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Ich beginne mein Sightseeing früh, als die Stadt noch schläft, nämlich um acht Uhr. Die Kirchen sind bereits offen. Ich beginne mit der Chiesa Ssa. Annunziata, die quadratische Säulen und romanische Rundbögen aufweist. Dann laufe ich zum Anfiteatro. Das archäologische Museum hat soeben geöffnet, so dass ich es besuchen kann. Es gibt eine reiche, aber auch reichlich ungeordnete Sammlung von Objekten. Viel etruskische Kunst. Ich lerne, dass die Etrusker von rechts nach links schrieben und dazu seitenverkehrte Buchstaben verwendeten, die als Vorläufer der römischen Schrift gelten. Viele Graburnen sind inskribiert. Es gibt eine Unzahl kleiner Votivbronzen. In der römischen Sektion hat es Köpfe von Statuen, Grabsteine, eine Mühle, ein Teil eines Marmoraltars und grosskalibrige Bleiröhren als Wasserleitungen. Eigenartige etruskische kanoptische Krüge gibt es, in deren Henkel kleine Arme stecken. Bei der Keramik sind die etruskischen Keramiken, soweit sie nicht von Griechenland importiert waren, kaum von den griechischen zu unterschreiden. Besonders aufgefallen ist mir ein römisches chrysografisches Medaillon (3. Jhdt) und die vielen römischen Bronzesiegel, die ersten Fabrikmarken der Welt. Was genau die Graffioni (Bronzekrallen) bezweckten weiss man bis heute nicht, es gibt lediglich Hypothesen. Das Gamurrini-Archiv ist eine herrlich verstaubte Angelegenheit von Kärtchen, die sich der Forscher angelegt hat. Berühmt ist offenbar der etruskische Krater des Euphronios. Natürlich darf eine Kopie der Chimera von Arezzo (4. Jhdt v. Chr.) nicht fehlen. Vom Amphitheater ist praktisch nichts mehr übriggeblieben, ausser ein paar Ruinen, denn über dem besser erhaltenen Teil wurde das heutige Museum gebaut. Allerdings steht die Tür zum Untergrund offen und da zeigt sich, dass die Gewölbe unter dem Museum noch fast vollständig erhalten sind. Ich besuche nun die Chiesa di Sant’Agostino, ebenfalls mit quadratischen Säulen und romanischen Bögen, offenbar barock ausgebaut. An der Piazza San Gimignano stehen noch zwei Türme, einst wichtige Vorposten. Ich laufe zur Piazza Grande und besuche den Palazzo dell Fraternita dei Laici. Eindrücklich ist das grosse Fresko der Madonna della Misericordia, das nach der Restauration fast wie von innen leuchtet. Die Kunstgalerie ist kaum der Rede wert, mit Ausnahme eines grossen Bildes des mittelalterlichen Arezzo, damals noch ein verstreutes Dorf. Die astronomische Uhr an der Fassade wird von einer Turmuhr von Felice de Fossato (1552) angetrieben, welche immer noch funktioniert. Vom Balkon aus hat mann einen schönen Blick auf Arezzo. Im Palazzo nebenan, der der gleichen Bruderschaft gehört, werden Kostüme für Reiterspiele ausgestellt. Die Ausstellung heisst „90 anni sulla Lizza, esposizione storica sulla giostra del saracino 1931-2021“. Nun besuche ich die Chiesa di Santa Maria delle Pieve. Die Kirche zeigt leichte Ansätze von Gotik. Der Altar ist ein Brettaltar mit Goldauflagen. Unter dem Altar gibt es eine grosse Krypta. Eine kleine Orgel steht bei einem Pfeiler, sie kann noch im Handbetrieb betrieben werden. Im Palazzo Pretorio ist die Bibliothek untergebracht, doch im Moment ist er nicht offen. Auch der Palazzo dei Priori ist heute geschlossen. Ich besuche nun die Cattedrale (den Duomo). Dieser ist gotisch, es gibt eine offensichtlich neuere Nebenkapelle, die Madonna del conforto Kapelle, mit einem Kuppeldach. Ein keramisches Relief zeigt betende Ordensbrüder mit Spitzhauben wie der Ku-Klux-Klan sie benutzt. Ich besuche noch das etwas heroische Monumento a Ferdinando III di Lorena. In einem Restaurant esse ich – typisches Touristenmenü, sehr teuer und möglichst wenig servieren. Immerhin habe ich nun die Kutteln von Arezzo probiert. Ich besuche nun noch Basilica di San Domenico, eine echte Basilika mit flacher Decke. An der Wand zwei fantastische Fresken mit frisch wirkenden Farben. Die Fortezza Medicea ist leider wegen Renovationsarbeiten geschlossen, wie mir ein Angestellter sagt. Ich besuche noch die Chiesa di Santa Maria in Gradi. Auch diese eine Basilika mit romanischen Bögen. Auch hier wieder ein keramisches Relief. Die Krypta geht hier vom Seitenschiff ab. Ich kehre ins Hostel zurück, lese ein wenig und gehe dann nochmals ins Stadtzentrum und besuche erst die Bibliothek, wo man mich gleich wieder herauswirft. Sie sei zwar öffentlich, aber nicht für Touristen. Dann sollten sie wohl das Schild am Eingang mal ändern. So besuche ich Museo dei mezzi di communicazione, eine hochtrabende Bezeichnung für eine reichlich ungeordnete Sammlung von alten Technikobjekten. Es hat Phonographen, davon besonders interessant ein Plattenwechsler mit Aufzugswerk und Trichter. Auch interessant ist ein Telegraphen-Spielset für Kinder mit zwei richtig funktionierenden Telegrafenstationen und Draht zur Verbindung. Dann hat es alte Telefone, Magnetaufzeichnungsmaschinen (MAZ) des Fernsehens, Filmkameras, Projektoren, Rechenmaschinen, alte Personal Computer und alte Radios und Fernseher. Besonders skurril der Wundersam-Fernseher, der in einen Globus eingebaut war und aufgeklappt werden konnte. Schliesslich besuche ich noch die recht schmucklose Chiesa San Bernardo, welche ebenfalls eine Basilika-Decke hat.