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Romana Ganzoni mit Debüt «Tod in Genua»
Romana Ganzoni wurde 1967 in Scuol, Unterengadin, geboren, wo sie auch aufwuchs. Geschichts- und Germanistikstudium an der Universität Zürich, Aufenthalt in London. Nach zwanzig Jahren Tätigkeit als Gymnasiallehrerin widmet sie sich heute ganz dem Schreiben und lebt als freie Autorin in Celerina, Oberengadin. Seit 2013 Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften. 2014 Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Förderpreis des Kantons Graubünden. Seit 2015 Kolumnen in der Schweiz am Sonntag und im KulturBlog der Engadiner Post. Granada Grischun ist ihre erste Buchveröffentlichung. Mehr dazu gibt's auf ihrer Webseite.
5 Fragen an die Autorin:
Wer ist Deine Lieblingsfigur? Stirbt sie?
Es ist das Dienstmädchen Greta, «la donna». Sie ist eine Frau mit Vorgeschichte und krimineller Energie, sinnlich, undurchsichtig, geheimnisvoll, gerissen und streetwise. Sie stirbt nicht, sie wird, ganz im Gegenteil, noch lange leben.
Zu Matilde, eine ältere Diva: Denkst Du, dass in der Zwischenkriegszeit Frauen freier waren als heute? Wieso?
Matilde ist im Februar 1918 geboren und war in den 30iger Jahren eine junge Frau. In den Jahren 1921 und 1922 breitete sich die faschistische Bewegung aus. Im Jahr 1922 zählte sie über 300'000 Mitglieder. Die Faschisten drohten erfolgreich mit einem «Marsch auf Rom».
Die Geschlechtersituation war von traditionellen Werten geprägt. Der Bewegungsradius der Frauen wurde zwar durch die Frauenorganisationen der PNF (Partito Nazionale Fascista) erweitert und in Konkurrenz zu kirchlichen und wohltätigen Organisationen gesetzt, die Möglichkeiten blieben beschränkt (Wohltätigkeit, Handarbeit, Küche). In der Politik hatten Frauen nicht zu suchen. Mussolini sah ihre Rolle darin erfüllt, «schön zu sein und Freude zu erwecken». Er sagte: «Musik und Frauen lockern die Menge auf und machen sie leichter» oder «Die Frau hat passiv zu sein!» Keine sehr guten Aussichten.
Starke Charakter, ausserordentliche Persönlichkeiten, finanziell Unabhängige oder von Männern kräftig unterstützte Frauen konnten sich aber in jeder Epoche einbringen – trotz struktureller Gewalt gegen sie. Zu beachten sind auch die spezifischen Freiheiten der Oberschicht oder des Bauernstandes.
Wie lange lebten Deine Figuren in Dir bis sie endlich geboren wurden?
Vier Jahre.
Wie lange hast du am Buch geschrieben und wie hat sich die Geschichte verändert?
Die reine Schreibzeit betrug sechs Monate. Dauerarbeit. Alles ist während des Schreibens zusammengewachsen. Ich schreibe zwar mit einer Vorstellung und mit einer Atmosphäre, aber ohne genaue Plotvorstellung, das Ende war lange offen, bis mir der Text gesagt hat, was da zu stehen hat, was zur Geschichte passt, was die Geschichte will.
Hast Du auch in Genua geschrieben oder im Engadin, wie viele andere? Nietzsche ist zwischen Turin und Genua hin und her gependelt. Manche sagen er sei da „gestorben“ oder ist er nur in den Wahnsinn getrieben worden? Hat Dich das inspiriert?
Ich habe im Engadin, in Genua und in Zürich geschrieben. Nietzsche hat mich vor der Matura heftig interessiert, später etwas weniger. Für diesen Roman habe ich seine Texte nicht beigezogen. Dass das Konzept der Schicksalsbezogenheit, sein «amor fati», in Genua entstanden ist, finde ich natürlich grossartig.
Angekündigte Lesungen:
Romana Ganzoni Buch-Premiere im Engadin
Samstag, 5.10.2019, 17:00 – 18:30 Uhr
Faoro, St.Moritz
Romana Ganzoni präsentiert ihr neues Buch »Tod in Genua« im Faoro in St.Moritz.
Mit Apéro, Performance, Musik und Trofie al Pesto!
Romana Ganzoni in Scuol
Freitag, 18.10.2019, 19:15 – 21:00 Uhr
Fundaziun Nairs, Scuol
Buchvernissage mit Lesung und Gespräch mit Romana Ganzoni.
Zürich liest: Romana Ganzoni
Sonntag, 27.10.2019, 11:00 – 13:00 Uhr
Travel Book Shop, Zürich
Benefiz-Lesung mit Romana Ganzoni
Montag, 28.10.2019, 19:30 – 21:00 Uhr
Café Justus, Zürich
Lesereihe mit Jan Cornelius und Klaus Merz. Erlös zugunsten syrischer Flüchtlinge. Kuratiert von Dana Grigorcea.
«Ganzoni bei Ganzoni»
Mittwoch, 4.12.2019, 00:00 – 00:00 Uhr
Buchhandlung Ganzoni, Basel
Film: Sabrina Bundi/ Flavio Decurtins
Starring: Ursina Hartmann als Matilde