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|Murray Perahia

Biographie, Biografie, Albums, CD- & Konzertkritiken
Hinzugefügt am 12. November 2009
Einem Interview im englischen Spectator vom 11. November 2009 entnimmt der Schreibende, dass Murray Perahia an seiner Schnittverletzung von 1990 an einem Daumen, die sich entzündete und ihn zum zwischenzeitlichen Aufhören zwang, jahrelang litt. Die Antibiotika wirkten nicht. Es dauerte drei Jahre, bis die Hand heilte, und zwar beim Bachstudium in einem Armsessel sitzend. Danach spielte er die Goldberg Variationen ein, die ein Welterfolg wurden. Hin und wieder flackert die Verletzung wieder auf, so 2008, als er deswegen einige Konzert seiner erfolgreichen Tournee annullieren musste. - CDs von Murray Perahia bei Amazon.de.
Artikel vom Juni 2001
Biographie
Murray Perahia ist ein Amerikaner sephardischer (spanisch-jüdischer) Abstammung, der heute in London lebt. Er wurde 1947 in New York geboren. Mit 3 brachten ihm seine Eltern das Klavierspiel bei. Ab 1952 unterrichtete ihn zwölf Jahre lang Jeanette Haien, die Assistentin von Abran Chasins. Daneben besuchte er die Musikstunden an der High School of Performing Art.
Mit 17 wechselte Murray Perahia als Student an das New Yorker Mannes College of Music, wo er nicht nur sein Klavierspiel weiter voranbrachte, sondern auch in Komposition und Orchesterleitung bei Carl Bamberger abschloss. Daneben nahm er Privatstunden bei den Pianisten Mieczyslaw Horszowski und Artur Balsam. In jener Zeit hörte Perahia vor allem Aufnahmen von Horowitz, Clifford Curzon, Schnabel sowie von seinem Lehrer Horszowski.
Die spätere Freundschaft mit dem Jahrhundertpianisten Vladimir Horowitz wurde für Murray Perahia zu einer Inspirationsquelle, nicht nur was das Klavierspiel, sondern auch die Persönlichkeit anbetraf.
Auf Einladung von Rudolf Serkin trat er vier Sommer lang beim Marlboro Festival für Kammermusik in Vermont auf. Neben Serkin spielte er dort mit Pablo Casals, Alexander Schneider und Mitgliedern des Budapester Streichquartetts.
Ein Jahr lang war Murray Perahia Rudolf Serkins Assistent am Curtis Institute. 1968 gab er unter der Leitung von Alexander Schneider sein Debüt in der Carnegie Hall.
1972 gewann Murray Perahia als erster Amerikaner den 1. Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb in Leeds. Der Sieg ermöglichte ihm sein Debüt in London, öffnete ihm die Türen zu einer internationalen Karriere und führte noch Ende jenen Jahres zu einem Plattenvertrag mit CBS (heute Sony).
Von Beginn seiner Karriere an pflegte Murray Perahia die Kammermusik. Dazu gehörte seine regelmässige Zusammenarbeit mit dem Guarneri Quartet, dem Galimir Quartet sowie dem bereits erwähnten Budapester Streichquartet. Daneben gab er in den USA Solokonzerte.
Von 1981 bis 1989 war Murray Perahia für die künstlerische Leitung des englischen Aldeburgh Festivals mitverantwortlich, an dem er erstmals 1973 aufgetreten war. Dort begann seine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Benjamin Britten und dem Sänger Peter Pears, mit dem er zahlreiche Liederabende bestritt. Heute ist Murray Perahia Ehrendirektor der Musikschule Britten-Pears.
In den 1990er Jahren schnitt sich Murray Perahia mit einem Blatt Papier in den Daumen. Daraus entwickelte sich unglücklicherweise eine Infektion. Auf Grund einer Knochenanomalie musste sich der Pianist einer Operation unterziehen. Eine längere Konzertpause war die Folge.
1999 erhielt Murray Perahia die Ehrendoktorwürde der University of Leeds. Zudem ist er Ehrenmitglied des Royal College of Music und der Royal Academy in London.
In seiner Karriere hat Murray Perahia unter Claudia Abbado, Daniel Barenboim, Leonard Bernstein, Berhard Haitink, Albert Kubelik, Zubin Mehta, Lorin Maazel, Riccardo Muti, Wolfgang Sawallisch, Sir Geog Solti und anderen gespielt. Kammermusikalisch arbeitet er vor allem mit Alexander Schneider, Radu Lupu, Paul Tortelier und Pinchas Zukerman zusammen.
