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China löst Japan bald als Forschungssupermacht ab16. Dezember 2010 um 09:16
China ist kurz davor, bei Forschung und Entwicklung (R&D) Japan nach den USA den zweiten Platz streitig zu machen.
China ist kurz davor, bei Forschung und Entwicklung (R&D) Japan nach den USA den zweiten Platz streitig zu machen. Das geht aus Zahlen des Battelle Memorial Institute hervor, das gerade erst eine Liste der zurückliegenden und zu erwartenden R&D-Gelder führender Länder veröffentlicht hat. Demnach werden die Forschungsmittel im Reich der Mitte 2011 voraussichtlich von 141,1 auf 153,7 Milliarden Dollar steigen, die Japans dagegen "nur" von 142 auf 144 Milliarden Dollar. In den USA sollen die R&D-Ausgaben mit 400 Milliarden Dollar im kommenden Jahr jeweils fast dreimal so hoch sein.
Wie Martin Grueber, Autor der Studie, im 'Wall Street Journal' zitiert wird, hat China in den zurückliegenden Jahren bei R&D das hohe Schritttempo stets behalten, und das unabhängig von der Wirtschaftsentwicklung, während viele Länder der ersten Welt im Krisenjahr 2009 ihre Forschungsmittel zum Teil kräftigt eingedampft hatten. Im Zuge der Erholung der Weltwirtschaft geht das 1929 aus einer Stiftung des Industriellen Gordon Battelle gegründeten US-Instituts für Vertragsforschung davon aus, dass 2010 die globalen R&D-Ausgaben um 3,6 Prozent auf 1,2 Billionen Dollar in die Höhe klettern werden. In den USA ist die Entwicklung der R&D-Ausgaben in jüngster Zeit etwas komplexer. Während Intel, Cisco, Microsoft, IBM und viele andere grosse Unternehmen unter dem Eindruck der Wirtschafts- und Finanzkrise in den ersten neun Monaten des Vorjahres ihre Mittel stark gekürzt haben, um sie 2010 wieder kräftig aufzustocken, wird das Wachstum von der öffentlichen Hand ausgebremst. Allein Intel hat in den ersten drei Quartalen 2010 knapp über 4,9 Milliarden Dollar für R&D aufgewendet, gefolgt von Cisco mit 4,23 Milliarden Dollar. Zahlen von HP lagen Battelle zum Zeitpunkt der Studie noch nicht vor, im Gesamtjahr 2008 waren es 3,18 Milliarden Dollar, 2009 rund 2,77 Milliarden Dollar. Dass die Ausgaben nach 2009 nicht zwingend gestiegen sind, zeigt EMC. Mit knapp 1,4 Milliarden Dollar hat der Storage-Riese in den ersten neun Monaten 2010 weniger als die Hälfte für R&D aufgewendet wie im Gesamtjahr 2009 (2,83 Mrd. Dollar).
Insgesamt werden die US-Forschungsausgaben 2010 um 3,2 Prozent auf 395,8 Milliarden Dollar steigen, 2011 soll die Zuwachsrate nur noch bei 2,4 Prozent liegen. Grueber zufolge könnten die Zuwachsraten bei den R&D-Ausgaben der US-Unternehmen mit 5 bis 7 Prozent in diesem und 3,3 Prozent im kommenden Jahr deutlich höher ausfallen als die staatlicher Institutionen.
Douglas A. McIntyre, ehemaliger Herausgeber des 'Financial World Magazine', stellt in einem Blog zu dem schnellen Aufstieg Chinas die Frage, welches Land klüger, wörtlich smarter, sei. China stecke einen Grossteil der Forschungsmittel in fortschrittliche, alternative Energien. In einem Land wie den USA mit reichlich Kohle und hydro-elektrischen Reserven (Wasserkraft) sei dies vielleicht nicht so wichtig. Amerika erwäge sogar einen Ausbau der Nutzung von Atomenergie und schiele dabei auf Frankreich, wo der überwiegende Teil des Strombedarfs so gedeckt wird. Andererseits mangele es China immer noch an geistigem Eigentum und Patenten. Das Milliardenreich sei immer noch darauf angewiesen, komplexere Produkte einzuführen, und es gebe auch wenige Zeichen, dass es aus eigener Kraft Software oder biopharmazeutische Produkte hervorbringen könne. Chinas Ziel sei es, sich von der technologischen Abhängigkeit von Amerika, Europa und Japan zu befreien. Aber das brauche Jahrzehnte. Solange fusse das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik weitgehend auf dem Export von Fertigerzeugnissen. Und das stelle ein grosses Problem dar, weil das Riesenreich als Werkbank der Welt auf Roherzeugnisse zum Füttern der eigenen Fabriken angewiesen sei und somit immer Geissel der Inflation bleibe. Amerikanische R&D bringe dagegen Produkte hervor, denen die Inflation wenig anhaben kann. Die Entwicklung und Herstellung von Software seien viel weniger von aussen beeinflusst. Gleiches gelte auch für komplexe Medikamente.
Der US-Anteil an den weltweiten R&D-Ausgaben ist den Battelle-Zahlen zufolge leicht im Schrumpfen begriffen: von 34,7 Prozent 2009 auf schätzungsweise 34,0 Prozent 2011. Ähnlich auch der Rückgang des europäischen Stücks vom grossen Kuchen: von 24,1 auf 23,2 Prozent. Der asiatische Anteil an den weltweiten Forschungsmitteln soll dagegen von 33,6 auf 35,3 Prozent steigen, der chinesische von 11,2 auf 12,9 Prozent, der indische von 2,5 auf 3,0 Prozent.
Legt man den Anteil der R&D-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zugrunde, tut sich in Europa mit 1,7 Prozent nichts, während es in den USA konstant 2,7 Prozent sind. Den grössten R&D-Anteil gemessen am BIP haben Israel mit 4,3 Prozent, Schweden mit 3,3 Prozent, Finnland mit 3,1 Prozent und Südkorea mit 3,0 Prozent. Interessant, in wie vielen Ländern der Anteil um die 2,3 Prozent pendelt, darunter in der Schweiz, in Deutschland, in Singapur, Taiwan, Dänemark und Island. Österreich rangiert mit 2,5 Prozent vom BIP leicht darüber. Mehr in Forschung und Entwicklung stecken könnten Australien, Grossbritannien, Frankreich und Kanada, denn da sind die R&D-Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt mit 1,7 bis 1,8 Prozent überraschend gering. Ebenso in Norwegen, Belgien und den Niederlanden mit Werten um 1,6 Prozent, denkt man nur an so grosse innovative Unternehmen wie Nokia oder Philips.
Battelle-Analyst Grueber hat sich auch die Mühe gemacht zu untersuchen, wie viele Kooperationen es zwischen den USA und anderen Ländern bei der gemeinsamen Entwicklung von Elektronikprodukten und Computer-Hardware es 2009 gab. Da lag Grossbritannien mit 97 gemeinsamen Veröffentlichungen ganz weit vorn, gefolgt von China mit 68, Deutschland mit 56 und Korea mit 50. Singapur und Taiwan sehen sich mit jeweils 17 gemeinsamen Veröffentlichungen ebenso abgeschlagen wie Brasilien und die Schweiz mit jeweils 15. Interessant ist übrigens, dass der Studie zufolge der Basler Pharmariese Novartis so wie andere (Eli Lilly, Sanofi-Aventis, Merck und Pfizer) einen Teil ihrer Forschung und Entwicklung nach China verlagert haben. (Klaus Hauptfleisch)
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