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(Paläolithikum)
Die Altsteinzeit ist die längste Periode der Menschheitsgeschichte. Das Wort Paläolithikum kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt : PALAIOS = ALT / LITHOS = STEIN. Die Altsteinzeit wird in drei Hauptgruppen eingeteilt und zwar:
– Ältere Altsteinzeit
– Mittlere Altsteinzeit
– Jüngere Altsteinzeit
Und diese Phasen werden dann nochmals aufgeteilt. Das klingt kompliziert.
Steinzeit kompliziert?
Aber man kann das auch entschärfen, damit das Begreifen einfacher geht. Wenn man einmal weiss, wie und warum all diese Begriffe entstanden, kann man sich auch leichter ein Bild davon machen und all diese Namen erscheinen einem nicht mehr so fremd und kompliziert.
Ein kleines Beispiel: Die typischen Steinwerkzeuge, wie sie Homo erectus herstellte, wurden zuerst in St. Acheul in Frankreich gefunden. Alle ähnlichen Werkzeuge dieser Art, wurden nach dem ersten Fundort benannt. Auch wenn diese sehr viel älter waren, beziehungsweise, viele Jahrtausende früher angefertigt wurden, spielt das keine Rolle mehr. Sie werden alle nach dem ersten Fundort benannt, somit der den Acheuléen zugeordnet, weil diese Bezeichnung dann für eine Epoche steht. Man unterteilt sie dann lediglich zur allgemeinen Orientierung mit Namen, wie “Früh-Acheuléen”, oder “Spät Acheuléen”, was lediglich besagt, dass sie älter oder jünger sind, als das erste Fundstück im französichen St. Acheul.
Fassen wir zusammen:
- Werkzeuge der Acheuléen wurden nach dem ersten Fundort in St. Acheul benannt.
- Werkzeuge der Micoquien wurden nach dem ersten Fundort La Micoque in Frankreich benannt.
- Genauso verhält es sich mit den Moustérien, diese erste Fundstelle heisst, Le Moustier.
- Weiter gehts mit den Aurignacien, benannt nach dem ersten Fund in der der Höhle Aurignac, auch in Frankreich.
All diese Zeiteinteilungen wurden nach den Entwicklungen der Werkzeuge benannt. Immer wenn die Formen und Bearbeitungstechniken der Werkzeuge sich merkbar veränderten, entstand auch eine neue Zeiteinteilung, welche die Wissenschaftler nach der ersten Fundstätte benannten, wo die entsprechenden Werkzeugarten zum ersten Mal gefunden wurden.
Diese Werkzeugarten wurden nicht überall gleichzeitig entwickelt. So konnte es schon mal vorkommen, dass man zum Beispiel zuerst feinere Faustkeile in Afrika herstellte, die dann mit den Wanderungen der Menschen erst später nach Europa kamen und danach hier produziert wurden. Das geschah alles nur sehr langsam. So begannen diese Entwicklungen nicht überall gleichzeitig. Aber alle Funde, werden wie oben beschrieben, immer nach dem ersten Fund seiner Art benannt, egal ob sie 1’000 oder 10’000 Jahre älter sind, als der Erstfund.
Phasen der Altsteinzeit
Ich habe die verschiedenen Phasen und ihre Werkzeuge in einer übersichtlichen Skala dargestellt, damit Ihr Euch ein Bild machen könnt.
Zeiteinteilung der älteren Altsteinzeit
Oldowan
Vor 2,5 Millionen Jahren bis vor 1,5 Millionen Jahren
Der Zeitabschnitt der Oldowanwerkzeuge, wurde nach den ersten Steinwerkzeugfunden in der Olduvai-Schlucht benannt, die nördlich des afrikanischen Tansania liegt.
Die Pionierarbeit all dieser Entdeckungen leistete ein deutscher Schmetterlingssammler. Auf der Suche nach geflügelten Kostbarkeiten, stiess Professor Krattwinkel in der Olduvai-Schlucht im Jahre 1911 auf die Knochenreste eines Urpferdes. Zwei Jahre danach entdeckte Professor Hans Reck die ersten versteinerten Überreste eines Hominiden. Doch durch die Wirren des ersten Weltkrieges wurde er an weiteren Ausgrabungen gehindert. Später stiessen Mary und Louis Leakey, die Eltern von Richard Leakey, in Berlin auf diese Funde. 18 Jahre nachdem Professor Reck seine Ausgrabungen abrechen musste, nahmen Louis und Mary Leakey die Forschungen wieder auf und fanden die ersten Steinwerkzeuge. Mary entdeckte die Überreste von Australopithecus boisei. Bald darauf folgten die Entdeckungen von Homo habilis und viele weitere Überraschungen.
Die Oldowanzeit dauerte von 2,5 Millionen Jahre bis ungefähr 1,5 Millionen Jahre. Doch noch bevor diese endete, begannen in Georgien und Afrika bereits die Acheuléen. mit feiner gearbeiteten Steinwerkzeugen. In der Oldowanzeit wurden einfache Geröllsteine zurecht geschlagen, die als Schneide-, oder Schlagwerkzeuge genutzt wurden. Vielleicht sogar auch als Wurfgeschosse.
