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die unitas, Einigkeit und Eintracht, der Zweite ist l und stellt der Gesetze (legum) Beobachtung dar, der dritte ist m und zeigt das Maß (modum) in allem, auch in der Beobachtung aller Gesetze, an, der vierte ist a und weist auf den Anfang (ad principium), nämlich Gott hin und führt dazu, dem Göttlichen nachzugehen, ohne das anderes nicht bestehen kann, wie offenbar ist. Endlich enthält dieser Name die zwei Silben ul und ma darum, daß Ulma gegründet worden ist ad ulciscendum malum, um das Übel zu strafen und gewissermaßen als von den Alten eingesetzte Bestraferin der Übel.
Oder, wie andere glauben, ist die Stadt nach ihrer Gründung vom Erfolg Ulma genannt worden. Denn wie die im Sumpf festgemachte Ulme nicht vermodert und im Gegenteil zu Stein sich verhärtet, so nannten die Alten, da sie sahen, daß diese Stadt trotz der Härte des Bodens zunehme und Überfluß habe, sie wegen der Fortdauer ihres Bestandes Ulm. Oder gaben sie ihr deswegen den Namen Ulm, weil sie auf Pfählen von Ulmen ihre Mauern gründeten, da in dem sumpfigen Boden kein fester Grund vorhanden war, weshalb vor der Erneuerung der Mauern auf der Ostseite Pfähle im Wasser gesehen wurden, auf welchen die Masse der Türme und die Last der Mauern ruhte.
Als anderen Anfang der Stadt Ulm führt der gemeine Mann an, daß, als einst an der damals waldigen Stelle der Stadt jemand jagte, er an der Stelle, wo jetzt die Kirche zum heiligen Kreuz ist, einen gewaltigen Hirsch fing, auf dessen Stirn er ein goldenes Kreuz fand; deshalb errichtete er daselbst eine Kapelle zum heiligen Kreuz 1) und gründete daneben einige Wohnhäuser, und so wuchsen diese Gebäude im Lauf der Zeit zu einer Stadt heran. Man glaubt aber, daß hier die Pfarrkirche gewesen sei, weil, wo man auch im Umkreis grabe, überall in Menge zusammengeworfene Gebeine Gestorbener gefunden werden.
Welchen Anfang nun aber auch diese Stadt Ulm genommen haben mag, dem, der alles einzeln erwägt, ist bekannt, daß sie sehr alt ist, und wenn auch nach der Kenntnis Unwissender gesagt wird, daß sie neu sei, so können wir für ihr hohes Alter mehrere Zeichen annehmen (pag. 16). Das erste aus dem Zusammenfluß der Gewässer. Denn es fließt die Iller und die Blau in die Donau und es entsteht gleichsam ein Kreuz aus den Flüssen: es streckt nämlich die Donau von Westen nach Osten den Stamm aus, die Iller bildet von Mittag her den rechten Arm, die Blau aber von Norden den linken, und Ulm steht gleichsam über dem Kreuze selbst angeheftet, und wie wir durch das Kreuz alles Gute empfangen und das Himmlische mit dem Irdischen verbunden wird, so werden durch Ulm mittelst des Flusses die Güter des Vaterlandes herbeigebracht und die Oberen mit den Unteren verbunden.
