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sind meist süß, stark und sehr feurig; einige sind Likörweine und werden durch Zumischung von eingekochtem Most bereitet.
Die meisten Sorten nehmen erst nach dreijähriger Ablagerung Wohlgeschmack, Klarheit und feines Aroma an, sind aber, mit
Ausnahme der sehr süßen und sehr alkoholreichen Sorten wenig haltbar. Die besten Sorten sind: Xeres
(von den Engländern Sherry genannt), der
Malaga, bei uns meist als Medizinalweine benutzt, Pedro Ximenes, Peralta, Val de
pennas etc. Valencia liefert den weißen und roten Alicantewein, sowie den sehr dicken, nach
Eisen schmeckenden Benicarlo. Auch im deutschen Handel neuerdings viel vorkommend sind der Taragona, von der gleichnamigen
Stadt und der Priorato, aus der gleichnamigen Landschaft nordöstlich von der Ebromündung; die feinste
Sorte liefert Toroja, dann folgen Falset und andre Orte.
8) Portugiesische W. Die Hauptrolle von diesen spielen die unter dem Namen Portwein oder Oporto in den Handel kommenden
W. aus den Provinzen Mino und Beira; es sind kräftige, mäßig süße, stark duftende W., die sich durch
Lagern immer mehr veredeln. Die Sorten werden bezeichnet: Duque, Extra-Particular, Weißer Rico, Weißer Particular, Malvasia,
Geropiga. Zu den portugiesischen W. rechnet man auch den
Madeira von der gleichnamigen Insel.
9) Griechische W. Dieselben sind seit einigen Jahren mehr im deutschen Handel als früher;
die besten
Sorten sind: Santorinwein, Samos, Maphrodaphne, Kalliste, Vino di bacco, Corinther;
auch den Cyperwein rechnet man mit zu
den griechischen. -
Von den W. andrer Länder mögen nur kurz erwähnt werden: Russischer W., aus der Krimm und dem Kaukasus;
Kapwein, vom Kap
der guten Hoffnung (z. B. Constantia) und die neuerdings bekannt gewordenen
Australischen und Kalifornischen W. Von letzteren wurde das erstemal im Jahre 1880 eine Schiffsladung ab San Francisco (100000
Gallonen) probeweise nach Bremen versandt;
ob mit Erfolg ist nicht bekannt geworden. -
Die den meisten W. liefernden Länder sind: Frankreich, Italien, Oesterreich-Ungarn und Spanien;
nächstdem Deutschland,
Portugal, Griechenland und die Schweiz. In Frankreich betrug der durchschnittliche jährliche Ertrag
an W. vor dem Auftreten der Reblaus 60000000 hl im Werte von 1200 Mill. Francs;
einzelne Jahrgänge waren sogar bedeutend
höher, so 1869 mit 71376000 hl, 1874: 63146000 und 1875: 83632000 hl W. Seitdem sind aber die Erträgnisse infolge
der Verwüstungen der Reblaus immer mehr gesunken, z. B. 1878 schon auf 48720613 hl.
Die Weinproduktion in Österreich (ohne Ungarn) beläuft sich auf ca. 6426000 hl, wovon 2805800
auf Niederösterreich, 1212500 auf Dalmatien und 573000 auf Südtirol kommen;
der Rest verteilt sich auf die übrigen Kronländer.
Die Weinproduktion in Ungarn soll sich auf 18-31000000 hl, je nach dem Jahrgange, belaufen. Die Produktion
der Schweiz wird zu 1200000 hl angegeben, die von Italien zu 27136500 hl, die von Spanien zu 25000000 hl, von Portugal zu 9000000
hl. Was die deutschen Länder anlangt, so erzeugen Preußen durchschnittlich 578000 hl
W., Baiern 552200
hl, Württemberg 435420 hl, Baden 285600 hl und Großherzogtum Hessen 231253 hl.
Die Produktion von Elbwein im Königreich Sachsen beläuft sich nur noch auf 2750 hl. Deutschlands
Einfuhr von W. war:
1878:
1879:
Wein in Fässern
999905 Ztr.
1874641 Ztr.
Wein in Flaschen
127990 Ztr.
161146 Ztr.
Aus Frankreich bezog Deutschland 1867 für 8750000 Francs, 1869 für 11500000 Francs, 1873 für 16500000
Francs W. - Zoll: Gem. Tarif im Anh. Nr. 25 e 1 u. 2.
(Weinsteinsäure,Racemsäure,Tartersäure, lat. acidum tartaricum, frz.
acide tartarique, engl. tartaric acid.). Obgleich diese organische Säure zu den verbreitetsten
Säuren des Pflanzenreichs gehört und sich in vielen Früchten, Blättern etc.,
teils frei, teils an
Kalk oder
Kali gebunden, vorfindet, so wird sie doch nur aus dem
Weinstein, der dem Traubensafte entstammt,
im großen abgeschieden, da man aus diesem nicht allein die größte Ausbeute erhält, sondern auch die Säure wegen der
Abwesenheit andrer organischer Säuren am leichtesten rein zu erhalten ist.
Behufs ihrer Gewinnung erhitzt man den
Weinstein mit Wasser, neutralisiert mit
Kreide, trennt den entstandenen unlöslichen
weinsauren
Kalk von der Flüssigkeit, welche nun neutrales
weinsaures Kali enthält und zersetzt letzteres mit
Chlorcalcium;
hierbei entsteht wieder weinsaurer
Kalk (neben
Chlorkalium), den man mit dem zuerst erhaltenen vereinigt
und dann durch eine genau hinreichende Menge
Schwefelsäure zersetzt. Die Lösung der frei gewordenen W. wird von dem gleichzeitig
entstandenen
Gips getrennt, zur Kristallisation verdampft und durch mehrmaliges Umkristallisieren gereinigt.
