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Tagesbericht vom 20.08.2010
Und wo haben wir geschlafen? Vor dem Eingang einer Herrschaftsvilla. Der Wächter sagte uns gestern Abend, wegen des zu erwartenden Regens sollen wir auf der Strasse und nicht daneben unsere Zelte aufschlagen. Er erwarte keinen Verkehr mehr.
Wir schlafen ungestört. Doch um 7:30 Uhr kommt der Angestellte erneut zu uns, und bittet uns, den Platz bald zu verlassen, er erwarte Autos ... Wir verzichten auf das Frühstück, trinken nur einen Kaffee und verlassen die Privatstrasse Richtung Shanhaiguan. Das Wetter ist trüb, die Luft feucht. Doch wie sagte uns eine Chinesische Fremdenführerin? „Solange es nicht regnet ist das Wetter gut.“
Ich fasse mich kurz. Wir besichtigen viel und fotografieren noch mehr. Während der Fahrt muss ich mehr als 80 Fotos anschreiben. Es bleibt mir bis zur Abendruhe keine Zeit, einen ganzen Bericht zu schreiben. Daher lasse ich hauptsächlich die Bilder sprechen.
Shanhaiguan:
Wir besichtigen zuerst den Mangjiangu Tempel. Die Anlage ist ziemlich kitschig. Sie ist Meng Jing gewidmet, einer Frau aus einer Legende: Meng Jings Ehemann wurde zum Bau der Great Wall eingezogen. Nachdem Meng Jing lange nichts mehr von ihrem Ehemann gehört hatte, machte sie sich auf die Suche nach ihm. Sie fand nur noch seinen Leichnam. Meng Jing weinte drei Tage lang und stürzte sich danach von einer Klippe ins Meer.
Wir wundern uns, warum sehr vieles nebst in Chinesisch und Englisch auch in Russisch angeschrieben ist. Die Erklärung ist einfach: Nahe Shanhaiguan liegt Beidaihe, ein Sommerresort am Meer. Dieser Ferienort ist bei den Russen sehr beliebt. In Russland gibt es kaum Sandstrand. Hier in China finden sie diesen Strand. Und anscheinend ist es für Russen erst noch günstig, in China Ferien zu machen.
Nach dem Tempel besuchen wir ein Stück der 'Great Wall,' genannt 'First Pass Under Heaven'
... danach eine alte Stadt, allerdings nicht alt sondern nach altem Vorbild neu wieder aufgebaut.
Der letzte Besuch des anstrengenden Tages gilt einem anderen Teil der 'Great Wall', dem 'Old Dragon Head'. Die ist ein Stück Mauer, das ausnahmsweise bis ins Meer hinausragt.
Mir hat es zu viele Touristen hier, und, was mich noch mehr stört (schliesslich sind auch wir Touristen) ist die teilweise kitschige Vermarktung der Sehenswürdigkeiten.
Die Zeit drängt. Wir machen uns auf zu einem Stück Erde um zu campen. Es fängt an in Strömen zu regnen. Die Strassen werden dadurch auch nicht besser.
An Position Nord 39° 48' 44.4'' und Ost 118° 51' 41.2'' suchen wir nicht mehr weiter. Obwohl nicht gerade idyllisch, glauben wir, hier trotz des Regens sicher übernachten zu können. Viele vorbeifahrende Lastwagenfahrer blicken zu uns hinüber und ... pflatsch ... schon plumst ihr Gefährt in ein grosses Loch in der Strasse. Wir amüsieren uns ein ganz klein wenig.