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Inhalt: Adolf Hitler wacht im Sommer 2011 Mitten in Berlin auf einem unbebauten Grundstück auf. Nach einer kurzen Phase der Orientierungslosigkeit, macht er sich daran, seine offenbar vom Schicksal vorgesehene Bestimmung doch noch zu erfüllen.
Er fasst praktisch sofort wieder Fuss, wenn auch in anderer Weise als 60 Jahre zuvor. Zuerst erhält er einen Gastauftritt bei einem gestandenen Comedian, wenig später, wegen seines überwältigenden Erfolges, eine eigene Sendung.
Die Begeisterung über die perfekte Kopie und die stupenden Detailkenntnisse des "Künstlers" ist gross. - Ausser bei den Parteien ganz rechts aussen. Deren Vertreter fühlen sich und Deutschland von Adolf Hitler veräppelt.
Vor einem Opernbesuch wird Hitler in einer Nebengasse spitalreif geschlagen, was ihn endgültig in den Status eines Superstars erhebt, der für all jene Werte steht, die Hitler gerade eben nicht verkörpert. Jede politische Partei versucht, ihn zu einem Parteieintritt zu bewegen, ein Verlag meldet sich und will seine wahre Geschichte verlegen.
Meine Meinung: Den Anfang des Buches habe ich beinahe atemlos gelesen, derart gespannt war ich auf das Zusammentreffen des Demagogen mit unserer Gegenwart. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Diktion ist überzeugend, die Schlussfolgerungen Hitlers stimmten mit dem historischen Bild, das "man" von ihm hat überein.
Während zu Beginn der Geschichte, als Hitler sich mit der Gegenwart vertraut macht, die lustigen Episoden überwiegen, (Beispiel: Sein Erklärungsversuch einer www-Adresse "vor Kälte schlotternder Knabe") wird der Ton je länger desto ernster, wenn er beginnt, die deutsche und europäische Wirklichkeit in seinem Sinn zu interpretieren.
Die ganze Story ist ein Lehrstück für die Kommunikations-These von Watzlawick, dass die Nachricht im Empfänger entsteht, da jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit hat. Da Hitlers Umwelt davon ausgeht, dass er ein Schauspieler ist, der Leser aber weiss, dass man es mit dem echten Hitler zu tun hat, ergeben sich immer wieder verstörende, manchmal witzige oder irritierende Situationen. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist es, wenn Hitler sagt: "Das Thema Juden ist nicht witzig", womit er eine Vorgabe der "Dame Bellini" einhält, allerdings stehen hinter dieser Aussage natürlich diametral entgegengesetzte Gedankenkonstrukte.
Das Buch hat mich sehr beeindruckt. Es ist klug, entlarvend, unterhaltsam, böse und gleichzeitig lustig. Es muss für den Autor eine Freude gewesen sein, die deutschen Spitzenpolitiker mit den Augen und dem Munde Hitlers beschreiben zu dürfen.
Kann man aus dieser Politsatire etwas lernen? Ich meine Ja. Einserseits, wie Kommunikation funktioniert und wie unsere Gegenwart auf einen Demagogen wirken mag. Andererseits aber auch, dass wir uns nicht vor einem wiedererstandenen Hitler in Acht nehmen müssen, der nur noch als Comedian "ernstgenommen" wird, sondern vor einem neuen, modernen "einfachen Gefreiten" mit der Bessessenheit und den Fähigkeiten eines Hitler.
In diesem Sinn sollten wir nach vorne schauen und am Buch "Es ist nicht alles gut" arbeiten, während Hitler ja sein Buch "Es war nicht alles schlecht" schreibt.
Ich empfehle das Buch unbedingt weiter.
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