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Nach ungewöhnlich langen 15 Monaten Pause flogen wir am 26sten Februar nach Sri Lanka, und die Vorfreude war entsprechend groß.
Durch E-Mails besteht immer ein reger Kontakt mit unseren Freunden in Colombo, und Roy hält uns über Neuigkeiten aus Hambantota auf dem Laufenden.
Aber in dieses wunderschöne Land zu reisen, mit den Freunden zusammen zu sein und “unsere” Patenkinder und Witwen zu besuchen, hat uns sehr gefehlt.
Ganz offensichtlich war die Freude gegenseitig, und Humaid hat sogar eine Geschäftsreise nach Singapur verschoben, um uns nach Hambantota begleiten zu können - wir hatten uns sehr kurzfristig angekündigt, weil lange nicht klar war, wann wir fliegen würden.
Wegen der Kricketweltmeisterschaft (Sri Lanka wurde im Finale gegen Indien schlussendlich Vize-Weltmeister) war es auch nicht einfach, Hotelzimmer zu bekommen. Dank Roy bzw. seinem Bruder, der GM im Cinnemon Lake Side Hotel in Colombo ist, gab es dann ein Zimmer für uns, allerdings zum doppelten Preis als beim bis dato letzten Aufenthalt!?
Dies führte zu einem lustigen Missverständnis, als sich Anura am Abend nach Humaid erkundigte und ich stattdessen “room rate” verstand. Meine Aussage, die hätte sich seit unserem letzten Besuch verdoppelt, sorgte erst für grosses Erstaunen und nach der Aufklärung des Missverständnisses für grosse Heiterkeit.
Anura ist de facto arbeitslos. Nach 24 Jahren als Berufsmilitär im Rang eines Majors kann er sich mit einer guten Rente pensionieren lassen. Da aber auch diese bei einer fünfköpfigen Familie nicht weit reicht, sucht er eine Anstellung bei einer privaten Sicherheitsfirma.
Jüngere Soldaten haben nur einen geringen Sold, und seit Kriegsende sind die Nebeneinnahmen (Schmiergeld) am Versiegen.
Als Roy uns erzählte, dass das Militär Gemüse verkauft, dachten wir, er mache einen Witz. Bis wir die ersten Militärlastwagen in Colombo sahen, vor denen sich ganze Trauben von Kunden zum Gemüsekauf anstellten!? Durch ungewöhnlich lange und heftige Regenfälle wurden grosse Teile der Gemüse- und Reisernte vernichtet, und die Preise sind in den Himmel geschossen. Das Militär kauft nun im Hochland ein und verkauft es in Colombo auf den Strassen. Dass es sich dabei nicht um eine humanitäre Hilfsmassnahme handelt, versteht sich von selbst, aber wo die Gewinne genau hinfliessen, weiss keiner so genau.
Im Vorfeld hatten wir bei unseren Freunden nachgefragt, was wir mitbringen sollten, und nebst der üblichen Schokolade fragte Humaid nach einem gebrauchten Laptop für einen Informatikstudenten.
So kurzfristig konnten wir keines auftreiben, und die Preise für gebrauchte sind unrealistisch. Da kam die Aktion von der Migros sehr gelegen, und der Student freute sich sehr über sein glänzendes Laptop.
Für die meisten ist ein eigenes Laptop unerschwinglich, und falls auf diesem Weg ein gebrauchtes seinen Weg zu uns finden würde, würden wir es gerne auf unsere nächste Reise mitnehmen.
Nachdem alle Einkäufe (Michel reiste wieder einmal mit leerem Koffer an) erledigt waren, fuhren wir mit Roy und Humaid nach Hambantota. Meistens erzählen wir, was sich im Kleinen getan hat, aber hier hat sich seit unserem letzten Besuch wahrlich Grosses getan. Der Anblick eines Tagungszentrums für 1500 Teilnehmer erschlug uns fast. Der gigantische Komplex wurde von Korea gesponsert und steht vor der Fertigstellung.
Dazu kann man nur sagen, dass unsere Fahrt von Colombo nach Hambantota sieben Stunden dauerte und es vor Ort ein einziges Hotel gibt. Der Bau des geplanten internationalen Flughafens in ca. 30 Kilometer Entfernung ist noch immer in der Planungsphase, und mehr fällt mir dazu nicht ein.
Wir durften diesmal auch offiziell den neuen Hochseehafen besichtigen, und dort steht ein Gebäude für die Hafenverwaltung im Bau, das um einiges höher ist als das erste erstellte Hafenbecken tief. Beim Bau stieß man in 16 Metern Tiefe “unerwartet” auf soliden Fels, und sämtliche Versicherungsgesellschaften lehnen eine Haftung ab. Es wird also kein Schiff je dort einlaufen können. Aber man arbeitet am Problem: Es werden Raffinerien erstellt, und hinter (!?!?) dem ersten Becken sollen tiefere folgen. Die Landschaft ist über mehrere Quadratkilometer aufgerissen und mit riesigen Kränen übersäht.
