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Am 4. September 1856 stiessen im Neandertal Arbeiter in einem Kalkabbaugebiet auf menschliche Knochen. Beinahe wäre dieser Fund verloren gegangen, hätte da nicht ein Forscher, Dr. Fuhlrott von Elberfeld diesen Fund gesichert und untersucht.
Vor diesem Tage ahnten die Menschen noch nichts von der Existenz eines früheren Vetters, dem Neandertaler, der einst eine Zeit lang neben ihren eigenen Ahnen gelebt hatte.
Was unterschied den Neandertaler
vom modernen Menschen?
Der Neandertaler entwickelte sich in Europa und Eurasien, der anatomisch moderne Mensch entwickelte sich in Afrika. Es gab eine Menge kleiner Details, die den Neandertaler vom zierlicheren modernen Menschen unterschied. Forscher rekonstruierten im Jahre 2005, aus den Funden eines Neandertalers seine ganze Anatomie wieder.
Die Anatomie des Neandertaler
im Vergleich zum modernen Menschen
Der Neandertaler hatte einen grösseren und längeren Schädel mit ausgeprägter, fliehender Stirn. Seine Nase war länger und breiter, welche die Aufgabe hatte, die eisige Luft erst vorzuwärmen, bevor sie in die Lungen gelangte. Seine Schneidezähne waren grösser als die des anatomisch modernen Menschen.
Seine Schultern waren breiter und er hatte ein längeres Schlüsselbein. Auch sein Brustkorb war ausgeprägter, viel grösser und breiter, als beim heute lebenden Menschen.
Seine Hüften waren breiter und sein Schambein länger. Die Arm-, und Beinknochen waren viel massiver. Was bei ihm ganz auffallend war, die grossen Gelenke. Vielleicht war der Neandertaler sogar viel schneller, als der moderne Mensch, denn er hatte auch massivere Sprungelenke, breitere und kräftigere Zehen. Zum guten Schluss, wenn man bedenkt, dass ein Neandertaler im Schnitt viermal stärker war, als der heute lebende Mensch, wundert es nicht, dass seine Handrücken länger und die Finger robuster waren, mit breiten Fingerkuppen versehen.
Gestützt auf: Die Neandertaler von Friedemann Schrenk und Stephanie Müller
Beck’sche Reihe ISBN: 3 406 50873 I
Wie lebten die Neandertaler?
Ursprünglich hielt man die Neandertaler überwiegend für Höhlenbewohner. Tatsächlich aber hielten sie sich vermehrt auf ihren Wanderungen in Zelten auf, oder sie bewohnten Hütten aus Tierhäuten und Mammutknochen, die immer wieder neu aufgesucht wurden.
Man kann das Wanderverhalten der neandertalischen Sippen durchaus mit den heute noch lebenden Stämmen der Buschmannsvölker in der Kalahari vergleichen. Die Neandertaler hatten zwar ihre fixen Routen, blieben aber nie sehr lange an demselben Ort. Gerade so lange, bis die Nahrungsressourcen erschöpft waren und/oder die Tierherden weiter zogen.
Die kurze Kindheit des Neandertalers
Obwohl ein Neandertaler ein grösseres Hirnvolumen aufwies, als der heute lebende Mensch, war er schneller ausgewachsen. Der Grund warum der Mensch eine so lange Kindheit durchläuft, wird auf die Entwicklung des Gehirns zurückgeführt.
Ein Neandertaler war mit 15 bis 16 Jahren schon voll ausgewachsen. In diesem Alter steckt der moderne Mensch mitten in der Pubertät. Französische und spanische Forscher haben nun entdeckt, dass das Wachstum eines Neandertalers im Schnitt 15 Prozent schneller seinen Lauf nahm, als beim modernen Menschen.
Der spanische Forscher Fernando Ramirez Rozzi begründete diese Entwicklung sehr einleuchtend:” Wenn eine Spezies eine hohe Sterblichkeitsrate aufweist, hat sie zwei Möglichkeiten. Die eine ist, eine kurze Wachstumsphase. Die andere wäre viele Nachkommen hervorzubringen.”
