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Gertrud Valeska Samosch, geboren 1892 in Berlin, war schon als Kind entschlossen eigensinnig. Sie lernte tanzen, ging zum Theater – und fand schliesslich ihren eigenen Stil zwischen Ausdruckstanz und Pantomime. Ihre Präsenz und ihre ungewöhnlichen Themen erregten Aufsehen: Sie verkörperte einen Boxer, ein Kleinkind oder eine Prostituierte, tanzte einen Verkehrsunfall oder die letzten Atemzüge eines Menschen. G. W. Pabst engagierte sie für seine Stummfilme, und in ihrem ersten Buch, «Mein Weg», beschrieb die Avantgardistin schon 1931 eine Geräuschmusik, wie sie John Cage erst viel später erfand.
Ohne ihren Eigensinn hätte Samosch, die sich Valeska Gert nannte, im Exil (sie war Jüdin, und ihre Kunst galt den Nationalsozialisten als «entartet») in New York keine Bar aufgemacht, denn alles sprach dagegen: Sie hatte kein Geld und erhielt keine Alkohollizenz. Sie engagierte Personal, das KünstlerIn, Koch und Klofrau zugleich war, und verkrachte sich mit fast allen. Rückblickend wurde die Beggar’s Bar zum Mythos: Tennessee Williams arbeitete dort als Kellner, Judith Malina stand an der Garderobe. Aber in ihrem Buch «Die Bettlerbar von New York», das nun neu aufgelegt wurde, ist vor allem von harter Arbeit die Rede, von Konflikten und Scheitern.
So ausdrucksstark und lakonisch, wie sie tanzte, so schrieb sie auch. Doch auch als Zeitdokument ist das 1948 in der Schweiz entstandene Buch lesenswert: Hier kämpfte eine Rückkehrerin um ihren früheren Ruhm und gegen das Vergessen. Darum lässt sie auch in den Kapiteln über ihren Werdegang niemanden neben sich gelten, wirft den Konkurrentinnen Ideenklau und den Weggefährten Verrat vor. Ihre Angst war berechtigt: Im Nachkriegsdeutschland führte Valeska Gert ein Nischendasein, bis sie in den siebziger Jahren wieder bekannt wurde, auch mit ihrer Autobiografie «Ich bin eine Hexe».