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Taittinger will den Elysée-Palast erobern
Vom Château de la Marquetterie in den Élysée-Palast?
Foto beigestellt
Ende April 2017 stehen in Frankreich Präsidentschaftswahlen an. Zwischen den Konservativen um Nicolas Sarkozy, dem sozialistischen Amtsinhaber François Hollande und Marine Le Pen vom nationalistischen Front National deutet sich ein Patt an. Doch nun könnte ein vierter, unabhängiger Kandidat dem Rennen zusätzliche Brianz verleihen: Pierre-Emmanuel Taittinger, Chef des gleichnamigen Champagnerhauses, hat erklärt, dass er seinen Hut in den Ring werfen wird.
Gleichlautende Meldungen hatten in den letzten Tagen zunächst eine regionale Tageszeitung aus der Champagne, dann auch die Tageszeitung Figaro und die Nachrichtenagentur AFP verbreitet. Auf Nachfrage von Falstaff bestätigt Taittingers Presseattaché Jean-Pierre Redont die entsprechenden Berichte: «Ihm ist es Ernst, er strebt eine Kandidatur fürs höchste Amt des französischen Staats an. Pierre-Emmanuel Taittinger ist jetzt 63, er hat bereits vor einiger Zeit angekündigt, sein Amt als Präsident von Taittinger mit 65 abzugeben. Falls er nun ein Jahr früher ausscheiden sollte, stellt dies für Taittinger kein Problem dar, weil das Vorstandsteam eingespielt und ohnehin bereits auf seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft vorbereitet ist.»
Auf Stimmenfang
Um als Kandidat zugelassen zu werden, muss Taittinger nun zunächst die Unterschriften von 500 politischen Amtsinhabern vorweisen, etwa von Bürgermeistern oder Deputierten auf den verschiedenen parlamentarischen Ebenen. Angesichts seiner Bekanntheit scheint es realistisch, dass Taittinger auch ohne die Unterstützung einer poltischen Partei auf die notwendige Zahl der Unterstützer kommt. Überdies ist die Familie mit dem Politikbetrieb bestens vertraut: Taittingers Grossvater Pierre war vor und während des zweiten Weltkriegs Stadtrat von Paris, 1943/44 wurde er im besetzten Paris zum Präsidenten des Stadtrats ernannt (was ihm zum Kriegsende eine Verhaftung wegen Kollaboration einbrachte), Taittingers Vater Jean war Bürgermeister von Reims, Abgeordneter des Regionalparlaments der Marne und 1973/74 französischer Jusitizminister unter Georges Pompidou. Auch der Halbbruder seines Vaters, Pierre-Christian Taittinger, wär politisch aktiv: Er gehörte jahrzehntelang dem Senat der Stadt Paris an und bekleidete zudem unter Valéry Giscard d'Estaing das Amt eines Staatssekretärs.
Gutes Timing
Taittingers Kandidatur könnte zu einem guten Zeitpunkt kommen. «Die Leute gehen mehr und mehr auf Distanz zu Berufspolitikern, weil sie den Eindruck haben, dass es immer dieselben Gesichter sind», so Jean-Pierre Redont. «Aber Pierre-Emmanuel Taittinger hat nicht nur einen ausgezeichneten Namen, er hat auch als Unternehmer eine Erfolgsbilanz vorzuweisen.»
Taittingers grosse Lebensleistung ist die Fortführung des Champagner-geschäfts in direkter Linie. Denn im Jahr 2005 hatte eine Mehrheit der Familienmitglieder für den Verkauf des Unternehmens gestimmt. Da auch einige prestigereiche Hotels zum Besitz gehörten, ging das Taittinger-Imperium zur Gänze an Starwood Capital. Doch nur ein Jahr später gelang es Pierre-Emmanuel Taittinger gemeinsam mit der Bank Crédit Agricole, die Champagner-Sparte von Starwood zurückzukaufen. Seither ist das Unternehmen zwar nicht mehr unter dem Aspekt der Aktienmehrheit, jedoch operativ zurück in Familienhand – und dies höchst profitabel.
www.taittinger.com
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