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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Viertes Buch
30.
Wie ich glaube, hat Celsus auch die Stelle: Lasset uns einen Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis"1 mißverstanden und deshalb seine "Regenwürmer" sagen lassen: " Durch Gott geworden, sind wir in allem ihm gleich," Hätte er freilich den Unterschied gekannt zwischen dem Ausdruck, dass der Mensch "nach dem Bild" Gottes geworden, und jenem, dass er "nach seinem Gleichnis" geworden, und wüßte er, dass die Schrift Gott zwar sagen lässt: "Lasset uns einen Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis, dass aber Gott den Menschen "nach dem Bilde" Gottes, aber nicht auch bereits "nach seinem Gleichnis" gemacht hat : so würde er uns nicht sagen lassen: "Wir sind Gott in allem, gleich." Wir behaupten sodann nicht, dass "uns auch die Sterne unterworfen sind". Denn die so bezeichnete und von den Weisen richtig verstandene Auferstehung der Gerechten wird von dem2 mit "der Sonne, dem Mond und den Sternen" verglichen, wenn er sagt: "Eine andere Herrlichkeit ist bei der Sonne, eine andere Herrlichkeit beim Mond, eine andere Herrlichkeit bei den Sternen; denn ein Stern ist von dem andern verschieden an Herrlichkeit. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten"3 . Hierüber hat auch Daniel schon längst geweissagt4 . Celsus legt und weiter die Worte in den Mund; " Alles ist zu unserem Dienste bestimmt."] Er hat wohl nicht gehört, dass die Verständigen unter uns solche Äußerungen tun, er hat vielleicht auch nicht verstanden, was das Wort bedeutet, dass "der Größte unter uns der Knecht aller sei"5 . Und wenn die Griechen sagen: "Dann dient die Sonne und die Nacht den Sterblichen", so findet man diesen Ausspruch schön und gibt eine Erklärung von ihm; wenn aber etwas Ähnliches [von uns] entweder nicht oder in anderem Sinne gesagt wird, so macht uns Celsus auch daraus einen Vorwurf.
Wir, die Celsus mit "Regenwürmern" vergleicht, sagen ferner bei ihm: "Da einige unter uns sündigen, so wird Gott selbst zu uns kommen oder seinen Sohn schicken, damit die Ungerechten von ihm dem Feuer übergeben werden, wir übrigen Frösche, aber mit ihm ewiges Leben genießen." Man beachte, wie Celsus, dieser ehrwürdige Philosoph, gleich einem Possenreißer die göttliche Lehre von dem Gericht und von der Bestrafung der Ungerechten und von der Belohnung der Gerechten zum Gegenstande des Hohnes und Gelächters und Spottes macht. Alles dieses schließt Celsus mit der Bemerkung ab: " Diese Dinge seien erträglicher, wenn sie von Regenwürmern und Fröschen ausgesprochen, als wenn sie von Juden und Christen im Streit untereinander vorgebracht würden." Wir aber wollen sein Beispiel nicht nachahmen und wollen nicht in ähnlicher Weise von den Philosophen reden, die das Wesen aller Dinge zu wissen vorgeben und doch untereinander über die Frage verhandeln, wie das Weltall entstanden ist, wie Himmel und Erde und alles, was darin ist, geworden sind, und wie die Seelen, entweder ungeschaffen und nicht von Gott gebildet, doch unter seiner Leitung stehen, und wie sie von einem Körper in den andern wandern, oder, zugleich mit den Körpern entstanden, ewigen Bestand haben oder nicht.
Anstatt nämlich das Bestreben derjenigen, die ihr Leben der Erforschung der Wahrheit geweiht haben, anzuerkennen und zu loben, könnte man sie dem Spott und Hohn preisgeben und sagen, sie seien "Regenwürmer", die "in einem kotigen Winkel" des Menschenlebens6 sich nicht richtig einschätzen können und deshalb über so erhabene Dinge reden, wie wenn sie diese verständen, und mit allem Nachdruck behaupten, sie hätten sich eine Erkenntnis von Dingen verschafft, die ohne höhere Erleuchtung und göttliche Kraft niemand zu erkennen vermag. "Denn wie keiner der Menschen das Wesen des Menschen kennt, als der Geist des Menschen, der in ihm ist, so hat auch keiner das Wesen Gottes erkannt, als nur der Geist Gottes"7 .
1: vgl. Gen 1,26
2: Apostel
3: vgl. 1 Kor 15,41f
4: vgl. Dan 12,3
5: vgl. Mt 20,26f
6: sitzend
7: vgl. 1 Kor 2,11