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Die koreanischen Fächer sind durch Vielfalt und Eleganz gekennzeichnet. Die
grosse Mannigfaltigkeit der Fächer ist ein Beweis dafür, dass
im alten Korea Fächer sehr gern und häufig benutzen.

(Fächermacher mit Beistellmöbeln
und Truhen,
Korean Folk Village, Suwon)

Die koreanischen Fächer haben je nach Form, Grösse, Farbe oder Material einen anderen Namen. Es gibt Fächer die nach dem Aussehen einer Blume oder eines Baumes angefertigt wurden.
ein aufgespannter Fächer aus Pfauenfedern erweckt den Eindruck als würde ein Pfau seine Schwanzfedern zu einem Rad ausbreiten.

Es gibt auch farbenprächtige Fächer, die mit den Farben eines Regenbogens verziert sind und auch Fächer die mit Tinte bemalt versteckte Eleganz eines asiatischen Gemäldes ausstrahlen.
Es gab auch Fächer nur für Adelige oder für die Königsfamilie. Die Fächer, die die Prinzessin mitnahm, wenn sie nach der Hochzeit in das Haus ihres Mannes zog,
hiessen Chinchu – Fächer.
Die prächtigen Fächer der Königsfamilie und der Gelehrten wurden Ilwolson oder
Kutschunson genannt, wobei „son" für Fächer steht. Im Volk
wurden, je nach Gesellschaftsklasse, einfache und leichte Fächer verwendet.
Die koreanischen Fächer werden auch nach Material unterschieden. Fächer aus Ölpapier
werden „Jongson" genannt und die mit Lack bestrichenen heissen
„Tschilson". Fächer, die mit einem Bild bemalt waren, heissen
Hwason.
Wie wird ein koreanischer Fächer hergestellt?
Die Herstellung eines Fächers ist sehr aufwendig und erfordert viel Zeit und Mühe.
Traditionelle koreanische Fächer werden aus Bambus und traditionellem Papier
hergestellt. Westliche Fächer werden hauptsächlich aus Seide oder Elfenbein angefertigt und mit Spitzen besetzt. Bei koreanischen Fächern dagegen wird mit Papier und Bambus die Schönheit einfacher Linien hervorgehoben.

||Um einen Fächer anzufertigen muss man erst einmal im Winter die Bambusrohre zerschneiden, bevor sie reif und fleischig werden. Am besten ist der Bambus, der im Winter zerschnitten wird. Wenn Bambus fleischig wird, dann wird er zu weich und eventuell auch von Ungeziefer angefressen. Zu empfehlen ist dreijähriger Bambus, einjähriger Bambus ist zu weich und 4- 5jähriger Bambus ist zu hart.

Das Bambusrohr wird in kleinen Stäbchen zerschnitten, die dann als Rippen des Fächers verwendet werden. Ein Fächer muss leicht und haltbar sein. Daher ist das traditionelle Papier
„hanji" das aus Maulbeerbäumen gewonnen wird am besten geeignet,
da es leicht, zäh und langlebig ist. Der Fächer wird nochmals mit Papier überzogen, das mit den gewünschten Bildern und Farben bemalt ist. Aus Papier werden dann verschiedene Muster angefertigt die am Griff des Fächers angebracht werden. Diese Art des Schmückens gibt es nur in Korea.

|| Bambus hat regelmässige Masern und ist daher leicht zu zerspalten.
„Hanji" und Bambus sind für die Herstellung von Fächern gut geeignet und bilden zusammen eine einzigartige Harmonie. Das Geheimnis liegt darin, den harten Bambus biegsam weich zu machen und die
Zerreissfestig-
keit zu erhöhen. Durch die Kombination dieser beiden Materialien
ist dies möglich, denn die Bambusstangen straffen das Papier und geben ihm eine gewisse Elastizität
während das Papier dafür sorgt, dass sich die Bambusstangen nicht krümmen.

||Der Bambus wird zerschnitten in Laugen gekocht und so gebleicht. Nach 4 bis 5 Tagen werden die Bambusstangen weich und dann einzeln geschnitzt".
Die Stangen, die so entstehen werden einzeln mit der Hand bearbeitet. Zwei zusammengeklebte Stangen bilden eine Fächerrippe. Alle Fächerrippen müssen gleichlang sein. Jeweils zwei Bambusstangen werden jeweils zu einer Fächerrippe zusammengeklebt.

Auf die Fächerrippen an beiden Enden werden mit einem Lötkolben verschiedene Muster eingebrannt. Das Papier, das über die Fächerrippen gezogen wird, wird ebenfalls mit Schriften oder Bildern verziert.
Herkunft der koreanischen Fächer
Ein chinesischer Diplomat namens Seo-Keong hatte das
Goryeo-Königreich besucht und schrieb danach ein Buch namens Koryodokyong. In diesem Buch schrieb er: Koreaner tragen auch im Winter einen interessanten Fächer bei sich, den sie ständig auf- und zuklappen. Wenn die alten Koreaner das Haus
verliessen, zogen sie zuerst ordentliche Kleidung an und nahmen einen Fächer in die Hand. Das gehörte zu den Höflichkeitssitten. Man trug immer einen Fächer bei sich, mit dem man das Gedicht oder Lied, das man evtl. aus dem Stehgreif vortrug, unterstützen konnte.
Fächer wurden auch als Waffe zur Selbst- verteidigung (Hapiko) benutzt.
Mit einem Fächer konnte man auch sein Gesicht verhüllen. Fächer wurden auch für die Aufführung von Tänzen, bei P´ansori – Stücken als koreanischen Operetten benutzt. Es war auch ein Vergnügen, das kleine Gemälde oder die kalligrafische Schrift auf dem Fächer zu betrachten. Die zusammenklappbaren Hapjukson – Fächer entwickelten sich in der
Joseon – Dynastie zur vollen Blüte so dass sie sogar nach China oder Japan exportiert wurden. Die koreanischen Fächer waren mehr als nur ein Handwerksgegenstand für den praktischen Gebrauch. Sie waren ein wahres Kunstwerk das unabhängig von der Jahreszeit einen festen Platz im Leben der Koreaner hatten.

||Nicht nur die Fächer selbst besitzen eine gewisse Schönheit und Eleganz, auch durch die langsamen Bewegungen mit denen die Fächer gehandhabt werden, kommt eine gewisse Vornehmheit zum Vorschein.

Wenn man in der Nähe eines hohen Beamter wohnte, durfte man am Griff seines Fächers ein Schmuckstück namens „Honshu" anbringen, was für verschiedene Zwecke verwendet wurde. Es war z.B. ein kleiner Beutel oder Kasten, in dem man seinen Stempel, einen Kompass oder Nadeln aufbewahren konnte.
Eigentlich ist es unbequem zu fächeln, wenn am Griff eine solche Verzierung mit mehreren Rillen angebracht ist, denn sie wackelt hin und her wenn man sich Luft zufächelt. Daher muss man den Fächer langsam bewegen. Ein hoher Beamter musste für das Volk ein Vorbild darstellen, um sein Prestige zu wahren, musste er sich selbst beim Fächeln ruhig und gelassen verhalten. Das Schmuckstück am Fächer sollte ihn sozusagen daran erinnern, dass er immer Ruhe bewahren muss.
Die Koreaner überwandten die Hitze des Sommers mit einer gewissen Eleganz. Wenn man wegen der Hitze die Hand schnell bewegt, um sich mehr Luft zuzufächeln, dann wird es einem durch die heftige Handbewegungen eher noch wärmer. Wenn man dagegen auch selbst bei brütender Hitze nicht die Ruhe verliert, und sich mit langsamen Bewegungen Luft zufächelt, dann wird es einem schon kühler. Die koreanischen Fächer bringen auch den modernen Menschen bei, dass man stets ruhig und gefasst sein soll. Alle Teile eines koreanischen Fächers vom Griff und der daran angebrachten Verzierung bis zum bemalten Papierfläche sind von vornehmer Feinheit. Ein Fächer erzeugt kühle Luft, die die Sommerhitze erträglicher macht.
An manchen Sommertagen beherrscht die Hitze das ganze Land. Aber wenn man einen Fächer aufklappt, dann kann man die Kühle eines Wasserfalls, die Frische einer jungen Orchidee spüren. Man hat das Gefühl man würde sich in Mitte der Natur, einem Boot, auf einem friedlich
dahinfliessenden Fluss befinden. Die Fächer erzeugen einen erfrischenden Wind der sich in ein Gedicht verwandelt.
Ich sitze auf einer breiten Bank und warte auf den hellen Mond. Ich sitze im Mondschein im Haus und denke einen frischen Wind. Zerschneide Bambus und bespanne ihn mit Papier und nun halte ich den Mond und den frischen Wind in meinen Händen. (Gedicht von
König Sejong, dem 3. Monarch der
Joseon–Dynastie.)
So wie er schrieb, stehen die koreanischen Fächer in engem Verhältnis zur Natur. Sie werden aus natürlichen Materialien hergestellt, mit natürlichen Farben bemalt und erzeugen daher einen ebenso natürlichen Wind.
In fast allen Ländern Asiens gibt es Fächer. Solche repräsentieren das handwerkliche Können und das Gemüt eines Volkes. Daher haben die Fächer eines Land charakteristische Merkmale. Koreanische Fächer werden mit Präzision angefertigt.

|| Ein besonderes Merkmal der koreanischen Fächer ist das T´aekuk – Muster. Das Muster in der Mitte der koreanischen Nationalflagge. Und zwar ein Kreis, der durch eine S-förmige Linie geteilt ist. Daher schenken Koreaner ihren ausländischen Bekannten häufig einen T´aekuk – Fächer.

(Textauszug aus dem Kulturforum von Radio Korea International vom 11.07.2000)