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Firmung
Sie ist das Sakrament - das heilige Zeichen der Stärkung durch den Geist Gottes, das die Kinder am Ende des Primarschulalters oder Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenwerden empfangen. Manchmal erhalten auch Erwachsene dieses Sakrament, wenn sie noch nicht gefirmt sind. In der östlichen Christenheit wird die Firmung zusammen mit der Taufe gespendet.
Das Wort Firmung kommt vom lateinischen Wort "confirmatio" und bedeutet "Stärkung, Festigung". So legt der Bischof bei der Spendung der Firmung dem Firmling die Hand auf den Kopf und salbt ihn mit Chrisam (= geweihtes Öl, dem Balsam beigemischt ist). Dabei spricht er: " N. (Name), sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist". Jemanden mit Öl salben bedeutet, ihm Kraft und Macht übertragen. Dies wird deutlich, wenn man daran denkt, dass Könige früher bei ihrem Amtsantritt gesalbt wurden. Woher aber kommt die Firmung denn inhaltlich und geschichtlich?
Am Pfingstfest kam der Heilige Geist Gottes auf die mutlosen und ängstlichen Apostel herab und verwandelte sie in feurige, mutige Zeugen für die Botschaft Jesu Christi. Jesus hatte ihnen diesen Geist versprochen und angekündigt bevor er den Tod erlitt und auferstehen sollte (vgl. Apg 2,1ff). Nach Pfingsten verkündeten nun die Jünger das Evangelium Jesu überzeugend und engagiert. Da sie wussten, dass sie aber noch mehr "Begeisterte" brauchten, wenn das Evangelium wirklich die ganze Welt erreichen sollte, gaben sie in Form von Gebet und Handauflegung ihren Mitarbeitern und Nachfolgern, den Bischöfen, diesen Geist weiter, den sie von Jesus empfangen hatten (vgl. Joh 20,22-23). In der Apostelgeschichte findet sich ein interessanter Bericht dieser Weitergabe des Heiligen Geistes:
"Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist". (Apg. 8,14-17)
Hier nennt die Heilige Schrift also ein deutlich von der Taufe unterschiedenes Zeichen der Handauflegung, mit dem der Geist Gottes den Menschen erfüllt, von ihm Besitz nimmt und ihn in seine Nähe holt. Die Firmung ist also eine Hilfe auf dem Weg des Menschen zur Gottfindung und Heiligung, weil er von der Heiligkeit Gottes ergriffen wird, gleichsam in den Bereich der Heiligkeit Gottes hineingezogen wird, wenn der Geist Gottes als Geschenk über ihn herab kommt. Aus der Apostelgeschichte geht auch hervor, dass die Spendung der "Handauflegung" den Aposteln vorbehalten war, deswegen wird in der lateinischen Kirche dieses Sakrament bis heute normalerweise vom Bischof gespendet, oder wenigstens einem von ihm eigens dazu beauftragten Priester, wenn es ihm selbst unmöglich ist, die Firmung zu spenden.
Was bewirkt denn die Firmung?
Was sich an den Aposteln zeigte, können wir auch heute von jemandem sagen, der die Firmung empfangen hat und offen ist für das Wirken des Geistes: Die Apostel werden am Pfingstfest mit der Kraft und der Macht des Gottesgeistes erfüllt. Aus ängstlichen Zweiflern und Zauderern werden mutige Verkünder des wunderbaren Handelns Gottes an uns Menschen. In ähnlicher Weise wird der oder die Gefirmte erfüllt vom Wirken des Gottesgeistes, der Kraft, Stärkung und Festigung der Persönlichkeit im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung mit sich bringt. Ebenso verbunden damit sind die Gaben des Geistes, die damit einhergehen. Im seinem Brief an die Galater (5,22) nennt Paulus die Qualitäten, die das Wirken des Geistes dem Charakter des Menschen schenkt:
"Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung".
