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Sidonius Apollinaris, ein gallischer Bischof des 5. Jahrhunderts n.Chr., wurde in der Forschung seit jeher als Zeitzeuge geschätzt. Sidonius’ Werke dokumentieren das Leben der gallo-römischen Aristokratie zur Zeit der Völkerwanderung und das Ende Westroms. Als wirkmächtige öffentliche Person, die am Übergang von Spätantike zu Frühmittelalter nach einer weltlichen Karriere Bischof wurde, ist Sidonius für die Forschung zur Geschichte der Spätantike, für die Theologie und Religionsgeschichte eine zentrale Figur. Zu Sidonius’ Oeuvre gehören seine carmina, eine Sammlung von 24 Gedichten zu vielfältigen Themen in verschiedenen Versmaßen (Panegyrici, Epithalamien, Bitt- und Dankgedichte, Städtelob, Einladungen u.a.) sowie eine sorgfältig komponierte Sammlung von 147 Briefen in neun Büchern. Sidonius’ Rolle als lateinisch schreibender Autor und Literat ist dennoch nur wenig erforscht.
Ziel der Publikation ist es, den „literarischen“ Sidonius in den Fokus zu rücken und sein Werk unter den Gesichtspunkten von Inspiration, Produktion und Rezeption neu zu lesen. Mit der Frage nach Muse und Muße in Sidonius’ Werk soll ein Interpretationsfeld eröffnet werden, das sowohl die antiken literarischen als auch die zeitgenössisch-christlichen Traditionen berücksichtigt, in die sich Sidonius einschreibt.