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Das Tourettesyndrom wurde oft mit Antipsychotikum behandelt, was jedoch mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden ist und die Kinder demzufolge sehr beeinträchtigt. Deshalb ist eine effektive nichtmedikamentöse Therapie für Kinder ein zentraler Behandlungspunkt. Die Verfasser betonen, dass Verhaltens- und Lernprozesse eine Rolle spielen bei dem Schweregrad der Tics, dies jedoch nicht heisst, dass Tics eine völlig psychologische Ursache haben oder das die Betroffenen diese willentlich unterdrücken können.
Triebankündigung
Das Tourettesyndrom ist eine neurologische Beschwerde mit Auftritt in der Kindheit. Sie ist gekennzeichnet durch motorische und sprachliche Tics, welche in funktionalen Beeinträchtigungen und sozialer Isolation enden können. Tics sind kurze schnelle Bewegungen wie z.B. Blinzeln, Grimassen oder sprachlich z.B. Geräusper und Grunzen. Früher wurde solchen Patienten zugeschrieben, sie können nicht über ihre Triebe herrschen. In den 60er und 70er Jahren wurde dann eine rein biologische Sichtweise gepflegt und jegliche Bestrebungen den Kindern im Umgang mit ihren Tics zu helfen wurden verpönt.
Patienten berichten häufig darüber, dass der Tic eine Antwort auf einen vorgängigen Trieb oder ein Ereignis sei, welches als unangenehm wahrgenommen wurde. Eines der Ziele in der Herangehensweise von umfassender Verhaltenstherapie für Tics (comprehensive behavioral therapy for tics =CBIT) ist nicht die Tics zu eliminieren, sondern den Kindern zu lehren, wie sie mit den Trieben umgehen können, damit sie nicht so oft oder derart intensive Tics haben. CBIT basiert auf Trainings, welche zum Ziel haben Gewohnheiten zu verändern. Das Kind soll über die Tic auslösenden Triebe Bescheid wissen und Methoden z.B. gegen die Vokalisierung finden durch Konzentration auf die Bauchatmung. Ein grosser Vorteil dieser Therapie ist, dass die Kinder und ihre Eltern Fähigkeiten lernen, die sie auch nach dem Kurs anwenden können. Deshalb berichten viele Therapieteilnehmer ermächtigt zu sein in Bezug auf die Behandlung. Sie seien froh darüber Instrumente zu kennen und anwenden zu können, welche ihnen in Bewältigungssituationen, zur Problemlösung oder bei Stress, etc. helfen.
Studienschwerpunkte
- In dieser RCT wurden 126 Kindern zwischen neun und 17 jährig mit Tourettesyndrom oder chronischer Tic-Krankheit als primäre Diagnose randomisiert in acht Sitzungen Verhaltenstherapie (CBIT) während zehn Wochen (n=61) oder zu unterstützender Therapie und Schulung (n=65) zugeteilt.
- Als primäre Komponente von CBIT galt das Training der Gewohnheitsänderungen. Zusätzlich wurden die Patienten eingeführt ins Entspannungstraining und in funktionale Interventionen um Situationen zu erkennen, die Tics auslösen oder verschlimmern können.
- Die Resultate zeigten, dass Verhaltensinterventionen zu einem signifikant grösseren Abfall der Yale Global Tic Severity Scale (YGTS) führte, als die Kontrollmassnahmen. CBIT ist deshalb der Kontrollmassnahme signifikant überlegen. Die YGTS beurteilt den Gesamtschweregrad von Ticsymptomen hinsichtlich einer Reihe von Dimensionen z.B. Anzahl, Frequenz oder Intensität.
- Auch bei der Messung durch die Clinical Global Impressions Improvement Scale waren die Werte der Verhaltensintervention signifikant besser. Diese Skala zeigt auf, wie sich die Krankheit seit einem Basispunkt z.B. zu Beginn der Intervention verändert hat.
- Ausserdem zeigte sich, dass die Therapieresultate anhaltend waren und 87% der Personen der CBIT-Gruppe noch nach sechs Monaten einen Vorteil oder Nutzen sahen.
Verwendete Quelle
Originaltext über Medscape (Login erforderlich, Registrierung kostenlos möglich) Artikel: Children With Tourette's Syndrome and Chronic Tic Disorders Respond to Behavioral Therapy >>