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alle
Substanzen, mittels deren den
PflanzenNahrung zugeführt wird oder das Wachstum derselben bei direkter
Zufuhr gesteigert werden kann. Jeder Dünger muß also alle oder doch einzelne der als Pflanzennahrung bekannten
Elemente enthalten
und diese in einer zum Übergang in die
Pflanze geeigneten Form besitzen, resp. allmählich erlangen können
oder wenigstens indirekt zur
Steigerung des
Pflanzenwachstums beitragen. Da die
Pflanze nur flüssige oder gasförmige
Stoffe
aufnehmen kann, so muß jeder Dünger in lösliche oder gasförmige
Stoffe zerfallen können oder schon in solcher Form gegeben
sein.
Unter
Düngen versteht man also alle diejenigen
Operationen, mittels deren man die Nahrungszufuhr zu den
Pflanzen zu steigern
vermag. Vollständig ist die Düngung, wenn mittels derselben alle der
Pflanze notwendigen
Nährstoffe
in ausreichender
Menge gegeben, unvollständig, wenn nicht alle oder die einzelnen nicht im erforderlichen
Maß dargeboten
werden. Generaldünger ist jeder Dünger, welcher alle
Nährstoffe zu liefern vermag, Spezialdünger solcher, welcher nur einzelne
Nährstoffe enthält und nur bestimmte
Wirkungen auf bestimmte
Pflanzen äußern kann oder soll. Man unterscheidet
organischen und mineralischen, festen und flüssigen, gemischten oder einfachen, Stalldünger und
Kunst- oder Handelsdünger,
Gründünger etc., in Bezug auf die Art der Anwendung starke, mittlere und schwache Düngung,
Überdüngung oder Kopfdüngung, Beidüngung, Nachdüngung, frische und alte Düngung (Dungkraft).
Die
Sentenz: »Bearbeitung ist halbe Düngung« kannten schon die
ältesten Landwirte;
je sorgsamer der
Boden bearbeitet wird, um so mehr wird die Aneignung der düngenden
Atmosphärilien und
die
Verwitterung des
Bodens begünstigt,
in Summa: die
Menge des verfügbaren Nährstoffs vermehrt mit sorgsamer Tiefkultur auch
die ausbeutbare Bodenschicht;
Auch die
Fruchtfolge (s. d.) kann als ein Düngersparendes
Mittel insofern gelten, als nicht jede
Pflanze
derselben
Nährstoffe in gleicher
Menge bedarf, so daß mittels zweckentsprechender Aufeinanderfolge im
Anbau das Vorhandene schonlicher benutzt wird. Je weniger lohnend der Betrieb, um so mehr wird man die
Ausgabe für künstlichen
Dünger zu verringern und um so mehr also die Bearbeitung zu benutzen suchen, so daß selbst die
Brache (s. d.) hier ihre
Berechtigung
so gut wie die
Schonung des
Bodens durch zeitweises Liegenlassen haben kann. Der
Wert der Dungstoffe ist
durch ihre
Wirkung und die
Größe des zu ihrer Anwendung erforderlichen Kostenaufwandes bedingt.
Relativ am wertvollsten erscheinen
alle diejenigen
Stoffe, welche rasch zu Pflanzennahrung werden können. Ein an
Nährstoffen reiches
Fluß- oder Bachwasser,
welchem rascheste Wirksamkeit eigen ist, kann
man in der
Regel für wenig
Geld haben und leicht fortleiten.
Die Humuserde oder
Dammerde
(Gar- oder
¶
mehr
Edelerde) steht ihm an Preiswürdigkeit am nächsten, zumal sie auch in physikalischer Beziehung außerordentlich günstig
wirkt. Alle andern Erdarten stehen ihr an Wirksamkeit nach und haben nur als Bodenverbesserungsmittel oft relativ hohen Wert,
z. B. Thon für Sandboden, Sand für Thon oder Torf etc. Das Gesamtgebiet der eigentlichen Dungmittel wird am
besten in organische, mineralische und gemischte oder organisch-mineralische (Kompost) geschieden.
sind alle diejenigen, welche direkt oder indirekt von organischen Körpern herstammen und deren Natur noch nicht oder noch
nicht vollständig verloren haben. Sie enthalten die aus atmosphärischen Bestandteilen von der Pflanze gebildeten Stoffe und
entweder alle mineralischen Substanzen, deren die Pflanze bedarf, oder doch viele derselben und zerfallen
rasch oder nur nach und nach zu Pflanzennahrung. Dahin gehören zunächst vegetabilische Stoffe, Pflanzen, Pflanzenreste und
Fabrikatsreste von Pflanzen.
In der Gärtnerei schichtet man jene Pflanzen nicht selten auch nur einfach übereinander und läßt sie unter fleißigem Begießen
zu guter Blumenerde verfaulen. Schilf, Maisstengel, Kartoffelstroh u. dgl.
werden ähnlich behandelt oder als Streu in den Stallungen oder als Unterlage auf der Dungstätte verwendet. Die Waldstreu,
unterschieden in Moos-, Laub-, Nadelstreu, soll meistens nur das Stroh als Streumittel ersetzen oder in Gärten zu Mistbeetanlagen
und als Deckmittel im Winter dienen; sie kann aber auch kompostiert und direkt als Dünger verwendet werden.
