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In der bisher längsten und schlimmsten Dürre in Afrika kämpfen unzählige Familien ums Überleben. Unter ihnen Menschen mit Behinderungen. Der Ukraine-Krieg hat die Lage zusätzlich verschärft. Die CBM leistet Nothilfe.
Bereits das vierte Mal in Folge ist die Regenzeit am Horn von Afrika und im Süden Madagaskars ausgefallen. Es herrscht die schlimmste Dürre seit mehr als vierzig Jahren. Auch vielen Familien im Sahel hat die Dürre die Lebensgrundlage entrissen.
Unzählige Familien können sich nicht mehr ausreichend ernähren. Um zu überleben, müssen sich etliche von ihnen schwer verschulden. Der Preis für Trinkwasser ist um das zehnfache gestiegen. Die Lebensmittel haben sich ebenfalls laufend verteuert. Zusätzlich hat der Ukraine-Krieg weltweit das Getreide verknappt und die Preise seit März 2022 in die Höhe schiessen lassen.
Allein in Kenia kämpfen 3,5 Millionen Menschen ums Überleben. Hunderttausende Kleinkinder leiden an akuter Mangelernährung. Hunger hat langfristige Folgen für die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern, die kaum mehr ausgeglichen werden können. Es wird davon ausgegangen, dass am Horn von Afrika jeden Tag ca. 1800 Menschen vor Hunger sterben, genaue Zahlen sind nicht bekannt.
- Mit 60 Franken versorgen Sie zwei Famlien ein halbes Jahr lang mit Trinkwasser.
- Mit 150 Franken schenken Sie einen Rollstuhl und damit Mobilität und Selbständigkeit.
- Mit 300 Franken ermöglichen Sie einer Familie das Überleben für einen Monat.
Selbst für Hirten und Bauern, die in Gebieten mit regelmässigen Trockenzeiten leben, ist die Lage verzweifelt: Die Ernten fallen aus, ganze Viehherden verenden, Notschlachtungen sind nötig. Die verbliebenen Tiere werden häufig geraubt. Ohne eine andere Einkommensquelle können sie kaum Nahrungsmittel kaufen. Kleinkinder und alte Menschen sind besonders gefährdet. Hunderttausende Kleinkinder leiden an Unterernährung, die zu bleibenden geistigen und körperlichen Einschränkungen führt.
Für Menschen mit Behinderungen ist die Situation noch schlimmer. Auch ohne Hungerkrise leben sie häufig in Armut und können keine Ersparnisse sammeln für eine Krise. Abgabestellen der allgemeinen Nothilfe sind für sie oft nicht gut erreichbar. Sie erhalten die Informationen nicht, der Weg dahin ist nicht barrierefrei, und es fehlen Hilfsmittel wie Krücken oder Rollstühle. Damit sie nicht zurückgelassen werden, engagiert sich die CBM mit ihrem Partner vor Ort.
Cash Transfers
Die Menschen stehen vor der unmöglichen Entscheidung, ob sie von ihrem wenigen Ersparten nun Essen, Wasser oder Medikamente kaufen sollen. Oder die Schulgebühren bezahlen, damit die Kinder Schulmahlzeiten erhalten. Geldüberweisungen – zum Beispiel via Mobiltelefon – haben sich weltweit bewährt. Eine Familie kauft sich damit, was sie am dringendsten benötigt.
Abgabe von Grundnahrungsmitteln
Für Menschen, die die lokalen Märkte nicht erreichen können, organisieren unsere Partner die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wie z. B. Getreide.
Hilfsmittel und medizinische Hilfe
Mobilitätshilfen wie Krücken, Rollstühle oder Handkurbel-Dreiräder sowie Hörgeräte und andere Hilfsmittel schenken Unabhängigkeit. Rechtzeitige medizinische Behandlungen bewahren vor weiteren Behinderungen oder retten das Leben.
Einbezug der Menschen mit Behinderungen
Aufbauen und Stärken von Selbsthilfegruppen sowie Beraten von Organisationen und Behörden, damit Menschen mit Behinderungen Zugang zu Nothilfe und zu staatlichen Unterstützungen erhalten und sie mitgestalten.
Aufbau von dürreresistentem Lebenserwerb
Weiterbildung in agroökologischen Grundsätzen wie Anbau von trockenheitsresistentem Getreide oder Grauwassernutzung für Gemüseanbau, damit die Menschen wieder von ihren eigenen Ernten leben können.
- 60 Franken für Trinkwasser für zwei Familien
- 150 Franken für Mobilität und Selbständigkeit
- 300 Franken für das Überleben einer Familie
Noch ein Kilo Bohnen übrig
Im Norden Kenias sind bereits einige Organisationen aktiv, aber im mittlerweile ebenfalls stark vom Hunger geplagten Zentralkenia arbeitet die CBM mit ihrem Partner praktisch alleine. Dort sowie im Süden Madagaskars und in Burkina Faso hilft die CBM Global mehr als 15 000 Haushalten.
Im Zentrum von Kenia hat bislang nur der Staat Nothilfe geleistet. «Nur an einige wenige Familien hat die lokale Behörde Nahrungsmittel abgegeben», berichtet Julius, der einer siebenköpfigen Familie vorsteht. «Unsere hat keine Unterstützung erhalten.» Julius ist nach einem Unfall im Kindesalter auf einem Auge blind. Die Familie lebt als Kleinbauern. Die ausgedörrte Erde gibt trotz aller Mühe nichts mehr her.
Als wir Julius treffen, ist der Lebensmittelvorrat der Familie auf ein Kilo Bohnen geschrumpft – das reicht noch für drei Mahlzeiten. Das Kochwasser holt Julius aus einem handgebuddelten Loch im ausgetrockneten Bachbett. Gegen Abend wird er Händler auf den Dorfmarkt um nicht verkaufte verderbliche Lebensmittel bitten. Die Kinder bekommen werktags in der Schule eine Mahlzeit. Allerdings kann Julius die eigentlich niedrigen Schulgebühren kaum mehr begleichen: «Es ist frustrierend. Ich muss zum Schulleiter und ihn fragen, ob meine Kinder an der Schule bleiben können, bis ich irgendwie das nötige Geld aufgetrieben habe.»
«Es sind verzweifelte Zeiten, es sterben bereits Menschen vor Hunger. In den letzten Wochen war ich unterwegs in Gemeinden, die von der Dürre betroffen sind. Die meisten Bauern, die ich traf, konnten nichts anbauen. Die wenigen, bei denen die Saat doch aufgegangen ist, müssen ihr jetzt beim Verdörren zusehen.»
Kevin Sudi, koordiniert im Länderbüro in Kenia die CBM-Nothilfe