Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03487.jsonl.gz/570

mehr
Wässerungsvorstandes gestellt. Im J. 1743 legte R. Jennings bei Howden York die ersten Überschlämmungswiesen an.
Aus Deutschland [* 2] datieren als die ersten Kunstbauten die etwa um 1750 von Bürgermeister Dresler angelegten Rückenbauten im Siegenschen, die noch gegenwärtig als Muster dienen. 1765 gab Bertrand, Pfarrer zu Orbe, schon ein besonderes Werk: »Die Kunst, die Wiesen zu bewässern«, heraus, versehen mit vollständigen Plänen über Hangbauten. Die Anlage der Gräben jeder Art, die der Abteilungen und der Sammelgräben, die Wasserproben, Wasserräder, [* 3] Maß und Größe der Wässerung, die Bodenvorbereitung, der Umbau u. dgl. finden sich darin schon nach festen Regeln beschrieben. Zu Anfang unsers Jahrhunderts fand mit der Begründung der rationellen Landwirtschaft auch der Wiesenbau mehr Beachtung, und es erschienen vortreffliche Beschreibungen der lombardischen Anlagen von Wittmann und Burger und der Siegener Wiesen von Schenk, Keller, Vorländer u. a. Es gingen jedoch damals wie zum Teil noch heute die Ansichten über das Wesen der Wiesenbewässerung weit auseinander.
Man hatte die außerordentlichen Erfolge guter Rieselwiesen beobachtet und glaubte, daß das Wasser allein zum gedeihlichen Wachstum der Gräser [* 4] genüge. Man wußte, daß in allen Gewässern gelöste und suspendierte Stoffe sich finden, welche den Pflanzen zur Nahrung dienen, und meinte, daß selbst die stärksten Ernten durch Zufuhr von Wasser in genügender Menge dauernd zu erzielen seien. Es sind aber nicht alle Gewässer reich an derartigen Stoffen, nicht alle enthalten sämtliche den Pflanzen wichtige Nahrungsmittel, [* 5] und die Zeit, in welcher das Wasser über eine Wiese rieseln kann, genügt nicht, um während derselben dem Wasser die erforderlichen Mengen von Nahrungsmitteln zu entziehen.
Die höchst bedeutungsvollen Absorptionsthätigkeiten in der Bodenkrume, erst durch Liebig in helles Licht [* 6] gestellt, haben uns hinreichend darüber belehrt, daß die Krume jedem Wasser gerade die wichtigsten Nährstoffe entzieht und diese zurückhält, daß also das Wasser daran relativ arm sein muß, und daß die mitgeführten Schlammteile (Schlick- oder Mineralfragmente) weit wichtiger als die gelösten Stoffe sind. Damit mußte die Lehre [* 7] von der in ein völlig andres Stadium treten.
Vordem glaubte man, daß die Hauptaufgabe des Wiesenbaues darin zu suchen sei, der Wiese möglichst viel Wasser zuzuführen, und Vincent lehrte z. B., daß in Nord-Deutschland pro Hektar und Sekunde im Mittel 90 Lit. Wasser erforderlich seien. Andre Techniker, wie z. B. Dünkelberg, halten im Durchschnitt 35 L. für angemessen. Vielfach kam man auch zu der Erkenntnis, daß das Wasser allein nicht genügt, sondern daß auch kräftig gedüngt werden muß, sobald das Wasser nicht reich genug an Schlick und gelösten Stoffen ist.
Man legt stets hohen Wert auf die wiederholte Benutzung des Wassers, weil dadurch an Quantität gespart und also solche Anlagen auch da gemacht werden konnten, wo Wasser nicht im Überfluß zu Gebote stand. Jedoch ist hierbei zu berücksichtigen, daß beim Rieseln durch den Widerstand, welchen die Halme leisten, sehr bald der Schlick zu Boden fällt und also das entfernter von dem Zufluß rieselnde Wasser minder wirksam sein muß. Früher führte man massenhaft Wasser zu und schuf nicht selten wahre Sümpfe, jetzt reguliert man den Zufluß und nach Maßgabe desselben auch den Abfluß weit sorgsamer und zieht unter Umständen die bloße Befeuchtung der Feuchthaltung vor.
