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Stürze mit Knochenbrüchen als Folge sind leider in Pflegeheimen nicht selten. Der häufigste Grund für einen Pflegeheim-Aufenthalt, eine Demenz – mit oder ohne formelle Diagnose – ist auch der wichtigste Risikofaktor für Stürze. Deshalb sind viele Methoden entwickelt worden, Stürze und Sturzkomplikationen in Pflegeheimen zu reduzieren. Erprobte, bewährte Methoden sind Schwellenlosigkeit im Heim, keine blendenden Böden, Hüftprotektoren (sogenannte ‚Sturzhosen’) und möglichst wenig Neuroleptika, Benzodiazepine (Valium-ähnliche Beruhigungsmittel) und allgemein nicht zu viele (mehr als fünf) verschiedene Medikamente.
Freiheitseinschränkende Massnahmen (FEM) sind gefährlich
Leider werden auch noch vielerorts freiheitseinschränkende Massnahmen wie Bettgitter, ZEWI-Decken oder sogar Gurte gebraucht, um sturzgefährdete Menschen mit Demenz am Aufstehen zu hindern. Dabei ist in vielen wissenschaftlichen Studien belegt, dass der Abbau von solchen freiheitseinschränkenden Massnahmen (FEM) die Stürze mit Komplikationen nicht vermehrt, sondern sogar mithilft, Stürze zu vermeiden. Dazu kommt, dass bewegungsgewohnte Menschen mit Demenz durch die Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit noch mehr agitiert werden und sich zum Teil lebensgefährlich in den Fixationen verheddern oder mit ZEWI-Decke und Matratze über Bettgitter hinweg zu Boden stürzen können.
Weniger Unfälle dank weniger FEM
So haben in der Schweiz von 2001 bis 2013 gemäss RAI-Qualitätsindikator ‚Prävalenz körpernaher FEM’ von 11% auf 6.5%, also um 42%, abgenommen, und gleichzeitig haben Knochenbrüche als Folge von Stürzen von 3.3% auf 1,7% abgenommen, also um 48%. Dass auch der Abbau von nicht körpernahen Fixationen, d.h. von Bettgittern, nicht zu vermehrten Stürzen führt, ist z. B. in einem grossen Zürcher Pflegeheim gezeigt worden: Von 2012 bis 2014 wurden dort die Anzahl Bettgitter von 39% auf 17%, also um 56% reduziert, und gleichzeitig sanken die Stürze in diesem Pflegeheim insgesamt von 39% auf 35%, also ebenfalls leicht, um 10%.
Alternative Massnahmen
Eine viel bessere Lösung bei bewegungsfreudigen sturzgefährdeten Demenzkranken sind Bodenbetten und eine hindernisfreie, geschützte Umgebung, in der sich verwirrte Personen auch nachts frei bewegen können. Intensive körperliche Aktivitäten, vor allem am Nachmittag, verhelfen auch Demenzkranken zu einer natürlichen Müdigkeit und zu Ruhebedürfnis. Dies kann nötigenfalls mit einem sorgfältig dosierten sedierenden und am Abend verabreichten Antidepressivum noch unterstützt werden.