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Spreng, Hans (1926-1990)--DB3383
Person
Lebensdaten
12.01.1926-09.02.1990
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Verheiratet mit Käthi Reust 1955; drei Kinder
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Sohn von Spreng, Hans (1901-1975)--DB3382
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Ing. Agr. ETH
Berufsausübung
Kantonale Zentralstelle für Obstbau Kanton Bern: Direktor 1967-1990 (als Nachfolger von Spreng, Hans (1901-1975)--DB3382 und Vorgänger von Maurer, Jürg (1959-)--DB4695); Schweizerische Zentrale für Obstbau in Oeschberg: Direktor 1967-1990 (als Nachfolger von Spreng, Hans (1901-1975)--DB3382 und Vorgänger von Bonauer, Armin--DB6848); Mosterei Worb: Leiter
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
Schweizerischer Landwirtschaftlicher Verein (SLV): Vizepräsident 1985-1990 (Nachfolger von Zurflüh-Vetsch, Fritz (1910-1993)--DB3963 und Vorgänger von Fischer, Franz--DB1042); Ökonomische und gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern (OGG): Präsident 1984-1990 (Nachfolger von Zurflüh-Vetsch, Fritz (1910-1993)--DB3963 und Vorgänger von Gerber, Fritz (1939-)--DB1228), Präsident der Kommission für Bildungswesen und Volkswirtschaft 1975-1985, Sekretär 1963-1974, Sekretär der Kommission für Obstbau 1973-1994, Sekretär/Kassier der Kommission für den Berner Markt 1977-1984; Schweizerische Arbeitsgruppe für die Integrierte Obstproduktion (SAIO): erster Präsident 1978-; Schweizerische Landjugendkonferenz: Mitbegründer und erster Präsident 1956-1960 (Vorgänger von Egli, Josef (1926-2017)--DB916)
Funktionen in anderen Institutionen
Alkoholfachkommission: Mitglied (1933-1972)
Funktionen in der Politik
Biographische Skizze
Beruflich führte der ETH-Agronom Hans Spreng als Leiter der Obstbauzentrale in Oeschberg weitgehend das Lebenswerk seines gleichnamigen Vaters fort. Daneben aber eröffneten sich ihm weitere Tätigkeitsfelder, so mit der Wahl zum Präsidenten der 1956 von ihm mitbegründeten Schweizerischen Landjugendkonferenz. Als Präsident der OGG von 1984 bis zu seinem Tod 1990 leitete er zudem jene Reformen ein, die in den 1990er-Jahren aus der bäuerlichen Bildungsorganisation eine Koordinationsstelle mit sozialem Auftrag machten.
Hans Spreng war 20-jährig, als die OGG-Kommission für Bildungswesen und Volkswirtschaft im Winter 1945/46 begann, «ländliche Bildungsabende» durchzuführen, mit denen man junge Bauern und Bäuerinnen anzusprechen versuchte. Das grosse Echo, das diese Initiative auslöste, veranlasste die Kommission zur Gründung eines Ausschusses für ländliche Bildungsabende. Dieser führte im Herbst darauf einen Einführungskurs durch, an dem mehr als 300 Interessierte teilnahmen. Treibende Kraft hinter diesen Bestrebungen war Moser, Werner--DB2443, der schon in den 1930er-Jahren als junger Agronom beim Aufbau der Jungbauernbewegung auf dem Möschberg eine wichtige Rolle gespielt hatte. Er war nun Direktionssekretär auf der Landwirtschaftsdirektion, verfasste Kreisschreiben an die Ortsgruppen und orientierte sie über die Themen, die der Ausschuss zur Behandlung vorschlug. Hans Spreng, der selber in der Bäuerlichen Bildungsgruppe an der unteren Emme aktiv war, wurde 1953 Sekretär des Ausschusses.
