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Demnach stehen bei den Migrantinnen und Migranten aus Westafrika rassistische Motive gar vor dem Migrationshintergrund. Über die Hälfte der aus dieser Region eingewanderten Personen kämpft mit Vorurteilen. Zum Vergleich: Bei den aus Österreich zugezogenen Personen liegt der Anteil an Diskriminierten bei 24 Prozent.
Laut der Umfrage des National Center of Competence in Research (nccr) der Universitäten Neuenburg und Genf empfinden Frauen und Männer sehr ähnlich, was das Ausmass und die Gründe für die Diskriminierung anbelangt. Allerdings geben Frauen häufiger an, aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert zu werden.
Über verschiedene "Migration-Mobility Indicators" der Studie berichtete am Montag der "Blick". Der Nachrichtenagentur sda liegen die Ergebnisse zur aktuellen Lebenssituation und zum Migrationsverlauf der Migrantinnen und Migranten vor.
Untersucht wurde auch die Verwurzelung der Migrantinnen und Migranten in der Schweiz. Die Analyse zeigt, dass das Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunftsland in der Regel grösser ist als zur Schweiz. Über die Hälfte der Befragten fühlt sich stark mit ihrem Herkunftsland verbunden.
Die einzige Ausnahme bilden Bürgerinnen und Bürger aus Frankreich und Südamerika, die sich stärker mit der Schweiz als mit ihrem Herkunftsland verbunden fühlen. Insgesamt bekunden zwei von fünf Personen ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zur Schweiz.
Auch in dieser Frage gibt es grosse Unterschiede zwischen den Herkunftsländern. Menschen aus Indien (66 Prozent) und Portugal (61 Prozent) haben am meisten Heimweh; bei den Deutschen (40 Prozent), Franzosen und Briten (beide 46 Prozent) ist das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Herkunftsland am niedrigsten.
Trotzdem spielen Kontakte zum Herkunftsland im Leben der allermeisten Migrantinnen und Migranten eine wichtige Rolle. 92 Prozent der Befragten besuchten innerhalb des vergangenen Jahres ihr Herkunftsland.
Jedoch besucht eine grosse Mehrheit der Immigrantinnen und Immigranten, die von einem anderen Kontinent stammen, ihr Herkunftsland nur ein- bis zweimal jährlich oder gar nie. Zu letzterer Kategorie gehören Personen aus Westafrika (45 Prozent) und Südamerika (31 Prozent).
Die Auswertung der Umfrage von rund 6000 Migranten zeigt weiter, dass neun von zehn Personen rückblickend eher bis sehr zufrieden mit ihrer Einwanderung sind. Am glücklichsten sind die Österreicher: Über die Hälfte der Befragten gab an, total zufrieden zu sein.
Fast die Hälfte der Migrantinnen und Migranten möchte denn in Zukunft auch ein Einbürgerungsgesuch in der Schweiz stellen. Bei Westafrikanern und Südamerikanern sind es rund zwei von drei Personen, die beabsichtigen, ein solches Gesuch zu stellen.
Die Beweggründe sind vielseitig: Je rund ein Viertel der Befragten nennen neben dem Zugehörigkeitsgefühl das Stimmrecht oder praktische Gründe wie das Aufenthaltsrecht.
Die Zuwanderung in die Schweiz hat gemäss der "Migration Mobility Survey" vorwiegend berufliche Gründe. 62 Prozent aller befragten Migrantinnen und Migranten gaben berufliche Gründe für ihre Zuwanderung in die Schweiz an. 38 Prozent nannten den Lebensstil oder das Sammeln neuer Erfahrungen als Grund.
Für sieben von zehn Migrantinnen und Migranten bedeutet die Zuwanderung in die Schweiz eine Verbesserung ihrer beruflichen Situation. 12 Prozent der Befragten betrachteten ihre berufliche Situation vor ihrer Ankunft in der Schweiz jedoch als besser.
Die Studie zeigt zudem, dass die Mehrheit der Migrantinnen und Migranten hochqualifiziert ist. Fast zwei Drittel verfügen über einen Hochschulabschluss, über einen Viertel haben einen Abschluss auf Sekundarstufe II.
Nur jeder neunte Einwanderer hat die obligatorische Schulzeit entweder nicht beendet oder nur diese abgeschlossen. Unter den Befragten aus Portugal und den westafrikanischen Ländern ist die Hochschulabschlussquote mit 42 Prozent beziehungsweise 22 Prozent am niedrigsten.
Die Umfrage unter Migranten ist Teil des Nationalfonds-Projekts "NCCR on the Move", das die Migration in der Schweiz untersucht und an dem diverse Universitäten der Schweiz beteiligt sind. An der Umfrage nahmen knapp 6000 zufällig ausgewählte Ausländer aus elf Nationen respektive Nationengruppen teil.
Weil der Fokus der Untersuchung explizit nicht auf die Situation (ehemaliger) Asylbewerber gelegt wurde, sind beispielsweise Personen aus Ex-Jugoslawien oder dem Nahen Osten nicht in der Umfrage vertreten. Die vollständige Studie wird 2018 veröffentlicht.
(SDA)