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Ein Geiger schreibt für Klavier
Die stark an Max Reger erinnernde Klaviersonate op. 25 von Adolf Busch liegt in einer übersichtlichen und hilfreichen Neuausgabe von Jakob Fichert vor.
Adolf Busch (1891–1952) gilt vielen in erster Linie als einer der bedeutendsten Geiger des 20. Jahrhunderts. Weniger bekannt dürfte sein, dass er auch ein ambitionierter Komponist war. Busch schrieb zahlreiche Kammermusik- und Orgelwerke, Lieder, aber auch Sinfonisches. Dass er zudem ein virtuoses Klavierkonzert und eine gross angelegte Klaviersonate verfasste, mag auf den ersten Blick überraschen. Anregung dazu holte er sich wohl bei seinem jungen Klavierpartner Rudolf Serkin, der später ja auch sein Schwiegersohn wurde. Serkin war es auch, der die Klaviersonate op. 25 1922 in Berlin zur Uraufführung brachte. Die Presse reagierte vorerst eher negativ. Das Werk sei «unlogisch und uninteressant», hiess es beispielsweise. Andere jedoch waren von der Qualität überzeugt und setzten sich dafür ein, nicht zuletzt natürlich auch Serkin selbst.
Die Sonate besteht aus drei Sätzen: einem Allegro moderato con passione, einem weit ausladenden Variationensatz und einer abschliessenden Fuge mit Introduktion, welche schlussendlich die Themen der vorangehenden Sätze kunstvoll miteinander verbindet. Von «unlogisch» kann also nicht die Rede sein. Anspruchsvoll für den Hörer ist aber sicher die sich ständig verändernde Harmonik. Ähnlich wie bei Max Reger, dem diese Musik sehr nahesteht, gibt es auch hier eine Unmenge von Modulationen auf engstem Raum, welche zunächst das Verständnis für die formalen Abläufe erschweren. Am zugänglichsten ist wohl der 2. Satz, dessen Variationen sich an ein schlichtes Thema in der Art eines Streichquartetts anlehnen.
A propos Reger: Einige Stellen in Buschs Klaviersonate könnten geradezu als Hommage an das grosse Vorbild gelten. Man vergleiche nur einmal das Adagio im 2. Satz mit der neunten aus Regers monumentalen Bach-Variationen ...
Pianistisch ist Buschs Sonate zwar sehr anspruchsvoll, der Klaviersatz liegt aber meist ganz gut in den Fingern. Und wo dies nicht der Fall ist (wie bei den zahlreichen Trillern in der Fuge), hat Jakob Fichert, der die neue Ausgabe bei Breitkopf & Härtel betreut hat, praktikable Lösungen parat.
Fichert hat das Werk 2016 sogar auf CD aufgenommen (Toccata Classics 0245) und kennt es somit aus eigener Anschauung. In seinem Spiel bemüht er sich um grösstmögliche Klarheit, was vielleicht etwas auf Kosten der Expressivität geht. Aber seine profunde Kenntnis dieser Musik beeindruckt: Die Korrekturen gegenüber der Erstausgabe und des Autografs sind gut nachvollziehbar und die Fingersätze sehr hilfreich. Das Notenbild ist – soweit es diese Musik zulässt – übersichtlich und klar. Wer sich also intensiver mit Adolf Buschs Klaviersonate op. 25 befassen möchte, ist mit dieser Neuausgabe sehr gut gerüstet.
Adolf Busch: Sonate c-Moll für Klavier op. 25, hg. von Jakob Fichert, EB 8996, € 24.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden
Foto oben: Arturo Toscanini und Adolf Busch kehren im Januar 1932 nach erfolgreicher Amerika-Turnee auf dem Dampfer «Albert Ballin» nach Europa zurück.
Von links nach rechts: Irene Busch (1935 Heirat mit Rudolf Serkin), Arturo Toscanini, Adolf Busch, Frieda Busch