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"Bessere Bildung mit mehr Musik". Bericht über Schulversuche mit erweitertem Musikunterricht in Muri bei Bern. Erziehungsdirektion des Kantons Bern, 1981. Erhältlich bei mir.
"Tanzchuchi". Tanzen in Schule und Freizeit. Zytglogge-Werkbuch, 1981. 7. Auflage (19. Tausend) 1999. (Mitautor). CHF 25.-.Erhältlich bei mir.
"Berner Symphonieorchester, intim". Text zu Fotoband. Bern, Benteli, 1984. Vergriffen.
"Schafft die Hauptfächer ab!" Bern, Zytglogge, 1991. ISBN 3-7296-0379-5. CHF 25.- Erhältlich bei mir.
"Musik macht Schule". Biografie und Ergebnisse eines Schulversuchs mit erweitertem Musikunterricht. Essen, Die blaue Eule, 1993. (Mitautor, zusammen mit Maria Spychiger und Jean-Luc Patry). Mit einem Vorwort von Yehudi Menuhin. Vergriffen.
"Musik macht Schule". Kurzfassung des obigen Buches. Broschüre, 33 Seiten. 2. Zweite Auflage 1997 mit einem Vorwort von Maria Spychiger und einem Anhang über die erweiterten Musikunterricht in der Schweiz nach Abschluss der Schulversuche. Vergriffen.
Übersetzungen der oben erwähnten Kurzfassung (ohne Vorwort und Anhang): "Music makes the school" und "La musique fait école". Die englische Kurzfassung ist bei mir noch gratis erhältlich; die andern sind vergriffen. Alle können aber hier eingesehen und heruntergeladen werden.
"Die vergessene Intelligenz. Die Musik im Kreis der menschlichen Anlagen". Zürich, Pan. 1999. ISBN 3-907073-57-6. Vergriffen; bei mir ist eine Fassung in A4 erhältlich zu Fr. 20.-.
"Pisa und was nun?". Mit altersgemischten Klassen, weniger, aber betreuten Hausaufgaben, Elternschulung und mit mehr Musik zu einer besseren Bildung. Muri, ceterum censeo, 2002.
ISBN 3-0344-0166-3. 140 Seiten. CHF 29.-.
"Die Mitte im Kreis der Intelligenzen ist die Musik". Muri, ceterum censeo, 2005. ISBN 3-033-00417-2. 114 Seiten. CHF 27.-.
"Gewaltprävention durch Musikerziehung". Muri, ceterum censeo, 2008.28 Seiten. Fr. 8.-
"Eltern-Kind-Singen". Muri, ceterum censeo, 2009, 135 Seiten, Fr. 28.70
"Was ist mit unserem Boden?" Muri, ceterum censeo, 2010, 60 Seiten, Fr. 12.70
"Der Vulkan Ungleichheit". Muri, ceterum censeo. 2014. 118 Seiten. Fr. 18.-. ISBN 978-3-033-04851-1
"I bi z Bärn ufgwachse" Muri, ceterum censeo, 2011, 43 Seiten, Fr. 8.-. ISBN 978-3-9524483-1-1
"Won i no jünger bi gsi" Muri, ceterum censeo, 2012, 20 Seiten, Fr. 5.-. ISBN 978-3-9524483-3-5
"Schlafes Bruder ..." Muri, ceterum censeo. 20 Seiten. 2014. Fr. 8.-. ISBN 978-3-9524483-4-2
"Alles Liebe". Muri, ceterum censeo. 18 Seiten. 2015. ISBN 978-3-9524483-5-9
"Hallo Jugend" / "Diktatur des Volkes". Muri, ceterum censeo. 24 Seiten. 2 Essays, Fr, 8.-
"Lustvolle Schule ohne Noten- und Selektionsstress". Muri, ceterum censeo. Essay 20 Seiten. Fr. 6.-
"Réflexions d'un promeneur solitaire dans la pluie". Muri, ceterum censeo. Essay 20 Seiten. Fr. 6.-
Die Rolle der Musik bei der Evolution des Menschen 2018 Essay 24 Seiten Fr. 6.-
Mehr oder weniger fromm Essay 14 Seiten Fr. 6.-
Zur Geschichte der Bodenfrage 2018 Essay 20 Seiten Fr. 6.-
Die Zwei und wir 2018 Essay 22 Seiten Fr. 6.-
Lob der Schöpfung 2017 Essay 20 Seiten Fr. 6.-
Lustvolle Schule ohne Notern- und Selektionsdruck 20 Seiten Fr.6.-
Von der Liebe und ihrer Tochter, der Schönheit 2016 20 Seitern Fr. 6.-
Abschied vom Paradies? 2019 Essay 24 Seiten Fr. 6.-
Zwei drohende Katastrophen 2019 Essay 24 Seiten Fr. 6.-
"Vom Ursprung der Musik, der Sprache, des Menschen". Muri, ceterum censeo, 4. überarbeitete Auflage 2016. 58 Seiten CHF 18.70
ISBN 978-3-9524483-2-8
.My Seminarzyt 2015, 46 Seiten, Fr. 10.-. ISBN 978-3-9524483-6-6.
Dieser dritte Teil meiner Jugenderinnerungen in berndeutsch schildert die Zeit des Erwachsenwerdens und das Leben im Internat in der Zeit des zweiten Weltkriegs. Die Institution Lehrerseminar wird kritisch gewürdigt, und dem Gründer von "Hofwyl", Philipp Emanuel von Fellenberg, wird ein Kränzlein gewidmet.
Bessere Bildung mit mehr Musik 2815, 110 Seiten. Muri, ceterum censeo. Nicht im Buchhandel. ISBN 978-3-9524483-7-3
Ernst Waldemar Weber blickt als 93-Jähriger zurück auf seine Zeit als Rentner. Der ehemalige Lehrer, Sprecherzieher und Konzertsänger hat sich mit allen Kräften eingesetzt für eine Aufwertung und Verbesserung des Musikunterrichts an den Schulen. Zunächst wurde in grossangelegten Schulversuchen (u.a. Schweizer Nationalfonds) mit Erweitertem Musikunterricht wissenschaftlich nachgewiesen, dass intensive Beschäftigung mit Musik, nämlich Singen, Musizieren und Tanzen und das Erarbeiten der musikalischen Elementartheorie mit Notenlesen und -Notieren, Kennenlernen von Gattungen und Stilen bei den Kindern die Lebensfreude weckt und sie leichter lernen und sich besser vertragen.In Zusammenarbeit mit Lord Yehudi Menuhin wurde das Folgeprojekt Mus-E entwickelt, das heute in 13 europäischen Ländern grosses Ansehen geniesst.
Als Sekretär der Schweizer Konferenz Schulmusik SKSM und der durch diese gegründeten Koordination Musikerziehung Schweiz KMS, die alle Verbände umfasste, welche sich in irgend einer Weise mit dem musikalischen Nachwuchs befasst (mit mehr als 250'000 Mitgliedern) brachte er eine ganze Reihe von Ideen ein. In der Vernehmlassung für die neue Bundesverfassung schlug er einen Artikel vor über Jugend, Musik und Sport, den Erziehungsdirektionen legte die KMS ihren Standpunkt zum Maturitätsreglement und zur neuen Lehrerbildung dar. Eine Folge war im Kanton Bern die Umwandlung von Lehrerseminaren im Maturitätsschulen mit Schwerpunkten im musischen Bereich und des Lehrerseminars Hofwil in ein Gymnasium für Hochbegabte in den Bereichen Kunst, Musik und Sport. Der Artikel 69,2 in der Bundesverfassung wäre ohne sein geschicktes Agieren nicht zustande gekommen, und gestützt auf diesen Artikel wurden im Auftrag des Musikrates mit Hilfe von Weber im Nationalrat und im Ständerat gleichlautende Motionen eingereicht, die ein Gesetz über Musikerziehung forderten. Leider wurden diese Vorstösse später ausgerechnet durch den Musikrat sabotiert.
Um seine Idee Jugend+Musik zu lancieren, schlug er einen schweizerischen Festtag Jugend+Musik vor, erarbeitete dafür ein detailliertes Konzept und wurde zum Leiter des Anlasses gewählt. Leider wurde er auch hier durch die Sekretärin des Musikrates ausgebremst, so dass das Musikfest ohne ihn stattfand.Im Jahre 2000 gründete er den Verein Eltern-Kind-Singen und etablierte damit eine wichtige neue und erfolgreiche Sparte der Musikerziehung in der Schweiz.
