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Sie schlugen ein wie eine Bombe und hatten alles, was es zum Superstar braucht: Doch plötzlich geriet ihre Karriere ins Stocken. Einige Fussball-Wunderkinder hielten sich dennoch beachtlich, andere versanken bald komplett in der Versenkung.
Er war erst 18 Jahre alt, als Alexander Merkel 2010 ein vielbeachtetes Debüt für die AC Milan in der Champions League gab. An der Seite von Andrea Pirlo, Clarence Seedorf, Ronaldinho und Zlatan Ibrahimovic. Der wieselflinke, technisch versierte Mittelfeldspieler galt als kommender Superstar und schaffte es bei Milan dank zahlreicher Verletzter unverhofft zum Stammspieler.
Doch genau so schnell wie sein Stern aufgegangen war, ging er auch wieder unter. Milan setzte plötzlich auf Stephan El Shaarawy statt auf Merkel, erste Verletzungsprobleme kamen hinzu. Der deutsch-kasachische Doppelbürger (ein Länderspiel für Kasachstan) wurde nach Genua abgeschoben, wo er aber auch nicht glücklich wurde. Über Udinese und Watford kam Merkel im Sommer 2015 schliesslich zu GC. Zu Saisonbeginn war er unter Michael Skibbe gesetzt, verletzte sich dann aber und bekam in der Rückrunde keine Chance mehr.
Nach nur einer Saison in Zürich lockte ihn Ex-Teamkollege Gennaro Gattuso in die Serie B zu Pisa. Doch nach zwei Wochen wurde der Ex-Sion-Trainer dort entlassen und alle von ihm geholten mussten den Verein umgehend verlassen. Seit August 2016 nimmt Merkel nun beim VfL Bochum in der 2. Bundesliga einen neuen Anlauf. Mit mässigem Erfolg, meist sitzt er auch im Ruhrpott nur auf der Bank.
Es ist noch keine sieben Jahre her, da dominierte Ganso zusammen mit seinem Teamkollegen Neymar die brasilianische Liga. Mit dem FC Santos holte das Duo den brasilianischen Pokal und die Staatsmeisterschaft in São Paulo. In beiden Wettbewerben wurde nicht etwa der 18-jährige Neymar, sondern der etwas mehr als zwei Jahre ältere Ganso zum besten Spieler gewählt. Der Spielmacher wurde als «linksfüssiger Zidane» gefeiert, im August 2010 debütierte er mit der Nummer 10 in der «Seleção». Sein Marktwert: 20 Millionen Euro.
Sämtliche europäischen Topklubs klopften bei Ganso an. Da schlug die Verletzungshexe zu: Kreuzbandriss und zehn Monate Pause. Nach missglücktem Comeback folgte der Wechsel zum FC Sao Paulo, doch das einstige Supertalent fand nie mehr zu alter Stärke zurück.
Erst 2016 wechselte der Brasilianer nach Europa, für 9,5 Millionen Euro zum FC Sevilla. Eingeschlagen hat er dort nicht: In der vergangenen Saison pendelte er zwischen Ersatzbank und Tribüne hin und her. Ganso ist zwar noch immer sehr ballsicher und technisch enorm stark, doch zum absoluten Superstar fehlt dem heute 27-Jährigen die nötige Dynamik und Schnelligkeit.
Für 22 Millionen Euro kam Alexandre Pato 2007 als 17-Jähriger zur AC Milan – und schlug gleich ein wie eine Bombe. Trotz immer wiederkehrenden Muskelverletzungen erzielte er in der Serie A während vier Jahren regelmässig seine Tore und verhalf Milan 2011 mit 14 Treffern zum bis heute letzten Scudetto.
Die folgenden anderthalb Jahre wurden jedoch zum Albtraum: Pato machte aufgrund von Verletzungen nur 15 Liga-Spiele für die Rossoneri, in die Schlagzeilen hievte er sich nur noch mit seiner Beziehung zu Silvio Berlusconis Tochter Barbara. Als Pato mit erst 23 zurück zu Corinthians nach Brasilien wechselte, zerbrach auch das Liebesglück.
