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Dabei spielte auch der Canal d’Entreroches eine Rolle. Auf einer Wanderung zwischen Bavois und Eclépens im Waadtland sind die Überreste des geplatzten Traums zu sehen.
Zwei Perrons, eine Brücke, Parkplätze und sonst nichts als Niemandsland. Der Bahnhof von Bavois im Kanton Waadt ist ein unscheinbarer Ort. Doch nicht weit von hier scheiterte vor knapp 400 Jahren ein für die damalige Zeit episches Projekt: der Canal d’Entreroches. Er sollte einst als Teil einer Wasserstrasse Transportschiffen den Weg von der Nordsee bis ins Mittelmeer ermöglichen. Das Problem: Die Strecke von Yverdon bis zum Genfersee war für Schiffe nicht passierbar.
Das Geld reichte nicht aus
Das wollte der Exil-Bretone Elie du Plessis-Gouret ändern und unterbreitete 1635 der Regierung in Bern die Idee eines Kanals, der die Aare, den Bieler-, Neuenburger- und Genfersee durchlaufen und somit Rhone und Rhein verbinden sollte. Tatsächlich erhielt er grünes Licht, und zwischen 1638 und 1648 wurden grosse Strecken des Kanals realisiert: siebzehn Kilometer zwischen Yverdon und Entreroches sowie die anschliessenden 8,4 Kilometer bis Cossonay. Danach wurden jedoch die bereits seit Anfang des Vorhabens bestehenden Geldprobleme zu erdrückend und die letzten zwölf Kilometer bis zum Genfersee nie fertiggestellt.
Immerhin nutzte man den Kanal bis 1829 während gut 200 Jahren für die Handelsschifffahrt zwischen Cossonay und Yverdon; 85 Prozent des Transportguts war Wein. Um den edlen Tropfen an sein Ziel zu bringen, war einiges an Manneskraft vonnöten. Denn die eingesetzten Flachkähne (Razzelles) mussten von zwei Männern, die sich an Land befanden, den Kanal entlang gezogen werden, ein Dritter steuerte das Gefährt. Es war ihnen also nachzusehen, dass sie sich immer wieder am Transportgut bedienten und in dementsprechend fidelem Zustand am Ziel ankamen.
Ein Hafenhaus ohne Hafen
Ob sie ebenso fröhlich über die Orbe-Ebene gefahren wären, wo sich jetzt pechschwarze Torffelder, gelbe Rapsteppiche und grüne Wiesen abwechseln und für ein beeindruckendes Farbenspiel sorgen, lässt sich nur erahnen. Hier, unweit des Bahnhofs Bavois, hätten die Schiffe ebenfalls unterwegs sein sollen, Teile des Kanals finden sich auch jetzt noch auf dieser Fläche. Der Blick geht in Richtung einer von weitem sichtbaren mächtigen, hundert Jahre alten Linde. Ein Zeichen der Berner Herrschaft. Sie steht im Garten des für den Kanal erbauten Hafenhauses von Entreroches. Ein Hafen, Wasser und Schiffe fehlen hingegen. Zwischen Hafenhaus und zwei vom Blitz gebeutelten Platanen, die während der Zeit des Hausbaus gepflanzt wurden, führt der Weg in Richtung Klus von Entreroches. Einst haben hier einheimische Arbeiter gegraben und Felsen weggesprengt. Heute ist anstelle von Baulärm nur Vogelgezwitscher zu hören. Plötzlich schauen einen zwei schwarze Augen an – der Doppeltunnel, der den Berg Mormont durchquert. Sekunden später rast eine SBB-Komposition vorbei. Die zwischen 1852 und 1855 gebaute Eisenbahnstrecke zwischen Yverdon und Morges schnitt den Canal d’Entreroches buchstäblich entzwei.
Ein Ort für grosse Träume
In der Klus angekommen, präsentieren sich die Überreste des Pionierprojekts. Von Moos überwucherte, sieben Meter hohe Kanalwände in Form von Trockenmauern ragen links und rechts des schmalen Rinnsals in die Höhe und spiegeln sich im Wasser. Kaum vorstellbar, dass hier einst Schiffe unterwegs gewesen sein sollten. Ein paar Hundert Meter weiter vorne versickert der Canal d’Entreroches in der Erde. Im wildromantischen Sumpfgebiet hat die Natur längst wieder das Zepter übernommen. Und statt auf einem mit Weinfässern beladenen Kahn wähnt man sich nun in einem mystischen Zauberwald.
Text: Markus Fässler
Fotos: Markus Fässler, richesses patrimoniales, adobestock, carte keystone
GUT ZU WISSEN
Die sichtbarsten Überreste des Canal d’Entreroches finden sich in der Klus von Entreroches, weitere Spuren des Kanals auf der Orbe-Ebene. Als Startpunkt für die rund eineinhalbstündige Wanderung ist entweder Bavois oder Eclépens möglich. Wer die Strecke von oder nach La Sarraz anhängen möchte, muss mit rund zwei Stunden Wanderzeit rechnen.
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