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Olivia de Havilland, die am Sonntag im Alter von 104 Jahren in Paris starb, war eine der letzten grossen Frauen des «alten Hollywoods». In Erinnerung bleibt sie vor allem für ihre Rolle in «Vom Winde verweht» («Gone With the Wind», 1939).
Quelle: CH Media Video Unit / AP
Bereits früh war de Havilland eine Institution. Michael Curtiz («Casablanca») holte sie für neun Filme, zusammen mit Frauenschwarm Errol Flynn war sie ein Traumpaar. Nachdem sie Marian in «The Adventures of Robin Hood» (1938) spielte, hiess es, dass sie auch eine Affäre mit Flynn habe. Schliesslich war der Schauspieler als Schürzenjäger bekannt. De Havilland meinte dazu später: «Ich war in ihn verknallt. Aber die Umstände stimmten damals nicht.» Flynn war zu diesem Zeitpunkt verheiratet.
Mit Ausnahmebewilligung zur berühmtesten Rolle
Damit de Havilland überhaupt in «Vom Winde verweht» mitspielen durfte, brauchte es einen Kraftakt. George Cukor («Little Women», «My Fair Lady»), der ursprünglich Regie führen sollte, lud de Havilland zum Casting ein. Nachdem sie die Rolle bekam, musste sie ihr Studio Warner Bros. beknien, um für die MGM-Produktion vor der Kamera zu stehen.
In Hollywood galt damals noch ein striktes Studio-Regime. De Havilland unterschrieb 1935 für sieben Jahre bei Warner. Nur dank der «Gnade» des Studiobosses Jack Warner konnte sie einen Film für MGM machen. Als de Havilland mit einer Oscar-Nominierung zurückkehrte, forderte sie schwerere Rollen, sie wollte stärkere Frauen spielen. Das Studio verwehrte ihr das mehrheitlich. «Wir haben sie angestellt, weil sie schön aussieht und nicht, weil sie spielen soll», hiess es.
Zerwürfnis mit der Schwester
Eine Ausnahme gab es noch: In «Das goldene Tor» («Hold Back the Dawn», 1941) spielte sie eine us-amerikanische Lehrerin, die in Mexiko von einem Europäer verführt wird. Für ihre Rolle wurde sie abermals für einen Oscar nominiert, verlor jedoch gegen ihre Schwester Joan Fontaine («Suspicion»). Ein bitterer Gewinn, die Schwestern sprachen danach nicht mehr miteinander.
Weil de Havilland weiter in belanglosen Rollen gecastet wurde, begann sie sich zu wehren. Sie weigerte sich, einfach nur schön auszusehen. Das Studio rächte sich und sperrte sie immer wieder, insgesamt durfte sie ein halbes Jahr nicht arbeiten.
Nachdem ihr Vertrag auslief, behauptete Warner, dass sie wegen der Sperre weitere sechs Monate keine Filme machen dürfe und noch immer vertraglich ans Studio gebunden sei. De Havilland klagte bis vor das oberste Gericht Kaliforniens und bekam über eineinhalb Jahre später recht. Das Urteil hatte weitreichende Folgen: Seither durften Studios Verträge nicht mehr einseitig verlängern.
Zweiter Oscar und neue Heimat
Nach dem Urteil konnte de Havilland endlich wieder ihre Wunschrollen übernehmen. Mit «Die Schlangengrube» («The Snake Pit», 1948) wurde sie erneut für einen Oscar nominiert, gewann jedoch nicht. Ihren zweiten Oscar bekam sie erst im Jahr darauf mit «Die Erbin» («The Heiress», 1949).
1950 kehrte de Havilland Hollywood zumindest physisch den Rücken. Sie zug mit ihrem zweiten Ehemann nach Paris. Nur vereinzelt kehrte sie für Rollen in Hollywood- und Broadway-Produktionen in die USA zurück – am Ende kamen aber doch noch fast 40 Filme in ihrer «Halb-Rente» in Frankreich zusammen. De Havilland konnte sich ihre Rollen aussuchen, sie entschied sich immer für grosse Frauenfiguren.
In Paris fühlte sich de Havilland zu Hause. Sie wohnte in einem grossen Stadthaus, zu ihren Nachbarn zählte der frühere französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing. «Ich liebe die richtigen Gebäude, die richtigen Schlösser, die richtigen Kirchen – nicht diese künstlichen Gebilde Hollywoods», sagte sie 2016 gegenüber «Vanity Fair».