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So funktioniert die Blase
Der regelmässige Gang zur Toilette ist eine gewohnte und alltägliche Erfahrung aller Menschen. Über viele Jahrzehnte funktioniert die Blase ohne weiter aufzufallen. Entsprechend gering ist oft das Wissen über den Harntrakt und seine Funktion. Viele Menschen stellen sich den Vorgang der Blasenentleerung wie die eines Behälters, Tanks oder Speichers vor. Tatsächlich ist es ein kompliziertes Mess- und Regelsystem unter Beteiligung zahlreicher Nervenzellen, Muskeln und Organen, welches aus dem Wasserlassen einen komplexen Vorgang macht. Unsere Fachärztinnen und Fachärzte am KontinenzZentrum Hirslanden in Zürich informieren Sie über die Funktion der Blase, über das Harnsystem und seinen Aufbau sowie über Ursachen und Symptome von Störungen des Harntrakts.
Die Anatomie der Blase: Aufbau und Bestandteile des Harnsystems
Das Harnsystem besteht aus dem oberen und dem unteren Harntrakt, die auch als obere Harnwege und untere Harnwege bezeichnet werden. Zu den oberen Harnwegen zählen die Nieren mit den Harnleitern. Der untere Harntrakt besteht aus Harnblase, dem inneren und äusseren Schliessmuskel der Blase sowie der Harnröhre.
Die Nieren sind zwei etwa faustgrosse, bohnenförmige Organe auf der Höhe der unteren Brustwirbel und oberen Lendenwirbel. Sie bestehen aus Nierenrinde, Nierenmark, Nierenkelchen und Nierenbecken. Aus den etwa 1,2 Litern Blut, die die Niere pro Minute durchfliessen, filtert das Nierengewebe Stoffwechsel-Endprodukte wie Harnsäure und Harnstoff, aber auch Wasser, Aminosäuren und Salze. Daraus bildet die Nierenrinde den Harn (Primärharn).
Danach wird der Primärharn durch das Röhrensystem des Nierenmarks geleitet. Die Zellen der Niere nehmen einen Großteil der Flüssigkeit und viele für den Körper noch verwertbare Stoffe auf. So wird der Harn konzentriert und anschliessend in die Nierenkelche geleitet. Im Nierenbecken sammelt sich der Harn (Sekundärharn) und wird schliesslich über die Harnleiter von den Nieren in die Blase transportiert.
Grundsätzlich sind die unteren Harnwege im Körper von Frau und Mann ähnlich aufgebaut. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Länge der Harnröhre, das Fassungsvermögen der Blase sowie das (Nicht-)Vorhandensein der Vorsteherdrüse (Prostata).
Die Harnblase beim Mann (links) und bei der Frau (rechts),
(1) Blasenmuskel, (2) Harnleitermündung, (3) Harnröhre, (4) Beckenbodenschliessmuskulatur, (5) innerer Schliessmuskel, (6) äusserer Schliessmuskel, (7) Prostata
Unterer Harntrakt und Harnblase bei der Frau
Über die Mündungen der Harnleiter gelangt der Urin in die Blase. Die Harnblase der Frau hat ein Fassungsvermögen von etwa 250 bis 550 ml. Dabei handelt es sich um ein dehnbares, muskuläres Hohlorgan, das den Harn bis zum Entleeren der Blase speichert. Im Normalzustand ist der Blasenmuskel entspannt, der innere und äussere Schliessmuskel der Blase sowie die Beckenbodenmuskulatur sind angespannt. So ist ein wasserdichter Verschluss der Harnblase sichergestellt. Bereits ab einer Füllmenge von 150 bis 250 ml tritt in der Regel ein Harndrang auf.
Wenn die Frau zur Toilette geht und die Entleerung der Blase einleitet, spannen sich die Muskeln in der Blasenwand an und Schliessmuskeln sowie Beckenbodenmuskeln entspannen sich. Der Urin fliesst dann durch die Harnröhre ab. Bei der Frau ist die Harnröhre etwa 3 bis 5 Zentimeter lang, 8 Millimeter breit und tritt zwischen Klitoris und Vagina aus. Durch die Nähe zum After und die Kürze der Harnröhre können Bakterien aus dem Afterbereich leichter in die Blase gelangen und Entzündungen auslösen. Dies ist einer der Gründe, warum Harnwegsinfekte wie Blasenentzündungen bei Frauen häufiger auftreten als bei Männern.
Unterer Harntrakt und Harnblase beim Mann
Die Harnblase beim Mann hat ein Fassungsvermögen von etwa 350 bis 550 ml. In der Regel tritt der Harndrang bereits ab einer Füllmenge von 250 bis 500 ml auf. Wie bei der Blase der Frau befindet sich der innere Blasenschliessmuskel direkt am Blasenausgang. Beim Mann wird die Harnröhre dann allerdings von der Prostata umschlossen – ein Drüsenorgan, das unter anderem die Samenflüssigkeit für den Samenerguss produziert.
Unterhalb der Prostata befindet sich sodann der äussere Blasenschliessmuskel. Die Harnröhre ist beim Mann etwa 20 bis 25 Zentimeter lang und etwa 8 Millimeter breit. Sie durchläuft den Penis und tritt an der Eichel aus. Mit zunehmendem Alter kommt es bei den meisten Männern zu einer gutartig vergrösserten Prostata. Diese kann die Harnröhre verengen und das Wasserlassen erschweren. Gleichzeitig drückt die vergrösserte Prostata auf die Blase und kann häufigeren Harndrang auslösen.
