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Wo werden Altkleider gesammelt?
Gebrauchte Kleidung wird in allen Ländern gesammelt.
Seit wann werden Altkleider gesammelt?
Seit der Entstehung der Papiermanufakturen (Papierfabriken) und somit seit dem Ende des Mittelalters.
Wer sammelt in der Schweiz Altkleider?
Neben TEXAID existieren noch drei überregional tätige Organisationen. Teilweise verfügen diese ebenfalls über einen Hilfswerkhintergrund, zum Teil handelt es sich um privatwirtschaftlich geprägte Unternehmen (z.B. Contex oder Satex). Zwei Mitglieder der TEXAID-Arbeitsgemeinschaft sind komplementär regional begrenzt tätig. Es sind dies die Caritas in der Innerschweiz und das Rote Kreuz in Freiburg.
Wer ist an TEXAID beteiligt?
TEXAID besteht aus zwei Unternehmen: der TEXAID-Arbeitsgemeinschaft und der TEXAID Textilverwertungs-AG. An der TEXAID-Arbeitsgemeinschaft sind die Hilfswerke
- Schweizerisches Rotes Kreuz
- Winterhilfe Schweiz
- Schweizerisches Arbeiterhilfswerk
- Caritas Schweiz
- Schweizer Kolpingwerk
- Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS)
beteiligt. Die TEXAID-Arbeitsgemeinschaft betreibt gemeinsam mit einem privaten Investor die TEXAID Textilverwertungs-AG.
Warum sind Hilfswerke an der TEXAID beteiligt?
Kleidersammlungen sind traditionell ein Betätigungsfeld von karitativen Organisationen, die Kleider als Spende von der Bevölkerung erhalten. Historisch wurden diese Kleiderspenden zur Direkthilfe verwendet. Heute wird ein Grossteil der gespendeten Altkleidung verkauft. Die an der TEXAID beteiligten Hilfswerke erhalten aus den Verkaufserlösen Geldmittel, die direkt der Hilfswerkstätigkeit zu Gute kommen.
Warum ist ein privater Investor an der TEXAID beteiligt?
Die an der TEXAID beteiligten Hilfswerke verstehen es nicht als ihre Aufgabe, ein Unternehmen zu betreiben, welches professionell Altkleider einsammelt, sortiert und verkauft. Daher haben sie die TEXAID Textilverwertungs-AG gemeinsam mit einem Experten auf dem Gebiet der Alttextilverwertung gegründet. Die Gewinnbeteiligung des privaten Investors ist vertraglich begrenzt.
Wie hoch ist der Anteil der Kleidung, die nach Gebrauch gesammelt wird?
Die jährliche Sammelmenge in der Schweiz steigt nach wie vor und beträgt derzeit ca. 45'000 Tonnen pro Jahr. Damit beträgt die Textil-Recyclingquote in der Schweiz ca. 50 bis 55 Prozent.
Was passiert mit den Altkleidern?
Die Altkleider werden von den Sammelorganisationen ins Ausland verkauft und dort von Hand sortiert. Nur TEXAID sortiert Kleidung professionell in der Schweiz (in Zürich und in Schattdorf/Uri).
Warum werden die Altkleider nicht der Kleiderhilfe zur Verfügung gestellt?
Die Anforderungen an eine professionelle Kleiderhilfe sind sehr hoch und verlangen den Einsatz professioneller Hilfswerke, die mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut sind. Die an der TEXAID beteiligten Organisationen sind teilweise im Bereich der direkten Kleiderhilfe tätig. Die hierfür benötigten Alttextilien (ca. 500 Tonnen pro Jahr) erhalten die Hilfswerke durch direkte Kleiderspenden.
Wie werden Altkleider sortiert?
Altkleider werden von Hand sortiert. Eine maschinelle Sortierung ist derzeit technisch und wirtschaftlich nicht möglich. Die Kleider werden nach Qualität (Verschmutzung, Beschädigung) in die folgenden Warengruppen sortiert:
- tragbare Gebrauchtkleidung (ca. 55 %)
- Rohstoffe für die Putzlappenindustrie (ca. 15 %)
- Rohstoffe für die Textil- und Papierindustrie (ca. 20 %)
- Abfälle für die thermische Verwertung (ca. 10 %)
Warum sortieren niemand sonst in der Schweiz?
Nur TEXAID sortiert und bereinigt den Grossteil (ca. 65 %) der gesammelten Altkleider in der Schweiz. Aufgrund der hohen Personal- und Investitionskostenkosten hierzulande verkaufen andere Organisationen die gesammelte Kleidung unverarbeitet ins Ausland. Sie können hierdurch einen höheren Gewinn erzielen.
Wohin werden die Altkleider verkauft?
