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Der Goldene Leopard des Internationalen Filmfestivals von Locarno geht überraschend an den deutschen Beitrag "Das Verlangen".
Die Schweiz hatte dieses Jahr offiziell das Nachsehen.
Der Gewinner des Hauptpreises ist der schottisch-stämmige Regisseur Iain Dilthey. Sein Film "Das Verlangen" gehörte nicht zu den Favoriten in Locarno, und die Wahl der Wettbewerbs-Jury - die nicht einstimmig erfolgte - wurde mit Buhrufen quittiert.
"Das Verlangen" ist eine theatralische Fabel um eine Pfarrersfrau, die sich dank der Liebe zu einem Mörder aus der Enge ihres Daseins lösen kann. Nach Ansicht von Kritikern leidet das Werk an schwerblütig-papierenen Dialogen und an einer angestrengten Inszenierung.
Argentinischer Erstling
Den Silbernen Leoparden für den zweitbesten Beitrag hat die Jury an den argentinischen Film "Tan de repente" (So ganz plötzlich) von Diego Lerman vergeben. Mit genauem Blick auf die Schattenseiten des Lebens wird die Suche einer Hand voll Menschen verschiedener Generationen nach einem Hauch von Glück gezeigt. Skurrile Momente wechseln von traurigen mit solchen von stiller Sicht auf scheinbar banale Alltags-Situationen.
Zwischen Völkern vermitteln
Der Spezialpreis geht an den iranischen Film "I'm Taraneh, 15" von Rassul Sadr-Ameli. Nach Ansicht der Jury bringt er den Gedanken der Verständigung zwischen Völkern und Kulturen am stärksten zum Ausdruck. Es geht um die Geschichte einer 15-jährigen Schwangeren, die gegen alle Konventionen ihr Kind zur Welt bringen will. Den Preis als beste Schauspielerin erhält Taraneh Allidousti, die Hauptdarstellerin des Beitrags.
Griechische Première
Der Preis als bester Darsteller geht ebenfalls an einen Kinderschauspieler, an Giorgos Karayannis im griechischen Erstling "Hard Goodbye: My Father", von Penny Panayotopoulou. Die Regisseurin erzählt die Geschichte eines Zehnjährigen, der den unerwarteten Tod seines Vaters nicht verarbeiten kann.
Zwischen Armut und Verbrechen
Der Silberne Leopard für den besten ersten oder zweiten Film erhält der ungarische Regisseur Kornèl Mundruczò für "Vergnügliche Tage", das Porträt von Jugendlichen zwischen Armut und Kriminalität.
Der Publikumspries der Piazza Grande geht an den Fussballfilm "Bend it Like Beckham" von Gurinder Chadha.
Samir erhält den SRG SSR Idée Suisse-Preis
Die beiden Schweizer Wettbewerbsbeiträge "Oltre il confine" (Hinter der Grenze) des Zürchers Rolando Colla sowie "Aime ton père" des Genfers Jacob Berger gingen erwartungsgemäss leer aus. Dafür geht der Preis der Kritikerwoche, der von einer eigenen Jury vergeben wird, an die Schweiz: Der Zürcher Samir erhält ihn für sein Dokument "Forget Baghdad - Jews and Arabs - the Iraqi Connection".
Enttäuschende Piazza-Filme
Den besonderen Reiz von Locarno machen jeweils die Abendvorführungen auf der legendären Piazza Grande aus. Doch dieses Jahr fehlte das "ambiente"; meistens mussten die Filme in den Kinosaal verlegt werden, oder dann wurde bei bisweilen strömendem Regen gespielt.
Auch die Filmauswahl stiess immer wieder auf Kritik. Am meisten Buhrufe gab es beim überhaupt ersten Beitrag, der auf der Piazza gezeigt wurde: "My little Eye". Was als Thriller nach dem "Big Brother"-Muster gedacht war, entpuppte sich als Horrorfilm, dem das Publikum nichts abgewinnen konnte.
Während im letzten Jahr - dem ersten der Festival-Direktorin Irène Bignardi - ein Film (das vierstündige indische Musical "Lagaan") ein mittelmässiges Piazza-Programm noch retten konnte, fehlten Glanzlichter dieses Jahr vollständig. Bignardi räumte denn auch Fehler bei der Piazza-Programmierung ein.
Mehr Raum dank mehr Geld
Alles in allem war jedoch das deutlich erhöhte Budget des Filmfestivals gut investiert: Zusätzliche Säle und ein neuer Treffpunkt mit dem Festivalzentrum Spazio/Cinema brachten mehr Raum zum Verweilen und weniger überfüllte Vorführungen.
Auch die Retrospektive für Allan Dwan und der "Indian Summer" mit Filmen, die nicht dem Hollywood-Klischee entsprechen, brachten Überraschendes. Die Chance, bisher Unbekanntes zu entdecken, machen denn auch immer wieder den Reiz des Filmfestivals in Locarno aus.
swissinfo und Agenturen
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