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Mit diesen beiden Fotos wünschen wir allen ganz schöne Weihnachten und alles Gute fürs 2021 – hoffen wir auf ein besseres Pfadijahr!
«Pfadi dihei», «CoronAufbau mit Masken», abgesagte und dezentralisierte Anlässe: Die Corona-Pandemie zwang 2020 auch zu grossen Veränderungen im Pfadibetrieb. Doch wie war das eigentlich bei der letzten grossen Pandemie, der «spanischen Grippe» 1918? Diese massive Grippewelle, hatte ihren Ursprung nicht in Spanien (dort wurde lediglich offen darüber berichtet) sondern wohl in den USA, in Kansas. Sie forderte weltweit zwischen 27 und 50 Millionen oder noch mehr Todesopfer, mehr als der damals zu Ende gehende 1. Weltkrieg. Die Schweiz hatte 25’000 Grippetote zu beklagen, fast jede zweite Person in der Schweiz erkrankte an dieser Grippe, hart traf es vor allem 20- bis 40-jährige.
Die erste Welle im Frühsommer 1918 hatte einige Einschränkungen für die Pfadi in Zürich zur Folge, Grossanlässe wie die «Pfadfinder-Landsgemeinde» wurden verschoben, «Social Distancing» galt schon damals als wirksam.
Eine Grippeimpfung existierte nicht, lindernde Medikamente gab es kaum, entsprechend wurde viel Merkwürdiges angeboten wie dieser Heimschwitzapparat:
Zum Teil wurde auch Rauchen und Alkohol empfohlen, um der Grippe den Garaus zu machen oder Gurgelmittel.
Im Oktober und November, gleichzeitig mit dem Landesstreik und der Angst vor einer Revolution, die eine Truppenstationierung in Zürich zur Folge hatte, explodierte die Zahl der Erkrankungen förmlich. Der Bericht des Stadtrates von damals zeigt, dass allein in der Stadt fast 40’000 Personen erkrankten:
In dieser Situation wurden die Schulen geschlossen, viele Schulhäuser und z.B. auch die Tonhalle wurden zu Notspitälern umfunktioniert. Das damalige Protokollbuch des «Feldmeisterkonventes» des Gloggi ist in unserem Archiv erhalten. Aus den Absenzenlisten ist ersichtlich, dass auch viele Führer, wie man damals sagte, wegen Grippe abwesend waren. Der Pfadibetrieb (hier der Oberpfadi-Kurs O’Pf.) wurde aber weitergeführt und andererseits hatten viele Pfadi «Hilfsdienst» zu leisten. Sie wurden von der Frauenzentrale und der Pflegerinnenschule, die die Arbeiten koordinierten, eingesetzt.
Der damals 16-jährigen Pfadi Eduard Seiler (er war wohl nicht im Gloggi) hat damals ein Tagebuch geschrieben, das 2008 und 2009 auszugsweise veröffentlicht wurde. Hier der 2008 erschienende Beitrag aus dem Tages-Anzeiger:
Die zweite Veröffentlichung findet sich in einem Buch über das „Soldatenleben im 1. Weltkrieg“: Otto Wicki/ Anton Kaufmann/ Erwin Dahinden: Oh wär ich doch ein Schweizer, Schüpfheim 2019.
Aus diesem Tagebuch wissen wir, dass diese Hilfsdienste sehr hart waren: Eduard Seiler berichtet, wie die Pfadi einerseits eingesetzt wurden, um Betten und andere Utensilien wie Spucknäpfe und Urinflaschen mit Velos und Anhängern in die Lazarette zu transportieren und dort aufzustellen. Sie wurden auch für Botengänge eingesetzt, wenn Patienten z.B. dringen Sauerstoff brauchten. Er berichtet von einem Soldaten, der grässliche Atemnot hatte: «Oft mussten wir in die Apotheken springen um schnell wieder eine neue Sauerstoffbombe für den langsam erstickenden Aregger zu holen. Etwas so Entsetzliches habe ich nie gesehen.» Eduard Seiler beschreibt das Sterben des Soldaten, er schreibt auch von berührenden Besuchen von Angehörigen, die ihre Lieben bis in den Tod pflegten.
