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Ein Aneurysma (Mehrzahl: Aneurysmen) ist eine spindel- oder sackförmige Gefässerweiterung einer Arterie. Es entsteht infolge einer Ausbuchtung oder Ausweitung der Gefässwand. Ein Aneurysma tritt vor allem bei älteren Menschen auf – wichtige Risikofaktoren sind Bluthochdruck und eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung).
Die häufigste Form des Aneurysmas stellt die Ausweitung der Hauptschlagader, das sogenannte Aortenaneurysma dar. Etwa ein bis zwei Prozent aller Menschen haben ein solches Aortenaneurysma – oft ohne davon zu wissen.
Am häufigsten kommt ein Aneurysma an der Bauchaorta vor. Auch in herznahen Blutgefässen oder im Gehirn kann ein Aneurysma auftreten. Reisst es, kann es zum Teil zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie schweren inneren Blutungen kommen. Je grösser ein Aneurysma ist, desto höher ist das Risiko, dass es reisst, da der Druck auf die Gefässwand mit dem Durchmesser der Ausweitung ebenfalls zunimmt. Das Risiko für lebensbedrohliche Folgen ist besonders hoch, wenn ein Aneurysma im Kopf beziehungsweise im Gehirn oder in den herznahen Blutgefässen reisst.
Insgesamt lassen sich drei verschiedene Formen von Aneurysmen unterscheiden:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Aneurysma zu behandeln: Hat ein Aortenaneurysma einen kleinen Durchmesser oder ist ein mögliches Operationsrisiko zu hoch, kann der Arzt das Aneurysma konservativ (also ohne Operation) behandeln. Bei einem grossen Durchmesser und wenn die Gefahr besteht, dass es sich vergrössert oder reisst, muss ein Aneurysma operativ behandelt werden. Hierbei ersetzt der Chirurg den erweiterten Gefäßabschnitt durch eine Gefäßprothese, also ein künstliches Gefäß, welches die Funktion des natürlichen Blutgefäßes übernimmt.
Ein Aneurysma ist laut Definition eine meist spindel- oder sackförmige Erweiterung eines arteriellen Blutgefässes. Diese abnorme, dauerhafte Ausweitung der Gefässwandschichten ist örtlich begrenzt – sie bildet sich aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Wandveränderung des betroffenen Gefässes. Der Name Aneurysma leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet «Erweiterung».
Ein Aneurysma in den herznahen Gefässen oder im Kopf (Gehirn) birgt das Risiko zu reissen und damit zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen zu führen. Je grösser der Durchmesser der Ausweitung ist, desto grösser ist dieses Risiko: Denn der Druck auf die Gefässwand nimmt mit dem Durchmesser ebenfalls zu. Aneurysmen der vom Herzen weiter entfernten Gefässe sind teilweise mit Blutgerinnseln gefüllt. Bei bestimmten Bewegungen können sich die Gerinnsel lösen und zu Gefässverschlüssen führen (Embolie).
Insgesamt lassen sich drei verschiedene Formen von Aneurysmen unterscheiden. Um die Unterschiede zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, dass die Gefässwände von Arterien prinzipiell aus drei Schichten bestehen.
Die innere Wandschicht wird als Tunica intima (kurz: Intima) bezeichnet. Zum Hohlraum im Inneren des Gefässes (Gefässlumen) hin ist die Intima von einer einzelligen glatten Zellschicht ausgekleidet – dem sogenannten Endothel. Zur mittleren Schicht des Gefässschlauchs hin enthält die Intima elastische Fasern. Die Intima dient dazu, dass das Blut im Gefäss mit möglichst geringer Reibung fliessen kann.
Die mittlere Schicht (Tunica media, kurz: Media) besteht aus Muskelfasern und einem elastischen Fasernetz. Diese Schicht reguliert den Gefässdurchmesser und somit den Durchströmungswiderstand. Die äussere Schicht, die Tunica externa (kurz: Adventitia), befestigt das Gefäss in der Umgebung.
Das echte Aneurysma, also das Aneurysma verum, ist eine Ausstülpung aller drei Gefässwandschichten. Man könnte sagen, die Gefässwand beult sich im Ganzen einfach aus. Häufig kommen solche echten Aneurysmen an der Hauptschlagader vor (Aortenaneurysma).
Bei einem Aneurysma dissecans (gespaltenes Aneurysma) trennen sich die Gefässwandschichten im Bereich der mittleren Gefässwandschicht auf. Es entsteht ein zweiter Hohlraum innerhalb der mittleren Gefässwand (Media). Reisst die innere Schicht der Gefässwand (Intima), gelangt Blut in diesen Hohlraum der Media. Das Blut kann nun sowohl durch das eigentliche Gefässlumen als auch durch diesen neu entstandenen Riss in die Media fliessen. Diese Art des Aneurysmas tritt nur an der Hauptschlagader (Aorta) auf. Ein Aneurysma dissecans der Aorta bezeichnen Mediziner auch als Aortendissektion.
Das unechte oder falsche Aneurysma, das Aneurysma spurium, entsteht meist durch einen Riss in der inneren Gefässwand (Intima) als Folge von äusseren Einwirkungen wie etwa einer stumpfen Verletzung bei einem Sturz oder Aufprall.
Ein solches Aneurysma spurium bildet sich mitunter auch an Übergangsstellen, an denen bei einer Operation eine sogenannte Gefässprothese eingebracht wurde. Dabei handelt es sich um ein Stück Kunststoff, das an dieser Stelle die Gefässwand ersetzt. Auch wenn bei einer Therapie oder zur Diagnose eines Aneurysmas ein Katheter in das Blutgefäss eingeführt wird, kann sich unter Umständen in der Folge ein neues Aneurysma spurium bilden.
Ein Aneurysma tritt am häufigsten in der Hauptschlagader (Aorta) auf: Diese Form nennt sich Aortenaneurysma und kommt bei rund ein bis zwei Prozent aller Menschen vor. Am häufigsten kommt ein Aortenaneurysma im Bauchteil der Aorta vor: Etwa 75 Prozent aller Aortenaneurysmen sind Bauchaortenaneurysmen. Männer haben etwa fünfmal häufiger ein Bauchaortenaneurysma als Frauen.
Oft bilden sich Aneurysmen auch in der Brustaorta und in Hirngefässen. In seltenen Fällen kann auch in den Arterien der Arme, Beine und der inneren Organe ein Aneurysma entstehen.
Einem Aneurysma können verschiedene Ursachen zugrunde liegen: Zu den häufigsten Aneurysma-Ursachen gehört die Arteriosklerose (Arterienverkalkung) – wesentlich seltener sind Infektionen der Auslöser echter Aneurysmen. Die Geschlechtskrankheit Syphilis führt zum Beispiel vor allem im sogenannten Aortenbogen (kopfwärts liegender Teil der Hauptschlagader) und im direkt an das Herz anschliessenden Teil der Aorta zu Aussackungen (Aortenaneurysma). Andere durch Infektionen ausgelöste Entzündungen an der Arterie führen hingegen häufiger in solchen Gefässen zu Ausweitungen, die weiter vom Herzen entfernt liegen. Bei einem Aneurysma der Herzwand sind in den meisten Fällen Herzinfarkte die Ursachen.
Unechte Aneurysmen (Aneurysma spurium) entstehen durch Verletzungen der Gefässwand – in den meisten Fällen sind diagnostische Katheter-Eingriffe wie zum Beispiel bei einem Verdacht auf einen Herzinfarkt die Aneurysma-Ursachen.
Bei einem gespaltenen Aneurysma (Aneurysma dissecans) ist die Arterienwand im Bereich der mittleren Schicht, der Media, geschädigt. Die Gefässwandschichten spalten sich auf, sodass ein Hohlraum entsteht. Häufigste Aneurysma-Ursachen sind Bluthochdruck sowie eine angeborene Bindegewebsschwäche wie zum Beispiel das Marfan-Syndrom und die sogenannte zystische Medianekrose Erdheim-Gsell. Auch eine erworbene Bindegewebsschwäche, wie sie als Spätkomplikation einer Syphilis auftreten kann (sog. luische Mesaortitis), kommt als Ursache in Betracht. Der Einriss der inneren Wandschicht (Intima) ist dabei letztlich eine Folge der Veränderungen der Media: Sie ermöglichen es erst, dass das Blut zwischen die Gewebeschichten eindringen und diese mit steigendem Druck auseinanderreissen kann.
Ist die Media bereits verletzt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sich die Spaltung der Gefässwand weiter entwickelt:
In vielen Fällen verursacht ein Aneurysma keinerlei Symptome. Erst sehr grosse Gefässerweiterungen üben Druck auf die umliegenden Organe oder Strukturen aus und machen sich dadurch bemerkbar. Je nachdem, wo das Aneurysma liegt, kann es dann unterschiedliche Symptome hervorrufen. So können zum Beispiel bei einem Aortenaneurysma im Brustraumbereich folgende Symptome auftreten:
Ein Aortenaneurysma im Brustbereich kann dann zu Durchblutungsstörungen in den Armen oder dem Gehirn führen.
Auf ein Aortenaneurysma im Bauchbereich (Bauchaortenaneurysma) können folgende Symptome hinweisen:
Ein Bauchaortenaneurysma kann ausserdem Blutgerinnsel in den Armen oder Beinen hervorrufen, die dort zu Durchblutungsstörungen als Symptome führen. Meistens ruft ein Bauchaortenaneurysma aber keinerlei Beschwerden hervor.
Reisst bei einem gespaltenen Aneurysma (Aneurysma dissecans) die Wand, ruft dies einen plötzlichen, schneidenden und als vernichtend empfundenen Schmerz hervor, der je nach Schädigungsort an verschiedenen Stellen des Körpers auftritt. Beim gespaltenen Aortenaneurysma sprechen Mediziner von einer Aortendissektion. Auf die heftige Schmerzattacke folgt dabei häufig ein Kreislaufzusammenbruch – umgehende Hilfe durch einen Notarzt ist dann erforderlich.
Verschliessen sich Äste der Aorta, kann es zu erheblichen Durchblutungsstörungen im Gehirn, dem Rückenmark und in den Armen kommen. Je nach Ausbreitung der Spaltung können auch die Bauchorgane und die Beine schlechter durchblutet sein – zum Beispiel bei einem Bauchaortenaneurysma.
Aneurysmen, die weit vom Herzen entfernt liegen, sind teilweise mit Blutgerinnseln (Thrombose) gefüllt. Löst sich ein Teil des Thrombus, kann er kleine Gefässe verstopfen (Embolie). Bei einem Aneurysma im Kopf beziehungsweise im Gehirn treten häufig durch den Druck, den ein Aneurysma auf einen Nerv ausübt, Lähmungserscheinungen im Gesicht als Symptome auf. Reisst ein Aneurysma im Kopf, ist ein Schlaganfall beziehungsweise eine Hirnblutung die Folge.
Bei einem Aneurysma ergibt sich die Diagnose oft zufällig im Rahmen einer Routine-Untersuchung. Das liegt daran, dass in vielen Fällen keine Beschwerden bestehen, die den Betroffenen dazu veranlassen, einen Arzt zu besuchen. Anzeichen wie zum Beispiel ein unterschiedlich hoher Blutdruck an rechtem und linkem Arm oder ein schnell wechselnder Puls können Hinweise für ein gespaltenes Aneurysma (Aneurysma dissecans) sein.
Seltener bemerken Betroffene Symptome wie schnell fortschreitende Ausfälle von Nervenfunktionen, die bis hin zur Querschnittslähmung reichen können als Hinweise auf ein gespaltenes Aneurysma.
Beim Abhören der Arterien können zum Beispiel Strömungsgeräusche, die im Rhythmus des Pulses auftreten, auf ein Aneurysma hinweisen. Bei einem Aneurysma an Gefässen der Extremitäten kann der Arzt die Diagnose oft bereits durch Betrachten und Abtasten der Arme oder Beine stellen. Bei schlanken Menschen ist es möglich, auch ein Aneurysma der Bauchaorta zu ertasten.
Eine Ultraschalluntersuchung ermöglicht bei einem Aneurysma der Bauchschlagader oder der Beckenarterie eine genaue Diagnose. Wie gross ein Aneurysma bereits ist und ob die Gefahr besteht, dass es reisst, kann der Arzt anhand einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) feststellen.
Begleitend kann eine spezielle Röntgenuntersuchung der Blutgefässe (Angiographie) erfolgen, um die Ausdehnung des Aneurysmas und eine Verschlusskrankheit der Gefässe nachzuweisen.
Bei einem Aneurysma der Aorta (Aortenaneurysma oder Aortendissektion) gibt es verschiedene Formen der Therapie: Wenn ein solches Aortenaneurysma einen kleinen Durchmesser hat oder hohe Risiken gegen eine Operation sprechen, erfolgt eine konservative Therapie. Zwei Faktoren sind besonders wichtig bei einer solchen Aneurysma-Therapie: die Risikofaktoren zu bekämpfen und die ursächlichen Erkrankungen zu therapieren. Entscheidend ist hierbei, einen hohen Blutdruck konsequent auf normale Werte zu senken. Wer es schafft, seinen Blutdruck auf normale Werte zu senken, schützt seine Gefässe und kann damit einem Aortenaneurysma vorbeugen.
Dazu eignen sich zum Beispiel Betablocker, die einerseits den Blutdruck senken und andererseits die Geschwindigkeit, mit der der Druck in den Gefässen steigt, verlangsamen. Ausserdem sollten Betroffene mit einem Aortenaneurysma
Treten bei einem Aortenaneurysma Symptome auf oder vergrössert sich ein bereits grosses Aneurysma zusehends, ist als Therapie eine Operation unumgänglich. Gleiches gilt bei einem schlecht oder nicht einstellbaren Bluthochdruck (Hypertonie). Bei der Operation ersetzt der Chirurg den vom Aortenaneurysma betroffenen Teil des Gefässes. Hierfür eröffnet er das Aneurysma in Längsrichtung, pflanzt eine rohr- oder Y-förmige Kunststoffprothese ein und schliesst die Gefässwand über der Prothese wieder.
Seit einigen Jahren wird ein Aortenaneurysma auch mithilfe von Stent-Prothesen behandelt (sog. endovaskuläre Behandlung). Hierbei setzen Ärzte Prothesen aus unterschiedlichen Materialien über einen minimal-invasiven Zugang (d.h. durch winzige, gewebeschonende Schnitte der Haut) mithilfe von Kathetern in die Aorta ein, um zum Beispiel ein Aortenaneurysma zu behandeln. Drahtgitter (Stents) stützen diese Prothesen – sie werden im zusammengeklappten Zustand ebenfalls über Katheter eingesetzt und an entsprechender Stelle im Gefäss aufgeklappt.
Bei einem Aneurysma im Kopf, also im Gehirn, erfolgte die Therapie früher vor allem operativ durch Neurochirurgen. Während einer offenen Hirnoperation (Kraniotomie) wird das Aneurysma im Kopf mittels eines Clips, der in den meisten Fällen aus Titan besteht, abgeklemmt. Ist ein solches sogenanntes Clipping nicht möglich, wird das Aneurysma im Gehirn «gewrappt» – Wrapping heisst, dass die Wand des Aneurysmas durch Gewebe oder Teflon verstärkt wird, um einen möglichen Riss zu verhindern.
Seit einigen Jahren gibt es bei einem Aneurysma im Kopf (Aneurysma im Gehirn) eine weitere Therapie-Methode, die sogenannte endovaskuläre Technik. Bei dieser Form der Aneurysma-Therapie ist keine offene Operation am Gehirn mehr nötig:
Manchmal nimmt ein Aneurysma einen harmlosen Verlauf und bleibt ein Leben lang unbemerkt. Generell besteht aber die Möglichkeit, dass ein Aneurysma reisst. Bei einem Aneurysma ist der Verlauf deshalb vor allem davon abhängig, ob die Aussackung aufreisst und es dadurch zu Komplikationen wie Blutungen kommt.
Ein Aneurysma kann jahrelang ohne Symptome und Komplikationen bleiben. Im Verlauf neigen einige Aneurysmen jedoch zu einer Eigendynamik: Sie weiten sich immer mehr, womit auch die Gefahr des Einreissens stetig ansteigt. Dann können lebensbedrohliche Blutungen auftreten. Dieses Risiko ist aber gering.
Selten kommt es während einer Aneurysma-Operation zu Komplikationen wie starken Blutungen oder Nierenversagen. Nach der Operation besteht das Risiko einer möglichen Infektion der Prothese. Ausserdem können bei Männern Erektionsstörungen auftreten.
Aneurysma-Komplikationen bei Stent-Prothesen sind sogenannte Endoleaks. Bei einem Endoleak fliesst trotz der Prothese weiterhin Blut in das Aneurysma – das Ziel der Operation ist somit nicht erreicht: Die Endoleaks müssen entsprechend verschlossen werden. Aus diesem Grund sind regelmässige Nachkontrollen mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) notwendig.
Bei einem Aneurysma hängen Verlauf und Prognose von drei Faktoren ab: der Art des Aneurysmas, der Lokalisation und der Grösse. Viele Aneurysmen bleiben jahrelang, manchmal lebenslang unbemerkt. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich das Aneurysma weiter ausdehnt und schliesslich einreisst. Um diese oft lebensbedrohliche Komplikation zu vermeiden, ist gegebenenfalls eine Behandlung nötig.
Um bei einem Aneurysma die Prognose und den Verlauf zu verbessern, sollte jeder Einzelne mit dem Arzt besprechen, ob eine operative Behandlung notwendig ist.
Einem Aneurysma können Sie nur bedingt vorbeugen. Lassen Sie Bluthochdruck rechtzeitig behandeln. Da Rauchen das Risiko einer Arteriosklerose erhöht und zu viel Alkohol den Blutdruck steigert, sollten Sie auf Nikotin und Alkohol verzichten. Auch Übergewicht und zu hohe Blutfettwerte bergen ein Risiko.
Generell trägt ein gesunder Lebensstil mit vernünftiger Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung dazu bei, Gefässerkrankungen wie ein Aneurysma zu verhindern.