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Die Inuit werden eine Schlüsselrolle in einer bundesweiten Initiative spielen, die gerade mit €62 Millionen finanziert wurde und die Auswirkungen des Seeverkehrs in der kanadischen Arktis verringern soll.
Es ist kein Geheimnis, dass das Meereis in der Arktis schmilzt und dadurch mehr schiffbare Strecken frei werden. In den letzten dreißig Jahren hat der Schiffsverkehr in den nördlichen Polarregionen deutlich zugenommen. Allein in Kanada hat sich der Schiffsverkehr in dieser Zeit verdreifacht. Einer der Hauptgründe: Die Seewege durch die Arktis und insbesondere die Nordwestpassage sind kürzer als beispielsweise durch den Panama- oder Suezkanal.
Dies bleibt jedoch nicht ohne Folgen sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen, die in der Arktis leben und die immer mehr Schiffe vorbeifahren sehen werden. Dies gilt für die Inuit-Bevölkerung Kanadas, die den zunehmenden Schiffsverkehr und die damit verbundenen Beeinträchtigungen mit voller Wucht zu spüren bekommen. Zu diesen Auswirkungen zählen Umweltverschmutzung und das Stören der Tierwelt, insbesondere der Meeressäuger, von denen die Inuit für ihren Lebensunterhalt immer noch in hohem Maße abhängig sind.
Um dieses Problem anzugehen, hat die Bundesregierung der Qanittaq Clean Arctic Shipping gerade einen Fonds in Höhe von €62 Millionen zur Verfügung gestellt. Laut dem kanadischen Inuit Circumpolar Council (ICC), eine der wichtigsten Inuit-Organisationen, ist dies die größte Finanzierung, die sie seit ihrer Gründung im Jahr 1980 erhalten hat. Der ICC Kanada beschrieb diesen Schritt als „historisch“ und erklärte in einer im letzten Monat veröffentlichten Pressemitteilung, dass er hoffe, dass dieses Projekt die Inuit zu führenden Vertretern im Bereich der nachhaltigen Schifffahrt machen werde.
Die von der Memorial University und ICC Canada gemeinsam geleitete und mitentwickelte Initiative Qanittaq Clean Arctic Shipping soll ein Forschungsprojekt schaffen, das Qaujimaniq, das Wissen der Inuit, in den Vordergrund stellt und gleichzeitig mit Organisationen der Ureinwohner des Nordens zusammenarbeitet. Außerdem soll sie Inuit-Führer und -Gemeinschaften mit in- und ausländischen akademischen Einrichtungen, Bundesbehörden und dem Privatsektor zusammenbringen, um Technologien zu entwickeln und mithilfe des indigenen Wissens bei der Entwicklung von Strategien zu helfen. So sollen die Inuit das Wachstum des Seeverkehrs in der kanadischen Arktis selbst lenken können.
„Dies geschieht zu einer Zeit, in der die Schifffahrt in der Arktis aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels auf den zunehmenden Schiffsverkehr und die Folgen für die Umwelt in der Arktis große internationale Aufmerksamkeit erfährt. Für die Inuit wird dies die Situation verändern und uns dabei helfen, uns für eine Führungsrolle in diesem Bereich zu positionieren“, erklärte Lisa Koperqualuk, Vorsitzende von ICC Canada. Die Initiative will außerdem die Lebensqualität der Inuit-Gemeinden verbessern und die in der Region herrschende Ernährungsunsicherheit verringern. Ein Teil der Konsumgüter (einschließlich Grundnahrungsmittel) wird häufig auf dem See- oder Luftweg importiert, was zu hohen Verkaufspreisen führt. Mit dieser Initiative werden die Inuit ein Mitspracherecht beim Seeverkehr haben, von dem auch sie profitieren können.
Mirjana Binggeli, PolarJournal