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In der Schweiz berichteten 2017 26% der über 65-Jährigen, in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal gestürzt zu sein. Bei den «jungen Senioren» (65-79 Jahre) waren es 24%, bei den «älteren Senioren» (>80 Jahre) sogar 33%. Dies führt nicht nur zu ernsthaften Verletzungen und Todesfällen – im Jahr 2020 gab es in der Schweiz 1600 sturzbedingte Todesfälle bei Senior:innen– sondern auch zu hohen Kosten. Im Jahr 2020 wurden die Heilungskosten pro Sturz auf knapp 8000 CHF geschätzt, was gesamthaft einer Summe von 775 Mio. CHF entspricht. Am diesjährigen Forum «Agil und stabil ins Alter» der Beratungsstelle für Unfallverhütung stand deshalb die Sturzprävention im Alter im Zentrum.
Hauptrisikofaktoren für Stürze sind Gangschwierigkeiten, Gleichgewichtsprobleme und die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente (Polypharmazie). Zudem ist das Risiko für bereits Gestürzte, (wieder) zu stürzen, höher als für die gleichaltrige Bevölkerung.[1] Aber Stürze müssen nicht sein, denn Sturzpräventionsprogramme sind wirksam, v.a. multimodale, welche verschiedene Trainingskomponenten beinhalten. Eine systematische Übersichtsarbeithat gezeigt, dass Präventionsprogramme zur Verbesserung von Gleichgewicht und funktionellen Aktivitäten (zum Beispiel aufstehen und absitzen) sowie Kräftigung das Sturzrisiko um 34% zu verringern vermögen. Programme, die nur das Gleichgewicht und die funktionellen Aktivitäten im Fokus haben, erreichen eine Verbesserung um 24%. In Bezug auf monomodale Programme, die nur Krafttraining, Tanzen oder Spazieren beinhalten, ist die Evidenz unklar.[2] Sturzpräventionsprogramme zeigen zudem mehrheitlich ein gutes Verhältnis zwischen Nutzen und entstehenden Kosten. Bezüglich Kosten schneiden sogenannte Home Assessment Programme am besten ab.[3] Dank ihnen können «Stolpersteine» zu Hause vor Ort erkannt und behoben werden, z.B. durch die Abgabe von Hilfsmitteln oder durch das Anbringen von Haltegriffen.
In der Schweiz gibt es viele Sturzpräventionsprogramme verschiedener Anbieter. Am Forum wurde in der Podiumsdiskussion denn auch klar, dass die Tragweite des Problems «Sturzrisiko im Alter» erkannt ist und Lösungsansätze durchaus vorhanden sind, dass es aber an deren flächendeckenden Umsetzung (noch) hapert. Denn die Umsetzung auch der besten Ideen passiert nicht von allein! So wurde mehrfach die Wichtigkeit des noch relativ jungen Forschungszweigs der Implementationsforschung betont, deren Ziel es u.a. ist, die Integration von Forschungsergebnissen in die Praxis zu erhöhen bzw. zu beschleunigen. Da bei der Sturzprävention die körperliche Aktivität an erster Stelle stehen sollte, muss v.a. dafür gesorgt werden, dass auch «bewegungsfremde» Senior:innen mit diesen Programmen erreicht werden. Wichtig für die Betroffenen ist dabei zu erkennen, dass:
- es nie zu spät ist, um mit dem Training anzufangen,
- es nicht um Sport, sondern um in den Alltag integrierte Bewegung geht,
- es sich lohnt, jede Gelegenheit zu nutzen, um die körperliche Aktivität im Alltag zu erhöhen.
In diesem Sinn und unabhängig davon, wie alt Sie als Leser:in sind: Sind Sie heute schon einmal eine Treppe gestiegen, anstatt den Lift zu benutzen?
Brigitte Wirth arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Versorgungsforschung am WIG und als Physiotherapeutin in einer Physiotherapiepraxis.
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