Abgeschälte Rasenstücke (Plaggen) werden verbrannt oder, mit Mist geschichtet, der Verwesung ausgesetzt oder auf der Dungstätte
und im Viehstall als Unterlage verwendet, Stoppeln, Wurzelrückstände, Runkelblätter u. dgl.
meistens direkt untergeackert. Nicht minder guten Dünger können Trester, Kartoffel- und Rübenmark und Torfabfälle, zersetzt
durch Kloakeninhalt oder Jauche, Guanolösung, Kalisalze und Ätzkalk, bilden. Ölkuchen und Malzkeime werden
in der Regel lieber verfüttert, als direkt zu D. verwendet. In Belgien
[* 7] und England streut man erstere in Pulverform; direkt
über das Feld oder in die Jauche.
Unter Umständen entspricht es auch der Absicht des Landwirts, Pflanzen anzusäen und sie nach vollendetem
Wachstum als Dünger unterzuackern (Gründünger). Dies geschieht entweder mit sehr rasch wachsenden Pflanzen zwischen Ernte und
Saat oder auf entlegenen und auf armen Feldern in der Art, daß der Pflanzenwuchs eines ganzen Jahrgangs untergeackert wird,
um im folgenden Jahr eine Ernte gewinnen zu können. Früher glaubte man durch Gründünger allein einen
magern Boden in bessern Kraftzustand bringen zu können und betrachtete den Pflanzenwuchs als reine Bereicherung.
Daraus geht hervor, daß jede zur Gründüngung dienende Pflanze nur geringe Anforderungen an den Boden stellen darf, rasch
wachsen und starke, tief gehende Wurzeln sowie blattreichen Wuchs haben muß; außerdem darf der Same nicht
teuer sein. Für Sandboden benutzt man am besten die Lupine, außerdem Raps, Erbsen, Roggen, Spörgel, Buchweizen, Inkarnatklee,
Wundklee u. a. Vorteilhaft hilft man noch durch eigentliche Düngung nach, z. B.
durch Guano, welcher stark auf den Blattwuchs wirkt, oder durch solchen Dünger, welchen das Getreide direkt nicht immer, wohl aber
die Gründüngungspflanze verträgt, z. B. Kalisalze, Salpeter u. dgl. Auf jeden Fall aber muß, wenn durch nachfolgende Ernte
der durch die Gründüngung gesammelte Nährstoffvorrat dem Boden wieder entzogen wird, ein Ersatz stattfinden, damit nicht
schließlich der Boden so verarme, daß auch die Gründüngungspflanze nicht mehr zu gedeihen vermag und das Feld
sich selbst oder der Waldkultur überlassen werden muß.
Einige wollen die Vorteile der Gründüngung nur in der physikalischen Bodenverbesserung, resp.
in der Erhaltung der sogen. Ackergare suchen und meinen, es sei gleichgültig, ob man die Pflanzen mit unterackere oder nicht,
wenn nur sofort nach dem Schnitt, solange der Boden noch infolge der dichten Beschattung feucht und mürbe
sei, geackert werde, um der Erhärtung vorzubeugen. Ob und wo die Gründüngung anwendbar ist, muß genaue Berechnung entscheiden.
Mit Gründüngung, welche den Humus im Boden erhält oder vermehrt, und mit Handelsdünger in guter Auswahl und reichlichen
Gaben kann unter Umständen ein Feld auch dauernd in Kraft
[* 9] erhalten bleiben, beste Bearbeitung und schonende
Fruchtfolge vorausgesetzt.
Die fein gemahlenen Knochen lassen sich sehr vollkommen verteilen und werden durch kohlensäurehaltiges Wasser, wie es sich
immer im Ackerboden findet, leicht zersetzt. Ammoniaksalze, Kochsalz, Chilisalpeter und dergleichen Dungmittel
wirken ebenfalls im Sinn besserer Verbreitung, also entgegen der Absorptionsthätigkeit der Krume, durch welche die Phosphorsäure
gebunden und zurückgehalten wird. KleinereKnochen kann man auch und zwar ziemlich rasch im Pferdemist zersetzen und grob
gemahlene in wirksamern Dünger umwandeln, wenn man sie auf Haufen schüttet und bis zum Gebrauch feucht erhält.
Superphosphate bringt man meistens nur seicht in den Acker und zwar kurz vor derSaat, schwer zersetzliche
Phosphate aber ackert man lieber unter und zwar im Winter. Für viele Blumen bilden gebrannte, zu Pulver gemahlene Knochen einen
sehr wertvollen Dünger, z. B. für Fuchsien, Rosen u. dgl. pro Topf inGaben von einem Theelöffel voll. Klauen schlägt man gern
verkehrt mit der Öffnung nach oben in den Wiesenboden, wo sie allmählich sich zersetzen; Hörner sind
als Hornspäne in der Gärtnerei beliebt, werden aber häufig auch in dieser Form zur Fälschung des Knochenmehls verwendet.
Federn, Borsten, Wollabfälle, Haare, Hautstücke und Leder müssen kompostiert oder gedämpft werden, um wirken zu können.
Sie sind sehr hygroskopisch und deshalb auch physikalisch nützlich, besonders im trocknen Sandboden,
in welchem sie das Wasser zurückhalten.
Am allgemeinsten gebräuchlich und schon von den Griechen und Römern geschätzt ist die Düngung mit den Exkrementen
der Tiere und Menschen und zumal die durch Vermischung derselben mit Streumitteln, d. h. die als Mist oder Stalldünger. Die
Ausscheidungen enthalten die unverdauten Reste des verzehrten Futters, vermischt mit schleimigen und andern aus dem Tierkörper
ausgeschiedenen Stoffen, welche selbst wieder nichts andres darstellen als umgewandeltes Futter.
