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Messdaten um 09.47 Uhr:
- Wetter: sonnig, lockere Haufenwolken
- Temperatur Luft: 14.2 Grad Celsius (15.32 Uhr: 25.1 Grad Celsius)
- Temperatur Wasser: 14.8 Grad Celsius
- Über der Aare leichter thermischer Wind von Bern herkommend
- Flattern im Sonnenschirm
Das erste Mal fällt mir der junge Mann mit den vielen Tattoos vor etwa zwei Wochen auf. Er kommt in Begleitung einer jungen, hübschen Frau auf die Fähre. Es ist Sonntag und viel Betrieb. Zuerst verpasst er den Zustieg knapp, weil ich bereits mit voller Fähre abgelegt hatte.
Auf der Wabernseite der Aare dauert es mit den vielen Gästen; aussteigen, einsteigen, einkassieren, und dann warte ich noch auf Gäste, die den Weg entlang zur Fähre kommen.
Der junge tätowierte Mann auf der anderen Seite des Flusses fuchtelt mit den Armen, ruft mir laut über die Aare zu, hey, komm mal rüber, Mann. Ich mache ein Handzeichen im Sinne, alles mit der Ruhe.
Ich fahre zurück und er und die junge Frau steigen als erste grusslos ein. Die Fähre füllt sich. Seine Ungeduld und seine Aggression liegen in der Luft. Ich denke: Nur kein falsches Wort, so schaut Gewalt kurz vor dem Ausbruch aus.
Eine Frau, die neben dem tätowierten Mann sitzt, bittet ihn, von ihr ein Foto zu machen. Er quittiert diese Bitte mit fassungslosem Kopfschütteln. Seine Begleiterin setzt sich dazwischen und macht die Fotos. Beim Aussteigen ignoriert er meinen Abschiedsgruss.
Heute Morgen sehe ich den tätowierten Mann wieder. Er ist gross, muskulös, trägt kurz geschorenes Haar, ein weisses Tanktop, eine kurze dunkle Hose mit vielen Taschen und weisse Sneakers. Er steht mit Kopfhörern in den Ohren und seinem Fahrrad da, grüsst beiläufig und ich grüsse zurück. Er entschuldigt sich, dass er mich mit den Kopfhörern nicht versteht. Heute setzt er viermal über. Zweimal mit seinem Fahrrad und zweimal mit einer anderen jungen Frau und ihrer kleinen Tochter im Kinderwagen. Er spricht kurze Sätze, ein Dialog entsteht nicht.
Gegen Mittag kommt eine Frau, Bubikopf-Haarschnitt, mollig, um die fünfzig, mit der Fähre zum Fähribeizli. Drei Stunden später sehe ich sie bei der Fährklingel stehen. Sie umarmt einen attraktiven, weisshaarigen Mann und küsst ihn zum Abschied. Als sie auf die Fähre kommt, sagt sie mir beim einkassieren:
„Oh, die Ablösung.“
„Warum meinen sie?“
„Als ich kam, war der Fährmann mit dem Hut da.“
„Das war ich.“
„Aha“, schmunzelt sie und mustert mich.
Beim Abschied auf der Wabernseite sagt sie:
„Adieu und lassen sie mir den Fährmann mit dem Hut grüssen.“
Wochenabrechnung, Transportumfang Woche 23:
- 539 Erwachsene
- 87 Kinder, Hunde oder Fahrräder
- 16 Mehrfahrtenkarten
- Total Einnahmen: 1’485 Franken
Kinderwagen und Kinder unter sechs Jahren fahren gratis und sind nicht erfasst