Nun eigentlich wäre es leicht zu sagen, diese und diese Form seien den Oldowan, oder eben den Acheuléen zugeordnet. Aber so einfach ist das nicht. Denn es gibt auch einfache Geröllgeräte, die während der Acheuléenzeit geschaffen wurden, aber aussehen wie jene der Oldowan. Folgendes Beispiel weist auf diese Möglichkeit hin.
Chopper sind nur einseitig bearbeitete Steine. Choppingtools sind zweiseitig bearbeitete Steinwerkzeuge. Diese Funde hier stammen aus Reinach (BL) und sind vermutlich 500’000 Jahre alt. Sie sehen aus, wie die Werkzeuge aus der Oldowanzeit, gehören aber zu den Acheuléen.
Acheuléen
Vor 1,5 Millionen Jahren bis vor 100’000 Jahren
In den Acheuléen erscheinen die ersten komplexeren gearbeiteten Steingeräte, wie zum Beispiel die Faustkeile, die sich von den einfacheren Geröllgeräten der Oldowanzeit unterschieden.
Der Name Acheuléen stammt, wie schon erwähnt, vom Fundort St. Acheul in Frankreich, wo die ersten Faustkeile dieser Art von Gabriel de Mortillet, einem Mitbegründer der Altsteinzeitforschung, im Jahre 1872 entdeckt wurden.
Faustkeile gab es damals in allen Variationen, was man eben grad brauchte. Zum Sägen, Schlagen, Hacken, Schneiden, Schaben und Werfen. Es gab Werkzeuge, die waren so klein, dass man sie nur mit zwei Finger nutzen konnte, welche wohl eher für feine Schnitz-, und Schabarbeiten gedacht waren. Es kamen auch grosse Exemplare vor, die man nur mit beiden Händen benutzen konnte.
Homo erectus wusste aber nicht nur Stein für seine Werkzeuge zu nutzen. Er stellte auch Faustkeile aus Elfenbein oder Knochen her.
Dieser Faustkeil wurde aus Mammutelfenbein gefertigt und stammt aus dem deutschen Ort Rhede in Nordrhein-Westfalen. Auch am Fundort Bilzingsleben wurden Faustkeile aus Knochen und Elfenbein gefunden.
Micoquien
Vor 130’000 Jahren bis vor 70’000 Jahren
Die Kulturstufe dieser typisch langestreckten, asymetrischen Steinwerkzeuge wurde nach ihrem ersten Fundort „La Micoque“ in der Dordogne in Südwestfrankreich benannt. Entdeckt wurden sie vom schweizer Archäologen und Antiquitätenhändler Otto Hauser, der 1897 in Windisch die Überreste des Amphitheaters entdeckte. 1906 machte er Grabungen in der Dordogne und stiess auf zahlreiche Werkzeuge. Solche Micoquienwerkzeuge wurden später auch in Bayern, Thüringen und in Osteuropa gefunden. Die Micoquien bilden sozusagen den fliessenden Übergang von den Spätcheuléen in die Moustérien. Da die Entwicklung der Werkzeuge nicht überall gleich verlief, überschneiden sich die Zeiten bisweilen auch.
Moustérien
Vor 120’000 Jahren bis vor 40’000 Jahren
Diese Zeitspanne wurde nach dem französischen Fundort Le Moustier benannt. Die Moustérien könnte man in Europa als die Kultur der Neandertaler bezeichnen. Die Neandertaler verfügten über zahlreiche Werkzeuge, die sie aus sorgfältig ausgesuchten Feuersteinarten heraus arbeiteten. Während den Micoquien und den Moustérien nahm der klimatische Wandel von der Eemwarmzeit ( vor 120.000 Jahren bis vor 110’000 Jahren) in die Würmeiszeit (vor 110’000 bis vor 11’5000 Jahren) seinen Lauf. Es wurde kälter.
Die typischen Moustérien-Werkzeuge waren ähnlich gearbeitet, wie jene der Spätacheuléen, aber kleiner und präziser. In dieser Zeit wanderte der moderne Mensch von Afrika in den nahen Osten und später nach Europa ein, welcher später nach seinem Fundort im französischen Cro-Magnon benannt wurde, der Cro-Magnon-Mensch.
Aurignacien
Vor 45’000 Jahren bis vor 29’000 Jahren
Mit den Aurignacien hält das Zeitalter der Kunst Einzug in die Menschheitsgeschichte. Die Aurignacien wurden nach dem französischen Dorf Aurignac in der Haut Garonne benannt. In dieser Zeit erscheint auch der Cro Magnon in Europa. Bis heute weiss man nicht genau, wie sich die Neandertaler und die anatomisch modernen Menschen gegenübertraten, oder wie stark sich ihre Kulturen gegenseitig beeinflusst haben. Bislang nimmt man an, dass in Europa nur Homo sapiens sapiens künstlerisch aktiv war, zumal das Alter der gefundenen Kunstwerke und sein Erscheinen zeitlich übereinstimmen.
