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Kompromisslos bis (fast) zuletzt: Roman Rolland (1866-1944)
«Ich bin fassungslos. Ich möchte tot sein! Es ist entsetzlich, inmitten dieser wahnsinnigen Menschheit leben und ohnmächtig den Bankrott der Zivilisation mitansehen zu müssen.» Romain Rolland, 48, der legendäre literarische Biograf von Beethoven, Michelangelo, Tolstoj schrieb das am Tag nach dem Beginn des 1.Weltkriegs, am 3.August 1914, im Hotel Mooser in Vevey ins Tagebuch. Von den Ereignissen überrascht, blieb er in der neutralen Schweiz, arbeitete für die Gefangenenagentur des Roten Kreuzes in Genf und setzte mit der Artikelserie «Au dessus de la mêlée» - für die er 1915 den Nobelpreis bekam! - in hasserfüllter Zeit sein Engagement für eine gewaltfreie, brüderliche, humane Menschheit fort.
Auf idealistische, hochgemute Weise hatte er sein Credo im 1904-1912 erschienenen 10bändigem Roman «Jean-Christophe» niedergelegt: der Vita des an Beethoven erinnernden deutschen Komponisten Jean-Christoph Krafft, der nach vielen Irrungen zu seiner verlorengeglaubten Grazia zurückfindet und nach deren Tod in einer harmonischen Weltbetrachtung sein Lebensziel erreicht. Zu Christophorus geworden, hilft er, abtretend, dem Kind über den Fluss, das von sich sagt: «Ich bin der Tag, der nun geboren wird.»
Als der 1.Weltkrieg begann, hatte Rolland auch schon das heitere Gegenstück zu «Jean-Christoph», den im Barock spielenden Roman «Nicolas Breugnon», beendet, hielt das lebenslustige, die Dummheit und Kriegslüsternheit der Welt geisselnde Meisterwerk aber bis 1918 zurück. Die Zeit schien ihm zu ernst für solche Spässe, doch auch die Nachkriegszeit erfüllte die in sie gesetzten Hoffnungen nicht. 1935 präsidierte Rolland den Pariser Kongress der Autoren gegen den Krieg, als er aber am 30.Dezember 1944 78jährig in Vézelay bei Genf starb, gehörte er aktiv der Résistance an. Denn was seit 1933 in seinem geliebten Deutschland geschah, stellte nicht zuletzt auch jenen Pazifismus in Frage, für den sein Name 30 Jahre lang hell leuchtend in aller Welt gestanden war.