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Für amerikanische Verhältnisse eine Revolution: Erstmals soll ein TGV-ähnlicher Zug Los Angeles mit Las Vegas verbinden. So liesse sich die Reisezeit um 90 Minuten verkürzen.
Anfang Dezember begab sich der amerikanische Präsident Joe Biden nach Nevada, um eine frohe Botschaft zu verkünden. Das dortige Transportministerium erhielt einen Zuschuss von 3 Milliarden Dollar für den Bau einer neuen Hochgeschwindigkeits-Schnellbahn. Die Gesellschaft Brightline West soll den ersten amerikanischen Schnellstzug bauen, der die beiden Metropolen Los Angeles und Las Vegas mit Geschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde verbinden soll.
Schnellbahnen in der Art, wie sie in Europa vom deutschen ICE oder dem französischen TGV her bekannt sind, gibt es bereits seit 1964 in Japan, wo die bis zu 320 km/h schnellen Shinkansen-Züge mit ihren projektilartigen Zugkombinationen auf den langgestreckten Inseln des asiatischen Staates verkehren. Aufgrund ihrer Form und der hohen Geschwindigkeiten werden sie auch Bullet-Trains genannt.
Auch in China gibt es eine ganze Reihe solcher aerodynamisch geformten Züge, die grosse Distanzen in nur wenigen Stunden überwinden können. Sie erreichen derzeit bis zu 430 km/h und sollen in einigen Jahren gar 600 km/h schnell sein.
Für Nordamerika aber ist die geplante Linie auf rund 350 Kilometern Länge ein Novum. Von Shinkansen, ICE und TGV und ihren gut ausgebauten Bahnstrecken konnte man dort bisher nur träumen.
Neue Amtrak-Züge könnten schneller, als sie dürfen
Die nationale Bahngesellschaft Amtrak hat zwar 28 neue Züge für den Einsatz ab 2024 bestellt, doch dürfen diese höchstens 176 km/h schnell fahren, da das Gleismaterial keine höheren Geschwindigkeiten zulässt. Die Schienen und die darunterliegenden Fundamente würden höhere Tempi nicht aushalten. Den neuen Zügen würden ein Entgleisen in den Kurven und ein zu hoher Unterdruck unterhalb des Rollmaterials drohen.
Für Nevada bedeutet der Zuschuss an Brightline West einen enormen Mobilitätsgewinn. Die neue Bahnstrecke zwischen Las Vegas und dem kalifornischen Los Angeles soll innerhalb der nächsten viereinhalb Jahre gebaut werden. Gerade rechtzeitig vor dem Beginn der Olympischen Sommerspiele in Los Angeles 2028 soll der erste amerikanische Bullet-Train eingeweiht werden, wie die Nevada-Senatorin Jacky Rosen bestätigt. Mit dem von der amerikanischen Regierung genehmigten Geldbetrag soll ein erstes Teilstück von 190 Kilometern Länge finanziert werden.
Um die Herstellung des Schienenmaterials bewerben sich mit Alstom und Siemens zwei europäische Bahngesellschaften. Die Auswahl der Firma, die für den Bau der Züge von Brightline West verantwortlich sein soll, ist noch Teil einer Ausschreibung.
Elektrifizierung des Verkehrs im grossen Stil
Die Betreiber erhoffen sich durch die Umstellung des Verkehrs zwischen Kalifornien und Nevada erhebliche Einsparungen an Treibhausgasen. Wie Brightline West berechnet hat, könnten jedes Jahr rund drei Millionen Reisende zwischen den beiden Metropolen vom Auto auf die elektrische Hochgeschwindigkeitsbahn umsteigen. Die Reisezeit im Auto von rund dreieinhalb Stunden zuzüglich Stau würde so auf zwei Stunden und zehn Minuten verkürzt.
Die Geleise werden parallel zur Autobahn I-15 geführt und über drei Haltestellen in Las Vegas, Victor Valley und Rancho Cucamonga – im Ostteil von Los Angeles – verfügen. Bahnübergänge soll es keine geben, die das Fahrtempo der Züge unnötig einschränken würden. Sie werden im Strassenverkehr durch Unterführungen und Brücken ersetzt.
Der 3-Milliarden-Zuschuss ist nur ein kleiner Teil der insgesamt durch die amerikanische Regierung gesprochenen Gelder für den Aufbau einer USA-weiten Schnellbahninfrastruktur. Insgesamt genehmigte der Kongress einen Betrag von 66 Milliarden Dollar. Davon erhält Amtrak 22 Milliarden, weitere Bahngesellschaften bekommen 36 Milliarden zugesprochen.
Zu den neu geplanten Routen für Hochgeschwindigkeitszüge gehört eine Linie zwischen Raleigh, North Carolina, und Richmond, Virginia, die die Zugverbindung zwischen North Carolina und Washington D. C. verbessern soll. Auch der stark verzögerte Baubeginn eines Bahntunnels zwischen New York und New Jersey unter dem Hudson hindurch soll dank einem Zuschuss von 3,8 Milliarden Dollar endlich eingeleitet werden.