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Die Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes
- Die Hündin hat sehr viel grössere Chancen, nach dem Decken trächtig zu werden. (50%-80% aller Hündinnen, die nach einer Paarung leer bleiben, wurden dem Rüden zum falschen Zeitpunkt zugeführt.)
- Eine Hündin, die zum optimalen Zeitpunkt gedeckt wird, hat deutlich höhere Chancen, einen grossen Wurf hervorzubringen (Verbesserung der Fruchtbarkeit, das heisst, Erhöhung der Welpenzahl).
- Die Paarung verläuft häufiger unter optimalen verhaltensbiologischen Bedingungen: Die Hündin akzeptiert den Rüden sehr gut, und der Deckakt verläuft problemlos. Dadurch verringert sich das Verletzungsrisiko und der Züchter spart Zeit.
- Steht der Deckrüde weit entfernt von der zu deckenden Hündin, kann die Anreise wirtschaftlicher geplant werden (geringeres Risiko eines Scheiterns der Paarung), und es ist nicht notwendig, sich mehrere Tage vor Ort aufzuhalten (niedrigere Kosten für die Unterkunft etc.).
- Ist der Deckrüde bereits älter, oder soll er aus anderen Gründen nicht so häufig decken, wird die Anzahl unnötiger Sprünge verringert.
- Der Geburtstermin lässt sich gezielter planen (die Geburt findet etwa 61 Tage nach der optimal fruchtbaren Periode, also zwei Monate nach dem Deckenstatt. Wird eine Hündin nach einer optimalen Läufigkeitskontrolle z. B. am 25. September gedeckt, findet die Geburt meist am 25. November statt.)
Verbreitete Vorstellungen über den optimalen Deckzeitpunkt
Allzu viele Handbücher oder Internetseiten liefern dem Züchter falsche, ungenaue oder missverständliche Informationen über die Wahl des optimalen Deckdatums. Hier einige Beispiele für gängige irrtümliche Vorstellungen:
- Eine Hündin muss immer zwischen dem Tag 10 und Tag 13 der Hitze gedeckt werden (In sehr vielen Fällen trifft dies nicht zu: Einige Hündinnen werden deutlich vor dem 10. Tag der Läufigkeit erfolgreich gedeckt, andere nehmen gelegentlich auch noch nach dem 20. Tag oder sogar 25. Tag auf).
- Wenn sich die Hündin problemlos bespringen lässt, ist dies der Beweis dafür, dass sie sich in ihrer optimal fruchtbaren Periode befindet.
- Ein Rüde irrt sich nie: Er findet immer den “richtigen Zeitpunkt”.
- Eine Hündin ist in allen Zyklen stets zum selben Zeitpunkt deckbereit (Bei vielen Hündinnen variiert der Ovulationszeitpunkt von Läufigkeit zu Läufigkeit. Mögliche Ursachen sind klimatische oder saisonale Faktoren.)
Verteilung der Deckzeitpunkte, die zu einer Trächtigkeit geführt haben (745 Hündinnen, untersucht im CERCA-Labor der ENVA). Auffällig ist, dass 40% der Hündinnen zwischen Tag 10 und Tag 13 der Läufigkeit deckbereit sind, während 10% vorher und 50% danach aufnehmen.
Hat der Deckzeitpunkt einen Einfluss auf die Anzahl und das Geschlecht der Welpen?
Die Hündin hat ihre fruchtbarste Periode etwa 3 bis 4 Tage nach der Ovulation.
Hündinnen, die deutlich vor oder aber nach diesem Datum gedeckt werden, haben geringere Chancen, aufzunehmen oder zahlenmässig grosse Würfe hervorzubringen. Der Deckzeitpunkt kann die Anzahl der geborenen Welpen also sehr stark beeinflussen. Dagegen gibt es zwischen dem Deckzeitpunkt und der Geschlechtsverteilung der zukünftigen Welpen keinerlei Zusammenhang.
Das Signal für den Eisprung: Der LH-Gipfel
Gegen Ende des Proöstrus stimuliert die hohe Konzentration weiblicher Hormone (Östrogene) eine kleine, unterhalb des Gehirns gelegene Zone, die Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Sie setzt daraufhin enorme Mengen eines als “Luteinisierungshormon” bezeichneten Hormons – besser bekannt unter seiner Abkürzung LH – in den Blutkreislauf frei, bis schliesslich der “LH-Gipfel” erreicht ist. Der Effekt des LH-Gipfels auf die Follikel ist spektakulär. In diesem Stadium, unmittelbar vor der Ovulation, füllen sich die Follikel unter Druck mit einer Flüssigkeit. Die hormonelle Stimulation sorgt schliesslich dafür, dass die Follikel mit einer Verzögerung von etwa 48 Stunden “explodieren”. Bei diesem Auseinanderplatzen werden die Ovozyten, also die später befruchtungsfähigen Eizellen freigesetzt: Diesen Vorgang bezeichnet man als Ovulation (Eisprung).
