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Zukünftig, so taten Astrid und Peter Erzinger aus Gibswil-Ried ZH in einem Leserbrief im «Tages-Anzeiger» kund, würden sie Texte und Briefe nur noch nach «brifater Ortografie konzipiiren». Die 77- und der 78-Jährige haben die «obrigkeitlichen Mahndate sadt». Die Erzingers, beide Lehrer im Ruhestand, griffen zur Feder, nachdem die Zeitung berichtet hatte, dass die deutschen Kultusminister Anfang März Änderungen an der Rechtschreibreform beschlossen hätten - also die Reform der Reform. «Wir emanzipiiren uns von der Bevormundung durch die Duden-Commission oder den Ferein der Pildungsdirecktoren der Cantone.» Jeder solle, so die Botschaft des Briefes, nach seinem eigenen Gusto schreiben.
«Der Entscheid der deutschen Kultusminister ist völlig lächerlich», sagt Peter Erzinger. «Wichtig ist doch, dass man sich versteht.» Die Rechtschreibung trage überhaupt nichts zum besseren Verständnis bei. Viele Geistesgrössen ruft er für seine These in den Zeugenstand: «Nehmen Sie Luther, Erasmus oder Goethe: Ihnen war es vollkommen egal, wie sie schrieben.»
Der Geist von Summerhill
Ein Besuch bei Erzingers zeigt: «Duden» ist hier ein Reizwort, und Rechthaberei - von Schulmeistern, Journalisten und vor allem der Duden-Redaktion - eine grobe Missetat. Es weht der Geist von Summerhill, jener reformpädagogischen Schule im britischen Leiston, die als älteste demokratische Ausbildungsstätte der Welt gilt. «Die Orthografie hat für die Beurteilung der Schülerinnen und Schüler einen viel zu grossen Stellenwert. Viele Menschen haben die Volksschule in schlechter Erinnerung, vor allem wegen der Rechtschreibung», so Peter Erzinger.
Zu diesen Menschen gehört er selber. Erzinger war, wie er sagt, «Bedemeler»: Er verwechselte die Buchstaben B und D. Für seinen Lehrer war dieser Umstand Quelle gnadenlosen pädagogischen Bemühens - für Erzinger bedeutete es eine Tortur. Er schlug dennoch die Lehrerlaufbahn ein und unterrichtete in der Primarschule in Wald und in Gibswil-Ried. Bei manchen Schülern dürften seine Ansichten zur Rechtschreibung auf wärmste Zustimmung gestossen sein.
Der Leserbrief gehört laut «Tages-Anzeiger»-Redaktor Peter Früh zu den am meisten beachteten der letzten Zeit: «Ich wurde verschiedentlich darauf angesprochen.» So gross das Echo auch war: Die Chance ist gering, dass die Botschaft gehört wird.