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Kabatiella caulivora (Kirchn.) Karak.
nördlicher Stängelbrenner, Kleestängelbrand oder Stängelbrennerpilz, l'anthracnose des trèfles ou kabatiellose (franz.), northern anthracnose or scorch (engl.)
Synonym: Gloeosporium caulivorum Kirchn.
Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Dothideomycetes, Dothideomycetidae, Dothideales, Dothioraceae
Der nördliche Stängelbrenner (Kabatiella caulivora) war früher in weiten Teilen Europas und Nordamerikas ein wichtiger Krankheitserreger des Rotklees. „"Nördlich" heisst er deshalb, weil K. caulivora im nördlichen Teil des Kleegürtels (nördlich der Mitte des US Staates Illinois) vorkam. Colletotrichum trifolii, der südliche Stängelbrenner hingegen im südlich Teil. K. caulivora befällt hauptsächlich den Rotklee (Trifolium pratense) und den Alexandrinerklee (T. alexandrinum). Neue Rotkleesorten sind heute meist resistent gegen diese Krankheit, während der Alexandrinerklee nach wie vor sehr anfällig ist. Der Pilz befällt alle oberirdischen Teile der Kleepflanzen und verursacht kleine bis grosse Flecken vorwiegend auf den Stängeln und Blattstielen. Die Flecken sind in der Mitte hellbraun und haben einen schwarzbraunen Rand. Befallene Pflanzenteile welken und verfaulen.
Abb. 1. Nördlicher Stängelbrenner (Kabatiella caulivora) an Alexandrinerklee (Trifolium alexandrinum)
Abb. 2. Nördlicher Stängelbrenner (Kabatiella caulivora) an Alexandrinerklee: Nekrosen auf den Stängeln und Blattstielen sind in der Mitte hellbraun und haben einen schwarzbraunen Rand.
Krankheitsbild
K. caulivora befällt alle oberirdischen Teile der Kleepflanzen (Abb. 1). Typische Symptome eines Befalls sind kleine bis grosse Nekrosen vorwiegend auf den Stängeln und Blattstielen. Die Flecken sind in der Mitte hellbraun und haben einen schwarzbraunen Rand (Abb. 2). Das Gewebe unter den Flecken wird zerstört, schrumpft und sinkt tief ein. Mehrere Flecken können zusammenfliessen und den ganzen Stängel umgürten, so dass Blätter oder ganze Triebe welken und absterben. Auffällig ist auch das Abknicken der Stängel an den Befallsstellen, was ebenfalls zum Verfaulen der Pflanzenteile über der Bruchstelle führt. Anfällige Kleepflanzen sind bald vollständig zerstört und überall liegen faulende, schwarze Pflanzenteile am Boden. Auf diese Weise kann leicht der Eindruck entstehen, dass es sich um Frostschäden handelt.
Verwechslungsmöglichkeiten: Die Symptome des nördlichen und des südlichen Stängelbrenners (Colletotrichum trifolii) sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Letzterer tritt aber vor allem im Sommer während heisser und feuchter Witterung in Erscheinung. Ausserdem sind in den Acervuli (Fruchtkörper) des C. trifolii immer Stacheln (Setae) vorhanden.
Abb. 3. Acervuli der Kabatiella caulivora, gefüllt mit einer schleimigen Konidienmasse
Pathogen
Auf dem erkrankten Gewebe bildet K. caulivora Fruchtkörper, sogenannte Acervuli. Während Feuchteperioden füllen sich diese mit einer weissen, schleimigen Masse bestehend aus Konidien (Abb. 3). Diese werden auf kurzen Konidienträgern gebildet, sind unregelmässig sichelförmig gekrümmt, einzellig und hyalin (Abb. 4). Ihre Grösse schwankt beträchtlich zwischen 8-24 µm x 2.5-3.5 µm (Raynal et al. 1989). Die Konidien bilden teilweise seitlich oder an den Enden durch Knospung neue Konidien. K. caulivora bildet Rassen (Bayliss et al. 2003). Die Hauptfruchtform, ein Ascomycet, wurde bis heute in der Natur noch nie beobachtet, wohl aber auf künstlichen Nährmedien.
Achtung: Im Gegensatz zu C. trifolii bildet K. caulivora in den Acervuli keine Setae.
Lebenszyklus und Epidemiologie
Der Pilz überwintert in infizierten Pflanzen oder an abgestorbenen Pflanzenteilen. Eine Übertragung des Pathogens mit dem Saatgut ist ebenfalls möglich (O'Rourke 1976). Im Frühling werden neue Konidien gebildet. Diese werden mit Regenspritzern, Wind oder von Insekten auf benachbarte Wirtspflanzen übertragen. Sie infizieren vor allem den Stängel und die Blattstiele, wo der Pilz die oben beschriebenen Symptome verursacht.
Die Krankheit kommt im Frühling und im Herbst, wenn kühle und feuchte Witterung vorherrscht, vor. Während trockener und warmer Witterung kommt sie rasch zum Stillstand.
Abb. 4. Sichelförmige Konidien der Kabatiella caulivora. Die Konidien bilden teilweise seitlich oder an den Enden durch Knospung neue Konidien.
Wirtsspektrum
Als Wirtspflanzen des nördlichen Stängelbrenners werden genannt: Rotklee (Trifolium pratense), Alexandrinerklee (T. alexandrinum), Inkarnatklee (T. incarnatum) und bodenfrüchtiger Klee (T. subterraneum) (O'Rourke 1976). Die Luzerne (Medicago sativa) wird nicht befallen. Hingegen zählt Weltzien (1958) auch die Esparsette (Onobrychis sativa) zu den Wirtspflanzen.
Bekämpfung
Neue Rotkleesorten sind resistent gegen den nördlichen Stängelbrenner, so dass diese Krankheit im schweizerischen Rotkleeanbau keine Bedeutung mehr hat.
Alexandrinerklee zeichnet sich immer noch durch eine hohe Anfälligkeit aus. Ein vorzeitiger Schnitt kann eine Massenvermehrung von Konidien abwenden, auch weil ein geschnittenes Feld schneller abtrocknet. Die Krankheit wird auf diese Art aber nicht eliminiert. Eine Mischsaat mit Gräsern ist zu empfehlen, bei starkem Befall bleibt somit immer noch Grünmasse erhalten. Auch eine Anbaupause von anfälligen Wirtspflanzen kann helfen, einen Befall zu verhindern.
Literatur
Bayliss KL, Spindler L, Lagudah ES, Sivasithamparam K, Barbetti MJ, 2003. Variability within Kabatiella caulivora Race 1 and Race 2 revealed by cultural and molecular analyses. Australian Journal of Agricultural Research 54: 77-84.
O'Rourke CJ, 1976. Diseases of grasses and forage legumes in Ireland. An Foras Taluntais, Dublin 4. 115 S.
Raynal G, Gondran J, Bournoville R und Courtillot M, 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.
Weltzien HC, 1958. Stengelbrenner (Kabatiella caulivora (Kirch.) Karak.) an Alexandrinerklee. Nachrichtenblatt des Deutschen Pflanzenschutzdienstes Heft 5: 72-74.