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Stress begünstigt Psychose-Schübe
Viele Patienten, die einen ersten psychotischen Schub erlitten haben, erlebt im Laufe des Lebens eine weitere Episode. Seit Langem vermutet man, dass belastende Lebensereignisse nachfolgende Schübe begünstigen. Nun konnten Forscher diesen Zusammenhang nachweisen.
Es gibt viele Hinweise darauf, dass Personen, die belastenden Lebensereignissen ausgesetzt waren, ein erhöhtes Risiko haben, eine Psychose zu entwickeln.
Auch, dass traumatische Ereignisse das Risiko eines Rückfalls von Personen mit einer bereits manifesten Diagnose auslösen können, wird seit Langem diskutiert.
256 Psychose-Patienten zwei Jahre lang nachverfolgt
Eine britische Forschergruppe untersuchte nun den Zusammenhang zwischen der Anzahl und Schwere von belastenden Lebensereignissen nach Ausbruch der Psychose und dem Rückfall in die Psychose im Rahmen einer prospektiven Studie (1).
Das Team um Professor Dr. Sagnik Bhattacharyya vom King’s College London rekrutierte 256 Patienten im Alter von 18 bis 65 Jahren. Sie hatten sich mit einer ersten psychotischen Episode in psychiatrischen Einrichtungen vorgestellt. Zu Beginn und während des zweijährigen Follow-ups wurden diese im Hinblick auf belastende Lebensereignisse befragt.
Hierzu verwendeten die Studienautoren einen kurzen Fragebogen, der zwölf potenziell traumatische Lebensereignisse erfasst. Dazu gehören u.a. den Tod eines nahen Verwandten oder Freundes, Trennung, Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten sowie Konflikte mit dem Gesetz. Zusätzlich zogen sie für beide Befragungszeitpunkte Daten aus elektronischen Krankenakten heran. Ein Rückfall war definiert als stationäre Aufnahme aufgrund einer Symptomverschlechterung innerhalb der Nachbeobachtungszeit.
Psychose-Schübe nach traumatischen Lebensereignissen deutlich häufiger
Während des Follow-up-Zeitraums erlitten 36 Prozent der Teilnehmer mindestens einen Rückfall. Personen, die nach der ersten psychotischen Episode belastenden Lebensereignissen ausgesetzt waren, hatten dabei ein signifikant höheres Risiko für weitere Psychose-Schübe als Personen ohne belastende Ereignisse (Hazard Ratio 2,6). Zudem litten sie bei Rückfällen unter mehr und länger andauernden psychotischen Episoden.
Häufigkeit und Dauer der Rückfälle nahmen mit der Anzahl an belastenden Lebensereignissen zu. Umgekehrt fand sich kein Zusammenhang, so Prof. Bhattacharyya und Kollegen: Erneute Psychose-Schübe hatten keinen Effekt auf das nachfolgende Risiko für belastende Lebensereignisse.
Personen mit einer Erstpsychose sollt man laut Ansicht der Autoren über die negativen Auswirkungen belastender Lebensereignisse aufklären, und sie bei Bedarf zu unterstützen. Dafür lassen sich psychotherapeutische und psychoedukative Ansätze kombinieren.