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Für einmal lässt sich das Angenehme wunderbar mit dem Nützlichen verbinden: Männer tun sich selbst Gutes, wenn sie der Lust frönen. Egal, ob sie es mit einem Sex-Partner oder mit sich selber treiben, jeder Samenerguss dient der Gesundheit. Je häufiger Mann kommt, desto niedriger das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken – das belegen mehrere Studien.
Ein Prostatakarzinom ist bei Männern in den westlichen Industrieländern die häufigste Krebserkrankung. In der Schweiz erhalten jedes Jahr durchschnittlich über 6200 Männer diese Diagnose. 15 Prozent aller tödlichen Krebsfälle bei Männern gehen auf das Konto von Prostatakarzinomen – etwas weniger als beim Lungenkrebs, der für 22 Prozent der Krebstodesfälle verantwortlich ist. Dazu kommen Beeinträchtigungen der Lebensqualität wie Inkontinenz und/oder Impotenz, die Prostatakrebs-Patienten treffen können.
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist ein etwa kastaniengrosses Organ, das bei Männern den Anfangsteil der Harnröhre unter der Harnblase umgibt. Die Drüse sondert ein dünnflüssiges milchiges Sekret ab, das den Hauptteil des Ejakulats ausmacht und verschiedene Substanzen enthält, die bewegungsfördernd für die Spermien wirken.
Vor diesem Hintergrund erscheinen präventive Massnahmen umso wichtiger. Und wann sonst ist Prävention schon so lustbetont wie in diesem Fall? Um aber in den Genuss der maximal verminderten Krankheitswahrscheinlichkeit zu kommen, muss Mann schon ziemlich regelmässig zur Sache gehen: 21 Samenergüsse pro Monat sollten es sein, mindestens.
Das besagt eine Langzeit-Studie der Harvard School of Public Health, die vor rund einem Jahr publiziert wurde. 32'000 Männer waren dafür 1992, als sie zwischen 20 und 29 Jahre alt waren, zu ihren sexuellen Aktivitäten befragt worden. Zwanzig Jahre später nahmen die Wissenschaftler die Krankheitsgeschichte der Testpersonen unter die Lupe. 4000 der Männer waren an einem Prostatakarzinom erkrankt.
Am seltensten traf die Diagnose jene Probanden, die nach eigenen Angaben mindestens 21-mal pro Monat ejakuliert hatten – im Vergleich mit ihren asketischeren Geschlechtsgenossen, die es auf nicht mehr als sieben Samenergüsse pro Monat brachten, hatten sie ein um 19 bis 22 Prozent vermindertes Erkrankungsrisiko. Sie erkrankten zudem an weniger aggressiven Krebsformen.
Auch eine frühere australische Studie kam 2003 zu einem ähnlichen Ergebnis. 1079 an Prostatakrebs erkrankte Männer füllten einen Fragebogen zu ihren sexuellen Gewohnheiten aus. Die Wissenschaftler verglichen ihre Antworten mit jenen einer Kontrollgruppe von 1259 gesunden Männern desselben Alters. Der Befund: Je häufiger die Männer zwischen ihrem 20. und 50. Lebensjahr ejakuliert hatten, desto geringer war ihr Erkrankungsrisiko.
Der Effekt war bei jungen Männern am grössten. Jene, die im Alter von 20 bis 30 Jahren mehr als fünf Samenergüsse pro Woche hatten, hatten ein um ein Drittel verringertes Risiko, später ein aggressives Prostatakarzinom zu bekommen.
Die Gründe für diesen präventiven Effekt der Ejakulationen sind nicht vollständig geklärt. Die Forscher vermuten, dass die Prostatadrüse durch den Samenerguss gereinigt wird. Obendrein verhindert eine Ejakulation, dass sich kristalline Mikroverkalkungen bilden, die ebenfalls mit der Entwicklung von Prostatakrebs in Verbindung gebracht werden.
Sicher ist auf jeden Fall, dass gesundheitliche Nachteile, die man früher dem beim Masturbieren erfolgten Samenerguss nachsagte, nicht bestehen. Auch die Annahme, die Gesamtmenge des Spermas im Leben eines Mannes sei beschränkt («3000 Schuss – dann ist Schluss»), ist nichts als ein Mythos.
(dhr)
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