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Forschung
Hormonersatztherapie: Studie bestätigt Assoziation mit Brustkrebs
Die Analyse von 58 internationalen Studien zeigte bei über 100.000 Frauen mit Brustkrebs, dass eine fünfjährige Hormonersatztherapie die Wahrscheinlichkeit zu erkranken um bis zu einen zusätzlichen Fall pro 50 Anwenderinnen erhöht.1
Viele Frauen verwenden eine Hormonersatztherapie zu Beginn der Menopause, da häufig starke Hitzewallungen und Unwohlsein auftreten, die durch die nachlassende Funktion der Eierstöcke und damit fallenden Östrogen- und Progesteronspiegel bedingt sind. Obwohl sowohl EMA als auch FDA empfehlen, Hormonersatz nur für die kürzestmögliche Dauer anzuwenden, empfehlen einige Leitlinien ein weniger restriktives Verschreibungsverhalten.
Der grosse Boom der Hormonersatztherapien ist jedenfalls vorbei: Während in westlichen Ländern in den 90er-Jahren sehr viele Hormonpräparate verschrieben wurden, halbierte sich ihr Gebrauch während der frühen 2000er-Jahre. Seit ca. 2010 ist er stabil. Derzeit wenden ca. zwölf Millionen Frauen in westlichen Ländern Hormonersatztherapien an; etwa sechs Millionen in Nordamerika, die restlichen sechs Millionen in Europa – wobei eine Million alleine aus Grossbritannien kommt. Heute erhalten die meisten Frauen zudem eher eine Kurzzeit-Therapie, wobei einige Frauen über fünf Jahre hinweg behandelt werden. Die früher übliche Anwendungsdauer von zehn Jahren erreichen die meisten nicht mehr.
Die Evidenz für eine Assoziation der Hormonersatztherapie mit Brustkrebs war bereits durch frühere Studien gegeben, es gab jedoch noch kaum Informationen über die Effekte unterschiedlicher Arten der Hormonersatztherapie oder über Langzeit-Risiken, nachdem die Therapie bereits beendet wurde. Die neue Studie klärt genau über diese Punkte auf. In einem Kommentar fasste Mitautorin Prof. Gillian Reeves von der Universität Oxford, Grossbritannien, die Daten folgendermassen zusammen: «Die Anwendung von Ersatztherapien über zehn Jahre führt zu einer etwa zweifachen Erhöhung des Zusatzrisikos für Brustkrebs, das mit einer fünfjährigen Anwendung verbunden wird. Es scheint jedoch wenig Risiko von einer weniger als ein Jahr andauernden Hormonersatztherapie zu geben oder von der topischen Verwendung von vaginalen Östrogenen, die lokal als Cremes oder Zäpfchen angewandt werden und deren Wirkung nicht auf einer Anwesenheit im Blut beruht.»
Bis zu zwei zusätzliche Brustkrebs-Fälle bei hundert Anwenderinnen
In der aktuellen Studie sammelte die internationale Forschergruppe alle verfügbaren prospektiven Studien zwischen 1992 und 2018, die die Anwendung von Hormonersatztherapien erfasst und die Brustkrebs-Inzidenz untersucht hatten, und analysierten sie erneut. Von allen Teilnehmerinnen entwickelten 108.647 Frauen nach vorangegangener Hormonersatztherapie ein Mammakarzinom, ihr Durchschnittsalter bei der Krebsdiagnose betrug dabei 65 Jahre.
Unter den Frauen aus den prospektiven Studien, die Brustkrebs entwickelt hatten, hatte die Hälfte irgendwann eine Hormonersatztherapie angewandt; im Durchschnitt traten sie mit 50 Jahren in die Menopause ein, das Durchschnittsalter bei Beginn der Hormonersatztherapie war ebenfalls 50 Jahre. Bei jenen Frauen, die während der Studien noch eine Hormonersatztherapie anwendeten, betrug die durchschnittliche Anwendungsdauer von Hormonen zehn Jahre, bei ehemaligen Anwenderinnen waren es sieben Jahre.
