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Was ist der Treibhauseffekt? Ist der Klimawandel wirklich menschgemacht? Wissenswertes auf den Punkt gebracht.
- 1. Ist die Klimaveränderung menschengemacht?
- 2. Wie funktioniert der Treibhauseffekt?
- 3. Was versteht man unter dem natürlichen Kohlenstoff-Kreislauf?
- 4. Sind bei uns schon Auswirkungen des Klimawandels nachweisbar?
- 5. Wie viele Treibhausgasemissionen verursacht die Schweiz?
- 6. Was können wir tun?
- 7. Wieviel CO2 entsteht bei ...?
- 8. Wie klimafreundlich ist Schweizer Strom?
- 9. Was ist die CO2-Abgabe?
- 10. Was bringt der Emissionshandel dem Klima?
- 11. Wie können CO2-Emissionen kompensiert werden?
1. Ist die Klimaveränderung menschengemacht?
Der Weltklimarat (IPCC) kommt in seinem 5. Bericht (2013) auf der Grundlage breiter wissenschaftlicher Analysen zum Schluss, dass die globale Erwärmung in den letzten 50 Jahren mit über 95 % Wahrscheinlichkeit hauptsächlich auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Es ist nichts anderes bekannt, das die globale Erwärmung der letzten Jahrzehnte auch nur annähernd erklären könnte.
2. Wie funktioniert der Treibhauseffekt?
Die Sonne erwärmt die Erdoberfläche, die ihrerseits Wärmestrahlung an die Atmosphäre abgibt. Treibhausgase in der Atmosphäre nehmen diese Strahlung auf und schicken einen Teil davon wieder zur Erde zurück. Aufgrund dieser Rückstrahlung erwärmen sich die Erdoberfläche und die unterste Atmosphärenschicht. Je höher die Konzentration der Treibhausgase, desto grösser ist diese zusätzliche Erwärmung.
Schematische Erklärung:
1. Die kurzwellige Sonnenstrahlung erwärmt die Erdoberfläche.
2. Die Erdoberfläche gibt langwellige Infrarotstrahlung ab.
3. Die Treibhausgase nehmen einen Teil der Infrarotstrahlung (je nach Treibhausgas unterschiedliche Wellenlängenbereiche) auf und geben ihrerseits Infrarotstrahlung ab.
4. Ein Teil der von den Treibhausgasen ausgesendeten Strahlung gelangt auf die Erdoberfläche zurück und führt zu einer Erwärmung der Erdoberfläche und der untersten Atmosphärenschicht (Troposphäre).
Dieser natürliche Treibhauseffekt ermöglicht Leben auf der Erde. Ohne Treibhausgase in der Atmosphäre läge die mittlere Temperatur auf der Erde bei etwa minus 18 Grad Celsius.
Durch die vom Menschen emittierten Treibhausgase wird das natürliche Gleichgewicht zwischen Ein- und Abstrahlung jedoch gestört. Heute misst man über 40 % mehr CO2 als zu Beginn des Industriezeitalters. Auch der Anteil der anderen durch den Menschen freigesetzten Treibhausgase ist angestiegen. Als Folge davon hat sich die Erdoberfläche seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts global um 1°C erwärmt.
Rückkoppelungen im Klimasystem
Die Erwärmung der Erde löst verschiedene Rückkoppelungsprozesse aus, die Veränderungen im Klimasystem bewirken. Zu einer zusätzlichen Erwärmung führen die Aufnahme von mehr Wasserdampf in die Atmosphäre und die Abnahme der mit Schnee und Eis bedeckten Fläche. Veränderungen der Wolkenbedeckung und des Kohlenstoffkreislaufs sind Effekte, deren Auswirkungen auf das Klima noch nicht abgeschätzt werden können.
3. Was versteht man unter dem natürlichen Kohlenstoff-Kreislauf?
Kohlendioxid wird ständig von der Vegetation, den Ozeanen und den Böden abgegeben und wieder aufgenommen - dies wird als Kohlenstoffkreislauf bezeichnet. Im Gleichgewichtszustand sind die Kohlenstoffzuflüsse in und -abflüsse aus der Atmosphäre gleich gross. Die vom Menschen in die Atmosphäre eingebrachte CO2-Menge stört dieses natürliche Gleichgewicht. Weil aber Ozeane, Böden und Vegetation nur einen Teil (zurzeit etwa die Hälfte) des zusätzlichen, menschgemachten CO2 aufnehmen, entsteht ein Überschuss an CO2-Emissionen. Als direkte Folge steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre in einem bisher nie beobachteten Tempo.
