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Föhn bis Schaffhausen
Kurz vor Monatsende zeigte der Föhn nochmals sein Durchsetzungsvermögen. Heute blieb er nicht nur in seinem angestammten Revier zu Hause. Am Nachmittag wagte er einen Ausflug ins Mittelland und stiess bis Schaffhausen vor, was nicht in jedem Jahr beobachtet werden kann.
Das Tief, das sich gestern über Spanien zu entwickeln begann, zog heute unter weiterer Vertiefung Richtung Nordfrankreich. Auf seiner Vorderseite herrschte über den Alpen eine starke Südströmung. Bereits gestern setzte in vielen Alpentälern der Föhn ein. Heute nahm die Druckdifferenz zwischen Alpensüd- und nordseite noch weiter zu, so dass auch der Föhn im Laufe des Tages an Stärke zulegte.
Im Gegensatz zum Herbst und Winter, wenn über dem Flachland meist ein mächtiger Kaltluftsee vorhanden ist, vermochte heute der Föhn weit ins Mittelland hinausgreifen. Mit der Sonneneinstrahlung wurden die unteren Luftschichten erwärmt und damit labil. Dies ermöglichte der Föhnströmung auch über dem Flachland bis ganz an die Erdoberfläche hinunter zu greifen. Dass der Föhn soweit ins Mittelland vorstösst, kann fast nur im Frühling und im Sommer (generell eher föhnarm) beobachtet werden. Im Winterhalbjahr ist die Grundschicht über dem Flachland zu stark ausgeprägt und die Sonneneinstrahlung schwächer.
Der Föhn stösst ins Mittelland vor
Am Morgen wehte der Föhn vorerst nur in den Alpentälern. Er verstärkte sich im Laufe des Vormittags immer mehr und schon kurz nach Mittag begann er sich auch auf die Alpenrandgebiete auszudehnen. Im Laufe des Nachmittages mit der zunehmenden Labilisierung der unteren Schichten griff der Föhn immer weiter nordwärts ins Mittelland aus, bis er am späteren Nachmittag sogar den Nordrand der Schweiz erreichte.
Am stärksten blies der Föhn in den Alpentälern, wo Böenspitzen von 70 bis 90 km/h registriert wurden. An exponierten Bergstationen wurden gar über 100 km/h gemessen, auf dem Gütsch ob Andermatt (2283 m Höhe) lag die stärkste Böe bei 153 km/h!
Der Weg des Föhns
Mithilfe von Wettermodellen lässt sich der Weg, den ein Luftpaket zurückgelegt hat, mit sogenannten Rückwärtstrajektorien berechnen. Als Beispiel sollen hier die Rückwärtstrajektorien ausgehend von Güttingen am Bodensee gezeigt werden (Darstellung unten). Der Föhn stiess heute über den ganzen Bodensee vor und erfasste am Nachmittag um 16 Uhr (14 UTC) als Südostwind auch Güttingen, wo an der Wetterstation Böenspitzen von 46 km/h, eine Temperatur von 26 Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit von 25 % gemessen wurden. In den Vertikalschnitten rechts ist gut zu erkennen, wie die Luft auf gut 2000 m Höhe die Alpen überquert hat und dann, wie es typisch ist für eine Föhnströmung, steil absinkt.
Typisch Föhn
Macht man eine statistische Auswertung der Häufigkeit des Auftretens von Föhn an einer Station, so können einige interessante Eigenheiten des Föhns festgestellt werden. In der nachfolgenden Grafik sind die Föhnhäufigkeiten im Rheintal bis zum Bodensee dargestellt. Beginnend in Chur folgt weiter talabwärts Vaduz, dann Altenrhein und schliesslich Güttingen. Waagrecht ist der Monat aufgetragen, senkrecht die Tageszeit (Stunde UTC). Die Farbe gibt die relative Föhnhäufigkeit an (Legende am Rand).
Drei Eigenheiten sind dabei typisch für den Föhn:
- Je weiter talabwärts die Station liegt, desto geringer ist die Föhnhäufigkeit. Während in Chur der Föhn im ganzen Jahr auftreten kann, ist er in Güttingen deutlich seltener und beschränkt sich fast nur auf April und Mai sowie ganz selten im November.
- Der Frühling (besonders April) ist die föhnhäufigste Zeit, gefolgt vom Herbst, allerdings deutlich geringer.
- Über die Tageszeit betrachtet ist der Föhn am häufigsten in der zweiten Tageshälfte, also vor allem am Nachmittag und Abend.