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Wie bei den meisten politischen Dauerthemen lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Und bei der obligatorischen Krankenversicherung geht diese in aller Kürze so.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich im Rahmen der Industrialisierung sogenannte Hilfskassen, die Krankheit, Invalidität oder die Folgen eines Todesfalls für Angehörige minimal absicherten. Ab den 1890er Jahren spezialisierten sich immer mehr Kassen auf die Krankenversicherung. Das war die eigentliche Geburtsstunde der heutigen Krankenkassen.
Die meisten Kassen beschränkten sich auf bestimmte Zielgruppen: die gewerkschaftlichen auf Mitglieder, die konfessionellen auf Gläubige und die Unternehmenskassen auf ihre Mitarbeitenden.
WIDERSTAND. Gegen alle Bestrebungen, eine nationale Lösung für ein Krankenversicherungsobligatorium einzuführen, leistete die Kassenmehrheit erbitterten Widerstand. Mehrere Versuche scheiterten. Kantonal kam es in den folgenden Jahrzehnten trotzdem zu einigen Obligatorien. Aber nur zu wenigen öffentlichen Kassen. Unter anderem wegen der steigenden Kosten lancierte die Linke Ende der 1960 Jahre die Debatte um ein nationales Versicherungsobligatorium neu. 1974 wurden aber eine entsprechende Initiative und ein schwächerer Gegenvorschlag der Krankenkassen und der Ärzte vom Volk abgelehnt.
Auch 1986 scheiterte ein Versuch. Erst 1996 setzte sich mit dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) ein Bundesobligatorium durch. Das Krankenversicherungsgesetz KVG setzt auch qualitative Standards und definiert Leistungen. Im Unterschied zu Ländern wie etwa Deutschland ist der Leistungskatalog aber kleiner (zum Beispiel Zahnmedizin), wird über unsoziale Kopfprämien finanziert und von einer Unzahl privater Firmen erbracht.
Politische Vorstösse für eine sozialere Einheitskasse und / oder einkommensabhängige Prämien scheiterten bisher an der millionenstarken Gegenpropaganda der Kassenlobby, die sich das Milliardengeschäft mit den Privatversicherungen nicht nehmen lassen wollen und zu den stärksten Bundeshauslobbies gehören.