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HOCHWASSER IN DEN THURAUEN
Anfangs August ist die Abflussmenge der Thur aufgrund der starken Niederschläge in ihrem Einzugsgebiet in den Thurauen während kürzester Zeit um mehr als das Dreissigfache gestiegen. Durch die Kraft der Wassermassen, die sich bei einem solchen Hochwasser flussabwärts bewegen, kann sich sogar der Verlauf eines Flusses über die Jahre verändern. Kommt es zu Überflutungen, werden entlang eines Flusses neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen.
Zum Monatsbeginn haben kräftige Regenfälle an verschiedenen Orten in der Schweiz zu höheren Flusspegeln geführt. So auch in den Thurauen, wo sich die sonst klare, blaue Thur in einem anderen Kleid präsentierte. Braune Wassermassen flossen zu Beginn des Augusts den Fluss abwärts in den Rhein und machten die Auswirkungen der starken Niederschläge sichtbar.
Von einem Hochwasser wird gesprochen, wenn mehr als 500 m3 Wasser pro Sekunde die Thur hinunter fliesst. Dies war auch letzte Woche der Fall, als die Messstation in Andelfingen einen Wert von über 540 m3 pro Sekunde anzeigte. Zum Vergleich: Der Jahresdurchschnitt, welcher bei dieser Station gemessen wird, liegt bei ungefähr 47 m3 pro Sekunde. Kurz vor dem Hochwasser von letzter Woche mass die Station gar nur 15 m3 pro Sekunde. Die Abflussmenge des Rheins im Thurauengebiet hat sich im Gegensatz zur Thur nur relativ schwach verändert. Grund dafür ist unter anderem der Bodensee, der wie ein Auffangbecken funktioniert, die Fliessgeschwindigkeit des Rheins bremst und die Wassermassen nur nach und nach flussabwärts gibt. Die Thur hingegen wird auf ihren rund 130 Kilometern Länge nirgends zurückgehalten und fliesst beinahe ungebremst vom Toggenburg bis nach Flaach, wo sie in den Rhein mündet.
Die Wassermassen, welche bei einem solchen Hochwasser wirken, können mit ihrer Kraft die Landschaft auf beiden Seiten eines Fliessgewässers stark beeinflussen. Insbesondere an den Aussenseiten der Kurven eines Flusses erreicht das Wasser hohe Geschwindigkeiten. Deshalb werden dort Sedimente abgetragen und senkrechte Ufer, sogenannte Prallhänge, entstehen. Diese Sedimente werden weiter flussabwärts in den Innenkurven wieder abgelagert und bilden Kies- und Sandbänke. Durch die Verschiebung der Sedimente verändert sich der Verlauf des Flusses ständig. An der renaturierten Thur hat dies westlich der Thurbrücke in den letzten 10 Jahren schon eine Seitwärtsverlagerung von rund 41 Metern bewirkt.
In die durch Hochwasser entstandenen Prallhänge baut der Eisvogel seine Bruthöhlen, auf die Kiesbänke legt der Flussregenpfeifer seine Eier. Auch von den Überflutungen der Auenwälder der Thurauen profitieren viele Tier- und Pflanzenarten. Verschiedene Amphibienarten, Libellen oder auch der Biber sind auf feuchte oder sogar überflutete Gebiete angewiesen. Achten Sie also bei Ihrem nächsten Spaziergang in den Thurauen auf die Landschaft seitlich der Thur. Erkennen Sie die Spuren, die das Hochwasser hinterlassen hat? Vielleicht entdecken Sie sogar den einen oder anderen neu geschaffenen Lebensraum.