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Ziel der alle zwei Jahre durchgeführten Studie von Hotrec ist es, die Entwicklung der Vertriebskanäle innerhalb der europäischen Hotelindustrie zu beobachten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Rolle der Online-Reisevermittler gelegt wird. Die Studie hat Hotrec, der europäischen Dachverband für Restaurant und Hotels, in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Westschweiz Wallis (HES-SO Wallis-Wallis) durchgeführt und basiert auf Beobachtungen von mehr als 2'800 Hotels in ganz Europa, die vor dem Ausbruch der COVID-19-Krise im Referenzjahr 2019 gesammelt wurden.
Die Auswertungen zeigen, dass zwischen 2013 und 2019 der Marktanteil der Online-Reisevermittler im europäischen Hotelsektor kontinuierlich von 19,7 Prozent im Jahr 2013 auf 29,9 Prozent im Jahr 2019 gestiegen sei, wie die Hotrec in einer Mitteilung schreibt. Gleichzeitig sei der Anteil der Direktbuchungen in ganz Europa um mehr als 10 Prozentpunkte von 57,6 Prozent im Jahr 2013 auf 45,5 Prozent im Jahr 2019 zurückgegangen.
Die drei Hauptakteure auf dem Markt der Online-Reisevermittler sind nach wie vor Booking Holding, Expedia Group und in geringerem Masse HRS mit einem aggregierten Marktanteil von 92 Prozent.
Booking.com ist der bei weitem einflussreichste Akteur mit einem Anteil von 68,4 Prozent am Vermittlermarkt. Die Dominanz von Booking.com ist in den letzten sechs Jahren um mehr als 8 Prozentpunkte (14%) gestiegen – von 60,0 Prozent im Jahr 2013 auf 68,4 Prozent im Jahr 2019. Expedia hat seine Marktanteile in den letzten vier Jahren gehalten (16,3% im Jahr 2019, verglichen mit 16,6% im Jahr 2017 und 16,8% im Jahr 2015). HRS hat einen stetigen Rückgang der Marktanteile von 16,6 Prozent im Jahr 2013 auf 7,2 Prozent im Jahr 2019 verzeichnet.
Die von diesen drei Unternehmen ausgeübte Marktdominanz führt bei den Hotels zu einer starken Abhängigkeit und Konflikten. Die meisten Hoteliers (56%) fühlen sich unter Druck gesetzt, die Geschäftsbedingungen der Plattformen zu akzeptieren (z.B. in Bezug auf Stornierungspolitik, Sonderrabatte), welche sie selber nicht freiwillig annehmen würden. Nahezu 60 Prozent der Hotels hatten Meinungsverschiedenheiten mit den OTAs, und nur eines von vier dieser Hotels (26%) fand bei Konflikten eine faire und wirksame Lösung, schreibt die Hotrec weiter.
«Es ist mehr denn je von entscheidender Bedeutung, dass trotz der enormen Ungleichgewichte zwischen den verschiedenen Akteuren die Marktbedingungen wieder fairer und ausgeglichener werden. Jeder einzelne Hotelier muss die Freiheit haben, die Bedingungen für seine eigenen Dienstleistungen selbst festlegen zu können und mit jedem Vertriebspartner fair über Vertragsbedingungen verhandeln zu können», sagt Markus Luthe, Vorsitzender der Distribution Working Group von Hotrec.
Der Geschäftsführer des Deutschen Hotelverbands (IHA) sieht aber auch etwas Hoffnung aufgrund der am 12. Juli in Kraft getretenden EU-Verordnung «Platform to Business Regulation» (P2B). «Wir erwarten, dass sie Missbräuche von Online-Vermittlern gegenüber Hoteliers eindämmen wird. Mit Blick auf die weitere Zukunft könnte die EU handeln, um die Marktdominanz solcher Akteure durch das angekündigte Gesetz über digitale Dienste zu begrenzen. Wir glauben, dass dies ein weiterer Schritt in die richtige Richtung wäre», fügt Luthe hinzu.
«Für die Verbraucher gibt es viel zu gewinnen, wenn sie eine Unterkunft direkt beim Hotelier buchen. Und in Zeiten wie diesen, macht eine persönliche Note, die man viel eher durch den direkten Kontakt mit dem Hotel erhält, einen gewaltigen Unterschied», so Luthe weiter. Die Hotrec würde deshalb alle Gäste ermutigen, direkt bei den Hotels zu buchen. «Darüber hinaus werden Direktbuchungen auch die Erholung des Hotelsektors nach der ersten – und, wie wir hoffen, letzten – Welle von COVID-19 unterstützen».