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Die Entwicklung der städtischen Kultur in Böhmen, von welcher sich die Städtebildung in Mähren und Schlesien geschichtlich nicht trennen läßt, stellt ein recht kompliziertes Kapitel der Wirtschaftsgeschichte dar.
Städte im verfassungsrechtlichen Sinne gibt es in den Sudetenländern erst seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Vor dieser Zeit kann — vielleicht mit einziger Ausnahme der deutschen Kaufmannsgemeinde zu Prag — von einem städtischen Gemeinwesen nicht gesprochen werden.
Es ist bemerkenswert, daß die erhaltenen Werke der romanischen Baukunst (ungefähr bis 1230) sich nicht in den Städten, sondern nur an Burgen, Klöstern und Dorfkirchen finden; auch diesbezüglich bildet Prag fast die einzige Ausnahme. Der planmäßige Städtebau beginnt mit dem Auftreten der Gotik.
Es ist und bleibt erstaunlich, wie wenig sich manche Sachen herumsprechen. Dieser Tage zum Beispiel fiel mir eher zufällig wieder Alfred Schickels alter Aufsatz über die „polnischen Kriegsverluste“ in die Hände. Veröffentlicht in der Zeitschrift für Politik, dem Organ der Hochschule für Politik München (1978, Heft 3, S. 279-296), hätte er eigentlich einen handfesten bundesweiten Skandal auslösen müssen.
Grund: Schickel wies auf nicht einmal zwanzig Seiten präzise nach, daß die hohen, von der Republik Polen für die Jahre 1939–1945 schließlich mit mehr als drei Millionen toten ethnischen Polen angegebenen Opferzahlen bald nach Kriegsende zunächst einmal unseriös zustande gekommen waren. Eine polnische Publikation aus dem Jahr 1947 nannte zunächst noch eine Totenzahl im unteren fünfstelligen Bereich plus Dunkelziffer. Bald darauf war man darüber hinausgegangen.
Schließlich wurden in Warschau schlicht und ergreifend die Ergebnisse der Volkszählungen der Jahre vor 1945 den Zahlen nach 1945 gegenübergestellt. Dabei waren auch die „wiedergewonnenen Lande“ (also Ostdeutschland) statistisch als steter Teil Polens abgebucht. Dort, in Pommern oder Schlesien zum Beispiel, fehlten gegenüber früher nun einmal Millionen Menschen, die als – polnische – Opfer gewertet wurden. Man zählte, kurz gesagt, vertriebene Deutsche als tote Polen.
in der Sache unwidersprochen
Das will man zunächst nicht glauben, es war aber so. Obwohl an Peinlichkeit schwer zu überbieten, fand der Hinweis darauf im Jahr 1978 dennoch nur sehr begrenzte Resonanz. In der Sache blieb Schickels Text unwidersprochen, so weit zu sehen. Er hatte zudem die späteren, seriöseren Bemühungen polnischer Statistiker um Feststellung wirklicher Zahlen ausdrücklich gewürdigt. Mittlerweile ist sein Aufsatz sogar weitgehend vergessen.
Vielleicht blieb die Reaktion aus, weil die wirklichen Zahlen nicht präzise zu ermitteln waren und dies bis heute auch noch nicht sind. Vielleicht erschien es irgendwie pietätlos gegenüber echten Opfern, den möglichen virtuellen Toten nachzusagen, sie seien gar nicht tot. Es fand sich also in Deutschland wie in Polen kaum jemand, der die volle Bedeutung dieses Skandals würdigte. Das ist sozusagen der unbemerkte Skandal im Skandal – und bleibt erstaunlich.