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Wer Ouro Preto zum ersten Mal sieht, der fühlt sich in ein vergangenes Jahrhundert zurück versetzt: wohin man sich auch wendet in den mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen, überall hat man den Eindruck, sich in einem historischen Szenario zu bewegen – antike Villen, barocke Kirchen, verschnörkelte Giebel und Erker – hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wegen seiner, im Original erhaltenen, barocken Altstadt ist Ouro Preto einzigartig – und im Fall eines Brasilienbesuchs ein unerlässliches “Muss“ – im Jahr 1980 wurde die Altstadt zum Weltkulturerbe durch die UNESCO erklärt. Das erste “schwarze Gold“, nach dem der Ort benannt ist, fand ein schwarzer Sklave am Berg “Itacolomi“, dem heutigen Wahrzeichen von Ouro Preto – dieses Gold hatte tatsächlich äußerlich eine schwärzliche Färbung durch einen Eisenoxyd-Belag, und die “seltsamen schwarzen Steine“ wurden erst vom damaligen Gouverneur von Rio de Janeiro, Arthur Sá de Menezes, als Gold identifiziert, nachdem er darauf gebissen hatte.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam es dann zu einem wahren Goldrausch im Gebiet des heutigen Ouro Preto, dessen Gründungsname “Vila Rica“ (Reicher Ort) durchaus den ergiebigen Goldvorkommen rundherum entsprach. Zwischen den Jahren 1700 und 1820 förderte man in diesem Gebiet zirka 1.200 Tonnen des kostbaren Metalls – das entsprach 80% der Weltproduktion zu jener Zeit. “Vila Rica“ hatte damals zirka 100.000 Einwohner und war die reichste Stadt der so genannten “Neuen Welt“.
Der absolute Höhepunkt der Goldproduktion lag zwischen 1730 und 1760, und daran partizipierte vor allem die portugiesische Krone nicht schlecht, die über einen nachgewiesenen Zeitraum von 16 Jahren (1735-1751) 34.275 Kilogramm Gold aus Steuern abzweigte, und das entspricht einer Jahresproduktion von 11 Tonnen des edlen Metalls. Was Wunder, dass man in “Vila Rica“ zu jener Zeit auch einen gediegenen Lebensstil pflegte. Besonders in der Architektur der pompösen Villen und administrativen Gebäude, der barocken Kathedralen und ihrer goldbeladenen Innenausstattung – die von einem der berühmtesten Künstler jener Zeit, dem schwerbehinderten Bildhauer “Aleijadinho“ konzipiert wurden – hat sich etwas von dem ausgelassenen Lebensstil jener Epoche bis in unsere Zeit erhalten. Das Ende der üppigen Goldreserven zeichnet sich um das Jahr 1763 ab – inzwischen hatte man aber im gleichen Bundesstaat Minas Gerais auch Diamanten entdeckt und andere Edelsteine – und bis zum heutigen Tag macht der Bundesstaat Minas Gerais mit dem Namen “Allgemeine Minen“ als “Schatzkammer Brasiliens“ seinem Namen Ehre: Noch immer fördert man hier Gold (wenn auch in bescheidenen Mengen), Diamanten, Smaragde, Aquamarine und zahlreiche andere Halbedelsteine – inzwischen baut man aber vor allem die grössten Eisenerzvorkommen der Welt in Minas Gerais ab, die laut Angaben “noch mindestens 300 Jahre lang reichen“ sollen.
Ouro Preto ist allerdings auch eine Destination, deren herrliche Natur den Besucher in ihren Bann schlägt. Wenn man die kopfsteingepflasterten Gassen hinter sich lässt und ein bisschen durch die Umgebung schlendert, zwischen grünen Hügeln und ebenso vielen Tälern, dann entdeckt man Wasserfälle und Natur-Pools mit transparentem Wasser und Jahrhunderte alte Bäume. Eine schöne Gegend, um die Natur von Minas kennenzulernen, ist der “Parque Estadual do Itacolomi“. Auch die zwölf Distrikte der Umgebung von Ouro Preto haben ihre interessante Geschichte – die meisten aus einer noch älteren Vergangenheit, vor der Entdeckung des Goldes, und manche Landschaften sogar aus einer Zeit noch vor der Existenz des Menschen.
