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DAS WESEN UND DIE ZUKUNFT DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT
von Peter Selg
Den Vortrag Wesen und Zukunft der Anthroposophischen Gesellschaft hielt Peter Selg am Michaelstag des Jahres 2012 – im Rahmen der Kölner Tagung ZeitZeichenZwölf anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Anthroposophischen Gesellschaft. Er handelt von Licht und Finsternis, vom gelebten und ungelebten Leben, von Tragik und Hoffnung – von Rudolf Steiner und Köln, dem Fünften Evangelium, Louis Werbeck und Heinrich Böll.
2013, 80 Seiten, 1 Abbildung, Broschur, ISBN 978-3-905919-50-9, CHF 16.50 / EUR 15
Rudolf Steiner
Vorgeschichte: Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft
Anfänge und Trennung von der Theosophischen Gesellschaft
Die Neugründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft Weihnachten 1923/24 ist aus verschiedenen Institutionen hervorgegangen. Der menschliche Zusammenhang um Rudolf Steiner und die Anthroposophie formiert sich seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Auf Einladung von Graf und Gräfin Brockdorff hat Rudolf Steiner seit 1900 in der Theosophischen Bibliothek in Berlin Vorträge gehalten; im April 1902 wird er daraufhin aufgefordert, Generalsekretär der zu gründenden Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft zu werden. Die Gründung der ca. 120 Mitglieder umfassenden Deutschen Sektion findet im Oktober 1902 in Berlin statt. Die Übernahme des Amtes des Generalsekretärs bindet Steiner an geistige Lehrfreiheit und an die Zusage der Mitarbeit von Marie von Sivers (Marie Steiner). Mit ihr baut er die Theosophische Gesellschaft im deutschsprachigen Raum in den folgenden zehn Jahren auf. Organ der Gesellschaft sind ab 1905 die von Mathilde Scholl herausgegebenen „Mitteilungen für die Mitglieder der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft“ (bis 1913, 1913/14 „Mitteilungen für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft“). Vorläufer der Mitteilungen sind die von Graf Brockdorff herausgegebenen „Kleinen Mitteilungen der D.T.G.“ und die von Richard Bresch herausgegebene Zeitschrift „Der Vâhan“.
Eine Differenzierung zwischen der Theosophischen Gesellschaft und deren Deutscher Sektion ergibt sich ab 1907 aufgrund der Tatsache, dass der von Rudolf Steiner vertretene Erkenntnisweg und die von ihm geleitete esoterische Schule auf christlich-abendländischen Grundlagen aufbaut – anders als die zunehmend an Buddhismus oder Hinduismus orientierte Theosophische Gesellschaft (vgl. GA 264; v. Plato 1986, S. 31 f.). Zu offenen Spannungen mit der Zentrale der Theosophischen Gesellschaft kommt es im Jahr 1911, als innerhalb der Gesellschaft der „Order of the Star of the East“ (Stern des Ostens) gegründet wird. Dieser Orden soll dem jungen Jiddu Krishnamurti den Weg zu einer breiten Wirksamkeit öffnen, da er von führenden Theosophen für eine Wiederverkörperung Christi gehalten wird. Diese Auffassung ist für Rudolf Steiner nicht haltbar; gleichzeitig veröffentlicht er seine Forschungen zur Frage der Christuswirksamkeit im 20. Jahrhundert (z. B. „Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“, GA 15). Diese Auseinandersetzung ist auf der Generalversammlung der Deutschen Sektion von 1911 entscheidend und führt am 16. Dezember 1911, ausgehend von Carl Unger und Adolf Arenson, zur Gründung eines Bundes für anthroposophische Arbeit, dem sich nahezu der gesamte Vorstand der Deutschen Sektion als „Garanten“ anschließt.