Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03603.jsonl.gz/3339

Während 6 Wochen lernen wir gemeinsam mit Anita und Dani viele Facetten Boliviens kennen. Wir kurven durch abgelegene Andengebiete mit schimmernden Lagunen, essen ein Gerberfondue auf dem Salar de Uyuni, begeben uns auf die Spuren Che Guevaras, geniessen den Charme von Sucre und schweben mit der Gondelbahn über La Paz. Wir befahren die legendäre Todestrasse, erkunden die Tierwelt des Amazonas und gelangen schliesslich nach dem Ausharren der Strassenblockade über eine Schlammpiste via Trinidad nach Brasilien.
Route: Laguna Blanco, Laguna Verde, Laguna Colorado, Uyuni, Salar de Uyuni, Potosi, Cayara, Sucre, Maragua, Tarabuco, La Higuera, Samaipata, Santa Cruz, Buena Vista, Villa Tunari, Cochabamba, Patacamaya, La Paz, Coroico, Rurrenabaque, Trinidad, Santa Cruz,
Höchster Fussballplatz der Welt (Lagunen Route)
Die Einreise nach Bolivien gestaltet sich, der Höhe entsprechend, etwas abenteuerlich. In San Pedro de Atacama muss auf 2'300 MüM die Ausreise aus Chile erledigt werden, um dann nach 48 km steiler Bergstrasse auf 4'500 MüM die Einreise nach Boliven zu regeln. Der erste Zollbeamte stempelt nur unsere Pässe und weist uns zu einer 80 km entfernten Mine für die Fahrzeugeinfuhr. Nur wenige Kilometer weiter stehen wir vor einer geschlossenen Schranke. Unsere Fahrzeugpapiere werden begutachtet und die Fahrzeuge inspiziert. Im Wissen darum, dass wir die nächsten fünf Tage auf der Lagunenroute durch wenig besiedeltes Hochland fahren werden, führen wir einige zusätzliche 5 Liter Wasserflaschen mit uns. Der durstige Zollbeamte teilt uns jedoch mit, dass Wasser nicht nach Bolivien eingeführt werden dürfe. Auf unsere Anmerkung, dass das nächste Dorf zweihundert Kilometer entfernt sei und Wasser lebensnotwendig ist, weiss das schlaue Kerlchen auch gleich eine Ausrede. Wir sollten unser Wasser hier abgeben und in der gegenüberliegenden Tienda neues kaufen. Dank einem guten Mix von Spanischkenntnissen, Verhandlungsgeschick, etwas Geduld und einer Portion Charme erreichen wir, dass er die Schranke öffnet, ohne dass wir unser Wasser abgeben müssen.
Nach nur wenigen Kilometern erreichen wir die ersten Lagunen. Die Laguna Verde schimmert durch ihren hohen Blei, Calcium und Schwefelgehalt bei Sonnenschein zur Mittagszeit smaragdgrün. Die Temperaturen auf über 4'300 MüM sind tagsüber recht angenehm recht angenehm ichen wir ie nächsten fünf Tage durch wenig besiedeltes Hochland fahren werden, warm, nachts sinken sie jedoch auf ca. minus 5 Grad.
Dank dem Zugeben von Diesel-Frostschutzmittel springen unsere Motoren morgens problemlos an. Der Weg zur besagten Boraxmine, wo die Fahrzeugeinfuhr stattfindet, führt uns am weltweit höchst gelegenen Geysir „Sol del Mañana“ vorbei. Die 10 m hohe Dampfsäule und die blubbernden Lavaschlammlöcher bieten einen schönen Anblick in der Morgensonne. Auf 5’033 MüM treffen wir auf einen strammen Zollbeamten, welcher uns zuerst genau mustert, dann aber speditiv unsere Fahrzeuge registriert. Beim Verlassen des Geländes fahren wir auf 5'000 MüM am weltweit höchst gelegenen Fussballplatz vorbei und fragen uns, wer da wohl ein Training absolviert.
Leckeres Gerber Fondue (Salar de Uyuni)
Nach drei eindrücklichen Tagen auf der Lagunenroute, wo uns vor allem die Laguna Colorado mit ihrer rot schimmernden Farbe und Hunderten von Flamingos, die darin stehen, in ihren Bann gezogen hat, fahren wir nach Uyuni. Für unser nächstes Abenteuer, dem selbst Befahren des weltweit grössten Salzsees, bereiten wir hier unsere Fahrzeuge vor.
