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Einleitung
Dieser Umstand hat die Bedeutung dieser Finanzierungsformen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Es existieren mittlerweile zahlreiche Internet-Plattformen, die das Ziel haben, Investoren und Kapitalnehmer zusammenzuführen.
Der vorliegende Beitrag stellt sowohl das Crowdfunding als auch das Crowdinvesting als moderne, alternative Finanzierungsform vor und zeigt, wie und wofür diese von Unternehmen genutzt werden können und was sie von anderen traditionellen Finanzierungsformen unterscheidet.
Begriff und Verständnis von Crowdfunding und dazugehörigen Varianten
Crowdfunding stellt eine alternative Form der Finanzierung dar. Mit dieser Methode zur Kapitalbeschaffung lassen sich hauptsächlich über Online-Plattformen verschiedenartige Projekte finanzieren wie z.B. Kredite an Kleinunternehmen, Beteiligungen an Neugründungen (Start-ups), Produktentwicklungsprojekte, kulturelle Projekte u.a. Infrage kommen vor allem solche Projekte, die direkt zwischen Kapitalgebern und Kapitalempfängern realisiert werden und bei denen regelmässig kleine Geldbeträge von einer grossen Menge an Kapitalgebern bereitgestellt werden.
Crowdfunding ist ein Oberbegriff für verschiedene unterschiedlich ausgestaltete Unterformen, die nach der Art der Gegenleistung, welche die Investoren für ihren Einsatz erhalten, voneinander abgegrenzt werden. Diese Gegenleistung kann sowohl eine geldwerte Leistung als auch eine nichtmonetäre Gegenleistung sein, wobei im Wesentlichen die folgenden fünf Kategorien des Crowdfundings unterschieden werden:
Crowdsupporting
Beim Crowdsupporting steht die Finanzierung eines innovativen Projekts im Vordergrund. Häufig sind dies kommerzielle, kulturelle Projekte oder auch Projekte mit Bezug zum Sport. Der Projektinitiator wird finanziell unterstützt. Dies kann sowohl eine Privatperson als auch ein Unternehmen sein. Die Investoren erhalten weder Geld zurück, noch wird Zins auf das Kapital bezahlt. Der Kapitalgeber erhält für seine Investition eine einmalige Gegenleistung in Form eines Produkts oder einer Dienstleistung.
Crowddonating
Die bezahlten Beträge sind beim Crowddonating als Spende gedacht. Aus diesem Grund wird regelmässig keine Gegenleistung dafür erbracht. Diese Form der Schwarmfinanzierung zeigt sich daher insbesondere für karitative Projekte sowie für politische Kampagnen.
Crowdlending
Das Crowdlending hat zum Ziel, Privatpersonen (Consumer) sowie Unternehmen (Business) zu einem Kredit zu verhelfen. Crowdlending ist auch bekannt unter dem Namen Peer-to-Peer (P2P). Der Kreditgeber erhält in Abhängigkeit vom Risiko, das er eingeht, einen entsprechenden Zins auf das eingesetzte Kapital. Neben Privatkrediten und KMU-Krediten können in der Schweiz seit Kurzem auch Hypothekendarlehen zum Zweck der Immobilienfinanzierung Peer-to-Peer an Privatpersonen ohne eine dazwischengeschaltete Bank vergeben werden.
Invoice Trading
Bei dieser Form des Crowdfundings kaufen Investoren offene Rechnungen von Unternehmen gegen einen Abschlag. Invoice Trading erlaubt somit KMU, kurzfristige Finanzierungen zu erhalten. Als Gegenleistung für den Kauf der Rechnungen erhalten die Investoren eine Rendite, die sich aus der Differenz zwischen dem Kaufbetrag für die Rechnungen und der Summe der offenen Rechnungsbeträge ergibt. Das Invoice Trading weist somit deutliche Parallelen zum Factoring auf, das jedoch in der Schweiz als Finanzierungsform bisher noch wenig verbreitet ist.
