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Der Rücktritt war einerseits abzusehen, andererseits erfolgte er doch überraschend. Von Siebenthal hatte bereits im Februar anlässlich der Weltmeisterschaften in Seefeld klar festgehalten, dass ihr die Motivation für den Leistungssport fehlt. Sie fühlte sich körperlich und mental ausgelaugt.
Von Siebenthal legte im Frühling denn auch eine mehrmonatige Pause ein. Im Verlaufe des Sommers nahm die frisch verheiratete Sportlerin das Training allerdings wieder auf. «Die Signale waren positiv», sagte Hippolyt Kempf, Chef Langlauf von Swiss-Ski. «Ich sah die Trainingspläne, die Wettkampfplanung, die Vorbereitungen an der Materialfront. Ich ging davon aus, dass wir mit ihr für Peking 2022 planen können», betonte der Olympiasieger von 1988. «Deshalb war es für mich ein Schock, als ich vergangene Woche den Anruf von Nathalie erhielt», fügte Kempf an.
Von Siebenthal verspürte tatsächlich wieder Lust aufs Training, wie sie per Communiqué via Swiss-Ski mitteilen liess: «Doch schon nach wenigen Tagen wehrten sich Kopf und Körper gegen die Lust.» Offenbar war der Hunger auf Erfolg nicht mehr da, der Wille, all die Entbehrungen einer Spitzensportlerin auf sich zu nehmen, fehlte. Dabei stünde Von Siebenthal mit 26 Jahren eigentlich zu Beginn des besten Langlaufalters. Aber die Bäuerin sieht den Zeitpunkt für einen neuen Lebensabschnitt gekommen.
Von Siebenthal war die beste Schweizer Läuferin über die langen Distanzen der letzten Jahre. Sie bevorzugte die Skating-Technik und spielte ihre Stärken insbesondere am Berg aus. Bereits im dritten Weltcup-Rennen 2014 in Davos gewann sie ihren ersten Weltcuppunkt. Die grössten Erfolge feierte die Berner Oberländerin an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang, wo sie sowohl über 10 km Skating als auch im Skiathlon auf Platz 6 lief. An Weltmeisterschaften erreichte sie drei Top-7-Klassierungen.