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An einem sehr heissen Sommertag im Juli machte Judy D. Olian im Zürcher Hotel Baur au Lac eine knappe Stunde Pause, um mit der «Handelszeitung» über ihre Beziehung zur Schweiz zu sprechen - und über ihre Pläne, die globale Präsenz stark und gezielt auf Asien und Lateinamerika auszudehnen.
Dazu scheut der attraktive Dean der UCLA Anderson School of Management mit einem PhD keine Mühe und keine noch so weite Reise. Gründe dafür gibt es genug: Neue Partnerschaften werden angestrebt; und besonders der Suche nach einer rekordverdächtigen Zahl neuer Fakultätsmitglieder von den weltbesten Forschungsinstitutionen liegt eine aggressive Wachstumsstrategie zugrunde. Erst kürzlich kam mit dem Laurence and Lori Fink Center for Finance and Investments das sechste Research Center hinzu.
Olian erzählt, dass die Schule sich mitten in einer 100-Mio-Dollar-Fundraising-Campagne befindet, um als eine von nur zwei amerikanischen Public Schools of Management weltweit einen Spitzenplatz einzunehmen. Sie möchte - und mit ihr viele andere Business-Schulen - die «Global leaders» auf eine sich unheimlich schnell wandelnde Welt vorbereiten.
Ein Milliardär als Gönner
Der Campus der UCLA Anderson School of Management in Los Angeles (Kalifornien) ist umgeben von einem 170 ha grossen Parkgelände mit uralten Bäumen, in dem die ältesten Gebäude im neoromanischen Stil dominieren, dazu kamen später die real gewordenen Träume moderner Architekten. Das riesige Grundstück liegt im Stadtteil Westwood Village, in direkter Nachbarschaft zu Beverly Hills, ein Magnet für all die Reichen und Schönen, aber auch für Touristen aus aller Welt. Olian ist begeistert von der kulturellen Vielfalt, dem Pazifik und der breiten Palette einer Wirtschaft, die sich dort angesiedelt hat und weniger auf Grösse basiert, sondern vielmehr auf kleine Unternehmen und Start-ups baut - viele von ihnen kamen aus Europa.
Die heutige UCLA Anderson School of Management wurde zwar bereits 1935 gegründet, zur Blüte und Berühmtheit kam sie jedoch erst so richtig, nachdem 1987 der Milliardär John Edward Anderson, der von 1936 bis 1940 an der UCLA studierte, dem Institut 19 Mio Dollar für den Bau gestiftet hat, der heute Olians Institut beherbergt. Im «Forbes»-Ranking der 400 reichsten Amerikaner aus dem Jahr 2009 liegt der heute 93-jährige Selfmade-Milliardär mit 1,7 Mrd Dollar auf Platz 204. Der Sohn eines Coiffeurs jobbte während seines Studiums in einer Flugzeugfabrik. Noch heute sei Anderson fast täglich an der UCLA zu sehen, die keine 1,5 km von seiner Villa entfernt liegt - wenn auch nur, um ein paar Bleistifte aufzusammeln, lacht Judy D. Olian.
MBA seit über 70 Jahren
Den Master of Business Administration (MBA) konnte man hier erstmals 1939 erwerben. Heute werden vier MBA-Programme angeboten: Der klassische Fulltime MBA, der 22 Monate dauert, ein Fully Employed MBA, den man in 27 bis 33 Monaten absolvieren kann, der Executive MBA dauert 22 Monate, und der UCLA-NUS Global Executive MBA mit einem Dual Degree, für den man 15 Monate investieren muss mit Unterbrechungen und Auslandaufenthalten in Singapur, Schanghai und Bangalore. Der Fokus liegt hier klar auf Nordamerika und Asien. NUS steht für National University of Singapore, neben der UCLA gibt sie das zweite Diplom und öffnet den EMBA-Absolventen der UCLA die Tür zu ihrem globalen Alumni-Netzwerk.
Im Fulltime MBA wurden letztes Jahr 32% Nichtamerikaner gezählt, 24% waren es beim Executive MBA. Am UCLA-NUS Global Executive MBA nahmen Studenten aus 20 Ländern teil. Da Partnerschaften hauptsächlich mit Asien bestehen, ist Europa im global genannten Programm kein Thema. Im Global MBA Ranking 2010 der «Financial Times» liegt die Schule auf Platz 33, vier Ränge weiter zurück als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Das IMD liegt auf Platz 15 und hat damit ebenfalls einen Rang abgeben müssen. Mit den Chancen auf eine Anstellung positioniert sich die Schule mit 71 Punkten eher im unteren Drittel. Das IMD bekam dafür 88 Punkte.
Wenig Schweizer Alumni
Die Reise von Judy D. Olian durch Europa bekam das Ausmass eines Marathons: Von Spanien, wo sie mitten in der Fussball-WM landete, über Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Skandinavien und die Schweiz. Mit der Universität St. Gallen besteht eine Austauschpartnerschaft für reguläre Studenten, nicht aber mit Teilnehmern eines MBA-Programms.
Olian hat in Zürich, Genf, Neuenburg und Lausanne hauptsächlich ihre Alumni besucht, darunter Bruno Pfister, CEO von Swiss Life, oder Heinrich Lammer, CEO von TBIC Asset Management (siehe «Nachgefragt»). Sie nennt diese Alumni ihre «Ambassadoren», mit denen sie einen ausgesprochen engen Kontakt pflegt. Die Schweizer Gruppe kann man leicht überschauen: Der Klub zählt nur 22 Mitglieder. Kein Wunder, sind es so wenige, denn für einen Fulltime MBA unter kalifornischer Sonne muss man zwei Jahre dort leben und hat kein Einkommen - das können sich die wenigsten leisten. In Madrid und London waren es ganze Klubs. Doch eine Judy D. Olian gibt nicht so schnell auf.
Nachgefragt
«UCLA Anderson gilt als Eliteschule - auch so erlebt»
Heinrich Lammer, CEO von TBIC Asset Management in Zürich.
Wie kamen Sie auf die UCLA Anderson School of Management?
Heinrich Lammer: Durch einen persönlichen Kontakt nach meinem Studienabschluss in Wien mit einem österreichischen MBA-Absolventen der UCLA habe ich mich ausführlich informiert und mich dann entschieden. Nicht zuletzt daher, weil sie zum Kreis der Pacific RIM gehört, deren Ausbildung gerade in der Finanzbranche hoch angesehen ist.
Ihre Begeisterung hält an, obwohl Sie während der Weiterbildung kein Einkommen hatten und die Schule selbst finanzieren mussten?
Lammer: Glücklicherweise konnte meine Frau von Kalifornien aus Beilagen für österreichische Zeitschriften machen, da kam etwas Geld herein. Es war aber auch der Way of Life und die spannenden Auftritte der Top-Executives. Die UCLA Anderson gilt als Eliteschule - ich habe sie auch so erlebt.
Bestehen noch Verbindungen mit Alumni der UCLA Anderson?
Lammer: Mit ein paar Schweizer Alumni klappt es. Einer ist im Asset-Management-Bereich tätig. Und natürlich gibt es Bruno Pfister, den CEO von Swiss Life, aber der ist sehr beschäftigt. So trifft man sich eher zufällig.