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Endstationen der ins Suhrental führenden Eisenbahnlinien sind von Aarau herkommend Schöftland und von Sursee herkommend Triengen. In der Mitte dieser beiden grösseren Ortschaften liegt Attelwil, etwas abseits, fast versteckt am Osthang des Hornigs und den Hängen der End- und Seitenmoräne des oberen Suhrentals. Früher verkehrte die Postkutsche und später - bis zur heutigen Zeit, verbinden Postautos Attelwil mit den umliegenden Dörfern mit Endstationen in Schöftland und Sursee.
Dank der geografischen Lage behielt das Dorf seinen jahrhundertealten, bäuerlichen Charakter. Prächtige Altbauten bilden den Dorfkern und die Aargauer- und Bernerhäuser im Klempen und Rollhafen sind stolze Zeugen alter Zeiten. Nur zaghaft entstehen da und dort an den Rändern des Dorfes Neubauten.
Attelwil ist in den schriftlichen Geschichtsquellen recht spät erwähnt. Es gehört wohl nicht zu den von den Allemannen zuerst besiedelten Orten der Gegend, muss aber immerhin, seinem Namen nach, erheblich vor die Jahrtausendwende zurückreichen. Nach alter Sage soll Attelwil aus einem Adelshof entstanden sein.
Die Bewohner waren zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung (1045) schon lange Glieder des Gotteshauses Reitnau. Um 1306 ist Attelwil erstmals im grossen Habsburger Urbar erwähnt, worin König Albrecht alle Rechte und Besitzungen seines Hauses aufzeichnen liess. Im Unterschied zu seinen Nachbargemeinden, ausgenommen vielleicht Wiliberg, gehörte Attelwil mit anderen Ortschaften des Luzernbietes zum Amt Wilisau.
Wie andernorts, begegnet uns die Kirche als früheste Grundbesitzerin und Zinsbezügerin. Die Zehnten sind seit jeher der Pfarrkirche Reitnau und ihrem Kollator, dem Stift Schänis, zugeflossen. Zwei 1324 angelegte Urbare des Chorherrenstiftes Beromünster halten fest, dass dem Stift aus Attelwil Zinsen entrichtet wurden. Schon 1322 hören wir von der Vergabung eines Gutes zu Attelwil an das Johanniterhaus Hohenrain. Das Zisterzienserinnenkloster Gnadental an der Reuss muss im Mittelalter ebenfalls in Attelwil Besitz gehabt haben. Um 1507 veräusserte es seinen Korn- und Haberzins ab Morgentals Hof zu Attelwil an das Chorherrenstift St. Mauritius in Zofingen.
Im Jahr 1415 hat Bern bei der Eroberung des Aargaus dem Hause Oesterreich alle Hoheitsrechte über Attelwil abgenommen. Nach einem Vertrag zwischen Bern und Luzern wurde Attelwil 1470 dem Gericht Kölliken und damit dem Amte Lenzburg zugeteilt. Hingegen war für das 1528 reformiert gewordene Dorf das Chorgericht Reitnau zuständig. Seit 1798 gehört die Gemeinde zum Bezirk Zofingen.
Zur Schule gingen die Kinder über das Ende der Bernerzeit hinaus nach Reitnau. Erst 1812 wurde im Dorfzentrum selbst das erste Schulhaus gebaut,
Die Schule und der Lehrer hatten bald einen enormen Stellenwert im Dorf. Ab 1890 war Lehrer Rupp die zentrale Figur. Er betreute die Gesamtschule Attelwil, also die 1. bis 8. Primarklasse, ganz allein. Es soll Jahre gegeben haben, in denen er über 70 Kinder betreute.
Trotz der grossen Klassen und der Vielschichtigkeit seines Pensums wurden aus den Schülern tüchtige Landwirte, Pfarrer, Doktoren, Ingenieure, Lehrer und Handwerker aller Berufsgattungen.