Dass die Patienten nicht isoliert werden konnten, zeigt dieses Bild aus der Tonhalle, die in ein Lazarett umgewandelt worden war:
Den Landesstreik und das Truppenaufgebot schildert Eduard Seiler ebenfalls und versucht sich einen Reim daraus zu machen: «Heute trugen alle Stahlhelme, wahrscheinlich erwartete man Strassenkämpfe. Die Regierung musste wichtige Dokumente über das Wühlen der Bolschewiki in den Händen haben, dass sie sich zu solch einem grossen Aufgebot entschloss. Die ganze Stadt war voll mit Militär und besonders viele Maschinengewehre wurden bereitgestellt. Gestern zogen Tausende vor die Kaserne und forderten den Militärminister Regierungsrat Wettstein heraus».
Der Rationierungsbrunnen an der Trottenstrasse in Zürich erinnert an die damalige Teuerung, die den Streik mit auslöste. 1914 erhielt man für einen Franken z.B. 20 Kilo Kohle, 1918 dann nur noch 3 ½ Kilo.
(Bild W. Gallas, Baugeschichtliches Archiv Zürich)
Der Landesstreik hat keine Spuren im Gloggi-Archiv hinterlassen. Im Protokollbuch ist aber festgehalten, wo überall Gloggi-Pfadi eingesetzt wurden:
Das von der Frauenzentrale geführtes Notspital im Schulhaus Münchhalden galt als eigentliches Vorzeigenotspital, es wird in Berichten immer wieder erwähnt, vermutlich weil das nun umgenutzte Schulhaus noch sehr neu war. Man sieht es auf dem Luftbild von Mittelholzer (1920) unten rechts, gerade darunter den Tunnel zwischen Tiefenbrunnen und Stadelhofen.
Auch ausserhalb der Notspitäler war man mit der Arbeit der Pfadi zufrieden. Die Frauenzentrale schreibt in ihrem Jahresbericht von einer sehr grossen Arbeit:
Das Engagement der Zürcher Pfadfinder wurde auch von der Presse gewürdigt, auf dem Bild der Helferinnen und Helfer im Tonhalle-Lazarett, das damals in der Schweizer Illustrierten erschien, sind die Pfadi im Vordergrund deutlich sichtbar:
Für die Pfadi von damals war ihr «Hilfsdienst» während der Pandemie von 1918 ein prägendes Erlebnis, viele haben sich das ganze Leben daran erinnert. Eduard Seiler ist später Arzt geworden.
Die Abteilungen spielen heute im Gloggi eine wichtige Rolle. Man gehört zum Hadlaub, zum Gryfensee, zur Lägern und wie sie alle heissen. Wie und wann sind sie eigentlich entstanden und wie kamen sie zu ihren Namen?
Bis 1941, als der Gloggi ziemlich stark am Wachsen war, war man einfach Mitglied im Gloggi, der «Pfadfinderabteilung Glockenhof» und in einem «Pfadizug», der «Wolfsmeute» oder dem «Roverbanner».
1941, der Gloggi zählte damals 800 Mitglieder, wurde dann eine Umorganisation vorgenommen, die Pfadizüge wurden auf vier «Stämme» aufgeteilt, den Vorgängern der heutigen Abteilungen: Auf dem GP-Titelblatt von 1947 sind in der Windrose die Stämme (mit den römischen Zahlen) abgebildet, dazwischen die 1946 gegründeten PTA, der APV, das Roverbanner und die Wolfsmeute.
Die PTA («Pfadi trotz allem») sind heute eine eigene Gloggi-Abteilung. Ihre Anfänge im Balgrist wurden im GP 1947 folgendermassen geschildert:
Aus den vier Stämmen wurden 1950 fünf, die Züge Olymp und Dübelstein aus Wallisellen und Dübendorf bildeten nun den fünften Stamm.
1953 erhielten die Stämme Namen:
Hadlaub und Gryfensee tragen also ihre Namen seit 1953. Johannes Hadlaub und der Landvogt von Greifensee, die Namensgeber kommen in Gottfried Kellers Zürcher Novellen vor, auch die anderen Namen stammen aus Werken von Gottfried Keller oder Conrad Ferdinand Meyer. Wichtig war damals, Namen zu finden mit einem Bezug zu Zürich, deren Träger Vorbildcharakter hatten. Im GP wurden damals auch Ausschnitte aus Werken von Keller und Meyer abgedruckt. Wenn man sie heute so liest, denkt man eher, nimmt man eigentlich nicht an, dass sie zur Identifikation mit den neuen Namen beitrugen…
Unterdessen waren 1958, angeregt von einem Pfadi, der auf einer Seemannsschule in England gewesen war, die «Seepfadfinder» gegründet worden, ihr Zug «Odysseus» war nicht Teil eines Stammes. Rechts das erste Titelbild der Seepfadi-Zeitschrift «Akto».
