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Heute veröffentlichte Stellus seine Prognosen zu den eidg. Abstimmungen vom 18. Juni 2023. Meine Einordnung in die anderen Vorhersage-Tools.
Grafik anclicken, um sie zu verdeutlichen
Das Tool
Vorab ein Wort zum Tool und zur Person. Es handelt sich um einen Absolventen der EPFL, der heute in einem anderen Gebiet tätig ist und deshalb anonym bleiben will. Man kann sich aber online mit ihm austauschen. Gerechnet werden verschiedene Machine Learning Modelle, die alle auf der Analyse der Abstimmungsbüchlein zwischen 1979 und 2017 basieren. Die Modelle haben gelernt, aufgrund der Beschreibung der Ausgangslage, der Argumente der Befürworter und Gegner sowie des Gesetzestextes das Abstimmungsresultat vorherzusagen. Es gibt qualitative und quantitative Modelle, die entweder ein Ja/Nein prognostizieren oder einen Ja-Wert ergeben.
Mehr dazu gibt es hier: https://www.stellus.ch/
Die Prognosen
Nun die Prognosen von Stellus:
Umsetzung des OECD/G20-Projekts zur Besteuerung grosser Unternehmensgruppen:
Prognose: Ja (Ja-Stimmenanteil 52.5%, 11/23 Stände)
Bundesgesetz über die Ziele im Klimaschutz, die Innovation und die Stärkung der Energiesicherheit:
Prognose: Ja (aber Ja-Stimmenanteil 49.5 % d.h. Nein)
Änderung vom 16. Dezember 2022 des Covid-19-Gesetzes:
Prognose: Ja (Ja-Stimmenanteil 62.1%)
Damit ist ein Ja zum Covid-19-Gesetz eindeutig erwartbar, während es bei der Mindestbesteuerung eher gegeben sein dürfte. Offen erscheint der Ausgang zum Klima- und Innovationsgesetz.
Stellus kommentiert das so: «Ein Widerspruch wie beim Klimagesetz zwischen dem Klassifikationsmodell und dem Regressionsmodell tritt gelegentlich auf. Die Ablehnung durch das Regressionsmodell ist dabei sehr knapp, und ein Ja liegt im Fehlerbereich dieses Modells. Das Klassifikationsmodell gibt gleichzeitig eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Annahme an, was insgesamt eher für eine Annahme spricht.»
Der Toolvergleich
Ich verfolge die Prognosen von Stellus seit Beginn. Sie sind in der überwiegenden Zahl korrekt, gelegentlich nicht. Wie alle Prognosemodelle!
Das hat mich dazu geführt, zuerst zwischen Ergebnisprognosen und Bestandesaufnahmen zu unterscheiden. Zu ersteren zähle ich die Schlussabstimmungen im Nationalrat, die nach Wählendenstärke gewichteten Ja-Parolen, den Startwert (plus 2 Wochen) der Wettbörse “50plus1” und eben die Inhaltsanalyse des Bundesbüchleins von Stellus. Namentlich die Schlussabstimmungen überschätzen den Ja-Anteil, wenn die Opposition erst im Abstimmungskampf entsteht.
Beobachtungstool mit höchstens indirektem Prognosecharakter sind Umfragen zu Stimmabsichten sowie Medien- und Werbeanalyse während des Wahlkampfs(, die alle noch nicht vorliegen).
Erste Zwischenbilanz
Fasst man das zusammen, ragt das Ja zur 3. Abstimmung über das Covid19 Gesetz heraus. Die Erwartungen liegen bei 60%plus für den Ja-Anteil. Auch bei der OECD-Mindeststeuer ist eine Zustimmungsmehrheit erwartbar. Sie dürfte zwischen 50 und 60 Prozent liegen. Kein Tool geht von einer sicheren Ablehnung aus.
Es bleibt das Klima- und Innovationsgesetz: Hier bleibt der Ausgang … naja! Im Parlament war die Zustimmungsmehrheit noch klar. Bei den Parteiparolen besteht noch etwas Unsicherheit, weil sich die FDP noch nicht entschieden hat; erwartet wird hier aber eine Ja-Empfehlung. Der Startwert der Wettbörse verwies auf eine 87% sichere Ja-Mehrheit von weniger als 60 Prozent. Stellus mit dem faktischen Patt zwischen Ja-Ausgang und minimaler Nein-Mehrheit bis jetzt am skeptischsten. Mitnehmen kann man, dass ein knapper Ausgang möglich ist.
Die Beobachtungstools folgen erstmals in der kommenden Woche. Auf den 3. Mai 2023 werden die Tamedia-Umfragen erwartet. Vielleicht sieht man dann klarer …
Claude Longchamp
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