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Pferdeantilope
Hippotragus equinus
© 2011 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Afrika beherbergt ein erheblich grösseres Spektrum von Grosssäugetierarten als die übrigen Kontinente. Zur Artenvielfalt tragen die Antilopen mit über sechzig Arten wesentlich bei. Deren Vielgestaltigkeit hat mit ihrer bemerkenswerten Anpassungsfähigkeit zu tun: Im Laufe ihrer Stammesgeschichte haben sie nicht nur den gesamten Kontinent erobert, von Tunesien im Norden bis Südafrika im Süden und von Senegal im Westen bis Somalia im Osten, sondern sie haben auch sämtliche terrestrischen Lebensräume besetzt, von den üppigsten Regenwäldern bis hin zu den ödesten Trockenwüsten - und dabei, in Anpassung an die lokalen Gegebenheiten, ihre heutige Formenvielfalt hervorgebracht.
Als «Antilopen» bezeichnet man innerhalb der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) alle Mitglieder der Familie der Hornträger (Bovidae) mit Ausnahme der Wildrinder, Wildziegen und Wildschafe. Man gliedert sie in verschiedene Unterfamilien. Eine dieser Antilopen-Unterfamilien ist die der rothirsch- bis pferdegrossen Pferdeböcke (Hippotraginae), welche sieben Arten umfasst, von denen eine auf der Arabischen Halbinsel und sechs in Afrika beheimatet sind. Es handelt sich um die Arabische Oryx (Oryx leucoryx), die Ostafrikanische Oryx (Oryx beisa), den Spiessbock (Oryx gazella), die Säbelantilope (Oryx dammah), die Mendesantilope (Addax nasomaculatus), die Rappenantilope (Hippotragus niger) und nicht zuletzt die Pferdeantilope (Hippotragus equinus), von der hier berichtet werden soll.
«Pferdeartiger Pferdebock»
Alle Pferdeböcke haben - wie der Sippenname andeutet - einen pferdeähnlichen Körperbau mit einer mähnenartigen Nackenbehaarung. Ganz besonders pferdeartig muss den frühen Zoologen die Pferdeantilope erschienen sein, denn ihr wissenschaftlicher Name bedeutet «Pferdeartiger Pferdebock». Bei allen Pferdeböcken bestehen äusserlich keine augenfälligen Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern. Männchen und Weibchen sind von ähnlicher Körpergrösse, haben eine ähnliche Fellfärbung und tragen beide Hörner, welche je nach Art gebogen oder gerade und lang bis sehr lang sind.
Alle Pferdeböcke bewohnen im Übrigen hauptsächlich trockene Lebensräume. Während aber die Pferde- und die Rappenantilope möglichst täglich Zugang zu einer Tränke benötigen, sind die vier Oryx-Arten und die Mendesantilope weitgehend vom Wasser unabhängig. Die vier Oryx-Arten bewohnen halbwüstenartige Gegenden, darunter die Randzonen der Sahara; die Mendesantilope besiedelt gar die Zentralsahara und lebt dort unter Bedingungen, welche nur wenige andere Tierarten zu ertragen vermögen.
Die Pferdeantilope ist das grösste Mitglied der Pferdebocksippe und nach den beiden Elenantilopen - der «gewöhnlichen» Elenantilope (Taurotragus oryx) und der Riesen-Elenantilope (Taurotragus derbianus) - die grösste Antilope Afrikas: Die Männchen erreichen eine Schulterhöhe von 150 bis 160 Zentimetern und ein Gewicht von 260 bis 300 Kilogramm, die Weibchen eine Schulterhöhe von 140 bis 150 Zentimetern und ein Gewicht von 220 bis 270 Kilogramm.
Die Hörner weisen bei den erwachsenen Pferdeantilopen im Allgemeinen eine Länge von 60 bis 90 Zentimetern auf, wobei die der Weibchen durchschnittlich etwas kürzer, dünner und weniger stark gebogen sind als die der Männchen. Der Längenrekord liegt bei 99,1 Zentimetern. Bei den Jungtieren beginnen die Hörner im Alter von sechs Wochen zu spriessen. Im Alter von einem Jahr weisen sie eine Länge von 15 bis 20 Zentimetern auf und zeigen erste, undeutliche Querrippen. Markant gerippt und deutlich nach hinten-oben gebogen sind sie schliesslich im Alter von vier bis fünf Jahren.
