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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

18. Vortrag.
5.
Nun aber gib acht auf die Worte, durch die dein Herz sich beeinflussen ließ, und überdenke mit mir, wonach wir in Betreff des Wortes forschten. Bereits halten wir fest: "Gott war das Wort"; ich nehme dazu das andere, denn nach den Worten: "Dieses war im Anfang bei Gott", fügte der Evangelist sofort bei: "Alles ist durch dasselbe gemacht worden". Nun setze ich dir durch Fragen zu, nun lasse ich dich auf dich selbst los und reize dich zum Widerspruch gegen dich selbst; behalte nur hinsichtlich des Wortes dies im Gedächtnis: "Gott war das Wort", und: "Alles ist durch dasselbe gemacht worden". Höre nun die Worte, wodurch du dazu gekommen bist, den Sohn für kleiner zu erklären, nämlich weil er gesagt hat: "Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, als was er den Vater tun sieht". Ganz richtig, sagt er. Erkläre mir dies ein wenig; du verstehst dies, wie ich glaube, so, daß der Vater etwas tut, der Sohn aber zuschaut, wie der Vater es tut, damit er gleichfalls imstande sei, das zu tun, was er den Vater tun sieht. Du stellst dir gleichsam zwei Handwerker vor und denkst dir den Vater und den Sohn so, wie z.B. den Lehrmeister und den Lehrling, wie ja Väter, die Handwerker sind, ihre Söhne in ihrer Kunst zu unterrichten pflegen. Siehe, ich lasse mich herab zu deiner fleischlichen Auffassung; einstweilen denke ich so wie du; sehen wir zu, ob diese unsere Denkweise einen Ausgang findet gemäß dem, was wir über das Wort miteinander schon besprochen haben und übereinstimmend urteilen, daß nämlich "das Wort Gott ist" und "alles durch dasselbe gemacht worden ist". Stelle dir also den Vater wie einen Handwerker vor, der gewisse Werke tut, den Sohn aber wie einen Lehrling, der "nichts von sich selbst tun kann, als was er den Vater tun sieht"; denn er schaut gewissermaßen auf die Hände des Vaters, um, was er ihn machen sieht, selbst auch etwas dergleichen bei seinen Arbeiten herzustellen. Aber das, was dieser Vater tut und wovon er will, daß der Sohn auf ihn achtgebe und solches selbst auch tue, durch wen tut er es? Wohlan, jetzt erinnere dich an deine frühere Ansicht, die du mit mir durchgegangen und mit mir angenommen hast, daß nämlich "im Anfang das Wort war, und das Wort bei Gott war, und alles durch dasselbe gemacht worden ist". Während du also mit mir angenommen hast, daß durch das Wort alles gemacht worden ist, stellst du dir wieder in fleischlicher Auffassung und kindlicher Phantasie Gott als handelnd vor und den Sohn als aufmerkend, damit, wenn der Vater etwas getan hat, es auch das Wort tue. Was tut denn der Vater ohne das Wort? Wenn er es nämlich [ohne das Wort] tut, so ist nicht alles durch das Wort gemacht worden; du hast preisgegeben, was du festhieltest; wenn aber alles durch das Wort gemacht worden ist, so verbessere, was du unrichtig verstanden hast. Der Vater hat gewirkt, und er hat nur durch das Wort gewirkt; wie schaut das Wort zu, um den Vater ohne das Wort wirken zu sehen, damit das Wort in ähnlicher Weise wirke? Was immer der Vster getan hat, das hat er durch das Wort getan; oder es ist falsch: "Alles ist durch dasselbe gemacht worden". Aber es ist wahr: "Alles ist durch dasselbe gemacht worden". Schien es dir vielleicht noch zu wenig? "Und ohne dasselbe ist nichts geworden."