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Rosatom verlangt Garantien für Neubau in Slowakei
Die Verhandlungen zwischen der slowakischen Regierung und der Rosatom geriet am 3. Juli 2013 ins Stocken, als das russische Unternehmen einen garantierten Mindestpreis von rund EUR 65 (CHF 80) je MWh für den vom geplanten Neubau erzeugten Strom verlangte.
Der slowakische Wirtschaftsminister Tomas Malatinsky erklärte, es sei derzeit «nicht möglich», eine solche Garantie zu geben. Alle EU-Mitgliedsstaaten würden vor ähnlichen Problemen stehen, nachdem laut dem European Energy Exchange (EEX) der Referenzpreis für eine MWh am 3. Juli 2013 zwischen EUR 37 und 45 (CHF 46 und 56) lag und damit deutlich niedriger als der geforderte Garantiepreis. Somit müsste die slowakische Regierung die Differenz zu Gunsten der Rosatom übernehmen.
Rosatom: Strompreisgarantie gerechtfertigt
Leos Tomícek, Vizepräsident der JSC Rusatom Overseas – der für die Projektfinanzierung zuständigen Tochtergesellschaft der Rosatom – erklärte, der Markt in der EU sei durch Subventionen verzerrt, die zusammen mit der Wirtschaftskrise die Preise nach unten trieben. Wenn die Subventionen eines Tages verschwänden – wovon er überzeugt sei – würde der MWh-Preis auf EUR 60–70 (CHF 74–87) je MWh steigen, meinte er in einem Gespräch mit der slowakischen Tageszeitung Pravda. Sollte der internationale Strompreis höher als die Garantie ausfallen, müsste die Rosatom die Differenz der slowakischen Regierung zurückvergüten. Tomicek betonte, dass eine Strompreisgarantie nötig sei, weil Russland nicht EU-Mitglied sei und keinen Einfluss auf die langfristige Energiepolitik der EU einschliesslich der Energiepreise habe. Dieser Vertrag würde der Rosatom die Gewissheit geben, dass das Projekt immer vorteilhaft bleibt, sagte er weiter. Tomíček erklärte gegenüber der Prawda, die Rosatom würde im Gegenzug garantieren, dass die vereinbarten Kosten nicht überschritten würden und dass der Bau der neuen Einheit innerhalb von fünf Jahren nach Beginn abgeschlossen wäre.
Die geplante Einheit soll am bestehenden Standort Jaslovske Bohunice im Kreis Trnava gebaut werden. Die Baukosten werden auf EUR 4–6 Mrd. (CHF 5–7,4 Mrd.) geschätzt. Die slowakische Regierung verhandelt derzeit mit sechs Reaktorlieferanten, darunter der Rosatom, der französischen Areva-Gruppe und der amerikanisch-japanischen Westinghouse Electric Company. Wirtschaftsminister Malatinsky hätte seinen Regierungskollegen bis Ende Juni die Ergebnisse der Gespräche vorstellen sollen. Am 3. Juli teilte er dem Ministerkabinett mit, die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Die Regierung verlängerte daraufhin die Frist auf Ende Oktober.
Ende 2006 beziehungsweise Ende 2008 schaltete die Slowakei Bohunice-1 und -2 vom älteren russischen Typ WWER-440/V230 endgültig ab und folgte damit einer im Beitrittsvertrag zur EU festgelegten Verpflichtung. Am selben Standort stehen weiterhin die beiden Druckwasserblöcke des russischen Typs WWER-440/V213 –Bohunice-3 (429 MW) und -4 (410 MW) – in Betrieb. Am Standort Mochovce verfügt die Slowakei ebenfalls über zwei WWER-440/V213-Einheiten. Dort sind zudem zwei weitere Blöcke im Bau.