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Ascension-Zwergkaiserfisch
Centropyge resplendens
© 2008 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Innerhalb der Ordnung der Barschartigen (Perciformes) gehört der Ascension-Zwergkaiserfisch (Centropyge resplendens) zur rund achtzig Arten zählenden Familie der Kaiserfische (Pomacanthidae). Mit einer Länge von bis zu sieben Zentimetern ist er ein recht kleines Mitglied derselben. Die Kaiserfische kommen schwergewichtig im Indopazifik vor. Nur neun Arten leben im Atlantik. Der Ascension-Zwergkaiserfisch ist einer dieser «Aussenseiter». Seine Heimat sind die Küstengewässer der nur neunzig Quadratkilometer grossen Insel Ascension, welche im Südatlantik auf halber Strecke zwischen Südamerika und Afrika liegt.
Die Flanken Ascensions bestehen meistenorts aus vulkanischem Fels, Geröll und Sand. Wo sie nicht allzu steil in die Tiefe abfallen, in 15 bis 40 Metern Wassertiefe, befinden sich die bevorzugten Lebensräume der Ascension-Zwergkaiserfische. Hier leben sie in kleinen Gruppen, von denen jede ein klar definiertes Territorium zur alleinigen Nutzung beansprucht.
Die Nacht verbringen die Ascension-Zwergkaiserfische gut versteckt in Felsnischen und anderen Unterschlupfen. Am Morgen, gewöhnlich nach Sonnenaufgang, kommen sie hervor, um sich tagsüber dem Nahrungserwerb zu widmen. Die Hauptnahrung der blaugelben Fische sind grüne, faserige Algen, welche an Felsen und Steinen wachsen. Beim Beweiden derselben nehmen sie auch andere kleine Organismen zu sich, darunter Bakterien, Kieselalgen sowie mikroskopisch kleine Tiere, welche im Bereich der Algen leben. Diese pflanzlichen und tierlichen Mikroorganismen, welche viele untermeerische Flächen manchmal wie einen glatten, manchmal wie einen pelzigen Belag überziehen, werden kollektiv als «Aufwuchs» oder «Biofilm» bezeichnet.
Jede Gruppe der Ascension-Zwergkaiserfische besteht aus einen erwachsenen Männchen, einem bis vier erwachsenen Weibchen und bis zu neun jugendlichen Weibchen. Das Männchen ist für die Verteidigung des Territoriums verantwortlich. Tagsüber patrouilliert es immer wieder dessen Grenzen ab und vertreibt etwaig eingedrungene Artgenossen sowie weitere kleine Fische.
Wie bei verschiedenen anderen Fischarten ist das Geschlecht der Ascension-Zwergkaiserfische nicht so klar festgelegt wie bei den Säugetieren und Vögeln: Ihr Leben beginnen alle Individuen als Weibchen. Nach Abschluss ihrer Jugendzeit werden sie zu geschlechtsreifen Weibchen und nehmen als solche am Fortpflanzungsgeschehen innerhalb einer Gruppe teil. Unter den Haremsweibchen herrscht eine strenge Rangordnung, welche zur Hauptsache auf der relativen Körpergrösse beruht. Stirbt das Männchen oder verschwindet es sonstwie, wandelt jeweils das ranghöchste Weibchen sein Geschlecht um und übernimmt fortan die Rolle des Männchens in der Gruppe.
Die Weibchen erzeugen praktisch täglich, das ganze Jahr hindurch, eine kleinere Anzahl Eier. Das Ablaichen findet jeweils in der Abenddämmerung statt. Die Eier sind durchsichtige, frei schwebende Kügelchen mit einem Durchmesser von etwa 0,7 Millimetern. Die Jungen schlüpfen zumeist innerhalb von 24 Stunden. Es sind kaum zwei Millimeter grosse Wesen, welche ihren Eltern überhaupt nicht ähnlich sehen, weshalb sie als Larven bezeichnet werden.
Im Alter von sieben bis acht Wochen beginnen die Larven, sich zu jungen Fischchen mit kaiserfischförmiger Gestalt und arttypischer Blaugelbfärbung umzuwandeln. Diese Umwandlung kann weitere sieben bis acht Wochen dauern. Am Schluss derselben lassen sie sich auf dem Meeresboden nieder und schliessen sich früher oder später einer bestehenden Gruppe an. In Menschenobhut können Ascension-Zwergkaiserfische sechs und mehr Jahre alt werden.
Das Verbreitungsgebiet des Ascension-Zwergkaiserfischs ist auf die Küstengewässer einer einzigen, kleinflächigen, isolierten Insel beschränkt und ist damit erheblich kleiner als das der meisten anderen Meeresfische. Über die Bestandsgrösse wissen wir nichts Genaues; insgesamt ist die Population aber zweifellos als klein einzustufen. Da in den 1980er- und 1990er-Jahren zahlreiche Ascension-Zwergkaiserfische für den internationalen Aquarienbedarf gefangen wurden und eine schnelle Ausdünnung des Artbestands zu befürchten war, wurde der Ascension-Zwergkaiserfisch Mitte der 1990er-Jahre als «Verletzlich» auf die Rote Liste der gefährdeten Tierarten gesetzt.
Inzwischen haben die Behörden der Insel Ascension den Export aller marinen Arten, so auch des Ascension-Zwergkaiserfischs, verboten, weshalb heute keine Gefahr durch den Fang mehr besteht. Auch die Beeinträchtigung des Lebensraums, insbesondere die Befrachtung der Küstengewässer mit Schadstoffen, bildet keine nennenswerte Gefahr, da die menschliche Bevölkerung auf Ascension gering ist und keine Landwirtschaft betreibt. Alles in allem scheint der Fortbestand des Ascension-Zwergkaiserfischs derzeit nicht gefährdet zu sein, weshalb seine Entlassung aus der Roten Liste in Erwägung gezogen wird.
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