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In Erfolgsromanen sollen Menschen eine Rolle spielen, die im Leben beruflichen Erfolg gehabt haben. Hier treten also auf: der erfolgreiche Unternehmer, der erfolgreiche Fabrikbesitzer, der erfolgreiche Ingenieur, der erfolgreiche Geschäftsmann schlechthin, auch der Gutsbesitzer, der seinen Herrenhof hochgewirtschaftet hat, der Graf, der aus seinem Schloß ein erfolgreich florierendes Hotel macht usw. Es ist also der Typ des Erfolgsmenschen, der in diesem Roman auftritt. Das entscheidende Kriterium des Erfolgsromanes müssen aber Ehe- und Schicksalsprobleme sein, die in Reichtum und Wohlstand ihre Ursache haben. Es soll im Erfolgsroman eine Frauengestalt vorkommen, in deren Schicksal sich die Leserin einfühlen kann, mit der sie leidet und glücklich ist. Der Erfolgsroman, es sei nochmals betont, muß ein Liebesroman, ein Frauenroman bleiben.
Die Personen
Die Hauptpersonen des Erfolgsromanes, etwa der Fabrikbesitzer, treten nicht als rücksichtslose Manager auf, sie gehen nicht über Leichen, sondern sie haben sich durch eigene Kraft und Fähigkeit emporgearbeitet. Ihre Konflikte (Liebesproblem) entstehen durch Irrtum oder Eingriff des Schicksals.
Auch bei den Frauengestalten des Erfolgsromanes sollen die Konflikte in erster Linie aus den zwei Momenten Reichtum und Liebe entstehen. Hier tritt etwa die Frau eines erfolgreichen Unternehmers auf, die mit der neuen gesellschaftlichen Stellung ihres Mannes nicht mehr mitkommt; sie fühlt sich vernachlässigt, ihre Ehe war früher, ohne Reichtum und Geld, glücklicher. Oder die »kleine Angestellte« liebt ihren unverheirateten Chef, ihre Nebenbuhlerin ist reich und vermögend, aber die wahre Liebe entscheidet zu guter Letzt.
Natürlich sind alle diese Personen auswechselbar, an Stelle des Fabrikbesitzers bzw. Direktors kann sein Sohn treten, der ein unbegütertes Mädchen liebt. Der Phantasie des Autors sind hier keine Grenzen gesetzt, und die Themen drehen sich im weitesten Sinne um das Thema: Geld und Liebe.
Die Hauptpersonen sollen gut aussehen, es sind schöne Menschen, sie tragen edle Züge. Die Hauptpersonen dürfen nicht als Kriminelle auftreten. Der Erfolgsroman sollte ohne Kriminalfälle auskommen. Folgende Personen sollen im Erfolgsroman nicht auftreten: Artisten, Zirkusleute, Künstler, Maler, Schriftsteller, Sänger, Schauspieler, Journalisten, Politiker, Filmstars, Sportler, Rennfahrer und Seeleute.
Psychologisches
Reich zu sein, viel Geld zu besitzen, ist ein Wunschtraum vieler Menschen. Nicht umsonst spielen jede Woche Millionen Leute im Zahlenlotto. Ein Leben in angeblich sorglosem Reichtum gehört zum Wunschtraum vieler. Der Erfolgsroman soll diesem Wunschdenken insofern entgegenkommen, als hier der Leserin Gelegenheit gegeben wird, sich selbst in diese Traumwelt zu projizieren, um damit für ein paar Stunden ihrem eigenen Alltag zu entfliehen. So koppelt der Autor das glückliche Ende einer dramatischen Liebesgeschichte zweckmäßig auch mit viel Geld und Besitz, um alle unterschwelligen Wünsche der Leserin zu befriedigen. Es wäre verkehrt, wenn etwa ein Erfolgsroman so enden würde, daß der Sohn eines reichen Vaters eine unbegüterte kleine Angestellte nur aus Liebe heiratet und auf den Reichtum des Vaters verzichtet. Mit einer solchen Lösung würde das Wunschdenken der Leserin gestört, denn sie weiß selbst, welch eine große Rolle das Geld in ihrem eigenen Leben spielt, wie wichtig es ist, Geld zu besitzen, Liebe allein ist für sie nicht alles. Für die eigene Tochter einen reichen Mann zu finden, gehört ja zu ihren geheimen Wünschen. Es muß sich also zum erfüllten Liebesschicksal im Erfolgsroman auch das Geld einfinden (der Millionär versöhnt sich mit seinem Sohn, oder das arme Mädchen macht eine große Erbschaft). In diesem Sinne hat der Erfolgsroman etwas vom Charakter eines modernen Märchens.
Die Nebenpersonen
Der Gegenspieler des Helden oder der Heldin darf nicht gewaltsam aus der Romanhandlung ausscheiden, etwa durch Selbstmord, was um Frauenroman einen gräßlichen Eindruck hinterläßt. Der Gegenspieler muß sein Glück anderswo finden, oder sich als ein versöhnlicher, im Grunde guter Mensch in das Happy-End des Romans einfügen.
Das Milieu
Die Erfolgsromane spielen in Deutschland unter deutschen Menschen. Der Held oder die Heldin können zwar im Ausland gewesen sein, müssen aber zu Beginn der Romanhandlung in Deutschland eintreffen. Das Milieu der Erfolgsromane ist durch den oben angesprochenen Personenkreis des erfolgreichen Unternehmers vorgezeichnet. Es können Menschen von Adel (Graf, Gräfin, Baron) auftreten und damit auch das Milieu eines Schlosses oder eines Herrenhauses gezeichnet werden. Die Umwelt folgender Personengruppen ist im Erfolgsroman zu vermeiden: Artisten (Zirkus), Künstler (Maler, Schriftsteller), Politiker, Journalisten, die Welt der Fotomodelle (Schönheitskönigin), die Personen und die Umwelt des Theaters und des Films (keine Filmstars), Sportler, (Rennfahrer), Seeleute.
Alter der Personen
Das Alter der Hauptpersonen, die im Roman auftreten, liegt bei Männern bei 30 bis 50 Jahren, bei Frauen von 25 bis 40 Jahren.
Anzahl der Personen
Die Anzahl der Personen im Roman, die die Handlung tragen, soll auf höchstens sechs Personen beschränkt sein. Mehr Personen verwirren, die Handlung und erschweren das Verständnis des Romans. Politische Themen, etwa die Problematik der deutschen Spaltung (Spio-nage, Agenten usw.) dürfen im Erfolgsroman nicht zur Sprache kommen.
Sex
ist im Roman (wie bei allen Frauenromanen) tabu. Szenen mit erotischen Anklängen sind zu vermeiden. Liebesszenen beschränken sich auf die rein gefühlsmäßigen Beziehungen zwischen Mann und Frau.
Themen der Romane
Die Themen der Erfolgsromane werden vom Lektor gesteuert. Das geschieht durch Besprechung und Schriftwechsel mit dem Autor. Ohne Exposé wird kein Roman in Auftrag gegeben. Anregungen für aktuelle Themen kann man sich z.B. aus den Frauen-lllustrierten holen, wo auf den Seiten der »Lebensberater« eine Fülle von Liebes- und Eheproblemen angesprochen wird.
Die Handlung des
Romans
Die Handlungsführung bzw. (Durchführung) Dramaturgie des Romans wird vom Lektor bereits mit Hilfe des Exposés überprüft. Lange Expositionen alten Stils sind nicht tragbar. Es soll, möglichst schon auf den ersten Seiten, ein »Erregungsmoment« auftauchen. Eine tragende Idee muß Spannung und Konfliktsituationen über 64 Seiten des Heftromanes gewährleisten.
Das Grundproblem des Romans muß mit dem ersten Spannungsmoment schon angeschnitten werden. Die Überblendung (Szenenwechsel) muß klar und deutlich in die folgende Szene einweisen. Geschieht das nicht, so findet sich der Leser in der Romanhandlung nur schwer zurecht. Er verliert den Faden der Handlung und damit die Lust am Weiterlesen.
Mit einer neuen Szene darf kein neuer Roman beginnen. Beim Szenenwechsel ist zu beachten, daß gegen Schluß jeder Szene (vor dem nächsten Sternchen) eine neue Spannung erzeugt wird, die den Leser auf den nächsten Abschnitt neugierig macht. In dem folgenden Abschnitt darf nun noch nicht die Lösung der vorherigen Szene stehen, sondern erst im übernächsten. Man erhält auf diese Weise innerhalb der Gesamtspannung des Romans einen kleinen Spannungsbogen, der das Interesse der Leserin von Szene zu Szene wachhält.
Rückblenden sind unter allen Umständen zu vermeiden. Sie erschweren das Verständnis der Handlung, sind auch bei einem Roman von nur 64 Druckseiten nicht nötig.
Das Exposé
Das vom Autor eingesandte Exposé wird vom Lektor auf folgende Erfordernisse geprüft:
Idee des Romans, die Fabel, die Charaktere der Romanfiguren, besonders die der Hauptpersonen, das Milieu, in dem der Roman spielt, und der Stil.
a) Dramatische Grundidee: Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Roman ist das Vor-liegen einer zwingenden, dramatischen Grund- idee, welche die Handlung trägt und sie von Anfang bis Ende »klammert«. Eine gute Romanidee läßt sich erfahrungsgemäß mit 30 Zeilen darstellen, sie ist sozusagen der Brückenbogen des Romans, über den die Handlung rollt. Es muß darauf geachtet werden, ob die zugrunde liegende Idee auch für einen ganzen Roman von 64 Seiten tragend ist, ob sie genügend Stoff hergibt. Die Erarbeitung einer dramatischen Grundidee muß daher am Anfang der Romankonzeption stehen. Auf sie ist Zeit zu verwenden.
b) Fabel: Die Fabel muß glaubhaft wirken, der Idee angemessen sein und genügend Konflikte hergeben. Die Spannung muß bis zur Peripetie der Handlung stets ansteigen. Die Lösung darf nicht erzwungen werden, sondern muß in der Idee des Romans schon gegeben sein.
c) Charaktere der Personen. Die Charaktere der Hauptpersonen müssen so angelegt sein, daß die durchschnittliche Heftleserin sich mit den Gefühlen der Heldin identifizieren kann. Das heißt also, die Gefühle Liebe, der Eifersucht, des Verlassenseins, des glücklichen Wiederfindens müssen an unkomplizierten Romanfiguren aufgezeigt werden. Die Gefühlsäußerungen der Romanhelden sollen der durchschnittlichen Heftleserin angepaßt sein. Dem Wunschdenken der Leserin soll entgegengekommen werden, etwa nach dem Motto: Einmal die große Liebe erleben.
d) Der Stil: Dem Autor ist die Auflage gegeben, möglichst kurze Sätze zu schreiben, die auch der einfache Leser versteht. Fremdwörter sollen nicht verwendet werden. Der Roman soll durch Dialoge aufgelockert werden, wobei die Handlung im Dialog weitergeführt werden muß.
(Aus: Frankfurter Rundschau, 22.1.1972)