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Im September 1912 war der deutsche Kaiser Wilhelm II. auf Staatsbesuch – in Basel exakt 15 Minuten.
Die Schweiz sieht sich gerne als Alpenrepublik mit demokratischen Institutionen. Das heisst nun aber nicht, dass man nicht die Hälse recken würde, wenn ein gekröntes Haupt unser Land besucht. Im September 1912 jedenfalls war das so.
Damals stattete der deutsche Kaiser Wilhelm II. der Schweiz einen Staatsbesuch ab und sah sich dabei auch die Herbstmanöver an der 5. und 6. Division unter Leitung von Ulrich Wille, dem Kommandanten des 3. Armeekorps und künftigem General.
3. September 1912
In Zürich und Bern bereitete man dem Monarchen einen grossen Empfang. In Basel waren es nur wenige, die den deutschen Monarchen am 3. September direkt zu Gesicht bekamen. Punkt 15.30 Uhr kündete der Donner einer Kanone die Ankunft des Kaisers an. Anschliessend fuhr der Extrazug von Strassburg her kommend im Bahnhof SBB ein.
Der Kaiser trat, ohne das vorhergehende Erscheinen der Basler Delegation abzuwarten, auf den Perron hinaus. Dort wechselte er zunächst mit SBB-Generaldirektor Zingg ein paar ungezwungene Worte. Dann wandte er sich an die Delegation der Basler Regierung. Diese bestand aus den Herren Regierungsräten Aemmer (freisinnig), Speiser (liberal-konservativ) und Burckhardt-Schazmann (liberal-konservativ). Nicht vertreten waren die Sozialdemokraten, die seit einiger Zeit mit den Genossen Eugen Wullschleger und Hermann Blocher zwei Basler Regierungsräte stellten.
22 Böllerschüsse
Gekleidet war der Monarch in den grünen Rock eines Gardeschützen. Dazu hatte er das passende Schützenkäppi auf dem Kopf. Nach dem Gespräch mit den Regierungsvertretern unterhielt sich Wilhelm II. angeregt mit den militärischen Delegierten des Bundesrats. Um 15.45 Uhr setzte sich der Extrazug wie vorgesehen in Richtung Zürich in Bewegung.
Während des kurzen kaiserlichen Zwischenhalts in Basel feuerten Mitglieder des Artillerievereins in Intervallen von 45 Sekunden insgesamt 22 Salutschüsse ab. Für die Sicherheit des Kaisers hatte die Polizei umfangreiche Massnahmen getroffen.
Medien-Hype
Der Besuch Wilhelms II. fand in den bürgerlichen Zeitungen grosse Beachtung. Über die verschiedenen Auftritte des Kaisers – selbst über den kurzen Zwischenhalt in Basel – wurde ausführlich berichtet. Fotografen hielten den Monarchen im Bild fest und boten ihre Aufnahmen zum Kauf an – wie W. Dierks, von dem unser Foto stammt.
Auch die junge Filmindustrie tat ihr Möglichstes, um die Neugier des Publikums mit aktuellen Aufnahmen zu befriedigen.
Gegen «Kaiserherrlichkeit» und Imperialismus
Bei den Sozialdemokraten konnte man dem Rummel wenig abgewinnen. Und der Deutsche Arbeiterverein in Basel setzte mit einer Veranstaltung einen Kontrapunkt. Auf seine Einladung sprach eine Woche später, am 10. September 1912, in der Basler Burgvogtei Genosse Dr. Karl Liebknecht über «Demokratie und Imperialismus». Dabei sagte Liebknecht laut «Basler Vorwärts» unter anderem: «Imperialismus heisst Kaiserherrlichkeit im Sinne der Ausdehnung der Kaisergewalt über die ganze Menschheit. Vom Altertum hat sich diese Ausdehnungspolitik aufrecht erhalten bis auf unsere Zeit, wo der Kapitalismus sie gewaltig begünstigt.»
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Mehr zum Kaiserkult in der Ausstellung «Mit Glanz und Gloria», Museum der Stadt Schopfheim (bis 28. September 2014).
Einige Zeitgenossen verdienten sich mit dem Kaiserbesuch ein Zubrot:
Ein schönes Filmdokument: