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Luganos Verteidigungsminister Philippe Furrer (32) wechselt für drei Jahre zu Fribourg-Gottéron und nicht zu Biel und wird zum «Porzellan-Bubenberg». Warum? Ganz einfach: des Geldes wegen.
Luganos sportliche Wiederauferstehung hat viel mit dem Transfer von Philippe Furrer zu tun. Im Sommer 2015 zügelte der WM-Silberheld von Bern nach Lugano. Nach dem letzten Titel von 2006 hatte Lugano nie mehr eine Playoffrunde überstanden und gar zweimal die Playoffs verpasst.
Mit Philippe Furrer erreicht Lugano 2016 sogleich das Finale gegen den SC Bern. Und im letzten Frühjahr kippte Lugano die ZSC Lions aus den Playoffs und brachte den SC Bern im Halbfinale in Not. Diese Saison hat der Meister mit keinem anderen Gegner so viel Mühe wie mit Lugano. Die Tessiner haben den SCB bereits zweimal besiegt – einmal auch in Bern.
Philippe Furrers Dreijahresvertrag läuft Ende Saison aus. Er hat ein Haus in der Nähe von Murten, der Heldenstadt, die lange von Fribourg und Bern gemeinsam verwaltet wurde und heute zum Kanton Fribourg gehört.
Nicht nur der Sieg in der Schlacht von Murten bleibt unvergesslich. Die Eidgenossen vernichteten 1476 das Heer von Karl dem Kühnen, eine der stärksten Armeen Europas. Vor allem aber ist die heldenhafte Verteidigung Murtens in die Geschichte eingegangen.
Bern und Fribourg verwalteten das Städtchen gemeinsam. Unter der Führung des bernischen Schultheissen Adrian von Bubenberg hielt Murten auf wundersame Weise der Belagerung stand. Schossen die Burgunder mit ihren Kanonen Lücken in die Mauern, so liess der heldenhafte Anführer die Lücken mit Tücher schliessen und wenn die Belagerer einzudringen versuchten, wurden sie wieder hinausgeworfen.
Wenn wir diese Geschichte nicht vergessen hätten, dann wäre der Transfer von Philippe Furrer von Lugano zu Gottéron keine Überraschung. Nun schliesst sich der Kreis. 542 Jahre nach Adrian von Bubenberg kommt mit Philippe Furrer wieder ein bernischer Anführer in den Kanton Fribourg. Diesmal nicht um Murten gegen die Burgunder zu verteidigen. Sondern das Tor von Gottéron gegen die Titanen aus Bern, Lugano, Davos, Zürich und Kloten.
Aber was sind, nun mal abgesehen von der netten historischen Parallele die wahren Gründe für Philippe Furrers Wechsel zu Gottéron?
Lange hatte Biel um seine Dienste geworben. Philippe Furrer hatte ja erklärt, dass er nach der dreijährigen Dienstzeit in die Deutschschweiz zurückkehren und sich in der Nähe von Murten niederlassen würde. Ein Rücktransfer zum SCB war kein Thema mehr. Und so ging es primär um Biel und Gottéron. Biel ist etwas weiter entfernt vom neuen Wohnort Philippe Furrers. Aber die Differenz von 20 Minuten Fahrzeit war nicht transferentscheidend. Ja, der Wechsel nach Biel, einem aufstrebenden Hockeyunternehmen schien logischer als ein Transfer zum unberechenbaren Gottéron.
Die Frage geht deshalb an Biels Manager Daniel Villard. Warum wechselt Philippe Furrer nun doch zu Gottéron und nicht zu Biel? «Ganz einfach des Geldes wegen. Fribourg zahlt mehr. Er hat uns offen gesagt, unsere Vertragsofferte genüge finanziell nicht.» Warum hat Biel die Offerte nicht nachgebessert? «Weil wir unsere Linie haben. Wir offerierten ihm, was wir verantworten können. Er wäre bei uns in die Gehaltsklasse von Jonas Hiller und Beat Forster gekommen.» Wie sagen doch die Nordamerikaner so schön: «Money talks». Und Zyniker fügen an: «Bullshit walks.»
Phillippe Furrer dürfte bei Gottéron nach Romain Loeffel (Servette, nächste Saison Lugano), Raphael Diaz (Zug) und Eric Blum (Bern) der bestbezahlte Schweizer Verteidiger der Liga sein. Die Gehaltsklasse dieser Verteidiger liegt zwischen 500'000 und 850'000 Franken brutto pro Saison. Gottéron ist damit wenigstens finanziell wieder einer der Titanen der Liga – wenn es um Löhne geht, auf Augenhöhe mit dem SC Bern, den ZSC Lions, Zug, Lausanne und Lugano.
Philippe Furrer ist Gottérons wichtigster Transfer seit der Verpflichtung von Slawa Bykow und Andrej Chomutow im Sommer 1990. Die beiden Russen machten Gottéron zu einer der offensiv besten und spektakulärsten helvetischen Mannschaften aller Zeiten. Dreimal reichte es während der «russischen Flugjahre» fürs Finale – aber der SC Bern und zweimal Kloten waren besser. Gottéron scheiterte an der Defensive. Dino Stecher war ein sensibler Torhüter, an manchen Tagen der beste der Liga. Aber als es um alles ging, versagte er – sozusagen als Tobias Stephan seiner Zeit.
Keine Frage: Mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow vorne und Philippe Furrer hinten hätte es Gottéron wohl zum Titel gereicht. Reicht es mit Philippe Furrer hinten und Slawa Bykows Sohn Andrej vorne in den nächsten drei Jahren zum Titel?
Wir sollten diese Möglichkeit nicht ganz ausschliessen. Vor allem dann nicht, wenn Reto Berra nächste Saison doch noch zu Gottéron wechseln sollte. Aber Philippe Furrer ist nicht nur Gottérons wichtigster Transfer seit Slawa Bykow und Andrej Chomutow. Es ist auch Gottérons riskantester Transfer der Klubgeschichte. Philippe Furrer hat in den letzten neun Jahren nur noch einmal mehr als 38 der 50 Qualifikationspartien bestritten (43 in der Saison 2011/12). Noch nie in seiner Karriere ist er ohne Verletzungen durch eine Saison gekommen.
Philippe Furrer ist ein charismatischer Verteidiger, der jede Mannschaft mit seinem Wesen und Wirken auf und neben dem Eis besser macht. Das Risiko lohnt sich. Er kann bei Gottéron die gleiche Rolle übernehmen wie einst Adrian von Bubenberg bei der Verteidigung von Murten. Sozusagen als «Porzellan-Bubenberg».