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EPFL-Holzbänke für die Kathedrale von Lausanne
Die Stühle der Kathedrale Notre Dame in Lausanne werden demnächst durch Bänke ersetzt, die vollständig aus Holz gefertigt sind und auf einer vom Labor IBOIS der EPFL entwickelten Technologie basieren. Der Kanton Waadt gab dies am Donnerstag bekannt. In diesem Zusammenhang haben das IBOIS-Labor und die EPFL eine Technologietransfer-Vereinbarung mit dem Kanton unterzeichnet.
Diese neue Technologie wird bei Bänken aus Eichenholzplatten eingesetzt, die ausschliesslich durch Holz-Holz-Verbindungen, insbesondere durch Schnappverbindungen, zusammengefügt werden. Das Labor unter der Leitung von Yves Weinand, ausserordentlicher Professor, präsentierte diese neue Verbindung zum ersten Mal 2014 auf der Acadia-Konferenz Design in Los Angeles. Insgesamt werden 74 6-sitzige Bänke mit einer Länge von 300 cm und vier 4-sitzige Bänke mit einer Länge von 200 cm hergestellt, also insgesamt 460 Sitzplätze. Die Gemeinde hofft auf eine Einweihung der Bänke im Frühjahr 2022 während der Osterfeierlichkeiten.
Prototyp der zukünftigen Bänke. Kanton Waadt / Thierry Didot
Zerlegbar und wiedermontierbar
Die ausgewählten Platten (Eiche dreifach mit einer Dicke zwischen 20 und 26 mm) bestehen aus einem homogenen Material, das sehr widerstandsfähig ist. Sie werden vollständig von einer CNC-Maschine (digital gesteuert) mit einer Genauigkeit von 0,01 mm geschnitten. Das Holz stammt aus den Wäldern des Kantons, die sich in Concise, Etagnières und Cossonay befinden, was lokale Herstellung und kurze Wege begünstigt.
Diese neuen Bänke werden im Kirchenschiff und in den Querschiffen aufgestellt und ersetzen die Flechtstühle aus dem Jahr 1912. Dank ihres Montagesystems lassen sie sich zerlegen und wieder zusammenbauen und können so flach gelagert oder bewegt werden, was Lager- und Transportvolumen spart. Eine Bank besteht aus 14 Brettern und zwei Holz- oder Metalldübeln; zwei Personen können eine Bank in weniger als 15 Minuten zusammenbauen, wobei ein einfacher Hammer das einzige Werkzeug ist.
Mehrfache Verwendung
Auf Wunsch des Kunden haben diese Bänke die Besonderheit, dass sie über eine umkehrbare Rückenlehne verfügen, die eine flexible Nutzung, insbesondere bei Orgelkonzerten, offiziellen Zeremonien oder Gottesdiensten, ermöglicht. Die umkehrbare Rückenlehne ist an einem Armlehnensystem mit einem Holzpflock befestigt, der es ermöglicht, die Rückenlehne mit einer einzigen Bewegung und ohne Einsatz von Werkzeugen zu schwenken. Das Drehsystem ist mit Stossdämpfern ausgestattet, die verhindern, dass die Rückenlehne beim Umdrehen einknickt. Schließlich sorgt die Symmetrie des Sitzes für den gleichen Nutzungskomfort, unabhängig davon, welche Seite benutzt wird. Ihr Design begünstigt auch die Wartungsfreundlichkeit.
Auf der Grundlage des von Yves Weinand und IBOIS entwickelten Prototyps der Bank haben mehrere Zimmereibetriebe auf die Ausschreibung des Auftraggebers vom Januar 2020 geantwortet, unter Einhaltung der Spezifikationen und unter Verwendung der beigefügten Schnappverschlüsse gemäss den angegebenen Anweisungen. Der preisgekrönte Tischlereibetrieb GAB hat den Entwurf in Zusammenarbeit mit dem Designer Thierry Didot überarbeitet und schlägt eine optisch leichte und harmonische Struktur vor.
Präzedenzfall im November 2018
Das IBOIS-Labor erhielt im August 2019 den Auftrag für die Entwicklung der Dombänke. Es tat das allerdings nciht zum ersten Mal. Im November 2018 hatte das Labor bereits Tribünen und Bänke für die Kathedrale entworfen, die aus vollständig entfernbaren und wiederverwendbaren OSB-Holzplatten bestanden und auf derselben Technologie für das Bühnenbild des Nabucco-Opernhauses basierten. Der ursprüngliche Entwurf der von Professor Weinand vorgeschlagenen neuen Bänke basierte daher auf dem formalen Erscheinungsbild und dem mechanischen Verhalten der Spanplattenbänke für das Bühnenbild der Nabucco-Oper.
Mit rund 475 000 Besuchern im Jahr 2019 ist die Kathedrale von Lausanne eines der meistbesuchten historischen Monumente der Schweiz. Dieses Projekt wird somit die Forschung des IBOIS-Labors hervorheben und ist Teil seines Bestrebens, die Verwendung von Holz im Bauwesen durch Technologietransfer zu fördern.