Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/141

(Kt. Bern).
Das Land um Pruntrut herum hiess ehemals der Elsgau, im Jahre 610: Alsgaugia, 630: Elsgaudia,
1234: Alsgaudia, endlich 1236: Ajoya. Dieses Gebiet bildete seiner Zeit einen Teil der Grafschaft Varasques in Sequanien.
Pater Dunod sagt in seiner Geschichte der Burgunder, S. 271-293, die Grafschaft Varasques habe die Landschaften von Pruntrut
und Montbéliard, die Vogteien Baume, Ornans, Pontarlier, Salins und Poligny umfasst. Zum alten Ajoie gehörte
damals das Flussgebiet der Allaine von ihrer Quelle bis zu ihrer Einmündung in den Doubs.
Später beschränkte sich der Name Ajoie auf die Umgebung von Pruntrut und speziell auf das der Herrschaft des Bischofs von
Basel
untergebene Gebiet. Das alte Ajoie bildete zwei Dekanate: das von Besançon und das baslerische. Heute
umfasst es den Bezirk Pruntrut, dem man noch die Baroche und einen Teil der Besitzungen der einstigen Probstei St. Ursitz beifügt.
Der Elsgau gehörte zuerst zum Königreich Burgund, dann den Franken, hierauf den Herzogen des Elsass und kam von diesen
an die Grafen von Montbéliard-Ferrette.
Durch diese Vergabung kamen auch die Leute des Priorats Miserez, sowie der KlösterLützel und Bellelay unter die Herrschaft
des Bischofs von Basel.
Durch diese erworbenen Besitzungen kamen die Bischöfe von Basel
mit den Grafen von Montbéliard-Ferrete in nähere
Berührung. Diese hatten 1125 ihre Güter geteilt und sich in zwei Familien geschieden, die beide schlecht
umschriebene Rechte auf die Güter in Ajoie besassen. An den gleichen Orten gab es Leute verschiedener Stellungen und Besitzungen,
die dem Grafen, andere, die dem Bischof gehörten. Dieses Durcheinander gab zu vielen Zwistigkeiten Veranlassung, denen man
um 1234 abhelfen wollte. Damals schloss der Bischof von Basel
mit den Grafen von Ferrette einen Vertrag, um die
gegenseitigen Rechte
¶
forlaufend
festzustellen. Als im Jahre 1236 der Graf von Montbéliard sich mit der Schwester Ulrichs von Ferrette verheiratete, überliess
ihm dieser das SchlossPruntrut und seine Besitzungen in Ajoie und in der Vogtei Bure. Doch behielt er sich einige Gerichtsbarkeiten
in diesem Lande vor, wodurch neue Streitigkeiten zwischen dem Bischof und dem Grafen von Montbéliard entstanden.
Ein neues Uebereinkommen wurde im Jahre 1270 getroffen, worin erklärt wurde, der Graf von Montbéliard anerkenne, dass die
Vogteien Ajoie und Bure mit all ihren Rechten und Gerechtigkeiten dem Bischof von Basel
gehören und er sie als nicht erbliches Lehen
von diesem empfangen habe.
Fast zur gleichen Zeit, im Jahre 1281, verzichtete der Graf von Ferrette, nach anfänglichem Sträuben,
um 180 MarkSilber zu Gunsten der Kirche von Basel
auf all seine Rechte und Ansprüche in Pruntrut, Ajoie und der Vogtei Bure, wobei
sogar das in begriffen wurde, was Thierry, der Graf von Montbéliard, daselbst noch besass oder besessen
hatte. Von diesem Moment an hatten die Grafen von Ferrette in Ajoie nichts mehr zu gebieten. Der Bischof von Basel
belehnte nun Thierrv,
den Grafen von Montbéliard, auf Lebenszeit mit den gräflichen Rechten.
Beim Tode Thierrys beanspruchte sein Nachfolger, Reinhold von Burgund, freie Verfügung über das Ajoie,
als Teil seiner Erbschaft. Er bemächtigte sich Pruntruts und setzte sich mit Gewalt über alle Verträge und Urteile hinweg,
durch die der Bischof versucht hatte, seine Rechte zu behaupten. Ja, im Jahre 1282 verpfändete Reinhold das Ajoie an Thiébaud
IV, Grafen von Neuenburg,
in Burgund. Das hiess die Rechte des Bischofs von Basel
verletzen, der nach den Bestimmungen des
Vertrages von 1270 rechtmässiger Besitzer des Ajoie war.
