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Joe Biden feiert beim kleinen «Super Tuesday» den nächsten Triumph. Er besiegt Konkurrent Bernie Sanders deutlich. Dem bleibt nur noch eine letzte Chance.
Fabian Reinbold, Washington / t-online
Eine Woche nach dem überraschenden Triumph am «Super Tuesday» hat Joe Biden einen weiteren grossen Sieg gefeiert. Beim sogenannten «Mini-Super-Tuesday», an dem sechs US-Bundesstaaten über den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten abstimmten, enteilte er seinem letzten verbliebenen Konkurrenten Bernie Sanders.
Joe Biden ist nun der haushohe Favorit darauf, im November als Gegner von US-Präsident Donald Trump anzutreten.
Der frühere Vizepräsident gewann die Staaten Michigan, Mississippi und Missouri so deutlich, dass seine Siege schon rasch nach Schliessung der Wahllokale verkündet wurden. In Mississippi holt er 80 Prozent der Stimmen. Auf seine Wählerkoalition, die ihm bereits die Siege am «Super Tuesday» beschert hatte, war Verlass: Er gewann die Stimmen der Schwarzen, der Älteren und der moderaten Wähler in den Vorstädten. Und in Michigan siegt er – ganz wichtig für die spätere Hauptwahl – bei den weissen Arbeitern.
Auch wenn Biden einen Wahlkampf mit Schwächen und Patzern hingelegt hat: Ein grosser Teil der Demokraten hat sich binnen anderthalb Wochen hinter ihm versammelt. Das Wichtigste ist vielen, das belegen wieder einmal Wählerbefragungen des Wahlabends, einen Kandidaten zu haben, der Donald Trump schlagen kann. Dieser Kandidat ist nun Joe Biden.
Biden gewann mit Michigan den Hauptpreis des Wahlabends. Es ging dabei um weit mehr als 125 Delegiertenstimmen. Bidens Sieg war ein nicht zu überhörendes Signal: Denn Michigan ist ein Staat, den die Demokraten zurückgewinnen müssen, wenn sie Trump im November schlagen wollen. Im «Rust belt»-Staat lag Trump 2016 knapp, aber für seinen Wahlsieg entscheidend vorn. Kann Biden die Wähler gewinnen, die Trump den Sieg bescherten?
Am Wahlabend sah es so aus: Biden gewann auch bei weissen Arbeitern eine Mehrheit, die 2016 gegen Hillary Clinton erst für Bernie Sanders und im November schliesslich für Donald Trump gestimmt hatte. Das kann den Demokraten kräftig Mut machen für die Wahl im November.
In Michigan, wo Sanders in den Tagen vor der Wahl frenetisch Wahlkampf gemacht hatte, zeigte sich seine grosse Schwäche. 2016 hatte der Aussenseiter hier noch einen Überraschungssieg gegen Clinton gelandet, doch nun kamen ihm hier gar wichtige Stimmen der weissen Arbeiterschicht abhanden. Sanders führte seinen Wahlkampf mit dem Versprechen, er werde so viele Nichtwähler wie noch nie mobilisieren. Das löste er nicht ein. 2016 konnte er zwar hervorragend gegen eine in Teilen der Basis verhasste Hillary Clinton mobilisieren – aber das gelingt ihm 2020 gegen Biden nicht mehr.
Sanders, der Sieger der ersten beiden Vorwahlen, wirkt nun so gut wie geschlagen. Seine Positionen wie die Einführung einer staatlichen Krankenversicherung haben viele Anhänger begeistert. Doch als Kandidat, der Trump schlagen kann, hat er nicht genügend Wähler überzeugt. Am Wahlabend schwieg der Senator – es gibt bereits Druck auf ihn, aus dem Rennen zu scheiden.
Rechnerisch ist im Rennen noch alles möglich – es wird noch mehr als die Hälfte der Delegiertenstimmen vergeben, die letztlich über die Nominierung entscheiden. Am kommenden Dienstag stimmen vier weitere Bundesstaaten ab, in denen es gut für Biden aussieht: im Rentnerparadies Florida ebenso wie in Illinois und Ohio, die dem benachbarten Michigan nacheifern könnten, das er am Abend so klar gewann.
Für den Sonntagabend ist das erste TV-Duell zwischen den beiden Kandidaten angesetzt. Das ist die beste – und wohl schon die letzte – Chance für Bernie Sanders, den Siegeszug Bidens noch zu stoppen. Wenn es überhaupt noch zu der Debatte kommt. Das Coronavirus bremst nun auch den US-Wahlkampf.
Unter den Beobachtern in Washington gibt es kaum noch Zweifel, dass Biden der Kandidat wird. Er hat grosse Teile der Wählerbasis hinter sich geschart. Der Wahlsieger vom Dienstag muss sich nun bemühen, die leidenschaftlichen Anhänger von Sanders, insbesondere die jungen Linken und die Latinos, ebenfalls für sich zu gewinnen. Das ist keine leichte Aufgabe. In seiner Rede am Wahlabend streckte Biden ihnen demonstrativ die Hand aus: «Wir haben dasselbe Ziel», sagte er. «Gemeinsam werden wir Donald Trump besiegen.»
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