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Unfruchtbarkeit beim Mann – Mögliche Ursachen
Tendenziell scheint sich weltweit die Samenqualität beim Mann kontinuierlich zu verschlechtern. Die Gründe sind unklar. In einem Drittel der Fälle von unerfülltem Kinderwunsch liegt das Problem in der Unfruchtbarkeit des Mannes. Laut dem schweizerischen Bundesamt für Statistik ist 2013 die Unfruchtbarkeit des Mannes mit 39% der häufigste Grund in der Schweiz für eine IVF-Behandlung.
Impotenz, d.h. Erektionsstörungen, ist nicht gleichbedeutend mit Unfruchtbarkeit, kann aber dazu führen.
Stress, Alkohol, Rauchen, Drogen, Medikamente, Anabolika, Umweltgifte - um nur einige Faktoren zu nennen - beeinträchtigen auch die männliche Fruchtbarkeit.
Der Alterseinfluss spielt ebenfalls eine Rolle, macht sich aber in der Regel tendenziell später als bei der Frau bemerkbar und fällt weniger auf. Die Hoden verkleinern sich und werden weicher, die Menge und Qualität der Spermien nimmt ab. Chromosomale Veränderungen, also Störungen in der Erbinformation, treten vermehrt auf. Äusserlich fällt jedoch kaum etwas auf. Insbesondere, wenn die Libido und die Erektionsfähigkeit erhalten bleiben.

Störung der Spermienbildung
Die Störung der Spermienbildung (d.h. keine, zu wenige oder fehlerhafte Samenzellen) und die damit einhergehende verminderte Spermienqualität ist die häufigste Ursache der Unfruchtbarkeit beim Mann. Im Normalfall sollten (laut WHO) pro Milliliter Sperma mindestens 15 Mio. Spermien vorhanden sein. Davon sollten 4% normal geformt und 40% gut beweglich sein. Liegen diese Werte darunter, ist die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Doch auch wenn die Spermien normal aussehen, kann es sein, dass sie funktionell nicht befruchtungsfähig sind.
Störungen der Spermienbildung können angeboren oder erworben sein. Hodenhochstand, Infektionen (z.B. Mumps), Tumore, Krampfadern im Hoden (Varikozelen), erhöhte Hodentemperatur, zählen zu den möglichen Ursachen. Auch medizinische Therapien, wie Chemotherapie, Bestrahlung, Medikamente, können dazu führen. Die Hodentemperatur sollte 2-3°C unter der Körpertemperatur liegen. Hodenhochstand, Varikozelen, Fieber, etc. erhöhen die Temperatur und wirken sich somit ungünstig auf die Hodenfunktion aus. Vermutet wird dies auch bei enger Unterwäsche oder bei langem Sitzen, speziell auf warmem Untergrund. Der negative Einfluss elektromagnetischer Wellen auf die Spermienqualität, vorab durch die Benutzung von Mobiltelefonen, wird ebenfalls diskutiert.
Fehlen im Ejakulat die Samenzellen vollständig, spricht man von Azoospermie. Ist die Anzahl Samenzellen nur vermindert, spricht man von Oligozoospermie. Eine eingeschränkte Beweglichkeit der Spermien bezeichnet man als Asthenozoospermie, eine Veränderung der Form als Teratozoospermie [Abb. 1].
Das OAT-Syndrom fasst folgenden Befund zusammen: verminderte Spermienproduktion (Oligozoospermie), eingeschränkte Beweglichkeit der Spermien (Asthenozoospermie), Formveränderungen (Teratozoospermie).
Durch einen Verschluss der Samenwege [Abb. 2] können die Spermien nicht in den Körper der Frau gelangen. Betroffen sind entweder der Samenleiter oder die Nebenhodengänge. Der Verschluss der Samenwege ist vergleichbar mit dem Eileiterverschluss bei der Frau. Zu den Ursachen zählen Entzündungen, Infektionen (Geschlechtskrankheiten), Verletzungen, Vernarbungen, Tumore, Stoffwechselerkrankungen (Mukoviszidose), angeborene Fehlbildungen, Unterbindung (Sterilisation), und einiges mehr.
Fehlen Samenzellen im Ejakulat (Azoospermie bzw. Oligozoospermie), kann dies entweder durch einen Verschluss der Samenwege oder aber auch durch eine gestörte Produktion verursacht sein.
Eine Fehlfunktion des hormonellen Regelkreises, beginnend von der übergeordneten Zentrale im Gehirn (Hypothalamus, Hypophyse) bis zu den Hoden, kann auch beim Mann vorkommen und kann verschiedene Ursachen haben. Wie bei der Frau werden bei einer Unterfunktion zu wenig Signalhormone, sprich GnRH bzw. LH und FSH (Gonadotropine) gebildet oder diese wirken am Zielorgan (Hoden) zu schwach. LH regt die Bildung von Testosteron im Hoden an, und zusammen mit FSH sind sie – LH, Testosteron und FSH - für die Bildung und Reifung der Spermien im Hoden verantwortlich. Eine hormonelle Unter- oder Fehlfunktion führt demzufolge zu einer verminderten Spermienentwicklung.
Verschiedene weitere hormonelle Erkrankungen können sich ungünstig auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken. Dazu zählen z.B. Diabetes und Schilddrüsenfunktionsstörungen. Auch missbräuchlich verwendete Hormone, insbesondere aus der Gruppe der Anabolika (anabole Steroide, wie Testosteron und ähnliche Substanzen), können die Fruchtbarkeit empfindlich stören.
Angeborene Fehlbildungen der Geschlechtsorgane, wie Hodenhochstand, Fehlen eines oder beider Hoden, Fehlbildungen der Hoden (fehlende Samenleiter, verklebte Samengänge, etc.) können zu Fruchtbarkeitsstörungen führen.
Immunologische Fehlfunktionen
Es handelt sich dabei um abnorme, d.h. krankhafte Abwehrreaktionen des Immunsystems. Der Körper bildet Antikörper, welche sich gegen die Spermien richtet. Auslöser kann eine Infektion oder Verletzung sein. Oder ein operativer Eingriff wie bei der Unterbindung.
Erektionsstörungen
Erektionsstörungen (‚Impotenz‘) können vielfältige Ursachen haben. Dazu zählen Erkrankungen wie Diabetes, Medikamente, Suchtmittel, Nervenschädigungen und vieles mehr. Auch übermässiger körperlicher und seelischer Druck kann zu einer Erektionsstörung führen.

Abb.1 (klicken um zu vergrössern)
Abb.2 (klicken um zu vergrössern)
In bis zu 40% der Fälle kann, trotz umfangreichen Untersuchungen, die Ursache für die männliche Unfruchtbarkeit nicht herausgefunden werden. Wobei man hier weiter unterscheidet. Männer, bei welchen alle Parameter normal sind und solche, die zwar keine oder ungenügend Samenzellen im Ejakulat haben aber die Ursache hierfür unerkannt bleibt.