Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/2376

Geschichte der Kirche St. Agatha von Thomas Furger
Hier finden Sie zum Herunterladen die Geschichte unserer Kirche und die Dokumentation des Kirchenschatzes
Geschichte der Kirche und Pfarrei St. Agatha
Austellungsführer Kirchenschatz
Die erste Kirche: St. Ulrich (Simultankirche)
Die erstmals 1089 urkundliche erwähnte Pfarrkirche von Dietikon stand sicher auf dem gleichen Platz, wo heute die St. Agatha-Kirche steht. Sie war dem heiligen Ulrich geweiht, dem im Jahre 973 verstorbenen Bischof von Augsburg, welcher seit dem frühen Mittelalter überall sehr verehrt wurde.
Verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass die St. Ulrichs-Kirche in südöstlich-nordwestlicher Richtung stand; also quer zur heutigen Kirche. Die Kirchgasse führte damals geradeaus zum Haupteingang.
Über den Bau der Kirche fehlen alle Urkunden, diese sollen, soweit überhaupt vorhanden, den Klosterstürmen von 1841 zum Opfer gefallen sein. Wenige an der Kirche selbst vorhandene Jahreszahlen und spärliche Notizen eines Chronisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert bieten einige Anhaltspunkte über Erweiterung und Renovationen. Der Grundriss aus dem Jahr 1925 lässt jedenfalls auf eine mehrmalige Erweiterung schliessen.
Im Jahre 1606 wurde die Kirche renoviert. Dies muss, wie alle Renovationen nach der Reformation, ein schwieriges Unterfangen gewesen sein, denn nicht nur die beiden Konfessionen von Dietikon, sondern auch der Abt des Klosters Wettingen und die Gläubigen der weiteren zur Pfarrei gehörenden Gemeinden (Urdorf, Spreitenbach, Rudolfstetten, usw.) mussten ihr Einverständnis geben und ihren Beitrag leisten.
Der Glockenturm – ein Wahrzeichen Dietikons bis 1926 – stammt aus den Jahren 1658/59. In den Jahren 1658 bis 1691 wurde die Kirche erweitert und renoviert. Die Vergrösserung der Kirche von 1691 trug besonders den Bedürfnissen der reformierten Konfession Rechnung, da die Simultankirche allen Reformierten von Dietikon, Urdorf (ganz reformiert), Spreitenbach, Killwangen, Rudolfstetten usw. als einzige Kirche zur Verfügung stand, während die Katholiken an den meisten andern Orten noch Kapellen und kleinere Kirchen besassen.
Um die Kirche lag der Friedhof mit einem Teil für die Reformierten und einem andern für die Katholiken. Die Umfriedung gehörte beiden Konfessionen gemeinsam. Bis zur Bundesverfassung von 1874 war das Friedhofs- und Bestattungswesen eine rein kirchliche bzw. konfessionelle Angelegenheit. Auch die verstorbenen Reformierten von Bergdietikon, Spreitenbach und Killwangen wurden bis 1898 hier bestattet, denn trotz Abtretung von Dietikon an den Kanton Zürich im Jahre 1803 wurden die Kirchgemeinden nicht getrennt; so erstreckten sie sich noch einige Zeit über zwei Kantone. Während die Katholiken von Spreitenbach 1861 eine eigene Kirchgemeinde bildeten und diejenige von Rudolfstetten und Friedlisberg zu Berikon geschlagen wurden, erfolgte die Abtrennung der aargauischen Gebiete bei der reformierten Kirchgemeinde erst 1956 (Spreitenbach und Killwangen) und 1961 (Bergdietikon).
Die steigenden Bevölkerungszahlen stellten die Behörden vor grosse Zukunftsaufgaben für die Infrastruktur der Gemeinde.
Besonders dringend solllten die Schulhaus- und die Friedhoffrage gelöst werden. Für die kirchlichen Behörden aber stand der Bau der Kirche im Vordergrund. Die von beiden Konfessionen benutzte Simultankirche mit knapp 400 Sitzplätzen war vor allem für die Katholiken zu klein geworden. Zunächst wollte die reformierte Kirchgemeinde Urdorf-Dietikon nicht auf eine Änderung der bestehenden Rechtsverhältnisse eintreten. Es gab ein langes Hin und Her, wobei auch die Direktion des Innern zu vermitteln versuchte. Eine Trennung muss einmal kommen und soll auf friedlichem Wege versucht werden. Wer sollte nun die bestehende Kirche übernehmen und zu welchem Preis? Eine Dreierkommission schätzte die Anteile beider Konfessionen. Auf Vorschlag der Expertenkommission entschied sich die reformierte Kirchgemeinde, das Auskaufs-Angebot der katholischen Kirchgemeinde anzunehmen und sich auf den Bau einer neuen Kirche einzurichten. Die katholische Kirchgemeindeversammlung vom 24. April 1921 genehmigte den Ausverkaufsvertrag mit der reformierten Kirchgemeinde Dietikon für Fr. 60``000.– und bewilligte gleichzeitig Fr. 5``000.– für Kirchenbaustudien.
