Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03584.jsonl.gz/116

Sutro Baths: Das einst grösste Hallenbad der Welt in San Francisco
Die 1896 eröffneten «Sutro Baths» an der Pazifikküste in San Francisco galten einst als grösstes Hallenbad der Welt. Mit heutigen Anlagen hatte das Bad aber wenig gemein: Die Schwimmbecken füllten sich mit Hilfe der Gezeiten selber mit Meerwasser.
Quelle: Gemeinfrei
Das Hallenbad umfasste ein Süsswasser- sowie sechs Salzwasserbecken. Sie waren jeweils insgesamt 150 Meter lang, 77 Meter breit und konnten rund 6,8 Millionen Liter Wasser aufnehmen.
Nach dem kalifornischen Goldrausch zwischen 1848 und 1854 wuchs die Bevölkerung von San Francisco schlagartig an, sodass im Zentrum der hügeligen Stadt ein Bauboom ausbrach. Immobilienentwickler hatten insbesondere auch das Gebiet Lands End an der Pazifikküste in der nordwestlichen Ecke der Stadt im Visier. 1863 entstand dort in der Folge das «Cliff House», eine mondäne Erholungs- und Ferienanlage für besonders zahlungskräftige Gäste.
Das Cliff House als Luxus-Ferienort
Der einstöckige Holzrahmenbau wurde auf einer Klippe mit Blick auf den Ocean Beach erbaut. Nach seiner Fertigstellung war der Ort während über zehn Jahre ein beliebtes, exklusives Erholungsziel. In den 1870er Jahren verlor das luxuriöse Resort aber an Beliebtheit. Um neue Gäste anzulocken, wurden Glücksspiele angeboten – allerdings ohne Erfolg. Schliesslich erwarb der deutsch-amerikanische Unternehmer Adolf Sutro 1881 das «Cliff House».
Sutro wollte der Anlage wieder zu ihrem alten Glanz verhelfen und liess dazu die Hotelräumlichkeiten renovieren und sogar eine neue Eisenbahnlinie zur Erschliessung des Resorts bauen. Allerdings wurde aus den ambitionierten Plänen des Unternehmers zunächst nichts, da das Resort 1894 einem Brand zum Opfer fiel. Der Holzbau wurde dabei vollständig zerstört. Doch Sutro liess innerhalb von nur sechs Monaten ein neues «Cliff House» bauen, dass 1896 seine Pforten öffnete.
Das neue achtstöckige Gebäude erinnerte mit seinen Türmchen, Dachgauben und einem Aussichtsturm an ein Schloss. Neben mehreren Speisesälen, Salons, Bars und Küchen im Erdgeschoss befanden sich in den oberen Etagen ausserdem eine Kunstgalerie, eine Edelsteinausstellung, eine Fotogalerie sowie eine grosszügige Veranda.
Quelle: Gemeinfrei
Eine Aufnahme aus den 1890er-ahren zeigt den Gebäudekomplex, aus dem die «Sutro Baths» bestanden. Die Bäder an sich wurden von einer massiven Überdachung aus Stahl und Glas überspannt.
«Sutro Baths» funktionierten mit den Gezeiten
Weil sich Sutro ausserdem für Naturgeschichte und Meereskunde interessierte, liess er parallel zum Bau des «Cliff House» nördlich davon zwischen Felsen eine Art Aquarium mit Meeresbecken errichten. Dieses sollte den Anstoss für die eigentlichen «Sutro Baths» geben, mit dem der Naturfreund das Meeres-Aquarium später um ein riesiges, öffentliches Badehaus erweiterte. Es erstreckte sich über drei Hektaren und wurde gleichzeitig mit dem Klippenhaus 1896 eröffnet.
Errichtet wurde die Anlage in einer kleinen Strandbucht unterhalb des «Cliff House». Als Badehauseingang diente ein griechisch-inspiriertes Portal, das in eine Halle mit einem grossen Dach aus Stahl und Glas führte. Das Bad bot ein Süsswasser- sowie sechs Salzwasserbecken mit jeweils unterschiedlichen Temperaturen. Die Bäder an sich waren insgesamt 150 Meter lang, 77 Meter breit und konnten rund 6,8 Millionen Liter Wasser fassen.
