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Die Signaturenlehre ist ein bedeutendes Konzept in der Geschichte der Pflanzenheilkunde. Ihre grösste Bedeutung hatte sie in der Renaissance. Der wichtigste Vertreter der Signaturenlehre aus dieser Zeit war Paracelsus (1493 – 1541). Wer die traditionelle Pflanzenheilkunde verstehen möchte, sollte sich fundiert mit der Signaturenlehre auseinandersetzten.
Allerdings werden heute unter dem Schlagwort Signaturenlehre auch die verschiedensten Heilungsversprechungen propagiert, die im Wesentlichen auf den Assoziationen und Fantasien von einzelnen „Erleuchteten“ basieren.
Damit werden Patientinnen und Patienten ausgenommen und getäuscht.
Mit der historischen Signaturenlehre haben solche „Egotrips“ aber nichts zu tun.
Im folgenden nun eine kurze Einführung in die historische Signaturenlehre mit Ausschnitten aus Wikipedia und daran anschliessend einen ergänzenden Kommentar von mir.
„Die Signaturenlehre ist die Lehre von den Zeichen in der Natur, die als Merkmale auf Ähnlichkeiten, Verwandtschaften und innere Zusammenhänge hinweisen. Analogien bestehen demnach zwischen Form, Farbe, Charakter, Geruch, Geschmack, Standort, Entstehungszeit, Farben, humoralpathologischen und astrologischen Zuordnungen und vielen weiteren Aspekten. Am prominentesten ist jedoch die Beziehung zwischen visuellen Ähnlichkeiten; gemäß dieser Logik sprach man beispielsweise der Bohne eine Heilwirkung bei Nierenleiden bei. Die Form der Walnuss prädestinierte sie für Behandlungen des Gehirns. Die Signaturenlehre beruht damit auf einem kosmischen Denken in Entsprechungen (universale Symphatie bzw. Mikrokosmos-Makrokosmos-Lehre) und ist als typische Denkform nicht-naturwissenschaftlicher Welterklärungsmodelle weltweit zu finden. Als Prinzip herrscht sie in der Mehrzahl sogenannter „traditioneller Heillehren“, die solche Kosmologien als Rahmen voraussetzen.
Die Signaturenlehre fand bereits im Altertum weite Anwendung und war im späten Mittelalter in einer prototypischen Form als Denkungsart bereits stark verbreitet, geht aber in ihrer konkreten schriftlichen Formulierung in Europa auf Paracelsus und den neapolitanischen Arzt und Alchemisten Giambattista della Porta (1538-1615) zurück, der in seinem Buch Phytognomonica anhand von Signaturen ein System von Zusammenhängen zwischen Pflanzen, Tieren und Gestirnen aufzeigt. Sie bleibt eine der grundlegenden Theorien der modernen Homöopathie, die versucht, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Deren Gründer Samuel Hahnemann verwarf lediglich volkstümlich verkürzende Vorstellungen.“
(Quelle: Wikipedia)
Grundannahmen der Signaturenlehre
„Die Signaturenlehre beruht auf der Grundannahme, dass sämtliche Erscheinungen und Wesen miteinander in Beziehung stehen. Sie bilden quer zu der Einteilung in Gattungen und Arten Verwandtschaftssysteme mit gleichartigen Eigenschaften. Etwas modifiziert, aber mit gleichen Folgerungen, bestand die Signaturenlehre unter den Vorzeichen des Christentums: Die Welt war von Gott vollkommen und auf den Menschen hin geschaffen. Die Signaturen waren somit auch Werk dieses Schöpfers. Dem Menschen kam es zu, diese Zeichen zu erkennen und richtig zu deuten.
Als Signaturen gelten unter anderem: Geruch, Geschmack, Farbe, Gestalt, Struktur, Beschaffenheit, Standort, Wachstumsphase und Lebensdauer. Diese werden verschiedenen Kategorien wie Elementen, Planeten oder Eigenschaften zugeordnet. Demnach hat eine bitter schmeckende Pflanze eine Beziehung zum Element Feuer, das mit der Sonne in Verwandtschaft steht und – unter anderem – Umwandlung und Anregung von Stoffwechselprozessen bewirkt.
