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Eine adäquate Volumen- und Flüssigkeitstherapie ist Teil sehr vieler anästhesiologischer, intensiv- und notfallmedizinischer Behandlungen. Patienten bedürfen einer intravasalen Volumentherapie «z.B. peri-operativ bzw. peri-interventionell, wenn Nüchternheit medizinisch indiziert ist, oder wenn die enterale Flüssigkeitsresorptionsrate die notwendige Substitutionsrate unterschreitet, z. B. im Schock, bei grossen Flüssigkeitsumsätzen im Rahmen grosser Operationen oder bei reduzierter enteraler Resorption als Folge von anhaltendem Erbrechen oder schweren Durchfällen.»[1]
Bei den Volumenersatzlösungen ist zwischen kristalloiden und kolloidalen Lösungen zu unterscheiden. Kristalloide Lösungen verteilen sich sowohl im Intravasalraum wie auch im Interstitium und dienen dem Flüssigkeits- und Volumenersatz, wobei der Volumeneffekt und die intravasale Verweildauer geringer sind als bei den kolloidalen Lösungen. Die kolloidalen Lösungen hingegen beinhalten onkotisch wirksame Makromoleküle, verbleiben tendenziell länger und anteilsmässig in grösseren Mengen im Intravasalraum und dienen v.a. dem Volumenersatz. Der Einsatz von Kolloiden wie HES- oder Gelatine-Lösungen ist aus medizinischer Sicht allerdings bereits seit einigen Jahren umstritten. Kolloide werden heute deshalb eher selten eingesetzt. Im Vergleich zu den künstlichen Kolloiden wie HES- und Gelatine-Lösungen ist der medizinische Stellenwert des Humanalbumins (natürliches Kolloid) höher einzustufen. Zwar wird auch das Humanalbumin deutlich weniger oft eingesetzt als die kristalloiden Lösungen, allerdings ist es gerade zum Volumenersatz bei schnellem, hohem Blut-/Plasma-Verlust sowie bei Hypoalbuminämie wichtig, dass Humanalbumin zur Verfügung steht. Innerhalb der Gruppe der kristalloiden Lösungen ist die Gabe von balancierten Vollelektrolytlösungen dem Einsatz von 0.9%iger NaCl-Lösung vorzuziehen, da es beim Einsatz von NaCl aufgrund des – im Vergleich zum menschlichen Plasma – erhöhten Chloridgehaltes und der fehlenden Bikarbonatvorstufen zu negativen Auswirkungen (hyperchlorämische Azidose) kommen kann.
Aufgrund der Resultate der vorliegenden Analyse wird empfohlen, die Elektrolytlösungen (ATC-Code B05BB01) sowie die Lösungen mit Albumin (ATC-Code B05AA01) einer Meldepflicht zu unterstellen.
[1] S3-Leitlinie Intravasale Volumentherapie beim Erwachsenen. Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Seite xi. Online unter https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/001-020l_S3_Intravasale-Volumentherapie-Erwachsene_2020-10.pdf