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Seit ca. einem halben Jahr bin ich nun ein waschechter Vegetarier. Hätte man mir vor einem Jahr gesagt, dass ich mal gänzlich auf Fleisch verzichten werde, ich hätte laut gelacht und wahrscheinlich sogar eine hohe Wette abgeschlossen!
Geplant habe ich es nicht, Vegetarier zu werden. Doch ich bin ein Mensch, der stets versucht andere Meinungen ernst zu nehmen und der sie nicht einfach gleich als lächerlich abstempelt. So war das auch damals, als ich frisch mit Melanie zusammen gekommen bin. Sie hat mir ihre Gründe aufgezeigt, weshalb sie auf Fleisch verzichtet.
Ich war immer der Meinung, dass es der natürliche Lauf ist, dass Lebewesen einander fressen, um überleben zu können. Doch so wie es heute läuft, hat es kaum noch was damit zu tun, wie es die Natur vorgesehen hat. Tiere werden unter widrigen Umständen gezüchtet. Meist haben sie kaum Platz und alles andere als ein schönes Leben. Die Tiere werden heran gezüchtet, nur damit wir ein paar Minuten Genuss haben.
Weiter kommt hinzu, dass die Natur schwer belastet wird für die Verarbeitung von Fleisch. Es gibt etliche Beispiele, welche einem zu denken geben sollten. Da ist zum Beispiel die landwirtschaftliche Tierhaltung, welche für 18% aller Treibhausgase verantwortlich ist! Das ist mehr als es das Transportwesen verursacht. Weiter sei die Verdauung der Rinder erwähnt, welche grosse Mengen von Methan produziert. Methan trägt 23-mal stärker zur Erderwärmung bei, als CO2. Stickoxide, welche im Kot der Tiere vorhanden sind, tragen gar 296-mal stärker zur Erderwärmung bei. Bei der Produktion eines halben Kilos Rindfleisch entstehen soviele Klimagase, wie bei einer 35KM langen Fahrt mit einem Mittelklassewagen. Die gleiche Menge an Kartoffeln, als Vergleich, verursacht gerade mal soviele Klimagase, wie bei einer Fahrt von 0.6KM mit demselben Auto!
Zudem werden 80% der landwirtschaftlichen Flächen für die Nutztierhaltung „verschwendet“! Der Hauptteil des abgeholzten Regenwalds, wird für die Nutztierhaltung verwendet! Das Land wird entweder für den Anbau von Tierfutter, oder als Weideland benutzt. Das sind alles Fakten, die aus einer Untersuchung der UNO-Landwirtschaftsorganisation vom Jahre 2006 hervor gehen.
Vielleicht heisst es jetzt „ja… aber die Vegetarier machen auch Gebrauch von den Nutztieren, indem sie beispielsweise Milch trinken…!“ Das ist sicherlich richtig, nur braucht man im Vergleich zu Fleischessern nur die Hälfte des Bodens um einen Vegetarier zu ernähren. Gar nur einen Viertel davon braucht es für einen Veganer.
Alleine Grossbritannien könnte 250 Millionen Menschen mit rein pflanzlicher Kost ernähren.
Wie man sieht habe ich mich ausgiebig informiert über dieses Thema. Trotzdem, wollte ich anfangs nicht ganz auf Fleisch verzichten. Schliesslich gibt es neben Fleisch und Gemüse, von welchem ich kaum etwas gern habe, nicht mehr allzu viel Auswahl an Fressalien. Also habe ich mich vorerst dazu entschlossen, dann kein Fleisch mehr zu essen, wenn ich mit Melanie unterwegs bin. Doch ehe ich mich versah, ass ich gar kein Fleisch mehr. Und was mich doch sehr überrascht hatte, es fehlte mir gar nicht!
Ich habe in der Folge vieles ausprobiert. Da gibt es zum Beispiel die Délicorn-Linie von Coop, oder die Cuorn-Produkte der Migros. Gut, das Wenigste hat Ähnlichkeiten mit Fleisch, doch ich fand es anfangs eine absolut akzeptable Alternative. Später stellte ich jedoch fest, dass ich oftmals Bauchschmerzen bekam davon. Ich musste weiterschauen.
Da ich ein Kochmuffel bin, suchte ich natürlich nach etwas, das schnell geht. Bei den normalen Mikrowellengerichten gibt es aber leider kaum etwas für Vegetarier. Von 20 Produkten sind vielleicht etwa zwei bis drei ohne Fleisch. Da besteht meiner Meinung nach grosser Handlungsbedarf, oder sollte ich einfach meinen inneren Schweinehund überwinden und mir etwas kochen?!? Es darf spekuliert werden ;-).
Was ich jedoch absolut empfehlen kann, sind die délicorn Valess Produkte, welche Coop anbietet. Diese werden aus Milch hergestellt und haben erstaunliche Ähnlichkeit mit Fleischprodukten. In einem Test von Galileo konnte kein Passant den Unterschied erkennen!
Ich habe also die Erfahrung gemacht, dass man auch ohne Fleisch sehr gut leben kann. Zugegebenermassen habe ich immer mal wieder Lust auf ein Stück Salami oder auf Bü-Bü-Bündnerfleisch, doch es fällt mir überhaupt nicht schwer, darauf zu verzichten. Zudem habe ich viele neue Gerichte kennengelernt und habe nicht vor dem Probieren bereits abgewunken, zumindest in den meisten Fällen :-).
Ich empfehle jedem, eine Zeit lang zu versuchen ohne Fleisch aus zu kommen. Wer weiss, vielleicht merkt der Eint oder Andere, dass es gar nicht so schwer ist, darauf zu verzichten. Und wenn der Fleischkonsum auch nur schon reduziert werden kann, tut man der Umwelt bereits einen grossen Gefallen! Zudem gibt es viele Vegi-Kochbücher, aus denen man tolle vegetarische Gerichte zaubern kann. Aber schlussendlich muss natürlich jeder selber wissen, ob er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, Fleisch zu essen. Ich kann es nicht mehr!