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Ich wage jetzt mal eine These: Alle, die Schweizerdeutsch als Muttersprache haben, wachsen automatisch zweisprachig auf. Wie ich auf diese Idee komme, liegt beim näheren Betrachten eigentlich auf der Hand. Aber ich musste selbst zuerst damit konfrontiert werden, ehe ich es begreiffen konnte.
Sardinien, September 2017. Am Strand unterhalte ich mich mit einer Berlinerin – auf Hochdeutsch selbstverständlich. Und dann die Frage: «Du sprichst normalerweise Schweizerdeutsch, richtig?» Ich sage Ja, denke mir aber: Hm, wieso fragt mich die Frau das? Versteht man mich so schlecht? Nein, das war es nicht. Die Berlinerin: «Dann hast du Hochdeutsch in der Schule gelernt?» Ich überlege kurz und sage: «Also, Lesen und Schreiben lernen wir. Hochdeutsch sprechen können wir von Anfang an.» Jetzt schaut sie mich etwas verdutzt an und ich realisiere endlich: Ich bin ja zweisprachig aufgewachsen! Die Eltern haben mir Mundart beigebracht, und wahrscheinlich waren es Radio und Fernsehen, die mich Hochdeutsch gelernt haben.
Es heisst ja, Kinder, die zweisprachig aufwachsen, haben mehr Mühe, sprechen zu lernen. Bedeutet das, dass Schweizer weniger schnell reden können als zum Beispiel Deutsche, Finnen oder Engländer? Und die rätoromanischen Landsleute wären dann mit drei Sprachen dann ja noch langsamer, die Armen!
Theorie nicht belegt.
Bevor es von aussen einen Kommentar gibt, spiele ich gleich selbst den Besserwisser: Auch in Deutschland und allen anderen Ländern gibt es Dialekte. Ich weiss. Meine Theorie ist ja auch nicht erwiesen. Studien dazu hab ich leider keine gefunden. Aber interessant ist es allemal.
Auf jeden Fall gefällt mir der Gedanke, dass ich als sogenannter einsprachiger Schweizer trotzdem irgendwie zweisprachig aufgewachsen bin.