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Die Geschichte des schwarzen Goldes von den Anfängen an
Das Erdöl hat die Geschichte ab 1900 stark geprägt. Sie brachte unsäglichen Reichtum, aber auch unsägliches Leid in Form von Boden- und Wasserverseuchung und von Kriegen. Die erdölreichsten Gebiete auf der Erde sind politisch auch die unstabilsten.
Urzeit bis Mittelalter
Erdöl war schon vor 12’000 Jahren den Menschen im vorderen Orient bekannt. Es wurde unter anderem zum Abdichten (Kalfatern) von Schiffen verwendet.
Die Griechen kannten Erdöl unter den Namen Naphtha.
Die Römer verwendeten Erdöl vermutlich vor allem als Schmiermittel der Achsen von Wagen. Danach, in späterer byzantinischer Zeit wurde es verwendet, um das sogenannte „griechische Feuer“, eine Vorform des Flammenwerfers herzustellen.
Als Steinöl, Bergöl, Bergfett oder Peteröle „und in den apotheken petroleum und oleum petrae“ oder auch „St. Katharinenöl“ war Erdöl auch im späten Mittelalter in Europa bekannt.
In vorindustrieller Zeit wurde Erdöl bei der „zubereitung von heilmitteln, salben u.s.w.“, im Gartenbau zur Bekämpfung von Schädlingen und ferner „zur herstellung von feuerwerk“ und als Lampenöl verwendet. Zur Erhöhung der „geschoszwirkung“ wurden Gewehrkugeln vor dem Einführen in den Lauf zusammen mit natürlichem Kampfer in ein mit dünnflüssigem Erdöl getränktes Tuch gewickelt.
Speziell therapeutische Verwendung fanden unter anderem Öle aus lombardischen Rohölquellen, wie z. B. aus dem „Pechbrunnen“ am Monte Zibio bei Modena, aus Pechelbronn im Elsass (vgl. Pechelbronner Schichten) sowie oberbayerisches „Petroleum“, das von Tegernseer Benediktinern als „Heiliges Quirin-Öl“ verkauft wurde.
Edwin L. Drake und das Barrel-Mass
Die erste grössere Ölquelle wurde am 27. August 1859 vom ehemaligen Schiffssteward, Textilienvertreter und Eisenbahnschaffner Colonel Edward L. Drake am Oil Creek in Pennsylvania (USA) in 22 Meter Tiefe erbohrt.
Der neue Rohstoff sollte als Lampenöl das teure Walöl ersetzen.
Da man keine passenden Behälter hatte wurde das Erdöl in Whiskyfässern (barrels) abgefülltt, welche nach alter schottischer Tradition 159 Liter beziehungsweise 42 Gallonen fassten. Genau: 158.987294928 Liter.
Die Masseinheit Barrel (blue barrel bbl) wurde bis heute beibehalten und wird als ein Barrel (Fass, Tonne) bezeichnet.
In die blauen Fässer wurde Kerosin abgefüllt, in die roten Fässer Benzin.
Die Barrels wurden per Floss, Schiff, Pferdewagen oder Eisenbahn abtransportiert.
Rockefeller und die Standard Oil Company
John D. Rockefeller wollte das Erdöl, das als Lampenöl verwendet wurde, in einer immer gleichen Qualität, also einer Standard-Qualität anbieten. So entstand seine Standard Oil Company. Den Erfolg seiner Geschäfte lagen rücksichtslose und erpresserische Methoden zu Grunde. Die Konkurrenz vernichtete er einfach mit seiner Grösse und Geldmacht.
In der Biografie von Rockefeller findest du mehr Informationen über die Allmacht der Standard Oil Company.
Die Firma kontrollierte um 1882 rund 90% der Raffinerien der USA. Damit widersprach sie den Kartellgesetzen der USA.
1902 publizierte die Investigativjournalistin Ida Tarbell, deren Vater durch die Standard Oil zugrunde gerichtet worden ist, Artikel darüber, mit welchen skrupellosen Methoden Rockefeller seine Konkurrenten aus dem Weg räumte. Bald wurde er für halb Amerika zum Hauptfeind. Man erkannte, dass Rockefeller Amerika durch seine Gier schadete.
Präsident Roosevelt selbst griff nun ein und klagte gegen die Standard Oil. Fünf Jahre dauerte der Prozess. Das Urteil 1911 lautete, dass die Standard Oil in 34 unabhängige Firmen aufgespalten werden müsse. Dies tat Rockefeller, doch er übergab die Tochterfirmen Strohmännern, die doch noch für ihn arbeiteten.
