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auf dieser Seite befestigt war. Auch das dritte, nämlich das Gögglingertor, durch das man nach Gögglingen geht, befestigten sie mit einem festen und hohen Turm. Und nachdem dies geschehen, konnten sie schließen und öffnen, wenn sie wollten. Denn die Stadt hatte am Anfang der Erweiterung nur die eben genannten 3 Tore, aber im Verlauf der Zeit wurden noch andere Tore gebaut, nämlich das Gänstor, das Neue Tor und das Metzgertor, das eigentlich keines ist. Es war aber (pag. 33) ein weiter Raum in der Stadt und nur wenig Volk für einen solchen Raum, jedoch täglich strömten Adelige und Reiche herbei und verbesserten die Stadt.
Auch wurde das ganze Dorf Schweickhofen mit allen Häusern und Menschen in die Stadt verlegt, so daß nicht ein Haus noch ein Mensch draußen blieb. Daher rühren noch heute viele sehr alte Häuser in Ulm von diesem Dorf her und der meiste Nachwuchs im gemeinen Volk stammt ursprünglich von diesem. Aber auch die Dörfer Offenhusen und Pful mit andern Höfen rissen ihre Häuslein ein, führten sie nach Ulm und bauten sie dort wieder aus. Überdies nachdem die Stadt, die Burg und die Herrschaft Albeck in die Gewalt der Ulmer gekommen war, verlegten sie den Wochenmarkt, der daselbst an jedem Samstag gehalten wurde, nach Ulm, indem sie das Kaufhaus auflösten, und brachten es nach Ulm und in ihm werden jetzt die Waren niedergelegt und gewogen; dieses Hans wird gewöhnlich die Gredt 1) genannt und stand früher in Albeck.
Und so hatte Ulm durch den Einzug der Bauern an Menschen, Gebäuden und Reichtum nicht unbedeutend zugenommen und daher wurde vielleicht die Gelegenheit ergriffen, daß Ulm ein Reichsdorf (imperii villa) genannt wird. Zudem verlegten diejenigen, welche von den Mauern nicht eingeschlossen in den Vorstädten wohnten, ihre Hauser in die Stadt. Und so stand die Stadt viele Jahre lang in beständigem Wachstum. Angefangen aber wurde ihr Wiederaufbau und Erweiterung im Jahr des Herrn 1140 oder darum herum, und sie nahm beständig sehr zu. Auch den Spital, der früher vor dem Gögglingertor stand, verlegten sie in die Stadt an die Mauer, damit er in der Nähe des Wassers wäre, in das der Schmutz gelassen werden könnte. - Hierauf im Jahr des Herrn 1229 kamen nach Ulm die Minderen Brüder (Franziskaner) von Gmünd und baten, daß ihnen ein Platz zur Errichtung eines Klosters angewiesen werde; ihnen gaben die Bürger einen geräumigen Platz neben dem Löwentor der alten Stadt und wiesen ihnen den Turm selbst (pag. 34) mit der alten Mauer ebendaselbst an und Platz zu einem geräumigen Garten.
