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Basel, 1490/93
Silber, getrieben, gegossen
H. 110 cm
Inv. 1955.330.
Unter den vier Turmmonstranzen aus dem Münsterschatz ist diese mit Wappen der Basler Familie Münch die künstlerisch bedeutendste. Der Kurator Hans Reinhardt bezeichnete sie als "zweifellos eine der schönsten und vollkommensten spätgotischen Monstranzen, die es gibt". Stilistische Vergleiche ermöglichen eine Zuschreibung an den zeitweilig als Goldschmied in Basel tätigen Jörg Schongauer, den Sohn des berühmten Kupferstechers Martin Schongauer. Das zur Aufnahme einer Kaiser-Heinrichs-Reliquie bestimmte Behältnis ist von aufwendigster Gestaltung. Aus dem Sechspassfuss in getriebenem Blendmasswerk wächst der kantonierte Schaft mit Architekturknauf, der wie einige der gegossenen Nischenfigürchen auf Stichen von Martin Schongauer basiert. Das zylindrische Schaugefäss wird durch eine grazile Streben-, Fialen- und Wimpergarchitektur spätgotischer Prägung gefasst. Dabei sind die Schmalseiten des Hauptgeschosses mit den Gussstatuetten von Kaiser Heinrich II. und Kaiserin Kunigunde besetzt. In der offenen Laterne des Turmaufsatzes steht die gegossene Figur der Maria mit Kind; sie erinnert an Arbeiten von Niclaus Gerhard von Leyden, den Schwiegervater des Goldschmiedes.