Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03267.jsonl.gz/2293

Der letzte Ausweg
Wie eine Schweizer Fotografin mit dem Thema Sterbehilfe an den Sony World Photography Awards abräumte.
Die Schweizer Fotografin Sabine Cattaneo belegte an den Sony World Photography Awards mit ihrer Serie «Art.115», welche die Sterbehilfe in der Schweiz thematisiert, den ersten Platz in der Kategorie konzeptuelle Fotografie.
Fortschritte in der Medizin und eine Verschiebung unserer Haltung gegenüber der eigenen Sterblichkeit haben in den letzten Jahrzehnten zu einer grösseren Nachfrage nach der selbstbestimmten Beendigung des Lebens geführt. Die Fragen rund um das begleitete Sterben werden in der heutigen Gesellschaft häufiger diskutiert. Doch das Beenden des Lebens ist und bleibt ein sensibles Thema, und die Medienberichterstattung darüber ist oft ungenau. Bisher haben nur eine Handvoll Länder weltweit begleitetes Sterben gesetzlich erlaubt, entweder in Form von Euthanasie oder begleitetem Suizid, und die Schweiz ist eines von ihnen. Während die aktive Sterbehilfe illegal bleibt, wird der begleitete Suizid durch Artikel 115 des Schweizerischen Strafgesetzbuches, der seit 1942 in Kraft ist, geregelt. Auf dieser Basis haben mehrere Selbstbestimmungsorganisationen genügend Spielraum gefunden, Menschen zu unterstützen, die zum Sterben um ihre Hilfe bitten. Bestimmte Vorschriften müssen dabei aber erfüllt sein.
In einer visuellen Sprache, die um das Konzept des «nahen Dokumentarfilms» geformt ist, nutzt das Projekt mit dem Namen «Art.115» von Sabine Cattaneo Zeitungsberichte, Fakten und Zitate, um einige der Schritte nachvollziehbar zu machen, welche die schweizerischen Sterbehilfeorganisationen in den letzten Jahrzehnten unternommen haben. Indem sie Orte, welche in Verbindung mit dem begleiteten Sterben stehen, und nicht die Personen selbst zeigen, versuchen die Aufnahmen auf eine erzwungene Empathie zu verzichten. Stattdessen wird der Betrachter mit dem abstrakten Konzept der «Wahl» – oder deren Fehlen – konfrontiert und eingeladen, sich eigene Gedanken zu diesen Situationen zu machen.
Die 1986 in Lugano geborene Sabine Cattaneo hat einen Bachelor of Arts in Visueller Kommunikation von der SUPSI, einer Fachhochschule in der italienischen Schweiz, sowie einen Master of Arts in Fotografie von der französischen Filmhochschule Ecole Nationale Supérieure Louis-Lumière.
Von der italienischen «Vogue» wurde sie 2011 neben neun anderen Fotografen für den Precious Shots Contest in Mailand ausgewählt, um exklusiven Schmuck von Vhernier zu fotografieren. 2015 war sie als offizielle Fotografin bei der Preisverleihung der César Awards in Paris tätig und arbeitet seither auch für das Internationale Filmfestival von Locarno.
Sabine Cattaneos Website finden sie hier.