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Auf den Marshallinseln wurden im Kalten Krieg mehr als 60 Atombomben getestet. Die radioaktiv verseuchte Erde wurde in ein Loch geschüttet und mit einer Betonkuppel versiegelt. Nun droht «The Tomb» jedoch auszulaufen.
Wo befindet sich eigentlich das am stärksten verstrahlte Gebiet der Welt? Fukushima? Tschernobyl?
Falsch. Es ist eine kleine Insel namens Runit auf den Marshallinseln. Forschende der US-amerikanischen Columbia University untersuchten das Gebiet für eine Studie und kamen zum Schluss, dass gewisse Strahlenwerte auf Runit bis zu 1000 Mal höher waren als in Tschernobyl.
Dies ist auch nicht weiter verwunderlich: Während dem Kalten Krieg haben die USA auf den Eilanden der Marshallinseln, die ungefähr halbwegs zwischen Australien und Hawaii liegen, 67 Atomwaffentests durchgeführt. Dabei wurden teilweise ganze Inseln vaporisiert.
Die Tests fanden auf zwei Atollen statt: Dem Bikini-Atoll und dem Eniwetok-Atoll.
Aus dem Geschichtsunterricht sollte die Zündung der Castle-Bravo-Bombe noch bekannt sein. Die Wasserstoffbombe erzeugte die stärkste Explosion, die je von den USA verursacht wurde. Sie hatte eine Sprengkraft von 15 Megatonnen, was rund 1000 Hiroshima-Bomben entspricht.
Nachdem die USA ihre Experimente beendet hatten, schaufelten sie den verstrahlten Sand und die kontaminierte Erde aus den Testgebieten in einen Krater auf der Insel Runit, der aus einer Explosion ebendieser Tests entstand.
Es ging nur wenige Jahre, bis die ersten Frauen auf den umliegenden Inseln begannen, Kinder mit Missbildungen zu gebären. Geburtsfehler traten so häufig auf, dass die Menschen eine Reihe von Wörtern zu ihrer Beschreibung hatten, darunter Marline, Teufel, Quallenkinder und Traubenbabys.
Die atomverseuchte Masse wurde mit Beton gemischt und mit einer Betonkuppel zugedeckt. Rund 88'000 Kubikmeter Atommüll sollen unter der Kuppel vergraben liegen.
Die Inselbewohner nannten es «The Tomb», das Grab. Nun droht das Grab aufzubrechen – wegen des Klimawandels. Dies geht aus einem Bericht der «LA Times» hervor, dessen Reporter während 15 Monaten die Inseln mehrere Male besucht haben.
Die USA schieben derweil jegliche Verantwortung von sich. Sie behaupten, dass die Umsiedlung der Menschen und der Bau des Betonsarges ausreichten, um ihre Schuld zu begleichen. Mit steigenden Temperaturen und Wasserpegeln droht «The Tomb» jedoch zu brechen. Würde dies geschehen, könnten Unmengen radioaktives Material in das Meer fliessen.
Beamte auf den Marshallinseln haben die US-Regierung um Hilfe gebeten, aber die USA haben abgelehnt und gesagt, dass sich die Kuppel auf marshallischem Land befindet und daher in der Verantwortung der marshallischen Regierung liegen würde.
«Die Vereinigten Staaten erkennen die Auswirkungen ihrer Tests an und haben ihre Verantwortung gegenüber dem Volk der Republik der Marshallinseln akzeptiert und umgesetzt», sagte Karen Stewart, US-Botschafterin der Marshall-Inseln.
Die Päsidentin der Marshallinseln, Hilda Heine, sagte dazu gegenüber der «LA Times»:
Das Atom-Grab enthält übrigens nicht nur kontaminierten Boden aus den pazifischen Testgebieten, sondern auch 130 Tonnen Erde, die extra aus einem Atomtestgelände in der Wüste Nevadas eingeschifft wurde.
Auch wurde den Bewohnern des Eniwetok-Atolls nie gesagt, dass die USA in dieser Gegend auch rund ein Dutzend Versuche mit biologischen Waffen unternahmen.
Das Nuclear Claims Tribunal, ein internationales Schiedsgericht mit der Befugnis, Rechtsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und den Marshallinseln zu schlichten, hat den Marshallinseln im Jahr 2001 einen Schadenersatz in der Höhe von zwei Milliarden Dollar zugesprochen.
Die USA hat bisher nur 4 Millionen Dollar bezahlt. Zum Zeitpunkt des Baus sagte ein Generalleutnant der U.S. Air Force, dass, sollte die Kuppel jemals ausfallen, es in der Verantwortung Amerikas liegen würde, sie zu reparieren.
Terry Hamilton, ein Forscher am Lawrence Livermore National Laboratory, sieht das nun jedoch ganz anders. Er sagte der «Los Angeles Times»:
Der Meeresspiegel ist seit 1993 auf den Marshallinseln jedes Jahr um 0,7 Zentimeter gestiegen. Das ist etwa doppelt so schnell, wie der globale Durchschnitt von 0,28 bis 0,35 Zentimeter.
Bis zum Ende des Jahrhunderts glauben Experten, dass der Meeresspiegel um 1,5 Meter steigen könnte. Die Marshallinseln, und mit ihnen das Atomgrab, würden im Meer versinken. Die Betonkuppel würde dem Druck nicht standhalten und brechen. Die Atomabfälle Amerikas würden in den Pazifik geschleudert werden.
Die Marshallinseln sind also Opfer der beiden grössten Bedrohungen der Menschheit – Atomwaffen und Klimawandel.
Der Ruf nach Umweltschutz und Massnahmen gegen den Klimawandel schallt in Hinblick auf die Nationalratswahlen im Oktober aus (fast) allen Schweizer Parteizentralen. Im Tenor unüberhörbar singt auch die FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi mit. Sie betont in einem Interview mit Tamedia-Zeitungen, die FDP sei keine klimafeindliche Partei: «Der Umweltschutz gehört eigentlich zur DNA des Freisinns».
Gehört der Umweltschutz tatsächlich zur DNA des Freisinns? Oder handelt es sich bei der Aussage nur um …