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Wenn’s dem Esel zu wohl wird,
geht er aufs Eis.
Ernst steht auf und geht in die Küche. Ernst könnte zuerst ein paar Gymnastikübungen machen. Ernst sagt: «Ernst könnte etwas gymnastizieren.» Oder Ernst könnte das Wasser für einen Grüntee aufsetzen. Aber nein! Zuerst muss gegessen werden! Ernst füllt also ein Schälchen mit Regina-Himbeeren und fügt zappzarapp den restlichen Rahm vom Vortag hinzu. Aber jetzt mal Hallo! Wofür nimmt Ernst Ernsts Strapazen auf Ernst? Wofür hält Ernst Ernst eigentlich? Will Ernst gar nicht ernstlich abnehmen? nicht normal essen lernen?
What had Ernst learnt?
Nothing.[1]
Ist Ernsts Wellness Journal also lediglich ein blöder Wollstofffetzen, mit dem Ernst Ernsts Laster mehr schlecht als recht cachiert? Ernst der gewiefte raconteur? Ernst, der – sobald Ernsts Wohlfühlgewicht nur leicht erhöht ist – schon den Übergewichtstsunami anrollen hört? Fakt ist: Ernst vertieft Ernst in tiefschürfende Gedanken; Ernst zählt jede Paranuss und jede Korinthe einzeln; Ernst setzt Ernst auf Ernsts Balkon, mimt den Einsiedler und schaut andächtig über den Fluss; und Abend für Abend schwört Ernst high and holy, Morgen Ernst zu machen; und das alles nur um im nächstbesten Augenblick 1 Scheibe Pain d’épice à l’ancienne zu essen! Schämt Ernst Ernst denn gar nicht, Ernsts Unsinn weiter herunterzuleiern? Ernsts Unfug wie ein schutzloses Pflänzchen, als Ernsts allerliebstes Unkraut zu hätscheln? und Tag für Tag als Sündenbekenntnis aufzuschreiben?
It’s the confession, not the priest,
that gives Ernst absolution.[2]
Ernst sollte Ernst bessern. Soweitsogut. Aber gibt es in der Natur auch nur 1 Hinweis, dass sich etwas bessert? Die Natur grünt und blüht, wird heiss und schwül, wird starr und stur und cool und kühl, sie ändert ihre Gezeiten à la Vivaldi und bringt Sturm à la Shakespeare, eine Besserung jedoch gibt es nicht. Die Besserung (und auch das was man Fortschritt nennt) ist nicht naturgegeben.
Um das zu bekräftigen, geht Ernst zu Ernsts Büchse mit dem fidelen Schneemann. Ernst hebt den Deckel und schaut in die Büchse: Pick, pick! und schon fallen 14 geröstete piemontische Haselnüsse, ein gutes Dutzend Kürbiskerne, 1 Handvoll Sesamsamen und ein paar gesalzene Sonnenblumenkernchen[3] in Ernsts Mund. Ernst fühlt Ernst berauscht[4] und verspürt sofort Erleichterung. Nun studiert Ernst die Büchse mit dem Schneemann mit seinem schicken Zylinder und den kastanienbraunen Fäustlingen. Ernst schüttelt die Büchse und plop! palo, pelo, polo, flop! schon liegen die dicken Paranüsse zuoberst. Ernst ruft: «Der Paranuss-Effekt!»[5] und steckt Ernst die erstbeste dieser calorienreichen Amazonenmandeln in Ernsts Mund. Nun setzt Ernst behutsam einen Fuss vor den andern – Ernst nennt das den Seiltänzergang – und trippelt zu jener Büchse, auf der 2 frivole Eichhörnchen, 1 flinkes Wiesel und 1 frecher Dachs abgebildet sind. Ernst hat sie erst neulich eingeweiht und randvoll mit sibirischen Zedernnusskernen gefüllt. Auf dem Deckel steht:
DREAMWORKS
LA GANG DEL BOSCO
Ernst öffnet die Büchse. Sie ist leer! Aber wie steht es mit der Dose mit den Dvořákovy mandle, die Madame Debienne von Prag mitgebracht hat? Sissignore! Sie ist noch mehr als ½ voll. Dann öffnet Ernst Ernsts Jacksons of Piccadilly Box mit den 2 Löwen und der Devise utile dulcis – das Nützliche mit dem Süssen verbinden –, wo sich die kostbaren Goji-Beeren (vom gemeinen mongolischen Teufelszwirn) befinden und bedient Ernst (zum krönenden Abschluss) mit 2, 3 Handvoll der karminroten Früchtchen.
