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Wir alle bringen unsere eigenen Ideen für die perfekte Arbeitsweise mit. In einem agilen Team können entsprechend sehr unterschiedliche Sichten aufeinandertreffen. Damit das Team effektiv arbeiten kann, gilt es, diese zu harmonisieren. Wie schaffen wir also im Team ein besseres Verständnis für individuelle Arbeitsweisen und Herausforderungen, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die es erlaubt, effektiver zusammen zu arbeiten?
Der vorliegende Anwendungsfall zeigt beispielhaft, wie das gegenseitige Verständnis innerhalb eines Scrum-Teams mit der Methode «Der perfekte Tag» verbessert wird. Die Methode hilft individuelle Annahmen und Vorurteile zu hinterfragen, indem sie die Team-Mitglieder darüber reflektieren lässt, wie ein idealer Arbeitstag für Team-Kollegen und Team-Kolleginnen aussehen könnte.
Wie schaffen wir im Team ein besseres Verständnis für individuelle Arbeitsweisen und Herausforderungen, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die es erlaubt, effektiver zusammen zu arbeiten?
Ein Scrum-Team, bestehend aus fünf Entwicklern oder Entwicklerinnen, Scrum-Master und Product Owner, arbeitet seit einiger Zeit zusammen. Die Kollaboration funktioniert für die ersten Monate gut. Zeremonien werden abgehalten, Resultate erbracht und gemäss Retrospektive läuft alles, wie es soll. Nach einigen Sprints zeigt sich, dass sich im Team leichte Spannungen zwischen den Team-Mitgliedern gebildet haben. Teile davon kommen von einfachen Missverständnissen oder unklarer Kommunikation. Der Scrum-Master beobachtet dies und schlägt die Anwendung der Methode «Der perfekte Tag» vor, mit der das gegenseitige Vertrauen und Verständnis für die Arbeitsweise verbessert werden sollen.
Das Team reserviert sich zu Beginn des neuen Sprints die Zeit für die Anwendung der Methode «Der perfekte Tag». Die Moderatorin, eine Kollegin aus einem anderen Team, stellt zuerst die Methode vor: Jedes Team-Mitglied soll sich für einen zufällig zugeteilten Team-Kollegen oder Team-Kollegin eine Geschichte überlegen, die dessen perfekten Arbeitstag beschreibt. Die Moderatorin erwähnt, dass die Geschichte gern etwas utopisch sein soll, aber nicht zu abgehoben. Sie erzählt als Beispiel, wie der perfekte Arbeitstag von Queen Elizabeth II aussehen könnte. So erhalten sich die Teilnehmenden eine Idee davon, was sie erarbeiten sollen. In der Geschichte werden spezifische Fragestellungen, die die Zusammenarbeit prägen, berücksichtigt. Einzeln erarbeiten die Teilnehmenden die Geschichten und stellen sich diese gegenseitig vor. Sie visualisieren den Tagesablauf auf einem Zeitplan. Es folgt eine weitere Runde, in der die Team-Mitglieder die wichtigsten Erkenntnisse teilen. Sie beschreiben, was zutraf, was nicht und was ihnen besonders aufgefallen ist.
Durch die Reflektion und den Austausch entdeckt das Team Aspekte, welche in der alltäglichen Kollaboration als selbstverständlich angesehen werden, aber nicht zutreffen. Zum Beispiel klären sich mehrere Vorurteile zur Arbeit im Home-Office. Es werden ausserdem Meeting-Zeiten angepasst, um besser auf die einzelnen Tagesrhythmen eingehen zu können. In den darauffolgenden Wochen beobachtet der Scrum-Master, dass sich der Umgangston zwischen den Team-Mitgliedern bereits verbessert hat und Erwartungen besser kommuniziert werden. Die Methode hilft dem Team, einen Schritt Richtung effektiverer Zusammenarbeit zu gehen.
Das Anwendungsbeispiel wurde aus Erfahrungen des Autors und aus den Erkenntnissen der Methodenanwendung konsolidiert.
Ziel der Methodenkonzeption war es, eine möglichst unterschwellige Einsetzbarkeit zu gewährleisten und so wenig Vorbereitunszeit wie möglich aufwenden zu müssen. Auch sollte die Methode online, wie offline funktionieren.
Die Anwendung der Methode «Der perfekte Tag» löst nicht sämtliche Probleme eines Teams. Sie regt aber an, selbstverständliche Alltagssituationen und unkommunizierte Erwartungen zu hinterfragen und sich in die Position der Team-Kollegen und -Kolleginnen hineinzuversetzen. Es bietet sich an, die Methode einmalig als Ersatz zur regulären Retrospektive durchzuführen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sich einige Erkenntnisse dieser zwei Methoden überschneiden.
Diese Erkenntnisse dürften sich von Team zu Team unterscheiden. Es handelt sich um eine qualitative Methode. Als Erweiterung liessen sich aus den Erkenntnissen Action-Points definieren, welche sich für eine quantitative Messung eignen.