Die Signaturenlehre ist nicht nur der europäischen Medizin bekannt. In der chinesischen und auch der ayurvedischen Medizin existieren ausgearbeitete Systeme der Zuordnungen nach Signaturen. So werden etwa in der chinesischen Medizin Geschmack, Geruch, Farbe, Tages-und Jahreszeiten, Elemente, Organe, Sinnesorgane und Körperteile unter anderem zu einem diagnostischen Konzept verbunden. Dieses ermöglicht bei eindeutigen Krankheiten die Auswahl passender Heilmittel, die in einem ebenfalls komplexen Zuordnungsschema erfasst sind.“
(Quelle: Wikipedia)
Zur Auseinandersetzung um die Signaturenlehre
„Verteidiger verweisen auf eine Reihe von Fällen, bei denen moderne wissenschaftliche Untersuchungen die Anwendungsbereiche der Signaturenlehre bestätigten. Die Walnuss – wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem menschlichen Hirn ein traditionelles Heilmittel bei Krankheiten des Kopfes – enthält tatsächlich für das Gehirn wertvolle Fettsäuren. Die Herbstzeitlose – wegen der Ähnlichkeit der Zwiebel mit einer gichtkranken Zehe gemäß der Signaturenlehre ein Mittel gegen Gicht – liefert tatsächlich wirksame Heilstoffe gegen diese Krankheit. Kritiker weisen jedoch auf die Zufälligkeit dieser Funde hin und führen an, dass sich für jeden Erfolg auch mehrere Beispiele nicht wirksamer Zuordnungen nachweisen lassen. So konnte beim Frauenmantel keine der dieser Pflanze zugesprochenen Wirkungen bei Frauenkrankheiten nachgewiesen werden. Auch das Lungenkraut, das wegen seiner getupften Blätter bei Lungenkrankheiten Verwendung fand, hat sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen bis jetzt als weitgehend wirkungslos erwiesen. Zu den Heilmitteln der Signaturenlehre gehören allerdings auch Mittel, die heute sehr seltsam anmuten. So empfahl Nicolas Lémery 1697 in einem damals aufsehenerregenden Arzneibuch, den getrockneten und pulverisierten Schädel eines gewaltsam zu Tode gekommenen Menschen als Heilmittel gegen Hirnkrankheiten.“
(Quelle: Wikipedia)
Kommentar & Ergänzung:
Um die historische Signaturenlehre zu verstehen, muss man in erster Linie das Weltbild verstehen, in welches sie eingebettet ist.
Oder anders gesagt: Wer sich in der Pflanzenheilkunde auf historische Begriffe wie die „Signaturenlehre“ beruft, muss den kulturgeschichtlichen Kontext mitberücksichtigen.
Wer sich für dieses faszinierende Thema interessiert, bekommt dazu fundierte und gut verständliche Informationen im Seminar
Vorgestellt werden an diesem Seminar Konzepte der Magisch-mythische Medizin, der Viersäftelehre (Humoralpathologie) der Antike, der Klostermedizin im Mittelalter (Hildegard von Bingen), der Signaturenlehre der Renaissance (Paracelsus), der Bach-Blütentherapie und der Phytotherapie.
Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den gegenwärtig herumschwirrenden willkürlich konstruierten „Signaturen der Pflanzen“ finden Sie hier:
Die Pflanzenheilkunde muss historisch fundiert sein, wenn sie auf traditionelle Konzepte baut.
Das heisst aber auch, dass eine sorgfältige Auseinandersetzung mit traditionellen Konzepten nötig ist.
Tradition hat nämlich nicht immer einfach Recht. Siehe dazu:
P.S.: Zum Hinweis im Wikipedia-Text auf eine Wirkung der Herbstzeitlose bei Gicht ist noch eine Warnung angebracht: Herbstzeitlose gehört zu den stärksten Giftpflanzen. Sie enthält das Alkaloid Colchicin, welches präzis dosiert im Gichtanfall hilft, aber nur noch selten eingesetzt wird. Rezeptpflichtig. Keine Selbstbehandlung !!!
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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