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James Caan (1940-2022) wird wohl von den meisten Filmfans mit Francis Ford Coppolas The Godfather (1972) assoziiert, in dem er den charismatischen und jähzornigen Paten-Sohn Sonny Corleone verkörperte. Sein gebrochener Machismo prägte jedoch noch viele andere Filme. Zur Erinnerung an den Star und Charakterdarsteller zeigt das Filmpodium am Dienstag, dem 16. August um 18.15 Uhr Misery von Rob Reiner.
«Schon ein Jahrzehnt vor seinem Durchbruch in Francis Ford Coppolas Mafia-Epos The Godfather hatte sich Caan in vielen Genres versucht und war von Regiegrössen wie Howard Hawks (Red Line 7000,1965) und Robert Altman (Countdown, 1969) eingesetzt worden. Nach seinem Meisterstreich in The Godfather dimmte der Schauspieler das Temperament seiner Leinwandfiguren herunter. Er zeigte sich düster als Spieler in Karel Reisz’ The Gambler (1974), stoisch und desillusioniert als Safeknacker in Michael Manns Thief (1981) und weltmüde in späten Filmen wie Bottle Rocket (1996), Wes Andersons Regiedebüt. In Lars von Triers Dogville (2003) gab er in einer kleinen Rolle noch einmal den bösen alten Mann. Rob Reiners Misery (1990) aber spielte auf fast sadistische Weise mit Caans Machismo-Image: Da ist er ein Mann, der in die Hände einer Wahnsinnigen (Kathy Bates) fällt, die ihn buchstäblich ans Bett fesselt und grausam quält.» (Marion Löhndorf, NZZ, 8.7.2022)
«James Caan war ein grosser Schauspieler, der einer ganzen Reihe von Filmen zum Erfolg verholfen hat, die ohne ihn vielleicht gar nicht funktioniert hätten. Aber er wurde nie zu einem Star im klassischen Sinne, zu einem, den man bewundert (…), mit dem man sich identifiziert. Dazu ist er zu gebrochen, unrettbar gar. Keiner, dem man sich anvertrauen mag und in den man ein Begehren setzen kann, nicht einmal einer, mit dem man ein verlässliches Mitleid entwickelt. Dieser Mann war von Anbeginn so allein, dass ihn nicht einmal das Publikum retten konnte. James-Caan-Filme sind Etüden über den Verlust von Vertrauen und Gewissheit.
Und dann kam noch Misery, eine Stephen-King-Verfilmung (…). Es ist ein radikaler Film, ganz buchstäblich wird der innerlich versteinerte Mann da körperlich zerhauen, und um das Mass der Entfremdung vollzumachen, erklärte Stephen King selbst, er habe sich ‹jeden anderen› in der Rolle gewünscht, nur nicht James Caan. Es gibt eben niemanden, der so eindrucksvoll zur falschen Zeit am falschen Ort sein konnte wie er.» (Georg Seesslen, Die Zeit, 8.7.22)