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Grönland ansiedelten. Haralds ältester Sohn, Erich Blodyxa (»Blutaxt«),
der seine Brüder ihrer Rechte beraubte und sich durch unmenschliche Grausamkeit verhaßt machte, ward 935 durch einen unehelichen Sohn Haralds, Hakon den Guten, gestürzt, der Wermland, Helsingland und Jemtland unterwarf und 950 im Kampf gegen Dänemark [* 2] fiel, worauf Harald II. Graafel (»Graufell«),
der Sohn des vertriebenen Erich, den Thron [* 3] bestieg, aber schon 963 von Hakon, Jarl von Thrand, ermordet wurde. Hakon rottete das Christentum, das schon hier und da Fuß gefaßt, wieder aus und führte glückliche Kriege, ward aber 996 von einem seiner Diener ermordet. Sein Nachfolger ward Haralds I. Urenkel Olaf I. Trygveson, der das Christentum zur herrschenden Religion erhob und die Stadt Nidaros (Drontheim) gründete. Als die Könige Sven von Dänemark und Olaf Schoßkönig von Schweden [* 4] auf Antrieb der Söhne Hakons ihn mit Krieg überzogen, stürzte er sich nach mannhaftem Widerstand, an Rettung verzweifelnd, ins Meer (1000), worauf die fremden Könige Hakons Söhne Erich und Sven als Herrscher einsetzten.
Dieselben wurden 1017 durch Olaf II., den Heiligen (Dicken), vertrieben, der, ein Enkel der alten Könige, die Orkneyinseln, Färöer und Island [* 5] unter die norwegische Herrschaft zurückbrachte und das Heidentum gänzlich auszurotten versuchte. Er fiel im Kampf gegen Knut von Dänemark bei Sticklestad nach seinem Tod als Heiliger verehrt, worauf Norwegen zum Reich Knuts gehörte, bis Olafs II. Sohn Magnus I., der Gute, es 1035 von der dänischen Herrschaft befreite. Derselbe bestieg nach dem Tode des Dänenkönigs Hordaknut, mit dem er einen Erbvertrag geschlossen, auch den dänischen Thron, wurde aber dadurch in schwere Kriege verwickelt und fiel 1047 in Seeland. Ihm verdankt Norwegen sein erstes Gesetzbuch, Grágás, »die graue Gans«; hrsg. von Finsen, Kopenh. 1850 u. 1879 (s. Nordische Litteratur, S. 223).
Harald III. Hardrada, Magnus' Oheim, gründete 1054 Opslo (Christiania) [* 6] und fiel auf einem Kriegszug nach England in der Schlacht bei Stamfordbridge (1066). Ihm folgte sein Sohn Magnus II., welcher seinen Bruder Olaf III. Kyrre (»den Friedfertigen«) zum Mitregenten annahm, aber schon 1069 starb. Auf Olaf III., der 1070 Bergen [* 7] gründete, folgte 1093 sein natürlicher Sohn Magnus III. Barfot (»Barfuß«),
der die Hebriden und die Orkneyinseln wieder unterwarf und auch die Iren zur Anerkennung seiner Lehnshoheit zwang; er fiel 1103 in Irland. Nach ihm bestieg den Thron Sigurd I. Jorsalefarer (»der Jerusalemfahrer«, 1103-30), welcher von 1107 bis 1110 einen Kreuzzug nach Palästina [* 8] unternahm und den geistlichen Zehnten einführte. Sein Sohn Magnus IV., der Blinde, wurde 1134 von seinem Vetter Harald IV. Gille bei Bergen besiegt und gefangen genommen. Harald ließ ihn blenden und entmannen und schickte ihn in ein Kloster, ward aber schon 1136 von seinem Halbbruder, dem Priester Sigurd Slemmedegn (»der schlimme Diakonus«),
ermordet, der darauf mit Magnus IV. den Thron bestieg. Beide fielen im Kampf gegen Haralds Sohn Inge I. 1139, der bis 1155 die Herrschaft mit seinem Bruder Sigurd II. teilte, aber 1161 von Sigurds II. Sohn Hakon III. Herdabreid gestürzt wurde. Da dieser aber schon 1162 in einem Treffen fiel, so ließ Graf Erling Skakke, Sigurds I. Schwiegersohn, seinen Sohn Magnus V. (1162-80) als König krönen. Gegen ihn erhob sich Eystein Meyla als Haupt der nationalen Partei der Birkenbeine (s. d.), während Magnus 1174 durch den Erlaß eines Kirchengesetzes, der Guldfjeder (»Goldfeder«),
welches dem Klerus große Rechte zusicherte und die Entscheidung bei der Königswahl übertrug, die Geistlichkeit und ihre Partei, die Bagler (»Krummstäbler«),
für sich gewann. Die Birkenbeine erlangten endlich die Oberhand, und nachdem Magnus in der Schlacht bei Fimrejte 1184 gefallen war, wurde ihr Anführer Sverrir, ein Abkömmling Harald Gilles, König.
