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Die Colitis ulcerosa ist eine chronische, meist in Schüben verlaufende Darmentzündung. Ihre wichtigsten Symptome sind blutiger und schleimiger Durchfall (in schweren Fällen mit bis zu 30 Stuhlgängen pro Tag) sowie krampfartige Bauchschmerzen.
Daneben kann die Colitis ulcerosa zu Gewichtsverlust, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Fieber, Blutarmut (Anämie) und einer Zunahme der weissen Blutkörperchen (Leukozytose) führen. Damit ähnelt die Colitis ulcerosa einer anderen chronisch-entzündlichen Darmerkrankung: dem Morbus Crohn. Im Gegensatz zu diesem bleibt die Darmentzündung bei der Colitis ulcerosa, die vom Mastdarm ausgeht und sich auf den gesamten Dickdarm ausbreiten kann, typischerweise auf den Dickdarm beschränkt. Symptome der Colitis ulcerosa können allerdings in seltenen Fällen auch ausserhalb des Darms auftreten (zum Beispiel in Form von Gelenkeschwerden).
Meist tritt die Colitis ulcerosa zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Ihre Ursachen sind nicht bekannt; infrage kommen eine erbliche Veranlagung, Ernährungsfaktoren, ein gestörtes Immunsystem, Viren oder Bakterien sowie psychosomatische Faktoren. Die Diagnose der Colitis ulcerosa erfolgt durch Darmspiegelung, Röntgen, Ultraschall sowie Blut- und Stuhluntersuchungen. Die Colitis-ulcerosa-Therapie besteht aus individuell angepasster Ernährung (Vermeidungsdiät) und entzündungshemmenden Medikamenten; bei Komplikationen kann zur Behandlung der Colitis ulcerosa auch eine Operation notwendig sein. Die Massnahmen zielen darauf ab, die Symptome der Colitis ulcerosa zu verringern und das Risiko für Komplikationen zu verringern; eine vollständige Heilung ist nicht möglich.
Der Verlauf der Darmerkrankung ist im Einzelfall nicht vorhersehbar, die mittlere Lebenserwartung ist jedoch nicht eingeschränkt. Da die Colitis ulcerosa nach langjährigem Verlauf das Risiko für Darmkrebs erhöht, ist nach achtjähriger Krankheitsdauer einmal jährlich eine Spiegelung des gesamten Dickdarms ratsam, um den Krebs früh genug zu erkennen.
Der Begriff Colitis ulcerosa bezeichnet per Definition eine chronische Entzündung der Schleimhaut des Dickdarms, bei der sich nicht heilende Geschwüre bilden (griech. Kolon = Dickdarm beziehungsweise Grimmdarm, -itis = Entzündung, lat. Ulkus = Geschwür). Damit ist die Colitis ulcerosa – ebenso wie der Morbus Crohn – eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED).
Die Colitis ulcerosa beginnt stets im Mastdarm (Rektum) und breitet sich in etwa der Hälfte der Fälle in Richtung des linksseitigen Dickdarms aus. Die Darmentzündung kann aber auch den gesamten Dickdarm stetig befallen. Ein Übergang der Colitis ulcerosa auf den Dünndarm ist sehr selten. Die fortschreitende und auf den Dickdarm beschränkte Ausbreitung grenzt die Colitis ulcerosa gegenüber dem Morbus Crohn ab.
Die Colitis ulcerosa tritt mit einer Häufigkeit von jährlich zwei bis zehn neuen Fällen pro 100'000 Einwohnern auf. Frauen sind geringfügig häufiger betroffen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, hat aber einen Häufigkeitsgipfel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Es gibt sowohl eine familiäre Häufung als auch eine ethnische: Weisse erkranken etwa viermal so oft wie Farbige. In den letzten 20 Jahren trat die Colitis ulcerosa, ebenso wie Morbus Crohn, zunehmend häufiger auf.
