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Alleinzubleiben gehört nicht zum normalen Verhalten des Hundes, von seinen Rudelmitgliedern getrennt zu sein, bedeutet für gewisse Hunde - nicht für alle - Stress. Es kann auch sein, dass der Hund in einer ihm vertrauten Umgebung einige Zeit allein gelassen werden kann, nicht aber in einer fremden Umgebung (z.B. Hotelzimmer). Daraus folgt, dass der Hund an das Alleinbleiben gewöhnt werden muss. Dies geschieht durch ein "Distanztraining" und einer Desensiblilisierung gegenüber all denjenigen Anzeichen, welche der Hund mit dem Weggehen seiner Bezugsperson verbindet. Daraufhin folgt dann ein schrittweises Alleinbleib Training.
Es kann auch sein, dass ein Hund plötzlich nicht mehr allein bleiben will und während der Abwesenheit des Besitzers mit Zerstörung, Bellen, Unsauberkeit etc. reagiert. In einem solchen Fall könnte ein traumatisches Erlebnis während der letzten Abwesenheit seines Besitzers eine Trennungsangst ausgelöst haben (z. B. ein Gewitter mit Donner, Blitzschlag und starken Winden oder - was auch schon vorgekommen ist - das Eindringen eines fremden Tieres, einer Katze, durch ein gekipptes Fenster).
Trennungsängste haben oft eine spezielle Ursache und dass deren Ergründung für viele Hundehalter eine unlösbare Aufgabe zu sein scheint, zeigt die Tatsache, dass Trennungsängste mit zu den häufigsten Gründen gehören, warum Hunde im Tierheim abgegeben oder gar zum Einschläfern zum Tierarzt gebracht werden.
Da jeder Hund, genau wie jeder Mensch, seine ganz eigene Persönlichkeit besitzt, Gefühle hat und er sich annähernd perfekt in das aus seiner Sicht sicher nicht wenig komplizierte Leben der Menschen integriert hat, sind viele Hundehalter dazu geneigt, Ihren Hund zu vermenschlichen.
Das ist absolut in Ordnung, wenn diese Vermenschlichung dazu führt, dass Sie sich das Beste für ihn wünschen, so wie Sie sich das Beste für Ihre Kinder, Ihre Eltern und Ihre Freunde wünschen.
Wenn Vermenschlichung jedoch dazu führt, dass Sie davon ausgehen, Ihr Hund hätte annähernd dieselben Wünsche, Bedürfnisse oder gar Gedanken wie Sie, dann ist das vermutlich ein Missverständnis.
Natürlich hat ein Hund nichts gegen ein gemütliches und trockenes Plätzchen einzuwenden, wenn es draussen schneit und stürmt. Auch findet er das Sofa besser als ein Hundekörbchen und kaum etwas kann ihn so erfreuen wie eine leckere Mahlzeit. Ähnlichkeiten zwischen Hund und Mensch gibt es also durchaus.
Während aber Trennungsängste beim Menschen oft ihren Ursprung in der Kindheit haben, sind Trennungsängste beim Hund in den meisten Fällen die Folge des falschen Hundebesitzer Verhaltens.
Natürlich kann auch fehlende Bewegung und Langeweile zu unwillkommenem Verhalten während der Abwesenheit des Besitzers führen. Die Zerstörungswut des allein gelassenen Hundes kann auch aufgrund einer Geräuschangst oder einem territorialen Verhalten entstehen. Die Unsauberkeit des alleingelassenen Hundes hingegen könnte auch durch eine organische Krankheit bedingt sein oder einfach durch die Tatsache, dass der Hund sich nicht entleeren konnte. Man bedenke: Während ein Hund durchaus gelegentlich für einige Stunden allein gelassen werden kann, ohne dass der Halter von einem schlechten Gewissen geplagt werden müsste, ist das tägliche Alleinelassen von mehr als sechs Stunden für fast jeden Hund eine Zumutung.
Ferner sollte kein Hund nach Operationen, Impfungen oder anderen tierärztlichen Eingriffen alleine gelassen werden. Insbesondere Impfungen können zu plötzlicher Unruhe, Krämpfen, Durchfall oder anderen Nebenwirkungen führen, mit denen kein Hund gerne alleine ist.
Auf dem Haustier-Markt wurde der Verkauf für einen speziell für Hunde gedachten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) in Pillenform genehmigt.
In einem Statement im Namen der Hersteller heisst es:
“Sie mögen nicht mit dem Phänomen der Trennungsangst bei Hunden vertraut sein, aber vermutlich haben Sie bereits die damit einhergehenden Symptome beobachtet. Wenn Sie nicht zu Hause sind, könnte Ihr Hund eine der folgenden Verhaltensmuster aufzeigen: zerstörerisches Durchkauen von Gegenständen; Bellen und/oder Heulen; innerhäusiges Urinieren und/oder Stuhlgang; Sabbern; auf und ab rennen; Zittern; sich übergeben – oder gar Schlimmeres. Trennungsangst ist ein krankhafter Zustand der seinen Ursprung im Gehirn Ihres Hundes hat. Ihr Hund ist kein schlechter Hund. Sein Verhalten ist nur das Resultat von Trennungsangst.“
Die Hersteller behaupten, dass die durchgeführten Tests bei 73% der Hunde eine Verhaltensbesserung zeigten. Als Nebenwirkungen des Medikamentes seien Lethargie, ein gezügelter Appetit, Erbrechen, Zittern, Durchfall, Rastlosigkeit, exzessives Gebell, Aggressivität und bei einigen Hunden sogar epileptische Anfälle aufgetreten.
Seit langem währt die Kritik an den Versuchen der Industrie, Gefühle wie Traurigkeit, Schüchternheit oder Wut mit Medikamenten behandeln zu
wollen. Die Anzahl der Krankheiten, die in der Liste Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) aufgeführt sind, ist lang. Mittlerweise sind dort 297 unterschiedliche
Diagnosen psychischer Erkrankungen oder Störungen aufgelistet. Auch die Trennungsangst und Winterdepression sind darin enthalten.
Auch der Einsatz von Medikamenten bei auffällig lebhaften Hunden ist mehr als fraglich. Der Tierpsychologe Roger Mugford erklärte: „Die beste Verhaltensänderung bei Hunden ist durch konsequentes Verhalten des Tierhalters, qualitativ gutes Futter und durch vernünftigen Einsatz von Leckerbissen zu erzielen, und nicht durch die Verabreichung von Drogen.“