Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03349.jsonl.gz/793

Bastarda und gotische Kursive
Im 13. und 14. Jahrhundert entwickelte sich die Bastarda. Sie trägt sowohl Züge der Textura und Textualis, tendiert aber vom Duktus her in Richtung einer Kursive. Kennzeichen sind eine hohe Stilebene, stark geformte, wenig verbundene Buchstaben (obwohl es auch Bastarden mit Schlaufen gibt) und deutliche Unterlängen bei f und langem s, deren Schäfte meist deutlich verdickt sind. Charakteristisch ist auch die sichtbare Schrägstellung der Schrift.
Insgesamt ist im Zuge der spätmittelalterlichen Zunahme an Schriftlichkeit eine stärkere Differenzierung der Schriftverwendung je nach Gebrauchskontext zu verzeichnen: von sehr schön gestalteten Buchschriften bis zu stark gekürzten Konzeptschriften.
Die verstärkte Schriftverwendung in der Verwaltung und Geschäftstätigkeit, aber auch die gestiegenen Anforderungen an die wissenschaftliche Arbeit führten im 13. Jahrhundert zur Herausbildung der gotischen Kursive, die bis ins 16. Jahrhundert in Gebrauch war. Ihre Linienführung ist flüchtiger als jene der Textualis oder Bastarda. Kennzeichen sind Unterlängen bei f und langem s, häufig Schrägstellung und durch Schlaufen verbundene Buchstaben. Die gotische Kursive oder lat. Cursiva war die vorherrschende Gebrauchsschrift, wurde in gehobener Form allerdings auch für schön ausgestaltete Bücher mit Illustrationen verwendet.

Gotische Bastarda
Livre d'heures, Frankreich (Tours), 15. Jh.
Zentralbibliothek Zürich, Ms. C 168, fol. 17r
Gotische Kursive
Urkunde Lütolds von Regensberg, 1285
Klosterarchiv Einsiedeln, K.P.1.