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Der Winter 1998/99 begann unspektakulär, Mitte Januar 1999 lag vergleichsweise wenig Schnee, die Hänge bis 1000 Meter über Meer waren grün. Nichts deutete daraufhin, dass die wettertechnische Harmlosigkeit in einen Jahrhundertwinter umschlagen würde.
Das Unheil nahm Ende Januar seinen Lauf. Ab dem 27. Januar lag die Schweiz ein erstes Mal für mehrere Tage in einer starken Nordwestströmung, es schneite ohne Unterbruch. Als es im Februar zwei weitere ähnliche Wetterlagen gab, wurde es katastrophal. Es kam alleine in der Schweiz zu über 1200 Lawinen, die Schaden anrichteten. 17 Menschen starben, die Schäden beliefen sich auf etwa 600 Millionen Franken.
Evolène, Chamonix, Galtür
Das grösste Unglück in der Schweiz ereignete sich in Evolène im Wallis, dort starben in einer Lawine 12 Menschen. Ebenso viele Menschen kamen im französischen Chamonix ums Leben.
Die grösste Katastrophe erlebte der österreichische Wintersport-Ort Galtür im Tirol, unweit der Schweizer Grenze gelegen. Das Dorf und der nahegelenge Weiler Valzur wurden am 23. Februar 1999 von Lawinen weitgehend zerstört, 38 Personen kamen ums Leben.
Fünf Meter Schnee in einem Monat
Die Schneemengen waren gewaltig. In weiten Teilen des Alpenraums fielen von Ende Januar bis Ende Februar mehr als fünf Meter Schnee. Erstmals galt für mehrere Tage die höchste Lawinen-Warnstufe «sehr gross», was nur äusserst selten vorkommt. Ganze Talschaften waren tagelang von der Umwelt abgeschnitten, Hunderttausende Touristen sassen fest.
Die erste Ladung Schnee Ende Januar führte noch zu keinen grösseren Problemen, es fiel verbreitet in den Bergen ein Meter Neuschnee. Das ist zwar eine ganze Menge, kommt aber fast jeden Winter einmal vor. Heftiger war das zweite Niederschlagsereignis zwischen dem 5. und 12. Februar. Zuerst kam viel Feuchtigkeit aus Nordwesten, dann drehte der Wind kurz auf Südwest und es wurde milder. In weiten Teilen der Alpen fiel weit über ein Meter Schnee, in Elm im Kanton Glarus waren es über zweieinhalb Meter. Es kam zu ersten grossen Lawinen bis ins Siedlungsgebiet, etwa in Wengen im Berner Oberland. Dort riss eine Lawine das Café Oberland weg, zwei Personen kamen ums Leben.
Die dritte Staulage führte zur Katastrophe
Nach einer kurzen Beruhigung stellte sich zwischen dem 17. und dem 25. Februar eine dritte Phase ein mit starken Schneefällen. Zwischendurch wurde es warm mit Regen bis 2000 Meter, bevor kältere Luft noch einmal heftige Schneefälle brachte. Vielerorts kamen im Alpenraum zwei Meter Neuschnee zusammen in dieser Woche, in Elm waren es sagenhafte viereinhalb Meter Neuschnee.
Überall im Alpenraum kam es zu spontanen Lawinen, auch in Gebieten, die seit Menschengedenken nicht mehr getroffen wurden. In dieser letzten Phase kam es zu den grossen Unglücken in Galtür, Evolène und Chamonix. Wegen akuter Lawinengefahr musste die Autobahn A2 am Gotthard tagelang gesperrt werden.
Bei aller Tragik: Angesichts der unglaublichen Schneemengen kam die Schweiz im Vergleich zu früheren Jahren noch glimpflich davon. Im Lawinenwinter 1950/51 zum Beispiel starben weit mehr Leute. Die danach erstellten Schutzbauten und Lawinenverbauungen konnten Schlimmeres verhindern.
Nach dem Schnee kam das Hochwasser
1999 blieb aber auch nach dem Lawinenwinter ein Wetterjahr der Extreme. Im Mai kam es zu Hochwasser, in Bern überschwemmte die Aare das Mattequartier. Und als ob das noch nicht genug des Schlechten gewesen wäre, zerstörte am 26. Dezember 1999 Orkan Lothar riesige Waldflächen und forderte in der Schweiz 14 Menschenleben.
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