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Ich bin Audrey», sagt Audrey Aegerter, eine junge Frau mit kurzen Haaren, gestreiftes Oberteil, Brille, französischer Akzent. «Ich komme aus der Westschweiz, meine Mutter ist Baslerin, darum kann ich Schweizerdeutsch. Ich bin Studentin in Kinderrecht an der Uni Genf. Ich wohne abwechselnd in der Stadt Bern und in La Neuveville. Ich jogge gerne, ich liebe Currys und Bier und ich bin eine intergeschlechtliche Frau – ähm, ja, das wärs.» Sie lächelt und nimmt einen Schluck Hafermilch-Cappuccino. Audrey würde sich wünschen, dass ihr letzter Satz genauso normal wäre wie die anderen. Doch viele Leute wissen noch immer nicht, was «intergeschlechtlich» überhaupt bedeutet.
Die Körper von intergeschlechtlichen Menschen entsprechen nicht der Normvorstellung von den zwei Geschlechtern. Sie sind also nicht eindeutig weiblich oder eindeutig männlich. Intergeschlechtlichkeit ist ein Oberbegriff für viele Variationen: Man nehme Penis, Klitoris, Hormone, Chromosomen, Stimme, Bart und andere primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, stecke alle in einen Hut, schüttle kräftig, und stelle beliebig zusammen. Etwa 1,7 Prozent der Weltbevölkerung ist intergeschlechtlich. Als Mitbegründerin und Präsidentin des Vereins «InterAction Schweiz» setzt die 28-jährige Audrey sich für intergeschlechtliche Menschen und deren Eltern ein – und damit gegen unfreiwillige, nicht lebensnotwendige medizinische Behandlungen und gegen das grosse Tabu, das das Thema umgibt. Darum erzählt sie heute ihre Geschichte, die schon vor ihrer Geburt beginnt.