Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03412.jsonl.gz/1125

Ein Räderwerk das die Abhängigkeit aufrecht erhält
Wenn man zu dem Bekanntenkreis einer abhängigen Person gehört, kann man in eine Spirale von Interaktionen geraten, welche die Abhängigkeit der trinkenden Person aufrecht erhält.
Nach und nach erreichen sowohl die abhängige Person als auch ihr Angehöriger den „Tiefpunkt“, das heisst, dass ihre allgemeine Lebensqualität sinkt (steigender Alkoholkonsum, Auftreten physischer Probleme, psychischer Störungen oder soziale Not). Der Bekanntenkreis gerät also auch in diese Spirale und leidet darunter. Die Beziehung selbst kann in Mitleidenschaft gezogen werden.
|Nicht alleine mit dem Problem dastehen|
Was ist Co-Abhängigkeit ?
Co-Abhängigkeit nennt man eine Gesamtheit von Verhalten, die der Bekanntenkreis entfaltet (Familie, Freunde, manchmal Kollegen, Angestellte, Arbeitgeber, etc.), um mit der Abhängigkeit seines Angehörigen umzugehen. Sie beruht auf einer guten Absicht, denn man möchte dem Anderen helfen, aber leider macht sie die Situation meist nicht besser. Im Gegenteil, sie kann buchstäblich alle Ressourcen des Bekanntenkreises erschöpfen.
Einige Beispiele co-abhängigen Verhaltens :
- Neigung zu Zwangsstörungen : Für die Angehörigen wird Alkohol ebenfalls zur fixen Idee, aber nicht in dem Sinn, dass sie selbst alkoholabhängig werden, sondern weil sie sich um die abhängige Person sorgen.
- Lust zu kontrollieren : man möchte an die Stelle der abhängigen Person treten, zum Beispiel um für sie zu entscheiden. Dadurch entlässt man die abhängige Person aus ihrer Verantwortung.
- Verschmelzung : Die Angehörigen entwickeln eine symbiotische Beziehung zur abhängigen Person, zum Beispiel indem sie übertrieben präsent sind.
- Exzessive Verantwortlichkeit : Die Angehörigen fühlen sich stets für das Verhalten, das Tun und Lassen (vor allem die negativen Aspekte) der abhängigen Person verantwortlich
- Exzessive Anpassung : Die Angehörigen ändern nach und nach ihre Zeiteinteilung um sich jederzeit auf die Unvorhersehbarkeit und Taten der abhängigen Person einstellen zu können. Das Ziel ist jederzeit verfügbar zu sein, beispielsweise. Wenn Angehörigen anfangen sich aufzuopfern, so ist das ein Zeichen für eine exzessive Anpassung.
- Neigung zu lügen : Die Angehörigen beginnen andere anzulügen (zum Beispiel rufen sie beim Arbeitgeber an und sagen, dass die Person eine starke Grippe hat, damit nicht herauskommt, dass sie getrunken hat, etc.). Das kann sich auch darin ausdrücken, dass sie alle Spuren beseitigen, die mit dem Alkoholkonsum zu tun haben (zerbrochene Objekte, verschmutzte Teppiche, Unordnung, leere Flaschen, etc.). So bekommt die abhängige Person gewisse Konsequenzen ihres Trinkverhaltens nicht mit.
- Schuldgefühle : Die Angehörigen reden sich ein, dass sie „nicht gut genug“ sind, dass es ihre „Schuld ist“ wenn sie der Person „nicht helfen können.“
- Schamgefühle : Sie bringen die Angehörige dazu zu lügen, um das, was zu Hause geschieht, geheim zu halten.
- Keine Grenzen setzen : Es kommt vor, dass Angehörige dazu neigen, in die Rolle eines Pflegers zu schlüpfen.
- Nicht „Nein“ sagen können : Ähnlich wie bei mangelnden Grenzen, beruht diese Haltung auf der Angst zu enttäuschen, die Beziehung zu verlieren.
- Unfähigkeit seine eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen : Im Zusammenhang mit den oben beschriebenen Haltungen: mangelnde Grenzen, exzessive Anpassung, Neigung zu einer symbiotischen Beziehung und zu Zwangsstörungen
- Unfähigkeit eine Aufgabe zu delegieren : Die co-abhängige Person hat das Gefühl, dass sie alles besser, schneller, etc. macht.
Wie kommt es dazu ?
Natürlich aus Sorge um die Person, aber auch weil die abhängige Person dieses Verhalten innerhalb der Beziehung provoziert, weil sie danach verlangt und die Angehörigen das spüren Die Angehörigen versuchen, negative Folgen des Alkoholkonsums zu verbergen, aber es gelingt ihnen nur, eine eventuelle Verleugnung seitens der abhängigen Person zu stärken. Diese nimmt daraufhin die negativen Konsequenzen ihrer Abhängigkeit nicht mehr wahr. Deshalb setzt sie sich mit den problematischen Aspekten nicht mehr auseinander und neigt dazu ihr abhängiges Verhalten zu verstärken.
|Was kann man zu einem Angehörigen sagen, der zu viel trinkt|
Referenz
Aus dem Französischen übersetzt : Texte rédigé par Dr. O.Coquard, inspiré du cours du G.R.E.A (2009) de Mme D. Danis, Psychologue.