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Klebriges Gold — Furchtlos fliesst du auf den Abgrund zu. Manchmal als schnelles Rinnsal, manchmal als reissender Strom. Millimeter für Millimeter zieht es dich zur Klippe hin. Du bist mutig, verlangsamst dein Tempo nicht, zuckst nicht – und stoppst erst recht nicht. Du lässt dich ins Bodenlose fallen.
Die Schwerkraft zieht an dir. Doch du bist eine Einheit, willst dich nicht teilen. Du dehnst dich und wirst dünner. Kurz vor dem Aufprall zeigt sich dein Charakter. Bist du schüchtern, so schlängelst du dich nur ganz leicht. Bist du eher pralerisch, fängst du an zu turnen: Du windest dich und drehst dich in wilden Spiralen. Danach kommt der Aufprall. Er ist ganz weich. Und du zerfliesst.
So endest du und deine lange Reise. Diese begann an einem ganz anderen Ort. Auf einer Wiese. Kleine Arbeiterinnen saugten eine süsse Flüssigkeit aus unzähligen Blüten und trugen sie mit ihren Flügelchen zu sich nach Hause. Daraus reiftest du in wenigen Wochen heran, um dann durch Menschenhand geklaut zu werden.
Jetzt bist du bei mir. Und ich werde dich fast nicht mehr los. Du klebst an meinen Fingern und in meinen Mundwinkeln. Ich rühre dich in meinen Tee und mische dich in Kuchen. Doch vor allem bist du mein liebster Frühstücksaufstrich. Und deshalb der Grund, warum ich jeden Morgen eine Viertelstunde früher aufstehe. Du machst mein Brot zu dem, was ich liebe: zu einem Honigbrot.