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Jordanien
Königreich am Rand der Wüste
Ein seltsames kleines Land liegt dort hintern dem Jordan.
Als der britische Oberst Lawrence 1917 mit den Beduinen gegen die Türken ritt, hat es noch gar nicht existiert.
So möchten wir vorerst etwas über die Geschichte erfahren, welche im Zusammenhang mit dem ganzen nahöstlichen Raum eine Rolle spielt. Hier am Jordan, im tiefsten Tal der Welt, begann die Entwicklung sehr früh. Britische Archäologen haben bei Jericho eine Steinzeitliche Stadtsiedlung aus dem 7. Jahrtausend v. Chr. entdeckt. Alle folgenden Epochen bis in die Bronzezeit sind auf den Höhen von Edom und Moab vertreten.
Ausgräber-Expeditionen aus aller Welt arbeiten heute in Jordanien, hier im biblischen Land, auf dem Weg, den Moses mit seinem Volk gezogen ist. Die alte Verbindung hoch über dem Jordantal, von Ägypten nach Syrien, wurde Höhenweg der Könige genannt.
Im Gefolge Alexanders des Grossen gelangte Hellenistische Kultur ins Morgenland. Später machten die Römer das «Steinerne Arabien» zu ihrer Provinz und gründeten die glanzvolle Reihe der zehn Decapolis-Städte.
In Arabia Petraea hat sich ein Stück ureigenster Geschichte abgespielt – bis vor wenigen Generationen in den Büchern kaum erwähnt. Der arabische Stamm der Nabatäer muss um das 5.-4. Jahrhundert v. Chr. aus der Wüste gekommen sei, im Zusammenhang mit dem blühenden Karawanenhandel über die Weihrauchstrasse. In den Shara-Bergen gründeten sie ihre Felsenstadt Petra – wurden reich und mächtig, bis sie durch Eroberungen an der Mittelmeerküste und Besetzung von Damaskus den römischen Zorn heraufbeschworen – besiegt von Trajan zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr.
Byzanz wurde mächtig im Orient – Kirchen, Kathedralen und herrliche Mosaiken zeugen davon. Bis der Islam seine grüne Fahne entfaltet zur Eroberung eines Riesenreiches vom Atlantik bis zum Indus. In der ersten Dynastie (bis Mitte des 8. Jahrhunderts) bauten die Omayyaden-Kalifen im warmen Jordantal ihre Winterresidenz und Jagdschlösser auf den weiten Höhen, wo es damals noch Wälder gab.
Dann kamen im 11.-13. Jahrhundert die Kreuzfahrer über das Mittelmeer gesegelt und errichteten ihre Festungen auch über dem Jordantal – bis der grosse Rächer Saladin sie wieder aus dem Orient vertrieb. In den folgenden Jahrhunderten regierten die Türkischen Sultanen über ganz Arabien. Das Ende des Osmanischen Reiches gehört schon in unsere Zeitgeschichte.
Mit dem Arabischen Aufstand 1917/18 beginnt eigentlich die Kreation des Staates von Jordanien. Bekannt sind die beiden Führer Oberst Lawrence und Emir Faisal, Sohn des Sheriffs Hussein von Mekka. Dieser Krieg lag im politischen Interesse von Grossbritannien und Frankreich. Im Herbst 1918 erfolgte der siegreiche Einzug in Damaskus. Faisal wurde mit dem Königsthron von Bagdad belohnt.
Doch dann erschien dessen Bruder Abdallah am Jordan und verlangte von den Westmächten auch eine Krone. Dies passte durchaus ins Konzept der Briten, die als Mandatsherren mit den aufsässigen Beduinen nicht fertigwurden. Sie erklärten Abdallah erst zum Emir und 1921 zum König von Transjordanien.
Erst 1946 erlangt das Land die Unabhängigkeit. Ein Jahr später wird der Staat Israel ausgerufen und es kommt zum ersten Nahostkrieg. 1951 fällt König Abdallah in Jerusalem einem Attentat zum Opfer. Sein Sohn Talal folgt ihm auf den Thron – nur für ein Jahr. 1953 wird der damals 18jährige Hussein König von Jordanien.
Seither hat der kleine König unzählige innen- und ausserpolitische Auseinandersetzungen – Kriege und Attentate – überlebt. Jordanien bleibt Durchgangsland und Verbindungsachse – gewinnt zunehmend auch an wirtschaftlicher Bedeutung im nahöstlichen Raum.
Geschichtlich und kulturell ist das kleine Land am Rand der Wüste immer eine Reise wert.