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Vergangene Woche erreichten die Notierungen der Kakaosorte Main Ivory Grade 1 Cocoa Bean die Marke von 3065 Dollar pro Tonne. Damit sind die Preise seit Mitte November, ausgehend von einem Niveau von 2250 Dollar, ständig gestiegen ganz im Gegenteil zu vielen anderen Agrargütern, deren Preise nach dem Platzen der Commodity-Blase abgestürzt sind.
Beim Ausblick gehen die Meinungen allerdings auseinander. Die auf Pfund-Basis gehandelten Kontrakte an der Londoner Euronext LIFFE lassen für den März Futurepreise von 2000 Pfund und für den Septemberverfall Preise von 1960 Pfund erwarten. Diese Notierungen weisen auf eine gewisse Entspannung und einen möglichen Preisrutsch um 10% für die kommenden Monate hin. Die Branchenvereinigung ICCO prognostiziert im laufenden Jahr ein Produktionsdefizit von 70000 t bei einer globalen Produktion von 3,8 Mio t, während die Dezemberstatistik auf einen Rückgang der Lagerbestände von 19% in Europa und von 36% in den USA gegenüber dem Vorjahr hinweist.
Deutlich tiefere Preise erwartet
Deutlich tiefere Kakaopreise erwartet der grosse Industrieschokoladenhersteller Barry Callebaut. Hier rechnet man im Frühling mit Preisen zwischen 1250 und 1450 Pfund bzw. 1700 bis 2000 Dollar pro Tonne. Begründet wird die Entwicklung damit, dass das Management von Olam International, einem grossen, in Singapur arbeitenden Kakaobohnenhändler, in den letzten drei Monaten durch eine Aufstockung der Käufe sowie verspätete Auslieferungen den Preis nach oben getrieben hat.
Kakaoanlagen können entweder direkt oder über die Aktien von Firmen vorgenommen werden. Barry Callebaut hat die grösste Hebelwirkung zu steigenden Kakaopreisen, denn bei 80% des Umsatzes werden die Kakaopreise direkt berücksichtigt und bei 20% erfolgen die Anpassungen der Listenpreise teilweise mit Verzögerung. Die Kakaopreise machen hier 60% der Kosten aus, und weil Barry Callebaut tiefere Margen ausweist als andere Firmen, könnte hier der Gewinn pro Aktie stärker unter Druck kommen.
Bei Lindt & Sprüngli entfallen 40 bis 45% der Materialpreise auf Kakao. Hier müssten die Preise um durchschnittlich 2,2% erhöht werden, wenn ein Preisanstieg von 17% beim Kakao ganz an die Kunden weitergegeben werden soll. Allerdings sind bei diesen Kalkulationen die Absicherungseffekte nicht berücksichtigt.
Anleger, die direkt in Kakao investieren möchten, können auf die vier Mini-Futures COCOG, COCOA, COCGH und COCAA auf die LIFFE-Notierungen setzen. Diese Hebelprodukte reagieren sehr sensibel auf Preisveränderungen, sie sind riskant und erfordern rasche Reaktionen. Defensivere Anleger halten sich an die Preistracker COCOE oder COCOQ, die ebenfalls auf den LIFFE-Preis lauten. Zudem sind einige Kakaoindexprodukte wie RICCU, RICCC oder TQCCI erhältlich. Bei ihnen werden jeweils die Futures-Kontrakte, welche die Basiswerte bilden, für Anleger optimiert erneuert. Kakaoanlagen in Dollar oder Pfund unterliegen Währungsschwankungen.
Neben den Direktanlagen bilden die Aktien bzw. die Derivate auf Barry Callebaut oder Lindt & Sprüngli die besten indirekten Anlagen. Auf die Barry-Aktie sind über 50 Hebelprodukte erhältlich. Hohe Umsätze gab es bei den beiden Calls BARVA und BARJC. Der beliebteste Put, mit dem sich Anleger gegen einen fallenden Aktienkurs absichern können, ist gegenwärtig BARDP. Beim halben Dutzend Discount- oder Barrier-Reverse-Zertifikaten sind die Caps nach dem Preiszerfall gefährdet.
Auf den Lindt-Partizipationsschein sind 20 Calls im Angebot. Der Handel konzentrierte sich in den letzten Tagen auf LISJD, LISJA und LISPE. Der Discounter LISDZ verlor infolge der sinkenden Preise des Basiswertes etwas an Terrain, die Laufzeit dauert aber noch gut ein Jahr und Anleger können hier die Preisdelle aussitzen.