Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03648.jsonl.gz/2157

WM Imola
Auf dem WM-Podest angekommen
Marlen Reusser hat in Imola ihre erste WM-Medaille gewonnen und damit ihre grossen Fortschritte bestätigt. Im Einzelzeitfahren der Frauen musste sich die Bernerin einzig der Niederländerin Anna van der Breggen geschlagen geben.
2017 sass Marlen Reusser erstmals an einem Wettkampf auf dem Rennrad, auf Anhieb wurde sie Schweizer Zeitfahrmeisterin. Bereits damals attestierten die Verantwortlichen von Swiss Cycling der Bernerin enormes Potenzial. „Ich gehe jetzt weiter trainieren und komme dann wieder“, kommentierte Reusser wenige Wochen später im norwegischen Bergen den 29. Rang bei ihrer WM-Premiere. Drei Jahre später ist die Quereinsteigerin im Kampf gegen die Uhr nach grossen Fortschritten und vielen Trainings in der absoluten Weltspitze angekommen.
2019 hatte Reusser – in ihrem ersten Jahr als Profi – in Yorkshire nach einer alles andere als optimal verlaufenen Vorbereitung den 6. WM-Rang belegt. Nun stand die ausgebildete Ärztin aus Hindelbank nach der EM in Plouay (Bronze) vor einem Monat auch im zweiten Titelkampf des Jahres auf dem Podest.
In Imola sicherte Reusser der Schweiz die erste WM-Medaille bei den Frauen seit 14 Jahren. Damals gewann Karin Thürig in Salzburg ebenfalls Silber im Einzelzeitfahren. Dabei hatte Reusser während des Rennens nicht realisiert, dass sie so gut im Rennen lag. „Ich hatte immer das Gefühl, ich finde den Rhythmus und die Pace nicht. Ich dachte, das wird nichts“, sagte die 28-jährige Zeitfahrspezialistin nach dem grössten Erfolg ihrer noch jungen Karriere.
Reusser täuschte sich. Die Bernerin kämpfte von Beginn weg um die Medaillen. Bei der einzigen Zwischenzeit nach knapp der Hälfte der 31,7 Kilometer langen Strecke lag sie bereits im 2. Zwischenrang, deutlich hinter der Amerikanerin Chloe Dygert-Owen. Die Titelverteidigerin stürzte kurz darauf schwer und musste das Rennen aufgeben. Reusser kämpfte plötzlich gegen Anna van der Breggen um Gold.
Im Ziel betrug Reussers Rückstand auf die neue Weltmeisterin, die nach vier Silbermedaillen erstmals Gold im Zeitfahren gewann, letztlich 15 Sekunden. Bronze holte mit Ellen van Dijk (0:31 zurück), der Weltmeisterin von 2013, eine weitere Niederländerin.
Bei der EM in Plouay verhinderten Schaltprobleme am Rad ein besseres Ergebnis. Auch nach dem Rennen in Imola wusste Reusser genau, weshalb sie auf der zweiten Streckenhälfte Zeit einbüsste. „Ich hatte bei den giftigen Anstiegen im technisch schwierigeren Teil am Ende einen Gang zu wenig.“ Sie habe ihr Velo fast nicht mehr beschleunigen können. „Dazu kamen meine nicht so hervorragenden Kurven-Skills“, hielt sie fest.
Reusser ist immer noch ein Lehrling auf dem Rad. Technisch anspruchsvolle Passagen meistert sie oftmals nur mit angezogener Handbremse. „Ich habe noch immer technische Defizite. Ich weiss, dass ich noch besser werden kann, wenn ich in diesem Bereich weiter aufhole.“ Das Rennen sei aber ein weiterer Schritt nach „hoffentlich ganz vorne“ gewesen.
Die Fortschritte, die Reusser seit ihrem Debüt vor vier Jahren gemacht hat, lassen sich am einfachsten an den WM-Resultaten darstellen: 29 – 17 – 6 – 2. Das lässt auf eine weitere Steigerung hoffen.
Text: Keystone-SDA