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Historisches Schulwesen in Seen
Sägeweg 3
8405 Winterthur
Das Zürcher Landschulwesen ist ein Kind der Reformation, die zur Ausbreitung der evangelischen Lehre auch die einfachen Menschen zum Lesen der Bibel und des Katechismus, der Gebet- und Erbauungsbücher befähigen wollte. In Seen waren hingegen meist weltliche Lehrer in den Schulstuben anzutreffen.
Am Sägeweg 3 steht die „Alte Schule“, das älteste Seener Schulhaus. Als Blockständerbau im 17. Jhdt. erbaut. Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach erbaut worden, nach dem Seen von der Kirchgemeinde Oberwinterthur abgetrennt worden ist. Es wird aber erst 1682 erstmals in der Gemeindegutrechnung erwähnt. Das ehrwürdige Haus ist im Erdgeschoss aus Fachwerk, darüber in bretterverschalter Holzkonstruktion gebaut. Dieses Gebäude beherbergte beinahe zwei Jahrhunderte lang die Seener Volksschule und diente zeitweise auch als Gemeindehaus. Als die Schüler 1838 ins Schulhaus Dorf umzogen, wurde es weiterhin für schulische (Nähschule, Kindergarten) und kirchliche (Kinderlehre) Zwecke genutzt. Heute ist es ein Wohnhaus.
Die Schulverhältnisse im weitverzweigten Seen sowie die Zugehörigkeit zu Oberwinterthur waren bis ins 17. Jhdt. prekär. Das führte dazu, dass Seen noch vor der Kirche eine Dorfschule erhielt. 1634 wird erstmals Hans Brüngger als Schulmeister erwähnt. 22 Kinder unter 10 Jahren und 16 ältere Jugendliche waren zu unterrichten. Ab 1637 folgte Konrad Krütli als Lehrer. Er erhielt ein wöchentliches Schulgeld der Kinder sowie aus dem Oberwinterthurer Kirchengut ein Mütt Kernen (1 Mütt Korn sind 36 bis 39 kg) und fünf Pfund in Geld.
1683 übernahm Hans Rudolf Hofmann den Schulbetrieb. Neben diesem Lehramt betrieb Hofmann auch seine Wirtschaft und Landwirtschaft. Nach seinem Tode 1738 übernahm sein Sohn Daniel (*1707) diesen Posten. Da er bereits 1747 verstarb wurden verschiedenste Provisorien eingerichtet, bis wiederum sein Sohn Hans Heinrich Hofmann (getauft 6. Juni 1762, † 21.05.1775) das Lehramt übernehmen konnte. Dieser, aus der begüterten Wirtsfamilie stammend, zeigte sich sehr Pflichttreu und wurde ausserordentlich geschätzt. Hans Heinrich Hofmann war auch einer der grösseren Bauern in Seen. Ihm folgte Heinrich Hofmann, der aber aus einer anderen Familie stammt. Hans Jakob Hofmann, Sohn des Verstorbenen, wurde zurückgestellt. Für einen Zustupf war der Lehrer auch noch Mitglied des Stillstands (heute Kirchenpflege).
In all dieser Zeit fand der Unterricht in privaten Räumlichkeiten statt. 1678 wurde der Wunsch der Seemer nach einem eigenen Schulhaus realisiert. Das neue Haus am Sägeweg diente nicht nur der Schule und der Gemeinde, sondern wurde auch zum Wohnen vermietet. 1764 wurde es renoviert.
In Eidberg ist wegen der Entfernung und dem Wachstum des Dorfes wohl eine zweite Schule entstanden. In der Kirchenrechnung ist 1680 ein Schullohn an Jacob Nestler ausgewiesen. Ihm folgte sein gleichnamiger Sohn (1658-1721). Er wurde ab 1683 Schulmeister ab 1701 in Oberseen, ab 1708 auch in Eidberg und Iberg. Sein Amt vererbte sich auf Sohn, Enkel und Urenkel. Ihnen folgte Hans Ulrich Weiss (*1712) und Hans Jakob (*1786). Auch ihnen stand kein Schulhaus zur Verfügung. Bei schlechter Besoldung wurde in den jeweiligen Wohnstuben unterrichtet.
Erste Spuren einer Schule in Iberg gehen ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Ein Haus mit drei Stuben wurde in einem Rodel (heute Grundbuch) 1708 als Schulhaus bezeichnet. 1722 war Heinrich Nestler und sieben Jahre später Conrad Bosshardt (1678) Schulmeister von Iberg. Verschiedenste Nachfolger stellten wie in Eidberg den Schuldienst sicher. Auch in Oberseen hat sich ein Schulwesen in gleicher Art und Weise ergeben. Alle diese Seemer Schulen wurden bis weit in das 18. Jahrhundert hinein nur im Winter unterrichtet. Ab 1765 wurde, vorerst als Probe, eine Sommerschule angeboten. Ab 1772 wurde die Sommerschule definitiv eingerichtet, die auch die Kinder aus den Höfen besuchten. Seen war damit der erneuerten Schul- und Lehrordnung von 1778 voraus.
Alfred Bütikofer, der Verfasser des Neujahrsblatts der Stadtbibliothek Winterthur 2006, zieht über die alte Schule Seen wie folgt Fazit: „Trotz vieler Mängel, die der alten Schule anhafteten, trotz der gänzlich ungenügenden Entlöhnung, mit der sich vor allem die Schulmeister von lberg und Eidberg zufrieden geben mussten, klangen die Visitationsberichte über die Seemer Schulen während langer Zeit durchaus erfreulich und sangen ausnahmslos das Lob der eingesetzten Lehrer. Die Schulen um 1720 wurden, vom Pfarrer fleissig besucht, «ohne Klag» gehalten. Daniel Hofmann, Ulrich Weiss und Konrad Bosshardt arbeiteten um 1740 «nach ihren Kräften» an der ihnen anvertrauten Jugend. Die 1772 wirkenden Männer besassen sehr gute Fähigkeiten zu ihrem Amt. 1785 lautete das Urteil «gar brav», und 1788 wurde ebenfalls das Wohlverhalten sämtlicher Schulmeister gerühmt.
Waren die Zustände wirklich so lobenswert oder lag es eher an den mitbeteiligten Berichterstattern, die sich als getreue und erfolgreiche Vollstrecker der Verordnungen darstellen wollten? Bald nach dem politischen Umbruch erscheinen jedenfalls die Verhältnisse wesentlich umstrittener und die Berichte kritischer. Schon bei der Umfrage des Erziehungsministers Stapfer 1799 lautete der allgemeine Tenor, dass es «dem Lehrerstande zur befriedigenden Führung des Amtes sowohl an der nötigen allgemeinen Bildung als auch an den unerlässlichen Fachkenntnissen mangelte"“
1838/39 wurde als klassizistische Gebäude endlich ein korrektes Schulhaus errichtet und 1889 aufgestockt (Architekt Walter Hofmann). Als siebenachsiger Baukörper mit grosszügigem Schulhausplatz dominiert der Bau die Ecke Tösstalstrasse/Kanzleistrasse.