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Seit Wochen kämpfen Tausende von Feuerwehrleuten an der amerikanischen Westküste gegen Dutzende grosse Waldbrände. Dabei hat die eigentliche «Hochsaison» für Feuer im Herbst noch nicht einmal begonnen.
Die neusten Entwicklungen
Feuerwehrleute versuchen die durch heftige Winde verstärkten Brände in Kalifornien einzudämmen.
- Im Kampf gegen Waldbrände in Südkalifornien haben mehr als 1800 Einsatzkräfte ein Übergreifen der Flammen auf Siedlungen weitgehend verhindern können. Es seien bisher keine Häuser abgebrannt, teilte die Feuerwehr im Bezirk Orange County aus dem Gebiet des sogenannten Silverado-Feuers mit. Der am Montag ausgebrochene Brand war am Dienstagabend (27. 10.) allerdings erst zu fünf Prozent unter Kontrolle. Das von heftigen Winden und extremer Trockenheit begünstigte Feuer tobte östlich der Stadt Irvine, etwa 70 Kilometer von Los Angeles entfernt. Ein weiteres Feuer in dem Grossraum hat zehn Häuser beschädigt, wie die zuständige Behörde mitteilte. Für gut 80 000 Haushalte galt am Dienstag ein Evakuierungsbefehl. Zwei Feuerwehrleute hatte bei Löscharbeiten am Montag schwere Verbrennungen erlitten. Über Teilen Südkaliforniens lag dichter Rauch. Die Umweltbehörden stuften die Luftqualität an Dutzenden Messstationen als «ungesund» ein. Auch die «Red-Flag»-Warnung für hohe Feuergefahr, ausgelöst durch starke Winde und Trockenheit, dauerte weiter an. Allerdings sagten die Meteorologen ein Abflauen der Winde in den nächsten Tagen voraus.
- Mehr als 90 000 Menschen müssen am Montag (26. 10.) vor den Flammen zweier Waldbrände im Süden Kaliforniens fliehen. In den durch heftige Winde immer wieder angefachten Flammen erlitten zwei Feuerwehrleute schwere Verletzungen. Sie gehören zu den rund 500 Einsatzkräften, die gegen das sogenannte Silverado-Feuer etwa 70 Kilometer südöstlich von Los Angeles ankämpften. Die Ursache für den Brand war zunächst unbekannt. Das Feuer nahe Irvine im Bezirk Orange County hatte bis zum Montagabend (Ortszeit) eine Fläche von knapp 30 Quadratkilometern zerstört. Nördlich davon waren rund 200 Feuerwehrleute gegen das Blue-Ridge-Feuer im Einsatz. Die Behörden warnten vor heftigen Santa-Ana-Winden, die vor allem im Herbst aus östlicher Richtung wehen.
- In Colorado wüten die grössten Feuer in der Geschichte des amerikanischen Gliedstaats. Mehr als 400 Quadratkilometer Brandfläche seien allein in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hinzugekommen, berichtet die «Denver Post». Der Rocky-Mountain-Nationalpark wurde geschlossen, für grosse Teile davon wurden Evakuierungen angeordnet. Nach Angaben der «Denver Post» hat das seit August wütende Feuer bisher eine Fläche von 840 Quadratkilometern verbrannt. Es sei derzeit zu 55 Prozent unter Kontrolle. Am Wochenende könnte eine Kaltfront mit Schnee die Eindämmung erleichtern.
- Mehr als 2000 Feuerwehrleute haben am Mittwoch (30. 9.) in den kalifornischen Weinregionen Napa und Sonoma Valley gegen weiter um sich greifende Waldbrände angekämpft. Das sogenannte Glass-Feuer war trotz des massiven Aufgebots an Helfern nur zu zwei Prozent unter Kontrolle, wie die Behörde Cal Fire mitteilte. Seit Sonntag haben die Flammen Dutzende Gebäude, darunter auch Weingüter, zerstört und zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Über 20 000 Häuser seien in der Gefahrenzone, hiess es. Teile der Ortschaft St. Helena mit knapp 6000 Einwohnern mussten evakuiert werden. Ein weiteres Menschenleben forderte ein Waldbrand im nordkalifornischen Shasta County. Damit ist die Zahl der Toten durch das sogenannte Zogg-Feuer auf vier gestiegen.
- Bei zwei seit Sonntag (27. 9.) wütenden Waldbränden im Norden Kaliforniens sind drei Personen ums Leben gekommen, Zehntausende von Anwohnern mussten fliehen und ihre Häuser verlassen. Dies hat die Behörde Cal Fire am Montag (28. 9.) mitgeteilt. Das Zogg Fire breitete sich bis Montagabend nach Behördenangaben auf 126 Quadratkilometern aus. Unterdessen wuchs auch das seitdem wütende Glass Fire in der Weinregion Napa Valley nordöstlich von San Francisco um ein Vielfaches seiner Fläche an. Es brannte laut der Feuerwehr bisher mehr als 145 Quadratkilometer Fläche nieder. Rund 68 000 Personen seien von Evakuierungsmassnahmen betroffen, berichtete die Zeitung «San Francisco Chronicle». Die sich schnell ausbreitenden Feuer haben laut Cal Fire bisher mehr als 200 Gebäude zerstört. Tausende weitere seien bedroht.
