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charakterisiert werden, weiß der Verfasser von
Friedrich I. schon nicht mehr, daß derselbe die Königswürde erworben hat.
Die nachfolgenden
Könige werden ganz verkehrt und den geschichtlichen
Thatsachen widersprechend geschildert. Das elfte
Stemma,
mit dem das Hohenzollernhaus enden sollte, war
FriedrichWilhelm III., und nur durch die gezwungene
Auslegung, daßFriedrich
II. und
FriedrichWilhelm IV., weil ohne direkte Nachkommen, keine Stemmata seien, dehnen die ultramontanen Erklärer die
Frist
bis auf
Wilhelm I. aus, nach welchem der
Hirt, d. h. der
Papst, die
Herde,
Deutschland
[* 2] den (katholischen habsburgischen) König
wiedererhalten werde.
Der betreffende
Eigentümer ist der Lehnsherr (Lehnsgeber, dominus feudi, senior), der Berechtigte derVasall
(vassus, vasallus) oder Lehnsmann. Sprachlich hängt der
Ausdruck
»Lehen« mit »leihen« zusammen, bedeutet also s. v. w.
geliehenes
Gut, während
das
Wort
»Feudum« nach einigen vom lat. fides
(Treue),
richtiger aber wohl vom altdeutschen feo (d. h.
Vieh, dann überhaupt
»Gut«) abzuleiten ist. Den
Gegensatz zum
Lehen bildet das freie
Eigentum,
Allodium (s. d.).
Die dem
Vasallen zustehende
Berechtigung nähert sich thatsächlich dem
Eigentum so sehr, daß man dieselbe geradezu als nutzbares
Eigentum (dominium utile) und das
Recht des eigentlichen Eigentümers als
Obereigentum (dominium directum) zu bezeichnen pflegt.
Die Rechtsgrundsätze über das Lehnswesen bilden das
Lehnrecht im objektiven
Sinn.
[Geschichte des Lehnswesens.]
Das Lehnswesen entwickelte sich zuerst in der fränkischen
Monarchie und bildete jahrhundertelang die
Grundlage der mittelalterlichen Heerverfassung und des germanischen
Staats. Die
Karolinger pflegten nämlich an freie Leute
Güter zu verleihen, wogegen sich diese zur Leistung von
Kriegsdiensten verpflichteten, indem sie als
Fideles
(Getreue) in das
königliche
Gefolge eintraten, und diesVerfahren wurde bald von weltlichen und geistlichen
Großen nachgeahmt.
Nach und nach bildete sich dann der
Grundsatz der
Erblichkeit der
Lehen und der Zulässigkeit des Weitervergebens in
Afterlehen
aus, welch letztere 1037 von
Konrad II. ebenfalls für erblich erklärt wurden. So kam es, daß im 12. Jahrh. bereits
alle Herzogtümer und
Grafschaften als
Lehen vergeben waren. Innerhalb dieser einzelnen Territorien aber
bestand wiederum ein vielgliederiges und ebendasselbe
war in den geistlichen Territorien der
Fall. Mit dem Sinken der kaiserlichen
Macht entwickelte sich dann aus dem Lehnswesen die
Landeshoheit der
Reichsfürsten, so daß die schließliche
Auflösung des
DeutschenReichs zumeist durch das mittelalterliche Lehnswesen herbeigeführt worden ist.
Übrigens blieb das Lehnswesen keineswegs auf das Gebiet des öffentlichen
Rechts beschränkt; dasselbe überwucherte vielmehr in
Deutschland auch die Privatrechtsverhältnisse, indem die verschiedenartigsten Gegenstände »ins
Lehen gereicht« und die verschiedenartigsten
Berechtigungen als lehnrechtliche konstituiert wurden. Mit der politischen Bedeutung
des Lehnswesens sank jedoch auch diese privatrechtliche, und heutzutage hat dasselbe seine
Lebensfähigkeit
vollständig verloren.
Zudem entsagten in der Rheinbundsakte, Art. 34 (sogen. Verzichtsartikel),
die verbündeten
Fürsten gegenseitig allen
Lehnrechten, welche dem einen rücksichtlich des Gebiets des andern zustehen möchten.
