Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03545.jsonl.gz/878

« ZurückWeiter »
duen mit blonden Haaren und scrophulösem Habitus leiden besonders von dieser Krankheit; das rechte Auge wird öfters als das linke befallen. Masern, Scharlach, Kuhpocken machen ihren Verlauf, ohne auf die Entzündung störend einzuwirken. Die Entzündung wird besonders bedenklich, wenn der Kranke unreinlich ist, oder in einer ungesunden Wohnung oder feuchten sumpfichten Gegend sich aufhält.
Die an dieser Entzündung leidenden Individuen befinden sich besser in kühlen als zu warmen Zimmern. Das Auge des Patienten werde mit einem grünen Schirme bedeckt. In Hospitän lern versehe man die Fenster der zum Aufenthalt der Patienten bestimmten Zimmer mit grünen Vorhängen, lasse die Wände grün bemalen, und verhüte die Berührung des Patienten mit andern. Die Ventilatoren und Fenster müssen geöffnet, und dürfen nur bei zu grosser Kälte oder bei heftigen Winden geschlossen werden. Die Geheilten müssen in eigene Reconvalescentenzimmer gebracht werden, und dürfen auf grünen Rasenplätzen spazieren. Bevor sie entlassen werden, werden die Kleidungsstücke geräuchert und gereinigt. Um die Verbreitung des Uebels bei Armeen und in Anstalten, in welchen viele Individuen zusammen leben, zu verhüten, ist die sorgfältige Entfernung der Erkrankten nöthig, wefshalb eine ärztliche Untersuchung der Augen aller in einer solchen Anstalt lebenden Individuen täglich Stattfinden sollte. Das Waschen des Gesichtes da f nicht in gemeinschaftlichen Wasserbehältern Statt finden, und jedes Individuum sollte mit einem blos zu seinem Gebrauche bestimmten Waschtuche 'versehen werden. Die für die Erkrankten bestimmten Quehlen müssen besonders bezeichnet werden. Die init dem ausfliessenden Schleime verunrei
nigten Geräthe bedürfen der' sorgfältigsten Reinigung ').
Die Blutentziehungen dürfen hier nicht unterlassen werden. Je mehr die erkrankten Individuen saftreich sind, je heftiger die Entzündung auftritt, desto reichlicher muss die Blutentleerung seyn. Wenn der Arzt bei schon vorgeschrittener Entzündung die Behandlung übernimmt, so ist auch dann noch, um die Heftigkeit der Entzündung zu brechen, die Blutentziehung nöthig. Die Temporalarterie, die Venen am Arme oder am Fusse werden mit gutem Erfolg geöffnet. Nicht selten müssen noch, um die Wirkung der Venäsection zu unterstützen, Blutigel in die Nähe des Auges gesetzt werden ?). Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Setzen einer gastrischen Krankheit zur Abkürzung und zum gelindern Verlauf des 'Uebels beizutragen vermöge; desshalb sind nach Adams Brechmittel, nach Saunders Nauseosa, nach andern Abführmittel, besonders der Mercurius dulcis sehr zu empfehlen. Das letztere Mittel scheint zum vorgesteckten Zwecke das geeignetste. Der zwischen den Augenliedern und dem Augapfel sich anhäufende Schleim soll sorgfältig, stündlich wenigstens zweimal durch Ausspritzen entfernt werden; hierzu bedient man sich ei
mit einem konischen Aufsatze versehenen Spritze und eines dem Zustande der Entzünduug entsprechenden Augenwassers. Wenn im Anfange der Entzündung diesem Zwecke die
ner
1) A letter to the directors of Greenwich Hospital by Sir
W. Adams. S. Report of a Special Medical Board S. 107. 2) L. Franks (De peste, dysenteria et ophthalmia aegyp
tiaca) Ansicht, dass das Blutlassen Verschlimmerung bewirke, wird durch die neuesten Erfahrungen und die berühmtesten Schriftsteller (1. Peach Edinb. med. and Surgical Journal for January 1807, Vetch an account of the ophthalmia etc. 1807 u. s. w.) widerlegt.
