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Nach einer Niederlage im «Jahrhundert-Spiel» ist nicht mehr auszuschliessen, dass Olten zum ersten Mal in der Geschichte eine Playoff-Serie gegen Langenthal verliert. Aufstieg? Nein, weder für Langenthal noch Olten.
Ist «Jahrhundert-Spiel» eine masslose Übertreibung? Nicht unbedingt. Langenthal besiegt Olten in der Verlängerung 4:3 und gleicht die Halbfinalserie aus.
Der Unterhaltungswert war grandios. Es war ein Drama mit «Bahnschranken-Simon» in der Hauptrolle des tragischen Helden. Wenn wir bedenken, dass das Jahrhundert ja noch nicht so alt ist, verdient diese Partie durchaus das Prädikat «Jahrhundert-Spiel.»
«Bahnschranken-Simon» ist Oltens Goalie Simon Rytz (35) mit ruhmreicher Bieler Vergangenheit. Ein enorm kampfstarker letzter Mann, der einen unkonventionellen, spektakulären Hybrid-Stil zwischen Fussball und Eishockey-Torhüter pflegt.
Hockey-Torhüter pflegen heute so lange wie möglich stehen zu bleiben. Simon Rytz verwirrt in Notsituationen die Stürmer durch Paraden, die im Ansatz an Hechtsprünge mahnen und versperrt dem Puck den Weg ins Tor wie eine niedergehende Bahnschranke. Daher «Bahnschranken-Simon». So hat er den Penalty von Toms Andersons gehalten (9. Min.) und ein vorentscheidendes 2:0 verhindert. Und so hat er in der Verlängerung den allein anstürmenden Pascal Pelletier gestoppt.
Aber dann erwischt ihn der gleiche Pascal Pelletier in der 77. Minute zum 4:3. Die Bahnschranke senkte sich zu spät. Ein stilsicherer Torhüter hätte diesen Weitschuss-Treffer mit Leichtigkeit verhindert. Aus Respekt vor den vielen unkonventionellen grossen Paraden nennt der Chronist das Wort «Lottergoalie» ausdrücklich nicht.
Aber wir sind vom Thema abgekommen. Es geht ja um die Bezeichnung «Jahrhundert-Spiel». In einer Beziehung ist dieses Prädikat ganz sicher berechtigt: es war eine Auseinandersetzung zwischen Oltens Eishockey aus dem letzten Jahrhundert gegen Langenthals Spiel der Gegenwart und Zukunft.
Trainer Per Hanberg hat den Langenthaler ein taktisches Designer-Hockey beigebracht. Es wäre eine Torheit des neuen Sportchefs Kevin Schläpfer, den Vertrag mit dem Schweden nicht zu verlängern.
Präzise Angriffsauslösungen in die «Tiefe des Raumes», Spielzüge, die über drei, vier Stationen ineinandergreifen, Tempoläufe und hohe Disziplin
Diese Disziplin war ein entscheidender Faktor. Denn zwei völlig überforderte Operetten-Schiedsrichter benachteiligten die Langenthaler. Doch Per Hanberg setzte durch, dass seine Jungs nicht reklamierten und sich nicht ablenken liessen.
Nur einmal sah sich der Haudegen Philipp Rytz (Langenthals Verteidiger ist der Bruder des Oltner Goalies) genötigt, Ordnung und Gerechtigkeit durch Selbstjustiz mit den Fäusten wiederherzustellen. Aus dem heftigen Handgemenge resultierte jedoch letztlich ein Powerplay für Langenthal.
Die Langenthaler spielten Eishockey und sie dominierten die Oltner phasenweise nach Belieben mit einer finalen Torschussstatistik von 61:28 (14:7, 18:7, 19:8 und in der Verlängerung 10:6).
Olten arbeitete mit einem bewundernswerten, generösen Energieaufwand. Wie in den alten Zeiten, wie im letzten Jahrhundert, wurde die Scheibe tief in die gegnerische Zone geschossen und dort erobert.
Nicht der Spielzug war das zentrale Element. Sondern der Zweikampf. Wenn die Oltner im Scheibenbesitz waren, löste sich das Spiel in Arbeit auf. In Duelle Mann gegen Mann. Das kostete enorm viel Kraft und funktionierte nur, weil die Oltner mit so viel Leidenschaft bei der Sache waren.
