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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XVIII. Rede
9.
Sie kannte genau die Gebetszeiten und die Gebetsstätten. Das Gebet war ihr die wichtigste Tagesbeschäftigung. Wer konnte in gleicher Weise hoffen, schon beim Beten erhört zu werden? Wer verehrte in solcher Weise Hände und Antlitz der Priester? Wer schätzte ebenso jede Art von Gelehrsamkeit? Wer bändigte das Fleisch noch mehr durch Fasten und Wachen, wer stand beim Psalmengesang Tag und Nacht fest, gleich einer Säule da? Wer war eine größere Bewunderin der Jungfräulichkeit, obwohl sie doch stets (ehelich) gebunden war? Wer war ein besserer Schutz für Waisen und Witwen? Wer erleichterte so sehr den Trauernden ihr Schicksal? Diese Vorzüge mögen vielleicht unbedeutend sein und wohl manchen verächtlich erscheinen, weil sie von den meisten nicht leicht nachgeahmt werden können und weil man aus Neid nicht gerne an das glaubt, was man nicht erreicht. Mir jedoch sind sie sehr verehrungswürdig; denn sie waren Erfindungen des Glaubens und Kundgebungen seelischer Begeisterung. Dazu gehört auch, daß man niemals ihre Stimme in heiligen Versammlungen vernahm, ausgenommen jene Fälle, in welchen der Gottesdienst das Sprechen gefordert hatte.