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Bei der Neuordnung im 19. Jahrhundert wurde die umfangreiche Urkundensammlung des BAC in relativ konsequenter chronologischer Reihenfolge in 60 Holzschubladen, welche im zweiten Dezennium des 18. Jahrhunderts im Archivraum des Marsölturms Einbau fanden, versorgt. Aufgrund des starken Holzwurmfrasses am Trägergestell sowie an den Schubladen hat man die Konstruktion im Zuge der Archivsanierung (2005 bis 2007) entsorgt und durch eine moderne Rollgestellanlage mit spezieller Lagerungstechnik für Urkunden mit Siegeln ersetzt. Entscheidend für die Aufbewahrung auf der Grundlage der Doppelstellung des Churer Bischofs als geistlicher Oberhirte und bedeutender Territorialherr (bis zur Reformation) war das rechtliche, nicht aber das historische Moment. Insgesamt sind seit dem 8. Jahrhundert - älteste Pergamenturkunde stammt von König Karl, dem späteren Kaiser (800 bis 814), etwa 772/774 - bis heute fast 4500 Pergamenturkunden erhalten. Aus dem umfangreichen Bestand der Papierurkunden seien hier genannt: Patrimonien, Präsentationen auf Seelsorgestellen und Benefizien, Stiftungsurkunden, Verträge, Lehen, Pfrundbriefe.
Cartulare
Eine umfassende Aufnahme der Originalurkunden durch Abschriften der damals wahrscheinlich noch in der Sakristei der Kathedrale zu Chur verwahrten Pergamente erfolgte zwischen 1457 und 1462 durch den Dominikanermönch von St. Nicolai in Chur, P. Johannes Karthauser aus Nürnberg; sein Opus ist das “Cartularium magnum” oder Cartular A [BAC, 021.01]. Solche zeitintensive Ordnungsarbeiten fanden erst in der Epoche der katholische Reform ihre zweckgebundene Fortsetzung, nämlich durch Abschriften von wichtigen Originaldokumenten als Beweismittel die Restitution der wirtschaftlichen und politischen Rechtsverhältnisse des Bistums und Hochstifts Chur zu erwirken. Die Entstehung der Sammlung der Cartulare C bis V ist entsprechend zwischen 1630 bis 1660 zu datieren. Nur das Cartular B mit Abschriften von Urkunden der Rechtsgeschäfte des Prämonstratenserklosters St. Luzi in Chur entstand bereits 1453.
Urbare
Der bereits im 14. und 15. Jahrhundert angelegte Urbarbestand über den Besitz des Hochstifts Chur, also des Territoriums innerhalb und ausserhalb des Bistumsgebiets im Besitz des Churer Bischof als geistlicher Reichsfürst mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit (u.a. der sog. “Liber de feodis” [BAC, 022.02] mit Abschriften von Erb- und Zinslehen) fand im 17. Jahrhundert seine Weiterführung. Ein Urbar bezeichnet ein zu ökonomischen, administrativen oder rechtlichen Zwecken angelegtes Verzeichnis über Besitzrechte von Grundherren mit Angaben der Leistungen der Untertanen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Die Urbare geistlicher oder weltlicher Grundherren sind wichtige Geschichtsquellen. Im BAC liegen - erstmals exakt geordnet - sowohl Papierkonvolute als auch gebundene Exemplare von Urbarien aus dem 14. bis zum 18. Jahrhundert.Serienakten: Rechnungs- und Zinsbücher, Protokoll- und KopialbändeEine weitere umfangreiche Sammlung im BAC stellen die ab der Mitte des 15. Jahrhunderts vorliegenden diversen Rechnungsbücher mit Einträgen zur kirchlichen (Vermögens-)Verwaltung dar. Die ältesten Exemplare reichen in die Amtszeit von Bischof Ortlieb von Brandis (1458-1491) zurück. Doch erst für das Episkopat Ulrichs VI. de Mont (1661-1692) bieten diese Akten (z. B. das Hauptbuch des bischöflichen Hofmeisters) eine lückenlose, bis dato kaum erforschte Quellenbasis im Bereich der bischöflichen Verwaltung.Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts markiert ferner durch umfangreiche Protokollbände den Ausbau des kurialen Verwaltungsapparats. Wir finden hier das 26 bändige “Protocollum Celsissimi (Kopialbücher der Korrespondenz der Churer Bischöfe, 1672-1855), das “Protocollum Ordinandorum” (Weiheverzeichnisse seit 1611), das “Protocollum Consistoriale” (29 Protokollbände des geistlichen Gerichts, 1678-1850) wie auch das “Protocollum Officii” (Gerichtsbücher in 14 Bänden, 1734-1862). Seit 1859 liegen auch die Verhandlungsprotokolle der Ordinariatssitzungen vor. Alle diese Bände werden gegenwärtig digitalisiert.Andere gebundene AktenAus den Beständen der gebundenen Akten sind weiter hervorzuheben: das aus vier Teilbänden bestehende “Necrologium Curiense” (publiziert als Faksimile, 2008), das unter Bischof Ortlieb von Brandis begonnene “Debitorium generale”, die nach 1650 entstandene “Historia Religionis” in fünf Bänden, das sog. “Chur-Tirol-Archiv” (Bände A bis M) - eine unter Bischof Johann VI. Flugi von Aspermont (1636-1661) angelegte Aktensammlung, deren grösster Teil leider verloren gegangen ist, das “Registrum dispensationum matrimonialium” (ab 1670), aber auch diverse Bände der Geschichte und Verwaltung der ehemaligen Prämonstratenserabtei St. Luzi in Chur und derjenigen in Churwalden, sowie des Dominikanerklosters St. Nicolai am Kornplatz in Chur.Lose Aktenbestände (15. bis 21. Jahrhundert)Den umfangreichsten Bestand im BAC stellen die losen Aktenbestände dar, die vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart reichen. Aus dieser Sammlung seien hier genannt: Päpstliche bzw. kuriale Erlasse (seit dem 15. Jh.), Erlasse der Churer Bischöfe (seit dem 16. Jh.), Wahlakten der Churer Bischöfe (seit 1601), Akten zu den Territorialgebieten des Churer Fürstbischofs (= Hochstift), Quellen und Dokumente zu den geschichtlichen Ereignissen in Bünden und im alten Territorium des Bistums Chur (1400-1816/19), Deutsche Reichsakten (1482-1799), Akten zu den Klöstern St. Luzi, St. Nicolai, Churwalden, Disentis, Cazis, Müstair, Einsiedeln, Engelberg und Rheinau, aber auch zu den Monasterien im Vorarlberg (St. Peter in Bludenz, Jesuiten in Feldkirch, Priorat der Reichsabtei Weingarten in Feldkirch, Klarissen in Valduna, Franziskaner auf St. Viktorsberg) und Vinschgau (Marienberg, Maria-Steinach in Algund, Klarissen in Meran), ferner (Verwaltungs-)Akten bzgl. des Schlosses Fürstenburg bei Burgeis und der bischöflichen Herrschaft Grossengstingen, Visitationsakten ab 1595, Ehe- und andere Prozessakten (ab 1600), die umfangreiche, noch nicht aufgearbeitete Aktensammlung zur Synode 72 sowie personenbezogene Akten des Churer Diözesanklerus und Geistlicher aus anderen Diözesen oder Ordensgemeinschaften, welche im Churer Sprengel gewirkt hatten (seit dem 19.Jahrhundert).PfarreiaktenZu den losen Aktenbeständen zählen auch die Pfarreiakten der heutigen drei Bistumsregionen Graubünden, Zürich-Glarus sowie Urschweiz. Der reiche Bestand zu 305 Territorial- und 3 Personalpfarreien bedarf noch einer gründlichen Aufarbeitung und Registrierung. Zu den Pfarreien der ehemaligen Dekanate Walgau und Vinschgau sind noch vereinzelte Akten vorhanden, nicht aber für das ehemalige Dekanat Unter der Landquart (vor allem Sarganser- und Gasterland [heute Bistum St. Gallen]. Die Aktenbestände zu den zehn Pfarreien des Dekanats Liechtenstein sind nach der Abtrennung dieses Territoriums vom Bistum Chur und deren Eingliederung in das neu geschaffene Erzbistum Vaduz (2. Dezember 1997), wohl mit Erlaubnis des Apostolischen Nuntius, aber ohne Anfertigung von genauen Übergabeprotokollen zwischen beiden Diözesen, 1998 nach Vaduz transferiert worden. Eine