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MANA
für Horn und Orchester
Als „Ahu“ werden die eindrücklichen Kultstätten auf den Osterinseln bezeichnet, die mit ihren, über einer steinernen Plattform thronenden, markanten und monumentalen Statuen ihre Bewohner beschützen. Am Strande des riesigen Pazifischen Ozeans strahlen sie eine eigene spirituelle Kraft aus, die als MANA bezeichnet wird.
Eine ähnliche, dem Hornklang entströmende magische Wirkung, wird in vielen, sehr alten Texten erwähnt. Das israelische Shofar soll dementsprechend für die apokalyptischen Auswirkungen auf die Einwohner und die Mauern von Jericho verantwortlich sein.
Im Orchester nimmt das Horn eine Sonderstellung ein, (Schumann bezeichnete die Horngruppe als „die Seele des Orchesters“), bedingt durch seine Wandlungsfähigkeit, seine hohe dynamische Reichweite und seinem unverwechselbaren, weichen und geschmeidigen Klang.
Das ideale, geheimnisvolle, an sakrale Botschaften gemahnende Inhalte verbreitende musikalische Medium ist dank seiner grossen Ausdruckskraft als Soloinstrument für die Tonschöpfer eine ausgesprochene Herausforderung. Leider wurden paradoxerweise im 20. Jahrhundert nur sehr wenige Hornkonzerte geschrieben. Mozart und Richard Strauss waren die letzten grossen Komponisten, die unvergängliche Werke für das faszinierende Instrument geschrieben hatten. Eine junge Generation hervorragender Interpreten, die dem äusserst delikaten Instrument auch höchst anspruchsvolle Passagen entlocken, bereitet somit den Weg zu neuen Initiativen in dieser Hinsicht.
J-L. D.