Innerhalb der einzelnen Territorien aber wurde in der
Folge der Lehnsverband vielfach für ablösbar erklärt und so die Möglichkeit
der Umwandlung des
Lehens in volles
Eigentum gegeben, so zuerst 1836 in
Hannover;
[* 9] auch wurde die Errichtung
neuer
Lehen gesetzlich untersagt, z. B. in
Preußen
[* 10] durch das
Gesetz von 1852, wie denn auch die deutschen
Grundrechte von 1848 bestimmt
hatten: »Aller Lehnsverband ist aufzuheben«. So kommt es denn, daß dermalen
nur noch wenige Überreste des einst so bedeutungsvollen Lehnswesens in die¶
mehr
Gegenwart hineinragen, deren Tage ebenfalls gezählt sind (s. Ablösung).
Quellen des deutschen Lehnrechts sind außer den Verordnungen der fränkischen und deutschen Könige (constitutiones feudales)
die mittelalterlichen Rechtsbücher, wie der Sachsenspiegel und der Schwabenspiegel, das GörlitzerLehnrecht und der RichtsteigLehnrechts, welcher vom lehnrechtlichen Gerichtsverfahren handelt. Außerdem aber fand mit dem römischen
Recht auch eine langobardische Lehnrechtssammlung in Deutschland Eingang, die sogen. Libri feudorum, ursprünglich eine Privatarbeit
des MailänderKonsuls Obertus ab Orto, welche, mit Schöffensprüchen und kaiserlichen Verordnungen vermehrt, dem Corpus juris
civilis (s. d.) als Anhang beigefügt, von den italienischen Rechtslehrern glossiert
wurde und in dieser Gestalt in Deutschland Gesetzesautorität erhielt. Dazu kamen dann zahlreiche Partikulargesetze
in den einzelnen deutschen Territorien, wie z. B. das kursächsische Lehnsmandat von 1764,
das altenburgische Lehnsedikt von 1795, das badische Edikt vom das bayrische Lehnsedikt von 1808 und die Ablösungsgesetze
der Neuzeit.
Der Mangel einer solchen Eigenschaft macht ein Lehen zu einem unregelmäßigen oder uneigentlichen (feudum irregulare, improprium).
Ursprünglich galten nur Liegenschaften für lehnbar, namentlich die sogen. Rittergüter (Ritterlehen,
adlige Lehen, feuda nobilia, im Gegensatz zu unadligen Lehen, feuda ignobilia) oder eine Burg oder ein sonstiges Gebäude (feudum
castri, keminatae, aedificii). Aber auch an unkörperlichen Sachen wurden Lehen errichtet, indem die verschiedenartigsten Rechte
nach Lehnrecht verliehen wurden, so z. B. gewisse Hoheitsrechte über ein bestimmtes Territorium (feuda regalia),
die sogen. Fürstenlehen oder Fahnenlehen, so genannt, weil bei der Beleihung eine Fahne als Symbol diente.
Außerdem wurden zahlreiche Realberechtigungen, Renten, Gülten und Zehnten (feudum decimarum), verliehen; auch sogen. Geldlehen
kamen vor, bei welchen der Vasall die Zinsen eines gewissen Kapitals bezog. KeineLehen, sondern Allodialgüter
waren dagegen die sogen. Sonnenlehen, bei welchen die Sonne
[* 13] oder die Gottheit gewissermaßen als Lehnsherrin fingiert wurde.
Zur persönlichen Lehnsfähigkeit des Lehnsherrn (aktive Lehnsfähigkeit) wird erfordert: Dispositionsbefugnis in Ansehung
des Gegenstandes, der verliehen werden soll, und
Wehrfähigkeit. Da der Vasall nämlich ursprünglich stets zu Kriegsdiensten
verpflichtet war, so konnten nur solche Personen, die den Heerschild hatten, also Ritterbürtige, die sich
eben solche Dienste
[* 14] versprechen lassen konnten, Lehnsherren sein, bis dann in spätern Zeiten an die Stelle der Kriegsleistungen
vielfach bestimmte Abgaben, namentlich die sogen. Ritterpferdsgelder, traten (sogen.