Die ländlichen Bildungsgruppen der 1940/50er-Jahre funktionierten ähnlich wie die Ortsgruppen Junges Bauernland der Bauernheimatbewegung in den 1920/30er-Jahren. Auch diese hatten Instruktionen und Themenvorschläge vom «Zentrum» der Bewegung erhalten, wobei sie über beträchtlichen Spielraum bei der Umsetzung der Richtlinien und für die Wahl eigener Themen verfügten. Werner Moser war zudem bei weitem nicht der einzige ehemalige Jungbauer, der sich nun für die neuen Bildungsbestrebungen der OGG engagierte. Auch der Stadtberner Markus Feldmann, in den 1920er-Jahren von der ländlichen Bildungsarbeit der Jungbauernbewegung tief beeindruckt, engagierte sich für die ländlichen Bildungsgruppen. Diese waren in mancher Hinsicht tatsächlich eine Reaktivierung der in den 1920er-Jahren einsetzenden, von der damaligen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) unterstützten Jugendarbeit der Jungbauern. Ein wesentlicher Unterschied bestand allerdings darin, dass die Instruktionen nun von einer OGG-Kommission und nicht mehr von Müller, Hans (1891-1988)--DB2476 vom Möschberg kamen.
Und wie die jungbäuerlich dominierte Bildungsarbeit der Zwischenkriegszeit von ausländischen Vorbildern wie der dänischen Volkshochschulbewegung beeinflusst war, so war auch die ländliche Bildungs- und Jugendarbeit der Nachkriegszeit Teil einer in fast allen westeuropäischen Staaten zu beobachtenden Organisation der Jugend auf dem Land. Berichte von zumeist bäuerlichen Gruppenmitgliedern über ihre Auslandaufenthalte gehörten zu den beliebtesten Themen der Diskussionsabende.
Nicht nur in Bern, wo seit Anfang der 1950er-Jahre regelmässig Landjugendtage durchgeführt wurden, sondern auch in vielen anderen Gegenden der Schweiz wurde die Land-Jugend jetzt (wieder) organisiert. Im gleichen Jahr, als sich Spreng auf der kantonalen Ebene für den Ausbau der Organisation zu engagieren begann, regte er auch die Bildung einer Schweizerischen Landjugendkonferenz an. Es gehe nicht um eine Zentralisierung der Jugendarbeit, begründete er seinen Vorstoss, sondern um eine Sammlung der Bestrebungen in den einzelnen Kantonen sowie um die Förderung des Gedankenaustausches und die Pflege der internationalen Beziehungen.
Spreng konnte seinen Vorschlag zur Schaffung einer Schweizerischen Landjugendkonferenz 1956 mit Hilfe des Bauernsekretariates und des Schweizerischen Landwirtschaftlichen Vereins realisieren, die an der Schulung des eigenen Nachwuchses interessiert waren. Dass lediglich eine Konferenz, nicht aber eine eigenständige Organisation geschaffen wurde, hing auch mit der oftmals engen Bindung der Jugendgruppen an die lokal dominierende Konfession zusammen. Die Institution sollte nicht allzu eigenständig werden: Die Katholiken waren in den 1950er-Jahren aus Angst vor einer Dominanz durch protestantische Kreise oftmals dezidiert dagegen, gesamtschweizerische Gruppierungen zu bilden.
Die Geschäftsstelle der Schweizerischen Landjugendkonferenz befand sich am Sitz des Bauernverbandes, der einen jungen Mitarbeiter für Sekretariatsarbeiten und die Führung der Kasse zur Verfügung stellte. Erst später wurde aus der Konferenz eine eigenständige Organisation, die sich aus dem engen Verhältnis zu den Verbänden löste und sich dafür der Bundesverwaltung annäherte. Nachdem die Geschäftsstelle an den Sitz der ebenfalls Ende der 1950er-Jahre entstandenen Landwirtschaftlichen Beratungsstelle in Lindau verlegt worden war, waren es vielfach landwirtschaftliche Berater, die in den Kantonen als Koordinatoren der regionalen Landjugendgruppen wirkten. Die Ortsgruppen wurden in den 1960er-Jahren immer mehr zu dem, was sie dem Namen nach schon immer waren: Eine Organisation eines Teils der Jugend auf dem Land. Das spezifisch «Bäuerliche» verschwand auch aus den vermittelten Inhalten. An die Stelle der Diskussionen um Futterkonservierung oder Düngerpläne traten zunehmend Themen wie «Die Frage nach der Liebe» oder «Sie und Er».
