Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/175036

<h2>SubmittedText<h2><p>Nach den Terrorangriffen in New York im Jahr 2001 hat die Schweiz zum Schutz der Bevölkerung 3 Millionen Dosen Pockenimpfstoff gekauft, die aber heute abgelaufen sind und bei denen schwere Nebenwirkungen auftreten können. Seit Längerem sind moderne Impfstoffe ohne Nebenwirkungen auf dem Markt.</p><p>Trotz dieser Tatsachen wurden bisher keine neuen Impfstoffe beschafft. Meine Fragen:</p><p>1. Würden im Notfall der Bevölkerung abgelaufene Impfstoffe verabreicht?</p><p>2. Hat sich die Bedrohungslage seit 2001 entspannt, und braucht man deshalb keine Pockenimpfstoffe mehr?</p><p>3. Wenn ja, warum vernichtet man die alten Bestände nicht?</p><p>4. Wenn nein, wann gedenkt das Bundesamt für Gesundheit die alten Bestände demnächst durch neue Impfstoffe zu ersetzen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der von der Schweiz gekaufte Pockenimpfstoff der ersten Generation (Lancy Vaxina; Berna Biotech) ist nicht abgelaufen. Aufgrund seiner Darreichungsform ist er über einen sehr langen Zeitraum haltbar. Seine Wirksamkeit wird periodisch überprüft. Wegen dem bekannten Nebenwirkungsspektrum würde der Impfstoff nur im äussersten Notfall und mangels anderer - heute vorhandener - Präventions- oder Therapiemöglichkeiten eingesetzt werden.</p><p>2. Die Bedrohungslage bezüglich Pockenviren hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Das natürliche Wiederauftreten von Pocken kann praktisch ausgeschlossen werden. Die Verwendung von Pockenviren als bioterroristische Waffe ist zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich.</p><p>3. Solange der gelagerte Impfstoff grundsätzlich eingesetzt werden kann, macht es aus Sicht der öffentlichen Gesundheit keinen Sinn, den Impfstoff zu vernichten und ihn in einem akuten Notfall nicht einzusetzen.</p><p>Weltweit werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und verschiedenen Ländern noch etwa 600 bis 700 Millionen Dosen von Pockenimpfstoffen der ersten Generation gelagert. Die Schweiz ist somit nicht das einzige Land, welches sich auf solche Impfstoffreserven stützt. Über eingelagerte Impfstoffe der zweiten und dritten Generation liegen keine verlässlichen Informationen vor.</p><p>4. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt schätzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Risiko eines Wiederauftretens von Pockenviren als gering ein.</p><p>Ein aktuell produzierter Pockenimpfstoff der dritten Generation wurde in Europa 2015 durch die European Medicines Agency zugelassen. Für die Schweiz liegt gegenwärtig keine Zulassung durch Swissmedic vor. Zudem sind viele Fragen bezüglich Haltbarkeit und Lagerbedingungen, Logistik und der Einsatzstrategie des neuen Impfstoffes nicht geklärt. Hier müssen die entsprechenden Daten und Erfahrungen abgewartet werden, bevor eine abschliessende Beurteilung vorgenommen werden kann.</p><p>Sollten Pocken wider Erwarten irgendwo auf der Welt erneut auftreten, ist davon auszugehen, dass Impfstoffreserven, die sich im Besitz der WHO oder Dritter befinden, zur Eindämmung einer Ausbreitung unmittelbar zum Einsatz kommen. Mit klassischen Massnahmen wie Isolation und Quarantäne kann zusätzlich einem Pockenausbruch wirksam entgegengetreten werden. Im Weiteren sind im Ausland neue antivirale Medikamente erhältlich, die zur Behandlung von erkrankten Personen eingesetzt werden könnten.</p><p>Vor diesem Hintergrund sieht das BAG aus Sicht der öffentlichen Gesundheit aktuell keine unmittelbare Notwendigkeit einer Impfstoffbeschaffung. Es wird jedoch die weiteren Entwicklungen aufmerksam verfolgen und nötigenfalls seine Strategie überarbeiten.</p>  Antwort des Bundesrates.