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Aussergewöhnliche Situationen verlangen aussergewöhnliche Lösungen: Nach Monaten des Lockdowns und der Stilllegung der üblichen Produktionssysteme musste sich Ecuador neu erfinden. Um die inzwischen verbotenen Märkte in der Region Guranda in der Provinz Bolivar zu ersetzen, hat SWISSAID Ecuador ein innovatives Abkommen geschlossen: Obst -und Gemüseverkäufer aus den umliegenden agroökologischen Kulturen dürfen neu die Infrastruktur der Universitäten nutzen, um ihre Verkaufskörbe bereitzustellen. Anschliessend werden ihre Produkte an die Universitätsmitarbeitenden verkauft. Um Engpässe in den Städten und auf dem Land zu vermeiden, werden auch die Produktionszyklen in den Gewächshäusern angepasst. Auf diese Weise können die Landwirte ihre Produktion staffeln und haben so immer fertige Setzlinge und Ernten zur Verfügung.
Solidarität macht uns stark
In Guinea-Bissau setzt sich SWISSAID zusammen mit lokalen Partnern für die Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung ein. Als Teil der Massnahmen verteilte die Organisation Sahel 21 jeweils zwei Hennen und einen Hahn an ausgewählte Haushalte. Die Begünstigten wurden nach sorgfältigen Kriterien ausgesucht und fokussierten sich auf Familien mit weiblichem Haushaltsvorstand, da diese besonders betroffen sind von den Auswirkungen der Krise. Viele Frauen in den ländlichen Gebieten haben wenig bis gar kein Einkommen, begrenzte Ersparnisse und kämpfen gleichzeitig mit hohen wiederkehrenden Ausgaben. Von der fedrigen Hilfsaktion profitierten auch Frauen mit mehreren Kindern, die durch die Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben; Haushalte mit Kindern unter 2 Jahren, die an Unterernährung leiden; Familien älterer Menschen ohne familiäre Unterstützung; verwitwete oder geschiedene Frauen sowie Familien mit behinderten oder kranken Menschen.
Die landwirtschaftliche Geflügelzucht ist eine nachhaltige Methode, um die Ernährungssicherheit dieser Frauen und ihrer Familien zu stärken. Darüber hinaus erhalten die Familien im Rahmen des Projekts drei Monate lang ein Startkapital an Futter. Dies ermöglicht es den Familien, Eier für den Eigenverbrauch zu produzieren und somit ihre Eiweisszufuhr zu erhöhen und gleichzeitig etwaige Überschüsse auf dem lokalen Markt zu verkaufen.
Seit die Coronavirus Eindämmungsmassnahmen Anfang Juni gelockert wurden, verzeichnet Ecuadors Hauptstadt Quito wieder einen exponentiellen Anstieg der Ansteckungs– und Todesfälle. Das Gesundheitssystem steht am Rande des Kollapses. Ausserdem herrscht Informationsmangel zu den Ansteckungszahlen in ländlichen und indigenen Gemeinden, was eine gesamtheitliche Beurteilung der Lage verunmöglicht. Aus Sorge um die schon jetzt von Arbeitslosigkeit stark geschwächte Wirtschaft, ist jedoch keine erneute Ausgangssperre geplant.
Bei der Lancierung von SWISSAIDs COVID-19 Nothilfeprojekt im Tschad war der örtliche Fernseh-und Radiosender ONRT live vor Ort. Im Rahmen des Projekts reiste die Association of Young Chadians in the Oil Zone (AJTZP) durch die Provinz Logone Oriental, um die Bevölkerung für Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus zu sensibilisieren. Mit Unterstützung der lokalen Behörden haben die jungen TschaderInnen alkoholbasierte Gels, Seifen, Masken sowie Pumpen an Privatpersonen sowie auf öffentlichen Plätzen verteilt.
Chlor für sauberes Trinkwasser
Ecuador, 23.7 |Während der Coronavirus Pandemie stellt SWISSAID in Ecuador Chlor sowie technische Unterstützung für 31 kommunale Trinkwassersysteme zur Verfügung. Von diesen Massnahmen profitieren 18’300 Bewohner von indigenen und ruralen Gemeinden.
Während sich die Corona Situation in der Schweiz oberflächlich etwas eingependelt hat, herrschen in Indien erschreckende Zustände. In der westindischen Grossstadt Pune werden täglich bis zu 1500 Neuinfektionen und mehr als 25 Todesfälle gemeldet. Die Spitäler haben lange Wartelisten und sind überfüllt. Unter den Bewohnern herrscht Unsicherheit und Angst, ihre Wohngebäude dürfen sie nicht mehr verlassen. Nach einer kurzen Öffnung sind auch sämtliche Geschäfte wieder geschlossen, einschliesslich kleiner Lebensmittelläden, die deswegen um ihre Existenz bangen.
