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An River Phoenix war so gut wie alles filmreif. Auch seine Lebensgeschichte: Geboren wurde das schauspielerische Jahrhunderttalent am 23. August 1970 als River Jude Bottom im US-Bundesstaat Oregon.
Seine Hippie-Eltern wählten den ausgefallenen Namen River in Anspielung auf den Fluss in Hermann Hesses «Siddharta».
Drei Jahre nach Rivers Geburt siedelten die Bottoms nach Südamerika um, um für die christliche Sekte «Children of God» zu missionieren.
Auferstehung der gebrannten Kinder
Als sie Ende der 1970er-Jahre von ihrem religiösen Führer David Berg enttäuscht in die USA zurückkehrten, waren sie total abgebrannt.
Doch gewappnet mit einem symbolträchtigen neuen Familiennamen rappelten sie sich in Los Angeles wieder auf – wie der Phoenix aus der Asche.
Besonders River, das älteste Kind der inzwischen sechsköpfigen Familie, fasste in Hollywood rasch Fuss. Dank brillanter Auftritte in Rob Reiners «Stand by Me» (1986) und Gus Van Sants «My Private Idaho» (1991) galt River Phoenix als grösstes Schauspieltalent seiner Generation.
Steile Karriere mit abruptem Ende
Den massenwirksamsten Auftritt hatte der feingliedrige Beau bereits 1989 gehabt: in Steven Spielbergs Blockbuster «Indiana Jones and the Last Crusade». Der Charme, mit dem er die ikonische Titelfigur in jungen Jahren verkörperte, machte ihn quasi über Nacht zum Mädchenschwarm.
Entsprechend gross war das Entsetzen, als Everybody’s Darling mit nur 23 Jahren an einer Drogen-Überdosis starb. Auf offener Strasse, in den Armen seines Bruders Joaquin.
Er hatte 1993 in der Nacht zu Halloween in Johnny Depps Nachtclub «Viper Room» einen Cocktail getrunken, in dem raue Mengen von Heroin und Kokain steckten.
Einer zieht aus der Trauer Power
Die ganze Filmwelt trauerte. Eine Welt, zu der Rivers jüngerer Bruder Joaquin 1993 im Grunde nicht mehr gehören wollte.
Doch dann erinnerte sich Joaquin daran, was ihm River kurz vor seinem Tod prophezeit hatte: «Du wirst deine Laufbahn als Schauspieler wieder aufnehmen. Das ist deine Bestimmung.»
River hatte seinen kleinen Bruder nicht darum gebeten. Er wies ihm vielmehr den Weg. «Dafür bin ich ihm unendlich dankbar», sagte Joaquin Phoenix letztes Jahr vor der ersten Vorführung von «Joker» in Toronto.
Gedanklich seiner Zeit voraus
Wenige Monate später folgte mit dem Oscar die Krönung einer Karriere, die ohne River Phoenix erst gar nicht ins Rollen gekommen wäre. Doch nicht nur durch seinen Bruder bleibt der Name Phoenix in Hollywood en vogue.
Rivers Fangemeinde ist auch über ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod kaum kleiner geworden. Woran das liegt? Einerseits am James-Dean-Effekt: Wer als gut aussehender Jüngling stirbt, an den bleibt die Erinnerung ewig jung.
Andererseits war River Phoenix aber auch schlicht seiner Zeit voraus: Der besorgte Umwelt-Aktivist lebte vegan, Jahrzehnte bevor sich der Mainstream dafür zu begeistern begann.