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Kennen Sie den? Welches ist der fleissigste Jugo? Der «Bostitch», aber auch der arbeitet nur, wenn man ihn schlägt - ein Witz, der immer ankommt! Angekommen sind seit den Neunzigern auch unzählige Immigranten aus Exjugoslawien, zusammen mit den Vorurteilen, die wir ihnen entgegenbringen.
So konnte ich selber die Erfahrung machen, wie es sich mit dem falschen Namen lebt. Bekanntlich veröffentliche ich Comics unter dem Label «Tobicomic». Allerdings steht auf meinem Türschild «Tobi Comic» (in getrennter Schreibweise), denn nachdem der Angestellte der Beschriftungsfirma (wahrscheinlich ein bildungsferner Immigrant aus Südosteuropa) den Begriff nach unzähligen Erklärungsversuchen zum dritten Mal (!) getrennt geschrieben hatte, fand ich mich mit der falschen Schreibweise ab - ganz im Gegenteil zur Nachbarschaft, die hinter der Bezeichnung «Tobi Comic» einen nicht registrierten, serbischen Untermieter namens «Tobi Comi?» vermutete - eine Geschichte, die immer wieder gut ankommt, auch wenn sie kein Witz ist! Seither sprechen mich Fremde mit «Herr Comi?» an, und es gibt keine Garantie, dass mir die Nachbarschaft nicht eines Tages die Fremdenpolizei auf den Hals hetzt.
Um es klarzustellen: Ich habe keinen serbischen Untermieter und wenn, dann hiesse er May-Li und käme aus Thailand - und was mich betrifft: Ich bin kein Jugo, und zwar genau um fünf Kilometer nicht. Meine Mutter stammt aus einem österreichischen Dorf nahe der slowenischen Grenze. Die Bevölkerung dort ist zweisprachig und spricht nebst dem österreichischen Dialekt das sogenannte «Windisch», ein slowenisches Idiom, ähnlich unserem «Schwiizerdütsch». Um nicht in den Verdacht des Inzests zu geraten, tragen gleichnamige Sippen unterschiedliche Zunamen. Unsere Familie heisst «Bisli?» - wahrscheinlich hats bei mir deshalb nur für eine Anlehre als Comiczeichner gereicht!
Überhaupt haben Jugendliche mit ausländischen Wurzeln mehr Mühe, eine Lehrstelle zu finden. Deswegen haben «KV Schweiz» und «Travail Suisse» Checklisten lanciert, welche ein faires Auswahlverfahren garantieren sollen. Allein die Leistung der Jugendlichen soll ausschlaggebend für die Lehrstellenvergabe sein und nicht deren Herkunft. Ausserdem sollen Bund und Kantone 25 Prozent Jugendliche mit ausländischem Namen anstellen - ein frommer Wunsch, wenn man bedenkt, wie schwer man sich hierzulande mit Quoten tut. Viel einfacher erscheint mir die österreichische Variante zur Lösung des Problems. In vielen Teilen des «Gailtals» (das Tal meiner Mutter heisst wirklich so - es ist ein sehr fruchtbares Tal) hat sich die «verdeutschte» Schreibweise durchgesetzt. Mein Cousin zum Beispiel schreibt sich «Tschabuschnigg» und nicht mehr «?abušnik». «Xherdan Shaqiri» wäre demnach «Scherdan Schakiri» und «Granit Xhaka» demnach «Granit Schaka». Zugegeben, die Transkription von der serbischen Lateinschrift ins Deutsche wirkt irgendwie überzeugender als von der deutschen Schrift ins Deutsche, doch gegenüber rechtskonservativen Kreisen mit falsch verstandenem Patriotismus ist das Ganze einen Versuch wert. Schliesslich sind diese ebenso bildungsfern wie die meisten Immigranten, und Deutsch ist bekanntlich eine Fremdsprache!
Manchmal ist es Zufall, wo man geboren wird. Hätte sich das südliche Gailtal im Jahre 1920 bei der Abstimmung zur Staatszugehörigkeit für Slowenien entschieden, würde ich heute mit Drogen handeln! So aber heisse ich Tobler, habe mitteleuropäische Ohren und helfe als Lehrer Jugendlichen bei der Lehrstellensuche. Ach ja, ich bin übrigens Schweizer, doch meine Flanken auf dem Fussballplatz sind zum Glück südosteuropäisch - sie kommen immer an!