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Rio de Janeiros Herausforderung für die WM 2014
Die Sicherheit der Athleten und der Besucher garantieren zu können, sowie die Erreichbarkeit der Hotels zu verbessern, das sind die Herausforderungen, denen sich die Stadt Rio de Janeiro stellen muss.
Als berühmtestes Postkartenmotiv Brasiliens, antike Hauptstadt und zweitgrösste Metropole des Landes, ist Rio de Janeiro die natürliche Kandidatin für das Endspiel der Copa 2014. Als Sitz der CBF (Confederação Brasileira de Futebol) besitzt die Stadt einen Tempel zur Zelebrierung des Fussballs: das Stadion „Jornalista Mário Filho“, weltbekannt unter dem Pseudonym „Maracanã“.
Das „Maracanã“ wurde 1950 eingeweiht, als Brasilien zum ersten Mal Gastgeber des Worldcup gewesen ist. Für dieses Weltereignis im Jahr 2014 wird, unter anderen Veränderungen, dem Stadion ein neues Dach angepasst werden. Das gleiche Projekt sieht ausserdem noch den Bau eines Parkhauses vor – über den Schienen der Supervia (Stadtbahn) und der Metro – mit zirka 3.500 Stellplätzen. Die voraussichtlichen Kosten der Reform werden auf R$ 460 Millionen geschätzt.
Nach Untersuchungen der SINAENCO muss im Stadion die beeinträchtigte Sicht in den ersten Reihen hinter den Kabinen korrigiert werden – der Zugang für Behinderte neu gestaltet, und die Toiletten einer Reform unterzogen werden.
Die Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro hat bereits im vergangenen Jahr 2009 eine Ausschreibung veröffentlicht, durch die private Investitions-Partner angesprochen werden sollen. Das Projekt kann auch über die Reform des Stadions hinausgehen und, zum Beispiel, eine Reform des Stadtteils „Quinta da Boa Vista“ und des Museums „São Cristóvão“ einbeziehen – ausserdem die Reurbanisierung und Wiederbelebung der Stadtteile „Maracanã“ und „Tijuca“.
Das „Engenhão“, das Olympiastadion „João Havelange“, vollendet im Jahr 2007 für die „Jogos Panamericanos (PAN) „, hat eine Kapazität für 45.000 Personen. Da es erst kürzlich fertig geworden ist, entspricht es bereits den neuesten Anforderungen der FIFA und wird als Trainingszentrum für die Copa eingesetzt werden. Jedoch befindet es sich in einer abgelegenen und unsicheren Region der Stadt, und seine Zufahrt muss entsprechend geregelt werden.
Er ist eine der grössten Einnahmequellen des Bundesstaates. Rio de Janeiro ist das wichtigste Ziel aller Brasilienbesucher (31,5%) und der Tourismus trägt mit 15% zum PIB (erwirtschafteten Kapital) des Staates bei – das entspricht zirka 45 Milliarden Reais pro Jahr!
Rio de Janeiro hat Tradition als Gastgeberin mit einer Hotel-Infrastruktur, die schon lange auf den Empfang einer grossen Zahl nationaler und internationaler Touristen eingestellt ist. Die Hotelerie bietet 22.500 Zimmer – und die „Associação Brasileira da Indústria de Hotéis do Rio de Janeiro (ABIH-RJ) “ gibt bekannt, dass weitere 19 neue Hotelprojekte im Bau sind, die ab 2011 fertig sein sollen und die Kapazität um 3.885 neue Betten bereichern werden.
Ausserdem ist die Stadt an eine Organisation grosser Events bereits gewöhnt – seien sie sportlicher oder freizeitlicher Natur – dazu gehören zum Beispiel auch ihr weltberühmter Karneval und das grösste Fan-Fest der Welt, ihr Silvester am Strand, zu dem sich zuletzt mehr als 2 Millionen Personen eingefunden haben!