Doch auch in der Heimat ging Patos Abwärtsspirale weiter. Nach einem halben Jahr schickte Corinthians ihn wegen seiner mangelnden Einstellung zum Teufel. Es folgten Engagements bei Sao Paulo, Chelsea und Villarreal, doch nirgends fand er zu seiner alten Stärke zurück. Anfang 2017 fand sich doch noch ein neuer Abnehmer für den Brasilianer: Der chinesische Erstligist Tianjin Quanjian überwies 18 Millionen Euro an Villarreal, obwohl dieses ein halbes Jahr zuvor nur drei für Pato ausgegeben hatte. Im Land der Mitte läuft es nicht schlecht. Mit 13 Treffern in 21 Spielen liegt der 28-Jährige derzeit auf Rang 6 der Torjägerliste der Super League.
Sunderland, Oktober 2013: Erstmals spielt der ManUnited-Youngster Adnan Januzaj in der Premier League von Beginn an. Und der 18-jährige Belgier mit albanischen Eltern aus dem Kosovo schlägt ein wie eine Bombe. Mit zwei Toren macht er gegen Sunderland quasi im Alleingang aus dem 0:1-Rückstand einen 2:1-Sieg und rettet damit dem neuen Trainer David Moyes (vorerst) den Kopf.
Januzaj war 2011 für 575'000 Euro aus der Junioren-Abteilung von Anderlecht zu den «Red Devils» gewechselt, nun wurde er plötzlich als neuer Wayne Rooney gefeiert. Aufgrund seiner Herkunft bemühten sich bald sechs Nationen um ihn: Belgien, Kosovo, Albanien, die Türkei, Serbien und England, für das er aber erst ab 2018 hätte spielen können. Das Rennen machte schliesslich Belgien (6 Länderspiele). In Manchester wurde sein Vertrag schnellstmöglich verlängert. Gleich um fünf Jahre und für «eine horrende Summe», wie Januzajs Berater frohlockte.
Doch das junge Supertalent konnte sich in Manchester keinen Stammplatz erkämpfen. Kurz vor Ende des Transferfensters wurde er im Sommer 2015 an Borussia Dortmund ausgeliehen, wo er in einem halben Jahr aber nur auf sechs Einsätze kam. Nach seiner Rückkehr nach Manchester wurde er von José Mourinho umgehend aussortiert. Moyes holte ihn daraufhin zu Sunderland, wo er zwar spielte, aber auch nur selten überzeugte. In dieser Saison wagt Januzaj nun den Neuanfang in der Primera Division bei Real Sociedad San Sebastian. Dort wurde er am 3. Spieltag bei seinem ersten LaLiga-Einsatz nach 74 Minuten ausgewechselt.
Fredua Koranteng Adu galt als Jahrhunderttalent des amerikanischen Fussballs. Schon mit 14 Jahren war er Profi, unterschrieb einen Millionen-Dollar-Deal mit Nike, hatte fast 400'000 Follower bei Twitter. Er tingelte durch Talkshows, lächelte von Zeitschriften-Covers und trat gemeinsam mit Pelé in Werbespots auf.
Geboren in Ghana, kam Adu im Alter von acht Jahren in die USA, als die Mutter in der Lotterie eine Greencard gewann. Es war der wahr gewordene «American Dream» – vom Einwanderer zum Millionär. Doch sportlich konnte Adu die (völlig überzogenen) Erwartungen nie wirklich erfüllen. Zwar spielte er 16 Mal für die US-Nationalmannschaft, auf Klubebene ging es aber ständig bergab: Von Benfica Lissabon, das vom schnellen Ruhm geblendet wurde, über MLS-Klub Philadelphia Union, FK Jagodina aus Serbien und den finnischen Erstligisten KuPS landete er schliesslich bei den Tampa Bay Rowdies, einem zweitklassigen Profiteam aus Florida.
