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Im 1. Halbjahr 2008 steigerte die Hupac-Gruppe das Verkehrsvolumen um rund 7%, eine gute Vorlage für das 2. Halbjahr?
Bernhard Kunz: Nicht unbedingt, wir rechnen eher mit einer Stagnation im 2. Halbjahr 2008, in erster Linie wegen der rückläufigen Konjunkturentwicklung in Deutschland, Italien und einigen anderen europäischen Ländern. Wenn wir ein Wachstum von rund 5% für das ganze Jahr erreichen können, wäre das sehr erfreulich.
Wie beurteilt die Hupac generell die Konkurrenzfähigkeit des Kombinierten Verkehrs in Europa?
Kunz: Der KV verfügt im innereuropäischen Verkehr ? mit Ausnahme des sehr gut ausgelasteten transalpinen Verkehrs Nord-Süd ? noch über einen eher kleinen Marktanteil, der sich durchaus noch ausbauen lässt. Viele Kunden verlagern Güter vermehrt von der Strasse auf die Schiene, um der Kostenexplosion auf der Strasse auszuweichen. Dies stimmt uns zuversichtlich.
Spielte auch die stärkere Konkurrenz der Strasse eine Rolle?
Kunz: Die Strassentransporteure waren lange voll ausgelastet, verfügen aber derzeit wieder über Kapazitäten, und dies führt zu einem verschärften Konkurrenzkampf.
Stagnation gilt aber wohl nicht für den nichttransalpinen Verkehr vor allem in Richtung Osteuropa, dort wurde ein Plus von über 20% erreicht.
Kunz: Das stimmt. Auf dieser Destination rechnen wir weiterhin mit einer positiven Entwicklung. Die Verbindungen Richtung Osteuropa, in erster Linie zwischen Benelux und Polen sowie Ungarn, bauen wir weiter aus, um der steigenden Nachfrage entsprechen zu können.
Wie entwickelten sich die Verkehre zwischen Slawkow und Moskau?
Kunz: Bis jetzt sehr positiv. Wir verfügen mit dem Kombi-Operateur Russkaya Troyka über einen verlässlichen Partner, der unsere Sendungen in Slawkow übernimmt und bis Moskau weitertransportiert. Andererseits können wir unserem Partner den Anschluss an ein europaweites Netzwerk bieten.
Hupac hat bis Mitte Jahr verschiedene neue Destinationen in Osteuropa eingeführt, wie haben sich diese bis jetzt entwickelt?
Kunz: Hupac ist nun seit rund vier Jahren neben dem Schwerpunkt Transalpiner Verkehr verstärkt auf der Ost-West-Achse aktiv. Wir führten neue Verbindungen nach Polen, Russland, Österreich, Ungarn und auch zur spanisch-französischen Grenze ein. Mittlerweile haben diese Verkehre einen beträchtlichen Anteil an unserem Gesamtaufkommen erreicht. Auch die Verbindung über den Brenner wird für Hupac immer wichtiger, denn das Wachstum auf dieser Strecke ist höher als auf der Gotthardroute, können doch über den Brenner Sattelauflieger bis 4 m Höhe transportiert werden.
Die Kapazitätsprobleme in den nordeuropäischen Häfen sind eine Chance für die Mittelmeerhäfen. Was kann unternommen werden, um den Anschluss Europas von Süden her zu verbessern?
Kunz: Solange die Reedereien noch immer die Nordhäfen anlaufen, wird sich hier wenig ändern. Zudem müsste die Hinterlandlogistik, beispielsweise von Genua Richtung Schweiz/Nordeuropa, verbessert werden. Auch die Reeder zeigen wenig Interesse, dieses Segment zu stärken.
Das Hauptproblem des Kombinierten Verkehrs in Europa sind die fehlenden Terminals. Wie präsentiert sich im Moment die Situation?
Kunz. Der Kombinierte Verkehr könnte noch wesentlich mehr Güter transportieren, würden die notwendigen Terminals bestehen beziehungsweise ausgebaut. Es tut sich allerdings einiges bei den Terminals, so etwa der Ausbau des Terminals in Verona ? geplante Eröffnung im Frühjahr 2009 ?, aber auch im Raum östlich von Mailand müssen die Terminalkapazitäten in den kommenden Jahren verdoppelt werden. Ein Terminal in Brescia befindet sich in der Planung, aber der Bau wird hinausgezögert. Dies ist bedauerlich, da gerade in dieser Region die Verkehrsverlagerung wegen fehlender Terminalkapazitäten ins Stocken kommt.
