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|Abt Kaspar von Breitenlandenberg (1442-1463)

Abt Kaspar von Breitenlandenberg
Kaspar von Breitenlandenberg, 1442-1463. Kaspar von Breitenlandenberg entstammte der adligen Thurgauer Familie, sein Vater war Rudolf V. von Breitenlandenberg, sein Bruder Hermann war von 1466 bis 1474 Bischof von Konstanz, sein Bruder Wildhans war der Verteidiger von Greifensee (1444), seine Schwester Anna war mit Konrad Schwend, dem bekannten Bürgermeister von Zürich, verheiratet. 1439 trat er ins Kloster Reichenau ein, legte dort Profeß ab, studierte in Bologna und promovierte am 7.7.1442 zum Doktor der kanonischen Rechte. Am 18.6.1442 war er von Papst Eugen IV. zum Abt von St. Gallen erhoben worden. Am 21.6. gestattete ihm der Papst, von irgendeinem rechtmäßigen Bischof sich die Diakonats-, Priester- und Abtsweihe geben zu lassen. Kaiser Friedrich III. verlieh ihm am 24.9.1442 die Regalien und kam am 30.11.1442 selber nach St. Gallen. Die Bildung und das Ansehen Abt Kaspars bewirkten, daß er einer der Präsidenten des Provinzkapitels des Benediktinerordens für die Kirchenprovinz Mainz und die Diözese Bamberg wurde. 1447 wurde er mit den Äbten von St. Ägidius in Nürnberg und Petershausen zum Schatzmeister des Kapitels ernannt. Da er auf alte Ansprüche pochte, verweigerte ihm die Stadt St.Gallen die Huldigung. Es kam zu einem langwierigen Streit, in dem Kaiser Friedrich III., der Pfalzgraf bei Rhein und die Eidgenossen abwechselnd von einer oder beiden Parteien als Schiedsrichter angerufen wurden. Am 17.8.1451 konnte der Abt mit Zürich, Luzern, Schwyz und Glarus ein ewiges Burg- und Landrecht abschließen. Der Zwist zwischen dem Abt und der Stadt konnte endlich im Jahre 1457 durch die Vermittlung der Stadt Bern beigelegt werden, die Rechte des Abtes wurden anerkannt, die Stadt erhielt jedoch die Möglichkeit, gegen eine Summe von 7000 Gulden einige dieser Rechte zu erwerben. Wegen seiner schlechten Klosterverwaltung kam es zwischen Abt und Konvent zu offenem Streit. Am 14.9.1451 konnte Ulrich von Wiblingen, der Visitator der Benediktinerklöster in der Diözese Konstanz, unterstützt von Leuten aus St. Gallen, Konstanz und Wil eine erste Neuordnung vermitteln. Der Abt erhielt die Burg Rorschach und jährlich 700 Pfund Heller, die Finanzverwaltung des Klosters wurde dem Großkeller Ulrich Rösch übertragen. Doch Abt Kaspar war mit dieser Regelung nicht zufrieden, und die Auseinandersetzungen dauerten an. Beauftragt von Papst Calixt III., fällte Aeneas Silvius Piccolomini am 9.11.1457 den endgültigen Kompromißspruch. Dem Abt wurde die Verwaltung des Klosters entzogen gegen eine jährliche Pension von 300 Gulden. Während des Streites mit dem Konvent änderte Abt Kaspar seine Haltung zur Stadt grundsätzlich, die Annäherung vollzog sich seit 1454, er nahm bei ihr im April ein Darlehen von 600 Gulden auf, eine Neuordnung vom 28.6.1454 betreffend die jährliche Abrechnung bestimmte, daß diese in Anwesenheit von zwei Gesandten der Eidgenossenschaft und zwei Ratsherren der Stadt St.Gallen vor sich gehe. Abt Kaspar wollte der Stadt um 1 000 Gulden sämtliche Hoheitsrechte des Stiftes verkaufen, doch auf die Einsprache des Konventes, der Landleute zu Appenzell und der Bürger von Wil hin kassierten die Eidgenossen am 6.8.1456 diesen Handel. Am Anfang seiner Regierung
hatte sich Kaspar sehr der Reform angenommen, Wiblinger Mönche unterstützten ihn in St.Gallen, und die St. Galler Mönche wurden in Wiblingen unterrichtet. Unter ihm zählte der Konvent mehr Mitglieder als im vergangenen Jahrhundert insgesamt. Die von Abt Eglolf begonnenen Bauten führte er weiter und konnte Refektorium und Dormitorium beenden. Nach dem 9.11.1457 hielt er sich meist auf der Reichenau oder bei seinem Bruder Hermann in Konstanz auf. Als er 1463 erkrankte, verzichtete er freiwillig auf die Abtei gegen die Zusicherung eines Leibgedings von jährlich 400 Gulden. Am 24.4.1463 ist er in Konstanz gestorben, wurde aber in St. Gallen begraben.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)