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| Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 46. Pachomius erhält die Gabe, alle Sprachen zu verstehen.
Als der Selige einmal wieder die Brüder in den Zellen besuchte und jeden in seinem Denken aufrichtete, da traf er auch einen Römer1 von hohem Ansehen, der auch gut Griechisch konnte. Als nun der Große zu ihm kam, um ihm Ermahnungen zu geben und die Regungen seines Herzens kennen zu lernen, da sprach er ägyptisch mit ihm. Der Bruder aber verstand nicht, was der Große zu ihm sagte, noch verstand der Große, was der Römer sprach, da eben der Selige nicht Griechisch konnte. Der Große sah sich nun gezwungen, einen Bruder zu rufen, der ihre beiderseitigen Reden übersetzen konnte. Als der Bruder kam, um zu dolmetschen, da wollte der Römer die Verirrungen seines Herzens dem Großen nicht durch einen anderen offenbaren, und er sagte: "Ich will, daß nach Gott allein du die Fehler meines Herzens kennst; ich will sie dir aber nicht durch den Mund eines anderen kundtun, ja ich will nicht einmal, daß sie ein anderer hört als du." Als dies der Große hörte, befahl er dem Bruder, der gekommen war, um zu dolmetschen, sich zu entfernen; da sich aber der Große mit ihm nicht über Gegenstände der Förderung und des Heiles besprechen konnte, da er eben durchaus kein Griechisch verstand, da winkte er ihm mit der Hand, zu warten, bis er wieder zu ihm komme, und ging weg, um für sich zu beten. Und der Selige streckte seine Hände zum Himmel aus und flehte zu Gott, indem er sprach: "Allmächtiger Herr, wenn ich die Menschen, die du von den Grenzen [S. 893] der Erde zu mir sendest, nicht fördern kann, da ich ihre Sprachen nicht verstehe, wozu brauchen sie dann hierherzukommen? Wenn du sie aber hier durch mich retten willst, dann verleihe mir, allmächtiger Herr, die Gabe, mit ihnen zu reden, damit ich ihre Seele aufrichten kann." An drei Stunden betete er und rief inständig Gott an, und als er sein Gebet beendigte, da kam plötzlich vom Himmel herab in seine rechte Hand etwas wie ein beschriebenes Papierbriefchen; er las es und verstand plötzlich die Aussprache aller Sprachen. Er schickte seinen Lobpreis hinauf zu dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste und ging voll herzlicher Freude zu jenem Bruder und unterhielt sich mit ihm ohne anzustoßen auf Griechisch und Römisch, so daß man den Bruder von dem Großen sagen hören konnte, er übertreffe alle Gelehrten hinsichtlich seiner Ausdrucksweise. Er richtete ihn auf, wie es nötig war und bestimmte ihm wegen seiner Verfehlungen die geziemende Reue, dann empfahl er ihn dem Herrn und verließ ihn.
1: Schon zu Lebzeiten des Pachomius waren Fremde eingetreten, in Peboon hatte er ein besonderes Haus für griechische Mönche errichtet. Unter Theodorus wuchs die Zahl der Griechen.