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Chilbi
Inhaltsverzeichnis
Chilbi allgemeine Informationen
1330 Die Entstehung der Wetziker Chilbi geht zurück auf den Kirchenbau ums Jahr 1330 in Wetzikon, bezeugt doch eine Urkunde, dass bereits im Jahre 1334 ein Pfarrer Heinrich von Landenberg von Wetzikon hier amtete. Nach der damaligen Sitte setzten die Kirchherren sehr oft Verwandte zu Pfarrern an den ihnen gehörenden Kirchen ein und es ist zu vermuten, dass aus der Reihe der Edlen von Landenberg in Wetzikon besagter Pfarrherr die erste Wetziker Kirche betreute.
1334 Vermutlich in diesem Jahr vollzog der Bischof von Konstanz die feierliche Einweihung des Gotteshauses, sehr wahrscheinlich am Feste der Himmelfahrt Maria. Seitdem findet alljährlich die Wetziker Kirchweih am Sonntag nach Maria Himmelfahrt statt, welcher meistens auf den dritten Augustsonntag fällt.
1877 Marktfahrer Moritz Mauer aus Einsiedeln stellt erstmals in Wetzikon sein „Caroussel mit brillanter bengalischer Beleuchtung“ auf (wahrscheinlich die erste Reitschule). Neu war in diesem Jahr auch das „Grand Théathre National“, das unglaubliche Dinge zeigte.
1891 Im Band I der Chronik von Wetzikon schreibt Jakob Messikommer: „In früheren Jahren war es besonders die 'Chilbi' von Wetzikon, die von den umliegenden Dörfern stark besucht war; es muss hier und da 'chrutig' hergegangen sein, so dass deren Besuch bei schwerer Strafe verboten wurde“.
1935 Wetziker berichten, dass das Zentrum der Chilbi mit den bereits grossen Bahnen sich auf der Karrerwiese befand, der Betrieb sich jedoch bis hinauf zur Pappelnstrasse zog. Auf dem Gemeindehausareal bzw. bei der ehemaligen Gärtnerei stand auch schon eine grössere Bahn. Der Chilbitanz war „in“ und fand in den Sälen der Krone und des Löwen statt.
1947 Die zwei Autoscooter der Familien Weidauer und Müller sorgten in diesem Jahr für eine Sensation.
1955 Etwa in diesem Jahr wird der Gemeinde die Karrerwiese als Chilbiplatz zum Kauf angeboten. Dieser Kauf kommt jedoch - an einer legendären Gemeindeversammlung - nicht zu Stande.
1957 Die „Karrerwiese“ gegenüber dem Schloss wird jetzt überbaut, mit den Sternblöcken und Einkaufsmeile mit Migros, Drogerie usw. Für den Chilbiplatz muss ein neuer Standort gesucht werden.
1958 Erstmals diskutiert man eine Vorverlegung der Kirchweih auf Samstag, mit früherem Schluss am Montag. Die Kirchenpflegen sind dagegen, der Gewerbeverein dafür. Gemäss Eintrag von Pfr. Honegger in der Gemeindechronik würde er folgender Lösung zustimmen: „Samstag: Kilbimusik bis 12 Uhr, Freinacht bis 2 Uhr; Sonntag: Kilbimusik bis 12 Uhr und Freinacht unbeschränkt. Montag: Kilbimusik bis 11 Uhr, Freinacht bis 2 Uhr“. Er muss ein Chilbifan gewesen sein! Erst Jahre später (1975) dehnt man die Chilbi auf drei Tage aus. Neuer Standort der Chilbi ist eine Bünzliwiese (Wiesland der Landwirts Bünzli) im Sonnenfeldquartier. Die Verkaufsstände ziehen sich entlang der Bahnhofstrasse allgemein bis zur Kirche hin. Der Grasplatz erweist sich als wenig ideal für eine Chilbi bei Regenwetter, man „ersoff“ im Schlamm. Bretter werden verlegt für Fussgängerwege, und auch die Chilbiwagen können oft nicht an den richtigen Ort auffahren. Den Strom bezieht man von den bestehenden Freileitungen, die Wohnwagen versorgt man im ganzen Quartier Oberwetzikon. Das benötigte Wasser zapfen die Schausteller ab privaten Anschlüssen, als Entgelt gibts eine Handvoll Freibillets. Festhütten, Bars oder Getränkestände kennt man noch nicht. Für das leibliche Wohl der Besucher sind allein Kronen- Hirschen- und Leuewirt zuständig, die an den beiden Tagen enorme Umsätze erzielten. Man erzählte, der Kronenwirt habe mit den Chilbieinnahmen gezinst.
