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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Sechstes Buch
65.
Celsus sagt nun von Gott, dass " aus ihm alle Dinge seien", während er sonst auf eine merkwürdige Weise das Weltganze von ihm trennt. Unser1 Paulus aber schreibt: "Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge"2 , indem er mit den Worten "von ihm" den Ursprung des Bestands aller Dinge, mit den Worten: "durch ihn" ihrem Zusammenhalt und mit den Worten "zu ihm" ihren Endzweck bezeichnet. Es ist wahr, "dass Gott keinen Ursprung hat". Wenn aber Celsus beifügt: "Er ist auch nicht mit dem Worte zu erreichen", so unterscheide ich die Bedeutungen und sage: Meint er unter "Wort" das von uns rein gedachte oder auch ausgesprochene Wort, dann sagen auch wir, dass "Gott mit dem Worte nicht zu erreichen ist. " Haben wir aber die Stelle im Auge: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort"3 , dann sind wir der Ansicht, dass Gott diesem "Wort erreichbar ist", und dass er nicht von diesem allein erfaßt wird, sondern auch von jedem, dem es den Vater offenbart hat"4 , und wir werden daher die Behauptung des Celsus: " Gott ist auch nicht mit dem Worte zu erreichen" Lügen strafen.
Man muß auch bei seiner weiteren Behauptung: " Gott kann nicht mit einem Namen bezeichnet werden" einen Unterschied machen. Wenn er nämlich damit sagen will, dass kein Wort und keine Bezeichnung die Eigenschaften Gottes ausdrücken kann, so ist seine Behauptung wahr; denn es gibt in der Tat viele Eigenschaften, die "mit Namen nicht bezeichnet werden können". Oder wer kann zum Beispiel den Unterschied zwischen der Süßigkeit einer Dattel und der Süßigkeit einer Feige mit Namen bezeichnen? Wer ist imstande, die einem jeden eigentümliche Eigenschaft mit einem Namen zu unterscheiden und anzugeben? Es ist also gar nicht zu verwundern, wenn Gott in diesem Sinne "durch einen Namen nicht zu bezeichnen ist". Wenn man aber diesen Ausdruck in dem Sinne versteht, dass es möglich sei, einiges von den Eigenschaften Gottes mit Namen darzustellen, um dem Zuhörer unter die Arme zu greifen und ihm einige Kenntnis von Gott zu verschaffen, soweit dies der menschlichen Natur erreichbar ist, dann ist es nicht ungereimt zu sagen, dass "Gott mit Namen bezeichnet werden könne".
In gleicher Weise werden wir auch unterscheiden, wenn Celsus sagt:"Denn er hat nichts erlitten, was durch einen Namen zu erfassen wäre" Wahr ist aber auch dies, dass "Gott außerhalb alles Leidens sei" Dieser Punkt ist nun genug besprochen.
1: Apostel
2: vgl. Röm 11,36
3: vgl. Joh 1,1
4: vgl. Mt 11,27; Lk 10,22