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Augenlider Blepharoplastik, den der Lippen Cheiloplastik, den des Gaumens Uranoplastik. Der Ursprung der Rhinoplastik verliert sich in die frühsten Zeiten des indischen Priestertums. In Indien, wo manche Verbrechen durch Abschneiden der Nase, [* 2] der Ohren und der Lippen bestraft wurden, hat offenbar die Häufigkeit solcher Verstümmelungen diese Operation in das Leben gerufen. Das Eigentümliche der indischen Methode besteht darin, daß der zum Ersatz der Nase nötige Hautlappen aus der Stirnhaut gebildet wird. Um die Mitte des 15. Jahrh. findet man die Kunst, verloren gegangene Nasen wieder zu ersetzen, in Sizilien [* 3] in den Händen einer Familie Branca, von welcher sie sich nach Kalabrien verbreitete.
Mit dem Ende des 16. Jahrh. ging sie jedoch hier ganz verloren. Zu gleicher Zeit aber ward sie von Tagliacozzi in Bologna wieder ausgeübt, in einem besondern Werk beschrieben und dadurch sehr in Ruf gebracht. Ob die Operation von Indien nach Italien [* 4] übergesiedelt, oder ob sie in Italien selbst neu erfunden worden sei, ist ungewiß. Das Charakteristische der italienischen oder Tagliacozzischen Methode ist die Bildung des Ersatzlappens aus der Haut [* 5] des Arms, welcher erst nach einer langwierigen Vorbehandlung mit dem Ort seiner Verpflanzung vereinigt wurde.
Tagliacozzis Operation ging für lange Zeit ganz unter und wurde von den meisten Ärzten als unausführbar oder fabelhaft verspottet. In Indien dagegen wurde die Rhinoplastik fortdauernd geübt, und von hier kam ihre Kenntnis nach England, wo sie zu Anfang dieses Jahrhunderts (mit Erfolg zuerst von Carpue 1814) verrichtet wurde. In Deutschland [* 6] verfuhr Gräfe (1816) nach der italienischen, später auch nach der indischen Methode. Er modifizierte auch die Methode Tagliacozzis, indem er den aus der Armhaut gebildeten Lappen, ohne seine völlige Überhäutung an der innern Fläche abzuwarten, mit dem aufgefrischten Stumpf der Nase vereinigte.
Dieses Verfahren wird als deutsche Methode der Rhinoplastik bezeichnet. Gräfe ist als der eigentliche Schöpfer der plastischen Chirurgie in Deutschland zu betrachten. Er fand zahlreiche Nachfolger, und die plastischen Operationen wurden bald auch zur Wiederherstellung andrer Teile angewendet. Die hervorragendsten Verdienste in dieser Hinsicht hat sich Dieffenbach und von neuern Chirurgen B. v. Langenbeck und G. Simon erworben. In England wurde die Rhinoplastik nur selten, andre plastische Operationen dagegen ebenso häufig wie in Deutschland vorgenommen. In Frankreich haben Delpech (1818) und nach ihm Dupuytren, Lisfranc, Velpeau u. a. auf dem Gebiet der plastischen Operationen sich große Verdienste erworben.
Mit der größern Ausbildung, welche die plastische Chirurgie durch allgemeinem Teilnahme und Ausübung erlangte, wurde der Ersatz mittels eines entfernten Hautlappens (italienische Methode) immer mehr verdrängt und der Ersatz durch einen Hautlappen in der Nähe (indische Methode) allgemein vorgezogen. Die plastischen Operationen haben offenbar einen großen Wert, allein ihre Ausführung ist meist mit bedeutenden Schwierigkeiten und oft selbst mit Gefahren verbunden. Es kommt alles darauf an, daß das transplantierte Hautstück nicht von der Blutzufuhr abgeschnitten, daß es also ernährt wird.
Schneidet man z. B. ein Hautstück aus der Stirn aus, läßt es aber durch einen genügend breiten Stiel noch mit der übrigen Stirnhaut in Verbindung, so kann dieses Hautstück durch die Blutgefäße des Stiels das zu seinem Leben erforderliche Nahrungsmaterial zugeführt erhalten. Dreht man nun das fragliche Hautstück an seinem in der Gegend der Nasenwurzel liegenden Stiel um und legt die Wundränder des ausgeschnittenen Stückes auf die wund gemachte Fläche des Nasenstumpfs, so kann der Stirnlappen mit dem wund gemachten Nasenstumpf gerade so verwachsen, wie die Ränder einer gewöhnlichen Hautwunde, wenn sie aneinander gehalten werden, sich bleibend vereinigen.
Dann wird das transplantierte Hautstück nicht bloß von den Gefäßen in seinem Stiel, sondern auch von den Gefäßen des Nasenstumpfs her ernährt. Sobald der letztere Ernährungsweg sichergestellt ist, schneidet man den Stiel ab; denn das transplantierte Hautstück braucht jetzt nicht mehr das Blut, welches ihm durch die Gefäße des Stiels zugeführt wird, zu seiner Ernährung, da es von der Seite her auf den neuentwickelten Verbindungsbahnen eine hinlängliche Zufuhr erhält.
Das Hautstück, welches den Nasenstumpf deckt und mit diesem verwachsen ist, verhält sich von jetzt ab gerade so, als ob es vom Anfang an Nasenhaut gewesen wäre. Nun ist aber an der Stirn ein großer Hautdefekt vorhanden. Dieser wird dadurch ausgeglichen, daß man die Ränder desselben zusammenzieht, was bei der großen Nachgiebigkeit und Dehnbarkeit der Haut möglich ist, und durch Nähte in feste Vereinigung bringt, bis die Ränder miteinander verwachsen sind. Ist die Spannung der Haut sehr groß, so macht man seitliche Einschnitte in die Haut, natürlich in der Längsrichtung des ersten Hautverlustes.
Hierdurch tritt Entspannung ein, und die seitlichen Einschnitte verheilen nachträglich durch Granulationsbildung. Die zurückbleibende Stirnnarbe ist im Verhältnis zu dem ausgeschnittenen Lappen unbedeutend zu nennen. Bei der Lippen- und Augenlidbildung läßt man gewöhnlich keine vollständige Abtrennung des transponierten Hautstückes von seinem Mutterboden eintreten, sondern man läßt dasselbe an einem verhältnismäßig breiten Stiel sitzen und verschiebt nur das abgelöste Hautstück auf die zu ersetzende Stelle, läßt das Stück hier einheilen, schneidet aber den Stiel nicht durch und ersetzt den Verlust an der Stelle, von wo das transplantierte Stück herstammt, auf ähnliche Weise wie die Stirnwunde bei der Rhinoplastik. Natürlich ist die Sicherheit für das Gelingen der Operation in dem letztern Fall, bei bloßer Verschiebung des Hautlappens, viel größer, als wenn letzterer von seinem Mutterboden ganz abgetrennt werden muß.
Vgl. Gräfe, Rhinoplastik (Berl. 1818);
Dieffenbach, Chirurgische Erfahrungen (das. 1829-34, 4 Bde.);
Derselbe, Die operative Chirurgie (das. 1844-49,
[* 1] ^[Abb.: Rhinoplastik.] ¶
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2 Bde.); Zeis, Handbuch der plastischen Chirurgie (das. 1838).