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Weitere Luftaufnahmen vonTeufenthal (10 juin 2006)
Herrliberger (18. Jahrhundert)
Auf einem Hügelsporn des gleichen Höhenzuges, auf dem auch das Schloss Liebegg steht, erhob sich einst die Stammburg der Herren von Trostberg. Von der ausgedehnten Feste haben sich nur der Bergfried als sieben Meter hohe Ruine sowie einzelne Mauerzüge am Rand des Burghügels in unsere Zeit hinein halten können. Der ehemalige Bergfried besteht aus grossen Molassequadern und zeigt im Grundriss ein Quadrat von 6.6 Metern Seitenlänge. Er steht auf einem senkrecht abgeschrotteten Molassefelsen, der gegen Norden abfällt und durch einen künstlich ausgetieften Graben vom gegenüberliegenden Höhenzug getrennt wird. Südlich und westlich davon dehnt sich der Burghof aus. Ob er mit Ökonomiegebäuden und Stallungen überbaut gewesen war, kann nicht mehr ermittelt werden. Westlich und nördlich des Hofes muss eine acht bis zwölf Meter tiefer gelegene Vorburg bestanden haben. Hier findet sich als nordwestlicher Eckbau das 1494 von Hans von Hallwil errichtete spätgotische Wohnhaus, ein wohnturmartiges, schmales Bauwerk. An der Aussenseite halbrund schliessend, enthält das vierstöckige Gebäude übereinander Keller, Küche, Wohn- und Schlafgeschoss. Das Mauerwerk besteht aus Molassequadern und weist im Wohngeschoss auf der Westseite eine Mauerdicke von einem Meter, auf der Nordseite hingegen von 1.7 Metern auf. In die Küche führt ein spitzbogeneingang mit der Jahrzahl 1494. im Wohngebäude sind vom alten Bestand die gewundene Fenstersäule mit den Wappenschildern des Hans von Hallwil und seiner Gemahlin Magdalena von Rotenstein besonders zu erwähnen sowie einzelne Möbelstücke, die vorwiegend aus dem 17. Jahrhundert stammen.
Die Trostburg gilt als die Stammburg der Herren von Trostberg, eines Ministerialengeschlechts, das wohl schon in Diensten der Grafen von Lenzburg gestanden hatte. Die an die Burg gebundene Herrschaft umfasste neben anderen grundherrlichen Rechten auch die niederen Gerichte in den Dörfern Teufenthal, Dürrenäsch, Boniswil, Knutwil und Zezwil. Die Herren von Trostberg übten also in ihrer Herrschaft die niedere Gerichtsbarkeit aus, während die Blutgerichtsbarkeit in den Händen der Grafen von Kyburg und Habsburg, den Rechtsnachfolgern des Hauses Lenzburg, lag. Mit dem Haus Liebegg müssen die trostberger stammverwandt gewesen sein, führten doch beide Zweige anfänglich das gleiche Siegel und hatten gemiensamen besitz. Henmann von Liebegg, der Letzte seines Geschlechts, heisst mehrmals in den Quellen „Hanman von Trostberg genant von Liebegg“. Ein Rudolf von Trostberg ist 1317 als habsburgischer Vogt auf der Kyburg bezeugt.
Um die Mitte des 14. Jahrhunderts gingen Burg und Herrschaft Trostburg durch Erbgang an die mit den Trostbergern verschwägerten Ritter von Rinach über. Hans Rudolf von Rinach war der Besitzer des Wehrbaus, als die Berner 1415 zur Eroberung des Aargaus anrückten und die Burg berannten. Er musste vor der bernischen Übermacht kapitulieren und die Burg zukünftig den Bernern als „offen hus“ frei zugänglich halten. Auch sicherte sich bern bei dieser Gelegenheit ein Vorkaufsrecht auf den Besitz. 1486 bewilligten Schultheiss und Rat zu bern den Verkauf der Herrschaft mit sämtlichen Grundrechten und Untertanen an Hans von Hallwil, der in der Schlacht von Murten durch sein tatkräftiges verhalten den Eidgenossen zum Sieg verholfen hatte. Hans von Hallwil liess das schmale Wohnhaus im Nordwesten der Anlage errichten und stiftete auf dem schloss eine Kapelle, die bis ins 19. Jahrhundert bestand. Burg und Herrschaft blieben im Besitz der Familie Hallwil, bis 1616 Hugo von Hallwil sie an die Stadt Brugg veräusserte und nach Böhmen zog. Doch bern befürchtete wohl ein zu grossen Einfluss des Aarestädtchens Brug durch die erworbenen Hoheitsrechte und zog deshalb den Kauf an sich. Noch im gleichen Jahr verkaufte Bern „Haus und Schloss Trostburg samt der dabei gelegenen Scheune, den Hof zu Teufenthal mit seinen Stucken und Gütern, den Schlossbaumgarten, die Reben unten am Schlossberg samt der Trotte und des Rebmanns Haus, den Hochwald im trostburger Twing zunächst ob dem schloss und den schuldigen Twing-oder Tauwenbatzen um 16000 Gl. zu Eigentum...“ an ein Eigentümerkollektiv von bernischen Untertanen. Bern hatte diesem nur den Umschwung veräussert und die eigentlichen Hoheitsrechte und Einkünfte auf das Schloss Lenzburg übertragen. Von nun an blieb die Trostburg in Privatbesitz und begann, mit Ausnahme des Hallwilschen Hauses, langsam zu zerfallen. David Herrliberger, der berühmte Kupferstecher, konnte bereits 1754 die Burg folgendermassen beschreiben: „Trostburg auf einem zimlich erhobenen Räbbühel, davon einiche Gebäue abgegangen, einiche noch im Wesen, aber eine Bauren-Wohnstatt.“ Das Bauwerk kann ein bewegtes Schicksal vorweisen. Es diente zu Ende des 19. Jahrhunderts als Spieldosenfabrik und sollte nach der Jahrhundertwende von einem deutschen Metzger umgebaut werden. Der Erste Weltkrieg verhinderte die geplanten Arbeiten. Das Mauerwerk zerfiel weiter. 1922 stürzte ein grosser teil der westlichen Ringmauer ein. Ein Privatmann erwarb 1933 die Anlage, liess sie renovieren, umbauen und wohnlich einrichten. Die Burg ist heute noch Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.
Bibliographie