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In dem meisten Geschaeft wirbt der Kaeufer ihre potentiale Kundschaft und oft mit aggressiven Methoden. Im Tee scheint diese Beziehung nicht immer zu funktionieren. Als ich vergeblich auf den Da Hongpao wartete, bekam ich Angst, diesen Tee nicht mehr zu erhalten, weil irgendein Kaeufer den Tee vor mir wegschnappt. Er versicherte mir im Telefon, dass dieser Tee bereits versteckt wurde.
Als ich wieder in seine Tuer eintrat, wurde ich warm empfangen. Natuerlich wurde ich eingescannt und kommentiert, ob ich aelter oder dicker wurde. Gleichzeitig kam ein junger Mann in einem seidigen Anzug und es gab einen Lachanfall durch seine Erscheinung. Er kam ganz schnell in die inneren Raemen und zog seine glaenzende Krawatte aus. Er oeffenete einen Umschlag und zaehlte die frischen neuen Scheinen aus der Bank. Insgesamt 40000 Taiwan Dollars (ca. 1000 Euros) und gabe dem Lehrer Chen. Er lachte wie ein Kind. „Die erste Zahlung ist da und Du sagst mir, wann das Stop ist.“ Alle lachten und ich verstand nicht. „Kennst Du ML?“ “ Ja, klar. Zwei Male gesehen!“ Ja, das stimmt, aber nie im Seidenanzug. „Du hast richtig Glueck. Sie ist so selten hier.“sagte unser Lehrer. Ich fragte ihn direkt, was er mit dem Geld bezweckte. Ich roch etwas Gefaehrliches. „Weiss Du, das ist eine Salami-Taktik. Ich will den besten gelagerten Tee von unserem Meister abkaufen. Wenn ich das Geld auf einmal bringe und wenn er mir den Tee auf einmal geben muss, wuerde er es nie tun. Also ich bringe nun jedesmal 40000 Taiwan Dollars und irgendwann habe ich alles.“ Ich war erschrocken.
Ich war stutzig ueber seine Methode, aber konnte nichts dagegen kontern. Gleichzeitig spuerte ich mein Neid! Ich sagte mir, nicht in einen Potlatsch einzusteigen! Tee wurde ausgeschenkt, natuerlich eine Raritaet! Ein gelagerter Tie Guanyin, der auf Holzkohle geroestet wurde, der seine vergessliche Aroma in der Luft und im Tasse verstroemte. „Die meisten Menschen lieben den frischen gruenen Oolong, weil sie von dem Duft geblendet werden.“ sagte Chen zu ihm, in einer klaren und langsamen Stimme, “ das ist aber ein Spiegel unserer Gesellschaft. Tee spiegelt unserer Seele in dieser Zeit. Es wurde philosophisch. Er war eigentlich selten so. „Menschen haben keine Zeit, mit wichtigen Dinge des Lebens auseinanderzusetzen. Sie glauben mit Geld etwas erreichen zu koennen. Tee ist anders. Tee braucht Zeit.“ Er drehte zu mir, „viele Tees muessen langsam in der Ruhe genossen und verstanden werden.“ Der gelagerte Tie Guanyin ist so ein Tee, der in der Ruhe langsam und richtig genossen werden soll. Er sagte, wie in einem Dialog mit Tee.
Der Mann im Seidenanzug packte seinen Koffer aus und zeigte uns ein paar mit Computer geschriebenen Tabelle. Wow! Er habe fast alle Buecher gekaut und vergeglichen, wie sie ueber die Teeherstellung dokumentieren. ‚Es gibt so viele Wiedersprueche! Koenntest Du mir nicht korrigieren, wie es in der Tat sein sollte?“ fragte ein fleissiger Schueler, der seinen Lehrer mit guten Hausaufgabe beeindruecken wollte! Ich lachte, aber nicht zu laut. Der Lehrer sagte nichts. Er holte wieder einen Tee. Ein Phoenix 1995. „Ein Tee zum Nachdenken.“ meinte er. Ein schwer zu verstehender Tee, dessen Duft sehr dezent war, nur eine leise von pflaumigen und honigsuessen Note. Sehr leise, nachhaltig und jedoch praesent. „Die meisten Tees sind standarisiert. Auf dem Markt koennte man nur bestimmte standarisierten Richtungen und Gescnmaecke beobachten. Das breite Spektrum des Oolongs verschwinden.“ Er schaute zu diesem jungen Mann auf der steilen Karrierer-Leiter, „Wir wollen in wenigsten Zeit, etwas verstehen. Aber die Oberflaechlichkeit und das Highway des Lebens sind kein Schluessel, um Tee zu verstehen.
„Ich wollte die Essenz des Tees verstehen und nur das Wesentliche.“ sagte er zu mir, “ Du weiss ja, wie ein Fondmanager arbeitet. Wir suchen die wichtigen Literatur aus, analysieren sie und fassen sie zusammen. Die Informationen sind die Stutze unseren Berufs.“ “ Was ist mit Deiner Intuition?“ fragte ich ihn. Er war sprachlos, „was glaubst Du denn?“ Der Lehrer kam wieder zurueck, wieder mit einem raren Tee, „ein Tee, den ich eigentlich fuer mich geroestet habe.“ Der Duft stieg und die Tasse war in einem Smok. Die beiden Maenner sprachen weiter ueber die theoretischen Herstellungsprozesse und Probleme. Ich roch einen starken Holzkohle-Duft, kein Speck, kein Schwarzwaelderschinken, sondern Duft des Harzes. Nach diesen intensiven eindeutigen Momente folgte eine unverkennbaren kalten beruhigenden blumigen Duftnote. Langsam und langhaltig. Ich unterbrach ihre Disskussion, „Meinst Du,“ ich schaute meinen Lehrer hoffnungsvoll „das ist der Qrchideenduft von Qingxin oolong und gemischt mit Hochlandscharakter?“ „Ja! Du hast es.“ strahlten seine Augen. Sie sprachen weiter.
Der Mann im Seidenanzug musste wieder gehen, als sein Handy klingelte. Er sagte, dass er bald wieder kaeme. Wir lachten. Ich wollte unbedingt wissen, welchen Tee unbedingt abkaufen wollte. Es war ein Dongding Original 1977!