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Der »Tolle Typ« in der letzten Ausgabe war Martin Luther King - diesmal geht es um den Typen, von dem er seinen Namen hat: Martin Luther hat zwar vor sehr langer Zeit gelebt, trotzdem hat sein Leben auch heute noch großen Einfluss auf viele Menschen.
Martin, im Jahr 1483 in Eisleben geboren, stammt aus einer Bergarbeiterfamilie. Aber sein Vater will, dass er's mal besser hat und nicht im Bergwerk arbeiten muss, also schickt er ihn zur Schule. Die Sprache, die zu dieser Zeit in den Schulen gesprochen und geschrieben wird, ist Latein. Wenn ein Kind es wagt, während des Unterrichts deutsch zu reden, wird es von den älteren Schülern ins so genannte »Wolfsbuch« eingetragen. Und der Lehrer rechnet die Einträge einmal pro Woche mit dem Stock ab.
Vergebung zu verkaufen
In der Kirche hört Martin Geschichten aus der Bibel - auf Lateinisch! Und bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr hat er noch nie eine Bibel aus der Nähe gesehen. Als er später -- als Philosophie-Student -- in der Erfurter Unibibliothek eine findet und anfängt darin zu lesen, ist er total überrascht, dass da ja noch viel mehr drin steht als das, was er aus der Kirche kennt. Während dieser Zeit beschäftigt er sich intensiv mit seinem Glauben an Gott und beschließt nach seinem Studium Mönch zu werden.
Martin macht innerhalb kürzester Zeit eine kirchliche Musterkarriere: erst Priester, dann Prior über zwölf Klöster, später Doktor und Professor der Theologie. Aber er stellt auch fest, dass in der Kirche nicht alles so ist, wie es sein sollte: Während es viele arme Menschen gibt, strotzen die Kirchen nur so vor goldenem Prunk. Händler verschachern die Vergebung der Sünden gegen Geld, sie verkaufen so genannte Ablass-Briefe nach dem Motto: »Wenn du einen Ablass-Brief zu drei Mark kaufst, vergibt dir Gott eine Lüge. Für einen Diebstahl musst du schon ein bisschen mehr hinblättern!«
Ganz schön mutig
Martin wird immer deutlicher, dass die Wertmaßstäbe der Gesellschaft und der Kirche nicht mit dem übereinstimmen, was er in der Bibel gelesen hat. Und immer mehr macht er die Bibel zum einzigen Maßstab seines Lebens.
Als Martin vor allem den Ablass-Handel öffentlich kritisiert, passt das einigen hohen Herren gar nicht. Die Folge ist, dass er vom Kaiser für vogelfrei erklärt wird, d.h. jeder kann ihn töten ohne dafür bestraft zu werden. Martin Luther versteckt sich auf der Wartburg. Hier lebt er nun, verkleidet als Junker Jörg mit strubbeligem Bart - und viel mehr Zeit, als ihm lieb ist.
»Auf das Maul sehen«
Martin findet, dass alle Leute die Bibel lesen und verstehen sollten. Aber nur wenige können Latein. Und über die wenigen Versuche, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen, sagt Martin: »Man muss nicht die Buchstaben der lateinischen Sprache fragen, wie man deutsch reden soll, so wie es diese Esel tun. Sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den einfachen Mann darum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und danach übersetzen, so verstehen sie es und merken, dass man deutsch mit ihnen redet.«
Und so übersetzt er die ganze Bibel in die Sprache der einfachen Leute, so dass jeder sie verstehen kann und niemand mehr nur auf das angewiesen ist, was er in der Kirche hört.
Martin Luthers Bibelübersetzung war weltweit der erste gelungene Versuch, allen Menschen einer Sprache das Bibellesen zu ermöglichen und sich nicht nur mit dem abzugeben, was andere sagen.
Text_Christiane Henrich ist heilfroh, dass sie ihre Bibel auf Deutsch lesen kann!
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