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• Gründung 1874 als Spenglerei-Betrieb
• Erfolg brachte vor allem die Entwicklung und Produktion von Spülkästen
• Heute beschäftigt Geberit rund 12'000 Mitarbeitende in über 50 Ländern und ist europäischer Marktführer
Die Anfänge und der erste Spülkasten
Die Anfänge von Geberit finden sich in der Altstadt von Rapperswil. Dort gründete nämlich Caspar Melchior Albert Gebert im Jahr 1874 einen Spenglerei-Betrieb, aus dem später der heutige Konzern hervorging. Zwei Jahre später heiratete der Firmengründer Josefina Domeisen. Die Ehe ist gleich aus zwei Gründen wichtig für das junge Unternehmen. Zum einen erwarb Gebert von der Familie seiner Ehefrau eine Liegenschaft für den Spenglerei-Betrieb und zum anderen brachte Josefina Domeisen die zwei Söhne Albert Emil und Leo Gebert zu Welt, welche später die Geschicke der Gesellschaft leiteten. Die beiden Tüftler entwickelten im Jahr 1905 den ersten Holzspülkasten, der innen mit Blei ausgeschlagen und mit Bleiarmaturen ausgerüstet war. Dieser sogenannte "Phönix" bildete den Grundstein für das künftige Wachstum. 1909 übernahmen die Söhne nach dem Tod ihres Vater komplett die Führung der Geschäfte und erzielten zunehmend Profite durch den Verkauf des Phönix. Im Jahr 1916 kaufte Albert Emil Gebert ein Grundstück an der Falkenstrasse in Rapperswil, auf dem ein neues Fabrikgebäude errichtet wurde. Dieses ermöglichte die Produktion von Spülkästen im grösseren Stil. Ausserdem begann das Unternehmen Siphons und Absperrventile aus Blei für die Säureindustrie herzustellen. 1929 folgte der erste Schritt ins Ausland mit der Eröffnung einer Filiale mit Verkaufsdepot in Paris.
Innovationen und Wachstum
Die erste grosse Innovation geschah im Jahr 1935. Das Unternehmen stieg in die noch neuartige Kunststoffverarbeitung ein - ein wegweisender Schritt für die Zukunft. Ab 1952 liefen Kunststoffspülkästen über die Fliessbänder und bescherten der Gesellschaft einen deutlichen Aufschwung. Kurz darauf übernahm die dritte Familiengeneration, bestehend aus Heinrich und Klaus Gebert, die Leitung des Geschäfts. Mit dem Wechsel an der Führungsspitze wurde auch der Name Geberit als Schutzmarke eingetragen und fortan als Marke und Gütezeichen verwendet. Mit dem Erfolg des Kunststoffspülkastens eröffneten sich neue geschäftliche Möglichkeiten für Geberit. So stieg das Unternehmen unter anderem in die Abwassertechnik ein und gründete mehrere neue inländische als auch ausländische Gesellschaften. Die Expansion führte Geberit im Jahr 1962 auch in die Industriezone von Jona, dem heutigen Hauptsitz des Konzerns. Zwei Jahre später folgte mit der Markteinführung des Unterputzspülkastens eine weitere erfolgsbringende Innovation. Daraufhin ging das Wachstum von Geberit ununterbrochen weiter. Neue Produktionsweisen und weitere Gesellschaften machten das Unternehmen zu einem bedeutsamen internationalen Player. 1976 wurde die aufgebaute Geberit-Organisation zur Geberit Holding SA umstrukturiert.
Geberit-Aktie: Der Ausstieg der Familie und der Gang an die Börse
Nach langer und erfolgreicher Führung zogen sich die Vertreter der Gründerfamilie schliesslich 1991 aus dem operativen Geschäft zurück. Die Leitung von Geberit wurde an den neu berufenen CEO Günter F. Kelm übergeben. Dieser strukturierte die Gruppe abermals um und trennte die Vertriebs-, Produktions- und Dienstleistungsaktivitäten voneinander durch die Gründung separater Gesellschaften. Die kommenden fünf Jahre wurden vor allem durch die Übernahmen der Firmen Deriplast und Prosan geprägt. 1997 schieden die Familienaktionäre mit dem Verkauf ihrer Unternehmensanteile an den britischen Finanzinvestor Doughty Hanson & Co. vollkommen aus Geberit aus. Da sich die Konzernleitung sowie weitere Führungskräfte aber ebenfalls an der Gesellschaft beteiligten, konnte die Eigenständigkeit der Geberit Gruppe dennoch gewahrt werden. Kurz nach diesem Wechsel in der Eigentümerstruktur des Unternehmens, knackte Geberit im Jahr 1998 erstmals die Milliardengrenze beim Umsatz in Schweizer Franken. Beflügelt durch den Rekord bereitete die Geschäftsführung die Publikumsöffnung vor. 1999 folgte anschliessend der Gang an die Börse.
Geberit heute
Die 2000er Jahre waren bei Geberit weiterhin von Erfolg geprägt. Viele Unternehmensübernahmen, Produktinnovationen und Geschäftsgründungen setzten die Expansion des Unternehmens fort. 2014 feierte der Unterputzspülkasten sein 50-jähriges Jubiläum. Anlässlich zu diesem Jahrestag wurde in einem Schweizer Berghotel ein ebensolcher Spülkasten der ersten Generation ersetzt. Der Austausch fand allerdings nicht statt, weil der Spülkasten nicht mehr funktionsfähig war, sondern weil die Ästhetik überarbeitet werden sollte.
Heute beschäftigt Geberit rund 12'000 Mitarbeitende in etwa 50 Ländern der Welt. Das Unternehmen besitzt 26 Produktionswerke, davon vier in Übersee, und erzielt einen Nettoumsatz von 3,5 Milliarden Schweizer Franken (Stand 2021). Aufgrund dieser Zahlen sieht sich die Geberit Gruppe selbst als europäischer Marktführer für Sanitärprodukte.
Nicolas Flohr / Redaktion finanzen.ch