Ein «Grazer», kein «Browser»
Die Pferdeantilope war einst in grosser Zahl über weite Bereiche Afrikas südlich der Sahara verbreitet gewesen. Heute ist sie aus vielen Gebieten vollständig verschwunden und in anderen sehr selten geworden. Grössere Bestände finden sich nur noch in einigen Regionen des westlichen und des zentralen Afrikas, während die Bestände im östlichen und südlichen Afrika, der traditionellen «Hochburg» der Antilopen, fast überall stark ausgedünnt sind.
Vorzugsweise bewohnt die Pferdeantilope halboffene Graslandschaften mit mittelhohen bis hohen Gräsern und reichlich eingestreuten Einzelbäumen und Gehölzinseln. Sie besiedelt aber auch Buschwald. Waldungen mit geschlossenem Kronendach meidet sie hingegen ebenso wie Kurzgrasflächen. Sie benötigt das ganze Jahr über Zugang zu einer Tränke, denn sie kann Wasser höchstens zwei bis drei Tage lang entbehren. Aus diesem Grund scheint sie nur in Regionen überleben zu können, in welchen jährlich mindestens 400 Millimeter Regen niedergehen.
Als Nahrung dienen der Pferdeantilope hauptsächlich Gräser. Krautpflanzen sowie Blätter von Büschen und Bäumen bilden nur einen geringen Teil der Kost. Sie ist also ein typischer «Grazer» und kein «Browser». Abgesehen vom Gang zur Tränke um die Mittagszeit ist die Pferdeantilope nur morgens bis gegen neun und abends ab etwa siebzehn Uhr aktiv. Treten keine Störungen auf, so verbringt sie den Rest des Tages stehend oder liegend im Schatten eines Gehölzes. Ob sie sich auch nachts zeitweise dem Nahrungserwerb widmet, wissen wir nicht. Es ist aber anzunehmen.
Die Männchen fallen auf die Knie
Wie die meisten grösseren Huftiere sind die Pferdeantilopen gesellig lebende Wesen. Mehrheitlich streifen sie in kleinen Haremtrupps umher, die sich aus einem voll ausgewachsenen Männchen und ein paar Weibchen mit deren Nachwuchs zusammensetzen. Die Grösse der Haremstrupps beträgt gewöhnlich fünf bis zwölf Individuen. Das Männchen ist zwar das stärkste Mitglied des Trupps und hat das Vorrecht zur Paarung mit den erwachsenen Weibchen. Angeführt wird der Trupp aber von einem älteren, dominanten Weibchen. Es ist diese Leitkuh, welche die Richtung beim Aufsuchen von Weidegründen, Rastplätzen oder Tränken und auch bei der Flucht bestimmt.
Jeder Trupp streift im Allgemeinen das ganze Jahr über in einem festen Stück Savanne umher. Ein solches Streifgebiet muss in ausreichender Menge jene drei natürlichen Güter enthalten, welche für die Pferdeantilopen lebensnotwendig sind, nämlich Weideflächen, Trinkwasser und Schatten spendende Gehölze. Demzufolge hängt seine Fläche vom lokalen Angebot dieser drei Güter ab: Wo insbesondere die Weide mager ist, beispielsweise im Krüger-Nationalpark in Südafrika, können die Streifgebiete mehrere hundert Hektaren gross sein. Gewöhnlich sind sie aber erheblich kleiner. Seinem Streifgebiet bleibt jeder Pferdeantilopentrupp jahrelang treu. In Kenia beispielsweise konnte ein bestimmter Trupp während dreissig Jahren im selben Streifgebiet beobachtet werden.
Das dominante Männchen verbringt viel Zeit damit, fremde Männchen von «seinen» Weibchen fernzuhalten. Gewöhnlich genügen ihm Droh- und Imponiergesten, um Rivalen einzuschüchtern und zum Rückzug zu bewegen. Manchmal kommt es aber auch zum Nahkampf und damit zum tatsächlichen Kräftemessen. Diese Kämpfe sind hoch ritualisiert: Die beiden Männchen gehen zunächst behutsam aufeinander zu, dann werfen sie sich vorne auf ihre «Knie» (genauer: ihre Handgelenke) nieder und «hakeln» anschliessend nach Kräften mit ihren Hörnern, ohne einander Verletzungen zuzufügen. Sobald das schwächere Männchen (in der Regel der Herausforderer) seine Unterlegenheit erkennt, löst es sich vom stärkeren und macht sich aus dem Staub, wobei es oft noch ein Stück weit vom Sieger verfolgt wird.
Anzumerken ist, dass der Haremsbesitzer zwar keine gleichwertigen Bullen in einem Umkreis von 300 bis 500 Metern duldet. Diese kreisrunde Intoleranzzone bewegt sich aber mit dem Trupp fort und ist somit kein räumlich festgelegtes Territorium.
