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Naivität
(v. lat. nativus, »angeboren«),
ein Ausdruck, der aus dem Französischen (naïf und naïveté) zuerst durch Gellert in die deutsche Sprache eingeführt wurde. Er bezeichnet einen natürlichen und ungekünstelten Zustand der Empfindungen und Gedanken einer arglosen, unverstellten und anspruchslosen Seele, welche treuherzig und ohne Rücksicht auf konventionelle Schicklichkeit sich zu äußern und kundzugeben liebt, das Natürliche im Gegensatz zum Künstlichen, d. h. zu dem bloß konventionell Geltenden. Für die Ästhetik hat der Begriff dadurch eine besondere Bedeutung gewonnen, daß Schiller und Goethe die naive und die sentimentale Poesie als zwei wesentliche Grundformen der poetischen Darstellung erkannten. Die Dichtung der Alten ist nach ihnen naiv, objektiv, der Natur entsprechend, die Dichtung der Neuzeit dagegen sentimental, subjektiv, die Naturgemäßheit anstrebend (vgl. Schillers Aufsatz »Über naive und sentimentale Dichtung«).