Früher hielt man auf reichlich genug mit Wasser gespeisten Wiesen die Düngung für entbehrlich, jetzt düngt man, wie die Lombarden und Siegener von jeher gethan, selbst da, wo reichlich Wasser vorhanden ist, sobald man beobachtet, daß man nicht im stande ist, die Wiese schwarz zu wässern, d. h. ihr so viel Schlamm durch das Wasser zuzuführen, daß man der Düngung, um höchste Quantitäten und beste Qualitäten an Futter zu erzielen, entbehren kann. Selbstverständlich verzichtet man damit nicht darauf, die von der Natur unentgeltlich gelieferten Pflanzennahrungsstoffe den Gewässern nach Möglichkeit zu entziehen, um sie in Form des geernteten Heues in der Wirtschaft zu verwerten; man wird da, wo diese Vorräte nachweisbar genügen, nicht zum Zukauf von Dungmitteln raten können und da, wo das Wasser den Transport von Pflanzennährstoffen übernimmt, nicht den Düngerwagen in Anspruch nehmen.
Den Nutzen der Bewässerung erkennt man in der Zufuhr von Nährstoffen, soweit solche vorhanden und absorbierbar sind, in der Verteilung dieser und der künstlich dazu gegebenen Dungmittel, in der Aufschließung der im Boden vorhandenen Pflanzennahrung, in der Absorption nützlicher Gase [* 8] aus der Luft, wodurch der Ernährungsprozeß im Boden begünstigt wird, in der Regulierung der Temperatur (in frosthellen Nächten Schutz gegen Erfrieren, an heißen Tagen Schutz gegen Vertrocknen), in der Entfernung schädlicher Stoffe aus dem Boden (Säuren, Eisensalze etc.), in der Vertilgung von Ungeziefer, in der direkten Zufuhr von Wasser, welches die Wiesenpflanzen in großer Menge brauchen.
Die Menge des Wassers hängt ab vom Klima [* 9] in Bezug auf Regenfall, Verdunstungsfähigkeit und Wassergehalt der Luft, von der Jahreszeit, von dem Boden (Porosität, Bindigkeit, Reichtum, Vorherrschen von Humus- oder Mineralstoffen), von der Beschaffenheit des Wassers, von dem Gefälle, von der Ausdehnung [* 10] der Fläche, von der Möglichkeit etwaniger Wiederbenutzung, von der Möglichkeit des Wiederabfließens, also von der Durchlässigkeit des Bodens, resp. den Entwässerungsanlagen, und endlich von der Art der Bewässerungsanlage.
Die Güte des Wassers ist bedingt durch dessen Ursprung und abhängig von dem Reichtum desselben an Nährstoffen und von der Temperatur. Quellwasser ist in der Regel zu kalt und zu arm, kann aber durch längere Leitung nach beiden Richtungen bin verbessert werden. Im Siegenschen entströmen die Quellen meistens einem an Nährstoffen sehr reichen und leicht verwitternden Gebirge (Schalstein, Lahnphosphorite). Das Wasser der Bäche und Flüsse [* 11] ist um so besser, je länger deren Lauf war, und je mehr sie Gehöfte und Ortschaften berührten.
Absolut schädlich ist das Wasser aus Torfstichen und Sümpfen, besonders aber das aus Fabriken; Pochwerken und Wäschereien mit schädlichen Substanzen gespeiste sowie solches, welches nachteilige Salze aufgenommen hat. Das aus Waldungen kommende Wasser ist meistens arm an Nährstoffen, welche es im Durchsickern durch die Humusschicht verliert, und nicht selten mit schädlichen Substanzen versehen, z. B. reich an Gerbsäure u. dgl. Das Wasser aus Teichen ist meistens zu arm an Schlick. Längere Leitung (Erwärmung) und Einwerfen von Dungstoffen können zu kaltes und zu armes Wasser verbessern; das mit schädlichen Substanzen versetzte ist nur schwer korrigierbar oder gar nicht zu brauchen.
Verschiedene Bewässerungssysteme.
