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Sieht man Jack White im Film «It Might Get Loud», worin er mit Jimmy Page und The Edge über Gitarren philosophiert, wie er aus einer Cola Flasche und einem Brett eine Gitarre baut, erahnt man etwas von seiner Passion für die Musik. Mit den White Stripes gehörte er zu den führenden Bands des Retrorocks der Nullerjahre. Dieser nahm hauptsächlich die Rockmusik der 70er-Jahre auf und interpretierte sie zeitgemäss. Jack White ist – um es mit Joe Walsh zu formulieren – ein «analog Man in a digital world». 2001 gründete in seiner Heimatstadt Detroit das Label Third Man Records, das zunächst die Singles und Alben der White Stripes auf Vinyl veröffentlichte. Seine Motivation umschrieb White 2017 damit, alles zu tun, um die Aufmerksamkeit der Leute wieder auf den physischen Tonträger zu lenken, fort von der unsichtbaren Musik. So hat das Label eine Initiative lanciert, dass Schulklassen ihre eigene Schallplatte aufnehmen.
Neben den üblichen schwarzen Scheiben werden auch immer limitierte Sondereditionen veröffentlicht oder die Singles enthalten exklusive B-Seiten, die nicht auf den Single-CDs bzw. digitalen EPs zu finden sind. Third Man Records veröffentlicht alles auf CD und digital, das Herzblut liegt beim Vinyl. Als als Weiterentwicklung des klassischen Mail Orders aus den 70er Jahren, kann man sich bei Thrid Man Vault registrieren und erhält dreimonatlich Raritäten und Spezialitäten zugeschickt.
Anstoss zur Stadtentwicklung
Den ersten physischen Standort eröffnete Third Man Records 2009 in der Musikmetropole Nashville in einer alten Fabrik. Die Nachbarschaft ist mit einer Entzugsklinik und dem städtischen Obdachlosenheim alles andere als glamourös, immerhin überzeugte Whites Engagement die Stadt und privaten Grundeigentümer, das Quartier umzuzonen und Räume für die Kreativwirtschaft anzubieten. Hätte White bloss das Labelmanagement nach Nashville gezügelt, wäre dies nicht möglich gewesen. Von Anfang an war Third Man Nashville mehr. Am Standort sind die Büros und der Versand angesiedelt. Herzstück ist natürlich der Plattenladen. Ausserhalb der Öffnungszeiten generiert der Konzertsaal, Blue Room genannt, weiteres Publikum. Hier hat Jack White vor wenigen Tagen sein neues Album live präsentiert. Ob für den Blue Room das Konzept von Amobea Record, der Konzertlocation im Plattenladen, Pate gestanden hat, ist nicht überliefert. Ein Aufnahme- und ein Fotostudio runden das Angebot ab.
Blick ins Pressweirk von Third Man Records..
Die Heimexpansion von Third Man kam 2015 zustande. In einem Joint Venture mit Shinola, einem Hersteller von Uhren, Ledertaschen und Schuhpflegeartikeln, eröffnete das Label im Shinola Gebäude in Detroit eine weitere Filiale, unweit des Cass Corridor Quartiers wo die White Stripes ihre Anfänge hatten.
Das Presswerk
Der nächste Evolutionsprozess von Third Man Records erfolgte 2017. Das Label gründete in Detroit ein eigenes Vinyl-Presswerk. Die Plattenpressen waren die ersten ihrer Art, die seit 35 Jahren gebaut wurden. Wie beim Retrorock orientiert sich auch das Presswerk an der Maxime, altes zeitgenössisch zu interpretieren. Das Wasser, das für den Herstellungsprozess der Platten benötigt wird, fliesst nicht etwa in die Kanalisation, sondern wird der hauseigenen Klimaanlage zugeführt. Die ersten Platten, die hergestellt wurden, waren Neuauflagen der ersten beiden Alben der White Stripes, limitiert und nur an der Eröffnungsfeier erhältlich. Natürlich auf rotem Vinyl. Die Kapazität des Presswerks beträgt 5000 Platten pro Tag (sowohl 7 als auch 12 Zoll Scheiben). Das Presswerk steht auch anderen Labels offen. Vor allem kleineren Independent Labels. Diese sind auf dem Markt benachteiligt, denn die wenigen Presswerke, die es weltweit noch gibt, sind alle auf Wochen und Monate ausgelastet. Und da der Markt bestimmt, haben die Major Labels bei der Produktion Vorrang. Expansion
Zur Unterstützung der unabhängigen und kleinen Plattenläden wurde einst der Record Store Day initiiert. Seit 2012 ist Jack White Record Store Day Botschafter. Mittlerweile haben ihn die Major Labels auch für sich entdeckt. Es erstaunt nicht, dass U2, sonst bei Universal unter Vertrag, ihre physischen Singles aus ihrem letzten Album ausschliesslich auf Vinyl veröffentlichen und dieses bei Third Man pressen lassen, «The Blackout» für den Black Friday 2017, «Lights Of Home» für den Record Store Day 2018 im April. Mit dem New Yorker Rapper Shirt hat Third Man Records den ersten Hip Hopper unter Vertrag genommen und beginnt sich einen neuen Markt zu erschliessen.
Der Eingang zum Thrid Man Records Laden in Chicago.