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Patient
Die 54-jährige Frau W. war 1931 als Privatpatientin in der Dermatologischen Klinik in Zürich hospitalisiert. Sie war deutlich übergewichtig, etwas mehr als 93 kg schwer, und litt seit zwei Jahren an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Die Zuckerkrankheit war zwar nach einer Kur in Passugg etwas besser geworden, doch in den letzten Tagen wurden wieder Insulin-Injektionen nötig.
(1921 konnte erstmals Insulin isoliert werden und ab 1923 begann die industrielle Herstellung von Insulin zur Therapie von Diabetes mellitus.)
Anamnese
Schon vor über sechs Monaten hatte der Ausschlag im Genitalbereich begonnen und sich langsam ausgebreitet. Unterdessen waren auch die Hände und Finger davon betroffen und die Patientin litt unter sehr starkem Juckreiz, Schlaflosigkeit und Nervosität.
Bei Eintritt konnten auf der Haut Oidien, also Hefepilze, heute nennen wir diese Candida, nachgewiesen werden.
Verlauf
Im weiteren Verlauf traten an verschiedenen Stellen am Körper neue Herde auf, von welchen die Ärzte vermuteten, dass es sich um Überempfindlichkeitsreaktionen handelte. Um dies herauszufinden, wurde der Patientin ein Pilzextrakt (Oidiomycin) in den rechten Oberarm gespritzt. Gleichzeitig bestand auch die Möglichkeit, dass durch die Injektion des Pilzextraktes eine Immunreaktion ausgelöst werden konnte, welche schliesslich zur Abheilung der Herde führen könnte.
Befund
Moulage 174:
Die deutliche allergische Reaktion mit Schwellung, Rötung und Ausbildung einer Blase auf die Injektion von Oidiomycin (Extrakt aus Hefepilzen), verbunden mit dem Aufflammen neuer Hautherde, bestätigte diesen Verdacht.
Diagnose
Oidiomykose mit allergischer Reaktion auf Hefepilze.
Weiterer Verlauf
Einzelne Entzündungsherde heilen in den Tagen nach der Injektion ab, gleichzeitig kamen aber auch neue Herde dazu, so dass die Injektion keinen therapeutischen Effekt hatte.
Die Patientengeschichte und die Beschreibung der Versuche mit Pilzextraktinjektionen wurden 1932 zusammen mit den Abbildungen der Moulage 173 und 174 im Archiv für Dermatologie und Syphilis publiziert.
Quellen
• Staehelin A, Jui-wu Mu, van Schouwen M: Beiträge zur Klinik und Pathogenese der Oidiomykosen. Arch Derm Syph 165: 294, 1932
Patientin
Martha H., 17 Jahre
Anamnese
Hospitalisation über mehrere Monate wegen einer Tripper-Infektion. Die Patientin war bereit, an Experimenten mit Pilzen mitzumachen.
Versuchsverlauf
Die Trichophytin-Reaktion war vor dem Versuch negativ. Der Pilz für die Infektion stammte von einem anderen Patienten und wurde Martha H. am 5. Juli 1929 zwischen den ersten beiden Zehen und der dritten und vierten Zehe an beiden Füssen aufgetragen. Die Zehen wurden dick eingebunden, so dass sich eine feuchte Kammer bildete.
Während den nächsten Tagen beklagte sich Martha H. über ein Brennen und Jucken an den Füssen. Nach drei Tagen wurde der Verband abgenommen und man sah die für Fusspilz typischen Hautveränderungen. In der Folge war die vormals negative Trichophytin-Reaktion positiv, ohne dass an den Händen Veränderungen aufgetreten wären.
Drei Wochen nach einer nochmaligen Injektion mit Trichophytin entstanden schliesslich doch noch die mit Moulage 192 dokumentierten ekzematösen Veränderungen an den Händen.
Der zweite Versuch startete am 27. August 1929. Die Füsse wurden wieder mit einem Fadenpilz infiziert. Diesmal stammte das Material für die Infektion von der Patientin selbst, aus einer Kultur, die während des ersten Versuches gemacht wurde. Wieder wurden die Zehen einbandagiert und die Patientin litt unter brennenden und juckenden Füssen. Die Erkrankung verlief dieses Mal deutlich schneller und wesentlich stärker als beim ersten Mal.
Mit diesem Experiment gelang es, den ganzen Symptomenkomplex an einer zuvor gesunden Probandin auszulösen und nachzuweisen.