Hier erfahren kurz und kompakt alles Wissenswertes über Ouro Preto. Von der Landschaft, die Fauna, die Bevölkerung, die lokale Küche, das Kunsthandwerk, die Volksfeste und die wichtigsten Entfernungen.
Ouro Preto
Lage: Im Osten des Bundesstaates Minas Gerais
Biom: Cerrado, Atlantischer Regenwald
Sehenswürdigkeiten
Centro Histórico
Der architektonische Komplex von Ouro Preto war der erste Brasiliens, den die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte. Während eines Spaziergangs durch die schmalen Gassen mit dem Original-Pflaster aus dem 18. Jahrhundert, sollte man auf keinen Fall einen Besuch der Kathedrale “Nossa Senhora do Pilar“ versäumen, die auf dem Platz “Praça Monsenhor Castilho Barbosa“ steht, ein klassisches Beispiel des brasilianischen Barrocks. Mehr als 400 Kilogramm Gold wurden zu ihrer Dekoration verbraucht. Im Untergeschoss kann man ein Museum sakraler Kunst besuchen. Die Kirche “São Francisco de Assis“ beherbergt ein Deckengemälde von dem “Mestre Ataíde“ – sein Altar, die Kanzeln, der Giebel und die Skulpturen Werke von “Aleijadinho“ darstellen. Im Jahr 2007 wurde das “Teatro Municipal“ (auch als “Opernhaus“ bekannt), in der “Rua Brigadeiro Musqueira“, eines der ältesten Theater Brasiliens, restauriert. Besuchen Sie auch das “Museu da Inconfidência (Praça Tiradentes 139), das “Museu de Ciência e Técnica da Escola de Minas” (Praça Tiradentes 20), das “Museu Casa Guignard” (Rua Conde de Bobadela 110) und die Kirche “Nossa Senhora do Rosário dos Pretos”, mit einer Referenz an die afrikanische Kultur in ihrer Dekoration (Rua Santa Ifigênia 396).
Lokalität: Centro Histórico (Historisches Zentrum).
Mina do Chico Rei
Diese antike Goldmine zu besuchen, ist sicher eine interessante Abwechslung für denjenigen, der sich für die Arbeitsbedingungen interessiert, unter denen die Menschen zur Zeit jenes Goldrauschs in Minas Gerais das edle Metall aus dem Berg holten – machen Sie sich auf eine 1,5 km lange unterirdische Wanderung gefasst.
Lokalität: Rua Dom Silvério 108.
Wasserfälle
Cachoeira dos Prazeres
Dieser Wasserfall mündet in die “Represa do Custódio” (Stausee) im Distrikt von “Lavras Novas”. Anfahrt per Auto und danach kurze Pfade durch Wald, die auch zu den Wasserfällen “Cachoeira dos Namorados“ und “Três Pingos“ führen – alle mit kristallklarem und kühlem Wasser.
Lokalität: 20 km von Ouro Preto.
Cachoeira do Campo
Der Fall ist 15 Meter hoch und hat ein Becken zum Baden. Am Rand des einfach zu begehenden Pfades kann man Anzeichen von Topaz-Ausgrabungen entdecken. Lokalität: In “Cachoeira do Campo“ – 18 km von Ouro Preto.
Anfahrt per Auto: durch das Terrain des “Dom Bosco Kollegs”.
Cachoeira do Brumado
Von der Strasse nach “Mariana” zweigt der Pfad zu diesem Wasserfall ab – sein Wasser stürzt aus einer Höhe von 12 Metern herab – unten ist ein Pool zum Baden. Es gibt auch ein Restaurant an diesem Ort.
Lokalität: 36 km von Ouro Preto.
