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Fieberkrampf
Wenn ein Kind höheres Fieber hat, also über 38,5°C, plötzlich die Augen verdreht und einen starren Blick bekommt, handelt es sich wahrscheinlich um einen Fieberkrampf. Manche Kinder halten dabei den Atem an, die Lippen verfärben sich blau, das Kind ist nicht ansprechbar und Arme, Beine und Gesichtsmuskeln zucken rhythmisch. Alles in allem erinnert ein Fieberkrampf an einen epileptischen Anfall. Meist tritt der Fieberkrampf in den ersten Stunden des Fiebers auf, wenn die Körpertemperatur stark ansteigt, so dass die Eltern die fiebrige Erkrankung oft erst nach dem Anfall realisieren.
Ein Fieberkrampf ist erschreckend, aber meist längst nicht so schlimm, wie er aussieht. Die Prognose ist grundsätzlich gut. In den meisten Fällen hören die Anfälle bis zum Schulalter von selbst auf und Schäden verbleiben sehr selten. Nur im Ausnahmefall ist ein Fieberkrampf tatsächlich das erste Anzeichen für ein Krampfleiden, also eine Epilepsie. Die Umstände, die dazu beitragen, dass sich aus Fieberkrämpfen eine Epilepsie entwickelt, sind immer noch wenig bekannt. Die genetische Veranlagung spielt dabei eine wichtige Rolle, aber auch, ob es sich um einen unkomplizierten oder komplizierten Fieberkrampf handelt (s.u.).
Und: Fieberkrämpfe sind auch gar nicht so selten. Etwa drei von 100 Kindern sind einmal in ihrem Leben davon betroffen, am häufigsten im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, davon am häufigsten im 2. Lebensjahr, und bei zwei Dritteln aller Kinder bleibt es bei dem einen Mal. Ein Fieberkrampf hat, wie viele wissenschaftliche Studien zeigen konnten, keinerlei Einfluss auf die intellektuelle Entwicklung des Kindes.
Nicht immer findet man eine bestimmte Ursache. Manchmal hat das Kind eine Virusinfektion. Ein Risikofaktor scheint ausserdem Nikotin- und Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft zu sein. Die Veranlagung zum Fieberkrampf wird oft vererbt. Fragen Sie also mal in der eigenen Familie nach, ob jemand als Kind ebenfalls einen Fieberkrampf hatte.
Risikofaktoren für wiederholte Fieberkrämpfe sind:
- Alter unter 15 Monaten,
- Epilepsie bei Verwandten ersten Grades,
- Fieberkrampf bei Verwandten ersten Grades,
- Besuch im Kinderhort (da dort häufiger Virusinfekte auftreten)
- und ein komplizierter Fieberkrampf (s.u.) in der Vergangenheit.
Liegen keine Risikofaktoren vor, beträgt das Risiko für einen erneuten Fieberkrampf weniger als 10%. Insgesamt (Kinder mit und ohne Risikofaktoren) kommt es in einem Drittel aller Fälle zu einem zweiten Fieberkrampf.
Einfacher Fieberkrampf
Alle Eltern, deren Kind einen Fieberkrampf erlitten hat, stellen sich die Frage, ob sich nun eine Epilepsie entwickeln wird. In der Regel kann der Kinderarzt oder die Kinderärztin die Eltern beruhigen, denn meist liegt ein unkomplizierter Fieberkrampf vor. Dieser ist generalisiert, d.h. er betrifft den gesamten Körper. Es treten entweder rhythmische Zuckungen auf (Kloni) oder die Kinder strecken sich und sind ganz steif (tonisch). Manchmal wechseln sich diese Zustände auch ab (tonisch-klonisch). Selten gibt es auch atonische Krämpfe. Während dieser Krämpfe sind die Kinder ganz schlaff. Ein Anfall dauert weniger als 15 Minuten. Nach dem Anfall sind die Kinder müde, neurologisch aber unauffällig. Normalerweise gibt es keine Wiederholung des Krampfes innerhalb der nächsten 24 Stunden. Und bei 97% der Kinder, die solch einen Fieberkrampf erlitten haben, tritt später keine Epilepsie auf.
Komplizierter Fieberkrampf
Ein komplizierter Fieberkampf dagegen liegt vor, wenn das Krampfereignis begrenzt (fokal) ist, also nur einen Körperteil betrifft, länger als 15 Minuten dauert oder das Kind nach dem Anfall neurologisch auffällig ist, z.B. Lähmungen hat. Nur solch ein komplizierter Fieberkrampf ist ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Epilepsie und benötigt ggf. weitere stationäre Abklärungen (z.B. ein EEG, MRI, Lumbalpunktion). Weitere Risikofaktoren sind: Verwandte ersten Grades mit Epilepsie, neurologische Auffälligkeiten oder verzögerte Entwicklung vor dem ersten Fieberkrampf. Kinder mit 2-3 dieser Risikofaktoren haben ein Epilepsie-Risiko von 10%.
Newsticker
Langes Krampfen schadet dem Gehirn: Fieberkrämpfe bei Kindern sind meist harmlos. Dauern die Krämpfe – ob mit oder ohne Fieber – aber länger als eine halbe Stunde, haben die Kinder später ein erhöhtes Epilepsierisiko und Entwicklungsverzögerungen bei den geistigen und motorischen Fähigkeiten. Bei den Kindern mit fieberlosem Krampfanfall waren die Werte in der jetzt veröffentlichten Studie aus London am schlechtesten. Bei Kindern mit einem Fieberkrampf lagen die Werte zwar besser, aber immer deutlich unter den Werten der Kontrollgruppe. Unklar ist noch, ob das an den Anfällen liegt oder ob das Gehirn bereits vorgeschädigt war und deshalb den Krampf auslöste. (swissmom Newsticker, 31.8.2013)
Letzte Aktualisierung : 06-11-19, BH