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Cerebralparese ist eine der häufigsten motorischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Im folgenden Beitrag erfahren Sie, welche Formen der Cerebralparese es gibt und was die Diagnose für Betroffene bedeutet.
Was ist Cerebralparese? Definition und Formen
Der Begriff Cerebralparese (CP) oder Zerebralparese fasst eine Gruppe von Symptomen mit Bewegungsstörungen und/oder kognitiven Beeinträchtigungen zusammen. Die Cerebralparese, die zu den neurologischen Erkrankungen zählt, wird durch eine Schädigung des Gehirns verursacht. Es gibt verschiedene Abstufungen der Krankheit, die sich in Bezug auf die betroffene Körperregion, die Form und/oder den Schweregrad voneinander unterscheiden. Diese Abstufungen sind vor allem für die Erarbeitung eines passenden Behandlungsplans von grosser Bedeutung.
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Betroffene Körperregion
- Tetraparese: Alle vier Extremitäten sind betroffen.
- Hemiparese: Die Bewegungsstörung tritt in einer Körperhälfte auf.
- Paraparese: Nur die Beine sind beeinträchtigt.
- Diparese: Die Bewegungsstörung betrifft lediglich ein Körperteil (zum Beispiel nur einen Arm oder ein Bein).
Form
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Spastische Cerebralparese: Äussert sich in Muskelsteifheit und Verkrampfungen und ist die häufigste Form der Cerebralparese.
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Dyskinetische Cerebralparese: Führt zu einem stetigen Wechsel zwischen erhöhter und verringerter Muskelspannung.
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Ataktische Cerebralparese: Erschwert die Koordination der Bewegungen, was unkontrollierbare Zuckungen oder Zittern verursacht.
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Gemischte Cerebralparese: Liegt vor, wenn Merkmale von mehr als einer der oben beschriebenen Cerebralparesen vorliegen.
Schweregrad
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Leichte Cerebralparese: Betroffene haben leichte motorische Schwierigkeiten und können meist selbstständig gehen, sprechen und sich anziehen.
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Mittelschwere Cerebralparese: Betroffene benötigen Unterstützung bei einigen alltäglichen Aktivitäten wie der Körperpflege oder dem An- und Auskleiden.
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Schwergradige Cerebralparese: Betroffene sind auf umfassende Unterstützung angewiesen und benötigen Hilfe bei allen Aktivitäten, einschliesslich der Grundbedürfnisse wie Nahrungsaufnahme und Hygiene.
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Tiefstgradige Cerebralparese: Betroffene benötigen umfangreiche Unterstützung bei allen Aspekten des täglichen Lebens.
Die Ursachen: So entsteht Cerebralparese
Die häufigste Ursache für Cerebralparese ist die mangelnde oder gänzlich fehlende Sauerstoffversorgung des Gehirns, bekannt als Hypoxie resp. Anoxie. Beides führt zu einer Hirnschädigung und ist oft auf Komplikationen während der Schwangerschaft (pränatal), bei der Geburt (perinatal) oder nach der Geburt (postnatal) zurückzuführen. Auch Fehlbildungen, Hirnblutungen oder Unfälle können das Auftreten einer Cerebralparese begünstigen, ebenso wie die genetische Veranlagung. Eine gute medizinische Betreuung während der Schwangerschaft und bei der Geburt kann das Risiko für Schäden am Gehirn des Kindes deutlich reduzieren.
Wie äussert sich Cerebralparese?
Eine der häufigsten Symptome der Cerebralparese ist die Spastik, eine erhöhte Muskelspannung, die zu verkrampften oder steifen Bewegungen führt. Gion, der mit einer Spastik lebt, beschreibt es in seinem Erfahrungsbericht wie folgt: «Meine Muskeln sind wie Gummibänder, sie lassen sich nie komplett entspannen.»
Auch eine Ataxie, eine Störung des Gleichgewichts und der Koordination, sowie weitere Bewegungsstörungen, zum Beispiel unwillkürliche oder langsame Bewegungen können auftreten. Weitere Anzeichen einer Cerebralparese können eine beeinträchtigte Feinmotorik, Schwierigkeiten bei der Sprachentwicklung sowie Sinnesbehinderungen und geistige Behinderungen sein.
Cerebralparese: Diagnostik
Die Diagnose von Cerebralparese erfolgt meist im Kindesalter. Zu den häufigsten Frühsymptomen gehören unkoordinierte Bewegungen, Muskelsteifheit und Gleichgewichtsstörungen. Babys können beispielsweise Schwierigkeiten damit haben, den Kopf zu halten, sich umzudrehen oder zu krabbeln. Ärztinnen und Ärzte suchen genau nach diesen Anzeichen, um eine Cerebralparese festzustellen. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie MRT oder CT zum Einsatz, um das Gehirn auf mögliche Schäden zu untersuchen. Die Diagnose von Cerebralparese erfordert die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachkräfte, wie Neurologen, Kinderärzte und Physiotherapeuten, um eine genaue Beurteilung und einen passenden Behandlungsplan sicherzustellen.
Gibt es eine Heilungschance?
Da meist grosse Hirnareale betroffen sind, kann die Cerebralparese nicht geheilt werden. Mit gezielten Therapien wird jedoch eine möglichst grosse Selbstständigkeit erreicht. Der Verbesserung der Motorik und damit der Aktivitäten im Alltag kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Wichtig ist, eine cerebrale Bewegungsbehinderung so schnell wie möglich zu erkennen und mit der unverzüglichen Einleitung geeigneter Therapien Gegensteuer zu geben.
Eine der wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten bei Cerebralparese ist die Physiotherapie. Sie konzentriert sich darauf, die Muskeln zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Gelenke zu mobilisieren. In der Ergotherapie lernen Patient:innen daneben Strategien, die ihnen im Alltag mehr Unabhängigkeit ermöglichen. Falls das Sprachzentrum des Hirns betroffen ist, kann mithilfe von Logopädie, also Sprachtherapie, die Kommunikationsfähigkeiten der Betroffenen verbessert werden. Medikamente werden vor allem gegen die mit Cerebralparese zusammenhängenden Spasmen eingesetzt. Diese reduzieren die Muskelsteifheit und ermöglichen Betroffenen mehr Lebensqualität.
Weitere Infos und Unterstützung
Cerebralparese kann, je nach Ausprägung, eine Vielzahl von Auswirkungen auf den Alltag von Betroffenen und denjenigen ihrer Angehörigen haben. So bringt die Behinderung häufig Mobilitätseinschränkungen mit sich, was die Verwendung einer Gehhilfe oder eines Rollstuhls notwendig macht. Auch die Kommunikation kann eine Herausforderung sein, ebenso wie Aufgaben, die eine gewisse Feinmotorik verlangen. Für Menschen mit Cerebralparese ist es deshalb unerlässlich, sich geeignete Unterstützung, zum Beispiel in Form von sogenannter Assistenz zu suchen, um ihr Leben möglichst selbstbestimmt gestalten zu können. Im folgenden Interview erzählt die Betroffene Nadja Schmid, wie es ist, ein Team von zwölf Assistenzpersonen zu managen. Für Eltern, die ihre Kinder mit Cerebralparese zu Hause pflegen, bietet die IV mit der Hilflosenentschädigung (HLE) und dem Intensivpflegezuschlag (IPZ) eine aktive finanzielle Unterstützung an. Weitere Anlaufstellen sind zum Beispiel die ProInfirmis oder die Stiftung Cerebral.