Schwerpunkte von Murray Perahias Schaffen sind Mozart, Chopin, Schumann und Brahms. Er ist ein Meister der einfühlsamen Interpretation lyrischer Werke. Zu den Höhepunkten seiner Einspielungen zählt seine Gesamtaufnahme von Mozarts Klavierkonzerten mit dem English Chamber Orchestra (für weitere Aufnahmen siehe rechts die CD-Kurzkritiken).
Konzert vom 15. Juni 2001, Tonhalle Zürich
Das von der Konzertagentur Caecilia in der erstaunlicherweise nicht ausverkauften Tonhalle Zürich organisierte Solo-Rezital vom 15. Juni 2001 begann Murray Perahia mit Mozarts Fantasie für Klavier in c-Moll KV 475. Das Werk ist nicht eingängig, es ist nicht der "leichte" Mozart, der hier zum Vorschein kommt. Das Adagio geriet Perahia eindringlich, auf Beethoven hinweisend. Die folgenden schlichte Passagen verrieten dagegen eine Nähe zu Schubert. Die lyrischen Elemente dominierten weitgehend die Fantasie, die Perahia verinnerlicht, zurückhaltend spielte.
Schubert schrieb seine B-Dur-Sonate D960 im September 1828, nur zwei Monate vor seinem frühen Tod. Sie erschien erst posthum. Perahia interpretierte das Molto Moderato zart, unterbrochen durch eine düstere Vorahnung. Danach fuhr er mit zart-perlenden, fliessenden Tönen weiter. Unbeschwerte Harmonien fanden sich neben dunkleren. Perahia gelangen verinnerlichte Momente von melancholischer Schönheit, dazwischen Augenblicke der Glückseligkeit. Das Andante Sostenuto zeigte den Tod vor Augen, war jedoch nie weinerlich. Das nachdenkliche piano steigerte sich kurz zur Eindringlichkeit, ehe es wieder zurückhaltend wurde. Keine überzogene Dramatik, keine Schwermut.
Bei Schuberts Scherzo: Allegro vivace con delicatezza folgte Perahia getreu den Angaben des Komponisten. Er gab dem Satz eine fröhliche Note, doch weder naive Leichtigkeit noch Oberflächlichkeit, sondern eine tiefere Dimension war zu spüren. Gleichzeitig respektierte Perahia die delicatezza. Allegro ma non troppo zum Schluss offenbarte einen zarten Frühling, der in höherem Alter erlebt wird. Zum Schluss folgten dramatische, leuchtende Töne. Immer aber hielt der Pianist eine gewisse Balance. Der behutsame Aufbau des Stückes, der bei allem piano eine Steigerung erlaubte, beeindruckte ebenso wie die intelligente Programmgestaltung. Erst nach dem lyrisch-zarten Mozart konnte Schubert in dieser zurückhaltenden Art gespielt werden und dennoch so grosse Wirkung erzielen. Schubert, in seiner Vielschichtigkeit, sollte der Höhepunkt des Abends bleiben.
Den zweiten Teil des Konzerts widmete Perahia Chopin. Die Ballade Nr. 3 in As-Dur Op. 47 gefiel in Stimmung und Farbe, in ihrer poetisch-dramatischen Eleganz. Die populären Passagen wurden nie melodramatisch. Die fünf Etüden aus Op. 25 spielte Perahia perlend, mit leicht in Wallung geratenem Blut, beschwingt und virtuos, je nachdem, was gerade verlangt wurde. Doch der Gesamteindruck war zu sehr von Zurückhaltung geprägt.
Das b-Moll-Scherzo Op. 31 mit seinem kurzen, leidenschaftlichen Auftakt überzeugte. Danach stand Poesie neben Sturm und Drang. Perahia gelangen zwischendurch einige Bilder von mitreissender Schönheit, doch was bei Mozart und Schubert noch Qualitäten waren, geriet bei Chopin zum Handicap: Das Masshalten. Manches hätte man sich noch brillanter gespielt, noch schärfer formuliert gewünscht. Seine virtuose Seite spielte er nicht voll aus. Färbte bei Chopin die intensive Beschäftigung mit Bach in den letzten Jahren negativ ab?