Quelle: BBC News http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/3663865.stm
Der Neandertaler in Kroatien
Eines der wichtigsten Orte für die Erforschung der Neandertaler, ist Zagreb. In der Krapina-Höhle, rund 80 Kilometer von Zagreb entfernt, wurden die Überreste von etwa 70 Individuen, darunter Erwachsene, Kinder und Säuglinge gefunden, die dort vor ungefähr 130’000 bis 90’000 Jahren gelebt haben. Insgesamt wurden über 850 fossile Knochenteile im Jahre 1899 gefunden.
Was sich dort zugetragen hat, dass die Dichte der Knochenfunde dort so hoch ist, bleibt bis heute umstritten. Ganz gruselig erscheint die Tatsache, dass die Knochen nach dem Tode der Neandertaler später noch “bearbeitet”, sprich beritzt wurden.
Zuvor dachten Manche an Kannibalismus. Später wandelte sich dieses Bild allmählich. Manche Forscher vermuten dahinter einen symbolisch rituellen Akt der trauernden Hinterbliebenen.
Quellen: Die Neandertaler von Friedemann Schrenk und Stephanie Müller
Beck’sche Reihe ISBN: 3 406 50873 I
und National Geographic: Interview mit Jakov Radovcic
Paläontologe am Kroatischen Naturhistorischen Museum
Brauchten Neandertaler mehr Nahrung
als die modernen Menschen?
Muskeln verbrauchen viel Energie. Dazu kommt, dass die Neandertaler ein grösseres Hirnvolumen hatten, als die heutigen Menschen. Wie schon erwähnt, verbraucht unser Denkmotor da oben ganze 20 Prozent der Energie. Bei den Neandertalern kam noch diese enorme Muskelmasse dazu.
Es könnte also möglich gewesen sein, dass Neandertaler ein Vielfaches an Kalorien verbraucht haben könnten. Sie könnten also stärker auf regelmässige Nahrung angewiesen gewesen sein und wären folglich bei Nahrungsmangel schneller zugrunde gegangen, als ihre Vettern, die Homo sapiens sapiens bei gleichen Verhältnissen. Vielleicht waren die Neandertaler trotz ihrer Robustheit viel empfindlicher, als die modernen Menschen.
Neandertaler und moderne Menschen haben sich vermischt
Der Direktor des Neanderthal-Museums Gerd-C. Weniger und der portugiesische Wissenschaftler Prof. Dr. Joao Zilhao erklären die Möglichkeit der Vermischung beider Arten sehr plausibel:
Gerd-C. Weniger: “ Mindestens 10.000 Jahre lang wanderten, wohnten, jagten und sammelten sie in der gleichen Lebenswelt. Das ist eine Zeitspanne, die, von heute an gerechnet, weiter zurückreicht als bis zum Bau der Pyramiden. Natürlich sind sie einander begegnet.
Gerd-C. Weniger: “Aber nicht alle Clans überlebten das Kältemaximum vor 65000 Jahren. Biologen lesen aus dem Erbgut jüngerer Neandertaler ab, dass die Population durch einen genetischen Flaschenhals ging: Die Menschen, die sich in der folgenden Warmzeit wieder nach Norden ausbreiteten, zeigen geringe genetische Unterschiede. Das besagt, dass sie alle Nachfolger weniger Gruppen waren. Aber noch einmal hatten sie überlebt. Dann setzte vor 35 000 Jahren die nächste extreme Kältewelle ein, und die Neandertaler zogen sich wieder nach Süden zurück – im Westen bis nach Zaffaraya in Südspanien, im Osten bis ans Schwarze Meer.
Immer öfter begegneten sie dabei dem modernen Menschen, der, aus Afrika kommend, in klimatisch begünstigten Flusstälern nach Europa einsickerte. Zum Beispiel die Donau entlang. Zu einem Kampf ums Wild muss es dennoch nicht gekommen sein, meint Gerd-C.Weniger, weil die Zahl der Menschen gering war. «Jäger und Sammler brauchen Kontakte und Informationen. Kooperation funktioniert besser als Konkurrenz, und Austausch hilft jedem.»
