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Die verschiedenen Abschnitte der Gemeinde sind somit durch ein gutes und genügendes Strassennetz aufgeschlossen und miteinander
verbunden. Seit 1893 führt von
Yverdon über
Baulmeseine Schmalspurbahn nach Sainte Croix hinauf, die als besondere und in
der
Schweiz sonst nirgends vorkommende Eigentümlichkeit hat, dass auf ihr an Sonntagen keine
Züge verkehren.
Die 25 km lange Linie erklettert mit einer maximalen Steigung von 4% die Hänge des
Mont deBaulmes und den untern
O.-Hang des
Suchet und zieht sich wie die Strasse
Yverdon-SainteCroix - aber auf der gegenüberliegenden
Seite - hoch
über der
Schlucht von
Covatannaz hin, indem sie eine schöne Aussicht auf diese
Schlucht, sowie auf
Mittelland und
Alpen gewährt.
Ausser
La Grange de
la Côte (695 m) bei Vuiteboeuf und
La Villette (930 m) einerseits und
Les Praises (1262
m) und
Les Gittes (1220 m) andererseits liegen alle Siedelungen der Gemeinde zwischen 1000
und 1200 m
Höhe. Gesamte Gemeinde: 671
Häuser, 5914 Ew.;
davon entfallen auf die Abteilung Sainte Croix (im engeren Sinn) 442
Häuser, 4254 Ew. und auf die Abteilung
Les Granges 229
Häuser, 1660 Ew. 5641 Reformierte, 266 Katholiken und 7 Andere; 5641 Ew. französischer, 202 deutscher, 66 italienischer
und 5 anderer Zunge.
Gemeinde 1850: 3541 Ew., 1880: 5163 Ew. und 1888: 5992 Ew. Während also die Zahl der Bewohner bis 1888 ziemlich rasch zugenommen
hat, ist sie im Zeitraum 1888-1900 etwas zurückgegangen. Dorf Sainte Croix: 252
Häuser, 2969 zur grossen Mehrzahl reform.
Ew. Land- und Waldwirtschaft.
Weit bedeutender ist aber die industrielle Tätigkeit und zwar besonders die Herstellung von
Uhren, Musikdosen, Musikautomaten und Phonographen. Diese Spezialitäten werden von mehreren Fabriken im Dorf Sainte Croix
selbst, sowie in
La Sagne und
L'Auberson hergestellt.
Seiner günstigen und besonders vor den NO.-Winden geschützten Lage wegen erfreut sich Sainte Croix
eines im Verhältnis zur Höhenlage milden Klimas mit Abwesenheit von Nebel u. starker u. oft lange andauernder Insolation
im Winter. Die Temperaturmittel, aus 11 jährigen Beobachtungen abgeleitet, betragen: 6,3° C. für das Jahr u. -0,6° für
den Winter (November-März). Maximum 28,6° C.; Minimum -19° C. Es würde sich also Sainte Croix, ebenso
wie das benachbarte
Les Rasses, zum Winterkurort eignen.
Das Dorf zieht sich auf eine Länge von 1 km in der Richtung SO.-NW. hin und hat seine dichtesten Häuserkomplexe im untern,
sö. Abschnitt. Die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Pfarrkirche steht im n. Teil des Dorfes.
Freikirchliche
Kapelle. Sekundarschule seit 1856 und Lateinschule seit 1899; höhere Töchterschule.
Grosses und schönes neues
Schulhaus seit 1893; neues Museums- und Bibliotheksgebäude. Die Bibliothek ist 1845 von Dr. Campiche gestiftet worden, der
ihr neben einer bestimmten Geldsumme noch 700-800 Bände zuwandte, und zählt heute 5000 Bände.
Museum, mit naturhistorischer, archäologischer, ethnographischer, Münz- und Fossiliensammlung; ebenfalls von Dr. Campiche
gestiftet, der ihm einen Teil seiner Sammlung von Münzen und Versteinerungen übergab. Dieses Museum hat sich besonders
seit 1872 unter der Mitwirkung einer besonderen Museumsgesellschaft und dank zahlreicher Geschenke, die ihm
aus dem In- und Ausland zugekommen sind, bedeutend entwickelt. Sainte Croix ist in wissenschaftlichen Kreisen in erster Linie
durch die wichtige Sammlung von Fossilien aus seiner Umgebung bekannt geworden, die Dr. Campiche angelegt hatte und die nach
dessen Tod vom geologischen Museum zu
Lausanne angekauft worden ist. Ihr einziger Fehler besteht darin,
dass Campiche
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nicht in jedem Fall den genauen Fundort der einzelnen Handstücke angegeben hat. Krankenhaus des Kreises Sainte Croix, 1880 eröffnet
und mit Raum für jährlich durchschnittlich 65 Kranke. Armenunterstützungsverein, Unterstützungsverein für Greise und
für verwahrloste Kinder. Ursprünglich wanderten die Bewohner von Sainte Croix periodisch aus, um sich mit verschiedenen
Handwerken ihr Brot zu verdienen; später beschäftigten sich die Frauen mit der Herstellung von Spitzen
und die Männer mit Messerschmiedearbeit und einigen Zweigen der Uhrenmacherei, von denen seit dem 18. Jahrhundert die Herstellung
von Vorlegewerken für Repetieruhren in den Vordergrund trat. Geschäfte, die sich mit der Herstellung von fertigen Uhren
befassen, entstanden in Sainte Croix erst seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Spezialität
ist die Fabrikation von Musikautomaten in allen Grössen, die 1811 eingeführt und seither vielfach vervollkommnet wurde,
so dass sie sich nun zu einem ganz bedeutenden Industriezweig entwickelt hat.
