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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
29.
Dies ist, in aller Kürze dargestellt, die Lehre des Pythagoras und Plato; aus ihr, nicht aus den [S. 164] Evangelien, stellte Valentinus seine Häresie zusammen, wie wir noch beweisen werden; er dürfte also mit Recht als Pythagoreer und Platoniker angesprochen werden. Valentinus, Herakleon, Ptolemäus und ihre ganze Schule begründeten, als Schüler des Pythagoras und des Plato und ihrer Führung folgend, ihre Zahlenlehre. Für sie ist das Prinzip des Alls die Monas, ungezeugt, unzerstörbar, unfaßbar, unbegreiflich, Erzeugerin und Daseinsursache aller existierenden Dinge; sie nennen diese Monas Vater. Es findet sich aber bei ihnen eine große Meinungsverschiedenheit; die einen nämlich halten dafür, daß der Vater nicht weiblich, gattinnenlos und allein sei, damit die Lehre des Valentinus durchaus rein pythagoreisch sei; die anderen aber halten es für unmöglich, daß aus einem männlichen Faktor allein alle Dinge entstanden seien, und teilen dem Vater des Alls, damit er Vater werde, notwendigerweise Sige als Gattin zu. Ob aber eben nun Sige Gattin ist oder nicht, darüber haben sie untereinander Streit. Wir selbst halten uns an das pythagoreische Prinzip und wollen unter Bezug auf deren Lehre aufzeigen, daß dieses, einzig und ohne Verbindung, nicht weiblich und nichts bedürfend ist. Es bestand1 gar nichts Erzeugtes, der Vater existierte allein, unerzeugt, ohne Ort, ohne Zeit, ohne Ratgeber, ohne irgendeine auf irgendeine Art denkbare Substanz; er war allein, einsam, wie sie sagen, und einzig in sich selbst ruhend. Weil er aber zeugungsfähig war, so beschloß er einmal, das Schönste und Vollkommenste, was er in sich hatte, zu erzeugen und hervorzubringen; er liebte die Einsamkeit nicht. Er war nämlich ganz Liebe, die Liebe ist aber nicht Liebe, wenn kein Objekt der Liebe existiert. Der Vater also, da er allein war, erzeugte den Nus und die Aletheia, d. i. die Dyas, welche Herrin, Prinzip und Mutter wurde aller Äonen, die innerhalb des Pleroma2 von ihnen aufgezählt werden. Nachdem der Nus und die Aletheia vom Vater hervorgebracht waren, der Zeugungsfähige vom Zeugungsfähigen, so brachte er selbst in Nachahmung des Vaters [S. 165] den Logos und die Zoe hervor. Der Logos und die Zoe bringen den Menschen und die Kirche hervor. Nachdem der Nus und die Aletheia gesehen hatten, daß ihre Nachkommen zeugungsfähig geworden waren, dankten sie dem Vater des Alls und brachten ihm die vollkommene Zahl, die zehn Äonen, dar. Der Nus und die Aletheia konnten dem Vater nichts Vollkommeneres als diese Zahl darbringen. Denn der Vater als vollkommenes Wesen sollte durch die vollkommene Zahl verherrlicht werden; vollkommen ist die Zehn, weil sie als erste von den aus mehr als einer Einheit bestehenden Zahlen vollkommen ist. Vollkommener noch ist der Vater, weil er, ungezeugt und einzig, durch die erste und einzige Verbindung des Nus und der Aletheia alle die Wurzeln der existierenden Dinge hervorzubringen vermochte.
1: Gö.
2: Fuile.