Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03652.jsonl.gz/2777

Unter der Disposition versteht man die Anzahl und Auswahl der Register, sowie auch die Spielhilfen, welche die Orgel aufweist. Auch zuschaltbare Tremulanten gehören zur Disposition.
Die Disposition wird vom Orgelbauer und dem Auftraggeber festgelegt und bestimmt die Einsatzmöglichkeiten der Orgel. Jede Epoche (z.B. Barock, Romantik) bevorzugte ein jeweils eigenes, spezielles Klangbild. Man kann daher nicht auf jedem Instrument jedes Stück wirklich gut interpretieren. Jüngere Orgeln verfügen meist über Kompromisse bei der Disposition, so dass Musik aus verschiedenen Epochen bis hin zur Moderne spielbar ist.
Die Fussangabe gibt Auskunft über die Oktavlage und dementsprechend über die Grösse der Orgelpfeifen. Beispielsweise klingen 2'-Register hoch, 16'-Register tief.
Ein Fuss ist ein altes Längenmass und entspricht ca. 32 cm. Ein 8' Register sagt also aus, dass die grösste Pfeife des Registers die Tonhöhe von ca. 64 Hz erzeugt und rund 240 cm lang ist. Wenn Pfeifen oben verschlossen (gedackt) sind, verringert sich die Bauhöhe um die Hälfte, ohne dass die Oktavlage verändert wird. Gedackte Pfeifen klingen im Vergleich zu Offenen matter und weniger laut.
Die Intonation ist die Feinabstimmung der Orgelpfeifen. Dabei wird der Bereich des Labiums mit Spezialwerkzeugen bearbeitet, um die Pfeife in Klangfarbe und Lautstärke zu verändern und ihnen einen stabilen Ton abzugewinnen. Lingualpfeifen werden durch Wölbung der Zungenblätter intoniert. Zusätzlich müssen alle Pfeifen eines Register in sich wie auch zueinander in Klangcharakter und Lautstärke ausgeglichen werden. Der Orgelbauer braucht dafür mehrere Tage.
Koppeln erlauben das gemeinsame Spiel auf verschiedenen Werken. Wird beispielsweise die Koppel Hauptwerk – Pedal getätigt, erklingt auch das Hauptwerk beim Spiel auf der Pedalklaviatur.
Labialpfeifen (Lippenpfeifen)
Die Labialpfeifen funktionieren wie eine Blockflöte: Der Luftstrom wird am Labium geschnitten und so zum Schwingen gebracht. Der grösste Teil einer Orgel besteht aus Labialpfeifen.
Lingualpfeifen (Zungenpfeifen)
Lingualpfeifen werden, nach dem gleichen Prinzip wie eine Schalmei oder Dudelsack, durch ein Zungenblatt in Schwingung versetzt.
Verschiedene Bauformen von Orgelpfeifen bei gleicher Tonhöhe
Labialpfeifen aus Metall: (1) Principal, (2) Offenflöte, (3) Gambe, (4) Spitzflöte, (5) Trichterflöte, (6) Gedackt, (7) Rohrflöte, (8) Spitzgedackt
Labialpfeifen aus Holz: (9) Principal, (10) Gedackt
Lingualpfeifen: (11) Trompete, (12) Krummhorn, (13) Dulcian
Grafik: Wikipedia
Der Prospekt ist die Vorderansicht der Orgel, bestehend aus Gehäuse und Front – sozusagen das Gesicht der Orgel.
Ein Register ist eine Flötenreihe von ca. 50 Pfeifen in gleicher Bauform und Klangfarbe, welche als Einheit an- und abgeschaltet werden kann. Durch die Wahl und dementsprechende Zusammensetzung der Register wird der Organist zum Maler: Er mischt für jedes Lied eigens die Klangfarbe.
