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Die Musiktheoretischen Grundlagen
Aus den bisherigen Erläuterungen ist einzusehen, dass die musiktheoretischen Abhandlungen in der traditionellen Musik Japans eine ganz andere inhaltliche Ausrichtung haben müssen als in der westlichen Welt. In den alten Schriften, welche Musik zu ihrem Gegenstand haben, wird vielmehr über die ethischen und moralischen Seiten der Musik gesprochen als über Tonleiteraufbau und Harmonielehre. Die Musik Japans, welche ihre Komplexität auf ganz andere Weise entwickelt hat als im Westen, muss auch eine andere Theorie im Hintergrund haben. Aus den Erläuterungen über die Lehrmethoden wird deutlich, dass die Überlieferungen aufgrund der mündlichen Tradition spärlich sein müssen. Erschwerend kommt noch dazu, dass eine japanische Musik als Begriff nicht existiert (s.o.), so dass nur sehr verallgemeinernde Aussagen möglich sind.
Der folgende kurze Abriss ist daher aus westlicher, subjektiver und daher beschränkter Sicht geschrieben und mag als Orientierung in der fremden Musik dienen.
Notation
Die Notation von japanischer Musik ist von Instrument zu Instrument verschieden. Erst verhältnismässig spät wurde die Musik überhaupt notiert. Aus oben Gesagtem wird klar, dass für die Weitergabe und Überlieferung der Musik keine Notation nötig war, sogar gegen das Prinzip von "den unaussprechbaren Dingen" stand.
Die spezifischen Notationen für die Instrumente geben in der Regel nicht die Musik an, welche zu spielen ist, sondern eine Art Spielanweisung, wie die Musik, der Klang zu erzeugen ist. Griffnotationen und instrumentenspezifische Spielanweisungen überwiegen. So existieren kam Partituren von Ensemblestücken; sondern nur Stimmen, welche stichnotenartig die anderen Instrumente enthalten. Ein Beispiel der Shakuhachinotation folgt weiter unten.
Tonsysteme
Wie bei den Notationen, lässt sich auch bei den Tonsystemen keine einheitliche Grundlage erkennen. Die verschiedenen Musikgattungen haben verschiedenes Tonmaterial und verwenden dieses Material verschieden.
Im Gagaku z.B. werden viele aus China abgeleitete Skalen und Melodien verwendet. Als Basis dienen zwei siebentönige Basisskalen (ryo und ritsu), welche in drei Versetzungen verwendet werden. Dazu kommen noch zahlreiche Erhöhungen und Verminderungen der Töne während der Aufführung.
Im Nô basiert das Tonsystem auf drei Grundtönen (hoch-jo, mittel-chû tief-ge) im Abstand von Quarten. Darum gruppieren sich Nebennoten, welche in der Melodie angetönt werden. Die Art, wie eine Nô-Melodie gespielt oder gesungen wird, ist streng geregelt und hoch komplex.
Neuerer Musik l(ab dem 17.Jh.) liegen häufig fünftönige Skalen mit Halbtonschritten in verschiedenen Varianten zugrunde. (Insenpo und Yosenpo), welche für unsere Ohren "typisch japanisch" klingen.
Melodie, Harmonik und Rhythmik
Die Musik Japans ist in erster Linie eine auf der Melodie dem Rhythmus und der Klangfarbe aufbauende Musik. Eine Harmonielehre im Sinne einer Akkordlehre existiert nicht. Die melodischen Verläufe sind bestimmt durch instrumentale Eigenheiten oder durch vokale Ausdrucksmöglichkeiten. Der Rhythmus ist weniger auf einem durchgehenden, gleichmässig verlaufenden Puls aufgebaut als auf einem flexiblen Fluss. Ein wichtiger Faktor ist die Spannungspause.
Formaler Aufbau
Das grundlegende Prinzip ist ein dreistufiger Aufbau, den man "jo-ha-kyû nennt". In der Einleitung (jo) wird langsam, schwach, gemächlich begonnen, zum Hauptteil (ha) allmählich beschleunigend fortgefahren und zum Schluss hin(kyu) ruhig, einen Nachklang hinterlassend, abgeschlossen. Gegen dieses Prinzip wird in der traditionellen Musik kaum verstossen, es wird, wie schon erwähnt, ein natürlicher Verlauf angestrebt und nicht nach Kontrasten gesucht.