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Architektur
Die wesentlichen Grundprinzipien der Baustatik
"Die Statik ist ein Gebiet, das in jeder Beziehung folgerichtig aufgebaut ist und in das man sich am besten vom Einfachen zum Schwierigen fortschreitend einarbeitet."
Diesem Zitat (Seite 1) folgend, haben bereits vor Jahrzehnten Schulze et al. mit der "Kleinen Baustatik" ein erfolgreiches Einführungsbuch in die wesentlichen statischen Grundkenntnisse und Berechnungskonzepte geschaffen. Allerdings ist dieses Lehrbuch im Laufe der Zeit allmählich in die Jahre gekommen und eine grundlegende Überarbeitung überfällig geworden, insbesondere, da in den letzten Jahren fast alle für die Statik erforderlichen Normen überarbeitet wurden und damit neue Bemessungskonzepte und Bezeichnungen entstanden sind.
Bereits in der 13. Auflage 2005 ist die "Kleine Baustatik" von Krings / Wanner den aktuellen statischen Normen und damit den neuen Sicherheits- und Berechnungskonzepten angepasst worden. So wurden 2005 die Nachweise für Baustahl, Stahlbeton, Beton, Mauerwerk und Holz auf das neue Sicherheitskonzept umgestellt.
Neu überarbeitet und den aktuellen Normenentwürfen angepasst sind in dieser 14. Auflage (2009) die Lastannahmen für Schnee und Wind und der Knicknachweis für Wände aus Mauerwerk.
Das mittlerweile in der 14. Auflage erschienene Buch ist ein didaktisch geschickt aufgebautes Einführungsbuch, das im Anhang auch die für die Berechnungen notwendigen Daten bereithält und das keinerlei Vorkenntnisse voraussetzt. So werden z.B. im Tabellenanhang Winkelfunktionen erklärt oder findet sich im rückseitigen Klappentext sogar ein Verzeichnis griechischer Buchstaben.
Beginnend mit der Erklärung, was eine Kraft ist, wird gezeigt, wie man Lasten erkennt und berechnet, und Sinn und Funktion eines Sicherheitskonzepts dargestellt. Anhand angewandter Beispiele wird der Leser allmählich von einfachen Berechnungen wie die Fundamentgröße über die Berechnung des Mauerquerschnitts, der Balkenbemessung bis zu etwas aufwendigeren Berechnungen von Dachsparren mit Schnee- und Windlast geführt. Die theoretischen Grundlagen sind beinahe immer im angewandten Zusammenhang und damit "notwendigerweise" und meist recht zurückhaltend dargestellt. Außerdem sind jedem Kapitel Übungen angegliedert, so dass die theoretischen Grundlagen gerade über die Anwendung gelernt werden. (Die Lösungen sind im Anhang.) Im Anhang befinden sich außerdem die notwendigen Tabellen mit Auszügen aus den aktuellen DIN-Normen, so dass mit Ausnahme von Stahlbetonstützen die wesentlichsten baustatischen Berechnungen eines Einfamilienhauses - um ein Beispiel zu nennen - ohne zusätzliche Hilfsmittel möglich sind.
Durch die (wiederholte) Überarbeitung haben sich leider ein paar logische Brüche eingeschlichen.
So wird in Kapitel 2 - nachdem der Leser gerade mal Kräfte und das Berechnen von Lasten kennen gelernt hat - ein Nachweis mit dem globalen Sicherheitskonzept bzw. dem Teilsicherheitskonzept vorgerechnet, ein Verfahren, das erst auf Seite 72ff. eingeführt wird und das der Lernende nur nachvollziehen kann, wenn er es bereits kennt. Gleichzeitig werden dabei Begriffe wie Lastspannung σ (wird erst in Kapitel 3 eingeführt), oder Kürzel wie βR oder γ verwendet, aber nicht erklärt.
Des Weiteren wird der Buchstabe γ als Kürzel für zwei verschiedene Bezeichnungen verwendet: Auf den Seiten 11 und 55 und in den Tabellen 10.21-23 für Wichte und ab Seite 14 für den Teilsicherheitsbeiwert.
