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Michael Bloomberg will US-Präsident werden. Eine wichtige Voraussetzung bringt der einstige New Yorker Bürgermeister mit: Er ist Milliardär und hat schon jetzt 35 Millionen Dollar für Werbespots ausgegeben. Christian Lammert, Experte für US-Politik am Kennedy Institut der Freien Universität Berlin, wägt Bloombergs Chancen ab.
Christian Lammert
Politologe
Christian Lammert ist Professor für nordamerikanische Politik am John F. Kennedy Institut, Link öffnet in einem neuen Fenster an der Freien Universität Berlin.
SRF News: Herr Lammert, Bloomberg müsste sich gegen mittlerweile 17 Mitkandidierende innerhalb der Demokratischen Partei durchsetzen. Hat er Chancen?
Christian Lammert: Seine Chancen sind eher die eines Aussenseiters. Er ist sehr spät in den Vorwahlkampf eingestiegen. Da haben andere Kandidaten, die schon länger im Rennen sind, den Vorteil, dass man sie schon kennt.
Aber von den anderen demokratischen Kandidaten konnte sich bis jetzt niemand als Favorit positionieren. Wittert Bloomberg da jetzt Chancen, weil er viel Geld aufwenden kann?
Ja, das ist ein Vorteil. Er hat angekündigt, wie viel Geld er einsetzen wird und dass es mehr sein wird, als alle anderen demokratischen Kandidaten zusammen haben.
Bidens Kandidatur zündet nicht richtig.
Neben Bloomberg ist da Joe Biden, der vom Parteiestablishment gewollt ist und der auch in der Wirtschaft grosse Anhänger hat. Aber dessen Kandidatur zündet nicht richtig. Gleichzeitig hat die Wall Street Angst vor den progressiven Kandidaten Elizabeth Warren und Bernie Sanders. Angst, dass diese massive Reformen umsetzen würden. Da werden jetzt solche Kandidaten wie Bloomberg gepusht, die eher zentristisch orientiert sind.
Mit dieser gemässigten Haltung ist Bloomberg nahe an der Position von Joe Biden. Gräbt Bloomberg nun beiden das Wasser ab?
Das ist eine Gefahr. Wir sehen sowieso zwei Lager: das progressive Lager um Warren und Sanders und das eher moderate Lager um Biden. Jetzt kommt noch ein gemässigter Kandidat ins Feld. Und die nehmen sich natürlich gegenseitig Stimmen weg.
Bloomberg wird nicht bei den Sanders-Anhängern punkten können. Denn für die ist er nur ein weiterer Milliardär, der versucht, seine Interessen in der Politik durchzusetzen. Also nimmt er eher Biden die Stimmen weg.
Je grösser der Wettbewerb in der Mitte, desto mehr fragmentieren sich die Anhänger für die einzelnen Kandidaten.
Dem Parteiestablishment der Demokraten kommt Bloombergs Kandidatur also eher ungelegen.
Einige Kreise wünschen sich natürlich einen stärkeren Kandidaten. Aber je grösser der Wettbewerb in der Mitte, desto mehr fragmentieren sich die Anhänger für die einzelnen Kandidaten. Und da muss man jetzt schnell sehen, dass man sich auf einen Kandidaten einigt, um so das Stimmenpotenzial in diesem Flügel hinter eine Kandidatur zu bringen.
Wenn Bloomberg tendenziell die Mitte schwächt, könnten die beiden Progressiven profitieren – Warren und Sanders.
Das könnte ein Vorteil sein, vor allem, wenn sie sich jetzt schnell einmal entscheiden können, als Tandem anzutreten, um so das Lager ein bisschen zu vereinigen. Aber momentan schiessen sie sich auf Bloomberg ein. Sie sehen das als gutes Thema, mit dem sie ihre Basis mobilisieren können.
Also ist noch vieles in Bewegung. Würden Sie trotzdem eine Prognose machen, wer sich durchsetzt?
Wir sind immer noch sehr früh dran. Aber ich würde sagen: Es sind so vier, fünf Kandidaten, unter denen sich die Nominierung entscheiden wird. Da ist immer noch Biden, weil er am bekanntesten ist und auch am breitesten mobilisieren kann. Auch bei wichtigen Wählergruppen wie Afroamerikanern in den USA. Sanders und Warren auf der progressiven Seite darf man nicht vergessen. Bloomberg vielleicht mit einer Aussenseiterchance. Und man muss noch ein bisschen auf Kamala Harris schauen, die Senatorin aus Kalifornien. Die könnte auch noch eine Aussenseiterrolle spielen.
Das Gespräch führte Hans Ineichen.