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Erst- und Zweitdruck der Schöpfkarte
Der hier gezeigte Erstdruck der Schöpfkarte ist lose in neun Teilen überliefert. Die jeweils zwei zusammengeklebten Blätter sind auf ein Trägerpapier aufgeklebt. Von den drei Textfeldern sind zwei leer, im dritten Feld auf Blatt 18 ist der Textblock mit dem alten Text aufgeklebt (Ansicht auf E-rara). Der Umstand, dass kein Wasserzeichen nachweisbar ist, lässt darauf schliessen, dass es sich um einen Erstdruck handelt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind insgesamt fünf Exemplare des Erstdrucks bekannt. Sie befinden sich alle in der Schweiz. 15 Exemplare des Zweitdrucks konnten im Rahmen der Arbeiten für diese Ausstellung und den Katalog ausfindig gemacht werden. Drei davon befinden sich im Ausland.
Die Kolorierung der Karte wurde teilweise sorgfältig ausgeführt, auch die Wappen im Rahmen und in der Titelkartusche sind farbig. Der Karteninhalt ist laut Ryhiner nach Ämtern koloriert. Um die Stadt Bern herum sind Wälder und Häuser, im grössten Teil des Kantons dagegen nur Flächen und Grenzen der administrativen Einheiten eingefärbt. Ausserhalb des Kantons Bern wurde auf eine Kolorierung ganz verzichtet. Die Farben zeigen die Situation der Ämter sicher nach 1652 (Strättligen ist der Vogtei Oberhofen zugeordnet) und wohl vor 1732 (Landvogtei Kasteln existiert noch nicht).
Die 18 Blätter dieses Exemplars stammen aus der Sammlung Ryhiner und wurden 1934 zusammengesetzt. Die Karte wurde über fast ein Jahrhundert hinweg vom Publikum im Alpinen Museum bewundert. 2016 transportierte man sie in die eben neu eröffnete Bibliothek Münstergasse zurück. Nach der Reinigung und Neurahmung im Jahr 2019 kann sie wieder gezeigt werden. Ansicht auf E-rara.
Die Karte weist eine Grauschattierung der Hügel und Berge, ein dezentes Grenzkolorit und eine blassrote Flächenkolorierung auf, welche die Ausmasse des bernischen Staatsgebiets hervorhebt. Diese Kolorierungen stammen wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert. Sieht man genauer hin, sind zwischen Bern und Genf über 20 kleine gelbe Punkte zu erkennen (Blätter 9 bis 12 und 6). Sie bezeichnen die Wegstrecke zwischen den beiden Städten. Zudem sind die grösseren Ortschaften mit Farbstift unterstrichen. Markierungen dieser Art weisen auf eine Verwendung der Kartenblätter als Arbeitsinstrument hin, im Gegensatz zu ästhetisierenden oder verdeutlichenden Kolorierungen.