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Der Journalist und Buchautor Peter Scholl-Latour ist tot. Der Nahost-Experte starb Samstagfrüh im Alter von 90 Jahren nach schwerer Krankheit in Rhöndorf am Rhein, wie der Propyläen-Verlag in Berlin mitteilte.
Scholl-Latour hatte unter anderem als Fernsehreporter aus zahlreichen Konfliktgebieten berichtet.
Der Verlag würdigte Scholl-Latour als einen «der Grossen des deutschen Journalismus.» Er habe «Kriege und Bürgerkriege unserer Zeit von Algerien über Vietnam bis zum Irak und Afghanistan aus nächster Nähe kennengelernt» und den Deutschen mit Reportagen, Filmen und Büchern die Welt näher gebracht.
Scholl-Latour wurde am 9. März 1924 in Bochum geboren. Seine elsässische Mutter entkam als Jüdin knapp der Deportation. Er ging im schweizerischen Fribourg in ein Jesuiten-Kollege. 1945 geriet er kurzzeitig in Gestapo-Haft. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs meldete er sich bei einer französischen Elite-Einheit und kämpfte als Fallschirmspringer in Indochina.
Seit 1950 als Journalist tätig, bereiste Scholl-Latour bis ins hohe Alter die Welt. Er berichtete aus dem Dschungel über den Vietnamkrieg, wurde Gefangener der Vietcong-Guerilla und zog mit den Mudschahidin durch Afghanistan.
Scholl-Latour veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, in denen er die Beschreibung historischer Entwicklungslinien mit journalistischen Schilderungen verband – eine Arbeitsweise, die ihm auch Kritik und den Vorwurf der Vereinfachung eintrug. Sein letztes Buch «Der Fluch der bösen Tat. Das Scheitern des Westens im Orient» wird nach Angaben des Propyläen-Verlags im September erscheinen. (jas/sda/dpa)