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Zusammenfassung
Physische und psychische Gesundheiten und Lebensqualität hängen mit Erholung und der Erfahrung von Natur zusammen. Komplexität der Natur und Biodiversität sind wichtige Voraussetzungen für ein langfristiges Funktionieren von Oekosystemen. BiodiverCity bediente sich eines neuartigen trans- und interdisziplinären Ansatzes unter Einbezug von Ökologen, Sozialwissenschaftlern, Praktikern und Interessenvertretern. Städtische Biodiversität sowie die Einstellung der Einwohner dazu sollten erhoben werden, damit die Bedürfnisse der Bewohner identifiziert und die Schlüsselfaktoren bezeichnet werden können, die Lebensqualität und Vielfalt in der städtischen Umwelt positiv beeinflussen.
Wirbellose Tiere, Vögel und Fledermäuse wurden an 96 Standorten in den drei Städten Zürich, Luzern und Lugano erhoben, die als repräsentativ für mittlere bis grosse Schweizer Städte ausgewählt wurden. Städtische Umweltvariablen wurden auf verschiedenen räumlichen Skalen verwendet, um städtische Matrixeigenschaften zu identifizierenen, die den grössten Einfluss auf die Artenzahlen und die Struktur der Artengemeinschaften zeigten. Die gleichen städtischen Eigenschaften, Artenvielfalt und Indikatorarten wurden verwendet für die Interviews mit der Öffentlichkeit auf der nationalen Ebene und mit städtischen Bewohnern.
Eine unerwartet gleichmässig hohe Artenvielfalt wurde in den drei Städte nachgewiesen: Im Schnitt wurden 282 Morphospezies und 4'800 Individuen pro Erhebungsort nachgewiesen unter Verwendung von Standard Aufnahmemethoden, d.h. Trichter- und Fensterfallen für die wirbellosen Tiere. Sicht- und akustische Erkennung für Vögeln erlaubte ein Gesamtzahl von 72 Arten und moderne bioakustische Methoden führte zur Identifizierung von zehn Fledermäusen in den drei schweizerischen Städten.
Wir konnten vier wirbellose Arten identifizieren, die neu für die Schweiz sind, sowie zwei fremde invasive Arten. Pflegeintensität und Alter des städtischen Grünbereichs beeinflussten die städtische Vielfalt der wirbelloser Tiere am meisten. Ältere Rasen beherbergen mehr Arten, wenn sie seltener geschnitten werden. Eine hohe Anzahl und die Vielfalt von Bäumen und Büschen beeinflussten den Artenreichtum und die Artenzusammensetzung der Vögel positiv. Die Artenzusammensetzung von weniger mobilen Gruppen wurde im Allgemeinen durch Umwelteigenschaften auf lokalen bis mittleren räumlichen Skalen beeinflusst, während die Artenzusammensetzung der beweglicheren Gruppen durch Anteil und Anordnung der Grünflächen auf mittleren bis grossen Skalen bestimmt wird, sowie von der Landschaftsmatrix, welche die Städte umgibt. Die geringe Variabilität der Artengemeinschaften, die durch räumliche Faktoren strukturiert werden, scheint das kleinräumige Mosaik von Lebensräumen zu reflektieren, das für städtische Landschaften typisch ist.
Das sozialwissenschaftliche Modul von BiodiverCity behandelte die Fragen von Beweggründen in drei Phasen, indem es Präferenzen für verschiedene Landschaftsformen untersuchte. Zuerst wurde anhand qualitativer Interviews nachgewiesen, dass Nutzbarkeit, Zugang und Reiz für städtische Bewohner wichtig sind, wenn man Natur betrachtet. In einer zweiten Phase, konzentrierten wir uns auf eine nationale Umfrage, die eine Einschätzung dessen erlaubte, welche Landschaftstypen von den Bewohnern bevorzugt werden und welche Elemente jener Landschaften ihnen wichtig sind. Es zeigte sich, dass Komplexität von Strukturen und Vegetation die dominierenden Kriterien für Landschaftspräferenz in der städtischen Umwelt sind, bis zu dem Punkt, an dem sie Nutzbarkeit und Zugang einzuschränken beginnen. In der Schlussphase wurde eine Fallstudie in den drei Zielstädten durchgeführt, um festzustellen, ob Präferenzen fest fixiert sind. Hier zeigte sich, dass das Vermitteln von Informationen über die ökologische Qualität der Landschaft, angegeben durch die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins von Indikatorarten, die Präferenz für Landschaften erhöhten, von denen angenommen wurden, dass es sich um hochwertigere Oekosysteme handelte.
In Anbetracht der Forderungen nach Nutzbarkeit und Zugänglichkeit müssen Massnahmen zu Erhöhung der Biodiversität zwingend die menschliche Komponente berücksichtigen. Es muss eine Überlappung zwischen bevorzugten Lebensraumvariablen und bevorzugten Landschaftsvariablen gefunden werden. Ausserdem ist diese Überlappung fallspezifisch und hängt von den Bedürfnissen der Nutzer eines bestimmten Raumes ab. Der Raum muss gleichzeitig einen Träger für die gewünschten Resultate und die Lebensräume zur Verfügung stellen. Diese Forderungen jedoch nicht inkompatibel, da strukturelle und pflanzliche Komplexität die dominierenden Eigenschaften der bevorzugten Landschaftsformen sind. Die Bevorzugung bestimmter Lebensräume kann auch erhöht werden, indem man der Öffentlichkeit Informationen über den ökologischen Nutzen solcher Lebensräume anbietet, etwa durch den Gebrauch von Flaggschiffarten. Die Faktoren die zur Lebensqualität beitragen sind vielfältig und komplex, aber Nutzbarkeit von und Zugang zu Natur gehören dazu.
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