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Der Duden hat seit der Rechtschreibereform keinerlei amtliche Funktion mehr; er «darf» also alles. Er erhebt aber den Anspruch, den allgemeinen Sprachgebrauch wiederzugeben.
Aus presse und internet
21. 1. 2021
15. 1. 2021
In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Duden-Redaktion die Definition männlicher Begriffe neu festgeschrieben hat. […] Darf der Duden das einfach? Sabine Krome, Geschäftsführerin des Rats für deutsche Rechtschreibung, klärt auf. [… Krome:] Man sieht daran, dass das „Duden-Monopol“ – also „verbindlich in Zweifelsfällen zu sein“ – nachwirkt, und zwar über den orthografischen Bereich hinaus. Die im Rahmen der Gender-Thematik häufig vorgenommene Bewertung des generischen Maskulinums ist eigentlich keine Rechtschreibfrage, sondern eine grammatische und sprachpolitische. Hier vermischen sich unterschiedliche Ebenen. In den deutschsprachigen Ländern ist nur die Orthografie amtlich und damit für einige Bereiche – Schulen und Behörden – rechtlich verbindlich, die Grammatik etwa folgt ebenfalls verschiedenen Regeln und Konventionen, sie ist aber nicht amtlich festgelegt. Für den Rat für deutsche Rechtschreibung wird die Frage erst dann zum Problem, wenn orthografische Regeln durchbrochen werden […]. Das aktuelle Papier zur geschlechtergerechten Schreibung ist gerade fertig geworden. Es muss jetzt noch von Mitgliedern des Gesamtrats, der am 26. März erneut tagt, gebilligt werden. […] Es handelt sich dabei um Empfehlungen des Rats, nicht aber um orthografische Änderungen des Regelwerks. Diese müssen jeweils erst von den staatlichen Stellen aller im Rat vertretenen Länder beschlossen werden.
12. 1. 2021
Vor genau 150 Jahren wurde das Deutsche Reich gegründet. […] Weil die staatlich geeinigten Deutschen in vielerlei Mundarten redeten, herrschte auch in der Rechtschreibung blankes Durcheinander. Deshalb begann Konrad Duden […] 1871 damit, ein Wörterbuch zu schaffen. […] Weil sich der Duden nun – nach 140 Jahren – identitären Obsessionen relativ kleiner Gruppen unterwirft, büßt er jede Verbindlichkeit ein – er schafft sich selber ab. Ich gehe jedenfalls weiterhin zum Bäcker – nicht zum Backshop, zur Backenden oder zur Bäcker*in.
Einen schlechten Ruf hatte die Kultusministerkonferenz schon immer. […] Die Liste der Themen, bei denen der Einrichtung wahlweise Untätigkeit, Inkompetenz oder Eigenbrödlerei der Länder vorgehalten wird, ist lang. Seien es Lehrkräftemangel, vergleichbare Noten, Schulabschlüsse und Schulformen, Digitalisierung, aufeinander abgestimmte Ferientermine oder, wenn man weiter zurückgehen will, die lange erbittert umkämpfte Rechtschreibreform, die ebenfalls von den Kultusministern ausging und umgesetzt wurde.
6. 1. 2021
[…] ein gewisser Sprachelitismus, dem wiederum eine Fehlkonzeption von Sprache zugrundeliegt, die eng mit der Vorstellung zusammenhängt, dass Sprache statisch sei: nämlich die Idee, dass es ganz klar richtige und falsche Formen gibt. Auch hier sind wir teilweise durch den Schulunterricht vorgeprägt: Wir denken über Sprache im Sinne von Normen nach. Wir fragen uns, was das standardsprachlich Richtige ist. Und tatsächlich gibt es ja auch Normen, die teilweise verbindlich sind – sowohl in der Schule als auch in Behörden müssen wir uns weitgehend an verbindliche Regelwerke halten. Das gilt vor allem für die Schriftsprache, wo es amtliche Rechtschreibregeln gibt. Auch diese gelten aber natürlich nur in offiziellen Kontexten – wenn eine Privatperson beschließt, von nun an nur noch klein zu schreiben, dann kann sie das tun, und wenn ein privatwirtschaftliches Unternehmen beschließt, ab sofort sein eigenes Regelwerk einzuführen, weil es die amtlichen Rechtschreibregeln für doof hält, hindert es auch niemand daran.
«… sowohl in der Schule als auch in Behörden müssen wir …» Wir? Für eine grosse mehrheit der bevölkerung gilt bezüglich der schule «mussten», und nur eine kleine minderheit arbeitet bei einer behörde. Für letztere ist auch nicht die behörde entscheidend, sondern der (ebenso freiwillige wie weit verbreitete) status als angestellter. Dass sich die behörden hinwiederum an die schulrechtschreibung halten, ist verständlich, aber nicht zwingend, wie Bismarck und mehrere schweizer gemeinden gezeigt haben.