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Wir hatten geplant, von Guadeloupe aus direkt zu den British Virgin Islands zu segeln. Die Zollpapiere hatte ich bereits entsprechend erstellt. Da aber Willi die Insel Antigua sehen wollte, beschlossen wir kurzfristig den Umweg zu machen.
Den Aufenthalt im Hafen von Rivière Sens haben wir verlängert und die Zollpapiere überarbeitet. Das war sehr einfach und das an einem Samstagmorgen! Auf den französischen Inseln füllen die Segler die Zollpapiere auf einem speziellen Computer, der sich in bestimmten Häfen oder Geschäften befindet, selber aus. Das dortige Personal unterschreibt und stempelt dann diese Dokumente ab. Die Mitarbeiter des Yachthafens von Sens River sind sehr hilfsbereit und freundlich, auch am Wochenende, der einzige Nachteil ist, dass ihr VHF nicht funktioniert. Am Anfang waren wir ein wenig enttäuscht von der Marina (im Vergleich mit Pointe à Pitre) aber schlussendlich hatten wir einen sehr angenehmen Aufenthalt im Hafen von Rivière Sens. Es gibt einen großen Obst- und Gemüseladen in der Nähe des Hafens, ein Lebensmittelgeschäft, eine Metzgerei, eine Wäscherei, mehrere Autovermietungen und einige Restaurants am Ende des Hafens. Es sind 30-45 Gehminuten bis zum Stadtzentrum von Basse Terre (wir haben die Bushaltestellen gesehen, aber nie den Bus). Das Notwendigste ist in unmittelbarer Nähe des Hafens zufinden. Und der Preis für unser Boot von 26 Euro (inklusive Strom und Wasser) ist angemessen, besonders wenn man bedenkt, dass auf den Britischen Jungferninseln eine Boje 30 bis 35 US-Dollar und ein Liegeplatz bis 70 US-Dollar kostet.
Am Sonntag segelten wir am frühen Nachmittag von Rivière Sens nach Pigeon Island. Wie in Krassy’s Blog angedeutet, hatten wir auch „umgekehrten“ Wind, also aus Westen und nicht aus Osten. Kurz vor dem Ankerplatz vor Pigeon Island drehte sich der Wind wieder und wurde heftiger. Ich wollte zu diesem Ankerplatz, um die Schildkröten zu sehen und weil es gute Gelegenheiten zum Schnorcheln geben musste, aber schließlich gab es viel Wind, Rollen und keine Schildkröten…. Wir verbrachten nur ein paar Stunden dort, weil wir nachts die Überfahrt nach Antigua machen wollten, um dort am frühen Morgen anzukommen. Vela dare ist ein Fahrtenboot und kein Rennboot. Wir sind sehr zufrieden, wenn wir durchschnittlich 5 Knoten machen. Deshalb müssen wir die Überfahrten so planen, dass wir bei Tageslicht in den neuen Häfen ankommen. Für die Überfahrt nach Antigua hatten wir einen guten Nordostwind mit einigen Böen, nur die Wellen waren etwas höher als das, was vorhergesagt war, und Vela Dare plantschte halt wieder in den Wellen…
Wir fuhren direkt nach Jolly Harbour an der Westküste von Antigua. Dort muss man sein Boot direkt am Zollponton anlegen, den ganzen Papierkram erledigen und erst dann darf man ankern. Wir hatten Glück, denn einer der beiden Plätze auf dem Zollponton war frei. In weniger als 20 Minuten war das ganze erledigt, auch wenn ich dabei zu 3 verschiedenen Behörden gehen musste. Wir hatten im Voraus unsere Koordinaten in das spezifische elektronische System von Antigua (ESailClear) eingetragen und alle Behörden-Büros sind neben einander in Jolly Harbour.
Jolly Harbour besteht aus ein paar Kanälen mit luxuriösen Häusern mit eigenen Pontons und Booten. Die weniger luxuriösen sind Reihenhäuser mit „kleinen“ Motorbooten. Die luxuriöseren Villen haben auf der einen Seite Meerblick (mit Swimmingpool und Jacuzzi und direktem Zugang zum Strand) und auf der anderen Seite einen grossen Ponton für Power- Boote. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Boote mit 3 Motoren mit je 300 PS (wir haben 39 PS auf vela dare….) vor diesen Häusern liegen.
Wir ankerten direkt am Eingang des Kanals, wo es sehr flach ist. Willi konnte mit den Füßen den Boden berühren, wenn er neben vela dare schwamm. Die türkisblaue Farbe des Wassers ist absolut genial, leider gibt es aber viel Sedimente und das Wasser ist daher etwas trüb und nicht klar.
Am zweiten Tag besuchten wir Nelson Dockyard, den eigentlichen Grund für unseren Besuch in Antigua. Wir haben den öffentlichen Bus von Jolly Harbour nach St. Johns genommen und sind dann einen weiteren Bus nach English Harbour, wo sich die berühmte Nelson Dockyard befindet, umgestiegen. Wir besuchten das Museum als erstes, solange es regnete, und machten dann einen Spaziergang zwischen den historischen Gebäuden und im Nationalpark, wo wir einen herrlichen Blick auf die umliegenden Buchten hatten.
English Harbour und Falmouth Harbour sind dafür bekannt, große Yachten zu beherbergen. Tatsächlich sind die Pontons von Falmouth Harbour so breit, dass das Material mit dem Auto dorthin gebracht wird. Wir fragten einen Mitarbeiter, der ein Boot betankte, wie viele Liter er in den Tank füllen müsste: 47.000 Liter! Ich weiß nicht, wie viele Meilen sie mit einem vollen Tank machen können, aber wir können mit vela dare 4 um die Welt motoren….
Wir nützten den folgenden Tage an unseren sehr ruhigen Ankerplatz um zu schwimmen, die Algen vom vela dares Rumpf zu kratzen, am Strand spazieren zu gehen und unseren Besuch auf den Britischen und amerikanischen Jungferninseln zu planen. Wir hätten gerne vela dare aus dem Wasser genommen, um das Antifouling zu erneuern, aber wir konnten keinen Kran-Termin in den nächsten Tagen bekommen. Wir wollten eben nicht eine Woche hier warten, um diese Arbeit machen zu können, da bald die berühmte „Antigua Sailing Week“ stattfinden wird (letzte Aprilwoche) und die Gegend hier und um den English Harbour bald überfüllt sein wird.
Letzten Freitagmorgen kam das Segelboot Troll an uns vorbei als sie den Hafen verließen. Wir trafen sie auf Grenada in der Marina Le Phare Bleu und dann in Carriacou. Schade, dass wir nicht wussten dass sie am Hafen waren, wir hätten gerne länger mit ihnen geplaudert. Sie fahren nach St. Martin und wir direkt zu den BVI, also ist es unwahrscheinlich, dass wir uns wieder sehen. Wir freuen uns immer wenn wir wieder Crews treffen, die wir schon einmal getroffen haben und unsere respektive ihre Abenteuer teilen zu können.
Am Sonntagmorgen planen wir nach Virgin Gorda zu segeln. Wir wollen bei Sonnenaufgang starten um am Montagnachmittag dort anzukommen.