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Jugendliche galten in der Schweizer Nachkriegszeit als auffällige und abweichende soziale Gruppe. Jugendverbände und die Schweizerische Unesco-Kommission forderten Studien und jugendpolitische Reformen. Die Analyse dieser Debatten im Zeitraum von 1945 bis 1979 gibt Einblick in einen gesellschaftlichen Grundkonflikt: Während die Erwartungen an Jugendliche als Garanten gesellschaftlicher Stabilität in den 1960er-Jahren zunahmen, entfernten sich diese von traditionellen Normen. Die Studien und das Ringen um eine Jugendpolitik waren Teil eines krisenhaften Lern- und Anpassungsprozesses, mit dem Schweizerinnen und Schweizer auf die Herausforderungen des rasanten gesellschaftlichen Wandels reagierten.
«Wie die Historikerin Rahel Bühler in ihrer thematisch originellen Dissertation nachweist, setzt die ambivalente Beschäftigung der Erwachsenen mit den Jugendlichen nach dem zweiten Weltkrieg ein. [...] Um 1968 herum geben Behörden und Verbände gleich drei grosse Studien in Auftrag, um herauszufinden, was mit der gefährlichen Jugend los ist und was gegen deren ‹Ghettoisierung› zu tun sei. Doch die an sich pionierhaften Untersuchungen teilen das Schicksal so mancher angewandten Forschung: Als sie gegen Mitte der 1970er Jahre erscheinen, wirken sie bereits überholt.»