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MorchellaL., Pilzgattung aus der Familie der Scheibenpilze, in Gebirgswäldern in etwa 10 Arten vorkommend.
Die gemeine oder Speisemorchel, M. esculenta Pers (engl. Eatable Moril, frz.
morille comestible, holl. morille, ital. spongiuolo, Fenzo,
Spitzmorchel, sponz. cimati) 2,5-4 cm hoch, 9-12 mm breit mit 2,5-5 cm breitem rundlichen Hut, eiförmig,
hohl mit vielen schwarzbraunen, gefalteten, netzförmig verbundenen Rippen, in Asien, Europa und Nordamerika mit den Abarten
Spitzmorchel, kegelförmig, und Glockelmorchel, glockenförmig. Die Faltenmorchel oder Lorchel (Helvella esculenta), Früh-
oder Stockmorchel, im Nadelholz, ist eine besondere Art.
Die M. werden in den Gebirgsgegenden gesammelt und getrocknet, dann weithin als beliebtes Küchengewürz
versendet, in der Regel aufgeschnürt. Beim Einsammeln werden nur junge
Pilze genommen, rasch getrocknet und in gut verschloßnen
Gefäßen aufbewahrt. Die meisten M. kommen aus Schlesien, Böhmen, Mähren, Polen; sie gelten je nach der Jahresernte das
Kilo bis zu 20 Mk. und darüber. Frische M. sind zollfrei; getrocknete gem.
Tarif Nr. 25 p 2.
(Morphin,Morphinum); das wichtigste der im
Opium enthaltenen
Alkaloide, bekannt durch seine schmerzstillende
und schlafbringende Wirkung. Man gewinnt es jetzt fabrikmäßig aus dem
Opium, welches im Durchschnitt 10-11% davon enthält.
Reines M. besteht aus farblosen, geruchlosen, stark bitter schmeckenden Kristallen; in dieser Form wird es
jedoch fast gar nicht verwendet, da es sehr wenig löslich ist. Dagegen finden gewisse Morphiumsalze, d. h.
Verbindungen des M. mit Säuren eine sehr ausgebreitete medizinische Verwendung;
so namentlich das essigsaure M. (Morphinum
aceticum) und das Chlorwasserstoffmorphium (salzsaure M., Morphiumchlorhydrat, Morphium muriaticum, M. hydrochloratum);
ersteres
erhält man gewöhnlich als weißes, amorphes bitter schmeckendes Pulver;
letzteres, das salzsaure M., erhält
man dagegen in kleinen farblosen, prismatischen Kristallen;
beide sind in Wasser löslich.
Seltner verwendet werden folgende Morphiumsalze:Baldriansaures M. (Morphinum valerianicum; milchsaures M. (Morphinum lacticum),
schwefelsaures M. (Morphinum sulfuricum).
Sämtliche Morphinsalze sind starke Gifte und dürfen im Kleinhandel nur von den
Apothekern gegen ärztliche Verordnung an das Publikum abgegeben werden. - Zollfrei.
(Bisam). Dieser durch seinen starken, fast unerschöpflichen Geruch wohl Jedermann bekannte Körper ist die
Ausscheidung eines zierlichen, rehartigen, aber geweihlosen Wiederkäuers, von dem es 13 verschiedne Arten gibt, die jedoch
nicht alle M. liefern. Die den M. gebenden Arten leben in den Hochgebirgen des östlichen Asiens, im
Himalaya, in Thibet, Tonkin, Sibirien und der Tatarei in Nähe der Schneegrenze. Die Substanz wird beim männlichen Moschustier
in einem in der Haut des Unterleibes versteckten Beutelchen abgesondert, also unter gleichen Verhältnissen wie das
Bibergeil
beim Biber, und ist wie dieses im frischen Zustande salbenartig.
Das
Tier ist nicht gezähmt, sondern wird in der Wildnis mit Schlingen oder Hunden gefangen oder auch geschossen, jedenfalls
aber sogleich getötet, der Beutel mit einem Stück Bauchhaut ausgeschnitten und an der Luft oder auf heißen Steinen getrocknet.
Der ursprünglich weiche rötlich braune Inhalt der Beutel wird dabei schwarzbraun und nimmt die Form
kleiner rundlicher Körner an, die auf
Papier einen braunen Strich geben und sich leicht zu Pulver reiben lassen. Aus den
Ursprungsländern kommt der M. noch in ganzen Beuteln von der Gestalt einer halben Walnuß, bis zu 4½ cm lang.
Die flache kahle Seite ist die innere, welche am Körper des
Tieres anlag; die äußere gewölbte ist
noch mit ihrer gelbgrauen groben Behaarung versehen, die öfter durch Beschneiden eingekürzt ist. An einer Stelle der konvexen
Seite stehen die
Haare in Form eines Wirbels um einen Punkt; es mündet da der enge Ausführungskanal, durch welchen das
Tier den M. von sich geben kann, der ihm wahrscheinlich zur Anlockung der Weibchen dient. Die Masse eines frisch geöffneten
Beutels riecht am penetrantesten nicht nur wegen der Menge des Riechstoffs, sondern auch weil sich ammoniakalische Gerüche
beimischen, die sich später verlieren, wonach der Hauptgeruch reiner hervortritt. -
Im Handel erscheinen besonders zwei Sorten von Moschusbeuteln: tonkinesischer (chinesischer, thibetanischer)
und kabardinischer (russischer, sibirischer). Die erstere kommt aus
China und stammt von M. moschiferus und besteht aus kleinern
Beuteln, die andre wird von den
Russen herangebracht und von M. sibiricus, einer andern Art des Moschustieres geliefert; es
sind größere Beutel. Einiges von geringerer Güte kommt in neurer Zeit auch aus Bengalen nach England
und wird von den im Himalaya lebenden
Tieren erhalten; es ist dies der bengalische oder Assam-Moschus; die Beutel sind noch größer,
als die der kabardinischen Sorte und kreisrund, die Ware riecht stark, aber weniger fein.
Die chinesische ist die beste und geruchreichste Sorte und sie allein ist zum pharmazeutischen Gebrauch
gestattet. Ihr Preis mit den Beuteln ist etwa 260 Mk. pro 100 g, und dabei haben die Einkäufer sich
gerade bei dieser teuern Sorte vor Übervorteilungen durch chinesische Verfälschungskünste sehr in acht zu nehmen. Beutel
an denen sich eine künstliche versteckte Naht auffinden läßt, verraten dadurch eine stattgehabte Fälschung,
sei es daß vom Inhalt etwas herausgenommen und durch fremde Stoffe ersetzt ist, oder daß nur beschwerende Körper, Steinchen,
Schrotkörner u. dgl. hineingebracht worden sind.
Die Chinesen sind aber so große Meister in diesen künstlichen Präparationen, daß das geübteste Auge
nichts entdeckt und erst die Öffnung der Beutel den wahren Zustand zeigt; 5-10% gefälschte Beutel können bei jeder Sendung
vorkommen. Ein gewöhnliches Füllmittel soll das getrocknete Blut des Moschustieres selbst sein, das also schon von den
Gebirgsjägern hineingebracht sein müßte; solche Beutel sind dann ungewöhnlich voll und dick.
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mehr
In andern Fällen ist die falsche Untermischung eine dunkelfarbige, zerreibliche Erde, die durchs Gefühl zu erkennen ist,
weil dann die Masse sich zwischen den Fingern nicht mehr sanft und seifenähnlich, sondern rauh und bröcklich anfühlt,
härter und auch schwerer ist als im naturellen Zustande. Die Beutel dieser Sorte sind mehr rund als
oval, flachgedrückt und 3-4 cm im Durchmesser; die flache Seite ist schwarzgrau, die Haare auf der gewölbten Seite sind
nach dem Rande zu gelbbraun, gegen die Mitte hin mehr gelblich mit bräunlichen Spitzen.
Die Hauptausfuhr des tonkinschen oder orientalischen M. hat Canton (jährlich ca. 1200 Caddies,
à 1⅓ Pfd. englisch) von wo die Ware nach England geht, woher sich die andern
Länder versorgen. Die Originalpackung der Ware sind länglich viereckige Kästchen von etwa 20 cm Länge, 9-11 cm Breite
und fast gleicher Höhe, welche innen mit Bleifolie gefüttert, außen mit starkem Seidenstoff überzogen sind. In jedem
Kästchen liegen etwa 25 Beutel, deren jeder in zartes, mit chinesischen Bildern und Zeichen bedrucktes
Papier gewickelt ist.
Die russische Sorte ist in der Regel frischer mit noch weichem Inhalt; sie kommt vom Altaigebirge in der Tatarei, konzentriert
sich auf der großen, im Februar jedes Jahres abgehaltene Messe zu Irbit bei Jekatarinenburg, um von
da teils nach China, teils über Moskau und Petersburg nach England, Deutschland etc. zu gehen. Die jährliche
Sendung nach dem Westen beträgt etwa 250 kg oder 10-12000 Beutel. Diese nur zu Parfümeriezwecken verwendete, drei- bis
viermal wohlfeilere Ware besteht aus größern und mehr länglich ovalen Beuteln, auf der unteren unbehaarten
Seite schmutzig gelbbraun und gerunzelt; die Haare auf der obern Seite, gewöhnlich kurz geschnitten, sind grau mit weißen
Spitzen. Diese Sorte ist verpackt in verlöteten Blechkisten von 2-6 kg Inhalt, die wieder in Holzkisten eingesetzt sind.
