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Umstrittener Landkauf in Erlenbach
Die Gemeindeversammlung Erlenbach muss nächsten Freitag entscheiden, ob die Gemeinde für die stufenweise Erstellung von Sport- und Erholungsanlagen «In der oberen Betten» rund 60 000 qm Land zum Durchschnittspreis von 21 Franken kaufen soll. Ein Teil dieses Geländes ist vom Gemeinderat bereits erworben worden, ein anderer Teil wurde durch die «Genossenschaft für Sport- und Erholungsanlagen» mit Darlehen der Gemeinde gekauft. Weil der Gemeinderat dabei seine Finanzkompetenzen massiv überschritten hat, ist die Behörde bereits von Bürgern gerügt worden. Als zweites «heisses» Geschäft liegt der Versammlung vom Freitag eine umstrittene Hausrenovation vor.
Bereits vor einigen Jahren ging der Erlenbacher Fussballplatz durch eine Überbauung verloren. Vereinskartell und Gemeinderat bestellten darauf eine Planungskommission, die schliesslich das Gelände «in der oberen Betten» als Standort für Sport- und Erholungsanlagen auswählte. Später wurde eine Genossenschaft gegründet, die zusammen mit der Gemeinde die Anlagen bauen und betreiben will, wobei an einen stufenweisen Ausbau entsprechend den Bedürfnissen und den finanziellen Möglichkeiten gedacht wird.
Seit 1971 konnten Gemeinde und Genossenschaft über 52 600 qm Land für durchschnittlich 21 Franken erwerben, was einem Wert von rund 1,1 Millionen Franken entspricht. Der Gemeinderat bewilligte hierfür der Genossenschaft Vorschüsse bis insgesamt 751000 Franken (Stand im August 1974), obwohl die Kompetenzgrenze für den Rat bei 50000 Franken liegt.
Die Behörde rechtfertigt ihre Kompetenzüberschreitung – die ihr eine Verwaltungsbeschwerde eingetragen hat – damit, dass das Land nur dank raschem Zugreifen der Genossenschaft habe gesichert werden können. Der Gemeinderat beantragt nun der kommenden Gemeindeversammlung nachträglich die Genehmigung eines selbst getätigten Landkaufs, die Übernahme der jetzt formell der Genossenschaft gehörenden Grundstücke sowie die Vollmacht, zwei weitere zur Arrondierung nötige Parzellen zu erwerben, wobei im einen Fall möglicherweise ein Enteignungsverfahren erforderlich sein wird.
Hauptsorge der Kritiker des Projekts «Betten» ist, der Landkauf werde unabsehbare Folgen mit sich bringen, weil man die Grundstücke sofort mit allen möglichen Sportanlagen überbauen werde. Die Genossenschaft und der Gemeinderat haben aber an einer Orientierungsversammlung festgehalten, dass jede einzelne Ausbauetappe wieder der Gemeindeversammlung vorgelegt werden müsse und dass ein Vollausbau erst auf weite Sicht geplant sei. Die Verantwortlichen betonten auch, dass die Anlagen nicht dem Spitzensport dienen sollen, sondern vor allem auch Kindern und Familien.
Umstrittener Turmhelm
Zu reden geben dürfte auch der Antrag, der zwiebelartige Turmhelm beim der Gemeinde gehörenden «Alten Erlengut» sei durch ein billiges Zeltdach zu ersetzen. Für die Erhaltung des Jugendstil-Hausteils, zu dem der Turm gehört, hatten sich zahlreiche Erlenbacher bei einer Unterschriftensammlung und die kantonale Denkmalpflege-Kommission in einem Gutachten eingesetzt. Der Gemeinderat dagegen ist für einen späteren Abbruch des aus der Jahrhundertwende stammenden Anbaus, weil dieser nicht erhaltenswert und bei einem späteren Ausbau des Erlenguts für die Gemeindeverwaltung kaum nutzbar sei.