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Span. Kolonisten gründeten im 17. Jh. auf dem Gebiet des heutigen U. Siedlungen, die in erster Linie die Vorherrschaft gegenüber den Portugiesen sicherstellen sollten. Erst ab 1777 gehörte das Gebiet offiziell zu Spanien und zum Vizekönigreich Rio de la Plata. 1830 entstand der heutige, nach dem Fluss U. benannte Nationalstaat. Fortan musste sich der Pufferstaat stets gegen die grossen Flächenstaaten Brasilien und Argentinien behaupten. Wegen des kleinen Staatsgebiets ohne natürl. Ressourcen, der hauptsächlich aus Europa stammenden Bevölkerung sowie der relativ stabilen Demokratie wird U. seit dem Ende des 19. Jh. als Schweiz Südamerikas bezeichnet. Präs. José Batlle y Ordóñez orientierte sich in seinen zwei Amtszeiten 1903-07 und 1911-15 an der Schweizer Verfassung; die neue Verfassung von 1919 bezog sich denn auch auf das Schweizer Vorbild. 1973-84 unterbrach eine brutale Militärherrschaft die Demokratie. 2004 betonte Staatspräsident Tabaré Vázquez in seiner Antrittsrede, er wolle U. wieder zur Schweiz Südamerikas machen. Bereits 1859 ernannte die Schweiz in U. einen Vizekonsul, 1864 einen Konsul. Während des 1. Weltkriegs vertrat die Schweiz die Interessen des Dt. Reichs in U. und die uruguay. Interessen in Deutschland. 1947 eröffnete die Schweiz die heutige Botschaft in Montevideo, U. unterhält eine Botschaft in Bern.
Der schweiz. Emigration nach U. kam nicht die Bedeutung zu wie derjenigen nach Argentinien. Die 1862-63 gegr. Stadt Nueva Helvecia (heute Colonia Suiza) geht auf schweiz. Siedler zurück. Dort hat das Basler Bankhaus Siegrist & Fender 1860 Ländereien erworben, die es an vorwiegend deutschschweiz. Siedler weiterverkaufte. Die etwas mehr als hundert Einwandererfamilien erhielten als Starthilfe staatl. Darlehen und landwirtschaftl. Geräte. Die Schweizer entwickelten die Milchwirtschaft und führten die Käseproduktion ein. Ab Ende der 1880er Jahre trafen in U. vermehrt Immigranten aus dem Tessin ein, die sich u.a. in der Bauwirtschaft betätigten. Die schweiz. Einwanderer gründeten in U. Selbsthilfeorganisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich und insbesondere Schützenvereine wie jene in Nueva Helvecia, Montevideo, Paysandú und Minas. In ihren Anfängen dienten diese den Schweizern auch zur Durchsetzung ihrer Interessen gegen die Gauchos, die ihnen Besitz und Ländereien streitig machten. V.a. in Nueva Helvecia tragen hist. Verbindungen mit der Schweiz zur lokalen und regionalen Identitätskonstruktion bei. Dort wird das Gedenken an die schweiz. Vorfahren durch den Klub Centro Helvético, durch Tanzgruppen, Chöre, die seit den 1970er Jahren durchgeführte 1.-August-Feier oder Denkmäler hochgehalten. 2009 hielten sich 994 Schweizer in U. auf. Nach dem Militärputsch von 1973 gelang einigen oppositionellen Uruguayern die Ausreise in die Schweiz, wo sie polit. Asyl erhielten. 2009 lebten 350 Uruguayer in der Schweiz. 1944 gründeten schweiz. Einwanderer und Nachfahren schweiz. Einwanderer die Handelskammer Schweiz-U., um die traditionell guten Handelsbeziehungen mit der Schweiz zu festigen. U. ist für die Schweiz kein grosser, aber ein interessanter Wirtschaftspartner. Die Schweizer Exporte nach U. machen jeweils ein Vielfaches der Importe aus U. aus. Die wichtigsten Schweizer Exportartikel sind pharmazeut. Produkte, Uhren und technologisch hochwertige Maschinen. Schweiz. Investitionen in U. wurden v.a. in der Nahrungsmittelindustrie getätigt. Nestlé liess sich 1976 in U. nieder, um den Kakao- und Kaffeemarkt zu bedienen. Seit 1923 haben die Schweiz und U. sechs bilaterale Verträge abgeschlossen, darunter insbesondere 1988 ein Investitionsschutzabkommen.
Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– J.C.F. Wirth, Colonia suiza hace ochenta años, 1944
– A.M. Tomeo F., Suiza en Paysandú, 2004
– S. Ziegler, Suizos en U., 2006
Autorin/Autor: Thomas Fischer