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Zum ersten Mal seit sechs Jahren wird China möglicherweise ein monatliches Handelsdefizit bekannt geben. Die offiziellen März-Zahlen werden zwar erst am 10. April gemeldet, die Regierung in Peking will aber durch die vorgezogene Veröffentlichung der Daten zur Handelsbilanz ihre Position im Streit um die chinesische Währungspolitik stärken.
Die Koppelung des Yuan an den Dollar wurde stark kritisiert, da sie in den Augen der USA und anderer Nationen Chinas Exportwirtschaft einen Wettbewerbsvorteil verschafft, indem sie chinesische Güter im Ausland künstlich verbilligt. Chinesische Offizielle kontern, die Handelsbilanz habe sich im vergangenen Jahr drastisch verschlechtert. Nur dank umfangreicher staatlicher Anreize habe man weiterhin importieren und damit die Weltwirtschaft unterstützen können.
Das chinesische Wachstum sei im vergangenen Jahr «hauptsächlich auf die Nachfrage aus dem Inland zurückzuführen», sagte Premierminister Wen Jiabao kürzlich bei einem Treffen mit ausländischen Unternehmensvertretern. Daher habe sich der Handelsüberschuss reduziert. Im ersten März-Drittel sei China auf ein Defizit von rund 8 Mrd Dollar gekommen. «Ehrlich gesagt bin ich über diese Entwicklung sehr erfreut», erklärte Wen.
Zuvor hatte der chinesische Handelsminister Chen Deming bei einer Konferenz erklärt, er rechne mit einem Handelsdefizit für März. Die starke Zunahme der chinesischen Importe sei gut für die ausländischen Unternehmen, sagte Chen. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres seien die Importe aus den USA um 37%, aus Europa um 35% und aus Japan um 48% gestiegen. In diesem Zeitraum sei der chinesische Handelsbilanzüberschuss im Vergleich zum Vorjahr schon um 50% gesunken, fügte Chen hinzu.
Auswirkung auf den Aufschwung
Sollte es im März tatsächlich zum erwarteten Handelsdefizit und nicht nur zu einem gesunkenen Exportüberschuss kommen, würde das Chinas Argumentation mehr Gewicht verleihen, dass sich die Weltwirtschaft auch ohne Aufwertung des Yuan erholt. Chinas Handelsüberschüsse legten bisher im anhaltenden Wirtschaftsabschwung nahe, dass das Reich der Mitte sein eigenes Wachstum durch Exporte ankurbelt. Die Wachstumsraten der Volkswirtschaft heben sich deutlich von denen im Rest der Welt ab.
Politisch wäre ein Defizit für Peking deshalb ein willkommenes Zeichen, dass andere Nationen ihre Wirtschaft im Gegenzug durch Exporte stärken, die nach China fliessen. «Ein Handelsbilanzdefizit, sollte es denn eintreten, wäre positiv zu sehen und würde den internationalen politischen Druck auf China reduzieren», schrieb Barclays Capital in einer Mitteilung.
Nachdem Wens Worte am selben Tag in den staatlichen Medien verbreitet worden waren, preisten Offshore-Währungsmärkte eine unwesentlich geringere künftige Aufwertung des Yuan mit ein. Die wenigsten Ökonomen rechnen jedoch mit einem anhaltenden Handelsbilanzdefizit in China. Vielmehr erwarten sie für das Gesamtjahr einen hohen Überschuss in der Handelsbilanz. Die Weltbank geht davon aus, dass Chinas Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf 304 Mrd Dollar steigen wird. Im Jahr 2009 war er nach einem Rekordhoch 2008 bei 426,1 Mrd auf 284,1 Mrd Dollar gefallen.
US-Senatoren fordern Strafzölle
In den USA drängt die Legislative die Obama-Regierung, auf Chinas Währungspolitik Einfluss zu nehmen. Für den 15. April hat das US-Finanzministerium die Veröffentlichung des Halbjahresberichts zur globalen Währungspolitik angesetzt, in dem der sogenannte Dollar-Peg Chinas als Währungsmanipulator gebrandmarkt wird. Einige Senatoren erwägen auch Strafzölle auf chinesische Güter, falls Peking seine Haltung nicht ändere.
Doch die chinesische Innenpolitik macht es Wen nicht leicht, den Yuan zu entkoppeln. Die Exportwirtschaft ist ein grosser Arbeitgeber und geniesst im chinesischen Handelsministerium hohes Ansehen. Eine Aufwertung des Yuan ist dort dementsprechend unbeliebt. «Wir hoffen, unsere Regierung hält dem Druck stand und es gelingt ihr, den Wechselkurs zu stabilisieren», sagt zum Beispiel Bai Ming, Deputy General Manager von Zhejian Mnigeng Car Accessories, einem Hersteller von Autositzen und Sitzbezügen.