Anhand dieser Charaktereigenschaften, kann man ablesen, ob jemand menschlich wirklich gereift ist, geführt vom Geist, oder ob ein cholerisches, missmutiges, ironisches, zorniges und gereiztes Wesen auf Defizite in seiner Lebenseinstellung schliessen lassen. Natürlich ist nicht jeder Zornesausbruch schon ein solches Indiz. Wenn dahinter aber ein Grundtenor des Lebens steht, dann muss sich jemand fragen, woher das kommt.
Neben den charakterlichen Gaben des Geistes gibt es auch jene Gaben, welche die geistige und menschliche Weisheit als Ganzes ansprechen. Es sind die klassischen sieben Gaben des heiligen Geistes:
1. Die Gabe der Weisheit
(nicht nur viel wissen, sondern es auch verstehen.)
2. Die Gabe der Einsicht
(Zusammenhänge tiefer verstehen)
3. Die Gabe des Rates
(guten Rat zu wissen)
4. Die Gabe der Stärke
(der persönlichen Überzeugungskraft und im Charakter)
5. Die Gabe der Erkenntnis
(wirklich erkennen und nicht nur die Oberfläche sehen)
6. Die Gabe der Gottesfurcht
(Gott wirklich in seinem Herzen zu tragen)
7. Die Gabe der Frömmigkeit
(sein Leben wirklich auf Gott auszurichten)
Diese klassische Umschreibung der sieben Gaben des Geiste stammt aus der Prophezeiung des Propheten Jesaia (Jes 11,1-2), der die Fülle dieser Gaben im Messias, in Jesus Christus ankündigt und ihn damit als das Modell des geisterfüllten, mit Geist gesalbten Menschen verkündet. Übrigens: Messias (hebräisch) heisst "der Gesalbte", das griechische Wort dafür ist "Christos", wenn Christus der Gesalbte ist, dann müssen wir Christen, die wir seinen Namen tragen, ebenfalls mit seinem Geist Gesalbte sein, Gestärkte, Gefestigte und trotz aller Anfragen und Zweifel im Geist Gottes Überzeugte.
Stärkung heisst auch Selbstverantwortung
Bei der Firmung übernimmt der/die durch den Geist "Gestärkte" für sich selber und für seinen Glauben die Verantwortung. Wird ein Kind getauft, so übernehmen dabei die Eltern für das Kind noch die Verantwortung, dies wird aber bei der Firmung anders. Hier geht es nun darum, dass der Firmling wirklich seinen Glauben an Christus vor Gott und der Pfarrei (oder der jeweiligen Gemeinschaft) bekennt. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die Firmung wirken kann, sonst bleibt sie wirkungslos in einer Person liegen, wie ein Goldschatz in einem vergessenen Kellerverlies. Denn ohne Offenheit für diese Selbstverantwortung und für das Wirken des Geistes, bleibt die Firmung ein äusserlicher Akt, ohne dass der Tau der Gaben Gottes bis ins Innere des Menschen vordringen kann. Firmung ist also kein Automatismus, sie wirkt nicht einfach "automatisch". Das Sakrament erfordert unser Mittun, unser Mitwirken, in dem wir offen sind für das Wirken des Geistes. Wenn wir nicht wollen, dann ist auch Gott machtlos, denn die Freiheit unseres Willens respektiert Gott vorbehaltlos. Vielleicht wird von daher auch die berühmte Sünde gegen den heiligen Geist besser verständlich, von der Jesus sagt, dass Gott sie nicht vergeben kann (Mt 12,31): Gemeint ist damit sicher, das Sich-Verschliessen des Menschen, das Gott wegen der Freiheit des Menschen respektiert. Einem solchen Mensch gegenüber ist Gott aus Liebe machtlos, denn er zwingt ihn nicht. So bleibt uns hier die Wahl: Uns entweder von Gott und seinem Geist führen zu lassen in jenes wunderbare Paradies der Freiheit, oder von unseren eigenen Interessen, die sich an Profit und Leistung orientieren mögen und die Freiheit auf die Perspektive unseres irdischen Lebenshorizontes beschneiden. Das mag schon gut sein, aber es gibt mehr. Es liegt an uns dieses Mehr zu wählen.
In unserer Pfarrei werden ab 2011 die Jungendlichen des neunten Schuljahres gefirmt.
Pfr. Agnell Rickenman