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Der Oleander ist bei uns die beliebteste Kübelpflanze. Seine Blüten sind so schön wie Rosen, die Blätter schnittig elegant, lorbeerähnlich. Deshalb heisst die Pflanze wohl im Französischen «laurier-rose», bei uns gelegentlich auch «Rosenlorbeer».
Der Oleander ist ein aufrechter, immergrüner buschiger Strauch, etwa zwei bis vier Meter hoch und breit werdend. Die in Quirlen zu drei oder gegenständig stehenden Blätter sind lanzettlich und bis zu fünfzehn Zentimeter lang, lederig. Sie sind an Hitze und Trockenheit angepasst, einerseits durch die zähe, verdunstungsgeschützte Blattoberfläche, andererseits durch besondere, Wasser speichernde Zellschichten im Blattinnern. Die in endständigen Doldentrauben stehenden Blüten bestehen aus einem trichterförmigen Kelch mit fünf abstehenden Blütenblättern. Bei gefüllten Sorten ist in der Regel ein Teil der Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt worden. Die Früchte sind Balgkapseln, bohnenartig, so lange wie die Blätter. Die Samen tragen an ihrer Spitze federige Flughaare, was ihre Verbreitung durch Wind ermöglicht. Die Befruchtung erfolgt durch sehr langrüsselige Insekten, meistens Falter. In der Heimat des Oleanders, im Mittelmeergebiet, gibt es den auf seine Blüten spezialisierten Oleanderschwärmer.
Die ursprünglichen Blütenfarben der Wildformen sind rosa und weiss. Durch Züchtung sind viele neue Farben dazugekommen. So gibt es heute auch cremeweisse, gelbe, verschiedene rosa-, aprikosen- und lachsfarbene, purpurne und feuer- und blutrote Blütenfarben, alle bei einfachen, halbgefüllten und gefüllten Blüten. Der Blütenduft ist nur schwach und sehr zart, unterschiedlich je nach Sorte. Die Blütezeit dauert ununterbrochen von Juni bis Oktober.
Schon in der Antike war der Oleander nicht nur in der freien Natur, wo er an periodisch oberflächlich austrocknenden Fliessgewässern besonders schön gedeiht, sondern auch in Gärten des Mittelmeergebietes beliebt, was griechische und römische Mosaiken und Wandgemälde bezeugen.
Im sechzehnten Jahrhundert kam er auf die Alpennordseite. Der berühmte Zürcher Botaniker Conrad Gessner beschrieb ihn um 1560.
Eine unangenehme Seite ist dem beliebten Oleander eigen: Er ist für Mensch und Tier stark giftig, was von alters her bekannt ist. Giftig sind alle Pflanzenteile, ob frisch oder getrocknet, sofern sie gegessen werden. Vergiftungen sollen aber auch schon durch Verwendung des Holzes als Fleischspiess zum Grillen vorgekommen sein, ebenso bei Genuss von überwiegend von Oleanderblüten stammendem Honig. Solcher Honig wird jedoch nördlich der Alpen nie gewonnen. Die Oleandervergiftung kündigt sich durch Übelkeit, Kopfschmerzen und lange anhaltendes Erbrechen an. Es können Krämpfe, Gefühllosigkeit, Atemlähmungen, Schockzustände und sich verlangsamender Puls festgestellt werden, auch blaue Hände und Lippen sind Vergiftungssymptome. Bei Feststellung einer Vergiftung sind sofort Erbrechen auszulösen, Kohlepulver einzunehmen und es ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Verantwortlich für die gefährlichen Erscheinungen sind verschiedene Cardenolide. Andererseits werden aber Oleanderpräparate auch als Heilmittel eingesetzt, so in der Herztherapie, gegen Hautausschläge, bei Herzkrämpfen. Blättertee galt früher als menstruationsförderndes Mittel, in starken Dosen auch als Abortivum, was aber oft mit dem Tode der Schwangeren endete. Oleanderrindenpräparate dienen heute noch in Gebieten des Mittelmeeres als Insekten- und Mäusemittel.
