Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03518.jsonl.gz/481

Bätterkinden
Kirche Bätterkinden
Die Kirche Bätterkinden von 1664 trägt den Stempel ihres Baumeisters Abraham I Dünz wie kaum eine andere Dünz-Kirche. Streng im Äussern, entfaltet die Kirche ihre ganze Pracht im Innern. Kanzel, Abendmahlstisch und Taufstein bilden zusammen ein einzigartiges Ensemble des Baumeisters und Bildhauers Dünz. Zusammen mit den zahlreichen Grissaille-Dekorationen und -malereien, u. a. des bekannten Malers Albrecht Kauw, entstand eine der festlichsten Barockkirchen im protestantischen Bernbiet.
Die genaue Gründungszeit der Kirche Bätterkinden liegt im Dunkeln. 1275 wird sie erstmals in Chroniken erwähnt. Der wohl eher kleine Sakralbau war dem Hl. Jakob geweiht. Weil kaum die Hälfte der Einwohner in dieser Kirche Platz fanden, empfahl das Pfarrkapitel Burgdorf 1661 eine Erweiterung (1653 befanden sich im Dorf 53 Feuerstätten, das entspricht rund 250-300 Einwohnern). 1663/64 wurde dann durch den bekannten Münsterbaumeister Abraham I. Dünz am alten Standort die heutige Kirche gebaut. Dünz strengte sich bei diesem Kirchenbau wohl besonders an, weil seine Frau die Tochter des Landvogts Hans Rudolf Jenner von Landshut war und dieser die Oberaufsicht über den Bau führte.
Im Verlaufe der Zeit wurde die Kirche mehrmals renoviert und abgeändert. Die einschneidendste Veränderung erfuhr der Innenraum 1826 durch den Einbau einer grossformatigen Empore mit Orgel durch Philipp Heinrich Caesar. Diese war einmanualig mit sieben Manual- und drei Pedalregistern. Von dieser Orgel sind die Prospektpfeifen und 13 hölzerne Subbasspfeifen im heutigen Instrument noch vorhanden. Auf der Westseite wurde ein Aussenaufgang zur Empore angebracht. Später wurde dieser Aufgang jedoch wieder abgebrochen und ins Innere verlegt.
Äusserlich ist der Bau schlicht gestaltet und beeindruckt vor allem durch sein Quadermauerwerk aus Sandsteinen. Statt eines massiven Turms wir das Dach von einem sogenannten Giebelreiter mit Spitzhelm bekrönt. Das Geläut bestand ursprünglich aus zwei Glocken, welche noch aus der Vorgängerkirche stammten. Die heutigen Glocken wurden von der Firma Rüetschi in Aarau gegossen und sind auf Ges, B und Des gestimmt.
Im Innern erstaunen die reiche barocke Ausstattung und die kunstvollen Grisaillemalereien. Es handelt sich um eine rein reformatorische Kirche, d. h. das Schiff ist rechteckig und der anschliessende fünfeckige Chor nur leicht erhöht. Die farbigen Fenster stammen aus der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. In jedem einzelnen ist ein Gebäude aus der Umgebung zu entdecken. Die Prunkstücke der ansonsten barocken Ausstattung sind der Abendmahlstisch, die Kanzel und der Taufstein, entworfen und zum Teil auch ausgeführt durch Abraham I. Dünz. Beim Taufstein sind besonders die Engelsköpfe zu beachten, welche einen formalen Bezug zu den gemalten Engeln beidseits der Fenster schaffen. Etwas Besonderes ist das kleine, ovale Fensterchen bei der Kanzel, genannt Oeil-de-boeuf oder Ochsenauge, durch welches im Vormittagsgottesdienst das helle Licht auf den Prediger fällt.
Ebenfalls beachtenswert sind die 22 ovalen Steinschilder in den Fensterleibungen, auf denen die bernische Obrigkeit mit Namen und Wappen verewigt sind. Diese Schilder wurden durch den bekannten Stillebenmaler Albrecht Kauw gemalt, welcher auch einen Teil der Kanzelmedaillons und die Bauinschrift ausführte. Der umlaufende Deckenfries aus Blattwerkvoluten, Früchte- und Blattgirlanden und Abhänglingen stammt von Hans Conrad Heinrich Friedrich.
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 382-383.
- Gfeller, Walter, Die Reformierte Kirche Bätterkinden. Kanton Bern [Schweizerische Kunstführer GSK, 951], Bern: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, 2014.