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Gibt es ein Produkt, das nachhaltiger ist als eine mechanische Uhr? Ja, sagt Georges Kern, oberster Chef bei IWC, das gebe es. Eine mechanische Uhr aus einer Manufaktur nämlich, die sich ökologisch engagiere.
IWC hat eben die Zusammenarbeit mit David de Rothschild angekündigt. Rothschild ist ein Umweltaktivist der neuen Generation. Einer, der sich weigert, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Einer, der abenteuerliche Reisen unternimmt, um gegen die schleichende Umweltzerstörung zu kämpfen.
«Mein Bruder wundert sich», sagte er einst, «warum ich diesen mühsamen Weg gehe und nicht einfach den Premierminister mit Eiern bewerfe.»
Solche Sprüche machen den Erben der Rothschild-Bankendynastie zum Sympathieträger für Unternehmen. Der Mann zeige, sagt Georges Kern begeistert, dass ein Engagement für die Umwelt auch «cool» sein könne. «Mit David de Rothschild haben wir einen leidenschaftlichen Anwalt für den Klimaschutz als Partner gewinnen können.» Einerseits weil seine Organisation Adventure Ecology mit spektakulären Expeditionen das Augenmerk auf ernst zu nehmende Umweltprobleme richte, anderseits weil er sich für eine nachhaltige Veränderung des Verhaltens der Jugendlichen einsetze.
David de Rothschild, 2003 von der Zeitschrift «Tatler» zum attraktivsten Studenten Grossbritanniens gekürt, hat eine spannende Biografie. Der 29-Jährige wuchs als Kind von Victoria Schott und Sir Evelyn de Rothschild bei Milton Keynes auf und entwickelte schon als Bub eine ausgeprägte Liebe zu Pferden. Nach dem Studium von Informatik und Politik gründete er eine Intenetfirma für Rock-Merchandising – dank dem Internetboom lief das Geschäft traumhaft gut. 1999 kaufte sich der begeisterte Triathlon-Sportler eine Biofarm in Neuseeland.
Rothschild wurde von der Zeitschrift «National Geographic» zum «Emerging Explorer 2007» ernannt. Das World Economic Forum hat ihn ins Gremium Young Global Leaders berufen.
Rückschläge gehören zum Leben, und die erste Expedition unter dem Banner der Adventure Ecology musste abgebrochen werden. Rothschild wollte den arktischen Ozean von Russland nach Kanada überqueren, doch die Expedition scheiterte an der unstabilen Lage des Eises. Immerhin hatte Rothschild zuvor den Rekord für die schnellste Überquerung der grönländischen Eiswüste
aufgestellt. Und er sei, das wurde im legendären Guinness Book der Weltrekorde vermerkt, der jüngste Brite, der beide Pole der Erde erreichte.
In seinem letzten, von IWC unterstützten Projekt bereiste Rothschild Teile des Urwalds von Ecuador, wo Abwässer der Ölindustrie den tropischen Urwald und seine Bewohner akut gefährden. Rothschild prangert die schleichende Umweltkatastrophe zwar an, er will aber auch mit der Industrie zusammenarbeiten: «Es ist langsam an der Zeit», sagt er, «nicht nur mit dem Finger auf die Schuldigen zu zeigen, sondern effiziente Lösungen auszuarbeiten.»
In Ecuador sind nach Schätzung von Staatspräsident Rafael Correa 68 Milliarden Tonnen ölige Abwässer in den Urwald gelangt. Rund siebenhundert offene Abfallgruben sind bis heute gezählt worden, Flüsse und Sümpfe sind kontaminiert. Ärzte nennen eine markante Zunahme von Krebs-, Magen-, Darm- und Hautkrankheiten und bedenkliche Komplikationen bei Schwangerschaften – die ecuadorianischen Medien sprechen vom «Regenwald-Tschernobyl».
Für das nächste Jahr wird sich IWC im Projekt «Plastiki» von Adventure Ecology engagieren. Plastiki heisst das Projekt in Anlehnung an das berühmte Balsaholzfloss «Kontiki» des Norwegers Thor Heyerdahl. Aber auch wegen der unendlich vielen Plastikabfälle im sogenannten Eastern Garbage Patch im Pazifischen Ozean auf einer Länge von 6000 Meilen. David de Rothschild will den Eastern Garbage Patch mit einem Boot bereisen, das aus rezyklierten Plastikflaschen zusammengebastelt wurde. Als Zeichen des Protestes, aber auch aus Freude am Abenteuer. Von der «Kontiki»-Geschichte sei er nämlich schon als Kind fasziniert gewesen, sagt Rothschild.
Die Uhrenmanufaktur IWC hat in der jüngeren Vergangenheit ihren Energiekonsum für das Heizen sowie den CO2-Ausstoss halbiert. Mit dem Engagement für Ökoprojekte öffne man ein neues Fenster zur Welt, sagte CEO Georges Kern an einem Anlass in London. David de Rothschild zeige, dass auch kleine Schritte etwas bewirken könnten. Er sei der Beweis dafür, dass Umweltschutz auch attraktiv sein könne und keine negativen Auswirkungen auf unsere Lebensart haben müsse. PAS