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Ergebnisse Sortenprüfung Kartoffeln, Kochtyp A – Humlikon und Nürensdorf 2022
Der Sortenvergleich wurde ohne Wiederholungen angelegt. So können Bodenunterschiede oder z.B. auch eine punktuelle Problemverunkrautung innerhalb der Versuchsparzelle zu nicht repräsentativen oder nicht offensichtlich nachvollziehbaren Resultaten führen. Pflanzgutposten sind bei Kartoffeln zudem physiologisches, phytosanitär und von der Kalibrierung her unterschiedlich.
"Ein Jahr ist kein Jahr" ist eine Redewendung im Versuchswesen. Sortenversuchsresultate sollten immer über mehrere Jahre und Standorte begutachtet werden. Abgleiche mit weiteren Daten zu einer Sorte aus Vorversuchen von Agroscope, Züchterangaben, ausländischen Versuchsdaten und Austausche mit Praktikern welche Erfahrungen zu Sorten haben sind deshalb wichtig.
Alle Sorten Kochtyp A, Standort Humlikon
Die festkochenden Sorten sind im Gegensatz zu den Industriesorten generell frühreifer. Das handelsübliche Maximalkaliber von 60mm nach Quadratmass wurde durch gute Wachstumsbedingungen sowie tiefe Knollenzahlen rasch erreicht. Daran änderte auch der für diese Sorten späte Krautvernichtungstermin von Mitte August nichts. Dies führte bei allen Sorten zu einem hohen Anteil übergrosser Knollen. Auffällig ist der bei einigen Sorten hohe Anteil Knollen mit Schneckenschäden im bewässerten Verfahren. Im unbewässerten Verfahren konnten sich die Schnecken wegen der ausgeprägten Hitze und Trockenheit offensichtlich nicht etablieren, im bewässerten aber nesterweise schon. "Vitabelle" und "Emanuelle KS" erzielten im bewässerten Verfahren tiefere Erträge. Bei "Vitabella" war eine massive Verunkrautung mit Hirse und Winden die Ursache. Bei "Emanuelle KS" wurde Pflanzgut mit Kleinsortierung eingesetzt. Diese kleinen Knollen hatte im bewässerten Verfahren, wo der Boden schwerer (höherer Tonanteil) war, sichtlich Mühe beim Feldaufgang (Fehlstellen, verzögerter Aufgang).
Alle Sorten Kochtyp A, Standort Nürensdorf
Der unbewässerte Versuchsstandort Nürensdorf zeichnete sich durch einen sehr steinigen Boden aus. Gepflanzt wurde erst am 4. Mai 2022. Die Erträge der Sorten Simonetta und Queen Anne sind vergleichbar mit denjenigen am Standort Humlikon. Die Stärkewerte waren aber deutlich (ca. 4%) tiefer als in Humlikon. Dies kann als Indiz für erhöhten Wachstumsstress betrachtet werden. Aufgrund von Wildschweineaktivitäten aus angrenzendem Wald und Maisfeld wurde ein hoher Anteil grüner Knollen und bei Bernina Ertragsausfälle festgestellt.
Bewertung der einzelnen Sorten
Ditta (Referenz)
Die Referenzsorte Ditta konnte ihr hohes Ertragspotential im diesjährigen Versuch nicht ausschöpfen. Dies vermutlich aufgrund des sehr tiefen Knollenansatzes. Trotz einer schönen Knollenform neigen die grössten Knollen zu Missförmigkeit und Längen von >12 Zentimeter. Daher empfiehlt sich bei Ditta eine engere Pflanzdistanz.
Erika (Referenz)
Erika erreicht trotz wenig Krautmasse innert kurzer Zeit einen guten Knollenertrag mit formschönen, homogenen Knollen. Der Zuwachs erfolgt bei zeitiger Pflanzung vor der Sommertrockenheit. Die Sorte ist deshalb geeignet für Standorte ohne Bewässerungsmöglichkeit. Sie hat aber eher höhere Ansprüche an den Bodenzustand.
Vitabella (Referenz)
Diese Sorte mit guter Krautfäuleresistenz liefert einen tieferen Ertrag. Die ovalen Knollen sind nicht immer ganz formstabil. Das Pflanzgutmuster 2022 hatte eine reduzierte Vitalität.
Queen Anne (Referenz)
Diese Sorte kann mit einem guten Nährstoff- und Wasserangebot Spitzenerträge mit einer schönen, gleichmässigen Knollenform liefern. Die Kochfestigkeit ist zwischen A und B. Eine Schwäche dieser Sorte ist die erhöhte Schorfanfälligkeit.
Simonetta (Swisspatat- und Bio-Suisse Hauptversuchssorte)
Diese Sorte von Europlant erzielt hohe Erträge mit einem reduzierten N-Bedarf. Die Knollen sind grossfallend und von gleichmässiger Form. Die Schalenqualität ist vergleichbar mit Ditta. Die Knollen sind gut lagerfähig. Das Kraut ist relativ robust bezüglich Krautfäule.
Emanuelle (Swisspatat- und Bio-Suisse Hauptversuchssorte)
Diese HZPC-Sorte kann ebenfalls hohe Erträge - mit Knollen von schöner, langovaler Form - produzieren. Die Lagerfähigkeit ist mittel. Das Kraut ist eher anfällig auf Phytopthora, die Knollen sind ziemlich resistent, auch bezüglich Schorf.
Accoustic (Versuchssorte mit hoher Krautfäuleresistenz)
Diese Sorte des Züchters Meijer kann gute Erträge erzielen und hat eine hohe Resistenz gegen Krautfäule und Y-Virus. Die Knollen sind rundlich. In schweren und steinigen Böden neigt die Sorte zu missförmigen Knollen. Die Keimruhe der Sorte ist eher gering.
Lea (frühe swisspatat Hauptversuchssorte mit hoher Krautfäuleresistenz)
Diese Sorte von Solana hat eine hohe Resistenz gegen Krautfäule und Schorf. Die Knollen sind oval, von schöner Schalenbeschaffenheit und gut lagerfähig. Der Ertrag liegt im Mittelfeld.
BIM-13-678-01 (Versuchssorte mit hoher Krautfäuleresistenz)
Diese Sorte des Züchters Plantera hat eine hohe Resistenz gegen Krautfäule mit gutem Ertragspotential. Die Knollen sind rundlich und gut lagerfähig. Die Krautfäuleresistenz beruht auf 2 Genen. 2021 hat diese Sorte die volle Resistenz bewiesen in Versuchen ohne jegliche Fungizidbehandlung.
Annalena (Versuchssorte mit gutem Geschmack)
Diese Europlant-Sorte kann ansprechende Erträge erzielen mit länglichen Knollen. Die Knollen sind nicht vollumfänglich formstabil aber haben eine schöne Schale und sie überzeugen auch geschmacklich.
Bernina (Versuchssorte)
Diese Europlant-Sorte fiel aufgrund von Wildschweineschäden ertraglich ab. Das Knollenwachstum war eher zögerlich (kleine Knollen). Die Knollen sind rundoval. Auffällig war der Besatz mit Rhizoctonia-Pocken.
Purple Rain (Blauschlige und -fleischige Versuchssorte)
Diese Sorte des Züchters Plantera hat eine mittlere Krautfäule- und eine relativ gute Knollenfäule-Resistenz. Die Fleischfarbe ist nicht ganz durchgehend blau. Sie produziert einen mittleren Ertrag mit grossfallenden Knollen. Der Kochtyp liegt zwischen A und B.