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Die Reflexion über nicht Erreichtes darf nur mit Vorsicht zugelassen werden. Wenn man sie wuchern lässt, weicht sie den Geist auf, der, gerade umgekehrt, nicht genug scharf und frisch und angriffig sein kann, damit ihm das Nächste gelingt. – Diese Erwägung zu den Gedanken- und Gefühlswanderungen der letzten Tage im Raum des Ärgers, der Enttäuschung darüber, dass meine Verse bisher nicht den Platz in der Literatur und im literarischen Betrieb eingenommen haben, der ihnen, nach meiner Meinung, zukäme. Dass offenbar Zeitschriften wie die „Akzente“ sich von mir umwerben lassen, während ich doch glaube, dass es umgekehrt sein müsste. – Was den einen deprimiert, spornt den anderen an. Und ich gehöre, nach den Erfahrungen, die ich bisher mit mir gemacht habe, eher zu den zweiten. Ich wundere mich über meine eigene Arroganz, aber ich bereue sie nicht: die da glaubt, dass meine Verse noch lange nicht das sind, was sie sein werden und sein können; // dass aber auch die, die ich bisher geschrieben habe, mindestens so gut sind wie irgendwelche, die heute gemacht werden und dass die Ehre für mich, wenn sie in einer ersten Zeitschrift oder einem ersten Verlag erscheinen, nicht grösser ist als die Ehre für den Verlag oder die Zeitschrift. Kann man von mir erwarten, dass ich Verse schreibe, die ich nicht im Zusammenhang der heutigen Dichtung für notwendig, für unentbehrlich halte? Dass ich mich damit begnüge, den Rand der Bratenplatte zu dekorieren? Ich liefere den Braten selber, die Petersilie dazuzugeben, überlasse ich anderen. –
Dieser letzte Satz ein Beispiel, wie man logisch-rhetorisch übers Ziel hinausschiessen kann: im Grund halte ich ja von der Petersilie mehr als vom Braten. Ich hätte also genauso gut, wenn nicht besser, das Gegenteil sagen können. Die Petersilie, das ist doch die Würze, das Scharfe, Duftende, von den Essern kaum Bemerkte und doch nicht Wegzudenkende, das wunderbar Überflüssige, Nutzlose. Genau wie das Gedicht. Nein, das Gedicht ist nicht der Braten, das Gedicht ist die Petersilie.