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Wie jedes Lebewesen auf der Erde, braucht auch das Pferd Wasser zum Überleben. Und das nicht zu knapp: Für ein reibungsloses Funktionieren von Stoffwechsel, Verdauung und Thermoregulation benötigen Pferde beachtliche Mengen an Wasser. Ein Mangel führt in kürzester Zeit zu gesundheitlichen Problemen.
Es steckt in den Zellen, in Körperflüssigkeiten wie der Lymphe und im Blut sowie im Verdauungstrakt: Ein erwachsenes Pferd besteht zu zwei Dritteln aus Wasser, bei einem Fohlen ist dieser Anteil sogar noch grösser. Alleine der Magen-Darm-Trakt kann zeitweise bis zu 50 Liter Wasser enthalten. Für den Körper ist es überlebenswichtig: Wasser transportiert Nährstoffe zu den Zellen, regt den Blutkreislauf an, spielt eine wichtige Rolle in der Verdauung, spült Schadstoffe heraus und hilft dem Pferd bei der Regulierung der Körpertemperatur.
Neben einer artgerechten Fütterung ist deshalb auch die ausreichende Versorgung des Pferdes mit Wasser eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des Pferdes. Für eine ausgeglichene Wasserbilanz im Körper muss das Pferd jederzeit Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Es sollte sowohl im Stall als auch auf der Weide zu jeder Jahreszeit durchgehend zur Verfügung stehen.
Saugtrinker mit grossem Durst
In Freiheit lebende Pferde suchen ihre Wasserstellen ein bis zwei Mal am Tag auf und müssen dafür manchmal mehrere Kilometer zurücklegen. Befindet sich das Wasser allerdings in der Nähe, trinken auch Wildpferde mehrmals täglich kleinere Mengen. Hatten Pferde längere Zeit keinen Zugang zu Wasser, sind sie in der Lage, sehr schnell sehr grosse Mengen an Flüssigkeit aufzunehmen. Auf dieses Phänomen geht wohl die Redewendung „Saufen wie ein Pferd“ zurück“.
Pferde sind wie Kühe, Schweine, Schafe und auch der Mensch sogenannte Saugtrinker, während Raubtiere wie Hunde und Katzen das Wasser mit Hilfe ihrer Zunge aufnehmen.
Das Pferd presst Ober- und Unterlippe zusammen, wobei nur eine kleine Öffnung frei bleibt. Durch diese wird das Wasser in grossen Zügen angesogen und unter Kaubewegungen geschluckt. Um einen Liter Wasser aufzunehmen, muss das Pferd rund sechs Mal schlucken. Das fällt ihm am leichtesten, wenn es seinen Kopf senken und möglichst waagrecht zum Hals halten kann. Diese natürliche Trinkhaltung wird allerdings durch die meisten modernen Selbsttränken verhindert, die aus Hygienegründen in einer Höhe von rund einen Meter ab Boden angebracht sind. Das ist mit ein Grund dafür, weshalb manche Pferde lieber auf dem Ausritt aus einer Pfütze oder dem Dorfbrunnen trinken als an der heimischen Tränke. Experten empfehlen das Anbringen von Wassertränken auf einer Höhe von höchstens 0,3 - 0,4 mal Widerristhöhe, was bei einem 1.60 Meter grossen Pferd eine Höhe von 48 bis 64 Zentimetern bedeutet.
Da in der freien Wildbahn an den Wasserstellen oft Fressfeinde lauern, unterbrechen Pferde den Trinkvorgang immer wieder, um sich umzuschauen. Dieses natürliche Verhalten zeigen auch unsere Hauspferde. In der Gruppenhaltung sollte dieser Instinkt berücksichtigt werden, in dem die Tränke an einer übersichtlichen, möglichst von allen Seiten frei zugänglichen Stelle angebracht wird, an der das Pferd seine Umgebung im Blickfeld hat. Bei grösseren Herden sind mehrere Tränken zu installieren um auch rangniederen Tieren ein stressfreies Trinken zu ermöglichen.
Da Pferde sehr empfindlich auf Verunreinigungen reagieren und dann zu wenig oder gar nicht mehr trinken, müssen Tränken täglich kontrolliert und wenn nötig geputzt werden.