Je nach dem größeren oder geringeren Grade der Reinigung unterscheidet man im Handel rohe W. für technischen
Gebrauch und reine W. (acidum tartaricum purum) für inneren Gebrauch, namentlich für medizinische Zwecke; letztere Sorte
muß frei von
Schwefelsäure, die der Rohware häufig in kleiner Menge noch anhängt, und von
Blei sein, welches von den Pfannen
stammt, in denen man die Säure gewöhnlich zur Kristallisation verdampft. Reine W. bildet große, harte,
geruchlose und farblose, durchscheinende Kristalle des monoklinischen Systems; sie schmeken ^[richtig: schmecken] sehr stark,
aber angenehm, sauer und lösen sich leicht in Wasser und auch in
Alkohol, aber nicht in
Äther. An der Luft müssen die Kristalle
der W. trocken bleiben; schwefelsäurehaltige werden leicht feucht. Die gewöhnlich im Handel vorkommende
W. ist sog. Rechtsweinsäure (Dextroracemsäure), welche die Ebene des polarisierten Lichtes
nach rechts ablenkt, im Gegensatz zu der im Handel nicht vorkommenden Linksweinsäure (Levoracemsäure), die linksdrehend
ist. -
Beide zusammen gemischt und aus konzentrierter Lösung kristallisieren gelassen, geben Traubensäure (acidum uvicum), welche
in manchen italienischen Weinsteinsorten fertig gebildet vorkommt und sich auch durch geeignete Behandlung
wieder
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mehr
in die Rechts- und Linksweinsäure spalten läßt. - Die W. gibt mit den Basen zwei Reihen von Salzen, neutrale (Tartrate)
und saure (Bitartrate). - Die Einfuhr von W. in das Deutsche Reich betrug 1881: 58800 kg, die Ausfuhr dagegen 1275800
kg. -
(lat. tartarus, frz. tartre, engl.
tartar, argal, ital. tartaro); ein Bestandteil des Mostes der Weintrauben, scheidet sich teils
schon während der Gärung mit der Hefe, teils erst beim Lagern des fertigen Weines, wegen der Schwerlöslichkeit
in alkoholhaltigen Flüssigkeiten, ab und setzt sich in letzterem Falle als harte kristallinische Kruste an den Wandungen
der Lagergefäße ab. Auch in den beim Keltern der Trauben zurückbleibenden Weintrestern ist noch eine ziemliche Menge
von W. enthalten und kann aus diesen gewonnen werden.
Den meisten W. liefern die säurereichen und zugleich alkoholreichen kräftigen Weine aus gut gezeitigten Trauben. Man erhält
im Durchschnitte aus einem hl Wein während längerer Lagerung 0,75 kg W. Um den W. aus den Fässern herauszubekommen, läßt
man die Fässer austrocknen oder trocknet sie künstlich dadurch aus, daß man auf einer, im Inneren
der Fässer angebrachten, geeigneten Unterlage ein leichtes nicht sehr rauchendes Feuer mittels Stroh oder Hobelspähnen
anbrennt.
Durch dieses auf die eine oder andre Weise bewirkte Austrocknen wird der Zusammenhang zwischen der Faßwand und der Weinsteinkruste
gelockert, sodaß man letztere durch Klopfen an die Tauben des Fasses oder nötigenfalls auch an die
Kruste im Innern mittels eines langstieligen Hammers loslösen kann. Dieser so erhaltene rohe W. (tartarus crudus) besitzt,
je nach der Farbe des Weines, aus dem er sich abgesetzt hat, entweder eine bräunlichrote bis rötlichweiße oder eine gelbliche
bis graue Farbe und heißt im ersteren Falle roter W. (tartarus ruber), im andern weißer W. (Tartarus albus); es sind harte,
kristallinische, tafelförmige Stücke, vermengt mit kleineren Brocken und Klarem. - Man bezieht den W. hauptsächlich aus
Italien, Österreich-Ungarn, Frankreich und dem südwestlichen Deutschland.
Der Hauptsache nach besteht der W. aus saurem weinsaurem Kali (doppelweinsaurem Kali, Kaliumbitartärat,
Kali bitartaricum); er enthält aber fast immer schwankende Mengen von weinsaurem Kalk (Calciumtartrat), kleine Mengen Magnesia,
Eisenoxyd, Zucker, Farbstoff und Zellsubstanz in Form von Hefe; manche Sorten von W. enthalten auch Traubensäure. Der Gehalt
an weinsaurem Kalk kann bis zu 45% steigen, schwankt aber am häufigsten zwischen 9 und 15%. Der rohe
W. kommt auch gemahlen in den Handel und wird in der Färberei, jedoch nur bei dunklen Farben, als Beize verwendet; für
hellere Farben verwendet man den gereinigten W. Mit der Reinigung der
Rohware beschäftigen sich besondere Fabriken und erzeugen
daraus halb- und ganzraffinierten W.; letzterer kommt in harten weißen Kristallkrusten unter dem Namen
Crystalli tartari in den Handel, teils gemahlen oder in Form eines sehr feinen, weißen kristallinischen Pulvers, Weinsteinrahm
oder cremor tartari genannt.
