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Mühlethaler gehörte zu den Publikumslieblingen
Vier zwischen 1977 und 1986 erkämpfte Kränze von eidgenössischer Prägung vervollständigen die Leistungsfähigkeit des Berner Oberländers. Eine fünfte solcher Auszeichnungen blieb ihm knapp versagt. «1989 bei meiner letzten Teilnahme an einem Eidgenössischen in Stans fehlte mir ein Viertelpunkt dazu. Zum Verhängnis wurde mir der gestellte siebte Gang gegen den heutigen Technischen Leiter der Nordostschweizer, Mathias Bleiker. Schade, dass es mit dem fünften angepeilten Kranz nicht mehr klappte.» Im gleichen Jahr beendete er mit einem Triumph am Chemihütte-Schwinget in Aeschiried seine grossartige Laufbahn. Am gleichen Kräftemessen glückte ihm mit 17 Jahren auch der allererste Sieg. «Weil damals ein grosser Teil der Berner Elite versammelt war, hatte dieser für mich einen grossen Stellenwert.» Ein Jahr später, 1975, stellte sich am Emmentalischen Schwingfest auch der erste Kranzgewinn ein. Bei Beendigung seiner Laufbahn, 14 Jahre später, war die Kranzsammlung um 70 Exemplare angewachsen.
Zieht man in Betracht, dass früher nicht immer alle sechs Gauverbandsfeste kranzberechtigt waren, hätten es auch leicht einige mehr sein können.
Schwingerblut in den Adern
Der Schweizer Nationalsport wurde Mühlethaler praktisch in die Wiege gelegt. Sein Grossonkel Christian Blaser holte sich 1898 den Schwingerkönigstitel und war zudem noch zwei Jahre später Weltmeister im Ringen, sein Grossvater Gottfried Blaser, aber auch Vater Paul erlangten den Status eines Kranzers. Über seinen Vater fand er auch den Zugang zum Schwingen. «Ihm habe ich viel zu verdanken. Er begleitete und betreute mich bei jedem Fest. Einen besseren Coach hätte ich mir gar nicht wünschen können.»
Alle sechs Berner Gauverbandsfeste gewann Hansueli Mühlethaler mindestens einmal. Dazu ist er im Besitze aller Kränze von Teilverbandsfesten wie Bergfesten. Am Brünig-Schwinget resultierten allein zwölf Auszeichnungen. Damit nimmt er zusammen mit Peter Gasser hinter Eugen Hasler (13 Kränze) den 2. Platz in der Bestenliste ein. Zur absoluten Krönung dieser stolzen Bilanz fehlt eigentlich nur ein Sieg. Die Chance dazu bot sich ihm 1978. «Ich qualifizierte mich gegen Hans Kopp für den Schlussgang, der jedoch unentschieden ausging. Dadurch erbte Ueli Stucki den Sieg.»
Was der mit Annamarie Kathriner, der Schwester des früheren Obwaldner Kranzers Jakob Kathriner, verheiratete vierfache Eidgenosse auf dem Brünig verpasste, glückte ihm dafür zweimal, 1978 und 1979, am Berner Kantonalschwingfest. 1978 ebnete ihm der gewonnene fünfte Gang über den 30 Zentimeter grösseren und 45 Kilogramm schwereren Hünen Max Wolfensberger den Weg zum Sieg. Im Schlussgang gegen Hermann Brunner genügte ihm eine Punkteteilung zur Verteidigung seiner Spitzenposition. Ein Jahr später in Lyss hatte vor 10 000 Zuschauern in einem äusserst spektakulären Schlussgang der spätere Schwingerkönig Ernst Schläpfer vor ihm zu kapitulieren. «Der Jubel war unbeschreiblich», schwärmt der dreifache Familienvater noch heute vom grössten Triumph seiner Karriere. Sechs Jahre später in Malleray-Bévilard nahm Schläpfer ebenfalls im Schlussgan|g Revanche für die schmerzliche Niederlage.
Drei Mal gegen Niklaus Gasser
Bei seinen insgesamt sieben Qualifikationen für die Endausmarchung hiess der Gegner von Mühlethaler interessanterweise drei Mal, 1983, 1984 und 1987, Niklaus Gasser und 1986 Johann Santschi.
Die Vorbilder von Hansueli Mühlethaler waren Hans Haldimann und Werner Fivian. Wenn der Berner Oberländer in den Ring stieg, verwöhnte er die Zuschauer mit wahren Feuerwerken an Attacken. Defensives Schwingen gab es für ihn nicht. Kopfgriff, Brienzer, Stöckli, aber auch Hochschwung waren seine Markenzeichen. Er fürchtete sich auch nicht vor übermächtigen Gegnern. «Ich vermochte mich auf solche besser einzustellen als gegen gleichwertige.»
Von den 71 Kränzen erkämpfte sich der siebenfache Kranzfestsieger deren elf an Bernisch-kantonalen Schwingfesten. «Um einen weiteren, 1974 in Frutigen, wurde ich geprellt. Man versagte mir die Anerkennung eines meiner Ansicht nach gültigen Wurfes gegen Alfred Fankhauser. Statt eines Spitzenplatzes fiel ich dadurch sogar aus den Kranzrängen», ärgert sich Mühlethaler noch heute. Seine Erfolge trugen ihm auch wertvolle Gaben ein. Der Grossteil davon ist in einer eigens grosszügig eingerichteten Schwingerstube aufbewahrt. Ein am Berner Oberländischen Schwingfest gewonnenes Gartenhäuschen hat aber darin nicht Platz gefunden. «Um dieses herbeizuschaffen, musste ich einen Schwertransport organisieren.»
Aus familiären und beruflichen Gründen – Hansueli Mühlethaler führt seit 1981 ein eigenes, auf den Verkauf von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen ausgerichtetes Unternehmen – bleibt ihm nicht mehr viel Zeit übrig für den Schwingsport. «Ab und zu gebe ich noch Schwingkurse, dann bin ich auch für das Radio Berner Oberland als Co-Kommentar tätig.»
Autor: Karl Duss