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Berühmt geworden ist der gelernte Holzstecher Edward Whymper (1840-1911) nicht wegen seiner Buch- und Zeitschriftenillustrationen. In die Geschichte des alpinen Bergsteigens ist er hingegen als der junge Bergsteiger eingegangen, der das „goldene Zeitalter“ des Alpinismus mit der Erstbesteigung des Matterhorns gekrönt hat.
Seit 1857 hatten viele Alpinisten erfolglos versucht, das Matterhorn zu besteigen. Das „Becca“ galt als unbezwingbar und um den Berg rankten sich fantastische Mythen: So wäre das Matterhorn etwa von Bergdämonen beschützt gewesen. Whymper selbst hat diese Legenden gekannt und in seinem späteren Bericht erwähnt:
„The superstitious natives in the surrounding valleys (…) spoke of a ruined city on it summit wherein the spirits dwelt; told you to look yourself to see the castles and the walls, and warned one against a rash approach, lest the infuriate demons from their impregnable heights might hurl down vengeance for one’s derision”.
Das frühere Scheitern anderer Bergsteiger hat Edward Whymper motiviert im Juli 1865 einen erneuten Versuch zu unternehmen. Hierzu stellte er mit seinen Landsleuten Lord Francis Douglas, dem Reverend Charles Hudson, Douglas R. Hadow und den Bergführern Michel Croz aus Chamonix und Peter Taugwalder und Sohn aus Zermatt eine Bergmannschaft für den Aufstieg zusammen und tatsächlich konnte sich diese 7er-Seilschaft ihren Traum erfüllen und erreichte am 14. Juli 1865 den Gipfel des Matterhorns. Am Nachmittag, um 13:15 Uhr, erreichten Michel Croz und Edward Whymper als Erste den höchsten Punkt auf 4‘478 m; drei Tage, bevor dies der gleichzeitig laufenden Expedition unter dem berühmten italienischen Bergführer Jean Antoine Carell (1829-1890) ebenfalls gelang.
Abb.: Die Matterhorner auf dem Gipfel aus E. Whymper: The Ascent of the Matterhorn, S. 281
Der Jubel war allerdings nur von kurzer Dauer. Das Matterhorn war nun zwar bestiegen und entzaubert, doch mussten vier der Erstbesteiger diesen Erfolg mit ihrem Leben bezahlen. Jetzt war das Matterhorn plötzlich ein „Tatort“, dessen Geheimnis bis zum heutigen Tag nicht vollständig aufgeklärt werden konnte. Die Aussagen, wie es zum tragischen Tod der vier Bergsteiger kommen konnte sind widersprüchlich. Edward Whymper selbst hat nach dem Unfall seine Version verfasst, die im Jahr 1870 erstmals unter dem Titel Scrambels among the Alps erschienen ist und die 10 Jahre später in neuer Auflage mit dem veränderten Titel The Ascent of the Matterhorn nochmals veröffentlicht wurde.
Wer nicht die Absicht hat zum 150jährigen Jubiläum das Matterhorn zu besteigen und dort auf dem Gipfel zu feiern, für den gibt es die Möglichkeit durch einen einfachen Click auf der Plattform ETHorama die Route virtuell zu verfolgen.
Abb.: Whympers Route in ETHorama
Literatur:
Unsworth, Walt: Encyclopaedia of Mountaineering. London: Hodder & Stoughton, 1992
Whymper, Edward: Matterhorn. Der lange Weg auf den Gipfel. Zürich: AS Verlag, 2007
Smith, Ian: Shadow of the Matterhorn. The life of Edward Whymper. Ross-on-Way: Carreg, 2011