Schülerinnen und Schüler der Donia-Hochschule im Tschad konnten sich beruhigt in ihr Prüfungszimmer begeben. Die notwendigen Abstandsregelungen beachtend, standen sie vor dem Betreten des Klassenzimmers und der Prüfungsabnahme zum Händewaschen an. Das verwendete Hygieneset wurde von SWISSAID im Rahmen des Coronavirus Nothilfeprojekts zur Verfügung gestellt.
Junge stellen Seifen her
Ecuador, 9.7 | Um gegen die Verbreitung des Coronavirus zu schützen, organisiert SWISSAID in Ecuador Workshops zur Seifenherstellung aus regionalen Pflanzen. Jede Gemeinde hat junge Menschen ausgewählt, die lernen sollen, wie man Seife herstellt, und dann nimmt jeder von ihnen sein Wissen mit zurück in seine Gemeinde. Auf diese Weise wird das Risiko einer Ansteckung minimiert.
Das Fernsehen in Guinea-Bissau hat über das Nothilfeprojekt von SWISSAID für die Landbevölkerung berichtet. 80’000 Gemüseanbauerinnen am Stadtrand konnten von der Unterstützung profitieren. Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gemüseanbauerinnen in Stadtrandgebieten während der Zeit des Coronavirus bot 80.000 Menschen Hilfe und überwachte die Lieferung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Die Partner und Nutznießer bezeugen die wertvolle Hilfe, die geleistet wurde.
In Indien garantiert das «Mahatma Gandhi National Rural Employment Guarantee Act» (MGNREGA) den ärmsten Personen 100 Tage bezahlte Arbeit pro Jahr (z.B. Strassenbau, Infrastrukturprojekte usw.). Mit dem Ausbruch des Coronavirus wurde das Programm eingestellt, mit verheerenden Folgen für Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter: Sie standen von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen da.
Vor kurzem hat die Regierung die Wiederaufnahme der Arbeit von MGNREGA erlaubt, vorausgesetzt, dass Distanzregeln eingehalten werden. Diese Massnahme muss nun in allen Dörfern implementiert werden, damit die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Tätigkeit wieder aufnehmen können und Geld verdienen, um ihre Familien versorgen zu können.
Um sicherzustellen, dass die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner sofort Zugang zu Geld haben, haben sich die SWISSAID-Partner vor Ort in ihren jeweiligen Projektgebieten bemüht, mit der Verwaltung zusammenzuarbeiten, damit die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Die Dorfbevölkerung wurde bei der Bewerbung um Arbeit unterstützt. Die Erleichterung, nun wieder ein Einkommen zu erhalten und für die Familien sorgen zu können, ist gross.
SWISSAID Niger und das «Réseau des Journalistes Eau et Assainissement» (REJEA) setzen ihre Bemühungen fort, die Ausbreitung von Covid-19 im Niger zu stoppen. Dieses Poster, das wichtige Schritte beschreibt, wird an die gesamte von SWISSAID unterstützte Landbevölkerung verteilt. Leider haben diese Menschen nicht immer Zugang zu Informationen und sind daher stärker gefährdet.
An der Stiftungsratssitzung von SWISSAID Mitte Juni in Bern berichteten die Büroleiterinnen und Büroleiter über die aktuelle Situation in ihren Ländern. Innerhalb von kürzester Zeit wurden überall Nothilfeprojekte im Kampf gegen das Coronavirus lanciert. Mit 125’328 Personen im Tschad, 50’000 in Tansania, 52’629 in Niger und 79’975 in Guinea-Bissau erhalten Menschen in Afrika am meisten Nothilfe. In allen vier Ländern ist mehr als die Hälfte der Begünstigten Frauen.
Ressourcen und Unterstützung, welche die ecuadorianische Regierung zur Bekämpfung der Pandemie bereitstellt, konzentrieren sich in erster Linie auf die Städte. Dies, weil sich dort die grösste Populationsdichte sowie ein Grossteil der medizinischen Infrastruktur befindet. In den ländlichen Gebieten, insbesondere jenen, in welchen SWISSAID Projektarbeit leistet, konnte nur mit einer mangelhaften Infektionsprävention auf die Pandemie reagiert werden.