Dieser Essay entstand als Wettbewerbsbeitrag zum 9. Essay-Wettbewerb des "Bund", kam aber nicht unter die ersten drei.
Die Liebe gründet auf den Erfahrungen des Säuglings in seinem ersten Lebensjahr, der gegenseitigen Zuwendung, Geborgenheit und Sicherheit im Kreis der Eltern und Geschwister. Sie ist weit umfassender, als wir gemeinhin denken, und sie ist auch der Ursprung unseres Sinns für Schönheit. An diesem grossen Baum der Liebe ist Eros die schönste Blüte. Aber die Sexualität hat ihre Würde und ihre sakrale Bedeutung verloren: Sie ist in den Schmutz gezogen und sogar zu einem Mittel der Gewalt geworden. Dieser Text plädiert für einen offeneren, aber weniger öffentlichen Stil der Sexualität.
"Schlafes Bruder ..." 2. Preis (von 272 Einsendungen) am Essay-Wettbewerb der Berner Zeitung "Der Bund" verliehen anlässlich der öffentlichen Lesung der drei erstprämierten Beiträge am 19. März 2014 in der Dampfzentrale in Bern.
In der Ausschreibung stand:
Schlafes Bruder, wann stirbst du Spielverderber endlich? Wir werden immer älter, aber die damit einhergehenden Konsequenzen werden meist ausgeblendet oder verdrängt. Viel lieber strebt man in der biomedizinischen Forschung danach, die Grundlagen zu schaffen für eine radikale Lebensverlängerung. Für immer jung – der alte Menschheitstraum scheint nicht mehr eine Utopie zu sein. Unsere Sterblichkeit akzeptieren lernen und den Tod nicht als Spielverderber fürchten: kein leichtes Unterfangen. Wie halten Sie es mit Ihrer Endlichkeit? Ist nicht erst kostbar, was auch begrenzt ist? Oder wie lange möchten Sie leben? Reicht ein Jahrhundert, oder müssen es schon 200 Jahre sein, um alle Ecken der Welt kennen zu lernen und noch die Urenkel aufwachsen zu sehen?
Der Text durfte maximal 15'000 Zeichen inklusive Leerschläge umfassen.
Schlafes Bruder …
„Willst du hundert Jahre alt werden?“ hat mich mein Nachbar gefragt, als ich 91 wurde. Ich blieb eine Antwort schuldig, denn darüber hatte ich noch nicht nachgedacht. Wäre es überhaupt erstrebenswert, so alt zu werden? Was würde dafür sprechen, was dagegen? Die Lust am Leben dafür, die Beschwernisse des Alters dagegen? Und wäre es wohl befriedigend, wenn ich es mir weiterhin einfach gut gehen liesse? Müsste nicht darüber hinaus noch etwas Positives damit verbunden sein? Etwa, dass es mir gelänge, die Welt doch noch ein wenig zu verbessern, oder dass ich wenigstens für die Mitwelt noch etwas leisten könnte.
Während ich über diese Dinge nachdenke und mir dabei bewusst werde, dass ich ja nicht wissen kann, was alles noch auf mich wartet, vernehme ich mit Verwunderung, die Wissenschaft träume von ewiger Jugend, von der Verlängerung des Lebens weit über hundert Jahre hinaus. Was zum Teufel soll das? Und kann man denn der Wissenschaft trauen, wenn sie träumt?
Bisher dachte ich, unsere Gelenke und unsere Organe seien nur für eine begrenzte Zeit vorgesehen; der Prozess der Alterung laufe bei jedem Menschen unerbittlich ab: Ich habe gelesen, dass wir vom 50. Lebensjahr an jährlich 1 bis 2% an Muskelmasse verlieren. Dieser langsame Abbau, die Sarkopenie, führe zu einer Reduktion der Muskelkraft, wir ermüden leichter, gehen langsamer, haben zunehmend Mühe beim Treppensteigen, werden gebrechlich und laufen Gefahr, zu stürzen und dadurch die Selbständigkeit zu verlieren. Und wir werden vergesslich, was zunächst manchmal ganz lustig sein mag, uns aber doch zu denken gibt.
Um die Frist im Sinne der „Wissenschaft“ zu verlängern, müssten wir also einiges in Kauf nehmen. Das Gehör und die Augen lassen sich viele Seniorinnen und Senioren schon heute durch raffinierte Massnahmen verbessern. Die Gelenke, nicht nur das Knie und die Hüfte, auch die Schulter, die Füsse und die Hände müssten nach und nach durch künstliche, meist wohl metallene ersetzt werden. Und nicht nur die Nieren auch die Lunge, die Kehle und der Magen und ach, das Herz, wären Kandidaten für Organe, diesmal von zu früh Verstorbenen. Wie Oldtimer, die durch Ersatzteile vom Autofriedhof auf Vordermann gebracht wurden, wären wir dann klapprige, horrible Monster, wie die Kunigunde im Käthchen von Heilbronn.
Und wahrscheinlich würden wir – wie moderne Autos – an ein Überwachungssystem angeschlossen. Jede Abweichung von der Norm, jedes Husten, sobald es wiederholt wird, jedes Bauchgrimmen würde dann im elektronischen Gesundheitszentrum durch Blinken angezeigt, und allenfalls nötige Medikamente würden unverzüglich automatisch eingespritzt. Wahrlich ein fantastischer Ausblick: Alle Alten von einem mit allen Wassern gewaschenen Rechenzentrum aus überblickbar und medizinisch betreut! Und weil die Technik ja in atemberaubendem Tempo voran schreitet, würden wir uns sicherlich von Robotern bedienen und betreuen lassen. Das wäre dann weniger peinlich, wenn man uns die Windeln wechseln oder uns aufs Häfi setzen muss. Ich höre schon die samtene, silberhelle Stimme der attraktiven Roboterin: „Bitte machen Sie jetzt Ihr Pipi“.
Vielleicht wären wir dann zwar schon dement, wenn diese Phase nicht durch ein ferngesteuertes Implantat im Gehirn überbrückt werden wird. Wer weiss, darin liesse sich möglicherweise sogar eine neue Persönlichkeit einbauen die man nach Katalog individuellen Wünschen anpassen könnte – etwa Modell Elvis, oder Silvio, oder Marylin …
Habe ich genug gesagt, um klar zu machen, was ich von einer solchen Lebensverlängerung halte? Ist die Menschheit denn von allen guten Geistern verlassen? Erkennt sie nicht, welche ungeheure Anmassung es ist, an jener geheimnisvollen Kraft, der wir unsere Gestalt, unsere Sprache, unsere Intelligenz, unsere Vitalität verdanken, herumbasteln zu wollen? In welche dümmliche, lächerliche Position hat sich der Mensch doch hineingesteigert mit seinen Ideen! Zudem wird hier ja nicht ewige Jugend angeboten, sondern ewiges Alter, merkt das niemand? Und wie wäre es mit den Kosten? Noch mehr Alte müssten dann von den Jungen unterhalten werden. Schon heute kann zum Beispiel meine Altersrente nicht mehr nur aus dem Kapital stammen, das ich selber erarbeitet habe.
Genug aber des hässlichen Zoffs! Das hier soll schliesslich ein seriöser Essay werden. Befassen wir uns besser mit der Realität und der Frage, was wir tun können, um auch diesen Lebensabschnitt lebenswert zu gestalten. Zurück also zum zehnten Lebensjahrzehnt und zu den achteinhalb Jahren, die mir persönlich darin noch bleiben – in der Hoffnung auf die Gnade des klaren Verstandes und der guten Gesundheit.
An der Seniorenuni Bern hat ein Geriater kürzlich über die Sarkopenie gesprochen. Um sie zu verzögern, schlägt er gute Ernährung, körperliches Training und Vitamin D-Gaben vor, lauter Dinge, die für uns nicht neu sind. Die Pflege der geistigen Fähigkeiten aber, die beim Altern besonders gefährdet sind und deren Verlust wir so fürchten, sieht er offenbar nicht als Aufgabe der Medizin und der Pflege. Aber eigentlich hat er Recht : Wenn es uns gelingen soll, geistig fit zu bleiben, müssen wir uns selber darum bemühen.