1959 wurde das Gloggi-Abzeichen eingeführt, Tatokano, von Beruf Grafiker hatte ein Signet geschaffen, das in leicht abgeänderter Form bis heute Bestand hat.
Die nächste Reorganisation veränderte den Gloggi 1964 stark. Die bisherige Abteilung wurde zum Korps umgestaltet, das in Abteilungen unterteilt war. Die bisherigen Stämme wurden nun zu Abteilungen mit den gleichen Namen, auch Wolfsmeuten und Roverrotten gehörten jetzt zu diesen Abteilungen, die alle ein eigenes Abzeichen hatten. Von aussen war die Zugehörigkeit zum Gloggi nur noch an den Gloggi-Socken erkennbar. Diese neue Organisation hat auch in Gruppenbüchern Spuren als «grosser Tag» hinterlassen, hier bei der Gruppe Voss aus dem Totila:
Diskussionen hatte im Vorfeld ausgelöst, ob die Seepfadi eine eigene Abteilung sein sollten und ob wohl alle Abteilungen lebensfähig sein würden oder ob man besser nur vier oder fünf Abteilungen gründen solle. Die Aufteilung in sechs Abteilungen bewährte sich aber lange Jahre.
Eine erste Änderung ergab sich, als der Salander sich ganz auf das Wehntal konzentierte und sich schliesslich 1981 mit der Mädchenabteilung Hochwacht zu Salander-Hochwacht und bald darauf 1982 zur Abteilung Lägern zusammenschloss. Im GP wurde damals folgendermassen über das Gründungsweekend berichtet:
Etwas mehr als ein Jahr später wurde dann auch im Raum Volketswil und Schwerzenbach eine neue Abteilung gegründet. Die Pfadfinderinnenabteilung Mistral schloss sich am Chlausweekend mit den Gryfensee-Einheiten in dieser Region zur Abteilung Wildert, benannt nach einem schönen Waldteich, zusammen. In der Chronik wurde das so vermerkt:
Stark schrumpfende Mitgliederzahlen führten dann 1995 zu einem Zusammenschluss von Hadlaub und Manesse unter dem Namen Hadlaub. 2004 trat die Abteilung Manegg, die für eine eigene Region zu klein geworden war in den Gloggi ein, mit dem sie eine jahrzehntelange gute Zusammenarbeit verband. Die Pfadfinderinnenabteilung Manegg war bereits 1925 gegründet worden, auf der Burgruine beim Uetliberg, deren Namen sie trägt.
2007 wurde die Abteilung Hutten aufgelöst, ihr Name wurde noch einige Jahre von den «Pfadi trotz allem» als Abteilung PTA Hutten weitergetragen – heute nennt sich diese kleinste Gloggi-Abteilung wieder «PTA Gloggi» und blickt auf eine Geschichte zurück, die 1946 begann.
Die beiden jüngsten Abteilungen im Gloggi sind also gleichzeitig die beiden, die ihren Namen schon am längsten tragen.
Dave, eine Wolfsleiter und Pfadiabzeichensammler aus Australien bittet um Mithilfe bei der Bestimmung einiger seiner Abzeichen. Hadlaub und Manesse und auch St. Luzius aus Walenstadt sind schnell erkannt, aber wer weiss etwas über die anderen Abzeichen der Sammlung? Im Kommentar eintragen oder Mail an <email-pii> . Dave bedankt sich im Voraus herzlich.
Sie 90 Jahren erscheint nun der Goldene Pfeil. Der Name wurde ihm von seinem ersten Redaktor bzw. Hauptschützen, Max Gysler v/o Vetter gegeben. Er war, wie Göppel vor 10 Jahren im GP berichtet hat, in den 1920er-Jahren während mehrerer Jahre in London tätig und hatte sich dort einer Pfadieinheit angeschlossen. Im dritten internationalen Jamboree in Birkenhead bei Liverpool (England) 1929 war er, da er beide Sprachen beherrschte, Verbindungsmann zur Schweizer Delegation – oder eben ihr Vetter.
