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Hillary Clinton gegen Jeb Bush: So könnte das Duell in der Präsidentschaftswahl 2016 lauten. Kritiker sprechen bereits vom Entstehen amerikanischer Königshäuser.
Einer der grössten Glücksfälle in der amerikanischen Geschichte besteht darin, dass George Washington keine leiblichen Kinder hatte. Der Kriegsheld und Oberbefehlshaber der Befreiungsarmee gegen England war ein sehr reicher Plantagenbesitzer aus Virginia, er war auch Sklavenhalter und neigte zu aristokratischen Allüren. Seine Kinderlosigkeit war jedoch die beste Versicherung dafür, dass in der jungen Republik kein neues Königshaus mit einer Erbfolge entstehen konnte. Davor hatten die Amerikaner in der Zeit nach der erfolgreichen Revolution eine geradezu panische Angst, vergleichbar mit der Kommunismus-Hysterie im Kalten Krieg.
Zu Washingtons Ehr-Rettung sei erwähnt: Er dachte nie auch nur eine Sekunde daran, König von Amerika zu werden. Erstaunlicherweise besteht in den USA des 21. Jahrhunderts wieder die Möglichkeit, dass zwar nicht gerade ein Königshaus, aber moderne Adelshäuser entstehen. «Es wäre keine Überraschung, wenn die Wahlen 2016 zu einem Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Jeb Bush würden» schreibt Edward Luce in der «Financial Times». «In sieben der letzten neun Präsidentschaftswahlen ist ein Mitglied der Familie Bush oder Clinton angetreten. Das nächste Mal wären es dann acht von zehn. »
Die nächste Generation von Clintons und Bushs steht in den Startlöchern. Bereits bewirbt sich George P. Bush, der Sohn von Jeb Bush, um das Amt des Landkommissars in Texas. Chelsea, Tochter von Hillary und Bill Clinton, wird ebenfalls eine glanzvolle Politkarriere in Aussicht gestellt. Haben diese beiden Familien ein besonderes Polit-Gen, oder wie erklärt sich die Häufung von Mitgliedern der beiden in der US-Politik?
Kevin Philips, konservativer Politologe und ehemaliger Berater von Präsident Richard Nixon, hat schon vor rund zehn Jahren in seinem Besteller «American Dynasty» auf den banalen Grund für die politische Macht der beiden Familien aufmerksam gemacht: Wer ins Weisse Haus einziehen will, muss zunächst einmal bekannt sein. Das kostet ein Heidengeld. Die Clintons und Bushs sind bereits bekannt, können sich demnach diesen Werbeaufwand ersparen und gehen mit einem gewaltigen Vorsprung in den Polit-Marathon.
Geld spielt in der amerikanischen Politik eine immer grössere Rolle. Die Wahlen 2012 waren dominiert von den so genannten Super-PACs, von superreichen Spendern gespiesene Fonds, die eine Milliarden-Dollar-Werbeschlacht möglich gemacht haben. Demnächst wird der oberste US-Gerichtshof wahrscheinlich grünes Licht geben, dass Polit-Mäzene in unbegrenzter Höhe und ohne Auflagen Wahlkampfspenden leisten dürfen.
Bereits heute spielen Milliardäre eine grosse Rolle in der US-Politik. Die Koch-Brüder, zwei im Öl-Business tätige Milliardäre, gehören zu den einflussreichsten Geldgebern und Drahtziehern der Tea Party, ebenso der Kasino-Milliardär Sheldon Adelson – der übrigens seine Finger auch in der israelischen Politik hat.
Auch die Demokraten verfügen über superreiche Geldgeber. Der Financier George Soros gehört dazu, verschiedene Hollywood-Grössen und der kalifornische Hedgefund-Manager Tom Steyer. Er will für die kommenden Zwischenwahlen hundert Millionen Dollar für Kandidaten spenden, die versprechen, energisch gegen die Klimaerwärmung vorzugehen und die Keystone XL Pipeline nach Kanada zu bekämpfen.
Der legendäre US-Richter Louis Brandeis hat schon in den 1930er Jahren den legendären Satz geprägt: «Man kann eine superreiche Elite haben oder eine Demokratie – aber nicht beides.» Dank den immer grösseren Einkommensunterschieden ist dieser Satz im modernen Amerika wieder brandaktuell geworden.