Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/41825

<h2>SubmittedText<h2><p>Im vergangenen Dezember hat Christophe Darbellay, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), in La Douay (Wallis) an einem Treffen zum Thema "Wolf" teilgenommen, das von Schafhirten aus dem Wallis und aus Frankreich organisiert worden war, die der "Association européenne de défense du pastoralisme contre les prédateurs" angehören.</p><p>Bei diesem Anlass stellte er nach Angaben der Presse die Berner Konvention in Frage. Die Konvention verpflichte den Bund, ein Raubtier zu schützen, das bei weitem nicht vom Aussterben bedroht sei. Er stellte auch die Frage, warum man den Wolf mehr schützen müsse als das Schaf.</p><p>Weiter kritisierte er die Verwendung von Geldern, die für Präventionsmassnahmen bestimmt seien. Die Beiträge würden eher zur Deckung der Repräsentationsauslagen einiger Wissenschafter als für die Arbeit im Feld eingesetzt.</p><p>1. Ist es akzeptabel, dass ein hoher Bundesbeamter die internationalen Bemühungen der Schweiz (Berner Konvention) öffentlich in Frage stellt und Massnahmen kritisiert, die in der Verwaltung verfügt wurden, die er vertritt?</p><p>2. Könnte man von einem hohen Beamten nicht etwas mehr Zurückhaltung und Neutralität erwarten, wenn er in einer Sache als Vertreter des Bundes agiert?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Herr Christophe Darbellay hat an einem Treffen zum Thema Wolf teilgenommen, das Schafhirten, Politiker und Vertreter verschiedener Organisationen unter der Leitung der Association européenne de défense du pastoralisme contre les prédateurs zusammenführte.</p><p>Die Berner Konvention wurde von Herrn Darbellay im Rahmen seiner Ausführungen zum Stand der Beratungen über die Motion Maissen 01.3567, "Erlebnis Natur. Ohne Wölfe", angesprochen. Diese macht geltend, dass ein möglicher Beitrag der Schweiz zur Arterhaltung marginal ist. So leben denn auch neben den Wolfspopulationen in Ländern wie Polen, Finnland und Italien allein in Russland 30 000 und in Rumänien 2500 Wölfe.</p><p>Zu keinem Zeitpunkt war die Rede davon, auf die im Rahmen dieses Übereinkommens eingegangenen Verpflichtungen der Schweiz zurückzukommen. Dennoch dürfen die beträchtlichen Probleme, die sich aus dem Nebeneinander von Wolf und Schafhaltung ergeben, nicht unterschätzt werden, wie dies die Erfahrungen im Mercantour und Berichte der französischen Nationalversammlung belegen. Schliesslich lag die Würde des Geschöpfes der persönlichen Aussage von Herrn Darbellay zugrunde, der sich fragte, inwiefern dieser Grundsatz den Schutz des Wolfes über denjenigen der Schafe stellt.</p><p>Selbst jene Kreise, die sich mit koordinierten Forschungsprojekten zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz ("Kora") befassen, hegen ernsthafte Bedenken gegenüber dem geltenden gesetzlichen Status des Wolfes. In einem in der Monatsschrift "Kora" von März 2001 veröffentlichten Brief legen die mit dem Wolf-Projekt Schweiz beauftragten Herren Breitenmoser und Weber dar, dass die Aufnahme des Wolfes in Anhang II der Berner Konvention (streng geschützte Arten) ein Fehler war. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Schweiz zu jenen Ländern gehört, die dieses Übereinkommen am restriktivsten auslegen.</p><p>1. Herr Christophe Darbellay hat die internationalen Verpflichtungen der Schweiz im Rahmen der Berner Konvention nicht in Frage gestellt. Er hat lediglich die Standpunkte verschiedener Fachleute angeführt, die mit der Umsetzung dieser Verpflichtungen praktische Probleme verbunden sehen.</p><p>2. Herr Christophe Darbellay hat seine persönliche Meinung korrekt zum Ausdruck gebracht. Das Zusammenleben der Grossraubtiere und des Sömmerungsviehs als auch der Wildfauna ist nach wie vor eine umstrittene Frage. Die geäusserte Meinung entspricht denn auch der bisherigen Haltung des Bundesamtes, das Herr Darbellay vertritt.</p>  Antwort des Bundesrates.