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von Peter Dörrie. If you don’t understand German, then check out “Why Are African Countries Buying All These High-Tech Jet Fighters?” about the same topic, also written by Peter Dörrie, published on “War is Boring“.Afrikanische Streitkräfte sind derzeit auf Shoppingtour und besonders neues Fluggerät hat es ihnen angetan. Mit vollen Taschen Dank sprudelnder Einnahmen aus der Erdölförderung investieren Länder wie Uganda, Angola und der Sudan in moderne Kampfjets und Bomber, Helikopter und integrierte Flugabwehr. In den letzten Jahren sind so in Afrika mehrere hundert Millionen Dollar umgesetzt worden – Summen, die die Frage aufwerfen, gegen wen oder was das gekaufte Gerät eigentlich eingesetzt werden soll.
Beliebt ist russisches Gerät
Einige der interessantesten Rüstungsgeschäfte drehen sich um modernes (oder modernisiertes) Fluggerät aus russischer Produktion. Besonders die Sukhoi SU-30 scheint es derzeit vielen afrikanischen Regierungen angetan zu haben. In den letzten sechs Jahren sind mindestens 50 Maschinen der für den Export bestimmten MK-Version an afrikanische Regierungen geliefert worden, die meisten an Algerien und Uganda. 18 weitere SU-30 werden in nächster Zeit an Angola ausgeliefert und weitere Staaten, etwa der Sudan, sollen Interesse bekundet haben. Mit einem Stückpreis von etwa 37 Millionen Dollar ist die SU-30 nicht gerade ein Schnäppchen für Länder, die immer noch auf den unteren Rängen der Entwicklungsindizes zu finden sind.
Die SU-30 ist in etwa mit der amerikanischen F-15E Strike Eagle vergleichbar. Das moderne Mehrzweckkampfflugzeug hat eine Reichweite von 3.000 Kilometern. Ähnlich weit technisch fortgeschritten ist der JAS-39C Gripen, von dem Südafrika 29 Stück angeschafft hat.
Diese Kampfflugzeuge der 4,5ten Generation sind die aktuellen Kronjuwelen afrikanischer Luftstreitkräfte, aber beileibe nicht die einzige Neuanschaffung in den letzten Jahren. Mindestens 64 Mil Mi-24 Kampfhubschrauber in unterschiedlichen Ausführungen wurden genauso auf dem Kontinent ausgeliefert wie SU-25 Erdkampfflugzeuge, brasilianische EMB 314 Super Tucanos und chinesische K-8 und F7 Kampfflugzeuge, letzteres eine modernisierte Version der alterwürdigen MIG-21. Mehrere Länder investierten außerdem in unterschiedliche SAM-Luftabwehrsysteme.
Insgesamt schätzt das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), dass in den Jahren von 2008 bis 2013 mehr als doppelt so viel an Rüstungsgütern aus dem Luftwaffenbereich den Weg nach Afrika gefunden hat, wie in den Jahren zuvor.“Totaler Overkill”
Dass diese Hochrüstung aus Angst vor Bürgerkriegen passiert, ist unwahrscheinlich, sagt Siemon T. Wezeman, der beim SIPRI die Rüstungsgeschäfte in Afrika verfolgt. SU-24 oder SU-30 in Konflikten wie in Darfur einzusetzen sei “totaler Overkill”, so Wezeman im Interview mit Offiziere.ch. Darüber hinaus sind viele der Länder, die derzeit Kampfflugzeuge der 4,5ten Generation anschaffen, darunter Uganda, Äthiopien, Angola und Südafrika, nicht durch interne Konflikte bedroht. Da gleichzeitig massiv in Luftabwehr investiert würde, scheinen innenpolitische Gründe für die Anschaffungen nicht ausschlaggebend zu sein, so Wezeman. Rebellengruppen verfügen praktisch nie über ernstzunehmende Luftwaffen.
