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Dienstag, 25.10.2022
Wir verlassen Córdoba Richtung Süden nach Antequera, dem Herz von Andalusien, wegen der geographischen Lage zwischen den grossen andalusischen Städten Málaga, Granada, Córdoba und Sevilla. Antequera war eines der Zentren, die mit den Anfängen des andalusischen Nationalismus verbunden waren, wo die Bundesverfassung von Antequera 1883 verfasst wurde und der sogenannte Autonome Pakt von Antequera 1978 vereinbart wurde, der zur Erreichung der Autonomie für Andalusien führte. Es war ein alter Ehrgeiz der Stadt, Sitz der andalusischen Regierung zu sein, eine Abstimmung, die die Stadt einst zugunsten von Sevilla verlor.
Antequera hat etwas über 41’000 Einwohner, ist über die Autovía de Málaga (A-45) mit Málaga (45 km entfernt) und Córdoba (115 km) verbunden, ebenso sind beide Städte mit der Hochgeschwindigkeitsbahn erreichbar. Nach Granada (102 km) führt die Autovía A-92 und die Hochgeschwindigkeitsbahn über die Eje Ferroviario Transversal de Andalucía (Querbahnachse von Andalusien).
Zuerst fahren wir zur Area Autocaravanas Antequera in der Avinguda Miguel de Cervantes…. der Platz ist eng, fast voll und gefällt uns überhaupt nicht. Am anderen Ende der Stadt gibt’s noch einen Stellplatz, den fahren wir aber erst nach einigen Besichtigungen an.
Der Name Antequera hat seinen Ursprung im römischen Anticaria, später auf arabisch Antaquira. Mehrere im Stadtgebiet verteilte Fundstätten bezeugen, dass das Gebiet seit mehr als 6’000 Jahren bewohnt war. Aus seiner Vergangenheit wird ein umfangreiches archäologisches Erbe bewahrt, wobei die Gesamtheit der Dolmen von Menga, Viera und Tholos de El Romeral hervorzuheben sind. Aus der Umgebung sticht die Naturlandschaft von El Torcal hervor, berühmt für die skurrilen Formen seiner Kalksteine, die eine der wichtigsten Karstlandschaften Europas bilden.
Dieser Naturraum bildet zusammen mit den Dolmen Menga, Viera, El Romeral und der Peña de los Enamorados (Foto unten) die sogenannte Dolmenstätten von Antequera, die im Juli 2016 zum UNESCO–Weltkulturerbe erklärt wurden.
Wir fahren zuerst zu den Dolmenstätten…. auf dem Busparkplatz ② kam man bequem mit dem Camper parken….
…. zuerst muss man in’s Museum ③, um die Tickets zu holen…. der Eintritt ist zwar gratis, aber Tickets, auch für den Rundgang zu den Dolmen, braucht man trotzdem!
Ein sehr interessantes Museum…. wir erfahren z.B. dass….
…. sowohl der Dolmen de Menga als auch der Tholos de El Romeral anomale Orientierungen aufweisen, wie Professor Michael Hoskin zeigt, als er feststellt, dass 99,99% der Dolmen des Mittelmeerbogens eine himmlische Ausrichtung haben, d. h. mit dem Sonnenaufgang bei der Tagundnachtgleiche (Äquinoktium) verbunden sind, wie beim Dolmen de Viera. Der Dolmen de Menga orientiert sich jedoch an das anthropomorphe Profil von La Peña de los Enamorados, und zwar an den Abrigo de Matacabras (Matacabras-Höhle), wo Felsmalereien gefunden wurden. Der Tholos de El Romeral hingegen orientiert sich an der Sierra de El Torcal, wo sich die Cueva de El Toro (Höhle von El Toro) (terrestrische Orientierung) befindet und am Mittag der Sonne zur Wintersonnenwende (himmlische Orientierung). El Romeral liegt ebenfalls auf dieser Achse Dolmen de Menga–La Peña de los Enamorados. Auf diese Weise schaffen die Dolmen von Antequera eine einzigartige megalithische Landschaft, da sie eine einzigartige Beziehung zu den natürlichen Elementen herstellen.
Sehr spannend das Ganze!
Der Dolmen de Viera wurde in den Jahren 1903/05 von den Brüdern Antonio und José Viera entdeckt und trägt daher ihren Namen. Die Datierung des Bauwerks ist unklar, die ältere Forschung befürwortete ein Alter von etwa 4’000 bis 4’500 Jahren, während man in letzter Zeit eine deutlich frühere Datierung und damit ein höheres Alter von etwa 5’000 bis 5’500 Jahren annimmt.