SWISSAID Ecuador lanciert deshalb nun die Verbreitung von Informationen, wie beispielsweise Radiospots, die in der Sprache der Quechua auf die Hygienemassnahmen hinweisen. Denn die offiziellen Präventionsmassnahmen werden nur in Spanisch veröffentlicht. Zusätzlich dazu werden die Gemeinden bei der Sicherstellung ihrer Chlor-Vorräte unterstützt, damit eine gute Wasserqualität garantiert werden kann.
Als eine weitere Sofortmassnahme wurden Workshops entwickelt, in welchen die Herstellung von Seife durch pflanzliche Inhaltsstoffe gelehrt wird. SWISSAID Ecuador hat eine Videoanleitung für die Herstellung von Seife veröffentlicht, damit das in diesen Schulungen verbreitete Wissen einem möglichst breiten Publikum zugänglich ist.
In Myanmar sind Massnahmen erforderlich, damit die weitere Ausbreitung des Coronavirus abgeschwächt werden kann. Zudem ist es entscheidend, dass Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ihrer Arbeit nachgehen können und der soziale Schutz für benachteiligte Bevölkerungsgruppen aufrechterhalten wird.
SWISSAID hat sich dazu entschieden, diesen Punkten im Rahmen eines neuen Nothilfeprojekts nachzugehen. Um die Ziele dieses Projekts zu erreichen, unterstützen wir unsere Partnerorganisationen vor Ort. Durch ihre Nähe zu den unterstützten Personen sind sie in der Lage, rasch und gezielt zu handeln.
Bei den unterstützten Bevölkerungsgruppen handelt es sich um gefährdete und marginalisierte Gruppen, wie etwa Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter, die aus den Städten in die Dörfer zu ihren Familien zurückkehren, Haushalte, die keinen Zugang mehr zu Geld haben, Gelegenheitsarbeiterinnen und Gelegenheitsarbeiter, die ihren Job verloren haben, Kleinbauernfamilien sowie auch Frauen aus armen Haushalten.
Die Partnerorganisationen unterstützen die Bevölkerung jeweils in ihrem Fachgebiet:
- Aufstockung des Materials zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Coronavirus (Sensibilisierung durch Broschüren, Plakate, Kampagnen, soziale Medien, Verteilung von Hygieneartikeln, Unterstützung der gemeinschaftlicher Seifen- und Maskenherstellung)
- Unterstützung von kommunalen Quarantänezentren für zurückkehrende Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeitern
- Unterstützung von Aktivitäten, die den Zugang zu Informationen und notwendigen Hilfeleistungen für Frauen sicherstellen, welche sich um den Haushalt und erkrankte Personen kümmern müssen
- Nahrungsmittelverteilung und Geldtransfers
- Vertrieb von landwirtschaftlichen Geräten für Kleinbauernfamilien (Saatgut, natürliche Düngemittel usw.)
Die Arbeit der Partnerorganisationen wird kontrolliert und es wird sichergestellt, dass die für eine sichere, koordinierte und wirksame Projektarbeit erforderliche Ausbildung und Ausrüstung bereitgestellt ist. Zudem wird eng mit lokalen Behörden zusammengearbeitet und zivilgesellschaftliche Netzwerke werden genutzt.
Seit Wochen sind fast alle Mitarbeitenden des SWISSAID-Nothilfeprojekts ununterbrochen in der Region Marathwada unterwegs und verteilen Nahrungsmittel und Saatgut an bedürftige Menschen. Die Not ist akut, die Zeit drängt.
In der vergangenen Woche haben 1735 Familien Lebensmittel erhalten, die dringend Unterstützung benötigten. «Ich weiss nicht, ob sie ohne diese Hilfe in einer so kritischen Situation überleben würden», sagt Sneha Giridhari, Genderbeauftragte von SWISSAID Indien. Normalerweise würden sie von den anderen Dorfbewohnern unterstützt, erklärt sie, «aber jetzt sind alle in Schwierigkeiten.»
Dass Gemeinschaftsküchen in die Nothilfe miteinbezogen wurden, erweist sich als sehr nützlich. Sie bereiten Mahlzeiten für ältere und behinderte Menschen zu. Neben Nahrungsmitteln wird in ein oder zwei Tagen auch Saatgut verteilt. Um es zu kaufen, fehlt vielen zurzeit das Geld. Da die Monsunzeit in der Region vor der Türe steht, ist es sehr wichtig, dass die Kleinbauernfamilien rechtzeitig Saatgut erhalten und ihre Felder für die Aussaat vorbereiten können.
