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Wie ist es dazu gekommen?
Es ist noch zu früh, um definitive Aussagen zu den Gründen für die aktuelle Lage im Nordatlantik zu machen. Doch es gibt einige Faktoren, die Einfluss auf das Geschehen im Ozean haben. Einerseits ist da natürlich der menschgemachte Klimawandel. Der Ozean nimmt 90% der zusätzlichen Wärme im Klimasystem auf und die Meerestemperaturen sind im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um 0.9 °C gestiegen. Marine Hitzewellen wie diese werden durch den Klimawandel wahrscheinlicher.
Zusätzlich zur warmen Atmosphäre gab es über die letzten Monate hinweg aussergewöhnlich wenig Wind über dem Nordatlantik. Normalerweise blasen dort recht beständige Westwinde, die helfen die obersten Schichten des Ozeans zu durchmischen. Die erwärmten oberen Schichten mischen sich dann mit tiefer liegenden, kühleren Schichten und die Wärme wird gleichmässig verteilt. Bleiben die Winde aus, mischt sich das Wasser weniger und die oberen Wasserschichten erwärmen sich stärker. Des Weiteren sorgen Winde entlang der West-Afrikanischen Küste auch dafür, dass kühleres Wasser aus tieferen Schichten aufsteigt und den Atlantik kühlt. Die aktuell beobachteten beispiellos schwachen Winde sind vermutlich hauptverantwortlich für die extremen Temperaturen im Nordatlantik.
Ein weiterer Faktor dürfte die Hitze noch einmal verstärkt haben: wenig Aerosole in der Luft. Kleinste Partikel in der Atmosphäre tragen dazu bei, dass weniger Sonnenlicht die Oberfläche erreicht und kühlen diese somit. In den letzten Monaten gab es davon besonders wenig in der Luft über dem Atlantik. Einerseits, da wenig Saharastaub über den Ozean transportiert wurde (wiederum der Windstille geschuldet). Ein weiterer möglicher Faktor ist, dass Nord-Amerika und Europa sowie auch die Schiffe auf dem Ozean die Luft weniger verschmutzen und deswegen weniger Aerosole in der Atmosphäre landen, doch dies ist noch Gegenstand aktueller Forschung. Insgesamt spielten hier also natürliche Variabilität, Klimaerwärmung, aussergewöhnliche Windverhältnisse und Aerosole zusammen.