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Worum gehts?
Litauen hat seit Samstag den Bahntransit von Waren über sein Territorium nach Kaliningrad verboten. Allerdings nur Waren, die auf der EU-Sanktionenliste stehen. Die Reaktion Russlands auf die Teilblockade der Exklave an der Ostsee folgte postwendend: Moskau zeigte sich verärgert über die Massnahme und bezeichnete das Vorgehen als «illegal». Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte weiter: «Diese Entscheidung ist wirklich beispiellos und stellt eine Verletzung von allem dar.»
Wo liegt Kaliningrad?
Die Exklave Kaliningrad um das ehemalige Königsberg liegt zwischen Litauen und Polen und grenzt an die Ostsee. Kaliningrad ist nur etwa 500 Kilometer von Berlin, aber mehr als 1000 Kilometer von Moskau entfernt. Sie hat einen Zugang zur Ostsee und ist etwa ein Drittel so gross wie die Schweiz.
Wieso ist Kaliningrad russisch?
Kaliningrad – damals unter dem Namen Königsberg – war die Hauptstadt Ostpreussens. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie der Sowjetunion zugeteilt und nach dem ehemaligen sowjetischen Staatsoberhaupt Michael Kalinin benannt. Weil Kaliningrad nicht in das besetzte Litauen eingegliedert wurde, blieb es auch nach dem Zerfall der Sowjetunion russisch.
Welche Bedeutung hat die Exklave?
Für Russland ist Kaliningrad wichtig, weil es dort einen Militärstützpunkt betreibt und Atomwaffen stationiert hat. Seit dem Krieg in der Ukraine und dem Zerwürfnis mit dem Westen hat Kaliningrad noch an Bedeutung gewonnen. Wegen der geografischen Lage wäre Kaliningrad ein möglicher Ausgangspunkt eines russischen Angriffs auf den Westen.
Wie gehts jetzt weiter?
Moskau werde auf solche «feindlichen Handlungen» mit Gegenmassnahmen antworten, sagte der russische Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew am Dienstag laut der Agentur Interfax bei einem Besuch in Kaliningrad. «Deren Folgen werden schwere negative Auswirkungen auf die Bevölkerung Litauens haben.»
Litauen wies die Beschwerden Moskaus zurück. «Es gibt keine Blockade von Kaliningrad», sagte Regierungschefin Ingrida Simonyte der Agentur BNS zufolge am Dienstag in Vilnius. Sie verwies darauf, dass nur Güter auf Sanktionslisten betroffen seien – vor allem Stahl und Eisenmetalle. Der Transport aller anderen Waren sowie von Passagieren finde hingegen statt.
Die EU versuchte derweil zu beschwichtigen. Vorsorglich werde man die rechtlichen Aspekte der Leitlinien zu Import- und Exportbeschränkungen für bestimmte Produkte noch einmal überprüfen, kündigte der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell am Montagabend nach einem EU-Aussenministertreffen in Luxemburg an.
(sda/jaw)