Der Harn wird gewöhnlich in Fässern mit ähnlicher Einrichtung, wie man sie in den Städten zum Besprengen
der Straßen anwendet, auf die Felder und Wiesen gefahren (auch im Winter über den Schnee),
[* 20] seltener mittels Leitung, wie das
Rieselwasser, oder mittels Röhren,
[* 21] Röhrenaufsätzen und darangeschraubter Schläuche, aus welchen durch Dampfkraft die Masse
ausgetrieben wird, verteilt (England). Praktischer als letzteres Verfahren ist folgendes, welches mit Erfolg
in größern Rübenwirtschaften Anwendung fand: die Jauche, vermengt mit konzentrierten Dungmitteln, wird gemeinsam mit den
Fabrikwassern in hoch gelegene Reservoirs gepumpt und vermittelst natürlichen Gefälles auf die zu düngenden Felder geleitet
und hier oberirdisch durch offene Furchen und Rinnen verteilt.
Ackerland, welches stark zum Krustieren geneigt, überhaupt bindig ist, eignet sich nicht für Jauchen-
und Pfuhldüngung, um so besser aber leichter, lockerer Boden und geschlossenes Gras- und Futterland. Obstbäume düngt man in
der Art, daß man seitwärts Löcher anbringt und diese mit Jauche zu wiederholten Malen vollgießt. Will man Jauche und Pfuhl
allein anwenden, so muß man das Düngen öfters wiederholen, da sie sehr rasch, also nicht nachhaltig
wirken.
Die Fäces werden nur selten für sich allein verwendet; in Gärtnereien wirft man Schafbollen in Wassertonnen und begießt
aus denselben mit großem Vorteil Gemüse, Erdbeeren, Obstbäume etc. In Holland und Belgien hat man Stalleinrichtungen, in
welchen die Tiere auf Latten ruhen, und aus welchen Fäces und Harn mit Wasser in außerhalb angebrachte Gruben gespült werden,
um daselbst durchzufaulen. Auch in der Schweiz
[* 22] ist diese Benutzungsweise ziemlich verbreitet. Durch die Tiere selbst läßt
man Felder und Wiesen direkt bedüngen, indem man sie über
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Seit dem Bestehen des Handels mit künstlichem Dünger (käuflicher, Handelsdünger) bot derselbe
ein ergiebiges Feld für Verfälschungen und Betrug. Sand, Erde, Thon, Gips, Schwerspat, Sägemehl, Glas,
[* 23] Asche, Torf etc. wurden ganz
allgemein den Düngerpräparaten zugesetzt, indem man darauf rechnete, daß die Qualität der letztern weder mit dem Auge
[* 24] noch
mit Hilfe leichter Operationen zu entdecken sei. Mit der Entstehung der landwirtschaftlichen Versuchsstationen
und namentlich mit der Einrichtung der Düngerkontrolle seitens dieser Anstalten haben sich die Verhältnisse wesentlich
gebessert, weil nun bei der Leichtigkeit der Beschaffung einer genauen Untersuchung die Aussichten für die Fälscher sehr
viel ungünstiger geworden waren.
Der ganze Düngerhandel wurde auf eine solidere Basis gebracht, indem man dazu überging, die Düngerpräparate
unter Garantie eines bestimmten Gehalts an den wertvollen Bestandteilen zu verkaufen. Die Untersuchung des Düngers beschränkt
sich deshalb auch in der Regel auf die Gehaltsermittelung derjenigen Bestandteile, um derentwillen der betreffende Dünger gekauft
wird. Die größte Aufmerksamkeit bei der Düngeruntersuchung ist den Gemischen zu widmen, welche häufig
minderwertige Substanzen enthalten, deren Stickstoff- oder Phosphorsäuregehalt bei weitem nicht den Wert beanspruchen kann
wie derjenige von Guano, Knochenmehl, Ammoniaksuperphosphaten etc. Diese Mischungen sind zunächst mit der Lupe
[* 25] zu untersuchen,
dann trennt man die schwereren Teile von den leichtern durch Abschlämmen und prüft unter Berücksichtigung der gefundenen
Verhältnisse auf Ammoniaksalze, Salpetersäuresalze, in Wasser lösliche Phosphorsäure und lösliche Kalisalze.
Zu den wertvollsten Bestandteilen des Stallmistes gehört der Stickstoff, welcher daher
bei einer rationellen Düngerbereitung möglichst vor Verlusten zu schützen ist. Man erzielt dies einigermaßen durch Feuchthalten
und Durchschichten des Düngerhaufens mit humusreicher Erde sowie durch Umwandlung der flüchtigen Ammoniakverbindungen in
das minder flüchtige schwefelsaure Ammoniak durch Gips. Viel wirksamer noch wird die Stallmistkonservierung
durch Überstreuen von schwefelsaurer Kalimagnesia, präzipitiertem Doppelsuperphosphatgips, Superphosphatgips, Phosphatgips
etc. erreicht.
Namentlich der Zusatz von Superphosphatgips sowohl im Stall als auch auf der Düngerstätte erweist sich als das geeignetste
Mittel, um Stickstoffverlust hintanzuhalten. Nach Heiden verlor bei Sommerfütterung der Rindviehmist nach 15 wöchentlicher
Lagerung auf der Düngerstätte unter Zusatz von 1 kg Superphosphatgips pro 500 kg Lebendgewicht 17,24
Proz. Trockensubstanz und 5,98 Proz. Stickstoff, bei Zusatz von Gips 21,46 Proz. und ohne allen Zusatz 40,10
Proz., resp. 17,49 Proz.
