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Die Gruppe „National Parents Network to Protect Children from Radiation“ wurde kurz nach der Atomkatastrophe von Fukushima gegründet, um, wie der Name zeigt, Kinder vor der Radioaktivität zu schützen. Sie führte kürzlich ein Interview mit Frau Dr. Hisako Sakiyama und veröffentlichte es in ihrem Blog. Frau Sakiyama ist die Direktorin der Stiftung „3.11 Fund for Children with Thyroid Cancer„, die die Kinder mit Schilddrüsenkrebs auf verschiedene Weise unterstützt und die Gesundheitssituation nach dem Unfall vom 11. März 2011 untersucht.
Wenn Kinder und Schwangere gesundheitliche Probleme durch die Strahlenbelastung, die der Unfall verursacht, bekommen, sollte die japanische Regierung gemäss einem nach dem Unfall von Fukushima erlassenen Gesetz ihnen finanzielle Unterstützung leisten. Es fehlt jedoch die Grundlage, sagt Frau Sakiyama, um diejenigen, die ausserhalb der Präfektur Fukushima wohnen und nach der Atomkatastrophe Schilddrüsenkrebs diagnostiziert worden sind, zu unterstützen. Die Stiftung bezahlt ihnen 100,000 Yen (rund 870 Franken) für die Kurkosten, bis diese Pflicht der Regierung im Gesetzbuch festgelegt wird. Sie arbeitet auch an die Realisierung.
Die ehemalige Chef-Forscherin des National Instituts für Quantum und Radiologische Wissenschaft und Technologie hat ausserdem herausgefunden, dass es einen bisher unbekannten „Kanal“ im Gesundheit-Beobachtungssystem von der Präfektur Fukushima gibt. Wenn jemand in diesen Überwachungs-Kanal geschickt und danach Schilddrüsenkrebs durch einen operativen Eingriff herausgenommen wird, landet der Fall mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht im Statistik, meint Frau Sakiyama.
Bekannt ist ihr ein Fall, bei dem es sich einen vierjährigen Knaben handelte. Er wurde im Unispital Fukushima operiert, aber sein Name steht nicht im Statistik des für die Studie zuständigen Organs. Frau Sakiyama ist sicher, dass die Ärzte des Unispitals von der Operation Kenntnis hatten. Aber sie behaupten im Gegenteil, dass es in Japan, anders als in Tschernobyl, kein Krankheitsfall von Kinder, die jünger als fünf Jahre, gibt. Sie wollen damit sagen, deshalb geht man eher davon aus, der heute häufig vorkommende Schilddrüsenkrebs bei Kindern hänge nicht mit dem Atomunfall zusammen. Aber Frau Sakiyama läutet die Alarmglocke, weil es die Glaubwürdigkeit der Studie aufs Spiel setze.
Sie spürt auch eine merkwürdige Atmosphäre in Fukushima. Es störe den Wiederaufbau, wenn man von der radioaktiven Kontaminierung und gesundheitlichen Folgen der Strahlenbelastung spreche, heisst es dort. Selbst Mütter können nicht mehr miteinander offen reden. Am schlimmsten findet Frau Sakiyama die Haltung der Regierung, die den Kindern nicht richtige Kenntnisse über die Radioaktivität und Strahlenbelastung beibringen will.