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Die Autoren der frühen Reiseliteratur zeigten sich zwar von der Stadt Thun wenig beeindruckt, umso begeisterter waren sie von deren Umgebung. Gemäss Franz Niklaus König (1765–1832) war diese nämlich «von der grössten Anmuth, Mannigfaltigkeit und von grossem Styl».12 Spazieren war seit der Aufklärung eine beliebte Freizeitbeschäftigung, die allerdings die passende, idyllische Umgebung erforderte. Dass sich die Uferzonen dafür besonders eigneten, entging den Thuner Behörden nicht. 1813–1830 liessen sie die Schwäbisallee entlang der Aare unterhalb der Stadt erstellen, 1842 erfolgte der Bau des Aarequais zwischen der Sinnebrücke und dem Pulverturm, der bis 1896 in der Nähe des Lauitors stand. 1867 wurde der Aarequai bis zur Mühle, 1889 bis zum Thunerhof verlängert, 1932 kam der Brahmsquai hinzu. Die Uferwege waren von Beginn weg als Promenaden gedacht, deshalb galt ein Fahrverbot. Sie durften auch nicht als Einstiegsort für ein Aarebad benützt werden, und zwar, wie die Polizeiordnung von 1830 festhielt, «theils des Unanstands halber, als auch wegen der Gefahr, welcher die Badenden in diesen Theilen des Flusses ausgesetzt sind».13
Am Aarequai gab es in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens keine Abschrankung, damit an diesem Uferabschnitt weiterhin Boote anlegen konnten.
Weil aber wiederholt Personen vom Quai ins Wasser gefallen waren, sicherte die Stadt den Spazierweg bis 1910 durchgehend mit einem Geländer. Fotografie um 1900.
1925 erwarb die Stadt Thun das Schloss Schadau und den dazugehörigen Schlosspark, den sie der Bevölkerung als Erholungsgebiet zugänglich machte. Für Familien baute sie 1930 einen Spielplatz im Park, 1961 entstand südwestlich des Schlosses der Rundbau für das Thun-Panorama von Marquard Wocher. 1983 kaufte die Stadt zudem die südwestlich angrenzende Selvebesitzung und erweiterte damit den Park. 1960/61 erwarben der Kanton Bern und die Stadt Thun gemeinsam das Bonstettengut, dessen seeseitiger Teil seit 1962 ein öffentlicher Park ist. Ein weiterer Park, der jedoch nicht am See, sondern an der Aare liegt, entstand 2013 mit dem Selvepark.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts vervollständigte die Stadt ihre Uferpromenaden: Ab 1971 baute sie, trotz Widerstand von Grundstückbesitzern mit Seeanstoss, etappenweise den Strandweg, der das Bonstettengut mit dem Strandbad verbindet. Um die ökologisch fragile Uferlandschaft zu schonen, führt der Weg teils über Holzstege. Seit 2011 ist die Schadau vom Bahnhof her über einen Uferweg zu erreichen, der 2012 den Atuprix der Stiftung Auszeichnung Berner Baukultur erhielt. Für einen durchgehenden Weg vom Bahnhof ins Gwatt fehlte lange die Verbindung von der Schadau zum Strandbad. Erst im Juni 2017 bewilligte der Stadtrat den Bau dieses letzten Teilstücks, Ende April 2018 wurde es schliesslich eröffnet.14