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Sie wird liebevoll «Main Street of America» (Hauptstrasse Amerikas) oder auch «Mother Road» (Mutter aller Strassen) genannt. Und nur schon diese Attribute verdeutlichen, dass die Route 66 mehr ist als einfach eine Strasse. Und so ist es tatsächlich: Die Route 66 ist mehr, viel mehr sogar. Wie keine andere Strasse ist sie Mythos und Kult, Historie und Traum, Lebensader und Schicksal.
Die Geschichte der Route 66 begann in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts, als ein finanzkräftiger Unternehmer aus Oklahoma für einen Highway plädierte, der die industriellen Zentren an den Grossen Seen mit den landwirtschaftlichen Gebieten in Missouri, Kansas und Oklahoma verbinden sollte. Und natürlich mit dem «Boom Country» Kalifornien.
Am 11. November 1926 war es dann soweit. Der Highway mit der Nummer 66 wurde dem Verkehr übergeben: Eine staubige Schotterpiste, die – ausgehend von Chicago am Lake Michigan – durch acht Bundesstaaten führte und nach 2448 Meilen in Los Angeles am Pazifischen Ozean endete.
Mit der Einweihung der Route 66 begann ein neues Zeitalter in den USA. Amerika rückte näher zusammen. «Go West» hiess die Losung. Namentlich für die vielen Farmer aus der ausgetrockneten Dust Bowl (Staubkessel) Oklahomas, die in der Glory Road den rettenden Strohhalm sahen und sich auf den beschwerlichen Weg nach Westen machten. Nach Kalifornien, wo fruchtbare Felder, boomende Industrie und ewiger Sonnenschein lockten.
Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert hielt die Route 66 so als transkontinentale Verbindung die Nation zusammen. Doch ihre Tage waren gezählt. Immer grösser wurde der Druck der Öffentlichkeit, die mehrspurige und damit leistungsstärkere Interstates forderte. Und sie hatte ihren stärksten Befürworter im damaligen Präsidenten Eisenhower. Denn dieser war – nach einem Besuch in Deutschland – dermassen von Hitlers Autobahnsystem angetan, dass er unmittelbar nach seiner Rückkehr das Okay für ein vernetztes Highway-System gab. Und damit das Schicksal der alten Route 66 besiegelte.
Bis 1970 war bereits der grösste Teil der Route 66 durch mehrspurige Highways ersetzt oder verdrängt worden. 1985 schliesslich wurde die «66» ganz von der offiziellen Liste der Highways gestrichen. Seitdem ist die mystische Nummer – zumindest offiziell - in keinem amerikanischen Atlas mehr zu finden. Doch der Geist der «Mutter aller Strassen» lebt weiter. Nicht zuletzt dank Angel Delgadillo, einem Coiffeur aus Seligman, einem kleinen Kaff an der Route 66. Seit ewigen Zeiten an der Route zu Hause, konnte und wollte er sich nicht mit dem Untergang «seiner» Strasse abfinden und rief deshalb den ersten Route-66-Fanclub zur Rettung der legendären Strasse ins Leben. Und seine Idee fand so viele Nachahmer, dass vielerorts die noch intakten Abschnitte der Historic Route 66 wieder ans Verkehrsnetz angehängt wurden. Die von Angel Delgadillo ausgelöste Euphorie führte sogar soweit, dass die Überreste der Route 66 von der amerikanischen Regierung zum nationalen Kulturerbe erklärt wurden.
Wer die Route 66 in all ihren Facetten erleben will, sollte etwas ganz Wesentliches mitbringen: Zeit! Klar, wer mit einem schweren Hobel unterwegs ist und jeden Tag seine 400 Meilen frisst, schafft die Strecke in gut einer Woche. Das ist so. Es ist aber auch so, dass man dadurch die vielen kleinen Dinge verpasst, die die Strasse zu beiden Seiten für einen bereithält. Das richtige Rezept heisst deshalb cruising, oder auf gut Deutsch: „Gemütliches Über-die-Strasse-bummeln“. Und was wäre dafür besser geeignet, als ein gutes altes Schweizer Posttöffli...? Eben!
In diesem Sinne: „Get Your Kicks On Route 66!“