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Jagd auf invasive Wassernager
Nutria und Bisam verbreiten sich entlang von Gewässern. Durch ihre Grabaktivitäten verursachen sie vielfach enorme wasserwirtschaftliche Schäden. Und auch vor landwirtschaftlichen Früchten machen sie nicht Halt. Wer die beiden invasiven Arten örtlich im Griff behalten will, kommt um die Fallenjagd nicht herum. Hin und wieder erleben aber auch Jäger mit ihren Jagdhunden gezielt Sternstunden.
Nutria und Bisam gelangten Anfang des vorigen Jahrhunderts, mit der Absicht, sie wegen ihres wertvollen Pelzes in Farmen zu züchten, nach Europa. Dort gelang es ihnen in verschiedenen Ländern auszubrechen, in einigen wenigen wurden sie sogar gezielt ausgesetzt, um die heimische Fauna zu bereichern. Während die meisten Ansiedlungen bei der Nutria anfangs witterungsbedingt meist kurzlebig waren, verbreitete sich der aus Nordamerika stammende Bisam deutlich schneller. Seine ökologische Anpassungsfähigkeit ermöglicht ihm eine schnelle Ausbreitung und aufgrund der begrenzten Feinde und einer hohen Reproduktion die Entwicklung umfangreicher Populationen. Trotz intensiver Bekämpfungsmassnahmen mit zum Teil hauptberuflichem Personal gelang seine Ausrottung bisher nur in England. Im übrigen Europa wird der Bisam wohl langfristig ein fester Bestandteil der heimischen Fauna bleiben. Deutliche Startschwierigkeiten hingegen hatte die aus dem wärmeren Südamerika stammende Nutria mit langanhaltenden mitteleuropäisch kalten Wintern. Auch wenn sich in milden Jahren regional schnell kopfstarke Kolonien aufbauten, erloschen sie infolge eines harten Winters meist wieder vollständig. Bleiben hingegen eisige Winter über mehrere Jahre hintereinander aus, wie es gerade in den letzten Jahrzehnten zu registrieren war, nehmen die Besätze schnell wieder zu.
Entlang der grossen Flüsse wandern die Nager stromaufwärts und besiedeln schnell neue Gegenden, nutzen jeden Nebenfluss, bis weit im Landesinneren Gräben und Bäche, Seen und Teiche erreicht sind. Nutrias sind an Gewässerlebensräume gebunden. Sie bevorzugen ruhig fliessende Altarme, Buchten und Lagunen mit üppiger Vegetation. Ebenso fühlen sie sich in stehenden Gewässern wie Seen und Teichen mit einem dichten Schilf- und Binsengürtel sicher. Wenn das Wasser klar und mit einer schmackhaften Unterwasserflora ausgestattet ist, ist ihr Lebensraum perfekt. Aber auch Sümpfe und Marschen besiedeln Nutrias entlang des meist weitverzweigten Grabensystems, legen dort in der Uferböschung ihre Baue an und äsen auf den Wiesen und bestellten Ackerflächen. Familienverbände haben etwa 200 Meter breite Aktionsradien. Jungtiere finden sich gerade in klimatisch milden Zonen das ganze Jahr über. Ältere, meist männliche Nutrias leben dagegen häufig einzeln.
Nutria und Bisam nehmen hin und wieder auch Revierkunstbaue an, wenn sie in Wassernähe liegen.
