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Der Lettner
Wir schreiben das Jahr 1526. Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Zwingli lässt im Grossmünster zwischen dem Chor und dem Langhaus eine Mauer errichten, einen sogenannten Lettner, um darauf in der Mitte eine Kanzel zu platzieren.
Rechtzeitig auf den 11. September, dem Kirchweihfest des Grossmünsters zu Ehren der Stadtheiligen Felix, Regula und Exuperantius, wird der Einbau fertig sein. Es handelt sich beim 11. September um den wichtigsten Zürcher Festtag, zu dem jeweils nicht nur die Landleute aus Nah und Fern, sondern auch der regionale Adel und Delegationen befreundeter Städte nach Zürich kommen.
Der Bau des Lettners ist typisch für Zwingli. Dieser scheut keine Mittel, seine Reformen zum Gespräch zu machen. Zwingli lässt den Lettner nicht nur aus den Altarplatten der Zürcher Kirchen erbauen. Er wird bei seinen künftigen Predigten demonstrativ auf der Altarplatte der Predigerkirche stehen, die als Boden der neuen Kanzel dient. Für einen streng gläubigen Katholiken ist dies ein Affront. Mit dieser Aktion kann Zwingli sicher sein, dass man überall über seine Predigten spricht.
Der Bau der Kanzel in der Mitte vor dem Chor macht sichtbar, dass nun das Evangelium im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht und nicht mehr die in der katholischen Messe gefeierte Wandlung von Wein und Brot in Leib und Blut Christi.
Der Lettner steht heute nicht mehr. Er wurde 1851 abgerissen, als man den romanischen Zustand des Grossmünsters wieder herstellte.