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Chinesen haben bekanntermaßen einen anderen Eßgeschmack als Europäer.
Wären Adam und Eva Chinesen gewesen, wäre es wohl kaum zum Sündenfall gekommen.
Denn die Schlange hätte Eva nicht in Versuchung bringen können, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu essen, sondern wäre als leckere Mahlzeit selbst verzehrt worden.
Schlangen sind in Europa keine Haustiere, hier hätten sich wohl noch wenige gestört. Aber in China sind nicht nur Schlangen Delikatessen.
Doch muß überhaupt in ferne Ländern und Kontinente blicken, um auf kritische emotionale und ethische Fragenstellungen im Zusammenhang mit Eßgewohnheiten zu stoßen?
Spätestens wenn man erfährt und bedenkt, daß Kühe eine gleich hohe Intelligenz haben wie Hunde und eine höhere als etwa Katzen, spätestens ab da wird alles schwierig. Während – nochmals ein kleiner Abstecher nach Asien – in Indien Kühe heilige Tiere sind, werden sie in Europa verzehrt.
Doch Kühe weisen nicht nur eine ausgeprägte Persönlichkeit auf, sondern haben, so die jüngste Tierforschung, auch ein gutes Langzeitgedächtnis. Tierverhaltensforscher haben herausgefunden, daß Kühe auf sozial komplexe Weise interagieren, über eine Vielzahl an Emotionen verfügen und sogar die Fähigkeit, sich über die Zukunft Sorgen machen zu können.
Sollte man also nicht lieber Katzenfleisch bevorzugen, wenn Kühe intelligenter sind? Die Frage müßte sich eigentlich stellen.
Katzenfleisch: Schweizer Tradition
Daß Katzen auf dem Teller landen, hat in der Schweiz Tradition, erfährt man nach kurzer Internetsuche zum Beispiel im Blick. Dort heißt es: Schweizer Bauern haben schon immer Katzenfleisch gegessen. Und während des 2. Weltkriegs, als Nahrungsmittelknappheit herrschte, war Katze für breite Schichten der Bevölkerung eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan.
Katzenfleisch hab besonders Tradition in der Ostschweiz, namentlich im Kanton St. Gallen, im Appenzell und im Thurgau aber auch in Graubünden und auch im Tessin.
Die Tradition ist belegt, etwa durch den Hinweis in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 24. Januar 1871, daß ein Pfund Hundefleisch nun 1 Franken 50 Rappen koste.
Und was ebenfalls die wenigsten wissen: Es ist zwar gesellschaftlich verpönt aber legal.
Viele essen das Fleisch bestimmter Tiere, anderer Tiere nicht
Kürzlich verursachte der italienische Fernseh-Koch Beppe Bigazzi bei einigen seiner Zuschauer, bei Tierschützern und Politikern Unmut, als er im Fersehen ein Kochrezept für gebratene Katze präsentierte und davon sprach, daß er auch gerne Katzeneintopf esse.
Gemäß dem TV-Koch bereite man Hauskatze am besten zu, indem man sie drei Tage in Quellwasser einlegt und beim Bratenspäter im eigenen Saft schmoren läßt. „Eine Köstlichkeit“ sei dies, schwärmte der Fernsehkoch.
Dieser wurde vom TV-Sener Rai Uno zwar später entlassen, doch er bleibt bei seiner Meinung: Katzenfleisch schmecke viel besser als Poulet oder Chüngel-Fleisch.
Er selbst habe diese Speise mehrfach probiert und sei begeistert von dem Ergebnis. Tierschützer, die Partei der Grünen und auch viele Zuschauer empörten sich über den Koch-Guru Bigazzi.
Fausto Maculan, Enologe und Weinpromoter aus Italien, hielt als einer der wenigen zu seinem angegriffenen Freund: „Ich stehe zu Bigazzi und werde bei der ersten Gelegenheit Katzenfleisch probieren„, sagte er der Zeitung „Corriere del Veneto“. „Ich bin überzeugt, daß es exquisit schmeckt.“ Schließlich würden auch in China Katzen verzehrt, und in Italien habe bisher niemand ein Problem damit, Pferd oder Kaninchen auf die Speisekarte zu setzen.
