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Unterschiede in Hieronymus' Übersetzungen des Buches Jeremia
DOI:https://doi.org/10.25788/vidbor.v1i1.1093
Schlagworte:Hebräische Bibel, Vulgata, Jeremia, Hieronymus, Kommentar, Übersetzung
Abstract
Hieronymus übersetzte das Buch Jeremia zweimal. Das erste Mal war für das, was die „Vulgata“ werden sollte. Nachdem er dieses riesige Projekt um 390 n. Chr. mit den Büchern Samuel und Könige begonnen hatte, fuhr er mit den drei großen Propheten fort. Das zweite Mal war im Zusammenhang mit dem Kommentar zu Jeremia in den Jahren 414–416. Der zeitliche Abstand von mehr als 20 Jahren lädt zum Vergleich beider Renderings ein.
Hieronymus' Absicht war es in beiden Fällen, das hebräische Original genau zu übersetzen, und im Großen und Ganzen stimmen sie zu. Es gibt jedoch auch Unterschiede zwischen der früheren und der späteren Version. Viele von ihnen sind formell und haben wenig Einfluss auf die Bedeutung. Andere zeigen Veränderungen im Sinne einer Passage. Am über-raschendsten ist, dass die Vulgata-Übersetzung von Jeremia in beiden Fällen häufiger dem hebräischen Text entspricht als die Wiedergabe im Jeremia-Kommentar. Wie ist das zu erklären?
Wie der hohe Grad an Entsprechungen zeigt, verwendete Hieronymus wahrscheinlich die frühere Übersetzung. Anderer-seits zeigen die Veränderungen, dass er sich nicht daran gehalten hat, sondern frei damit umgegangen ist. In ähnlicher Weise erhalten die „Dubletten“ im Jeremiabuch (z.B. Jer 23,19-20 // 30,23-24) oft unterschiedliche Wiedergaben. Manchmal kann dies aus Stilgründen geschehen, aber es ist auch ein Zeichen für eine „kontinuierliche“ Übersetzungs-technik, die auch vom unmittelbaren Kontext beeinflusst wird.
Um die geringe Wörtlichkeit der vorstehenden Wiedergabe im Kommentar in Bezug auf die Vulgata-Fassung auszugleichen, nutzt Hieronymus die verschiedenen literarischen Gattungen: Er bietet später in seinem Kommentar weitere mögliche Übersetzungen an, wenn er ein Wort oder einen Vers erklärt, und zeigt so ein breiteres Gespenst von Bedeutungen für Ausdrücke, die diskutiert werden können. Der Kirchenvater zeigt in seinem hohen Alter so in seinem Kommentar einen noch breiteren Horizont als bisher und eine fortwährende Kreativität.