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«David Helfgott bringt mein Herz zum Singen»
Hollywood machte ihn unsterblich. Nun spielt David Helfgott am 23.Mai 2022 sein letztes Schweizer Konzert im Luzerner KKL. Wir traffen Helfgotts Frau Gillian. Sie gab uns Einblick in ein spannendes Eheleben.
Man kennt ihn. Entweder aus seiner Filmographie «Shine - der Weg ins Licht», für den Geoffrey Rush im Jahr 1996 den Oscar als bester Hauptdarsteller gewann oder aber aus den grössten Konzertsälen der Welt.
Dabei war sein Leben lange Zeit ein Kampf. David wächst in Australien unter tristen Umständen auf. Sein jähzorniger Vater kontrolliert ihn. Statt Kleidern oder Essen kauft er David ein Klavier und zwingt ihn jeden Tag zum Üben. Bald wird David als Wunderkind gefeiert, gewinnt zahlreiche lokale Wettbewerbe. Als 14-Jähriger erhält er das Angebot, in den USA zu studieren. Was sein Vater ihm aber verbietet.
Vier Jahre später gewinnt David ein Stipendium und studiert am Royal College of Music in London. Bei seinem ersten Auftritt in der Royal Albert Hall erleidet er einen Nervenzusammenbruch. Die nächsten 12 Jahre verbringt er in einer Nervenheilanstalt. Ohne je wieder Klavier spielen zu können.
Nach seiner Entlassung lernt David Helfgott die Astrologin Gillian Murray 1984 kennen und verliebt sich unsterblich in sie. Die beiden heiraten. David fängt wieder mit dem Klavierspielen an und geht auf seine erste Welttournee. Seither sind die beiden eine Einheit, den Helfgott kann wegen seinen schizophrenen Störungen schlecht allein gelassen werden.
Gillian Helfgott erklärt, wie ihre Ehe mit dem Musikgenie funktioniert.
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Sie sind mittlerweile 38 Jahre verheiratet. Erlebt man da noch Überraschungen?
Ja natürlich, immer wieder. Wir sind extrem gesegnet mit unserer grossen Liebe füreinander. Ich vergöttere David und er vergöttert mich. Nach dieser langen Zeit bringt er mein Herz immer noch zum Singen.
Wären Sie gerne nochmals 30 Jahre jung?
Nein, definitiv nicht. Ich bin sehr dankbar für das wunderbar interessante Leben, das ich hatte und glaube, dass es für die jungen Leute heutzutage viel mehr Herausforderungen gibt als früher.
Wie meinen Sie das?
Viele Junge wollen immer mehr und mehr. Sie sind nicht zufrieden mit dem, was sie haben. Sie halten auch nicht inne, um sich zu bedanken, um einfach nur dankbar zu sein. Ich bedauere es ausserdem, dass viele schöne Traditionen verloren gegangen sind. Ich mag es beispielsweise, wie man sich früher Dankeskarten noch von Hand geschrieben hat.
Was ist Ihr Rezept für ein erfülltes Leben?
Wir müssen uns die Freude im Leben verdienen, indem wir ein Gefühl der Dankbarkeit entwickeln. Dadurch kann man die Schönheit der Welt klarer erkennen.
Wie fühlen Sie sich auf der «Farewell»-Tour?
Es schwingt natürlich ein gewisses nostalgisches Gefühl mit. Seit 34 Jahren sind wir praktisch nonstop unterwegs. David ist jetzt 76, ich bin 90 Jahre alt. Die Musik ist Davids Passion, sein Leben. David kommuniziert durch Musik. Er wird daher weiterhin in Australien Konzerte geben – bis er tot umfällt, wie er es selbst ausdrückt.
Dann gehen Sie beide also nicht voll in Pension?
(lacht) Nein. Darauf freuen wir uns. Gleichzeitig werden wir nun aber auch etwas mehr Zeit füreinander haben.
David spielt am liebsten Stücke von Komponisten aus der Romantik. Wieso?
David ist eine absolut liebe, sanfte und romantische Seele. Einer seiner Lieblingsausdrücke ist: «Wir sollten uns alle lieben». Dies widerspiegelt sich in keiner Periode so gut wie in der Romantik. Natürlich spielt er auch Musik aus anderen Epochen wie das Programm der Abschiedstournee zeigt – beispielsweile das barocke Italian Concerto von Johann Sebastian Bach.
Wie habt ihr die Stücke der Farewell Tour ausgewählt?
Es war klar, dass etwas von Ferenc Franz Liszt dabei sein wird. Zu Lebzeiten war dieser übrigens eine Art Popstar. Die spirituelle Reise, in der sich Liszt während des Komponierens befand, kann David extrem gut fassen. David liebt natürlich auch Ludwig van Beethoven sehr. Und dann spielt er noch das Warschauer Konzert von Richard Addinsell, das eigentlich Filmmusik ist.
Ihr Mann scheint von Liszt geprägt zu sein.
Ja. Mit Liszt fühlt sich David sehr verbunden. Ich kann mich gut daran erinnern, als David einst in Bonn ein privates Konzert gab und Liszt Urenkelin im Publikum sass. Nach dem Konzert sagte sie zu David: «Du bist mein wiedergeborener Urgrossvater». Das war für ihn sehr rührend.
Was ist für Sie sehr rührend?
Oh, so vieles! Kurz bevor wir jetzt nach Europa geflogen sind, lag ich zu Hause in Australien im Bett und hörte David die b-Moll Ballade von Liszt spielen. Ich musste weinen vor Glück und Dankbarkeit, dass ausgerechnet ich zu diesem wunderschönen Werk ins Land der Träume abtauchen darf.
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