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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XVIII. Rede
27.
Sollte nun er, dessen Milde so groß und allgemein bekannt war, im Eifer und in den aktiven Tugenden irgend jemandem zurückgestanden sein? Nein! Er war zwar so mild wie nur einer; aber so mild er war, so energisch war er auch. Obwohl Milde und Energie sich vielfach widersprechen und bekämpfen, obwohl Einfachheit und Milde unpraktisch sind, die der Güte entbehrende Schärfe dagegen sich aufs praktische Leben versteht, so einigten sich doch in ihm die beiden Richtungen in wunderbarer Weise; obwohl er [S. 374] streng war, handelte er mit Milde, und obwohl er unpraktisch war, fügte er sich mit Eifer den Pflichten eines Vorstehers, Redners, Herrschers. Da er gegenüber dem Bösen Schlangenklugheit und zugleich im Guten Taubeneinfalt beobachtete, ließ seine Klugheit nie Böses und seine Einfalt nie Törichtes geschehen. Die Vereinigung beider Gegensätze vervollkommnete, soweit wie möglich, seinen Charakter. Ist es, nachdem der Vater solche Fortschritte gemacht, in solcher Weise des Priesteramtes gewaltet und überall so großes Ansehen gewonnen hatte, noch zu verwundern, daß er auch durch Wunder ausgezeichnet worden, wodurch Gott die Frömmigkeit bestätigt?