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Philips / Magnavox,

überarbeitet am 18.9.2010

Um 1982 kam Philips mit dem AL-990 als erstem mit einer digitalen Frequenzanzeige
versehenen Stationsempfänger auf den Markt. Ähnlich wie der RF-2200 von Panasonic
verfügte das Gerät über eine drehbare Ferritantenne, dank deren Hilfe ein Lang-
oder Mittelwellensender "angepeilt" werden konnte, für die Kurzwellenbereiche war
zudem eine Loopantenne aufsteckbar. Ähnlich aufwendige Antennenkonstruktionen
finden sich bei mehreren portablen Empfängern Ende der siebziger Jahre.
Ähnlich den Panasonic-Kofferradios ist der Philips AL-990 ein hochkant stehender
zum Schutz der Frontplatte beidseits mit Haltegriffen / Schutzbügeln versehener
Kofferempfänger, der 34 x 24 (mit Ferritantenne 28) x 14 cm misst und 4,6 kg auf die Waage bringt,
das Gehäuse ist aus schwarzem Kunststoff gefertigt.
Auf der Frontplatte nimmt links der grosse Lautsprecher einen Drittel der
Fläche ein und verhilft dem Gerät zu einem erfreulich guten Klang. Die Bedienelemente
sind rechts davon in drei senkrechten Reihen angeordnet.
In der mittleren Reihe der Bedienelemente findet sich unter dem Sichtfenster mit
den Skalen eine Reihe Schalter. Von links sind das der Hauptschalter, der den
Empfänger einschaltet oder auch den Schaltuhrbetrieb aktiviert, es folgt der Schalter
für die Skalenbeleuchtung, der Schalter für Summton oder Radioempfang beim Schaltuhrbetrieb,
der AFC-Schalter für die automatische Frequenzkorrektur beim UKW-Empfang und
der BFO-Schalter zum Einseitenbandempfang.
In der rechten Bedienlementereihe liegen zuunterst die Drehregler für den BFO,
der mit dem danebenliegenden Schalter aktiviert wird, und der HF-Verstärkungsregler
RF-Gain. Der grosse gerändelte griffige Abstimmknopf ist mit einem Feintrieb versehen,
zum raschen Frequenzwechsel wird der Drehknopf herausgezogen. Nach Berühren des
Abstimmknopfs wird durch eine Berührungssensorschaltung die Digitalanzeige
für einige Sekunden auf Frequenzangabe umgestellt.
An weiteren Bedienelementen sind ein unter dem Lautsprecher herausklappbares
Tastenfeld zur Bedienung der Digitaluhr und Sensortasten zur Abschaltung des
Gerätes bei Alarm- und Einschlaftimerfunktion an der Oberkante zu erwähnen.
Eine drehbare Ferritantenne erlaubt das Anpeilen von gewünschten resp. das Ausnullen unerwünschter Signale im LW/MW-Bereich, zum Kurzwellenempfang kann eine Rahmenantenne mit geringerer Richtwirkung aufgesteckt werden, die Rahmenantenne ist zum Transport mit einem Klemmmechanismus an der Geräterückwand fixiert. Für UKW gibt es eine Teleskopantenne.An der linken Geräteseite findet sich die 6,3mm Klinken - Kopfhörerbuchse, an der Rückseite eine Tonbandausgangsbuchse, 12 Volt- und Netzbuchse, ein Schalter zur Umschaltung der MW-ZF zur Verhinderung von Interferenztönen und Schraubklemmen für den Anschluss von KW- resp. UKW-Antennen.
Das grosse Batteriefach an der Rückseite nimmt 4 UM-1-Monozellen zum Batteriebetrieb sowie zwei UM3-Mignonzellen zum Betrieb der Uhrfunktionen auf, für das Netzkabel findet sich ebenfalls etwas Stauraum.
Der Betrieb des AL-990 ist trotz der Fülle der Bedientelemente unproblematisch.
Auf Stellung RADIO-ON gibt das Gerät ein Rauschen von sich, zum Empfang
der deutschen Welle auf 6075 kHz wird der obere Bandbereichsschalter auf SW1-SW5
gestellt, am unteren Schalter SW1 gewählt. Auf Berührung des Abstimmknopfes
wird die aktuelle Frequenz angezeigt und nun auf 6.075 MHz eingestellt. Wenn nun
nicht schon das S-Meter ganz nach rechts ausschlägt und die deutschen Nachrichten
ertönen, muss noch kontrolliert werden, ob der BFO ausgeschaltet und der RF-Gain
ganz nach rechts auf Maximum eingestellt ist.
Zusammenfassend war der AL-990 zur Zeit der Markteinführung ein relativ umfangreich ausgestatteter Kurzwellenempfänger, der preislich nicht im obersten Segment lag, dessen Empfangsqualitäten allerdings auch nur etwa dem Preisniveau entsprachen und den AL-990 nicht zu einem Top-DX-Empfänger, aber zu einem brauchbaren Einsteiger- Stationsempfänger oder komfortablen Empfänger für Auslandsreisende, machte. Der AL-990 machte dank der digitalen Frequenzanzeige eine recht zuverlässige Identifikation der Sendefrequenz einer empfangenen Station oder das Auffinden eines Senders auf einer bekannten Frequenz möglich, zu Beginn der achziger Jahre bei "Weltempfängern" noch gar nicht alltäglich. Heute ist der AL-990 für mich eher ein Exot im Shack als ein brauchbarer Zweitempfänger.
Herzlichen Dank an OM Mark S. Weiner für die Überlassung des Schaltbilds!
© Martin Bösch, 5.8.2004