Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03564.jsonl.gz/1121

Nassim Taleb, der mit seinem Buch über sogenannte „Schwarze Schwäne” (Black Swan Theory) bekannt wurde, hat ein sehr interessantes Essay mit dem Titel „Learn to love volatility”, was mit „Lernen Schwankungen zu lieben” übersetzt werden könnte, geschrieben. Er kommt zu einer Reihe von Schlussfolgerungen, die nicht nur für die Politik sondern auch für Unternehmer relevant sind.
Schwarze Schwäne:
Gemäss der Theorie von Nassim Taleb sind Schwarze Schwäne-Ereignisse sehr selten auftretende, unvorhergesehene und sehr relevante Geschehnisse – in der Metapher eben wie ein seltener Vogel. Er zählt dazu praktisch alle relevanten wissenschaftlichen Entdeckungen und historischen Ereignisse der Menschheitsgeschichte. Dazu zählt zum Beispiel der Aufstieg des Computers und später des Internets oder das Aufkommen der Google Suchmaschine. Solche seltenen und extrem relevanten Ereignisse krempeln Industriezweige um und verändern Verhaltensweisen. Bestehende Risiko- und Vorhersagemodelle werden den Schwarzen Schwänen nicht gerecht, weil man aus der Vergangenheit nicht auf zukünftige Schwarze Schwäne schliessen kann. Erst im Nachhinein kommt man typischerweise zum Schluss, dass man ein solches Ereignis doch hätte erahnen können.
Was sind die Konsequenzen?
Die Forderung von Nassim Taleb ist einleuchtend: Weder kann man Schwarze Schwäne-Ereignisse vorhersagen noch soll man deshalb gleich in Agonie verfallen. Wichtig ist, dass man richtig lernt mit dem Unvorhergesehenen umzugehen. Staaten und Unternehmen müssen schockresistenter werden, um aus Phasen der Umwälzung gestärkt hervorzugehen.
Für Unternehmen schlägt Nassim Taleb vor:
- Reduktion des Fremdkapitals, und Erhöhung des Eigenkapitals. Eigenkapital muss nicht zurück bezahlt werden und dient somit in schwierigen Phasen als Verlustabsorber.
- Kleine Organisationseinheiten sind stabiler und im Endeffekt sogar effizienter. Sehr grosse oder zentralisiert organisierte Organisationen werden ab einer gewissen Grösse instabil und ein einzelner Fehler kann verheerende finanzielle Auswirkungen haben.
- Versuchen und von Fehlern lernen („Trial and Error”) ist viel erfolgreicher bei Innovationen und in der Wissenschaft als zentral gelenkte Grossprojekte. Die potenziellen Kosten eines Misserfolgs müssen klein bleiben, die potenziellen Gewinne aber hoch. Innovation braucht keine theoretischen Abhandlungen sondern Praktiker die möglichst viele neue Versuche unternehmen.
- Entscheidungsträger wissen durch ihr Wissen über das Unternehmen mehr als Regulatoren und Kontrolleure. Deshalb müssen Verantwortungsträger zur Verantwortung gezogen werden für Ihre Entscheide. Wer Risiken verheimlicht soll gebüsst werden und ein Bonus soll zurück bezahlt werden, wenn später das Unternehmen Misserfolg erleidet.
Im Grunde geht es darum zu akzeptieren, dass Veränderungen und Schwankungen zum Leben dazu gehören. Sie sind geradezu Voraussetzung für Weiterentwicklung und Fortschritt. Ein politisches oder ökonomisches System muss sich so aufstellen, dass es, salopp gesagt, schwer kaputt zu kriegen ist.
Learning to Love Volatility: http://online.wsj.com/article/SB10001424127887324735104578120953311383448.html