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Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Selbstbestimmungsreferenden – Referenden zu Fragen der innerstaatlichen Autonomie oder der Sezession – sind ein zunehmend prävalentes Phänomen geworden. Von den circa 300 Selbstbestimmungsreferenden, die es bisher global gab, wurden mehr als 80% nach dem Zweiten Weltkrieg abgehalten. Insbesondere nach Ende des Kalten Krieges ergab sich eine Häufung im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime in der ehemaligen Sowjetunion und dem ehemaligen Jugoslawien. Verschiedene Autoren argumentieren, dass Selbstbestimmungsreferenden gefährliche Eskalationsdynamiken fördern können. So resultierten etwa die Sezessionsreferenden in Slowenien (1990) und Kroatien (1991) in einer unmittelbaren Eskalationsspirale, welche kurz darauf im Ausbruch von substanzieller kollektiver Gewalt mündete. Dieses Projekt untersucht die These eines Zusammenhanges zwischen Selbstbestimmungsreferenden und dem Ausbruch von Bürgerkriegen mittels statistischer Methoden. Dabei wird argumentiert, dass bestimmte Selbstbestimmungsreferenden gefährliche Eskalationsdynamiken nach sich tragen können, andere aber nicht. Genauer gesagt wird eine Unterscheidung getroffen zwischen unilateralen, repressiven und akkommodativen Selbstbestimmungsreferenden, wobei argumentiert wird, dass erstere zwei eskalierend wirken können, letztere aber nicht.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Während die Zahl zwischenstaatlicher Kriege überschaubar geworden ist, bleiben innerstaatliche Kriege ein Problem, das die Menschheit beschäftigt und weiter beschäftigen wird. Dieses Projekt untersucht einen möglichen Faktor – Selbstbestimmungsreferenden – der der Eskalation von separatistischen Konflikten unter bestimmten Bedingungen zuträglich sein kann. Damit leistet es einen Beitrag zur frühzeitigen Erkennung gefährlicher Eskalationsdynamiken. Die frühzeitige Erkennung stellt eine unabdingbare Voraussetzung für gezielte deeskalierende Politikinterventionen dar.