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er vom Gloggi angeworben, um die neue Abteilungszeitschrift zu gründen und zu leiten. Vetter nannte sie, an das Jamboree in Birkenhead anknüpfend «Der Goldene Pfeil». Das Gloggi-Archiv hat kürzlich aus einem Nachlass ein Erinnerungsalbum dieses Jamborees erhalten.
Auf der Einbandseite sind die vielen Pfeile gut ersichtlich, die als Lagersymbol und -motto (The Quest of the Golden Arrow) dienten und alle Richtung «Arrowe Park» (Pfeilpark) zeigen, wo das Jamboree stattfand.
Auch auf dem Lagerabzeichen war der Goldene Pfeil prominent abgebildet (Bild Pinterest) und die Lagerzeitung hiess «The Daily Arrow».
„The Daily Arrow“ vom 1. August 1929. Baden-Powell, der Chief Scout begrüsst den Duke of Connaught, der das Jamboree offiziell eröffnete.
Der damals schon 72jährige Gründer der Pfadibewegung, Bi-Pi nutzte die Symbolik des Pfeils in der Schlusszeremonie auch für einen Friedensappell an die 50’000 Teilnehmer. Er begrub ein Kriegsbeil symbolisch in einem Fass, aus dem er dann hölzerne, golden bemalte Pfeile nahm, die er in alle vier Himmelsrichtungen den verschiedenen Delegationen übergab, mit dem Auftrag, als Botschafter für Liebe und Gemeinschaft in allen Ecken der Welt zu wirken:
«Von nun an ist das Pfadfindersymbol des Friedens der Goldene Pfeil. Nehmt ihn mit euch in eure Länder, so dass alle Menschen diesen Geist des Friedens und der Freundschaft kennen lernen.»
Etwas Hoffnung, dass die Pfadibewegung nicht nur im Kleinen etwas zu einer besseren Welt beitragen könne, schien 1929 berechtigt. Auf der ganzen Welt zählte man fast zwei Millionen Pfadfinder, allein 1929 waren 122’000 dazu gekommen und der GP berichtete, wie in Albanien und Ägypten neue Pfadiorganisationen entstanden.
Im Lagerbuch ist zum Beispiel eine Karrikatur des Londoner «Punch» abgedruckt. Die «League of Nations», also der Völkerbund, die wegen ihrer Machtlosigkeit, da sie über keine Armee verfügte, kritisiert worden war, schaut Richtung Jamboree:
Vetter nahm die Botschaft Bi-Pis auf und erklärte im zweiten GP: «Wir 15 Pfadfinder vom Glockenhof, die das Glück hatten am Jamboree teilzunehmen, haben den „Goldenen Pfeil“ mit nach Hause gebracht und ihn auf die Glocke abgeschossen, die dadurch in Schwung kam. Der Geist des „Goldenen Pfeils“ ist nichts anderes als der Geist des Friedens und der Freundschaft unter den Pfadfindern aller Länder»
Bi-Pi bedankte sich mit einem Brief, in dem er dem Gloggi und all seinen Mitgliedern viel Glück und dem Goldenen Pfeil allen nur möglichen Erfolg wünschte. Ein Auszug wurde ebenfalls im zweiten GP abgedruckt:
Wenige Monate nach dem Jamboree kam es zum Börsencrash und der anschliessenden Wirtschaftskrise. Mit Faschismus und Nationalsozialismus bewegte sich die Welt schnell Richtung zweitem Weltkrieg, die Friedenshoffnungen wurden nicht erfüllt, sondern ins Gegenteil verkehrt.
Von den ursprünglich in Birkenhead losgeschickten hölzernen goldenen Pfeilen, haben sich einige wenige bis heute erhalten.
Das Symbol wird aber nach wie vor genutzt, es wird z.B. in den USA, auf Barbados (Bild) und in Indien als Abzeichen verwendet.
Die Botschaft der Schlusszeremonie des Jamborees von 1929 hat nichts von ihrer Bedeutung verloren – schön dass der GP auch durch seinen Namen immer wieder daran erinnert.
Beim Durchblättern der GP der letzten Jahre fällt mir ein Bericht über ein Pfingstlager auf, das 2014 mit dem Thema «Catch the Hipster» stattfand. Auch von Masters of Hardcore, einem Wald-Starbucks und angreifenden Ninjas wird erzählt. Da hätten frühere Pfadigenerationen wohl nur «Bahnhof» verstanden.
