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Operative (chirurgische) Verfahren
Operative Verfahren sind ablativ – das heisst, es wird Gewebe abgetragen.
Bei der operativen Behandlung einer gutartigen Prostataerkrankung wird der innerste Teil der Prostata entfernt. Verwendet man dafür ein Schnittverfahren, sprechen wir von der "grossen Prostataoperation". Kann der Eingriff durch die Harnröhre ausgeführt werden, also ohne Bauchschnitt, sprechen wir von der "kleinen Prostataoperation".
Bei der radikalen Prostataoperation wird die Prostata vollständig entfernt. Diese Operation wird nur bei Prostatakrebs durchgeführt. Sie ist wesentlich aufwändiger, und es ist mit einschneidenden Nebenwirkungen zu rechnen; weit mehr als bei einer Teilentfernung bei einer gutartigen Erkrankung.
Die im Bild rötlich gefärbte Zone wirkt als Operationspräparat eindrücklich gross. Dieses Präparat wurde in einem offenen Verfahren ausgeschält und wog bei der Entnahme 240 Gramm. (Zum Vergleich: Das durchschnittliche Gewicht liegt normalerweise zwischen 20 und 40 Gramm.) Das Beispiel zeigt, dass nicht immer nach dem gleichen Verfahren operiert werden kann. Ein solcher Gewebebrocken kann nicht ohne einen Schnitt durch die Bauchdecke entfernt werden.
Je kleiner, das kranke Gewebeteil ist, desto grösser die Chance es auf transurethralem Weg (Operation durch die Harnröhre) zu entfernen. Bei dem Verfahren wird das Gewebe in kleine Teilchen zerstückelt oder verdampft und kann danach einfach durch die Harnröhre abgeführt werden.
Die Prostata trainieren
Nicht jeder Harndrang, nicht jede Blasenreizung sollte mit einer sofortigen Entleerung beantwortet werden.
Wir kennen die Situation: Kaum ist die Haustüre in Sicht, wird der Druck heftig. Denn man weiss, die Toilette ist nicht mehr weit. Dem Drang für eine gewisse Zeit nicht nachzugeben, trainiert die Harnblase. Mit dem Aushalten des immer stärker werdenden Dranges endlich Wasser zu lösen, kann im Laufe der Zeit eine Verbesserung erreicht werden. Das heisst, die Abstände zwischen den einzelnen Toilettengängen können grösser werden. Was bei vielen Männern wieder ein Durchschlafen möglich macht.
Medikamente bei gutartigen Prostata Beschwerden
Medikamente wirken entweder an der Prostata direkt oder aber an der Blase. Sie lassen sich auch kombinieren.
Pflanzliche Mittel sind weit verbreitet und fast immer gut verträglich. Bekannt sind vor allem die Kürbiskerne. Bei leichten Beschwerden verfehlen sie ihre Wirkung selten.
Medikamente aus der Gruppe der Alpha-Blocker wirken auf die glatten Muskelzellen in der Prostata. Sie machen, dass die Spannung abnimmt und sich der Druck auf die durch die Prostata verlaufende Harnröhre verringert. Alphablocker wirken nicht bei jedem Patienten. Alle, die profitieren, stellen einen deutlich verbesserten Harnfluss (plus 16 bis 25 Prozent) fest und erzählen, dass die Beschwerden abnehmen (IPSS 30 bis 40 Prozent tiefer). Alpha-Blocker sind nicht als Kur gedacht, sie werden bei Langzeittherapien eingesetzt. Alpha-Blocker sind bewährte Mediakamente. Es gibt sich auch als Generika.
Die 5-Alpha-Reduktasehemmer blockieren in den Drüsenzellen einen Zellstoffwechselschritt; sie greifen in den hormonellen Stoffwechsel innerhalb dieser Zellen ein. Die Hemmung führt zur Degeneration empfindlicher Zellen und im Endeffekt zu einer Schrumpfung des Drüsenteils. Diese Schrumpfung liegt in der Grössenordnung von rund 30 Prozent des Prostatavolumens. Sie vollzieht sich über eine Zeitspanne von sechs Monaten. Eine schnelle Erfolgskontrolle ist daher nicht möglich. Es sind auch keine eindrücklichen Veränderungen beim Harnfluss zu erwarten. Subjektiv führen sie dennoch zu einer Erleichterung.
