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ABSTRACTS
Dorothee Barth
Wer hört wie ich und zu welchen gehöre ich?
Zum Begriff kultureller Identität im Kontext einer (interkulturellen) Musikpädagogik
Die Autorin dieses Textes stellt die Frage, welchen Beitrag die «Interkulturelle Musikpädagogik» zu dem leisten kann, was sie als Ausbildung einer «stabilen, ausbalancierten kulturellen Identität» bezeichnet. Sie bezieht sich für den Begriff der Identität auf einen (post-)modernen Ansatz, bei dem diese als relationales Konstrukt gesehen wird, welches Momente der Reflexion und der Situierung im sozialen Raum beinhaltet. Kultur wird im Sinne eines bedeutungsorientierten Kulturbegriffes nach Reckwitz (2000) als geteilte Sinndeutungen verstanden. Dieses Verständnis zwingt weder Migrant_innen sich an traditioneller Musik ihres Herkunftslandes orientieren zu müssen, noch fordert es von Kindern und Jugendlichen der Mehrheitsgesellschaft, ihre eigene musikkulturellen Wurzeln in der «abendländischen Kunstmusik» zu suchen. Schliesslich führt die Autorin aus, wie die referierten Theorien im Unterricht ihrer Meinung nach berücksichtigt werden müssten, um die Schüler_innen zu einer offenen Identitätsbildung mit mehreren musikalisch-kulturellen Zugehörigkeitsgefühlen heranzuführen und dabei zudem zu einem respektvollen Umgang mit anderen Identitäten beizutragen.
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Olivier Blanchard und Jürg Huber
Zwischen Kanon und Soziokultur
Erkundungen auf dem Feld der Deutschschweizer Schulmusik
In diesem Beitrag wird eine explorative Studie über den Musikunterricht an Sekundarschulen und Gymnasien der Deutschschweiz vorgestellt. Es ging bei dieser Arbeit darum, einen Einblick in das Denken von Lehrpersonen bezüglich ihres Unterrichts zu erhalten und Fragen für weiterführende Forschungsprojekte zu entwickeln. Dabei wurden Lehrpersonen, mit ihren Lehrplänen als Befragungsgrundlage, online zu ihrem Musikunterricht befragt. Es zeigte sich, dass Lehrpersonen auf der Sekundarstufe I eine hohe Sensibilität für die Ansprüche, Fähigkeiten und Interessen ihrer Schüler_innen haben und den Unterricht entsprechend nach den Rahmenbedingungen ausrichten. Auf der Sekundarstufe II wird der Unterricht mehr auf die Ziele des Lehrplans ausgerichtet. Dennoch lassen sich auf dieser Stufe kontrastierende Typen von Lehrpersonen beschreiben, die verschiedene methodisch-didaktische Haltungen im Musikunterricht vertreten.
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Martina Krause-Benz
«Musik hat für mich Bedeutung»
Bedeutungskonstruktion im Musikunterricht als Dimension musikbezogener Bildung
Dieser Text befasst sich mit dem Bildungspotential eines Musikunterrichts, in dem musikbezogene Bedeutung konstruiert wird. Der Begriff «Bedeutung» wird dabei konstruktivistisch fundiert. Der «gemässigte Konstruktivismus» nach Siegfried J. Schmidt (1994) berücksichtigt bei der Bedeutungskonstruktion den sozialen Rahmen, in den das Individuum eingebunden ist. In diesem Zusammenhang muss eine Begründung einer Bedeutungszuweisung immer intersubjektiv nachvollziehbar sein. Damit wird der schulische Musikunterricht gemäss der Autorin zu einem prädestinierten Ort für die Konstruktion von Bedeutung, da Individuen mit unterschiedlichen, bereits erzeugten Bedeutungen von Musik aufeinandertreffen, welche die Bedeutungen der anderen jeweils perturbieren. So können ihr zufolge bestehende Konstrukte erweitert oder verändert und somit Bildungsprozesse angebahnt werden.
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Anne Niessen
Individualkonzepte von Musiklehrenden
Eine qualitative Studie als Beitrag zur musikpädagogischen Grundlagenforschung
Dieser Text gibt einen Einblick in eine qualitativ-empirische Studie zu Individualkonzepten von Musiklehrpersonen. Interviews zur Planung von Musikunterricht wurden mit den biographischen Hintergründen der befragten Personen in Beziehung gesetzt. Es zeigt sich, dass einerseits die Individualkonzepte nur im Kontext der jeweiligen Biographie zu verstehen sind und andererseits die Individualkonzepte für die Konstruktion der eigenen Biographie die Funktionen des Strukturierens und Fruchtbarmachens der eigenen Erfahrungen erfüllen. Angesichts der Ergebnisse ihrer Studie formuliert die Autorin die Anliegen, dass in der Ausbildung zur Musiklehrperson biographische Einflussfaktoren stärker und spätere Arbeitsbedingungen früher thematisiert werden sollen, und Probleme, auf die Lehrer_innen beim Unterrichten stossen, in Lerndiskrepanzen umgedeutet werden sollten.
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Christian Rolle
Ästhetischer Streit als Medium des Musikunterrichts
Zur Bedeutung des argumentierenden Sprechens über Musik für ästhetische Bildung
In diesem Text wird das Bildungspotential des ästhetischen Streits im Musikunterricht entfaltet. Die Beschreibung der Charakteristika des ästhetischen Streits wird dafür verknüpft mit Überlegungen zu (angemessenen) Arten des Sprechens über Musik. Die Erörterung der grundsätzlichen Frage, inwiefern musikalische Erfahrungen etwas zur Bildung – verstanden als Transformationsprozess – beitragen können, bietet die Grundlage, um die Voraussetzungen fassen zu können, unter denen ästhetisches Streiten im Musikunterricht sein Bildungspotential entfaltet. Abschliessend wird danach gefragt, wie ästhetischer Streit im Unterricht initiiert werden kann.
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Jürgen Vogt
Musikpädagogik als kritische Kulturwissenschaft – noch einmal
Diese metatheoretischen Überlegungen über den Status der Musikpädagogischen Forschung behandeln die Frage, was für eine Art von Wissenschaft Musikpädagogik sei. Es wird festgestellt, dass sie sich – zumindest in Deutschland – vermehrt auf empirische Bildungsforschung konzentriert und dabei auf das Methodenrepertoire der empirischen Sozialwissenschaften zugreift. Demgegenüber werden Überlegungen zur Möglichkeit angestellt, Musikpädagogik als kritische Kulturwissenschaft zu sehen. Diese werden anhand des kulturwissenschaftlichen «Umbrella Terms» der «Performanz» erläutert und es wird dabei aufgezeigt, wie gerade die Kunsthochschule, die Performanzexpert_innen aller Art versammelt ein prädestinierter Ort zur interdisziplinären Erforschung der Schulmusik als Performativität eigener Art sein kann.