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Immer Ärger mit den Nachbarn?
Überlegungen zur "Parallel-Haltung" von mehreren Gruppen einer Tierart im Zoo
(Zusammenfassung des Referats von M. Fischbacher am 10. Workshop Tiergartenbiologie, 25. - 27. Okt., Erlangen)
Am Anfang seines ersten Standardwerks Wildtiere in Gefangenschaft (1942) schrieb H. Hediger: "Die möglichst genaue Analyse des Freilebens ist notwendigerweise die einzige zuverlässige Grundlage für eine richtige Beurteilung und Gestaltung des Gefangenlebens. [...] So paradox es klingen mag, verhält es sich in Wirklichkeit doch folgendermaßen: Das freilebende Tier lebt nicht frei - weder in räumlicher Hinsicht noch in bezug auf sein Verhalten gegenüber anderen Tieren."
Als räumliche Einschränkung eines Individuums im Freiland nannte Hediger das Territorium. Daraus leitete er ab, daß das Leben eines Tieres in einem begrenzten Gehege im Zoo nicht wesentlich anders sei, als das Leben innerhalb der Grenzen eines Territoriums im Freiland. Die Hypothese - ein Zoogehege entspricht einem Territorium im Freiland - wird auch heute noch mehrheitlich akzeptiert. Dabei wird aber ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Freiland und Zoo vernachlässigt: Ein freilebendes Tier in einem Territorium hat Nachbarn, d.h. "fremde" Artgenossen, um sich. Ein Zootier hat dagegen in der Regel keine solche Nachbarn!
Die Verhältnisse des Freilandes könnten im Zoo besser (artgerechter) simuliert werden, wenn mehrere Gruppen einer Art nebeneinander gehalten würden. Mit solchen "Parallel-Haltungen" könnten auch andere Anforderungen an Zoos besser erfüllt werden, insbesondere die wissenschaftliche Naturschutzarbeit (Forschung und Erhaltungszucht) und die edukative Öffentlichkeitsarbeit.
Artgerechte Haltung (Tierschutz)
Weil freilebende Tiere in vielfältiger Weise mit ihren Nachbarn interagieren, ist eine artgerechte Haltung in Gefangenschaft eigentlich nur mit Parallel-Haltung möglich. Denn sonst sind wesentliche Bereiche des natürlichen Verhaltens gar nicht möglich oder ohne Funktion, d.h. machen keinen "Sinn":
Wissenschaftliche Naturschutzarbeit (Forschung, Erhaltungszucht)
Durch die Haltung mehrerer Gruppen einer Tierart in Forschungsstationen, könnte der grundlegender Mangel der meisten wissenschaftlichen Arbeiten aus Zoos, die zu kleine Stichprobengröße, am einfachsten behoben werden.
Erhaltungszuchtprogramme könnten in Zuchtstationen mit mehreren Zuchtgruppen einfacher und effizienter realisiert werden.
Edukative Öffentlichkeitsarbeit
Durch die Konzentration (didaktische Reduktion) auf eine Tierart in mehreren, unterschied-lichen(?) Gehegen könnte diese Art, ihr Lebensraum und ihr Verhalten besser gezeigt, erklärt resp. verstanden und begriffen werden.
In Forschungs- und Zuchtstationen mit Parallel-Haltung könnte die wissenschaftliche Naturschutzarbeit eines Zoos glaubhafter vermittelt werden.

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