Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/3317

Der Titel unseres Konzertes NOSTALGHIA ist eine russische Variante des Wortes Nostalgie, welches sich wiederum ableitet von den griechischen Wörtern nóstos (Rückkehr, Heimkehr) und álgos (Schmerz) sowie dem nostalgia (Heimweh) im Neulatein. Dies bezeichnet eine sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken und kann sich sowohl auf das eigene Leben beziehen als auch auf nicht selbst erlebte Zeiten.
Wir beginnen unsere Nostalgie mit einer sinfonischen Dichtung: «Eine Steppenskizze aus Mittelasien» des russischen Komponisten Alexander Borodin. Er komponierte dieses Orchesterwerk 1880 zum 25. Jahrestag der Regierung von Zar Alexander II. und widmete es Franz Liszt. Das Werk ist ein typisches Beispiel für Programmmusik und besteht aus vier musikalischen Bausteinen: Endlose Weite der Steppe, Russisches Lied, Getrappel (der Karawane und der Pferdehufe), Orientalische Weise. Borodin schrieb unter anderem: «In der einförmigen Steppe Mittel-Asiens erklingen die bisher fremden Töne eines friedlichen russischen Liedes. Aus der Ferne vernimmt man das Getrappel von Pferden und Kamelen und den eigentümlichen Klang einer morgenländischen Weise. Das Lied der Russen und die Weise der Asiaten verbinden sich zu einer gemeinsamen Harmonie, deren Widerhall sich nach und nach in den Lüften der Steppe verliert.»
Als Nächstes hören wir die symphonische Dichtung von Franz Liszt «Les Préludes», die zwischen 1848 und 1854 entstanden ist. Bereits am 16. November 1856 ertönte sie in St.Gallen im Rahmen des «Abonnements-Concerte» an dem «die Herren Franz Liszt und Richard Wagner» dirigiert hatten, wie der damalige St.Galler Tagblatt schrieb. Liszt weist auf 30 Gedichte, den Méditations poétiques von Alphonse de Lamartine hin, dieser Bezug soll die Grundstimmung wiedergeben. Die Musik schildert verschiedene Lebensetappen: vom ersten Erwachen und Erwachsenwerden über schwärmerische Liebe, den Rückzug in die Natur und dem Ausbruch eines kämpferischen Willens, der am Ende zu einem überhöhten Triumph führt. Den Effekt, den das Werk macht, erkannten auch die Propagandisten zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Hauptthema aus «Les Préludes» wurde deshalb in den 1940er Jahren als Erkennungsmelodie für den Wehrmachtbericht im Rundfunk und in den Wochenschauen missbraucht und war auch als Siegesfanfare vorgesehen. Doch gleichzeitig beweist das meisterhaft orchestrierte «Les Préludes» wie Musik über alle plumpe Vereinnahmung erhaben ist und man darf mittlerweile das Werk wieder unbelastet hören.
Das 2. Klavierkonzert Op. 18 in c-Moll wurde von Sergei Rachmaninow ist in den Jahren 1900/1901 entstanden. Als Rachmaninow mit der Komposition des Klavierkonzerts begann, hatte er eine schwere Schaffenskrise durchgemacht. Für seine Schwermütigkeit bekannt, verfiel er in Selbstzweifel und schliesslich Depressionen. Der Neurologe Nikolai Dahl behandelte ihn erfolgreich mittels Hypnose und Rachmaninow widmete das Konzert zum Dank dem Arzt. Rachmaninow schrieb hierüber später: «Auch wenn es unglaublich erscheint, diese Therapie half mir wirklich. Das Material wuchs und neue musikalische Ideen begannen sich in mir zu regen.» Das 2. Klavierkonzert ist zu großen Teilen als Filmmusik in vielen bekannten Filme zu hören. Unter anderem lässt sich im Film Das verflixte 7. Jahr von 1955 Marilyn Monroe zu Rachmaninows 2. Klavierkonzert verführen. Im Jahre 1917 verliess Rachmaninow Russland und lebte in den USA. Er verbrachte viele Sommermonate in der Schweiz in der Villa «Senar» am Vierwaldstättersee, doch nach Russland kehrte er nie mehr zurück bis zum Ende seines Lebens.
Das meistgenützte Wort welches Musikkritiker zum späteren Schaffen von Rachmaninoff in Verbindung brachten war: die Nostalgie.