Zins- und Beutellehen). Da nun aber in einem geordneten Staatswesen nur dem Staatsoberhaupt die Militärhoheit
zusteht, so konnte eigentlich nach modernem Staatsrecht auch nur der Souverän selbst als fähiger Lehnsherr erscheinen, wie
dies in einzelnen Staaten, z. B. in Bayern
[* 15] und Mecklenburg,
[* 16] ausdrücklich durch Gesetz verordnet worden ist; daher die Einteilung
in Staatslehen und Privatlehen, bei welch letztern eben ein Unterthan Lehnsherr war.
Zur passiven Lehnsfähigkeit des Vasallen wurde Unbescholtenheit und Waffenfähigkeit erfordert, weshalb namentlich Frauen
lehnsunfähig waren und nur ausnahmsweise sogen. Weiberlehen (»Kunkellehen«, im Gegensatz zu »Helmlehen«) vorkamen. Aus demselben
Grund erschienen Bauern als lehnsunfähig und ebendarum die zahlreichen bäuerlichen Leihen (sogen. Feudaster) als uneigentliche
Lehen (s. Kolonat). Die Begründung eines Lehens geschieht der Regel nach durch Investitur (constitutio feudi,
infeudatio).
Diese ist aber nichts andres als die deutschrechtliche Auflassung (s. d.). Es sind dabei zwei wesentliche Handlungen zu unterscheiden:
die Belehnung (actus traditionis) und die Huldigung (actus inaugurationis);
Ein Lehnsinventar, d. h. eine Beschreibung des Lehnsguts mit seinen Pertinenzen, unterschrieben von dem
Lehnsherrn, resp. von dem Vasallen (Lehnsdinumerament), kann jeder von beiden von dem andern verlangen. Lehnskontrakt (contractus
feudalis) heißt der Vertrag, durch welchen eine Beleihung vereinbart und vorbereitet wird. Im Mittelalter kam auch häufig
die sogen. Lehnsauftragung (oblatio feudi) vor, darin bestehend, daß jemand, um
sich unter den Schutz eines mächtigern Lehnsherrn zu begeben, diesem sein Allod zum Eigentum übertrug, um es dann von jenem
als Lehen zurückzuempfangen.
Besondere Arten der Investitur sind die Koinvestitur und die Eventualbelehnung. Erstere (investitura simultanea) ist diejenige
Investitur, welche gleichzeitig an dem nämlichen Gegenstand mehreren Personen erteilt wird. Hier werden
die mehreren Beliehenen nach ideellen Teilen an dem Lehnsgut berechtigt, ohne daß zwischen ihnen etwa ein wechselseitiges
Erbrecht in Ansehung des letztern begründet würde (Mitbelehnung, coinvestitura juris
¶
mehr
communis oder juris langobardici). Verschieden davon ist die Coinvestitura juris germanici, die sogen.
Gesamtbelehnung oder Belehnung zur gesamten Hand, so genannt, weil hierbei die Mitbelehnten das bei der Investitur gebrauchte
Symbol gemeinschaftlich anzufassen pflegten. Hier erhält nämlich nur einer der Mitbelehnten (»Gesamthänder«)
den Besitz des Lehnsobjekts, während für die übrigen nur eventuelle Successionsrechte begründet werden.
Letztere kommen jedoch in Wegfall, wenn die Gesamthänder eine Auseinandersetzung bezüglich des Lehnsobjekts, eine sogen.
Grund- oder Thatteilung, vornehmen.
Teilen sich dieselben dagegen bloß in die Nutznießung (sogen. Mutschierung des Lehens), so bleibt jenes eventuelle Successionsrecht
in Kraft.
[* 18] Die Eventualbelehnung ist eine Investitur für die Eventualität des Heimfalls eines Lehens, d. h.
eine an einer bereits verliehenen Sache für den Fall vorgenommene Investitur, daß die Rechte des dermaligen Vasallen und seiner
Nachkommenschaft erlöschen sollten. Die Eventualbelehnung charakterisiert sich also als eine wirkliche, wenn auch unter einer
Suspensivbedingung, vorgenommene Investitur, und ebendarum vererben sich auch die Rechte aus derselben
nach Lehnrecht. Verschieden davon ist die sogen. Lehnsexspektanz (Lehnsanwartschaft, exspectativa
feudalis), welche darin besteht, daß jemand einem andern für den Fall, daß ihm ein gewisses Lehen heimfallen werde, die
Belehnung damit verspricht. Es ist dies nur ein Vorvertrag zu einem eventuell abzuschließenden Lehnskontrakt, aus welchem
dem »Lehnsanwärter« ein Forderungsrecht auf Erfüllung
dieses Versprechens zusteht.