Oder auf den Seiten 71/72 wird für die Balkenbemessung die Berechnung des Widerstandsmomentes und des zulässigen Biegemomentes mit dem früher üblichen Verfahren dargestellt. Insbesondere wird der Unterschied zwischen der Biegespannung σ und der charakteristischen Festigkeit fk (bzw. Bemessungsfestigkeit fd) nicht klar dargestellt. Dasselbe gilt für Biegungsmoment M und Bemessungsmoment Md. Außerdem steht im letzten Abschnitt: "Da in den Tabellen σ in N/mm2 und … angegeben sind…" in den Tabellen ist aber kein σ mehr zu finden, da letztere aktualisiert und σ durch fk ersetzt wurden. Lediglich ein Nachsatz ("Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass dieser Nachweis für das Bemessungsmoment Md und für die … so genannte Festigkeit fd erfolgt, siehe Kapitel 2.2.") weist darauf hin, dass diese Darstellung des Bemessungsnachweises überholt ist. Zusammenfassend bleibt der Eindruck, dass es vorteilhaft wäre, dieses Kapitel für die nächste Auflage zu überarbeiten.
In Kapitel 5.7.4. wird die Berechnung des gefährdeten Querschnitts von Balken auf zwei Stützen mit Kragarm nur am Rande und nur mit Einzellasten dargestellt und das Schwergewicht auf die grafische Lösung des Problems gelegt. Die grafische Lösung mag für das Verständnis der Problematik hilfreich sein, der Verzicht auf die Darstellung der (etwas komplizierteren) Berechnung mit Flächenlasten in Kragarm und Feld ist jedoch, zumindest seit der Verbreitung des Computers, nicht mehr sinnvoll, da dadurch die Bemaßung von Dachsparren - um nur ein Beispiel zu nennen - nur durch Rückgriff auf grafische Hilfsmittel beziehungsweise nur durch die eigenständige Ableitung durch den Leser (aus der Berechnung von Kapitel 5.7.2, Seite 83) möglich ist.
Ferner soll bei der Übung 44, Seite 90, ein Träger aus Baustahl S 355 berechnet werden. Von Baustahl S 355 gibt es im Anhang allerdings keine Tabellen, das heißt, dass diese Berechnungen ohne zusätzliche Hilfsmittel nicht möglich sind. Dasselbe gilt auch für Übung 78. In den Lösungen der Übungen wird dann ein Träger S 235 angegeben, der, da das Widerstandsmoment mit der Bemessungsfestigkeit des höherwertigen Stahls gerechnet wurde zu einer Überlastung des Trägers führt! Möglicherweise beruht dieser Irrtum nur auf einem Tippfehler, allerdings sind die zahlreichen Tipp- und Umbruchfehler - vor allem im Anhang - recht lästig und hätten sich durch Korrekturlesen, z.B. durch Studenten, leicht vermeiden lassen.
Vermisst wird bei den Tabellen im Anhang eine Tabelle über runde, quadratische und rechteckige Stahlrohre S 235, die zum Beispiel für die Bemessung von runden Stützen aus Baustahl notwendig wären.
Als letzter Punkt wäre noch zu erwähnen, dass im Text und einem Großteil der Tabellen für alle Lasten, Kräfte usw. die Dimension Newton verwendet wird. In den Tabellen 10.24-31, 10.34 und 10.38 wird jedoch das Gewicht G in Kilogramm pro Meter angegeben, leider ohne dem Leser den Zusammenhang bzw. die Umrechnung von Kilogramm in Newton zu erläutern.
Trotz der Mängel handelt es sich bei der "kleinen Baustatik" um ein knappes, handliches und intelligent gemachtes Buch, das Interessierten auch ohne Vorbildung eine leicht zugängliche und recht umfassende Einführung in die wesentlichen Grundprinzipien der Baustatik bietet. In dem Sinne:
"Was sich leicht lesen lässt, hat sich nur selten auch so schreiben lassen." (Alain de Botton)