Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03232.jsonl.gz/1379

«Der Frühling wird immer neue Hoffnung bringen»
Anlässlich des Internationalen Frauentages sagt Elena Repulenko aus der Ukraine: «Ich wünsche allen Frauen, dass sie jeden Tag, jeden Augenblick ihres Lebens geniessen». Die junge Frau floh vor einem Jahr aus dem Süden der Ukraine in die Schweiz. Im Interview erzählt sie ihre Geschichte.
7. März 2023
Frau Repulenko, wie geht es Ihnen nach einem Jahr in der Schweiz?
Als der Krieg ausbrach, hatte ich einen Schock – und wusste nicht, was ich tun sollte. In der Schweiz habe ich eine gute Freundin. Ihre Familie hat mich sehr unterstützt.
Ursprünglich komme ich aus dem Süden der Ukraine. Jetzt ist meine Heimatstadt besetzt. Viele meiner Bekannte sind Freiwillige oder Soldaten. Meine ganze Familie ist in der Ukraine. Und ich bin hier.
Die Schweiz ist ein schönes Land mit sehr freundlichen Leuten, aber ich brauchte erstmal Zeit, um alles zu verstehen. Es ist nicht nur ein Land der guten Schokolade und Banken, sondern hat auch eine schöne Natur, interessante Traditionen und Familienwerte.
Wie haben Sie Arbeit in der Schweiz gefunden?
Viele Menschen aus der Ukraine denken, dass man hier schnell Arbeit findet. Das dachte ich auch, hatte jedoch allein keinen Erfolg. Im August 2022 meldete ich mich beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) an und absolvierte einen speziellen Kurs für Migrant/innen. Dort erhalten Menschen Hilfe, um Bewerbungen oder einen Lebenslauf zu schreiben. Es ist auch eine gute Möglichkeit, um neue Bekannte zu finden und Deutsch zu lernen. Nach 3 Monaten im Kurs hatte ich meine Deutschkenntnisse verbessert und konnte einen guten Lebenslauf vorweisen.
Eine Arbeit hatte ich aber noch nicht. Im November 2022 informierte mich meine Beraterin beim Roten Kreuz über den Informationskurs «Access – Arbeitsmarkt Schweiz». Ich hatte dort einen sehr guten Coach und fand daraufhin eine Arbeit in der Weinbranche.
Wein war schon immer meine Leidenschaft. In der Ukraine machte ich einen Sommelier-Kurs und merkte, dass diese Welt mehr als nur ein Hobby für mich ist. Mittlerweile arbeite ich in einem italienischen Restaurant mit Vinothek und in einer Weinhandlung. Ich bin sehr glücklich darüber!
Ukrainer/innen, die hier eine Arbeit suchen, rate ich, verschiedene soziale Programme auszuprobieren. Es ist sinnvoll, sich für den Lebenslauf und das Schreiben von Bewerbungen Hilfe zu holen.
«Beim Informationskurs Access - Arbeitsmarkt Schweiz hatte ich einen sehr guten Coach und fand eine Arbeit.»
Am 8. März ist der Internationale Tag der Frau. Was möchten Sie den Frauen dieser Welt zum Tag der Frau sagen?
Ich bin nicht sicher, ob mein Land diesen Feiertag noch feiert. Aber es ist immer gut, allen Frauen auf der Welt zu wünschen, dass sie stark bleiben und ihrem Herzen folgen. Der Frühling wird immer neue Hoffnung bringen. Der Krieg hat mich gelehrt, nicht zu viele Pläne zu machen. Darum wünsche ich allen Frauen, dass sie jeden Tag, jeden Augenblick ihres Lebens geniessen.