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Wer einmal an Frühlingabenden inmitten der Natur dachte, er höre Glocken bimmeln, der ist wahrscheinlich in den Genuss des Rufes der Geburtshelferkröte gekommen. Ein hohes, rhythmisches, beinahe metallisch tönendes Klickern, wie wenn Metallmurmeln gegeneinander stossen oder eben: Wie wenn eine Glocke bimmelt.
Dies ist nicht das einzig aussergewöhnliche an der Geburtshelferkröte. Da wären z.B. noch ihre goldenen Augen oder die Tatsache, dass sie Brutpflege betreibt. Aber dazu später mehr.
Als Fortpflanzungsgewässer für die Geburtshelferkröte kommen sowohl sonnige und warme als auch kühle und schattige Gewässer in Frage. Tümpel in Gruben und Steinbrüchen, Nutzweiher, Rinnsale und andere Gewässer in Auengebieten oder auch schwach fliessende Stellen in Flüssen und Bächen werden als Fortpflanzungsgewässer genutzt.
Bei der Wahl ihres Landlebensraumes ist die Geburtshelferkröte ein wenig wählerischer. Sie bewohnt Auengebiete, Bachböschungen, Geröllhalden und Rutschgebiete. Die Tiere mögen sonnenexponierte, sandige oder lehmige und leicht rutschende Hänge, Böschungen, Gruben oder Gärten mit lockerem Boden. Auch gut geeignet sind sonnige, fugenreiche Mauern, Terrassen, Holzstapel, Steinhaufen oder ähnliches. In diesen Böden oder Steinhaufen bauen sie sich dann eigene Wohnhöhlen.
Eine Spezialität der Geburtshelferkröten ist ihr Fortpflanzungsritual. An warmen Abenden zwischen Mai und August begibt sich das Männchen aus seiner Höhle und ruft Weibchen herbei. Sobald sich eines nähert, wird es vom Männchen umklammert. Nach der Begattung wickelt sich das Männchen die Laichschnüre um die Beine, sodass es das Eierpaket transportieren kann. In den folgenden Nächten kann das Männchen noch ein, oder selten zwei weitere Pakete übernehmen. Danach verkriecht sich das fürsorgliche Männchen in seinem unterirdischen, feuchtwarmen Versteck und wartet bis die Eier reif sind. Wenn sie so weit sind, transportiert es sie zum Laichgewässer, wo es die Eier ins Wasser taucht und die Larven schlüpfen. Das Männchen hat nun seine Brutaufsichtspflicht beendet, streift das leere Eierpaket ab und beginnt erneut zu rufen. Dieser ganze Prozess kann drei- bis viermal im Jahr ablaufen. Je nachdem wie weit die Larven schon entwickelt sind, reicht es ihnen sich vor dem Winter weiterzuentwickeln oder sie müssen im Larvenstadium überwintern. Dies ist eine weitere Spezialität. Dafür muss aber das Gewässer ganzjährig Wasser führen.
Auch der Lebensraum der Geburtshelferkröte wird immer kleiner. Bewirkt wird dies v.a. durch die Trockenlegung von Tümpeln, den Besatz von Gewässern mit Fischen oder Enten und die Verbauung der Natur. Damit sich die Geburtshelferkröte wieder vermehren kann, sollten neue, fischfreie und stehende Gewässer erstellt oder bereits bestehende aufgewertet werden. Ebenfalls die Mauern, Stein-, Sand- und Holzstrukturen mit Hohlräumen sollten unversiegelt erhalten bzw. neu erstellt werden. Auch die lockeren Hänge und Böschungen sollten erhalten bleiben und nicht verbuscht werden. Voneinander getrennte Populationen sollten wieder verbunden werden.
Viviane Winter