Es ist die wohl kostbarste Fähigkeit des Menschen, dass er sprechen kann, denn nur dank der Sprache konnte er seine Intelligenz entwickeln. Sprechen erfordert eine ganze Reihe von geistigen Fähigkeiten und ist seit jeher ein Signal für Intelligenz. Ich habe kürzlich gelesen, dass ein Schaltkreis im Gehirn (mit dicken Nervensträngen vom Broca-Areal im linken vorderen Stirnlappen zu den Basalganglien) beim Sprechen eine wichtige Rolle spiele, und zwar sei diese Verbindung verantwortlich für Grammatik und Artikulation! Wen kann es da wundern, dass sich die geistige Präsenz einer Person vor allem in seinem Sprechen und in seiner Stimme äussert? Sokrates soll gesagt haben: „Sprich, damit ich dich sehe“.
Beim Schweizer Radio gibt es eine Wetterfee, die so munter spricht, dass einem das Herz aufgeht. Ihre glockige Stimme klingt so elastisch, und die Worte kugeln ihr förmlich aus dem Mund, dass man gute Laune kriegt, sogar wenn sie Regen ansagt. Ich habe sie noch nie gesehen, aber ich kann mir ihre wachen, lustigen Augen lebhaft vorstellen.
Leises und undeutliches Sprechen dagegen ist ein Zeichen des Abbaus, das ist mir beim Vorlesen in einem Altersheim aufgefallen. In neueren Tests wurde denn auch nachgewiesen, dass Personen, deren Artikulation nicht mehr perfekt ist, Mühe haben, selbst einfache Sätze zu verstehen. Und Schüler, die schluddrig artikulieren, machen mehr Rechtschreibefehler, das passt in dieses Bild.
Die Pflege der Stimme und des guten und klaren Sprechens ist daher eine Hilfe, um geistig fit zu bleiben. Ich hatte das Glück, in diesen Belangen besonders gute Erfahrungen zu machen, und ich gebe sie hier weiter, ohne zu meinen, das müsse für jedermann der wahre Weg sein. In einem Kurs bei Coblenzer lernte ich, wie unser Atem funktioniert: Beim Einatmen wird das Zwerchfell, unser quer im Rumpf liegender grösster Muskel, tonisiert (das heisst: es füllt sich prall mit Blut). Dadurch wird es dicker und senkt sich. Und weil die Lunge nachgezogen wird, füllt diese sich mit Luft.
Besonders interessant ist das sogenannte „Abspannen“, die rasche Luftergänzung: Durch abruptes Lösen der Artikulationsspannung – etwa nach einem kräftigen „sch“ – wird das Zwerchfell blitzartig (in einer Fünftelsekunde!) tonisiert, und die Luft strömt lautlos und ohne „Einschnaufen“ in die Lunge. Diese Technik eignet sich hervorragend, um das Zwerchfell mit Hilfe der Artikulation zu trainieren. Mit einer Reihe eigener Übungen habe ich sie weiter entwickelt, und durch systematisches und beharrliches Üben konnte ich mir ein sehr starkes und flexibles Zwerchfell antrainieren. Dank ihm gibt es kein Einziehen des Atems mehr, das Atmen beim Sprechen oder Singen passiert automatisch und blitzschnell. Ich kann einen langen Vortrag halten oder einen ganzen Liederabend singen, ohne je hörbar zu atmen.
Ein starkes Zwerchfell bietet eine Menge von weiteren Vorteilen: Es ermöglicht eine saubere Artikulation, die Stimme bleibt rund und klangdicht, also ohne falsche Luft bis ins hohe Alter, und es ist die perfekte Atemstütze. Ein trainiertes Zwerchfell hilft auch zu einer guten Haltung, weil es mit der Rückenmuskulatur verschränkt ist. Als ich etwa Fünfzig war, hat mir ein Chiropraktor beim Anblick der Röntgenbilder meines Rückens prophezeit, ich werde von nun an jedes Jahr eine Kur in Leukerbad absolvieren müssen. Der Mann ist längst gestorben, und dank des Zwerchfell-Trainings wurde die Kur Gott sei Dank nie nötig. Die Skoliose in meinem Rücken besteht zwar noch immer, aber ich habe auch mit 91 Jahren keine Rückenprobleme.
Dieser einfachen, aber beharrliches Üben erfordernden Atemtechnik, verbunden mit lustvollem Deklamieren von Texten, verdanke ich meine Fitness. Sollte sich jemand dafür interessieren, stünde ich beim Erlernen gerne und ohne Entgelt zur Verfügung. Freilich sollte das möglichst früh geschehen, mit siebzig Jahren könnte es schon zu spät sein.
Vor vielen Jahren hat mir ein väterlicher Freund ein kleines Büchlein geschenkt: Ernst Wiechert: „Von den treuen Begleitern“. Dieser feinsinnige Dichter erzählt, wie er im Grauen der Kriegsgefangenschaft aus Gedichten die Kraft zum Überleben schöpfte. Seither ist „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius eines meiner liebsten Gedichte. Und viele weitere sind auch mir zu ständigen Begleitern geworden. Sie stehen mir auswendig zur Verfügung, wann immer ich sie rufe, wenn ich irgendwo warten muss, wenn der Schlaf nicht kommen will oder wenn ich sinnend auf dem „Bänkli“ sitze. Dann lasse ich mich tragen von den Klängen und vom Rhythmus der Verse, diesem „göttlichen Hoppsassa“, wie Nietzsche einmal sagte. Ich lasse die Bilder auf mich wirken, erlebe grosse Gefühle, grüble in tiefen Gedanken. Diese Gedichte gehören mir, aber sie gehören auch tausend andern Begeisterten, die sie als unveräusserlichen Besitz ebenso hüten wie ich.
Ich übe meine Stimme täglich durch Singen und durch Deklamieren von Gedichten, und Texten, die ich in den letzten Jahren gelernt habe. Wer Gedichte und Lieder laut und gut artikuliert rezitiert und singt, tut sich in mehrfacher Hinsicht Gutes: Die Stimme bleibt geschmeidig und klangvoll, der Atem wird trainiert, und man hält sich von selber gerade. Und man legt einen zauberhaften Schatz an Poesie an, der für vielleicht kommende Tage der Einsamkeit und des Schmerzes unmittelbar greifbar sein wird. Denn die Texte der Dichter tragen wir in uns.
Nehmen wir etwa den „Taugenichts“ von Gottfried Keller, wo dank weniger Worte eine idyllische Landschaft vor unserem Auge entsteht und es dann so unvergleichlich heisst: „Der Vollmond warf den Silberschein dem Bettler in die Hand, bestreut der Frau mit Edelstein die Lumpen, die sie wand“. Und in dieses grossartige Bild hinein die herzzerreissende Geschichte des kleinen Bettelknaben, der statt der Pfennige eine wunderbar duftende Hyazinthe heimbringt und dafür Schläge erntet! Oder das Herbstlied von Rilke … „ … wer jetzt kein Haus hat …“ oder der „Fischer“ und der „Zauberlehrling“ von Goethe, des „Sängers Fluch“ von Uhland, die „Kraniche des Ibikus“ von Schiller, das „Gebet“ von Mörike oder „Die Füsse im Feuer“ von Meyer und viele mehr. Auch die Ringparabel aus „Nathan der Weise“ und einige Choräle gehören in mein Repertoire.
Allen, denen die Gnade zuteil wird, mit heilem Leib und wachem Geist das zehnte Jahrzehnt des Lebens antreten zu können, wünsche ich, dass sie ihrer Stimme mächtig bleiben, und damit fähig zum so wichtigen Dialog, besonders auch mit Jüngeren. Ich wünsche ihnen auch die Einsicht, dass alles „seine Zeit“ hat im Leben: Die Zeit der Jugend, der jungen Eltern, der beruflichen Entfaltung, der Reisen, der Konzerte, aber auch die Zeit der Einkehr, der Rückschau und der unaufgeregten Vorbereitung auf die Begegnung mit des Schlafes Bruder.
