Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03277.jsonl.gz/3360

Konstantin Vokinger
Tonplastik von Albert Schilling, Konstantin Vokinger, 1943, NM 11280
Wegbereiter der elektrischen Eigenversorgung
Konstantin Vokinger war als Kämpfer für das Bannalpwerk bekannt. Ein Tonkopf des bekannten Bildhauers Albert Schilling erinnert an den engagierten Kaplan.
Konstantin Vokinger ist durch seinen hartnäckigen Kampf für das Bannalpwerk und die elektrische Eigenversorgung im Kanton Nidwalden eine bekannte und wichtige Person. Sein Engagement beruhte auf Vaterlandsliebe und dem Willen zur Selbstbestimmung. Vokingers Einsatz stiess nicht nur bei Bannalpgegnern auf Widerstand. Beim Nidwaldner Volksblatt, wo er Redaktor war, erhielt er zeitweiliges Schreibverbot, weil er in seinen Artikeln so vehement seine Ideen vertrat. Von der Kirche wurde er für seinen Einsatz und seine Reden ebenfalls gerügt. Im Jahr 1937 nahm das Bannalpwerk seinen Betrieb auf und entwickelte sich, allen Prophezeiungen zum Trotz, zum erfolgreichen Unternehmen.
Der Weg zur elektrischen Eigenversorgung
Bis 1937 bezog ein Grossteil des Kantons Nidwalden seinen Strom von der Elektrizitätswerk Luzern-Engelberg AG (EWLE AG), die im Werk Obermatt Strom produzierte und zu 90% der Stadt Luzern gehörte. Tarif- und Konzessionsverhandlungen zwischen der EWLE AG und dem Kanton Nidwalden führten für beide Parteien zu keiner befriedigenden Lösung und der Ruf nach einem eigenen Kraftwerk wurde immer lauter.
1931 zogen Konstantin Vokinger, Remigi Joller, Landrat Werner Christen und der Luzerner Ingenieur Flury eine populistische Kampagne auf. Dies führte an der Landsgemeinde 1934 zur Annahme des Gesetzesvorschlags für den Bau des Bannalpwerks. Den Triumph konnte Vokinger aber nicht lange geniessen, bereits Ende 1934 trat er aus der Baukommission aus, da es interne Unstimmigkeiten gab.
Das Leben Vokingers
Konstantin Vokinger war aber nicht nur ein politischer Kämpfer für seine Heimat, er setzte sich auch als Geistlicher für das Wohl der Nidwaldner ein. In Stans geboren und aufgewachsen, blieb er immer mit seinem Heimatort verbunden und verliess den Kanton offenbar nur ungern. Nach seiner Primarschul- und Kollegizeit in Stans studierte er in Chur Theologie, um im Jahr 1912 die Priesterweihe zu empfangen. Ab 1922 war er in verschiedenen Nidwaldner Gemeinden als Kaplan oder Pfarrhelfer tätig. Bei den Mitgliedern seiner Pfarrgemeinden war Vokinger beliebt, er hatte stets ein offenes Ohr und setzte sich für die Anliegen der Bevölkerung ein. Ab 1930 war er Redaktor beim Nidwaldner Volksblatt, sowie Autor von kirchlichen und weltlichen Büchern. Sein einfacher und unkomplizierter Schreibstil machten ihn zu einem beliebten Journalisten und Schriftsteller. Die schriftstellerische Tätigkeit und sein Engagement für das Bannalpwerk erforderten vom ihm viel Zeit, bald suchte er sich eine Aufgabe, die ihm genügend Zeit für seine Nebentätigkeiten liess. Ab 1938 war er deswegen als Klosterkaplan von St. Klara in Stans tätig, seine letzte Station bis zu seinem Tod mit 78 Jahren, 1965.
Die Geschichte des Tonkopfes
Der ausgestellte Tonkopf wurde von Albert Schilling, einem bekannten Schweizer Bildhauer geschaffen. Schilling heiratete 1935 die Stanserin Agnes Flüeler und lebte zwischen 1939 und 1946 in Stans. Während der «Stanser-Zeit», 1943, wurde der Vokinger-Kopf erstellt.
Erst vor kurzem kam der Kopf von Vokinger wieder nach Stans, in die Sammlung des Nidwaldner Museums. Er hat jahrelang auf einem Estrich im Kanton Basel gelegen. Bei der Räumung dieses Estrichs hat man sich an einen Bekannten aus Nidwalden gewendet, welcher wusste, dass Vokinger für den Kanton Nidwalden bedeutungsvoll ist und der den Tonkopf ins Museum brachte.
Dieses Objekt ist in der Dauerausstellung "Mutig-Trotzig-Selbstbestimmt. Nidwaldens Weg in die Moderne" im Salzmagazin ausgestellt.