Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03100.jsonl.gz/548

mehr
versehene Spindelbank oder Flyer, die im Gegensatz zu der Würgelstrecke (wie sie namentlich in der Kammgarnspinnerei ausgedehnte Anwendung findet) ein Vorgespinst mit bleibender schwacher Drehung liefert. Taf. I, [* 1] Fig. 7 giebt die äußere Ansicht dieser außerordentlich sinnreich konstruierten Maschine, [* 2] während [* 1] Fig. 5 einen schematischen Querschnitt zeigt. Das durch das Streckwerk a gestreckte Band [* 3] wird nach der centralen Öffnung eines durch die hyperbolischen Räder e, f in schnelle Rotation versetzten gabelförmigen Flügels b geführt und läuft durch den einen hohlen Arm desselben nach einer innerhalb des Flügels befindlichen, auf dessen Achse oder Spindel aufgesteckten Spule c, deren selbständige Drehung durch hyperbolische Räder h, g erfolgt und so bemessen ist, daß gerade die vom Streckwerk a gelieferte Fadenlänge in regelmäßig übereinander gelegte Windungen auf die Spule aufgewickelt wird.
Die Spule befindet sich zu diesem Behufe auf einer Bank oder einem Wagen i, der mittels Zahnstange k und Rad m eine Auf- und Niederbewegung erhält. Der Faden [* 4] selbst erfährt zwischen Streckwerk a und Flügel b eine bleibende Drehung und damit die nötige Festigkeit, [* 5] während gleichzeitig die zu möglichster Schonung des Vorgespinstes dienende regelrechte Aufwicklung auf der Spule c zu stände kommt. Jeder Flyer enthält eine größere Anzahl (30-240) in zwei Reihen angeordneter Spindeln und kann daher die gleiche Anzahl Bänder gleichzeitig bearbeiten.
Die stufenweise Verfeinerung des Vorgespinstes wird dadurch erreicht, daß man mehrere (3-6) Flyer von zunehmender Feinheit hintereinander anwendet. Diese Flyer werden der Reihe nach bezeichnet als Grob-, Mittel-, Fein-, Doppelfein-, Extradoppelfein-, Expreßfein-Flyer. Das auf diese Weise erzeugte Vorgarn gelangt zuletzt auf die Feinspinnmaschine, durch welche dasselbe bis zu dem gewünschten Feinheitsgrad ausgezogen und sodann dem Faden eine bleibende, hinreichend starke Zusammendrehung erteilt, zugleich auch die Überführung der Fasern in die für den Spinnprozeß charakteristische schraubenförmige Lage erreicht wird.
Man unterscheidet, wie oben auseinandergesetzt, zwei Arten Feinspinnmaschinen: die Watermaschine und die Mulemaschine (beide mit Streckwerk ausgestattet), von welchen die letztere um deshalb häufiger als die erstere angetroffen wird, weil sie eine allgemeinere Verwendung zuläßt und für grobe wie für feine Sorten zu gebrauchen ist, wogegen die Watermaschine, die sich nur für gröbere Garnsorten eignet, den Vorzug einfachern Baues und größerer Leistungsfähigkeit hat.
Die Watermaschine, auch Drosselmaschine genannt, ist auf Taf. II, [* 1] Fig. 1 schematisch dargestellt. Die Spulen a, a enthalten das Vorgespinst und sind reihenweise auf dem Aufsteckrahmen d angeordnet. Durch das Streckwerk c werden die Fäden gestreckt und durch den Drahtring d den Flügeln i der Spindeln e zugeführt, welche das ununterbrochene Zusammendrehen und Aufwickeln der ihnen zugeführten Fäden besorgen. Damit sich die Fadenwindungen gleichmäßig auf die Spule verteilen, wird der Spulenwagen h auf und nieder bewegt; dies geschieht dadurch, daß derselbe mittels der Stange k und der Kette l an den Winkelhebel m angeschlossen ist, dessen aufrechter Schenkel sich mit einer Rolle an den Umfang einer gleichförmig rotierenden Kurvenscheibe n stützt, die ihre Bewegung durch die Schneckengetriebe o1 und o2 erhält.
Der gesamte Antrieb der Maschine geschieht von den durch Treibschnüre verbundenen Trommeln p aus. Diese treiben mittels Schnüren die Wirtel f der Spindeln; ferner werden von hier aus durch Räderübersetzungen q1, q2, q3, q4 und q5 sowohl die Streckwerke c als auch die schräge Achse in Thätigkeit gesetzt, welche durch o1 und o2 die Umdrehung von n und somit das Auf- und Niedergehen des Spindelwagens bewirken. Die Maschine hat in ihrer Konstruktion große Ähnlichkeit [* 6] mit dem erwähnten Flyer.
Wie dieser enthält sie ein Streckwerk c, für jeden Faden einen die Drehung erteilenden Flügel i und eine zur Aufnahme des Gespinstes dienende Spule g; aber während die letztere beim Flyer, der zarten Beschaffenheit des Vorgarns wegen, eine selbständige Drehbewegung von der Antriebwelle her empfängt, wird sie hier nur durch den in der Aufwicklung begriffenen Faden nachgezogen, wobei die aus ihrem Gewicht entspringende Reibung [* 7] auf ihrer Unterstützungsfläche die angemessene Spannung des auflaufenden Fadens hervorbringt.
