Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/2432

Geschichte
Bereits vor der Gründung der Stadt Bern bestand hier auf dem "montis richerii", dem "Roggeresberch", eine bedeutende Kulturstätte; das Cluniazenser-Priorat Rüeggisberg, die erste Niederlassung des mächtigen Mönchsordens auf deutschsprachigem Gebiet. Nach einer grosszügigen Stiftung des reichen Landadeligen Lütolds von Rümligen um 1072 bauten die Mönche Cono und Ulrich am südlichsten Absatz des Längenbergs auf einem vorsprungartigen Sporn mit prächtiger Fernsicht ihre ersten einfachen Zellen. Beim Bau half die Bevölkerung mit; diese war angeblich noch roh und tierisch und hatte viel heidnisches Brauchtum behalten.
Das Priorat kam rasch zur grossen Blüte. Bereits 1175 war die mächtige, romanische Klosterkirche erstellt und das Priorat Rüeggisberg gehörte im frühen Mittelalter zu den bedeutendsten Klosterbauten der heutigen Eidgenossenschaft. Das Kloster Rüeggisberg galt als "erster Bannerträger Clunys in deutschem Lande" und war eine wichtige Herberge und wohl auch Zufluchtsstätte der Jakobspilger auf ihrem weiten Weg nach Santiago de Compostela im Westen Spaniens.
Aber recht früh verfiel das Kloster und es wurde 1484, noch vor der Reformation, nach 400 Jahren wechselvollem Dasein dem damals neu errichteten Chorherrenstift des Berner Münsters einverleibt. Nach der Reformation schloss Bern 1541 die Klosterkirche endgültig. Die Gebäude wurden z.T. abgerissen und zweckentfremdet. So finden sich Mauersteine des Klosters heute noch in Kellern alter Rüeggisberger Bauernhäuser. Das Nordquerschiff diente als "Haberhuus" (Getreidespeicher) und zuletzt als Gerümpelkamer.
1938 - 1947 restaurierte der Staat Bern die Klosterdomäne und legte die Fundamente wieder frei, so dass man sich heute ein Bild über die frühere Grösse machen kann. Das "Haberhuus", wie das erhaltene Nordquerschiff im Volksmund heisst, bildet nur noch rund 1/12 der ehemaligen Anlage.
Über die Funde und viele weitere Details der Grabungs- und Baugeschichte kann sich der Besucher im angrenzenden schlichten Museum (neben Pfarrhaus) informieren. Das Museum ist jederzeit zugänglich.
Ruine heute
Die Klosterruine gilt heute als eigentliches Wahrzeichen von Rüeggisberg. Als Kraftort wird sie von vielen Wandern auf dem Jakobsweg und von Tagesausflüglern besucht. Trotz Ruhe und Musse, welche die altehrwürdige Kulturstätte ausstrahlt, wird der historische Ort in den letzten Jahren vermehrt für besondere Anlässe genutzt. So findet in den Gemäuern der Ruine im November jeweils ein stilvoller Adventsmärit statt. Die Ruine hat aber auch eine einmalige Kulisse für die feierlichen Aktivitäten in den Jakobsjahren 1999 und 2004, die grossen Freilichttheater "Dämonen" (1995), "Tüüfelspakt" (2000), "Die letschti Stund vom Jederma" (2003) und "Der Prozess" (2007) abgegeben.
In den Sommermonaten findet mit dem Rüeggisberger Klostersommer jeweils eine Kulturreihe mit Konzerten und Theatern statt.
Führungen
Für Führungen "Cluniazenserpriorat Rüeggisberg - eine Spurensuche" wenden Sie sich bitte an
Reservationen
Die Ruine kann auch für Apéritifs und Ähnliches reserviert werden. Reservationen bitte an:
Gemeindeschreiberei Rüeggisberg,
Dorfstrasse 28,
3088 Rüeggisberg,
Tel. 031 808 18 18
Weitere Informationen über die Klosterruine erhalten Sie auch auf der Homepage der Kirchgemeinde Rüeggisberg.