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Die beiden Psychologen Robert Yerkes und John D. Dodson haben bereits vor 110 Jahren das Phänomen des „harten und fleissigen Arbeitens“ untersucht und folgendes erkannt:
Anfänglich steigt die Leistung steil an. Es gelingt uns, das, was wir uns vorgenommen haben anzupacken, Teilerfolge stellen sich ein.
Dann folgt auf hohem Niveau eine Plafonierung. Eine Steigerung ist mit grossem Aufwand verbunden (Umstellung Tagesrhythmus – Morgen früher, Abend länger) Auf der Höhe des Leistungsoptimums beginnen Aufwand und Ertrag sich zu reiben. Wer dann immer noch das Gefühl hat, es liege mit demselben Verhalten noch mehr drin, gefährdet seine Gesundheit. Die Leistung bricht ein, es braucht immer wieder „Motivationsschübe“. Es kommt immer wieder „etwas dazwischen“, arbeiten wird mehr und mehr reaktiv. Stress als „Distress“ (negativ) ist die Folge.
Mit zunehmendem Alter, wo sich die Leistungskurve vom „Vielen miteinander“ mehr und mehr fokussiert auf „weniger dafür aber gründlicher“, wächst der Druck. Man erlebt sich als überfordert, veraltet, unfähig.
Die Leistungsentwicklung in der Arbeit ist stark gekoppelt an die technologische Entwicklung. Maschinen wurden und werden von Menschen entwickelt, um die Arbeitsleistung zu steigern. Sie wirken zurück auf den Menschen und „zwingen“ ihn, nun seine Arbeitsleistung zu steigern. (Bsp. Mailverkehr).
Die Folgen: Arbeit brennt aus, Arbeit macht krank.
Die Yerkes-Dodson-Kurve macht deutlich: Viel ist nicht einfach mehr. Als 1908 diese Erkenntnis gewonnen wurde, begann gerade sich gerade das Fliessband durchzusetzen.
1905: Bahlsen leistet in Deutschland Pionierarbeit mit der Einführung des Fließbandes für die Keksherstellung im Werk Hannover
1908: Das Ford Model T geht in Produktion
1911: Einzelne Bauteile des Ford Model T werden an Fließbändern gefertigt
1913: Am ersten Dezember läuft die Fließbandfertigung bei Ford an. Die Produktionszeit für ein Auto reduziert sich dadurch von zwölf Stunden auf 93 Minuten, die Kosten sinken von 850 auf 370 Dollar
1919: Bei Citroen beginnt die Fließbandproduktion Quelle: focus.de
Das „tayloristische Arbeitsmodell“ als Folge der Produktivitätssteigerung menschlicher Arbeit brachte uns die Leistungsgesellschaft mit ihren phänomenalen Erfolgen. Aufgrund von 2 Weltkriegen und damit verbundener Aufbauarbeit etablierte sich das System als sinnvoll. Bei Abwesenheit von existentieller Bedrohung wird dieses System jedoch selber zur Bedrohung. Es brennt die Menschen aus und braucht künstliche „Kriegssituationen“ um eine Leistungsmotivation herzustellen (bspw. Kalter Krieg, Migrationsbedrohungen, Klimaveränderung).
Die Yerkes-Dodson-Kurve machte bereits vor 110 Jahren deutlich: Anhaltende Produktivität hängt zusammen mit einer vielfältigen, ausgleichenden Lebensführung. Freude an der Arbeit ist eine Folge von Lebensfreude. Anhaltende Leistung ist ein Folge von Freude. Freude jedoch ist eine Folge von Sinnerkenntnis. 110 Jahre nach dieser Erkenntnis geht es darum, smartes Arbeiten einzuüben und Leistungsexzesse zu vermeiden. Weil immer mehr plötzlich viel weniger werden kann.