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GSD – Gesellschaft schweizerischer Dramatiker
Die G. wurde am 5.7.1924 als Fachsektion des →SSV gegründet und umfasste bis zu ihrer Auflösung konstant zirka sechzig Mitglieder. Primäres Ziel war es, als Berufsorganisation den Dramatikerinnen und Dramatikern zu besseren Aufführungsmöglichkeiten an den schweizerischen Berufsbühnen zu verhelfen. Anlass zur Gründung war die so genannte Theaterfrage, die – bereits im 19. Jahrhundert diskutiert – vor dem Ersten Weltkrieg mit →Jakob Bührers Artikelfolge "Die schweizerische Theaterfrage und ein Vorschlag zu ihrer Lösung" (1912) und nach 1920 wieder aktuell wurde. Beklagt wurde der überragende Einfluss ausländischer, vor allem deutschsprachiger Theaterschaffender, insbesondere jener in leitender Funktion, an grossen Schweizer Bühnen und die daraus anscheinend zwingend sich ergebende Vernachlässigung schweizerischer Stoffe. Dies führte – laut Bührer – sowohl zu einer "Entwöhnung" des Publikums als auch zu einem Verlust für die einheimischen Dramatikerinnen und Dramatiker, deren Werke nicht in den Spielplan der Berufsbühnen aufgenommen würden und die damit keine Gelegenheit erhielten, praktische Erfahrungen in bühnengerechtem Schreiben zu sammeln. Der erste Vorstand der G. bestand aus dem Präsidenten →Konrad Falke, →Felix Moeschlin (Präsident des SSV) und Karl Naef (Sekretär des SSV). Gleichzeitig wurde eine Jury eingesetzt, welche die Aufgabe hatte, zwischen Dramatikerinnen und Dramatikern und den Theatern zu vermitteln und die grossen Bühnen zu vermehrter Aufführung von Stücken schweizerischer Autorinnen und Autoren zu verpflichten; ihr gehörten Falke, Bührer, →Hugo Marti, Hans Treichler und →Cäsar von Arx sowie als Ersatz →Carl Albrecht Bernoulli und →Werner Johannes Guggenheim an. Das erste Arbeitsprogramm der G. sah vor allem Verhandlungen mit dem →Pfauentheater Zürich vor, das damals nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen geführt wurde und keinerlei Subventionen erhielt: Es sollte eine bestimmte Anzahl von Stücken schweizerischer Autoren aufführen, die G. würde – über eine Abonnentenorganisation – eine kostendeckende Anzahl von Eintritten pro Produktion garantieren. Dieser Plan konnte allerdings nie umgesetzt werden. Erfolgreicher war die Erarbeitung von Werkverzeichnissen, welche die G. in Auftrag gab: 1926 erschien das "Verzeichnis schweizerischer Bühnenwerke in hochdeutscher Sprache", 1953 →Rudolf Johos "Neuer Dramatischer Wegweiser. Verzeichnis der schweizerischen Bühnenwerke für das Volkstheater von 1900 bis 1952" und 1955 dessen "Schweizerischen Bühnenwerken in deutscher Sprache". Bereits 1925 löste →Max Pulver Falke als Präsident ab, 1928 übernahm Bührer dieses Amt, Vizepräsident wurde →Paul Lang. Nachdem die G. anfangs versucht hatte, die Bühnen direkt anzusprechen, wurde die Öffentlichkeit nun mit Vorträgen, Lesungen, der Veröffentlichung einzelner Szenen in Zeitschriften sowie mit der Publikation einzelner Dramen auf die Probleme der Schweizer Dramatik aufmerksam gemacht. 1931/32 erschienen unter dem Präsidium von Guggenheim fünf dramatische Werke im Rascher Verlag. Nach 1930 passten Anliegen und Argumentation der G. in die geistige Landesverteidigung; gleichzeitig verschärfte sich der Ton. Nach dem Willen der G. und des SSV (aber auch anderer Organisationen) sollten Theater über behördliche Verfügungen dazu gezwungen werden, schweizerische Werke aufzuführen, was so nicht durchzusetzen war. Dem Anliegen, die Anstellung ausländischer Theaterschaffender zu beschränken, wurde 1933 mit der Gründung der "Prüfungskommission für schweizerische Bühnenkünstler", die ihren Sitz beim Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA) in Bern hatte, Rechnung getragen. Von Anfang an war es ein Ziel der G., die Schweizer Dramatikerinnen und Dramatiker aller Sprachgebiete zu vertreten, weshalb 1933 zwei französischsprachige Mitglieder, Charly Clerc und Henri Tanner, in den Vorstand gewählt wurden. 1940 spalteten sich die französischsprachigen Mitglieder von der G. ab und gründeten die Société des auteurs dramatiques romands (SADR). Nach Guggenheim übernahm 1946 →Albert Jakob Welti das Präsidium der G., ihm folgten →Max Gertsch (1952), →Helmut Schilling (1957), →Marcel Gero (1968), →Arnold H. Schwengeler (1970), →Ursula von Wiese (1973), erneut Schwengeler (1978), →Tista Murk (1981) und Peter J. Betts (1982). Ein Schwerpunkt der Arbeit der G. lag in der Beratungstätigkeit von Dramatikerinnen und Dramatikern: erfahrene Bühnenautoren sollten ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützen und ihnen damit zu grösserer Praxisnähe verhelfen, zudem sollten die Beratenden den Bühnen gegenüber als Vermittlungsinstanz auftreten. Aber weder die oben genannte Jury, die Anfang der vierziger Jahre nicht mehr bestand, noch die 1947 vom SSV mit Bundesmitteln realisierte Dramaturgische Beratungsstelle, mit Cäsar von Arx als Leiter prominent besetzt, konnten Erfolge verzeichnen. Nach 1950 war Strukturerhaltung die einzig feststellbare Tätigkeit. In den sechziger Jahren kam es zum faktischen Bruch mit dem SSV, die Trennung wurde 1974 formal bestätigt. In ihrer letzten Phase schrieb die G., wie zum Teil schon früher, verschiedentlich Dramen-Wettbewerbe aus. 1984 beschloss die Generalversammlung auf Betts’ Antrag, die Auflösung der G. anhand einer brieflichen Urabstimmung zu prüfen; an der Generalversammlung vom 1.6.1985 wurde die Auflösung der G. vollzogen.
Literatur
- Niederer, Ueli: "Gewiss, es gab Rückschläge …". Die Gesellschaft schweizerischer Dramatiker 1924–1985. In: Dramatiker-Förderung, 1986.
- Böni, Otto et. al.: Literatur geht nach Brot. Die Geschichte des Schweizerischen Schriftsteller-Verbandes, 1987.
- Niederer, Ulrich: Geschichte des Schweizerischen Schriftsteller-Verbandes, 1994.
- Amrein, Ursula: "Los von Berlin!"Die Literatur- und Theaterpolitik der Schweiz und das "Dritte Reich", 2004.
Archiv
- Privatbesitz und innerhalb der Archivbestände des SSV,
- Schweizerisches Literaturarchiv, Bern,
- Schweizerische Theatersammlung, Bern.
Autor/Autorin: Ulrich Niederer/Sara Baumann
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Niederer, Ulrich/Baumann, Sara: GSD – Gesellschaft schweizerischer Dramatiker, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 763–764.