Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03638.jsonl.gz/407

Die Übernahme von Fannie Mae und Freddie Mac durch die US-Regierung ist die massivste staatliche Intervention in die Finanzmärkte seit Jahrzehnten. Doch sie wird aller Voraussicht nach nicht die letzte sein. Von Regierungsseite aus befasst man sich bereits mit strengeren Regeln für die Kreditkartenindustrie, und man überlegt, ob man die versprochenen Kredite zur Stützung der US-Autokonzerne auf 50 Mrd Dollar verdoppeln soll.
In den kommenden Jahren steht dann die Regulierung der Treibhausgasemissionen auf der Regierungsagenda, und man wird darüber nachdenken, wie man die Hypothekenriesen so ausrichtet, dass sie nicht durch Anhäufung enormer Schulden die Gesamtwirtschaft in Gefahr bringen. So viel ist klar: Die gegenwärtige Finanzkrise hat die Position der US-Regierung in den Märkten gestärkt. Neben reinen Rettungsaktionen werden die Kapital- und Liquiditätspositionen von Investmentbanken geprüft und neue Regeln für ausgedehnte, aber «dunkle» Bereiche der Geld- und Derivatemärkte erwogen.
Diese neuen Aktivitäten lassen sich auch in der Bilanz der US-Notenbank ablesen. Noch vor einem Jahr waren rund 90% der 875 Mrd Dollar Vermögen der Fed Schatzpapiere. Dieser Anteil ist nach den zahlreichen Interventionen bei komplizierten und schwer zu liquidierenden Aktivposten an der Wallstreet auf nunmehr rund 50% zusammengeschrumpft.
Autohersteller rufen um Hilfe
Die Übernahme von Freddie und Fannie markiert nun die Abkehr vom Glauben in die Selbstregulierungskräfte der Märkte. Es ist schwer zu prognostizieren, wie weit sich die Regierung noch in die Wirtschaft einmischen wird – vor allem in einem Wahljahr. Die Autohersteller in Detroit bekamen vom Kongress in diesem Jahr einen 25-Mrd-Dollar-Kredit zu günstigsten Zinsen bewilligt, mit dem sie Betriebe für die Herstellung sparsamerer Fahrzeuge umbauen wollen. Durch Lobbyarbeit versuchen sie nun, diesen Kredit auf 50 Mrd Dollar zu erhöhen. Sollten sie damit Erfolg haben, würde das den Chrysler Bailout von 1979/80 völlig in den Schatten stellen. Damals ging es um staatlich garantierte Kredite in Höhe von 1,5 Mrd Dollar. Noch wurde keine Entscheidung getroffen, doch beide Präsidentschaftskandidaten befürworten eine Ausweitung der Finanzierung.