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| Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 23.
XXIII.
V. 1. Zum Ende, ein Psalm Davids, am ersten Tage der Woche.
Inhalt.
Der vorliegende Psalm verkündet uns die Auffahrt des Herrn und die Belehrung der Heiden, wie auch sie der himmlischen Wohnungen würdig werden.
Daniel Barbarus. Dieser Psalm hätte bei Einhaltung einer bestimmten Ordnung vor den zweiundzwanzigsten gesetzt weiden sollen. Denn er ist zum Troste Jener verfaßt, die in die babylonische Knechtschaft abgeführt wurden, der vorhergehende aber an die gerichtet, die aus derselben zurückkehrten. Es sind aber, wie wir im Anfang sagten, die Psalmen nicht chronologisch geordnet, sondern nach der Zeit ihrer Abfassung.1 Da also der selige David sah, daß die, welche in die Gefangenschaft geführt wurden, [S. 436] von einem harten Loose betroffen seien, weil sie die vaterländische Erde und ihren Tempel verlassen mußten, tröstete er sie, indem er etwas weiter ausholte, mit den Worten: Babylon mache euch keinen Kummer. Denn wenn ihr rechtschaffen und tugendhaft lebt und eifrig in eurem Leben nach guten Sitten strebet, werdet ihr auch dort Gott finden, da Alles ihm gehört und alle Grenzen der Erde in seiner Hand ruhen.
V. l. „Des Herrn ist die Erde und was sie erfüllt.“ Mit diesen Worten verkündet er die Herrschaft, die das eingeborne Wort Gottes über die Völker führte, als es erschien.
V. 2. „Er hat sie auf Meere gegründet.“ Damit nicht einer von den Feinden glaube, es gehöre die Erde dem Satan, jetzt aber herrsche Christus über sie, so zeigt er deßhalb, daß Christus ihr Schöpfer sei; zugleich aber gibt er seine Kraft zu erkennen, mit der er eine so große Masse der Erde auf Wasser gestützt hat. „Und über Strömen hat er sie bereitet,“ das heißt, geordnet.
V.3. „Wer wird hinaufsteigen auf den Berg des Herrn?“ Nachdem er den Glauben dargelegt hat, führt er die Lehre der Werke aus, damit wir, die wir darauf hören, durch Beides die wahre Erbschaft erlangen.
V. 4. „Unschuldig an Händen und rein von Herzen.“ Davon ist die Rede im vierzehnten Psalm. „Der seine Seele nicht gebraucht hat zu Eitlem.“ Unter Eitelkeit versteht er den Hochmuth. „Und nicht falsch schwor seinem Nächsten.“
V. 5. „Der wird Segen empfangen.“ Er verheißt, daß so ein Mensch, der unschuldig an Händen und rein von Herzen ist und nicht falsch geschworen hat, von Gott Geschenke empfangen werde, nämlich Segen und Barmherzigkeit.
V. 6. „Das ist das Geschlecht derer, die [S. 437] den Herrn suchen.“ Er meint das Geschlecht welche das Angeführte beobachtet.
V. 7. „Erhebet euere Thore, ihr Fürsten!“ Die Engel, die dem Heiland auf Erden dienten, fordern bei seiner Auffahrt die himmlischen Mächte auf, die Thore zu öffnen.
V. 8. „Wer ist dieser König der Herrlichkeit?“ fragen die oberen Mächte, über die wunderbare Heilsordnung erstaunt.
V. 10. „Der Herr der Mächte, er ist der König der Herrlichkeit.“ Die Engel, die mit ihm aufgefahren sind, führen die oberen in das Geheimniß ein, daß der, welcher die Feinde, die geistigen nämlich, zermalmt hat, der Herr der Mächte es ist.
1: Daß die Psalmen nicht chronologisch geordnet sind, sagt Gregor von Nyssa in seiner Schrift über die Aufschriften der Psalmen K. 11, hier ist jedoch diese Bemerkung auffallend. Weil sonst weder Ps. 23 noch Ps. 22 auf die babylonische Gefangenschaft bezogen werden. Dagegen werden die Ps. 122 und 123 beigefügten Inhaltsangaben auf die Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft bezogen. Wir haben daher hier wohl ungeschickte Interpolation vor uns.