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Leif Ove
Andsnes
Biographie, CDs, Fotos und Konzertkritik
Artikel vom 8. März 2001
Biografie - Biographie
Leif Ove Andsnes wurde 1970 in Karmoy, Norwegen geboren. Er studierte
Musikkonservatorium in Bergen beim tschechischen Professor Jiri Hlinka. 1987,
also noch als Teenager, gewann der den Hindemith-Preis und gab sein Debüt in
Oslo. Im Jahr darauf erhielt er in Bergen den Levin-Preis
sowie den Preis der Norwegischen Musikkritik. 1989 spielte er in New York und
in Washgington, DC. 1990 trat er mit dem Cleveland
Orchestra unter der Leitung von Neeme Jarvi auf und gewann in Bergen den
Grieg-Preis. 1991 gab er sein Debüt bei den Proms in London. Im Jahr 2000 erhielt er den Royal Philharmonic
Society Award als bester Instrumentalist des Jahres.
Leif Ove Andsnes hat in
den berühmten Konzertsälen und mit den herausragenden Orchestern dieser Welt
musiziert, so dem Boston Symphony, dem Symphonieorchester des Bayerischen
Rundfunks, dem New York Philharmonic, dem Philadelphia Orchestra, den Berliner
Philharmoniker, dem London Philharmonic und dem Cleveland Orchestra. Zu seinen
regelmässigen Partnern gehören der Geiger Christian Tetzlaff und der
Viola-Spieler Lars Anders Tompter.
Leif Ove Andsnes Aufnahme aus dem Jahr 1991 mit den Werken
für Piano solo von Janácek wurde mit dem Preis der Deutschen
Schallplattenkritik ausgezeichnet. Seit 1997 nimmt Andsnes exklusiv für EMI
auf und seine erste CD für das Label mit Schumanns Klaviermusik (Sonate Nr.1
und Fantasie C-Dur) wurde ebenfalls mit dem prestigeträchtigen
Preis der Deutschen
Schallplattenkritik belohnt. 1998 folgte The Long Long Winter Night
mit Musik für Piano solo von norwegischen Komponisten. Sein neuestes Album,
aus dem Jahr 2001, enthält ein Rezital mit Liszts Klaviermusik. Ebenfalls
herausragend sind Andsnes Grieg-Einspielungen.
Konzert in der Tonhalle
Zürich, 4.
März 2001,
Leif Ove Andsnes, Klavierrecital: Konzertkritik
J.S. Bach: Toccata D-Dur BWV 912; F. Schubert: Sonate D-Dur D 850;
R. Schumann: Faschingsschwank aus Wien op. 26.
Das von Leif Ove Andsnes in der Tonhalle
präsentierte Programm war sorgfältig ausgewählt und erlaubte es dem
Pianisten, gezielt seine lyrische Seite auszuspielen. Bachs Toccata
D-Dur BWV 912 präsentierte er vor allem im Adagio quasi
schwebend, mit religiös-metaphysischer Tiefe. Ärgerlich an der Akustik -
zumindest im Parkett links - war der starke Nachhall, was allerdings dem Spiel
einen kirchenähnlichen Klang gab und sich das spezifische Bach-Orgelgefühl
einstellte.
Schuberts Sonate D-Moll
D 850 von 1825 spielte Andsnes ebenfalls als vergeistigtes Stück, das in
dieser Beziehung mit Bach verwandt ist. Der Flügel hallte noch immer nach,
weshalb anzunehmen ist, dass es sich dabei nicht um ein bewusst eingesetztes
akustisches Mittel handelte. So wurde leider einiges verdeckt oder entstellt.
Doch das locker fliessende Allegro vivace mit perlenden Tonreihen des
norwegischen Pianisten gefiel. In Con Moto überzeugte insbesondere das
Timing. Das von Andsnes bewusst zurückhaltend angelegte Spiel mit dem zarten
Anschlag betonte die poetische Seite des Stückes, dem dadurch allerdings
etwas an emotionaler Tiefe abging. Dafür waren die Kontraste in den
dramatischen Passagen umso beeindruckender. Das Scherzo präsentierte
Andsnes in feierlicher Form. Im Allegro moderato zeigte er ein naives,
kindlich-anrührendes Moment. Seine souveräne Technik war immer inspiriert.
