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Eigentlich sollte eine Sojus-Rakete der russischen Weltraumagentur Roscosmos am Samstag 36 Satelliten des britischen Satelliten-Unternehmen «OneWeb» in den Orbit bringen. Kurz vor dem geplanten Start stellt Roscosmos nun Bedingungen, die kaum erfüllbar sind.
Seit März 2019 lässt «OneWeb» in regelmäßigen Abständen Satelliten ins All bringen, um ein weltumspannendes Internet per Satellit aufzubauen. Die grössten Nutzniesser davon wären die Randregionen in der Arktis. Da «OneWeb» nicht im Besitz eigener Raketen ist, ist «OneWeb» auf die russische Weltraumagentur Roscosmos angewiesen, um die Satelliten in eine Umlaufbahn zu bringen.
Diese Abhängigkeit wird «Oneweb» vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen Russland wegen dessen Invasion in die Ukraine zum Verhängnis. Die Sojus-Rakete mit 36 OneWeb-Satelliten wurde am 2. März auf eine Startrampe des Kosmodroms Baikonur gebracht und für den Start am kommenden Samstag vorbereitet.
Roscosmos verweigert Raketenstart
Als jüngste Reaktion auf internationale Sanktionen und zunehmende geopolitische Spannungen legt Russlands staatliches Raumfahrtunternehmen Roscosmos eine Liste der Forderungen an seinen Kunden «OneWeb» vor, bevor es zustimmt, die nächste Mission in dieser Woche zu starten.
Unter anderem soll gemäss einem Interfax-Bericht Roscosmos-Chef Dmitry Rogozin verlangt haben, dass «OneWeb» Garantien dafür gebe, dass die Satelliten nicht gegen Russland eingesetzt und zu militärischen Zwecken genutzt werden.
„Aufgrund der feindseligen Haltung Großbritanniens gegenüber Russland ist eine weitere Bedingung für den Start von «OneWeb», dass sich die britische Regierung aus «OneWeb» zurückzieht“, sagte die russische Raumfahrtbehörde Roscosmos in einer Erklärung.
Rogozin sagte, die Sojus-Rakete werde nicht betankt und anschliessend von der Startrampe entfernt, wenn Russland bis Freitag, 21:30 Uhr (Moskauer Zeit) nicht die gewünschten Zusicherungen von «OneWeb» erhalte.
OneWeb verzichtet auf weitere Starts ab Baikonur
«OneWeb» teilte am Donnerstag mit, dass es alle Starts vom russischen Kosmodrom Baikonur in Kasachstan aussetzen werde, nachdem die Moskauer Weltraumbehörde Garantien gefordert hatte, dass seine Technologie nicht für militärische Zwecke verwendet werde.
Die britische Regierung, die eine Beteiligung an «OneWeb» besitzt, sagte, sie unterstütze die Entscheidung.
Dass die Forderungen nicht erfüllt würden, war abzusehen. «OneWeb» hat laut Spacenews bereits damit begonnen, das eigene Personal aus Baikonur abzuziehen. Was jetzt mit den Satelliten passiert, ist noch unklar.
Bisher hat «OneWeb» 428 seiner 648 Satelliten im All. Weil pro Start jeweils rund 36 Satelliten in den Orbit gelangen, fehlen noch sechs oder sieben Starts, die eigentlich noch 2022 über die Bühne hätten gehen sollen.
Heiner Kubny, PolarJournal