Vgl. König, Wie kann der Landwirt den Stickstoffvorrat in seiner Wirtschaft erhalten und vermehren? (2. Aufl., Berl. 1887);
Holdefleiß, Untersuchungen über den Stallmist (2. Aufl., Bresl.
1889);
Stutzer, Stallmist und Kunstdünger (6. Aufl., Bonn
[* 26] 1890).
Zum Transport des Stallmistes auf die Felder kommen in neuerer Zeit, besonders auf größeren Gutskörpern,
welche Dampfpfluggarnituren verwenden, Feldbahnen immer mehr zur Verwendung. Der Erfolg hängt von der richtigen
Arbeitsdisposition ab, welche wie folgt vorgenommen wird: Während des Sommers wird der Stallmist an die Anwand des zur Herbstdüngung
bestimmten Feldes in prismatischen Haufen à 2500 Zentner vom Hofe mit Gespannen geschafft. Das Auseinanderfahren des Düngers
mit der Feldbahn erfolgt entweder auf die Stoppel oder nach der abgewalzten Sturzfurche.
Auf dem Acker werden zunächst mit der Haue im Quadratverband so viel Zeichen hergestellt, wie Doppelzentner
Dünger aufzubringen sind. Die Schienenjoche werden zu beiden Seiten des Düngerhaufens verlegt und mit einer Weiche versehen,
welche die Verbindung mit dem auf den Acker verlegten geraden Geleis herstellen. Ein Geleisstrang dient für je 4 oder
je 6 Reihen abzuladender Düngerhäufchen. Die Feldbahnwagen werden zu beiden Seiten des Düngerhaufens auf die Schienen gesetzt
und deren Körbe, welche einen Doppelzentner Stallmist fassen, beladen.
Ist ein Zug
mit 20-30 Körben beladen, so wird er über die Weiche auf das gerade Geleis und aufs Feld geführt; dort werden
die Körbe von 4 Arbeitern auf die markierten Stellen entleert. Der Zug
kehrt zum Düngerhaufen am Feldrande Zurück, und das Pferd
[* 27] wird nun an dem mittlerweile beladenen zweiten Zug
auf der andern Seite des Düngerhaufens gespannt, der Zug
aufs Feld geführt und
so weiter gearbeitet. In demMaße, wie das Feld mit Düngerhäufchen versehen ist, werden die drsponibeln
Schienenjoche der Feldbahn gleich auf den für den zweiten Schienenstrang bestimmten Platz umgelegt.
Die Kosten des Auseinanderfahrens des Stalldüngers mit der Feldbahn stellen sich erheblich billiger als das alte Düngerfahren
mit Gespannen. Nach den langjährigen Erfahrungen von Spiegel
[* 28] braucht man z. B. auf der Zuckerfabriksökonomie
Lundenburg (Mähren),
[* 29] um 10,000 Ztr. Dünger auf einem bereits geackerten Felde zu verführen, mindestens 36 Zweigespanne, welche
samt Aufladen im Durchschnitt zehnmal pro Tag à 28 Zentner pro Fuhre fahren können. 36 Gespanntage kosten, à 4 Mk. pro Tag, 144 Mk.,
Aufladegebühr von 360 Fuhren à 10 Pf. pro Fuhre, 36 Mk., zusammen 180 Mk. Um dieselbe
Düngermenge mit der Feldbahn auseinanderzuführen, braucht man nur ein Pferd, welches mindestens 40 mal 20 Körbe pro Zug
à 40 Ztr.
= 1600 Ztr. pro Tag auseinanderführt, daher für 10,000 Ztr. 6 ¼ Arbeitstage erforderlich sind.
Die Kosten des Düngerführens mit der Feldbahn stellen sich somit wie folgt: 1 Pferd auf 6 ¼ Tage à 3 Mk.
= 18,75 Mk., 5000 Körbe à 0,6 Pf. Aufladegebühr = 30 Mk., Abladegebühr samt Schienenüberlegen pro Korb 0,8 Pf. = 40 Mk.,
Summa 88,75 Mk. Dabei spart man in der dringendsten Arbeitszeit an Gespannen, da nur ein Pferd erforderlich
ist;
das Feld wird nicht zertreten und der Stallmist in größerer Gleichmäßigkeit auf dem Felde verteilt, wodurch das Einpflügen
des Düngers wesentlich erleichtert wird.
Die Verwendung von Kunstdünger neben oder anStelle von Stalldünger beschäftigt die Landwirte schon seit v. Liebigs epochemachenden
Forschungen auf das lebhafteste und führte neuerdings zur Ansicht, daß der Stalldünger keineswegs etwas
für die
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mehr
Erhaltung derFruchtbarkeit der Felder vollkommen Unentbehrliches sei, sondern auf allen Bodenarten unter gewissen Voraussetzungen
durch Kunstdünger zu ersetzen ist. In neuester Zeit haben diese Frage die Schriften von P. Wagnerund eine Abhandlung von Maercker,
»Stallmist oder Kunstdünger?« (Berl. 1891) in
bedeutungsvoller Weise geklärt. Maercker faßt die Resultate seiner Ausführungen in folgende Hauptsätze
zusammen, welche als der gegenwärtig erreichte Standpunkt der Erkenntnis in der Kunstdüngerfrage anzusehen sind:
1) Der Ersatz der in dem Stalldünger enthaltenen Pflanzennährstoffe durch solche in künstlichen Düngemitteln ist mit Leichtigkeit
und mit dein besten Erfolg ausführbar, da den betreffenden Bestandteilen des Stalldüngers keinerlei spezifische Wirkung innewohnt.