Im Sommer 2017 absolvierte er Probetrainings beim schwedischen Zweitligisten Syrianska und beim polnischen Erstligisten Sandecja Nowy Sacz. Nachdem er von beiden Klubs Absagen kassiert hatte, beschwerte sich Adu auf Twitter enttäuscht, dass er es satt habe, immer wieder als Marketing-Gag benutzt zu werden, um kurzfristige Medienaufmerksamkeit zu generieren. Der 28-Jährige ist arbeitslos geblieben und hofft weiter auf eine echte Chance, sich im Fussball-Business beweisen zu können.
17 Jahre, einen Monat und 22 Tage war Bojan Krkic alt, als er 2007 gegen Villarreal sein erstes Liga-Tor für den FC Barcelona schoss. Bis heute ist der Spanier mit serbischem Vater der jüngste Barça-Torschütze in der Primera Division, den Rekord knöpfte er Lionel Messi ab. Fans und Medien feierten den Teenager als Wunderkind und priesen ihn als grosses Versprechen für die Zukunft. Leider verfrüht: Krkic gewann mit Barça zwar zweimal die Champions League und holte drei Meistertitel, konnte sich im Starensemble aber nie durchsetzen, geschweige denn mit Messi konkurrieren.
2011 begann seine Europa-Tournee, weil Pep Guardiola nicht auf ihn, sondern auf Neueinkauf Alexis Sanchez setzte. Doch bei der AS Roma und bei Milan wurde Krkic ebenfalls unglücklich. Auch bei Ajax Amsterdam konnte der spanische Nationalspieler (1 Länderspiel) nicht überzeugen. Zuletzt spielte er auch bei Stoke City keine Rolle mehr, weil Trainer Mark Hughes körperbetonter spielen liess. «Da passe ich nicht so recht rein», sagte Krkic, der mit 1,73 Meter und 65 Kilogramm eher schmächtig ist.
Also liess er sich an Mainz 05 ausleihen, wo er die Erwartungen abermals nicht erfüllen konnte. Im Sommer 2017 folgte das nächste Leihgeschäft: CD Alaves ist es diesmal. Dort traf er auf Zidane-Sohn Enzo und Munir El-Haddadi, ein weiteres Ex-Talent des FC Barcelona.
Kein Wunder wurde Alen Halilovic bereits in jungen Jahren mit Lionel Messi verglichen. Der Linksfuss war schon mit 16 unfassbar schnell, bärenstark im Dribbling, eiskalt im Abschluss und trotz seiner geringen Körpergrösse ziemlich robust. In Kroatien brach der Teenager schnell Rekord um Rekord: Mit 16 Jahren und 100 Tagen wurde der 1,70-Meter-Mann zum jüngsten Erstligaprofi, kein Jahr später zum jüngsten Nationalspieler.
Halb Europa machte sich auf die Jagd nach dem Supertalent von Dinamo Zagreb. 2014 wechselte Halilovic mit 18 schliesslich für 2,2 Millionen Euro und mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet zum FC Barcelona. Doch bei den Katalanen stagnierte der Jungspund, Trainer Luis Enrique liess ihn nur einmal bei den Profis laufen. Im Januar 2015 durfte er im Cup-Achtelfinal-Hinspiel bei Elche für 28 Minuten ran – sämtliche Superstars waren nicht einmal im Aufgebot.
In der nächsten Saison wurde Halilovic an Sporting Gijon ausgeliehen, wo der Kroate eine ordentliche Saison ablieferte. Der Hamburger SV wurde deshalb auf ihn aufmerksam und holte das einstige Wunderkind für fünf Millionen Euro in die Hansestadt, wo er aber mehr durch seine negative Berufseinstellung als durch sein fussballerisches Talent auffiel. Schon nach einem halben Jahr ging man wieder getrennte Wege. Seither versucht der mittlerweile 21-jährige Halilovic bei Las Palmas sein Glück, wo er es bislang aber ebenfalls nicht über den Status des Ergänzungsspielers gebracht hat.
