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«Warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmecket?» Dieses von Martin Luther überlieferte Zitat macht deutlich, dass die Menschen im 16. Jahrhundert Aufstossen und Blähungen nicht nur als selbstverständlich ansahen – von einem Gast wurde sogar erwartet, dass er ein gutes Mahl derart lautstark würdigte.
Die heutigen Tischsitten verlangen einen diskreteren Umgang mit diesen Begleiterscheinungen der Verdauung: Wie peinlich, wenn ein unverhofft entwichenes Lüftchen dem Tischnachbarn ein angewidertes Naserümpfen entlockt! Da hilft es höchstens, dem Hund unter dem Tisch ein vielsagendes «Zzz» zuzuraunen.
Dabei machen Blähungen vor niemandem Halt: Frauen sind genauso häufig betroffen wie Männer, und Senioren leiden ebenso darunter wie Säuglinge. Davon können all die Eltern ein Lied singen, die ihren schreienden, von Dreimonatskoliken geplagten Säugling stundenlang durch die Wohnung tragen.
Ein Liter Gas pro Tag
Blähungen werden durch Gase verursacht, die sich im Magen-Darm-Trakt ansammeln. Für die Gasproduktion sind unzählige Bakterien der Darmflora verantwortlich. Sie zersetzen die Bestandteile der Nahrung, die für die körpereigenen Verdauungsenzyme nicht zu knacken sind – wie zum Beispiel Ballaststoffe –, und gewinnen daraus wertvolle Mineralstoffe und Energie. Als Abfallprodukte entstehen Gase wie Methan, Wasserstoff, Kohlendioxid, Stickstoff und der übel riechende Schwefelwasserstoff.
Pro Tag fällt bei diesem Nahrungsrecycling ungefähr ein Liter Gas an – dessen einziger Ausweg aus dem Körper der After ist. Ein Flatus, so der lateinisch-vornehme Name für die entweichenden «Winde», hat im Schnitt immerhin ein Volumen von 50 bis 200 Milliliter.
Eine weitere Quelle für die Gase im Verdauungssystem ist die Luft, die man beim Essen und Sprechen unbewusst verschluckt. Die Luft gelangt in den Magen, sammelt sich dort an und entweicht beim Aufstossen über den Mund.
Meteorismus hat nichts mit Meteoriten oder Meteorologie zu tun, sondern ist die medizinische Bezeichnung für eine vermehrte Gasansammlung im Magen-Darm-Bereich. Meteorismus kann sehr unangenehm sein und starke, kolikartige Schmerzen hervorrufen. Wer kennt das nicht: Der Bauch ist gespannt und vorgewölbt und gibt laute, gurgelnde Geräusche von sich. Zusätzlich zwickt es in den Eingeweiden. Solche Beschwerden sind glücklicherweise meist auf eine ungesunde Lebensweise und eine falsche Ernährung zurückzuführen – und nicht auf eine ernsthafte Erkrankung.
Vorsicht vor Hülsenfrüchten
Zwiebeln, Kohl, Lauch und Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen haben eine stark blähende Wirkung. Magenempfindliche Menschen sollten deshalb bei diesen Gemüsen Zurückhaltung üben. Das gilt auch für stillende Frauen: Die Blähstoffe werden über die Muttermilch auch vom Baby aufgenommen – die berüchtigten Dreimonatskoliken sind damit schon fast programmiert.
Weniger bekannt ist dagegen, dass auch künstliche Süssstoffe wie Mannitol oder Sorbitol vermehrt Blähungen auslösen können. Und Menschen, die an einer Allergie gegen Milchzucker leiden, reagieren auch auf den Verzehr von Milchprodukten mit heftigen Blähungen.
Oft treten Blähungen in Verbindung mit Verstopfung auf. Ursache ist in diesem Fall eine insgesamt zu ballaststoffarme Ernährung aus zu fetthaltigen und zu süssen, kohlenhydratreichen Speisen. Eine plötzliche Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, wie zum Beispiel eine Umstellung auf Vollwertkost, kann ebenfalls für Aufruhr im Magen sorgen. Das Verdauungssystem braucht Zeit, um sich umzustellen.
