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Kennen Sie Regula, Michael, Irène, Reto, Isabelle und Hannes? Ihre Eltern sind politisch und sozial engagierte Menschen in Huttwil, sie sind alle sechs für ihre Ausbildung weggezogen und sind heute anderswo erfolgreich. Dass junge Menschen auswandern, um sich beruflich weiterzuentwickeln, ist etwas Normales und Wertvolles. Würden sie die gesammelten Erfahrungen dorthin zurückbringen, wo sie aufgewachsen sind, wäre das für ihre Gemeinde besonders bereichernd. Ein kürzlich verstorbener Anwalt wurde von einem Kollegen mit folgenden Worten beschrieben: «Er war sehr bewandert und vernetzt auf dem internationalen Parkett, aber auch stark verwurzelt in seinem Heimatkanton». Ist das nicht etwas wie eine win-win-Situation, wenn es solche Menschen gibt?
Für welche Talente ist der Oberaargau Süd attraktiv? Wenn Regula, Michael und die anderen nicht zurückkommen, können Zugezogene Erfahrungen von anderswo einbringen. Was machen wir, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen? Wie holen wir sie zu uns? Wie integrieren wir sie? Ich bin selber einer dieser Zuzüger und dennoch habe ich keine Antworten auf diese Fragen. Ich weiss nicht, was Huttwil gemacht hat, um mich anzulocken, zu integrieren. Alles Zufall, oder was?
Man müsse erkennen, dass die Werte, die Bern verkörpere, nur bedingt zukunftsfähig seien, sagte kürzlich der frühere SVP-Präsident Hermann Weyeneth. Wir haben weiss Gott politisch das Heu selten auf der gleichen Bühne, der Weyeneth und ich, aber da muss ich ihm recht geben. Wenn die Wahrung des Bestehenden zur Verhinderung des Neuen führt, dann spielt sich die Zukunft anderswo ab. Aber ist es so, dass Bern Werte verkörpert, die nur bedingt zukunftsfähig sind?
Für Huttwil wäre es gravierend, wenn Regula, Michael und die anderen viele Nachahmer finden würden, die «tschüss, das war’s» sagen. Erst recht, wenn es keine Annette, Mustafa, Sandra und andere Zuzüger mehr gäbe, die bereit sind, sich in den Gemeinderat wählen zu lassen, oder wie beispielsweise Hilde, Michela, Nikolina, Marija, Bernardina und Kristjana sich innerhalb der katholischen Kirche einsetzen.
Ich wünsche mir, dass meine Kinder in Huttwil eine Zukunft sehen und dass sie nach Lernjahren in der Ferne zurückkommen. Nicht zuletzt deswegen setze ich mich für die Attraktivität der Region ein. Wie die Eltern von Regula, Michael und die anderen müssen wir aber damit rechnen, dass sich unsere Kinder auf und davon machen. Für uns als Eltern wäre das nicht so tragisch. Wichtiger ist, dass unsere Kinder ihr Glück überhaupt finden als wo sie es finden. Für uns als Bürger gilt unser Engagement allen, hier Wohnhafte und zukünftige Zuzüger, damit unsere Region eine Zukunft hat.
Nächstes Wochenende werden die Weichen für die Zukunft des Kanton Berns gestellt. Wenn Sie wahlberechtigt sind, fordere ich Sie auf, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Wählen Sie Ihre Grossräte und Regierungsräte. Es geht um Ihre Zukunft, die Ihrer Kinder und Enkelkinder.