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Kaum ein Rohölanleger kennt Cushing. Das ist ein Manko, denn: In der Kleinstadt im US-Bundesstat Oklahoma kreuzen sich wichtige Rohölpipelines. Das an dieser Kreuzung in Cushing angelieferte Rohöl wurde als «West Texas Intermediate» (WTI) bezeichnet und bildet heute die wichtigste Grundlage der im fernen New York an der Warenbörse Nymex gehandelten entsprechenden Future-Kontrakte.
Diese sind auch für die Derivateanleger in der Schweiz wichtig. Knapp die Hälfte der Retail-Derivate basiert auf WTI, der Rest auf der in London gehandelten Sorte Brent, die nach einem grossen Ölfeld in der Nordsee benannt ist. Auf die WTI-Futures sind 180 Hebelprodukte in Form klassischer Warrants und Mini-Futures in den Long- und Short-Varianten mit Verfall bis Juni 2010 emittiert worden. Hinzu kommen zwei Reverse Convertibles und einige Rohöl-Index-Produkte wie GSOEL oder GSUGS, das Bonuszertifikat PPCLG und Garantieprodukte wie beispielsweise GSCPX und GSCPG.
Kostspielige Preisdifferenz
Während der letzten 20 Jahre liefen die Preise der beiden Rohölsorten praktisch parallel. In der Regel waren die WTI-Kontrakte 1 bis 3 Dollar teurer als die Brent- Futures. Allerdings verändert sich seit dem letzten Jahr das Gefüge. In Cushing wird auch viel kanadisches Rohöl angeliefert, und weil im letzten Frühling die Nachfrage kurzfristig stark zurückging, kam es im fernen Cushing zu einem Angebotsüberhang und einem rekordhohen Lageraufbau, der sich zunächst in einer auf 12 Dollar anwachsenden Preisdifferenz zwischen der WTI- und der Brent-Sorte auswirkte.
Das wiederum gefiel dem saudiarabischen Ölministerium in Riad gar nicht. Der grösste Rohölexporteur der Welt verrechnet seine Lieferungen nach Massgabe der WTI-Notierungen. Die hohe Preisdifferenz im Frühjahr bedeutete für das Land 100 Mio Dollar weniger Einnahmen pro Tag. Anreiz genug, sich nach einer Alternative umzusehen. Mit dem ASCI-Index hat man jetzt eine gefunden. Dahinter steht der «Argus Sour Crude Index», der auf der Basis der Sorten Poseidon, Mars und Southern Green Canyon berechnet wird. Dieser Index gilt bei Analysten mittelfristig auch als überlegen, weil das Öl in den jüngst gefundenen grossen Feldern vor der Küste von Mexiko besser repräsentiert.
Es ist eine Frage der Zeit, bis die ersten Banken Produkte auf den ASCI-Preis emittieren. Solche Kontrakte könnten ebenfalls an der Nymex gehandelt werden. Ungelöst bleibt dann auch hier die Problematik der Rollover-Kosten, wenn die einzelnen Futures auslaufen und in den nächsten «gerollt» werden müssen. Um die Rollkosten zu vermeiden, können Anleger in Hebelprodukte auf bestimmte, erst in weiter Zukunft auslaufende Futures investieren. Tatsächlich gibt es in Deutschland einige Produkte mit Verfall nach 2012. Oder sie kaufen die Preistracker mit Roll-Optimierung, die einige Banken anbieten.