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Historisch umfasst die schweiz. M. im Wesentlichen die Sparten und Branchen, die in der "Allg. Systematik der Wirtschaftszweige" (Noga) von 2002 den Abt. "Erzeugung und Bearbeitung von Metall" (Abt. 27) sowie "Herstellung von Metallerzeugnissen (ohne Maschinenbau)" (Abt. 28) zugerechnet werden. Die Abgrenzung gegenüber der Maschinenindustrie fällt wegen der engen Verflechtung schwer. Statistiken fassen oft beide zusammen, und sowohl Arbeiter (Smuv, heute Unia) als auch Unternehmer (ASM, VSM, heute Swissmem) trennen sie in ihren Verbänden nicht. Manchmal führten Interessengegensätze auch zu Konflikten zwischen der Maschinenindustrie und der M. (z.B. bezüglich der Erhebung von Einfuhrzöllen auf Metallen). Im Gegensatz zur Maschinenindustrie ist die M. kaum exportorientiert; ihr Anteil an der Ausfuhr lag im 19. Jh. unter 4%, im 20. Jh. meist zwischen 5 und 10%. Sie lieferte hauptsächlich Halbfabrikate für andere Branchen, v.a. für Maschinenindustrie und Baugewerbe.
|Metallerzeugung und -bearbeitung|
|Produkte:||Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen|
|Rohre aus Gusseisen oder Stahl|
|sonstige erste Bearbeitung von Eisen und Stahl (Herstellung von Blankstahl, Kaltband, Kaltprofilen und gezogenem Draht)|
|Erzeugung und erste Bearbeitung von Nichteisenmetallen (Edelmetalle, Aluminium, Blei, Zink, Zinn, Kupfer und sonstige Nichteisenmetalle wie Chrom, Mangan oder Nickel)|
|Giessereien (Halbfabrikate aus Eisen-, Stahl-, Leichtmetall- und Buntmetallgiessereien)|
|Herstellung von Metallerzeugnissen|
|Produkte:||Stahl- und Leichtmetallbau (Metallkonstruktionen und Ausbauelemente aus Metall)|
|Metallbehälter mit einem Fassungsvermögen von mehr als 300 l sowie Heizkörper und -kessel für Zentralheizungen|
|Dampfkessel|
|Schmiede-, Press-, Zieh- und Stanzteile sowie gewalzte Ringe und pulvermetallurgische Erzeugnisse|
|Oberflächenveredlung und Wärmebehandlung; Bearbeitung mechanischer Werkstücke in mechanischen Werkstätten, Schlossereien und Schmieden|
|Schneidwaren, Bestecke, Werkzeuge, Schlösser und Beschläge aus unedlen Metallen|
|sonstige Metallwaren (Metallbehälter mit einem Fassungsvermögen von 300 l oder weniger; Verpackungen und Verschlüsse aus Eisen, Stahl und Nichteisenmetall; Drahtware, Schrauben, Nieten, Ketten und Federn)|
Im 19. Jh. zählte die M. mehr Beschäftigte als die Maschinenindustrie, im 20. Jh. aber deutlich weniger. Ihr Anteil am 2. Sektor betrug bis in die 1910er Jahre etwa ein Zwanzigstel, um dann auf weit über ein Zehntel anzusteigen. Massgeblich trugen allerdings die Metallverarbeitenden Handwerke, neben Schmieden, Schlossereien und mechan. Werkstätten v.a. das Bauinstallationsgewerbe (Spenglerei, Sanitär- und Elektroinstallationen, Heizungsbau usw.), dazu bei. Die statist.-techn. Verschiebung des Bauinstallationsgewerbes ins Baugewerbe schlug sich 1990 im massiven Rückgang der M. nieder. Diese war im 20. Jh. stärker männerlastig als die Maschinenindustrie, überschritt doch der Frauenanteil erst in der 2. Jahrhunderthälfte 10%.
Die M. lässt sich nach zwei Kriterien einteilen: Einerseits nach der Fertigungstiefe von der Erzeugung von Rohmetallen über diejenige von Halbfabrikaten - in der Schweiz Halbzeug genannt - bis zur Herstellung von Fertigfabrikaten wie Werkzeugen oder Schlössern; andererseits nach den Rohstoffen in Eisen- und Stahl-, Buntmetall- und Leichtmetallindustrie. Die M. verfügte nur in Bezug auf die Eisenerze (Eisen), die bis in die 1960er Jahre in der Schweiz abgebaut wurden, über eine nennenswerte eigene Rohstoffbasis (Bergbau, Bodenschätze).
