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(Kt. Zug,
Gem.
Neuheim). 535 m. Zwei Tropfsteinhöhlen, am rechten Ufer der
Lorze und am Austritt des Flusses aus einem
kleinen
Tobel; 3,5 km osö. der Station
Baar der Linie
Zürich-Thalwil-Zug. Gasthaus (nur im Sommer geöffnet).
Die eine der
Höhlen liegt am Bachufer selbst, die andere einige Meter höher. In einem Niveau von etwa 570 m traten von alters
her gewaltige Quellen aus, die in zahlreiche Rinnsale zersplittert über den Molassehang in die
Lorze hinunter rieselten.
Dabei schied sich Kalktuff aus, und es entstanden im Laufe der Zeit mächtige Tufflager, die beim Bau
des 3 km langen Albistunnels der Linie
Zürich-Thalwil-Zug bis auf die zwei
Höhlen in der Höll ausgebeutet worden sind. Diese
Höhle «zeichnet sich gegenüber andern Tropfsteinhöhlen nicht etwa durch
besondere Grösse, sondern durch Zierlichkeit und Mannigfaltigkeit der Stalaktiten aus». Die Höll
wird alljährlich von Hunderten von Fremden besucht. Die genannten grossen Quellen sind jetzt für die Wasserversorgung der
Spinnerei an der
Lorze in
Baar und der Stadt
Zürich gefasst. Näheres über
Höhle und Quellen siehe bei Aeppli,
Aug. Erosionsterrassenund Glazialschotter in ihrer Beziehung zur Entstehung desZürichsees. (Beiträge zurgeolog. Karte derSchweiz. NF. IV). Bern
1894. Der Ausdruck Höll oder
Hell =
Schlucht,
Tobel.
entspringt an einer ö. Verzweigung der
Berra bei der
Hütte Philipona in 1620 m, durchbraust
mit einem mittleren Gefäll von 14% eine tief zwischen beinahe senkrechte Felswände eingeschnittene
Schlucht und mündet
nach 5 km langem
Lauf gegenüber der
Hütte Glattenstein in 920 m von links in die
Gérine (Aergerenbach).
Starzlenbach zufliesst. Am Fussweg auf die Bödmernalp. Der Eingang und ein kleiner Teil der Höhle waren den Thalbewohnern
schon lange bekannt, doch haben systematische Forschungen und Expeditionen (durch Zürcher Höhlenfreunde) erst seit 1898 begonnen
und werden heute noch fortgesetzt. Man darf jetzt schon sagen, dass die Höhle eine der grössten und
interessantesten nicht nur der Schweiz, sondern ganz Europas ist. Der gewöhnliche Eingang des Höll-Loches, dem nach Aussage
der Umwohner bei starkem Regen oder Föhnwetter der Höllbach entströmt, liegt tief verborgen in einer Felsenschlucht. Wildromantisch
ist dieser Eingang! Eine gewaltige Naturbrücke wölbt sich über die Schlucht ..., dann geht's unter
einer zweiten, kleineren Naturbrücke durch, und nun leuchtet dem Wanderer das am ans Tor der Unterwelt gemalte
Wort «Hölle» entgegen.
Die Höhle beginnt am obern Ende der Höllbachschlucht und zieht sich zirka 1600 m weit in der Richtung ONO.; bei 1400 m
biegt der Hauptgang direkt nach S. um bis zum «Riesensaal» 2000 m,
der ungefähr unter der mittelsten Weid liegt; vom «Riesensaal» aus verzweigt sich die Höhle in fünf Arme nach allen Richtungen.
Bis jetzt sind nur die Enden zweier Arme bestimmt: 2300 und 2560 m. Ueber dem «Riesensaal»
türmt sich der Berg noch etwa 400 m hoch auf... Schründe, Spalten und Gänge führen nach allen Richtungen.
Die Höhle besitzt neben der jetzt schon ziemlich gut erforschten ersten noch eine wenig bekannte zweite und eine bis noch
nicht erreichte dritte Etage. Die Höhendifferenz zwischen dem tiefsten und höchsten Punkt der Höhle
beträgt, soweit bis jetzt bekannt, 180 m. Die Gesamtlänge der Höhle darf, alle Verzweigungen mitgerechnet, zu 4500 m veranschlagt
werden. Das Höll-Loch ist reich an wilden Naturschönheiten und hat zahlreiche Säle, kleine Seen, Kaskaden, viele Strudellöcher
(davon eines mit 5 m Durchmesser und 3 m Tiefe) und an einigen Stellen auch bemerkenswerte Tropfsteinbildungen.
Als besonders hervorragende Stellen nennen wir die Dolomitenhalle, den Rittersaal, das Kamin, die Kapelle, die Böse Wand, den
Keller, die grossartige Alligatorenschlucht, die Riesenhalle (150 m
lang, 55 m breit, 2-3 m hoch), den FaulenDom, die Wolfsschlucht.
Die Temperatur in der Höhle beträgt durchschnittlich 5-6° C. Ueberall macht sich ein lebhafter Luftzug
bemerklich. Ein Besuch ist nur bei trockenem Wetter, besonders im Winter, ratsam, da sonst der Rückweg bei der «BösenEcke»
leicht durch eindringendes Wasser abgeschnitten werden kann. Näheres s. bei Otter, Jos. Das Höll-Loch imMuotathal. (Jahrbuchdes S. A. C. 38, 1902/03). Bern
1903.