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News - Abwarten und das Beste hoffen
Die Coronakrise und die damit verbundene Unsicherheit, wie es punkto Grossanlässe weitergehen wird, trifft auch den HCD finanziell hart. Im Interview erklärt CEO Marc Gianola die gegenwärtige Situation und skizziert verschiedene Szenarien.
DZ: Marc Gianola, die vergangene Saison musste ja abgebrochen werden. Wie stark hat das Nichtspielen der Playoffs den HCD finanziell getroffen?
Marc Gianola: Dem HCD fehlen aus der abgebrochenen Saison mindestens 700'000 Franken an Einnahmen aus Tickets, Catering und Merchandising. Wenn wir in den Halbfinal oder Final gekommen wären, wäre die Summe doppelt bis drei Mal so hoch. Dazu kommt, dass aus dem Nichtübertragen der Playoff-Partien die TV-Rechteinhaber sicher auch noch mit Forderungen auf die Clubs zukommen werden. Somit kann man sagen, das Nichtspielen der Playoffs trifft den HCD hart!
Können die Umsatzeinbussen ungefähr beziffert werden?
Ich würde die Umsatzeinbusse auf etwa 800000 Franken bemessen. Darin inkludiert sind vier Spiele – eines in der Meisterschaft und drei Playoffspiele.
Nun belastet gegenwärtig die Coronakrise Sport und Wirtschaft. Wie sieht die diesbezügliche Situation beim HCD aus, und mit welchen Massnahmen wird versucht, grösseren finanziellen Schaden zu verhindern?
Der HCD hat sich vom ersten Tag der Krise an ein rigoroses Sparprogramm auferlegt. Darin sind viele Massnahmen umgesetzt worden wie zum Beispiel Kurzarbeit, Gespräche über Mietreduktion mit Vermietern, Einstellungsstopp, Investitionsstopp, Liquiditätsplanung, um Forderungen, die anstehen, etwas nach hinten zu schieben, neue kurzfristige Liquidität durch die Bundesdarlehen zu beantragen usw.
Wie geht man mit der aktuellen Situation um: Wer arbeitet respektive trainiert, und wer hat beispielsweise Kurzarbeit oder Homeoffice oder gar Zwangsurlaub?
Wir sind ein Unternehmen mit ungefähr 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie ganz vielen Funktionären, die uns während der Spiele mit ihrer Arbeitskraft unterstützen. Im März und April hat niemand gearbeitet ausser der Geschäftsleitung, dem Finanzbereich und vereinzelten Personen, die noch gewisse Tätigkeiten für die letzte oder für die kommende Saison aufgleisen oder abschliessen mussten. Die erste Mannschaft hat wegen des vom Bund auferlegten Verbots erst am 11. Mai erstmals wieder geführt trainiert.
Mittlerweile hat die Ligaversammlung ja gewisse Eckpfeiler für die nächste Saison beschlossen. Wie beurteilen Sie die getroffenen Entscheide aus unternehmerischer Sicht?
Im Moment müssen wir – also die Liga – Risiko rausnehmen und Bedingungen schaffen, damit wir keines der 12 National-League-Teams durch Konkurs verlieren und die Liga auch in Zukunft attraktiv bleibt. Mit den kurzfristigen Massnahmen – kein Ligaabstieg und Aufstieg unter gewissen Voraussetzungen – die kürzlich beschlossen wurden, können sich die Teams zumindest die Abstiegsangst und damit verbundene Investments sparen. Die mittelfristige Planung kann dann ab Juli angegangen werden, wenn die ordentliche Ligaversammlung entscheidet, wie es ab der Saison 21/22 weitergeht.
Sehr belastend für viele ist die Unsicherheit, wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll. Inwiefern macht diese Ungewissheit auch euch Probleme bei den Vorbereitungen auf die neue Saison, und wie versucht ihr diese Herausforderungen zu meistern?
Wie die ganze Event-Branche warten wir auf die Freigabe von Bund/Kanton und Gemeinde für Veranstaltungen mit über 1000 Personen. Vorher können wir gar nichts machen.
Wir haben uns gewisse Zeitpunkte gesetzt, an denen wir über gewisse Projekte entscheiden müssen, haben diese aber alle so weit wie möglich nach hinten geschoben, um mehr Erkenntnisse zu haben. Wir müssen im Moment alles sehr flexibel handhaben und auf Entscheide schnell reagieren. Normalerweise wären wir jetzt im Vorverkauf der Spengler Cup-Tickets und Dauerkarten für die Meisterschaft. Aber ohne wissen, wann, wie und ob wir diese Events durchführen können, ist das schwierig umzusetzen.
Da man nicht weiss, ob und wann wieder Grossveranstaltungen zugelassen sein werden: Wie sieht es beim HCD bezüglich Planungen für Meisterschaft und Spengler Cup aus? Und könnte man beispielsweise den Spengler Cup heuer ausfallen lassen?
Bei der Durchführung von Grossveranstaltungen wie Eishockeyspielen sind wir abhängig von Bund, Kanton und Gemeinde, die eine Bewilligung geben oder eben nicht. Für den Spengler Cup kommt noch die internationale Reisetätigkeit dazu, die eine Durchführung komplexer macht. Wenn zum Beispiel eine Mannschaft nicht anreisen kann, oder wenn sie sich nach dem Spengler Cup in ihrem Land in Quarantäne begeben muss, wird es schwierig. Im Moment heisst es einfach abwarten und schauen, wie die Lage sich weiterentwickelt.
Welches wären die finanziellen Konsequenzen, wenn der Spengler Cup abgesagt werden müsste oder die Meisterschaft später respektive mit weniger Zuschauern durchgeführt würde?
Wir haben verschiedene Modelle berechnet. Fakt ist: Je weniger Zuschauer im Stadion sind, desto mehr kommen die Eishockeyclubs in Schwierigkeiten. Bei uns hiesse ein Totalausfall von Meisterschaft und Spengler Cup ein Minus von etwa 14 Millionen Franken, ohne Zuschauer zu spielen ergäbe ein Minus von 10 Millionen, und mit 1000 Zuschauern zu spielen würde ein Defizit von 7 Millionen ausmachen.
Unter welchen Bedingungen käme der HCD in existenzielle Schwierigkeiten?
Wir gehen, Stand heute, davon aus, dass wir diese Saison irgendwann mit Zuschauern beginnen werden und so auch die nötigen Einnahmen generieren können. Falls der Fall eintreten sollte, dass wir ohne Zuschauer spielen müssten, sind wir auf die Solidarität aller im System beteiligten Exponenten angewiesen. Sowie auf den Bund, der uns und den restlichen Clubs mit Überbrückungskrediten mittelfristig hilft. Existenziell wird es erst dann, wenn wir ligaweit keine Lösung finden, wie die Hockeyunternehmen profitabel werden und somit die Kredite nicht zurückbezahlt werden können.
Das Interview führte Pascal Spalinger für die Davoser Zeitung Bild: Keystone
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