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Bei einer Verletzung oder einer Erkrankung reagiert der menschliche Körper besonders empfindlich auf Kälte, und eine Unterkühlung kann sehr schnell schwerwiegende Folgen haben. Doch wie schützen wir uns am besten vor einer lebensbedrohlichen Unterkühlung? Entscheidend für die Prävention ist es, zu wissen, in welchen Situationen eine Unterkühlung – im Fachjargon Hypothermie genannt – auftreten kann und wie unser Körper auf Kälte reagiert.
Wenn der Körper Wärme verliert
Unser Körper gibt über die Haut und die Atmung ständig Wärme nach aussen ab. Zu einer Unterkühlung kommt es, wenn der Körper über längere Zeit mehr Wärme verliert, als er erzeugen kann. Dies geschieht vor allem durch Wärmestrahlung (Radiation), Wärmeleitung (Konduktion) oder Wärmetransport über die Luft (Konvektion). Die Radiation beschreibt die natürliche Wärmeabstrahlung über die Körperoberfläche. Wärmeleitung spielt vor allem beim Sitzen oder Liegen auf kaltem Grund eine Rolle. Bei der Konvektion kann man sich vorstellen, dass der Körper immer von einer relativ stabilen warmen Luftschicht umgeben wird. Wird sie vom Wind weggeblasen, kann man auch vom «Wind Chill»-Faktor sprechen, der mit zunehmender Windgeschwindigkeit zunimmt.
Der Körper läuft auf Sparflamme
Unsere normale Körpertemperatur liegt bei etwa 37 Grad Celsius. Droht die Temperatur zu sinken, versucht der Körper einerseits, den Wärmeverlust zu minimieren, und andererseits, Wärme zu erzeugen. Um den Wärmeverlust zu reduzieren, verengen sich die Blutgefässe in Armen und Beinen. Dadurch bleibt das warme Blut in der Körpermitte, wo sich die lebenswichtigen Organe befinden. Wärme erzeugt unser Körper durch Muskelzittern. Diese beiden Kälteeffekte sind zwar unangenehm, an sich aber nicht weiter gefährlich. Viel entscheidender sind die Nebeneffekte: der hohe Kalorienbedarf, die erhöhte Pumpanstrengung des Herzens und die Blutgerinnung, die sich mit zunehmender Unterkühlung verschlechtert. Vor allem nach Unfällen im Gebirge – aber auch im Mittelland und je nach Lage des Verunfallten sogar im Sommer – stellt die Hypothermie eine grosse Gefahr für den Betroffenen dar.
Auf diesem Wissen, wie unser Körper auf die Kälte reagiert und welche Bedingungen zu einer Unterkühlung führen, bauen auch unsere zehn Ratschläge zum Schutz vor einer Unterkühlung auf. Sie werden je nach Situation und vorhandener Ausrüstung wohl nicht immer alle Tipps beherzigen können. Vielleicht geben Ihnen die Rega-Tipps aber auch Anregungen, wie Sie die persönliche Ausrüstung sinnvoll ergänzen können.
Die Rega im Einsatz gegen die Kälte
Nicht nur Sie selbst können mit dem richtigen Verhalten dazu beitragen, die Folgen der Kälteeinwirkung zu minimieren. Auch die Rega tut viel, um die Problematik der Hypothermie zu entschärfen und den Wärmehaushalt ihrer Patienten zu verbessern. So sind sämtliche Rettungshelikopter mit einer Reihe von Hilfsmitteln ausgerüstet, die helfen, die Folgen einer Unterkühlung zu mindern.
Mit einer metallbeschichteten Luftpolsterfolie können wir zum Beispiel die Abstrahlung der noch im Körper vorhandenen Wärme vermindern. In Kombination mit dieser Luftpolsterfolie setzen die Rettungscrews oft eine Heizdecke ein, die den Patienten zusätzlich aktiv wärmt. Ebenfalls zur Standardausrüstung der Rega-Crews gehört das «Buddy Lite»-System: ein Infusionswärmer, der medizinische Flüssigkeiten und Blut auf Körpertemperatur erwärmt. Der Patient profitiert so von der Wärme, die seinem Körper über die Infusion zugeführt wird.
Trotzdem gilt: Die beste Rettung ist immer die vermiedene Rettung. Eine sorgfältige Planung und gute Ausrüstung helfen, Unfälle zu vermeiden. Sollten Sie trotzdem auf medizinische Hilfe angewiesen sein, zögern Sie – gerade in der kalten Jahreszeit – eine Alarmierung nicht hinaus. Die Kälte kann zu einem gefährlichen Gegner werden.
Für die bevorstehende Wintersaison wünschen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, alles Gute und ein unfallfreies Schneevergnügen.