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Was ist Tourette?
Übersicht
Im Jahre 1825 beschrieb Itard, ein französischer Arzt und Pädagoge
erstmals das auffällige Verhalten einer Marquise de Dampière,
die bereits im Alter von 7 Jahren merkwürdige Körperbewegungen
ausführte und eigenartige Laute sowie obszöne Äußerungen
von sich gab.
1885 veröffentlichte der französische Neurologe Gilles de la Tourette seine Studien über diese mitunter schon im frühen Kindesalter beginnende neuropsychiatrische Erkrankung. Unter seinem Namen wurde dieses Krankheitsbild in der ganzen Welt bekannt.
Das Tourette-Syndrom (TS), findet seinen Ausdruck im Auftreten von multiplen motorischen Tics und zumindest einem vokalen Tic.
Bei den motorischen Tics handelt es sich um unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschießende Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise einzeln oder auch serienartig auftreten können (Prof. Dr. Rothenberger, Göttingen).
In dem Erscheinungsbild zeigt sich häufig eine Mischung zwischen Muskelkrämpfen und Muskelzuckungen.
Die vokalen Tics äußern sich im Ausstoßen von bedeutungslosen Lauten bis hin zu Wörtern und Sätzen, auf die die Betroffenen sehr wenig Einfluss nehmen können.
Die beschriebenen motorischen und vokalen Tics können hinsichtlich Ihrer Anzahl, Ausprägung und Lokalisation auch in einem periodischen Wechsel auftreten. Außerdem findet sich bei TS-Betroffenen auch häufig die Tendenz zu Depressionen und Zwangserkrankungen (Dr. Stamenkovic, Wien).
Die Altersangaben für den Beginn dieser Störung variieren, sie liegen jedoch in der Regel vor dem 21. Lebensjahr (Prof. Dr. Rothenberger). Als Ursache wird eine Fehlfunktion im Bereich der Basalganglien vermutet, einem Teil des Gehirns, der wesentliche Bedeutung hat für die Kontrolle von Bewegungen.
Eine Beteiligung verschiedener Neurotransmitter (Aktionssubstanzen bzw. Überträgerstoffe des Gehirnstoffwechsels) wie Dopamin, Serotonin und Acetylcholin gilt zunehmend als sicher.
In der neurologischen Forschung wird der hirnorganische Hintergrund zu dieser Erkrankung als eine “Gehirnreifungsstörung mit einem Mangel an motorischen Hemmungsmechanismen” bezeichnet.
Aus den bisherigen Erläuterungen kann der Betrachter sicher ersehen, dass die Betroffenen keine einfachen Lebenswege beschreiten. Viele neigen jahrelang zu sozialem Rückzug und berichten von Schwierigkeiten bei der beruflichen Selbstfindung.
Die Akzeptanz des sozialen Umfelds spielt eine große Rolle für die TS-Erkrankten und ist bedeutend für ihr psychisches Wohlbefinden.
In der Schweiz rechnet man mit ca. 4000 TS-Fällen.
Nationale Tourette-Gesellschaften gibt es mittlerweile in den meisten europäischen Ländern, besonders viele in den USA.
Die aufgezählten Beeinträchtigungen durch das Tourette-Syndrom hindern diese Menschen trotzdem nicht daran, die Berufe zu ergreifen, die auch allen anderen offenstehen. So finden sich viele Lehrer, Handwerker, Ingenieure, Ärzte, Musiker, Schriftsteller etc. unter ihnen.
Der neurologischen Forschung wird es im wesentlichen vorbehalten sein, Wege zu bereiten, um den Tourette-Patienten ein erträgliches Leben zu ermöglichen.
Viele dieser “Tourettis”, so wie sich die Betroffenen untereinander nennen, haben teilweise ein extremes Schicksal zu bestehen und das formt sie oft zu besonderen Persönlichkeiten. Versuchen Sie diesen Menschen mit Offenheit und Toleranz zu begegnen, das ist mein Wunsch an Sie, verehrte Leser und Leserinnen.
Herzlichen Dank für Ihr Interesse!
Was ist das Tourette-Syndrom?
Das Tourette-Syndrom (TS) ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die durch Tics charakterisiert ist. Bei den Tics handelt es sich um unwillkürliche, rasche, meistens plötzlich einschiessende Bewegungen, die immer wieder in gleicher Weise auftreten können.
Sowohl motorische (Muskelzuckungen) als auch eine oder mehrere vokale (Lautäusserungen) Tics stellen sich im Verlaufe der Erkrankung ein, obwohl sie nicht notwendigerweise gleichzeitig vorkommen müssen. Die Symptome können manchmal für Wochen oder Monate verschwinden, aber auch unvermutet wieder auftreten. Die Erkrankung beginnt fast immer vor dem 21. Lebensjahr.
Was sind die ersten Symptome?
Am häufigsten findet sich zuerst ein Gesichts-Tic wie zum Beispiel Augenblinzeln, plötzliches, rasches Augen zusammenkneifen, Verziehungen des Mundwinkels oder plötzliches Mundöffnen. Es können aber auch unwillkürliche Lautäusserungen wie räuspern und Nase rümpfen oder einschiessende Muskelzuckungen im Extremitätenbereich (zum Beispiel plötzliches symmetrisches Armbeugen) als erste Zeichen gesehen werden.
Manchmal beginnt die Störung abrupt mit mehreren Symptomen, das heisst Muskelzuckungen und Lautäusserungen tauchen gleichzeitig auf. Die Bezeichnung “unwillkürlich”, die zur Beschreibung der Tics verwendet wird, führt manchmal zu Missverständnissen, da die meisten Personen, die von einem Tourette-Syndrom betroffen sind, eine gewisse Eigenkontrolle über die Symptome haben. Vielfach weiss man leider nicht, dass die Eigenkontrolle, die für Sekunden bis Stunden vom Patienten wahrgenommen werden können, meist nur ein zeitliches Hinausschieben schwerer “Tic-Entladungen” bedeutet und eher selten dazu führt, dass der unterdrückte Tic überhaupt nicht nach aussen kommt.
Meist ist der Drang nach der Ausübung der Tics so stark, dass schliesslich die Muskelzuckung oder die Lautäusserung doch stattfinden muss (vergleichbar mit dem Drang zum Niesen oder zu einem Schluckauf). In entspanntem Zustand oder bei Konzentration auf eine interessante Aufgabe, lassen die Tics eher nach.
Was verursacht die Symptome?
Die Ursache ist bis jetzt noch nicht gefunden, obwohl die derzeitigen Forschungsergebnisse dafür sprechen, dass bei dem TS ein gestörter Stoffwechsel von zumindest einer chemischen Substanz im Gehirn vorliegt. Es handelt sich dabei um den chemischen Stoff Dopamin. Dies ist ein sogenannter Neurotransmitter, ein Ueberträgerstoff in unserem Gehirn, der für die Informationsweiterleitung zum Beispiel im Rahmen von Bewegungsprogrammen wichtig ist.
Wie viele Betroffene gibt es in der Schweiz?
Die tägliche Erfahrung zeigt, dass es viele Personen mit einem Tourette-Syndrom gibt, bei denen die Diagnose bisher noch nicht gestellt wurde. Daher können die verfügbaren Zahlen nur Annäherungswerte darstellen. In den USA gibt es 100'000 Betroffene, die ein voll ausgeprägtes TS aufweisen. In der Schweiz müssten etwa 4'000 Personen mit einem Tourette-Syndrom leben. Leider gibt es bis heute keine Aussicht auf Heilung.