In Antwerpen befindet sich ein Hupac-Terminal im Bau, und in Busto wird der seit 15 Jahren genutzte Terminal saniert.
Kunz: Die Inbetriebnahme dieses für uns sehr wichtigen Terminals in Antwerpen ist für das Jahr 2010 geplant. In Busto-Gallarate werden in Eigenregie die Kranfahrbahnen erneuert, die Bahngeleise saniert und die Fahrbahnen neu asphaltiert. Im Weiteren werden die Kräne der ersten Generation generalüberholt.
Das Projekt Cesar sammelt die Informationen der KV-Operateure in Europa. Wie erfolgreich war dieses System 2007?
Kunz: Cesar ist die zentrale Schnittstelle für die Operateure im Kombinierten Verkehr in Europa. Derzeit sind acht KV-Operateure, die 370 Terminals bedienen, am System angeschlossen. Heute sind mehr als zwei Drittel des europäischen Kombinierten Verkehrs über die Schnittstelle Cesar abrufbar.
Welche Folgen hatten bisher die Turbulenzen um SBB Cargo für die Hupac?
Kunz: Wir waren intensiv bemüht, in Zusammenarbeit mit privaten Investoren eine Lösung für die Werkstätten in Bellinzona zu realisieren. Unser Ziel war es, dass auch in Zukunft die Unterhaltsarbeiten an unseren Wagen in Bellinzona durchgeführt werden können und die Werkstätten auch über das notwendige Auftragsvolumen verfügen. Nach verschiedenen Diskussionen haben sich jedoch die privaten Investoren aufgrund des massiven Widerstandes der Gewerkschaften zurückgezogen. Da wir in Zukunft vermehrt auch im Ost-West-Verkehr engagiert sein werden, benötigen wir im Wagenunterhalt Partner, die auch im übrigen Europa vertreten sind. Aufgrund dieser Entwicklung hat sich die Hupac AG entschlossen, im kommenden Jahr im Wagenunterhalt mit der Firma AAE enger zusammenzuarbeiten. Zudem bauen wir eine eigene Werkstätte in Busto, in welcher ab Mitte des Jahres 2009 kleinere Revisionen an unseren Wagen durch Dritte vorgenommen werden sollen. Damit können wir Leerwagendispositionen weitgehend vermeiden.
Die Zukunft von SBB Cargo ist derzeit alles andere als klar. Gleichzeitig ist das Unternehmen der Haupttraktionär von Hupac. Wie beurteilt man diese Situation aus der Sicht der Hupac AG?
Kunz: SBB Cargo muss über eine tragfähige Strategie in der Zukunft entscheiden. Dabei stehen vermehrt wieder mögliche Kooperationen im Vordergrund. Offen ist allerdings, mit wem eine solche Kooperation eingegangen werden könnte. Wir unsererseits vertrauen nach wie vor auf die Stärke von SBB Cargo als unserem Partner und überprüfen eine noch engere Zusammenarbeit.
Theo Allemann: Der Macher im europäischen Schienengüterverkehr
Vierzig Jahre sind vergangen, seit Theo Allemann (Bild) die Führung der damals neu gegründeten Hupac AG übernahm. Bis zu seinem Rücktritt 2003 formte er aus der kleinen Gesellschaft Europas führenden Operateur im Kombinierten Verkehr. Der Aufbau eines leistungsfähigen Verkehrsnetzes, die Einführung des Shuttle-Systems, der Bau der Terminals Busto-Arsizio und Singen sowie die Terminalerweiterung in Busto-Gallarate waren Meilensteine im Wirken von Theo Allemann. Mit seinem freundlichen Wesen und seinem sprichwörtlichen Verhandlungsgeschick überwand er etwelche Hindernisse beim gezielten Ausbau der heute europaweit aktiven Hupac-Gruppe. Aber auch sein Schalk und sein Humor halfen ihm immer wieder, Probleme zu lösen. Nach seinem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat an der diesjährigen GV der Hupac will sich Theo Allemann vermehrt seinem grossen Hobby ? der Astronomie ? widmen. (kb)