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Nachdem er sich entschlossen hatte, vorerst in Zürich zu bleiben, suchte Fidus im Frühling 1904 ein Atelier. In den Kleinen Lebenserinnerungen schreibt er:
Ich wollte schon mit einem leerstehenden Laden in einer Vorstadt mich abfinden – da las ich Floerkes Tagebuch über Böcklin. Darin stand, wie Böcklin einst in der nahen Hohenstrasse am Zürichberge ein gartenschönes Werkhaus gebaut hätte, dann aber Zürich erzürnt verlassen habe, da man ihn irrtümlich zu hoch besteuert habe, und wieder nach Florenz gezogen sein. Nun war er dort vor 2 Jahren gestorben. Ich suchte dieses Werkhaus auf, und fand darin eine Malschule für Frauen, an der auch einer von Böcklins Schülern Ernst Württenberger [sic!] mitlehrte. Das verträumte Anwesen hatte ein Werkhaus mit 3-4 Räumen, einer im Winkel gegen die 3 andern gebaut. Alles atmete Böcklins Raumgefühl! Ich fragte, ganz zweifelnd, ob wohl einer der Räume für den Sommer zu mieten sei und – oh Glück: gerade der allein gelegene war über die Sommerferien zu mieten. Nun war mir Zürich erst heimatlich!1
Gustav Floerkes Zehn Jahre mit Böcklin. Aufzeichnungen und Entwürfe, die 1901 herausgekommen sind, waren ein damals populäres Buch. In ihm wird das Zürcher Atelier jedoch nicht erwähnt. Fidus dürfte es mit dem von Adolf Frey 1903 herausgegebenen Büchlein Arnold Böcklin. Nach den Erinnerungen seiner Zürcher Freunde verwechselt haben. Frey erzählt darin von Böcklins Suche nach einem Atelier, dem Kauf des Grundstücks an der Freienstrasse sowie der Planung des Bau. Er beschreibt darin aber auch seine Verwendung durch Böcklin. Aus der Schilderung dürfte Fidus bekannt gewesen sein, dass es sich beim Anbau, den er mieten konnte, nicht um das eigentliche Atelier Böcklins handelte. Gleichwohl konnte er als Böcklin-Raum gelten und eignete sich als Szenerie für Anekdoten.
So schreibt Fidus in den Kleinen Lebenserinnerungen über die Erfahrung der als hellsichtig geltenden Maria Lucke:
Als Maria den Böcklin-Raum erlebte, kam sie natürlich bald in den lichten Zustand, und sie bat in diesem, dass sie einige Nächte hier schlafen möchte, um Böcklin noch mehr zu erleben. Hierzu erachteten wir es als notwendig die Vorsteherin der Malschule um Erlaubnis zu bitten, und am richtigsten sollte es Elsa tun. Da sie mündlich zu scheu dazu war schrieb sie ihr einen Brief, den ich der Frau übergab. Diese willigte gern darein und am nächsten Abend brachte ich Maria in den schon dunklen Raum, in welchem auch eine Ruhebett stand und wegen der Arbeit auch Waschzeug und eine Wasserleitung war. Maria kam gleich ins lichte und sagte dann “Du musst dableiben und miterleben!”
Fidus fügt lakonisch an, dass er das nur zu gerne getan hätte, zumal er von seiner Frau Elsa nicht vermisst worden sei.
Weiter berichtet Fidus von einem Besuch seiner späteren Frau Elsbeth Lehmann und ihrem damaligen Verlobten Ernst Uehli, die ebenfalls im Atelier eine Nacht zusammen verbringen durften. Elsbeth sei noch einige Tage in Zürich geblieben und sie hätten zusammen zumeist in Böcklins Raum gefeiert. Davon berichtet Fidus:
Als wir einmal beisammen waren, verschwand Elsbet geheimnisvoll und Maria sprach dichterisch. Da öffnete sich der Südfensterladen und Elsbet, nur mit einem rosenrot durchblümten Tüllschleier bekleidet stieg märchenfeierlich herein und auf Tisch und Stuhl langsam herunter. Dann schritt sie feierlich durch den Raum auf mich, am Nordfenster stehend, zu und setzte mir einen Lorbeerkranz aufs Haupt. Ich aber schloβ sie in meine Arme und gab ihr den Bruderkuβ.
Über seine Arbeit im Böcklin-Bau schreibt Fidus in den Kleinen Lebenserinnerungen:
Ich ging jeden Morgen die schöne Gartenstrasse entlang zum Atelier und malte dort hauptsächlich die 1 m [?] Bilder Traum und Grollender Michael so farbentief, wie ich bisher noch nicht gemalt hatte. Nicht nur, weil mich “Böcklins Geist umfing”, sondern weil ich endlich mal tempelhafte Fantasiebilder beginnen konnte.
- Bei der Schule handelt es sich um die von Hortensia Luise Stadler gegründete und geleitete “Kunst- und Malschule für Frauen”, die sich seit 1899 im Böcklin-Atelier befand. [↩]