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Beitrag vom 01.06.2015, von Sabrina Pflüger
Tapio Wirkkala gilt als einer der vielseitigsten finnischen Designer. Trotz seiner zahlreichen Entwürfe, die von der Gestaltung von Glasprodukten bis hin zu verschiedensten Grafiken reichen, ist sein Oeuvre weitaus weniger bekannt als das anderer skandinavischer Designer. In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Tapio Wirkkala, dem Künstler, Designer und Grafiker zum 100. Mal. Ein Anlass den facettenreichen finnischen Designer und sein Schaffen näher zu beleuchten.
Am 2. Juni 1915 wurde Tapio Wirkkala in Hanko im südlichen Finnland geboren. Mit dem Umzug nach Helsinki besuchte Wirkkala von 1933 bis 1936 die dort ansässige Kunsthochschule, wo er sich mit Leidenschaft der Bildhauerei widmete. Seine späteren, organischen Entwürfe mit skultpuralem Charme sind unweigerlich beeinflusst von dieser Ausbildung, die Wirkkala unter anderem als Glasdesigner bei Iittala, Rosenthal und Venini erfolgreich umzusetzen vermochte.
In den Jahren nach dem Studium arbeitete Wirkkala in erster Linie im Grafikbereich. Dabei gewann er eine Ausschreibung für die Gestaltung von Briefmarken anlässlich der Olympischen Spiele in Helsinki 1940, die wegen des Krieges jedoch nie stattfanden. Mit Ende des Krieges sollte auch die Karriere des Designers wieder aufblühen. Zuerst heiratete er die Künstlerin und seine spätere Ehefrau Rut Bryk und gewann schliesslich im Folgejahr den von Iittala geförderten Glaswettbewerb. Ein Schlüsselmoment, der den Beginn einer lebenslangen, erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem finnischen Traditionshaus markieren sollte.
Einer der bekanntesten Entwürfe aus dieser Anfangszeit ist unter anderem die Kantarelli Vase (1947). Die von der Form eines Pfifferlings inspirierte Vase, ist bis heute ein wichtiger Bestandteil der Iittala Kollektion. Zum 100. Geburtstag des Designers feiert Iittala den Designer mit einem anderen späteren Entwurf: Die Sonderedition der mundgeblasenen Wirkkala Flaschen wurde erstmals zwischen 1959 und 1968 produziert und feiert die Handwerkskunst der Glasbläserei - die Flaschen stehen damit sinnbildlich für den Schwerpunkt des Wirkkala Design.
Neben weiterem Glasdesign und kommerziellen Grafikarbeiten z.B. Briefmarken und Banknoten, experimentierte Wirkkala des Weiteren mit der skulpturalen Qualität von Holz. Unter anderem resultierte daraus der 1951 entstandene Entwurf „Lehti“ (Leaf), ein Holzteller, der von der natürlichen Form eines Blattes inspiriert war und vom House Beautiful Magazin während der Kunst und Designmesse Mailand zum schönsten Objekt des Jahres gekürt wurde („The most beautiful object of 1951").
Mit dem Erfolg von „Leaf“ folgte der Umzug nach New York, wo Wirkkala im Studio des amerikanischen Designers Raymond Loewy - bekannt für seine Lucky Strike und Coca-Cola Designs - an die wirtschaftlichen Aspekte des Designs herangeführt wurde. Loewy war es schliesslich auch, der Tapio Wirkkala mit Philipp Rosenthal - Erbe der Rosenthal Porzellanmanufaktur - bekannt machte.
Schliesslich entwarf Wirkkala für Rosenthal über 200 verschiedene Porzellanobjekte: Vasen, Karaffen und Geschirr. Eines der wohl ausgefallensten Entwürfe ist die Paper Bag aus dem Jahr 1977. Dabei handelt es sich um eine Vase, die die Form einer zerknüllten Papiertüte annimmt. In Porzellan gegossen erhebt Wirkkala den einfachen Alltagsgegenstand zum Designobjekt. Täuschend echt imitiert die Vase die Optik einer Papiertüte durch die genaue Konservierung von Knicken, Falten und dem charakteristischen ZickZack-Rand.
Zur Feier des 100 jährigen Jubiläums feiert Rosenthal den Designer mit einer Jubiläumsedition der Tütenvasen in einer Auswahl verschiedener Farben.
Mit dem Entwurf der Papiervasen beweist Wirkkala abermals sein feines Gespür Schönheit im Alltäglichen zu entdecken. Durch die Übersetzung in Porzellan oder Glas nimmt sich Wirkkala dieser vergänglichen Formen an und konserviert sie in langlebigen Materialien.
Neben der Zusammenarbeit mit Rosenthal und Iittala war Wirkkala des Weiteren für Kunden wie Asko Möbelunternehmen, Airam Lichtdesign und anderen tätig, bevor er sich Anfang der 60er Jahre immer häufiger nach Lappland zurückzog, um dort neue Kraft und Inspiration aus der Natur zu ziehen.
Die Ultima Thule Entwürfe, sind angelehnt an die natürliche Schönheit der skandinavischen Natur. Genau genommen war es das Schmelzen von Gletschereis in Lappland, das die aussergewöhnliche Optik der Gläser inspirierte. Die Glasserie ist ein Beispiel, wie der Designer landschaftliche Phänomene, Formen und Muster in seine Entwürfe übernahm, immer darauf bedacht die natürlichen Eigenschaften der Materialien zu respektieren.
Wirkkala arbeitete während seiner gesamten Schaffenszeit mit einer Vielzahl verschiedener Materialien darunter Holz, Porzellan, Metall und Glas. Geleitet von einem tiefen handwerklichen Verständnis spiegeln die organischen Entwürfe von Künstler und Designer Tapio Wirkkala die facettenreichen Formen der skandinavischen Natur wider. Poetische, zeitlose Entwürfe einer der vielseitigsten finnischen Persönlichkeiten.