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Studie zu Offsetgeschäften: Höhere Forschungsintensität, höheres Exportvolumen und höhere Exportdynamik
Bern, 21.11.2022 - Firmen, die bei Offsetgeschäften von Rüstungsbeschaffungen zum Zug kommen, weisen eine höhere Forschungsintensität, ein höheres Exportvolumen und eine höhere Exportdynamik als die jeweils relevanten Vergleichsbranchen auf. Dies zeigt eine unabhängige Studie von BAK Economics. Von 2018 bis 2021 flossen dank diesen Geschäften rund 1 Milliarde Franken der Schweizer Industrie zu. Die Studie zeigt zudem auf, mit welchen Daten die Zielerreichung von Offset gemessen und in ein periodisches Monitoring überführt werden kann. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse baut armasuisse die Digitalisierung ihrer Arbeitsinstrumente weiter aus und passt ihre Prozesse an.
Bei Rüstungsgeschäften im Ausland müssen die Hersteller einen Teil oder das gesamte Auftragsvolumen mit Aufträgen an Schweizer Unternehmen kompensieren. Um die Effektivität dieser Offsetgeschäfte zu überprüfen, hat armasuisse beim Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics eine Wirkungsanalyse in Auftrag geben. Mit der Analyse wurde geprüft, anhand welcher Daten die ökonomischen Wirkungen von Offsetgeschäften gemessen werden können und ob es Indizien für das Erreichen der Offset-Ziele gibt. Die Analyse umfasst drei Module: eine Datenanalyse der von Offset begünstigten Unternehmen, eine Unternehmensbefragung bei diesen Unternehmen sowie eine Technologieanalyse der Schweizer Industrie.
Höhere Forschungsintensität, Exportvolumen und Exportdynamik
Gemäss der Datenanalyse gab es in der Untersuchungsperiode 2018 bis 2021 insgesamt 616 Offsetgeschäfte, bei welchen 194 Schweizer Unternehmen beteiligt waren. Das gesamte Auftragsvolumen belief sich auf rund 1 Milliarde Schweizer Franken. Etwa 8 Prozent des Auftragsvolumens kann direkten Offsetgeschäften zugeordnet werden, bei denen die wirtschaftliche Leistung des begünstigten Schweizer Unternehmens direkt in das beschaffte Rüstungsgut mit einfloss. Beim Grossteil (92%) des Offsetvolumens handelte es sich um indirekte Offsetgeschäfte unter anderem in Form von Industrie- und Forschungsaufträgen, Technologie- und Knowhow-Transfers sowie Marketingunterstützung.
Die Analyse der einzelnen Unternehmen zeigt, dass jene Firmen, welche bei Offsetgeschäften zum Zug kommen, eine höhere Forschungsintensität, ein höheres Exportvolumen und eine höhere Exportdynamik als die Vergleichsbranchen aufweisen. Eine Aussage, ob dieses Ergebnis kausal auf die Offset-Politik (oder andere Faktoren) zurückzuführen ist, ist ohne die Verfügbarkeit zusätzlicher Datenpunkte nicht möglich. Aus ökonomischer Sicht würde man weiter erwarten, dass mit der höheren Forschungs- und Exportaktivität auch ein höheres Produktivitätsniveau und/oder -wachstum verbunden ist, wofür jedoch keine konsistenten Belege gefunden werden konnten.
Unternehmen erachten Offsets als wichtig
Gemäss der Unternehmensbefragung, dem zweiten Modul der Studie, schätzen die Unternehmen die Relevanz von Offsetgeschäften tendenziell umso höher ein, je stärker sie auf solche Geschäfte ausgerichtet sind (Anteil am Umsatz). Zudem kommt der positive Nutzen der Offsetgeschäfte bei KMUs tendenziell stärker zum Ausdruck als bei Grossunternehmen. Im Einzelnen bewertet fast jedes dritte der befragten Unternehmen Offsetgeschäfte als wichtig oder eher wichtig betreffend Zugang zu sicherheitsrelevanten Schlüsseltechnologien, Knowhow-Gewinn in diesen Technologien, Stärkung der Exportfähigkeit und damit insgesamt ihrer Wettbewerbsfähigkeit. So gaben die befragten Unternehmen beispielsweise an, durch Offset rund 7% zusätzliche Exporte zu erzielen (KMU 8.5%; Grossunternehmen 2.5%). Bei der Unternehmensbefragung haben 95 der insgesamt 194 von Offset begünstigten Unternehmen teilgenommen.
Schweizer Industrie in sicherheitsrelevanter Technologie gut positioniert
Die Analyse der Forschungsperformance im Bereich der sicherheitsrelevanten Technologiefelder, das dritte Modul der Studie, kommt zum Ergebnis, dass die Schweizer Industrie im globalen Technologiewettstreit gut positioniert ist. Die auf Basis von Patentdaten durchgeführte Analyse bescheinigt, dass die Schweizer Industrie den Fokus auf die Spitzenforschung legt, denn der Anteil an Top-Patenten fällt in allen Technologiefeldern deutlich überdurchschnittlich aus. Fast jedes vierte von Schweizer Forschern entwickelte Patent (23%) gehört zu den sogenannten Weltklassepatenten. Damit liegt die Schweiz in Bezug auf die Forschungseffektivität auf Rang 1. Der Anteil an der Gesamtzahl global aktiver Patente liegt in den sicherheitsrelevanten Technologiefeldern bei 0.4 Prozent, bei den Weltklassepatenten bei 1.0 Prozent. Das bedeutet, dass bei der Entwicklung jedes hundertsten aktiven Weltklassepatents Schweizer Forscher am Werk waren.
Die Auswertung der Daten für die Gruppe der Unternehmen mit Beteiligung an Offset-Geschäften zeigt, dass die Patentdynamik dieser Firmen im Durchschnitt der STIB liegt. Die durchschnittliche Zunahme des Patentbestands in sicherheitsrelevanten Technologien beträgt bei Unternehmen mit Offset-Beteiligung zwischen 2017 und 2021 kumuliert 23 Prozent (STIB:24%). Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass der Innovationseffekt bei KMU häufig weniger in Form von patentiertem Wissen in Erscheinung tritt.
Digitalisierung zur besseren Qualität des Controllings
Die Studie von BAK Economics enthält auch Vorschläge, unter welchen Voraussetzungen künftig umfassendere Evaluationen des Instruments Offsets möglich wären und in ein periodisches Monitoring überführt werden können. Die Optimierung des Datenerhebungsprozesses sowie die Erhebung zusätzlicher Daten bei den von Offsetgeschäften begünstigten Unternehmen stehen diesbezüglich an vorderster Stelle.
armasuisse schafft mit dem 2021 gestarteten IT-Projekt «Digitalisierung Offset-Reporting» eine webbasierte Plattform für die Meldung, die Kontrolle und die statistische Erfassung und Auswertung von Offsetgeschäften. Durch automatisierte Prozesse werden die Qualität des Offset-Controllings verbessert und der diesbezügliche Aufwand reduziert. Zudem wurde das strategische Controlling als Grundlage für ein periodisches Monitoring in der aktuellen Version der Offset-Policy aufgenommen.
Adresse für Rückfragen
Jacqueline Stampfli
Stv. Leiterin Kommunikation armasuisse
+41 58 464 60 42
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