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Locarno TI - Der chinesische Film "Han jia" hat am Samstag den Goldenen Leoparden im internationalen Wettbewerb des Filmfestivals von Locarno erhalten. Für die kanadische Produktion "Curling" gab es den Regiepreis für Denis Côté und den Darstellerpreis für Emmanuel Bilodeau.
Ausser im nationalen Kurzfilmwettbewerb gab es in Locarno keine Auszeichnungen für Schweizer Filme. Auch die im Vorfeld als "pornografisch" verschrienen Beiträge - "Homme au bain" und "LA Zombie", beide mit dem französischen Pornostar François Sagat - fanden keinen Gefallen bei der Hauptjury.
Sehr angetan sahen sich aber mehrere der zwölf Juries von dem sechsstündigen chinesischen Dokumentarfilm "Karamay", der von einem Brand erzählt, der hunderte von Kindern das Leben kostete, weil sie Parteibonzen den Fluchtweg freihalten mussten. Er erhielt den Preis der Jugendjury und drei lobende Erwähnungen.
Auch der Siegerfilm "Han jia" ("Winterferien"), der noch zwei weitere Auszeichnungen erhielt, fällt aus dem Rahmen: Er erzählt in langen, oft unbewegten und kommunikationsarmen Szenen vom trostlosen Leben in der chinesischen Provinz. Das Werk von Li Hongqi lebt von seinem eigentümlichen Humor, etwa wenn ein vernachlässigter Bub "Waisenkind" als Berufswunsch angibt.
Immigration und MitmenschlichkeitMit Humor aufgelockerte Ernsthaftigkeit überzeugte auch das Publikum, das den besten Piazza-Film küren durfte. Es entschied sich für "The Human Resources Manager". Darin überführt ein Personalchef die Leiche einer Angestellten in ihre osteuropäische Heimat und stösst dabei auf kuriose Menschen und bizarre Probleme.
Rein numerisch am meisten Auszeichnungen - den Spezialpreis der Jury und drei Nebenpreise - erhielt "Morgen", der sich ebenfalls um den Themenkreis "Immigration" dreht und auch im östlichen Europa spielt. Hier hilft eine Rumäne einem Türken über die Grenze nach Ungarn.
SDA-ATS