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Wetterextreme wie Hitzewellen, Dürren und intensive Regenfälle häuften sich im vergangenen Jahrzehnt. Dass sie eng mit dem menschgemachten Klimawandel zusammenhängen, bestätigen neuste Studien.
Die Klimaerwärmung wird für viele Menschen erst real, wenn sie sie am eigenen Leib erfahren. Das zeigt eine jüngst veröffentlichte Umfrage der renommierten Denkfabrik Brookings Institution aus den USA: Von den 62 Prozent, die den Klimawandel grundsätzlich anerkannten, führte dies jede und jeder Zweite auf eigene Wetterbeobachtungen zurück – und nicht etwa auf wissenschaftliche Erkenntnisse wie jene des Weltklimarats IPCC. Diesen sprachen sie fast jeglichen Einfluss ab.
Im Juli 2011 brach eine Hitzewelle in Texas, Oklahoma und Delaware sämtliche Rekorde. Wer in jener Gegend lebt, den bestärkte die extreme Dürre in der Gewissheit des Klimawandels (42 Prozent). Wer hingegen im Nordosten unter den andauernden starken Regenfällen von Januar bis Oktober gelitten hatte, mochte die Dürre kaum mit der Klimaerwärmung in Verbindung bringen (25 Prozent).
Mehr Hitze, mehr Dürre
Tatsächlich beweist ein einzelnes extremes Wetterereignis noch nicht den Klimawandel. Das gehäufte Auftreten rekordhoher Hitzewellen und Regenfälle indes schon: Viele der beispiellosen Extreme des vergangenen Jahrzehnts hätten ohne die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung nicht stattgefunden, so Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. In seiner Ende März in «Nature Climate Change» veröffentlichten Studie weist er dies gestützt auf drei separate Untersuchungskriterien nach: statistische Daten, Computersimulationen und simple Physik.
So sind mehr und intensivere Regenfälle nur schon deshalb zu erwarten, weil steigende Temperaturen zu grösserer Verdunstung führen und wärmere Luft mehr Feuchtigkeit speichern kann. Seit 1970 hat sich der durchschnittliche Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre um vier Prozent erhöht. Und die dreizehn wärmsten Jahre seit Beginn der modernen Klimaerfassung vor 162 Jahren lagen in den vergangenen fünfzehn Jahren. Parallel dazu traten monatliche Hitzerekorde in den letzten zehn Jahren weltweit dreimal häufiger auf als erwartet, in Moskau sogar fünfmal häufiger.
Besonders extrem war die Hitze in Moskau im Sommer 2010. Die Julitemperaturen lagen ganze 2,5 Grad über dem bisherigen Rekord. Der Tod von über 11 000 Menschen war mit der Hitzewelle verknüpft, und die von ihr verursachte Dürre führte beim Getreide zu einem Ernteverlust von dreissig Prozent.
Mehr Leid
Das extreme Ausmass der Hitze kann, so Rahmstorf, nicht länger mit der aussergewöhnlichen Wetterkonstellation eines blockierten Hochdruckgebiets allein erklärt werden, sondern nur im Zusammenspiel mit der Klimaerwärmung. Dim Coumou, Koautor der Studie, vergleicht das Ganze mit einem Spiel mit gezinkten Würfeln: «Eine Sechs kann es auch so ab und zu mal geben, und man weiss nie, wann das passiert. Aber jetzt gibt es viel öfter die Sechs. Weil wir den Würfel verändert haben.»
In der Schweiz übertrafen die Temperaturen im Hitzesommer 2003 den bisherigen Rekord ebenfalls um 2,4 Grad. Rahmstorf und Coumou kommen zum Schluss, dass sich das Risiko für einen solchen Hitzesommer in Europa aufgrund der menschgemachten Klimaerwärmung verdoppelt bis vervierfacht hat.
Auch der eben publizierte, knapp 600-seitige Spezialreport des IPCC über das Risikomanagement extremer Wetterereignisse bestätigt: Sowohl die Zahl, Dauer und Intensität von Hitzewellen und Dürren als auch die Häufigkeit starker Regenfälle werden zunehmen – insbesondere in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Gestützt auf verfeinerte regionale Daten soll der Report dazu anleiten, dass die betroffenen Gebiete besser mit solch extremen Wetterereignissen als Folgen des Klimawandels umgehen können.
«Die Beweise sind stichhaltig: Vom Menschen verursachte, beispiellose Wetterextreme sind Realität geworden», schliessen Rahmstorf und Coumou ihre Studie. «Und sie verursachen immenses menschliches Leid.»