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Definition
«Compliance, Standards und Regulationen» beschreibt, wie die externen und internen Einschränkungen in einem bestimmten Bereich wie z.B. Land, Branche, Unternehmen oder öffentliche Verwaltung interpretiert und ins Gleichgewicht gebracht werden. Compliance ist der Prozess, der die korrekte Einhaltung bestimmter Normen sicherstellt. Die Anforderungen der Compliance reichen von freiwillig und informell bis verpflichtend und formell. Standards und Vorschriften beeinflussen und definieren die Art und Weise, wie Projekte organisiert und gesteuert werden sollen, um durchführbar und erfolgreich zu sein. Standards und Vorschriften befassen sich mit der Einhaltung von Anforderungen, zu denen Gesetzgebung und Rechtsvorschriften, Verträge und Vereinbarungen, geistiges Eigentum und Patente, Gesundheit, Arbeitsschutz, Sicherheit und Umweltschutz sowie berufliche Standards zählen.
Zweck
Die Kompetenz «Compliance, Standards und Regulationen» versetzt den Einzelnen in die Lage, die Abstimmung relevanter Standards und Vorschriften innerhalb der Stammorganisation, die relevanten Gesetzestexte und die Standards und Normen sowohl der Organisation als auch der Gesellschaft zu verstehen, zu beeinflussen und das Projekt entsprechend zu steuern sowie die Herangehensweise der Organisation an diese Bereiche zu verbessern.
Beschreibung
Projekte sind dem Einfluss unterschiedlicher Einschränkungen und Anforderungen ausgesetzt. Dies betrifft neben der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen auch deren Herstellungs- und Projektmanagement-Prozesse. Diese Einschränkungen entsprechen den geografischen, sozialen und professionellen Besonderheiten des Projekts und seiner externen Umgebung und liegen in Form von Gesetzen, Standards und Vorschriften vor. Vor dem Start eines Projekts werden Leistungsumfang und Konfiguration des Unterfangens analysiert sowie die relevanten Standards und Vorschriften identifiziert, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf das Projekt haben werden. Die relevanten Standards und Vorschriften sollten vom Projekt als potenzielle Chancen und Risiken betrachtet werden. Die Compliance mit relevanten Standards und Vorschriften beeinflusst die Strukturen, die Prozesse und die Kultur der Organisation.
Diese Kompetenz umfasst auch das Benchmarking und die Verbesserung der organisatorischen Projektmanagementkompetenzen. Die Entwicklung von Projektmanagementkompetenz ist ein konstanter Prozess, ein Bestandteil der Strategie für die kontinuierliche Verbesserung der Organisation und die Pflicht eines Jeden. Dazu zählt das Erlernen und Verbessern von Strategien zur Beeinflussung der Projektmanagement-Kulturen von Organisationen.
Durch eine Verbesserung der Projektmanagementkompetenz erhöht die Organisation ihre Fähigkeit, erfolgreiche Projekte auszuwählen und durchzuführen und so Nachhaltigkeit in der Organisation zu verbessern.
Kompetenzindikatoren
Die für das Projekt gültigen Rechtsvorschriften identifizieren und einhalten
Der Einzelne kennt die gesetzlichen Vorschriften und ist in der Lage, diese im Projekt einzuführen. Des Weiteren weiss der Einzelne, welche Rechtsbereiche (Zivil-, Straf-, Arbeits-, Urheberrecht usw.) und welche allgemein bewährten Methoden für das Projekt relevant sind.
Der Einzelne muss dafür sorgen, dass sich das Projekt im Rahmen der geltenden Gesetze bewegt. Er muss jene Aktivitäten erkennen, die spezielle rechtliche Anforderungen haben und wissen, welche Rechtsgrundsätze für sie gelten. Der Einzelne ist in der Lage, unbekannte rechtliche Probleme zu erkennen, die berücksichtigt werden müssen. Er kennt die formellen Verfahren, um fachliche Beratung einzuholen und er weiss, wie er die relevanten Informationen ermitteln und dem Projekt zur Verfügung stellen kann. Der Einzelne weiss zudem, welche Anforderungen der zuständigen Regulierungsbehörden für den Leistungsumfang des Projekts relevant sind, wie diese Anforderungen erfüllt werden können und welche Kontrollverfahren angewandt werden sollten.
