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|(Text von 1993)

Ein Verein wird zehnjährig. Ein Zusammenschluss, der aus konkretem Bedarf nach Arbeitsräumen entstand. Und nicht irgendwo abseits im Grünen wollte die Gruppe von Bildhauern und Bildhauerinnen arbeiten, sondern da, wo sie herkamen und lebten, in der Stadt, in Zürich.
Nun waren im Zürich der frühen achtziger Jahre die Bildhauer nicht allein mit ihrer Raumsuche. Zahlreiche andere waren auch damit beschäftigt, eben war das AJZ, das autonome Jugendzentrum, geschleift worden, um Wohnraum stand es auch nicht gut. Räume für die Herstellung von Kunst sind im allgemeinen Ateliers. Gemäss ihrer Bauordnung darf die Stadt Zürich solche Räume nur in Wohnzonen bauen. Ausserdem muss, was in einem Atelier geschieht, leise verrichtet werden. Das aber können jene Kunstschaffenden nicht gewährleisten, die plastisch und grossformatig arbeiten, die hämmern und schlagen, bohren und schweissen, mit Maschinen und Kompressoren hantieren, Dreck und Lärm machen. Das war die Ausgangssituation für die raumsuchenden Bildhauer um Heinz Niederer gewesen.
Das Dutzend Leute, zwei Frauen und 9 Männer die sich mit Heinz Niederer zusammenfanden, entwickelte eine Vision von einem anzustrebenden Zustand. Ein Stück Land wünschten sie sich von der Grösse eines Fussballfeldes ungefähr, zur Verfügung gestellt von der Stadt. Erschlossen sollte das Land sein und so billig wie möglich oder noch lieber kostenlos. Dieses Areal sollte von den Beteiligten allmählich und in Eigenarbeit mit einer einfach konstruierten Struktur, einem System von Werkräumen, bebaut werden. Schon damals hatten nicht alle die gleichen Erwartungen an ein gemeinsames Projekt. Während den einen die Gesamtgestaltung der Werkplätze wichtiger war, hatten andere die Hoffnung, dass gemeinsames Eigentum zusammenbindet (wenns draussen regnet, setzen sich alle an den Tisch und fragen sich: wie weiter).
Die Stadtverwaltung wurde angegangen mit diesem Ansinnen. Zunächst schien nichts passendes vorhanden zu sein. Ein Areal im Hagenholz, das den Bildhauern gepasst hätte, wollte die Stadt nicht freigeben. Dann aber hatte der damalige Vorsteher der Industriellen Betriebe, Jürg Kaufmann, eine Idee. Seinem Departement unterstand unter anderem das Gaswerkareal in Schlieren. Nachdem es mit der Einführung von Erdgas seinen ursprünglichen Zweck der Gasproduktion verloren hatte, sollten Areal und Gebäude, insgesamt gegen 200 000 Quadratmeter, kommerziell genutzt werden. Aber da waren noch erhaltenswürdige Bauten, der Komplex um den ehemaligen Wasserturm mit der weithin sichtbaren Uhr, Apparate-, Maschinen- und Gaszählerhaus. Sie instand zu setzen, war nicht billig. So machte Jürg Kaufmann aus der Altlast eine Kulturtat und schlug dem Gesamtstadtrat vor, Bauten und einen Teil des Umgeländes an die Bildhauervereinigung unentgeltlich abzutreten. Robert Iten, damals Direktor des Gaswerks, trug seinerseits viel zum Gelingen des Vorhabens bei.
Heinz Niederer und seine Kollegen nahmen das Angebot gerne an, auch wenn es nicht mehr ihren Träumen entsprach. Das Areal bot einiges, vor allem auch Hallen, wo die Künstler und Künstlerinnen ausstellen konnten. Ein erstes Mal taten sie das im Winter 1985, verbunden mit einem grossen Fest. Sie machten damit aufmerksam auf sich und ihre neuen Arbeitsplätze. Mit dem Verkauf von Skulpturen polsterten sie ein erstes Finanzkissen für die nicht zu unterschätzende Auflage der Instandhaltung.
Es war nicht einfach für die Beteiligten, die mit Organisation und Vereinsmeierei möglichst nichts zu tun haben wollten. Bildende Künstler gehören auch nicht gerade zu den ausgeprägtesten Gemeinschaftswesen. Noch dazu Leute, die zwangsläufig Konkurrenten sind, wie Heinz Niederer sagt, schon deshalb, weil sie oft an denselben Wettbewerben teilnehmen. Aber als Gegenüber forderte die Stadt im Hinblick auf einen allfälligen Vertragsabschluss eine juristische Form, einen Partner mit festgelegten Chargen und Statuten und Protokoll.

|| So kam es zur AZB, sie war das institutionelle Ergebnis des zunächst spontanen Zusammenschlusses. Im Sommer 1984 wurden die ersten Werkplätze an der Limmat bezogen. Im Winter darauf wurden die Medien orientiert. Das erwähnte Eröffnungsfest und die Ausstellung folgten. Im April 1986 wurde der Baurechtsvertrag auf 20 Jahre mit der Gasversorgung unterschrieben.

