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Der 73-jährige Puertoricaner Cheo Feliciano gehört zu den besten Soneros überhaupt und hat die Geschichte der Salsa entscheidend mitgeprägt. Nun tritt er am diesjährigen Zürcher Salsafestival auf.
Hector Lavoe, Frankie Ruiz, Gilberto Santa Rosa, Cheo Feliciano: die puertoricanische Salsa verfügte stets und verfügt bis heute über starke Soneros mit hervorragenden Stimmen. Wer Hector „La Voz“ Lavoe noch live erleben konnte, weiss, dass dieser Traumsänger kaum zu ersetzen ist. Cheo Feliciano dürfte der einzige sein, der mit seinem unverkennbaren Bariton an ihn heranreicht und Cheo ist im Gegensatz zu Lavoe ein Survivor.
Geboren wurde José Luis Feliciano Vega 1935 in der für die puertoricanische Musik wichtigen Stadt Ponce, aus der auch Hector Lavoe stammt und nach welcher sich die wichtige Gruppe „Sonora Ponceña“ benannt hat. Den Spitznamen „Cheo“ legte er sich zu, um nicht mit dem ebenfalls in Puertorico geborenen blinden Sänger José Feliciano verwechselt zu werden. Cheo liess seine schöne und kräftige Stimme früh den Boleros angedeihen. 1952 konnte er als Bürger der US-Kolonie Puerto Rico problemlos in den New Yorker Stadtteil Spanish Harlem umsiedeln, dem eigentlichen Mekka der damaligen puertoricanischen Musik. In der Mambo- und Prä-Salsa-Ära der 50er-Jahre war Cheo sowohl Perkussionist bei der Band des berühmten Tito Rodriguez, als auch ab 1957 zehn Jahre lang Sänger im Joe Cuba Sextett.
In den für die Entstehung der New Yorker Salsa so wichtigen 60er-Jahren sang der erklärte Vietnamkrieg-Gegner Cheo Feliciano ab 1967 zwei Jahre im Orquesta von Eddie Palmieri. Wie andere Grössen in der New Yorker Latin-Szene versank Cheo langsam, aber sicher im Heroin-Sumpf, fand aber die Energie und Kraft, sich durch kalten Entzug während eines Puertorico-Aufenthaltes aus der Umarmung von „Sister H“ zu befreien.
Harte Drogen, neben Heroin vor allem Kokain, spielten während der Höhepunktszeit des New Yorker Salsa-Booms zwischen den 60er- und 80er-Jahren nicht zuletzt infolge des Konkurrenzdruckes unter den vielen guten Orquestas eine enorme Rolle. Die Bands platzten mit rund 15 Musikern aus allen Nähten, um jedes Gruppenmitglied finanzieren zu können, galt es, mehrmals während den Wochenend-Nächten in den verschiedenen angesagten Clubs aufzutreten. Die Muntermacher und Beruhigungsmittel, die man benötigte, um solche Marathons durchzuhalten, machten schwer süchtig und abhämgig...
Die Liste der Opfer dieses Raubbaus ist lang und es finden sich darin so illustre Namen wie zum Beispiel Hector Lavoe. Cheo Feliciano jedoch hat aus dem Schlamassel herausgefunden und kehrte 1972 auf die Musikszene zurück, nachdem er 1971 mit dem Solo-Set „Cheo“ eines der wichtigsten Salsa-Alben aller Zeiten aufgenommen hatte, das 2006 als Remastered-CD erneut herausgekommen ist. Auf diesem Klassiker bediente sich Feliciano einer Fülle von Formen: neben Son Montunes und Boleros sowohl Guajiras wie „Pa’ Que Afinquen“ als auch mit „Este Es El Guaguancó“ einer der drei afrokubanischen Rumba-Urformen. Konzipiert hatte Cheo das Album zusammen mit dem Komponisten Catalino „Tite“ Curet Alonso, der ihm während des Drogenentzuges Beistand geleistet hatte.
Auch inhaltlich gehört das Set zu den bedeutendsten Salsa-Highlights überhaupt. Der von Alonso geschriebene Song „Anacaona“ ist der historischen Taíno-Königin gleichen Namens gewidmet, einer ausserordentlichen und bis heute verehrten Persönlichkeit eines auf Hispañola/Haiti ansässigen prä-kolumbianischen Volkes, das nach friedlichen Zeiten mit den Spaniern in einen Krieg verwickelt wurde. Anacaona nannte sich auch eine berühmte kubanische Frauenband. Mit Schlüssel-Liedern wie „Pa’ Que Afinquen“ ersingt sich Cheo Selbstbewusstsein, indem er im Text andere Sänger für den Mangel an Seele in ihrem Vortrag kritisiert; tatsächlich hatte Felicianos Abwesenheit von der Szene ein erhebliches Vakuum hinterlassen.
Nachdem es etwas stiller geworden war um Cheo, schaffte er ab 1990 durch einen Vertrag mit RMM Records ein beachtliches Comeback, vor allem als immer noch beeindruckender Interpret von Boleros. Als solcher beehrte er im Jahr 2000 diverse puertoricanische Sänger mit der Hommage-CD „Mil Voces, Mil Recuerdos“. Cheo lebt heute vorwiegend in Puerto Rico und arbeitet für die dortige Regierung als Anti-Drogen-Berater.
Salsafestival Switzerland
Freitag, 20. Februar 2009 / Kongresshaus Zürich
21.00h: Türöffnung zum Event. Party auf 2 riesigen Dancefloors.
22.30h: Salsa-Shows auf höchstem internationalen Niveau.
24.00h: THE NEW SWING SEXTET und CHEO FELICIANO!