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ReRenaissance
Jeden letzten Sonntag im Monat
eine Stunde Renaissancemusik:
in der Barfüsserkirche,
Historisches Museum Basel
Über kurz oder lang
Consort 1547
Einführung zum Thema mit
Caroline Ritchie um 17:30
SO 25. September 2022 18:15
25. September 18:15
Über kurz oder lang – Consort 1547
Im Jahr 1547 veröffentlichte Pierre Attaignant in Paris eine Reihe von Stimmbüchern. Sie enthalten einige Tänze, die mit einer Länge von nur 6 Takten zu den kürzesten Musikstücken der damaligen Zeit gehören. Im selben Jahr und am anderen Ende des Spektrums erschien das erste Buch mit Ricercars von Jacques Buus, Organist an San Marco in Venedig. Diese langen und komplizierten Fantasien bilden neben Tänzen und Vokalmusik einen wichtigen Bestandteil des damaligen Instrumentalrepertoires. Die Werke von Attaingnant und Buus bieten zusammen mit den im selben Jahr veröffentlichten Madrigalen von Francesco Corteccia eine Momentaufnahme dessen, was ein Gambenconsort in der Mitte des 16. Jahrhunderts wohl gespielt hat. Die «venezianischen Gamben», alle ohne Stimmstock, erzeugen einen transparenten, silbrigen Klang, der die Polyphonie hervorhebt und sich auch perfekt mit dem Klang einer Laute mischt.
Gambenconsort:
Filipa Meneses – Discantus
Leonardo Bortolotto – Altus
Alexandra Polin – Tenor
Ryosuke Sakamoto – Quintus (auch Laute)
Elizabeth Rumsey – Bassus (musikalische Leitung)
Mit der Flöte singen! – La Fontegara von Ganassi
«Ihr müsst wissen, dass alle Musikinstrumente […] im Vergleich mit der menschlichen Stimme einen geringeren Wert haben als diese. Eben darum bemühen wir uns, von ihr zu lernen und sie zu imitieren.» Dies ist der eröffnende Satz zum wichtigsten expliziten Blockflötenlehrbuch der Renaissance. Gedruckt in Venedig 1535 setzt die «Opera Intitulata Fontegara» bis heute Massstäbe für unser Musikverständnis und insbesondere das virtuose Spiel mit Diminutionen. Im Mittelpunkt dieses ersten grossen Werks Sylvestro Ganassis steht die Blockflöte, doch es enthält nicht etwa fertige Stücke, die man aufführen könnte. Es handelt sich vielmehr um eine stilisierte Momentaufnahme der Diminutionspraxis zu jener Zeit, die in diesem Konzert in eigenen Übertragungen und Improvisationen wiedererfahrbar werden soll. Entsprechend der klaren Anweisung aus dem ersten Kapitel der Fontegara kommt hierbei den Instrumenten vor allem die Aufgabe zu, «die menschliche Stimme mit all ihren Fähigkeiten nachzuahmen» und Ganassi ist überzeugt, dass der Blockflöte dieses Kunststück gelingen kann.
Andreas Böhlen – Leitung, Blockflöte | Tabea Schwartz – Blockflöte, Viola d'arco | Claire Piganiol – Arpa doppia, Blockflöte | Ivo Haun, Gesang, Laute | Félix Verry – Renaissancegeige
31. Juli 18:15
Du Fay – A cappella!
«Nun freue dich, Basel», so könnte man meinen, heisst der Anfang der frühesten Motette des burgundischen Komponisten Guillaume Du Fay in Übersetzung. Doch «Basilea» (oder «Vasilissa») ist ein vieldeutiges Wort und bedeutet im Griechischen eben auch «Königin». Dieses Werk war der angehenden Königin Cleofa aus dem Hause der Malatesta von Pesaro gewidmet, um sie zu ihrer Verheiratung nach Konstantinopel zu verabschieden. Und so wie diese, lassen sich die meisten von Du Fays Motetten mit einem ganz bestimmten Anlass – also einem Ort, einer Zeit und einer Geschichte – verbinden, was sie umso interessanter macht. Die «Motette» war vom Hochmittelalter bis in den Hochbarock eine der wichtigsten Formen von Vokalmusik und wandelte sich in dieser Zeit enorm. Du Fays Motetten zeigen in ihrer Anlage immer noch die strenge Ordnung mittelalterlicher Kompositionstechniken, die er aber so meisterhaft beherrschte und dem Geschmack seiner Zeit anpasste, dass die Befolgung dieser Regeln seinem künstlerischen Ausdruck keine Grenzen setzte: hier weht der Geist der Frührenaissance durch die anspruchsvollen Konstrukte der Spätgotik, interpretiert durch das A-cappella-Ensemble von ReRenaissance.
Gesang: Hanna Marti, Loïc Paulin, Simon MacHale, Jed Allen, Koordination: Marc Lewon
Tessa Roos – Gesang, Leitung
Über ReRenaissance
Seit Juni 2020 steht jeden Monat ein Programm mit Renaissancemusik im Fokus und wird am letzten Sonntag im Zentrum der Stadt in der Barfüsserkirche des Historischen Museums Basel uraufgeführt. Einführende Videoblogs, Interviews, Kolumnen und eine reiche Auswahl an Hintergrundinformationen zu Musik und Forschung begleiten den nicht alltäglichen Inhalt.
Die Renaissancemusik erlebt hier selbst eine Art Renaissance: Musik, die in Manuskripten und Drucken überliefert ist, wird wieder erfahrbar – auf kaum gehörten Instrumenten wie Rebec, Schalmei, Clavisimbalum, Zink oder Grossgeigen. Im Vordergrund steht dabei die prägnante inhaltliche Idee, die von Musiker*innen und Musikwissenschaftler*innen in enger Zusammenarbeit konzipiert und umgesetzt wird. Erst sekundär werden eigens dafür ausübende Musiker*innen aus dem Raum Basel gesucht und zu spezifischen Ensembles zusammengeführt.
2022 geht ReRenaissance in die dritte Saison. Das Repertoire bildet einerseits die internationale Vielfalt der Klangwelt des 15. und 16. Jahrhunderts ab. Anderseits ist es erklärtes Ziel von ReRenaissance, regionale Musikschätze in ihrem Kontext zu präsentieren. Der Bezug zu Basel wird zweifach beleuchtet: Ein Wandelkonzert mit Basler Lautenmusik gibt Einblick in das private Musikleben im Basel der Renaissance, und im Frühjahr wird die Taufe einer Grossgeige gefeiert, die in Basel 1511 das erste Mal erwähnt und eigens für die Konzertreihe rekonstruiert wird. Italienische und spanische Motetten, französische Chansons, polnische Psalmen und vieles mehr spiegeln die Internationalität der Klangwelt der Renaissance wider.
Wieder ist ein Konzert dem Opus des ersten Musikdruckers gewidmet, wieder gibt es ein Mitsingprojekt und
ein Tanzkonzert. Die bestehende Zusammenarbeit mit dem Papiermuseum und dem Historischen Museum wird im Jahr 2022 durch eine Kooperation mit der Schola Cantorum Basiliensis bereichert (Januar und November).
Veranstaltungsreihe des Vereins ReRenaissance
Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt.
Konzeption, musikalische Leitung und Durchführung:
Grace Newcombe, Elizabeth Rumsey und Marc Lewon.
Geschäftsführung/Administration: Didier Samson/Elisabeth Stähelin
Für den Vorstand: Dr. Thomas Christ und Dr. Werner Baumann