Dieser Name rührt daher, daß man früher die Schicht kleiner Kristalle, welche sich in den Kristallisierbottichen an
der Oberfläche der Lauge bildet, ähnlich wie Rahm von der Milch, abschöpfte und als separate Ware verkaufte; jetzt mischt
man auch das hierbei zu Boden gefallene Kristallmehl, welches dieselbe Zusammensetzung hat, darunter. Für medizinische Zwecke
wird dieser cremor tartari noch weiter gereinigt, indem man ihm die letzten noch anhängenden Spuren
von weinsaurem Kalk entzieht; er heißt dann tartarus depuratus.
Derselbe ist ganz weiß, geruchlos, schmeckt schwach sauer, löst sich in kaltem Wasser wenig und schwer, leichter in heißem;
in Alkohol ist er unlöslich. Man benutzt ihn auch zur Darstellung andrer weinsaurer Salze und Doppelsalze. Der rohe W. wird
außer in der Färberei auch noch zur Darstellung von Weinsäure und von Brechweinstein in großen Massen
verwendet. Die Einfuhr von Weinstein in das Deutsche Reich belief sich im Jahre 1881 auf 2643500 kg, die Ausfuhr
auf 194100 kg. Bedeutende Mengen von W. bezieht auch Nordamerika; im Jahre 1880/81 wurden daselbst 13712528
amerikanische Pfund roher W. im Werte von 2195420 Dollar eingeführt und außerdem 203969 Pfund halbraffinierter
W. im Werte von 47801 Dollar. - Zollfrei.
Kali (einfachweinsaures Kali, neutrales weinsaures Kalium, Kaliumtartarat, Kali tartaricum, tartarus tartarisatus),
eine weiße, an der Luft feucht werdende Salzmasse, in Wasser sehr leicht löslich, wird nur medizinisch
verwendet. Man gewinnt dieses Salz dadurch, daß man gereinigtem saurem weinsaurem Kali (Weinstein) so lange eine Lösung von
einem kohlensaurem Kali zusetzt, bis die Flüssigkeit vollkommen neutral ist und kein Aufbrausen mehr stattfindet; die Flüssigkeit
wird dann zur Trockne verdampft. Man muß das Präparat in sehr gut schließenden Gefäßen aufbewahren.
- Zollfrei.
Darunter versteht man einerseits alle weißbaumwollenen Gewebe, wie Musselin, Gaze, Shirting
etc., mit Einschluß der gemusterten und auf Jacquardstühlen erzeugten, wie Gardinenstoffe, und der broschierten Stoffe.
Ferner gehören hierher die, die größte Mannigfaltigkeit zeigenden, Weißnähereien und Stickereien, welche z. B. im sächsischen
Voigtlande in großen Massen hergestellt werden. Durch Erfindung der Stickmaschine durch den Elsässer Josua Heilmann im
Jahre 1829 ist die Handstickerei sehr beschränkt worden. Mit der Hand werden jetzt nur noch kompliziertere
Muster, welche zur Hervorbringung gehörigen Effekts schwieriger Sticharten bedürfen, hergestellt. Auf der Stickmaschine
lassen sich z. B. nur drei Sticharten, der Plattstich, der Festonstich und der Tambourierstich
ausführen.
In der Maschine ist das Zeug in Bahnen von 3,4-5,1 m Länge in beweglichen Rahmen ausgespannt, häufig
in mehreren (bis vier) Bahnen übereinander. Dieser Zeugrahmen wird von einem Arbeiter, dem Muster und der Stichfolge entsprechend,
bewegt, wozu ein in großem Maßstabe ausgeführtes Muster und ein besondrer Apparat (Pantograph) vorhanden sind. Auf jeder
Seite jeder Zeugbahn befindet sich ein in horizontaler Richtung und senkrecht zum Zeug beweglicher Wagen,
welcher eine Reihe von Zangen trägt.
Diese dienen dazu, die Doppelnadeln (nach beiden Seiten zugespitzte Nadeln, welche das Öhr in der Mitte haben und den Stickfaden
führen) zu halten und zu bewegen. Der Arbeitsgang ist folgender: Nachdem der Arbeiter mit der linken Hand den
Pantographen und damit das Zeug eingestellt hat, führt er durch Drehung einer Kurbel den rechtsseitigen, die Nadeln tragenden
Wagen heran. Die Nadeln durchstechen das Zeug, werden von den Zangen des linksseitigen Wagens gefaßt und bei der Ausfahrt
desselben mitgenommen, wodurch der Stich straff angelegt wird.
Dasselbe Spiel wiederholt sich nun zwischen beiden Wagen so oft, bis das ganze Muster ausgebildet ist.
Da gleichzeitig so viel Nadeln arbeiten, als Wiederholungen des Musters auf der ausgespannten Zeuglänge möglich sind, so
wird auch mit einemmale eine Länge gleich der Maschinenlänge fertig. Hilfsapparate ermöglichen das Festonnieren, d. i.
Um- oder Annähen der Begrenzungen bogenförmiger Rand Verzierungen, und das Bohren, d. i.
das Einstechen von Löchern in durchbrochene Ware (Besätze, Kragen etc.) auf der Maschine. -
In Deutschland ist die Maschinenstickerei am meisten zu Hause im sächsischen Erzgebirge und Voigtlande (Plauen, Auerbach
und Eibenstock). Vorzügliche Maschinen werden in Kappel bei Chemnitz gebaut. Die Schweiz treibt große
Stickerei in den Kantonen St. Gallen, Appenzell
und Thurgau.
Daneben sind noch zu nennen Frankreich, England, Österreich. - Daß auf denselben
Maschinen auch andre als weiße Stoffe
gestickt werden können, und daß man auch farbige Stickfäden verwendet, bedarf
wohl kaum der Erwähnung. - Zoll: s. Baumwollengewebe, ^[richtig: Baumwollgewebe.] insbesondre Gaze und
Musselin. Baumwollene Gardinenstoffe, rohe, Tarif Nr. 2 d 5, andre Nr. 2 d 4.
Weißnähereien, sofern
sie in Leibwäsche aus baumwollenen oder leinenen Geweben besteht, Nr. 18 e. Andre als
Leibwäsche, aus gewebten Zeugen, und zwar ohne Ausputz von Spitzen, Bordüren, Stickereien etc., wie die
Zeugstoffe, nämlich gem. Nr. 2 d 1 bis 3 und Nr. 22 e,
f oder g. Mit solchem Ausputz Nr. 18 c.
(Triticum L., Familie der Gräser, artenreiche Getreideart, Hauptbrotfrucht der westeuropäischen Länder,
Winter- und Sommerfrucht; Anbau in Europa, Asien, Amerika, Australien und Afrika; engl. Wheat,
frz. froment, holl. weit, tarwe, tarw,
ital. formento und grano). Hauptarten:
a) Gemeiner W. (Kolben- und Grannenweizen), Tr.
vulgare Vill.,
Common-Weizen (f. ordinaire). b) Englischer W., T. turgidumL. Duck-, bill-wheat, English W., poulard, beide Arten die am weitesten
verbreiteten und in den meisten Varietäten angebaut.
c) Bartweizen, Glas-, Gersten-Weizen etc., T.durum Desf.,
Algerian-Weizen, Hard-Weizen, f. dur, nur wenig verbreitet, mit glasigen, harten Körnern. d)
Polnischer W. (Gommer, astrachanisches, sibirisches, wallachisches Korn, ägyptischer, langkörniger, lothringer, sibirischer
W., T. polonicumL., Astracan W., polnish W., f. de Pologne, in Deutschland selten, fast
nur zu Suppen verwendet, hat Körner in Länge des Roggens, in Osteuropa verbreiteter. e) Spelz, Dinkel
(Dünkel, Dinkelkorn, Korallenweizen, Quälkorn, Krullweizen, Zweikorn), T. Spelta, Spelt, Spelt wheat, grande épeautre,
holl. spelt, ital. spelta, zea, farro; Anbau auf nicht vollkommenem
Weizenboden, besonders im Südwesten Deutschlands; fast nur lokal verwendet, wird in den Spelzen geerntet und muß zum Gebrauch
entschält werden. Ebenso f) Emmer, Ammer, Amelkorn etc., Tr.
amylaceum; Amel corn, amidonnier, holl. spelt, ital. spelta.
g) Einkorn, Dinkel, Dinkelkorn, deutscher Reis, Peterskorn, Schwalm-Gerste und -Weizen,. Tr.
monococcum; One grained W., frz. en grain, holl. wild spelt.
Nur in Gebirgsgegenden. -
Anbau. Der W. bildet die Hauptgetreideart für die thonigen Felder, von der Lehmgruppe an bis zu den
schwersten Thonböden, verlangt Bündigkeit und Feuchtigkeit, versagt auf leicht sandigem Boden und friert in den edleren
Sorten in harten Wintern leicht aus. Auf Bodenarten, welche zum besseren Weizenbau sich nicht mehr gut eignen, kommen die
Spelzarten vor, jedoch nur in beschränktem Anbau. Man baut den W. jetzt fast nur noch nach gut gedüngten
Vorfrüchten, als Sommer-, hauptsächlich aber als Winterfrucht, überall da, wo für erstere 140, für letzteren 300 Tage
Vegetationszeit gegeben sind und die Winterkälte nicht über 22° geht, die mittlere Wintertemperatur 3,75° und die Sommerwärme
14° C. ist; im großen bis zum 60°, vereinzelt noch bis zum 64° n. Br., in Amerika, wohin ihn Kolumbus
brachte, in Europa und in Asien; südlich geht er in Nordafrika
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bis zur Wüste, dann baut man ihn wieder im Kapland, in Australien, in Chili und in Paraguay. Ausgeschlossen ist der hohe
Norden und die Tropenzone. In den Alpen geht er bis 1300 m Höhe, im Himalaya und in Mexiko bis 2000 m hoch. - Die Saatzeit
ist vom September bis Weihnachten, je nach Klima und Witterung, und für Sommerfrucht von Anfang April
an. Man säet breitwürfig und in Reihen, 100 bis 260 kg pro ha; 1 hl wiegt, je nach Sorte, 72 bis 82 kg.
Man kennt über 200 Arten, hat jedoch zum Anbau im großen nur die des gemeinen und des englischen W. zu
berücksichtigen; von beiden giebt es Modesorten, solche für bestimmte Lokalitäten, solche von allgemeinem Wert, empfindliche
und nicht empfindliche etc., Kolben- und Grannenweizen.
