Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03603.jsonl.gz/2467

Schiffseisenbahnen,
Verkehrsmittel, die zur Überlandbeförderung von Schiffen dienen, während die Eisenbahnfähren
(s. d.) die
Beförderung von Eisenbahnwagen über
Gewässer auf Schiffen bewerkstelligen. Für kleinere Fahrzeuge und auf kurze
Strecken sind
S. an verschiedenen
Stellen für die Überwindung von
Wasserscheiden u. dgl.
seit längerer Zeit in Anwendung, so im
Alleghanygebirge. Der amerik. Ingenieur James B. Eads hat einen
Plan zur Überführung
von Seeschiffen aus dem Golf von Mexiko
[* 3] nach dem
Stillen
Meer mittels einer
Schiffseisenbahn (Tehuantepec Ship Railway) aufgestellt.
Hiernach sollten die zum Tragen der Schiffe
[* 4] bestimmten Wagen 16–21 m breit werden und so viel
Räder
erhalten, daß jedes derselben nur eine Last von 5 t zu tragen hätte. Da die größten
Dampfer, die auf dieser
Schiffseisenbahn
befördert werden sollen, in voller Ladung und
Ausrüstung zu 5000 t Gewicht angenommen wurden, so würden für die zum Tragen
derselben bestimmten Wagen 1000
Räder erforderlich werden. Die Eisenbahn sollte 12 Stahlschienen von 35 kg
Gewicht auf das
Meter erhalten, die 1,2 bis 1,5 m voneinander sind, die Richtungsänderungen der Bahnlinie sollten durch
Drehscheiben
vermittelt
werden; an jedem Ende der
Bahn sollten Rampen angebracht werden, die mit Neigung 1:100 bis 9 m unter Wasserspiegel
führen würden;
an verschiedenen Punkten der Bahn waren Schiebebühnen für das Ausweichen entgegenkommender Schiffe vorgesehen.
Die Gesamtkosten der Bahnanlage sind mit Einschluß der Häfen, Docks und aller
Maschinen auf 75 Mill. Doll. veranschlagt.
Die Ausführung dieses Plans ist durch den erfolgten
Tod von Eads in unbekannte Ferne gerückt.
Dagegen wurde eine auf denselben Grundsätzen beruhende, aber im kleinen Maßstabe gehaltene
Schiffseisenbahn in
Canada im
Herbst 1886 in
Angriff genommen. Sie geht zwischen der
Bucht von Fundy und dem Golf von St. Lorenz über die 17 engl. Meilen
breite
Landenge von Chiegnecto, das Verbindungsglied zwischen Neuschottland und Neubraunschweig, und wird
nach ihrer bevorstehenden Vollendung den Schiffsweg von St. Lorenz nach St. John (auf der Ostküste von Neubraunschweig)
an der Fundybucht um 800 km, den Weg nach Portland,
Boston
[* 5] und andern südl.
Städten um 500 km und mehr abkürzen, auch die
gefährliche Umschiffung von Neuschottland vermeiden.
Die Schiffswagen bestehen aus schweren Doppelquerträgern, die an den Enden von Drehschemeln getragen werden. Das hierdurch bedingte Doppelgleis zeigt 5,5 m Achsenweite der vollspurigen Gleise. Die Schiffe werden aus Vorhäfen mittels Druckwasservorrichtungen auf die Bahn gehoben, die auf 27,2 km schnurgerade in südöstl. Richtung geführt ist, und von mächtigen Lokomotiven in ungefähr zwei Stunden über die Landenge gezogen. Die Kosten für die Docks, deren Umfang nur noch von wenigen Docks der Welt übertroffen wird, sollen ungefähr dieselbe Höhe erreichen wie die Kosten der Eisenbahn selbst. Der Bau ist von den Erbauern der Forthbrücke, den engl. Ingenieuren Baker und Fowler, übernommen; die Vollendung ist nicht abzusehen, da neuerdings die Mittel zur Fertigstellung ausgegangen sind. –
Vgl. Zeitschrift für Transportwesen und Straßenbau, Nr. 10 (Berl. 1890).