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Aufnahmebedingungen des Spitals
Viele der Spitalinsassen waren Pfründner, die gegen Bezahlung eines bestimmten Pfrundbetrages im Spital aufgenommen wurden und in der Regel auf Lebenszeit Anrecht auf Verpflegung und Unterbringung im Spital genossen. Diese Pfrundbeträge reichten aber bei weitem nicht aus, um alle anfallenden Kosten im Spital zu decken. Zu den Ausgaben für die Spitalinsassen kamen andere Aufwendungen für den Betrieb wie Lohnzahlungen für externe Arbeitskräfte, Bauausgaben im Spital und auf Gütern im Umland sowie Aufwendungen für die Landwirtschaft und vieles mehr. Um seinen sozialen Auftrag zu erfüllen, war das Heiliggeist-Spital als weltliche Grundherrschaft auf eine genügend grosse Rendite aus den landwirtschaftlichen Besitzungen und aus dem Handel angewiesen. Die der Oberaufsicht des städtischen Rats unterstellte Spitalleitung war deshalb gezwungen, die Ausgaben zu kontrollieren und wenn möglich zu reduzieren sowie weitere Einnahmen zu erwirtschaften.
Eine Massnahme, die Ausgaben des Spitals zu verringern, bestand in der strengeren Auswahl der Spitalinsassen: Gemäss einem Eintrag im Stadtsatzungbuch aus dem 15. Jahrhundert sollten ausschliesslich solche Personen aufgenommen werden, die dem Spital keine finanziellen Verluste bescherten.
Hinweise zur Transkription
Beachten Sie die re-Kürzungen bei «were». Fügen Sie über der Zeile stehende Vokale hinter dem darunter stehenden Vokal ein. Transkribieren Sie u/v nach dem Lautwert (also z.B. «underredt» für «vnderredt» und «sovil» für «souil»). Punkte über Buchstaben werden nur dann transkribiert, wenn ihr Laut sinnvoll ist (also z.B. bei «möcht», nicht aber bei «güt» oder «stät»). Passen Sie i und j dem heutigem Gebrauch an (z.B. «darinn» statt «darjnn»). Wort-teile, die optisch getrennt erscheinen, aber sinngemäss zusammen-gehören, werden als ein Wort transkribiert (also «zuversichtlich» statt «zu versichtlich»). Nutzen Sie bei Unsicherheiten die Tipps.
Von des spittals nutz und fromen wegen haben sich groß und klain
rete underredt und ain ordnung darinn angesehen und gesetzt, die hinfur,
als hernach geschriben stat, gehalten und vollfürt werden sol. Des ersten,
das man hinfur dehainem pfruondner mer die pfründ ze koffende geben söll,
es wer dann, das ainer so alt und swach were und ouch sovil darumb
gebe, das wol zuversichtlich wer, das der spittal nit verlust an im
hette noch gehaben möcht, oder das er sovil umb ain statt verdient
hett oder verdienen möcht und an gut abkomen were, oder öb ainer
sust dem spittal zu haben und zu bruchen notdurfftig und danne darzuo
gut were, das sin der spittal bedörffte, das dann in den drin stuken
ain rat gelegenhait der sachen, ouch des spittals nutz und der statt
ere wol ansehen und fürhannd nemen mag.
Dass das Pfrundwesen für das Heiliggeist-Spital eine hohe finanzielle Belastung darstellte, kommt in der ersten Bestimmung aus dem Stadtbuch zum Ausdruck. Es sollte nur noch solchen Personen eine Pfründe verkauft werden, die bereits so alt und schwach waren, dass mit ihrem baldigen Tod gerechnet werden konnte und sie nicht mehr allzu lange vom Spital verköstigt und gepflegt werden mussten. Denn je länger jemand nach seinem Eintritt in das Spital noch lebte, desto grösser wurden die Aus-lagen des Spitals, und der Gewinn aus der beim Eintritt bezahlten Summe verringerte sich entsprechend. Das Spital war also bei der Aufnahme der Pfründner gezwungen, ökonomische Gesichts-punkte zu berücksichtigen. Das zweite in diesem Stadtbucheintrag festgehaltene Aufnahmekriterium ins Spital ist als Belohnung für besondere Verdienste zu verstehen. So konnte der Rat beispiels-weise Politikern und anderen Mandatsträgern oder deren Ehe-frauen eine Alterspfründe im Spital schenken. Das dritte Kriterium betont wiederum den Grundgedanken der Wirtschaftlichkeit: Es sollten auch Personen aufgenommen werden, die man «bruchen» konnte – also solche, die man als Arbeitskraft einsetzen konnte.
Erklärungen
fromen: Vorteil
rete: Ratsherren, Räte
dehainem: kein
pfruondner: Inhaber einer Pfründe
pfründ: Pfründe
drin: drei