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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Paidagogos (Paedagogus)

Zweites Buch
I. Kapitel. Wie man sich beim Essen benehmen soll.
17.
1. Den Juden wird aber durch das Gesetz die Einfachheit in der heilsamsten Weise zur Pflicht gemacht. Denn von unzähligen Dingen hat der Erzieher ihnen durch Moses den Gebrauch entzogen, wobei er die Gründe hinzufügte, verborgen die geistlichen, offen die fleischlichen, denen sie auch geglaubt haben, bei den einen Tieren, daß sie keine gespaltenen Hufe haben, bei den anderen, daß sie die Nahrung nicht wiederkäuen, wieder andere (verbot er), weil sie allein von den Wassertieren keine Schuppen haben, so daß ihnen nur ganz Weniges als für die Nahrung geeignet übrig blieb.
2. Aber auch bei den Tieren, deren Verwendung er erlaubte, [S. 27] verbot er wieder das Verendete, das den Götzen Geopferte und das Erstickte; denn auch dies durfte man nicht berühren. 1 Da es nämlich unmöglich ist, daß jemand, der Wohlschmeckendes genießt, sich davon frei hält, Gefallen daran zu finden, schlug er den entgegengesetzten Weg der Erziehung ein, bis er das aus der Gewohnheit entstehende Herabsinken in die Freude am Wohlleben unmöglich gemacht hätte.
3. In vielen Fällen aber bringt das Genießen den Menschen Schaden und Leid, und das Übermaß im Essen erzeugt in der Seele Stumpfsinn und Vergeßlichkeit und Unverstand. Auch der Körper der Kinder nimmt, wie man sagt, infolge von knapper Nahrung rasch zu und streckt sich in die Länge; denn der zum Wachstum emporstrebende Lebensgeist wird dann nicht gehindert, während die reichliche Nahrung ihm den leichten Weg versperrt. 2
1: Vgl. Lev. 11; Deut. 14.
2: Vgl Plut. Lyk. 17.