Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03147.jsonl.gz/2221

Dass die offiziellen Kandidaten der SP und der CVP in einen zweiten Wahlgang müssen, zeichnete sich für den Kampagnenleiter der Kandidatur Siggen, Edgar Schorderet, vor zwei bis drei Wochen ab. In dieser Zeit habe sich herauskristallisiert, dass es einen Kreis an Unzufriedenen gibt. «Dazu stand Gratwohl in Radio- und Fernsehdebatten immer etwas abseits, so dass wohl viele ihn als Opfer ansahen und sich mit ihm solidarisierten», so Schorderet.
Da ein zweiter Wahlgang für den CVP-Kampagnenleiter früh zur Gewissheit wurde, mag er nun nicht von einem Plan B sprechen: «Es ist eher ein Plan der Kontinuität.» Bei Kampagnenbeginn sei CVP-Kandidat Siggen im Rückstand gewesen, weil der Name Steiert bekannter war. «Jean-Pierre Siggen hat zum Schluss den Rückstand aufgeholt. Man muss das so sehen wie bei einem Sprint. Nach einem 100-Meter-Lauf sind beide gleichauf; jetzt geht es halt über 200 Meter, und da gilt es, den Schwung mitzunehmen.»
Die Slogans bleiben
Eine erste Analyse hat Schorderets Team schon am Sonntagabend gemacht. Die Linie und die Slogans werden beibehalten. Gedanken aber müsse man sich über die Agglomeration machen, wo Jean-François Steiert mehr Stimmen holte. «Es kann nicht sein, dass Le Mouret für Steiert stimmt, obwohl sie noch nie links gestimmt haben», so Schorderet. In solchen Gebieten herrsche ganz offenbar noch ein Bekanntheitsdefizit. Allerdings gelte es, den Fehler zu vermeiden, andere Gebiete nun zu vernachlässigen.
Schorderet hat am Sonntag auch mit Gratwohl gesprochen, um zu erfahren, wer ihn wählte. Dieser vermutet eher Rechtswähler. Gratwohl erwarte nun, dass die Parteien ihn umwerben.
Eine neue Buchhaltung
Dass sich die Wahlkampagne bezahlt macht, hat auch das linke Lager erkannt. So verweist Steierts Wahlkampfleiter Raoul Girard darauf, dass der SP-Kandidat in der SVP-Hochburg Châtonnaye ein ausgezeichnetes Resultat erzielt hat. Steiert hatte dort die 1.-August-Rede gehalten.
Für Girard sind Steierts Resultate aus dem ersten Wahlgang gut; somit will er mit der bisherigen Kampagne fortfahren. «Wir haben bisher eine intensive Kampagne geführt mit dem Risiko, zu verlieren. Nun ist die Basisarbeit geleistet, und wir können darauf aufbauen.»
Die vielen Unentschlossenen in der Wählerschaft sind gemäss Girard «wütend». Diese Wut richte sich auch auf die bürgerliche Allianz: «Diese Wähler wollen in erster Linie eine Persönlichkeit», so Girard. Wie die Kampagne weitergeführt wird, hänge aber auch von den Finanzen ab, schränkt Girard ein. Doch bereits am Sonntagabend hatte Christian Levrat, Präsident der SP Schweiz gesagt, die Finanzen würden vorhanden sein.
Das haben die Kandidaten sich für den zweiten Wahlgang vorgenommen: