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Die Echte Lungenflechte ist eine Blattflechte. Ihr deutscher Name stammt von den tiefbuchtigen, bis handgrossen Lappen, die lungenartig geadert sind. Noch heute verwendet man sie als Heilmittel gegen Lungenkrankheiten, vor allem bei Husten. Früher war die Lungenflechte auch unter den Bezeichnungen "Lungenkraut" oder "Lungenmoos" bekannt.
Dank ihrer beachtlichen Grösse ist Lobaria pulmonaria schon aus der Entfernung gut zu entdecken und auch für Laien recht einfach zu bestimmen. Im feuchten Zustand ist sie leuchtend grün bis oliv, trocken oliv bis braun.
Flechten sind keine einheitlichen Organismen, sondern bestehen aus zwei verschiedenen Lebewesen: aus einer Alge und einem Pilz. Die Pilzfäden bilden mit den Algenzellen eine Lebensgemeinschaft. Zum Leben braucht dieses "Team" nur Licht, Feuchtigkeit und Nährstoffe aus der Luft. Die Doppelnatur der Flechten ist äusserlich ohne optische Hilfsmittel meistens nicht erkennbar.
Die Schwesterart der Echten Lungenflechte, Lobaria amplissima, ist noch seltener. Sie unterscheidet sich hauptsächlich durch die weniger stark ausgeprägten Lappen. Das Isländische Moos (Cetraria islandica) wächst im Gegensatz zur Lungenflechte praktisch nie auf Bäumen, sondern am Boden.
Verbreitung und Lebensraum
Die Echte Lungenflechte hat ein grosses Verbreitungsareal. Sie kommt in weiten Teilen Afrikas, Asiens, Europas und Nordamerikas vor. In Europa findet man sie von den niederschlagsreichen Gegenden des Mittelmeerraumes bis in die nördliche boreale Zone. Allerdings fehlt sie in den kontinentalen Bereichen. Früher war die Lungenflechte auch in den Tieflagen Europas weit verbreitet, wo sie heute aufgrund zu intensiver Forstwirtschaft regional ausgestorben ist.
In der Schweiz findet man die Lungenflechte hauptsächlich an den nördlichen Voralpen und im Jura. Die Hautpverbreitung liegt zwischen 1000 und 1600 m. Aus den intensiv genutzten Wäldern des Mittellands ist sie wie zahlreiche andere Flechtenarten praktisch verschwunden.
Die Lungenflechte lebt als so genannter Epiphyt auf der Rinde alter Bäume, meist an Buche und Ahorn. Weil die empfindliche Flechte im Wesentlichen auf niederschlagsreiche, milde bis kühle Lagen beschränkt ist, findet man sie hauptsächlich in ungestörten, naturnahen (Berg-)Wäldern, die niemals völlig abgeholzt wurden. Aufgrund ihrer hohen Lebensraumansprüche gilt die Lungenflechte als ein Indikator für saubere Luft und naturnahe, intakte Wälder mit dicken, alten Laubbäumen.
Biologie
Die Lungenflechte hat einen langen Lebenszyklus. Nur alte Exemplare bilden Verbreitungseinheiten, die eine Besiedlung von neuen Bäumen ermöglichen. Die Verbreitungseinheiten können sowohl sexuell als auch asexuell sein.
Zur sexuellen Fortpflanzung bildet der Pilz der Lungenflechte Sporen. Diese sind klein und leicht und können gut via Wind verbreitet werden. Allerdings muss die Spore dann am neuen Ort wieder die richtige Alge finden, um die Symbiose eingehen zu können.
In asexuellen Verbreitungseinheiten ist schon ein Päcklein mit ein paar Algenzellen und Pilzhyphen geschnürt. Damit wird die ganze Symbiose verbreitet, allerdings ohne die Möglichkeit der Rekombination. Weil die vegetativen Verbreitungseinheiten grösser und schwerer sind, lassen sie sich nur schwer durch den Wind transportieren. Vermutlich übertragen Insekten, Vögel und andere Tiere, die auf Laubbaumborken Nahrung sammeln, die Verbreitungseinheiten der Lungenflechte von Baum zu Baum.
Verwendung
Seit dem Mittelalter wurde die Lungenflechte traditionell als Heilmittel gegen verschiedene Lungenleiden eingesetzt (z.B. Blutspucken oder Tuberkulose). Sibirische Mönche verwendeten sie wegen der enthaltenen Bitterstoffe zum Bierbrauen. Noch heute nutzt man die Lungenflechte als homöopathisches Mittel gegen Husten. In der Schweiz laufen seit kurzem Bestrebungen, die Lungenflechte durch kommerzielle Nutzung zu fördern (siehe Links).
Gefährdung und Schutz
Die Lungenflechte ist nach der Verordnung über den Natur- und Heimatschutz (NHV) bundesrechtlich geschützt. In der Roten Liste wird die Echte Lungenflechte als "verletzlich" eingestuft. Im Schweizer Mittelland ist die Situation aber wesentlich kritischer, denn dort ist die Art schon beinahe ausgestorben. Die Bäume werden hier meist so früh gefällt, dass sich die Flechten nicht optimal auf ihnen ausbreiten können. Auch in den Voralpen und im Jura droht der Lungenflechte Gefahr durch die Waldnutzung. Wenn in einem Wald nur noch wenige Trägerbäume stehen, kann sie sich auch in diesen Lagen kaum mehr verbreiten.
Die Echte Lungenflechte reagiert empfindlich gegenüber forstlichen Eingriffen und Luftschadstoffen. Alle ihre Vorkommen stehen unter Schutz. Die grösste Gefahr stellt direkte Abholzung der Trägerbäume dar. Die Unterschutzstellung aktueller Trägerbäume hilft jedoch nur kurzfristig. Langfristig müssen Laub- und Mischwaldbestände mit einer hohen Zahl alter Bäume erhalten bleiben, um diese attraktive Flechtenart dauerhaft zu schützen.
Lobaria pulmonaria lässt sich auch künstlich verbreiten, indem man spezielle Teile der Flechte auf neue geeignete Trägerbäume verpflanzt.
Föderungsmöglichkeiten
- Trägerbäume der Lungenflechte vor Abholzung bewahren
- Alte Laubbäume in Bergwäldern und luftfeuchten Lagen erhalten
- Auf der ganzen Waldfläche regelmässig ausgewählte Bergahorne und Buchen alt werden lassen
- Die Lungenflechte künstlich auf neue Trägerbäume verpflanzen
Beobachtungstipp
Im Gegensatz zu totholzbewohnenden Tieren ist die Echte Lungenflechte recht einfach zu finden. Wer an den Voralpen oder im Jura in Laub- und Mischwaldbeständen gezielt nach alten Laubbäumen sucht, hat guten Chancen auf Erfolg. Am besten findet man die Lungenflechte an luftfeuchten Stellen, z. B. an Bacheinhängen.