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Aus neurochirurgischer Sicht existieren verschiedene operative Möglichkeiten, um Nervenschmerzen zu behandeln:
- Die Neurotomie (Durchtrennung des Nervs): Diese Methode ist wenig vorteilhaft, da sie die Bildung eines Neuroms begünstigt. Zwar erfolgt zunächst eine unmittelbare Verbesserung der Schmerzen, aber die Bildung eines Neuroms führt in den folgenden Monaten noch zu stärkeren Schmerzen als zuvor. Auch führt die Durchtrennung des Nervs zu einem Taubheitsgefühl in den sensiblen Versorgungsregionen des Nervs oder sogar zum Verlust von Funktionen.
- Die Neurolyse und Dekompression des betroffenen Nervs (chirurgischer Eingriff bei Verwachsungen durch Druckentlastung des Nervs): Sofern eine Verwachsung oder Kompression die Ursache des Schmerzes ist, stellt sie die effektivste Methode der Schmerzbehandlung dar.
- Neuromodulation (elektrische Stimulation mit schwachen Strömen): Wenn ein Nerv stark beschädigt wurde, ist die Neuromodulation die Behandlungsmethode der Wahl. Schon seit der Antike ist bekannt, dass die elektrische Stimulation ohne Verlust sensorischer und motorischer Funktionen Schmerzen lindern kann. Wurden damals noch elektrische Fische aus dem Roten Meer verwendet, so werden heute Elektroden benutzt, die in direktem Kontakt zum Nerv platziert und zunächst durch die Haut mit einem externen Teststimulator verbunden werden. Die Methode verursacht keinerlei Schmerzen und wird oft sogar als angenehm empfunden. Gelingt es während einer Testphase von wenigen Tagen, die Schmerzen durch die elektrische Stimulation zu beseitigen, können die Elektroden in einer zweiten, kurzen Operation mit einem unter die Haut implantierten Schrittmacher verbunden werden. Dieser übernimmt dann die Stimulation des Nervs. Die Intensität der Reizung kann der Patient mit einer Fernbedienung selbst bestimmen. Nervenschmerzen können mit dieser Methode über Jahre hinweg ohne Nebenwirkungen gelindert werden. Die Neuromodulation ist zwar ein weit verbreitetes Verfahren der Schmerztherapie, jedoch stand bis vor kurzem für die gezielte Implantation von Elektroden an pelvinen Nerven kein geeignetes neurochirurgisches Verfahren zu Verfügung. Als Pionier auf diesem Gebiet hat Prof. Possover in den letzten Jahren das LION-Verfahren entwickelt und zur klinischen Anwendung gebracht. Die Elektroden werden per Laparoskopie in direkten Kontakt zu den geschädigten pelvinen Nerven gebracht.
Die Laparoskopie ist die einzige operative Methode, die neurochirurgische Eingriffe inklusive der Implantation von Elektroden an sämtlichen Nerven im kleinen Becken ermöglicht. Sie stellt somit eine Revolution in der Therapie schmerzhafter Nervenschädigungen des kleinen Beckens dar.