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Neulich postete mein lieber und kluger Freund Peter Leupin einen lustigen Spruch. Ich habe ihn zwar nicht mehr ganz gegenwärtig, aber der Witz funktionierte irgendwie so, dass man über einen so virtuosen wie bizarren Gedankengang schließt, dass eigentlich nicht schon wieder Mittwoch sein kann, obwohl doch Mittwoch ist. — Ich lachte über den Witz, setzte ein lachendes Emoji unter den Eintrag, lachte aber auch darüber, dass ich mich noch nie gefragt hatte, warum der Mittwoch überhaupt Mittwoch heißt.
Ich musste der Sache auf den Grund gehen. Das habe ich getan und habe eine — wie ich jedenfalls finde — spannende Geschichte entdeckt: in doppelter Hinsicht ‹meine Geschichte der Woche›!
Von allen Naturphänomenen, die den Lauf der Zeit zeichnen, ist der Mondzyklus von achtundzwanzig Tagen das regelmäßigste, unbeirrbarste und am leichtesten von überall her zu beobachtende. Deshalb bauten bereits die Babylonier die Zeitrechnung auf dem Lunarzyklus auf. Den 28-Tage-Monat teilten sie in vier Phasen zu je sieben Tagen ein: Neumond bis zum zunehmenden Halbmond, weitere sieben Tage bis Vollmond, eine weitere Woche bis zum abnehmenden Halbmond und nach der vierten Woche war wieder Neumond. Den sieben Wochentagen gaben sie Namen: Dass der erste Tag dem Mond gehören musste, war und blieb offenbar den meisten Kulturen klar. Lateinisch heißt er ‹dies Lunae›, Italienisch ‹lunedì›, Kastilisch ‹lunes›, Katalanisch ‹dilluns›, Französisch ‹lundi›, Niederländisch ‹maandag›, Dänisch und Norwegisch ‹mandag›, Schwedisch ‹måndag›, auch Albanisch ‹e hënë› ist von demselben Gedanken abgeleitet (hënë = Mond). Aus welchen astronomischen Gründen die weiteren Tage von den Babyloniern dem Mars, dem Merkur, dem Jupiter, der Venus, dem Saturn und der Sonne zugeordnet wurden, wollen wir hier nicht untersuchen; Tatsache ist, dass die Römer diese Bezeichnungen nur scheinbar übernahmen! Mond und Sonne blieben zwar auch in der Vorstellung der Römer Himmelskörper, aber die Planeten wurden gefühlsmäßig, insgeheim und unauffällig durch die gleichnamigen Götter ersetzt. Das hatte sprachlich vorerst keine Konsequenzen, solange die Namen der Tage den romanischen Sprachraum betrafen. Als die Bezeichnungen für die Wochentage jedoch von germanischen Völkern übernommen wurden, blieben nur Mond und Sonne erhalten (Montag und Sonntag, Monday und Sunday, maandag und zondag). Für die Tage, die — bloß scheinbar, aber inzwischen allgemein so angenommen — nach römischen Gottheiten benannt waren, mussten Entsprechungen aus der nordischen Mythologie gewählt werden: Mars wurde durch ‹Tyr› (auch ‹Tiw› oder ‹Ziu› genannt) ersetzt; Merkur durch ‹Wotan› (auch ‹Uuodan›, ‹Westhan›), Jupiter durch ‹Thor› (auch ‹Donar›) und Venus durch ‹Frija›, (auch ‹Fria›, ‹Frigg›). Einzig für Saturn fand man in der nordischen Mythologie keinen Ersatz; so heißt der ‹dies Saturni› auf Englisch ‹Saturday› und auf Niederländisch ‹zaterdag›.
‹Saturday› ist aber der Samstag, und der hat außer im angelsächsischen und niederländischen Sprachraum nirgendwo sonst als ‹Tag des Saturns› überlebt, auch wenn im deutschen und im französischen Namen noch eine Spur davon mitklingt. Fast in allen andern Sprachen hat sich das hebräische ‹יום שבת› [yom shabbat], (Arabisch ‹السبت› [al-sabt]) des Samstags ermächtigt: ‹sabato›, ‹sábado›, ‹sâmbătă›…
Nun handelt es sich hierbei nicht um eine jüdische Infiltration, wie fälschlicherweise oft behauptet wird! Oder genauer: Es ist ein Hinweis darauf, dass das Christentum viel jüdischer ist, als ihm bewusst und manchem lieb ist! Für die Christen der ersten Jahrhunderte der Zeitrechnung war ganz klar, dass der letzte Tag der Woche nach semitischer Tradition, der Tag, an dem gemäß der Genesis sich Gott eine Ruhepause gönnt, der Schabbat, der Samstag war! Erst Kaiser Konstantin stieß die Sache nach seiner Konversion zum Christentum sauer auf. Da ihm der ‹dies Solis› sowieso verdächtig nach ägyptischer Sonnenanbetung roch und er sich wie andere Herrscher vor und nach ihm berufen fühlte, am Kalender herumzubasteln, ließ er per Dekret den ‹Tag der Sonne› in ‹Tag des Herrn› umbenennen, in ‹dies dominica›, was Italienisch ‹domenica›, Spanisch ‹domingo›, Rumänisch ‹duminică› ergibt.
Bei all diesen Betrachtungen haben wir das Portugiesische immer ausgelassen; aus gutem Grund, denn außer beim Samstag und Sonntag machen die Lusitanier in der Wochenlogik nicht mit. Sie nummerieren die Wochentage einfach durch: ‹segunda-feira› bis ‹sexta-feira› (wobei ‹feira› wie das italienische ‹fiera› und das französische ‹foire› Markttag bedeutet). Das Portugiesische führt uns aber zur ursprünglichen Frage zurück, warum der Mittwoch so heißt. Der Montag ist nämlich auf Portugiesisch ‹segunda-feira›, also der zweite Markt- oder eben Arbeitstag. Offenbar war also nicht immer und nicht überall der Montag der erste Wochentag geblieben wie bei den Babyloniern. Und wenn man den Montag als den zweiten Tag der Woche zählt, ruht der Herr am Samstag und der Mittwoch ist in der Mitte der Woche.