Die Summe der Rechte des Lehnsherrn ist die Lehnsherrlichkeit. Nicht zu verwechseln damit ist die Lehnshoheit, d. h.
das dem Staat zustehende Hoheits- und Aufsichtsrecht über alle. Lehen innerhalb des Staatsgebiets. Die Lehnsherrlichkeit umfaßt
die persönlichen Rechte des Lehnsherrn dem Vasallen gegenüber, und insofern entspricht ihr die Lehnspflicht
des letztern, dann aber auch die dinglichen Rechte des erster an dem Lehnsobjekt. Der Person des Vasallen gegenüber hat der
Lehnsherr das Recht auf Lehnstreue, deren BruchFelonie (s. d.) genannt wird, auf Ehrerbietung (Lehnsreverenz) und Lehnsgehorsam,
d. h. auf Leistung von Kriegs- undHofdiensten.
Mit der Zeit sind diese Kriegsleistungen in Geldleistungen verwandelt (»adäriert«) worden.
Der Lehnsherr kann ferner von dem Vasallen bei Verlust des Lehens die Lehnserneuerung (renovatio investiturae) sondern und
zwar sowohl bei Veränderungen in der Person des Lehnsherrn (Veränderungen in der herrschenden Hand, Herrenfall, Hauptfall,
Thronfall) als auch bei Veränderungen in der Person des Vasallen (Veränderung in der dienenden Hand, Lehnsfall,
Vasallenfall, Nebenfall).
Letzterer muß alsdann binnen Jahr und Tag (1 Jahr 6 Wochen 3 Tage) ein schriftliches Gesuch (Lehnsmutung) einreichen und um
Erneuerung der Investitur bitten; doch kann diese Frist auf Nachsuchen durch Verfügung des Lehnsherrn (Lehnsindult) verlängert
werden. Partikularrechtlich ist der Vasall dabei, abgesehen von den Gebühren für die Wiederbelebung (Schreibschilling,
Lehnstaxe), zuweilen auch zur Zahlung einer besondern Abgabe (Laudemium, Lehnsgeld, Lehnsware, Handlohn) verpflichtet. Endlich
kann der Lehnsherr bei einer Felonie des Vasallen das Lehen durch die sogen. Privationsklage einziehen, Verschlechterungen des
Gutes nötigen Falls durch gerichtliche Maßregeln verhüten und dritten unberechtigten
Besitzern
gegenüber das Eigentumsrecht jederzeit geltend machen.
Der Vasall hat dem Lehnsherrn gegenüber ebenfalls den Anspruch auf Treue (Lehnsprotektion), und ein Bruch derselben zieht für
den Lehnsherrn den Verlust seines Obereigentums nach sich. Am Lehnsobjekt hat der Vasall das nutzbare Eigentum. Veräußerungen
des Lehnsguts sind jedoch nur mit Zustimmung des Lehnsherrn gültig, der bei Veräußerungen ohne seine
Zustimmung das Lehen im Wege gerichtlicher Klage (actio revocatoria feudi) einziehen kann. Außerdem ist aber noch zu einer
Veräußerung des Lehens die Zustimmung sämtlicher »Agnaten« erforderlich, d. h. der lehnsfolgefähigen Seitenverwandten des
Vasallen, welche mit ihm zusammen von dem ersten Empfänger des Lehens (primus acquirens) abstammen.
