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Mein lieber Freund.
Heute nach der Sitzung des Gr. Rths wäre ich gern noch geschwind zu Dir gekommen, um Dir namentl. über den Verlauf der Wahl eines Erziehgrths genauen Bericht zu geben; ich mußte es aber für Dich & mich zu spät am Abend finden. Wo möglich komme ich morgen Nachmittags zu Dir hinaus, wenn es Dir recht ist; oder schreib Du mir, so, daß ich Vormittags in der Sitzung es erhalte, mit 2 Worten, wann ich kommen soll. –
In der Hauptsache ging es gut; Rütimann machte im l. Scr. 67 Stimmen & wäre ohne allen Zweifel gewählt worden, wenn er nicht abgelehnt hätte. Daß er dies that, ist zu begreifen; zum Überfluß fehlte es auch nicht an einer unmittelbar vor der Wahl ihm zugewendeten Insinuation. Biedermanns Wahl kann darum nicht unbedingt als ein Präjudiz des Gr. Rths für Fries angesehen werden, weil er eben nicht gewählt worden wäre, sobald Rütimann angenommen hätte; & doch war Biedermanns Person entschieden in der Tendenz portirt worden. – Daß soviel Stimmen innerhalb der so kurzen Frist für Mittheilung des Vorschlags sich Rütimann zuwandten, sollte übrigens ihn & auch Dich ein wenig freuen können. –
Jedenfalls wünsche ich, daß Du jetzt Alles, was Dich etwa verdrießen will, mit einem festen Apage! von Dir werfest, & es nicht in dein Gemüth sondern in den Abgrund des See's versenkest.
Mit herzlichem Gruß
Dein
Wegmann.
ARieden 19.VI.55