Worin die Colitis ulcerosa ihre Ursachen hat, ist nach wie vor unbekannt. Gleiches gilt für den Morbus Crohn, der wie die Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zählt. Es ist anzunehmen, dass in beiden Fällen mehrere ähnliche Faktoren bei der Entstehung der chronischen Darmentzündung zusammenwirken (multifaktorielle Genese). Zu diesen Faktoren zählen:
Die für eine Colitis ulcerosa wichtigsten Symptome si
Diese Schmerzen treten bei der Colitis ulcerosa im Dickdarm, in der Mitte des Unterbauchs oder in der Kreuzbeingegend auf. Häufig verspüren die Betroffenen Schmerzen vor oder unmittelbar nach dem Stuhlabgang (Tenesmen). Es kann auch Blut aus dem Darm abgehen, ohne dass die Betroffenen Stuhl ausscheiden. Damit verursacht die Colitis ulcerosa ähnliche Symptome wie eine andere chronisch-entzündliche Darmerkrankung: der Morbus Crohn.
Der mit einer Colitis ulcerosa einhergehende Eiweissverlust über den Darm und die verminderte Nahrungszufuhr führen dazu, dass viele Betroffene Gewicht verlieren und sich müde und abgeschlagen fühlen. Auch Fieber, Blutarmut (Anämie) und eine Zunahme der weissen Blutkörperchen (Leukozytose) sind bei Colitis ulcerosa relativ häufig. All diese Symptome können ebenfalls durch andere chronisch-entzündliche Darmerkrankungen entstehen.
Seltener bleiben die Symptome der Colitis ulcerosa nicht auf den Darm beschränkt. Zu den möglichen Auswirkungen der Erkrankung ausserhalb des Darms gehören zum Beispiel Gelenkentzündungen und Gelenkschmerzen: Meist sind hiervon die grossen Gelenke betroffen – in dem Fall treten die Gelenkbeschwerden bei einem Colitis-ulcerosa-Schub akut auf und verschwinden von selbst wieder. Sind kleinere Gelenke betroffen, können die Symptome monate- bis jahrelang anhalten, wobei kein Zusammenhang mit der Aktivität der Colitis ulcerosa festzustellen ist.
Bei der Colitis ulcerosa ist eine sichere Diagnose allein anhand der vorliegenden Symptome (wie blutiger/schleimiger Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen) nicht möglich, da andere Darmentzündungen ähnliche Beschwerden auslösen. Nach der Befragung (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung der Betroffenen sind daher weitere Massnahmen nötig, um die Diagnose zu sichern und die Colitis ulcerosa von anderen entzündlichen Darmerkrankungen – vor allem vom Morbus Crohn – abzugrenzen. Dazu kommen zum Beispiel folgende bildgebende und laborchemische Untersuchungen
Wichtige Hinweise für die Colitis-ulcerosa-Diagnose ergeben sich aus dem typischen Befallsmuster, das bei der Darmspiegelung zu erkennen ist: Die Dickdarmschleimhaut ist entzündet, wobei die im Mastdarm (Rektum) begonnene Entzündung sich unterschiedlich nach oben ausgebreitet haben kann. Ausserdem hat die stetige Entzündung mit blossem Auge sichtbare Spuren hinterlassen: Die Darmwand ist gerötet, ihre Schleimhautoberfläche sieht körnig aus und es haben sich Ödeme sowie netzartig ineinanderfliessende flache Geschwüre (Ulzera) gebildet; oft finden sich infolge der Entzündung entstandene Darmpolypen (sogenannte Pseudopolypen). Typisch für die Colitis ulcerosa ist, dass diese Veränderungen zum Darmende hin am deutlichsten ausgeprägt sind und zum Darmanfang hin abnehmen.
Anhand der vorliegenden Colitis-ulcerosa-Beschwerden kann der Arzt bei der Diagnose ausserdem das Ausmass der Krankheitsaktivität bestimme
Bei der Colitis ulcerosa zielt die Therapie darauf ab, die Beschwerden zu lindern und das Risiko für Komplikationen zu verringern. Die Behandlung kann allerdings nicht die Ursachen der Colitis ulcerosa beheben, weshalb eine vollständige Heilung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung nicht möglich ist. In erster Linie besteht die Colitis-ulcerosa-Therapie aus einer individuellen Diät und der Einnahme entzündungshemmender Medikamente.
