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Gottesbeweise
Gibt es so etwas wie Gott überhaupt? Lässt sich Gott beweisen?
Ontologische, kosmologische und teleologische Ansätze von Gottesbeweisen
Bringt uns das weiter?
Inhalt
Alle Weltreligionen gehen von einem Absoluten aus, auf das alles Seiende zurückgeführt werden kann. Gott bzw. das Absolute wird dabei über bzw. jenseits alles Seienden angenommen (IQM - 'id quo maius cogitari non potest' - etwas, worüber hinaus Grösseres nicht gedacht werden kann).
Im Christentum wird dieses Absolute durch Gott repräsentiert, im Judentum durch Jahwe, im Islam durch Allah, im Hinduismus durch Brahma und im Buddhismus durch die Leerheit. Aber gibt es so etwas wie ein Absolutes oder Gott überhaupt?
Heute wird die Existenz von Gott meist grundsätzlich in Frage gestellt. Es wird beispielsweise argumentiert, dass sich Gott wissenschaftlich nicht nachweisen lasse und dass die Religionen nur aus der Angst des Menschen vor dem Tod bzw. dem Bedürfnis nach Anlehnung an eine höhere Macht entwickelt wurden. ↑
Im Laufe der Jahrhunderte wurden verschiedene Beweise für und wider die Existenz Gottes geführt. Die folgende Kategorisierung geht auf Immanuel Kant zurück:
Durch logische Ableitung wird auf die Existenz Gottes geschlossen. Bekanntes Beispiel ist der Gottesbeweis von Anselm von Canterbury aus dem 11. Jahrhundert. Anselm versucht, auf der Basis des Axioms 'Gott ist worüber hinaus nichts Grösseres (Vollkommeneres) gedacht werden kann' die Existenz von Gott logisch herzuleiten. Aus der Tatsache, dass es möglich ist, sich ein perfektes, höchstes Wesen vorzustellen, wird dessen Existenz abgeleitet. ↑
Beurteilung. Der Beweis ist logisch nicht schlüssig. Man kann aus einem Begriff nicht auf die Existenz des damit bezeichneten Sachverhalts schliessen. Der Begriff einer 'vollkommenen Insel' beispielsweise beweist noch nicht deren tatsächliche Existenz. Der einzige schlüssige Beweis für eine Existenz ist deren Erfahrung bzw. Messung.
Der kosmologische Beweis geht davon aus, dass das Universum eine Ursache ausserhalb seiner selbst haben muss. Der Beweis basiert auf der Grundannahme, dass von 'nichts' auch 'nichts' kommen kann. Jede Wirkung muss eine Ursache haben, die ihrerseits wieder eine Ursache hat, und so weiter. Daraus ergibt sich eine Kette von Ursache und Wirkung, von Beweger und Bewegtem. Diese Kette darf jedoch nicht unendlich sein (unendlicher Regress), denn eine unendliche Kette würde die Frage nach ihrer eigenen Existenz aufwerfen. Daher muss es eine erste Ursache geben, die selbst keine Ursache besitzt, d.h. einen unbewegten Erstbeweger. Diese erste Ursache wird mit Gott assoziiert. ↑
Gemäss dem 'Standardmodell der Kosmologie' entstanden beim Urknall Materie, Raum und Zeit aus einer ursprünglichen Singularität (Massen und Raumzeit fallen in einem einzigen Punkt zusammen). Gemäss dieser Theorie ist nicht nur das Universum, sondern das eigentliche Raum-Zeit-Kontinuum mit dem Urknall entstanden. 'Ausserhalb' bzw. 'vor' dem Urknall gab bzw. gibt es folglich weder die uns bekannte lineare Zeit noch den dreidimensionalen Raum oder ein materielles Universum.
