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Tropenwald
Soziale Ungleichheit führt zu Abholzung
Die Ausbreitung der Landwirtschaft ist die Hauptursache für die Abholzung von tropischen Wäldern in Lateinamerika. Eine Studie zeigt nun auf, dass Ungleichheit in der Gesellschaft zu mehr Abholzung führt.
Weniger Machtgefälle und wirtschaftliche Ungleichheit hingegen schont langfristig die Tropenwälder. Zu diesem Ergebnis kommt Graziano Ceddia am Zentrum für Entwicklung und Umwelt der Universität Bern in seiner am Freitag veröffentlichten Studie.
Ceddia untersuchte die Rolle verschiedener Formen von Ungleichheit im Zusammenhang mit dem Produktivitätszuwachs in der Landwirtschaft und dem vermehrten Flächenbedarf auf Kosten des südamerikanischen Tropenwaldes. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences» publiziert.
Zu den Auswirkungen von wirtschaftlicher und sozialer Ungleichheit auf die Umwelt gibt es in der Forschung verschiedene Ansichten. Ein Argument lautet, dass steigende Ungleichheit die gesellschaftliche Kooperation und kollektive Aktionen gegen die Umweltzerstörung behindert. Ein anderes besagt, dass mächtige Eliten, die am Umweltschutz interessiert sind, für den Schutz von Ökosystemen förderlich sein können, etwa indem grosse Schutzgebiete ausgewiesen werden.
Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion pro Hektar Anbaufläche bietet gemäss Studie die Chance, den Druck der Agrarwirtschaft auf die verbleibenden Wälder zu reduzieren. Zudem könne der globale Nahrungsmittelbedarf besser gedeckt werden. Gleichzeitig steigt mit der Produktivität aber auch die Rentabilität, was dazu führt, dass mehr Wälder in Agrarflächen umgewandelt werden.
Frühere Studien Ceddias haben gezeigt, dass eine gesteigerte Produktion allein nicht ausreicht, um die Ausweitung der Landwirtschaftsflächen auf Kosten des Waldes zu verhindern. Von grosser Bedeutung ist vielmehr der institutionelle Rahmen, also die Politik und die daraus resultierenden Umweltgesetze und Regulierungen.
Drei Formen der Ungleichheit
Ceddia untersucht in seiner Studie drei Formen der Ungleichheit: Einkommen, Landbesitz und Vermögen. Beim Landbesitz und beim Vermögen ist die Ungleichheit höher und dauerhafter als beim Einkommen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unter Annahme von sozialer Gleichheit, die gesteigerte Produktivität zwar kurzfristig zu mehr Abholzug führt, langfristig die Wälder aber schont.
Die Zunahme aller Formen der Ungleichheit hingegen fördert die Ausweitung der Agrarflächen und untergräbt die umweltfreundlichen Vorteile einer intensiveren Produktion. Weiter geht aus der Studie hervor, dass Einkommensungleichheit einen grösseren Effekt hat als Landbesitz und Vermögen.
Lateinamerika gehört heute zu den Weltregionen mit der grössten sozialen Ungleichheit. «Will man die steigende landwirtschaftliche Produktivität also nutzen und die verbleibenden tropischen Wälder schützen, dann ist die Politik gefragt», sagt Ceddia laut Mitteilung. Eine gleichmässigere Verteilung von Einkommen, Vermögen und Landbesitz wäre nicht nur gerechter, sondern auch ein effektives Mittel für einen besseren Schutz der Umwelt.