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Genau vor zehn Jahren zeigte das Museum Yverdon und Region eine Ausstellung über die Geschichte von Bolex. Die Recherchen für Ausstellungen bilden die Grundlage der Publikation “Paillard – Bolex – Booksy” von Thomas Perret und Roland Cosandey.
Der Name Bolex steht für 16mm Kameras und Projektoren von höchster Qualität. Bis in den 60er Jahre hatten die Herstellerfirma Paillard aus dem Waadtländer Jura damit einen Weltmarktanteil von 30 Prozent: Andy Warhol, David Lynch und Marilyn Monroe sollen mit einer Bolex-Kamera gefilmt haben!
Paillard war der grösste Arbeitgeber im nördlichen Kanton Waadt und beschäftige in den besten Zeiten im Kanton Waadt Tausende von Mitarbeitern an drei Standorten in Sainte-Croix, Yverdon, Orbe, kleinere Standorte in Deutschland kamen dazu. Die Firma stellte ursprünglich Musikdosen, später Grammophone, Röhrenradios, Kameras und Projektoren sowie Schreibmaschinen, weltbekannt wurde vor allem die portable Hermes-Baby.
Auf 196 Seiten stellen beschreiben die beiden Autoren kenntnisreich die wechselvolle Geschichte der Kamera: Entwickelt wurde sie durch den in Genf lebenden Exilukrainsers Jacques Bogopolsky (1895-1962), der seine Firma 1930 an Paillard verkaufte. Das Ende kam mit dem Konkurs des Schmalfilmherstellers Eumig 1981, sie hatte die Produktion von Bolex 1974 übernommen. Warum hat Bolex nicht überlebt? Patriarchalische Firmenstruktur, mangelnde Grundlagenforschung und übermächtige Konkurrenz sind, so die Autoren, die wichtigsten Gründe dafür.
Die kenntnisreichen und wissenschaftlich fundierten Texte werden ergänzt durch eindrücklichen Fotos, Zeichnungen und Dokumenten zur Geschichte der Firma: Eine Explosionsdarstellung der legendären Bolex H-16 Kamera – sie hatte rund 1200 Einzelteile – lässt Komplexität dieses mechanischen Präzisionswerkzeugs erahnen; Fotos aus der Produktion zeigen Herstellung von diesen Einzelteilen; Originaldokumente erzählen von den Schwierigkeiten, welche überwunden werden mussten, Werbeprospekte entführen den Leser in die Stimmungen der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts und natürlich ist auch der Einsatz der Bolex H16 dokumentiert, die beim Fernsehen ebenso geschätzt wurde wie in der Unterwasserforschung oder beim Dokumentarfilm in unwirtlichen Gegenden.
Ein eigener Teil ist der Persönlichkeit von Jacques Bogopolsky gewidmet, der seinen Namen zu Boolsky verkürzte. Er war nicht nur ein umtriebiger Erfinder, sondern auch ein begabter Cinéast. Eine DVD mit acht Filmen aus den Jahren 1934-1961 – darunter auch seinen eigenen Produktionen – rundet die durchwegs gelungene Publikation ab. Zu wünschen wäre, dass bald eine englische Version des schönen Buches, denn ein Grossteil der heutigen Kamerabesitzer dürfte ausserhalb der Schweiz zu finden sein. In Yverdon werden übrigens in einem kleinen Atelier noch heute Bolex Kameras hergestellt und repariert. Zu den Bolex-Enthusiasten gehört auch der freisinnige Waadtländer Finanzdirektor Pascal Broulis, der selber aus Sainte-Croix stammt. Er blickt in seinem Vorwort auch in die Zukunft: Vom Know-How der Vergangenheit profitiert heute eine neue Higtech-Industrie im Kanton Waadt.
Thomas Perret, Roland Cosandey: Paillard – Bolex – Boolsky. La caméra de Paillard & Cie SA. Le cinéma de Jacques Boolsky. Yverdon-les-Bains 2013. Editions de la Thièle.
Eine gekürzte Version dieser Besprechung erschien in der Neuen Zürcher Zeitung vom 3.April 2014 auf S.54.
Bild oben: Buchcover; Bild unten: Fondation Bolex-Oulevay