4. Sind bei uns schon Auswirkungen des Klimawandels nachweisbar?
Es sind eine Anzahl schleichender Veränderungen zu beobachten, die eindeutig mit dem Klimawandel zusammenhängen. Verschiedene Beispiele sind in einer Studie des BAFU publiziert:
Klimamodelle zeigen, dass ein Anstieg der Treibhausgase zu einer Zunahme der Temperatur und des Wasserdampfes in der Atmosphäre führt. Insbesondere der höhere Wasserdampfgehalt kann sich in höheren Niederschlagsintensitäten und in der Verstärkung von Sturmtiefs äussern. Intensive Niederschlagsereignisse, wie sie etwa ein Mal pro Monat auftreten, haben in der Schweiz über das letzte Jahrhundert um 20 bis 40 % zugenommen.
Bereits sehr gut sichtbar ist auch der rasche Rückgang der Gletscher. Die Freisetzung grosser Schuttmengen und die Bildung instabiler Gletscherseen können Siedlungen gefährden und verursachen bereits heute hohe Kosten für Schutzmassnahmen (z.B. Abflussstollen für Gletschersee in Grindelwald).
5. Wie viele Treibhausgasemissionen verursacht die Schweiz?
Die Schweiz verursacht rund 50 Mio. Tonnen Treibhausgase pro Jahr (Systemgrenze gemäss UN Klimarahmenkonvention). Dies entspricht einer Pro Kopf-Emission von ca. 5,8 Tonnen.
Allerdings umfassen diese Werte nur Treibhausgase, die innerhalb der Landesgrenzen ausgestossen werden. Werden die importierten Güter und Dienstleistungen mitberücksichtigt, bewegt sich der Pro-Kopf-Ausstoss der Schweiz mit rund 12 Tonnen im europäischen Mittel.
CO2 ist das wichtigste Treibhausgas. Schweizerinnen und Schweizer emittieren rund 5 Tonnen CO2 pro Kopf (ohne Anrechnung der Importe). Dieser Wert liegt im Vergleich zu einigen Industrieländern (USA; Australien: rund 17 Tonnen pro Person) tief, im Vergleich zu afrikanischen Entwicklungsländern aber hoch (Äthiopien, Eritrea: weniger als 0,1 Tonnen pro Kopf). Der globale Durchschnitt liegt bei etwa 4,5 Tonnen CO2 pro Kopf. Bis 2050 will der Bundesrat den Pro-Kopf-Ausstoss der Schweiz auf 1 bis 1,5 Tonnen CO2 senken.
6. Was können wir tun?
Im Vordergrund steht die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Die grössten Potentiale liegen beim Verkehr, beim Heizen und Warmwasserverbrauch sowie bei der Ernährung. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder energieeffizienter Fahrzeuge, der Einsatz von erneuerbaren Energien im Haushalt und eine Ernährung aus vorwiegend saisonalen und pflanzlichen Produkten bewirken schon sehr viel.
Weil die Erderwärmung im besten Fall auf 1,5°C begrenzt werden kann, wird die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels immer wichtiger. Anpassungsmassnahmen sind zwar auch von Privaten, vor allem aber von der öffentlichen Hand nötig.
7. Wieviel CO2 entsteht bei ...?
... der Beheizung einer Altbau-Wohnung (100 m2) pro Jahr: 7200 kg
... der Beheizung einer Minergie-Wohnung (100 m2) pro Jahr: 1200 kg
... der durchschnittlich pro Person und Jahr zurückgelegten Auto-Kilometer (10‘000 km) in einem durchschnittlichen PKW: 1800 kg
... derselben Strecke, im Zug (Schweiz) zurückgelegt: 70 kg
... derselben Strecke, im Flugzeug (Economy) zurückgelegt (z.B. Zürich-Dakar retour): 1200 kg
... der Produktion von 50 kg Fleisch, dem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Konsum: 500 kg
Jährlicher durchschnittlicher Footprint pro Person in der Schweiz: 12‘800 kg CO2eq (Basis: Ökobilanzdaten aus Ecoinvent)
CO2-Emissionsfaktoren des schweizerischen Treibhausgasinventars (PDF, 226 kB, 25.01.2016)Zusammenstellung der CO2-Emissionsfaktoren und Energieinhalte verschiedener Energieträger, die im Treibhausgasinventar verwendet werden.
