Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03478.jsonl.gz/137

Weise des Henri Leys Trachten und Umgebung und die ganze Darstellungsweise aus der Zeit des spätern Mittelalters entlehnt,
so daß die Körper oft steif und eckig sind, die tiefen Lokalfarben hart gegeneinander stehen und die Luftperspektive sehr
mangelhaft ist. Eins seiner Hauptbilder (1861) aus dem
«Faust», den er öfter behandelt hat, ist im Luxembourg.
Später behandelte er häufig Scenen aus dem modernen Leben, die poetisch empfunden und sehr anziehend sind, aber in den
Gestalten ohne volle Körperlichkeit, z. B.: ruhende Frauen im Frühling unter blühenden
Apfelbäumen, die junge Frau in der Kirche, der letzte Abend, des Kapitäns Tochter, eine interessante Geschichte
etc. Man hat auch mehrere treffliche Radierungen von ihm.
Robert, Bildhauer, geb. zu Berlin, bildete sich auf der dortigen Akademie, später
unter
Schilling in Dresden und ging dann nach Rom, wo er allmählich immer mehr eine realistische Richtung in seinen mythologischen
Genrefiguren und Gruppen einschlug, z. B.: ein Satyr mit Amor,
Perseus verhüllt das Haupt der Medusa,
römischer
Hirt (Nationalgallerie in Berlin) etc. Auch seine sehr treffend charakterisierten Porträtbüsten
werden gerühmt.
Victor, Historienmaler, geb. zu Trogen (Kanton Appenzell),
zeigte früh eine entschiedene
Neigung zur Kunst, erhielt in der Heimat den ersten vorbereitenden Unterricht, zog um 1870 nach München,
entschied sich für die Historienmalerei, trat in die dortige Akademie und in die Specialschule von Wilh.
Lindenschmit. Den
durchschlagendsten Erfolg erzielte er mit seinem Bild: Ulrich Zwinglis Disputation zu Zürich.
In der Münchener Ausstellung 1879 fand
eine Marktscene von ihm große Anerkennung.
Dieck,August Christ. Hermann, Historienmaler, geb. zu
Oldenburg, besuchte 1847-51 die Akademie in Dresden, trat in das Atelier Adolf Wichmanns (gest.
1866), brachte 1854 bei seiner großen Vorliebe für klassische Musik eine heil. Cäcilie, wurde
dann Schüler von Julius Schnorr und führte unter dessen
Leitung einige biblische Kompositionen als
Kartons aus. 1857 ging er nach Italien, beschäftigte sich in Florenz mit Studienzeichnen nach alten Meistern und blieb fast
vier Jahre in Rom, wo er zunächst die beiden Marien am
Grab Christi (1859, im Besitz des Großherzogs von Oldenburg) malte,
in nähern Verkehr mit Cornelius trat und zwei Blätter nach Raffaels Fresken in der Farnesina zeichnete,
die dem Altmeister so sehr gefielen, daß er auch die zehn
Zwickel in derselben Weise dazu zeichnete, ein Cyklus, der 1861 in
die Hände der Photographischen Gesellschaft zu Berlin überging. In Rom machte er sich auch um die Einführung der deutschen
klassischen Musik sehr verdient und stand in dieser Beziehung im Verkehr mit
Paul Mendelssohn. 1861 kehrte
er nach Deutschland zurück, malte eine Wiederholung jener beiden Marien, ein Altarbild: Christus am Ölberg, für Abbehausen
im Oldenburgischen (1862), eine Kreuzigung Christi (1863), ein Bildnis des Großherzogs von Oldenburg (1867), eine Gruppe
am Kreuz (1871, Altarbild zu Lubahn in Livland), eine Verklärung Christi (protestantische Kirche in
Kloppenburg) und schuf in den folgenden Jahren Zeichnungen der Raffaelschen Tapeten (für Alfons
Dürr in Leipzig).
Seine letzten Arbeiten waren wiederum Bildnisse des Großherzogs und der Großherzogin von Oldenburg, eine verbesserte Wiederholung
seiner ersten Cäcilie, die 1878 ins Museum zu Dresden kam, farbige Kartons für die Fenster der Kapelle
der Albrechtsburg zu Meißen (die vier großen Propheten), abermals ein Cyklus von Zeichnungen nach Raffaels Horen und ein
Bild aus dem Leben der Psyche. Fast alle seine Werke zeichnen sich durch ungemein tiefes Gefühl, edel durchgebildete Form
und tiefe, gesättigte Farbe aus.
(spr. tongdöhr),Alexander, Bildhauer, geb. 1829 zu
Berlin, wurde 1847 Schüler von Bläser, besuchte 1849 die dortige Akademie und kehrte dann wieder in Bläsers Atelier zurück.
1852-1854 verweilte er in Wien, führte dort für den
Baron Pereira acht Figuren aus, ging auf ein Jahr nach Paris und 1856 nach
¶
mehr
Rom, wo er seine erste bedeutende Arbeit schuf: eine verwundete Venus, die von der Iris zum Olymp getragen wird, der dann
während eines zweiten Aufenthalts in Rom für König Wilhelm eine Marmorgruppe der Mutterliebe folgte. Sehr ausgedehnt wurde
seit 1858 in Berlin seine Thätigkeit in allegorischen und mythologischen Gestalten, die er in anmutiger
Haltung u. großer Schönheit der Formen ausführt, z. B.:
eine Borussia als Brunnenfigur mit den vier Hauptflüssen Preußens, Frühling, Sommer und Herbst als dekorative Gewandfiguren,
zwei von den Städtefiguren auf den Seitenflügeln der Berliner Börse, eine Gruppe: Tag und Nacht, Pan mit einer Wasser
schöpfenden Nymphe als Brunnenschmuck für die Villa Ravené in Moabit (1867), die beiden herrlichen
Bronzestatuen Bülows und Blüchers am Postament der großen Bläserschen Reiterstatue Friedrich Wilhelms III. in Köln und
außerdem zahlreiche Porträtbüsten.