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Selen wird immer wieder propagiert als Schutz gegen Krebs. Bei Lungenkrebs konnte ein krebsschützender Effekt in einer Studie allerdings nicht belegt werden. Bei Rauchern gab es sogar gegenteilige Resultate.
Dem Spurenelement Selen werden antikarzinogene Effekte zugeschrieben.
Männer mit hohen Serumspiegeln sterben einer Studie aus Dänemark zufolge aber nicht seltener an Lungenkrebs als Männer mit tiefen Selenspiegeln.
Bei starken Rauchern scheint sogar eine gegenteilige Wirkung aufzutreten. An der Studie beteiligten sich 3333 Männer im Alter von 53 bis 74 Jahren (ERJ 2011; online 27. Oktober).
965 Männer hatten tiefere Selen-Serumspiegel (0,4-1,0 µmol/l), 1141 mittlere (1,1,-1,2 µmol/l) und 1227 hohe (1,3-3,0 µmol/l).
Innert 16 Jahren starben 167 der Probanden an Lungenkrebs. Der Anteil dieser Todesfälle lag in allen drei Gruppen ähnlich hoch (5,0 bis 5,1 Prozent).
Auch wenn Risikofaktoren für Lungenkrebs berücksichtigt wurden (Alter, Rauchen, Alkoholkonsum, COPD) hatten Männer mit hohen Selen-Spiegeln kein tieferes Sterberisiko durch Lungenkrebs.
Tendenziell war Lungenkrebs als Todesursache bei ihnen sogar häufiger als in der Gruppe mit niedrigen Selenwerten (HR 1,43).
Bei starken Rauchern, charakterisiert durch hohe Cotinin-Serumspiegel, zeigte sich sogar ein signifikant erhöhtes Risiko für Tod durch Lungenkrebs, wenn sie hohe Selen-Serumwerte aufwiesen (HR 2,26 im Vergleich zu tiefen Selenwerten).
Die bei starken Rauchern gemachte Beobachtung sei “überraschend”, erklärten die Studienautoren. Eine plausible Begründung dafür habe man nicht.
Die Wissenschaftler hatten diesen Effekt nicht erwartet.
Das Spurenelement Selen ist nämlich ein Bestandteil der Glutathion-Peroxidase, die freie Radikale innerhalb der Zelle inaktiviert.
“Theoretisch sollte sie daher krebsprotektiv wirken bei Rauchern, die ihre Lunge heftigem oxidativem Stress aussetzen”, erklären die Wissenschaftler.
Sie sehen eine mögliche Parallele zu einer Krebspräventionsstudie mit ähnlich unerwartetem Resultat: Hier hatten Raucher, die das Antioxidans Beta-Carotin (Provitamin A) in der höchsten Dosis einnahmen, auch das höchste Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.
Quellen:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/679312/selen-schuetzt-nicht-lungenkrebs.html
http://erj.ersjournals.com/content/early/2011/10/26/09031936.00102711.abstract
Kommentar & Ergänzung:
Das Spurenelement Selen wird von Nahrungsergänzungsmittel-Verkäufern wie Burgerstein immer wieder als Schutz vor Krebs angepriesen. Burgerstein schreibt auf der Website neben dem Selen-Produkt:
„In Regionen mit selenreichen Böden kommen gewisse Krebsformen weniger vor.“
Das ist geschickt formuliert. Damit verspricht man nicht, dieses Produkt schütze vor Krebs. Man legt aber genau eine solche Wirkung nahe.
Eine Cochrane-Übersichtsstudie spricht dem Spurenelement Selen eine krebsschützende Wirkung ab. Siehe dazu:
Dass Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente wichtig sind als Bestandteil unserer Ernährung, steht ausser Frage. Bei den hochtrabenden Versprechungen der Verkäufer von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln ist aber eine grosse Portion Skepsis angebracht.
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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