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Kommentar: Andrea Kager
„Die Schicht der Zivilisation ist dünn wie eine Haut“ (Sigmund Freud). Vier Menschen in einem Raum, und jeder hasst jeden. In seiner Verfilmung des Theaterstücks „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza lässt Roman Polanski grandiose Schauspieler aufeinander los: Winslet gegen Reilly gegen Foster gegen Waltz. Wie im klassischen griechischen Theater spielt „Carnage“ an einem einzigen Ort in einer einzigen Zeit mit einer einzigen Handlung. Polanski, ein Meister des Klaustrophobischen, lässt zwei wohlhabende Grossstadtpaare zusammenkommen; „wie Erwachsene“ sollen sie einen Streit zwischen ihren Söhnen klären. Vorerst noch betont freundlich und verständnisvoll, beginnen ihre Fassaden bald zu bröckeln. Unterdrückte Ressentiments explodieren und schlagen in offenen Hass um. Es wird geschrien, geweint, gesoffen, gekotzt. Schicht für Schicht offenbart sich der dünne Firnis der Zivilisation.