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Sie betreiben einen bemerkenswert absurden Twitter-Account über das berühmte Gemälde «Der Schrei» von Edvard Munch. Wie hat das angefangen?
Ursprünglich wollte ich einfach mal sehen, wie das ist, wenn man auf Twitter herumalbert und den Leuten ein Lächeln entlockt. Ich denke, das ist nach wie vor weitgehend der Hauptzweck. Ich bin im übrigen auch ein Bewunderer des Gemäldes.
Sie drücken sich auf Twitter sehr minimalistisch aus.
Ja, genau genommen tue ich es nur mit einem Schrei: «Aaaaaahhhhh!!!»
Das könnte man bequem automatisch erledigen lassen, von einem «Bot». Sie machen das aber offensichtlich selber – weshalb?
Solche «Bots» sind seelenlos und haben keine Tiefe, ganz im Gegensatz zum «Schrei». Das Bild hat eine viel zu starke Persönlichkeit dafür. Aber die Leute interagieren mit dem Twitter-Account, ohne wirklich zu wissen, was dahintersteckt.
Der Schrei, den Sie abgeben, ist nicht immer derselbe. Manchmal ist er länger, manchmal kürzer. Manchmal twittern Sie eine Zeitlang nichts, dann innerhalb von Tagen mehrere Schreie. Ist das Gefühlssache?
Das sind ohne Frage Stimmungsschwankungen. Als vor drei Jahren eine Version des Gemäldes bei einer Auktion für 120 Millionen Dollar verkauft wurde, habe ich eine ganze Menge Schreie abgesetzt.
Es gibt auch andere Kunstwerke, die einen eigenen Twitter-Account haben, die Mona Lisa zum Beispiel oder der Hai in Formalin von Damien Hirst. Sie tauschen sich mit denen auch aus. Wie begegnen sich Kunstwerke untereinander?
Wie es auch Menschen tun: online. Bei Kunstwerken wie diesen ist es unwahrscheinlich, dass sie sich jemals im selben Raum befinden werden. Ihre Egos würden das nicht zulassen.
«Niemand auf der Welt muss sich so viel Unsinn anhören wie ein Gemälde in einem Museum», sagte der Schriftsteller Edmond de Goncourt. Teilen Sie diese Meinung?
Unbedingt. Mir klingen noch die Worte einer Dame aus den USA im Ohr: «Ich möchte jetzt aber wirklich diese Typen mit den Fingern sehen.» Sie bezog sich mit ihrem Satz auf «Die Erschaffung Adams» in der Sixtinischen Kapelle.
Sie twittern auch Dinge, auf die Sie im Zusammenhang mit Munchs Gemälde stossen, etwa das Bild eines Bienenschwarms, der aussieht wie «Der Schrei». Wo finden Sie so etwas?
Anfangs habe ich die Sachen selbst aufgestöbert. Inzwischen sind auch meine Follower darauf eingestiegen und schicken mir ihre Fundstücke. Zum Beispiel das Filmplakat von «Kevin – allein zu Haus». Das basiert ebenfalls auf dem Gemälde von Munch.
Sie sind Kabarettist und mögen Pointen, die in einem Satz funktionieren. Ist Twitter so etwas wie eine neuartige Bühne für Sie?
Ja, definitiv. Wenn es Twitter nicht gäbe, würde ich nicht Comedy machen. Twitter hat mich erst dazu gebracht, damit anzufangen.
Haben Sie den «Schrei» überhaupt schon einmal im Original gesehen – eine der fünf Versionen des Bilds?
Nein, habe ich noch nicht.
Was ist für Sie momentan das Interessanteste am Internet?
Da ist so vieles, was online ständig hinzukommt und neu entsteht, es ist einfach überwältigend. Am interessantesten ist der Versuch, herauszufinden, was sich online auf lange Sicht bewähren wird. Ich glaube nicht, dass «Gangnam Style» – das erste Video, das bei Youtube eine Milliarde Klicks erreicht hat – auf dieselbe Weise altern wird wie «Der Schrei» von Edvard Munch.