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Die Eisenzeit (La Tène) sah eine besonders zahlreiche und allem Anschein nach kriegsgewohnte Bevölkerung im Seeland (Funde von Port, Brügg, Hagneck, etc.). Der Reichtum an künstlerischem Gerät des damaligen unbekannten Volkes wird bezeugt durch die grosse in phönikischem Geschmack aus Bronze getriebene Urne, die bei Grächwil auf der Höhe des Frienisberges aufgefunden wurde.
Die Kelten werden auf unserem Gebiet speziell bezeugt durch den Namen Thuns, sowie durch fundreiche Grabhügel (Jolimont!) und gewaltige Erdburgen, wie die Knebelburg auf dem Jensberg und die Teufelsburg auf dem Plateau des Bucheggberges bei Rüti.
Römisches findet sich in grosser Menge. Die antoninische Reisekarte verzeichnet selbst den Namen einer Stadt auf bernischem Territorium. Das ist Petinesca, deren Reste in Form eines Thores, zahlreicher Fundamente und Befestigungswälle am Obstabhange des Jensberges bei Studen neu aufgedeckt wurden und zur Zeit unter der Leitung des Vereins Pro Petinesca in Biel ausgegraben werden. Römische Villen bestanden zu Toffen, Muri, Herzogenbuchsee etc. Die römische Hauptstrasse durchzog als Dammweg die Ebene des unteren Aarethales von Murten über das genannte Petinesca nach Solothurn. Sie wurde im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte allmählig an den meisten Stellen vom anwachsenden Alluvium überführt und verschüttet. In der späteren Kaiserzeit wurde die Strasse durch den Jura angelegt, von der die Inschrift am natürlichen Felsenthore Pierre Pertuis Kunde gibt.
Wann die römische Herrschaft durch diejenige der beiden germanischen Völkerschaften abgelöst wurde, kann nur annähernd auf die Mitte des 5ten Jahrhunderts n. Chr. angesetzt werden. Von einer Herrschaft der Alamannen im Kanton Bern meldet die Geschichte nichts; das erste Licht, das sie auf unser Gebiet fallen lässt, zeigt dasselbe vielmehr als Bestandteil zuerst des altburgundischen, dann des neuburgundischen Reiches, bis es 1032 zu deutschem Reichsland wird.
Für die Abstammung der Bevölkerung ist aber aus diesem rein politischen Verhältnis ebensowenig etwas zu schliessen, als aus dem Vorherrschen burgundischer Kulturgegenstände in den berühmten Grabstätten von Elisried, Rubigen und Bassecourt, welche lediglich die Ueberlegenheit der frühchristlichen Kultur der Burgunder über die der heidnisch-rohen Alamannen bezeugen. Einen besseren Schluss gestattet die alamannische Sprache, welche sich zwischen der freiburgischen und luzernischen Grenze als einheitliche Mundart bis heute erhalten hat. Die Berner sind als ein alamannischer Zweig zu betrachten.
Die ländlichen volkstümlichen Siedelungen bieten den höchst auffallenden Gegensatz des Dorf- und des Hofsystems dar. Im Jura und im flacheren Teile des Mittellandes, unterhalb der oben hervorgehobenen Abfallslinie Bern-Langenthal, herrscht das Dorfsystem vor. Hier stehen die Häuser in dichtgeschaarten Gruppen (Haufendorf), während das Feld umher in zahlreiche, lange, schmale und zerstreut liegende Parzellen eingeteilt ist.
Im höheren Teile des Mittellandes dagegen, auch im westlichen Jura (Franches-Montagnes), herrscht das Hofsystem. Hier sind die Wohnungen einzeln ausgestreut, die Bauern sind jeder einzeln Herr in der Bewirtschaftung des um den Hof liegenden Landes mit Acker, Weide, Wasser, Wald und Wegen.
Der Hausbau bleibt sich dabei im grossen ganzen gleich. Es herrscht von der Nordgrenze bis an den Alpenfuss das keltoromanische dreisässige Haus, welches die Alamannen auch sonst adoptiert haben. Im Jura ist es aus Stein, im Mittelland aus Holz erbaut.
Abweichende Verhältnisse zeigen immerhin der westliche Jura und besonders das Oberland. Man vergleiche die Hausbilder, Seite 203 u. ff. Im Oberland kann zwar zwischen den geschaarten Ortschaften der engen Thäler des Ostens und den über fruchtbarere, sanftere Thallehnen weithin ausgestreuten Höfen des Westens unterschieden werden. Doch sind die Gegensätze, weil nicht von der Bewirtschaftung des Ackers bedingt, weit weniger ausgesprochen, als im Flachlande. Das Haus des Oberlandes ist das Länderhaus. Im Osten ist es mit demjenigen des Wallis nahe verwandt, im Westen zeigt es burgundische Einflüsse.
Der Kanton Bern wies früher verschiedene Trachten auf, von denen einige ganz verschwunden oder im Absterben begriffen sind. Eine einzige Tracht lebt noch: es ist die kleidsame Tracht des tieferen Mittellandes. Sie ist so populär und bekannt, dass sie von Ausländern oft einfach als «schweizerische Nationaltracht» bezeichnet wird. Auch diese Tracht hat ihre Geschichte. Im 18. Jahrhundert trugen die Bernerinnen im Seeland und Emmenthal rote Mieder und blaue Röcke; dazu kamen sog. Schwefelhütli oder Hauben mit Rosshaarspitzen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die farbigen Mieder und Röcke durch schwarze verdrängt und dafür die Tracht mit reichem Silberschmuck ausgestattet. So entstand die heutige «Bernertracht».
Die Berner Bauern des 18. Jahrhunderts trugen meist nur Hemd und kurze Hosen aus dicht gefälteltem Zwilch, ohne Träger auf den Hüften sitzend. Die braunrote Weste wurde selten benützt und noch seltener der mit langen Schössen versehene Zwilchrock.
Der Bezirk Schwarzenburg ist die Heimat einer der originellsten Schweizertrachten, der Guggisbergertracht, die gegen Mitte des 19. Jahrhunderts ausstarb. Die Frauenröcke waren eigentümlich gefältelt und so kurz, dass sie die Kniee unbedeckt liessen. Die Taille reichte bis zur Mitte des Rückens. Als Schmuck trugen die Bräute prächtige Gürtel und niedliche Brautkrönchen.
Südlich von Thun trug man die sogen. Simmenthaler-Tracht, die ebenfalls nahezu ausgestorben ist. Sie kennt keinen Silberschmuck, dagegen wurde um die Schultern ein mit Fransen verziertes seidenes Halstuch gelegt und das Gesicht war jeweilen mit schwarzen Spitzen umrahmt.
Auch die Haslitracht ist am Erlöschen. Im Anfang des 19. Jahrhunderts trugen die Frauen auf dem Hasliberg Röcke aus naturfarbenem, also gelblich-weissen Wollstoff. Diese Röcke waren in eigenartige Längs- und Querfalten gepresst. Später wurde blauer Wollstoff vorgezogen und der Rock mit einem farbigen Saum versehen. Die Alltagsröcke oder «Gloschli» hängen an Trägern, die Festkleider dagegen weisen schwarze Sammetmieder auf, an denen die Röcke befestigt sind. Die Haslifrauen tragen stets ein das Gesicht eng umschliessendes, rotgewürfeltes Kopftuch und nur an Sonn- und Feiertagen wird der breitrandige, feine Strohhut aufgesetzt. ¶
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Anfänge des Staates.
Städtische Anlagen treten geschichtlich erst später hervor. An eine der letzten derselben, Bern (1191), knüpfen sich die Anfänge des Staates. Im Sinne des Gründers sollte Bern ein Stützpunkt zähringischer Hauspolitik und wohl auch deutsch-nationaler Politik gegen den abfall-lüsternen burgundischen Adel sein.
Die Stadt wurde selbständig nach dem Ausgang der Zähringer, wo sie, um nicht zu einer kiburgischen Landstadt herabzusinken, beim Reiche und vorübergehend beim Herzogshause Savoyen Anlehnung suchte und fand. Als Grundlage ihrer Selbständigkeit hat in erster Linie die sog. Handveste zu gelten, eine Urkunde der Reichsfreiheit, welche von der Tradition dem Kaiser Friedrich II. zugeschrieben und auf das Jahr 1218 datiert wird. Darin erhält die Stadt eigenes Gericht in Sachen der niederen Gerichtsbarkeit und eigenen Markt. Nach und nach erwirbt die Stadt auch die hohe Gerichtsbarkeit, und das Privileg des Königs Sigmund (1415) gibt ihr vollends alle Selbständigkeit in Sachen der eigenen militärischen und finanziellen Verwaltung. Nachdem sie 1339 die Probe bei Laupen siegreich bestanden, wurde sie 1351 ein Glied des Bundes der Waldstätte.
Territorial entwickelte sich der merkwürdige Stadtstaat in grossartiger Weise vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.
Im 14. Jahrhundert beginnt Bern um sich zu greifen, indem es sich durch Erwerbung von Laupen und Aarberg die meist gefährdete Westseite strategisch sichert. Dann richtet es in kühner Verkehrspolitik seine Blicke nach dem Oberland, wo es, um den italienischen Handelsweg der Grimsel in seine Gewalt zu bekommen, das kleine Reichsland Hasle sich zum Freund und Schutzbefohlenen macht. Mit den Baronen des unteren Oberlandes führt es darauf einen heftigen Kampf, der bis zum Schlusse des Jahrhunderts u. a. auch die Beherrschung der Gemmi zur Folge hat. Inzwischen hat der Kampf gegen Kiburg mit der Erwerbung Burgdorfs und Thuns, der Schlüssel zum Emmenthal und Oberland und der Angliederung des Seelandes geendigt. Eine grosse Zahl weltlicher und geistlicher Selbständigkeiten des Mittellandes ist bereits durch Burgrecht und Schirmvogtei in Berns Machtbereich getreten und am Schlusse des Jahrhunderts übt dieses zu beiden Seiten der Aare die landgräflichen Rechte in neuer kräftigerer Form.
Im 15. Jahrhundert erobert Bern den Aargau bis an die untere Reuss, und dieser in der Ferne ausgeteilte Schlag lässt näher heran im Oberaargau und Emmenthal zahlreiche nun isolierte Herrschaften mühelos Bern anheim fallen.
Eine grosse Festigung erfährt der Staat durch den glücklichen Ausgang des Twingherrenstreites, 1471: von nun an steht die militärische und hochgerichtliche Hoheit der Stadt zu in allen niederen Gerichten, deren Inhaber die vielen adeligen Bürger der Stadt sind.
Im Burgunderkrieg erwirbt Bern Erlach am Bielersee und fasst, mit Freiburg zusammen, im Waadtland Fuss.
Der Schluss des 15. und der Beginn des 16. Jahrhunderts sehen die Aufhebung und Säkularisierung der Klöster und Stiftungen. Dieses führt besonders zur Abschliessung der Beherrschung der Alpenthäler, wo das Kloster Interlaken Träger eines besonderen politischen Gedankens gewesen war.
Die Eroberung der Waadt 1536 hat u. a. zur Folge, dass sich ein grosser Teil der Besitzungen des 1555 liquidierten Hauses der Grafen von Greyerz Bern um so leichter angliedern lässt. Saanen wird bernisch.
Bis 1798 herrscht Bern über das Land von der untern Reuss bis zum Genfersee. 1798 lösen sich die auswärtigen Vogteien los. Der Kanton Bern entsteht, neben dem nur eine kurze Spanne der Kanton Oberland selbständig bleibt. 1815 geht das Pays-d'Enhaut endgültig an Waadt über, während, wie bereits erwähnt, das Bistum Basel mit Bern vereinigt wird. Damit hat der Kanton die eingangs beschriebenen Grenzen erreicht.
Einteilung und Statistik der Bodenfläche.
Der Kanton umfasst 30 Amtsbezirke, von denen Interlaken mit 679 km2 der grösste und Biel mit 17 km2 der kleinste ist. Die landschaftliche Einteilung wird von der offiziellen Statistik (kantonales statistisches Bureau in Bern) wie folgt berücksichtigt:
1. Oberland, 7 Amtsbezirke: Oberhasle, Interlaken, Frutigen, Ober-Simmenthal, Nieder-Simmenthal, Saanen, Thun.
2. Emmenthal, 2 Amtsbezirke: Signau, Trachselwald.
3. Mittelland, 7 Amtsbezirke: Bern, Schwarzenburg, Seftigen, Konolfingen, Fraubrunnen, Burgdorf, Laupen.
4. Oberaargau, 2 Amtsbezirke: Wangen, Aarwangen.
5. Seeland, 5 Amtsbezirke: Büren, Biel, Nidau, Aarberg, Erlach.
6. Jura, 7 Amtsbezirke: Neuveville, Courtelary, Moutier, Franches-Montagnes, Delémont, Porrentruy, Laufen.
Von der gesamten Bodenfläche sind 78% produktiv und 22% unproduktiv. Das unproduktive Land setzt sich zusammen aus Felsen u. Schutthalden (1000 km2 = 14½%), Gletscher und Firn (288 km2 = 4½%) und Seen (123 km2 = 2%). ⅔ des unproduktiven Bodens entfällt auf das Oberland.
Das produktive Areal verteilt sich folgendermassen: 22% der Gesamtbodenfläche sind mit Wald bedeckt, 19% sind Weiden und Alpen, 37% sind der landwirtschaftlichen Kultur überwiesen (245000 ha).
Landwirtschaft.
Die Bevölkerung des Bernerlandes hat sich von jeher mit grossem Erfolg der landwirtschaftlichen Arbeit zugewendet. Ihr widmete der alte Berner aus dem Bauern- wie aus dem Adelsstande seine ausdauernde Körperkraft, seinen Geist bedächtiger Spekulation, seine Liebe zur Scholle, seine Sparsamkeit, seinen religiösen Sinn. Deshalb erglänzen hier noch heute, wie nirgends in der Schweiz, die grossen Bauernhäuser und die Landsitze so sauber und so stattlich.
Der allmälige Uebergang vom Getreidebau zum Wiesenbau, und allgemeiner von den extensiven Wirtschaftsformen der älteren zu den intensiven der neuen Zeit, hat sich im Kanton Bern in der Weise vollzogen, dass das ¶