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Ballett, Kunstturnen, Tennis, Fussball und Basketball – als Kind probierte ich allerlei Sportarten aus. Bereits mit vier versuchte ich mein Glück als Ballerina. Doch während die anderen Mädchen eine Pirouette nach der anderen drehten, war ich wie der Elefant im Porzellanladen, der es nicht mal hinkriegte auf einem Bein zu stehen.
Eine Fähigkeit beherrschte ich ausserhalb des Ballettunterrichts aber besonders gut: Den Purzelbaum. Also wechselte ich ins Kunstturnen. Dort war ich so erfolgreich, dass ich bei einem
Purzelbaumcontest Turnier auf dem ersten Podest stehen durfte. Ich gewann eine Kuhglocke. Die Trophäe machte mehr Lärm als ein startender Kampfjet. Und nein, ich bin nicht auf dem Land aufgewachsen. Die Kuhglocke war einfach ein traditioneller Wanderpokal, den ich nach einem Jahr dann wieder abgeben «musste». Obwohl ich vielleicht Giulia Steingrubers grösste Konkurrentin hätte werden können, hängte ich auch meinen Turnanzug an den Nagel. Die Purzelbäume langweilten mich.
Ich wechselte zum Gruppensport – das langweilte mich aber auch rasch. Im Basketball sass mein Team immer nur rum, war frech zum Trainer und lästerte lieber als irgendwas mit dem Ball zu machen. Ich sass auf dem Boden und dachte mir:
So wirklich der Teamplayer war ich dem Anschein nach auch nicht. Im Fussball versuchte ich Verteidiger, Stürmer und Goalie zu gleich zu sein. Ich hätte die jeweiligen Gegnermannschaft am liebsten alleine bezwungen. Die anderen konnte man ja zu nichts gebrauchen.
Damit ich mich nicht jedes Mal zu Tode ärgern musste, liess ich das also auch sein. Immerhin sorgte noch der Schulsport dafür, dass ich nicht ganz bewegungslos durchs Leben ging.
Dann wurde ich älter. Die Schule war vorbei, ich war jetzt also selbst für meine Bewegung verantwortlich. Bei schönem Wetter konnte ich mich gelegentlich fürs Joggen motivieren. Irgendwas muss man ja machen. Behaupteten damals zumindest die Promis in den Bravo-Magazinen. Also machte ich «irgendwas» und das vermutlich weder richtig und ganz bestimmt nicht regelmässig.
Es geschah, was geschehen musste: Ich wurde stolze Besitzerin von Fettpölsterchen. Diese mit meinem (falschen) Joggen wegzubringen, funktionierte nicht. Also fragte ich Google. Nach etwas Recherche stiess ich auf Pilates. Aus lauter Verzweiflung fand ich sogar an kitschigen Werbesprüchen wie «Der Schlankmacher der ganz anderen Art» gefallen. Ich meldete mich für eine Pilatesprobestunde an.
Und da stand ich dann also in einem sehr grossen Spiegelraum gemeinsam mit Damen mittleren Alters, die versuchten mit ihren Händen ihre Füsse zu greifen.
Nach der Aufwärmarbeit ging es über zur ersten Übung, die so einfach war wie die Fünferreihe. Wie soll ich mit solchen Übungen Fett verbrennen? Warum mach ich eigentlich wieder Sport? Ich könnte zu Hause Serien gucken.
Der Fehler lag natürlich an mir und nicht an den Übungen. Wie konnte es auch anders sein. Taktgefühl hab ich keins, Geduld sowieso nicht und Atmen tat ich seit neuestem offensichtlich auch nicht richtig.
Das mit dem Atmen, das wäre Übungssache, sagte man mir. Das komme schon noch! Richtig atmen heisst immer: voll und tief atmen. Das haben viele Menschen verlernt. Ich trainierte weiter, versuchte «richtig» zu atmen und die Übungen wurde mit der Zeit immer anstrengender.
Noch drei Tage nach dem Training plagte mich der Muskelkater. Sogar dort, wo ich ihn mir wünschte – an den Hüften. Ich meldete mich für den Kurs an und liess seither keine einzige Stunde sausen. Und ich sage dir auch warum.
Seitdem ich jeden Dienstag ins Training gehe, sehe ich definierte Muskeln, die sonst nur in Medizinbüchern zu finden sind.
Auch wenn Pilates als sanfte Trainingsmethode gilt, sind die Übungen sehr anspruchsvoll. Die Muskeln werden stark beansprucht und demnach gekräftigt. Es werden aber nicht nur einzelne Partien beansprucht, sondern der gesamten Körper. Somit wurde meine Haut schon nach wenigen Monaten deutlich gestraft und auch die Orangenhaut sagte Adieu.
Pilatesübungen sind vielseitig – und müssen nicht einmal besonders viel Zeit in Anspruch nehmen.
Mein Training geht eine Stunde, dazu gehören das Aufwärmen und am Schluss eine paar Erholminuten. Alle Übungen könnte ich auch selbst zu Hause durchführen, doch in der Gruppe kann ich mich besser motivieren. Wir trainieren auf dem Rücken, im Liegen aber auch im Stehen und verbinden die Übungen immer wieder mit anderen Hilfsmitteln wie beispielsweise Gymnastikbällen, Bändern oder Ringen. Im Sommer halten wir uns gelegentlich draussen auf einer Wiese fit.
Dank Pilates wurde meine Leistungsfähigkeit auch beim Joggen und anderen Sportarten verbessert.
Zurzeit geh ich zusätzlich noch ins Bodypump und Bauchtraining. Starke Bauch- und Rückenmuskeln sowie ein gut durchbluteter Beckenboden sind nämlich das A und O für einen stabilen Körper. Ausserdem werden die tiefen Bauchmuskeln aktiviert und der Beckenboden gekräftigt und durchblutet, was sogar die Libido ankurbelt.
Man meint oft Yoga sei der einzige Sport, der entspannend sein kann.
Dadurch, dass wir nicht herumhüpfen und laute penetrante Musik hören, sondern viel Wert auf präzise und kontrollierte Ausführung sowie richtiges Atmen legen, bleibt mir im Grunde nichts anderes übrig, als mich auf meinen Körper zu konzentrieren und abzuschalten.
Ich sitze viel, sei es bei der Arbeit oder zu Hause. Daher laufe ich meist krumm durch die Weltgeschichte.
Das regelmässige Dehnen verbesserte meine Körperhaltung und brachte Flexibilität in die Wirbelsäule und das Becken. Vor dem Training haben wir meine Grösse mal gemessen, nach nur einer Stunde bin ich tatsächlich rund zwei Zentimeter gewachsen.
Ich bin in kurzer Zeit zum Schlangenmensch und zur Sportskanone zugleich mutiert. Ich kann jetzt endlich auf einem Bein stehen und verabschiedete mich vom lästigen Hüftspeck. So schnell werden mich meine neuen Freunde mittleren Alters nicht wieder los.