Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03207.jsonl.gz/1195

«Der wahre Lebenslauf eines Verdingbuben» nannte Franz Meier seine Autobiografie, die er im Alter von 83 Jahren selber herausgab. Erst einige Jahre später wurde der Luzerner Regisseur Louis Naef darauf aufmerksam. «Die ungeheure Genauigkeit seiner Erinnerung» habe ihn beeindruckt, sagt Naef. Er entschloss sich, aus dem Buch ein Theaterprojekt zu machen - eine szenische Lesung, untermalt von Akkordeonmusik und Projektionen von Bildern, die das Luzerner Hinterland zeigen.
Mit zehn Jahren musste er als Knecht arbeiten
Denn dort spielte sich Franz Meiers Kindheit ab. Einige wenige Tage nach seiner Geburt am 24. September 1917 wurde er direkt vom Spital zu Pflegeeltern gebracht, denn seine leiblichen Eltern waren geschieden. Die Pflegeeltern sorgten gut für ihn, doch bereits im Alter von zehn Jahren musste Franz ausziehen. Und arbeiten. Er landete auf einem Hof weit ausserhalb von Willisau.
Dort erlebte er die düsteren Seiten des Verdingbubenlebens. Neben der Schule musste er als Knecht arbeiten. Der Bauer schickanierte ihn, ein Mitschüler schlug ihn, ein anderer Knecht, mit dem er das Bett teilen musste, missbrauchte ihn. Trotz dieser Erfahrungen schaffte es Franz Meier später, sich eine eigene, glückliche Existenz aufzubauen - mit seiner Frau und seinen vier Töchtern lebte er in Reussbühl.
Dass er missbraucht worden ist, darüber redete er nicht.
Die Töchter sind nun auch im Projekt involviert. Edith Meier ist Produktionsleiterin. Die Geschichte ihres Vaters, die sie nun nochmals nahe begleitet, berühre sie. Und sie habe darin auch Dinge erfahren, die er früher nicht erzählt habe: «Dass er missbraucht worden ist, darüber redete er nicht. Ich denke, meine Mutter wusste es, aber wir Mädchen wussten es nicht.»
Speziell ist auch der Aufführungsort der szenischen Lesung aus Franz Meiers Buch. Die Premiere findet in der Luzerner Beiz «Die Kneipe» statt. Diese wird von Irene Bergmans geführt, einer weiteren Tochter von Franz Meier.
SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 17:30 Uhr