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Ur-Raiffeisenbank feiert ihren 120. Geburtstag
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Die Raiffeisenbank am Bichelsee feiert in diesen Tagen ihren 120. Geburtstag. Kurz vor Weihnachten 1899 vollzog Pfarrer Johann Evangelist Traber die Gründung der ersten Raiffeisenbank in der Schweiz. Auch die Gründung des Verbandes schweizerischer Raiffeisenkassen 1902 in Zürich (heute: Raiffeisen Schweiz) - mit damaligem Sitz in Bichelsee - geht auf die Initiative des Pfarrers und Raiffeisen-Pioniers zurück.
Das genossenschaftliche Raiffeisensystem – nach dem Vorbild des deutschen Reformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888) – brauchte in der Schweiz mehr als einen Anlauf, bis sich der Erfolg dauerhaft einstellte. Die ersten Raiffeisenkassen, gegründet im Bernbiet in den Jahren 1886 bis 1888, haben nicht überlebt, wie Hilmar Gernet in seiner Schrift Zweimal am Start: Anfänge von Raiffeisen in der Schweiz nachgezeichnet hat. Die Raiffeisenbank am Bichelsee dagegen hat die schwierigen Anfänge dank Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit ihrer Gründer gut gemeistert. Die Ur-Raiffeisenbank im Südthurgau blickt auf eine Erfolgsgeschichte zurück, welche bis heute andauert.
Die erste orientierende Versammlung fand am 3. Dezember 1899 statt, am 17. Dezember folgte die zweite Beratung. Die Gründungsversammlung des damaligen Spar- und Darlehenskassenvereins Bichelsee-Balterswil ging – gemäss der Biographie von Alfred Böhi – am Donnerstag, 21. Dezember 1899, im Schulhaus Balterswil über die Bühne. Die treibende Kraft, Johannes Evangelist Traber (1854 – 1930), war über 40 Jahre lang Pfarrer in Bichelsee. Traber war Präsident und Aktuar des Vorstandes, der Dorflehrer Simon Knecht stellte sich als Präsident des Aufsichtsrates zur Verfügung und der Sticker Johann Köchli war erster Kassier und 18 Jahre lang der erste «Bankleiter».
Ihren Betrieb nahm die erste Raiffeisenbank, die Darlehenskasse Bichelsee, im Loh oberhalb von Bichelsee-Balterswil am 1.1.1900 auf. In einem Wohnraum von Johann Köchli stand ein Kassenschrank zur sicheren Aufbewahrung von Geldern und Akten. Der erste Eintrag im Hauptbuch datiert vom 3.1.1900: eine Obligation von 150 Franken, mit dem Vermerk «Pfarrhaus laufend Bichelsee» versehen, wurde mit einem Zinssatz von 4 % gezeichnet. 18 Jahre später zog die Bank im Restaurant zur Post in Bichelsee ein, wo sie zusammen mit der Post einen gemeinsamen Schalter einrichtete.
«Wir alle sind stolz darauf, die Urbank der Schweizer Raiffeisen Gruppe zu sein. Unsere Geschichte und Entwicklung war - wie diejenige der Raiffeisen Gruppe – in den letzten Jahren rasant», erklärt Ruedi Bleichenbacher, Vorsitzender der Raiffeisenbank am Bichelsee. Seine Bank hat bereits im September 2018 den Raiffeisen History Trail feierlich eröffnet. Der drei bis fünf Kilometer lange Rundweg beleuchtet auf spielerische und unterhaltsame Art und Weise die Anfänge der Raiffeisenbank am Bichelsee; er führt an den historisch wichtigen Orten der Schweizer Raiffeisen-Urgenossenschaft vorbei.