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Das Genfer Fasten wiederbelebt
Das Genfer Fasten wiederbelebt
Der strömende Regen hinderte die 65 Genfer Christen, darunter ein Dutzend Pastoren, nicht daran, sich am 5. September auf der Salève zum Gebet, Liedern und Verkündigung zu treffen. Das Treffen war mit dem Wunsch verbunden, diese Versammlung wieder aufleben zu lassen, die vor fünfzehn Jahren aufgegeben worden war.
Das Genfer Fasten ist ein in der Republik und im Kanton Genf einzigartiger Feiertag. Es ist auf den Donnerstag nach dem ersten Sonntag im September festgelegt. Christian Tischhauser, der Vize-Kantonsfahnenträger von Genf, formulierte es in einer spontanen Rede folgendermassen: «Herr, unser Herr, unsere Vorgänger waren hier, um für die Stadt und den Kanton zu beten, und dann haben wir diesen Ort und diesen Feiertag verlassen. Ein paar Schritte von hier entfernt liess sich der buddhistische Tempel nieder. Jetzt sind wir zurück ... um zu bleiben!»
Auf französischem Boden
65 Teilnehmer fuhren mit dem Auto oder der Seilbahn auf die Salève, um ein kleines Vorgebirge auf französischem Gebiet zu erreichen, das einen Ausblick über die Stadt Genf und die angrenzenden Ortsteile von Ain bot. Zunächst unter einer Wolkendecke, klärte sich der Himmel auf und das Panorama wurde sichtbar. Fahnen und sogar riesige Banner waren da, es war ein Markenzeichen des Anlasses. Nach der Lektüre von Psalm 24 und dem hohenpriesterlichen Gebet (Joh 17) wurden die ersten Gebete erhoben.
Vereinigt für Genf
Ihr gemeinsamer Punkt: die Frage der Grenzen. Die Anwesenden beteten für die Einheit der Kirche jenseits der beiden Hauptkomponenten der Calvinsstadt: das historische, protestantische und frankophone Genf sowie das junge und lebendige, internationale Genf. Pastor Raúl Ramos betete ausserdem für die lateinamerikanischen Kirchen.
Dann beten wir für die Einheit mit dem benachbarten Frankreich. Schliesslich beten wir für die Einheit von Genf mit der restlichen Schweiz. Die «Stadt am Ende des Sees», wie sie von den Romands genannt wird, ist gleichzeitig auch ein Kanton. Das bringt teilweise absurde Probleme mit sich, die im Volksmund mit dem Begriff «Genferei» beschrieben werden.
Meya Corthay schloss diese Zeit mit dem Gebet des berühmten «Kumi Ori» («Mache dich auf und werde licht», Jes 60) ab, das gut zu dem Slogan von Genf passt, der aus der Reformation abgeleitet ist: «Nach der Dunkelheit das Licht».
«Es ist richtig, es ist möglich»
Der Höhepunkt des Treffens war die Lesung von Hesekiel 37 (Die Passage von den vertrockneten Knochen) durch Pfarrer Stéphane Hostettler von der Pfarrei l’Oratoire, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Mittelpunkt der «Erweckung von Genf» stand. Er zeichnete nach, wie dieser Tag des 5. September 2019 während der letzten vier Jahre durch Gebete im Kanton und in der Stadt vorbereitet worden war. Als die Gemeinde singt: «Komm, Geist von den vier Winden» (belebe unsere Knochen), spüren wir im Geist, dass es richtig ist, dass es möglich ist. Und auf die Initiative von Christian Tischhauser hin wird beschlossen, dieses Gebet am Genfer Fastentag auf dem Salève wiederzubeleben. «Möge der Herr Männer und Frauen unter uns aufstehen lassen, nicht nur Ideen und Idealisten», bekräftigt der Hauptorganisator des Tages, der Pastor und Musiker Etienne Rochat.
Ermutigende Anwesenheit der Pastoren
In der Zwischenzeit hatte sich des Himmel wieder verschlossen. Etienne Rochat beendete den Anlass früher als erwartet, als der Regen auf die Teilnehmer zu prasseln begann. Unabhängig davon war das Wesentliche bereits getan worden. «Die Anwesenheit von so vielen Kollegen hat mich bewegt», sagt Rochat am Ende des Anlasses. «Sie haben immer noch Autorität in ihren Gemeinden und die Fähigkeit, die Gläubigen zu mobilisieren. Dieses Gebetstreffen stammt aus der Genfer Pastorenschaft und ist nicht von aussen hereingeflogen gekommen. Das freut mich.» Dies sagt einer, der auch die Kantonsflagge von Genf trägt. Der Termin für das nächste Jahr ist bereits auf den 10. September 2020 festgelegt.
Zur Geschichte: Der Kanton Genf hält an seinem «föderalen» Fastendatum fest. Das Genfer Fasten geht weit zurück, bis zur Zeit von Calvin (oder kurz danach). Anlässlich der Unterdrückung der Protestanten von Lyon durch die französische katholische Kirche erliessen die Zivilbehörden von Genf im Jahr 1567 einen kollektiven Tag des Fastens, der Busse und der Solidarität. Genf war mit Lyon damals eng verbunden, die «Stadt am See» galt als Zufluchtsstadt. Der Fastentag hat sich bis heute erhalten.