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Aktuell werden am Forschungsinstitut folgende Projekte realisiert:
In der zweiten Hälfte des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts etabliert sich auf der Achse Mailand–Simplon–Lausanne–Lyon–Paris ein durch Heiraten, Patenschaften etc. zusammengehaltenes Netz von oberitalienischen bzw. Tessiner Handelsfamilien.
Die in Brig, am Fuss des Simplonpasses, niedergelassenen, aus Peccia im Tessiner Vallemaggia stammenden Fratelli Loscho, deren geschäftliche Transaktionen Niederschlag in einem umfangreichen kaufmännischen Quellenkorpus fanden, gehören zu diesem klientelistisch organisierten Geflecht von Handelsclans, das sich v.a. auf dem Verkehrsabschnitt zwischen Intra und Vevey (als Einfallstor in die Westschweiz) ausformte.
Die Fratelli Loscho verbanden geschickt Krämertum und Kleinhandel im Nahbereich mit einem interregionalen und dem riskanten, aber einträglichen Fernhandel sowie mit Transport- und Finanzdienstleistungen. Neben dem Ledergewerbe – Kriege verschlingen ungeheure Mengen Leder – lassen sich die wendigen Kaufleute auf alles ein, was die durch die Ereignisse am Ende des Ancien Régime ausgehungerten Länder brauchen und bezahlen können: Salz, Reis, Metall, Textilien, aber auch die ganze Palette des täglichen Bedarfs wie Olivenöl, Essig, Stockfisch, Käse, Tabak, Seife und ebenso Kolonialwaren wie Schokolade, Baumwolle, Kaffee und Indigo, die bisweilen sogar den Weg von Santo Domingo respektive Louisiana, ins Wallis finden.
Das überlieferte, mehrere Generationen sowie die Ausformung, den Ausbau und die Konsolidierung verschiedener, sich überschneidender Geschäftsbereiche umfassende kaufmännische Schriftgut soll auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene ergänzt und umfassend ausgewertet werden. Dabei geht es in erster Linie darum, die Unternehmensentwicklung unter Berücksichtigung der familiären und geschäftlichen Verflechtungen sowohl auf chronologischer als auch auf struktureller Ebene nachzuzeichnen.
Das Forschungsinstitut beteiligt sich an diesem vom Präsidenten des wissenschaftlichen Ausschusses, Prof. Dr. Markus Stoffel, lancierten und vom BAFU und dem Kanton Wallis finanzierten Projekt zur Klimasensitivität, welches seinen geographischen Fokus auf den Kanton Wallis legt, weil hier alle in der Schweiz auftretenden Naturgefahrenprozesse vorkommen.
Das Projekt verfolgt das Ziel, die Klimasensitivität von Naturgefahrenprozessen über längere Zeithorizonte und in räumlich klar abgegrenzten Gebieten abzuschätzen. Dabei sollen das Auftreten von spezifischen Naturgefahrenprozessen sowie allfällige Veränderungen in der Frequenz und Magnitude über Jahrzehnte und Jahrhunderte analysiert und so Veränderungen im Prozessverhalten während bekannter Klimaveränderungen vergangener Epochen untersucht werden. Der zeitliche Fokus liegt sowohl auf verschiedenen Kaltphasen der kleinen Eiszeit, wie auch auf der Erwärmung nach 1850, den Temperatur- und Niederschlagsschwankungen des letzten Jahrhunderts und schliesslich auch auf der rezenten Erwärmung seit ca. 1980.
Mittels einer Serie von Fallstudien und mithilfe verschiedener methodischer Ansätze soll letztlich aufgezeigt werden, wie Naturgefahrenprozesse auf Klimaveränderungen reagieren, und wie diese Reaktionen erfasst werden können. Es wird erwartet, dass die Resultate dem Kanton Wallis einen Einblick zu möglichen Veränderungen im Prozessverhalten liefern und damit ein besseres, gezielteres Monitoring der Naturgefahren erlauben werden.
Im Rahmen des Projektes erarbeitet das Forschungsinstitut in Auswertung der wichtigsten geistlichen und weltlichen, öffentlichen und privaten Archive des Wallis ein umfangreiches Inventar historischer Klimadaten mit dem primären Ziel bestehende Defizite zu beseitigen und den Informationsbedarf von Historikern und anderen interessierten Fachkreisen zu decken sowie mit dem sekundären Ziel, die Grundlagen zur Erstellung eines zeitlich breit gestreuten Naturgefahrenkatasters zu liefern.
Aus diesen Bemühungen resultiert eine Klima- und Naturgefahrendatenbank, die mehrere Tausend Datensätze (einzeilige bis mehrseitige Einträge) umfasst, welche nach 149 Stichworten kategorisiert mehr als 10'000 Einzeleinträgen entsprechen. Die Belege stammen aus lateinischen, deutschen, italienischen und französischen Texten für den Zeitraum vom 6. bis zum 21. Jahrhundert. Der Umstand, dass nahezu die Hälfte der Datensätze des Klimainventars Naturkatastrophen betrifft, unterstreicht sein Potenzial als Basis für die Erstellung eines Gefahrenkatasters. Im Auftrag der Sektion für Naturgefahren, Dienststelle für Wald und Landschaft des Kantons Wallis, und mit kleinerer Beteiligung weiterer Dienststellen verarbeitete das Institut die bisher edierten, sehr umfangreichen Datensätze zu einem Inventar der Naturgefahren.
Entsprechend der Definition von «Naturgefahren» fanden vor allem meteorologisch- klimatisch bedingte Schadenereignisse wie schwere Gewitter, Hagelunwetter, Hochwasser, Stürme, Lawinen, Murgänge, Berg- und Felsstürze, Gletscherabbrüche und Erdbeben Aufnahme in die fortlaufend weiterentwickelte Datenbank «Naturgefahren».
Als Mandat der Kulturstiftung Raron arbeitet das Forschungsinstitut die in den Pfarr-, Burger- und Gemeindearchiven von Raron und St. German und auswärtigen Sammlungen überlieferten historischen Dokumente zwecks Darstellung der gewonnenen Erkenntnisse in einer Publikation auf. Die erstmalige umfassende Aufarbeitung der älteren und jüngeren Geschichte der Region soll identitätsstiftend sein und auch künftigen Generationen Orientierung vermitteln.
Aktuell ist die Gliederung der Publikation in folgende Kapitel vorgesehen, die durch eingebettete Textbeiträge mit relevanten Zusatzthemen (zu Rarner Persönlichkeiten, Bau- und Kunstdenkmälern, Natur, Umwelt und Kultur, u.ä.) ergänzt werden:
Das Forschungsinstitut zeichnet sich für den überwiegenden Teil des Werkes verantwortlich. Darüber hinaus werden weitere Personen mit fachspezifischen wie auch lokalen Kenntnissen die Hauptkapitel mit kleineren und grösseren Textbeiträgen ergänzen.