Die Begünstigten des Nothilfeprojekts wurden von lokalen Partnerorganisationen in strenger, transparenter Weise und unter Beteiligung der Gemeinschaft ausgewählt. «Wir sind deshalb überzeugt, dass die Unterstützung von SWISSAID die bedürftigsten und verletzlichsten Familien, alleinstehende Frauen und Wanderarbeiterinnen erreicht», so Sneha Giridhari.
Mahadevi Dode, Dorf Gulhalali, Bezirk Osmanabad
Mahadevi ist eine ältere und behinderte Frau, die allein lebt. Weil sie nicht in der Lage ist, selbst kochen, wäre eine Nahrungsmittelration für sie nutzlos. Deshalb erhält sie zweimal täglich eine Mahlzeit aus der Gemeinschaftsküche.
Maya Jedage, Dorf Dhangarwadi, Distrikt Osmanabad
Maya, eine alleinstehende Bäuerin mit einem kleinen Stück landwirtschaftlicher Nutzfläche: «Die Coronavirus-Pandemie und der Lockdown haben mich in eine elende Situation gebracht. Ohne Geld bin ich nicht in der Lage, mein kleines Stück Land für die Regenzeit vorzubereiten.» SWISSAID unterstützt sie mit Saatgut und bei der Vorbereitung für die Aussaat.
Die Massnahmen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung von Covid-19 hat Menschen weltweit in die Isolation getrieben – in städtischen genauso wie in ländlichen Gebieten. So auch in Ecuador. Von staatlicher Unterstützung profitierte allerdings zum grössten Teil die Bevölkerung der grossen Städte.
Auf dem Land, wo SWISSAID vorwiegend tätig ist, hat die Gesundheitskrise die schädliche Abhängigkeit der Bauernfamilien von der industriellen Landwirtschaft deutlich gemacht. 90% des in Ecuador vermarkteten Saatguts wird importiert, viele landwirtschaftliche Betriebsmittel werden im Ausland gefertigt. Das bringt Familien, die kein eigenes Saatgut produzieren oder chemische Produkte verwenden, in grosse Not.
SWISSAID Ecuador hat ein Projekt ins Leben gerufen, um Kleinbauernfamilien in der Andengemeinde Guangaje während der Krise zu unterstützen. Es richtet sich an Familien, die auf agroökologische Anbaumethoden umstellen möchten und solche, die bereits Agroökologie betreiben, aufgrund der momentan eingeschränkten Mobilität aber Schwierigkeiten haben, ihre Produkte zu verkaufen.
Das Nothilfeprojekt unterstützt 1124 Menschen (1012 Frauen und 112 Männer) oder 14% der Gesamtbevölkerung von Guangaje. In jedem Dorf werden kleine Gemeinschaftsgewächshäuser für die Produktion und Bereitstellung von Setzlingen eingerichtet. Jedes Mikro-Gewächshaus hat eine Produktionskapazität von 4500 Pflanzen pro Produktionszyklus (15 Tage). Das bedeutet ein viel schnelleres Wachstum als auf den Feldern in diesem Gebiet auf über 3500 Metern über Meer. Die Pflanzen werden dann an die Kleinbauernfamilien verteilt.
Das lokale Saatgut wird auch kostenlos an Menschen verteilt, die die Reproduktion und Verbreitung von einheimischem Saatgut initiieren oder stärken wollen. Um die Ernährung der Landbevölkerung zu diversifizieren und die Produkte besser verkaufen zu können, wurde ausserdem ein Austausch zwischen den Gemeinden an der Küste und in den Anden organisiert.
Tschaderinnen und Tschader leiden unter der Pandemie und der verhängten Ausgangssperre. Die Preise für Grundbedarfsmittel wie Reis, Zwiebeln und Seife sind stark gestiegen. Die nebenstehende Tabelle vergleicht die Preise in der Hauptstadt N’Djamena vor und während der Covid-19-Krise. Erschreckende Zahlen für eines der ärmsten Länder der Welt, wo das öffentliche Leben zwischenzeitlich völlig zum Erliegen kommt.
Kann Agroökologie die Antwort auf die gegenwärtige Krise sein? Teilweise ganz bestimmt. Sie bringt nicht nur viele Vorteile für Umwelt, Bevölkerung und deren Gesundheit – mit der Technik kann auch einen Vielzahl von Nahrungsmitteln hergestellt werden, die das Immunsystem stärken. Ausserdem fördert die Agroökologie die Erhaltung und den Schutz von Wasserquellen, die für eine gesunde Bevölkerung unerlässlich sind. Eine starke Waffe gegen das Virus, also! Deshalb haben SWISSAID Nicaragua und der Verein «Semillas de Identitad» auf Basis von Informationen der Welternährungsorganisation FAO Plakate geschaffen, um die Agroökologie als «nationalen und globalen Lösungsansatz für Ernährungssicherheit und gegen Hunger, die Klimakrise und aktuelle und zukünftige Pandemien» bekannt zu machen.
