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27.12.2021 10:00:15

Emerging Market Debt Fund Manager
- Die Aussichten für die Ölpreise sind 2022 positiv. Das neue Angebot wird begrenzt sein, während die Nachfrage steigt.
- Der Ölpreis könnte 2022 auf über 100 US-Dollar pro Barrel steigen.
- Das grösste Risiko ist die Rückkehr des Irans an den Ölmarkt. Dadurch würde ein Überangebot auftreten und die Preise könnten auf 60 US-Dollar pro Barrel sinken.
Nach einem Preisanstieg des Rohöls 2021 richtet sich die Aufmerksamkeit des Marktes nun auf das kommende Jahr. Die Lagerbestände werden dann voraussichtlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen. Gleichzeitig übertreffen die Erdgaspreise in Europa und Asien ihr langfristiges Niveau deutlich.
Sofern die iranische Ölproduktion nicht spürbar anzieht oder pandemiebedingte Reisebeschränkungen die Nachfrage belasten, bleiben die Ölvorräte niedrig. Die Preise könnten 2022 bei über 100 US-Dollar pro Barrel liegen. Wenn die OPEC-Mitglieder weiterhin Schwierigkeiten haben, die Produktionsziele zu erreichen, sind für die Rohölmärkte sogar noch wesentlich optimistischere Szenarien denkbar.
Steigende Nachfrage für 2022
Wir gehen davon aus, dass die Ölnachfrage 2022 auf 100,23 Millionen Barrel pro Tag steigen wird. Das sind 3,5 Millionen Barrel pro Tag mehr als 2021 und erheblich mehr als 2019 (98,27 Millionen Barrel pro Tag). Diese Zahlen basieren auf Prognosen für das globale BIP-Wachstum.
Durch die Umstellung von Gas auf Öl entsteht zusätzlicher Ölbedarf. Die Schätzungen hierfür reichen von 0,2 Millionen Barrel pro Tag bis 1 Millionen Barrel pro Tag in Europa und Asien, wo der Gaspreis hoch genug ist, um einen Umstieg zu erwägen.
Damit sich der Wechsel in den USA lohnt, müssten sich die Gaspreise dort verdoppeln, weshalb wir nicht mit einer zusätzlichen Ölnachfrage in den USA rechnen.
Die aktuellen Probleme mit den globalen Lieferketten könnten zu vermehrtem Einsatz der Luftfracht führen und so für zusätzliche Nachfrage sorgen. Dies ist jedoch schwer zu prognostizieren und daher nicht in unseren Nachfrageannahmen enthalten.
Das Angebot bleibt begrenzt
Wenn sich unsere Nachfrageannahmen als richtig erweisen, wird 2022 ein zusätzliches Angebot von mindestens 3,5 Millionen Barrel pro Tag benötigt. Dieses Angebot dürfte von der OPEC, Russland und den USA kommen, wobei die OPEC das grösste Potenzial hat.
Nachdem die OPEC+ (die 10 weitere Länder umfasst, darunter Russland, Oman und Mexiko), die Produktion 2020 nach einem Nachfragerückgang aufgrund der Covid-19-Krise um etwa 10 Millionen Barrel pro Tag reduzierte, erhöht sie die Monatsproduktion nun um 0,40 Millionen Barrel pro Tag bis September 2022, wenn jedes Land seinen Ausgangswert erreicht.
Wenn die OPEC-Förderung nicht zu den Ausgangswerten zurückkehrt, sondern nur das Durchschnittsniveau vor Covid-19 erreicht, wird die Produktion um nur 1,2 Millionen Barrel pro Tag steigen. Dies würde um etwa 2,3 Millionen Barrel pro Tag unter dem erforderlichen neuen Angebot liegen und könnte zu höheren Rohölpreisen führen.
In den USA erreichte die Produktion vor Covid-19 mit 13 Millionen Barrel pro Tag ihren Höchststand und liegt jetzt bei 11,3 Millionen Barrel pro Tag. Der Mangel an Investitionen in den vergangenen Jahren aufgrund erheblicher Kapitalbeschränkungen (da Investoren höhere Renditen für die Aktionäre fordern und der Klimawandel in den Vordergrund rückt) bedeutet, dass die Produktion wahrscheinlich um etwa 1 Millionen Barrel pro Tag auf 12,3 Millionen Barrel pro Tag steigen wird.
Was sind die grössten Risiken für die Ölindustrie 2022?
Es gibt 2022 drei Hauptrisiken für die Ölnachfrage. Diese sind: 1) weit verbreitete pandemiebedingte Mobilitätseinschränkungen, 2) ein Nachfragerückgang aufgrund eines kurzfristigen Preisanstiegs und 3) abgeschwächtes Wachstums aufgrund von Unterbrechungen der Lieferkette.
Das grösste Angebotsrisiko geht vom Iran aus, der bei einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen zum Westen die Förderung um rund 2 Mio. Barrel pro Tag steigern könnte. Das genaue Tempo und die Menge sind unbekannt. Angesichts des Ausmasses des potenziellen Anstiegs und der aktuellen Marktannahme, dass 2022 ein begrenztes iranisches Angebot wahrscheinlich ist, könnten die Auswirkungen auf den Preis jedoch erheblich sein. Das grössere iranische Angebot würde 2022 zu einem beträchtlichen Überangebot führen.
Die USA haben begrenzte Möglichkeiten, was ihr Angebot betrifft. Am effektivsten wäre eine neue Energiepolitik, um die Ölförderung in den USA anzukurbeln. Im Anschluss an die COP26 im November ist dies jedoch unwahrscheinlich.
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