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Jedes Jahr am 3. März ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den «Welttag des Hörens» aus. Der Aktionstag will auf die Bedeutung des Gehörs und die Auswirkungen von Hörverlust aufmerksam machen.
Dass ein Hörverlust für die Betroffenen massive Einschränkungen im Alltag darstellen kann, ist weitestgehend bekannt. Schwerhörige Menschen leiden unter sozialer Isolation, da sie Gesprächen, besonders in schwierigen Hörsituationen (z.B. mit vielen Hintergrundgeräuschen), nicht mehr folgen können und sich allmählich in sich zurückziehen. Viele beginnen, grössere Gesellschaften zu meiden, oder geben sogar geliebte Hobbys auf, weil sie es sich nicht mehr zutrauen. Dies kann zu einer zunehmenden Vereinsamung und auch zu Depressionen führen. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang die Belastung der Angehörigen und Freunde. «Sie leiden darunter, dass der geliebte Mensch sich zurückzieht, dass Gespräche anstrengend werden und Unterhaltungen nur noch auf das nötigste beschränkt werden. Missverständnisse treten in der Folge immer häufiger auf und es entsteht leicht der Eindruck, dass der Betroffene desinteressiert und mürrisch ist», erklärt Julia Schopp Hörgeräteakustikerin in Muttenz. Und das Vorstandsmitglied vom Branchenverband Akustika ergänzt. «Die körperlichen Folgen des unversorgten Hörverlustes sind in der Gesellschaft noch nicht flächendeckend bekannt. Daher möchten wir gerne darüber aufklären.» Eine Studie der Johns Hopkins University aus dem Jahr 2018 fand heraus, dass Menschen mit unbehandelter Schwerhörigkeit eine 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit eines Spitalaufenthalts und eine 40 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit einer Depression haben. Laut WHO kostet der unversorgte Hörverlust die globale Wirtschaft 750 Milliarden USD.
Wie kommen diese Zahlen zustande? Eine Hörminderung kostet Energie, die Menschen sind häufiger müde, gereizt, gestresst und frustriert, was sich auch in einem Fatigue Syndrom äussern kann. Zudem leiden schwerhörige Menschen infolge des Hörverlustes auch oft unter Tinnitus, der unter anderem Schlafstörungen, innere Unruhe und Angstgefühle auslöst. «Durch diese permanente Überlastung wird man anfälliger für andere Erkrankungen», so Schopp. In klinischen Studien wurde beobachtet, dass Menschen mit unbehandeltem Hörverlust anfälliger für Stürze sind. Selbst Menschen mit leichtem, unbehandelten Hörverlust haben ein dreimal höheres Risiko, sich bei Stürzen zu verletzen und verzeichnen häufigere und längere Aufenthalte im Krankenhaus als Menschen mit gesundem Gehör. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass ein Hörverlust die akustischen Signale reduziert, auf die sich das Gehirn bei der Wahrnehmung der Umwelt und des Gleichgewichts verlässt.
Erhöhtes Risiko für Demenz
Auch ein erhöhtes Risiko für Demenz gilt inzwischen als gesichert. Neben dem Verzicht auf das Rauchen und einem gesunden und aktiven Lebensstil, gilt das Hörsystem als eines der wichtigsten Hilfsmittel, um einer Demenz vorzubeugen. Man geht davon aus, dass sich durch das Ausbleiben der akustischen Informationen gewisse Hirnareale zurückbilden – das Gehirn sozusagen schrumpft. «Verständlich wird das, wenn wir uns über die Strukturen unseres Gehirns Gedanken machen. Im Gehirn eines Kleinkindes bilden sich pro Sekunde bis zu zwei Millionen neue Synapsen, wie die Verbindungen genannt werden», erklärt Schopp. Im Alter von zwei Jahren hat ein Kind mehr als 100 Billionen Synapsen, doch so viele Verbindungen braucht unser Gehirn gar nicht. Daher beginnt es einige davon wieder zu kappen. Wenn eine Synapse in einen aktiven Schaltkreis eingebunden ist, wird sie gekräftigt, und wenn sie nicht mehr benutzt wird, wird sie schwächer und irgendwann beseitigt.
Hören und Verstehen
Ist ein Mensch über viele Jahre schwerhörig, bilden sich die Synapsen im Bereich des auditorischen Cortex zurück und auch andere Hirnareale leiden unter der reduzierten Informationsflut. Dies ist der Grund, warum man nicht allzu lange mit einer Hörsystemversorgung warten sollte. «Je länger man dem Gehirn die akustischen Informationen verwehrt, desto mehr Strukturen bilden sich zurück. Wenn man dann Jahre später mit einer Hörsystemversorgung startet, kann das Gehirn die elektrischen Impulse, die vom Innenohr über den Hörnerv an die Synapsen gesendet werden, nicht mehr richtig verarbeiten», betont Julia Schopp. Somit muss der Mensch das Hören wieder neu lernen und wenn der Prozess bereits zu weit fortgeschritten ist, wird die Hörfähigkeit dadurch dauerhaft gemindert sein.
Hören und Verstehen ist nicht dasselbe. «Wir hören mit den Ohren, unserem Hörorgan. Wir verstehen mit unseren Hörzentren im Gehirn. Das Gehirn interpretiert, was wir hören, und das ist Verstehen», konkretisiert die Fachfrau. Es empfiehlt sich also möglichst zeitig mit einer Hörsystemversorgung zu starten, damit man seine Hörfähigkeit und die Gesundheit möglichst lange erhalten kann.
Kostenlose Hörtests
Rund um den Welttag des Hörens bieten viele Hörsystemakustiker kostenlose Hörtests an. «Hier kann man in einem ersten Schritt erfahren, ob bereits eine Hörminderung besteht.» Ab einem Hörverlust von 35 Prozent bei AHV-Versicherten und 20 Prozent bei IV-Versicherten, erhält man vom Bundesamt für Sozialversicherungen einen Zuschuss. Hörakustiker helfen gerne bei der Anmeldung. Auch der Besuch bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist wichtig, um mögliche krankheitsbedingte Ursachen auszuschliessen und eine ohrenärztliche Expertise zu erhalten. Zudem ist es in der Branche üblich, dass man Hörsysteme unverbindlich zur Probe tragen kann, um sich einen Höreindruck im gewohnten Umfeld verschaffen zu können. «Hier kann man schnell beurteilen, ob die Hörsysteme eine Hilfe im alltäglichen Leben sind.» Je nachdem wie lange der Hörverlust schon besteht, bedarf es auch einer Eingewöhnungsphase, welche bis zu einem halben Jahr dauern kann. Viele Geräusche erscheinen erstmal belastend, da das Gehirn sie nicht mehr kennt und alarmiert reagiert. «Wenn die Hörsysteme regelmässig getragen werden, tritt die Gewöhnung schneller ein und das Gehirn kann relevante Informationen von den unwichtigen unterscheiden und diese herausfiltern. Der Hörsystemakustiker begleitet den Kunden in der Phase der Eingewöhnung und führt ihn an die richtige Lautstärke heran», sagt Julia Schopp.
Die Anschaffung eines Hörsystems ist also ein fortlaufender Prozess. Es ist wichtig, dass man sich bei seinem Hörsystemakustiker gut aufgehoben fühlt, da er einen über Jahre begleiten wird. «Wir empfehlen, speziell für ältere Menschen, dass sie sich ein Fachgeschäft in Wohnortnähe suchen», stellt die Spezialistin fest. Laut der EuroTrak Studie 2022 bestätigten 98 Prozent der Hörsystemträger, dass die Hörsystemversorgung die Lebensqualität verbessert hat. 38 Prozent all derer, die mit einem Hörsystem versorgt sind, denken, dass sie sich früher ein Hörsystem hätten anschaffen sollen und bereuen nachträglich das lange Zögern und Zaudern.
CR/pd
AKUSTIKA
AKUSTIKA ist der Schweizerische Fachverband der Hörgeräteakustik. Ihm gehören rund 150 Hörakustik-Fachgeschäfte mit 230 Filialen und zwei Lieferanten von Zubehörartikeln in der ganzen Schweiz an. Die AKUSTIKA bietet ihren Mitgliedern innovative und konkurrenzfähige Dienstleistungen an. Diese Leistungen sollen den Mitgliedern zu einem besseren Marktauftritt verhelfen sowie die Dienstleistung gegenüber den Kunden verbessern und damit die Kundenzufriedenheit sicherstellen. Alle Mitglieder der AKUSTIKA verpflichten sich unseren Code Moral einzuhalten.