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Überblick zu aktuellen Projekten
Im Zwischenbericht von BioNTech wurden 94 infizierte Probanden aus 44‘000 Studienteilnehmer begutachtet. Von diesen 94 Probanden hatten 86 ein Placebo und 8 den effektiven experimentellen Impfstoff erhalten. Dies begründet den momentan hohen Impfschutz von 90 Prozent. Die Studie ist beendet, sobald 164 Infizierte analysiert werden können. Wenn zwei weitere Monate für die sogenannte Sicherheitsphase (Test auf Nebenwirkungen) verstrichen sind - dies dürfte in der zweiten Novemberhälfte der Fall sein - gilt die Studie als beendet. Die Zulassungsbehörde in den USA sollte anschliessend in der Lage sein, als erste offizielle Behörde dem ersten Corona-Impfstoff eine vorläufige Genehmigung zu erteilen (sogenannte «Emergency Use Authorization»). BioNTech und Pfizer könnten noch in diesem Jahr 50 Millionen Dosen herstellen. Wegen des zweimaligen Impfregimes würden diese somit für 25 Millionen Menschen reichen. Im nächsten Jahr sollten 1.3 Milliarden weitere Dosen produziert werden.
Diese Menge genügt allerdings nicht, um eine globale Abdeckung zu erzielen. Für die weltweite Impfung müssten schätzungsweise 10 bis 12 Milliarden Dosen zur Verfügung stehen. Das wiederum bedeutet, dass nur mit dem Impfstoff von BioNTech erst nach einer Zeitspanne von fünf bis sechs Jahren die globale Impfung durchgeführt wäre. Dies macht deutlich, wie elementar weitere medizinische Lösungen sind.
Ein ähnlicher Impfstoff wie derjenige von BioNTech wird in den nächsten zwei Wochen von Moderna erwartet. Hinzu kommt, dass eine vielversprechende Behandlung von Eli Lilly von der amerikanischen Zulassungsbehörde eine Notfallzulassung erhalten hat. Der Wirkstoff von Eli Lilly wird primär bei leichten und mittelstarken Erkrankungen eingesetzt und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs. US-Präsident Donald Trump hatte von Regeneron ein ähnliches Medikament erhalten. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befinden sich aktuell 47 Impfstoff-Kandidaten in klinischen Studien. 155 weitere potentielle medizinische Lösungen sind in Vorstudien. Eine offizielle Zulassung gibt es bis jetzt noch nicht.
Schweizer Unternehmen bei der Covid-19 Bekämpfung
Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche nimmt im Bereich der Diagnostik und den damit verbundenen Covid-19 Tests eine sehr zentrale Rolle in der Bekämpfung der Pandemie ein. Die Diagnostik-Abteilung ist seit langem ein wichtiger Bestandteil des Basler Pharmaunternehmens. Bis dato wurde dieses moderne Geschäftsfeld aber von Investorinnen und Investoren wenig honoriert. Bei der Entwicklung von möglichen Impfstoffen gegen das Virus hat Roche zwar via den Medikamenten Tamiflu und Xofluza weitreichende Expertise. In der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus ist Roche allerdings nicht involviert. Mit dem Medikament Actemra, das gegen Gewebeveränderungen in der Lunge auch bei Covid-19 eingesetzt werden kann, liefert Roche einen wichtigen Beitrag zur Verringerung eines Kollapses in Spitälern und somit einen wichtigen Beitrag in der Bekämpfung der Pandemie.
Das zweite grosse Schweizer Pharmaunternehmen Novartis hat sich im Zuge der Corona-Krise mit einer freien Abgabe des Malariamittels Hydroxychloroquin hervorgetan. Die Wissenschaft bezweifelt aktuell jedoch die Wirksamkeit des Medikaments. Die reine Diagnostik sowie das Impfstoffgeschäft hat Novartis vor etwas mehr als fünf Jahren an GlaxoSmithKline und CSL verkauft. Aus diesem Grund ist in diesen beiden Geschäftsbereichen kein Beitrag von Novartis zu erwarten. Zudem setzt Novartis keinen Fokus in der Entwicklung der Infektionsbekämpfung. In der Summe liefert Novartis somit einen moderaten Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie.
Auf das Biochemieunternehmen Bachem wirkt sich die aktuelle Pandemie positiv aus. In der Entwicklung von medizinischen Lösungen gegen das Coronavirus sind neutralisierende Antikörper wichtig. Antikörper die aus Covid-19-Patienten nach überstandener Infektion isoliert werden, können in der Entwicklung von Medikamenten helfen. Sogenannt peptidbasierte Varianten und somit eine Nachfrage nach Peptiden aus dem Hause Bachem sind derzeit sehr gefragt.
Implikation für Konjunktur und Finanzmärkte
Als letzte Woche die Nachricht von der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes auf die bereits gute Marktstimmung traf, kam es an den Börsen zu einem Kursfeuerwerk. Dies verdeutlicht die derzeit solide Verfassung der Märkte. Aktien, die unter der Pandemie gelitten haben, wie beispielsweise Tourismusunternehmen und Airlines, erzielten kräftige Zugewinne. Auf der anderen Seite kam es bei Technologiewerten zu Gewinnmitnahmen. Auf der Obligationenseite entwickelten sich die Renditen insbesondere in den USA kräftig nach oben. Dies führte zu einer positiven Entwicklung bei Finanzaktien. Wir gehen davon aus, dass die Sektorenrotation bei anhaltend positiven Impfnachrichten weitergeht. In unserem Konjunktur-Basisszenario rechnen wir mit einer graduellen Rückkehr zur Normalität. Wir erwarten das BIP-Wachstum im Jahr 2022 wieder auf Vorkrisenniveau. Sollte bereits früher als erwartet eine medizinische Lösung in ausreichender Form vorhanden sein, ist ein rascher als erwarteter «Rebound» der Konjunktur durchaus realistisch. Das auf den ersten Blick verbesserte Umfeld für die Konjunktur sowie die Finanzmärkte wird jedoch durch einige Faktoren relativiert. Mittelfristig verringert eine erfolgreiche Eindämmung der Pandemie die Notwendigkeit von geld- und fiskalpolitischen Massnahmen. Weiter könnten in den kommenden Wochen die hohen Infektionsraten erneut auf die Stimmung der Anleger drücken. Zudem gibt es rund um mögliche Impflösungen einige offene Fragen. Dabei werden insbesondere logistische Herausforderungen genannt. Ein Impfstoff muss bei mindestens -70 Grad Celsius transportiert werden. Die Verteilung des Impfstoffes muss zudem unter strengen Vorsichtsmassnahmen stattfinden.
Fazit
Die aktuellen Fortschritte im Bereich der medizinischen Lösungen sind ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität. Eine Eindämmung sowie eine erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie zeichnen sich mehr und mehr ab. Aus wissenschaftlicher Sicht stellt die aktuelle Entwicklung eine enorme Leistung dar. Die Entwicklung der bis jetzt schnellsten Impfung gegen Mumps dauerte 4 Jahre. Im Durchschnitt vergehen jeweils 10 Jahre bis zu einer Zulassung. Trotzdem bestehen nach wie vor Unsicherheiten und offene Fragen. Am Impfen führt jedoch zweifelsohne kein Weg vorbei. Deshalb ist es zwingend, dass Zulassungen von mehreren Impfstoffen erfolgen. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen haben sich die Perspektiven für die Konjunktur deutlich verbessert.