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Hat man mal ein paar Jahre ein Dasein als Hausfrau gefristet, verliert man ziemlich schnell den Draht zur Geschäftswelt. Hat man sich vor seinem Dasein als Hausfrau als Lokaljournalistin betätigt, dann hat man zwar ein breites Allgemeinwissen, aber einen Draht zur Geschäftswelt hat man gar nicht erst aufgebaut. Hat man vor dem Dasein als Hausfrau und vor dem Dasein als Lokaljournalistin dazu noch Geisteswissenschaften studiert, dann hat man von Tuten und Blasen keine Ahnung. Und dann schwirren grosse Fragezeichen um den Kopf, wenn man Sätze wie diese liest: „Ein weiterer Wissensbaustein sind die Anforderungen der Prozessschritte an eine softwaretechnische Umsetzung. Werden sie der Umsetzung angepasst, liegt eine Dokumentation der Programmabläufe vor“.
Es ist nicht etwa so, dass die Ex-(beinahe)Geisteswissenschafterin, Ex-Lokaljournalistin und derzeitige Hausfrau nicht die intellektuellen Kapazitäten hätte, solche Sätze zu verstehen. Aber sie hat sich in derart anderen Kreisen bewegt, dass in ihrem Gehirn keine Verknüpfungen zustande kommen zu irgend etwas, was sich in ihrer Realität abspielt. Und deswegen fühlt sie sich ganz und gar unfähig, den Lernstoff zu erfassen. Dennoch beschliesst sie, ihre Aufgaben gewissenhaft zu erledigen und greift hie und da, wenn nach Beispielen aus dem Berufsalltag gefragt wird, auf Begebenheiten zurück, die sich im Kinderzimmer, an der Vorstandssitzung irgend eines Vereins oder auf der Redaktion abgespielt haben. Und während sie die Frage beantwortet, denkt sie bei sich: „So banal! Ich mache mich ja vollkommen lächerlich, wenn ich das aufschreibe. Aber ich habe nun mal kein besseres Beispiel.“ Verschämt sendet sie die Aufgabe ein und ist froh, dass sie das Gesicht des Dozenten nicht sehen kann, wenn er ihre Arbeit korrigiert.
Ein paar Tage später schaut sie auf dem Online-Campus nach, ob die Aufgabe schon korrigiert und bewertet ist. Und sie stellt mit Erstaunen fest, dass sie eine 6 bekommen hat. Eine 6, muss man wissen, ist in der Schweiz nicht die schlechteste, sondern die beste Note. Und deshalb dämmert es der Ex-(beinahe)Geisteswissenschafterin, der Ex-Lokaljournalistin und derzeitigen Hausfrau, dass ganz viel von dem, was da so hochgestochen und knochentrocken daherkommt, nichts weiter ist als in gewundene Sätze verpackte warme Luft.
Auch nicht komplizierter, als herauszufinden, wer von den fünf Kindern derjenige war, der die Badewanne mit Schokolade vollgeschmiert hat. Und nie und nimmer so kompliziert, wie einem brüllenden, zappelnden und tretenden Kind mit Durchfall die Windeln zu wechseln…