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statt + Genitiv/Dativ
Die Präposition statt regiert laut Duden den Genitiv. In den folgenden Abschnitten finden Sie weitere Informationen zu den Ausnahmen von dieser Regel, zur Getrennt- und Zusammenschreibung von stattdessen/statt dessen, zur Konjunktion statt, zum Unterschied zwischen statt und anstatt sowie zur Kommasetzung bei statt/anstatt dass.
Die Präposition statt + Genitiv/Dativ
Welchen Fall die Präposition «statt» regiert, ist nicht ganz eindeutig, wenn man verschiedene Nachschlagwerke konsultiert. Laut Duden (neue Ausgabe kaufen*) steht nach der Präposition statt der Genitiv. Gleicher Meinung ist das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS), erwähnt aber, dass statt + Dativ in der Umgangssprache anzutreffen ist. Die Variantengrammatik des Standarddeutschen (VarG) hält hingegen fest, dass nach der Präposition statt entweder Dativ oder Genitiv verwendet werden kann, ergänzt aber: «Insgesamt wird die Variante mit Genitiv überall (ausser in Liechtenstein) mehrheitlich verwendet.»
Empfehlung: statt + Genitiv
Ich empfehle, die Präposition «statt» standardsprachlich mit Genitiv zu nutzen. Begründung: Die Variante statt + Genitiv gilt in allen deutschsprachigen Regionen als korrekt und wird von allen Nachschlagwerken akzeptiert. Ob die Variante statt + Dativ bereits standardsprachlich genutzt werden darf oder der Umgangssprache zugeordnet werden muss, beantworten die verschiedenen Quellen unterschiedlich.
Hier einige Anwendungsbeispiele mit der Präposition statt + Genitiv (in der Standardsprache):
- Die Polizei konnte statt eines eindeutigen Beweises nur Indizien für die Schuld des Angeklagten vorbringen.
- Statt eines kleinen Hockers kaufte er ein grosses Sofa.
- Die Immobilienfirma entschied, statt eines Hotels ein Einkaufszentrum zu bauen.
«an ... statt» + Genitiv
In der Verbindung «an ... statt» steht das von «an» und «statt» umschlossene Substantiv ebenfalls im Genitiv. Dabei handelt es sich meist um feste Fügungen, die etwas angestaubt wirken, weshalb ich im Lektorat davon abrate, sie zu nutzen. Besonders in juristischen Texten sind solche Ausdrücke aber noch gebräuchlich:
- Eine «Annahme an Kindes statt» ist eine Adoption.
- Mit der Versicherung an Eides statt bekräftigt eine Person, dass eine bestimmte Erklärung der Wahrheit entspricht.
- Der Hotelkomplex wurde abgebrochen. An seiner statt entsteht nun ein Freizeitpark.
Zusatztipp: «statt» wird bei der Wendung «an ... statt» immer kleingeschrieben. Falsch ist zum Beispiel: «an Kindes Statt».
Ausnahme 1: statt + Dativ bei einzelnen Nomen im Plural
Der Dativ kommt bei der Präposition statt ausnahmsweise zum Zug, wenn statt mit einem alleinstehenden Nomen im Plural verbunden ist, bei welchem man den Genitiv Plural nicht erkennen kann. Das ist der Fall bei Substantiven, die im Genitiv Plural gleich sind wie im Nominativ Plural oder Akkusativ Plural. In diesen Fällen wird der Dativ Plural verwendet, der häufig erkennbar ist am Dativ-n:
- Statt Äpfeln kaufte sie Birnen (nicht: statt Äpfel ...).
- Du solltest statt Bratwürsten besser Gemüse essen.
- Sie suchten statt Problemen lieber Lösungen.
Sobald aber ein Begleitwort den Genitiv erkennbar macht, bleibt auch das Substantiv im Genitiv. Ein Begleitwort kann zum Beispiel ein Adjektiv oder ein Artikel sein:
- Statt roter Äpfel kaufte sie Birnen. Anhand der Genitivform des Farbadjektivs «rot» (= roter) ist der Genitiv erkennbar, weshalb auch der Genitiv von Äpfel (= Äpfel) beibehalten wird.
- Du sollstest statt fettighaltiger Bratwürste besser Gemüse essen. Hier wird der Genitiv durch das Adjektiv fetthaltig erkennbar.
- Sie suchten statt der Probleme lieber Lösungen. Der Artikel «der» lässt hier den Genitiv erkennen, weshalb die Probleme ebenfalls in der Genitivform stehen.
Ausnahme 2: statt + Dativ, um doppelten Genitiv zu vermeiden
Falls dem mit der Präposition statt verbundenen Wort unmittelbar ein zweiter Genitiv folgt oder vorausgeht, wird dies vermieden, indem eine der Genitivformen mit Dativ ersetzt wird. Der Duden sagt zwar nicht, ein doppelter Genitiv sei falsch, folgende Sätze gelten in der Standardsprache aber als stilistisch unschön:
- Statt des gestohlenen Autos (=Genitiv) des Diplomaten (= nochmal Genitiv) fanden die Polizisten ein Fahrrad.
- Die Fussballer verfolgten statt des Trainers (= Genitiv) guten Planes (= nochmal Genitiv) lieber eine andere Strategie und verloren das Spiel.
Besser ist mit einmal Dativ:
- Statt dem gestohlenen Auto (=Dativ) des Diplomaten (=Genitiv) fanden die Polizisten ein Fahrrad.
