Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03523.jsonl.gz/2235

Geschichte
Am 24. November 1907 wurde im Restaurant Freudenberg in Ragaz auf Initiative von Ferdinand Bednarz, welcher schon an verschiedenen andern Orten in der Schweiz bei Gründungen aktiv dabei war, die Ortsgruppe „St.Galler Oberland“ des Touristenvereins „die Naturfreunde“ gegründet. An dieser Versammlung nahmen 20 Personen teil. B. Peter wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Die Gründung erfolgte im Bestreben, auch in unserer Region der einfachen, arbeitenden Bevölkerung, welche nur über sehr beschränkte finanzielle Mittel verfügte, Zugang zu sinnvoller Freizeit-gestaltung in Kultur, Sport und Tourismus in der freien Natur zu ermöglichen. Die ersten Mitglieder waren in der Mehrzahl Saisonangestelle in der Hotellerie in Ragaz, sowie Mitarbeiter der Bahnen in Sargans und Landquart, aber auch Handwerksgesellen und gelernete Arbeiter, welche sich auf der damals noch üblichen Wanderschaft befanden.
Der Verein durchlief eine wechselvolle Entwicklung. Das Interesse und die Beteiligung an Berg- und Wandertouren war in der Regel gross; der Versammlungsbesuch und die Bereitschaft ein Amt zu übernehmen war dagegen oft so schlecht, dass viele Anlässe gar nicht stattfinden konnten. Zwischen 1910 und 1913 ruhte der offizielle Vereinsbetrieb, Touren wurden jedoch weiterhin in privatem Rahmen organisiert. Nach der Neugründung im Jahre 1913 begann man sich ab 1914 ernsthaft mit dem Aufbau einer eigenen Berghütte zu befassen. Die Verhandlungen zum Wiederaufbau und Erwerb der kurz zuvor durch eine Lawine zerstörten Enderlinhütte blieben ohne Erfolg. Die Stadtgemeinde Maienfeld bot jedoch eine Hütte auf Guscha zur Miete an. Weil man zuerst glaubte, das angebotene Objekt sei zu gross, entschied man sich erst nach längerem Zögern 1916 den Mietvertrag zu unterzeichnen. Mit grossem personellen Einsatz und viel Fronarbeit konnte die Hütte dem Bedarf entsprechend ergänzt und eingerichtet werden. Dazu wurden alle Mitglieder verpflichtet, pro Monat an mindestens einem Sonntag Frondienst zu leisten.
1919 wurde die Ortsgruppe „St Galler Oberland“ in Ragaz in eine Bezirksgruppe mit den Sektionen Sargans, Ragaz und Landquart umgewandelt. Zu Werbezwecken wurde im Saal des Hotel Bahnhof in Landquart vor ca. 250 Kindern und ca. 50 Erwachsenen Lichtbilder vorgeführt und in den folgenden Jahren in Sargans und Landquart öfters Abendunterhaltungen mit Musik, Theater und Sketches organisiert. Die Mitgliederzahl stieg auf etwa 100 Personen an. Viele waren vom Wintersport in all seinen Facetten begeistert. Deshalb begab man sich Mitte der 20er Jahre auf die Suche nach einem Bauplatz für die Erstellung einer etwas grösseren eigenen Hütte. Nach langwieriger Suche und vielen Verhandlungen konnte am 19. Februar 1926 mit Hr. S. Sutter von der Jägeri auf dem Grundbuchamt Mastrils der Kaufvertrag für 5000m2 Boden auf der Jägeri unterzeichnet werden.
Im Juli 1926 wurde mit dem Aushub der Fundamente begonnen. In der Folgezeit war der Bau laufend von vielen Schwierigkeiten wie Zufahrtsperre wegen Maul- und Klauenseuche, Differenzen wegen Weg- und Zufahrtsrechten sowie mangelhafter Qualität der Arbeitsausführung begleitet. Allen Widerwärtigkeiten zum Trotz konnte das Haus im November 1926 eingedeckt und am 9. Januar 1927 dem Betrieb übergeben werden. „ Wenn nicht fertig, so doch brauchbar“ steht dazu im Baubericht. An der offiziellen Einweihung vom 22. Mai 1927 war das Haus dann innen und aussen soweit fertig, dass sich der Verein vor den Gästen nicht schämen musste (Zitat Baubericht).
