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Eva Bernoulli war eine Pionierin der Schweizer Logopädie, insbesondere in der stimm- und sprachtherapeutischen Arbeit mit Menschen ohne Kehlkopf. Sie arbeitete zwischen 1965 und 1973 als Lehrerin an der Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen (GSR).
Tochter des Carl Albrecht Bernoulli (Theologe, Schriftsteller) und der Paula, geborene Heydenreich. Ledig.
Eva Bernoulli wurde 1903 in Berlin-Schöneberg geboren und wuchs ab 1906 in Arlesheim (BL) auf. 1923 besuchte sie die Schule für Rhythmische Gymnastik in München bei Rudolf Bode. Von 1925 bis 1928 machte sie eine Ausbildung in Sprechtechnik und Dramaturgie am Basler Konservatorium. Danach besuchte sie Kurse der Frauenarbeitsschule, arbeitete in Tagesheimen und im Kinderspital und lernte Französisch. Sie absolvierte eine Weiterbildung an der Sprechschule Zürich und leitete anschliessend während drei Jahren den Sprechchor des Basler Stadttheaters. Danach arbeitete Bernoulli ein Jahr lang als Erzieherin in Italien. Nach ihrer Rückkehr eröffnete sie 1932 ihre eigene Praxis für ‹Stimmbildung und Sprechtechnik› in Basel. 1934 zog sie nach München, um sich an der Hals-, Nasen- und Ohren-Klinik im Bereich Sprachheilkunde weiterzubilden. Gleichzeitig unterrichtete sie sprachgestörte Kinder und arbeitete für Max Nadoleczny, einen Pionier der sogenannten Phoniatrie, der Sprach- und Stimmheilkunde.
1936 kehrte Eva Bernoulli nach Basel zurück. Hier organisierte sie von 1936 bis 1940 Theatervorstellungen an kleinen Spielstätten, sogenannte ‹Kammerspiele›. Ausserdem war sie beim Frauenhilfsdienst (FHD) aktiv.
1948 erwarb sie in Zürich das erste schweizerische Diplom für Logopädie der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Sprachgebrechliche (SAS, seit 1960 SAL). Bernoulli leistete als erste Logopädin der Schweiz Pionierarbeit. Sie erteilte stotternden und gehörlosen Personen Sprach- und Stimmunterricht und therapierte Menschen nach Kehlkopf-, Kropf- oder Lippen-Kiefer-Gaumen-Spaltenoperationen. Wegweisend war zudem ihre sprachtherapeutische Arbeit mit Menschen ohne Kehlkopf. Dafür würdigten sie die Schweizerische Gesellschaft für Phoniatrie, Logopädie und Audiologie und die Schweizerische Kehlkopflosenvereinigung mit Ehrenmitgliedschaften.
Ausserdem machte Bernoulli 1940/41 eine Ausbildung als Religionslehrerin. Von 1942 bis 1963 unterrichtete sie für die reformierte Kirche Basel.
Von 1965 bis 1973 arbeitete Bernoulli als Logopädin an der Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen (GSR).
Eva Bernoulli war Mitglied des Schweizerischen Lyceum-Clubs (Zusammenschluss von kunst- und kulturinteressierten Frauen) und des internationalen Zonta-Clubs (Organisation zur Förderung von Frauen) sowie der Vereinigung der Berufs- und Geschäftsfrauen. Als Mitglied dieser Vereinigungen setzte sie sich für die Förderung künstlerisch tätiger Frauen ein. Bernoulli betätigte sich selbst künstlerisch als Sprecherin im Basler Marionetten-Theater und in Gertrud Lendorffs (1900–1986) Hörspielen ‹Der Frauenspiegel› und ‹Vor Hundert Jahren›. Des Weiteren trat sie als Rezitatorin und Vortragsrednerin auf.
Bernoulli wurde von der Universität Basel 1986 mit dem Ehrentitel Dr. med. h. c. geehrt. Ab 1984 lebte sie im Altersheim Weiherweg in Basel. Während dieser Zeit publizierte sie drei Bücher.
Eva Bernoulli starb am 12. Juni 1995 im Alter von 92 Jahren in Basel.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 14.9.2022
Mein Weg zu Sprache und Stimme. Basel 1984.
Erinnerungen an meinen Vater Carl Albrecht Bernoulli 1868–1937. Basel 1987.
Musen-Almanach einer Baslerin. Festgabe zum 90. Geburtstag. Basel 1993.
Nachlass von Carl Albrecht Bernoulli (1868–1937): NL 4.
Bernoulli-Sutter, René: Bernoulli, Eva. In: Historisches Lexikon der Schweiz. URL: www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D41440.php (27.03.2022).
Nipp, Manuela: Bernoulli, Eva. In: Personenlexikon Basel–Landschaft. URL: personenlexikon.bl.ch/Eva_Bernoulli (01.04.2019).