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Kaum eine Infektionskrankheit ist häufiger als Hepatitis B: Etwa jeder dritte Mensch auf der ganzen Welt hat sich schon einmal mit dem ursächlichen Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert. Die Folgen sind sehr unterschiedlich; meist geht die akute Infektion aber von selbst zurück.
Die Hepatitis B ist eine meldepflichtige, ansteckende Leberentzündung. Die Übertragung der Hepatitis-B-Viren erfolgt über das Blut oder andere Körperflüssigkeiten wie Sperma. Viele Fälle von Hepatitis B sind auf eine sexuelle Übertragung zurückzuführen, weshalb die Hepatitis B als Geschlechtskrankheit gilt. Ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung mit Hepatitis B besteht zum Beispiel bei:
Die Hepatitis B kann sehr unterschiedlich verlaufen: Ein Drittel aller akuten Hepatitis-B-Infektionen verläuft ohne Beschwerden und bleibt dann oft unerkannt. In den anderen Fällen treten spätestens sechs Monate nach der Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus zunächst allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit auf; dann kann sich eine Gelbsucht entwickeln. In bis zu zehn Prozent der Fälle entwickelt sich aus der akuten Infektion eine chronische Hepatitis B, die schwerwiegende Folgen (wie Leberzirrhose, Leberkrebs) haben kann.
Die gegen eine Hepatitis B eingesetzte Therapie hängt vor allem davon ab, ob die Infektion akut oder chronisch ist:
Zur Vorbeugung sind die Schutzimpfung gegen Hepatitis B für alle Kinder (schon im Säuglingsalter) und für Erwachsene mit erhöhten Ansteckungsrisiko sowie allgemeine Vorsichtsmassnahmen (wie Schutz vor Blutkontakt, Verwendung von Kondomen) empfehlenswert.
Die Hepatitis B (griech. hépar, hépatos = Leber, -itis = Entzündung) ist eine ansteckende akute oder chronische Entzündung der Leber infolge einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV). Diese Lebererkrankung kann die Leberzellen schädigen und zu Störungen der Organfunktion führen.
Da die Hepatitis B sexuell übertragbar ist, zählt sie zu den sogenannten Geschlechtskrankheiten.
Die Hepatitis B zählt weltweit zu den mit grosser Häufigkeit auftretenden Infektionskrankheiten: Mehr als jeder dritte Mensch hat sich bereits einmal mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert. Schätzungsweise 350 Millionen Menschen (das sind 5% der Weltbevölkerung) haben eine chronische Hepatitis B. Besonders häufig sind Hepatitis-B-Infektionen in Zentralafrika, Südostasien, Süd- und Osteuropa und im Pazifik.
In Europa gibt es ein klares Häufigkeitsgefälle: Während in den skandinavischen Ländern weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung eine chronische Hepatitis B haben, sind es in Ost- und Südeuropa fast 8 Prozent. In der Schweiz erkranken jährlich rund 100 Menschen an einer Akuten Hepatitis B.
Spätfolgen einer unbehandelten chronischen Hepatitis B können Leberzirrhose und sogar Leberkrebs sein: Weltweit ist die chronische Hepatitis B für schätzungsweise fast jede dritte Leberzirrhose und sogar für mehr als die Hälfte aller Fälle von Leberkrebs – der weltweit fünfthäufigsten Tumorart – verantwortlich.
Die akute Hepatitis B ist eine meldepflichtige Erkrankung. Die namentliche Meldung muss bei Vorliegen einer entsprechenden Erkrankung erfolgen.
Eine Hepatitis B hat ihre Ursachen in Infektionen mit einem bestimmten Erreger: dem Hepatitis-B-Virus (HBV). Dieses Virus ist ein doppelsträngiges DNA-Virus aus der Familie der Hepadnaviren (Hepatitis-assoziierte DNA-Viren). Der Mensch ist für das Hepatitis-B-Virus der einzige natürliche Wirt.
