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Curling - 77 Tage vor Beginn der Winterspiele von Sotschi testen die Schweizer Curling-Teams ab heute Samstag an den Europameisterschaften in Stavanger den Ernstfall.
Sowohl die Männer aus Adelboden um Skip Sven Michel wie die routinierten Frauen vom CC Davos um Mirjam Ott peilen Medaillen an. Beide Teams werden die Schweiz auch an den Olympischen Spielen vertreten. Sie sicherten sich die Tickets für Sotschi letzte Saison; interne Ausscheidungen wurden aufgrund des (nicht einfachen) Selektionsverfahrens am Ende keine mehr nötig. Sowohl das Männer-Team aus Adelboden wie die Frauen aus Davos betreiben mit Blick auf Olympia einen immensen Aufwand. Die Männer konzentrieren sich seit Anfang Juli zu hundert Prozent auf den Sport; auch die Frauen nahmen ein berufliches Timeout. Beide Teams gastierten im Herbst schon zweimal für mehrere Wochen in Kanada.
An den Weltcup-Turnieren (World Curling Tour) schlugen sich beide Equipen äusserst beachtlich: Das junge Männer-Team um Skip Sven Michel bestritt sieben Turniere und erreichte einen Final (in Abbotsford/Ka) und zwei Halbfinals (in Baden und Edmonton). Die Frauen um Skip Mirjam Ott gewannen sogar ein Turnier (Brockville/Ka) und erreichten zweimal (in Vernon/Ka und Basel) den Final. "Ich hoffe, dass wir in Norwegen an die guten Leistungen dieser Turniere anknüpfen können", sagt Nationalcoach Andy Schwaller.
Eine Selbstverständlichkeit sind Siege für die Schweizer Curling-Teams aber nicht. Die letzte Saison war sogar die schwächste aller Zeiten; die erste ohne einen Medaillengewinn an grossen Titelkämpfen überhaupt. An den Europameisterschaften resultierten die Plätze 5 (Ott) und 6 (Michel); an den Weltmeisterschaften wurden mit den Schlussrangierungen von 5 (Silvana Tirinzoni) und 7 (Michel) die Playoffs ebenfalls verpasst.
Eine neuerliche derartige Klassierung wäre insbesondere für das Team von Mirjam Ott, der Weltmeisterin von 2012, eine herbe Enttäuschung. "Wir wollen sowohl an den Europameisterschaften wie an den Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen", sagt die 41-jährige Team-Leaderin. Diese grossen Töne darf sich Mirjam Ott durchaus erlauben. Sie startet in Stavanger bereits zum elften Mal in eine EM, achtmal gewann sie eine Medaille (2x Gold, 3x Silber, 3x Bronze). An den vier Turnieren der World Curling Tour erspielten sich die Davoserinnen eine beeindruckende 24:6-Siegbilanz. Nur einmal verlor das Team Ott gegen einen Gegner aus Europa, nämlich den Final in Basel gegen die Mannschaft von Landsfrau Silvana Tirinzoni. Gegen die EM-Gegnerinnen weist Ott in dieser Saison eine makellose Bilanz auf.
Auch das Männer-Team darf mit grossem Selbstbewusstsein ins Turnier steigen. Nationalcoach Schwaller verweist darauf, dass "wir jedes Team, auf das wir in Norwegen treffen, schon geschlagen haben. Und wir haben alle Gegner öfter geschlagen als sie uns." Allerdings hat das im internationalen Curling vergleichsweise junge Team mit Lead Simon Gempeler (27), Second Sandro Trolliet (25), Third Claudio Pätz (26) und Skip Sven Michel (25) bislang an Titelkämpfen noch nicht beweisen können, dass es zu einem Exploit und einem Medaillengewinn in der Lage ist. Skip Sven Michel: "Für die EM haben wir uns die Playoffs als Ziel gesetzt. Wenn wir die erreichen, kann danach alles passieren."
Zumindest bei den Frauen zählen die Schweizerinnen gemeinsam mit Schottland und Schweden zum engsten Favoritenkreis. Bei den Männern sind Gastgeber Norwegen, Schweden und Schottland aufgrund früherer Erfolge und Routine höher einzustufen als das Team aus Adelboden.
SDA-ATS