Welche Einkleidungen wurden für die verschiedenen Anlässe und Lager in früheren Jahrzehnten gewählt?
In der Ideensammlung der Pfadibewegung Schweiz werden 773 Ideen von A wie «Abenteuer der starken Wanja» bis Z wie «Zwerge» aufgelistet. Vieles ist zeitlos und wurde durch all die Jahrzehnte der Gloggi-Geschichte immer wieder gewählt. Schatzsuchen, Wilder Westen, Römer, Zirkus, Eidgenossen, Ritter und Raubritter, Völkertreffen, Polarexpeditionen, Spione, Gauner, Gespenster und bei den Wölfen natürlich der Dschungel tauchen in Programmen und Erlebnisberichten regelmässig auf. Hier eine Zirkusaufführung aus dem Jahr 1937:
Andere Einkleidungen waren stärker von der Zeit, in der der Anlass stattfand, abhängig. In den 1930er-und 1940er-Jahren wurde in der Pfadistufe häufig gar keine Einkleidung gewählt, im Vordergrund stand der persönliche Fortschritt, vor allem das Weiterkommen in der Pfaditechnik und die «Bildung des Charakters». So wurden an den «Übungen» z.B. Kartenlesen, Morsen oder Erste Hilfe geübt.
Auf das «Übungsprogramm» folgte nach dem Anlass immer auch ein vom Venner verfasster «Übungsrapport». Der Zugsführer fügte dem jeweils einen Kommentar bei. Hier verglich er die Indianereinkleidung mit einer «Kleinkinderschule» und mahnte, dass vor allem die Charaktererziehung wichtig sei:
An solchen «Übungen» machte man oft Kleingruppen, die dasselbe lernen sollten, z.B. die «P-Kandidaten», also diejenigen Pfadi, die bald die Pfadfinderprüfung ablegen wollten. Manchmal bot sich eine Einkleidung an, wie hier «Fliegerunfall im Sagentobel»:
Geländespiele wurden «Kriegspiele» genannt und auch in tatsächliches Kriegsgeschehen eingekleidet, wie hier in den finnisch-russischen Winterkrieg 1939/40:
Der zweite Weltkrieg beschäftigte die Pfadi natürlich stark, was auch Auswirkungen auf die Wahl der Einkleidungen hatte. In den Gruppenbüchern werden Kriegsspiele realistisch wiedergegebenen und auch von «Sondermeldungen» werden nachgespielt:
Das Weltgeschehen diente auch nach dem zweiten Weltkrieg für Einkleidungen, z.B. die Konflikte vor der Gründung des Staates Israels.
In den 1950er-Jahren finden sich auch wieder stärker fantasiebetonte Einkleidungen, wie der «Bärenkönig»
Auch Radrennen wie die Tour de Suisse waren während den Zeiten Ferdy Küblers und danach lange eine beliebte Einkleidung.
Afrika mit den Gründungen neuer Staaten nach der Kolonialisation war um 1960 ein Thema, die Pfadi spielten Entwicklungshelfer in Gabun und Dahomey. (Schwarze wurden damals in der deutschen Sprache neutral als «Neger» bezeichnet, der Begriff diente auch als Pfadiname. Zum Begriff vgl. Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus)
Der Kalte Krieg wurde ebenfalls für Einkleidungen genutzt. Kundschaften auf dem Flughafen Kloten wurden z.B. im Auftrag einer «russischen Atomkommission» vorgenommen.
Thema waren auch die Ölfelder, um die in dieser Einkleidung Europäer und Araber kämpften:
Rund um die Mondlandung 1969 waren Raumfahrer, Astronauten, Space usw. beliebte Themen:
Auch Roboter wurden, wie hier an einem Georgstag zum Thema.
Das Kontrastprogramm dazu waren die Hippies. Flower Power hatte schon auf dem Titel des GP 1970 Spuren hinterlassen
und Hippie-Lager waren auch später beliebt – ebenso wie friedliche Lager in einer eigenen Welt «this is our world, this is our place».
