Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03424.jsonl.gz/1979

Hände hoch, wer vor dem Australian Open den russischen Tennisspieler Aslan Karazew schon gekannt hat. Ihr könnt die Hände wieder runternehmen, die meisten von euch dürften lügen. Denn der 27-Jährige hat vor diesem Jahr auf der ATP-Tour keine grossen Stricke zerrissen. Doch nun steht er nach einem Viersatzsieg gegen Grigor Dimitrov (2:6, 6:4, 6:1, 6:2) in Melbourne im Halbfinal, wo ein Duell mit Novak Djokovic wartet.
Doch wer ist dieser Aslan Karazew, der so unerwartete Erfolge feiert? Wir haben 7 Fakten zum überraschenden Qualifikanten zusammengetragen.
Aslan Karazew wurde am 4. September 1993 in der russischen Stadt Wladikawkas geboren. Als er drei Jahre alt war, zog seine Familie nach Israel, wo er mit dem Tennisspielen begann. Im Alter von 14 Jahren zog Karazews Familie aber wieder zurück nach Russland.
In seiner Jugend wurde Karazew von diversen russischen Trainern trainiert. 2013 gab er auf ATP-Stufe sein Debüt, als er beim St.Petersburg Open eine Wildcard erhielt. Damals verlor er gegen seinen Landsmann Michail Juschni in drei Sätzen mit 7:6, 2:6 und 2:6.
In der Folge spielte er hauptsächlich auf der zweithöchsten ATP Challenger Tour und an drittklassigen ITF-Future-Turnieren. Dabei holte er drei Challenger-Titel und sechs Future-Titel. Im August 2020 trat er auch beim Challenger-Turnier in Prag an, wo er im Final gegen Stan Wawrinka verlor.
Im Jahr 2017 erlebte der Russe einen herben Rückschlag. Wegen einer Knieverletzung, die er sich beim Training in Spanien zugezogen hatte, fiel Karazew ein halbes Jahr aus. «Nach diesem Moment fiel es mir extrem schwer, das Gefühl für das Spiel wieder zu finden und Selbstvertrauen zu gewinnen», erzählte der heute 27-Jährige.
Karazew hatte grosse Mühe, seine Form wieder zu finden, fiel auf Rang 250 der Weltrangliste zurück. Als im März 2020 die gesamte Tennis-Tour wegen der Corona-Pandemie zum Erliegen kam, nahm er sich eine dreimonatige Auszeit vom Tennis. Erst als konkret wurde, wie es im Sommer 2020 weitergeht, nahm er das Training wieder auf – eigenen Aussagen zufolge so intensiv wie noch nie.
Karazew belohnte sich nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Spätsommer 2020 mit erfolgreichen Auftritten für das harte Training. In Prag erreichte er beim ersten Turnier das Endspiel, wo er wie bereits erwähnt gegen Stan Wawrinka verlor. Eine Woche später triumphierte er in der tschechischen Hauptstadt gegen den Niederländer Tallon Griekspoor. Und wiederum eine Woche später holte er in Ostrava gegen den Deutschen Oscar Otte den Turniersieg.
Im Oktober und November feierte er zudem zwei Siege auf ATP-Stufe – die Nummern 2 und 3 in seiner Karriere. Doch die grössten Erfolge sollten erst kommen. Im Januar 2021 schaffte er in Doha im zehnten Anlauf erstmals die Qualifikation für ein Grand-Slam-Turnier und durfte deshalb am Australian Open teilnehmen.
Im Vorfeld stand aber noch der ATP Cup mit Russland an. Dort trat er mit den gestandenen russischen ATP-Grössen Daniil Medwedew und Andrei Rublew an und wurde jeweils für die Doppel nominiert, die jedoch allesamt verloren gingen. Dennoch waren seine Landsmänner beeindruckt von Karazew: «Er hat am Ende des letzten Jahres schon auf einem guten Level gespielt. Ich wusste, dass er in dieser Saison noch mehr drauf hat», sagte etwa Andrei Rublew.
Wie viel er tatsächlich drauf hat, das hat Karazew nun im Hauptfeld des Australian Open bewiesen. In den ersten zwei Runden bezwang er die wenig bekannten Gianluca Mager (ITA) und Egor Gerasimow (BLR). In Runde 3 schaltete er aber den Argentinier Diego Schwarzmann (ATP 9) aus. Im Achtelfinal musste der Kanadier Felix Auger Aliassime (ATP 19) in fünf Sätzen dran glauben und im Viertelfinal auch Grigor Dimitrov, der allerdings klar angeschlagen war.
Das hatte zur Folge, dass Karazew auch einige historische Bestmarken aufstellte.
Dank seinen Erfolgen in «Down Under» rückt der Russe in der Weltrangliste ab nächster Woche mindestens bis auf Platz 42 vor. «Es ist unglaublich», kann der Spieler seine eigenen Leistungen kaum in Worte fassen.
Mit dem unerwarteten Erfolg kommt Aslan Karazew nun natürlich auch zu einem unverhofften Geldsegen. In den elf Jahren seiner Karriere verdiente er bis vor dem Australian Open insgesamt 549'009 Franken an Preisgeld. Nun kommt alleine mit dem Halbfinaleinzug noch einmal fast die gleiche Summe, nämlich CHF 588'493 dazu.