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Eine runde Brille mit dickrandiger, schwarzer Fassung war sein Markenzeichen. Schon der Jüngling trug sie, und auch der erfolgreiche Pianist trägt sie noch. Géza Anda wird in Budapest geboren, seine Eltern sind beide musikalisch aktiv. So spielt er früh Klavier und wird schon als 13-Jähriger Student an der Franz-Liszt-Akademie. Dort studiert er bei Zoltán Kodály auch Komposition. 1941 schliesst er mit dem Konzertdiplom ab.
Stipendium statt Militär
Der angehende Pianist soll zum Militär eingezogen werden. Um ihn davor zu schützen, verschafft ihm sein Mentor Kodály ein Stipendium im Ausland. Anda kann wählen zwischen Berlin und Rom – Ungarn pflegt gute Beziehungen zu beiden faschistischen Staaten.
Der Pianist wählt Berlin. Er konzertiert in den folgenden Jahren in Ungarn und Deutschland und spielt unter den Dirigenten Willem Mengelberg, Ferenc Fricsay und Wilhelm Furtwängler. Als er 1943 zurück nach Ungarn soll, reist er mit einem Visum in die Schweiz aus – und «dann habe ich vergessen, zurückzukommen», wie Anda sagte.
Pierre Boulez? Zu modern!
Eine Schweizer Karriere entwickelt sich jedoch nur harzig: Einspringen in der Zürcher Tonhalle für Arturo Benedetti Michelangeli, Konzerte in Winterthur unter dem Dirigenten Hermann Scherchen – das sind schon Höhepunkte. Nach dem Krieg folgt dann ein längerer Aufenthalt in Paris. Einer Einladung des jungen Pierre Boulez, mit ihm das Kammerkonzert von Alban Berg aufzuführen, folgt Anda nicht – er kann mit dieser Art moderner Musik nichts anfangen.
In den 1950er-Jahren kommt seine internationale Karriere in Gang. 1955 wird er Schweizer Bürger und heiratet später Hortense Bührle, die Tochter des Industriellen und Kunstsammlers Emil Bührle. Andas künstlerische Heimat wird Salzburg. Dort nimmt er mit der Camerata Academica als erster Interpret sämtliche Klavierkonzerte Mozarts in der Doppelrolle von Pianist und Dirigent auf.
Ein Dokumentarfilm von 1979 zeigt, wie der enthusiasmierte Pianist den eher etwas passiven Musikern seine Vorstellungen zu vermitteln sucht. Und Anda komponierte die Kadenzen der Konzerte selbst: «Es ist eine Erlösung vom Alleinsein», meinte der Pianist und Dirigent zu dieser Arbeit.
Er bringt Bartóks Werk in die Konzertsäle
Géza Anda lebt heute vielleicht am meisten weiter durch seine Engagement für Béla Bartók: Zusammen mit seinem Landsmann Ferenc Fricsay nimmt er als erster dessen drei Klavierkonzerte für die LP integral auf, und er führt die Konzerte auch zusammen an einem einzigen Abend live auf. Er ist somit einer jener Pianisten, die Bartóks Werk nach dem Krieg in den Konzertsälen durchsetzen.
1975 wird bei Anda Speiseröhrenkrebs diagnostiziert. Ein Jahr später stirbt er überraschend an einem Blutsturz. In Erinnerung an ihren Ehemann initiiert Hortense Anda-Bührle den «Concours Géza Anda». 1979 eröffnet sie den Pianistenwettbewerb zum ersten Mal.
Live-Übertragung
SRF 2 Kultur überträgt am 16.6.2015 um 20.00 Uhr den Wettbewerb aus der Tonhalle Zürich. Eine Radio-Jury mit dem Pianisten Oliver Schnyder und der Musikwissenschaftlerin Jenny Berg beurteilt die Kandidaten, die auch in Kurzporträts vorgestellt werden.
Concours Géza Anda
Alle 3 Jahre zeigen junge Pianisten und Pianistinnen in Zürich ihr Können, drei davon erreichen das Finale. Die Finalisten spielen zusammen mit dem Tonhalle Orchester ein Klavierkonzert aus dem Repertoire Géza Andas. Der Gewinner 2015 ist der US-Amerikaner Andrew Tyson, ihm winken drei Jahre Gratis-Konzertmanagement.