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Zürich (awp/sda) - Die bisher 2016 abgehaltenen Generalversammlungen (GVs) von Schweizer Unternehmen waren laut einer Untersuchung geprägt durch eine aktive Beteiligung von eher kritischen Minderheitsaktionären. Einerseits sinken zwar die Vergütungen leicht und werden vermehrt leistungsorientiert vergeben, andereseits werde jedoch keine nachhaltige Dividendenpolitik betrieben. Transparente Aktionärskommunikation gewinne deshalb weiterhin an Bedeutung.
Eine Auswertung zu den bislang abgehaltenen Generalversammlungen 2016 der 100 grössten Unternehmen des SPI zeigt, dass die Aktionärspartizipation an den GVs erneut angestiegen ist und durch eine breitere Vertretung von Minderheitsaktionären (Aktionäre mit weniger als 20% Stimmrechtsanteil) geprägt wurde. Generell ist das Vertrauen in die Schweizer Unternehmen aber gross, da sie im Allgemeinen hohe Zustimmungsraten vor allem bei Verwaltungsratswahlen erzielten, schreibt die Schweizer Stimmrechtsberaterorganisation Swipra in einer Mitteilung vom Dienstag.
Im Wesentlichen war der Einfluss von Minderheitsaktionären aber beschränkt, weil insbesondere institutionelle Investoren beispielsweise in Bezug auf fixe Alters- und Amtsdauerbeschränkungen von Verwaltungsräten den Empfehlungen der Stimmrechtsberater nur sehr begrenzt folgen würden.
DIE SALÄRE SINKEN LEICHT UND SIND LEISTUNGSABHÄNGIGER
Ausserdem sei die durchschnittliche Gesamtvergütung der Geschäftsleitungen im Vergleich zum Vorjahr erneut leicht gesunken. Die Swipra empfiehlt den Unternehmen daher die Offenlegung der Saläre. Dies würde die öffentlich verbreitete Wahrnehmung stets steigender Entlohnungen relativieren, heisst es. Ausserdem attestiert Swipra den Aktionären einen hohen Reflexionsgrad bei ihrem Abstimmungsverhalten zu Vergütungsbeschlüssen. Der "Pay-for-Performance" Ansatz, sprich die leistungsorientierte Bezahlung, gewinne an Bedeutung.
Konkret kamen Unternehmen, die bei negativer Aktionärsrendite (Dividende und Kursentwicklung) ihre Manager besser entlöhnen wollten, bei der Abstimmung über die Saläre nur auf eine Ablehnungsquote von 9,7%. Bei positiver Aktionärsrendite fielen die höheren Managerlöhne noch bei 2,6% der stimmenden Aktionäre durch.
Dabei lehnten die Aktionäre die Vergütungsberichte mit 10,5% Nein-Stimmen im Median mehr als doppelt so oft ab wie die konkreten Lohnbeträge (4,6%). Zudem wiesen Unternehmen ohne einen Kontrollaktionär (mehr als 20% Stimmenanteil) bei den Managerlöhnen eine dreimal höhere Ablehnungsquote aus als solche mit Kontrollaktionär.
NACHHALTIGKEIT DER DIVIDENDENPOLITIK BLEIBT FRAGLICH
Inwiefern sich die leistungsorientierte Bezahlung durchsetzt bleibt ungewiss, denn auch die Aktionäre selbst meinten es durchwegs gut, lautet ein weiterer Befund der Untersuchung. Die genehmigten Dividenden für das vergangene Jahr stiegen im Durchschnitt markant an, obwohl der wirtschaftliche Erfolg mässige war. Für Swipra ist darum unklar, ob die aktuelle Ausschüttungspraxis nachhaltig ist und fortgeführt werden kann.
Auch hier spielen die Mehrheitsaktionäre in Unternehmen eine zentrale Rolle. Firmen mit Grossaktionär gönnten sich nämlich eine durchschnittlich 7% höhere Dividende, obwohl eine negative Performance etwa bei der Kursentwicklung oder beim Reingewinn pro Aktie erzielt wurde. Unternehmen ohne Grossaktionär schütteten durchschnittlich sogar 20% mehr aus. Dabei gab es bei ihnen lediglich eine leicht positive Entwicklung der Performance. Die erhöhte Ausschüttung erfolgte laut Swipra hauptsächlich über Aktienrückkäufe.
Zusammenfassend hält die Swipra fest, dass nach vielen regulatorischen Neuerungen und Statutenänderungen die GV-Saison 2016 eine Konsolidierung brachte.
Die Auswertungen der GVs wurde durch das Institut für Banking und Finance der Universität Zürich durchgeführt.
sta/uh
(AWP)