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Breitsee
Heute zeigt er sich von einer naturreichen Seite und bietet vielen spezialisierten Pflanzen und Pflanzengesellschaften Lebensraum. Botanisch interessant ist beispielsweise der Erlen-Birken-Bruchwald auf dem Moor, und wer sich für Vögel interessiert, findet nebst Wasservögeln wie Zwergtaucher, Teichhuhn und Reiherente auch Baumfalke und Schwarzspecht. Der Breitsee wird im Frühjahr und Herbst auch gerne von Zugvögeln als Rastplatz benutzt. Und ist auch deshalb besonders wertvoll
Der Breitsee liegt im Oberforst am Ende des Möhliner Feldes, dort wo die grosse Lössdecke mit geringem Gefälle in den steilen Erosionshang der Hochterrasse übergeht. Die ca. 200x300 m messende Lössmulde entstand während den Eiszeiten. Beim Breitsee dürfte es sich um eines der ältesten Torffossilien handeln, zumal der Norden des Kantons Aargau am Ende der Eiszeiten eisfrei war. Der Löss misst an der dünnsten Stelle 3,3 m, das darauf gelagerte Torfmoor maximal 80 cm.
Über die lange Zeit bis 1827 weiss man wenig. Man weiss aber einiges über die Pflanzen und über die Bewaldung der damaligen Zeit. Auch weiss man, dass der Breitsee nie ein See, sondern lediglich ein Sumpf war. Viele dieser Informationen stammen aus einer 1930 von H. Härri aus Seengen verfassten Arbeit mit dem Titel "Löss- und Pollenanalytische Untersuchungen am Breitsee". 1827 begann die Zerstörung durch Anlegen von Entwässerungsgräben und anschliessender Bepflanzung mit Rottannen und Birken. 1858 wurde das Gebiet vom Kanton Aargau gekauft und von 1868-1872 parzellenweise abgeholzt.
Auf Initiative des Natur- und Vogelschutzvereins mit dem sehr aktiven Präsidenten E. Diethelm kam es 1968 zum Kahlschlag des Gebietes und Verschluss des Abflusskanals, was sich als nicht ganz einfach erwies. Mit einem zweiten Einsatz und insgesamt 12 Lastwagenladungen Lehm gelang es schliesslich, den See zu dichten. Seither ist der Breitsee immer mit Wasser gefüllt. Die fortschreitende Verlandung mit Ausbreitung vor allem der Knäuelsimse führte 1976 nach einem trockenen Sommer zur ersten Breitseesanierung, bei der Bagger mit Moorraupen zum Einsatz kamen, um die obersten Schichten abzutragen und eine offene Wasserfläche von 30 a herzustellen.
Trotz regelmässiger Pflegemassnahmen im Winter durch den VNVM kam es 1982 zu einer zweiten Breitseesanierung. Seit dem 8.12.86 steht der Breitsee, das einzige Hochmoor im Umkreis von 35 km, offiziell unter kantonalem Schutz. Eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt Iässt sich heute bewundern, wobei sich fast sämtliche Pflanzenarten spontan entwickelten. Im nördlichen Abschnitt befindet sich em Bruchwald mit Birken und Schwarzerlen, im südlichen, offeneren Teil überwiegt die Moorvegetation mit Torfmoos, Binsen und Seggen.
Jede Jahreszeit bietet dem naturinteressierten Besucher immer wieder seltene und spezielle Beobachtungen. So konnte man schon vor 30 Jahren mitviel Glückdie damals noch seltenen Wildschweine beobachten, die das Seeufer regelmâssigzum Suhien aufsuchten. Der Fuchs ist im Losshügel am Ostrand als Dauermieter anwesend ebenso wie der Waldkauz, der sich interessanterweise teilweise von Fröschen zu ernähren scheint, wie die Futtervorräte bei den Nistkastenkontrollen zeigten. Auch exotische Arten fühlen sich wohl am See, was die erfolgreiche Brut einer Mandarinente im erwähnten Waldkauzenkasten belegt. Regelmässige Brutvogel sind Stockente, Zwergtaucher und Teichhuhn. Unregelmässig brüten die Reiherente und in der nahen Umgebung der Schwarzspecht und der Baumfalke. Während des Frühjahres-, Strich- und Herbstzuges rasten häufig Limikolen und mit etwas Glück kann z. B. eine Bekassine am Südostrand beobachtet werden. Es gibt kaum etwas Schöneres und Erholsameres als ein gemütliches Verweilen am Ufer des Sees und dem Treiben der Vögel zuzuschauen, begleitet vom Konzert der Wasserfrösche, der Singdrossel, des Fitislaubsängers, der Heckenbraunelle, der Mönchs- und Gartengrasrnücke und vieler anderer Vogelarten mehr. Gutes Schuhwerk und lange Hosen bieten einen gewissen Schutz vor den häufigen Zecken und deren rasches Entfernen aus der Haut mindert das Risiko einer der zeckenübertragenen Krankheiten wie Borreliose oder FSME.
Auf jeden Fall ist die Chance, mit Zecken in Kontaktzu kornmen urn einiges grösser, als das Breitseemeitli zu treffen. Ob der See durch die vergossenen Trânen der verschmàhten Verlobten entstand, oder ob sich das Meitli durch den Sprung ins Wasser nach dem Tod ihres Burschen das Leben nahm, oder ob es sich gar urn einen schrecklichen Mord nach der Hochzeitsfeier mit Versenken der Braut im See handelte, kann nicht mehr sicher gesagt werden. Es gibt sie alle, diese verschiedenen Versionen der Breitseemeitli-Sage (siehe Sagen aus dem FricktaI von T. Fricker und A. Müller). Der Breitsee ist allerdings ein einzigartiges und sagenhaftes Naturschutzgebiet.
Hansruedi Böni