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Phantom Limb
USA 2005 28'
PHANTOM LIMB beginnt mit hervorragenden Schwarzweissbildern von Desastern: ein Tornado, das Fällen eines Riesenbaums. Diese Szenen bilden den Auftakt zu einer persönlichen tragischen Geschichte, dem Tod von Jay Rosenblatts jüngerem Bruder, der 1964 im Alter von sieben Jahren verstarb. Um seinen Bericht über seines Bruders Krankheit, seine eigene Verwirrung und die ungelöste Trauer seiner Eltern zu veranschaulichen, verflechtet der Regisseur Familienfilme mit Industrieaufnahmen aus jener Zeit. Vom ursprünglichen Trauma ausgehend, ergründet der Film das Verlust- und Trauererlebnis in zwölf Kapiteln mit Titeln wie „Trennung”, „Kummer” und „Zorn”. Gegen seine Gewohnheit vermischt Rosenblatt die für ihn charakteristischen Collagen aus Fremdmaterial mit farbigen Video-Interviews. Kommentare und Musik von Arvo Pärt unterstreichen die emotionelle Intensität. Überraschender mögen der Humor und die Verwendung von optischen Wortspielen wirken, wie zum Beispiel ein Elektroexperiment mit Laborratten, das „Schock” buchstäblich und bildlich vermittelt. Bilder von Staatsbegräbnissen und einstürzenden Gebäuden – unsere Erinnerung an den 11. September 2001 wachrufend – widerspiegeln sich auf mehreren Ebenen und stellen die Verbindung zwischen Einzel- und Kollektivtrauer her. Ein am Phantomglied-Syndrom leidender Amputierter beschreibt die Schmerzen, die er noch immer in seinem verlorenen Arm spürt. Dies ist eine andere Art von Verlust, doch gleichzeitig auch eine wirksame Metapher für den Verlust eines geliebten Menschen.
Visions du Réel Nyon 2011