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barfi.ch: Die heutige Filmwelt wird schnell und schneller. Wie bei vielen Ihrer Filmprojekte liessen Sie sich auch bei der Verfilmung von José Luis Sampderos Romans «Das etruskische Lächeln» nicht davon unter Druck setzen. Wie lange dauerte die Arbeit daran?
Arthur Cohn: Ich habe die Filmrechte am Bestseller «Das Etruskische Lächeln» 1998 erworben und war elf Mal in Barcelona bei der Agentur des Autors, um die Rechte zu verlängern. Der Film ist nun – nach elf Monaten Produktion in San Francisco, Schottland und Glasgow – endlich realisiert worden.
Haben Sie den 2013 verstorbenen Autor persönlich kennen gelernt?
Den verstorbenen Autor des Buches «La Sonrisa Etrusca», José Luis Sampedro, habe ich zweimal getroffen.
Erfuhr er noch von Ihrem Filmprojekt und (wenn dem so war), was hat er davon gehalten?
Er war aussergewöhnlich charmant und an der geplanten filmischen Umsetzung seines Werks in jeder Hinsicht interessiert.
Viele Ihrer Filme, so auch «Das etruskische Lächeln», sind sehr emotional, der Zuschauer wird wohl mindestens ein Taschentuch benötigen, um sich die Tränen zu trocknen. Bleiben Sie Ihrem strikten Motto kein Sex und keine Gewalt in meinen Produktionen treu?
Der Film zeigt nicht nur keinen Sex und keine Gewalt, sondern vor allem nicht jene wahnsinnig teuren Effekte, wie sie bei den amerikanischen Filmen von heute die Hauptsache der ganzen Produktion ausmachen. Es gibt viele Filme, die über 200 Millionen Dollar kosten – wobei alleine die digitalen Effekte mit 120 Millionen Dollar (oder sogar mehr) den grössten Posten innerhalb des Budgets ausmachen. Das Problem: Diese Filme bieten häufig kein echtes Drama, sondern nur die Schauwerte der komplizierten Effekte.
Sie wohnen in Basel, Tel Aviv und Los Angeles. Bestimmt die Arbeit alleine, wo sie sich zuhause fühlen?
Ich wohne in Basel, nicht in Los Angeles – dort bin ich aber sehr häufig. Bei meinen Aufenthalten in Los Angeles habe ich die Möglichkeit, mich zu orientieren welche ungewöhnlichen Themen in Amerika besonders interessieren könnten und ferner finde ich dort einige der besten Autoren, weil es in der Stadt viele Menschen mit profunder Filmerfahrung gibt.
Als grosser Amerika-Kenner, was erhoffen Sie sich von der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten?
Ich kenne Trump nicht persönlich, bin aber der Meinung dass die so massive Vorverurteilung vor seiner Präsidentschaft zumindest verfrüht ist. Wie jedem neuen Präsidenten sollte man ihm eine Chance von mindestens einem halben Jahr geben, ehe man eine erste Bilanz zieht. Hinzu kommt, dass ich in gar keiner Weise zufrieden mit Obama war. Ohne Frage ist er ein grossartiger Redner, aussenpolitisch aber hat er wenig Ahnung, was sich in seinen Aktivitäten immer wieder gezeigt hat. Ausserdem hat er in einigen wesentlichen Fällen einseitige Meinungen vertreten, die nicht ausgewogen waren und deshalb viele verärgert haben. Dass Trump gewählt wurde hat mich nicht überrascht, denn immer wieder habe ich Leute in den USA getroffen die von Obama enorm enttäuscht waren, da konkrete Hoffnungen auf persönliche Verbesserungen der Zufriedenheit in ihrem Leben während der acht Jahre seiner Präsidentschaft nicht erfüllt wurden. So haben viele Trump in der Meinung gewählt, dass es nicht schlimmer kommen kann als bisher. Ich weiss, dass Trump in eher primitiver Weise über Frauen sprach. Ich weiss aber auch verbindlich aus Washington, dass 42% der amerikanischen Frauen Trump gewählt haben. Die Zweifel an ihm und seinen Äusserungen waren also kleiner als der mangelnde Respekt vor Hillary Clinton.
Meryl Streep, die von Ihnen verschiedene Male hochgelobte Schauspielerin, hat Donald Trump anlässlich der Golden Globes heftig kritisiert. Es scheint die Meinungen auch unter den grossen Filmschaffenden sind da geteilt.
