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Planetoīden,
Asteroiden oder kleine
Planeten, die Gruppe der sich zwischen
Mars
[* 2] und
Jupiter bewegenden
Planeten.
[* 3] Dieselben
lassen auch bei Betrachtung durch die größten
Fernrohre keinen wahrnehmbaren Durchmesser erkennen, sondern haben sämtlich
das Aussehen von
Fixsternen. Mit ihrer Entdeckung wurde eine auffallende
Lücke in der Reihenfolge der
Planeten ausgefüllt.
(S.
Bode-Titiussche Reihe.) Der erste bekannte Planetoid,
Ceres, wurde von Piazzi in Palermo
[* 4] gelegentlich der Anfertigung eines Sternkatalogs aufgefunden: bis 1847 wurden noch weitere vier
Planetoiden entdeckt;
von da ab verfloß
kein Jahr, wo nicht wenigstens einer, meist sogar eine größere Anzahl derselben aufgefunden wurde, so daß wir
deren gegenwärtig bereits gegen 400 kennen. In neuerer Zeit waren es namentlich C. H. F.
Peters in Clinton, J.
^[Johann] Palisa
in
Wien,
[* 5] M.
Wolf in
Heidelberg
[* 6] und Charlois in Nizza,
[* 7] die fortgesetzt neue
Planetoiden auffanden.
Die Helligkeit der
Planetoiden ist eine sehr
verschiedene und schwankt zwischen der 6. und 14.
Größenklasse. Der hellste Planetoid ist
Vesta, auch
zugleich der einzige, der unter Umständen mit freiem
Auge
[* 8] gesehen werden kann.
Ihre Durchmesser hat man mehrfach auf
Grund
ihrer Helligkeit zu bestimmen versucht und als zwischen 10 und 400 km liegend gefunden. Die
Masse der
Planetoiden ist nicht bestimmbar
gewesen, aber nach Schätzungen wahrscheinlich so gering, daß die Gesamtmasse aller überhaupt vorhandenen
Planetoiden wohl noch nicht einmal 1/4000 der Erdmasse ausmachen dürfte.
Die
Bahnen der
Planetoiden liegen über einen weiten Raum zerstreut, ihre mittlern Entfernungen von der
Sonne
[* 9] betragen etwa zwischen 300 und 600 Mill.
km und ihre Umlaufszeiten um die
Sonne dem entsprechend zwischen 3 und 8 Jahren. In der Gestalt und
Lage
ihrer
Bahnen zeigen sie im Gegensatz zu den großen
Planeten eine außerordentliche Mannigfaltigkeit. Weitaus in der Mehrzahl
besitzen sie eine erhebliche
Excentricität; bei einigen beträgt dieselbe beinahe 0,4, kommt also den kleinsten bei den periodischen
Kometen
[* 10] vorkommenden ziemlich nahe.
Noch auffallender sind die Verschiedenheiten in der Neigung der Bahn gegen die Ekliptik. Während die größte bei den großen Planeten vorkommende Neigung 7° (bei Merkur) [* 11] beträgt, kommt bei den Planetoiden sogar eine Neigung von nahezu 35° vor (bei Pallas). Die Planetoiden bewegen sich also keineswegs sämtlich in der Nähe der Ekliptik, sondern nehmen eine weite Zone von etwa 450 Mill. km. Breite [* 12] ein. Einzelne derselben können daher auch, von der Erde aus gesehen, Deklinationen von nahezu 60° erreichen. Es hat den Anschein, als ob die Planetoiden nach der gegenseitigen Lage ihrer Bahnen gewisse Gruppierungen ^[] erkennen ließen; bei der fortgesetzten Entdeckung neuer Planetoiden läßt sich Bestimmtes hierüber aber nicht sagen.
Olbers sprach zuerst den Gedanken aus, daß man in den Planetoiden wahrscheinlich die Trümmer eines vielleicht durch Explosion zerstörten Planeten zu sehen habe. Abgesehen aber davon, daß auch dieser ursprüngliche Planet nur außerordentlich klein gewesen sein könnte, sprechen gegen eine solche Annahme auch gewichtige theoretische Gründe. Jedenfalls müßte die Zerstörung eines derartigen Planeten bereits vor Millionen von Jahren vor sich gegangen sein. Die Astronomen nehmen vielmehr jetzt gewöhnlich an, daß die Planetoiden durch Verdichtung eines die Sonne früher umkreisenden nebelartigen Ringgebildes entstanden seien.
Anfangs wählte man, wie für die großen, so auch für die kleinen Planeten Zeichen. (S. Astronomische Zeichen.) Da sich aber deren Zahl sehr mehrte, wurden auf Goulds Vorschlag Kreise [* 13] mit Zahlen (die Zahl zeigt die Reihenfolge der Entdeckung an) gewählt: z.B. ① Ceres, ^[122 im Kreis] [* 14] Gerda, ^[263 im Kreis] Dresda. Von dem anfänglich streng innegehaltenen Princip, für die Planetoiden nur Namen des klassischen Altertums zu wählen, ist man in neuerer Zeit vielfach abgegangen; es steht sogar zu erwarten, daß man infolge der sich immer mehr häufenden Entdeckungen überhaupt ganz von einer Namengebung absehen wird. Der Entdeckung der Planetoiden verdankt die Astronomie, [* 15] namentlich die physische, wesentliche Fortschritte. Sie boten der Theorie neue und mannigfaltige Probleme dar und dienten zugleich auch wieder als Prüfstein für die mathem. Entwicklungen; auch die praktische Astronomie verdankt ihnen vielfach neue Ideen. - Die Bestimmung der Bahnen und die fortlaufende Berechnung der Ephemeriden der zahlreichen Planetoiden wurde von der Redaktion des «Berliner [* 16] astron. Jahrbuchs» mit Unterstützung freiwilliger Mitarbeiter aller Nationen durchgeführt.
In dem «Berliner astron. Jahrbuch» finden sich auch die genauesten Angaben für die Elemente der Planetoiden. Da das Material durch die unausgesetzten Entdeckungen neuer Planetoiden sich in ungeheurer Weise anhäufte, hat sich, bis eine umfassende Bearbeitung der bis jetzt entdeckten Planetoiden vorgenommen ist, die Redaktion des «Berliner astron. Jahrbuchs» indessen veranlaßt gesehen, eine einstweilige Beschränkung in der Berechnung der Ephemeriden eintreten zu lassen und fortlaufende Ephemeriden nur noch von den für specielle Probleme wichtigsten dieser Körper zu veröffentlichen.