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Von Robert Louis-Dreyfus soll das Startkapital stammen, mit dem Uli Hoeness zockte. Er kannte sich mit schwarzen Kassen aus – und war ein enger Freund vom Ex-Bayern-Boss.
Am Anfang von Uli Hoeness gesellschaftlichem Abstieg zum verurteilten Steuersünder stand Robert Louis-Dreyfus. Denn Uli Hoeness' «Startkapital» für die Devisenzockereien bei der Bank Vontobel von insgesamt 20 Millionen D-Mark will er von seinem Freund, dem damaligen Adidas-Chef, erhalten haben.
Wer war Louis-Dreyfus, dieser französisch-schweizerische Unternehmer und Spross einer steinreichen Handelsdynastie, der 2009 verstarb?
Insider-Trader
RLD, wie Louis-Dreyfus' Kürzel heisst, gab sich als Nonkonformist, der nicht im Geschäft der Familie tätig sein wolle, beschreibt das Sachbuch «Das Milliardenspiel». Lange war er in der Werbebranche tätig, amtete etwa als CEO des US-amerikanischen Pharmamarktforschungsunternehmens IMS. 1991 wurde er mit dieser Firma ein Fall für die US-Börsenaufsicht SEC. Wegen Verstosses gegen Insider-Regeln im Zusammenhang mit IMS-Aktien wurde RLD zu einer Geldstrafe von 213'750 Dollar verdonnert.
Anfang 1993 übernahm Robert Louis-Dreyfus mit seiner Firma Matinvest erst 15 Prozent der Adidas-Aktien, kurz darauf auch den Vorstandsvorsitz. Adidas war damals in einer schwierigen Lage: In den 80er-Jahren verlor die Marke mit den drei Streifen unter dem Vorsitz des Schweizers René C. Jäggi (u.a. Ex-Präsident FC Basel) immer mehr an Terrain gegenüber den viferen Konkurrenten Nike und Reebok. Die Marke galt bei den Jungen als uncool, die Firma ächzte unter hohen Produktionskosten und schwacher Logistik.
Für die Börse fitgetrimmt
Als RLD auf der Bildfläche erschien, räumte er bei den behäbigen Franken sofort auf, baute Bürokratie ab, führte die Amtssprache Englisch ein, entliess auch höchste Kader und belohnte Mitarbeiter nach einem Bonussystem. Die Produktion wurde weitgehend in asiatische Billiglohnländer verlagert. Louis-Dreyfus: «Ich habe eigentlich nur das getan, was Nike und Reebok uns vorgemacht hatten.»
Das Ausmisten lohnte sich: In den ersten vier Jahren seiner Amtszeit stieg der Konzernumsatz von 2,6 auf 4,7 Milliarden D-Mark, der Aktienwert hatte sich während zwei Jahren fast vervierfacht. Louis-Dreyfus machte Kasse. Er und ein Geschäftspartner verkauften knapp einen Fünftel ihrer Aktien für etwa 250 Millionen Mark.
An offiziellen Sportfeiern liess sich Louis-Dreyfus wenig blicken. Zu seinem 50. Geburtstag 1996 machte RLD eine Ausnahme und lud 160 Freunde und Geschäftspartner ein. Unter den Gästen befanden sich auch der damalige Präsident des Deutschen Fussballbundes Egidius Braun sowie FC-Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. Zum Feiern flog man für einige Tage nach Sankt Petersburg, die Heimat seiner Frau Margarita, die heute mit Philipp Hildebrand liiert ist, dem gestrauchelten Ex-Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank.
FC Bayern «das Zehnfache» geboten
«Robert hatte damals gerade bei Adidas begonnen, da kam von Nike eine sehr gute Konzeption», sagte Hoeness. «Unter Jäggi damals wären wir wohl zu Nike gewechselt. Aber mit Dreyfus bot Adidas wieder eine Perspektive. Entscheidend war, dass wir seit 30 Jahren gut mit Adidas arbeiten. Aber das Nike-Angebot war sehr aggressiv, es hat uns sehr geholfen, keine Frage.»
RLD mied Journalisten für gewöhnlich. Doch zum FC-Bayern-Deal meinter er im französischen Sportmagazin «L'Equipe», dass Nike den Bayern «das Zehnfache» bot von dem, was er mit Adidas bereit war zu zahlen. «Sie blieben bei uns. Dieser Sieg hat uns neues Selbstvertrauen gegeben.»
ISL-Gründer war «Visionär»
Kurz danach sass Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfuss auch im Bayern-Verwaltungsrat. Adidas, das sei kein «politischer Arm des Sportes» meinte RLD im deutschen Fussballmagazin «Kicker». Die Zeiten, da Adidas dem Fifa-Mitarbeiter Joseph Blatter ein Gehalt überwiesen habe, seien vorbei.
Von seinem Vorgänger bei Adidas, Horst Dassler, hielt er viel. Der sei ein «Visionär» gewesen, «das zeigt nur schon allein die Schaffung der ISL». Das ist jene Marketingfirma, die dem Weltfussballverband Fifa die letzten Jahre mit Korruptionsmeldungen massiven Image-Schaden bescherte und in der diverse Sportfunktionäre Schmiergelder in Millionenhöhe kassierten.
«FC Bayern des Südens»
RLD verstand sich mit Uli Hoeness nicht nur privat prächtig, der FC Bayern München diente auch als Vorbild für seinen Club, Olympique Marseille. Nach dem Gewinn der Champions League 1993 stürzte der Traditionsverein ab, der ehemals starke Mann Bernard Tapie und seine Kollegen veruntreuten Millionen, bestachen Konkurrenten und führten den Club in den Ruin.
Um Olympique Marseille zu retten, wurden 1996 Investoren gesucht. Adidas um RLD bekam den Zuschlag, obwohl auch die Textilgruppe Tati (die sich mit Reebok-Frankreich zusammenschloss) sowie die Agentur IMG (in Kooperation mit Nike) gleichwertige Sanierungspläne vorlegten. Nachdem RLD zu Beginn beteuerte, er werde nicht Präsident des Vereins, sass er eineinhalb Jahre später auf diesem Posten und verkündete, den Club zum «FC Bayern des Südens» zu machen.
Unterschlagung und schwarze Kassen
Als Trainer installierte er Rolland Courbis, der in diversen Finanzaffären auftauchte und in den 90er-Jahren wegen schwarzen Kassen eine dreijährige Bewährungsstrafe kassierte.
Courbis wurde 2006 erneut verurteilt - zusammen mit Olympique-Marseille-Boss Robert Louis-Dreyfus. Es ging um schwarze Kassen bei Spielertransfers zwischen 1997 und 1999. Ein halbes Jahr vor dem Tod Louis-Dreyfus' wurden die Verdikte 2008 definitv, nachdem das Kassationsgericht die Rekurse der beiden ablehnte. Louis-Dreyfus erhielt 10 Monate bedingt wegen Unterschlagung, Trainer Couribs bekam 2 Jahre unbedingt.