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Einst waren Schiffe auf langen Strecken die wichtigsten Transportmittel für Güter und Personen. Im späten 19. Jahrhundert löste die Eisenbahn die Schweizer Schifffahrt in dieser Funktion ab. Dafür wurde die Schifffahrt zu einer touristischen Attraktion auf den Gewässern. Und die Schweizer Handelsflotte leistet auf den Weltmeeren ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Landesversorgung.
Die Anfänge der Schifffahrt
Bis zum Bau der Eisenbahnlinien waren Schiffe wichtige Transport- und Verkehrsmittel. Mehr als 20 Jahre bevor in der Schweiz die ersten Dampfloks verkehrten, lief 1823 am Genfersee ein mit Dampf betriebenes Schiff vom Stapel. Die meisten Schifffahrtsgesellschaften entstanden auf private Initiative.
Eine von der Schaffhauser Handelskammer gegründete Rheinschiff-Gesellschaft wurde in den 1850er-Jahren zusammen mit anderen Rhein- und Bodensee-Schiffsbetrieben von der Nordostbahn übernommen. Zentrale Person der Nordostbahn war – als Gründer und Verwaltungsratspräsident – der Nationalrat, Unternehmer und Eisenbahnpionier Alfred Escher (1820-1891). 1902 kaufte der Bund die Nordostbahn mit vier weiteren Eisenbahngesellschaften auf und gründete die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Damit gelangte auch die Bodenseeschifffahrt in staatliche Hand. Erst 1996 wurde der gesamte SBB-Schiffsbetrieb auf dem Bodensee wieder privatisiert.
Viele Unterlagen zu den Anfängen der schweizerischen Schifffahrt sind im Bestand Schifffahrt und Flösserei (1838-1923) zu finden. Der Bestand Eisenbahnwesen (1843-1965) enthält unter anderem Dampfschiffkonzessionen und -verordnungen.
Die Schifffahrt im 20. Jahrhundert
Der Bundesstaat schaffte 1848 die zünftigen Sonderrechte der Schiffergesellschaften ab. 1919 wurde der Bund zur Gesetzgebungs- und Kontrollinstanz für den Bau und die Nutzung von Wasserstrassen sowie für das Schifffahrtsgewerbe. Wie im Bahn- und im Flugverkehr ist er zuständig für den Erlass von Sicherheitsmassnahmen und Verkehrsregeln.
Unterlagen zu Gesetzgebungs-, Aufsichts- und Konzessionsfragen in der Schifffahrt sind im heutigen Bundesamt für Verkehr (1823-2005) und seinen Vorgängerorganisationen, der Eisenbahnabteilung (1874-1934) und dem Eidgenössischen Amt für Verkehr (1820-1992), zu finden. Weitere zentrale Unterlagen, vor allem zur Rheinschifffahrt, sind im Eidgenössisches Amt für Wasserwirtschaft (1815-1979) und seinen Nachfolgerorganisationen, dem Bundesamt für Wasserwirtschaft (1845-1995) und dem Bundesamt für Wasser und Geologie (2000-2005), hinterlegt. Wichtige Informationen zur Rheinschifffahrt sind auch bei der Oberzolldirektion (1848-2009) zu finden.
Bundessache war und ist auch das Aushandeln von Abkommen mit den Nachbarstaaten an grenzübergreifenden Seen und Flüssen. Unterlagen dazu, zur Schifffahrt unter Schweizer Flagge und zum Seekrieg, von dem Schweizer Handelsschiffe im Zweiten Weltkrieg betroffen waren, sind in der heutigen Politischen Direktion und ihren Vorgängerorganisationen recherchierbar.
Die Hochseeflotte
Der Bund kann schweizerische Handelsschiffe in Notzeiten in seinen Dienst stellen, um die wirtschaftliche Landesversorgung zu garantieren. Das Seeschiffahrtsamt der schweizerischen Eidgenossenschaft wurde im Kriegsjahr 1941 zu diesem Zweck gegründet. Die Sicherstellung der Landesversorgung im Konfliktfall ist nach wie vor Daseinszweck der Handelsflotte unter Schweizer Flagge, obwohl alle Schiffe in privatem Eigentum stehen und in Friedenszeiten marktwirtschaftlich betrieben werden. Heute betreut das Schweizerische Schifffahrtsamt (SSA) die Hochseeflotte. Das SSA ist zuständig für die rund 20 Hochseeschiffe, die unter Schweizer Flagge auf den Weltmeeren fahren.
Tipps zur weiteren Recherche
- Historisches Lexikon der Schweiz u. a. mit Artikeln zur Schifffahrt.
- Schweizerische Seeschifffahrtsamt in Basel: Führt unter anderem ein Register mit sämtlichen schweizerischen Hochseejachten und Kleinbooten.
- Staatsarchive der Kantone: Umfangreiches Material zur Geschichte der Schifffahrt in der Schweiz. Ebenso in städtischen Archiven, in Bibliotheken (zum Beispiel Zentralbibliothek Luzern oder Zentralbibliothek Zürich) sowie in Firmenarchiven und bei der Denkmalpflege (zum Beispiel der Städte Neuenburg, Biel, Solothurn, Bern, Thun, Genf, Schaffhausen).
- Informationen zu den Rheinhäfen.
- Verkehrshaus der Schweiz in Luzern: Fachbibliothek und Archiv zur Verkehrsgeschichte der Schweiz. Bildmaterial, historische Originalschiffe, grosse Sammlung von Verkehrsmitteln.
- Museum für Kommunikation in Bern: Sammlung zur Verkehrsgeschichte.
- Ausstellung Verkehrsdrehscheibe Schweiz und unser Weg zum Meer in Basel: Schweizerisches Schifffahrtsmuseum und moderne Verkehrsträgerschau.
- Musée du Léman in Nyon: Museum zur Schifffahrt auf dem Genfersee.
Weitere Hinweise zu den Schifffahrtsgesellschaften finden sich hier:
Letzte Änderung 27.05.2016