Die aufkommende Elektrizität wird zum Problem
1907 wurde die aufkommende Elektrizität für die Standard Oil zum Problem: Öllampen, die mit Kerosin betrieben wurden, konnten mehr und mehr durch elektrische Lampen ersetzt. Diese leuchteten heller und liessen sich einfacher ein- und ausschalten.
Aufkommende Automobile retten das Erdölgeschäft
Doch Standard Oil hatte Glück: während Lampenöl zunehmend an Bedeutung verlor, tauchte das Automobil auf, das Kraftstoff brauchte.
1908 wurde das Modell T von Ford auf den Markt gebracht. Also stiegen die Raffinerien von Standard Oil auf die Benzinproduktion um. Benzin wurde zu Beginn der Lampenölproduktion als Abfall noch weggeworfen. Doch nun erwies es sich als idealen Treibstoff für Atuomotoren.
Benzin wurde nun in grossen Mengen gebraucht und Standard Oil konnte die Verluste durch viel grössere Gewinne im Benzingeschäft mehr als wettmachen.
Die ersten Autos wurden nicht für die Stadt konzipiert. In Amerika wurden bereits zu dieser Zeit in der Landwirtschaft auf den Feldern grosse Geräte gebraucht. Diese zogen bis zu 50 Pferde.
Dann kamen die ersten Traktoren auf mit extra hohen Rädern für die Felder. Hier eine Abbildung des ersten Ford-Traktors.
Expansion der Standard Oil und weltweites Wettrennen nach Erdöl
Die Standard Oil versuchte ihr Glück in Mittelamerika. In Mexiko und in Venezuela eignete sie sich Erdölvorkommen an und scheute auch hier nicht vor erpresserischen Methoden.
Der Händler Marcus Samuel konzentrierte sich auf die Erdölvorkommen in Baku (heute Hauptstadt von Aserbaidschan), der Niederländer Henri Deterding konzentrierte sich auf Indonesien. Gemeinsam gründen sie die Royal Dutch Shell Gruppe, die grösste Konkurrenz für die Standard Oil, denn die Shell-Gruppe kaufte nun Erdölfelder vor allem in den USA auf, was die Standard Oil bislang nicht gemacht hatte.
1911 traf Winston Churchill, der damals Marineminister war, eine wichtige Entscheidung. Er liess die britischen Kriegsschiffe von Kohle auf Erdöl umrüsten, um sich einen Vorteil gegenüber den Deutschen zu verschaffen, mit denen Grossbritannien ständig im Konflikt lag. Damit verabschiedete er ein heimisches Produkt (die Kohle wurde in Wales gefördert) und verliess sich auf ein Importprodukt. Das Erdöl kam aus dem Nahen Osten und aus den USA. Die Briten wurden abhängig vom Erdöl.
Das Erdöl als Treibstoff für die britischen Schiffe brachte aber einen grossen Vorteil: die Schiffe wurden schneller, was im Konfliktfall half.
Aus strategischen Überlegungen wurde die britische Regierung Haupteigner der 1909 gegründeten Anglo-Persian Oil Company, welche in Masdsched Soleyman im südlichen Iran Öl gefunden hatte. Die APOC wurde später in BP (British Petroleum) umbenannt. Damit das Erdöl für sie verfügbar wurde, bauten die Briten mit grossem Aufwand eine mehrere hundert Kilometer lange Pipeline zum Hafen in Abadan (Iran) am persischen Golf. 1913 ist die Raffinerie von Abadan die grösste der Welt.
Die Briten aber interessierten sich auch für Erdölvorkommen im Irak, das damals noch eine Provinz des osmanischen Reiches war.
Die Rolle des Erdöls im Ersten Weltkrieg
Der Kriegseintritt des osmanischen Reiches friert die Erdölförderung im Irak (Mesopotamien) ein. Vorerst war noch niemandem wirklich klar, welche Rolle das Erdöl für den Kriegsverlauf bald spielen würde.
Aber der Erste Weltkrieg war der erste motorisierte Krieg: Lastwagen, Panzer, Autos verschlangen eine Unmenge von Erdöl. Nur wer über genügend Erdölreserven verfügte, konnte diesen Maschinenkrieg gewinnen.
Die Deutschen versuchten sich die Raffinerien in Rumänien zu sichern, doch die Briten zerstörten die Anlagen.
Während des ganzen Krieges belieferte eine Tochterfirma der Standard Oil die deutsche Armee und vermehrte ihren Reichtum damit gewaltig. Sogar als 1917 die Amerikaner in den Krieg eintraten, hörte die Standard Oil von Rockefeller nicht auf, beide Seiten zu beliefern, einfach von verschiedenen Firmen aus.
