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Das Reservoir Schlund (Bild) wie auch das Reservoir Seuschachen gingen in den Besitz der Gemeinde über. / Bild: zvg
Flühli:
Seit Neujahr gehört die Wasserversorgung Flühli-Dorf der Gemeinde. Ein Grund für die neue Organisation waren Probleme bei der Rekrutierung neuer Vorstandsmitglieder.
Die Gründung der Wasserversorgungsgenossenschaft Flühli-Dorf (WVFD) erfolgte am 24. April 1908. Als die Bewohner des Dorfes Flühli zu Beginn des 20. Jahrhunderts sich mit dem Gedanken befassten, eine Wasserversorgungsgenossenschaft für das Dorf zu gründen, stand zuerst nicht das Trinkwasser im Vordergrund. Jedes Haus hatte ja eine private Versorgung. Hingegen fürchtete man um die Feuersicherheit des Dorfes und diesem Umstand wollte man mit dem Bau einer Hydranten-Anlage begegnen.
Ein Sack Kies kostete 25 Rappen
Auf der Liegenschaft Schlund konnte eine Quelle erworben werden. 1909 wurden Sand und Kies vom Dorf zum Schlund befördert. Wie der damaligen Bauabrechnung zu entnehmen ist, wurden über 400 Säcke zu je 25 Rappen entschädigt! 1981 wurde nach der Fassung einer weiteren Quelle im Gebiet Schachen ein zweites Reservoir erstellt. In den beiden Reservoirs stehen heute total 250 Kubikmeter Brauchwasser sowie 200 Kubikmeter Löschwasser zur Verfügung. In den letzten sechs Jahren wurden rund 100’000 Franken investiert: Die UV-Anlagen und die EDV-Anlage wurden saniert, dazu wurden neue Ringleitungen gebaut und Bauparzellen erschlossen.
Von den beiden Reservoirs Schlund und Schachen werden über ein Leitungsnetz von 5,4 Kilometern 180 Abonnenten mit frischem Trinkwasser versorgt. 40 Hydranten sorgen bei einem Brandfall für genügend Wasserbezug aus den Löschwasserreservoirs. Für den Wasserbezug von zirka 50’000 Kubikmeter konnten im Jahr 2020 rund 60’000 Franken in Rechnung gestellt werden. Die gesamten allgemein laufenden Betriebskosten betragen pro Jahr rund 30’000 Franken, wie der Präsident Benjamin Bucher in seinem Bericht schreibt. Die WVFD versorgt das Gebiet Schachen bis Hüttlenen. Daneben beliefern die Wasserversorgungen Äschi, Schintmoos und Bunihus die übrigen Wohngebiete der Gemeinde Flühli mit Brauch- und Löschwasser.
Fehlende Vorstandsmitglieder
Die Arbeiten im Vorstand der Wasserversorgungsgenossenschaft wurden immer anspruchsvoller. Auch hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sich eine Nachfolgelösung für abtretende Vorstandsmitglieder und insbesondere für das Präsidium wie auch für die Aufgaben eines Kassiers nicht ohne Weiteres finden lässt. Der Vorstand der Wasserversorgungsgenossenschaft Flühli-Dorf war daher zur Überzeugung gelangt, die WV Flühli-Dorf in die Zuständigkeit der Gemeinde zurückzugeben. Am 9. Mai 2018 erteilte die Genossenschafts-Versammlung dem Vorstand die Kompetenz, mit dem Gemeinderat Verhandlungen aufzunehmen. Der Auflösungsbeschluss wurde an der Genossenschaftsgeneralversammlung vom 29. Juli gefällt.
Vorarbeiten für die Übergabe
Um einen Überblick über die getätigten Investitionen in die Anlagen der Wasserversorgungsgenossenschaft zu erhalten, wurde von einem Ingenieurbüro eine Kostenanalyse erstellt. Der Neuwert der Anlagen mit allen Quellen und Pumpen, Reservoire, Zähler und Leitungsnetz beträgt rund 3,86 Millionen Franken. Ferner hat das Ingenieurbüro einen Bericht für eine nachhaltige und verursachergerechte Finanzierung der Wasserversorgung erstellt. An der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember 2019 haben die Stimmberechtigten der Gemeinde das neue Wasserversorgungs-Reglement und die dazugehörende Vollzugsverordnung bewilligt. Mit der Übergabe an die Gemeinde übernimmt diese sämtliche Rechte und Pflichten sowie alle Aktiven und Passiven inklusive Forderungen und Ansprüche.
Fünf Präsidenten in 112 Jahren
Geschäftsmann Otto Enzmann gilt als Initiator zur Gründung der Wasserversorgungsgenossenschaft. Er war auch deren erster Präsident. Ihm folgten Karl Krummenacher, Leo Enzmann, Otto Bucher und seit 1985 Benjamin Bucher. 26 Jahre war Pia Lipp für die Finanzen zuständig. Silvia Limacher, Thomas Felder und Urs Fallegger bildeten den letzten Vorstand der Wasserversorgung Genossenschaft Flühli-Dorf. 25 Jahre amtete zur vollen Zufriedenheit aller Wasserbezüger Herbert Wicki als Brunnenmeister. Er wird auch in Zukunft für einen einwandfreien Betrieb verantwortlich sein.