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Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen beraten und begleiten Mütter und ihre Säuglinge nach der Geburt. Rückmeldungen an Stillförderung Schweiz zeigen, dass die individuellen Bedürfnisse der Mütter sehr unterschiedlich sind – entsprechend wichtig für den Beratungsprozess ist, dass Fachpersonen erfahren, was sich Mütter in Bezug auf das Stillen und die Ernährung ihres Säuglings wünschen, und ihr Handeln darauf abstimmen.
Unterschiedliche Wünsche und Konsequenzen für die Beratung
- Die Mutter, die entschlossen ist, zu stillen und ganz viel dafür zu tun, und die auch eher schwierigen Situationen nicht aus dem Weg geht: Diese Frau braucht Fachpersonen, die ihre Bedürfnisse erkennen und sie in ihrem Wunsch unterstützen. Fachpersonen, die sie bestärken und ihr helfen, Probleme zu überwinden, und sie bei Bedarf an Stillspezialistinnen weiterverweisen.
- Die Mutter, die stillen möchte, sich aber durch das Umfeld verunsichern lässt und in ihrem Wunsch nicht unterstützt wird: Hier gilt es herauszufinden, was die Mutter (nicht das Umfeld) wirklich möchte, und sie dann in ihrem Wunsch zu unterstützen und zu bestärken. Diese Mutter braucht unter Umständen Tools, um sich gegen ihr negativ eingestelltes Umfeld durchsetzen zu können.
- Die Mutter, die nicht stillen möchte, aber aus dem Umfeld Signale erhält, dass eine nicht stillende Mutter keine gute Mutter sei: Auch hier gilt es herauszufinden, was die Mutter (nicht das Umfeld) wirklich will, um sie dann in ihrem Entscheid zu unterstützen und zu bestärken. Diese Mutter braucht die Bestätigung der Fachperson, dass ein Kind auch mit Säuglingsmilch gesund gedeihen kann.
- Die Mutter, die sich entschieden hat, nicht zu stillen oder mit dem Stillen aufzuhören: Diese Mutter braucht möglicherweise Informationen, wie sie schonend abstillen und ihren Säugling adäquat ernähren kann.
Wie umgehen mit speziellen Situationen?
- Krankheit oder Hospitalisierung der Mutter: Die Mutter braucht Fachpersonen, die bei einer medizinischen Behandlung Verständnis für die besondere Situation der stillenden Mutter zeigen, um das Stillen weiter zu ermöglichen. Falls eine Medikation nötig ist, soll ein mit dem Stillen verträgliches Medikament ausgewählt werden1.
- Krankheit oder Hospitalisierung des gestillten Säuglings: Die Mutter braucht Fachpersonen, die den Wert des Stillens in dieser besonderen Situation erkennen und die Mutter unterstützen, das Stillen so weit wie möglich fortzusetzen. Gerade der kranke Säugling profitiert von der Fortführung der Muttermilchernährung und von der Nähe zur Mutter beim Stillen. Muttermilch und Stillen können zur Genesung beitragen.
- Erschöpfung der Mutter: Eine physisch oder psychisch erschöpfte Mutter braucht in vieler Hinsicht Unterstützung und Entlastung. Häufig wird das Abstillen als eine der ersten Entlastungsmassnahmen empfohlen, ungeachtet ob die Mutter das Stillen als Belastung empfindet oder nicht. Die betroffene Mutter braucht Fachpersonen, die versuchen, ihren Wunsch in Bezug auf das Stillen oder Abstillen zu berücksichtigen, und ihr helfen, eine individuelle Lösung zu finden. Beispielsweise kann auch ein «Teilstillen» mit längeren Pausen in der Nacht eine Entlastung darstellen.
- Wiederaufnahme der Arbeit: In diesem Fall ist es wichtig, dass Fachpersonen über die Rechte der stillenden Mutter am Arbeitsplatz Bescheid wissen und die Informationen weitergeben. Die Mutter braucht Fachpersonen, die ihren Entscheid unterstützen und entsprechende Hilfeleistungen anbieten2.
Langzeitstillen: Es gibt gute Gründe, über das erste Lebensjahr hinaus weiter zu stillen. Einige gesundheitliche Benefits des Stillens für das Kind und die Mutter sind von der Dauer der Stillzeit abhängig. Die Muttermilch verliert auch nach dem ersten Jahr nicht an Wert und ist weiterhin ein wichtiger Lieferant für hochwertige Kalorien, Eiweisse, Vitamine und Mineralstoffe. Mütter wünschen sich Fachpersonen, die ihren Entscheid, länger zu stillen, bestärken und respektieren.
Die berechtigten Ansprüche von Müttern an die sie betreuenden Fachpersonen sollen als Denkanstoss dienen. Fachpersonen sollen nicht nur fachlich korrekt handeln, sondern auch Verständnis für die individuellen Situationen aufbringen und ihre Empfehlungen möglichst danach ausrichten. Dies führt zur Förderung des Wohlbefindens und der Gesundheit von Mutter und Kind.