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Das Timing für die umfassend überarbeitete, aktualisierte und erweiterte dritte Auflage des vorliegenden Buches hätte nicht günstiger ausfallen können. Einerseits hat sich die Weltwirtschaft in den letzten Jahren in einem rasanten Tempo verändert. So werden Unternehmen immer schneller zum gobal player und bilden globale Netzwerke, was u. a. mit stark sinkenden Informations- und Transaktionskosten einhergeht. Andererseits ist die Krisenanfälligkeit der Systeme erheblich gestiegen, was nicht zuletzt die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine deutlich aufgezeigt haben.
Das Lehrbuch ist in zwei Teile gegliedert, denen 14 Kapitel zugeordnet sind:
Im Teil I Globalisierung der Wirtschaft stellt der Verfasser fest, dass sich die Entstehung von Produkten und Leistungen heute nur noch ausnahmsweise einzelnen Ländern, Unternehmen oder gar Herstellungsorten zuordnen lassen und dass der Begriff der "internationalen" Wirtschaftsbeziehungen dieser Entwicklung immer weniger gerecht wird. "Wirtschaftsbeziehungen finden nur noch vordergründig zwischen einzelnen Ländern oder Akteuren einzelner Länder statt, tatsächlich vollziehen sie sich innerhalb einer sich immer stärker integrierenden globalen Wirtschaft: Die traditionellen internationalen Wirtschaftsbeziehungen werden damit von intraglobalen Wirtschaftsbeziehungen abgelöst". Eine derartige Entwicklung eröffnet Unternehmen und Volkswirtschaften neue Chancen, konfrontiert sie jedoch gleichzeitig mit neuen Risiken.
Vor diesem Hintergrund werden die politischen und ökonomischen Grundlagen der Globalisierung referiert. Zuerst werden die politischen, technisch-wirtschaftlichen und soziokulturellen Rahmenbedingungen und Erscheinungsformen der Globalisierung analysiert und die zahlreichen globalen Akteure, einschließlich der Transnationalen Unternehmen (Transnational Corporations, TNCs), zu denen auch viele kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) zählen, vorgestellt. Weitere Kapitel widmen sich den Fragen, aus welchen unterschiedlichen Gründen die Unternehmen in ausländische Märkte expandieren, welche Markteintritts- und Marktbearbeitungsstrategien sie dabei einschlagen und wie globalisiert wird, d. h. in welche Region und in welcher Form. Schließlich werden organisatorische und unternehmenskulturelle Implikationen sowie Konsequenzen für die Unternehmenssteuerung diskutiert. Die Analyse der Folgen der Globalisierung rundet den ersten Teil ab. Dabei zeigt sich, dass die rasche Zunahme grenzüberschreitender Transaktionen etliche Vorteile mit sich bringt, nicht zuletzt eine globale Erhöhung des Lebensstandards. Der Autor übersieht jedoch nicht die unterschiedlichen negativen Begleiterscheinungen der globalen Vernetzung, z. B. verlieren Grenzen ihre Schutzfunktion, alle Teilsysteme der Gesellschaft stehen unter einem permanenten Veränderungs- und Anpassungsdruck und zunehmendes Wirtschaftswachstum geht oftmals mit steigenden Umweltbelastungen einher. Hinzu kommen die verstärkten Aktivitäten globaler krimineller Netzwerke, eng verknüpft mit dem gesamten Komplex der Cyber-Kriminalität. Auch ist zunehmend zu beobachten, dass einzelne Länder, Regionen und Gruppen zweifelsohne zu den Verlierern der Globalisierung zählen. Ökonomische Ungleichheit und das Entstehen von dauerhaft Verlierern auf dem Arbeitsmarkt führen zu einer wachsenden Polarisierung innerhalb der Gesellschaft, können politische Unruhen und die Fragilität von Staaten verschärfen, den internationalen Terrorismus fördern und immense internationale Flüchtlingsbewegungen auslösen.
Der besondere Reiz dieses Lehrbuchs liegt im Teil II Globalisierung und Politik. Der Verfasser, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Interkulturelles Management an der Hochschule München, weist darauf hin, dass die bislang weitreichende Autonomie der Nationalstaaten im Zuge der Globalisierung zwar zunehmend eingeschränkt wird, hingegen neue internationale Gestaltungsträger und -formen an Bedeutung gewinnen. Eckart Koch unterstreicht jedoch auch die Chancen und Möglichkeiten nationaler Politikoptionen zur Beeinflussung der Globalisierung. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen steht die sich seiner Meinung nach abzeichnende Entwicklung in Richtung einer Globalen Wirtschaftsordnung (GWO) mit drei Säulen: der Globalen Sicherheitsarchitektur, der Globalen Wirtschaftsarchitektur, bestehend aus der globalen Handels-, Wettbewerbs-, Währungs- und Finanzordnung, sowie der Globalen Nachhaltigkeitsarchitektur mit den Elementen einer globalen Sozial- und Umweltordnung. Dabei macht der Autor deutlich, dass die Weiterentwicklung einer solchen GWO als permanente Aufgabe der Weltgemeinschaft und deren Institutionen begriffen werden sollte. "Wird dies versäumt oder zu lange verzögert, droht ein dauerhafter Rückfall. Dieser wird nicht zuletzt ausgelöst durch globalisierungsfeindliche politische Kräfte, die politische Mehrheiten erringen und versuchen können das Rad der Globalisierung zugunsten eines neuen Nationalismus zurückzudrehen."
Im abschließenden Kapitel werden nicht nur die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst, sondern einige in letzter Zeit vermehrt in den Medien diskutierten neueren Entwicklungen und Ereignisse im Hinblick auf eine mögliche De-Globalisierung aufgegriffen und bewertet. Nach einer Einschätzung ihrer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Globalisierung geht der Autor davon aus, dass strukturelle Änderungen der Globalisierung zwar möglich, eine De-Globalisierung jedoch kaum zu erwarten sei. "Es hat zumindest derzeit den Anschein, dass Globalisierung trotz partieller gegenläufiger Tendenzen unumkehrbar ist."
Dem Verfasser ist es sehr gut gelungen, die Fülle der Informationen zur komplexen Thematik der Globalisierung klar zu strukturieren, wesentliche Zusammenhänge aufzuzeigen sowie für alle an Wirtschaft und Politik Interessierten transparenter und damit auch besser beurteilbar zu machen. Der gut verständliche Text wird durch den Einsatz zahlreicher Tabellen, Schaubilder und Beispiele, welche die Aktualität der Thematik verdeutlichen, ergänzt. Eckart Koch ist neben seiner Hochschullehrertätigkeit als unabhängiger Gutachter und Berater für deutsche und internationale Organisationen, vorwiegend in Asien, tätig, d. h. er weiß, wovon er schreibt, was zweifelsohne die Glaubwürdigkeit des vorgestellten innovativen Entwurfs des Drei-Säulen-Modells einer GWO stärkt. Damit eignet sich dieses praxisnahe Buch nicht nur für Studierende der Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sondern kann auch allen denjenigen, welche an den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Kernfragen unserer Zeit interessiert sind, bestens empfohlen werden.