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Therapeutische
Methode und Wirksamkeit in Beth Weiners Buch
Rezension: Auf dem Buchdeckel von Beth Weiners Erstlingswerk Wo Leben ist, ist Hoffnung steht: " Erst als ich das Leiden losliess, fand ich das Glück.". Beth Weiners Bericht will eine Beschreibung ihrer "Lebensreise" und eine Anleitung dazu sein, wie und wo das "Glück" zu finden sei.
Beth Weiner wurde 1924 als Elisabeth Wolff in Neustadt an der Weinstrasse in eine gutbürgerliche und wohlhabende jüdische Familie geboren. "Mein Vater war ein angesehener Bürger, der praktisch alle in der Stadt kannte". Als Hitler an die Macht kam war das Kind Beth neun Jahre alt. Ihr Vater und ihr Bruder wurden für kurze Zeit im Konzentrationslager Dachau interniert. Mit 12 Jahren floh sie, z.T. von ihrer Familie getrennt, erst nach Holland und 1940 via England in die USA. Sie arbeitet als Dienstmädchen in verschiedenen Familien. Als sie 19 Jahre alt war, lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, mit dem sie später 3 Kinder hatte. Auch er war vor den Nazis geflohen. Sie bewohnte mit ihrer Familie ein grosses Haus, lebte in Wohlstand und beschreibt ihre Ehe, obwohl sie "zwei Autos besassen" als "Leises Unglück". Beth Weiner fühlte sich in ihrer Rolle als Mutter "nicht mehr genügend ausgefüllt" und sah sich "vom Leben ausserhalb meiner vier Wänden abgeschnitten."
Mit verschiedenen Jobs, einmal als Telefonistin und dann als Verkäufern in einem Auktionshaus versuchte sie ihre Lebenssituation zu verbessern. Das "leise Unglück" schien aber nicht zu vergehen und der Gedanke "was stimmt bloss mit mir nicht" beschäftigte sie zunehmend. Dies war der Anfang einer schier endlosen Reihe von Therapien, Kursen und Ritualen, die Beth Weiner zur Scheidung von ihrem Mann, zum Verkauf ihres Hauses, zur quer durch die USA in einem VW-Bus Fahrenden, zur Assistenz bei der Sterbebegleiterin Elisabeth Kübler-Ross (die Zusammenarbeit endete im Streit) und schliesslich zum Austritt "aus dem Club der Leidenden" verhelfen sollten. Beth Weiners Karriere als "Psychotherapeutin", Autorin und Vermittlerin von Glück und Hoffnung begann.
Auf mehr
als 100 Seiten beschreibt die Autorin nun dem Leser ihre Ängste,
ihre Hemmungen und Probleme in den verschiedensten Beziehungen und die
Lösung ihrer ganz normalen Alltagsprobleme, empor stilisiert zu
heroisch, mutigen Schritten oder göttlichen Fügungen. Ihr
Therapieziel wird für sie immer klarer: " Ich muss nur darauf
achten, dass ich wieder im Begriff bin, meiner Sucht zum Negativen hin
zu verfallen, und sie verliert ihre Macht über mich. Das ist tatsächlich
so."
Beth Weiner
besuchte Seminare z.B. über "Tod und Sterben". Sie reiste
Quer durch die USA, denn "auf der Spitze meiner Prioritätenliste
[stand] das eigene Wachsen."
Der Aufbau des Buches lässt solches schwer zu. Jetzt, nach 160 Seiten Schilderung einer "heroischen" Lebens- und Holocaustbewältigung, schreibt die Autorin sodann das Kapitel:
"Ich
heile andere"
Sogar
auf die Verarbeitung der grössten Katastrophe unserer Zivilisation
will Beth Weiner ihr Rezept anwenden. Man muss nur, wie sie es getan
hat, aus dem "Club der Leidenden austreten" und schon ist
"diese Welt ein wunderbarer Ort zum leben, ganz gleich wo! Als
ich dies entdeckte, war es, als erwache ich aus einem bösen Traum."
Das Buch ist lesenswert. Denn es ist eine bedrückende Schilderung von Methode und Behandlungssequenzen, worin mittels Suggestion und autoritativen Konzepten die Klientel an die Autorin als Therapeutin fixiert wird.