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Ein zu 15 Jahren Haft verurteilter Mörder ist am Sonntagabend nach zwei Tagen Hafturlaub nicht mehr in das Genfer Gefängnis La Pâquerette des Champs zurückgekehrt. Das meldete die Zeitung Tribune de Genève. Die Genfer Polizei bestätigte diese Angaben gegenüber watson. Sie betrachtete die ausbleibende Rückkehr des Häftlings in die Anstalt, in der er seine Reststrafe in Halbgefangenschaft verbüsste, als Flucht. Die Mordkommission war verständigt und eine internationale Suche lanciert worden.
Am Mittwoch Nachmittag soll sich der Mann nun bei der französischen Polizei gestellt haben. Das berichtet die Zeitung Le Temps, welche die Information vom Anwalt des Flüchtiges erhalten haben will.
Bei der fraglichen Person handelt es sich um einen französischen Staatsbürger. Er war im Jahr 2005 verurteilt worden, nachdem er im Drogenrausch eine Prostituierte mit 110 Stichen getötet hatte. Die Tat hatte sich in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 2004 im Genfer Quartier Les Pâquis ereignet.
Gerade Anfang diesen Jahres hatte der verurteilte Mörder für seine Reststrafe einen Antrag auf Freilassung unter Auflagen gestellt. Dieser war jedoch am 23. März abgelehnt worden, weil er für die Schweiz keine Aufenthaltsbewilligung besitzt und deshalb die Schweiz verlassen müsste.
Das Gericht habe bezweifelt, dass der Mann in seinem Heimatland seine Therapie fortsetzen könne und dort auch noch Arbeit finde, so Vincent Spira, der Anwalt des Flüchtigen. Er habe aber bereits einen neuen Antrag auf Freilassung vorbereitet. In diesem seien all die verlangten Garantien enthalten, erklärt der Anwalt.
Spira hatte von seinem Klienten seit dessen Verschwinden nichts mehr gehört: «Diese Aktion war unüberlegt von ihm. Wahrscheinlich verspürte er einen Drang nach einigen Tagen Freiheit und ist frustriert wegen des abgelehnten Antrags», so der Anwalt gegenüber der «Tribune de Genève».
Spira hatte – während sein Mandant flüchtig war – geäussert, dass von dem 41-Jährigen keine Gefahr ausginge. Dieser habe seiner Mutter eine Nachricht zukommen lassen, in der er schrieb, dass er sich der französischen Polizei stellen und sich anständig benehmen werde. Ausserdem sei sein Mandant zehn Jahre lang therapiert worden und auch seine Psychiater hätten eine bedingte Freilassung unterstützt.
Der Mann hatte seit einigen Monaten ausserhalb der Haftanstalt als Schreiner gearbeitet. Bis anhin war der Franzose jeden Abend in die Anstalt zurückgekehrt. Auf diese Art sollen Gefangene Schritt für Schritt auf ihre Freilassung aus dem Gefängnis und auf die Rückkehr in die Gesellschaft vorbereitet werden.
Das Genfer Gefängnis La Pâquerette des Champs war zuletzt in die Kritik geraten, als eine Sozialtherapeutin des Zentrums im September 2013 auf einem Freigang von einem Häftling getötet worden war. Die Einrichtung als solche war im Anschluss daran geschlossen worden, die Räumlichkeiten werden seither genutzt, um die stark überbelegte Strafanstalt Champ-Dollon zu entlasten. (viw/sda)