Die 1980er-Jahre brachten viele Einkleidungen, die sich rund um das Thema «Phantasie» drehten, ein Lagerthema war z.B. «Mir sind Phantasier»
Aber auch das Tagesgeschehen floss weiterhin in den Pfadibetrieb ein. Zum Teil wurden Forscherweekends durchgeführt – gegessen hat man dann natürlich wie bei Laborversuchen nur mit Gummihandschuhen. In einer anderen Einkleidung trafen Wurstgierige auf Vegetarier:
Ende der 1990er-Jahren wurden Interviews zur Affäre von Bill Clinton und zu Natels durchgeführt:
Auch Themen wie Radioaktivität wurden aufgenommen, ein Pfadistamm machte sich im Sommerlager auf die Suche nach radioaktivem Material:
Um 2000 drehte sich vieles wieder um Kreativität, z.B. in «Kreativistenweekends» (die dritte Stufe der Abteilung Hutten nannte sich auch so):
Danach findet man Einkleidungen wie «Casting-Shows» und eben «Catch the Hipster» neben Themen wie Zirkus, die durch all die Jahrzehnte immer wieder vorkommen.
Während der ganzen Geschichte des «Goldenen Pfeils» mussten sich die Redaktorinnen und Redaktoren etwas einfallen lassen, um rechtzeitig zu genügend Berichten zu kommen. 1930, im ersten Jahrgang des «GP», der damals noch sechs Mal pro Jahr erschien, wurde z.B. eine Nummer gestaltet, an der nur unter 18-jährige mitschreiben durften. Der GP-Redaktor wurde noch «Hauptschütze» genannt – mit goldenen Pfeilen wurde ja geschossen…
Das Heft erschien wirklich hauptsächlich mit Beiträgen von jungen Schreibenden –zum Teil musste zwar etwas getrickst werden, es war auch ein Artikel abgedruckt, den der Abteilungsleiter als 13-Jähriger geschrieben hatte.
Ein Jahr später, 1931, lesen wir den Notschrei des Meuteleiters (heute wäre das der Wolfsstufenleiter):
Die «Portable», die der Meuteleiter hier erwähnt, war eine tragbare Schreibmaschine.
Es gab aber auch Zeiten, in denen sich Abteilungen und Einheiten mit Artikeln zu übertrumpfen suchten. 1971 wurde der Versuch gemacht, einen GP ganz ohne Erlebnisberichte zu publizieren, mit je einer Geschichte für die Wölfe und die Pfadi. Dies wurde auch damit begründet, dass so alles Prestigedenken begraben werden könne:
Der damalige Versuch wurde aber nicht weitergeführt. Erlebnisberichte wurden gerne gelesen, wenn auch nicht immer gerne geschrieben.
1978 war der Mangel an Artikeln dann wieder so gross, dass die GP-Redaktion eine «Vermisstanzeige» aufgab:
1982 machte ein hungriger Briefkasten auf den Redaktionsschluss aufmerksam:
2004 wurde beschlossen, pro Jahr nur noch drei GP-Ausgaben, herauszugeben:
Seither erscheint der GP regelmässig drei Mal im Jahr und eine nette Mail der Redaktion macht die Abteilungen darauf aufmerksam, dass es Zeit wäre, Beiträge einzuschicken.
Links und Ergänzungen zum Artikel im GP 1/2019
Das Gloggi-Archiv hat eine grosse Anzahl Rudel-, Gruppen-, Meute- und Stammbücher. Sie berichten vom Alltag in der jeweiligen Zeit und ermöglichen, dass wir uns auch heute noch ein Bild machen können, wie Pfadi vor Jahrzehnten ausgesehen hat. Hier Ausschnitte aus dem Zugsbuch Rotach und dem Rudelbuch Möve aus der Zeit um 1940.
Dem Motto «Jeden Tag eine gute Tag» wurde nachgelebt, hier als die Wolfsmeute für das Altersheim (Altersasyl zum Wäldli) singt:
Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges waren dann «Kriegsspiele» sehr verbreitet, es scheint dabei häufig recht ruppig zugegangen sein.
Das Soldatische kommt in den Büchern immer wieder vor:
Gerne wurden auch militärische Wettkämpfe nachgespielt, wie hier die «Brigadewettkämpfe» in Arosa:
Zum Alltag gehörte damals auch die «Anbauschlacht». In der Schweiz wurden alle zur Verfügung stehenden Flächen zur Nahrungsmittelproduktion genutzt. Zwei Führerinnen berichten von einem Wolfsführerinnentreffen in Bern, während dem sie auch auf den Münsterturm stiegen.