Rio de Janeiro kann mit einem ansehnlichen Curriculum in Sachen internationaler Sport-Events grösster Ausmasse aufwarten. Die Stadt hat zum Beispiel die „Jogos Panamericanos“ von 2007 mit grossem Erfolg organisiert. Allerdings gab es da Meinungsverschiedenheiten bezüglich des finanziellen Aufwands. Mit den Einnahmen des Events konnte man nämlich nicht mehr als gerade mal die Ausgaben für die Neukonstruktionen decken – der PAN brachte dem Land 5.600 Athleten als Gäste und bewegte ein Publikum von 1.3 Millionen Personen zwischen den Spielen – am Fernseher verfolgten mehr als 1 Milliarde Zuschauer während 850 Übertragungsstunden das sportliche Geschehen.
Die vom PAN geförderten Verbesserungen haben allerdings nichts an der urbanen Infrastruktur geändert, auch weil die Entwicklung des Wohnungsbaus, mit der man in der näheren Umgebung der Neukonstruktionen gerechnet hatte, den Hoffnungen nicht entsprach. Einige der versprochenen oder vorhergesehenen strukturellen Veränderungen waren entweder vor den Spielen noch nicht fertig oder nicht einmal angefangen. Aber die Durchführung des PAN gab der Stadt die Hoffnung auf die Copa 2014 und die Olympiade 2016.
Um die „Copa 2014“ problemlos abwickeln zu können, muss zuerst einmal die Infrastruktur einer unbehinderten Anfahrt zu den urbanen Aussenbezirken gewährleistet werden – wie zum Beispiel zur „Barra da Tijuca“. Es muss ein Transport mit hoher Kapazität zwischen dem internationalen Airport und den wichtigsten Stadt-Destinationen geschaffen werden – Investitionen in Transport- und Sicherheitssysteme werden nötig sein – unter anderem muss eine schnelle terrestrische Verbindung zwischen Rio und São Paulo her.
Was die Bedingungen der FIFA hinsichtlich des Transportsystems betrifft, so laufen die sogar mit einigen bereits angefangenen Aktionen der Stadt konform – wie zum Beispiel die Arbeiten am „Arco Metropolitano“ (dem metropolitanen Bogen), welcher auf 145km Länge alle bedeutenden An- und Ausfahrtsachsen erfasst – die „Via Light“, welche die Suburbs von Rio mit der metropolitanen Region von Nova Iguaçu verbindet – die Express-Korridore der Omnibusse – und die Expansion und Modernisierung der Metro.
Sämtliche, für die Kandidatur Rio de Janeiros geplanten Aktionen als Sitz der Olympiade 2016, sind verbunden mit jenen für die Copa 2014.
Das Programm der Wachstumsbeschleunigung (Programa de Aceleração do Crescimento (PAC) sieht Investitionen in einer Grössenordnung von 4 Milliarden Reais in Rio de Janeiro vor, einbezogen sind drei Achsen: Logistik (Strassen, Bahnlinien, Hafen, Wasserwege und Luftwege) – Energie (Schaffung und Leitung elektrischer Energie, Erdöl- und Erdgasförderung, sowie erneuerbare Energien) – Gesellschaft (Programm “ Licht für Alle“, Sanierung, Wohnungsbau, Metros, Wasseranschlüsse).
Die Zentralregierung plant Investitionen von 38,5 Milliarden Reais in urbane Mobilität. Von diesem Gesamt sind 15,3 Milliarden Reais für den Bau des so genannten „Trem Bala“ vorgesehen, einer Schnellbahnstrecke zwischen Rio und São Paulo von 550km Länge. Weitere 5 Milliarden sind für die Stadt Rio de Janeiro geplant, für Investitionen in Bus-Korridore, Metro, Anfahrten zu den Stadien, Flughäfen und anderem.
