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Shooter sind oft die Sündenböcke, wenn ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Spielen gewalthaltiger Videospiele und Aggressionsausübung vermutet wird. Diesem Genre wird nachgesagt, es ginge lediglich darum, so viele Gegner wie möglich auf möglichst effiziente Art und Weise zu töten. Dass hier eine pauschalisierende Verallgemeinerung eines ganzen Spielgenres stattfindet, wird klar, wenn man sich das deutsche Spiele-Projekt Spec Ops: The Line anschaut. Spec Ops: The Line wurde vom Entwicklungsstudio Yager Development entwickelt und erschien am 29. Juni für PC und Konsolen.
Spec Ops: The Line ist laut PEGI für Erwachsene ab 18 Jahren geeignet. Das Spiel unterscheidet sich zu anderen Kriegs-Shootern in einem wichtigen Punkt: Der Spieler soll dazu gebracht werden, seine Handlungen zu hinterfragen. Man spielt einen Soldaten, der in ein post-apokalyptisches Dubai gesendet wird, um Evakuierungshilfe zu leisten, was sich jedoch zu einem Massaker an der Zivilbevölkerung entwickelt. Der Spieler wird so unmittelbar mit den Folgen des Krieges konfrontiert. Der Spieler wird vor schwere Moralentscheidungen gestellt, bei denen es keine gute oder schlechte Wahl gibt, sondern der Spieler mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen weitergehen muss.
Laut Jörg Friedrich, leitender Level-Designer bei Yaeger Development, soll sich der Spieler schlecht fühlen. Die Gewalt wird in ihrer rohen Natur gezeigt, es gibt kein Gut oder Böse. Der Fokus liegt darauf, was der Soldat und seine Truppe durchmachen und wie es sie innerlich und äusserlich verändert. Der Fokus wird klar auf die spielende Person gelenkt, es handelt sich nicht um einen Ego-Shooter, bei dem man lediglich die Waffe auf dem Bildschirm sieht, sondern um einen Third-Person-Shooter, bei dem die zu spielende Person aus der Verfolgerperspektive betrachtet wird. So wird in einigen Spielabschnitten dem Spieler bewusst die Kontrolle genommen und er ist gezwungen, der Gewalt machtlos zuzuschauen. Das Töten wird hinterfragt.
So reiht sich Spec Ops: The Line in die gleiche Kategorie wie der kritische Kriegsfilm Apocalypse Now ein, beide Inspiriert von der Novelle Heart of Darkness von Joseph Conrad. Spec Ops: The Line ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch Videospiele mit gewalthaltigem Inhalt gibt, die eine kritische Haltung gegenüber der gezeigten Gewalt einnehmen und mit der interaktiven Kunstform des Mediums Videospiel die Leute zum Nachdenken anregen wollen.