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Das RaBe-Info wirft heute den Blick zurück – und voraus – auf die Folgen des 9. Januars 1919, als Bümpliz von der Stadt Bern eingemeindet wurde.
100 Jahre Eingemeindung von BümplizDas Dorf Bümpliz mit den Weilern Bethlehem, Bottigen und Riedbach war bis ins Jahr 1919 eine unabhängige Gemeinde. Vor hundert Jahren stand Bümpliz kurz vor dem Ruin und wurde schliesslich von der Stadt Bern gerettet und eingemeindet. Heute heisst der Westen von Bern offiziell Stadtteil VI und ist der grösste Stadtteil. Aus dem Dorf wurde eine Vorstadt. Ein enormes Bevölkerungswachstum führte dazu, dass heute jeder vierte Berner und jede vierte Bernerinnen in Bümpliz wohnt – viele davon Menschen ohne Schweizer Pass und Menschen mit wenig Einkommen. In den Fünfzigerjahren entstand im Tscharnergut die erste Hochhaussiedlung der Schweiz. Bewundert von Architekt*innen aus aller Welt, geschmäht von vielen anderen: Bümpliz erhielt den Stempel, ein «Ghetto» zu sein – für Linke ein «Bünzli-Ghetto» – weil dort anders als im Rest der Stadt eher rechts als links gewählt wird – für Rechte ein «Ausländerghetto» – weil der Stadtteil VI den grössten Anteil an Migrant*innen in der Stadt Bern hat. Politisch schürte die Rechte die Angst vor dem Fremden bei der lokalen Bevölkerung – zuerst mit Erfolg. Inzwischen ist der Stadtteil stolz auf seine multikulturelle Identität. Anders als in anderen Grossstädten entstand in Bümpliz nie ein «Ghetto», in das sich niemand traut. In den letzten zwanzig Jahren hat sich einiges getan. Bümpliz und Bethlehem wurden ans Tramnetz der Stadt angeschlossen. Ein neues Quartier entstand um den Westside-Bau des New Yorker Stararchitekten Daniel Libeskind. Die Hochschule der Künste HKB zog neben den Bahnhof Bümpliz-Nord. Verschiedene Kunstinterventionen, wie zum Beispiel das videokunst.ch-Fenster, halfen das Ortsbild zu verschönern. Die erste autofreie Siedlung in der Schweiz wurde gebaut. Immer mehr Menschen begannen den Stadtteil zu schätzen, insbesondere auch deshalb, weil dort die Wohnpreise nicht so stark explodiert sind wie anderswo. Da viele Wohnungen Genossenschaften gehören, ist die Gentrifzierungsgefahr, also dass sich nur noch Reiche Wohnungen leisten können, etwas weniger hoch, denn Genossenschaften sind grundsätzlich nicht auf massiven Gewinn angewiesen. Trotzdem kämpft auch der Stadtteil VI zunehmend mit Wohnungsnot.
Hinter den positiven Veränderungen im Quartier stand und steht eine tatkräftige Lobby. Eine dieser Bümpliz-Lobbyistinnen ist Margrith Beyeler, ehemalige SP-Stadträtin und langjährige Präsidentin des Quartiervereins Westkreis 6. RaBe hat mit ihr über Bümpliz und die Welt gesprochen:
Am Samstag, 31. August 2019, wird die Eingemeindung in Bümpliz mit einem Fest gefeiert.
Die Stadt Bern hat eine Broschüre veröffentlicht, welche die Geschichte des eingemeindeten Stadtteils VI dokumentiert: Timeline 100 Jahre Eingemeindung
Podcast des RaBe-Infos vom 26.8.19
Den Podcast der ganzen Sendung mit Songs über Bümpliz gibt es hier:
«W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner – live im Münchner Schlachthof 1997:
«Weni Zyt Ha» von den Yangboy$ – im Weyerli (Weyermannshaus im Berner Stadtteil VI) – dem grössten Schwimmbecken Europas: