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Basel, nach 1434
Bronze, gegossen, graviert, poliert
H. 45 cm, B. 71,5 cm
Inv. 1870.675.
Ob das Konzil bleibende Auswirkungen auf das künstlerische Leben in Basel hatte, ist umstritten. Doch ohne Frage sind sehr starke wirtschaftliche Impulse davon ausgegangen, sind durch die Anwesenheit vieler hochgestellter Geistlicher weitaus mehr Aufträge an Handwerker und Händler erteilt worden als es vor- und nachher der Fall war.
Verbesserungen der Verkehrswege, Erstellung und Ausstattung von Unterkünften, Stiftungen an Basler Kirchen – vor allem die Kartause – und die Versorgung so vieler Fremder förderten das wirtschaftliche Leben in einem vorher kaum gekannten Masse.
Von den künstlerischen und kunsthandwerklichen Erzeugnissen jener Zeit hat sich nur weniges erhalten; kostbarer Hausrat wurde bei der Abreise mitgenommen und gestiftete sakrale Objekte wurden in Notzeiten verkauft oder durch die Reformation zerstreut oder gar zerstört. Die in die Kartause gestiftete Votivtafel der Herzogin Isabella von Burgund brachte um 1440 den Glanz burgundischer Hofkunst nach Basel. Doch auch die heimische Metallverarbeitung stand auf respektablem Niveau und konnte die Aufgaben erfüllen, die von den vielen vornehmen Gästen ausgingen. Davon zeugt die Schriftplatte, welche das Grab des Hugo von Ourgus, Erzbischof von Rouen, bezeichnet, der 1434 während des Konzils verstarb. Die Bronzeplatte ist aus fünf Teilstücken (Schrifttafel und vier Rahmenteilen) zusammengesetzt; die Blattstäbe und Rosetten im vertieften Rahmen sind separat gegossen und aufgenietet. Der Text wurde in die geglättete Fläche eingraviert; um ihn besser lesbar zu machen; versah man den Hintergrund mit feinen Schraffuren, deren Regelmässigkeit man durch kreisförmige Punzierungen aufhob. Vor diesem bewegten Hintergrund treten die glatten, polierten Flächen der Buchstaben deutlich hervor. Trennlinien zwischen den neun Zeilen strukturieren das Textfeld. Der einzige Schmuck ist – neben den plastischen Blattstäben und Rosetten des Rahmens – die ausgeschmückte Initiale, mit der die Inschrift in gotischer Textur beginnt.Sie nennt neben dem Namen und Amt des Hugo von Ourgus auch die von ihm ausgesetzten Jahrzeitstiftungen zu seinem Gedächtnis. Das eigentliche Grab ist jedoch verschwunden.Noch 1757 hiess es in einer Beschreibung der Peterskirche: «An einer erhabenen Stelle des Chors siht man das Grab Hugo, des Erzbischoffs zu Rouen, so mit einem grossen Marmorsteine bedeckt, welcher zur Zeit des allgemeinen Conciliums, den 19. Augustmonats, im Jahre 1434 auserhalb seinem Vaterlande gestorben.» Die bronzene Inschrifttafel befand sich wohl an einer Wand in der Nähe. Für das Grab selbst ist eine andere, weit kürzere Inschrift überliefert, die vermutlich in die Marmorplatte gehauen war.