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Ein Jahrzehnt voller Erfolg für den Schutz der Heimat der Orang-Utans
© BOS Foundation/RHOI 2019 | SITI
RHOI (Restorasi Habitat Orangutan Indonesia) wurde von der BOS Foundation vor 10 Jahren mit dem Ziel gegründet, natürliche Waldgebiete zu sichern und so die Auswilderung von Borneo-Orang-Utans zu unterstützen. Seither ist viel passiert.
In den Rettungszentren in Ost- und Zentral-Kalimantan warteten in den Jahren zwischen 2002 und 2012 viele Orang-Utans lange auf eine Auswilderung. Es gab schlicht nicht genügend passende und sichere Waldgebiete, die sich für Auswilderungen eigneten. Vor dem Hintergrund dieser Umstände erfolgte schliesslich die Gründung von RHOI.
Mangel an sicheren Waldgebieten für Auswilderungen
Ein wichtiger, notwendiger Schritt. Denn die Orang-Utans, die Schutz in den BOS-Rettungsstationen finden, unterscheiden sich von ihren wilden Artgenossen. Viele wurden als Haustiere gehalten, wodurch ihnen die Chance genommen wurde, natürliche Verhaltensweisen und Instinkte zu entwickeln. Auf diese Tiere wartet ein langer Rehabilitationsprozess, um überlebenswichtige Fähigkeiten zu entwickeln – und dies ist die Voraussetzung für ein späteres Leben in Freiheit. Somit wird auch schnell klar: Orang-Utans können nicht in beliebige Waldgebiete ausgewildert werden.
Forschungsergebnisse zeigen, dass es nicht sinnvoll ist, Orang-Utans aus Rettungszentren in Gebiete auszuwildern, in denen bereits wilde Populationen vorkommen. Und während sich der natürliche Lebensraum von Orang-Utans vor allem in tiefergelegenen Wäldern befindet, so zeigt sich in Indonesien die Situation, dass noch vorhandene intakte Waldgebiete meistens in höheren Gebieten vorkommen. Aber dies sind noch lange nicht alle Herausforderungen, denen die BOS Foundation begegnet, wenn es darum geht, geeigneten Lebensraum für auszuwildernde Orang-Utans zu finden.
Dann, endlich: ein Lichtblick!
Dann, ein Jahr später – am 18. August 2010 – erhielt PT. RHOI vom Ministerium für Umwelt und Wald eine Lizenz ausgestellt. Diese erlaubte es der Organisation, 86'450 Hektaren Regenwald im östlichen Kutai-Distrikt in Ostkalimantan zu verwalten. Dieses grosse Waldgebiet bietet einen passenden und überdies geschützten und nachhaltigen Lebensraum für Orang-Utans – und das für die nächsten 60 Jahre. PT. RHOI benannte das Gebiet später in Kehje Sewen um. Dieser Name leitet sich aus der Sprache des Dayak-Stamms ab und heisst soviel wie «Ein Wald für Orang-Utans».
Aktuell ist RHOI im Bewerbungsprozess für eine weitere Lizenz für ein Grundstück in Zentralkalimantan, um damit der Überpopulation im BOS-Rettungszentrum in Nyaru Menteng entgegenzuwirken. Ebenfalls wird eine zusätzliche Lizenz im Gebiet von Kehje Sewen angestrebt, um mehr Raum für das Auswilderungsprogramm in Samboja Lestari in Ostkalimantan zur Verfügung zu haben.
10 Highlights: Das hat RHOI seit seiner Gründung vor 10 Jahren erreicht
1. Anzahl ausgewilderte Orang-Utans: 97
Seit der ersten Auswilderung im April 2012 wurden insgesamt 97 rehabilitierte Orang-Utans aus den Rettungszentren ins Gebiet Kehje Sewen ausgewildert. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | SITI)
2. Nachwuchs, der in freier Wildbahn aufwächstIn den letzten 10 Jahren kam PT. RHOI ihrem Ziel, eine neue, wilde Orang-Utan-Population zu erschaffen, immer näher. Mittlerweile lassen sich vier natürliche Geburten zählen: Louis, Ayu, Berani und Padma sind Orang-Utan-Babies, die von ihren Müttern in freier Wildbahn zur Welt gebracht wurden und ihr Leben seit Beginn im Regenwald verbringen dürfen.
