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1948
Prof. Alfred Kinsey
Forschungen zum sexuellen Verhalten des Menschen
Am 5. Januar 1948 erschien das statistische Werk "Sexual Behaviour in the Human Male" von Prof. Alfred Kinsey. Es war die erste von drei geplanten gründlichen Untersuchungen über das sexuelle Verhalten der US-Amerikaner. Dieser erste Teil galt dem Sexualverhalten des weissen Mannes.
Der zweite Teil umfasste "The Human Female", die weisse Frau (publiziert 1953), und der dritte sollte die schwarzen Amerikaner betreffen. Nach den immensen Protesten auf den zweiten Bericht wurden die Untersuchungen für den dritten Teil jedoch eingestellt. Diese an sich trockenen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse erreichten unter dem Namen "Kinsey-Report" rasch Bestseller-Status mit acht Auflagen in acht Monaten. In der Folge leiteten sie die sexuelle Revolution der 60er und 70er Jahre ein. Aus Kinseys - damals bahnbrechenden - Schlussfolgerungen:
"Die Klassifizierung des sexuellen Verhaltens als onanistisch, heterosexuell oder homosexuell ist nur deshalb von Wert, weil sie die Wurzel des sexuellen Reizes angibt. Sie sollte aber nicht zur Charakterisierung der Personen verwendet werden."
"The homosexual has been a significant part of human sexual activity ever since the dawn of history, primarily because it is an expression of capacities that are basic in the human animal."
Dass 2005, fast 60 Jahre später, der Hollywood-Film "Kinsey", basierend auf der Roman-Biografie "Dr. Sex", von T.C. Boyle, bei älteren und jungen Menschen noch immer hohe Wellen schlagen konnte, liegt an der offenen, von jedem Vorurteil freien Art des Vorgehens in diesem "privatesten" Bereich:
"Kinsey stellte die Sexualkunde erstmals auf eine naturwissenschaftlich exakte Grundlage, und diesen 'unpersönlichen Umgang' (Margaret Mead) mit einem so sensiblen Thema verzieh man ihm nie"1.
Denn damit hatte Kinsey die moralbestimmte Weltsicht der Puritaner in Amerika und anderswo in Frage gestellt. Und das wirkte wie ein Donnerschlag. Im Speziellen galt nun u.a.:
"Wenn etwa 37% der Männer von gleichgeschlechtlichen Erfahrungen berichteten, konnte Homosexualität nicht länger als widernatürliche Praxis einer Minderheit stigmatisiert werden"2.
Ernst Ostertag, März 2005
Quellenverweise
- 1
Martin Halter: Tages-Anzeiger, 26. Februar 2005, Seite 45
- 2
Martin Halter: Tages-Anzeiger, 26. Februar 2005, Seite 45