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Der mit dem Klimawandel verbundene Rückgang des arktischen Meereises hat zu einem Verlust an Lebensraum für an das Leben im Eis angepasste Arten geführt und gleichzeitig eine verstärkte menschliche Ausbreitung in höheren Breiten ermöglicht. Diese Entwicklung erhöht die Landnutzung und den Schiffsverkehr, was ökologisch und kulturell wichtige Arten bedrohen kann. Weibliche Eisbären (Ursus maritimus) und ihre Jungtiere sind anfällig für Störungen während der Zeit in ihren Höhlen. Ein besseres Verständnis der Verteilung der Überwinterungshöhlen kann das Management der Bären unterstützen. Deshalb erstellten Wissenschaftler auf der Grundlage vorhandener Daten eine Karte mit über 1500 bekannten Überwinterungshöhlen in der kanadischen Arktis.
Eisbärenweibchen sind für die Überwinterung in Höhlen, in denen sie ihre Jungen gebären, auf einen geeigneten Lebensraum angewiesen. Typischerweise graben sich trächtige Weibchen in Schneebänken ein oder in Torfablagerungen an Land. Die Fortpflanzung bei Eisbären folgt einem strikten saisonalen Ablauf: Die Paarung erfolgt im Frühjahr und die Einnistung der Eizelle verzögert sich bis zum Herbst, wenn die trächtigen Weibchen ihre Höhlen bauen und sich einschneien lassen. Wenn sie an Land keine geeignete Stelle finden, vergraben sie sich sogar auf dem Meereis, wo genügend Schnee vorhanden ist.
Kanadische Forscher erstellten nun eine Karte auf der Grundlage historischer und aktueller Höhlen, die in traditionellem Wissen, Berichten von der Regierung und Beratern, früheren von Fachkollegen überprüften Studien und einigen anderen unveröffentlichten Daten zu finden gewesen sind.
Die Karte kann keine genauen Standorte von Bären liefern und bietet auch nur ungefähre Angaben über den Ort ihrer Schneehöhlen. Aber sie gibt das bisher klarste Bild davon, wo Kanadas Eisbären ihre Höhlen bauen.
Die Wissenschaftler nehmen an, dass es hilfreich ist zu wissen, wo die Eisbären derzeit ihre Höhlen einrichten. Das könnte den Menschen helfen, bessere Möglichkeiten zu finden, den Bären in Zeiten zu helfen, in denen sich ihr Lebensraum verändert und in einigen Fällen zerstört wird.
Die Forscher sagten, sie seien erstaunt über die Lücken, die bei der Erstellung der Karte entstanden seien. „Die meisten Küstenregionen im Norden Kanadas ermöglichten den Bau von Höhlen, aber es gibt große Gebiete, in denen die Bären nicht gemeldet werden“, schrieben die zehn Wissenschaftler in einer Zusammenfassung ihrer Arbeit, die in der Fachzeitschrift Polar Biology veröffentlicht wurde. „Es gibt noch Wissenslücken über die Überwinterung und den Höhlenbau von Eisbären in Kanada und diese Lücken zu schließen, wird die Erhaltung und das Management von Eisbären in einer sich verändernden Arktis unterstützen.”
Die üblichen menschlichen Einwirkungen, wie z.B. Eisstraßen, können die Pläne der Bären für ihre Behausungen stören. Das Gleiche gilt für Veränderungen in ihrer Umgebung – zum Beispiel schmilzt durch die zunehmende Schwere der Waldbrände bekanntlich der Permafrost in Torfgebieten, was einige der Orte zerstören kann, an denen sich Eisbären gerne niederlassen.
Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler aus 64 verschiedenen Quellen 1.593 unterschiedliche Standorte von Eisbärenhöhlen. Die Karte zeigt, dass die Bären Manitoba und den Wapusk National Park im Besonderen lieben.
Was die arktische Küste der Northwest Territories anbelangt, so zeigt die Karte vielleicht 30 bis 40 Höhlen, die sich an der Küste des kanadischen Festlandes befinden, mit viel mehr Höhlen an den Ufern von Banks Island um Sachs Harbour.
Die Forscher räumten ein, dass einige Lücken in den Daten bedeuten könnten, dass entweder nicht genügend Informationen vorhanden sind oder dass Bären in diesen Gebieten keine Höhlen bauen. „Wir erkennen zwar an, dass Eisbären sich in Gebieten verbergen können, die durch unsere Forschung nicht identifiziert wurden, aber die kanadische Arktis wurde umfassend untersucht und wir denken, dass wichtige Überwinterungsgebiete nicht übersehen wurden“, fügten sie hinzu.
Ein Drittel aller Höhlendaten stammt aus traditionellen Wissensquellen, sagten die Forscher und bewiesen damit, „wie wichtig es ist, das Wissen über die in indigenen Gemeinschaften gehaltenen Arten einzubeziehen und aufzuzeichnen“.
Die Autoren plädieren für “eine fortgesetzte oder verstärkte Überwachung, die Einblicke in die Reaktion weiblicher Eisbären auf Habitatveränderungen und verstärkte menschliche Aktivitäten geben könnte.”
Die Studie wurde vom WWF Kanada finanziert und in Partnerschaft mit der Assiniboine Park Conservancy von Manitoba und der University of British Columbia ins Leben gerufen.
Quelle: Cabin Radio, Florko et al. 2020