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oder völlig unmagnetisch erscheint.
Alle gleichgerichteten Molekularströme
[* 1]
(Fig. 3) eines jeden Querschnittes des Eisenstabes
wirken zusammen als resultierender
Strom, der jenen Querschnitt rechtwinklig zur Stabachse umfließt. Es läßt sich daher
jeder Magnetstab
[* 1]
(Fig. 4) ansehen, als ob er an seiner Oberfläche von einer Reihe gleichgerichteter,
paralleler
Ströme umflossen wäre. Die
Pole (N und S) eines solchen Magnetstabes lassen sich nach den
Regeln des Elektromagnetismus
[* 2] (s. d.) bestimmen. In unmagnetischen
Stäben gehen die elektrischen
Ströme nach den verschiedensten
Richtungen und heben sich dadurch in ihren Wirkungen auf.
Magnetisieren heißt, die vorhandenen geschlossenen elektrischen
Strome quer zur
Achse, einander parallel und nach ein
und derselben Seite richten. Der Erdmagnetismus hätte demnach seine
Ursache in elektrischen
Strömen, welche die Erde von
Ost gegen West umkreisen. In der That wirken die
Magnete und elektrischen
Ströme den Folgerungen dieser
Annahmen gemäß. Ein
rechteckiges oder auch kreisförmiges, elektrisch durchflossenes Drahtgehänge
[* 1]
(Fig. 1 und 5) stellt
sich unter dem alleinigen Einflusse des Erdmagnetismus so, daß seine Ebene mit der des magnetischen
Meridians einen rechten Winkel
[* 3] bildet und daß der elektrische
Strom in der untern Hälfte des
Drahtes von
Ost nach West geht.
Ein solches Drahtgehänge ist gleichsam ein
Magnet mit unendlich kleiner
Achse. Ein von einem elektrischenStrome
durchflossener und (am
Stativ
[* 1]
Fig. 1) um eine lotrechte
Achse leicht beweglich aufgehängter, schraubenartig gewundener
Draht
[* 4] (Fig. 6) wird sich daher so stellen, wie eine magnetische Deklinationsnadel,
d. i. derart, daß seine Längenachse in den
magnetischen Meridian fällt, und daß der galvanische
Strom in den untern
Teilen der Windungen von
Ost
gegen West gerichtet ist; eine solche vom Erdmagnetismus gerichtete Drahtspirale wird
Solenoid genannt. Die von
Ampere im Versuchswege
aufgefundenen elektrodynamischen Gesetze dienen als Grundlage bei der mathem.
Ableitung der elektrodynamischen Grundgesetze.
- Vgl. Heinr.
Weber, Elektrodynamik
[* 5] mit Berücksichtigung der
Thermoelektricität, der
Elektrolyse
[* 6] und der
Thermochemie (Braunschw. 1889).
Fließt derselbe
Strom durch das feste und bewegliche Gewinde, so erhält letzteres ein Drehungsmoment, indem sich der
Strom
in beiden
Spulen auf gleichen
Sinn einzustellen sucht. Das Drehungsmoment ist proportional dem Quadrat
der
Stromstärke, wenn derselbe
Strom
durch beide
Spulen fließt und proportional dem Produkt beider
Stromstärken, wenn jede
Spule von einem andern
Strom durchflossen wird. Im erstern Falle behält bei raschem Stromwechsel das Drehungsmoment seinen
Sinn bei, weshalb also bei alternierenden
Strömen das Elektrodynamometer besondere
Vorteile gewährt.
[* 12] (grch.), ein von R.
Böttger zuerst geübtes
Verfahren, Zinkplatten für die Buchdruckpresse durch galvanische
Ätzung herzustellen, später durch Devicenzi vereinfacht und Elektrographie genannt. Erst wird die Zeichnung mit
fetter lithogr. Kreide
[* 13] oder
Tinte oder mittels
Umdrucks auf die zu ätzende Zinkplatte gebracht; diese wird
wie ein lithogr.
Stein behandelt, gummiert, mit
Terpentinöl ausgewaschen und eingewalzt, bis die fettige Zeichnung richtig
in
Farbe dasteht, dann wird dieselbe mit
Asphalt oder Kolophoniumpulver eingestäubt und der an der Zeichnung haftende Harzstaub
angeschmolzen.
Man hängt nun die mit dem Zinkpole einer galvanischen
Batterie verbundene Zinkplatte in eine Lösung
von Kupfervitriol, stellt ihr in kurzer Entfernung eine Kupferplatte gegenüber, die mit dem andern
Pol verbunden ist. Sowie
nun beide Leitungsdrähte vereinigt werden und der galvanische
Strom in Thätigkeit tritt, wird das
Zink an allen fettfreien
Stellen angegriffen und aufgelöst, sodaß die Zeichnung erhaben stehen bleibt und ein für die Buchdruckpresse
brauchbares Relief entsteht.
(grch.), ein auf den
Grafen Cesare Mattei in Rochetta bei
Bologna (Ende der sechziger Jahre) zurückgehendes
Heilverfahren, das verdünnte Arzneien nach Art der
Homöopathie anwendet und nur wegen seiner angeblich blitzschnellen Wirkung
elektrisch genannt wird. Die Arzneien («Anticanceroso», «Antiscrofuloso»
u. a., ferner «grüne, blaue, gelbe und
rote Elektricitäten»),
deren Zusammensetzung unbekannt ist, gehören zu den
Geheimmitteln (s. d.). -
Arzneischatz (Regensb. 1884 u. ö.); de Bonqueval, Elektro-Homöopath.
