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Das Humane Immundefizienz-Virus (englisch human immunodeficiency virus), zumeist abgekürzt als HIV gehört zur Familie der Retroviren. Eine unbehandelte HIV-Infektion führt nach einer unterschiedlich langen, meist mehrjährigen symptomfreien Latenzphase in der Regel zu AIDS (engl. acquired immunodeficiency syndrome‚ erworbenes Immundefizienzsyndrom).
Eine unbehandelte HIV-Infektion hat unterschiedliche Stadien. Nach der Ansteckung kommt es zu einer akuten HIV-Infektion. Wegen der Ähnlichkeit mit grippalen Infektionen bleibt die akute HIV-Infektion oft unerkannt. Die Symptome der akuten HIV-Infektion dauern selten mehr als vier Wochen an. In der folgenden, meist mehrjährigen Latenzphase treten meistens keine gravierenden körperlichen Symptome auf. Danach kommt es vielfach zu ersten Erkrankungen, die auf ein mittelschwer geschwächtes Immunsystem zurückzuführen sind. Schlussendlich treten bei schwer eingeschränktem Immunsystem AIDS definierende Erkrankungen auf.
Heute ist eine HIV-Infektion gut behandelbar.
Ein Schwerpunkt liegt in der Diagnostik und Therapie von Patientinnen und Patienten mit einer HIV Erkrankung. Aktuelle Fortschritte in der Forschung werden rasch bei unseren Patientinnen und Patienten umgesetzt. Insbesondere Patientinnen und Patienten mit einer gleichzeitig bestehenden Leberentzündung (Hepatitis B oder C) erhalten bei uns eine optimale Behandlung.
Als HIV-Suchtest wird heutzutage ein Kombinationstest eingesetzt (sog. HIV Combo test), der das HIV p24-Antigen und Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2 nachzuweisen vermag. Die heute routinemässig verwendeten HIV-Suchtests der 4. Generation vermögen eine akute HIV-Infektion in den meisten Fällen nach ca. zwei bis drei Wochen zu detektieren, ein abschliessender Test 6 Wochen nach Risikosituation mit einem HIV-Test der 4. Generation ist aber weiterhin empfohlen. Der routinemässige Einsatz einer HIV-PCR wird in der Praxis nicht als Suchtest empfohlen.
Die aktuelle Datenlage weist klar darauf hin, dass eine antiretrovirale Frühtherapie den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann und zusätzlich hilft, weitere Infektionen zu vermeiden. Die Frühtherapie unterscheidet sich hinsichtlich der Zusammensetzung und Wahl der Substanzen nicht wesentlich von einer HIV-Langzeittherapie. Die Frühtherapie wird heutzutage von allen internationalen Fachgremien empfohlen. Eine Frühtherapie sollte durch mit HIV erfahrene Ärztinnen und Ärzte begonnen werden, z.B. im Rahmen der Zurich Primary HIV Infection Study auf der Klinik für Infektionskrankheiten am Universitätsspital Zürich.
Für das HIV-Screening werden kombinierte Tests (sog. Combotests) eingesetzt, die sowohl HIV-Antikörper gegenüber HIV-1 und HIV-2 als auch HIV-1 p24 Antigen erkennen. Bei der Hälfte der neu HIV-infizierten Patientinnen und Patienten zeigen die kombinierten Tests innerhalb von etwa 16 Tagen nach Ansteckung die HIV-Infektion an, bei der anderen Hälfte dauert es allerdings zum Teil wesentlich länger. Deshalb gilt, dass eine HIV-Infektion erst mit einem negativen HIV-Test der 4. Generation 6 Wochen nach Risikosituation ausgeschlossen werden kann. Bei äusserst besorgten Personen und bei Personen, die nachweislich sexuellen Kontakt mit unbehandelten HIV-infizierten Patienten hatten, kann allenfalls ein HIV-Test schon vier Wochen nach Risikokontakt Sinn machen. Ein negativer Test zu diesem Zeitpunkt ist jedoch nicht beweisend für den Status „HIV-negativ”; ein abschliessender Test ist 6 Wochen nach potentiellem Risiko weiterhin indiziert. Combotests sind auch als Schnelltests für Praxen von Ärztinnen und Ärzten oder HIV-Teststellen erhältlich; die Sensitivität dieser Schnelltests ist bei Patientinnen und Patienten mit akuter HIV-Infektion jedoch deutlich weniger gut als die Sensitivität der Labortests.
Der Erfolg der antiretroviralen Therapie gegen HIV-1 ist einzigartig in der modernen Medizingeschichte. Eine zuvor fast 100% tödliche Erkrankung konnte in eine chronisch behandelbare Krankheit umgewandelt werden. Wird heute gemäss internationaler Empfehlungen früh mit einer antiretroviralen Therapie begonnen, können die negativen Effekte des HIV-1 Virus auf den menschlichen Organismus minimiert werden. Dies führt bei sonst gesunden HIV-infizierten Menschen zu einer nahezu normalen Lebenserwartung. Zusätzlich sind Patientinnen und Patienten unter erfolgreicher Therapie nicht mehr infektiös, was für die Eindämmung der Pandemie von entscheidender Bedeutung ist. Die International Antiviral Society–USA (IAS-USA) empfiehlt in der aktuellsten Version ihrer Guidelines, dass eine antiretrovirale Therapie (ART) allen HIV-infizierten Patientinnen und Patienten angeboten werden sollte, unabhängig von deren CD4-Zellzahlen. Die Guidelines stützen sich dabei auf die Ergebnisse der Daten aus Kohorten Studien, welche zeigen konnten, dass der Nutzen einer Therapie im Vergleich zu den Risiken heute eindeutig überwiegt. Da die ART zudem ein hochwirksames Element der Prävention ist, macht es Sinn, so viele Patientinnen und Patienten so früh wie möglich zu behandeln. Zur Prävention von Resistenzen und Verbesserung der Wirksamkeit ist die ART meistens eine Kombination der verschiedenen Substanzklassen. Welche Kombination eingesetzt wird, ist eine komplexe Entscheidung, bei der Therapievorgeschichte, Nebenwirkungs- und Resistenzprofil, Begleiterkrankungen und Medikamenteninteraktionen beachtet werden müssen.
Oberarzt mit erweiterter Verantwortung, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Wissenschaftlicher Oberarzt, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Leiter SHCS Zentrum Zürich, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Leitender Arzt, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Stv. Klinikdirektor, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Leiter HIV-Labor, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Präsident SHCS, Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
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