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Aktualisiert: 12. Nov. 2021
Der Brunnen, der heute in der Kurve der Kilchbergstrasse bei der alten Kirche Wollishofen auf der Strassenseite gegen die Anhöhe zur neuen Kirche steht, hat viele Namen: «Märchenbrunnen» hiess er bei der Einweihung, «Jugend-Brunnen» wird er auf der unten abgebildeten Postkarte genannt. Heute ist häufig vom «Fröschlibrunnen» die Rede.
Der Brunnen ist einzigartig in Zürich und hat eine bewegte Entstehungsgeschichte. Im Heft «Brunnengeschichten aus Wollishofen» wurde sein Schicksal minutiös rekonstruiert.
Fröschlibrunnen oder Märchenbrunnen? Jugend-Brunnen. Photoglob.
Sammlung MZ. Gelaufen 4.1.1910
Der «Gutsherr» Theodor Gustav Heuss besass um die Jahrhundertwende (um 1900) fast das ganze Areal, das durch die Kurve der Albisstrasse beim Morgental gebildet wird, als Park. Weil er den Abschluss seiner Herrlichkeit zum Morgental hin mit einem Brunnen schmücken wollte, aber den traditionellen «Geiser-Brunnen» mit Obelisken, den die Stadt routinemässig bei Strassenneubauten in jenen Jahren aufstellte, nicht goutierte, suchte er als Kunstliebhaber in eigener Regie Abhilfe. Er reiste 1904 nach Paris an den «Salon des artistes» und verliebte sich in den Brunnen mit der Skulptur der drei Mädchen des französischen Künstlers Max Blondat (1872-1925). Er kaufte das Werk – konkret das Recht der Reproduktion –, liess die Skulptur in Bronze giessen und samt Brunnen in Wollishofen aufstellen.
Positioniert wurde das Ganze – für die ganze Welt gut sichtbar – direkt im Rank, dort, wo heute die Liegenschaft Albisstrasse 39 steht. Die Einweihung am 9. September 1905 war eine eindrückliche, fast pompöse Veranstaltung, die in der «Zürcher Wochen-Chronik» in entsprechender Manier gefeiert – und dem edlen Spender verdankt – wurde.
Einweihung des Märchenbrunnens von Max Blondat, 1905, Fotograf unbekannt. Erster Standort: Albisstrasse beim Morgental. Baugeschichtliches Archiv Zürich.
Nachdem Heuss mit seiner Gattin Zürich 1910 verlassen hatte und nach München umgezogen war, versuchte er, seinen Park als Bauland zu veräussern. Geplant war eine flächige Parzellierung, die allerdings keinen Erfolg hatte. 1924 verkaufte Heuss das Land in der Kurve beim Morgental der Baugenossenschaft Morgental. Der Brunnen musste also weichen. Die Frage wohin war aber nicht leicht zu beantworten. Erst 1929 einigte man sich auf den heutigen Standort an der Kilchbergstrasse. Im Geschäftsbericht des Stadtrates jenes Jahres liest man deshalb:
«Der Zierbrunnen von Blondat, der einem Neubau an der Albisstraße hatte weichen müssen, hat gegenüber der Kirche Wollishofen an der Kilchbergstraße einen neuen Standort erhalten. Die kleine dreieckige Anlage wurde gegen die Nachbargrundstücke durch eine Hainbuchenhecke abgegrenzt und mit einer Trauerweide und acht Birken bepflanzt. Die Fertigstellung der Anlage fällt ins Jahr 1930. Anläßlich des Umbaues der Albisstraße sind an der Albis- und Kalchbühlstraße zwei kleine Anlagen erstellt, mit Ulmen bepflanzt und mit Ruhebänken ausgestattet worden.»
Seit in den 1980er Jahren der Brunnen renoviert und von Gestrüpp befreit wurde, ist der märchenhafte Fröschlibrunnen mit den jugendlichen Mädchen wieder ein Juwel der Wollishofer Brunnenkultur! Er steht zwar etwas versteckt, wird aber gleichwohl geschätzt.
(SB)