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Arthur Marwick [D]: The Sixties: Social and Cultural Transformation in Britain, France, Italy and the United States
«Gegenkultur» ist der am weitesten verbreitete Begriff für das, wovon dieses Buch handelt. Der Begriff «Gegenkultur» kommt von Theodore Roszak, der ihn in mehreren Artikeln um 1968 herum und mit seinem Buch
The Making Of A Counter Culture (1968) etabliert hat. Für den Autor ist der Begriff nicht frei von einer marxistischen Eschatologie (mein Begriff), weshalb er genereller von «Transformation» in den «langen 60ern» spricht. Die «langen 60er» legt er in den sechzehn Jahren von 1958 bis 1973 fest.
Die Transformation der Gesellschaft in den langen 60ern ist nicht allein von der Gegenkultur verantwortet. Es war die gesellschaft als ganze, die im Wandel war. Der Wandel oder die Transformation hat viele gesellschaftliche Felder ergriffen, nicht nur die Kultur, sondern die Demografie, die Technologie, die Wirtschaft und die Politik. Die kulturelle Revolution, die stattfand, war keine Kulturrevolution im marxistischen oder maoistischen Sinn, sondern eine Transformation, die die westliche Gesellschaft als Ganzes erfasste.
Die 60er Jahre seien ein Jahrzehnt des Spektakels gewesen und die Anführer-Figuren der Bewegung waren Teil dieses Spektakels. Das Spektakel war gewissermassen das Medium, aus dem man nicht aussteigen konnte.
Marwick sieht sich als eine Art
Jacob Burckhardt (der Kulturtheoretiker der Renaissance) der langen 60er Jahre.
«measured judgement» statt «repressive tolerance»Herbert Marcuse, einer der Cheftheoretiker der langen 60er prägte den begriff der «repressiven Toleranz»: Die westliche Gesellschaft halte das revolutionäre Potential der Arbeiterklasse unter Kontrolle und verunmögliche so die Revolution, auf die jeder Marxismus hinarbeitet. Ohne die repressive Toleranz wären die Mitglieder der Gesellschaft frei, sich zu entwickeln, aber das wolle die herrschende Gesellschaft laut
Marcuse nicht.
Marwick hält dem Begriff den des «massvollen Verstands» entgegen. Viele Autoritäten und Vertreter/-innen des gesellschaftlichen Mainstreams (oder des Establishments) waren sehr umsichtig und tolerant und hielten einerseits destruktive Kräfte unter Kontrolle und waren permissiv genug, um die gesellschaftliche Transformation nicht aufzuhalten.
Charakterisierung der Epoche
Marwick charakteriasiert die langen 60er anhand von zwölf hierarchisch geordneten Entwicklungssträngen:
1. Die Entstehung neuer Subkulturen und Bewegungen
2. Eine Welle von freiem Unternehmertum und Individualismus
3. Der Einfluss junger Leute auf die Gesamtgesellschaft, in Geschmacksfragen und Lifestyle («popular culture generally»).
4. Der technologische Fortschritt.
5. Das Fernsehen als allgegenwärtiges Medium wird ein Interface zwischen dem Leben und der Freizeit. («the society of the spectacle»)
6. Kultureller Austausch wie nie zuvor.
7. Entwicklung der Warenwelt («improvements in material life»).
8. Rassenunruhen, Konflikte in den Familien.
9. Die sexuelle Freizügigkeit und Befreiung von Zwängen.
10. Neue Arten der Selbstpräsentation.
11. Die Entstehung einer Popkultur, mit der Rockmusik als universeller Sprache.
12. Elitäre, aber originelle und grundlegende Theorien (wie Neo-Marxismus, Psychoanalyse, Strukturalismus).
13. Präsenz und Erweiterung der liberalen Kräfte in den gesellschaftlichen Institutionen.
14. Aber auch die fortwährende Präsenz konservativer Elemente in den selben Institutionen, besonders bei Polizei und Kirche.
15. Engagement für Bürger- und individuelle Rechte und die Bereitschaft, dafür zu kämpfen und etwas zu riskieren.
16. Ein erster Schub in Richtung multikultureller Gesellschaft.
Diese Faktoren trugen alle dazu bei, dass Mini-Renaissance
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