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Der Körper ist eine Einheit. Alles ist miteinander verbunden - durch die Faszie
Der Körper ist kein biometrisches Gebilde
Der Vitruvische Mensch, mit dem sich auch Leonardo Da Vinci beschäftigt hat, versucht, vorhandene geometrische Proportionen der Natur (Sonnenblumen, Muscheln) und architektonischer Bauwerke (fast alle) auf den Menschen zu übertragen. Diese Idealisierung ist ein nettes Spiel, aber gänzlich unangebracht, da auch wirklich gar nichts am Menschen ebenmässig und proportional ist.
Rechts und links ist nirgendwo gleich
Sehen Sie einmal Ihr Gegenüber an. Da liegt das eine Auge tiefer als das andere, die beiden Seiten des Gesichts passen nicht übereinander, die Gehirnhälften haben völlig andere Funktionen, die meisten inneren Organe liegen verteilt, manche rechts manche links, Arme und Hände haben unterschiedliche Ausprägungen und Fähigkeiten und bei Spiel- und Standbein finden wir ungleiche Längen und verschiedene Gelenkwinkel.
Die Idealisierung führt zu falschem Handeln
Ausserdem führt dieses Bild zu der oberflächlichen Annahme, in ärztlichen Praxen, bei Physiotherapeuten und in Schönheitskliniken (die dieses Bild gerne zu ihrem Icon machen) könne man einen ideal proportionierten Körper (wieder)herstellen. Diese mechanistische Sichtweise, die Struktur vor die Funktion setzt, hat vielleicht auch dazu beigetragen, dass wir glauben, unseren Körper ohne tiefgreifende Konsequenzen umstrukturieren zu können. Die Funktion wird einfach vernachlässigt.
Oben Planung und Arbeit, unten Ortsveränderung
Es gibt also ausgesprochene Unterschiede zwischen links und rechts. Dass oben anders ist als unten, ist offensichtlich. Genau in der Mitte (Hüfte) lässt sich der Mensch von der Funktion schon in zwei unterschiedliche Bereiche teilen. Der obere Teil enthält alles Wichtige. Hier wird mit Kopf und Händen geplant, gehandelt und Dinge erschaffen. Ausserdem alles, was zum Selbsterhalt des Systems nötig ist, Herz, Lunge und Verdauung und auch Reproduktion. Der untere Teil ist dazu da, den oberen Teil dahin zu bewegen, wo der Kopf es gerade für sinnvoll hält.
Der Mensch als Säule
Mit ein paar Quadratzentimetern, einem Siebzehntel unserer Oberfläche, berühren wir mit den Füssen unsere Umwelt, wenn wir stehen. Der Rest ragt steil nach oben. Wir können uns also als bewegliche Säule betrachten. Da der Oberkörper mit ausgestreckten Armen dieselbe Reichweite hat wie die gesamte Grösse (siehe Vitruvischer Mensch), muss es zu einer ziemlichen Gewichtsverlagerung bei jeder Bewegung oder Handlung kommen.
Die Füsse müssen alles aushalten
Als tiefste Funktionseinheit müssen die Füsse alles verkraften, was an Unregelmässigkeiten nach unten weitergeleitet wird. Entsprechend werden sie auch als erste deformiert (Senkfuss). Je weiter nach oben die lotrechte Linie verlassen wird, umso grösser sind die Auswirkungen auf die unteren Extremitäten, und zwar im Quadrat der Entfernung. D.h. wenn Kopf und Schultermasse nach vorne drücken, hat das grosse Auswirkung auf Füsse, Knie und Hüfte.
Früh im Leben ändert sich unsere Figur, kulturbedingt
Je älter wir werden, umso mehr verändert sich unsere Figur. Dass diese Veränderung in unserer Kultur schon im zweiten Lebensjahrzehnt beginnt, ist schlimm. Die zweite Feststellung ist auch verblüffend. Es betrifft praktisch jeden.
Schulter und Kopf sind die ersten, die wandern
Es beginnt mit der Halswirbelsäule und dem oberen Rücken. Schultern und Kopf klappen einfach nach vorne. Damit ist die Gewichtsverteilung auch auf alle anderen Teile im Körper nicht mehr die gleiche. Besonders die Beingelenke werden zunehmend asymmetrisch belastet.
Die Spannung erhöht sich - Spannungsstrassen entstehen
Um weiter aufrecht zu gehen und handeln zu können, bauen sich jetzt im Körper Spannungsstrassen aus. Damit wird das Gleichgewicht nach allen Seiten hin garantiert. Diese Strassen bestehen aus Ketten, die abwechselnd Muskeln und Sehnen aufweisen und durchwoben und umwickelt sind mit intelligentem Bindegewebe, der Faszie.
[Belastungsstrassen]
Die Verspannungskaskade nimmt ihren Lauf
Wenn jetzt nicht eingegriffen wird, verändert sich die Haltung zunehmend. Praktisch ist jeder Muskel mehr oder minder an der Verschiebung beteiligt. Lange bemerken wir diese Veränderung im Körper nicht. Aber irgendwann, an irgendeiner Stelle, werden plötzlich Schmerzen auftreten. Am Anfang nur leicht und zögerlich. Im Laufe der Jahre wird sich das verstärken. Dazu kommt noch eine zunehmende Unbeweglichkeit.
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[Da wo's weh tut]