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Der brasilianische Film “Aquarius“ ist beim “World Cinema Amsterdam“ ausgezeichnet worden. Die Jury hat ihm den Preis als bester Film verliehen. In Brasilien selbst gibt es um ihn allerdings einige Diskussionen. Die haben weniger mit seinem Inhalt zu tun, als vielmehr mit der öffentlichen Kritik der Filmcrew an der Interimsregierung Michel Temers.
Als bekannt wurde, dass “Aquarius“ von Kleber Mendonça Filho beim Filmfestival in Cannes als Anwärter für die Goldene Palme ausgewählt worden war, ist in Brasilien zunächst gefeiert worden.
Beim Festival im Mai haben sich Schauspieler und Direktor dann aber auf dem roten Teppich mit Plakataufschriften gegen das Amtsenthebungsverfahren von Brasiliens suspendierter Präsidentin Dilma Rousseff protestiert. Sofort hat es daraufhin über die sozialen Netzwerke einen Aufruf zum Boykott des Filmes gegeben.
In den brasilianischen Kinos wird er am 1. September anlaufen. “Aquarius“ ist vom Justizministerium allerdings als Film für über 18-Jährige klassifiziert worden. Von der Filmcrew wird dies als Schikane wegen ihrer Aufsehen erregenden Proteste in Cannes angesehen. Das Justizministerium begründet die Klassifizierung hingegen mit Sex- und Drogen-Szenen im Film.
In “Aquarius“ schlüpft Sonia Braga in die Rolle der pensionierten Journalistin Clara, die um den Erhalt eines Appartment-Gebäudes aus den 40er Jahren kämpft, während eine Baufirma dieses abreissen und durch ein neues ersetzen will.
Für ihre Hauptrolle ist Sonia Braga am Freitag (26.) beim Filmfestival im südbrasilianischen Gramado geehrt worden. Kleber Mendonça Filhos Werk hat zudem stehenden Applaus erhalten. Zu hören waren ebenso Protestrufe “fora Temer“ (Raus Temer) gegen die Interimsregierung.
Für Polemik sorgt ebenso das momentane Auswahlverfahren zum potentiellen Beitrag Brasiliens für den Oscar. Das Kulturministerium hat dazu eine Kommission berufen, der ebenso der Filmkritiker Marcos Petrucelli angehört. Der hat in den sozialen Netzwerken keinen Hehl aus seiner Opposition zu Medonças politischer Einstellung gemacht. In der Filmbranche ist seine Benennung stark kritisiert worden.
In der vergangenen Woche haben darüber hinaus drei Filmemacher bekanntgegeben, ihre Werke nicht in das Auswahlverfahren einzuschreiben. Aly Muritiba (“Para Minha Amada Morta“), Anna Muylaert (“Mãe Só Há Uma) und Gabriel Mascaro (“Boi Neon“) wollen damit ihre Solidarität mit “Aquarius“ bekunden. Zwei Mitglieder der neunköpfigen Kommission haben diese zudem bereits verlassen.