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03.04.2016, 15:1504.04.2016, 21:15
watson-User Luca Brasi hat die letzte Ausgabe von «So schön war es einmal in ... » gefallen und uns eine Anregung geschickt:
«Ich hatte mal einen Kollegen aus Somalia, der sehr betrübt war, dass die Welt heute nur noch an ‹Failed State›, Piraten und islamistische Rebellen denkt, wenn man von seinem Land spricht und Mogadischu doch einst eine wunderschöne Stadt gewesen sei.»
Die negativen Assoziationen kommen nicht von ungefähr: Somalia und seine Hauptstadt Mogadischu tauchen regelmässig in den Top 10 der gefährlichsten Orte der Welt auf. 1991 brach dort ein blutiger Bürgerkrieg aus, der bis heute andauert. In dem Chaos am Horn von Afrika gediehen Piraten und später die Terroristen der Al-Shabab.
Die frühere italienische/britische Kolonie Somaliland erlangte 1960 ihre Unabhängigkeit und genoss in den 30 Jahren bis zum Ausbruch des Kriegs eine gewisse Stabilität. Die Bevölkerung bezahlte dafür in Form der Diktatur Siad Barres allerdings einen hohen Preis. Europäische Touristen und (privilegierte) Somalier schätzten die traumhaften Strände und die Clubs in den Luxushotels.
Folgende Bilder stammen aus Zeiten, als Mogadischu seinem Übernamen «Weisse Perle des Indischen Ozeans» alle Ehre machte:
UN Beach Club in Mogadischu (1980er-Jahre).
bild via vintagesomalia.com
Italienischer Beach Club in Mogadischu (1980er-Jahre).
bild via vintagesomalia.com
Undatiertes Video vom Nightclub im Al-Urubua-Hotel in Mogadischu.
«Früher gab es mehr Nightclubs in Mogadischu als Moscheen.»
Mohamud Diriye, ehemaliger Museumsdirektor Mogadischu
Undatiertes Video vom Lido in Mogadischu.
streamable
Zwei Somalierinnen um 1980 vor einem Mitsubishi Galant Lambda.
Postkarte mit Stadtzentrum Mogadischus (vermutlich 1960er-Jahre).
bild via vintagesomalia.com
«Mogadischu war so friedlich, man konnte nachts unterwegs sein, ohne sich vor irgendetwas fürchten zu müssen. Die Frauen waren modern und gut angezogen. An den Wochenenden gingen wir ins Al-Urubua-Hotel, wo es einen guten Nightclub gab. Das Nachtleben war dynamisch.»
Peter Bern, der als Teenager in den 1980er-Jahren aus Deutschland nach Mogadischu kam
1952 aufgegebene Postkarte aus Mogadischu. Die italienische Aufschrift «Mogadiscio – Panoramica dal mare» zeugt von der Kolonialzeit, als Mogadischu Hauptstadt von Italienisch-Somaliland (1905-1941) war, sowie vom Italienischen Treuhandgebiet Somalia (1947-1960).
bild: m.spialtini via mogadishuimages.wordpress.com
Deutscher Club im Hotel Juba in Mogadischu (1985).
bild via somalinet
Europäische und somalische Pfadfinderinnen (vermutlich 1980er-Jahre).
bild via vintagesomalia.com
«Als die Europäer einen Marathon in Mogadischu veranstalteten, hielten uns die Somalier für verrückt.» (1980er-Jahre)
bild: peter bern via hiiraan online
«Somalia war einst ein führendes und friedliches Land. Aber der Frieden war kosmetisch, die Entwicklung war kosmetisch und das Glück war kosmetisch.»
Betreiber des Blogs vintagesomalia.com
Undatierte Aufnahme der römisch-katholischen Kathedrale von Mogadischu, die 1928 während der italienischen Kolonialzeit erbaut wurde. Sie wurde im Bürgerkrieg zerstört.
Bild: james peipert/AP
Undatiertes Bild zweier Somalierinnen in traditioneller Kleidung.
bild via vintagesomalia.com
Es gab eine Zeit, als die Somalier (ok, einige) glücklich waren, das Leben war gut, die Leute zogen sich schick an, gingen an den Strand, arbeiteten hart. Somalische Frauen genossen viel mehr Freiheiten als alle anderen in der arabischen/muslimischen Welt und ausserhalb Afrikas. Sie gingen zur Schule, arbeiteten, fuhren Autos und trugen die Kleidung, die ihnen gefiel. Sie waren nicht unterdrückt. Sie hatten Kultur. Somalia war einmal sehr kosmopolitisch. Es ist traurig, was aus dem Land geworden ist.»
Betreiber des Blogs vintagesomalia.com
Undatiertes Bild eines somalischen Polizisten mit einer Touristin.
bild via vintagesomalia.com
Überschwemmte Strasse beim legendären Hotel Croce Del Sud (1960er-Jahre).
Nicht alle Somalier sind der Ansicht, dass diese «Normalität» vor dem Bürgerkrieg den heutigen Zuständen vorzuziehen ist:
«Einige Leute können es einfach nicht erwarten, wieder weisse nackte Haut an den Stränden [Mogadischus] zu sehen, denn das ist der Inbegriff von ‹Spass› und ‹Normalität›.»
Wer die gute alte Zeit miterlebt hat, dürfte es anders sehen.
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