Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/109212

<h2>SubmittedText<h2><p>1972 hat Bhutan eine Definition von Lebensqualität erarbeitet, die neben wirtschaftlichen Werten (Wachstum, BIP) auch psychologische, holistische und spirituelle Dimensionen berücksichtigt. Demnach beschränkt sich das Glück nicht auf Wachstum oder auf die Gesetze des Marktes. Gerade die aktuelle Wirtschaftskrise zwingt uns, andere Werte zu entdecken (z. B. Uneigennützigkeit, Freiwilligkeit, freiwillig gewählte Einfachheit, Wiederverwertung, Relokalisierung, Subsidiarität, Verwurzelung, Solidarität, nichtutilitaristische geistige Werte, identitätsstiftende Werte).</p><p>Die Regierung Bhutans misst vier Prinzipien grosse Bedeutung bei: wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung, Bewahrung und Förderung der Kultur, Umweltschutz und nachhaltige Nutzung der Ressourcen sowie eine gute und verantwortungsvolle Regierung.</p><p>Was hält der Bundesrat davon? Gedenkt er, ebenfalls einen schweizerischen Index für Bruttoinlandsglück zu entwickeln und anzuwenden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist ein synthetischer Indikator, der die Wirtschaftstätigkeit misst. Er kann nicht gleichzeitig als Indikator zur Messung des Wohlbefindens oder des Glücks verwendet werden.</p><p>In den letzten Jahrzehnten wurden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um das BIP durch weitere Werte (soziale, umweltbezogene usw.) zu ergänzen. All diese Untersuchungen hatten das Ziel, Methoden zu entwickeln, anhand derer der aktuellen und der künftigen Lebensqualität der Bevölkerung besser Rechnung getragen werden kann, ohne dabei jedoch einen einzigen anerkannten Indikator bilden zu können. Das Wohlbefinden, das Glück und die Lebensqualität umfassen zahlreiche Dimensionen (soziale, wirtschaftliche, umweltspezifische, psychologische usw.) mit objektiven, aber auch mit subjektiven Komponenten, die keine gemeinsame Messeinheit aufweisen (wie z. B. die monetäre Einheit für das BIP). Somit stützt sich das Gewicht, das bei der Indexbildung den verschiedenen Dimensionen zugeordnet wird, nicht nur auf rein statistische Kriterien.</p><p>Ein Indikator muss ausserdem räumliche und zeitliche Vergleiche ermöglichen. Deshalb ist es wichtig, dass Indikatoren auf internationaler Ebene erstellt werden. Da die Bildung eines Glücksindikators ein äusserst komplexes Unterfangen darstellt und angesichts der Schwierigkeit, in Bezug auf die Komponenten und deren Gewichtung einen Konsens zu finden, wird die Idee eines einzigen Indikators zur Messung des Glücks zurzeit nicht als eine Option in Betracht gezogen. Der Bericht der "Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress" (Bericht Stiglitz Sen Fitoussi) von 2009, der als Grundlage bei den laufenden Arbeiten dient, unterstreicht die Wichtigkeit des BIP als Indikator für das Wirtschaftswachstum und empfiehlt zusätzlich die Erarbeitung eines Indikatorensets, welches das BIP ergänzt und gleichzeitig das Wohlbefinden und die Nachhaltigkeit misst.</p><p>Der Bundesrat erachtet es für seine Regierungstätigkeit als wichtig, die Bewertung des Wohlbefindens und des Fortschritts der Schweiz nicht nur auf wirtschaftliche Aspekte zu stützen, sondern auch die Entwicklung von Aspekten in Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit, des Lebensstandards und der Lebensqualität zu berücksichtigen. In seinem Entscheid vom 13. Oktober 2010 in Bezug auf die grüne Wirtschaft hat der Bundesrat das Eidgenössische Departement des Innern beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation und dem Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement das BIP durch geeignete Indikatoren über die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Entwicklungen zu ergänzen. Er ist zudem der Ansicht, dass dies wie üblich in Abstimmung mit den internationalen Methoden geschehen soll, damit die erzielten Ergebnisse miteinander verglichen werden können. Da der Bundesrat ausserdem überzeugt ist, dass diese Informationen nicht in Form eines einzigen Indikators ohne Konsens bezüglich der Komponenten präsentiert werden sollen, ist es sinnvoller, zuerst ein Set von Indikatoren zu erarbeiten, das die Entwicklung der verschiedenen das Wohlbefinden der Bevölkerung beeinflussenden Aspekte aufzeigt.</p>  Antwort des Bundesrates.