Das Konzept des Crowdinvestings
Crowdinvesting ist, wie die bereits oben beschriebenen vier Formen ebenfalls, eine Art von Crowdfunding. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Crowdlending. Auch beim Crowdinvesting ist es möglich, einen festgelegten Zins für das eingebrachte Kapital zu erhalten. Üblicherweise ist es aber so, dass im Fall des Erfolgs eine Gewinnbeteiligung angestrebt wird. Die Vertragsparteien sind aber weitestgehend frei darin, in welcher Art der Investor entschädigt werden soll.
Die Besonderheit von Crowdinvesting ist, dass es sich weniger um das Finanzieren eines Projekts handelt als vielmehr um eine Beteiligung an einem Unternehmen oder an einer Immobilie, die über Eigenkapital oder Mischformen von Eigen- und Fremdkapital (Mezzanine-Kapital bzw. Hybrid-Kapital) erfolgt.
Im Bereich von Crowdinvesting für Unternehmen wird diese Finanzierungsform momentan vor allem von Start-ups und jungen Unternehmen in einem frühen Entwicklungsstadium (Gründungsphase) beansprucht. Es ist aber immer mehr zu beobachten, dass sich auch etablierte Firmen für Crowdinvesting interessieren, um beispielsweise mit dieser Finanzierungsform eine Erweiterung ihrer Produktkapazitäten finanzieren zu können. Crowdinvesting bietet je nach Plattform auch Investoren mit kleinen Beträgen die Möglichkeit, ein Jungunternehmen in der Wachstumsphase zu unterstützen.
Neben Investitionen in Unternehmen gehört auch das Real Estate Crowdinvesting in die Kategorie Crowdinvesting. Dieser Teilmarkt ist in der Schweiz erst vor Kurzem entstanden. Er kennzeichnet eine Finanzierungsform für Immobilien, bei der die Investoren zu (im Grundbuch eingetragenen) Miteigentümern einer bestehenden Rendite-Immobilie werden und somit einerseits an den Mieterträgen und andererseits an der Wertentwicklung der Immobilie teilhaben.
Bedeutung und Entwicklung des Crowdinvesting in der Schweiz
Die Investitionsform des Crowdinvesting bietet im Vergleich zu anderen Alternativen eine sehr unkomplizierte Weise, um sich finanziell an Unternehmen beteiligen zu können. So bietet Crowdinvesting regelmässig nicht nur die Möglichkeit der unkomplizierten und schnellen Kapitalbeschaffung für Start-ups und junge Unternehmen, sondern zugleich auch eine unmittelbare und renditeträchtige Investition für Anleger.
Wirft man einen Blick auf den Schweizer Markt, dann wird rasch ersichtlich, dass der Schweizer Crowdinvesting-Markt deutlich wächst und weiter an Dynamik zunimmt.
Der Markt für Crowdfunding oder auch Schwarmfinanzierung genannt, entstand in der Schweiz bereits im Jahr 2008, als das Unternehmen «Cashare» seine Internet-Plattform in Betrieb nahm. Seither hat sich der Markt stark weiterentwickelt. In der Zwischenzeit haben sich verschiedene Plattformen etabliert, die unterschiedliche Formen von Crowdfunding abdecken.
Bis heute hat sich der Markt sowohl in Prozent als auch in absoluten Zahlen auf beeindruckende Art und Weise weiterentwickelt. Die Anzahl der durch Crowdinvesting erfolgreich finanzierten Projekte wächst stetig: Waren es zum Jahresende 2015 noch 17 abgeschlossene Finanzierungsrunden in der Schweiz, hat sich der Wert ein Jahr später im Jahr 2016 bereits auf 25 erhöht. Zudem konnte das bisher durch Crowdinvesting eingesammelte Kapital erheblich gesteigert werden. Vor dem Hintergrund, dass Crowdinvesting im Jahr 2010 durch die Internet-Plattform «investiere.ch» auf dem Schweizer Markt zum ersten Mal auftrat, kann daher eine beachtliche Dynamik bei dieser Finanzierungsform festgestellt werden.
