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Kyrene ist eine Gründung griechischer Kolonisten von der Insel Thera und liegt inmitten des Grünen Gebirges – die Gründung erfolgte um 630 v. Chr. Zunächst standen Könige an der Spitze des Reiches, die entweder Battos oder Arkesilaos hiessen (Battiaden-Dynastie). Nach dem Sturz von Arkesilaos IV. um 440 v. Chr. wurde in Kyrene die Demokratie eingeführt. Nach einer kurzen Umbruchsphase setzte eine Zeit grosser Blüte ein, die bis zum Beginn der Ptolemäerherrschaft in Ägypten andauerte. Zeitweise war die Kyrenaika aufgrund dynastischer Verbindungen ein Teil Ägyptens. Nach dem Sieg der Römer über die Ptolemäer in der Schlacht bei Actium (31. v. Chr.) und dem Ende der Ptolemäerherrschaft in Ägypten wurde Kyrene dem Römischen Reich einverleibt.
Das Ruinengelände ist weitläufig und zerfällt in zwei Siedlungsabschnitte: die Ober- und die Unterstadt. Man betritt die Oberstadt beim Caesareion, einer Kultstätte für den vergöttlichten Gaius Julius Caesar. Vor der Bebauung des Geländes durch die Römer hatte sich hier ein Gymnasion zur Ertüchtigung von Rekruten befunden, daneben war eine Rennbahn gewesen. Verlässt man das Caesareion durch das Westportal, gelangt man auf die Battos-Strasse, deren Begrenzungsmauer ein kleines Theater verdeckt. Der obere Teil der Mauer war ursprünglich als Fenstergalerie errichtet, die Pfeiler waren mit männlichen Figuren dekoriert – die so genannte Hermengalerie. Die Fensterbögen sind nicht mehr erhalten, die noch vorhandenen Figuren sind ziemlich verwittert und von unterschiedlichem Erhaltungszustand.
Von der Battos-Strasse aus gelangt man auch in das Haus des Jason Magnus – eine herrschaftliche Villa aus dem 2./3. Jahrhundert. Im Sommertriclinium befindet sich ein wunderschöner Bodenbelag – Opus sectile-Technik -, aber die Stiftmosaiken sind in einem grauenvollen Zustand, verfleckt und beschädigt. Von den Marmorstatuen der neun Musen, die einst den Raum schmückten, ist nur noch eine kopflose Statue erhalten. Schräg gegenüber vom Haus des Jason Magnus liegt das Haus des Hesychios, der Vorsitzender des Provinziallandtages und Freund des Bischofs Synesios in Ptolemais war. Das Haus ist deshalb interessant, weil es zwar ein Haus aus der Spätantike ist, sein Bewohner sich aber bereits zum Christentum bekannte, und das Haus mit Elementen der christlichen Nomenklatur versehen ist (Engel, 5. Jahrhundert). Der Name des Hesychios ist in einem Opus-sectile-Mosaik im Hof des Hauses verewigt.
Die riesige Agora ist ein trapezförmiger Platz, der von einer Reihe öffentlicher Gebäude umgeben ist. Ungewöhnlich ist der grosse Altar mitten auf dem Platz, dessen Funktion nicht genau geklärt ist – vielleicht diente er für Tieropfer. Auffallend ist die Gestalt einer Siegesgöttin, die auf einem Schiffsbug als Sockel steht. Unweit dieser Nike befindet sich die mit Steinquadern abgedeckte Grabkammer des Dynastiebegründers Battos (möglicherweise ein Kenotaph).
Im Nordwesten der Agora liegt ein Rundtempel, der als Tempel der Demeter identifiziert wurde, da Rundtempel typisch für den Demeterkult (Fruchtbarkeitskult) sind. Dieser Kult – als „Düngekult“ vollzogen – bestand in einem eigentlich recht grausamen Ritual: Ferkel wurden in eine Grube geworfen, wo sie unter der Erde verrotteten. In den beiden Frauenstatuen im Tempel werden Verkörperungen der Demeter und ihre Tochter Persephone gesehen.
Das Zentrum der Unterstadt ist der so genannte Apollon-Bezirk.
Neben dem Tempel für Apollon steht ein kleinerer Tempel für dessen Zwillingsschwester Artemis, und nicht weit davon entfernt befindet sich eine weitere Kultstätte, vermutlich ein Mithräum, ausserdem ein Heiligtum für die Göttin Isis. Der Tempelbezirk wird von der Mauer des Nikodemus abgeschlossen. Hinter der Mauer befinden sich die Ruinen des ältesten Theaters im Bereich der Stadt aus dem 4./3. Jahrhundert. In römischer Zeit wurde es in ein Amphitheater umgewandelt und das Bühnenhaus wurde zugeschüttet – ein Anzeichen für den beginnenden kulturellen Niedergang.
Nahe beim Apollon-Tempel liegt die Nordnekropole von Kyrene, wo sich mehr als tausend Gräber aus der Zeit vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert n. Chr. befinden. Die Gräber sind teils in die abschüssige Felswand geschlagen, teils auch als Sarkophage aus dem gewachsenen Stein gehauen. Es gibt einfache, aber auch sehr prunkvolle Grabanlagen mit aufwändig gestalteten Fassaden, Einzelgräber und begehbare, grosszügige Familiengrüfte mit zwei „Etagen“. Hinweise auf christliche Bestattungen gibt es nicht.