Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03661.jsonl.gz/727

Vor 50 Jahren gründeten Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher AMG. Es war ein langer Weg von ihrem kleinen Tuningbetrieb zur Mercedes-eigenen Sportwagen- und Kundensport-Manufaktur.
Am Anfang einer Erfolgsgeschichte steht oft Unzufriedenheit. Auch im Fall von Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher. Rennmotoren wollen die Ingenieure entwickeln, aber abgesehen von ein paar Rallyeeinsätzen mag ihr Arbeitgeber Mercedes Mitte der 1960er-Jahre sich nicht mehr auf Motorsport einlassen. Nach einigen Jahren des gemeinsamen Tüftelns nach Feierabend wagen sie den Schritt in die Selbständigkeit und gründen 1967 AMG – für Aufrecht, Melcher und Grossaspach, Aufrechts Geburtsort.
Man schlägt sich, man verträgt sich wieder, aber trennt sich im Frühjahr 1971, um künftig in lockerer Form zusammenzuarbeiten. Im Juli des gleichen Jahres wird AMG dann schlagartig bekannt: Ein auf einem Unfallwagen aufgebauter feuerroter Mercedes 300 SEL 6.8 holte bei den 24 Stunden von Spa den Sieg in seiner Klasse und schaffte Platz zwei im Gesamtklassement. Die Werkstatt im schwäbischen Burgstall platzt vor Aufträgen aus allen Nähten; 1976 wird deshalb ein neues Werk am heutigen Standort in Affalterbach eröffnet. Neben dem eigenen Rennteam und der Betreuung von Kundenfahrzeugen für den Rennsport verlegt sich AMG auch auf die Optimierung von Serienmodellen von Mercedes.
Die Zusammenarbeit mit «dem Daimler» wird enger. Ab 1988 baut AMG die in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft eingesetzten Mercedes 190 E auf, zwei Jahre später beginnt die Kooperation zur Entwicklung sportlich ausgelegter Serienfahrzeuge. Im Jahr 1993 erscheint mit dem C 36 AMG das erste in diesem Rahmen entwickelte AMG-Modell. Im Jahr 1999 übernimmt Daimler Chrysler als Mercedes-Mutterkonzern 51 Prozent der AMG-Anteile; sechs Jahre später wird AMG zur hundertprozentigen Daimler-Tochter.
Mit dem Tuningbetrieb von einst hat das Unternehmen heute nichts mehr zu tun. Statt blosser Optimierung von Serienmodellen erhalten die Sportversionen von AMG komplett neu entwickelte Motoren und Fahrwerke, für die oft auch Eingriffe in die Fahrzeugstruktur nötig werden. Mit dem SLS AMG von 2009 und dem aktuellen Mercedes-AMG GT lancierte die Marke erstmals komplett im Haus konzipierte und konstruierte Supersportwagen. Noch in diesem Jahr soll zudem ein Hypersportwagen mit Strassenzulassung und aus der Formel 1 entlehntem, über 1000 PS starkem Hybridantrieb das für AMG technisch Machbare demonstrieren.