Die Baue sind eher einfach strukturierte Röhrensysteme mit einem Wohnkessel, die in die Uferböschung oder in einen aufgeschütteten Damm gegraben werden. Manchmal erweitern Nutrias dazu auch ehemalige, verwaiste Bisambaue. Im Gegensatz zum Bisam und Biber liegen die Ausgänge des Nutriabaus immer oberhalb der Wasserlinie. Gerne nimmt der Sumpfbiber, wie die Nutria auch genannt wird, aber auch Kunstbaue für den Fuchs an, wenn sie dicht an Gewässern liegen. Insbesondere wenn bei Frost die Gewässer überfroren sind, liegen manchmal ganze Familien im Kunstbau, wie ich es bei einem Kollegen mehrfach erlebt habe. Er betreute damals ein mit Niederwild reich gesegnetes Revier, das am Rhein unterhalb der Schwarzwaldausläufer gelegen war. Zur eher kleinflächig strukturierten Feldflur gehörten unzählige, teilweise verlandete und mit reichlich Schilf gesäumte Altarme und Buchten entlang des begradigten Rheins. Ich war wieder einmal mit meinen Deutschen Jagdterriern bei ihm zu einem winterlichen Besuch, um übers Wochenende sämtliche Baue auf die dort eher selten vorkommenden Füchse zu kontrollieren. Als wir an einen oberhalb des Schilfrandes gelegenen Kunstbau mit zwei Ausgängen kamen, fiel sofort der im flachen Schnee gut ausgetretene Pass auf, der zum zugefrorenen Wasserspiegel führte. Die erfahrene Hündin nahm zügig die Röhre an, und im Kessel vernahmen wir alsbald heftigen Laut. Aus der anderen Röhre rutschten nacheinander fünf Nutrias in unterschiedlichen Grössen heraus, die wir alle erlegen konnten. Mit wenigen Spatenstichen öffneten wir die Kesselabdeckung und entnahmen einen weiteren, etwa 8 Kilogramm schweren Nutria.
Nagerjagd mit Hunden
Wildscharfe Bauhunde müssen über Erfahrung am äusserst wehrhaften Sumpfbiber verfügen und mit gezieltem Kehlgriff den Nager abtun, sonst erwarten ihn ernsthafte Verletzungen durch die messerscharfen Schneidezähne. Auch bei der Terrierhündin klafften beidseitig am Hals scharfe Cuts wie von einer Rasierklinge verursacht. Deutlich sinnvoller sind bei der Baujagd auf Nutrias Hunde, die zwar Druck aufbauen, aber auch Angriffe parieren können. Merkwürdigerweise gehen viele scharfe, aber unerfahrenen Hunde die Wassernager vom Biber über die Nutria bis zum Bisam sehr heftig an. Zum Glück lernen sie aber schnell, sich auf das wehrhafte Wild einzustellen. Während die Jagd im Erdbau sicherlich scheitern würde, springen Nutria und Bisam aus Kunstbauen recht schnell und zuverlässig, sofern die Baue so konstruiert sind, dass das Wild keine Nischen findet, um sich festsetzen zu können. Doch das ist auch bei der Baujagd auf den Fuchs entscheidend.
Ausgehend von diesen eher zufällig gemachten Erfahrungen habe ich im eigenen Revier ebenfalls an erfolgversprechenden Stellen in unmittelbarer Nähe zu Gewässern ein paar Kunstbaue angelegt. Sie werden immer wieder mal im Winter von Nutria und Bisam bezogen und sorgen am Jagdtag für eine besondere Überraschung. Dabei stellte ich fest, dass sie nicht nur die Baue annehmen, wenn die Wasserfläche gefroren ist. Vielmehr liegen sie auch unterm Jahr gerne mal im Kunstbau. Bei der Jagd verlassen sie ihn sehr rasch, und zwar immer in Richtung Gewässer. Ein zuverlässiger Schütze trifft auch auf der kurzen Fluchtstrecke, denn so schnell sind die Sumpfbiber nun auch wieder nicht. Interessant wird es auch, wenn ein Bisam im Bau steckt. Obwohl sie doch erheblich kleiner sind als Nutrias, springen sie gerne dem Hund oder sogar dem Jäger, wenn sie ihn draussen erkannt haben, mit einem grossen Satz und jähem Geschrei entgegen, um mit dieser wehrhaften Attacke ihre eigene «Schrecksekunde» zu vergrössern. Mit derselben Taktik gehen sie auch bei der Fallenkontrolle vor, wenn sie sich in einer Kastenfalle gefangen haben – also aufpassen!