Schon krass: Martin Ödegaard ist erst 18 Jahre alt, gilt aber bereits als gescheitert. Aber so läuft das halt, wenn man mit so viel Vorschusslorbeeren bedacht wird wie er. Vor gut zwei Jahren galt der junge Norweger als DER kommende Superstar. Sämtliche Topklubs rissen sich um ihn, boten horrende Summen. Am Ende machte Real Madrid das Rennen. Für 2,8 Millionen Euro wurde der offensive Mittelfeldspieler zu den Königlichen gelotst.
Doch Ödegaard schaffte den Durchbruch nie. Nur zweimal lief er für die erste Mannschaft von Real Madrid auf, kam bloss auf 122 Einsatzminuten und musste sich meist bei der Reserve abrackern. Im Januar 2017 lieh ihn der zwölffache Champions-League-Sieger dann an den holländischen Erstligisten SC Heerenveen aus. In der holländischen Eredivisie sollte er erstmal Spielerfahrung bei den Profis sammeln.
Das macht Ödegaard auch. Mittlerweile hat er sich bei Heerenveen einen Stammplatz erkämpft, Norwegens Nationaltrainer Lars Lagerbäck setzte zuletzt aber trotzdem nicht auf ihn. «Wenn ich der Meinung wäre, dass er sich sportlich qualifiziert hätte, wäre er hier», sagte er Anfang September. Anders sieht es Real Madrid, das den Vertrag mit dem Teenager fast gleichzeitig über das Jahr 2018 hinaus verlängert hat.
Sein Profi-Debüt feierte Manuel Fischer im Dezember 2007 in der Champions League – und das im legendären Camp Nou. Beim Gastspiel des VfB Stuttgart in Barcelona wurde der damals 18-Jährige in der 71. Minute eingewechselt, weil Cacau und Mario Gomez verletzt ausfielen. Der bullige Mittelstürmer galt damals als eines der grössten Talente des deutschen Fussballs. An der U17-EM 2006 wurde Fischer mit fünf Treffern Torschützenkönig – zusammen mit Bojan Krkic und Tomas Necid. Bester Spieler des Turniers? Toni Kroos.
Doch der Auftritt im Camp Nou sollte Fischers einziger in der Königsklasse bleiben. Beim VfB erhielt er zwar einen Profivertrag und er schoss im letzten Spiel der Saison sein erstes und einziges Bundesliga-Tor, nach der Sommerpause setzte Trainer Armin Veh aber auf andere. Mit ein Grund waren seine ständigen Knieprobleme: Mit 14 riss er sich zum ersten Mal das Kreuzband, sieben Jahre spielte er ohne Operation weiter, bis diese 2010 nach der nächsten schweren Knieverletzung unausweichlich wurde.
Es folgte eine Odyssee durch Deutschlands Fussball-Provinz, mit erneuten Rückschlägen. Insgesamt acht schwere Verletzungen an beiden Knien hat Fischer bereits erlitten. Mittlerweile spielt der 27-Jährige beim SSV Reutlingen in der 5. Liga, wo er mal wieder einen neuen Anlauf nimmt.
Mit 16 debütierte Javier Saviola in der höchsten argentinischen Liga und schoss gleich sein erstes Tor. Mit 17 wurde er zu Argentiniens Fussballer des Jahres gewählt, ein Jahr jünger als Diego Maradona bei seiner erstmaligen Wahl. Mit 19 wurde der 1,69 Meter kleine, aber pfeilschnelle Stürmer mit 11 Treffern Torschützenkönig und bester Spieler der U20-WM. Der Hype um Saviola kannte keine Grenzen und für viele Argentinier stand fest: Das ist der neue Maradona.
