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Maria Montessori war die erste Ärztin Italiens. Betroffen von der Situation vernachlässigter geistig behinderter Kinder wandte sie sich nach wenigen Jahren dem Studium der Entwicklungspsychologie zu und verbesserte die Betreuung der Kinder.
1907 eröffnete sie ein Kinderhaus in einem armen Quartier in Rom. Die pädagogische Arbeit von Maria Montessori war sehr wirkungsvoll und wurde rasch international bekannt. Von Anfang an verband sie ihr Wissen, eine grosse Beobachtungsgabe, Intuition, Erfindungsgeist und Erproben in der Praxis mit tätigem Engagement in der Öffentlichkeit für die Sache der Kinder. Ein reger geistiger Austausch verband sie mit andern Reformpädagogen wie Fröbel und Begründern der modernen Psychologie wie Piaget oder Freud.
Ihre berufliche Arbeit führte sie in der Zwischenkriegszeit von Italien nach Spanien, ihre Kurs- und Vortragstätigkeit nach den USA , England, Holland, Südamerika. Der aufkommende Faschismus in Europa liess sie in Indien stranden, nach dem Krieg lebte sie in England und den Niederlanden. Überall, wo sie hinkam, hinterliess sie engagierte Pädagoginnen und Pädagogen, die ihre Arbeit weiterführten und weiterentwickelten.
Friedenserziehung wurde zu ihrem grossen Thema im Alter. Bis zum Tod in Holland 1992 engagierte sie sich zusammen mit ihrem Sohn Mario für ihr Lebenswerk.
Die pädagogische Philosophie und die Praxis von Maria Montessori ist geprägt von der Achtung vor der Person des Kindes und jedes Menschen. Selbstbestimmtes Lernen und Handeln in Verantwortung gegenüber der Umwelt ist gleichzeitig Grundlage und Ziel ihrer Pädagogik.
Das von ihr entwickelte didaktische Material soll Begriffe direkt greifbar und erfahrbar machen. Es hat einen in sich konsequenten Aufbau vom Kleinkind bis zum grössern Schulkind und enthält immer eine Lernkontrolle. Die Kinder lernen an selbstgewähltem Material, bestimmen (im vorgegebenen Rahmen) über die Dauer, den Ort und die Zusammenarbeit mit andern Kindern, zurückhaltend begleitet von der Lehrperson. Diese bietet Hilfe, wo sie gebraucht wird, beobachtet und entwickelt daraus weiterführende Lernangebote, gestaltet die Lernumgebung und sorgt dafür, dass alle Kinder sich wohlfühlen.
Montessori-Erziehung geht vom selbstbestimmten einzelnen Kind aus, das mit den andern zusammen eine Gruppe baut und verantwortlich handelt. Sie bietet sich an in einer zusammengerückten Welt mit einer Vielfalt von Lebensformen und Kulturen, die uns Erziehende vor neue Herausforderungen stellt.