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Der Konzernchef von Palo Alto Networks, Mark McLaughlin, fordert ein Umdenken bei der Cybersicherheit.
An fünf Bedingungen lasse sich messen, ob es sich bei einem Jobangebot um die Stelle des Lebens handelt oder nicht, behauptet Mark McLaughlin. 2011 stand der heute 52-jährige Amerikaner vor der grossen Entscheidung: Knapp neun Jahre hatte er für den amerikanischen ITSicherheitskonzern Verisign gearbeitet, es bis zum Konzernchef gebracht, und er war mit seiner Arbeit auch sehr zufrieden. Dann bekam er die Anfrage, Chef der kleinen Palo Alto Networks zu werden.
Er sagte zu, weil das Unternehmen alle fünf Kriterien erfüllte: Es war erstens in einem riesigen Markt tätig. Zweitens hatte Palo Alto Networks eine Technologie, die sehr disruptiv wirkte. Drittens arbeiteten dort schon die besten Leute, es war «ein Dream-Team der Ingenieure». McLaughlin findet das wichtig, «weil ein Konzernchef an der Technologie nichts verbessern kann». Auch die vierte Bedingung erfüllte der neue Arbeitgeber: Die Firma hatte bewiesen, dass ihre Technologie funktioniert. Und fünftens wurde sie von Private- Equity-Investoren finanziert, die in diesem Segment schon einmal viel Geld gemacht hatten. Er nahm bei dem Wechsel eine Lohneinbusse in Kauf, was er im Laufe seiner Karriere indes schon einige Male gemacht hatte.
Mittlerweile verdient McLaughlin über 10 Mio. $ jährlich, davon 9,6 Mio. $ in Form von Palo-Alto-Aktien. Als er im Herbst 2011 die neue Stelle antrat, machte das Unternehmen knapp 50 Mio. $ Umsatz und beschäftigte etwa 250 Leute. Nun ist es mit fast 5000 Mitarbeitern und gegen 50 000 Kunden der zweitgrösste IT-Sicherheitskonzern, erwirtschaftet 1,8 Mrd. $ Umsatz – und wachse zudem «fünfmal schneller als die Konkurrenz».
Aber eigentlich wollte McLaughlin etwas ganz anderes werden. Schon von klein auf träumte er von einer Militärkarriere. An der berühmten Militärakademie in West Point im US-Gliedstaat New York liess er sich zum Fallschirmspringer ausbilden und diente auf dem Armeestützpunkt Fort Lewis. Ein Dienstunfall liess diesen Traum jedoch platzen. So wurde er Anwalt. Sein Interesse an Technologie zog ihn in den 1990er Jahren ins Silicon Valley, wo er Übernahmeverhandlungen juristisch begleitete. Seine ersten Erfahrungen im operativen IT-Geschäft machte er bei einer Start-up-Firma, die Ende 1999 von Verisign übernommen wurde.
McLaughlin ist mehr als Konzernchef eines erfolgreichen IT-Unternehmens. Als Mitglied des National Security Telecommunications Advisory Committee (NSTAC) – zwei Jahre lang präsidierte er das Gremium – sitzt er an der Schnittstelle zwischen nationaler Sicherheit und Technologie. Es berät den Präsidenten und die Geheimdienste der USA in technischen Belangen. Je stärker sich die Digitalisierung durchsetze, desto enger müssten Staat und Privatwirtschaft in der Cybersicherheit zusammenarbeiten, sagt McLaughlin, der sein Fachwissen auch am Weltwirtschaftsforum in Davos und beim Aufbau des Global Centre for Cybersecurity eingebracht hat. In Anlehnung ans Mercury-Programm, mit dem in den USA der Startschuss zur bemannten Raumfahrt auf den Mond erfolgte, plädiert McLaughlin für einen «Cybersecurity Moonshot» mit dem Ziel, «das Internet in zehn Jahren sicher zu machen». Für eine sichere Digitalisierung müsse ein ganz grosses Ziel ins Auge gefasst werden, rechtfertigt er das ambitiös tönende Unterfangen. Der Staat oder die Privatwirtschaft allein könne das nicht tun.
Laut McLaughlin muss der finanzielle Aufwand für die Planung und Durchführung einer Cyberattacke erheblich verteuert werden. Bisher sind die Kosten für die Angreifer nur gesunken, weil die Rechenleistungen ständig günstiger wurden. Deshalb nimmt auch die Zahl der Attacken zu, was auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie erfolgreich sind, erhöht. Dieses Dilemma könne nur mit einer Automatisierung und Konzertierung bei der Abwehr durchbrochen werden.
Die Cyberabwehr habe sich verbessert, verlange aber meist eine manuelle Intervention. Mit jeder zusätzlichen Abwehrmassnahme steige die Zahl der Mitarbeiter, die sich damit beschäftigten. Und trotzdem seien die Angreifer stets um eine Nasenlänge voraus gewesen, meint McLaughlin. Ständig nur mehr Leute auf ein Problem zu werfen, reiche nicht. «Software soll gegen Software kämpfen», denn der Mangel an ITExperten sei schon jetzt gross genug. Eine Automatisierung der Cyberabwehr würde keine Arbeitsplätze vernichten, hingegen Fachleute für wichtige Themen freistellen.
In seiner Freizeit findet man den Vater von drei Kindern beim Fliegenfischen. Wo denn genau? «Überall dort, wo es Fische hat», lässt er sich entlocken.