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Die Ärztin Ravit Rubenov verfügt über umfassende Erfahrung in Bezug auf Fragen, die sich Schwangere zu ihrem Wohlbefinden und ihrer Gesundheit stellen.
Warum brauchen schwangere und stillende Frauen Nahrungsergänzungsmittel?
Während der Schwangerschaft und der Stillzeit brauchen Frauen mehr Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe als gewöhnlich. Den aktuellen wissenschaftlichen Daten zufolge reicht eine abwechslungsreiche Ernährung in der Regel aus, um das gesunde Wachstum des Fötus sicherzustellen. Folsäure, Jod und Eisen bilden jedoch eine Ausnahme.
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfiehlt die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln auf der Basis von Jod und Folsäure. Die Substitution von Eisen während der Schwangerschaft sollte jedoch mit dem Arzt abgesprochen werden.
Warum ist Folsäure vor und während der Schwangerschaft so wichtig?
Eine ausreichende Versorgung mit Folsäure vor und während der Schwangerschaft verringert das Risiko für eine Fehlbildung des Neuralrohrs. Im Übrigen wurde bewiesen, dass das Risiko von Herzleiden wie der Fallot-Tetralogie durch die vorbeugende Einnahme von Folsäure deutlich gesenkt werden kann.
Was ist Spina bifida?
Zwischen dem 18. und dem 26. Tag nach der Befruchtung bildet ein Teil der Zellen bereits die erste Stufe dessen, was sich später zum Nervensystem entwickeln wird, die sogenannte Neuralplatte. Im Normalfall biegt sich diese nach innen und verschliesst sich der Länge nach, um das Neuralrohr zu bilden. Anschliessend entwickeln sich Rückenmark und Gehirn. Folsäure ist wesentlich für diesen Vorgang.
Wird der Verschlussprozess an Rücken oder Kopf nicht vollständig beendet, entwickeln sich die Knochen und die Haut um das Rückenmark nicht. Das Baby kommt mit einer Fehlbildung des Neuralrohrs (Spina bifida, offener Rücken) oder einer Anenzephalie (ohne Gehirn) zur Welt. Diese Defekte können ernsthafte Konsequenzen haben und eine Reihe von Beeinträchtigungen und schweren Behinderungen nach sich ziehen.
Sollte eine Frau sofort zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen, wenn der Kinderwunsch aufkommt?
In der Praxis werden fast 50 Prozent der Frauen ungeplant schwanger. Wenn sie ihre Schwangerschaft bemerken, hat die Bildung der Neuralplatte bereits stattgefunden. Folglich wird empfohlen, direkt nach dem Absetzen der Pille mit der prophylaktischen Einnahme von Folsäure zu beginnen.
Reicht die Versorgung mit Folsäure über die Nahrung nicht aus?
Nein. Gemäss den offiziellen Empfehlungen des BLV wird neben einer ausgewogenen Ernährung, die Folsäure enthält, die frühzeitige Zuführung von 0,4 Milligramm Folsäure empfohlen. Wenn sich eine Frau auf eine eventuelle Schwangerschaft vorbereiten möchte, empfehle ich die tägliche Einnahme eines mit Folsäure oder Multivitaminen angereicherten Präparats mit einem Gehalt von 0,04 bis 0,08 Milligramm während des gesamten Zeitraums, in dem eine Empfängnis möglich ist.
Sind sich die Frauen in der Schweiz über die Bedeutung von Folsäure bewusst?
In der Schweiz gibt es zum Thema Folsäure weiterhin Wissenslücken. Wir Ärzte stellen dies täglich fest. Ausserdem haben zahlreiche europäische Studien belegt, dass ein realer Informationsbedarf vorhanden ist.
Was raten Sie Schwangeren, um fit und gesund zu bleiben?
Ich rate ihnen zu einer ausgewogenen Ernährung mit der Supplementierung der empfohlenen Tagesdosis Folsäure und Jod, um Mängel bei Mutter und Kind zu verhindern. Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Calcium, Vitamin D, Vitamin B12 sowie weitere Vitamine und Mineralstoffe sind bei Mängeln ebenfalls indiziert. Die Dosis muss von einem Arzt festgelegt werden.
Des Weiteren verbessert regelmässige Bewegung das Wohlbefinden der Frau. Studien haben gezeigt, dass sportliche Aktivität das Risiko von Schwangerschaftsdiabetes um 50 Prozent senken kann und das Präeklampsie-Risiko um 40 Prozent. Sport hilft ausserdem, eine übermässige Gewichtszunahme zu verhindern.
Zudem ist allseits bekannt, dass schwangere Frauen vollständig auf Stimulanzien wie Alkohol und Nikotin verzichten sollten.