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Neun grosse Betten stehen in einem Raum, fünf davon sind besetzt. Neben den Schlafenden ist jeweils noch eine Betthälfte frei. Um die Betten herum stehen Hocker und eine Nachttischlampe. Aus den Lautsprechern an den Wänden dringen Geräusche von ausserhalb. Eine Autotür schlägt zu, Schritte eilen zur Haustür, eine Stimme ruft jemandem etwas zu. Ansonsten ist es still.
Schauspiel der Besucher
Die gut zwanzig Besucher reagieren unterschiedlich. Zwei Frauen tuscheln miteinander, kaum haben sie den Raum betreten: “Und was passiert jetzt? Ist das etwa schon alles?” Ein junger Mann überlegt nicht lange, sondern legt sich neben eine Frau mit kurzem blondem Haar und schliesst die Augen. Die meisten überwinden ihre Hemmungen jedoch nicht so schnell und stehen etwas verlegen da, manche setzen sich auf einen der Hocker. Eine Frau Mitte dreissig betrachtet hingerissen den schlafenden Mann im Bett neben ihr.
In den ersten paar Minuten findet das Theater unter den Zuschauern statt. Die Reaktionen der Besucher sind das wahre Schauspiel. Auch während der restlichen Spielzeit bleibt dies ein nicht unwesentlicher Faktor. Die Rolle der schlafenden Schauspieler wird jedoch deutlich wichtiger. Als der Mann im roten Pyjama, dessen Bett in der Mitte des Raumes steht, anfängt im Schlaf zu sprechen, oder vielmehr zu flüstern, fällt das kaum jemandem auf. Bald darauf werden die Geräusche aus den Lautsprechern leiser und verstummen schliesslich ganz. Nun ist im ganzen Raum ein Zischeln und Flüstern zu hören. Die Besucher lassen sich nicht lange bitten und setzen sich auf Hocker und Bettkanten, beugen sich näher zu den erzählenden Schauspieler, um die Worte verstehen können.
Traumgeschichten
Während der restlichen Vorstellung geschieht nicht viel, und doch wird es nie langweilig. Die Schauspieler halten die Augen geschlossen und reden im Schlaf. Ihre Erzählungen sind unterschiedlich. Eine junge Frau erzählt in allen Einzelheiten von ihrem ersten Mal. Eine andere Darstellerin sinniert über die Gemeinsamkeiten von Schlaf und Tod. Und wer im richtigen Moment dem Mann im roten Pyjama zuhört, erfährt, dass Füsse, bei denen der zweite Zeh länger ist als der erste, griechische Füsse genannt werden.
“Voulez-vous coucher avec moi?” bietet Raum für viel Neues. Als Zuschauer entscheidet man selbst, welcher Traumgeschichte man zuhören will, ob man stehen, sitzen oder sich auf eines der Betten legen will. Wer Action braucht, ist bei dieser Theaterinszenierung fehl am Platz. An Spannung mangelt es dennoch nicht. Die Erzählungen der Darsteller ziehen die Besucher in ihren Bann. Der Schlaf wird zur Inszenierung und erlaubt den Besuchern, sich ungeniert über die Schauspieler zu beugen, um die schlafenden Gesicher zu betrachten. Und als nach zwei Stunden die Geschichten verstummen und das Licht angeht, scheinen nicht wenige selbst in eine Traumwelt abgedriftet zu sein.