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Wirbellose und Kulturlose: Überlegungen zur wirtschaftlichen und identitätspolitischen Funktion der Naturforschung in der Schweiz um 1900
Das Zeitalter des Imperialismus manifestierte sich in der Schweiz unter anderem mit einem Institutionalisierungsschub von biowissenschaftlichem Wissen. So entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Kantonen Genf, Neuenburg, Bern, Aargau, St. Gallen, Zürich und Basel-Stadt eine Reihe von geographischen, geographisch-commerciellen sowie geographisch-ethnographischen Gesellschaften. Sie publizieren Berichte über die Botanik, Geologie, Geographie, Zoologie, Anthropologie und Ethnographie in den Kolonien – sowie punktuell über die alpinen Regionen der Schweiz. Das Personal dieser Gesellschaften setzt sich aus Vertretern des Bildungs-, Handels- und Industriebürgertums sowie aus Politikern und Beamten zusammen. Aus diesem Netzwerk gehen verschiedene Sammlungen in Naturhistorischen Museen, ethnographischen Sammlungen sowie die Gründungen von Völkerkundemuseen hervor. Ferner spielen die Gesellschaften eine bedeutende Rolle bei der Neubesetzung oder Neugründung von Lehrstühlen in den genannten Disziplinen an den Universitäten und der ETH.
Ausgehend von zwei laufenden Dissertationsprojekten, die sich unter anderem mit der Verflechtung der Schweiz mit dem kolonialen Indonesien beschäftigen, soll der Frage nachgegangen werden, wie aussereuropäische Naturobjekte (Pflanzen, wirbellose Tiere und Wirbeltiere, Steine, Knochen u. dergl.) in der Schweiz Bedeutung erlangten und zu wissenschaftlichem Wissen verarbeitet wurden. Der Transfer von Objekten und Wissen zwischen der Schweiz und der niederländischen Kolonie soll je in seinen wirtschaftsgeschichtlichen und identitätspolitischen Dimensionen betrachtet werden.