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Zürich will Weltstadt sein
Gefäss:
Gleichförmige Bauten säumen die Limmat anstelle des „Dörflis“. Vor dem Hauptbahnhof findet sich ein eleganter Boulevard. Das sind nur zwei der Visionen, die die Aussstellung über Ideen und Projekte zur Zürcher Stadtentwicklung zwischen 1850 und 2009 vorstellt.
Quelle:
zvg
Karl Moser träumte von einer neuen Stadt an den Ufern der Limmat.
Im neu renovierten Stadthaus erzählt zurzeit eine hochinteressante Schau über die Stadt-Visionen der letzten 160 Jahre. In der ersten Etage werden Projekte am oder im See gezeigt und im zweiten Stock die städtebaulichen oder verkehrstechnischen Visionen auch über die Stadt hinaus, sowie ein Abstecher in die Welt des Sports und der Belletristik. Bei allen Projekten werden Initianten und deren Ideen vorgestellt. Und es wird auch über die Schicksale dieser Projekte informiert, sowie über die Gründe, weshalb sie nicht realisiert wurden.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts, in der nachnapoleonischen Zeit, erlebten die Grossstädte Europas einen durchgreifenden städtebaulichen Wandel. In Paris, Berlin, Wien, Madrid usw. wurden alte Stadtviertel abgerissen, um prächtigen Boulevards und Prunkbauten Platz zu machen. Dieses Klima des Aufbruchs und der prunkhaften Selbstdarstellung wirkte auch im vergleichsweise kleinen Zürich ansteckend. So fehlte es schon vor 150 Jahren nicht an grosszügigen Ideen, Projekten und Plänen, der Stadt am See zu so etwas wie einer Weltstadtaura zu verhelfen. Entsprechende Ansätze sind auch heute noch sichtbar, zum Beispiel der Hauptbahnhof, Gebäude an der Bahnhofstrasse, die Hochschulen aber auch teilweise die Anlagen am See.
Autobahnen ins Zentrum
Die Schau zeigt Visionen von damals, die heute noch gefallen könnten und Ideen, bei denen man froh ist, dass sie nie Wirklichkeit geworden sind. Seit 1850 strebt die Stadt Zürich zu Höherem. Dutzende von Projekten wollten der Limmatstadt mehr Weltstadtaura verhelfen. Ein Bundeshaus am Ufer des Zürichsees Mitte des 19. Jahrhunderts oder etwas später ein neues Kongresszentrum an gleicher Stelle. Später wollte der Architekt des Kunsthauses, Karl Moser, das Niderdorf mit modernen, „zeitgemässen“ Bauten ersetzen. Andere träumten von einem einem repräsentativen Boulevard beim Hauptbahnhof. Und vor wenigen Jahrzehnten: Autobahnen und Schnellstrassen bis ins Zentrum, neue Stadtteile über den Bahngeleisen, der Sihl und dem Zürichsee und eindrückliche Bauten für Kultur und Sport.
Die Ausstellung zeigt die Zukunftsprojekte aus der Vergangenheit illustriert und dokumentiert mit Bildern und Plänen, die noch nie gezeigt wurden. Ergänzt werden sie mit Modellen und einer Projektion im Lichthof des Stadthauses. Die Erläuterungen dazu helfen, Vorschläge in einen grösseren Zusammenhang zu sehen und im Kontext zu ihrer Zeit zu verstehen. In Vielem ist es bei den grosszügigen Ideen geblieben: Meist siegten die bürgerlichen, bescheidenen und sparsameren Lösungen. - Die Ausstellung geht der Frage nach, wieso die Stadt heute so gebaut ist wie sie ist. Ergänzt wird die Ausstellung von einem vielfältiges Begleitprogramm.
Stadthaus Zürich, Stadthausquai 17, 8001 Zürich
Weitere Informationen: www.stadt-zuerich.ch/ausstellung
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9–18 Uhr, Samstag: 9–12 Uhr
Sonntag sowie 24.12.2010 bis 2.1.2011 geschlossen
Eintritt frei