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Der 67-jährige Sprachwissenschaftler Clau Solèr kennt die Bedeutung des Romanischen in- und auswendig. Als Titularprofessor hat er in Genf selbst Romanisch unterrichtet. Die Sprache wird seiner Ansicht nach zu sehr «verwaltet». Sie müsse vermehrt gelebt werden.
SRF News: Clau Solèr, Sie haben Rumantsch Grischun einmal als «obsolet» bezeichnet. Weshalb?
Clau Solèr: Damit habe ich die Anwendung innerhalb des Kantons als Schriftsprache gemeint. Generell finde ich, dass nicht immer alles auf Rumantsch Grischun übersetzt werden müsste. Deutsch würde zum Beispiel bei Gesetzestexten reichen. Wichtiger sind alltägliche Übersetzungen.
Zum Beispiel?
Hinweise in einem Dorf auf Veranstaltungen und Wegweiser etwa. Diese könnte man auch nur auf romanisch schreiben. So müssten sich auch deutschsprachige mit dem Romanischen auseinandersetzen. Der Sprache würde das helfen.
Seit 80 Jahren ist Romanisch Landessprache. Wo wird die Sprache in weiteren 80 Jahren stehen?
Sie wird immer noch lebendig sein. Sprache muss gelebt und vor allem gesprochen werden. Auch wenn jemand nicht perfekt romanisch spricht, soll er es machen. Wichtig ist lediglich, dass man sich versteht.
Das Gespräch führte Marc Melcher.
Zur Person
Clau Solèr ist 1950 geboren und in Lumbrein aufgewachsen. In Zürich hat er Romanisch, Italienisch und Französisch studiert, anschliessend hat er unter anderem an der Universität Genf Romanisch-Studierende unterrichtet.