1965 Verlegung der Chilbi auf die Schafwiesen hinter dem Hirschen. Mit diesem neuen Standort wird ein zentraler Chilbi- und Dorfplatz geschaffen mit festem Untergrund, Wasser- und Stromversorgung sowie Abwasserleitungen. Dies alles, obwohl wenige Jahre später das Areal an die Migros verkauft wurde, die hier ein grosses Einkaufszentrum plante. Man war der Meinung, problemlos den Standort Richtung Binzackerstrasse verlegen zu können. Die grosse Wiese um das Grundwasser-Pumpenhaus Binzacker erweist sich aus gewässerschützerischen Gründen als nicht geeignet. Zur diskutierten Verlegung der Chilbi auf Samstag und Sonntag , statt Sonntag + Montag, äussert sich ein Einsender an den ZO : „Wem würde es einfallen, Sechseläuten und Knabenschiessen in Zürich an einem anderen Tag als am Montag abzuhalten?“ Im Dezember lehnt der Gemeinderat ein Begehren von Wetziker Industriefirmen ab, die Chilbi vorzuverlegen. Der Montag soll traditionsgemäss den Einheimischen und Kindern als Chilbimontag vorbehalten bleiben.
1973 Wie lange kann die Chilbi noch im Zentrum abgehalten werden? Das Bauprojekt der Migros auf dem Hirschenplatz hat der Gemeinderat grundsätzlich bewilligt, doch aus Gewässerschutzgründen hebt sie der Kanton wieder auf.
1975 Erstmals findet die Chilbi an drei Tagen statt, die Schausteller freut's vor allem.
1978 Ein glanzvolles Finale auf dem alten Platz. Am Montag, der eigentlichen Wetziker Chilbi, sollte man meinen, Wetzikon hätte bereits 50'000 Einwohner, schreibt Cecile Weber (cw) im ZO.
1979 Die Vorlage des Gemeinderats, südlich des Lendenbaches einen Platz anzulegen (Kosten Fr. 357'000), wird am Urnengang vom 20. Mai mit 2761 Nein gegen 909 Ja verworfen. Am 19./20. August findet die Chilbi erstmals am Stadtrand, auf dem Gelände der Kunsteisbahn statt, zunächst als Provisorium. Die Rapperswilerstrasse allgemein muss gesperrt werden. Die Meinungen sind geteilt, Betrieb hat es wie eh und je. Einheimische vermissen hier das gemütliche „Beizlihocke“, denn Zeltersatz ist keine schattige Gartenwirtschaft, schon gar nicht bei heissen Rummeltagen.
1992 Der Pachtvertrag mit der Druckerei Wetzikon für den sog. oberen Chilbiplatz läuft am 30. September aus. Die Eigentümerin will das Land an die Gemeinde verkaufen. Der Kauf wird vollzogen. Das südlich zwischen Rapperswilerstrasse und Bahnlinie liegende Pachtland gehört der SBB, genutzt als Wagenpark und Parkplatz bei Grossanlässen.
1999 Das Provisorium hat sich bewährt, auch nach 20 Jahren findet hier alljährlich die Wetziker Chilbi statt, immer grösser und auch lärmiger, mehr hektisch als gemütlich. Ein Publikumsmagnet ist die grösste Landchilbi im Kanton allemal.
2001 Die SBB benötigen das von der Gemeinde gepachtete Land zwischen Schöneich- und Schwändistrasse für eigene Zwecke und kündigen den Vertrag. „Endlich ein definitiver Chilbiplatz“ schreibt der ZO Ende Jahr zum geplanten Mehrzweckplatz im Mattacher. Ein öffentlicher Gestaltungsplan gibt Auskunft.
2002 Die Chilbi findet am bisherigen Standort statt, der auf den Sommer angekündigte Baubeginn verzögert sich weiter. Auch das Projekt für einen vorübergehenden Golfübungsplatz bis zum Baustart konnte nicht verwirklicht werden. Heuer grasen wie bisher die Kühe neben den aufgestellten Zelten. Aber am 12. September ist es soweit, Der erste Spatenstich für den neuen „Allmendplatz“ geht über die Bühne. Fläche 30'000 m2, veranschlagte Kosten rund 1,5 Mio. Franken.
2003 Endlich hat die Chilbi ihren definitiven Platz in Unterwetzikon gefunden. Der neue Allmendplatz ist fertig.
2008 Zur Jubiläumschilbi, 30 Jahre in Unterwetzikon, erscheint eine Chronik über die Wetziker Chilbi von Hans Hagmann. Der historische Teil schrieb Beat Frei. Ausserdem findet die diesjährige Veranstaltung ausnahmsweise von Freitag bis Montag statt. (15. bis 18. August)
Standorte der Chilbi
- 1928 - 1957 Konsumwiese und spätere Karrerwiese
- 1958 - 1964 Bünzliwiese (auf der Karte ungenau eingezeichnet, der Festplatz lag weiter östlich)
- 1965 - 1978 Schafwiese
- Ab 1979 Chilbiplatz Unterwetzikon
- 2003 16. August Einweihung neuer Chilbi- und Allmendplatz Mattacker
Literatur
- Grüninger Jahrherft Nr. 25/1989 Chilbi als Herd von unsittsamen Lebenswandel
- Heimatspiegel August 1987
- S'isch Chilbi-Ziit von Max Stopp, 1997 über Chilbi allgemein
- Chilbi Chronik von Hans Hagmann, erschienen am 14. August 2008
Filme
Fotos