Im strengsten Sinn gilt dieser Satz für das Kali und die Phosphorsäure; für den Stickstoff wird in vielen Fällen, und zwar
immer im leichten Boden und unter Umständen auch im schwerern, weniger intensiv bewirtschafteten Boden, an die Stelle der stickstoffhaltigen
künstlichen Düngemittel die Stickstoffbeschaffung durch die stickstoffsammelnden Leguminosen
[* 31] treten. Dagegen
wird der intensiv bewirtschaftete bessere Boden von den letztern schwerlich einen nennenswerten Vorteil ziehen können und
vorzugsweise auf die intensiv wirkenden stickstoffhaltigen Düngemittel und den Stalldünger angewiesen bleiben.
2) Eine Wirtschaft ausschließlich mit künstlichen Düngemitteln ist auf die Dauer sowohl im leichten als im schwerern Boden
nur möglich, wenn man für einen Ersatz der organischen Substanz des Bodens Sorge trägt, oder auf andre
Weise die mechanische Beschaffenheit des Bodens in einem guten Zustand erhält. Solches kann entweder durch den oft wiederholten
Anbau von Pflanzen mit starken Wurzelrückständen geschehen, oder durch eine Gründüngung mit Pflanzen, welche für diesen
Zweck angebaut werden, oder endlich unter gewissen Verhältnissen durch die Anwendung von Kalk.
3) Im leichten Boden läßt sich unter allen Umständen die Stickstoffsammlung durch passende Leguminosenarten mit der Beschaffung
der organischen Substanz vereinigen, und die durch diese Pflanzen dem Boden erworbene Substanz genügt erfahrungsmäßig vollkommen,
um alle für den leichtern Boden erforderlichen Eigenschaften auf mechanischem Gebiet mindestens ebensogut
wie durch die Anwendung des Stalldüngers herzustellen. Die vorliegenden Versuche und der seit längern Jahren erfolgte Ausbau
und die Prüfung des SystemsSchultz-Luditz beweisen, daß eine solche Wirtschaftsweise ohne Stalldünger nicht nur vorübergehend,
sondern auf die Dauer zum Vorteil der Erträge und der Rente ausführbar ist.
4) Im milden, humusreichen Lehmboden (Zuckerrübenboden) kann eine lange Zeit ausschließlich mit künstlichen Düngemitteln
auch ohne Berücksichtigung der Ergänzung der sich allmählich aufzehrenden organischen Substanz gewirtschaftet werden; mit
der Zeit verschlechtert sich jedoch bei einer solchen Wirtschaftsweise die mechanische Bodenbeschaffenheit derart, daß eine
ordnungsmäßige Bestellung und Bodenbearbeitung nicht mehr durchführbar wird. Durch die Anwendung von
Ätzkalk läßt sich indessen vorläufig eine günstige mechanische Bodenbeschaffenheit wiederherstellen und damit die
Fortsetzung der stalldüngerlosen Wirtschaft verlängern. Es ist jedoch noch nicht erprobt, wie lange die günstige Wirkung
des Kalkes in dieser Richtung anhält, und ob man im stände ist, durch regelmäßig erfolgende Kalkgaben
längere
Zeit einen guten mechanischen Zustand zu erhalten.
Wahrscheinlich
wird die Wirkung des Kalkes, wenn auch erst nach einer längern Zeit, ihr Ende erreichen.
5) In einem schwerern, thonigen Boden, besonders in einer bedeutendern Höhenlage, ist eine Wirtschaftsweise ohne die Berücksichtigung
der Ansammlung von organischer Substanz schwerlich durchführbar und jedenfalls bedenklich. Dagegen bieten
sich in solchen Bodenarten zwei Wege zur Beschaffung der organischen Substanz. Der erste, bei weitem annehmbarere ist der
Anbau von stickstoffsammelnden Gewächsen als Zwischenfrüchte. Nach den bis jetzt vorliegenden Erfahrungen scheint derselbe
keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zu bieten, und die Anwendung des SystemsSchultz-Lupitz dürfte, wenn
auch noch manche Erfahrung zu sammeln ist, bei einer extensivern Wirtschaftsweise wohl durchführbar sein. Der zweite Weg
besteht in dem Anbau von sogen, stickstofferhaltenden Gewächsen, wie weißem Senf u. dgl., mit einer Stickstoffdüngung,
welche durch solche Pflanzen dem Boden erhalten wird, während sie Veranlassung zur Bildung außerordentlich großer Mengen von
organischer Substanz bietet.
6. Dagegen hat der Anbau von stickstoffsammelnden und stickstofferhaltenden Pflanzen bei dem intensiven Betrieb der Zuckerrübenwirtschaften
wegen der dort einzuhaltenden Fruchtfolge wenig Aussicht auf einen praktischen Erfolg.
Dietrich wies schon vor längerer Zeit nach, daß der Kalk aus den unlöslichen alkalischen Silikaten des Bodens (Feldspat, Glimmer
2c.) außer der Kieselsäure auch Kali und Natron löslich macht, so daß also durch eine Kalkdüngung zugleich
auch noch die letztern drei Verbindungen zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig übt der Kalk auf bindigen, zähen, nassen
Thonboden eine mechanisch lockernde Wirkung aus, welche die Krümelbildung befördert und die Bindigkeit auf längere Zeit
vermindert. Sandiger Boden, für welchen sich noch am ehesten rohes Kalksteinpulver eignet, wird dagegen
bis zu einem gewissen Grade bindiger. In nassen, sauren Böden werden durch den Ätzkalk nachteilige Eisenverbindungen unschädlich
gemacht und die Humussäuren neutralisiert. Das Absorptionsvermögen des Bodens für die wichtigsten Pflanzennährstoffe wird
erhöht.
