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BSA Goldstar

Im September 1969 begab ich mich mit Kollege Edgar auf eine Töffreise nach England, um einige Motorradfabriken zu besuchen. Vorgängig hatte ich einen Brief an Triumph in Meriden geschrieben. Wie sich herausstellen sollte, landete dieser Brief vermutlich umgehend im Papierkorb der Sekretärin eines "Managers."
Nach zwei Tagen erreichten wir Meriden in der Mitte von England. Erinnern wir uns: Grossbritannien umfasst England, Wales und Schottland; das Vereinigte Königreich, kurz UK, umfasst Grossbritannien und Nordirland.
Wir quartierten uns im Bed & Breakfast einer älteren Dame ein. Zwei ihrer weiblichen Gäste meinten ehrfurchtsvoll, you must ride very powerful motorcycles, als wir ihnen erklärten wir seien per Motorrad angereist und nicht per Flugzeug. Von wegen "powerful", Edgars Honda CB250 und meine Aermacchi Sprint H brachten es zusammen wohl kaum auf 50 Rösser.
Anderntags präsentierten wir uns an der Rezeption der imposanten Triumph Werke. Wir wurden in ein kleines Sitzungszimmer geleitet, wo uns ein jugendlicher Angestellter begrüsste und nach unseren Wünschen fragte. Werksbesichtigung? Brief geschrieben? Seine Miene verdüsterte sich sofort. Von einem Brief aus der Schweiz sei nichts bekannt und mit Besichtigungen im Herbst sei das so eine Sache. Im Herbst seien die neuen Modelle in Vorbereitung und dann wüssten die Kunden mehr als die Händler. Dies habe in der Vergangenheit immer wieder Ärger gegeben und deshalb könnten sie uns nicht reinlassen. Mein Hinweis die neuen Modelle hätten nur eine andere Farbe am Tank wurde gekontert mit: "there are some internal changes as well."
Postkarte von Meriden, 10. September 1969
So kam es, dass wir am übernächsten Morgen vor den Toren der BSA Fabrik in Birmingham standen. Zusammen mit einem lokalen Motorradclub durften wir das Werk besichtigen. Neue Modelle hin oder her. Wir bekamen viel interessantes zu sehen, wie das Einspeichen und Zentrieren von Rädern oder das Aufmalen von Zierstreifen per Hand. Die Produktionsanlagen, wie befürchtet, waren total veraltet. Der Besuch endete in der Werkskantine mit kalten Getränken und Sandwiches.
In lebhafter Erinnerung bleibt mir der Beuch bei Veloce Ltd., besser bekannt unter Velocette.. Als wir in Hall Green, Birmingham, bei Veloce vorfuhren war lautes Geklapper zu vernehmen. Edgar vermutete, dass in den Büros mechanische Schreibmaschinen hämmerten. Ich tippte aber auf Transmissionsriemen, die in den Werkhallen die Werkzeugmaschinen antrieben. Wir wurden freundlich empfangen und sogleich in die Produktionshallen geführt. Ich sollte recht behalten! Dutzende, wenn nicht Hunderte von Transmissionsriemen spannten wie Spinngewebe durch die Hallen. Ein lebendes Industriemuseum aus dem letzten Jahrhundert. In Arbeit waren Thruxton-Motoren, LEs und eine oder zwei Thruxton in der Endmontage. An den Thruxtons bastelten zwei distinguierte ältere Herren in weissen Berufsmänteln. Wir ahnten damals nicht, dass die Firma mit grossen finanziellen Schwierigkeiten kämpfte und wenige Monate nach unserem Besuch die Tore für immer schliessen sollte.
Nun wollten wir noch Royal Enfield sehen. Die Firma war jahrzehntelang in Redditch ansässig, unweit von Birmingham. Ein hilfsbereiter Motorradpolizist führte uns zum Werk, wo wir nur noch ein verlassenes und vergammeltes rotes Backsteingebäude vorfanden. Die Firma war umgezogen aber niemand wusste wohin. In einem Nachbardorf fanden wir eine Marine Division von Enfield, die auch schon am Umziehen war. Mister Booker, der Geschäftsführer und ex. TT Rennfahrer für Enfield, brachte uns in sein Büro und bewirtete uns mit Tee und Cookies. Er bedauerte den Abstieg der britischen Motorradindustrie und bewunderte die Japaner. Auch Aermacchi war ihm gut bekannt. Mister Booker schwelgte noch einige Minuten in seinen Erinnerungen als Rennfahrer und schon hiess es Abschied nehmen. Wir machten uns draussen bereit für die Abfahrt, als Mister Booker das Fenster öffnete und uns herzhaft zum Abschied zuwinkte. E s schien mir, als machten wir uns mit seiner Jugend davon.
Von diesem Trip habe ich leider keine Fotos. Für den geneigten und des Englischen kundigen Lesers empfehle ich ein paar Bücher aus meiner Bibliothek.
My Velocette Days, Leonard J.
Mosley, Transport Bookman, SBN 85184-008-6, 120 pages,
1975
Save the Triumph Bonneville, The
inside story of the Meriden Worker's Co-op, John Rosamond,
Veloce Publishing, ISBN 978-1-845842-65-9, 442 pages,
2009
Triumph and BSA Triples, Mick
Duckworth, The Crowood Press, ISBN 1-86126-705-3, 218 pages,
2004
Turner's Triumphs, Jeff Clew,
Veloce Publishing, ISBN 1-901295-87-7, 160 pages, 2000
Travelling with Mr Turner, Nigel
C. Winter, Panther Publishing, ISBN 978-0-9564975-4-3, 166
pages, 2011
9. April 2020, Corona Lockdown
Schon vor Jahrzehnten bemerkte Edward Turner: "Was ist wohl gesünder? In einem keimverseuchten Bus zu fahren oder in frischer Luft auf einem Motorrad?"

Velocette Single

CH-8194 Hüntwangen