Nicht als Lehnsveräußerung wird es aufgefaßt, wenn der Vasall das Lehen einem andern zum Afterlehen gibt (subinfeudatio);
denn der Lehnsherr tritt zu dem Aftervasallen in keine Beziehung. Ebensowenig aber, wieder Vasall das Lehen unter Lebenden veräußern
darf, kann derselbe letztwillig darüber verfügen. Diese vasallitischen Rechte und Pflichten können durch
Stellvertreter (Lehnssubstituten, Lehnsbevollmächtigte) ausgeübt werden. Haben diese Vertreter ein Recht auf derartige Stellvertretung,
so wird das Verhältnis als provassallagium und der Vertreter als Lehnsträger (provasallus) bezeichnet.
Solche Lehnsträger kamen namentlich dann vor, wenn juristische Personen, wie z. B. Gemeinden, oder wenn Frauen beliehen worden
waren, oder wenn für minderjährige Vasallen außer dem Allodialvormund ein besonderer Lehnsvormund bestellt
wurde, welcher die aus der persönlichen Seite des Lehnsverhältnisses hervorgehenden Rechte und Verbindlichkeiten des minderjährigen
Vasallen wahrzunehmen hatte. Der Eintritt eines neuen Vasallen in ein bereits bestehendes Lehen heißt Lehnsfolge (Lehnssuccession).
Solange ein Lehen sich in der Hand des ersten Empfängers befindet, wird es Neulehen (feudum novum) genannt,
während das in dem Besitz eines Deszendenten befindliche Lehen als Alt- oder Stammlehen (feudum antiquum, paternum) bezeichnet
wird. Das Lehnsfolgerecht kommt nur den leiblichen, ehelichen Nachkommen des ersten Belehnten, also nicht den Adoptivkindern
oder unehelichen, auch nicht den in morganatischer Ehe erzeugten Kindern zu. Bedingt ist das Lehnsfolgerecht
zudem durch die Lehnsfolgethätigkeit, daher Weiber nicht in ein Lehen succedieren können, es sei denn, daß dasselbe als
Weiberlehen (Kunkellehen, feudum femininum) errichtet worden sei.
Anlangend die Lehnsfolgeordnung, so werden zunächst die unmittelbaren Nachkommen des verstorbenen Vasallen, die Deszendenten,
also die Söhne und Enkel des letztere, zur Erbfolge gerufen. Die Söhne vorverstorbener Söhne treten an
die Stelle ihrer Väter (sogen. Repräsentationsrecht), indem sie nach Stämmen succedieren. Sind keine Deszendenten vorhanden,
so kommen die agnatischen Seitenverwandten des Erblassers an die Reihe, aber immer nur diejenigen, welche mit dem Erblasser
zusammen von dem ersten Empfänger des Lehens abstammen. Nach der herrschenden Lehre
[* 19] entscheidet dabei
zunächst die Nähe der Linie oder der Parentel. Unter dieser sind alle diejenigen verstanden, welche durch den nächsten gemeinsamen
Stammvater verbunden sind. Innerhalb der Linie aber entscheidet dann die Gradesnähe (sogen. Lineal- und Gradualerbfolge),
jedoch mit der römisch-rechtlichen Modifikation, daß die Söhne von
¶
Auch die durch eine sogen. Lehnsverbesserung, d. h. durch einen
von dritten, hierzu nicht verpflichteten Personen in das Lehen gemachten Aufwand, begründete Schuld gilt
als Lehnsschuld. Auch pflegt man hier gewöhnlich noch die sogen. konsentierten Lehnsschulden
mit aufzuführen, d. h. diejenigen, welche mit Zustimmung sämtlicher Lehnsinteressenten auf
das Lehnsgut gelegt werden. Die Abfindung eines an sich Lehnsfolgeberechtigten und die Verpachtung zur Zahlung einer Abfindungssumme
begründen ebenfalls eine Lehnsschuld, welche allerdings nur diejenigen belastet, die durch jene Abfindung
gewonnen haben (sogen. respektive Lehnsschuld). Die Abfindungssumme selbst ist aber an und für
sich durchaus allodialer Natur; doch wird nicht selten verabredet, daß dieselbe als sogen. Lehnsstamm (constitutum
feudale) auf dem Guthaften und in Ansehung der erbrechtlichen Verhältnisse nach Lehnrecht behandelt werden soll.
staatlich geordnete Prüfungen, durch deren Bestehen die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher
Lehrämter dargethan werden muß, bestehen in allen gebildeten Staaten, in denen das Schulwesen als Angelegenheit des Staats
oder wenigstens als der Aufsicht des Staats unterliegend betrachtet wird. Abgesehen von den technischen
Prüfungen (für Turn-, Zeichen-, Musik-, Handarbeitslehrer und -Lehrerinnen) und denen für einzelne besondere Zweige des Erziehungs-
und Unterrichtswesens (Taubstummen-, Bandenwesen, Landwirtschaftslehrer etc.), sind im allgemeinen
zu unterscheiden Lehrer- und Lehrerinnenprüfungen sowie Prüfungen für das Lehramt an Volksschulen und für das höhere Lehramt.
