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Autismus ist Ausdruck mehrheitlich angeborener oder in der frühen Kindheit erworbener, tiefgreifender Entwicklungsstörungen, von denen rund 1% der Bevölkerung betroffen ist. Um der grossen Bandbreite der auftretenden Symptome gerecht zu werden, wurde der Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) eingeführt. Er umfasst Erscheinungsformen mit und ohne Intelligenzminderung sowie mit und ohne Beeinträchtigung der Sprachentwicklung.
Kennzeichnend sind in jedem Fall Besonderheiten im Bereich der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie der Verhaltensweisen und Interessen. Verschiedene Ursachen führen zu einer Veränderung von Funktionen des Nervensystems. Die Wahrnehmung ist bevorzugt auf Details der unbelebten Welt ausgerichtet und das Denken erfolgt in hohem Masse systematisch.
ASS kann mit der Entwicklung besonderer Kompetenzen, wie z.B. grosser Merkfähigkeit, umfassendem Wissen in Spezialgebieten, kreativen Lösungsansätzen für Problemstellungen, gutem logischen Denken oder ausgeprägter visueller oder akustischer Wahrnehmungsfähigkeit verbunden sein. Zugleich bedeutet es aber auch, mit einigen Herausforderungen zurechtkommen zu müssen.
Insbesondere Mimik, Gestik, Tonfall etc. können nur erschwert entschlüsselt werden. Soziale Kompetenzen, die nötig sind, um sich situationsgerecht zu verhalten, sind häufig eingeschränkt. Gelerntes wird erschwert auf neue Situationen übertragen, die Handlungsplanung kann sehr kompliziert und zeitaufwändig sein.
Autismus ist nicht heilbar, wohl aber können das Sammeln von Lebenserfahrungen und gezielte Unterstützung dazu beitragen, behindernde Bedingungen zu überwinden und sich erfolgreich in die Gesellschaft – in Schule und Beruf – zu integrieren. Es geht wesentlich darum, das wechselseitige Verstehen von Menschen mit ASS und neurotypischen Personen – so nennen Betroffene die Nicht-Betroffenen – auf vielfältige Art zu verbessern.
Menschen mit ASS können ihre Kompetenzen oft nur zeigen, wenn Voraussetzungen geschaffen werden, die ihren Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsfähigkeiten angemessen sind. Dabei spielt das konsequente Anknüpfen an ihre Spezialinteressen und das Gewähren von Zeit, insbesondere für die Anpassung an soziale Erwartungen (z.B. an Pünktlichkeit, unverzügliche Reaktionen auf Anforderungen, Flexibilität etc.) eine besonders grosse Rolle.