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Das erste, nun regelmässig durchgeführte und vom Verkehrsverein Spiez unterstützte Konzert fand am 29. Juni 1946 im Schlosshof Spiez statt. Das Berner Kammerorchester (BKO) unter der Leitung von Hermann Müller spielte Werke von Rameau, Gluck, Haydn und Mozart; Solist war der Flötist Willy Urfer. Dieses Orchester wurde 1938 von 17 Lehrerinnen und Lehrern unter dem Namen «Spielkreis für Streichmusik» gegründet; ihr Leiter war Hermann Müller. Zwei Jahre später gaben sich die Instrumentalisten einen neuen Namen und traten nun als «Berner Kammerorchester» auf. Ihr Dirigent blieb Hermann Müller, und zwar bis zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1972. Im Jahre 1969 wurde er in Anerkennung seines jahrzehntelangen Einsatzes als Musikerzieher am staatlichen Seminar Hofwil-Bern und als Leiter des Berner Kammerorchesters mit dem Kantonalen Musikpreis ausgezeichnet. Nach der Durchführung der ersten Serenade des Berner Kammerorchesters unter dem Patronat des VVS am 29. Juni 1946 stand im «Berner Oberländer»: «Dem Vernehmen nach sind für später weitere Abendmusiken vorgesehen, und wenn einmal die alte Schlosskirche wieder offen ist, lassen sich die verschiedenen Ausführungsmöglichkeiten verbinden.»
In den Jahren 1947 und 1948 gastierte das BKO einmal während des Sommers in Spiez. Am 25. Juni 1949 war das Füri-Quartett zum ersten Male zu Gast im Schloss Spiez, das Füri-Quartett aus Bern, bestehend aus Erich Füri, Violine, Ruth Müller-Fischer, Violine, Martin Brotschi, Viola, und Francoise Füri-Blanc, Violoncello.
In den folgenden Jahren traten mit grosser Regelmässigkeit — und ebenso grossem Erfolg — das BKO und das Füri-Quartett unter dem Patronat des VVS im Schloss, im Schlosshof oder in der Schlosskirche auf. 1955 regte das BKO eine Konzertwoche mit drei bis vier Konzerten an. Als Bedingung nannte der musikalische Leiter Hermann Müller freie Unterkunft und Verpflegung plus Fr. 5.- Taggeld pro Musiker. Dieser Vorstoss wurde vom Vorstand des Verkehrsvereins abgelehnt, da dies eine zusätzliche Belastung der Hotels während der Hochsaison bedeuten würde. Zudem wollte man eine Kollision mit den geplanten Operettenspielen in Thun vermeiden. Hermann Müller bedauerte, einen Ausbau der Schlosskonzerte verpasst zu haben und hielt fest, seine Idee im Jahre 1956 wieder aufzunehmen. Dass die sonst erfreuliche Zusammenarbeit zwischen dem BKO und dem VVS keinen Einbruch erlitten hatte, beweist das Konzert am 25. Juni des gleichen Jahres mit dem Solisten Peter Lukas Graf, Flöte. In den sechziger Jahren hielten der Verkehrsverein und sein Sekretär Alfred Heubach am bewährten Konzertprogramm mit dem Berner Kammerorchester und dem Füri-Quartett fest.
Im Jahre 1969 wurden Dr. Hans Luginbühl, Arzt, und Edy Wyttenbach, Sekundarlehrer, beide wohnhaft in Spiez, musikalische Leiter der Schlosskonzerte. Ein Jahr später übernahm Dr. H. Luginbühl allein die Verantwortung und nahm gleichzeitig Einsitz im Vorstand des Verkehrsvereins, was die Trägerschaft des VVS für die Schlosskonzerte unterstrich.
Um der Konzertreihe neue Impulse zu geben, wurde die regelmässige Zusammenarbeit mit dem BKO und dem Füri-Quartett nicht mehr weitergeführt, damit neue Musiker und Ensembles die Gelegenheit hatten, in Spiez aufzutreten. Die vier bis fünf Konzerte, die nun immer in der Schlosskirche stattfanden, wurden im Monat Juni durchgeführt, um im Frühsommer einen touristischen Schwerpunkt zu setzen. Die Schlosskonzerte hatten sich auch äusserlich ein neues Image gegeben: der Grafiker Fritz Roth, Herzogenbuchsee, gestaltete das Titelblatt des Programmheftes. Eine starke, eigenwillige Interpretation von Musik, die auch heute noch immer gefällt.
