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Um 1800 lebten die Menschen im nordöstlichen Aargau noch fast ausschliesslich von der Landwirtschaft, Handwerk, und Kleinhandel – im Gegensatz zum Westaargau, wo in Heimarbeit schon seit dem späten 17. Jahrhundert Garne und Tücher hergestellt wurden. Als kurz nach 1800 erste Spinnereimaschinen zur Verfügung standen, mechanisierten Aarauer und Lenzburger Unternehmer ihre Betriebe und zogen die Arbeiterschaft in die arbeitsteilig geführten Fabriken zusammen. Im Raum des heutigen Industriekulturpfads stand damals keine einzige Fabrik.
Als Zürcher Spinnereiunternehmer sich in de 1820er Jahren anschickten, an den Unterläufen von Limmat und Reuss Fabriken zu bauen und damit erstmals im Aargau die grossen Flüsse in Kanäle zu zwingen, begann sich das industrielle Schwergewicht im Kanton allmählich nach Osten zu verlagern. 1835 standen in Turgi, Windisch und Baden drei der grössten Baumwollspinnereien der Schweiz. Zwischen 1858 und 1867 kamen in Wettingen / Neuenhof, Vogelsang und im Stroppel bei Untersiggenthalnochmals drei grosse Baumwollfabriken hinzu. Anlässlich der kantonalen Betriebszählung von 1885 rangierten diese sechs Betriebe, all Zürchern gehörend, unter den zehn grössten Fabriken des Aargaus. Die sozialen Folgen der Industrialisierung lassen sich etwa an der frühen konfessionellen Durchmischung der ehemals fast rein katholischen Region Baden ablesen. In Turgi, wo zuvor ein einziger Bauernhof gestanden hatte, wuchs ein Fabrikdorf heran, das in immer grösseren Gegensatz zur politischen Gemeinde Gebenstorf geriet, und sich schliesslich 1884 verselbständigte – quasi eine Gemeinde als Produkt der Industrialisierung.
Um die Jahrhundertmitte entstanden in der Region des Industriekulturpfads die Anlagen der Eisenbahn: 1847 die Linie von Zürich nach Baden, 1856 die Weiterführung nach Brugg, 1859 die Strecke Turgi – Waldshut und schliesslich 1875 / 76 die Bözbergbahn und die neue Streckenführung bei Wettingen. Die Eisenbahn erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fabrikaten, löste aber keinen besonderen Industrialisierungsschub aus. Die Fabriken waren immer noch an die Flüsse als Kraftlieferanten gebunden. Als zweite Branche fassten seit den 1850er Jahren mehrere Metallwarenfabriken Fuss: 1857 Wegmann in Ennetbaden, 1858 Oederlin in Rieden, 1873 Merker in Baden, 1890 Egloff inTurgi.
Die Transportierbarkeit von Elektrizität dank dem Wechselstromprinzip ermöglichte sei 1890 den Bau von Fabriken abseits der Flüsse. So versorgte das 1891 / 92 erstellte Kraftwerk Kappelerhof die gleichzeitig gegründete Elektromaschinenfabrik Brown, Boveri & Cie. (BBC) auf dem Badener Haselfeld. Damit zog die Grossindustrie in Baden ein, die innerhalb weniger Jahre die Textilbetriebe, die sich in einer strukturellen Krise befanden, überflügelte. Wenige Jahre nach ihrer Gründung löste BBC die Spinnerei Kunz in Windisch als grösste Fabrik im Aargau ab. Auch in Brugg setzte sich dank Elektrizität aus dem 1892 erstellten städtischen Kraftwerk die Metallindustrie durch: 1896 wurden die Kabelwerke Brugg und die auf Brücken- und Industriebauten spezialisierte Stahlbaufirma Wartmann & Valette gegründet.
Die Region des Industriekulturpfads war seit dem 19. Jahrhundert eine der am höchsten industrialisierten der Schweiz. In verschiedenen Gemeinden waren über Jahrzehnte hinweg 70 oder gar 80 Prozent der Erwerbstätigen in der Industrie beschäftigt. Erst mit dem in den 1970er Jahren einsetzenden Strukturwandel hat sich das Schwergewicht in den Dienstleistungssektor verschoben. Mehrere Objekte am Industriekulturpfad sind inzwischen neuen Nutzungen zugeführt worden.