Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03401.jsonl.gz/2350

Du möchtest, dass dein zukünftiges Kind die amerikanische, die mexikanische oder doch lieber die brasilianische Staatsbürgerschaft erwirbt? Dann solltest du dich mit den lateinischen Begriffen ius soli und ius sanguinis auseinandersetzen, um die zwei Elemente der Reproduktion einer Nation zu verstehen.
Begriffserklärungen
ius soli
Die Übersetzung von ius soli ins Deutsche entspricht ungefähr dem Ausdruck Recht des Bodens. Nach diesem Prinzip sind alle Säuglinge, die innerhalb der Grenzen eines bestimmten Staates geboren werden, automatisch Teil dieser Nation. Damit haben sie das Recht auf die Staatsangehörigkeit in ihrem Geburtsland, unabhängig von der Nation ihrer Eltern.
ius sanguinis
Überträgt man den Begriff ius sanguinis in die deutsche Sprache bedeutet er in etwa gleich viel wie Recht des Blutes. Bei diesem Grundsatz geht es um die Abstammung des Neugeborenen vom Blut seiner Eltern. Auf diese Weise erhält das Kind die Staatsangehörigkeit seiner Eltern, unabhängig davon, wo es geboren wurde. Zudem betreiben einige Nationen auch Mischformen zwischen ius sanguinis und ius soli.
Staatsbürgerschaft
Die Staatbürgerschaft gilt als kleinste Einheit des Staates und gewährt gewisse Rechte und Pflichten, darunter die Schutz- und Abwehrrechte, sowie konsularischer Schutz oder auch das Teilhaberecht am Staatsleben. Pflichten, die sich daraus ergeben können, sind zum Beispiel die Wehrpflicht oder die Wahlpflicht. Die Angehörigkeit zu einem Staat wird in einem amtlichen Dokument, meist dem Reisepass dokumentiert. Jeder Staat regelt den Erwerb, sowie den Verlust der Staatsbürgerschaf und die damit verbunden Rechte und Pflichten in eignen Gesetzten, meist nach dem Prinzip ius sanguninus oder ius solis.
Ehrenstaatsbürgerschaft
Die Staatsbürgerschaft gilt es nicht mit der Ehrenstaatsbürgerschaft zu verwechseln. Die Ehrenstaatsbürgerschaft ist eine Staatsbürgerschaft, die als Auszeichnung für eine hervorragende Leistung verliehen wird. Es werden dabei Personen ausgezeichnet, die besondere Leistungen für den Staat erbracht haben. In vielen Staaten ist die Ehrenstaatsbürgerschaft nur symbolisch und nicht an Privilegien, Rechte und Pflichten geknüpft.
Wo und wieso?
Länderliste
Diverse Länder, vor allem solche in Nord- und Südamerika, funktionieren heute noch nach dem Prinzip ius soli. Doch zahlreiche Staaten, wie beispielsweise Frankreich oder Australien haben das Recht des Bodens stark eingeschränkt, sodass ein Baby durch Geburt in einem solchen Land nicht zwangsläufig mit einer dortigen Staatsbürgerschaft rechnen kann. Deshalb ist es wichtig auf dem Laufenden zu bleiben und sich zu informieren in welchen Staat welches Recht derzeit gilt.
Einige aktuelle Beispiele für ius soli Staaten:
- Südamerika: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay, Peru, Venezuela, Ecuador,Guyana, Uruguay
- Mittelamerika: Belize, Costa Rica, Panama, Mexiko, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua
- Nordamerika: Kanada, USA
- Karibik: Dominica, Jamaika, Grenada, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Trinidad und Tobago
- Ozeanien: Fidschi, Tuvalu
- Südasien: Pakistan
Quelle: (https://goodbyematrix.com/)
Vorteile
- Möglickeit der Doppelbürgerschaft
- grössere Reisefreiheit
- medizinische Versorgung (teilweise günstiger)
- Flucht vor der Steuerpflicht der USA
- Zweites Heimatland (wenn beispielsweise im jetztigen Heimatsland Krieg herrscht)
- Entkommen vor Bevölkerungsregulierung ( zum Beispiel: Chinas Ein-Kind-Politik)
Kritik
Nachteile
Wenn ein Staat die Doppelbürgerschaft aberkennt, kann es vorkommen, dass ein Bürger von zwei Staaten staatenlos wird. Staatenlose Menschen besitzen keine Staatsangehörigkeit, dass heisst sie werden von keinem Staat auf der Welt als Bürger*in anerkannt. Folglich können sie fundamentale Rechte nur erschwert oder im schlimmsten Fall gar nicht wahrnehmen. Individuen ohne jegliche Staatsangehörigkeit verlieren ihre Identität und existieren offiziell nicht mehr. Die Folgen für Staatenlose sind fatal, sie sind schutzlos und können alltägliche Dinge, wie zum Beispiel ein Bankkonto eröffnen oder wählen gehen nicht mehr verrichten. Sind die Eltern staatenlos, sind es auch die Kinder, wenn sie in einem Land geboren werden, wo das Prinzip nach der Blutsverwandtschaft ius sanguinis geregelt ist.
Geburtstourismus
Der Geburtstourismus boomt vor allem in den USA, trotz Steuerpflicht, denn zahlreiche Firmen im Ausland werben für die US – Staatsbürgerschaft. Dadurch hat sich eine «Geburtstourismus – Industrie» entwickelt, die kriminellen Elemente aufweist. So mussten beispielsweise für die Dienste der Firmen bis zu 100’ 000 Dollar bezahlt werden. Der aktuelle amerikanische Präsident Donald Trump geht radikal gegen den Geburtstourismus vor, indem er schwangeren Frauen, die in die USA einreisen wollen, um dort ein Kind zu gebären, ein Besuchervisum strikt verwehren möchte.