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Kapitel 1
Es war einmal ein Fischer, ein einsamer Mann, der an einer kalten, rauen Küste lebte und keine Frau davon überzeugen konnte, ihre Heimat zu verlassen, um mit ihm an diesem unwirtlichen Ort zu leben. Er liebte das Meer mehr als jeden Menschen, und so gelang es ihm nicht, eine Frau zu finden, denn Frauen sehen klarer ins Herz eines Mannes, als Männer sich das vielleicht wünschen.
So sehr er die eiskalte Gischt im Gesicht liebte und den Anblick der sich am Horizont auftürmenden Wolken, so sehr wünschte er sich doch eine Frau, um sie zu lieben.
Eines Abends, als er nach einem langen Arbeitstag sein Netz einholte, fand der Fischer eine Frau darin – oder zumindest ein Wesen, das einer Frau ähnelte, mit schwarzem Haar und Augen so grau wie die stürmische See und einem glänzenden Fischschwanz.
Es tat ihm leid, dass er sie gefangen hatte, und das sagte er ihr auch, während der Sturm in ihrem Blick direkt in sein Herz blies.
Als sie seine Stimme vernahm, hörte sie auf, sich wie wild in seinem Netz herumzuwerfen, auch wenn sie seine Worte nicht verstehen konnte. Der Fischer gab sie frei, und sie tauchte zurück ins Wasser – ein wildes Wesen, das in seinen wilden Lebensraum zurückkehrte –, und er sah ihr nach, wie sie davonschwamm.
Doch sie hatte mit ihren Augen in ihn hineingeblickt, wie es nur Frauen vermögen, und seine Einsamkeit schlich sich in ihr Herz, und er tat ihr leid. So nahm diese Einsamkeit sie mehr gefangen, als es das Netz je hätte tun können. Während sie von dem Boot wegschwamm, so schnell sie nur konnte, zog sie seine Einsamkeit hinter sich her wie eine Reepschnur. Aber sie wollte nicht, dass seine Gefühle sie banden und sie zu ihm zurückzogen, also ließ sie ihren Schwanz silbrig im Wasser blitzen und richtete den Blick entschlossen nach vorn.
Doch auch ohne zurückzublicken, fühlte sie, wie er ihr nachsah, und sie merkte sich die Form seines Boots und den Schwung der nahegelegenen felsigen Küste und die Fältchen um seine Augen, Augen, so dunkel wie das tiefe Meer unter dem Mond.
Ihr Name bedeutete »Die durch die Meeresoberfläche bricht«, denn sie hatte es sehr eilig gehabt, zur Welt zu kommen, und war viel früher geboren worden als ihre sechs älteren Geschwister. Den größten Teil ihrer Kindheit hatten ihre Mutter, ihr Vater und ihre Geschwister damit verbracht, nach ihr zu suchen, denn sie war nie dort zu finden gewesen, wo sie hätte sein sollen. Immer wieder warnte man sie vor den Gefahren der Oberfläche und den Menschen, die dort ihre Netze auswarfen, vor ihrer Grausamkeit gegenüber den Bewohnern des Meeres.
Sie hätten ihr nie davon erzählen dürfen, denn nun wollte sie mehr wissen, und ihr Wissensdurst führte sie immer weiter in die Ferne.
Ihre Heimat lag tief unter dem Meer, weit weg von den Landmassen, die auf jeder Seite gegen den Ozean drückten, weil ihr Volk die Menschen fürchtete, mit ihren Haken und Netzen und Booten, die auf der Oberfläche der Wellen trieben. Die Geschichtenerzähler sprachen von silbernen Walen, die, von grausamem Metall durchspießt, an Bord der Schiffe gehievt wurden, wo das Blut aus ihnen rann, ins Wasser zurückspritzte und alles anlockte, was im Ozean auf der Suche nach sterbenden Kreaturen war.
Manchmal gab es einen Sturm, der ein Schiff in Stücke riss, und dann fielen die Menschen ins Wasser und sanken, sanken, sanken bis auf den Grund – jedenfalls die Glücklichen. Die Unglücklichen wurden von den umherstreifenden Jägern gefressen, die mit den silbergrauen Körpern und den schwarzen Augen und den weißen, weißen Zähnen.
Wenn die Schiffe versunken waren, schwamm die neugierige Meerjungfrau zu den Wracks und erforschte sie, nahm hier und da etwas von den Dingen an sich, die die Menschen benutzten, und bestaunte sie. Und wenn einer ihrer Brüder oder