Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03133.jsonl.gz/2986

Fabian Murer ist in einer bemerkenswerten Matura-Arbeit am Kollegium St. Fidelis in Stans NW der Frage nachgegangen, wie sinnvoll Trainerwechsel sind. Zudem hat er, was das Heuern und Feuern von Trainern betrifft, auf zehn Jahre die Schweizer Super League mit den grossen europäischen Ligen verglichen – und Erstaunliches herausgefunden. Hier sein Kommentar:
„Ich habe in meiner Maturaarbeit Trainerwechsel im Spitzenfussball untersucht. Dabei behandelte ich alle Trainerwechsel der Spielzeiten von 2002/03 bis 2011/12 der obersten Ligen von England, Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und der Schweiz.
Dabei stellte sich heraus, dass Italien mit 218 Wechseln im untersuchten Zeitraum mit klarem Abstand die meisten Trainer gewechselt hat. Der Durchschnitt wechselte die Vereine pro Liga 128 Trainer aus.
In der Schweiz bestreitet ein Trainer im Schnitt nur 43 Spiele, bevor er gewechselt wird. Das bedeutet, dass jeder Schweizer Verein den Trainer nach etwa einer Saison entlässt, da jeder Schweizer Klub pro Saison mindestens 36 Spiele bestreitet. Das zeigt, dass die Klubs in der Schweiz den Trainern kaum Zeit geben, die Mannschaft zu nachhaltig zu verbessern. Der Schnitt der Anzahl Spiele, die ein Trainer bei einem Verein verbringt, beträgt in den untersuchen Ligen zum Vergleich 63 Spiele.
In meiner Arbeit konnte ich statistisch beweisen, dass Trainerwechsel kurzfristig tatsächlich einen positiven Effekt haben. Ich habe jeweils die Punkteausbeute zehn Spiele vor dem Wechsel und die Punkteausbeute zehn Spiele nach dem Wechsel aller Trainer erfasst und die Mittelwerte miteinander verglichen. Zehn Spiele vor dem Wechsel war die Ausbeute im Schnitt bei 10.4 Punkten und zehn Spiele nach dem Wechsel lag sie bei 14.5 Punkten.
Die Erklärung für die Verbesserung kann nicht an einer Veränderung des taktischen Systems liegen. Denn auch wenn der neue Trainer ein „besseres“ System einführen würde, hätten es die Spieler nach zehn Spielen noch nicht so gut verinnerlicht, dass gerade dies der Grund für die Verbesserung ist.
Die Begründung liegt in der Psyche der Spieler. Alle sind motiviert, weil der Kampf um einen Stammplatz wieder bei null beginnt. Der Konkurrenzkampf wird dadurch belebt und die Spieler treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Wie lange dieser Zustand jedoch anhält ist fraglich.“