Nach 46 Toren in 86 Ligaspielen wechselte «El Conejo» («Das Kaninchen», wegen der leicht vorstehenden Zähne) 2001 für 36 Millionen Euro zum FC Barcelona, wo er einen Sechsjahresvertrag unterzeichnete. Er rettete River Plate so im Alleingang vor dem Bankrott.
Die Erwartungen waren riesig und Saviola schlug sich nicht schlecht: 44 Tore erzielte er für die Blaugrana in den ersten drei Saisons. Doch das reichte den Katalanen nicht, sie schimpften über Saviolas Stil, er würde zu oft Freistösse und Elfmeter schinden. Ausserdem passte seine Spielweise nicht zum Fussball, den der neue Trainer Louis van Gaal spielen liess. Mit Ronaldinho, Henrik Larsson und Samuel Eto'o holte Barça zudem frischen Wind für die Offensive, für den Hoffnungsträger war plötzlich kein Platz mehr.
Nach zwei Ausleihen zu Monaco und Sevilla wechselte Saviola nach Ablauf seines Vertrags ausgerechnet zu Barcelonas Erzrivalen Real Madrid, wo er aber Raúl, Robinho und Gonzalo Higuain den Vortritt lassen musste. 2009 ging es für fünf Millionen Euro Ablöse zu Benfica Lissabon, wo er drei Jahre lang ordentliche Leistungen ablieferte. Es folgten noch Engagements beim FC Malaga, Olympiakos Piräus und Hellas Verona, ehe er seine Laufbahn bei River Plate ausklingen liess und 2016 beendete. Zum Superstar reichte es Saviola nie, jetzt versucht er sich als Trainer. Nicht mehr auf der grossen Bühne, sondern in Andorra beim dortigen Erstligisten FC Ordino.
Bei der U17-WM 2005 wurde Anderson Luís de Abreu Oliveira zum besten Spieler gewählt. Der schmächtige Mittelfeldspieler fiel durch seine elegante Spielweise und seine feine Technik auf. Der FC Porto holte den 17-jährigen Brasilianer danach für fünf Millionen Euro nach Europa, wo er als Joker gleich seinen Teil zum Gewinn der Meisterschaft beitrug und einem gewissen Sir Alex Ferguson auffiel. Für 31,5 Millionen Euro holte ihn dieser zu Manchester United.
Mit den «Red Devils» wurde Anderson viermal englischer Meister und holte 2008 die Champions League, wobei der eingewechselte Brasilianer im finalen Penaltyschiessen gegen Chelsea die Nerven behielt und seinen Versuch souverän versenkte. Allerdings machte der einstige WG-Kollege von Cristiano Ronaldo in acht Jahren nur gerade 105 Spiele für die United. 2010 zog er sich einen Kreuzbandriss zu, wovon er sich nie mehr richtig erholen sollte. Auch nach seiner Genesung hatte er immer wieder Knieprobleme und oft ein, zwei Kilos zu viel auf den Rippen. Ausserdem sprach er auch nach vier Jahren auf der Insel kein Englisch.
Als Fürsprecher Ferguson bei ManUnited aufhörte, war auch Andersons Zeit abgelaufen. Er wurde an Fiorentina ausgeliehen, doch bei der «Viola» fehlte ihm der Ehrgeiz, sich durchzusetzen. Eine Wadenverletzung tat schliesslich ihr übriges, am Ende absolvierte er kein einziges Spiel über 90 Minuten für Florenz. Der achtfache brasilianische Nationalspieler wechselte zurück in die Heimat, wo er nur noch zwei Mal auffiel.
Einmal, als er in der Copa Libertadores in der Höhenluft von La Paz nach 39 Minuten völlig entkräftet ausgewechselt wurde und auf der Ersatzbank eine Sauerstoffmaske benötigte, ein anderes Mal, als er im Internacional-Training Teamkollege William mit einem Faustschlag die Nase brach.
