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Abstehende Ohren haben zwar medizinisch gesehen keinen Krankheitswert, sie können jedoch bereits im Kindesalter zu einer erheblichen psychischen Belastung führen. Sie sind in den allermeisten Fällen angeboren und treten familiär gehäuft auf. Das Gerüst der Ohrmuschel besteht aus Knorpel, welcher an verschiedenen Stellen gefaltet und konturiert ist, um die typische Form des Ohrs zu bilden. Bei abstehenden Ohren ist meist der Knorpel an einer oder an mehreren Stellen ungenügend oder gar nicht gefaltet. Ebenfalls kann eine zu tief ausgebildete Ohrmuschel das gesamte Ohr abstehen lassen.
Bei der Ohranlegeplastik, medizinisch Otoplastik genannt, wird versucht, die ungenügend ausgebildeten Falten und Konturen zu verstärken und den Abstand zwischen dem Ohrmuschelrand und dem Schädelknochen zu vermindern. Es können jedoch keine dramatischen Veränderungen der Ohrform vorgenommen werden. Ebenso kann die Gesamtposition, z.B. die Höhe des Ohrs am Schädel, nicht beeinflusst werden.
Obwohl oft beide Ohren betroffen sind, ist meistens eine Seite stärker ausgeprägt als die andere.
Die Operation wird erst ab dem 6. Lebensjahr empfohlen, da sich frühestens dann die endgültige Ohrform abgezeichnet hat.
Rahmenbedingungen
Die Operation findet meistens ambulant in kurzer Vollnarkose statt.
Operationsdauer
Ca. 1 Std.
Operationstechnik
Der Hautschnitt erfolgt in der Falte hinter dem Ohr. Über diesen Zugang kann die Haut leicht vom Ohrmuschelknorpel abgelöst werden. Mit gezielt platzierten Nähten wird der Knorpel in die gewünschte Form gefaltet und fixiert. In manchen Fällen muss ein Teil des Knorpels entfernt werden. Die Operationswunde kann danach direkt verschlossen werden und ist, nachdem sie abgeheilt ist, meist kaum sichtbar.
Nahtmaterial
Die Operationswunden werden in der Regel mit resorbierbarem (selbstauflösendem) Nahtmaterial verschlossen.
Nachbehandlung
Noch während der Operation wird ein gut gepolsterter Kopfverband angebracht, welcher meist nach 24 Stunden, spätestens nach 48 Stunden in der Sprechstunde entfernt wird.
Um die Nähte zu schützen sollte während 2 Wochen ganztags und während weiteren 2 Wochen nur noch nachts ein gut sitzendes Stirnband über den Ohren getragen werden.
Haare waschen ist nach dem ersten Verbandswechsel erlaubt.
Obwohl nach der Operation eigentlich keine körperlichen Einschränkungen bestehen, wird empfohlen, schwere körperliche Arbeit inklusive Sport bis zur gesicherten Wundheilung zu meiden.
Nachkontrollen
Routinemässige Nachkontrollen in unserer Sprechstunde erfolgen nach 24 bis 48 Stunden, 2 Wochen, 6 Wochen und 6 Monaten.
Wie bei jeder Operation bestehen auch bei der Ohranlegeplastik sowohl chirurgische wie auch anästhesiebedingte Risiken. Begleiterkrankungen wie Diabetes, Immunschwäche, Gerinnungsstörungen sowie Rauchen erhöhen das Risiko von chirurgischen Komplikationen wesentlich.
Die häufigsten chirurgischen Komplikationen einer Ohranlegeplastik sind
- Nachblutungen (Hämatom)
- Asymmetrie
- Verlust der Korrektur
- Konturunregelmässigkeiten, sichtbare scharfe Knorpelkanten
- Infektionen
Seltene Komplikationen sind
- Herauswachsen der Fixationsnähte (Fadenfistel)
- Hautnekrose
- Wundheilungsstörungen
Muss ich vor der Operation meine eigenen Medikamente absetzen?