Für normalgewichtige Frauen aus westlichen Ländern, die nie Hormonersatztherapie angewandt hatten, lag das durchschnittliche Risiko, innerhalb der 20 Jahre vom 51. bis zum Ende des 70. Lebensjahres zu entwickeln, bei ungefähr 6,3 von 100.
Durch die Studiendaten berechneten die Autoren, dass eine fünf Jahre dauernde Anwendung der drei wichtigsten Arten der Hormonersatztherapie das Risiko von Frauen, zwischen dem 51. und dem Ende des 70. Lebensjahres an Brustkrebs zu erkranken (das 20-Jahres-Risiko wurde dabei so berechnet, dass sowohl die 5 Jahre der Hormonersatztherapie als auch die 15 Jahre, nachdem diese bereits abgesetzt worden waren, mit eingingen), sich erhöhte auf:
- 8,3 pro 100 Anwenderinnen von Östrogen plus Progestin – ein absoluter Anstieg von 2 pro 100 Anwenderinnen (eine von 50 Anwenderinnen);
- 7,7 pro 100 Anwenderinnen von Östrogen plus intermittierendem Progestin – ein absoluter Anstieg von 1,4 pro 100 Anwenderinnen (eine von 70 Anwenderinnen);
- 6,8 pro 100 Anwenderinnen von alleinigen Östrogenpräparaten – ein absoluter Anstieg von 0,5 pro 100 Anwenderinnen (eine von 200 Anwenderinnen);
Die Anstiege des Brustkrebsrisikos waren zweimal so gross für Frauen, die Hormonersatztherapie für zehn anstatt von fünf Jahren verwendeten. Für topische vaginale Östrogene war das Risiko sehr gering (RR 1,09; 95%-KI: 0,97–1,23; p=0,15).
Insgesamt war die Anwendung von Hormonersatztherapie wenig überraschend stärker mit Östrogenrezeptor-positivem (ER+) als mit anderen Arten von Brustkrebs verbunden. Da die Menopause üblicherweise bei Frauen in den 40ern oder 50ern stattfindet, stammte der grösste Teil der Ergebnisse von Frauen, die sowohl während dieser Zeit in die Menopause eintraten als auch die Hormonersatztherapie begannen. Die Anstiege des Risikos waren dabei unabhängig davon, ob Frauen ihre Hormonersatztherapie zwischen 40 und 44, 45 und 49, 50 und 54, oder 55 und 59 begannen. Lediglich bei Frauen, die die Hormonersatztherapie nach dem Alter von 60 Jahren, schien das Risiko etwas niedriger zu sein. Ausserdem schien bei Übergewichtigen das Zusatzrisiko durch Hormonersatztherapie zu sinken – vor allem bei rein östrogenbasierten Hormonersatztherapien, die bei übergewichtigen Frauen weniger wirksam waren.
Die Ergebnisse erwiesen sich als robust gegenüber Variationen der Analysemethode und wurden nicht durch andere Faktoren, wie eine Familiengeschichte mit Brustkrebs, oder ein anderes medizinisches Charakteristikum, abgesehen vom Übergewicht, beeinflusst.
Kein Grund zur Panik
Assoz.-Prof. PD Dr. Rupert Bartsch, stv. Leiter der klinischen Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien, ist von den Ergebnissen der Studie nicht überrascht. Die Assoziation von Hormonersatztherapien mit Brustkrebs sei seit den Nuller-Jahren bekannt – aussagekräftig bei dieser Studie sei jedoch die grosse Zahl der untersuchten Fälle. In einem Kommentar gegenüber der APA riet er betroffenen Patientinnen dazu, eine etwaige Therapie noch einmal mit dem Gynäkologen durchzusprechen und diese möglichst kurz zu halten. Frauen, die bereits in der Vergangenheit Ersatztherapien durchlaufen haben, sollten aber «keinesfalls panisch werden, sondern einfach weiter zum Screening gehen».2
Referenzen
1 Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer. Type and timing of menopausal hormone therapy and breast cancer risk: individual participant meta-analysis of the worldwide epidemiological evidence. Lancet. 2019 Aug 29. pii: S0140-6736(19)31709-X. doi: 10.1016/S0140-6736(19)31709-X.
2 APAMED vom 30.08.2019
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