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Die Erzählungen der Alten über seine Geschicke vor, während und nach der Eroberung Trojas sowie über seine spätern Wanderungen
sind sehr verschieden. Aus der Ilias geht hervor, daß die älteste Sage den Äneas nach dem Untergange des Geschlechts des Priamos
über dessen Land undVolk herrschen ließ. Spätere Dichter erzählen vom Auszuge des Äneas aus der Landschaft
Troas nach verschiedenen Gegenden. Stesichorus (um 600 v. Chr.) ist der erste, der den Äneas nach Hesperien gelangen läßt.
Mit der Erweiterung der röm. Macht bekam die Sage, daß Äneas nach Latium gekommen
und Stammvater des röm. Volks geworden sei, allgemeine Geltung und wurde durch die röm. Sagenschreiber
und Dichter, besonders aber durch die Familie der Julier, die sich von Julus, dem Sohne des Äneas, ableiteten, gepflegt. Die
Lokalsagen, nach denen Äneas bald hier bald dort das Ziel seiner Fahrt oder sein Ende gefunden hätte, wurden von
der röm. Sage in Schatten
[* 15] gestellt und mußten sich ihr unterordnen, wobei
dann jene Orte als Stationen in die weite Fahrt von Troja nach den ital. Küsten eingereiht wurden.
Auf diese Weise wird die Fahrt namentlich von Virgil in der Äneis geschildert. Nach seiner Darstellung rettete in der Nacht,
als Troja von den Griechen genommen wurde, aus der brennenden Stadt die Götterbilder seines Hauses und
Vater und Sohn. Seine Gattin Kreusa verlor er auf der Flucht in dem Getümmel. Mit 20 Schiffen segelte er nach Thrazien, wo
er die Stadt Änos gründete; allein ein Wunder erschreckte ihn, und er verließ das Land. Nun wendete er
sich nach Delos.
Während die von Äneas verlassene Dido ihr Leben freiwillig endigte, segelte er mit seinen Genossen
ab und ward durch Sturm nach Sicilien zum Gastfreunde Acestes verschlagen, wo er dem Anchises zu Ehren Totenspiele feierte.
Nach Erbauung der Stadt Acesta (Segesta) schiffte er nach Italien, wo er bei Cumä die Sibylla aufsuchte, die ihm seine Zukunft
weissagte und ihn zur Unterwelt geleitete. Aus dieser zurückgekehrt, gelangte er nach einer neuen Schiffahrt in den Tiber,
an dessen östl. Ufer er, im Lande des laurentischen Königs Latinus, Latium betrat. Dessen Tochter Lavinia war von dem Schicksal
einem
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Fremd-606 linge bestimmt, aber, namentlich von der Mutter Amata, dem Könige der Rutuler, Turnus, verheißen. Dies veranlaßte
einen Krieg, nach dessen Beendigung sich A. mit Lavinia vermählte. Das Weitere deutet Virgil nur an. Man glaubte, daß A.
im Flusse Numicius verschwunden sei, und identifizierte ihn dann auch mit dem dort waltenden einheimischen
Gott. Nach älterer Sage gründeten Äneas'Söhne oder Enkel Rom; nach spätern Erzählungen erbaute Äneas' Sohn AscaniusAlbalonga.
Dessen Nachfolger wurde des Äneas' mit der Lavinia erzeugter Sohn Silvius. Der Sohn des Ascanius, Julus, galt als Ahnherr des
Geschlechts der Julier. –
der Taktiker, altgriech. Militärschriftsteller im 4. Jahrh.
v.Chr., wahrscheinlich identisch mit dem arkadischen Strategen Äneas aus Stymphalus, der 360 v.Chr. der Tyrannis des Euphron
zu Sicyon ein Ende machte. Von seinem kriegswissenschaftlichen Werke «Hypomnemata»,
verfaßt zwischen 360 und 356, hat sich nur der Abschnitt über Belagerungskunst erhalten, herausgegeben
mit deutscher Übersetzung von Köchly und Rüstow im ersten Bande der «Griech. Kriegsschriftsteller» (Lpz.
1853), von Hercher (Berl. 1870 u. 1871), von Hug (Lpz. 1874). –