Gewisse Branchen verarbeiten sowohl Eisen als auch Nichteisen-Metalle, so die Schloss- und Beschlägefabrikanten oder die Décolletage. Erstere gingen seit den 1860er Jahren zum Fabrikbetrieb über. Die Décolletage, die auf Drehbänken bzw. seit den 1870er Jahren auf Drehautomaten Präzisionsschrauben, Dreh- und Façonteile (Stifte, Nieten, Achsen usw.) anfertigt, entstand Mitte des 19. Jh. als Hilfszweig der Uhrenindustrie mit Zentrum in Solothurn und verbreitete sich v.a. in der Nordwestschweiz.
Vom späten 15. Jh. an verdrängte die Hochofentechnik langsam die Rennfeuer, die sich in einigen Bergtälern bis ins 19. Jh. hielten. Das Fürstbistum Basel, v.a. das Delsberger Becken, entwickelte sich zum Zentrum der Eisenindustrie. Die schweiz. Produktion deckte allerdings den Bedarf nie. Während der Industrialisierung wurden wegen steigender Nachfrage bestehende Öfen verbessert und neue gebaut. Die Hüttenindustrie überschritt ihren Höhepunkt in den späten 1850er Jahren. Die 1858 erzeugten 14'500 t Roheisen wurden nach einem langen Tief erst 1904 wieder erreicht. Als erfolgreichste erwies sich die ab 1810 unter dem Namen Ludwig von Roll & Cie. geführte und 1823 in eine AG umgewandelte Firma, die zusätzlich zu den eigenen Hütten Gänsbrunnen, Klus und Choindez in der 2. Hälfte des 19. Jh. mehrere Konkurrenten übernahm (Von Roll). Die Kehrseite der Produktionssteigerung war die Abholzung der Wälder zur Verkohlung, was zu Holznot, Brennstoff- und Baustoffmangel führte und insbesondere auch die Holzkohle verteuerte. Die ausländ. Konkurrenz hatte längst auf billigen Koks umgestellt. Mit Anschluss ans europ. Bahnnetz entfiel der Entfernungsschutz, und ein Ofen nach dem anderen stellte den Betrieb ein. Einzig das Von Roll-Werk in Choindez, das ab 1867 zuerst sporadisch, dann dauerhaft mit Koks beschickt wurde, überlebte mit Unterbrechung bis 1935. Zu Beginn des 2. Weltkriegs konnte nur in dazu ungeeigneten elektrochem. Anlagen Roheisen erzeugt werden. Erst 1943 stand in Choindez ein elektr. Niederschachtofen zur Verfügung, der bis 1982 der Erzverhüttung diente.
Während die Luppen der Rennfeuer sich direkt zum Schmieden eigneten, mussten dem Hochofeneisen durch Frischen - d.h. durch Erhitzen und mittels Durchblasen von Luft- Kohlenstoff und andere Verunreinigungen entzogen werden. Frischherde oder -feuer entstanden deshalb seit der Einführung der Hochöfen verschiedenenorts. Sie dienten der Erzeugung von unterhalb des Schmelzpunkts gewonnenem sog. Schweissstahl. Eine wesentl. Verbesserung brachte das Puddel-Verfahren, das allerdings erst mit erhebl. Verspätung in der 2. Hälfte des 19. Jh. und nur bei Von Roll in Gerlafingen zur Anwendung kam. Bereits Mitte der 1850er Jahre begann von Moos in Emmenbrücke Stahl nicht mehr aus Roheisen, sondern v.a. aus Schrott herzustellen. Von Roll und Von Moos blieben im letzten Viertel des 19. Jh. als einzige Schweissstahl-Produzenten übrig. Ebenfalls spät wandte man sich dem oberhalb des Schmelzpunkts gewonnenen Flussstahl zu; ab 1889 betrieb Von Moos den ersten Siemens-Martin-Ofen. Kohlemangel förderte im 1. Weltkrieg den Übergang zum elektr. Stahlofen, 1918 bei Von Roll, 1919 bei Von Moos. Der breite Aufschwung der neuen Technologie erfolgte im 2. Weltkrieg. Danach entstanden sogar neue Stahlwerke wie Monteforno in Bodio 1946 und Ferrowohlen in Wohlen (AG) 1955. Hergestellt wurde v.a. Betonstahl aus Schrott. Mitte der 1970er Jahre geriet die Stahlindustrie in eine Krise, von der sie sich nie mehr recht erholte. Ferrowohlen und Monteforno schlossen 1994, Von Moos und Von Roll legten 1996 ihre Stahlproduktion unter dem Druck der Banken in der Swiss Steel zusammen, die 2006 in der Schmolz+Bickenbach AG aufging.
