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Ein haitianischer Schriftsteller in Montreal erhält die Nachricht vom Tod des Vaters, den er kaum gekannt hatte, da dieser unter der Herrschaft von François Duvalier nach New York exiliert war. 1976 war auch der Sohn seinerseits nach Quebec geflohen.
Die Nachricht markiert in Dany Laferrières «Das Rätsel der Rückkehr» den Beginn einer Reise, die den Ich-Erzähler mit sich, der Geschichte seiner Familie und der Haitis konfrontiert. In New York nimmt er an der Beerdigung des Vaters teil. Danach fliegt er nach Port-au-Prince und beendet die Reise mit der symbolischen Rückführung des Vaters in sein Heimatdorf. Seine einzige Reiselektüre sind Aimé Césaires «Notizen von der Rückkehr in die Heimat» (1939), in denen der Dichter aus Martinique Kolonialismus und Rassismus anprangerte. Der Erzähler des Romans, der 2009 auf Französisch erschien, hält sich mit Klagen und Schuldzuweisungen zurück, notiert jedoch minutiös die Gedanken und Erinnerungen an seine Jugend unter Duvalier, die ersten Jahre im Exil.
Im Nachhinein liest sich der Roman wie der Abgesang auf ein Port-au-Prince, wie es seit dem Beben vom Januar 2010 nicht mehr existiert. «Ich schreibe, wie ich lebe»: Unter dieses Motto stellte Laferrière seine Gastdozentur an der ETH Zürich, während der er Anfang des Jahres Einblicke in die Entstehung seiner Werke gewährte: die Kindheit auf dem Land bei der Grossmutter, die Flucht nach Montreal, die Reisen durch die USA in den Achtzigern. Mit dem Roman «Je suis un écrivain japonais» (2008) mokierte er sich über sterile Identitätsdebatten und ergänzte mit «Tout bouge autour de moi» (2010) die Berichterstattung über das bereits erwähnte Erdbeben. «Journal d’un écrivain en pyjama» (2013) ist die vorläufige Summe seiner schriftstellerischen Erfahrungen. Darin richtet er sich mit Humor und Selbstironie an Jugendliche, die vom SchriftstellerInnendasein träumen.