Fast fünf Jahre lang sass der aktive Heinz Niederer dem Verein AZB vor oder zog viel mehr den Karren, machte den Verein bekannt, unterstützt in allen Entscheiden und Aktionen vom Vizepräsidenten Paul Meyer. Dieser und der Kassier François Bochud stellten als einzige Nichtbildhauer dem Verein während Jahren ihre Zeit zur Verfügung. Der erste Präsident verausgabte sich sehr, zu sehr. Eine geplante Ausstellung kam nicht zustande, Heinz Niederer wurde krank, das Präsidium war eine Weile unbesetzt. Im Frühling 1988 übernahm Esther Gisler den Vorsitz. Eine scheinbar ruhigere Phase folgte, ohne viel nach aussen Sichtbares. Esther Gisler und der Vorstand mussten sich stark mit Verwaltungsarbeit, Vertragsentwürfen, Verhandlungen auseinandersetzen. Zudem standen Sanierungen an, die nicht weiter aufgeschoben werden konnten. Ein Teil der Gebäude erwies sich als zu aufwendig und teuer in Betrieb und Instandsetzung, so dass die Arbeitsgemeinschaft ihn abtauschte gegen Atelierräume in einem benachbarten Neubau, bis auf dem Gaswerkareal neuer Raum zur Verfügung stehen würde. Den neuen Vertrag mit der Stadt brachte Esther Gisler 1990 unter Dach. Seither belegt die AZB vier Atelierräume in historischen Gebäuden an der Turmstrasse, zwei vorübergehend in neuen Gebäuden der Möbel-Transport AG, zwei in der ehemaligen Busgarage, dazu sieben Aussenplätze entlang der
Limmat.
Im Frühjahr 1992 gab es erneuten Wechsel an der Spitze. Roland Hotz und Vincenzo Baviera haben seither das Präsidium inne. Roland
Hotz, ehemals Präsident der Produga, hat nochmals eine andere Politik als Vorgängerin und Vorvorgänger. Er will nicht allein
anreissen, sondern einen Stil pflegen, der die Mitglieder in itiativ werden lässt. Demokratisch und transparent wünscht er sich die Vereinsarbeit. Mit dieser Absicht hat er auch die Vereinsstrukturen verändert, ständige Kommissionen, die doch kaum je tagten, aufgelöst, ein Sekretariat eingerichtet, das John Grüniger betreut. Hauptanliegen der AZB ist für Roland Hotz nach wie vor, Arbeitsraum und Infrastruktur für bildende Künstlerinnen und Künstler bereitzustellen, so billig wie möglich, denn Bildhauerei sei anders nicht zu bewerkstelligen, dieser Anachronismus einer ausgesprochen zeitintensiven Kunst in unserer schnellen Zeit. Das sei soweit auch gelungen, die Räume seien instandgestellt und würden benützt. Nun kann nach ihm ein zweites dazukommen: die Auseinandersetzung über die Arbeit nach innen und
aussen. Vorstandssitzungen reihum in den Ateliers der Mitglieder wurden von ihm zu diesem Zweck eingeführt, statt Sitzungen in der Beiz. Vincenzo Baviera hat schon zweimal mit Erfolg Führungen durch die Ateliers für Aussenstehende veranstaltet, sogenannte Kunstexpeditionen. Roland Hotz sagt auch klar, dass nach seinem Verständnis die AZB weder Förderverein noch Auftragsvermittlung sein kann. Lieber wären ihm kollektive Projekte wie die Einrichtung einer Bibliothek oder das Betreiben eines kleinen Ausstellungsraums. Über Vorschläge und Unternehmungen der Mitglieder freut er sich. Hin und wieder als Gruppe ausstellen oder sich gemeinsam einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen, das dient allen, das unterstützt er unbedingt. Das sind für ihn Beiträge dazu, dass Erreichtes bleibt und Begonnenes weitergeht.