Der W. leidet durch Auswintern, Spätfröste, Trockenheit und Nässe, Unkraut, Staubbrand, Steinbrand, Rost, Mehltau, die
Raupen der Wintersaateule, Weizeneule, Getreidemotte, Quecken- und Gammaeule, durch Drahtwurm, Larven
vom Getreidelaufkäfer, Zwergzikade, Weizenmücke, Halmfliege, Blumenfliege, Weizengallmücke, Ackerlaufkäfer, Ackerschnecke,
Weizenählchen (Gicht- oder Radenkrankheit), Vögel, Mäuse, Hamster etc. Die Spelzarten sind
sicherer, die Weizenarten im allgemeinen zu den ziemlich sicheren Früchten zu rechnen. - Die Ernte erfolgt nach dem Roggenschnitt,
in Ungarn im Süden Ende Juli, im Norden im August und später, überall, wegen des sonst unvermeidlichen
Verlustes durch Ausfallen, zur Zeit der Gelbreife, d. h. in dem Zustand der Körner, daß sie
sich noch über den Fingernagel biegen lassen, das Innere aber nicht mehr milchig ist. Hinsichtlich der dem Boden entzogenen
Nährstoffe ist der W. die anspruchsvollste Getreideart. Man erntet 10-15, 16 bis 24 und 25-32 hl Körner,
je nach Bodengüte, und 13-47 m. Ztr. Stroh. Vgl. Getreide. -
Statistik. Deutschland baute im Jahre 1879 auf 1813751,6 ha W. 49551778 Ztr. Winter- und 2591978
Ztr. Sommerfrucht (96727917 und 4707744 Stroh), auf 394701,3 ha Spelz 8881789 Ztr.
Winter- und 56742 Ztr. Sommerfrucht (20471812 und 140323 Ztr.
Stroh), auf 7377 ha Einkorn 135495 und 13275 Ztr. Körner. Die Jahre 1878-80 ergaben als Gesamternte 181,6, 219,92
und 211,82 Mill. m. Ztr. oder 554,627-602,357 und 600,42 Mill. Mk.
Die Einfuhr im Jahre 1879 (aus Österreich, Rußland, den Vereinigten Staaten von Nordamerika) war 228 Mill.
kg, die Ausfuhr 178 Mill. kg (nach Holland und England).
Zwischen 1878 und 1881 waren auf den Hauptmärkten in Preußen die Preise für 100 kg zwischen 19,6 (1879 und 1875) und 26,4
Mk. (1873). In den Vereinigten St. von N.-A. stieg von 1866-1879 der Ertrag
von 152 Mill. Bushels (zu 27,3 kg) zum Wert von 333,7 Mill. Doll. auf 448,75
Mill. Bushels und 497,03 Mill. Doll, die Ausfuhr von 5,57 Mill. Bushels = 7,84 Mill. Doll.
auf 122,35 Mill. B. = 130,7 Mill. Doll. Körner und von 2,18 Mill. Faß = 18,3 Mill. Doll.
auf 5,6 Mill. Faß = 29,5 Mill. Doll., die Ausfuhr nach Deutschland
von 1879 war 422242 Bushels und 11233 Faß, zus. etwa ½ Mill. Doll. Neuman-Spallart rechnet für 1878 den
Ertrag in Deutschland zu 42,8, den in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu 155,2 Mill. hl, für 1880 in Deutschland
2,3 Mill. t (1000 kg) Ertrag, 0,2 Mill. t Einfuhr, 0,1 Mill. t Ausfuhr.
Jäger „Agrarfrage“ berechnete für 100 kg amerikanischen W., Prima-Qualität: ab New-York 16,25 Mk.,
Fracht bis Antwerpen oder Hamburg 2,50 Mk., Versicherung 0,25 Mk., bis Liverpool
zusammen 2,45 Mk., bis Rotterdam 2,75 Mk., Fracht etc.
bis Mannheim 1,10 Mk., Zoll 1,0 Mk., zusammen 21,1 Mk.,
ausschließlich aller Unkosten etc. Im Jahre 1880 stellte sich die Seefracht von New-York auf
Liverpool zu 1,50 Mk. für 100 kg. Hausner nimmt das Gesamterzeugnis
von W. zu 414,6 Mill. hl in Europa an, für Spelz aus fünf Staaten in Deutschland und aus Frankreich zusammen zu
etwa 20 Mill. hl. Auf Ungarn rechnet man 20-24 Mill. hl, auf Österreich diesseits 10-16 Mill.
hl W. und an 200000 hl Spelz.
Der W. bildet den Hauptartikel des Getreidegroßhandels, sowohl auf Binnenmärkten, als in den Hafenplätzen. Es werden nur
die auffallend verschiednen Sorten, wie roter, weißer, glasiger, polnischer, für sich gehalten. Neben
andern Eigenschaften, wie dünn- oder dickschalig, gut oder schlecht gereinigt, ist besonders das Gewicht für die Wertbestimmung
maßgebend; je gleichartiger, größer, voller, dünnschaliger, im Querschnitt weißer und im ganzen je schwerer das Korn,
desto wertvoller.
Ausfuhrländer sind in Europa: Südrußland, die Donaufürstentümer, Polen, Ungarn und das Banat,
das östliche Deutschland. Die reichste Kornkammer, nachdem sie durch Eisenbahnen eröffnet worden, bildet gegenwärtig Ungarn,
von welchem die Ausfuhr erfolgt, sowohl südlich über Triest, als westlich bis zu dem Hauptkunden, der Schweiz; die
Hauptlager sind in Pest, Debreczin, Fiume. Bis vor kurzem war Südrußland das bedeutendste Ausfuhrland, via Odessa.
