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Die Küsten Kanadas haben eine Entwickelung von 18,370 km (kleinere Krümmungen ungerechnet), aber nur der
außerhalb des St. Lorenzgolfs gelegene Teil der atlantischen Küste und die pazifische Küste sind das ganze Jahr durch eisfrei,
während der St. Lorenzgolf fünf Monate lang und die Hudsonbai (s. d.) noch länger Schiffen verschlossen bleiben. An vorzüglichen
Häfen ist übrigens kein Mangel, und selbst große Seeschiffe können den St. Lorenzstrom bis Montreal
[* 5] hinauffahren.
zum Huronsee und umfaßt den gesegnetsten Teil der Dominion. Es ist ein ebenes oder wellenförmiges Gebiet, reichlich bewässert
und, abgesehen von den bei Montreal und in der Umgegend ansteigenden isolierten Trapphügeln, ohne jegliche Gebirge. Nur wo
die sanft geneigten paläozoischen Schichten zu Tage treten (wie bei den Niagarafällen), bilden sie hügelähnliche
Terrainstufen. Die dritte und ausgedehnteste Region erstreckt sich vom untern St. Lorenzstrom und dem Huronsee und Obern See
bis an die Gestade des ArktischenOzeans. Es ist ein wildes, felsiges Land, reich an Flüssen und Seen, meist dicht bewaldet oder
versumpft, wo laurentische Gneise, kristallinischer Kalkstein und der kambrischen (huronischen) Formation
angehörige Grünsteine, Sandsteine und Granit vorherrschen.
Auf der untersten Stufe liegt der Winnipegsee (215 m), dem von S. der Red River zuströmt, und in welchen
der Saskatschewan einmündet, um als Nelson seinen Weg in die Hudsonbai fortzusetzen. Diese Stufe bildet einen Teil des jetzt
verschwundenen Agassizsees der amerikanischen Geologen, welcher südlich in den Missouri abfloß. Ausgedehnte Wälder kommen
vor. Die zweite Stufe erstreckt sich am Saskatschewan bis zu den EagleHills und hat bei ziemlich mannigfaltiger
Oberflächengestaltung eine mittlere Höhe von 880 m. Die dritte und ausgedehnteste Stufe endlich reicht bis ans Felsengebirge,
ist im S. fast waldlos und hat hier eine mittlere Erhebung von 900 m. Die sechste Region Kanadas umfaßt den nördlichen Teil
der amerikanischen Kordilleren, die hier, etwa 600 km breit, den pazifischen Teil der Dominion einnehmen
und drei mit der Küste ziemlich parallel verlaufende Höhenzüge bilden.
Daß diese Niederschlagsmengen den Waldwuchs begünstigen, liegt auf der Hand,
[* 22] und so kann man denn ganz Kanada, mit Ausnahme
der jenseit der Baumgrenze gelegenen arktischen Gebiete und der etwa 310,000 qkm großen echten Prärieregion im W., als
ein Waldland bezeichnen. Die Wälder erstrecken sich von Meer zu Meer und reichen längs der großen Ebene
bis dicht an das Eismeer. Eine Linie, welche die Hudsonbai bei FortChurchill unter 60° nördl. Br. verläßt und von dort über
den GroßenBärensee zur Mackenziemündung (68° 30' nördl. Br.) hinansteigt, bezeichnet die Nordgrenze derselben.
Die Bevölkerung der Dominion ist 1861-81 von 3,323,292 auf 4,324,810 Seelen gestiegen (d. h. um 30,1 Proz.)
und ward 1886 auf 4,776,000 Seelen geschätzt. Die Zunahme ist daher viel geringer als in den benachbarten Vereinigten Staaten.
Die Einwanderung hat in jüngerer Zeit, namentlich infolge der Erschließung des Nordwestgebiets, bedeutend zugenommen. In den 15 Jahren
1871-85 kamen 1,360,620 Einwanderer in an, von denen sich indes nur 819,741 in der Dominion niederließen
(1871-75: 181,156; 1876-80: 161,519; 1881-85: 477,066). Dieser Zuwanderung steht allerdings ein Überschuß von Auswanderern
nach den Vereinigten Staaten gegenüber, der aber bei weitem nicht so bedeutend ist, wie nach unzuverlässigen Erhebungen früher
angenommen wurde. Ungemein dünn gesäet ist die Bevölkerung, denn es kommen auf 100 qkm erst 49 Bewohner
(s. die Tabelle), und nur in den ProvinzenQuebec und Ontario liegen Städte von mehr als 50,000 Einw., nämlich Quebec (62,446),
Montreal (140,747) und Toronto (86,415). Auf 100 Bewohner männlichen kommen 97,6 Bewohner weiblichen Geschlechts.