Die grösste Rolle bei der Colitis-ulcerosa-Therapie spielen Medikamente: Für die medikamentöse Behandlung der Darmerkrankung sind Kortikosteroide oder Abkömmlinge der Salicylsäure (Salizylate) geeignet. Die Kortikosteroide erhalten Patienten entweder unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts (parenteral) über die Vene (intravenös) oder als Tabletten, als Zäpfchen beziehungsweise als rektale Einläufe (Klysmen). Des Weiteren kommt gegen die Darmentzündung erfolgreich Sulfasalazin zum Einsatz.
Ausserdem steht mit Mesalazin ein neues Salizylat zur Verfügung, das sowohl als Tablette als auch als Zäpfchen verabreicht wird. In schwereren Fällen können sogenannte Immunsuppressiva dazu beitragen, die bei einer Colitis ulcerosa fehlgeleitete Immunabwehr zu bremsen: Diese Wirkstoffe unterdrücken das Immunsystem.
Wenn Sie nicht ausreichend auf diese Medikamente ansprechen, kann Ihr Arzt Ihnen den Wirkstoff Infliximab gegen die Colitis ulcerosa verabreichen. Dieser zählt zu den sogenannten Biologika, das heisst, sein Aufbau ähnelt körpereigenen Antikörpern, die entzündungshemmend sind. Bei regelmässiger Anwendung kann der Wirkstoff dazu beitragen, dass die infolge der Entzündung entstandenen Schäden an der Darmschleimhaut abheilen. So sind Operationen und damit verbundene Krankenhausaufenthalte seltener zur Colitis-ulcerosa-Therapie notwendig; ausserdem ist es oft möglich, die Behandlung mit Kortikosteroiden zu stoppen.
Bei der Colitis ulcerosa spielt im Rahmen der Therapie auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Hier gilt allgemein die sogenannte Vermeidungsdiät – das bedeutet: Der Patient isst, was ihm bekommt, und meidet alles andere.
Eine spezielle Diät zur Colitis-ulcerosa-Therapie steht nicht zur Verfügung. Solange die Colitis ulcerosa weniger aktiv ist, gilt es allerdings als empfehlenswert, dass die Ernährung ausreichend Eiweiss und Ballaststoffe enthält und blähungsarm ist. Während eines akuten Schubs gelten diese Ernährungstipps jedoch nicht, da in diesem Fall eine derartige schwer lösliche Kost die entzündeten Dickdarmschleimhäute zusätzlich reizen würde. Dies kann den Schub schwerer machen und ihn länger andauern lassen. Trotzdem können Patienten auch während eines schweren Schubs versuchen, möglichst normal zu essen – aber besser ballaststoffarm. Manche Betroffene reagieren auch gut auf eine milchfreie Kost. Allgemein
In schweren Fällen von Colitis ulcerosa kann es zur Therapie erforderlich sein, die Ernährung auf eine vollresorbierbare Elementarkost (Kosmonautennahrung) oder sogar auf eine künstliche Ernährung umzustellen, welche den Verdauungstrakt umgeht (zum Beispiel intravenös).
Unter bestimmten Umständen erfordert die Colitis ulcerosa zur Therapie eine Operation: Wenn es nicht gelingt, die Darmerkrankung mit Medikamenten zu kontrollieren, wenn Komplikationen auftreten oder Krebsvorstufen vorliegen, ist es notwendig, den Dickdarm oder Teile des Dickdarms operativ zu entfernen (Kolektomie). In dem Fall kann für Sie womöglich eine begleitende Psychotherapie hilfreich sein.
Die Colitis ulcerosa zeigt einen chronischen und schubweisen Verlauf. Dieser ist individuell sehr unterschiedlich, weshalb eine allgemeine Prognose schwer ist. Grundsätzlich gilt, dass die chronisch-entzündliche Darmerkrankung die mittlere Lebenserwartung der Betroffenen im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung nicht messbar verkürzt. Heilungschancen bestehen jedoch nicht.
Meist beginnt die Colitis ulcerosa zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr im Mastdarm (Rektum). Bei einem Viertel aller Fälle setzt der Verlauf der Darmerkrankung jedoch schon im Kindesalter ein. Ein solcher früher Beginn wirkt sich ungünstig auf die Langzeitprognose aus.
