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... I don't like to feel things, don't want to feel pain or fear. And mostly, how I can see that I don't drink like a normal person. That I use booze as an escape hatch and also like a destination in itself ...
Ich hasste alles, was sie Jude LeBlanc und seinen Gemeindemitgliedern angetan hatten. Mich persönlich erfüllten sie mit Ekel und Abscheu. Aber ich durfte mir keinen Hass erlauben. Weder als Ordnungshüter noch als trockener Alkoholiker durfte ich das. Bei den Anonymen Alkoholikern lehrt man uns, dass diejenigen, die uns den grössten Ärger bereiten, krank sind, nicht viel anders als wir selbst. Manchmal fällt es einem schwer, sich auf dieses Gebot einzulassen. Leider dürfen sich trockene Alkoholiker bei ihren Gefühlen keine Freiheiten herausnehmen.
I am teaching an intelligent regard for the preservation and nourishment of the Self - not the professional self, but the human being who lurks in all of us, and whom we so often neglect and ill-use. If we pay any attention to this human being - this Self - at all, it is usually to scold the poor thing for not being more than it is - for not being saintly, or valorous, or untiring. We never seem to take time to feed it, clothe it, encourage it, love it, and forgive it.
An ein Buch, das als "atemberaubende Entdeckungsreise" (The Guardian) gepriesen wird, geht man mit gespannter Vorfreude heran. Doch wenn dann von demselben Buch auch noch behauptet wird, es "könnte ihr Leben verändern" (The Observer), weicht die Vorfreude einer schwer zu bändigenden Skepsis (war der Rezensent vielleicht dreiundzwanzig und für ernsthaftere journalistische Arbeiten ungeeignet?). Und dann beginnt man zu lesen und greift bereits auf der ersten Seite der Einführung zum Bleistift, weil man markieren will, was zwar banal sein mag, doch selten wirklich begriffen wird: "Ohne triftigen Grund und zwingende Notwendigkeit bewegen wir uns nicht vom Fleck". Ab da ahnt man, dass man ein aussergewöhnliches, ja ein hilfreiches Buch vor sich hat. Es heisst "Wie wir sind" und geschrieben wurde es vom Psychotherapeuten Vincent Deary, der heute an der University of Northumbria in Newcastle unterrichtet.
"Der ausgetretene Pfad" heisst das erste Kapitel, in dem eindringlich aufgezeigt wird, wie unser Begehren unsere Lebenspfade vorgibt. "Die weitverzweigte Architektur unseres Gehirns und unserer Nerven wartet auf die Welt und ahnt bereits deutlich voraus, wie sie sein wird. Sie wartet auf Raum und Zeit, ist bereit für die Sprache, sieht Bewegung und andere Menschen voraus, ist vorbereitet auf Sex und Gewalt, Angst und Schrecken."
Wie wir sind ist ein lebenskluges, ja weises Buch, das sich nicht zuletzt dadurch auszeichnet, das es höchst clever aufgebaut ist. So ist etwa jedem Kapitel eine kurze Inhaltsangabe vorangestellt, die einen, zugegeben, ich rede von mir, richtiggehend ins Buch hineinzieht. Hier ein Beispiel: "Wir werden sehen, dass wir in hohem Masse Gewohnheitsmenschen sind und dass die Gewohnheit auf dem Gedächtnis gründet. Dabei ist das Gedächtnis weniger eine Bibliothek als vielmehr ein Archiv bereitstehender Routinen, die unser Alltagsleben ermöglichen ...".
Eindrücklich zeigt Vincent Deary auf, dass das Gedächtnis zwar ein Aufzeichnungsgerät ist, "allerdings bestenfalls für ein paar Tage". Zudem ist es fehleranfällig, wie das russische Sprichwort; 'Er lügt wie eine Augenzeuge' treffend illustriert. Und nicht zuletzt gilt: "Erinnerung verblasst, wenn sie nicht immer wieder ans Licht geholt wird".
Mein Eindruck, dass ich die meiste Zeit auf Autopilot durchs Leben gehe, wird in Wie wir sind nicht nur bestätigt, sondern sehr schön auf den Punkt gebracht: "Wohlerwogenes, bewusstes Denken ist das, was uns am allerwenigsten eigen ist."
Bezugnehmend auf Filme, Werke der Literatur sowie der Neurowissenschaft erläutert der Autor, weshalb wir uns so schwer tun mit Veränderungen. Faulheit und Feigheit hinderten den Menschen daran, selber zu denken, meinte bekanntlich Immanuel Kant. Und sie sind es auch, die der Veränderung wesentlich entgegenstehen.
"Wir haben gesehen, wie wir sind, wie festgefahren in unseren Gewohnheiten", lese ich zu Beginn des zweiten Aktes, der mit "Verändern" überschrieben ist:"Jetzt müssen wir uns von ihnen verabschieden und uns neue zulegen. Die Arbeit, das Drama beginnt."
Sich zu verändern bedeutet, eine neue Rolle auszuprobieren. Und das verlangt üben. Damit sich neue Gewohnheiten heranbilden können. Denn wir Gewohnheitsmenschen können uns entscheiden, welchen Routinen wir den Vorzug geben.
Als die Schauspielerin Beryl Reid einmal gefragt wurde, "wie sie sich in eine neue Figur einfinde, wie sie das Gefühl dafür bekomme, jemand anders zu sein, antwortete sie: 'Als Erstes suche ich mir die Schuhe aus.' Der Rest kommt dann von ganz allein." Weil sie damit der Automatik, die uns grösstenteils bestimmt, die Richtung vorgegeben hat.
Vincent Deary
Wie wir sind
Pattloch Verlag, München 2015