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Trockenheit und Waldbrandgefahr waren im Frühling und im Sommer 2020 in weiten Teilen der Schweiz ein grosses Thema. Über das ganze hydrologische Jahr gesehen, das vom 1. Oktober bis am 30. September dauert, war es aber nur regional zu trocken.
Grosse Trockenheit in der Nordwestschweiz
Vor allem in der Nordwestschweiz war die Trockenheit über Monate ein Dauerthema. Nimmt man als Referenz das Jahrestotal, fielen beispielsweise in Basel rund 80 Prozent des üblichen Niederschlages. Es war aber auch schon trockener: 2003 und 2015 fiel deutlich weniger Regen, im grossen Dürrejahr 2018 und auch im Jahr 2011 war das Jahrestotal praktisch identisch.
Was sorgte für die Trockenheit?
Das Jahrestotal oder allenfalls auch das Monatstotal ist nicht das einzige Mass für die Trockenheit. Fakt ist: Noch nie war eine erste Jahreshälfte so sonnig wie 2020. Dies führte zu einer grossen Verdunstung aus den Böden und Pflanzen durch die Sonneneinstrahlung. Dazu gab es, ähnlich wie 2018 lange Phasen mit Bise. Der starke und trockene Wind sorgte zusätzlich für eine Austrocknung der Böden. Kam dazu, dass es im hydrologischen Jahr 2019/2020 nur wenige Niederschlagsereignisse gab, diese aber meist kräftig waren. Oft waren die Böden gar nicht in der Lage das viele Wasser aufzunehmen, und es floss an der Oberfläche in die Bäche oder in die Kanalisation und stand so der Vegetation gar nie zur Verfügung. Sehr wenig Regen fiel eigentlich nur in den Monaten April und Juli.
In den Alpen und im Süden zum Teil zu nass
Im Tessin und auch in einigen alpinen Regionen lagen die Niederschlagsmengen sogar über dem Durchschnitt, teilweise sogar massiv, nicht eingerechnet der grosse Niederschlag vom Wochenende, der bereits in die Bilan 2020/21 eingeht. In Lugano fielen im hydrologischen Jahr 2019/20 rund 20 Prozent mehr Niederschlag als in einem Durchschnittsjahr. Deutlich zu nass war es aber auch im Osten. In St. Gallen und auf dem Säntis betrug der Niederschlagsüberschuss je 23 Prozent, wobei die Niederschlagsmessungen auf dem Säntis auf Grund von Schneedrifteffekten immer mit einiger Vorsicht zu geniessen sind. Zu nass war es aber beispielsweise auch in Sitten, in Bern oder in Luzern, allerdings lagen dort die Jahressummen nur geringfügig über der Norm.
Wieso läuft der hydrologische Kalender anders?
In der Wasserwirtschaft dauert das Jahr vom 1. Oktober bis am 30. September des Folgejahres. Grund dafür sind die Schneefälle und das Verhalten der Gletscher. Schneefall, der im Gebirge im Spätherbst fällt, kommt oft erst im folgenden Frühling, im Extremfall sogar erst im Sommer, zum Abfluss. Entsprechend macht es Sinn, die Bilanz Ende September zu ziehen. In diesem Jahr führte auch dies zu Fehlern, fiel doch Ende September viel Schnee in den Alpen, der bis am 30. September noch nicht vollständig geschmolzen war. Entsprechend würde es sich sogar aufdrängen, die Bilanz Ende August aufzustellen. Dies würde aber dem Verhalten der Gletscher nicht gerecht. Die heissen Tage in der ersten Septemberhälfte brachten nochmals eine grosse Gletscherschmelze. Für die Wasserwirtschaft war dies ein Segen, konnten doch die Stauseen weiter gefüllt werden, und auch die Flusskraftwerke profitierten vom vielen Wasser. Umgekehrt mussten die Gletscher natürlich weiter leiden und verloren auch im Sommer 2020 weiter an Masse und an Länge.