Joao Zilhao: “Trotzdem war am Ende dieser Periode der Neandertaler verschwunden. Der moderne Mensch hat ihn «genetisch aufgesaugt. Der Zuwanderer (Homo sapiens sapiens) aus dem Süden hatte nämlich nicht nur die bessere Technologie und ein engeres soziales Netz, wie man heute vermutet. Entscheidend könnte gewesen sein, dass er länger lebte und mehr Kinder hatte. Statistische Bevölkerungsmodelle zeigen, dass schon Unterschiede von wenigen Prozent ausreichen, um in wenigen tausend Jahren eine Menschengruppe völlig in einer anderen untergehen zu lassen.
“Swamping” nennt der Anthropologe Fred Smith aus Chicago diesen Effekt: Die Gene des Neandertalers seien in unserem Erbgut einfach „versumpft“.
Quelle: National Geographic – The Neanderthal Tools
Ist der Neandertaler wirklich ausgestorben?
Ein Bericht von Jürgen Nakott
Funde der Neandertaler
La Ferrassie 1 / La Ferrassie 2
1909 stießen Denis Peyrony und Louis Capitan in La Ferrassie auf zwei 50’000 Jahre alte Skelette, die später als die “klassischen Neandertaler” interpretiert wurden. Die Zähne des Mannes (La Ferrassie 1) waren sehr stark abgenutzt, was mitunter ein Hinweis darauf ist, dass diese Menschen ihre Zähne stark als Werkzeug nutzten. Man stellte fest, dass diese Zahnabnutzungen mit jenen der heute lebenden Polarvölkern vergleichbar sind, die mitunter auch vom Kauen grobfaseriger Nahrung hervorgerufen werden. Auch die Inuit benutzen ihre Zähne als effizientes Werkzeug, sozusagen als dritte Hand, womit sie alles Mögliche festhalten, um effektiver Arbeiten zu können. Bei La Ferrassie 2 handelt es sich um ein Skelett einer Frau. Die beiden Erwachsenen wurden Kopf an Kopf beigesetzt. In der Höhle fand man auch die Überreste von fünf Kindern, vom Ungeborenen bis zum Zehnjährigen. All diese Funde waren die Ersten, welche damals deutlich aufzeigten, dass die Neandertaler ihre Toten bestatteten.
Gibraltar 1
– oder die vergessene Neandertalerin.
1848 wurde in Forbes’ Quarry, in Gibraltar (Südspanien), einer der ersten Schädel eines erwachsenen Neandertalers entdeckt. Gefunden wurde er von Captain Brome, einem Amateur-Fossiliensammler. Zu dieser Zeit erkannte niemand, dass es sich dabei um den Schädel eines Neandertalers handelte. Erst 1856 wurde ein anderer Fund im Neandertal durch Dr. Fuhltrott als eine neue Gattung erkannt und nach ihrem Fundort benannt, Neandertaler. Endlich im Jahre 1907, wurde dem Schädel aus Gibraltar 1 wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Da der Zusammenhang mit der Fundschicht fehlte, konnte sein Alter lange Zeit nicht festgestellt werden, nur dass es sich um eine Neandertalerfrau handelte.
