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Tolstoj geizt nicht bösen Worten, wenn er die englischen Gäste im Luzerner Luxushotel «Schweizerhof» beschreibt:
«Wie überall in der Schweiz, bestand der grösste Teil der Tischgesellschaft aus Engländern; daher bestimmten den allgemeinen Ton der Table d'hote eine strenge Beachtung der gesetzlich anerkannten Anstandsregeln, eine Verschlossenheit, die nicht auf dem Stolz der Gäste, sondern auf dem Mangel eines Bedürfnisses, sich einander zu nähern, beruhte.»
Aber nicht nur die englischen Snobs erregten seinen Ärger, auch das Hotelpersonal, welches ihn in Begleitung eines Strassenmusikers kaum bedienen wollte:
«Der Kellner blickte uns lächelnd an und lief vorüber, ohne zu antworten. Der Oberkellner musterte die kleine schüchterne Gestalt des Sängers vom Kopf bis zu den Füssen und sagte dann mit strenger Miene dem Portier, er möchte uns in den Saal links geleiten. Dieser Saal war die Schwemme für gewöhnliches Volk.»
Den «Schweizerhof» gibt es heute noch, eine Schwemme für das gewöhnliche Volk aber nicht mehr. Das Hotel ist zwar noch immer ein 5-Sterne-Haus, es hat sich aber geöffnet. An Veranstaltungen wie zum Beispiel an der Luzerner Fasnacht oder am Blueballs-Festival geht in den historischen Sälen sogar richtig die Post ab. Die Gäste hätten sich geändert, sagt Hotelier Mike Hauser, «gehobene Gäste können sich genauso für klassische Musik interessieren wie für Rock’n‘Roll.»
Die Novelle «Luzern» ist im Original 1858 erschienen. Tolstoj legt seine eigenen Erlebnisse seiner Romanfigur, dem Fürsten Nechljudow in den Mund, der Hauptfigur des späten Romans «Auferstehung».
(Regionaljournal Sommerserie, 07:32 und 17:30 Uhr)
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Tolstoj besuchte Luzern im Juli 1857. Die Novelle findet man in Sammelbänden oder als einzelnes Buch.