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Der Reichshof? Alle Jahre wieder
Und wieder schweigen die historischen Quellen für ganze vier Jahrhunderte! Erst aus dem Jahr 1259 ist die nächste Urkunde überliefert, die Wiedikon erwähnt. Aus dieser Urkunde erfahren wir, dass Wiedikon zu jener Zeit ein königlicher Reichshof war.
Wir dürfen annehmen, dass von diesem Reichshof Lebensmittel in die Pfalz auf dem Lindenhof geliefert werden mussten, wenn in der Pfalz ein hoher Besuch, vielleicht sogar der Kaiser, erwartet wurde.
Am Sechseläutenumzug stellt die Zunft zu Wiedikon dieses Thema dar: Adlige und geistliche Herren aus der nahen Stadt, zu Ross und zu Fuss, aber auch die Bauern und die dörflichen Handwerker aus Wiedikon.
Wir wissen auch aus jener Urkunde, dass damals die Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg als Vögte für diesen Reichshof verantwortlich waren — jeder Albiswanderer kennt ja die Ruinen der Schnabelburg! Aber dieses Adelsgeschlecht ist bald ausgestorben, die Vogtei über Wiedikon ging an andere Geschlechter, die Mülner, die Glentner, die Schwend, die sich ihr Bürgerrecht hinter den schützenden Mauern der Stadt Zürich gesichert hatten. Und so fielen die Vogteirechte über Wiedikon 1491-1496 durch Kauf an die aufstrebende freie Reichsstadt Zürich, die zielbewusst am Werk war, sich ein Herrschaftsgebiet zu erwerben, das schliesslich praktisch mit dem heutigen Kanton Zürich identisch war.
Wegen seiner Nähe zur Stadt war Wiedikon eine innere Vogtei, das heisst: Der für Wiedikon (und zugleich Albisrieden) verantwortliche Vogt wohnte in der Stadt und erschien immer dann in Wiedikon, wenn er Amtsgeschäfte zu verrichten hatte.