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Umfeld und Positionierung
Das Jahr 2022 geht als das Jahr der «Zeitenwende» in die Geschichte ein. Einerseits hat der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die Nachkriegsordnung in Europa durcheinandergebracht, andererseits führte der Inflationsschub zu einer markanten Umkehr der Geldpolitik und zu einem starken Zinsanstieg. Die Corona-Pandemie, welche Wirtschaft und Gesellschaft die letzten zwei Jahre beschlagnahmt hatte, wurde in den Hintergrund gedrängt.
Entgegen den Erwartungen zeigte sich die Inflation hartnäckig und erreichte in manchen Ländern Niveaus, die zum letzten Mal Ende der 1970er-Jahre festgestellt wurden. Nebst expansiven Geld- und Fiskalpolitiken sowie Lieferkettenproblemen, führte der Kriegsausbruch in der Ukraine zu einem starken Anstieg der Energiepreise. Besonders akut wurde die Situation im zweiten Halbjahr, als mehrere Effekte kumulativ zu einer regelrechten Explosion der europäischen Strompreise führten. Regierungen begannen, Notfallpläne für eine Energiemangellage im Winter auszuarbeiten.
Besonders im ersten Halbjahr begann ein Anstieg der mittelfristigen Inflationserwartungen, worauf die wichtigen Zentralbanken ihre geldpolitischen Massnahmen drastisch umkehrten. Die amerikanische Federal Reserve erhöhte bereits im März – deutlich früher als ursprünglich vom Markt erwartet – den Leitzins um 25 Basispunkte. Die Schweizerische Nationalbank folgte noch vor der Europäischen Zentralbank im Juni mit einem ungewohnt grossen Zinsschritt von einem halben Prozentpunkt. Bis zum Jahresende stiegen die Leitzinsen deutlich: In den USA erreichte die Federal Funds Rate die Marke von 4,5 Prozent, in der Eurozone stieg der Hauptrefinanzierungssatz von 0 auf 2,5 Prozent und in der Schweiz erreichte der SNB-Leitzins ein Niveau von 1 Prozent. Die Ende 2014 begonnene Phase der Negativzinsen erlebte ein abruptes Ende.
Die konjunkturelle Entwicklung erfuhr im Jahresverlauf einen Dämpfer. Die USA erlebten im ersten Halbjahr gar eine technische Rezession (ein Rückgang der Wirtschaftsleistung über zwei Quartale in Folge). Angesichts des Krieges in der Ukraine überraschend resilient zeigte sich jedoch die Konjunktur in der Eurozone. Für das Jahr 2022 gehen Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) von einem globalen Wachstum von rund drei Prozent aus.
Die Finanzmärkte reagierten deutlich negativ auf die restriktivere Geldpolitik und die Aussicht auf höhere Zinsen. Der Swiss Performance Index sowie der MSCI-World-Aktienindex in Schweizer Franken gaben um rund 16,5 Prozent nach. Nebst einer Korrektur an den Aktienmärkten war jedoch insbesondere der Kursrückgang der Obligationen bemerkenswert. Der Swiss Bond Index verlor um rund 12,5 Prozent. Einen zweistelligen Marktverlust in einem Jahr hat man bisher noch nie erlebt.