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Behandlung und Therapie von Multipler Sklerose (MS)
Multiple Sklerose (MS) wird auch die «Krankheit mit den 1000 Gesichtern» genannt. Entsprechend muss auch die Form der Therapie auf jeden einzelnen Betroffenen angepasst werden.
Immer häufiger wird die medikamentöse Therapie mit anderen Therapieformen ergänzt.
Heilbar ist Multiple Sklerose bisher nicht, in den letzten zwanzig Jahren wurden aber Therapien in Form medikamentöser Behandlung bis hin zu Physiotherapie entwickelt, die den Betroffenen gute Chancen eröffnen, die Entwicklung und den Verlauf der Krankheit zu verzögern und besser mit der Krankheit zu leben.
Je schneller die Krankheit diagnostiziert ist und mit der Behandlung begonnen wird, desto günstiger die Prognose. Grundsätzlich wird zwischen der Schubtherapie und der Langzeittherapie unterschieden. Die durch die Multiple Sklerose hervorgerufenen Symptome werden darüber hinaus mit einer Vielzahl ergänzender Massnahmen angegangen. Alle Behandlungen müssen mit dem ärztlichen Fachpersonal abgestimmt werden.
Die Therapie während eines Schubes
Die Multiple Sklerose verläuft in über achtzig Prozent der Fälle in Schüben. Um die Symptome in der akuten Entzündungsphase zu mildern, erfolgt eine Schubtherapie. Deren Ziel ist es, während dem aktiven Schub die Entzündungsreaktion im zentralen Nervensystem zu mildern. Bei der Schubbehandlung werden Kortikosteroide (Kortison) als entzündungshemmende Stosstherapie eingesetzt. Sie können während eines Schubes die Rückbildung von Symptomen initiieren und beschleunigen.
Multiple Sklerose und deren langfristige Behandlung
Mit der Langzeit-Therapie der Multiplen Sklerose will man das Immunsystem beeinflussen und dadurch eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs sowie eine Verminderung der Schübe und deren Stärke erreichen. Die Langzeit-Therapie wird auch als Basis-Therapie oder Verlaufs-Therapie bezeichnet.
Die Medikamente zur Langzeit-Therapie werden in Form von Spritzen oder Kapseln verabreicht. Es handelt sich um immunmodulierende Therapien. Bei einer immunmodulierenden Therapie wird das Abwehrsystem durch Arzneistoffe beeinflusst. Bei der Therapie von MS sind dies Beta-Interferonen, Glatirameracetat, intravenösen Immunglobulinen (IVIG), Natalizumab und Fingolimod sowie Behandlungen mit Immunsuppressiva wie Cyclophosphamid, Mitoxantron oder Azathioprin. Die eingesetzten Wirkstoffe sollen axonale Schäden verhindern, indem sie die Entzündungsreaktion im zentralen Nervensystem dämpfen. Die Immunsuppressiva erreichen dies, indem sie die Vermehrung von weissen Blutkörperchen hemmen.
Behandlung der Symptome
Die Symptome der Multiplen Sklerose sind sehr vielfältig. Sie werden bei Bedarf von Fachpersonen aus anderen medizinischen Gebieten angegangen. Dies sind beispielsweise Urolog:innen bei Störungen des Harnblasen- und Mastdarmsystems, Psychiater:innen bei Depressionen oder dem Fatigue-Syndrom, Fachpersonen aus der Schmerztherapie, Neurolog:innen bei kognitiven Störungen oder Logopäd:innen bei Sprachstörungen. Eine wichtige Rolle bei der interdisziplinären Therapie der Multiplen Sklerose spielen auch Fachpersonen aus der Physio- und Ergotherapie. Denn zu den häufigsten Symptomen von MS gehören spastische Lähmungen, entweder als konstante Steifheit oder als gelegentliche Spasmen, also als Verkrampfung von Muskeln. Körperliche Therapie kombiniert mit antispastischen Medikamenten wie Baclofen kann bei der Behandlung von Betroffenen mit spastischer Lähmung wirksam sein.
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Weitere Behandlungsmöglichkeiten: Anwendung von Komplementärmedizin
Viele an Multipler Sklerose erkrankte Menschen nehmen neben oder anstelle der evidenzbasiert-medizinischen Therapie komplementär- oder alternativmedizinische Behandlungen in Anspruch. In zahlreichen MS-Studien zeigt sich, dass drei Viertel der Betroffenen eine oder mehrere solcher Therapien anwenden oder alternative Therapeuten aufsuchen.
Die Anzahl der Angebote ist sehr gross und reicht von Akupunktur über Homöopathie bis hin zu Phytotherapie (pflanzliche Heilmittel). Die Alternativmedizin darf die medikamentöse MS-Therapie nicht ersetzen. Sie kann aber als Ergänzung im Individualfall sinnvoll sein, unter der Voraussetzung, dass sie nicht zusätzlich belastet. Auch hier gilt, dass die Therapie in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt geschieht.