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Diter Rot (1930 - 1998)
Eigentlich Dieter Roth
Er wurde am 21.4.1930 in Hannover geboren und starb am 5.6.1998 in Basel.
Als Jugendlicher kam er mit seiner Familie nach dem ersten Weltkrieg in die Schweiz. Nach Abschluss einer Graphiklehre in Bern wurde er Textilzeichner in Kopenhagen und 1957 übersiedelte er nach Reykjavik auf Island. 1968 erhielt er eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf. Abwechselnd war er in den USA, Düsseldorf und Reykjavik tätig. Zwischendurch und auch immer wieder für längere Zeit hielt er sich auch in Basel auf, wo er eine Atelierwohnung besass.
Ebenso vielgestaltet wie seine Aufenthaltsorte waren auch seine Ideen und Tätigkeiten. Als Dichter schuf er unter anderem Schriftbilder mit eigenwilliger Schreibung und Typographie, es entstand 1971 ein umfangreiches Buch-Werk mit graphischer Gestaltung als «gesammelte Werke» in 20 Bänden. Als Maler lehnte er sich am Anfang an die konstruktiv-konkrete Malweise an, um später neodadaistischen Verbindungen zu folgen. Im künstlerischen Bereich bediente er sich ganz verschiedener Techniken wie z.B. Öl, Aquarell, Collagen und Druckgraphik.
Neben der Beteiligung an Aktionen im Rahmen der Happening- und Fluxus-Szene wurde er insbesondere durch seine Objektkunst mit organischem Material bekannt: Er schuf Objekte aus Quark, Käse und Schokolade, mit denen er der Realität im Vergänglichen, Verfallenden nachspürte und deren Verwesungsprozesse sich solange fortsetzten wie Nährmasse vorhanden war. In seinen «Schimmelgraphiken» ergab sich die Graphik aus dem Prozess des Verwesens.
1969 entstand die «Badewanne zu Ludwig van», die mit 60 Beethovenköpfen aus weisser Schmelzglasur, brauner Schokoladencouvertüre und Hartfett gefüllt war.
Er war ein Besessener, er arbeitete unglaublich viel mit viel Lust und Sinnlichkeit, aber auch mit dem Leiden am Leben in der «Moralhölle» unseres Daseins. Er wollte alles Gefällige vermeiden, ja verunmöglichen, wollte nie etwas zu Beständiges schaffen und schien es darauf anzulegen, die «Kunsterwartungen» mit Sicherheit zu enttäuschen. Mit zunehmendem Alter «flüchtete» er zusehends in seine verwesenden Naturprodukte, in schmelzende Guss-Stücke, in Nonsens-Verse, in pedantisches Sammeln und das wuchernde Archiv, das ihn umgab.
Quelle: Reclams Künstlerlexikon, Basler Zeitung vom 5.6.1998
© Copyright Galerie HILT AG, 1999/ab

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