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Seen und Weiher
Seen und Weiher befinden sich in Senken, die die Gletscher ausgehoben hatten, in wasserundurchlässigen Dohnen oder in Becken, denen Moränen oder Bergsturzmaterial jeglichen Abfluss verwehren. Sie sind recht zahlreich in höheren Lagen, in den Niederungen indessen selten, da Rhone oder Mensch sie zuschütteten. Es bleiben uns noch einige Juwelen in früheren Flussschleifen. Diese Weiher, der von Pouta Fontana bei Grône und die der "Alten Rhone" bei Leuk (Abb. 95), beherbergen dank ihren sanft abfallenden Ufern eine noch reiche Pflanzenwelt. Was den See von Géronde und die Weiher des Pfynwaldes betrifft, ruhen sie in Vertiefungen zwischen den nach dem vorgeschichtlichen Bergsturz von Siders entstandenen Hügeln. Die Versorgung mit Wasser wird meist vom Grundwasser und dem aus den Hängen fliessenden Sickerwasser sichergestellt. Andere Wasserflächen, wie die Baggerweiher in den Kiesgruben der Ebene oder die Bewässerungsreservoirs an den Hängen, sind künstliche Wasseransammlung.
Inhaltsverzeichnis
Seen
Der See ist tiefer als ein Weiher; die Pflanzen vermögen nicht die gesamte Wasserfläche in Anspruch zu nehmen. Alle Seen können Wasserpflanzen beherbergen, bis zu 2400 m ü. M. Weiter oben ist das Wasser meist zu kalt. Je nach Wassertiefe, Temperatur, Säuregehalt und Wasserqualität teilen sich die Pflanzen in verschiedene Gürtel auf. Der See von Montorge, auf 650 m, nahe bei Sitten, weist eine klassische, recht vollständige Vegetationsfolge auf. Von der Seemitte aus: einen Laichkraut- und Seerosengürtel, einen Schilfgürtel, einen Steifseggen- und Kolbenbinsengürtel und einen Gürtel von Weidengebüsch (Abb. 96). Dieser See beherbergt als letzter im Wallis die Weisse Seerose, das Strandried sowie den Lanzettblättrigen Froschlöffel. Die beiden letztgenannten Arten sind heute verschwunden.Das Schilf, Sinnbild feuchter Standorte, bildet oft reine, dichte Bestände, die man Schilfröhricht nennt. Die Reservate von PoutaFontana, Vionnaz, Turtig und Brigerbad sind hiefür sprechende Beispiele. Unter besten Bedingungen erreicht dieses Schilfröhricht 2 bis 3 m Höhe, ist jedoch arm an Begleitpflanzen. Einzig einige Schlingpflanzen wie der Bittersüsse Nachtschatten vermögen ans Licht zu gelangen. In offener Wasserfläche steigt das Schilf nicht über 1500 m. Ausnahmsweise erreicht es 1700 bis 2000 m ü. M. in gewissen Hangriedern an Südhängen. Seine Kraft ist entsprechend herabgemindert: es erreicht nicht einmal 50 cm Höhe.
Mit zunehmender Höhenlage verändert sich die Vegetation der Seen. Stellenweise trifft man den Grossen Wasserhahnenfuss mit seinen grossen, weissen Blüten (Abb. 97), den in kälterem und tieferem Wasser der Haarblättrige ablöst, dessen kleinere Blüten oft unter Wasser bleiben. Das Schwimmende Laichkraut fasst Wurzeln zwischen 1 und 2 m Tiefe und bildet da und dort herrliche Girlanden schwimmender Blätter. Zur Blütezeit tauchen die Blütenstände auf und bieten sich den bestäubenden Käfern oder Fliegen an. Die meisten Wasserpflanzen vermehren sich auf diese Weise. Einige Arten kennen die vegetative Vermehrung, durch Stengel- oder Wurzelstücke.
In den Bergseen ist der Schmalblättrige Igelkolben recht häufig (Abb. 98); er verwurzelt sich in weniger als 1 m Tiefe und breitet seine schwimmenden Blätter wie schön gekämmtes Haar aus. Am Ufer der kleinen Bergseen bildet Scheuchzers Wollgras oft einen Gürtel zierlicher, weisser, von weitem sichtbarer Bäuschchen (Abb. 99). Es bedeckt bisweilen weite Flächen, so am See von Tsofeiret im Val de Bagnes und am Märjelen-See im Aletschgebiet.
