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Heute (17. Oktober) feiert René Botteron seinen 66. Geburtstag. Der FC Glarus möchte einem seiner grössten Stars dazu recht herzlich gratulieren.
Der am 17. Oktober 1954 geborene René Botteron wuchs in Netstal auf. Botterons Heimatverein war aber der FC Glarus. Von dort holte ihn im Winter 1973 der FC Zürich, bei dem er sich zum Nationalspieler entwickelte. Insgesamt spielte er 307 Pflichtspiele (NLA, Schweizer-Cup, Europapokal) für den FC Zürich und erzielte dabei 61 Tore. Botteron war bekannt, dass er nahezu alles mit dem rechten Fuss machte. Er war nach Köbi Kuhns Rücktritt von 1977 bis 1980 Captain des FC Zürich.
Es folgte im Sommer 1980 ein Wechsel zum 1. FC Köln in die Deutsche Bundesliga, bei dem der Schweizer Mittelfeldspieler aber nie richtig überzeugen konnte. Im selben Jahr kam er bei der Wahl zum Schweizer Fussballer des Jahres auf den zweiten Platz. Er litt jedoch unter dem Umstand, dass die Mannschaft zu dieser Zeit mit Dieter Müller, Bernd Schuster, Tony Woodcock, Rainer Bonhof, Bernhard Cullmann, Klaus Fischer, Klaus Allofs und Stephan Engels viele Stars in ihren Reihen hatte, die sich ihren Platz im Team nicht streitig machen liessen. In der Saison 1981/82 wurde er nach langer Zeit auf der Kölner Reservebank im Winter 1981 an Standard Lüttich ausgeliehen. Die Belgier, mit denen er bis ins Finale des Europacups der Pokalsieger kam, hatten allerdings das Geld nicht, um ihn fest zu verpflichten, und die Kölner wollten ihm keinen neuen Vertrag geben. Der Schweizer wurde zu Saisonbeginn 1982 für 600’000 D-Mark an den 1. FC Nürnberg transferiert. Die Karriere beendete er beim FC Basel (1983 – 1987).
René Botteron stand am 12. Mai 1982 als erster Schweizer Fussballprofi in einem Finalspiel des Europacup. Mit Standard Lüttich ärgert der Glarner den grossen FC Barcelona (1:2 Niederlage im Camp Nou vor 110’000 Zuschauern).
Insgesamt absolvierte René Botteron 281 Spiele in der Schweizer NLA (46 Tore) und 71 Spiele in der Deutschen Bundesliga (4 Tore). Er war Schweizer Meister 1974, 1975 und 1976 und gewann 1976 den Schweizer Cup. 1982 wurde er Belgischer Meister.
Sein erstes Länderspiel absolvierte er am 9. Juni 1974 gegen Schweden in Malmö (0:0). Sein letztes Länderspiel spielte er am 27. August 1986 gegen Österreich in Innsbruck (1:1). Total kam er auf 65 Länderspiele (2 Tore) für die Schweiz.
Der folgende Text stammt von Kurt Meyer (www.pronetstal.ch)
Zu René Botteron habe ich eine ganz besondere Beziehung, denn als ich beim FC Glarus Junioren-Trainer war, spielte René bei den C-Junioren, die ich trainierte. Er war damals schon in jeder Beziehung ein auffälliger Spieler: technisch überdurchschnittlich, läuferisch sehr schnell und flink, spielerisch hervorragend. Am meisten imponierte mir aber sein Charakter: keine Allüren, bescheiden, immer freundlich und fair, ausgesprochen mannschaftsdienlich und spielfreudig. Seine Freude am Fussballspielen war immer ersichtlich, wenn er zuhause einen Besuch machte, auch als er schon in der ersten Mannschaft des FC Zürich spielte. Hinter der Wohnung seiner Eltern, wo heute ein schöner Kinderspielplatz ist, gab es damals nur eine Wiese. Auf dieser spielte René schon während seiner Schulzeit täglich. Als bekannter Fussball-Star sah man ihn, den Profi, bei seinen Besuchen in Netstal inmitten von Knaben und Mädchen einem Ball nachrennen. Diese Freude am Spielen ist ihm während seiner ganzen Zeit als Fussballer geblieben.
Zwei Episoden aus meiner Trainerzeit beim FC Glarus sind mir in Erinnerung geblieben. An einem Zusammenzug der besten Junioren wurden diese auf ihre technischen Fertigkeiten geprüft. Jeder musste den Ball jonglieren und hatte dafür drei Versuche. Die Anzahl der meisten Ballberührungen pro Versuch, ohne dass der Ball zu Boden fiel, wurde notiert. Als alle anderen Teilnehmer ihre drei Versuche schon hinter sich hatten, jonglierte René immer noch im ersten Versuch. Diesen musste er aus Zeitgründen abbrechen, denn die Anzahl der Berührungen hatte 700 überschritten. Die zweite Geschichte spielte in St. Gallen an einem C-Junioren-Finalturnier. Wir standen im Endspiel gegen die Junioren des FC Brühl. Beim Stande von 1:1 wollte einer meiner Verteidiger den Ball zum Torhüter zurückspielen. Leider stand dieser gleich hinter ihm, so dass der Rückpass ins eigene Tor rollte. René war der erste, der den am Boden liegenden Torschützen aufstellte und ihn damit tröstete, dass alle versuchen würden, das Spiel noch zu drehen. Leider hat es nicht gereicht. Nach dem Spiel kam der Trainer des FC St. Gallen zu mir und fragte nach dem Namen der Nummer 9 bei uns. René trug diese. Ich nannte dem Trainer den Namen und fügte bei, dass man von ihm noch hören werde. Ich sollte Recht behalten.
