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Bildung
Žižek: Humor eines Philosophen
"Žižekisms" nennen die Herausgeber der MIT Press die besondere Art des Hegelianischen Humors, mit denen der slowenische Philosoph Žižek seine philosophischen Schriften gerne vermengt. Eine gesammelte Auswahl dieser Scherze liegen nun in dieser wunderschönen, in graues Leinen gebundenen Ausgabe vor und erheitern so manches mühselige Studium. Denn Philosophie kann auch Spaß machen, das merkt man gleich beim Vorwort, in dem es u. a. heißt, dass sogar in der kommunistischen Sowjetunion die systemerhaltende Funktion von Scherzen erkannt worden sei und weswegen auch nichts dagegen unternommen wurde: es gab den Menschen die Möglichkeit, Dampf abzulassen und machte sie integrierbarer und manipulierbarer.
Humor vom Feinsten: Žižekismen
Von Žižek ist man es ja gewohnt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt und sich nicht an die politische Korrektheit hält, obwohl er sich dieser dennoch - als aufrechter Linker - verpflichtet fühlt. So decken die in dieser Anthologie veröffentlichten Witze das ganze bekannte Spektrum ab: religiöse, politische Scherze, aber auch jüdischer Humor und vulgäre Witze werden erzählt. Der Großteil beschäftigt sich mit dem Überlebenswitz des Ostblocks und der damit verbundenen Dialektik: So kursierte in den 1930-Jahren der Sowjetunion ein Gerücht, dass die Trotzkisten das Geld abschaffen wollten. Die Rechten unter Bucharin opponierten dagegen und wie entschied Väterchen Stalin? Richtig, dialektisch: "There will be money and there will not be money. Some will have money and others will not have it." Als der türkische Kommunist Panait Istrati zu etwa derselben Zeit die Sowjetunion besuchte, um sich von den Fortschritten im Arbeiter- und Bauernstaat selbst zu überzeugen antwortete man ihm, die offensichtlichen Defizite entschuldigend: "You can’t make an omelet without breaking eggs" worauf Istrati schlagfertig ungefähr geantwortet haben soll: "All right. I can see the broken eggs. But where’s the broken omelet?"
Witze für Männer mit starken Nerven
Auch chinesische Witze werden von Žižek erzählt, etwa die des lokalen Partybosses, der sich neue Schuhe kaufte und sie stets so blank polierte, dass er in der Spiegelung der Stiefel die Farbe der Höschen der Mädchen erkennen konnte, aber am dritten Tag verdutzt feststellt, dass ein Riss in seine neuen Stiefel gekommen sein muss. Immer wieder spielt Gott eine Rolle, aber auch die Ehefrauen bekommen ihr Fett weg, denn natürlich werden die meisten Witze von Männern erzählt, Frauen bevorzugen ja eine etwas emotionalere und tiefschürfendere Kommunikation. Aber es gibt auch gute Frauen in Žižeks Witzen, etwa wenn Euridice sich absichtlich räuspert, damit Orpheus alleine in die Welt zurückkehrt, um dort dann der große Dichter zu werden, als der er heute bekannt ist. Man möchte glauben, dass in jeder Niederlage auch ein Triumph steckt. Das haben sich wohl auch Dan Quayle und George Bush einmal gedacht, als sie mit ihrer sinnentleerten Nonsens-Rhetorik, sog. lapalissades Aufsehen erregten. Am schärfsten geht Žižek aber wieder einmal mit sich selbst und Seinesgleichen zu Gericht: "Is this all that today’s Left can say to a triumphant global capitalism? Is the Left predestined to play the role of those who convince but fail?" Natürlich hat Žižek dazu noch viel mehr zu sagen. Eine Zeichnung von Sean Reilly auf der letzten Seite gibt u. a. Aufschluss darüber, was das leichteste Objekt der Welt ist. Wüssten Sie es? Also da gab es mal einen alten jüdischen Witz der besagte, dass...