Ablauf des Crowdinvestings
In einem ersten Schritt muss sich das kapitalsuchende Unternehmen einen Überblick über die bestehenden Plattformen verschaffen. Die Wahl der Plattform hängt davon ab, wie sich die Gebührensituation präsentiert und welche Plattform als geeignet angesehen wird. Sobald die Entscheidung gefallen ist, wird ein erster Kontakt zur Crowdinvesting-Plattform hergestellt. Daraufhin müssen die geforderten Informationen, Unterlagen und Nachweise durch das kapitalnachfragende Unternehmen eingereicht werden.
In einem zweiten Schritt wählt der Plattformbetreiber auf Basis der eingereichten Unternehmensunterlagen und allfälliger persönlichen Gespräche geeignet erscheinende Unternehmen aus. Ein aussagekräftiger Businessplan und eine Unternehmenspräsentation auf der Plattform sind hierfür üblich. Daneben wird ein Mindestbetrag als Funding-Schwelle und ein Maximalbetrag, das sogenannte Funding-Limit, an einzusammelndem Kapital festgelegt. Gleichzeitig mit den Schwellenwerten werden auch die Form der Unternehmensbeteiligung sowie der Funding-Zeitraum fixiert, sodass klar ist, wie lange das Unternehmen Zeit hat, auf der Crowdinvesting-Plattform den gewünschten Funding-Betrag zu sammeln.
Nach Abschluss der Vorbereitungsmassnahmen wird im dritten Schritt das Unternehmen auf der Plattform freigeschaltet und somit für potenzielle Investoren sichtbar. Diese haben innerhalb des Funding-Zeitraums die Möglichkeit, sich direkt über die Internet-Plattform am Unternehmen zu beteiligen. Besonders in dieser Phase ist es für die Unternehmen von grösster Bedeutung, intensives und kreatives Marketing zu betreiben. Da der ganze Crowdinvesting-Prozess online abläuft, ist es üblich, für das Selbstmarketing verschiedene Social-Media-Kanäle zu nutzen, um neue Kontakte zu erschliessen und gezielt zu informieren. Die Dauer der Funding-Phase variiert zwar von Plattform zu Plattform, aber umfasst etwa eine Zeitspanne von zwei Monaten.
Gelingt es, im Funding-Zeitraum den festgelegten Mindestbetrag an Kapital einzusammeln, so war das Crowdinvesting erfolgreich, und es kommt zum vierten Schritt, dem Vertragsabschluss zwischen dem Kapitalnehmer und den Kapitalgebern. Das (Start-up-)Unternehmen erhält den Finanzierungsbetrag, abzüglich der Provision für die Plattform. Den Investoren werden von diesem Zeitpunkt an regelmässig Informationen über den Geschäftsverlauf zur Verfügung gestellt. Sollte das Unternehmen erfolgreich sein, erhält die Crowd ausserdem den zuvor möglichen vereinbarten Erfolgsbeitrag. Kann die Funding-Schwelle nicht erreicht werden, scheitert das Projekt, und die potenziellen Investoren bekommen ihr eingebrachtes Geld zurück. Die Plattform erhält dann im Regelfall auch keine Provision.
Arten der Beteiligung beim Crowdinvesting
Für Investoren gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sie sich an einem Unternehmen beteiligen können. Welche Beteiligungsform zum Tragen kommt, hängt zum einen von der Plattform ab. Zum anderen hat das kapitalsuchende Unternehmen auch ein Mitspracherecht und kann entweder die Beteiligungsform vorgeben oder eine Vorauswahl der Optionen treffen, die zur Verfügung gestellt werden.