Was die Metro betrifft, hat die Staatliche Transportgesellschaft von Rio de Janeiro bereits eine öffentliche Versammlung einberufen, bei der es um die Erweiterung ihrer Linien geht. Das neue Projekt basiert auf 13,5 Streckenkilometern und sechs Stationen, es wird die gesamte Südzone der Stadt durchqueren und zirka 200.000 Passagiere pro Tag transportieren.
Die Aktionen der PAC in Rio de Janeiro beabsichtigen ausserdem noch die urbane Eingliederung der Favelas (Slums) des „Complexo do Alemão“, des „Complexo de Manguinhos“, des „Morro da Providência“, der „Rocinha“ und des „Cantagalo/Pavão-Pavãozinho“. Man erwartet, das die Eingliederungsarbeiten diesen Bezirken ein wirtschaftliches Wachstum bescheren, den Bewohnern Arbeit und Einkommen verschaffen.
Ausserdem sind bedeutende ambientale Projekte in Hinsicht auf die „Copa 2014“ sowie die Olympiade 2016 geplant, wie zum Beispiel der Schutz des Seensystems von Jacarepaguá und der Lagune Rodrigo de Freitas – eine Verbesserung und Reformen der Naturparks – eine Qualitätskontrolle der Luft, des Wassers und der Strände – Bademöglichkeiten der Strände und Lagunen – eine Kontrolle von Überschwemmungen im Umfeld des Maracanã-Stadions. Sämtliche Konstruktionen müssen den Schutz der Natur berücksichtigen. Der Transport sieht ein Filterungssystem gegen den Ausstoss von Kohlenmonoxyd vor, und es werden Programme für eine selektive Kollekte des Mülls und ein mögliches Recycling eingerichtet.
Der internationale Flughafen Rios, der eigentlich „Antônio Carlos Jobim“ heisst, erfährt bereits seit März 2008 verschiedene Reformen. Die bedeutendste war die Reform seiner zentralen Piste, die im Juni 2008 fertig wurde. Auch andere Arbeiten befinden sich bereits in ihrer Abschlussphase, wie zum Beispiel die Reform der Toiletten, die Polierung des Granitfussbodens, eine Auswechslung des Daches und die Modernisierung des Fluginfo-Systems, unter anderen.
Erst kürzlich erweitert, ist dieser Stadtflughafen nur für regionale Flüge gedacht und eingerichtet. Sein Reformprojekt war für den PAN 2007 bestimmt und brachte eine Erweiterung des Abflug-Terminals um mehr als 1.000 Quadratmeter. Wie die INFRAERO angibt, werden nun, anstatt 1,8 Millionen Passagiere pro Jahr, 8 Millionen abgefertigt werden können !
Die Konzentration der Welt auf den Worldcup 2014 kann für den Tourismus Rio de Janeiros sehr interessante Konsequenzen haben – aber auch die Probleme der Stadt offenlegen. Rio leidet unter einer übergrossen gesellschaftlichen Ungleichheit, die man sofort an seinen von Favelas bedeckten Hügeln ablesen kann – und folglich hat die Stadt auch einen besonders hohen Kriminalitäts-Index, auch gegen Touristen. Deshalb muss die Sicherheit jener grossen Zahl von Besuchern, welche von einem Worldcup angezogen werden, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen!
Andere Herausforderungen sind die Behandlung des städtischen Parkplatzangebots, die Verbesserung der Anfahrt zu den Hotels, die Erweiterung und Verbesserung des Hafen- und Flughafen-Systems – sowie die Implantierung eines schnellen Transportsystems zwischen den Airports von Rio und denen von São Paulo.
Mehr als 100 Personen kamen zur Debatte über die Herausforderungen der Stadt für 2014 in Rio zusammen – am 9. Dezember 2008 im „Clube de Engenharia“ (Ingenieurs-Club). Investitionen in Transport, Modernisierung der Arenen und die Erfahrung der Stadt mit Sport-Events standen im Mittelpunkt der Diskussionen.