Wasserverlust beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit
Wie viel Wasser ein Pferd braucht, kann nicht pauschal angegeben werden, sondern ist von verschiedenen Faktoren abhängig: dem Gewicht, Alter, Rasse und der psychischen Verfassung (Stress, Rosse usw.), den Umgebungstemperaturen, der Zusammensetzung des Futters sowie dem Ausmass an körperlicher Arbeit.
Als Faustregel gelten fünf bis zehn Liter Wasser pro 100 Kilo Körpergewicht – das sind bei einem mittelgrossen Pferd von 500 Kilo zwischen 25 und 50 Liter am Tag – die alleine für das Aufrechterhalten der lebenswichtigen Körperfunktionen notwendig sind. Führt eine Stute ein säugendes Fohlen mit sich, ist das Wetter sehr heiss oder muss ein Pferd grosse körperliche Leistungen erbringen, erhöht sich der Wasserbedarf und kann unter extremen Bedingungen bis zu 100 Liter am Tag betragen.
Ein gesundes Pferd trinkt instinktiv so viel wie es benötigt und gleich damit aus, was seinem Körper tagtäglich an Wasser verloren geht. Die grösste Menge wird über die Atemluft, den Urin und den Kot, der je nach Fütterung 60 bis 80 Prozent Wasser enthält, ausgeschieden. Eine Besonderheit des Pferdes ist das starke Schwitzen, mit der es seine Körpertemperatur reguliert und das je nach Klima zu grossen Wasserverlusten führen kann. Bei warmen Temperaturen und grosser körperlicher Anstrengung verlieren Pferde gleich literweise Schweiss.
Auf Wassermangel reagiert der Organismus des Pferdes jedoch sehr sensibel. Steigt der Wasserverlust auf über sechs bis acht Prozent des Wasserbestandes, wird die Leistungsfähigkeit bereits beeinträchtigt. Ein Schweissverlust von 15 Litern, wie er an einem heissen Sommertag bei körperlicher Bewegung bald einmal zustande kommt, bedeutet bei einem 500 Kilo schweren Pferd eine Reduktion des Wasserbestandes um fast 5 Prozent. Das doppelte, als ein Wasserverlust über 10 Prozent, ist für das Pferd bereits lebensbedrohlich.
Erste Anzeichen eines Wassermangels sind ungewöhnliche Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit und Leistungsverweigerung. Schreitet die Dehydratation weiter fort, wird der Gang schwankend, es droht ein Hitzschlag, die Urinproduktion kommt zum Erliegen, was zu Nierenschäden führen kann. Das Blut wird eingedickt und die lebenswichtigen Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem tödlichen Kreislaufschock.
Ein Trick hilft, die Lage richtig einzuschätzen
Besonders gefährlich: das Durstgefühl des Pferdes wird über den Salzgehalt im Blut gesteuert. Wenn Pferde sich sehr anstrengen müssen, stark schwitzen und dadurch viel Salz verlieren, verspüren sie keinen Durst und trinken zu wenig.
Allerdings gibt es einen Trick mit dem man erkennen kann, ob das Pferd zu wenig getrunken hat. Dafür zieht man mit den Fingern die Haut an der Schulter des Pferdes hoch, bis sie eine Falte bildet. Dann lässt man die Haut los und beobachtet genau, was passiert. Glättet sich die Haut sofort wieder, ist der Wasserhaushalt in Ordnung. Dauert es mehr als drei Sekunden, bis sich die Hautfalte wieder verschwindet, liegt ein Wassermangel vor und das Pferd sollte so schnell wie möglich getränkt werden.
Stark erhitzte, nach intensiver Arbeit erschöpfte Pferde sollten keine grossen Mengen an kaltem Wasser zu sich nehmen, das kann zu Krampfkoliken führen. Es ist besser, dem Pferd alle fünf Minuten kleine Wassermengen von drei bis fünf Litern anzubieten, z.B. in einem Eimer, bis es sich beruhigt und abgekühlt hat. Auch Weidegras, Mash und Rüebli erhalten viel Wasser, werden von den Pferden gern gefressen und helfen, den Wasserhaushalt wieder ins Lot zu bringen.
Angelika Nido Wälty
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