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Am 12. Februar stimmt das Schweizer Volk über die Unternehmenssteuerreform III ab. Falls sie angenommen wird, profitieren vor allem die grossen Firmen und deren Aktionäre. Dann werden die Reichen und Superreichen ihr Vermögen weiter erhöhen können, auf Kosten des Grossteils der SteuerzahlerInnen. Die aktuelle Steuerreform liegt in einer langen Reihe von Steuersenkungen im Interesse der Millionäre und Milliardäre.
Das Resultat des milden Steuerklimas für die Reichen zeigt sich in den Vermögensstatistik des Bundes von 2003 – 2013: Die Vermögensschere öffnet sich immer weiter, wie die folgende Grafik auf der Grundlage der Vermögensstatistik der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV zeigt:
Die blauen Balken zeigen das kumulierte Reinvermögen (* Erläuterung siehe unten) jener natürlichen Personen in der Schweiz, die weniger als 200‘000 Franken Reinvermögen versteuern, die roten Balken das kumulierte Reinvermögen jener natürlichen Personen mit mehr als fünf Millionen Franken Reinvermögen.
Für die Dekade von 2003 bis 2013 lassen sich daraus zwei Erkenntnisse gewinnen:
- Das gesamte Reinvermögen jener Steuerpflichtigen, die weniger als 200‘000 Franken Reinvermögen versteuern, ist von 125 auf 137 Milliarden Franken gestiegen, also um bloss 12 Milliarden, was einem Zuwachs von 9,6 Prozent beziehungsweise einem jährlichen Zuwachs von nur 0,96 Prozent entspricht. Im Klartext: Sie stagnieren.
- Ganz anders in die Steuerpflichtigen, die mehr als fünf Millionen Franken besitzen. Dort stieg das kumulierte Reinvermögen von 277 auf 620 Milliarden Franken an, das heisst um 343 Milliarden, was einem Zuwachs von 123,8 Prozent beziehungsweise einem jährlichen Zuwachs von 12,4 Prozent entspricht. Das prozentuale Wachstum ist also 13 mal höher als in der Vergleichsklasse unter 200‘000 Franken. Im Klartext: Sie wuchern.
Anzufügen ist, dass bei jenen, die weniger als 200’000 Franken Vermögen aufweisen, jeder Vierte überhaupt kein Reinvermögen hat.
Die Grafik unten zeigt, dass auch beim prozentualen Anteil der Steuerpflichtigen horrende Unterschiede bestehen: Sehr wenige besitzen sehr viel:
Die blauen Balken zeigen den prozentualen Anteil der natürlichen Personen, die weniger als 200‘000 Franken Vermögen besitzen, die roten (fast nicht sichtbaren) Balken am unteren Rand zeigen die prozentualen Anteile jener Steuerpflichtigen, die mehr als fünf Millionen besitzen. Beispielsweise im Jahr 2013 besassen 0,65 Prozent der Steuerpflichtigen 620 Milliarden Franken und 75 Prozent der Steuerpflichtigen 137 Milliarden Franken.
Fazit: Dank dem milden Steuerklima für Reiche hat sich die soziale Schere in der Schweiz zwischen 2003 und 2013 immer weiter geöffnet. Solche Ungleichheiten könnten in den kommenden Jahrzehnten regelrecht «zum Alptraum» werden, wie Robert J. Shiller, Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 2013, befürchtet (siehe Infosperber: «Ungleichheit kann zur Katastrophe führen»). Deshalb braucht es nicht weitere Steuergeschenke für die Reichen, sondern vor allem eine gerechtere Besteuerung der Reichen und eine bessere Verteilung des Reichtums auf alle.
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* Erläuterung zum Reinvermögen:
Diese Statistik der Eidgenössischen Steuerverwaltung ist allerdings noch stark beschönigend, weil sie nur die versteuerten Vermögen erfasst. Die tatsächlichen Vermögen der Reichen und Superreichen sind viel grösser:
- Immobilienbesitzer müssen bekanntlich nicht den Marktwert ihrer Häuser und Bürogebäude angeben, sondern nur 60 bis 70 Prozent davon.
- Häuser und Jachten, die Reiche im Ausland besitzen und dort versteuern, sind in der Vermögensstatistik der Steuerverwaltung mit null Franken erfasst.
- Ebensowenig sind die Vermögen bei Lebensversicherungen, Pensionskassen und der Dritten Säule erfasst.
- Bei der Altersvorsorge profitieren Kaderangestellte von Kaderversicherungen und hohen überobligatorischen Anteilen. Reiche, die selbständig sind, verfügen häufig über besonders hohe Altersguthaben.
Fazit: In Wirklichkeit hat sich die soziale Schere noch viel weiter geöffnet als auf der Grundlage der Statistik der Reineinkommen erkennbar.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine