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1986 stand Marokko letztmals in der K.-o.-Runde einer Weltmeisterschaft. Damals schieden die Nordafrikaner allerdings im Achtelfinal durch einen späten Treffer von Lothar Matthäus gegen Deutschland aus.
Auch im Verlauf des Turniers 1986 in Mexiko trafen die Marokkaner auf den heutigen Viertelfinal-Gegner Portugal (Anpfiff 16:00 Uhr). Damals allerdings bereits in der Gruppenphase. In Mexiko sorgte Abderrazak Khairi mit einem Doppelpack für einen 3:1-Sieg der Aussenseiter über die Portugiesen.
Khairi ist vor dem erneuten Aufeinandertreffen mit dem Europameister von 2016 auch äusserst optimistisch: «Ich glaube, die können es bis ins Finale schaffen. Unsere Spieler kämpfen für unsere Heimat».
Hinter dem letzten Satz Khairis steckt eine besondere Bedeutung, denn 14 Spieler des marokkanischen WM-Kaders sind nicht in Marokko geboren, mehr als bei jedem anderen WM-Teilnehmer. Das wohl prominenteste Beispiel dafür ist Achraf Hakimi von Paris-Saint-Germain, welcher gegen Spanien den entscheidenden Penalty, frech per Lupfer verwandelte. Hakimi selbst wurde in Spaniens Hauptstadt Madrid geboren und durchlief die Nachwuchsabteilung von Real Madrid.
Etwa 750'000 Marokkaner leben alleine in Spanien, 1,2 Millionen in Frankreich, eine halbe Million in Italien, über 600'000 in Belgien oder der Niederlande und auch in Deutschland, Skandinavien, Grossbritannien und in Nordamerika leben mehrere 100'000 Marokkaner. Die Begeisterung über das Auftreten Marokkos geht nicht zuletzt auch deshalb weit über die Landesgrenzen hinaus.
Auch in Katar selbst leben etwa 15'000 Marokkaner, die nach dem Einzug in den Viertelfinal gemeinsam mit den Spielern ihrer Mannschaft feierten.
Und auch Marokkos König Mohammed VI. liess sich vom Fussball-Fieber anstecken. Er beteiligte sich nach dem Viertelfinal-Einzug an den Feierlichkeiten in der Hauptstadt und liess sich in einem Wagen mit Trikot und Fähnchen in der Hand durch die Stadt fahren.
Doch Marokko spielt mittlerweile nicht mehr nur für das eigene Land, sondern ist nun vielmehr zum Vertreter ganz Afrika und Arabiens geworden.
Abdelhamid Sabiri, in Deutschland aufgewachsen und aktuell bei Sampdoria Genoa unter Vertrag, welcher gegen Spanien den ersten Penalty locker verwandelte, war sich der Bedeutung des Spiels gegen Spanien bewusst, «für ganz Afrika, für die arabischen Länder, für alle Muslime auf der Welt» hätte das Team gespielt. «Wir wollten sie glücklich machen», meinte Sabiri nach der Partie. Er selbst weiss, wie sich das anfühlt, wenn ganz Afrika für ein Team mitfiebert. Bei der WM 2010 im Alter von 13 Jahren sei Sabiri für Ghana gewesen: «So als wäre es mein Land, weil es ein afrikanisches Land ist.»
Die Aussagen Sabiris zeigen, wie gross die Unterstützung der afrikanischen Teams untereinander ist. Dies bekamen nicht zuletzt auch die Spanier im Achtelfinal zu spüren. Durch das Überstehen der Gruppenphase stieg die Zahl marokkanischer Fans, auch Tunesier schlossen sich beispielsweise den Marokkanern an. Dadurch wurde die Begegnung im Education-City-Stadion fast zum Heimspiel für Marokko.
Bei jedem Ballkontakt der Spanier – und das waren bei 77 % Ballbesitz nicht wenige – wurden diese von den Fans der «Atlas Löwen» ausgepfiffen.
Auch die Portugiesen dürfen sich im Al Thumama Stadion, welches eine Kapazität von etwa 40'000 Plätzen aufweist, auf ein gellendes Pfeifkonzert einstellen. Denn ab dem Anpfiff wird nicht nur ganz Marokko mit der Mannschaft von Trainer Walid Regrarui mitfiebern, sondern auch ganz Afrika und Arabien und die vielen Marokkaner in aller Herren Länder.
Die besorgniserregende Verfassung der Mannschaft hat die SCB-Chefetage aufgeschreckt: Die Spieler samt Trainer, Staff und Sportchef mussten am Mittwoch-Vormittag um 10.00 Uhr zur Krisensitzung in der «Energy Lounge» antraben. Die Referenten: Präsident Marc Lüthi und Manager Raëto Raffainer. Dauer der Veranstaltung: Eine gute Stunde. Eigentlich wäre der Mittwoch trainingsfrei. Der freie Tag ist gestrichen worden. Immerhin das.