Praktisch alle Arbeiten werden von chinesischen Bauleuten ausgeführt, und deren Barackensiedlungen lassen auf nicht sehr komfortable Lebensbeding-ungen der chinesischen Arbeiter schliessen.
Laut der lokalen Bevölkerung soll es sich um Strafgefangene handeln, die streng abgeschottet werden. Ob es stimmt?
Ein weiteres Highlight war ein Mahinda Radjapakse (Präsident) Filmstudio ca. 25 Kilometer östlich von Ham-bantota. Ebenfalls ein riesiges Gelände mit einem imposanten Gedenkstein des “Erbauers”. Nach dem Vorbild US-amerikanischer Filmstudios wurden prominente Straßen-züge aus dem ganzen Land nachgebildet und von uns auch prompt erkannt. Allerdings war alles ein bisschen nah auf nah, dass es bei Aufnahmen wohl etwas schwierig werden könnte, bei einer Szene in Colombo nicht noch etwas Kandy im Bild zu haben.
Der Eintritt betrug für uns Langnasen 20$; Humaid, Roy und fünf Kinder einzuladen, schlug mit gerade mal 2$ zu Buche.
Unterhalten wird das Gelände, wen erstaunt es, vom Militär. Auf jedem freien Flecken wird Gemüse angebaut. Man brauche dies, um Aussenszenen realistischer erscheinen zu lassen. Dazu gehörte anschei-nend auch Kohl in den Blumen-rabatten. Eben sei ein deutsches Filmteam (man erinnere die sieben Stunden Anfahrt von Colombo) da gewesen und hätte das Gelände benutzt. Unter anderem auch ein Schiffsmodell in einer riesigen Halle. Wir hätten dieses gerne in Aktion gesehen. An den vier Enden ragte jeweils ein grosser Balken heraus, an die sich ein paar Soldaten hängen mussten, um die Schaukelbewegung des Bootes zu imitieren……….
Mahinda Rajapakse stammt aus Hambantota und hat bei seiner Wahl versprochen, diesen Distrikt zu fördern. Das tut er nach Leibeskräften und in landestypischer Manier. Man kann dieses Land nur lieben, aber bestimmt niemals verstehen.
Wir residierten mit Humaid zusammen wieder in einem Haus in der Tsunami Siedlung, diesmal in einem einer weiteren Schwägerin von Roy, das im Gegensatz zum letzten eine Toilette im Haus hatte! Dafür war das aus Brettern gezimmerte Bett mit einer Kokosfaser-Auflage von ca. drei Zentimetern (die bei jeder Bewegung knirschte und zudem vermutlich belebt war) eine Qual.
Zusammen mit der Kakophonie zweier schnarchender Männer (die Wände der Zimmer haben oben keinen Abschluss zum Dachstuhl), den Geräuschen der Nachbarschaft (unsere Nachbarn gegenüber stritten sich lautstark die halbe Nacht) und Tierlauten, die ich nicht mir bekannten Tieren zuordnen konnte, fand ich kaum Schlaf.
Die Strassen sind noch immer nicht befestigt, und die halbe Zeit hatten wir kein Wasser.
Wir haben uns auch wieder selber verköstigt. Frische Fische am Hafen zu kaufen oder die Eier in Stroh verpackt an einem Marktstand zu erstehen, ist immer wieder ein Erlebnis.
Auch ganze Mahlzeiten auf einer Feuerstelle zuzubereiten, ist eine Herausforderung, zumal mit einem Koch wie Humaid, der allen Ernstes von mir wissen wollte, ob ich schon einmal Reis gekocht hätte………….
Abends sassen wir dann vor dem Haus bei Tee (Michel mit Bier), und Humaid unterhielt uns mit Anek-doten seiner weitver-zweigten Familie. Da Hochzeiten zwischen Cousins nicht ungewöhn-lich sind, ergeben sich teilweise die verrücktesten Verwandschaftsverhältnisse. Es kann gut sein, dass jemand jemandes Schwager, Onkel und Cousin gleichzeitig ist !?
Er hat mit uns auch sehr offen über politische Machenschaften und Verflechtungen geredet, während er in Colombo meistens mit Blick über die Schulter sehr leise und abwägend seine Meinung kundtat.
Wir hatten sehr viel Spass, und Humaid ist der einzige Mensch, den ich kenne, der während dem Sprechen einschlafen kann. Mir war alles Recht, das den Gang ins Bett hinauszögerte.
Da die Besitzurkunden der Tsunamihäuser bereits an die Bewohner übergegangen sind, stehen viele der Häuser leer und zum Verkauf. Erst hieß es, sie müssten zehn Jahre selber bewohnt werden, um in deren endgültigen Besitz zu gelangen.
Humaids Ausführungen beinhalteten auch Vorgehensweisen, wie sich viele Vorschriften im Land umgehen lassen. Es gibt auch ein Gesetz, das Ausländern den Erwerb von Häusern erschwert.
In Hambantota ein Haus zu kaufen, ist auch eine noch unausgegorene Idee von uns.