Zu beachten ist, dass die Medikamente zu einer Halbierung des PSA-Wertes führen. Diese Nebenwirkung muss bei der Bewertung einer PSA-Messung unbedingt berücksichtigt werden. Hinzu kommt, dass diese Substanzgruppe Potenzstörungen verursachen können.
5-Alpha-Reduktasehemmer können auch prophylaktisch gegen Prostatakrebs eingesetzt werden. Über ihre Wirkung aber ist eine kontroverse Diskussion ausgebrochen. Es gibt zu wenige Daten, die eine prophylaktische Anwendung im Sinne eines breit angelegten (ausserhalb von Studien) Einsatzes rechtfertigen würden.
Eine Kombinationstherapie, das heisst die separate Einnahme beider erwähnten Medikamente (oder als Kombinationspräparat in einer einzigen Tablette) wird ab und zu propagiert. Die kombinierte Wirkung beider Mechanismen kann in der Tat von Vorteil sein: Startet man die Therapie mit beiden Medikamenten gleichzeitig, erreicht man eine rasche Wirkung dank dem Alpha-Blocker, und ein Halten des Effektes dank dem 5-Alpha-Reduktasehemmer. Die Datenlage zur Kombination zeigt aber keine zwingenden Resultate. Vor allem gibt es Bedenken wegen den Nebenwirkungen auf die Potenz sowie auf die geistige Leistungsfähigkeit.
Neu werden die Phosphodiesterase-Hemmer, besser bekannt als Potenzmittel (Viagra, Cialis, Levitra), propagiert. Eine geringfügige Verbesserung des Wasserlassens ist möglich. Der Effekt aber liegt im Wirkungsbereich der Kürbiskerne und ist somit eher von fraglichem Nutzen. Erektionsstörungen und Prostatabeschwerden stehen statistisch betrachtet in einem direkten Zusammenhang.
Da Irritationen der Blase häufig mit Prostatabeschwerden zusammenhängen, spielen auch Medikamente, die den Blasenmuskel ruhigstellen, eine Rolle. Sie sind in der Gruppe der Anticholiniergika zusammengefasst. Plagt ein steter und ein heftiger Drang zum Wasserlassen den Patienten, können diese Medikamente Linderung verschaffen.
Allen Medikamenten gemeinsam ist die Tatsache, dass ihre Wirkung nach einiger Zeit nachlässt. Dies ist jedoch kein Grund, auf ihre guten Dienste zu verzichten.
Wichtig ist das regelmässige Überwachen durch einen erfahrenen Urologen. Ist eine Operation unausweichlich, sollte der Termin nicht unnötig hinausgeschoben werden.
TUR-P: transurethrale Resektion der Prostata (Operation durch die Harnröhre)
Die TUR-P ist eine urologische Operationstechnik, bei der erkranktes Prostatagewebe abgetragen und direkt durch die Harnröhre entfernt wird. Der Eingriff erfolgt endoskopisch, das heisst, es braucht keinen äusseren Schnitt.
Die TUR ist das älteste Verfahren der minimal-invasiven Chirurgie. Bei der transurethralen Resektion der Prostata (TUR-P) wird nur der innere, der Harnröhre zugewandte Teil der Prostata entfernt. Das äussere Prostatagewebe samt Organkapsel bleibt erhalten. Geschont werden auch Samenhügel und der Schliessmuskel der Harnröhre. Mit der TUR-P werden Hindernisse, die den Harnfluss stören, beseitigt. Sie wird zur Behandlung einer gutartigen Vergrösserung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) eingesetzt. Aber auch bei Prostatakrebs kann die TUR-P angewendet werden.
Kommt es zum Eingriff (Aufklärungsformular), werden zunächst die anatomischen Verhältnisse, wie Lage der Harnleitermündungen, Ausdehnung des Prostatagewebes in Richtung Harnblase und die Funktionstauglichkeit des Schliessmuskels studiert. Mögliche krankhafte Blasenveränderungen werden bei den Untersuchungen berücksichtigt.
Die Wahl der ablativen Technik wird vor Operation festgelegt. Die folgenden Verfahren werden im Kantonsspital Baden regelmässig angewendet:
- Schlingenresektion
- mit bipolarem Strom
- mit monopolarem Strom
- Laserresektion
- Laservaporisation