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Parapsychologie - Spiritismus/Spiritualismus
Artikel von Wilhelm Otto Roesermueller erschienen in der Zeitschrift 'Wegbegleiter' Nr. 1/2003, S. 45-47.
Geister schreiben mit eigener Hand
Das beweiskräftige Phänomen der spontanen und experimentellen direkten Schrift zwischen zwei Schiefertafeln
Von Wilhelm Otto Roesermueller
Ausser den Voll- und Teilmaterialisationen und direkten Stimmen ist wohl die direkte Schrift eines der interessantesten Phänomene. Einige solche Fälle, sowohl spontaner als auch experimenteller Art, seien nachstehend berichtet. Einige Male erlebte ich in Sitzungen eines akademischen Forscherzirkels, also im Experiment, wie sich aus einem grauen Wölkchen eine Hand bildete, die einen Bleistift ergriff und auf einen Papierblock schrieb.
Da diese Mitteilungen jedoch nicht an mich persönlich gerichtet waren, so kam ich auch nicht in deren Besitz und konnte somit auch nicht die Identität der Schrift mit der eines bekannten Verstorbenen feststellen. Ich will nun mit Berichten über spontane Fälle beginnen:
Mein väterlicher Freund G.W. Surya erzählte mir von einer österreichischen Hauptmannswitwe, deren Mann im Winter 1915 in den Karpathen fiel, und die von ihrem verstorbenen Gatten spontan einen ausführlichen Brief, in dessen unverkennbarer Handschrift, erhielt.
Der Fall trug sich folgendermassen zu: Das Dienstmädchen meldete, ein Offizier mit Bursche stehe vor der Türe und wolle die Frau Hauptmann sprechen. Als die Dame zum Empfang an die Türe trat, war jedoch niemand zu sehen, worüber sie begreiflicherweise verärgert war und das Mädchen zurechtwies.
Wiederholte Erscheinungen gleicher Art betonten, der Gatte der Hauptmannswitwe zu sein und den Wunsch zu haben, ihr zu schreiben. Die Schilderungen des Dienstmädchens waren in ihrer Genauigkeit so überzeugend, ja zwingend, dass jeder Zweifel ausschied.
Die Hauptmannsgattin schloss sich ein und schrieb ihrem Manne, legte Federhalter, Tinte und leeres Papier bereit und fand am nächsten Morgen in der Handschrift ihres Gatten die ausführliche Antwort vor. Das Dienstmädchen scheint hier unbewusst die Rolle des Mediums gespielt zu haben.
Der bekannte Forscher, der Schweizer Kassationsgerichtspräsident Georg Sulzer fand 1920 auf seinem Schreibtisch ein Schriftstück in der Handschrift seines verstorbenen Sohnes Georg vor, worin dieser seinen Vater vor weiteren spiritistischen Sitzungen mit dem Medium Frau M. warnte, da er durch niedere Geister und Dämonen betrogen werde. Etwas später fand Kassationsgerichtspräsident Sulzer in seinem stets verschlossenen Sekretär, zu dem nur er allein den Schlüssel besass, wiederum ein Schriftstück. Ein Teil desselben trug die Handschrift seines verstorbenen Sohnes Georg, der andere jene der Grossmutter Sulzers.
Nun zur experimentellen Hervorbringung der direkten Schrift. Die wohl bekanntesten Experimente direkter Schriften führte der weltbekannte Leipziger Astrophysiker Prof. Dr. Zoellner zusammen mit seinen Universitätskollegen Prof. Fechner, Prof. Scheibner und Prof. Weber mit dem Medium Slade durch. In verschlossenen Schiefertafeln erhielt man bei heller Beleuchtung und Tageslicht unter strengster Kontrolle Schriften in verschiedenen Sprachen, auch in solchen, die Slade völlig unbekannt waren.
Sehr interessante Erfahrungen sammelte in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg der parapsychologische Forscher Dr. med. F.A. Kraft, in der experimentellen Erzeugung der direkten Schrift mit dem in Amerika berühmten Medium Dr. Watkins aus Detroit, der sich auf die experimentelle Erzeugung der direkten Schrift geradezu spezialisiert hatte. Hören wir von Dr. Kraft einige Berichte, welche ich seinem Buche "Dorio" entnehme.
