Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03627.jsonl.gz/148

Wie alt bist Du? 25 Jahre
Woher kommst Du? Schweiz
Was machst Du? Spielleiter und Regieassistent
Wie lange schon? Seit 5 Jahren
Was war dein grösster Krisenmoment? Als ich einem Sänger, dessen Auftritt erst gegen Ende der Oper war, noch viel Erfolg wünschen wollte, merkte ich, dass da gar niemand in der Garderobe sitzt. Er hatte den zeitlichen Beginn der Vorstellungen durcheinander gebracht. Nun machte er sich per Taxi schnellstmöglich auf den Weg ins Opernhaus. Ich hatte jedoch so meine Zweifel, ob er das noch rechtzeitig schaffen würde. Es war zu spät, den Vorstellungsbeginn zu verzögern oder dem Dirigenten Bescheid zu geben, dass vielleicht niemand auf der Bühne stehen wird, um die Bass-Arie zu singen. Also liess ich mir das Kostüm des Sängers anziehen (es war viel zu weit geschnitten für mich) und begab mich auf Auftrittsposition. Den ersten stummen Auftritt spielte ich auf der Bühne, wobei mich die SängerInnen verwundert ansahen. Dem Publikum schien hingegen nichts aufzufallen. Dann kam die grosse Arie des abwesenden Sängers. Was würde ich tun? Ich kannte die Arie gut, aber würde ich sie tatsächlich singen müssen? Ich bin kein richtiger Sänger, aber wir wollten ja auch nicht einfach die Vorstellung abbrechen... Ungefähr zwanzig Sekunden vor dem Arien-Auftritt erschien dann der schweissüberströmte und keuchende Sänger neben mir, er war wegen einem langen Stau durch die halbe Stadt gerannt. Ich warf ihm sofort den Kostüm-Umhang um, blickte ihm in die Augen und sagte: «Das wird super!». Dann kam auch schon das Auftrittszeichen und ich schubste ihn sanft auf die Bühne. Er sang und spielte an dem Abend übrigens besonders ergreifend.
Drei Dinge, die Du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Mein Cello, einen Roman von Michail Bulgakow und meine Taucherausrüstung.