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Lady Gagas nicht so rätselhafte Erkrankung
Ist es eigentlich ein Vorteil, wenn ein Star die gleiche Krankheit hat wie man selber? Diese Frage stellte ich mir allerdings nur sehr kurz, nämlich als mich eine Freundin darauf hinwies, dass Lady Gaga unter dem Fibromyalgie-Syndrom (FMS) leidet, und darum vor kurzem ihre Europatournee abgesagt hat. Um es kurz zu machen: Nein, Schmerzen werden auch nicht glamouröser, selbst wenn der Lieblingskünstler darunter leidet. Nicht, dass Gaga dazu gehören würde, aber selbst wenn Ryan Gosling FMS hätte, wäre das für mich kein Trost.
Aber Gosling leidet garantiert nicht unter dieser chronischen Erkrankung, die von schweren, diffusen Muskelschmerzen in Gelenknähe und von Schlafstörungen und Müdigkeit begleitet wird. Denn er ist ein Mann. Und das Verhältnis von erkrankten Männern gegenüber Frauen wird auf 1:7 geschätzt. Darum wird FMS gerne mal als «Psychokrankheit» bezeichnet, auch wenn die Schmerzen bei einem akuten Schub die Schwere von Rheuma haben können. Was die Zahl der Betroffenen betrifft, die unter FMS leiden, spricht die Schweizer Rheumaliga von 0,5 bis 5 Prozent. Die Schätzung ist schwierig zu machen, weil die Symptome auch auf eine Schilddrüsenunterfunktion, eine bakterielle oder virale Infektion oder entzündliche Formen von Rheuma hinweisen können.
Diagnose und vorbeugende Massnahmen
Mein Glück war es, dass ich relativ früh einen Rheumatologen fand, der meine Beschwerden ernst nahm. Normalerweise geht es drei bis fünf Jahre, bis FMS diagnostiziert wird. Eine US-Arbeitsgruppe erstellte 2010 neue Kriterien für die Diagnose von Fibromyalgie. Mein Arzt drückte bei mir also auf 19 definierte Körperpunkte, meistens bei Muskel-Sehnen-Ansätzen, und erfasste meine Schmerzen auf einer Skala namens «Widespread pain index». Bei den meisten Druckpunkten reagierte ich sehr stark. Danach klärte er mich auf, dass meine Muskeln, Bänder und Gelenke zwar gesund seien, aber dass das Miteinander von allen Körperstrukturen nicht reibungslos funktioniere, weil bestimmte Nervenfasern gestört seien.
Lady Gaga postete ein Foto aus dem Krankenhaus, das zeigte, wie sie an einer Infusion hing. Sie ist bekannt dafür, dass sie offen mit all ihren Beschwerden umgeht. Sie hat auch geschrieben, dass sie sich in eine mehrwöchige Therapie begibt und hofft, nachher wieder fit zu sein. Was gegen die FMS-Schmerzen hilft, ist individuell. Zum guten Glück hatte ich in meinem Leben erst zwei schwere, mehrwöchige FMS-Schübe. Das hat dazu geführt, dass ich bezüglich meines Körpers sensibler geworden bin und gewisse Massnahmen ergriffen habe, wie regelmässig Pilates zu machen. Die amerikanische Rheumaliga empfiehlt Ausdauersportarten wie Jogging, Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen und Aqua-Jogging. Auch wenn es am Anfang mühsam ist, sich unter Schmerzen zu bewegen, auf Dauer bringt es sehr viel, sowohl körperlich wie auch mental. Daneben wird auch geraten, eine psychologische Therapie zu machen. Dies für einen besseren Umgang mit den Schmerzen, sowie eine medikamentöse oder alternative Therapie.
Wenn ich es mir richtig überlege: Es ist doch gut, dass Lady Gaga mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit gegangen ist. Denn so rückt Fibromyalgie, wenn vielleicht auch nur für kurze Zeit, ins Bewusstsein der Menschen.