Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03632.jsonl.gz/1404

Die Trinkwasserversorgung im Kanton Basel-Landschaft funktioniert auch in ausserordentlichen Trockenperioden gut. Die unterirdischen Grundwasserspeicher entleeren sich nur langsam. Sind sie Anfang Jahr gefüllt, kann auch ein Extremereignis wie der Hitzesommer 2018 gut bewältigt werden. Wichtig ist die Vernetzung der Wasserversorgungen, damit das vorhandene Wasser bei Bedarf dorthin fliessen kann, wo es gebraucht wird. Das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) sorgt mit seiner vorausschauenden regionalen Wasserversorgungsplanung dafür, dass die Versorgungssicherheit heute und in Zukunft sichergestellt ist.
Der Hitzesommer 2018 war ein meteorologisches Extremereignis: Bäche hatten kaum noch Wasser, Bäume verloren schon Ende Juli ihre Blätter oder sogar ganze Äste. Fische wurden umgesiedelt und das Feuern im Freien war verboten. Da wunderten sich wohl manche, dass immer noch genug Trinkwasser vorhanden war, obwohl zusätzlich noch Gärten bewässert und Schwimmbäder nachgefüllt wurden. Einige Gemeinden riefen zum sparsamen Umgang mit dem Trinkwasser auf, aber für den Grossteil der Bevölkerung gab es keine Einschränkungen. Wie ist es möglich, dass nach so langer Trockenzeit noch genügend Wasserreserven vorhanden sind? Woher kommt eigentlich unser Trinkwasser?
Im Kanton Basel-Landschaft werden rund 85 Prozent des Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen. Die restlichen 15 Prozent sind Quellwasser bzw. Grundwasser, welches auf natürliche Weise an der Oberfläche austritt. Erstaunlich ist, wie viel Wasser im Untergrund gespeichert werden kann. Die Grundwasservorkommen sind vergleichbar mit einem riesigen Schwamm oder mit einem unterirdischen Reservoir, das die Hohlräume im Lockergestein sowie die Klüfte und Spalten im Fels füllt.
Gespiesen wird das Grundwasser durch Niederschlag, der durch die Böden hindurch sickert und durch Flusswasser, das durch die Sohle des Gewässers in den Untergrund abfliesst (Infiltration). Für die höher liegenden Einzugsgebiete der Quellen ist der Niederschlag der massgebliche Faktor. Das Grundwasser im Lockergestein der Talböden wird mehrheitlich durch Fliessgewässer gespiesen. In der Regel findet die Auffüllung der Grundwasserspeicher vor allem im Winterhalbjahr nach anhaltenden ergiebigen Niederschlägen statt. Zwar fällt bei uns statistisch gesehen auch im Sommerhalbjahr reichlich Regen, aber die höheren Temperaturen und die Vegetation sorgen für eine hohe Verdunstung, sodass kaum Wasser bis in den tieferen Untergrund vordringt.
Die unterirdischen Wasserspeicher entleeren sich auf natürliche Weise sehr langsam und die aktive Entnahme durch Grundwasser-Pumpwerke wird durch die vom Kanton vergebenen Konzessionen soweit beschränkt, dass es auch in längeren Trockenperioden nicht zu einer Übernutzung kommt. Entscheidend für die Situation beim Grundwasser sind also nicht die Niederschlagsmengen der letzten paar Wochen, sondern die der letzten Monate oder sogar Jahre.
Ist das Wasser einmal im Untergrund, spielt die Witterung keine grosse Rolle mehr. Auch die Hitze an der Oberfläche dringt nicht weit in den Untergrund. Grund- und Quellwasser bleiben ganzjährig kühl (unter 15°C) und eignen sich deshalb bestens zur Trinkwasserversorgung.
Die Felsenquelle in Hellikon AG befindet sich nahe der Kantonsgrenze zu Baselland und ist repräsentativ für viele Quellen im Oberbaselbiet. Die Schüttung dieser Quelle wird vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) im Internet publiziert. Die Daten von 2011 zeigen, wie der anfangs gut gefüllte Speicher langsam bis Ende Jahr leer läuft. Und dies obwohl es im Sommer 2011 immer wieder geregnet hat. Die Schüttungen im November 2011 waren auch bei vielen Quellen im Baselbiet die tiefsten bisher bekannten Werte und dienen als Grundlage für die Wasserversorgungsplanung. Anfang Jahr 2017 sah es zunächst sehr kritisch aus. Erst im März und April setzten gerade noch rechtzeitig vor der Vegetationsperiode ergiebige Niederschläge ein und füllten das Grundwasser wieder auf. Im Winter 2017/2018 hat es dann viel geregnet und geschneit. Die Quellenschüttung im Februar 2018 war überdurchschnittlich hoch. Davon können die Wasserversorgungen nun bis in den Herbst hinein profitieren.
Die Wasserversorgung im Kanton Basel-Landschaft ist grundsätzlich auch in Trockenperioden sichergestellt. Bei knappen Reserven kann es aber bei einem Störfall, beispielsweise dem Bruch einer Leitung oder einem Ausfall der Steuerung, schneller zu einem Versorgungsengpass kommen. Kritisch könnte es werden, wenn auf einen Winter mit Niederschlagsdefizit, wie bspw. 2016/2017, ein trockener Frühling und ein Hitzesommer wie in diesem Jahr folgen. Dann wären in einigen Gemeinden rigorose Wassersparmassnahmen nötig. Betroffen von Wasserknappheit nach Trockenperioden sind vorwiegend die Wasserversorgungen der höher liegenden Gemeinden im Oberbaselbiet, die sich mehrheitlich durch Quellwasser versorgen. Wasserversorgungen, die Zugang zu den ergiebigen Grundwasservorkommen im Ergolz- und im Birstal haben, waren bisher kaum je von Trinkwasserknappheit betroffen. Ausserdem sind die Wasserversorgungen der Agglomeration Basel von Grellingen bis Frenkendorf untereinander und mit dem Versorgungsnetz der IWB verbunden und können so auch Wasser von der Hardwasser AG oder aus dem Wasserwerk Lange Erlen beziehen. Diese beiden grossen, zentralen Wasserwerke reichern Grundwasser mit Flusswasser aus dem Rhein an. Für die Trinkwasserversorgung wird dem Rhein auch in Trockenzeiten weniger als 1 Prozent des Abflusses entnommen.
Das AUE beobachtet die Entwicklung der Grundwasserstände und Quellenschüttungen, überwacht deren Nutzung und vergleicht sie mit der langfristigen Bedarfsentwicklung der einzelnen Gemeinden und Regionen. Die Daten werden einmal jährlich als Wasserstatistik auf der Internetseite des Statistischen Amtes publiziert. Diese Statistik ist die wichtigste Grundlage der regionalen Wasserversorgungsplanungen, die das AUE in enger Zusammenarbeit mit den Gemeinden erarbeitet. Darin werden Wasserbilanzen für Trockenzeiten mit minimalem Wasserdargebot und gleichzeitigen Spitzenverbrauch sowie für diverse Störfälle aufgestellt. Zeigt sich bei einem Szenario ein Wasserdefizit, so sind Massnahmen nötig, meist in Form von Verbindungsleitungen zu benachbarten Versorgungen mit grösseren Reserven.
Für die Zukunft gilt es die Bedarfsentwicklung und die Auswirkungen der Klimaveränderung im Auge zu behalten und rechtzeitig geeignete Massnahmen in die Wege zu leiten. Am wichtigsten ist es jedoch, die vorhandenen Ressourcen mit Grundwasserschutzzonen konsequent zu schützen.