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|Stellungnahme zum Antwortschreiben des ZDF|
Sehr geehrter Herr Dött
Ich bin angenehm überrascht, dass wir überhaupt eine Antwort von Ihnen erhalten. Wenn ich "wir" schreibe, so meine ich die verschiedenen Leute, die auf Ihre sagen wir mal etwas gelinde ausgedrückt "unglückliche Sendung" hin geschrieben haben. Ich nehme an, dass Sie aus arbeitstechnischen Ueberlegungen allen die gleiche Antwort geschickt haben. Leider haben Sie aber meine drei Fragen am Schluss meines Mails nicht beantwortet (wie ist die Energie, das Leben und das menschliche Bewusstsein entstanden). Ich nehme Ihnen das nicht übel, denn auch Sie können diese drei Fragen nicht beantworten, wie auch die gesamte Wissenschaft diese Fragen nicht beantworten kann. Deshalb ist es äusserst unredlich, wenn eine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt die Zuschauer im Glauben lässt, dass die Evolutionslehre mindestens diese drei Fragen schlüssig beantworten könne (denn ohne die Entstehung der Energie gäbe es keine Materie, ohne die Entstehung des Lebens gäbe es uns nicht und ohne die Entstehung des Bewusstseins könnten wir nicht über unsere Herkunft nachdenken).
In der Wissenschaftstheorie wird unterschieden zwischen „empirischen“ und „historischen“ Wissenschaften. In beiden Wissenschaftsbereichen versucht man zuerst allgemeine (deduktive) Kausalerklärungen aufzustellen. Diese werden dann mit Hilfe von Vorhersagen (Prognosen) überprüft. Diese Ueberprüfung erfolgt bei den empirischen Wissenschaften durch Experimente und Beobachtungen. Weil sich die Vorhersagen der historischen Wissenschaften aber immer auf die Vergangenheit beziehen, können diese nicht mit Experimenten und Beobachtungen geprüft werden. Das bedeutet, dass die in der Vergangenheit abgelaufenen Prozesse im Experiment nicht wiederholbar sind (Präzisierung: Einige Prozesse lassen sich zwar experimentell wiederholen, wir können aber nicht mit Sicherheit wissen, wie diese Prozesse tatsächlich abgelaufen sind). Eine direkte Ueberprüfung der Vorhersagen ist deshalb nicht möglich. Das Problem ist, dass die historischen Situationen, die unwiderbringlich der Vergangenheit angehören und deshalb in der Gegenwart nicht über das Experiment wiederholt oder veranschaulicht werden können. Deshalb gehören die Evolutionslehre und die Schöpfungslehre zu der grossen Familie der historischen Wissenschaften. Die gegensätzlichen Voraussetzungen dieser beiden Herkunftstheorien können zwar mehr oder weniger plausibel vertreten werden, sind aber weder durch Experiment noch durch Beobachtung zu beweisen oder zu widerlegen.
Wie wir aus dieser Definition ersehen können, kann die Entstehung des Universums, der Erde und des Lebens nicht empirisch nachgewiesen werden. In den historischen Wissenschaften können die Voraussetzungen nur nach den Kriterien der Plausibilität vertreten werden. Dabei geht es darum, welche der Voraussagen der beiden Modelle Evolution und Schöpfung plausibel sind und welche nicht. Sind nun die Voraussagen des Evolutionsmodells wirklich plausibel?
- ist es plausibel, dass die Energie vor dem Urknall ganz zufällig im „Uratom“ entstanden sein soll?
- ist es plausibel, dass aus einer unvorstellbar gigantischen Urexplosion ein geordnetes Universum entsteht, wie wir es heute vorfinden?
- ist es plausibel, dass sich die extrem lebensfreundlichen Bedingungen auf der Erde rein zufällig entwickelt haben?
- ist es plausibel, dass sich die unvorstellbare Komplexität des Lebens zufällig aus lebloser Materie entwickelt hat?
- ist es plausibel, dass die biologische Information in den Zellen, von der wir heute wissen, dass sie sehr komplex ist und die Merkmale einer Sprache aufweist, ohne intelligenten Urheber entstanden ist?
- ist es plausibel, dass sich alle Lebensformen aus einer oder einigen Urzellen, die zufällig auf einer Urerde entstanden sind, entwickelt haben?
- ist es plausibel, dass sich unser Bewusstsein (oder unser Geist), von dem wir heute weder wissen, was es seinem Wesen nach ist noch wo es sich befindet, zufällig aus lebloser Materie (bzw. aus einer Urzelle) entwickelt haben soll?
Oder ist es von der Logik her nicht doch plausibler, dass Energie aus Energie, Leben aus Leben und Intelligenz aus Intelligenz entstanden ist (das entspricht den Voraussagen des Schöpfungsmodells)? Kein Mensch ist heute in der Lage, diese sieben Punkte wirklich plausibel zu erklären. Und doch wird die naturalistische Evolution nicht nur als eine wissenschaftliche Theorie vertreten, sondern vielmehr als die offizielle Weltentstehungslehre unserer modernen Kultur. Die wissenschaftliche „Priesterschaft“, die berechtigt ist, die offizielle Weltentstehungslehre zu interpretieren, hat dadurch einen ungeheuren kulturellen Einfluss gewonnen, den sie verlieren könnte, wenn diese Theorie in Frage gestellt wird. Wir von ProGenesis stellen diese offizielle Weltentstehungslehre in Frage weil wir der Meinung sind, dass man diese sieben Fragen nicht wirklich plausibel erklären kann. Wir lassen uns aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Gian Luca Carigiet
ProGenesis, 14. Juni 2004