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Es war einmal, da gabs noch das Sperrkonto. Jedermann mit mittlerer Intelligenz wusste, was darunter zu verstehen war: Das Geld, das auf jenem Konto lag, war gesperrt. Heute heissen diese Dinger Freizügigkeitskonto. Soll mir mal einer sagen, wie freizügig ein Konto ist, auf dessen Geld man nicht zugreifen kann.
Zugegeben: Es gibt auch das Freizügigkeitskapital. Es ist jenes Geld in der Pensionskasse, das bei einem vorübergehenden Erwerbsunterbruch auf ein Freizügigkeitskonto zu überweisen ist. So gesehen hat der Begriff seine Logik. Dennoch ist die Wortschöpfung unsäglich. Man frage mal im Bekanntenkreis: Hey, weisst du eigentlich, dass du ein Freizügigkeitskapital hast? Ein ungläubiges Kopfschütteln wird die Antwort sein.
Warum nennt man dies nicht das individuelle Pensionskassenguthaben? Wahrscheinlich deshalb, weil es sonst leicht verständlich wäre.
«Wie verhält es sich mit deinem koordinierten Lohn?» Wieder wird der Befragte beschämt den Kopf schütteln. Der koordinierte Lohn ist meistens – leider auch nicht immer – der versicherte Lohn. Und auf dem versicherten Lohn werden die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge berechnet.
Aber was gibt es da zu koordinieren? Stimmt, es gibt da noch den Koordinationsabzug, um die 1. mit der 2.Säule zu koordinieren. Dies zu erklären führte aber definitiv zu weit.
Wie erfrischend ist doch Gusti Pollak, der Komiker, der vergangene Woche an einer Arbeitstagung der AWP für all die gehörten Begriffe seine eigene Interpretation hatte. BVG heisst für ihn nicht Berufliches Vorsorgegesetz, sondern «Bilanz Vor dem GAU» oder «Befohlenes Vermögens-Grounding». Das BVV, die Verordnung des BVG, «Beinhaltet Verrückte Versuche». Das BSV heisst bei Pollak «Bundesamt für Schwierige Verhältnisse». FER, die Rechnungslegungsvorschriften, nennt er «Finanzen Eher Relativ». Und bei der Expertise, so sagte der Komiker, komme das Wort «perte» vor, was auf Französisch Verlust heisst. «Eine Expertise ist also der Versuch, einen Verlust zu erklären.»
Pollaks Interpretationen sind zwar nicht unbedingt wahr, aber zumindest verständlich.
Erschienen in der BZ am 30. Juni 2009