Pinsel und ich stiegen in Bern noch auf den Münsterturm. Und neben der tollen Aussicht sahen vor noch etwas glattes: Tomaten auf dem Münsterturm. Sogar da oben wird Anbau-geschlachtet. Alle Achtung!
Pferde gehörten zum alltäglichen Strassenbild. In dieser Zeichnung macht sich ein Wolf darüber lustig, dass sein Kollege sich vor einem Ross fürchtete:
De Hecht het Angscht vor em Ross……
Auch auf der Quaibrücke ist neben dem Tram ganz selbstverständlich ein Pferd zu sehen. Die Winter waren kälter, 1940 trieben Eisschollen in der Limmat:
Ein Wolf berichtet, wie das Rudel «Möve» beim Bellevue eine Eisplatte sah, die
die Limmat hinunterschwamm. Sie stiess an ein Badehaus und konnte nicht mehr weiter. Wir wären am liebsten auf die Eisplatte gesprungen, aber Susi hat es uns verboten.
Die Bahn hatte noch drei Klassen, wie ein eingeklebtes Billett dritter Klasse von Zürich-Enge nach Wädenswil zeigt.
Der Lebensmittelverein Zürich war noch nicht der Coop, aber die Verkäuferinnen waren schon damals nicht begeistert über Gaunerübungen in ihrem Laden.
Im Rudelbuch wird beschrieben, dass die Wölfe Diebe in einen Laden verfolgten:
«Sie rannten in einen Laden und wir ihnen nach. Im Laden jagten uns die Leute fort».
Pünktlichkeit war wichtig, das Zuspätkommen einzelner wird immer wieder thematisiert. Hier beim Antreten des ganzen «Graustammes» im Albisgüetli, das zwei Wölfe zu ihrem Schrecken verpassten, weil ihr Tram zu spät ankam.
Oder in einem Lager, als eine «Schlafmütze» zu spät aufstand.
Falls man mal an einer Übung fehlen musste, hatte man sich schriftlich zu entschuldigen
Die Führerin bemerkt im Zugsbuch auch, dass eine solche Entschuldigung natürlich nicht gehe, eine Entschuldigung müsse folgendermassen aussehen:
Viel heute Alltägliches war noch nicht selbstverständlich. Eine Fahrt mit einem Lift konnte noch ein Abenteuer sein, über das im Rudelbuch berichtet wurde.
Hygiene ist ab und zu ein Thema, hier wird spasseshalber von Läusen im Zötteler geschrieben:
Badewannen waren noch nicht verbreitet.
Zu lesen ist von einer Übung, während der sich das ganze Wolfsrudel bei der «Rudelführerin» traf, um auf der Dachzinne zu spielen. Zum Abschluss fand dann eine Taufe in ihrer Badewanne statt: Der Täufling musste einen Löffel mit dem Mund aus dem Wasser fischen und erhielt danach seinen Namen.
Und trotz Rationierung (und wohl auch weil das Essen in Zeiten der Rationierung nicht einfach selbstverständlich war) wurde ein Nachmittag häufig mit einem feinen Zvieri abgeschlossen:
1963 wurde im «Goldenen Pfeil» eine nicht ganz ernst gemeinte Rubrik «Häuslicher Ratgeber für bedrängte Herzen» eingeführt. Wir bringen in lockerer Reihenfolge einige Ausschnitte.
Dazu ist zu sagen, dass der Gloggi am Geldsammeln für sein zweites Pfadiheim, das Skihaus Parmort war und dass es immer wieder Klagen gab, im «Nottäschli» würde viel Überflüssiges mitgeschleppt.
Links und Ergänzungen zum Artikel im GP 4/2018
Im Gloggi-Archiv schlummern Drucksachen, Fotos, Gegenstände aus 106 Jahren Gloggi. Beim Durchsehen werden alte Erinnerungen wieder wach. So bin ich auf Fotos von einer «Abteilungsversammlung» 1958 auf der Dreiwiesen-Lichtung gestossen und erinnerte mich dabei an den Gloggi in den 1960er-Jahren, an die damaligen Waldweihnachten, die mir als Wolf grossen Eindruck gemacht hatten.
Bis 1965 war der Gloggi eine Abteilung. Alle anderen Abteilungen im Kanton Zürich waren aber sehr viel kleiner und hatten sich zu Korps zusammengeschlossen. Eine Neuorganisation drängte sich auf – aus einer Abteilung wurden sechs, die danach zusammen das Korps Glockenhof bildeten.
