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Hauptzufluß des Neckar, entsteht auf dem württembergischen Schwarzwald aus mehreren Bächen
(darunter die Große Enz aus dem Enzbrunnen und der Poppelbach aus dem Poppelsee bei Gumpelscheuer), fließt zuerst nach NNO.
durch ein tiefes und wildes Thal an Wildbad vorüber und empfängt rechts bei Kalmbach die Kleine Enz. Bei Pforzheim, wo sie die
ansehnliche Nagold aufnimmt, verläßt sie den Schwarzwald, wendet sich nach O. und durchströmt nun ein
schönes, obst- und weinreiches Thal bis zur Mündung bei Besigheim, in welchem sie sich noch rechts durch die Glems aus den
Waldrevieren westlich von Stuttgart und links durch die Metter verstärkt. Die Enz ist 112 km lang und wird
(wie die Nagold) stark zur Holzflößerei benutzt; auch ist sie reich an vortrefflichen Fischen, besonders Forellen. Ihr Wasserspiegel
liegt im Poppelsee 764, bei Wildbad 429 und an der Mündung 175 m ü. M.
(Groß-Enzersdorf), Stadt in Niederösterreich, an dem die Insel Lobau nördlich umfließenden Donauarm, hat Mauern
und Thore, eine schöne Kirche, (1880) 1276 Einw., Salpeterfabrik, Getreidemärkte und
ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts.
Die Schlacht bei Aspern 21. und wird
auch zuweilen nach Enzersdorf benannt.
(ital. für Heinrich), König von Sardinien, natürlicher Sohn des Kaisers Friedrich II. von Hohenstaufen, geboren
um 1220, war das Ebenbild und der Liebling seines Vaters, an dessen Seite er schon 1237 bei Cortenuova gegen
die aufrührerischen Lombarden focht. 1238 ward er mit Adelasia, der Witwe des Ubaldo Visconti und Erbin der sardinischen Herrschaften
Torre und Gallura, trotz des vom Papst Gregor IX. dagegen erhobenen Widerspruchs vermählt und erhielt von seinem Vater den Titel
eines Königs von Sardinien und eines Statthalters von Italien.
Während jener seine Hauptmacht gegen Bologna und Mailand führte, eroberte Enzio trotz des gegen ihn geschleuderten päpstlichen
Bannstrahls die Mark Ancona und die angrenzenden Länder und bemächtigte sich mit Friedrich II. des von den Guelfen genommenen
Ferrara. 1241 befehligte er die kaiserliche und pisanische Flotte und besiegte 3. Mai bei der Felseninsel
Meloria unweit Elba die genuesische, wobei er drei päpstliche Legaten, über 100 Bischöfe und Erzbischöfe, welche zur Kirchenversammlung
nach Rom reisen wollten, zu Gefangenen und so reiche Beute machte, daß er zum Hohn die gefangenen Prälaten in silbernen Fesseln
in die Schlösser Apuliens und Kalabriens bringen lassen konnte.
Auch in den folgenden Kämpfen vor Parma war der bedeutendste und glücklichste Kampfgenosse seines Vaters. Als ein schöner
Mann, ein heldenmütiger Krieger und zugleich gefeierter Dichter und Sänger gewann er überall die Herzen. Daher war es der
härteste Schlag für den Kaiser, als Enzio in dem
Gefecht beim Bach Fossalta von den Bolognesen gefangen
genommen wurde. Umsonst bot der Kaiser für seine Freilassung den Bolognesen seine Gnade und drohte, falls sie sich weigerten,
mit schweren Strafen. Enzio trösteten in seiner übrigens milden Gefangenschaft Poesie und Gesang sowie die Liebe der Lucia Viadagola,
die sich förmlich mit ihm vermählt haben und von ihm die Mutter Enzio Bentivoglios, des Stammvaters des berühmten Geschlechts
dieses Namens, geworden sein soll, während Enzios Gemahlin Adelasia sich mit dem Papst aussöhnte und einem andern ihre Hand
reichte.