Cachoeira das Andorinhas
Innerhalb des “Parque Municipal das Andorinhas“ befindet sich dieser Fall – und zwar innerhalb einer Grotte. Unterwegs gibt es zahlreiche Pools um Baden. Hier befindet sich auch die Hauptquelle des Rio das Velhas (grösserer Fluss dieser Gegend). Zugang mittels Treppe und schlüpfrigen Steinen.
Lokalität: 3 km von Ouro Preto.
Cachoeira do Falcão
Mit einem freien Fall aus einer Höhe von 25 Metern und verschiedenen Pools zum Baden, wird dieser Wasserfall an den Wochenenden stark frequentiert – Familien und Gruppen von Freunden treffen sich hier, um das eiskalte Wasser zu genießen.
Lokalität: 12 km von Ouro Preto – zwischen “Chapada“ und “Lavras Novas“. Auf der Strasse nach “Lavras Novas“ gibt es ein Hinweisschild am Anfang des 400 Meter langen Zugangspfades.
Cachoeira do Castelinho
Der Name “Schlösschen-Wasserfall” bezieht sich auf die von Wind und Wetter entsprechend geformten Felsformationen. Zugang auf einem einfachen, breiten Pfad an der Seite der Kirche “Igrejinha de Santana“, im Distrikt von “Chapada“.
Lokalität: 30 km von Ouro Preto.
Parque Estadual do Itacolomi
Die von den meisten Besuchern bevorzugte Wanderung ist die, welche auf den Berg “Pico de Itacolomi“ führt – von oben hat man eine wunderbare Aussicht auf die Städtchen “Mariana“ und “Ouro Preto“. Innerhalb des Parks von 7.543 Hektar gibt es auch ein Besucher-Zentrum, einen Schnellimbiss und andere Einrichtungen, wie das “Casa Bandeirista“, ein Tee-Museum und die Kapelle São José. Geöffnet ist der Park von Dienstags bis Sonntags, zwischen 8:00 und 17:00 Uhr.
Lokalität: Rodovia (Strasse) BR-356 (Rodovia dos Inconfidentes) beim Kilometer 98 – Entfernung von Ouro Preto 2,5 km.
Die lokale Küche
Die traditionelle “Mineirische Kost“ – mit Geduld und viel Schweinefett auf dem Holzfeuer gekocht – ist in ganz Brasilien bekannt und beliebt. In Ouro Preto sind “Frango ao molho pardo“ (Huhn im eigenen Blut), “Feijoão-tropeiro” (Bohnen, Maniok und Fleisch) oder “Frango com Quiabo” (Huhn mit Gemüseschoten) die Renner – aber probieren Sie mal “Bambá de couve“ (Kohlgericht) oder die “Canja de galinha com farinha de milho“ (Hühnersuppe mit Maismehl, die “Costelinha de porco com ora-pro-nobis“ (Schweinsrippchen mit Kräutern), den “Galo cozido com pé de porco” (gekochten Hahn mit Schweinsfuss) und zum Nachtisch Süssspeisen aus Guaven, Feigen und Orangen.
Kunsthandwerk
Das bedeutendste Material aus der Gegend von Ouro Preto ist der Seifenstein – derselbe, aus dem der Künstler “Aleijadinho“ seine “Zwölf Propheten“ vor der Kirche in “Congonhas do Campo“ geformt hat. In Ouro Preto kann man Töpfe, Schalen, Schachbretter, Untersetzer, Skulpturen und viele andere Gebrauchsgegenstände und Kunstobjekte aus Seifenstein erstehen. Man findet hier auch schön geschnitzte Barockengel aus Holz, Teppiche aus Sisal, Keramikarbeiten, rustikales Geschirr – und natürlich viele Arten von Schmuck aus lokalen Steinen, Gold und Silber.
