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Zwergziegen
Zwergziegen sind klein, charmant, anhänglich, aber eigenwillig und bis ins hohe Alter verspielt. Da sie zudem pflegeleicht und recht anspruchslos sind, amtieren sie als beliebte Therapietiere und fungieren in Zoos als Anziehungspunkte. Sie bieten dem Menschen sehr viel und dennoch fehlt es oft an Kenntnis über deren Bedürfnisse.
Die Herkunft
Ursprungsland der Zwergziege ist überwiegend Afrika, dort wurde sie jeweils nach jenem Staat benannt, in welchem sie lebte. Allgemein bekannt sind Kamerun und Nigeria. Eine weibliche gesunde Zwergziege ist im Widerrist 37 bis 45 cm gross, der Bock 38 bis 48 cm gross. Sie ist zwar leicht gedrungen, aber gut proportioniert. Durch die französischen Kolonisten bekam sie den Namen Djallonke. Via Schiff kam sie, gedacht als Raubtierfutter während der Überfahrt, nach Amerika und Europa. Ihr friedsames Gemüt bewog die Kolonisten, um mehr Ertrag zu gewährleisten, sie mit Ziegen zu kreuzen. Mischlinge und Zwergziegen mit Knorpelschäden entstanden. Ursprüngliche Zwergziegen verschwanden langsam, heute sind sie vom Aussterben bedroht. Von 100 % Zwergziegen sind lediglich noch 8 % reine Zwergziegen. Nur noch 200 Tiere zählt gar die japanische Shiba. In Europa ist sie unter dem Sammelbegriff Westafrikanische bzw. Kamerun-Zwergziege bekannt. Pygmy werden sie in den USA genannt.
Die Fütterung
Es braucht nicht viel, um ihre Bedürfnisse zu stillen: gut strukturreiches Heu, Gerstenstroh, eine Naturwiese, Gebüsch und Gehölz sowie ein artenspezifisches Mineralsalz und einen Natursalzleckstein. Von der Forschungsstation Castiel (Kanton Graubünden) wurde, speziell für Zwergziegen, das Mineralsalz Sanolan Z der Fa. Zehentmayer aus Berg (Kanton St. Gallen) mitentwickelt. Zwergziegen gehören zu den Wiederkäuern. Man füttert nicht eigentlich die Zwergziege, sondern die Milliarden im Pansen lebenden Mikroorganismen, auch Pansentierchen genannt, welche ihrerseits die Zwergziege mit allem Lebensnotwendigen versorgen, indem sie sich schlussendlich selbst als proteinreiche Nahrung zur Verfügung stellen. Zu 60 % ist eine Zwergziege eine Gehölzfresserin. Sie benötigt nicht nur Naturwiese, im Winter und bei schlechtem Wetter gut strukturiertes Heu, sondern auch Laub und Äste von Obstbäumen, wie Eschen, Haselnuss, Birken, Eichen und Weissbuchen. Besonders gern frisst sie auch Geranien, Brombeer-, Hagebutten- und Rosengebüsch, was ihr ungespritzt sehr gut bekommt. Im Winter eignen sich Weiss- und Rottannen, Fichten und Föhren, auch ein ungespritzter Weihnachtsbaum ist für sie eine willkommene Gabe. Als spezielle Leckereien eignen sich Karotten, Früchte und ab und an ein paar Haselnüsse; diese sollten jedoch nicht täglich verfüttert werden. Werden sie damit zu sehr verwöhnt, kommt es schnell einmal zu lästigem Betteln, was bedeutet, dass sie als schreiende Zeitgenossen Anlass zu begründeten Beschwerden geben.
Es dürfen sich keine Getreidesorten (dazu gehört Brot) auf ihrem Speiseplan befinden; diese schädigen die Pansenflora und -fauna. Gar giftig sind Salate, Kartoffeln und Kohl-Gemüse, meistens entstehen dadurch chronische Vergiftungen, welche Schmerzen verursachen und letztendlich zum Tod führen.
Eine abwechslungsreiche Umgebung
Da Zwergziegen bis ins hohe Alter verspielt bleiben, ist eine dafür geeignete Umgebung sicherzustellen. Besitzt man ein grösseres Gebiet mit Hang, evtl.
etwas Wald, können sich die Tiere ausreichend selbst beschäftigen. Auf flachen Wiesen jedoch sollte man ihnen Spielmöglichkeiten errichten. Dazu eignen sich Baumstämme, Baumwurzeln, Steine, ein Klettergerüst, Rohre mit ca. 40 cm Durchmesser, ja sogar eine Rutschbahn lieben und nutzen sie. Es ist ein besonderes Vergnügen, ihnen beim Spielen zuzusehen.
Die Behausung sollte nicht minder abwechslungsreich eingerichtet werden. Tablare auf verschiedenen Höhen und an diversen Orten Futterraufen. Dadurch haben sie auch im Winter die Möglichkeit, ihrem Spieldrang nachzugehen, aber vor allem können sie die Rangordnung einhalten. Um das Gehege zwergziegensicher zu bauen, verwendet man Maschendrahtzaun, den man unterhalb mittels starkem Draht und Halterungen im Meterabstand ausbruchsicher gestaltet. Eine Stromlitze 25 cm ab Boden und oberhalb des Zauns hilft, die Zwergziegen vor Eindringlingen zu schützen.
