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Stumm stehen sie Schlange, mit Mundschutz und mit Sicherheitsabstand, vor der Essensabgabe der karitativen Organisation «United Community», in Fairfax County, Virginia, eine halbe Autostunde von Washington entfernt.
Einzeln betreten die Hilfsbedürftigen einen kleinen Vorraum, wo sie empfangen werden. Die meisten sind Latinos. Fairfax ist einer der reichsten Bezirke der USA. Aber zwischen den Villenvierteln leben die Putzfrauen, Gärtner und Lebensmittelverkäuferinnen in Sozialwohnungen.
Viele von ihnen haben temporäre Arbeitsbewilligungen, viele sind papierlos. Sie haben kein Anrecht auf Staatshilfe oder haben Angst, sie zu beanspruchen. Die Sozialhelferin Marcia von «United Community» und nimmt hier die Personalien der Hilfsbedürftigen auf.
Sie zeigt auf ihre Nothilfe-Liste: «Hier zum Beispiel dieser Mann: Seit zwei Monaten arbeitslos wegen der Corona-Krise, Elektriker, Baugewerbe – ein typischer Fall.»
«United Community» hilft seit Anfang März mehr als doppelt so vielen Menschen als üblich, rund 80 Familien oder rund 250 Personen pro Tag. Das bringt die verhältnismässig kleine Hilfsorganisation an ihr Kapazitätsgrenze. Auch grosse, nationale Organisationen wie «Feeding America» berichten von einem Zuwachs an Klienten von 40 Prozent.
In einer Halle stapeln sich Konservendosen, grüne Bohnen und Ananas, Pasta, Nüsse, Ketchup. Freiwillige packen die Nahrungsmittel nach Vorgaben des USDA-Ernährungsplans ab und ergänzen sie mit Frischwaren.
Von einer «Hungerkrise» spricht Deb Halla, Geschäftsleiterin von «United Community»: «Schon vor der Corona-Krise litten Millionen von Menschen in den USA an Hunger. Jetzt ist die Lage gravierend.»
Halla ist sichtlich erschüttert, wenn sie von der Not spricht, die sie täglich sieht. Die Leute kämen im allerletzten Moment. «Weil sie sich so schämen, um Hilfe bitten zu müssen», sagt sie und unterdrückt Tränen. «Es ist nicht richtig, wenn in einem reichen Land wie den USA die Leute Hunger leiden müssen.»
«United Community»-Vorstandsmitglied Suzy Coffey packt frittierte Pouletstücke in Frischhaltesäcke. Sie arbeitet als Freiwillige, weil sie ihren Job gerade nicht ausüben kann. «Es braucht alle Hände an Deck.»
Die Übergabe erfolgt schliesslich durch eine Luke, um den physischen Kontakt zu minimieren. Gerade üppig ist die Auslage nicht. In einem Kühlschrank stehen am Nachmittag gerade noch sechs Eierkartons.
Die Vorräte seien ungenügend, sagt Geschäftsleiterin Halla. «Es gibt ein Problem in der Versorgungskette. Teigwaren, Reis und Brot seien chronisch Mangelware, auch bei ihren Zulieferern. «United Community» müsse die Waren oft hinzukaufen – zu teuren Marktpreisen.
«Wenn keine Teigwaren im Supermarkt erhältlich sind, werden auch keine gespendet.» Hamsterkäufe und eine allgemein höhere Nachfrage nach Lebensmitteln sorgen für Versorgungsengpässe – gleichzeitig seien die Spenden eingebrochen.
In den USA haben laut US-Behörden rund 37 Millionen Menschen nicht immer genug zu essen. Akute Mangelware sind auch Windeln – in einer Ecke steht ein Dutzend Packungen. «United Community» ist in Fairfax County verantwortlich für die Abgabe von Windeln an arme Familien.
Regierung greift Bauern unter die Arme
Die US-Regierung hat die Probleme in der Lebensmittelversorgung erkannt und wird Direktzahlungen von 16 Milliarden an die Bauern ausrichten. Rund 800 Millionen Dollar werden an private Hilfsorganisationen fliessen, teilte das US-Landwirtschaftsdepartement am 17. April mit.
Ein Blick auf die Zahlen der letzten 20 Jahre verdeutlicht noch mehr, welch massive Spuren die Corona-Krise auf dem US-Arbeitsmarkt hinterlässt.