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Gestaltung | Architektur | Künste
Ursula Jurkiewicz, 2003 | Emmenbrücke, LU
Das Selbstporträt; porträtiert man sich selbst, lediglich eine Maske oder das Selbst? In meiner Arbeit setzte ich mich mit dem Genre des Selbstporträts in der gegenwärtigen, digitalisierten Zeit des Selfies auseinander. Kann das Selfie das klassische, vom Künstler geschaffene Selbstporträt verdrängen? Hat das Selbstporträt – in der heutigen Kultur des Selfies – an Relevanz verloren, oder kann es als bedeutsame Bildgattung fortbestehen? Auf diese Fragen suche ich in meiner Arbeit Antworten. Das Ergebnis meiner Arbeit ist eine Serie von Selbstporträts bestehend aus drei klassischen Selbstdarstellungen im Format 100 x 70 cm, einem Ausdruck meines Selfies im Format 100 x 70 cm und einem Acrylgemälde im Format 150 x 130 cm, das meinen Fingerabdruck darstellt. Letzteres ist mein Versuch eines unkonventionellen Selbstbildnisses, welches einen Ausdruck meines Selbst in der uns gegenwärtigen Selfie-Kultur ermöglicht und ohne figurative Darstellung auskommt. Die klassischen Selbstporträts sind inspiriert von den Künstlern Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn und Egon Schiele und den ihnen entsprechenden Epochen der Renaissance, des Barocks und des Expressionismus.
Fragestellung
Empirisch und theoretisch untersuchte ich zwei Leitfragen: (I) Kann das Selfie das klassische, vom Künstler geschaffene Selbstporträt verdrängen? (II) Hat das Selbstporträt – in der heutigen Kultur des Selfies – an Relevanz verloren, oder kann es als bedeutsame Bildgattung fortbestehen?
Methodik
Im theoretischen Teil meiner Arbeit ergründete ich die kunsthistorische Genealogie der Selbstdarstellung. Im praktischen Teil erprobte ich das Genre des Selbstporträts mit Hilfe verschiedener Techniken, Medien und Praktiken. Ich arbeitete mit Blei- und Farbstiften, Gouache- und Acrylfarbe. Jedoch ist die gesamte Serie monochromatisch, ohne Farbsättigung, gehalten. Ich fotografierte mich und meinen Fingerabdruck mit meinem Smartphone. Mit Hilfe des Beamers übertrug ich meine Grundrisse und den Fingerabdruck auf Fotokarton bzw. Leinwand.
Ergebnisse
Das Ergebnis meiner Arbeit ist eine kleine Exposition, bestehend aus den drei Selbstporträts deren Inspiration die Selbstbildnisse der drei Künstler Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn und Egon Schiele waren, einem Selbstporträt, das anstatt meines Gesichts durch meinen Fingerabdruck repräsentiert wird und einem Ausdruck meines Porträts, auch «Selfie» genannt.
Diskussion
Mit meinen persönlichen Erfahrungen aus der Praxis und der Theorie folgerte ich, dass das Selfie nicht imstande ist, das Selbstporträt aus der Kunst zu verdrängen, denn es zeigt oft keine authentische Selbst-Darstellung. Das Selbstbildnis kann als Bildgattung fortbestehen, wenn es sich der technischen Entwicklung stellen kann, indem es sich durch Einzigartigkeit und Innovation auszeichnet. Da sich meine Arbeit ausschliesslich auf meine Erfahrung stützt, kann ich keine universellen Schlüsse für die Domäne der Kunst ziehen. Was ich kritisch betrachte, und auf was ich lieber verzichtet hätte, war die Hilfestellung des Beamers. Wären meine praktischen Fähigkeiten besser, hätte ich möglicherweise, beim Erstellen von Selbstbildnissen ab Spiegel, zu anderen Schlussfolgerungen kommen können.
Schlussfolgerungen
Die Bildgattung des Selbstporträts ist ein faszinierendes Phänomen der Kunstgeschichte. Mit der Optimierung meiner Arbeit im Rahmen von Schweizer Jugend forscht, durfte ich dieses Phänomen gründlicher untersuchen. Dies erlaubte mir, meine Serie von Selbstbildnissen stärker im kunsthistorischen Kontext zu verorten und mit diesem zu konfrontieren. Ich glaube mit meiner Arbeit einen, wenn auch nicht vollkommen ausgereiften, aber dennoch besonderen, Beitrag zur künstlerischen Praxis der Selbstdarstellung gegeben zu haben.
Würdigung durch den Experten
Dr. Toni Hildebrandt
Das Projekt entwickelt einen innovativen Vergleich zwischen der klassischen, kunsthistorischen Tradition der Porträtmalerei seit der europäischen Renaissance und der omnipräsenten Gegenwartskultur des Selfie. Die Arbeit zeichnet die kunsthistorische Entwicklung von Dürer über Rembrandt bis Egon Schiele, Cindy Sherman und Amalia Ulman sehr genau und weitsichtig nach. Damit vergegenwärtigt das Projekt die Porträtkunst der Vergangenheit und zeigt gleichzeitig auf, wo ein Potential der Selfie-Kultur liegen könnte, wenn man sie an der Tradition des Selbstporträts orientiert.
Prädikat:
sehr gut
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Kantonsschule Reussbühl
Lehrerin: Livia Winiger