Wieviele Italiener später das Rezept ausprobierten, ist natürlich nicht feststellbar, aber es dürfte durchaus einige Fernsehzuschauer geben, die sich von der Schwämerei über den hervorragenden Geschmack, ebenfalls die Frage gestellt haben, warum man nicht einmal statt Kaninchenfleisch Katzenfleisch probieren sollte.
Erzählt haben dürften dies die wenigsten, denn es ist auch in Italien gesellschaftliches Tabu, Katzenfleisch zu essen. Selbst in chinesischen Restaurants bekommt man weder in der Schweiz noch in anderen europäischen Ländern Katzenfleisch. Zumindest nicht offiziell.
Katzen im Kochtopf?
Für „Katzen verschwunden chinesisches Restaurant“ liefert die Suchmaschine Google jedoch über 270.000 Ergebnisse. Ein Indiz dafür, daß es offenbar vorzukommen schient, daß im Umfeld von China-Restaurants Katzen verschwunden sind in der Vergangenheit. Oder auch nur, daß viele Katzenbesitzer zu Unrecht China-Restaurant verdächtigen, mit dem Verschwinden ihrer Katze etwas zu tun haben zu können.
Doch Verdacht hin oder her: Auch hier muß man gar nicht erst in fremde Kulturkreise blicken.
Auch, wenn es in der Schweiz legal ist, Hunde- und Katzenfleisch zu essen sagt kaum jemand öffentlich, daß ihm das Fleisch gut schmeckt.
„Schweizer essen wieder Katzen“
In Stern-TV berichtete in den 90er-Jahren Christoph Wildhaber, daß er seinen Gästen im „Ochsen“ in Widnau ab und zu als Delikatesse Hundefleisch serviere.
Der St.Galler Kantonstierarzt Thomas Giger sagte, daß es in der Ostschweiz durchaus Restaurants gäbe, die Fleisch von Haustieren anböten. Doch sei dies eine absolute Ausnahme.
„Schweizer essen wieder Katzen“ titelte vor einiger Zeit die Boulevardzeitung Blick. Und jüngst gab es jeoch einem Artikel im Tagi (Tagesanzeiger). Die Zeitung zitierte etliche Schweizer, welche – unter Zusicherung der Anonymität – äußerten, gerne Katzen- und Hundefleisch zu verarbeiten und zu essen.
Eine Bäuerin aus dem st. galler Rheintal antwortet auf eine Frage, warum sie Hundefleisch genieße : „Wie verlogen, so etwas zu fragen! Dann dürfte man auch keine Schweine essen!“
Und ein Bauer aus dem Kanton Schwyz sagt im Tagi-Artikel: Früher habe sich kaum jemand darüber aufgeregt, wenn Hundefleisch serviert worden sei. „Heute ist das offenbar verpönt.“ Er wertet dies als Heuchelei einer Gesellschaft, „die sonst nicht genug Fleisch kriegen kann“.
Es sei nichts Außergewöhnliches, „Fleisch ist Fleisch“ so ein Bauer aus dem St. Galler Rheintal in dem Bericht. Und ein Mann aus dem Appenzell wird ebenfalls zitiert, daß er gerne Fleisch ißt, das man nicht im Supermarkt kaufen kann. Ein Kollege, der Metzger ist, häute und zerlege das Tier für ihn und räuchere auch das Fleisch.
„Serviere ich Mostbröckli, merkt niemand, daß es Hundefleisch ist„, sagte er gegenüber der Zeitung. Wievielen seiner Gäste er schon Hund anstatt Rindfleisch (daraus sind Mostbröckli normal) serviert hat, ohne, daß sie es merkten, frugen die Journalisten nicht. Es dürften wohl einige gewesen sein.
«Ja, wir essen Katzenfleisch», so eine Bäuerin der Zeitung „Le Matin“. Sie erläutert: „Es ist sehr zartes Fleisch. Ich sage immer, es schmeckt wie Kaninchen, aber es ist weniger fasrig.“ Es gehöre zum Alltag auf dem Land. „Die Katzen fühlen sich bei uns wohl, sie vermehren sich. Wenn es zu viele werden, muß mein Mann einige davon töten. Und die essen wir dann.“
„3% der Schweizer essen Katzen“
Martina Karl, Präsidentin eines Tierschutzvereins behauptet, in der Schweiz äßen etwa 3% der Leute Hunde und Katzen. Das wären also 3 von 100.
