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Barbara Kahl litt unter Atemnot. Ende April 2006 liess sie sich im Spital in San José, Costa Rica, untersuchen. Die Diagnose: fortgeschrittener Lungenkrebs. Der 65-jährigen Auslandschweizerin blieb nicht mehr viel Zeit. Sie wollte so schnell wie möglich in die Schweiz zurück, um bei ihrer Familie zu sterben.
Zum Glück hatte sie bei der Krankenkasse Concordia eine Zusatzversicherung, die bei ernsthafter Krankheit im Ausland die Heimführung vorsieht. Die Medicall AG organisierte im Auftrag der Concordia den Rücktransport. Am 15. Mai 2006 war Barbara Kahl - laut Bericht der Spitalleitung - transportfähig, jedoch nur mit Beatmungsgerät in einem speziellen Ambulanzjet. Die Zeit drängte, da sich Barbara Kahls Zustand weiter verschlechterte und sie später möglicherweise nicht mehr transportfähig sein würde. Es vergingen jedoch ganze vier Tage, bis Medicall der Concordia einen ersten «Repatriierungsantrag» schickte, um zu erfahren, ob die Transportkosten mit einem Ambulanzjet gedeckt wären.
«Ambulanzjet sehr teuer»
Mindestens ein Tag ging verloren, weil Medicall die Ärzte vor Ort anwies zu prüfen, ob Kahl auch ohne Beatmungsgerät auskommt, so der Spitalbericht. Medicall wollte offenbar sichergehen, dass sie ihrer Auftraggeberin, der Concordia, die billigste Variante für den Rücktransport anbietet. Ohne Beatmungsgerät hätte man die Patientin in einem normalen, weit günstigeren Linienflugzeug in die Schweiz transportieren können. Medicall will dazu keine Stellung nehmen. Die zusätzlichen Tests ergaben nichts Neues: Nur ein Ambulanzjet kommt in Frage, beharrten die Ärzte.
Erst jetzt begann Medicall, Offerten für den Transport von Barbara Kahl einzuholen - und am 19. Mai 2006, frühmorgens, war die Firma endlich so weit: Sie sandte den Fax mit dem «Repatriierungsantrag» an die Concordia. Die Kostengutsprache der Versicherung liess jedoch auf sich warten.
«Meiner Mutter ging es immer schlechter», sagt Thomas Friedrich, der Sohn von Barbara Kahl. Die Familie konnte sich nicht erklären, warum die Concordia mit dem Rücktransport so lange zuwartete. Deshalb wandten sich die Angehörigen, ebenfalls am 19. Mai, an Rudolf Luginbühl, Ombudsmann der Krankenversicherungen. Erst als dieser bei der Concordia intervenierte, kam von ihr eine mündliche Gutsprache. «Die Intervention des Ombudsmanns hatte keinen Einfluss», schreibt jedoch die Concordia.
«Wir sehen ab und zu Fälle, in denen die Abklärungen für die Repatriierung zu lange dauern», sagt Luginbühl. Vielfach liege das an den Kommunikations- und Kompetenzproblemen zwischen den Versicherungen und jenen Unternehmen, die den Rücktransport organisierten.
Für Thomas Friedrich, den Sohn, liegen die Gründe woanders: «Um Kosten zu sparen, wurde wertvolle Zeit vergeudet.» Die Concordia wehrt ab: «Die Kostenfrage stand nicht im Vordergrund.» Die Protokolle der Medicall über ihre Telefongespräche mit der Concordia vermitteln aber ein anderes Bild. «Ambulanzjet sehr teuer», heisst es etwa am 19. Mai, 14.45 Uhr, als Antwort auf Medicalls «Repatriierungsantrag». Und weiter: «Evtl. mit abwarten absehbar, ob immer noch Jet oder Besserung. Evtl. kann sie dann auf Linie retour fliegen.» Und als die Concordia nach der Intervention durch den Ombudsmann der Medicall am 19. Mai, 21.10 Uhr, die mündliche Gutsprache gab, klang das so: «Sollen Repatriierung machen, aber günstigste Variante.» Die Medicall musste weitere Offerten einholen.
Am 22. Mai kam dann endlich die schriftliche Zusage der Concordia - eine Woche nachdem die Spitalärzte Barbara Kahl die Transportfähigkeit bescheinigt hatten. Zu spät. Die Krebspatientin war zwei Tage zuvor gestorben.