Die notwendige Reifung der zukünftigen Eizellen
Bei den meisten weiblichen Tieren (z.B. Katze oder Kuh) können die Eizellen unmittelbar nach der Ovulation befruchtet werden. Bei der Hündin sind die durch den Eisprung freigesetzten Ovozyten noch sehr unreif und müssen über einen Zeitraum von etwa zwei Tagen reifen, bevor sie sich mit einer Samenzelle vereinigen können. Diese Reifung findet in den Eileitern statt.
Die Periode der optimalen Fruchtbarkeit
Wie lange kann eine Hündin nach der Ovulation noch gedeckt werden?
Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage ist sehr schwierig, und es ist immer noch ein umstrittenes Thema: Wann findet die Ovulation statt? Wie lang genau überleben die Eizellen nach der Ovulation und nach der Reifung? Unumstritten ist jedoch, dass zwei Parameter die Deckperiode begrenzen: Zum einen die mittlere Lebensdauer der Eizellen und zum anderen der Verschluss des Gebärmutterhalses: Die mittlere Lebensdauer wird gegenwärtig auf 24 bis 48 Stunden nach erfolgter Reifung geschätzt. Der Gebärmutterhals schliesst sich zwischen 5 und 10 Tagen nach der Ovulation, wobei es allerdings grosse Unterschiede zwischen einzelnen Rassen gibt. Ist der Gebärmutterhals geschlossen, können die Spermien nicht in Richtung Eileiter aufsteigen, und eine Befruchtung kann ohne intrauterine Besamung nicht stattfinden. Der späteste Deckzeitpunkt der Hündin liegt also etwa 4 bis 6 Tage nach der Ovulation.
Das Überleben der befruchtungsfähigen Eizellen
Nach ihrer Reifung haben die Eizellen nur eine begrenzte Lebensdauer. Schätzungen zufolge überleben sie etwa 48 Stunden. Man hat festgestellt, dass aufgrund von Überschneidungen die Mehrzahl der Hündinnen etwa 48 Stunden fruchtbar bleibt, gelegentlich aber auch bis zu drei Tage. Also bleibt für die erfolgreiche Befruchtung der Eizelle nur sehr wenig Zeit in einer insgesamt bis zu drei Wochen andauernden Läufigkeitsperiode! Zusammengefasst liegt die Periode der optimalen Fruchtbarkeit bei der Hündin zwischen dem 2. und 4. Tag nach der Ovulation, nachdem die Eizellen gereift sind.
Zu früh oder zu spät durchgeführte Deckakte
Wenn eine Hündin zu sehr ausserhalb der optimalen Fruchtbarkeitsperiode gedeckt wird, besteht ein hohes Risiko, dass sie nicht tragend wird oder nur einige Welpen hat. Diese können bei der Geburt grösser sein und deshalb dann Probleme hervorrufen. Ein Extremfall ist ein einziger Fötus in der Gebärmutter. Dies kann bei grossen Rassen problematisch werden, da die Geburt nicht spontan ausgelöst wird und ein Kaiserschnitt erforderlich ist.
Wann soll gedeckt werden?
Der einfachste, zugleich aber auch am wenigsten zuverlässige Methode zur Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes ist die Beobachtung des Verhaltens der Hündin und der Veränderungen der Farbe ihres Vaginalausflusses.
Der Duldungsreflex
Dieses Verhalten besteht in einem reflexartigen zur Seite stellen der Rute und einer Lordose (Einsenkung des Rückens) bei Berührung des Damms und des Vulvabereichs. Einige Hündinnen zeigen dieses Verhalten bereits ab dem Beginn der Läufigkeit, bei anderen besteht es nur wenige Tage um den Zeitraum der optimalen Periode herum.
Die Grösse der Vulva
Zu Beginn des Östrus ist die Vulva stark angeschwollen. Mit dem Näherrücken der Ovulation wird sie allmählich wieder etwas kleiner. Dieses sehr unregelmässige Kriterium hat häufig ein zu spätes Decken zur Folge.
Das Akzeptieren des Rüden bzw. der Paarung
Das Akzeptieren der Paarung ist kein ausreichend zuverlässiges Kriterium. Ein problemlos abgelaufener Deckakt bedeutet nämlich nicht zwangsläufig, dass die Hündin auch tatsächlich in der optimal fruchtbaren Periode war.
Manche Züchter behaupten zwar, dass sich ihre Rüden beim Erkennen des optimalen Deckzeitpunktes einer Hündin niemals irren, und auf einige sehr erfahrene Rüden trifft dies zweifellos zu, es gibt aber auch Rüden, auf die man sich diesbezüglich nur sehr wenig verlassen kann. Dieses Kriterium allein reicht also aufgrund seiner Unregelmässigkeit nicht aus.
Klinische Befunde und Verhaltensänderungen
Das Aussehen des Vaginalausflusses
Scheiden- oder Vaginalabstrich
Bestimmung des Progesteronspiegels
Die Progesteronmessung zur Bestimmung des LH-Gipfels ist sehr anfällig für Fehler. Im Fall dieser Hündin hätte man annehmen können, dass der LH-Gipfel (Progesteron 1.91ng/l) an Tag 7 der Läufigkeit erreicht wird. Tatsächlich wurde er aber erst um den 12. Tag erreicht, und die Ovulation fand am Tag 14 statt.