Clarence Kparghai (33) ist ein weitgereister Hockey-Desperado mit Vergangenheit in Bern (Junior), Langenthal, Davos, Chur, Thurgau, Biel, Kloten und Lugano. Er steht noch bis Saisonende bei Lugano unter Vertrag, verteidigte seit dem letzten Herbst leihweise kurz für Davos und meistens in Luganos Farmteam (Ticino Rockets). Er kennt Hockey und wundert sich: «Wir hatten bei den Rockets mehr Spielkultur.» Bei Olten habe er das gepflegte Hockey eines Spitzenteams erwartet und habe die simple Spielkultur einer längst vergangenen Zeit vorgefunden. Eigentlich Hockey wie im letzten Jahrhundert.
Aber wenn die Oltner mit diesem begeisternden «Rumpelhockey» bis ins Finale walzen, dann wird eine Vertragsverlängerung mit Trainer Chris Bartolone trotz aller taktischen Rückständigkeit ein Thema sein.
Bleibt noch die Frage, was eigentlich der Verlierer der NL-Playouts zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und Davos zu erwarten hat. Gibt es einen Aufsteiger bzw. einen Absteiger?
Wenn wir dieses «Jahrhundert-Spiel» zur Beurteilung heranziehen, dann können wir sagen: Nein, dieses Olten wird, wenn es denn den Weg in die Liga-Qualifikation schafft, nicht dazu in der Lage sein, die Lakers oder den HCD in einer Serie über sieben Spiele zu bodigen. Weil die Energie fehlen wird, um das läuferisch-spielerisch klar besseren Team aus der höchsten Liga aufzuhalten.
Die Langenthaler haben zwar das Gesuch um einen Aufstieg eingereicht und dürfen die Liga-Qualifikation bestreiten. Aber die Auflagen für das Stadion sind unerfüllbar hoch und die Liga würde den Aufstieg nicht bewilligen.
Aber vorerst geht es um den Einzug ins Finale. Noch haben die Oltner genug Energie, um die spielerisch, läuferisch und taktisch besseren Langenthaler niederzuringen.
Eine Schlüsselrolle in diesem Drama nimmt Langenthals Torhüter Philip Wüthrich (21) ein. Er rettete sein Team im Schlussdrittel in einer heiklen Phase (ein Fünf-gegen-drei Powerplay der Oltner) mit unglaublichen Reflexparaden, stilsicherem, modernem Stellungsspiel und unerschütterlicher Ruhe. Auf der Tribüne fragte ein langjähriger SCB-Dauerkartenbesitzer spontan: «Hätte Niklas Schlegel diese Pucks auch gehalten?»
Niklas Schlegel ersetzt bekanntlich nächste Saison beim SCB Leonardo Geoni. Philip Wüthrich war Torhüter der SCB-Elitejunioren, steht nach wie vor beim SCB unter Vertrag, ist aber fix auch für nächste Saison in Langenthal platziert. Es wäre leichtsinnig zu wetten, dass er nächste Saison nie beim SC Bern eingesetzt wird.
Die Frage ist auch, ob Langenthals Captain Stefan Tschannen (35) nochmals zurückkehrt. Er hat für die Offensive und das Powerplay eine ähnliche Wirkung wie Simon Moser beim SCB.
In der Serie gegen Kloten hat er sich eine schwere Oberschenkelprellung zugezogen («Charley Horse»). Nach dem Abschwellen kam eine Muskelverletzung zu Vorschein, die einen kleinen operativen Eingriff notwendig machte. Inzwischen kann er wieder trainieren und eine Rückkehr wird nicht mehr ganz ausgeschlossen.
Auch eine Rückkehr von Robin Leblanc (36), dessen Wasserverdrängung für Langenthal wichtig ist, ist nicht unmöglich. Er wurde von einem Puck am Knie getroffen und musste die Partie vorzeitig beenden. Ein erster Check hat keine schwerwiegende Verletzung zutage gefördert, er konnte das Knie bewegen. Aber Gewissheit wird es erst nach dem Abklingen der Schwellungen geben.
Olten hat bisher noch nie eine Playoff-Serie gegen Langenthal verloren. Nun ist für ein Drama angerichtet. Und die «Playoutisten» aus Rapperswil-Jona und Davos dürfen ruhig schlafen. Gefahr droht weder von Olten noch von Langenthal. Und von La Chaux-de-Fonds sowieso nicht.
Aber man weiss ja nie.