Dort also begannen sie zu bauen und zu wirken. Nicht lange nachher folgten den Minderen Brüdern die Schwestern der heiligen Clara und baten, daß auch ihnen ein Platz innerhalb der Gräben der Stadt gegeben werde; ihnen gaben die Bürger auf dem Gries (Arena) einen geräumigen Platz, und sie wurden «Schwestern der heiligen Clara aus dem Gries» genannt. Diese wurden auch begleitet von Schwestern von der dritten Regel des heiligen Franziskus, die von Beuren kamen, wo sie ein Haus angefangen hatten; diesen wurde ein Platz gegeben an der Seite der Mauer der Minderen Brüder, weil dort ein geräumiger und leerer Platz war. Denn die Kirche der heiligen Jungfrau war dort nicht, noch auch der Kirchhof, auch war daselbst kein Platz für den Handel, sondern Gärten, welche den Minderen Brüdern und den Schwestern von Beuren neben ihnen gegeben worden waren; deren Haus stand an der Stelle, wo jetzt die Werkstätte der Steinmetzen aus dem Kirch-
1) Waghaus, wo jetzt die Hauptwache ist. Siehe Haid, Ulm etc. S. 275. ¶
hof der Kirche der heiligen Jungfrau, gewöhnlich die Steinhütt 1) genannt, ist; sie stand auf dem alten Graben, der noch nicht ganz aufgefüllt und dem übrigen Erdboden gleich gemacht war. Daher war die ganze Straße, welche jetzt die Lange 2) Straße heißt, wo die Gräben der alten Stadt gewesen waren, noch ein langer Graben auf lehmigem Grund, und auf beiden Seiten wurden Häuser gebaut und waren Fußsteige oder hölzerne Übergänge hergestellt, auf welchen man von den Häusern der einen Seite zu denen der anderen Seite hinüberging; und so bestand diese Straße viele Jahre, daß in ihr kein Weg der Länge nach ging, sondern nur quer herüber, und zwar auf Fußsteigen oder Balken und hingelegtem Holz. Nicht lange nach der eben genannten Zeit wurde den Schwestern auf dem Gries das Dorf Seflingen gegeben;
daher verließen sie die Stadt und den Platz und verlegten das Kloster hinaus nach Seflingen, indem sie das Kloster den Garten der heiligen Jungfrau und der Jungfrauen nannten. - Hierauf im Jahr des Herrn 1281 kamen nach Ulm die Prediger-Brüder und baten um einen Platz zu einem Kloster;
diesen überließ eine fromme Dienerin Christi, Mechtildis Hunrärin genannt, ihren Garten beim Spital, und ein angesehener Mann, der alte Kraft genannt, ein wirklicher Schreiber des Herrn Kaisers, trat als Gründer auf und förderte die Brüder wie seine liebsten Söhne;
mit seiner Hilfe bauten die Brüder die Kirche und das Kloster und erhielten einen ziemlich großen Platz der Stadt (pag. 35).
Nichtsdestoweniger kauften sie von den Bürgern einen Platz für den Kirchhof von der Stelle, wo die Gräben der alten Stadt gewesen waren. So also vertrauten die Ulmer mit einer gewissen ausnehmenden Freundlichkeit gegen diese beiden Orden, die Prediger und die Minoriten, beiden die Tore der alten Stadt an: und zwar den Predigern das östliche Tor, den Minoriten das westliche. Es besteht jedoch jetzt eine andere Anordnung mit den Türmen dieser Tore, als zu jener Zeit. Es haben aber die Prediger einen ziemlich weiten Raum innerhalb der Mauern, und von der Mauer der Stadt besitzen sie 165 Schritt in der Länge, wobei über 40 Zinnen oder Mauern unter den Schlüsseln und der Hut der Brüder gegen die Donau hin sind. - Nach den Predigern kamen nach Ulm die Herren Brüder des Deutschherren-Ordens von ..., 3) welche inständig um einen Platz zum Bau eines Klosters baten; ihnen überließ man einen geräumigen Platz jenseits der Blau an den Mauern der Stadt. Einige sagen jedoch, sie haben daselbst vor der Erweiterung der Stadt einen Platz besetzt und seien in die Mauern eingeschlossen worden.
Hierauf nach Ablauf mehrerer Jahre begaben sich die Regulierten Canoniker, welche auf dem Berge des heiligen Michael wohnten und schon lange auf dem Platz, der Wenga heißt, außerhalb Ulms sich niedergelassen hatten, auch in die Stadt selbst hinein. Viele Jahre aber wohnten sie jenseits der Blau in dem Hause, wo jetzt der Bürger namens Theobald Huter sitzt, und erlangten endlich den Platz, wo sie heute sind, den sie im Jahre des Herrn 1399 zu bauen anfingen. Schwierigkeiten aber sand das Einlassen der Deutschordensbrüder und der regulierten Canoniker, weil die Ulmer schon bei der Übersiedlung ihrer Pfarrkirche durch Bauten beschwert waren, sofern die Ulmer Bürger nach dem Einzug der Minoriten und Prediger und dem Bau der Klöster (pag. 36) auch ihre Pfarrkirche, welche außerhalb bei
1) Später «die Hütte.»
2) Jetzt Hafengasse und nördlicher Münsterplatz.
3) Die Lücke ist etwa auszufüllen mit: «der hl. Maria in Jerusalem.» ¶