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Im Frühjahr 2017 kommt das Musée Jenisch Vevey auf zwei Akteure der Schweizer Kunstszene der 1990er-Jahre zurück: das Kollektiv M/2 (Jean Crotti, Alain Huck, Robert Ireland, Jean-Luc Manz, Catherine Monney und Christian Messerli), das 1987 einen Kunstraum in Vevey eröffnete, und den Künstler Stéphan Landry (1960–2009), einen aussergewöhnlichen Zeichner, dessen Bestand das Museum vor kurzem als Schenkung erhielt.
Die Verbindung zwischen den beiden? Eine einzigartige kreative Vitalität, die den Alltag bestimmte, doch der Öffentlichkeit kaum bekannt und hauptsächlich durch Äusserungen von Zeitzeugen überliefert ist. Mit Hilfe von Archivmaterial, einem Film und Zeichnungen von Stéphan Landry lässt das Museum das Projekt M/2 wiederaufleben, stellt uns das Schaffen des Kollektivs und dessen Rolle als Labor für die zeitgenössische Schweizer Kunst vor und macht uns mit Landrys virtuosem Werk bekannt.
Mit mehr als 170 Werken aus dem Bestand des Cabinet cantonal des estampes und zahlreichen wertvollen Leihgaben einer Privatsammlung präsentiert diese Ausstellung über den «Rausch der Farbe» die Geschichte der farbigen Druckgrafik: 100 Jahre nach der Erfindung der Lithografie trug der Farbdruck zum grossen Erfolg dieser Technik bei. Doch wie wird eine farbige Grafik gedruckt? Worin unterscheidet sie sich von einer kolorierten Grafik? Welche ästhetische Ziele sucht man mit der Farbe zu erreichen? Wie haben sie Künstler wie Odilon Redon, Paul Signac, Paul Gauguin, Pierre Bonnard, Édouard Vuillard oder Henri de Toulouse-Lautrec genutzt? Eine Auswahl von Dokumenten und seltene Abzüge zeigen uns die Effekte der Polychromie und ihrer technischen Verfahren in der französischen Kunstproduktion um 1890.
Franz Gertsch (*1930) entwickelte in der Mitte der 1980er-Jahre eine Holzschnitt-Technik, die dem im späten 15. Jahrhundert gebräuchlichen Schrotschnitt gleicht. Die verblüffenden, häufig monumentalen Holzschnitte des Berner Künstlers scheinen bei unaufmerksamer Betrachtung Fotografien zu sein, die mit ihrer subtilen Modellierung und ihren Nuancen in die warme Gleichmässigkeit einer «monochromen» Farbe getaucht sind. Anhand von Werken aus eigenen Beständen und Leihgaben gewährt die Ausstellung des Musée Jenisch Vevey – Cabinet cantonal des estampes einen Überblick über ein dreissigjähriges Schaffen, das monumentale Gesichter und Naturbilder vereint. Porträts, die sich wie Landschaften lesen lassen, sowie ebenso präzise wie meditative Ansichten von Gehölzen, Wasserflächen und Pflanzen bringen bei Franz Gertsch die ganze Schönheit der Welt ohne Unterlass in den unermesslichen Raum der Kunst ein.
Die Ausstellung wird kuratiert von dem Kunsthistoriker Rainer Michael Mason, der das Werk von Franz Gertsch seit langem begleitet.