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Die Geschichte des Kehlhofs zu Ermatingen
Pfarrer Dr. Gebhard Hürlimann

Öffnungen vom 14. Jahrhundert und von 1518
Seit dem 14. Jahrhundert (21. 2. 1347) wird vom Kelnhof zu Ermatingen in den Urkunden berichtet. So verkauft Diethelm, der Schenk von Salenstein, dem Abt Eberhard von Reichenau das Meieramt und die Vogtei zu Ermatingen um 246 Gulden. Der Maier war der Verwalter der Güter und der Vogt richtete im Kehlhof. Am 24. Mai 1373 wird der Kelnhof zu Ermatingen ausdrücklich erwähnt. Abt Eberhard von Reichenau verpfändet der Frau Elisabeth in der Bund um 3'000 Florene Dorf und Leute zu Mannebach, Ermatingen, Salenstein und Triboltingen, ohne die Leute, die in den Kelnhof zu Ermatingen gehören.
Dieser (jetzige) Kehlhof wurde 1672 gebaut.
Er besitzt die Gerichtsstube. In ihr haben die Gerichtsherren über die Vergehen, die nicht ans Blut gingen, richten können.
Um das Gerichtsherrschaftswesen erfassen zu können, muss man auf das Haus als Kern der Herrschaft zurückgehen. Organisatorischer Mittelpunkt und rechtliches Bezugszentrum ist das Haus des Herrn. Das Haus ist Sonderfriedensbezirk, ist immun, ist eine "Freiung". In seine Sphäre kann nur ein Land eingreifen, wenn von diesem Hause aus Unrecht geschieht. Darum hatten wir im Thurgau so viele Freisitze. Ein Freisitz ist Voraussetzung für die Inkorporation in den Gerichtsherrenstand. Ein Freisitz ist landesunmittelbar, darum entsteht im Hause eine Gerichtsgewalt, denn nach germanischem Recht haftet der Herr für seine Leute. Der Besitzer eines freien Hauses kann auch Grundherr sein, wenn er Bauern besitzt, die zu ihm gehören, die er schützt und die dafür für ihn Landdienst leisten. In dieser Bindung liegt dieWurzel der

Grundherrlichkeit. Gerichtsherrschaften sind das rechtlich intensivste Gebilde des Mittelalters. Seit der Zeit der. Alemannen finden wir so etwas wie Gerichtsherren. Die Gerichtsherrschaft war oft sehr klein. Einer besass vielleicht einige Häuser oder ein Dorf. Doch besass er alle wichtigen Rechte, die heute zum Wesen staatlicher Gewalt gehören: Twing und Bann - das heisst das Recht, Gebote und Verbote zu erlassen - die gesamte Zivilgerichtsbarkeit von heute und die Befugnis, von allen Gerichtsinsassen Abgaben, Fronden und Kriegsdienst zu verlangen. Gerichtsherren sind etwas wie Bezirksgerichtspräsidenten von heute. Dazu aber sind sie auch Grundbuchverwalter und Notar; alle Käufe und Täusche, das Vormundschaftswesen usw. unterstehen ihnen. Oft sind sie Kirchvorsteher, die das Recht besitzen, Pfarrer einzusetzen. Ihnen unterliegt das Strassenwesen, die Armenpflege und ein Teil des Mililitärwesens. Auch wachen sie über Jagd-und Fischerei.
Im Thurgau gab es 1798 etwa 130 Gerichtsherrschaften.
Als 1460 die Eidgenossen den Thurgau eroberten, liessen sie diese Einrichtung bestehen. Sie übten nur die Landesherrenrechte wie die Habsburger und Kyburger aus. Über Mord und Todschlag urteilte der Landvogt zu Frauenfeld. Auch wollte der Landvogt einen Teil der Bussen, die Gerichtsherren eintrieben. Die Bürger konnten gegen die Gerichtsherren an Frauenfeld appellieren.
Die Bilder (in der Gerichtsstube) wollen dem Richter die Tugenden eines Richters anhand biblischer Vorbilder vor Augen führen - oder die Schwächen des Menschen seit dem Sündenfall. -