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Morgen Donnerstag gehts für Alex los in die elfte Skicross-Saison. Die Qualifikation für die zwei Rennen in Val Thorens vom Donnerstag und Freitag machen den Auftakt zur Skicross-Alp-Tour im Dezember. Zugleich ist es der Start in die Wintersaison 2017/18 mit dem Höhepunkt Olympische Winterspiele im Februar in Südkorea, ein Event von dem jeder Sportler träumt dabeisein zu können – auch Alex, als er noch ein kleiner Junge war. Lest wie alles vor gut 31 Jahren begann...
Im Spital von Newport Beach, Kalifornien, in einem Zimmer mit Blick auf das Meer und die für Surfer weltberühmte «Wedge» ist Alexander am 29. Januar 1986 frühmorgens auf die Welt gekommen. Ausser bei Mutter und Vater klebten die Blicke von Ärzten und Pflegepersonal an den TV-Geräten, war doch am Tag zuvor das Space Shuttle Challenger auf dem Start ins Weltall mit der ersten Nicht-Astronautin, einer Lehrerin, verglüht. Mit Flaggen auf Halbmast fuhr Alex mit den Eltern einige Stunden nach der Geburt ins kleine Haus auf Balboa Island. Dort erwarteten sein gut zwei Jahre älterer Bruder Arno und die Grosseltern mit umso mehr leuchtenden Augen und sonniger Wärme den kleinen, etwas leichtgewichtigen, aber desto längeren Alex.
Vater John, ursprünglich aus Nordnorwegen, hatte seine Jugend in Südkalifornien verbracht und arbeitete später als Elektriker im Skiressort Sun Valley in Idaho. Dort lernte er seine Mutter Verena auf einem «Städeli»-Skilift kennen, wo alle Schweizer Aupair-Girls am liebsten ihre Freizeit verbrachten. Dem Schnee verbunden zog die Familie nach der Geburt von Alex bald wieder in den Norden von Kalifornien und verbrachte einige Jahre in Kirkwood einem kleinen Skiort in der Nähe des Lake Tahoe. An seinem zweiten Geburtstag erhielt Alex bereits seinen ersten Skipass und kurvte die Anfängerslopes herunter. In die Ferien ging es mit der Grossmutter mal nach Reno in Nevada zu Glitter, Glanz und Gloria, mal zu Sand, Surf und Krebsejagen ans Meer nach Newport Beach.
Einen Vorgeschmack auf Schule erlebte Alex noch in den USA, dann flog die Familie bald in die Schweiz und nistete sich 1990 in einem uralten Haus in Parpan, Graubünden, ein. Die Skikünste von Alex erhielten den ersten Schliff im Kinderland, half er doch den Skilehrerinnen die kleinen Unterländer-Kids die Hügel hochzuziehen und demonstrierte dort gleich auch seine ersten Höhenflüge auf Skis. Bald gewann Alex die meisten der wöchentlichen Skirennen aller Kategorien. Zur Vermeidung von demotivierten Skischülern und deren zahlende Eltern, erhielt Alex die Medaille vom Skischulleiter oft erst einige Stunden nach der Preisverleihung oder er wurde beim Rangverlesen einfach als guter Vorfahrer geehrt.
Natürlich war es für die Familie mit den jungen Skirennfahrern Arno und Alex Pflicht, im Skiclub Parpan mit den Aushängeschildern Heini Hemmi und Dani Mahrer mitzuwirken. Neben dem Besuch der Gesamt-Primarschule mit sechs Klassen und einer Lehrerin im selben Schulzimmer fand man die Buben in der Freizeit fast ausschliesslich auf der Piste, im Winter auf Schnee, im Sommer auf dem Mountainbike. Daneben gabs Arbeit im grossen alten Haus mit Renovieren und Umbauen. Die Brüder verdienten etwas Sackgeld beim Vater oder beim Onkel im Haus oder auch bei der Tante beim Jäten im Hotelgarten gegenüber.
Alex durchlief die obligatorischen Schuljahre zuerst in Parpan und dann die Sekundarschule in Churwalden. Darauf folgten zwei Zwischenjahre mit Schulen in Chur sowie viel Skitraining und Renneinsätzen als Junior im FIS-Alpin-Kader. In diese Zeit fällt auch eine Schnupperlehre als Informatiker und ein Trainingsbesuch bei den Calanda Broncos. Beides hatte längerdauernde Wirkung. Alex begann 2004 eine Lehre als Informatiker bei der Würth ITensis AG in Chur. Ein Glücksfall – liess ihm der Arbeitergeber doch viel Zeit und Raum, weiterhin aktiv für den Skirennsport unterwegs zu sein. Bis heute arbeitet Alex Teilzeit bei der Würth, viele seiner Arbeitskollegen und sein Chef sind seine treusten Fans – oft auch am Pistenrand oder bei einem Biketraining dabei.
2007 beendete Alex mangels Resultaten, Betreuung und Zeit seine Karriere bei den Alpinen. Paragliding – von den Bündner Gipfeln per Gleitschirm hinunterfliegen – hiess nun seine neue Leidenschaft. Bald holten ihn Arbeitskollegen auch ins Team der besten American Football-Mannschaft in der Schweiz. Mit den Calanda Broncos gewann Alex als Reciever mehrere Swissbowl-Titel sowie die Europa League.
Ein ehemaliger Skikollege lud ihn im Jahr Herbst 2007 an ein Skicross-Rennen nach Sölden ein. Nicht lange gings und der Skirennsport hatte Alex wieder. In der gleichen Saison fuhr er bereits sein erstes Weltcuprennen. Schnell war er Mitglied im Nationalkader, gewann sein erstes Weltcup Rennen in St. Johann (A). Der Olympiasieg von Mike Schmid 2010 in Vancouver hatte dem Skicross in der Öffentlichkeit mehr Beachtung gebracht. Mit den Siegen von Alex und Top-Platzierungen von Teamkolleginnen und –Kollegen avancierten bis heute gleich mehrere Schweizer Skicrosser zu Medaillenkandidaten an Grossanlässen.