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Da Vinci Roboter
Da Vinci Roboter
Die seit den 80er Jahren entwickelten Computer unterstützten bildgebenden Verfahren haben mit immer leistungsfähigeren Speichern und Prozessoren ermöglicht, roboterassistierte Operationsbedingungen in Echtzeit zu realisieren.
Durch das gestiegene Vertrauen gegenüber der Robotik konnten entsprechende Systeme entwickelt werden.
1991 wurde mit einem OP-Roboter eine transurethrale Prostataresektion durchgeführt.
1994 folgte der Einsatz des Robodoc für die Fräsung des Hüftgelenksschaftes. In der Neurochirurgie werden bildgeführte Systeme zur Navigation im Gehirn benutzt. In der Tumorchirurgie sind Systeme zur Gewebeentnahme im Einsatz.
2001 ist in den USA mit dem ZEUS Roboter der Firma Computer Motion erstmals eine roboterassistierte Bypassoperation am schlagenden Herzen durchgeführt worden.
2001 gelang die berühmte Lindbergh Operation: Mit dem Zeus-System erfolgte telechirurgisch eine Gallenblasenentfernung von New York aus bei einer Patiention in Strasbourg F.
2004 hat die NASA mit dem NEEMO 7 Projekt (NSA Extreme Environment Mission Operations) beschlossen, funkgesteuerte medizinische Robotersysteme in Raumschiffen auf erdnahen Bahnen zu prüfen. Die US Army befasst sich ebenfalls mit der Telechirurgie, die dem Chirurgen ermöglicht, verwundete Patienten auf Distanz an verschiedenen Orten zu behandeln, ohne sich selbst zu gefährden.
Arbeitsweise
Mit dem Operationssystem "da Vinci" sind nahezu mikrochirurgische Techniken durchführbar. Das da Vinci System ist kein autonomer Roboter, sondern ein Manual Manipulator Roboter. Er wird vom Operateur telemetrisch von einem externen Simulator gesteuert. Der Operateur sitzt entspannt an einer Steuerkonsole und hat ein dreidimensionales Bild aus dem bis zwölffach vergrösserten Operationsfeld. Die Einstellung des Operationsfeldes ist während des Eingriffs über ein Fusspedal möglich. Die Bewegung der im Patienten positionierten Instrumente erfolgt korrespondierend durch die in Schlaufen eingelegten Finger an der Steuerungskonsole. Das natürliche Zittern der Finger wird elektronisch herausgefiltert. Damit kann die Präzision der Bewegungen optimiert werden. Eine Eigenbewegung der Instrumente ist nicht möglich. Beim Loslassen der Handsticks ist die Instrumentenmechanik blockiert. Damit ist die Verletzungsgefahr sehr gering.
Unter 3D-Kontrolle können unter zirka zehn- bis zwölffacher Vergrößerung auch für die menschliche Hand nahezu undurchführbare Manipulationen problemlos bewerkstelligt werden.
Am häufigsten kommt der Roboter bei der Entfernug der Prostata zum Einsatz. Besonderes Ziel sind die Harnkontinenzerhaltung und die Schonung der Nerven- und Gefässstrukturen zur Potenzerhaltung.
Behandlung Prostatakrebs
Bei einer lokal begrenzten Prostatakrebserkrankung stellt die operative Entfernung der Prostata eine sichere Behandlungsmöglichkeit mit sehr guten Langzeitüberlebensraten dar.
Als Operationsmethoden werden in der Schweiz die radikale retropubische Prostatektomie über einen Unterbauchschnitt (1), die laparoskopische Prostatektomie (2) (Bauchspiegelung) und die da Vinci Prostatektomie (3) angewendet. Mit der laparoskopischen Methode wurden das Wiedererlangen der Arbeitsfähigkeit und der physischen Belastbarkeit eindrücklich verkürzt. Mit dem da Vinci System wird die bereits exzellente laparoskopische Methode durch die Telemetrie und die fortgeschrittene Computertechnik weiter verbessert. Die roboterassistierte Methode besticht vor allem durch die Darstellung des Operationsgebietes (3D Sicht), die in 7 Freiheitsgraden beweglichen Operationsinstrumente und die dadurch mögliche Präzision der Operationstechnik. Damit lassen sich die Operationsergebnisse laufend verbessern.
Roboterassistierte Prostatektomie
Die Krankheit und ihre Gefahren
Bei einer unkontrollierten Vermehrung von Prostatagewebe entsteht Prostatakrebs. Eine derartige Wucherung kann bei einer Mastdarmaustastung (rektale Untersuchung, DRU) als eine Prostataverhärtung getastet oder mit einem PSA Anstieg im Blut vermutet werden. Das PSA (prostataspezifische Antigen) ist ein Eiweiss, das in der Prostata produziert wird. Bei einer krebsartigen Prostataerkrankung ist das PSA meistens erhöht. Bei auffälligen Untersuchungsergebnissen kann eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Prostata zur Diagnose eines Prostatakrebses führen. Bei Nichtbehandlung des Prostatakrebses können im Laufe der Zeit Metastasen (Ableger) in den Lymphknoten und in weiteren Organen entstehen, welche schliesslich zum Tode führen. Bei entsprechender Grösse können zudem Störungen des Urinlösens wie bei einer gutartig vergrösserten Prostata auftreten. Gelegentlich kann es auch zu blutigem Urin und zur vollständigen Harnverhaltung infolge Verstopfung mit Blutgerinnseln kommen.