Während in der Schweiz wieder vermehrt der Alltag einkehrt, kämpfen viele Länder auf der ganzen Welt weiter am Limit gegen die Coronavirus-Pandemie. In Kolumbien bewegen sich die täglichen Neuansteckungen im vierstelligen Bereich, insgesamt sind bis heute um die 35’000 Fälle bekannt.
Obwohl bisher keine Fälle gemeldet wurden, ist auch die an der kolumbianischen Pazifikküste gelegene Gemeinde Bahía Solano von der Pandemie betroffen. Die Regierung hat öffentliche Einrichtungen und Restaurants geschlossen und die Ankunft von Flugzeugen und Booten untersagt. Die Mehrheit der Bevölkerung arbeitet im informellen Sektor, hauptsächlich in der Landwirtschaft und im Tourismus – nur 8% haben ein festes Gehalt. Über Nacht hatten die meisten Einwohnerinnen und Einwohner kein Einkommen und so kein Geld mehr, um Lebensmittel zu besorgen. Die Not vieler Familien ist gross.
«Vor der Ausgangssperre verkaufte ich vier bis sechs Portionen Bananen für 45’000 Pesos pro Woche, heute sind es noch zwei Portionen für 38’000 Pesos. Unser Wocheneinkommen ist von 270’000 Pesos auf 76’000 Pesos geschrumpft», erklärt Carlos García, ein Landwirt aus Rio Valle. Die ganze Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen, die Produkte können nicht mehr an Restaurants verkauft werden, es sind keine Touristinnen und Touristen da, die einhemische Süssigkeiten kaufen, keine Boote, die Bananen exportieren.
SWISSAID ist seit vielen Jahren in dieser Region tätig und unterstützt die indigene Bevölkerung mit Projekten zur Vanilleproduktion oder zur Wiederaufforstung von Wäldern. Mit einem am 1. Juni gestarteten Nothilfeprojekt soll nun für Ernährungssicherheit der Bevölkerung in den Regionen Rio Valle und Boroboro gesorgt werden.
332 Familien (247 Indigene aus 8 Gemeinden und 85 afrokolumbianische Familien aus der Region Rio Valle) erhalten Nahrungsmittelhilfe, insgesamt 1495 Personen (724 Frauen und 771 Männer). 325 Säcke mit Lebensmitteln wie Getreide, pflanzliche Proteinen, Ölen und anderen Produkten werden bis Ende Juni ausgeliefert.
Ein besonders besorgniserregendes Thema ist in den abgelegenen Gebieten häusliche Gewalt. Aufgrund der Ausgangssperre macht sich eine Zunahme bemerkbar. Deshalb ist die Unterstützung von betroffenen Frauen in der Region Teil des Nothilfeprojekts. 500 Frauen werden für die Thematik sensibilisiert, damit sie in der Not wissen, wo sie Hilfe erhalten. Weiter unterstützen und begleiten 25 für die Thematik ausgebildete Frauen die Opfer von häuslicher Gewalt.
Der «Caracool»-Markt in Bissau wurde vorübergehend an einem neuen Ort aufgebaut. Durch den neuen Standort mir grosszügigeren Platzverhältnissen wird versucht, grössere Menschenansammlungen in engen Räumlichkeiten zu vermeiden. Die Bevölkerung von Guinea-Bissau hält die Vorschriften der Regierung ein und nutzt die vielerorts neu installierten Handwaschvorrichtungen. Dennoch nehmen die Fälle von Covid-19-Erkrankungen ständig zu. Viele NGOs setzen sich zusammen mit dem Gesundheitsministerium gegen eine weitere Verbreitung des Virus ein.
Die in Indien Ende März verhängte Ausgangssperre wurde letzte Woche noch einmal verlängert und dauert mindestens bis Ende Mai. 1,3 Milliarden Menschen sind von starken Einschränkungen betroffen – die ärmsten Bevölkerungsgruppen drängt es an den Rand des Verhungerns. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern können nicht ernten und haben keine Möglichkeit, sich auf die anstehende Anbausaison vorzubereiten.
