Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03093.jsonl.gz/596

Aus biblischen Bildern erwachsen
Am 22. März lud das Kammerorchester Toccata Wil zu einer Begegnung zwischen Orgel und Streichorchester. Hauptpunkt auf dem Programm war die Uraufführung der «Sinfonia concertante» für Orgel, Oboe und Streicher von Bernhard Sieber.
Das erste Werk dieses Konzerts in der Kreuzkirche Will war das Concertino von Karl Christian Hoyer ((1891-1936). Der Komponist hatte seinem Werk die Bezeichnung «im alten Stil» beigefügt. In den drei Sätzen «kopiert» er den Barockstil aber nicht eindimensional, sondern setzt ihn mit der Tonalität und Harmonik des beginnenden 20. Jahrhunderts kontrastreich ab. Antonio Vivaldis Concerto für zwei Violinen, Streicher und Basso Continuo ist noch nicht wirklich ein Solokonzert, sind die beiden Violinen doch noch sehr am Continuo orientiert. Esther Böck und Brigitte Mayer harmonierten wunderbar, besonders stach auch hier der zweite Satz, Larghetto e spirituoso, hervor.
Als Hauptwerk des Konzertes darf aber sicher die Sinfonia concertante des in Oberuzwil wohnhaften Organisten und Komponisten Bernhard Sieber bezeichnet werden. Den vier Sätzen hatte Sieber Bibelzitate zugrunde gelegt. So stand über dem ersten Satz das Jesaja-Wort «Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht». Mit einem dumpfen Orgelbass im tiefsten Register, begleitet von trockenen Streicherpizzicati zeichnete der Komponist diese Bewegung, während das hellgleisende Licht mit scharfen Orgeltönen die Dunkelheit kontrastierte.
Im Scherzo-Satz beschreibt die Musik die Befreiung vom Joch der Unterdrückung: Martialische Klänge endeten mit extatischen Zuckungen in der Feuerbrunst. Das turbulente Scherzo mündete schliesslich abrupt in einem einzigen, hohen Violinton, wenn alle Feinde zu Asche zerfallen sind.
Die Frage, warum alles Kriegsgetöse im Feuer endet, beantwortet der dritte Satz mit dem Kommen des Friedensfürsten: Versöhnlich hebt sich die Oboe (Christian Voss) vom Streicherklang ab. Die grossartige Fuge des vierten Satzes stellte die unermesslich herrliche Gerechtigkeit und immerwährende Herrschaft des Friedensfürsten dar. Bernhard Sieber sagt von seinem Werk, dass es keine eigentliche Programmmusik sei: «Die konstruktiven Elemente überwiegen bei Weitem.» Doch die Zuhörer kamen nicht umhin, die Bildergewalt der Musik in den Kontext der ihr zugrunde gelegten Bibelzitate zu stellen, ja sie forderte regelrecht eine Auseinandersetzung damit und zeugte damit von der tiefen Gläubigkeit des Komponisten.