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Die Basler SP-Grossrätin Kerstin Wenk regt in einem Vorstoss die Errichtung staatlicher Bodelle an. Ganz neu ist diese Idee nicht, denn im ausgehenden Mittelalter unterhielt die Stadt zeitweise zwei «Frauenhäuser», wie die Etablissements damals genannt wurden.
Prostitution war in Basel bereits im 13. Jahrhundert ziemlich weit verbreitet. Darauf deutet die 1230 erfolgte Gründung des Klosters St. Maria Magdalena beim Steinenberg hin. Dieser von den Dominikanern beaufsichtigte Orden hatte den Zweck, reuige Dirnen aufzunehmen. So richtig in Schwung kam die Prostitution mit dem Basler Konzil von 1431 bis 1449, das Basel über viele Jahre hinweg einen intensiven Besucherstrom und damit einen Aufschwung auf allen gewerblichen Gebieten bescherte.
Und es zeigt sich, dass die Zustände, die aktuell im Basler Rotlichtviertel einiges an Unruhe auslösen, keine Zeiterscheinung von heute sind. Schon im 15. Jahrhundert sollen sich Verantwortliche des Konzils über die «ungeordneten Verhältnisse im Dirnenwesen» beklagt haben, wie auf der Basiliensia-Website www.altbasel.ch (unter anderem mit Berufung auf die Geschichtswerke von Rudolf Wackernagel) nachzulesen ist.
Staatliche Bordelle
Aber anders als heute beschränkte sich der Kanton nicht darauf, grüne Striche mit originellen Piktogrammen auf die Strasse zu malen. Vielmehr kaufte der Rat der Stadt Basel 1432 in der Gegend um die Spalenvorstadt und den Leonhardsgraben zwei Liegenschaften, die er als Freuden- oder Frauenhäuser verpachtete. Auf dass «da die hüpschen fröwen in sitzen sollent», wie es damals hiess. Ob der Rat damit die «Verhältnisse» vollständig in ordentliche Bahnen zu lenken vermochte, darf aber bezweifelt werden. Denn in der Stadt dürften damals auch nicht institutionalisierte oder fahrende Dirnen tätig gewesen sein.
Der Lohn für ihre Liebsdienste soll astronomisch gewesen sein: Die Hetäre oder Edel-Prostituierte Lais von Corinth auf einem Gemälde von Hans Holbein d. J. (1526).
Nach dem Konzil erlebte Basel einen wirtschaftlichen Einbruch, unter dem auch die «offizielle» Prostitution zu leiden hatte. Aber nicht allzu lange. Denn mit dem Plan, 1460 eine Universität zu gründen, kümmerte sich der Rat erneut um eine umfassende, aber einigermassen geordnete Versorgung der zugereisten Menschen.
1459 erwarb der Rat in derselben Gegend am Stadtrand ein Haus, in dem unter Aufsicht eines «Frauenwirte»-Paars acht Prostituierte tätig gewesen sein sollen. Es handelte sich um das heute noch existierende Haus «zur Axt», in dem sich seit dem Jahr 2000 das Kinderbüro Basel befindet.
Ein gelber Kugelhut mit aufgenähten Spielwürfeln
Der Rat sorgte nicht nur dafür, dass die offiziellen Dirnen mehr oder weniger gut untergebracht waren, sondern auch dafür, dass sie finanziell nicht übermässig übers Ohr gehauen wurden. Bereits Ende des 14. Jahrhunderts gab es eine Regelung, dass «Frauenwirte» von den Prostituierten nicht mehr als ein Drittel ihres Honorars einziehen durften.
Auf der anderen Seite grenzte sie der Rat auch aus. Ab 1482 mussten sie kürzeste Kleidchen tragen, die nicht mehr als eine Spanne (also rund 20 Zentimeter) unter die Gürtellinie reichen durften. Aber nicht nur die Prostituierten wurden gekennzeichnet. Auch die Zuhälter, die sich wegen ihres oftmals ordentlichen Vermögens vornehme Kleidungsstücke leisten konnten, kamen nicht ungeschoren davon. Ihnen legte der Rat das Tragen eines gelben Kugelhuts mit drei aufgenähten Spielwürfeln auf.
Das mit den Miniröcken muss man den Prostituierten heute nicht mehr unter Strafandrohung auferlegen. Aber das mit den gelben Kugelhüten …?