Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03139.jsonl.gz/82

| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
29. Kapitel: Seele und Leib nach dem Tode
3.
Jene aber widersprechen sich in jeder Hinsicht, wenn sie angeben, daß nicht alle Seelen in den Ort der Mitte übergehen, sondern nur die Seelen der Gerechten. Drei von Natur und Wesenheit verschiedene Zeugungen sollen nämlich von der Mutter ausgegangen sein: Erstlich aus der Verlegenheit, dem Ekel und der Furcht die Materie, zweitens aus dem Ungestüm das Seelische, drittens aus der Anschauung der Christus begleitenden Engel das Geistige. Wenn nun also dieses letztere, weil es geistig ist, unter allen Umständen ins Pleroma eingeht, das Materielle aber unten verbleibt, nur weil es materiell ist und durch den Ausbruch des in ihm enthaltenen Feuers gänzlich verzehrt wird: warum soll dann das Seelische nicht gänzlich in den Ort der Mitte übergehen, wohin sie auch den Demiurgen schicken? Was aber soll denn nun von ihnen in das Pleroma eingehen? Die Seelen sollen an dem Ort der Mitte verbleiben, die Leiber aber, da sie von materieller Beschaffenheit sind, in die Materie aufgelöst und von dem ihr innewohnenden Feuer verzehrt werden. Wenn nun aber ihr Leib zerstört ist und ihre Seele in der Mitte verbleibt, dann ist von dem Menschen nichts mehr übrig, was ins Pleroma eingehen könnte. Denn die Sinne des Menschen und sein Verstand, sein Denken und Fühlen und, was sonst noch derart ist, sind nicht etwas anderes als die Seele, sondern nur ihre Bewegungen und Tätigkeiten, die ohne die Seele keine eigene Wesenheit haben. Was also bleibt von ihnen noch für das Pleroma übrig? Was von ihnen Seele ist, verbleibt in der Mitte, was aber Leib ist, wird mit der übrigen Materie brennen.