Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/2018

162 Betrugsvorwürfe in Afghanistan
- Sonntag, 6. April 2014, 3:18 Uhr, aktualisiert um 14:19 Uhr
Die Präsidentenwahl in Afghanistan verlief erfolgreicher als erwartet. Nun werden die Stimmen ausgezählt – und Betrugsvorwürfe geprüft. Einer der Favoriten warnt bereits, er werde ein verfälschtes Ergebnis nicht akzeptieren.
Nach der international gelobten Präsidentenwahl in Afghanistan haben die Auszählung der Stimmen und die Prüfung der Betrugsbeschwerden begonnen. Die Stimmzettel würden aus den Provinzen in die Zentrale der Wahlkommission (IEC) gebracht, sagte ein IEC-Sprecher. Bei der Wahlbeschwerdekommission (ECC) gingen am Wahltag nach Angaben eines Sprecher 162 dokumentierte Beanstandungen wegen Betrugs oder anderer Unregelmässigkeiten ein.
Nach Schätzungen der IEC beteiligten sich am Samstag rund sieben Millionen der mehr als zwölf Millionen Wahlberechtigten an der Abstimmung. Bei der Wahl 2009 waren 5,8 Millionen Stimmen abgegeben worden, von denen 1,2 Millionen wegen Betrug für ungültig erklärt wurden. Die Wähler trotzten am Samstag Terrordrohungen der Taliban, denen es nicht gelang, die Abstimmung mit massenhaften Angriffen zu torpedieren. Die Wahl machte den Weg für die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte Afghanistans frei.
Präsident Hamid Karsai, der seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 regiert, durfte nach der Verfassung nicht erneut antreten. Acht Kandidaten bewarben sich um seine Nachfolge. Als Favoriten gelten die früheren Aussenminister Abdullah Abdullah und Salmai Rassul sowie Ex-Finanzminister Ashraf Ghani.
140 Anschläge
Abdullah und Ghani beklagten am Samstagabend Unregelmässigkeiten und Betrugsversuche und forderten die ECC zur Prüfung auf. Ghani sagte: «Ein verfälschtes Ergebnis ist für uns nicht akzeptabel.» Rassul sagte, er vertraue der Wahlkommission und werde deren Entscheidungen akzeptieren.
Sollte kein Bewerber eine absolute Mehrheit erhalten, ist für den 28. Mai eine Stichwahl vorgesehen. Erste offizielle vorläufige Teilergebnisse werden erst in den kommenden Tagen erwartet.
Nach Angaben des Geheimdienstes NDS gab es am Samstag deutlich weniger Angriffe als bei der Wahl 2009. Innenminister Umer Daudsai sagte nach Schliessung der Wahllokale am Samstagabend, in den 24 Stunden seit Freitagabend sei es zu 140 Angriffen und Anschlägen gekommen. Neun Polizisten, sieben Soldaten und vier Zivilisten seien ums Leben gekommen. Zudem seien 89 Taliban-Kämpfer getötet worden.
Obama: «Wichtiger Meilenstein»
US-Präsident Barack Obama würdigte die Wahl als «wichtigen Meilenstein» auf dem Weg des Landes in eine demokratische und eigenverantwortliche Zukunft. Die Wähler hätten «enthusiastisch» an der Abstimmung teilgenommen. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen gratulierte zu der «beeindruckenden Beteiligung». Die Vereinten Nationen nannten die hohe Wahlbeteiligung «bemerkenswert».
Die Wahl ist die letzte, bevor der Kampfeinsatz der Nato-geführten Schutztruppe Isaf in Afghanistan zum Jahresende ausläuft. Alle drei Favoriten haben angekündigt, im Falle eines Sieges das Sicherheitsabkommen mit den USA zu unterzeichnen, das Voraussetzung für einen kleineren Nato-Einsatz zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte von 2015 an ist. Karsai hatte die Unterschrift trotz Appellen aus dem In- und Ausland verweigert.
Sendungsbeiträge zu diesem Artikel
-
Wahltag in Afghanistan - Geisterstadt Kabul
Aus Echo der Zeit vom 5.4.2014
Obwohl Wahltag ist oder gerade weil Wahltag ist, stand das normale Leben in der afghanischen Hauptstadt Kabul still. Mit Bombenanschlägen und Angriffen hatten die Taliban im Vorfeld versucht die Stimmbevölkerung von den Urnen fernhalten. Die Menschen gingen trotzdem wählen.
Karin Wenger
-
Karin Wenger - Reise durch Afghanistan
Aus Rendez-vous vom 4.4.2014
In Afghanistan finden am Samstag Präsidenten-Wahlen statt. Um die Wahlen im Land selber zu erleben, ist SRF-Korrespondentin Karin Wenger seit gut zehn Tagen in Afghanistan unterwegs. Das Gespräch mit Urs Siegrist kommt aus der afghanischen Hauptstadt Kabul.
-
Wenig Hoffnung im Wahlkampf von Afghanistan
Aus Tagesschau vom 6.2.2014
Am 5. April wird in Afghanistan ein Präsident gewählt. Dieser soll das Land rüsten für die Zeit nach dem Abzug der internationalen Truppen. Damit das Land zu Frieden finden kann, muss eine Einigung mit der Taliban gefunden werden.
3 Kommentare
Kommentarfunktion deaktiviert
Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.