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"Zeitkrankheit" oder "Leiden unter der Herrschaft Zeit"?
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Dr. phil. Alice Holzhey-Kunz
Lektüreseminar
Wir gehen aus von einem Text des Heidelberger Phänomenologen Thomas Fuchs,den er 2012 unter dem Titel "Depression und Manie als Zeitkrankheiten“ in der GAD vorgetragen hat (abgedruckt im Bulletin 2012.2). An diesem
Text lässt sich zeigen, dass die Phänomenologie sich (allzu selbstverständlich?) einem Vorverständnis von Gesundheit/Normalität verpflichtet, sobald sie psychische Phänomene untersucht, die vom ‚Normalen‘ abweichen. – In einem zweiten Schritt wenden wir uns Stellen aus Heideggers Werk Sein und Zeit. Dort finden zwar pathologische Zeiterfahrungen keine Beachtung, umso mehr aber das sogenannte „vulgäre Zeitverständnis“, das den Alltag beherrsche und in einer Zeit-Vergessenheit gründe. Von ihm hebt Heidegger dann eine „phänomenal ursprüngliche“ und darum „eigentliche“ Zeiterfahrung ab. Auf dem Hintergrund dieser Differenz lassen sich pathologische Zeiterfahrungen als Ausdruck eines „Leidens unter der Herrschaft der Zeit“ deuten, statt sie bloss als krankhafte Abweichungen von einer normalen Zeiterfahrung zu disqualifizieren.
Es ist erwünscht, wenn aus der eigenen Praxis der Teilnehmenden entsprechende Beispiele gebracht werden.
Anmeldung: <email-pii>