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DMZ – KULTUR ¦ Patricia Jungo ¦
Der Begriff Jakobsweg umfasst eine grosse Anzahl an Pilgerwegen in ganz Europa, welche alle zu einem einzigen, gemeinsamen Ziel führen: dem angeblichen Grab des Apostels Jakobus in der spanisch-galizischen Stadt Santiago de Compostela. Der bekannteste Teil des Jakobswegs heisst Camino Francés und führt von den Pyrenäen über Städte wie Pamplona, Burgos und León bis hin zur besagten Pilgerstadt Santiago de Compostela.
Die ersten geschichtlichen Spuren des Jakobswegs findet man im 8. Jahrhundert. Damals war die iberische Halbinsel grösstenteils unter arabischer Herrschaft. Der Nordwesten Spanien gehörte immer noch zum Gebiet der christlichen Könige. Zu dieser Zeit wurde auch die Geschichte von Jakobus des Älteren verbreitet, der auf der Iberischen Halbinsel missionierte und auch dort begraben sein soll. Es begannen danach erste christliche Pilger aus Kantabrien und Aquitanien zum Grabe Santiagos zu pilgern. Die Könige von Asturien und Léon ernannten Jakobus gar zu ihrem Schutzheiligen und Schlachthelfer. Zudem sollte auch später die Reconquista zu Teilen unter der Flagge Santiagos erfolgen. Der Jakobsweg wurde schliesslich im Hoch- und Spätmittelalter zu einem beliebten Ziel für die Pilger aus ganz Europa. Auch hier hatten die bereits erwähnte Reconquista und die Herausbildung einer Städtelandschaft im Norden Spanien, entlang des Camino de Santiago grossen Einfluss.
Grundlegend waren auch die im 15. Jahrhundert eingeführten Gnadenjahre: Es waren Heilige Compostelanische Jahre, die den Pilgern, welche nach Santiago de Compostela wanderten, das Versprechen gaben, einen vollkommenen Ablass zeitlicher Sündenstrafen zu erhalten. Die Überlieferung berichtet, es seien aus diesem Grunde sogar Pilger aus dem entfernten Skandinavien und aus Osteuropa in den Nordwesten Spaniens gereist. In der Folgezeit wurde der Camino de Santiago zunächst wieder weniger besucht. Dies war zurückzuführen auf die Kriege zwischen Spanien und Frankreich, die Reformation und den allgemeinen Niedergang der Pilgerfahrt und die damit einhergehende Säkularisierungswelle.
Ganz hörte die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela jedoch nie auf. In den 1970er Jahren kam es zu einem Aufschwung, dessen Höhepunkt der Besuch von Papst Johannes Paul II in Santiago de Compostela bildete. Der Europarat deklarierte den Jakobsweg im Jahre 1987 zum ersten europäischen Kulturweg. Der Camino zählte damals jedes Jahr etwa 3‘000 Pilger. Nach 10 Jahren betrug diese Zahl bereits mehr als 25‘000. Im Jahre 2007 war die Zahl der jährlichen Pilger schon bei 114‘000 und im 2016 waren es beinahe 280‘000. Im Jahre 2021 rechnet man mit einer neuen Hochzahl. Es wird das nächste Heilige Compostelanische Jahr sein.
Informationen zum Jakobsweg durch die Schweiz findet man unter www.jakobsweg.ch.
Quelle: www.geschichte-wissen.de
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