Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03288.jsonl.gz/2092

Gertrud Dora Girod-Levis unterrichtete Sprachen und Staatskunde an der Berufs- und Frauenfachschule Basel und engagierte sich in der Anti-Atombewegung der Schweiz. Während zwei Legislaturen war sie Mitglied des Weiteren Gemeinderats Riehen.
Tochter des Otto Seligmann Levis (Jurist, Richter) und der Klara Karolina, geborene Heinsheimer. Heirat 1939 mit Emil Girod (Chemiker). 1959 Scheidung. Ein Sohn.
Gertrud Dora Levis wurde am 24. September 1916 in Pforzheim (D) geboren. Ihr Vater Otto Seligmann Levis (1872–1941) war jüdischer Abstammung, ihre Mutter, ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammend, war evangelisch. Beim Schuleintritt wurden sie und ihr jüngerer Bruder evangelisch getauft. Gertrud Levis besuchte die Schulen in Karlsruhe und machte dort das Abitur. 1935, im Alter von 19 Jahren, verliess sie Deutschland, da sie aufgrund der antisemitischen Gesetze der Nationalsozialisten nicht zum Studium zugelassen wurde. Sie zog nach Lausanne, wo sie an der Faculté des Lettres Sprachen studierte und 1939 mit der Licence ès lettres abschloss.
Am 20. Januar 1939 heiratete sie den Chemiker Emil Girod und siedelte nach Basel über. Von 1942 bis 1944 arbeitete Girod-Levis als Korrektorin der Klassiker-Ausgaben beim Basler Birkhäuser Verlag und leistete zwölf Monate Dienst im Frauenhilfsdienst, einer Organisation der Schweizer Armee für weibliche Militärdienstleistende. Von 1944 bis 1950 war sie Sekretärin des Biologen Prof. Adolf Portmann. Daneben arbeitete sie als Lehrerin, gab Privatunterricht und übernahm Stellvertretungen. 1946, nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes, zog die Familie Girod-Levis nach Riehen.
Girod-Levis’ Eltern blieben nach der Machtergreifung der Nazis in Karlsruhe. 1940 wurden sie ins französische Internierungslager Gurs deportiert und 1941 nach Récébédou bei Toulouse verlegt, wo ihr Vater aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen erkrankte und verstarb. Die Mutter Klara Karolina Levis-Heinsheimer erhielt danach mit Hilfe der evangelisch-reformierten Kirche die Bewilligung zur Ausreise in die Schweiz zu ihren Kindern.
Ab 1957 nahm Girod-Levis ihre Lehrtätigkeit wieder auf mit Vikariaten an verschiedenen Schulen.
Nach der Scheidung 1959 blieb sie in Riehen wohnhaft. Am 19. Juni 1978 wurde sie von der Gemeinde eingebürgert.
1963 erhielt Girod-Levis eine Anstellung als Lehrerin für Deutsch, Französisch, Korrespondenz und Staatskunde an der Berufs- und Frauenfachschule Basel. Daneben arbeitete sie als Korrektorin der Klassiker-Ausgabe beim Birkhäuser Verlag. Zudem war sie Dozentin für Jugendliteratur an der Berufsschule für Heimerziehung in Basel. Nach ihrer Pensionierung 1981 war sie noch eine Reihe von Jahren ehrenamtlich für die Pädagogische Dokumentationsstelle Basel-Stadt tätig.
Anfang der 1960er-Jahre wurde Girod-Levis politisch aktiv innerhalb der Bewegung gegen die atomare Aufrüstung in der Schweiz. Von 1974 bis 1982 sass sie als Parteilose für die Partei der Arbeit (PdA) im Weiteren Gemeinderat Riehen. Sie war auch in der Schweizerischen Frauenbewegung für Frieden und Fortschritt aktiv. In ihrer Wohngemeinde engagierte sie sich zudem ab den 1950er-Jahren kulturell im Rahmen der Konzertreihe ‹Kunst in Riehen›.
Gertrud Dora Girod-Levis starb am 24. Dezember 2000 in Riehen.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 29.4.2022
Friedenserziehung – drei Generationen für den Frieden. Einleitende Gedanken und Anregungen. Basel 1984.
Girod-Levis, Gertrud Dora, Riehen bei Basel: E2001-08#1978/107#626*.
Sammlung biographischer Zeitungsausschnitte: 3 Zeitungsartikel.
Informationen von Martin Girod, Sohn (Februar 2020).