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La Niña kühlt weniger als früher
In Kolumbien hatte es wegen des Wetterphänomens La Niña bereits zwischen April 2010 und April 2011 viel geregnet. (Archiv Reuters)
La Niña (span. Mädchen) ist das Pendant zu El Niño. La Niña wird ein Zustand der grossräumigen Zirkulation im Pazifikraum (Enso) genannt. Dabei sind der Perustrom stark und auch das Subtropenhoch über dem Südostpazifik stark. Vor der Küste Perus strömt kaltes, nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche. Diese Nährstoffe ermöglichen ein kräftiges Pflanzen- und Tierwachstum, was der peruanischen Fischerei zu Gute kommt. An der peruanischen Küste fällt kaum Niederschlag. Der Temperaturunterschied der Meeresoberfläche zwischen Ost und West ist gross, die Walkerzirkulation wird darum stark. Über Indonesien herrscht dagegen tiefer Druck mit starken Regenfällen. (Quelle: SF Meteo)
Auch im aktuellen Jahr hat sich der Trend zu weltweit steigenden Temperaturen fortgesetzt. Trotz dem Wetterphänomen La Niña, das für Kühlung sorgte, war 2011 das zehntwärmste seit Beginn der Messungen 1850.
Zu diesem Ergebnis kommt die Uno-Organisation für Meteorologie (WMO) in einem in Genf und auf der Weltklimakonferenz im südafrikanischen Durban vorgestellten Bericht. Von Januar bis Oktober 2011 lagen die Durchschnittstemperaturen laut WMO auf der Erdoberfläche um 0,41 Grad über dem jährlichen Mittel von 1961 bis 1990. 2010 waren es 0,52 Grad gewesen.
Kühlende Wirkung durch La Niña
Die Temperaturen sind 2011 im Vergleich zum Vorjahr tiefer, weil der sogenannte La-Niña-Effekt eine kühlende Wirkung hat, wie die WMO mitteilte. Diesem Wetterphänomen werden auch die Dürre am Horn von Afrika und die Überschwemmungen im Süden Afrikas, im Osten Australiens und im Süden Asiens zugeschrieben.
«Die Temperaturen scheinen dieses Jahr nicht spektakulär, aber es ist bemerkenswert, dass 2011 eines der zehn wärmsten Jahre ist», sagte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud vor den Medien in Genf. 2011 sei das wärmste Jahr mit einem La-Niña-Effekt seit Messbeginn.
Die zehn Jahre von 2002 bis 2011 seien zudem das wärmste je gemessene Jahrzehnt. Die 13 wärmsten Jahre der Vergangenheit sind laut der UNO-Organisation alle in den vergangenen 15 Jahren aufgetreten. Wenn die Treibhausgasemissionen nicht reduziert würden, steige die Temperatur bis 2100 um 2,5 Grad im Vergleich zu 1990, warnte Jarraud.
Erderwärmung ist real
Die wissenschaftliche Grundlage des vorläufigen Jahresberichts sei solide und beweise unzweideutig, dass sich die Erde erwärme, sagte WMO-Direktor R.D.J. Lengoasa am Rande der Weltklimakonferenz. Die menschlichen Aktivitäten seien dabei ein wichtiger Faktor gewesen. «Der Klimawandel ist real, und wir beobachten seine Auswirkungen in Wetter- und Klimamustern auf der ganzen Welt», sagte er.
Die WMO weist auch auf den Gletscherschwund hin: Das Volumen des arktischen Meereises sei in diesem Jahr so gering wie nie zuvor gewesen, heisst es im Bericht. Seine Ausdehnung habe den zweitniedrigsten Stand der Geschichte erreicht.
«Die Gletscher schmelzen in einem schnellen Tempo», sagte Jarraud. Das Meeresniveau werde daher noch schneller als vorhergesagt steigen.
Trockenheit in Europa
Dieses Jahr seien zahlreiche klimatische Extremereignisse aufgetreten, teilte die WMO weiter mit. In Europa sei 2011 in sieben Ländern das trockenste Jahr, in der Schweiz voraussichtlich das dritttrockenste.
Die grössten Abweichungen von der Norm seien im Norden Russlands verzeichnet worden, teilte die WMO mit. Dort seien an einigen Orten durchschnittliche Temperaturen von vier Grad über dem langfristigen Mittel gemessen worden. Auch im Süden der USA war es so heiss wie noch nie; im Bundesstaat Texas fielen zudem über 56 Prozent weniger Niederschläge als im Durchschnitt.
Die WMO stellte ihren vorläufigen Bericht über die ersten zehn Monate des Jahres am zweiten Tag der Weltklimakonferenz vor. Vertreter von 192 Staaten verhandeln in Südafrika über ein Abkommen zur Senkung der Treibhausgasemissionen. (brar, sda)
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