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Kapelle St.Sebastian vor der neugotischen Umgestaltung 1890. Bleistiftzeichnung von Johann Rudolf Rahn, 1861.
St.Sebastianskapelle
Gemäss Überlieferung war der Ausbruch der Pest im 9. Jahrhundert für den Bau der St.Sebastianskapelle verantwortlich. Der Heilige Sebastian wurde von Gläubigen gegen die Pest und andere Seuchen um Hilfe angerufen. Die St.Sebastianskapelle wird erstmals im Jahr 1479 urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit befindet sich die Verantwortung für den Unterhalt der Kapelle sowie für das Gehalt des Geistlichen, die sogenannte Kollatur, im Besitz des Damenstifts. Weil sich die Kapelle in einem desolaten Zustand befindet, erhält die Äbtissin Elisabeth von Goldenberg den Auftrag, Geld für die Renovation zu sammeln. 1512 wird die noch heute bestehende St.Sebastianskapelle gebaut. Der alte Baubestand wird ins neue Gebäude integriert.
Vom Bildersturm bis zum Wiedererhalt aller Rechte
Als die Reformation ausbricht, findet in vielen Städten und Dörfern in Europa der sogenannte Bildersturm statt. Gemälde, Skulpturen, Kirchenfenster und andere Bildwerke mit Darstellungen von Jesus Christus und den Heiligen werden zerstört. Am 2. Februar 1529 schändet eine betrunkene Bauernschar die Figur des Heiligen Sebastian, indem sie diese hinter sich her durch das Dorf zieht. Es wird vermutet, dass die kurz zuvor im Toggenburg ausgebrochene Pest dafür verantwortlich ist. Als das Gasterland 1564 ihre in der Reformation verlorenen Rechte und Freiheiten zurückerhält und auch die Heiligenverehrung wieder erlaubt ist, wird eine Wallfahrt durchgeführt, die seither jedes Jahr am 3. Januar wiederholt wird.
Zerstörung und Renovationen der Kapelle
Im 18. Jahrhundert tritt die Linth immer häufiger über die Ufer und die Bausubstanz der Kapelle leidet. Stift und Kirchgemeinde streiten sich darum, wer für die Renovationen aufkommen muss. In der Folge werden nur noch dringend notwendige Unterhaltsarbeiten ausgeführt. Beim Gefecht zwischen österreichischen und französischen Truppen am 25. September 1799 werden die Fenster durch Schüsse zerstört. 1892 wird die Kapelle renoviert. Dabei werden starke Eingriffe in die Bausubstanz sowie in die Wandmalereien vorgenommen. Bei einer erneuten Renovation 1955 werden diese Eingriffe teilweise rückgängig gemacht.
Die St.Sebastianskapelle um 1890.