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Ihr Lieblingsraum sei schon immer die Stube gewesen, meint die Bauherrin auf die Frage, wo im Haus sie sich nach dem Umbau am wohlsten fühle. Schon als kleines Mädchen – die Bauherrin ist in diesem Haus aufgewachsen – verweilte sie am liebsten in der Stube. Das hat sich bis heute nicht geändert. Ob es an der Wärme liegt, die der Kachelofen so schön im Raum verteilt? Oder an der hübsch verzierten «Chauscht», auf der man gemütlich sitzen kann? Vielleicht aber auch am charmanten Kassettentäfer, der die Wohnzimmerwände ziert.
Das im Jahr 1756 erbaute Doppelbauernhaus ist kulturhistorisch geschützt und befindet sich in der Landwirtschaftszone – zwei Voraussetzungen, die den Umbau nicht einfach machten. Andreas Bösch, der mit dem Projekt betraute selbstständige Architekt, brachte Erfahrung im Umbau von Bauernhäusern mit. Er wusste, dass diverse Einschränkungen zu beachten sein würden, die einerseits für kulturhistorisch geschützte Häuser und andererseits für Häuser in der Landwirtschaftszone gelten. Giebelmauerwerk, Dachkonstruktion, Zwischendecken, Kassettenwände, Decken- / Wandverkleidungen und der Kachelofen gehören zu den geschützten Bauteilen des Bauernhauses. Ein ganzes Jahr dauerte es, bis Bauherrin und Architekt alle Bewilligungen bis zur Baufreigabe erhalten hatten – gleich lange wie der Umbau selbst. Eine grosse Herausforderung waren aber nicht nur die behördlichen Auflagen, sondern aus architektonischer Sicht auch der Plan, aus dem einen Teil des Doppelbauernhauses zwei getrennte Wohnungen zu machen.
Die Idee der Bauherrin war es nämlich, ihren Hausteil durch den Umbau in zwei Wohnungen mit separaten Eingängen aufzuteilen. Warum zwei Wohnungen? Das Haus sollte in Zukunft von zwei Parteien bewohnt werden, die sich schon lange kennen und in Haus und Umgebung verwurzelt sind, beide aber ihre Unabhängigkeit wahren wollten.
Das Ziel des Umbaus war es, im bestehenden Volumen eine zusätzliche Wohnung zu realisieren, ohne anzubauen. «Wie bauen wir in das Bauernhaus eine zweite Wohnung ein, ohne dass wir das Haus vergrössern müssen?», fragte sich die Bauherrin. Die Lösung fand der Architekt im Ausbau der Winde, die genug Platz für eine 2-Zimmer-Wohnung bot. Die Winde war – das ist für Bauernhäuser aus jener Zeit typisch –, noch mit einem «Rauchhaus» bestückt, das früher zum Trocknen von Fleisch genutzt wurde. Dieses musste zugunsten einer grosszügigen Küche und einem Wohnzimmer weichen.
Der Raum für die zweite Wohnung war also gefunden, der Zugang zu dieser jedoch noch nicht. «Wie erschliesse ich die Dachwohnung?», musste sich Architekt Bösch zu Beginn der Planung fragen. Zwei getrennte Eingänge und Keller waren gewünscht. Ein Treppenhaus in den Hausteil einzubauen, war keine Option. Wie aber konnte man zur Dachwohnung gelangen, ohne die andere Wohnung zu betreten? Der Architekt sah die Lösung dafür im ehemaligen Waschhaus, das an das Bauernhaus angebaut ist. Darin sollte der Treppenaufgang Platz finden. «Ich weiss nicht, wie wir den Aufgang ohne das Waschhaus gemacht hätten!», sagt Andreas Bösch heute.
Nach der «harten» Arbeit – eine uralte Bruchsteinwand von 1,20 Metern Dicke musste vom Waschhaus zur Winde durchbrochen werden – kam für die Bauherrin der angenehmere Teil des Umbaus. Sie durfte für beide Wohnungen eine moderne Küche, die Badezimmerausstattung und die Bodenbeläge aussuchen. Keramische Plattenböden zieren die Küchen, und bei den Abdeckungen entschied sich die Eigentümerin für einen Naturstein, Nero Assoluto. Beide Küchen verfügen über neue Kochherde und einen Kombisteamer. Der Bauherrin war es wichtig, dass sie auch in Zukunft mit Holz kochen kann. In ihrer Wohnung findet sich deshalb ein Kombinationsherd Holz / elektrisch, der gleichzeitig die Küche und die «Chauscht» in der Stube wärmt. «Auf die neue Küche bin ich besonders stolz!», sagt sie strahlend. Die Küche sei viel grosszügiger als früher, endlich habe sie mehr Stauraum.
Die Bäder wurden komplett renoviert und verfügen über Steinzeug- Plattenböden, moderne Waschtische und Unterbauten, neue Toiletten sowie ebenerdige Duschen. Die Dachwohnung erhielt einen geölten Eichenparkett. In der anderen Wohnung wurden die bestehenden Holzriemenböden belassen, aber aufgefrischt: abgeschliffen und neu versiegelt.
Neben dem neuen Innenausbau erhielt das Bauernhaus auch eine fortschrittliche Heizung. Heute übernimmt eine Luftwärmepumpe das Heizen für die Dachwohnung. Damit die Heizwärme auch effizient genutzt wird, ist das Dachgeschoss nach den geltenden Wärmedämmvorschriften gedämmt. Die untere Wohnung wird weiterhin mit einer Holzheizung / dem Kachelofen beheizt.
Zu Beginn der Planung waren weder die Bauherrin noch der Architekt sicher, ob sich im Bauernhausteil tatsächlich zwei Wohnungen mit separaten Eingängen unterbringen lassen würden – es war eine verrückte, aber am Ende gut realisierbare Idee. «Dass es tatsächlich so herausgekommen ist, wie wir es uns vorgestellt haben, darüber freue ich mich am meisten», sagt Architekt Bösch. Denn das sei nicht immer der Fall: Manchmal weiche das Resultat auch von der anfänglichen Idee der Bauherrschaft ab. Beim Umbau des Bauernhauses auf dem Birmensdorfer Altenberg war das aber glücklicherweise nicht der Fall.