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|Experten-Kolumne||
11.04.2017 12:22:07

Fidelity: China Serie April - Reform der Staatsbetriebe in China: Zangengeburt mit hohem Potenzial
Unternehmen in Staatsbesitz (state-owned enterprises, SOE) sind aus dem chinesischen Alltag nicht wegzudenken. Sie dominieren die wichtigen Wirtschaftssektoren Finanzwesen, Telekommunikation, Energie, Transport, Gesundheit, Luftfahrt und Rohstoffe. Sie erhalten privilegierten Zugang zu vielen Ressourcen, inklusive Kapital, verwenden diese aber häufig auf ineffiziente Art und Weise. Mehr als 100 der riesigen SOE werden durch die Zentralregierung verwaltet, insgesamt wird die Anzahl der Betriebe, die von Regierungsstellen auf allen Ebenen gehalten werden, auf rund 155 000 geschätzt.
Die wirtschaftliche Dominanz der Staatsbetriebe in einzelnen Wirtschaftssektoren drückt sich auch in ihrem Gewicht an den chinesischen Aktienmärkten aus: SOE repräsentieren rund die Hälfte der Marktkapitalisierung der grossen A-Aktien-Indizes, die die Börse Shanghai abbilden. Wer also auf dem Festland indexnah investiert, hat unweigerlich viele SOE und somit einen hohen Anteil an von Staatsunternehmen erzielten Umsätzen und Gewinnen im Portfolio.
Viele Staatsbetriebe Chinas können aber ganz und gar nicht glänzen. Sie haben immense Überkapazitäten aufgebaut, unter anderem weil sie in Zusammenarbeit mit lokalen Regierungsbehörden in Städten und Provinzen Konjunktur- und Arbeitsmarktpolitik betrieben haben. Der Grossteil der Investitionen von SOE wurde von den ebenfalls staatlichen Banken mit Krediten finanziert, mit dem Resultat, dass sehr viele der zum Teil notleidenden Schulden in Chinas Wirtschaft Verpflichtungen von SOE sind.
SOE-Reformen können viele Probleme lösen
Aufgrund der Wichtigkeit der Staatsbetriebe müssen wirtschaftliche Reformanstrengungen in China auch das Thema SOE angehen. Die Regierung teilt die SOE dabei in zwei Kategorien ein: in solche, die zentrale Regierungsaufgaben erfüllen - z. B. in den Bereichen Energie oder Gesundheitsversorgung -, und in solche, die eine rein kommerzielle Relevanz haben. Unternehmen der ersten Kategorie sollen reformiert und gestärkt werden. Staatsbeteiligungen in Unternehmen der zweiten Kategorie sollen abgebaut werden.
Die Reform chinesischer Staatsbetriebe ist seit langem ein Thema, aber die Umsetzung der angekündigten Massnahmen ist halbherzig. Das ist umso bedauerlicher, als durch entschlossene SOE-Reformen mehrere wichtige Regierungsziele gleichzeitig unterstützt werden könnten: die Senkung der Korruption, die bessere Allokation der Ressourcen, weniger Umweltverschmutzung sowie die Ausrichtung der Wirtschaft auf höherwertige Produkte und Dienstleistungen.
Reformschritte bedingen jedoch ein effizienteres Management und die schrittweise Schliessung unproduktiver Unternehmen. Da SOE von einzelnen Interessensgruppen und Lokalregierungen aber schon immer zu eigenen Zwecken missbraucht worden sind, stösst die Umsetzung solcher Massnahmen zum Teil auf erbitterten Widerstand.
Konkrete Hoffnung
Dennoch lassen einige der in letzter Zeit konkret umgesetzten Massnahmen hoffen, dass einzelne SOE effizienter werden. Die Kohlefördermengen wurden 2016 deutlich reduziert. Die Fusionen staatlicher Unternehmen im Bahnbau- und Stahlsektor dürften die Unternehmen stärken und zur Schliessung unproduktiver Anlagen führen. Einzelne kotierte SOE haben sogar zu klassischen «aktionärsfreundlichen» Massnahmen wie der Ausschüttung einer Spezialdividende gegriffen, auch zum Vorteil der Publikumsaktionäre.
Diese Schritte zeigen, in welche Richtung die Regierung gehen will, um die Wirtschaft zu stärken und Altlasten abzubauen. Da die Reformen auch die Restrukturierung von Unternehmen nach sich ziehen werden, können sich für institutionelle und Private-Equity-Investoren interessante Anlagemöglichkeiten ergeben.
Die Reformmassnahmen dürften auch die Attraktivität von A-Aktien schrittweise erhöhen, da die kotierten SOE gestärkt werden. Einerseits ermöglichen Investitionen in staatliche Unternehmen die Chance, am Erfolg der SOE-Reformen zu partizipieren. Andererseits bieten sie häufig die Möglichkeit, in einen heutigen Branchenleader zu investieren, der wahrscheinlich auch in Zukunft marktführend bleiben wird. Diese Unternehmen werden zwar kaum mit revolutionären Innovationen aufwarten, aber sie werden die finanziellen Mittel haben, ihr Dienstleistungsangebot laufend zu erneuern. Und solange die Regierung weiterhin massgeblich an einem SOE beteiligt ist, ist die Gefahr gering, dass das Unternehmen obsolet wird.
Timothy Orchard: CIO Asien-Pazifik (ex Japan), Fidelity International
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