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Kuratorin
Pauline Martin
Die Ausstellung veranschaulicht die Geschichte der Unschärfe in der Fotografie von der Erfindung dieses Verfahrens bis hin zur Gegenwart. Mittels zahlreicher Vergleiche mit der Malerei und dem Film erzählt sie – in erster Linie anhand von Schlüsselwerken – von der Entwicklungsgeschichte dieser Form sowie auch von den Werten, die entsprechend den jeweiligen Epochen und unterschiedlichen Arten fotografischer Praxis damit verbunden sind.
Die Ausstellung wird mit einigen Gemälden des 17. Jahrhunderts beginnen – jener Zeit, als die «Unschärfe» eine sehr spezifische Kategorie der Malerei bildete –, um bis zur Gegenwart zu gehen, wo die Unschärfe zu einem entscheidenden Element der fotografischen Ästhetik wird. Die Unschärfe befindet sich im Spannungsfeld zwischen dem zugrundeliegenden technischen Fehler, den sie impliziert, und den künstlerischen Ambitionen, die sie verspricht.
Die Ausstellung erlaubt somit, die Fragestellungen zu verstehen, die die Unschärfe in den unterschiedlichen Arten der fotografischen Praxis mit sich bringt, wie etwa in der Fotografie mit künstlerischem Ziel, der Amateurfotografie, der wissenschaftlichen Fotografie oder der Reportage-Fotografie. Man wird hier die vielfältigen Aspekte der Unschärfe erkennen können, die oftmals ein Element und dessen Gegenteil heraufbeschwört, sei es in ihrer Beziehung zur Wirklichkeit und zur Mimesis, in ihren bürgerlichen und revolutionären Affinitäten, in ihrer Beziehung zum amateurhaften und zum fachmän[1]nischen Vorgehen oder in der technischen Virtuosität, an die sie erinnert oder, ganz im Gegenteil, im zugrundeliegenden Fehler, auf den sie verweist.
Pauline Martin