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Di, 9. Februar 2020, Niklas
Ein Übersetzungstool, das nicht von einem Suchmaschinenkonzern mit viel zu grossem Datenreichtum kommt und dazu noch open source ist - Ist das nicht zu schön, um wahr zu sein? Es ist wahr, denn genau das ist LibreTranslate. Es kann selbst gehostet oder auf einem öffentlichen Server genutzt werden.
LibreTranslate wird von der US Firma UAV4GEO entwickelt, die sich auf open source Dronensoftware spezialisiert hat und mit dem Übersetzungstool in eine ganz andere Richtung geht. UAV4GEO wurde 2014 gegründet und hat seinen Sitz in St. Petersburg, Florida. Gemessen an den GitHub Sternen ist LibreTranslate mit Abstand das beliebteste Projekt der Firma.
LibreTranslate ist in der Programmiersprache Python geschrieben und steht unter der Copyleft Lizenz AGPL 3.0. Folgende Sprachen werden aktuell unterstützt:
- Arabisch
- Chinesisch
- Deutsch
- Englisch
- Französisch
- Italienisch
- Portugiesisch
- Russisch
- Spanisch
Damit unterstützt LibreTranslate aktuell noch zwei Sprachen weniger, als der proprietäre Übersetzungsdienstleister DeepL, der für seine hervorragende Grammatik in den Texten beliebt ist, aber für ein vergleichsweise kleines open source Projekt ist auch das schon beeindruckend. An die Übersetzungsqualität von DeepL kommt LibreTranslate noch nicht ganz heran, aber mit anderen Dienstleistern wie Google, Bing oder Yandex liegt es gleichauf.
LibreTranslate basiert auf dem Open-Source-Projekt Argos Translate, durch das die Übersetzungs-Programmbibliothek entwickelt wurde. Argos Translate selbst bietet ein grafisches Programm auf Qt5 Basis an, mit dem Texte lokal auf dem Computer übersetzt werden können. Ausserdem stellt es ein Python Modul bereit, welches von LibreTranslate genutzt wird. Ein Terminal CLI Befehl wird auch angeboten. Die in LibreTranslate verwendeten Sprachmodelle stammen alle vom Argos Translate Projekt.
Die Projekte LibreTranslate und Argos Translate bieten sehr umfangreiche Einsatzmöglichkeiten. Für den Endanwender ist LibreTranslate über das Webinterface am interessantesten. Es kann genau so verwendet werden, wie DeepL oder andere bekannte Übersetzungsdienste. Das einzige, was ich hier zumindest bis jetzt vermisse, ist die Möglichkeit, Webseiten zu übersetzen. Durch die öffentlich zugängliche API, die LibreTranslate Instanzen anbieten, würde sich so etwas allerdings auch realisieren lassen - Zeit und Fachkenntnisse vorausgesetzt.
Argos Translate dürfte hauptsächlich für Entwickler interessant sein. Man kann durch das Python-Modul eine Übersetzungsfunktion in Programme einbauen, die ohne Internetanbindung funktionieren kann. Ich kann mir so etwas für Office-Programme sehr gut vorstellen. Man könnte damit auch eine Handy-App entwickeln als Alternative zum meistens vorinstallierten Google Übersetzer, der mit Blick auf Datenschutz höchst problematisch ist. Offline Übersetzungen würden diese Sorge beseitigen.
Zu den Instanzen: Ich empfehle die Nutzung von LibreTranslate.de, da der Server in Deutschland gehostet ist und alle statischen Dateien direkt vom Server des Betreibers geladen werden. Die Demo-Instanz des Projekts nutzt den umstrittenen CDN-Dienstleister CloudFlare, sperrt Tor Nutzer aus und lädt Inhalte aus mehreren fragwürdigen Drittquellen nach.
Quellen: