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Schlussbetrachtungen
Eines der verbreitetsten Vorurteile gegenüber armen Menschen ist, dass sie sich in dieser Situation befinden, weil sie es so wollten oder weil sie nicht hart genug arbeiteten – was impliziert, dass sie faul und verantwortungslos seien. Damit wird armen Menschen die alleinige Schuld an ihrer Situation übertragen, was wiederum bedeutet, dass es keine strukturellen Gründe für die ungleiche Verteilung von Reichtum gebe und die Gesellschaft keinerlei Verantwortung tragen müsse. Dieser Ansatz steht im Widerspruch zu einer Kultur der Menschenrechte, weil er ausgegrenzten Menschen die Möglichkeit eines Lebens in Würde und als Subjekt von Rechten verweigert. Darüber hinaus verwechselt er die Folgen der Armut (veränderte Verhaltensmuster, Drogenmissbrauch, Arbeitsverweigerung, Alkoholkonsum usw.) mit deren komplizierten Ursachen.
Um die Armut zu beseitigen, sollte gegen ihre Ursachen angegangen werden und sich nicht nur um unmittelbare Bedürfnisse gekümmert werden. Dies erfordert eine große politische Anstrengung besonders von Staaten und Organisationen: Armut hat demnach eine starke politische Dimension [Bemerkung].
„Der Kampf gegen die Armut ist ein zutiefst politisches Thema. In den meisten Gesellschaften zeugt Armut von der unterschiedlichen Verteilung von Macht, Reichtum und Chancen.“ UNDP 2001
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Soziale Indikatoren der Armut: Arbeitslosigkeit und Jugend in Osteuropa
Wie im Westen ist die Jugendarbeitslosigkeit auch im Osten höher als die der Erwachsenen. 1999 waren in den mittel- und osteuropäischen Staaten und in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS, 27 Staaten) 65 Millionen Menschen zwischen 15 und 24 Jahre alt. 27% der gesamten jungen Bevölkerung (18 Millionen) standen weder in einem Ausbildungs- noch in einem Arbeitsverhältnis. In 18 Staaten war die durchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit mit 30% doppelt so hoch wie die Arbeitslosenrate insgesamt. Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit in Südosteuropa (71% in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, 61% im ehemaligen Jugoslawien, 35% in Bulgarien), im Kaukasus (46% in Aserbaidschan, 27% in Georgien) und in Zentralasien (37% in Kirgisistan, 33% in Tadschikistan). [1]
Armut in Deutschland*
In Deutschland gibt das Bundesministerium für Gesundheit und Soziales seit 2001 in zeitlichen Abständen einen Armuts- und Reichtumsbericht für Deutschland heraus. Der Bericht von 2005 macht deutlich, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter öffnet. Der Anteil der von Armut betroffenen Haushalte (lt. EU-Definition) stieg seit 1998 von 12,1 auf 13,5%. Der gesellschaftliche Reichtum konzentriert sich vor allem auf 10% der bundesdeutschen Bevölkerung.
Kinderarmut in Deutschland trifft mittlerweile jedes 7. Kind. Die spezifischen Folgen für die Kinder können in einer unzureichenden Grundversorgung, dem Mangel an Konsum, Defiziten in Bezug auf Bildungsmöglichkeiten und -chancen und einem umfassenden Fehlen sozialer Teilhabe liegen. Die Brisanz dieser Entwicklung wird öffentlich und politisch bislang wenig thematisiert.
In der Millenniums-Erklärung (September 2000) verpflichtete sich die Weltgemeinschaft zur Beseitigung der Armut. Ziel ist, die Zahl der Menschen mit einem Einkommen von weniger als 1 US-Dollar pro Tag bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
- Aus: UNICEF: „Young people in changing societies“, Regional Monitoring Reports Nr. 7, Innocenti Research Centre, Florenz 2000.
* Die Redaktion hat relevante Informationen für den deutschsprachigen Kontext in dieser Ausgabe ergänzend aufgenommen und diese Abschnitte mit einem Stern (*) markiert.