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Die Architektur industrieller Produktionsräume
Space of Production
"Ein Ort ist die Ordnung (egal welcher Art) nach der Elemente in Koexistenzbeziehungen aufgeteilt werden" schreibt der französische Soziologe und Kulturphilosoph de Certeau zu den Praktiken im Raum. Jedes Element hat etwas eigenes und grenzt den Bereich ab, den es definiert. Raum hingegen ist ein Geflecht von beweglichen Elementen, wie ein Wort das ausgesprochen, von der Ambiguität der Realisierung ergriffen und in Ausdruck verwandelt wird.
Büro- und Industriebauten sind die Orte, an die sich Jeannette Kuo begibt und innerhalb ihrer Entwurfsseminare an der EPFL Lausanne die darin entstandenen Räume untersucht. Sie besucht die verlassenen Orte historischer Industriearchitektur und belebt sie mit ihren Studenten in den Entwürfen kurzzeitig wieder.
Vergleicht man die Räume historischer Industriebauten mit denen zeitgenössischer Industriearchitektur, so können nur wenige am Glanz der alten Ordnung anknüpfen. Die Ausdrucksformen heutiger europäischer Industriearchitektur begrenzen sich häufig auf eine Architektur der Fassade. In den Entwurfsübungen wurden neue Sichtweisen auf die alten Orte mit neuen Räumen geschaffen oder die alten Orte wurden wiederbelebt und mit neuen Räumen versehen. Themen zur Entwicklung der globalisierten Industrie standen dabei nicht im Vordergrund, sondern vielmehr die Gestaltung, mit wesentlichen konstruktiven Elementen, struktureller Ordnungen von Bauteilen und, vor allem, des architektonischen Raums. Eine originär architektonische Übung, die in ihren Ergebnissen sehr ausdrucksstark wird und bei der es Spaß macht zuzusehen.
Nachdem bereits 2013 die Publikation "A-Typical Plan" die Architektur tiefer Bürogeschossbauten thematisierte, erschien kürzlich unter dem Titel "Space of Production" eine kompakte Untersuchung von Raum in Industriebauten.
15 ausgewählte historische Industriebauten werden jeweils 4-seitig mit einer aufbereiteten Querschnittszeichnung, einer historischen Fotografie und einer Collage historischer Abbildungen im ersten Teil des Buches vorgestellt. Im hinteren Teil des Buches folgen Architekteninterviews, Essays, aber vor allem die Studentenentwürfe aus den Seminaren der Herausgeberin. Thematisch steht die materielle Fassung der Untersuchung ihrem Inhalt in nichts nach. Das kunststoffbeschichtete Einbandgewebe des flexiblen, broschierten Umschlags, die dicktengleiche Schriftart und die historischen Fotografien erinnern an ein industrielles Handbuch, eine Gebrauchsanleitung oder auch an Architekturseminarblätter der 1970er Jahre. Gebunden als Schweizer Broschur glänzt die Publikation mit einem sehr guten Aufschlagverhalten und trägt zum Genuß des Lesens bei.