Operative Behandlung
Ziel der Operation ist die Entfernung der gesamten Prostata unter Mitnahme der Samenblasen und der Lymphknoten. Anschliessend werden die Harnröhre und die Blase wieder vereinigt (Anastomose). Die Nahtstelle wird durch einen liegenden Katheter geschient. In Allgemein-(Voll-)Narkose erfolgt der Zugang über Hülsen, die über sechs 1 cm lange Bauchschnitte in die Bauchhöhle installiert werden. Eine Hülse wird oberhalb der Nabelgrube eingeführt, die anderen rechts und links im Unterbauch. Die Bauchhöhle wird mit CO2 Gas gefüllt. Die Hülsen (Trokare) dienen als Zugangswege für die Stereo Video Optik und die 4 Arbeitsinstrumente. Am Ende der Operation wird das Operationspraeparat, in einem Plastiksack verpackt über einen Hülsenzugang entfernt. Anschliessend wird eine Drainage eingelegt, welche den Abfluss von Blut und Flüssigkeit aus dem Operationsgebiet ermöglicht.
Folgen
Der Patient ist mit hoher Wahrscheinlichkeit durch diese Operation vom Krebsleiden geheilt. Der Eingriff führt zum Verlust des Samenergusses und damit zur Zeugungsunfähgikeit. Es muss mit dem Verlust der Gliedsteife (Erektion) gerechnet werden. Das Orgasmusgefühl sollte nicht betroffen werden. Mit der da Vinci Methode besteht eine Wahrscheinlichkeit von 30-70% (einseitige-beidseitige Schonung der Gefässnervenbündel) für die Potenzerhaltung. Bei einem in der Gewebeuntersuchung festgestellten aggressiven Tumor ist eine Potenzerhaltung zu riskant. Vorübergehend treten Probleme mit der Urinkontrolle (Inkontinenz) auf, die sich während der folgenden Wochen und Monate wieder bessern. Selten bleibt eine ausgeprägte Inkontinenz bestehen, die durch eine Operation (Schliessmuskelprothese) verbessert werden kann. Mit der da Vinci Methode besteht ein Inkontinenzrisiko von 5%.
Risiken und Komplikationen
Bei jeder Operation können allgemeine Komplikationen wie Thrombosen, Embolien und Wund-infekte auftreten. Das Risiko für das Auftreten einer Thrombose und einer Embolie wird mit einer temporären Blutverdünnung (tägliche Injektionen von Clexane) gesenkt. Daneben sind Verletzungen von Nerven, des Darmes, der Harnleiter und der Harnblase möglich. Zur Versor-gung derartiger Verletzungen muss im gleichen Anaesthesieverfahren ev. eine Konversion zur konventionellen Laparoskopie oder über eine Schnittoperation erfolgen. In Einzelfällen kann es zu stärkeren Blutungen kommen, welche einen Blutersatz und eine sofortige operative Revision erforderlich machen (konventionell laparoskopisch oder selten durch eine Schnittoperation). Durch die Lagerung auf dem Operationstisch können Druckschäden an der Haut und Unterhaut sowie der Nerven auftreten. Diese erholen sich nahezu immer in kurzer Zeit. Nach dem Eingriff können vorübergehend Darmfunktionsstörungen auftreten. Bei der Entfernung der Lymphknoten kann sich während einigen Tagen Lymphflüssigkeit ansammeln, welche über die eingelegte Drainage während einigen Tagen abgeleitet werden muss.
Die Behandlung in der Klinik
Eintritt am Vortag der Operation in die Klinik. Begrüssung an der Reception und anschliessende Begleitung. Nach dem Bezug des Zimmers ausführliche Information durch die Pflegefachfrau oder den Pflegefachmann über den Aufenthalt im Spital. Untersuchung und Information des Narkoseablaufs durch den Anaesthesiearzt. Am nächsten Tag erfolgt die Operation. Nach dem Eingriff werden die nächsten Angehörigen informiert. Aufenthalt während der Nacht in der Ueberwachungsstation, Behandlung durch Intensivmediziner, Operateur und Intensivpflegefachleuten. Am nächsten Tag erfolgt im Normalfall die Rückverlegung auf die Abteilung. Am Operationstag Mobilisation. Die intravenöse Leitung für die Flüssigkeits- und Medikamentenzufuhr wird wenige Tage belas-sen. Der Blasenkatheter wird nach der Kontrolle der Dichtigkeit der Nahtstelle nach wenigen Tagen entfernt. Für den vorgesehenen Eingriff muss mit einem Spitalaufenthalt von 5-8 Tagen gerechnet werden. Im Normalfall wird die Arbeitsfähigkeit nach zirka 1-3 Wochen wieder erreicht.