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Neulich hatte ich einen Traum, und der ging so: Ich war die Königin Helvetiens und somit die Chefin im Lande. Als solche bestimmte ich, wo es langging. (Diese ganzen National- und Ständeräte kamen in meinem Traum nicht vor. Versuchen Sie, die Politiker also auch auszublenden, okay?)
Eines Morgens wachte ich in meinem königlichen Himmelbett auf, setzte mir mein Krönchen auf und beschloss, etwas Gutes zu tun für alle Schweizerinnen im gebärfähigen Alter. Ich liess mir sämtliche Gesetzestexte rund um den Mutterschutz zukommen. Nach einigem Studieren war mir klar, dass das so nicht weitergehen konnte. Ich griff zu einem dieser dicken, schwarzen Filzstifte und strich den folgenden Satz durch:
«Wenn eine Frau, die vor ihrer Schwangerschaft in einem Unternehmen gearbeitet hat, nicht 16 Wochen nach der Geburt ihres Kindes zurück an ihrem Arbeitsplatz ist, dann tut es der Firma zwar total leid (denn die Arbeitnehmerin war ja eine Nette, Gute, Tüchtige), aber dann ist leider, leider der Job weg!»
Neu formulierte ich:
«Wenn eine Frau findet, dass es zu früh ist, ein kaum vier Monate altes Kind einer Amme (Kinderkrippen gab es in meinem Traum nicht) zu geben, dann darf sie auch – ähm – sagen wir mal acht Monate lang daheim bleiben und ihr Kind in Ruhe an Beikost gewöhnen. Und zwar ohne dass ihr ihr alter Arbeitgeber kündigt und ihren Job unwiderruflich einem Mann oder einer Frau ohne Gebärmutter gibt.»
Kündigungsschutz neu also mindestens acht statt nur vier Monate nach der Geburt. Tschaka! (Selbst wenn manche Arbeitgeber noch zwei Monate unbezahlten Urlaub auf die vier Monate gesetzliche gewährleistete Mutterzeit draufpackten, waren vier Monate nämlich ein vollkommen unrealistischer Zeitraum, um aus einem Säugling ein Breiling zu machen und somit die Abhängigkeit von der Mutter ein wenig zu reduzieren.)
Blieb noch die Sache mit der Mutterschaftsentschädigung. Aber da ich gerade in Fahrt war, nahm ich mir das bei der Gelegenheit auch gleich vor: Eine Frau, die vorher gearbeitet hat, erhielt – nachdem das Kind da war – vier Monate lang 80 Prozent ihres alten Gehalts. Ich, die Herrscherin über acht Millionen Schweizer, fand das ziemlich knauserig. Kam es in Anbetracht der relativ niedrigen Geburtenraten wirklich auf ein paar Rappen mehr oder weniger in meiner königlichen Schatulle an? Eben. Deswegen veranlasste ich, dass der volle Lohn neu mindestens sechs Monate nach der Entbindung ausbezahlt werden sollte. So konnten auch Alleinerziehende und Frauen, deren Mann nicht Chefarzt in einer Privatklinik war, guten Gewissens etwas länger bei ihrem Baby bleiben, bevor sie sich und ihre Arbeitskraft wieder in der Wirtschaftswelt einbrachten.
Dann schrieb ich noch einen königlichen Hirtenbrief an alle überzeugten Vollzeitmamis, in dem ich sie bat, doch weniger streng mit den Frauen ins Gericht zu gehen, die trotz Mutterschaft nicht auf ihren Job verzichten wollten.
Am Schluss verfasste ich noch eine Präambel für das neue Gesetzeswerk: «Das Reich von Königin Bettina I. ist kinderfreundlich und frauenfreundlich!»
In meinem Traum wollte ich nach getaner Arbeit von meinem Thron steigen, um ein bisschen durch Bern zu lustwandeln. Im echten Leben rutschte ich von der Bettkante ab und landete unsanft auf dem Allerwertesten. War halt eben doch alles nur ein Traum.
Autor: Bettina Leinenbach