Die nach der Pause
dargebotenen Ländler von Schubert waren nicht volkstümlich, sondern
erneut betonte Andsnes die vergeistigte Seite der Musik. Schumanns
Faschingsschwank aus Wien op. 26 beginnt lebhaft. Wiederum zog der
Pianist eine zurückhaltende Interpretation vor, die nicht auf Effekthascherei
ausgerichtet ist. Er trug keine erdige Musik, keine gefühlsbetonte Romantik
vor, sondern hob das Zarte hervor. Diesem Element am besten entgegen kam die Romanze,
die Andsnes ganz zauberhaft geriet. Im Scherzino waren seine
Wiederholungen lebhaft, aber nie "volkstümlich". Im Intermezzo
zeigte er Dramatik und emotionale Tiefe, im Finale seine
Feinfühligkeit ebenso wie seine Virtuosität in den rasenden Tempi.
Dem begeisterten Publikum
offerierte Leif Ove Andsnes zwei Zugaben. Zuerst einen Mephisto-Walzer,
den er auf seiner herausragenden, neuen CD
eingespielt hat (siehe die Kurzkritik auf der rechten Seite). Hier nun
präsentierte sich der Pianist von einer anderen Seite. Er griff stärker in
die Tasten, sein Anschlag passte sich der dramatischen Musik an. Im Mephisto-Walzer
verstand er es, starke und dunkle Gefühle auszudrücken. Dies war der Andsnes,
der mir am besten gefiel. Die zweite Zugabe war ein Lied von Chopin in der
Transkription von Liszt, in dem der Norweger erneut seine zart-romantische
Seite ausspielte und damit an das offizielle Programm anknüpfte. Es war ein
Abend der sanften, introspektiven Töne, abgesehen vom Mephisto-Walzer
ohne Abgründe, Dissonanzen und Zweifel vorgetragen. Andsnes' Programm war
nicht das eines Verzweifelten oder Suchenden, der innere Konflikte offen legt,
sondern das eines Wissenden, der seine ruhigen, zurückhaltenden Einsichten
mit dem Publikum teilt, wodurch die dramatischen Momente umso eindrücklicher
gerieten.
Leif Ove Andsnes: Grieg. Lyrische Stücke. EMI, 2002. Fotos/Photos
Copyright EMI. CD bestelllen bei
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Kritik am 23. Juli 2006 hierherverschoben aus Cosmopolis Nr. 13 vom März 2000:
Leif Ove Andsnes: Klavierkonzerte von Haydn.
EMI, Februar 2000. CD bestellen bei Amazon.de.
Haydn war kein Klaviervirtuose. Obwohl er für Symphonie, Streichquartett, Klaviersonate und Klaviertrio langwährende Formregeln
etablierte, wirken seine Klavierkonzerte auf uns heute im Vergleich mit
denjenigen von Mozart stellenweise rigide und stereotypen Formen verhaftet.
Leif Ove Andsnes Einspielung der Klavierkonzerte Nr. 3, 4 und 11 von Haydn,
zusammen mit dem Norwegian Chamber Orchestra aufgenommen, zeugt von diesen
Schwächen. Sie legt aber auch offen, dass Haydn es verstand, nicht mit
Virtuosität, sondern mit Zurückhaltung und oft mit einfachsten Mitteln
grosse Effekte zu erzielen, so im Largo cantabile des Klavierkonzerts Nr. 3 F-dur. Das einzige regelmässig aufgeführte Klavierkonzert Haydns ist Nr. 11
D-dur, dessen abschliessendes Rondo all'Ungarese den Witz Haydns hervorragend
verkörpert und nur so von Ideen übersprudelt, weshalb es zurecht einen
festen Platz in der Aufführungspraxis gefunden hat, wie die Einspielung mit
Leif Ove Andsnes unterstreicht. CD bestellen bei Amazon.de.