Das grosse Vorbild des jungen Royston Drenthe ist Edgar Davids. Kein Wunder, schliesslich ist der Oranje-Superstar sein Onkel. Und das Talent schien in der Familie zu liegen. Der Sohn surinamischer Einwanderer ist wendig, trickreich, schnell und hat einen guten Schuss. Über die Jugendabteilung von Feyenoord wechselte der Holländer mit 16 zu Excelsior Rotterdam, doch bald holte ihn Feyenoord zurück. Mit 18 gab der 1,67 Meter kleine Linksfuss sein Debüt in der Eredivisie, ein Jahr später führte er die holländische U21 als Spieler des Turniers zum EM-Titel.
Real Madrid war beeindruckt von seinen frechen Dribblings, harten Tacklings und Tempoläufen auf der Aussenbahn und holte ihn für 14 Millionen Euro in Spaniens Hauptstadt. Zum Stammspieler reichte es Drenthe, der plötzlich drei Millionen Euro pro Jahr verdiente, bei den Königlichen nie, aber trotz der namhaften Konkurrenz kam er zunächst zu seinen Einsätzen. Einmal wurde er spanischer Meister, doch der ganz grosse Durchbruch blieb ihm verwehrt.
Weil er die totale Anerkennung auf dem Platz nicht fand, suchte Drenthe sie neben dem Platz. Fasziniert vom Rapper-Lifestyle lebte er mit bis zu 15 Kumpels aus der Heimat in einer Madrider Villa. Er stürzte sich ins Nachtleben, ernährte sich ungesund, leistete sich teure Luxuskarren. Wegen Falschparkens und Tempoüberschreitungen sammelte er Strafzettel in der Höhe von 15'000 Euro.
Als José Mourinho 2010 Real-Trainer wurde, war Drenthes Zeit bei den Königlichen abgelaufen. Es begann eine lange Odyssee: Bei Everton, Reading und Sheffield Wednesday liess er immer mal wieder seine Klasse aufblitzen, aber da waren eben auch immer noch seine Eskapaden. 2013 tauchte ein Video auf, das ihn im Temporausch und mit Bierdose in der Hand in seinem weissen Ferrari zeigte. Nach seiner Karriere beschloss er Rapper zu werden. Im Februar 2017 kam mit Paranoia die erste Single von «Roya2Faces» auf den Markt.
17 Jahre, sieben Monate und 14 Tage war Federico Macheda alt, als er den Höhepunkt seiner Karriere erreichte. Am 5. April 2009 erzielte der Italiener beim 3:2-Erfolg gegen Aston Villa den Siegtreffer für Manchester United. Sechs Tage später markierte der bullige, aber technisch begabte Stürmer, der aus der Jugendabteilung von Lazio Rom nach Manchester gewechselt war, auch im zweiten Einsatz für die «Red Devils» den Siegtreffer. Ein Star war geboren. Dachten sie in Manchester.
Der Hype um den Teenager war riesig und Macheda stieg der schnelle Erfolg zu Kopf. Der 1,88 Meter grosse Modellathlet stagnierte bald in seiner Entwicklung und irgendwann war auch Fergusons Geduld zu Ende. Nach nur 17 weiteren Spielen für die United wurde Macheda ab 2011 immer wieder ausgeliehen. Doch weder bei Sampdoria Genua, den Queens Park Rangers, dem VfB Stuttgart, noch bei den Doncaster Rovers konnte er einen bleibenden Eindruck hinterlassem.
2014 lief sein Vertrag mit ManUnited aus und Macheda wechselte in die Championship zu Cardiff City, wo er mit sechs Toren in 27 Spielen eine ordentliche Saison ablieferte. Danach wurde der Italiener aber wieder von Verletzungen zurückgeworfen und mal wieder ausgeliehen. Im Sommer 2016 wurde sein Vertrag mit Cardiff «im gegenseitigen Einvernehmen» aufgelöst und Machedo musste sich auf Arbeitssuche begeben. Schliesslich fand er vor Weihnachten 2016 bei Serie-B-Klub Novara Unterschlupf, wo er sich endlich einen Stammplatz erkämpft hat.
