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In römischer Zeit wurde Glas aus den Grundkomponenten Sand und Natron hauptsächlich im Nahen Osten hergestellt. Kalk war im Sand bereits vorhanden und musste nicht extra zugesetzt werden. Im Westen des römischen Reiches konnten bisher kaum überzeugende Beispiele für Primärglasproduktion gefunden werden, möglicherweise wurde in York (Grossbritannien) Rohglas fabriziert. Die Glaswerkstätten im Westen des Reiches importierten das Rohglas, um es in kleinen Öfen wieder einzuschmelzen und zu verarbeiten. Dieser Schmelze konnte dann Glasbruch zugesetzt werden, der aus zerbrochenen Gefässen oder aus Abfällen des Herstellungsprozesses bestand. Man reduzierte damit die benötigte Energie, denn Glasbruch verringerte die Schmelztemperatur. Es war auch möglich, neues Glas einzig aus gesammeltem Altglas zu schmelzen, allerdings auf Kosten der Glasqualität.
Was wir heute auf Ausgrabungen beispielsweise in Augusta Raurica (Augst/Kaiseraugst), Aventicum (Avenches) oder Vindonissa (Windisch) an Glasresten finden, entspricht bei weitem nicht der damals wirklich verwendeten Menge. Glasscherben sind im Gegensatz zu den unzähligen Keramikscherben, die eben kaum wiederverwendet werden konnten, weitaus seltener. Dies spricht für ein bewusstes Sammeln, wofür es auch literarische Zeugnisse gibt. In Augusta Raurica fanden sich grössere Mengen an gesammeltem Altglas in wenigen Teilen des Stadtgebietes. In einigen Fällen kann man damit rechnen, dass in der Nähe der Scherbenansammlungen eine nicht genauer zu spezifizierende glasverarbeitende Tätigkeit ausgeübt wurde. Bei der Glaswerkstatt in Kaiseraugst, in der mehrere Öfen gefunden wurden, konnte ebenfalls Altglas festgestellt werden.
Glas eignete sich also bereits zur Römerzeit ideal für die Wiederverwertung, wiewohl beim Recycling kein systematisches Vorgehen vorausgesetzt werden darf.
Bild: Susanne Schenker