Der Assammoschus kommt in Säcken verpackt, die in Holz- oder Blechkisten eingeschlossen sind; eine solche
Kiste enthält durchnittlich ^[richtig: durchschnittlich] 200 Beutel.
Seit einigen Jahren ist eine neue Art chinesischer Moschus unter dem Namen Yunan-Moschus, nach der gleichnamigen chinesischen
Provinz benannt, im Handel; die Beutel sind fast kugelrund, glatt, unbehaart und sehr dickhäutig, der Inhalt ist gelblichbraun
mit einem Stich ins Rötliche und von sehr feinem Geruch. Von diesem Yunanmoschus ist vor einigen Jahren
wieder eine neue Gattung mit sehr dünnen Beuteln, ganz ohne Haut, in Schanghai auf dem Markt gekommen, welche von den Chinesen
Tanp'i genannt wird; dieselbe soll zu zwei Dritteil aus gutem und zu einem Dritteil aus gefälschten M. bestehen.
Im Handel zweiter Hand werden die Moschusbeutel nach Größe und Gestalt in verschiedne Qualitätsabstufungen sortiert und
demgemäß verschiedne Preise notiert.
Für den Gebrauch ist der Inhalt aus den Beuteln zu nehmen und von den feinen Härchen, mit denen er durchmengt ist, möglichst
zu befreien. Die Klümpchen oder das grobe Pulver sind dann sogleich in kleine Gläser mit sehr dichtem
Verschluß zu fassen. Solcher ausgenommene M. (M. exvesicatus)
kann auch schon von größern Droguenhandlungen außer Beuteln
bezogen werden, in Klümpchen wie Pulverform. Abnehmer kleinerer Mengen werden sich natürlich lieber mit dieser Art Ware
versorgen, wobei sie das an geschlossenen Beuteln haftende Risiko vermeiden. Von dem Gewicht der Beutel
fällt etwa je die Hälfte auf Inhalt und Häute. Letztere, die entleerten Beutel, bilden auch einen Handelsartikel für sich
und werden von den Parfümeuren zur Bereitung einer geringeren Qualität von Moschustinktur gekauft. -
Der Moschusgeruch ist keineswegs selten, sondern findet sich an mancherlei Pflanzen und Tieren, namentlich
vom Mäusegeschlecht wieder. In den heimatlichen Gebirgen des Moschustieres wächst eine oder zwei Arten von Rittersporn
(Delphinium) mit so starkem Moschusgeruch, daß die Eingebornen glauben, daß das Tier seinen Riechstoff durch das Verzehren
solcher Pflanzen erhalte. Der vom Tiere selbst kommende M. enthält verschiedne unwesentliche Bestandteile
und löst sich in Wasser und Weingeist nur etwa zur Hälfte auf.
Über die chemische Natur des eigentlichen Riechstoffs ist noch nichts Positives ermittelt. Derselbe ist so beharrlich und
gleichsam unvertilgbar, daß er innerlich genommen durch die Poren der Haut wieder herausdringt und den Patienten in eine
penetrante Moschusatmosphäre hüllt. Wird die Substanz lange unter Verschluß gehalten, so schläft
der Geruch gleichsam ein; er erwacht aber wieder in Berührung mit der Luft. Ebenso verschwindet der Geruch bei Aufbewahrung
in wächsernen Kapseln, in Berührung mit Kalk, Schwefel, sauren Metallsalzen, Schwefelmilch, Goldschwefel, Mandelsirup etc.,
wird aber in allen diesen Fällen durch Berührung mit Salmiakgeist wieder hergestellt.
Starker Moschusgeruch ist vielen Menschen widerwärtig; die Italiener im allgemeinen haben eine gewaltige Abneigung dagegen,
wie denn überhaupt das Parfümieren mit M. gegen die feinere Sitte verstößt. Dennoch aber spielt die Substanz in der Parfümerie
unter sachkundiger Verwendung eine ganz wichtige Rolle; sie wird nämlich einer Menge andrer Parfümerien
und Seifen zugesetzt, jedoch nur in so kleinen Anteilen, daß der Geruch nicht gesondert hervortritt, sondern im Gesamtgeruch
aufgeht. Er hat dann nur die Wirkung, diesen dauernder zu erhalten, ihn kräftiger und angenehmer zu machen. Zum Gebrauch
für Parfümeriezwecke dient Moschustinktur (tinctura moschi) erhalten durch längeres Macerieren von
M. in starkem Weingeist. -
Die medizinische Verwendung des M. richtet sich gegen krampfhafte Zustände, Keuchhusten, Hysterie, typhöse Fieber und wird
derselbe entweder in Tinktur oder in Pulverform mit Milchzucker oder Zuckersäften abgerieben in kleinen Gaben, jedoch früher
häufiger als jetzt verabreicht. - M. ist zollfrei; Moschustinktur gem. Tarif
im Anh. Nr. 5 a.