Shanidar 1 / Shanidar 3
1951 machte sich der amerikanische Anthropologe Ralph Solecki auf, um die irakischen Shanidar-Höhlen, 400 Kilometer nördlich von Bagdad zu erforschen und das Glück war ihm hold. Er fand die Übererreste von insgesamt 9 Individuen. Im Jahre 1953 entdeckte er das Skelett eines Neandertaler-Säuglings. 1957 fand er die Skelette von drei Erwachsenen und 1960 stieß er auf die Überreste von drei weiteren Neandertalern. Das Skelett Shanidar 1 ließ viele Fragen, aber auch neue Erkenntnisse an den Tag kommen. Dieser Mann wurde mehrmals schwer verletzt und war auf dem linken Auge blind. Wahrscheinlich war seine rechte Körperhälfte gelähmt. Der rechte Oberarm war krankhaft verkrümmt, eventuell durch einen schweren Bruch, oder er wurde gar amputiert. Ohne fremde Hilfe und Fürsorge hätte dieser Mann niemals überleben können. Er verstarb vor ungefähr 60’000 Jahren, im Alter von 40 Jahren, vermutlich an den Folgen eines Höhlendeckeneinsturzes. Bei einem der Drei im Jahre 1960 freigelegten Überreste entdeckte man, dass ein Verstorbener sorgsam auf Zweige gebetet und mit Blumengaben geschmückt beigesetzt wurde. Diese Entdeckung brachte ein neues Bild der Neandertaler hervor, nämlich, dass unsere Vettern einen Kult zelebrierten, den wir noch heute weiter führen; unseren Verstorbenen, die wir lieben, Blumen mit in das Grab zu geben. Der Fund Shanidar 3 weist scharfe Schnittverletzung an der linken Seite an einer Rippe auf. Darauf gründet die Vermutung, dass er entweder im Kampf, oder durch einen Jagdunfall, mit den Waffen eines Anderen tödlich verletzt wurde.
Krapina C
In der Kalksteinhöhle Krapina in Kroatien, fand man insgesamt 850 Fossilien von bis zu 80 Individuen, die meist mit 16 bis 24 Jahren vor zirka 130.000 Jahren dort gestorben sind. Gefunden wurden auch 3000 Tierknochen und 1000 Steinwerkzeuge. Diese Menschen unterschieden sich in ihrem zierlicheren Körperbau von den klassischen Neandertalern. Sie hatten große Gesichter, breitere Schädel, höhere Stirnen und weit auseinander liegende Augen. Von ihrem Aussehen her, hatten diese Menschen mit den heutigen Mitteleuropäern mehr Ähnlichkeiten, als mit den klassischen Neandertalern. Durch die Schnittspuren und einigen verbrannten Knochen vermuteten einige Forscher, dass diese Menschengruppe Kannibalismus betrieben habe. Andere deuteten dies Spuren als eine Art Totenkult, mit welchen die Hinterbliebenen ihre Toten ehrten.
Saccopastore 1 / Saccopastore 2
Im Mai 1929 fand Mario Grazioli in einer Kiesgrube bei Saccopastore (in der Nähe von Rom), unweit des Flüsschens Aniene (ein Nebenfluss des Tibers), einen zierlich gebauten 120’000 Jahre alten menschlichen Schädel, den man später als der Gattung Homo sapiens neanderthalensis zugehörig interpretierte. Dem Alter nach, hatte dieser Neandertaler in der Eem-Warmzeit gelebt. Sechs Jahre nach diesem Fund, entdeckte man einen weiteren Schädel, Saccopastore 2, der einst zu einem kräftig gebauten Mann gehörte.
Tešik-Taš
In Usbekistan machten Forscher im Gissar-Gebirge eine überraschende Entdeckung. In einer Höhle bei Tešik-Taš stießen sie auf die sterblichen Überreste eines Neandertalerjungen, der dort vor zirka 70’000 Jahren mit seiner Sippe lebte und von ihnen nach seinem Tod in der Höhle beigesetzt wurde. Um den Leichnahm herum hatten seine Angehörigen Wildziegenhörner in einem Kreis um den Kopf angeordnet. Wildziegen schienen bei dieser Sippe die Hauptbeute gewesen zu sein, denn ein Grossteil der gefundenen Tierknochen, stammte von diesen Tieren. Noch bis zu den 30er Jahren in unserer Zeit lebten die Menschen in dieser abgelegenen Gegend hauptsächlich von der Wildziegenjagd. Die Schraubenziege (Capra falconeri) oder auch Markhor genannt, ist noch heute in den asiatischen Berggebirgen beheimatet und zählt zu den größten Wildziegen.