Einmal Chassis waschen und einölen lassen. Bereits bei der Auffahrt auf den Salar stehen wir jedoch vor einer grossen Wasserlache. hm, wollen wir nun wirklich mit unseren Fahrzeugen durch dieses sehr konzentrierte Salzwasser fahren oder verzichten wir auf das Abenteuer? Nach einer 20minütigen Beobachtungsphase, wo die Tour-Jeeps durchfahren, inspizieren wir mit Hilfe von Wanderstöcken die Tiefe und finden einen geeigneten Weg, um endlich auf der trockenen, unendlichen Weite des Salars anzukommen. Drei Tage verbringen wir auf der glitzernd weissen Fläche, erleben Sonnenauf- und untergänge, erkunden Inseln aus Vulkangestein, welche mit riesigen Kakteen bewachsen sind. Das Rundumweiss des Salzsees ähnelt einer winterlichen Landschaft. Das bringt uns in die richtige Stimmung, ein von zuhause mitgebrachtes Gerberfondue zu essen.
Geburtstagkuchen (Sucre)
Nachdem unsere Fahrzeuge fachmännisch von der Salzkruste befreit wurden, fahren wir weiter über riesige Hochebenen Richtung Potosi. Je näher wir der zweithöchst gelegenen Grossstadt kommen, desto mehr sehen wir Minenabbaugebiete, die teils bis in die Stadt reichen. Dieses Gebiet ist gezeichnet von dem jahrhunderte-langen Silber- und Kupferabbau. Wen wundert es, wir fahren schnell weiter und finden dann in Sucre, der Hauptstadt Boliviens, ein gemütliches Plätzchen, das zum verweilen einlädt. Wir flanieren durch die historische Innenstadt, besuchen den Bauernmarkt und erstehen eine Torte, welche wir zu Bettys Geburtstag abends in einer gemütlichen Runde unter Reisenden verspeisen. Beat und Daniel nutzen die Gelegenheit und besorgen sich in der Autostrasse diverse Ersatzteile und bringen diese wieder auf Vordermann.
Haarnadelkurven und Dinosaurierspuren (Maragua)
Bereits die Fahrt nach Maragua, dem weltweit zweitgrössten Krater, welcher durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist, ist ein Abenteuer. Eine holprige Naturpiste mit gewaltiger Aussicht windet sich über unzählige Haarnadelkurven 1'000 m ins Tal, um dann auf der Gegenseite gleich wieder nach Maragua aufzusteigen. Die Landschaft wechselt von saftig grünen Abschnitten über steile Felsformationen bis zu einer rötlich sandigen Mondlandschaft. Eine Wanderung führt uns auf den in Felsen gehauenen Inca-Trail und eine andere zu gewaltigen Dinosaurierspuren, welche in einer steilen Felsplatte zu sehen sind.
Auf dem Rückweg nach Sucre sehen wir ein Plätzchen mit schöner Aussicht, wo wir gerne die Nacht verbringen möchten. Betty erkundigt sich bei den nahe gelegenen Häusern, ob dies ok ist. Dabei trifft sie Louise, eine indigene Frau, welche im Garten mit dem Weben traditioneller Stoffe beschäftigt ist, und kommt mit ihr ins Gespräch.
Sie erlaubt uns anfänglich nur zögerlich, Fotos zu machen. Doch als wir ihr ein Foto, mit unserem mobilen Fotodrucker ausgedruckt, übergeben, freut sie sich dermassen, dass sie noch um ein weiteres bittet. Dazu zieht sie sogar extra ihre traditionelle Tracht an.
Auf den Spuren von Che Guevara (La Higuerva)
Am Sonntagmorgen machen wir uns auf zum wöchentlich stattfindenden Markt der indigenen Bevölkerung in Tarabuco. Schon das riesige Eingangstor weist auf die Form der Kopfbedeckung hin. Männer wie Frauen sind in bunte Tücher gehüllt und tragen einen runden, helmartigen Lederhut, welcher eher ans Mittelalter erinnert. Wir decken uns ein mit frischem Gemüse und Früchten und ziehen weiter auf den Spuren von Che Guevara, dem marxistischen Revolutionsführer Süd- und Zentralamerikas. Dazu verlassen wir die Teerstrasse für 140 km und kurven in ein abgelegenes, schlecht zugängliches Gebiet im Valle Grande. In La Higuerva, einem kleinen Dörfchen, sehen wir uns das Museum an, in dem Che die letzten Tage seines kämpferischen Lebens verbrachte und 1967durch das Militär hingerichtet wurde. Erstaunlich, dass dieses Museum erst 2003 eröffnet wurde, als Evo Morales Präsident wurde und Che für seine sozialistischen Vorstösse würdigte .
