Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/199266

<h2>SubmittedText<h2><p>Eine Studie der Eawag, die am 12. Dezember 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist, zeigt auf, dass Antibiotikaresistenzen durch die Kläranlagen nicht nur nicht vollständig eliminiert werden, sondern dass sie im Abwasser auch aktiv sind und sich verändern (https://www.eawag.ch/de/news-agenda/news-plattform/news/news/resistenzen-schmuggeln-sich-durch-klaeranlagen/). Dabei wurde auch ein Zusammenhang festgestellt zwischen der Häufigkeit von Resistenzen und dem Vorkommen von Antibiotika im Abwasser. Gelangen resistente Bakterien in die Umwelt, überleben sie dort besser als die Krankheitserreger.</p><p>In diesem Zusammenhang stellen sich nachfolgende Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat die Ergebnisse der Studie in Bezug auf die Zunahme der antibiotikaresistenten Keime?</p><p>2. Welche Schlüsse zieht er in Bezug auf die Qualität der Trinkwasserversorgung, die auf der Basis der Gewässer basiert, in die der Auslauf von Kläranlagen geführt wird?</p><p>3. Welchen Einfluss haben die Ergebnisse auf die gesetzlichen Regelungen bezüglich Standards der Kläranlagen bzw. deren Aufrüstung?</p><p>4. Welchen Einfluss haben die Ergebnisse auf die Antibiotika-Strategie des Bundes, insbesondere bezüglich Verminderung des Antibiotikaeinsatzes?</p><p>5. Welche Erfolge sind bereits durch die 2014 im Parlament beschlossene Revision des Gewässerschutzgesetzes und die beschlossenen Massnahmen gegen Mikroverunreinigungen bei zentralen Abwasserreinigungsanlagen zu verzeichnen?</p><p>6. Wie effektiv sind die zurzeit verwendeten Nachweismethoden zur Identifikation der resistenten Organismen in Abwässern?</p><p>7. Inwieweit sind heute bekannte und verwendete Massnahmen zur Eliminierung von Spurenstoffen auch geeignet für die Eliminierung von resistenten Organismen in Abwässern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Studie der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) zeigt, dass antibiotikaresistente Bakterien in Abwasserreinigungsanlagen (ARA) zu 90 bis 99 Prozent entfernt werden. Inwiefern die verbleibenden antibiotikaresistenten Bakterien zur Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei menschlichen und tierischen Krankheitserregern beitragen, lässt sich aktuell nicht abschliessend beurteilen.</p><p>2. Das Trinkwasser ist durch mehrere Barrieren geschützt. Die wichtigste Trinkwasserressource ist das Grundwasser. Abwasserhaltiges Oberflächengewässer passiert zuerst eine Bodenschicht, welche das Oberflächengewässer vom Grundwasser trennt (Infiltration). Dadurch und durch die weiteren Aufbereitungsschritte wird die Kontamination des Trinkwassers mit Bakterien verhindert. Nach heutigen Erkenntnissen kann eine Gefährdung für die Trinkwasserversorgung nahezu ausgeschlossen werden.</p><p>3./7. Der 2016 eingeleitete Ausbau der ARA hat zum Ziel, Mikroverunreinigungen wie beispielsweise Medikamente oder Biozide zu reduzieren. Inwieweit die dazu eingesetzten Verfahren auch die resistenten Bakterien entfernen, wird aktuell untersucht. Zurzeit schätzt der Bundesrat die Gefährdungslage durch die resistenten Bakterien im Abwasser als relativ tief ein, sodass kein zusätzlicher Regelungsbedarf besteht.</p><p>4. Die Hauptursache der Resistenzbildung ist die übermässige und unsachgemässe Anwendung von Antibiotika im Gesundheitswesen und in der Tierhaltung. Die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (Star) des Bundesrates setzt genau bei diesen Ursachen an: Antibiotika sollen so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich eingesetzt werden. Dieser Fokus muss aufgrund der Ergebnisse der Eawag-Studie nicht angepasst werden.</p><p>5. Aktuell sind 8 ARA mit zusätzlichen Reinigungsstufen zur Elimination der organischen Spurenstoffe in Betrieb und 24 weitere in Planung. Die Umsetzung der Massnahmen läuft gut. Alle Kantone haben die auszubauenden ARA in einer Planung bestimmt. Inzwischen werden bei rund 10 Prozent des kommunalen Abwassers erfolgreich Antibiotika und weitere organische Spurenstoffe entfernt.</p><p>6. Die heute eingesetzten Messmethoden sind keine Routinemethoden zur Identifizierung und Quantifizierung resistenter Bakterien in Gewässern und daher ungeeignet für einen standardisierten Einsatz.</p>  Antwort des Bundesrates.