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Die Erfindung des Stoffwechsels Wandel der Stoffwahrnehmung in der Naturforschung des 18. Jahrhunderts
PDF, 26 Seiten
Der heutzutage allgegenwärtige Begriff Stoffwechsel entstand Ende des 18. Jahrhunderts als Reaktion auf radikal neue Formen der Stoffwahrnehmung, die sich im Gefolge der Zirkulationsphysiologie und sogenannten pneumatischen Chemie entwickelten. Techniken zur Erforschung der Lüfte und der Bewegungen von Flüssigkeiten erweiterten das physikalische Verständnis von Stoffen; die materielle Zustandsform der Gase wurde erfunden. Ausgehend von den physiologischen Experimenten der Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier und Armand Séguin rekonstruiert der Aufsatz die epistemologischen Veränderungen in den Stoffbegriffen des 18. Jahrhunderts.
Alles ist im Fluss – diese antike Weisheit feiert im durchglobalisierten Weltgeschehen fröhliche Urstände. Mobilität und Wandel sind die kategorischen Imperative der Zeit. Auch Stoffe bewegen sich rastlos über den Erdball, ebenso wie durch unsere Körper, werden fortlaufend umgestaltet und konstituieren so die materielle Welt, wie wir sie erleben. Ausgehend von diesem Befund wird eine Wissensgeschichte dieser materiellen Welt anvisiert, die nicht Strukturen, sondern stoffliche Überführungen und Umwandlungen – räumlich, zeitlich und substanziell – ins Zentrum rückt. Ohne der Versuchung zu erliegen, die Physikochemie mit ihrem elementaren Baukastenprinzip der Materie oder theoretische Figurationen aktueller Diskurse – Stoffkreislauf, Zirkulation, Stoffwechsel, Materialfluss – als historische Apriori zu setzen, entwickeln die Beiträge eine von Prozessen und Bewegungen ausgehende Natur- und Kulturgeschichte der materiellen Welt.