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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

4. Buch
16. Wie kommt es, daß die Römer, die allen Dingen und allen Bewegungen eigene Götter anwiesen, den Tempel der Quies [Ruhe] außerhalb ihrer Tore haben wollten?
Es wundert mich sehr, daß die Römer, die ja jeglichem Ding und beinahe jeder Bewegung eigene Götter anwiesen, zwar eine Göttin Agenoria benannten, die zum Handeln antreiben sollte, eine andere Stimula, die zu übertriebener Betätigung aufstachle, eine andere Murcia, die über die Maßen allen Antrieb hintanhalte und den Menschen, wie Pomponius sich ausdrückt, murcidus, das ist ganz und gar unternehmungsfaul und untätig mache, eine andere Strenia, der die Aufgabe zufiel, stramm zu machen, daß sie all diesen Göttern und Göttinnen öffentlichen Dienst zu widmen übernahmen, dagegen die Göttin, die die Ruhe gewähren sollte und die sie Quies nannten, im Namen des Staates nicht aufnehmen wollten, sondern ihr den Tempel außerhalb des collinischen Tores anwiesen. War das ein Sinnbild des unruhigen Geistes oder wurde damit vielmehr angedeutet, daß man nicht zugleich diesen Schwarm, fürwahr nicht von Göttern, sondern von Dämonen, verehren und Ruhe haben könne, zu der der wahre Arzt einladet mit den Worten1 : „Lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen“.
1: Mt. 11, 29.