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Der PV EMD – ein Kind seiner Zeit
«Der Schweizerische Militärpersonalverband (SMPV) entstand in jener Zeit, in der sich die Sozialdemokratische Partei (SP) mit den Gewerkschaften um die Abschaffung der schweizerischen Armee bemühte.» Mit diesen Worten umschrieb Urs Kunz, SMPV-Zentralpräsident von 1970 bis 1985, die Umstände, die am 20. Mai 1920 zur Gründung des damaligen «Personalverbands des Eidgenössischen Militärdepartements» (PV EMD) geführt hatten.
Hans-Ulrich Büschi
swissPersona Ehrenzentralpräsident
In einem Beitrag in der Verbandszeitung aus Anlass seines 80. Geburtstags führte der nachmalige Ehrenzentralpräsident und alt Nationalrat weiter aus: «Von diesen Bemühungen waren natürlich die Arbeiter, Angestellten und Beamten in den Militärbetrieben sehr betroffen. Sie sahen zwar die Notwendigkeit einer Interessenvertretung ein, aber nicht durch jene, die sie abschaffen wollten. So sah man die Lösung in der Schaffung eines Verbandes, der sich nicht auf die Doktrin einer Partei abstützen durfte, sondern einzig die beruflichen Interessen der Mitglieder verfolgen sollte».
Im Loyalitätskonflikt
Diese Erkenntnis hatte sich im Nachgang zum Landesstreik von 1918 herausgebildet. In dieser turbulenten Zeit, in der die Polarisierung zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft die innenpolitischen Auseinandersetzungen prägte, sahen sich die die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Militärbetriebe mit dem gewerkschaftlichen Vorwurf konfrontiert, «Streikbrecher» gewesen zu sein und die Interessen der Arbeiterschaft verraten zu haben. Bewusst wurde der Loyalitätskonflikt ausgeblendet, in dem sich die Bediensteten des Eidgenössischen Militärdepartements (EMD) wegen des für sie geltenden Streikverbots befanden.
Die grundlegenden Forderungen des Oltener Aktionskomitees, das die Streikbewegung leitete, unterstützten allerdings auch sie, so die Einführung der 48-Stunden-Woche und die Schaffung einer Alters- und Invalidenversicherung. Und wie die Arbeiterschaft spürten auch sie die verheerenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Gefolge des Ersten Weltkriegs.
Akute Not
Eine grassierende Teuerung und die zunehmende Arbeitslosigkeit führten in weiten Kreisen der Arbeiterschaft zu akuten Notlagen. So wurden nach Kriegsende mehr als 700‘000 Notstandsberechtigte registriert. Sogar die liberale NZZ geisselte am 28. April 1918 die «rücksichtslose industrielle Gewinnsucht» und das «soziale Verbrechen (…), wenn in Zeiten wachsender Not gewisse Gesellschaften höhere Gewinne einstreichen, statt dass der Überschuss über die Norm dazu verwendet wird, die Preise der Produkte wenn nicht herabzusetzen, so doch länger (…) auf der gleichen Höhe zu halten».
Die Wurzeln
Die Notwendigkeit gemeinsamer Interessenvertretung wurde nicht erst angesichts dieser Not erkannt. Teile des Bundespersonals hatten sich schon Ende des 19. Jahrhunderts organisiert. 1896 wurde in Thun die «Vereinigung Eidgenössischer Beamter, Angestellter und Arbeiter» gegründet, die spätere SMPV-Sektion «Beamte und Angestellte Thun». Auch anderswo schlossen sich EMD-Bedienstete zusammen oder traten den Gewerkschaften SMUV respektive VPOD bei. 1903 entstand der Föderativverband (FÖV) als Dachorganisation des Bundespersonals.
1907 wurde der «Verein Eidgenössischer Militärangestellter» (VEMA) mit Vorort Thun gegründet, der dem FÖV beitrat. Seine Mitglieder waren auf allen Waffenplätzen der Deutschschweiz sowie in Bière vertreten, mit Schwerpunkten in Thun und Bern. Waren genügend Mitglieder vorhanden, bildeten sie Ortsgruppen, so in Andermatt (Fortwachen am Gotthard), Altdorf und Kriens.
Nicht nur im Kreis der VEMA-Mitglieder, sondern auch in nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeiterverbänden fielen die revolutionären Ideen und sozialistischen Postulate der damaligen Zeit auf unfruchtbaren Boden. Als Reaktion entstand unter anderem 1919 in Zürich der Landesverband Freier Schweizer Arbeiter (LFSA) mit einem klaren Kurs gegen den politisch geführten Schweizerischen Gewerkschaftsbund.
Der Ruf vom Gotthard
Die Initialzündung zur Gründung eines politisch unabhängigen Zentralverbands des Militärpersonals kam von der Ortsgruppe Fortwachen am Gotthard. Auslöser waren Kürzungen des EMD-Budgets und dadurch bedingte, erste Entlassungen. Auch Lohnabbau und andere Einschränkungen standen ins Haus, ebenso wichtige personalpolitische Vorhaben wie die Ausarbeitung eines Beamtengesetzes, eine Besoldungsreform und die Schaffung einer Versicherungskasse für das Bundespersonal, alles «Existenzfragen erster Ordnung» gemäss Albert Bär, SMPV-Zentralsekretär von 1933 bis 1973.
Der Ruf der Fortwachen nach Unterstützung wurde vom damaligen VEMA-Vorsitzenden Otto Suter gehört. Er lud die Ortsgruppen zu einer gemeinsamen Tagung ein. An die 200 EMD-Angehörige folgten der Einladung und trafen sich am Sonntag, 20 Mai 1920, um 14 Uhr im Restaurant «Sädel» in Thun.
Ohne grosse Diskussion und ohne Gegenstimmen gründeten sie den «Personalverband des Eidgenössischen Militärdepartements» und wählten den vormaligen FÖV-Vorsitzenden und St. Galler Nationalrat Otto Weber zu ihrem Präsidenten. Otto Suter wurde zum Vizepräsidenten erkoren. Ihnen wurde laut handschriftlichem Gründungsprotokoll ans Herz gelegt, «scharf darauf zu achten, dass ja keine bolschewistischen Elemente Aufnahme finden». ■ (Bild: Am 20. Mai 1920 wurde im Restaurant Sädel in Thun der «Personalverband des Eidgenössischen Militärdepartements» gegründet / Bild Stadtarchiv Thun)