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01.07.2019 – 16:07
Artprice: Das "Caravaggio-Gemälde aus Toulouse" stiehlt sich aus der öffentlichen Versteigerung
Paris (ots/PRNewswire)
Die Versteigerung war für Donnerstag, den 27. Juni um 18h00 Uhr MESZ vorgesehen. Gemäß Geschäftsordnung musste sich jeder Bieter "ohne Ausnahme, mindestens 15 Tage vor der Versteigerung eintragen". Thierry Ehrmann erklärt, was das genau bedeutet, nämlich, dass die Verkäufer die Namen aller Bieter mindestens seit dem 13. Juni kannten. Es fehlte nur noch der Meistbietende auf der Anzeigetafel. Alea jacta est.
Plötzlich kommt - 48 Stunden vor der öffentlichen Versteigerung die große Überraschung - der Termin wird abgesagt. Es kommt schließlich zu einem freihändigen Verkauf. Die offizielle Meldung lautet wie folgt: "Ein Angebot, dass man den Eigentümern des Gemäldes nicht vorenthalten konnte." Die Stellungnahme ist knapp: "Die Tatsache, dass dieses Angebot von einem Sammler kam, der ein bedeutendes Museum unterstützt, überzeugte die Verkäufer."
Für die Verkäufer, den Sachverständigen Eric Turquin und den unabhängigen Auktionator Marc Labarbe war das Geschäft sehr wahrscheinlich zufriedenstellend. Die Summe - die nicht bekannt gegeben wurde - soll beweisen, dass es sich tatsächlich um einen echten Caravaggio handelt und der Käufer - anonym aber ein Freund der bedeutendsten Museen - sich darum bemühen, dass das Gemälde bald in einer der schönsten Kunsteinrichtungen der Welt zu sehen sein wird.
Allerdings kann das irgendein Museum der Welt sein, außer der Louvre, der dem Gemälde den Rücken gekehrt hatte. "Eine Haltung, mit der ich mich nicht leicht abfinden konnte", wie Eric Turquin der französischen Zeitschrift Le Point anvertraute. Tatsächlich kann man in der offiziellen Pressemeldung lesen: "[Das Gemälde], dass von einem ausländischen Kunstsammler gekauft wurde, wird Frankreich verlassen." Der Bestimmungsort des Gemäldes war - nach dem Verkaufspreis - zweifelsohne die zweitgrößte Sorge der Verkäufer. Denn andernfalls hätte man sicherlich direkt eine Übereinkunft mit einem bedeutenden Museum geschlossen.
Aus der Sicht der Verkäufer, ist die Transaktion ein absoluter Erfolg. Hinsichtlich der Transparenz ist es wohl eher eine urplötzliche Veränderung der Lage. Die Verkäufer versprachen eine "authentische" Versteigerung, eine 100 % öffentliche Auktion, ohne Mindestpreise, mit Direktübertragung im Internet, um eine direkte Mitververfolgung der Vergabe zu ermöglichen. Der Vergabepreis dürfte es dem Markt erlauben, sich zur die Echtheit des Gemäldes zu äußern. Doch der Vorhang fiel, noch ehe er aufgegangen war, und die Versteigerungssumme wird für immer ein Geheimnis bleiben.
Am Letzten Montag, den 17. Juni, kündigte Sotheby's seinen Rückzug aus dem öffentlichen Markt an. Eine Woche später entzieht sich das meist erwartete Werk des Jahres der öffentlichen Versteigerung. In einem wie dem anderen Fall beobachtet Artprice, dass der Kunstmarkt auf der Suche nach mehr Diskretion ist.
Eric Turquin bedankt sich im Versteigerungskatalog übrigens eigens für die Diskretion seiner Mitarbeiter: "Mein Dank geht an meine Kollegen, die Sachverständigen, an die Restauratoren, Kunstrahmenhersteller, Bankiers, Versicherer, Fotografen, Transportunternehmen usw., die das Berufsgeheimnis auf gewissenhafteste Weise gewahrt und uns die Arbeit in einer gelassenen Atmosphäre ermöglicht haben."
Nach fünf Jahren harter Arbeit, viel Forschung und Entschlossenheit wird "dieses Gemälde in die Sammlung eines der schönsten Museen der Welt eingehen. Damit ist für mich das Hauptziel erreicht", fasst Eric Turquin zusammen.
Artprice verspricht, den Werdegang dieses bedeutenden Kunstwerks genauestens zu verfolgen - das nun - genau genommen nicht mehr als das "Caravaggio-Gemälde aus Toulouse" bezeichnet werden kann; Artprice wird so viel Licht wie möglich in diesen - nur wenige Stunden vor einer Versteigerung, die als ein historisches Ereignis galt - erfolgten Freiverkauf bringen wie nur möglich. Dieser Vorfall bestätigt einmal mehr die Bedeutung der Arbeit von Artprice, für mehr Transparenz auf dem Kunstmarkt zu sorgen.
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