Insgesamt aber fehlten den Deutschen die Reserven. Die Kapitulation Deutschlands (der Mittelmächte) war also zumindest teilweise ein Sieg des Erdöls!
Neue Erdölfelder werden entdeckt
Nach dem Ersten Weltkrieg stieg der Ölverbrauch stark an. 1920 fuhren in den USA bereits über 9 Millionen Autos.
Die Briten und die Amerikaner suchten nun gemeinsam nach neuen Vorkommen. In Irak fanden sie in Kirkut eine grosse Quelle, weitere erschlossen sie in Venezuela und in Mexiko.
1930 waren es in den USA schon 23 Millionen Autos. An 140’000 Tankstellen konnten die Autos das Benzin einfach tanken.
Mit Seismographen konnten nun einfacher Erdölvorkommen entdeckt werden. Insgesamt führte das zu einem massiven Preiszerfall des Benzins: in den USA kostete das Barrel nur noch 10 Cent!
Zwischen 1930 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden riesige Ölfelder auf der arabischen Halbinsel gefunden. Der Zweite Weltkrieg aber unterbrach ihre Förderung vorderhand.
Zweiter Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg war noch mehr auf Erdöl angewiesen. Während die Deutschen versuchten, aus Kohle synthetisches Benzin aus Kohle herzustellen, konnten die Alliierten seit Beginn auf amerikanisches und arabisches Öl zählen. Trotzdem wurden sie durch den Blitzkrieg von Hitler überrascht.
Über die Zeit aber konnte das Dritte Reich ohne genügend Erdöl nicht reüssieren. Der Afrika-Feldzug von Rommel stockte. Ursprünglich wollte er über Palästina die Erdölvorkommen im Nahen Osten erobern. Doch daraus wurde nichts. Er musste aufgeben.
Spätestens ab 1944 ging den Nazis das Erdöl aus. Damit zeichnete sich bereits das Ende des Krieges ab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Während des Krieges wurde in den USA das Benzin rationiert. Danach explodierte der Verbrauch erneut. 1950 hatte Amerika bereits 40 Millionen Autos, das Erdöl brachte Wohlstand und Lebensmut: Die goldenen Fünfziger begannen.
Die Seven Sisters
Als Seven Sisters (sieben Schwestern) wurden nach dem Zweiten Weltkrieg sieben Ölkonzerne bezeichnet, die in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren den globalen Ölmarkt beherrschten.
Die Seven Sisters bildeten die folgenden Unternehmen:
- Standard Oil of New Jersey (Esso) – später mit Mobil zu ExxonMobil zusammengeschlossen.
- Royal Dutch Shell
- Anglo-Persian Oil Company (APOC) – später Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), dann British Petroleum und schließlich BP Amoco nach der Übernahme von Amoco (früher Standard Oil of Indiana). Inzwischen tritt das Unternehmen nur noch unter dem Kürzel BP auf.
- Standard Oil Co. of New York (Socony) – Später Mobil bzw. ExxonMobil (s. o.)
- Standard Oil of California (Socal) – Daraus entstand Chevron, dann, durch Zusammenschluss mit Texaco, ChevronTexaco. Inzwischen wurde der Name ‘Texaco’ wieder abgelegt und das Unternehmen firmiert wieder als Chevron.
- Gulf Oil – Gulf wurde 1984 zerschlagen, der größte Teil ging an Chevron, Teile an BP und Cumberland Farms.
- Texaco – schloss sich mit Chevron (s. o.) zusammen.
Die Vereinbarung zwischen den USA und Saudi Arabien
1945, direkt nach dem Krieg, schlossen die USA mit Saudi Arabien ein bilateraler Sicherheitspakt, dass die USA von Saudi Arabien mit Erdöl versorgt werde, wenn die USA im Gegenzug die Sicherheit von Saudi Arabien garantieren würde.
Das Kartell der erdölexportierenden Länder OPEC.
Damit beginnt ein Wirtschaftskrieg. Das Erdöl wird zur politischen Waffe.
Der Terroranschlag vom 11. September 2011
15 der 19 Attentäter stammen aus Saudi-Arabien.
Der Irakkrieg war für das Ölgeschäft sehr günstig
Der Ölpreis stieg bis auf 147 Dollar pro Barrel.
Nun wurde der Schieferoel-Abbau lohnend. In den USA gibt es gigantische Schieferölfelder, die durch Fracking erschlossen werden können.
2014 sackt der Preis wieder in sich zusammen. Schuld daran waren die Saudis, welche viel Erdöl förderten und so ein Überangebot entstand. Der Preis erreichte 70 Dollar pro Barrel und das Fracking lohnte sich nicht mehr.
Hier geht’s zum Kapitel: Erdöl, das schwarze Gold