Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03134.jsonl.gz/1119

Die in der Nacht zum Aschermittwoch spielende Handlung wühlt Vergangenes auf. Vor einem Jahr hatten sich zwei Burschen in das gleiche Mädchen verliebt, der Glücklichere lief mit ihm davon, der andere überfuhr sie mit einem Auto. Das Mädchen war tot, der Bursche muss sich seitdem mit einem lahmen Bein durchs Leben schleppen. Der andere, der Uebeltäter ist aus der Haft entlassen, hat ein Loch gegraben, um einen Galgen aufzustellen und sich selbst zu richten. Der Lahme kennt den Sinn des Loches nicht und erweitert es zu einem Grab. Auch er will den Uebeltäter richten. Doch die Gnade greift ein und erwirkt die Versöhnung. Aus dem Galgen zimmern sie das Kreuz, richten es in der Grube auf. Es ist ein modernes Mysterienspiel, in dem der Teufel als Filmboss auftritt, dessen Chauffeur der «Tod» ist. Der Boss und ein Mädchen namens Grace, die «englische» Verkörperung der einst Ueberfahrenen, ringen um die Seelen der beiden Jünglinge. Dem Boss hilft dabei ein unsichtbarer, teuflischer Chor, indes Grace von einem ebenfalls unsichtbaren Nonnenchor unterstützt wird. Ein dritter Chor stellt das Maskentreiben des Lebens dar. Er tanzt auch sichtbar durch die Handlung. Der Boss und sein Chauffeur sprechen in einem modernen, saloppen, zynischen Ton. Dazu eignen sich die Knittelverse, in denen das Stück geschrieben ist, vorzüglich. Manchmal ist wohl nicht das Letztmögliche in der Sprache und in der Handlungsführung erreicht, doch wird das ewige Mysterium lebendig: einzig Liebe und Glaube vermögen Böses zu tilgen und können wahrhaft erlösen. Das Spiel symbolisiert eindeutig die Erlösung aus der modernen Lebensangst durch die Gnade.