Denn da oberhalb Ulm die Donau lucht schiffbar ist, so ist sie fast unnütz, aber in Ulm durch die genannten Flüsse vermehrt, wird sie durch die Schiffahrt für Schwaben, Baiern und Östreich nützlich und fremde Waren werden auch abwechslungsweise zu Land herbeigeführt. Deswegen behaupten alle, welche Länder und Gewässer beschreiben, Ulm sei am Kopf der Donau; denn sie sind der Ansicht, daß die Donau da anfange, wo sie anfangt nützlich und schiffbar zu sein. Nach diesen Schriftstellern nun führe ich an, daß, solange Schwaben, Baiern und Östreich bewohnt wurden, so lange Ulm eine Stadt war; delm als Haupt eines solchen Flusses, von dem die genannten Länder beschützt werden, konnte nicht ohne Stadt sein; da die Menschen von Anfang an in Verbindung mit einander gestanden sind, darum wurde mit Rücksicht auf diese Verbindung für das Zusammen-
1) Auf dem Weinhof, wo jetzt das Schwörhaus steht. ¶
ziehen und die Bedürfnisse der Menschen an diesem Ort von Anfang an eine Stadt erfordert. Ein anderes Zeichen ihres Alters ist das Zusammentreffen öffentlicher Wege und Straßen. Es liegt nämlich Ulm gleichsam als Mittelpunkt eines Kreises, von dem aus die Wege wie die Linien oder Radien an jeden Punkt des Kreises d. h. der Welt gezogen erscheinen. Es ist aber bekannt, daß, solange es Menschen gegeben hat, diese durch die Länder wanderten, und so mußte es in Ulm, wo so viele Wege aus den Gegenden Alemanniens nach Italien und den andern Ländern zusammenlaufen, von Anfang an Wohnungen wenigstens als Herbergen für die Pilger an einem Ort gegeben haben, wohin die Menschen zu wandern begannen. Ein drittes Zeichen ihres hohen Alters ist das Alter ihrer Gebäude. Denn die Mauer der alten Stadt ist sehr alt und dick, auch sehr fest aus Steinen zusammengefügt, von welchen die neueren Baumeister nicht wissen, aus welchen Gegenden sie stammen: so ist die Kirche des heiligen Kreuzes sehr alt und die Kapelle des hl. Georgius und des hl. Ägidius und das Hans des alten Stadtpfarrers und mehrere andere Gebäude beweisen das Alter der Stadt. - (pag. 17) Der vierte Beweis für das hohe Alter liegt in der Auffindung von Mauern und menschlichen Gebeinen.
Denn fast überall in der Stadt findet man, wenn man gräbt, Mauern und an vielen Stellen Gebeine Verstorbener, aus denen man vermuten kann, daß daselbst Kirchen gestanden seien. So wollte in der Nähe des Neuentors, oben auf der linken Seite, im vorigen Jahr ein Weber ein unterirdisches Gemach graben, wie es das Handwerk erfordert, und fand bei dieser Arbeit einen erstaunlichen Haufen Knochen. So fand man im Spital, als man grub zur Aufstellung von Säulen, das Gewölbe einer Stube zu tragen, eine große Masse Knochen, auch anderwärts an sehr vielen Orten, aber auch an dem Abhang und der Stelle, wo die Metzgerhäuser sind, und oben, wo jetzt eine Straße unten am Markt ist, durch welche man zum Herdbruckertor geht, werden sonderbare Gewölbe und unterirdische Gemächer aufgefunden, in denen einst Münzen geschlagen worden sein sollen. - Der fünfte Beweis ist wirksam, um das Alter der Stadt darzulegen. Denn als die Ulmer im Jahr des Herrn 1348 die Juden verbrannt hatten und ihre Habe durchsuchten, fanden sie einen Brief, der zur Zeit Christi von Jerusalem an die Juden in Ulm geschickt worden war und folgenden Inhalt hatte:
«Den jüdischen Brüdern jenseits des Meeres im Schwabenland in der Stadt Ulm senden die Brüder in Jerusalem und im jüdischen Lande Gruß und guten Frieden. Von großer Trübsal befreit, sagen wir herzlichen Dank und verkündigen Euch, daß der ruchlose Verführer Jesus von Nazareth, der Sohn Josephs, aus der Welt geschafft sein wird. Denn, da wir seine Schmähungen und Lästerungen nicht länger ertragen konnten, brachten wir die Anklage »gegen ihn vor den Landvogt. Als dieser unsere Gründe gehört und Mitgefühl für unser Unglück hatte, ließ er ihn hart züchtigen, kreuzigen und töten, wie er es verdiente, und auch seine Jünger zerstreuen. Lebet wohl."
Und noch heute bekennen die Juden, daß sie einen solchen Brief haben. Überdies sind es nicht viele Jahre, daß auf dem Kirchhof der minderen Brüder (Franziskaner) weit unter der Erde ein mit hebräischen Buchstaben beschriebener Stein gefunden wurde; ein Jude aber, der herbeigeführt wurde, um die Schrift zu lesen, sagte, jener Stein sei die Inschrift eines jüdischen Grabes gewesen und diese Schrift sei vor dem Tode Christi geschrieben worden. Dies habe ich von glaubwürdigen Männern gehört (pag. 18), die es von ihren Vorfahren gehört haben, und ¶