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Glossar
Aufsuchende Sozialarbeit
Aufsuchende Sozialarbeit ist ein Arbeitsfeld innerhalb der Sozialen Arbeit. Kontaktaufnahme und Beziehungsarbeit erfolgen im Lebens- bzw. Arbeitsumfeld der Zielgruppe, im Falle von Lysistrada vor Ort in den Etablissements oder auf dem Strassenstrich. Die psychosoziale oder gesundheitsbezogene Dienstleistung, die in der aufsuchenden Sozialarbeit erbracht wird, wird als Angebot an die Adressatinnen und Adressaten herangetragen. Sie ist damit niederschwellig, erfordert von der Zielgruppe also kaum zusätzlichen Aufwand, um von der Dienstleistung zu profitieren. Die Arbeitsprinzipien der aufsuchenden Sozialarbeit sind Lebensweltorientierung, Niederschwelligkeit (bei Lysistrada garantieren dies auch die fremdsprachigen Mediatorinnen), Vertraulichkeit (Schweigepflicht), Freiwilligkeit (die Sexarbeitenden können das Gespräch auch ablehnen) und Parteilichkeit (Lysistrada setzt sich anwaltschaftlich für die Interessen von Sexarbeitenden ein).
Cabaret
Cabarets sind Bars, in denen Striptease-Tänzerinnen als Animierdamen arbeiten. Sie sollen die Kunden durch ihre Tänze an der Stange und in Gesprächen unterhalten und indirekt zum Alkoholkonsum animieren, der den Hauptumsatz der Cabarets darstellt. Bis Anfang 2016 stammten viele der Cabaret-Tänzerinnen aus Drittstaaten (ausserhalb der EFTA/EU), weil die Arbeit im Cabaret für diese Frauen eine der wenigen Möglichkeiten darstellte, in der Schweiz legal zu arbeiten. Mit einer sogenannten »Arbeitsbestätigung«, einer Kurzaufenthaltsbewilligung für Arbeitsaufenthalte von maximal acht Monaten pro Kalenderjahr, erhielten die Tänzerinnen Engagements in verschiedenen Cabarets in der Schweiz. Dabei war es ihnen jedoch untersagt, in ihren Zimmern (oft wohnen die Tänzerinnen direkt über dem Cabaret) der Prostitution nachzugehen. Dieser Teil der Auflage, das sogenannte Tänzerinnen-Statut, konnte allerdings nicht durchgesetzt werden, weswegen die Arbeitsbestätigung seit Januar 2016 nicht mehr erhältlich ist. Seither ist schweizweit ein Cabaretschwund festzustellen.
Etablissement
Als Etablissements werden grundsätzlich sämtliche Indoor-Lokalitäten bezeichnet, in denen sexuelle Dienstleistungen angeboten werden, d.h. Cabarets, Salons, Saunaclubs und Kontaktbars. Im engeren Sinn wird der Begriff für Salons verwendet.
Kontaktbar
Kontaktbars sind Bars, in denen selbstständige Sexarbeitende, die in den oberen Stockwerken ein Zimmer gemietet haben, ihre Kunden anwerben. Finanzierungsgrundlage der BetreiberInnen ist weniger der Barumsatz als die Miete und möglicherwiese eine prozentuale Abgabe, die ihnen die Sexarbeitenden auf ihre Dienstleistungen entrichten.
Mediatorin
Im Zusammenhang mit Sexarbeit ist Mediatorin eine Funktionsbezeichnung für eine Frau, die im Sexgewerbe Aufklärungs- und Präventionsarbeit leistet. Den Begriff eingeführt hat die Aids-Hilfe Schweiz im Rahmen ihres Programms APIS – Aidsprävention im Sexgewerbe. Mediatorinnen haben Migrationserfahrung und einen ähnlichen kulturellen und sprachlichen Hintergrund wie die aufgesuchten Sexarbeitenden. Diese können sich mit den Mediatorinnen in ihrer Muttersprache unterhalten, was die Kontaktaufnahme, die Beziehungsarbeit und die Beratungstätigkeit erleichtert. Bei Lysistrada sind Mediatorinnen nie alleine unterwegs, sondern sie begleiten stets eine der ausgebildeten Sozialarbeiterinnen.
