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Im Laufe des 19. Jahrhunderts ist es auf grossen Theater- und Opernbühnen immer wieder zu Bränden gekommen, weil mit Gasbeleuchtung und offenen Flammen gearbeitet wurde. Daher wurden gegen Ende jenes Jahrhunderts eiserne Vorhänge eingeführt, die schnell heruntergelassen werden konnten, wenn Feuer ausbrach. Heute sind diese Vorhänge bei den grossen Bühnen Standard. Sie trennen die Räume und sorgen dafür, dass der eine Raum vor dem Feuer im anderen Raum geschützt ist.
Die technische Neuerung hielt auch im Sprachgebrauch bald Einzug. Die erste schriftlich nachweisbare Verwendung dieser Metapher stammt von der britischen Schriftstellerin Violet Paget, die während des ersten Weltkrieges darüber nachdachte, dass an Weihnachten sowohl in London als auch in Leipzig die Menschen Bachs Weihnachtsoratorium hörten und eigentlich durch die Musik verbunden wären, aber nun im Krieg durch einen «eisernen Vorhang» getrennt waren.
In Briefen, Essays und politischen Statements wurde die Metapher verwendet, um Trennendes, aber auch Schützendes zu benennen. Als also Churchill heute vor 75 Jahren in einer Rede vom eisernen Vorhang sprach, benutzte er ein vertrautes Sprachbild. Indem er aber davon sprach, dass von Stettin bis Triest ein eiserner Vorhang Europa und die Welt teile, brachte er eine Grunderfahrung der Nachkriegszeit auf den Punkt. Seine Rede gilt denn auch als «Fanfarenstoss des Kalten Krieges».
Seither ist die Metapher des eisernen Vorhanges festgeschrieben auf diese Teilung der Welt und wird kaum mehr für andere Lebenserfahrungen verwendet. Und so froh wir sein können, dass dieser Vorhang Geschichte ist, so gut war es, dass es ihn gab. Hat er doch verhindert, dass das ideologische Feuer des einen Raumes auf den anderen übergriff – und umgekehrt.