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<h2>SubmittedText<h2><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat das Problem von Antibiotika im Fleisch?</p><p>2. Würde die Schaffung eines entsprechenden Gütesiegels für Fleisch ohne Antibiotika-Einsatz Sinn machen?</p><p>3. Ist es wahr, dass selbst die vielen Bio-Siegel keinen Verzicht auf den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast vorsehen und daher eine trügerische Sicherheit bieten?</p><p>4. Wie viel Antibiotika wird in der Schweiz je im Human- und im Veterinärbereich jährlich eingesetzt?</p><p>5. Wie beurteilt der Bundesrat die Situation bei der Entwicklung von multiresistenten Keimen durch den Einsatz</p><p>a. im Humanbereich und</p><p>b. in der Veterinärmedizin?</p><p>6. Der Bundesrat wird gebeten, die Antibiotikamenge im Tiermedizinbereich aufzuschlüsseln nach Einsatz in Wildtierhaltung, Versuchstierhaltung, Heimtierhaltung, Nutztierhaltung; bei Nutztierhaltung soll er jene Tierkategorien nennen, die anteilsmässig auf den Gesamtverbrauch und die pro Tier den höchsten Antibiotikaverbrauch haben. Was sind die Gründe dafür?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Seit ihrer Entdeckung sind Antibiotika wichtige Medikamente zur Behandlung bakterieller Infektionen bei Mensch und Tier. Bereits kurz nach Einführung der ersten Antibiotika wurden antibiotikaresistente Bakterienstämme beobachtet. Resistente Stämme können dort entstehen, wo Bakterien mit Antibiotika in Kontakt kommen: beim Menschen, namentlich in Einrichtungen des Gesundheitswesens, aber auch in der allgemeinen Bevölkerung, bei Tieren sowie in der Umwelt. Weltweit wird in den letzten Jahren eine teilweise besorgniserregende Zunahme bei gewissen Antibiotikaresistenzen beobachtet. Der Bundesrat ist sich der Problematik bewusst und wird sich dieser Sache annehmen.</p><p>1. Jeder Einsatz von Antibiotika führt zu einer Selektion von resistenten Bakterien, sei es in der Human- oder Veterinärmedizin. Dadurch können auch resistente Keime auf dem Fleisch auftreten. Falls bei Nutztieren ein übermässiger oder unsachgemässer Einsatz von Antibiotika erfolgt, kann dies die Entwicklung resistenter Bakterien weiter begünstigen oder zu Rückständen in Lebensmitteln tierischer Herkunft führen. Antimikrobielle Leistungsförderer dürfen deshalb in der Schweiz seit 1999 in der Tierproduktion nicht mehr eingesetzt werden. Zu therapeutischen Zwecken müssen Antibiotika jedoch weiterhin verwendet werden. Gemäss Tierarzneimittelverordnung (SR 812.212.27) steht der Einsatz von Antibiotika unter der fachlichen Verantwortung des Bestandestierarztes. Die Senkung des Antibiotikaverbrauchs beziehungsweise der gezielte und fachgerechte Einsatz von Antibiotika ist nachweislich eine wirkungsvolle Massnahme zur Reduktion von Antibiotikaresistenzen. Es gilt daher, den Einsatz von Antibiotika auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren. Zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten vor erhöhten Antibiotikarückständen im Fleisch sind in der Verordnung des Eidgenössischen Departementes des Innern (EDI) über Fremd- und Inhaltsstoffe in Lebensmitteln (FIV, SR 817.021.23) Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen.</p><p>2. Ein Tierhaltungsbetrieb kann nicht garantieren, auf den Einsatz von Antibiotika grundsätzlich zu verzichten; dies würde dem Grundsatz des Tierschutzes widersprechen, wonach kranke Tiere (z. B. mit einer Pneumonie) ein Recht auf eine fachgerechte Behandlung haben. Die bestehenden Regelungen und Kontrollsysteme stellen bereits sicher, dass Antibiotikarückstände in Fleisch in der Schweiz im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit kein relevantes Problem darstellen. Die Einführung eines Gütesiegels würde für die Konsumentinnen und Konsumenten keinen Mehrwert in Form eines verbesserten Gesundheitsschutzes bringen. Zudem fehlen für die Überwachung eines Gütesiegels die wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen, und ein grosser administrativer Aufwand in den Landwirtschaftsbetrieben wäre unabdingbar. Bei den Fleischverarbeitern müsste zudem eine kostspielige und aufwendige Warentrennung eingeführt werden. Aus diesen Gründen erachtet der Bundesrat die Schaffung eines entsprechenden Gütesiegels nicht als eine geeignete Massnahme.