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Art Noveau und Jugendstil: Design im frühen 20. Jahrhundert
Mit der Epoche des Jugendstils bezeichnet man die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (Fin de Siécle) bis zum Ersten Weltkrieg. Der eigentliche Begriff selbst geht auf die 1896 gegründete Münchner Kulturzeitschrift „Die Jugend“ zurück.
Der Begriff „Jugendstil“ wurde erstmals 1897 bei der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung in Leipzig verwendet und galt einem von Paul Möbius entworfenen Ausstellungspavillon. Dieser wurde beschrieben als „vom Hergebrachten stark abweichend mit gewagt humoristisch-phantastischen Motiven, die einen gewissen Schwung entwickeln.“
Typische Elemente des Jugendstils sind die dekorativen, aber schlichten Linien sowie florale Ornamente. Auf Symmetrien wird weniger Wert gelegt als bei den Baustilen zuvor. Als Vorbild dient die Natur – im Gegenzug zur aufkommenden Industrialisierung.
Neben der Architektur entspricht auch die Innenausstattung dem neuen Stil, der „Art nouveau“ oder wie man es im Englischen nannte, des „Modern Style“. Alltägliche Dinge wurden kunstvoll verschönert und zu einem Gesamtkunstwerk komponiert. Weitere Kunstbereiche, die vom Jugendstil stark beeinflusst wurden, waren die Schmuckherstellung, Glasdesign und Illustrationen.
Als Kunstepoche steht der Jugendstil zwischen Historismus und moderner Kunst. Sein architektonischer Schwerpunkt und Ursprung des Jugendstils im deutschsprachigen Raum lag in Wien, München und Darmstadt.
Der Höhepunkt der Jugendstil-Malerei lag in Österreich mit Künstlern wie Gustav Klimt, Paul Meissner Josef Hoffmann oder Josef Plečnik. Die hier Secessionsstil genannte Entwicklung legte ihren Fokus auf das Kunsthandwerk (z.B. Keramiken, Mode und Glasproduktion).
In Deutschland entstand die Bewegung aus lokalen Künstlerbünden. Neben „Der Jugend“ hatten auch Zeitschriften wie „Der Simplicissimus“ oder „Pan“ einen Einfluss auf den Stil der Jahrhundertwende. Auch die japanische Kunst der Naturmotive beeinflusste die Künstler des deutschen Jugendstils sowie die Reduktion auf das Wesentliche.
Art nouveau in Frankreich
1895 entstand in Paris eine Galerie namens „Salon de l’Art Nouveau“, die mit einer Möbelausstellung im Jahr darauf so viel Aufsehen erregte, dass ihr Name zum Inbegriff des neuen Stils wurde. Neben Gemälden von Toulouse-Lautrec waren hier erstmals die Möbel von Henry van de Velde erhältlich, die sehr typisch sind für diesen Stil.
Von der Art Nouveau zur Art Déco?
Die Künstler des Jugendstils stehen für innovatives, zeitgemässes und zukunftsorientiertes Denken und Gestalten. Mit dem ersten Weltkrieg wurde ihren teilweise melancholischen Spielereien jedoch ein Ende gesetzt.
Das allmähliche Ende des Jugendstils begann aber schon mit der dritten Deutschen Kunstgewerbeausstellung 1906 in Dresden, wonach 1907 der Deutsche Werkbund gegründet wurde, dessen Leitbilder Sachlichkeit und Schlichtheit waren und dem sich diverse Jugendstilkünstler wie van de Velde, Behrens, Niemeyer oder Obrist nach und nach anschlossen. Ihr Stil wird teilweise als Reformstil, manchmal auch als Prämoderne bezeichnet. Die Art Déco-Bewegung entstand erst in den 20er Jahren.
Bedeutende Bauwerke des Jugendstils
- Hackesche Höfe, Berlin
- Christuskirche, Dresden
- Merkel‘sches Schwimmbad, Esslingen
- Prinzregententheater, München
- Nietzsche-Archiv, Weimar
- Diverse Métro-Eingänge & das Kaufhaus Samaritaine, Paris
- Glasgow School of Art
Artikel von: livingpress.de
Artikelbild: © Alexandre Prévot, Wikimedia, CC