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Die neue WISC-V
Wechsler Intelligence Scale for Children - Fifth Edition
Zur Veröffentlichung der WISC-V in Deutschland spricht Frau PD Dr. Monika Daseking, die an der Entwicklung der WISC-V beteiligt war, im Interview über die Neuerungen des weltweit am häufigsten eingesetzten Intelligenztestverfahrens.
Was ist neu bei der WISC-V?
Frau Daseking: Ein ganz basaler Vorteil der neuen WISC-V ist, dass für die Berechnung des Gesamt-IQs nur noch sieben Untertests notwendig sind, während bei der WISC-IV noch zehn Untertests nötig waren. Darüber hinaus fand eine Überarbeitung der Struktur statt, so dass die WISC-V nun aus fünf primären und fünf sekundären Indexwerten besteht, die separat berechnet werden können. Der "Wahrnehmungsgebundene-Logisches-Denken-Index" wurde beispielsweise in die zwei Indexwerte "Räumlich-Visuelle Verarbeitung" und "Fluides Schlussfolgern" aufgespalten. Für die Diagnostik bieten die Indexwerte unterschiedliche Vorteile: So können schulische Leistungen mit den Indizes "Quantitatives Schlussfolgern" oder "Auditives Arbeitsgedächtnis" differenzierter eingeschätzt und erklärt werden. Der "Allgemeine Fähigkeitsindex" hilft Hochbegabung zu diagnostizieren, während der "Kognitive Leistungsindex" Begabungsdefizite und Minderbegabung, die das Lernen erschweren, erfasst.
Welche Untertests sind neu?
Frau Daseking: Die WISC-V wurde um drei Untertests erweitert. Das "Visuelle Puzzle" sowie die "Formenwaage" wurden aus der WAIS-IV adaptiert. Beim Untertest "Bilderfolgen" wird das Arbeitsgedächtnis erfasst, indem die Testperson Bilder wiedererkennen und benennen soll.
Bei der WISC-V gibt es nun auch nonverbale Untertests. Was sind die Vorteile?
Frau Daseking: Bei den nonverbalen Untertests ist keine aktive und expressive Sprachleistung notwendig. So eignen sie sich vor allem für Testpersonen mit mangelnden deutschen Sprachkenntnissen, bei Sprachstörungen oder auch bei Autismus-Spektrum-Störungen.
Welche Änderungen gibt es in der Testdurchführung?
Frau Daseking: Das Ersetzen von Untertests ist bei der WISC-V nur noch eingeschränkt möglich. So ist es nur bei der Berechnung des Gesamt-IQs erlaubt, einen der sieben primären Untertests, die in den Gesamt-IQ einfließen, zu ersetzen. Damit soll verhindert werden, dass das Gesamtbild verzerrt wird. Darüber hinaus gibt es Neuerungen bei den Durchführungsregeln der Untertests, insbesondere bei der Abbruchregel sowie Umkehrregel. Diese wurden vereinheitlicht und die neue Abbruchregel sieht bei den meisten Untertests vor, dass die Testung bei drei nicht gelösten Untertests in Folge abgebrochen werden muss. Damit sollen Durchführungsdauer und Testzeit verkürzt werden und die Motivation der Testperson beibehalten werden.
Gibt es Neuerungen im Manual?
Frau Daseking: Ich empfehle den Testanwendern stark, sich mit den Manualen und insbesondere dem Durchführungsmanual zu beschäftigen, um einerseits eine genaue Einarbeitung vor der Testung zu haben und um andererseits die Veränderungen zwischen WISC-IV und WISC-V zu erkennen und zu beachten. Diese liegen u. U. im Detail wie z. B. bei den Bewertungskriterien oder bei den Items, die teilweise ausgetauscht wurden.
Wem empfehlen Sie die Teilnahme an einer Schulung?
Frau Daseking: Falls ein Testanwender keine oder nur geringe Vorkenntnisse zur Testdiagnostik hat, empfehle ich den Besuch einer Schulung, um Einzelheiten zum Test zu erfahren, Stolpersteine zu erkennen, die sich bei der Testdurchführung ergeben können oder um Hilfestellung bei der Auswertung und Interpretation zu erhalten. Supervisionen sind zusätzlich eine gute Gelegenheit, Profile zu besprochen und zu diskutieren. Dies gibt Testanwender mehr Sicherheit und Souveränität bei der Testanwendung. Darüber hinaus ist es immer hilfreich, sich mit wissenschaftlicher Literatur, Artikeln oder Studien zu beschäftigen, die sich mit dem Thema befassen.
PD Dr. Monika Daseking
Lebenslauf und wissenschaftlicher Werdegang
Hochschulstudium
1995-2001
Psychologiestudium an der Universität Bremen
Abschluss: Dipl.-Psych. (Note: 1,1)
Berufstätigkeit
2004-2011
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im ZKPR der Universität Bremen
Projektleitung: Langzeitfolgen von Schlaganfällen im Kindes- und Jugendalter
Arbeitsgruppenleitung und Projektkoordination: AG Testentwicklung, u.a. Normierung des HAWIK- IV/WISC-IV, WNV
10/2011-08/2012
Professurvertreterin für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg
09/2012-09/2015
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im ZKPR der Universität Bremen: Leitung der Abteilung Testentwicklung, Leitung des Doktoranden-Kollegs
seit 10/2015
Professurvertreterin für Pädagogische Psychologie an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg
Wissenschaftliche Qualifikation
2005
Promotion "Schlaganfälle im Kindes- und Jugendalter: Die Abhängig-keit neuropsychologischer und psychosozialer Remissionsverläufe vom Erkrankungsalter und von der Lokalisation." (Prädikat: "summa cum laude")
2011
Habilitation mit der venia legendi "Psychologie" (Thema der Schrift: "Psychologische Diagnostik: Ansätze und Trends der Entwicklungs- und Intelligenzdiagnostik")