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-25.07.2023-
Am 25. Juni 2023 ging die diesjährige Air Show in Le Bourget bei Paris zu Ende. Nachfolgend soll jedoch von derselben Veranstaltung vor 50 Jahren berichtet werden.
Etwas ungewöhnlich begann mein allererster Arbeitstag im neuen Beruf beim damaligen Kommando der Flieger- und Flab-Truppen, der 1. Juni 1973. Er fand nicht im Büro in Bern statt, sondern am internationalen Luftfahrtsalon in Le Bourget.
Der 3. Juni war dann dramatisch, musste man doch den Absturz des sowjetischen Überschall-Passagierflugzeuges Tu-144 miterleben. Die dritte je gebaute Tu-144 CCCP-77102 (die erste Serienmaschine mit Erstflug am 29.3.1972)) stürzte auf den Pariser Vorort Goussainville ab. Dabei verloren die sechsköpfige Besatzung an Bord, sowie acht Personen am Boden ihr Leben. Weitere 60 Personen am Boden erlitten Verletzungen, Als die Crew versuchte, ein nicht ganz übliches Flugverfahren zu retablieren, wurde offensichtlich die Struktur der Maschine überlastet und sie brach in geringer Höhe auseinander.
Tu-144 CCCP-77102 bei den Startvorbereitungen
Die Tu-144 mit ausgefahrenem Fahrwerk und Canards kurz vor dem Absturz
Die Gründe für diesen Unfall wurden offiziell nie eindeutig geklärt, wahrscheinlich wollte die Besatzung eine besonders spektakuläre Vorführung zeigen. Der letzte Überflug erfolgte in Landekonfiguration mit ausgefahrenem Fahrwerk und Canards, dann allerdings mit allen vier Triebwerken auf „full power“. Aus den Daten des Flugschreibers ging nach der Untersuchung hervor, dass die Besatzung Manipulationen an der Flugsteuerung vorgenommen hatte, womit wohl spektakulärere Flugmanöver möglich wurden. Nach dem Unfall gab es in der Presse diverse Vermutungen, so soll sich gleichzeitig ein französischer Mirage III Aufklärer in der Luft befunden und dadurch den sowjetischen Piloten abgelenkt haben. Angeblich hatten die Franzosen Interesse an Luft-Luft Aufnahmen der ausgefahrenen Canards. Die anschließende Unfalluntersuchung durch die französischen Behörden zeigte kein klares Ergebnis. Die offizielle Verlautbarung in Absprache mit der sowjetischen Seite erfolgte dementsprechend und ließ weitere Fragen offen.
Nach dem Absturz erlahmte in den folgenden Jahren das Interesse der Aeroflot an der Tu 144. Von den ursprünglich geplanten 30 Flugzeugen wurden inklusive Prototypen nur deren 16 fertiggestellt. Ein regulärer Linieneinsatz mit Ausnahme von Postflügen erfolgte nie. Die vorhandenen Maschinen wurden alsbald stillgelegt oder nur für Versuchsflüge verwendet.
Die französisch-englische Konkurrenz Concorde – Prototyp F-WTSA
Neben dem Wettstreit zwischen der französisch-englischen Concorde und der russische Tu-144 gab es 1973 in Le Bourget sind einige weitere interessante Neuheiten zu sehen. Nachfolgend einige Aufnahmen.
Prototyp des AIRBUS A-300
Der erste Boeing 747 Jumbo-Jet Frachter
C-135F Tanker mit MIRAGE IV – schon damals spektakulär
Der französische Mirage Milan, hier als Mirage 5 bezeichnet. Es handelte sich um dieselbe Maschine, die 1972 in der Schweiz evaluiert wurde. Auf dem Seitenleitwerk ist noch schwach das schweizerische Hochgebirgsabzeichen zu erkennen.
Der damals zivil immatrikulierte Harrier Doppelsitzer G-VTOL
Saab JAS-37 VIGGEN zum ersten Mal ausserhalb von Schweden noch ohne Tarnanstrich
Erstmals wurde der F-5E TIGER in Europa gezeigt
Die Red Arrows, damals noch mit Folland Gnat
Einer der wenigen Auftritte in Europa – die BLUE ANGELS der US Navy, damals noch mit F-4 PHANTOM
Das Begleitflugzeug der BLUE ANGELS, ein C-130 HERCULES des US Marine Corps
Anmerkungen zum Autor:
Der Autor René Zürcher mit Jahrgang 1944 ist in Zürich und Bern aufgewachsen. Der Virus Fliegerei wurde bereits früh infiziert, betrieb doch sein Vater ab 1953 ein Geschäft auf dem Flughafen Kloten. Nach einigen Jahren Tätigkeit als Programmierer/Systemanalytiker auf Grossrechnern erfolgte 1973 der Eintritt in den Nachrichtendienst der damaligen Flieger- und Flabtruppen. Diese 35-jährige Tätigkeit verbunden mit zahlreichen weltweiten Reisen formten den Autor zu einem anerkannten Spezialisten der internationalen Militärluftfahrt. Parallel dazu erfolgte eine militärische Karriere als Nachrichtenoffizier in der Flugwaffe, auch hier verbunden mit Reisen ins Ausland. Er war zudem bei sämtlichen schweizerischen Flugzeug-Evaluationen der letzten Jahrzehnte in irgendeiner Form beteiligt. Dies Alles führte zu einer umfangreichen Dokumenten- und Bildersammlung – die Kamera war immer dabei. Seit der Pensionierung 2008 ist Zeit für eine journalistische Tätigkeit im Bereich Aviatik vorhanden.
Ein Buch für Geschichtsinteressierte und Freunde der Schweizer Luftwaffe:
René Zürcher – Schweizer Luftwaffe – Evaluieren-Erproben-Entscheiden
Die Geschichte der Flugzeugbeschaffungen in der Schweiz seit 1946 – rund 100 Flugzeuge und Helikopter – rund 300 Schwarzweiß und Farbbilder zum größten Teil noch nie veröffentlicht – detaillierte Liste aller Evaluation und Erprobungen – detaillierte Liste aller beschafften Flugzeuge und Helikopter in dieser Zeitspanne – 200 Seiten, A4, Soft-cover Buch, ISBN 978-3-907041-78-9
CHF 49.- inkl. Porto und Verpackung
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