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Wird das Bankenproblem überschätzt?
Der Blog FT Alphaville hat einen interessanten Beitrag, der möglicherweise die herkömmliche Beschreibung der Eurokrise stark korrigieren wird.
Meist wird davon ausgegangen, dass die schleppende Erholung Europas von einem beschädigten Bankensystem mit verursacht wird. Die Banken hätten zu wenig Kapital, weswegen sie kaum mehr Kredite geben würden. Damit verbunden ist ein Vorwurf an die europäischen Politiker: Sie hätten zu lange gezögert, die Banken zu sanieren. Anders als in den USA, wo die Grossbanken zu einer Staatsbeteiligung gezwungen worden waren (Tarp), hätten die europäischen Politiker aus falscher Rücksicht nichts unternommen.
Die Vorstellung, dass das Bankensystem verstopft sei und den Aufschwung bremse, hat auch einige Programme der Europäischen Zentralbank (EZB) angestossen (insbesondere LTRO). Das Quantitative Easing, das seit Anfang 2015 läuft, hat ebenfalls das Ziel, die Banken zu mehr Kreditwachstum anzustossen.
FT Alphaville zeigt eine Reihe von Grafiken, die darauf hindeuten, dass das Kreditangebot viel weniger problematisch ist, als wir geglaubt haben. Wir beschränken uns auf zwei Grafiken.
Die erste Grafik relativiert die Behauptung, dass es einen grossen Unterschied zwischen den USA und der Eurozone (EA) gebe. Verglichen wird die Entwicklung der realen Investitionen (privat und öffentlich) über die letzten zehn Jahre. Es zeigt sich, dass über den gesamten Zyklus betrachtet die Investitionstätigkeit in beiden Währungsräumen etwa dieselbe ist.
Deutlich wird auch, wie irreführend es ist, 2009 als Ausgangspunkt zu wählen, wie das einige Analysten getan haben. Es blendet aus, dass die USA 2007–08 einen starken Einbruch erlebt haben.
Die zweite Grafik zeigt, dass die Nachfrage nach Kredit der wichtige Treiber für die Schwankungen war, nicht das Angebot. Verglichen werden die Kreditbedingungen der Banken mit der Nachfrage nach Bankkrediten. Es zeigt sich, dass diese Kurven in etwa parallel verlaufen. Das heisst, dass die Nachfrage die Kreditvergabe bestimmte, nicht umgekehrt. Oder anders formuliert: Der Konjunkturzyklus bestimmte die Kreditvergabe – wie in normalen Zeiten vor der Finanz- und der Eurokrise.
Die dunkle Kurve (tightening lending standards) muss von der linken Y-Achse her gelesen werden: Je höher der Prozentsatz, desto restriktiver ist die Kreditvergabe). Die helle Kurve ist mit der linken Y-Achse verbunden: Je höher und negativer der Prozentsatz, desto geringer ist die Kreditnachfrage.
Natürlich liefern die Grafiken keinen wasserdichten Beweis. Aber sie vermitteln ein klares Misstrauensvotum gegen die These, dass das Kreditangebot ein grosses Problem sei. Entsprechend sollte man vom Quantitative Easing der EZB kein Wunder erwarten. Die Hauptwirkung ist die Schwächung des Euro. Das hilft, löst aber die Grundprobleme der Währungsunion nicht.