: «Sie bringen mir so viel Trost – es ist das gleiche Gefühl, wie ein richtiges schlafendes Baby zu halten.» Und weiter erklärte sie in «Closer»: «Es wäre nicht fair, jetzt eine echte Familie zu gründen – denn ich lebe in einer Ein-Zimmer-Wohnung, und wir haben kaum die Mittel, um für uns selbst zu sorgen.»