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Den Bau des Rheinau-Kraftwerks hatte die Protestbewegung damals nicht verhindern können. Aber mit ihrem Widerstand gab sie den Anstoss, Natur- und Heimatschutz in der Verfassung zu verankern. Heuer feiert der Rheinaubund sein 50-jähriges Bestehen.
In der Doppelschleife des Rheins bei Rheinau wurde 1952 mit dem Bau eines Wasserkraftwerks zur Stromgewinnung begonnen. Die Konzession war schon 1944 erteilt worden.
Irgendwann habe die Bevölkerung gemerkt, dass das Bauvorhaben den Rhein bis zum Rheinfall zurückstauen würde, erzählt Walter Büsch, der ehemalige Sekretär der Protestbewegung. "Es ging damals um die Naturschönheit des Rheinfalls. Mit dem Kraftwerk wollte man das Wasser stauen und die Fallhöhe des Reinfalls reduzieren."
Aus dem Widerstand entwickelte sich eine Volksbewegung. Ein "Überparteiliches Komitee zum Schutze der Stromlandschaft Rheinfall-Rheinau" formierte sich, und Walter Büsch, damals ein junger Ökonomie- und Jus-Student wurde angefragt, ob er das Sekretariat übernehmen wolle. "Es wurden Unterschriften gesammelt für eine Initiative, die den Bau des Kraftwerks verhindern wollte."
Muss man das Matterhorn auch nicht schützen?
Der Staats- und Verwaltungsrechts Professor Zacharias Giacometti, bei dem Walter Büsch damals in Zürich studierte, hatte ein Gutachten für das Rheinau- Komitee verfasst.
Darin habe der Professor gefragt: 'Wenn der Rheinfall nicht geschützt wird, welches Objekt sollten wir dann noch als Naturobjekt schützen? Muss man das Matterhorn auch nicht schützen?"'
Für die Naturschützer des Rheinaubunds habe der Rheinfall eindeutig zu den schützenswerten Naturschönheiten gehört, sagt Walter Büsch.
Allerdings setzte der Widerstand erst ein, als der Bau des Kraftwerks Rheinau schon begonnen hatte. Die Verhältnisse in den 50er-Jahren liessen sich nicht mit jenen von heute vergleichen, erklärt Walter Büsch:"Das liegt auch daran, dass die Medien nicht diesen Einfluss hatten wie heute. In einem gewissen Sinne war es sehr amateurhaft, wie die wenigen Leute des Komitees dort anfänglich den Widerstand organisiert hatten."
Es fanden grosse Demonstrationen in Rheinau und in Zürich statt. Büsch organiserte Vorträge in der ganzen Schweiz und lobbierte als Vertreter des Rheinau-Komitees auch im Bundeshaus in Bern.
Initiative zurückziehen?
Die Initiative gegen das Rheinau-Kraftwerk kam zu Stande. "An der Delegiertenversammlung hat schliesslich eine Diskussion stattgefunden, ob wir die Initiative zurückziehen sollten, da wir wussten, dass wir keine Chance hatten."
Professor Giacometti, selber nicht Mitglied des Komitees, liess den Delegierten via Sekretär Walter Büsch seine Meinung mitteilen."Sagen Sie an der Versammlung, ich sei absolut dagegen, dass die Initiative zurückgezogen werde."
Die Versammlung sei diesem Antrag gefolgt, erzählt Büsch. "Wir gingen zwar davon aus, dass die Initiative nicht angenommen würde. Trotzdem war sie ein Hinweis, dass man zur Natur Sorge tragen muss."
Die Initiative wurde an der Urne abgelehnt. Auch eine zweite Initiative zum Schutz der Rheinau hatte keinen Erfolg bei den Stimmbürgern.
Pionier des Naturschutzes
Aus dem "Überparteilichen Komitee zum Schutze der Stromlandschaft Rheinfall-Rheinau" und dem Komitee zum Schutz des Nationalparks" entstand 1960 der Rheinaubund, der dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.
Die Demonstrationen und der Widerstand gegen das Rheinau-Kkraftwerk legten nahe, das Verhältnis zwischen Natur und Technik gesetzlich zu regeln. 1962 wurde der Natur- und Heimatschutzartikel in die Verfassung aufgenommen, und 1967 trat das Natur- und Heimatschutzgesetz in Kraft.
"Der Rheinaubund betrachtet sich als Ausgangspunkt der Naturschutzbewegung wie es sie seither in der Schweiz zunehmend gibt. Die Leute machen sich Sorgen um die Natur. Unser Widerstand gegen das Kraftwerk Rheinau war der Anfang", sagt Walter Büsch.
Der Rheinaubund heute
Auch heute beschäftigt sich der Rheinaubund mit dem Rheinaukraftwerk, das der Auslöser seines Enstehens war: "Heute geht es um die Umsetzung des Gewässerschutzgesetzes. Die heutige Restwassermenge des Kraftwerks Rheinau genügt diesen gesetzlichen Anforderungen nicht mehr. Eine ökologische Sanierung der Rheinschlaufe ist zwingend nötig, um fliessgewässertypische Lebensräume wieder herzustellen ", sagt Stefan Kunz, der Geschäftsführer des Rheinaubundes.
Dass man mit dem Bau des Kraftwerks vor 60 Jahren neben dem Hauptwehr auch Hilfswehre gebaut habe, die das Wasser rund ums Kloster stauen, habe dem Bedürfnis entsprochen, das Landschafts- und Ortsbild zu erhalten.
Über die Konsequenzen dieses Eingriff für die Lebensräume und die für Fliessgewässer typischen Tiere und Pflanzen habe man sich wenig Gedanken gemacht. "Die Ökologie war zu dieser Zeit kein Thema."
Daran könne man gut den Wandel von einer Natur- und Heimatschutzbewegung hin zu einem umfassenden Umweltverständnis ablesen: "Der ursprüngliche Auslöser des Widerstands war die Angst, dass der Rheinfall beeinträchtigt wird. Von links bis rechts haben sich alle für den Rheinfall gewehrt. Es war gewissermassen Heimatschutz. Heute drehen sich die Diskussionen zum Kraftwerk Rheinau um die Ökologie, den Artenschutz, bis hin zum Klimaschutz."
Heute sei es politisch gesehen eine links-rechts Diskussion. "Das war vor 60 Jahren überhaupt nicht der Fall."
Eveline Kobler, swissinfo.ch
Die Zukunft des Rheinaubundes
Nach einer langen Zeit, während der der Rheinaubund sich für verschiedene Projekte engagierte – "Landschafts- und Umweltschutzthemen sowie die Anti-Atomkraftbewegung" habe der Rheinabund vor zwei Jahren beschlossen, sich wieder vermehrt den Gewässern und den Gewässerlandschaften zuzuwenden, wie Stefan Kunz, der heutige Geschäftsführer des Bundes erklärt.
"Der Rheinaubundist heute eine gesamtschweizerische, Beschwerde berechtigte Umweltorganisation wenn gleich er mit rund 900 Mitgliedern und 1300 Abonnentinnen seiner Zeitschrift „natur und mensch“ eher klein geblieben ist. Trotz seiner Grösse beteiligt sich der Rheinaubund immer wieder an nationalen Vernehmlassungen“, sagt Stefan Kunz.
Für die Zukunft wolle der Rheinaubund vermehrt Kooperationen oder Partnerschaften mit anderen kleineren und grösseren zielverwandten Organisationen eingehen und neben seiner Zeitschrift „natur und mensch“ vor allem den Bereich der Umweltbildung stärken.