Dieser andere Name für den Tod, der durch einen Bestseller-Roman zu einem Begriff geworden ist und nun für diesen Essay-Wettbewerb als Aufhänger dient, stammt aus dem Schlusschoral der Solokantate für Bass „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ von Johann Sebastian Bach. In dieser Kantate ist der Tod aber keineswegs der „Spielverderber“, er hat nichts Schreckliches an sich, ist eben der Bruder des erquickenden Schlafes. Die zwei Arien und zwei Rezitative der Kantate sind eine einzige Predigt auf den Schlusschoral hin: „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder, komm und führe mich nur fort, löse meines Schiffleins Ruder, bringe mich an sichern Port. Es mag, wer da will, dich scheuen, du kannst mich vielmehr erfreuen, denn durch dich komm ich hinein zu dem schönsten Jesulein.“ Diese vor pietistischer Frömmigkeit triefenden Worte der Todessehnsucht stammen von Johann Franck, der auch den Text zur grossartigen Motette „Jesu, meine Freude“ geschrieben hat. Bei Matthias Claudius heisst es zu diesem Thema in „Der Mond ist aufgegangen“ ergreifend schlicht: „Wollst endlich sonder Grämen von dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod“, und der gleiche Dichter lässt den Tod zum Mädchen sagen: „Bin Freund, und komme nicht, zu strafen. Sei gutes Muts, ich bin nicht wild, sollst sanft in meinen Armen schlafen.“
In der anderen Bass-Solokantate von Bach, „Ich habe genug“ geht es um das gleiche Thema. Auch dort ist der Text geprägt von Jesulein-Poetik. Aber die Musik! Es ist nicht nur der opulente barocke Klang und die fundierte Festigkeit der Melodiebögen, es ist auch der konzertante Schwung im 3/8-Vivace der Schluss Arie: „Ich freue mich auf meinen Tod“, der hinreisst und fasziniert. Diese Arie hat es übrigens in sich: Nur Sänger der Meisterklasse können diese Sechzehntel-Passagen akkurat martellieren, ohne dass ihnen dabei die Luft ausgeht. Eine noch schwierigere Stelle gibt es am Schluss der ersten Arie, wo der Solist in hüpfenden Zweiunddreissigsteln zu singen hat: „Nun wünsch ich noch heute mit Freuden von hinnen zu scheiden“. Ein solcher Sänger darf aber kein Todeskandidat sein, er muss sogar äusserst vital und körperlich trainiert sein. Felix Löffel, dessen Schüler ich war, hat einmal gesagt, eine derartige Aufgabe sei – von den physischen Anforderungen her – mit einem Marathonlauf zu vergleichen.
Bach entlässt uns also paradoxerweise nicht in Todessehnsucht, sondern beschwingt und fröhlich. Und so sollten wir uns vielleicht – statt uralt oder sogar unsterblich werden zu wollen – auf den unvermeidlichen Tod einrichten, mit Zuversicht und Dankbarkeit für unser gelebtes Leben. Vor vielen Jahren habe ich in einer Motette von Heinrich Schütz mitgesungen: „Und da Jakob vollendet hatte die Gebote an seine Kinder, tat er seine Füsse zusammen aufs Bett und verschied und ward versammelt zu seinem Volk.“
So ruhig und selbstverständlich möchte auch ich einst sterben. Mit Rilke möchte ich sagen können: „Herr, es ist Zeit“ und mit Bach: „Komm endlich, Schlafes Bruder“.
Warum wirkt Musik so stark auf alle Menschen, und wie wirkt sie? Ist sie eine Himmelsmacht, wie die Alten vermu‑ teten, werden in ihr die Gesetze der Schöpfung zu Klängen? Warum empfinden alle Menschen reine Intervalle als schön? Solchen Fragen wird hier nachgespürt, und es finden sich erstaunliche Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Musik und Mathematik, Geometrie, Architektur und Malerei.
Interessant ist die Verarbeitung von Musik im Gehirn. Sie spricht beide Hemisphären an und fördert so deren Zusammenarbeit. Harmonisches Zusammenwirken der beiden gleichwertigen, aber verschiedenartigen Hirnhälften, der eher rationalen linken und der eher intuitiven rechten, wäre heute dringend nötig und sollte bereits in der Schule geübt werden.
Leider ist das viel zu wenig der Fall. Unser Schulsystem beruht auf dem Prinzip der Selektion, und diese wird sehr einseitig gehandhabt, indem ausschliesslich kognitive und rationale, das heisst linkshemisphärische Kriterien (in den bisherigen Hauptfächern) zum Zug kommen. Die Folge ist ein einseitiges, einäugiges Bildungssystem in einer rational und hierarchisch aufgebauten Gesellschaft, die beide in diesem Zustand den komplexen Anforderungen der Zukunft kaum gewachsen sein werden.
Soll also die Selektion abgeschafft werden, oder könnte sie durch Erweiterung um nichtrationale Kriterien wie musische Qualitäten, Teamfähigkeit, Spielwitz und vernetztes Denken effizienter gemacht werden, indem so aus einem breiteren Angebot eine bessere Auswahl getroffen werden könnte? Eine solche Ausweitung der Selektionsbasis müsste sich wohltuend auf die Schulen auswirken. So könnten sie endlich zu Tempeln der Musse werden, was sie dem ursprüng‑ lichen Wortsinn entsprechend sein sollten. Das Büchlein versteht sich als ein positiver Diskussionsbeitrag zur 700‑Jahr‑Feier der Eidgenossenschaft und schliesst mit einer fröhlichen Vision einer künftigen Schule ohne Noten‑ und Examenstress.
Themenstellung: Auf Grund von Erfahrungen in Ungarn, Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde vermutet, dass durch intensive Beschäftigung mit Musik Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und Ausdrucks-fähigkeit gefördert und die Lebensfreude gesteigert wird und sich dies auf die schulische Motivation und auf die Schulleistungen auswirkt. Um diese Annahmen zu überprüfen, wurden in den Jahren 1988 bis 1991 in der Schweiz an 50 Klassen wöchentlich fünf Lektionen Singen/Musik unterrichtet, dafür aber in drei Hauptfächern je eine Lektion gekürzt. Diese Schulversuche wurden an der Universität Fribourg/Schweiz wissenschaftlich begleitet.
Unsere durch Selektion geprägte Bildungslandschaft beginnt sich langsam zu verändern. So hat etwa der Intelligenz-Quotient als massgebendes Kriterium in den letzten Jahren an Glaubwürdigkeit eingebüsst. An dieser Entwicklung ist auch der amerikanische Forscher Howard Gardner beteiligt, der in den achtziger Jahren in seinem Buch „Frames of Mind" (deutsch „Abschied vom IQ") eine neue Intelligenztheorie vorstellte. Gardner postuliert sieben autonome Bereiche menschlicher Kompetenzen: Neben der linguistischen, der mathematisch-loischen und der räumlichen - diese drei sind im IQ enthalten - nennt er zusätzlich die musikalische, die körperlich-kinästhetische, die intrapersonale und die interpersonale Intelligenz. Der bisherige Intelligenzbegriff wurde damit wesentlich erweitert.
Doch kaum hatten die Bildungsfachleute begonnen, sich mit der Howard'schen Theorie gründlich zu befassen und sie umzusetzen, kam der Bestseller „Emotionale Intelligenz" von Daniel Goleman auf die Öffentlichkeit zu, und plötzlich war - als Alternative zum IQ und als Mittel gegen die Kopflastigkeit unserer Schulen - ein sogenannter „EG" in aller Munde.
Allerdings wussten nur die wenigsten, dass die „Emotionale Intelligenz" eigentlich nichts Neues ist, sondern die Zusammenführung der beiden personalen Intelligenzen nach Gardner. Damit ist in der öffentlichen Diskussion zweierlei falsch gelaufen: Erstens wurde der „EQ" gegen den IQ ausgespielt, was auch aus der Sicht von Goleman völlig unsinnig ist, und zweitens waren die musikalische und die körperlich-kinästhetische Intelligenz - die beide starke emotionale Komponenten aufweisen, aber in der „Emotionalen Intelligenz" glatt vergessen worden waren - zwischen Stuhl und Bank gefallen.
„Die vergessene Intelligenz" möchte diesen offensichtlichen Mangel beheben:
Das Buch geht aus vom Begriff der Intelligenz und seiner Entwicklung, beschreibt die Gardner'schen Intelligenzen und die „Emotionale Intelligenz" und widmet sich dann besonders der musikalischen Intelligenz. Dabei werden die neuronalen Grundlagen des menschlichen Geistes angesprochen und die neuesten einschlägigen Forschungsresultate vorgestellt.
