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Glen Hanlons erstes WM-Aufgebot unterscheidet sich nur wenig von den WM-Teams seines Vorgängers. Aber wie riskant ist sein Stilwechsel?
Jeder Nationaltrainer hat seine taktischen Vorstellungen. Glen Hanlons Vorgänger Simon Schenk (bis 1997), Ralph Krueger (bis Olympia 2010) und Sean Simpson (bis 2014) waren, jeder auf seine Art, taktische Trendsetter. Jeder hatte seine Erfolge und seine Niederlagen. Aber sie bauten die Nationalmannschaft unbeirrbar nach einer klaren Philosophie.
Bereits Simon Schenk entwickelte einen «Schweizer Riegel». Dieses Defensivsystem perfektionierte Ralph Krueger und machte unsere Nationalmannschaft zur taktisch besten der Welt. Sean Simpson riskierte eine taktische Perestroika und diese offensivere Ausrichtung bescherte uns die wundersame Silber-WM von 2013. Aber auch das Scheitern, das Verpassen der Viertelfinals von 2011, 2012 und 2014.
Simon Schenk, Ralph Krueger und Sean Simpson blieben ihren taktischen Grundsätzen treu und riskierten schon mal die Konfrontation mit den Verbandsgenerälen. Das ist nicht Glen Hanlons Art. Der Kanadier sagt: «Meine Rolle ist es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit wir alle besseres Eishockey spielen können. Es ist nicht mein Stil, die Konfrontation zu suchen. Ich glaube nicht an die Nützlichkeit von Konfrontationen.» Dazu passt, dass Glen Hanlon im Laufe dieser Saison für Vorbereitungspartien 65 verschiedene Spieler in die Nationalmannschaft berufen hat. Das ist absoluter Rekord. Aber letztlich ist sein Aufgebot recht konservativ. Nur für Cody Almond, Dino Wieser und Tristan Scherwey ist es die erste WM. Den Mut, Zugs Tanzmaus Lino Martschini (5 Punkte in 10 Länderspielen) für die WM aufzubieten, hatte er dann doch nicht.
Der freundliche Kanadier (Opportunist wäre eine polemische, unfaire Bezeichnung) hat schon eigene Vorstellungen, wie «seine» Nationalmannschaft spielen soll. Er sagt es so: «Wir wollen physisch, aggressiv spielen und die Checks fertig machen. Wir setzen auf Tempo, wir wollen den Puck jagen und dem Gegner den Puck so schnell wie möglich in der Vorwärtsbewegung wieder abnehmen. Wir wollen unser Spiel durchsetzten, dominieren, wir wollen die Könige des Dschungels sein.»
Die Könige des Dschungels sein. Blumig und treffend. Glen Hanlon ist der erste Nationaltrainer der Neuzeit, der darauf vertraut, dass wir auf WM-Niveau dazu in der Lage sind, Gegner zu dominieren. Er begibt sich auf taktisches Glatteis. Unser WM-Glück wird mit ziemlicher Sicherheit in den ersten vier Partien gegen Österreich, Frankreich, Deutschland und Lettland entschieden. Mannschaften, die weniger talentiert sind als wir. Siege werden erwartet, Niederlagen wären Pleiten. In einzelnen WM-Vorbereitungspartien gegen nominell starke Gegner (Finnland, Russland) haben die Schweizer begeistert und das Spektakel-Konzept des neuen Trainers erfolgreich umgesetzt. Gegen Frankreich, das spielerisch nicht ganz unser Niveau erreicht, hatten wir Mühe und verloren die letzte Vorbereitungspartie 5:6 n.V.
