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Yusuf Yeşilöz' Winterthur
«Schenker hüpfte über einen Blutsee, ergriff den Toten an seinen Haaren und hob seinen Kopf. Der Mann war tatsächlich tot. Blut tropfte aus seinem Mund. Schenker erschrak und liess den Kopf beinahe fallen. Dann blieb er einen Moment lang stehen und blickte bewegungslos auf die zwei Damen ‒ diesen Mann hatte er schon einmal gesehen! ‹Vielleicht doch nicht, Türken mit Schnurrbart sehen alle gleich aus›, flüsterte er vor sich hin. ‹Vielleicht bin ich dem Mann in einem der drei Döner-Kioske hier in der Nähe begegnet. ‒ Da wartet viel Arbeit auf uns!›, sagte er zu den alten Damen, die so unfreundlich auf den Toten blickten, als wäre er ihr Pfleger.»
Im Eingang des Postgebäudes von Winterthur liegt ein Toter mit einem Messer im Rücken. Das Opfer ist der abgewiesene kurdische Asylbewerber Abdas Düren, wie sich bald darauf herausstellt. Dem ermittelnden Kommissar Schenker tut sich bei den Befragungen eine fremde Welt mit eigentümlichen Bildern auf, eine Welt, zu der nicht so leicht Zugang zu finden ist...
Yusuf Yeşilöz (geb. 1964) wuchs in einem kurdischen Dorf in Mittelanatolien auf, 1987 kam er als Flüchtling in die Schweiz, seit 1995 ist er Schweizer Staatsbürger. Er arbeitet als Autor, Übersetzer, Kolumnist und Dokumentarfilmer und wurde für seine Bücher und Reportagen mehrfach ausgezeichnet. Yeşilöz lebt mit seiner Familie in Winterthur – und so fliesst auch viel Lokalkolorit in «Das Lied aus der Ferne» ein, vom Restaurant Goldenberg über die Steinberggasse bis zum Geiselweid-Bad. (BP)
Nur 20 km von Zürich entfernt, beharrt Winterthur, die sechstgrösste Stadt der Schweiz (105'000 Einwohner) auf Distanz und Eigenständigkeit. Motoren-, Lokomotiv- und Textilfabriken und das weltweit agierende Handelshaus Volkart brachten Winterthur im 19. Jahrhundert einen schnellen Aufschwung zum bedeutenden Wirtschaftszentrum. Mäzene schufen die Grundlage für den kulturellen Reichtum der Stadt, die eine seltene Dichte an Gemäldesammlungen von internationalem Rang aufweist. Zu den 16 Museen in der Stadt gehören die Sammlung Oskar Reinhart, das Fotomuseum und das Technikmuseum Technorama.