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auf 2540 m. Das Kanderthal gliedert sich in drei deutliche Stufen: das Gasterenthal 1875-1260 m, die Thalebene von Kandersteg 1170 m und einen dritten unteren Abschnitt, der vom vorhergehenden durch den hohen und steilen Querriegel des Bühlstutzes getrennt wird und selbst wieder in den Kandergrund (etwa 800 m), das Frutigthal (750-710 m) und eine unterste Partie (690-590 m) unterhalb Mühlenen zerfällt. Zum Kanderthal öffnen sich mehrere Seitenthäler, so bei Eggenschwand das Ueschinenthal, bei Kandersteg das Oeschinenthal, bei Frutigen das Engstligenthal, bei Reichenbach das Kienthal, bei Mühlenen das Suldthal. Das Simmenthal dagegen kann nicht mehr als Seitenthal des Kanderthales aufgefasst werden.
Dem Höhenunterschied der einzelnen Thalstufen entspricht die Mannigfaltigkeit in der Vegetation. Bis nach Frutigen hinauf finden sich die gewöhnlichen Kulturpflanzen des Bernerlandes vertreten, wobei der Getreidebau thalaufwärts aber merklich abnimmt. Die Berghänge sind hier mit Hochwald und schönen Alpweiden bekleidet. Hinter Frutigen wird das Thal wilder und enger, und Kandergrund weist trotz seiner noch nicht hohen Lage schon ziemlich alpinen Vegetationscharakter auf. In Kandersteg gedeihen ausser dem Wiesengras nur noch Kartoffeln und einige Sorten von Kohl. Während wir hier noch vereinzelte Kirschbäume antreffen, besitzt endlich das Gasterenthal nur noch Erlen und Vogelbeergebüsch, sowie einige Bestände von Rottannen und Arven.
Während im Engstligenthal die Weiler und Häusergruppen sämtlich auf Terrassen hoch über dem schluchtartigen Thalgrund stehen, finden wir die Siedelungen des Kanderthales alle im Thalboden. An den untern Thalhängen liegen hier nur wenige vereinzelte Häuser, die während des ganzen Jahres bewohnt werden. Die wichtigsten Ortschaften sind: Mühlenen (693 m), ein ehemaliges Städtchen an der Mündung des Suldbaches in die Kander, dann etwas abseits der grossen Thalstrasse das Dorf Reichenbach (712 m), weiter oben in erhöhter Lage links über der Kander die zerstreuten Häusergruppen von Rüdlen, Wenge und Winkeln, rechts der Kander die Gruppen von Kien, Ausser Schwendi und Inner Schwendi.
Zentrum und bedeutendster Ort der ganzen Thalschaft ist Frutigen (806 m; am Eingang ins Engstligenthal), das am Hang der Niesenkette amphitheatralisch ansteigt. Hinter dem Weiler Kanderbrück engt sich das Thal ein, und es beginnt der Abschnitt von Kandergrund mit Kandersteg, auch unter dem Namen des Kanderthales im engeren Sinn bekannt. Die Siedelungen liegen hier ausschliesslich über dem rechten Ufer der Kander ziemlich eingeengt zwischen Fluss und Bergwand. Es sind die Weiler Reckenthal, Bunderbach (878 m) und Mitholz (962 m). Von hier aus steigt die Strasse in Windungen den Bühlstutz hinan und erreicht dann den flachen Boden von Kandersteg (1169 m), dessen zerstreut gelegene Siedelungen thaleinwärts bis zur Gasterenklus sich ziehen. Das Gasteren- und Ueschinenthal endlich sind nur im Sommer während einiger Wochen von Sennen und Heuern bewohnt. Bekanntlich wies das Gasterenthal früher eine ständige Bevölkerung auf, die dann durch die zunehmende Verwilderung ihres Thales zu Anfang des 19. Jahrhunderts zur Auswanderung genötigt ward.
Das ganze Kanderthal zählt etwa 7000 Ew., deren Hauptbeschäftigung die Landwirtschaft, besonders in der Form von Wiesenbau und Viehzucht bildet.
