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entsteht durch Kondensation von drei Molekülen Cyansäure, wird daher auch Tricyansäure genannt und hat
die Zusammensetzung C3N3O3H3. Die gewöhnliche
Cyanursäure leitet sich nicht von
der gewöhnlichen, sondern von der normalen Cyansäure (s. d.) ab und hat daher die Konstitutionsformel C3N3(OH)3.
Sie entsteht aus Tricyanchlorid (s. Cyan) beim Kochen mit Wasser und beim Erhitzen von Harnstoff. Sie krystallisiert aus wässeriger
Lösung mit 2 Molekülen Wasser in rhombischen Prismen.
Sie ist in 40 Teilen kaltem Wasser löslich, sehr leicht löslich in heißem Wasser und Alkohol. Beim Kochen
mit Säuren zerfällt sie in Kohlensäure und Ammoniak, bei der Destillation
[* 2] liefert sie gewöhnliche Cyansäure. Sie ist dreibasisch
und giebt gut krystallisierende Metallsalze. Die Ester der gewöhnlichen (normalen)
Cyanursäure entstehen bei der Einwirkung von Tricyanchlorid
auf Natriumalkoholat, die der Iso
cyanursäure, C3O3(NH)3, aus den Isocyansäureestern durch
Polymerisation und beim Erhitzen aus den normalen
Cyanursäureestern. Sie krystallisieren und destillieren unzersetzt.
CNOH entsteht, wenn Cyan über glühendes kohlensaures Kali oder in wässerige Alkalien geleitet wird, und
beim Glühen von Cyanverbindungen unter Luftzutritt, mit Salpeter oder Braunstein. Reine Cyansäure erhält man durch Erhitzen von getrockneter
Cyanursäure C3N3O3H3 in einer Retorte. Sie bildet eine wasserhelle Flüssigkeit von höchst
durchdringendem, stechendem, der Essigsäure ähnlichem Geruch, ist sehr flüchtig und verursacht, auf
die Haut
[* 4] gebracht, unter heftigen Schmerzen augenblicklich weiße Blasen; sie reagiert stark sauer, ist nur unter 0° beständig,
wird bei gewöhnlicher Temperatur trübe, breiartig und geht unter sehr starker Erhitzung in festes, weißes, geruchloses
Cyanmelid über, welches gleiche prozentische Zusammensetzung wie Cyansäure hat, in Wasser und Alkohol unlöslich
ist und beim Erhitzen wieder Cyansäure liefert.
Wasser wird von der Cyansäure
augenblicklich absorbiert, wodurch sie zersetzt wird und Ammoniak und Kohlensäure bildet. Die Cyansäure bildet
mit Basen die Cyansäuresalze (Cyanate), die mit verdünnten Mineralsäuren Kohlensäure entwickeln, welche von einem Anteil unzersetzt
sich verflüchtigender Cyansäure den Geruch der letztern hat, während sich in der Flüssigkeit Ammoniak findet. Die cyansauren Salze der
fixen Alkalien werden selbst in der Rotglühhitze nicht zersetzt.
Die Salze mit alkalischer Basis sind im Wasser löslich, alle übrigen unlöslich. Cyansaures Kali (Kaliumcyanat) CNOK erhält
man durch Schmelzen von gelbem Blutlaugensalz (Kaliumeisencyanür) mit kohlensaurem Kali und Bleioxyd und
Ausziehen der Schmelze mit Alkohol. Es ist dem chlorsauren Kali ähnlich, löst sich leicht in Wasser, schwerer in Alkohol, zersetzt
sich in wässeriger Lösung schnell in kohlensaures Kali und Ammoniak. Cyansaures Ammoniak (Ammoniumcyanat) CNONH4 entsteht
aus Cyansäuredampf und trocknem Ammoniak als farbloses Pulver.
Seine Lösung gibt beim Verdampfen, ohne daß etwas hinzukommt oder hinweggeht, Harnstoff CO(NH2)2 ^[CO(NH2)2].
Wenn man über erhitzten Harnstoff Chlor leitet und den dabei gebildeten Salmiak mit Wasser auszieht, so bleibt Cyanursäure C3N3O3H3
zurück, die in farb- und geruchlosen, wasserhaltigen, an der Luft verwitternden Kristallen erhalten
werden kann, in Wasser und Alkohol löslich ist und beim Erhitzen in 3 Moleküle Cyansäure zerfällt. Aus einer
Lösung von cyansaurem Kali scheidet sich auf Zusatz von Essigsäure cyanursaures Kali in glänzenden, wenig löslichen Kristallen
ab.