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Während der Frühgeschichte existierten im Raum Syrien-Palästina zahlreiche Stadtstaaten, Kleinreiche und Stammesverbände, die mehrheitlich in einem Vasallenverhältnis zu den angrenzenden Grossreichen standen. Ein solcher Stadtstaat war Ebla. Der Ort war schon lange Zeit durch sumerische, akkadische und ägyptische Quellen bekannt, aber niemand wusste, wo Ebla zu lokalisieren war. Erst als 1964 ein italienisches Archäologen-Team der Universität Rom unter der Leitung von Paolo Matthiae auf dem Siedlungshügel Tell Mardikh, ca. 55 km südlich von Aleppo, die Reste einer Siedlung ausgrub, konnten diese Ruinen als die Stadt Ebla identifiziert werden. Dabei förderten die Archäologen ein riesiges Tontafel-Archiv von über 20000 Tafeln zutage, deren Texte in Keilschrift geschrieben waren, jedoch in einer bis dahin unbekannten semitischen Sprache, Eblaitisch. Das Auffinden des Archivs war eine archäologische Sensation gewesen. Der Fachphilologe Giovanni Petinator sollte zunächst alle Tafeln im Alleingang übersetzen. Das Projekt erwies sich aber für eine einzelne Person zu gross, und so wurden die Tafeln durch eine speziell gegründete Kommission zur Übersetzung an diverse Institutionen verteilt.
Nun stand der Forschung eine Vielzahl von Texten zur Verfügung, die Ereignisse beschrieben, die bis dahin nur durch Sekundärquellen überliefert waren. Aufgrund des umfangreichen Quellenmaterials konnten nun detaillierte Informationen in Bezug auf Handelsbeziehungen, Steuern, Gesetze, Politik und Verwaltung gewonnen werden.
Die Blütezeit der Stadt war gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. gewesen – älteste Siedlungsspuren reichen jedoch ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. Die Ausgräber legten Fundamente eines Tempels und eines Palastes aus der Mittelbronzezeit frei – Bautypus Bit Hilani: Stützen an der Frontseite und dahinter liegende Querhalle – sowie Grabkammern, die man in Zisternen angelegt hatte.
Während seiner Blütezeit pflegte Ebla ausgedehnte Handelsbeziehungen mit Reichen im Vorderen Orient, Ebla war auch Handelszentrum und Umschlagplatz für Handelsgüter wie Bauholz, Kupfer und Silber. Um 2300 v. Chr. erbeuteten die Eblaiter in einem Feldzug gegen Mari, der einflussreichsten Stadt Syriens im 3. Jahrtausend v. Chr., zahlreiche Silber- und Gold-Minen, wodurch Ebla zu einem Reich von überregionaler Bedeutung wurde.
Um 2250 v. Chr. wurde die Stadt von den Akkadern zerstört. Nach Aussage einer Inschrift auf einer Siegeskeule des Akkader-Königs Naram-Sin soll dieser Ebla erobert und zerstört haben. Allerdings konnte diese Behauptung archäologisch nicht nachgewiesen werden. Die Stadt erholte sich zwar von den Zerstörungen, erlebte auch wieder einen neuerlichen Aufschwung und blieb bis zum 7. nachchristlichen Jahrhundert besiedelt. Danach verfiel der Ort.
Nach Beendigung der Grabungsarbeiten wurden die freigelegten Mauern teilweise mit einem Verputz bedeckt, um sie vor Verwitterung zu schützen. Die Tontafeln und zahlreiche andere Fundstücke befinden sich heute im Museum von Idlib.