Aber nicht nur was man isst, sondern auch wie man es isst, beeinflusst die Verdauung. Auch hier weiss der Volksmund Rat: «Gut gekaut ist halb verdaut!» Nicht ausreichend zerkleinerte Nahrungsmittel kommen relativ unverdaut im Dickdarm an und regen die dort ansässigen Bakterien zu vermehrter Gasbildung an.
Zudem leiden hastige Esser häufiger unter Aufstossen, da sie beim Essen wesentlich mehr Luft verschlucken als bedächtige Kauer. Was zusätzlich «auf den Magen schlägt»: Konflikte, Aufregungen, Stress, Angst oder Depressionen. Entspannte und angstfreie Menschen leiden viel weniger unter Rumoren im Darm.
Eine Wärmflasche hilft
Bei Wilhelm Busch werden die Bauchschmerzen des Schneidermeisters Böck mit einem heissen Bügeleisen kuriert. So drastische Mittel sind aber nicht nötig: Eine Wärmflasche auf dem Bauch, ein warmer Leibwickel oder ein Bad genügt meistens, um die Beschwerden zu lindern.
Ebenso wirksam ist ein Spaziergang. Bewegung bringt nämlich nicht nur den Kreislauf in Schwung, sondern fördert auch die Darmtätigkeit und hilft dabei, die überschüssige Luft ins Freie zu entlassen.
Gewürze als Gegenmittel
Rasch Abhilfe schaffen auch die so genannten Carminativa. Das sind pflanzliche Wirkstoffe mit entblähenden, verdauungsfördernden und krampflösenden Eigenschaften. Dazu gehören Kümmel, Fenchel, Anis oder Melisse.
Wer diese Gewürze schon beim Kochen von blähenden Speisen verwendet – wie etwa Kümmel im Sauerkraut –, beugt Blähungen auf die einfachste und schmackhafteste Weise vor. In Apotheken und Drogerien sind aber auch Teemischungen, Pulver oder Tropfen erhältlich. Weiterhin helfen Kräuterbitter aus Enzianwurzel, Tausendgüldenkraut und Wermutkraut gegen Völlegefühl und Appetitlosigkeit.
Mit diesen Selbsthilfemassnahmen kann man den Blähungen in den meisten Fällen erfolgreich «zu Leibe» rücken. Dringend erforderlich ist der Gang zum Arzt eigentlich nur dann, wenn Blähungen plötzlich zusammen mit starken Bauchschmerzen auftreten und kein Stuhlgang mehr möglich ist. Das Gleiche gilt für anhaltendes Aufstossen, wenn es mit Sodbrennen, Schluckbeschwerden und Magenschmerzen einhergeht.
Das sind die Ursachen
- Blähende Speisen wie Zwiebeln, Kohl und Hülsenfrüchte
- Künstliche Süssstoffe wie Sorbitol und Mannitol
- Allergie gegen Milchzucker
- Ballaststoffarme Ernährung, zu fette und zu süsse Speisen
- Plötzliche Veränderung der Ernährungsgewohnheiten
- Zu schnelles und zu hastiges Essen
- Psychische Beeinträchtigungen wie Stress, Konflikte, Aufregungen, Angst, Depressionen
Das hilft dem Bauch
- Reduzieren oder meiden Sie blähende Nahrungsmittel wie etwa Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, Peperoni, Zwiebeln, Knoblauch, Steinobst, Nüsse und ofenfrisches Brot.
- Verzichten Sie möglichst auf kohlensäurehaltige Getränke, auf Kaugummi und aufs Rauchen.
- Nehmen Sie sich Zeit beim Essen.
- Bewegen Sie sich viel, vor allem nach dem Essen.
- Trinken Sie Tee aus Anis-, Fenchel- oder Kümmelsamen.
- Ernähren Sie sich ballaststoffreich und trinken Sie ausreichend, wenn Sie zusätzlich an Verstopfung leiden. Achtung: Hält die Verstopfung bei einem älteren Menschen mehrere Wochen an, sollte er einen Arzt aufsuchen.