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Inhalt
Kunsttechnologische und gusstechnische Forschung
(Oktober 2010 – September 2012)
Mit Beginn der Phase 1 gilt es, sich ein umfassendes kunsttechnologisches und zustandstechnisches Bild der vorliegenden Objekte zu machen. Viele Informationen springen sofort ins Auge, einige weniger. Einzelne Werke weisen eine mehr oder weniger unversehrte weisse Oberfläche auf – sie wurden nie abgegossen und müssen als Unikate angesehen werden. Einige sind bemalt worden und wurden anschliessend abgegossen.
Andere sind durch eine Schellackschicht, die als Trennmittel vor einem Abguss aufgetragen wurde, gelblich oder bräunlich verfärbt oder sind wegen ihrer Grösse in Stücke gesägt, um dann in mehreren Teilen gegossen zu werden. Andere Informationen müssen zunächst als solche erkannt und dann interpretiert werden. Weshalb aber eine umfassende kunsttechnologische Forschung zu diesen Objekten?
Die zu untersuchenden Gipse stammen direkt aus Giacomettis Pariser Werkstatt. Giacometti bearbeitete sie auch nach ihrer Fertigstellung weiter, isolierte mit Abgüssen Phasen aus dem Entstehungsprozess seiner Skulpturen oder beliess sie und machte sie so zum Original. So tragen sie Spuren von unschätzbarem Wert auf sich.
Möglicherweise geben diese Spuren beispielsweise Hinweise über die Abfolge der Abgüsse, was für die Zuordnungen und damit den Wert einzelner Werke entscheidend sein kann.
Durch voreilige Restaurierungsmassnahmen würden diese Informationen unwiederbringlich verloren gehen. Bearbeitungsspuren oder Bleistift-Markierungen z.B. können also original und damit erhaltenswert sein. Eine umfassende Zustandserfassung und Analyse muss darum zwingend vor möglichen Restaurierungsmassnahmen stattfinden.
In Zusammenarbeit mit anderen Instituten, z.B. der Fondation Alberto et Anette Giacometti in Paris, sollen die Ergebnisse abgeglichen und in den nötigen Kontext gestellt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschliessend mit einer vergleichenden Zwischenpräsentation und nach Möglichkeit mittels einer umfassenden Publikation einem grösseren Publikum zugänglich gemacht werden.
Datenbank
Alle erfassten Details, Fakten oder Merkmale sollen in einer für diese Zwecke erstellten Filemaker- Datenbank abgelegt werden und verknüpfbar sein. Dies ermöglicht eine sichere Auswertung aller zusammengetragenen Ergebnisse.
Team
Recherche und Dokumentation der Skulpturen werden von einem mehrköpfigen Team im Kunsthaus Zürich durchgeführt. Ein Fachgremium, bestehend aus Spezialisten der Kunstgeschichte, Restaurierung, Giess- und Gipstechnik, steht dem Kernteam beratend zur Seite.
Spezielle Untersuchungen wie Materialanalysen, 3-D-Scans oder Röntgentomographien werden durch externe Spezialisten ausgeführt. Mit diesen Methoden sind u.a. vergleichende Aussagen zur Grösse, zum Material und zum Innenleben (Metall- oder Holzarmierungen) der Skulpturen möglich und fördern hoffentlich ganz verblüffende Erkenntnisse zu Tage.
Massnahmenbestimmung
Mit den gewonnenen Erkenntnissen kann dann über das konservatorische, bzw. restauratorische Vorgehen diskutiert werden. In einem Fachgremium wird zu beurteilen sein, wie weit eine Behandlung gehen soll. Sind braune Schellacküberzüge als Teil der Geschichte des Werks zu belassen? Dürfen sie reduziert oder gar entfernt werden? Wie weit soll und darf eine restauratorische Ergänzung gehen, und sind die auseinander gesägten Stücke so zu respektieren oder dürfen sie wieder „vereint“ werden?
Fortschrittsbericht Oktober 2010 – April 2011
Definition der Forschungsschwerpunkte und Systematisierung des Arbeitsablaufes
Beginn der Untersuchungsphase und Ausblick