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Städtebauliche Analyse | Die Siedlungsstruktur der Altstadt Sempach ist geprägt durch die zwei Hauptgassen der Stadtstrasse und der Oberstadt. Sie bilden die Haupterschliessung innerhalb der Altstadt. Die beidseitig entlang dieser Hauptgassen aufgereihten Häuser bilden den eigentlichen Stadtraum und das Gesicht des Städtchens Sempach.Kleinere, quer verlaufende Gassen verbinden die beiden Hauptgassen und erschliessen die vorderen Strassenräume mit den dahinterliegenden Höfen und Gartenanlagen.
Die aneinandergereihten Fassadenfluchten der Gebäude an den Hauptgassen folgen auf der Rückseite nicht mehr dem gleichen strengen Muster. Im Gegensatz zur Strassenfassade prägen vor– und rückspringende Gebäudevolumen in unterschiedlicher Gestaltung das Bild der rückwärtigen Räume. In den hofartigen Räumen zwischen den Gebäudezeilen der Stadtstrasse und der Oberstadt finden sich eine Vielzahl von kleineren freistehenden Gebäudevolumen. Ihre Stellung orientiert sich am Verlauf der kleineren Quergassen. Gemeinsam mit den Gebäudezeilen und Mauern definieren diese kleine Platzsituationen in den rückwärtigen Zwischenräumen. Das Gebäude Kronengasse 1 befindet sich zurückversetzt von der Stadtstrasse an der Kronengasse. Diese bildet die Verbindung zwischen den beiden Hauptgassen. Die Häuserzeile entlang der Stadtstrasse ist im Bereich der Einmündung der Kronengasse unter-brochen. Das Haus Kronengasse 1 ist um eine Häusertiefe nach hinten versetzt angeordnet und definiert so mit den Stirnfassaden der Zeilenbauten einen kleinen Platz zur Stadtstrasse. Dadurch erhält das bestehende Wohnhaus mit seiner Westfassade eine wichtige Präsenz zur Hauptgasse. Der Verlauf der Kronengasse ist seitlich durch angrenzende Mauern und Gebäudekörper definiert.
Zwischen dem Restaurant Krone und der südlichen Stirnseite des Hauses Kronengasse 1 ist der Gassenraum aufgeweitet und definiert so einen platzartigen Eingangsbereich. Der Ausdruck des hofartigen rückwärtigen Raumes ist durch mauerumfasste Gärten, welche ein Geschoss über dem Gassenniveau liegen geprägt.
Konzept Städtebau | Mit dem Rückbau des ostseitigen Ökonomiebaus wird der ursprüngliche Solitär des bestehenden Wohnhauses wieder ablesbar. Der östliche Neubau knüpft an die Typologie der kleinformatigen, freistehenden Bauvolumen in den rückwärtigen Räumen an. Der neue Baukörper wird daher durch eine Fuge vom Altbau getrennt. Mit seiner Südfassade ergänzt er die bestehende den Gassenraum definierende Mauer. Durch den Versatz zur Gasse gegenüber dem bestehenden Haus wird mit dem Gegenüber Restaurant Krone ein kleiner Platz definiert und dadurch die Eingangssituation des Kulturraums «Im Schtei» geklärt. Der Neubau ordnet sich sowohl in Höhe und Volumen dem Bestand unter. Neu orientieren zwei kleine Lukarnen den bestehenden Bau mit seiner Westfassade zum Platz an der Stadtstrasse. Die grosse Dachlukarne auf der Rückseite folgt der Tradition der verspielten Auf– und Anbauten im Hofbereich.
Freiraum | Durch die leichte teilweise Absenkung wird der ostseitige Gartenbereich zoniert und es entstehen Bereiche mit unterschiedlicher Aufenthaltsqualität. Ein Teil des Gartens ist der Familienwohnung des Neubaus zugeordnet, der andere Teil dient allen Bewohnern als gemeinsamer Aufenthaltsbereich oder Pflanzgarten. Der westliche Garten zur Stadtstrasse dient der Wohnung im Erdgeschoss als Aussenraum.
Erschliessung | Die Setzung des Neubauvolumens führt zur Klärung der Eingangsbereiche. Der Zugang zum Kulturraum befindet sich an der Kronengasse, während die Eingänge zu den Wohnungen mehrheitlich über den Weg auf der Nordseite erreicht werden. Die Wohnungen im Ober– und Dachgeschoss werden über eine Aussentreppe erschlossen. Eine Treppe in der Fuge zwischen den beiden Gebäuden verbindet die Wohnungen mit der Kronengasse. Das Treppenhaus im bestehenden Haus erschliesst nur noch das Sockelgeschoss mit dem Erdgeschoss. In den oberen Geschossen wird das Treppenhaus aus brand– und schalltechnischen Gründen aufgehoben.
Wohnungstypologie | Im bestehenden Wohnhaus finden neu drei Wohnungen mit unterschiedlichen Qualitäten Platz. Die Organisation der Wohnungen in den Normalgeschossen nimmt Rücksicht auf die bestehenden Raumeinteilungen. Neu werden mit Küche und Sanitärzelle die notwendigen Infrastrukturen eingebaut. Die Dachwohnung ist loftartig mit freiem Grundriss konzipiert. Alle Wohnungen weisen einzigartige Qualitäten auf und genügen Ansprüchen von jüngeren, wie auch älteren Einzelpersonen und Paaren. Demgegenüber sind die Obergeschosse des Neubaus durch eine grosszügige 4 ½ Zimmer Maisonettewohnung belegt welche sich als Familienwohnung eignet. Die Räume sind mehrheitlich zum Gartenraum orientiert. Präzis gesetzte Fenster ermöglichen Ausblicke zur Gasse oder in den rückwärtigen Hofraum.
Eingriffe in den Bestand | Der Eingriff in die bestehenden Raumstrukturen wird auf ein Minimum beschränkt, die ursprünglichen Raumeinteilungen mehrheitlich respektiert. Der grösste Eingriff, der Rückbau des zentralen Treppenhauses, macht die wichtige Kammerung der drei Erweiterungsphasen des bestehenden Hauses wieder ablesbar.
Material– und Konstruktionskonzept | Drei Fassaden des Neubaus sind U-förmig in Beton gehalten. Das Gebäude wächst aus der für den Gassenraum wichtigen Mauer. Das Sockelgeschoss mit den Räumen für den Kulturkeller ist auch Innen mural gehalten und sucht so eine Verbindung zum in den Felsen gehauenen Hauptraum. Die Wohnungsgeschosse sind in Holzelementbauweiseausgeführt und in die Betonhülle gestellt. Sie nehmen die Tradition der Altstadthäuser mit Holzkonstruktionen im Innern der Gebäude auf. Die Ostfassade zum Garten besteht aus Holz und erinnert an die hölzernen Vorgängerbauten.
Ausdruck | Das neue Gebäude folgt nur im Erdgeschoss der gewohnten strengen klassischen Anordnung der Öffnungen. Ansonsten zeigt sich das Haus selbstbewusst, die Öffnungen sind präzise zum gewünschten Ausblick orientiert und harmonisch angeordnet. Die Ostfassade öffnet sich grosszügig zum Aussenraum, ihr Ausdruck erinnert an die landwirtschaftlichen Vorgängerbauten.
Zusammenarbeit mit A6 architekten, Buttisholz