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Sie ist wieder zurück an ihrem Lieblingssitz im Lago Maggiore: Die Baronin Antonietta de Saint Léger, die im 19. Jahrhundert die Brissago-Inseln gekauft hat und damit verhindert hat, dass an diesem romantischen Ort eine Sprengstofffabrik gebaut wurde. Und zwar in einem Bild, das der Maler Daniele Ranzoni aus Intra, ein regelmässiger Gast auf den Inseln, gemalt hat. Dass er die unternehmungslustige Dame dabei als Fürstin statt als Baronin titulierte, spielt absolut keine Rolle: Antoniettas Herkunft ist ohnehin nicht so ganz geklärt (sie sei eine natürliche Tochter eines russischen Zaren, wurde behauptet). Solange die adlige Dame noch Geld hatte, hing das Gemälde über dem Kamin. Als sie aber das Vermögen ihres dritten und vierten Ehemanns ausgegeben hatte, wurde bekanntlich die Insel an Max Emden, einen reichen Kaufmann aus Deutschland verkauft. Das von Ranzoni gemalte Porträt gelangte in Privatbesitz, wurde dann in Mailand ausgestellt und kehrt diesen Sommer für ein paar Monate auf die Inseln im Lago Maggiore zurück.
Max Emden, der neue Besitzer auf den Inseln hatte eine Vorliebe für das Sammeln von kostbaren Gemälden. Da er durch die politischen Umstände in Deutschland einen grossen Teil seines Vermögens verlor, war er in den Vorkriegsjahren gezwungen, seine Bilder zu verkaufen. Und siehe da, heute tauchen sie allmählich wieder auf: Ausgerechnet in der Villa Hammerschmidt, dem ehemaligen Sitz des deutschen Bundespräsidenten in Bonn hing in der Nachkriegszeit im Frühstückszimmer ein Bild des im Tessin lebenden Sammlers Max Emden, das den Zwingergraben von Dresden darstellt. Die Angelegenheit war 2005 dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler so peinlich, dass er das Bild abhängen liess. Und nun melden sich auch die Nachkommen des Inselbesitzers, die heute in Südamerika leben, um ihre Rechte auf die Bilder geltend zu machen. Deutschland stellt sich auf den Standpunkt, Emden habe beim Verkauf der Bilder in der Schweiz, also einem Drittland, gewohnt. Von nationalsozialistischem Druck zum Verkauf des Eigentums könne also nicht gesprochen werden. Die Erben sehen das anders und das letzte Wort zum Thema «Fluchtkunst« ist wohl noch lange nicht gesprochen.