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Japan über Obamas Besuch
Barack Obama tat am 27. Mai etwas, das keiner seiner Vorgänger bislang wagte. Als erster amtierender US-Präsident besuchte er Hiroshima (Asienspiegel berichtete) – die Stadt, die am 6. August 1945 durch eine amerikanische Atombombe ausgelöscht wurde.
Es war ein Balanceakt der speziellen Art. Eine Entschuldigung hätte viele Amerikaner erzürnt. In den USA ist immer noch eine Mehrheit davon überzeugt, dass die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki gerechtfertigt waren (Asienspiegel berichtete).
Gleichzeitig galt es gegenüber Japan die richtigen Worte zu finden. Denn gemäss einer aktuellen Umfrage der Asahi Shimbun sind 31 Prozent der Meinung, dass die Atombombenabwürfe «unmenschlich und unverzeihlich» waren. Weitere 33 Prozent betrachten die damaligen Angriffe ebenfalls als unmenschlich, meinen aber gleichzeitig, dass man deswegen keinen Groll mehr gegen die USA hege.
Und so war es für Obama im Grunde genommen so etwas wie eine unmögliche Mission, mit der man niemanden wirklich zufriedenstellen konnte. Verärgerte Kommentare von allen Seiten und Missverständnisse waren vorprogrammiert – und dennoch scheint man in Japan mit Obamas Besuch zufrieden zu sein.
Eine erste Umfrage
Gemäss einer landesweiten telefonischen Umfrage von Kyodo News bezeichneten unglaublich hohe 98 Prozent der Befragten den Auftritt als «gut». Es handelt sich um die erste allgemeine Umfrage, die nach Obamas Besuch in Hiroshima getätigt wurde. Hierfür wurden 1450 Haushalte befragt. Ebenfalls in einer aktuellen Umfrage der Nikkei Shimbun sagten 92 Prozent, dass sie Obama in einem positiven Licht gesehen hätten.
Bewegender als die Rede war für viele Japaner Obamas kurzes Gespräch mit zwei Überlebenden des Atombombenangriffs, dem 91-jährigen Sunao Tsuboi und dem 79-jährigen Shigeaki Mori. Die Umarmung zwischen dem weinenden Mori und Obama war für viele Japaner der Moment, der weit mehr Symbolkraft besass als die zuvor gesprochenen Worte des US-Präsidenten.
Der Überlebende Shigeaki Mori ist einer, der viel zur Aufarbeitung beitrug. In jahrelanger akribischer Arbeit sorgte er dafür, dass die Namen der 12 amerikanischen Kriegsgefangenen, die in Hiroshima starben, nicht in Vergessenheit gerieten und wurde damit auch zu einem Symbol der Aussöhnung.
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