Hans Spreng war bis Ende der 1950er-Jahre nicht nur der organisatorische Kopf der Landjugend-Bewegung, sondern hinterliess auch inhaltlich unübersehbare Spuren. Er war ein gefragter Redner, der sich allerdings rechtzeitig aus der Organisation der Landjugendtage zurückzog – bevor Zweifel aufkommen konnten, ob er denn überhaupt noch zu den «Jungen» zu zählen sei. Die Landjugendkonferenz legte den Ortsgruppen nahe, bei den Landjugendtagen neben einem Pfarrer immer zuerst auch einen 'älteren' Redner (vorzugsweise einen Vertreter der politischen Behörden oder der landwirtschaftlichen Verbände) zu Wort kommen zu lassen, bevor dann einem 'Jungen' – auch junge Frauen seien als Rednerinnen beliebt, hiess es in den Richtlinien – das Wort zu erteilen war.
Inhaltlich waren die Landjugendtage, wie die Landjugendbewegung insgesamt, eine komplexe und heterogene Angelegenheit – für die 1950er-Jahre nicht untypisch. Auf der einen Seite appellierten die Redner regelmässig an das «Standesbewusstsein» der jungen Bauern und Bäuerinnen und kritisierten die Landflucht. Gleichzeitig forderten Redner dazu auf, nun das zu produzieren, «was der Markt verlange». Und der Aufruf zu religiöser Demut erfolgte im Einklang mit der Forderung nach politischer Korrektheit, nach Wehrhaftigkeit der Landjugend im Kalten Krieg. Die Klammer, die diese Botschaften zusammenhielt, bildete die «Kraft des positiven Denkens» des Amerikaners Norman Vincent Peal. Besonders Hans Spreng legte seinen jungen Lesern und Zuhörerinnen immer wieder ans Herz, dessen Texte zu studieren.
1960 trat Spreng als Präsident der Landjugendkonferenz zurück. Auch im Kanton Bern engagierte er sich nicht mehr aktiv in der 1966 von der OGG neu geschaffenen Kommission für Landjugendarbeit. Die Anpassung der stark von ihm geprägten Landjugend-Bewegung an die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse in den 1960er-Jahren diente ihm 20 Jahre später jedoch, wenn auch nur implizit, als Vorbild bei der Führung der OGG. Die von ihm betriebene Loslösung der OGG aus ihrer bäuerlichen Verankerung und die neuerliche Hinwendung zur Burgergemeinde der Stadt Bern stiessen zwar nicht bei allen Mitgliedern auf ungeteilte Zustimmung, verhinderten aber angesichts des rasanten Bedeutungsverlusts der Landwirtschaft am Ende des 20. Jahrhunderts möglicherweise die Marginalisierung der traditionsreichen Gesellschaft.
Autor: Peter Moser
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
Quellen
- AfA Personendossier Nr. 3
- SVIAL Bulletin, April 1990
- Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe. Die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern OGG (1759-2009). Herausgegeben von Martin Stuber, Peter Moser, Gerrendina Gerber-Visser und Christian Pfister, unter Mitarbeit von Dominic Bütschi, Bern-Stuttgart-Wien, 2009
- Archivbestand Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV)
Schlagworte
Suisse - SchweizKanton BernOekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern (OGG)Schweizerische LandjugendvereinigungKantonale Zentralstelle für Obstbau BernSchweizerische Zentralstelle für Obstbau SZOSchweizer Obstverband (SOV)