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Geld ist auch weiblich
Popmusik erfüllt den Jakobshof in Sissach, und Donna Summers Stimme hallt an den hohen Wänden wider. «She works hard for the money», singt sie. «So hard for it, honey. So you better treat her right.»
Jacqueline Schneeberger lässt den Refrain zweimal laufen, dann stellt sie die Musik ab. «Ich war ein Teenager, als dieses Lied populär wurde», sagt sie zum Publikum. «Und ich kann mich sehr gut an das Musikvideo erinnern: Darin geht es um eine Frau, die drei verschiedene Jobs hat, sich zu Hause um die Kinder kümmert und abends im Bett ihrem Traum nachtrauert, Ballerina zu werden. Damals sagte ich mir: ‹Ich werde das eines Tages anders machen.›»
Heute arbeitet Schneeberger für die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) und berät Frauen in Finanzfragen. «Jede von Ihnen steht woanders, aber wir alle haben das gleiche Ziel», sagt Schneeberger, «nämlich den dritten Lebensabschnitt so zu geniessen, wie wir es uns vorstellen.»
Warum Frauen weniger Geld haben
Im Durchschnitt sind die Altersleistungen bei Frauen zirka einen Drittel tiefer als bei den Männern. Das hat viele Gründe. Etwa durften Frauen bis 1976 ohne die Einwilligung eines Mannes kein Bankkonto eröffnen. Dass das Thema Geld Männersache ist, war also bis vor 50 Jahren normal.
Dazu kommt auch die Aufgabenteilung zu Hause. Weil Frauen immer noch öfter die Care-Arbeit übernehmen, arbeiten sie zwar nicht weniger, haben aber weniger Lohn als die Männer. «Wenn ein Mann diese Rolle übernimmt», sagt Schneeberger, «dann sieht es bei ihm ähnlich aus. Das Problem ist nicht zwingend geschlechtsspezifisch, aber statistisch gesehen kriegen Männer am Ende ihres Arbeitslebens mehr Geld aus der ersten und der zweiten Säule.»
Jacqueline Schneeberger kritisiert die gewählten Lebensmodelle der Frauen nicht. Manche wollen gerne zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern. Andere haben vielleicht keine Wahl. Aber: Das Geld, das der Mann nach Hause bringt, muss in verschiedene Töpfe gehen, damit die Frau die Chance zum Sparen hat. «Im Trennungsfall ist die Frau sonst eine arme Maus und ist vollständig auf die Gunst des Mannes angewiesen. Das darf nicht sein.»
Für Vorsorge ist es nie zu spät
Dabei ist es nie zu spät, sich um die Vorsorge zu kümmern. «Auch wenn man schon pensioniert ist, hat man immer noch einen Anlagehorizont von 20 Jahren», sagt Schneeberger. Ausserdem könne man sich auch mit über 65 in einer Partnerschaft gegenseitig testamentarisch absichern. «Und selbst wer gewisse Dinge nicht mehr ändern kann», so Schneeberger, «kann immer noch Wissen weitergeben. Anstatt dem Enkelkind eine teure Handtasche zu kaufen, helfen Sie ihm lieber dabei, die dritte Säule zu füllen.»
Unabhängigkeit – im Geld und in der Liebe
Finanzielle Unabhängigkeit wirke sich positiv auf die Beziehung zum Partner aus. «Ich bin seit fast 30 Jahren mit meinem Mann zusammen», sagt Schneeberger. «Und zwar nicht, weil ich finanziell von ihm abhängig bin, sondern weil ich ihn liebe. In einer Abhängigkeit ist die Frau gezwungen zu bleiben – ich könnte es mir leisten, ohne ihn zu leben.» Schneeberger lacht. «Er weiss, dass er sich Mühe geben muss – und ich mir auch!»
Sparen sei wie abzunehmen, betont Schneeberger. Nur in kleinen Schritten komme man zum Ziel. Anstatt jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit einen Latte Macchiato zu kaufen, sei es vielleicht besser, das nur an drei Tagen zu tun und das gesparte Geld in die dritte Säule zu investieren. Ganz auf den Kaffee zu verzichten, findet Schneeberger aber keine gute Idee. «Es gibt auch ein Leben vor dem Tod», sagt sie. «Das sollten wir geniessen.»
10 Finanztipps von Jacqueline Schneeberger
Lassen Sie sich beraten. Sich mit der eigenen finanziellen Situation auseinanderzusetzen, kann überfordernd sein. Finanzberater:innen der Bank sind da, um zu helfen.
Setzen Sie sich Zwischenziele. Wie viel möchten Sie bis Ende Jahr gespart haben? Ob 500 oder 5000 Franken, machen Sie einen Plan und halten Sie sich daran.
Verzichten Sie einmal pro Woche auf einen kleinen Luxus. Statt jeden Morgen am Bahnhof einen Latte Macchiato zu kaufen, bringen Sie sich an einem Tag den Kaffee von zu Hause mit.. Die fünf Franken, die Sie sparen, zahlen Sie in die Dritte Säule ein.
Machen Sie sich ein optisches Bild von Ihren Wünschen. Wenn Sie wissen, dass Sie für etwas Schönes sparen, fällt es Ihnen leichter, Geld zurückzulegen. Dazu gehört auch die Frage: Wie stelle ich mir das Leben nach der Pensionierung vor?
Trauen Sie sich! Geld anlegen ist mit Risiken verbunden, aber langfristig kann es sich lohnen, in Aktien oder Fonds zu investieren. Auch hier gilt: Lassen Sie sich bei Unsicherheiten beraten.
Legen Sie auch in Partnerschaften separate Konten an. Auch wer die Arbeit zu Hause übernimmt, braucht ein Bankkonto, auf das der verdienende Teil einen Betrag einzahlt. Vorsorge bedeutet nicht nur für das Alter vorzusorgen, sondern auch für den Fall einer Trennung.
Sichern Sie sich vertraglich und testamentarisch ab. Verträge schliesst man, solange man sich versteht. Stellen Sie sicher, dass Sie auch bei Trennung, Todesfall oder anderen Schicksalsschlägen nicht auf die Gunst einer anderen Person angewiesen sind.
Zahlen Sie in die dritte Säule ein und sparen Sie Steuern. Die Beträge, die in die dritte Säule einbezahlt werden, können von den Steuern abgesetzt werden. Schon kleine Beträge können sich lohnen.
In die Zukunft investieren. Statt dem Enkelkind eine teure Handtasche zu kaufen, sollte man ihm lieber die dritte Säule auffüllen oder einen Fondssparplan einrichten.
Es gibt ein Leben vor der Pensionierung – geniessen Sie es! Gönnen Sie sich trotz Sparen zwischendurch den Latte Macchiato und fahren Sie in die Ferien.