Mit drei Partnerorganisationen wird in 120 Dörfern in der Region Marathwada das Schlimmste verhindert:
- An 1735 Familien und 300 Alleinstehende werden im Mai und Juni dringend benötigte Nahrungsmittel verteilt.
- 525 alleinstehende Kleinbäuerinnen erhalten Saatgut, organische Düngemittel und eine kleine finanzielle Unterstützung für die Aussaat. Dies wird ihnen ermöglichen, nach der Regenzeit zu ernten.
- 2115 Familien aus der Projektregion erhalten Gesichtsmasken, Seife und Handwaschmittel, die für die Monate Mai und Juni ausreichen. In 120 Dörfern wird Sensibilisierungsarbeit für Covid-19 Schutzmassnahmen geleistet.
- Vier Dörfer, die vor einer akuten Wasserknappheit stehen, werden mit Wasser versorgt. Ein Tankwagen fährt während eines Monats zweimal täglich zu den Dörfern, 800 Familien profitieren.
- Frauen, die häusliche Gewalt erleben, werden unterstützt. In 80 Dörfern bieten Mitarbeitende vor Ort direkt notwendige Unterstützung an. Für alle 120 Dörfer stehen rund um die Uhr Beraterinnen in Beratungszentren telefonisch zur Verfügung.
Die Hilfsmassnahmen geschehen in Koordination mit der Verwaltungen vor Ort. Damit wird gewährleistet, dass besonders gefährderte Personen nicht durch das Sicherheitsnetz fallen und keine Doppelspurigkeiten entstehen.
Die Covid-19-Pandemie verursacht eine beispiellose Krise. In Tansania sind die humanitären, gesundheitlichen und sozioökonomischen Folgen immens. SWISSAID Tansania und Voluntary Service Overseas (VSO) reagieren in Zusammenarbeit mit Small Industries Development Organization (SIDO) mit einem Nothilfeprojekt in den Regionen Mtwara und Lindi im Süden Tansanias. Es zielt darauf ab,
- die ländlichen Gemeinden mit informativen Postern und Radiodiskussionen für das Virus und die Verhinderung einer Verbreitung zu sensibilisieren.
- lokale Präventionsmassnahmen zu unterstützen und den Zugang für marginalisierte Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten. Sie werden etwa in der Herstellung von Seifen und Masken und der Einrichtung von Handwaschstationen geschult.
- den Aktionsplan, der von mehr als 200 zivilgesellschaftlichen Organisationen entwickelt wurde, zu koordinieren und umzusetzen. Er soll dabei helfen, das Engagement der zivilgesellschaftlichen Organisationen zu systematisieren und zu standardisieren.
Mehr als 380 Kontrollstationen und 9’000 Personen führen regelmässige Kontrollen in der Region Cauca (Kolumbien) durch. In dieser Region, welche viele Reservate beheimatet, engagieren sich indigene Gemeinschaften innerhalb der Organisation «Regional Council of Indigenous People of Cauca» für ihre Rechte. Während der Coronavirus-Krise setzen sie sich nun auch für den Schutz der Bevölkerung ein.
Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat der tschadische Staat eine Reihe von Massnahmen ergriffen. Dazu gehören beispielsweise das Verbot von Zusammenkünften von mehr als 50 Personen, die Einschränkung der Mobilität in Grossstädten, die Schliessung von Non-Food-Läden und die Einführung einer Ausgangssperre in Ndjamena, die auf einige weitere Provinzen und die Gebiete um Hauptstadt herum ausgedehnt wurde.
Vor diesem angespannten Hintergrund hat SWISSAID Tschad nun ein neues Nothilfeprojekt lanciert. Es hat zum Ziel, die Hygienestandards in ländlichen Regionen zu verbessern. In einem Land, in dem 43% der Bevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser und nur 10% Zugang zu sanitären Einrichtungen haben, ist es sehr schwierig, sich gegen das Virus zu schützen. Dies gilt ganz besonders für die ländlichen Gebieten.
Das neue Projekt umfasst die Sensibilisierung und den Zugang zu Informationen über Hygienevorschriften, die Bereitstellung von Hygieneausrüstung sowie die Unterstützung bei der Beschaffung von Saatgut. Diese Nothilfemassnahmen werden in den Provinzen Guera, Logone Oriental und Mandoul umgesetzt. Insgesamt werden 125’328 Menschen durch das Projekt unterstützt, 54% davon sind Frauen.
