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Moderne Tänze – historisches Muster
In Wolfram Wagners Variationssuite sind die Spieler gefordert, die immanente Mehrstimmigkeit herauszuarbeiten.
Die Variationssuite des Komponisten und Flötisten Wolfram Wagner, geboren 1962 in Wien, enthält eine grosse stilistische Vielfalt, die seine Werke generell auszeichnet. Schon während seiner Londoner Studienzeit entwickelten sich eine deutliche Struktur und Anlehnung an klare Formmuster als Charakteristika seiner Kompositionen, die von Solostücken bis zu Chor- und Bühnenwerken reichen. Der erste Satz Präludium lässt Anklänge an die bachschen Suitensätze, speziell an die Allemande aus der Partita a-Moll BWC 1013 für Soloflöte, spüren. Er beginnt mit einem g, das an den Taktanfängen regelmässig wiederkehrt und von dem dann die harmonischen Entwicklungen ausgehen. So weist der Komponist im Vorwort darauf hin, dass für jeden Spieler die Herausforderung darin bestehe, «die immanente Mehrstimmigkeit, die alle Sätze durchdringt, hörbar zu machen und zudem die Strenge der Form in Emotionalität und Virtuosität des Vortrags aufzulösen».
Mehrstimmige Strukturen zeigen sich auch im folgenden Wiener Walzer, der erst im Schlussteil eine freie präludierende kadenzartige Passage einbaut. Auch der Tango bezieht sich auf das Anfangspräludium ebenso wie der diesem ähnelnde Calypso, der durch chromatische Triolenbewegungen sehr virtuos wird. Im Langsamen Walzer kommen dann erstmals zeitgenössische Spieltechniken wie Flageoletttöne zum Einsatz. Das mit Abstand längste Stücke bildet die Variation fünf, Blues, Rock and Roll (Passacaglia), die eine gelungene Mischung aus modernem rhythmischem Drive und neoklassizistischen Anklängen mit Mehrstimmigkeit und Verzierungen mit Pralltrillern darstellt.
Der Komponist gibt konkrete Anweisungen zur Aufführung: entweder alle Sätze oder die ersten Vier in der originalen Reihenfolge oder nur die Passacaglia. Das erlaubt den Interpretinnen und Interpreten eine grössere Flexibilität bei der Auswahl. Die Variationssuite von Wolfram Wagner ist eine gelungene Ergänzung des Solorepertoires und bereits von fortgeschrittenen Schülern spielbar.
Wolfram Wagner, Variationssuite für Flöte solo,
D 35 023, € 20.95, Doblinger Wien 2014