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Der Laienfriedhof des Klosters Klingental

Kasernenweglein / Kasernenstrasse / im Klingental
Tram 8 und 17 - Kaserne
Bus 30 - Johanniterbrücke
Begehrte Gräber nahe des Klosters
Das 1274 gegründete Frauenkloster Klingental verfügte über mehrere Begräbnisstätten. Zum einen gab es jene im Klosterhof, umgeben vom Kreuzgang, welche wahrscheinlich als "cimiterium" gemeinsam mit den Altären der Kirche 1293 durch Bruder Bonifacius, den Bischof von Bosni, geweiht wurde. Dieser Ort war, wie auch Kreuzgang und Kirche, für die Beisetzung den Klosterfrauen und dem Kloster nahestehenden Personen vorbehalten.
An den Wänden des Kreuzganges befand sich einer der beiden Basler Totentänze, er stammte aus dem späten 15.Jh und war nach dem Vorbild des Totentanzes des Predigerklosters gemalt worden. Wir wenden uns an dieser Stelle jedoch dem Laienfriedhof zu, welcher sich am Ende der heutigen Kasernenstrasse (neben dem Kirchenchor) beim Kasernenweglein befand, und der für die Bestattung von Personen niedrigeren Standes diente.
Der Laienfriedhof auf dem Klostermodell im Klingentalmuseum.
1 - Laienfriedhof des Klosters
2 - Kappelle der Bruderschaft der Müller
3 - Das Totenhäuslein
4 - Die Totenleuchte der Barbara Dagsbergin
5 - Chor der Klosterkirche (heute noch erhalten)
Die Kapelle der Müllersknechte
Erstmals wurde dieser Friedhof 1450 erwähnt, wobei er sicherlich schon zuvor existierte. Ein Grab nahe eines Klosters war für die Menschen seinerzeit von besonderer Bedeutung für das Seelenheil. Der Laienfriedhof Klingental war damals unter anderem die Begräbnisstätte der Bruderschaft der Müllersknechte. Neben dem Eingangstor stand eine Kapelle an welcher für das Jahr 1474 erstmals die roten Wappenschilder belegt sind.
Diese Wappen zeigten als Zeichen der Bruderschaft gelbe Mühlräder. Die Kapelle lehnte sich an die Friedhofsmauer an und war nach drei Seiten von Spitzbögen durchbrochen. Der so entstandene Charakter einer kleinen offenen Halle deutet darauf hin, dass hier die Bruderschaft ihre Verstorbenen aufbahrte. Dass gerade dieser Berufsstand die Nähe zum Kloster suchte mag auch daran gelegen haben, dass mehrere Mühlen in der Nachbarschaft für das Kloster arbeiteten.
Als der Zeichner Emanuel Büchel im Jahr 1774 die Müllerskappelle in einer Skizze festhielt, war in ihrem Inneren noch ein dreigeteiltes verblichenes Wandgemälde zu erkennen welches drei Szenen aus dem Leben Christi darstellte. Das zierliche Bauwerk wurde im Jahr 1784 abgerissen. In der Ecke der Friedhofsmauer stand mit einem Pultdach das sogenannte "Tottenhuslin". Interessant ist eine Stiftung der Klosterfrau Barbara Dagsbergin von 1520.
Die Stiftung einer Totenleuchte
Die Klosterfrau liess bei Ihrem Grab auf dem Kirchhof eine Totenleuchte errichten. Dies zeigt dass es durchaus auch Klosterfrauen gab die sich nicht im Kreuzganghof sondern auf dem Laienfriedhof bestattet liessen. Die Totenleuchte wurde im Jahr 1774 ebenfalls vom unermüdlichen Emanuel Büchel auf Papier verewigt. Auf einem mehrstufigen Sockel stand ein massiver Quaderpfeiler auf dem sich die von Spitzen durchbrochene Laterne befand.
Gleichsam als Krönung trug diese Laterne eine Kreuzblume. Büchel besuchte den Friedhof im Auftrag des Direktoriums der Schaffneien. Dieses hatte, nach einem Augenschein am 3.Februar 1774 beschlossen eine Reihe halb versunkener Grabsteine wieder ausgraben zu lassen, damit der Künstler die besonders herausragenden unter ihnen abzeichne. Einer dieser Steine zeigte das Lamm Gottes und kann auf das 13.Jh datiert werden.
