Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03395.jsonl.gz/1228

Die Frage «warum» verhindert Lösungen auf einer alltäglichen und praktischen Ebene.
«Warum gerade ich?», «Warum ist etwas so und so?», «Warum habe ich ausgerechnet diesen Mann geheiratet?», usw. Die Frage «warum» mag auf einer analytischen wissenschaftlichen Ebene Motor sein um zu forschen, aber auf der alltäglichen menschlichen Ebene taugt sie nichts. «Warum» ist analytisch und nicht konstruktiv. Im Alltag ist jedoch Konstruktives gefragt. Anstatt «warum gerade ich», bringt es viel mehr einfach festzustellen und zu entscheiden, was ist jetzt und wie gehe ich damit um.
«Warum» lässt ein Paar nächtelang diskutieren, warum sie immer so eingeschnappt ist, warum er immer so wortkarg ist, warum sie immer alles besser weiss, warum er immer Sex will. Aha, ich bin eingeschnappt, wie komme ich da wieder raus? Aha ich kann einfach nichts sagen, was könnte dazu beitragen, dass es einfacher wird? Aha, sie muss das letzte Wort haben, stört mich das, oder kann ich es ihr souverän gewähren? Aha er möchte jetzt gerne Sex, kann ich mich darauf einlassen?
Sich zu fragen, was tu ich mit einer Situation, erfordert Selbstwahrnehmung und Selbstverantwortung. Die Frage «warum» dient leider nur zu oft dazu, endlose Ausreden zu kreieren, und im alten Mist hocken zu bleiben. Eine mögliche Antwort auf ein Warum verleiht eine Pseudo-Sicherheit: Aha, jetzt weiss sich warum und alles hat seine Ordnung, ist im Schubladen eingereiht. Und dann?
Ich persönlich spüre viel lieber einfach hin was ist jetzt, wie fühlt sich das an, was habe ich jetzt gerade zu tun? Und dann tu ich es einfach, ohne lange zu fragen «warum gerade ich?», oder «warum schon wieder ich?». Aber ich gebe zu, manchmal ist die Frage «warum» viel verlockender als «was fordert das Leben jetzt gerade von mir?». Manchmal ist es verlockend, die Verantwortung abzugeben oder auf ein uraltes Gestern zu schieben. Aber will ich das?