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Die Reproduktionszahl, die angibt, wie schnell sich das Coronavirus in der Bevölkerung verbreitet, liege schon seit dem 19. September wieder über den kritischen Wert, sagte die ETH-Professorin Tanja Stadler in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview mit Radio SRF 1. Die Menschen, die jetzt positiv getestet würden, hätten sich ausserdem schon vor mehr als einer Woche angesteckt. Der naheliegende Schluss, dass die Zahlen wegen der Grossveranstaltungen wieder am steigen seien, sei deshalb falsch. «Damit hat das nichts zu tun», sagte sie.
Genau erklären könne die Wissenschaft den Anstieg der Fallzahlen zur Zeit nicht. Möglicherweise spiele das kalte Wetter eine Rolle. «Da gibt es mehr Kontakte drinnen», sagte Stadler. Allerdings seien nicht alle Regionen gleich stark betroffen. Von einem exponentiellen Wachstum könne man nur in Zürich, im Mittelland sowie der Zentral- und Ostschweiz sprechen. In der Nordwestschweiz, dem Tessin und der Genferseeregion sei das Wachstum nicht signifikant exponentiell.
Stadler rät, wachsam zu bleiben. Ziel sei es, zur Situation Mitte September zurückzukehren. Damals sei die Reproduktionszahl unter den kritischen Wert gesunken, ab dem die Epidemie nicht weiter anwachse. «Derzeit stecken zehn Personen zwölf weitere an, wir wollen dass zehn Personen nur noch neun weitere anstecken», erklärte die Mathematikerin. Dies sei machbar, wenn alle ihre Kontakte etwas reduzierten – insbesondere in geschlossenen Räumen.