3. Eine zweite Generation von wilden Orang-Utans
Im Jahr 2018 wurde ein viertes Orang-Utan-Baby im Kehje-Sewen-Wald geboren: Padma. Ihre Mutter, Sayang, kam 10 Jahre zuvor auf einer Pre-Release-Insel im BOS-Rettungszentrum zur Welt als Tochter von Yayang. Die Geburt von Tochter und Enkelin Padma markierte somit einen weiteren Meilenstein: eine zweite Generation von rehabilitierten Orang-Utans in Ostkalimantan. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | SITI)
4. Heimat für Hunderte Vogelarten
Der Kehje-Sewen-Regenwald bietet eine enorme Vielfalt an Fauna: So zeigen Daten aus den Post-Release-Monitorings, dass der Wald Heimat ist für geschätzt 190 verschiedene Vogelarten – einschliesslich für den vom Aussterben bedrohten Schildschnabel. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | Julian)
5. Schutzgebiet für bedrohte Säugetiere
Das Pangolin ist ein Schuppentiere und in seinem Bestand stark bedroht. Die indonesische Inselgruppe ist Heimat für etwa 700 einzigartige Säugetierarten. 47 davon findet man allein im Regenwald bei Kehje Sewen, wovon zwei besonders bedroht sind: der Orang-Utan und der Pangolin. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | LUY)
6. Wohlfühlzone für Reptilien
Die Viper ist eine Giftschlange, die auch in den Wäldern Borneos zu finden ist.
Das Post-Release-Monitoring-Team hat ebenfalls herausgefunden, dass der Wald bei Kehje Sewen von einer grossen Anzahl von Reptilien bewohnt wird. Einige der Spezies sind aktuell stark vom Aussterben bedroht, sollte der illegale Handel mit ihnen nicht gestoppt werden. Durch regelmässige intensive Überwachung wird vom Team ein nachhaltiger Langzeitschutz des Lebensraums für diese Tiere sichergestellt. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | RIZAL)
7. Welch blumige Vielfalt!
Die Nepenthes sp. gehört zur Familie der tropischen Schlauchpflanzengewächse.
Das BOS-Post-Release-Monitoring-Team sammelt nicht nur Daten über Tiere, sondern auch über die Flora. Dessen letzte durchgeführte Phänologiestudie weist darauf hin, dass aktuell 399 Pflanzenarten im Waldgebiet vorkommen. Die Macaranga pearsonii ist dabei die am meisten vorkommende Pflanze. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019)
8. Arbeit mit lokalen Gemeinden
Aktivitäten im Bereich Community Development gehören zum Engagement von RHOI ebenso dazu wie der Aufbau von Schutzgebieten für Tiere.
Das Engagement von PT. RHOI hört nicht beim Aufbau von sicheren Gebieten für Orang-Utans und andere Tiere auf. Die Organisation setzt sich auch für die Unterstützung von lokalen Gemeinden ein und bezieht diese in die Prozesse mit ein. Von den 40 Mitarbeitern bei RHOI sind ein Viertel lokale Einwohner. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019)
9. Der Aufbau neuer Infrastruktur
Die Kantine in Wahau ist eines der Gebäude, das die RHOI für ihre Mitarbeiter errichtet hat.
Um die the #OrangutanFreedom-Kampagne zu unterstützen, verbessert RHOI laufend die Einrichtungen und die Infrastruktur. So hat die Organisation beispielsweise erfolgreich zwei Camps gebaut, um die Post-Release-Monitoring-Teams zu beherbergen. Mittlerweile gibt es auch eine Zweigniederlassung in Samarinda, eine Kantine in Wahau und ein Logistikzentrum, um die Auswilderungsaktionen zu unterstützen. Die Bauten können zudem als temporäre Unterkünfte genutzt werden. Ein Bagger steht ebenfalls zur Verfügung, um Wege zu reparieren und in den Wald zu gelangen. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | YULIANI)
10. Forschung und Weiterentwicklung
Die wissenschaftliche Beobachtung der Natur spielt eine wichtige Rolle in der erfolgreichen Bewirtschaftung und Weiterentwicklung von Schutzgebieten.
Im Bereich der wissenschaftlichen Forschung und Entwicklung hat RHOI verschiedene Studenten und Doktoranden bei ihren Studien im Arbeitsgebiet um Kehje Sewen unterstützt. Ein Mitarbeiter hat überdies eine erfolgreiche wissenschaftliche Publikation über Vögel veröffentlicht. (Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | LARISSA)
Ein optimistischer Blick in die Zukunft – zusammen erreichen wir mehr!
Die RHOI wird in den nächsten Jahren weiteren, neuen Herausforderungen begegnen. Jedoch sieht das Team optimistisch in die Zukunft. Das oberste Ziel ihrer Arbeit, nach wie vor: den Orang-Utans ein schöneres, besseres Leben in Freiheit zu ermöglichen. Dazu wird die Organisation weiterhin eng mit der BOS Foundation und weiteren Partnern zusammenarbeiten. Herzliche Gratulation zum 10-Jahr-Jubiläum, liebe RHOI! Auf die Orang-Utans, auf die wunderschöne, farbige Vielfalt des Regenwalds!
(Bild: © BOS Foundation/RHOI 2019 | RERE)