Mit 19 Jahren debütierte René in der ersten Mannschaft des FC Zürich. Im Zürcherdress wurde René in sieben Jahren dreimal Schweizer Fussball-Meister, 1976 gewann er sogar das Double. Legendär ist der Schlachtruf, mit dem seine Fans ihn empfingen und unterstützten: Bo Bo Botteron! Er war der umjubelte Star bei den Zürchern, weil er mit seinen Sturmläufen, den eleganten Dribblings und dem letzten entscheidenden Pass immer wieder zu begeistern wusste. Er war kein Goalgetter, sondern verstand es immer wieder, schon als Junior, seine Mitspieler so einzusetzen, dass sie zum Torschuss kamen. Oft konnte er nur durch ein Foul gebremst werden. Doch beschwerte er sich kaum beim Schiedsrichter, stand sofort auf, nachdem er gelegt wurde und spielte weiter. Deswegen war er bei den Fans, den Mitspielern, den Schiedsrichtern und den Gegner respektiert und beliebt. Seine Leistungen blieben dem Trainer der Schweizer Nationalmannschaft nicht verborgen und ein Aufgebot war die Folge. Er spielte 65 Mal im Nationaldress. Mehrere Male lief er sogar als Kapitän der Schweizer auf.
Im Jahre 1980 zog es René in die Bundesliga zum 1. FC Köln, der in finanzieller Hinsicht den FC Zürich überbieten konnte. Rinus Michel, der Trainer von Köln, setzte ihn in der ersten Saison als Stammspieler ein. Doch in der zweiten Saison bevorzugte er andere Spieler und liess René auf der Reservebank. Von Weihnachten 1981 an wurde er an Standard Lüttich ausgeliehen. Mit dieser Mannschaft wurde er belgischer Meister und stiess mit ihr bis ins Finale im Europacup der Cupsieger vor. Dieses Spiel ging aber gegen Barcelona 2 : 1 verloren. Die Belgier hatten das Geld nicht, um René definitiv zu verpflichten. So kam er wieder zurück in die Bundesliga. Weil ihm Köln keinen Vertrag geben wollte, ging er zum 1. FC Nürnberg. Ausgerechnet im Spiel gegen Köln, gegen den Trainer, der ihn auf die Bank gesetzt hatte, zeigte René, was in ihm steckte. Der „Kicker“, die renommierteste Fussball-Zeitschrift in Deutschland, wählte ihn zum „Mann des Tages“ und schrieb nach dem 2:1 Sieg der Nürnberger über Köln: “Der Tag, an dem René Botteron seinen Einkauf in Nürnberg rechtfertigte! Er war überall zu finden. Er trieb die Franken vorwärts. Er schlug Riesenpässe. Er gab die Vorlagen zu beiden Toren. Sein stärkstes Spiel! Er zeigte es Michels!” In Interviews äusserten sich auch seine Mitspieler immer wieder lobend über René. So meinte Werner Heck: „Der René ist der einzige, der uns Stürmer mit guten Vorlagen versorgt!“ Reinhold Hintermaier, ebenfalls ein Mannschaftskollege beim 1. FC Nürnberg, sagte einmal: „René ist menschlich ein feiner Kerl. Ich bin jedenfalls froh, dass er da ist.“
Einzig den Schweizer Nationaltrainer Paul Wolfisberg schien die Kunde von der guten Form von René nicht erreicht zu haben, denn er verbannte den Kapitän der Nationalmannschaft 1983 aus dem Kader, ohne vorher mit ihm gesprochen zu haben. René musste seine Nichtberücksichtigung aus den Medien erfahren.
Auch in der Bundesliga lief es nicht gut. Gegen den Willen des Trainers Udo Klug vom 1. FC Nürnberg wurde René zu Beginn der Saison 1983 an den FC Basel abgegeben. Am Ende der Saison stellte sich heraus, dass der Vereins-Manager schon einen anderen Ausländer verpflichtet gehabt hatte, sodass René überzählig gewesen wäre.
Der neue Nationaltrainer Daniel Jeandupeux berief ihn wieder in die Nationalmannschaft. Beim FC Basel spielte er noch vier Jahre, wurde aber immer wieder von Verletzungen geplagt und musste wegen einer Knieverletzung 1987 seine Fussball-Karriere sogar beenden. Nach seiner Zeit als Fussballer fand er eine Anstellung bei einer Bank.
Als es für René nicht so gut lief, antwortete er einmal auf die Frage eines deutschen Reporters, wie er es verkraftet habe, vom umjubelten Star in Zürich zum herumgeschobenen Fussball-Profi im Ausland zu werden: “In den erfolgreichen Jahren habe ich immer versucht, der gleiche zu bleiben, der ich immer war. Das versuche ich auch jetzt.” Dass er noch gleich geblieben ist, davon konnte ich mich anlässlich einer Präsentation einer Abschlussarbeit eines Glarner Sportschülers zum Thema „drei Glarner Fussballprofis“ an der Sportschule 2011 selber überzeugen. Weil René mich als wichtige Bezugsperson im Juniorenalter angegeben hatte, war ich zu dieser Veranstaltung eingeladen worden. Es freute mich, dass René mich erwähnt hatte, und ich fühlte mich ein bisschen geehrt. Dass René den Weg von Basel nach Netstal für diese Präsentation auf sich genommen hatte, freute mich nochmals. Als ich mit ihm ein paar Erinnerungen austauschte und hörte, was er auf die Fragen der Sportschüler antwortete, merkte ich, dass er mit seinem Leben und dem Erreichten zufrieden ist.