In diesem Zusammenhang sei auf ein Bodenfund im Jahr 1998 hingeweisen. Bei Leitungsgrabungen am Kasernenweglein wurde inmitten von Bauschutt des 19.Jh das Fragment eines Grabsteins gefunden, der laut rekonstruierter Inschrift zum Grab der Anastasia zer Sunnen gehörte, die am Vorabend des Augustintages (28.August) 1337 verblichen war. Das Grab der Verstorbenen lag wohl ursprünglich im öffentlichen Friedhofsbereich.
Nichts deutet heute am Kasernenweglein auf den alten Friedhof hin. Wenn man den Chor der Kirche mit derselben Partie des Klostermodells oben vergleicht, erkennt man klar wo die Begräbnisstätte lag.
Herabsetzung nach der Reformation
Nach der Reformation legte die Stadt 1541 fest, dass nebst dem Kirchhof des ehemaligen Clarissenklosters auch jener des aufgehobenen Klingentalklosters zur Bestattung der Hintersassen und des Dienstvolks von Kleinbasel zu nutzen sei. Damit erfuhr der Begräbnisplatz eine Zurückstufung, war er doch von der einst begehrten Ruhestätte nahe der Klosterkirche zum Friedhof für Fremde und sozial schlechter gestelle Personen geworden.
Im Jahr 1635 wurden auf ihm Pestopfer beigesetzt, später fanden hier bis zur Schliessung Ertrunkene ihre letzte Ruhestätte, was erneut einer Degradierung gleichkam, denn Wasserleichen standen im Verdacht Selbstmörder zu sein wenn kein Unfall belegbar war. Die Kleinhüninger, die von 1640 bis 1710 zur Theodorsgemeinde gehörten und das Klingental als Begräbnisort zugewiesen bekamen, dürften damit wenig glücklich gewesen sein.
Letzte Spuren eines Bestattungsortes
Wie tief der ehemalige Laienfriedhof des Klosters gesunken war, belegt die Tatsache dass er vor seiner Schliessung 1779 als Standplatz von Holz- und Salzfuhrwerken (wohl im Zusammenhang mit dem Salzlager im Erdgeschoss des Kirchenchors) diente, noch während auf ihm beigesetzt wurde notabene. An der Südostecke der Friedhofsmauer, wo das bereits genannte Totenhäuslein mit Pultdach stand, stiess man 1972 auf ein Gebeinlager (Ossuar).
Bei Erdarbeiten der Nordostecke des Friedhofsareals, neben dem Kirchechor, fand man fünf Gräber mit insgesamt sechs Bestattungen. Zeitlich waren sie schwer einzuordnen. Bei einigen der Skelette konnten immerhin noch Häckchen und Ösen von Totenhemden festgestellt werden. Im Grab einer ca 50 Jahre alten Person wurden nebst Spuren eines Sarges über demselben eine vierzig Zentimeter dicke Schicht ungelöschten Kalks beobachtet.
Eine Doppelbestattung fand man wenige Meter entfernt. Hier wurde eine etwa 44 Jahre alten Frau, offenbar mit Knochenhautentzündung am linken Oberschenkel und am Becken, zusammen mit einem ca neun Jahre alten Mädchen beigesetzt. Von weiteren acht Personen wurden verstreute Gebeinreste geborgen. Die Anlage am Ort des Laienfriedhofes des Klosters Klingental ist heute Platz mit schattigen Bäumen. Sitzbänke laden die Lebenden zum Ruhen ein.
Beitrag erstellt 19.12.03 / fehlerhafte Textpassage korrigert 24.01.12
Quellen:
Paul Koelner, Basler Friedhöfe, Verlag der National-Zeitung, Basel, 1927, Seiten 13, 27, 58 und 65
François Maurer, "Pfarrkirche Kleinhüningen" und "Das ehemalige Kloster Klingental in Kleinbasel", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 4, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Verlag E. Birkhäuser & Cie AG, Basel, 1961, Seiten 5, 123, 26 bis 31 und 134
Kaspar Richner/Viera Trancik, "Der ehemalige Klingentalfriedhof", publiziert im Jahresbericht 1991 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von Rolf d'Aujourd'hui, Basel, 1994, ISBN 3-905098-12-1, Seiten 208 bis 212
Fundchronik, publiziert im Jahresbericht 1998 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel, 1999, ISBN 3-905098-28-3, Seiten 54 bis 56