Wegen der Lehrerinnenprüfungen s. Lehrerinnen. Für die Prüfungen der Lehrer dürfen die preußischen
Ordnungen um so mehr als
¶
mehr
typisches Beispiel gelten, da alle übrigen deutschen Staaten dieselben, wenigstens ihren Grundzügen nach, allmählich ebenfalls
angenommen haben.
I. Die Prüfungen für das Lehramt an Volksschulen verdanken ihre gegenwärtige Einrichtung den »Allgemeinen Bestimmungen«
des Kultusministers Falk vom Nach der in diesen enthaltenen Ordnung der Prüfungen der Volksschullehrer gilt
als erste Prüfung derselben, durch welche die Befähigung zur widerruflichen (provisorischen) Anstellung erlangt wird, die
Entlassungsprüfung an den Schullehrerseminaren, zu der auch nicht im Seminar vorgebildete Lehramtskandidaten zugelassen werden,
welche das 20. Lebensjahr zurückgelegt und durch Zeugnisse ihre sittliche Unbescholtenheit und ihre körperliche Befähigung
zur Verwaltung eines Lehramtes nachgewiesen haben.
Die Prüfungskommission besteht aus dem Kommissar des Provinzialschulkollegiums als Vorsitzendem, einem Kommissar derjenigen
Bezirksregierung, in deren Bezirk das Seminar liegt, dem Direktor und den ordentlichen Lehrern des Seminars, welch letztere als
Examinatoren fungieren. Die Prüfung ist eine schriftliche, mündliche und praktische (Lehrprobe) und erstreckt sich über
sämtliche pflichtige Gegenstände des Seminarunterrichts. Bei der Religionsprüfung wirkt für katholische
Bewerber ein bischöflicher Kommissar mit.
Bei jüdischen Bewerbern bildet die Religion keinen Gegenstand der Prüfung. Frühstens 2, spätestens 5 Jahre nach der ersten
Prüfung haben die Volksschullehrer an einem Seminar desjenigen Regierungsbezirks, in dem sie angestellt sind, in einer zweiten
Prüfung die Befähigung zur unwiderruflichen (definitiven) Anstellung darzuthun. Die Kommission hat dieselbe
Zusammensetzung wie bei der ersten Prüfung. Auch der Verlauf der Prüfung ist im wesentlichen derselbe, und sie erstreckt sich
über dieselben Gegenstände, nur mit dem Unterschied, daß das Hauptgewicht auf die Erforschung der methodischen und praktischen
Tüchtigkeit fällt.
Vor derKommission zur Prüfung der Mittelschullehrer wird endlich auch die Berechtigung zur Anstellung als
Seminardirektor, Seminarlehrer, Vorsteher öffentlicher Präparandenanstalten, Rektor von Mittelschulen oder höhern Töchterschulen
und zur Leitung von Privatschulen, welche den Charakter von Mittelschulen oder von höhern Töchterschulen haben durch Ablegung
der Rektoratsprüfung erworben. Zugelassen werden alle diejenigen, welche entweder die Mittelschulprüfung bestanden haben,
oder ohne diese zu einem der bezeichneten Ämter berufen sind, oder eine entsprechende Privatschule übernehmen
wollen.