Zudem waren die «Sutro Baths» so konzipiert, dass sie mit den Gezeiten funktionierten: Bei Flut strömte das Meerwasser direkt in die Becken, sodass das Wasser jeweils auf natürliche Weise wieder «aufgefrischt» wurde. Bei Ebbe konnten Wasserpumpen die Becken bei Bedarf in zirka fünf Stunden wieder auffüllen.
Das Hallenbad verfügte über mehr als 500 Umkleidekabinen und bot rund 10‘000 Besuchern Platz. Zusätzlich zu den Becken gab es Rutschen, Trapeze, Sprungbretter und einen Sprungturm.
Eine historische Aufnahme von 1897 zeigt Badegäste in den «Sutro Baths». (Video: Gemeinfrei)
Quelle: Gemeinfrei
Eine Aufnahme von 1897: Neben den Becken gab es auch Rutschen, Trapeze, Sprungbretter und einen Sprungturm.
Museum mit ägyptischen Mumien
Zu den «Sutro Baths» zählten aber nicht nur die Badeeinrichtungen. Im Eingangsbereich gab es auch ein Museum mit naturkundlichen Ausstellungen sowie Galerien mit Skulpturen, Gemälden, Wandteppichen und Artefakten aus Mexiko, China und dem Nahen Osten. Sogar ägyptische Mumien befanden sich unter den Ausstellungsstücken. Zudem wurden regelmässig Konzerte und Talentshows geboten.
Trotz ihrer anfänglichen Beliebtheit waren die «Sutro Baths» auf Dauer kommerziell nicht erfolgreich. Nachdem Sutro 1898 das Zeitliche gesegnet hatte, verwaltete seine Familie die Immobilien viele Jahre lang weiter. Im Laufe der Zeit schwanden die Besucher zunehmend, was teilweise der Weltwirtschaftskrise, daraus resultierenden Einschränkungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln und neuen Gesundheitsvorschriften geschuldet war.
Quelle: Gemeinfrei
Eine Aufnahme von 1894, vor der Eröffnung: Die «Sutro Baths» waren so konzipiert, dass sich die Becken mit den Gezeiten bei Flut auf natürliche Weise mit Meerwasser füllten.
Eislaufbahn als Rettungsversuch
In einem letzten Versuch, die Anlage wieder populär zu machen, bauten die Eigentümer die Bäder zur Eisbahn um. Allerdings ohne Erfolg: die Einnahmen reichten für den Unterhalt des riesigen Gebäudes nicht aus. 1964 wurde das Gelände mit dem einstigen Badehaus schliesslich verkauft und bald darauf fielen die Gebäude der Abrissbirne zum Opfer. An ihrer Stelle sollten nach Plänen der Stadt Hochhäuser mit Wohnungen gebaut werden.
Doch 1966 brach am Standort erneut ein Feuer aus, das die verbliebenen Strukturen der einstigen Bäder vollständig zerstörte. Widerstand gegen die geplanten Hochbauten, Finanzierungsprobleme und neue Bestimmungen zur Bebauung der Pazifikküste führten dann dazu, dass die Stadt die Pläne zum Bau der Hochhäuser aufgab.
Deshalb sind an der Pazifikküste bei Lands Ends auch heute noch die Betonruinen der einstigen «Sutro Baths» zu sehen. Seit 1973 gehören sie zum Erholungsgebiet «Golden Gate Recreation Area» und damit zu den Touristenattraktionen von San Francisco.
Quelle: Gemeinfrei
Eine Aufnahme von 1896: Das öffentliche Badehaus erfreute sich grosser Beliebtheit. Bis zu 10'000 Gäste konnten gleichzeitig dort baden.
Quelle: Gemeinfrei
Das Badehaus wurde auch als Unterhaltungseinrichtung genutzt, in der regelmässig Konzerte und Talentshows stattfanden.
Quelle: Gemeinfrei
Eine Postkarte mit den «Sutro Baths» als Motiv von 1900.
Quelle: Gemeinfrei
Eine Postkarte mit den «Sutro Baths» als Motiv von 1896.
Quelle: Frank Schulenburg - Eigenes Werk, wikimedia CC BY-SA 4.0
Betonruinen zeugen auch heute noch von den einstigen «Sutro Baths» an der Westküste San Franciscos.