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Vor dem Hintergrund jahrzehntelanger, weltweiter Untersuchungen wurde Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts das Facial-Action-Coding-System veröffentlicht. Ekman und Friesen haben in diesem riesigen Nachschlagewerk über 10.000 verschiedene Gesichtsausdrücke katalogisiert, die seither als Grundlage für die Erforschung der menschlichen Mimik dienen.Innerhalb der Emotionspsychologie spielt das Facial-Action-Coding-System seitdem eine große Rolle. Es bietet ein vollständiges Vokabular, um die mimischen Einzelheiten wie z.B. die micro-expression eines Gesichtes eindeutig zu entschlüsseln.
Mikroausdrücke können nicht willentlich unterdrückt werden.
Durch die Anwendung von Micro Expressions lässt sich zum Beispiel ein echtes von einem gekünstelten Lachen unterscheiden. Von besonderer Bedeutung in der Emotionspsychologie ist die Zeit, die ein Mensch braucht, um seinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen. Das geschieht normalerweise in dem Bruchteil einer Sekunde. Bis dahin jedoch nimmt die Mimik den unwillkürlichen Ausdruck an, der zu hundert Prozent seiner Gefühlslage entspricht. Diese Mikromimik (micro-expression) oder Mikroausdrücke können nicht willentlich unterdrückt werden. Sie lassen sich am besten durch die Einzelbildanalyse von Filmen nachweisen und untersuchen.
Im Laufe der vergangenen 150 Jahre hat die psychologische Forschung den Menschen in nahezu jeder Hinsicht als täusch-, manipulier- und fehlbar entlarvt - aber in keinem Bereich erscheint den Menschen dies so abwegig wie beim Inhalt des eigenen Gedächtnisses. Während optische Täuschungen heute schon Kindern geläufig sind, gilt die eigene Erinnerung den meisten immer noch als zwangsläufig korrekt. Wenn man sich an etwas erinnert, dann muss das doch auch passiert sein. Das aber ist ein Trugschluss. Ein zuweilen fataler - etwa wenn konstruierte Erinnerungen als Zeugenaussagen Gerichtsurteile beeinflussen.
Wenn man sich an etwas erinnert, dann muss das doch auch passiert sein.
Fabrizierte Erinnerungen sind, das zeigen aktuelle neuropsychologische Studien, die Kehrseite eines Alltagsphänomens, das nahezu jeder Mensch kennt: Déjà-vu-Erlebnisse. Roberto Cabeza von der Duke University in North Carolina hat gemeinsam mit einem koreanischen Kollegen Hinweise darauf entdeckt, wo im Gehirn Déjà-vus entstehen - und warum es so einfach ist, unserem Gedächtnis einen Bären aufzubinden.
Wie leicht es ist, Menschen falsche Erinnerungen einzupflanzen, zeigte die amerikanische Psychologin Elizabeth Loftus schon in den neunziger Jahren. Sie brachte ihre Versuchspersonen dazu, detaillierte Erinnerungen an ein unangenehmes Kindheitserlebnis zu entwickeln. Dabei half ein Familienmitglied der Probanden, das heimlich mit der Psychologin kooperierte. Beispielsweise der ältere Bruder, der eine angeblich alte Geschichte aufbrachte: Die Versuchsperson sei mit fünf Jahren einmal in einem Kaufhaus verlorengegangen, ein älterer Herr im Flanellhemd habe sie dann an der Hand genommen zur schon verzweifelt suchenden Mutter zurückgebracht. Kurz darauf fielen den so Genarrten sogar Details wie die Stimme des Helfers im Flanellhemd wieder ein. Dabei hatte das Ereignis niemals stattgefunden, die Erinnerungen waren erzeugt.