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Mit dem Start der Armee XXI wurde in der Schweizer Armee ein dauerhafter Reformprozess angestossen: Aufwertung der Raumsicherungsaufgaben, Abwertung der klassischen Verteidigung und damit verbunden die Anpassung von Ausbildung, Ausrüstung, Waffensysteme usw. werden noch lange nicht abgeschlossen sein. Mit dem Entwicklungsschritt 08/11 werden weitere Änderungen in der Schweizer Armee umgesetzt:
Im Heer bleiben die vier Stäbe der Territorialregionen bestehen. Die Stäbe der Brigaden werden ab 1. Januar 2008 schrittweise von neun auf acht reduziert werden. Die zwei Panzerbrigaden 1 und 11, die zwei Infanteriebrigaden 2 und 5, die zwei Gebirgsinfanteriebrigaden 9 und 12 sowie die Infanteriebrigade 7 (Reserve) und die Gebirgsinfanteriebrigade 10 (Reserve) bleiben bestehen. Der Stab der Infanteriebrigade 4 wird auf den 31.Dezember 2010 aufgelöst. Die aktiven Bataillone des Heeres werden mit einzelnen Ausnahmen (zB Grenadierformationen) den sechs aktiven Brigaden und den vier Territorialregionen im Sinne einer Grundgliederung unterstellt werden. Jede der Territorialregionen wird so nach Umsetzung des Entwicklungsschritts 08/11 über 2 Katastrophenhilfe Bataillone oder Genie Bataillone für Einsätze zur Unterstützung der zivilen Behörden (zB militärische Katastrophenhilfe) verfügen. Die Reservebrigaden (Infanteriebrigade 7 und Gebirgsinfanteriebrigade 10) sind gegliedert, ihnen sind die Reservebataillone unterstellt. [..]
In der Luftwaffe wird die Anzahl der Fliegerabwehrabteilungen von heute 15 gemischten auf neun aktive Abteilungen reduziert werden. Die neue Zusammensetzung entspricht somit dem absehbaren Bedarf für die Einsätze bei Existenz- und Raumsicherungsoperationen und die Einsatzbrigaden sowie der Schulung der Verteidigungsfähigkeit mit Verbänden des Heeres. Mit diesen 9 Verbänden können zwei so genannte Fliegerabwehr-Cluster gebildet werden, die den Flab-Schutz über zwei Räume oder auch den grossräumigen Schutz zweier national wichtiger Infrastrukturobjekte wie zum Beispiel Kernkraftwerke oder Flugplätze, sicherstellen können. [..]
[Logistik:] Die Logistikbataillone und die mobilen Logistikbataillone werden vereinheitlicht und von insgesamt sechs auf vier reduziert. Die zwei aktiven Spital Bataillone und zwei aktiven mobilen Spital Bataillone bleiben bestehen und werden neu zu einheitlichen Spital Bataillonen formiert. — Quelle: Medienmitteilung des Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, “Neue Armeeorganisation: Redimensionierung, Verlagerung des Schwergewichts und klare Trennung zwischen aktiven Verbänden und Reserve“, 06.07.2007.
Der Entscheid, den Stab der Infanteriebrigade 4 auf Ende 2010 aufzulösen fiel beim Kommandanten Brigadier Bruno Staffelbach natürlich auf wenig Verständnis. Womöglich war es die klare Ausrichtung der Brigade auf Interoperiabelität und dem Willen auch mit einer WK-Formation im Ausland einen Ausbildungsdienst zu leisten, die zu einem “politischen Opfer” führte. Womöglich waren aber auch traditionelle Gründe ausschlaggebend – wer weiss das schon genau…
Der andauernde Reformprozess macht auch nicht halt vor so “alltäglichen” Dingen wie dem Sackmesser (Soldatenmesser 61):
Das alte Soldatenmesser [..] entspricht punkto Anforderungen an Sicherheit und Technologie nicht mehr den heutigen Anforderungen. So ist zum Beispiel die Klinge nicht arretierbar, was im Gebrauch zu Verletzungen führen kann. Auch ist heute ein besserer Stahl für die Klinge verfügbar. Aus solchen Gründen hat die Armee mit dem Voranschlag 08 des VBS im sogenannten AEB-Kredit 08 (Ausrüstung und Erneuerungsbedarf) ein neues Soldatenmesser beantragt. Der AEB-Kredit 08 wird dem Parlament noch dieses Jahr vorgelegt und nach dessen Zustimmung durch die beiden Kammern kann das neue Soldatenmesser beschafft werden. — Quelle: Armasuisse, “Factsheet – Soldatenmesser 08“, 26.07.2007
Wie das Soldatenmesser 08 aussehen soll, weiss man noch nicht. es soll jedoch eine arretierbare Schneideklinge aus Edelstahl mit Wellenschliff, einen Kreuzkopfschraubenzieher, eine Holzsäge, eine Bohr- und Stechahle, einen arretierbaren Schraubenzieher mit Dosenöffner, eine Ein-Handöffnung der Schneideklinge (aber ohne Sprungfeder) beinhalten. Weiter soll es wartungsarm sein und in einer Tasche am Gürtel getragen werden können. Nach einem Truppenversuch soll das neue Messer ab Ende 2008 erhältlich sein und ab anfangs 2009 über die Rekrutenschulen abgegeben werden. Vorerst sind 65000 Stück geplant, was einem finanziellen Umfang von ca. 1.17 Millionen Schweizer Franken umfasst.
Ziemlichen Wirbel gab die Aussage von Felix Endrich, dass die Beschaffung des neuen Sackmessers international ausgeschrieben werden muss, und dass das Schweizer Armee-Sackmesser womöglich sogar aus China stammen könnte.
Da zu einer multifunktionalen Armee auch ein multifunktionales Messer gehört schlage ich das im Bild oben rechts dargestellte Modell vor.