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Arbenz Carl, Dr. phil., 1907-2004, Professor Kantonschule Rychenberg
Carl Arbenz war nicht nur ein beliebter Kantonsschullehrer, sondern auch ein weltoffener Mann. Die Spannweite seiner ausserschulischen Interessen mag durch zwei besondere Tätigkeiten angedeutet sein. Er engagierte sich früh, als dies nur wenige Tapfere taten, in der geistigen Landesverteidigung und er war in den Dreissigerjahren für einige Jahre Präsident des FC Winterthur.
Dieser Lebenslauf, leicht gekürzt, entstammt der Gedenkschrift „Carl Arbenz“, erschienen im Dezember 2004.
Carl Heinrich Arbenz wurde am 30. Juni 1907 als jüngster Sohn von Ernst Arbenz, Eisenbahn-Professor am Technikum Winterthur, und Emma Arbenz-Sigg, von Trüllikon, geboren. Er blieb wie sein Vater aus dem Arbenz'schen Stamm der Haldenmüller heimatberechtigt in Andelfingen. Zusammen mit seinen Geschwistern Lilli, Mina und Ernst wuchs er an der Adlerstrasse in Win¬terthur auf. Schon im 8. Lebensjahr verlor er seinen Vater. Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern war er zeitlebens eng verbunden. Sie alle sind vor ihm heimgegangen.
1934 vermählte er sich mit Hedwig Fanny Huber von Ottoberg. Dieser ersten Ehe entstammen die drei Kinder Ursula (*1935), Peter (*1937) und Ueli (*1948). Die Familie wohnte an der Schützenstrasse 29 in Winterthur, im Haus der Schwiegereltern Jakob und Fanny Huber. Sein liberales und soziales Engagement hinterliess auch bei seiner Familie Spuren. So gründete seine erste Gattin die Liberale Frauengruppe Winterthur und leitete jahrelang die hiesige Frauenzentrale. Allzu früh verstarb Hedwig Arbenz-Huber 1955 an einem Krebsleiden. Dieser Verlust traf die ganze Familie hart.
Am 12. September 1957 heiratete Carl Arbenz Gertrud Hedwig Wettstein von Stäfa, Lehrerin für Geschichte, Deutsch und Englisch an der Kantonsschule Winterthur. Während mehr als 20 Jahren durften Carl und Gertrud Arbenz so gemeinsam unterrichten und einander auch beruflich unterstützen. Sie nahmen zunächst Wohnsitz an der Rychenbergstrasse 203 in Oberwinterthur, wo 1964 ihr Sohn Felix zur Welt kam, und wohnten dann während 37 Jahren oberhalb der Kantonsschule an der Rychenbergstrasse 113. Sie freuten sich zusammen über ihre glückliche Beziehung.
Das Leben von Carl Arbenz gestaltet sich in drei grosse, fast gleich lange Abschnitte: In knapp 30 Jahre Jugend- und Studienzeit, 35 Jahre Lehrertätigkeit und beinahe 35 Jahre Zeit der Pensionierung.
Seine Studien an den Universitäten Zürich, Kiel und Basel schloss er mit einer philologischer Dissertation ab. In den Krisenjahren nach dem ersten Weltkrieg war es schwierig, Stellen zu finden. So war er zunächst Hilfslehrer an den Gymnasien in Zürich und Bern und an der Kantonsschule Winterthur, bis er 1936 in Winterthur als Hauptlehrer für Latein, Griechisch und Alte Geschichte gewählt wurde. Seinen Schülerinnen und Schülern vermittelte er nicht nur Schul¬wissen. Sein Unterricht war stark geprägt durch Bezüge zum gesellschaftlichen und politischen Alltag und verknüpft mit den Erfahrungen aus seinem Leben. Für persönliche Anliegen seiner Studenten hatte er stets ein offenes Ohr und Herz.
Im Herbst 1942 umschrieb er einmal in einem persönlichen Brief, der, wie so vieles, sorgsam aufbewahrt wurde, was ein Mensch in sich harmonisch vereinigen sollte: Härte des Charakters, Willensstärke,edler, wortscheuer Stolz und Illusionslosigkeit, Humor, Güte, Zuversicht und Menschlichkeit, Anstand, Klugheit und Gerechtigkeitssinn. Später fügte er noch bei: Herzlichkeit und Distanz.
Diese Worte charakterisieren seine Persönlichkeit treffend. Zeit seines Lebens waren sie für ihn gelebte Maxime und Vorbild für Kinder, Enkel und Urenkel, die ihn liebten und verehrten. Nebst hoher Pflichterfüllung als Lehrer und Mentor engagierte sich Carl Arbenz immer wieder ehrenamtlich für Gesellschaft und Staat. So war er zum Beispiel lange Jahre:
-jahrelange Tätigkeit in der Bezirksschulpflege Winterthur
-Präsident der Winterthurer Ortsgruppe der Neuen Helvetischen Gesellschaft, später Mitglied des Zentralkomitees und Ehrenmitglied.
-Präsident der Bundesfeierkommission Winterthur, Bezirksschulpfleger.
-Mitglied der Kantonalen Diplomprüfungskommission für das Höhere Lehramt.
Schliesslich war er während 40 Jahren Präsident des Vereins der Familie Arbenz und späterer Ehrenpräsident. Als Gefreiter der damaligen gezogenen Artillerie leistete er mehr als tausend Tage Aktivdienst. Als Mitglied des nationalen Widerstandes gegen die Frontisten gehörte er zur seinerzeitigen Heer- und Hausbewegung, aus der er noch während vieler Jahre mit August Lindt, Gu¬stav Egli und Hans Huber im Schweizerischen Aufklärungsdienst, zu dessen Gründern er zählte, verbunden blieb. Sein Sohn Peter trat später in seine Fussstapfen. Er präsidierte den Aufklärungsdienst 10 Jahre lang, von 1973-1983. Seit Ende 2005 tritt der Verein unter dem Namen Horizonte Schweiz auf.
Seine Interessen waren weit gespannt: Als kurzzeitiger Präsident des Fussballclubs Winterthur in den 30er Jahren entdeckte er zusammen mit seinem sportbegeisterten Sohn Felix ein zweites Mal die Freude am Fussball. Er verpasste in den letzten Jahrzehnten kaum ein Spiel des hiesigen Clubs auf der Schützenwiese, auch wenn er seinem Team nicht nur Lob zollen konnte. An seinem 90. Geburtstag gab er auf der Schützenwiese den Anstoss für einen Match zu seinen Ehren zwischen Senioren des FCW und seiner Familien-Arbenz-Auswahl. Seine Mussestunden widmete er mit Vergnügen seinen «Fraternitas»-Kollegen, doch auch die «Vitoduraner» freuten sich, wenn er an ihren Anlässen erschien und mit ehemaligen Schülern Kontakt pflegte.
Während vieler Jahre recherchierte er mit nie erlahmender Energie und viel Geduld die Genealogie der Familie Arbenz. Ohne seinen persönlichen Einsatz wären die beiden Bände wohl nie erschienen.
Höhepunkte der gemeinsamen Pensionierungszeit von Carl und Gertrud waren die gemeinsamen Reisen, die von beiden kulturell und geschichtlich akribisch vorbereitet wurden. Noch am 30. Juni 2004 durfte Carl Arbenz im Kreise seiner grossen Familie in der Gatterhütte im Eschenberg bei geistiger Frische seinen 97. Geburtstag feiern. Erst gegen Ende August 2004 verliessen ihn allmählich seine Kräfte, und am frühen Morgen des 3. September 2004 durfte er im Kreise seiner Lieben zu Hause friedlich einschlafen.