Adamou Moussa Abba, Leiter des SWISSAID-Büros in Niger, blickt im Interview mit zwei Mitgliedern von SWISSAID Genève auf die turbulenten letzten Wochen zurück. Dabei spricht er über die Auswirkungen des Virus auf sein Land, die Bevölkerung und die Projekte von SWISSAID.
Nach dem Lockdown standen Wanderarbeiterinnen und Arbeitsmigranten in Indien innerhalb von wenigen Stunden mit nichts da. Ohne Geld, ohne Essen, ohne Unterkunft – und eine halbe Ewigkeit entfernt von ihren Familien. «Sie nahmen ihren Brotbeutel, machten sich auf den Weg, ohne die Route zu kennen, kamen so auch immer in die Nähe von Polizeikontrollposten. Bei Temperaturen um 43-44 Grad und Distanzen von 35-40 km pro Tag erscheinen sie wie Geister auf den Strassen, in der Hoffnung, eines Tages ihr Zuhause zu erreichen. Unter ihnen sind junge Männer und Frauen, einige mit Kindern.» Gagan Sethi, Mitglied des lokalen Beirates von SWISSAID in Indien, hat einen Text geschrieben, der unter die Haut geht. Hier auf counterview.org lesen (englisch).
Das Coronavirus hat viele unserer Projekte zu einem temporären Stopp gezwungen. Da viele der begünstigten Personen in ländlichen Gebieten wohnhaft sind, waren auch keine Besuche vor Ort mehr möglich.
Im Niger können wir unsere Tätigkeit nun teilweise wieder aufnehmen. Das Team erhielt die Genehmigung, aus der Hauptstadt Niamey auszureisen. Die Projektbesuche wurden diese Woche unter Berücksichtigung der Sicherheits- und Hygienemassnahmen wieder aufgenommen. SWISSAID Niger geht davon aus, dass sie die durch das Coronavirus verursachten Verzögerungen in ihren Projekten geringhalten können.
Präventionsbotschaften im Radio
Niger, 12.5 | Im Niger trägt das neue Nothilfeprojekt von SWISSAID und dem «Réseau des Journalistes pour l’Eau et l’Assainissement» (REJEA) bereits erste Früchte. Im ganzen Land werden Radiospots ausgestrahlt, um die Bevölkerung über Hygienevorschriften zu informieren, welche die weitere Ausbreitung der Pandemie eindämmen sollen.
Saatgut-Festival findet online statt
Ecuador, 7.5 | «Es ist an der Zeit, ökologische und gemeinschaftliche Regenerationspraktiken ins Leben zu integrieren und so zum Aufbau einer integrativeren, gesünderen und nachhaltigeren Gesellschaft beizutragen.»
So beginnt das Programm des diesjährigen «Festival Madre Semilla», dem Saatgut-Festival in Ecuador. Die Veranstaltung wird von SWISSAID unterstützt und findet jedes Jahr in Quito statt. Angesichts der aktuellen Pandemie wurde nun beschlossen, das Festival virtuell stattfinden zu lassen. Es wurde gestern eröffnet und dauert bis zum 20. Juni an. Das Festival besteht aus fünf virtuellen Kursen und 15 Online-Vorträgen, die alle kostenlos sind.
Wie haben sich unsere Vorfahren ernährt? Wie kocht man ohne Verschwendung von Nahrungsmitteln? Wie wird die Zukunft des Nahrungsmittelsystems durch ecuadorianische Gesetze geprägt? Diese Workshops sind nur einige Beispiele des diesjährigen Programms.
Mit der Coronavirus-Pandemie sind die Lebensmittelpreise in vielen Ländern des Südens in die Höhe geschnellt. In Indien wurden Gemeinschaften durch die Ausgangssperre beispielsweise dazu gezwungen, ihre Waren von Händlern zu kaufen. Die Preise waren so hoch, dass sich einige Familien überhaupt nichts leisten konnten.
Die SWISSAID-Partnerorganisation Sahaja Samrudha beschloss deshalb, Nahrungsmittel in grossen Mengen einzukaufen. Durch diese Massnahme konnten sie die Ware zu einem normalen Preis erwerben und an bedürftige Gemeinschaften weiterverkaufen. In der ersten Phase begannen drei Selbsthilfegruppen (SHGs) in drei Dörfern mit dem Verkauf von Waren wie Zucker, Zwiebeln, Hülsenfrüchten, Speiseöl und Gewürzen. Die Mitglieder der SHGs fahren jeweils mit einem Lieferwagen zu Lebensmittelgeschäften, um Ausrüstung und Lebensmittel zu Grosshandelspreisen einzukaufen.
