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Ernst fühlt Ernst fahrig, wütend, melancholisch und sprunghaft. Ernst befürchtet, Ernst könnte explodieren, aber Ernsts Schwermut dämpft die Wut, so dass auch eine Implosion möglich wäre. Ernst vermutet 5 Ursachen:
1. Ernst sollte Ernsts Klause putzen.
2. Ernst wurde vom Atem des Drachen angesengt.
3. Ernst hat drei Emails nicht beantwortet.
4. Ernst macht das Pfingstwunder Angst.
5. Ernst versteckt etwas.
ad 1: Der Putzteufel
Ernst denkt an die Email von Charlotte, wo sie die Chupa Chups und den Wischmopp von Manuel Jalón vorstellt[1]. Dann betrachtet Ernst die drei Zentner schwere Entstäubungspumpe, die 1906 (wie es in der Werbung heisst) von einem ‹Hausmädchen› benutzt wurde und Ernst denkt auch an Sisyphos:
Ernst sieht den tragischen Helden, wie er in gewaltigen Schmerzen mit beiden Armen einen Felsblock, einen ungeheuren, fortschaffen will. Ja, und mit Händen und Füssen stemmend, stösst auch Ernst jetzt Ernsts Entstäubungspumpe hinauf auf den Hügel. Doch wie Ernst sie über die Kuppe werfen will, dreht Ernst das Übergewicht zurück: Von neuem rollt sie dann, die schamlose, ins Feld hinunter. Ernst aber stösst sie immer wieder zurück, Ernst anspannend, und es rinnt Ernst der Schweiss von Ernsts Gliedern, und der Staub erhebt sich weit über Ernsts Haupt hinaus.[2]
ad 2: Der Drache
Was Ernst zu schaffen macht, ist, dass die Stelle, die Ernst in der Closterbibliothek aufs Geratewohl aufgeschlagen hat, Beowulfs letzten Kampf beschreibt. Zwar gelingt es ihm, den Drachen zu töten, aber Beowulf wird so stark verletzt, dass er bald darauf stirbt. Ernst schliesst die Augen und denkt an Friedrich Hölderlin.
Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.
ad 3: Die Emails
Ernst schämt Ernst, die Emails vom Nordlicht, von me_at_night und von Flora noch nicht beantwortet zu haben.[3]
ad 4: Das Pfingstwunder
So wie Lukas beschreibt, dass die Apostel in ihnen unbekannten Sprachen sprechen konnten[4], so befürchtet Ernst, dass Ernst Ernsts Wellness Journal plötzlich in einer Ernst fremden Sprache schreiben wird.
ad 5: Das Bekenntnis
Ernst wollte es verheimlichen, aber jetzt, da es schon seit Wochen als Alb auf Ernsts Brust sitzt, hat Ernst keine andere Wahl: Ernst hat zwar Ernsts Geleiere eingestellt[5], aber Doña Adicción treibt noch immer ihr Unwesen und auch Madame Surchauffeur, Dr. phil. Fill und Signora Cardiopalmo sind nach wie vor Ernsts treue Begleiter und – ebenso bedenklich: in Ernsts Schublade liegt 1 Biberli (Ernst schaut nach: und 1 Bündner Nussbrot und 2 Tartufi bianchi und 5 Nidletäfeli von der Oberstockenalp[6]) und erst gestern schlenderte Ernst zum Clostershop und kaufte 1 Magnum Zitrone & Limetten-Eis mit der feinen Knusperwaffel, in einzigartiger Extrêmequalität – short & sweet: Ernsts Essgewohnheiten sind nicht besser geworden.
[1] Episode 52
[2] Homer, Odyssee, 11. Gesang, 593ff.
[3] Ernst wird das so bald als möglich nachholen und Ernsts Antwort in Episode 76 einfügen.
[4] Apostelgeschichte 2,42: 1 VND als der tag der Pfingsten erfüllet war / waren sie alle einmütig bey einander. 2 Vnd es geschach schnelle ein Brausen vom Himel / als eines gewaltigen Windes / vnd erfüllet das gantze Haus / da sie sassen. 3 Vnd man sahe an jnen die Zungen zerteilet / als weren sie fewrig / Vnd er satzte sich auff einen jglichen vnter jnen / 4 vnd wurden alle vol des heiligen Geists / Vnd fiengen an zu predigen mit andern Zungen / nach dem der Geist jnen gab aus zusprechen. 5 ES waren aber Jüden zu Jerusalem wonend / die waren gottfürchtige Menner / aus allerley Volck / das vnter dem Himel ist. 6 Da nu diese stimme geschach / kam die Menge zusamen / vnd wurden verstörtzt / Denn es höret ein jglicher / das sie mit seiner Sprache redten. Übersetzung Luther 1545 (Letzte Hand)
[5] Episode 69
[6] Jeden Morgen schöpft der Käser Werner von der Abendmilch den Rahm ab. Aus dieser Nidle gibt es die feinen Nidletäfeli. http://www.alpgeschichten.ch/fr/2017/nidletafeli