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Filmverführung
Das filmische Werk von David Bowie.
Am 10. Januar dieses Jahres, keine zwei Wochen nach dem Tod eines anderen legendären Rock’n’Rollers (Lemmy Kilmister, Motörhead), raffte der Schnitter den Ausnahmekünstler David Robert Jones hinweg. So wie dieser seinen Namen in David Bowie änderte, um nicht mit Davy Jones von den Monkees verwechselt zu werden, so war auch sein Aussehen und sein Image von ständigen Wechseln geprägt. Über seine Musik sollten besser Andere schreiben, wir wollen hier nur einige seiner Filme beleuchten.
Bowie war schwer kokainsüchtig, als er 1975 die Titelrolle in Nicolas Roegs «Der Mann, der vom Himmel fiel» übernahm – und obwohl er eigentlich nur sich selbst spielte, gilt der Streifen bis heute als seine beste Schauspielleistung. Seine Darstellung des Aliens auf der Suche nach Wasser für seinen ausgedörrten Heimatplaneten weiss noch heute zu berühren, und wenn am Ende alle Hoffnung dahin ist, der Ausserirdische seiner Illusionen beraubt ist, weggesperrt und verbittert, dann klagt der Film die Chancenlosigkeit des Individuums in der Masse an.
1979 folgte der bei Publikum und Kritik gleichermassen erfolglose deutsche Streifen «Schöner Gigolo, armer Gigolo» nach Erich Kästners Roman «Fabian», bemerkenswert, weil Bowie hier mit Legenden wie Marlene Dietrich (in ihrer letzten Filmrolle) und Maria Schell agieren durfte. In «Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» ist Bowie 1981 in einem Konzert zu sehen. Sein in mehreren Sprachen veröffentlichter Song «Heroes» ist bis heute untrennbar mit dem Berliner Drogendrama verbunden.
«Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence» des japanischen Skandalregisseurs Nagisa Oshima («Im Reich der Sinne») gab Bowie 1983 die Gelegenheit, an der Seite des Musikers Ryuichi Sakamoto zu spielen. Das kontroverse Drama über britische Soldaten in japanischer Kriegsgefangenschaft wurde nicht zu Unrecht mit «Die Brücke am Kwai» verglichen. In einem frühen Auftritt ist der hochgeschätzte Schauspieler, Regisseur, Autor, Showmaster, Maler und Komödiant Takeshi Kitano zu sehen.
Wer schon immer vermutet hat, dass DAVID BOWIE EIN VAMPIR WAR, findet dies in «Begierde» (1983) bestätigt.
Im selben Jahre erschien auch der wunderbare, von Kinodebütant Tony Scott («True Romance», «Top Gun») gedrehte Vampirfilm «Begierde». Catherine Deneuve und Bowie geben ein Paar, das menschliches Blut braucht, um sein ewiges Leben zu sichern. So begibt man sich in einen New-Wave-Schuppen (passenderweise spielen dort «Bauhaus» grade ihr «Bela Lugosi’s Dead»), auf der Suche nach einem partnertauschwilligen Pärchen, zwecks vorzeitiger Entleibung und Schächtung.
Jedoch setzen bei Bowies Figur John schon bald Alterungserscheinungen ein, er vergreist zusehends und sucht Hilfe bei Gerontologin Sarah (Susan Sarandon). Letztendlich bleibt für den untoten John nur ein Sarg auf einem staubigen Dachboden, er teilt das Schicksal seiner Vorgänger. Seine jahrtausendealte vampirische Geliebte jedoch ist bereits auf der Suche nach adäquatem Ersatz …
Bowies letzte grosse Rolle war 1986 die des Königs der Kobolde in Jim Hensons «Die Reise ins Labyrinth», jedoch war er immer wieder in kleineren Rollen zu sehen: als Pontius Pilatus in Scorseses «Die letzte Versuchung Christi», in «Twin Peaks – Der Film» als Andy Warhol in «Basquiat», in «Zoolander» und «Absolute Beginners».
Eine seiner Rollen kommentierte er wie folgt: «It’s happened. At last. I’ve hit the Holy Grail of animation gigs. Yesterday I got to be a character on…. tan-tara… SpongeBob SquarePants. Oh Yeah!! We, the family, are thrilled. Nothing else need happen this year, well, this week anyway. My character in this special longform (I think a half hour special) show is called ‹Lord Royal Highness›. Alrighteee!!» (In: Heckler Spray. 12. Oktober 2006) #