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Love & Friendship
Whit Stillman, Irland, USA, GB, 2016o
England im 18. Jahrhundert: Die schöne Witwe Lady Susan Vernon besucht das Anwesen ihrer Verwandtschaft, um die in der gehobenen Gesellschaft kursierenden Gerüchte über ihre Affären auszusitzen. Während sie auf low profile macht, hält sie für sich selbst und ihre herangewachsene Tochter Ausschau nach guten Partien, die die Existenz beider sichern könnten. Sie erregt die Aufmerksamkeit mehrerer Männer und muss ihr gesamtes physisches, psychologisches und soziales Repertoire aufbieten, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.
Mit "Metropolitan", "Barcelona" und "The Last Days of Disco" legte der New Yorker Journalist, Autor und Regisseur Whit Stillman in den 1990er Jahren drei ironisch schillernde Konversationsstücke vor, in denen sich junge Leute der urbanen Mittel- und Oberschicht mit altklugem Geschwätz um existenzielle Risiken herumredeten und um ebensolche Chancen brachten. Nach fünfzehn stilleren Jahren mit einigen Fernseharbetien und einem ersten Kinocomeback-Versuch, findet er in der britischen Gesellschaftskritikerin Jane Austen und ihrem Frühwerk «Lady Susan» in einer ferneren Zeit und Gesellschaftsform eine Geistesverwandte und einen Stoff, die seine Qualitäten zu neuer Blüte bringen. Wie in Stillmans einstigen Filmen lauert in jeder Höflichkeit eine Infamie, hinter der sorgsam gewahrten Etikette kleine Intrigen am Laufmeter. Doch Stillman denunziert seine Figuren nicht, sondern fühlt sich ein in ihre Zwangslagen und fühlt, verständnisvoll lächelnd, mit ihnen. Die Schauspieler danken es ihm mit einem Strauss von Gefühlsnuancen, in denen sich Logik und Widersprüchlichkeit lebensecht die Balance halten. Glänzende, sprich: gehaltvolle Unterhaltung.Andreas Furler
1794 schrieb Jane Austen ihre «Lady Susan», eine Novelle in Briefen. Ein Jugendwerk also, und eines von beträchtlicher Spottlust. Der amerikanische, aber ausgesprochen europäisierte Regisseur Whit Stillman hat es in eine elegant kostümierte, rhetorisch verschnörkelte und manierlich intrigante Kunstwirklichkeit überführt. Ach, diese böse alte Regency-Zeit wieder einmal: ein gepflegter Genuss.Christoph Schneider
Jane Austens früher Kurzroman Lady Susan, verfilmt von Whit Stillman. Als er 1990 seinen ersten Film "Metropolitan" drehte, über Elitestudenten in Manhattan, konnte er Austen nicht ausstehen - der Film wurde dennoch als austenianisch gelobt. Nun holt er aus Austen all die Lust an Doppelspiel und Intrige heraus, und Kate Beckinsale ist eine herrlich hinterfotzige Lady Susan, die eben noch einen Mann ihrer Tochter zuschanzen will, gleich danach ihn für sich selber reklamiert. Nach ihrem neuesten "Underworld"-Film liefert sie eine weitere Studie in Sachen Manipulation und Mütterlichkeit ab.Fritz Göttler