Nicht ganz von der Hand zu weisen, bedenkt man, daß z. B. Pferdefleisch in der Schweiz im Vergleich zum Ausland sehr beliebt ist, besonders in der Romandie. Es gibt sogar Pferdemetzgereien. Und Pferdefleisch ist in so gut wie jedem Supermarkt und in der Metzgerei in der Schweiz zu kaufen.
Mit der einen Hand die Katze streicheln, mit der anderen die Gabel in ein Stück Kaninchen stechen…
Es ist tatsächlich eigenartig, wie unterschiedlich Menschen verschiedene Haustiere behandeln. Zum Beispiel Kaninchen und Katze im Vergleich.
Doch zurück zu Katzen. Gemäß der Schweizerischen Tiermeldezentrale werden jedes Jahr 10’000 bis 20’000 Haustiere in der Schweiz vermißtgemeldeet. 80% davon sind Katzen. Es erscheint jedoch unwahrscheinlich, daß all diese verschwundenen Katzen im Kochtopf oder Ofen landen.
Am populärsten ist in der Schweiz immer noch Schweinefleisch, mit einem durchschnittlichen Konsum von fast 25 Kilo pro Jahr. Geflügel und Rind kommen auf 11,43 respektive 11,29 Kilo jährlich.
Andere Fleischarten kommen nur auf ganz geringe Konsum-Mengen. Schon gar nicht exotische Fleischsorten wie Froschschenkel. Die Delikatesse aus Frankreich ist selbst im französischesprachigen Teil der Schweiz kaum verbreitet.
Auf Wikipedia ist unter Katzenfleisch die Schweiz auch nicht mehr erwähnt, obwohl Katzenfleisch in einigen Gegenden der Ostschweiz lange Tradition hat. Auf Wikipedia heißt es: „Katzenfleisch dient, in jeweils mehr oder weniger geringem Umfang, unter anderem in Südchina, Nordvietnam, Korea, Peru, Großbritannien zu Nahrungszwecken.“
Dabei hat Katzenfleisch nicht nur in der Ostschweiz, sondern auch im Tessin Tradition. Der Blick schreibt etwa: „Dort hat das Menü «Miau Miau» eine lange Tradition – und sie währt bis heute.“ Katze gilt dort als Festtagsmenü und wird in einigen Familien an Weihnachten angerichtet. Der Blick zitiert weiter eine bekannte Katzenköchin mit den Worten, daß „frisches Katzenfleisch fantastisch schmeckt“. (siehe Bild)
Dennoch findet man in der Schweiz im Internet leicht Rezepte für Dachhase, was die Umschreibung für Katzenfleisch ist. Zum Beispiel hier.
Was auf Wikipedia erstaunt, ist, daß England aufgeführt ist als Land, in welchem gewöhnlich Katze gegessen wird. Als europäisches Land hätten die meisten Großbritannien kaum als Land mit Katzenfleisch-Tradition eingestuft.
Man lernt nie aus.
Google schlägt bei Eingabe des Wortes „Katzenfleisch“ als verwandte Suchanfragen zu Katzenfleisch übrigens folgendes vor:
„Katzenfleisch Rezepte, Katzenfleisch kaufen, Katzenfleisch Deutschland,, Katzenfleisch Geschmack, Hunde- und Katzenfleisch, Katzenfleisch in Döner, Katze Katzenfleisch.“
Das heißt, es wird bei Eingabe des Wortes Katzenfleisch von Google sogleich zuoberst vorgeschlagen: „Katzenfleisch-Rezepte“.
Ein deutlicher Hinweis darauf, daß es offenbar doch eine ganze Menge Leute geben dürfte, die Katzenfleisch verzehren. Denn wer warum wird sonst sooft nach Katzen-Rezepten gesucht? Was will man mit so einer Information sonst machen? Bzw. warum sollte man danach sonst suchen?