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Es war Ulrich Uchtenhagen (1926 – 2003), der damalige SUISA-Generaldirektor, der mich im Sommer 1988 anrief und mich fragte, ob ich ihm bei der Gründung einer neuen Kulturstiftung beistehen möchte. Da er noch im selben Jahr aus Altersgründen zurücktrat, führte sein Nachfolger, Patrick Liechti (1950 – 1997) die Aufgabe weiter, so dass 1989 die SUISA-Stiftung für Musik ins Leben gerufen werden konnte.
Schweizer Musik in der Welt bekannt machen
Damals war ich als Direktor von Schweizer Radio International tätig und war aufgrund der Umwälzungen in Europa (Fall der Berliner Mauer 1989) zusammen mit Urs Frauchiger, damals Leiter der Pro Helvetia, bestrebt, Schweizer Musik in der Welt bekannt zu machen. Wir wollten das Erbe von Lance Tschannen, dem unermüdlichen Inspirator des Schweizer Musiklebens, weiterführen. Tschannen war Initiator und Produzent der schweizerischen Musik-Anthologie «Musica Helvetica», die von SRG und SUISA unterstützt wurde.
Im Kreise des noch jungen Stiftungsrates der neu gegründeten SUISA-Stiftung für Musik lernte ich wichtige Protagonisten des Urheberrechts, aber auch der Musik kennen wie Hans Ulrich Lehmann, Carlo Florindo Semini, Julien-François Zbinden, Bruno Spoerri, Jacques Wildberger. – Zusammen mit dem ersten Direktor, dem Musiker Claude Delley, versuchten wir bald einmal, die damals ungenügende Information über das Schweizer Musikschaffen zu verbessern. Nach scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten gelang es uns, eine regelmässige Zeitschrift zu entwickeln, die wir nach dem Aufkommen des Internets Anfang der 90er-Jahre auch elektronisch produzierten.
Präsenz am Filmfestival von Locarno
Stolz bin ich, dass es uns 1999 gelang, den ehemaligen Regionaldirektor von RTSI, Marco Blaser als Jurypräsidenten des von der Stiftung initiierten Schweizer Filmmusikpreises zu gewinnen. Damit erhielt die SUISA-Stiftung eine regelmässige publizistische Präsenz am Filmfestival von Locarno.
Expo.02: Klangturm auf der Arteplage Biel
Ein anderes Grossereignis, an dem die Stiftung massgeblich beteiligt war, stand Anfang 2000 vor der Türe: die Expo.02. Wir – Claude Delley, Alfred Meyer, Erika Hug und ich – kämpften damals gemeinsam für die Realisierung des Klangturms auf der Arteplage Biel. Dies gelang schliesslich mit Unterstützung der SUISA und der SUISA-Stiftung. Es war ein Projekt nach einer Idee von Andres Bosshard, Musiker und Klangarchitekt. Sein Instrument war ein monumentaler Klangturm, seine Partitur war auf Computerbildschirmen lesbar.
Wer sich dem markanten Klangturm näherte, hörte schon von fern die realen Umweltgeräusche von See und Arteplage, die sich in neue Tonfolgen verwandelten und beim Näherkommen zusehends zu elektronischem Murmeln und Rauschen mutierten. Die Klänge wurden über 32 Lautsprecher, über eine Höhe von 40 Metern auf sieben verschiedenen Niveaus angeordnet, teils an Riesenballons im Raum schwebend, teils als Tieftöner in den Besucherbänken versteckt, übertragen.
Die Zuhörer sassen auf dem Boden und auf Stühlen und lauschten, einige nur kurz und neugierig, andere stundenlang. Es war ein unvergessliches wohltuendes und friedliches Bild, das sich dem Betrachter an dieser Ecke der Arteplage Biel darbot. Das Expo-Publikum, das den Klangturm besuchte, dürfte die Millionengrenze überschritten haben. Es war eine einmalige Chance, eine breitere Schicht für die Belange der Musik zu begeistern.
Schweizer Kulturgeschichte geschrieben
Ja, die Musikstiftung hat – neben den Tausenden von Unterstützungen musikalischer Projekte – Schweizer Kulturgeschichte geschrieben, nicht nur dank ihrer Finanzmittel, sondern auch dank vieler neuer Ideen. Dazu gehörte auch die stets originelle Präsenz an internationalen Musikmessen wie der Musikmesse Frankfurt, der Popkomm Berlin oder der Midem in Cannes. An dieser, der weltweit grössten Musikmesse, veranstaltete der Jazzmusiker und Verleger Peter Schmidlin ab 2000 im Auftrag der Stiftung während fünf Jahren den «Swiss Jazz Club», ein international erfolgreiches Event, an dem alle grossen Schweizer Jazzmusiker auftraten wie George Gruntz, Franco Ambrosetti, Kurt Weil, Erika Stucky u.a. Mutig und erfolgreich war auch das Engagement der Stiftung für die erfolgreiche Initiative jugend+musik, die 2012 zur Verankerung der «Musikalischen Bildung» in der Bundesverfassung führte.
Neue Wege sucht die Stiftung auch heute, um Schweizer Komponisten und Interpreten zu fördern. Dazu gehört die von Urs Schnell, dem heutigen Stiftungsdirektor entwickelte Kooperation mit der audiovisuellen Plattform art-tv.ch. Die FONDATION SUISA ist in unserem Land unverzichtbar geworden. Ihr sei herzlich gedankt.
Weiterführende Informationen:
- Medienmitteilung vom 11.12.2014: «FONDATION SUISA fördert Schweizer Musik mit 36 Millionen Franken in 25 Jahren»
- SUISAinfo Mitgliederzeitschrift Ausgabe 2.14 (E-Paper, PDF), Schwerpunktthema: «Die SUISA und ihre Stiftungen»
Dieser Gastbeitrag stammt aus der Feder von Roy Oppenheim, Gründungsmitglied der FONDATION SUISA. Nach einem Studium von Kunstgeschichte, Geschichte und Publizistik hat Roy Oppenheim zahlreiche Bücher geschrieben und als Autor und Produzent in unzähligen Fernsehsendungen mitgewirkt. Roy Oppenheim leitete ausserdem 13 Jahre das Ressort Kultur SF DRS, war Direktor von Schweiz International und der 4. Fernsehkette, 10 Jahre lang Kommunikationschef der SUISA und leitete 7 Jahre das neue Skulpturenmuseum Rehmann. Heute präsidiert er das Forum Helveticum und die Multimediaplattform www.art-tv.ch sowie verschiedene Kulturstiftungen.