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Frauen netzwerken anders
Geschlechterunterschiede gibt es auch in der virtuellen Welt. Forscher fanden Differenzen zwischen Frauen und Männern bei der Interaktion und auch in der Wahrnehmung.
Frauen und Männer sind in virtuellen Netzwerken grundsätzlich verschieden organisiert. Forscher untersuchten Handlungen wie die Kommunikation, das Knüpfen und Beenden von virtuellen Freundschaften, und den Umgang mit Feindschaften. «Frauen-Netzwerke sind stabiler und sorgen für Halt in der Gesellschaft, Männer-Netzwerke sind ausgefaserter, dafür funktioniert der Informationsfluss effizienter», erläutert Studien-Autor Stefan Thurner. Er und sein Kollege Michael Szell von der Universität Wien haben Geschlechterunterschiede in virtuellen Gemeinschaften untersucht. Dafür analysierten sie mehrere Millionen Interaktionen von rund 300'000 Teilnehmern eines Onlinespiels.
Männer nehmen sich deutlich länger Zeit, bis sie eine Freundschaftsanfrage bestätigen. Ihr Netzwerk ist weit verzweigt und weniger stabil als das von Frauen. Allerdings sei in einem Männer-Netzwerk der Informationsfluss schneller, so die Wissenschaftler. Zum Beispiel wissen Männer eher davon, dass jemand in ihrem Netzwerk einen neuen Job sucht.
Frauen schliessen viel schneller Freundschaften, die dann auch länger halten. Sie kommunizieren mehr als Männer (15 Prozent) und es ist ihnen wichtig, dass ihre Kontakte untereinander ebenfalls befreundet sind. Darauf würden Männer viel weniger Wert legen. Bei Feindschaften beobachteten die Forscher eine niedrigere Aggressionsschwelle von Männern. Sie reagierten prompt auf Feindschaftserklärungen und deklarieren den anderen ebenso zum Feind. Frauen ignorierten solche Erklärungen vielfach.
Unterschiedliche Wahrnehmung
Frauen und Männer agieren in virtuellen Netzwerken aber nicht nur anders, ihre Aktionen werden auch unterschiedlich bewertet. Geschlechterunterschiede in Business-Netzen wie Xing hat Sabrina Eimler von der Universität Duisburg-Essen analysiert. Ihre Studien zeigen, dass weibliche Profilinhaber generell personenorientierter und wärmer wahrgenommen werden als männliche.
Bei der Bewertung werden unterschiedliche Massstäbe angesetzt: «Männern wurde ein höheres Mass an Kompetenz und Aufgabenorientierung zugeschrieben, wenn sie zusammenfassende, für das Gesamtprofil aber redundante Informationen unter "Ich biete" listeten. Frauen wurden insbesondere dann als aufgabenorientiert und kompetent eingeschätzt, wenn sie die redundanten Einträge wegliessen», fasst Eimler zusammen.