Volksfeste
Inzwischen hat sich Ouro Preto aus der antiken “Vila Rica” zu einem charmanten Städtchen entwickelt, auf dessen Agenda eine Vielfalt an kulturellen Events stehen, wie zum Beispiel das “Festival de Inverno“ (Winter-Festival) – mit einem Show-Programm, Theater-Aufführungen, einem Zirkus und einer Kunstausstellung, während des Monats Juli – die “Mostra de Cinema“ (Kino-Festival, im Juni) – das “Fórum das Letras“ (über Literatur, im November) – und das “Tudo é Jazz“ (Jazz-Festival, im September). Der “Carnaval Universitário“ (Universitäts-Karneval) findet in den Gassen und den Studenten-Republiken statt – mit einem Aufmarsch der “Blocks“ und der Samba-Schulen. Und während der Osterwoche finden in den Gassen und auf den Plätzen Inszenierungen statt – die bedeutendste ist eine Darstellung der Golgatha-Szene.
Hier erfahren Sie allgemeine Informationen zu Ouro Preto: wann die beste Reisezeit ist, um die die Stadt zu besuchen, Informationen über Unterkünfte, wie man nach Ouro Preto kommt, was eine Unterkunft kostet, und interessante Links und Adressen rund um Ouro Preto.
Beste Zeit
Wer den Trubel mag, für den sind die Feiertage, die religiösen Feste und vor allem der Universitäts-Karneval gute Gelegenheiten zu einem Besuch von Ouro Preto. Wer es dagegen vorzieht, sich die historischen Reminiszenzen in Ruhe anzuschauen, dem raten wir, jene festlichen Perioden zu meiden. Regen fällt sporadisch sowohl im Sommer wie im Winter (manchmal gibt es sogar Frosteinbrüche zwischen Juni und September).
Unterkunft
Während des Karnevals öffnen die Studentenwohnheime ihre Pforten auch für Gäste von außerhalb zu vernünftigen Preisen. Zu anderen Zeiten des Jahres halten Sie sich an das Historische Zentrum, in dem sich die Mehrheit der Pousadas befindet. Eine andere Option ist eine Unterkunft in der Nachbarstadt “Mariana“ (15 km), um günstiger übernachten zu können. In den Distrikten “Santo Antônio do Leite“ und in “Cachoeira do Campo“ gibt es Fazenda-Hotels am Fuss der Berge.
So kommt man hin
Mit dem Flugzeug
Die nächstliegenden Flughäfen sind “Confins“ (international) und “Pampulha“ (national) – beide in “Belo Horizonte“ (Minas Gerais) – ersteren kann man von Europa direkt anfliegen, beide werden von allen Hauptstädten Brasiliens angeflogen.
Mit dem Auto
Um von Belo Horizonte nach Ouro Preto zu fahren, benutzt man die BR-040 in Richtung Rio de Janeiro – nach 20 km biegt man ab auf die BR-356 (sie heisst auch “Rodovia dos Inconfidentes“) und folgt ihr bis Ouro Preto. Von São Paulo aus ist eine Option die Fahrt über die Strasse “Fernão Dias“ (BR-381) und dann die BR-040. Von Rio de Janeiro aus befährt man die Strasse BR-040 bis zum Ort “Conselheiro Lafaiete“ und anschließend weiter auf der Strasse “Estrada Real“.
Mit dem Omnibus
Es fahren Busse mehrmals am Tag von “Belo Horizonte“ nach “Ouro Preto“ und andere Städte in Minas Gerais, wie “Mariana“ und “Itabira“ – aber auch nach São Paulo, Rio de Janeiro, Vitória und Brasília, zum Beispiel.
Entfernungen
Von Belo Horizonte (Bundesstaat Minas Gerais): 107 km
Von São João Del Rei (Bundesstaat Minas Gerais): 155 km
Von Rio de Janeiro (Bundesstaat Rio de Janeiro): 400 km
Von São Paulo (Bundesstaat São Paulo): 690 km
Weitere wichtige Telefonnummern und Links:
Regionale Vorwahl (DDD): 31
Touristische Informationen: 3551-5552
Rodoviária (Busbahnhof): 3559-3252
Eisenbahn “Maria Fumaça” in Ouro Preto: 3551-7310
Staatspark von Itacolomi: 3351-6193
Verein der Tour-Guides von Ouro Preto: 3551-3655
Site mit Infos über die Stadt: www.ouropreto.org.br