Ultraschalldiagnostik
Vaginalendoskopie
Endoskopisches Erscheinungsbild der Vaginalschleimhaut. Im Verlauf der Läufigkeit bei der Hündin. Zu Beginn der Läufigkeit ist die Schleimhaut sehr ödematös (geschwollen), rötlich und glänzend (oben) später, zum Östrus hin, wird sie faltenreich und blass.
Paarung
Die Paarung ist eine wichtige Phase in der Zucht. Sie sollte überwacht werden, um sicher zu sein, dass sie tatsächlich stattgefunden hat und um Verletzungen zu vermeiden.
Das Vorspiel
Der eigentlichen Paarung geht ein je nach Rasse oder Erfahrung der Partner mehr oder weniger langes Vorspiel, geprägt von zum Teil spielerischem Werben um den Partner, voraus. Der Rüde spielt hierbei oft die aktivere Rolle, es kommt aber durchaus vor, dass die Hündin ihren Partner lockt und geradezu provoziert, wenn dieser nicht unternehmenslustig genug ist.
Wenn die Hündin sehr willig ist und der Rüde erfahren und eher dominant, kann die Penetration sehr schnell beginnen, in weniger als einer Minute. Handelt es sich umgekehrt um zwei sehr unerfahrene Partner, können zahlreiche vergebliche Versuche erforderlich sein. Man sollte deshalb vermeiden, eine unerfahrene Hündin mit einem ebenfalls unerfahrenen Rüden zu verpaaren. Es ist falsch, anzunehmen, dass jeder Hund mit jeder Hündin gepaart werden kann. Wir wollen nicht so weit gehen und von Vorlieben sprechen, hierbei spielen jedoch zahlreiche Faktoren eine Rolle. Insbesondere die Hierarchie: Einige Rüden, auch Schönheits- und Leistungssieger, weigern sich, eine dominante Hündin zu decken, wenn sie ein wenig unterlegen sind. Manchmal akzeptiert die Hündin ihre Annäherungsversuche, aber im letzten Moment ziehen sich diese Rüden zurück. Aus Gründen, die für den Menschen nicht erkennbar sind, gefallen sich manche Hündinnen und Rüden nicht…
Die Paarung
Der Rüde besteigt die Hündin und dringt mit Hilfe schneller Beckenstösse in sie ein. Die Paarung löst einen reflektorischen Spasmus (Krampf) des Vaginalschliessmuskels der Hündin aus, wodurch der Rüde bis zum Ende des Deckaktes festgehalten wird. Man sagt, die Hunde “hängen”. Der Rüde dreht sich häufig um 180 Grad, so dass beide Hunde schliesslich mit den Köpfen in entgegengesetzter Richtung am Hinterteil aneinander hängen. Dieses seltsame Schauspiel kann von fünf Minuten bis über eine Stunde andauern, im Durchschnitt ist es aber nach einer Viertelstunde beendet.
Keinesfalls darf man versuchen, die Hunde in dieser Situation gewaltsam zu trennen, da man dadurch Rissverletzungen und schwere Blutungen riskiert. Nicht selten gibt die Hündin, insbesondere bei ihrer ersten Paarung, klagende Schreie von sich oder heult sogar laut auf, im Moment, in dem sich durch die Umklammerung des Rüden gefangen fühlt und in dem ihre Vaginalschleimhaut manchmal etwas brutal geweitet wird. Man muss sich darüber nicht erschrecken, in aller Regel bleibt dies ohne Folgen, sowohl für das Gelingen der Paarung, als auch in Bezug auf die Fruchtbarkeit oder die Gesundheit des Geschlechtstraktes der Hündin.
Das “Hängen” ist sehr wichtig: Es löst Kontraktionen des Geschlechtstraktes der Hündin aus, die den Aufstieg der Samenzellen in die Gebärmutter unterstützen. Bleibt der Rüde nicht hängen und steigt sofort wieder ab, so ist zu befürchten, dass entweder nicht das gesamte Sperma in der Vagina deponiert wurde, oder nicht in ausreichender Menge in die Gebärmutter hinauf gelangt.
Nach der Paarung
Am Ende des Deckaktes, bildet sich der Vaginalspasmus zurück und die beiden Partner lösen sich voneinander. Häufig wird geraten, die Hündin in der Viertelstunde nach dem Deckakt keinen Harn absetzen zu lassen, um das Herausfliessen von Sperma aus dem Geschlechtstrakt zu begrenzen Der Penis des Rüden zieht sich gewöhnlich sehr schnell wieder zurück. Der Züchter muss jedoch kontrollieren, ob sich der Penis innerhalb der folgenden fünf bis zehn Minuten wieder vollständig in die Vorhaut zurückzieht. Bleibt die Eichel zu lange Zeit ausserhalb, kann es zu Verletzungen oder Ulzera (Geschwüren) kommen.
Quelle mit ausdrücklicher Genehmigung:
Fortpflanzung des Hundes "Praktisches Handbuch der Züchter" von "Royal-Canin"