Justgenauda hört Ernst 1 Stimme und dann sind es 2 oder 3 und bald einmal mehrere. Ernst geht auf Ernsts Balkon und sieht, wie sich das Volk der steiermärkischen Kürbiskerne zusammengeschart hat. Sie rufen: «Lang lebe König Ernst!» Links von ihnen steht das Volk der piemontischen Haselnüsse. Sie rufen: «Evviva Ernesto! Possa il re galantuomo vivere in perpetuo!» Und rechts rufen die Heerscharen der gesalzenen Sonnenblumenkerne: «Uzun yaşamak kral!» Und die Sesamsamen rufen: «Ernsts Sesam öffne sich!» Und die vom Simeliberg rufen: «Berg Semsi, tu dich auf! Berg Semsi, Berg Semsi, verneige dich vor Ernst!»[6] Und nun rufen auch die paraguayischen Paranüsse und die Beeren-, Feigen- und Nussvölker jenseits des Flusses: «Vivent les doucereux trésors du Roi Ernst 1er! Viva la vida! Viva Ernesto primero! Viva el rey!» Und die Untertanen schwenken Fähnchen und halten Tafeln in die Höhe, auf denen Ernst den Kobold ausmachen kann, den Ernst erst neulich im Wald angetroffen hat.[7]
King Earnest 1st! Und wieder spürt Ernst Erleichterung. Erleichterung, weil Ernst König geworden ist? König – von welchem Land? von welchem Volk? vom Beeren-, Mandel- und Nussvolk? Babelfish meint:
Ernst is nuts about nuts,
So Ernst must be nuts.[8]
Um die Krönungszeremonie gebührend ausklingen zu lassen, schlendert Ernst zum Clostershop, wo Ernst Ernst eine Schachtel Langues de chat und ein Amaretto-Eis im Waffelcornet besorgt. Das Eis hat einen ähnlichen Effekt wie der Rahm. Dem frischgekrönten König wird sofort speiübel. Aber die Katzenzüngli hat Ernst gern, ja, es scheint Ernst, dass sie auch Ernst mögen. Ernst flüstert: «It seems the langues de chat care a great deal for Ernst.» Und die Katzenzüngli rufen: «O yes, my love, we do, we do, indeed!» Ernst macht noch einmal Licht, um Ernst ein allerletztes Katzenzüngli – aber da sieht Ernst, wie Madame Surchauffeur und Signorina Cardiopalmo auf Ernsts Futon sitzen. Sie weinen. Allerdings nicht lange, denn da springt Dr. phil. Fill vor und reisst Ernst die Krone von Ernsts Kopf. Ernst tut beschämt und zieht Proforma Ernsts Decke über Ernsts Kopf. Aber Ernst schläft nicht. Ernst lugt durch einen Spalt, den Ernst zum Atmen offen hält, und wartet, bis Ernsts Wachhunde gegangen sind. Kaum ist die Luft rein, kommt Ernst aus Ernsts muffig-heissem Versteck hervor und isst noch einmal ein allerletztes Katzenzüngli. Dann wird der König a. D. plötzlich muchlymüd und fällt augenblicklich hinab in 1 tiefen Schlaf.
[1] Samuel Beckett, Watt
[2] Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde, The Picture of Ernst Gray, Chapt. 8
[3] Ernst lasse Ernst von der Unscheinbarkeit der Sonnenblumenkerne bloss nicht täuschen! Dahinter steckt nämlich Power pur! Oder hätte Ernst gedacht, dass nur schon 100 g der knackigen Winzlinge Ernst mehr Eiweiss bringen als ein Steak? Nicht umsonst heisst es, dass der heilige Franziskus nach seiner berühmten Vogelpredigt seinen gefiederten Zuhörern eine Handvoll Sonnenblumenkernchen spendierte.
[4] Hallo, seit ungefähr einer Woche essen in meiner Klasse alle gesalzene Sonnenblumenkerne aus der Türkei in Mengen und ich auch. Seltsamer Weise bin ich seit dem ich sie esse irgendwie total aufgedreht und ich weiss nicht woher das kommt. Habt ihr vielleicht mal gehört, das Sonnenblumenkerne jemanden in einen Rausch ähnlichen Zustand versetzen können, das man total aufgedreht ist? Danke schon mal vorab. https://www.gutefrage.net/frage/sonnenblumenkerne-als-rauschmittel
[7] s. Episode 17
[8] Ernst ist verrückt nach Nüssen, also muss Ernst verrückt sein.