Unter den jetzigen Verhältnissen hat aber das russische Korn dem amerikanischen und ungarischen weichen
müssen.
Der ungarische W. ist im allgemeinen von guter Qualität; der beste ist der aus dem Bacser und Weißenburger Komitat, aus
der Theißgegend und dem Banat. Schöner und feiner noch ist der W. aus Niederösterreich. Aus Stettin
und andern Ostseehäfen wird schlesischer, pommerscher, polnischer W. verschifft, namentlich nach England und zum Teil nach
Frankreich. England bezieht trotz seiner großen eigenen Produktion von verschiednen Seiten noch große Massen fremden Korns,
in der letzten Zeit jährlich etwa 34½ Mill. Ztr. und gegen 4 Mill. Ztr.
Weizenmehl, hauptsächlich aus Amerika, aber auch schon aus Chili, Australien, Kapland, Rußland, Frankreich
und Ägypten. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 9 a.
(lat. herba oder sumitates absinthii, frz. absinthe,
engl. wormwood, ital. assenzia), das getrocknete Kraut mit den blühenden Spitzen von Artemisia absinthium, einer durch ganz
Mitteleuropa auf steinigen Anhöhen wachsenden, wie auch in Gärten gezogenen Pflanze mit holzigem Stengel
und ausdauernder Wurzel. Die Pflanze wird 6-12 dm hoch und besitzt sehr
¶
mehr
zerschlitzte graufilzige Blätter und gelbe überhängende Blütenköpfe. Das Kraut hat, frisch wie getrocknet, einen eigentümlichen,
stark würzhaften Geruch und intensiv bittern Geschmack. Die Pflanze enthält einen Bitterstoff, das Absinthiin, verschiedne
Salze und ein ätherisches Öl (Oleum absinthii), das den Geruch der Pflanze hat, scharf aromatisch ist und weniger bitter schmeckt.
Das Kraut wird in Thüringen, am Harz und in Südfrankreich stark angebaut und zum Gebrauch für Apotheken in der Blüte gesammelt
und getrocknet und dient zur Bereitung eines Extraktes und einer Tinktur, die als Magenmittel Verwendung haben.
Auch das Öl, das durch Destillation des frisch getrockneten Krautes mit Wasser oder direktem Dampf gewonnen
wird, wird in gleichem Sinne gebraucht, weit mehr aber in der Likörfabrikation, namentlich zu dem beliebten Absinthlikör.
Das Öl ist aus diesem Grunde ein ziemlich starker Handelsartikel. Es gibt deutsches und französisches. Das letztere wird
im Handel zuweilen auch in drei Qualitäten aufgeführt, von denen die erste aus reinen Blättern von
im Süden gebauten Pflanzen, die beiden andern teils aus wild gegewachsenen ^[richtig: gewachsenen], teils aus bereits in
Blüte getretenen Pflanzen stammen soll. Das feinste französische Wermutöl ist sehr dickflüssig, dunkelgrün, wird aber
mit der Zeit braun; die andern Sorten sind etwas weniger dickflüssig. Die Preise schwanken je nach Qualität
zwischen 36 und 64 Mk. pro kg. Wermutwein wird in Elsaß-Lothringen
viel getrunken. - Zoll: Wermutkraut zollfrei.Ätherisches Wermutöl und weingeistige Tinktur gem. Tarif Nr. 5 a.
Wermutextrakt und Wermutbranntwein Nr. 25 b. Wermutwein Nr. 25 e 1 u. 2.
(Vicia L.), Familie der Schmetterlingsblütler, Gruppe der Vicinen, artenreiche Familie
von meist zur Fütterung dienlichen Pflanzen (engl. Vetch, fr.
vesce, holl. wikke, ital. veccia, vescia), davon besonders
die Saatwicke oder gemeine Futterwicke (Heide-, Feld-, Korn-, Rosswicke, St. Christophskraut), V. sativaL., (Cultivated
V., v. cultivée) und die platterbsenartige W. (Küchen-Wicken, frühe W. und kleine Frühlingswicke),
V. lathyroidesL., (Lathyrus und Chickling V., v. gessière).
Die W. werden in mehreren Arten zur Fütterung, als Grünfutter, zu Heu, meist als Mengfutter mit Hafer, Mais, Erbsen, Bohnen
etc. im großen angebaut; der Handel mit W. bezieht sich fast nur auf den Samen zur Saatzeit,
das Futter bauen die Landwirte für den eigenen Bedarf. Die W. lohnt und verträgt die stärkste Düngung
und hat deshalb auch Wert für die Fruchtfolge. Der Anbau der gemeinen W. ist ziemlich sicher, der Ertrag groß, 1 hl Samen
wiegt 76-84 kg; 1 kg hat 9-30000 Körner; zur Saat braucht man 1,5 bis 4 hl. Man
erntet 100-220 m. Ztr. Grünfutter, 20-45 Ztr.
Heu, 10-18 m. Ztr. Körner, 12-26 m. Ztr.
Stroh.
Das Mehl der roten Sommer- und der Kanadischen W. wird auch zuweilen (in Frankreich) für Menschen verwendet, in Zumischung
zu Weizenmehl. In England baut man auch die Vogelwicke, andere Arten auch auswärts für bestimmte Bodenarten;
haarige W. oder schwarze Linse,
asiatische und einblütige W. für Sand etc. Die besten Sorten der gemeinen W. (Sommer-
und Winterfrucht) kommen aus Frankreich. Die Händler rechnen: gewöhnliches Futter wie grünes 100 kg zu 36 Mk.,
Sandwicke, zottige W. zu 60 Mk., weniger gereinigt bis 50 Mk., sogenannte
Narbonne etc. bis 50 Mk. -
(Wildbret, Wilpert), die Gesamtheit der zur menschlichen Nahrung dienlichen jagdbaren Tiere, Säugetiere und Vögel.
