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(NZZ – POLITISCHE LITERATUR – Samstag/Sonntag, 14./15. Januar 1995, Nr. 11, Seite 103)
zz. Der neue Jahrgang der «Schweizer Monatshefte» beginnt mit einem Frankreich-Dossier. Robert Nef beleuchtet das zwiespältige Verhältnis der Grande Nation zu Europa und die paradoxe Partnerschaft mit der diskreteren, aber realeren deutschen Führungsmacht. Rudolph Chimelli weist auf das historische Novum hin, dass das Südufer des Mittelmeers ein bedrohliches Gesicht bekommen hat. Er analysiert die aussenpolitischen Strategien gegen den Islamismus – Unterstützung Saudi-Arabiens und des Irak, «eigenständige Nahostpolitik» – und den für ein Land mit drei bis fünf Millionen muslimischen Einwohnern brisanten antifranzösischen Aspekt des algerischen Fundamentalismus. Zum präsidialen staatspolitischen System konstatiert Alfred Kölz, keine andere westliche Demokratie vergebe ein Amt von solcher Bedeutung für so lange Zeit. Er beschreibt die je nach Konstellation variierende Anwendung der 14. Verfassung seit 1789 und zählt zu den Faktoren auch die «Strassenreferenden» in Paris. Urs Schöttli hebt anhand von Pierre Peans Darstellung von Mitterrands Jugend und Vichy-Zeit den opportunistischen Machttrieb des jetzigen Präsidenten hervor. Urs Bitterli bespricht Nicolas Baverez’ Biographie des unter den Intellektuellen lange isolierten Liberalen Raymond Aron.
Im Kulturteil werden die Früchte des vergangenen Nietzsche-Jahres – Ausgaben, Nachdrucke, Untersuchungen, ein Roman – von Ludger Lütkehaus kritisch gemustert. Hans Bänziger schreibt über «Poesie und Partei», über Staatsparteimitgliedschaft, Parteinahme und Parteienkritik von Schriftstellern. Das Heft enthält zudem den Text von Elsbeth Pulvers Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung über Deutschschweizer Schriftstellerinnen in der Landesbibliothek Bern und Rezensionen von Hans Magnus Enzensbergers «Diderots Schatten», drei neuen Fachzeitschriften und Gerd Habermanns «Wohlfahrtsstaat».