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Ein Dekret des Industrieministers vom 2. Dezember 2004 lässt diese Option jetzt zu. Bisher war der Sogin nur die trockene Zwischenlagerung der rund 253 t bestrahlten Brennstoffe an den bestehenden Standorten erlaubt. Neu darf sie den Brennstoff zur Wiederaufarbeitung und Zwischenlagerung vorübergehend - bis zur Inbetriebnahme eines geologischen Langzeitlagers in Italien -exportieren. Der Industrieminister erliess das Dekret, weil die Sogin nach «Schwierigkeiten mit lokalen Behörden» in einem Bericht zum Schluss gekommen war, neben der direkten Endlagerung komme für das Land auch der Weg über die Wiederaufarbeitung in Frage, wenn Kosten, Sicherheit, Sicherung, Umweltauswirkungen und Zeitpläne einander gegenübergestellt würden. Sobald das Dekret publiziert und damit in Rechtskraft sein wird, will die Sog in die beiden europäischen Kernbrennstoffunternehmen British Nuclear Fuels pic und Cogema einladen, Offerten für die Wiederaufarbeitung, die Abfallkonditionierung sowie die Zwischenlagerung der verglasten hoch radioaktiven Abfälle während mindestens 20 Jahren zu unterbreiten.
Die Sogin bereitet sich darauf vor, allenfalls bereits Mitte 2005 einen Vertrag zu unterzeichnen. Der Abtransport aus den Lagern Avogadro und Trino im Piémont sowie Caorso in der Emilia-Romagna könnte dann schon 2006 beginnen. Parlamentarier aus den beiden Regionen gaben den Entscheid des Ministers und die Pläne der Sogin an Pressekonferenzen vom 22. Dezember 2004 bekannt und zeigten sich erleichtert, dass ihre Regionen von Altlasten befreit würden. Die Versuchskernkraftwerke Gariglianound Latina waren 1982 und 1987 stillgelegt worden. Die Kernkraftwerke Caorso und Trino folgten 1990 nach einem Volksentscheid. Die Sogin hat die Aufgabe, die vier Kernkraftwerke sowie die fünf Kernbrennstoffkreislaufeinheiten Italiens abzubrechen und die nötigen geologischen Langzeitlager zu schaffen, um die radioaktiven Abfälle des Landes zu beseitigen.
Source
P.B. nach Medienmitteilungen der Sogin, 22. und 29. Dezember 2004