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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XL. (Nr. 82.) An Hieronymus
I.1.
Schon längst habe ich einen ausführlichen Brief an deine Liebe gesandt, als Antwort auf jenen Brief von dir, den du, wie du dich erinnern wirst, durch deinen heiligen Sohn Asterius, der jetzt nicht mehr bloß mein Bruder, sondern auch mein Amtsbruder ist, mir geschickt hast. Ob es ihm geglückt ist, in deine Hände zu gelangen, weiß ich noch nicht; jedoch schreibst du durch den geliebten Bruder Firmus: Wenn jener, der dich mit dem Schwerte angegriffen habe, mit dem Griffel zurückgeschlagen worden sei, so komme es meiner Menschlichkeit und Gerechtigkeitsliebe zu, den Angreifer zu tadeln, nicht den, der sich verteidigt. Aus diesem allerdings sehr schwachen Anzeichen ziehe ich immerhin den Schluß, du habest jenen Brief von mir gelesen. Ich habe es nämlich in ihm beklagt, daß ein so heftiger Streit zwischen euch ausgebrochen ist, während früher die christliche Liebe sich überall, wohin der Ruf davon nur drang, über die Innigkeit eurer Freundschaft freute. Ich habe dies getan, nicht als ob ich deine Brüderlichkeit hätte tadeln wollen — darf ich doch nicht mich zu der Behauptung versteigen, ich hätte in dieser Sache eine Schuld auf deiner Seite erkannt —, sondern ich trauerte über das menschliche Elend, weil die gegenseitige Liebe in der Freundschaft, mag sie auch noch so innig sein, doch, was die Dauer anbelangt, unsicher ist. Das aber hätte ich so gern aus deinem Briefe ersehen mögen, ob du mir die erbetene Verzeihung gewährt hast. Doch scheint mir ein gewisses freundlicheres Aussehen deiner Briefe anzuzeigen, daß ich auch dies erlangt habe. Allerdings geben sich diese keineswegs als Antwort auf meinen letzten Brief zu erkennen.