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Agenten des teuren Geschmacks. Vermögensberater und der Konsum reicher Menschen im 20. Jahrhundert
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts orchestrierte und koordinierte die expandierende und sich professionalisierende Berufsgruppe der Vermögensberater – eine lange Zeit fast ausnahmslos männlich dominierte Profession – zunehmend massgebliche Facetten des Konsums ihrer reichen Klientel: Sie begleiteten deren Entscheidungen, Häuser, Yachten, Schmuck, Kunstgegenstände etc. zu erwerben – von der Sichtung und dem Erwerb der Objekte über die konkreten Formen ihrer Nutzung bis hin zu einem potenziellen Verkauf. Zugleich lässt sich beobachten, dass sie sich selbst zu einer Art Konsumenten in der zweiten Reihe entwickelten. Die Konsumwelten, die sie für ihre Klientel erschufen, begriffen sie nicht nur als ihr Werk, sondern hatten auf mindestens zweifache Weise auch Teil daran. Zum einen partizipierten sie daran diesen Konsumwelten, indem sie den – von ihnen massgeblich mitgestalteten – Itineraren ihrer mobilen Klientel folgten und dieselben Orte und Lokalitäten aufsuchten. Zum anderen veränderten sie durch die Mitgestaltung der Konsumpraktiken der Reichen auch ihre eigenen Präferenzen. Der Beitrag thematisiert so unterschiedliche Formen der Bedingtheit der Konsumpraktiken von Reichen. Nicht zuletzt wird deutlich, dass die Konsumpräferenzen reicher Menschen nicht in dem Masse sozial endogam waren, wie oft hypostasiert wird.