Kaffeeplantagen und eine Schweizer Käserei (Buena Vista)
Nach vielen Kilometern Schotterstrasse geniessen wir das entspannte Fahren auf der Teerstrasse und kommen entsprechend rasch voran. Rund um die Wirtschaftsmetropole Santa Cruz, nehmen die Polizeikontrollen, welche sich an den Strassenmautstellen befinden, etwas mehr Zeit in Anspruch. Fahrzeugpapiere werden kontrolliert und gestempelt und oft wird offenkundig nach einer „Colaboración“, einer Spende verlangt. Da wir dieses Wort im Sprachunterricht nicht erlernt haben (Smile), geben wir den freundlichen Beamten durch Handzeichen und Achselzucken zu verstehen, dass wir eben nichts verstehen und fahren letztendlich immer ohne zu bezahlen weiter. Im tiefen Flachland von Buena Vista (300 MüM) lassen wir uns in die Geheimnisse der bolivianischen Kaffeeverarbeitung einführen und besuchen eine Kaffeeplantage. Gleichzeitig decken wir uns mit feinem Kaffee ein. Als wir wieder auf die Hauptstrasse einbiegen, entdecken wir ein Schweizerkreuz an einem Gebäude, was uns natürlich neugierig macht. Wir treffen auf zwei Schweizer Auswanderer, welche hier vor 16 Jahren eine Käserei eröffneten und Emmentaler, Tilsiter, Raclettekäse und Fondue produzieren. Wir degustieren nicht nur, sondern füllen unsere Kühlschränke randvoll.
Tanken mit oder ohne Rechnung (Cochabamba)
Nun sind wir gerüstet, um einige hundert Kilometer zurückzulegen, wofür wir natürlich auch Diesel benötigen. Und genau dies ist in Bolivien nicht immer ganz so einfach. Evo Morales hat nach seiner Amtseinsetzung den Treibstoffpreis für Ausländer mehr als verdoppelt. Dazu müssen die jeweiligen Nummernschilder im Computer erfasst werden. Die Länderauswahl beschränkt sich jedoch auf Südamerikanische Länder. So können Fahrzeuge aus Europa nicht eingegeben werden. Dies kann zur Folge haben, dass man ganz einfach keinen Diesel bekommt. Meistens kann man aber mit dem Tankwart einen Deal ausmachen. Dazu parkt man das Fahrzeug etwas abseits und holt mit einem Kanister an der Tankstelle seinen Diesel zum einheimischen Preis und gibt dem Tankwart ein Trinkgeld. In abgelegenen Gegenden ist mit viel Glück auch zum einheimischen Preis Diesel direkt ab Zapfsäule zu bekommen. Diese Variante bevorzugen wir und lassen dann gleich den Ersatztank ganz füllen.
Lamaföten und andere Zaubermittel (La Paz)
Mit gefüllten Tanks fahren wir langsam vom Tiefland (300MüM) nach La Paz, die höchst gelegene Stadt mit Regierungssitz (4’100MüM). Je näher wir der Grossstadt kommen desto dichter wird der Verkehr. Friedli wird im Hotel Oberland parkiert und wir machen uns zusammen mit Gerd, einem vor über 30 Jahren ausgewanderten Deutschen, auf den Weg, diese spezielle Stadt, welche 1'300 Höhenmeter Unterschied vom tiefsten- bis zum höchsten Punkt aufweist, zu erkunden. Mit mehreren Doppelmeier-Sesselbahnen verschaffen wir uns zuerst einen Überblick, bevor wir uns per Taxi und Bus in das Getümmel der Innenstadt wagen. Während wir von einem Höhepunkt zum andern gehen, versorgt uns Gerd mit viel Hintergrundwissen. Dazu zählt sicher die Fahrt durch die Schamanenstrasse, wo sich Bolivianer Rat für alles holen, egal ob Liebe, Beruf oder Kinderwunsch, der Schamane weiss Rat. Als Hilfsmittel werden verschiedene Pulver, Pasten, Figuren und die für uns etwas sehr gewöhnungsbedürftigen Lama-Föten eingesetzt, welche in der „Zaubergasse“ (Calle Linares) in grossen Mengen angeboten werden.
Todestrasse (Coroico)
Fast im Schritttempo bewegen wir uns raus aus der grossen Stadt. Zuerst schraubt sich die Strasse hoch auf einen über 4'650 m hohen Pass, um sich danach über viele Kurven bis ins Tiefland runter zu winden. Wir wählen die alte, berühmt berüchtigte Todestrasse, welche früher die einzige Verbindung ins Tiefland war. Diese Strasse hat ihren Namen nicht umsonst. Auf der sehr engen, an teils senkrechten Abhängen liegenden Strasse, sind früher beim Kreuzen viele Fahrer von der Strasse abgekommen und in den Tod gestürzt. Aus Sicherheitsgründen herrscht Linksverkehr! Somit hat der talwärts Fahrende beim Kreuzen die Kante des Abhangs immer im Auge. Heute wird die Strasse mehrheitlich nur noch von Touristen und Radfahrern benutzt, was die Strassenführung aber nicht weniger spektakulär macht. Wir sind auf jeden Fall froh, heil runter gekommen zu sein.
