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Vegetationsstufen
In einer gebirgigen Gegend wie im Wallis ist es nützlich, die verschiedenen Vegetationsstufen erkennen zu können: kollin, montan, subalpin, alpin und nival. Diese Höhenstufen entsprechen recht unterschiedlichen Lebensbedingungen für Pflanzen und Menschen. Temperatur, Wachstumsperiode, Niederschläge und weitere Faktoren verändern sich mit der Höhe fliessend. Deshalb haftet der Unterteilung in verschiedene Stufen etwas Willkürliches an. Sie rechtfertigt sich aus didaktischen Gründen. Im Gelände jedoch kann man die Stufen an der natürlichen Verteilung gewisser Waldbaumarten erkennen, wobei man von besonderen Bedingungen, wie karge Böden, Lawinenrunsen, Kulturen oder andere menschliche Einflüsse, absehen muss. Abb. 12 zeigt deutlich, wie die bestimmenden Baumarten von einer Gegend zur andern wechseln und vor allem, dass die Grenzen der Höhenstufen zwischen Unterwallis und Mittelwallis um 200 m steigen.
Dies erklärt sich durch den Umstand, dass die Innentäler der Alpen trockener und sonniger sind als die äusseren Hänge. Die Grenzen senken sich etwas an den unteren Hängen der linken Talseite mangels guter Exposition, steigen jedoch besonders hoch an den Gipfeln der penninischen Kette, die sonniger als die Berner Seite ist. Im Gelände sieht die Sache alletdings oft komplexet aus. Man beachte, um sich davon zu überzeugen, die Interpretation der Landschaftsaufnahmen Abb. 13 und Tafeln I bis III; oder man vergleiche Abb. 12 mit Abb. 14, welche die wirkliche Abstufung der Vegetation auf vier N-S-Profilen durch Rhonetal und Val d'Illiez darstellt.
Inhaltsverzeichnis
Kolline Stufe
Sie ist die Stufe der Laubwälder: Flaumeiche im Mittelwallis, Stiel- und Traubeneiche im Unterwallis. Die meisten Laubbäume reagieren sehr empfindlich auf Frühlingsfröste, siedeln sich demzufolge in den Hangwäldetn an, mit Ausnahme der Esche, der Buche und des Berg-Ahorns. Beinahe überall hat die natürliche Pflanzenwelt den Kulturen und den Überbauungen weichen müssen, sodass es leichter fällt, die Gtenze der kollinen Stufe an den Rebbergen abzulesen! Die Rhoneebene im eigentlichen Sinn besitzt eine spezialisierte Auenvegetation, mit Weiden, Erlen, im Mittelwallis in Begleitung eigenständiger Schwarzpappeln.
Montane Stufe
Im Unterwallis entspricht die montane Stufe der Nebelzone, wo Buche und Weisstanne gedeihen. Im trockeneren Mittelwallis werden diese beiden Arten durch die Föhre abgelöst. Das Vorhandensein von Laubbäumen deutet meist auf menschliche Einwirkung hin. Die Esche, zum Beispiel, kommt häufig in den Hecken längs der Wege und Wasserleitungen vor. Die montane Stufe ist auch die Zone der Mähwiesen. Gewisse Kulturen sind noch möglich: Getreide, Kartoffeln, bei günstigen Verhältnissen auch Obstbäume. Kolline und montane Stufe entsprechen der ganzjährig bewohnten Zone.
Subalpine Stufe
Die subalpine Stufe zieht sich bis zu den letzten Bäumen hinauf und endet meist im mit Alpenrosen und Zwergwacholder bewachsenen Strauchgürtel. Hier stehen die dunklen Nadelwälder, mit den tief eingeschnittenen Lawinenrunsen. Im Unterwallis herrscht fast ausschliesslich die Fichte vor. Anderswo im Kanton gesellt sich die Lärche dazu. Die Arve zieht eher die sonnigen Höhen der penninischen Kette vor. An der oberen Baumgrenze nehmen durch Blitzeinschlag, Wind und Frost geprägte Bäume eindrückliche, beinahe pathetische Gestalten an. Etwas weiter oben stehen nur noch verkümmerte Bäumchen, die nacheinander das Opfer besonders rauher Winter werden. Von den Zwergstrauchgürteln, den Alpweiden und den vorübergehend bewohnten Maiensässen abgesehen, hat der subalpine Gürtel seinen bewaldeten Charakter beibehalten.
Alpine Stufe
Dem subalpinen Zwergstrauchgürtel folgen niedrige Rasen, welche durch ihren Blumenreichtum, ihren Duft und ihre Artenvielfalt beeindrucken. Eine derartige Mannigfaltigkeit ergibt sich aus der Verschiedenheit der Böden und des Mikroklimas. Die besten Böden werden als Alpweiden genutzt. Die Schafe steigen bisweilen bis zu den obersten Rasenflecken hinauf, hart an der Schneegrenze. Auf den Geröllhalden, den Gräten und Trockenhängen entwickelt sich eine vom Abweiden kaum beeinträchtigte, spezialisierte Pflanzenwelt. Die Felsen beherbergen hörst- und polsterbildende Pflanzen, die sich den härtesten Bedingungen angepasst haben.
Nivale Stufe
Die nivale Stufe reicht bis zu den höchsten Gipfeln. Dort oben leben beinahe nur noch Moose, Flechten und Algen. Doch gelingt es gewissen Blütenpflanzen, sich in schützenden Nischen und an Mikrostandotten zu behaupten.
Tafel I
Raron: Vegetationsstufen
Die felsigen Hügel um Raron und die warmtrockenen Halden sind das Reich der Steppen. Unterhalb der Wasserleitungen (Suonen) finden sich ein bewaldetes Band und grüne Wiesen, die gemäht odet beweidet werden. Darüber dehnen sich weite, durch Lawinenzüge zerschnittene Wälder aus. Am Rande rechts eine Brandfläche. Die herbstliche Färbung der Lärchen lässt deutlich die obere Baumgrenze erkennen.
Tafel II
Visperterminen: stufenartige Anordnung der Kulturen
Im Gegensatz zu mancher Berggemeinde, wo die Landwirtschaft vernachlässigt oder gar aufgegeben wird, hat sie in Visperterminen einen grossen Srellenwert. Gegenwärtig stellt diese Gegend eine der schönsren Kulturlandschaften des Wallis dar. Die Bergbauern verbringen einen Teil des Jahres auf ihren Maiensässen, oberhalb des Hauptdorfes; einen weiteren Teil in den Weilern Ober- und Unrersralden, um sich ihren Rebbergen zu widmen, den höchstgelegenen der Schweiz (1100 m). Das trockene Klima des Tales begünstigt die Steppen, sowie einen besonders zusammengesetzten Wald: Waldföhre, vermischt mit Flaumeiche, Birke, Lärche und in den oberen Lagen Arve.
Tafel III
Vouvry: grüne Landschaft des Unterwallis
Diese Landschaft ist typisch füt den Alpen-Notdhang. Das feuchte Klima behagt dem Laubwald. Die obere Waldgrenze wird von den Fichten besetzt. Ausser den bewaldeten Ufern der Rhone und einigen wenigen Naturwiesen an den untersten Hängen, stehen sämtliche fruchtbare Böden unter intensiver Bewirtschaftung.