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Als Fatmata 16 Jahre alt war, wurde sie gegen ihren Willen mit einem älteren Mann verheiratet. Entschlossen, ihr Studium fortzusetzen und keine Kinderbraut und junge Mutter zu werden, meldete sie den Fall Plan International. Plan International führte Gespräche mit ihrer Familie, um die Ehe zu verhindern. Jetzt ist sie 19 und will an der Universität studieren, um Anwältin zu werden, damit sie sich für die Rechte anderer Mädchen in ähnlichen Situationen einsetzen kann.
Der Tag hatte für die 16-jährige Fatmata, die im ländlichen Süden Sierra Leones lebt, wie jeder andere Tag begonnen. An diesem Morgen war sie zur Schule gegangen und hatte Spass am Unterricht. Dann lief sie mit Freunden nach Hause, plauderte, lachte und sie übten zusammen Seilspringen.
Zu Hause angekommen, begrüsste sie ihre Tante, die vor ihrem Haus in ihrem üblichen Stuhl sass. Sie tauschten Grüsse aus, obwohl ihre Tante nicht so herzlich war wie sonst. Sie murmelte, was im Gegensatz zu ihrer typischen gesprächigen Art stand.
Fatmata ging ins Haus, um ihre Schultasche wegzuräumen und ihre Kleidung zu wechseln. Sie begann, ihre Hausarbeiten zu erledigen, wurde aber unterbrochen, als ihre Tante sie rief und sie bat, sich zu setzen. Sie bemerkte eine seltsame Atmosphäre im Haus und fragte sich, was geschehen war. War jemand aus der Familie gestorben? Hatte sie in der Schule einen Fehler gemacht?
Die Hiobsbotschaft
Ihre Tante sprach zu ihr ohne Blickkontakt. "Fatmata, kennst du Herrn Ali? Er hat deine Mitgift bezahlt, und bald wirst du als seine Frau bei ihm sein. Fang an, dich vorzubereiten." Die Nachricht war kurz, präzise und schien schlüssig.
"Ich war schockiert. Ich fing an zu weinen. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte", erklärt Fatmata. "Ich fragte mich, ob ich ablehnen sollte. Stand das überhaupt zur Diskussion? Wie bald sollte ich verheiratet werden?"
Fatmata hatte von ähnlichen Geschichten gehört, in denen sich das Leben von Mädchen in einem Augenblick veränderte. Aber sie hätte sich nie vorstellen können, dass sie sich eines Tages in der gleichen misslichen Lage befinden würde.
An diesem Abend grübelte sie über ihr Schicksal nach, während sie ihre Hausaufgaben erledigte. Sie dachte an ihre Freunde, die früh verheiratet worden waren, und fragte sich, ob sie wieder zur Schule gehen oder mit ihren Freunden spielen dürfte?
Sie hatte schon länger davon geträumt, Anwältin zu werden. Doch dieser Traum wurde langsam durch den Gedanken daran ersetzt, Ehefrau und Mutter zu sein. Viele Male hatte sie vor ihrem Spiegel gestanden und geprobt, wie es wäre, in einem Gerichtssaal einen Mandanten zu verteidigen. Als sie sich an diesem Abend im Spiegel anschaute, sah sie darin keine Anwältin mehr.
Ein fester Entschluss
Unfähig zu schlafen, begann Fatmata darüber nachzudenken, was sie tun könnte, um ihre Ehe zu verhindern. Am Morgen herrschte immer noch eine unangenehme Stille im Haus, aber Fatmata ignorierte sie. Sie duschte, zog ihre Schuluniform an und frühstückte wie gewohnt. Sie nahm ihre Schultasche und verabschiedete sie sich von ihrer Tante. Diese versuchte nicht, sie aufzuhalten.
"Vielleicht war meine Tante der Meinung, es sei in Ordnung, dass ich zur Schule gehe, da die Hochzeitsfeier noch in Planung war. Vielleicht hatte sie ein schlechtes Gewissen und keinen Mut, mich aufzuhalten", erinnert sie sich an diesen Morgen.
Fatmata hatte im Versteckten ein paar Kleider und andere persönliche Dinge in ihre Schultasche gepackt. Sie hatte beschlossen, dass sie Herrn Ali nicht heiraten würde und stattdessen von zu Hause weglaufen würde. Sie war entschlossen, irgendwo hinzugehen, wo ihre Tante oder ihr zukünftiger Ehemann sie nicht finden konnten.
Es war schwer, ihre Tante zu verlassen. Sie hatte sich um Fatmata gekümmert, seit ihre Mutter sie verlassen hatte, als sie fünf Jahre alt war. Ihr Vater war gestorben, als sie noch ein Baby war. Obwohl sie ihre Tante liebte, wusste sie, dass ihre Zukunft wichtiger war.
Fatmata beschloss, zu einer Freundin zu gehen, die ebenfalls in jungen Jahren gegen ihren Willen verheiratet worden war. Glücklicherweise hatte ihre Freundin von Plan International gehört und von der Unterstützung, die die Organisation Mädchen bietet, die von Zwangsverheiratung betroffen sind. Die Mädchen machten sich auf den Weg zum Büro von Plan International und meldeten den Fall.
Hilfe finden
"Zu uns kommen viele Mädchen, die zur Kinderheirat gedrängt werden, und auch solche, die bereits verheiratet sind und Hilfe brauchen. Wir haben mehrere Menschenrechtsclubs in den Gemeinden gegründet, um Kinderheirat aus der Perspektive der Rechte zu diskutieren. Die Mädchen und Jungen in diesen Menschenrechtsclubs fungieren auch als Mentor*innen für andere Kinder in der Gemeinde und dienen auch als Vorbilder", erklärt Evariste Sindayigaya, Landesdirektor von Plan International in Sierra Leone.
Plan International unterstützt auch gemeindebasierte Kinderschutzmechanismen wie Kinderschutzkomitees und dörfliche Wohlfahrtskomitees, die Strategien zur Bekämpfung von Kinderheirat in ihren Gemeinden entwickeln und Mädchen unterstützen, die verheiratet werden sollen oder bereits zwangsverheiratet wurden.
Zunächst war Fatmatas Familie wütend, als sie erfuhr, dass sie weggelaufen war und die Hilfe von Plan International in Anspruch genommen hatte. Erschwerend kam hinzu, dass ihre Familie bereits ihre Mitgift von Herrn Ali erhalten hatte.
"Dass sie die Mitgift zurückgeben mussten, war die letzte Sorge in meinem Kopf. Ich habe nicht einmal gefragt, wie viel Mitgift gezahlt worden war. Ich weiss nur, dass es ein Dilemma gab, dass sie eine Mitgift erhalten hatten und ich nicht da war, um als Ehefrau übergeben zu werden", sagt Fatmata.
Fatmata wurde an eine Hilfsstelle verwiesen, die sie beriet und ihr eine Versöhnung mit ihrer Familie ermöglichte. Sie erzählte ihnen, dass sie eines Tages heiraten wird, nur jetzt noch nicht: "Alles hat seine Zeit. Die Ehe hatte für mich mit 16 Jahren keinen Platz."
Jetzt, mit 19 Jahren, geht Fatmata wieder zur Schule und wird bald ihr Examen ablegen. Sie will an die Universität gehen und Jura studieren. "Mädchen in meinem Land sind vielen Ungerechtigkeiten ausgesetzt. Eines Tages werde ich sie vor Gericht vertreten. Ich werde ihnen Hoffnung geben. Es mag schwierig sein, aber wenn ich meiner Zwangsheirat entkommen kann, dann können das andere auch ", sagt sie entschlossen.