Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03190.jsonl.gz/1618

Heinrich Vogler
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 5. Oktober 1913
Priesterweihe: 6. Mai 1917
Primiz: 14. Mai 1917
Lehrer der Fratres: 1917–1925
Lehrer an der Stiftsschule: 1917–1931?
Stellvertretender Präfekt am Gymnasium: 1918–1919
Gastpater: 1920–1930
Zweiter Unterpfarrer in Engelberg: 1920–1927
Lehrer an der Klosterschule Disentis: 1930–1931
Lehrer am Kollegium Sarnen: 1936–1937
Zweiter Zeremoniar: 1931–1936
Spiritual in Sarnen: 1936–1941
Spiritual in Wil: 1941–1950
Subprior: 1952–1953
Brüderinstruktor: 1952–1953
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Sebastian Vogler, Weibel, und der Catharina Gasser.
Lebensbeschreibung[1]
Sebastian (Baschi) Vogler wurde am 5. Juni 1891 in Lungern als drittes Kind der Familie Vogler-Gasser geboren. Nach Abschluss der heimatlichen Primarschule kam Vogler im Herbst 1904 an die Engelberger Klosterschule. Mit einigen geistesverwandten Klassengenossen pflegte Vogler freundschaftliche Beziehungen, die später weiterlebten. Mehrere Jahre versah Vogler im Kollegium das Amt eines Sakristans.
Den wissenschaftlichen Arbeiten oblag der geistig sehr begabte Student nicht bloss mit Fleiss, sondern mit sehr regem Interesse. Besonders der geistvolle philosophische Unterricht des früh verstorbenen P. Sigisbert Cavelti machte auf ihn tiefsten Eindruck; die Verehrung für diesen Lehrer ging mit P. Heinrich durchs Leben. Im Sommer 1911 machte Baschi Vogler in Luzern seine Rekrutenschule. Er war später immer dankbar für das im Dienst erworbene Stück Charakterschulung und Lebenserfahrung.
Nach der Matura, die Vogler im Sommer 1912 mit Auszeichnung bestand, bat er bei Abt Leodegar Scherer um Aufnahme ins monastische Noviziat und wurde aufgenommen. Ein Jahr später, am 5. Oktober 1913, legte Baschi Vogler als Fr. Heinrich seine Profess auf das Kloster Engelberg ab.
Die theologischen Studien durchlief Fr. Heinrich an der Hauslehranstalt des Stiftes. Sie waren ihm nie eine Last, sondern eine tiefe Freude; denn er fühlte damals und sein ganzes Leben hindurch ein ausgesprochenes Verlangen nach geistiger Vertiefung und Weiterbildung. Alle theologischen Fächer fanden sein reges Interesse, besonders aber übten wieder die Stunden bei P. Sigisbert, der die jungen Mitbrüder in packender Form in die Kenntnis der Bibel einführte, einen starken und bleibenden Einfluss aus auf die geistige Entwicklung und Prägung des jugendlichen Mönches.
Am 6. Mai 1917 empfing Fr. Heinrich die Priesterweihe; und acht Tage später durfte er in Gegenwart seiner Angehörigen seine Primiz feiern. Mit der Vollendung der Studien war für P. Heinrich die Stunde gekommen, um seinen Anteil an der klösterlichen Arbeit zu übernehmen. Er war, teils gleichzeitig, teils nacheinander, Lehrer an der theologischen Hauslehranstalt (acht Jahre), Lehrer am Gymnasium (im ganzen neunzehn Jahre), stellvertretender Präfekt am Gymnasium (1918/19), Gastpater (im ganzen elf Jahre), zweiter Unterpfarrer (20/27), Lehrer an der Klosterschule Disentis und am Kollegium Sarnen (1930/31), resp. 1936/37) zweiter Zeremoniar (1931/36), Seelsorger der Frauenklöster Sarnen (1936/41) und Wil (1941/50), Subprior und Brüderinstruktor (1952/53).
Zwischen die Jahre der praktischen Arbeit fallen zwei Studienaufenthalte P. Heinrichs in Rom (1919/20) und Zürich (1928/29). In Rom studierte er Theologie, in Zürich klassische Philologie. Seine Studien musste er vorzeitig abbrechen, weil er zur Arbeit abberufen wurde. Als er anno 1936 Beichtiger im Frauenkloster Sarnen wurde, wünschte und erhielt er auch einige Schulstunden am dortigen Kollegium; und als er 1951 bereits von Wil her ins Kloster zurückkehrte, anerbot er sich sofort wieder zur Mitwirkung an der Schule. Am Gymnasium lehrte er vorwiegend alte Sprachen und Religion sowie Italienisch, bei den Fratres Bibelfächer und Homiletik. Diese Unterrichtsgebiete lagen ihm von Natur aus; und die Studienaufenthalte in Rom und Zürich ergänzten sein Wissen.