Von Sverrir (1184-1202), einem tüchtigen Herrscher, stammten die folgenden Könige ab. Nach seines Sohns Hakon IV. (1202-1204) frühem Tod kam es von neuem zu Thronstreitigkeiten zwischen den Birkenbeinen und den Baglern, bis 1223 Sverrirs Enkel Hakon V. Gamla von beiden Parteien auf dem Reichstag zu Bergen als König anerkannt und 1247 durch einen päpstlichen Legaten feierlich gekrönt wurde. Er führte ein Erbfolgegesetz ein, welches den Einfluß der Bischöfe auf die Königswahl aufhob, stellte das Ansehen der Krone und den innern Frieden her, hob Ackerbau und Handel und gestattete der Hansa die Niederlassung in Bergen. Er unterwarf die Inselkönige seiner Herrschaft, die von Island und Grönland 1260 freiwillig anerkannt wurde, und starb 1263 auf einem Zug nach den Hebriden. Da sein älterer Sohn und Mitregent, Hakon VI., schon 1256 gestorben war, folgte ihm sein zweiter Sohn, Magnus VI. Lagaböter (»Gesetzverbesserer«),
der die Insel Man und die Hebriden 1264 an Schottland abtrat und 1267-79 die Sammlung eines neuen Gesetzbuchs veranstaltete. Sein Sohn Erich Prestader (»Priesterfeind«, 1280-99) hatte wieder mit dem Klerus zu kämpfen, den er endlich unterwarf, und dessen Vorrechte er beschränkte, und mußte 1285 der Hansa völlige Handelsfreiheit in Norwegen einräumen. Mit seinem Bruder Hakon VII. Hochbein erlosch 1319 das norwegische Königsgeschlecht im Mannesstamm. Die Krone fiel an Hakons minderjährigen Tochtersohn, den Schwedenkönig Magnus Erichson, der 1330 selbst die Regierung übernahm.
Unter ihm wurde Norwegen von Kriegen und 1349 von der Pest heimgesucht, welche mehr als ein Drittel der an sich schon schwachen Bevölkerung [* 9] wegraffte. 1350 trat er die Krone Norwegens an seinen schon 1343 zum Mitregenten angenommenen Sohn Hakon VIII. (1350-1380) ab, der sich 1363 mit Margarete, der Erbin von Dänemark, vermählte. Dessen Sohn Olaf V. ward daher 1376 König von Dänemark und vereinigte 1380 mit der dänischen Krone die norwegische, starb aber schon 1387, worauf seine Mutter Margarete sowohl in Norwegen als in Dänemark als Königin anerkannt wurde. Dieselbe vereinigte durch die Kalmarsche Union (1397) Schweden mit den beiden andern nordischen Reichen und erlangte in allen die Anerkennung ihres Großneffen Erich von Pommern [* 10] als Thronfolger.
[Norwegen mit Dänemark vereinigt.]
