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In den Kreisen der Leugner und der Verschwurbeler des wissenschaftlichen Sachstands hat der Begriff der postnormalen Wissenschaft großen Eindruck hervorgerufen. Wissenschaftssoziologen erwecken mit dem Begriff den Eindruck, dass es besondere Umstände gibt, in denen die Auswirkungen wissenschaftlicher Feststellungen die Inhalte der Wissenschaft beeinflussen. Und wenn man Wissenschaftlern Fälschungsabsichten unterstellen will, wie es Leugner nun einmal tun, sind solche Unterstellungen sehr willkommen. Genauso willkommen, wie die Behauptung, dass im Rahmen der postnormalen Wissenschaft eine auf Blogs ausgedehnte öffentliche Fachbegutachtung wissenschaftlicher Ergebnisse hilfreich sei. Im folgenden will ich das kritisieren. Anlaß dafür ist allerdings ein Blogbeitrag von Sylvia S. Tognetti, auf den in Rabett Run verwiesen wurde, den ich für ganz besonders gut halte. Wenn jemand eine Zusammenfassung dafür sucht, wie mit dem Konzept der postnormalen Wissenschaft geschludert wurde, was bei der Diffamierung der Temperaturrekonstruktionen von Mann et al. so alles geschah, und wie der Krieg gegen das IPCC geführt wurde, findet er hier alles an einem Fleck.
Freitag, 25. Januar 2013
Samstag, 12. Januar 2013
Es gibt Rituale in der Leugnung des menschengemachten Klimawandels. Dazu gehört, zu behaupten, dass seit einem bestimmten Jahr die globale Temperatur nicht mehr stiege. Das Jahr, seit dem angeblich die globale Erwärmung stillsteht, ändert sich von Zeit zu Zeit, aber das Ritual bleibt gleich. Es ist erstaunlich, dass niemand der Beteiligten stört, dass die Frage schon lange ausdiskutiert wurde. Die Behauptung, dass der Klimawandel gestoppt sei, geht schon zurück auf Anfang der 90er Jahre. Ende der 80er Jahre waren gerade Rekordtemperaturen beobachtet worden und es wurde erstmalig festgestellt, dass man das Signal der globalen Erwärmung in den weltweiten Beobachtungen wiederfinden könne. Dann kam der Ausbruch des Mt. Pinatubo auf den Philippinen 1991 und in der Folge zwei Jahre, die durch die Trübung der Atmosphäre kälter waren als die Vorjahre. Prompt schrieben verschiedene Leugner Artikel, in denen sie als Argument dagegen anführten, den Klimawandel als Problem zu sehen, dass es ja in letzter Zeit gar keine globale Erwärmung mehr gäbe. Die zweite Hälfte der 90er Jahre strafte das Lügen, aber die Lüge wurde danach gerne immer wieder aufgetischt. Das Jahr 1998 als Startpunkt hatte es den Leugnern besonders angetan. Kürzlich zog durch Leugnerblogs eine weitere Variante des selben Rituals. Diesmal ging es darum, dass die über 16 Jahre angezeigte Zeitreihe monatlicher globaler Temperaturen in dem ganzen Gezappel der Zeitreihe den Trend nicht erkennen ließ. Verschwiegen wurde, dass sogar diese zu kurze Zeitreihe in der linearen Regression einen (statistisch natürlich nicht signifikanten) Anstieg zeigt. Sie ist natürlich nicht signifikant, und darauf wurde schon einmal herumgeritten, als man Professor Phil Jones vom Hadley Centre in einem Interview eine vergiftete Frage dazu stellte. Und dann setzte der unsägliche Journalist Delingpole noch einen drauf, um das Märchen von 20 Jahren ohne globale Erwärmung zu erschaffen. Was war da passiert?
Sonntag, 6. Januar 2013
Ab und zu gelingt es, einen unsinnigen Artikel durch die Fachbegutachtung zu schmuggeln. Ich habe hier Gerlich und Tscheuschner diskutiert, die allen Ernstes meinten, sie könnten den Treibhauseffekt widerlegen. Oder über den schwachsinnigen Versuch von McKitrick et al., zu "beweisen", dass es keine mittlere globale Termperatur gibt. Es gab auch vom Biologielehrer Ernst Beck den Versuch, zu "beweisen", dass der Gehalt der Atmosphäre an Kohlendioxid nicht angestiegen sei, sondern im Laufe der Zeit wild hin und her schwankt. Diese ganzen Versuche zeigen oft ähnliche Warnzeichen. Die Publikation erscheint in eher fachfremden oder zweitrangigen Journalen, oft gibt es eine Vorgeschichte der versuchten Publikation an anderer Stelle, die Autoren selbst sind fachfremd oder bereits bekannt für ihre Leugnerthesen. Manchmal werden auch nur Schlüsselsätze der Klimaleugner irgendwo rein geschmuggelt oder in begleitenden Pressemeldungen verbreitet, die vom Artikelinhalt gar nicht gedeckt werden. Vor einigen Wochen war es mal wieder so weit. Die Ökonomen Beenstock, Reingewertz und Paldor stellten fest, dass aufgrund statistischer Gründe Treibhausgase nicht für die Temperaturentwicklung verantwortlich sein können. Da ist was faul, aber was?
Mittwoch, 2. Januar 2013
Der vierte IPCC-Bericht war die letzte Warnung an die Menschheit, den Klimawandel ernst zu nehmen. Viele Regierungen hatten weggehört. Schlimmer noch war aber, dass viele Leugner ihre Strategie entwickelt hatten, die Botschaft der Wissenschaft zu unterminieren. Sie produzierten Scheinskandale und blähten folgenlose Fehler in Details auf. Das Hauptargument war, wenn nur eine Sache im Bericht nicht stimme, seit damit der ganze Bericht falsch. Und wenn man einem Autoren irgendeinen Verdahcht anhängen könne, sei damit der gesamte Wissenschaftsbetrieb in den Verruf gebracht. Was lächerlich klingt, war recht wirksam. Und daher fängt bereits im Vorfeld des 5. IPCC-Berichts das Warmlaufen an, um die Kernaussagen zu verwässern, umzudeuten oder Ablenkungsmanöver zu starten. Denn die unangenehme Kernbotschaft steht bereits fest: der 4. IPCC-Bericht hat den Klimawandel eher untertrieben. Schauen wir uns die Kernpunkte an.