So zeigte nach Heiden eine in 10 Jahren sechsmal gekalkte Bodenparzelle bei Kali ein um 17,5 Proz., bei
Ammoniak um 23,1 Proz., bei Phosphorsäure um 44,6 Proz. und bei Salpetersäure um 63,5 Proz. höheres Absorptionsvermögen
als der Boden der nicht gekalkten Parzelle. Ein gekalkter Boden vermag sich in höherm Grade den atmosphärischen Stickstoff anzueignen
als ein nicht gekalkter, weshalb die Hülsenfrüchtigen Pflanzen, welche für Stickstoffdüngung durchaus
nicht, dagegen für Kalkdüngung in hohem
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mehr
Grade dankbar sind. Damit im Zusammenhang dürfte die noch nicht sicher erklärte fördernde Wirkung einer Beigabe von Kalk
zur Stallmistdüngung stehen, wie unter anderm aus einem von Schultz-Lupitz neuerdings eingehaltenen Verfahren hervorgeht,
wobei der Stallmist 25 cm tief untergepflügt und oben auf die Pflugfurche kohlensaurer Kalk (12 Doppelztr. feinpulvriger Mergel
pro Hektar) aufgestreut wurde; bei der Saatbestellung wurden dann Boden und Kalk gemischt. Auf dem so behandelten Acker wurden
alsdann im ersten Jahr 20 Doppelztr. Kartoffeln und 116 Doppelztr. Kohlrüben mehr geerntet als in nicht gekalktem Boden.
Zweckmäßig überfährt man die Ackerfelder alle 4 Jahre mit 10-20 Doppelztr. Kalk, wenn es dagegen auf Thonboden auf die
physikalische Wirkung des Kalkes abgesehen ist, alle 6-8 Jahre mit 50-80 Doppelztr. pro Hektar, und zwar am besten im Herbst.
Die wirtschaftlichste Art der Kalkdüngung besteht darin, daß man unmittelbar auf dem Felde den Kalk in
Feldöfen, welche aus Rasenstücken zusammengestellt werden, brennt und nach dem Brennen in Häufchen auf das Feld setzt, welche
leicht mit Erde bedeckt werden, damit sich der Kalk langsam durch die Luftfeuchtigkeit ablöscht.
Ist der Kalk zu einem staubfeinen Pulver zerfallen, so muß er schnell so gleichmäßig wie nur möglich
auf dem Felde verteilt und darauf sogleich mit dem Pflug
[* 33] in den Boden gebracht werden. Das einfache Eineggen des Kalkes ist zu
verwerfen. Das Streuen und Unterbringen des Kalkes darf nur bei trocknem Wetter
[* 34] vorgenommen werden, weil bei nasser Witterung
der Kalk mit den Bodenbestandteilen nicht innig genug vermengt wird und sich leicht zementartige Verbindungen
bilden, wodurch der so gebundene Kalk für seine Wirkung im Boden vollständig verloren ist. Ist in der einen Gegend Kalk schwer
zu beschaffen, so ist als Ersatz die Verwendung des Scheideschlamms der Zuckerfabriken (400 Doppelztr. pro Hektar) sehr zu
empfehlen.
oder Dungmittel; alle diejenigen Substanzen, welche, dem Boden einverleibt, das Wachstum der Pflanzen zu steigern
vermögen; Gegenstand des Handels bilden jedoch in der Regel nur die Fabrikate oder Naturerzeugnisse,
welche man Handels- oder Kunstdünger (s. d.) nennt, seltener, fast nur in den
Weingegenden, auch tierische Excremente und städtische Abfallstoffe (Kloakeninhalt, Abfälle der Schlachthäuser etc.). In
Großbritannien rechnet man als Jahresverbrauch 3-400 Mill. Mk. für Handels- und Kunstdünger, in
Frankreich bis 500 Mill. Frcs., in Deutschland hat man nur in einzelnen Gegenden einen starken Verbrauch,
im ganzen kaum 100 Mill. Mk. Umsatz.
Mineral-, Pflanzen- und Tierreich liefern das Material, alle Tier- und Pflanzenreste, sowie manche Gesteine können zu D. verarbeitet
werden, zahllose Meertiere und Meerpflanzen (Tange) zur Düngung dienen. Der Handel erfordert die genaue Kenntnis der Absatzgelegenheiten
und die Berücksichtigung der Transportkosten und der mannigfachen Fälschungen. Der Abnehmer will den
Gehalt an den wichtigsten Nährstoffen, Kali und Phosphorsäure, garantiert haben: besondere Kontrolstationen
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mehr
dienen zur Prüfung; der Fabrikant muß die Garantie leisten. Die Transportfähigkeit auf weitere Strecken liegt in dem Verhältnis
der wertvollen Teile zu den wertloseren. In trocknen Jahrgängen (Lagen) kann der Kunstdünger nicht voll zur Wirksamkeit
kommen, der Absatz stockt alsdann in der nächsten Zeit. Der Händler muß die Brauchbarkeit für die
verschiednen Klimate, Bodenarten und Lagen zu beurteilen verstehen und wird meist am besten daran thun, nur auf Bestellung
zu liefern und zu beziehen, auf jeden Fall aber Sachverständige, die Vorstände der Kontrolstationen, zu Rate zu ziehen.
Vgl. die Spezialartikel.