Eingang des Dolmen von Osten
Schön, dass wir hier einen Mitarbeiter der Anlage treffen, der uns unsere Fragen perfekt beantworten kann und der auch sehr gut deutsch spricht, weil er lange in Deutschland gearbeitet hatte. Regula spricht sehr gut spanisch, aber bei speziellen Begriffen ist es doch schön, den Fachausdruck auf deutsch zu hören.
Gang und Lochstein am Eingang zur Grabkammer
Der Dolmen de Menga liegt etwa 90 m vom Dolmen de Viera entfernt. Auch bei diesem Dolmen wird ein Alter von etwa 5’000 bis 5’500 Jahren angenommen. Das Hügelgrab (Tumulus) des Dolmen de Menga hat einen Durchmesser von etwa 50 Metern und ist über 4 Meter hoch. Ein vergleichsweise kurzer Gang, der nach Nordost ausgerichtet ist (Azimut 45°), führt in einen grossen, beinahe halbrund geschlossenen und durch drei mittlere Stützpfeiler unterteilten Raum. Dieser ovalen Raum weicht leicht nach Süden von der Ausrichtung des Zugangs ab.
Eingang des Dolmen von Nordosten
Das Hügelgrab (Tumulus) des Tholos de El Romeral hat einen Durchmesser von 68 Metern. Die unterirdische Grabanlage besteht aus einem langen Gang, dessen Wände aus kleinen Bruchsteinen aufgeschichtet sind und dessen Decken aus megalithischen Platten bestehen. Abgegrenzt von einem Megalithportal befinden sich zwei hintereinander liegende runde, tholosartigen Kammern an seinem Ende. Die Gesamtlänge der Grabanlage beträgt 34 Meter, war ursprünglich jedoch länger.
Zugang mit Wänden aus kleinen Bruchsteinen, Decken und Portalzone aus Megalithen
Hauptkammer mit Durchgang zur zweiten Kammer
Wir fahren zum Stellplatz Parking Camper Antequera in der Calle Santa Maria la Vieja…. keinerlei Infrastruktur, keine Schilder, die etwas erlauben oder verbieten…. für eine Nacht ist das ok! Es stehen schon einige Camper da, das beruhigt uns etwas…. es würde uns sehr missfallen, nachts von der Polizei geweckt und des Platzes verwiesen zu werden.
Link des Platzes zu Google Maps
Die Aussicht ist super…. direkt auf die Alcazaba de Antequera!
Die Ursprünge reichen möglicherweise bis in die Römerzeit zurück, auch wenn die Festung erstmals in den Schriften von Semuel ibn Nagrella (dt. Schmuel ha-Nagid) aus dem 11. Jh. erwähnt wird. Semuel ibn Nagrella war des bedeutendste jüdische Dichter im mittelalterlichen Spanien. Er schloss Bekanntschaft mit dem Ziriden-Herrscher Habbus al-Muzaffar (span. Habús ben Maksan) und stieg zum Grosswesir des Königreichs von Granada auf. Nach dem Tode von Habbus 1038 hielt er dessen ältestem Sohn Badis ben Habús die Treue und verhalf ihm auf den Thron. Als Dank blieb er weiterhin Grosswesir und Militärführer.
Die Stadt und ihre Alcazaba fallen schliesslich in christliche Hände. Die fünfmonatige Belagerung und Einnahme von Antequera im Jahr 1410 wurde später als der grösste Triumph der Christen zwischen der Schlacht am Salado und der Eroberung Granadas bezeichnet. Fernando I de Aragón, der zu dieser Zeit Kastilien regierte, sprach den berühmten Satz:
Die Sonne geht in Antequera auf und unter, wo sie will
Das ist ein Sprichwort, das verwendet wird, um Unsicherheit über das Ergebnis einer Handlung auszudrücken, aber die Entschlossenheit, sie trotzdem durchzuführen.
Blick auf Antequera von der Alcazaba aus
Die Capilla-Tribuna Virgen del Socorro oder del Portichuelo an der Plaza del Portichuelo
Ein Jerusalemkreuz
Abendessen gibt’s in der Bar La Socorrilla…. wir sitzen gemütlich an der Plaza del Portichuelo auf dem Vorplatz der Capilla in der Mitte…. es gibt leckere, deftige andalusische Küche!
Morgen früh geht’s zum El Torcal!
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