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Vademecum – Kapitel 8: Verschwörungstheorien – wie erkennt man sie?
Die aktuelle Situation der COVID-19-Pandemie ist sehr unsicher und viele Fragen sind noch offen. Eine davon ist die Frage, wie alles begann und woher das Virus kam.
Wenn eine Situation komplex ist, wenn sie nicht gut verstanden wird, wenn es Ungewissheit gibt, suchen wir nach Erklärungen – idealerweise klare und unmissverständliche Erklärungen. Verschwörungstheorien gedeihen gerade deshalb so gut, weil sie so spannend sind wie die Handlung eines Films und oft die Lücken in den offiziellen Versionen füllen.
Aber in einer Notsituation wie der aktuellen Pandemie sind Verschwörungstheorien gefährlich, weil sie ablenken und riskantes Verhalten (z. B. Missachtung von Hygienevorschriften) oder Angst hervorrufen können. Deshalb ist es wichtig, sie zu erkennen, um sich nicht von ihnen beeinflussen zu lassen.
Im Folgenden präsentieren wir einige Ideen zur Beantwortung der Frage: Wie erkennt man Verschwörungstheorien?
- Es gibt immer einen «Bösen». In allen Verschwörungstheorien gibt es einen «Bösen», eine starke und manipulative Macht, die alles machen kann, und es gibt Opfer. Der Feind kann eine Person sein, aber oft ist es eine Gruppe, eine Organisation oder eine Nation.
- Nichts ist, wie es zu sein scheint. Ein weiteres Merkmal von Verschwörungstheorien ist es, Misstrauen gegenüber der offiziellen Version zu verstärken («irgendetwas stimmt nicht»). Diese Theorien laden uns ein, unter die Oberfläche zu schauen, um die Handlungen und wahren Absichten der Verschwörer zu erkennen.
- Alles ist miteinander verbunden. Das dritte Merkmal ist, Ereignisse als Ursache und Wirkung umzudeuten, wenn es sich in Wahrheit um Zufälle handelt. Einige Fakten werden aus dem Kontext heraus verallgemeinert, miteinander verwoben und zur Untermauerung der These verwendet.
- Antworten auf unbeantwortete Fragen. Das vierte Merkmal ist die Beantwortung von Fragen, für die es noch keine Antworten gibt. Der Mensch sucht von Natur aus nach Antworten und bevorzugt abstruse Erklärungen gegenüber gar keiner Erklärung. Verschwörungstheorien entsprechen diesem Bedürfnis.
- Sie sind unwiderlegbar. Das letzte Merkmal von Verschwörungstheorien ist, dass sie für «Herr und Frau Jedermann» unmöglich zu widerlegen sind. Tatsächlich sind die Beweise, auf die sie sich stützen, mangels technischer Mittel und spezialisierter Fähigkeiten fast nie überprüfbar.
Wenn wir in den Informationen, die wir erhalten haben, eines oder mehrere dieser Merkmale erkennen, können wir sie anzweifeln und erwägen, dass es sich um eine Verschwörungstheorie handelt – so vermeiden wir, sie weiterzugeben.