Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03661.jsonl.gz/1584

Amerling,
Friedrich, Porträt- und Genremaler, geb. zu Wien, hatte als Sohn eines unbemittelten Handwerkers mit vielen Entbehrungen zu kämpfen, bis er sich durch Illuminieren von Landkarten und Kupferstichen ein kleines Sümmchen erspart hatte. Nun versuchte er sich im Porträt und reiste nach London, um sich unter dem damals viel geltenden Th. Lawrence weiter zu bilden. Als ihm dies gelungen war, ging er nach Paris und lernte unter Horace Vernet. Auf diese Weise gefördert, trat er in seiner Vaterstadt mit den Historienbildern: Dido auf dem Scheiterhaufen und Moses in der Wüste auf, die den ersten Preis errangen und ihm einen Aufenthalt in ¶
mehr
Venedig und Rom ermöglichten (1831). Von dort zurückgekehrt, machte er mit seinen Bildnissen großes Glück, so daß, als er den Erzherzog Rudolf und darauf den Kaiser in vollem Ornat (1832, Schloß in Laxenburg) gemalt hatte, das ganze Kaiserhaus, der hohe Adel und alle Celebritäten nachfolgten. Seine Bildnisse sind zwar treu in der Naturauffassung und glänzend im Kolorit; aber in dem Bestreben, mit der treuen Darstellung des Lebens eine glänzende Wirkung zu verbinden, vernachlässigte er den Schmelz der Farben und wurde zu keck in der Behandlung. 1841 ging er abermals nach Italien, bildete sich dort noch drei Jahre weiter aus und malte viele Einzelfiguren von bestimmt nationalem Charakter (z. B. der fischende Knabe, der Kroatenjunge, der vlämische Bürgermeister), die nicht weniger Beifall fanden als seine Bildnisse. 1844 kehrte er zurück und setzte sowohl das Porträt als auch seine Einzelfiguren noch eine Reihe von Jahren fort, bis die Mode ihn verdrängte und jüngere Kräfte ihn überflügelten. Zu seinen besten Bildnissen gehören außer den genannten: der Fürst Schwarzenberg, Graf Nugent, Graf Edm. Zichy, Thorwaldsen, Grillparzer, Fürst Windischgrätz und sein eignes Porträt.