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Die Idee war zu idealistisch: Man nehme ein armes und korruptes Land, kaufe sich ein paar Quadratkilometer Boden und stelle den als exterritoriales Gebiet internationalen InvestorInnen zur Verfügung. Die dürfen dann dort nach ihren eigenen Regeln eine ehrliche und effiziente Insel des Fortschritts bauen, die auf das arme und korrupte Land ausstrahlt und es zu seinem Besten verändert. Der US-Ökonom Paul Romer hatte diese Idee. Er nannte sie «Charter City», und Honduras wollte die erste bauen (siehe WOZ Nr. 13/12). Gerade hat das dortige Parlament erste Abkommen mit möglichen InvestorInnen unterzeichnet, da zieht Romer sich zurück, weil sein Projekt schon jetzt im Sumpf der Korruption zu versinken droht, den es eigentlich trockenlegen sollte.
Die Verfassung der Charter City sieht vor, dass sie von einem Aufsichtsrat regiert wird. Romer selbst war vom honduranischen Präsidenten Porfirio Lobo per Dekret als erster Vorsitzender eingesetzt worden. Doch dieses Dekret wurde nie im Staatsanzeiger veröffentlicht und trat folglich nie in Kraft. Stattdessen stellte das Parlament eine eigene Kommission zusammen, die hinter dem Rücken von Romer mit InvestorInnen verhandelte. Lokale Medien wollen wissen, dass diese Verhandlungen mit Schmiergeldzahlungen beschleunigt wurden.
Romer ist nun enttäuscht, vielleicht auch, weil die harte Realität ein Grundproblem seiner schönen Idee aufgezeigt hat: Wer in einem korrupten Land eine Insel ohne Korruption schaffen will, hat es eben erst einmal mit Korruption zu tun. Romer sucht ein neues Land und denkt an Madagaskar. Und die honduranische Regierung will ihre Charter City ohne ihn bauen.
Toni Keppeler