Zwei seiner Freunde, Pietro d'Asinelli und Rainerio de Gonfaloniero, machten 1269 den Versuch, Enzio in einem
leeren Weinfaß zu entführen; doch verriet ihn eine Locke seines blonden Haars, die aus dem Spundloch herausfiel. Er ward
nun in engern Gewahrsam gebracht und starb darin Seine Leiche ward in der Kirche San Domenico mit königlicher Pracht
beigesetzt, wo eine gekrönte Bildsäule von Marmor und eine Inschrift seine Grabstätte bezeichnen. Von
seinen Dichtungen sind nur Bruchstücke auf uns gekommen. Sein tragisches Schicksal lieferte Enzio Raupach den Stoff zu einer Tragödie,
A. Dulk zu einer Oper (komponiert von Abert).
(griech.), das durch lokale Verhältnisse veranlaßte Erkranken des Viehs;
daher enzootisch, Ortsviehseuche betreffend. Bei gewissen Bodenverhältnissen entsteht eine zur Ernährung der Tiere nicht
geeignete Vegetation oder hat das Trinkwasser eine schlechte Beschaffenheit, indem die Pflanzen oder das Wasser gewisse für
die Ernährung des tierischen Organismus wichtige Stoffe in zu geringer oder in zu großer Menge oder dem
tierischen Organismus fremdartige Bestandteile enthalten, oder die Bodenverhältnisse begünstigen die Entwickelung von tierischen
oder pflanzlichen Parasiten oder von Miasmen. Auf die Entstehung dieser verschiedenen Schädlichkeiten können wieder die
Witterungsverhältnisse, namentlich bei der Futtergewinnung, fördernd oder hindernd einwirken, so daß die Enzootien zeitweise
häufiger oder seltener vorkommen.
deBeaumont (spr. eóng dö bomóng), Charles Geneviève Louis Auguste André Timothée d', bekannt
unter dem Namen Chevalier d'Eon, eine mysteriöse Persönlichkeit, die durch die über ihrem Geschlecht schwebende Ungewißheit
Interesse erregte. Geb. zu Tonnerre in Bourgogne als Kind des Advokaten Beaumont, galt er von Geburt an für einen Knaben,
besuchte mehrere Schulen, wurde Doktor der Rechte und Parlamentsadvokat, schrieb mehrere staatswissenschaftliche
Schriften und wurde vom Prinzen Conti dem König Ludwig XV. zu diplomatischer Verwendung empfohlen. Er erhielt infolgedessen 1755 die
Mission, die schon eingeleitete Allianz zwischen Frankreich und Rußland gegen Friedrich d. Gr. zum Abschluß zu bringen, wobei
er wiederholt in weiblicher Kleidung auftrat und eine solche Geschicklichkeit zeigte, daß er zum Gesandtschaftssekretär
in Petersburg ernannt ward. Bei der Kaiserin Elisabeth stand er in besonderer Gunst. Er machte darauf den Feldzug von 1761 in
Deutschland als Adjutant
mehr
des Herzogs von Broglie mit. 1768 ging er mit dem Herzog von Nivernois als Gesandtschaftssekretär nach London. Hier erhoben
sich zuerst Zweifel über sein Geschlecht, welche sogar zu Wetten und infolge davon zu Prozessen führten. Verschiedene Differenzen
mit dem Gesandten Guerchy und dem Minister Choiseul veranlaßten seine Abberufung. Dennoch blieb er als geheimer
Agent des Königs, der durch ihn über die Möglichkeit einer französischen Landung in England Auskunft haben wollte, in London
und führte mit Ludwig XV. eine besondere Korrespondenz, mißbrauchte aber dessen Vertrauen zu frechen Erpressungen.
Erst unter Ludwig XVI. kehrte er (1777) nach Frankreich zurück und mußte auf ausdrücklichen Befehl der
Regierung weibliche Kleidung tragen, wahrscheinlich, um eine hohe Dame in London, mit der Eon de Beaumont intime Beziehungen angeknüpft hatte,
nicht zu kompromittieren. 1783 ging er wieder nach London, ward in der Revolution auf die Liste der Emigrierten gesetzt und
verdiente sich seinen Unterhalt durch Fechtunterricht; aber auch in England behielt er die weibliche Tracht
bei. Er starb in London. Eon de Beaumont ist wohl männlichen Geschlechts gewesen, glich aber seiner zarten Gestalt und seines
bartlosen Gesichts wegen, namentlich in Damenkleidern, einem Weib. Seine Werke erschienen unter dem Titel: »Loisirs du Chevalier
d'É.« (Amsterd. 1775, 13 Bde.).
Die »Mémoires du chevalier d'É.« (Par. 1837; deutsch, Braunschweig 1837, 2 Bde.) sind echt, aber durchaus
lügenhaft.
Vgl. »Neuer Pitaval«, Bd. 21 (Leipz.
1861);
Broglie, La diplomatie secrète de Louis XV (Par. 1880, 2 Bde.).