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Sie ist als politisches Schwergewicht angetreten. In der Freiburger Politik ist die 56-jährige Isabelle Chassot bekannt. Zehn Jahre sass sie im Kantonsparlament, 2001 wurde sie für die CVP in die Kantonsregierung gewählt. Dieses Amt übte sie 12 Jahre aus, wurde dabei mehrmals mit den meisten Stimmen wiedergewählt, bis sie 2013 zurücktrat und die Direktion des Bundesamts für Kultur übernahm.
Dieser Leistungsausweis schien die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger überzeugt zu haben. Die Kandidatin der Mitte schlug ihren SP-Konkurrenten Carl-Alex Ridoré mit 62.7 Prozent der Stimmen.
Die Suche nach der Nähe zur Bevölkerung war der Schlüssel zum Erfolg.
Kurz nach der Bekanntgabe der Wahl war Chassot überrascht über das deutliche Ergebnis. Vor allem, dass sie auch in den grossen Städten mehr Stimmen holte als ihr linker Konkurrent. Sogar in der Wohngemeinde von Ridoré, in Villars-sur-Glâne holte Chassot deutlich mehr Stimmen. «Die vielen Stimmen aus den Städten habe ich so nicht erwartet», sagte die neue Ständerätin. Ihre Suche nach Nähe zur Bevölkerung sei der Schlüssel dazu gewesen.
Historische Niederlage für SP
Damit hat es die SP verpasst, ihren Freiburger Ständeratssitz zu verteidigen. Dieser wurde frei, weil Christian Levrat Verwaltungsratspräsident der Post wird.
Seit über 40 Jahren war der Kanton Freiburg im Ständerat praktisch durchgehend mit einer Person aus dem linken und einer aus dem bürgerlichen Lager vertreten. Nur zwischen 1999 und 2003 gab es kurzzeitig zwei bürgerliche Vertreter. Ansonsten wollte das Freiburger Stimmvolk jeweils eine ausgewogene Links-Rechts-Vertretung.
Wie Levrat die SP in die Bredouille brachte
Christian Levrat, SP-Ständerat und ehemaliger Präsident der SP Schweiz, hätte das Zugpferd der SP bei den kantonalen Gesamterneuerungswahlen im November sein sollen. Im letzten Jahr kündigte er an, für die Kantonsregierung zu kandidieren. Entsprechend legte die SP ihre Strategie auf die Staatsrats-Kandidatur von Levrat aus.
Zu verlockend war für Levrat jedoch das Angebot, Präsident der Post zu werden, weshalb er seine Kandidatur für die Kantonsregierung zurückzog. Die SP verlor damit nicht nur ihr starkes Zugpferd für die kantonalen Wahlen, sie musste auch in einer Hau-Ruck-Übung einen Ersatz für ihren Ständeratssitz finden. Mit Carl-Alex Ridoré wurde ein Kandidat ins Rennen geschickt, der auf nationaler Ebene wenig bekannt ist.
Die SP hat auch die Chance verpasst, den ersten dunkelhäutigen Ständerat der Schweiz zu stellen. Der 49-jährige Oberamtmann des Saanebezirks Carl-Alex Ridoré hat Wurzeln in Haiti.
Auch er hat eine politische Vergangenheit. Bevor er 2008 den Posten des Oberamtmannes übernahm, sass er zwei Jahre im Freiburger Kantonsparlament. Seine politische Karriere begann 2001 im Gemeindeparlament von Villars-sur-Glâne. Zuletzt stand er auch im Zentrum der Abstimmung zur Grossfusion von Freiburg. Ridoré leitete die Arbeitsgruppe. Er konnte die Stimmberechtigten des Kantons jedoch nicht von sich überzeugen. Er holte über 22'000 Stimmen weniger als Chassot.
Dass die Rechte im Kanton stark ist, habe er gewusst, sagt Ridoré: «Normalerweise können wir mit den Stimmen der Mitte ein Gleichgewicht schaffen.» Mit Isabelle Chassot von der Mitte als Konkurrentin sei dies nun aber nicht möglich gewesen. Für die Eidgenössischen Wahlen 2023 müssten sie über die Bücher, so Ridoré.
Zwei Frauen
Nun sind erstmals beide Ständeratssitze des Kantons Freiburg von Frauen besetzt. Von Isabelle Chassot und Johanna Gapany (FDP), die 2019 gewählt wurde und damals Beat Vonlanthen (CVP) verdrängte. Mit Chassot kehrt die Mitte nun wieder zurück.