Die Weiterverarbeitung übernahmen bereits in der frühen Neuzeit mechan. Hammerschmieden. Von Roll baute 1836 in Gerlafingen das erste Walzwerk, auf das weitere im Jura und in Emmenbrücke folgten. Auch die mechan. Drahtzieherei ging in die frühe Neuzeit zurück.
Vor Erfindung des Kupolofens war Eisenguss nur ab Hochofen möglich, z.B. bei Von Roll. Als erste von eigener Verhüttung unabhängige Giesserei widmete sich das Unternehmen Fischer (später Georg Fischer) im Mühletal (Schaffhausen) ab 1805 dem Stahlguss. Sulzer in Winterthur begann 1834 mit Eisenguss. Daneben entstanden von den späten 1820er Jahren an Giessereien als Abteilungen von Maschinenfabriken, z.B. bei Escher, Wyss & Cie. oder bei den Ateliers de Constructions Mécaniques de Vevey. Giessereien stellten vor den Eisen- und Stahlwerken auf elektr. Schmelzöfen um, erstmals 1908 Oehler in Aarau. In den 1960er Jahren zählte der Verband der Eisengiessereien 57 Mitglieder. In der Folge geriet die Branche in eine Krise, von der sie sich trotz ständiger Umstrukturierung nie mehr erholte.
Die Weiterverarbeitung von Eisen und Stahl erfolgte meist in der Maschinenindustrie oder im Bau- und Bauinstallationsgewerbe. Die Herstellung von Fertigprodukten - Messern, Feilen usw. - erlangte deshalb nur bescheidene Bedeutung.
Autorin/Autor: Bernard Degen
Kupfer ist das mit Abstand meistgebrauchte Buntmetall. Blei und Zink liegen ebenfalls noch deutlich vor Nickel, Zinn usw. Auf Kupfer basieren zudem wichtige Legierungen wie die seit Jahrtausenden verwendete Bronze und später das Messing. Infolge schmaler Rohstoffbasis fehlte eine eigentl. Verhüttung in der Schweiz weitgehend; nur Umschmelzwerke erzeugten aus Fabrikationsabfällen Rohmetall. Dagegen entstanden zahlreiche, meist kleinere Giessereien. Die selbstständigen stellten neben Kundenguss v.a. Armaturen her. Als älteste gilt die Glockengiesserei Rüetschi in Aarau, die seit 1628 am gleichen Standort produziert. Der Messingguss, der sich Ende des 18. Jh. ausbreitete, stand am Anfang einer Reihe bedeutender Firmen wie der genannten Unternehmen Sulzer und Georg Fischer.
Die Halbzeugfabrikation (Stangen, Profile, Drähte, Rohre, Bleche, Bänder, Rondellen usw.) dominierten drei Werke, nämlich die aus der Uhrenindustrie hervorgegangene Boillat SA in Reconvilier (gegr. 1855), die anfänglich Décolletage und Uhrenfabriken beliefernde Metallwerke AG Dornach (gegr. 1895) sowie die im Umfeld der Rüstungsbetriebe entstandene Selve & Cie. in Thun (gegr. 1895). Nach jahrzehntelanger Kooperation in einem Kartell fusionierten die drei 1986 zur Swissmetal-Gruppe, die aber bereits 1993 die ehem. Selve schloss. Im Gefolge der Elektrifizierung gewannen ab dem ausgehenden 19. Jh. Draht- und Kabelwerke grosse Bedeutung. Nach den 1879 gegr. Câbles Cortaillod entstanden weitere Kabelhersteller in Brugg, Cossonay, Altdorf (UR), Breitenbach, Herisau, Pfäffikon (ZH) und Wildegg. Die drei Fertigungsstufen Kupferdraht, Isolierdraht und eigentl. Kabel vereinigte nur ausnahmsweise das gleiche Werk (Cossonay).
