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Wer zum Dönerkönig will, muss an den Rand von Winterthur fahren. Steigt man dort einen unscheinbaren Lieferantenzugang hoch, findet man sich bald in einem Grossraumbüro wieder. Dort sitzt Zeynel Demir in einer Nische, über sich ein Foto seiner Heimat, die er seit 1985 nicht mehr betreten darf. Damals floh der Kurde aus der Türkei nach Griechenland. Wegen seines Engagements in einer linken kurdischen Partei drohte ihm die Todesstrafe. Weil er als Flüchtling nicht arbeiten durfte, wäre er trotz der grossen Gefahr fast in die Heimat zurückgekehrt. Wäre da nicht ein alter Freund gewesen, der inzwischen in Basel arbeitete und ihm vorschlug, sein Glück in der Schweiz zu versuchen.
Demir zog in eine WG und wartete, während er auf dem Bau schuftete, jahrelang auf die Anerkennung als Flüchtling. Dabei wäre es wohl auch geblieben, hätte sich ihm nicht eine einmalige Chance geboten. Sein türkischer Metzger litt an einer Hautkrankheit. Eines Tages sagte er zu Demir: «Die Leute kaufen nichts mehr bei mir, weil sie Angst haben, sich anzustecken. Übernimm du doch meinen Laden. Gratis.» Demir schlug ein. Und versprach, dem Metzger alles zurückzuzahlen, sollte er zu Reichtum kommen. Aufgrund seines Aufenthaltsstatus war es ihm damals verboten, ein eigenes Geschäft zu besitzen. So kaufte ein Schweizer, der ihn kannte, die Metzgerei. Demir war aber de facto Chef. Er ärgert sich über die herablassende Behandlung von Asylbewerbern. Dem «Sonntagsblick» sagte er einmal: «Ich habe es selbst erlebt. Asylsuchende wollen arbeiten, dürfen es aber nur in bestimmten Funktionen.»
Sein Entscheid traf in seinem Umfeld auf wenig Gegenliebe. «Die meisten haben mich ausgelacht und gesagt, ich könne ja kaum Deutsch. Es sei besser, wenn ich mich nicht selbständig machen würde», erinnert sich der Unternehmer. «Mein Chef auf der Baustelle meinte: ‹Geh nicht! Du verstehst nichts von Geschäftsführung!›» Doch Demir liess sich nicht beirren. Und baute ab 1993 mit der Royal Döner AG ein Unternehmen auf, das heute 60 Prozent der Schweizer Dönerbuden mit Fleisch beliefert und jährlich einen Umsatz von 40 Millionen Franken generiert.