</p><p>3. Gemäss der Bioverordnung (SR 910.18) dürfen Tieren in biologischer Haltung Antibiotika nur verabreicht werden, sofern phytotherapeutische und homöopathische Erzeugnisse sowie Spurenelemente keine wirksame Behandlung zur Vermeidung der Leiden des Tieres darstellen. Der präventive Einsatz von Antibiotika ist explizit verboten.</p><p>4. In der Schweiz ist 2011 eine geringere Menge (rund 62 Tonnen) an Antibiotika in der Veterinärmedizin eingesetzt worden als im Vorjahr (minus 5 Prozent). Zugenommen hat aber der Vertrieb einzelner Antibiotika-Klassen, die auch in der Humanmedizin wichtig sind. Gemäss den von Swissmedic erhobenen Antibiotika-Vertriebsdaten wurden 2011 in der Reihenfolge mengenmässig am meisten Sulfonamide vertrieben, gefolgt von Penicillinen und Tetracyclinen. Die Verkäufe von Arzneimittelvormischungen, die über das Futter an Nutztiere verabreicht werden, machen gut zwei Drittel der verkauften Gesamtmenge aus und liegen damit ebenfalls in derselben Grössenordnung wie in den Vorjahren.</p><p>In der Humanmedizin wird zur Erfassung des Verbrauchs die "Defined Daily Dose" (DDD) als Messgrösse verwendet, welche die Wirkpotenz des Wirkstoffs berücksichtigt. Die DDD für die ambulante Humanmedizin in der Schweiz liegt bei rund 8,5 DDD pro 1000 Einwohner und Tag. Ein direkter Vergleich des Verbrauchs im Human- und Veterinärbereich ist aufgrund der unterschiedlichen Erfassungsmethode aktuell nicht möglich. Es sind jedoch Bestrebungen im Gange, die Verbrauchsmengen des Veterinärbereichs in DDD umzurechnen, um so eine Vergleichbarkeit herstellen zu können.</p><p>5. Die Entwicklung der Resistenzsituation wird seit 2006 sowohl in der Human- als auch Veterinärmedizin erfasst.</p><p>In der Humanmedizin liegt die Schweiz beim Gesamtvorkommen von Antibiotikaresistenzen im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Der Anteil von MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) ist in der Schweiz sogar rückläufig. Im Jahr 2011 waren zum Beispiel rund 7,8 Prozent aller isolierten Staphylococcus aureus resistent gegen Methicillin. 2010 betrug dieser Anteil noch 8,8 Prozent, 2009 waren es 9 Prozent. Bei resistenten Darmbakterien wie Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae zeigt sich jedoch - wie in Europa - ein deutlicher Trend zur Zunahme gewisser Resistenztypen: In der Schweiz wurde beispielsweise ein Anstieg der ESBL-bildenden Escherichia-coli-Bakterien von 1 Prozent im Jahr 2004 auf etwa 5 Prozent im Jahr 2011 beobachtet.</p><p>Im Veterinärbereich kommen MRSA vor allem bei Mastschweinen vor. Die Häufigkeit ist zwar im internationalen Vergleich gering, nimmt jedoch in den letzten Jahren deutlich zu. ESBL-bildende Escherichia-coli-Bakterien werden im Überwachungsprogramm seit dem Jahr 2009 erfasst. Dabei wurden nur vereinzelt solche Keime gefunden, und es konnte keine Zunahme festgestellt werden. Im Jahr 2011 wurde mit spezifischen Methoden gezielt nach ESBL-bildenden Darmbakterien gesucht, und sie wurden bei 32,6 Prozent der Mastpouletherden, bei 8,6 Prozent der Rinder und 7,4 Prozent der Schweine festgestellt.</p><p>Die Zusammenarbeit der involvierten Bundesämter BAG, BVET, Bafu und BLW sowie der Vertreter von Kantonen, Fachgesellschaften und Expertengruppen wurde im 2012 intensiviert, um die Verknüpfung der beiden Überwachungssysteme der Human- und Tiermedizin zu verbessern. Diese Zusammenarbeit ist neben anderen Massnahmen wichtig, um den Anstieg der antibiotikaresistenten Erreger zu bremsen.</p><p>6. Die benötigten Datengrundlagen für die gewünschte Aufschlüsselung des Antibiotikaverbrauchs sind in der Schweiz aktuell nicht verfügbar. Die dafür erforderlichen Anpassungen der rechtlichen Grundlagen werden vorbereitet.</p>  Antwort des Bundesrates.