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Veröffentlicht am 01.09.2021 von Fredy Pillinger, Verkaufsleiter ostjob.ch - Bildquelle: Getty Images
Jeder, der für die Schule, für das Studium, eine Weiterbildung, Umschulung oder für ein Fernstudium pauken muss, kennt diese Situation: Sie lernen und lernen, doch der Lernstoff bleibt einfach nicht im Gedächtnis haften. Das liegt wohl daran, dass Sie versuchen, den Lernstoff auswendig zu lernen. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, effektiver, schneller und nachhaltiger zu lernen - mit der Feynman-Methode. Was das ist, wie sie funktioniert, und warum sie andere Lernmethoden übertrumpft - informieren Sie sich hier!
Das Prinzip hinter der Feynman-Methode
Sie pauken für eine schriftliche oder mündliche Prüfung, oder müssen sich aus anderen Gründen Wissen aneignen. Dafür beschäftigen Sie sich intensiv mit dem Lernstoff, sodass Sie am Ende eines Tages das Gefühl haben, alles verstanden und im Kopf zu haben. Dann kommt die Prüfung oder eine andere Situation, in der Sie das erlernte Wissen abrufen möchten - doch es funktioniert nicht. Warum? Weil Sie den Lernstoff auswendig gelernt und nicht verstanden haben.
Dieses Problem löst die Feynman-Methode auf. Die nach Richard Feynman benannte Lernmethode ist nicht nur effektiv, sondern sie funktioniert schnell und so, dass Sie den Lernstoff jederzeit abrufen können. Das Prinzip der Feynman-Methode ist einfach. Sie lernen den Stoff nicht auswendig, sondern Sie lernen so lange, bis sie ihn verstehen. Durch diese intensive Beschäftigung mit dem Lernstoff wird er mit vorhandenem Wissen verbunden und im Gedächtnis verankert. Der Vorteil der Lernmethode besteht darin, dass Sie durch die Verankerung des Gelernten in der Lage sind, durch den Wissenstransfer neue und ähnliche Situationen zu erfassen.
Auf diese Idee kam Richard Feynman. Er war Physiker und fand vor allem Gefallen daran, anderen Menschen Wissen zu vermitteln. Unter anderem beschäftigte sich Feynman mit Quantenmechanik und Quantenelektrodynamik, wofür er zusammen mit anderen Wissenschaftlern im Jahr 1965 den Nobelpreis für Physik erhielt.So funktioniert die Feynman-Methode: Nicht lernen, sondern verstehen
Die Idee soll in Feynman entstanden sein, als er zusammen mit einigen Kollegen eine Lerngruppe bildete. Jeder der Teilnehmer wurde aufgefordert, ein selbst gewähltes Thema den anderen Teilnehmern so einfach wie möglich zu erklären. Eine wichtige Voraussetzung war, keine Fachbegriffe oder Fremdwörter zu verwenden. Was einfach klingt, kann sich in der Praxis als schwierig entpuppen. Probieren Sie es einmal aus! Suchen Sie sich ein Thema Ihrer Wahl und erklären Sie es so, dass es jedes Kind verstehen kann. Bei dieser Übung werden Sie immer wieder ins Stolpern geraten, weil Sie feststellen, dass Ihnen entscheidendes Wissen fehlt.
Und hier setzt die Feynman-Methode an, die sich aus mehreren Schritten zusammensetzt, die im Ergebnis einen Zirkel bilden, und das funktioniert so:
- Verschaffen Sie sich einen Überblick über ein bestimmtes Thema, das Sie sich erarbeiten möchten. Nehmen Sie ein Blatt Papier oder arbeiten Sie mit dem PC oder Tablet, indem Sie eine Überschrift formulieren. Notieren Sie verschiedene Unterpunkte, um das Thema in seiner Gesamtheit zu erfassen.
- In einem zweiten Schritt versuchen Sie, das Thema einer unwissenden Person - das kann eine reale oder fiktive Person sein - mit Ihren Worten zu erklären. Wichtig ist, dass Sie keine Fachbegriffe oder Fremdwörter verwenden und das Thema mündlich so aufbereiten, dass ein Kind Ihren Ausführungen folgen kann.
- Immer wenn Sie ins Stocken geraten, ist das ein Zeichen für Wissenslücken. Vielleicht werden Ihnen auch die Worte fehlen, weil Sie nicht wissen, wie Sie einen Sachverhalt erklären sollen. Auch diese Situationen sollten Sie zusammen mit den Wissenslücken sorgfältig notieren, denn sie sind ein Zeichen dafür, dass Sie etwas nicht richtig verstanden haben. Schliessen Sie anschliessend diese Lücken, indem Sie die passenden Informationen aus dem Internet oder aus der Studien- beziehungsweise Fachliteratur sammeln und in Ihr Konzept einfügen.
- Nachdem Sie Ihre Notizen überarbeitet und ergänzt haben, suchen Sie sich wieder eine reale oder fiktive Person, der Sie das Thema erneut erklären - ohne Verwendung von Fremd- oder Fachwörtern und so einfach wie möglich. Versehen Sie Ihr Konzept wieder mit Fragezeichen, wenn sich Lücken auftun und schliessen Sie diese, indem Sie die entsprechenden Informationen einfügen.
Diese Schritte wiederholen Sie so lange, bis alle Wissenslücken geschlossen sind und Sie das Thema auf einfache Weise und ohne die Verwendung von Fremd- und Fachwörtern erklären können. Sie werden feststellen, dass sich das Thema in Ihrem Gedächtnis manifestiert hat. Grund ist, dass Sie sich intensiv mit einem Thema beschäftigen und zwar so lange, bis Sie es verstanden haben. Die Feynman-Methode lässt sich auf alle Bereiche übertragen, auf schwierige Mathe-Aufgaben, auf naturwissenschaftliche Themen. Gleiches gilt, wenn Sie den Stoff eines Fernstudiums, einer Umschulung oder Weiterbildung bewältigen müssen.