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Quelle: DUDEN-Newsletter vom 5. Oktober 2015
Das Wort Ellipse stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich «Mangel».
Als Ellipsen, auch Auslassungen genannt, bezeichnet man die Einsparungen von Redeteilen, wie z. B. «Wunderbar!» statt «Das ist ja wunderbar!»
Elliptische Äusserungen sind nicht in dem Sinne «unvollständig», dass man sie eigentlich «vervollständigen» müsste. Die Form und die Bedeutung elliptischer Strukturen lassen sich jedoch am besten verstehen, wenn man sie auf ausformulierte Satzstrukturen bezieht. Es gibt verschiedene Arten von Ellipsen:
Zum einen gibt es feste Wendungen wie
Danke schön!
statt «Ich danke schön!»
Wetten, dass er wieder zu spät kommt?
statt «Wollen wir wetten, dass er wieder zu spät kommt?»
Ein anderer Typ sind parallel konstruierte Bildungen mit einem gleichen Bestandteil, der nur einmal genannt wird, um Wiederholungen zu vermeiden:
Sie berichteten von zahlreichen Auseinandersetzungen und [zahlreichen] Zerwürfnissen.
Sie haben den Vertrag unterschrieben und [sie haben] das Geld sofort überwiesen.
Gerade beim zweiten Typ der Ellipse treten hin und wieder Probleme auf. Unkorrekte Ellipsen mit einem Kongruenzproblem findet man beispielsweise häufig in Anrede- und Schlussformeln von Briefen.
Nicht richtig sind Formulierungen wie «Sehr geehrte Frau Müller und Herr Müller». Aufgrund des unterschiedlichen Genus ist hier eine Ellipse
ausgeschlossen, es muss demnach heissen:
Sehr geehrte Frau Müller, sehr geehrter Herr Müller
Nicht nur Wörter, auch einzelne Buchstaben oder Wortteile können ausgelassen werden. Bei der Schreibung kann es dann zu einigen Schwierigkeiten kommen. Häufig stellt sich die Frage: Wird ein Apostroph gesetzt oder nicht?
Wenn Buchstaben am Anfang eines Wortes ausgelassen werden und das Wort dadurch schwer lesbar oder missverständlich ist, steht häufig ein Apostroph. Dabei erscheint vor dem Apostroph der gewöhnliche Wortzwischenraum und die verkürzten Formen werden auch am Satzanfang kleingeschrieben:
Wirf die Decken und ’s [= das] Gepäck ins Auto.
’s [= Es] ist nun mal nicht zu ändern.
Gehen S’ ’nauf! [= Gehen Sie hinauf!]
Man kann einen Apostroph setzen, wenn das Pronomen es mit dem vorangehenden Wort (Verb, Pronomen, Konjunktion) zusammengezogen wird:
Hätten Sie’s gewusst?
Da diese Verbindungen im Allgemeinen nicht schwer lesbar sind, ist das jedoch oft nicht notwendig. Der Wortzwischenraum wird in diesen Fällen nicht gesetzt:
Mir gehts gut.
Sie macht sichs gemütlich.
Der Apostroph steht im Allgemeinen auch nicht, wenn es sich um allgemein übliche Verschmelzungen aus Präposition und Artikel handelt:
Der Gauner wollte ihn hinters [=hinter das] Licht führen.
Unterm [=unter dem] Weihnachtsbaum lagen die schönsten Geschenke.
Verwendung des Newsletterinhalts mit freundlichem Einverständnis des Bibliographischen Instituts Berlin