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erschienen bei Michael Winkler
Beamte gab es schon lange bevor dieser Begriff eingeführt wurde. Der Be-Amt-ete ist jemand, der mit einem Amt versehen wurde, also von dritter Seite mit Amtsgewalt ausgestattet wurde. Der erste derartige Beamte war wohl eine Art „Hilfssheriff“, den der Häuptling eines Steinzeitstammes mit bestimmten Aufgaben betraut hatte. Der Häuptling war Vorgesetzter auf Grund eigenen Oberarmumfangs, der Helfer hingegen Vorgesetzter auf Grund des Oberarmumfangs seines Chefs.
Beamte gab es auch in durchaus demokratischen Gesellschaften. Stellen wir uns eine Dorfgemeinschaft im Zweistromland vor, etwa 5.000 Jahre vor der heutigen Zeit. Die Bewohner waren geistig durchaus auf der Höhe, noch nicht verblendet durch den Islam. Die haben damals ausgeklügelte Bewässerungssysteme gegraben, die Jahrtausende funktioniert haben. Bis zu den Mongolen, die diese Bewässerungssysteme „überarbeitet“ haben. Die inzwischen muslimisch gewordenen Nachfahren haben es seither nicht geschafft, diese Bewässerungssysteme wieder aufzubauen. Vermutlich war das der Wille Allahs, und der ist bekanntlich groß.
Unser Dorf weiß noch nichts über Allah und seine Größe, allerdings stellen die Dörfler das Wirken der Entropie fest, was eine hochgestochene Umschreibung für den zeitlichen Zerfall ist. Die schönen Bewässerungsgräben müssen in Ordnung gehalten werden, außerdem sollte jemand darauf achten, daß einzelne Bauern nicht zuviel Wasser abzapfen. Dafür wurde ein besonders ehrenwerter Bürger bestimmt, der regelmäßig die Gräben abzugehen hatte. War etwas beschädigt, sollte er Abhilfe schaffen. Und er sollte aufpassen, daß niemand zu viel oder zu wenig Wasser abbekam.
Kurz darauf wurde die Bestechung erfunden. Sie sorgte dafür, daß der gewissenhafte Beamte gelegentlich wegschaute, wenn es dem freundlichen Spender frommte. Damit nahm das Schicksal seinen Lauf: Zuerst stellte man dem Wasserbeamten einen Kollegen an die Seite. So beaufsichtigten sich die beiden gegenseitig und die Bestechung wurde teurer, weil ja nun zwei Beamte unterstützt werden mußten. Damit das nicht so einfach wurde, kam ein dritter Beamter als deren Chef hinzu, der die beiden anderen Beamten beaufsichtigte und als deren Chef natürlich noch mehr Bestechungsgelder kassierte.
Nun ja, die Kultur des Zweistromlandes ist untergegangen, nach Ansicht der Archäologen allerdings nicht daran, daß zum Schluß alle für die Wasserbehörde gearbeitet haben und keiner mehr auf den Feldern. Immerhin, schon die alten Sumerer hatten gelernt, daß man Beamten auf die Finger schauen und gelegentlich auch hauen muß.
Die Römer hatten in Bezug auf ihre Beamten schon sehr viel gelernt, was uns heute längst wieder abgeht. Wobei das nicht den Amtsboten oder den Amtsschreiber betraf, die hatten nichts zu sagen und deshalb auch damals schon eine gesicherte Lebensstellung. Beamte, die etwas zu sagen hatten, wurden hingegen gewählt. Bei den Wahlen kandidierten keine Parteien, als nicht etwa die Jupitertreuen Pietisten gegen die Saturnalier, sondern Personen, also Gaius Tolerantus Caligula gegen Lucius Bubonicus Nero. Die Ämter wurden nur für ein Jahr vergeben und es gab sie doppelt, damit der eine Beamte den lieben Kollegen kontrollierte.
Das Mittelalter kehrte zum Hilfssheriff-System zurück, nur nannte man es damals Lehnswesen bzw. Feudalherrschaft. Der Kaiser hatte seine Macht von Gott (eigentlich wurde er durch die Kurfürsten gewählt), die Herzöge ihre Macht vom Kaiser, die Grafen ihre Macht vom jeweiligen Herzog und so weiter, bis zum leibeigenen Bauern ohne alle Macht. Aber der war auch kein Beamter. Der Feudalstaat siechte schließlich dahin und mit den absoluten Monarchen kamen dann die modernen Beamten.
Friedrich der Große ist in diesem Fall übrigens KEIN Vorbild. Er ging davon aus, daß seine Minister bestochen würden, folglich sparte er an deren Gehalt. Das, was wir als preußisches Beamtentum bezeichnen, wurde erst nach der Niederlage gegen Napoleon herbeireformiert. Der alte Fritz war dafür zu sehr mit der Vergrößerung seines Reiches beschäftigt.
Die große Zeit des deutschen Beamtentums begann ungefähr 1815 und endete irgendwann zwischen 1920 und 1980. Dem deutschen Beamten galten damals Kaiser, Gott und Vaterland (in dieser Reihenfolge) als ewige und gegen alle Zersetzung zu schützende Werte. Beamter wurde damals, wer die fachliche und charakterliche Eignung dafür besaß. Diese Beamten erfüllten ihre Aufgaben vielleicht ein wenig stur, jedoch korrekt gegenüber jedermann und unbestechlich. Jeder Beamtenanwärter sog bei seiner Ausbildung diese Ethik in sich ein und verkörperte sie Zeit seines Lebens.