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Zwischen Erkenntnisanspruch und Versöhnungsimperativ. Geschichtsschreibung im Transitionskontext
Im Kontext von Nachkonfliktsituation nehmen anerkennungsorientierte Aufarbeitungsprozesse von Geschichte eine immer grössere Bedeutung ein. Institutionen wie Wahrheits- und Versöhnungskommissionen sowie Strafgerichtshöfe dienen dazu, das Vergangene so aufzuarbeiten, dass der Aufbau einer konfliktfreien Zukunft möglich wird. Mittlerweile wurden in über 30 Ländern öffentliche Kommissionen etabliert, deren Arbeit oftmals in der Veröffentlichung von Abschlussberichten mündet. In diesen Berichten geht es nicht primär um die Erarbeitung eines Verständnisses des Vergangenen, sondern es wird der Anspruch erhoben, den Opfern von Gewalt nachträgliche Genugtuung zu verschaffen sowie "Nation Building" zu ermöglichen. Somit bilden solche Texte hybride Formen historischer Bedeutungszuschreibung, die sich im Kontext von Politik, Recht und Moral bewegen. Berichte von Wahrheitskommissionen dienen dabei als mit autoritativer Macht ausgestattete Fundierungsdokumente einer neu sich konstituierenden nationalen Identität. Dabei gilt es zu beachten, dass oftmals keine Historiker, sondern vielmehr Juristen und Psychologen mit der Erforschung des Vergangenen und der Formulierung einer autoritativen Geschichtsschreibung betraut sind. Dies stellt das Selbstverständnis der Geschichtswissenschaften selbst in Frage, die sich in einem politisierten Kontext zu behaupten hat und deren Erkenntnisanspruch durch einen Versöhnungsimperativ in Frage gestellt werden kann. Im Rahmen meines Referates werde ich mich anhand von ausgewählten Beispielen mit den oben erwähnten geschichtspolitischen Prozessen auseinandersetzen, und mich dabei insbesondere mit der Frage befassen, welcher Umgang mit dem Vergangenen sich hier offenbart.