Dr. Luginbühl engagierte neue Ensembles und Musiker nach Spiez, die ihr Repertoire über die Klassik hinaus bis zur Moderne ausdehnten. Aus der Vielzahl der Musiker tauchen immer wieder bekannte Namen auf —Künstler, die gerne in Spiez gehört wurden und welche die einmalige Atmosphäre in der akustisch hervorragenden Schlosskirche liebten. So gehören zur Ära Luginbühl das Trio Stradivarius und «ihr» Pianist Werner Giger, Im Jahre 1973 war Aurèle Nicolet zum ersten Male zu Gast in Spiez, ebenfalls im gleichen Jahr die Carnerata Bern. Viele heute international berühmte Musiker traten zu Beginn ihrer Karriere auch in Spiez auf, so z. B. Hansheinz Schneeberger, Ursula und Heinz Holliger, Arthur Loosli, Thomas Friedli, Michael Studer, Thomas Füri, Antony Morf und viele andere. Unvergessen bleibe den über 220 Konzertbesuchern der Duo-Abend am 1. Juli 1982 mit dem international berühmten Pierre Fournier, Violoncello, und Gerard Wyss, Piano. Als Dr. Luginbühl 1984 an der Hauptversammlung des Verkehrsvereins Spiez sein Amt niederlegte, wurde ihm zum Dank für sein grosses persönliches Engagement beim Ausbau der Schlosskonzerte die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Nach der Ära Luginbühl übernahm 1985 Gretli Wandeler-Bodmer die Verantwortung für die Spiezer Schlosskonzerte. Um weiterhin das gute Einvernehmen und die Zusammenarbeit mit dem VVS zu garantieren, nahm auch sie Einsitz in dessen Vorstand.
Das Angebot aus der reichen Palette der Kammermusik wurde noch erweitert. Die Kunst des Gesangs fand regelmässig Aufnahme mit Liederabenden für eine, zwei oder mehr Stimmen und Vokalensembles. Mehr Platz wurde auch den Blasinstrumenten eingeräumt, die in gemischten Formationen oder als Eininstrumentenensembles zu hören waren.
Vermehrt wurde wieder die wunderhübsche Orgel der Schlosskirche eingesetzt, junge Gitarristen brachten ihr Können zu Gehör, und mit den «Salonisti» fand auch die gehobene Salonmusik einen Platz im Programm der Schlosskonzerte.
Seit 1985 findet jedes Jahr ein Konzert unter dem Titel «Junge Künstler stellen sich vor» statt. Dabei wird einer Anzahl Studierenden des Konservatoriums Bern die Gelegenheit geboten, in der Schlosskirche vor einem interessierten Publikum aufzutreten. Diese Konsi-Konzerte sind immer geprägt von einer jugendlichen Spielfreude und Spontaneität auf hohem musikalischem Niveau. Sie werden nicht nur von den Studierenden, ihren Lehrern und der Direktion des Konservatoriums, sondern auch von den aufmerksamen Zuhörern sehr geschätzt. Und mit Interesse und etwas Stolz kann die eine oder andere Karriere weiterverfolgt werden, die in der Schlosskirche Spiez begonnen hat. Die 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft im Jahre 1991 war auch ein Thema für die Spiezer Schlosskonzerte. In jedem Konzert wurde mindestens ein Werk eines Schweizer Komponisten aufgeführt und alle Interpreten waren Schweizer Musiker, Die Zuhörer lernten viele unbekannte Komponisten kennen und taten dies mit einem erfreulich grossen Publikumsaufmarsch.
Ein besonderes Ereignis im Jahre 1994 war die Premiere des ARIA-Quartetts mit Thomas Füri, Violine, Claudia Dora, Violine, Christoph Schiller, Viola, und Conradin Brotbeck, Violoncello. Sicher auch für die anwesenden Eltern Erich und Françoise Füri-Blanc ein Erlebnis, ihren Sohn Thomas mit seinem Quartett in der Schlosskirche Spiez konzertieren zu hören.
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