Zwar zeigt das Fortpflanzungsverhalten der Pferdeantilopen meistenorts eine gewisse Saisonalität, welche vor allem an der Häufung der Geburten zu Beginn der lokalen Regenzeit erkennbar ist. Eine klare Paarungs- und Wurfzeit besteht jedoch nicht. Die Tragzeit dauert knapp neun Monate (rund 280 Tage), und es kommt je Wurf stets ein einzelnes Junges zur Welt. Meistens entfernt sich das Pferdeantilopenweibchen für die bevorstehende Geburt von seinem Trupp und zieht sich an einen möglichst sicheren, abgeschiedenen Ort zurück. Das Kalb vermag sich schon wenige Minuten nach der Geburt auf seinen dünnen Beinchen aufzurichten. Es wird von seiner Mutter saubergeleckt und trinkt ein erstes Mal von der mütterlichen Milch. Dann legt es sich in den Schatten eines Buschs oder ins dichte Hochgras und hält sich dort reglos versteckt. Die Mutter bleibt etwa fünf Tage bei ihrem Jungen, dann kehrt sie wieder zu ihrem Trupp zurück und besucht ihr Junges nur noch zwei Mal täglich, morgens und abends, zum Säugen.
Erst nach ungefähr sechs Wochen wird das Junge von seiner Mutter in den mütterlichen Trupp eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist es schon gut zu Fuss und kann mühelos mit den Erwachsenen Schritt halten. Nun beginnen auch seine Hörner zu spriessen. Innerhalb des Trupps schliesst es sich bald an die anderen Jungtiere an und verbringt mit ihnen mehr Zeit als mit der Mutter.
Im Alter von sechs Monaten wird die junge Pferdeantilope entwöhnt. Die jungen Weibchen bleiben nach der Geschlechtsreife in der Regel in ihrer Geburtsgruppe. Sie lassen sich im Alter von etwa zwei Jahren erstmals begatten, bringen also ihr erstes Junges in ihrem dritten Lebensjahr zur Welt. Die jungen Männchen werden hingegen beim Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von etwa zweieinhalb Jahren vom dominanten Männchen aus dem Haremstrupp vertrieben. Sie schliessen sich in der Folge mit ihresgleichen zu kleinen Junggesellentrupps von drei bis zehn Individuen zusammen und warten in dieser Formation gewissermassen ab, bis ihre Zeit gekommen ist. Erst im Alter von fünf bis sechs Jahren sind sie nämlich voll ausgewachsen und kräftig genug, um einen alters- oder krankheitshalber geschwächten Haremsbesitzer im Hornkampf zu besiegen und dessen Weibchen zu übernehmen. Die vertriebenen ehemaligen Haremsbesitzer bleiben Einzelgänger für den Rest ihres Lebens.
Die Lebensdauer der Pferdeantilopen liegt in der freien Wildbahn bei höchstens 17 oder 18 Jahren. In diesem Alter ist ihr Gebiss dermassen stark abgenutzt und lückenhaft, dass sie sich nicht mehr ausreichend ernähren können und darum durch Fressfeinde, an Krankheiten oder schlicht an Unterernährung sterben.
Schwindende Bestände
Noch wird die Pferdeantilope von der Weltnaturschutzunion (IUCN) nicht als gefährdet eingestuft. Dies dürfte sich aber leider bald ändern, denn die Bestände sind in den meisten Bereichen des Artverbreitungsgebiets weiterhin stark rückläufig. Der Schwund ist einerseits auf die (meistenorts illegale) Bejagung, andererseits auf den Nahrungswettstreit mit Nutztieren zurückzuführen. Hausrinder, -ziegen und -schafe machen sich heute in riesiger Zahl in vielen Bereichen des Artverbreitungsgebiets breit. 1999 wurde geschätzt, dass afrikaweit nur noch 76000 Pferdeantilopen überleben. Die grössten Bestände lebten in Burkina Faso (mehr als 7000), in Kamerun (mehr als 6000), in Sambia (mehr als 5000) und in Tansania (mehr als 4000).
Gegenwärtig lebt etwa ein Drittel der verbleibenden Pferdeantilopenpopulation in Schutzgebieten. Leider gehen die Bestände der grossen Antilope aber selbst in solchen teils deutlich zurück. Im Krüger-Nationalpark beispielsweise lebten 1986 rund 450 Individuen; heute sind es nur noch etwa 30. Ein ähnliches Bild zeigt sich im weit entfernten Comoé-Nationalpark in der Republik Elfenbeinküste: Zwischen 1978 und 1998 schrumpfte der lokale Bestand um über siebzig Prozent auf rund 500 Individuen.
