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In jedem Moment hat das menschliche Wesen die Macht, eine Möglichkeit für sein Da-Sein zu schaffen. Antoine de Saint-Exupéry verleiht dieser Idee ein Gesicht in seiner Geschichte „Der kleine Prinz“. Der gestrandete Pilot trifft auf den kleinen Prinzen. Mehr als alles andere wünscht sich der kleine Prinz, dass der Pilot ihm ein Schaf zeichnet. Der Einwand des Piloten, er könne gar kein Schaf zeichnen, lässt der kleine Prinz nicht gelten. Schliesslich zeichnet der Pilot eine Schachtel, in der sich ein Schaf befindet und zaubert so ein Lächeln der Zufriedenheit auf das Gesicht des kleinen Prinzen. Der Pilot hat dem kleinen Prinzen weitaus mehr als nur eine Zeichnung eines Schafes in einer Schachtel gemacht. Der Pilot gab dem Prinzen die Möglichkeit, alles in dieser Schachtel zu sehen und zu erfahren und der Prinz gab dem Piloten die Möglichkeit, über sein vermeintliches Unkönnen und seine Beschränktheit hinaus zu steigen. Gegenseitig gaben sie sich einen wertvollen Moment, in der der Selbst-Entwurf zustande kommt.
Beim Selbst-Entwurf muss vom Alten Abschied genommen werden; es geht ein bisschen Sterben voraus. Der Neu-Entwurf ist auch ein bisschen wie eine Geburt. Die Schmerzen dabei können Trauer sein für das bisschen Sterben aber auch Wehen für das bisschen Geburt. Wie gross das Bisschen ist, entscheidest du für dich. Ein Selbst-Entwurf ist gedanklich nicht weiter entfernt als die Spaltung eines Atoms. Die Spaltung des Atmos wurde erst möglich, als die Wissenschaft erkannte, dass die Möglichkeit besteht, das Atom zu spalten. Angenommen ich habe die Vision, die Atomspaltung zu entwickeln. Ich forsche, versuche, mache Fehler und versuche nochmals; und dann eines Tages klappt es. Ich habe das Atom gespalten. Die Spaltung setzt Unmengen von Energie frei. Kann ich mit dieser Energie umgehen und sie richtig einsetzen? Doch hierzu mehr in Bedingungen haben keine Wirkung. Am Anfang steht die Stille. Ich lasse es still werden, bis nichts mehr tönt, nichts mehr sich bewegt, nichts mehr ist. In diese Stille tauche ich ein und verweile einen Moment darin. Ich befinde mich in einer weissen Leinwand. Langsam formen sich Ideen und Visionen. Diese forme ich zu Möglichkeiten. Ideen, Visionen und Möglichkeiten brauchen keine Daseinsberechtigung. Sie sind, was sie sind, weil sie es sind.
Reflexionsfragen zum Eintritt in die Leinwand:
Was / Wen lasse ich zurück?
Welche Schmerzen bereitet mir das?
Was ist die Stille, in der ich eintauche?
Reflexionsfragen zum Selbst-Entwurf:
Welche Träume, Ideen entstehen?
Was entwerfe ich selbst neu?
Was will ich sein?
Reflexionsfragen zur eigenen Erlaubnis:
Durch welche Türe gehe ich als nächstes?
Welche Haltung nehme ich jetzt ein?
Welcher Weg liegt vor mir?
Seinsqualität ist das Ergebnis des Selbst-Entwurfs.
Samuel Taylor Coleridge zum Selbst-Entwurf:
What if you slept?
And what if, in your sleep, you dreamed?
And what if, in your dream, you went to heaven
and there plucked a strange and beautiful flower?
And what if, when you awoke,
you had the flower in your hand?
What then?
Bücherempfehlung: Saint-Exupéry: Der kleine Prinz