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Die Stiftung Menschen für Menschen Schweiz macht es sich zur Aufgabe, auf dem Land wie in den Städten Verelend-
ung aufzuhalten und Lebenschancen aufzubauen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die Menschen in Äthiopien unterstützen können. Hier finden Sie alle Spendenmöglichkeiten mit konkreten Beispielen.
Wiege der Menschheit, Herkunftsland des Kaffees, reiche Kultur und arme Familien. Über 100 Millionen Menschen leben hier: Auf Besuch in einem widersprüchlichen Land.
Der letzte äthiopische Kaiser musste nach einem Militärputsch im Jahr 1974 abdanken. Doch einer Kaiserin kann man in vielen Regionen des Landes noch heute jeden Tag begegnen. Viele Äthiopierinnen tragen einen schweren Silberschmuck um den Hals, auf dem das Konterfei der österreichischen Kaiserin Maria Theresia zu sehen ist. Was steckt dahinter?
Frau in Fogera: Wie viele Generationen vor ihr haben wohl schon ihren Anhänger getragen?
Immer wieder sieht man im Hochland Äthiopiens Frauen mit auffälligen silbernen Schmuckstücken vor der Brust. Sie zeigen das Porträt einer älteren Dame. Wenn man die Trägerinnen fragt, wer die markante Frau ist, wissen sie die richtige Antwort nicht. Manche vermuten, es sei Maria, die Mutter von Jesus, sie versprechen sich Schutz von ihrem Halsschmuck.
Der Vorname Maria ist nicht verkehrt: Tatsächlich tragen sie das Konterfei von Maria Theresia, der Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen, der Herrscherin über das riesige Habsburger-Reich von 1740 bis zu ihrem Tod im Jahre 1780.
Einst war der Silberschmuck der Bäuerinnen ein Zahlungsmittel, das in Millionen Exemplaren in Österreich geprägt wurde: Ab 1751 liess die Regentin den neuen «Maria-Theresien-Taler» als im ganzen Reich gültiges Geld ausliefern. Im Laufe der Jahre zeigte die Münze verschiedene Darstellungen der gewichtigen Kaiserin im Profil, nach 1780 ein Altersbildnis mit Witwenhaube und leichtem Doppelkinn. Britische Händler nannten die Münze in den folgenden Jahrzehnten nicht nur «Maria-Theresia-Dollar», sondern bezeichneten sie mit dem wenig charmanten Spitznamen «Fat Lady».
Österreich benutzte den Maria-Theresia-Taler im 18. Jahrhundert für den internationalen Handel und verdiente gut an seinen Silberbergwerken. In Europa herrschte insgesamt ein Mangel an Silber, denn Gewürze und Seide wurden häufig in Silbermünzen bezahlt und flossen in Richtung Asien ab. Die Habsburgermonarchie profitierte davon. Sie konnte die Taler gewinnbringend exportieren. Weil das Gewicht und der sehr hohe Silbergehalt der Münzen konstant blieb und sie durch zahlreiche Merkmale relativ fälschungssicher waren, wurde der Taler zur im Wortsinn „harten Währung“ in der Levante, Arabien und in Ostafrika. Die Münzen wurden auch nach dem Tod von Maria Theresia geprägt, im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte rund 400 Millionen Stück – weshalb deren Wert begrenzt ist: Im Online-Münzhandel werden sie heute schon für 25 Franken angeboten.
Zwar gab es am Horn von Afrika auch andere Zahlungsmittel wie Tuch und Salz neben einigen einheimischen Münzen und Glasperlen für den Kleinhandel. Aber natürlich zahlten die Händler lieber in klimpernder Münze: Statt schwerer Salzbarren mussten sie als Zahlungsmittel nur noch die Taler transportieren. Statt ganzer Kamelkarawanen mit Salz konnten wenige Esel die Kästen mit den Talern tragen.
Aber die wirklich grossen Geschäfte waren dennoch eine Herausforderung. Der Äthiopist Richard Pankhurst berichtet in einem wissenschaftlichen Aufsatz von einem Geschäftsmann, der im Westen des Landes 100 Tonnen Kaffee einkaufen wollte und für die Kosten von 32’000 Talern zwanzig mit Münzen bepackte Esel auf die Reise schickte.
Fetlework Welelaw, 27, aus Anguko im Bezirk Fogera, hat unlängst einen holzsparenden Herd aufgebaut
Tazeb Haile, 30, ihr liebender Ehemann.Das Paar hat zwei Kinder
Hagere Tazeb, 7, eine Tochter
Alemahelu Tazeb, ein 15 Monate alter Bub
Noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren österreichische Silbertaler die Hauptwährung in Äthiopien. Auch das faschistische Italien prägte die Münze in den dreissiger Jahren: Mussolinis Truppen fielen in Äthiopien ein, im Marschgepäck die Taler, mit deren Hilfe die Unterwerfung der Äthiopier und die Konsolidierung der Macht gelingen sollte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verbot der äthiopische Kaiser den Handel mit dem Taler, sodass die Münzen nur noch als Schmuck taugten. Die äthiopische Währung Birr (was übrigens „Silber“ bedeutet) setzte sich durch. Viele der Taler wurden ab Juli 1945 eingeschmolzen. Noch heute benutzen Silberschmiede im Mercato-Viertel in Addis Abeba die Münzen, um neuen Schmuck daraus zu fabrizieren. Und am 14. September 1947 berichtetet die New York Times, dass ein Frachter aus Port Sudan eingelaufen sei, der 1000 Kisten mit Maria-Theresia-Talern an Bord hatte, Gesamtgewicht 45 Tonnen, rund 1,6 Millionen Münzen, im Auftrag der Staatsbank von Äthiopien. Damals, so die Zeitung, hatte das Silber den Materialwert von rund einer Million US-Dollar. Im Münzhandel, bei Preisen von 25 Franken pro Exemplar, wäre dieser Schatz heute theoretisch 40 Millionen Franken wert.
Der Maria-Theresia-Taler zeigt auf der Rückseite Doppeladler und Kaiserkrone. Das heutige Papiergeld favorisiert natürlich andere Motive. 2020 hat die äthiopische Nationalbank neue Noten eingeführt. Auf der 50-Birr-Note sieht man einen Traktor beim Pflügen, auf der Rückseite eine Fabrikanlage – eine Verheissung, dass das Land sich entwickeln und zu einer Industrienation werden kann. Voraussetzung dafür sind gut ausgebildete Menschen. Daran arbeitet auch Menschen für Menschen jeden Tag: Dass Äthiopien über Bildung den Kampf gegen die Armut gewinnt.
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