Dieses Buch will Mathematik, Naturwissenschaften und Sprachen keineswegs aus der Schule verbannen und Musik nicht als alleinseligmachendes Fach preisen. Es möchte aber mithelfen, dass die Musik, die Bewegungskünste und die emotionalen (personalen) Intelligenzen endlich im gleichen Masse einbezogen werden in ein Schulsystem, das allen menschlichen Anlagen und Begabungen gerecht wird. Es richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer aller Stufen, an die Verantwortlichen in der Bildungspolitik und an eine Öffentlichkeit, die sich für ein den ganzen Menschen erfassendes Schulwesen interessiert.
Das Buch gliedert sich in 6 Hauptkapitel:
Zunächst stelle ich das Schulwesen als Patient vor, auch und vor allem aus der Sicht der PISA-Studie, die in groben Zügen für die Länder Deutschland, Schweiz, Österreich und Finnland analysiert wird. Ein Konsilium von Persönlichkeiten – die sich in einem kurzen Text selber vorstellen – nimmt mit Kommentaren Stellung zu einem Katalog von möglichen Therapie-Massnahmen.
Im zweiten Kapitel werden fünf meiner Vorschläge näher betrachtet: Es geht um die Selektion (ein Krebsübel des Schulwesens), um Klassen mit gemischten Jahrgängen (statt der reinen Jahrgangsklassen), um ein Erziehungs-Training für Eltern, um die Pflege kultureller Werte und um Musik in der Schule.
Das dritte Kapitel ist dem Modell der multiplen Intelligenzen nach Howard Gardner gewidmet: Diese sieben autonomen Intelligenzen umfassen neben der linguistischen, der mathematisch-logischen und der räumlichen Intelligenz (auf welche die IQ-Intelligenz eingeschränkt ist) auch die körperlich-kinästhetische, die intrapersonale, die interpersonale und die musikalische Intelligenz.
Im vierten Kapitel gehe ich auf die Musik und ihre Bedeutung für den Menschen und seine Entwicklung ein. Die Schulversuche mit erweitertem Musikunterricht in der Schweiz 1988 bis 1991 und die daran anschliessenden in Berlin 1992 bis 1998 werden beschrieben und ihre Aufsehen erregenden Ergebnisse vorgestellt. Weil die beiden Studien die Ursachen für die Wirkungen von Musik nicht benennen, werden Erklärungen zunächst in der Alltags-Erfahrung gesucht: Im Rhythmus, den vielfältigen Beziehungen der Musik zu den Zahlen, der emotionalen Seite der Musik, der gemeinschaftsbildenden Kompente des Singens, Musizierens und Tanzens im Ensemble, dem Training von Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit und des Intellekts beim spielerischen Erwerb und der Anwendung der musikalischen Grundlagen.
Einen gewichtigen Schritt weiter führen die Einblicke in Ergebnisse der neurologischen Forschung an der Musik (die in ihren Anfängen in den Siebzigerjahren noch belächelt wurde, heute aber zu einer wichtigen Disziplin geworden ist). Die daraus sich ergebenden Vermutungen und Hinweise auf die Rolle der Musik bei der Entwicklung der Intelligenz des Menschen führen zurück zu den sieben Gardner’schen Intelligenzen und deren Beziehungen untereinander. Dabei zeigt sich, dass die Musik ganz eindeutig eine zentrale Stellung einnimmt.
Das fünfte Kapitel weist in die allgemeine Pädagogik und die aus den dargestellten Fakten sich ergebenden Konsequenzen für die Lehrerbildung, dem eigentlichen Schlüssel zum Bildungswesen.
Im letzten Kapitel skizziere ich die Grundzüge eines Schulwesens, das die geschilderten Vorschläge umsetzt. Die Musikerziehung hat darin gleiches Gewicht wie die Sprachen, die Mathematik, die Naturwissenschaften und die bildende Kunst. Die Lehrkräfte müssten ein künstlerisches Flair haben, die einzelnen Schulen würden zu kleinen Kulturzentren, und die Eltern würden stärker – auch in die erzieherische Verantwortung – einbezogen.
Illustrationen:
Regula Leupold hat den Auftrag, für den Schutzumschlag eine Schulklasse zu zeichnen, die musizierend den in Schieflage geratenen Turm von Pisa aufzurichten versucht, zu einer herzerfrischenden Bildergeschichte mit sieben Persönlichkeiten verschiedenen Alters und Charakters (und einer mitdenkenden Katze) erweitert. Diese Geschichte – die Zeichnerin beschreibt sie auch mit Worten – begleitet den Text mit einem stillen, augenzwinkernden Kommentar.
Dieses Buch geht davon aus, dass die öffentlichen Schulen nicht mehr über alle Zweifel erhaben sind. Es setzt sich auseinander mit der Intelligenz und dem Gewicht ihrer Komponenten. Dabei ergibt sich beim Vergleich der gegenseitigen Beziehungen unter den sieben Gardner’schen Intelligenzen, dass die musikalische Intelligenz eine zentrale Rolle einnimmt, und dass die Künste der Musik umso näher kommen, je höher sie entwickelt sind.
Diese These erhärtet sich beim Nachdenken darüber, wie die Musik zum Menschen kam und ihn möglicherweise erst zum denkenden und bewussten Wesen machte. Auch die Betrachtungen zum heutigen Gehirn und die erstaunlichen Informationen über die Hirnforschung weisen in die gleiche Richtung. Und seit Jahrtausenden wird in Mythen und Märchen die Kraft der Musik besungen.
Nachdem der Autor derart die Bedeutung der Musik dargelegt hat, kehrt er im letzten Kapitel zurück zur Musikerziehung und zu den Kindern und ihren Eltern. Dort, in den Familien, müsste mit Singen, Musizieren und Tanzen schon im Kleinkinderalter begonnen werden, und im Kindergarten und der Schule müsste ein sorgfältiger und kompetenter Musikunterricht erteilt werden. Dafür braucht es den politischen Willen, die Lehrkräfte auch in diesem Fach gründlich auszubilden und ihren Unterricht zu beaufsichtigen.
Die Frage nach dem Ursprung der Sprache hat die Menschheit seit Jahrtausenden beschäftigt, ohne dass bisher eine einleuchtende Antwort gefunden worden wäre. Die vorliegende Arbeit stellt eine interessante neue Theorie vor, die auch das relativ plötzliche Wachstum des Gehirns beim homo habilis vor zwei Millionen Jahren erklären könnte. Nach dieser Theorie hätten die ersten Individuen der Gattung homo - dank der damals schon mehr als eine Million Jahre zurückreichender Erfahrung mit dem zweibeinigen Laufen - die Synchronisationsfähigkeit entdeckt und entwickelt. Diese Fähigkeit ermöglichte das gemeinsame Singen, Tanzen und Musizieren, und so könnten die ersten Laute, die Bausteine der Sprache, erklungen sein.
Die Sprache hätte sich demnach aus den gleichen Anfängen wie die Musik entwickelt, und ebenso wäre auf dieser Grundlage das Bewusstsein entstanden. Tatsächlich ist die Musik in allen Sprachen in Form der Sprachmelodie, ihres Rhythmus, der Pausen und der Betonungen präsent, und alle Kinder der Welt lernen sprechen mit Hilfe der musikalischen Komponenten der Sprache..
Der erschreckenden Zunahme der Gewalt, die von Jugendlichen ausgeht, stehen die Experten und die Gesellschaft weitgehend ratlos gegenüber. Dabei wurde vergessen, dass vor Jahren in einer grossen Studie aufgezeigt wurde, dass es mit einer guten musikalischen Bildung in den Schulen eine echte, wissenschaftlich nachgewiesene Prävention gibt. Die Ursachen für die Gewalt liegen ja vor allem in der Kindheit, in Frustration und Ausgrenzung, und in mangelnder sprachlicher Integration. Gemeinsames Singen, Musizieren und Tanzen fördert das Gemeinschaftsgefühl und die soziale Toleranz, weil dazu gegenseitige Achtsamkeit unerlässlich ist.
Der gegenwärtige Umbau unseres Bildungssystems bietet die Chance für eine neue, angemessene Bewertung des Schulfaches Musik. Aber es werden – im Bund und den Kantonen – grosse Anstrengungen nötig sein, um die Kompetenzen der Lehrkräfte auf einen befriedigenden Stand zu bringen.