Menschenhandel
Der relativ junge Begriff »Menschenhandel« (er wurde erstmals 2005 von den Vereinten Nationen in einem Zusatzprotokoll zur Palermo-Konvention definiert) wird im Zusammenhang mit Sexarbeit sehr oft undifferenziert verwendet, was in den Augen von Lysistrada höchst problematisch ist. (Unsere Haltung zum Thema Menschenhandel legen wir hier ausführlich dar.) Der allergrösste Teil der Sexarbeitenden ist nicht Opfer von Menschenhandel, und längst nicht alle Menschenhandelsfälle betreffen das Sexgewerbe; auch auf Baustellen und in Privathaushalten arbeiten Menschenhandelsopfer. Die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) spricht von Frauenhandel, wenn…
…eine Frau sich aufgrund von falschen Versprechungen, Täuschungen oder Betrug auf die Migration eingelassen hat.
…sie Schulden oder überhöhte Vermittlungssummen für Agenten und/oder diverse Dienstleistungen abzahlen muss.
…Gewalt, Druck oder Drohungen gegen sie angewendet werden.
…wenn sie zu Arbeiten unter ausbeuterischen Bedingungen gezwungen wird.
Die Haltung von Lysistrada zum Thema Menschenhandel finden Sie hier ausführlich dargelegt.
PROKORE
PROKORE steht für PROstitution, KOllektiv, REflexion und bezeichnet ein Schweizerisches Netzwerk von Organisationen und Personen, die im Sexgewerbe tätig sind und sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie mehr Rechte für Sexarbeitende einsetzen. Lysistrada ist Mitglied von PROKORE und trägt dessen Charta mit.
Salon
Salons sind Kleinbetriebe, in denen oft zwei bis drei Sexarbeitende gemeinsam arbeiten. In der oft gemeinsam gemieteten Wohnung bieten sie ihren Service privat an und bewerben ihn über Inserate und Telefon selbstständig.
Saunaclub
Saunaclubs sind Grossbetriebe mit Bars, Whirl- und Swimmingpools, Kinos und thematisch eingerichteten Zimmern. Freier und Sexarbeitende zahlen Eintritt, um die Infrastruktur nutzen zu können. Zusätzlich kostet das Zimmer, dessen Miete grösstenteils auf den Kunden abgewälzt wird.
Strassenstrich
Obwohl der Strassenstrich medial am präsentesten ist, arbeiten nur knapp 20 Prozent aller Sexarbeitenden schweizweit auf der Strasse. In Olten werben Frauen und Männer auf der Haslistrasse ihre Kunden an, die zumeist mit dem Auto, seltener zu Fuss oder mit dem Fahrrad anreisen, um aus dem Angebot auszuwählen. Der Service findet im Auto des Kunden, in nahegelegenen, angemieteten Zimmern, im Wohnwagen der Sexarbeitenden, bisweilen aber auch im Freien statt. Politisch steht die Strassensexarbeit am stärksten unter Druck. So hat die Stadt Olten 2015 eine zeitliche Einschränkung erlassen, mit der den Sexarbeitenden der lukrative Feierabendverkehr entgeht: Sie dürfen erst ab 20:00 Uhr und nur bis 5:00 Uhr an der Haslistrasse stehen.
Triagieren
Triagieren bedeutet im Bereich der Sozialen Arbeit Weitervermittlung. Triagiert werden Sexarbeitende an qualifizierte Stellen, wenn das Know-How oder die Ressourcen von Lysistrada nicht ausreichen, um angemessen zu beraten, zu informieren oder zu helfen. Lysistrada triagiert Sexarbeitende etwa an Ärzte und Ärztinnen, Juristen und Juristinnen, an die Schulden- oder Familienberatung oder an das FIZ (Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration).