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Ob Overdose zu den ganz grossen Turflegenden zählt, wird unterschiedlich betrachtet und diskutiert. Vermutlich ist es für einen Sprinter gar nicht möglich, den Aufstieg in die Kategorie von Pferden wie Phar Lap, War Admiral, Secretariat, Zenyatta, Frankel oder American Pharoah zu schaffen, denn die ganz grossen Rennklassiker werden über die langen Distanzen gelaufen. Ein Sprinter kann sich keine Triple Crown aufsetzen, kann keinen Arc de Triomphe, keinen Breeder’s und keinen Melbourne Cup gewinnen. Immerhin ist es Overdose aber gelungen, zwölf Mal in Serie ungeschlagen zu bleiben und 2008 als erstes Pferd zum ungarischen Sportler des Jahres gewählt zu werden – im Wettbewerb der ansonsten zweibeinigen Sportler. Ihm ist also das gelungen, was American Pharoah gerade in Amerika anstrebt.
Die Biographie von Overdose ist bereits 2009 erschienen, auf dem Höhepunkt von Overdose’ Karriere. Der Untertitel «Lebensgeschichte einer Turflegende» ist daher nicht ganz richtig, wieso ich es im Titel auch in Klammer gesetzt habe. Das Buch erzählt den Beginn von Overdose’ Leben, beleuchtet seine zwölf siegreichen Starts und stellt seine ganze Entourage vor.
Mich hat die Geschichte von Overdose von Anfang an fasziniert, denn ich mag diese «vom Underdog zum Hero»-Storys. Zudem habe ich seinen Weg verfolgt, weil sein Trainer Sandor «Alex» Ribarszki ein alter Bekannter ist. Alex – wie er hier in der Schweiz genannt wurde – hat Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre in Dielsdorf bei Trainer Kurt Schafflützel gearbeitet und unter anderen die beiden damaligen Schweizer Hinderniscracks Roikala und Rambourg betreut. Overdose hatte also auch einen Bezug zur Schweiz.
Wenig glamouröse zweite Lebenshälfte
Wer die Geschichte von Overdose bis zum Ende mitverfolgt hat, weiss, dass die zweite Lebenshälfte des Pferdes nicht mehr vom Glück begleitet wurde: Wiederkehrende Hufprobleme und Verletzungen, ein Trainerwechsel, fragwürdige Entscheide seiner Entourage und eine kurze Deckhengstkarriere die durch den viel zu frühen Tod – durch eine Kolik – jäh beendet wurde.
Vielleicht ist es besser, dass das Buch nur die glanzvollen Höhepunkte dieses Ausnahmepferdes beschreibt, vielleicht wäre die Geschichte aber auch berührender geworden, wenn sie das ganze Leben von Overdose erzählt hätte…
Leider ist das Buch sprachlich eher schlecht geschrieben und optisch nicht sehr professionell gestaltet. Trotzdem finde ich es durchaus lesenswert, weil es einfach viel zu wenige Bücher über herausragende Rennpferde gibt und ich mich über jedes freue, das ich finde.
Overdose lebt in seinen Nachkommen weiter
Da Overdose nur sehr kurz als Deckhengst im Einsatz war, gibt es leider nur wenige Nachkommen. Aus Schweizer Sicht erfreulich ist, dass im Gestüt Kobilany der Familie Weiss ein Fohlen von Overdose aus der Just That aufwächst. Overdose’ Bezug zur Schweiz bleibt also über seinen Tod hinaus bestehen und ich werde gespannt verfolgen, ob dieses Stütchen ihrem berühmten Vater nacheifert. Vielleicht wird sie eines Tages auf hiesigen Rennbahnen Erfolge feiern oder in einem anderen Teil der Welt für Furore sorgen.
Overdose – die Gegner 12 x chancenlos
Von Hans-Volkmar Gaitsch
Engelsdorfer Verlag
ISBN: 3-86901-480-6
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