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Heute ist ein Tag, an dem die Hunde in den Vordergrund treten. Warum das so ist, bleibt ein Rätsel, oder wird dem nahenden Vollmond zugeschrieben.
Der erste Gast läutet um 10.30 Uhr. Es ist eine Frau, die ihren Hund Glenn nennt. Glenn ist ein schottischer Terrier. Die Frau erklärt mir, er heisse nicht Glenn wegen Glenn Miller, sondern wegen dem Whisky, Glenfiddich.
Die nächsten zwei Frauen kommen heranspaziert, als die erste Frau aussteigt. Sie halten drei Hunde an den Leinen. Glenn beginnt zu bellen. Die Hundebesitzerin hebt ihn auf den Arm, hält ihm die Schnauze zu und der Hund verstummt. Sie geht die Treppe hoch, an den anderen Damen vorbei und grüsst sie freundlich. Oben auf dem Weg angekommen, stellt sie Glenn wieder auf den Boden und dieser beginnt augenblicklich wieder an zu bellen. Erst ausser Sichtweite verstummt Glenn.
Ich lege ab und auf der Fahrt erfahre ich die Namen von zwei der drei Hunden. Jack sei eine spanische Mischung, sagt die eine Frau. Er kommt aus einem Heim. Bänzli ist ein riesiger Sennenhund. Er heisse eigentlich Bänz, doch Bänzli passe einfach besser, weil er so ein Kindskopf sei.
Später lerne ich Max und Lenin kennen. Max ist ein Lagotto Romagnolo, ein Trüffelhund. Ja, er findet Trüffeln, doch bis er, der Hundehalter, bei ihm sei, habe Max die Trüffeln schon gegessen.
Lenin ist eine Staatsaffäre, meint die Hundehalterin. Der Name sei Programm. Sie habe den Hund vor dem Lenincafé in Chalonnes-Sur-Loire in Frankreich aufgelesen. Damals sei er ein kleines, schmutziges Wollenknäuel gewesen. Heute ist er eine prächtige Golden-Retriever-Mischung. Warum er eine Staatsaffäre sei, frage ich die Frau. Ihr Mann sei politisch aktiv, antwortet sie, aber nicht im linken Lager.
Um 16.55 Uhr fahre ich den letzten Gast, einen Mann, der seine langen, ergrauten Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden hat. Rötliches Restlicht des Tages wird in den Wolken und auf der Aare reflektiert. Die kahlen Bäume sind schwarze Silhouetten auf diesem leuchtenden Hintergrund. Es ist still. Der zunehmende Halbmond taucht hin und wieder zwischen den Wolken auf. Als ich anlege, sehe ich etwas unterhalb der Fähre bei der Einmündung der Gürbe einen Fischreiher regungslos auf einem Stein stehen. Seine Umrisse werden im rosagefärbten Wasser gespiegelt. Das Naturschauspiel erinnert an eine japanische Malerei, eine Nihonga. Ich lege an, sichere die Fähre und warte. Der Mann bleibt sitzen. Dann wendet er den Blick von der Aare weg zu mir, steht auf und als er an mir vorbeigeht, sagt er:
„Wenn ich es nicht selber gesehen hätte, würde ich das Ganze puren Hollywoodkitsch nennen. Eine wunderbare Fahrt war das! Danke und auf wiedersehen.“
Bei der Rückfahrt hebt der Fischreiher ab und fliegt über der Aare Richtung Bern.
Fahrkartenverkauf heute:
- Erwachsene: 22 x 2 Franken
- Kinder, Hunde oder Fahrräder: 14 x 1 Franken
- Mehrfahrtenkarten: 3 x 20 Franken
Total Einnahmen: 118 Franken