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Chronic fatigue syndrome – Und es exisitiert doch!
Ob es sich beim sog. Chronic Fatigue Syndrome um einen Folgezustand einer Infektionskrankheit handelt, wird immer noch sehr umstritten beurteilt. Die Ursache ist weitgehend unklar und auch der Zusammenhang mit einem spezifischen Erreger ist umstritten, wobei aber beispielsweise EBV-Infektionen häufiger ein postinfektiöses fatigue syndrome zu verursachen scheinen. Die vorliegende Studie zeigt anhand der Verlaufsbeobachtung von 253 Patienten auf, dass der Schweregrad einer vorangegangen Infektion entscheidender ist als der Erreger selbst.
Als chronic fatigue syndrome wird ein unerklärlicher Zustand der Müdigkeit bezeichnet, der persistiert, seit mindestens 6 Monaten besteht, durch Erholungsmassnahmen nicht beeinflussbar ist und eine substanziell verminderte Aktivität im Alltag nach sich zieht. Das postinfektiöse fatigue syndrome gilt als Untergruppierung des chronic fatigue syndrome. Die im BMJ publizierte Studie stellte die Frage nach Risikofaktoren, die zur Ausbildung eines postinfektiösen fatigue syndrome führen.
Die australische Kohorte (Dubbo infection outcomes study) umfasst ein Gebiet mit einem Radius von 200km und 104’000 Einwohnern. In die Studie eingeschlossen wurden die über 16 Jahre alten Patienten, bei denen über einen Zeitraum von 5 Jahren eine akute EBV-, Q-Fieber- oder Ross River- (durch Moskitos übertragene Arbovirus-Erkrankung) -Infektion diagnostiziert wurde. Der Anteil der letztendlich über den Hausarzt kontaktierbaren und studienwilligen Patienten machte etwa 30% der erfassten Labormeldungen aus. Der Verlauf wurde nach 3, nach 6 Wochen sowie nach 3 Monaten erfasst. Dann wurde mit einer (nach Alter, Geschlecht und analoger durchgemachter Erkrankung ohne Residuen) gematchten Fall-Kontroll-Gruppe nach 6 und nach 12 Monaten verglichen, wobei mögliche zugrunde liegende internistische und psychiatrische Erkrankungen ausgeschlossen wurden (1 Patient mit nachträglichem Studienausschluss bei Monat 6).
Erfasst wurden mittels Scores die Befindlichkeiten gemäss den Kategorien "akute Erkrankung" (inkl. Kopfschmerzen und Fieber), "Irritabilität", "Müdigkeit" (nach Aktivität und nach Ruhe), "muskuloskelletaler Schmerz", "mood disturbance" und "neurocognitive disturbance".
Ein mögliches postinfektiöses fatigue syndrome wurde in 35% nach 6 Wochen, bei 27% nach 3 Monaten, ein definitives bei 11% nach 6 Monaten (hälftig bei Frau und Mann, Durchschnittsalter 37a) und bei 9% nach einem Jahr festgestellt. Ursächlich bestand zu etwa knapp 70% eine mittels Serokonversion bestätigte Infektion aller untersuchter Infektionskrankheiten mit Hauptanteil an Ross River-Infektionen. Die Gruppe mit fehlender Serokonversion zeigte anteilsmässig eine analoge Ausbildung eines definitiven fatigue syndrome auf. Der Anteil an prämorbiden psychiatrischen Diagnosen unterschied sich nicht von der Kontrollgruppe. Das Ausmass der akuten Erkrankung resultierte als ein von der infektiösen Aetiologie unabhängiger Parameter, der hoch signifikant mit der Ausbildung eines definitiven fatigue syndrome korrelierbar war.
Die nebenstehende Abbildung zeigt die verzögerte Rückbildung von subjektiven Symptomen wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Muskelschmerzen und Konzentrationsschwäche. Rot dargestellt der Symptom-Score bei Patienten mit und weiss ohne "chronic fatigue". Leider finden sich in der Studie keine Angaben über die Zusammensetzung des Scores, mit dem die akute Erkrankung quantifiziert wurde.
Die mögliche Assoziation des Ausmasses der vorangehenden akuten Erkrankung mit der Ausbildung eines postinfektiösen chronic fatigue syndrome schafft aus phänomenologischer Sicht zwar Verständnis, aber die pathophysiologischen Hintergründe (welche uns therapeutische Konzepte liefern könnten) harren weiterhin der Erklärung. Gespannt warten wir auf weitere Studien zur Erhellung dieser black box….
Quelle: BMJ 2006; Hickie Jan et al
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