Gravettien
Vor 28’000 Jahren bis vor 21’000 Jahren
Diese Zeit erhielt ihren Namen von einem Felsvorsprung (Abri) Namens La Gravette bei Bayac im französischen Departement Dordogne. In diese Zeitspanne fallen auch die sagenhaften Funde aus Sungir in Russland, welche aufzeigen, dass die Menschen schon über sehr ausgeklügelte Handwerkstechniken verfügten und dass sie regen Tauschhandel mit Schmuck trieben über weite Distanzen hinweg. Aber auch eine andere Zeit begann: Nämlich jene, wo der anatomisch moderne Mensch zum einzig überlebenden Hominiden wurde. In dieser Zeit verloren sich die Spuren des Neandertalers in der Geschichte. Was dazu geführt hat, dass er verschwand, dieses Geheimnis hat er mitgenommen.
Aus der Gravettienzeit stammen auch diverse Frauenfigurinen, um die sich viele Thesen ranken, welche Bedeutung sie gehabt haben könnten. Manche schliessen daraus einen Göttinnenkult. Andere wiederum sehen die Herstellung der Figurinen als ganz natürliche künstlerische Tätigkeit, genauso, wie Künstler eben auch heute Skulpturen und Figuren von Menschen herstellen. Eines aber ist an diesen Figurinen besonders interessant. Sie geben Auskunft darüber, was die Menschen damals getragen haben. Dank solchen Figurinen, weiss man heute, dass die Menschen damals bereits die Kapuze als Kopfbedeckung kannten. Aber auch, dass die Möglichkeit besteht, dass diese Menschen ihr Haar schon sehr kunstvoll frisierten oder reichverzierten Kopfputz trugen. Wie zum Beispiel der Venuskopf aus dem französichen Brassempouy (Landes) zeigt, der vor 22’000 Jahren aus Mammutelfenbein geschnitzt wurde.
Solutréen
Vor 22’000 Jahren bis vor 16’500 Jahren
Im Solutréen beginnt die Nadel ihren Siegeszug in der Geschichte der Menschheit, der bis zum heutigen Tage anhält, wenn auch nicht mehr in Form von Knochen oder Elfenbein. Typisch für diese Zeit sind Werkzeuge in Form eines Weidenblattes. In der Gegend vom Roche Solutre wurde regelrecht Grosswildjagd auf Wildpferde betrieben. Man fand bei einem Bergabhang die Knochen von 100’000 Wildpferden, welche dort in den Abgrund getrieben wurden.
Magdalénien
Vor 16’000 Jahren bis vor 11’500 Jahren
Die Magdalénien wurden nach einem Felsüberhang benannt, bei Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil, unterhalb einer Kapelle, welche der heiligen Magdalena geweiht war, in der französischen Dordogne. Die Magdalénien ist eine sehr interessante Zeit. Eine Zeit des Aufbruchs, aber auch eine Zeit, die den Menschen viel abforderte. Die ersten Anzeichen einer Warmzeit machten sich bemerkbar.
Die Gletscher gingen allmählich zurück und die Temperaturen stiegen. Viele Gruppen machten sich sicherlich auf, um in Richtung Norden abzuwandern. Doch dann kehrte die Eiszeit mit aller Härte zurück. Die Warmzeit wurde relativ schnell von einem erneuten Kältemaximum, dem Dryas, durchschnitten, das die Eiszeit nochmals zwei Jahrtausende andauern liess. Dennoch genau diese Zeit ist sehr reich an Kunstschaffen. Vielleicht wussten sich die Menschen besser zu helfen, als wir ahnen, oder vielleicht war diese Kunst auch mehr von religiöser Natur, als Geschenk und Fürbitte an die Geister, in einer klimatisch sehr harten Zeit.
In dieser Zeit finden die Jagdgeräte eine besondere Vollendung. Die Menschen jagten nun mit regelrechten Harpunen, deren Ende aus einem geschnitzten Knochenteil mit Widerhaken bestand. Diese Waffe riss grosse Wunden in ein getroffenes Tier, das nun, auch wenn es nicht korrekt getroffen wurde, an hohem Blutverlust einging.
Die Magdalénien ist die letzte Zeitspanne der Altsteinzeit. Mit dem Ende der Magdalénienzeit, endet auch die längste Epoche der Menschheitsgeschichte. Nach ihr beginnt die Mittelsteinzeit und der zweite Anlauf des letzten grossen Klimawandels, von der Eiszeit in die Holozänwarmzeit, in welcher wir uns heute noch befinden.
Heute deuten alle Zeichen auf einen erneuten Klimawandel hin. Dieser Ablauf verbindet uns sozusagen sehr eng mit unseren Vorfahren der Magdalénienzeit, welche diesen Wandel scheinbar sehr gekonnt zu meistern wussten. Werden wir, ihre Nachfahren, ihnen diesbezüglich das Wasser reichen können, oder waren diese Menschen in Sachen Anpassung ihren fernen Nachfahren um Einiges voraus? Die Zeit wird es zeigen.