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In der untenstehenden Tabelle zeigt sich, dass die USA sowohl Nahrungsmittel als auch Kleider effizienter herstellen können, also einen absoluten Vorteil haben. Allerdings hat Amerika einen komparativen Vorteil bei Nahrung, die relativ günstig ist. Europa dagegen hat relative Vorteile bei Bekleidung, die vergleichsweise billiger produziert werden kann. Denn in den Vereinigten Staaten kostet eine Einheit Bekleidung doppelt so viel wie eine Einheit Nahrung, in Europa nur 133 Prozent davon. Nun sollen sich beide Regionen auf ihre vorteilhaften Produkte konzentrieren: die USA auf Nahrung, Europa auf Kleidung. Das jeweils andere Produkt wird importiert.
Wenn der Güterfluss freigegeben wird, werden die günstigeren Nahrungsmittel der USA nach Europa fliessen, Bekleidung dagegen wird nach Amerika exportiert. Die dortigen Bekleidungsfabrikanten erleben, dass die Preise fallen und ihre Gewinne sinken, eventuell müssen sie Fabriken schliessen. Ressourcen werden aus der Bekleidungs- in die Nahrungsmittelbranche fliessen. In Europa läuft es genau umgekehrt. Beide Seiten konzentrieren sich auf den Bereich ihres komparativen Vorteils.
Das exakte Preisniveau wäre nur durch Feldforschung zu ermitteln. Klar ist aber: Es wird sich zwischen europäischem und amerikanischem Level einpendeln. Liegt das Verhältnis in Europa zwischen Nahrung und Bekleidung bei drei zu vier, in den USA bei eins zu zwei, dann dürfte sich das Niveau schätzungsweise bei zwei zu drei einpendeln. Drückt man die Preise absolut aus, lägen die Preise für Nahrung dann also bei zwei, für Bekleidung bei drei Dollar.
Für die Bürger heisst das: Ein amerikanischer Arbeiter muss immer noch eine Stunde aufwenden, um eine Einheit Lebensmittel zu kaufen. Bei einem Preisverhältnis von zwei zu drei braucht er aber nur noch 1,5 Stunden für eine Einheit Bekleidung – sein Warenkorb wird also billiger. Europäische Arbeiter benötigen weiterhin vier Stunden für Bekleidung, aber wegen des gesunkenen Preisverhältnisses kosten ihn Nahrungsmittel nur noch zwei Drittel statt drei Viertel einer Bekleidungseinheit. Diese zwei Drittel kann er gegen eine amerikanische Nahrungseinheit tauschen.
Die Folge: Beide Seiten profitieren, in den absolut billigeren USA profitieren die Bürger prozentual sogar mehr. Alle Länder, die sich am Freihandel nach diesem Muster beteiligen, profitieren. Je mehr, desto besser: Zwischen zwei Ländern ist die Handelsbilanz selten ausgeglichen, aber viele Staaten können multilaterale Handelsbeziehungen eingehen. Dabei kommt es nicht mehr auf bilaterale Gleichgewichte an.
Die Theorie blendet allerdings Probleme aus, wie etwa Wirtschaftskrisen oder hohe Arbeitslosigkeit. Sie denkt überdies nicht an Wettbewerbshindernisse wie unflexible Löhne oder Preise, die nicht allein nach Marktregeln gebildet werden. In all diesen Fällen ist es laut Paul A. Samuelson nicht sicher, dass der komparative Vorteil greift. Aber trotz diesen Einschränkungen sei diese Theorie «eine der tiefsten Wahrheiten der Volkswirtschaft».
Der komparative Vorteil hängt ausschliesslich von den relativen Kosten ab. Unserem hypothetischen Beispiel zufolge kann sowohl Nahrung als auch Bekleidung in den USA zu niedrigeren Arbeitskosten hergestellt werden. Die Arbeitsproduktivität ist zwei-bis dreimal grösser als jene Europas (bei Bekleidung zweimal, bei Nahrung dreimal grösser). Trotzdem kommt der Aussenhandel beiden Regionen zugute.