Weiher
Der Weiher ist eine ruhende Wasserfläche von geringer Tiefe meist weniger als 4,5 m - sodass das Licht bis auf den Grund reicht und einigen Pflanzen das Wurzelfassen ermöglicht. Auch ohne menschliches Zutun neigt der Weiher dazu, zu verlanden und nach und nach sich in einen Sumpf zu verwandeln. Dieser Vorgang bekannt unter dem Begriff "Verlanden" - ist die Folge der Ablagerung von Sedimenten und pflanzlichen Abfällen, deren Abbau mangels Sauerstoff verzögert wird. Mit der Zeit steigt der Grund und die freie Wasserfläche verringert sich. Die einzelnen Phasen dieses Vorgangs kann man in den verschiedenen Weihern des Pfynwaldes beobachten. In grösserer Höhe vollzieht sich dieses Verlanden viel langsamer als in der Ebene, das Klima bremst die Entwicklung der Pflanzen. Wie bei den Seen ordnet sich die Vegetation in verschiedenen Gürteln an.
Künstliche Seen und Weiher
Das Wallis besitzt mehrete künstliche Wassetflächen. Angefangen bei den kleinen: die Baggerweiher, die Rückhaltebecken der Autobahnen, die Bewässerungsreservoirs, die Entsander der Wildbäche. Dazu kommen in der Höhe die Stauseen. Diese Einrichtungen haben leider zu steile, manchmal betonierte Ufer, was die Entwicklung einer interessanten Pflanzenwelt verunmöglicht. Schmal- und Breitblättriger Rohrkolben und Gemeines Seeried (Abb. 100) bevölkern diese neugeschaffenen Weiher. Sämtliche sind Pionierpflanzen mit leichten, vom Wind spielend fortgetragenen Samen. Beim Ausgraben eines Grundstücks kann es vorkommen, dass Samen einer seit Jahrzehnten verschwundenen Vegetation ans Licht befördert werden, was das gelegentliche Erscheinen seltener und unerwarteter Arten erklärt, wie das des Stachligen Seeriedes im Rückhaltebecken der Autobahn bei Martigny.
Erstellen eines künstlichen Weihers: einige Ratschläge
Natürliche, noch nicht aufgefüllte oder verschmutzte Wasserflächen sind dermassen selten geworden, dass jeder Versuch - sei es privat oder öffentlich - einen Weiher auszuheben, Lob und Aufmunterung verdient. Um dem Unterfangen die besten Erfolgsaussichten mitzugeben und einer vielfältigen Flora und Fauna gute Entwicklungschancen zu garantieren, könnten einige Ratschläge von Nutzen sein.
Zunächst muss eine permanente Wasserversorgung gesichert sein, sei es durch Grundwasser oder durch Zufuhr von auswärts, auf abgedichtetem Grund. Wasser aus Suonen oder Bächen führt Sedimente mit sich und kann zudem eine für das Gedeihen des Lebens im Wasser ungünstige Abkühlung bewirken. Gegebenenfalls sollte sich das Wasser in einem separat angebrachten Behälter aufwärmen können, bevor es in den Teich gelangt. Das Wichtigste indessen ist, sanft geneigte Ufer zu bauen (wenn möglich mit einer Neigung unter 10 bis 20%), damit sich die Ufervegetation ausbreiten und mehrere Gürtel bilden kann, wie dies bei natürlichen Weihern der Fall ist. Eine Schicht Feinerde an den Ufern begünstigt die Entwicklung der Pflanzen, vor allem wenn es sich um Erde aus früheren Sumpfgebieten handelt, welche noch lebensfähige Samen enthält.
Für einen kleinen privaten Weiher darf das Wasser weniger als einen Meter tief sein. Man kann versucht sein, Zierpflanzen wie Seerose oder Pfeilkraut einzusetzen, doch lasse man lieber die Natur walten.
Siehe auch