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Spulwürmer: Ansteckungsgefahr droht schon im Mutterleib
Die einleitend erwähnte Situation macht klar, dass Spulwürmer (bei den Hunden handelt es sich hauptsächlich um Toxocara canis) bereits sehr früh zu Krankheitssymptomen führen können. Doch wie stecken sich die kleinen Welpen an? Grundsätzlich befinden sich die 10 bis 20 cm langen Spulwürmer im Darm des Hundes und produzieren mikroskopisch kleine Eier, welche mit dem Kot ausgeschieden werden. Diese Eier sind äusserst robust, und können Monate, ja sogar Jahre überleben, bis sie wieder von einem Hund gefressen werden. Einmal vom Hund aufgenommen, schlüpfen Wurmlarven aus den Eiern, und bohren sich durch die Darmwand um von dort in Blutgefässe zu gelangen. Mit dem Blutstrom werden sie über Leber und Herz zur Lunge transportiert. Der Aufenthalt in der Lunge führt, zumindest bei starkem Befall, zu Husten und Nasenausfluss. Anschliessend kriechen sie über die Luftröhre in den Rachenraum, werden abgeschluckt und gelangen in den Darm, wo sie sich zu ausgereiften Spulwürmern entwickeln, welche pro Tag Tausende von Eiern produzieren. Diese Körperwanderung erscheint sehr kompliziert, sie bietet aber den Spulwürmern die Möglichkeit, noch weitere Infektionswege zu entwickeln. Tatsächlich gelangen nie alle Larven bis zur Lunge. Viele verstecken sich in verschiedenen Organen und warten darauf, sich in einem günstigen Moment weiterentwickeln zu können. Dieser Moment scheint während der Trächtigkeit zu kommen, denn die Larven fangen an, in die Gebärmutter (und somit in die sich entwickelnden Welpen) wie auch in die Milchdrüsen der Hündin einzuwandern. Somit sind die Welpen bereits vor ihrer Geburt mit Toxocara canis-Larven befallen. Nach der Geburt besteht die Gefahr, dass sie sich beim Säugen mit der Milch anstecken. Innerhalb weniger Wochen sind die kleinen Hunde von einer grossen Anzahl Spulwürmer befallen, welche nicht nur ihre Entwicklung stören, sondern in schlimmen Fällen auch die Darmwand und verschiedene Organe schädigen und so zum Tod führen können.
|Abbildung 1:

Welpe mit "Spulwurmbauch".
Jungtiere sind besonders anfällig für Infektionen mit Spulwürmern. Bei starkem Befall wird der Bauch durch die grosse Wurmmasse und durch Gasbildung stark aufgetrieben.
Selbst wenn eine Hündin entwurmt wird, vermögen die versteckten Gewebestadien zu überleben und können bei der nächsten Trächtigkeit aktiviert werden. Es gilt daher, die befallenen Welpen möglichst früh zu behandeln, damit es nicht zu schweren Erkrankungen kommt. Es hat sich bewährt, mit der Entwurmung in der zweiten Lebenswoche zu beginnen und erneut in der 4., 8. und 12. Lebenswoche zu therapieren. Später genügt es, ein bis zwei Mal pro Jahr eine Entwurmung durchzuführen. In vereinzelten Fällen kann es sinnvoll sein, die tragende Hündin im letzten Trächtigkeitsdrittel wiederholt zu behandeln, um die aktivierten Larvenstadien sofort abzutöten, bevor sie in die Gebärmutter oder die Milchdrüse einwandern. Da eine solche Therapie aufwändig und teuer ist, vor allem aber auch eine Belastung für die Hündin darstellt, sollte sie nur in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt bzw. Tierärztin durchgeführt werden.
|Abbildung 2:

Spulwürmer erreichen im Darm der befallenen Hunde eine Länge von bis zu 20 cm. Sie gehören damit zu den grössten Rundwürmern beim Hund.
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|Abbildung 3:

Die Eier der Spulwürmer sind hingegen mikroskopisch klein. Ihr Durchmesser beträgt weniger als 1/10 mm und ihre Oberfläche erinnert von der Struktur her ein bisschen an einen Golfball.
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Eine regelmässige Entwurmung des Hundes ist grundsätzlich empfehlenswert, denn die Eier des Hundespulwurms sind auch für den Menschen gefährlich. Häufig sind es Kinder, welche sich beim Spielen im Sandkasten mit Toxocara anstecken. Wie beim Hund, schlüpft auch im Darm des Menschen die Larve aus dem Ei und durchbohrt die Darmwand. Meist stirbt sie früh ab und wird eliminiert, so dass die betreffende Person nichts davon merkt. In einzelnen, sehr seltenen Fällen wandert die Larve jedoch ins Auge und kann dort zu schwerwiegenden Schäden führen, welche im schlimmsten Fall eine Erblindung zur Folge haben können. Ein wichtiges Argument, Hunde ihren Kot nicht auf Spielwiesen und -plätzen absetzten zu lassen, und als verantwortungsbewusster Hundehalter das Robidog-Säcklein auch konsequent zu benutzen.
Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 6/2001
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Autor:
Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie
Universität Bern