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Die Kunst des Heilens scheint mehrdimensional zu sein. Abgesehen von der erzählenden Geschichte wird viel Weisheit vermittelt und der Schlüssel zur praktischen Vorgehensweise gegeben, was noch wertvoller ist. Der Verfasser schildert die Episoden in der dritten Person (Saukumarya). Im Sanskrit bedeutet Saukumarya „Sanftheit“. Die Heilung geschieht sanft und entspricht dem Charakter des Verfassers. Es ist ein unpersönlicher Akt, der durch ihn geschieht. Ein Magnet kann nicht anders als magnetisieren.
Seine Fähigkeit, subtile Weisheit durch Unterricht zu vermitteln, ist bekannt. Wann immer er lehrt, heilt er auch. Heilen ist nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch eine Kunst. Die kunstvolle Art, wie Saukumarya verschiedene Mittel anwendet, um zu heilen, berührt zutiefst das Herz. Diese Art des Heilens ist ein Geschehen in Liebe.
Dr. K. Parvathi Kumar
Episode 2
Es war im Jahr 1978.
Aus reiner Ehrfurcht vor der Kuh hielt sich der Filialleiter einer indischen Versicherungsgesellschaft in seinem Haus eine eigene Kuh. Sie bekam sogar einen Namen und wurde gut versorgt, als wäre sie eine alte Mutter in seinem Haus. Er entwickelte eine Zuneigung zu dieser Kuh und von seinen Freunden und Verwandten wurde dies als Tugend betrachtet. Die Kuh gehörte einer besonderen Rasse an und war ganz weiß. Es war sein allmorgendliches Ritual, sich um die Kuh zu kümmern.
Dann kam die Zeit und die Kuh wurde trächtig. Nun kümmerte er sich mit besonderer Sorgfalt um die Kuh – um ihre Gesundheit und auch um das Kalb im Mutterleib. Eines Abends lag die Kuh in den Wehen, um das Kalb zur Welt zu bringen. Sie war jedoch nicht imstande, das Kalb herauszupressen und kämpfte. Der Besitzer der Kuh war in Panik. Er rief einen Tierarzt und benachrichtigte auch Saukumarya, mit dem er befreundet war.
Sofort machte sich Saukumarya auf den Weg zum Ort des Geschehens. Der Tierarzt traf ebenfalls ein und begutachtete die Situation. Er wurde blass und ganz still, denn er wusste nicht, wie er die Kuh und das Kalb retten konnte. „Die Kuh hat viel Schleim aus der Vulva abgesondert“, sagte er. „Während dieser Schleimabsonderungen sollte das Kalb herauskommen. Aber das ist nicht geschehen. Die Kuh gibt keinen Schleim mehr ab und das Kalb steckt noch zur Hälfte fest. Wenn es keinen weiteren starken Schleimabgang gibt, sind die Kuh und das Kalb in Lebensgefahr. Ich fahre zurück ins Krankenhaus, um eine Spritze zu holen.“ Saukumaryas Freund war voller Angst und sagte: „Sie hätten die Spritze doch mitbringen können! Es dauert eine Stunde, um dort hinzufahren und wieder zurückzukommen. Wird die Kuh das aushalten? Sie sollte schon gegen Mittag gebären. Jetzt ist es Abend. Seit heute Morgen bemüht sich die Kuh zu gebären. Wird sie das noch länger aushalten?“ Mit diesen Worten wandte er sich an Saukumarya, um irgendeine andere Hilfe zu bekommen.
Saukumarya sagte: „Wenn Sie einen Kassettenrekorder und eine Kassette mit Flötenmusik haben, bringen Sie diese sofort her. Bei Flötenmusik entspannt sich die Kuh. Wenn sie sich entspannt, wird sie ruhiger. Dann kann der Schleim wieder fließen und das Kalb wird geboren. Musik passt gut zu Kühen.“
Die Tochter des Freundes lief ins Haus und kam mit einem Kassettenrecorder und einer Kassette mit Flötenmusik zurück. Die Musik wurde gespielt, während der Tierarzt zum Krankenhaus eilte, um die Spritze zu holen. Innerhalb der nächsten fünfzehn Minuten stieß die Kuh eine weitere Schleimwelle aus, durch die das Kalb zur großen Verblüffung und zur Freude der Familie hinausgeschoben wurde. Damit waren die Kuh und das Kalb gerettet. Kurz darauf kam der Tierarzt mit der notwendigen medizinischen Ausrüstung zurück. Aber zu seiner Freude sah er, dass die Geburt inzwischen stattgefunden hatte.
Die Familie des Freundes war Saukumarya sehr dankbar. Saukumarya sagte: „Wir sollten der klassischen indischen Flötenmusik dankbar sein. Sie sollten den Perlen der Musik, die Indien hervorbringt, danken. Musik heilt. In dieser Situation ist Flötenmusik mit Abstand das Beste. Die Kuh fühlt sich bei Flötenmusik sofort wohl. Sie sollten sie jeden Tag zu Hause spielen. Dann können Sie zuhören und auch die Kuh wird zuhören.
Allerdings war die Kuh trotz Ihrer guten Pflege nicht stark. Es sieht so aus, als ob Sie die Kuh mehr verhätschelt als gut genährt haben. Sie verwöhnen die Kuh genauso wie Menschen ihre Kinder mit zu viel Schokolade und Eiscreme verwöhnen. Sorgen Sie dafür, dass die Kuh auf eine Wiese gebracht wird, damit sie grasen kann. Dadurch hätte die Kuh genügend Auslauf. In der Stadt ist es zweifellos schwierig, einen Weideplatz zu finden. Aber der Kuh täte es wirklich gut, wenn sie sich in ihrer natürlichen Umgebung entwickeln würde. Es genügt nicht, wenn Sie Ihre Kuh lieben. Sie sollten dafür sorgen, dass die Kuh in ihrer natürlichen Umgebung leben kann.“
Nach ein paar Monaten kam der Freund wieder und sagte: „Ich habe die Kuh in einem nahegelegenen Dorf untergebracht und sie einem Bauern geschenkt. Er hat versprochen, sich gut um sie zu kümmern. Nachdem ich die Kuh dort gelassen hatte, erhielt ich einen Versetzungsbescheid. Ich soll in den Süden gehen und dort arbeiten. Das gefällt mir nicht. Es kommt mir so vor, als hätte ich die Kuh im Stich gelassen und jetzt werde ich von dieser Stadt im Stich gelassen.“
Saukumarya lachte aus vollem Hals und sagte: „Sie sind ein gebildeter Mensch. Doch in Wirklichkeit sind Sie es nicht. Warum bringen Sie zwei verschiedene Ereignisse in einen Zusammenhang, die zur selben Zeit passiert sind? Wer weiß? Sie haben der Kuh Gutes getan. An dem neuen Ort werden auch Sie Glück haben. Ich wünsche Ihnen viel Glück. Ihre Bindung an die Kuh und an diese Stadt wird vom Herrn der Zeit mit einem Schlag aufgelöst. In gewisser Weise werden Sie geheilt und befreit. Gehen Sie mit Freude in die neue Stadt. Sie erwartet Sie. Neue Verbindungen warten auf Sie. Neue Programme werden sich entwickeln. Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht mit Ihrer unnachahmlichen Leidenschaft verstricken.“ Der Freund lächelte.
… wird fortgesetzt
Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus dem Buch „Heilungsgeschichten“
von Dr. K.P. Kumar, Indien.
Foto: © Pixabay