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Unerschliessbarer Sinn
Das «Luna» ist gefüllt mit den Schönen und Reichen von Accra, die Designerkleidung, Lederschuhe und Goldschmuck tragen und die sich die stolzen Preise für Cocktails und Shishas hier oben (!) leisten können. Adomako und Kikelomo werden in Berlin interviewt, von wo sie am selben beziehungsweise am nächsten Tag nach Vilnius beziehungsweise London weiterfliegen werden.
Da lobe ich mir die bösen kolonialen weissen DJs, die die Musik aus Afrika einem weissen Publikum vorspielen, denn die kommen möglicherweise mit dem Velo zur Auflegearbeit (und lassen an ihren Veranstaltungen vielleicht auch Leute ohne Goldschmuck herein). DJ Edu wählt zwanzig afrikanische Länder aus, indem er untersucht, welche Herkunft die afrikanischen Leute in Grossbritannien haben und in welche afrikanischen Länder British Airways Direktflüge anbietet. Der Sinn dieser zweieinhalb WOZ-Seiten erschliesst sich mir definitiv nicht.
Urs Egli, Zürich
Segen für Rüstungsindustrie
«Dual-Use-Güter: Werkzeuge für Putins Krieg», WOZ Nr. 34/22
Bis vor kurzem exportierte die Schweiz Werkzeugmaschinen nach Russland. Diese wurden auch zur Produktion von Rüstungsgütern eingesetzt, was Bern wusste. Ohne solche Maschinen und Kleinbestandteile könnte Russland, aber auch andere Staaten kein Kriegsmaterial mehr produzieren. Das wäre eine Chance, weltweit die Rüstungsproduktion zu stoppen. Ohne die Maschinen, die Chips, die Tausenden Kleinbestandteile und die Milliardenkredite auch von CH-Banken und Pensionskassen wären viele Rüstungskonzerne aufgeschmissen.
Werkzeugmaschinen aus der Schweiz, die in der Todesindustrie eingesetzt werden, verkaufte man nicht nur an Russland, sondern auch an andere kriegführende Staaten. Etwa an jene, die in Afghanistan zwanzig Jahre Krieg führten, die im Irak, in Syrien, in Libyen, in Somalia, im Jemen Tod und Verderben säten.
Daneben die «normalen» Kriegsmaterialexporte der Schweiz: Laut offizieller Statistik exportierte die Schweiz von 1975 bis 2021 für 20,8 Milliarden Franken Kriegsmaterial. Verkauft wurden diese Rüstungsgüter zu einem grossen Teil an kriegführende Staaten, an Nato-Militärs, in Spannungsgebiete, an menschenrechtsverletzende Regimes und an arme Länder in der Dritten Welt. In den 20,8 Milliarden Franken sind die besonderen militärischen Güter nicht eingerechnet, die ebenfalls exportiert wurden, aber nicht in der offiziellen Statistik erscheinen. Auch die Finanzierung von Waffengeschäften durch Schweizer Banken erscheint in diesen Zahlen nicht.
Zu erinnern ist: Seit 1973 gibt es in der Schweiz ein klares Verbot, kriegführenden Staaten Kriegsmaterial zu liefern, auch Staaten, die Menschenrechte mit Füssen treten. Das «Schlupfloch», das es dennoch erlaubt, kriegführenden Regimes Rüstungsgüter zu liefern, ist die Aufrechterhaltung der industriellen Kapazität der einheimischen Rüstungsindustrie. Damit wird seit fünfzig Jahren einfach alles erlaubt, was eigentlich verboten wäre. Krieg ist ein Geschäft. Für die Rüstungskonzerne ist der Krieg in der Ukraine ein Segen.
Heinrich Frei, Zürich