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Auf dem Weg zum Denkmalschutz?
Schweizer Architekturpionierinnen
Die beiden Schweizer Architekturpionierinnen sind beruflich wie familiär miteinander verbunden: Lux Guyer ist die erste Architektin der Schweiz mit eigenem Architekturbüro. Sie errichtete das Haus Sunnebüel (1929), das Haus Mendel (1931) und das Rebhaus (1929). Ihre Nichte Beate Schnitter fügte in dieses hochkarätige Areal zwei weitere Bijous ein: das Haus im Garten (2008) und das Haus Gelpke-Engelhorn (1972 – 1974). Letzteres gelangte nach dem Tod der Bauherrin Christa Gelpke-Engelhorn 2014 in die Hand einer Immobilienfirma, die auf dem Areal eine voluminöse Neuüberbauung plante.
Inventarentlassung trotz eindeutigem Gutachten
Aufgrund des Provokationsbegehrens des neuen Eigentümers entliess der Gemeinderat von Küsnacht das Haus Gelpke-Engelhorn im Mai 2018 aus dem kommunalen Schutzinventar und missachtete dabei das Gutachten, das er selbst in Auftrag gegeben hatte. Dieses Gutachten stellt das Wohnhaus auf die gleich hohe Stufe mit den besten Wohnhäusern in der Region, so mit dem Haus Baumann in Schönenberg von Ernst Gisel (1968 – 1970) und dem Haus Bill in Zumikon von Max Bill (1968). Der Gutachter zitiert aus der Monografie über Beate Schnitter: «Einen eigentlichen Lichtfächer stellt das Haus Gelpke-Engelhorn in Küsnacht dar. Der Grundriss, der vom peripheren Zentrum des runden Treppenturms das ganze Raumangebot auffächert, erscheint wie ein aufgeschlagenes Kartenspiel.»
Das Baurekursgericht: Hoher Eigenwert
Gegen die Inventarentlassung des Gemeinderats hatte der Zürcher Heimatschutz rekurriert. Vor Baurekursgericht verlor er, vor Verwaltungsgericht gewann er den Rekursfall in einem wesentlichen Teil. Das Verwaltungsgericht gab den Fall wegen ungenügender Interessenabwägung wieder an das Baurekursgericht zurück. Diese Interessenabwägung hat nun das Baurekursgericht vollzogen und kommt zu dem eindeutigen Schluss:
«Die Erhaltung der äusseren Erscheinung (des Hauses Gelpke-Engelhorn) sowie der Erhalt der inneren Raumstruktur sind aufgrund des hohen Eigenwertes unabdingbar. Ebenso erscheint der Erhalt gewisser Ausstattungselemente notwendig.» Bezüglich Schutzumfang habe der Gemeinderat von Küsnacht sein Gutachten angemessen zu berücksichtigen. Dieses Gutachten ist vom Kunst- und Architekturhistoriker Michael Hanak verfasst, der die Denkmalpflegekommission des Kantons Zürich präsidiert. Es ist detailliert und lässt wenig Interpretationsspielraum. Das Baurekursgericht anerkennt mit diesem Urteil die hohe baukünstlerische Qualität des Hauses Gelpke-Engelhorn. Innerhalb der Rekursfrist hat nun nicht die Gemeinde, aber der Eigentümer an das Verwaltungsgericht rekurriert. Das Verwaltungsgericht kann den Entscheid des Baurekursgerichts indessen nur in einem relativ eng begrenzten Rahmen überprüfen.
Nach Einführung des Frauenstimmrechts
Das Haus Gelpke-Engelhorn gehört in Stil und Auftritt zur Nachkriegsmoderne. Es ist ganz aus Frauenhand. Die Baueingabe erfolgte vier Monate nach Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz 1971, die Baufreigabe ein Jahr später 1972. Bauherrin ist Christa Gelpke-Engelhorn, Fotografin und Nachkommin des BASF-Gründers Friedrich Engelhorn, die dieses Haus von Beate Schnitter errichten liess.
Im Kontext zweier Architekturpionierinnen
Das Wohnhaus Gelpke-Engelhorn ist integraler Teil des Ensembles aus fünf Häusern in Küsnacht-Itschnach und stammt aus der Hand von Lux Guyer sowie Beate Schnitter. Die fünf Häuser respektieren sich gegenseitig durch Abstand, Höhe und Ausrichtung und garantieren den Aussichtsschutz. Sie haben einen gemeinsamen Umgebungsplan und interagieren miteinander.
Das Gutachten des Kunst- und Architekturhistorikers Michael Hanak hält fest: «Die Ballung von Bauten in einem nachbarschaftlichen Kontext zweier Schweizer Architektinnen, die das 20. Jahrhundert als Vorkämpferinnen für Frauen in der Architektur prägten, hat Seltenheitswert. Beide Architektinnen hatten im Verlauf ihrer Karrieren ihre eigenen Themen und Ideen entwickelt und über die Jahre hinweg eigenwillig variiert. In Beate Schnitters Werk im Allgemeinen und beim Wohnhaus Gelpke-Engelhorn im Besonderen finden sich Anklänge an das Werk ihrer berühmten Tante Lux Guyer, die sie teilweise zum Objekt passend umsetzte, wie das übers Eck geführte Fenster, oder zeittypisch variierte, wie die bunte Farbgebung.»