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Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Masern, Röteln, Mumps, Diphtherie, Hepatitis B und diverse Formen von Hirnhautentzündungen: Das alles sind Krankheiten, die heute in der Schweiz unter Kontrolle sind – dank verbesserter Hygienebedingungen, guter Ernährung und vor allem dank Impfungen.
Allerdings: Verschwunden sind die Erreger nicht, weshalb in der Schweiz die Impfungen dagegen noch immer empfohlen werden. Und immer mal wieder kommt es zu Ausbrüchen, wie etwa 1994/95, als in der Schweiz Keuchhusten und 2006 bis 2009 die Masern grassierten.
Epidemien spielten in den Zivilisationen immer eine Rolle, auch in der Schweiz. Cholera, Pocken, Pest oder Typhus tauchten auf, rafften Menschen dahin und verschwanden wieder. So starben beispielsweise im Jahr 1800 in Genf über 250 Menschen an Pocken und 1806 über 1300 im Kanton St. Gallen, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Wer eine Infektion überlebte, war oft immunisiert und fast nur noch kleine Kinder waren dem Erreger schutzlos ausgeliefert. Deshalb, so lautet die Erklärung von Infovac, der Informationsplattform für Impffragen, würden etwa Masern oder Pocken häufig und fälschlicherweise als Kinderkrankheiten bezeichnet.
Noch im Jahr 1876 – damals fing man an, die Sterbefälle zu dokumentieren – starben in der Schweiz ungefähr 200 von 1000 Babys, bevor sie ein Jahr alt waren. Heute liegt die Kindersterblichkeit laut Infovac bei 3.5 von 1000.
Wie die Pockenimpfung in der Schweiz für Aufruhr sorgte
Den ersten modernen Impfstoff gegen Pocken führte der englische Landarzt Edward Jenner im Jahr 1796 ein.
Weil sie gut funktionierte, wollte man die Pocken-Impfung in der Schweiz für obligatorisch erklären. Doch das kam nicht gut an. Zwar führten manche Kantone die Impfpflicht ein, auf Bundesebene aber scheiterte das Vorhaben grandios: Fast 80 Prozent der Eidgenossen stimmten 1882 gegen das Impfobligatorium im Rahmen des Epidemiengesetzes.
1883 setzten die Impfgegner zudem die Aufhebung des Impfzwangs in diversen Deutschschweizer Kantonen durch, wie dem Historischen Lexikon der Schweiz zu entnehmen ist.
Nichtsdestotrotz war die Impfung ein Erfolg: Seit 1979 gelten die Pocken als ausgerottet, es muss dagegen nicht mehr geimpft werden.
Weitere Impfungen folgten Ende des 19. Jahrhunderts
Die Impfung gegen Pocken blieb lange Zeit die einzige ihrer Art. In den 1880er- und 1890er-Jahren entwickelten Bakteriologen und Immunologen dann Impfungen etwa gegen Cholera und Typhus, sowie gegen Tetanus und Diphtherie.
Cholera prägte auch die Schweiz im 19. Jahrhundert. Allerdings fielen der Cholera laut Infovac weniger Menschen zum Opfer als der Tuberkulose oder der Spanischen Grippe, die 1918 rund 21'000 Menschen das Leben kostete.
Ein Drama im Deutschen Lübeck im Jahr 1930 verhinderte die Einführung der Tuberkulose-Impfung: 77 Kinder starben damals wegen verunreinigter Präparate. In den 1950er-Jahren zeigte die Verbreitung des Impfstoffs dann aber Wirkung, zumindest in den industrialisierten Ländern.
Dagegen sind Kinderlähmung und Diphtherie laut Infovac in den meisten Regionen der Welt unter Kontrolle. Das heisst aber nicht, dass sie nicht mehr auftreten.
Zu den alten Erregern gesellten sich über die Jahre auch immer wieder neue, wie etwa das HI-Virus, Sars-CoV-1 oder das Ebola-Virus. Und das jüngste Beispiel kennen wir alle.
Impfempfehlung und Impfpflicht
In der Schweiz existiert keine Impfpflicht, es kann also niemand gezwungen werden, sich gegen eine Krankheit impfen zu lassen. Allerdings gibt die Eidgenössische Kommission für Impffragen (Ekif) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Heilmittelinstitut Swissmedic jedes Jahr einen Impfplan für die Schweiz heraus, der auf der Informationsplattform für Impffragen Infovac publiziert wird. Dieser wird regelmässig überarbeitet und an die aktuelle Situation angepasst.
Der Vorteil der Herdenimmunität
Wenn die Bevölkerung massenhaft gegen eine ansteckende Krankheit geimpft ist, profitiert sie von einer Herdenimmunität: Weil viele Menschen geimpft sind, kommt es zu weniger Ansteckungen. Das schützt auch Menschen mit geschwächter Immunabwehr oder Neugeborene besser vor einer Infektion. Je ansteckender eine Krankheit, desto höher muss die Impfrate sein, wie Infovac schreibt. Es sind zum Beispiel 95 Prozent bei Masern und 70 Prozent bei Hepatitis B.
Laut Infovac ist die Durchimpfungsrate in jenen Ländern, in denen es eine Impfpflicht gibt, nicht viel höher als in der Schweiz.