Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03259.jsonl.gz/454

Hermann Eidenbenz war seit 1878 Vertreter der Schweiz im Weltkomitee der YMCAs. An der 10. Weltkonferenz in Berlin anerbot der an der Konferenz anwesende Minister des Postwesens der Vereinigten Staaten von Nordamerika, John Wanamaker von Philadelphia, die Bezahlung des Salärs für zwei Jahre zur Anstellung eines Sekretärs, wenn er in Zürich einen solchen Verein ins Leben rufe!
Das erfolgreiche Vorgehen in anderen Städten Europas liess den einmal angeregten Gedanken auch in Zürich nicht zur Ruhe kommen. Unter der Leitung von Hermann EIdenbenz konstituierte eich am 23. Januar 1886 ein «Verein christlicher Kaufleute». Dieser Verein bildete in der Folge die Kerngemeinschaft unseres ein Jahr später gegründeten CVJM.
Der eınem schwäbischen Pfarrergeschlecht entstammende Kaufmann war ın Genf, als er dort seine Kenntnisse der französischen Sprache zu vervollkommnen suchte, mit der UCJG (= CVJM) in eıne für ıhn segensreiche Verbindung gekommen und nach seıner 1860 erfolgten Übersiedelung nach Zürich von Davıd Koelllker ın den Jünglingsverein, der in der Froschhaut tagte, eingeführt worden. Nach der Gründung des Bundes übernahm er neben Koellıker als Präsident das Amt des Aktuars. Nach Koellikers Heımgang ist er diesem für fast ein Jahrzehnt im Amte gefolgt. Der «Jünglingsbote» war Zentralorgan des Bundes geworden und wurde im Geschäft von Eidenbenz versandt. Eidenbenz wurde später ins Weltkomitee berufen und hat eine große Zahl Weltkonferenzen miterlebt.
Das weitaus bedeutendste Ereignis der Folgezeit war die Gründung des ersten eigentlichen Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) in Zürich im Jahre 1887. Hermann Eidenbenz war der eigentliche Gründer des CVJM, trat aber bescheiden zurück. In einer Versammlung mit Pfr. Fröhlich zu St. Anna, Herrn Steiger-Meyer aus Herisau, dem damaligen Generalsekretär des Weltbundes der CVJM, Charles Fermaud und dem Generalsekretär der CVJM Nordamerikas, sowie Präsidenten bestehender Jünglingsvereine und des Vereins Christlicher Kaufleute wurde die Gründung des ersten deutschschweizerischen CVJM, des CVJM Zürich 1 beschlossen. Im November 1887 fand die erste Mitgliederversammlung statt. Pfr. Fröhlich übernahm den Vorsitz, Eidenbenz aber die meiste Arbeit, bis ein Sekretär gefunden war. Eidenbenz gehörte bis ins hohe Alter auch zu den regelmäßigsten Versammlungsteilnehmern. Damit war in der Geschichte des Bundes ein Wendepunkt erreicht. Es war zunächst an einer Stelle der Übergang von einer eher erbaulich-bewahrenden Jugendpflege (der Jünglingsvereine) zu einer Leib, Seele und Geist aller nur erreichbaren jungen Männer umfassenden Laienmissionsbewegung (YMCA/CVJM) gemacht. Die CVJM-Idee konnte sich freilich nur langsam durchsetzen.
Die Entwicklung erfolgte nicht ohne ernsthaften Widerstand von Seiten mancher Jünglingsvereine, die nicht verstanden, dass man einen noch ganz weltlichen jungen Mann erst für Christus gewinnen kann, wenn man sein Vertrauen erlangt hat durch einen Dienst nach Leib, Seele und Geist, welcher seinen tatsächlichen Bedürfnissen entspricht. Sie sahen in der Bildungsarbeit durch Vorträge und Lehrgänge, in Turnen und Sport, im Wohnheim und im Mittagstisch eine Gefährdung der geistlichen Anliegen. Dem CVJM war es gegeben, die Türen weit aufzutun und die unverfälschte, unverkürzte biblische Botschaft auszurichten.
Beherzte Männer wie Hermann Eidenbenz haben die Wichtigkeit der Körpererziehung immer wieder vertreten. Seit 1911 werden die Anliegen des Turnens und des Sportes im CVJM durch einen besonderen Verband wahrgenommen.
Quellen: „Eine Jugendbewegung unterwegs. Zum 100-Jahr-Jubiläum des deutschweizerischen CVJM-Bundes.“ 1962;
sowie «75 Jahre Christliche Jugendarbeit in Zürich. 1850 –1925. Bericht des Christlichen Vereins Junger Männer in Zürich 1 zum 75jährigen Jubiläum der Gründung des ersten Christlichen Jünglings-Verein in Zürich. Verfasst im Auftrage des Zentral-Vorstandes von Karl Egli.