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Mit Smoke (sowie dem etwas weniger gelungenen Nachfolgefilm Blue
in the Face) ist dem 1949 in Hong Kong geborenen Wayne Wang (Töchter
des Himmels) ein bewegender Film über Menschen aus Brooklyn gelungen,
deren Geschichten in Auggie Wrens Tabakladen zusammenlaufen. Paul Austers
(*1947) Drehbuch trägt viel zum Erfolg von Smoke bei. Die Gefahr,
dass die unterschiedlichen Handlungsstränge den Film auseinanderbrechen
lassen, bannt er auf souveräne Art und Weise.
Auggie Wren (Harvey Keitel) besitzt in New Yorks Stadtteil Brooklyn
einen kleinen Tabakladen. Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen treffen
dort aufeinander. Unter ihnen ist Paul Benjamin (William Hurt), ein Schriftsteller,
der vor einigen Jahren bei einem Banküberfall in der Nähe seine
Frau verloren hat. Auggie erzählt einigen Kunden, dass Benjamins Frau
kurz vor den tödlichen Schüssen bei ihm im Kiosk Zigarren für
ihren Mann eingekauft hatte. Wäre sie nur einen Augenblick länger
bei ihm im Laden geblieben, hätte sie nicht gleich das exakte Wechselgeld
gefunden, wären mehr Personen im Laden gewesen, dann hätten sie
und ihr Kind - sie war im fünften Monat schwanger - nicht sterben
müssen. Seither hat Paul Benjamin kein Buch mehr zu Ende gebracht.
Der Schriftsteller will, in Gedanken versunken, die Strasse überqueren.
Im letzten Moment kann ihn ein schwarzer Junge auf den Gehsteig zurückreissen,
sonst wäre Paul von einem Lastwagen überfahren worden. Der Schrifsteller
bietet seinem Retter Rashid Cole (Harold Perrineau, Jr.), einem wortgewandten
jungen Mann, scheinbar ohne Bleibe, einen Platz in seiner Wohnung an, wobei
er klar macht, dass er keine homoerotischen Neigungen hat. Rashid lehnt
vorerst dankend ab.
Auggie ist am Abend gerade dabei, seinen Laden zu
schliessen, da kommt
Paul vorbei und möchte noch seine üblichen Raucherwaren kaufen.
Bereitwillig schliesst Auggie nochmals auf, schliesslich habe er keine
Rendez-Vous in der Oper. Auf dem Ladentisch bemerkt Paul eine Kamera. Auggie
erklärt ihm, sie gehöre zu seinem Hobby. Seit Jahren fotografiere
er immer um Punkt acht Uhr morgens die gleiche Strassenecke. Er zeigt Paul
eine Auswahl seiner 4000 bereits geschossenen Fotos. Auggie bemerkt zu
Paul, er gehe viel zu schnell über die verschiedenen Fotos hinweg.
Er sehe gar nicht recht hin. Alle Fotos seien gleich und doch verschieden.
Jeden Tag seien die Leute anders angezogen, andere Leute seien da, anderes
Wetter herrsche und der Lichteinfall ändere sich (mit den Jahreszeiten)
beständig. Zufällig stösst Paul auf ein Foto mit seiner
verstorbenen Frau - und wird prompt vom Schmerz überwältigt.
Wayne Wang und Paul Auster erzählen in ihrem Film eine Vielzahl
von Geschichten und Schicksalen, die sich alle irgendwo kurz berühren
oder gar zusammenhängen. Da ist jene von Rashid, der seinen Vater
Cyrus Cole (Forest Whitaker) wiederfindet, der ihn beim Tod seiner Mutter
verlassen hatte. Cyrus hatte in betrunkenem Zustand den Wagen gegen einen
Baum gefahren. Dabei starb seine Frau und er verlor einen Arm. Ohne zu
wissen, dass Rashid, der sich als Paul Benjamin ausgibt, sein Sohn ist,
erzählt er ihm diese Geschichte. Da ist die Beziehung zwischen Rashid
und Paul, bei dem der junge Schwarze einige Tage lang bleiben kann. Da
sind 5814 Dollar, die Rashid bei einem Überfall durch Zufall in die
Hände fielen, weil die Gangster die Beute in der Eile hatten fallen
lassen. Das Geld wandert in der Folge durch verschiedene Hände. Da
ist die Story von Auggies früherer Freundin Ruby McNutt (Stockward Channing), die plötzlich wieder auftaucht und Auggie von einer gemeinsamen
Tochter erzählt, die mit Drogenproblemen kämpft.
Der Charme des Films liegt in den Charakteren der Hauptpersonen, die
alle positive und negative Seiten haben. Alle kämpfen sie mit
Schwächen und Fehlern (auch der Vergangenheit), die zu Beziehungsschwierigkeiten
zwischen den handelnden Personen führen. Nicht zuletzt sind die Rollen
mit hervorragenden Schauspielern besetzt, wobei Forester Whitaker, zur
Zeit in Jim Jarmushs Ghost Dog zu sehen, wie immer überzeugt,
bewegt und hervorsticht.
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