Die meisten Medikamente können Sie vor und nach der Operation weiter einnehmen. Gewisse Medikamente wie Blutverdünner (Aspirin, Marcoumar) können das Komplikationsrisiko erhöhen und sollten für die Operation pausiert werden. Wir bitten Sie, bei der Operationsvorbesprechung eine Liste mit all Ihren Medikamenten und den Dosierungen mitzubringen.
Muss der Hausarzt/Kinderarzt spezielle Abklärungen vor der Operation veranlassen?
Meistens nicht.
Wir bitten Sie, möglichst ausführliche Informationen zu Ihrer medizinischen Geschichte in die Sprechstunde mitzubringen, damit wir gemeinsam mit Ihrem Hausarzt/Kinderarzt allfällig notwendige Untersuchungen besprechen und veranlassen können.
Ich hatte früher schon einmal eine Ohranlegeplastik und bin mit dem Resultat nicht zufrieden. Kann ich nochmals eine haben?
Ja. Die Komplikationsrisiken einer nochmaligen Operation sind jedoch etwas erhöht und die Erwartungen an die technisch möglichen Veränderungen müssen realistisch sein.
Meine Ohren sind nicht gleich gross. Kann diese Asymmetrie korrigiert werden?
Kaum jemand hat komplett symmetrische Ohren. Wesentliche Grössenunterschiede können selten ausgeglichen werden. Inwieweit eine Asymmetrie technisch ausgeglichen werden kann, muss individuell abgeschätzt werden.
Wie lange hält eine Ohranlegeplastik?
Sobald der Ohrknorpel in seiner neuen Position vernarbt ist (meist erst nach 6 Monaten), kann davon ausgegangen werden, dass das Resultat so lebenslang halten wird. Die Rezidivrate nach Ohranlegeplastik beträgt jedoch gemäss internationalen Studien auch bei bester chirurgischer Technik und korrekter Nachbehandlung bis zu 10%.
Mein Kind ist noch nicht 6 Jahre alt, wird aber stark gehänselt. Kann man die Operation schon früher machen?
Idealerweise wartet man, bis das Ohr komplett ausgereift ist. Bei starker psychischer Belastung kann die Operation auch früher durchgeführt werden. Die speziellen Rahmenbedingungen für die Betreuung von Kleinkindern während und nach der Narkose müssen jedoch gewährleistet sein. In diesem Fall empfehlen wir meistens, den Eingriff an einem Kinderspital durchführen zu lassen.
Wie lange kann ich nach der Operation nicht arbeiten bzw. kann mein Kind nicht in die Schule?
Obwohl körperlich nach der Operation eigentlich keine Einschränkungen bestehen, wird empfohlen, schwere körperliche Arbeit inklusive Sport bis zur gesicherten Wundheilung auszulassen. Besonders nachts und beim Kinderspiel besteht in den ersten Wochen das Risiko, dass durch unkontrollierte Bewegungen oder direkten Kontakt die Knorpelnähte aufgehen. Dies ist zwar nicht gefährlich, häufig wird dadurch jedoch das Endresultat wesentlich beeinflusst. Der Schutz der Ohren mit einem Stirnband ist aus diesem Grund während mindestens 4 Wochen empfohlen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Ohranlegeplastik?
Dies hängt vom Ausmass der Formstörung und vom Alter ab. Nach dem 18. Lebensjahr wird der Eingriff meist nicht übernommen. Eine Kostengutsprache von der Krankenkasse muss in jedem Fall vorgängig ärztlich eingeholt werden.
Wenn ich aufgrund einer Komplikation behandelt, hospitalisiert oder eventuell nochmals operiert werden muss, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Ja, sofern es sich um eine medizinische Komplikation handelt, wie zum Beispiel eine Infektion.
Korrekturen von “ästhetischen Komplikationen” werden nicht übernommen.