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«Wir haben grosses Vertrauen in unseren Sohn», sagte Joe Biden am Donnerstag in einem CBS-Interview an der Seite seiner Frau Jill. Doch der alte Politfuchs weiss ganz genau: Die Enthüllungen über Hunter Biden werden ihm das Leben in den ersten Monaten der Präsidentschaft schwer machen.
Am 9. Dezember gab Hunter Biden bekannt, dass gegen ihn in Delaware eine Untersuchung wegen mutmasslicher Steuerdelikte läuft. Konservative Medien und republikanische Politiker fühlen sich dadurch in ihrer Kritik am Hause Biden bestätigt. Seit Jahren versuchen sie, Hunter Biden korrupte Geschäfte nachzuweisen, bisher erfolglos.
Verbindung nach China
Internationale Geschäftsverbindungen von Hunter Biden geraten nun erneut ins Visier. Sein Einsitz im Verwaltungsrat des ukrainischen Gas-Unternehmens Burisma lieferte bereits die Vorgeschichte zum Impeachment-Verfahren gegen Präsident Trump. Zunehmend wird nun auch seine Verbindung zum staatlich kontrollierten chinesischen Energiekonzern CEFC zum Thema.
Laut Medienberichten hatte Hunter Biden jahrelang Mühe, Steuern und Hypothekarzinsen zu bezahlen. Die Frage, woher er dann doch das Geld dafür bekam und ob er dieses Einkommen korrekt deklariert hat, steht mit im Zentrum der Affäre. Nutzte Hunter Biden den Einfluss seines Vaters, der damals Vizepräsident war, um internationale Geschäfte zu machen? Und wusste Joe Biden davon?
Auf der Suche nach Antworten durchstöbern konservative Medien Unterlagen, die offenbar auf einem Laptop gefunden wurden, den Hunter Biden bei einem Reparatur-Shop zurückgelassen haben soll. Auch ein ehemaliger Geschäftspartner richtet in öffentlichen Auftritten Kritik an Hunter Biden.
Überprüfbare Beweise für unrechtmässige Vorgänge sind bisher aber nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Und die New York Times fand bei der Durchsicht verschlüsselter Nachrichten, Emails und anderer Dokumente keine Hinweise auf eine Beteiligung von Joe Biden an den Auslandsgeschäften seines Sohnes.
Ungeschickter Umgang mit Skandalen
Allerdings: Demokratische Spitzenpolitiker haben in der jüngeren US-Geschichte immer wieder ein spezielles Talent bewiesen, vergleichsweise harmlose Skandale durch ungeschicktes Vorgehen jahrelang am Köcheln zu halten. Vertuschen und abstreiten heisst die Devise, statt die Fakten auf den Tisch zu legen und Besserung zu geloben.
Die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky hätte Bill Clinton beinahe das Präsidentenamt gekostet, weil er bei einer Lüge ertappt wurde. Und Hillary Clinton verlor die Wahl vor vier Jahren wohl auch, weil sie in der Email-Affäre nie reinen Tisch machte. So konnten ihre Gegner sie mit immer neuen Enthüllungen in Erklärungsnot bringen.
Wer wird Justizminister?
Ähnliches droht möglicherweise im Fall Hunter Biden. Republikanische Politiker fordern einen Sonderermittler. Fox News und Co. werden nicht locker lassen – nachdem sie die Vetternwirtschaft im Hause Trump nun vier Jahre lang geflissentlich ignoriert haben.
In den nächsten Tagen dürfte Joe Biden bekannt geben, wen er für das Amt des Justizministers vorsieht. Er steht nun unter Druck, eine Person zu wählen, die ihm nicht nahesteht und eine unabhängige Untersuchung gegen seinen Sohn gewährleistet. So oder so wird der Fall nicht so schnell aus den Schlagzeilen verschwinden.
Thomas von Grünigen
USA-Korrespondent, SRF
Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Zuvor arbeitete er in der «Rundschau»-Redaktion von SRF. Seine ersten Schritte im Journalismus machte er beim US-Sender ABC News und beim Lokalsender TeleBärn. Er hat an den Universitäten Freiburg und Bern sowie an der American University in Washington DC Medienwissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert.