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Mit Ihrer geehrten Depesche vom 15ten d. M. haben Sie die Güte, mir ein Erinnerungsschreiben, betreffend die Rheincorrektion, an das k. k. Ministerium des Inneren zu übersenden2 und ich erlaube mir mit meinem Heutigen mitzutheilen, welche Schritte ich seit meinem letzten Berichte in dieser Angelegenheit gemacht. Nach meiner letzten Unterredung mit dem Grafen Rechberg begab ich mich wiederhohlt zu Herrn von Pasetti, der mich neuerdings versicherte, dass von seiner Seite das technische Gutachten der Schweiz und das Fussacher Projekt immer unterstützt worden seien und er in diesem Sinne stets die Gründe und Vorstellungen von Innsbruck widerlegt habe, er seinerseits werde an diesem Urtheile stets festhalten und sich durch nichts irre machen lassen. Da er mir ferner mittheilte, dass von Seite des Ministeriums des Äussern keine Reclamation neueren Datums erfolgt sei, so stellte ich weitere Nachforschungen in dem Staatsministerium an und begab mich zu Herrn Minister von Lasser, um auch ihn für die Betreibung der Verhandlungen zu interessiren. Ich stellte ihm die Dringlichkeit dieser Frage auf das Lebhafteste vor und lieferte ihm ein getreues Bild der Verhandlungen, wie sie bisher gepflogen worden sind, indem ich ihm bemerkte, dass nicht allein die technischen Kapacitäten Österreichs, sondern auch die Minister Toggenburg, Bruck, Bach mit der Nothwendigkeit des Fussacher Projekts vollkommen einverstanden gewesen seien und es einzig und allein dem Einflüsse Sr. kais. Hoheit des Herrn Erzherzog-Statthalters in Innsbruck zuzuschreiben sei, wenn man von den früheren günstigen Ansichten für das Fussacher Projekt abgestanden und den Muth verloren habe, gegen eine solch’ hohe Protektion zu opponiren. Die Ingenieure der Schweiz sowohl als die österreichischen, fuhr ich fort, waren überzeugt, dass das Projekt des Niederriedes den Zweck einer genügenden Correktion nicht erreicht und dass alle Gründe, welche in dem Memoriale des Herrn Ober-Ingenieurs Hartmann3 angegeben sind, Thatsachen sind, deren Richtigkeit niemand in Abrede stellen kann. Was die Behauptungen der Vorarlberger Fabrikanten anbetrifft und für welche sie durch ein unrechtliches Partei-Manœuvre Unterschriften sammelten, um die Ansicht des Erzherzog-Statthalters zu gewinnen, so nähme ich keinen Anstand, dieselben als falsch zu erklären, indem die Herren Gysi, Ganahl und Consorten nicht das Interesse des Landes, sondern nur ihr eigenes Privatinteresse berücksichtigen. Ich stellte Sr. Excellenz ferner die traurigen Folgen vor, welche ein längeres Verzögern in dieser für beide Staaten so wichtigen Angelegenheit habe und es sei zu befürchten, dass ein längeres Verzögern der Schweiz endlich die Überzeugung aufdringen müsste, dass Österreich keinen guten Willen habe, zu diesem Unternehmen die Hand zu bieten. Der Herr Minister versprach mir seine Mitwirkung, nun die von dem hohen Bundesrathe gewünschten Unterhandlungen neuerdings zu veranlassen.
Die Herren Minister Schmerling und Plener konnte ich noch nicht besuchen, da solche erst gestern Morgen von Prag zurückgekommen sind. Bei dem Referenten für Tyrol und Vorarlberg bestätigt sich das vollkommen, was ich dem Herrn Minister Lasser mitgetheilt habe. Die einzige Opposition rührt von Innsbruck her und der Erzherzog-Statthalter sucht im Interesse der Vorarlberger Industriellen das Fussacher Projekt zu verhindern und, wie mir vertraulich mitgetheilt wurde, beschäftigt man sich in Innsbruck damit, in einer Denkschrift das Memoriale des Herrn Hartmann zu widerlegen. Die Beamten des Staatsministerium sind in grösster Verlegenheit, die Reclamationen des Ministeriums des Äusseren, welches auf eine entscheidende Antwort drängt, zu befriedigen, da ihre Reclamationen bis jetzt von der Innsbrucker Statthalterei unberücksichtigt geblieben sind, ja man bemerkte mir sogar, dass dieselbe sich geäussert habe, dass wenn das ganze Bau-Departement in Wien sich für das Fussacher Projekt aussprechen würde, sie doch in Innsbruck dasselbe nicht anerkennen und dagegen protestiren würden. Sie sehen, hochgeachteter Herr, dass wenn der Erzherzog-Statthalter nicht Parthei für die Vorarlberger ergriffen hätte und gegen das Zustandekommen neuer Verhandlungen sich sträubte, hier solche sehr schnell zu erreichen wären. Ich meinerseits werde thun, was in meinen Kräften steht, um diesen Intriguen entgegenzutreten. Ihre Note an das Ministerium des Inneren habe ich gestern, begleitet von einer dringenden Note an den Grafen Rechberg,4 demselben persönlich übergeben und ihn von all den Schritten unterrichtet, welche ich seit meiner letzten Unterredung in dieser Frage gethan, auch ihn auf die gefährliche Protektion des Herrn Erzherzog-Statthalters aufmerksam gemacht. Er versprach mir, im Interesse der Konferenz zu wirken. Hofrath Pasetti ist auf drei Wochen in Urlaub gegangen, jedoch habe ich mit Baurath Wawera, welcher seine Geschäfte übernommen, Rücksprache gepflogen und fand auch ihn für das Fussacher Projekt günstig gestimmt. Sobald ich Neues in dieser Frage zu berichten habe, werde ich unverzüglich Mittheilung machen; dass ich sie mit aller nur möglichen Energie betreibe, dürfen Sie überzeugt sein, und wäre nicht die traurige hohe Protektion eingetreten, so würde sich der Aufnahme der Verhandlungen kein weiteres Hindernis in den Weg stellen.5
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