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Die Metalle der Seltenen Erden sind für viele Technologien unverzichtbar. Jedoch ist ihre Förderung ökologisch immer noch bedenklich, und die Versorgungssicherheit steht aufgrund des chinesischen Quasimonopols auf dünnem Eis.
Seltene Erden sind in Festplatten, Mobiltelefonen und Plasmabildschirmen, aber auch in Windturbinen, Elektromotoren und Energiesparlampen so zu sagen das, was das Salz in der Suppe ist. Es braucht nur sehr wenig davon, das aber unbedingt. Der metallischen Grossfamilie mit ihren insgesamt 17 Elementen kommt in der Hochtechnologie- und Umweltbranche eine tragende Bedeutung zu. Wie bei Vielem als selbstverständlich vorausgesetztem, ist auch die Bedeutung dieser Metalle erst dann so richtig erkannt worden, als ihre Verfügbarkeit zu schwinden begann und die Preise immer weiter anstiegen. Heute, gut 50 Jahre nachdem eine anhaltende Entwicklung der Verknappung und Verteuerung der Seltenerdmetalle auf dem westlichen Rohstoffmarkt zu verzeichnen ist, drängt sich das Thema aber zunehmend auf.
Genau genommen sind die Metalle der Seltenen Erde gar nicht so selten, wie es die Namensgebung vermuten lassen würde. Seltene Erden kommen an verschiedensten Orten auf der Welt vor; viele dieser Metalle sind sogar häufiger als Kupfer, Blei oder Zinn. Selbst Thulium, das seltenste unter den Seltenerdmetallen, ist in grösserem Umfang vorhanden als etwa Gold oder Platin. Allerdings ist die Bezeichnung insofern zutreffend, als grössere Vorkommen tatsächlich relativ selten sind und ihre Förderung finanziell längst nicht überall gewinnbringend ist. So liegen geschätzte 30% der weltweiten Vorkommen in China, wobei derzeit mehr als 90% des globalen Verbrauchs durch das ostasiatische Grossreich abgedeckt wird. China hat in den letzten Jahrzehnten ganz unbestritten eine Vormachtstellung in der Förderung und Aufbereitung dieser für viele Umwelttechnologien relevanten Metalle erlangt.
Ermöglicht wurde das Chinesische Quasimonopol neben den geologisch bedingten Gegebenheiten vor allem durch gezielte, industrienahe Forschung sowie durch die günstigen Produktionsbedingungen. Dazu haben nicht nur die billigen Arbeitskräfte in China beigetragen, sondern auch die rücksichtslosen Förderungsbedingungen. China hat die Gewinnung der Rohstoffe lange Zeit fast ausschliesslich an Effizienzgesichtspunkten ausgerichtet und so gut wie keinen Wert auf Aspekte ökologischer Verträglichkeit oder fairer Arbeitsbedingungen gelegt. Noch immer werden zur Gewinnung der Metalle die Mineralien vielerorts direkt mit giftigen Säuren versetzt, was Boden, Gewässer und die anliegende Bevölkerung gleichermassen belastet; von der Gesundheit der Minenarbeiter ganz zu schweigen.
Gestützt wird die Exportwirtschaft Chinas durch die eigene Rohstoffversorgung, die verstärkt durch die chinesische Expansion nach Afrika gewährleistet wird. In den letzten Jahren hat sich das Handelsvolumen zwischen der chinesischen Volksrepublik und afrikanischen Ländern deutlich vergrössert. Zahlreiche von chinesischen Industriellen geleitete Bergwerke in Afrika stehen aufgrund mangelnden Sicherheitsbedingungen, schlechten Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in der Kritik.
Seit einigen Jahren verschärft nun China die Exportbedingungen und begründet dies unter anderem mit Argumenten der Nachhaltigkeit sowie Umweltschutzmassnahmen. Da in China nur rund 30% der Vorkommen liegen, das Land aber über 90 % des Weltbedarfs abdecke, sei ein Schutz der nationalen Ressourcen unabdingbar und eine nachhaltige Entwicklung anzustreben. Zur Verminderung der Umweltbelastung sollen ausserdem grosse Minen mit modernen Technologien aufgerüstet und kleinere Stollen stillgelegt werden. Die EU, USA und Japan sehen in den Exportbeschränkungen Chinas allerdings einen Verstoss gegen die Regeln der WTO und haben deshalb Klage eingereicht. Ein abschliessender Untersuchungsbericht ist noch ausstehend.
Wie der Konflikt um die Seltenen Erden ausgehen wird, ist indes noch ungewiss. Einige Experten sehen bereits den Übergang von der Finanz- und Eurokrise in eine Rohstoffkrise kommen, während andere davon ausgehen, dass der Boom um die Seltenen Erden schon in wenigen Jahren abflachen wird, etwa wenn das Potential zur Förderung von Seltenerdmetallen in anderen Regionen gewinnbringend genutzt wird. Letzten Endes geht es aber bei den Seltenen Erden wie im Rohstoffhandel generell darum, eine ökonomisch, ökologisch und sozial verträgliche Lösung zu finden. Verlässliche handelspolitische Abkommen, der Auf- und Ausbau weitgehender Recyclingwirtschaften sowie die Durchsetzung von Umweltschutz- und Arbeitsrechten müssen dabei berücksichtig werden.
(Foto: Jakub Friedl)