Die Vereinigung Norwegens mit Dänemark dauerte bis 1814. Schon unter Erich (1412-39) wurde das Volk in Norwegen von fremden Vögten mit Kriegssteuern hart bedrückt. Als sich daher nach dem Tod seines Schwestersohn und Nachfolgers Christoph von Bayern [* 11] (1441-48) die Union wieder auflöste, wurden auch in Norwegen Versuche zur Losreißung von Dänemark gemacht, 1450 aber auf dem Reichstag zu Halmstad der dänische König Christian I. anerkannt und die Personalunion mit Dänemark bestätigt, doch die Gleichberechtigung beider Reiche zugesichert. Auf Christian I., der die Orkney- und Shetlandinseln an Schottland verpfändete und 1481 starb, folgte in Dänemark König ¶
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Johann (1483-1512), unter dem die Norweger sich von neuem empörten, aber bei Opslo 1502 besiegt und unterworfen wurden. Als Christian II. (1513-23), aus Dänemark 1523 vertrieben, 1531 in Norwegen bei der katholischen Geistlichkeit Aufnahme und Beistand gefunden hatte, ward Norwegen nach seiner Besiegung und Gefangennahme (1532) von den Dänen als erobertes Land betrachtet, auf dem Reichstag zu Kopenhagen [* 13] (1536) in eine Provinz verwandelt, der norwegische Reichsrat beseitigt und die Reformation 1537 mit Gewalt eingeführt.
Alle Beamten waren Dänen; Soldaten und Matrosen wurden für die dänische Armee und Flotte ausgehoben, der dänische oberste Gerichtshof war auch für Norwegen die höchste Instanz, und alle Steuern, Zölle und Einkünfte der Bergwerke flossen nach Dänemark. Norwegen ward auch in alle Kriege Dänemarks verwickelt, wurde wiederholt von Einfällen der Schweden heimgesucht und verlor an diese die Provinzen Jemtland, Herjeådalen und Bohuslän (1645 u. 1658). Der Unabhängigkeitssinn schien in Norwegen völlig erloschen, und dänische Sprache und Kultur gelangten zur fast ausschließlichen Herrschaft.
Erst in der Zeit der Revolutionskriege erwachte der nationale Geist wieder in Norwegen, welches in den verhängnisvollen Krieg Dänemarks mit England hineingerissen wurde; der norwegische Handel und die Schiffahrt wurden von den englischen Kreuzern fast vernichtet, zugleich aber die Verbindung mit Dänemark unterbrochen und eine Losreißung damals nur durch den trefflichen Statthalter Christian August von Holstein-Augustenburg verhindert. Doch bildete sich die Gesellschaft für Norwegens Wohl, welche 1811 die Errichtung einer norwegischen Universität in Christiania durchsetzte.
Der unglückliche Ausgang des Kriegs von 1813 für Frankreich, dem sich Dänemark wiederum angeschlossen hatte, nötigte es im Kieler Frieden Norwegen an Schweden abzutreten. Die Kunde hiervon rief in Norwegen allgemeine Entrüstung und Erbitterung hervor und den Entschluß, diesmal die nationale Selbständigkeit zu erringen. Der dänische Statthalter Prinz Christian, Vetter und mutmaßlicher Nachfolger des Königs Friedrich VI., stellte sich an die Spitze der Bewegung, berief 15. Febr. eine Nationalversammlung nach Eidsvold, welche 17. Mai eine freisinnige Verfassung beschloß, beschwor diese Konstitution von Eidsvold 19. Mai, indem er den Titel eines Königs von Norwegen annahm, und hielt 22. Mai unter dem Jubel des Volkes seinen Einzug in Christiania.
Aber die Mächte erklärten sich gegen Norwegens Wünsche, auch England, und als Christian sich weigerte, abzudanken, rückte der schwedische Kronprinz Bernadotte mit Truppen in Norwegen ein, erklärte aber gleichzeitig, die Verfassung von Eidsvold anerkennen zu wollen. Da bei dem gänzlichen Mangel an Streitkräften ein Widerstand gegen die schwedische Übermacht aussichtslos war, schloß Prinz Christian 14. Aug. zu Moß mit den Schweden einen Waffenstillstand, legte in einer Proklamation vom 16. Aug. die Gründe seines Handelns dar und übertrug 19. Aug. die ausübende Gewalt dem Staatsrat; man pflegt ihn daher den Dreimonatskönig zu nennen.
