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Inhaber: Iain Richardson
Standort: Casa Branca / Alentejo
Geschichte: seit dem frühen 19. Jahrhundert im Besitz der gleichen Familie
Produktion: Rotweine unter den Appellationen und Vinho Regional Alentejano und DOC Alentejo,
aufgespriteter Süsswein. Olivenöl.
Kulturfläche: 38 Reben , 50 ha Olivenbäume
Rebsorten weiss: Antão Vaz, Arinto, Perrum
Rebsorten rot: Alicante Bouschet, Trincadeira, Aragonês, Touriga Nacional, Touriga Franca, Syrah
Olivensorten: Galega
Bodenbeschaffenheit: Lehm
Klima: intensive Hitze im Sommer, unregelmässiger Regen im Winter, gelegentlich Frost
Die schöne, weite Landschaft des Alentejos, zwischen Lissabon und der Algarve gelegen, wurde damals, wie heute noch, von Korkeichenwäldern und Olivenhainen geformt. Dort baute sie sich eine erfolgreiche Existenz in der Korkindustrie auf, und die Familie fasste durch die Heirat in den regionalen Adel festen Fuss.
Drei Generationen später, in den 1880er Jahren, kaufte John Reynolds einen neunhundert Hektar grossen Besitz einschliesslich zweier Wasserläufe, die Herdade do Mouchão, welche die Familie bereits während einiger Jahre gepachtet hatte. Nach seiner Heirat erwarb John Reynolds dazu die Quinta do Carmo in der Nähe von Estremoz, wo er auch lebte. Neben der Produktion von Kork und Oliven wurde die Herdade do Mouchão zusammen mit der Quinta do Carmo für die Weinherstellung verwendet, ein Rebberg mit hundertzwanzig Hektar wurde als Teil von Mouchão registriert. Von allen Grundstücken und Gütern, welche die Familie besass oder pachtete, waren Mouchão und die Quinta do Carmo jene mit dem meisten Rebland.
In den Jahren nach 1890 engagierte die Familie zwei Bordelaiser Weinbauexperten. Sie sollten eine Rebsorte zu suchen, die den extremen Bedingungen des Alentejo standzuhalten vermochte. Die Fachleute empfahlen die Alicante Bouschet, eine damals recht neue und robuste Hybride aus Frankreich, datiert 1865, als Henri Bouschet die Petit Bouschet mit der Grenache kreuzte. Die Petit Bouschet war ihrerseits eine Hybride aus der Teinturier und der Aramon aus dem Jahre 1824, ein Werk seines Vaters Louis. Aramon war bis in die 1960er die fruchtbarste Sorte Frankreichs, und die resultierende Alicante Bouschet weist als eine der wenigen Sorten die Eigenschaft der Teinturier auf – rotes Fruchtfleisch und roter Saft. Ihr Name wird vom französischen „teint“ für Farbe abgeleitet, Trauben dieser Familie werden meist in Assemblagen verwendet, ihr Beitrag besteht in tiefer Farbe und Gerbstoff. Sie kann nach der Lese wegen ihrer robusten Schale gut transportiert werden, und sie ist gegen Schimmel und Fäule resistent.
Die erste Pflanzung von Alicante Bouschet in Portugal erfolgte an einem Várzea Larga genannten Ort, früher auch als Várzea da Lagarta bekannt, auf der Herdade do Mouchão. Várzea bedeutet „gepflügtes Land“ oder ein flaches Stück Erde, und diese Rebstöcke genossen damals schon einen besonderen Ruf. Obwohl dieser Rebberg nicht mehr existiert, wurden Sprösslinge daraus auf Wurzelstöcke im berühmten Carapetos-Rebberg in der Nähe der neuen Kellerei oder „adega“ gesetzt. John Reynolds liess sie 1901 errichten, ein elegantes, funktionelles Gebäude im lokalen Baustil mit einer hohen Decke, weissgekalkten Wänden und einem traditionellen rotgeziegelten Dach. Sie steht im Schatten riesiger Eukalyptusbäume und funktioniert wie zur Zeit ihrer Errichtung.
Erst 1991 wurde sie an das Stromnetz angeschlossen. Im Hochsommer öffnet der Kellermeister um sechs Uhr morgens die Fenster, um die frische Morgenluft hereinzulassen, und um neun Uhr werden sie wieder geschlossen, damit die Hitze draussen bleibt. Im Innern ist es kühl und dunkel, die von Holzbalken getragene Decke ist fünfzehn Meter hoch. Hier stehen neun Stein-Lagares, offene Becken, in denen zur Zeit der Weinlese die Trauben gestampft werden. An den dicken Mauern stehen Fässer mit einem Fassungsvermögen von 2500 bis 5500 Liter, „pipas“ genannte Holzfässer für 550 Liter und kleine Fässer, die zwischen 225 und 300 Liter aufzunehmen vermögen. 1929 wurde die Kellerei mit einer Distillerie ergänzt.
