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Beim Begriff „Ampelografie“ denken wohl die Wenigsten an Trauben und Rebbau. Doch genau in diesem Kontext ist er einzuordnen.
Ampelografie (von griechisch ampelos= Weinstock) zu deutsch Rebsortenkunde oder Rebenkunde, ist die Lehre von der Bestimmung und Beschreibung der Rebsorten und ihrer wissenschaftlichen Klassifizierung. Sie ist ein Teilgebiet der Önologie.
Abb. 1: “Ives” (Traubensorte)
Die Wissenschaft der Ampelografie begann sich ernsthaft erst im 19. Jahrhundert zu entwickeln, als Rebenkrankheiten und Schädlinge wie die Reblaus oder der Traubenwickler möglichst wirkungsvoll bekämpft werden mussten. Unterschiede, welche im Zusammenhang mit Widerstandsfähigkeiten beobachtet wurden, forderten eine exaktere Untersuchung und Beschreibung der Rebsorten. Es erstaunt somit nicht, dass nach Ende des 19. Jahrhunderts das erste monumentale Werk zum Rebbau und der Traube als Pflanze erschien, aus dem die 2 Abbildungen stammen: „Traité général de viticulture. Ampélographie. Von Pierre Viala. Das Werk ist bis heute die umfassendste und schönste Darstellung der botanischen Gattung der Weinreben. Zum ersten Mal stellten die bekanntesten Önologen des späten 19. Jahrhunderts einen fundierten Überblick zusammen, beinhaltend eine allgemeine Darstellung der Botanik der Traube und ihrer Anzucht, die Beschreibung und Abbildung sämtlicher damals bekannter Traubensorten, ein Wörterbuch der Rebsortenkunde und eine umfassende Bibliografie.
Der Autor Pierre Viala (geboren 1859 in Lavérune (Hérault), gestorben 1936) stammte aus einer Winzerfamilie, welche über ausgedehnte Weingebiete im Languedoc-Roussillon (Südwestfrankreich) verfügte. Nach Abschluss der landwirtschaftlichen Studien startete er eine wissenschaftliche Karriere mit dem Focus auf Krankheiten der Rebpflanze. Insbesondere die Bekämpfung der Reblaus lag ihm am Herzen, da diese seit ca. 1863 die europäischen Rebsorten innerhalb weniger Jahrzehnte fast vollständig vernichtet hatte. Viala war dank seiner fundierten Kenntnisse massgeblich an der Neuorientierung im europäischen Rebbau beteiligt, als man versuchte, die guten Geschmackseigenschaften der europäischen Rebsorten, mit der Resistenz der neu aus Amerika eingeführten Sorten zu vereinen.
Abb. 2: “Inzolia” (Traubensorte)
Die prächtigen Illustrationen wurden von A. Kreyder und J. Troncy gemalt und von F. Champenois in Farblithografie gedruckt. Alexis Kreyder (1839-1912) war ein bekannter auf Blumen- und Früchtesujets spezialisierter Künstler aus dem Elsass, dessen Bilder heute vorwiegend in den Museen von Colmar und Strasbourg zu finden sind. Bemerkenswert und eindrucksvoll ist die Anzahl der abgebildeten Lithografien. Es handelt sich um mehr als 500 ganzseitige Abbildungen verschiedener Traubensorten! Sie stellen einen wahrhaftigen Augenschmaus und somit eine optisch ansprechende Ergänzung zum Weingenuss dar.