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Nach langer Planungszeit von 2007 bis 2012 konnte das Architekturbüro Herzog & de Meuron in Riehen bis 2014 eine Badeanstalt realisieren und damit die vormalige ‹Riehener Badi› ersetzen. Das ökologische Konzept des Naturbads und seine schlichte, in der Tradition der Basler Rheinbäder stehende Architektursprache wurden in Fachkreisen positiv aufgenommen.
Die Basler Architekten Jacques Herzog (* 1950) und Pierre de Meuron (* 1950) lieferten 1978 Entwürfe für ein Frei- und Hallenbad und 1986 für ein Freibad am Mühleteich auf dem Areal des Berowerguts, die aber am Weiteren Gemeinderat, am Riehener Stimmvolk oder am kantonalen Bauinspektorat scheiterten. Erst von 2013 bis 2014 kam ein weiteres Projekt des gleichen Büros, diesmal neben der Wiese, zur Ausführung. Anders als in den vorherigen Entwürfen, legten die Architekten bei der Gestaltung der Anlage den Fokus nicht auf den sportlichen Aspekt, sondern auf das Naturerlebnis. Sie liessen sich von der ökologischen Zielsetzung leiten, ein zeitgemässes, sich selbst reinigendes Naturbad zu bauen, dessen Wasser natürlich gefiltert werden sollte. In der Gemeinde war das zwischen 2007 und 2008 ausgearbeitete Projekt umstritten. Eine 2009 aus SVP-Kreisen lancierte Initiative sprach sich für eine «klassische Riehener Badi» aus, da bei einem Naturbad «Veralgung und unzulängliche Wasserhygiene […] vorprogrammiert» seien. Bei Enthaltung der SVP-Fraktion sprach sich das Riehener Gemeindeparlament 2011 für den Investitionskredit des Bades aus, womit der Weg zur Realisierung schliesslich geebnet war.
Die Badeanstalt befindet sich unmittelbar vor der deutschen Landesgrenze auf dem Gebiet des Riehener Schlipfs. Reinigungs- und Filterbecken sind auf einem Hangstück oberhalb des Bachs Weilmühleteich untergebracht. Südlich des Hanges liegt – umgeben von der abknickenden Weilstrasse, einem Privatgrundstück und dem Fluss Wiese – die eigentliche Badeanstalt. Sie hat zwei separate Becken: ein Kinderplanschbecken und im Zentrum der Anlage ein ovales Wasserbecken, das mit der für Freibäder typischen Bassinform bricht. Es ist aufgeteilt in ein 25-Meter-Schwimmbecken, einen Springer- und einen Nichtschwimmerbereich, der zusammen mit der Ufer- und Regenerationszone die grösste Fläche einnimmt. Gegliedert wird das Becken durch drei Holzstege, die auch als Liegeplattform und Zugang zu den unterschiedlichen Nutzungsbereichen dienen. Eine Holzwand umschliesst das Naturbad an drei Seiten, wodurch der moderne Bau an die Tradition der hölzernen Basler Rheinschwimmbäder anknüpft. Die offene Längsseite im Südosten bietet eine Aussicht auf die jenseits des Flüsschens Wiese gelegenen Felder und die Fondation Beyeler. Die aus Lärche gefertigte Umfassung ist als Holzskelettkonstruktion in Zangenbauweise ausgeführt. Sie ist von einem umlaufenden, auskragenden Pultdach bedeckt, das sich zur Innenseite hin hebt.
Das Naturbad wurde in Fachkreisen positiv aufgenommen. Es erhielt renommierte Auszeichnungen und wird zu den besten Bauwerken des 21. Jahrhunderts in der Schweiz gezählt. Neben dem Design wird insbesondere der starke Einsatz für Natur und Umwelt als vorbildhaft hervorgehoben.
Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 27.2.2023
Herzog & de Meuron: Riehen Natural Pool. In: sb International magazin for sports, leisure and recreational facilities 5 (2015). S. 24–28. URL: https://issuu.com/iaks/docs/sb_5_2015_/26 (14.02.2022).
Huber, Dorothee: Architekturführer Basel. Die Baugeschichte der Stadt und ihrer Umgebung. Basel 2014. S. 413.
Mack, Gerhard: Herzog & de Meuron. Das Gesamtwerk 2005–2007. Bd. 6. Basel 2018.
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Staudt, Ansgar: Back to the roots. In: Archithese 5 (2014). S. 10–14.