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22. November 2015
Heute wurde mit Ruedi Noser und Philipp Müller die letzten beiden Ständeräte gewählt. Damit ist das eidgenössische Parlament nun vollständig. In der Schweiz besteht das Parlament aus zwei gleichwertigen Kammern. Ein Ständeratssitz hat damit einen grösseren Einfluss als ein Nationalratssitz, da der Ständerat aus 46 Personen besteht, der Nationalrat jedoch aus 200. Ein Ständerat hat deshalb etwa gleich viel Macht wie 4.35 Nationalräte.
Am 9. Dezember finden die Bundesratswahlen statt. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, wo die stärkste Partei die Regierung stellt, werden in der Schweiz alle grossen Parteien in den Bundesrat eingebunden. Damit soll der Ratsbetrieb verbessert werden und Referenden verhindert werden. Seit 1959 gilt die Zauberformel, die den drei stärksten Parteien je zwei Sitze und der viertstärksten Partei einen Sitz im Bundesrat zuspricht.
Um die stärksten Parteien ausfindig zu machen, müssen die Sitzanteile im National- und Ständerat betrachtet werden. Im Nationalrat ist die SVP mit Abstand die stärkste Partei. Sie konnte zwölf Sitze dazu gewinnen. An zweiter Stelle folgt die SP gefolgt von der FDP und der CVP.
Im Ständerat hingegen sieht es etwas anders aus. Dort sind CVP und FDP die stärksten Parteien mit je 13 Sitzen, dicht gefolgt von der SP mit 12 Sitzen. Die SVP hingegen kommt in dieser Kammer nur auf fünf Sitze.
Interessant wird es nun, wenn man den Durchschnitt der Sitzanteile beider Kammern anschaut. Dann ist die SP die stärkste Partei mit 23.8 Prozent. An zweiter Stelle folgt die FDP mit 22.4 Prozent, die dank den beiden gewonnenen (resp. gesichterten) Ständerätssitzen in Zürich und Aargau heute noch an der SVP vorbeiziehen konnte. An dritter Stelle folgt die SVP mit 21.7 Prozent. An vierter Stelle kommt die CVP mit 20.9 Prozent. An fünfter Stelle kommen abgeschlagen die Grünen mit 3.8 Prozent gefolgt von der BDP mit 2.8 Prozent und der GLP mit 1.8 Prozent. Damit haben die SP, FDP und SVP je zwei Sitze zu gut und die CVP einen.
Noch interessanter wird es, wenn man die Konstellation 2011 genauer betrachtet. Die SP war auch dann die stärkste Partei. Sie kam auf durchschnittlich 23.5 Prozent. An zweier Stelle folgte die CVP mit 21.1 Prozent. An dritter Stelle lag die FDP mit 19.5 Prozent. Die SVP hingegen kam nur auf 18.9 Prozent und lag damit an vierter Stelle. Damit hatten SP, CVP und FDP je zwei Sitze zu gut, die SVP hingegen nur einen Sitz. Zählt man Evelyn Widmer-Schlumpf (BDP) zur CVP (die Parteien überlegten sich eine gemeinsame Fraktion), so war die Zauberformel die letzten vier Jahre nicht verletzt, sondern entsprach der Parlamentskonstellation.