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| Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

38.
Wer wird nun solche Männer noch ferner für Christen halten? Oder was für einen Glauben haben diejenigen, bei welchen weder Wort noch Schrift Bestand hat, sondern Alles nach Umständen verändert und umgekehrt wird? Denn wenn ihr, o Acacius und Eudoxius! die an dem Kirchweihfeste verfaßte Glaubensformel nicht verwerfet, und wenn in dieser geschrieben steht: Der Sohn ist das vollkommen gleiche Ebenbild der Wesenheit des Vaters; warum schreibet ihr in Isaurien: Wir verwerfen das Homousion1? Denn ist der Sohn der Wesenheit nach dem Vater nicht ähnlich, wie ist er dann das vollkommen gleiche Ebenbild der Wesenheit? Habet ihr es aber bereut, geschrieben zu haben: Er ist das vollkommen gleiche Ebenbild der Wesenheit; warum verfluchet ihr dann diejenigen, welche sagen, der Sohn sey dem Vater nicht gleich? Denn ist er ihm nicht der Wesenheit nach gleich, so ist er ihm allerdings ungleich. Was aber ungleich ist, das kann keineswegs Ebenbild seyn. Verhält es sich aber so, wie ihr saget, so ist es nicht wahr, daß derjenige, welcher den Sohn gesehen hat, den Vater gesehen hat, weil eine sehr große Verschiedenheit obwaltet, ja vielmehr dieser jenem ganz und gar ungleich ist. Was aber ungleich ist, das kann man nie gleich nennen. Auf welche Art also nennet ihr das Ungleiche gleich, und wie denket ihr das Gleiche ungleich, und saget verstellter Weise, der Sohn sey das Ebenbild des Vaters? Denn ist der Sohn nicht der Wesenheit nach dem Vater gleich, so fehlt dem Ebenbilde etwas, und das Ebenbild ist nicht vollständig, und der Abglanz nicht vollkommen. In welchem Sinne leset ihr also dieses:2 „In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig;“ und:3 „Aus seiner Fülle haben wir Alle empfangen?“ Warum verstosset ihr den Arianer Aetius als einen Ketzer, da ihr doch das Nämliche, wie dieser, saget? Denn er ist, o Acacius, dein Freund, und des Eudoxius Lehrmeister in dieser so großen Gottlosigkeit gewesen, weßwegen ihn auch der Bischof Leontius als Diakon aufstellte, damit er sich des Namens des Diakonates als eines Schafskleides bedienen, und so ungescheut die Lästerworte ausspeien könnte.
1: Vielleicht muß hier Homoiousion gelesen werden.
2: Koloss. ll, 9.
3: Ioh. l, 16.