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Schreibberatung

Stellen Sie sich folgenden Fall vor: Ein Bestsellerautor schreibt einen Ökothriller, bei dem es auch um Sender geht, die mit Klebstoff auf Robben befestigt werden. Der Autor recherchiert zu diesem Thema und stösst dabei auf die Homepage eines Meeresbiologen, der das sehr schön beschreibt. Er übernimmt dessen Beschreibung fast wortwörtlich in seinen Roman. Nur leider gibt es zu dieser Stelle im Roman keine Fussnote, die auf die Website des Biologen verweisen würde. (Irgendwie wäre das auch seltsam, oder?) Für den Meeresbiologen ist das aber ein Problem: er klagt - und erhält nicht Recht. Die juristische Argumentation: Die Einbettung in einen literarischen Text stellt keinen Tatbestand des Plagiats dar. «Im Gegensatz zum wissenschaftlichen Plagiat zeichnet sich das literarische nämlich dadurch aus, dass es sich dem Aussagehorizont, dem ‹Pragma› des geraubten Textes nicht verpflichtet, sondern diesen einer ganz anderen, eben einer literarischen Wirklichkeit zuordnet.» Dies schreibt Philipp Theisohn in seiner «unoriginellen Literaturgeschichte» der Plagiate (S. 7) - aus unserer Sicht dagegen ein höchst origineller und vergnüglicher Beitrag zur Plagiatsdebatte.
Theisohn, Philipp (2009): Plagiat. Eine unoriginelle Literaturgeschichte. Stuttgart: Kröner.
Plagiate in studentischen Arbeiten
Was in literarischen Texten erlaubt ist, kann in wissenschaftlichen Texten ein juristisches Nachspiel haben. Was (wissenschaftliche) Plagiate sind, scheint in der Regel (juristisch) klar zu sein. Ob Plagiate aber immer ‹böswillig› oder in vollem Bewusstsein des Tatbestands erstellt werden, daran gibt es berechtigte Zweifel. Die Handreichung der Schreibberatung weist darauf hin, dass Plagiate in studentischen Texten auch als Zeichen einer noch nicht abgeschlossenen Entwicklung des wissenschaftlichen Schreibens zu lesen sind. In der Handreichung finden Sie auch Tipps, wie Plagiate verhindert werden können.
Peer-Feedback und Mimikry zum Zweiten
In schreibdidaktischen Publikationen wird Peer-Feedback seit längerem ein hoher Wert zugeschrieben. Rijlaarsdam et al. (2008) diskutieren auf der Grundlage mehrerer Studien, welche Rolle dem Beobachten beim Schreibenlernen zukommt und verbinden dies auch mit Peer-Feedback. Die Ergebnisse in aller Kürze: Revisionsprozesse nach der Textproduktion ohne Peer-Feedback zeigen praktisch keine Wirkung. Die Autoren erklären dies damit, dass ein solches Überarbeiten selbst-initiiert und selbstreguliert erfolgen müsse, was aber gerade für Lernende schwierig ist. Gute Wirksamkeit erzielt eine Kombination von Lehrperson- und Peer-Feedback, das zwischen Entwürfen und nach festgelegten Kriterien erfolgt. Die beste Wirksamkeit liess sich jedoch mit Peer-Feedback erzielen, das in kooperatives Lernen eingebettet ist: Dies führen die Autoren darauf zurück, dass die Lernenden über die Beobachtung anderer Schreibenden ihre Schreibstrategien ausbauen können.
Die Verbindung von Peer-Feedback und Beobachtung bzw. Nachahmung (Mimikry, vgl. Newsletter 3 zum Schreiben als sozialer Praxis) dürfte auch für Studierende, die Lernende im Bereich des wissenschaftlichen Schreibens sind, ein vielversprechendes Modell sein - vor allem auch, um ihnen die Funktionsweise eines wissenschaftlichen Diskurses besser aufzeigen zu können.
Rijlaarsdam, Gert; Braaksma, Martine; Couzijn, Michel; Janssen, Tanja; Raedts, Mariet; van Steendam, Elke; Toorenaar, Anne und van den Bergh, Huub (2008): Observation of peers in learning to write. Practise and research. In: Journal of writing research 11. S. 53-83.
Die Zeitschrift «Journal of writing research» ist online frei zugänglich: http://jowr.org
Kooperation mit der Schreibberatung
Die Schreibberatung hält für alle Dozierenden der PH FHNW ein vielfältiges Angebot bereit. Der aktuelle Flyer gibt Ihnen einen Überblick. Und: Gerne geht die Schreibberatung gezielt engere Kooperationen im Rahmen von Professuren ein.
«Wordle»
Mit dem Internet-Tool «Wordle» lassen sich aus beliebigen Texten sogenannte Wörtertwolken erstellen. Ein Beispiel ziert diesen Newsletter, dessen Inhalt in «Wordle» eingefügt wurde: Je häufiger ein Wort in einem Text verwendet wird, desto grösser wird es angezeigt. «Wordle» kann dabei aber die häufigsten Funktionswörter ausschliessen, sodass vor allem die Inhaltswörter zum Zug kommen. Die Applikation erlaubt eine vielfältige Gestaltung - das endgültige Erscheinungsbild bestimmt aber der Zufall. Und nicht zuletzt: «Wordle» schluckt auch grosse Textmengen, wenn es sein muss, sogar ein ganzes Buch.