Die Hinführung zum Singen und zur Musik kann nicht früh genug erfolgen. Eine wunderbare Möglichkeit ist das Eltern-Kind-Singen.
Die Broschüre ist im Buchhandel (CHF 7.-) erhältlich, sie kann aber auch über <email-pii> bestellt werden.
Das Buch enthält Beiträge von Heinrich Pestalozzi, der bereits vor fast zweihundert Jahren die Bedeutung der Musik im Umgang mit den Kindern erk ann t hat, von Isabella Steffen -Meister, die zusammen mit ihrer Lehrmeisterin Zita Wyss als eigentliche Pionierin das Eltern-Kind-Singen in der Schweiz entwickelt hat, von Helmut Moog, der sich als erster mit dem Musikerleben des vorschulpflichtigen Kindes befasst hat, von Hanuš Papoušek, dem – zusammen mit seiner Gattin wohl renommiertesten Forscher auf dem Gebiet der frühen Kindheit, der Neurologen Hellmuth Petsche und Lutz Jäncke, von Joachim Bauer, dem Spezialisten für die vor kurzer Zeit entdeckten Spiegelneurone, von Karl Adamek , der sich einen Namen gemacht hat mit seinen Forschungen zum Singen als Lebenshilfe und zum alltäglichen Singen. Es folgen ein Beitrag von Ernst Waldemar Weber über den Ursprung der Sprache und den möglichen Zusammenhang mit dem Ursprung der Musik und schliesslich als Stimmen aus der Praxis Berichte von Margrit Vonaesch über Lektionen in Eltern-Kind-Singen und der Hebamme Kristine Fischer vom Singen mit Schwangeren.
Klappentext:
In den letzten Jahren ist sich die Öffentlichkeit mehr und mehr bewusst geworden, dass die frühe Kindheit für das weitere Leben von entscheidender Bedeutung ist, weil das Kind in den ersten Lebensjahren sehr rasch und sehr viel lernt. Frühförderung ist angesagt, und besorgte Eltern fragen sich, was sie tun müssen, um ihrem Kind den Weg zu ebnen. Der Markt bietet ihnen eine Überfülle von Förderprogrammen und Lernspielzeugen an, und sogar Erziehungsminister schalten sich ein und postulieren Sprachschulungen für Dreijährige.
Doch hier ist äusserste Vorsicht geboten – und eine Einmischung des Staates während der ersten vier Lebensjahre sollte ohnehin gänzlich tabu sein. Natürlicherweise verläuft die Sprachentwicklung über spielerische Eltern-Kind-Interaktionen, und diese intuitive elterliche Früherziehung dürfte auf keinen Fall gestört werden. Im Gegenteil: die Eltern müssten dazu ermuntert werden, den genuinen erzieherischen Kompetenzen, die ihnen als Eltern eines Kleinkindes auf rätselhafte Weise zufliessen, zu vertrauen und sich auf das Spiel mit dem Kind einzulassen. Sie werden dabei eine „positive Gegenseitigkeit“ mit dem Kind erfahren und so dessen integrative und kommunikative Fähigkeiten entwickeln helfen.
Eine wunderbare Möglichkeit dazu ist das Singen mit den Kindern. Es bietet sich auch deshalb an, weil es die musikalischen Komponenten der Sprache sind (Melodie, Rhythmus, Betonungen, Dynamik, Pausen) die es dem Kind erst ermöglichen, die Sprache zu erlernen. Und vielleicht liegt darin der Grund, dass alle Kinder das Singen mit den Eltern so heiss lieben.
Eltern, die glauben, nicht singen zu können oder die keine geeigneten Lieder, Verslein, Kniereiter, Trost- und Schlaflieder kennen, können das alles erlernen im Eltern-Kind-Singen, das in nordischen Ländern schon länger, in der Schweiz seit neun Jahren systematisch gepflegt wird. Eltern-Kind-Singen darf nicht verwechselt werden mit Spielgruppen oder mit kommerziellen Angeboten von Musikkonzernen (die dazu Schnellkurse für „Trainer“ anbieten): Es besteht in sorgfältig vorbereiteten Lektionen von sorgfältig ausgebildeten Leiterinnen mit Live-Musik und eigenem Singen.
Dieses Buch gibt nicht nur Einblicke in das Eltern-Kind-Singen, wie es in der Schweiz mit zunehmendem Erfolg gepflegt wird, es erteilt das Wort auch namhaften Forschern aus der Pädagogik, der Psychologie und den Neurowissenschaften. Und über zwei Jahrhunderte hinweg erweist sich sogar auch Heinrich Pestalozzi als engagierter Befürworter des Eltern-Kind-Singens.
Rezensionen
NZZ
animato
Berner Schule
Stuttgarter Zeitung
Die vergessene Intelligenz
Musikzeitung
Pisa und was nun?
Musikzeitung
Berner Schule
SKMV
Bildung Schweiz
Die Mitte im Kreis der Intelligenzen ist die Musik
Freunde von Hans Kayser
"Schafft die Hauptfächer ab". Intelligenz durch musische Erziehung.
Ernst Waldemar Weber meint mit seinem zunächst als Provokation wirkenden Buchtitel "Schafft die Hauptfächer ab"* keineswegs, dass Rechnen, Sprache und naturwissenschaftliche Fächer nicht mehr unterrichtet werden sollten; er will lediglich die Kunstfächer, darunter besonders die Musik (Singen) und Tanzen den wissenschaftlichen Fächern gegenüber gleichgestellt wissen, auch als Examensfächer. Das wird von ihm überzeugend begründet, nicht zuletzt auf dem statistisch-wissenschaftlichen Hintergrund der zunächst in Ungarn, dann in Österreich, Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und in der Schweiz durchgeführten kontrollierten Schulversuche mit erweitertem Musikunterricht.
Der deutsche Forschungsdienst schrieb schon 1975: "Kinder, die von der ersten Klasse an eine intensive Musikerziehung geniessen, haben bei sonst gleichen Voraussetzungen ihren Altersgenossen bald einiges voraus: Sie sind allgemein schöpferischer, intelligenter und stabiler in ihrer Gefühlswelt." Der Autor hat selber als Lehrer solche Klassen geleitet und ist heute als Koordinator eines entsprechenden gesamtschweizerischen Schulversuchs in einer durch den Nationalfonds unterstützten, wissenschaftlich überprüften Evaluation tätig, dessen Schlussbericht im kommenden Sommer erwartet wird.
In Webers eigenen, sechs Jahre lang durchgeführten Schulversuchen zeigte sich, dass Schüler, die wöchentlich fünf statt zwei Lektionen Singen und Musik, dafür aber je eine Lektion Mathematik, Französisch und Deutsch weniger erhielten, in diesen "Hauptfächern" nicht nur nicht weniger leisteten, sondern im Durchschnitt die Schüler anderer Klassen sogar übertrafen. In dieser Schrift wird versucht, dies überraschende Resultat, das auch die genannten ausländischen Versuche bestätigen, nicht nur gemeinhin mit Schulung der Konzentration, der Gedächtnisstärke und der psychischen Ausgeglichenheit zu erklären, sondern vielmehr auch die physiologischen HIntergründe im Lichte der jüngsten Ergebnisse der Hirnforschung, der Erforschung der vernetzten Denkvorgänge und des Erfassens fraktaler Strukturen, somit des kreativen Denkens, aufzudecken. Die Split-Brain-Forschungen an separierten Hirnhemisphären bei durchschnittenem Balken, durchgeführt an Epilepsiepatienten, haben die unterschiedlichen Funktionen der beiden Hirnhälften klargelegt und gezeigt, dass die linke Hälfte für Sprache und logisch-analytische Verarbeitung von Umwelteindrücken zuständig ist, während die rechte für ganzheitliches Erfassen von komplexen Zusammenhängen, für Formen, Farben und Musik da ist. Beide Bereiche müssten aber für ein optimales Funktionieren gleich gut geschult werden, und immer wieder wird in der Literatur darauf hingewiesen, dass besonders die Musikausübung mit ihrer komplexen Beanspruchung von Kopf, Herz und Hand, um mit Pestalozzi zu reden, in dieser Hinsicht Wunder wirke: egal, ob es sich nun um das Spielen eines Instruments oder um das den ganzen Körper zum Einsatz bringende Singen handelt - es wird immer die ganze Gehirn- und Denkvernetzung in Anspruch genommen.
