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21. August 2013
Über das DWDS habe ich schon früher geschrieben. Inzwischen hat sich das Wörterbuch kräftig weiterentwickelt. Zeit also für einen neuen Artikel.
Zum einen stellt das DWDS schon seit längerem Beispiele aus Korpora zur Verfügung. Die Beispiele werden als KWIC dargestellt. Die Sätze stehen also untereinander, das Schlüsselwort ist fett hervorgehoben und drum herum sieht man den unmittelbaren Kontext der Wortform. Wenn sie an einem Satzende steht, sieht man also den Schluss dieses Satzes und den Anfang des nächsten. Klickt man auf eine Konkordanzzeile, erhält man den ganzen Ausschnitt (meistens 2-3 Sätze) angezeigt. Weil die Korpusdaten lemmatisiert wurden, bekommt man anders als wenn man mit einer Suchmaschine wie Google sucht auch Resultate für stark abweichende Formen des gesuchten Wortes. Wenn ihr zum Beispiel das Wort “beibringen” eingebt, werden auch Belege mit Wortformen wie “beigebracht”, “beibringe”, beibrauchten” oder “beizubringen” angezeigt. Beispiele mit abgetrenntem Präfix habe ich beim schnellen Blättern allerdings nicht gefunden.
Eine neuere Entwicklung sind die Wortprofile. Dafür wurden die Sätze auch noch syntaktisch analysiert (= geparst). Deshalb kann man sich jetzt die Beispiele auch nach grammatischer Funktion ausgeben lassen. Wenn wir beim beispiel “beibringen” bleiben und im Wortprofil die Ergebnisse für das Verb (oben links im Kasten, sollte vorgewählt sein) anschauen und uns die Aktivsubjekte anzeigen lassen, sehen wir auf den ersten Blick, dass uns neben Lehrern auch Grosseltern, Eltern, Psychologen, Coaches, Trainer, Spezialisten und Wissenschaftler etwas beibringen können. Wir finden aber auch Beispiele für eine weitere Verwendung von beibringen. Im DWDS-Eintrag (ganz oben) ist es die 4.: “etw. (als Beweis) vorlegen, anführen”. Im Lexikoneintrag werden Beispiele für mögliche Akkusativobjekte gegen (eine Bescheinigung, eine Urkunde, ein ärztliches Atest). Typische Subjekte wie Kläger, Antragssteller und Kandidat findet man aber nur im Wortprofil. Diese Art von Information bieten herkömmliche Wörterbücher – auch spezielle Lernerwörterbücher – nicht oder nur in Ansätzen.
Wenn man auf das entsprechende Wort klickt, erhält man auch die Beispielsätze dazu. Dabei stellt man dann fest, dass auch Analysefehler vorkommen. Zum Beispiel sind die ohne Login angezeigten Beispiele für “Fliegen” alle Akkusativobjekte und auch die Niederlage steht in den Beispielsätzen häufiger im Akkusativ als im Nominativ. Das ist nicht weiter verwunderlich, da sich Nominativ und Akkusativ von Femina und Neutra nicht unterscheiden und die Kongruenz mit dem Verb in diesen Beispielen auch keinen Hinweis bietet. Semantisches Wissen steht im Parsing nicht zur Verfügung.
Aber auch wenn die Kasusbestimmung nicht immer restlos klappt, kann man dank der syntaktischen Analyse eine ganze Menge Informationen herausholen, die man sich sonst zusammensuchen muss. Zum Beispiel erfahren wir im Wortprofil zum Wort Lehrer in der Attribut-Wolke, dass Lehrer nicht nur als engagiert und qualifiziert, sondern auch als überfordert und faul gelten. Auch was Lehrer tun, kann man in der “ist-Aktivjubjekt-von”-Wolke genauer unter die Lupe nehmen. In den Verben spiegeln sich aber auch die Textsorten, die im Korpus vorhanden sind. In Zeitungstexten, die einen grossen Teil des Korpus ausmachen, arbeiten, unterrichten und erzählen die Lehrer nicht nur, sondern sie streiken, klagen und protestieren auch und sie fehlen dem Bildungssystem.
Im Beitrag von morgen geht es darum, welche Informationen zu Verben mit Präpositionen man aus dem DWDS herausholen kann.