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Die Pharmazeutische Zeitung (Nr. 35 / 2013) veröffentlichte vor kurzem eine Titelgeschichte zum Thema „Homöopathie“.
Der Artikel gibt einen guten Einblick in die Entwicklung und Geschichte der Homöopathie seit Samuel Hahnemann (1755 -1843).
Er geht kurz auf die zu Hahnemann’s Zeiten etablierte Humoralmedizin ein. Die von Hahnemann entwickelte Homöopathie unterschied sich von dieser Konzeption. Sie fusste auf der Symptomorientiertheit der antiken Heilkunst und dem Vitalismus.
Im Zeitalter der Aufklärung war die Humoralmedizin aus Antike und Mittelalter in Misskredit geraten, da ihre Nutzlosigkeit offensichtlich wurde. Patienten wurden zu Hahnemanns Zeiten unter anderem mit ausleitenden Verfahren, Aderlass, Quecksilber-Diuretika zur Entschlackung, Brechmitteln, Auflegen von spanischen Fliegen und Hauteiterungen. Die Kranken wurden mit solchen Massnahmen nicht selten zu Tode „kuriert“.
Im Gegensatz dazu war Hahnemann modern. Er weigerte sich, diese Vergiftungstherapien einzusetzen.
Offene Fragen zur Homöopathie
Der Artikel stellt auch eine ganze Reihe von offenen Fragen.
Beispielsweise:
– Zur Schüttelmethode:
„Wodurch ist als Notwendigkeit nachgewiesen, dass man gegen den Erdmittelpunkt schütteln muss? Unterscheidet sich das Ergebnis der Dynamisierung, wenn diese von automatisch arbeitenden Schüttelmaschinen oder von Menschen durchgeführt wurde?“
– Zur Dynamisierung:
„Wieso wird durch das Schütteln nur die Hauptwirkung, nicht aber die Nebenwirkungen einer Urtinktur potenziert? Wieso werden die Spuren von Verunreinigungen im Lösungsmittel nicht potenziert?“
– Zur Dekontamination:
„Nach Verreibungen bleiben Restmengen an der Gefäßwand übrig. Besitzen diese keine Wirkung oder sind diese für einen Gesunden eventuell schädlich?“
Neben diesen offenen Fragen führt der Artikel auch bekannte Kritikpunkte auf.
Beispielsweise:
– Zur Symptomorientiertheit:
„Anders als zur Zeit Hahnemanns können wir heute zwischen Symptom und Krankheit unterscheiden.“
– Zum „Offenhalten einer Hintertür“:
„Der Erfolg der Reiz- und Regulationstherapie ist abhängig von der Ausgangslage (Reaktionsbereitschaft, Mithilfe des Organismus). Korrekt wäre die transparente Benennung einer gewissen Erfolglosigkeit wie in der Allopathie. Mit der sogenannten Erstverschlimmerung hält man sich dagegen alle Optionen offen: Wie der Zustand der Patienten sich auch entwickelt, der Homöopath hat in seinen Vorhersagen gefühlt immer Recht.“
– Zur Imprint-Hypothese:
„Warum hält man an dieser Hypothese fest, obwohl alle Beweise fehlschlugen?“
– Zum Dogmatismus:
„In der aufgeklärten Welt ist der dialektische Prozess von Hypothesenbildung und Beweis, von Versuch und Irrtum fester Bestandteil. Dies stellt immer noch das beste Verfahren dar, auch wenn Daten schon mal unterdrückt oder durch Bias und Confounder verfälscht werden. Demgegenüber ist die Homöopathie beharrend und sehr dogmatisch.“
Quelle:
Kommentar & Ergänzung:
Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat hier einen Beitrag zum Thema Homöopathie veröffentlicht, der im Gegensatz zu den meisten Artikeln dieses Verfahren nicht einfach fraglos gläubig beschreibt oder ohne weitere Begründung als unwirksam darstellt – sondern detailliert und mit Fachkenntnis fragwürdige Punkte aufgreift, die einer Diskussion bedürfen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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