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Ein Beckenabszess (BA) ist ein von einer bindegewebigen Kapsel begrenzter Hohlraum in der Beckenhöhle, in dem sich Eiter befindet. Ein BA kann sich im Rahmen von gastrointestinalen oder urogenitalen Erkrankungen bzw. als Komplikation chirurgischer Eingriffe entwickeln. BA-Patienten zeigen mitunter nur milde Symptome, allerdings kann es bei Ausbreitung des kontaminierten Abszessinhalts in der Bauch- und Beckenhöhle zur lebensbedrohlichen Peritonitis und einem akuten Abdomen kommen. Der Abszess lässt sich mit Hilfe der bildgebenden Diagnostik darstellen und mikrobiologische Untersuchungen sind anzustellen, um das kausale Pathogen zu identifizieren.
Der BA ist eine Variante der Beckenhöhleninfektion [1], d.h. der Eiter im Abszess ist grundsätzlich infektiös und kann bei Ausbreitung in der Bauch- und Beckenhöhle eine gravierende Bauchfellentzündung hervorrufen. Während sich ein BA bei Patienten mit Morbus Crohn spontan bilden kann [2], ist doch die Mehrzahl der Fälle auf eine Perforation von Hohlorganen, eine Infektion derselben oder eine chirurgische Intervention an den hier gelegenen Strukturen zurückzuführen. Als häufigste Ursache für einen BA wird die perforierte Divertikulitis genannt [3], während auch eine Perforation der Appendix, eine chronische Entzündung des Beckens, Operationen an Dickdarm oder Prostata sowie geburtshilfliche Eingriffe als Auslöser infrage kommen. Risikofaktoren für die Bildung eines BA umfassen jede Art der Immunschwäche, einschließlich eines Diabetes mellitus und einer Schwangerschaft, und Krebs.
Gerade immundefiziente Patienten und viele ältere Personen bleiben lange Zeit asymptomatisch oder zeigen nur sehr milde Symptome [4], darunter beispielsweise Asthenie, Fieber, Übelkeit, Appetitsverlust und Erbrechen. Eine Reizung des Peritoneums geht mit Schmerzen einher, die im Fall eines BA in den unteren Quadranten zu lokalisieren sind. Darüber hinaus wird mitunter über Probleme bei der Miktion, vor allem Dysurie und Pollakisurie, sowie übelriechenden Vaginalausfluss, vaginale Blutungen und Dyspareunie berichtet. Patienten, bei denen der Abszess auf die Lendenmuskulatur drückt, humpeln manchmal [5].
Wenn der Abszess aufbricht und sich sein Inhalt verteilt, wird eine Peritonitis provoziert, die mit starken Schmerzen und einer Abwehrspannung einhergeht. Diese Kondition erfordert ein umgehendes Eingreifen und ist lebensbedrohlich.
Bei anderweitig nicht erklärbaren Unterleibsbeschwerden ist eine Untersuchung der Beckenhöhle angezeigt, die auch eine vaginale und rektale Palpation einschließt. Dieses Vorgehen erlaubt bei den meisten BA-Patienten die Detektion einer Umfangsvermehrung [4]. Fokale Schmerzempfindlichkeit weist weiter auf ein entzündliches Geschehen hin.
Blutanalysen bestätigen in der Regel den Verdacht auf eine akute Entzündung, d.h. neben einer Leukozytose sind erhöhte Konzentrationen des C-reaktiven Proteins und eine beschleunigte Blutsenkung festzustellen. Weitere in Standarduntersuchungen auffallenden Anomalien können auf eine Grunderkrankung hinweisen und umgekehrt sind bei entsprechender Klinik spezifische Tests zu veranlassen, z.B. zum Nachweis von Antikörpern gegen Pathogene oder körpereigene Strukturen.
Der Goldstandard zur Diagnose eines BA ist die abdominopelvine Sonographie. Der Ultraschall ermöglicht auch eine recht zuverlässige Differenzierung zwischen einem Abszess, einer Appendizitis und sonstigen raumfordernden Prozessen. Bei Frauen erlaubt der transvaginale Ultraschall mitunter eine präzisere Lokalisation des BA. Zur weiteren Abklärung und bei Verdacht auf Fisteln oder Malignome ist eine Computer- oder Magnetresonanztomographie, unter Umständen unter Zuhilfenahme eines Kontrastmittels, angezeigt [6] [7]. Generell kann ein Abszess gut abgrenzbar und von einer starken Bindegewebskapsel umgeben sein oder sich als schlecht definierbare Masse darstellen, wenn er sich zu einer Phlegmone entwickelt hat [8] [9].
Unter sonographischer oder computertomographischer Kontrolle kann Abszessinhalt aspiriert werden, um diesen mikrobiologisch zu untersuchen.