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In den Wintermonaten bestreitet er Skirennen in verschiedenen Ländern, im Sommer arbeitet er als Elektroinstallateur bei der ETAVIS in Chur. Roberto Siorpaes erzählt die Geschichte seiner Leidenschaft: Über eine geplatzte Profikarriere bis hin zu seinen heutigen Erfolgen als Skirennfahrer.
Roberto Siorpaes wuchs im italienischen Skigebiet Cortina auf. Bereits seine Vorfahren väterlicherseits, arbeiteten alle auf den dortigen Skipisten. Als dann der Krieg ausbrach, musste die Familie vor Mussolinis Herrschaft fliehen und fand in Österreich Zuflucht. Tragischerweise wurden sie dann vom Deutschen Reich eingezogen und mussten an der Seite der Nazis im Krieg kämpfen.
Als die Familie Jahre später nach Cortina zurückkehren konnte, verdienten sie ihr Geld vorerst mit dem Verkauf von altem Kriegsmaterial aus den Bergen. Alle ausser Sergio – er war der Onkel von Roberto und zu dieser Zeit einer der besten Bob Bauer der Welt. Lange war er selbst erfolgreicher Bobfahrer, bevor er seine Karriere beendete und mit dem Bau der Schneegefährte anfing. Seine Bobs waren so gut, dass sie sogar an den Olympischen Spielen zu Medaillen fuhren.
Wintersport liegt der Familie im Blut
Doch nicht nur Sergio war aktiv und erfolgreich im Wintersport unterwegs: Auch Robertos Eltern waren professionelle Skirennfahrer. Seine Mutter Yvonne aus Chur gewann im Jahr 1960 für die Schweiz im kalifornischen Squaw Valley die Goldmedaille im Riesenslalom. «Und dies, obwohl sie damals lediglich als Ersatzfahrerin in die USA reiste», erzählt Roberto. Preisgeld gab es dazumal noch keines. «Sie gewann jedoch ein Radio, das bis heute einwandfrei funktioniert», ergänzt Roberto lächelnd. Robertos Vater fuhr dazumal für Italien im Weltcup und lernte Yvonne bei einem Rennen kennen. «Ich bin quasi auf Skiern geboren. Seit meiner Geburt ist der Wintersport ein sehr grosser Teil von mir», erzählt Robert. Und schon als Junge hegte er ebenfalls den Traum von einer Profikarriere.
Yvonne gab bereits nach zwei Jahren im Profisport ihren Rücktritt bekannt und arbeitete ab dann für den familieneigenen Elektrobetrieb in Chur. Hier absolvierte Roberto Jahre später seine Ausbildung zum Elektroinstallateur, bevor er im Alter von 20 Jahren wieder nach Cortina zurückkehrte, um dort im Skigebiet zu arbeiten.
Das Talent und die Begeisterung von seinem Onkel Sergio, fanden auch bei Roberto Anklang. Roberto entwickelte sich zu einem äusserst erfolgreichen Bobfahrer. Sein grösster Wunsch: Eine Profikarriere zu starten. Trotz seines Talentes und seinen diversen Renen für das italienische Nationalteam im Europa Cup, reichte es aufgrund verschiedenster Faktoren nicht für den grossen Durchbruch. «Es war eine sehr harte Zeit. Neben den täglichen Trainingseinheiten von drei mal zwei Stunden, musste ich nebenbei auf den Pisten arbeiten, um Geld zu verdienen», erzählt Roberto. Im Bobsport verdiene man kaum etwas und zu dieser Zeit sei er auch bei keinem Sponsor unter Vertrag gewesen. «Zwei Jahre lang habe ich das so durchgezogen. Aber irgendwann wurde es mir einfach zu viel und ich musste mich zwischen Geld verdienen und dem Versuch, Profifahrer zu werden, entscheiden.» Roberto wählte Ersteres und hing somit den Traum einer Sportlerkarriere vorerst an den Nagel. «Ich war ganz nahe dran, daher tat dieser Entscheid schon sehr weh», erzählt Roberto noch immer sichtlich bedrückt.
Als kleiner Trost durfte er an den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin als Vorfahrer die Bob Piste testen. «Wir prüften, ob die Piste in einem guten Zustand ist und ob die Zeitmessung einwandfrei funktioniert.»
Vor rund 10 Jahren kam Roberto schliesslich zurück nach Chur, wo er im selben Betrieb wie früher wieder als Elektroinstallateur zu arbeiten begann. Mittlerweile gehört die Firma der ETAVIS-Gruppe an.
Leidenschaft ausleben
Trotz geplatzter Träume ist der Wintersport noch immer Robertos grösste Leidenschaft. «Im Jahr 2015 habe ich vom Wettbewerb «Masters» erfahren und mich sofort im italienischen Piancavallo dafür angemeldet.»
Der Masters Cup ist eine alpine Rennserie. Wer das 30. Lebensjahr überschritten hat, darf hier teilnehmen. Die Rennen werden dann in verschiedenen Alterskategorien ausgetragen: In der Kategorie A dürfen alle Teilnehmer zwischen 30 & 60 Jahren antreten. Die Kategorie B ist für Fahrer über 60 Jahre.
Zum ersten Rennen reiste Roberto weder mit vorgängigem Training noch mit irgendwelcher Vorbereitung an. «Und siehe da, ich fuhr prompt auf den 10. Platz! Da wurde mir klar: Wenn ich anfange zu trainieren, liegt noch viel mehr drin.» Also begann Roberto drei bis vier Mal wöchentlich zu trainieren und musste dafür auf so einiges verzichten. Doch durch seinen Ehrgeiz holte er sich sowohl im Jahr 2017 als auch 2020 den Gesamtweltcup. «Im Jahr 2017 habe ich 26 von 30 Rennen gewonnen – da war ich sehr gut in Form.»
Auch im vergangenen Jahr war er auf dem besten Weg zum Titel, riss sich dann aber tragischerweise das Kreuzband. Doch der 58-Jährige denkt noch lange nicht ans Aufhören. «Ich will wieder auf die Piste und arbeite sehr hart dafür. Auch nach einem anstrengenden Arbeitstag denke ich einfach an den Winter, die Pisten, das Gefühl… und schon bin ich topmotiviert fürs Training.»
Das Training diesen Sommer lief schon wieder sehr gut. «Ich fühlte mich so fit wie seit vielen Jahren nicht mehr», erzählt Roberto begeistert. Doch das Knie spielt noch immer nicht mit. «Kürzlich wagte ich mich in einem Trainingslager wieder auf den Ski. Und obwohl ich nicht stürzte, blockierte mein Knie und ich konnte es nicht mehr beugen.» Die Verletzung ist also noch nicht verheilt. Dennoch blickt Roberto zuversichtlich auf die anstehende Saison: «Ich glaube fest daran, dass ich fahren kann. Solange ich noch in der unteren Alterskategorie bin, will ich unbedingt dabei sein, Vollgas geben und mich vor allem mit den Jungen messen», erzählt Roberto lachend.
Im Normalfall ist Roberto also im Winter viel unterwegs. In den Tagen dazwischen arbeitet er als Hauswart für zwei Wohnblöcke in Chur. In den Sommermonaten arbeitet er bei ETAVIS als Elektroinstallateur. «Ich bin froh, so flexibel arbeiten zu können. Durch die Tätigkeit bei ETAVIS kann ich mir diese Auszeit im Winter überhaupt finanzieren.»
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