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Vor 60 Jahren wurden auf praktisch jedem Bauernhof ein paar Schweine zur Verwertung verschiedenster Nebenprodukte oder Küchenabfälle gehalten. 1958 hielt ein Schweinehalter im Durchschnitt 10, 1990 70 und heute 220 Schweine. Hochburgen der Schweinehaltung sind die Kantone Luzern, Bern, Thurgau und St. Gallen.
Betriebseigene Futter richtig ergänzen
Die Fütterung war aufwändig, wie die Abbildung aus einem UFA-Ratgeber von 1965 zeigt: Aus Getreide, Krüsch und Grasmehl wurde häufig eine Eigenmischung hergestellt und nur das Eiweisskonzentrat kam aus dem zugekauften Sack.
Mastschweine sind hervorragende Verwerter von Kartoffeln, Getreide, Molkerei-, Haushalt-, Lebensmittel- und Metzgerei-Nebenprodukten. Auch in den 70er Jahren konzentrierten sich die Anstrengungen der UFA-Forscher auf das Entwickeln und Testen von optimalem Ergänzungsfutter. Mit dem Aufkommen des Maisanbaus kamen Mitte der 70er Jahre Maiskörner- und Kolbensilage dazu und sogar mit Trockengras wurden Schweinemast-Versuche durchgeführt.
Aufschwung der Tierhaltung
In dieser Zeit des landwirtschaftlichen Aufschwungs wurde die Produktion in allen Bereichen ausgebaut: Steigende Milchproduktion, Aufbau der ersten Munimastbetriebe auf Maisbasis, professionelle Eierproduktion und grosse Schweinebetriebe mit dem Resultat hoher Futterimporte. Die Fleischproduktion in der Schweiz wuchs von 1975 bis 1985 um rund 30 Prozent.
Bereits 1979 wurde die politische Handbremse gezogen: Mit der Höchstbestandesverordnung durften auf einem Betrieb nicht mehr über 1000 Mastschweine oder 150 Mutterschweine gehalten werden. In der Folge wurden Grossbetriebe stillgelegt, umgebaut und die Bestände reduziert. Das Stallbauverbot verhinderte den Ersatz der stillgelegten Kapazitäten. Nur kleine Einheiten bis 10 Zuchtsauen und 60 Mastplätzen konnten unter dem Radar erstellt werden. Die Strukturentwicklung wurde damit politisch gewollt, massiv gebremst.
Vom Leistungsförderer zum Labelprogramm
Es war auch die Zeit der Leistungsförderer. Avotan, Bayonox, Flavomycin wirkten positiv auf Stoffwechsel und erwünschte Darmflora und machten die Tierhaltung rentabler. Diese fortschrittsgläubige Haltung bewirkte in den 80er Jahren eine Gegenbewegung: Die Labelproduktion. Neben tierfreundlicher Auslaufhaltung war die Fütterung ohne antimikrobielle Leistungsförderer (AML) ein wichtiger Bestandteil der ersten Labelprogramme.
UFA und Anicom waren bereits 1987 mit ihrem Label «AgriNatura» Pioniere, bevor das Programm in den 90er Jahren von den Grossverteilern mit Naturaplan und zuerst M-Sano, dann IP-Suisse kopiert bzw. integriert wurde und bevor 1999 AML generell verboten wurden.
Qualitätsdenken
Parallel entwickelte sich das Qualitätsdenken beim Schweinefleisch. Eine weltweite Pioniertat war die Einführung der Fettzahl Anfang der 90er Jahre. Damit das Fett eine feste Konsistenz und gute Oxydationsstabilität aufwies, mussten Fette mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren aus der Fütterung verbannt werden. Komponenten wie Trockengras, Mais sogar leichte Gerste mussten stark limitiert werden.
A propos Gerstenqualität: Ein interessanter Schweinemast-Versuch auf UFA-Bühl bezifferte 1986 die Wertdifferenz von Gerstequalitäten: Schwere Gerste (69 kg/hl) ergab gegenüber leichter Gerste (56 kg/hl) einen sieben Prozent höheren Tageszuwachs und vier Prozent tieferen Futteraufwand bzw. eine Wertdifferenz von Fr. 9.55! Auch beim Futter musste das Qualitätsdenken verstärkt werden. Mit dem Einbau der ersten Expander 1993 in Sursee und 1995 in Lenzburg wagte die UFA einen wesentlichen Technologiesprung und war auch hier europäisch eine Pionierin. In Exaktversuchen auf UFA-Bühl konnten die besseren Leistungen und die tieferen Futterkosten bewiesen werden und die Praxis bestätigte die Resultate: Expanderfutter verbesserte die Rendite pro Mastsau um über 6 Franken und pro Mastplatz um 20 Franken (Grafik 3). Dies ebnete den Weg für die generelle Umstellung auf Expanderfutter.
Futterkosten massiv gesenkt
Während laut Ratgeber von 1965 noch unter der Devise «Das Auge des Herrn mästet das Schwein» gearbeitet wurde, erfasst der moderne Schweinemäster heute viele Daten zeitnah mit dem Smartphone oder lässt sie automatisiert in seine Schweinemastauswertung einfliessen. So erhält er eine wertvolle Standortbestimmung mit Verbesserungspotenzial.
Wirtschaftliche, erfolgreiche Schweinemast war in allen UFA-Aktivitäten das Oberziel. Auf UFA-Bühl wurden in 285 Versuchen mit Mastschweinen unterschiedliche Futterzusammensetzungen, neue Rohwaren oder Zusatzstoffe, Auswirkung von Form, Struktur, Vermahlungsgrad auf die Tiere usw. geprüft und verglichen. Im UFA-Futter werden nur Produkte eingesetzt, die unter einheimischen Bedingungen nachweislich positiv wirken und so zum Erfolg des Tierhalters beitragen.
Durch Versuche mit Pre- und Probiotika schuf UFA-Bühl im Vorgang zum Verbot der antimikrobiellen Leistungförderer die Basis für sichere neue Futter.
Zusammen mit der Genetik, der politischen Steuerung der Getreidepreise und den Managementverbesserungen trug die Verbesserung des Futters zu einer kontinuierlichen Senkung der Futterkosten in der Schweinemast bei (Grafik 1). Leider verloren die Schweinemäster diesen und andere Vorteile postwendend an die Abnehmer. Während die Konsumentenpreise für Schweinefleisch seit den 60er Jahren mehr als verdoppelt wurden, sind die Produzentenpreise tendenzmässig gesunken (Grafik 2). Aber immerhin blieben die Deckungsbeiträge pro Schlachtschwein über viele Jahre ziemlich konstant.
Wussten Sie dass…
… der Produktivitätsfortschritt in der Schweizer Schweineproduktion von 1958 bis 2018 370 000 t Futter oder über 50 000 ha Futterfläche spart?
… die Schweineproduzenten pro kg Schlachtgewicht heute 20 % weniger erhalten als 1966, während die Konsumenten das Zweieinhalbfache bezahlen?
… dass dank 285 Schweinemastversuchen auf UFA-Bühl unzählige Verbesserungen in der Fütterung realisiert wurden?
… der durchschnittliche Schweinehalter 1958 10 und 2017 220 Schweine gehalten hat?