Für eine Hepatitis B kommen verschiedene Übertragungswege als Ursachen infrage: Die Übertragung der Hepatitis-B-Erreger erfolgt über das Blut oder über andere Körperflüssigkeiten wie Sperma, Tränenflüssigkeit, Vormilch (Kolostrum) und Speichel, die über die Schleimhäute oder kleine Verletzungen der Haut in den Körper gelangen. Besondere Risikofaktoren für eine Ansteckung mit Hepatitis B sind:
Es genügen bereits kleinste Mengen Blut, um sich mit Hepatitis B anzustecken. Daher ist das Risiko einer Ansteckung sehr hoch, wenn mehrere Menschen gemeinsam Gegenstände verwenden, die mit Blut verunreinigt sind (wie Kanülen, Ohrstecher oder Tätowier-Instrumente). Die Hepatitis-B-Übertragung ist auch durch Haushaltskontakte möglich – etwa wenn mehrere Mitglieder eines Haushalts ein Nagelset oder einen Rasierapparat gemeinsam benutzen. In den Industrieländern aber liegen 60 bis 70 Prozent der Hepatitis-B-Neuinfektionen als Ursachen sexuelle Kontakte zugrunde: Hepatits B ist eine sexuell übertragbare Erkrankung.
Als Ursachen für Hepatitis-B-Infektionen kommen zwar auch medizinische Eingriffe (Operationen, Zahnbehandlungen, Akupunktur usw.) infrage – eine solche Übertragung von Hepatitis-B-Viren stellt in Ländern mit hohem medizinischem Standard allerdings nur noch ein geringes Risiko dar.
Bei Reisen in Länder mit geringeren medizinischen Standards besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für die Übertragung von Hepatitis B durch Blutkonserven. Daher ist es ratsam, Bluttransfusionen nur in unmittelbar lebensbedrohlichen Fällen in Anspruch zu nehmen. Auch die in dortigen Spitälern benutzten Spritzen und Kanülen können verunreinigt sein und so die Ursachen für eine Hepatitis-B-Infektion bilden.
Bei der Hepatitis B beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit von der Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus bis zum Auftreten der ersten Symptome – 1 bis 6 Monate.
Eine Hepatitis B kann sehr unterschiedliche Symptome auslösen. Ein Drittel aller Hepatitis-B-Erkrankungen verläuft sogar symptomlos (also ohne Beschwerden) und bleibt deshalb häufig unerkannt.
Wenn eine Hepatitis B zu Anzeichen einer Erkrankung führt, handelt es sich dabei zunächst um wenig kennzeichnende allgemeine Symptome:
In jedem dritten Fall von Hepatitis B treten im Anschluss daran typische Symptome einer Gelbsucht auf:
Wie die Hepatitis B verläuft und wie schwer die Symptome im Einzelnen sind, hängt im Wesentlichen vom Alter und Allgemeinzustand der Betroffenen ab. Die meisten Hepatitis-B-Infektionen verlaufen günstig und heilen von alleine. Vor allem bei Erwachsenen sind aber schwere Krankheitsverläufe möglich. Eine akute Hepatitis B kann ausserdem in eine chronische Erkrankung übergehen, wobei die Betroffenen:
Bei Verdacht auf eine Hepatitis B ist es zur sicheren Diagnose nötig, den Erreger – das Hepatitis-B-Virus (HBV) – direkt oder indirekt nachzuweisen: Bei Menschen mit Hepatitis B finden sich Virusbestandteile im Blut – sogenannte HBV-Antigene (HBsAg bzw. HBeAg) und Viren-DNA (direkter Erregernachweis). Ausserdem bildet der Körper bei einer HBV-Infektion spezifische Antikörper gegen das Virus, die man ebenfalls in einer Blutprobe feststellen kann (indirekter Erregernachweis). Hierfür kommen spezielle Tests zum Einsatz. Bestimmte Antikörper sind noch Jahre nach einer erfolgten Infektion zu finden.
Der erste Verdacht auf eine Hepatitis B kann sich anhand der typischen Anzeichen einer Gelbsucht ergeben (z.B. dunkler Urin, gelbe Haut o. Augen), die bei einer HBV-Infektion nach den ersten Allgemeinsymptomen (wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Fieber, Druckgefühl im rechten Oberbauch) auftreten können. Etwa jeder dritte Fall von Hepatitis B verläuft aber ohne Beschwerden, sodass die Diagnose auch erst spät erfolgen oder die HBV-Infektion ganz unerkannt bleiben kann.
Bei einer Hepatitis B hängt die geeignete Therapie überwiegend davon ab, wie lange die Virusinfektion schon besteht:
Wenn Sie eine akute Hepatitis B haben, bedeutet das für Sie: Bettruhe einhalten und alle Medikamente oder Nahrungsmittel vermeiden, welche die Leber belasten könnten (z.B. Alkohol). Meistens heilt die Infektion von alleine aus. Nur in Einzelfällen (bei höchstens 0,5% der Erwachsenen) verläuft die Hepatitis B so heftig und schnell, dass eine Therapie ratsam ist, die auf die Bekämpfung der Viren abzielt.