Damit kommen wir zur entscheidenden Frage: Sind wir wirklich gut genug, um gegen Österreich, Frankreich, Deutschland und Lettland die Könige des Dschungels zu sein? Oder geht er ein zu hohes taktisches Risiko ein? Auf WM-Niveau hat ein defensiv gut organisierter, schlauer und geduldiger Aussenseiter gegen einen talentierteren, aber taktisch unvorsichtigen Gegner hohe Erfolgschancen. Das haben Glen Hanlons Vorgänger auf WM- und Olympia-Niveau immer wieder auf eindrückliche Art und Weise gezeigt. Wir haben immer wieder die Titanen besiegt, 2006 beim Olympischen Turnier sogar die kanadischen NHL-Profi. Und 2013 bei der Silber-WM nacheinander Schweden, Kanada, Tschechien (zweimal) und die USA.
Wer auf glattem WM-Eis König des Dschungels sein will, braucht Spieler, die offensiv eine Partie dominieren und entscheiden können. Am besten Mittelstürmer. 2013 hatten wir mit Luca Cunti, Martin Plüss, Morris Trachsler, Andres Ambühl, Ryan Gardner und Julian Walker eine starke Mittelachse bzw. genug Stürmer, die, wenn nötig, Center spielen konnten.
Jetzt haben wir Andres Ambühl, Reto Schäppi, Cody Almond, Morris Trachsler und Kevin Romy. Diese Mittelachse ist ungefähr gleich gut wie jene von 2013. Auch auf den Aussenbahnen hat das Aufgebot von Glen Hanlon eine ähnliche Qualität wie die WM-Silbermannschaft. Mit Kevin Fiala und Damien Brunner sind zwei Flügel dabei, die, wenn sie in guter Form sind, auf den Flügelpositionen Spiele entscheiden können. Am schmerzlichsten werden wir die durch Durchschlagskraft von Silberheld Nino Niederreiter vermissen. Damien Brunner, 2013 nicht dabei, hat zwar im Laufe seiner Karriere in der NHL 30 Tore erzielt, aber keines während der WM-Vorbereitung. In der Verteidigung ist das WM-Team von Glen Hanlon sogar eher besser besetzt als die Silber-Mannschaft von 2013. Roman Josi, der beste Einzelspieler des gesamten Turniers von 2013 (MVP), ist wieder dabei. Und zusätzlich Mark Streit, der bei der Silber-WM fehlte. Diese beiden Titanen waren noch nie in so guter Form gemeinsam in einem WM-Team. Zusammen haben die beiden ehemaligen SCB-Junioren diese Saison in der NHL 107 Skorerpunkte gebucht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sie auch bei der WM produktiv sein.
In der Verteidigung ist das WM-Team von Glen Hanlon sogar eher besser besetzt als die Silber-Mannschaft von 2013. Roman Josi, der beste Einzelspieler des gesamten Turniers von 2013 (MVP) ist wieder dabei. Und zusätzlich Mark Streit, der bei der Silber-WM fehlte. Diese beiden Titanen waren noch nie in so guter Form gemeinsam in einem WM-Team. Zusammen haben die beiden ehemaligen SCB-Junioren diese Saison in der NHL 107 Skorerpunkte gebucht. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sie auch bei der WM produktiv sein.
Die Torhüter haben ebenfalls das Niveau von 2013. Reto Berra gehört zu den Silberhelden von 2013 (und hexte die Schweiz im Halbfinale zum 3:0 gegen die USA). HCD-Meistergoalie Leonardo Genoni ist mindestens gleich gut wie 2013 Martin Gerber.
Der langen Analyse kurzer Sinn: Ob wir die Viertelfinals in Prag schaffen, hängt nicht von der Qualität der Mannschaft ab. Die ist trotz der Absagen von so wichtigen Spielern wie Martin Plüss oder Roman Wick bei weitem gut genug. Entscheidend ist das taktische Konzept des Trainers. Die WM 2015 in Prag wird an der Bande entschieden. Es wird Glen Hanlons Triumph sein – oder sein Scheitern. Und gleichzeitig auch Erfolg oder Niederlage für die Verbandsgeneräle, die bei den Verhandlungen mit «Silberschmied» Sean Simpson keine Lösung gefunden und Glen Hanlon im Amt installiert haben. Gelingt die Viertelfinal-Qualifikation, sind auch sie Könige des Dschungels.