Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03107.jsonl.gz/802

Die Restauration der Murtner Ringmauern befindet sich in der Endphase
«Als König Konrad 1238 den Murtnern den Auftrag erteilte, die Stadt mit einer Mauer zu befestigen, erliess er ihnen zwar für vier Jahre die Steuern und schenkte ihnen für dieselbe Zeit die Einkünfte der Herrschaft, verpflichtete sie aber gleichzeitig auf den späteren Unterhalt. Dies bedeutete für die kleine Bürgerschaft immer eine erhebliche Belastung», schrieb Hermann Schöpfer, Redaktor beim kantonalen Kulturgüterdienst, vor ein paar Jahren in einem Informationsblatt der Gemeinde Murten.
Über die Jahrhunderte haben die Murtner diesen Auftrag mehr oder minder erfüllt. Noch heute prägen sie das Bild des Städchens. Aber: Die Mauern wurde geradezu durchlöchert. «Die Durchbrüche waren ein Dauerproblem der Stadtväter und hatten ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts», schreibt Hermann Schöpfer weiter. Und hätte das Städchen nicht auch grosse Löcher in der Kasse gehabt, hätte es die Mauern zu seiner Vergrösserung ganz abgerissen, wie einem Text von Architekt Peter Blatter im neusten Alpenhorn-Kalender zu entnehmen ist.
Baudenkmal von
nationaler Bedeutung
1914 wurden die Ringmauern aber unter Schutz gestellt, zum Baudenkmal von nationaler Bedeutung, und in der Folge restauriert. «Seit der letzten umfassenden Sanierung der Wehranlage 1914-1931 beschränkten sich die Unterhaltsarbeiten auf die Instandhaltung der Dächer», hielt Bauverwalter Peter Friedli im genannten Informationsblatt fest. 1993 seien die Mauern deshalb in desolatem Zustand gewesen, «fast gefährlich», erklärte Peter Friedli den FNgestern.
Nach einer Untersuchung des Mauer-Zustandes wurde der Generalrat im September 1993 über den Zustand informiert. Wegen der damals prekären Finanzlage der Gemeinde wurde die Restaurierung auf 10 bis 12 Jahre hinaus geplant. «Im Gegensatz zu den Mauern in Freiburg gehören jene in Murten der Gemeinde, weshalb Murten einen Grossteil der Kosten selber bezahlen muss», führte Peter Friedli aus. Insgesamt wurden 2,5 Millionen Franken veranschlagt.
Über die Schwierigkeit
der Restauration
Eine Restauration hat so ihre Tücken und ist Sache von Spezialisten: Die einst entwickelten Bautechniken sind heute zum Beispiel teilweise vergessen, müssen neu erfunden oder ersetzt werden. «Bauen ohne Sumpfkalkmörtel war vor 100 Jahren nicht denkbar, Zement gab es noch nicht. Dieser Mörtel erforderte eine spezielle Arbeitstechnik, die von Generation zu Generation mündlich überliefert wurde», schreibt Peter Blatter, der für die Restauration beigezogen wurde.
«Aufgrund der historischen Bedeutung der Murtner Wehranlagen werden denkmalpflegerisch hohe Ansprüche an die Restaurierung gestellt. Ortsansässige Firmen erstellen Holzkonstruktionen ohne Stahlschrauben und Nägel», hält Peter Blatter weiter fest. An den Ringmauern wurde über all die Jahrhunderte immer wieder gebaut, ersetzt und angefügt. Sie sind ein Stück Baugeschichte.
Es stellt sich dabei etwa die Frage, inwieweit man Schäden, die 1476 von burgundischen Geschützen verursacht und nie ausgebessert wurden, heute übertünchen soll. Immerhin sind auch dies kulturelle Relikte. Schliesslich gilt es diversen Interessen zu genügen, etwa jenen der Natur: Die alten Gemäuer, insbesondere die Fugen und Ritzen, sind zum Lebensraum unterschiedlichsten kreuchenden und fleuchenden Getiers geworden.
«Noch der Hexen- und
der Totentanz-Turm»
Wenn bis Ostern die geplanten Restaurationsarbeiten abgeschlossen sind, kann sich die Murtner Bauverwaltung nicht zufrieden zurücklehnen: «Abgeschlossen ist so etwas nie», sagt Peter Friedli. In den nächsten fünf, sechs Jahren müssten noch der Hexen- und der Totentanz-Turm restauriert werden. Auch wenn dann 30 Jahre an den Ringmauern nichts Grosses mehr anstehe, dürfe man doch den Unterhalt nicht vernachlässigen.