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| Armenische Väter - Beschreibung des Lebens und Sterbens des hl. Lehrers Mesrop

13. Mesrop reist in das griechische Armenien zum Unterricht der Volksgenossen.
Nachher aber zog er aus und ging [der Reihe nach] in die geordneten Plätze und in die Provinzen, in denen er Schüler gesammelt hatte, im Lande Armenien, um zu wecken, zu erneuern und zu befestigen. Und indem er so durch alle Orte zog, erfüllte er das heilige Evangelium des Herrn. Und er mahnte alle, den Weg des Lebens einzuhalten, dann machte er einen Plan mit Bezug auf den anderen Teil des Volkes der Armenier, welches unter der Herrschaft des Kaisers der Römer stand1 . Mit vielen Schülern eilte er, in das Gebiet der Griechen2 , hinüber zu gehen. Und wegen des sehr guten wohltätigen Rufes, der von ihm dort in den nördlichen Gegenden sich verbreitet hatte, wurde er einmütg von den einheimischen Landesbischöfen, von den Fürsten und den Provinzbewohnern geehrt, besonders vom Statthalter des Landes, welcher mit Namen Anatolius genannt wurde, im Beginn einer Reise3 . Dieser legte die schriftlich vorgetragenen Angelegenheiten dem Kaiser vor, den sie Theodosius nannten, den Sohn des Kaisers Arkadius. Daher kam auch ein Erlaß, mit geziemenden Ehren den Heiligen mit dem Namen Akumit4 zu nennen.
Er hatte eine Menge seiner Schüler mitgenommen und sie in die Stadt Melitene geführt. Dort empfahl er sie dem Bischof der Stadt, der Akakios hieß. Als Haupt der Jünger ließ er dort den, den man mit Namen Leondius nannte, einen vertrauenswürdigen und der Wahrheit ergebenen Mann. Der Heilige selbst nahm den Bischof von Dertschan, dessen Name Ginth hieß, und einige von den Schülern, und von geringem Ausgang öffentliche und viele Ehren findend, gelangten sie in die Stadt der Kaiser, die konstantinische Stadt. Davon taten sie Meldung an den Hof. Sie traten vor den ehrwürdigen Thron und hatten eine Begegnung mit den von Gott gesetzten Kaisern und mit dem Patriarchen der heiligen, katholischen, westlichen Pforte,5 dessen Name Attikus war. Er fand Gnade bei diesen; es wurde befohlen, dort in der Kaiserstadt einige Zeit ihn zu ehren mit Bereitstellung des Aufwandes von seiten der Kirchen, des kaiserlichen Hofes und den verehrlichen Behörden der Stadt.
Hernach, als das Osterfest vorüber war, legte er dem Kaiser die Eigenschaften der Erfordernisse dar und empfing den unwidersprechbaren Befehl, mit der kaiserlichen Unterschrift versehen, in Sachen der Schulung der Jugend, um sie aus dem halben Volk6 der Armenier zu sammeln, sowohl zugunsten des gewalttätigen Volkes der Barbaren als auch zugunsten der Befestigung der Kirche, und daß man ihn mit sehr großen Geschenken ehre. Nachdem er den königlichen Hof für das Wahre gewonnen hatte, nahm er sie nicht an. Als er den Purpurträgern des Kaisers und dem heiligen Katholikos seine Verehrung erwiesen und Grüße von der Kirche und den erlauchten Fürsten der Stadt erhalten hatte, brach er auf mit all den Seinen, glücklich geleitet in einem vom Kaiser gestellten Wagen. Und mit großer Ehre und Auszeichnung hielten sie sich auf dem königlichen Reiseweg, und geehrt von allen Städten erschienen sie in der herrlichen Stadt. Und indem sie große Gunst fanden, gelangten sie in die angewiesenen Gegenden. Daselbst stellten sie sich sofort dem Präfekten der Armenier; mit dem Diplom des Kaisers traten sie vor ihn. Und er empfing das Schreiben mit der kaiserlichen Unterschrift und beeilte sich, sofort den Befehl zu vollziehen. Er sandte also Boten in die Landschaften mit der Hälfte des armenischen Volkes unter der Herrschaft des Kaisers und sammelte eine große Zahl von Knaben, und stellte für sie den Unterhalt bereit an passenden Orten. Da setzte nun der Selige seine Belehrung ins Werk und er erfreute die Versammelten.
1: Nämlich der Oströmer.
2: Im Armenischen: Jonier, die gewöhnliche Bezeichnung der Griechen bei armenischen Schriftstellern.
3: Die Reise diente zugleich dem Versuch für das unter persischer Oberhoheit stehende Großarmenien Schutz bei den Griechen gegen drohende politische und religiöse Verschmelzung mit Persien zu suchen. Moses v. Ch. teilt einen dahinzielenden Briefwechsel des armenischen Katholikos Sahak mit den maßgebenden Stellen des griechischen Hofes mit [III, 57].
4: Vielleicht ein Ehrenbeiname ακοίμητος, der Unermüdliche; vgl. Hübschmann, Ann. Gramm. I S. 339. Vielleicht auch der Name einer Ehrenwürde bei Hof [vgl. weite zu dieser Stelle]. Nach der kürzeren Textüberlieferung erhielt er den Titel Ecclesiasticus: Prediger der Lehre des Volkes bzw. der Kirche. Letzteres berichtet auch Moses v. Ch. [III, 57].
5: Die östliche Pforte ist Ktesiphon, der Sitz der persischen Regierung; gedacht ist an die beiden Regierungen, die damals über Armenien geboten.
6: D. h. aus der den Römern Untertan gewordenen Hälfte [?] des armenischen Volkes.