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Reizdarm und kolorektales Karzinom
Peter Bauerfeind
Kolorektales Karzinom
Eine verbesserte Kontrolle des lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinoms durch die präoperative Radiochemotherapie konnte bereits früher in einer deutschen Studie mit 823 Patienten gezeigt werden, in welcher die 5-Jahresinzidenz der lokalen Rezidive im Vergleich zur postoperativen Radiochemotherapie signifikant von 13 auf 6 Prozent reduziert wurde [3]. Eine neue englische Multizenterstudie mit 1'350 Patienten mit einem resezierbaren Rektumkarzinom ergab nun, dass das Risiko für ein Lokalrezidiv durch die präoperative Radiotherapie im Vergleich zu einer auf die Patienten mit infiltrierten Tumorrändern beschränkten postoperativen Radiochemotherapie signifikant um 61 Prozent verringert und die krankheitsfreie Überlebenswahrscheinlichkeit um 24 Prozent erhöht wurde, was aber letztlich zu keiner Verlängerung der Überlebenszeit führte [4].
Im Hinblick auf eine Verbesserung des nicht-invasiven Nachweises von kolorektalen Karzinomen wurde in einer niederländischen Studie mit 20'623 Personen die effektive Detektionsrate eines immunologischen fäkalen Hämokkult-Tests ermittelt, welche für fortgeschrittene Adenome und Karzinome mit 1,4 Prozent signifikant höher war als die mit dem herkömmlichen fäkalen Hämokkult-Test erreichten 0,6 Prozent [5]. Allerdings wurden in einer prospektiven deutschen Studie mit 1'319 asymptomatischen Personen für die sechs überprüften immunologischen fäkalen Hämokkult-Tests stark variierende Ergebnisse erhalten, wobei lediglich die beiden Tests «immoCARE-C» und «FOB advanced» als empfehlenswert für die Anwendung in der Praxis eingestuft wurden [6].
Zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms mittels genetischer Stuhltests ergab eine US-amerikanische Fallkontrollstudie mit 4'482 Personen, dass ein neuer Multitarget-Assay mit nur drei Markern zum Nachweis von Neoplasien eine höhere Sensitivität besitzt als der früher entwickelte Assay mit 23 Markern [7]. Die neue Technologie der digitalen DNS-Schmelzkurvenanalyse zeigte in zwei US-amerikanischen Studien bezüglich der Identifikation von fortgeschrittenen Adenomen und kolorektalen Neoplasien eine deutlich höhere Sensitivität als die gängigen genetischen Stuhltests [8], während die Bestimmung des hypermethylierten SFRP2-Gens in einer chinesischen Studie ein hohes Potenzial für die Erkennung von kolorektalen Karzinomen und prämalignen Läsionen vermuten lässt [9]. Darüber hinaus weisen die Resultate einer deutschen Studie darauf hin, dass durch die gleichzeitige Bestimmung von S100A12, Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex und TIMP-1 das kolorektale Karzinom mit einer signifikant höheren Sensitivität als mit einem immunologischen fäkalen Hämokkult-Test nachweisbar ist [10]. Diese ermutigenden Resultate müssen nun in umfangreichen Studien validiert werden, bevor sich die genetischen Stuhltests in der klinischen Anwendung etablieren können.
Auf der Suche nach einem genetischen Bluttest zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms erwies sich die Bestimmung der SEPT9-DNS-Methylierung als ein erfolgversprechender Biomarker, mit welchem das kolorektale Karzinom in zwei kleineren Studien mit einer Sensitivität von 72 beziehungsweise 68 Prozent und einer Spezifität von 93 beziehungsweise 89 Prozent identifiziert werden konnte [11].
Im Rahmen einer US-amerikanischen Studie wurde bei den 1'256 Personen, deren initiale Koloskopie einen negativen Befund ergeben hatte, anlässlich der nach einer medianen Nachbeobachtungsdauer von 5,3 Jahren durchgeführten Kontrollkoloskopie lediglich in 16 Prozent der Fälle ein Adenom und nur in 1,3 Prozent der Fälle ein fortgeschrittenes Adenom entdeckt, so dass ein Intervall von 5 Jahren für die Screening-Koloskopie ausreichend erscheint [12]. Zur Frage nach dem Entartungsgrad von kleinen Polypen zeigte eine US-amerikanische Studie mit 13'992 asymptomatischen Personen, dass die bei 6'360 Personen entdeckten Polypen bei einer Grösse von 1 bis 5 mm in 1,7 Prozent der Fälle und bei einer Grösse von 6 bis 9 mm sogar in 6,6 Prozent der Fälle eine fortgeschrittene Histologie aufwiesen [13]. In einer US-amerikanischen Querschnittsstudie zur Problematik der schwierig erkennbaren flachen Läsionen ergab die Koloskopie mit Indigocarminfärbung bei 170 der 764 Patienten mit mindestens einer oberflächlichen kolorektalen Neoplasie eine flache Läsion, deren Karzinomanteil mit 4,9 Prozent wesentlich höher war als der bei den polypoiden Läsionen festgestellte Karzinomanteil von 0,5 Prozent [14].
Colon irritabile
Gemäss einer niederländischen Doppelblindstudie mit 664 Patienten erwies sich bei persistierenden oder rezidivierenden dyspeptischen Beschwerden der Übergang von Antazida zu H2-Rezeptorantagonisten und Protonenpumpeninhibitoren als ähnlich wirksam wie der Übergang von Protonenpumpeninhibitoren zu H2-Rezeptorantagonisten und Antazida, wobei aber der Wechsel zu stärkeren Wirkstoffen wesentlich tiefere Kosten verursachte als der Wechsel zu schwächeren Wirkstoffen [18].
In einer polnischen Studie mit 58 Patienten mit Verdacht auf eine Lactoseintoleranz konnten mit einem Gentest zum Nachweis des LCT-13910-Genotyps sämtliche 15 Patienten mit einer Laktoseintoleranz identifiziert werden, wogegen auf den H2-Atemtest neben diesen 15 Patienten fälschlicherweise noch zwei weitere Patienten mit einer anderen gastrointestinalen Pathologie ansprachen [19].
Prof. Dr. med. Peter Bauerfeind
Literatur