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CERAMICA CH wechselt in den Kanton Bern und startet dort das Nationale Keramikinventar der Schweiz mit der Bearbeitung des Hafners Abraham Marti aus Blankenburg.
Objekte gesucht!
Keramik aus Blankenburg. Abraham Marti (1718-1792), ein bernischer Landhafner
Abraham Marti wurde im Jahr 1718 in Fraubrunnen im Berner Mittelland als Sohn des Hafners Hans Rudolf Marti (1691–1742) und seiner Frau Anna Barbara Reutlinger (1699–1744) geboren. Er starb 1792 in Blankenburg, in der heutigen Gemeinde Zweisimmen. Abraham übernahm ab 1740/1741 die elterliche Werkstatt in Fraubrunnen, konnte sie jedoch aufgrund einer Erbteilung und hoher Schuldenlast nicht halten. Er suchte sich daher ein neues Tätigkeitsfeld und Absatzgebiet in einer Region, in der sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts ansonsten keine weiteren Hafner nachweisen lassen, das Simmental. 1749 bis 1757 finden wir ihn in Saanen und anschliessend in Blankenburg.
In Museen und Sammlungen der Schweiz, Deutschlands und Englands haben sich bis heute etwa 250 keramische Objekte erhalten, die der Produktion von Abraham Marti zugeschrieben werden können. Abraham Marti produzierte Geschirr mit einer weissen Grundengobe und blauem oder polychromem Unterglasur-Pinseldekor, in sehr charakteristischen Formen sowie mit stilistisch eindeutig bestimmbaren Beschriftungen. Das museal erhaltene Keramikspektrum Martis wird von den typischen, flachen Platten und Tellern dominiert, die rückseitig normalerweise keine Aufhängeöse tragen, also nur in einem Tellerbord verwahrt werden konnten. Andere Gefässformen sind ausgesprochen selten überliefert: Es finden sich zwei Butterfässer, eine Teekanne, eine Flasche, ein Tintengeschirr, zwei Töpfe und mehrere Wandbrunnen bzw. Handwaschbecken. Im Gegensatz zu seinen Berufskollegen im Kanton Bern bemalte er seine Keramik auf eine ungewöhnlich expressive Art und Weise mit bunten Farben. Eine archäologische Überlieferung gibt es zu Abraham Marti leider nicht. Bodenfunde aus dem Verbrauchermilieu fehlen vollständig. Das Werkstattgebäude in Blankenburg wurde um 1980 überbaut, so dass wir leider auch keinerlei weitergehende Informationen zur Werkstatt und eventuellen Produktionsabfällen haben.
Das Gesamtwerk von Abraham Marti wurde noch nie umfassend bearbeitet und publiziert. Dies möchte die Stiftung Schloss Blankenburg zusammen mit dem Bernischen Historischen Museum und der CERAMICA-Stiftung in Basel ändern. Die Arbeiten haben begonnen, das Buch soll im Frühjahr 2023 erscheinen.
Wer noch Marti-Keramiken besitzt, melde sich bitte bei: Andreas Heege, Im Rötel 3, CH 6300 Zug, <email-pii>, 079 7027343.
Literatur zum Thema: Andreas Heege/Andreas Kistler, Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles – Collections du Musée Ariana, Genève – Keramik der Deutschschweiz, 17.-19. Jahrhundert – Die Sammlung des Musée Ariana, Genf, Mailand 2017, 127-173.