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- Die erste russische Militäreinheit, die mit sogenannten Hyperschall-Raketen ausgestattet ist, soll seit Freitag einsatzbereit sein.
- Mit dem neuen Avangarde-System sollen Geschosse in die Atmosphäre gebracht werden, die mit bis zu 27-facher Schallgeschwindigkeit ihr Ziel ansteuern.
- Militärexperten und US-Generäle halten die Waffe derzeit für fast nicht bekämpfbar.
Vor Monaten hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die Entwicklung neuer Waffensysteme angekündigt – jetzt hat die Armee des Landes die erste Einheit mit Hyperschall-Raketen vom Typ «Avangard» in Betrieb genommen. Die Angriffs-Gleiter sollen jeden Raketenschild durchbrechen können.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu informierte Putin, dass das Raketenregiment seit Freitag funktionsfähig sei, hiess es in Moskau.
Vor etwa einem Jahr wurde angekündigt, die erste Einheit mit diesen Waffen werde bei Orenburg im Ural eingesetzt.
«Absolute Waffe»
Putin bezeichnete die Avangard-Raketen im Juni 2018 als «absolute Waffe». Die Interkontinental-Raketen mit einer Reichweite von 4000 Kilometern wurden bereits im Dezember 2018 erstmals getestet.
Die Hyperschall-Waffe Avangarde
- Das Avangard-System besteht aus zwei Komponenten - der Trägerrakete und einem Hyperschall-Gleiter. Mit diesem Gleit-Element können Sprengköpfe ins Ziel gebracht werden.
- Der Vorteil des Avangard-System gegenüber herkömmlichen ballistischen Raketen soll seine Manövrierfähigkeit sein. So soll der Gleiter jüngsten Angaben zufolge in oberen Atmosphärenschichten wellenförmige Flugbahnen fliegen können. Aus diesem Grund und durch eine indirekte Flugbahn sei der Avangard für Raketenabwehrsysteme kaum kalkulierbar.
- Vor diesem Hintergrund räumt selbst der Kommandeur des Strategischen Kommandos der USA ein, dass es bislang keine Verteidigungsmöglichkeit gegen solche Hyperschall-Waffensysteme gibt.
Die Fluggeschwindigkeit des Hyperschall-Gleiters wurde vom Verteidigungsministerium mit Mach 20 angegeben, also der 20-fachen Schallgeschwindigkeit. Es wären sogar Geschwindigkeiten von Mach 27 möglich – das wären mehr als 33'000 Kilometer pro Stunde.
«Wir haben keine Verteidigung dagegen»
Militärs insbesondere in den Vereinigten Staaten sind alarmiert. «Wir haben keine Verteidigung, die den Einsatz einer solchen Waffe gegen uns verhindern könnte», betonte John Hyten, Befehlshaber des Strategischen Kommandos der USA, bereits Ende März im Streitkräfteausschuss des US-Senats.
Das Pentagon schrieb vor einigen Wochen ein Programm zur Entwicklung von Abwehrsystemen zur Bekämpfung der hyperschnellen Waffengleiter aus. Die Rüstungsindustrie soll binnen kürzester Zeit Vorschläge zur Bekämpfung des neuen Waffensystems liefern.
Experte zur Funktionsweise
Dr. Dirk Zimper vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Programmlinienkoordinator Wehrtechnische Forschung):
«Eine solche Hyperschallwaffe wird üblicherweise mit einem konventionellen Trägersystem gestartet, also einer konventionellen Rakete. Nach dem Start steigt die Rakete auf, wird beschleunigt, und oben in der ich sag mal Abdeckung, also dem Fairing, ist ein sogenanntes Hyperschallgleitvehikel. Dieses Hyperschallgleitvehikel separiert in Höhen über 100 Kilometer, taucht dann wieder in die Erdatmosphäre ein und gleitet mit unheimlich hoher Geschwindigkeit in der Atmosphäre über sehr hohe Distanzen. Letztendlich gleitend tatsächlich wie ein Segelflugzeug. Aber diese Vehikel sind natürlich ganz speziell optimiert auf wahnsinnig hohe Geschwindigkeitsbereiche. Man nennt die auch Wellenreiterkonfiguration, und diese Konfigurationen sind dann tatsächlich in der Lage, bei Geschwindigkeiten von zehn Kilometern pro Sekunde in der Atmosphäre zu gleiten, über hohe Distanzen, und dann in einen Zielort zu fliegen.»
«Praktisch unbesiegbar»
Da Ziel und Flughöhe noch im Flug geändert werden können, bezeichnete Putin den Raketentyp als «praktisch unbesiegbar». Er glaube nicht, dass irgendein Land in den kommenden Jahre über eine solche Waffe verfügen werde, ergänzte Putin. «Wir haben sie bereits.»
Nach russischen Angaben können die Avangard-Flugkörper jeden derzeit installierten Raketenschild durchbrechen.
Im kommenden Jahr sollen die russischen Streitkräfte mit einem weiteren Waffentyp ausgerüstet werden, der von Putin als «unbesiegbar» bezeichnet wurde. Es handelt sich um die Interkontinental-Rakete «Sarmat» in ihrer fünften Baureihe. Mit diesen Raketen sollen auch Avangarde-Gleiter in den Einsatz geflogen werden.
Putin: Kein Verstoss gegen New-Start-Abkommen
Für US-Militärs dürfte die Stationierung des Waffensystems nicht überraschend gekommen sein. Denn Ende November, berichtet der Kreml, wurde Avangarde US-Rüstungskontrolleuren präsentiert – gemäss dem New-Start-Waffenkontrollabkommen. Mit dem neuen Waffensystem verstosse man also nicht gegen diesen Vertrag, heisst es.
Das New-Start-Abkommen war im Jahr 2010 von den damaligen Staatschefs Barack Obama und Dmitri Medwedew unterzeichnet worden. Er sieht eine Verringerung der Zahl der einsatzbereiten Atomsprengköpfe um gut ein Drittel auf jeweils 1550 sowie eine Begrenzung der Trägersysteme auf jeweils 800 vor.