Ab in den Dschungel (Rurrenabaque)
Die Strasse, oder besser gesagt die Schotter- und Erdpiste, nach Rurrenabaque ist seit Jahren eine einzige Baustelle und deshalb nur sonntags ganztägig befahrbar. Da wir grundsätzlich nicht nachts fahren, starten wir die 300 km lange Fahrt im Morgengrauen in Coroico und erreichen erst kurz vor Sonnenuntergang erledigt aber zufrieden unser Ziel. Auf uns wartet bereits das nächste Abenteuer. Gemeinsam mit Anita und Dani sowie Tim und Murphy, welche wir auf der Todesstrasse kennengelernt haben, buchen wir eine Dschungel- und Pampatour. Gemeinsam mit einem Naturführer spüren wir während 5 Tagen seltene Tiere und Pflanzen auf. Bereits auf der Bootsfahrt entdecken wir erste Vögel, machen Halt in einer indigenen Gemeinde und werden eingeführt ins Zuckerrohrpressen. Während den Tag- und Nachtwanderungen durch den Dschungel sehen wir Ara Papageien, Ameisen in verschiedenen Farben und bis zu 25 mm lang, Frösche, Taranteln, bunte Vögel und Schlangen. Gemeinsam bauen wir ein Floss und paddeln erfolgreich den Fluss hinunter. In der Pampa (feucht Savannen) sind wir mehrheitlich mit dem Boot unterwegs und beobachten Affen, Faultiere, Kaimane, Tukane, Schildkröten, pinke Flussdelfine, sowie eine Lang-Ohren-Eule aus nächster Nähe.
Strassenblockade (Rurrenabaque)
Kaum zurück von unserer Tour, verlässt uns das Wetterglück schlagartig. In der Nacht regnet es in Strömen und zu unserem Schrecken tropft es sogar in der Innenkabine. Dies hat eine spontane Planänderung zur Folge und bedeutet, dass wir uns morgens um sieben, nach zwei erlebnisreichen Monaten, von Dani und Anita verabschieden müssen, da sie den Weg zurück nach La Paz nur sonntags antreten können. Wir sitzen den Regen aus, reparieren die undichten Dachfenster und wollen 2 Tage später weiter nach Trinidad. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die einzige Strasse, welche aus dem Dorf führt, ist gesperrt. Autoreifen liegen auf der Fahrbahn und die vielen Motorräder, welche quer parkiert sind, machen ein Durchkommen unmöglich. Nun ist es also soweit. Wir stecken in einer der bekannten Blockaden Boliviens fest. Beim Nachfragen erfahren wir, dass die Menschen hier über Jahre ihre Autos und Motorräder nicht immatrikuliert haben und somit illegal durch die Gegend kurven. Von der Ortspolizei wurde dies geduldet und mit einem entsprechenden Zustupf in die Trinkgeldkasse abgegolten. Mittlerweile ist ihnen die Regierung in La Paz auf die Schliche gekommen und hat ihnen die Tankstelle geschlossen. Das Ganze läuft sehr friedlich ab. Wir möchten aber schnellstmöglich weg, da wir nicht abschätzen können, wie sich das entwickeln wird. Auf einen Hinweis der Polizei hin, versuchen wir unser Glück morgens um halb vier Uhr. Prompt sind die Reifen fein säuberlich zur Seite geräumt und wir rollen in die Nacht, die ersten hundert Kilometer Teerstrasse bis nach Yucoma.
Die Schlammfahrt (Trinidad)
200 km Naturstrasse stehen uns bevor. Der starke Regen der letzten Tage ist der Erdpiste gut anzusehen. Nach wie vor sind gewisse Teile der Strecke sehr nass, was uns nur langsam vorwärts kommen lässt. Dafür sehen wir viele Tukane und andere bunte Vögel. Lange Lastwagenschlangen lassen einen Imbissstand vermuten. Doch weit gefehlt. Die Lastwagen stecken teils bis metertief im Schlamm und helfen sich gegenseitig durch. Friedli arbeitet sich dank dem Einsatz des Allradantriebes und allen Sperren langsam, aber kontinuierlich durch das Schlammbad. Ab Trinidad rollen wir auf einer guten Teerstrasse weiter bis nach Santa Cruz, wo wir auf die Schweizer Reisenden Anita und Roger treffen. Wir haben sie vor über 1 ½ Jahren in den USA das letzte Mal gesehen. Zusammen fahren wir die letzten Kilometer durch Bolivien Richtung Brasilien.