Herbst 2008, Jack Wilshere wird im Alter von 16 Jahren und 256 Tagen zu Arsenals jüngstem Premier-League-Spieler aller Zeiten. Die Experten und allen voran Trainer Arsène Wenger sagen ihm eine grosse Zukunft voraus. Auf der Insel stilisieren sie ihn bald zum Nachfolger der Weltklasse-Mittelfeldspieler Frank Lampard und Steven Gerrard hoch. Die folgende Saison verbrachte er auf Leihbasis bei den Bolton Wanderers, wo er sich so gut entwickelte, dass ihn Wenger sofort wieder zurückholte.
Zurück bei den «Gunners» erkämpfte sich Wilshere schnell einen Stammplatz. Er hatte alles, was es zum Superstar braucht: Technik, Tempo und Spielintelligenz. Nach der WM in Südafrika debütierte er im Sommer 2010 mit 18 auch in der englischen Nationalmannschaft. Doch bereits ein Jahr später begann seine grosse Leidenszeit. Wilshere verletzte sich am Knöchel und fiel nach einer Operation und einem Ermüdungsbruch mehr als ein Jahr aus. Die Saison 2010/11 sollte lange die einzige bleiben, die er unverletzt überstand.
Denn auch nach seinem Comeback schlug die Verletzungshexe immer wieder zu: Haarrisse im Wadenbein, Knöchel- und Knieverletzungen. Das Ausnahmetalent musste sich stets wieder zurückkämpfen, was ihm nicht behagte. Die Zweifel nagten an seinem Selbstvertrauen, hinzu kam immer wieder Kritik an seiner körperlichen Fitness und Eskapaden neben dem Platz: Frauengeschichten, Schlägereien, Alkohol.
Im Sommer 2016 liess sich Wilshere an Bournemouth ausleihen, wo er eine ansprechende Saison spielte, sich gegen Ende aber erneut verletzte. Das ehemalige Supertalent kehrte zu Arsenal zurück, wo er sich ins Team zurückkämpfen will. Die gute Nachricht für ihn: Er ist erst 25. Die schlechte: Die Konkurrenz schläft nicht. An Granit Xhaka, Aaron Ramsey und Mesut Özil gibt's derzeit kein Vorbeikommen.
Im Sommer 2009 holt der FC Barcelona Zlatan Ibrahimovic für 69,5 Millionen Euro. Doch im Hintergrund legt Präsident Joan Laporta bereits die Weichen für die Zukunft: Für 14 Millionen Euro kommt auch der 20-jährige Brasilianer Keirrison de Souza Carneiro ins Camp Nou. Nach den Rockstars Keith Richards und Jim Morrison benannt, schiesst er in der zweiten Liga Brasiliens als 18-Jähriger 41 Tore, zwei Jahre später wird er Torschützenkönig in der brasilianischen Serie A. Er selbst vergleicht sich bereits mit Romario.
Doch für den damaligen Trainer Pep Guardiola ist Keirrison noch nicht reif für die Primera Division. Er wird nach nur sechs Tagen in Barcelona an Benfica Lissabon ausgeliehen, wo er aber nur sieben Mal zum Einsatz kommt. Es folgt eine Leihe zur AC Fiorentina (zwei Tore in zehn Spielen) und schliesslich geht's zurück in die Heimat zu seinem Stammverein Coritiba, wohin er nach Ablauf seines Dreijahresvertrages fix wechselt. 2017 nimmt er mit 28 nochmals einen Anlauf in Europa, doch auch beim späteren Absteiger FC Arouca im Norden Portugals kann sich das einstige Wunderkind nicht durchsetzen.