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Jean-Jacques Rousseau
Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Staatstheoretiker, Naturforscher, Komponist und Revolutionär
Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778) war ein schweizerisch-französischer Philosoph, Schriftsteller und Staatstheoretiker, einer der grössten Denker des 18. Jahrhunderts. Rousseau kritisierte die Zivilisation, vertrat die Lehre von der Freiheit und Gleichheit der Menschen. Dieser Leitgedanke von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ beeinflusste massgeblich die Französische Revolution. J.J. Rousseaus Denken und Wirken hatte grossen Einfluss auf die Pädagogik und die politischen Theorien des 19. und 20. Jahrhunderts.
Doch die Obrigkeit seiner Zeit fürchtete seine revolutionären Schriften. „Emile“, sein pädagogisches Werk wurde 1762 durch das Pariser Parlament verurteilt und beschlagnahmt. Einem Haftbefehl entzog sich Rousseau durch seine Flucht in die Schweiz. Im Staat Genf verbrannte und verbot die Regierung „Emile“ und den „contrat social“. Rousseau liess sich in dem damals preussischen Neuchâtel nieder.
Rousseau und die St. Petersinsel
Nachdem sein Haus in Môtiers mit Steinen beworfen wurde, desertierte er und seine Gefährtin Thèrése Levasseur auf die St. Petersinsel im Bielersee.
"Auf dieser einsamen Insel wird mich niemand finden und ich werde hier die glücklichste Zeit meines Lebens verbringen. Ich bin gerettet!"
Es kam anders. Auf Anordnung der Berner Regierung musste Rousseau die St. Petersinsel nach sechs Wochen, am 25. Oktober 1765, für immer verlassen.
Der Brief aus Bern an den Landvogt von Nidau, Emanuel von Graffenried:
„Dem vernemmen nach soll sich der bekante Jean Jacques Rousseau auf der St Peters Insul im ambt Nÿdauw befinden; Wir haben dahero der nothwendigkiet zu seÿn befunden, Euch befelchlichen aufzutragen, Ihme wann er sich noch allda aufhielte, zu verdeuten, dass er sich von da wegg und auss Ihrgn. Landen begeben thüe(…).“
correspondance complète de Jean Jacques Rousseau, Bd. XXVII. S. 102
Zeittafel J.J. Rousseau
1712 Am 28. Juni Geburt von Jean-Jacques Rousseau als Sohn des Uhrmachers Isaac Rousseau und seiner Ehefrau Suzanne, die bereits am 7. Juli desselben Jahres stirbt.
1722 Der Vater verlässt Genf nach einem Rechtsstreit, um sich ausserhalb von Genf niederzulassen. Jean-Jacques kommt zu einem Bruder seiner Mutter zur Erziehung.
1724 Beginn einer Lehre als Gerichtsschreiber.
1725 Wechsel zu einer Lehre als Graveur.
1728 Nach einem Ausflug in die Umgebung von Genf kehrt Rousseau nicht wieder in die Stadt zurück. Er kommt zu Madame de Warens, einer Konvertitin, die neue Konvertiten betreut. Nach einem Aufenthalt in einem Hospiz für künftige Konvertiten in Turin tritt er zum Katholizismus über. Er arbeitet als Bedienter in verschiedenen Turiner Häusern.
1730 "Vagabondage" als Musiker und Musiklehrer durch Frankreich und die Schweiz.
1731 Erster Aufenthalt in Paris. Beginn eines Verhältnisses mit Madame de Warens in Chambéry in "Les Charmettes".
1740 Hauslehrer in Lyon bei der Familie de Mably. Hier schreibt er Projet pour l`éducation de M. de Sainte-Marie.
1742 Rückkehr nach "Les Charmettes", wo er sich mit einem neuen Notensystem beschäftigt. Dissertation sur la musique moderne.
1744 Nach Streit mit dem Botschafter Rückkehr nach Paris. Rousseau lernt die Wäscherin Thérèse Levasseur kennen, die er erst 1768 heiraten sollte. Bekanntschaft mit Condillac und Freundschaft mit Diderot. Er schreibt die Oper Les muses galantes, die mit Erfolg aufgeführt wird.
1746 – 1747 Geburt des ersten Kindes mit Thérèse Levasseur, das ins Findelhaus gebracht wird.
1746 Sekretär der Adelsfamilie Dupin-Franceuil, die ihn von da an fördert.
1746 – 1747 Geburt des ersten Kindes mit Thérèse Levasseur, das ins Findelhaus gebracht wird.
