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Zeitreise | Stadt & Geschichte
Duttis Unterwasser-Vorräte
Bereits vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs machte sich Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler Gedanken zur Sicherung der Landesversorgung. Seine Idee Getreide und sonstige Lebensmittel in tonnenschweren «Konservendosen» in unseren Seen zu versenken, fand jedoch nicht nur Anhänger.
Im Herbst 1938 appellierte Gottlieb Duttweiler an die Schweizer Frauen: «Liebe Hausfrauen, kauft wo ihr wollt – sogar im Konsumverein! – aber legt möglichst ansehnliche eigene Notvorräte an…». Dass für die Aufrüstung von Kriegsmaterial ein so viel grösserer Aufwand betrieben wurde, als für die in seinen Augen essenzielle Aufstockung von Lebensmittel, brachte den streitbaren Gründer der Migros in Rage. Und dies, obwohl am 1. April 1938 das Bundesgesetz zur Sicherstellung der Landesversorgung mit lebenswichtigen Gütern in Kraft getreten war.
1938 hatte Duttweiler der Landesregierung seinen Plan, Getreide, aber auch Treibstoff und Öl in unseren Seen zu lagern, präsentiert.
Im Juli 1938 hatte Duttweiler der Landesregierung seinen Plan, Getreide, aber auch Treibstoff und Öl in unseren Seen zu lagern, präsentiert. Der Vorteil dieser Art der Lagerung lag für ihn auf der Hand. Lagerhallen waren durch mögliche Bombardierungen stets in Gefahr und verursachten ausserdem hohe Lagerkosten. Das ehemalige eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement EVD (heute WBF) gab eine entsprechende Studie in Auftrag. Diese gab Gottlieb Duttweiler Recht.
Und so tat sich im Sommer 1939 Ungewöhnliches auf und im Thunersee vor Därligen (BE). In einem 250 Kubikmeter grossen und rund sieben Meter hohen Stahltank, der inwendig mit einem Teeranstrich versehen wurde, verschwanden gut verschlossen 230 Tonnen Getreide im See. Dieses sollte für die nächsten viereinhalb Monate im rund zehn Grad kalten Wasser lagern. Der Versuch gelang. Die Temperatur hielt das Getreide vom Keimen ab und verhinderte eine Gärung oder einen Ungezieferbefall.
Kooperation
Dieser Artikel ist ursprünglich auf dem Blog des Landesmuseums erschienen. Dort gibt es regelmässig spannende Storys aus der Vergangenheit. Egal ob Doppelagent, Hochstapler oder Pionier. Egal ob Künstlerin, Herzogin oder Verräterin. Tauche ein in den Zauber der Schweizer Geschichte.
Trotzdem lehnte der Bundesrat eine Beteiligung am Projekt und dessen Weiterführung ab. Als Gründe wurden die kurze Dauer des Versuchs und die immer noch geltende Kontingentierungspraxis genannt. Vor allem Bundesrat Hermann Obrecht, der diese Politik zu vertreten hatte, legte sich immer wieder mit Gottlieb Duttweiler an. Letzterer sass für den «Landesring» im Nationalrat und machte auch im Ratssaal ordentlich Druck. Schliesslich gab Obrecht dem Migros-Gründer zu verstehen, dass es für ihn in der kriegswirtschaftlichen Organisation keine Verwendung gebe.
1949 versenkt «Dutti» – wiederum auf eigene Kosten – 100 Fässer mit Rohkokos- und Erdnussöl im Alpnachersee.
Trotzdem versenkte Duttweiler einige Monate später einen 15 Kubikmeter grossen Unterwassertank mit Weizen im Alpnachersee. Diesen hatte er auf eigene Kosten eingekauft. Der Weizen blieb für die nächsten sechs Jahre im Wasser und wurde regelmässig kontrolliert. Resultat: Das Getreide war auch danach absolut einwandfrei. Durch den Teeranstrich, dem äusseren Schutzfilm durch Schlamm und Sand und dem geringen Sauerstoffgehalt in der Tiefe des Sees, drang kein Wasser ein und die Tanks rosteten nicht.
«Dutti» wäre wohl nicht «Dutti» gewesen, hätte er sich von einer einmal gefassten Idee abbringen lassen. 1949 versenkt er – wiederum auf eigene Kosten – 100 Fässer mit Rohkokos- und Erdnussöl im Alpnachersee, die während der folgenden Jahre regelmässig kontrolliert wurden. Es sollte nicht sein letzter erfolgreicher Versuch sein, Lebensmittel, aber auch andere Materialien, die in Krisenzeiten wichtig werden, bombensicher und günstig zu lagern. Ab 1955 verschwanden so über 2000 Fässer im Alpnachersee.
Die insgesamt 2765 überdimensionalen «Konservendosen» wurden allesamt unversehrt wieder gehoben.
Heute liegen keine von Duttis Lebensmittelfässer mehr auf dem Grund von Schweizer Seen. Das Experiment wurde Anfang der 1960er-Jahre endgültig abgebrochen. Unter anderem, weil beispielsweise Bauarbeiten zur Verbreiterung der Brünigstrasse die Fässer durch Gesteinsabbrüche oder Bauschutt gefährdet hätten. Die insgesamt 2765 überdimensionalen «Konservendosen» im See bei Alpnach wurden allesamt unversehrt wieder gehoben.
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