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Eine Umverteilungsmassnahme des Schweizer Staats ist die sogenannte progressive Besteuerung. Das bedeutet, dass wir in der Schweiz verschiedene Einkommensklassen kennen und diese Einkommensklassen unterschiedlich stark besteuert werden. Je höher das Einkommen einer Person, desto höher ist der Prozentsatz an Steuern, die sie für die Steuern abgeben muss. Wenn Sie also das Doppelte verdienen wie Ihr Nachbar, dann müssen Sie mehr als das Doppelte an Steuern bezahlen.
Hinter dieser Art der Besteuerung steckt der Solidaritätsgedanke: Wer stärker ist, soll mehr zur Finanzierung der Gemeinschaft beisteuern als schwächere Mitglieder. Dieses System funktioniert eigentlich gut. Ein Problem stellt sich jedoch, wenn sich Einkommensbezüger an der Schwelle einer Einkommensklasse befinden – hier könnte es passieren, dass eine Person in eine höhere Einkommensklasse eingestuft wird, wenn sie sich mehr anstrengt und mehr arbeitet. Die zusätzlichen Steuerprozente der höheren Einkommensklasse «fressen» aber dieses Mehreinkommen wieder weg. In dieser Situation können sich Arbeitnehmer dafür entscheiden, weniger zu arbeiten und in der tieferen Einkommensklasse zu bleiben. Sie könnten also mehr leisten, tun es aber nicht – man redet in diesem Fall von einem Effizienzverlust. Wenn ein Arbeitnehmer mehr leisten könnte, als er tatsächlich tut, dann ist er nicht so effizient, wie er eigentlich sein könnte. Der Volkswirtschaft entgeht also Arbeitskraft, die das Bruttoinlandprodukt steigern könnte.
(Quelle: www.ag.ch)
Ein weiterer negativer Effekt der progressiven Besteuerung ist die Entstehung von Schwarzarbeit. Um der steuerlichen Belastung zu entgehen, melden Arbeitnehmer ihre Einkommen nicht und beziehen sie schwarz. Das wäre zwar effizient, weil die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten arbeiten und somit ihr Potential ausschöpfen (sie sind produktiv und somit effizient). Dem Staat entgehen dabei aber Sozialversicherungs- und Steuereinnahmen. Unter anderem aus diesem Grund ist Schwarzarbeit strafbar.
Diesem Dilemma der grösstmöglichen Effizienz in einer Volkswirtschaft und der optimalen progressiven Besteuerung entkommt ein Staat nicht: Für eine Volkswirtschaft stellt sich immer der Zielkonflikt zwischen grösstmöglicher Effizienz und hoher Besteuerung. Dieser Konflikt wird jedoch in Kauf genommen: Für eine nachhaltige Staatsfinanzierung und soziale staatliche Absicherung nimmt eine Volkswirtschaft Effizienzverluste bei der Arbeitsproduktivität hin.