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Zum Stück
Nach dem grossen Erfolg seiner Liedmatinee Schuberts "Pilgerreise" im vergangenen Mai hat Ensemblemitglied Martin Summer ein neues Programm mit romantischen Kunstliedern zusammengestellt. Auch in diesem Programm ist Franz Schubert (1797–1828) vertreten, mit Sehnsucht (D 636) und mit den drei Gesängen des Harfners aus Goethes Wilhelm Meister, die Schubert so komponiert hat, wie sie im Roman fiktiv beschrieben werden: «Es waren herzrührende, klagende Töne, von einem traurigen, ängstlichen Gesange begleitet.»
Am Anfang und am Schluss des Programms stehen Lieder von Hugo Wolf (1860–1903), der in der von Schubert begründeten Tradition der Romantik steht. Gemeinsam ist allen Liedern die Sehnsucht: nach einer besseren Welt, nach Liebe, nach Ruhe. Besonders bei den drei Vertonungen von Gedichten Michelangelos kommt das Ringen des Künstlers mit seinem Werk hinzu. In der sensiblen Textausdeutung des Komponisten erweist sich der Renaissancekünstler als protoromantischer Dichter.
Im 20. Jahrhundert wurde die romantische Liedtradition in moderner Weise fortgeführt u.a. von Hermann Reutter (1900–1985), einem gefragten Liedbegleiter und Gründer der Hugo-Wolf-Gesellschaft in Stuttgart. Summer hat seine 1944 entstandenen drei Gesänge nach Hölderlin als dritten Mini-Zyklus für sein Programm ausgewählt. Übrigens wird der österreichische Bassist St. Gallen zum Ende dieser Spielzeit verlassen: Er wechselt ins Ensemble der Hamburgischen Staatsoper.