Düngung, der Ersatz, welcher dem Boden für die ihm durch den Anbau entzogenen Pflanzennährstoffe geboten
wird. Benutzt man einen Acker fortwährend zur Hervorbringung von Kulturgewächsen, so zeigt sich allmählich eine Verminderung
der Erträge oder der Fruchtbarkeit, bis der Boden endlich völlig unfruchtbar wird. Der Grund hiervon ist, daß die Pflanze
einer bestimmten Quantität von Stickstoff und gewissen Mineralbestandteilen zu ihrer vollständigen Entwicklung bedarf und
nicht zu vegetieren vermag, sobald einer dieser Stoffe fehlt.
Die wichtigsten und notwendigsten Mineralien sind aber gerade in geringerer Menge im Boden vorhanden, werden daher durch fortgesetzte
Ernten nach und nach demselben ganz entzogen, wenn nicht mittlerweile von irgend einer Seite dafür Ersatz geleistet wird.
Ebenso bedarf die Pflanze zur Bildung ihrer dem Menschen wertvollsten Bestandteile ein Quantum an Stickstoff,
das beständig neu zugeführt werden muß, was aber die Atmosphäre allein bei weitem nicht zu thun vermag.
Die Leistung nun dieses Ersatzes zur richtigen Zeit, in genügendem Maße und in Stoffen, welche geringern Wert haben als die
durch die Produkte dem Boden entzogenen, bedingt das Wesen der Düngung. Das Verfahren bei der Düngung
war lange völlig planlos und hypothetisch. Die Alten betrachteten zunächst die Brache (s. d.), die Ruhe des Bodens, als eine
Erneuerung seiner Kräfte und sodann den tierischen Mist als direkte Nahrung der Pflanzen. Im Mittelalter lehrte Bernard Palissy,
der berühmte Erfinder der Fayence,
[* 36] daß die Salze Lebensmittel der Vegetabilien seien. Im 17. Jahrh. hielt
Helmont das Wasser, Jethro Tull fein zerteilte Erde, Zink, Öle
[* 37] und Fette, Home den Wärmestoff, im 18. Jahrh. Münchhausen die
Gase,
[* 38] Wallerius Salpeter, Öl und Erde für die wahre und alleinige Pflanzennahrung.
Thaer vereinigte in seiner Lehre
[* 39] alle frühern Ansichten, verlegte aber den Schwerpunkt
[* 40] in den Kohlenstoff
und erklärte den Humus (s. d.) als das Princip der Fruchtbarkeit. Diesem Satze stimmte die ganze rationelle Schule sofort bei;
heute ist derselbe wohl bei keinem gebildeten Landwirte mehr gültig. Liebig war es vorbehalten, dies künstliche Lehrgebäude
umzustoßen (1840) und an seine Stelle ein anderes zu setzen, welches zwar erst nach langen Kämpfen allgemeinere
Anerkennung fand, aber doch gegenwärtig so gut wie völlig in sich gefestigt und fertig erscheint.
Das Wesentliche der neuen Düngerlehre lautet: Die ersten Quellen der Pflanzennahrung liefert
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mehr
aus-602 schließlich die anorganische Natur. Der Kohlenstoff der Pflanzen stammt aus der Atmosphäre. Der Humus ist keine direkte
Pflanzennahrung, sondern nur eine andauernde Quelle
[* 42] von Kohlensäure, wie derselbe auch indirekt zur Löslichmachung der im
Boden vorhandenen mineralischen Nährstoffe wesentlich beiträgt; die zu seiner Bildung notwendige Zersetzung organischer Reste,
sowie die Atmosphäre versehen die Gewächse mit dem unentbehrlichen Stickstoff, wenn diese Menge auch
nicht ausreicht, die höchsten Erträge dem Boden abzugewinnen.
Die völlige Entwicklung der Pflanzen ist abhängig vom Vorhandensein bestimmter Mineralien. Die für die Pflanze notwendigen
Nahrungsstoffe sind gleichwertig; wenn einer davon fehlt oder in ungenügender Menge vorhanden ist, so
kann sie nicht gedeihen. Wenn derBoden seine Fruchtbarkeit dauernd bewahren soll, so müssen ihm die entzogenen Bodenbestandteile
wieder ersetzt, d. h. die ursprüngliche, seine Fruchtbarkeit bedingende Zusammensetzung des Bodens muß wiederhergestellt
werden.
AllePflanzen bedürfen derselben mineralischen Nahrungsmittel,
[* 43] aber in ungleichen Mengen oder in ungleichen Zeiten. Die zur
vollständigen Entwicklung einer Pflanze nötigen Nahrungsstoffe müssen in einer gegebenen Zeit zusammenwirken.
Es sind alle die Stoffe als Dünger zu bezeichnen, welche, wenn sie auf das Feld gebracht werden, die Hervorbringung von Pflanzenmasse
bewirken und die Erträge erhöhen. Die Dungmittel wirken teils direkt als Nahrungsmittel, teils dadurch, daß sie, wie Kalk,
Gips, Kochsalz, die Lösung der im Boden vorhandenen Nährstoffe fördern, die Wirkung der mechan. Bearbeitung
verstärken und demgemäß einen günstigen Einfluß auf Vermehrung der löslichen Nährstoffe ausüben. In einem fruchtbaren
Boden steht die mechan. Bearbeitung und Düngung in einer bestimmten Beziehung zueinander; beide ergänzen sich in gewissem
Sinne.
Man unterscheidet im landwirtschaftlichen Betrieb natürlichen und künstlichen Dünger. Die Grenze
zwischen beiden ist schwer zu ziehen, gewöhnlich versteht man unter ersterm die in der Wirtschaft selbst erzeugten oder
erzeugbaren, unter letzterm die nicht dem Betrieb entstammenden, von außen bezogenen, käuflichen Düngmittel. Besser werden
die letztern konzentrierte Dünger oder auch Beidünger, die erstern Hauptdünger genannt. Ebenso unterscheidet
man: feste und flüssige, mineralische und organische Dünger, unter letztern wieder zwischen pflanzlichen, tierischen
und gemischten Dünger. Zu den letztern gehört der Stalldünger.