Die Gruppen verkaufen nun bereits seit mehr als 15 Tagen Grundbedarfsgüter. In Teertha, einem der Dörfer, hat das lokale Regierungsbüro (Gram Panchayath) den SHGs nun auch Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.
Infolge der restriktiven Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus konnten die Gemüsebäuerinnen in Guinea-Bissau kein Gemüse verkaufen. Das Geld fehlt nun fürs Ernähren ihrer Familien. Darüber hinaus wird aufgrund der niedrigen Einkommen die Produktion der nächsten Gemüseanbausaison wesentlich erschwert. Schliesslich wird das Saatgut für die nächste Gemüseanbausaison jeweils mit dem Einkommen der vergangenen Periode finanziert.
SWISSAID Guinea-Bissau hat deshalb ein Nothilfeprojekt ins Leben gerufen, um die Frauen und ihre Familien am Stadtrand von Bissau zu unterstützen. Insgesamt handelt es sich um 629 Frauen, die in vier verschiedenen Verbänden im agroökologischen Gemüseanbau tätig sind. Um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, sind Sensibilisierungsmassnahmen, wie etwa die Verbreitung von Informationen über Hygiene- und Gesundheitsvorschriften geplant. Nahrungsmittelhilfe und ein erleichterter Marktzugang sind zusätzliche Eckpfeiler des Nothilfeprojekts.
Geronimo Gutierrez nimmt uns mit auf einen Rundgang durch seine agroökologischen Äcker auf rund 3’000 Metern über Meer. Seine Anbaufläche liegt in Daita, ein Dorf im Departement Boyaca, Kolumbien. Der durch ein SWISSAID-Projekt unterstützte Bauer zeigt auf, wie sich dank der Agroökologie, Saatgut sowie auch die Bewässerung seiner Kulturen verbessert und diversifiziert haben. Dies ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass diese Gebiete in der Vergangenheit als «unproduktiv» abgestempelt wurden. Man sagte, auf dieser Fläche seien nur noch der Anbau von Kartoffeln in Monokulturen und Tierhaltung möglich. Das hat sich nun geändert.
Eine verbesserte Ernährungssicherheit ist ein Schlüsselfaktor beim Erreichen von Widerstandsfähigkeit gegen Krisen wie etwa jene rund um das neue Coronavirus. In Krisenzeiten geht es deshalb den Bäuerinnen und Bauern in abgelegenen Dörfern oft besser als jenen Menschen, die in Städten leben. Dort werden Lebensmittel knapp und die Preise für Grundnahrungsmittel schnellen in die Höhe.
Manuel Risi, Journalist und Mitglied von SWISSAID Zürich, interviewt Sneha Giridhari, Gender-Verantwortliche im SWISSAID-Büro in Indien. Sie berichtet über die Folgen der Corona-Krise und die Herausforderungen für unsere Arbeit.
«1) Waschen Sie Ihre Hände häufig mit Wasser und Seife. 2) Bedecken Sie Mund und Nase beim Husten oder Niesen (mit dem Ellbogen oder mit einem Handtuch, das anschliessend in einen geeigneten Mülleimer entsorgt werden kann). 3) Vermeiden Sie engen Kontakt mit Personen, die Erkältungs- oder Grippesymptome haben. 4) Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Sie Fieber, Husten oder Atembeschwerden haben. Bringen Sie Personen mit diesen Symptomen zum nächstgelegenen Gesundheitszentrum.»
Diese Präventionsbotschaften über gute Hygiene- und Sanitärpraktiken wurden im Rahmen eines SWISSAID-Projekts in Niger erstellt und der Coronavirus-Krise angepasst. Da die ursprünglich geplanten Aktivitäten nicht mehr möglich waren, wurden die Mittel für Aktivitäten eingesetzt, die der weiteren Ausbreitung des Coronavirus entgegenwirken. Beispiele für zusätzlich getätigte Investitionen sind etwa die Bereitstellung von Sanitärsets und die Erstellung von Präventionsbotschaften. Diese Umdisponierung war nicht zuletzt auch deshalb notwendig, weil in den beiden SWISSAID-Interventionsregionen (Tillabéry und Dosso) Fälle von Covid-19-Infektionen festgestellt wurden.
Das Netzwerk der Journalisten für Wasser und Siedlungshygiene (Réseau des Journalistes pour l’Eau et l’Assainissement (REJEA)), ein langjähriger Partner von SWISSAID Niger, wird für die Verbreitung der Botschaften verantwortlich sein. Das überarbeitete und der Situation angepasste Projekt beginnt heute.