Messgrössen
- Erkennt den rechtlichen Kontext und dessen Anwendungen an
- Filtert und wendet die relevanten Rechtsvorschriften an
- Identifiziert rechtliche Risiken für das Projekt und holt bei Bedarf die Meinung von Experten ein
- Erkennt Aufsichts- oder Regulierungsbehörden als Stakeholder an und managt diese entsprechend
- Stimmt die Beschaffungswege mit den Vorschriften ab
Alle für das Projekt relevanten Vorschriften für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz (SGU) identifizieren und einhalten
Der Einzelne weiss, welche Vorschriften zu integraler Sicherheit (Safety und Security), Gesundheit und Umweltschutz (SGU) für das Projekt relevant sind. Ausserdem ist der Einzelne in der Lage, potenzielle Probleme in diesem Bereich zu erkennen, für die eine spezielle Beratung notwendig ist. Der Einzelne erkennt, ob und wie Tätigkeiten oder Produkte des Projekts negative Auswirkungen auf die Teammitglieder, die Verwender des Produkts oder die Umwelt haben können. Er wendet SGU-Schutzmassnahmen an, sofern notwendig. Der Einzelne schafft ein Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekten des Projekts, um die Anforderungen für nachhaltige Entwicklung zu erfüllen und die Nachhaltigkeit der Projektergebnisse sicherzustellen.
Messgrössen
- Identifiziert die relevanten SGU für das Projekt
- Definiert den SGU-Kontext für das Projekt
- Identifiziert Risiken, die durch die Implementierung der SGU-Massnahmen für das Projekt entstehen
- Schafft eine sichere und gesunde Umgebung für das Projektteam
- Wendet SGU zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit des Projekts an
Alle für das Projekt relevanten Verhaltensregeln und Berufsvorschriften identifizieren und einhalten
Der Einzelne identifiziert relevante berufsrechtliche Vorschriften für den Kontext, in dem das Projekt umgesetzt wird. Er ist in der Lage sicherzustellen, dass die relevanten Standards und Vorschriften in der gesamten Projektorganisation angewendet werden. Des Weiteren sollte der Einzelne einen Verhaltenskodex (basierend auf der Mission der Organisation, den Unternehmenswerten und den Qualitätsrichtlinien) im Projekt einführen. Manchmal sind das Verhalten und die Handelsbräuche gesetzlich vorgeschrieben. Dann muss der Einzelne Verhaltenskodizes mit einem breiteren rechtlichen Kontext integrieren. Verhaltenskodizes können mit Beschaffungsverfahren kollidieren und bei ungenügender Kenntnis ein Risiko für die Organisation darstellen.
Der Einzelne gewährleistet die Integrität des Projekts, und durch das Identifizieren und Integrieren unterschiedlicher geschäftlicher Verhaltenskodizes stellt der Einzelne sicher, dass die Projektorganisation integer und im zulässigen Rahmen arbeitet.
Messgrössen
- Kennt die jeweiligen geschäftlichen Verhaltensregeln
- Kennt die Berufsvorschriften der jeweiligen Branche
- Identifiziert Ethikgrundsätze und handelt dementsprechend
- Identifiziert und wendet auch handelsübliches, nicht kodifiziertes Recht an
- Stimmt die Auftragsvergabepraktiken mit den geschäftlichen Verhaltenskodizes ab
- Verhindert präventiv Verstösse gegen die Verhaltensregeln, insbesondere durch die Mitglieder des Projektteams
Für das Projekt relevante Prinzipien und Ziele der Nachhaltigkeit identifizieren und einhalten
Der Einzelne bewertet die Auswirkungen des Projekts auf Umwelt und Gesellschaft. Im Rahmen der Ausübung seiner Verantwortlichkeiten sucht, empfiehlt und ergreift der Einzelne Massnahmen, um negative Auswirkungen zu kompensieren und zu begrenzen. Der Einzelne befolgt (oder übertrifft) Richtlinien und Vorschriften zur nachhaltigen Entwicklung, die von der Organisation oder der Gesellschaft vorgegeben werden. Er ist in der Lage, eine tragfähige Balance zwischen dem Bedarf der Gesellschaft, den Auswirkungen auf die Umwelt und der Wirtschaftlichkeit zu schaffen.
Der Einzelne berücksichtigt, dass sich Nachhaltigkeitsaspekte, Massnahmen und Einstellungen in verschiedenen Ländern und Kulturen häufig unterscheiden.
