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26. November 1917: Vier Teams gründen die NHL. Doch die neue National Hockey League entsteht nur, weil die Funktionäre einen unbeliebten Teambesitzer endlich loswerden wollen.
Professionelles Eishockey gibt es in Kanada schon vor der Gründung der NHL. Die National Hockey Association (NHA) ist von 1909 bis 1917 die wichtigste kanadische Liga. Doch dann wird sie eingestellt, um die NHL zu gründen. Ein Drama in fünf Akten.
Am 12. September 1884 wird Eddie Livingstone in eine wohlhabende kanadische Familie geboren. Das jüngste von drei Kindern der Livingstone-Familie war bald ein begeisterter Eishockeyfan. Er spielte selbst als Junior und wurde später Schiedsrichter in der Ontario Hockey Association (OHA).
Gleichzeitig war er auch Sportjournalist beim «Toronto Mail and Empire». Oft schrieb er hinterher Berichte über die Spiele, die er arbitrierte. Nachdem er bereits bei der «Toronto Rugby and Athletic Association» als Manager tätig war, kaufte er 1914 das NHA-Team der Toronto Ontarios und stieg definitiv ins Eishockey-Geschäft ein.
Livingstones Persönlichkeit sorgte allerdings sogleich für Probleme. Der Hockey-Historiker und frühere kanadische Premierminister Stephen Harper beschrieb den Funktionär als «streitlustig, scheinheilig und grundsätzlich schwierige Person». So kam es, dass er sich innert kürzester Zeit einen Erzfeind geschaffen hatte.
Samuel Lichtenhein, damals Besitzer der Montreal Wanderers, geriet sich bald mit Livingstone in die Haare. Denn der weigerte sich, zu einem Spiel in Montreal anzutreten, weil zwei seiner besten Spieler fehlten. Es folgte ein ständiger Kleinkrieg zwischen den beiden Besitzern, der darin gipfelte, dass beide das Team ihres Widersachers aufkaufen wollten. Lichtenhein bot Livingstone 3000 kanadische Dollar für die Toronto Ontarios, die mittlerweile Toronto Shamrocks hiessen. Livingstone konterte das Angebot mit 5000 Dollar, die er für die Wanderers aufwenden wollte.
Vor der Saison 1915/16 ist Eddie Livingstone plötzlich doch Besitzer zweier NHA-Teams. Frank Robinson hat ihm die Toronto Blueshirts – das zweite Team aus der kanadischen Stadt – verkauft.
Doch daran hatte der Rest der Liga gar keine Freude. Die Besitzer verlangten von Livingstone, dass er eine seiner zwei Franchisen verkaufe. Er lenkte ein und hatte vor, die Shamrocks zu verkaufen. Doch bevor er das tun konnte, kauften ihm zwei Teams aus der Pacific Coast Hockey Association die Mehrheit der Blueshirts-Spieler weg.
Livingstone blieb nichts anderes übrig, als die Löcher im Kader der Blueshirts mit Shamrocks-Spielern zu stopfen. So waren die Shamrocks aber nichts mehr wert. Livingstone brachte die Franchise nicht mehr los und wenig später erzwang die NHA die Betriebseinstellung.
Ein Jahr später stösst ein weiteres Team zur Liga, die immer noch National Hockey Association heisst. Es ist das 228. Bataillon der kanadischen Armee, das die Toronto Shamrocks ersetzen soll. Doch die NHA hatte den ersten Weltkrieg nicht auf der Rechnung. Ein grosser Teil des Teams musste nach Europa ausrücken und auch sonst zogen diverse Spieler in den Krieg.
Was soll die Liga also tun, um den Spielbetrieb dennoch aufrecht zu halten? Ganz einfach. Die Teambesitzer beriefen ein Treffen ein, bei dem sie wussten, das Livingstone nicht würde teilnehmen können. Dort beschlossen sie, dass die Toronto Blueshirts – also Livingstones Team – den Betrieb für den Rest der Saison 1916/17 einstellen musste und die Spieler unter den verbleibenden vier Teams aufgeteilt wurden. Erst nach der Saison kehrten sie zu ihrem ursprünglichen Team zurück.
