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Koni Ochsner (1933–1995) studierte als Schüler von Willy Guhl an der Kunstgewerbeschule Zürich Design. Zusammen mit Ulrich P. Wieser und Kurt Brenner gründete er 1972 die Agmid AG für Möbel und Industriebedarf. Er schuf für Wohnbedarf und die frühe Röthlisberger Kollektion einige Schweizer Möbelklassiker, so auch den aus produktionstechnischen Gründen erst heute realisierbaren Tisch Arcos. Koni Ochsner erhielt zahlreich nationale und internationale Auszeichnungen für Möbel- und Uhrendesign.
von Gabrielle Boller
Es gibt kaum ein Motiv, das die Vorstellungen über moderne Kunst besser bündeln könnte als die Farb- und Flächenkombinationen auf den Bildern von Piet Mondrian. Wechselnde Anteile von Rot, Blau und Gelb in rechtwinkligen, von schwarzen Linien begrenzten Flächen auf der Leinwand verteilt – wie sonst könnte das absolute abstrakte Gemälde aussehen? Bis heute entfalten Mondrians Primärfarbenbilder so grosse Signalwirkung, dass sie immer wieder in verschiedenen Varianten in Kunst, Mode, Design und Werbung auftauchen. Einige der Hommagen an die berühmten abstrakten Gemälde erreichten selbst Kultstatus – 1965 etwa liess Yves Saint Laurent seine Models, damals sprach man eher noch von Mannequins, in A-Linien-Kleidern mit dem charakteristischen Design über den Laufsteg defilieren, heute werden die verbliebenen Stücke in Museumssammlungen gehütet.
Auch Koni Ochsner, geschult an den konstruktiven Ideen der «Guten Form», verwendete 1977 den Primärfarbenrigorismus Mondrians auf ähnliche Weise wie der Modeschöpfer zehn Jahre zuvor, wenn er Kunst auf ein Gebrauchsobjekt projizierte. Er schuf für die Röthlisberger Kollektion ein Solitärmöbel, signiert und nummeriert, das mit seinem Verweis auf den berühmten Künstler vorwegnahm, was in den Achtzigerjahren mit Zitierlust und Referenzen an sämtliche Epochen der Stil- und Kunstgeschichte in den postmodernen Eklektizismus münden sollte. Zuerst aber erinnert der Mondrian-Schrank viel eher an die Sechzigerjahre, als bunte Möbel die bislang dezent gefärbte Interieurwelt eroberten. Das Möbel war als Einzelstück gedacht, als «Alternative zum antiken Sekretär oder Bauernschrank», wie es im Prospekt dazu heisst, die als dekorative Elemente zur Auflockerung der Räume dienten.
Koni Ochsner hatte den Schrank in drei Versionen geschaffen; die Farbflächen waren dabei nicht bloss hübsche Fassade, sondern markierten die Türen, Klappen und Schubladen. Das rote Feld im abgebildeten «Mondrian 2» etwa lässt sich wie bei einem Kabinettschrank herunterklappen und als Ablagefläche oder Schreibtischplatte nutzen. Die Türen und Schrankflächen sind mit Farblack hochglanzgespritzt und lassen sich mit unsichtbaren Druckschnäppern öffnen und schliessen – ein leichter Druck, und die Türchen öffnen sich mit einem leisen Klickgeräusch und lassen ein mit Glastablaren ausgestattetes Inneres sehen. Auf einem hochglanzpolierten Chromstahlsockel präsentiert sich ein makelloses Objekt, funktional, aber vor allem schön, das sich wie die Umkehrung eines «Readymades» ausnimmt, einer jener Alltagsgegenstände, die in den Kunstbereich gelangt sind und entsprechende Wertschätzung erlangt haben. Hier ist ein Kunstwerk in die Welt der Gebrauchsgegenstände geraten, Mondrians Ikone des Konstruktivismus als Schrank in die Sphäre des Alltäglichen eingetaucht.