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ab 16 Jahren // Interview mit Fabian Chiquet live aus dem Vermittlungsbüro des Jungen Konzert Theater Bern zum Stück «Parade» am 5./6. Dezember 2014 Dampfzentrale und anderen Themen, wie die Arbeit mit Jugendlichen im Theater am Beispiel von «Gilgamesh Must Die». Vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch Fabian!
Si vous voulez que je vous dises quelle est le drame de la poésie, c’est que la poésie reste malgré tout un privilège aristocratique de naissance et que comme tous les privilèges, ils conduisent à la guillotine. (Zitat J. Cocteau aus «Parade» von F. Chiquet)
Jean Cocteau verstand sich als Dichter, obwohl er in fast allen künstlerischen und literarischen Gattungen tätig war. Durch die vielen Reisen, die er mit seiner Mutter unternahm, wurde seine dichterische Begabung schon früh erkannt. Schon mit 17 Jahren hat er Gedichte veröffentlicht. Cocteau schrieb Lyrik, Prosa, Drama und Drehbücher. Er mache Buchillustrationen und drehte Filme. Als der erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Cocteau freiwillig. An der Front hat man ihn als „untauglich“ abgelehnt, weshalb er mit Privatwagen Verwundetentransporte durchführte. Er wurde wegen dieser ilegaler Betätigung an der Front verhaftet und später rehabilitiert. Als er 1917 von der Front zurückkam, schrieb er das Libretto für „Parade“, ein kubistisches Ballett mit Musik von Satie und Tänzern des Ballett Russe. Das Bühnenbild und die Kostüme hat Pablo Picasso entworfen.
Cocteau war ein Surrealist. Surrealismus bezeichnet eine Bewegung, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine Lebenshaltung und Lebenskunst gegen alltägliche Normen entwickelt. Das Wort bedeutet „Über dem Realismus“ und meint damit eigentlich die philosophische Tatsache, dass es keine objektiv gegebene äussere Wirklichkeit gibt. Das kann man mit einfachen Fragen selber ergründen, zum Beispiel: Ist das Blau welches ich im Wasser sehe, dasselbe Blau wie du es im Wasser siehst? Dass eine solche Bewegung gerade im Zeitraum einer der fürchterlichsten und sinnlosesten Kriege der Menschheit entstanden ist, wird wohl kein Zufall gewesen sein.
Parade von Fabian Chiquet
Eine Parade bedeutet allgemein ein Vorbeimarsch. Man sagt auch Defilee (Défilé, frz. „fil“ >Faden). Es gibt viele verschiede Paraden (Militärparaden, Kirchenparaden, Zirkusparaden etc.). «Parade» zeigt eine Schaustellertruppe, die auf dem Rummelplatz kleine Kostproben ihrer Kunst anbieten, um Zuschauer für ihre Schaubude zu gewinnen. Dies war die Ausgangslage des Tanzstückes von Cocteau, Satie und Picasso in der Choreografie von Léonide Massine. Es ist auch die Ausgangslage in der Inszenierung von Fabian Chiquet, der mit seiner Truppe und der grossartigen Band «The Bianca Story» , bekannt aus dem Projekt «Gilgamesh Must Die», eine Parade des „Sich Verkaufen und Anbieten“ wagt, die genau auf unsere heutige moderne Zeit der Selbstvermarktung zugeschnitten ist. So betreiben wir doch heute viel mehr Marketing als dass wir kluge Inhalte schaffen würden. Das „Sich Verkaufen“ ist gerade für Künstler zur Kernaufgabe geworden und leisten kann sich ein Künstlertum heute sowieso nur noch eine kleine Gruppe privilegierter Bürger.
Ich wurde ungefragt in die Aristokratie hineingeboren und ja ich schätze gewisse Annehmlichkeiten, aber mein Herz kennt den Schmerz des ewigen Mannes aus dem erst grosse Kunst entsteht. In mir wächst die Idee für ein neues Stück. Ein Zusammenschluss verschiedener Synergien, es soll die Menschen aus ihrem unbewussten Halbschlaf aufwecken, ein katarsischer Glockenschlag, der das sonntägliche Konventionsgebimmel unserer Notre-Dame übertönt. Ich möchte dafür mit dem Ballett Russe zusammenarbeiten und anderen Grossen meiner Zeit, um eine Ganzheit zu schaffen in dieser nebulösen Gegenwart, in diesem turbulenten Gehirn.
(Zitat J. Cocteau aus «Parade» von F. Chiquet)
Die Musik spielt in «Parade» eine sehr wichtige Rolle. Die Partitur enthält unter anderem auch verschiedene Geräuschetypen, die dem Stück seinen avantgardistischen Charakter gaben und im Publikum und Presse zu heftiger Aufregung führten. Es gab Töne wie Flaschenspiele, tönende Pfützen, Lotterierad, Schreibmaschinenkastagnetten, Dampfgeräusche, elektrische Klingel, Revolverschüsse und Dynamogeräusche. Formal kann man «Parade» auch als Tanzsuite mit Jazz und Geräuschen bezeichnen. Was hat nun die Gruppe «The Bianca Story» zusammen mit Fabian Chiquet aus Satie’s musikalischer und kubistischer Vorlage gemacht? Woran könnte man eine typisch kubistische Musik erkennen?
Weitere Informationen zu diesem einmaligen Abend am 5. und 6. Dezember 2014 in der Dampfzentrale finden Sie hier:
>>>PARADE
Klassenprojekt
Flashmob-Parade auf dem Pausenplatz
Sucht gemeinsam im Gespräch nach Themen, die auf dem Pausenplatz aktuell sind. Zum Beispiel „Wer ist der oder die schönste im ganzen Land?“ oder „Warum lassen alle immer den Abfall auf dem Pausenplatz liegen?“ oder „Wer mobbt hier eigentlich wen und warum?“ oder „Die Grossen gegen die Kleinen“ oder „Rauchen ist ungesund, also gar nicht erst damit anfangen!“ etc.
Im Gestaltungsunterricht könnte man sich nun überlegen, wie das ausgewählte Thema in Masken und anderen Kostümeanteilen dargestellt werden könnte. Je einfacher eure Ideen, desto stärker werden sie wirken. Im Musikunterricht könnte der Rhythmus und die musikalische Begleitung zusammen mit der Parade geübt werden.
Als einmaliger Flashmob könnte so eine Parade in der grossen Pause eine tolle und sinnvolle Überraschung werden.
The Bianca Story, Konzert am 6. Dezember 2014 nach «Parade» in der Dampfzentrale:
Das letzte Album von The Bianca Story könnt ihr euch übrigens GRATIS aus dem Internet laden. Es ist eine spannende Musik und man merkt ihr auch einen theatralen Hintergund an.
Einfach mal reinhören: