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Entdeckung neuer therapeutischer Ansätze und Arzneimitteldesign
Am Anfang der Entwicklung eines Arzneimittels steht normalerweise die Identifikation eines mit der Krankheit verbundenen Proteins. Diese Proteine bezeichnet man als “therapeutische Ansatzpunkte” oder “Targets”. Nach der Bestätigung, dass ein Target bei einer Krankheit eine Rolle spielt, wird mittels Hochdurchsatz-Screenings versucht, eine chemische Substanz oder einen Antikörper zu finden, die oder der so an das Target bindet oder auf das Target wirkt, dass die Krankheit beeinflusst wird. Wenn chemische Substanzen oder Antikörper durch die Anbindung an ein Target identifiziert wurden, werden diese “Treffer” (“Hits”) optimiert, um ihre Sicherheit und Wirksamkeit zu erhöhen. Aus der entstehenden chemischen Substanz bzw. dem entstehenden Antikörper wird ein Arzneimittelkandidat.
Präklinische Sicherheit und Wirksamkeit
Bevor der Arzneimittelkandidat am Menschen untersucht wird, muss ein erstes Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil erstellt werden. In dieser Phase beurteilen die Wissenschaftler anhand von Computermodellen und Laboruntersuchungen die Sicherheit des Arzneimittelkandidaten. In diesen Untersuchungen wird ermittelt, wie gut der Arzneimittelkandidat aufgenommen wird, welchen Weg er im Körper nimmt, wie er abgebaut oder verstoffwechselt wird und wie schnell und auf welche Weise er ausgeschieden wird.
Studien zum Nachweis des Wirkkonzepts und Phase I
In “Proof-of-Concept”-Studien (PoC-Studien) wird der Arzneimittelkandidat einer kleinen Patientengruppe (5 bis 15) verabreicht, um herauszufinden, welche Funktionen das Target im menschlichen Körper hat, bzw. um seinen “Wirkmechanismus” zu ermitteln und erste Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie der Arzneimittelkandidat die Krankheit beeinflusst. Nach erfolgreichem Abschluss einer Proofof- Concept-Studie können die Phase-I-Studien (20–80 Patienten oder gesunde Freiwillige) mit dem Arzneimittelkandidaten beginnen. Sie dienen dazu, die Sicherheit zu untersuchen, die sichere Dosierung zu bestimmen und Nebenwirkungen zu ermitteln. Manchmal beginnen Phase-II-Studien mit dem Arzneimittelkandidaten auch gleich im Anschluss an “Proof-of-Concept”-Studien.
Klinische Entwicklung (Phasen II und III)
In Phase-II-Studien wird das Medikament einer grösseren Patientengruppe (100–300 Patienten) verabreicht, um seine Wirksamkeit zu untersuchen, die geeignete Dosierung zu ermitteln und weitere Erkenntnisse über seine Sicherheit zu erlangen.
In Phase-III-Studien wird das Medikament bei einer grossen Patientengruppe (1 000– 3 000 Patienten) angewendet. Sie dienen dazu, seine Wirksamkeit zu bestätigen, Nebenwirkungen zu beobachten, Vergleiche mit gängigen Behandlungsmöglichkeiten anzustellen und Informationen über seine sichere Anwendung zu gewinnen.
Zulassung/Aktivitäten nach der Markteinführung
Für die Zulassung eines neuen Medikaments werden die Ergebnisse aller präklinischen und klinischen Studien und die Beschreibung des Herstellungsprozesses gesammelt und den Zulassungsbehörden vorgelegt. Wenn die Zulassungsbehörde die Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments anhand der eingereichten Daten als erwiesen ansieht, wird das Arzneimittel zugelassen. Von diesem Zeitpunkt an kann das neue Medikament den Patienten kommerziell zur Verfügung gestellt werden. Auch nach der Markteinführung wird das Auftreten von Nebenwirkungen permanent überwacht und den Zulassungsbehörden gemeldet. Zusätzlich werden häufig Anwendungsbeobachtungen – einschliesslich Phase-IV-Studien – durchgeführt, um neue Indikationen zu erforschen oder die Darreichungsform zu verbessern.