Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03628.jsonl.gz/2954

Ich heisse Oumarou Maïga* und bin 9 Jahre alt. Jetzt lebe ich in einem kleinen Dorf in Burkina Faso. Es heisst Neu-Bissa. Meine Familie musste hierhin ziehen, weil unser altes Zuhause zerstört wurde. Dort machen sie eine Goldmine und darum mussten wir weg. Hier bin ich nicht glücklich, ich denke oft an mein früheres Zuhause.
Kürzlich fuhr ein Auto in unser Dorf. Zwei Männer stiegen aus und sagten, das Wasser des Dorfbrunnens sei vergiftet. Seither spanne ich jeden Tag nach der Schule unseren Esel vor den Karren. Ich fahre zum Brunnen in unser Nachbardorf, das ist zwei Kilometer weit weg. Auf dem Karren befinden sich ein grosses Fass und fünf Kanister. Vor dem Brunnen hat es immer eine lange Warteschlange. Darum komme ich erst drei Stunden später wieder nach Hause. I m alten Dorf hatten wir keine solchen Probleme. Weil dort aber eine Goldmine eröffnet wurde, sind wir aus unserem Dorf vertrieben worden.
Unser neues Dorf liegt zwei Kilometer von den Ruinen meines alten Dorfes entfernt. Ich erinnere mich gerne an die Zeit im alten Dorf. In der Nähe haben die Männer jeweils von Hand nach Gold gegraben. Wir haben ihnen Bohnen mit Reis gekocht. Dank meiner Mithilfe habe ich in nur einem Monat 40 Franken verdient. Das Geld habe ich meiner Mutter gegeben. Sie bezahlte damit mein Schulgeld und kaufte Kleider.
Im neuen Dorf bin ich nicht glücklich. Nach der Umsiedlung habe ich immer wieder geweint. Vorher ging es uns viel besser: Dort hatten wir zehn Kühe und zehn Ziegen. Jetzt haben wir nur noch zwei Kühe und drei Ziegen. Wegen der Mine haben wir viel Land verloren. Auf dem verbliebenen Land wachsen Hirse, Mais und Sesam. Aber die Ernte reicht nicht aus. Während zwei Monaten können wir nur zweimal pro Tag essen.
Ich weiss genau, was ich später einmal werden will: Krankenpfleger. Ich will den Menschen helfen und sie pflegen. Ich gehe gerne zur Schule. Ich will viel lernen und wissen.
Meine grosse Leidenschaft ist der Fussball. Mit meinen Freunden spiele ich jeden Abend, wenn ich vom Wasserholen zurück bin. Ich träume davon, ein sehr guter Fussballer zu werden. Dann will ich als Stürmer für die Nationalmannschaft auflaufen.