Dahin gehören Edel- oder Rot-, Reh- und Damwild, Gemsen, Renntiere etc., Antilopen, Gazellen
und dergleichen (in den Tropen); Schwarzwild, Wildschweine, Hasen und Kaninchen, Auer-, Birk-, Hasel-Geflügel;
Fasanen, Schnepfen, Enten, Rebhühner, Beccasinen, Drosseln, Wachteln, Krammetsvögel etc. Das
W. nimmt mit zunehmender Kultur immer mehr ab, muß daher für die Großstädter aus immer weiteren Gegenden bezogen werden.
Amerika liefert jetzt in ziemlicher Menge W. verschiedner Art. Hirsche, Rehe, Wildschweine, Fasanen werden in Deutschland
fast nur noch aus Wildparks geliefert und in solchen gelegentlich großer Jagden in größeren Mengen
zum Verkauf geschossen. Der Händler muss sich sichere Bezugsquellen zu verschaffen wissen und kontraktlich mit den betreffenden
Forstbeamten die Lieferungen bedingen; die Eisenbahnen ermöglichen die Versendung auf weite Strecken. Feldjagden für kleines
W. werden meistens durch Treiben abgeschossen; auch bei diesen gibt es dann W. in größeren Mengen.
Geliefert wird das W. an Detailhändler und direkt an Private, Gasthöfe etc. Der Handel mit
W. muß sich nach den Jagdgesetzen des Landes richten; es gibt gesetzliche Schonzeiten für jede Art von W., innerhalb welcher
die Jagd nicht ausgeübt und W. der Art auch nicht, um den Wilddiebstahl nicht zu begünstigen, verkauft
werden darf, selbst wenn es aus Gegenden ohne Schonzeit kommt. Bis zu gewisser Grenze kann dann W. mit Bescheinigung des
Ursprungsorts bezogen werden; doch nur für bestimmte Abnehmer, nicht für allgemeinen Verkauf.
Die Hauptzeit für Wildbret ist vom September bis zum Frühjahr. Die Versendung geschieht am besten im
Winter bei Frostkälte; tritt milde Witterung ein, so muß der Absatz rasch erfolgen und sinken dann sofort die Preise. Die
Jahresausbeute ist abhängig von der Witterung, soweit es die Feldjagden betrifft; es gibt gute und schlechte Jahrgänge
für Hasen, Feldhühner, Schnepfen etc. Hochwild wird in der Regel in den
Parks nach bestimmtem Satze abgeschossen. Schwarzwild gibt es noch im Überschuß bis zur gebotenen Vernichtung in den Reichslanden
und angrenzenden Gebieten der Ardennen; Hochwild, Auerwild, Fasanen u. dgl.
in Böhmen in größeren Mengen, in Deutschland nur in den sehr waldreichen Distrikten. Frankreich und
England sind wildarm, Schweden ist noch wildreich, Rußland hat zum Teil Überfluß, vereinzelt schon Mangel, Italien wenig
W., Österreich noch ziemliche Bestände in mehreren Gegenden. Alles W. wird stückweise und nur Federwild zum Teil zu mehreren
Stücken, paarweise, zu vier und mehr
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mehr
Stück, verkauft und meist ohne Verpackung versendet. Aufgehoben muß das W. an der Luft werden, nachdem es ausgenommen wird,
im Balg oder abgehäutet, Federwild stets im Federschmuck. Ausgelöste Fleischstücke von Reh und Hirsch lassen sich längere
Zeit in saurer Milch aufbewahren;
zerschossenes Federwild und Wassergeflügel muß rasch verbraucht werden. -
Statistisches über W. läßt sich nicht geben; die Preise sind zu schwankend; in großen Städten wird regelmäßig über
den Preis, wie hinsichtlich anderer Marktware berichtet. Deutschlands Einfuhr bewegt sich zwischen 20 bis an 50000 kg
für Geflügel und kleines W. zum Durchschnittspreis von 90-120 Mk., die von großem W. zu
etwa 5-10000 Ztr. zu 66-90 Mk. Die Ausfuhr ist von jenem etwa 12500,
von diesem kaum 5000 Ztr. -
Zoll: Wildpret aller Art, lebendes, zollfrei, nicht lebendes, auch zerlegtes, eingesalzenes, abgekochtes Nr. 25 g 1 des
Tarifs im Anhang. Zum feineren Tafelgenuß zubereitetes, sowie in Blechbüchsen hermetisch verschlossen, Nr. 25 p 1.
(Strumpfwaren) sind Zeuge, welche nicht aus einem durch gekreuzte Fäden gebildeten Gewebe, sondern aus
ineinander greifenden Maschen bestehen, wozu ein einziger Faden den Stoff geliefert hat, und welche demnach auch durch bloßes
Ziehen an diesem Faden wieder aufgelöst werden können. Aus dem Stricken mit der Hand, das etwa im Anfang
des 16. Jahrhunderts erfunden worden zu sein scheint, ohne daß über den Ursprungsort das geringste bekannt wäre, ging
die Maschinenwirkerei hervor, indem Lee 1589 in England hierzu eine sehr sinnreiche und komplizierte Maschine, den gewöhnlichen
Strumpfwirkerstuhl, erfand, dieser liefert dasselbe Maschenwerk wie die Hand, aber auf andre Weise, ohne
irgendwie die Handgriffe des Strickens nachzuahmen.
