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Wie die «Dreigroschenoper» entstand: Bert Brecht (20. Februar 1898 - 14. August 1956)
«Ich habe die Beggar's Opera usw. fertiggemacht und war fast immer schlecht gelaunt, weil es zu heiss war», meldet Brecht Helene Weigel Anfang Juli 1928 aus Saint Cyr, wo er mit Kurt Weill an dem Werk gearbeitet hat, das Adorno 1929 an den «Beginn der Restitution der Oper durch die Wahrheit» stellen wird. Den Titel «Dreigroschenoper» erfindet allerdings Lion Feuchtwanger: mitten in der Aufregung jener Probezeit am Berliner Schiffbauerdamm, als weder ein verlässlicher Text, noch die fertige Komposition da ist, sämtliche Nerven blank liegen und täglich neue Umbesetzungen nötig werden. Carola Neher, der Brecht die Rolle der Polly (um die der Krieg zwischen dem Bettlerkönig Peachum und dem «Geschäftsmann» Mackie Messer geht) auf den Leib geschrieben hat, muss im letzten Moment durch Roma Bahn ersetzt werden: in Davos ist am 14.August Carola Nehers Mann, der Dichter Klabund, gestorben. Als kurz darauf auch Helene Weigel - einer Blinddarmentzündung wegen - ausscheidet, lässt Regisseur Engel die Rolle der Puffmutter kurzerhand weg. Das Programmheft gibt aber auch sonst noch zu reden, ist doch Kurt Weill kaum noch zu beruhigen, als sich herausstellt, dass seine Ehefrau Lotte Lenja, die die Spelunken-Jenny spielt, darin vergessen worden ist. Obwohl die Direktion bis zuletzt ein Ersatzstück bereithält, wird am 31.August 1928 die Premiere zum Triumph für das Opus, dem Brecht - vor allem dank Kurt Weills süffigen Songs! - seinen frühen Ruhm verdankt. Das Publikum «raste zeitweilig Beifallsstürme» («Berliner Lokal-Anzeiger»), Herbert Jhering sprach von der «Überwindung der Revue zu einer neuen Gattung», und sogar Kritikerpapst Alfred Kerr lobte «die Moriballade vom tiefgesunkenen Verbrecher mit mehreren Bräuten» , wenn er es auch nicht lassen konnte, den Beaumarchais-Spruch «Ce qui est trop bête pour être dit, on le chante» zu zitieren.