Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/1819

Die politische Mitte hat ein Problem. Ihre Existenz ist nur deswegen gerechtfertigt, weil sie moderate Lösungsvorschläge vorbringt. Meist ein Konsens zwischen Links und Rechts.
Der eigentliche Impuls kommt oft von einem der beiden Flügel. Auf die Antwort des anderen (politischen) Flügels muss nicht lange gewartet werden. Es entsteht eine politische Diskussion.
Unser daraus entstandener politischer Vogel stabilisiert sich in der Mitte, dem Rumpf, welcher die Flügel zusammenhält. Der Rumpf kommt nicht vorwärts ohne die Bewegung der Flügel. Die Flügel schlagen nur, wenn sie festen Halt am Rumpf finden. Diese Zusammenarbeit ist nicht nur konstruktiv, sondern auch essentiell.
Der politische Vogel der Schweiz (nennen wir ihn liebevoll "Polly") fliegt zur Zeit im Zick-Zack-Kurs. Einseitige Lösungen, ohne Absprache mit dem anderen Flügel und kurzfristige Richtungsänderungen, ohne langfristiges Ziel, haben zu diesen abstrusen Flugbewegungen geführt.
Wann immer ein Flügel zu stark oder zu schwach schlägt, kommt der Vogel von der Flugbahn, eine Gerade (bekanntlicherweise der mathematisch schnellste Weg zwischen zwei Punkten), ab und nimmt einen Umweg.
Schlägt nur ein politischer Flügel, kommt Polly nie ans Ziel und wird in absehbarer Zeit abstürzen.
Die wichtigste Frage ist also: Wo wird Polly hinfliegen?
Ein Flügel alleine kann diese Frage unter keinen Umständen beantworten.
Beide Flügel müssen einsehen, dass es neben "ich schlage" und "ich schlage nicht" eine dritte Option geben muss: "Wir schlagen gemeinsam".
Die Lösung, falls es eine gibt, findet man im konstruktiven Dialog und wird niemals für alle Bürger optimal sein. Es kann ausschliesslich mit Hilfe von Kompromissen ein Optimum für die Masse als Einheit gefunden werden.
Das ist der Hauptkritikpunkt der Demokratie meine Damen und Herren, aber so lange es keine angemessenere Regierungsform gibt (und davon bin ich fest überzeugt), müssen wir damit leben.
Dazu rufe ich die letzten Nostalgiker in unserem Land auf Farbe zu bekennen und einzusehen, dass es nicht nur schwarz und weiss gibt. Kaufen sie morgen einen Farbfernseher und schauen sie sich die wunderbare Vielfalt der Kompromisse zwischen den beiden "Extremfarben" (sofern man sie als Farben zählen will) an. Sie werden erstaunt sein, wie bunt die Lösungsvorschläge der Mitte sind.