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Der Haflinger – ein universelles Kleinpferd aus den Tiroler Alpen, geschätzt aufgrund seines Temperaments, seiner Widerstandsfähigkeit, seiner Leistungsbereitschaft und der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Um die genügsamen Schweissfüchse in die Schweiz zu importieren, mussten vor 60 Jahren viele Hürden genommen werden.
von Sandra Leibacher
Der Urhaflinger hat seine Heimat in den Bergen des Südtirols, zwischen dem Etsch- und dem Sarntal und den Namen vom oberhalb von Meran gelegenen Dorf Hafling bekommen. Dort waren seit jeher kleine, leichtfüßige, trittsichere und anspruchslose Pferdchen für die Südtiroler Alpen gefragt. Eingesetzt wurden sie als Saum-, Wagen- und Zugpferde. Auf 1500 bis 2000 m ü. M. kamen sie mit den kargen Futterverhältnissen gut zurecht und so entstand ein anspruchsloses, robustes Gebirgspferd. Die Pferdezucht war hier aber nie bedeutend. Um den Pferdebedarf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Truppen zu sichern und um den armen Bergbauern einen Nebenverdienst zu ermöglichen, förderte das Habsburger Ackerbauministerium und das Militärinspektorat die Pferdezucht. 1874 wurde im Stall von Josef Folie in Schlunders (Vinschgau) ein Hengstfohlen aus einer kräftigen Gebirgsstute und dem edlen, eleganten, orientalischen Hengst 133 El Bedavi XXII geboren. Der Goldfuchs mit typischem Aalstreifen und herrlichem Temperament Namens 249 Folie wurde zum Stammvater der Haflingerzucht. Von ihm stammen alle sieben noch bestehenden Linien mit den Buchstaben A, B, M, N, S, St und W ab.
Die Hengstfohlen werden immer mit dem Anfangsbuchstaben ihres Vaters benannt. Seit 1920 gilt im Süd- wie Nordtirol die Reinzucht. Gegen Ende des ersten Weltkrieges wurde das Südtirol von italienischen Truppen besetzt und fiel nach Kriegsende an das Königreich Italien. Die Haflinger Stammstuten befanden sich zu dieser Zeit im Südtirol und da die Decksaison abgeschlossen war, standen bis auf fünf Hengste in privater Aufstallung alle Vererber im staatlichen Depot in Österreich. Italien musste nun Deckhengste in Österreich kaufen und während der Wirtschaftskrise wurden über 350 Stuten nach Österreich und Deutschland verkauft, was die Zucht stark schwächte. 1938 gab es im Südtirol noch knapp 170 reingezogene Haflingerstuten. Während des zweiten Weltkrieges hatte die deutsche Wehrmacht einen großen Bedarf an Tragtieren und kaufte alle verfügbaren Haflinger auf. Heute werden Haflinger als Freizeit und Sportpferde genutzt und kommen auch im Fahr- und Westernsport zum Einsatz. Weltweit wird die Zahl auf fast 250 000 Haflinger in über 70 Ländern geschätzt.
«SCHWEIZER HAFLINGER“
Aufgrund des Bedarfs an Arbeitspferden bestand zwischen den Bauern im Münstertal und dem angrenzenden Tirol reger Kontakt. Aber erst im Jahr 1949 wurden Verhandlungen für die Einfuhr von Haflingerstuten als Arbeitstiere aufgenommen. 1952 gründete man in der Pferdezuchtgenossenschaft Graubünden eine Zuchtgruppe für Haflingerpferde, wobei die Zucht dann nur im Münstertal, Bergell, Puschlav und Engadin gestattet war. In den übrigen Bündner Tälern wollte man die Blondschöpfe partout nicht. Die Interessengemeinschaft kaufte sodann den dreijährigen Hengst Strom (Stromer – Willi) im Tirol, an der ersten Beständeschau wurden rund 32 Haflingerstuten gezeigt. Strom deckte im ersten Jahr 26 Stuten. Aber bereits 1956 wurden nur noch zwei Stuten gedeckt. 1957 präsentierten die Bündner an der OLMA erstmals das Haflingerpferd, welches bei den Besuchern auf großes Interesse stieß. Zur gleichen Zeit herrschte große Unstimmigkeit bei den Bündner Züchtern, so dass die Haflinger in die Pferdezuchtgenossenschaft St. Gallen eintraten.
VIELE HÜRDEN ZUM BEGINN START
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde rund um St. Gallen, im Toggenburg und im Appenzellerland keine Pferdezucht betrieben.
Im Rheintal, um Werdenberg und am Bodensee waren die Freibergerzüchter aktiv, die sich vehement gegen den Import von Haflingern wehrten. Nach harten Verhandlungen trafen sich die Tierärzte Dr. Willy Krapf, Dr. Hans Looser und Jakob Ruckstuhl als «Interessengemeinschaft für das Haflingerpferd und die Haflingerzucht » bei der Abteilung Landwirtschaft in Bern zu einer offiziellen Aussprache mit den Vertretern des eidgenössischen Gestütes Avenches. Bereits 1958 durften darauf erste Zuchtversuche im Kanton St. Gallen unternommen werden, beschränkt allerdings auf die Regionen um St.Gallen, Toggenburg und beider Appenzell. Zudem wurde ein Einfuhrkontingent für zwölf Stuten und einen Hengst pro Jahr erteilt. Die Züchter durften die Stuten nicht verkaufen und mussten sie sechs Jahre in Folge decken. Trotz weiterer Auflagen war dies die Geburtsstunde der ersten Schweizer Haflingerzuchtgenossenschaft, des heutigen «Vereins Haflinger Ostschweiz», welcher im vergangenen Frühling sein 60-jähriges Bestehen feierte. Um das Interesse anzukurbeln organisierte 1959 Otto Schweisgut, Geschäftsführer des Haflingerzuchtverbandes Nordtirol, zusammen mit Willy Krapf einen Farbfilmabend in St. Gallen. Erwartet wurden 70 Gäste, es kamen dann 500. Interessierte Züchter waren schnell gefunden, die bereit waren, eine Haflingerstute zu erwerben. In den Jahren 1957 bis 1964 wurden rund 80 Stuten in Nordtirol gekauft.
WEITERE HÜRDEN
Nun war das Interesse am Haflingerpferd auch in anderen Schweizer Regionen bis nach Bern und Freiburg geweckt. Doch das wiederum rief die Freibergerzüchter im Mittelland und Jura aufs Tapet. Auch wenn sie sich rigoros wehrten, der Haflinger wurde sogar als «militärdiensttauglich» erklärt. Die «Freiberger» erreichten aber in Bern, dass die Haflingerzucht künftig nur in Gebieten erlaubt war, wo keine aktive Freibergerzucht betrieben wurde. Weitere Haflingerzuchtgenossenschaften wurden daraufhin gegründet 1967 in Thun, 1976 in der Nordwestschweiz, 1979 in Freiburg und 1982 in der Zentralschweiz. Zusammen mit der Haflinger Ostschweiz bilden diese Genossenschaften heute die fünf Mitglieder des Schweizerischen Haflingerverbandes (SHV).