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Szenario eins: Viren infizieren Nutztiere, breiten sich schnell aus und drohen, ganze Viehbestände zu dezimieren. Es besteht die Gefahr, dass die Erreger mutieren und sich auf Menschen übertragen.
Szenario zwei: Aufgrund länger dauernder Regenfälle über mehrere Wochen und Monate sind die Böden mit Wasser gesättigt, eine Regenfront mit reichlich Niederschlägen ist für die kommenden 48 Stunden angesagt. Fliessgewässer drohen über die Ufer zu treten, die Seespiegel steigen, man befürchtet Erdrutsche.
Für beide Szenarien hatten die Einsatzorgane im Kanton Freiburg bisher zwar genaue Vorstellungen, was zu tun ist, und auch Material und Personal stand reichlich zur Verfügung. Ein eigentlicher Einsatzplan für Tierseuchen oder Hochwasser bestand aber bis anhin nicht.
Manko behoben
Dieses Manko ist nun behoben. Der Staatsrat hat soeben zwei neue Einsatzpläne für diese Bereiche zur Kenntnis genommen und somit die von verschiedenen Arbeitsgruppen ausgearbeiteten vom kantonalen Führungsorgan genehmigten Dokumente für gut befunden. Wie der Staatsrat in einem Communiqué schreibt, geben die Einsatzpläne der Regierung und dem kantonalen Führungsorgan nun die Struktur zur Bewältigung solcher Katastrophenereignisse. Die Pläne sollen helfen, Auswirkungen von Hochwasser und Tierseuchen einzudämmen, Massnahmen und Mittel für die Bewältigung festzulegen und den Bedarf an Personal und Material zu bestimmen. Erstmals ist für diese Ereignisse verbindlich und bis ins Detail geregelt, wer im Notfall welche Aufgabe hat.
Der Begriff «Hochwasser» erstreckt sich auch auf die damit zusammenhängenden Naturereignisse wie Rutschungen, Felsstürze und Murgänge.
Einsatzpläne existierten im Kanton Freiburg bisher für Radioaktivität (Mühleberg), Pandemie, Stromversorgungsunterbruch und Vogelgrippe. Der Plan für Tierseuchen ist eine Erweiterung des Einsatzplans für Vogelgrippe. Weitere Einsatzpläne sind in Ausarbeitung (siehe Kasten).
Wie der Staatsrat in seiner Mitteilung schreibt, ist Hochwasser die am häufigsten auftretende Naturgefahr, die auch grosse Schäden anrichtet. Mit der Klimaveränderung steige zudem die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Hochwasser. Dieses Ereignis sei für die Beteiligten nicht neu, betont der Staatsrat in seiner Mitteilung; jeder Partner des Bevölkerungsschutzes sei vorbereitet. Der Mehrwert des neuen Einsatzplans liege aber vor allem in der Koordination zwischen den Diensten des Staates und den Einsatzkräften des kantonalen Führungsorgans.
Hand in Hand mit Bern
Der Einsatzplan Tierseuchen ist für jene Epidemien vorgesehen, die in der Eidgenössischen Tierseuchenverordnung definiert sind: Maul- und Klauenseuche, Rifttalfieber, Newcastle-Krankheit, Geflügelpest, Pferdepest, Afrikanische Schweinepest und Klassische Schweinepest. Der Plan ist die Folge der vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen an die Kantone zugewiesenen Kompetenzen.
Beim Auftreten einer Tierseuche untersteht die technische Führung dem Kantonstierarzt in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt. Epidemien mit den menschlichen Varianten eines Virus werden durch den Einsatzplan Pandemie abgedeckt, und auch Viren, die sich auf Menschen übertragen können, werden nach den Grundsätzen der Pandemie behandelt, so das nun ausgearbeitete Dokument. Bei Tierseuchen finanziert der Staat die Einsätze der aufgebotenen Organe, Entschädigungen für Tierbetriebe übernimmt die Versicherung Sanima.
Jean-Denis Chavaillaz Bild zvg
Bilanz: Es braucht noch Material für Hochwasser
W enn es im Kanton Freiburg zu einer akuten Notsituation kommt, steht Jean-Denis Chavaillaz an vorderster Front. Der Vorsteher des Amts für Bevölkerungsschutz und Militär erklärt den FN, was die beiden neuen Einsatzpläne für den Kanton bedeuten.
Wo hatte der Kanton Freiburg bisher Defizite, wenn es zu einer Überschwemmung oder Tierseuche gekommen wäre?
Wir haben zusammen mit Spezialisten nun auf Papier festgehalten, was wir möglicherweise auch sonst in einer solchen Notsituation getan hätten. Gerade das Szenario einer Tierseuchen haben wir auch schon beübt. Dank den Plänen können wir nun aber bei Bedarf ein Papier in die Hand nehmen und uns darauf stützen.
Welche Arbeit steckt hinter einem solchen Einsatzplan?
Zur Erstellung eines Einsatzplans ist ungefähr ein Jahr nötig. Arbeitsgruppen erstellen die technischen Grundlagen, und ein Führungsausschuss mit fünf Personen unter meiner Leitung nimmt die Vorschläge dieser Arbeitsgruppen auf. Zuletzt nimmt der Staatsrat davon Kenntnis.
Bereits verfügt Freiburg für andere Bereiche über Einsatzpläne. Wird es noch weitere geben?
Ja, es geht noch weiter. Zum Beispiel ein Einsatzplan über Trockenheit und Hitzewellen. Da sind wir dran. Und dann auch für das Gegenteil, eine Kältewelle. Das kantonale Führungsorgan wertet jedes Jahr Gefährdungen und Risiken neu aus und setzt Prioritäten.
Auch Ressourcen punkto Material und Personal sollen in Einsatzplänen erfasst werden. Wann ist dies so weit?
Diese Ressourcen sind heute bereits erfasst. Sie sind in den Beilagen zu den Einsatzplänen enthalten und gehen sehr ins Detail. So ist dort genau festgehalten, welches Einsatzorgan welches Material braucht.
Reichen die bisher vorhandenen Ressourcen?
Im Bereich der Tierseuchen sind wir bestens ausgestattet. Für Überschwemmungen müssen wir in den nächsten Jahren noch Material anschaffen, vor allem Pumpen und Stromaggregate. Aber auch da stehen wir heute grundsätzlich nicht schlecht da.