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Räderten-Brünnelistockkette, 3) die Wiggiskette, 4) die Deyenstockkette die sich nördlich unter die Wiggis einschiebt, 5) die Wageten-Köpfler-Aubrigkette, die von den übrigen völlig getrennt, wie abgerissen und selber mehrfach zerstückelt, als schmaler Kamm von O. nach W., von der Linth bis an die Sihl zieht. Bei aller innern und äussern Aehnlichkeit dieser Kreidegebirge hat doch deren jedes wieder seine Besonderheiten, namentlich in stratigraphischer und tektonischer Beziehung.
Sie sind, wenn auch nahe verwandt, doch faziell verschieden. Es hat viele Mühe und Arbeit gekostet, sich von diesen so verschiedenen und verwickelten Verhältnissen ein befriedigendes Bild zu machen und dieselben zu erklären. Nach der siegreich den Platz behauptenden jüngsten Theorie gehören die verschiedenen Kreidegruppen auch verschiedenen sog. Ueberfaltungsdecken an, von denen jede folgende auf der nächstvorhergehenden liegt und dieselbe nordwärts überragt.
Für unser Gebiet hätten wir zunächst zu unterscheiden die Drusbergdecke, die Rädertendecke, die Wiggisdecke und die Scheyenstockdecke. Alle diese Decken reichen aber nach O. und W., bezw. ONO. und WSW. noch erheblich über unser Gebiet hinaus. So gehört z. B. zur Drusbergdecke auch noch die Kette des Fronalpstocks zwischen Muota- und Riemenstaldenthal, wie denn der Eozänstreifen Näfels-Pragel-Muota auch durchs Riemenstaldenthal hindurch geht. Die Wiggisdecke setzt sich durch die Churfirsten und das Säntisgebirge fort, so dass sie meist auch als Säntisdecke bezeichnet wird.
Sie reicht s. des Pragel und Riemenstaldenthales ferner noch über die Silbern und die Kette Kaiserstock-Rossstock bis zum Axenberg am Urnersee. Die Rädertendecke dagegen scheint nur eine kleinere Abzweigung dieser Säntisdecke zu sein. Alle drei Decken ruhen je auf einer Eozän-, bezw. Flyschunterlage. Aber damit sind die Ueberfaltungsdecken noch nicht zu Ende. An der O.-Wand des Wiggis-Rautispitz sehen wir ein Flyschband zwischen einer obern und einer unteren Kreideserie, die beide in normaler Lagerung vorhanden sind, eingeklemmt, das sich w. in der Kette des Deyenstocks fortsetzt.
Auch an den Churfirsten ist ähnliches zu beobachten wie am Wiggis- und Rautispitz, d. h. eine untere und obere, je normal geschichtete Kreideserie mit dazwischen liegendem Flyschband, also ein Gebirge auf dem andern. Die untere Schichtenreihe, die bis in den untern Malm reicht, findet ihre Fortsetzung im Mürtschenstock und ruht nach neueren Beobachtungen ebenfalls auf Eozän. Die so erhaltene Mürtschendecke reicht auch in den Glärnisch hinein, wird aber dort von der Säntisdecke überlagert und ruht ihrerseits wieder auf einer noch weitern Decke, der dann die Schichtgesteine des grössten Teils der Glarneralpen - auch im St. Galler Oberland und in Uri - bis hinab zum Verrucano (Perm) angehören.
Sie wird als Glarnerdecke bezeichnet, reicht südwärts bis in das bündnerische Rheinthal und ruht wiederum, wie alle übrigen, auf Flysch. So hätten wir also fünf Decken: die Glarner-, Mürtschen-, Säntis-, Räderten- und Drusbergdecke. Am Glärnisch, am Wiggis-Rautispitz, an den Churfirsten und in den Gebirgen s. vom Walensee sieht man zwei oder drei dieser Decken aufeinander liegen und damit gleichsam zwei oder drei aufeinander getürmte Gebirge bilden. Von diesen fünf Decken ist die Glarnerdecke nach Länge, Breite und Dicke die mächtigste.
Ihre Länge entspricht wahrscheinlich derjenigen des ganzen Aarmassivs, auf dessen S.-Seite sie entspringt und über welches sie sich in einer Breite von etwa 40 km nach N. legt. Sie ist die Stammdecke, von welcher sich dann nach und nach die übrigen Decken abzweigten: erst die Mürtschen- und dann die Säntisdecke, sowie von dieser wieder die kleinere Rädertendecke, endlich die Drusbergdecke. Das Zentralmassiv selbst wird erst während und nach der Deckenbildung seine volle Höhe erreicht haben. So kam es, dass die Ueberdeckungsfalten auf der S.-Seite des Massives nordwärts in die Höhe steigen, auf der N.-Seite aber sich wieder senken.
