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Wintertourismus ohne Bahn ist undenkbar. Erst Eisenbahn-Verbindungen ins Gebirge ermöglichten die Entwicklung des Wintertourismus in der Schweiz. Zum Auftakt der Wintersaison einige Einblicke in die Erfolgsgeschichte dieses Paares.
Die Anfänge.
Im 19. Jahrhundert entstand eine neue leistungsfähige Infrastruktur des Reisens, die massgeblich zur Entwicklung des Fremdenverkehrs beitrug. In der Frühzeit des Wintertourismus dauerten Reisen im Vergleich zu heute zwar immer noch sehr lange, sie wurden jedoch durch die Eisenbahn bereits erheblich verkürzt. Chur, und somit Graubünden, war ab 1858 an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen. Dank des gut ausgebauten Schienennetzes in England und dem benachbarten Ausland reisten vor allem englische Touristen an. Die rund 1200 Kilometer lange Strecke von London ins Oberengadin konnten sie mit der Eisenbahn in vier Tagen «easily» zurücklegen, wie in der Times vom 21. Februar 1870 zu lesen war. Unterwegs übernachteten sie meist in Paris, Basel und Chur.
In den Jahren vor dem ersten Weltkrieg dauerte die Reise mit dem Schlafwagen von London direkt nach Chur noch 21 Stunden. Für die Entwicklung der schweizerischen Tourismusindustrie, insbesondere für den Wintertourismus, war die Faszination der britischen Tourismus-Avantgarde für die Schweiz zentral. «Winter-Sporting in Switzerland is now a regular feature of English life», verkündete M. J. Landa 1928 im Artikel «In the Elysium of the Snow» in der SBB Revue.
Erster Boom.
Um 1890 erhielten die grossen hochalpinen Fremdenverkehrsorte Bahnanschluss, allen voran Klosters und Davos als erste Winterkurorte in den Schweizer Alpen. Grindelwald und Lauterbrunnen im Berner Oberland folgten unmittelbar. In St. Moritz wurde praktisch gleichzeitig mit Davos der Wintertourismus in der Schweiz begründet. Die Bahnverbindungen waren eine Voraussetzung für die weitere touristische Expansion. Bis zum ersten Weltkrieg boomte das Geschäft mit dem Fremdenverkehr. Es wurden sogar Bergbahnen eigens für den Winterverkehr gebaut. Die Werbung für die Wintersportdestinationen florierte, am schönsten dargestellt in Plakaten.
Bereits bestehende Bergbahnen, die bisher ausschliesslich Sommergäste transportierten, sollten auch im Winter in Betrieb genommen werden. Allerdings nicht zur Freude aller. Rosa Dahinden, die mit ihrem Mann Josef das Hotel Bellevue auf Rigi Kaltbad führte, brachte den Bahndirektor der ältesten Bergbahn der Alpen mit Kampfgeist und einer List dazu, auch im Winter zu fahren. Sie organisierte einen Skikurs mit norwegischen Skilehrern und gab in Inseraten bekannt, dass die Bahn vom 31. Januar bis zum 5. Februar 1906 täglich fahre. Der überrumpelte Bahndirektor willigte ein und der kommende Winter 1906/07 ging als erste reguläre Wintersaison auf der Rigi in die Geschichte ein.
Skisport.
Nach dem Ausbleiben der Gäste während des Ersten Weltkriegs ging es in den Zwanzigerjahren wieder aufwärts mit dem Geschäft des Wintertourismus. Das Skifahren kam in Mode. Die in der Zwischenkriegszeit gebauten Bahnen zielten vor allem auf den alpinen Skisport. Die Werbung der SBB konzentrierte sich nun vermehrt auf die einheimische Bevölkerung. Das Zugfahren war allerdings für breite Bevölkerungsschichten nach wie vor ein teures Unterfangen. So lancierten die SBB ab den 1920er Jahren erste Aktionen für Skifahrerinnen und Skifahrer.
In einer Zeit zunehmender Konkurrenz durch Automobile bewarb die SBB gezielt ihr Angebot in die Wintersport-Destinationen. Wintersportbegeisterte kamen in den Genuss von Sport- und Sonntagsbilletten. Spezialfahrpläne ermöglichten das einfache Planen eines Wochenendausflugs in die Höhe.
Das Angebot der SBB umfasste zudem Spezialzüge für Skifahrende und weitere Wintertouristen. Sie brachten die Reisenden direkt in die Wintersportdestinationen.
Der Wintertourismus erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg abermals einen Aufschwung. Skifahren wurde zum Volkssport.
Seit über hundert Jahren befördert die SBB ihre Kundinnen und Kunden in die beliebten Wintersport-Destinationen der Schweiz. Auch heute noch profitieren sie mit Snow’n‘Rail von attraktiven Spezialangeboten der SBB und RailAway. Seit einigen Jahren macht sich ein neuer alter Trend bemerkbar: Skitouren, Schneeschuhlaufen oder Schlitteln sind heute en vogue, wie zu den Anfängen des Wintertourismus.
Literatur:
- König, Wolfgang: Bahnen und Berge. Verkehrstechnik, Tourismus und Naturschutz in den Schweizer Alpen 1870–1939. Campus Verlag, 2000.
- Lütscher, Michael: Schnee, Sonne und Stars. Wie der Wintertourismus von St. Moritz aus die Alpen erobert hat. Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2014.
- SBB Revue, 1927–1933