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| Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

FÜNFTES BUCH. Die Argumente der Häretiker werden dargestellt und widerlegt. Da sie glauben, es gebe in Gott nur substanzielles Sein, nehmen sie an, daß Zeugen und Gezeugtwerden, Gezeugtsein und Ungezeugtsein sich auf die Substanz bezieht und demgemäß eine Substanzverschiedenheit im Gefolge hat. Augustinus weist demgegenüber nach, daß es in Gott außer dem substanziellen auch ein relatives Sein gibt. Da die Personen nur relativ voneinander verschieden sind, Personenunterschiede Relationen besagen, besteht trotz der Unterschiede zwischen den Personen Substanzeinheit.
4. Kapitel. Das Akzidens hat immer eine Veränderung im Gefolge.
5. Akzidens [Dazukommendes] pflegt man jedoch nur eine Bestimmung zu nennen, welche durch irgendeine Wandlung des Dinges, dem sie zukommt, verloren werden kann. Man redet zwar auch von unabtrennbaren Akzidenzien — die Griechen heißen sie ἀχώριστα—, so etwa bei der schwarzen Farbe der Rabenfeder. Doch verliert die Feder die Farbe, nicht zwar solange sie selber Feder, wohl aber, weil sie nicht immer selber Feder bleibt. Die stoffliche Grundlage selber ist also veränderlich, und wenn sie aufhört, dieses Lebewesen oder diese Feder zu sein, und jener ganze körperliche Organismus wieder in Erde verwandelt und umgestaltet wird, dann verliert die Feder auch ihre schwarze Farbe. Indes auch das Akzidens, das abtrennbar heißt, geht nicht durch Abtrennung, sondern durch Veränderung verloren. So ist die schwarze Farbe der [S. 192] Haare eines Menschen ein abtrennbares Akzidens. Die Haare können nämlich, ohne ihrerseits zu bestehen aufzuhören, weiß werden. Wenn man jedoch genau zusieht, so sieht man ziemlich deutlich, daß sich nicht etwa etwas vom Kopfe trennt und gleichsam von ihm wegwandert, wenn er weiß wird, so daß die schwarze Haarfarbe sich von dort entfernt und irgendwohin begibt, während die weiße an ihre Stelle nachrückt, daß vielmehr die schwarze Haarfarbe sich ändert und wandelt. In Gott kann es also kein Akzidens geben, weil bei ihm nichts wandelbar und verlierbar ist. Mann kann allenfalls auch jene Bestimmtheit ein Akzidens heißen, welche zwar nicht verloren werden, aber doch verringert oder gesteigert werden kann, wie es der Fall ist beim Leben der Seele. Die Seele lebt zwar, solange sie Seele ist; und weil sie immer Seele ist, lebt sie immer. Weil sie aber mehr Leben hat, wenn sie weise ist, weniger, wenn sie unweise ist, so erfolgt auch hier eine Wandlung, nicht als ob das Leben aufhören würde, wie die Weisheit schwindet, wenn einer unweise wird, sondern weil das Leben geringer wird. Auch Derartiges kann in Gott sich nicht begeben, weil er vollkommen unwandelbar bleibt.