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Beat Albrecht kam, 21jährig, nach der Fotografenlehre zur Comet, freundlich und kooperativ wie er war, mochten ihn alle sofort. „Vielleicht weil ich als Jüngster niemandem gefährlich wurde“, lacht der inzwischen 66-jährige im Büro neben seinem Fotostudio an der Hegarstrasse 16 nahe dem Kreuzplatz in Zürich.
Walter Schmid: Beat Albrecht, Dezember 1974 (Com_L23-0947-0001-0006)
Die Comet war in den 1970er Jahren eine Versammlung von Individualisten, jeder Fotograf zwar auch Allrounder, aber mit seinem Schwerpunkt, Flugaufnahmen zum Beispiel, oder Firmenanlässe, Aktualitäten, Reportagen, auch Sport. Beats Vater, Edgar Albrecht, mit einer erfolgreichen Werbeagentur am Zürichberg, kannte den Schreibenden beruflich und bat ihn, Björn Erik Lindroos zu fragen, ob die Agentur einen Platz für seinen Sohn habe. Wenig später sass der junge Fotograf angeregt diskutierend in Lindis Büro.
Beat Albrecht bereut, dass er nur zwei Jahre bei Comet blieb: „Ich lernte viel und fühlte mich frei“
Aufgewachsen mit drei Geschwistern, besuchte Beat während 12 Jahren die Steinerschule. Die Lehre absolvierte er bei zwei Fotografen, bei Ernst Stapfer lichtete er namentlich Schmuck und Uhren ab. Bei Michael Lieb fotografierte er Mode, ein Kunde war Feldpausch, die Bilder erschienen dann beispielsweise im Meyers Modeblatt oder in der Werbung. Auch bekannte Persönlichkeiten kamen vor die Linsen des Lehrlings, sowie „Girls mit Äpfeln“, wie er sich erinnert, weil das Photostudio für den Obstverband tätig war. Der zweite Lehrling bei Lieb war Hans Danuser, der sich später als Fotograf im künstlerischen Bereich über die Landesgrenzen hinaus einen Namen machte.
Kleines Salär, viele Erfahrungen
Am ersten Arbeitstag bei Comet schickte ihn Lindi auf eine Baustelle bei der Tramstation Irchel, wo Beat Bauarbeiter fotografieren sollte. Das war kein spezieller Auftrag, erinnert er sich. Lindroos wollte eine spontane Arbeitsprobe, die Bilder fanden die Anerkennung des Chefs und landeten im Archiv.
Beat Albrecht: Zürich, Universität Zürich, Irchel, Menschen auf der Baustelle, 2.9.1974 (Com_L23-0271-0017-0001)
„Ja, es gefiel mir absolut bei Comet“, erinnert sich Beat Albrecht, „und zwar vom ersten Tag weg.“ Es gab eine Hierarchie unter den Fotografen, Flugaufnahmen zum Beispiel waren den Älteren und Erfahreneren vorbehalten. Grosse Reportagen mit Journalisten machten die routinierten Fotografen. Zum nachdenklichen Profi Hans Krebs hatte Beat einen guten Kontakt, und mit dem nur wenig älteren Christof Sonderegger freundete er sich an und arbeitete mit ihm zeitweise am Dauerauftrag „Rigi“. „Wir waren da sehr frei“, erinnert sich Beat, „war gerade kein anderer Job in Sicht, reisten wir beide auf den Aussichtsberg.“ Die Bahn, die internationalen Touristenscharen, die Restaurants und natürlich die Aussicht wurden auf die Filme gebannt, digitale Fotografie gab es damals noch nicht. Die Bilder erschienen in Prospekten, Inseraten und Büchern. Stark engagiert war der junge Fotograf bei einem Buch über den Jura.
Laszlo Irmes: Beat Albrecht und Christof Sonderegger aufgenommen mit der Panoramakamera, April 1975 (Com_L24-0236-0008)
Beat erlebte die zwei Jahre bei der Comet Photo auch als eine Art Fortsetzung der Lehre, nicht zuletzt betreffend Salär. Die 1000 Fr Monatslohn im ersten und 1500 Fr im zweiten Jahr erlaubten keine grossen Sprünge. Gerne ging er nach einigen Monaten auf Reportage mit Journalisten, wo immer wieder andere fotografische Herausforderungen warteten. Mit dem Schreibenden fotografierte er unter anderem einen Bericht über Hannes B., einem jungen, talentierten Modedesigner. Mit der ebenfalls bei Comet arbeitenden Journalistin Jolanda Simons realisierte er regelmässig Reportagen für Familienzeitschriften.
