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Raw Frand zu Parschat Noach 5765 (Beitrag 1)
Ein trejfener Ölzweig
Im Buch Mikdasch Mordechaj stiess ich auf einen interessanten Gedanken: Die Torah schreibt, dass sich ein abgerissener Ölzweig im Mund der Taube („taraf be’pijah“) befand [Berejschit 8:11]. Das Verb „taraf“ (abreissen) wird hier auf interessante Weise gebraucht. Üblicherweise wird „taraf“ in Verbindung mit etwas, das getötet wurde (zumeist auf gewaltsame Weise), verwendet [vergleiche Berejschit 37:33; bei Josef]. Beispielsweise ist die Hauptbedeutung von „treifah“ ein Tier, welches auf dem Feld zerrissen wurde.
Es ist etwas verwunderlich, dass ein Ölzweig als umgebracht bezeichnet wird. Die Torah meint sicherlich nicht, dass das Abreissen eines Ölzweiges Mord bedeutet.
Der Mikdasch Mordechaj meint dazu folgendes: Für einen Menschen wie Noach, welcher Zeuge einer so umfassenden Zerstörung war – jegliche Form des Lebens wurde ausgerottet – birgt auch der geringste Lebenshauch eine besondere Bedeutung.
Deshalb wird ein Ölzweig, der von seiner Lebensquelle abgerissen wurde, nicht einfach als einige Blätter, die vom Baum gefallen sind, beiseite geschoben. Er ist etwas äusserst Wertvolles. Wir wissen, was allen Formen des Lebens zustiess. Das menschliche, tierische und pflanzliche Leben wurde samt und sonders vernichtet. Ein Mensch, der diese Zerstörung erlebt hat, empfindet ein inniges Gefühl für jegliche Form des Lebens.
Deshalb fühlte Noach, dass der Ölzweig von der Taube „getötet“ wurde, als sie ihn vom Baum riss.
Quellen und Persönlichkeiten:
Mikdasch Mordechaj: Rav Mordechai Ilan; zeitgenössischer Rosch Jeschiwa.
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