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Wir sind Sklaven des Dezimalsystems. Runde Geburtstage oder Jahrestage erscheinen uns bedeutungsvoller als andere, weil wir den unablässigen Strom der Jahre in Jahrzehnte und Jahrhunderte teilen. Kein Wunder also, dass manche dem anstehenden Jahreswechsel mehr Gewicht zumessen als anderen, denn er markiert den Beginn einer neuen Dekade.
Aber stimmt das überhaupt?
Auf den ersten Blick scheint der Fall klar zu sein: Auf das Jahr 2019 folgt 2020, und die Zahl 1 auf der Zehnerposition wird durch eine 2 ersetzt. Doch der erste Blick trügt hier: Das nächste Jahrzehnt beginnt erst am 1. Januar 2021. Warum ist das so?
Das Problem hat mit dem sogenannten Zaunpfahlfehler zu tun – ein Begriff, der trotz seiner rustikalen Bildhaftigkeit aus der Informatik stammt. Er tritt nicht nur bei Kalenderfragen auf, sondern in vielen verschiedenen Bereichen. Es geht im Grundsatz um das Problem, das beim Zählen von Zwischenräumen auftritt – wie bei einem Zaun:
In der Antike und im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein zählte man Distanzen und Zeiträume inklusiv, das heisst, man zählte sowohl das Anfangs- als auch das Endelement einer Folge mit. Der Grund dafür liegt darin, dass das Konzept der Zahl 0 in Europa bis zum 13. Jahrhundert unbekannt war – erst dann lernte man hier die arabisch-indischen Zahlen kennen.
Bei der Inklusivzählung sind die Werte für Distanzen und Zeiträume immer um 1 grösser als nach heutiger mathematischer Konvention. Ein Beispiel für Inklusivzählung ist die mancherorts noch zu hörende Redewendung «in acht Tagen», die synonym für «in einer Woche» verwendet wird. Der aktuelle Wochentag wird dabei mitgezählt.
Der Zaunpfahlfehler entsteht meistens dann, wenn Distanzen und Anzahlen (Zwischenräume und Pfähle) verwechselt werden; wenn also jemand zum Beispiel Zwischenräume zählen will, stattdessen aber die Objekte zählt, die diese Zwischenräume abgrenzen. Bei der Frage, wann ein neues Jahrzehnt (oder auch ein neues Jahrhundert oder Jahrtausend) beginnt, spielt jedoch ein anderer Aspekt des Zaunpfahlfehlers eine wichtige Rolle – nämlich die Frage, ob die Zählung bei 0 beginnt oder bei 1.
In der christlichen Zeitrechnung gibt es kein Jahr 0; sie beginnt mit dem Jahr 1. Daher beginnt auch das 1. Jahrzehnt unserer Zeitrechnung mit dem Jahr 1, und das gilt auch für alle darauf folgenden: Jedes Jahrzehnt beginnt mit einem Jahr, dessen Jahreszahl an der Einerstelle eine 1 aufweist. Die aktuelle Dekade begann daher am 1. Januar 2011 und das nächste Jahrzehnt – es ist das 203. – fängt erst am 1. Januar 2021 an.
Die Umgangssprache schert sich freilich nicht gross um solche Feinheiten. Wenn wir beispielsweise von den «Sechzigerjahren» oder den «Sechzigern» des letzten Jahrhunderts sprechen, meinen wir in aller Regel den Zeitraum von 1960 bis 1969 – also alle Jahre dieses Jahrhunderts, bei denen eine 6 auf der Zehnerstelle steht.
Was für das Jahrzehnt gilt, ist – wie erwähnt – auch für das Jahrhundert und das Jahrtausend richtig. Dennoch fanden die grossen Millenniumsfeiern beim letzten Jahrtausendwechsel nicht in der Silvesternacht des Jahres 2001 statt, wie es korrekt gewesen wäre, sondern ein Jahr früher. Die Sogwirkung der Zahl 2, die am 1. Januar 2000 erstmals auf der Tausenderstelle einer Jahreszahl erschien, erwies sich als zu stark. Wir können wohl davon ausgehen, dass es sich in kleinerem Massstab auch in der nächsten Silvesternacht so abspielen wird.
(dhr)
Vor 50 Jahren explodierte in einer Swissair-Maschine eine Bombe. In Würenlingen starben 47 Menschen. Erinnerungen an das Verbrechen.
Es ist immer noch eines der grössten Verbrechen der Schweizer Geschichte. 47 Tote fordert der Flugzeugabsturz, der das Dorf Würenlingen vor bald 50 Jahren aufschreckte. An einem Samstag, dem 21. Februar 1970, kurz nach Mittag, stürzte eine Swissair-Coronado in den Wald zwischen dem Dorf und der Forschungsanstalt PSI. Das Atomkraftwerk Beznau ist nur knapp einen Kilometer entfernt.
Die Maschine war in Zürich gestartet und auf dem Weg nach Tel Aviv. Würenlingen liegt nicht auf der Normalroute. …