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Dieser erste Roman von Zülfü Livaneli folgt der Erinnerung eines schwarzen Eunuchen im osmanischen Serail: der Erinnerung an seine Entführung als Kind aus Abessinien, an die Marter der Kastration und an seinen Aufstieg innerhalb des Harems bis an die Seite des Herrschers. Er erzählt, wie sein Herr eines Tages von der eigenen Mutter entthront und zusammen mit seiner Geliebten in einem fensterlosen Raum gefangen gehalten wird und auf den Tod wartet. Der Lieblingseunuch wird dazu auserkoren, seinem Herrn die Nahrung unter der Türe durchzuschieben.
Livaneli wählt einen historischen Schauplatz, den Topkapi-Palast in Istanbul, eine historisch verbürgte Geschichte und eine historische Figur: Sultan Ibrahim, den achtzehnten osmanischen Sultan, der am 4. November 1615 geboren wurde und als einziger überlebender, d. h. nicht ermordeter Prinz der Dynastie den Thron bestieg. Unübersehbar ist Livanelis Inspiration aus der osmanischen Literatur des 17. Jahrhunderts, wie Naîmâ und Evliya Tschelebi, die sich sowohl mit der Geschichtswissenschaft wie auch mit der Sterndeutung befassten.
Trotzdem ist dieses Buch nicht einfach ein historischer Roman; er ist sozusagen im Augenblick eines Wirbelsturms angesiedelt. Livaneli verknüpft mit den Figuren des Padischahs, seiner Mutter und des schwarzen Eunuchen vor allem eine zentrale Faszination: die Macht als absoluter und tödlicher Genuss, als Form von Willkür und Autorität. Der Eunuch dient seinem jeweiligen Herrn mit einer Bedingungslosigkeit, die religiösen Charakter annimmt. Politische Macht, aber auch körperliche Liebe fordern in diesem eingemauerten und geheimen System absolute Unterwerfung.
Der Eunuch von Konstantinopel wurde von der Balkan Literary Award Foundation 1997 als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
»Das Osmanische Reich, lange Jahrzehnte im Gedächtnisloch der Türken versunken, taucht wieder auf, und dazu haben auch Romane wie Livanelis ›Eunuch von Konstantinopel‹ beigetragen. Darin entfaltet er wie in einer Parabel ein emotional dichtes Bild von Machtgier, Willkürherrschaft und Überlebenskampf am Sultanshof. Was für ein Stoff!«
»Dies ist die Geschichte eines liebenden Eunuchen. Gefühle explodieren wie ein Vulkan. Ein Roman über Düsternis und Licht.«
»Zülfü Livaneli lädt ein zum Nachdenken, ganz nebenbei und auf elegant unaufdringliche Art.«
»Mit dem romantisch verklärten Bild des Harems räumt dieses Buch gründlich auf.«
»Zülfü Livaneli hat seine philosophische Studie literarisch so geschickt verkleidet, dass die Lektüre ein Vergnügen ist, ein Nervenkitzel, ein erotischer Spaß im Sinne Platons. Dazu trägt auch dir ausgezeichnete Übersetzung von Wolfgang Riemann bei, die frei von Stolpersteinen ist.«
»Ein Kleinod aus dem Serail.«
»Livaneli versteht es, mit den Worten des kastrierten Haremshüters die ganze Grausamkeit der osmanischen Sultane wiederzugeben. Unerwünschte königliche Brüder werden im Palast zu Istanbul kurzerhand erwürgt, Köpfe rollen haufenweise. Aber auch die Faszination der höfischen Pracht, die traurige Schönheit der Haremsdamen und die Liebe des Eunuchen zuGülbeden, der Schönen aus Nizza, hat Platz in diesem herausragenden Roman.«
»Das Leben als Sultan oder das Leben im Harem wird jeglicher romantischen Vorstellung beraubt.«
»Eine eindringliche Reflexion über Macht und Ohnmacht, Klarsicht und Wahnsinn, Leben und Tod.«