Ueber die geschichtlichen Schicksale von Sainte Croix herrscht bis zum Jahr 1317 noch ziemliches Dunkel.
Man darf annehmen, dass der Ort an der Römerstrasse von Eburodunum (Yverdon) nach Ariolica (Pontarlier) lag, die dann aber
im Mittelalter allmählig vernachlässigt und verlassen wurde, da der Weg über Les Clées und Jougne den Interessen der hochburgundischen
Herren besser zu entsprechen vermochte. 1177 bestätigte eine Bulle des Papstes Alexander III. der Abtei
am Jouxsee eine ihr von Seiten des Huon von Grandson vermachte Schenkung des Sennberges Lantifer oder Chaux duJura und zweier
Mühlen an einem Sainte Croix genannten Ort, der nach den nähern Angaben der Urkunde mit dem heutigen Dorf
dieses Namens identisch sein dürfte. Es wäre dies also die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Sainte Croix.
Diese Deutung ist aber doch noch nicht völlig sicher gestellt, da Sainte Croix unter den Besitzungen des Klosters sonst nicht
wieder genannt wird und damit vielleicht auch die Ortschaft Villars-SainteCroix gemeint gewesen sein könnte.
Peter von Grandson, einer der mächtigsten Herren im Waadtland, wandelte 1317 die ihm zugefallenen Ländereien von Champvent
jenseits des Arnon in eine besondere Herrschaft «Sainte Croix» um. Er baute hier zugleich ein Schloss und verlieh neuen Ansiedlern
Grundeigentum und verschiedene Freiheiten, was zahlreiche Kolonen zur Niederlassung veranlasste.
Aus Furcht, dass der Verkehr von Reisenden und Waren sich nun von dem seinen eigenen Interessen besser
dienenden Weg über Jougne abwenden könnte, liess Hugues de Châlons-Arlay, Herr von Jougne und der mächtigste Edelmann
der Freigrafschaft, alte Befestigungen, die von frühern hochburgundischen Herren zum Schutz gegen Einfälle über den Col desÉtroits her angelegt worden waren, wieder in Stand setzen und zugleich auch über einem durch eine Kette
absperrbaren Engpass der von Sainte Croix herkommenden Strasse ein Schloss mit Zollstätte erbauen (1317). Von diesem nahe
dem heutigen Dorf La Chaux stehenden und FrancChâtel oder Franc Castel (s. diesen Art.) geheissenen Schloss
haben sich bis heute noch einige Reste erhalten.
Der hier erhobene Zoll gab wiederholt Anlass zu heftigen Streitigkeiten zwischen den beteiligten Herren. Die Herrschaft Sainte Croix
kam nach Peter von Grandson an dessen zweiten Sohn Wilhelm (den Grossen) von Grandson und um 1388 an Otto, den Sohn Wilhelms.
Nach dem Tod Otto's von Grandson fielen alle dieser Familie eigenen Herrschaften und Güter an die Krone
Savoyen, von der Ritter Luquin de Saluces die Herrschaft Sainte Croix noch vor 1403 zu Lehen erhielt. Bald nachher wurde aber
auch Sainte Croix dem Savoyerreich als integrierender Bestandteil einverleibt, worauf es als einer der 14 Flecken
(bourgs) des Waadtlandes berechtigt war, an die Ständeversammlung der Waadt
seine eigenen Abgeordneten zu senden. 1470 gehörte
das Schloss Sainte Croix zum Leibgedinge der Jolantha von Frankreich, Herzogin von Savoyen. Der Schlossvogt Hugo von Gallera
wurde von den Eidgenossen nach der Einnahme des Schlosses¶
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von Les Clées 1475 zusammen mit andern in dieser Gegend sitzenden Edelleuten getötet. 1485 hob man dann die Zollstätte
von Franc Castel auf. Als 1500 die Grenze zwischen der Waadt
und Burgund weiter westwärts verschoben wurde, kam dieses Schloss auf
Seite der Burgherrschaft Sainte Croix zu liegen, blieb aber im Besitz der Châlons, so dass es nun
eine fremde Enklave im Waadtland bildete. Diese Grenzverlegung ging aber allerdings nicht ohne Anstände vor sich und gab
noch auf viele Jahre hinaus Anlass zu Streitereien zwischen den Grenzbewohnern und zu Verhandlungen zwischen Abgeordneten
von Burgund, Savoyen, Bern
und Neuenburg,
bis dann endlich auf Antrag von Bern
hin die Grenze 1552 derart festgelegt wurde,
wie sie heute noch verläuft.
