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Ursprünglich sollten am Freitagabend Aurore Baal und der niederländischen Organist Laurens de Man in der Freiburger Kathedrale konzertieren. Doch der Kanton Freiburg gilt in den Niederlanden als Corona-Risikogebiet. Deshalb mussten die Organisatoren des Orgelfestivals De Man durch Kumi Choi ersetzen. Sie bestritt den zweiten Teil des Konzerts an der grossen Mooser-Orgel, während Aurore Baal das Konzert an der Manderscheidt-Orgel im Chorraum eröffnete.
Orgel als Orchester
Aurore Baal begann ihren Streifzug durch die Orgelmusik der Renaissance und des Barocks mit William Byrds «The bells». Die neun Variationen über einem stets wiederholten Bass aus zwei Tönen erinnerten tatsächlich an Glockenspiele auf den britischen Inseln.
Im ersten Teil des Konzerts waren diejenigen Stücke besonders interessant, die sich klanglich von den anderen Stücken abhoben. So zum Beispiel die Scaramella von Hans Kotter: Die Rhythmen des alten Tanzes kamen auf der Manderscheidt-Orgel gut zur Geltung. Mit der gewählten Registrierung klang die Orgel zudem fast wie ein Renaissance-Orchester. So meinte man, verschiedene Holzbläser zu hören. Auch in anderen Stücken arbeitete Baal gekonnt mit den Klangfarben: So baute sie in Kotters D-Dur-Proömium markante Piano-Effekte ein, indem sie auf dem zweiten Manual ein leises, schnarrendes Register auswählte. Verschiedentlich staunte man, wie viele Klangfarben nur schon die kleinere der beiden Orgeln in der Kathedrale bot. Dabei füllte die Manderscheidt-Orgel die Kathedrale mit ihrem warmen, unaufdringlichen Klang aus, ohne je zu dröhnen. Demgegenüber war die grosse Mooser-Orgel deutlich klanggewaltiger, wie der zweite Konzertteil zeigte.
Mächtige Mooser-Orgel
Wie ein Donnerschlag hallte der erste Akkord aus Felix Mendelssohns e-Moll-Präludium durch die Kathedrale. Kumi Choi fand schnell zu einem nuancierten Klang. Durch die Registrierung hoben sich die Akkordbrechungen so deutlich ab, dass die melodische Mittelstimme hörbar wurde. Die anschliessende Fuge steigert sich langsam vom Andante zum Allegro. Nach einem wilden Ritt durch die Harmonien erklingt unvermittelt eine alte Choralmelodie. Choi betonte diese Melodie durch zurückhaltend registrierte Unterstimmen.
Mit dem Präludium und der Fuge in g-Moll von Johann Sebastian Bach wählte Kumi Choi einen Klassiker als Schluss des Konzerts. Die ersten wuchtigen Akkorde des Präludiums liessen die Holzbänke der Kathedrale vibrieren. Demgegenüber kam die Fuge zu Beginn bemerkenswert leichtfüssig daher. Auf einer Leinwand konnte das Publikum beobachten, wie zwei Assistenten während des Spiels Register zu- oder ausschalteten. So liess sich verfolgen, wie die Orgel zwischen Eleganz und einem stählernen Timbre pendelte. Choi interpretierte das dichte Stimmengeflecht dieser Fuge mit einem mitreissenden Schwung, der in einem strahlenden Dur-Akkord endete.