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In den frühen Dreissigerjahren des vorigen Jahrhunderts gab es im Aargau von staatlicher Seite nur wenig Fürsorgestellen, die Rat erteilen und Hilfe anbieten konnten. Die Aargauische Evangelische Frauenhilfe bat deshalb den reformierten Kirchenrat um Unterstützung bei der Schaffung eines Zufluchtshauses. Der Kirchenrat konnte rasch von der Notwendigkeit eines solchen Heimes überzeugt werden und sagte seine Unterstützung zu. Der Grundgedanke war, «den Frauen Rückhalt und Geborgenheit bieten, damit sie neuen Lebensmut schöpfen, um nach einer Übergangsphase ihr Schicksal wieder selbständig zu meistern».
Im November 1931 traf sich die vom Kirchenrat gewählte Kommission zur konstituierenden Sitzung in der Helvetia, Aarau – heute Hotel Goldige Öpfel. Das Zufluchtshaus sollte in Aarau stehen. Ein geeignetes Haus sollte gemietet werden. Die Frauenhilfe erbot sich, eine einheitliche Möblierung zur Verfügung zustellen. So bald wie möglich sollte jedoch eine eigene Liegenschaft erworben werden. Ein kurzer Text wurde in der Zeitung veröffentlicht, um die Bevölkerung auf das Zufluchtshaus aufmerksam zu machen.
Ein geeignetes Haus fand sich an der Herzogstrasse 27 in Aarau. Es bot Platz für 15 Personen und befand sich in der Nähe des Bahnhofs. Das war wichtig, da ein Grossteil der Unterkunft suchenden Mädchen und Frauen mit dem Zug nach Aarau reisten. Am 1. April 1932 wurde das «Evangelische Zufluchtshaus zum Heimgarten» mit einer schlichten Feier eröffnet.
Die Belegung des Zufluchtshauses an der Herzogstrasse 27 in Aarau zeigte, dass das Heim einem echten Bedürfnis entsprach. Die Hauskommission setzte ihre in der konstituierenden Sitzung festgehaltene Absicht um und kaufte am 1. Juli 1938 das Zschokke-Haus an der Konradstrasse 11. Der Umzug fand im September des selben Jahres statt. Nun konnten 26 bis 30 Frauen aufgenommen werden. 1958 wurde das «Evangelische Zufluchtshaus zum Heimgarten» in «Heimgarten, evangelisches Haus für Frauen und Töchter» umbenannt.
In den 60er Jahren fasste man einen grösseren Umbau ins Auge. Das Haus verfügte nur über eine Badewanne und einen Boiler. Die grossen Schlafräume mit bis zu fünf Betten verursachten viel Streit unter den Frauen. Es fehlten genügend Arbeits- und Aufenthaltsräume. Es stellte sich heraus, dass ein Neubau eine befriedigende Lösung bringen würde, wobei der familiäre Charakter des Heims beibehalten werden sollte. Die Synode beschloss 1968 den Neubau.
Der Neubau entstand im östlichen Teil des eigenen Grundstücks. Nach seiner Fertigstellung 1970 und dem Umzug – von Haus zu Haus – wurde das alte Gebäude abgerissen und an seiner Stelle eine Garage sowie ein gedeckter Vorplatz gebaut und ein Garten angelegt. Das neue Haus bot nun 27 Frauen jeden Alters Platz in 15 Einerzimmern, einem Ferienzimmer und vier Dreierzimmern.
1996 wurde der Neubau eines Werkpavillons in Angriff genommen. Dank sorgfältiger Planung war er in Rekordzeit einsatzbereit. Gleichzeitig erfolgte im Haupthaus der Einbau eines Lifts. Die nötigen Anpassungen bezüglich Brandschutzauflagen wurden ebenfalls vorgenommen. Im Jahr 1975 wurde die Schwesterinstitution in Brugg eröffnet. Seit 2011 treten die beiden Heimgärten als Heimgärten Aargau auf.
In den Jahren nach seiner Gründung war der Heimgarten ein Durchgangsheim für stellenlose Hausangestellte, Strafentlassene, Erholungsbedürftige, Obdachlose, Frauen während der Scheidung, sittlich verwahrloste Mädchen, ledige Mütter sowie vom Alkohol abhängige Frauen. Während des Krieges bot das Zufluchtshaus auch Auslandschweizerinnen Unterschlupf.
Mit der Zeit fanden immer mehr geistig behinderte oder psychisch belastete Frauen ein Zuhause in der grossen Familiengemeinschaft; das Heim hatte sich den Bedürfnissen angepasst. Das zeigt beispielsweise auch ein Vergleich der Bewohnerinnenstatistik der Jahre 1936 und 1943. 1936 kamen zwei Drittel der Aufgenommenen freiwillig – die Hälfte von ihnen befand sich auf der Suche nach einer neuen Stelle –, ein Drittel wurde von Behörden und Fürsorgeinstitutionen eingewiesen. 1943 hingegen wurde über die Hälfte der Aufgenommenen durch Behörden und Fürsorgeinstitutionen eingewiesen und nur noch ein Zehntel war auf Stellensuche. War das Heim voll belegt, bemühte sich die Heimleitung um eine geeignete Unterkunft, sie vermittelte Adressen von Gaststätten oder telephonierte für eine Übernachtungsmöglichkeit. Die Konfessionszugehörigkeit spielte bei der Aufnahme nie eine Rolle.
Aus dem Durchgangsheim wurde mit der Zeit ein Dauerheim. Den Bewohnerinnen, die auf Grund ihrer psychosozialen Beeinträchtigungen eine ganztägige Begleitung benötigen, bietet der Heimgarten Aarau in familiärem Rahmen Begleitung im Alltag und ein Zuhause. Bis heute haben gegen 2000 Frauen die Dienstleistungen des Heimgarten Aarau genutzt.