- Die Fussballer verfolgten statt des Trainers (=Genitiv) gutem Plan (=Dativ) lieber eine andere Strategie und verloren das Spiel.
Unflektiert bei einzelnen Substantiven im Singular
Hängt von der Präposition statt ein einzelnes Nomen im Singular ab, das nicht von einem fallanzeigenden Wort begleitet wird, ist ein unverändertes Nomen häufig mindestens so üblich wie die Variante mit Genitiv:
- Statt Bargeld/Bargelds hat er nur noch Kreditkarten im Portemonnaie.
- Statt Geldmangel/Geldmangels hätte ich lieber Kopfschmerzen.
Schreibt man stattdessen oder statt dessen?
Bei der Verknüpfung von statt und dessen stellt sich vielen die Frage nach der Getrennt- und Zusammenschreibung. Dazu gibt es zum Glück einen einfachen Test, um herauszufinden, ob es «stattdessen» oder «statt dessen» heissen muss.
Kann die Wendung mit «dafür» ersetzt werden, gilt die Zusammenschreibung «stattdessen»:
- Der Gemeindepräsident war krank. Stattdessen/Dafür kam die Vizepräsidentin.
- Sie verkaufte ihr Auto und investierte stattdessen/dafür in ein Fahrrad
Ist die Wendung mit «für den/das» ersetzbar, gilt die Getrennsschreibung «statt dessen»:
- Der Gemeindepräsident, statt dessen/für den die Vizepräsidentin kam, entschuldigte sich später für seine Abwesenheit.
- Das Auto, statt dessen/für das nun ein Fahrrad auf dem Vorplatz stand, wurde vom neuen Besitzer bald verschrottet.
statt als Konjunktion
Sprachliche Verwirrung stiftet häufig die Tatsache, dass statt nicht nur eine Präposition ist, sondern auch eine Konjunktion. Dann regiert nicht statt den grammatischen Fall des folgenden Wortes, sondern das Verb im Satz ist für den Kasus «zuständig». Aus diesem Grund gibt es Sätze, in welchen das Substantiv nach statt weder im Genitiv noch im Dativ steht, sondern zum Beispiel im Akkusativ:
- Statt deinen Verlust (= Akkusativ) zu beweinen, solltest du vorausschauen.
- Wenn du nicht so stur wärst, würdest du nachgeben, statt deine Argumente (= Akkusativ) gebetsmühlenartig zu wiederholen.
Ob statt als Konjunktion oder als Präposition verwendet wird, ist mit einem einfachen Test zu erkennen. Können Sie statt ersetzten mit «anstelle (von)» handelt es sich um eine Konjunktion. Ist statt ersetzbar mit «und nicht», wird das Wort als Konjunktion eingesetzt. Manchmal ist nicht eindeutig zu bestimmen, ob statt als Konjunktion oder als Präposition verwendet wird. In diesen Fällen kann man nicht behaupten, nur das eine oder das andere sei richtig. Beides ist möglich:
- Statt als Konjunktion in der Bedeutung «und nicht»: Er trug die alten Linsen statt/und nicht seine neue Brille.
- Statt als Präposition in der Bedeutung «anstelle (von)»: Er trug die alten Linsen statt/anstelle von seiner neuen Brille.
Wann schreibt man statt, wann anstatt?
Unklarheiten bereitet manchmal auch die Frage, ob es einen Unterschied gibt zwischen statt und anstatt und wann bei statt/anstatt ein Komma gesetzt wird.
statt und anstatt sind austauschbar
Die Wörter statt und anstatt sind identisch in ihrer Bedeutung und können beliebig ausgetauscht werden. Anstatt ist wie statt als Präposition und Konjunktion einsetzbar. Es geht kein Bedeutungsunterschied damit einher:
- Das Fussballspiel wurde anstatt/statt auf Naturrasen auf einem Kunstrasenfeld ausgetragen.
- Die Popsängerin, die anstatt/statt des Gemeindepräsidenten die Ansprache hielt, konnte mit ihrem Auftritt überzeugen.
- Anstatt/Statt dauernd Pommes zu futtern, würdest du besser Sport treiben.
Einzige Ausnahme: das Wort «anstattdessen» gibt es nicht, nur «stattdessen».
Kommasetzung bei anstatt/statt (dass)
Wird anstatt/statt mit dass verknüpft, steht wie bei einem alllein stehenden «dass» vorher ein Komma. Zwischen dass und anstatt/statt ist kein Komma nötig:
- Er las ein Buch, anstatt/statt dass er seine Hausarbeiten erledigte.
- Im Urlaub denke ich häufig an die Arbeit, anstatt/statt dass ich Ruhe und Frieden geniesse.
Anstatt/Statt wird zudem häufig mit einem erweiterten Infinitiv verbunden (Infinitiv + zu). Auch dann ist ein Komma zu setzen, um den Nebensatz vom Hauptsatz abzutrennen:
- Er fluchte zu Hause, (an)statt in der Kirche zu beten.
- Weil er so hungrig war, schlang er die Currywurst herunter, (an)statt genüsslich darauf rumzukauen.
Haben Sie weitere Sprachfragen
Antworten zu vielen kniffligen Sprachfragen finden Sie im empfehlenswerten Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle* (Duden Band 9). Auf meiner Website finden Sie zudem eine Liste mit Präpositionen, falls Sie zu anderen Präpositionen mehr erfahren möchten.