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Bundi, Indien
Meine Zunge fühlt sich wie ein vertrocknetes Blatt an, ein Fremdkörper im Mund. Sie findet keinen bequemen Platz, bald klebt sie am Gaumen, bald liegt sie schwer zwischen den Zähnen. Mit einem breiten Lächeln, das eine Reihe elfenbeinfarbener Zähne offenbart, stellt der Kellner ein hohes Glas für mich hin. Der knallrote Strohhalm ragt aus der hellgelben Flüssigkeit und ich hoffe, dass dieser nicht im Magen eines Flussbewohners landet. Die bewusste Europäerin in mir sieht die zukünftige Tragik meines Genusses: Schildkröte stirbt wegen Strohhalm einer Touristin.
Der erste Schluck entspannt mich mehr als die zarten Hände einer preisgekrönten Masseurin. Kühles Eis, erfrischendes Joghurt und süsse Mango. Es knirscht zwischen meinen Zähnen, was mir verrät, dass die intensive Süsse nicht alleine durch das Fruchtfleisch kommen kann. Ich spiele mit dem Schaum in meinem Mund.
In sanften Wellen schwappt er hin und her, bis er wie ein kalter Fluss durch meine Speiseröhre herunterrinnt. Bis anhin war mir dies nicht bewusst, wie warm dieser Teil des Körpers ist. Ich ziehe ein letztes Mal kräftig am Strohhalm – es klingt nach einem Staubsauger mit Funktionsproblemen. Der Seufzer aus meiner Kehle kommt tief aus der Seele.
Ich lächle, lehne mich zurück und streichle über meinen prallen Bauch.