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Schang Hutter – ein politischer Humanist
Schang Hutter war einer der herausragenden figurativen Bildhauer der Schweiz. Hutter lebte in den 1950er-Jahren einige Jahre in Deutschland, wo die Kriegsfolgen immer noch zu spüren waren. Das hatte auch Einfluss auf sein Schaffen. So gilt sein «Sterbender Häftling» (1964-1972) als ein wichtiges Denkmal für die Opfer der Konzentrationslager und seine Eisenplastik «Shoah» sorgte 1998 für Tumult vor dem Bundeshaus.
Hutter wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit Stipendien des Freistaates Bayern und des polnischen Staates, dem Förderpreis und Kunstpreis des Kantons Solothurn und mit dem Preis der Stiftung für die grafische Kunst in der Schweiz. Er starb im Juni im Alter von 86 Jahren in seiner Geburtsstadt Solothurn.
Virgil Abloh: «Etwas zu erschaffen, bedeutet Freiheit»
Virgil Abloh war einer der wichtigsten Modemacher und Designer seiner Generation. Er wuchs als Sohn ghanaischer Einwanderer in einem Vorort von Chicago auf. Nach einem Bauingenieurs- und Architekturstudium wandte er sich der Mode zu und gründete sein eigenes Streetware-Label.
Als Designer verband er Welten. Er designte das Album von Kanye West und war Kreativchef bei Louis Vuitton. Abloh starb im November im Alter von 41 Jahren in Chicago.
Sabine Weiss – die humanistische Fotografin
Über fast acht Jahrzehnte lang hielt Sabine Weiss den gesellschaftlichen Wandel in ihren Bildern fest. Sie galt als letzte Vertreterin der französischen Schule der humanistischen Fotografie.
Bekannt war die Pionierin der Nachkriegsfotografie auch für ihre Modeaufnahmen in der «Vogue» sowie für ihre Porträtfotos, darunter der Komponisten Benjamin Britten und Igor Strawinsky oder des Malers Fernand Léger. Sabine Weiss starb im Dezember im Alter von 97 Jahren in Paris.
Gottfried Böhm – der Schöpfer des «Gottesgebirges»
Kirchen wie Gebirge, Rathäuser wie Burgen – aber alles aus Beton: Das war das Markenzeichen des Architekten Gottfried Böhm. Er galt als einer der gefragtesten Architekten der Nachkriegszeit und hat mehr als 50 Sakralbauten geschaffen.
Gottfried Böhm hat zwar fast nur in Deutschland gebaut, wurde aber international wahrgenommen. So erhielt er 1986 als erster Deutscher den Pritzkerpreis, die wichtigste Architekturauszeichnung der Welt. Böhm starb im Juni im Alter von 101 Jahren in Köln.
Ursula Rodel – Designerin für Lebenskultur
Sie begann in den 1970er-Jahren als Modedesignerin und hat Filme von Regisseuren wie Federico Fellini und Lars von Trier ausgestattet. 1972 gründete Ursula Rodel in Zürich das Prêt-à-Porter-Label «Thema Selection» mit. Später kreierte sie mit «Ursula Rodel Création» ihr eigenes Label.
Sie sah sich selbst als «Designerin für Lebenskultur» und erhielt 2009 den Grand Prix Design für ihr Werk. Ursula Rodel starb im März im Alter von 75 Jahren in Zürich.
Ernst Hiestand – Markenzeichen «Swiss Style»
Viele Schweizerinnen und Schweizer hielten schon mal einen Entwurf von Ernst Hiestand in den Händen. Der Zürcher Grafiker entwarf die sechste Schweizer Bankennotenserie, die von 1976 bis ins Jahr 2000 im Umlauf war. Hiestand führte über Jahrzehnte gemeinsam mit seiner Frau Ursula ein eigenes Grafikatelier.
Er sei, so hiess es in einem Nachruf, massgeblich daran beteiligt, dass der Begriff «Swiss Style» international zu einer Referenz wurde. Ernst Hiestand starb im Oktober im Alter von 86 Jahren in Zürich.
Arnold Odermatt – der Polizist, der mit der Kamera schoss
Eigentlich war er Polizist. Doch sein Arbeitsinstrument war weder Knüppel noch Pistole, sondern der Fotoapparat. Arnold Odermatt machte das Bild zum wichtigen Bestandteil der polizeilichen Arbeit.
Seine Fotos, oft Unfallbilder, wurden zur Kunst geadelt und gingen um die Welt, als Harald Szeemann sie 2001 an der Kunstbiennale in Venedig präsentierte. Es folgten Bücher über ihn und über 100 Ausstellungen. Arnold Odermatt starb im Juni im Alter von 96 Jahren in Stans.
Robert Haussmann – Teller, Stühle, Häuser
Robert Haussmann zählte zusammen mit seiner Frau Trix Kelterborn-Högl zu den wichtigsten Schweizer Gestaltern des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam eröffneten sie 1967 ein Studio, das später als «Allgemeine Entwurfsanstalt Zürich» bekannt wurde.
Haussman entwarf Möbel und Inneneinrichtungen, unter anderem in der Kronenhalle-Bar in Zürich. 2013 zeichnete das Bundesamt für Kultur das gemeinsame Schaffen der Haussmanns mit dem Grand Prix Design aus. Robert Haussmann starb im September im Alter von 89 Jahren in Zürich.
Richard Rogers – der High-Tech-Architekt
Rogers gehörte in den frühen 1960er-Jahren zu den Gründern des «Team 4», aus dem sich die britische «High-Tech»-Bewegung entwickelte. Er schuf markante Bauwerke. Sein bekanntestes ist wohl das Centre Pompidou in Paris, das er gemeinsam mit Renzo Piano entwarf. Damit erlangte er 1971 Weltruhm.
Es folgten weitere grosse Würfe: der Millennium Dome in London, der Terminal 5 des Flughafens Heathrow oder das Leadenhall Building (Spitzname: Käsereibe) ebenfalls in London. Bauten von Rogers sind aber auch in Berlin oder New York («Three World Trade Centers») zu finden. Er starb im Dezember im Alter von 88 Jahren in London.
Christian Boltanski – die eigene Angst verarbeiten
Christian Boltanski hat sich als Autodidakt zum Konzeptkünstler, Fotograf und Bildhauer gebildet. Er wurde kurze Zeit nach der Befreiung von der Nazi-Besatzung in Paris geboren. Der Holocaust war in seiner Familie immer Gesprächsthema gewesen, erzählte er. Das prägte sein Schaffen, das auch als Erinnerungskunst bezeichnet wird.
Boltanski starb im Juli im Alter von 76 Jahren in Paris.