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Die öffentlichen Debatten über die Corona-Impfung haben sich seit ihrer Einführung stark verschoben, schreibt Ethiker Frank Mathwig im Papier der EKS. Die aktuelle Diskussion kreise um den rechtlich-moralischen Verpflichtungsgrad der Impfung und über eine gerechtfertigte Ungleichbehandlung geimpfter und nichtgeimpfter Personen. Ein Blick auf die Zahlen der geimpften und nichtgeimpften Coronapatientinnen und -patienten in den Spitälern belege die unbestreitbare positive Wirkung der Impfung.
Niemand besitze Freiheit für sich allein, sondern immer im Blick auf andere. Deshalb könne eine liberale Gesellschaft nur die Freiheiten akzeptieren, die für jedes Mitglied gleichzeitig und in gleichem Umfang gelten, so das Papier weiter. Freiheiten in der Pandemie seien gleich, wenn auch die am stärksten gefährdeten in gleicher Weise davon profitierten.
In den aktuellen Impfkontroversen prallten der Schutz der persönlichen Freiheit und körperlichen Integrität mit der sozialen Verantwortung für die Gemeinschaft aufeinander. Ethisch begründungspflichtig sei die Verweigerung unserer Solidarität gegenüber denjenigen, die darauf angewiesen seien, so Mathwig.
Das Virus verschärfe die bestehenden gesellschaftlichen und gesundheitlichen Ungleichheiten. Weil ein global grassierendes Virus jedoch nicht an den Landesgrenzen Halt mache, sei das nationale Horten von Impfstoffen ebenso fatal, wie die einseitige Fokussierung auf die eigene Bevölkerung.
Die politisch angemahnte Solidarität bemesse sich nicht an der Gleichheit der Impfentscheidungen, sondern an der weltweiten Gleichheit des Impfzugangs.