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Klimawandel in den Alpen
Ökologische und ökonomische Folgen
Eine durchgehende Schneedecke während des grössten Teils des Jahres prägt den alpinen Raum oberhalb der natürlichen Waldgrenze. Dort schreitet der Klimawandel jedoch besonders schnell voran, mit einem erwarteten Temperaturanstieg von rund 4.5 °C bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Der Winterniederschlag wird deshalb zunehmend als Regen fallen und die kurze Vegetationsperiode alpiner Pflanzen, an die sie sehr gut angepasst sind, wird sich beträchtlich verlängern. Zudem wird ein erhöhtes Risiko für Sommerdürren erhebliche Konsequenzen für die alpine Flora haben. Unzählige Ökosystemleistungen werden durch die von hoher Biodiversität geprägten Lebensräume der Alpen gewährleistet, so beispielsweise Erosionsschutz von Böden, die Regulierung unseres Wasserhaushalts oder Futterquellen für Wild- und Nutztiere. Weiter ist mit wirtschaftlichen Konsequenzen zu rechnen, da Wintertourismus in vielen Regionen der Alpen eine der grössten Einkommensquellen ist. Schon heute sind viele Skigebiete auf technische Beschneiung ihrer Pisten angewiesen. Wo dies bis zum Ende des 21. Jahrhunderts noch möglich sein wird, ist mit einem erhöhten Wasser- und Energieverbrauch zu rechnen. In meiner transdisziplinären Doktorarbeit habe ich mich mit den ökologischen und den ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels auf den Alpenraum befasst. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) habe ich analysiert, wie sich der Zeitpunkt der Schneeschmelze in der Vergangenheit (1958–2019) verändert hat und mit welcher Verschiebung im 21. Jahrhundert zu rechnen ist. Aufgrund der Klimaszenarien für die Schweiz (CH2018) habe ich prognostiziert, dass die Schneeschmelze am Ende des 21. Jahrhunderts in den Zentralalpen rund einen Monat früher eintreten wird als heute. Wie sich eine Verschiebung im Zeitpunkt der Schneeschmelze in Kombination mit wiederkehrenden Sommerdürren auf einen typischen alpinen Rasen auswirkt, habe ich in einem Feldexperiment auf 2500 m ü.M. untersucht. Zusammen mit vielen Helfern habe ich die Schneehöhe durch Schaufeln manuell erhöht oder verringert, um so die Schneeschmelze zu verzögern, beziehungsweise zu beschleunigen. Sobald der Schnee geschmolzen war, haben wir Trockendächer aufgestellt, die den Niederschlag abschirmten. Während drei Jahren habe ich die Sommermonate in der alpinen Forschungsanstalt ALPFOR verbracht und Nährstoffkreisläufe, Produktion von Biomasse, und das Blühverhalten im alpinen Rasen untersucht, um die ökologischen Konsequenzen des Klimawandels aufzuzeigen.
Dass es auch wirtschaftliche Folgen des Klimawandels in den Alpen gibt, zeigt sich am Beispiel des Wintertourismus. In Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und dem Skigebiet Andermatt-Sedrun-Disentis habe ich die zukünftige Schneesicherheit im Gebiet modelliert und abgeschätzt, wie viel Wasser für die Beschneiung aufgewendet werden muss. Skifahren wird in diesem Gebiet bis zum Ende des 21. Jahrhunderts möglich sein. Der Wasserverbrauch für die technische Beschneiung wird sich jedoch um rund 80% steigern, wenn wir unseren Ausstoss von Treibhausgasen nicht reduzieren. Um eine zukünftige Wasserknappheit und Konkurrenz mit Interessensvertretern aus der Wasserenergie und der Hotellerie zu verhindern, ist es deshalb wichtig, frühzeitig lokale Bewirtschaftungspläne auszuarbeiten.
Dissertationsprojekt von Maria Vorkauf