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Zürich 28 April 1870.
Hochgeachteter Herr Schultheiß!
Dem mir ertheilten Auftrage gemäß habe ich die Unterhandlungen mit H. Stamm fortgeführt & gestern nach zwei Sitzungen, von denen jede 3 Studen in Anspruch nahm, ein, wie mir scheint, annehmbares Resultat erzielt.
Der Entwurf, den er mir gestern früh vorlegte, ist diesen Zeilen beigeschlossen & mit No 1. bezeichnet. Der Entwurf, wie ich ihn schließlich, unter Vorbehalt der Ratification des Gotthardausschusses, mit ihm vereinbarte, liegt, mit No 2. bezeichnet, ebenfalls bei. Sie werden sich bei Durchlesung der beiden Entwürfe von| dem sehr bedeutenden Unterschiede, der zwischen beiden besteht, bald überzeugen.
Hr. Stamm ist diesen Vormittag nach Mailand abgereist & wird den Entwurf noch seinen Freunden vorlegen. Wenn sie, woran er nicht zweifelt, damit einverstanden sind, so wird er einen Brief genau nach Entwurf 2. an uns schreiben & der Gotthardausschuß würde ihm dann rückantwortlich sein Einverständniß mit dem Inhalte des Briefes beurkunden. Wahrscheinlich würde Hr. Stamm in einem zweiten Briefe den Ausschuß darauf aufmerksam machen, daß außerodentliche verhältnisse eintreten könnten, welche eine etwelche Erhöhung der vorgesehenen maxima der Entschädigungen nothwendig| machen dürften, & daß er sich in einem solchen Falle erlauben würde, an den Ausschuß mit einem sachbezüglichen Gesuche zu gelangen. Ich denke, es könnte ihm hierauf unbedenklich geantwortet werden, man werde, wenn dieser Fall eintreten sollte, die Sachlage prüfen & einen den thatsächlichen Verhältnissen & der Billigkeit entsprechenden Entscheid fassen. Ich habe dann noch mit Hrn. Stamm verabredet, daß wir unserer Antwort auf sein Schreiben (nach Entwurf 2) einen besondern Brief beilegen werden, in welchem die in der Beilage No 3 enthaltene Phrase vorkäme, & dass er sich rückantwortlich mit dem Inhalte dieses Briefes einverstanden erklären würde. Ich halte den Wechsel dieser zwei Briefe| für nothwendig, um sie im Falle des Bedürfnisses Grattoni vorweisen zu können, der leicht glauben könnte, wir haben, da Hr. Stamm unser Agent ist, irgendwelche Engagements für Vergebung von Arbeiten an die Baugesellschaft Tatti eingegangen, & es sei deshalb für ihn nichts von dem Gottharde zu hoffen.
Ich nehme an, Sie werden die Beilagen sammt dem gegenwärtigen explicativen Schreiben noch Herrn Director Schmidlin mittheilen & seine Ansicht darüber vernehmen. Sodann wollen Sie die Güte haben, mir mitzutheilen, ob nun die verschiedenen Schreiben in der beabsichtigten Weise Namens des Gotthardausschusses mit Hrn. Stamm gewechselt werden sollen. Wenn Sie dafür halten, daß dieß zu geschehen habe, so werde ich Ihnen die Schreiben zur Unterzeichnung übermitteln.
In freundschaftlicher Hochachtung Ihr
Dr A Escher