Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03245.jsonl.gz/3155

Saqqara, die Nekropole von Memphis, ist von der 1. Dynastie an bis in die christliche Zeit als Begräbnisstätte belegt. Die Nekropole liegt etwa 20 km südlich von Kairo am Rande der libyschen Wüste. Der Name Saqqara leitet sich vom Namen des altägyptischen Totengottes Sokar her. Die ältesten Gräber sind Mastaba-Gräber (mastaba, arab.: Bank) und befinden sich am Wüstenrand. Nach Herodot hat hier der mythische König Menes um 3000 v. Chr. einen dem Gott Ptah geweihten Tempel errichten lassen, ausserdem soll Menes auch der Begründer der Residenz in Memphis sein. Der Name des Haupttempels des Ptah „Het ka ptah“ wurde im Assyrischen zu dem Wort „Hikuptah“, das die Griechen in „Aigyptos“ umwandelten, die Bezeichnung, die schliesslich dem ganzen Lande den Namen gab. Memphis war mit Ausnahme der Zeit des Mittleren Reiches immer von grösster Bedeutung, im Alten Reich war die Stadt Hauptstadt des ganzen Landes, sie war immer ein wichtiges Verwaltungszentrum und immer ein zentraler Kultort für den Gott Ptah.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Gräber in Saqqara eingesandet, lediglich die Stufenpyramide des Königs Djoser ragte aus den Sanddünen. Erst als der französische Ägyptologe Auguste Mariette das so genannte Serapeum – die Begräbnisstätte für die heiligen Stiere der Ägypter – entdeckte, wurde mit der systematischen Erforschung des riesigen Geländes begonnen, und nach und nach wurden die Gräber freigelegt.
König Djoser (2620-2600 v. Chr.), die überragende Herrscherpersönlichkeit der 3. Dynastie, ist der Erbauer der so genannten Stufenpyramide. Seine Grabanlage bildet einen Meilenstein in der Entwicklung des Königsgrabes, zum ersten Mal wurde in der Geschichte Ägyptens eine riesige Totenresidenz aus Stein errichtet. Bis zur Zeit Djosers war „Pharaos Wohnung für die Ewigkeit“ aus vergänglichen Materialien wie Holz, Matten und Ziegeln erbaut worden, nun wurde sie in Stein errichtet.
Die gesamte Grabanlage (544 m x 277 m), deren Mittelpunkt die Stufenpyramide bildet, war von einer 10 m hohen Umfassungsmauer umgeben, die 13 Scheintore und nur einen echten Eingang zum ganzen Bezirk besass. Der Grabbezirk umfasste an der Nordseite einen Totentempel für den Kult des Königs, an der Südseite eine nach Westen orientierte Grabanlage, ausserdem zahlreiche rituelle Bauten und Scheinbauten aus massivem Stein, darunter eine Scheinkapelle für das Sedfest. Die Pyramide war in mehreren Phasen errichtet worden: ursprünglich bestand das Grab aus einer Mastaba, die zweimal erweitert wurde. Der erste Aufbau über der Mastaba wurde etwas niedriger gehalten, so dass eine Stufenmastaba entstand. Später wurde dann über dieser Mastaba ein vierstufiger Bau errichtet, danach wurde das Volumen nochmals um einen sechsstufigen Bau vergrössert: die Stufenpyramide war entstanden. Die Gründe für die Erweiterung der ursprünglichen Mastaba sind unbekannt. Rein spekulativ wird vermutet, dass die Pyramide den aus dem Chaos entstandenen Urhügel – ein ägyptischer Schöpfungsmythos – symbolisieren könnte, aber auch, dass sie die Treppe für den Himmelsaufstieg des Königs darstellen könnte.
So genannte „Dreiviertelsäulen“ in Schilfrohrbündelform bilden den Abschluss der Eingangshalle im Südosten, die eventuell einen Vorläufer des späteren Aufweges bildet. Die Säulen, noch nicht frei stehend, werden häufig Pflanzen nachgebildet: an der Fassade am Ostrand des Hofes vor dem Nordpalast befinden sich Säulen mit Papyruskapitellen. Im Serdab, der Statuenkammer des Totentempels, wurde die älteste lebensgrosse Statue eines Königs gefunden, die blockhaft-kompakte Statue des Königs Djoser. Der König trägt den Ornat des Erneuerungsfestes, sein Titel und sein Name sind im Sockel eingeritzt.
An einer Mauerecke des Südgrabes befindet sich das erste Beispiel eines Uräus-Frieses: eine Reihe aufgerichteter Schlangen bildet den Urtypus einer bis in die späteste Zeit beliebten symbolischen Zierform – der Uräus erscheint schon in der Frühzeit an der Stirn des Königs als Schutzsymbol.
Djosers Nachfolger Sechemchet liess seine Pyramide ebenfalls in Saqqara errichten, nahe bei der Südwestecke der Grabanlage des Djoser. Die Pyramide blieb jedoch unvollendet. In der Folgezeit wählten die Könige des Alten Reiches für die Errichtung ihrer Grabanlagen auch andere Regionen – Meidum, Dahschur, Giza und Abusir. Zwischenzeitlich wurden anstelle von Pyramiden auch so genannte Sonnenheiligtümer als Königsgrab gebaut. König Unas, der letzte Pharao der 5. Dynastie, wählte jedoch wieder Saqqara als Begräbnisplatz und liess sein Grab auch wieder als Pyramide erbauen. Seine Pyramide weist eine wichtige Cäsur in der Grabdekoration auf: anstelle der bildlichen Darstellung tritt die Dekoration mit Texten, den so genannten Pyramidentexten, die nach Unas zur Standardausstattung aller Pyramiden bis zur 8. Dynastie gehören. Die Anlage umfasste einen grossen Hof, um den sich Palmsäulen gruppierten seitlich vom Hof standen Tempel und Magazinräume für Statuen sowie die Scheintür. Erhalten sind nur noch die Pyramide und Reste des Granittores. Die Seitenmauern des 700 m langen Aufweges, der den Taltempel mit dem an der Ostseite der Pyramide gelegenen Totentempel verband, waren mit Reliefdarstellungen versehen.
In dieser Zeit nahm die Macht der Beamten im Alten Reich erheblich zu, und aufgrund dieser Entwicklung entstanden prächtige Mastaba-Gräber, prunkvolle Beamtengräber, deren Errichtung staatlich kontrollierten Büros mit strengen Auflagen unterstand. Die Wände an den Gräbern wurden zum unerschöpflichen Atlas des Lebens und Treibens der Menschen, eine Bilderchronik, die die Aufgaben darstellt, die für die Bewältigung des Lebens geleistet werden mussten, aber auch das aufzeichnete, was dem Diesseits Reiz und Bedeutung verlieh. So hatte das Brüderpaar Nianchamun und Chnumhotep als Pedikürer und Manikürer des Königs eine wichtige Funktion inne, und der unmittelbare Umgang mit dem König verlieh ihnen einen hohen sozialen Rang. Zugleich waren sie die Totenpriester des Königs. Sie konnten sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung ein prachtvolles Mastaba-Grab errichten, ebenso wie Ti, Oberaufseher über die Pyramide des Neferirkare und die des Niuserre, Ptahhotep, Priester des Menkauhor, des Niuserre und des Asosi. Das Grab des Mereruka (6. Dynastie) ist mit 32 Räumen das grösste aller Beamtengräber des Alten Reiches.