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abgefunden, erregte aber neue Schwierigkeiten, bis er 36 an der Küste von Sizilien
[* 8] durch Oktavians AdmiralAgrippa geschlagen
wurde. In den folgenden Jahren gewann Oktavian mehr und mehr die Gunst des Volks durch sein klug berechnetes Benehmen und übte
das Heer durch Expeditionen gegen die Illyrier und Dalmatier, während Antonius durch unglückliche Kriege
im Orient und durch sein ausschweifendes Leben bei der ägyptischen KöniginKleopatra mehr und mehr an Macht und Ansehen verlor.
Nachdem dies aber geschehen, erklärte er 13. Jan. 27 im Senat, daß er wünsche, den Oberbefehl über die
sämtlichen römischen Streitkräfte, den er bisher geführt, niederzulegen und damit zugleich auf die vermittelst dieses
Oberbefehls geführte Herrschaft zu verzichten, was jedoch nur die (von ihm beabsichtigte) Folge hatte, daß ihm der Oberbefehl
und die prokonsularische Gewalt in allen Provinzen, welche zu ihrem Schutz einer Militärmacht bedurften,
förmlich übertragen und ihm zugleich der Ehrenname Augustus beigelegt wurde.
Sodann wurden ihm 23 die tribunizische und die konsularische Gewalt, 19 die Befugnis, Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen,
und endlich 12 das durch den Tod des Lepidus erledigte oberste Priesteramt übertragen. So vereinigte er
die sämtlichen bedeutenden öffentlichen Ämter und Befugnisse in seinem Besitz, um unter republikanischen Formen, deshalb
aber nicht minder unumschränkt zu herrschen. Die Hauptgrundlage seiner Herrschaft bildete aber das Heer, das erste stehende,
wenigstens von größerm Umfang, welches die alte Zeit kennt.
Dasselbe bestand in der letzten Zeit seiner Regierung aus 25 Legionen (mit den Hilfsvölkern etwa 300,000
Mann), welche über die Provinzen verteilt waren, und hierzu kamen noch 9 KohortenPrätorianer von je 1000 Mann zu Fuß und 200 Reitern,
welche in Rom und dessen nächster Umgebung standen. So stark aber diese Streitmacht war, so enthielt er sich doch
grundsätzlich, sich ihrer zur Erweiterung des Reichs durch Eroberung zu bedienen. Indessen war er doch genötigt, zur Befestigung
der römischen Herrschaft in den Provinzen mehrere Kriege zu unternehmen, die jedoch fast sämtlich nicht von ihm, sondern
von seinen Feldherren, namentlich von Agrippa, und von seinen Stiefsöhnen Tiberius und Drusus geführt wurden.
So mußte in Spanien von 27 bis 19 fast ununterbrochen Krieg geführt werden, um die Herrschaft in dieser Provinz fest zu begründen.
Im J. 25 wurden die östlichen Alpen
[* 9] durch die Unterwerfung der Salassier zuerst dem Reich vollständig einverleibt.
Ein Feldzug, welchen Tiberius 20 gegen die Parther unternahm, um die römische Schutzherrschaft über Armenien
herzustellen, führte zwar nicht zu einer Anwendung der Waffen,
[* 10] hatte aber den vielgepriesenen Erfolg, daß
der Partherkönig,
durch die Kriegsdrohung erschreckt, die in den Jahren 53 und 36 gewonnenen römischen Gefangenen und Feldzeichen auslieferte.
Von größerer Bedeutung aber waren die in den Grenzländern am Rhein und in den Donaugegenden geführten
Kriege. Am Rhein wurden die Feindseligkeiten durch einen Einfall der am Niederrhein wohnenden Sigambrer in die ProvinzGallien 16 eröffnet.
Alle diese Kriege fanden aber, soweit sie von Bedeutung waren, doch nur an den weit entfernten Grenzen
[* 14] des
Reichs statt, konnten daher die Ruhe und Wohlfahrt des Ganzen wenig beeinträchtigen. Diese aber zu fördern, war ein Hauptbestreben
des Augustus, welches er fortwährend mit Einsicht und Konsequenz verfolgte. Er sorgte für Abstellung der bisherigen Mißbräuche
in der Verwaltung der Provinzen, gründete überall Kolonien, legte Landstraßen an, suchte durch Gesetze
und andre geeignete Mittel auf Wiederherstellung der Religiosität und alten Sitte zu wirken, verschönerte Rom durch Tempel
[* 15] und
öffentliche Gebäude u. a., so daß seine fast ein halbes Jahrhundert füllende Regierung für das durch die vorausgehenden
Bürgerkriege erschütterte Reich eine Zeit der Erholung und Wiederherstellung wurde; auch bewies er sich
als einen Freund und Gönner der Litteratur, die unter ihm eine verhältnismäßig hohe Blüte
[* 16] erreichte.
Seine Regierung war sonach im ganzen eine glückliche und wohlthätige;
dagegen wurde er in seiner Familie von schweren Unfällen
und Verlusten betroffen. Er war dreimal verheiratet, mit Clodia, Scribonia, Livia;
von der zweiten Gemahlin
hatte er eine Tochter, Julia, die erst mit seinem Schwestersohn Marcellus, der 23 v. Chr. starb, dann mit Agrippa, der 12 starb,
endlich mit Tiberius verheiratet war;