Doch diese Demütigung war den restlichen NHA-Teambesitzern offenbar nicht genug. Mike Quinn, Besitzer der Quebec Bulldogs, stellte dem Team aus Toronto ein Ultimatum: Innert drei Wochen sollte sich die Franchise von Livingstone trennen. Andernfalls würde die Liga ohne sie planen.
Toronto liess die Deadline allerdings verstreichen. Beim jährlichen Meeting im November 1917 war es dann so weit. Die Besitzer der Montreal Canadiens, Montreal Wanderers, Ottawa Senators und Quebec Bulldogs verkündeten, dass die NHA den Betrieb einstellen werde. Eine Woche später wurde eine neue Liga – die National Hockey League – vorgestellt.
Mit dabei: die Canadiens, die Wanderers, die Senators und die Bulldogs – und auch die Franchise aus Toronto war mit von der Partie. Zumindest die Spieler von Livingstones Team, denn die NHL behielt deren vertragliche Rechte.
Die «Arena Company», die Betreiberin des Stadions, in dem die vormaligen Blueshirts spielten, übernahm die Franchise. Das Team gewann 1918 sogar den Stanley Cup und wurde einige Jahre später zu den heutigen Maple Leafs. Eigentlich war fast alles wie vorher, nur hiess die Liga nun NHL. Und Livingstone war eine Persona non grata in der National Hockey League und überhaupt im kanadischen Profi-Hockey.
Daran hatte der kanadische Unternehmer natürlich keine Freude. Die nächsten Jahre verbrachte er vor Gericht. Livingstone wollte Kompensation für den Verlust seiner Franchise und seiner Spieler. Die neue Franchise «Toronto Arenas» sollte Livingstone mit 9000 kanadischen Dollar entschädigen, offerierte aber nur 5958.54 Dollar. Das wiederum verärgerte Livingstone derart, dass er eine neue Klage gegen die NHL lancierte und 20'400.50 Dollar forderte.
Zwischenzeitlich versuchte der unerwünschte Hockey-Funktionär, eine eigene Liga auf die Beine zu stellen. Er nannte sie Canadian Hockey Association (CHA). Doch als er 1920 das erste Team in Hamilton (Ontario) ankündigte, sagte sich die NHL «nicht mit uns» und verschob die Quebec Bulldogs nach Hamilton.
Sechs Jahre später startet Livingstone seinen nächsten Versuch: Die International Professional Hockey League (IPHL) sollte mit Teams aus Toronto, Buffalo, Detroit, New York und Chicago funktionieren. Doch auch da sorgte die NHL dafür, dass es nicht klappte. Stattdessen kaufte sich Livingstone bei den Chicago Cardinals aus der American Hockey Association (AHA) ein.
Doch auch dort war Livingstone kein Erfolg beschert. Nachdem die AHA mit der NHL das Gespräch über Spielertransfers und gemeinsame Entwicklungsmöglichkeiten suchte, sagte der damalige NHL-Präsident Frank Calder: «Gute Idee, aber zuerst müsst ihr Livingstone loswerden.» Und die AHA folgte.
Immerhin einen Sieg konnte Livingstone doch noch feiern: 1926, also neun Jahre nachdem er sein Team verloren hatte, gaben ihm die kanadischen Gerichte Recht. Er erhielt die geforderte Entschädigung von 20'400.50 Dollar.
Nach dem Livingstone auch von der AHA rausgeschmissen wurde, gab er seinen Traum vom Profihockey auf. Er wurde Trainer in der Ontario Hockey Association, einer Amateurliga. Am 11. September 1945 verstarb er einen Tag vor seinem 62. Geburtstag. Böse Zungen behaupten, es sei die NHL gewesen, die es ihm verboten hat, 62 Jahre alt zu werden.