Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03152.jsonl.gz/828

Kirche St. Laurentius Rodersdorf
Die Pfarrkirche St. Laurentius steht im Zentrum des Dorfes. Sie ist von einer massiven Mauer umgeben. Auffallend ist der markante Kirchturm, welcher fünf Stockwerke aufweist. Der Turm ist der älteste Teil der nach Nordosten gerichteten Anlage; 1685 wurde er von drei auf fünf Geschosse erhöht.
Erste Hinweise auf einen Kirchenbau (St.Katharinenkapelle) finden sich bei der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. Ulrich von Ratoldsdorf, 1249 Domherr zu Basel, gilt als Stifter dieser romanischen Kirche. Überreste des Fundaments befinden sich noch im unteren Turmgeschoss.
Die Kirche wurde 1676 bis 1679 unter Pfarrer Markus Aeschi neu erbaut. Einige alte Gemäuer konnten dabei in den „Neubau“ integriert werden. Zur Person von Markus Aeschi, Pfarrer von Rodersdorf, (in der Zeit von 1638-1688) lässt sich berichten, dass er wohl als eine der bedeutendsten Gestalten in der Geschichte des Dorfes galt. Sowohl bei geistlichen als auch bei weltlichen Würdenträgern genoss er grosser Ansehen. Er verstarb am 10. März 1688. Eine Gedenktafel in der Kirche erinnert an sein beeindruckendes Wirken.
Der wertvolle Hochaltar wurde im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts geschaffen. Mit seinen durchbrochenen Seitenteilen und dem abgewinkelten, jedoch horizontal durchlaufenden Hauptgebälk, wirkt seine Form ungewohnt für unsere Gegend. Ähnliche Hochaltare sind im Nachbarland Frankreich anzutreffen.
Das Hauptblatt (Bild beim Hochaltar) zeigt das Martyrium des heiligen Laurentius – eine Arbeit von Anton Amberg (1832, in Anlehnung an Tizian). In den Seitenflügeln, über den rundbogigen Durchgängen, finden sich die barocken Stand-Bilder der beiden Solothurner Schutzpatrone St. Urs und St. Viktor.
Der viereckige Aufsatz mit dem Rundbild der Dreifaltigkeit ist von lebhaften Putten flankiert, er schliesst ab mit dem Pelikan und seinen Jungen, dem Symbol für den Opfertod Christi.
Die klassizistischen Seitenaltäre der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus gemustertem Stuckmarmor, werden von Statuen aus dem Vorgängerbau geziert. Sie stammen wahrscheinlich aus der Werkstatt von Urs Füeg. Auf dem linken Altar stehen: Maria mit dem Kind, Barbara mit dem Turm und St. Mauritius; rechts finden wir den heiligen Sebastian, Johannes den Täufer und den heiligen Erasmus, der als Symbol den mit Eingeweiden umwundenen Stab hält. Abgeschlossen wird das Retabel (Altaraufsatz – künstlerisch gestaltete Rückwand) mit einem Empireaufsatz mit geschweiftem Rahmen, bereichert durch zwei Engelchen mit Girlanden. Die Bilder, Gott Vater mit Taube (links) und Maria Magdalena, die Büsserin (rechts), sind von Kirman signiert.
Die Orgel ist eine der wenigen historischen Orgeln im Kanton Solothurn. Sie ist das einzige bis jetzt bekannte und noch beinahe vollständig erhaltene Werk des Laufener Orgelbauers Johann Burger, 1983 fachgerecht restauriert.
Die von der Tiroler Glasmalerei Innsbruck hergestellten Kirchenfenster im Schiff, stammen aus der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert und gehören zu den besten ihrer Art im Kanton.
Auf der Südseite finden sich die heiligen Aloisius, Leonhard, Alfons und Fridolin.
Die Nordseite ist den heiligen Frauen Agatha, Elisabeth und Cäcilia gewidmet.
Wer heute die Kirche St. Laurentius von Rodersdorf betritt, findet einen festlich hellen, prachtvoll ausgestatteten, zum Gebet und Gottesdienst einladenden Raum vor.
Nördlich der Pfarrkirche steht das ehemalige Beinhaus. Es ist ein kleiner Bau aus dem 17. Jahrhundert, mit einem Satteldach, einer Korbbogenöffnung und einem eingezogenen Durchgang. 1937 wurde es zu einer Muttergotteskapelle umgestaltet. Am Boden befinden sich Reste alter Grabplatten. Ganz erhalten, jedoch abgescheuert, ist jene des Pfarrers Josef Bernhard von Staal, gestorben am 18. August 1728.