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Bern 6. 8br 1853
Hochzuverehrender Herr
Indem ich Ihnen mein Gestriges1 bestätige verdanke ich Ihnen bestens die heute empfangene Copie des dortigen Gr. R. Beschlußes in Betreff der Betheiligg bei unsrer Bahn.2 Ich hoffe, in Folge der dem Reg.Rath ertheilten nachträglichen Ermächtigung werde den Anständen von St Gallen die Spitze abgebrochen sein.
Dagegen droht uns hier ein neues Ungewitter. Hr O.3 hat einen fulminanten Rapport gegen die Sanctionirung der Tessiner Concession eingegeben,
der morgen zur Abstimmung gelangen soll.
Er wirft darin dem Lukmr vor:
durch diesen neuen Übergang werde eine Parallelstraße neben dem Gotthard eröffnet, welche unsre Vertheidigungslinie umgehe
Ferner eine Peripheriestraße geschaffen, die 12 St.4 unter den feindlichen Kanonen stehe, statt einer Centrumstraße
dieselbe sei, wegen ihrer leichten Zerstörbarkeit durch den Feind, für die Schweiz nutzlos
sie sei unpolitisch, weil sie den auswärtigen Handel der Schweiz von Oestr. abhängig mache
sie sei verwerflich, weil sie den Bau einer viel nützlicheren Gotthardbahn hindre, die mit den mehrsten u. größten Kantonen in nächster Verbindung stünde, dem Tessin viel wirksamer Hülfe leisten u. von den betreffenden Kantonen gebaut würde, wenn der Lukmr beseitigt wäre, | die schon ertheilten Concessionen haben den Bau des Lukmr nicht vorgesehen; erst durch die Tessr Concession sei lezterer möglich geworden u. es sei nun die ganze Angelegenheit in ein Stadium getreten wo auch die Zuläßigkeit der Südostbahn einer neuen Untersuchg bedürfe.
Die Hohlheit aller dieser Gründe brauche ich Ihnen nicht näher zu erweisen; namentlich der lezte ist mehr als faul u. die übrigen fallen schon durch den Umstand dahin, daß der Lukmr durch die betreffenden Gemeinden selbst fahrbar gemacht würde, auch wenn die Eb. gar nicht zu Stande käme.5 Demungeachtet würden Sie mich ungemein verbinden, wenn Sie die Güte haben wollten, meinen kleinen Aufsatz6 mit Bezug auf obige Einwendungen vervollständigen zu laßen.
Der Postabgang hat mir gestern nicht erlaubt, mich weitläufiger über den Zweck besagter Arbeit auszulaßen. Derselbe tritt übrigens zur Genüge hervor. Er soll die Unvernunft u. Gemeinschädlichkeit des Oltner kreuzes klar machen u. dessen Actionairs bewegen davon abzustehen, jedenfalls aber die Kraft der Basler Intriganten brechen.
Hr Torelli hat mir von Genua geschrieben, er sei mit der dortigen Stimmung sehr zufrieden u. könne mich Namens der Regierung versichern, daß sie, ungeachtet der schwierigen Zeitläufe, zu allen nöthigen Opfern bereit sei.
Von London bin ich seit 8 Tagen ohne Berichte. Point de nouvelles, bonnes nouvelles. Indeß wäre es nicht zu verwundern wenn der Kriegsausbruch9 unsre Leute etwas stutzig machte. Ich hoffe jedoch im Bau wenigstens der ebenen Strecken werde keine Störung eintreten.
Genehmigen Sie inzwischen die Versicherg meiner aufrichtigen Verehrung u. treuen Ergebenheit
Killias
N.S. Die Mittheilung an Hrn v. Pl. ist unnöthig, da eine Copie für ihn noch gefertigt werden konnte.