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Sonnenfinsternis-Expeditionen
Die Berichte von Francis Baily (Link verlässt diese Seite) über die ringförmige Sonnenfinsternis vom 15. Mai 1836 und über die totale Sonnenfinsternis vom 8. Juli 1842 weckten das Interesse für Phänomene, die bis zu jener Zeit zwar beobachtet aber nicht weiter untersucht worden waren. Baily empfahl seinen Kollegen, bei jeder kommenden totalen Sonnenfinsternis an möglichst vielen über die ganze Ausdehnung der Totalitätszone verteilten Orten Beobachtungsprogramme durchzuführen.
Seine Worte fanden grosse Beachtung: Fachleute und Amateurastronomen begannen in der Tat, in die ganze Welt zu reisen, um möglichst viel Material sammeln zu können oder einfach nur, um das Spektakel zu bewundern.
Die Sonnenfinsternis-Expedition von Alfred Wolfer nach Guelma
Die totale Sonnenfinsternis vom 30. August 1905 bot der Beobachtung ungewöhnlich günstige Chancen. Sie fiel auf eine Periode starker Sonnentätigkeit und stellte deshalb interessante Koronaformen in Aussicht. Die Totalitätszone zog durch Spanien und Nordafrika, wo die Wetteraussichten zu jener Jahreszeit die besten waren, und wo geeignete Stationen in grosser Zahl zu finden waren.
Als Beobachtungsort wählte Alfred Wolfer die Stadt Guelma in der Provinz Constantine in Algerien. Die erforderlichen Mittel wurden Anfang 1905 vom Schweizerischen Schulrat auf Rechnung der Wolfstiftung der Eidgenössischen Sternwarte bewilligt. Alfred Wolfer beschränkte das Programm auf fotografische Aufnahmen der Korona und der Protuberanzen und auf direkte spektroskopische Beobachtung der Gegend des Sonnenrandes. Seine fotografischen Aufnahmen zeigten interessante Eigenschaften der Protuberanzen und der Korona.
Die erste Sonnenfinsternis-Expedition von Max Waldmeier
Im Jahre 1949 entschloss sich Max Waldmeier (Link verlässt diese Seite), zur Ergänzung der seit 1938 auf dem Astrophysikalischen Observatorium in Arosa durchgeführten Korona-Forschung, eine Expedition zur Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 25. Februar 1952 zu unternehmen. Die Totalitätszone verlief in einer Breite von etwa 140 km vom Atlantischen Ozean durch Äquatorialafrika, den Belgischen Kongo und den Sudan nach dem Roten Meer, über die arabische Halbinsel nach Basra und über das persische Hochland nach Sibirien.
Als Beobachtungsort wurde die sudanesische Hauptstadt Khartoum gewählt. Die Witterungsaussichten waren sehr günstig: Für den Finsternistag konnte mit hoher Wahrscheinlichkeit mit klarem Himmel gerechnet werden. In der Tat wurde diese erste Expedition von Waldmeier, die von der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft finanziert wurde, zu einem Erfolg.
Die totale Sonnenfinsternis vom 20. Juni 1955
Unmittelbar nach der erfolgreichen Expedition nach Karthoum in Sudan, fasste Max Waldmeier den Entschluss, weitere solche Expeditionen durchzuführen. Gelegenheiten boten sich sehr bald durch die Sonnenfinsternisse vom 30. Juni 1954 und vom 20. Juni 1955. Schon gegen Ende 1952 wurde ein Programm für die Beobachtung der Sonnenfinsternisse von 1954 und von 1955 dem Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung eingereicht, mit einem Gesuch, die beiden Expeditionen zu finanzieren. Dieser Kredit, welcher neben den reinen Expeditionskosten auch einen hohen Betrag für instrumentelle Neuanschaffungen vorsah, wurde anfangs 1953 in vollem Umfang bewilligt.
Die Totalitätszone verlief am 20. Juni 1955 vom Indischen Ozean quer über Ceylon, die Andamanen, Siam und Indochina nach den Philippinen und endigte im Pazifischen Ozean. Grosse Städte wie Colombo, Bangkok und Manila lagen in der Totalitätszone. Die totale Finsternis war durch ihre aussergewöhnliche Dauer, die im Gebiet der Philippinen 7 Minuten überschritt, bemerkenswert. Ein vertieftes Studium des Klimas liess aber andere Gebiete bedeutend günstiger erscheinen, und als Beobachtungsort wurde Polonnaruwa in der Nähe von Colombo gewählt.
Das Beobachtungsprogramm legte grosses Gewicht auf die spektroskopische Untersuchung der Korona. Das nötige Instrumentarium, in 27 Kisten im Gewicht von über 3 Tonnen verpackt, verliess Zürich am 25. März und erreichte am 16. April Colombo, von wo der Weitertransport per Eisenbahn erfolgte. Es bestand aus 17 Apparaturen, die von nur 4 Leuten bedient wurden.
Die Sonnenfinsternis-Expedition vom 12. November 1966
Die Totalität der Finsternis vom 12. November 1966 begann an einem Punkt nahe dem Äquator und erreichte den südamerikanischen Kontinent bei Lima. Der Mondschatten wanderte parallel zur Küste nach dem südlichen Peru, durch die südlichen Gebiete von Bolivien, die nördlichen von Argentinien und den südlichen Teil von Brasilien. Südlich von Rio Grande verliess der Schatten den Kontinent, bewegte sich über das Meer und verliess die Erde südlich der Südspitze von Afrika.
Die maximale Totalitätsdauer und die Sonnenhöhe hätten die Wahl eines Beobachtungsortes im südlichen Brasilien nahegelegt. Die Möglichkeit in Peru oder Bolivien einen Beobachtungsplatz in 3000 bis 4000 m Höhe finden zu können, die Tatsache, dass die Bewölkung in Peru voraussichtlich fast nur aus Cirren bestehen würde und die Verkehrswege führten zum Entschluss, die Finsternis in der Gegend von Arequipa zu beobachten.
Das Interesse galt vorwiegend der Aufklärung der physikalischen Natur der Korona, also der Bestimmung ihrer Dichte, ihrer Temperatur und ihrer chemischen Zusammensetzung. Noch immer ungeklärt war die strahlige Struktur der Korona, weshalb diese zum Ziel der Untersuchungen genommen wurde. Das Interesse war hauptsächlich auf das System der Polarstrahlen und seine Veränderung im elfjährigen Zyklus gerichtet.