Die den obern Decken angehörenden Gebirge (Säntis-, Räderten- und Drusbergkette) enthalten nur Kreideschichten, während erst weiter s. in der Mürtschendecke auch Juragesteine folgen und in der Glarnerdecke vor allem der Verrucano (Perm) eine mächtige Ausdehnung gewinnt. Die einzelnen Decken sind ferner nicht glatt ausgebreitet, sondern in sich selber vielfach gefaltet und gebrochen, zeigen also selber wieder mannigfaltige Falten und Verwerfungen. Die so entstandenen Gebirge, wie das Säntis-, Wiggis-, Räderten- und Drusberggebirge, sind also Teile von gefalteten Ueberdeckungsfalten, die durch Erosion und Abtragung, insbesondere auch durch Thalbildung wieder gegliedert und zerstückelt erscheinen.
Die Säntisdecke erreicht ihre grösste Höhe im Säntisgebirge. Von da an senkt sie sich nach NO., taucht bei Sennwald-Oberried unter das Rheinthal und erhebt sich wieder im Vorarlberg. Ebenso sinkt sie nach SW. und wird dann w. des Linththales von Eozän (Flysch) überdeckt, auf welchem als höhere Kreide-Ueberfaltungsdecke die Rädertendecke sitzt, die wohl nur als eine randliche Verzweigung der Säntisdecke aufzufassen ist. Auch die Rädertendecke sinkt nach W. und wird im obern Wäggithal von Eozän überdeckt.
Auf diesem liegt als weitere Kreide-Ueberfaltungsdecke die Drusbergdecke, die ihrerseits wieder nach W. sich senkt, aber s. vom Muotathal in der Fronalpstockkette sich nochmals erhebt. In der Senkungsregion ist der N.-Rand der Drusbergdecke von Flysch bedeckt, auf welchem die Mythen und die Iberger Klippen schwimmen. Jenseits des Urnersees steigt die Drusbergdecke noch einmal in die Höhe, senkt sich dann wieder und wird neuerdings von Eozän überdeckt, das abermals Klippen (Buochser- und Stanserhorn) trägt.
Während im O. die Säntisdecke den N.-Rand der Alpen bildet, finden wir im Gebiet der Sihlgruppe an diesem N.-Rand von der Linth bis an die Sihl die schmale Wageten-Köpflerkette, dann davon getrennt den Gugelberg, sowie Gross und Klein Aubrig, die ebenfalls voneinander getrennt erscheinen. Wir haben also hier keine zusammenhängende Falte mehr, sondern nur voneinander getrennte, im Flysch steckende Stücke einer solchen. Man fasst sie als frontale Gliederkette zusammen und kann sie, mit Unterbrechungen, längs dem ganzen N.-Rand der Alpen über Urmiberg-Rigi Hochfluh-Vitznauerstock-Bürgenstock-Lopperberg-Pilatus-Schrattenfluh-Scheibe bis zum Thunersee verfolgen.
Ihre Zerstückelung scheint weniger eine Folge der Erosion als vielmehr des seitlichen Auseinanderreissens zu sein. Anders verhält es sich mit den Klippen. Zwar werden auch sie als die letzten Denudationsreste einer Ueberfaltungsdecke aufgefasst, aber ihre fremdartigen Gesteine (Trias, Jura in sö.-alpiner Fazies, ferner basische Eruptivgesteine) weisen auf einen ganz andern Ursprung hin. Die ursprüngliche Klippendecke wurzelte am S.-Rand der Alpen und reichte von da über die ganze Breite des Gebirges. Ibergerklippen, Mythen, Buochser- und Stanserhorn, Giswilerstock sind die letzten spärlichen, von der Abtragung noch verschont gebliebenen Reste derselben.
Bibliographie. Burckhardt, Karl. Monographie der Kreideketten zwischen Klönthal, Sihl und Linth. (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. N. F. V). Bern 1896. - Quereau, E. C. Die Klippenregion von Iberg. (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. N. F. III). Bern 1893. - Kaufmann, F. J. Kalkstein- und Schiefergebiete der Kantone Schwyz und Zug. (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. XIV). Bern 1877. - Heim, Arn. Zur Kenntnis der Glarner Ueberfaltungsdecken (in der Zeitschrift der deutschen geolog. Gesellschaft. 1905).
[Dr Ed. Imhof.]