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Kampagne
Übersicht
Im brasilianisch-peruanischen Grenzgebiet finden sich einige der letzten unkontaktierten, indigenen Völker dieser Welt. Sie leben in freiwilliger Isolation und damit weitgehend ohne Kontakt zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft. Informationen über ihre Lebensgewohnheiten und ihre Kultur sind rar und den meisten Forschern bleibt nichts anderes übrig, als Spuren im Urwald oder gelegentliche Luftbilder auszuwerten.
Die Isolation suchten die meisten dieser indigenen Gemeinschaften aufgrund von Gewalterfahrungen. Bereits im 16. Jahrhundert kam es ihm Zuge der frühen portugiesischen Siedlungstätigkeiten an der Küste des heutigen Brasiliens zu eigentlichen Gewaltwellen. Massaker, Krankheiten und Vertreibungen dezimierten die lokale Bevölkerung innert weniger Jahrzehnte massiv. Die Überlebenden flohen in die schützende Tiefe des Urwalds. Während des grossen Kautschukbooms des 19. Jahrhunderts folgte auf dem Gebiet des brasilianischen wie auch des peruanischen Amazonasgebietes eine zweite Welle brutaler Gewalttaten gegen die indigene Bevölkerung. Eine dritte Welle wurde schliesslich von Grossgrundbesitzern, Siedlern und Konzernen losgetreten, welche bis heute anhält. Auf der Suche nach Rohstoffen wie Holz, Erdöl, Erdgas und Gold, nach Weidegründen für Rinderherden und Land für Palmöl- und Sojaplantagen wurde nicht nur skrupellos Raubbau an den Urwäldern betrieben, sondern es wurden auch unzählige Indigene vertrieben und ermordet.
Die unkontaktierten Völker stehen gegenwärtig unter gewaltigem Druck und ihr Siedlungsgebiet wird immer kleiner. Unter anderem dank des Engagements lokaler, indigener Organisationen entstanden in beiden Ländern Schutzzonen für unkontaktierte Gemeinschaften. Entlang oder in unmittelbarer Nähe der peruanisch-brasilianischen Grenze – d. h. in der brasilianischen Provinz Acre, sowie in den peruanischen Departementen Madre de Dios und Ucayali – befinden sich sieben von insgesamt zehn dieser bereits existierenden oder geplanten Schutzgebiete. Diese umfassen jedoch nicht sämtliche Regionen, in denen unkontaktierte Völker leben. Darüber hinaus werden teilweise in diesen offiziellen Schutzzonen – etwa in Peru – von der Regierung Konzessionen an Erdölfirmen vergeben und illegale Strassen von Holzfirmen zum Abtransport von Mahagoni errichtet. Dies hat zur Folge, dass unkontaktierte Indigene von Peru nach Brasilien flüchten.
Ziele
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die Forderung von indigenen Organisationen aus Brasilien und Peru für die Schaffung eines neuen binationalen Schutzgebietes in der Grenzregion der beiden Länder. Nur ein gemeinsames Vorgehen beider Regierungen vermag die unkontaktierten Völker wirksam zu schützen.
Brasilien wie auch Peru müssen die vollständige Einhaltung der Rechte der indigenen Völker gemäss der ILO-Konvention 169 und der UNO-Deklaration der Rechte Indigener Völker garantieren. Peru muss insbesondere das Gesetz über den Schutz der in Isolation lebenden Völkern von 2006 anpassen, damit keine Erdöl oder Erdgasförderungen in den Schutzgebieten der isolierten Völker mehr möglich sind. Brasilien seinerseits darf den rechtlichen Schutz der Indigenen nicht weiter aufweichen. Insbesondere der Gesetzesentwurf PL 1610/1996, welcher die Demarkierung (Abgrenzung) der Indigenenreservate regelt, darf in seiner jetzigen Form nicht angenommen werden, da ansonsten die Tore für den kommerziellen Abbau von Rohstoffen weit geöffnet würden.
Das Selbstbestimmungsrecht der unkontaktierten Völker und damit ihre Wahl eines Lebens in freiwilliger Isolation muss respektiert werden. Dies verpflichtet nicht nur zur Schaffung von Schutzgebieten, sondern beinhaltet auch den Schutz ihrer Grenzen. Die Schutzgebiete benötigen Kontrollposten – sowohl auf peruanischer, wie auch auf brasilianischer Seite – welche an strategisch wichtigen Punkten und Verkehrswegen gelegen, das Eindringen von illegalen Holzfällern, Goldsuchern und Drogenhändlern verhindern.
Aktivitäten
Anlässlich der UNO-Konferenz für nachhaltige Entwicklung «Rio+20» vom 20.-22. Juni 2012 hat die GfbV gemeinsam mit Vertretern indigener Organisationen aus Peru und Brasilien die Forderung nach einem neuen binationalen Schutzgebiet in der Grenzregion Peru-Brasilien für unkontaktierte Völker lanciert.
Die GfbV fördert mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit das Verständnis für die Belange der unkontaktierten Völker. Mit Filmabenden, Expertenreferaten und Lobbyarbeit sollen die unkontaktierten Völker in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gerückt und damit ihre Position gestärkt werden.
Betroffene
Siedlungsgebiet:
Grenzregion von Peru (Departement Madre de Dios, bzw. Ucayali) und Brasilien (Provinz Acre)
Bevölkerung:
Es existieren 90-100 unkontaktierte Gemeinschaften in Brasilien und 20-30 Gemeinschaften in Peru.
Religion:
Animismus
Sprachen:
Es werden verschiedene indigene Sprachen gesprochen.
Kontakt
Kontaktperson bei der GfbV
Christoph Wiedmer, Co-Geschäftsleiter
Tel. +41 (0)31 939 00 01