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Maschinengewehr-Design ist der Kompromiss zwischen taktischen Vorteilen und Feuerkraft. Dieser Kompromiss wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg mit dem deutschen MG 34 erstmals im grossen Umfang umgesetzt und mit dem MG 42 ergänzt. Die Idee des Konzeptes war, eine einzige Waffe zu haben, welche die Rollen des Leichten Maschinengewehrs, des Schweren Maschinengewehrs, der Fahrzeugbewaffnung, Festungswaffe und Flugabwehrwaffe vereinen konnte. Das MG 34 war leicht genug um als leichtes Maschinengewehr den Feuerkampf führen zu können, hatte gleichzeitig eine hohe Feuerkadenz für die Flugabwehr und konnte mit Lafetten auch als schweres Maschinengewehr in Festungen, auf Fahrzeugen, in Panzern oder Infanteriestellungen verwendet werden. (McCollum, 2017) Das Konzept des Universal-Maschinengewehrs fand grosse internationale Beachtung.
Hier beginnt die Geschichte des FN MAG. Wenn auch das FN MAG 58 nicht das erste Universal-Maschinengewehr war, so ist es in der Periode nach 1945 wahrscheinlich der treffendste Repräsentant dieser Familie von Universal-Maschinengewehren.
Vorgeschichte
Um das FN MAG verstehen zu können, muss es in den historischen und taktischen Kontext gestellt werden. Um dies zu erreichen, ist es angebracht eine kurze Tour durch die Maschinengewehr-Evolution vom späten 19. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu unternehmen. Das erste Maschinengewehr der Welt, abgesehen von den mit Handkurbel betriebenen Gatling-Gewehren, wurde 1883 von seinem Konstrukteur Hiram Maxim zum Patent angemeldet. Das rückstossbetriebene und wassergekühlte Maxim-Maschinengewehr konnte Gewehrpatronen aus einem 250-schüssigen Baumwoll-Gurt mit 600-Schuss pro Minute verschiessen. Sofort fand Maxim’s Konstruktion Beachtung und wurde bei vielen Streifkräften eingeführt und in Lizenz produziert. Bekannte Varianten sind das MG 11 der Waffenfabrik Bern (Grenacher, 2015), das deutsche MG 08 oder das russische PM 1910, sowie das britische Vickers-Maschinengewehr. Die Maxim-Maschinengewehre, insbesondere auf Ihren Lafetten montiert, waren enorm schwer und in erster Linie zum Einsatz im Dauerfeuer als Unterstützungswaffe gedacht. Mehrere Konstrukteure ersannen daher die Möglichkeit, eines leichteren Maschinengewehrs, das von nur einem Soldaten getragen werden konnte. Diese Überlegungen sind die Geburtsstunde des leichten Maschinengewehrs im Gegensatz zu den schweren Maschinengewehren des Typen Maxim oder Vickers. Diese leichten Maschinengewehre wurde oft leichteren, nicht-wechselbaren Läufen versehen und verfügten über keine Gurtzufuhr. Beispiele dieser leichten Maschinengewehre sind das LMg 25 der Waffenfabrik Bern (Grenacher, 2015) oder, noch früher, das Hotchkiss M1909. Maschinengewehre ohne Gurtzuführung haben nur begrenzte Fähigkeit im infanteristischen Unterstützungsfeuer und in der Rolle der Flugabwehrwaffe. Die Magazine erlauben nur Feuerstösse und kein reales Dauerfeuer. So wurde in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg unter strenger Geheimhaltung das MG 34 entwickelt, was als erstes Universal-Maschinengewehr der Welt gilt. Im Verlauf des Krieges wurde das MG 34 durch das MG 42 abgelöst, welches günstiger zu produzieren war und eine noch höhere Feuerkadenz aufweist.
In den frühen 1950er Jahren wurde bei der Fabrique Nationale d’Armes de Guerre in Herstal bei Liége in Belgien ein Maschinengewehr nach dem Konzept des Universal-Maschinengewehrs entwickelt. Diese „Mitrailleuse d’appui générale“ oder abgekürzt MAG, wurde von Ernest Vervier konstruiert. Bei der Konstruktion standen das amerikanische BAR und deutsche MG 42 offensichtlich Pate. Gewisse Teilelemente und Funktionsprinzipien wurden 1:1 übernommen. Der Abzugsmechanismus und die Staubabdeckung des Hülsenauswurfs sind stark an das MG 42 angelehnt. Das Verschlussgehäuse und der Verschluss hingegen sind am Browning Model 1918 BAR angelehnt. Der Verschlussmechanismus des BAR wurde auf den Kopf gedreht, um die Munitionszuführung aus dem Gurt zu realisieren.
Die Entwicklung des MAG wurde 1957 abgeschlossen. 1958 führten die belgischen Streitkräfte das MAG als neues Universal-Maschinengewehr ein. Dies ist auch der Grund, warum viele Publikationen vom MAG 58 sprechen. Zahlreiche internationale Bestellungen folgten und sicherten FN auf diesem Markt riesige Anteile. Dieses Marktsegment war und ist enorm umkämpft. Die damaligen Konkurrenten – das amerikanische M60, das französische AA-52 und das deutsche MG3 – konnten sich gegenüber dem MAG nicht in grossen Stückzahlen etablieren. So wurde und wird der Markt für Universal-Maschinengewehre in westlichen Staaten vom MAG dominiert. Ironie der Geschichte: die amerikanischen Streitkräfte bevorzugten das einheimische M60 gegenüber dem MAG, um es dann 20 Jahre später durch das MAG abzulösen. Die in den USA gebauten Varianten des MAG werden M240 genannt.
Technik
Das MAG ist ein zuschiessender Gasdrucklader mit langem Weg. Der Lauf liegt über dem Gassystem. Das MAG schiesst Seriefeuer und hat keine Möglichkeit zur Abgabe von Einzelschüssen. Vorne am Gassystem ist eine einstellbare Gasdüse, mit Möglichkeit der Kadenzverstellung. Das Gewehr kann im Normalmodus ca. 600 Schuss/Minute feuern. In der grossen Gaseinstellung kann die Feuerrate auf rund 1000 Schuss/Minute für Flugabwehr- und Sperrfeuer erhöht werden.
Zuverlässigkeit
Das MAG ist für seine aussergewöhnliche Zuverlässigkeit bekannt. In den 1990er Jahren wurden 26’000 Schuss zwischen Versagen gefeuert. (Blacktail) Diese Zuverlässigkeit wurde 2013 mit einem Dauertest des M240B bestätigt. Es wurde kein Präzisionsverlust nach 15’000 Schuss Dauerfeuer festgestellt. Nach insgesamt 32’000 Schuss wurde der Test ohne Anzeichen von Störungen beendet. (Blacktail). Nach Werksangaben sollte der Lauf nach 800 Schuss ausgewechselt und passiv gekühlt werden. Die Lebensdauer wird mit 8000 Schuss angegeben, auch wenn die Läufe bis zur Rotglut geschossen werden. (Lee, 2009)
Das MAG heute
Das MAG wurde in unzähligen Konflikten der jüngeren Weltgeschichte eingesetzt. In einigen, wie beispielsweise dem Falkland-Krieg 1982, sogar von beiden Konfliktseiten. Heute wird das FN MAG in den Streitkräften von mehr als 80 Nationen eingesetzt und stellte seine Zuverlässigkeit in jeder denkbaren Klimazone und Vegetation unter Beweis. Mehr als 200’000 MAG wurden seit der Einführung gebaut. Zusätzlich zum Stammwerk in Belgien wurden Fertigungslizenzen nach Argentinien, Ägypten, Indien, Singapur, Taiwan und in die USA vergeben. Auch in China wird eine MAG-Variante gebaut, diese ist wahrscheinlich nicht lizenziert. Einige nicht-staatliche User verwenden ebenfalls das MAG. Durch verfügbare Upgrades, Varianten und optionale Teile, konnte das FN MAG die Anforderungen an ein Universal-Maschinengewehr bis heute erfüllen. Gleichzeitig bliebt die Konstruktion so einfach wie ursprünglich angedacht.

Literaturverzeichnis
Blacktail. FN MAG. military-today.com. [Online] [Zitat vom: 04. 01 2019.] http://www.military-today.com/firearms/fn_mag.htm.
Grenacher, Ernst. 2015. Schweizer Militärgewehre. Bad Ems : Verlag VS Medien GmbH, 2015. ISBN 978-3-944196-17-6.
Lee, Tae-Woo. 2009. Military technologies of the world. Westport, CT : Praeger Securty International, 2009. ISBN 978-0-275-99535-5.
McCollum, Ian. 2017. MG-34: The Universal Machine Gun Concept. ForgottenWeapons.com. [Online] 7. 10 2017. [Zitat vom: 04. 01 2019.] https://www.forgottenweapons.com/mg-34-the-universal-machine-gun-concept/.
McNab, Chris. 2018. The FN MAG Machine Gun. Cumnor : Osprey Publishing, 2018. ISBN 9781472819673.