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Die Geschichte des Palazz
Die Geschichte der Tondü ist verbunden mit dem unwahrscheinlichen sozialen Aufstieg einer sehr armen Familie aus den Bergen des Centovalli, der es in wenigen Generationen gelang, sich in der Adelswelt des Herzogtums Parma einen Platz zu sichern und gleichzeitig die Kontakte mit dem Heimatdorf Lionza, insbesondere mit der Familie Guizzi, aufrecht zu erhalten. Diese wirtschaftlich erfolgreiche Emigration hat das Schicksal der Familie Tondü völlig verändert. Ihre Stammhalter fanden ihr Glück im Herzogtum Parma, wo sie im damals florierenden Handel mit edlen Textilien erfolgreich waren. Der generierte Reichtum verschaffte ihnen dann Zugang zu den höchsten Kreisen der Gesellschaft: Pietro Antonio Tondü bekleidet während der Regierungszeit des Herzogs Francesco Farnese das wichtige Amt des Generalintendenten. Ein heute noch sichtbares Zeichen dieses Aufstiegs ist der Palazz in Lionza, der aus drei sich nahe stehenden Einheiten besteht. Das Hauptgebäude, das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde, verbindet die ländliche Bauart des Tals mit einer raffinierten architektonischen Ausstattung, die offensichtlich aus Italien stammt. Der Palazz wurde vermutlich nie ganzjährig, sondern eher als Sommerhaus in den Bergen genutzt. Das einzige permanent bewohnte Gebäude mit separatem Eingang, die casa Guizzi, ist nach Norden ausgerichtet und älteren Datums. Ab 1715 sind die Tondü immer weniger präsent im Centovalli. 1728 vergeben die Nachfahren der ersten Emigranten einigen Bürgern des benachbarten Ortes Borgnone eine Prokura für die Vermögensverwaltung ihrer Güter im Centovalli. Dieser Vertrag geht dem Dokument von 1784 voraus, in welchem der Ritter Ferdinando Tondü das „Legat Tondü" gründet. Der ursprüngliche Vertrag wurde von den Tondü mit geistlicher Befugnis unterzeichnet: Die Verwaltung der Güter bleibt den Ortsbürgern von Lionza vorbehalten. Sie dürfen sie verpachten, müssen aber den Jahresertrag nach Abzug der Spesen für den Unterhalt der Liegenschaften, für die Lesung der Totenmessen der Familie Tondü einsetzen. Die Situation verändert sich erst im 19. Jahrhundert, wo die Güter des Legats, das zwar noch immer existiert und aktiv ist, ausschliesslich von Bürgern aus Lionza verwaltet und genutzt werden.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Palazz nur noch sehr sporadisch bewohnt. Seine Dimensionen und seine Struktur waren als Wohnung für Menschen mit bäuerlichem Hintergrund ungeeignet. Aus diesem Grund wurde er während zwei Jahrhunderten als Magazin oder Warenlager gebraucht: Die verschiedenen Räumlichkeiten wurden von Jahr zu Jahr versteigert und an Ortsbürger vergeben, welche sich angemeldet hatten und die Pacht bezahlten.
Kontakt:
Fondazione Casa Tondü
Lionza
6658 Borgnone
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