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IVANO FACCHINETTI
Ivano Facchinetti wurde am 1952 in Locarno geboren. Heute lebt und arbeitet er in Arcegno oberhalb von Losone. Nach einem Exkurs in die zeitgenössische Geschichte an der Universität Fribourg widmete er sich ganz der Kunst. 1987 erlangte er an der Scuola Superiore d'Arte applicata das eidgenössische Diplom als Grafiker und Illustrator. Nebst seinem eigenen künstlerischen Schaffen setzt er sich unermüdlich als Mitglied von Organisationen und durch Projekte für die Förderung der zeitgenössischen Kunst ein. Zwischen 2009 und 2013 unterbrach er die Arbeit im Atelier und konzentrierte seine künstlerische Suche auf die Projektion: Es entstanden mehr als 2500 Zeichnungsprojekte. Im Juli 2014 nahm er seine Ateliertätigkeit kontinuierlich wieder auf und "kehrte zur Malerei zurück". Seine Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen (Bundesamt für Kultur; Sammlung des Kantons Tessin; Kunstsammlung Schloss Bonndorf, Landkreis Waldshut) und in zahlreichen Privatsammlungen. Er führte unter anderem auch verschiedene Auftragsarbeiten im Bereich der Architektur aus. Ivano Facchinettis Werke sind dreidimensionale Wandobjekte, hergestellt mit unterschiedlichsten Materialien; er selbst nennt es Malerei. Klar umrissene Formen und leuchtende Farben kennzeichnen sein Werk.
Hier einige Aussagen von Autoren über Ivano Facchinetti:
"Ivano Facchinetti arbeitet an einem Bild, ausgehend von einem am Computer konzipierten Projekt, das zu dem wird, was wir sehen, sobald wir mit einem seiner jüngsten Werke konfrontiert sind; in diesem Prozess konzentriert er sich darauf, wie die einzelnen Farben, verglichen mit dem ursprünglichen Eingriff wirken, wenn sie physisch auf den Bildträgern in den einzelnen Kompositionen konkretisiert werden. Da er sich jedoch bewusst ist, dass jede Farbe nur in Bezug auf die Form und das Material, auf dem sie hergestellt wird, und in Bezug auf die materielle Beschaffenheit der Oberfläche, die sie trägt, als solche wirkt, arbeitet er mit verbissener Zähigkeit an der Herstellung des Bildträgers. Er wählt das Grundmaterial und verarbeitet es mit einer kunstfertigen Reihe von Eingriffen, bis hin zur Wahl des Lacks oder des Harzes, der die Farbe zum Ausdruck bringt. In diesem zweiten Verfahren gewinnt die handwerkliche Seele Facchinettis die Oberhand über das künstlerische Projekt und, wie der Künstler selbst sagt, ist "das Ergebnis ein Objekt, das mich im Vergleich zu dem, was ich machen wollte, verblüfft"."
Vito Calabretta, "Abtrünnig von sich selbst", Monographie: Ivano Facchinetti, 2018, Ed. Topík, S. 77
"Die Perspektive, aus der Facchinetti die Kunst betrachtet, ist zweifellos eine Perspektive der Konkretheit: ausgeschlossen sind die Nachahmung der Natur ebenso wie das Festhalten der Regungen einer subjektiven Innerlichkeit. Facchinetti berücksichtigt nur die Grundkomponenten der künstlerischen Sprache, Form und eben Farbe, die in ihrem vollen Potential betrachtet und angewandt werden. (...) Es stimmt, dass die Lesearten, das Spiel der Querverweise im Werk von Ivano Facchinetti vielfältig sind, obwohl ihre Herkunft überhaupt nicht offen zutage liegt. Im Gegenteil! Sie sind vollkommen metabolisiert und getarnt. Wenn der Verweis auf Matisse und dessen Bekenntnis zur absoluten Autonomie der Farbe und der Form essentiell ist, erhält Facchinetti auch nicht zu unterschätzende Impulse aus der internationalen zeitgenössischen Kunstszene, die er mit gleichem Engagement in seine Entwicklungen Richtung minimalistische und expressive Kunst einbezieht. Ivano Facchinetti erweist sich hierin, also in dieser Bewegungsfreiheit, als Künstler der Postmoderne, für den das Bewusstsein von ”alles wurde schon gemacht" mit der Dringlichkeit verbunden ist, glaubwürdige Lösungen für die Gegenwart zu finden. Und hier zeigt Facchinetti (...) eine hohe Reaktionsfähigkeit, die ihm eine Einmaligkeit, zumindest im jüngsten Kunstpanorama, verleiht. Wichtig und grundlegend für die Konstruktion des Werks von Facchinetti bleiben die Lehren der klassischen Meister der Avantgarde: Neben den bereits erwähnten sind Le Corbusier und die Protagonisten der konkreten Kunst, insbesondere in ihrer Schweizer Ausformung, zu erwähnen."
Maria Will, "Ein Künstler im Angesicht der Welt", Monographie: Ivano Facchinetti, 2018, Ed. Topík, S. 78-79