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Basel, um 1700
Ölmalerei auf Leinwand
H. 96 cm, B. 81 cm
Inv. 1959.241.a.
Emanuel Hoffmann-Müller (1643–1702) nimmt in der Geschichte der Basler Seidenbandindustrie eine wichtige Stellung ein, da er es war, der die sogenannte Bändelmühle nach Basel brachte.
Wie es zur Einführung dieses mehrgängigen Bandwebstuhls kam, mit der die Seidenbandproduktion um ein Vielfaches gesteigert wurde, schildert der Sohn des Emanuel Hoffmann-Müller, Emanuel II. Hoffmann (1672 – 1728) 1721 in einer Eingabe an den Rat der Stadt Basel: «Mein Vater Emanuel selig hatte das von ihm erlernte Wollweberhandwerk allhier als Meister ledigen Standes etliche Jahre getrieben als er sein Auskommen nicht mehr fand.
Er bat seinen Bruder Johann Jacob, welcher in Amsterdam lebte und starb, um Rat. Der animierte ihn, nach Holland zu kommen und sich in den dortigen Fabriken umzusehen.
Mein Vater verliess sein Handwerk und begab sich nach Holland. Daselbst prakticierte er verschiedene Fabriken und befand schliesslich für Basel keine bequemer und profitabler als die Bandfabrique auf grossen Mühlstühlen.
Hierzu wurde ihm durch den Schwager seines Bruders, der eine solche Fabrique zu Harlem führte, die erwünschte Gelegenheit geboten: bei ihm arbeitete mein Vater zwei Jahre lang und hatte an ihm einen getreuen Lehrmeister, der ihn nicht nur in der Manufaktur perfectionierte, sondern ihm auch die wahre Beschaffenheit der Stühle an sich selbst und ihre Einrichtung lehrte. Zugleich animierte er ihn einen Stuhl in sein Vaterland auszuführen. Doch wegen des scharfen Ausfuhrverbotes musste dies unter verdecktem Namen mit der grössten Gefahr durch die spanischen Niederlande und Frankreich geschehen. In Basel angelangt, arbeitete mein Vater selbst auf diesem Stuhl und unterrichtete andere darin, bis endlich nach und nach diese Fabrique in den jetzigen so hohen Flor stieg, so dass meinem geehrten Vater niemand den ihm gebührenden Nachruhm nehmen kann: dass er nämlich allhier der Fundator dieser Fabrique und das erste Werkzeug gewesen sei, wodurch so viel göttlicher Segen, Reichtum und Nahrung für Ew. Gnaden dürftige Bürger und Unterthanen zugewachsen sei.» In modernen Worten knapp zusammengefasst: In für ihn wirtschaftlich schwieriger Situation zog Emanuel Hoffmann (1643 –1702) zu seinem dort lebenden Bruder nach Holland, wo er mit der sogenannten «Bändelmühle» ein neues technisches Verfahren in der Bandherstellung kennenlernte. Um 1668 schmuggelte er widerrechtlich einen solchen Webstuhl nach Basel und legte damit den Grundstein jener Industrie, die für die nächsten Jahrhunderte Basels Wohlstand begründen sollte.
Was sein Sohn nicht schildert, ist der erbitterte Widerstand der zünftig organisierten Posamentenweber gegen diese technische Innovation, da sie die daraus erwachsende Konkurrenz fürchteten. Nur durch eine Verlagerung der Produktion in das Verlagssystem, eine Aufteilung der Absatzgebiete und durch steuerliche Ausgleiche kam es zu einer Einigung mit den Zünften und zur Genehmigung dieser damals revolutionären Technik. Auf dieser Grundlage konnte sich dann die ertragreiche Seidenbandindustrie entwickeln, die ihren Anfang mit einem Akt von früher Industriespionage genommen hatte.