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Der Flurname einer grossen, trichterförmigen Wiese am Fusse der Jungfrau bei Interlaken hat auch den in diesem Gelände seit 1805 durchgeführten Alphirten-, Schwing- und Trachtenfesten den Namen gegeben. Das erste Unspunnenfest wurde zur Versöhnung der nach dem Franzoseneinfall aufständischen Oberländer obrigkeitlich veranlasst und durch bernische Künstler als grosses Volksfest für Städter und Landleute organisiert.
Zur Unterhaltung der zum Teil weitgereisten vornehmen Gäste wurden Wettspiele im Schwingen, Steinstossen, Scheibenschiessen, Alphornblasen und Singen vorgeführt. Gemeinsame Gesänge und Tänze, ein ländliches Mahl im Freien und eine Siegerehrung, die das Ritual späterer eidgenössischer Feste vorwegnahm, waren der Inhalt der ersten beiden Unspunnenfeste. Die Bergbewohner entdeckten die alten Hirtenspiele neu, führten sie aber nur widerwillig vor. So fanden diese ersten Volksfeste nach der französischen Revolution in der Schweiz keine direkte Fortsetzung. Sie wurden aber vorbildhaft für europäische Fürsten, die die Idee beispielsweise fürs Münchner Oktoberfest aufgegriffen haben.
Die bernische Obrigkeit versprach sich von den ersten Unspunnenfesten ein besseres Verständnis zwischen der Stadt und dem Berner Oberland und die Einführung des Fremdenverkehrs in Interlaken. Zum Fest erschien ein Notenheft mit Melodien ausgewählter Schweizer Kühreihen (Eintreibeliedern), die erste europäische Volksliedersammlung.
1895 fand das erste Unspunnen-Schwingfest statt. Die Unspunnenfeste des 20. Jahrhunderts wurden mit Umzügen und Festspielen, Jodelgesang und Trachtentänzen gefeiert und durch die Schweizerische Trachtenvereinigung organisiert. An all diesen Festen steht der Wettkampf im Steinstossen, dem Werfen des 83,5 kg schweren Gletscherfindlings, im Zentrum. Er ist im Besitz des Turnvereins Interlaken und wird bei Unspunnenfesten mit hochgehobenen Armen und kräftigem Körperschwung möglichst weit geschleudert.