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Am Freitagnachmittag fand in Plaffeien die jährliche Stierschau des Viehzuchtvereins Sense statt. Der acht Monate alte Muni Oskar wurde Erster seiner Kategorie. Für den Mister-Titel reichte es hingegen nicht.
Es ist Oskars erster Auftritt an einer Stierschau. Der acht Monate alte Zuchtstier ist an diesem Freitagnachmittag in Plaffeien einer der Jüngsten: Nur sechs der insgesamt 56 Tiere sind nach ihm geboren. Oskar tritt in der zweiten Kategorie an, geordnet sind diese nach Alter. Zuerst kommen die Jüngsten an die Reihe, am Ende dann die Ältesten. Gemeinsam mit seinen sechs gleichaltrigen Konkurrenten läuft er ein paar Runden im Sägemehl, das in Kreisform auf dem Landi-Areal in Plaffeien verteilt liegt. Sein Besitzer führt ihn dabei, damit er keine Dummheiten macht.
Die zwei Richter betrachten ihn kritisch. Es ist ein eigenes Vokabular, das sie bei der Bewertung der Vierbeiner verwenden. «Er hat ein korrektes Fundament» bedeutet etwa, dass dem Richter die Beinstellung gefällt. «Ein trockenes Sprunggelenk» hat nichts mit der Witterung zu tun, sondern heisst, dass der Stier ein feines Sprunggelenk hat. Als «Format» bezeichnen sie den Körperbau, vom Becken bis zur Halspartie.
Was diese Männer in weissen Laborkitteln von ihnen wollen, verstehen Oskar und seine Mitbewerber nicht. Sie bocken ein wenig. Einige haben keine Lust, weiterzulaufen, und müssen von ihren Züchtern weitergezogen werden. Andere haben keine Lust, dorthin zu gehen, wohin sie gehen müssten. Dennoch funktioniert das Paradieren im Kreis mehr oder weniger.
Am Ende verkünden die Laborkittel-Menschen ihr Urteil: Oskar ist der Gewinner! Er erhält eine römische Eins auf seine Hüfte gemalt und darf später mit den Siegern der anderen Kategorien – insgesamt sind es 14 – um den Mister-Titel kämpfen.
Verwöhnt auf der ganzen Linie
In seinem Zuhause in Milken im Gantrisch-Gebiet geniesst Oskar einen Sonderstatus. Er erhält das beste Futter, viel Auslauf gemeinsam mit den Kühen und ein gutes Strohbett. «Man muss schon von Anfang an gut auf den Muni schauen», betont Ruth Hostettler aus der Züchterfamilie des Stiers. Ihr Sohn Samuel sei mit dem Jungtier spazieren gegangen und habe es trainiert. «Für ihn ist es ein grosser Lohn, dass Oskar Erster geworden ist.» Wichtiger sei jedoch das «H», das die Richter dem jungen Stier verliehen haben. Es bedeutet, dass Oskar nun «herdebuchberechtigt» ist. «Sobald er das ‹H› hat, kann er decken», so Hostettler.
Dem Muni ist sein erster Platz egal. Friedlich und festgebunden wartet er auf seinen zweiten grossen Auftritt. Damit er nicht krank wird, haben ihn seine Betreuer in eine Decke eingepackt. Sein Fell haben sie kurz zuvor geschoren, damit es heute besonders glänzt. Auch die anwesenden Zweibeiner merken langsam die Kälte. Minustemperaturen und bedeckter Himmel, da ist ein warmes Getränk in der Halle neben dem Sägemehlplatz gerne willkommen. Immer mehr füllt sich diese, die zwei Heizpilze verbreiten eine wohlige Wärme.
Die Wahl zum Mister
Für das grosse Finale finden dann doch die meisten wieder ihren Weg an die frische Luft. Neben seinen imposanten Mitstreitern – bis zu drei Jahre alt sind seine Konkurrenten für den Mister-Titel – sieht der kräftige junge Oskar etwas verloren aus. «Meistens gewinnt eines der älteren Tiere», sagt Daniel Zbinden, Präsident des Viehzuchtvereins Sense, der den Bezirksanlass organisiert hat. Und tatsächlich: Als «Mister Muni 2023» küren die beiden Experten am Ende den knapp zweijährigen Stier Lionel aus Fahrni bei Thun.
Nach der spannenden Wahl verweilen die Anwesenden nicht lange. Die Hostettlers ziehen ebenfalls weiter. Einerseits, damit Oskar – und sie selbst – nicht mehr länger in der Kälte stehen müssen. Andererseits muss der junge Muni jetzt anfangen, zu arbeiten: «Ein Guschti ist gerade stierig», erklärt Ruth Hostettler. Auch für die nächste Generation an Zuchtstieren muss gesorgt sein.
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