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In einer Stadt mit zahlreichen Denkmälern für Männer wurde das 2004 eingeweihte Denkmal für die letzte Äbtissin der Fraumünsterabtei als überfällige Ehrung einer Frau gewürdigt und als Resultat historischer Aufarbeitungen der Leistungen weiblicher Persönlichkeiten gepriesen. Als erstes Zeichen der Denkwürdigkeit Katharina von Zimmerns war bereits im Jahr 2000 am Neumarkt 13, der letzten Wohn- und Sterbeadresse, eine Gedenktafel angebracht worden. Gleichzeitig entstand ein Verein zur Schaffung eines Denkmals.
Vier Jahre später, am 14. März 2004, folgte schliesslich die Ehrung der letzten Äbtissin mit einem Monument – eine von der Zürcher Künstlerin Anna-Maria Bauer (* 1947) entworfene und 11 Tonnen schwere, blockförmige Plastik aus Kupferwürfeln. Die Elemente nehmen die Form der Quadersteine der Kirchenmauer auf; das Material Kupfer, das eingeschmolzen und in neue Formen gegossen werden kann, verweist auf das Thema der Veränderbarkeit.
Das Sockelmonument kann als Tisch, als Altar oder auch als Sarkophag empfunden werden. Eine im Boden eingelassene Inschrift benennt Katharina von Zimmerns historisch belegte Motivation für den Schritt, der im Jahr 1524 die Stadt und ihr eigenes Leben verändern sollte. Dies verschafft dem Monument eine nachvollziehbare Lesbarkeit: «Die Stadt vor Unruhe und Ungemach bewahren und tun, was Zürich lieb und dienlich ist. 1524. Katharina von Zimmern, zur Übergabe der Abtei Fraumünster an die Stadt.»
Abgesehen vom Lindenhof-Brunnen ist das Monument das einzige der in dieser Reihe dokumentierten Denkmäler und das erste Monument der Stadt, das einer weiblichen Person gewidmet ist. Die an der Einweihung gehaltenen Reden brachten den mit der Gedenkstätte vermittelten Sinn zum Ausdruck: Frauen mit wichtigen politischen Funktionen – darunter Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, Regierungs-rätin Dorothée Fierz und Stadträtin Kathrin Martelli – ehrten und zelebrierten Katharina von Zimmern öffentlich als Vorbild. Bundesrätin Calmy-Rey betonte in ihrer Ansprache, dass mit dem Monument nicht nur eine einzelne Frau gewürdigt werde: «Das Denkmal steht für alle Frauen, die sich für den Frieden einsetzen und deren Arbeit kein Aufsehen erregt.»
Die Kunstkommission hatte sich gegen eine figürliche Statue ausgesprochen, weil das nicht mehr zeitgemäss sei. Im Februar 2021, ein Vierteljahrhundert nach der Fertigstellung des Denkmals, wurde mit einem Vorstoss im Gemeinderat gerade dieser Entscheid beanstandet und eine Figur der Äbtissin auf einem Sockel gefordert, wie zahlreiche Denkmäler für Männer gestaltet worden waren.
Das im Kreuzgang des Fraumünsters platzierte Monument ist von einer Jury aus Wettbewerbseingaben ausgewählt worden und hat 350 000 Franken gekostet.
Private finanzierten die Realisierung und übergaben das Denkmal als Schenkung an die Stadt. Den grössten finanziellen Anteil an das Projekt leistete der Zürcher Frauenverein mit der Ausrichtung seines Sozial- und Kulturpreises in der Höhe von 100 000 Franken. Daneben stifteten über 350 Einzelpersonen einen Beitrag oder kauften Münzen oder Steine zugunsten des Erinnerungsortes. Die Stadt steuerte im Mai 2003 auf Antrag des Finanzdepartements einen Betrag von 20 000 Franken aus dem Waserschen Fonds zur Verschönerung der Stadt bei. Der Stadtrat beschloss am 4. Februar 2004 die Annahme des Geschenks und übernahm damit auch die Verpflichtung, für den Unterhalt des Denkmals aufzukommen. Zuvor hatte er bereits die Bemühungen des Vereins unterstützend begleitet und die Kosten für die Umbauarbeiten übernommen.
Das Denkmal steht nicht auf öffentlichem Grund, aber doch auf städtischem Boden; der Kreuzgang mit den Wandmalereien des Künstlers Paul Bodmer gehört zum Stadthaus. Das Denkmal gewinnt in der stillen Umgebung zwischen Stadthaus und Fraumünster an Aussagekraft und ist insofern ein wichtiger Erinnerungsort, als man ihn zur Ehrerbietung und Besinnung extra besucht und er wegen seiner Stärke in die Gesellschaft ausstrahlt und mediale Verbreitung findet.