Von den verschiedenen Düngerarten ist der Stalldünger der wichtigste, weil er nicht nur sämtliche Pflanzennährstoffe enthält,
sondern auch bei seiner Zersetzung durch Bildung von Humusstoffen den Ackerboden in physik. Beziehung verbessert.
Der Rindviehdünger ist wegen seines Gehaltes von schleimigen Stoffen langsam zersetzbar, aus diesem Grunde aber langen Wirkens,
Pferde- und Schafdünger gelten als hitzig, weil sie sich rascher zersetzen, Schweinedünger ist in seinem Wert sehr
wechselnd, je nach der Ernährung dieser Tiere, und oft mit Unkrautsamen vermengt.
Meistens wird als Einstreu zur Gewinnung des StalldüngersStroh verwendet, welches sich am besten zur Auffangung der flüssigen
Exkremente eignet und den Tieren ein trocknes und weiches Lager
[* 44] bietet; den besten Ersatz bei Strohmangel bietet die Torfstreu
(s. d). Weniger gut ist Heidekraut, Laub- oder Nadelstreu sowie Erdeinstreu. Die
flüssigen Exkremente
der Tiere sowie die aus dem Düngerhaufen aussickernde Flüssigkeit findet als Jauche (s. d.)
vorzugsweise auf Grasland Verwendung, ebenso wie die Gülle (s. d.). Die menschlichen
Exkremente oder Fäkaldünger (s. d.) werden entweder in frischem Zustande oder getrocknet
als Poudrette (s. d.) in Pulverform meistens zur Überdüngung schon aufgegangener
Saaten benutzt.
Eine gleiche Anwendung findet der Kompost (s. d.), ein Mischdünger aus verschiedenen düngenden Materialien,
welche durch zweckentsprechende Behandlung leichter zersetzbar gemacht werden. Zahlreiche Abfälle der Industrie können gleichfalls
als Dünger benutzt werden, doch dienen sie ihrer schweren Zersetzbarkeit halber meistens als Material für den Komposthaufen.
Gips wird vorzugsweise für die Kleegewächse benutzt, die Wirkung einer Kochsalzdüngung hat sich
nur fürLein und Flachs bewährt, weil die Bastfaser dadurch kräftiger sich ausbildet. Unter Gründüngung (s. d.)
versteht man den Anbau bestimmter Pflanzen, welche in ihrer üppigsten Vegetation untergepflügt werden.
Von den verschiedenen Handelsdüngern unterscheidet man je nach den darin enthaltenen Nährstoffen:
1) Stickstoffdünger. Dieselben werden repräsentiert durch den Chilesalpeter (s. d.) und das schwefelsaure Ammoniak (s. d.).
Ersterer wird meist in der Menge von 1,5–2 Ctr. für den Morgen als Kopfdüngung für die schon grünende Pflanze angewendet,
letzterer hat eine langsamere aber auch andauerndere Wirkung und wird meistens mit der Saat dem Boden
einverleibt (etwa 1–1 ½ Ctr. auf den preuß. Morgen). Beide Düngemittel entwickeln eine ungemein treibende Kraft, vorzugsweise
für das Blattwachstum der Gewächse.
2) PhosphorsaureDünger. Hierzu gehören die verschiedenen Superphosphate, hergestellt aus Knochenkohle und verschiedenen mineralischen
Phosphaten (Estremadura-Phosphoriten, Pseudokoprolithen, Curaçao-, Macaraibo-, Mejillones-, Baker-, Sombrero-Guano u.s.w.).
Als Dünger für Moor- und Sandboden spielt in neuerer Zeit das Thomasphosphatmehl (s. d.) eine große Rolle.
Die Superphosphate wirken besonders auf die Körnerausbildung des Getreides und begünstigen die Zucker- und Stärkebildung
in den Wurzelgewächsen. Man wendet sie in der Menge von etwa 2 Ctr. pro preuß. Morgen an und
kann sie lange Zeit vor der Einsaat ausstreuen, da sie weder flüchtig noch aus dem Boden auswaschbar sind.
3) D.,welche Stickstoff und Phosphorsäure enthalten. Als Hauptrepräsentanten sind der Guano (s. d.),
auch der Fledermausguano (s. d.) zu erwähnen, für fast alle Düngungszwecke
in der Menge von etwa 2 Ctr. für den preuß. Morgen verwendbar. Ferner das Knochenmehl (s. d.), meistens
in gedämpftem Zustande für Wintergetreide beliebt. Das aufgeschlossene Knochenmehl und die Ammoniaksuperphosphate, ersteres
durch Schwefelsäure leichter löslich gemacht, letztere durch Vermischung von schwefelsaurem Ammoniak mit einem Superphosphat
hergestellt, sind beide bei der Leichtlöslichkeit der darin enthaltenen Nährstoffe für alle Früchte verwendbar. Es gehört
ferner dazu das Fisch- und Fleischmehl (s. d.), aus getrockneten Fischen oder Fleischabfällen der Fleischextraktfabriken
hergestellt, endlich der Blutdünger (s. d.) sowie der sog. Granatguano aus getrockneten Garneelen (s. d.) fabriziert. Kalk
als Düngemittel (s. Kalkdüngung) wird meistens zur physik. Verbesserung
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