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"Ein Mund schlürft Wasser aus dem Strom,
aber der Strom braust ungestört vorüber;
eine Hand bricht Blumen aus der Wiese,
aber die Wiese treibt unverletzt immerzu Gräser und Blumen hervor;
der Tod nimmt einen Menschen aus dem Leben,
aber das Leben besteht unübersehbar fort."
Meinrad Inglin, Grand Hotel Excelsior
Im berühmten Buch von Ken Wilber - Mut und Gnade - ist eine sehr schöne Textstelle zu finden über das Leben und über das Sterben.
"Alle grossen Weisheitstraditionen der Welt sagen, dass der Augenblick des Sterbens ausserordentlich wichtig und eine kostbare Chance ist: Wenn der Tod eintritt, legt der Mensch den grobstofflichen Körper ab, und dadurch blitzen augenblicklich die höheren Dimensionen - die subtile und die kausale – in seinem Bewusstsein auf. Erkennt er sie, so erkennt er auch augenblicklich seine Erleuchtung, und zwar viel leichter, weil er nicht mehr von der Dichte des stofflichen Körpers behindert wird. (S.423)
Ihr Gesicht leuchtete wie von innen, und vor meinen Augen veränderte sich ihr Körper. … In dieser Stunde wurde sie ein anderes Wesen, bereit zum Aufbruch. Sie war darin sehr fest und bestimmt, und sie war überglücklich. Staunend bemerkte ich, wie der Funke übersprang und ich einfach hineingezogen wurde in diese tiefe Freude. (S.430)
„Dann ist es jetzt Zeit.“ Wir schwiegen lange. Das ganze Zimmer schien zu leuchten, und das obwohl es stockdunkel war. Es war der heiligste und zugleich der schlichteste Augenblick, den ich je erlebt habe. (S.432)
Ich glaube nicht, dass irgend jemand von uns Treya jemals tatsächlich wiedersehen wird; Vorstellungen dieser Art sind viel zu konkret, viel zu oberflächlich. Aber davon bin ich überzeugt: Wann auch immer jemand, der sie kannte, Sie oder ich oder irgendein anderer, in einer Haltung der Aufrichtigkeit, der Stärke und der Barmherzigkeit handelt, wird er Geist und Seele Treyas begegnen." (S.439)
Mehr über das Buch Mut und Gnade
"Zuweilen wächst doch noch ein Baum in den Himmel,
und während sein Stamm zerfällt, wird seine Krone zum Stern
und bleibt dort oben im Kreise der anderen leuchtend haften.
Das unwandelbar Ewige ist sichtbar in ihnen verbürgt.
Unten mögen Zeiten wachsen und welken, die Sterne bleiben über allen Zeiten,
und wer sein Angesicht nicht von ihnen wendet,
wird sicher durch die Wildnis schreiten, die seine Füsse umwuchert."
Meinrad Inglin, Grandhotel Excelsior
Ein passender Song von Elton John: THE BRIDGE