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Fluss in den Kt. Zürich und Aargau. Die L. tritt bei Zürich aus dem Zürichsee und mündet nach 34 km zwischen Turgi und Untersiggenthal in die Aare (Gefälle 81m). Sie fliesst in mehreren Windungen - vor der Kanalisierung waren die Mäander noch stärker ausgeprägt - zunächst durch eine breite Talsohle und durchbricht dann zwischen Baden und Wettingen bzw. Ennetbaden die Lägernfalte, den östlichsten Ausläufer des Kettenjuras. Nach der Stadt Baden öffnet sich die Talung wieder etwas. 870 Lindimacus.
Spätma. und frühneuzeitl. Quellen bezeichnen die innerhalb der Stadt Zürich gelegene Flussstrecke auch als "Aa" oder "See". Der Fluss lieferte der Stadt Trink- und Brauchwasser - auf der Münster- und der Rathausbrücke befanden sich zwei Schöpfräder -, diente aber von der Römerzeit an auch als Kloake. Im MA galten die Flussläufe als Reichsstrassen; die Oberhoheit über sie stand spätestens ab 1158 dem dt. König zu. Im 12. und 13. Jh. sind gelegentl. Fahrten der Zürcher Schiffer bis nach Koblenz am Niederrhein bezeugt. 1447 erteilte Ks. Friedrich III. Zürich das Recht, die Schifffahrt limmat- und rheinabwärts zollfrei zu betreiben; von da an kontrollierte die Stadt regelmässig auf Inspektionsfahrten, ob die L. auch über eine Breite von ca. 11 m für die Schiffspassage offen gehalten werde. Brücken bestanden im SpätMA nur in Zürich und Baden, von 1765 an auch beim Kloster Wettingen. Bei den Klöstern Fahr und Wettingen sowie bei Dietikon verkehrten Fähren. Die Niederwassergesellschaft der Zürcher Schiffleutezunft betrieb die wegen Geländestufen und künstl. Hindernissen (Wuhren, Fache) schwierige Schifffahrt. Strömung und Topografie erlaubten es in der Regel nicht, flussaufwärts zu fahren oder die Lastkähne hochzutreideln. Am Ende der Fahrt, d.h. in Baden oder gar in Basel, wurden die Schiffe wieder verkauft, wie Verträge aus dem 15. Jh. zeigen. Auf der L. wurde auch Flösserei betrieben. Allerdings durfte nach einem Zürcher Ratsbeschluss von 1292 ohne Bewilligung keinerlei Nutzholz das Stadtgebiet passieren. Damit wollte sich die Limmatstadt den eigenen Bedarf sichern. Infolge des stetigen Niedergangs der Flussschifferei, der im ausgehenden MA einsetzte, beschränkte der Zürcher Rat 1461 und 1509 die Zahl der Niederwasserschiffer auf 16 bzw. 8 Meister. Bis in das 19. Jh. hinein wurden allerdings Kurgäste mit Weidlingen von Zürich nach Baden geführt. Anfang der Zwischenkriegszeit bemühte sich der Linth-Limmat-Verband vergebens um eine Öffnung der L. für die Grossschifffahrt.
In Zürich gab es im SpätMA acht versch. Fischrechte, darunter die Bürgerfischenz oder "untere Allmend", die vom Zürichsee bis Wipkingen reichte (1304 erw., 1805 vom Kanton an die Stadt Zürich). Von Oberengstringen bis Dietikon besass das Kloster Fahr die Fischrechte (1324 erw., von den Regensbergern erhalten), daran angrenzend bis zur Brücke Baden das Kloster Wettingen (1259 erw., von den Habsburgern erhalten). Im untersten Flussabschnitt gab die Grafschaft Baden die Fischerei Ende des 15. Jh. frei.
Ab dem SpätMA wurde die Wasserkraft der L. genutzt, allein in der Stadt Zürich überspannten zwei Stege mit mehreren Mühlen die L., in der frühen Neuzeit u.a. auch Walk-, Papier- und Pulvermühlen. In Baden trieb der Fluss eine Säge an. Die ersten Fabrikbauten im aarg. Limmattal waren ganz an die Wasserkraft gebunden, so u.a. die Spinnereien in Turgi (1826) und In der Aue bei Baden (1837-1904). Das elektr. Kraftwerk Kappelerhof in Baden wurde 1892 angelegt. Wichtig war die Wasserkraft der L. auch für die Industrialisierung der Stadt Zürich, wo z.B. die 1805 gegr. Aktiengesellschaft Escher-Wyss zahlreiche Wasserrechte erwarb. 1875 errichtete die Stadt Zürich das Wasserkraftwerk Letten, das die Energie mechanisch mittels Seilzügen verteilte (ab 1892 elektr. Kraftwerk). Der Kt. Zürich liess 1880 und 1895-1906 den Flusslauf korrigieren. Der Bau des Wettinger Stauwehrs 1933 durch die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich verwandelte die L. streckenweise in ein stehendes Gewässer, das sehr rasch eutrophierte, weil sich hier alle Schmutzfrachten aus der Stadt sammelten. Dies gab Anlass zu zaghaften Massnahmen für den Gewässerschutz. Allerdings ermöglichte erst der Ausbau des städt. Klärwerks Werdhölzli 1969 bzw. 1986 eine wirkl. Verbesserung der Wasserqualität.
Literatur
– O. Vollenweider, Gesch. des Verkehrs auf der Wasserstrasse Walenstad-Zürich-Basel, 1912
– O. Mittler, Gesch. der Stadt Baden 2, 1965, 253-291
– H. Grossmann, Flösserei und Holzhandel aus den Schweizer Bergen bis zum Ende des 19. Jh., 1972, 30-43
– M. Illi, Von der Schîssgruob zur modernen Stadtentwässerung, 1987
– U. Amacher, Zürcher Fischerei im SpätMA, 1996
– M. Baumann, Stilli, 21996, 80-90
Autorin/Autor: Martin Illi