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Tabak aus Kinderhänden (09.02.2020, gs)
Der grösste Teil des Tabaks für Zigaretten stammt aus Plantagen in Afrika und Asien. Auf den dortigen Feldern ist Kinderarbeit gang und gäbe.
Tabak ist eigentlich keine besonders anspruchsvolle Pflanze. Sie wächst fast überall, auch in der Schweiz. Trotzdem beziehen die Tabakkonzerne den Rohstoff für ihre Zigaretten zu über 90% von Plantagen in Afrika oder Asien. Hier ist er am billigsten. Der tiefe Preis kommt nicht von ungefähr: Es gibt in diesen Weltteilen kaum Gesetze, die die Arbeit regeln oder den Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Feldern faire Löhne ermöglichen. Auch Kinderarbeit ist weit verbreitet.
Die Pflanze macht krank
Ein Mädchen, das die Arbeit auf den Tabakfeldern kennt, ist die 14-jährige Julaeping Putri. Seit sie drei Jahre alt ist, hilft sie ihrer Mutter auf einer grossen Plantage in Indonesien. Sie muss hier arbeiten, weil der Lohn ihrer Eltern alleine nicht ausreicht, um die Familie zu ernähren. Wie viele andere Menschen auf der Plantage leidet auch Julaeping an schweren gesundheitlichen Problemen durch den Kontakt mit der giftigen Tabakpflanze. «Seit Jahren habe ich Schmerzen in der Brust. Das Atmen fällt mir schwer und manchmal beginnt mein Herz zu rasen», sagt sie zu einer englischen Zeitung, die über ihr Leben berichtet. «Am schlimmsten sind die Symptome in der Erntesaison.»
Julaepings Beschwerden kommen davon, dass sie mit blossen Händen die Tabakblätter anfassen muss. Das führt zu einer chronischen Nikotinvergiftung, die besonders Kinder, aber auch Erwachsene befällt. Die Krankheit hat einen eigenen Namen: «Grüne Tabakkrankheit». Schutzbekleidung würde dagegen helfen, doch Julaeping und ihre Mutter müssten diese selbst kaufen – und dafür fehlt ihnen das Geld.
Ein Teufelskreis beginnt
Insgesamt arbeiten mehrere tausend Kinder wie Julaeping in Indonesien im Tabakanbau. Noch grösser ist ihre Zahl in Afrika. Allein im Land Malawi in Südostafrika sind es zirka 80 000 Kinder, die arbeiten, statt zur Schule zu gehen. Damit geraten die Kinder in einen Teufelskreis: Ohne Schulabschluss und Ausbildung finden sie als Erwachsene keinen anderen Job und müssen ihr ganzes Leben lang die schwere, schlecht bezahlte und krank machende Arbeit auf dem Tabakfeld verrichten.