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Was motiviert dich, (Leistungs-)Sport zu treiben, morgens zur Arbeit zu fahren, in den Gottesdienst zu gehen, die Kinder ins Training zu fahren, …? Die Frage nach den Antriebsfaktoren, nach dem «Warum» und «Wozu» des Handelns ist von grosser Bedeutung. Besonders, wenn es «stürmt» – in Momenten der Krise.
Lass uns über ein paar wesentliche Voraussetzungen für motiviertes Handeln als Sportler nachdenken. Sie gelten auch im Nichtsportler-Leben.
Entnommen aus «Psychologie im Sport», Sigurd Baumann 2009.
Freude, Vergnügen, Zufriedenheit
Die Erfahrung zeigt, dass Bestleistungen von Sportlern in der Regel dann erbracht werden, wenn sie sich wohl fühlen, wenn sie mit Freude, guter Laune, Spass und Zufriedenheit erfüllt sind. Freude und Spass stehen zu Angst und Nervosität in einem diametralen Verhältnis. Wer sich freut und zufrieden ist, kann nicht gleichzeitig ängstlich, nervös oder aggressiv sein.
- Gute Laune gegen Angst
- Freude gegen Nervosität
- Zufriedenheit gegen Unruhe
- Spass gegen Aggressivität
Freude und gute Laune sind Energiespender, die der Sportler zur optimalen Leistung braucht. Angst, Unruhe oder zu grosse Ernsthaftigkeit verbrauchen Energie. Das ideale Trainingsklima beruht auf freudvoller Grundstimmung und ernsthafter Leistungsbereitschaft.
Motivationsarten
Sportler können motiviert sein auch ohne dass ihnen die sportliche Tätigkeit Freude bereitet. Zum Beispiel, wenn ein Profi einfach «seinen Vertrag erfüllt». Weiter gedacht, kommt man zur Frage, ob ein Fussballprofi arbeitet oder spielt.
Um sie zu beantworten, muss man die Motive kennen: Spielt er nur, weil es ihm Spass macht und sein Motiv «Spielen» durch Training und Matches unmittelbar befriedigt wird, so ist er intrinsisch motiviert. Spielt er jedoch nur um der Prämie willen, die er für das siegreiche Spiel erhält, so ist er extrinsisch motiviert. In diesem Falle überwiegen Arbeitsanteile die Spielanteile. Er verfolgt mit seinem Spiel einen Zweck.
Motive sind auf den Menschen bezogen, Ziele auf Handlung. Stimmen Ziel und Motiv überein, handelt der Mensch zweckfrei, er vollzieht eine Handlung um ihrer selbst willen. Klaffen Ziel und Motiv auseinander, so verfolgt er mit seiner Handlung einen Zweck.
Menschen mit intrinsischer Motivation sind stärker motiviert als extrinsisch motivierte, da sie durch das Handeln eine unmittelbare Befriedigung ihrer Motive erleben.
Beispiele für Intrinsische Bedürfnisse und Motivationen
- Freude und Lust an der Bewegung
- Leistung (Technik, Steigerung, Vergleich, Herausforderung, Überwindung)
- Kommunikation (Anschlussmotiv, Geselligkeit)
- Kompensation (Ausgleich, Austoben)
- Gesundheit (Prophylaxe, Therapie)
- Körpererfahrung (Körperbeherrschung, Selbsterfahrung)
- Aussehen (Fitness, Figur)
- Selbstvertrauen (Bewusstheit des eigenen Könnens, Sicherheit)
- Sozialprestige (Anerkennung, Image)
- …
- …
Ziel, Zweck, Sinn des sportlichen Handelns
Die Frage nach der Motivation des sportlichen Handelns stellt sich auf den drei Ebenen der Ziel-, Zweck- und Sinnfindung:
- Ziel-Ebene: Welches konkrete Ziel soll erreicht werden? Welches Handlungsergebnis soll erzielt werden?
Mögliche Absichten können sein: Erlernen einer Technik, Fehlervermeidung, Steigerung einer physischen Komponente (z.B. Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit), Anwendung der richtigen Taktik.
- Zweck-Ebene: Welcher Zweck wird mit diesem Ergebnis verfolgt?
Der Zweck ist hinter dem Ziel angeordnet. Er stellt die Honorierung der Zielerreichung dar, Leistung und Erfolg auf irgendeine Art, zum Beispiel wenn man den Sprung in die Nationalmannschaft schafft, einen Spitzenplatz erreicht, einen Profivertrag erhält, Sponsoren auf einem aufmerksam werden oder sonst auf eine Art Anerkennung findet. Handlungszweck und Handlungsziel können auch auseinander klaffen. Dies ist dann der Fall, wenn ein Turner das Ziel, keinen Fehler zu machen, erreicht hat und trotzdem durch die Kampfrichter nicht die gebührende Bewertung erhält. Der Zweck beinhaltet also die individuelle Bewertung der Handlungsfolgen.
- Sinn-Ebene: Welchen Sinn hat es überhaupt, zum Beispiel einen Wettkampf zu betreiben oder ein Rennen zu fahren?
Dieser Sinn lässt sich nur auf Grund persönlicher Werte erkennen. Nur die individuelle Sinngebung erklärt, warum ein Läufer an einer Stelle losrennt, um so schnell wie möglich wieder dahin zu gelangen, wo er gestartet ist. Unter Sinn wird der angestrebte Wertbezug einer Handlung verstanden.