In den kommenden Jahren konzentrierten sich die Vereinsaktivitäten auf die Jägeri. Die gemieteten Berghäuser, eines auf Guscha und eines am Pizol, die Schwarzbuelhütte, wurden nach und nach aufgegeben. Insbesondere die Schwarzbuelhütte, welche als Stützpunkt für das Pizolgebiet diente, war für den Verein laufend ein Verlustgeschäft, wurde dort doch mehrmals eingebrochen und Mobiliar und Esswaren gestohlen. Daneben entwickelte sich erneut ein reger Reise- und Tourenbetrieb, der grossen Anklang bei den Mitgliedern fand. Das 30 Jahr Jubiläum der Ortsgruppe wurde 1937 mit einem Lampionumzug von der Jägeri auf den Pizalun und einer bengalischen Beleuchtung von Haus und Pizalun begangen.
Nachdem die ersten, vom Verein organisierten Skirennen von Zweierspitz über die Bärenfalle und Alp Maton nach dem Tristeli führten, fand 1939 das erste Skirennen von der Jägeri bis zum Schänzli in Mastrils statt. Dieses wurde in den folgenden Jahren mit Kinderskirennen ergänzt. Daran nahmen jeweils bis 80 Jugendliche teil. Im Verlaufe des Jahres 1950 wurde das NF Haus Jägeri elektrifiziert und am 11. November leuchtete die erste Glühlampe im Haus.
In den folgenden Jahren entzweiten sich die Mitglieder stark, Die einen, „Stubenhocker“ genannt, waren vor allem auf der Jägeri anzutreffen, während die andern sich ausschliesslich den Berg- und Skitouren widmeten. Dank grösserer Toleranz und besserem gegenseitigen Verständnis konnten diese Differenzen überwunden werden. In dieser Zeit organisierte der Verein während einiger Jahren die Pizalunstafette, an welcher jeweils Gruppen von verschiedensten Ski- und Sportvereinen aus der näheren und weiteren Umgebung teilnahmen. Im gleichen Zeitraum fand auch der Namenswechsel des Vereins in eine einzige Sektion Landquart statt. Aus verschiedensten Gründen wurde in den 50er und 60er Jahren öfters ein Verkauf der Hütte auf der Jägeri in Erwägung gezogen. Dies wurde auch bei einem Besuch des schweizerischen Hüttenobmannes anfangs der 60er Jahre sehr ernsthaft diskutiert. Diese Diskussionen zogen sich bis in die 70er Jahre hin, doch konnten allen finanziellen und personellen Problemen zum Trotz immer wieder neue Lösungen gefunden werden.
Das Haus Jägeri wurde und wird von Familien, Gruppen, Vereinen und Schulklassen aus Igis und Landquart, aber auch aus der Ferne immer wieder gerne für Ferien, als Treffpunkt für Vereins- und Familienfeste und für Lager benutzt.
Für Jung und Alt gilt:
Uf dr Jägeri isch es luschtig, uf dr Jägeri isch es schön,
und wenn ämol nid d’ Sunne schint, got wenigschtäns dr Fön.
Uf dr Jägeri isch es bäumig, uf dr Jägeri do chunsch drus,
es söl mer kainä sägä, es sai es saublöds Hus.
Neben dem Hüttenwesen erfuhr auch das Reise- und Tourenwesen wieder einen erfreulichen Aufschwung. Zur Ergänzung von anspruchsvollen Bergtouren entwickelte sich immer mehr auch ein breites Freizeitangebot für unterschiedlichste Ansprüche und Interessenten jeden Alters. Auch die Angebote für Familien werden sorgfältig gepflegt.
Die sechs, zwischen 1973 und 1978 organisierten Volksmärsche rund um Landquart, verschiedene mineralogische Ausflüge und Firmenbesichtigungen, fanden darin ebenso Platz wie Pilzkurse, Fahrradtouren, Museumsbesichtigungen oder Kegelabende. Nebenbei sei bemerkt dass der 300’000ste Besucher des KKW Gösgen ein Mitglied unseres Vereins war.
Dass von unseren Mitgliedern auch das vielseitige und kompetent geführte Angebot anderer NFS Sektionen oder des Zentralverbandes genutzt werden kann, erweitert die Angebotspalette wesentlich. Neben den monatlichen Anlässen für jedermann , finden die Werktagswanderungen, welche seit einigen Jahren 2 x pro Monat auf dem Programm stehen, rege Beachtung. Dazu, sowie zu allen übrigen Anlässen sind jederzeit neue Interessenten willkommen und herzlich eingeladen.
Aus Anlass des 100 Jahr Jubiläums trägt neu ein Baum auf dem Bahnhofplatz in Landquart unseren Vereinsnamen.
Im weitern waren wir in diesem Frühjahr an den Bauernmärkten präsent und werden am Herbstmarkt in Landquart vertreten sein. An einem Stand werden wir , echten „Churer Apfeltatsch“ verkaufen und unser Vereinsangebot präsentieren.