Björn Lindroos profitierte von Beats Erfahrung als Sachfotograf. Im Keller des Hauses neben der Agentur befand sich ein winziges Studio mit einer Sinar Fachkamera. Etwas zu oft für seinen Geschmack schickte der Chef den willigen, jungen Fotografen in das Studio, wo er einsam Bohrer und Mundspiegel für Comet-Kunden aus der Zahnarzt Branche ablichtete.
Beat Albrecht: Uni II Genf, 30.10.1974 (Com_M23-0179-0002-0001)
Tipps vom Chef
An die Comet Zeit hat Beat viele Erinnerungen, so auch an das Arbeitsbuch in der grossen Schublade im Aufenthaltsraum, wo jeder Fotograf seinen Tageslauf eintragen musste.
„Ich sass nicht selten bei Lindi im Büro“, erinnert er sich, „der Chef erzählte mir von seinen Reportagen und all seinen fotografischen Abenteuern und gab mir Tipps, so zum Beispiel, dass man sich als Fotograf in einer Bank als Banker und in einem Rockerclub als Rocker kleiden sollte. Ins Arbeitsbuch durfte Beat diese Sitzungen jedoch nicht eintragen, weil eine Audienz bei Chef nichts Alltägliches war, den Neid der Kollegen wollte man ja nicht herausfordern.
Mit Paula Graf („Sunny“) der heiteren und kompetenten Chefin des Foto Archivs, verstand er sich ausgezeichnet, er erinnert sich aber auch an die Rivalitäten unter den Fotografen, die bei den Aperos im Geschäft am Freitagabend, wo viel Weisswein floss, gelegentlich hochkochten; Jules Vogt und Hans Krebs hätten sich, wie er sich lachend erinnert, einmal gar aufgebracht rund um den Tisch verfolgt.
Hans Ruedi Bramaz: Apero bei Comet, links Jules Vogt in Bewegung, Dezember 1976 (Com_L25-0844-0006-0001)
Start als Selbständiger nach zwei Jahren Comet
Nach zwei Jahren entschloss sich Beat Albrecht zur Kündigung, zwei Jahre zu früh wie er im Rückblick bedauert, er hätte bei der Comet noch viele weitere Erfahrungen sammeln können. Mit der Journalistin Jolanda Simons, welche die Agentur wenig später auch verliess, ging er eine Zeitlang noch auf Reportage, dann konzentrierte er sich in seinem Studio an der Hegarstrasse auf die Sachfotografie. Die Geschwister teilten das vom Vater geerbte Haus in Eigentumswohnungen auf, was Beat den Start als Selbständiger erleichterte. Der Fotograf und Retuscheur Graziano Deasan, den er von der Lehre kannte, zog bei ihm ins Studio ein. Die beiden mussten sich damals nicht gross um Aufträge bewerben, wie er sich erinnert, meist wurde man kontaktiert, da jeder in der Branche jeden kannte, auch seine Kontakte aus der Zeit bei Comet trugen Früchte. Aufträge kamen zum Beispiel von der Agentur Advico, die den jungen Profi weitervermittelte; die Art Directors wechselten oft zu andern Firmen und nahmen ihre Kontakte mit. Beat Albrecht arbeitete zudem mit Martin Fueter von der Condor Film zusammen, bei dessen Werbespots er jeweils den Schluss als Standfoto ins Bild setzte (pack shot).
Verglichen mit der Zeit bei Comet stieg das Salär markant an, zumal Beat Albrecht dreimal jährlich mehrere Wochen für den damals legendären Jelmoli Katalog Unterhaltungselektronik ablichten konnte. Beat ist seit seinen Zwanzigerjahren mit Partnerin Lisa Wunderlin liiert, mit der er einen Sohn, Basil, hat. Auch der Sohn ist mit seiner Firma light + bite im Fotofach als Händler von Cameras und Zubehör tätig.
War Beat bei der Comet die Flugfotografie vorenthalten, erwarb er später das Brevet für Segel- und Ultraleicht Motorflieger. Er fliegt namentlich in Tschechien, wo er mit seiner Partnerin ein Haus in der Nähe eines kleinen Flughafens besitzt. Mit 66 arbeitete er kaum noch auf seinem Beruf, wo jetzt eine neue Generation aktiv ist und sich vieles verändert hat. Die Saat der Comet jedenfalls ging bei Beat Albrecht wie bei allen andern auf, die das Glück hatten, in dieser dynamischen und einzigartigen Agentur eine Zeitlang arbeiten zu können.
Aufgezeichnet von Werner Catrina, 1972-1977 Journalist bei Comet; Bildredaktion Roland Lüthi
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