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Stefan Gandler nimmt einen einzigartigen Platz im Panorama des zeitgenössischen kritischen Denkens ein. Er ist einer der wenigen Autoren, die sich zugleich im Terrain der europäischen kritischen Theorie und dem kritischen marxistischen Denken Lateinamerikas bewegen.
Dieses neue Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen über recht diverse Themen, die scheinbar wenig miteinander zu tu haben: was hat der Film Shoah von Claude Lanzmann mit den Reflexionen des mexikanischen Marxisten Bolívar Echeverría gemein? Oder der neue deutsche Nationalismus mit dem kritischen Marxismus des spanisch-mexikanischen Philosophen Adolfo Sánchez Vázquez?
Für Gandler sind der Kolonialismus und der Faschismus keine „Ausnahmen“ von der Norm der europäisch-kapitalistischen Moderne: sie sind grundlegende Aspekte der Dialektik der modernen Rationalität. Er hat Recht, dass die Menschheit auf Stimmen hören muss, die von außerhalb des Chors der selbsternannten „Ersten Welt“ kommen. Darum ist es für die Linke von so großer Bedeutung, den Eurozentrismus zu überwinden – nicht um in einen gehaltlosen kulturellen Relativismus zu verfallen, sondern um mit Hilfe der dialektischen Methode eine neue konkrete Universalität zu ersinnen.
(Michael Löwy, Paris, Prolog)