Nachdem Karl XIII. von Schweden 30. Aug. zu Uddevalla die Versicherung, daß Norwegen zwar mit Schweden vereinigt, aber keineswegs als erobertes Land angesehen werde, vielmehr seine Konstitution mit einigen notwendigen Modifikationen behalten solle, erneuert und Christian 10. Okt. auf den norwegischen Thron verzichtet hatte, wählte das außerordentliche Storthing 4. Nov. einstimmig Karl XIII. von Schweden zum konstitutionellen König von Norwegen Bernadotte hielt 9. Nov. seinen feierlichen Einzug in Christiania, beschwor 10. Nov. im Storthing die Verfassung und empfing dafür den Huldigungseid der Versammlung, der Beamtenkollegien und des Militärs.
[Norwegen in Personalunion mit Schweden.]
So waren denn die beiden skandinavischen Reiche, wenn auch durch ein lockeres Band, [* 14] vereinigt. Während man in Schweden von der Zeit eine innigere Verschmelzung erhoffte, waren die norwegischen Patrioten von Anfang an bestrebt, dem vorzubeugen. Hierzu bot die Verschiedenheit der Verfassungen beider Reiche eine Handhabe. Die schwedische Verfassung hatte ein aristokratisch-ständisches, die norwegische ein entschieden demokratische Gepräge, und um dieses zu verstärken, beschloß das Storthing schon 1815 die Abschaffung des Adels.
Zweimal legte Karl XIII. das suspensive Veto dagegen ein; aber das Storthing faßte 1818 zum drittenmal denselben Beschluß, und damit war der Adel abgeschafft. König Karl XIV. Johann (1818-44) versuchte vergeblich, den Beschluß rückgängig zu machen und das absolute Veto zu erlangen. Ja, seit der Belebung der politischen Bewegung durch die Julirevolution (1830) machte sich im Storthing ein noch entschiedeneres Streben nach nationaler Unabhängigkeit bemerkbar.
Wegen der Schließung des Storthings von 1836 wurde Staatsminister Lövenskjold vor dem Reichsgericht verklagt und zu 1000 Thlr. Geldbuße verurteilt. 1838 wurde den Handelsschiffen die Führung der norwegischen Nationalflagge gestattet und die Landgemeinden von der Vormundschaft der Altmänner befreit. Trotzdem wurden 1839 die Anträge der Regierung auf Einführung des absoluten Veto und Zulassung der norwegischen Minister zu Sitz und Stimme im Storthing verworfen.
Unter Oskar I. (1844-59) genoß Norwegen eine ruhige, segensreiche Zeit. Dennoch lehnte das Storthing 1857 alle Vorschläge des Königs zu einer engern Verbindung mit Schweden ab, und das erste Storthing unter Karl XV. (1859-72) hob gegen zwei Stimmen das Recht des Königs, zur Statthalterwürde in Norwegen auch einen Schweden zu ernennen, auf, welchem Beschluß der König die Sanktion verweigerte. Der demokratische Charakter des Storthings wurde dadurch schärfer ausgeprägt, daß beschlossen wurde, daß die Städte 37, das Land 74 Vertreter wählen solle.
Nur 1864, als Dänemark von den beiden deutschen Großmächten bekriegt wurde, bewirkte das Gefühl der Zusammengehörigkeit Skandinaviens, daß der Regierung 500,000 Thlr. zur Landesverteidigung bewilligt und die norwegische Kriegsmacht zur Verfügung gestellt sowie das 50jährige Jubiläum der Union mit einer gewissen Herzlichkeit gefeiert wurde. Auch wurden 1866 Gewerbefreiheit u. Freizügigkeit zwischen beiden Ländern eingeführt, die von der Regierung vorgelegte neue Unionsakte aber nicht angenommen. Dem König Oskar II., der nach Karls XV. Tod den Thron bestieg, zeigte sich das Storthing anfangs entgegenkommend und bewilligte die Kosten für die Krönung in Drontheim wogegen der König der Abschaffung des Statthalterpostens zustimmte. Die skandinavische Münzkonvention, welche 1873 vom Storthing verworfen worden, wurde 1875 ebenso wie eine neue Zollkonvention mit Schweden (1874) und ein skandinavisches Wechselgesetz (1880) angenommen. Dagegen spitzte sich 1880 ein schon seit 1872 schwebender Streit zwischen dem Storthing und dem Ministerium Stang zu einem scharfen Konflikt zu. Während früher das Storthing den Ministern das Recht, jederzeit den Sitzungen desselben ¶