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Zwischen Eupen und Malmedy – unterwegs im Hohen Venn
Belgien und die Schweiz haben den bundesstaatlichen Aufbau und die Tatsache gemeinsam, dass es in beiden Ländern mehrere Sprachregionen gibt. In Belgien sind es die französische, die flämische und die deutsche Sprachgemeinschaft. Das Französische dominiert in Wallonien, das Flämische in Flandern, in Brüssel sind offiziell beide Sprachen präsent. Deutsch wird dagegen vorwiegend in der Region um Eupen und Malmedy im Osten Belgiens gesprochen. Hier liegt eine besondere Landschaft – das Hohe Venn.
Wenn man die deutsche Grenzstadt Aachen auf der Autobahn in Richtung Lüttich und Brüssel verlässt, erreicht man nach wenigen Minuten die deutsch-belgische Grenze. Fast unmittelbar dahinter beginnt bereits das deutsche Sprachgebiet, einer der ersten Autobahnabzweige führt nach Eupen – das Zentrum der deutschsprachigen Gemeinschaft.
Die Geschichte der Region um Eupen und Malmedy ist nicht einfach. Eupen gehörte lange zu den österreichischen bzw. spanischen Niederlanden, während Malmedy als Teil der Reichsabtei Stablo-Malmedy ein geistliches Territorium im Heiligen Römischen Reich bildete. Mit dem Ende der napoleonischen Ära kamen beide Gebiete an Preussen, später Deutschland. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel das Territorium an Belgien. Innerhalb des komplizierten belgischen Staatsaufbaus bilden die Deutschsprachigen die kleinste Sprachgemeinschaft. Sie besitzen eine weitreichende kulturelle Autonomie, das Sprachgebiet ist aber Wallonien zugeordnet.
Eupen – Regierungs- und Parlamentssitz
„Hauptstadt“ der deutschen Sprachgemeinschaft ist Eupen. Hier sitzen das Parlament und die Regierung der Deutsch-Belgier. Eupen ist eine alte Tuchmacherstadt. Im historischen Zentrum sind noch viele Bauten aus der Textilära erhalten, vornehme Patrizierhäuser und der Tuchschererwinkel weisen auf diese Zeit hin. Besonders repräsentativ zeigt sich die Gospertstrasse. Das Wahrzeichen Eupens ist die barocke Stadtkirche St. Nikolaus, die sich eindrucksvoll am alten Marktplatz erhebt, einem idyllischen Ort mit Restaurants und Cafés. Ein besonderer Stadtteil mit eigenem Charakter ist die Unterstadt, die sich entlang der Weser, die Eupen durchfliesst, erstreckt.
Hochmoore und Heideflächen
Verlässt man die Stadt in Richtung Süden, gelangt man praktisch unmittelbar in das Naturschutzgebiet Hohes Venn (französisch Hautes Fagnes, flämisch Hoge Venen). An der nahe der Stadt gelegenen Wesertalsperre vorbei führt der Weg zunächst in die Höhe, ausgedehnte Wälder durchquerend, ehe die typischen Heide- und Hochmoorflächen des Hohen Venn beginnen.
Das Hohe Venn umfasst eine Fläche von insgesamt rund 600 Quadratkilometern. Der grösste Teil davon liegt in Belgien, etwa ein Viertel des Gebietes gehört zu Deutschland. Begrenzt wird die Region durch die Eifel auf deutscher und die Ardennen auf belgischer Seite. Die Übergänge sind dabei fliessend, mal wird das Hohe Venn eher der Eifel, mal eher den Ardennen zugeordnet.
Von herber Schönheit
Das Klima ist dank der Lage in einer Höhe von rund 700 Metern vergleichsweise rau, zur Moorbildung tragen die zahlreichen Niederschläge bei. Das Hohe Venn ist eine wasserreiche Region. Mit seinen Moorflächen, Wiesen und Wäldern ist die Landschaft ein ideales Wandergebiet. Es gibt ein ausgedehntes Wanderwegenetz, das weite Erkundungstouren ermöglicht. Neben festen Wegen wurden in den Feuchtgebieten auch Holzstege angelegt, die es ermöglichen, in die sumpfigeren Teile vorzustossen. Baraque Michel, Mont Rigi und Botrange sind besonders beliebte Ausgangspunkte für Wanderungen.
Eine typische Erscheinung des Hohen Venn sind die sogenannten Palsen. Dabei handelt es sich um Moortümpel, die von natürlichen Ringwällen umschlossen werden. Weite Flächen sind nur mit Sumpfgräsern und Heidegewächsen bedeckt. Dazwischen stehen vereinzelt abgestorbene Bäume und Vögel ziehen ihre Kreise darum. Es ist eine Landschaft von herber Schönheit, die je nach Jahreszeit auch einen fröstelnden Zauber ausüben kann – insbesondere wenn das Wetter sein Übriges dazutut.
Winterzauber und Badefreuden
Dank des Wasserreichtums sind in der Gegend etliche Talsperren mit Stauseen angelegt worden. Einige davon sind touristisch gut erschlossen und bieten Möglichkeiten für Camping oder Hotelübernachtungen, Badeplätze und Wassersport.
Im Winter, wenn Schnee fällt, verwandelt sich das Hohe Venn. Dann sind die Sumpf- und Moorflächen weiss überdeckt und die Wälder und Sträucher mit Schnee betupft. Für Skilanglauf ist das Gebiet gut geeignet, es gibt eine Reihe von Loipen, die zur Verfügung stehen. Dabei sollte man allerdings nicht von den offiziellen Pfaden abweichen.
Malmedy und Spa – französisch geprägt
Malmedy im Süden des Hohen Venn bietet einen geradezu lieblichen Kontrast zur Moorlandschaft. Die in einem Tal gelegene, von bewaldeten Bergen umgebene Stadt ist bereits französischsprachig, obwohl Deutsch durchaus verstanden wird. Malmedy verströmt mit seinen üppigen Blumendekorationen fast schon etwas südliche Atmosphäre.
Hauptsehenswürdigkeit ist die doppeltürmige Kathedrale, in deren Umfeld einige schöne Villen aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stehen. Das historische Zentrum gruppiert sich um den weiten Place Albert I. Hier laden zahlreiche Lokale, Restaurants und Cafés zum Verweilen und zum Beobachten der vorbeitreibenden Passanten ein.
Von Malmedy aus ist es nicht weit nach Spa. Der traditionsreiche Kur- und Badeort, der wegen seines Mineralwassers berühmt ist, bildet einen weiteren Eckpunkt des Hohen Venn. Hier hat man das deutschsprachige Gebiet endgültig verlassen und befindet sich mitten in Wallonien.
Oberstes Bild: Naturpark Hohes Venn – Eifel (© Geolina163, Wikimedia, CC)