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Mit «Coal, Earth, Snow or a Similar Substance» entwirft der Künstler Tarik Hayward eine monumentale und ortsspezifische Installation. Seine Arbeit, eine dreistufige Struktur, kann als eine Art Kran gesehen werden, mithilfe dessen der Künstler und seine Helfer*innen mehrere Tonnen Erde Stufe um Stufe auf die Spitze der Installation tragen wird.
Mit «Coal, Earth, Snow or a Similar Substance» entwirft der Waadtländer Künstler Tarik Hayward eine monumentale und ortsspezifische Installation. Eine dreistufige Struktur mit einer Gesamthöhe von fünf Metern, die mit einer weissen Plane bedeckt ist – ein diskreter Hinweis auf die Geschichte der Roten Fabrik. Der vertikale Abstand zwischen den Etagen entspricht der Höhe, aus der eine Person eine Schaufel Erde werfen kann. Am Fusse des Werks befinden sich drei Tonnen Erde, die durch Muskelkraft an die Spitze der Installation geschafft werden müssen. Die Skulptur kann als ein rudimentärer Kran gesehen werden. Sie schwankt somit zwischen der Nostalgie nach einem rudimentäreren Leben und der Antizipation künftiger Zeiten in einer auf das Wesentliche reduzierten Welt.
In seiner künstlerischen Praxis stellt Hayward den Status und die Funktion der Arbeit in der heutigen Gesellschaft in Frage. Seine künstlerische Praxis ist eine Kritik der Ausbeutung durch den neoliberalen Markt, einschliesslich des Kunstmarktes. Hayward interessiert sich für die Idee des Arbeitens als eine primitive Geste des Überlebens. Denn die Arbeit als Handlung, gibt ihm die Möglichkeit über politische und ökologische Probleme hinauszugehen. Für Hayward ist Nachhaltigkeit eine kollektive, gegenseitige und unterstützende Beziehung zwischen den Menschen und deren Umwelt. Sein Werk verfolgt kein bestimmtes Ziel, sondern spiegelt vielmehr eine Offenheit und Aufmerksamkeit gegenüber dem Hier und Jetzt.
Während seiner zweiwöchigen Recherchephase in der Shedhalle lädt der Künstler das Publikum zu zwei öffentlichen Momenten ein. Der erste öffentliche Moment ist ein DIY-Workshop, indem Hayward uns einlädt aus recycelten Autoscheiben doppelt verglaste Fenster herzustellen. Neben dem Überlebensaspekt, stellen diese Autorückstände für Hayward grundlegende Fragen zu Fordismus, Mobilität, und die grosse Lüge der individuellen Freiheit. Der zweite Moment bezieht sich auf eine seiner Arbeiten. «Pure Life» (2019) ist nach einem Wasser eines bekannten Schweizer multinationalen Unternehmens benannt und wurde aus Schweineblut extrahiert. Genau dieser Moment der Wasser Extraktion wird Hayward am 5. Dezember für ein interessiertes Publikum an der Shedhalle reproduzieren. Dieser Recherchemoment wird ausserdem von einer online Lektüre oder Intervention von Ariana Reines begleitet (wird noch bestätigt), mit der Hayward bereits für die Pro Helvetia Cahier d’artiste Publikation zusammengearbeitet hat.
Tarik Hayward arbeitet seit 2012 als freischaffender Künstler, im Wesentlichen mit physikalischen Prinzipien, die als Assemblagen, mit den Kräften der Kohäsion und Inkohärenz zwischen Objekten und innerhalb von Materialien und Strukturen verbunden werden. Er sieht seine Arbeit als «eine Reihe von technischen Experimenten, die in der Dringlichkeit eines unbestimmten Bedürfnisses durchgeführt werden.» Man denkt an Länder im Krieg, im Prozess der Entwicklung oder des Wiederaufbaus nach einer Katastrophe, an die Herstellung von bestimmten Gemeinschaftsutopien, an die amerikanischen Wüsten, auch an Hinterhöfe tausender besessener Bastler, die ihre Ergebnisse auf Youtube zeigen. Tarik Hayward interessiert sich für die materielle Organisation von Krisensituationen, seien sie ökonomischer, ökologischer oder persönlicher Art: «Ich arbeite mit Ruinen. Ruinen des Modernismus und der Minimal Art, vielleicht die Ruinen des Handwerks, eines bestimmten Wirtschaftsmodells oder einfach die Ruinen meiner Kindheit und des verlorenen Spielplatzes». 2019 erschien seine Monografie Cahier d’artiste/Pro Helvetia und er wurde 2015 und 2018 im Rahmen der Schweizer Kunstpreise ausgestellt. Hayward lebt in Lausanne und Vallée de Joux.