Oleander benötigt viel Sonne. Am wohlsten fühlt er sich bei praller Sonne und grosser Hitze im Hochsommer. In kühlen, regenreichen Sommern und an schattigen Standorten werden wohl Blütenknospen gebildet, welche sich aber nicht entfalten können. Knospen und Blüten gefüllter Sorten sind regenempfindlich, was sie zum Faulen bringt; deshalb sind sie vor Regen zu schützen. Bei uns sind die Pflanzen nicht genügend winterhart, insbesondere die Wurzeln nehmen bei anhaltenden Frösten Schaden. Auch sind lange Nässeperioden wurzelschädigend, vornehmlich bei Pflanzungen in allzu schweren Böden. Gegossen wird zurückhaltend; die Erde darf aber nie ganz austrocknen.
Der fehlenden Winterhärte wegen sollten Oleander, sobald die Temperatur für längere Zeit unter null Grad sinkt, in einen Überwinterungsraum gebracht werden. Je wärmer wir überwintern, umso mehr Licht braucht die Pflanze, also einen Standort im Wintergarten oder wenigstens an einem grossen Fenster. Bei heller Überwinterung tritt das unschöne Eintrocknen von Zweigen weniger auf. Ist der Überwinterungsraum dunkel, sollten anhaltende Temperaturen von fünf Grad und wärmer unbedingt vermieden werden. Ein kurzzeitiges Abfallen der Temperaturen auf bis minus zehn Grad schadet nicht, wenn der Erdballen dabei nicht einfrieren kann. Höhere Temperaturen führen zu Geilwuchs und häufigem Krankheitsbefall. Spinnmilben, Schild- und Wollläuse würden sich über fehlenden Luftwechsel und wohlige Wärme freuen. Auch die oft an Oleandern auftretenden Verkrüppelungen von Blättern und Trieben sind auf falsche Überwinterung zurückzuführen. Es handelt sich dabei um einen Bakterienbefall.
Zurückgeschnitten wird im Frühjahr vor dem Neuaustrieb, indem nur zu dicht stehende, alte oder junge, lange und schwache Triebe bis zur Basis ganz herausgenommen werden. Auch ein Totalrückschnitt ist möglich, doch sind die Pflanzen danach im ersten Jahr blühfaul. Bei Sorten, die sich zu wenig verzweigen, also zu wenig buschig werden, können im Frühjahr nach dem Neuaustrieb die jungen, vom Boden her austreibenden Zweige gestutzt werden, was sie zu mehr Seitentrieben zwingt. Im Sommer sollten alte Blütenstände nicht entfernt werden, da sie im folgenden Frühjahr wieder neue Knospen hervorbringen. Haben sich jedoch Früchte gebildet, werden sie möglichst früh einzeln herausgeschnitten; sie würden ansonsten der Pflanze unnötig Kräfte entziehen. Wir können auch bereits die verblühten Einzelblüten wegschneiden. An vorjährigen und erst recht an noch älteren Trieben und Blütenständen entstehen die schönsten Blüten.
Grosse Oleander sind starke Nährstoffzehrer. Von April bis September sind sie stets gut zu ernähren, sei es mit wöchentlichen Flüssigdüngergaben oder noch besser mit speziellen Langzeitdüngern, welche die Nährstoffe temperatur- und feuchtigkeitsabhängig an die Wurzeln abgeben. Alle drei Jahre werden die Oleander aus dem Topf genommen, etwas Erde und Wurzeln entfernt und in neue strukturstabile Kübelpflanzenerde wieder eingesetzt. Gut gepflegt, wird der Oleander zum dankbaren Inbegriff der Kübelpflanze, üppig blühend den ganzen Sommer über den Betrachter an Sonne und süsses Nichtstun erinnern.
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