Bei der Eroberung der Waadt
leisteten die Leute von Sainte Croix 1536 den Bernern den Treueid und erlangten von diesen die Mittel,
sich der Plackereien von Seiten der Besatzung des SchlossesFranc Castel erwehren zu können. Mit Hilfe
von Berner Truppen und unter der Führung des Landvogtes von Grandson, Tribolet, wurde das Schloss genommen und zerstört, worauf
es sich nie wieder aus der Asche erhoben hat. Die Ueberlieferung erzählt, dass die Besatzung durch eine List aus der Burg
herausgelockt wurde, indem man ihr nämlich durch anhaltendes Läuten von Kuhglocken den Durchzug einer
Viehherde, d. h. einer erwünschten Beute, vorspiegelte.
Von diesem Zeitpunkt an konnten die Leute das Plateau westl. der einstigen Burg ohne weitere Gefahren und Belästigungen besiedeln.
Zuerst entstanden hier eine Anzahl von Scheunen (Granges), die nur im Sommer bezogen wurden, denen sich dann
aber in der Folge auch ständige Wohnstätten beigesellten. Daher stammt der heute noch gebräuchliche Name Les Granges de
Sainte Croix für diesen Abschnitt der Gemeinde. Das Schloss Sainte Croix stand ö. vom heutigen Dorf über der Schlucht von
Covatannaz und beherrschte sowohl diese Schlucht als auch den ganzen gegen das Mittelland sich senkenden
Abhang.
Nachdem es 1476 von den Eidgenossen verbrannt worden war, baute man es wieder auf und benutzte es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
zu verschiedenen Zwecken. Später liess man es zerfallen, so dass heute keine Reste mehr davon vorhanden sind und nur noch
der Name des Weilers Le Château (s. diesen Art.) daran erinnert. Die Berner Regierung zeigte sich den
Leuten von Sainte Croix gegenüber im Allgemeinen wohlwollend. Auf den Wunsch der Gemeindebehörden hin liess sie sich 1591 auch
dazu herbei, das ganze Gebiet w. vom Col desÉtroits auf ewige Zeiten an die Gemeinde zu verpachten und
ihr die Verteilung des Grundes an die einzelnen Bürger zu gestatten. 1600 erhielt die Gemeinde noch weiteren Grundbesitz
in Pacht, der aber Gemeindegut bleiben sollte und daher nicht aufgeteilt werden durfte. Da die Pachtzinse niedrig gehalten
waren, hob sich Sainte Croix zu einem gewissen Wohlstand. Aus diesen Umständen erklärt es sich, dass
sich die Bewohner der Gemeinde nach dem Sturz des alten Bern
nur ungern in die durch die französische Revolution angebahnte Neuordnung
der Verhältnisse fügten. Die Reformation wurde in Sainte Croix zum erstenmal am durch François Meige gepredigt. 1744 zerstörte
eine heftige Feuersbrunst die Kirche und einen grossen Teil des Dorfes.
Das Dorf liegt in einem bis zum Bathonien hinunter geöffneten Antiklinalthal, das die südl. Fortsetzung der Chasseronfalte
bildet. In den korallogenen rötlichen Sequankalken der Steinbrüche oberhalb der Kirche findet man viele Fossilien. Kreide
und Molasse bilden zwei seitliche Synklinalen: die Mulde von L'Auberson im NW. und diejenige von Colas
und Culliairy im SO. Die Kreidefossilien der Gegend sind von F. J. Pictet in seinen Matériaux pour la paléontologie Suisse
beschrieben worden. Im Torfmoor von La Sagne hat man ein Feuersteinmesser, ein Bronzebeil und Lanzenspitzen aus Bronze gefunden.
Reste einer Römersiedelung. Funde von römischen Münzen, von Pfeilspitzen und Steinkugeln (in der Umgebung
des ehemaligen Schlosses von Sainte Croix). Sainte Croix ist die Heimat des Evangelisten Henri Pyt (1795-1835), des Arztes
und Orthopäden Pierre Frédéric Jaccard (1768-1820) und des von uns mehrfach genannten Dr. Campiche. Hauptort des ganz im
Gebirge gelegenen westlichsten der drei Kreise des Bezirkes Grandson, der die
Gemeinden Sainte Croix und
Bullet umfasst, einen besonderen Statthalter hat und 6515 Ew. zählt.
Bibliographie
(exkl. die den Kanton Waadt
als Ganzes behandelnden Werke): Tribolet et Campiche. Cartegéolog. des environs de Sainte Croix.Neuchâtel
1858; Rittener, Th. Étude géolog. deLa Côte aux Féeset des environs de Sainte Croix et deBaulmes.
(Beiträge zur geolog. Karte derSchweiz. N. F. 13). Mit Karte. Bern
1902;
Coup d'œilsur lasituation des habitants de Sainte Croixen 1817;
Jaccard, E. Petit essai sur l'origine du développement industriel, commercial, intellectuel, politique et moralde Sainte Croix. 1857;
Favre, J. Notice sur Sainte Croix (im Journal de la Soc. vaud. d'utilité publ.
1865);
Notice sur Sainte Croix (im Journal de la Soc. vaud. d'utilité publ. 1891);