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AES B0099 | ZB FA Escher vom Glas
In: Jung/Fischer, Escher Briefe, Band 2, Nr. 1 | Jung, Aufbruch, S. 50–51 (auszugsweise)
Schlagwörter: Haus und Garten, Krankheiten, Privatunterricht
Vorausgehender Brief:
Alfred Escher an Heinrich Schweizer, 8. / 9. September 1831
Nachfolgender Brief:
Alfred Escher an Johann Jakob Horner, 11. September 1831
Vorausgehender Brief:
Alfred Escher an Heinrich Schweizer, 8. / 9. September 1831
Nachfolgender Brief:
Alfred Escher an Heinrich Schweizer, 16. September [1831]
Zürich Neuberg1 am 8ten September 1831
Gestern trugen vom Morgen um 6 Uhr bis Nachmittag um ½ 4 Uhr 6 Gesellen Meublen ins Schiff. z. B. Mamma 's Bett, Chiffonier, das Silber-Buffet im großen Speisezimmer, Ihr Bett und Waschtisch, Papa 's Bett und sein Insecten-Kasten im Ofenzimmer, Clementinens Commode, 2 kleine Bettchen2 , Commode und Schreibtisch im kleinen Cabinete, viele Stühle, den Tisch auf der Laube, das Clavier, das gestickte Canape und die dazu gehörenden Stühle, die ehemahls im Zimmerchen, neben Ihrem standen und mehrere Nachttischchen, Papa's Waschtisch in der Kastenkammer, Papa's Schreibtisch, früher im grünen Cabinete im großen Hause, 2 Spieltischchen, et. c. e. t. c. Mamma trug Papa an, vor dem Abfahren zu Mittag zu essen und das Schiff abwechselnd zu bewachen. Ein an dem Himmel stehendes Gewitter befahl, abzufahren. Man fuhr ab. Bis das Schiff abgeladen und die Meublen an Ort und Stelle getragen worden waren, bis Papa, dem man die Kutsche nach Belvoir geschickt hatte, da war, wurde es ½ 7 Uhr! Mamma hatte Papa mit dem Mittagessen gewartet, denn sie | hatte gar keinen Appetit. Sie ließ auch wegen Halsbeschwerden, die sie ja so sehr fürchtet, den Arzt 3 rufen, der, nachdem er den Hals untersucht hatte, fand, daß sich einige kleine Geschwüre darin befinden, und uns sagte, es sey ein Anfall von Scorbut, der mit Wallungen und Hitzen, welche er aus ihrem Pulse schloß, sehr zusammenhange. Nach einer unruhigen Nacht ist Mammaheute ganz besonders angegriffen. Ihre Halsbeschwerden dauern fort, und eine große Mattigkeit erlaubt ihr kaum, sich im Hause herum zu schleppen; dennoch sollte sie, Geschäfte halber diesen Nachmittag nach Belvoir fahren; ob es ihr die Kräfte erlauben werden, scheint ihr und mir zweifelhaft. Wie leid, daß sie sich unter diesen Umständen so unwohl fühlt!
Ich muß Ihnen e[in]e neue Widerwärtigkeit erzählen. Dienstags Nachmittag erhielt Frick 4 den Befehl, Mittwoch Nachmittags um 1 Uhr unfehlbar in die Caserne zu gehen, um mit jedem Augenblicke zum Zuge nach Basel bereit zu seyn. Alle Leute glaubten, ein Fall, wie dieser würde eine Ausnahme machen; Papa ging zu Herrn Oberst Bürkli 5 , um ihn um Frick's Entlassung zu bitten. Er konnte es aber nicht erlauben. Frick ist also in der Caserne und ist seit gestern um 1 Uhr bis jetzt um 11 Uhr nur gestern Abend für einen Augenblick gekommen. Denken Sie sich unsre Verlegenheit!
Ich erhielt Ihren lieben Brief6 diesen Morgen, theuerster Lehrer! und danke Ihnen herzlichst dafür. Wegen des freundlichen Besuches von Ihnen, tragen mir meine Eltern auf, Ihnen zu schreiben: So bald als möglich; denn, sagten sie, Sie nehmen ja mit allem vorlieb; und seyen ja kein Gast, sondern ein theurer Hausgenosse. Ach! wann wird dieß sich in der wahren Bedeutung des Worten erwahren? Es thut Papa sehr leid, Ihnen das Gefährt nicht schicken zu können; aber sobald der Zug vom Neuberg nach Belvoir fertig ist, beginnt der Meubles-Zug vom Magazinhof in den Neuberg, und dazu sind unsere Braunen | unumgänglich nothwendig. Papa hofft, es werde keinen solchen Fall mehr geben und sie werden später nur mit unsern Pferden nach Belvoir kommen.
Von Neuem ein trüber Himmel! Diesen Morgen regnete es unaufhörlich. Jetzt schonet es zwar. Ob dieses fortdauern werde, ist zweifelhaft. Und doch sollten diesen Nachmittag die Bettstücke zu den, sich schon dort befindenden Bettstellen nach Belvoir transportirt werden, und dazu ist schönes Wetter durchaus nothwendig! Wir haben im Plan in der Nacht vom Samstag auf den Sontag im Gut zu schlafen. Also müssen Morgens die 4 Dienstenbetten und Alles sonst noch im Hause befindliche dorthin im Schiffe gebracht werden. Möge der Himmel sich aufheitern!!
Frick ist zwar noch nicht nach Basel gezogen; aber er muß den ganzen Tag in der Caserne seyn. Ob er dort oder in Basel sey, ist uns Geschäfte halber ganz gleichgültig. Als ich ihm ankündigt, daß er in die Casernen gehen und des Befehles, nach Basel zu ziehen, gewärtig seyn müsse, kamen ihm im Gedanken an die bey uns zu verrichtenden Geschäften Thränen in die Augen. Jacob 7 kann uns nun zum Glücke seine Stelle vertreten!
Mamma hatte an dieser Nacht eine noch unruhigere als die letzte. Sie wurde von einer solchen Schlaflosigkeit geplagt, daß sie um 2 Uhr schwankte, ob sie aufstehen wolle oder nicht. Viel mag hiezu das Nachsinnen nach den Einrichtungen in Belvoir beygetragen haben. Wir werden die erste Zeit eigentlich nur campirt seyn, denn so Vieles ist unbeendiget, nicht Ein Vorhang z. B. ist aufgemacht! Ihr Kopfweh hat sich wieder eingestellt, aber | die Halsbeschwerden weichen den angewandten Mitteln! Ihre Mattigkeit ist sehr groß!