In den dreissiger Jahren übernahm mit Walter Lüthy erneut eine grosse Persönlichkeit die Gesamtschule Attelwil. Die Schulklassen waren nicht mehr so gross, allerdings war die Arbeit mit der Zunahme des Lehrstoffes nicht weniger umfangreich.
Walter Lüthy war nebst seiner Lehrertätigkeit ein sehr begabter vielseitiger Künstler. Aus seinen Händen stammen zahlreiche Mundartgedichte, die in 2 Bändchen zusammengefasst worden sind („Näbenusse“ und „Brunnestube“, beide Bände sind vergriffen). Zahlreiche feine Zeichnungen und Ölgemälde verdeutlichen seine tiefe Verbundenheit mit unserem Land und unseren Leuten. Seine Zeichnungen, Szenen in Haus, Stall und auf dem Hof, sind beeindruckend. Viele seiner Kunstwerke zieren Wohnräume, Galerien und öffentliche Gebäude hier und in aller Welt.
Das Schulhaus wurde im Jahre 1973 durch ein am südlichen Dorfrand stehendes neues Schulhaus ersetzt.
Da die Schülerzahlen weiterhin abnehmend waren entstand Druck seitens des Kantons der die Lehrerpensen immer wieder nach unten korrigierte. So wurde auf das Schuljahr 1989/1990 mit Reitnau ein Schulverband gegründet.
Ab diesem Zeitpunkt besuchten nebst den Kindergärtlern auch die Primarschüler 1. bis 5. Klasse sowie die Bezirksschüler die Schule in Reitnau, die Sekundarschüler die Schule in Staffelbach und die Realschüler der 6. und 7. Klasse die Schule in Kirchleerau.
Im Schulhaus Attelwil wurden alle Kleinklassenschüler, die Einschulungsklasse sowie die Realschüler der 8. und 9. Klasse des ganzen oberen Suhrentals unterrichtet.
Weitere Schulreformen folgten.
Auf Grund weiter sinkender Schülerzahlen wurde auf das Schuljahr 2006/2007 der Schulverband KOOS (Kreisschule Oberstufe Oberes Suhrental) gegründet, dies hatte eine komplette Umstrukturierung der Schulen zur Folge.
Die Einschulungsklasse wurde nach Leerau verlegt, Kindergarten und Primarschule 1. bis 5. Klasse blieben in Reitnau erhalten. Dazu erhielt die Gemeinde Reitnau die Sekundar- und Realschule der 3. und 4. Klasse sowie die Kleinklasse. Die Sekundar- und Realschule der 1.und 2. Klasse wird in Staffelbach geführt. Die Bezirksschule wurde nach Schöftland ausgelagert.
Mit der Neuzuteilung der Schüler stand das Schulhaus Attelwil für eine kurze Zeit leer.
Dies wiederum gab der privaten „Tagesschule Wannenhof“ die Gelegenheit, als weiterführendes Schulangebot ihrer Unterstufe, in Attelwil auf das Schuljahr 2008/2009 mit der Oberstufe „Tagesschule Attelwil“ dem Schulhaus neues Schulleben einzuhauchen.
Bis Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung weitgehend von der Landwirtschaft. Als Industrieunternehmen entstanden im 20. Jahrhundert ein Hobelwerk, eine Sägerei und eine Tonwarenfabrik sowie einige Kleinbetriebe die insgesamt rund 100 Arbeitsplätze für Einheimische und Auswärtige anbieten. Sicher der inspirierenden und ländlichen Ruhe wegen, haben sich immer wieder Künstler und Kunsthandwerker in Attelwil niedergelassen, deren Werke teilweise bis in weite Landesteile bekannt sind.
