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Am 1. Dezember 1863 begannen in der Schweiz systematische meteorologische Messungen. Seither wird die Wetterlage Tag für Tag überwacht – auch an Weihnachten.
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Am 1. Dezember 1863 begannen in der Schweiz systematische meteorologische Messungen. Seither wird die Wetterlage Tag für Tag überwacht – auch an Weihnachten.
Als Pater Pius Regli am frühen Weihnachtsmorgen 1863 aus dem Kloster Einsiedeln trat, um den Zustand des Himmels zu beobachten, wurde er von ausgesprochen frischer Luft empfangen. Das Thermometer zeigte -4,1 °C an und auf dem Boden lagen die zehn Zentimeter Neuschnee, die zwischen dem 23. und 24. Dezember gefallen waren.
Wie Pater Pius Regli beobachteten etwa zur gleichen Zeit 87 weitere über die ganze Schweiz verteilte Personen zum ersten Mal systematisch die Wetterverhältnisse an einem Weihnachtstag.
Ihnen ist es zu verdanken, dass wir heute rekonstruieren können, dass an diesem Tag über einem grossen Teil des Mittellandes ein hartnäckiger Hochnebel lag, während in den Bergen und auf der Alpensüdseite die Sonne schien. Unter dem Nebel wurde an mehreren Orten nördlich der Alpen ein Eistag verzeichnet, d.h. die Temperatur stieg nicht über null Grad. In mehreren Regionen, vor allem in der Zentral- und Ostschweiz, war es eine weisse Weihnacht, dank der Schneefälle zwischen dem 23. und 24. Dezember, die 10 bis 20 cm Schnee bis in tiefe Lagen brachten.
Die ersten meteorologischen Messungen in der Schweiz gehen auf das 18. Jahrhundert zurück (z.B. in Basel 1755). Aber erst mit dem Beginn des meteorologischen Winters 1863, also am 1. Dezember 1863, begannen systematische Messungen in der ganzen Schweiz nach einem standardisierten Verfahren und mit den gleichen Messgeräten an allen Stationen.
Unter der Leitung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft war das Konzept für das erste meteorologische Beobachtungsnetz entwickelt worden. Diesem Konzept folgend und dank der Unterstützung durch die vereinigte Bundesversammlung wurden 88 Stationen in der ganzen Schweiz ausgerüstet. Zwischen Genf und St. Gallen, sowie Basel und Brusio, wurde versucht, die wichtigsten Klimaregionen des Landes abzudecken – dank der Hospize auf den Alpenpässen (z.B. Grosser St. Bernhard, St. Gotthard, Grimsel) sogar bis in hohe Lagen.
Die Schaffung des ersten meteorologischen Messnetzes erfolgte somit fast 20 Jahre vor der Gründung der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt, die erst 1881 gegründet wurde, und die wir heute als Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, MeteoSchweiz kennen. Bis dahin sammelte die Naturforschende Gesellschaft die Daten, die ausschliesslich für klimatologische Zwecke verwendet wurden.
Von den ursprünglich 88 Messstationen ist heute nur noch ein kleiner Teil in Betrieb. Die anderen wurden aufgegeben oder durch andere Stationen in der Nähe ersetzt. In einigen Fällen ist die ursprüngliche Station noch vorhanden, aber die Messreihe wurde vorübergehend unterbrochen. Im Jahr 1863 wurden zum Beispiel im Kanton Zürich an drei Orten Beobachtungen durchgeführt: Uetliberg, Winterthur und Zürich. Nur die Station Zürich deckt bis heute die vollständige Datenreihe seit dem 1. Dezember 1863 ab.
Natürlich verfügt MeteoSchweiz heute dank der Verfügbarkeit von automatischen Messgeräten über ein viel dichteres Messnetz und eine bessere Abdeckung, aber das sollte uns nicht die Bedeutung der zeitlichen Kontinuität der Messreihen vergessen lassen. Ohne die langen Messreihen, die mehr als 100 Jahre zurückreichen, wäre es nicht möglich, die klimatischen Veränderungen in der Schweiz von der industriellen Revolution bis heute zu verfolgen.
Die ersten automatischen Wetterstationen wurden in der Schweiz erst 1981 eingeführt. Das bedeutet, dass alle Informationen über das Wetter in unserem Land, die wir in unseren Archiven haben und die aus der Zeit davor stammen, manuell gesammelt wurden, dank der geduldigen und sorgfältigen Arbeit von Hunderten von Freiwilligen, die Tag und Nacht Wetterbeobachtungen durchführten, bei Hitze und Kälte, bei Regen und Schnee, bei Wind und Gewitter. Eine wertvolle Arbeit, die von Mönchen, Lehrerinnen, Landwirten, Wetterenthusiastinnen, Festungs- und Grenzwächtern, Polizistinnen und vielen mehr geleistet wurde.
Heutzutage werden die Wettermessungen zunehmend automatisiert, auch weil es immer schwieriger wird, die notwendigen Freiwilligen zu rekrutieren. Einige führen jedoch weiterhin Messungen und Beobachtungen mit der gleichen Leidenschaft durch, mit der sich Pater Pius Regli und die anderen 88 Stationen vor 160 Jahren an die Arbeit gemacht haben.
Ihnen allen gilt unser Dank! Und wir wünschen unseren Wetterbeobachterinnen und Wetterbeobachtern, aber auch Ihnen, werte Leserinnen und Leser, eine friedliche Weihnachtszeit.