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Zum Text
Die Chronik ist kein Buchtext mit einer ausgewogenen Darstellung
der Geschichte der USA im 20. Jahrhundert, sondern eine Zusammenfassung
meiner Recherchen für das Theaterstück Kennedy. Macht.
Sex. Die einzelnen Ereignisse und Biographien dieser Chronik
sind unterschiedlich genau dargestellt, weil ich primär die
Hintergründe für Präsident Kennedys Ermordung verstehen
wollte. Ich habe jedoch auch andere wichtige Ereignisse und spätere
Entwicklungen (vor allem die Präsidentschaften von Nixon und
Bush sen. und jun.) in diese Chronik miteinbezogen. Entstanden ist
eine komprimierte Zusammenstellung von Fakten, Personen und ihren
Verbindungen, die als Anregung für eigene Recherchen dienen
soll.
Methodologische Grundsätze
Staaten und Institutionen sind soziale Konstrukte. Wörter
wie "Regierung", "CIA" oder "Mafia"
verweisen auf kollektive Illusionen, die für die Koordination
menschlichen Verhaltens handlungsrelevant sind. Die Konstruktionen
in den Köpfen werden durch Handlungen zu Fakten (Faktum = Gemachtes).
Wir haben keine andere Wahl, als am Selbstverständnis der Akteure
anzusetzen und diese Konstruktionen ebenfalls zu verwenden, um das
Funktionieren von Politik, Gesellschaft oder Wirtschaft rekonstruieren
zu können. Die begrifflichen Traditionen erleichtern die historische
Analyse, beinhalten aber die Gefahr der alltagstheoretischen Selbstverständlichkeit.
Denn "Staatsschutz", "nationale Sicherheitsinteressen"
oder "Gesetze" sind im Wesentlichen Legitimationsformeln,
um bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse aufrecht zu
erhalten.
Da die Geheimdienste und die Mafia keine schriftlichen Quellen hinterlassen
oder diese meist nur ungenügend zugänglich sind, bleibt
die Historiographie ihrer Aktivitäten und Wirkungen ein delikates
Unterfangen. Die mangelnden 'Beweise' müssen durch mehrschichtige
Rekonstruktionen, systematische Vergleiche und detailierte Fallanalysen
kompensiert werden, entsprechend der kriminalpolizeilichen Doktrin
Ciceros: "Cui bono?" (Wem nützt es?)
Trotzdem bleiben Rekonstruktionen wie diese Chronik anfällig
für die Diffamierung als "Verschwörungstheorien."
Jede Theorie und jede Geschichtsschreibung muss die Komplexität
der Ereignisse und Zusammenhänge auf die wichtigen Faktoren
reduzieren und mit Generalisierungen arbeiten. Es gibt keine Person
oder politische Gruppe, die die Welt beherrschen könnte, sondern
nur unzählige Akteure, die jedoch gruppenspezifische Interessen
verfolgen. Von ihren Überzeugungen und Intentionen muss jede
historische Analyse ausgehen und diese in Bezug auf die Kontexte
rekonstruieren, indem sie nach den Möglichkeiten, Bedingungen
und Effekte der Handlungsfelder fragt. Politik ist das Feld der
institutionalisierten Machtkämpfe, bei dem die inoffiziellen
Kampfmittel nicht ausgeblendet werden dürfen, mit denen die
Prozesse im Geheimen wesentlich gesteuert werden. "Wo das Geheimnis
beginnt, beginnt die wirkliche Macht" (Hannah Arendt).