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Aber heute - schlussfolgerte der Bürgermeister von Taranto am 11. Dezember 2020 - werden wir gebeten, mindestens bis 2025 noch die Gesundheit von Taranto zu opfern. Dieses starke Statement folgte auf die Einigung der EU auf ein Hilfspaket wegen der Coronakrise und der Aussage von Premierminister Giuseppe Conte, ein Teil werde in die Modernisierung des Stahlwerks in Taranto fliessen. Es könnte das Ende einer langen Leidensgeschichte sein.
"Das
Nord-Süd-Gefälle wird im Jahr 2020 geschlossen sein", titelte der Corriere della sera 1972. Das Schicksal von Taranto zeigt, wie alles anders kam. Die ältesten Siedlungsspuren in Taranto stammen aus der Jungsteinzeit, Taranto hat eine lange und erfolgreiche Geschichte.
Nach dem zweiten Weltkrieg entschied sich der italienische Staat in den Süden des Landes zu investieren, um den Graben zu schliessen, der bei der Gründung des modernen Italiens im 19. Jahrhundert
entstand. Eine Gründung, die vom Norden angetrieben wurde. Sie löste auch Widerstand aus, wie ich schon im Artikel zu Carmine Crocco
beschrieben habe. Für Carlo Levi war
Lukanien eine isolierte Region Italiens, er schrieb aber auch "Es kann nicht der Staat sein, der die Probleme des Südens löst, hatte ich angeführt, aus dem einfachen Grunde, weil das, was wir das
Problem des Südens nennen, nichts anderes als das Problem des Staates selbst ist."
Italien nahm sich der Sache an, wollte die Modernisierung Süditaliens vorantreiben und beging dabei einen schwerwiegenden Denkfehler: den Süden Italiens entwickelt man nicht, indem man Lösungen des Nordens im Süden implementiert. So entstand der Hafen von Gioia Tauro, ein Hafen, der den Süden erschliessen sollte, heute aber das Eingangstor für Billigprodukte aus Asien sind, die von dort aus mit Lastwagen nordwärts gefahren werden. Eines der wenigen einigermassen erfolgreichen Projekte ist das Fiat-Werk in Melfi.
In Taranto wurde ein Stahlwerk gebaut, der grösste Industriebetrieb Süditaliens. Kriminelle Machenschaften, schwere Umweltschädigung und Korruption führten 2012 zur vorübergehenden. Schliessung des Werks. Die Bevölkerung wehrt sich. Nun kauft der italienische Staat das Werk zurück. Der xte Plan, die xten Milliarden an Investitionen und der Ärger des Bürgermeisters.
"Umweltrassismus" nennt das ein Umweltschützer in einem Beitrag von "Echo der Zeit", ein Verhalten das immer noch präsent ist: in Guardia Perticara soll die grösste Sondermülldeponie Europas für Ölabfälle, Schlamm und Asbest entstehen. Der Süden wird sich erst entwickeln, wenn er auf seine Stärken setzt. Der ThinkTank Basilicata 2020 zeigt Optionen auf.