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Forschung
Erkenntnisse aus der Specht-Forschung halfen bei der Entwicklung von wirksameren Helmen und Halskrausen. Nun haben Forscher die Gehirne des Vogels genauer untersucht. Ihre Erkenntnisse könnten die Demenz-Forschung vorantreiben.
Wenn ein Specht auf Holz hämmert, wirken enorme Kräfte. Der spezielle Körperbau schützt ihn vor Verletzungen. Sein oberer und unterer Schnabel bewegen sich unabhängig voneinander. Seine lange Zunge schützt beim Aufprall das Gehirn, und seine dicken Nackenmuskeln leiten Kräfte ab.
Wiederholte Gehirnerschütterungen können beim Menschen eine chronisch traumatische Enzephalopathie (CTE, auch Dementia pugilistica genannt) auslösen. Daran erkranken vor allem Boxer, American-Football-Spieler oder Fussballer (wiederholtes Kopfballspiel). In den Gehirnen von Betroffenen hat man (nach ihrem Tod) abnormale Ablagerungen von Tau-Proteinen gefunden.
Ein Zwanzigstel dieser Kräfte würden beim Menschen bereits Hirnerschütterungen verursachen.
In physikalischen Belangen hat sich der Mensch den Specht zum Vorbild genommen. Erkenntnisse aus der Forschung haben dabei geholfen, wirksamere Helme und Nackenkrausen zu entwickeln.
Kaum beforscht wurden jedoch die Gehirne der Spechte. Nur in einer Studie aus den 1970er-Jahren untersuchten deutsche Forscher zwei Gehirne. Sie kamen zum Schluss, dass Spechte keine Hirnverletzungen erleiden. Dies gilt seit da als verbindlich.
Nun haben Peter Cummings und sein Team von der Universität Boston genauer hingeschaut. Sie haben in Alkohol fixierte Museumspräparate von Spechten analysiert und sind zu überraschenden Schlüssen gekommen. Im Gegensatz zu anderen Vogelgehirnen kommen in acht von zehn Spechtgehirnen (auch bei jungen) ähnliche Proteinablagerungen vor wie bei Menschen mit CTE-Demenz.
Die Neuronen der Spechte wiesen eine sehr viel höhere Dosis an Tau-Proteinen auf als jene von Amseln. Diese Tau-Proteine helfen dabei, die Hirnzellen zu stabilisieren.
In so hohen Konzentrationen wie in den Spechtgehirnen würden die Tau-Proteine bei Menschen eine Demenz oder andere Krankheiten auslösen.
Cummings und seine Kollegen kamen zum Schluss, dass die hohe Konzentration von Tau-Proteinen beim Specht ein Schutzmechanismus darstellt und nicht zu einer Krankheit führt. «Aufgrund der erhöhten Tau-Ablagerung sind die Gehirne der Spechte ein wichtiger Bereich für die zukünftige Forschung», so Cummings.
«Weitere Studien sind notwendig, um zu bestimmen, welche Isoformen von Tau sich im Spechthirn ablagert und ob diese Ablagerungen pathologisch sind. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Specht ein geeignetes Tier für die weitere Erforschung der CTE-Demenz sein könnte.»
erschienen: 08.02.2018