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Werden Sie Howard Webb vermissen?
38 Votes zu: Werden Sie Howard Webb vermissen?
- 89%Ja, er war ein guter Schiedsrichter.
- 5%Nein, es wurde höchste Zeit für seinen Rücktritt.
Der 43-jährige Engländer pfeift seine Schiedsrichterkarriere ab. Darüber freuen sich zwar einige Fangruppen, doch der Mann mit der markanten Glatze wird dem Fussball fehlen.
Schiri werden ist nicht schwer, Schiri sein hingegen sehr. Die Unparteiischen haben die Aufgabe, die Fussballregeln durchzusetzen. Der Natur des Spiels und der Menschen entsprechend, sind nach dem Abpfiff selten alle Beteiligten zufrieden.
Dass auch die weltbesten Schiedsrichter nur Menschen sind und einfach ihre Arbeit machen wollen, wird einem spätestens bewusst, wenn man sich die sehenswerte Dokumentation Schiedsrichter im Fokus zu Gemüte führt.
Der Film, in dem die Arbeitsweise der Schiedsrichter während der EM 2008 unter die Lupe genommen wird, zeigt einen einschneidenden Moment im Leben des Howard Webb. Ein vermeintlicher Fehlentscheid im Spiel Österreich gegen Polen führt dazu, dass die Familie des Engländers mit der imposanten Postur aufgrund von Morddrohungen unter Polizeischutz gestellt wird.
Dabei ist Webb, dessen Vater auch schon Schiedsrichter war, ein Gerechtigkeitsfanatiker. Nachdem er bereits zwei Jahre in der Premier League gepfiffen hat, wird er 2005 FIFA-Schiedsrichter. Seine internationalen Leistungen sind so gut, dass er in der Saison 2009/2010 den Champions-League-Finale sowie 2010 den WM-Final leiten darf. Dort zückt er insgesamt dreizehn gelbe Karten und hält damit den Rekord in einem WM-Finale. Webb, ein Karten-Rambo? Mitnichten. In späteren Jahren wird ihm wiederum eine zu lasche Gangart vorgeworfen.
Nach dem Rücktritt von Kult-Schiedsrichter Pierluigi Collina avanciert Webb zum wohl bekanntesten Unparteiischen auf internationalem Parkett. Entsprechend wird er 2010 und 2013 als Weltschiedsrichter des Jahres ausgezeichnet. Im Premier-League-Alltag hat sich der Polizei-Sergeant aus der nördlichen Grafschaft Yorkshire derweil weniger Freunde gemacht.
Die Anhängerschaft sämtlicher Spitzenteams verdächtigen den bedauernswerten Webb seit Jahren, einzelne Teams zu bevorzugen. Einige Fans haben sogar Statistik geführt, wie viele Punkte jeweils für die entsprechenden Teams unter der Leitung Webbs raussprangen.
Nun zieht der Mann mit der markanten Glatze nach 25 Jahren und über 500 Premier-League-Spielen einen Schlussstrich unter seine Aktivkarriere. Der 43-Jährige wird in Zukunft als Technischer Direktor im Schiedsrichterwesen tätig sein.
«Ich hatte über ein Jahrzehnt lang den besten Platz im Stadion für Premier-League-Spiele, konnte an UEFA- und FIFA-Turnieren teilnehmen und auch Finalspiele leiten», meint der 43-Jährige. «Schiedsrichter zu sein hat mir so viel gegeben.» Webb freut sich auf seinen neuen Job: «Es ist wichtig, dass erfahrene Referees auch nach ihrer Karriere ihr Wissen weitergeben.»
Auf dem Rasen werden die meisten Fans und Spieler Howard Webb wohl erst so richtig vermissen, wenn ihnen klar wird, dass es auch seine Nachfolger nicht allen recht machen können.