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Mit Frühpensionierungen wurde in den letzten beiden Jahrzehnten der restrukturierungsbedingte Personalabbau abgefedert. Auch wegen des gestiegenen Wohlstands und der ausgebauten Altersvorsorge galt das frühzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben als erstrebenswert. Heute wächst die Erkenntnis, dass man damit in eine Sackgasse geraten ist. Der Meinungsumschwung setzte ein, weil die nachhaltige Finanzierung der Altersvorsorge gefährdet ist und weil die Nachfrage nach Arbeitskräften aus den bekannten demografischen Gründen schwieriger zu befriedigen sein wird.
Ein Vorurteil liess sich aber bis heute nicht ausrotten. Immer noch wird behauptet, dass eine hohe Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer erstens die jungen Erwerbswilligen am Eintritt in den Arbeitsmarkt hindert und zweitens zu steigender Arbeitslosigkeit bei den mittleren Erwerbsgenerationen führt. Diese sind wegen Familiengründungen und der Erziehung und Ausbildung der Kinder auf das Arbeitseinkommen besonders angewiesen.
Das Argument beruht auf der falschen Prämisse, dass die Arbeitsmenge in einer Volkswirtschaft eine fixe Grösse ist. Es wird der Dynamik auf den Arbeitsmärkten, die von wettbewerbsfähigen Unternehmen, dem steten Wandel der Branchenstruktur und letztlich dem Wirtschaftswachstum angetrieben wird, nicht gerecht. Wachstum schafft zusätzliches Einkommen, das in die Gütermärkte fliesst und dort eine zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften auslöst. Arbeit schafft Arbeit.
Das Argument der Verdrängung jüngerer durch ältere Beschäftigte wird besonders gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ins Feld geführt. Es findet in der Empirie keine Bestätigung. Das Gegenteil ist der Fall. In zahlreichen OECD-Ländern geht ein hoher Beschäftigtenanteil der 55- bis 64-Jährigen Hand in Hand mit einer überdurchschnittlichen Beschäftigungsquote der 15- bis 24-Jährigen. Umgekehrt sind dort weniger Jugendliche beschäftigt, wo sich die Älteren scharenweise aus dem Berufsleben zurückgezogen haben (siehe Grafik 1). Die Länder, die ihre Beschäftigten durch regulatorischen Übereifer «schützen» wollen, darunter die Krisenstaaten im Süden Europas, legen den Arbeitsmärkten mit ihrer strukturerhaltenden Politik Fesseln an und untergraben deren Dynamik.
Auch die Behauptung, die höhere Arbeitsmarktbeteiligung der älteren Erwerbsgeneration treibe die mittleren Generationen in die Arbeitslosigkeit, wird durch die Daten nicht gestützt. Das zeigt der Vergleich der Beschäftigungsquote der 55 bis 64-Jährigen mit der Arbeitslosenquote der 25- bis 54-Jährigen. Diese bilden den Hauptharst der Erwerbsbevölkerung. Die Arbeitslosenquote ist dort besonders hoch, wo die Beschäftigungsquote der Senioren unter dem OECD-Durchschnitt liegt (siehe Grafik 2). Auch hier drängt sich der Schluss auf, dass Regulierungsexzesse und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, nicht Verdrängungseffekte das Kernproblem sind. Die Fakten entziehen den Einwänden gegen eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit die Grundlage.
Ein Einwand lässt sich allerdings nach wie vor nicht widerlegen. Für Arbeitswillige in vorgerücktem Alter ist es immer noch relativ schwierig, eine neue Anstellung zu finden. Anreize können das Problem entschärfen. In der beruflichen Vorsorge kann die Einführung konstanter Altersgutschriften die Beschäftigung älterer Menschen erleichtern, wie Avenir Suisse kürzlich in einer Publikation forderte. Heute sind die Beiträge nach Alterskohorten gestaffelt und steigen mit dem Alter. Das erhöht die Lohnnebenkosten und wirkt beschäftigungshemmend, zumal die älteren Mitarbeiter in der Regel überdurchschnittlich hohe Grundsaläre beziehen. In diesem Zusammenhang schafft die Abkehr vom Prinzip der Senioritätsentlohnung richtige Anreize.
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