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Als Tochter eines Lehrers war mir während meiner ersten drei Schuljahre der Vater an seinem Pult ein sehr vertrauter Anblick – im Schulzimmer (ich war damals seine Schülerin) und zu Hause. Daheim wurde ich von ihm ans Pult gerufen, wenn er mir etwas Wichtiges zu sagen hatte. An der Art, wie er meinen Namen (damals hiess ich noch Regula) aussprach und betonte, versuchte ich immer – auf dem Weg vom Kinderzimmer durch den Gang in die Stube, wo sein Pult stand – zu erraten, ob es etwas Gutes oder Schlechtes sein würde: zum Beispiel ein Zweifränkler für eine sehr gute Note oder eine Kritik über ein Verhalten, das meine Mutter ihm mitgeteilt hatte. Jedesmal tippte ich daneben. Und das war schlimmer als Tadel. Selbst die Münze konnte mich im ersten Schreck der Selbsttäuschung nicht freuen. Jetzt habe ich Worte dafür: Es war das Gefühl, ihn und die Situation nicht einschätzen und mich auf meine Wahrnehmung nicht verlassen zu können.
- Tochter: 1967, Dozentin
- Vater: 1939, Lehrer
- Jahr der Szene: 1974