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Werbegeschenke
Ich liebe Werbegeschenke! Interessanterweise machen immer wieder viele Firmen das Gleiche zur gleichen Zeit; ein paar Jahre war es üblich, dass die Firmen Ende Jahr einen Umsatzbonus zahlten. Irgendwann erhielt man von überall die Autobahnvignette geschenkt und im Jahr darauf haben die Firmen eine grössere Summe (von welcher ich nie eine Zahl zu hören oder sehen bekam) an eine wohltätige Organisation (welche nie namentlich erwähnt wurde) gespendet. Nicht, dass ich etwas gegen wohltätige Zwecke hätte, aber ich finde: Wenn ich schon spende, dann will ich sagen, an wen! Egal, im Jahr darauf haben wieder alle Firmen Kalender verschickt … so viele Wände habe ich gar nicht frei …
Irgendwann wurde vermutlich in einer Marketing-Schule gelehrt, dass Textilien der ideale Werbeträger sind. So kam es, dass jeder Vertreter taschenweise T-Shirts, Pullis, Jacken, Mützen, Stirnbänder, Regenschirme und Rucksäcke mitbrachten. Mir als armer Einzelhandelskaufmann kam das sehr gelegen; alles, was meine Grösse hatte, kleidete mich von nun an. Alles, was nicht meine Grösse hatte, wurde verkauft. Dazu muss ich allerdings Folgendes sagen: Ich wäre wirklich froh, wenn sich die Marketingmenschen ein bisschen absprechen könnten: Die Carlsbergweste passt nicht zum heinekengrün des Pullis, die Cola-Mütze nicht zum Arielschal. Der orange Rucksack von Ovomaltine kann unmöglich mit dem Jogurette-Hemd getragen werden.
Mein Vorschlag deshalb: Setzt euch alle zusammen und entwerft eine Kleiderkombination und Accessoires, die farblich zusammenpassen! Überwindet die Grenzen, ändert eure Markenfarben!
Nun ja, ich habe die Werbegeschenke trotzdem angezogen; gratis ist besser als nackt (wenigstens bei mir). Allerdings wurde es im Ausgang manchmal lästig; die anderen Gäste meinten, bei mir könne man Bier bestellen oder Schokolade erhalten; auffällig war ich allemal. Sogar die Polizei fand mich auffällig genug, um mich immer anzuhalten und zu kontrollieren; Alkohol am Steuer konnte ich mir nicht leisten, weil ich mit Bierwerbung auf dem Pulli immer kontrolliert wurde!
Glücklicherweise war der Trend der Textilwerbung rasch wieder vorbei; seltsamerweise sind die Firmen wieder zu anderen Geschenken zurückgekommen – zu den Geldspenden. Aber langsam glaube ich, dass meine Spenden an die Bettler im Bahnhof von Zürich gegangen sind; genau wie wenn ich mit Bierwerbung herumlief und immer nach Bier angequatscht wurde, so werde ich heute im Bahnhof um Geld angefragt. Ich habe fast das Gefühl, die wissen, dass die Firmen in meinem Namen gespendet haben..