Es müsste aber 'Etwas' geben, das als Basis für den Urknall und somit auch für das Raum-Zeit-Kontinuum gedient hat. Dieses 'Etwas' müsste jenseits von Raum und Zeit angenommen werden und hätte sich entweder zum Zeitpunkt des Urknalls in das Raum-Zeit-Kontinuum aufgelöst oder stünde in einer wie immer gearteten Beziehung dazu. Es wäre davon auszugehen, dass dieses 'Etwas' die Potenzialität zur Schaffung des Raum-Zeit-Kontinuums bzw. des Universums hätte. Was dieses 'Etwas' ist und ob das Universum in einem bewussten Schöpfungsakt entstanden ist, wissen wir nicht. ↑
Unter der Annahme, dass alles eine Ursache haben muss, gilt das dann nicht auch für Gott? Wie ist Gott entstanden? Diese Frage ist insofern absurd, als das Absolute gerade dadurch definiert ist, dass es nicht auf eine dahinter liegende Wahrheit oder Ursache zurückgeführt werden kann, denn dann wäre ja diese das Absolute. ↑
Beurteilung. Der Ansatz eines unbewegten Erstbewegers lässt sich nicht beweisen, aber auch nicht grundsätzlich widerlegen. Es ist nicht anzunehmen, dass sich Gott bzw. das Absolute je wird physikalisch nachweisen lassen. Die Annahme von Gott bzw. des Absoluten als reine Transzendenz macht einen solchen Nachweis per se unmöglich, denn wie kann etwas in Modelle gefasst werden, was per Definition jenseits alles Denkbaren liegt?
Der Ansatz geht davon aus, dass Ordnung und Komplexität der Welt einen intelligenten Schöpfer bedingen. Grundlage dieses Beweises ist die Erkenntnis, dass alle Elemente des Universums und unserer Welt wohlgeordnet und aufeinander abgestimmt sind. So ermöglicht die Ausprägung der physikalischen Naturkonstanten im Universum, dass Leben wie wir es kennen überhaupt möglich ist. Bereits bei einer Abweichung um wenige Promille wäre das nicht mehr der Fall. Die verschiedenen Lebensformen und Prozesse der Natur greifen perfekt ineinander (Oekosysteme). Die Erde scheint wie für den Menschen geschaffen. Es herrscht kein Chaos, sondern es ist alles wohl geordnet und zweckgerichtet ('Teleologie' = 'Zwecklehre'). Eine solche Ordnung kann nicht aus sich selbst entstanden sein, sondern setzt einen ordnenden Geist voraus, der die Schöpfung in Harmonie, Weisheit und Weitsicht erschaffen hat. Mit diesem ordnenden Geist wird Gott assoziiert. ↑
Beurteilung. Wären die Naturkonstanten bzw. die Lebensbedingungen auf der Erde anders, hätte sich vielleicht eine andere Form von Leben entwickelt. Nach Ansicht der modernen Naturwissenschaften kann die beobachtete Ordnung allein auf die physikalischen Naturgesetze sowie die Gesetze der Evolution zurückgeführt werden. Jedes geordnete Phänomen lässt sich prinzipiell auf Grundlage dieser Mechanismen erklären. Gott ist damit als Erklärung überflüssig. Andererseits muss die Annahme eines hinter der materiellen Schöpfung wirkenden ordnenden geistigen Prinzips kein grundsätzlicher logischer Widerspruch zur Evolutionslehre sein. Angesichts der Komplexität der Schöpfung besteht dazu sogar eine gewisse Plausibilität.
Es gibt bis heute keinen schlüssigen Beweis, weder für die Existenz noch für die Nicht-Existenz von Gott bzw. eines Absoluten. Die einzig logisch haltbare Position ist letztlich diejenige des (positiven) Agnostikers, der zwar nicht weiss, ob Gott existiert, dessen Existenz aber auch nicht grundsätzlich ausschliesst; und der sich im besten Fall aufmacht, diese Frage über das Verfolgen eines spirituellen Pfades durch eigene Erkenntnis zu klären. ↑
Die Existenz von Gott bzw. eines Absoluten ist und bleibt also letztlich eine Glaubensfrage.
Version vom 24. Januar 2021
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