Auch wenn in Webers engagierter Zusammenfassung der Fakten die einleitenden Hinweise auf kosmisch-mythisch verstandene, harmonikale Gesetze Zweifel an der wissenschaftlichen Beweiskraft aufkommen lassen - die Folgerungen aus den rein wissenschaftlichen Erkenntnissen für eine Schule ohne Selektionsprinzip und Prüfungen, in welcher der Schüler auf Grund von Gesprächen mit den Lehrern selbst über seine Promotion entscheiden soll, überzeugen durchaus durch die unvoreingenommene Logik. Und auch die Hinweise, dass die Wirtschaft sich im mittleren und oberen Kader immer mehr kreativ geschulte Kräfte wünscht, nachdem der Computer die rein logischen Funktionen weitgehend übernommen hat, lassen eine entsprechende Schulreform, die mutig angegangen werden müsste, als höchst wünschbar erscheinen.
Fritz Muggler (Zürich). NZZ vom 16.1.92
*Ernst W. Weber: Schafft die Hauptfächer ab. Zytglogge-Verlag, Bern 1991.
Ernst Waldemar Weber: Schafft die Hauptfächer ab! Plädoyer für eine Schule ohne Stress, Zytglogge, Bern 1991, brochiert, 144 S.
Auf knapp 140 Seiten hat Ernst Waldemar Weber jene Gedanken und Anliegen festgehalten, die ihn, den Berner Primar- und Sekundarlehrer, seit Jahren bewegen und beschäftigen. Das gut lesbare Taschenbuch geht in acht Kapiteln folgenden Themen nach: "Zaubermacht Musik", "Die beiden Gehirne", "Über das Denken", "Schon die alten Griechen", "Das einäugige Bildungssystem", "Gibt es Alternativen?" sowie "Lehrerbildung" und schliesst mit "Fröhliche Vision". Das Spektrum ist sehr breit, Themenmaterial ist im Überfluss vorhanden. Das Buch lebt von vielen Ansätzen zu interessanten, unkonventionellen Gedankengängen. Weber zeigt auf unzählige wunde Punkte unseres schweizerischen Ausbildungssystems, bringt dafür einleuchtende Beispiele, die nicht zuletzt seinem pädagogischen Erfahrungswissen zu verdanken sind. Zur Untermauerung bezieht er sich aufs pythagoräische Gedankengut der harmonikalen Proportionen und, neben anderem, auf die amerikanische "Split-Brain-Forschung". Es ist Webers Verdienst, all diese theoretischen Grundlagen dem Leser eingänglich vorzulegen, allerdings gerät er dadurch auch in die Gefahr der Pseudowissenschaftlichkeit. Würde man die Formanalyse in Anlehnung an die Sonatenhauptsatzform machen, so hiesse das, dass nach abgeschlossener Exposition mit einer Vielzahl von Themen und nach einer nur in Andeutungen naiv-rudimentär gehaltenen Durchführung bald die um eine visionäre Coda verlängerte, ebenso themenreiche Reprise folgt.
Zweifelsohne hat die Musik in der Erziehung einen wichtigen Stellenwert, und man kann mit Erasmus von Rotterdam fest an die Kraft der Musik als Mittel zur moralischen Besserung glauben und verlangen, dass eine musikalische Kunst anzustreben sei, die das Gute der Gesellschaft fördert. Unsere Lehrpläne weisen jeweils in den allgemeinen, idealisierenden Einleitungen auch entsprechend darauf hin, doch die Umsetzung in die Realität gibt diesem Aspekt, wenn überhaupt, nur wenig Gewicht. Und gerade in diesem Punkt kann Webers Forderung, dass "über die Selektion in Zukunft nicht mehr allein formallogische und rein rationale Kriterien entscheiden" dürften, und dass es durchaus "eine Rolle spielen" sollte, "ob jemand gut modellieren, Theater spielen, schön singen und gut tanzen kann", nicht genug Nachdruck gegeben werden.
Esther Zumbrunn. Animato, 92/4:
"Webers Buch vermag auf überzeugende Art und Weise zu belegen, dass die musischen Fächer in unseren Schulen mehr Raum erhalten müssen, damit die ganzheitliche Förderung des Kindes endlich zum Tragen kommen könnte." Berner Schule, 19.9.91
"... bleibt der Eindruck, dass da jemand am Werk ist, der endlich begriffen hat und umsetzt, was wir theoretisch doch längst wissen: welch hanebüchenen pädagogischen Irrweg unsere Schulen seit langem gehen, die ihre Schüler einseitig auf rationale Kenntnisvermittlung und Eignung für die wirtschaftlich orientierte Leistungsgesellschaft trimmen. Gäbe es mehr Pädagogen vom Schlage Webers, die Schule würde vermutlich Schülern wie Lehrern mehr Freude machen, vielleicht sogar soviel wie in Webers letztem utopischen Kapitel, das eine nach seinen Vorstellungen ideale Schule der Zukunft beschreibt." ad Armin Ayren in der Stuttgarter Zeitung vom 13.12.91
Ernst Waldemar Weber: Die vergessene Intelligenz. Die Musik im Kreis der menschlichen Anlagen. Zürich: Musikverlag Pan.
Der unermüdliche Pionier für erweiterten Musikunterricht in der Schule und bessere Rahmenbedingungen für die Musikerziehung in der Schweiz stellt auf diesen 132 Seiten dar, wie sich in den letzten zehn Jahren der Begriff der Intelligenz aufgefächert hat, nachdem Howard Gardner 1985 mit seinem Buch "Frames of Mind" ("Abschied vom IQ") den Stein weltweit ins Rollen gebracht hatte.
Neben den drei im herkömmlichen IQ enthaltenen Intelligenzen für Sprache, Mathematik-Logik und Raumvorstellung bewies Gardner die Existenz einer musikalischen, körperlich-kinästhetischen und sozialen Intelligenz. Doch mit dem nach Daniel Golemans Bestsellertitel "Emotionale Intelligenz" geprägten und heftig diskutierten Begriff "EQ" - eine Zusammenfassung der zwei letzten Gardner'schen Intelligenzen als Gegensatz zum herkömmlichen IQ -, drohte die musikalische und die körperlich-kinästhetische Intelligenz zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Weber stellt diese beiden künstlerlischen Intelligenzen ins rechte Licht, ja er kommt zum Schluss, dass die Musik-Intelligenz im Zentrum steht, weil sie als Einzige zu allen sechs andern Intelligenzen wichtige Beziehungen hat.
Die übersichtlich angeordneten Kapitel enthalten - gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die bis in die neueste Hirnforschung reichen - Darstellungen der sieben Intelligenzen, erläutern die Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Erziehung und - das ist der wertvollste Teil - geben visionäre Vorschläge für eine Schule von morgen mit allen Konsequenzen der Schulenorganisation, Fächeraufteilung, Leistungsbeurteilung, Elternschulung, Lehrerausbildung ... Dies macht Schrift zur Pflichtlektüre für alle Entscheidungsträger/innen des Bildungswesens.
Aber auch für alle Erziehenden ist das Buch empfehlenswert dank der vielen spannenden und anregenden - der Übersichtlichkeit halber kursiv gedruckten - Geschichten und Aussagen des Autors, von Forschern, Dichtern, Musikern, Lehrern und Schülern. Am Schluss des Buches stehen die Quellenangaben als Hilfe und zur Vertiefung in die vielfältig angeschnittenen Themen. Ein begeisterndes Buch.
Walter Amadeus Ammann. (Schweizer Musikzeitung Nr. 4 April 2000, Seite 40.
Schweizer Musikzeitung vom Dezember 2002:
Ernst Waldemar Weber: PISA und was nun? Mit altersgemischten Klassen, weniger, aber betreuten Hausaufgaben, Elternschulung und mit mehr Musik zu einer besseren Bildung. Illustriert von Regula Leupold. Muri: Ceterum censeo 2002. ISBN 3-0344-0166-3.
