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(Yersin, 1860)
- DE: Kleine Strauchschrecke
- EN: Raymond's Bush-cricket
- FR: La Yersinelle frêle
- Syn.: Thamnotrizon dorsatus Brunner von Wattenwyl, 1861
Morphologie
Yersinella raymondii ist die kleinste und zierlichste Strauchschrecke der Schweiz. Die Art ist langbeinig und elegant gebaut. Die Grundfarbe variiert von grau über kastanien- bis rötlichbraun. Die Grundfärbung ist sehr konstant. Die Weibchen sind oft etwas heller und weniger kontrastreich gezeichnet als die Männchen. Grüne Tiere gibt es nicht. Von der Fühlerbasis verläuft ein breites, dunkelbraunes bis fast schwarzes Längsband über die Körperseiten und bildet einen deutlichen Kontrast zu den helleren Farbtönen der Körperober- und -unterseite. Auf der Rückenseite ist das dunkle Band oft hell gesäumt, was den Kontrast zusätzlich verstärkt. Der Halsschild hat weder Mittel- noch Seitenkiele, trägt aber am Unterrand eine helle Randbinde. Die schuppenförmig reduzierten Flügel ragen beim Weibchen nur knapp unter dem Halsschild hervor, beim Männchen sind sie grösser, überragen den Halsschild aber höchstens um dessen halbe Länge. Die fingerförmigen Cerci der Männchen sind in der Mitte abgeflacht, wodurch die Innenseite s-förmig ausgebuchtet erscheint. Die Legeröhre des Weibchens ist leicht und gleichmässig aufwärts gebogen.
Gesang
Der sehr leise Spontangesang von Yersinella raymondii besteht aus einzelnen Silben, die 1-3 Mal pro s geäussert werden. Das Geräusch entsteht beim Öffnen der Vorderflügel, das Schliessen ist nicht stimmhaft. Die einzelnen Silben dauern 20-70 ms. Das Maximum des Frequenzspektrums können wir nur abschätzen, da es sich oberhalb von 50 kHz befindet. Im Ultraschall-Detektor ist das erzeugte Geräusch zwischen 50 und 70 kHz am lautesten. Das lässt vermuten, dass das Maximum des Frequenzspektrums in diesem Bereich zu erwarten ist. Der Gesang ist so leise wie bei Leptophyes albovittata und nur auf 1 m zu hören.
Spontangesang von Yersinella raymondii - FR, Haute-Corse, Asco, 23 °C, nachts.
Spontangesang von Yersinella raymondii im US-Detektor - FR, Var, La Môle, 18 °C (Aufnahme Yoan Braud).
13 Einzelsilben aus dem Spontangesang von Yersinella raymondii - FR, Haute-Corse, Asco, 23 °C, nachts.
Verbreitung
Yersinella raymondii ist von der Westküste Frankreichs über Italien, die Südschweiz und entlang der adriatischen Küste bis Griechenland verbreitet. In der Schweiz kommt Yersinella raymondii ausschliesslich im Tessin vor. Die nördlichsten Fundorte liegen in der Magadinoebene und im Maggiatal. Die Art besiedelt bevorzugt die tieferen Lagen und ist nur selten oberhalb von 1000 m anzutreffen.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Yersinella raymondii erscheinen von Juli bis November.
Lebensraum
Yersinella raymondii bevorzugt warme, trockene, oft verbuschte Lebensräume. Die Art besiedelt Brombeerhecken, Randbereiche von Rebbergen, Brachen und Waldränder. Sie lebt auch in verbuschten Wiesen und Weiden. Wichtig scheinen vertikale Strukturen zu sein. Am Mt. Caslano lebt Yersinella raymondii in den steilen, steinigen und verbuschten Trockenhängen und kann besonders häufig im Waldrandbereich beobachtet werden. Im Mendrisiotto findet man sie vor allem in Brombeerhecken.
Gefährdung & Schutz
Yersinella raymondii ist in der Schweiz potenziell gefährdet. Das Verbreitungsgebiet in der Schweiz ist relativ klein, allerdings ist Yersinella raymondii ökologisch wenig anspruchsvoll, weshalb aktuell keine Bedrohung auszumachen ist. Die Art profitiert von reich strukturierten Waldrändern und Wiesen, die mit Gebüschen durchsetzt sind. Durch die Schaffung solcher Strukturen kann Yersinella raymondii gefördert werden.
- CH: NT (Potenziell gefährdet)
- DE: Abwesend
- AT: NE (Nicht beurteilt)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
In der Schweiz kann Yersinella raymondii mit der grösseren Pachytrachis striolatus verwechselt werden. Die Männchen von Pachytrachis striolatus haben lange und schmale, leicht nach innen gebogene Cerci, während diejenigen von Yersinella raymondii kurz und in der Mitte abgeflacht sind. Die weibliche Legeröhre von Pachytrachis striolatus ist deutlich länger, gerade bis leicht nach unten gebogen und an der Spitze abgeschrägt. Wenn die Silben in grösseren Abständen geäussert werden, kann man den Gesang mit den Lautäusserungen der Leptophyes-Arten verwechseln. Normalerweise werden die Silben bei Yersinella raymondii aber in deutlich schnellerer Reihenfolge wiedergegeben. Sie klingen zudem schabender und weniger explosiv als bei den Leptophyes-Arten. Ist der US-Detektor auf eine Frequenz von 30 kHz eingestellt, sind bei gleicher Distanz die Leptophyes-Arten lauter, ist er auf ca. 60 kHz eingestellt, ist Yersinella raymondii lauter. In den Südalpen im Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien sowie im Apennin kommt mit Yersinella beybienkoi eine weitere sehr ähnliche Art vor. Eine weitere Art, die im Mittelmeergebiet sehr häufig ist und leicht mit Yersinella raymondii verwechselt werden kann, ist Rhacocleis germanica.