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Gustave Ferdinand Niebaum – Gustaf Ferdinand Nybom
Gustaf Ferdinand Nybom wurde am 31. August 1842 in Finnland geboren.
Seine erste maritime Ausbildung erhielt Gustave in Helsinki. Bereits als 16-Jähriger kam Gustaf zum ersten Mal nach Alaska an Bord eines Schiffes, das der Russisch-Amerikanischen Gesellschaft gehörte. Während dieser Zeit waren sowohl Alaska als auch Finnland autonome Grossherzogtümer von Alexander II Nikolajewitsch, dem damaligen russischen Zaren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat, studierte er in Helsinki für sein Master-Examen und kehrte bald darauf nach Alaska zurück, wo er als Steuermann arbeitete. Später stieg er in den Rang eines Kapitäns auf. Er erkundete das Territorium und erstellte auch einige der ersten offiziellen Karten der Küstenlinie von Alaska und deren Inseln in der Beringsee.
Im Oktober 1867 verkaufte Russland für ein halbes Butterbrot Alaska den Vereinigten Staaten. Gustaf Nybom wurde Russischer Konsul an der Westküste der Vereinigten Staaten. Nybom gründete mit fünf Partnern eine neue Gesellschaft: Die Hansen, Nybom & Co. Eine Company, die sich als Pelzhändler einen Namen machte. Vor allem die Robbenfelle waren heiss begehrt. Sie verkauften die Robbenhäute aus Alaska sehr gewinnbringend in San Francisco und machten Kalifornien zu ihrer neuen Heimat.
Unter seinen vielen bekannten Errungenschaften gründete Niebaum die Alaskan Commercial Company in San Francisco, Kalifornien. Diese Firma betrieb bis ins Jahre 1922 Einzelhandelsgeschäfte in Alaska.
Die Kaufläden dienten in entlegenen Dörfern zum Teil auch als Gerichtsgebäude und Postamt und waren oft der Kern, um den sich eine neue Siedlung entwickelte. Da Bargeld noch kein etabliertes Zahlungsmittel war, wurde auch mit Pelzen, Fisch und auch mit Gold und anderen Edelmetallen bezahlt. Man muss sich das einmal vorstellen, man bezahlt mit einem Robbenfell und erhält anstelle Dollar einen Lachs zurück!
Mit der Zeit, nach vielen Jahren des Handels und des Aufbaus seines Reichtums, änderte Gustaf Nybom schliesslich seinen Namen in die deutsche Form von Gustave Niebaum. Es wird vermutet, dass er dies tat, um sich seinen vielen Partnern anzupassen, da sich unter diesen auch zahlreiche deutsche Juden befanden. Gustave heiratete 1873 Susan Shingleberger, eine hübsche deutschstämmige Frau.
Einige seiner deutschen Partner hatten das Potenzial für die Anpflanzung von Weintrauben im fruchtbaren Napa Valley erkannt und taten dies seit den 1860er Jahren...
Gesagt, getan, man machte sich auf ins Napa Valley, um zu rekognoszieren, was denn eventuell feil wäre. In Rutherford wurden sie 1879 fündig, William C. Watson, ein Schwiegersohn von Georg Yount, veräusserte Gustave Niebaum und seiner Frau sein erst im Jahre 1873 gegründete Inglenook Weingut. Watson nannte das Anwesen Inglenook, was ein alter schottischer Begriff für eine gemütliche Ecke war. Die ursprüngliche Absicht William Watsons, einem Bankdirektor aus Napa Stadt war es, ein Resort mit einem kleinen Weinberg zu schaffen. Da die wirtschaftlichen Zeiten in den 1870er Jahren sehr unstabil waren, vermuten wir, dass William Watson sein Weingut wieder abstossen wollte. Gleichzeitig und glücklicherweise konnten die Niebaums auch gleichzeitig das benachbarte 440 Morgen grosse Grundstück, das der Familie Rohlwing gehörte, erwerben. Insgesamt gab Gustave Niebaum für die Schaffung seines Traumgutes fast 50.000 Dollar aus, was damals eine gewaltige Summe Geld war!
Insgesamt entstand mit diesen Käufen ein Weingut mit einer Fläche von über 180 ha erstklassischem Rebland, das weiterhin Inglenook hiess. Eigentlich wollte Kapitän Gustave Niebaum ursprünglich ein feines Weingut in Frankreich gründen, aber seine in Kalifornien geborene Frau lehnte lange Seereisen ab und zog auch das wohlige Klima im Napa Valley vor. Als sich das Ehepaar Niebaum auf dem Weingut Inglenook ein Eigenheim errichtete, brauchten sie nicht an die Kosten zu denken. Sowohl Material als auch Handwerker wurden aus Europa herbeigeschafft. Das Markenzeichen des Herrenhauses war eine riesige Veranda, die sich um das gesamte Gebäude herum erstreckte.
