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Die Domestikation des Hundes
25. Juni 2018 von Paolo Zambianchi
Unsere heutigen Haushunde stammen von den Wölfen ab. Wann und wie die Domestikation stattfand, ist jedoch umstritten. Wir haben Fakten und Theorien in einem Bericht zusammengefasst.
Wie der Wolf zum Hund wurde
Domestikation bedeutet, dass eine Art durch den Menschen genetisch von der wildlebenden Art isoliert wird. Einige Merkmale werden durch gezielte Zucht hervorgehoben (Aussehen, Zutrauen zum Menschen, erwünschte Triebe, Milch- und Fleischleistung etc.), andere abgeschwächt (z.B. Aggression, Scheue, unerwünschte Triebe, Hörner). Somit distanziert sich diese Art von ihren wildlebenden Vorfahren über Jahrhunderte und Jahrtausenden immer mehr.
Wann und wo der Hund domestiziert wurde, ist nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftliche Schätzungen variieren zwischen 15’000 und 100’000 Jahren vor heute.
In den 1990er Jahren kamen Studien mit mitochondrialer DNA zum Schluss, dass die Domestizierung von Haushunden vor mehr als 100’000 Jahren stattgefunden haben soll. Ebenfalls soll sie mehrfach und unabhängig voneinander passiert sein. Jedoch sind die ältesten Knochenfunde von Wölfen mit hundetypischen Merkmalen erst etwa 40’000 Jahre alt.
Gleicher Genpool
2009 zeigten DNA-Untersuchungen, dass alle Hunde denselben Genpool besitzen. Als Ausgangspunkt wird China südlich des Flusses Jangtse angenommen. Eine weitere Studie, die 2013 veröffentlicht wurde, besagt, dass die Domestizierung in Europa stattgefunden habe, in einer Zeitspanne von 32’000 bis 18’000 Jahren vor unserer Zeit.
Fossile Funde kleiner Hunderassen sind 32’000 Jahre alt und stammen aus dem Vorderen Orient. Dies wird als Abstammung vom orientalischen Wolf gedeutet.
Wolf wird Hund
Klar ist, dass unsere Haushunde Wölfe als Vorfahren besitzen. Die von Konrad Lorenz und Theophil Studer vertretene These, dass der Haushund mindestens teilweise vom Goldschakal abstamme, konnte mittels genetischen Untersuchungen widerlegt werden.
Erich Zimen, ein bekannter Kynologe, spricht von Hauswölfen. Damit bezeichnet er Wölfe, die zwar mit Menschen zusammengelebt haben und mit diesen eine soziale Bindung eingegangen sind, aber noch nicht domestiziert wurden und somit noch keine genetischen Veränderungen aufwiesen.
Eindeutige Indizien für die Domestizierung liefern Funde von Hunden, die zusammen mit Menschen begraben wurden. Als Beispiele seien ein Doppelgrab in Oberkassel, Funde aus Israel und dem Orient genannt. Diese sind etwa 14’000 Jahre alt.
Von Sibirien nach Amerika
In Amerika wurde das älteste bis jetzt bekannte Hundeskelett in Texas gefunden. Es soll rund 9400 Jahre alt und mit der eurasischen Population verwandt sein. Amerikanische Wölfe seien nicht beteiligt. Es wird angenommen, dass Hunde mit der ersten menschlichen Besiedlung von Ostsibirien nach Nordamerika gelangt sind.
Verdauung als Schlüssel
Für die erfolgreiche Domestikation spielte unter anderem die Anpassung an die menschliche Nahrung, also die Fähigkeit der Stärkeverdauung, eine wichtige Rolle. Dies konnten schwedische Wissenschaftler um Erik Axelsson durch umfangreiche Untersuchungen darlegen.
Durch das Sesshaftwerden der Menschen veränderte sich auch deren Ernährung. Getreide wurde angebaut und zu einem wichtigen Nahrungsmittel. Hunde, die sich gut an die neue Nahrung anpassen konnten und die Fähigkeit besassen, Stärke zu verdauen, hatten evolutionsgenetisch einen grossen Vorteil gegenüber Wölfen und Hunden, die dies nicht oder nur wenig konnten. Diese Veränderung spiegelt einen wichtigen Unterschied in der Genetik von Hund und Wolf wieder.
Im Gegensatz zur Katze ist der Hund ein Omnivor, ein Allesfresser. Neben Fleisch, das den Hauptbestandteil der Nahrung ausmacht, gewöhnte sich der Hund auch an Getreide. Daneben stehen Obst und Gemüse auf dem Speiseplan.
Erben des Urahns Wolf
Der Hund war und ist wohl das dem Menschen am nahsten stehende Tier. Schon sehr früh wurde er als Jagdbegleiter, Wächter für Haus und Hof oder Begleithund gebraucht.
Heute sind es mehr als 400 anerkannte Rassen. Es entwickelten sich viele unterschiedliche Rassen, von denen die einen noch mehr, die anderen weniger bis kaum an den Urahn Wolf erinnern. Darunter finden sich auch der tschechoslowakische Wolfshund und der Saarloosewolfshund. Beide Rassen entstanden aus Kreuzungen von Deutschen Schäferhunden und Wölfen.
Dies ist möglich, da sich Wolf und Haushund genetisch immer noch recht nahestehen. Ihr Aussehen erinnert noch heute sehr stark an Wölfe. Ebenso weist ihr Verhalten und die sozialen Interaktionen viele Züge eines Wolfes auf, was die Haltung dementsprechend herausfordernd und mitunter kompliziert gestalten kann.
Ein faszinierender Freund
Auch heute werden Hunde in vielfältiger Weise eingesetzt, sei es nun auf der Jagd, als Wächter, bei der Polizei, als Such- und Rettungshunde, Blinden- oder Assistenzhund oder einfach als sozialer Begleiter und Familienmitglied. Hunde sind in der Lage, ausgeprägte soziale Bindungen zum Menschen einzugehen, und sind entsprechend auf sozialen Austausch angewiesen. Dies macht sie für uns Menschen zu einem so speziellen und faszinierenden Freund und Begleiter.