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Am Samstag Morgen vor einer Woche läutete gegen zehn Uhr die Türglocke. Wer mag das wohl sein? Ich unterbrach die Hausarbeit, öffnete die Türe und vor mir standen zwei gut gekleidete Herren, die mich sofort mit einem freundlichen «Guten Morgen, Herr Stocker» begrüssten. Aha, die Zeugen Jehovas! Eigentlich kamen sie mir ungelegen, da ich unter der Woche kaum dazu komme, im Haushalt etwas zu arbeiten und in der Folge alles am Samstag machen muss. Allein ich wollte nicht unfreundlich erscheinen und liess mich auf ein Gespräch ein. In dessen Verlauf kam einer der Missionare auf ein kleines Buch mit dem Titel «Was lehrt die Bibel wirklich?» zu sprechen, das er mir zur Lektüre anbot. Neugierig wie ich bin nahm ich das Buch dankend an, um es bei Gelegenheit etwas genauer anzusehen. Einige Tage später kam ich dann auch dazu.
Illustration der Wachtturm-Gesellschaft
Bei dem Büchlein mit rund 220 Seiten Umfang handelt sich um ein Pamphlet der deutschen Wachtturm-Gesellschaft, illustriert mit zahlreichen, bunten Bildchen und Fotos, auf denen glücklich wirkende Menschen dem Betrachter entgegenlächeln. Was aber in dem Buch drinsteht, finde ich überhaupt nicht zum Lachen. Dem Leser wird der Eindruck vermittelt, dass Jehovas Zeugen im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit sind. Das ist sektiererisch.
Die Probleme beginnen spätestens auf Seite 14. Dort lesen wir, dass es sehr wichtig sei, Gott mit dem richtigen Namen anzureden und dieser Name sei «Jehova». Woher kommt dieser Name? Ein Blick in das Vorwort der Elberfelder Bibel (4. Auflage 1992) schafft Klarheit: Die Israeliten haben nie «Jehova» gesagt, sondern wahrscheinlich «Jahwe». Später wagte man nicht mehr, den heiligen Gottesnamen auszusprechen und sagte statt dessen «Adonaj» (=Herr). Damit man nun beim Vorlesen aus der Bibel daran erinnert wurde, «Adonaj» zu lesen und nicht versehentlich «Jahwe», setzen die Juden in ihren Bibelhandschriften zu den Konsonanten des Namens «Jahwe» (JHWH) die Vokale des Wortes «Adonaj» (eoa), so dass Nichteingeweihte daraus «Jehowa» lesen mussten. Daraus ergibt sich folgerichtig, dass «Jehova» kein Name ist und man ihn deshalb auch in unserer Sprache nicht so schreiben und aussprechen sollte.
Ein weiteres Problem, das mir auffiel, ist die Sache mit dem Blut. Jehovas Zeugen haben aus dem mosaischen Gesetz, kein Blut zu trinken, ein neues Dogma konstruiert: Auch die Zuführung von Blut zu medizinischen Zwecken ist ein Verstoss gegen das alttestamentliche Gesetz und somit nicht erlaubt. Tatsächlich sind mehrere Fälle bekannt, in denen Zeugen Jehovas Bluttransfusionen verweigert haben oder Nahestehende zum Verzicht drängten. Mit entsprechend tragischen Folgen.
Das Verbot, Blut zu trinken, hatte im alten Orient einen einfachen Grund: Die Menschen glaubten, dass das Blut der Sitz des Lebens sei und hatten entsprechend Ehrfurcht davor. Heute wissen wir, dass es sich nicht so verhält, so wie wir auch wissen, dass die Erde keine Scheibe ist. Irrtümer sind dazu da, dasss man aus ihnen lernt.
Ein, weniger tragisches aber auffallendes Problem ist die Abbildung auf Seite 52. Es zeigt ein Bild von Jesus Christus bei der Kreuzigung. Nur hängt Jesus nicht an einem Kreuz, sondern an einem Pfahl und seine Hände sind über dem Kopf an den Pfahl genagelt. Das ist schlicht falsch und dient nur dazu, sich von der christlichen Symbolik zu unterscheiden. Eine Schilderung, wie im antiken Rom eine Kreuzigung vor sich ging, kann auf Wikipedia nachgelesen werden. Interessant sind auch die Schilderungen von Dr. Metherell, zu finden im Buch «Der Fall Jesus» von Lee Strobel: «Was geschah, als er (Jesus) an der Hinrichtungsstätte ankam», fragte ich. «Er wurde auf den Boden gelegt, musste seine Arme ausstrecken und wurde dann mit den Händen an den Querbalken des Kreuzes genagelt. Diesen Kreuzbalken nannte man ‚patibulum‘, er war getrennt von dem zweiten, vertikalen Balken, der dauerhaft im Boden verankert war.»
Update: Dies ist keine Diskussionsplattform zum Thema. Wer sich über die Sekte informieren will, findet alles Wissenswerte auf relinfo.ch.
Update 2 (17.4.2007): Ein Artikel auf welt.de beschreibt die Kreuzigung von Jesus Christus.