Messgrössen
- Identifiziert die sozialen und ökologischen Auswirkungen des Projekts
- Definiert und kommuniziert die Nachhaltigkeitsziele für das Projekt und seine Ergebnisse
- Stimmt die Projektziele mit der Nachhaltigkeitsstrategie der Organisation ab
- Stellt im Projekt ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der Gesellschaft, der Umwelt und der Wirtschaft her
- Fördert die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien
Für das Projekt relevante professionelle Standards und Tools bewerten, nutzen und weiterentwickeln
Der Einzelne erfüllt die höchsten beruflichen Standards und wendet diese an. Diese bewährten Verfahren im Projektmanagement entstehen aus einer Kombination weltweit führender Standards und persönlich entwickelter Tools und Methoden. Der Einzelne berücksichtigt diese bei der Auswahl der geeigneten Tools, Methoden und Konzepte (z.B. Projektlebenszyklus, Stakeholder-Management, Risikomanagement usw.). Daher versucht der Einzelne stets, das beste Rezept für das Management eines bestimmten Projekts zu finden, indem er höchste berufliche Standards (einen oder mehrere) anwendet und weitere Verbesserungen entwickelt und hinzufügt.
Messgrössen
- Identifiziert und verwendet die relevanten professionellen Standards und Tools
- Identifiziert die Besonderheiten eines Standards und/oder Tools und managt die Risiken, die aus deren Anwendung im Projekt entstehen
- Identifiziert und nutzt Best Practices für das Management des Projekts
- Entwickelt und führt spezifische Standards für das Management des Projektteams ein
Die Projektmanagementkompetenz der Organisation bewerten, vergleichen und verbessern
Das Benchmarking der Projektmanagementkompetenz ist ein Prozess der kontinuierlichen Verbesserung durch den Vergleich der Projektmanagementprozesse der Organisation mit Prozessen, die als bewährte Methoden identifiziert wurden. Der Einzelne strebt danach, stetig die Projektmanagementkompetenz zu entwickeln.
Bewährte Methoden sind häufig jene Verfahrensweisen, die in Weltklasse-Organisationen angewendet werden. Im Normalfall sind diese Organisationen die Top-Performer im Projektmanagement und haben anerkannte internationale Auszeichnungen erhalten (z.B. IPMA Organisational Competence Baseline (IPMA OCB®)). Der Benchmarking-Prozesses erfüllt den Zweck, Exzellenz im Projektmanagement zu entwickeln, indem das Know-how einer bezogen auf Projektmanagement besseren Organisation übernommen wird. Organisatorische Benchmarks folgen häufig einem Stufenmodell für die Reife oder die Kompetenzen von Organisationen. Ein Reifegradmodell definiert, welche Strukturen, Prozesse, Methoden und individuellen Fertigkeiten eine Organisation erfüllen muss, um einen gewissen Reifegrad oder eine bestimmte Kompetenzklasse zu erreichen. Das Benchmarking kann auf interner Basis erfolgen (gegen unterschiedliche Projekte innerhalb einer Organisation), auf wettbewerbsorientierter Basis (gegen eine Organisation, die ein direkter Mitbewerber ist – oft schwer zu bewältigen) oder auf funktioneller oder generischer Basis (gegen eine Organisation, die kein Mitbewerber im gleichen Markt oder in der gleichen Branche ist).
Der Einzelne sollte immer versuchen das Projektmanagement so zu verbessern, dass es die strategischen Ziele der Organisation unterstützt. Zudem sollte der Einzelne in der Lage sein, die bestimmenden Prozesse und Strukturen (z.B. ein PMO) zu identifizieren, die für den Projektmanagementprozess relevant sind und sollte in der Lage sein, Verbesserungen auf organisatorischer Ebene vorzuschlagen oder durchzuführen. Letztendlich sollten die umgesetzten Verbesserungen in der gesamten Organisation eingeführt werden.
Messgrössen
- Identifiziert und bewertet relevante organisationale Kompetenzmängel im Management von Projekten
- Identifiziert und bestimmt relevante Benchmarks für die erkannten Kompetenzmängel
- Identifiziert die Benchmarking-Bezugsbasis und Best Practices
- Misst und vergleicht die aktuelle Leistung mit der Best Practice
- Identifiziert Massnahmen für die erforderlichen Verbesserungen
- Setzt die identifizierten Massnahmen um und beurteilt den entstandenen Nutzen
- Verbreitet das neu erworbene Know-how in der gesamten Organisation