Eine Reihe von Niebaums Kollegen und Angestellten der Alaska Commercial Company zogen ebenfalls ins Napa Valley, um sich hier eine Zukunft aufzubauen. John Benson einer der Geschäftsfreunde von Gustave Niebaum gründete 1885 die Far Niente Winery, und etwas später Tiburcio Parrott, der das Weingut Miravalle gründete. John Parrott, der Vater von Tiburcio, war der Geldgeber hinter der Alaska Commercial Company. Ein ehemaliger Angestellter der Alaska Commercial Company, Hamden McIntyre, war zwar kein Architekt, aber er entwarf die damals modernsten und vor allem zweckmässigsten Kellereien im Napa Tal. Weingüter wie Inglenook, Far Niente, Christian Brothers und einige andere vertrauten Hamden, der die Gravitation oder den Schwerkraftfluss sich zu nutzen machte und die Kellereien, von denen einige immer noch in Betrieb sind, dementsprechend zu bauen wusste.
Ein grosses Anliegen für Gustave war es auch, den Kontakt zu seiner alten Heimat Finnland nie abbrechen zu lassen und neu in Kalifornien ankommenden Finnländer bei Bedarf zu helfen. Zu der Zeit, als Gustave Niebaum in der San Francisco Bay Area und in Alaska - vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert - geschäftlich tätig war, gab es an beiden Orten beträchtlich grosse finnische Siedlungen.
Der offiziell registrierte finnische «Club Nr. 1» wurde 1882 im Castro-Distrikt von San Francisco gegründet. Bald darauf wurden in der Nähe zwei "Finnische Hallen" gebaut. Die eine befand sich an der Ecke der 24th Street und Hoffman Street. Die andere Halle befand sich in der Flint Street, auf dem "Rocky Hill" über dem Castro, einem Gebiet, das zu jener Zeit dicht von Finnen bewohnt war – eine kleine Finnenstadt. Die Hallen dienten dem geselligen Zusammensein und für finnische Feste!
Von Anfang an war Inglenook Niebaums ganzer Stolz, und er arbeitete hart daran, Qualitätsweine zu erzeugen, indem er häufig nach Europa reiste, um Weinberge und Kellereipraktiken zu beobachten. Seine Weinbibliothek enthielt 600 Bücher, die er auf seinen Reisen sammelte. Einzelne Buchhandlungen in Europa mussten sämtliche neuerschienenen Weinpublikationen auf die Seite legen, bis Gustav auf seiner nächsten Reise diese dann abholte. Gustav war ein Cosmopolit und beherrschte 7 Sprachen, 5 davon fliessend in Wort und Schrift.
Zunächst wurde der Schwarze Malvoisie, eine minderwertige Traube, die er auf dem Gut geerbt hatte, durch den in San Jose gekauften Sauvignon Blanc ersetzt. Später, als er Stecklinge aus Europa mitbrachte, pflanzte er Pinot Noir, Grenache, Carignan, Tannat, Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot und Malbec sowie die Weissweintrauben Riesling, Semillon, Chenin Blanc, Burger und Chalosse. Gustave war der erste, der seine Rebberge düngte, und zwar mit Kompost, der er selber herstellte. Er liess nichts ausser Acht, um seinem Ziel, dem Produzieren von Weltklasse Weinen näher zu kommen. Kosten wurden dabei keine gescheut!
Bei der Weinherstellung wurde mit äusserster Sorgfalt darauf geachtet, Stiele und Blätter von den Trauben zu entfernen, und er war der einzige Napa-Winzer seiner Zeit, der seine Weine auf seinem Weingut in Flaschen abfüllte.
Er verpflichtete zudem, die Gastronomie, seine Weine ausschliesslich in seinen originalen Flaschen auszuschenken. Die Weinlieferung in Fässern kam für Gustave Niebaum nicht in Frage, da er vermutete, dass die Weinhändler und auch die Gastronomie seine Weine, um einen höheren Profit zu erwirtschaften, gepanscht würden. Auch vermutete er, dass seine Inglenook Weine plötzlich in einer Flasche mit französischem Etikett ausgeschenkt würden. Die Inglenook Weine erlangten alsbald Weltruhm.
Die Niebaums hatten nie eigene Kinder. Als Susans Bruder und seine Frau von einer Epidemie dahingerafft wurden, war es für die Niebaums nur natürlich, dass die zwei Kinder der verstorbenen Ehepaares Shingleberger adoptierten und diese wohlwollend und liebevoll auf dem Inglenook Estate aufwachsen konnten. Der Junge verheiratete sich mit einer Schauspielerin, was Gustave nie akzeptieren konnte, das Mädchen heiratete John Daniels Sr. Im Jahre 1907 erblickte John Daniels Jr. das Licht der Welt. Gustave und Susan wurden Grosseltern.
Am 5. August 1908 verstarb Gustave Niebaum in San Francisco. Zu Beginn desselben Jahres war er in die Position des Präsidenten der Alaska Commercial Company getreten. Bei seinem Tod gehörte Gustave Niebaum zur Gruppe der reichsten Männer Amerikas. Damit hatte er den amerikanischen Traum verwirklicht. Als Finnischer Cabin Boy war er einst nach Alaska gekommen...
Der Nachlass, den er bei seinem Tod hinterlassen hatte, ging zunächst an seine Witwe Susan Niebaum. Das Weingut wurde geschlossen und eröffnete erst wieder 1911!
Seine Frau Susan stellte kompetente Manager, insbesondere Carl Bundschu, ein, um das Unternehmen weiterzuführen.
Nach ihrem Tod im Jahr 1936 gingen Haus und Weinberg an die Kinder ihrer Adoptivtochter.