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In einer kleineren Untersuchung wurden von 97 Patienten mit Typ-2-Diabetes deren 47 während 12 Wochen mit einem hoch konzentrierten Pulver aus Broccolisprossen behandelt. Die restlichen 50 Probanden erhielten während dieser Zeit ein Pulver ohne Wirkstoff (ein sogenanntes Placebo). Es zeigte sich, dass der Extrakt aus den Broccolisprossen eindeutig in der Lage ist, den Blutzucker zu senken: Am Ende der Untersuchung hatten die Patienten, die echten Broccolisprossenextrakt erhalten hatten, einen Langzeitwert (HbA1c) von durchschnittlich 7,0 % gegenüber einem solchen von knapp 7,4 % bei den 50 übrigen Probanden. Der Nüchternblutzucker lag nach den drei Monaten im Schnitt bei 8,2 mmol/l in der Broccolisprossengruppe und bei 8,9 mmol/l in der sogenannten Placebogruppe. Die stärkste Wirkung des Extraktes wurde bei übergewichtigen Patienten festgestellt, bei denen trotz einer gleichzeitigen Behandlung mit Metformin (Glucophage) der HbA1c-Wert erhöht war.
Broccolisprossen enthalten Glucoraphanin, und zwar deutlich mehr als das genussreife Broccoligemüse. Glucoraphanin wird nach Einnahme bei der Verdauung in Sulforaphan umgewandelt. Dieses wiederum hemmt in der Leber die Neubildung und Freisetzung von Zucker (Glukose). Da dies auf andere Weise als mit dem klassischen Diabetesmedikament Metformin geschieht, kann Sulforaphan sogar mit diesem zur Behandlung des Typ-2-Diabetes kombiniert werden. Dies ergibt eine zusätzliche Wirkung, wie die erwähnte Untersuchung ebenfalls nachweisen konnte.
Diese Ergebnisse könnten tatsächlich eine neue Therapiemöglichkeit für Typ-2-Diabetes einläuten. Bis es soweit ist, sind aber noch in grossem Rahmen viele Fragen zu klären. Nicht alle Menschen scheinen gleich gut in der Lage zu sein, Glucoraphanin in das wirksame Sulforaphan umzuwandeln. Bevor dieses als Heilmittel zugelassen würde, müssten auch die Nebenwirkungen einer noch zu bestimmenden, sicher und nachweisbar wirksamen Dosis abgeklärt werden. Auch wäre (bei langfristiger Einnahme) das Risiko möglicher gesundheitlicher Schäden gegenüber dem Nutzen der Blutzucker-Senkung noch abzuschätzen. Sulforaphan scheint auch einen hemmenden Effekt auf bestimmte Krebserkrankungen zu haben.
Quelle: Sci Transl Med 2017;9;eeah4477