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«Wir anerkennen, dass wir unterschiedlicher Meinung sind»
April 26, 2019
(Originalbeitrag: 22. Januar 2019)
Bischof Patrick Streiff nimmt in einem Interview mit Todd Rossnagel für die Webseite onechurchplan.org Stellung dazu, weshalb er in den aktuellen Diskussionen der weltweiten Methodistenkirche um Fragen der menschlichen Sexualität den «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» (One Church Plan) unterstützt.
Seit über 50 Jahren werden besonders an den Tagungen der Generalkonferenz der weltweiten Methodist/innen, der höchsten legislativen Versammlung der Freikirche, unterschiedliche Einschätzungen zu Fragen menschlicher Sexualität, insbesondere die Beurteilung von Homosexualität intensiv diskutiert. Eine ausserordentliche Generalkonferenz Ende Februar soll darüber beraten und entscheiden, wie die Methodist/innen weltweit mit den Unterschieden in der Beurteilung umgehen wollen. Im wesentlichen werden dabei zwei Entwürfe diskutiert: Der «Bischofsrat» der weltweiten Methodistenkirche unterstützt mehrheitlich den «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» (One Church Plan). Konservative Kreise in der Freikirche favorisieren dagegen den «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» (Traditional Plan).
Todd Rossnagel, Methodisten-Pfarrer und Kommunikationsleiter der Jährlichen Konferenz von Louisiana (USA), hat Bischof Patrick Streiff, Bischof der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, zu der auch die Schweiz gehört, interviewt, um zu erfahren, weshalb er – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erfahrungen in seinem Bischofsgebiet – den «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» unterstützt.
Grosse Vielfalt
Mit den 16 Ländern, die zu seinem Bischofsgebiet gehören, das sich von Polen und die Länder des Balkans über Österreich, die Schweiz und Frankreich bis nach Nordafrika erstreckt, sei, sagt Streiff im Interview, dies wohl eines der Bischofsgebiete, das die grösste Vielfalt an Meinungen und Kulturen umfasst. Das spiegle sich auch im grossen Spektrum unterschiedlicher Standpunkte in den anstehenden Fragen wider.
Gewissensentscheidung respektieren
Der «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» bringe etwas Neues. «insbesondere dadurch, dass dieser Entwurf zusichert, die Gewissensentscheidung jedes einzelnen zu respektieren», sagt Bischof Streiff im Gespräch. Die bisherigen Diskussionen in der weltweiten Kirche seien oft dadurch gekennzeichnet gewesen, dass die Gegenseite dazu genötigt werden sollte, die eigene Meinung als die richtige zu akzeptieren. «Einer der grossen Vorteile des ‹Entwurfs zur Bewahrung der Einheit der Kirche› ist, dass darin anerkannt wird, dass wir unterschiedlicher Meinung sind. Möglicherweise müssen wir erst lernen, wie wir mit diesen Unterschieden gemeinsam unterwegs sein können.»
Erfahrung im Umgang mit Vielfalt
Es gebe, so sagt Bischof Streiff im Interview weiter, in seinem Bischofsgebiet mit der grossen Vielfalt und Unterschiedlichkeit auch eine geschichtlich gewachsene Kompetenz, mit diesen Unterschieden umzugehen. «Es war das einzige Bischofsgebiet, in dem seinerzeit Menschen aus den kommunistischen Ländern mit Menschen aus Westeuropa zusammenarbeiteten.» Hier seien Brücken gebaut und eine Zusammenarbeit möglich geworden, die in mancher Hinsicht weit über das hinausging, was man sich damals habe vorstellen können. Starke persönliche Beziehungen seien entstanden. «Meine Hoffnug ist«, sagt Bischof Streiff, «dass wir auf dieser Basis auch weiterhin miteinander arbeiten können im Wissen darum, dass wir sehr viel gemeinsam haben – auch wenn wir in dieser speziellen Frage unterschiedlicher Meinung sind.»
Im grösseren Kontext
Rossnagel nimmt in seinen weiteren Fragen verschiedene grundsätzlichere Aspekte auf, etwa, ob es wirklich um die Beurteilung menschlicher Sexualität oder nicht viel grundlegender um Fragen des Bibelverständnisses gehe. Und es werden andere, seit längerem im Hintergrund aufgegleiste strukturelle Veränderungsprozesse angesprochen, durch die es möglich sein soll, dass Bischofsgebiete stärker den regionalen Kontexten entsprechend Rahmenbedingungen für ihre Arbeit schaffen können.
Eine neue Kultur des Miteinanders
Angesichts einer von ihm als «so nie dagewesenen Zerrissenheit» innerhalb der weltweiten Methodistenkirche beschriebenen Situation, fragt Rossnagel im Interview nach dem, was Bischof Streiff erhoffe. «Meine Hoffnung ist,» antwortet ihm dieser, «dass wenn wir neu entdecken, dass Christus das ‹Haupt› der Kirche ist, dass wir alle an Christus glauben und durch ihn gerettet sind, uns das eine tragfähige Basis dafür gibt, auf der wir miteinander leben, miteinander arbeiten und einander respektieren können – und auf diese Weise eine andere Kultur des Miteinanders verkörpern können.»
Die Interviews
Todd Rossnagel führt Gespräche mit verschiedenen Bischöf/innen der weltweiten Methodistenkirche, um von ihnen zu erfahren, weshalb Sie den «Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche» (One Church Plan) unterstützen. Alle Gespräche werden in englischer Sprache geführt.
Neben dem Gespräch mit Bischof Patrick Streiff (mp3 als Download) findet sich in einer früheren Folge auch ein Gespräch mit Bischof Harald Rückert (mp3 als Download) von der Zentralkonferenz in Deutschland.
Generalkonferenz
Zur ausserordentlichen Tagung der Generalkonferenz, den dort zu diskutierenden Enwürfen und den weiteren Prozessen in der Schweiz hat Bischof Patrick Streiff Mitte Dezember informiert.