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Vor ein paar Wochen machte eine Geschichte die Runde, die zugleich zutiefst politisch und wunderbar absurd ist: Der siebzehnjährige Mack Beggs, ein Teenager aus Euless, Texas, gewann nach einer ungeschlagenen Saison mit 52 Kämpfen die Staatsmeisterschaft im Highschool-Ringen. Das Problem dabei: Mack gewann die Meisterschaft im Frauenringen – obwohl er sich als Junge identifiziert. Mack Beggs ist transgender.
Die Geschichte beginnt vor knapp zwei Jahren, als Mack, geboren als Mackenzie Beggs, nach langem Ringen mit sich selber eine Testosterontherapie beginnt, um seinen Körper jener Identität anzupassen, mit der er sich seit Jahren identifiziert. Er schneidet sich die Haare ab und bittet seine Familie und FreundInnen, ihn fortan nur noch Mack zu nennen. Anders als es im konservativen Texas vielleicht zu erwarten wäre, unterstützt ihn seine Familie bei dieser Entscheidung.
Doch Mack hat die Rechnung ohne den Sport gemacht. Zwar erlaubte ihm der zuständige Sportverband University Interscholastic League (UIL), trotz der Einnahme von Testosteron weiterhin als Ringer aktiv zu sein, da seine Einnahme von Testosteron (ansonsten als Doping verboten) «von medizinischer Notwendigkeit» sei. Den Antrag von Mack, künftig in der Männerliga ringen zu dürfen, lehnte diese jedoch ab. Der Grund dafür: Die Regeln des texanischen Schulsports definieren unmissverständlich, dass eine Person nur in der Geschlechterkategorie antreten darf, die ihr bei der Geburt zugewiesen wurde.
In der Tat entwickelte sich Mack in den zwei Jahren seiner Therapie vom überdurchschnittlichen Ringer zum unschlagbaren Dominator innerhalb des Staats – nicht nur, weil er einen unfairen Vorteil aufgrund des zusätzlichen Testosterons hätte, er ist auch einfach ein verdammt guter Ringer. Dies bestätigen ihm Trainer und Gegnerinnen zuhauf. Und dennoch geht es im US-amerikanischen Schulsport eben doch um ein bisschen mehr als einfach nur ums Dabeisein. Erfolg im Sport führt häufig zu begehrten Stipendien für teure Privatuniversitäten.
Kein Wunder also, wurde nach Macks Triumph massive Kritik laut. Zwei seiner Gegnerinnen hatten ihre Duelle kampflos aufgegeben und beim Verband Beschwerde eingereicht wegen Verstoss gegen die Dopingrichtlinien. Und die Eltern mehrerer von Mack geschlagener Ringerinnen bezeichneten ihn öffentlich als «cheater», als Betrüger(in) also – im vollen Wissen, dass er gar nicht gegen junge Frauen hatte ringen wollen.
In der Zwischenzeit beschäftigt der Fall auch die Gerichte. James Baudhuin, Anwalt und Vater einer Highschool-Ringerin, hat die UIL verklagt: «Es geht hier um ein komplettes und bitteres Versagen derjenigen Erwachsenen, die den Sport in Texas reglementieren. Sie lassen jegliche Verantwortung und Rechenschaft vermissen, und sie tun Mack unrecht», liess er sich in den Medien zitieren. Und betonte zugleich, es gehe ihm nicht darum, dass Mack gesperrt werde, sondern dass er in der Männerliga kämpfen dürfe, wie es ja auch sein Wunsch sei.
Die Geschichte ist politisch sensibel. Just in derselben Woche, als Mack seinen Titel holte, hob die Trump-Regierung einen Beschluss aus der Obama-Ära auf, der es öffentlichen Schulen verboten hatte, sogenannte Toilettenregeln aufzustellen, also Transgendermenschen dazu zu zwingen, nur die Toilette ihres bei Geburt zugewiesenen Geschlechts zu benutzen. Dennoch hat die texanische Aufsichtsbehörde sich des Falls angenommen – nicht zuletzt aufgrund der Klage gegen den Verband. Der Fall soll diesen Sommer auf die Traktandenliste kommen.
Ob eine etwaige Änderung für Mack rechtzeitig kommen wird, ist unklar. Doch vielleicht zieht er, wenn er nächstes Jahr zur Uni gehen wird, einfach in einen der 43 US-Bundesstaaten, die weniger Probleme mit Transmenschen haben als Texas. Gut genug für ein Sportstipendium ist er jedenfalls.
Etrit Hasler ist Slampoet – eine Sportart, bei der es keine Geschlechterklassen gibt – und gratuliert Gina Walter, Dominik Muheim und Sven Hirsbrunner zu ihren frischgewonnenen Titeln.