Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/201439

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament Folgendes zu unterbreiten:</p><p>a. eine Studie zum Umfang des Phänomens des digitalen Analphabetismus (der zu einer wesentlichen sozialen Ausgrenzung führt);</p><p>b. eine Strategie, die sich auf diese Studie stützt und die es in Zusammenarbeit mit den Kantonen erlaubt, allfällige Lücken zu schliessen und die Ausbreitung eines solchen Phänomens zu verhindern (in Anlehnung an die Plattform "Jugend und Medien" des BSV).</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Ansicht des Postulanten, dass nicht nur der Zugang, sondern auch die Art der Nutzung des Internets durch Jugendliche von Bedeutung ist.</p><p>Allerdings liefern neuere Studienergebnisse keine Hinweise darauf, dass die Art der Nutzung die sozialen Unterschiede verstärkt. So ergab die James-Studie (2018) in Bezug auf die Art der Nutzung des Internets keine signifikanten Unterschiede zwischen Jugendlichen mit hohem und mit niedrigem sozioökonomischem Status. Und die deutsche Studie "Jugend/Youtube/kulturelle Bildung. Horizont 2019" zeigt zudem auf, dass gerade Youtube-Videos nebst der reinen Unterhaltung oft auch zur Wiederholung des Unterrichtsstoffes und als Informationsquelle für die Erledigung von Hausaufgaben genutzt werden. Diese Resultate machen also deutlich, dass nicht generell ein digitaler Analphabetismus bei Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischem Status festgestellt werden kann und dass Plattformen oder Anwendungen, welche oft als reine Unterhaltungsmedien wahrgenommen werden, für Jugendliche durchaus auch eine bildungsrelevante Funktion haben.</p><p>Wichtig ist die Vermittlung von Medienkompetenz, damit junge Menschen in der Lage sind, das Internet sicher und gewinnbringend zu nutzen und Inhalte kritisch zu beurteilen. Diesem Aspekt wurde in der Erarbeitung der sprachregionalen Lehrpläne der obligatorischen Schule schweizweit besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Verantwortung für die Lehrpläne liegt bei den Kantonen.</p><p>Neben der Schule fällt eine zentrale Rolle in der Medienerziehung dem Elternhaus zu. "Jugend und Medien", die nationale Plattform des Bundesamtes für Sozialversicherungen zur Förderung von Medienkompetenzen, verfolgt im Auftrag des Bundesrates das Ziel, dass Kinder und Jugendliche sicher und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen. Die primäre Zielgruppe der Massnahmen sind die Eltern. Die Chancengerechtigkeit ist bei den Arbeiten der nationalen Plattform eine Querschnittsthematik, sodass auch in Zukunft Fragen der sozialen Inklusion bzw. Exklusion mitberücksichtigt werden.</p><p>In Anbetracht der vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse und der kantonalen Zuständigkeit für die Medienkompetenzentwicklung im Rahmen der schulischen Bildung erachtet es der Bundesrat als nicht notwendig, eine Studie zum digitalen Analphabetismus und eine daraus abgeleitete Strategie zu erarbeiten.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.