Kastraten oder Weibchen
Für ein harmonisches Zusammenleben ist die richtige Herdenkonstellation ein wichtiger Faktor. Wer nicht züchten will, sollte keine weiblichen Tiere anschaffen. Diese sind hormonell so konzipiert, dass sie Kitze haben müssen. Wird ihnen dies verweigert, werden sie früher oder später krank (Hormonstörungen bis hin zum Krebs). Um eine harmonische Herde zu erlangen, sind fünf bis zehn weibliche Tiere nötig, ein Bock bringt die notwendige Vollendung in eine Herde. Bei artgerechter Fütterung bringen Zwergziegen einmal pro Jahr Junge zur Welt und ziehen sie zusammen mit dem Bock gross. Ein Herdenbock muss gewisse Voraussetzungen erfüllen, um ein guter Partner und Vater zu sein. Nicht zu jung sollte er sein, es sei denn, die gesamte Herde wird jung eingekauft.
Nicht jeder Bock eignet sich auch als Deckbock; von zehn Jungböcken werden höchstens zwei gute Herdenführer. Einen Bock legt man sich mit Bedacht zu, er muss ein ruhiges, aber bestimmtes Wesen aufweisen, darf nicht ständig jagen oder den Kamm stellen. Er darf nicht andauernd geruchsintensiv sein, sondern nur, wenn Weibchen brünstig werden oder ein Nebenbuhler in der Nähe ist. Am besten, man beobachtet den Bock bereits im Ursprungsbetrieb, wie er mit Weibchen und seinesgleichen umgeht. Trotz alldem kommt es vor, dass sich ein Bock als ungeeignet herausstellt. Zum Beispiel, wenn er anstelle von Ruhe Unruhe in die Herde bringt.
Zu adulten Weibchen darf kein Jungbock gestellt werden; er kann sich unweigerlich nicht zu einem guten Bock entwickeln, wenn er sich zu Beginn ständig behaupten muss. Geht es nicht anders, so legt man sich mindestens zwei bis drei Jungböcke zu und entscheidet sich, sobald die Böcke alt genug sind, für den Richtigen. Die andern zwei können als Kastraten verkauft werden.
Wünscht man keine Kitze, bleiben Kastraten zur Wahl. Sie sind ruhiger, anhänglicher, robuster und pflegeleichter. Sie brauchen nicht so viel Platz wie ihre weiblichen Artgenossen und können auch zu zweit gehalten werden. Entschliesst man sich für Kastraten, ist auf Folgendes zu achten: Die beste Jahreszeit für den Beginn mit ihnen ist der Winter. Als Anfänger sollte man sich Junge unkastrierte Böcke ab dem dritten Altersmonat zulegen und diese dann unmittelbar nach der Pubertät kastrieren lassen. Bei der Durchführung der Kastration ist darauf zu achten, dass stets die schonendste Methode gewählt wird, die unter Schmerzausschaltung von einem erfahrenen Fachmann durchgeführt werden kann.
Während der ersten zwei Jahre sollte man einen Zwergziegenbock nicht in unmittelbarer Nähe der Hornanlage kraulen. Dies empfindet er als Zeichen der Unterwerfung und wird sich künftig als Chef aufspielen. Kinder sollten einen Bock, auch wenn er noch so klein ist, niemals zum Kämpfen auffordern, indem sie ihm die Faust an die Stirn halten. Es mag zwar lustig sein, solange der Bock noch klein ist, doch wird es mit dem Heranwachsen des Bockes gefährlich. Er wird denjenigen, welcher ihn zu Kampf fordert, als seinesgleichen und nicht als Mensch betrachten und immer wieder versuchen, ihn zu unterwerfen, indem er seinerseits zum Kampf fordert.
Der Handel mit der Zwergziege – Wissen hilft
Seit einigen Jahren boomt der Zwergziegenhandel, leider zum Nachteil der Zwergziege. Denn viele Halter kaufen nach dem Jööö-Prinzip, ohne die wirklichen Bedürfnisse der Tiere zu kennen. Übrigens: Tiere der Grösse 30 bis 35 cm werden als Mini-Zwergziegen angepriesen, sind aber nichts anderes als Kümmerer; Tiere über 50 cm werden als Kamerun-Zwergziegen verkauft, sind jedoch Mischlinge bzw. Verzwergungen, sprich eine Kreuzung aus Ziegen und Zwergziegen.
Gut zu Wissen
Das Fachforum der Forschungsstation Castiel mit diversen ehrenamtlichen Fachleuten hilft bei allen Fragen zum Thema Zwergziegen: www.ziegen-zwergziegen.ch.
Jede Spende ist willkommen, sie dient der Mitfinanzierung der Infrastruktur und der Betreuung von Ziegenartigen in Not.
Kontoinhaber: M. Schweizer – Marianne Brunner, Arosastrasse 68, 7027 Castiel
IBAN: CH5509000000700380381
Vermerk: Spende