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Dank des WM- und EM-Zweiten Jérémy Desplanches liegt die erste Olympia-Medaille eines Schweizer Schwimmers seit 1984 im Bereich des Möglichen. Neben dem Genfer umfasst die kleine, aber feine Delegation von Swiss Aquatics für Tokio sechs weitere Schwimmer.
Was in seinem Kopf über eineinhalb Jahre gereift war, vollzog Jérémy Desplanches im April 2014. Er verlegte seine Trainingsbasis von Genf an die Côte d›Azur, um bei Olympic Nice Natation unter Fabrice Pellerin zu trainieren. Mit dem französischen Erfolgscoach, dessen Athleten Yannick Agnel und Camille Muffat in London 2012 Olympia-Gold geholt hatten, stellte Desplanches auch gleich eine ambitionierte Karriereplanung bis 2020 auf.
Spätestens in Tokio wolle er über 200 m Lagen «zur Crème de la Crème gehören», formulierte es Desplanches vor seinem Olympia-Debüt in Rio de Janeiro forsch. Der Wettkampf in Brasilien sollte ihm in seiner Paradedisziplin allerdings mit dem Halbfinal-Out in einer für ihn schwachen Zeit nicht im erhofften Masse gelingen.
Doch der damals 22-Jährige nahm den Rückschlag als Ansporn, «in vier Jahren in Tokio eine andere Person zu sein». Bis dahin sollte Corona-bedingt zwar nicht eine Olympiade, sondern fünf Jahre vergehen. Aber Desplanches hielt schon vorher Wort und sorgte gleich mehrmals für Schweizer Schwimmgeschichte.
Drei Grossanlässe, drei Medaillen
Desplanches verkörpert über die kürzere Lagen-Distanz mittlerweile absolute Weltspitze. An drei Grossanlässen in Folge schwamm der Genfer, einst ein nicht besonders auffälliger Nachwuchsathlet, zu Medaillen. Zuerst krönte er sich an der EM 2018 zur kontinentalen Nummer 1, ein Jahr später gewann er WM-Silber, heuer in Budapest wurde er EM-Zweiter.
Am Freitag, 30. Juli, wird sich im Final über 200 m Lagen zeigen, ob Desplanches’ Masterplan aufgeht. Dieser sieht vor, dass der Romand nach je 50 Metern im Delfin-, Rücken-, Brust- und Crawl-Stil mit Schweizer Rekord anschlägt – was im Idealfall für die Top 3 ausreicht. Ihm gelänge damit erneut Sport-Historisches, denn erst einmal sicherte sich ein Schwimmer aus der Schweiz eine Olympia-Medaille: Etienne Dagon 1984 in Los Angeles über 200 m Brust als sensationeller Dritter.
Desplanches ist nicht der einzige Schweizer Schwimmer, der sich in Tokio etwas ausrechnen darf. Im Mai an der EM in Budapest gab es durch Lisa Mamié (Silber über 200 m Brust) und Roman Mityukov (Bronze über 200 m Rücken) zwei weitere Medaillen. Zudem sorgten Noè Ponti, Antonio Djakovic und Maria Ugolkova für Top-6-Klassierungen. Nur in den Staffeln kommt Nils Liess zum Einsatz.
The Next Big Thing
Tokio markiert im Schwimmsport eine Zäsur. Von 2004 bis 2016 waren die Augen jeweils vor allem auf einen Athleten gerichtet: Michael Phelps. Nach 23 Olympiasiegen trat der Überschwimmer aus Baltimore endgültig von der Bühne ab. Der Amerikaner tat dies im Wissen, dass so schnell kein anderer Athlet auch nur in die Nähe seiner unglaublich anmutenden Marke kommen würde.
Dennoch präsentieren die USA auch in Japan wiederum einen Ausnahmeschwimmer. Dieser heisst Caeleb Dressel, ist 24 Jahre alt und bereits 13-facher Weltmeister. Der 1,91 m grosse Topsprinter aus Florida startet an seinen zweiten Olympischen Spielen in drei Einzeldisziplinen. Sowohl über 50 m und 100 m Crawl wie auch über 100 m Delfin ist Dressel amtierender Weltmeister. Dazu wird er in Japan mit bis zu drei US-Staffeln am Start sein.
Katie Ledecky war in Rio hinter Phelps die erfolgreichste Olympionikin mit viermal Gold und einmal Silber. Auch wegen der 24-Jährigen aus Washington D.C. wird erwartet, dass die USA die Schwimmnation Nummer 1 bleiben werden. Deren Dominanz war in London und in Rio erdrückend. Jeweils 16 der 32 Wettbewerbe endeten mit einem US-Sieg.