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Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Frau aus dem Pflegeberuf, die jahrelang Sterbende begleitet hat. Einmal fragte ich sie: «Kann man eigentlich ein gutes Sterben einüben?»
Ihre Antwort war: «Ja, durch das Einüben des Loslassens, das ein Teil der ‹Ars moriendi› ist, wie man im Mittelalter diese anspruchsvolle ‹Kunst des Sterbens› nannte.»
Als Illustration dazu nun der Bericht eines Missionars. Dieser erzählte von einem Menschen, dem diese Kunst nicht fremd war. Er lebte in der Südsee und war seit Jahren krank und hilflos. Eines Tages schleppte er sich mühsam auf die Veranda seiner Grashütte, rief alle Dörfler zusammen und begann ein langes Lied zu singen, den Preisgesang seines Lebens. Er erzählte seinen Mitmenschen von all den vielen guten und schönen Dingen, die er im Laufe der Jahrzehnte hatte erleben dürfen. Gebannt lauschten die Inselbewohner. Als er geendet hatte, legten sie ihn in die Hütte zurück und flüsterten untereinander: Seine Seele ist im Aufbruch. An jenem Abend brachte ihm der Missionar von der benachbarten Mission einen Teller Suppe, einen ganz grossen Teller voll dampfender Bohnensuppe. Der Greis griff zu; die Suppe schien ihm zu schmecken. Als er fertig war, wischte er mit der Linken über die Lippen, schmatzte zufrieden und legte den Löffel auf die Erde. Es sei das beste Süppchen gewesen, das er je gegessen habe, beteuerte er. Dann lehnte er sich zurück – und schlief ein. Er erwachte nicht mehr.
Auf diesen bescheidenen Menschen passt das Wort von Jesus: «Viele Letzte werden Erste sein und Erste Letzte.»
Wir leben hier und heute in einer Zeit, in der die Gier nach mehr uns hindert, diesen wahrhaft königlichen Weg zu gehen. Möge Gott uns die Kraft dazu schenken.