1748 Bekanntschaft mit seiner künftigen Gönnerin Madame d'Epinay.
1749-1750 Ein weiteres Kind wird geboren.
1750 Die Akademie von Dijon zeichnet Rousseau für seine Schrift Discours sur les sciences et les arts (erster Discours) mit dem ersten Preis aus.
1751 Rousseau verlässt seine Stelle bei der Familie Dupin und lebt fortan weitgehend von seiner Tätigkeit als Notenkopist.
1751-1752 Geburt des dritten Kindes, das wie die beiden ersten ins Findelhaus gebracht wird. In den folgenden Jahren werden noch zwei weitere geboren, die dasselbe Schicksal erfahren.
1754 Nach einem Besuch in Genf Rückkehr zum calvinistischen Bekenntnis und damit Wiedererwerbung der Genfer Bürgerrechte.
1755 Erscheinen des zweiten Discours in Amsterdam: Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes.
1756 Rousseau bezieht die "Eremitage", ein kleines Haus im Park von Madame d'Epinay bei Montmorency.
1757 Er verliebt sich in Madame d'Houdetot. Bruch mit Madame d'Epinay, Diderot und Grimm. Rousseau zieht nach Montmorency.
1758 Bruch mit d'Alembert, der in seinem Artikel Genève Kritik am Verbot des Theaters in Genf geübt hatte. Lettre à d'Alembert sur les spectacles.
1759 Umzug in das "Petit Château" in Montmorency, das ihm der Herzog von Luxemburg zur Verfügung stellt.
1761 Julie ou La Nouvelle Héloise erscheint in Paris und hat grossen Erfolg. Beginn des Verfolgungswahns. Er schliesst die Manuskripte des Emile und des Contrat social ab. Ausserdem stellt er den Essai sur l'origine des langues (Versuch über den Ursprung der Sprachen) fertig.
1762 Erscheinen von Emile ou De l'éducation und des Contrat social in Amsterdam und Paris. Verurteilung und Beschlagnahme des Emile durch das Pariser Parlament. Einem Haftbefehl entzieht sich Rousseau durch Flucht in die Schweiz. In Genf wird ausser dem Emile auch der Contrat social verboten und verbrannt. Rousseau lässt sich in dem damals preussischen Neuchâtel nieder.
1763 Lettre à Christophe de Beaumont (Brief an den damaligen Erzbischof von Paris, um seinen Emile zu verteidigen). Verzicht auf die Genfer Bürgerrechte.
1764 Aus dem Streit mit dem Genfer Generalprokurator Tronchin gehen die Lettres écrites de la montagne (Briefe vom Berge) hervor. Auf eine anonyme, von Voltaire stammende Schmähschrift hin entschliesst sich Rousseau, seine Confessions (Bekenntnisse) zu schreiben. Auf die Bitte eines korsischen Freiheitskämpfers schreibt er das Projet de constitution pour la Corse (Verfassungsentwurf für Korsika).
1765 Flucht aus dem Bergdorf Môtiers, da sein Haus mit Steinen beworfen wird. Kurze Zuflucht von sechs Wochen auf der Insel Saint-Pierre im Bieler See, die er auf Anordnung der Berner Regierung verlassen muss. David Hume bietet ihm in England Zuflucht.
1766 Reise mit Hume nach England. Bald Entfremdung von Hume, da die Paranoia Rousseaus schlimmer wird.
1767 Rückreise nach Frankreich, wo er und Thérèse, zuweilen unter falschen Namen, Gäste verschiedener Adliger sind. 1768 Heirat mit Thérèse.
1770 Rückkehr nach Paris.
1772 Abschluss der Considérations sur le gouvernement de Pologne (Betrachtungen über die Regierung von Polen), Beginn der Niederschrift von Rousseau juge de Jean Jacques(Rousseau uteilt über Jean-Jacques). Starke Depressionen und Wahnzustände.
1776 Beginn der Niederschrift der Rêveries du promeneur solitaire (Träumereien des einsamen Spaziergängers), die wie die Confessions unvollendet bleiben.
1778 Uebersiedlung nach Ermenonville, auf Einladung des Marquis de Girardin. 2. Juli: Plötzlicher Tod. Beisetzung auf einer Insel im See des Parks von Ermenonville.
1794 Der Sarg Rousseaus wird in das Panthéon in Paris überführt.
Günther Mensching; Rousseau zur Einführung, Junius-Verlag, ISBN 3-88506-314-X, S. 151 und Christiane Landgrebe; „Ich bin nicht käuflich“, Das Leben des Jean-Jacques Rousseau, S. 355 ff.