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Nahe bei Jerusalem
Trumps Ankündigung, die US-Botschaft gelegentlich nach Jerusalem zu verlegen, hat verständlicherweise eine weltweite Aufregung ausgelöst. Als positiv kann man an diesem unheilvollen Schlenker jedoch sehen, dass er wenigstens deutlich macht, wie die Dinge liegen. Die USA sind keine Vermittler im israelisch-palästinensischen Konflikt, sie sind Partei und akzeptieren auch die Kolonialisierung der seit 1967 unrechtmässig besetzt gehaltenen Gebiete.
Im zu Ende gehenden Jahr 2017 sind wir an mehrere historische Daten erinnert worden: Insbesondere an die Balf our-Deklaration von 1917, die dem jüdischen Volk, wie stets gerne rekapituliert wird, eine «nationalen Heimstätte» in Palästina versprach. Die gleiche Erklärung wollte aber, was ebenso gerne übersehen wird, dass die «bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften» uneingeschränkt erhalten blieben.
Etliche UNO-Resolutionen wurden missachtet
Kürzlich konnte auch an die vor SO Jahren erlassene UNResolution 242 erinnert werden, die - im Gegenzug zur Anerkennung Israels - den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten forderte. Und ohne Jubiläum darf man sich an mehrere andere UN-Resolutionen erinnern. Insbesondere an die UN-Teilungsresolution 181 von 1947, die einerseits einen Teil von Israels Legitimation ausmacht, andererseits aber auch Jerusalem und Bethlehem unter internationale Verwaltung stellen wollte. Aber auch an die Resolution 478 von 1980, welche die Annexion von Ost-Jerusalem für nichtig erklärte.
Jerusalem ist, wie auch die jüngste Empörungswelle zeigt, ein Ort, der allen monotheistischen Religionen heilig ist. Dem kann und wird man, wenn es blass um die heiligen oder heiligsten Orte geht, stets auch irgendwie Rechnung tragen. Wie aber ist es mit der allernächsten und näheren Umgebung? Dicht neben Jerusalem liegt zum Beispiel Bethlehem. Neben Kirche und Kult gibt es aber auch ein menschliches Alltagsleben. Und es gibt um Jerusalem herum weitere Siedlungsbereiche, neben den neueren jüdischen Siedlungen noch immer die alten gemischten Orte. Zum Beispiel Bethlehem mit seinen rund 30'000 Einwohnern, zwei Krankenhäusern und zwei Universitäten.
Zu je einem Krankenzentrum und einer Universität haben schweizerische Stellen eine enge Beziehung - ein zusätzlicher Grund, diesen Ort im Schatten von Jerusalem und umgeben von zum Teil acht Meter hohen Sperrmauern nicht aus den Augen zu verlieren. Zwei Drittel der 1973 vom Vatikan gegründeten Katholischen Universität Bethlehem sind Muslime. Diese werden in Bereichen mit hoher Nachfrage ausgebildet (Erziehung, Pflege, Tourismus, öffentliche Verwaltung). Alle Abgänger finden in der von Arbeitslosigkeit geplagten Region eine Beschäftigung. 2007 kam, von der palästinensischen Administration veranlasst, noch die Ahliya-Universität hinzu.
Krankenhäuser und Universitäten mit Unterstützung aus der Schweiz
Auf älterer Tradition beruht das Krankenhaus des Malteserordens, das mit rund 3500 jährlichen Geburten die grösste gynäkologische und geburtshilfliche Klinik der Region ist und Schwangeren jeder Nationalität und Konfession offensteht. Daneben gibt es das Caritas Baby Hospital, ein internationales Hilfswerk, an dessen Gründung 1963 das Bistum Basel wesentlich beteiligt war. Die katholischen Pfarreien der ganzen Schweiz sammeln auch dieses Jahr im Rahmen der Weihnachtsmesse für die Kinderhilfe Bethlehem.
Besonders wichtig ist die Pflege der wegen der miserablen Lebensbedingungen häufig auftretenden Frühgeburten. Das Hospital legt grossen Wert darauf, in der Babyhilfe gleich auch die Mütter einzubeziehen. In diesem Betrieb geht es nicht um die Verehrung (Adoration) eines einzelnen Stallkindes. Damit man sich die Grössenordnung des Betriebs vorstellen kann: 2016 wurden über 46 000 Kinder betreut. Im südlichen Westjordanland, der Gegend zwischen Bethlehem und Hebron, leben rund 330 000 Kinder unter 14 Jahren. Wenn sie krank werden, ist das Caritas Baby Hospital in Bethlehem die zentrale Anlaufstelle. Auch ich war (ohne Baby) schon dort. Bethlehem liegt nur 12 Kilometer neben Jerusalem.
Der Weg in die eine und andere Richtung ist aber nicht für alle Menschen gleich lang. Für die armen Palästinenser ist er x-mal länger als für Israeli und europäische Touristen. Unser Weg der ideellen und materiellen Unterstützung Bethlehems ist trotz Sperrmauern wesentlich kürzer - aus der Ferne braucht er nur einen Mausklick.