II. Die Prüfung für das Lehramt an höhern Schulen (Examen pro facultate docendi) wurde in Preußen zugleich mit den wissenschaftlichen
Deputationen in Berlin, Breslau
[* 32] und Königsberg
[* 33] eingerichtet. Die
erste Prüfungsordnung für dieselbe
erschien Durch diese eingreifende Neuerung wurde der höhere Lehrstand als solcher in Preußen überhaupt erst
begründet und von dem der Theologen gesondert. An die Stelle der Deputationen traten 1816 die wissenschaftlichen Prüfungskommissionen
an den Universitäten, die, alljährlich vom Kultusminister ernannt und ihm unmittelbar unterstellt, noch jetzt diese
Prüfung abnehmen.
Die Prüfungsordnung hat mehrfache Überarbeitungen erfahren. Das bis vor kurzem gültige Reglement vom litt vorzugsweise
an dreiGebrechen. Der Nachweis der allgemeinen Bildung, an sich eine nicht unberechtigte Forderung, war zu einer Ausdehnung
[* 34] gelangt,
die ihn geradezu als Nebenprüfung erscheinen ließ; es wirkte beengend, daß alle zulässigen Verbindungen
von einzelnen Lehrfächern, in denen der Bewerber die Lehrbefähigung nachzuweisen hatte, von vornherein festgestellt waren;
endlich war es möglich, die Prüfung zu bestehen, aber ein Zeugnis (dritten Grades, fast nur für Unterklassen) davonzutragen,
das thatsächlich von keiner Anstellungsbehörde für ausreichend erachtet wurde.
Nach längern Vorberatungen ist daher unterm eine neue Prüfungsordnung in 43 Paragraphen erlassen
worden, welche diese Fehler vermeidet. Die wesentlichsten allgemeinen Bestimmungen derselben sind folgende: Für die Zulassung
ist erforderlich, daß der Kandidat das Reifezeugnis an einem deutschen Gymnasium erworben und darauf 3 Jahre an einer deutschen
Staatsuniversität (oder der Akademie zu Münster)
[* 35] studiert hat. Wenn Mathematik, Naturwissenschaften oder
neuere fremde Sprachen die Hauptfächer der Prüfung sind, so steht behufs der Zulassung zur Prüfung das Reifezeugnis eines
preußischen Realgymnasiums dem eines deutschen Gymnasiums gleich. Ausnahmsweise kann der MinisterEntbindung von der vollständigen
Erfüllung dieser Bedingungen gewähren (§ 3). Durch die Prüfung ist festzustellen:
2) welches Maß der Lehrbefähigung ihm in den Fächern seiner speziellen Studien zuzuerkennen ist (§ 7).
- Das Gesamtergebnis der bestandenen Prüfung hat zwei Stufen: Oberlehrerzeugnis und Lehrerzeugnis. Den allgemeinen Anforderungen
muß jeder genügen. Der künftige Oberlehrer muß daneben in zwei als selbständig zu rechnenden Lehrfächern (Hauptfächern)
die Befähigung zum Unterricht in allen Klassen und in zwei andern Fächern (Nebenfächern) die Befähigung
zum Unterricht in den mittlern Klassen (bis Untersekunda einschließlich) oder in einem Nebenfach die Befähigung für die
obern Klassen erweisen. Der künftige Lehrer muß in zwei selbständigen Hauptfächern sich für mittlere Klassen befähigt
beweisen und außerdem noch in zwei Nebenfächern für untere Klassen, an deren Stelle auch ein drittes
Fach für Mittelklassen treten kann (§ 9). Als selbständige Fächer
[* 37] gelten 1) auf dem sprachlich-geschichtlichen Gebiet:
a) Deutsch, b) Latein, c) Griechisch, d) Französisch, e) Englisch, f) Geschichte;
ersten Hauptfach aus jeder der beiden Gruppen verbunden werden;
3) eine dritte, für die Oberklassen untrennbare Gruppe bilden Religion und Hebräisch. Dagegen ist die Auswahl der beiden Hauptfächer
innerhalb der beiden ersten Gruppen ganz freigestellt und die Verbindung derselben mit Nebenfächern nur gewissen in der Natur
der Sache begründeten Einschränkungen unterworfen. Bedingte Zeugnisse können in gewissen Fällen ausgestellt
und müssen vor der festen Anstellung durch eine Ergänzungsprüfung vervollständigt werden (§ 38). Durch eine Erweiterungsprüfung
kann die Lehrbefugnis in jedem einzelnen Fach auf eine höhere Stufe ausgedehnt, neue Lehrbefugnis hinzugewonnen und namentlich
auch ein Lehrerzeugnis zu einem Oberlehrerzeugnis erhöht werden.