Mit grosser Hartnäckigkeit verfolgt der Autor das Ziel, mehr und besseren Musikunterricht in die Schulen zu bringen, weil er zusammen mit vielen Forschern und Erziehenden überzeugt ist, dass tägliche musikalische Betätigung in den Schulen Persönlichkeit und Leistung der Kinder und Ju- gendlichen messbar fördert und das Klima in den Klassen entscheidend verbessert. Schon ab 1972 in seiner eigenen Schulklasse, dann 1988 bis 1991 im Rahmen eines Nationalfonds-Projekts hat er das beweisen können (darüber und auch über die Schulversuche mit erweitertem Musikunterricht in Berlin 1992 bis 1998 berichtet er im neuen Buch). Weber war wesentlich beteiligt am Zustandekom- men des Artikels zur Musikerziehung in der neuen Bundesverfassung und setzt sich jetzt ein für ein entsprechendes schweizerisches Rahmengesetz.
Schon in „Die vergessene Intelligenz“ hat der Autor dargestellt, wie die menschliche Intelligenz aufgefächert wird, nämlich in mindestens sieben selbstständige, aber miteinander vernetzte Intelligenzen. Durch diese neue Sicht wird deutlich, über wie viele verschiedenartigste Kanäle erzogen werden muss und welche zentrale Rolle dabei die mit allen andern vernetzte musikalische Intelligenz spielt.
Die für die deutschsprachigen Länder peinliche PISA-Studie über die nicht sehr brillante Lesefähig- keit voll 15-Jährigen nimmt der Autor als Anlass, mit neuen Erkenntnissen, vertieften Argumenten und noch dringenderen Forderungen die Vision einer ganzheitlichen Erziehung und Schulung unserer Kin- der darzustellen, die es nicht nur zustandebrächte, dass unsere Jugend besser lesen könnte, sondern auch in vielen andern Sparten kompetenter würde. Er geht dabei von der PISA-Studie selbst aus, in- dem er deren Ergebnisse bei uns mit denen der gut abschneidenden Länder, v.a. Finnland, vergleicht und untersucht, was von dort übernommen werden könnte.
Neben den Hauptforderungen, wie sie im Untertitel stehen, werden die organisatorische Struktur des Bildungswesens (u. a. auch die kontraproduktive Selektion in den Schulen) und die im Argen liegende Ausbildung der Lehrkräfte diskutiert („Lehrerinnen und Lehrer müssen charismatische Persönlichkeiten werden und ein künstlerisches Flair haben“). Mit vielen überzeugenden Beispielen aus Praxis und Forschung wird dargestellt, wie viel wirkungsvoller dank der neuen Betrachtungsweisen Erziehung vom Säugling bis zum adulten Menschen sein könnte. Dazu einige Beispiele:
„Krippen machen Kinder klug" (so wird die Schulreife vorbereitet, statt wie bei uns abgewartet); „Schule muss endlich positiv erlebt werden, denn sonst werden viele an der unabdingbaren Forde- rung nach Life long learning zerbrechen“; Ein individualisiertes Testsystem mit Eintragungen in ein persönliches Portofolio fördert die Eigenverantwortung der Lernenden. Im Kapitel .Musik im Zentrum. Zeigt Weber auf, wie die Förderung der musikalischen Intelligenz alle andern Intelligenzen weiterbrin- gen kann. So werden Fremdsprachen, bildnerisches Gestalten, Musik, Tanz und Werken fächerüber- greifend unterrichtet.
Die Bewegungs- und Tanzpädagogin Regula Leupold begleitet mit der Geschichte einer fiktiven Schulaufführung – illustriert mit doppelseitigen Zeichnungen – auf einer mehr intuitiven Ebene (ganz im Sinne des Buches: Alle Denksparten ansprechen!) die spannenden und wohlgeordneten Aus- führungen des Autors.
Das Buch verdiente es, unter einer breiten bildungspolitisch, pädagogisch und musikalisch interes- sierten Leserschaft verbreitet und von ihr beherzigt zu werden!
Walter Amadeus Ammann
PISA und was nun? Berner Schule Januar 2003
Ernst Waldemar Weber, PISA und was nun: Mit altersgemischten Klassen, weniger, aber betreuten Hausaufgaben, Elternschulung und mit mehr Musik zu einer besseren Bildung ISBN 3-0344-0166-3. Verlag ceterum censeo, 140 Seiten. Fr. 29.-
Ein Beitrag zur besseren Bildung von Ernst Waldemar Weber, Muri bei Bern
Viele haben sich geäussert zur PISA-Studie, aber wahrscheinlich haben sie nur wenige gelesen. Hier nun werden die wichtigsten Ergebnisse in der Schweiz, in Deutschland und Österreich in knapper Form dargestellt, erläutert und verglichen vor allem mit denjenigen aus Finnland. Und im Gegensatz zur allgemeinen Ratlosigkeit scheut sich der Autor nicht, einen ganzen Katalog von Massnahmen aufzulisten, die zu einer Verbesserung der Situation führen könnten, und eine bernische Lehrerin, eine Philosophin und ein Gymnasial-Rektor aus Wien nehmen dazu Stellung.
Auch wenn einige dieser Vorschläge keine Chance haben, jemals realisiert zu werden, ist es doch gut, wenn sie zur Diskussion gestellt werden. Sollte man z.B. (wie in Finnland) auf die Selektion verzichten, und sollten Eltern verpflichtet werden, sich einem Elterntraining zu unterziehen, zumindest dann, wenn ihre Sprösslinge den Unterricht stören? Auch das alte Postulat aus seinem früheren Buch «Schafft die Hauptfächer ab!", die Jahrgangsklassen durch altersheterogene Gruppen zu ersetzen, nimmt Weber wieder auf.
Vor allem aber will das Buch die Bedeutung der Musik für den Menschen und seine Entwicklung aufzeigen und – als Konsequenz – einen besseren Musikunterricht in den Schulen fordern. Weber erinnert an seine Schulversuche mit erweitertem Musikunterricht, zuerst in den 70er-Jahren an den eigenen Klassen, dann von 1988 bis 1991 in einem Nationalfondsprojekt mit 50 Klassen, und an die Bestätigung der Ergebnisse (vor allem höhere Schulmotivation und bessere Sozialisation) durch die anschliessende Studie in Berlin von 19
Der Boden gehört eigentlich uns allen, aber irgendeinmal in der Vergangenheit wurde er privatisiert (privé = geraubt); Philosophen und Ökonomen haben sich vergeblich gewehrt, und auch Revolutionen konnten daran nichts ändern. In der Schweiz ist der Boden so knapp, dass die Bodenpreise in den letzten 60 Jahren in schwindelnde Höhen geklettert sind, und weil das Angebot begrenzt ist, gibt es keinen echten Markt: Der Boden ist ein Monopol geworden, und er ist immer einseitiger verteilt. In der Hand der Superreichen ist er ein Instrument der Macht.
Das birgt Gefahren für die Demokratie, und deshalb gab es von 1943 bis 1987 in der Schweiz eine ganze Reihe von Vorstössen, auch von bürgerlicher Seite, für eine bessere Bodenpolitik. Leider scheiterten sie alle, und seit 20 Jahren ist das Thema politisch tabu. Aber während die Bewältigung der Finanzkrise nur im weltweiten Konsens möglich ist, könnten wir das Bodenproblem – einen wichtigen Teil der Krise – in der Schweiz autonom angehen.
Diese Schrift stellt zur Diskussion, ob der Boden überhaupt privates Eigentum sein dürfe, und ob die Eigentümer einen Zins, eine Grundrente für die Nutzung des Bodens einfordern und so riesige Beträge – welche letztlich über die Preise von allen bezahlt werden – ohne Arbeitsleistung einheimsen dürfen. Wie wäre es, wenn der Boden den Gemeinden gehörte und den Nutzern gegen eine Bodenrente – die dann allen zugute käme – geliehen würde? Und wie könnte allenfalls der Übergang von privatem auf gemeinschaftliches Eigentum ohne Revolution vor sich gehen, das heisst bei fairer Entschädigung der bisherigen Eigentümer?
Das Büchlein leuchtet in die Geschichte der Landnahme, listet Gegenmodelle auf, bespricht die vergeblichen Vorstösse, stellt Lösungsmöglichkeiten zur Diskussion und ruft vor allem die Grünen dazu auf, das Problem sorgfältig und langfristig anzugehen. Die AG Wirtschaft der Grünen Bern sucht Interessierte für eine Arbeitsgruppe Boden. Koordination: <email-pii>.
ISBN 978-3-033-02563-9 66 Seiten Fr. 12.70, Porto 1.30