Vor dieser Reorganisation identifizierten sich Wölfe, Pfadi und Rover stark mit ihrem Gloggi. Auf dem Hemd war des GP-Abzeichen aufgenäht, zu den kurzen Hosen oder dem Jupe trug man Gloggi-Socken. Die Zusammengehörigkeit wurde unter anderem an den Abteilungsbesammlungen sichtbar. Sie fanden zwei Mal jährlich statt, nach den Wettkämpfen am Georgstag (dem heutigen Gloggi-Tag) im Hof des Landesmuseums und vor der Waldweihnacht, meist am Zürichberg in der Waldlichtung «Dreiwiesen».
Wir – die spätere Abteilung Gryfensee – besammelten uns an Waldweihnachten jeweils bei der Zwickyfabrik zwischen Wallisellen und Dübendorf. Von dort aus wanderten wir durch das bis auf wenige Bauernhöfe und den kleinen Weiler Stettbach unbebaute Gebiet in die Dreiwiesen. Besonders eindrücklich war das 1965, als sich in der Schweiz die Maul- und Klauenseuche ausgebreitet hatte und wir mehrmals mit Desinfektionsmittel getränkte Sägemehlstreifen passieren mussten, damit das Virus nicht durch unsere Schuhe von Hof zu Hof verschleppt werden konnte.
Die SRF Musigwälle hat 2015 eine Reportage aus dem Jahr 1965 wiederholt. In der Aargauer Zeitung erinnert sich ein Bezirkstierarzt zurück. Hier ist auch ein Youtube-Video aus dem SRF-Archiv über Nochtschlachtungen eingefügt.
Auf der Waldlichtung Dreiweisen trafen wir dann die anderen Stämme aus der Stadt und stellten uns mit unseren Wimpeln und der Korpsfahne auf der Lichtung auf. Die Abteilungsleitung nahm «Beförderungen» vor, wer einen Leiterkurs bestanden hatte und aufgerufen wurde, schrie aus mir unerfindlichen Gründen laut «hier» und rannte nach vorne, machte den Pfadi- oder Wolfsgruss und bekam dann mit einem kräftigen Händedruck mit der linken Hand Pfeifenschnur und Abzeichen.
Einmal wurde ein Abteilungsleiter verabschiedet und erhielt eine Ständerlampe mit allen Abzeichen. Und vor allem fanden auch die Übertritte von den Wölfen zu den Pfadi statt. Alle, die einen Wimpel hatte, bildeten einen Tunnel. Wer aufgerufen wurde, rannte mit dem Wolfsgruss in den Tunnel hinein und wurde am anderen Ende vom neuen Pfadileiter («Pfadiführer», sagten wir damals) empfangen und erhielt die neue Krawatte mit in den Farben der neuen Einheit. Wenn dann die frischgebackenen Pfadi angerannt kamen, brüllte der ganze Stamm (der damals wohl noch Zug hiess) den Stammruf und hiess die neuen Mitglieder willkommen.
Unterdessen war es fast dunkel geworden und auf dem Rückweg feierten wir im Wald Waldweihnachten. Einige Leiter hatten die mitgebrachten Kerzen eingesammelt und im Wald einen Baum geschmückt, der Meuteleiter erzählt eine weihnachtliche Geschichte und wir sangen ein paar Weihnachtslieder. Früher habe jeweils ein Pfarrer etwas erzählt, sagte man mir, aber der Spatz könne das ja mindestens so gut.
Nacher ging es zurück über die dunklen Feldwege zur Zwicky-Fabrik, wo uns unsere Eltern erwarteten.
Wenn ich heute mit der S-Bahn Richtung Bahnhof Stettbach fahre, Autobahn, Bahnlinien, Einkaufszentren und Wohnsiedlungen sehe, fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass wir hier an Weihnachten jeweils durch eine völlig dunkle Gegend gewandert sind.
Map.geo.admin.ch ermöglicht mit Karten aus verschiedenen Jahrzehnten einen Zeitvergleich:
Wer hat noch alte Gruppenbücher, Stammzeitungen, Urkunden, Programme usw.? Wir nehmen sie gerne ins Gloggi-Archiv auf: Mail genügt: <email-pii>