Darum wandte sich Heinrich von Isny, Bischof von Basel,
der zu schwach war, um den Ansprüchen des Grafen von Burgund entgegenzutreten,
an Kaiser Rudolph von Habsburg um Hülfe. Im März 1283 erschien der Kaiser mit einem starken Heer vor
den Mauern Pruntruts. Nach sechswöchentlicher Belagerung ergab sich Reinhold und übergab dem Bischof wieder die Vogteien
über Ajoie und Bure mit all ihren Gerechtigkeiten. Der Bischof von Basel
wurde als einziger und alleiniger Herr des Ajoie, das der
Graf von Burgund besetzt hatte, anerkannt.
Dieser konnte den Verlust des schönen Ajoie nicht verschmerzen; trotz des geschworenen Friedens suchte er sich des Landes
wieder zu bemächtigen. Der Bischof rief den deutschen Kaiser von neuem zu Hilfe, der mit einer Armee von 20000 Mann im Juli 1288 Montbéliard
eroberte und endlich den Grafen Reinhold, den er in Besançon belagerte, zwang, einen Frieden zu schliessen,
der seinen kühnen Angriffen ein Ende machte. Von da an blieben Pruntrut und Ajoie friedlich und unbestritten im Besitze der
Bischöfe von Basel.
Achtzig Jahre später sah sich der Bischof von Basel,
Imier von Ramstein, genötigt, Pruntrut und fast das ganze
Ajoie dem Grafen Stephan von Montbéliard und seinem Sohne Heinrich, dem Herrn von Orbe, um 11000 Goldgulden zu verpfänden,
um das Bistum der Schulden zu entledigen, die sein Vorgänger, Johann von Vienne, gemacht hatte.
Solange Graf Stephan und sein Sohn Heinrich lebten, sollte der Bischof von Basel
auf den Rückkauf verzichten;
nach deren Tod sollte er die verpfändeten Besitzungen um 13000 Gulden wieder einlösen können. So kam das Ajoie, das schon
zweimal den Grafen von Montbéliard gehört hatte, zum dritten Mal unter ihre Oberherrlichkeit. Das Volk hat diese neuen Herren
in herzlichem Andenken bewahrt, und die Namen der guten Gräfin Henriette, der grossen Wohltäterin des
Ajoie, und des vielgeliebten Ulrich sind den Bewohnern des Juras teuer geblieben.
Fünfundsiebzig Jahre, nachdem das Ajoie den Grafen von Montbéliard verpfändet worden war, löste Johann von Venningen,
Bischof von Basel,
dieses Land wieder ein, indem er Eberhard dem Bärtigen 22800 Gulden bezahlte. Den hielt
der Bischof von Basel
seinen feierlichen Einzug in Pruntrut, wo er sich von der Stadt und dem ganzen Land den Treueid schwören liess.
Seither blieb das Ajoie bis 1793 ein integrierender Teil des den Bischöfen von Basel
gehörenden Fürstentums. Es waren zwar noch
einige kleine Herrschaften, die aber nach und nach vom Fürstentum verschlungen wurden.
Von da an gehörte das ganze Ajoie bis 1793 zum Fürstbistum Basel.
In kirchlicher Hinsicht hing das Ajoie, mit Ausnahme der heutigen
Pfarreien Charmoille, Miécourt und Asuel, vom Erzbistum Besançon ab, so dass der Bischof von Basel
keinerlei geistliche Gerichtsbarkeit
über die Stadt Pruntrut und das Besançon unterstellte Ajoie besass. Im Jahre 1779 wurde in Paris ein
Vertrag abgeschlossen, nach welchem der Bischof von Basel
20 Pfarreien des Ajoie in seinen Diözesanverband erhielt und dafür dem
Erzbischof von Besançon 29 Pfarreien seiner Diözese im französischen Teil des Ober Elsass abtrat.