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Was möchtest du in deinem Leben unbedingt erreichen?
In einigen Jahren hätte ich gerne einen Job als Lehrer, entweder mit einem Masterdiplom oder einem Doktortitel in Pädagogik oder Geschichte. Am liebsten würde ich in meinem Heimatort Ignacio bleiben und dort junge Southern-Ute-Mitglieder dazu ermutigen, ihre Chancen wahrzunehmen und eine Ausbildung zu absolvieren. Damit würde ich meiner Gemeinschaft einen Nutzen bringen und meine Ausbildung für einen guten Zweck einsetzen. Ausserdem möchte ich das Bewusstsein von Eingeborenen auf die Probleme unserer Gesellschaft lenken – Probleme, welche mir und anderen Ureinwohnern Tag für Tag begegnen. Ein grosser Traum von mir ist es auch, ein Buch zu schreiben und um die Welt zu reisen. Eine Familie zu gründen kann ich mir momentan nicht vorstellen, aber es kann gut sein, dass ich meine Meinung in einigen Jahren ändere.
Wovor hast du Angst, wenn du an die Zukunft denkst?
Ich habe Angst vor dem Versagen und davor, ein Leben zu leben, mit dem ich nicht glücklich bin und auf das ich nicht stolz sein kann. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich das im Laufe der Jahre ändert.
Was gefällt dir am Leben in deinem Land besonders? Was würdest du ändern?
Was mir an meinem Land am besten gefällt, ist der Glaube an die Möglichkeit, sich zu verwirklichen, egal, wer man ist. Dieser Glaube an die Möglichkeit kann gut wie auch schlecht sein. Gut, weil er dir erlaubt, an dich zu glauben, und sich aus vielen Chancen Erfolge ergeben können. Schlecht, weil dein Leben trotzdem noch davon beeinflusst wird, wo und wie du geboren wurdest. Wir können nicht alle reich werden, und erfolgreich zu sein ist oft einfacher, wenn du Vorteile mitbringst, etwa wenn du reiche Eltern hast. Ich wünsche mir für mein Land, dass es versucht, Gleichberechtigung zwischen Rassen und Klassen herzustellen, denn das ist noch immer ein riesiges Problem in den Vereinigten Staaten.
Was ist typisch für die Jugend in deinem Land?
Ich finde es schwierig, dies allgemein zu formulieren. Mich selber etwa würde ich nicht als typischen US-Teenager bezeichnen. Von den meisten Teenagern wird erwartet, dass sie zur Schule gehen, eine Ausbildung erlangen, einen guten Job bekommen und erfolgreich sind. Wir Jungen denken oft an die Zukunft. Wer vom universitären Weg abweicht, wird oft als Versager angesehen. Viele Teenager verbringen am liebsten Zeit miteinander und sehen sich Filme an. Acht Stunden pro Tag sind wir in der Schule, viele haben noch einen Nebenjob in einem Restaurant oder Geschäft. So bleibt neben Arbeit und Lernen kaum Zeit. Das Leben eines Teenagers in Amerika ist stressiger und viel weniger romantisch, als es in den Filmen dargestellt wird. sn
Zur Person
Fabian Martinezwurde 1995 in Durango im amerikanischen Bundesstaat Colorado geboren und wuchs in einem kleinen Dorf namens Ignacio auf. Er ist Angehöriger des Southern Ute Tribe, einem Ureinwohnerstamm Amerikas. Fabian studiert am örtlichen College Pädagogik und möchte Lehrer werden. In den Sommerferien arbeitet er für eine Lokalzeitung.sn