Hinzugefügt am 14. Mai 2014: Neu erhältlich ist seit 2014 die CD mit den
Beethoven Klavierkonzerten 2 & 4, die Leif Ove Andsnes mit dem Mahler Chamber
Orchestra eingespielt hat. Bestellen bei
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Zehetmair, Rattle, Andsnes, CBSO: Karol Szymanowski: Violinkonzerte und
Sinfonie Nr. 4. EMI, 2004. CD bestellen bei
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Leif Ove Andsnes, Ian Bostridge: Schubert: Winterreise. EMI, August
2004. CD bestellen bei Amazon.de
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Leif Ove Andsnes - A Portrait. EMI, 2001/2002 je nach Land. Die Doppel-CD
bietet einen Querschnitt durch das Schaffen des Pianisten. Bestellen bei Amazon.de,
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Andsnes: Franz Liszt Piano Rezital. EMI, 2001. Bestellen bei
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Diese CD steht in einigem Kontrast zu dem in der Tonhalle gespielten
(offiziellen) Bach-, Schubert- und Schumann-Programm. Nicht der zarte Anschlag
und die bewusste Zurücknahme, sondern dramatische und düstere Stücke von
Liszt zu Dantes Hölle und zu Mephisto stehen im Mittelpunkt. In den Zugaben
in der Tonhalle kam ich dann schliesslich mit einem Mephisto-Walzer doch noch
auf meine Kosten. Die CD-Version ist allerdings noch beeindruckender. Andsnes
spielt beunruhigend und bedrückend, gleichzeitig klar und mit Verständnis für
die Werke; da sind kein Zweifeln und kein Probieren spürbar. Auch einfühlsame
Passagen und subtil abgestufte Schattierungen sowie religiös-kontemplative
Momente fehlen ebenfalls nicht. Hin und wieder fehlt ihm vielleicht ein Schuss
Genialität und Wahnsinn, Erfindungskraft und Spontaneität, doch Andsnes
setzt seine vorhandenen Qualitäten hervorragend ein und in der Musik um und
macht so sein Liszt-Recital zu einem Ereignis. Mehr als nur empfehlenswert,
seine bisher tiefgründigste Aufnahme.
Andsnes: Haydn Klaviersonaten, EMI, 1999. Bestellen bei Amazon.de, Amazon.com,
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Andsnes: Schumann Klaviersonate Nr. 1, Fantasie in C-Dur. EMI, 1997.
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Schumann kommt der lyrischen Ader von Andsnes entgegen, der bewusst
zurückhaltend, mit feinem Anschlag spielt. Die erste Klaviersonate wird von Schumanns
zwei Seiten geprägt, den "Davidsbündlern" Florestan und Eusebius, wobei der
erstere für die leidenschaftliche und stürmische Seite und der letztere für
die schwärmerische steht. Andsnes versteht es, die Balance zwischen den
gegensätzlichen Naturen zu halten, wobei mancher Hörer hier und dort
vielleicht etwas mehr Feuer und Spontaneität erwarten würde.
Andsnes: Janacek Klaviersonaten, etc. Virgin/EMI, 1991. Die Platte
wurde mit dem prestigeträchtigen Preis der Deutschen Schallplattenkritik
ausgezeichnet. Bestellen bei Amazon.de, Amazon.com,
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CD-Kritik am 23. Juli 2006 hierherverschoben aus Cosmopolis Nr. 16 vom Juli
2000: Leif Ove Andnses: Werke von Grieg (Klavierkonzert, Klaviersonate, lyrische Stücke), April 2000, Virgin/EMI. CD bestellen bei Amazon.de.
Der 1843 in Bergen geborene und dort im Jahr 1907
verstorbene Komponist Edvard Grieg wurde von der norwegischen Volksmusik
entscheidend beeinflusst. Er war ein Meister der kleinen Form und widmete sich
insbesondere dem Klavier. Davon zeugt die vorliegende CD, von Leif Ove Andsnes
und dem Bergen Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Dmitri Kitayenko
eingespielt.
Griegs 1870 fertig gestelltes Klavierkonzert Op. 16
weist gewisse Ähnlichkeiten zu dem Konzert von Schumann auf (in derselben
Tonlage und Orchestereinführung), das er einige Jahre zuvor in Deutschland
gehört hatte, gespielt von Clara Wieck, Schumanns Gattin. Auf einen
dramatischen Beginn folgt mit dem Adagio ein verhaltener, lyrisch-poetischer
Mittelteil, auf das ein Finale in einem raschen Rhythmus folgt.
Die Klaviersonate Op. 7 ist ein Jugendwerk Griegs, 1865
entstanden und voller Romantik und Leidenschaft. Auch die drei poetischen
Bilder Op. 3 (1863), die Albumblätter Op. 28 (1878) sowie die Lyrischen
Stücke Op. 43 (1886), Op. 54 (1891) und Op. 65 (1896) sind poetisch, ruhig
und verhalten. Unter den kurzen Stücken sind allerdings einige schwächere, belanglose.
Grieg war kein Mann lauter Töne. Sein Glockengeläut in
Op. 54 ist kein lautes Gebimmel, sondern zurückhaltend und andächtig. Im
selben Werk ist auch ein lustiger Marsch der Trolle zu finden. Diese auf
nordischem Temperament und norwegischer Volksmusik beruhenden Werke werden
logischerweise - wie auf dieser CD - am Besten von Musikern aus Griegs Heimat
gespielt. Orchester und Pianist gehören nicht zu den Stars der Branche. Doch
gute klassische Musik muss nicht teuer sein.