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die ihm sein Bruder Hasdrubal aus Spanien [* 2] bringen sollte. Hier hatte P. Cornelius Scipio Neukarthago (209) erobert und über Hasdrubal bei Bäcula gesiegt, konnte aber den Zug des letztern nach Italien [* 3] nicht hindern. Glücklich langte derselbe auf italienischem Boden an; aber von den Konsuln Livius Salinator und Claudius Nero bei Sena am Metaurus in Umbrien angegriffen, büßte er Heer und Leben ein (207).
Noch immer hielt an der Hoffnung fest, von der Heimat unterstützt zu werden und so den Krieg in Italien zu einem glücklichen Ende führen zu können; auch gewann er, obwohl meist auf das Land der Bruttier beschränkt, noch einige günstige Erfolge. Allein 203 rief ihn ein Senatsbefehl von Karthago [* 4] zur Rettung der von Scipio in Afrika [* 5] selbst bedrängten Vaterstadt heim. Zwar scharte sich in Afrika ein zahlreiches Heer um die Fahne des Helden; aber die Untüchtigkeit des zusammengerafften Haufens erkennend, scheute Hannibal den ungleichen Kampf mit den römischen Legionen und begehrte eine Unterredung mit Scipio. Im Angesicht der Heere kamen die beiden größten Feldherren des Jahrhunderts zusammen. Hannibal bot Frieden unter Bedingungen, wie sie dem Sieger von Cannä geziemten; aber Scipio forderte Unterwerfung. Es mußte das Schwert entscheiden, und es entschied für Rom. [* 6]
Auf Zamas Ebenen (202) rang Hannibals Feldherrngeist vergeblich mit den überlegenen Streitkräften des Feindes. Ein harter Friede war die nächste Folge seiner Niederlage. Hannibal selbst riet zu dessen Annahme, indem er die Trostlosigkeit der gegenwärtigen Lage Karthagos klar erkannte und auf zukünftige Wiedererhebung hoffte. Von der Überzeugung geleitet, daß nur er dem Vaterland wieder aufhelfen könne, trat Hannibal bald nach dem Abschluß des Friedens als Suffet an die Spitze der Regierung. Er begann die Verfassung und Verwaltung des Staats durchgreifend zu reformieren, regelte die Zölle und Einkünfte und stellte dadurch die zerrütteten Finanzen wieder her.
Aber eben dieser Krieg Hannibals gegen altherkömmliches Unwesen vereinigte die in ihren Standesinteressen beeinträchtigte Aristokratie gegen ihn. Man klagte ihn in Rom an, daß er mit Antiochos von Syrien in Verbindung stehe, und brachte es dahin, daß eine römische Gesandtschaft in Karthago seine Auslieferung verlangte. Durch schnelle Flucht entging Hannibal diesem Schicksal (195). Er fand zunächst Aufnahme bei dem König Antiochos von Syrien, der damals Vorbereitungen zum Kriege gegen Rom traf. Er suchte diesen zu einer kühnern Führung des Kriegs zu bestimmen und knüpfte zugleich auch Unterhandlungen in Karthago an, um dieses zur Teilnahme an dem Krieg zu bewegen; allein beides vergeblich. In Karthago wurden seine Absichten durch seine dortigen Gegner vereitelt, und Antiochos führte den Krieg so lässig und ungeschickt, daß er besiegt wurde (189). Unter den Friedensbedingungen, welche die Sieger Antiochos auferlegten, war auch die der Auslieferung des Hannibal. Daher floh dieser über Kreta zu König Prusias nach Bithynien.
Auch diesen suchte er zum Kriege gegen Rom aufzureizen und leistete ihm im Kriege gegen den römerfreundlichen Eumenes von Pergamon [* 7] nützliche Dienste. [* 8] Aber Rom hatte keine Ruhe, solange es seinen Todfeind thätig wußte. Prusias konnte oder wollte ihn vor den römischen Nachstellungen nicht sicherstellen. Hannibal geriet daher in Gefahr, seinen Todfeinden, den Römern, in die Hände zu fallen, nahm aber, um diesem Schicksal zu entgehen, das längst für diesen Fall bereit gehaltene Gift und starb 183 im 64. Jahr seines Lebens.
Der Ruhm eines großen Feldherrn und Staatsmanns wird Hannibal von keinem der alten Schriftsteller bestritten; sie bewundern die Kühnheit seiner Anschläge, die mit ruhiger Besonnenheit gepaarte Raschheit und Energie bei ihrer Ausführung, den Mut, der vor keiner Gefahr zurückbebte, die Ausdauer, der kein Hindernis zu groß schien, den schnellen Blick, womit er die Absicht des Gegners durchschaute, die kluge Berechnung, womit er mitten im Schlachtgewühl seine Anordnungen traf, die Gewalt, die er über die Gemüter der Seinigen übte, und vermöge deren er in einem aus den verschiedenartigsten Elementen zusammengesetzten Heer die Zucht herstellte und erhielt. Wenn die römischen Schriftsteller ihm Treulosigkeit, Hinterlist und Grausamkeit vorwerfen, so ist dies wenigstens zum größten Teil nur die Wirkung des Nationalhasses, der ihn bei seinem Leben verfolgt und auch nach seinem Tod nicht verschont hat.
Vgl. Hennebert, Histoire d'Annibal (Par. 1870-78, 2 Bde. und Atlas). [* 9]