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Beschreibung
Christian Auf der Mauer, Alissa Cuipers: Giswil, Am Kaiserstuhl: Ein Siedlungsplatz im Wandel. Gruben, Wohnhaus und Kalkbrennofen am Brünigsaumweg zwischen Mittelalter und Frühneuzeit
Evelyne Marty: «Laicheibli» – Analyse und Typologie der Schabmadonnen-Funde aus den Grabungen der Jahre 2018–2019 auf dem Klosterplatz in Einsiedeln
Giswil, Am Kaiserstuhl: Ein Siedlungsplatz im Wandel. Gruben, Wohnhaus und Kalkbrennofen am Brünigsaumweg zwischen Mittelalter und Frühneuzeit
Infolge der geplanten Schüttung des Tunnelabraums der Umfahrungsstrasse Kaiserstuhl liessen sich im Taleinschnitt südlich des Hofs Am Kaiserstuhl durch archäologische Untersuchungen Zeugnisse einer ab spätmittelalterlichen Zeit einsetzenden Besiedlung nachweisen. Beim südlichen Ausläufer der westlichen Hügelkuppe wurden Siedlungsreste in Form von Gruben freigelegt, die neben Resten eines Keramikensembles aus der Zeit um 1300 und dem 14. Jh. auch ein Fragment eines sandsteinernen Fenstergewändes enthielten. Der Standort der Siedlung ist auf der Hangterrasse zu vermuten. Ein Brand zerstörte in der zweiten Hälfte des 16. Jh. ein dazugehörendes Gebäude, das einzelne mit Wandlehm ausgefachte Wände aufgewiesen haben muss. Diese erste Siedlung steht wohl im Zusammenhang mit dem Landesausbau im ausgehenden Hochmittelalter der auch die höher liegenden Gebiete um 600 m ü. M. erfasste.
Weiter südlich konnten Reste des Sockelgeschosses eines um 1600 erbauten Wohnhauses freigelegt werden. Die Mauern wurden über den ausplanierten Resten des Vorgängergebäudes errichtet. Vermutlich war nur das Vorderhaus mit einem Sockelgeschoss versehen, während das Hinterhaus auf dem anstehenden Felsen oder auf einem Mauerkranz auflag. Im Befund konnte eine dreiteilige Raumdisposition nachgewiesen werden, wobei die Funktion der Räume schwierig zu interpretieren ist. Beim östlichen Raum B mit Mörtelboden ist eine Verwendung als Verkaufsladen oder als Milchkeller denkbar. Keramik-, Metall- und Glasgefässe verweisen auf eine für die ländliche Gegend durchschnittliche, aber durchaus nicht ärmliche Bewohnerschaft. Truhen- und Kästchenbestandteile geben einen Einblick in das mobile Sachgut zwischen Spätmittelalter und Frühneuzeit. Die Nähe zum Brünig-Saumweg zeigt sich aufgrund der Münzfunde; insbesondere die niederländische Münze hat Seltenheitswert in unseren Gegenden.
Die Aufgabe des Gebäudes gegen Ende des 17. Jh. verdeutlicht sich durch das Fehlen von Keramik mit mehrfarbigem bzw. linearem Malhorndekor, Laufdekor und anderen sich im Laufe der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ausbreitenden Keramiktypen. Mögliche Gründe für die geringe Nutzungsdauer des Gebäudes sind der Standort am Hang mit Rutschtendenz des Sockels, eine instabile Bauweise aufgrund unsorgfältiger Mörtelanwendung im Sockelmauerwerk oder auch die schattige und windige Lage. Ein Rückbau mit anschliessender Translozierung der Holzkonstruktion ist angesichts der geringmächtigen Auflassungsschichten in Betracht zu ziehen.
Der südlich des Wohnhauses erstellte Kalkbrennofen scheint gemäss der ältesten C14-datierten Holzkohleschicht im Brennraum in etwa zeitgleich mit der Auflassung des Wohnhauses genutzt worden zu sein. Eine frühere Erbauung des Ofens ist gemäss den zur Bauzeit des Ofens gehörenden Funden jedoch nicht auszuschliessen.
Die hier vorgestellten Befunde und Funde gewähren einen Einblick in eine Epoche des Kantons Obwalden, die bislang aus archäologischer Sicht nur in Ansätzen nachzuvollziehen ist. Sie sind für die siedlungshistorische Forschung ein Glücksfall, gelten sie doch als ein wichtiger Informationsträger angesichts der die lokalen Lebensweisen und Siedlungsvorgänge kaum abbildenden, historischen Schriftquellen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit.
«Laicheibli» – Analyse und Typologie der Schabmadonnen-Funde aus den Grabungen der Jahre 2018–2019 auf dem Klosterplatz in Einsiedeln
Die so genannten «Laicheibli», Nachbildungen der Schwarzen Madonna aus Lehm, gehörten über mehrere hundert Jahre zum Wallfahrtsbetrieb in Einsiedeln. Zuerst wurden sie im Kloster an die gläubigen Pilger verschenkt, später auch in den Krämerläden auf dem Klosterplatz verkauft. Laut Angaben des Klosters seien denjenigen Schabmadonnen aus der Produktion des Klosters zusätzlich weitere Materialien beigemischt worden, um ihnen eine heiltätige Wirkung zu verleihen.
Die vielfältige und weit verbreitete Nutzung der Schabmadonnen bezeugt ihre Beliebtheit zwischen dem 17. und 20. Jh., wobei sich eine genaue Datierung als schwierig gestaltet. Sie wurden nicht nur zu ihrem primären Verwendungszweck, dem Abschaben, verwendet, sondern galten auch vergraben, am Körper getragen oder in der Wohnung aufgestellt als wundertätig. So dienten sie als Heilmittel oder als Schutzgegenstand und gehörten wohl in den Bereich von praktischem Glauben.
Die vielen Funde vom Klosterplatz ermöglichen es, die Schabmadonnen systematisch zu untersuchen. Besonders aufschlussreich sind dabei die Abdrücke auf der Rückseite: Verschiedene Elemente rund um Maria oder Einsiedeln werden unterschiedlich kombiniert. Zudem können die Funde Informationen über den Hersteller beinhalten (Kloster und Dorfbewohner). Da letztere jedoch stets versucht haben, die Schabmadonnen vom Kloster nachzuahmen, stellt sich eine definitive Zuordnung der einzelnen Figuren meist als schwierig dar. Die Schabmadonnen aus Einsiedeln bilden demnach eine Fundgruppe mit Erkenntnispotenzial, und trotz den Resultaten in diesem Artikel sind weiterführende Analysen vielversprechend und geplant.