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«Hohes Fieber, Delirien, Erbrechen, Milzschwellung [...] am behaarten Kopf und Gesicht, dann Rumpf, Arme und Beine, Schleimhäute: rote Knötchen, die zu Bläschen mit Pockennabel und Pusteln werden. In diesem Stadium auch nervöse Störungen und Komplikationen der inneren Organe. Nach 12 – 14 Tagen Fieberabfall, Rückbildung [...] Krusten, nach 3-4 Wochen rote Narben [...] Infektiosität bleibt noch längere Zeit bestehen.»
(Hautatlas Eduard Jacobi, 1918).
Bei den Pocken handelte es sich um eine schwere hochansteckende Infektionskrankheit, verursacht durch das Variolavirus. Die Ansteckung erfolgte als Tröpfcheninfektion, durch direkten Kontakt oder indirekt über kontaminierte Gegenstände.
Nach einer Inkubationszeit von gegen zwei Wochen kam es zum oben beschriebenen Krankheitsbild, welches oft mit den typischen Vernarbungen abheilte. In bis zu 20% der Fälle verliefen die normal erworbenen Pocken tödlich!
Vergleichbar mit den heutigen Kinderkrankheiten, konnten die Pocken jeden treffen, unabhängig vom Umfeld oder dem sozialen Status: Mann, Frau, reich, arm, Bauer oder König. 1967 stellten die Pocken für 60% der Weltbevölkerung noch eine Bedrohung dar.
Die Pocken waren die erste Infektionskrankheit, die durch den Menschen vollständig ausgerottet werden konnte. Voraussetzung dafür war, dass das Pockenvirus nur den Menschen befällt und es sonst keinen anderen Wirt oder Reservoir gibt.
Mit der Impftechnik der Vakzination (Einimpfung von Kuhpocken-Viren), bekannt gemacht durch Edward Jenner (1749 – 1823), konnte zum ersten Mal in der Geschichte eine sichere Schutzimpfung durchgeführt werden.
Jenner beobachtete, dass Bauernmägde, welche sich mit den Kuhpocken infiziert hatten, nicht mehr an den Menschenpocken erkrankten. Diese Beobachtung führte ihn zur Hypothese, dass eine Impfung mit Kuhpocken dieselbe Immunität ermöglicht wie eine überstandene Erkrankung an Kuhpocken und daher Schutz vor den Pocken bietet. Nach zahlreichen Versuchen an Menschen veröffentlichte Jenner im Jahr 1798 seine Ergebnisse unter dem Titel “An inquiry into the causes and effects of the variolæ vaccinæ, a disease discovered in some of the western counties of England, particularly Gloucestershire, and known by the name of the cow pox”.
Die WHO verkündete am 8. Mai 1980 während ihrer 33. Vollversammlung in Genf feierlich, dass die Pocken global ausgerottet sind.
Die letzte natürliche Pockenerkrankung wurde 1977 aus Somalia gemeldet. Im August 1978 kam es infolge eines Laborunfalles in Birmingham in England zu zwei letzten Pockenfällen, von denen einer tödlich endete.
Der Sieg über die Pocken konnte dank des im Jahr 1958 initiierten und ab 1967 intensivierten Programms «Smallpox Eradication Programme – SEP» der WHO erreicht werden. Neben einer systematischen Überwachung und diverser Präventionsmassnahmen trugen die Impfkampagnen sowie die Massenimpfungen wie auch die internationale Zusammenarbeit zur erfolgreichen Bekämpfung der Pocken bei.