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Ob er im Rollstuhl Gottesdienst leitete und predigte, ob er in Krankenzimmern Patienten besuchte und mit Ärzten und Pflegenden Kontakt hatte oder ob er jährlich im Sommer am Steuer seines PW hinter den „eisernen Vorhang“ fuhr, um in Tschechien reformierte Kollegen zu besuchen und zu unterstützen, – immer war Walter Gasser trotz seiner Behinderung auf Rädern seelsorglich offen unterwegs.
Nach dem Studium der Theologie wurde er am 22. Nov. 1949 in Bern ordiniert. Infolge Kinderlähmung im Alter von mit 24 Jahren war er körperlich behindert und wirkte deshalb stets in Institutionen, wo der Dienst vom Rollstuhl aus leichter möglich war als in einem vielseitigen Gemeindepfarramt. So war er von 1949 bis 1960 Pfarrer und Fürsorger in der bernischen Heilstätte Bellevue in Montana im Wallis. Anschliessend war er drei Jahre lang „Hausvater“ im Internat des damaligen Evangelischen Lehrerseminars Muristalden BE. Von 1963-1964 wirkte er als Seelsorger und als Leiter in der Heimstätte der bernischen Landeskirche in Gwatt am Thunersee. Seine Gattin Verena Gasser-Bongni begleitete und unterstützte ihn mit Hingabe während seiner ganzen Dienstzeit und später auch im Ruhestand bis zu seinem Tod.
Als 1964 die Schaffhauser Kantonalkirche die neue Stelle eines vollamtlichen Seelsorgers für den Kantonsspital und das Pflegeheim der Gemeinden des Kantons Schaffhausen schuf, bewarb sich Walter Gasser und wurde vom Kirchenrat gewählt. Während 18 Jahren versah er nun diesen Dienst an Patienten und, soweit gewünscht, an Personal in Spital und Pflegeheim mit grosser Treue. Daneben beteiligte er sich mit Überzeugung an der Bekämpfung des Alkoholismus: Er war aktiv bei den örtlichen und kantonalen Aufgaben des „Blauen Kreuzes“. Dank Mithilfe von kräftigen Kollegen konnte er sich auch an mehreren grösseren Studienreisen des kantonalen Pfarrkonventes beteiligen.
In seinen jährlichen Sommerferien setzte er sich ans Steuer seines Privatwagens und fuhr mit seiner Ehefrau nach Tschechien. In jener Zeit des „Kalten Krieges“ besuchte er dort regelmässig reformierte Kollegen, brachte ihnen heiss begehrte Literatur und andere Hilfsmittel, vermittelte oft auch private oder kirchliche Unterstützungsbeiträge für Aufgaben oder Projekte in ihren Gemeinden. Dass er als Behinderter im Rollstuhl auch diese Solidaritätsdienste leisten konnte, erweckte stets unsere Bewunderung und Dankbarkeit.
Als Betroffener setzte sich Walter Gasser intensiv für die Belange der Behinderten ein. So war er von 1974 bis 1992, also sogar ein Jahrzehnt über die Pensionierung hinaus, Präsident des Stiftungsrates für das Invaliden-Wohn- und Arbeitsheim in Wetzikon (IWAZ) und förderte tatkräftig den Bau dieses Zentrums 1974.
Mit 65 Jahren wurde Walter Gasser als Spitalseelsorger im Jahre 1982 regulär pensioniert, betreute indessen halbamtlich noch bis 1983 das Schaffhauser Spitalpfarramt und zog sich dann in den „Ruhestand“ in seine bernische Heimat, nach Thun, zurück. Pflegebedürftig geworden verbrachte er ab 29. Dezember 1999 seine letzten Lebensmonate gut betreut im Betagtenheim Schönegg in Hünibach BE, wo er am 3. Juni 2000 entschlief.
Der liebenswürdige Seelsorger im Rollstuhl bleibt allen, die ihn kannten und ihm begegnet sind, in dankbarer Erinnerung.
Christoph Buff, Stein am Rhein