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Hochgeachteter Herr Landammann!
In Erwiederung Ihrer verehrl. Zuschrift vom 13 dß. habe ich vor allem hervorzuheben, daß eine Erledigung der Conzessionsangelegenheit während der gegenwärtigen Cantonsrathssitzung als außerordentlich wünschbar erscheint. Es ist Ihnen von dem Ausschusse her bekannt, daß wir mit den Conzessionen von Luzern, Uri & Schwyz auf Tessin zu wirken beabsichtigen & daß die Conzession von Tessin vor der ordentlichen Bundesversammlung vom nächsten Juli erhältlich gemacht werden sollte, damit nicht bloß eine Lucmanierconzession vor die Eidg. Räthe gelange.
Was nun den Art. 1. anbetrifft, so würde eine Verschiebung auf die Sommersitzung des Cantonsrathes, um inzwischen, wie Sie sich ausdrücken, eine Pression auf den Bezirk Küsnacht auszuüben, nichts nützen: denn inzwischen wird die Conzession mit | Luzern unterhandelt & es wird der Große Rath dieselbe voraussichtlich in den ersten Tagen Juni's ertheilen. In dieser Conzession wird aber das Küsnachter Tracé erscheinen & von diesem Augenblicke an die gegenüber dem Bezirke Küsnacht wegen der Subvention in Szene gesetzte Diplomatie ihr Ende erreichen.
Den Art. 31 anlangend hat der Ausschuß einmüthig beschlossen, an demselben als an einem Cardinalartikel in der vorgeschlagenen oder in einer analogen Fassung festzuhalten. Wenn nicht durch eine derartige Bestimmung Schutz gegen die Concurrenz der Wasserstraße geboten wird, so werden Sie keine Gesellschaft für den Bau einer Linie Luzern–Küsnacht–Schwyz–Brunnen–Flüelen, also gerade für die durch den Canton Schwyz führende Linie finden: dieß dürfen Sie als eine ganz ausgemachte Sache annehmen. Die Vorschrift, daß der Regierungsrath den Betrag der Auf- & Abladgebühren zu genehmigen habe, ist eine für eine ernsthafte Gesellschaft – & mit einer andern wollen wir ja nichts zu thun haben – durchaus [unverzichtbar?] | Jede seriöse Gesellschaft wird Ihnen sagen: Wenn die Bahn einmal gebaut ist, so wird sich die Regierung um die Rentabilität derselben nicht mehr groß bekümmern: sie wird sich dessen getrösten, daß die Bahn da sei, & im übrigen auf Herabsetzung der Taxen hinwirken. Sie werden sagen: die Regierung wird dieß nicht thun, & ich zweifle nicht daran, daß Sie als Regierung es nicht thäten. Es ist aber nicht zu vergessen, daß es sich hier um die Ordnung der Verhältnisse für ein Jahrhundert handelt & unter diesen Umständen lediglich die Sachen & nicht die Personen in's Auge zu fassen. Was den Transport von Lebensmitteln zwischen Küsnacht, resp. «Zug, Arth & Schwyz» betrifft, so sehe ich zwar nicht recht ein, wie dieser Transport hier in Frage kommen kann. Indessen mache ich doch darauf aufmerksam, daß bei derartigen Transporten auf kurzen Strecken schon wegen der Concurrenz der gewöhnlichen Straße die Maxime der Bahntaxen nicht bezogen werden können & sobald dieß nicht der Fall ist, werden die Auf- & Abladgebühren Behufs Niederhaltung der Concurrenz der Wasserstraße gar nicht mehr in Betracht kommen oder auf ein Minimum zusammen. | schrumpfen: – Noch muß ich hinzufügen, daß die Abordnung der Regierung von Uri zu den mit diesem Cantone zu pflegenden Conzessionsunterhandlungen die Nothwendigkeit einer solchen Bestimmung, wie die von uns als Art. 31 vorgeschlagene anerkannt hat. Es wurde mit ihr die nachfolgende Fassung vereinbart:
«Die Gesellschaft ist berechtigt neben den gewöhnlichen Taxen für den Transport von Vieh & Waren eine Zuschlagstaxe zu erheben, soweit dieß nothwendig ist, um die Concurrenz mit der Wasserstraße ohne Herabsetzung der normalen Bahntaxen bestehen zu können.»
Es versteht sich von selbst, daß diese Redaction von uns auch dem Canton Schwyz zugestanden wird, falls er dieselbe vorzieht & ich nehme an, er wird sie vorziehen, weil sie eine Grenze für die Zuschlagsgebühr implicite enthält. Die Grenze liegt darin, daß die mit der Wassertaxe combinirte Bahntaxe nie mehr betragen kan, als die Bahntaxe betragen hätte, wenn durchweg die Eisenbahn benutzt werden kann.|
Nach dem Gesagten scheint es mir, daß der Cantonsrath von Schwyz die Conzession in der besprochenen Fassung während seiner gegenwärtigen Sitzung unbedenklich ertheilen könne. Es ist dieß aus dem Eingangs erwähnten Grunde ungemein wünschbar. Sollte der Cantonsrath wider Erwarten wegen Artikel 31 noch Anstand nehmen & weitere Aufklärungen für nothwendig erachten, so könnte er ja, indem er im übrigen von sich aus die Conzession ertheilen würde, mit Beziehung auf diesen Artikel vom Regierungsrathe Vollmacht geben, denselben nach weitern Verhandlungen mit dem Gotthardausschusse in der ihm gut scheinenden Weise Namens des Cantonsrathes definitiv festzustellen.
Genehmigen Sie die Versicherung vorzüglicher Hochachtung von
Ihrem freundschaftlich ergebenen
Dr A Escher
Zürich
15. Mai 1866.