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Olympisches Golf - halbbatzig und halbherzig
Das am Donnerstag beginnende olympische Golfturnier der Männer ist weit davon entfernt, das beste Golf der Welt zu bieten. Es gibt Einschränkungen, die sich zum Teil die Spieler selber auferlegen.
Ringen, Schiessen, Bogenschiessen, Gewichtheben, Synchronschwimmen, Judo, Wasserspringen, Dressurreiten. In diesen und in vielen anderen Individualsportarten arbeiten Athletinnen und Athleten vier Jahre lang auf ein einziges Ziel, auf einen einzigen Höhepunkt hin: auf die Olympischen Spiele. Manchmal dauert der Einsatz im Schaufenster nur wenige Minuten, und dann ist alles wieder vorbei. Vielleicht wurde der Auftritt nicht einmal im Fernsehen gezeigt.
Tennis, Golf. Hier verhält es sich anders. Die Besten dieser beiden Sportarten sind auch ausserhalb der Sommerspiele jahraus, jahrein im Schaufenster. Die vier Runden unter den fünf Ringen sind für die Besten ein Turnier, das sie in ihre Saisonplanung einbeziehen oder auch nicht. Nach seinem Triumph in Wimbledon Mitte Juli wägte Novak Djokovic ab, ob er in Tokio starten und durch die zusätzliche Belastung möglicherweise seine Chancen auf den Sieg am US Open mindern sollte. Er entschied sich zu starten.
Die weltbesten Golfprofis spielen allesamt auf dem amerikanischen Circuit, der US PGA Tour. Das Jahresprogramm ist von Januar bis November prall gefüllt mit Turnieren, an denen nie weniger als sieben Millionen Dollar an Preisgeldern ausgeschüttet werden. Und die Olympischen Spiele zwängen sich in eine besonders intensive Zeit. Das ebenfalls in die US-Tour integrierte British Open, das letzte Majorturnier des Jahres, ist eben erst vorbei, und schon stehen ab August die drei Finalturniere des lukrativen FedEx-Cup an. An jedem dieser Turniere werden 10,5 Millionen Dollar verteilt. Der Gesamtsieger bekommt einen Bonus von zehn Millionen. Wer hingegen bei Olympia mitmacht, leistet Frondienst.
Gut die Hälfte der Weltklassegolfer sind Amerikaner. Die US-Golfer gewannen 18 der letzten 27 Turniere auf Grand-Slam-Stufe. Durch die Kontingentierung bei Olympia können nur vier von ihnen starten. Aber diese vier sind weder nach der Weltrangliste noch nach dem Jahresklassement der Tour die Besten. Topgolfer wie Dustin Johnson, Brooks Koepka und Jordan Spieth sind nicht in Tokio, Bryson DeChambeau meldete sich ab und gab als Grund das Coronavirus an.
Selbst Nationen, die nur zwei Spieler stellen dürfen, gehen aus unterschiedlichen Gründen nicht mit ihren Besten an den Start des über vier Runden führenden Turniers.
Im Golfsport sind England, Wales, Nordirland und Schottland - wie im Fussball - eigenständig. Sie gehören zu den führenden Nationen im Spiel mit dem kleinen weissen Ball. An den Olympischen Spielen gibt es jedoch nur Grossbritannien. Dies verwehrt erstklassigen Golfern den Zugang. Immerhin kann Superstar Rory McIlroy die Möglichkeit nutzen, als Nordire für Irland zu spielen.
Alles in allem ist das Olympia-Turnier von Tokio etwas Halbbatziges und etwas Halbherziges.