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Hans Rudolf Fuhrer, geboren 1941, wandte sich erst spät der Militärgeschichte zu, nachdem er als Primar- und Sekundarlehrer sowie als Dozent für Didaktik in der Ausbildung von Sekundarlehrern an der Universität Zürich tätig war. Im Jahr 1982 schrieb er seine Dissertation in diesem Bereich. Von da an blieb er diesem Fach jedoch viszeral verbunden und wurde zu einer charismatischen Figur bei der Vermittlung unserer Militärgeschichte.
Lehrstuhl gegen den studentischen Widerstand errichtet
Seit 1974 gab es am Historischen Seminar der Universität Zürich einen halben Lehrstuhl für Militärgeschichte, der gegen studentischen Widerstand errichtet worden war. Letzteres hinderte den gewieften Didaktiker und Miliz-Truppenkommandanten der Armee keineswegs daran, sich fortan der Militärgeschichte zu widmen. Nach seiner Dissertation zur deutschen «Spionage gegen die Schweiz» untersuchte er die Entwicklung des Feldpredigerdienstes in der Schweizer Armee.
Der militärgeschichtliche Gout war noch nicht gestillt: Hans Rudolf Fuhrer entschloss sich, in Militärgeschichte zu habilitieren. Er organisierte sich einen Forschungsurlaub und verfasste eine Arbeit zur schweizerischen Landesverteidigung und Landesbefestigung im Ersten Weltkrieg. Inzwischen trat er 1990 die Nachfolge von Professor Walter Schaufelberger als hauptamtlicher Dozent für Militärgeschichte an der Militärakademie (Milak) der ETH Zürich an.
Alfred Gilgen machte ihn zum Privatdozenten
Die Ernennung von Hans Rudolf Fuhrer zum Privatdozenten sollte Universitätsgeschichte schreiben: Die Fakultät wollte das Plazet nicht geben, aber der damalige Regierungsrat Alfred Gilgen machte Hans Rudolf Fuhrer zum Privatdozenten für schweizerische Militärgeschichte. Aus seiner Habilitationsschrift ging das umfangreiche Werk «Die Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg. Bedrohung, Landesverteidigung und Landesbefestigung» hervor, das im Verlag NZZ Libro drei Auflagen erlebte.
Es folgten nun eine Reihe von Sammelbänden, die Hans Rudolf Fuhrer zusammen mit Mitarbeitern der Milak/ETH erarbeitete und herausgab: «General Ulrich Wille. Vorbild den einen – Feindbild den andern» und «Schweizer in ‹Fremden Diensten›. Verherrlicht und verurteilt». Die Titel der beiden Bände verraten einen grundlegenden Charakterzug Fuhrers: Et audiatur altera pars (Lateinisch für «Gehört werde auch der andere Teil»). Er wollte bei politisch und historiografisch umstrittenen Themen immer beide Seiten hören.
Dies zeigte sich auch in seinem letzten grossen Werk im Rahmen der Reihe «Der Schweizerische Generalstab: Alle roten Pfeile kamen aus Osten – zu Recht?», in dem er zusammen mit Matthias Wild und Daniel Neval die Militärdoktrin der Sowjetunion und die Einschätzung der Schweiz durch den Ostblock aufarbeitete.
Militärgeschichte zum Anfassen
Als Dozent an der Militärakademie führte Fuhrer unzählige militärhistorische Exkursionen durch, die er mit der Reihe «Militärgeschichte zum Anfassen» dokumentierte. Militärhistorische Reisen sollten auch nach seiner Emeritierung seine grosse Passion bleiben. Er konnte seine Zuhörer begeistern, war selbst von der Militärgeschichte begeistert, das machte ihn mitreissend. Im Rahmen der Gesellschaft für militärhistorische Studienreisen (GMS) leitete er über 90 Exkursionen rund um die Welt zu militärhistorischen Schauplätzen.
In der Schriftenreihe der GMS publizierte er in den letzten 15 Jahren ununterbrochen Hefte, beispielsweise zum Russlandfeldzug 1812, zum Gebirgskrieg, zum Ordnungsdienst, zum Tod des Reformators Zwingli und zu dessen Waffen, aber auch zu Karl Barths «Schweizer Stimme», zum «Feindbild Moskau» und als letztes Heft «Pulverfass Balkan». Diese sollte seine letzte Arbeit sein.