Meryl Streep ist mit mir befreundet. Sie ist eine grossartige Schauspielerin und ein wahrhaft goldiger Mensch. Wie viele politisch eher links gerichtete Persönlichkeiten in Hollywood war sie für Hillary Clinton, und dementsprechend nach dem Wahlausgang wütend.
Sie sind einer der wenigen Produzenten der Welt, die über das Recht des «Final Cut» verfügen. Diese Ehre ist ebenso selten wie wertvoll. Weshalb eigentlich und was bedeutet es genau?
Als einer von ganz wenigen Produzenten auf der Welt habe ich mir das Recht auf «Final Cut» immer vorbehalten. Die grossen Studios geben dieses Recht nie ab, weil sie den Film dann so auswerten können, wie sie es für richtig halten. Bei meinen unabhängigen und privat finanzierten Produktionen bedeutet mein «Final Cut», dass zum Beispiel die Regisseure eine Montage vorschlagen können, ich als Produzent aber entscheide, ob diese durchgeführt wird.
Wie hat das zum Beispiel bei «Das etruskische Lächeln» mit den beiden jungen Regisseuren Mihal Brezis und Oded Binnun funktioniert? Kommen die finalen Entscheide durch Sie bereits während der Produktion, oder erst am Ende.
Die Regisseure des Films hatten noch nie einen Spielfilm gedreht, sondern bisher Commercials und drei Kurzfilme gemacht. Aufgefallen sind sie mir durch ihren Short «Aya», der für einen OSCAR nominiert war. «Aya» empfand ich als sehr sensitiv, weil der Film ein an sich unkommerzielles Thema denkwürdig in nur vierzig Minuten behandelt.
Wo wurde der Film gedreht und wie lange dauerten die Dreharbeiten? Und wie lange dauerten die Arbeiten am Schnitt, vielleicht im Vergleich mit den Dreharbeiten?
Die Dreharbeiten fanden in San Francisco und Schottland statt, die technische Fertigstellung wurde während der vergangenen Monate in London durchgeführt.
Wie war die Zusammenarbeit mit den beiden Hauptdarstellern Brian Cox und Rosanna Arquette? Letztere hatte ja bereits in Ihrem Film «White Lies» mitgespielt.
Die Zusammenarbeit mit dem berühmten schottischen Schauspieler Brian Cox und der ja auch bei uns bekannten Rosanna Arquette, die übrigens in Frankreich ganz besonders populär ist, war sehr herzlich und intensiv.
Wie hoch waren die Kosten für «Das etruskische Lächeln»?
«The Etruscan Smile» hat 12.3 Millionen Dollar gekostet. Die Finanzierung jedes Films hat, wenn das Sujet einmal feststeht, nichts mit der langen Arbeit am Drehbuch zu tun. Meine Filme werden fast immer von Privatpersonen getragen, die für ihre Finanzierung an einem wesentlichen Teil des erhofften Gewinns beteiligt werden.
Am 9. Februar ist die exklusive Vorpremière im Musicaltheater Basel. Wer von den Schauspielern wird nach Basel kommen?
Die Vorführung am 9. Februar ist eine Vor-Premiere, zu der nur der Hauptdarsteller des Films erwartet wird, sowie auch der überaus begabte Komponist der Filmmusik. Die Weltpremiere wird dann in Los Angeles oder London stattfinden.
Sie sind bekannt dafür, einen äusserst illustren Freundeskreis geniessen zu dürfen, entsprechend zeigt sich an Ihren Premièren immer viel Prominenz. Auf wen darf Basel gespannt sein?
Ich war bis jetzt in London bei der Fertigstellung des Films und bin deshalb über die VIPs an der Premiere noch nicht orientiert.
Die letzte Frage ist vor einer unmittelbar anstehenden Premiere eigentlich unverschämt, Sie arbeiten allerdings nicht selten gleichzeitig an mehreren Produktionen. Welches sind Ihre nächsten Projekte?
Mein nächster Film steht bereits fest: Nach erheblichen Problemen ist es mir gelungen, die Filmrechte an Fred Uhlmanns Bestseller «Der wiedergefundene Freund» zu erwerben. Ich bin bereits mit einer ersten Fassung des Drehbuchs fertig, an der ich neben der Fertigstellung des neuen Films bereits in diesem Jahr intensiv gearbeitet habe.
Weitere Titelgeschichten finden Sie in den News Basel.
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