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Die amerikanische Kleiderkette Gap und der japanische Spielkonsolenanbieter Nintendo haben etwas gemeinsam. Die Geschichte geht zurück in die frühen Neunzigerjahre. Ich war damals USA-Korrespondent der «Handelszeitung» und traf mich ab und zu mit dem Börsenexperten Heiko Thieme. Der Jurist ist zwar nicht der erfolgreichste, sicher aber einer der unterhaltsamsten Fondsmanager. Hierzulande ist der deutschstämmige Amerikaner gern gesehener Gast an Podiumsgesprächen und ein origineller Gastredner.
Vor gut zwanzig Jahren erzählte er mir in seinem New Yorker Büro, wie er sich im Nachhinein ärgerte, keine Aktien von der Modekette Gap gekauft zu haben. Seine Erzählung habe ich folgendermassen in Erinnerung:
«Eines Abends kam meine Tochter mit einem neuen Kleid nach Hause. Ich fragte sie: Woher hast du das? Sie sagte: «Von Gap.» Zwei Wochen später hat sie sich wieder mit neuen Klamotten eingedeckt. «Wo hast du das gekauft?», fragte er. – «Bei Gap.» Nachdem Thiemes Tochter weiterhin bei Gap einkaufte, ging der Börsenguru der Frage nach, was es mit Gap auf sich hatte. Und siehe da: ein blühendes Geschäft mit einem stark steigenden Aktienkurs. «Ich ärgerte mich grün und blau», gestand er mir damals, «nicht sofort die Aktie von Gap begutachtet zu haben. Als er das Versäumnis nachholte, war es zu spät.
Ärgerlich, dass ich von der Erfahrung Thiemes keinen Nutzen zog. Vor ein paar Tagen ging mein Sohn auf Pokémon-Jagd. «Was ist das denn wieder?» fragte ich. Er erklärte es mir. Wie meistens bei neuen Handyspielen bin ich nicht drausgekommen. Doch wenigstens hätte ich der Frage nachgehen müssen, welche Firma dahintersteckt. Es ist Nintendo, zumindest teilweise.
Als mein Sohn von Pokémon erzählte, kostete die Nintendo-Aktie an der Schweizer Börse 140 Franken. Wenige Tage später hätte ich fürs gleiche Papier 266 Franken erhalten, plus 90 Prozent.
Warum nur hatte ich mich nicht an die Geschichte von Heiko Thieme erinnert, als sich mein Sohn auf Pokémon-Jagd begab?
Erschienen in der BZ am 19. Juli 2016