Doch nicht immer sind beide Nager streng auf unterirdische Baue angewiesen. Die Nutria liegt auch gerne in selbstgebauten Schilfnestern oder dichtem Gestrüpp und Reisighaufen am Ufer. Häufig trifft man sie dort sogar an, wenn infolge von Hochwasser ihre Baue überschwemmt sind. Hier kann ein Stöbergang mit einem kurz unter der Flinte jagenden Vorsteh- oder Stöberhund das eine oder andere Weidmannsheil bringen. Doch auch in dieser Situation ist es ratsam, dass der Hund entweder erfahren und scharf den Nager abtut, in der Behausung beharrlich bis zum Fangschuss stellt oder sprengt. Der Jäger muss die Nutria möglichst noch an Land strecken, denn im Wasser taucht sie sofort ab. Ereilt sie der Schuss im Wasser, kann sie womöglich noch sinken und dann verloren sein.
Ansitz am Wasser
Auf beide Arten kann der Jäger aber auch die Ansitzjagd in Erwägung ziehen. Allerdings läuft sie eher unspektakulär ab und verspricht auch keine grosse Strecke. Nutria und Bisam sind meist dämmerungsaktiv. Der Jäger muss von seinem Ansitzplatz aus möglichst den Wasserbereich gut einsehen können. Allerdings muss er auch gut gedeckt sitzen und alle Bewegungen behutsam ausführen, denn beide Nager reagieren auf ungewohntes schnelles Anschlagen der Flinte mit raschem Untertauchen. Zudem muss der Jäger einwandfreien Wind haben, denn beide Arten haben ein ziemlich gutes Witterungsvermögen. Dem geplanten Ansitz sollte allerdings ein genaues Inspizieren des Gewässers vorangehen. Wo befahrene Baue sind, erkennt man aus der Nähe leicht, denn am Ufer und im Wasser sieht man das typische Geschleif. Sicher treiben im Uferbereich abgebissene Wasserpflanzen oder wir sehen sogar die Frassstellen am Ufer, wo uns die abgebissenen Stängel auffallen. Ich setze mich am liebsten so an, dass ich den Nager an den Frassstellen am Ufer erlegen kann, ihn aber schon rechtzeitig zuvor sehe, sobald er sie anschwimmt. In der Regel sichert er, bevor er zu fressen beginnt. Ein Schuss auf den schwimmenden Wassernager kann dazu führen, dass er angeschweisst untergeht und dann verloren ist. Ich ziehe den Schuss mit der Flinte dem Kleinkaliber vor. Zu häufig springen sie noch mit gutem Treffer der kleinen Kugel ab und verschwinden im Wasser, während ihn eine gut deckende Schrotgarbe verlässlich an den Platz bannt. Die Jagdzeiten sind vor allem im März/ April auf die wandernden Bisame und Nutrias erfolgversprechend. Aber auch im Herbst lässt sich gut auf sie jagen, wenn sie ihre Wintervorräte anlegen.
Anders als die Nutria beansprucht der Bisam eher flache Gewässer mit einer breiten Uferbegleitflora und vor allem einem konstanten Wasserstand als optimalen Lebensraum. Mit Vorliebe besiedelt er selbst kleine Gräben und Weiher. Immer gegen den Wasserstrom wandert er sogar in neu angelegten oder mit dem Bagger gereinigten und begradigten Entwässerungsgräben entlang und besiedelt sie. Und auch bei der Art seiner Behausung ist der Bisam flexibel. Je nach Uferrelief und Schwankungen des Wasserstandes gräbt er Erdbaue in die Uferwand oder errichtet aus Schilfstängeln freistehende Burgen.
In Revieren, die neben Nutria und Bisam auch die ganzjährig geschonten Arten Biber und Fischotter beheimaten, können durchaus gravierende Fehlabschüsse getätigt werden, wenn bei starker Dämmerung oder Dunkelheit das rinnende Tier im Wasser beschossen wird. In manchen Ländern ist deshalb aus gutem Grund nur die Jagd mit der Lebendfangfalle erlaubt, Totschlagfallen und der Abschuss hingegen nicht.
Text und Fotos: Matthias Meyer