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| Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben

Dritte Rede
5.
Wer wäre wohl imstande, anzugeben, wieviel er hätte schaffen können? Viel ist, was er schuf; viel auch, was er zu schaffen unterließ. Was er erschaffen hat, ist unermeßlich, und was er ungeschaffen ließ, ist unerforschlich. Alles, was er durch seinen Wink hervorbringt, ist aus nichts. Es ist den Forschern gänzlich verborgen, mag es sichtbar oder unsichtbar sein. Du erkennst nicht, wieviel er gemacht hat, noch wieviel er machen kann. Nur der Eingeborene, der in seinem Schoße verborgen ist, kennt das Wie und das Wieviel. Denn der Sohn, der verborgen und offenbar ist, kennt das Verborgene und das Offenbare. Wie könnte aber ein Lehrling zu den Quellen gelangen, die für ihn unzugänglich sind? Den Schwachen und Ohnmächtigen [im Begreifen] könnte [vielleicht] die [Rechnungs-] Lehre hierzu 1 behilflich sein, sie lehrt ja beim Multiplizieren 2 schnelle Sprünge machen. Sie vermehrt 10 mit 10 und springt so auf die Zahl 100; sie vermehrt 100 mit 10 und gelangt zur Zahl 1000; sie springt von einem Tausend zum andern und von einer Myriade zur andern. Daraus kannst du schließen, daß sie auch im übrigen ebenso flink ist 3.
1: Um sich eine Idee von der Unendlichkeit der möglichen Geschöpfe zu machen. Die Mathematik kann dies vermitteln.
2: Die Übersetzung Zingerles: „weil sie schnelle Sprünge zum Reden über etwas machen lehrt“ gibt keinen rechten Sinn; ich habe daher obige Übersetzung gewagt. Wörtlich: „Sie lehrt schnelle Sprünge zu machen, um Wiederholungen zu wiederholen“ d.h. um so oft eine Zahl zu wiederholen, als eine andere Zahl angibt, also zu multiplizieren.
3: Aus den angeführten Beispielen läßt sich schließen, dass es bei noch höheren Zahlen ebenso weiter geht, daß die Sprünge von einer Zahl zur andern bis ins Unendliche fortgestzt werden können