Die Altkleider werden hauptsächlich nach Italien, Belgien, Tunesien und Osteuropa verkauft. Sie werden dort für den lokalen Markt oder den Export in Entwicklungsländer sortiert.
Schadet der Export von Altkleidern in Entwicklungsländer der dortigen Wirtschaft?
Im Zusammenhang mit der Kritik am Export von Altkleidern nach Afrika liess TEXAID eine wissenschaftliche Studie zu diesem Thema anfertigen. Die Untersuchung zeigt empirisch abgestützt, dass weder in Ghana noch in Tunesien ein Kausalzusammenhang zwischen dem Import von Alttextilien und der Entwicklung der lokalen Textil- und Bekleidungsindustrie verifizierbar ist. Im Gegenteil: die Weiterverarbeitung und der Handel mit gebrauchten Textilien sind ein wesentlicher Wirtschaftsbereich, der über hunderttausend Menschen in den beiden untersuchten Ländern eine Existenz sichert.
Ist der Export von unsortierten Altkleidern sinnvoll?
Der Export von unsortierten Altkleidern ist ökologisch und rechtlich nicht unbedenklich. Unsortierte Altkleidung ist als solche nicht verwertbar. Nur durch eine Bearbeitung der Alttextilien in der Schweiz lässt sich sicherstellen, dass keine Abfälle ins Ausland verbracht werden. Als einzige grosse Sammelorganisation stellt TEXAID durch die Sortierung und die Bereinigung des Sammelguts von Abfällen weitgehend sicher, dass der Export von Abfällen minimiert wird.
Was geschieht mit der tragbaren Gebrauchtkleidung?
Die tragbare Gebrauchtkleidung wird als Second-Hand-Kleidung in West-Europa, Ost-Europa, Afrika und Übersee verkauft. So können sich auch ärmere Menschen Qualitätskleidung zu günstigen Preisen leisten.
Was geschieht mit den Rohstoffen für die Putzlappenindustrie?
Die für die Weiterverarbeitung als Putzlappen geeigneten Textilien werden in Handarbeit von harten oder steifen Bestandteilen (Manschetten, Kragen, Knöpfe, Reisverschlusse etc.) befreit und in quadratische Putzlappen für die Industrie geschnitten.
Was geschieht mit den Rohstoffen für die Textilindustrie?
Die für die Textilindustrie geeigneten Altkleider werden maschinell zerfasert. Die dabei gewonnen Fasern werden in mehreren Arbeitsgängen zum erneuten Einsatz in Spinnerein und Weberein aufgearbeitet. Fabrikneue Kleidung kann bis zu einem Viertel aus Recyclingfasern bestehen. Aus Recyclingfasern werden auch Vliese für unterschiedliche Zwecke hergestellt.
Was geschieht mit den Rohstoffen für die Papierindustrie?
Diese meist minderwertigen Textilien werden durch Hitzeeinwirkung (Zerkochen) zerfasert, mit weiteren Einsatzmaterialien vermischt und maschinell zu Papieren oder Pappen gestrichen.
Weshalb soll man Textilien wiederverwerten?
Die Wiederverwertung von Textilien schont Ressourcen, die zur Herstellung neuer Stoffe und Kleider benötigt werden. Die Umweltbelastung durch die Faserherstellung ist gross. Bis zu 25 Mal werden Baumwollplantagen in einer Wachstumsperiode gespritzt; der Anbau von 1 kg Baumwolle verbaucht 14,7 g Pestizide. Zusätzlich benötigt die Produktion Wasser, Stickstoff und Energie. Bei der Wollproduktion werden die Schafe durch Pestizideinsatz vor Parasiten geschützt. So entstehen Rückstände in Böden und tierischen Geweben. Die Herstellung von Chemiefasern aus Erdöl verzehrt eine nicht erneuerbare Ressource und produziert nebenbei viele giftige Abfallprodukte. Hinzu kommt die Belastung der Umwelt durch Färbe- und Produktionsverfahren der Natur- und Chemiefasern.
Bringt Textilrecycling ökologischen Nutzen?
Indem wir Textilien noch weiter verwenden oder recyclieren, bleiben textile Rohstoffe wie zum Beispiel Baumwolle und Wolle im Kreislauf erhalten. Damit schonen wir beachtlich die Umwelt, denn zur Produktion von einer Tonne Baumwolle benötigt man 16'000 bis 20'000 Liter Wasser, nicht eingerechnet die Wassermenge zur Entfernung der Pestizide und für das Einfärben der Stoffe etc.
Kann Textilrecycling ohne Gebrauchtkleider-Verkauf bestehen?
Textilrecycling kann nur dann ohne Gebrauchtkleider-Verkauf bestehen, wenn der Verbraucher direkt oder indirekt für das Textilrecycling bezahlt.