Als Zugaben offerierte Perahia dem Publikum dreimal Chopin. Zuerst spielte er eine kurze Nocturne, die das besinnliche Schlusswort hätte sein können. Danach folgten zwei Etüden, die erste virtuos, die zweite als wunderbare musikalische Liebeserklärung. Das Publikum war begeistert. - CDs von Murray Perahia bei Amazon.de.
Murray Perahia am Klavier. Sony Photo Copyright: Felix Broede.
Murray Perahia. Copyright Sony Pressephoto Nana Watanabe.

Am 12. November 2009 hinzugefügt: Murray Perahia: Bach Partitas 2, 3.4. Sony, 2008. CD bestellen bei Amazon.de oder Amazon.com .
Murray Perahia: Bach Partitas 1, 5 & 6. Sony, 2009. CD bestellen bei Amazon.de, Amazon.co.uk oder Amazon.com. Sony Photo Copyright: Felix Broede.
CDs von Murray Perahia
Murray Perahia: Goldberg Variationen. Oktober 2000, Sony. Bestellen bei Amazon.de, Amazon.com. Seit der Veröffentlichung von Bachs Englischen Suiten Nr. 1,3 und 6 im April 1998 sowie Nr. 2, 4 und 5 im Februar 1999, für die Perahia den Grammy Award 1999 für die Beste Solo-Instrumentalaufnahme (ohne Orchester) erhalten hat, gilt der Amerikaner als Bach-Spezialist. Ende 2000 legte er mit den Goldberg Variationen nochmals eine Bach-CD vor, die Kritiker wie Publikum begeistert. Die Variationen sind eine Art Kompendium oder Anthologie der Musik des Hochbarocks. Wie bei Pletnev sind bei Perahia die Variationen transparent, doch nicht so tief und berechnend, sondern sensibler und von leichterer Durchsichtigkeit, doch ohne ornamentale Manierismen. Im Büchlein zur CD teilt Perahia seine lesenswerten Gedanken zum Stück mit dem Leser und Hörer. Besonders Bachs Harmonik beschäftigt ihn. - Perahias Goldberg Variationen gibt es übrigens auch als Super Audio CD. Der Klang ist unschlagbar, doch benötigt man dazu ein spezielles Abspielgerät und mehr als nur zwei Boxen.
Murray Perahia, Bernard Haitink, Concertgebouw Orchestra Amsterdam: Beethoven Klavierkonzerte 1-5 (Gesamtaufnahme). 3 CDs, Sony, 1988. Bestellen bei Amazon.de, Amazon.com.
Murray Perahia und das English Chamber Orchestra: Mozart: The Piano Concertos and Rondos K. 382 & 386. 10 CDs. Sony, Mai 2001. Bestellen bei Amazon.de oder Amazon.co.uk (die englische Box enthält scheinbar 12 CDs). Diese in den Jahren 1976 bis 1984 eingespielte Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte Mozarts wurde zurecht mit einem Diapson D'Or ausgezeichnet. Sie stammt aus einer Zeit, in der Perahia mit seinem nuancierten und hellen Klang und seinem gleichzeitig lyrischen wie stürmischen Spiel am Klavierhimmel emporstieg.
Murray Perahia, Amadeus-Quartet: Brahms - Intermezzo. Sony, 2000. Bestellen bei Amazon.de.
Murray Perahia, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Sir Colin Davis: Grieg, Schumann - Piano Concertos. Sony, 2000. Bestellen bei Amazon.de.
Murray Perahia: Songs Without Words. Mendelssohn, Schubert/Liszt, Bach/Busoni. Sony, 1999. Bestellen bei Amazon.de, Amazon.com.
Murray Perahia: Twenty-Fith Anniversary Set. 4 CDs, Sony, 1998. Bestellen bei Amazon.de.
Die großen Pianisten des 20. Jahrhunderts - Murray Perahia. September 1998, Philips/Universal. Bestellen bei Amazon.com.
Hinzugefügt am 3. September 2002: Murray Perahia: Beethoven Piano Sonatas 1,2, 3. Sony, 1995. Bestellen bei Amazon.com. Zumindest in Deutschland und der Schweiz bringt Sony die CD im September 2002 (mit einem anderen Cover) neu heraus. Bestellen bei Amazon.de. - CDs von Murray Perahia bei Amazon.de.