Die normale Harntraktfunktion
Ein Netzwerk aus vegetativen und willkürlich steuerbaren Nervenbahnen ermöglicht es Blase und Schliessmuskel, zwei im Grunde gegensätzliche Funktionen auszuführen: Einerseits die Speicherung von Urin über mehrere Stunden unter Wahrung der Kontinenz (Speichermodus) und andererseits die vollständige Entleerung der Blase zu einem willkürlich bestimmten und von der Umgebung akzeptierten Ort und Zeitpunkt (Entleerungsmodus).
Während des Tages entleeren wir die Harnblase normalerweise zwischen vier und sieben Mal, auch in der Nacht gilt eine ggf. auftretende einzelne Blasenentleerung als normal. Um Speicherung und Entleerung korrekt ausführen zu können, sind gewisse körperliche und psychische Voraussetzungen notwendig:
- Eine normale Form und Funktion des Harnsystems
- Die intakte Koordination aller Teile des Harntraktes durch das Nervensystem
- Die Fähigkeit, die Entleerung willentlich hinauszuzögern und zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt einzuleiten
- Das Einhalten sozialer Normen bezüglich Intervall, Zeitpunkt und Ort der Blasenentleerung
Fehlen eine oder mehrere dieser Voraussetzungen, so resultiert eine Fehlfunktion des Harntraktes.
Funktionsstörungen an Blase und Harnsystem
Jeder Mensch kommt inkontinent zur Welt. Die Ausscheidung von Urin willentlich zu kontrollieren, erlernt ein Kleinkind im Alter von zwei bis fünf Jahren durch eine Gewöhnung und Erziehung an eine willentliche Entleerung der Blase auf dem WC. Spätestens in der Schule dann gilt die Kontinenz als gesellschaftlich geforderte Norm, die eine Ausscheidung in angemessenen Abständen, zu passender Zeit und an einem geeigneten Ort vorsieht.
Solange die Speicherung und Entleerung des Harns reibungslos funktionieren, bleibt die Funktion der Harnblase im Hintergrund der alltäglichen Beschäftigungen. Tritt jedoch eine Störung der Blasenfunktion oder eine Harninkontinenz ein, rückt die Blase unmittelbar in den Mittelpunkt des täglichen Lebens. Oftmals wird eine gestörte Funktion des Harnsystems umgangssprachlich als „Blasenschwäche“ bezeichnet. Die Störung betrifft aber nicht zwangsläufig die Blase oder die Blasenmuskulatur.
Auch Probleme in anderen Teilen des Harntrakts (Harnleiter, Harnröhre, Schliessmuskeln, Beckenbodenmuskulatur, Prostata beim Mann) sowie Probleme bei der Reizübertragung zwischen Nerven und Gehirn, Hormon-Veränderungen oder eine Tumor-Erkrankung können zu Problemen beim Wasserlassen und zum unfreiwilligem Verlust von Urin (Inkontinenz) führen.
In jedem Fall sind betroffene Frauen, Männer und Kinder empfindlich in ihrem Wohlbefinden und in ihrer Lebensqualität gestört. Neben den eigentlichen Beschwerden erleben sie nicht selten eine enorme Verunsicherung, die sich nach und nach auf alle Bereiche des Lebens auswirken kann. So leidet die Mobilität unter dem Zwang, ständig eine Toilette in der Nähe zu haben. Soziale Kontakte werden schwieriger, manchmal droht gar eine soziale Isolation. Der Versuch, das Blasenproblem zu überspielen und zu kompensieren, raubt einen beträchtlichen Teil der Tag für Tag zur Verfügung stehenden Energie, ein Leistungsabfall im Beruf bzw. in der Schule und ein Verlust an Interesse am Job bzw. an Hobbys können die Folge sein. Nicht wenige Betroffene setzten sich und ihre Blase unter Druck, sodass ihre Psyche darunter leiden kann. Auch das Sexualleben ist bei Frau und Mann in der Regel betroffen, wenn Sie Probleme mit der Harnblase haben – mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Partnerschaft. Im fortgeschrittenen Stadium wirkt sich zudem der Zwang, Vorlagen oder gar Windeln tragen zu müssen, negativ auf das Selbstbild aus.
Häufige Symptome bei Störungen am Harntrakt
Treten diese oder ähnliche Beschwerden länger als einige Tage auf und ist eine Harnwegsinfektion ausgeschlossen, so ist eine Abklärung ratsam:
- Häufiges Wasserlassen am Tage
- Häufiges nächtliches Wasserlassen
- Plötzlicher, häufiger und verstärkter Harndrang (Reizblase)
- Fehlendes Blasenfüllungsgefühl und schwacher Harndrang
- Unfreiwilliger Harnverlust oder Harninkontinenz
- Erschwerte und unvollständige Blasenentleerung
- Unvollständige Blasenentleerung (Restharn)
- Schwacher und unterbrochener Harnstrahl
- Schwierigkeiten beim Start oder der Einleitung der Entleerung
- Schmerzhafte Blasenfüllung und -entleerung
Informieren Sie sich über Blase und Harnsystem, Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten
Kontaktieren Sie uns für ein Beratungsgespräch, wir informieren Sie gerne über die Blase und das Harnsystem. Die Fachärztinnen und Fachärzte in unserem Zentrum (KontinenzZentrum Hirslanden) in Zürich beraten Sie umfänglich zu möglichen Blasen- und Harnwegs-Erkrankungen, Vorsorge-Untersuchungen und Möglichkeiten zur Behandlung von Störungen am Harnsystem. Sie erreichen das KontinenzZentrum Hirslanden telefonisch unter +41 44 387 29 10 im Zeitraum von Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr.
Nutzen Sie auch gern unsere Online Terminvereinbarung.