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Die aktuelle OECD-Publikation «Bildung auf einen Blick 2021» informiert umfassend zum Stand der Bildung und den Strukturen, der Finanzierung und Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme der einzelnen OECD-Länder und Partnerländer. Die diesjährige Ausgabe befasst sich u.a. mit dem in der Agenda für eine nachhaltige Entwicklung verbrieften Ziel der Bildungsgerechtigkeit. Es zeigt sich, dass Investitionen erforderlich sind, damit ein gleichberechtigter Zugang zu hochwertiger Bildung gewährleistet werden kann.
In Bezug auf die Chancengleichheit und die soziale Mobilität ist es wichtig, dass Kindern, insbesondere aus sozio-ökonomisch benachteiligten Verhältnissen, der Zugang und die Teilnahme an Bildung möglichst früh ermöglicht wird, damit diese die grundlegenden kognitiven, sozialen und emotionalen Kompetenzen erwerben können. So dauert es gemäss Bericht in den OECD-Ländern durchschnittlich fünf Generationen, bis ein Kind aus einer benachteiligten Familie das durchschnittliche nationale Einkommen erreicht.
Regionale Ungleichheiten beim Zugang und der Teilnahme an Bildung
In der Schweiz wie auch den meisten OECD-Ländern betreffen die regionalen Ungleichheiten beim Zugang und bei der Teilnahme an Bildung die nichtobligatorischen Bildungsebenen. In der Schweiz zeigen sich in Bezug auf die Einschulungsquote der 3- bis 5-Jährigen grosse regionale Unterschiede von 38% in der Zentralschweiz bis zu 85% im Tessin. Hauptgrund für diese regionalen Unterschiede ist, dass das Einschulungsalter in der Schweiz kantonal geregelt ist.
Bildungsteilnahme von Kindern unter 5 Jahren
Die Bildungsteilnahme der 3- bis 5-Jährigen ist in den OECD-Ländern in den letzten Jahrzehnten gestiegen und mit durchschnittlich 87% sehr hoch. In der Publikation wird festgehalten, dass die Schweiz das einzige Land ist, das trotz einer geringen Bildungsbeteiligung (unter 50%) von Kindern im Alter zwischen 3 und 5 Jahren im Jahr 2015 keine signifikanten Fortschritte gemacht hat.
Auch in Bezug auf Zugang und Teilnahme an Bildung für Kinder unter drei Jahren liegt die Schweiz gemäss Bericht weit unter dem OECD-Durchschnitt. Während im Jahr 2019 im Durchschnitt der OECD-Länder rund jedes vierte Kind an einem formalen Angebot der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung teilgenommen hat, beträgt die Teilnahmequote von Kindern unter drei Jahren in der Schweiz gemäss Bericht nur 2%. Diese sehr niedrige Beteiligungsquote lässt sich u.a. damit erklären, dass in der Schweiz die Einschulung von Kindern in der Regel im Alter von vier Jahren mit dem Besuch des Kindergartens erfolgt. Darüber hinaus wird die Teilnahme von Kindern an Angeboten der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in der Schweiz nur teilweise statistisch erfasst. Gemäss einer Erhebung des Bundesamts für Statistik besuchten im Jahr 2018 jedoch rund 34% der unter 4-Jährigen eine Kindertagesstätte. Die Angaben des OECD-Berichts sind also in Bezug auf die FBBE in der Schweiz nicht aussagekräftig, machen aber einmal deutlich, dass verlässliche und vergleichbare Daten notwendig wären.
Die Teilnahme an frühkindlichen Bildungsangeboten ist meist stark vom Einkommen der Familie abhängig. Dies gilt insbesondere bei Angeboten, die vorwiegend privat finanziert werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Teilnahme an frühkindlicher Bildung ist für Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen demnach fast ein Drittel geringer als für jene aus Familien mit hohem Einkommen.
Zu den Bildungsausgaben für den Frühbereich als Prozentsatz zum BIP liefert der diesjährige Bericht keine Daten aus der Schweiz. Dementsprechend kann keine Aussage dazu gemacht werden, ob sich die Schweiz diesbezüglich verbessert hat.
Weitere Informationen:
OECD (2021). Bildung auf einen Blick 2021: OECD-Indikatoren.
OECD (2021). Ländernotiz Schweiz.
Bundesamt für Statistik (2020). Familien- und schulergänzende Kinderbetreuung im Jahr 2018.