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© Ruedi Aeschlimann
Dorngrasmücke
Die Dorngrasmücke gilt als Charaktervogel ungenutzter Randzonen der offenen Kulturlandschaft. Das einst zusammenhängende Vorkommen der Dorngrasmücke im Mittelland weist heute grosse Lücken auf, hauptsächlich aufgrund von Habitatverlust. Die Dorngrasmücke soll deshalb mit Habitataufwertungen gezielt gefördert werden.
Ziele
Am Waadtländer Jurasüdfuss existiert noch eine für heutige Verhältnisse grössere Dorngrasmücken-Population. Diese Population soll durch Aufwertung bestehender und Neuanlage geeigneter Habitate gefördert und langfristig erhalten werden. Im Rahmen des Förderungsprojekts werden zudem spezifische Fragen untersucht, um ein besseres Verständnis der Habitatansprüche der Dorngrasmücke in der Schweiz zu gewinnen.
Vorgehen
In den Jahren 2006 und 2007 wurden am Waadtländer Jurasüdfuss Bestandsaufnahmen der Dorngrasmücke durchgeführt, um mehr über die von ihr zur Brutzeit bevorzugten Habitate zu erfahren. Zudem wurden 2006 die Dorngrasmückenbestände in drei weiteren Gebieten (Champagne genevoise GE, Grosses Moos BE, Combremont-Nuvilly VD/FR) erfasst. Anschliessend wurden die von der Art besetzten Habitate und eine gleiche Anzahl unbesetzter Habitate in unmittelbarer Nachbarschaft verglichen.
Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen fliessen in einen Kurs für Landwirte ein. Dieser Kurs zeigt, durch welche Massnahmen günstige Lebensräume für die Dorngrasmücke und weitere Vogelarten geschaffen werden können.
Bedeutung
Dieses Projekt soll zeigen, welche Massnahmen in der Landschaft zur Förderung der Dorngrasmücke ergriffen und umgesetzt werden müssen. Zudem sollen die Landwirte für die Problematik sensibilisiert und für die Umsetzung der geplanten Massnahmen gewonnen werden. Von den getroffenen Massnahmen sollen zudem möglichst weitere Arten (Neuntöter, Schwarzkehlchen, Goldammer, Feldhase, etc.) profitieren.
Ergebnisse
Im Jahr 2006 wurden im Untersuchungsgebiet am Jurasüdfuss insgesamt 70 Reviere der Dorngrasmücke gefunden, 2007 dagegen nur noch 44 Reviere. Diese grosse Bestandsabnahme dürfte mit der Reduktion der Anzahl Buntbrachen und mit den Witterungsbedingungen zusammenhängen. In der Champagne genevoise (GE) und im Grosses Moos (BE) wurden im Jahr 2006 je 43 Reviere festgestellt, in Combremont-Nuvilly (VD/FR) deren 8. Die Dorngrasmücke besiedelte in den Untersuchungsgebieten nicht nur Hecken, Ruderalfluren, Böschungen und Bahndämme, sondern auch Buntbrachen. Vereinzelt wurden zudem singende Dorngrasmücken in Rapsfeldern festgestellt.
Im Rahmen des Projekts wurden verschiedene Habitatfaktoren im Zentrum eines Dorngrasmückenreviers und an einem ähnlichen Vergleichspunkt in dessen Umgebung erhoben. Diese Habitatdaten wurden einerseits für Reviere in Brachen, anderseits für solche in Hecken analysiert, um die für die Revierbesetzung wichtigen Faktoren zu ermitteln. Für Reviere in Brachen waren die Faktoren "Vorkommen spezieller Pflanzenarten (u.a. Karde Dipsacus sylvestris)" und "Vegetationsdichte" von Bedeutung, für Reviere in Hecken waren es die Habitatfaktoren "Anzahl Dornsträucher" und "Vorkommen von Brombeeren".
Neue Entwicklungen in der Landwirtschaft führen dazu, dass Buntbracheflächen zunehmend wieder in die Produktion genommen werden. Damit verliert die Dorngrasmücke diese Ersatzlebensräume, und die Bestände nehmen dadurch (weiter) ab. Die Resultate der Brutsaison 2007 und 2008 scheinen diese Befürchtungen zu bestätigen.
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