Am 1. Januar 1924 kündigte die katholische Kirchenpflege das bestehende Simultanverhältnis auf den 1. Januar 1926. Am 13. September 1925 hielten die Reformierten in der alten Simultankirche ihren letzten Gottesdienst. Unter dem Geläute der alten Glocken zogen unsere reformierten Gläubigen weg zur Einweihung ihrer schönen neuen Kirche.
Bau und Restauration der Kirche St. Agatha
Zum vornherein stand fest, dass das Pfarrhaus auch in Zukunft den Katholiken dienen sollte, weshalb man auf alle Fälle einen Bauplatz in dessen Nähe anstrebte. Es wurden auch andere Standorte in Erwägung gezogen. Durch glückliche Umstände konnte das heutige Areal durch Schenkungen und Zukäufe arrondiert werden, so dass einem Neubau nichts mehr im Wege stand. Abbruch und Neubau
Um dem Volkswillen so weit als möglich entgegenzukommen und dabei auch etwas zu sparen, plante man anfänglich, Bauteile der alten Kirche einzubeziehen. Schliesslich entschied man sich für einen Neubau und den vollständigen Abbruch der alten Kirche.
Die Baukommission gab den Planungsauftrag und zog aus den eingereichten Projekten drei in die engere Wahl. Die Kirchgemeindeversammlung vom 14. Dezember 1924 entschied sich alsdann für das Projekt von Dr. Adolf Gaudy aus Romanshorn; eine einfache Kirche im modernen Barock oder klassizistischem Baustil mit einem Kosten-voranschlag von Fr. 642`000.– (ohne Glocken, Turmuhr und Orgel). Zuerst musste der Friedhof abgetragen werden, wobei nur 10 Tote die weniger als 18 Jahre beerdigt waren, in den neuen Friedhof Guggenbühl verlegt werden mussten. Alle sterblichen Überreste aus etwa 100 Gräbern wurden hinter dem Missionskreuz einem grossen Massengrab anvertraut. Am Aschermittwoch, 17. Februar 1926 wurde nach einem feierlichen Schluss-Gottesdienst mit der Abtragung der alten Simultankirche begonnen.
Am 26. Oktober 1925 fand der erste Spatenstich für die neue Kirche statt. Am 4. Dezember erfolgte die Grundsteinlegung. Der Neubau ging dann zügig voran, ohne Unfall und bei schönem Wetter für den Dachbau. Während der Bauzeit stand auf dem Areal zwischen Zürcher- und Bahnhofstrasse eine hölzerne Notkirche, etwa in der Grösse der alten Kirche.
Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 10. und 11. September 1927 statt. Die «Neuen Zürcher Nachrichten» vom 10. September 1927 rühmten die Kirche als «ein wirkliches Prachtstück moderner Kirchenbaukunst», die als solches in allen Kreisen aufrichtige Anerkennung und Bewunderung findet.
Zwischen 1975 und 1977 wurde die St. Agatha-Kirche einer umfassenden Aussen- und Innenrestauration unterzogen, dies zum 50. Jahrestag ihrer Entstehung.
Am 27. März 1977 erfolgte zum Abschluss der gelungenen Sanierung ein feierlicher Festgottesdienst mit Weihe des neuen Zelebrationsaltars, des Taufsteins und des Ambo.
1996/97 zum 70. Jahrestag der Kirchweihe wurde die Kirche innen gereinigt und der Turm saniert.
1999 erfolgte schliesslich noch eine gründliche Orgelsanierung und Erweiterung der Register.
Am Bettagswochenende 2002 wurde mit einem Fest das 75-jährige Bestehen der St. Agatha-Kirche gefeiert.
Dem regen Vereinsleben und der Pfarrei fehlte ein Zentrum für die ausserkirchlichen Tätigkeit. Durch günstige Umstände wurde in der recht schwierigen Zeit 1939/40 der Bau des Vereinshauses an der damaligen Tramstrasse realisiert.
1989-1991 erfolgte die grosszügige Erweiterung mit Einbezug des alten Vereinshauses zum heutigen Pfarrei-Zentrum St. Agatha.
» Artikel in Wikipedia