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Die Weltwirtschaft boomt und viele Indikatoren zeigen ein ausserordentlich hohes Verbraucher- und Wirtschaftsvertrauen an. Populisten werden aber aufgrund der folgenden Einschätzungen auch weiterhin ein einfaches Spiel haben:
(1) Einkommen und Vermögen bleiben ungleicher verteilt als in der Vergangenheit.
(2) Mehrere nicht-monetäre Indikatoren zeigen, dass sich das Wohlergehen grosser Teile der Bevölkerung nicht verbessert hat.
(3) Die Digitalisierung führt zu einer grösseren Anzahl spezialisierter Nachrichtenkanäle, in denen Extrempositionen kein natürliches Korrektiv mehr finden, was den öffentlichen Diskurs erschwert und so zu einer polarisierten Gesellschaft beiträgt. Auch die Finanzmärkte werden daher mit risikofreudigeren Wählern leben müssen.
Einkommen und Vermögen bleiben ungleich verteilt
Mehrere wichtige Studien wurden veröffentlicht, die zeigen, dass sich das Wohlergehen grosser Bevölkerungsteile nicht unbedingt parallel mit den günstigen Wirtschaftsstatistiken verbessert.
So stellt ein Arbeitspapier aus dem Internationalen Währungsfonds mit neuen Daten dar, wie die US-Gesellschaft auseinander driftet. So sank der Anteil der Haushalte mit mittlerem Einkommen von 1970 bis 2016 von 57,6% auf 48,3%, während der Anteil der Haushalte mit niedrigem Einkommen von 16,8% auf 22,4% anstieg.
Darin wird festgehalten, dass technologischer Wandel und internationaler Handel mehr als die Hälfte des Anstiegs der Einkommenspolarisierung erklären können. Interessanterweise sind reichere US-Bundesstaaten weniger polarisiert als ärmere.
Es wird auch Stellung dazu genommen, dass technologischer Fortschritt und Globalisierung den allgemeinen Lebensstandard zwar erhöhen – jedoch mit Nebenwirkungen, die verstanden werden müssen. Diese müssen nicht unbedingt rational sein. So wird es beispielsweise für wahrscheinlicher gehalten, dass Arbeitsplatzverluste Populisten inspirieren, protektionistische Ideen zu verbreiten als zu einem Protest gegen die arbeitsplatzsparende Nutzung von Smartphones aufzurufen. Mit Smartphones können nun Sachen erledigt werden, wozu früher Menschen benötigt wurden (beispielsweise der SBB-Fahrkartenverkauf- und Information, Restaurantreservierung, Musikverkauf ect).
Nicht-monetäre Ungleichheiten
Eine weitere wichtige neue Studie ist der "How's life?" Bericht der OECD. Dieser stellt zahlreiche Statistiken dar, die das Wohlbefinden "jenseits des BIP" betrachten und analysiert verschiedene nicht-monetäre Ungleichheiten.
Die Ergebnisse sind vielfältig, zeigen aber auch, dass sich die Lebenszufriedenheit und einige soziale Indikatoren in mindestens einem Viertel der OECD-Länder nicht verbessert haben. Daraus ergibt sich ein in den letzten 12 Jahren gesunkenes Vertrauen in die nationale Regierung sowie fallende Wahlbeteiligungen.
Die monatlichen Studien von Ipos ("What worries the World") zeichnen ein ähnliches Bild. Ihre Umfragen zeigen unabhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Dynamik in den letzten Jahren, dass eine Mehrheit der Befragten das Gefühl hat, dass ihr Land sich in die falsche Richtung entwickelt. Die Gründe sind von Land zu Land verschieden. Über das Thema "Arbeitslosigkeit" sorgen sich die meisten Menschen. Interessanterweise zeigen die Ipsos-Umfragen, dass die Höhe der Arbeitslosenquote zu ganz unterschiedlichen Reaktionen führen kann: So beträgt die Arbeitslosenquote 4% in Korea, Mexiko und Deutschland und wird aber nur in den ersten beiden Ländern mit Sorge betrachtet. Auf der anderen Seite gibt es in den Ländern mit hoher Einwanderung (wie Deutschland, Grossbritannien und Schweden) diesbezüglich auch die grössten Bedenken.
Daraus kann geschlossen werden, dass es jenseits von rationalen Argumenten und rein ökonomischen Statistiken, Entwicklungen und Themen gibt, die populistischen Parteien Zulauf bescheren können.
Digitalisierung: spezialisierte Nachrichtenkanäle
Die Digitalisierung kann zu Echokammern führen, in denen Menschen zunehmend folgen, lesen und hören, was ihre bestehenden Überzeugungen bestätigt. Infolgedessen nutzen verschiedene gesellschaftliche Gruppen völlig unterschiedliche Nachrichtenkanäle und überschneiden sich weniger als in der nicht-digitalen Welt. Populisten haben so ohne Korrektiv ein leichtes Spiel.
Fazit
Die Kombination von:
(1) divergierenden Einkommen und Vermögen,
(2) nicht-wirtschaftlichen Lebensbedingungen und
(3) die neuen technologischen Möglichkeiten eines sehr spezialisierten Nachrichtenkonsums
wird populistische Tendenzen auch in den nächsten Jahren begünstigen. Die derzeit sehr gute wirtschaftliche Entwicklung begünstigt daher nicht die Parteien, die den Status-Quo bewahren wollen, sondern beflügelt die Risikofreudigkeit der Wähler.
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Weiterführende Literaturhinweise:
Alichi, Ali; Mariscal, Rodrigo ; Muhaj, Daniela: Hollowing Out: The Channels of Income Polarization in the United States, IMF Working Paper No. 17/244.
OECD (2017), How's Life? 2017: Measuring Well-being, Paris.
Ipsos, What worries the World? September 2017.