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Wetterwechsel
Der sehr sonnige und deutlich zu trockene Oktober ging in der Nacht auf heute zu Ende. Mit dem Monatswechsel wurde auch gleich ein Wetterwechsel eingeläutet. Wir beleuchten heute diesen Wetterwechsel etwas.
Durch eine Kaltfront, die am frühen Montagmorgen die Westschweiz erfasste und in der Folge langsam ostwärts zog, gab es in der ganzen Schweiz Niederschlag. Dies war übrigens letztmals am 4./5. Oktober der Fall (auch der 21. Oktober 2021 brachte ebenfalls in vielen Regionen Niederschlag, aber eben nicht schweizweit).
Weil die Kaltfront zunächst parallel in die südwestliche Höhenströmung eingelagert war, kam sie kaum ostwärts voran. Sie blieb quasi längere Zeit am Jura stehen. Entsprechend lag das Niederschlagsmaximum in der Westschweiz, wobei 20 bis 30, lokal 30 bis 40 mm Regen registriert wurden.
Ein zweites Niederschlagsmaximum mit ebenfalls etwa 20 bis 30 mm liegt auf der Alpensüdseite, wo die Niederschläge durch Stau am Alpensüdhang ausgelöst wurden. Genauer genommen baute sich heute über den östlichsten und südöstlichsten Landesteilen sogar eine kurze Phase mit Gegenstrom auf, weswegen sich in den Regionen vom Rheinwald über Mittel- und Nordbünden bis zum Alpstein quasi ein drittes Niederschlagsmaximum bildete.
Mit anderen Worten: während in der Höhe Süd- bis Südwestwinde wehten, drehten die Wind in den mittleren Schichten nördlich des Alpenhauptkamms mit Ankunft der Kaltfront auf West bis Nordwest. Die angesprochenen Landesteile gerieten also quasi in ein Sandwich, was das sekundäre Niederschlagsmaximum erklärt.
Die Schneefallgrenze sank zunächst im Jura und in den westlichen Voralpen und Alpen gegen 1700 Meter, in der zweiten Tageshälfte dann auch in den östlichen Voralpen und Alpen sowie auf der Alpensüdseite von rund 2200 auf 1500 bis 1800 Meter, in Mittelbünden während der intensivsten Niederschlagsphase teils bis gegen 1300 Meter.
Gegenstrom ist übrigens ein gutes Stichwort für den Wetterverlauf in den nächsten Tagen:
Morgen Dienstag gerät der Alpenraum zunächst einmal unter einen ausgeprägten Jetstream (Starkwindband auf rund 8 bis 11 km Höhe) aus westlicher Richtung. In der zweiten Tageshälfte bildet sich über Frankreich allmählich ein Tiefdruckgebiet, das aus heutiger Sicht bis Mittwochabend über die Alpennordseite hinweg bis nach Bayern zieht. Im gleichen Zeitraum dreht die Höhenströmung über den Alpen von West auf Südwest bis Süd. Folgende Animation verdeutlicht diesen Ablauf:
Nun geschieht in der Nacht auf Donnerstag Entscheidendes. Auf der Rückseite respektive Westseite des angesprochenen Tiefs sickert aus West bis Nordwest immer kältere Luft zur Alpennordseite, anfänglich nur unterhalb von rund 2000 Metern, in der Nacht auf Donnerstag wächst die Mächtigkeit der Kaltluft auf über 3000 Meter. In der Höhe wehen aber nach wie vor starke bzw. stürmische südliche Winde, welche feuchte Mittelmeerluft über die Kaltluft gleiten lässt. Diese Konstellation wird im Fachjargon Gegenstromlage genannt und ist bekannt für teils ergiebigere Niederschlagsmengen.
Aktuell bestehen jedoch noch grössere Unsicherheiten, wie dies bei solchen Wetterlagen so weit im Voraus oft der Fall ist. Unsicher sind z.B. Aspekte über die genaue Zugbahn des Tiefs, über die Stärke und Richtung der Höhenströmung, den Zeitpunkt, wann die Kaltluft die Alpennordseite fluten und damit einhergehend ab wann und wie tief die Schneefallgrenze sinken wird (Stichwort Niederschlagsabkühlung).
Die Unsicherheiten haben letztlich Einfluss auf die effektiven Niederschlags- respektive Neuschneemengen. Jedenfalls ist diese Woche wieder einmal etwas mehr Dynamik in der Atmosphäre über der Schweiz vorhanden. Die Schneedecke in den Bergen wird also auch nach dem heutigen Tag allmählich weiterwachsen.