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Die 1990er-Jahre sind alles andere als einfach für Königin Elizabeth II. Dem Land geht es schlecht, die Rezession plagt die Bürger. Auch der Zerfall der Sowjetunion und die Übergabe ihrer Kronkolonie Hongkong an China fordern die Queen, die seit 40 Jahren regiert.
Doch am meisten Sorgen bereitet ihr die Familie. Sohn Andrew lässt sich von Fergie scheiden, Tochter Anne will ihren Stallmeister ehelichen, und Schwester Margaret trauert ihrer alten Liebe Peter Townsend hinterher. Dass ihr grösstes Problem allerdings Schwiegertochter Diana werden würde, ahnt sie zu Beginn des Jahrzehnts noch nicht.
Für die fünfte Staffel von «The Crown» wurde die Besetzung – wie immer nach zwei Staffeln – erneuert. Showrunner Peter Morgan räumt jeder Figur viel Raum ein und nimmt sich Zeit, deren persönliche Geschichten detailliert zu erzählen.
Allen voran jene der Queen (Imelda Staunton): Die Regentin hadert mit der Moderne, was sich besonders schön zeigt, als Enkel William ihr einen neuen Fernseher mit zig Sendern aufschwatzt, obwohl sie doch nur «ihre BBC» schauen möchte. Oder höchstens noch den Race-Channel, der Pferderennen überträgt.
Ehegatte Philip (Jonathan Pryce) entdeckt derweil seine Leidenschaft fürs Kutschenfahren, erforscht seine Wurzeln und die orthodoxe Kirche.
Ihr Ältester, Prinz Charles (Dominic West), sieht in der Monarchiemüdigkeit im Volk seine grosse Chance, schwört auf Fortschrittlichkeit und weibelt beim Premier John Major für seine Interessen. Doch sein unterschwelliges Verlangen nach einer vorzeitigen Übergabe der Krone kompromittiert er gleich selber: Seine Ehe mit Diana (Elizabeth Debicki) ist längst am Ende – er vergnügt sich mit Camilla Parker Bowles. Doch das Volk liebt nur eine: Diana.
Als 1993 ein intimes Telefongespräch mit Camilla in den Medien breitgetreten wird («Tampongate»), sinkt Charles’ Popularität noch rasanter. Diana, die sich von der Königsfamilie isoliert und im Stich gelassen fühlt, demonstriert ihre Ohnmacht im legendären BBC-Interview mit dem Journalisten Martin Bashir.
Fans der Royals, aber auch solche, die es nie werden wollten, kommen in Season 5 wieder voll auf ihre Kosten. Besonders reizvoll sind jene Momente, mit denen man nicht gerechnet hat: So werden in einem umfangreichen Kapitel Werdegang und Aufstieg des Unternehmers Mohamed Al-Fayed und seines Sohnes Dodi erzählt, deren Geschichte in Staffel 6 fortgesetzt wird.
Nein, es ist keine reine Diana-Staffel. Der Figur der Prinzessin von Wales wird gleich viel Platz wie den andern eingeräumt, aber Diana hat klar mehr Strahlkraft als andere Royals.
Am meisten brilliert die Queen selbst: Selten hat jemand mit durchgedrücktem Kreuz, stoischer Miene und wässrigen Augen so tiefen Gram und Kummer ausgedrückt wie Imelda Staunton.
Netflix | Dramaserie | 5. Staffel
Mit Imelda Staunton, Elizabeth Debicki, Dominic West
GB 2022, ab 9. November 2022