Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03301.jsonl.gz/1913

Hintergrund:
Erhöhte Serum-Ferritinwerte sind kein Beweis dafür, dass zu viel Eisen in der Leber eines Menschen gespeichert ist. Ferritin ist ein Akutphasen-Protein und damit bei Entzündungen erhöht, ebenso bei Schädigungen der Hepatozyten. Ebenfalls sind die Ferritinwerte bei manchen Patienten mit metabolischem Syndrom erhöht. Es stellt sich also die Frage, welche Patienten mit erhöhten Ferritinwerten und Verdacht auf einen Leberschaden eine „Eisenüberladung“ haben und von einer Aderlasstherapie profitieren würden. Die Ferritinwerte allein und die Eisensättigung werden heute als Parameter verwendet, sind aber nicht immer sehr treffsicher und für die Kliniker wäre ein präziserer Algorithmus von Nutzen.
Einschlusskriterien:
- Patienten mit Ferritinwerten über 300 Mikrogramm/L bei denen eine Leberbiopsie gemacht wurde und die hepatische Eisenkonzentration gemessen wurde.
Studiendesign und Methode:
Retrospektive Analyse
Studienort:
Zürich
Resultat:
- 147 Patienten, mittleres Alter 51 Jahre, 80% waren Männer
- 32 Patienten hatten eine hereditäre Hämochromatose, 40 eine nicht-alkoholische Steatohepatitis, 31 eine chronisch virale Hepatitis, 14 eine sekundäre Eisenüberladung, 20 Patienten eine alkoholische Leberschädigung
- 91 (62%) Patienten hatten eine Eisenüberladung der Leber
- 92% der Patienten mit einem Ferritinwert über 2000 Mikrogramm/L hatten eine Eisenüberladung der Leber, und 56% mit tieferen Ferritinwerten
- Ein wichtiger Indikator für eine Eisenüberladung der Hepatozyten ist der Quotient von Ferritin zu Aspartat-Aminotransferase (ASAT). Bei einem Quotienten Ferritin/ASAT über 17 ist die Wahrscheinlichkeit einer Eisenüberladung hoch (Sensitivität 83% und Spezifität 85%)
- Dieser Quotient hat eine höhere Treffsicherheit wie die Eisensättigung.
Kommentar:
- Bei Patienten mit erhöhten Serumferritinwerten und Verdacht auf eine Lebererkrankung stellt sich oft die Frage nach einer „Eisenüberladung der Leber“.
- Mit diesem einfachen Algorithmus kann eine Eisenüberladung mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen oder nachgewiesen werden.
- Nützlich wäre es diesen Algorithmus in einer weiteren Population von Patienten zu validieren.
Literatur:
Cippa PE et al. Estimating iron overload in patients with suspected liver disease and elevated serum ferritin. Am J Med 2014 PMID 24662623