Mit Wilderei allein lässt sich dies nicht erklären. Für den Rückgang des Pferdeantilopenbestands im Krüger-Nationalpark könnte der Nahrungswettstreit mit anderen Paarhufern die Ursache sein. Dieser nahm erheblich zu, nachdem künstliche Wasserstellen geschaffen worden waren. Zusammen mit den Beständen der Nahrungswettstreiter wuchs zudem der Bestand der Löwen im Park kräftig an, wodurch auch der Feinddruck massiv zunahm. Es könnte aber auch ein Wandel der Niederschlagsmengen und -muster - im Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel - für den Rückgang verantwortlich sein. Ferner Krankheiten. Die Pferdeantilope reagiert insbesondere auf Milzbrand hoch empfindlich. Sobald diese Krankheit irgendwo aufflackert, sterben die Pferdeantilopen schnell und zahlreich dahin. Noch sind die genauen Ursachen ungeklärt.
In Mosambik, dem Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, war die Pferdeantilope einst weit verbreitet und vor allem südlich des Sambesis recht zahlreich, doch brachen die Bestände dort in den 1980er-Jahren aufgrund der Bürgerkriegswirren förmlich ein. Heute überleben nur noch zwei kleinere Bestände im mittleren und südlichen Westen des Landes, im Grenzbereich zu Sambia bzw. Südafrika. Eine Erhebung im Jahr 2008 ergab, dass die Zahl der Pferdeantilopen in Mosambik wahrscheinlich auf unter 500 gesunken ist.
Legenden
Die Pferdeantilope (Hippotragus equinus) gehört zu den grössten Antilopen Afrikas: Die Männchen erreichen eine Schulterhöhe von 150 bis 160 Zentimetern und ein Gewicht von 260 bis 300 Kilogramm, die Weibchen eine Schulterhöhe von 140 bis 150 Zentimetern und ein Gewicht von 220 bis 270 Kilogramm. Männchen (vorn) und Weibchen (hinten) sind ähnlich gefärbt und tragen beide Hörner, welche eine Länge von 60 bis 90 Zentimetern aufweisen. Auffallend lang sind die Ohren der Pferdeantilope (unten).
Die Pferdeantilope war einst in beträchtlicher Zahl über weite Bereiche Afrikas südlich der Sahara verbreitet gewesen. Heute finden sich grössere Bestände nur noch in einigen Regionen des westlichen und des zentralen Afrikas, während im östlichen und südlichen Afrika, der traditionellen «Hochburg» der Antilopen, die Bestände fast überall stark ausgedünnt sind. Mehrheitlich streifen die stattlichen Antilopen in kleinen Haremtrupps umher, die sich aus einem voll ausgewachsenen Männchen und ein paar Weibchen mit deren Nachwuchs zusammensetzen. Das Männchen ist zwar das stärkste Mitglied des Trupps; angeführt wird derselbe aber vom ranghöchsten Weibchen. Das Bild mit den imposanten Affenbrotbäumen (Baobabs) wurde im Bandia-Reservat in Senegal aufgenommen.
Als Nahrung dienen der Pferdeantilope hauptsächlich Gräser. Krautpflanzen sowie Blätter von Büschen und Bäumen bilden einen geringen Teil ihrer Kost. Abgesehen vom täglichen Gang zur Tränke um die Mittagszeit ist die Pferdeantilope nur morgens bis gegen neun und abends ab etwa siebzehn Uhr aktiv. Den Rest des Tages verbringt sie zumeist ruhend im Schatten eines Gehölzes.
Die jungen Pferdeantilopen kommen nach einer Tragzeit von knapp neun Monaten als Einzelkinder zur Welt. Ihre Hörner beginnen im Alter von sechs Wochen zu spriessen (oben). Mit Muttermilch ernährt werden sie etwa sechs Monate lang (links). Die Lebenserwartung liegt in der freien Wildbahn bei maximal 17 oder 18 Jahren.
Die Pferdeantilope ist eine wehrhafte Antilope, die sich als erwachsenes Tier wohl einzig vor Löwen in Acht nehmen muss. Tatsächlich gehört sie zu den relativ wenigen Hornträgern, die sich im Notfall ihrem Feind stellen und ihre Hörner als gefährliche Stirnwaffen einzusetzen wissen. Das Bild zeigt zwei halbwüchsige Individuen, deren Hörner noch ziemlich gerade sind und erst undeutliche Querrippen aufweisen.
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