- Zwei sich schnell ausbreitende neue Brände bedrohen Anwohner im amerikanischen Gliedstaat Kalifornien. In der Weinregion Napa Valley nordöstlich von San Francisco ordneten örtliche Behörden am Sonntag (27. 9., Ortszeit) zahlreiche Evakuierungen an. Rund 1800 Menschen müssten zunächst ihre Häuser verlassen, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf die Sprecherin von Napa County, Janet Upton. Die Evakuierungsmassnahmen könnten in einem nächsten Schritt auf weitere 5000 Anwohner des amerikanischen Westküstenstaats ausgeweitet werden. Sie werden seit Sonntag von dem sogenannten Glass Fire bedroht, das sich laut Feuerwehr binnen Stunden auf etwa 10 Quadratkilometer ausgebreitet hatte. Auch im Norden Kaliforniens wurden Anwohner von einem neuen Feuer bedroht. Das sogenannte Zogg Fire brannte nach Behördenangaben am Sonntag rund 28 Quadratkilometer Fläche nieder. Die Brandursache beider Feuer werde ermittelt, hiess es.
Was passiert gerade an der amerikanischen Westküste?
Seit den Blitzeinschlägen, die Mitte August die ersten Brände ausgelöst hatten, sind in Kalifornien mehr als 900 Feuer ausgebrochen. In diesem Jahr ist bereits eine Rekordfläche von über 20 200 Quadratkilometern Land abgebrannt (Stand: 13. 9.). Schon jetzt zählen sechs der Brände der diesjährigen Feuersaison zu den 20 grössten in der Geschichte Kaliforniens seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930. Mehrere tausend Gebäude wurden zerstört (Stand: 12. 9.). Nach kühlerem Wetter hatte die Feuerwehr die meisten Brände unter Kontrolle bringen können. Doch zahlreiche Grossbrände wüten weiter. Mit den steigenden Temperaturen erhöht sich nun auch wieder die Gefahr für neue Brände.
Die Feuer wirken sich auch auf nicht direkt betroffene Gebiete aus: Die Luft in Kalifornien ist derzeit so schlecht wie sonst nur in Smog-belasteten Industriestädten Indiens und Mexikos. Die Umweltbehörde EPA hat für einige Regionen in Kalifornien zeitweise die höchste Warnstufe «hazardous» («gefährlich») ausgerufen. Gouverneur Gavin Newsom hat am 18. August den Notstand für den Gliedstaat verhängt. Wenige Tage darauf erklärte der amerikanische Präsident Donald Trump die Brände auf Bitte Kaliforniens hin zur schweren Katastrophe. Somit kann die amerikanische Regierung Geld für Notunterkünfte, Reparaturen und Verluste zur Verfügung stellen.
Auch in den nördlich von Kalifornien gelegenen Gliedstaaten Oregon und Washington wüten schwere Waldbrände. In Oregon haben die Brände laut Angaben der Behörden Rekordausmasse angenommen und etwa das Doppelte der Fläche der Stadt New York erreicht (Stand: 9. 9.). Fünf Ortschaften wurden bereits stark zerstört. Es werden viele Todesopfer befürchtet.
Insgesamt wüten Feuer derzeit in einem Dutzend Staaten im Westen der USA, darunter in Utah, Wyoming, Arizona, Colorado oder Idaho.
In welchen Gegenden ist es am schlimmsten?
Besonders heftig wüten die Flammen im Mendocino National Forest. Dort befindet sich das sogenannte August-Complex-Feuer, das ursprünglich aus 37 verschiedenen Bränden bestand, die am 17. August ausbrachen. Viele der Feuer wurden eingedämmt, oder sie haben sich inzwischen zu grösseren Feuern vereint. Mittlerweile hat der Brand sich auf eine Rekordfläche von über 3500 Quadratkilometern ausgeweitet. Damit ist das August-Complex-Feuer inzwischen der flächenmässig grösste Brand in der Geschichte Kaliforniens. Bisher führte das Mendocino-Complex-Feuer von 2018 die Liste der 20 grössten Waldbrände in dem Westküstenstaat an.
Auch der Osten des Silicon Valley, wo viele amerikanische Hightech-Firmen ihren Sitz haben, ist stark von den Bränden betroffen. Dort befindet sich der sogenannte SCU Lightning Complex, eine Gruppe von 20 einzelnen Bränden, die insgesamt auf über 1600 Quadratkilometer angewachsen ist und damit als das drittgrösste Feuer gilt, das Kalifornien je erlebt hat. Inzwischen konnte der Brandherd aber zu 98 Prozent eingedämmt werden.
