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Er wird 1639 als Sohn einer Ratsfamilie in Munderkingen geboren. Das vorderösterreichische Städtchen mit 1300 Einwohnern ist eineinhalb Wegstunden von Obermarchtal entfernt. Über ein Dutzend Konventualen stammen im 17. und 18. Jahrhundert aus dieser Stadt, vier davon werden Äbte. Der bekannteste ist Konrad Kneer, der 1637−1660 regiert. Adalbert Rieger tritt unter dessen Regierung 1650 als Novize in Marchtal ein und beginnt das Hausstudium. 1661−1665 studiert er Theologie in Dillingen, nun schon unter der Regierung von Abt Nikolaus Wirieth. 1674−1680 geht er in der Abtei Rot an der Rot als Professor für Theologie im dortigen Hausstudium. 1680−1691 ist er Pfarrvikar in seiner Heimatstadt Munderkingen. Am 13. September 1691 wird er nicht unangefochten und unter Vermittlung des Abtes von Rot zum neuen Abt Marchtals gewählt. In seiner 14 Jahre dauernden Regierung setzt er den von seinem Vorgänger begonnenen Kirchen- und Klosterneubau fort. Er beauftragt die Vorarlberger Franz Beer und Christian Thumb mit dem Bau der Türme, des Westflügels und des Nordflügels. 1701 kann die Kirche eingeweiht werden. In Munderkingen lässt er 1691−1701 von seinem Prior und Liebhaberarchitekt P. Norbert Keil einen Pfarrhof bauen.[1]
1702 kann er die grosse Herrschaft Uttenweiler für 180 000 Gulden erwerben. Mit diesem Kauf hat Marchtal ein geschlossenes Herrschaftsgebiet von der Donau bis an den Federsee. Durch den Kauf gelangt das Augustinereremitenkloster Uttenweiler an Marchtal.[2] Der Kauf der Herrschaft kann nicht aus eigenen Mitteln getätigt werden, auch wegen der laufenden Bauvorhaben. Die vorgesehene Schuldentilgung dank erhöhter Einnahmen wird aber im gleichen Jahr durch den Spanischen Erbfolgekrieg unterbrochen, der Marchtal bedeutend härter als die vorangegangen Kriege des Reiches gegen Frankreich trifft. 1702 erklärt der Reichstag den Krieg gegen Frankreich und seinem Verbündeten, den bayrischen Kurfürsten. 1703 flüchtet der Abt mit einem Teil des Konvents und dem Kirchenschatz auf den Unteren Girsberg im Thurgau. Das Kloster wird von den Franzosen besetzt und 1704 durch bayrische Truppen geplündert. Die hohen und erst 1707 endenden Kontributionszahlungen führen zu einem Teilverkauf des Kirchenschatzes an einen Goldschmied in St. Gallen. Der Krieg belastet die Abtei derart, dass nicht nur alle Bauvorhaben unterbrochen werden, sondern auch der Abt wegen der Finanzlage am 26. Oktober 1705 resigniert. Er erhält als Alterssitz das Schloss in Uttenweiler zugewiesen, wo er am 17. Oktober 1706 im Alter von 67 Jahren stirbt.
Abt Adalbert ist in der Stiftskirche beim Rosenkranzaltar beerdigt. Sein Wappen ist am Nordflügel zu finden. Es zeigt in Rot den mit dem Schwert gekreuzten Schlüssel und darüber auf einem Dreiberg ein lateinisches Kreuz. Sein Porträt ist auf der Predella des 1692 gestifteten Altars in der Friedhofkapelle von Munderkingen zusammen mit zwei seiner Brüder zu finden.
Pius Bieri 2012
Literatur:
Schöntag, Wilfried: Germania Sacra, Dritte Folge 5: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz: Das Bistum Konstanz 6: Das reichsunmittelbare Prämonstratenserstift Marchtal. Berlin und Boston 2012.
Anmerkungen:
[1] Pfarrhof mit Garten und Gartenhaus, dreigeschossiger schlossähnlicher Massivbau, Eckrisalite mit Volutengiebeln, verkröpftes Kranzgesims. Terrassenförmiger Barockgarten zur Donau, darin ein zweistöckiges Gartenhaus.
[2] Von der ursprünglichen Vierflügelanlage des Klosters werden 1824 drei Flügel abgebrochen, der Südflügel ist jetzt Pfarrhaus. Die 1710 durch einen Vorarlberger Baumeister, vielleicht Franz Beer I, umgebaute und mit einem neuen Langhaus versehene Kirche wird 1873 nach Westen verlängert.
|Adalbert Rieger (1639–1706), Abt in Obermarchtal 1661–1691|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|1639||Munderkingen Baden-Württemberg D||Vorderösterreich|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Prämonstratenser-Reichsabtei Marchtal||1691–1705|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|17. Oktober 1706||Uttenweiler Baden-Württemberg D||Reichsabtei Marchtal|
|Kurzbiografie|

Abt Adalbert Rieger aus Munderkingen kann die Reichsabtei während 14 Jahren regieren. Er führt das Werk von Abt Nikolaus weiter. Als Bauabt setzt er den begonnenen Kirchen- und Klosterneubau fort, kann die Kirche 1701 einweihen, sowie den Nord- und Westflügel fertigstellen. Gleichzeitig baut er den grossen Pfarrhof in Munderkingen. Die letzten vier Jahre sind vom Spanischen Erbfolgekrieg überschattet. Mit dem Krieg, der 1703 auf das Klostergebiet übergreift, werden die weiteren Bauarbeiten unterbrochen. Kriegszahlungen, der Kauf der Herrschaft Uttenweiler, aber auch die Bauausgaben führen zu einer Überschuldung der Abtei, welche der Hauptgrund für seine 1705 erfolgte Resignation ist.
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