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Die Musik kann in Thun auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits 1668 wurde das Thuner Collegium Musicum, eine Singgesellschaft zur Unterstützung des Kirchengesangs, gegründet. Es war die erste solche Gesellschaft im Kanton Bern; zuvor waren Singgesellschaften in Zürich (1613), St. Gallen (1620) und Schaffhausen (1655) entstanden. Mangels Anpassung an die neuen Bedürfnisse des Publikums nach weltlicher Musik wurde das Thuner Collegium Musicum 1865 aufgelöst. Ab 1827 existierte in Thun zudem eine Musik-Gesellschaft; diese Instrumental- und Gesangsorganisation mit 40 Aktiven führte im Freienhof und im Falkensaal bis in die 1860er-Jahre hinein zahlreiche Konzerte auf.
Ein unbekannter Künstler machte sich 1737 die Mühe, einige Mitglieder des Thuner Collegium Musicum darzustellen. Auf der Rückseite des auf Holz gemalten Ölbildes bezeichnet er sie als «6 humoristische, musizierende Philister».
1829 gründeten vier gesangsbegeisterte Männer den Männerchor Thun. Sie waren in handwerklich-künstlerischen Berufen tätig und wohnten alle im selben Haus an der Oberen Hauptgasse. Ende 1829 zählte der Verein bereits 29 Mitglieder, wovon einige aus umliegenden Dörfern stammten. Unter ihnen befanden sich neun Lehrer. Da die gesetzliche Polizeistunde auf 22 Uhr festgesetzt war, stellte der Männerchor im Jahr 1834 an den Regierungsrat den Antrag, diese nach hinten zu verschieben, damit die Gesangsproben und der anschliessende Ausgang nicht unnötig eingeschränkt würden. Auf Empfehlung des Erziehungsdepartements wurde diesem Begehren stattgegeben. 1848 nahm der Chor erstmals an einem Eidgenössischen Sängerfest teil. Der Auftritt in Bern war nicht eben brillant und hätte beinahe zur Auflösung des Vereins geführt. Später erhielt der Chor wieder regen Zuwachs; im Jubiläumsjahr 1929 zählte er 157 Aktivmitglieder. Doch nicht jeder durfte Mitglied werden. 1886 lehnte der Männerchor den Antrag des Vorstands ab, dem in den Sommermonaten in Thun weilenden Komponisten Johannes Brahms (1833–1897) die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Eine Entscheidung, die offenbar im Nachhinein eine Wiedergutmachung erforderte: 1933 wur- de am Brahmsquai auf Initiative des Männerchors die Brahms-Gedenkstätte eingeweiht.
Um 1900 lehnte der Männerchor Thun verschiedene Fusionsvorschläge mit anderen Thuner Chören ab. 1897 zum Beispiel wollte er sich nicht mit dem Männerchor Frohsinn zusammenschliessen, weil dieser einen neuen gemeinsamen Chornamen verlangte. Dazu war der Männerchor nicht bereit. Dies trübte vorübergehend die guten Beziehungen zwischen den Chören und führte 1910 zur Gründung des Cäcilienvereins, in den sich der Männer- und Gemischten Chor Frohsinn integrierte und der sich seit 2004 Cäcilienchor Thun nennt. In den 1920er-Jahren überwand man die Differenzen: Der Männerchor gab gemeinsam mit dem Cäcilienverein, dem 1923 gegründeten Frauenchor und dem Berner oder Thuner Stadtorchester zahlreiche Konzerte mit Werken berühmter Komponisten wie Händel, Brahms oder Mozart. Diese Veranstaltungen bildeten Höhepunkte im musikalischen Leben der Stadt. Daneben spielte der Männerchor auch gesellschaftlich und politisch stets eine bedeutende Rolle; Persönlichkeiten in Politik, Militär, Verwaltung und Wirtschaft waren Mitglieder des Chors. Heute zählt er zu den ältesten Männerchören der Schweiz. Seit Herbst 2016 wird die noch rund 50-köpfige Männerschar erstmals von einer Frau geleitet. Nach wie vor bedeutend ist der traditionelle Herrenabend Anfang Dezember, er ist gewissermassen das Stiftungsfest des Vereins. Neben den erwähnten traditionellen Gesangsvereinen gibt es in und um Thun weitere Chöre, die sich verschiedenen Musikrichtungen widmen.40
Die Anschaffung einer Fahne hatte für die Vereine bis ins 20. Jahrhundert hinein einen hohen Stellenwert. Der Männerchor Lerchenfeld, der 1914 ins Leben gerufen wurde, leistete sich 1920 die hier beidseitig abgebildete Seidenfahne.
Anlässlich der Fahnenweihe führte er einen Umzug durch, begleitet von der Stadtmusik Thun.
Seit Langem in Thun verwurzelt ist die Blasmusik. Der erste Musiklehrer, der ab 1762 an den Thuner Stadtschulen unterrichtete, war Posaunist, und der Gesang in der Kirche wurde damals von Blasmusikinstrumenten begleitet. Spätestens ab 1792 gab es in Thun Militärmusikformationen. Die 1859 entstandene Kadettenmusik und die Tambouren existieren noch heute. 1865 wurde die Schützenmusik gegründet, die sich 1884 in Stadtmusik umbenannte. Vier Jahre danach entstand die Grütlimusik, die später Harmonie Konkordia, ab 1906 Stadtmusik Konkordia hiess. Konkordia und Stadtmusik traten häufig an denselben Anlässen auf und fusionierten 1907 zur Stadtmusik Thun. Knapp 100 Jahre später hatte diese – wie so mancher Musikverein – mit einem schleichenden Mitgliederschwund zu kämpfen, was 2001 zur Fusion mit dem 1997 entstandenen Blasorchester Berner Oberland und zur Namensänderung in Blasorchester Oberland Thun führte. Die 1881 gegründete Musikgesellschaft Allmendingen/Thun und die im selben Jahr entstandene Feldmusik Strättligen bestehen hingegen noch heute. Die Arbeiterschaft verfügte ab 1919 über eine eigene Blasmusik; 2003 wurde die Arbeitermusik der Stadt Thun in Musikverein Thun um- benannt.41