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Viele Analysten beurteilen die Aussichten für 2010 in Asien deutlich besser als in Europa oder den USA. Bei JP Morgan beispielsweise rechnet man für Asien (ohne Japan) mit einem Upside-Potenzial von 30%. Für Europa veranschlagen sie ein Plus von 20%, für die USA 10%.
Die Analysten von Exane sehen in den Emerging Markets gar einen Trend, der nicht nur im Jahr 2010 anhalten soll, sondern für das gesamte Jahrzehnt gelte. Begründet wird dies mit den grossen Wettbewerbsvorteilen gegenüber Europa und Amerika, den die Schwellenländer aufgrund einer verheissungsvollen Gesellschaftsstruktur mit einem hohen Anteil junger, gut ausgebildeter Menschen, den vergleichsweise niedrigen Löhnen und den Ressourcen besitzen.
Für erfahrene und ausreichend breit diversifizierte Anleger bieten sich aus dieser Konstellation Alpha-Strategien an. Diese setzen auf eine Überperformance in einem bestimmten Land oder einer Region gegenüber einer anderen. Eine solche Strategie mit der Kombination Asien und USA verspricht damit ein Potenzial von 20%.
Auf Umsatzanteil in Asien setzen
Auf eine andere Möglichkeit, vom Wachstum in Asien zu profitieren, weisen die Exane-Analysten hin: Sie haben für eine Reihe europäischer Blue Chips die Grösse und Perspektiven ihrer Geschäftsbereiche in den aufstrebenden Ländern untersucht, zu denen heute auch Brasilien zählt (siehe Tabelle).
Zwar könnten kurzfristig disponierende Anleger aufgrund der grossen Bauvorhaben in Indien, China, Brasilien und weiteren aufstrebenden Ländern eher auf den Stahl- oder Zementsektor setzen. Laut den Exane-Analysten sind diese Sektoren jedoch längerfristig weniger interessant als Unternehmen aus dem Konsum- oder Pharmasektor. Schliesslich können Konjunkturprogramme auslaufen und Firmenkunden ihre Investitionsentscheidungen aufschieben. Zudem haben sich in der nun möglicherweise abgeschlossenen Krise die Endkonsumenten in den meisten Ländern als stabile Stütze ihrer Konjunktur erwiesen.
Dabei hat sich auch jetzt wieder gezeigt, dass die westlichen Hersteller mit eingeführtem Markennamen sowie gepflegten und ausbaufähigen Diensten und Produkten den lokalen Konkurrenten überlegen waren. Hinzu kommt, dass die westlichen Firmen derzeit mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 13 und 17 immer noch günstiger bewertet sind als ihre Wettbewerber aus den aufstrebenden Ländern. Deren Aktien werden zum 20- bis 30fachen ihrer Gewinnschätzungen für 2010 gehandelt.
Blue Chips aus Europa im Vorteil
Im Vergleich zu Direktanlagen in Aktien von Firmen aus aufstrebenden Ländern haben die etablierten europäischen Konzerne laut den Exane-Analysten weitere Vorteile: Ihre Corporate Governance ist durchwegs besser, die Buchführung transparenter, die Dividendenrendite höher, die Aktienmärkte sind liquider und die Schwankungen der Performance geringer.
14 europäische Aktien haben es, gestützt auf diese Kriterien, in die Empfehlungsliste von Exane geschafft. Mit Novartis als einzigem Pharmawert und Swatch als einzigem Vertreter aus dem Luxusgütersektor neben LVMH sind auch zwei schweizerische Blue Chips dabei.
Nicht vertreten ist der Tabaksektor, obwohl hier mit Imperial Tobacco und BAT zwei britische Konzerne 20 bzw. 40% ihrer Umsätze ausserhalb Europas machen, genauso wie der Autosektor. Zwar dürfte der Autoabsatz in den aufstrebenden Ländern in den kommenden Jahren weiter steigen, aber die europäischen Hersteller müssen, um einen Marktzugang zu bekommen, oft mit lokalen Herstellern einen 50%-Joint-Venture eingehen. Für das margenträchtige Luxusautogeschäft ist die Nachfrage (noch) zu gering und im Geschäft der Billigautoproduktion haben die lokalen Firmen oft die Nase vorne. In der Vermögensverwaltung schliesslich, wo etliche Schweizer Institute ebenfalls nennenswerte Umsätze im Geschäft mit vermögenden Kunden aus Asien erzielen, sind die mittelfristigen Aussichten (auch) aufgrund regulativer Bestimmungen (Transparenz, Steuern usw.) schwer abzuschätzen.
Novartis und Swatch überzeugen
Die Schätzungen der Analysten gehen davon aus, dass mit 55% der Grossteil des Wachstums im Pharmamarkt in den kommenden 20 Jahren aus den aufstrebenden Ländern kommen wird. Europa und Japan dürften mit 15 bzw. 3% ungleich weniger beisteuern und auch hinter den USA (25%) zurückbleiben. Wer hier bestehen will, müsse einen erfolgreichen opportunistischen Ansatz verfolgen, ältere Präparate hauptsächlich gegen Infektionskrankheiten einsetzen und auch im Generikabereich und in den lokalen Consumermärkten mit rezeptfreien Präparaten mitspielen. Laut den Analysten von Exane weisen zwar auch Roche, Merck KgaA, Novo Nordisk und Ipsen hohe Umsatzanteile in aufstrebenden Märkten auf, aber Novartis ist dort auch dank der Sandoz-Generika-Sparte am besten aufgestellt, operativ erfolgreicher als die anderen. Zudem sei die Aktie gegenüber dem vergleichbarsten Konkurrenten GlaxoSmithKline günstiger, obwohl bei Novartis die Pharmapipeline besser sei.
Und von den Luxusgüterherstellern weist Swatch den höchsten Umsatzanteil in aufstrebenden Ländern aus: Ohne Japan sind es 32% (Branchendurchschnitt: 20%). Zudem profitiert Swatch von der Beteiligung an Xinyu Hengdeli, dem wichtigsten Uhrenretailer in China. Dieser berichtete von einem Plus der Verkäufe von 50% in der «goldenen Woche» im Oktober gegenüber 2008. Besonders gut liefen Omega-Uhren, die ebenfalls zum Swatch-Imperium zählen. Bis 2019 könnte der Umsatzanteil von Swatch aus China die 40%-Marke erreichen. Und wenn es gut läuft, ist laut den Analysten eine Marge von 22% dank dem China-Geschäft erreichbar - heute sind es erst 15%.