Aus dieser Anordnung folgt schon, daß das Gespinst eine gewisse, durch stärkeres Zusammendrehen erzeugte Festigkeit besitzen muß, wenn nicht ein häufiges Abreißen des Fadens eintreten soll. Will man daher eine weiche Beschaffenheit des Feingespinstes, wie sie für manche Zwecke, z. B. zur Erzeugung gewirkter Waren, erforderlich ist, erreichen und darf daher nur eine schwächere Drehung erteilt werden, so ist die Watermaschine ebenso wie für die feinsten Garnnummern nicht mehr verwendbar, doch ist man in neuerer Zeit bemüht gewesen, die Waterspinnmaschine zu verbessern und namentlich durch andere Konstruktion der Drehungs- und Aufwicklungsorgane teils erhöhte Produktionsfähigkeit infolge vergrößerter Geschwindigkeit, teils vermehrte Anwendungsfähigkeit infolge geringerer Inanspruchnahme des Garns beim Aufwickeln, teils bequemere Bedienung (schnelles Auswechseln der gefüllten Spulen und leichtes Einziehen abgerissener Fäden) zu erzielen.
Die weitgehendste Durchbildung in dieser Hinsicht und die allgemeinste Verbreitung hat in den letzten Jahren die Ringspinnmaschine (s. Taf. II, [* 1] Fig. 2) erfahren, bei welcher der Flügel der Flügelspinnmaschine durch ein leichtes, metallenes Öhr b (Läufer, Reiter, Fliege, Traveller) ersetzt ist, welches auf dem die Spule c umschließenden Ringe d im Kreise [* 8] geführt wird. Durch das Streckwerk a wird der Faden vorher gestreckt. Der Hauptvorzug dieser Maschine besteht indes in der Verbesserung der Spindeln (Rabbeth-, Booth-Sawyer-, Ferguslie-Spindeln u. s. w.), deren adjustierbare Hals- und Fußlager vermöge der dadurch erzielten konzentrischen Stellung der Spindeln im Ring Geschwindigkeiten bis zu 14000 Touren in der Minute erreichen lassen (doch geht man zur Herstellung eines gleichmäßigen Gespinstes nicht wohl über 7-8000 Touren hinaus). Bei der in den vorstehenden [* 1] Fig. 4, 5 und 6 dargestellten Rabbeth-Spindel sind Hals- und Fuß-
[* 1] ^[Abb. 4]
[* 1] ^[Abb. 5]
[* 1] ^[Abb. 6] ¶
mehr
lager derart verbunden, daß die Spindel sich darin wie in einer einzigen Hülse [* 10] hält; auch ist nur eine Spindelbank (statt der sonst üblichen zwei) zur Unterstützung derselben erforderlich. A ist die aus Stahl hergestellte Spindel, B eine fest auf diese getriebene gußeiserne Hülse, an deren unterm Ende der Wirtel C angegossen ist, D das bei E mit einer Büchse versehene gußeiserne, Pfanne und Halslager in sich vereinigende Spindellager; die Höhlung H dient als Ölkammer; der Haken J hindert das Herausziehen der Spindeln beim Abnehmen der Spulen.
Der auf der Glocke festsitzende Becher [* 11] F hat einerseits die Aufgabe, die Spule G in der richtigen Lage zu erhalten, ein Schlagen und Unrundlaufen derselben zu verhindern und für ihre Mitnahme durch die Spindel mehr Sicherheit zu gewähren; andererseits hat F den Zweck, beim Auswechseln das Abnehmen der leeren bez. das Ansetzen der gefüllten Spulen zu erleichtern, indem die Umwicklung des Fadens um die leere Spule, welche früher, wie bei den Flyers, von der Hand [* 12] geschehen mußte, durch dasselbe entbehrlich gemacht wird.
Die Vorteile der Ringspindel gegenüber der Flügelspindel bestehen darin, daß sie schneller laufen kann (sie kann ebenso rasch laufen wie die Mulespindel), und darin, daß sie den Faden weniger beansprucht; man kann also auf ihr weicheres Garn erzielen, aber nicht so glatt; auch der Kraftbedarf ist, da der Flügelwiderstand wegfällt, etwas geringer. Die Vorteile der Ringspinnmaschine gegenüber der Mulespinnmaschine sind die, daß sie außerordentlich einfacher in ihren Bewegungsmechanismen ist und weniger geschickte Arbeiter verlangt, daß sie einen geringern Raumbedarf hat, und daß sie leistungsfähiger ist, da sie unausgesetzt, nicht absetzend wie die Mule, spinnt; zudem sind die neuern Ringspindeln in ihrer Bauart so verändert, daß sie leichter in Öl zu halten sind.