Geschäftig gehts tagsüber im Krämerhaus zu wo man praktisch alles kaufen kann, was in Haushalt und Küche benötigt wird. Viel Betrieb herrschte auch bis Ende 1996 bei der Milchabgabe in und um die Chäsi, deren Vorplatz auch Treffpunkt der Jung-Attelwiler war. Zu einem gemütlichen Hock und Plauderstunde lädt das schmucke Gasthaus Schmiedstube ein, das sich nach dem Umbau im Jahre 1997 immer mehr zum Mittelpunkt der Dorfbevölkerung gebildet hat und dessen gute Ambiente auch vielen Auswärtigen von nah und fern bekannt ist.
Den Landwirten im Dorf macht heute die weitgefächerte Kontingentierung ihrer Produktion am meisten zu schaffen. Der gesunde Unternehmergeist sowie die Anpassung an veränderte Situationen, helfen ihnen aber immer wieder, die ständige Verknappung der gegebenen Spielräume in den einzelnen Produktionszweigen zu überwinden. Die Industriebetriebe haben sich z.T. über Generationen im Konkurrenzkampf bewährt. Bei gleichbleibendem Auftragseingang dürften die Arbeitsplätze auch in Zukunft gesichert sein.
Zur Zeit der Bodenzinsbereinigung 1667/77 gab es im Bann Attelwil an zinspflichtigem Kulturland rund 66 Mannwerk Mattland und gegen 175 Jucharten Ackerland, zusammen etwa 84 Hektaren. Der heutige Gemeindebann umfasst insgesamt 222 ha davon sind rund 74 ha bewaldet. Wie klein wir uns das mittelalterliche Dorf vorzustellen haben, ergibt sich daraus, dass man um 1558 nur sechs bewohnte Feuerstätten zählte. 1653 waren es deren zwölf und 1764 deren 30 (137 Einwohner). Um 1840 standen in Attelwil 33 Häuser, 24 mit Stroh und 9 mit Ziegeln gedeckt und 12 Nebengebäude. Im Jahre 1850 wurde die höchste Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert erreicht, diese Zahl wurde erst im Jahr 1990 wieder überschritten. Die gegenwärtige Einwohnerzahl liegt zwischen 300 und 325.
Die jahrhundertealte Verbundenheit mit der Nachbargemeinde Reitnau wirkt sich nicht nur im gemeinsamen Kirchgang aus. Auch die Freunde des Gesangs, der Musik und des Sports treffen sich zu Uebungs- und Feierstunden in gemeinsam geführten Vereinen der beiden Gemeinden. Sogar die gemeinsame 1. August-Feier findet abwechselnd in einer der beiden Gemeinden statt. Einzig die Feldschützengesellschaft und die Volkstanzgruppe konnten sich als reine Attelwiler Vereine etablieren.
Sehenswürdig in Attelwil sind, wie eingangs erwähnt, die Altbauten. Mehrere Aargauerhäuser, die früher einmal mit Stroh bedeckt waren und die etwas später erbauten Bernerhäuser bestätigen dem Attelwiler einen jahrhundertealten Hang zur Erhaltung von bewährter, bodenständiger Lebensqualität. Gut erhaltene und zum Teil restaurierte Stöcklis und Spycher erinnern ebenfalls an die Zeit zurück, als der Berneraargau noch zur Kornkammer gehörte. Seit 1930 wurden bekanntlich landauf und landab alte Häuser bedenkenlos abgerissen. Glücklicherweise war in der Person des ehemaligen Dorflehrers, Dichters und Künstlers Walter Lüthy ein ernster Mahner im Dorf, der sich vehement für die Erhaltung von Altbauten einsetzte. Ihm ist es zu verdanken, dass einige Häuser der Nachwelt erhalten geblieben sind.
Mit einer stetigen Aktualisierung der Bau- und Nutzungsordnung sowie der Bauzonen- und Kulturlandplanung unter Berücksichtigung der Aspekte des Ortsbild- und Naturschutzes soll sichergestellt werden, dass auch den jungen Attelwilern ein Plätzchen zum Leben und Bleiben angeboten werden kann und sowohl der heutigen als auch der künftigen Bevölkerung eine ausserordentliche Lebensqualität garantiert ist.