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Wirtschaft
Von der Organisationstheorie zur Gestaltung in der Praxis
Organisationsgestaltung wird heutzutage als mehrdimensionales Problem betrachtet, d. h. die Gestalt organisatorischer Strukturen und Prozesse ergibt sich im Wesentlichen als Antwort auf fünf Basis-Probleme, welche die Verfasser als generische Probleme der Organisationsgestaltung bezeichnen. Nach einem einführenden Kapitel 1 über die begrifflichen Grundlagen der Organisation folgt der Aufbau dieses Buches genau diesen fünf Problemkreisen:
Kapitel 2 "Strukturierung von Aufgaben": Bei diesem ersten generischen Problem geht es darum, das richtige Maß und die zweckmäßigste Art der Formalisierung für eine Organisation zu finden. Hierzu stehen verschiedene Analysemethoden und Organisationsmodelle zur Verfügung. Die Unterscheidung in Arbeitsteilung (Differenzierung) und die Zusammenführung von Einzelprozessen (Integration) bilden das übergreifende konzeptionelle Gerüst für die alternativen Lösungsvarianten der Aufgabenstrukturierung, wie z. B. die Einlinien-, Mehrlinien- und Matrixorganisation.
Kapitel 3 "Integration von Individuum und Organisation": Eine Basisvoraussetzung der organisatorischen Funktionserfüllung ist die Motivation. Im Mittelpunkt stehen deshalb Überlegungen, wie individuelle Bedürfnisse und organisatorische Erfordernisse in Einklang gebracht werden können. Eine Hauptrolle spielen dabei die Ergebnisse der Human-Ressourcen-Forschung und die darauf aufbauend entwickelten motivationsorientierten Organisationsmodelle, wie z. B. die Teamarbeit, das "System 4" (Netzwerkstruktur), die Theorie Z, laterale Organisationsmodelle und integrative Gesamtmodelle.
Kapitel 4 "Organisation und Umwelt": Die Bewältigung der Interaktion von Organisation und Umwelt gilt als drittes generische Problem der Organisationsgestaltung. Die Thematisierung des facettenreichen Verhältnisses von Organisation und Umwelt geht vom systemtheoretischen Denkansatz aus, stellt deterministische und interaktionistische Ansätze gegenüber und geht abschließend auch auf die immer bedeutendere interorganisationale Kooperation ein.
Kapitel 5: "Zum Umgang mit emergenten Prozessen in Organisationen": Hierbei geht es um die Erkenntnis, dass sich organisatorische Beziehungen nicht immer planmäßig gestalten lassen, d. h. es entwickeln sich in Organisationen Handlungsmuster, welche außerhalb oder neben den Erwartungsbahnen der formalen Struktur bewegen. Deshalb werden die Grundlagen des Entscheidungsprozessansatzes, des politischen und des symbolischen Ansatzes vermittelt, um danach jeweils die diffizile Frage nach der Handhabung z. B. der Prinzipal-Agenten-Beziehungen sowie der Wirkungen von Unternehmenskulturen zu beantworten.
Kapitel 6: "Organisatorischer Wandel und Lernen": Die Bewältigung des Wandels in und von Organisationen hat sich zu einem zentralen Problem entwickelt und wird von den beiden Autoren als fünftes generisches Problem der Organisationsgestaltung identifiziert. Im Prinzip geht es einerseits um die Bewerkstellung organisatorischer Änderungsvorhaben und andererseits darum, Vorsorge zu treffen, dass eine Organisation wandlungsfähig bleiben kann. Dementsprechend werden u. a. Änderungsbarrieren, Modelle des Change Managements, Wissensmanagement sowie Konzepte der dynamischen Kompetenzen und minimalen Strukturen referiert.
Das abschließende Kapitel 7 befasst sich mit den Entwicklungslinien der Organisationstheorie. Neben einer Zusammenfassung der wesentlichen Ansätze der klassischen und neoklassischen Organisationstheorie wird die Weiterentwicklung moderner Organisationstheorien, zum Beispiel die organisatorische Entscheidungsforschung, institutionalistische und systemtheoretische Ansätze sowie Ansätze der postmodernen Organisationstheorie, aufgegriffen.
Die sechste Auflage orientiert sich inhaltlich nach wie vor am Gerüst der fünf generischen Probleme der Organisationsgestaltung. Es wurden jedoch die Struktur bzw. die Reihenfolge der Kapitel teilweise geändert und vor allem alle Kapitel überarbeitet und aktualisiert. Berücksichtigt wurden u. a. die aktuelle Diskussion zu organisatorischen Praktiken im Rahmen der Organisationsforschung, der inzwischen so bedeutsame Ressourcen- bzw. Wissensbasierte Ansatz sowie aktuelle Gestaltungsanforderungen und -konzepte, wie etwa Ambidexterity und heterarchische Formen. Hinzugekommen sind neue Problemstellungen wie z. B. Stress, Diversität, neue Technologien, Fluidität und hochdynamische Umwelten.
Die methodische Optimierung dieses Organisationsklassikers ist gleichermaßen hervorragend gelungen. Die Ausführungen werden durch zahlreiche Beispiele und Abbildungen veranschaulicht. Alle Kapitel schließen jeweils mit wiederholenden und vertiefenden Diskussionsfragen, einschließlich Lösungsskizzen, welche im Online-Bereich zum Lehrbuch abgerufen werden können, ab. Zu den fünf Schwerpunktkapiteln wird jeweils eine Fallstudie angeboten, welche nicht nur die vorangehenden generellen Darlegungen illustrieren, sondern zur Umsetzung der Konzepte auf konkrete praktische Problemstellungen auffordern. Damit zeichnet sich dieses im amerikanischen Stil verfasste Buch durch hohe Qualität und Unterhaltungswert gleichermaßen aus. Erstmalig ist neben dem bisherigen Verfasser Georg Schreyögg, Prof. für Organisation und Führung an der FU Berlin, Daniel Geiger, Prof. für Organisation an der Uni Hamburg, hinzugekommen. Beiden Autoren ist es gelungen, das anspruchsvolle und gleichzeitig praxisbezogene Werk inhaltlich und methodisch weiterzuentwickeln und wieder auf den neuesten Stand zu bringen.
Dieses Lehrbuch kann allen Studierenden der Sozial-, Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften an Hochschulen und weiterführenden Akademien, welche sich fundiert mit modernen Organisationskonzepten auseinandersetzen wollen, bestens empfohlen werden. Darüber hinaus können Praktiker, welche Hilfestellungen bei der Lösung konkreter organisatorischer Gestaltungsprobleme suchen, von diesem Buch nützliche Anregungen erhalten.