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Ein Killer zwischen zwei Paten: Frank Sheeran (Robert De Niro) ist Gewährsmann für den Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa (Al Pacino) und für Mobster Russell Bufalino (Joe Pesci). (Netflix)
Mobster, Mörder und Machtmenschen
Gut zwölf Jahre ist das Unternehmen alt und hat die Kinoszene und Filmindustrie ganz schön aufgemischt. Der neuste Clou des Streaming-Giganten Netflix (Net wie Internet und Flix wie Film) heisst «The Irishman», dauert satte 210 Minuten und stammt aus der «Gangsterküche» von Martin Scorses. Genau der, der Mafia-Epen wie «The Gangs of New York» oder «GoodFellas» ins Kino brachte. Nun hat der 77Jährige die alten «Gangsterherren» nochmals aktiviert für «The Irishman.
Gemeint ist dabei Hauptfigur und Erzähler Frank Sheeran, verkörpert von Robert De Niro. Er hockt im Altersheim und «beichtet» - nicht beim Pater, sondern vor der Kamera. Er erzählt von seinem Aufstieg vom Lastwagenfahrer zum Leibwächter und Auftragskiller, von den Machenschaften des Mafia-Bosses Rosario «Russell» Alberto Bufalino (Joe Pesci) in Pennsylvania, den Machtgelüsten des Gewerkschaftsboss James Riddle «Jimmy» Hoffa (Al Pacino) sowie dem Mafiosi und Kontrahenten Anthony «Tony Pro» Provenzano (Stephen Graham) aus New York, der Hoffas Gewerkschaft «Teamster» übernehmen möchte.
Scorsese schlägt einen Zeitbogen von Mitte der Fünfzigerjahre bis in die späten Achtziger, vermischt Zeitgeschichte mit Gangstermythen. Jimmy Hoffa stieg tatsächlich zum Führer der LKW-Gewerkschaft Teamsters in Detroit auf, unterhielt enge Beziehungen zur Cosa Nostra und verschwand im Juli 1975 spurlos. 1982 wurde er für tot erklärt. Der Film beziehungsweise «The Irishman» Frank, ein Gefährte Hoffas sowie Freund und Vertrauter Russells, schildert, wie es (möglicherweise) dazukam. Dass sich Frank am Ende für einen seiner «Paten» entscheiden muss und tut, gehört zu den Höhepunkten des Mobster-Thrillers, in dem nur eine Frau eine Rolle spielt, nämlich Peggy (Anna Paquin), Franks Tochter, die weiss, was gespielt wird, und sich vom Vater abwendet.
Scorsese streut in seinen Mammutfilm (Kosten annähernd 160 Millionen Dollar) Zeitereignisse (bezüglich Robert und John F. Kennedys, des Gewerkschaftskampfs und mehr). Er pendelt zwischen den Zeiten, aber auch zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Scorsese liess die Hauptdarsteller De Niro, Pacino und Pesci digital verjüngen und trickste, wo es ging. Das hatte auch zur Folge, dass manche Szenen der aufpolierten Figuren wie Schmierentheater wirkten, auf der anderen Seite spielen De Niro und Pacino in intimen Duellen ihre ganze Klasse aus.
Scorsese liebt Details bis zum Überdruss, fordert von den Zuschauern grosse Duldsamkeit. Sein monumentales, gedehntes Werk, das für drei Filme reicht, ist ganz auf Männer, deren Macht und Machenschaften, Meriten und Gewaltbereitschaft fixiert. Ein Mafia-Epos, in dem Scorsese aus seinem Gangster-Fundus schöpft. Es ist anstrengend – meisterlich hin oder her.
Nach «The Irishman» werden weitere Netflix-Produktionen im Kino aufgeführt:
«Marriage Story» ab 21. November; «The Two Popes» ab 5. Dezember 2019.
USA 2019
120 Minuten
Regie: Martin Scorsese
Buch: Steven Zaillian
Kamera: Rodrigo Prieto
Darsteller: Robert De Niro, Al Pacino, Joe Pesci, Harvey Keitel, Stephen Graham, Bobby Cannavale, Anna Paquin
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