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Ich stimme Ja zum Massnahmenpaket zugunsten der Medien. Mein Vertrauen in staatlich subventionierte Medien ist grösser als in solche, welche von Inserenten abhängig sind.
Ich habe bis 2013 das «Trend Magazin» produziert, dieses mit aufgebaut. Die kostenlose Zeitschrift richtete sich an konsumorientierte Jugendliche bis 30 in der Deutschschweiz. Mit über 100'000 Leserinnen und Lesern (gem. WEMF) war das «Trend Magazin» zeitweise die grösste Zeitschrift in ihrem Segment. Wir lebten ausschliesslich von Inserenten.
Ich kann aus genug eigener Erfahrung sagen, wie gross der Einfluss bzw. der Versuch der Einflussnahme auf eine Redaktion durch Inserenten ist, wenn man von solchen Geldern abhängig ist. Viele unsere Stamminserenten respektierten das Gesetz der Trennung von Redaktion und Werbung. Trotzdem: Ich erinnere mich an mühsame Diskussionen und auch Streit mit dem Verlag, wenn ich mich weigerte, einen Club, ein Modelabel, einen DJ oder ein Getränk als bestes, grösster, erfolgreichster oder einziger zu bezeichnen, denn selten traf das Superlativ das zu. In den meisten Fällen setzte ich mich durch und verwendete Floskeln wie «einer der besten...», «gemäss eigener Angabe...». Konflikte gab es auch um Schreibweisen, wenn z.B. ein Inserent die Schreibung seines Namens über die Regeln der deutschen Sprache setzen wollte, weil dies seine Konventionen so vorschrieben. In einer echten Redaktion kommt Deutsch vor Regeln einer PR-Abteilung.
Ich schrieb viele Texte von PR-Agenturen um, entfernte Superlative und setzte sie in unser Format. Logos hatten in redaktionellen Artikel ohnehin gar nichts zu suchen. Meine Praktiken kamen nicht immer gut an. Ein Kompromiss war die Deklaration eines Artikels als «Publireportage», um so der Leserin und dem Leser klar zu machen, dahinter steht die Redaktion nicht.
Der Druck auf Redaktionen ist noch grösser – vor allem auf Redaktionen im Lifestylebereich, wo es darum geht, Produkte vorzustellen. Aus «Bewertungen» werden oft «Empfehlungen» – also Werbung. Dabei wird oft nicht mehr deklariert oder mit möglichst verwässerten Begriffen wie «Advertorial» oder «In Zusammenarbeit mit». Redaktionelle Artikel werden im Anzeigenmarkt offen angeboten als Native Advertising.
Schlimmer für die Gesellschaft ist die Einflussname auf Politik und Wirtschaftsredaktionen. Deren Meinung hat Einfluss auf die Demokratie, auf Abstimmungen. Darum halte ich es für gefährlich, wenn die Schweiz, die Kantone oder einzelne Regionen über keine unabhängigen Medien mehr verfügen. Gratismedien sind dafür kein Ersatz. Zu gross ist die Abhängigkeit von Dritten oder von den Besitzern. Darum werden diese auch von der geplanten Medienunterstützung ausgeschlossen und darum wehren sie sich auch gegen die Vorlage.
Medienkampagnen können Einfluss nehmen, z.B. auf schärfere Coronamassnahmen oder die Aufhebung solcher.
Mein Vertrauen in staatlich subventionierte Medien ist grösser als in solche, welche von Inserenten oder Interessengruppen abhängig sind. Noch lieber wäre mir, Medien könnten sich wie früher mehrheitlich über Abonnements finanzieren. Doch diese Zeiten sind leider Geschichte. Zu sehr hat sich die Gratismentalität verbreitet.
Der Staat sind wir alle. Würde das Argument, dass man die Hand nicht beisst, die einen füttert, Gewicht haben, dann müsste ein staatlich subventioniertes Medium sich also um die Gunst des Staates – also um die Gunst von uns allen – bemühen. Und weil in einem Staat wie dem unsrigen Meinungsvielfalt herrscht, wird sich diese auch in einem solchen Medium spiegeln.
Anders verhält es sich mit Medien, die von Inserenten oder anderen Geldgebern aus der Wirtschaft oder solchen mit politischen Interessen abhängig sind, dieses aber – und das ist leider meistens der Fall – nicht offenlegen.
Mein Ja zur Medienpaket-Vorlage vom 13. Febraur 2022 ist ein pragmatisches Ja. Auch ich finde keine Gefallen daran, dass auch Grosskonzerne unterstützt werden sollen. Doch es liegt nun mal nur dieser Kompromiss vor.
Ein Nein wäre für unabhängige, kleine und lokale Medien schlimmer.
Die Massnahmen sind befristet. Nutzen wir diese Zeit, um eine bessere Medieunuterstützung zu erarbeiten.