Nachfolgend breitet sich die Colitis ulcerosa in Schüben fortschreitend aus, wobei die Darmentzündung auf den Dickdarm beschränkt bleibt. Ist ein Schub abgeklungen, tritt in den meisten Fällen innerhalb eines Jahres ein weiterer Schub auf. Abhängig davon, wie weit sich die Darmentzündung ausdehnt und wie lange sie besteht, können vereinzelt verschiedene Komplikationen auftreten (etwa 95 Prozent der Betroffenen bleiben jedoch von solchen Komplikationen verschont). Wenn zum Beispiel ausschliesslich der Mastdarm betroffen ist, sind Operationen seltener notwendig als bei ausgedehnteren Formen der Colitis ulcerosa. Bei einem langen und ausgedehnten Verlauf steigt vor allem das Risiko für Dickdarmkrebs deutlich.
Die meisten Menschen mit Colitis ulcerosa entwickeln im Verlauf der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung keine Komplikationen. Wenn es – in weniger als fünf bis sieben Prozent der Fälle – doch zu Komplikationen kommt, betreffen sie in erster Linie den Darm. Die wichtigsten Komplikationen der Colitis ulcerosa innerhalb des Darms sind:
Wenn bei der Colitis ulcerosa im weiteren Verlauf der Darm infolge einer Wandschwäche sowie einer Gasansammlung überdehnt ist, liegt ein sogenanntes toxisches Megakolon vor. Diese Komplikation ist gekennzeichnet durch starke Schmerzen, anfangs Durchfall, der dann plötzlich aufhört, Blähungen (Meteorismus), Fieber und Schüttelfrost sowie Herzrasen (Tachykardie). Ohne entsprechende Therapie kann es zu einem Darmdurchbruch kommen.
Eine bei der Colitis ulcerosa lebensbedrohliche Komplikation ist der Darmdurchbruch (Perforation): Dieser erfordert eine sofortige Operation.
Zu den weiteren bei Colitis ulcerosa möglichen Komplikationen zählen schwere Darmblutungen. Die hierbei entstehenden Blutverluste kann man in der Regel durch Bluttransfusionen ausgleichen. In seltenen Fällen ist es notwendig, den betroffenen Darmabschnitt zu entfernen (Resektion).
Kommt es bei der Colitis ulcerosa im weiteren Verlauf zu einer Narbenbildung (Strikturen) am Darm, kann dies dazu führen, dass der betroffene Darmabschnitt dauerhaft verengt ist. Dies geht häufig mit starken, kolikartigen Beschwerden einher. Im Extremfall kann ein Darmverschluss die Folge sein.
Weitere bei Colitis ulcerosa mögliche Komplikationen sind Fisteln und Abszes
Bei einer Colitis ulcerosa nimmt nach einem langen Verlauf (mehr als 10 Jahre) das Risiko für Dickdarmkrebs zu und liegt dann bei etwa 10 Prozent. Ist der gesamte Dickdarm betroffen und besteht die Colitis ulcerosa seit 25 Jahren, beträgt das Risiko sogar etwa 40 Prozent. Wegen dieses erhöhten Risikos für Dickdarmkrebs ist ab dem achten Jahr nach Beginn der Darmentzündung einmal jährlich eine Darmspiegelung des gesamten Dickdarms mit der Entnahme von Gewebeprobe ratsam.
Sie können einer Colitis ulcerosa nicht wirksam vorbeugen. Im Gegensatz zum Morbus Crohn ist es jedoch möglich, eine bestehende Colitis ulcerosa prophylaktisch zu behandeln, um weiteren Schüben vorzubeugen beziehungsweise den Verlauf günstig zu beeinflussen. Im symptomfreien Intervall ist dazu über mehrere Jahre täglich ein Salizylat einzunehmen.
Da eine Colitis ulcerosa das Risiko für Dickdarmkrebs erhöht, ist nach einem achtjährigen Krankheitsverlauf einmal jährlich eine Spiegelung des gesamten Dickdarms empfehlenswert. Nur so kann es gelingen, einen möglichen Dickdarmkrebs frühzeitig zu diagnostizieren.