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- Wenig überraschend wird in Kabul der Chefstratege der Taliban, Vize-Emir Mullah Jacub, erster Verteidigungsminister des Islamischen Emirats Afghanistan. Er ist der Sohn des einäugigen Talibangründers Mullah Omar und gilt als massgeblicher Planer und Befehlshaber beim Taliban-Sieg Mitte August 2021.
- Mehr zu reden dürfte die Ernennung von Vize-Emir Mullah Hakkani zum Innenminister. Der paschtunische Warlord erhält direkten Einfluss auf die Gestaltung des täglichen Lebens, insbesondere auf die Anwendung der Scharia, die der oberste geistliche Führer, der Emir Mullah Achundsada, schon Mitte August zum Staatsgesetz erhoben hatte.
- Hakkani steht hoch oben auf der “Most wanted”-Liste des amerikanischen FBI. Als klassischer Kriegsherr beherrscht er das Taliban-Heer im Osten des Landes. Zu Pakistan und zum dortigen Geheimdienst ISI unterhält er enge Beziehungen. Wie oft bei Warlords, führt er auch eine politische Bewegung an, die nach ihm benannt ist. Das FBI stuft die Hakkani-Armee als gefährliche Terror-Gruppierung ein.
- Regierungschef wird der Kompromiss-Kandidat Achund, ein treuer Gefolgsmann von Emir Achundsada. Sein Stellvertreter ist ein weiterer Vize-Emir, der Diplomat Mullah Baradar, der mit den USA am 29. Februar 2020 in Doha die Übereinkunft erzielte, die den Rückzug der amerikanischen Truppen regelte.
- Noch immer wird zwischen Moderaten und Hardlinern um weitere Posten gerungen. Die Regierungsbildung geht weiter. Der Aufstieg von Jacub zum Armee- und von Hakkani zum Innenminister legt die erste Beurteilung nahe, dass die militanten Feldkommandanten ihre Kandidaten in der ersten Phase durchbrachten. Anderseits zeugen die Ernennungen von Achund und Baradar von der Entschlossenheit der politischer denkenden Gemässigten, ihre Position im Kabinett zu verteidigen.
Architekt des Taliban-Sieges
Jacubs Ernennung ist folgerichtig. Als Militärchef festigte er die Strukturen, die Disziplin und Befehlstreue des Heeres, das Amerika und die NATO niederrang. Als Mullah Omars Sohn und Vize-Emir besitzt er auch politischen Rückhalt.
Jacub ist erst 30 Jahre alt. Wenn gerätselt wird, wer dereinst in die Fussstapfen des 60-jährigen Emirs Achundsada treten soll, fällt oft sein Name – in Verbindung mit seinem verehrten Vater, der mit rund 50 Schülern klein anfing, als er die Bewegung gründete, die jetzt Afghanistan zu beherrschen sucht.
Achundsada zählte zu den ganz wenigen Taliban, denen Mullah Omar vertraute. Talib heisst Schüler, weil die Bewegung in Emir Omars Schule entstand.
Der neue Verteidigungsminister gilt als militärischer Hardliner ohne Scheuklappen. Gleichzeitig förderte er Mullah Baradars Taktik, in Doha mit den USA “ins Reine zu kommen.” Militärexperten gehen davon aus, dass Jacub ungeachtet seines Alters die Taliban-Armee straff und sicher führen wird.