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von Peter Niederhäuser
Als das Schloss Frauenfeld 1960 als Historisches Museum seine Tore öffnete, wurde es als altes Zentrum des Thurgaus angepriesen. Was für die Zeit der eidgenössischen Landvögte ab dem 16. Jh. zweifellos zutrifft, ist für das Mittelalter keineswegs eindeutig, denn die Überlieferung zur frühen Geschichte ist lückenhaft.
Dank dendrochronologischen Untersuchungen lässt sich der Bau auf die 1230er-Jahre datieren; Auftraggeber waren wohl die Grafen von Kyburg, die in umstrittenem Gebiet ihren Vorrang demonstrierten. Während der Ortsname 1246 erstmals erwähnt wird, taucht die Burg 1361 als Besitz der Hofmeister von Frauenfeld erstmals in den Quellen auf. Diese Hofmeister lassen sich auf einen Vogt Rudolf zurückführen, der 1256 als kyburgischer Vogt in Frauenfeld belegt ist. Seine Nachkommen machten unter den Habsburgern Karriere, ehe sie gegen Ende des 14. Jh. an Bedeutung verloren und Burg Frauenfeld an die Herren von Hohenlandenberg übergeben mussten. Weder die Hofmeister noch die Hohenlandenberg übten im Thurgau landesherrliche Aufgaben aus, hatten zumindest im späteren Mittelalter keine Kontrolle über die Stadt Frauenfeld und besassen keine direkt zur Burg gehörigen Herrschaftsrechte. Das Schloss war ein repräsentativer Sitz, aber ohne besonderen herrschaftlichen Rang.
1534 änderte sich die Situation. Die eidgenössischen Orte erwarben für ihre im Turnus von zwei Jahren regierenden Landvögte einen standesgemässen Sitz, der wohl in der Mitte des 17. Jh. mit der Ausschmückung des Gerichtssaals eine bemerkenswerte heraldische Ausstattung mit den Wappen aller Vögte erhielt. Das Schloss war jetzt Verwaltungsmittelpunkt, doch die eidgenössische Herrschaft und damit die Stellung der Landvögte war ambivalent. Da zum Schloss selbst kaum Ländereien und Rechte gehörten, beruhte die Landvogtei vor allem auf der Landeshoheit mit der Rechtsprechung und den Bussen. Sollte der eindrückliche Wappenfries im Gerichtssaal von diesem Manko ablenken und die Herrschaft der Gnädigen Herren legitimieren helfen?
, Peter : Von der Grafenburg zum Geschichtsmuseum: Schloss Frauenfeld
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 25. Jahrgang 2020, Heft 2, 21 - 31.