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Zweisprachigkeit
Viele Kinder wachsen heute in einer Familie auf, in der mehrere Sprachen gesprochen werden, meist weil die Eltern eine andere Muttersprache haben. Zwei- oder sogar Mehrsprachigkeit kann für das Kind später sehr vorteilhaft sein. Es spricht nichts dagegen, sie von Anfang an zu fördern, denn in keiner anderen Lebensphase lernt man Sprachen so leicht wie in der Vorschulzeit.
Allerdings kann eine mehrsprachige Umgebung zunächst dazu führen, dass sich der Spracherwerb etwas verzögert. Die Kinder haben einen kleineren Wortschatz und sprechen einfachere Sätze als ihre Altersgenossen. Diesen Rückstand holen sie aber in der Regel bis zum Schuleintritt auf.
Eltern sollten mit dem Kind immer konsequent in ihrer eigenen Muttersprache sprechen. So kann sich das Kind darauf einstellen und davon profitieren. Eine Vermischung führt zu Verwirrung und Überforderung. Gleichzeitig sollte aber eine Sprache als "Hauptsprache" in der Familie gelten, die benutzt wird, wenn alle Familienmitglieder beisammen sind.
Untersuchungen haben gezeigt, dass eine fremdsprachige Hauptbetreuungsperson (meist die Mutter) zusammen mit Kindergarten oder Spielkameraden in der Landesprache die unkomplizierteste Sprachentwicklung zulässt. Ist dagegen der Elternteil, der nur abends oder an den Wochenenden daheim ist, aus einem anderen Sprachraum, kann sich diese Fremdsprache nur schwer durchsetzen. Und eher problematisch wird von Fachleuten gesehen, wenn ein Elternteil eine andere als seine eigene Muttersprache vermitteln will.
So unterstützen Sie die Zweisprachigkeit:
- Bieten Sie Ihrem Kind vielfältige Sprachanregungen, z.B. durch Bücher, Spiele, Märli-CDs, DVDs und Musikkassetten in der Nichtumgebungssprache
- Der Elternteil, der die Nichtumgebungssprache spricht, sollte regelmässig alleine mit dem Kind etwas unternehmen und dabei viel erzählen
- Suchen Sie Kontakt mit anderen Familien mit Kindern, die die gleiche Nichtumgebungssprache sprechen
- Verbringen Sie die Ferien im Land der Zweitsprache und laden Sie Besucher aus diesem Land ein (z.B. ein Au-pair)
- Emotionalität und Wertschätzung beider Sprachen müssen stimmen. Werten der Vater oder die Spielkameraden die Sprache der Mutter ab (oder umgekehrt), wird das Kind diese Sprache nicht sprechen wollen.
Zum Thema Zweisprachigkeit und Babyzeichensprache lesen Sie auch Zwergensprache - Erfahrungen einer Mutter und Kursleiterin.
Newsticker
Bilingual bedeutet Vorteil: Eine spanische und kanadische Studie konnte bei knapp 200 Kindern zwischen fünf und sieben Jahren nachweisen, dass zweisprachig aufwachsende Kinder ein besseres Arbeitsgedächtnis entwickeln als Kinder mit nur einer Muttersprache. Das Arbeits- oder Kurzeitgedächtnis speichert und verarbeitet Informationen, die über einen kurzen Zeitraum abrufbar sein sollen, was z.B. beim Rechnen wichtig ist. Auch beim Begreifen eines Textes während des Lesens und der Planung der Lösung von Aufgaben ist ein gut funktionierendes Arbeitsgedächtnis hilfreich.(swissmom Newsticker, 11.9.2013)
So klappt es mit der Zweisprachigkeit: Die Psychologin Anne Fernald von der Stanford University fand heraus, dass Eltern ihren Kindern eine Zweitsprache nur dann wirklich beibringen können, wenn sie sie selbst sicher beherrschen. Die Kinder lernten ansonsten nur ein begrenztes Vokabular kennen, was wiederum ihre allgemeinen sprachlichen Fähigkeiten einschränke. Sie untersuchte ausserdem, warum die Kinder nicht von den Gesprächen ihrer Eltern und Bezugspersonen untereinander profitieren. Echtes Lernen stellte sich nur ein, wenn die Kinder direkt angesprochen wurden. Es sei daher von grosser Bedeutung, dass Eltern mit ihren Kleinkindern viel reden - bei Migrationshintergrund in der jeweiligen Muttersprache. (swissmom Newsticker, 10.3.14)
Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH/AG