Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03608.jsonl.gz/218

Wie aus Zuckerrohr die beliebte Spirituose wurde
Rhum, Ron oder Rum? Tatsächlich gibt es alle Schreibweisen und bei allen Varianten handelt es sich um die die beliebte Zuckerrohrspirituose. Das Wort Rhum stammt aus dem Französischen und das Wort Ron ist das kastilische Wort für Rum. Französische Départements wie Martinique und Guadeloupe nennen das Getränk gerne „rhum agricole“, da agricole auf den landwirtschaftlichen Aspekt dieser Spirituos hinweist. Bei Rum denken wir gerne an die Karibik wie Havana mit Palmen, Strand und Meer. Diese Bilder sind so verbreitet, da Rum im Normalfall aus Melasse, Sirup oder (seltener) aus dem frisch gewonnen Saft des Zuckerrohrs gewonnen wird. Zuckerrohr wächst vor allem in karibischen sowie südamerikanischen Ländern, weshalb er dort auch so beliebt ist.
Für Rum ist Zuckerrohr essenziell. Ursprünglich stammt dieser aus Ostasien wie China und auch Neuguinea und kam über Handelswege bereits im 1. Jahrhundert nach Christus in den Nahen Osten. Durch Kreuzzüge des Mittelalters etablierte er sich ebenfalls als Süßungsmittels in europäischen (gut situierten) Haushalten und Christoph Kolumbus soll ihn schließlich in der frühen Neuzeit nach Hispaniola importiert haben. In dieser Zeit kam Zuckerrohr in die Karibik und Plantagenbesitzer wurden in der Folgezeit zu sogenannten „Zuckerbaronen“. Die dort arbeitenden Sklaven die den „Abfall“ der Zuckerproduktion, die Melasse, zu essen bekamen entdeckten durch Zufall, dass durch die Zugabe von Wasser eine Art Zuckerwein entstand. Die Zuckerbaronen merkten, dass sie mit diesem Getränk Geld verdienen konnten. Das entstandene Getränk war zwar noch weit entfernt von dem fein destillierten Rum, den wir heute trinken, allerdings findet Rum in dieser Zeit seinen Ursprung. Durch verbesserte Destillationsmethoden (Pot Still und Coffey Still) gewann Rum international an Ansehen und hat sich in der ganzen Welt verbreitet.
Rhum ist nicht gleich Rum
Rum unterliegt strengen CH- und EU-Richtlinien und muss einen Mindestalkoholgehalt (der 37,5% beträgt) besitzen. Zusätzlich darf er im Nachhinein nicht aromatisiert oder zusätzlicher Alkohol zugefügt werden. Aus diesem Grund dürfen sich manche bekannte Spirituosen nicht Rum nennen. Qualitativ hochwertiger Rum zeichnet sich durch eine lange Reifung in Holzfässern aus, ähnlich wie Whisky oder Cognac. Rum ist aromatischer und abgerundeter je länger das Destillat im Holzfass reift. Ein Nebeneffekt der langen Reifung ist die erst gelbliche, dann braune Färbung, die das eigentlich farblose Destillat annimmt. Je heller Spirituosen sind, desto weniger Zeit haben diese in Fässern verbracht. Dunkler Rum besitzt ein intensiveres Aroma als heller, ist süßer und komplexer im Geschmack. Er eignet sich besonders für den puren Genuss, während hellere, jüngere Rums in Cocktails wie Mai Tai, Mojito oder Daiquiri besonders gut schmecken.
Regional aus der Schweiz
Rum muss nicht aus Havana stammen, um gut zu schmecken. In der Distillerie Studer gibt es Rumsorten die Swiss Made sind. Rund zehn Jahre wird hier schon Rum hergstellt und ist damit die erste Destillerie die Rum in der Schweiz produziert hat. Die Zuckermelasse wird zwar aus Lateinamerika importiert, aber der Rest wird in der Schweiz hergestellt. Dieser Prozess, die Zuckermelasse zu importieren und alles weitere in der Schweiz herzustellen, ist umweltfreundlicher als die ganze Flasche zu importieren. Da es nicht viele Destillerien gibt, die den Rum in der Schweiz entwickeln, ist die Distillerie Studer ein Unikat. Einer ihrer Rumsorten ist der Vitznauerhof Rum mit Feige, der im Geschmack Honig und tropische Früchte verspricht und sich Pur auf Eis oder auch für Cocktails eignet. Die Distillerie Studer ist ein Familienbetrieb, welcher Unternehmensgeschichte schreibt und zwar seit 1883. Noch heute wird der Brennmeister zum Alchemisten am Ofen und arbeitet mit Maische, dem vergorenen Gemisch, trennt und konzentriert den Alkohol und führt die flüchtigen Aromakomponenten ins Destillat über. Dabei wird viel wert auf Hochwertigkeit gelegt und durch die Mischung aus guten Zutaten, Erfahrung, Wachsamkeit und Achtsamkeit entstehen Produkte von sagenhafter Qualität und Natur.
Erstellt: 20.08.2020 07:00 Uhr