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Die Therapie mit Blutegeln dürfte so alt sein wie die Heilkunst selbst. Es gibt keinen Heilkundigen, der diese Form der Behandlung nicht erwähnt und auch angewendet hätte.
Im 19. Jahrhundert wurden alleine in Frankreich 100 Mio. Blutegel benützt, was gemessen an der Bevölkerung einen enormen „Pro-Kopf-Verbrauch“ errechnen lässt. Selbst die Mode machte vor den „Tierchen“ nicht halt und die Damenwelt bekleidete sich mit Blutegel-farbenen Mustern.
Der Blutegel (Hirudo medicinalis und Hirudo officinalis) ist ein schwarz-bräunlich gesprenkeltes wurmartiges Tier, das ca. 3-5 cm gross wird. Beim Biss sondert er ein stark blutverdünnendes Sekret – das Hirudin – ab, welches die Gerinnung verhindert. Die durch Blutegelbisse verursachten Wunden bluten sehr lange Zeit und sind nur schwer zu stillen, was die Blutegeltherapie sehr zeitintensiv macht und wohl auch Grund dafür ist, dass sie nicht mehr so oft angewendet wird.
Das Hirudin wurde um 1900 chemisch analysiert und auch erstmals synthetisch hergestellt, es wurden folgende Wirkungen festgestellt:
1. Gerinnungshemmung
2. Beschleunigung des Blut- und Lymphflusses: Lymphe und Blut fliessen vermehrt in die Gewebezwischenräume, und gelangen mit dem Blutaustritt zur Ausscheidung, dadurch wird die Zirkulation durch Abfluss bei z.B. zu geringer Venentätigkeit angeregt.
3. Antithrombotisch: das heisst, Blutverklebungen werden aufgelöst und damit die Gefahr von Embolien verringert.
4. Abwehrsteigerung durch Anregung der Bildung weisser Blutkörperchen.
5. Lösung von Gefässkrämpfen, z.B. Krampfaderschmerzen lassen deutlich nach.
Die Anwendung ist einfach, lediglich der Ekel der Patienten muss vorab überwunden werden (der des Therapeuten eventuell auch!). Die Tiere stammen heute aus speziellen Zuchten und sind in Apotheken erhältlich.
An der Stelle, wo der Blutegel angesetzt werden soll, dürfen sich keine Salben- oder Seifenreste mehr befinden, weil diese Tiere sehr empfindlich gegenüber chemischer Substanzen reagieren. Man setzte Den Blutegel mit einem Glasrohr genau auf die betreffende Stelle, hat er sich festgebissen, wird er beobachtete, damit er nicht doch einmal unbefugterweise abwandert. Die Saugzeit beträgt ca. 15-60 Minuten, danach löst sich der Blutegel von selbst. Er darf nie während des Saugens entfernt werden! Danach muss die Wunde solange versorgt werden, bis sie nicht mehr nachblutet, dies kann mehrere Stunden andauern.
Auch hier sind die Indikationen vielfältig:
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Thrombosen,
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Hämorrhoiden,
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Venenentzündungen,
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Krampfadern,
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Furunkel,
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sowie alle andern unter den Ausleitungsverfahren bereits genannten Indikationen.
Weiterführende Literatur:
Die neue Aschner- Fibel. Ausleitende Verfahren für die Praxis.
von Rainer Matejka (Herausgeber), Norbert Haberauer (Herausgeber)
Ausleitende Therapieverfahren. Methoden und Praxis. von Rainer Matejka.
Broschüre der Fa. PASCOE, „Naturheilverfahren bei Neurodermitis und allergischen Erkrankungen“