Das Feuer im Weinanbaugebiet Napa Valley, der LNU Lightning Complex, hat bereits eine Grösse von rund 1500 Quadratkilometern erreicht. 98 Prozent des Brandherds konnten inzwischen eingedämmt werden.
Auch in den nördlich von Kalifornien gelegenen Gliedstaaten Oregon und Washington hatten die Brände teilweise grosse Ausmasse erreicht. Auf Satellitenbildern der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa war Anfang September eine riesige Rauchwolke zu sehen, deren Ausläufer sich bis zur Ostküste des Landes erstreckten. In Teilen von Medford, einer Stadt mit rund 83 000 Einwohnern in Oregon, mussten zahlreiche Menschen ihre Häuser verlassen. Auch im benachbarten Gliedstaat Washington wurden Anfang September Teile der knapp 50 Kilometer südlich von Seattle gelegenen Stadt Bonney Lake evakuiert, wie die Polizei berichtete.
Die Ruinen einer Trailer-Siedlung im Napa County nordöstlich von San Francisco, 20. August.
Wie viele Menschen sind betroffen?
In den von Feuern betroffenen oder bedrohten Gebieten mussten bisher Zehntausende Personen ihre Häuser verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen. Mehrere Hunderttausend wurden angewiesen, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Mindestens 35 Personen sind bei den Bränden ums Leben gekommen, unter ihnen auch Einsatzkräfte der Feuerwehr (Stand: 14. 9.). Allein in Kalifornien beträgt die Zahl der Toten bisher 26 (Stand: 28. 9.).
Feuerwehrmänner im Cherry Valley östlich von Los Angeles, 1. August.
Wie geht die Feuerwehr gegen die Brände vor?
Fast 29 000 Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte kämpften in den betroffenen Gliedstaaten zwischenzeitlich gegen die Flammen an. Sie schlagen immer neue Schneisen in die Wälder, um die Ausbreitung der Brände zu verlangsamen. Auch das grösste Löschflugzeug der Welt ist im Einsatz: Der 747-Supertanker kann auf einen Schlag 76 000 Liter Wasser oder Löschflüssigkeit abwerfen.
Die Feuerwehr in Kalifornien, wo über 19 000 Einsatzkräfte gegen die Flamen kämpfen (Stand: 28. 9.), setzt normalerweise im Kampf gegen Waldbrände auch sogenannte «inmate corps» ein – freiwillige, zu Helfern ausgebildete Gefängnisinsassen. In diesem Jahr sind jedoch viele von ihnen vorzeitig entlassen worden, weil sich in den Haftanstalten das Coronavirus ausbreitete.
Gouverneur Gavin Newsom hat deshalb andere amerikanische Gliedstaaten sowie Kanada und Australien um Personal, Fahrzeuge und Löschflugzeuge gebeten.
Blitzeinschlag nahe Brentwood östlich von San Francisco, 16. August.
Was hat die Brände ausgelöst?
In einem Fall ist ein Mann wegen Brandstiftung angeklagt worden. In einem anderen Fall in Kalifornien haben Feuerwerkskörper einen Brand ausgelöst. Blitzeinschläge und die grosse Trockenheit, die in Kalifornien in jüngster Zeit herrschte, gelten jedoch als Ursache der grössten Feuer. Die Lage wird auch dadurch verschärft, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen in der Übergangszone von Stadt zu Land angesiedelt haben, also in einem Gebiet nahe den Wäldern, die nun brennen.
Haben die Waldbrände etwas mit dem Klimawandel zu tun?
Ja. Diesen Zusammenhang bestätigt auch eine Analyse von mehr als hundert wissenschaftlichen Untersuchungen. An sich sind Waldbrände in Kalifornien nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil: Seit Jahrtausenden haben sich zahlreiche Pflanzenarten daran angepasst, manche benötigen die Hitze sogar, damit sich ihre Samenkapseln öffnen. Aber in diesem Jahr gibt es grössere Feuer als sonst – Kalifornien hat nach Angaben des Gouverneurs dieses Jahr bereits 6754 Brände verzeichnet, verglichen mit 4000 zum gleichen Zeitpunkt 2019 –, und sie werden flächenmässig grösser. Zwar ist es schwierig, ein einzelnes Feuer auf den Klimawandel zurückzuführen, doch klar ist: Der Klimawandel lässt die Temperaturen steigen und verschiebt die Niederschlagsmuster. Der vergangene Winter – eigentlich die Regenzeit an der Westküste – hat ungewöhnlich wenig Niederschlag gebracht, und in diesem Sommer folgte eine Hitzewelle, bei der im kalifornischen Death Valley die höchste je auf der Erde gemessene Temperatur auftrat: 54,4 Grad. Grundsätzlich ist die Rechnung sehr einfach: Je heisser, desto trockener, und je trockener, desto besser brennt die Vegetation.