Anschaffungen wie die südafrikanischen Gripen und ugandischen SU-30 seien eher auf eine Mischung aus Geltungsbedürfnis und dem Verlangen nach der Möglichkeit zur regionalen Machtprojektion zurückzuführen: “Das neue Südafrika sieht sich zu einem gewissen Maß als Regionalmacht und ein solcher Status muss mit militärischen Ambitionen untermauert werden. Angola hat bedeutende Interessen in der Demokratischen Republik Kongo und die angolanische Luftwaffe ist dort in der Vergangenheit auch eingesetzt worden. Uganda bereitet sich auf die Verteidigung der neu entdeckten Ölfelder vor und aktuell unterstützt es die Regierung im Südsudan [im dortigen Bürgerkrieg]. Es gab Luftangriffe weit im Norden des Südsudans, die meiner Meinung nach nur von SU-30 ausgeführt worden sein können, wenn man die Reichweite bedenkt.”
Wezeman glaubt, dass besonders der Nil, in dessen Einzugsgebiet sechs Ost- und Nordafrikanische Länder liegen, eine prominente Rolle in den Planspielen afrikanischer Militärstrategen spielt. Verträge aus der Kolonialzeit sichern Ägypten und dem Sudan die Nutzung des Löwenanteils der Nilwasser und für beide Länder hat der Fluß existentielle Bedeutung. In den letzten Jahren hat aber vor allem Äthiopien, wo mit dem blauen Nil 85 Prozent der Wassermenge des Nils entspringen, diesen Status Quo in Frage gestellt. Die Äthiopier bauen unter anderem einen Staudamm nahe der Grenze zum Sudan. Ägypten hat bereits militärische Konsequenzen angedroht, sollte dadurch weniger Wasser für die eigene Landwirtschaft zur Verfügung stehen.
“Wenn man in Betracht zieht, dass der Sudan gerade seine Flugfelder im Süden des Landes generalüberholt, die primär bei Aktionen gegen den Südsudan und Äthiopien nützlich wären, habe ich das Gefühl, dass der Sudan sich bereit macht, den Nil zu verteidigen,” sagt Siemon Wezeman. Äthiopien investiert derweil in Flugabwehrsysteme.
Alle genannten Länder verfügen über gut ausgerüstete konventionelle Bodentruppen, inklusive moderne Panzer und Artillerie. Damit macht die Unterstützung durch eine ähnlich moderne Luftwaffe durchaus Sinn – in der Theorie. In der Praxis müssen sich die neuen Anschaffungen erst noch beweisen.Eine Frage der Wartung
Modernstes Fluggerät hat schon in der Vergangenheit immer wieder seinen Weg auf den Kontinent gefunden, aber traditionell haben afrikanische Luftwaffen ein großes Problem mit der Wartung der Maschinen. Das hat seine Ursachen sowohl in einem Mangel an Geld, um Ersatzteile zu kaufen, als auch einem Mangel an fähigen Mechanikern. Die finanzielle Situation in einigen Ländern verbessert sich zur Zeit – ob damit die alten Probleme überwunden werden können, ist aber fraglich.
Südafrika beispielsweise hält seine Gripen-Jäger praktisch komplett am Boden, da sich der regelmäßige Betrieb als zu teuer herausgestellt hat. In vielen Ländern wird das Fluggerät nicht von einheimischen Piloten gesteuert, sondern von osteuropäischen Söldnern, da die eigenen Streitkräfte die teure und aufwendige Ausbildung nicht leisten können. Und selbst wenn Uganda und Angola ihre SU-30 einsatzbereit halten können, ist nicht garantiert, dass sie mit dem Kauf der Flugzeuge auch ein gutes Geschäft gemacht haben. Siemon Wezeman gibt zu bedenken, dass diese Maschinen “das gesamte System brauchen, gutes Training, Luftabwehr an den Fliegerhorsten, Radarabdeckung für den eigenen und benachbarte Lufträume”, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten. Ursprünglich entwickelt wurden das Kriegsgerät ja immerhin für Länder wie Russland und China, die solche integrierten Systeme vorweisen können.
Unter Umständen können wir derzeit beobachten, wie hunderte Millionen Dollar auf Anschaffungen wie die SU-30 verschwendet werden, die in Afrika nie ihr volles Potential erreichen werden. Und während das bedauerlich sein mag, ist es immer noch die attraktivere Alternative zu einem tatsächlichen Einsatz des Kampfgeräts in einer Konflikt zwischen afrikanischen Staaten um regionale Dominanz und wirtschaftliche Interessen.