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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
XVI. Kapitel
96.
1. So ist es also auch bei uns. Da wir aus der Heiligen Schrift selbst vollkommene Beweise über sie selbst entnehmen, gewinnen wir aus unserem Glauben eine beweiskräftige Überzeugung.
2. Und wenn auch die Anhänger [S. 100] der Irrlehren es wagen, prophetische Schriften zu verwenden, so verwenden sie zuvörderst nicht alle, sodann nicht die vollständigen Schriften und auch nicht so, wie es die Gesamtheit und der innere Zusammenhang der Weissagung verlangt; sie wählen vielmehr nur das aus, was in ihnen mehrdeutig gesagt ist, und bringen es in Beziehung zu ihren eigenen Meinungen, und indem sie da und dort einige wenige Worte herausnehmen, so achten sie nicht auf ihre wirkliche Bedeutung, sondern mißbrauchen den einfachen Wortlaut an und für sich.
3. Denn fast bei allen Schriftstellen, die sie anführen, kann man feststellen, daß sie nur auf die Worte achten, während sie den Sinn verdrehen und weder verstehen, wie die Worte wirklich gemeint sind, noch die ausgewählten Stellen, die sie tatsächlich anführen, in der Bedeutung verwenden, die sie wirklich haben.
4. Die Wahrheit wird aber nicht dadurch gefunden, daß man die Bedeutung verändert (denn auf diese Weise kann man alle wahre Lehre in ihr Gegenteil verkehren) sondern indem man genau überlegt, was dem Herrn und dem allmächtigen Gott vollkommen angemessen und entsprechend ist, und indem man jeden Beweis, den man der Heiligen Schrift entnimmt wieder aus eben der gleichen Schrift bekräftigt.
5. Sie sind daher weder bereit, sich zur Wahrheit zu bekehren, weil sie keine Lust haben, auf ihre angemaßte Selbstliebe zu verzichten, noch sehen sie eine Nötigung, ihre eigenen Meinungen umzugestalten, da sie die Schriftworte vergewaltigen. So haben sie rasch falsche Lehren unter den Menschen verbreitet, wobei sie mit fast allen Heiligen Schriften offenkundig im Widerspruch stehen und immer wieder von uns, die wir ihren Anschauungen entgegentreten, widerlegt werden; sie bringen es aber auch jetzt noch fertig, die einen von den prophetischen Schriften nicht anzuerkennen, bei den anderen in verleumderischer Weise zu behaupten, daß wir selbst, da wir von einer anderen Natur seien,1 nicht imstande seien, sie (die Schriften) zu verstehen, weil sie nur ihnen zugänglich seien. Manchmal verleugnen sie auch, wenn sie des Irrtums überführt sind, ihre eigenen Lehrsätze, weil sie sich schämen, offen das zu bekennen, was sie lehren und womit sie sich, wenn sie unter sich sind, brüsten.
1: Vgl. z.B. Strom. II 10,2; V 3,2.