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Die Geschichte von Ami Sabi und Ritscha und wie es zum Weltrekord im Meerjungfrauschwimmen kam.
Es geschah vor 10’000 Jahren: Unter lautem Getöse stürzten riesige Felsbrocken und Tonnen von Geröll vom Flimserstein zu Tal, nachdem die Sonne das Eis schmelzen liess. Der grösste Bergsturz der Alpen begrub das Tal unter einer dicken Schicht aus Steinen, Geröll und Sand. Ami Sabi und seine Freunde überlebten die Katastrophe und waren fortan die Hüter der Berge. Ami Sabi liess tausende Blumen auf den Wiesen erblühen. Klare Bergbäche begannen munter zu sprudeln und suchten sich ihren Weg über die Felsen. Es entstanden Seen, so schön, wie sie noch nie zuvor gesehen wurden. Menschen begannen sich niederzulassen und Felder und Wiesen zu bewirtschaften. Darunter befand sich die Familie eines besonderen Mädchens. Der Ritscha.
Das Mädchen Ritscha lebte mit ihren Eltern und fünf jüngeren Geschwistern in einem alten Bauernhaus am Dorfrand von Valendas. Jede freie Minute verbrachte das Mädchen mit den langen roten Haaren am Dorfbrunnen und am Rhein. Sehnsüchtig schaute sie ins Wasser. Wenn es ganz still war, konnte man sie mit den Fischen reden hören. Einmal traf Ami Sabi die Ritscha, als sie ihr wallendes Haar im Fluss wusch. Als er näher kam, hörte er, wie sie traurig mit sich selber sprach:
«I möchti im Wasser leba wie an Fisch, min Körper wär halb Mensch halb Fisch, so wär i a Flussjungfrau am Rhi, und könnt immer bi mina Fründa – da Bachforella si.»
Als sie ihn bemerkte, schüttete sie dem Freund ihr Herz aus. Sie habe immer gemerkt, dass sie anders als die anderen Mädchen sei. Ihr grösster Wunsch sei es, mit ihren Freunden, den Bachforellen, im Wasser zu leben. Ami Sabi, der weise Zauberer, war davon so gerührt, dass er seinen Zauberstab Bromf erhob und Ritscha in ein Wesen halb Mensch halb Fisch verwandelte, auf dass sie nun glücklich im Wasser leben konnte. Voller Dankbarkeit sprang die Flussjungfrau in den Rhein, tauchte noch einmal auf, um sich zu verabschieden, und verschwand auf lange Zeit. Nie wieder sah Ami Sabi die Ritscha wieder. Manchmal, wenn er am Dorfbrunnen in Valendas stand, glaubte er, Ritscha flüstern zu hören. Noch heute erinnert er sich an all die Geschichten, die sie ihm einst erzählte. Doch eines bedrückt ihn: So gerne möchte er sie wiedersehen.
Der Ruf der Ritscha
Viele Jahre später hörte Ami Sabi von den Meerjungfrauen der Schwimmschule Rätia. Mit Hilfe der Menschen, die so gern als Meerjungfrau im Wasser sind, würde es ihm gelingen, die Ritscha wieder zu sehen. Am 20. August 2016 war es so weit. 168 Meerjungfrauen und Neptune bildeten im Caumasee einen magischen Kreis und riefen die Ritscha.
Und tatsächlich. Hinter der Schatzinsel schwamm sie hervor, tauchte in den Kreis und stieg zu ihrem Freund Ami Sabi ins Boot, dem sie viele neue Geschichten erzählte, die sie erlebt hat. Dankbar, dass sie nicht vergessen wurde, verwandelte sie Algen und Steine des Sees in kostbare Anhänger, auf dass jeder sie in Erinnerung behielt. Diese fanden die glücklichen Meerjungfrauen bei der Schatzinsel im See und tragen sie noch heute als Erinnerung um den Hals.