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Architektur
UN Studio - Designmodelle statt Entwürfe
Wie ist der Entwurf, als klassische Arbeitsmethode des Architekten, zu eliminieren? Eine provokative Frage, ist sich der Architekt doch meist nichts anderes gewohnt als von Projekt zu Projekt das Rad neu erfinden zu wollen.
UN Studio schlagen vor, Designmodelle zu verwenden. Dies ist eine Technik die sich nicht auf den individuellen Gesichtspunkt eines Projekts versteift, sondern Modelle entwickelt, die langlebiger sind und sich von einem Projekt auf andere Projekte übertragen lassen. Ein abstrakter Ansatz, dessen Resultate in der ersten Monographie zu UN Studio nun in Buchform vorliegen.
Das UN Studio zählt zu den renommiertesten Architekturbüros der Niederlande. Gegründet von Caroline Bos und Ben van Berkel erregen ihre Gebäude und Projekte viel Aufsehen in der internationalen Architekturszene, wie beispielsweise das erst kürzlich fertiggestellte Mercedes-Benz Museum in Stuttgart. Nicht nur durch gebaute Objekte, auch durch ihre theoretischen Arbeiten (z.B. Move 1999) üben sie Einfluss auf eine jüngere Architektengeneration aus.
Die fünf prägenden Designmodelle (Inklusiv-Prinzip / mathematisches Modell / Blobtobox-Modell / V-Modell / deep planning) sind in der Publikation konsequenterweise zur Gliederung der Arbeiten verwendet. Die vorgestellten Werke werden von zwei Essays (Designmodelle / Nachbild) umklammert. Der einleitende Essay geht der Frage nach, was Designmodelle überhaupt sind und was sie als Arbeitsinstrument attraktiv macht. Der abschliessende Essay beschäftigt sich mit dem Problem der visuellen Manifestierung der Architektur - dem Bild. UN Studio versuchen Nachbilder (after images) zu schaffen: "Der Begriff des Nachbildes bezieht sich im eigentlichen Sinn auf einen anhaltenden visuellen Eindruck, den eine intensive oder verlängerte Stimulierung der Retina verursacht. Wir hingegen benutzen das Wort in leicht veränderter Bedeutung: Es soll die Gesamtskala der von intensiven Eindrücken ausgelösten Sinneswahrnehmungen einschliessen." Den Hauptteil bildet die Vorstellung von 34 gebauten oder ungebauten Arbeiten des Büros.
Einleitend wird jedes Projekt mittels eines kurzen Textes erklärt und visuell anhand aussagekräftiger Fotographien, Modellfotos, 3D - Visualisierungen wie auch Detailaufnahmen erläutert. Jede Arbeit wird ansprechend dargestellt und erlaubt einen interessanten Einblick in die architektonische Welt des UN Studios. Erfrischend dazwischen gestreut sind sogenannte "Positive Notes", die zum Nachdenken und/oder Schmunzeln Anlass geben: "Der Bauherr, dessen Archetypus ein Papst ist, bleibt für seinen Architekten, dessen Archetypus schliesslich nur der einfache Steinmetz darstellt, für immer die unergründliche Macht, der zu gehorchen ist. Wir brauchen jemanden, der uns sagt, was wir tun sollen, und darum verbringen wir den größten Teil unserer Zeit damit, farblose Senior Project Manager dazu zu bringen, neben uns als Michelangelo die Rolle Julius II. zu spielen." Auf den letzten Seiten werden sämtliche Projekte (auch des Vorgängerbüros Van Berkel & Bos) ab 1989 - 2005 in chronologischer Reihenfolge aufgeführt und durch ein Curriculum vitae ergänzt.
Die auf deutsch erschienene Monographie erzählt in kohärenter Form von der Arbeit des Büros UN Studio. Dank der Einführung in die abstrakte Welt der Designmodelle bekommt man einen Schlüssel zum Verständnis des Werkes geliefert, welcher für die gezeigten Projekte unabdingbar ist. Ob man sich nun mit der hier vorgeführten Arbeitsmethodik und deren Resultat anfreunden kann oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden. "Letzten Endes nimmt die Architektur ziemlich viel Raum ein, sodass man sich immerhin zu Wort melden kann. Machen Sie eine Aussage, stellen Sie eine Idee in den Raum... Die Rolle des schweigsamen Helden hat der Bauleiter, die des Architekten ist jene des verwegenen Schwadroneurs voll glänzender Ideen."