Versch. Unternehmen der Metallwarenindustrie stellen zudem Fertigprodukte wie Tischgedecke, Leuchten, Feuerzeuge oder Beschläge her. Ihre Bedeutung blieb aber stets vergleichsweise gering.
Autorin/Autor: Bernard Degen
Bei den Leichtmetallen dominierte das Aluminium die anderen Metalle wie Magnesium, Berryllium usw. dermassen, dass meist nur die Aluminiumindustrie erwähnt wird. Dieser fehlte zwar ebenfalls die Rohstoffbasis; dafür war Energie reichlich verfügbar. Zwei Jahre nach dem ersten Patent auf die Aluminiumelektrolyse nahm 1888 in Neuhausen am Rheinfall das erste Aluminiumwerk Europas (Alusuisse) die Produktion auf. Die Firma betrieb ab 1908 in Chippis und ab 1962 in Steg weitere Hütten, stellte dafür aber 1944 die Produktion in Neuhausen ein. Die kleine Giulini-Gruppe besass ab 1908 in Martigny-Bourg und ab 1938 in Martigny-Ville eigene Werke. Nach Einstellung des Betriebs in Martigny und Chippis 1992 verblieb die Hütte in Steg, die seit 2000 der ursprünglich kanad. Alcan gehörte und 2006 die Elektrolyse einstellte. Die Aluminiumproduktion stieg von 40 t 1890 auf 20'000 t in den 1920er Jahren und stagnierte dann bis zur Jahrhundertmitte. In der Hochkonjunktur erfolgte bis 1971 ein Aufschwung zum Maximum von 94'000 t; dann sank die Produktion wieder. Seit den 1980er Jahren übersteigt die Einfuhr die Eigenproduktion immer deutlicher (2000 Eigenproduktion 35'500 t, Import 136'300 t). Umschmelzwerke schmolzen Abfälle zu Sekundäraluminium, so 1939-92 die Refonda in Niederglatt, die sich zunächst mit Industrieabfällen eindeckte. Seit dem Aufbau eines landesweiten Recyclingsystems ab 1989 kamen vermehrt Sammelabfälle (Getränkebüchsen usw.) dazu.
Der Verhüttung ist die weitere Verarbeitung nachgelagert. Wichtigste Abnehmer von Rohaluminium waren Halbzeugwerke (z.B. Chippis, Kreuzlingen, Menziken, Rorschach, Münchenstein, Kirchberg BE, Burgdorf, Laufen, Thun), die u.a. Bleche, Bänder, Stangen, Röhren, Profile, Drähte und geschmiedete Konstruktionsteile herstellten. Den Anfang machte die Alu Menziken 1897 in Fleurier, ab 1905 in Gontenschwil und später in Menziken. Internat. Bedeutung erreichten die Folienwalzereien, die erste ab 1910 in Kreuzlingen. Sie belieferten nicht zuletzt die Nahrungsmittelindustrie (Schokolade, Schachtelkäse, verschweisste Lebensmittelpackungen). Schliesslich wurden Fertigprodukte wie Geschirr, Hülsen, Dosen oder Tuben hergestellt. Die Gröninger AG begann 1901, in Basel Aluminiumgeschirr und -kochtöpfe herzustellen (1904-70 in Binningen).
Betrug der Aluminiumverbrauch pro Kopf und Jahr 1950 erst 3 kg, so stieg er bis 1960 auf fast 10 kg und bis 2000 auf knapp 24 kg an. Wichtigste Anwendungen sind der Bau von Fahrzeugen, Schiffen, Flugzeugen, Transportbehältern, Gebäuden, Ingenieurbauten (Krane, Brücken, Gerüste usw.), Maschinen und Apparaten sowie Verpackungen und Haushaltsgeräte.
Autorin/Autor: Bernard Degen
Autorin/Autor: Bernard Degen