Gegen eine chronische Hepatitis B stehen Therapie verschiedene Medikamente zur Verfügung – zum Einsatz kommen vor allem Interferon Alpha, Peginterferon Alpha 2a und Mittel gegen Viren (sog. Virostatika) wie Lamivudin, Entecavir, Telbivudin, Adefovir oder Tenofovir. Dabei ist der Behandlungsbeginn abhängig davon, wie gross die in Ihrem Körper nachweisbare Virusmenge (sog. Viruslast) ist.
Viele Menschen mit chronischer Hepatitis B sprechen jedoch nicht ausreichend auf diese medikamentöse Behandlung an, vertragen sie nicht oder entwickeln nach einer gewissen Behandlungszeit Resistenzen gegen einzelne Medikamente. Neue Therapiekombinationen sollen in Zukunft hier ansetzen und auch in diesen Fällen eine erfolgreiche Therapie ermöglichen.
Wenn die Hepatitis B so schwer verläuft, dass sie zum Versagen der Leber führt, ist zur Therapie eine Lebertransplantation notwendig.
Eine Hepatitis B nimmt in der Regel einen guten Verlauf: Bei Erwachsenen stellt sich die Heilung bei Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) in mindestens 90 Prozent der Fälle nach kurzer Zeit von selbst ein.
Allerdings bleibt das Virus nach einer durchgestandenen akuten Hepatitis B ein Leben lang in den Zellen der Leber. Unter besonderen Umständen (z.B. wenn Medikamente nach einer Transplantation die körpereigene Immunreaktion unterdrücken) ist seine erneute Aktivierung möglich.
In nur etwa 0,5 bis 1 Prozent aller Infektionsfälle entwickelt sich eine schwerwiegende akute Hepatitis mit heftigem und schnellem Verlauf – die sogenannte fulminante Hepatitis. Sie kann tödlich enden.
Begleitend kann im verlauf einer Hepatitis B ausserdem eine Hepatitis D entstehen. In diesem Fall besteht eine sogenannte Simultaninfektion oder Superinfektion mit dem Hepatitis-D-Virus (HDV). Hepatitis-D-Viren können sich nur dann vermehren, wenn eine aktive Hepatitis-B-Infektion vorliegt.
Wer aber einmal eine Hepatitis B durchgemacht hat, ist – bis auf einige Ausnahmen – im Verlauf seines gesamten Lebens immun: In diesen Fällen hat das Immunsystem ausreichend Antikörper gegen das Hepatitis-B-Virus gebildet. Diese Immunisierung schützt die Betroffenen (wie eine Impfung) vor einer erneuten Infektion.
Eine akute Hepatitis B kann auch in einen chronischen Verlauf übergehen, was schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen kann. Eine chronische Hepatitis B entwickelt sich allerdings höchstens in jedem 10. Fall. Bei Neugeborenen und Kindern unter einem Jahr verläuft eine Hepatitis-B-Infektion dagegen fast immer chronisch. Bei der chronischen Hepatitis B sind drei verschiedene Verlaufsformen möglich:
Sie können einer Hepatitis B durch verschiedene Massnahmen vorbeugen: Schutz vor einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus bietet die entsprechende Schutzimpfung. Hierbei erfolgen zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen. Um einen ausreichenden Langzeitschutz von etwa zehn Jahren zu erreichen, ist eine dritte Impfung gegen Hepatitis B nach sechs Monaten erforderlich. Eine Auffrischung 10 Jahre nach dieser Immunisierung im Säuglings- und Kleinkindalter ist derzeit für Kinder und Jugendliche nicht allgemein empfohlen. Die Wirksamkeit der Impfung gegen Hepatitis A und B ist zuverlässig, die Verträglichkeit in der Regel gut. Auch eine zweimalige Impfung mit einem Impfstoff, der sich ausschliesslich gegen Hepatitis B richtet, ist möglich.
Daneben kann jeder selbst etwas tun, um sich nicht mit Hepatitis B anzustecken: Medizinisches Personal kann sich vor Blutkontakt schützen, einer Ansteckung beim Geschlechtsverkehr kann man durch Kondome vorbeugen und bei Drogenabhängigkeit ist es wichtig, saubere Spritzen zu benutzen. Darüber hinaus sind auch allgemeine Vorsichtsmassnahmen zum Schutz vor Hepatitis B zu treffen, zum Beispiel ausreichende Kontrollen bei Blutkonserven und Blutprodukten.