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Die Kaninchen werden des Öfteren fälschlicherweise den Nagetieren zugeordnet. Dabei gehören sie zur Gruppe der Hasenartigen. Sie stammen von ihren wild lebenden Artgenossen ab und zählen zu den beliebten Nutztieren. Über Frankreich und Belgien, wo bereits im Mittelalter gezähmte Kaninchen in vielen Klöstern gehalten und gezüchtet wurden, gelangten sie später in die deutschsprachigen Gebiete.
Ihr Stellenwert als Nutztier wurde bei uns allerdings erst im Verlauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannt. Bis dahin war das Fleisch von anderen Tieren, die auf den Bauernhöfen gehalten wurden, begehrt. In Frankreich hingegen hielten sich bereits zu dieser Zeit verschiedene Landwirte Kaninchen in Gehegen oder Grossviehställen für den Fleischkonsum.
Soldaten, die im Deutsch-Französischen Krieg (1870 – 1871) für den Norddeutschen Bund im Einsatz standen, erfuhren in Frankreich viel Wissenswertes zur Kaninchenhaltung. Wieder in der Heimat bauten einige von ihnen nach französischem Vorbild eigene Zuchten auf. Die fanden zusehends Nachahmer – auch in der Schweiz. Die Langohren wurden nun vermehrt in Einzelställen gehalten und einige Männer begannen mit der Züchtung von Rassekaninchen. Diese wurden ab 1874 – als in Bremen die erste Ausstellung in Deutschland stattgefunden haben soll – in der Öffentlichkeit präsentiert.
Elf Jahre später lagen erste Bewertungsvorgaben für fünf Rassen (Belgische Riesen, Französische Widder, Angora, Silberkaninchen und Russenkaninchen) vor. Sie ermöglichten friedliche Wettbewerbe unter den Züchtern, die sich zusehends grösserer Beliebtheit erfreuten. In dieser Zeit wurden auch erste Vereine gegründet, deren Ziele die Rassekaninchenzucht und die Pflege der Kameradschaft in der spärlichen Freizeit waren.
Ideelle Werte sind wichtig
Was in der Folge eine Blütezeit erlebt, erlitt in den vergangenen Jahren einen empfindlichen Rückschlag. Verschiedene Umstände und Vorschriften erschwerten den Aufbau und den Betrieb einer Kaninchenzucht. Auch das Erstellen verschiedener Gemeinschaftsanlagen verhinderte den drastischen Rückgang nicht.
Der materielle Nutzen der Kaninchenzucht steht heute längst nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr wird der ideelle Wert dieser Freizeitbeschäftigung geschätzt, die Bezug zur Natur schafft. Engagierte Züchter, welche die Zuchtziele ihrer Rassen zu erreichen versuchen, erleben mit ihren vierbeinigen Lieblingen viele schöne Momente. Dies erwies sich auch während der gegenwärtigen Corona-Pandemie als wichtig, konnten doch soziale Kontakte nur noch spärlich gepflegt werden. Die Züchter verbrachten vor allem während des Lockdowns vermehrt Zeit mit ihren Tieren. Aus nachvollziehbaren Gründen fanden in der Saison 2020 / 21 keine Ausstellungen statt. Unter Einhaltung genehmigter Schutzkonzepte führten einige Klubs und Vereine für ihre Mitglieder Tischbewertungen durch. Die Präsentation der verschiedenen Rassen in der Öffentlichkeit entfiel gänzlich und somit die Werbeplattform für dieses sinnvolle Hobby. Dennoch gibt es immer wieder Interessenten für diese Freizeitbeschäftigung. Doch welche Voraussetzungen sollten vorhanden sein, um sie betreiben zu können?
Vorabklärungen treffen
Wer sich Tiere hält, muss sie mögen und sich der damit verbundenen Verantwortung gegenüber den Vierbeinern bewusst sein. Das Tierwohl steht jederzeit im Vordergrund. So wollen Kaninchen täglich gefüttert sein und ihre Ställe müssen regelmässig ausgemistet werden. Zudem sollten die Jung- oder Neuzüchter über das nötige Wissen zur Haltung der Tiere verfügen, um sie hegen und pflegen zu können. Rassekaninchen Schweiz bietet ensprechende Weiterbildungskurse an. Diese werden von den Vereinen oder Klubs organisiert. Weiter hat der angehende Züchter vorzeitig abzuklären, wo er seine Langohren unterbringen kann. Bei diesen Fragen gilt es, die aktuellen Vorschriften und Gesetze zu beachten und allenfalls die Nachbarn über das geplante Vorhaben zu informieren. Die Kaninchenhaltung ist zudem mit Kosten für Infrastruktur, Futter oder Gerätschaften verbunden.
Erst wenn all diese Fragen geklärt sind, steht die Wahl der Rasse an. Dabei sind Tipps eines erfahrenen Züchters wie auch das Dossier «Standard 15», das die Bewertung der in der Schweiz anerkannten Rassekaninchen beschreibt, gute Hilfsmittel. Sind die Ställe bereits vorhanden, ist die Auswahl – möglicherweise durch die Grösse der Buchten bedingt – beschränkt. Müssen die Ställe aber neu gekauft werden, empfiehlt es sich, den Tieren möglichst grosse Behausungen zur Verfügung zu stellen.
Ganz wichtig ist, dass die Kaninchen bei einem seriösen und guten Züchter gekauft werden. Denn nur gute Ausgangstiere und das nötige Glück sind die Voraussetzungen für qualitativ hochwertigen Nachwuchs, der bei den Züchtern alljährlich im Frühjahr für beglückende Momente sorgt. Und werden die drolligen Jungtiere abwechslungsreich gefüttert und entsprechend betreut, dürfen sich Jung- oder Neuzüchter auch über gute Ausstellungsergebnisse freuen. Das steigert die Motivation.
Kaninchenzüchter leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Rassenvielfalt. Ziel ist es, Tiere zu präsentieren, die dem im «Standard 15» vorgegebenen Ideal möglichst entsprechen. Wie gut das gelungen ist, bestätigen jeweils die Bewertungsergebnisse an den Ausstellungen. Speziell ausgebildete Experten begutachten die Tiere genau und benoten sie nach acht verschiedenen Kriterien.
Grosser Aufwand nötig
Die Organisatoren solcher Kleintierschauen sehen sich bereits im Vorfeld gefordert. Ausstellungslokal und Boxen reservieren, Bewilligungen einholen und Experten anfragen, zählen ebenso zu den Vorbereitungen wie die Organisation des Anmeldewesens, der Festwirtschaft und der Tombola. Zudem müssen Sponsoren gewonnen und Inserenten für den Ausstellungskatalog gesucht werden. Auch eine Ankündigung des Anlasses und eine Nachberichterstattung müssen organisiert werden. Immer wieder zu Diskussionen Anlass geben die Auszeichnungen. Sollen es Erinnerungspreise oder Naturalgaben sein? Umfragen haben keinen einheitlichen Trend ergeben. Die Freude über einen Zuchterfolg, der im Kameradenkreise gefeiert wird, zählt wohl immer noch am meisten.
Ausstellungen ermöglichen auch soziale Kontakte unter Züchtern und Besuchern. Im Ausstellungslokal und in der Festwirtschaft finden angeregte Meinungsaustausche statt. Manch eine oder einer hat in der Folge den Entschluss gefasst, Rassekaninchenzüchterin oder -züchter zu werden. Für die durchführenden Vereine oder Klubs sind die
Ausstellungen zudem eine willkommene
Einnahmequelle.