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Spiegel.de berichtete heute, dass der Amokläufer von Ansbach Georg R. (GameRights berichtete) vor seiner Tat ein Schriftstück angefertigt hatte - ein "Hass-Tagebuch". Weitere Untersuchungen brachten Erkenntnisse hervor, welche Computerspiel-Verbotsbefürwortern Schwierigkeiten bereiten dürften:
Die Ermittler betonten ausdrücklich, im Besitz des Amokläufers hätten sich nach bisherigem Erkenntnisstand keine sogenannten Killerspiele oder indizierten Horrorfilme befunden. Lediglich ein gewöhnlicher Actionstreifen werde in dem Tagebuch häufiger erwähnt.
Der Polizei gelang es, ein Dokument, welches als Georg R.'s "Hass-Tagebuch" gehandelt wird, auf seiner PC-Festplatte wiederherzustellen. Im knapp 80 DIN-A4 Seiten langen digitalen Dokument hatte R. seine Tat scheinbar sehr detailliert geplant und unter anderem Ablauf und Bewaffnung aufgelistet:
Die Bewaffnung des 18-Jährigen hatte sich keinesfalls spontan ergeben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag bekanntgaben. Vielmehr habe R. bereits seit April 2009 eine Art Tagebuch geführt, in dem die geplante Tat schon frühzeitig minutiös beschrieben worden sei.
Gemäss Spiegel.de hatte der Schüler in dem Dokument stets an eine fiktive Ansprechpartnerin geschrieben. Er äusserte Ängste vor einer "schweren Krankheit", hatte scheinbar auch Versagensängste hinsichtlich des Abiturs (welche nicht begründet waren, wie es hiess).
Interessanter sind die Motive des Täters, welche doch recht klassisch erscheinen:
Georg R. habe sich "ungerecht behandelt gefühlt, ausgegrenzt und nicht anerkannt", so Lehnberger. Häufiger sei in den Aufzeichnungen erwähnt, dass R. als Sechstklässler im Bus zusammengeschlagen worden sei und ihm niemand geholfen habe. Auch habe der 18-Jährige in dem Dokument Angst vor einer schweren Krankheit gezeigt und davor, das Abitur nicht zu bestehen. Es gebe jedoch keine Hinweise, dass seine Sorgen berechtigt waren.
Den Amoklauf hatte er als "Apocalypse Today" in seinen Kalender für den 17. September eingetragen. Außerdem hatte er ein Testament verfasst und auf den Jahrestag des Terroranschlags von New York, 9/11, datiert.
Offensichtlich spielten bei Georg R. genau dieselben Faktoren eine verheerende Rolle, welche schon bei den Tätern von Erfurt, Columbine und weiteren den Ausschlag gaben: Sie fühlten sich in ihrer Umwelt - sowohl familiär wie auch schulisch - nicht akzeptiert.
Dass bei Georg R. keinerlei Ego-Shooter, sonstige Actiongames oder Gewalt darstellende Filme gefunden wurden, was andernfalls von Verbotsbefürwortern erneut als "eindeutiger" Beweis für die "aggressionssteigernde" Wirkung von "Killergames" gewertet worden wäre, bestätigt den Sachverhalt, dass Gewalt darstellende Medien keinesfalls als persönlichkeitsverändernden Faktor oder gar Auslöser einer Gewalttat angesehen werden können. Christopher J. Ferguson von der Texas A&M International University konnte dies als Ergebnis einer Metastudie schon vor Kurzem belegen (GameRights berichtete). Nun zeigt sich, dass Aussagen von Game-Verbotsbefürwortern wie dem VGMG (Verein gegen mediale Gewalt), die oftmals von Wörtern wie "wahrscheinlich" nur so strotzen, boden- und haltlos sind sowie komplett an der Realität vorbeiziehen.
Glücklicherweise befinden sich die zwei lebensgefährlich verletzten Mitschüler R.'s mittlerweile ausser Lebensgefähr; eine Schülerin mit Brandwunden konnte gemäss den Ermittlern schon letzte Woche aus dem Spital entlassen werden. Die rund 700 Schüler des deutschen Gymnasiums versuchen nun, Schritt für Schritt wieder in die Normalität zurückzukehren.
Uns von GameRights bestärkt diese Meldung in unserer Ansicht, dass Videospiele trotz Gewaltinhalten niemanden zum Amokläufer machen und auch keine negativen Vorbilder bieten. Wir werden uns weiterhin für eine faire Handhabung der Spiele in der Öffentlichkeit einsetzen. Den Opfern und Betroffenen der Wahnsinnstat wünschen wir viel Kraft beim Ordnen der Gefühle, einen raschen Weg zurück in den normalen Alltag und den Verletzten gute und schnelle Besserung.