"Dr. Watkins von Detroit war ein hochbegabtes Schreibmedium. Er wandte seine Gabe bei hellem Tageslicht an, und jeder Besucher wurde aufgefordert, seine eigene Schiefertafel mitzubringen. Mit Vorliebe wählte er zwei Tafeln, die man aufeinander legte, so dass man zwischen beide Platten ein kleines Stück eines Griffels legen konnte. Er selbst berührte niemals diese Tafeln und sass immer etliche Meter entfernt von allen Besuchern, die von ihm eine geschriebene Botschaft wünschten.
Elisabeth (die Gattin Dr. Krafts, welche übrigens selbst ein ausgezeichnetes Sprechmedium war und ihrem Manne viele unantastbare Beweise für das Fortleben nach dem Tode schenkte! D.V.) und ich besuchten ihn im Plankinton Hotel, wo er wohnte. Unsere beiden Tafeln waren ganz neu, da wir sie erst kurz zuvor gekauft hatten. Wir legten beide Platten aufeinander und ein Bruchstück eines Griffels dazwischen. Hierauf setzte ich mich auf die beiden Tafeln, und in weniger als einer Minute waren beide Seiten vollgeschrieben und mit den Unterschriften der geistigen Freunde versehen, die mit uns in Verbindung zu kommen wünschten.
Ein anderes Mal hatte ich eine private Verabredung mit Dr. Watkins, musste aber eine Zeitlang warten, da er stark beschäftigt war. Als ich die Tür zu seinem Sprechzimmer öffnete, kam mir eine Jüdin entgegen. Aus ihren Augen rollten Tränen, und ihr Schluchzen bewies, dass sie tief gerührt war. Sie zeigte mir ihre beiden Tafeln, die sehr dicht mit hebräischer Schrift bedeckt waren, von der weder Dr. Watkins noch ich etwas verstanden.
Die Dame versicherte uns, dass es eine Botschaft von ihrem verstorbenen Gatten sei, der die gleichen Redewendungen anwandte, die er im Leben gebraucht hatte. Ich bat sie, es mir zu gestatten, die Platten zu fotografieren, welcher Wunsch mir aber abgeschlagen wurde.
Bei einer anderen Gelegenheit besuchte ich mit Herrn A.W.L. Rothermel wieder einmal Dr. Watkins. Die beiden Herren waren bereits miteinander bekannt. Herr Rothermel war ein sehr guter Mittler für Geisterverstofflichungen (Materialisationen); er begrüsste Dr. Watkins mit den Worten: 'Nun, mein lieber Doktor, ich sollte mich eigentlich schämen, zu Ihnen zu kommen, da ich selbst schon viele Beweise des Lebens nach dem Tode empfangen habe. Aber Sie wissen ja, wie es eben ist; man will immer mehr wissen.'
Herr Rothermel passte seine Tafeln aufeinander, legte sie auf einen Stuhl und nahm darauf Platz. Die Botschaft erfolgte schnell und löste beim Vorlesen ein allgemeines Gelächter aus. Er sagte: 'Es ist genau, was ich verdiene!' Die Botschaft lautete: 'Ein Narr erhält nie genug! Jim D. Owen.' Owen war ein Freund Rothermels, der schon zwanzig Jahre im Jenseits weilte. Die Unterschrift wies die gleichen Schriftzüge auf wie in seinem Leben."
Diese wenigen Beispiele spontaner und experimenteller direkter Schriften mögen die verehrten Leser anregen, auch diesem speziellen Gebiete der parapsychologischen Forschung ihr Augenmerk zu schenken. Nur aus der Zusammenschau aller diesbezüglichen Ereignisse gewinnt man die Gewissheit eines persönlichen Fortlebens nach dem Tode.
Anmerkung R.P.: Eben! Deshalb lautet der letzte Satz in meiner Schrift
"Das Jenseits, reine Glaubenssache?": Wer jedoch das erwähnte
Forschungsmaterial kennt und trotzdem die Existenz einer Geisterwelt
leugnet, der leugnet seinen eigenen Geist! Für solche Zeitgenossen sollte man
eine weitere Seligpreisung ins Neue Testament aufnehmen: "Selig sind die
Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer mehr!"
Der Tod ist die uns zugewandte Seite jenes Ganzen,
dessen andere Seite Auferstehung heisst.
Romano Guardini
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"Letzte Änderung dieser Seite am 10. Juni 2014"