Kebara 2
Südlich von Haifa in Israel wurden in der Kebara-Höhle im Jahre 1931, die ersten Funde von Hominiden entdeckt. Im Jahre 1983 entdeckte Lynne Schepartz, das bisher vollständigste Körperskelett eines Neandertalers, vom Unterkiefer bis zum Oberschenkel. Neben den Skelettresten wurden auch über 4000 verkohlte Samen und Früchte verschiedener Pflanzenarten gefunden, die zur berechtigten Vermutung veranlassen, dass sich die Neandertaler in Sachen Kräuterheilkunde gut auskannten. Anhand der verschiedenen Materialfunden, stellte man fest, dass diese Neandertaler, ihren Artgenossen in Europa in Sachen Technik überlegen waren. Ihr Speiseplan enthielt unter anderem auch Gazelle, verschiedene Hirscharten und wilde Erbsen. Nachdem man in dieser Höhle auch ein sehr gut erhaltenes Zungenbein gefunden hatte, das jenem eines modernen Menschen sehr ähnlich war, zweifelte niemand mehr an der Sprachfähigkeit der Neandertaler.
Amud 1
1961 stieß Hisashi Suzuki in Israel in der Amudhöhle (Wadi Amut- benannt nach dem turmartigen Felsen), auf einen wahren Giganten unter den Neandertalern, der 180cm groß war. Rekordhalter war dieses Exemplar auch in Sachen Gehirngröße, mit 1740 Kubikzentimeter, hatte er die größte Gehirnmasse unter den Hominiden. Er starb vermutlich vor 40’000 Jahren oder vor 50’000 Jahren im Alter von 25 Jahren. Seine Knochen waren bereits sehr stark versteinert. Seine Art hatte am meisten Ähnlichkeit mit den Neandertalerfunden aus der irakischen Shanidarhöhle. Dennoch war er sehr “modern”, da er auch viele Parallelen zum Cro-Magnon aufwies, wie zum Beispiel, die weniger ausgeprägten Augenwülste. War dieser Neandertaler ein Mischling? Oder einfach eine Weiterentwicklung seiner europäischen Neandertalervorfahren?
Amud 6 / Amud 7
In den Amudhöhlen stieß man auch auf das Skelett eines winzigen Neugeborenen. (Amud6) In dieser Höhle fand man auch noch die Überreste anderer Kinder. Wie zum Beispiel jene, eines zehn Monate alten Säuglings, der vor 60’000 Jahren verstarb und in einer Nische in der Höhlenwand beigesetzt wurde (Amud 7) , der 1992 von Tina Hietala und Yoel Rak entdeckt wurde. An diesem Fund erkannte man auch, dass schon Säuglinge der Neandertaler prägnante Unterschiede zu den Säuglingen der Jetztmenschen auswiesen.
Saint Cesaire
Einer der jüngeren Funde, ein Schädel wurde in der Grotte Saint Cesaire in der Region Charante-Maritime in Frankreich gefunden. Ein Neandertaler, der dort vor 36.000 Jahren verstorben ist. Lange galt dieser Fund, als der letzte Neandertaler, bis man später auf jüngere Funde stieß.
La Chapelle aux Saints
Die Geschichte des Fundes von La Chapelle aux Saints ist ein Musterbeispiel des Werdegangs der Meinungen über den Neandertaler in den Augen der modernen Menschen unserer Zeit, von einem Monster-Halbaffen zum fürsorglichen Neandertaler. Dieser Neandertaler, der vor 50.000 Jahren verstarb, litt unter schwerer Arthritis im Halswirbelbereich, was ihm manche Bewegung sicherlich ungemein erschwerte. Eine Kniescheibe ist beschädigt und ein Zeh völlig zerquetscht. Die linke Seite des Skelettes ist krankhaft verformt. Diesen Fund nahm Marcellin Boule als allgemeines “Musterbild” für die Neandertaler und verzerrte das Bild des Vetters Neandertaler zu einer Art Monsteraffe, ohne jedwelche menschlichen Züge. Spätere Untersuchungen, mitunter auch dank weiterer Funde ergaben eine frontale Kehrtwende und dem Neandertaler wurde seine Würde wieder zurückgegeben. Denn man fand heraus, dass dieser Mann ohne fremde Hilfe kaum überlebt hätte. Seine Sippe musste sich also sehr fürsorglich um ihn gekümmert haben.
Übrigens….
So könnte er ausgesehen haben, der Neandertaler, aus La Chapelle aux Saints.
Ein sympathischer Typ. Gell?