Möglichkeiten und Grenzen beim Crowdinvesting für Unternehmen
Die Chancen und Herausforderungen der beiden Stakeholder des Crowdinvestings, der Investoren als Kapitalgeber und Unternehmen als Kapitalnehmer, sind sehr vielfältig. Den Investoren bietet Crowdinvesting eine neue alternative Anlagemöglichkeit, womit das Portfolio noch weiter diversifiziert werden kann. Bevor ein Unternehmen via Crowdinvesting-Plattform Kapital nachfragen kann, muss es gewisse Kriterien erfüllen. Dies dient dem Investor als Entscheidungsgrundlage und verringert den Aufwand beim Durchleuchten des potenziellen Unternehmens. Dennoch gibt es wie bei anderen Investitionsformen auch beim Crowdinvesting Herausforderungen und Risiken, die ein Investor tragen muss, wenn er sich für eine Investition entscheidet:
- Informationsasymmetrie: Der Anleger muss, je nach Bedarf, Informationen selbst beschaffen, wenn sie nicht von der Crowdinvesting-Plattform bereitgestellt werden.
- Unsicherheit: Das Unternehmen, das Kapital nachfragt, ist für den Investor ein Unsicherheitsfaktor, denn auch mit einer Idee, die marktfähig ist, kann es trotzdem vorkommen, dass das Unternehmen keinen Erfolg hat und der Investor sein Geld teilweise oder vollständig verliert
Aber auch für Unternehmen, die Kapital nachfragen, ergeben sich Chancen und Herausforderungen oder gar Risiken:
Jungunternehmen können durch den Auftritt auf einer Crowdinvesting-Plattform eine grössere Aufmerksamkeit erzeugen, was ohne diese Internet-Plattform nicht möglich wäre. Zudem haben Studien gezeigt, dass sogenannte Pitch-Videos sich im Internet einer grossen Beliebtheit erfreuen. Dieses Wissen kann sich das Unternehmen zum Einsammeln des Kapitals zunutze machen.
Zudem bietet sich durch diese Finanzierungsform eine weitere Chance. Die Anleger können als Testkunden genutzt werden. So können Kosten für Produktentwicklungen gespart werden, da sie bereits in einer frühen Phase des Produktzyklus auffallen und korrigiert werden können.
Jedoch müssen sich auch die Jungunternehmen mit Herausforderungen auseinandersetzen: Kritisch sind möglicherweise die Offenlegungspflichten, welche die Crowdinvesting-Plattform fordert. Diese Informationen können auch von Gruppen eingesehen werden, denen das Unternehmen keinen Zugang gewähren möchte, wie beispielsweise potenziellen Konkurrenten.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist, dass das Jungunternehmen die Anleger nicht unbedingt kennt. Nicht jeder Investor muss zwar akzeptiert werden, aber trotzdem bleibt ein gewisser Unsicherheitsfaktor, weil die genauen Absichten des einzelnen Geldgebers nicht bekannt sind. Meist besteht die Crowd aus vielen Anlegern, die individuelle Ansprüche haben. Dadurch kann das Investor-Relations-Management einen erheblichen Aufwand generieren.
Fazit
Die Chancen und Herausforderungen beziehungsweise Risiken für oder gegen ein Engagement in Crowdinvesting muss jeder institutionelle Investor für sich selbst abschätzen. Zudem sind gewisse institutionelle Investoren an Vorgaben gebunden, die eine Anlage via Crowdinvesting erschweren oder gar verhindern. Aber auch die Jungunternehmer müssen Potenziale und Herausforderungen einer Finanzierung via Crowdinvesting sorgfältig gegeneinander abwägen.
Quellenverzeichnis
Beck, R.: Crowdinvesting: Die Investition der Vielen (3. Aufl.), Kulmbach (Börsenbuchverlag), 2014, online unter: www.crowdexpert.com
Dietrich, A./Amrein, S.: Crowdfunding als Finanzierungsquelle für Startups, online unter: dievolkswirtschaft.ch
Dietrich, A./Amrein, S.: Crowdfunding Monitoring Schweiz 2016, online unter: www.hslu.ch
Lummer: Crowdinvesting: Finanzierung für kleinere Unternehmen, 2013, online unter: www.produktmanager-blog.de
Dieser Beitrag stammt aus der Online-Lösung Finanzbuchhaltung.