8. Wie klimafreundlich ist Schweizer Strom?
Der in der Schweiz produzierte Strom ist emissionsarm, weil er kaum mit fossilen Energieträgern erzeugt wird. Der in der Schweiz verbrauchte Strom ist dagegen deutlich emissionsreicher, da die CO2-Emissionen des Importstroms berücksichtigt werden müssen. Die Kennzahlen für die verschiedenen Schweizer Strommixe betragen:
- Produktions-Strommix: 23.6 g CO2/kWh (29.8 g CO2eq/kWh)
- Lieferanten-Strommix: 138.5 g CO2/kWh (149.4 g CO2eq/kWh) (relevant für volkswirtschaftliche Betrachtungen)
- Durchschnittlicher erneuerbarer Strommix: 9.0 g CO2/kWh (13.0 g CO2eq/kWh) (relevant für Ökobilanzbetrachtungen, wenn unspezifisches Stromprodukt aus erneuerbaren Energien verwendet wird)
- Verbraucher-Strommix: 169.0 g CO2/kWh (181.5 g CO2eq/kWh) (relevant für Ökobilanzbetrachtungen, wenn unspezifischer Strom ab Steckdose verwendet wird)
Umweltbilanz Strommix Schweiz 2014 (PDF, 846 kB, 24.01.2017)treeze Ltd., im Auftrag des BAFU
Umweltbilanz Strommix Schweiz 2011 (PDF, 645 kB, 14.01.2014)treeze Ltd., im Auftrag des BAFU.
Treibhausgas-Emissionen Schweizer Strommixe 2009 (PDF, 308 kB, 22.06.2012)ESU-services, im Auftrag des BAFU.
9. Was ist die CO2-Abgabe?
Die CO2-Abgabe wird auf fossilen Brennstoffen erhoben (Zuschlag von 96 Franken pro Tonne CO2 entspricht 25 Rappen pro Liter Heizöl). Sie ist eine Lenkungsabgabe und schafft Anreize, fossile Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas sparsam zu verbrauchen und vermehrt CO2-neutrale oder CO2-arme Energieträger einzusetzen.
Der Abgabeertrag wird zu fast zwei Dritteln an die Bevölkerung und die Unternehmen verbrauchsneutral über die Krankenversicherer und AHV-Ausgleichskassen zurückverteilt. Ein Drittel steht für das Gebäudeprogramm zur Verfügung, das energetische Sanierungen und die Verwendung erneuerbarer Energieträger sowie Geothermie-Projekte unterstützt. Ein kleiner Teil fliesst in den Technologiefonds.
Energieintensive Unternehmen können sich von der CO2-Abgabe befreien lassen, wenn sie sich zu einer Verminderung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichten. Unternehmen, die am Emissionshandelssystem teilnehmen, sind ebenfalls von der CO2-Abgabe befreit.
10. Was bringt der Emissionshandel dem Klima?
Der Emissionshandel setzt eine Obergrenze für die Emissionen von Treibhausgasen fest. Ein Emissionsrecht berechtigt zur Emission von 1 Tonne CO2 und kann innerhalb des Systems gehandelt werden. Die Emittenten erhalten eine entsprechende Anzahl Emissionsrechte zugeteilt und entscheiden, ob sie ihren Ausstoss im eigenen Unternehmen reduzieren oder Emissionsrechte von einem anderen Emittenten erwerben wollen.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es logisch, dass dort reduziert wird, wo die Kosten am geringsten sind. Durch den Emissionshandel wird die wirtschaftliche Effizienz des Klimaschutzes erhöht und gleichzeitig sichergestellt, dass die ökologischen Ziele erreicht werden.
11. Wie können CO2-Emissionen kompensiert werden?
Fallen an einem Ort Treibhausgasemissionen an, können sie durch Einsparungen an einem anderen Ort kompensiert werden.
Das CO2-Gesetz verpflichtet Inverkehrbringer von fossilen Treibstoffen und Betreiber von fossil-thermischen Kraftwerken zur CO2-Kompensation. Ein Teil ist durch Projekte zur Emissionsverminderung im Inland, so genannte inländische Kompensationsprojekte, zu erfüllen.
Das BAFU kann auf Gesuch hin inländische Kompensationsprojekte registrieren und nach Berichterstattung (Monitoring) Bescheinigungen ausstellen. Bescheinigt werden nur freiwillige Massnahmen, die nicht bereits gesetzlich gefordert oder gefördert werden.
Kompensation von CO2-Emissionen - im Ausland
Das BAFU kompensiert Emissionen (z. B. Flugemissionen), - sowohl im Dienst des eigenen Amtes wie auch im Auftrag anderer Bundesämter. Damit wird die Art und Qualität der CO2-Zertifikate vereinheitlicht: Sie müssen die Kriterien der CO2-Verordnug erfüllen und einen zusätzliche Nutzen bezüglich Umwelt, Wirtschaft, Technologie und Gesellschaft erzeugen (Gold-Standard oder detaillierter Nachweis der Erfüllung vergleichbarer Anforderungen).
Letzte Änderung 28.08.2018