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Ein Artikel aus der Annabelle Nr. 84, Februar 1945.
Mein Bruder war begeistert, als am Radio das hübsche Lied «Stägeli uf, Stägeli ab, juhe!» vorgetragen wurde. Er war höchst erstaunt, als ich bemerkte: «Text und Musik Artur Beul, in meinen Tessiner Ferien habe ich ihn, kennen gelernt.» Wer kann sich an den Schweizerfilm «Margritli und d’Soldate» erinnern, in dem die Geschwister Schmid mitwirkten und das populäre Schlagerlied sangen? Nein, dieses Lied ist nicht von Artur Beul, aber die meisten übrigen Schlagerlieder der Geschwister Schmid hat er komponiert. Für die Swingfreunde schrieb er die Parodie «Swing in Switzerland», in der Artur Beul auf eine entzückende Art die Swing-music karikiert. Aber vielleicht die bekanntesten Liedchen von diesem Komponisten sind seine hübschen Sachen für die Jugend: «Am Himmel stoht es Sternli», «Tusig chlini Liechtli» usw.
Artur Beul war zuerst Sekundarlehrer. Seine ersten Kompositionen verwandte er für den Gesangsunterricht seiner Klasse. Vor drei Jahren begann er mit der Herausgabe seiner Lieder. Sofort begann sein Aufstieg. Jetzt ist er vielleicht der Schweizer Schlager Komponist, da er zurzeit die meisten und bekanntesten Schlager schreibt. Ungefähr 300 Schlager sind bis jetzt im Druck erschienen. Zwar ist ja das kein bindendes Werturteil. Prüfe jeder, was ihm gefällt. Lassen wir Artur Beul selber erzählen: Wie ich komponiere? Nehmen wir z. B. einige meiner Märchenschlager: Rotkäppchen, Bambi, Schneewittchen und die sieben Zwerge, Perri, das Eichhörnchen. Diese Vertonungen, die ich speziell für die Jugend schrieb, sind so entstanden: Ich sitze am Klavier, neben mir steht ein Märchenbuch. Ich schaue nur die Bilder an und versuche sie in Musik zu übersetzen. Ich schlage Töne an. Plötzlich habe ich eine Melodie. Nun suche ich Worte dazu. Auf diese Art und Weise entsteht langsam ein ganzer Schlager. Also Text und Musik zu gleicher Zeit. Manchmal ist zuerst der Text da, manchmal zuerst die Melodie. Es passiert mir hin und wieder, dass ich auf eine Melodie stosse, die nicht von mir ist, die ich schon einmal gehört habe. Vielleicht von einem klassischen Komponisten, vielleicht von einem modernen Jazz-Komponisten. Es ist etwas vom Schwersten, dass die eigene Musik immer die eigene Persönlichkeit ausstrahlt, ohne sich zu wiederholen. Bei allen meinen Kompositionen bemühte ich mich melodisch zu bleiben und nicht den Rhythmus in den Vordergrund zu stellen, wie es zum Beispiel die American Jazz-music tut. Meine Kompositionen wollen volkstümlich sein, sie sollen etwas Schweizerisches wiedergeben, obschon sie zur Unterhaltungsmusik zählen. Wo ich komponiere? Das kann überall geschehen, im Cafe, auf der Strasse, im Kino. Aber am ehesten kommt die Musik zu mir, wenn ich ganz allein bin, Es ist auch ein Grund dafür, warum ich im Winter in einem Dorf in der Innerschweiz lebe. Dort werden an langen Winterabenden die neuen Schallplattenaufnahmen mit den Geschwister Schmid besprochen. Den Sommer verbringe ich in der südlichen Schweiz, ich arbeite meistens am Abend als Pianist in einem Hotel. So bleibe ich am besten in enger Beziehung mit dem Publikum, und bleibe auch, rein technisch gesprochen, in Form. «Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss wieder spielen.» Artur Beul setzt sich an sein Instrument, spielt eigene Musik, singt eigene Worte. Nach den Melodien, die er spielt, tanzen Paare, lachen Menschen und fühlen sich für einige Stunden glücklich. A. K.