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Der Monogrammist VBL, Hinterglasmaler
Kunsttransfert im Vizekönigreich Neapel, 1625-1650, am Beispiel des Monogrammisten VBL, Hinterglasmaler
Der Monogrammist VBL war als Glasmaler in der alten Eidgenossenschaft um 1625 tätig. Später ist er Hinterglasmaler in Neapel, sehr wahrscheinlich bis um 1650. Er hat kleinformatige Hinterglasgemälde geschaffen und Hinterglaseinlagen gemalt, die in Schubladenfronten von neapolitanischen Kabinettschränken eingebaut waren. Er hat die Technik der Amelierung benutzt, ein Verfahren, das in Nürnberg ab 1530 und in der alten Eidgenossenschaft bereits Ende des 16. Jahrhunderts verwendet wurde. Die auf das Glas aufgeklebten Blattmetalle werden radiert und die Freistellen mit Lüsterfarben hintermalt. Abschliessend wird eine meist geknitterte Metallfolie hinterlegt. Man kann dem Meister VBL rund hundert Hinterglasgemälde zuschreiben, die er für eine wohlhabende spanische und italienische Kundschaft geschaffen hat. Neapel stand in der Tat damals unter spanischer Krone. Weil es eine beträchtliche Anzahl von Glasplättchen gibt, deren ikonographische Vorlage zwar identisch ist und deren Ausführungsqualität jedoch schwankt, kann man annehmen, dass eine Produktionswerkstatt existiert haben muss, die von VBL geleitet wurde. Die Meinungen gehen auseinander in Bezug auf die Identität des Künstlers. Laut einigen Kunsthistorikern könnte es sich um einen gewissen Viktor Büeler aus Solothurn handeln, der mit dem italianisierten Namen Vittorio Billa in Neapel unterzeichnete.
Die laufende Doktorarbeit ist der Inventarisierung des Werkes von VBL (mehrere Hinterglasbilder sind im Vitromusée Romont beherbergt) und der Identifizierung des Monogramms gewidmet. Die Studie wird jedoch auch aus der kunsthistorischen Analyse der Produktion des Künstlers in Bezug auf den Kunsttransfer bestehen. Es werden nicht nur die Reisen des Malers und die Verbreitung seiner Werke berücksichtigt, sondern auch die Umsetzung seines Stils, seiner ikonographischen Themen und seiner Technik von einem geographischen Gebiet zu einem anderen analysiert. Dieser Ansatz wird dazu beitragen, die dynamische und dialektische Beziehung mit der neapolitanischen Aufnahmegesellschaft zu verstehen, im Kontakt mit lokalem Know-how. Die Arbeit wird sich auch für die sozioökonomische Bedeutung dieser Luxusgüter interessieren - denn auch diese Möbel unterliegen dem Gesetz von Angebot und Nachfrage - und an die Rolle der Hinterglasmalereien in der künstlerischen und materiellen Kultur dieser Zeit.
Bearbeitung (im Rahmen einer Dissertation): Elisa Ambrosio, unter der Leitung von Prof. Michele Bacci, Section Histoire de l’art médiéval, Université de Fribourg/Suisse.