repercussiven Mittel auch entsprechen, so möchte doch bei dem höchsten Grade derselben eine mehr reitzmildernde Flüssigkeit, z. B. ein Absud der Mohnköpfe sich vorzüglich eignen. Dasselbe gilt auch von den auf das Auge aufzuschlagenden Mitteln ). In hartnäckigen, die Zerstörung der Hornhaut bedrohenden Fällen wird die von Wardrop empfohlene Punction der Hornhaut angerathen. Animalische Kost und geistige Getränke müssen gemieden werden. Saunders und Adams' entfernen die granulirende Conjunctiva, wenn die Entzündung erloschen ist, ersterer mittelst der Scheere, letzterer mittelst des Messers. Saunders bedient sich, um diesen Zweck sicherer zu erreichen, einer Lösung des Höllensteins, Adams einer Auflösung des Alauns ?), mit welchen Einspritzungen in das Auge gemacht werden. Blasenpflaster in den Nacken gelegt, in Eiterung erhalten, und durch Senfmehl geschärfte Fussbäder tragen günstig zur glücklichen Entfernung des Vebels bei.
Das entzündliche Leiden der Conjunctiva ohne Blennorrhöe spricht sich nicht selten als Blepha
1) Kluyskens empfiehlt gleich nach den Blutentziehungen
eine doppelte Compresse, die man in einer Mischung von
an.
2) A. letter to the Directors of Greenwich Hospital by
W'. Adams. London 1817.
1
roconjunctivitis ) aus. An den Rändern der Augenlieder, besonders gegen die Winkel derselben bemerkt man Röthe, der Patient hat das Gefühl des lästigen Juckens. Wendet man das Augenlied um, so zeigt die innere Fläche desselben in einem geringern oder höhern Grade entzündliche Anschwellung. Die Schleimabsonderung ist, wenu das Uebel mit Heftigkeit auftritt, unterdrückt, die Thränenabsonderung vermehrt, so, dass hier mehr ein seröser als muquöser Ausfluss Statt findet. Die Thränenabsonderung wird auch qualitativ abnorm, da die über die Wange herabfliessenden und in die Nase gelangenden Thränen Entzündung und Ex, coriation hervorbringen. Oft beschränkt sich die Entzündung nur auf einen oder den andern Augenwinkel. Gewöhnlich überschreitet das Uebel diese Höhe nicht; wenn aber dasselbe sich noch steigert, so wird die Thränenabsonderung unterdrückt, eine Trockenheit und verminderte Beweglichkeit des Augapfels hervorgebracht. Die Thränenpünktchen contrahiren sich und resorbiren nicht; das Auge wird lichtscheu, ist gewöhnlich geschlossen, und die auf der Conjunctiva entwickelten Gefässstränge bringen bei den Bewegungen des Auges das Gefühl eines fremden Körpers hervor. Der Nachlass der Entzündung spricht sich durch Abnahme der Trockenheit, Aufhören des Juckens, Verminderung der Röthe
Die Schleimsecretion wird aber etwas vermehrt, so dass Nachts gewöhnlich die Augenlieder sich verkleben. Bisweilen lagert sich etwas verdickter Schleim auf der Hornhaut ab, so dass die Patienten die Gegenstände in Nebel gehüllt, das Licht mit einem farbigen Dunstkreise umgeben, erblicken, und dadurch geängstigt werden. Reibt man mit dem Finger das Auge, so schwin1) Diese Krankheit wird in dem ophthalmologischen Wer
ken als Angenliederdrüsenentzündung beschrieben.
aus.,
det auch die Sinnestäuschung ?). Bei einem hohen
züglich durch Neigung zur Verhärtung der Augenlie-
krampfhaft geschlossen sind, aus.
genentzündungen. Leipzig 1814. S. 49.