Im Verlauf der Revolution von 1974 wurden die Besitzer enteignet, und die Herdade gelangte erst 1985 wieder in die Hände der rechtmässigen Eigentümer. Heute wird Mouchão immer noch von den Nachfahren der Gründer geführt, und Generationen der gleichen Familien arbeiten im Keller und in den Rebbergen. Der Arbeitsablauf ist wie damals ruhig und ungehetzt. Die gesamthaft achtunddreissig Hektar Rebland sind auf mehrere Parzellen in verschiedenen Abschnitten des Gutes verteilt. Neben der Alicante Bouschet wachsen dort Trincadeira, Aragonês, Touriga Nacional, Touriga Franca und Syrah, und es gibt auch eine beschränkte Anzahl weisser Sorten, vor allem Antão Vaz, Arinto and Perrum. Die Trauben werden von Hand gepflückt und mit den Füssen gestampft – in der sich immerwährend ändernden Welt des Weinmachens bleibt Mouchão ein traditioneller Betrieb in Familienbesitz.
DIE PRODUKTE VON MOUCHÃO
Im Spätsommer beginnt eine intensive Tätigkeit. Im Rebberg selektionieren die Pflücker die Trauben in Kisten à zwanzig Kilos. Die Trauben für den Weisswein werden abgebeert, gemahlen und bei tiefer Temperatur in rostfreien Stahltanks vergärt. Für die Rotweine werden die ganzen Traubenbüschel in einem Steinlagar, die Kapazität beträgt zwischen sechs- bis achttausend Kilos, leicht gemahlen. Most und Traubenhäute werden zweimal täglich gestampft, diese traditionelle Arbeitsweise fördert die Gärung und die Extraktion von Farbstoffen aus den Häuten, wobei die gerbstoffhaltigen Traubenkerne nicht zerdrückt werden. Dieser Prozess dauert normalerweise fünf bis acht Tage, anschliessend wird der Most für die Zweitvergärung und Klärung in Holzfässer umgezogen, die Traubenhäute werden in der Originalpresse von 1901 leicht ausgepresst. Am Anfang des folgenden Jahres, im Februar oder März, werden die nach Lagen unterteilten Weine von einer Jury verkostet, und ihr Urteil bestimmt, welcher Marke sie zugeordnet werden. Durch die Verkostung älterer Weine wird deren Zustand überwacht, bis sie auf den Markt kommen.
Seit 1954, als sie erste Flasche Mouchão verkauft wurde, ist er die wichtigste Marke, ihr verdankt die Herdade ihre Berühmtheit. Er besteht vorwiegend aus Alicante Bouschet mit einem kleinen Anteil Trincadeira. Fünftausend Liter halten die Fässer aus Eichen- und Mahagoniholz, in denen der Wein vierundzwanzig Monate reift, und erst nach weiteren zwei bis drei Jahren Flaschenreifung im klimatisierten Keller gelangt er auf den Markt. Er ist ein intensiver Wein, tiefgefärbt, mit der Konzentration und Würzigkeit der Alicante Bouschet und der Eleganz der Trincadeira, seine Tanninstruktur gewährt eine lange Entwicklung.
Beim süssen Licoroso wird die Gärung durch die Zugabe von hochwertigem Branntwein unterbrochen, der Alkoholgehalt liegt zwischen 18 und 22 Vol.-%. Dieser aufgespritete Wein reift während mindestens vier Jahren in sehr grossen Eichenfässern.
Mouchão produziert seit 1929 mit einer in Portugal konstruierten Destillieranlage auch Schnaps. Dazu wird Wasser über einem holzgefeuerten Ofen zum Kochen gebracht, der Dampf passiert durch den Trester der Alicante Bouschet. Das Destillat lässt man setzen, bevor es abgefüllt wird.
Auf fünfzig Hektar stehen Olivenhaine, ein grosser Teil über hundertjährig, und der älteste datiert aus dem Jahre 1903. Die Hauptsorte ist die Galega, eine einheimische Olivensorte des Alentejo. Obwohl Mouchão stets ein Mitglied der örtlichen Olivenölkooperative war und immer noch ist, wird auch eigenes Öl vermarktet. Eine Maschine für die Kaltpressung wurde installiert, die Oliven werden von Hand gepflückt und innert anderthalb bis zwei Stunden verarbeitet, wobei die Pflückmenge auf die Kapazität der Olivenpresse abgestimmt wird. Nach der mechanischen Kaltextraktion wird das Öl in Stahltanks dekantiert, und dort bleibt es zwischen vier und sechs Monaten bis zur Abfüllung. Es hat eine sehr tiefe Fettsäure, normalerweise um 3%, und für ein Produkt von ausserordentlicher Qualität wird auch eine kleinere Menge in Kauf genommen.
Der Honig von Mouchão entsteht in der Wildnis des Alto Alentejo. Die sanften Hügel mit Korkeichenwäldern, unterbrochen von Olivenhainen, Eukalyptus und Pinien, bieten auch winterfesten Pflanzen wie der Lack-Zistrose und der Steinrose, dem Lavendel und Oleander eine gute Unterlage. Der Pollen dieser Blumen formt die Basis des Honigs, die durch die reiche Vielfalt wilder, einheimischer Frühlingsblumen wie Mohn, Kamille, Klee, Iris, Pimpernelle, Natternkopf, Wegwarten und Sauerampfer ergänzt wird.