vom Churer Diozesanarchivar mehrfach angemahnte nachträgliche Regelung steht immer noch aus.Bestände aus dem Archiv des Churer DomkapitelsDas Domkapitelarchiv (DKA) wurde zwischen 1915 und 1917 erstmals geordnet, dazu ein Register angelegt und das Aktenmaterial (bis etwa 1920) als eigener umfangreicher Bestand in das BAC integriert. Dieser ist in den vergangenen zwei Jahren fast vollständig neu geordnet und registriert worden. Die Pergamente wurden mit einem Vermerk zu ihrer Herkunft in die chronologische Ordnung des oben genannten Pergamenturkunden Bestandes eingefügt. Zu den gebundenen Akten zählen die Protokolle des Domkapitels (seit dem 15. Jh.), Urbarien und Zinsbücher (seit dem 14. Jh.) und Rechnungsbücher, darunter die umfangreiche Sammlung der Feldkirchischen Amtsrechnungen gegen das Kapitel (16. Jh. bis 1802). Von der grossen Sammlung loser Akten sind zu nennen: Akten zur Geschichte und Verwaltung des Churer Domkapitels, Akten zur Kathedrale Chur (v. a. Quellenmaterial zu Restaurierungen seit 1815). Das Schrift- und Dokumentationsgut nach 1920 archiviert das Residential-Kapitel nach wie vor selbständig und in eigenen Räumen.Sammlungen / NachlässeDas BAC übernimmt und bewahrt auch Schrift- und Dokumentationsgut fremder Provenienzen, sofern dieses für die diözesan- und kulturgeschichtliche Forschung von Bedeutung ist. Dies gilt insbesondere für Sammlungen (wie z. B. die Siegelsammlung von Anton von Castelmur) und Nachlässe (besonders von Geistlichen). So liegt im BAC auch das umfangreiche Werk Matthias Burglechners (1573-1642) “Rhaetica Austriaca”, die “Chronica des hochlöblichen Erzstiftes Salzburg” des Chronisten Fortunat von Juvalta (1567-1654) - darin finden sich Kurzangaben zu den Churer Bischöfen bis zu Lucius Iter (1549) und eine Liste der Burgen und Schlösser im Besitz des Churer Hochstifts. Zu diesen Beständen zählt ferner das 11-bändige Werk des Diözesangeistlichen Giusep Fidel Cadalbert (1908-1957) mit dem Titel “Quellen zur Geschichte der Kapuzinermission in den romanischen Tälern Bündens im 17. Jahrhundert” und sein zweibändiges Opus “Documenta ad historiam parochiae in Rueun” (1951/53). Nicht zuletzt kann man anhand eines “Koch- und Einmachbuches” von 1705 den Kochkünsten des 16./17. Jahrhunderts nachgehen.Die Nachlässe der Churer Bischöfe des 20. Jahrhunderts sind noch nicht bzw. erst grobmaschig geordnet, was vorerst keine Einsicht durch Drittpersonen erlaubt.Alte DruckeIn der dem BAC angegliederten Bibliothek werden ferner Drucke verschiedener Provenienzen ab dem 16. Jahrhundert bis 1900 aufbewahrt. Dazu zählen Geschichtsbücher, eine umfangreiche Sammlung juristischer Werke (Kirchen- und Staatsrecht), theologische wie katechetische Literatur, Werke zur Bündner Geschichte (sog. Raetica) sowie alte liturgische Drucke für das Bistum Chur und für das ehemalige Bistum Konstanz (Missale, Brevier, Antiphonale, Psalter, Rituale, Diözesanproprien, Directorien). Die gegen 10’000 Bände umfassende Sammlung - die sog. “Barockbibliothek” aus dem Marsoelturm umfasst allein über 2700 Bände - wird gegenwärtig in das neu erstellte Archiv unter der Tiefgarage umgelagert und gemäss Organigramm der Bischöflichen Bibliothek Chur (BBC)in thematischer Abfolge in die dort befindlichen Rollregale eingeordnet. Die einzelnen Titelblätter sind zwecks späterer exakten Katalogisierung bereits digitalisiert.BildarchivBilder, Zeichnungen, Planzeichnungen, Pläne, Fotos (Negative, Dias und Abzüge) sowie eine umfangreiche Postkartensammlung zu Orten und Personen im / des Bistum/s Chur werden in einer eigenen Abteilung des BAC, im sog. “Bildarchiv” [BA] aufbewahrt.