Der Mulespinnmaschine gegenüber hat die Ringspinnmaschine aber auch die Nachteile, daß auf ihr so weiche und feine Garne wie auf ersterer nicht hergestellt werden können, da der Faden die Fliege nachschleppen muß und man mithin immer mindestens einen bessern Spinnrohstoff verwenden muß. Die Holz- oder dickern Papierspulen verteuern die Unterhaltung der Maschine und erhöhen das Gewicht eines Abzuges bedeutend; ein Dämpfen der Garne ist wegen der Holzspulen oder Papierhülsen ebenfalls kostspielig. Die Fadenspannung läßt sich bei der Ringspindel leicht durch Anwendung verschieden schwerer Fliegen [* 13] regeln; bei groben Garnnummern nimmt man schwerere, bei feinern Garnnummern leichtere.
Die Taf. II, [* 9] Fig. 9 zeigt den auf dem Princip der Mulemaschine beruhenden Selfactor, die vollkommenste aller Spinnmaschinen. [* 14] So mannigfache Verschiedenheiten die als Selfactor zu bezeichnenden Konstruktionen aufweisen, so ist doch der Grundgedanke bei allen der oben auseinander gesetzte. Es wird zuerst ein Fadenstück von bestimmter Länge (etwa 1,5 m) gebildet, worauf die Fadenbildung aufhört und die Aufwicklung erfolgt, und zwar nicht auf Spulen, sondern auf stählerne Spindeln von der aus beistehender [* 9] Fig. 7 ersichtlichen Form.
Dieselben (oft bis 1200) sind mit ihrem Bewegungsmechanismus auf einem Wagen angebracht, und in demselben Verhältnis, in welchem das Streckwerk den Faden liefert, wird dieser durch den Umlauf der Spindeln gedreht und durch das Ausfahren des Wagens in gespanntem Zustande erhalten. Sobald der Wagen am Ende seiner Bahn angelangt ist, bleibt das Streckwerk stehen und die Fadenlieferung hört auf; alsdann muß der von der eigentlichen Aufwicklungsstelle bis zur Spitze der Spindel gelangte Faden wie bei der Handspindel abgeschlagen werden, zu welchem Zwecke die Spindeln einige Drehungen in entgegengesetzter Richtung machen.
Hierauf erfolgt die Aufwicklung auf die Spindeln, wobei der Wagen sich wieder nach dem Streckwerk hin bewegt. In vorstehender [* 9] Fig. 8, welche den Wagen des Selfactors darstellt, sind diese Vorgänge schematisch veranschaulicht. Die drei Paar Streckwalzen W ziehen das von den Spulen der Vorspinnmaschine kommende Band bis zur erforderlichen Feinheit aus. C ist der die Spindeln S tragende Wagen, b und a sind der Auf- und Gegenwinder, von denen der Gegenwinder a die Fäden immer in der nötigen Spannung hält, während der Aufwinder b den Faden derartig führt, daß sich derselbe in Form des sog. Kötzers oder der Bobine S (in [* 9] Fig. 7 vergrößert) aufwindet. Die [* 9] Fig. 8 zeigt die Lage der einzelnen Teile in dem Moment, wo die Aufwicklungsperiode beginnt. Da beim Selfactor der Faden keine erhebliche Beanspruchung erleidet, so können mittels desselben die feinsten Garnnummern gesponnen werden.
[* 9] ^[Abb. 7]
[* 9] ^[Abb. 8]
In dem gleichen Grade, in welchem alle hier beschriebenen Maschinen im Laufe der Jahre vervollkommnet worden sind, ist naturgemäß das Handspinnen und damit das Spinnrad verdrängt worden, so daß heute wohl kaum noch ein nennenswertes Quantum Baumwollgarn durch Handarbeit hergestellt wird. Zur Bestimmung der Feinheitsnummern ist noch jetzt für Baumwollgarne am meisten das engl. System in Gebrauch, nach welchem die Nummer irgend einer Sorte die Anzahl von Schnellern oder Strähnen (840 Yards Fadenlänge) bezeichnet, die in einem engl. Pfund enthalten ist. Außerdem bedient man sich des franz. Systems mit den Einheiten 500 m und 500 g, sowie des sog. internationalen mit den Einheiten 1000 m und 1000 g.
Als ein besonderer Zweig der Baumwollspinnerei hat sich die Barchent- oder Zweicylinder- oder Abfall-Spinnerei ausgebildet. Sie ist bestimmt, starke Garne (von Nr. 1 bis 8 englisch) herzustellen, und es wird je nach den an die Gespinste gestellten Anforderungen entweder reine Bengal-Baumwolle hierzu verwendet oder auch verschiedene bessere und geringere Baumwollabfälle zusammengemischt. Bei dieser Art der S. kommen die Arbeiten des Streckens und Flyerns ganz in Wegfall. Das Fertigspinnen kann auf zweierlei Weise vor sich gehen, entweder nach Art der weiter unten erläuterten Streichgarnspinnerei (sog. Zweicylindersystem) oder durch Selfactors mit drei Streckwalzenpaaren mit besonders schwachen Streckwalzen. ¶