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Ganz viele Patienten und offenbar auch Behandler haben eine leichte „Sprachverwirrung“ bezüglich dem Ausdruck „klassische Homöopathie“. Was alles noch als Homöopathie bezeichnet wird ist manchmal haarsträubend. Gleichzeitig wird von manchen Anwendern aus einem durchaus „klassischen“ Vorgehen eine eigene Homöopathiebezeichnung gemacht, was auch nicht zur Klarheit beiträgt.
Sowohl das europäische Central Council of Homeopaths ECCH als auch das auch das internationale Council for Homeopathy ICH, haben schon vor über 10 Jahren beschlossen, dass der Begriff Homöopathie für die sogenannte klassische Homöopathie steht und Abweichungen davon sich einen eigenen Namen geben müssen statt den Begriff Homöopathie für irgendwelche Eigenerfindungen zu missbrauchen.
Homöopathie meint:
Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden und um die ähnlichen Mittel zu finden, werden Arzneimittelprüfungen an Gesunden durchgeführt. Die Mittel werden potenziert, weil Hahnemann in seinen Behandlungen bemerkte, dass damit eine nachhaltigere, tiefere Wirkung zustande kommt und die Behandlung schonender ist. Es wird nur ein einzelnes Mittel verabreicht, da nicht ein Organ oder eine Krankheit behandelt wird, sondern die Lebenskraft des gesamten Menschen.
Dieser Behandlungsmethode und dieses Vorgehen nennt man Homöopathie.
Was nun die Verwirrung ausmacht, hängt damit zusammen, dass es in der Homöopathie ganz viele Wege gibt um zum ähnlichen Mittel zu kommen, weil verschiedene Homöopathen weltweit seit über 200 Jahren versuchen den Weg der Mittelfindung zu perfektionieren.
Daraus entstanden sind die:
- genuine Homöopathie, die sich v.a. an Hahnemanns Werken und denen seiner nahesten Schüler orientiert und sich von einigen Aussagen von Kent distanziert. Hier würde ich auch die Arbeit mit dem Symptomenlexikon von Plate einordnen.
- kent’sche Homöopathie, die sich v.a. an den Werken von Kent orientiert, einem berühmten amerikanischen Homöopathen aus dem 19./20. Jahrhundert. Dazu gehört auch Vithoulkas mit seiner eigenen Weiterentwicklung des Schichtenmodells und der Analyse
- miasmatische Homöopathie, die die Wichtigkeit und die Behandlung der Miasmen stärker in den Vordergrund stellt und entsprechende eine um die Miasmatik erweiterte Reaktionsbeurteiltung anwendet
- Repertorisation und Mittelfindung nach Boger/Boenninghausen, dazu zähle ich auch General Analysis und Synoptic Key von Boger
- Anamnese und Mittelfindung nach Mangialavori
- Anamnese und Mittelfindung nach Sehgal
- Anamnese und Mittelfindung nach Scholten
- Anamnese und Mittelfindung nach Predictive Homeopathy gemäss Prafull Vijayakar
- Anamnese und Mittelfindung nach Alfonso Masi-Elizalde
- Anamnese und Mittelfindung nach der Empfindungsmethode, die von Sankaran ausging und mittlerweile von vielen Homöopathen weiterentwickelt und gelehrt wird
Aber allen diesen Methoden ist gemeinsam, dass sie NUR eigene Wege der Anamnese und Mittelfindung sind, nicht aber der Dosierung und Reaktionsbeurteilung. In Dosierung und Reaktionsbeurteilung halten sich alle diese homöopathischen Methoden immer noch an die 5. oder 6. Auflage des Organons von Samuel Hahnemann!
Und alle diese Methoden befragen den Patienten nach einem System, machen also eine umfassende Anamnese mit Gespräch und Untersuchung und benutzen keine Geräte um etwas auszutesten oder auszuwählen! Das ist ihre Gemeinsamkeit und deshalb handelt es sich bei allen um Homöopathie.
Und umgekehrt: Jede Methode, die sich nicht an die Dosierung und Reaktionsbeurteilung gemäss Organon hält und die die Anamnese und Mittelfindung nicht mittels Gespräch und Repertorisation vornimmt um ein Mittel gemäss der Ähnlichkeit auszusuchen, sollte sich nicht Homöopathie nennen.