Werden einzelne Register in der Disposition z.B. mit „4fach“ angegeben, bedeutet dies, dass 4 Pfeifen „pro Ton“ zugewiesen sind. Somit weist diese Flötenreihe ca. 200 Pfeifen auf. Solche Register, auch
Mixturen genannt, klingen in der Regel hoch und bilden die sogenannte Klangkrone.
Spielhilfen sind meistens als Tritt ausgelegt und dienen dem Organisten beispielsweise für das ein- und ausschalten bestimmter Register. Somit braucht er nicht seine Hände von der Klaviatur zu nehmen und kann ohne Unterbruch des Spiels die Klangfarbe der Orgel ändern.
Der Spieltisch besteht aus einer oder mehreren Klaviaturen, auch Manuale genannt, und der Pedalklaviatur, welche mit den Füssen gespielt wird. Jedes Manual ist einem Werk zugeordnet. Auch beim Spieltisch angebracht sind die Registerzüge und Spielhilfen, mit welchen man per Fusstritt beispielsweise bestimmte Register ein- und ausschalten kann.
Das ganze System zur Übermittlung von Tastendruck und der Register bis zu den Pfeifenventilen, ist die Traktur. Die Traktur ist bautechnisch der heikelste und aufwendigste Teil einer Orgel. Sie besteht aus tausenden von Teilen, welche von Hand gefertigt werden.
Die älteste und ursprüngliche Traktur ist mechanisch. Ende des 19. Jahrhunderts sind pneumatische und elektrische Trakturen aufgekommen. Heutzutage kehrt man gerne wieder zur rein mechanischen Traktur zurück, da diese dem Organisten ein direktes Spielgefühl bis zu den Ventilen der Pfeifen ermöglichen.
Unter einem Werk versteht man voneinander getrennte Klangkörper der Orgel mit unterschiedlicher Registerbesetzung. Jedes Werk hat eine eigene Klaviatur. Da jede Orgel ein Einzelstück ist, welches nach optischen und akustischen Gegebenheiten der Kirche gebaut wird, kommen unterschiedliche Werke zum Einsatz.
Hauptwerk
Über das Hauptwerk verfügt jede Orgel. Es ist das zentrale Werk mit den Registern für das gewöhnliche Spiel.
Schwellwerk
Die Pfeifen dieses Werks befinden sich in einem verschlossenen Holzkasten, welcher meistens hinter dem Hauptwerk angebracht ist. Die Vorderseite dieses Schwellkastens lässt sich stufenlos öffnen und schliessen. Dadurch wird eine Lautstärkenregulation ermöglicht.
Pedalwerk
Das Pedalwerk enthält die tiefsten Register der Orgel. 8‘ und 16‘-Register sind fast immer vertreten. Oft findet man aber auch 4‘ wie z.B. der Choralbass. Grosse Orgeln beinhalten auch 32‘-Register.
Diese bis über 10 Meter hohen Pfeifen (bei offener Bauform) unterschreiten teilweise die Hörgrenze des Menschen und sind nur noch als Vibrationen wahrzunehmen (Infraschall).
Brustwerk
Das Brustwerk liegt direkt vor dem Spieler oberhalb des Spieltisches. Die Pfeifen sind meist klein. Dadurch ergibt sich insgesamt ein eher dünner, spitzer Klangcharakter.
Kronpositiv
Das Kronpositiv (oder Oberwerk) befindet sich über dem Hauptwerk und bildet meist (evt. nach dem Pedalwerk) den höchsten Punkt der Orgel.
Rückpositiv
Das Rückpositiv befindet sich oft im Rücken des Organisten in einem eigenen Gehäuse, welches meistens in der Emporenbrüstung angebracht ist. In kleineren Kirchen ergibt sich durch die grössere Nähe zum Zuhörer oft ein direkterer und frischerer Klangeindruck als bei den übrigen Werken der Orgel. Aus optischen und akustischen Gründen weist das Rückpositiv kleinere Pfeifen auf, als das dahinter liegende Hauptwerk.