Auf den gewöhnlichen Strumpfstühlen können nur breite Flächen gewirkt werden, die dann, wenn sie runde, schlauchartige
Stücke geben sollen, zusammengenäht werden müssen. Man hat jetzt aber auch Strumpfmaschinen, welche selbstthätig hohle
Stücke wie Strümpfe, Hosen, Socken, Mützen etc. ganz fertig und richtig geformt
abliefern. Auch die Breitwirkstühle sind sehr vervollkommnet worden. Außerdem sind zu dem Maschinenapparat noch hinzugekommen
die Rundstühle, welche hauptsächlich der massenhaften Herstellung wohlfeiler baumwollener Strümpfe dienen.
Dieselben erzeugen nur gleichweite Schläuche, welchen durch Zerschneiden, Ausschneiden, Zusammennähen und endlich feuchtes
Ausarbeiten über hölzernen Formen eine dauerlose Strumpfform gegeben wird. Die französischen Rundstühle
sind vorzüglicher und leistungsfähiger als die englischen. Auch Strickmaschinen zum Hausgebrauch sind entstanden und sind
hier namentlich die Ausführungen von Lamb und Lange zu nennen. Es besteht unter den W. eine große Mannigfaltigkeit; man
verarbeitet Wolle, Baumwolle, Leinen und Seide, letztere beiden Stoffe namentlich zu Strümpfen und Handschuhen.
Ein fabrikmäßiger Betrieb der Wirkerei für den Export findet namentlich in England, einigen Gegenden
Deutschlands und in Frankreich statt.
In England, als dem ältesten Sitze der Industrie, ist dieselbe sehr umfangreich und
ausgebildet. Der Hauptfabrikort ist dort Nottingham, wo etwa 17000 männliche und 44000 weibliche Arbeiter darin beschäftigt
sein sollen. Frankreich zeichnet sich nur durch den speziellen Artikel seidene Strümpfe aus, worin es
unerreicht dasteht. In Deutschland ist der hauptsächlichste Sitz der Wirkerei Sachsen, speziell die Gegend von Chemnitz
und diese Stadt selbst. Es werden da vorzugsweise baumwollene Strumpfwaren fabriziert, außerdem sehr preiswerte wollene,
baumwollene, leinene und seidene Handschuhe.
Sachsen und England konkurrieren mit ihren Artikeln auf auswärtigen, namentlich amerikanischen Märkten.
Für wollene Artikel ist Apolda in Thüringen die bekannte Hauptstadt; außerdem ist Zeulenroda zu nennen. Übrigens kommt
das Wirkereigeschäft noch vor im nördlichen Böhmen als Abkömmling des sächsischen, in Franken (Umgegend von Nürnberg
und Erlangen) und in Württemberg (Calw und Reutlingen). Nicht unerwähnt darf endlich Berlin bleiben,
das bei seinen energischen Fortschritten in einer Menge Industriezweige auch in diesem schon bedeutendes leistet und viele
W. selbst nach England, wie auch nach überseeischen Ländern absetzt. - Zoll: Baumwollene Nr. 2 d
3;
leinene Nr. 22 h;
wollene Nr. 41 d 4, und wenn bedruckt Nr. 41 d 6 α;
(Bismuthum, frz. bismuth: engl. bismuth) ist ein
rötlich-silberweißes, sehr großblätterig kristallisierendes Metall, dem Antimon ähnlich und wie dieses spröde und pulverisierbar,
das hauptsächlich in gediegenem Zustande an wenig Punkten der Erde vorkommt. Bis 1867 war, da England
nichts mehr lieferte, das sächsische Erzgebirge die einzige Bezugsquelle. In diesem Jahre kamen die ersten außereuropäischen
Wismuterze an den Londoner Markt, doch beläuft sich auch heute noch die Einfuhr davon nach London nur auf etwa 2500 kg
jährlich. In Sachsen findet sich W. im Gemenge mit Kobalt- und Silbererzen, Kupfernickel etc., und es
werden dieselben vor der Verhüttung in schräg liegenden Röhren erhitzt, um das sehr leichtflüssige W. abzusaigern. Da
ein eigener Bergbau auf das Metall nicht stattfindet, so war zu jener Zeit auch das Ausbringen ein beschränktes (etwa 15000 kg
im Jahr); die Preise wurden von den sächsischen Werken stetig gesteigert, auf 36-42 Mk.
das kg und höher.
Bei diesen Preisen war an eine technische Verwendung des Metalls nicht mehr zu denken; fast das ganze Erzeugnis wurde verwendet
zur Darstellung eines vielbegehrten Medikaments, des basisch salpetersauren Wismutoxyds (Bismuthum subnitricum), das übrigens
unter dem Namen Wismutweiß oder Perlweiß als Schminkmittel schon lange dient, während seine guten Dienste bei Dysenterie
und Cholera erst neuerdings anerkannt worden sind. In dieser Eigenschaft geht das Präparat nach heißen Ländern und hat
Frankreich allein für seine Armee mehr als 1000 kg jährlich bezogen, namentlich zum Bedarf für Algerien.
Die Darstellung des Subnitrats aus dem
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