Doch kann die Ergänzungsprüfung nur einmal, eine Erweiterungsprüfung nur zweimal gestattet werden.
für das Lehramt an höhern Schulen: »Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen« (1887,
März- und Aprilheft, S. 182);
ferner: »Die Prüfungsvorschriften für den Unterricht an höhern und niedern
Schulen in Preußen« (7. Aufl., Berl. 1887), und hinsichtlich der Vorgeschichte
der gegenwärtigen Ordnung: Wiese, Das höhere Schulwesen in Preußen, Bd. 1, S. 703, u.
Bd. 2., S. 610 (das. 1864-74);
bei Handwerkern, Künstlern, Forst- und Landwirten,
Kaufleuten etc. s. v. w. Lehrzeit, d. h.
die Zeit, in welcher ein junger Mensch die zu einem Handwerk oder andern Geschäft gehörigen hauptsächlichen Kenntnisse und
Fertigkeiten erlangt. Vgl. Lehrling.
Man verfertigt dann eine Lehre, indem man das halbe Profil des Gegenstandes, z. B. einer Säule, in Blech ausschneidet. Soll ein
Massivcylinder und ein Hohlcylinder genau ineinander gepaßt werden, so benutzt man die Cylinderlehren, welche aus einem
stählernen Kreiscylinder und einem genau aufgepaßten Ring bestehen. Lehren mit veränderlicher Öffnung,
die man nach Bedürfnis stellt, indem ein Teil auf dem andern verschiebbar ist (Schublehren, Schieblehren), haben die Einrichtung
eines Stangenzirkels, dessen Stange eine entsprechende Teilung zum Messen und Auftragen von Dimensionen trägt.
Oft sind solche Schublehren mit Vorrichtungen zum feinen Messen, z. B. mit Mikrometerschraube
[* 45] und Nonius,
[* 46] versehen, wie bei
[* 38]
Fig. 1. Die Stange ab hat bei a den festen, bei c den beweglichen Schenkel mit dem Nonius c und der Mikrometerschraube
de, welche durch die Scheibe f gedreht wird; g h sind Klemmschrauben. Oft benutzt man Lehren, an denen eine Anzahl
verschiedener Einschnitte vorhanden ist, welche man auf die zu messenden Gegenstände aufschiebt. Dahin gehören die Drahtmaße
(Drahtlehren, Drahtklinken), Blechlehren sowie die Klinken für Flach- und Bandeisen.
Diese Artikel werden nach unbestimmten Dicken erzeugt, welche Nummern genannt und durch solche Lehren gefunden werden, die zu dem
Zweck neben jedem Einschnitt in Ziffern die Nummer eingeschlagen erhalten. Die gebräuchlichsten Formen dieser
aus harten Stahlplatten hergestellten Lehren gehen aus
[* 38]
Fig. 2 hervor. Für sehr seine Drähte benutzt man die Meßringe, welche
aus einem vierkantigen Stahlstäbchen gebogen und nur so weit geschlossen sind, daß ein feiner Spalt bleibt.
Die Ringe werden bündelweise zusammengefaßt, und jeder Ring hat eine Nummer (die Drahtnummer). Eine sehr
bequeme Form der Drahtklinken besteht aus zwei unter einem kleinen Winkel
[* 47] zusammenstoßenden Linealen; an den Schenkeln des Winkels
sind die Nummern angebracht. Ein in diesen Winkel eingeschobener Draht
[* 48] wird nur bis zu einer gewissen Weite vorgeschoben werden
können, und die an diesem Punkt stehende Zahl ist die Drahtnummer. Für feinere Messungen an Draht und
Blech benutzt man eine Art Zange,
[* 49] welche ein kurzes Maul zur Aufnahme desDrahts oder Blechs etc. besitzt und sehr lange Schenkel,
von denen der eine auf einem Gradbogen des andern spielt und die Maulöffnung um das Verhältnis der Hebellängen
vergrößert anzeigt. Bequemer sind noch jene kleinen Werkzeuge,