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Ein ungarischer Arzt lernt einen Flüchtling kennen und wittert seine grosse Chance. Kornél Mundruczós Film ist ein poetisches Arthaus-SciFi-Spektakel, das es in sich hat.
Dr. Stern ist durch und durch korrupt. Der ungarische Arzt ist Nationalist, hat aber offenbar kein Problem damit, das Geld von Flüchtlingen anzunehmen. Wer Geld hat, darf raus aus dem Camp und rein in die ungarische Gesellschaft. Da lernt Stern den syrischen Flüchtling Aryan kennen – und wittert seine grosse Chance: Aryan hat nämlich ganz besondere Fähigkeiten: nachdem er angeschossen wurde, entwickelt er übermenschliche Fähigkeiten. Doch aufgrund eines Missverständnisses werden er und sein Vater zu Terrorverdächtigen und eine unheilvolle Dynamik nimmt ihren Lauf…
Kornél Mundruczós Film ist ein stilistisch fulminanter Film, bei dem allerdings die Story sicherlich nicht im Vordergrund steht. Interessant dabei: Zsombor Jéger, der Schauspieler, der den Syrer verkörpert, ist selber Ungar, während der ungarische Arzt mit dem deutschen Namen Stern von einem Georgier (Merab Ninidze) verkörpert wird und von András Balint nachsynchronisiert wurde. Hier zeigt sich schon, um was es Mundruczó geht: um Identitäten im Fluss.
Der Name des Films verweist auf einen wirklich existierenden Mond des Jupiters: sein Name ist Europa. Der Name Europa selbst stammt wohl aus einer semitischen Sprache, ist also wahrscheinlich mit dem Arabischen gharb (cf. Maghreb: der Westen) und dem Hebräischen maʿariv (der Westen, ʿerev = der Abend) verwandt. Last but not least: Aryans Vater heisst Murad Dashni. Dashni Murad ist aber eigentlich der Name einer kurdisch-niederländischen Sängerin… Die Menschen aus dem Nahen Osten kommen nach Europa (sollen es also letztlich doch kurdische Flüchtlinge sein?). Sie suchen ein freundliches Umfeld in Europa; der (Sub-)Kontinent Europa – wie auch der Mond Europa – könnte theoretisch Heimat für Lebensformen bieten. Und kam nicht Europa selbst aus dem Osten?
So ist «Jupiter’s Moon» nicht zuletzt eine Mediation über die Identität Europas zwischen den Sprachen, zwischen den Kontinenten, zwischen Jobbik und Marx, zwischen Caesar, Hannibal und Attila. Interessant ist auch ein Vergleich mit Nacho Vigalondos «Colossal» – beides sind Science-Fiction-Filme, in denen die Beziehungen zwischen Osten und Westen eine wichtige Rolle spielen. Während aber Vigalondo mit Humor überzeugt, so fokussiert sein ungarischer Kollege Mundruczó auf poetische Zwischentöne. Hingehen – und staunen!
«Jupiter holdja». Ungarn/Deutschland/Frankreich 2017. Regie: Nacho Vigalondo. Mit Zsombor Jéger, Merab Ninidze, Mónika Bolsoi, Rami Khalaf, András Bálint u.a. Deutschschweizer Premiere am 3. Mai 2018; zusätzliche Vorstellung am 15. Juni 2018 im Landkino im Fachwerk in Allschwil.
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