Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03292.jsonl.gz/854

Mythen und Geschichten
Zum Thema Meatmouth gibt es mehr Mythen und Geschichten als wissenschaftliche Fakten zu lesen.
Doch was wissen wir wirklich?
Wir wissen, dass bei allen Shar Pei, den chinesischen und den westlichen eine Mutation des Regulationsgens des HAS2 auf Chromosom 13 mindestens doppelt vorliegt. Wir wissen, dass je höher diese Anzahl der Kopien (CNV) der Mutation ist desto höher ist die Bildung von Hyaluronsäure, die sich im Gewebe einlagert. Die Haut wird aufgelockerter, dicker, enthält mehr Wasser und es bilden sich vermehrt Falten und eine dickere Schnauze.
Genetische Mutationen sind per se nichts schlimmes und treten ganz natürlich auf. So waren es zum Beispiel genetische Mutationen, die die ersten Hunde überhaupt zutraulich werden ließen, wie neuere Genstudien gezeigt haben. Die beim Shar Pei zugrunde liegende Mutation des Regulationsgens des HAS2 auf Chromosom 13 hatte keinen künstlichen Ursprung und ist zu einem heute noch unbekannten Zeitpunkt natürlich aufgetreten. In den ersten gesicherten Beschreibungen der Rasse, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, werden die lose Haut und die Falten der Welpen beschrieben. Genau diese Mutation ist also verantwortlich für das charakteristische Aussehen der Rasse.
Berichte alter Chinesen weisen darauf hin, dass es beim Shar Pei "immer schon" zu spontanen weiteren Mutationen gekommen sein muss. So erzählte mir ein alter Bauer in einem abgelegenen Teil in Yunnan, das es in seinem Dorf Shar Peis gab als er ein Junge war. Und alle paar Jahre gab es in einem Wurf einen Hund der viel mehr Falten und eine fleischige Nase hatte. Da es nur sehr selten so einen Hund gab wurden sie in seinem Dorf als Glückshunde angesehen. Ähnliche Berichte wie diesen gibt es einige.
Alte Züchter in China haben in der Regel kein umfassendes genetisches Hintergrundwissen, doch sie haben Schlüsse aus jahrelanger Beobachtung der Rasse gezogen, die sich mit unserer westlichen Forschung im Bereich Genetik decken. Je mehr Fleisch und Haut ein Hund hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass seine Nachkommen krank werden. Dieses ist einer der Gründe, warum fleischigere Hunde heute nicht in der Zucht der chinesischen “Dali Shar Pei” Züchter verwendet werden.
In den 1990er Jahren tauchten vermehrt auch in China meatmouth Shar Pei auf, die überwiegend aus Hong Kong kamen. Einige Züchter haben damals aus wirtschaftlicher Not heraus neben den chinesischen auch meatmouth Shar Pei gezüchtet, da damals der Markt für diese Hunde auch in China grösser war als der für die normalen chinesischen Shar Pei.
Dank der genetischen Forschung wissen wir, dass die Mutation, die die Hyaluronsäureproduktion beeinflusst, in allen Shar Peis existent ist. Die logische Schlussfolgerung ist also, dass die meisten Geschichten, die sich um die Entstehung der meatmouth Shar Pei ranken, Mythen sind und oft als einfache Erklärung herangezogen wurden, nicht aber der Tatsache entsprechen.
Seit einiger Zeit gibt es einen Test, der uns die Anzahl der Kopien dieser einen Mutation bestimmen kann. Glücklicherweise gibt es weltweit immer mehr verantwortungsbewusste Züchter, die sich sehr bemühen, mithilfe aller uns zur Verfügung stehender Mittel, den westlichen Shar Pei wieder auf einen gesünderen Kurs zu bringen. Diese Züchter verdienen Respekt für diese manchmal nicht einfache Aufgabe.
Fazit : Der meatmouth Shar Pei ist also ein Shar Pei wie der chinesische Shar Pei, solange er dem FCI Standard entspricht.