Der Schulbetrieb bei P. Heinrich litt nicht unter Starrheit und grosser Strenge; die Schüler kamen auch ordentlich zum Wort. Eine angenehme Ergänzung zur Schultätigkeit war für P. Heinrich die zeitweilige Teilnahme an der Engelberger Pfarrseelsorge. Der immer freundliche Mann plauderte gern mit den Engelbergern, interessierte sich für ihre Sprache, Bräuche, ihre Erzählungen über die Verhältnisse in früheren Zeiten. Zu Beginn der 1920er-Jahre führte Abt Basil Fellmann das Amt eines "Gastpaters" ein, während bisher die Betreuung der ankommenden Gäste mit den Ämtern der beiden Kellerare (Grosskellner und Küchenmeister) verbunden war. P. Heinrich war einer der ersten, wenn nicht der erste, welcher mit der Funktion betraut wurde; und in drei "Amtsperioden" übte er sie mit der ihm eigenen Dienstfertigkeit, Leutseligkeit und Selbstlosigkeit aus. Seine guten Sprachkenntnisse - er sprach geläufig italienisch und ordentlich französisch - sowie seine vielseitige Bildung kamen ihm dabei sehr zustatten; und anderseits brachte ihm der Verkehr mit Gästen verschiedenster Herkunft und Stellung manche wertvolle Bereicherung seines Wissens und seiner Erfahrung.
Ein grosses Opfer bedeutete es für P. Heinrich, als er ausserklösterliche Seelsorgsposten übernehmen musste, zuerst in Sarnen, später in Wil. Verhältnismässig rasch fand P. Heinrich sich in Sarnen zurecht. Der Kontakt mit den Mitbrüdern im Kollegium und der übrigen Sarner Geistlichkeit, die Nähe seiner Heimatpfarrei und seiner Angehörigen, die Vertrautheit mit Land und Leuten von Obwalden erleichterten ihm das Opfer des Fernseins von der klösterlichen Gemeinschaft. Eher schwerer wurde ihm das Ja-Wort, als ein paar Jahre später sein Abt mit der Bitte an ihn herantrat, die Seelsorge bei den Dominikanerinnen zu St. Katharina in Wil zu übernehmen. Er erklärte aber auch diesmal im Sinn und Geist der monastischen Regel seine Bereitschaft. Dort verkehrte er gern mit den gelehrten Patres Dominikanern, die in Wil öfters ein- und ausgingen und pflog vor allem ein herzliches Verhältnis zum geistvollen einstigen Universitätslehrer P. Gallus Manser, der nach seinem Rücktritt eine Zeitlang in Wil wohnte. Als P. Heinrich nach Ablauf der kanonischen neun Wiler Jahre wieder ins Kloster zurückgerufen wurde, folgte er diesem Ruf ohne Herzweh, entsprach er ja im Grunde seinen eigenen tiefsten Wünschen. Mit alter Bereitwilligkeit übernahm er wieder seinen Anteil an der klösterlichen Arbeit; und wenn er auch nie nach Ämtern gestrebt hatte, war es ihm doch eine Freude, Subprior und Brüderinstruktor zu sein.
P. Heinrich hatte auch Züge, die seinem Wesen eine ausgesprochen originelle Note gaben: seine unbedingte Arglosigkeit, sein Freisein von jeglicher Diplomatie, Politik und Schlangenklugheit, verbunden mit dem Unvermögen, beim Verkehr mit anderen Leuten solche Dinge in die Rechnung aufzunehmen; die Neigung zu missglückten oder verdrehbaren Sätzen oder Formulierungen im Unterricht; gewisse harmlose Sondererscheinungen seiner liturgischen Frömmigkeit - sein feudales Chorbrevier belegte nahezu zwei Plätze; ein heiliger Eifer für das Singen feierlicher Ämter trotz bescheidener Vertrautheit mit den Geheimnissen der Töne und Kadenzen. P. Heinrich gehörte zu den intelligenten Menschen, welche solche Dinge richtig verstehen, darin einen Beweis ihrer Beliebtheit erkennen und selber am herzlichsten darüber lachen können. Der Verstorbene lachte immer ehrlich, wenn aus der Zeit seiner stellvertretenden Präfektenherrlichkeit die schönen Geschichten vom "Operegugger" und von der fastnächtlichen "Überschwemmung" im Kollegium zur Sprache kamen, wenn er an seine biblischen "Entdeckungen" im exegetischen Unterricht erinnert wurde oder Komplimente bekam für sein Talent, neue Choralweisen zu komponieren.
Am Mittwoch der Pfingstoktav war P. Heinrich noch mit den Mitbrüdern am Mittagstisch gewesen und nachher eine Zeit lang zur Erholung im Garten. Da er unter Kopfweh litt, zog er sich jedoch bald auf sein Zimmer zurück, um etwas zu schlafen. Leider sollte der Gang zur geplanten kurzen Rast ein Gehen zur ewigen Ruhe werden. Ein eingetretener Hirnschlag entzog ihm bald das Bewusstsein; durch sein schmerzliches Stöhnen aufmerksam gemacht, eilten Mitbrüder zu ihm. Man konnte ihm noch die heilige Ölung und den Sterbeablass spenden. All das vollzog sich im Verlauf von kaum zwei Stunden, es war ein rasches, aber wohlvorbereitetes Sterben.
Werke
- Das Sarner Jesuskind. Sarnen 1933, 2. Auflage, 1940.
- Die göttliche Lesung, in: Titlisgrüsse 22, 1936/1937, S. 25-29.
Professnummer
- Nr. 710
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 39, 1952/53, S. 82-90, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf P. Heinrich Vogler, in: Titlisgrüsse 39, 1952/53, S. 82-90.