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Die Rheingasse war von den drei alten Kleinbasler Längsgassen diejenige, die dem Rheinufer am nächsten lag. Sie erstreckt sich vom Brückenkopf her erst in gerader Richtung und schwenkt nach ungefähr 200m, bei der Kreuzung des Reverenzgässleins, in einer lang gezogenen Biegung landeinwärts. Am Lindenberg vereinigt sie sich mit der parallel verlaufenden Utengasse. Während das leichte Gefälle von der Greifengasse bis zum Schafgässlein durch die im Mittelalter künstlich herbeigeführte, erhöhte Lage des Brückenkopfes bedingt ist, ergibt sich eine sachte Steigung zwischen Reverenzgässlein und Lindenberg aus dem natürlichen Geländeprofil des zum Rhein hin geneigten, ufernahen Bereichs.
Einer der bislang frühesten Belege für die Verwendung des Gassennamens stammt von 1336; da erscheint der Name "ringasse", der von da an allgemein gebräuchlich ist. Die Rheingasse besass bis in die Neuzeit den Rang der eigentlichen Kleinbasler Hauptstrasse, durch den sich der Verkehr zwischen der Rheinbrücke und dem oberen der beiden Stadttore, dem Riehentor, bewegte. Man erkennt die besondere Bedeutung in der gegenüber den anderen Gasse überdurchschnittliche Breite von 10 bis 14m. Eine Verengung von nur knapp 6m im Abschnitt um die Kreuzung des Reverenzgässleins, im Volksmund "Meerenge" genannt, wurde 1855-1861 durch ersatzlosen Abbruch der Nrn. 53/55 1861 korrigiert. Der Engpass in Verbindung mit der direkt anschliessenden, markant zurückspringenden Häuserzeile (Nrn. 57-63) hat vielleicht mit alten, vor die planmässige Stadtanlage zurückreichenden Besitzstrukturen zu tun.
Ein Zweig des Kleinbasler Strassenbach-Systems durchzog die Gasse von der Verzweigung am Lindenberg bis zum Schafgässlein, wo er sich zwischen den einstigen Häusern Nr. 12 und Nr. 14 durch das längst verschwundene Hiltmarsgässlein zum Rheinufer ergoss. Der offene Wasserlauf, der sowohl der Brauchwasserentnahme wie auch als Abwassersammler diente, ist 1834 im Zuge einer Neupflasterung aus der Gassenmitte gegen die östliche Häuserreihe verlegt worden, was einzelne Hauseigentümer zum Bau von kleinen hölzernen Zufahrtsbrücken veranlasste. Im gleichen Zug wurde auch das Querprofil der Gasse, das offenbar besonders im Abschnitt zwischen Lindenberg und Reverenzgässlein starkes Gefälle gegen die rheinseitige Häuserzeile aufwies, durch Aufschüttung angeglichen. Seither liegen die Ergeschosse mehrerer dortiger Häuser deutlich eingetieft. 1863 erhielt die Gasse erstmals Trottoirs mit Asphaltbelag.
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Das heutige Gassenbild präsentiert sich vor allem auf der Rheinseite als eine weitgehend homogene Folge schmaler drei- und viergeschossiger Wohnhäuser mit Fassaden und Architekturgliedern des 15.-19. Jahrhunderts. Ausnahmen von dieser kleinteiligen Struktur bilden die modernen oder durch Zusammenlegung mehrerer älterer Parzellen im 19. Jahrhundert entstandenen, grossen Gasthöfe am Anfang der Gasse. Weniger einheitlich wirkt die Gegenseite, die vor allem eingangs und im oberen Teil noch von den althergebrachten, schmalen Zeilenbauten bestimmt wird. Dies liegt zum Teil an ebenfalls durch Vereinigung, Ausbau oder Aufstockung kleinerer Einheiten im 19. Jahrhundert entstandenen Grossvolumen, teils an vereinzelten Neubauten des 20. Jahrhunderts, aber auch an der Zäsur, welche das wuchtige Halbrund des 1930/1932 an der Stelle von Gewerbearealen errichteten Arbeitsamtes im kleinteiligen Bebauungsmuster markiert. Nicht alle Grundstückszusammenlegungen des 19. Jahrhunderts hatten derart gravierende Veränderungen des baulichen Charakters zur Folge, wie das Beisliel der Färberei Lotz zeigt, die sich 1808-1839 rheinseitig über mehrere Parzellen ausbreitete.
Gleichwohl ist die Rheingasse derjenige Bereich der Kleinbasler Altstadt, wo traditionelle Bebauungsstruktur und alter Häuserbestand am dichtetsten erhalten sind. Unter den bauhistorisch wichtigen oder, trotz veränderten Zustands, geschichtelich bedeutsamen Liegenschaften hervorzuheben sind beispielsweise der ehemalige Sitz der Familie Kilchmann (Nrn. 5/7/9) sowie die daran anschliessende, im Kern mittelalterliche Häuserzeile (Nrn 11-17), das einstige Domizil der Drucker- und Gelehrtenfamilie Amerbach (Nr. 23), das zeitweilige Antoniterhaus (Nr. 43) und die Baulichkeiten einer Färberei aus der Zeit um 1850 am Ort des mittelalterlichen städtischen Ziegelhofs (Nrn. 31/33).