Nach der Art der Benutzung unterscheidet man in der Bewässerung verschiedene Systeme, welche je nach lokalen Verhältnissen anwendbar sind und oft miteinander ¶
mehr
kombiniert werden, so daß eine und dieselbe Wiesenfläche mehrere Systeme repräsentiert.
1) Die Anstauung in offenen Gräben kann nur die Befeuchtung und Entwässerung bezwecken, nicht zugleich düngend wirken und hängt in ihrem Erfolg wesentlich von der Durchlässigkeit des Bodens ab. Da hier nur eine Anfeuchtung von unten und den Seiten stattfindet, so muß die Krume reichlich gedüngt werden; dazu dient am besten ein guter Kompost. Zu solchen Anlagen legt man den Hauptentwässerungsgraben an den tiefsten Stellen an und führt rechtwinkelig auf diesen die Seitengräben und Parallelgräben, so daß das ganze Terrain in rechteckige, rings von Gräben begrenzte Beete geteilt ist.
Die Zuleitung des Wassers erfolgt von der höchsten Stelle aus, oder, was in der Regel der Fall ist, es erfolgt die Anfeuchtung ausschließlich durch Zurückhaltung des Grund- und Tagewassers mittels einer am untersten Ende des Hauptwerks angebrachten Stauschleuse. Soll entwässert werden, so bleiben alle Gräben offen; will man befeuchten, so sperrt man (abteilungsweise oder im ganzen) den Abfluß ab, bis das Wasser in den Gräben überall die gewünschte Höhe einnimmt; dann sperrt man auch den Zufluß oder reguliert den Abfluß nach Maßgabe des Zuflusses. Gedüngt wird alljährlich oder abteilungsweise. Auf brüchigem Boden verdient dieses System den Vorzug vor andern, außerdem ist die Herstellung solcher Anlagen billig. Der Terrainverlust kommt hier meist nicht in Betracht.
2) Die Überstauung bezweckt das vollständige Unterwassersetzen einer Wiesenfläche zum Zweck der Ablagerung des Schlicks und der Durchtränkung des Bodens. Man umgibt die ganze Fläche mit Dämmen und Gräben und leitet das Wasser nach Sperrung aller Abflüsse so lange darauf, bis es überall die gewünschte Standhöhe hat (30-60 cm), abteilungsweise oder auf einmal im ganzen. Notwendig ist hierzu die Herstellung möglichst ebener Flächen und die einer so wirksamen Ableitung, daß in gebotener Raschheit die Abtrocknung erfolgen kann, wünschenswert ein an Pflanzennährstoffen reiches Wasser.
Auf vielen Wiesen bewirkt der angrenzende Strom bei Hochflut die Überstauung, und es ist alsdann nur dafür zu sorgen, daß nirgends das Wasser zu lange stehen bleiben, daß vielmehr eine rechtzeitige Ableitung erfolgen kann. Größere Flächen werden in Abteilungen mit besonderer Dammumwallung und Ab- und Zuleitung angelegt. Immer muß der Hauptzufluß die Wiese beherrschen und Wasser genug vorhanden sein, um in gewünschter Vollständigkeit und Raschheit jede Fläche bewässern zu können.
Dieses System erfordert weniger Wasser als die Rieselung, gestattet, die Dungstoffe gleichmäßig zu verteilen, die Krume durch Aufschwemmung zu verbessern, die Pflanzen in kalten Tagen und Nächten vor dem Erfrieren zu schützen, das Ungeziefer gründlich zu vertilgen, und erfordert nur mäßigen Kostenaufwand. Es setzt aber Achtsamkeit voraus, damit nicht durch zu langes Stehenbleiben die Pflanzen verfaulen, hat ohne Schlammteile des Wassers wenig Erfolg, bewirkt leicht Verzärtelung der Pflanzen, sperrt während des Wässerns den so nützlichen Luftzutritt ab, eignet sich nicht für schwer bindigen, wenig durchlassenden Boden und gibt leicht Veranlassung zur Bildung von Sumpfstellen. Außerdem läßt sich gerade im Hochsommer, also in der Zeit, in welcher den Pflanzen die Erfrischung am notwendigsten ist, das Wässern wegen zu niedrigen Wasserstandes im Bach oder Fluß nicht anwenden, und man bringt mittels desselben das Wasser überhaupt nur sehr ungleich, zeitweise im Überfluß und dann längere Zeit gar nicht, über die Wiesen.
3) Die Rieselung oder Überrieselung ist dasjenige System, bei welchem man kontinuierlich fließende Wasserströme über die Wiesen leitet, das Wasser also fortwährend in Bewegung erhält. Man unterscheidet die natürliche und die künstliche Rieselung oder den natürlichen und den künstlichen Wiesenbau, bei ersterm den natürlichen Hangbau und den natürlichen Flachbau, bei letzterm den künstlichen Hangbau, den künstlichen Flachbau und den Rückenbau.
Der natürliche Hangbau ist überall ausführbar, wo eine Fläche in ihrem Haupt- oder Nebengefälle mehr als 2 Proz. Gefälle besitzt. Von dem Hauptzuleitungsgraben, welcher das Wasser der Wiese zuführt, verteilt man dasselbe in horizontalen Verteilungsrinnen, welchen durch Vertikalgräben das Wasser aus dem Hauptzuleitungsgraben zugeführt wird. An dem tiefsten Punkte der Wiese leitet ein Abzugsgraben das in denselben gelangende Wasser ab. Der natürliche Flachbau ist nur da auszuführen, wo man es mit einer Wiesenfläche zu thun hat, welche nicht ganz eben ist und in sich kleine Terrainschwankungen zeigt.
Den Hauptentwässerungsgraben legt man so, daß er alle Tiefen der Wiese entwässert, den Hauptzuleitungsgraben dagegen so, daß er möglichst allen Höhenpunkten der Wiese Wasser zuführt. Von dem Hauptzuleitungsgraben wird in horizontalen Wässerungsgrippen das Wasser so über die kleinen Hänge und Abdachungen der Wiese verteilt, daß dieselben berieselt werden können. Beträgt das Gefälle weniger als 2 Proz., dann gebe man den natürlichen Flachbau auf und gehe zum Kunstbau über.
Der Kunstwiesenbau unterscheidet sich von dem natürlichen Wiesenbau dadurch, daß man bei ersterm einen Umbau der Wiesenfläche vornimmt und nach gehörigem Nivellement systematisch dieselbe durch ein vollkommenes Netz von Zu- und Ableitungsgräben, Sammel- und Verteilungsrinnen mit Wehren, Schleusen u. dgl. in eine oder mehrere Rieselflächen nach bestimmtem Plan umwandelt, während bei dem natürlichen Wiesenbau die Wässerung (Rieselung) den Terrainverhältnissen angepaßt wird.
Beim eigentlichen Rückenbau werden, rechtwinkelig auf die Zuleitungsgräben, Beete in bestimmter Breite [* 13] angelegt, auf deren Rücken die von den Zuleitungen gespeisten Rieselrinnen eingeschnitten werden, und zwischen welchen an den tiefsten Stellen Ableitungsgräben angebracht sind. Das aus diesen abfließende Wasser fließt in die den obersten parallel gezogenen Zuleitungsgraben, welche das Wasser an die Rückenrinnen unterhalb abgeben oder auch in einen größern Ableitungsgraben führen.
Solchergestalt kann das Wasser nochmals benutzt werden, oder man führt es jeder Abteilung durch besondern Zufluß frisch aus dem Hauptzufluß zu und von jeder direkt ab. Dazu gehört neben sorgsamst geregeltem Ab- und Zufluß und korrektester Anlage aller Gräben und Gräbchen die völlige Planierung und Neuanlage mit der Bildung einer neuen Grasnarbe nach vollendetem Bau, sei es durch Wiederauslegen des vorher abgeschälten Rasens oder durch Ansaat, mit und ohne Bodenmelioration und Durchdüngung (vgl. Wiese). Hauptsache bleibt hier das Gefälle, das Vorhandensein guten Wassers in ausreichender Menge und die gesicherte Entwässerung. Das System verursacht zwar den höchsten Kostenaufwand und sehr sorgsame Unterhaltung aller Anlagen (Anstellung besonderer Wiesenwärter), gewährt aber auch bei guter Ausführung ¶