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«Wie kann man frei sein, wenn die Stadt in Trümmern liegt?», fragt der ehemalige US-Soldat und Komponist Adam Hochberg, gespielt von Robert David Marx, am Klavier sitzend und Zigarette rauchend.
Das Musical «Ein Amerikaner in Paris» erzählte am Mittwochabend im Podium Düdingen, wie sich Pariser und Amerikaner von den Gräueln des Zweiten Weltkriegs befreiten und wie sie sich in neue Abenteuer stürzten – Herzschmerz inklusive.
Tanz auf hohem Niveau
Auf die nachdenklichen Worte des ehemaligen Soldaten folgte ein kurzes, aber nicht minder ausdrucksstarkes Solo einer Tänzerin aus dem Ensemble. Bereits diese erste Einlage gab einen Eindruck, was tänzerisch auf das Publikum im ausverkauften Podium Düdingen zukommen sollte. Im Verlauf des Stückes wurde die zu Beginn hoch angesetzte Latte tänzerisch noch übertroffen.
Die Hauptdarstellerin Lise Dassin, gespielt von Mariana Hidemi, wechselte die Tanzstile so fliessend wie ihre Tanzschuhe: In der Geschichte verdrehte sie den Herren die Köpfe mal swingend, mal klassisch oder modern. Für eine grosse Symbolkraft brauchte es keine meterhohen Sprünge. Nach dem Ausrufen des Kriegsendes blieb das Ensemble stehen und atmete tief ein und aus: Die Stadt konnte wieder frei atmen.
Den Krieg vergessen
Das Musical mit der Musik von Gershwin handelt von der Aufbruchstimmung dreier Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg: Adam Hochberg wagte sich an sein erstes Ballettstück. Henri Baurel, ein reicher Pariser, widmete sich seiner heimlichen Leidenschaft, dem Singen. Er wurde von Nico Schweers gespielt. Der dritte im Bunde, der ehemalige US-Soldat Jerry Mulligan, versuchte sein Glück als Maler. Gespielt wurde er von Tobias Joch. Durch Zufälle lernten sich die drei jungen Männer kennen. Und ebenso zufällig kreuzten sich die Wege der drei unabhängig voneinander mit der gleichen Frau: Ballerina Lise Dassin.
In der Stadt der Liebe schienen die Herzen besonders schnell vergeben worden zu sein, alle drei flogen direkt der aufstrebenden Tänzerin zu. Konfliktpotenzial war in der Geschichte also vorprogrammiert, jedoch wurde dieses kaum ausgetragen. Die Kameradschaft zwischen den Männern überwog. Nach Momenten des Herzschmerzes gönnten die beiden anderen Verehrer Jerry, dass er und Lise über einige humorvoll gespielte Umwege schliesslich zueinanderfanden.
Musik von Gershwin
Über den relativ simplen Plot trumpfte die Komplexität der Musik. Die Stimmungswechsel spielte das Orchester unter der Leitung von Heiko Lippmann mit Leichtigkeit. «Mit George Gershwin kann man nichts falsch machen», sagte Matthias Wider, Präsident des Veranstalters Kultur im Podium. Er behielt recht. Die Musik des amerikanischen Komponisten, dessen Werke von orchestralen Stücken bis zu jazzigen Evergreens reichen, funktionierte auch im Rahmen des Musicals von Craig Lucas.
Der Ohrwurm «I Got Rhythm» führte durch den Abend. Er erklang früh im Stück, kam als Intro nach der Pause wieder zum Zug und blieb auch nach der Vorstellung im Kopf hängen. Kaum merklich waren die Übergänge von gesprochenen Worten zu den Liedern. Ebenso stimmig sind die deutschen Liedtexte. «Was war, das nimmt mir keiner mehr», sangen beispielsweise die Männer, nachdem Lise ihr Herz an Jerry verloren hatte, zur Melodie von «They Can’t Take That Away From Me». Dem Publikum gefiel die musikalische Vielfalt. «Die Musik ist der Wahnsinn», sagte Joanne Bock aus Tafers. Vom Spitzentanz über die Schauspielerei zum Orchester – am Mittwochabend gastierten Profis im Podium Düdingen.
Zum Komponisten
Ein Broadway-Komponist mit Tiefgang
George Gershwin, wurde am 26. September 1898 als Jacob Gershovitz geboren. Bereits mit 20 Jahren komponierte er Musicals. Zusammen mit seinem Bruder, Ira Gershwin, schrieb er für Produktionen am Broadway. Zwischen 1924 und 1937 arbeiteten sie fast ausschliesslich zusammen, wie dem Programmheft zu entnehmen ist. So stammt auch die Musik des Musicals «Ein Amerikaner in Paris» aus den Federn von beiden. George Gershwin machte sich auch abseits des Theaters einen Namen. Er ist Mitbegründer des Symphonic Jazz und erzielte mit «Rhapsody in Blue» einen Welterfolg. Zudem schrieb er klassische Orchesterwerke. Im Alter von 38 Jahren starb er an einem Gehirntumor.