Dazu kommen der Abbau von Schieferbrüchen, Fabrikation von Streichhölzchen und etwas Uhrensteinschleiferei. Wichtig ist ferner die Fremdenindustrie. Als Kurorte und Fremdenstationen kommen in Betracht Heustrich, Mühlenen, Reichenbach, Frutigen, Blausee, Kandersteg, Oeschinensee, Schwarenbach und Gemmipasshöhe. Ausserhalb des Kanderthales, aber auf dieses als Zufahrtsstrasse angewiesen sind die sehr besuchten Sommerfrischen Aeschi, Kienthal und Adelboden.
Dem Verkehr dient in erster Linie die gut unterhaltene Thalstrasse, die bei Spiezmoos von der linksufrigen Thunerseestrasse abzweigt, der Kander folgt, sie auf drei Brücken überschreitet und über Mühlenen, Reichenbach, Frutigen und Kandergrund führt, um in Kandersteg zu endigen. Von ihr zweigen wiederum ab bei Mühlenen die Strasse nach Aeschi, bei Reichenbach diejenige ins Kienthal und bei Frutigen diejenige nach Adelboden. Gross ist die Zahl der Bergpässe und Uebergänge in die benachbarten Thalschaften. Der begangenste unter den nicht fahrbaren Pässen nicht nur des Kanderthales sondern des gesamten Berner Oberlandes ist ¶
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die Gemmi, über die ein vorzüglich angelegter Saumweg von Kandersteg in 6 Stunden nach Leukerbad führt. Seltener überschritten werden der Lötschenpass und Petersgrat, die beide ins Lötschenthal leiten. Der Tschingelpass verbindet Kandersteg mit Lauterbrunnen und das Hohthürli mit dem obern Kienthal, von wo man entweder über die Sefinenfurgge oder über die Gamchilücke ebenfalls das Lauterbrunnenthal erreichen kann. Nach Adelboden endlich gelangt man über den Engstligengrat und die Bonderkrinde. Das Hochgebirge um das Kanderthal wird wegen seiner ausserordentlich lohnenden, im allgemeinen nicht sehr schwierigen und dazu noch durch mehrere trefflich angelegte Klubhütten erleichterten Gipfeltouren von Touristen oft besucht. Eine bedeutende Zunahme des Fremdenverkehrs brachte der Bau der Eisenbahnlinie Spiez-Frutigen, die sehr wahrscheinlich in der Lötschbergbahn ihre Fortsetzung erhalten wird.
Der landschaftliche Charakter des Kanderthales ist durch die Vereinigung grosser Gegensätze auf kleinem Raum ein höchst anziehender. Herrliche und überraschende Einblicke gewinnen wir durch die Oeffnung des Kienthales auf die majestätische Gruppe der Blümlisalp und von Frutigen durch das Kanderthal selbst auf die mächtige Gruppe Altels-Balmhorn. Viel besucht werden der tiefblaue kleine Blausee bei Mitholz und der einzigartige Oeschinensee in seinem von Eisfeldern umrahmten Felsenkar. Den besten Ueberblick über das Kanderthal und seine Berge gewährt die Pyramide des Niesen, auf dessen Gipfel in Bälde eine Drahtseilbahn geführt werden soll.
An Denkmälern vergangener Zeiten ist das Kanderthal nicht reich. Erwähnenswert sind in dieser Beziehung die Ruinen der Tellenburg und Felsenburg, deren erstere ausserhalb Frutigen den Eingang ins Thal von Kandergrund beherrscht, während die andere über dem Weiler Mitholz auf einer schwer zugänglichen Felsenkuppe steht. Man trifft häufig originelle Holzbauten aus älterer Zeit. Immer noch lebendig ist auch die Sitte, die Häuser mit frommen Sprüchen zu verzieren. Ueber die Geschichte des Kanderthales siehe die Artikel Frutigen und Gasteren. Litteratur: Müller, Ernst. Spiez und Kanderthal. (Europ. Wanderbilder. 200-202). Zürich 1892. - Stettler, Karl. Das Frutigland. Bern 1887. - Stettler Karl. Des Frutiglands Geschichte. Bern 1901. - Fellenberg, Edm. v. Die westl. Berner Kalkalpen. (Itinerarium des S. A. C. für 1882 und 1883). Bern 1882.