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Erstmals entsteht ein Wörterbuch der deutschen Standardsprache, das sämtliche Ausprägungen des Hochdeutschen als gleichwertige Varianten behandelt. Das Ziel ist eine Aufwertung des österreichischen und des schweizerischen Hochdeutschen.
Mit dem Wörterbuch-Projekt soll die Auffassung korrigiert werden, in den deutschsprachigen Ländern gelte eine einheitliche, am deutschen Deutsch orientierte Standardsprache. Diese Auffassung sei zwar heute am Schwinden, präge aber immer noch die gängigen Sprachregelwerke, schreibt der Schweizerische Nationalfonds, der das Projekt unterstützt. Und hält fest: "Nicht nur die Deutschen reden richtig."
Exekution und Bouillonwürfel
Nicht nur die Dialekte variieren im deutschsprachigen Raum beträchtlich. Es gibt auch deutliche regionale Unterschiede in der deutschen Standardsprache: im Hoch- oder Schriftdeutsch, das ausser in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und im Südtirol als Amtssprache dient.
"Wissenschafter" ohne «l» oder das Wort "Bouillonwürfel" sind typisch schweizerische Verwendungen. "Exekution" beispielsweise kann in Österreich auch "Pfändung" heissen.
Grössere Unterschiede als angenommen
Rund 50'000 national oder regional geprägte Wörter dürfte die deutsche Standardsprache insgesamt umfassen, weit mehr als bisher angenommen. Etwa 10'000 davon gehören zum Alltags-Wortschatz. Das zeigt die grossangelegte Untersuchung, die erstmals alle deutschsprachigen Gebiete gleichermassen berücksichtigt.
Besonders auffällig sind die Variationen in den Bereichen Politik, Gesetze und Verwaltung. Doch auch die Sprache der Medien oder alltagssprachliche Ausdrücke, etwa für Essen und Trinken, sind stark regional, respektive national geprägt. Eruiert werden die Wörter auf der Basis von aktuellen Texten wie Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Romanen der 90er-Jahre oder transkribierten Parlamentsreden.
Neue Sprach-Auffassung
Dem Wörterbuch liegt eine neue Sprach-Auffassung zugrunde. Die Standardsprache wird nicht mehr als einheitliche Sprache verstanden, die in Deutschland richtig und gegen die Ränder hin zunehmend heterogener verwendet wird, sondern als Gruppe von unterschiedlichen, aber gleichwertigen Ausprägungen des Standarddeutschen.
Ein typisch schweizer-hochdeutsches Wort wie "parkieren" wird daher nicht mehr wie beispielsweise im Duden einfach durch die deutsch-deutsche Variante "parken" definiert. Vielmehr werden alle Varianten - Helvetismen, Austriazismen und Teutonismen - durch gemeindeutsche, im ganzen deutschen Sprachraum verwendete Begriffe definiert.
Das Werk mit 9'000 bis 10'000 Stichwörtern soll im Jahr 2002 erscheinen. Unterstützt wird das bald abgeschlossene fünfjährige Projekt vom Schweizerischen Nationalfonds und dessen Parallelorganisationen in Deutschland und Österreich sowie kleineren Geldgebern.
swissinfo und Agenturen