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Weil er seine Ziele auch mit Gewalt verfolgte, wurde er «Mittelmeer-Castro» geschimpft – für die griechischen Zyprioten war Makarios aber ein Volksheld.
Das Bild teilt sich teilweise selber mit. Es ist jedenfalls nicht falsch vermutet, wenn man aufgrund eines Teils der Wandausstattung annimmt, dass wir uns auf Zypern befinden. Von griechischen Fahnen umrahmt, schaut auf uns Erzbischof Makarios III., der von 1960 bis 1977 als Staatschef und geistliches Oberhaupt die Geschicke der Mittelmeerinsel lenken sollte.
Auf Wikipedia gibt es ein Bild, auf dem der Bischof ohne Ornat Anthony Quinn (in «Zorba the Greek», 1964) sehr ähnlich sieht, oder umgekehrt, dieser ihm gleicht. Makarios verstand sich als Grieche und zugleich als griechischer Zypriot. Er genoss, wie dieses Bild zeigt, die Verehrung der griechischen Inselbevölkerung. Anfänglich kämpfte er unter der Formel der «Enosis» für den Anschluss ans «Mutterland».
Das Paar, das sich dem Fotografen präsentiert, blickt gebannt in die Kamera. Er sitzt, sie steht – vielleicht, weil sie vorher den Kaffee oder Tee servierte, der auf dem Tisch steht. Sofern sich die Abgebildeten etwas Besonderes bei diesem Repräsentationsakt dachten, muss es ihnen wohl wichtig gewesen sein, dass sie und ihr Wandschmuck eine Einheit bilden.
Im Zentrum sind zwei Porträts jüngerer Männer angebracht. Ihre Söhne? Ausgewanderte Söhne? Nach Griechenland, nach Amerika? Es könnten aber auch Söhne sein, die im bewaffneten Kampf der 1955 entstandenen Untergrundarmee Ethniki Organosis Kyprion Agoniston gegen die britische Kolonialmacht umkamen, Märtyrer der Freiheit. Das Bild entstand 1958, zwei Jahre später wurde Zypern in einem zwischen Grossbritannien, Griechenland und der Türkei geschlossenen Abkommen in die Unabhängigkeit entlassen, und Bischof Makarios III., der einen wichtigen Anteil daran hatte, wurde eben Staatschef.
1958 reiste Kurt Wyss als 21-jähriger Fotograf mit der Überlegung in die weite Welt, dass er mit Bildreportagen aus dem Ausland Abnehmer in der Schweiz finden könnte. Er fuhr mit dem Simplon-Orient-Express nach Venedig, dann weiter nach Athen, wo er einen Termin bei Erzbischof Makarios bekam, der kurz zuvor von den Engländern aus seiner Verbannung auf den Seychellen freigelassen worden war, aber nicht nach Zypern zurückkehren durfte.
Der Erzbischof war damals sicher an jedem Medienkontakt interessiert. Wyss reiste dann nach Zypern weiter und dokumentierte das Leben auf der Insel mit ihrer griechischen Mehrheit und türkischen Minderheit. Er fotografierte unter anderem eben auch das hier abgebildete Paar, das wohl noch heute so statisch hier sässe und stünde, wenn es nicht schon längst gestorben wäre.
Artikelgeschichte
Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 03.05.13