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Genau einen Monat nach Saisonende können die Verantwortlichen von LINDAREN Volley Amriswil den neuen Trainer präsentieren. Nach vielen Gesprächen, Bewerbungssichtungen und Empfehlungen fiel die Entscheidung auf Vincent Pichette aus Kanada. Der 49-Jährige ehemalige Profivolleyballer arbeitete zuletzt in Japan als Assistenztrainer von Laurent Tillie, mit dem er 2017 gemeinsam mit der französischen Nationalmannschaft das World League Turnier gewann. Zudem baute Pichette das kanadische nationale Leistungszentrum für Volleyball auf und leitete dieses als Headcoach von 2009-2017.
Im Interview verrät Pichette seine Beweggründe, die ihn nach Amriswil brachten und erzählt, dass es für ihn nur selbstverständlich war, Trainer zu werden.
Vincent, deine Karriere als Trainer begann schon recht früh – erzähle uns doch deinen Weg:
Ich fing an zu coachen, als ich in der Highschool war. Die Kinder waren damals drei bis vier Jahre jünger als ich. Ich stamme aus einer Lehrerfamilie, also war es für mich ganz natürlich zu unterrichten und anderen etwas beizubringen. Im meinem ersten Jahr als Profivolleyballer in Frankreich hatte ich mir dann einen Bauchmuskelriss zugezogen und zu dieser Zeit gab es in Kanada keine Nationalmannschaftsstruktur. Es gab kein Vollzeit-Trainingszentrum und somit keine Möglichkeit für Spieler wie mich, die nicht mehr zu den Leistungsträgern gehörten, sich zu rehabilitieren oder in das System zurückzukehren, um einen neuen Profivertrag zu bekommen. Also habe ich meinen Master-Abschluss gemacht und gleichzeitig angefangen Mannschaften zu trainieren.
Wenn Du Volleyball beschreiben sollst – was ist Volleyball für dich?
Lacht und überlegt lange: Zunächst ist Volleyball ein Mannschaftssport. Ich war schon immer in Mannschaftssportarten involviert, sei es Fussball, Hockey, Basketball oder dann später und endgültig Volleyball. Volleyball ist eine Sportart, bei der man den Ball von Natur aus teilen muss, das ist für mich ein ganz fantastisches Element. Und es ist ein Sport, bei dem man sein Talent in vollem Umfang zum Ausdruck bringen kann. Man kann den Ball nicht halten oder treten und es gibt keinen offensichtlichen Körperkontakt mit dem Gegner, so dass man sein Talent, sein Können auf dem Spielfeld zeigen kann. Wenn man darüber nachdenkt, dann ist das bei Mannschaftssportarten ziemlich selten. Das macht für mich den Reiz des Volleyballsports aus, und ich habe mich schon sehr früh dafür begeistert.
Du warst sowohl Cheftrainer als auch Assistenztrainer. In den letzten beiden Jahren hast du als Assistent zusammen mit dem ehemaligen französischen Nationaltrainer Laurent Tillie gearbeitet. Warum hast du dich nun wieder für den Chefposten entschieden?
Das war der Deal mit Laurent – lacht. Wir wollten nach unserer Zeit mit der französischen Nationalmannschaft weiter zusammen arbeiten und sind nach Japan zu Panasonic gegangen. Doch er wusste, dass wenn meine Zeit kommt, ich wieder als Headcoach arbeiten möchte. Ich war gleich zu Beginn meiner Karriere für lange Zeit Headcoach des kanadischen Nationalzentrums. Dann kamen die Aufgaben als Co-Trainer erst bei der kanadischen und später dann bei der französischen Nationalmannschaft dazu. Doch für mich war es immer mein Traum und auch das erklärte Ziel, als Headcoach zu arbeiten und ich freue mich über diese Aufgabe in Amriswil.
Was können die Spieler von ihrem neuen Trainer erwarten?
Es liegt in der Natur des Menschen, dass man denkt: jetzt haben wir einmal gewonnen, jetzt gewinnen wir immer. Man erwartet, dass die Dinge gleich bleiben, vielleicht sogar, dass es einfacher wird. Doch das müssen wir alle hinter uns lassen und bereit sein, zu kämpfen und sehr hart zu arbeiten. Denn wenn man an der Spitze steht, wollen die anderen Teams den Spitzenreiter natürlich vom Thron stossen. Wir haben also eine grosse Aufgabe vor uns. Wir müssen uns als Mannschaft grosse Ziele setzen, wir müssen uns Arbeitsziele setzen und wir müssen einige neue Mitglieder – sowohl Spieler als auch Trainer – integrieren. Wir werden eine Mannschaftsdynamik schaffen und jeder muss sich darauf einstellen und bereit sein, diese Ziele zu verfolgen.
Und was sind deine Ziele mit Volley Amriswil?
Wir wollen sowohl die Meisterschaft als auch den Pokal gewinnen. Und – das müssen wir genauer definieren – kurz- oder mittelfristig die Qualifikation zur Champions-League-Hauptrunde schaffen. Das ist eine ziemliche Herausforderung, denn in der Champions League spielen die Besten der Besten und es erfordert ein hohes Mass an Engagement in jeder Hinsicht. Das ist natürlich eine Herausforderung, aber auch ein sehr interessantes Ziel. Ich freue mich schon darauf hinzuarbeiten.
Zum Schluss: warum hast du dich für Amriswil entschieden?
Nun, ich denke es war eine Kombination aus mehreren Dingen. Zudem hat Amriswil einen Cheftrainer gesucht und mein Kontakt zum Management war von Anfang an sehr gut. Ich kenne Chris (Chris Voth – Assistenztrainer LINDAREN Volley Amriswil) als Spieler und als Trainer und natürlich hat er mir schon sehr viel über Amriswil, die Philosophie, das Arbeiten, die Voraussetzungen und die Ansprüche erzählt. All das passt sehr gut zu meinen eigenen Vorstellungen und ich freue mich schon sehr, nun in die Schweiz zu Amriswil zu gehen und mit der Arbeit zu beginnen.
Daten und Fakten zu Vincent Pichette:
– Geburtsdatum: 13. November 1972 in Gatineau, Québec, Kanada.
– 37 Jahre im Volleyball als Spieler und Trainer.
– Spieler auf Sekundarschul-, College-, Universitäts- und internationaler Ebene (B-Nationalmannschaft)
– 5-facher kanadischer Meister
– 25 Jahre Erfahrung als Trainer auf Vereins-, nationaler, internationaler und professioneller Ebene.
– 10 Jahre internationale Erfahrung als Assistenztrainer der kanadischen und französischen Nationalmannschaft
– 10 Jahre Erfahrung mit den Nationalen Ausbildungszentren Kanadas & Frankreichs
– PNCE Level V zertifizierter Trainer für Volleyball, INS de Montréal (2013)
– 5. Platz Olympische Spiele 2016, Rio de Janeiro – Brasilien
– Weltmeisterschaften 2010, 2014 & 2018
– Norceca 2009, 2011, 2013, 2015 und Euro 2017
– World League (VNL) 2012-2018, Champions 2017 mit der französischen Nationalmannschaft in Curitiba – Brasilien
– Panamerikanische Spiele 2011 & 2015, World Cup 2015 & Grand Champions Cup 2017