Heilmethode (3. Aufl. von Sauter, Genf
[* 14] 1893); die Zeitschriften:
Blätter für Elektrohomöopathie
(Nürnberg,
[* 15] seit 1881),
Annalen (bis 1890 Monatsschrift)
für Elektrohomöopathie (Genf,
seit 1887).
[* 6] (grch.), nach Faraday Bezeichnung für die
Zersetzung einer chem.
Verbindung durch den galvanischen
Strom.
Der
Strom verwandelt sich bei seiner
Bewegung durch Metalle (Leiter erster
Klasse) nur in Wärme,
[* 16] bei seinem Durchgange durch
chem.
Verbindungen (Leiter zweiter
Klasse) aber bewirkt er neben der Wärmeerzeugung auch chem.
Zersetzung, er
leistet auch chem.
Arbeit. Die Leiter zweiter
Klasse werden
Elektrolyte genannt. Sie müssen sich im flüssigen Zustande befinden;
feste chem.
Verbindungen müssen daher geschmolzen oder in einer Flüssigkeit gelöst, gasförmige von einer Flüssigkeit
absorbiert werden, um
Elektrolyte zu sein. Flüssige chem. Körper, die
¶
mehr
durch den galvanischen Strom nicht zersetzt werden, leiten ihn auch nicht.
Um die Elektrolyse zu bewerkstelligen, taucht man die Enden der von den entgegengesetzten Polen des den Strom erzeugenden Apparates ausgehenden
metallischen Leitungsdrähte in den flüssigen Elektrolyten. An diesen Enden, den Elektroden, d. h. an den Grenzen
[* 18] zwischen
Leitern erster und zweiter Klasse, scheiden sich die beiden Produkte der Elektrolyse, die Ionen oder Ionten ab, und
zwar am positiven Pole oder der Anode das negative Ion oder Anion, am negativen oder der Kathode das positive Ion oder Kation.
Die sich ausscheidenden Mengen des Anion und Kation verhalten sich dabei wie die für die Verbindung geltenden
Äquivalentgewichte (s. d.) beider, und durch dieselbe Elektricitätsmenge
[* 19] werden aus verschiedenen Elektrolyten stets chem. äquivalente Mengen der Ionen abgeschieden (Faradays Gesetz). Sollen die Ionen
in freiem Zustande entstehen, so müssen Kathode und Anode aus solchen Leitern erster Ordnung hergestellt werden, die mit den
an ihnen zur Abscheidung kommenden Ionen keine chem. Verbindungen bilden, und ferner dürfen als Lösungsmittel
nicht chem. Körper gewählt werden, die sich mit den Ionen umsetzen.
Elektrolyte, die nur aus zwei Elementarstoffen bestehen, liefern als Ionen die freien Elemente, von denen das sich am negativen
Pole abscheidende Kation das elektropositive, das am positiven Pole erscheinende Anion das elektronegative
ist. (S. Elektrochemische Theorie.) So entwickelt sich z. B. bei der Elektrolyse geschmolzenen Kochsalzes,
wenn die Polenden ans graphitartiger Kohle bestehen, an der Anode gasförmiges Chlor, während sich die Kathode mit metallischem
Natrium überzieht.
Aus mehr als zwei Elementen bestehende Elektrolyte dagegen liefern höchstens ein chem. einfaches Ion,
während das andere aus einer Gruppe von Elementaratomen besteht. Letztere ist meist nicht in freiem Zustande beständig
und zerfällt in mehrere Produkte. So entstehen z. B. bei der Elektrolyse von geschmolzenem
schwefelsaurem Natrium, Na2SO4 an der Anode zwei Atome Natriummetall, an der Kathode dagegen kommt die Gruppe SO4 zur
Ausscheidung, die aber sofort in Schwefelsäureanhydrid, SO3, und Sauerstoff zerfällt.
Ist das verflüssigende Lösungsmittel eine Verbindung, die durch ein oder beide Ionen chemisch umgewandelt wird, so folgen
der Elektrolyse sofort chem. Umwandlungen, die andere, sog.
sekundäre Produkte liefern. Bei der Elektrolyse einer wässerigen Kochsalzlösung z. B.
setzt sich das positive Anion, das Natriummetall, sofort mit dem Wasser zu Natriumhydroxyd und Wasserstoffgas
um, während das Chlor größtenteils als solches frei wird:
2 Na
Cl
neg.Pol: 2Na + 2H2O = 2NaOH + H2,
pos.Pol: Cl2.
Schwefelsaures
Kupfer
[* 20] zerfällt in wässeriger Lösung in unverändert bleibendes metallisches Kupfer an der Anode (primäres
Produkt der Elektrolyse) und die Gruppe SO4, die sich in O und SO3 zersetzt, worauf sich
SO3 mit Wasser zu Schwefelsäure
[* 21] (sekundäres Produkt) vereinigt:
^[img]
Schwefelsaures Natrium in wässeriger Lösung dagegen liefert bei der Elektrolyse nur sekundäre Produkte, da beide
primäre (Na2 und SO4) auf das Wasser in der angegebenen Weise weiter wirken:
^[img]
Die sekundären Produkte sind daher hier an der Kathode Natriumhydrat und Wasserstoffgas, an der Anode
dagegen Schwefelsäure und Sauerstoffgas. Eine wässerige Lösung von Schwefelsäure allein giebt infolgedessen als Zersetzungsprodukte
aber nur die Elemente des Wassers:
^[img]
d. h. 2 H2 als primäres und O2 als sekundäres Produkt. Neben letzterm entsteht aus SO3
unter Ausnahme von 2 H2O immer wieder Schwefelsäure, die von neuem in gleicher Weise zersetzt wird,
solange noch Wasser vorhanden ist. Auch bei langer Dauer des Vorganges findet man daher die Menge der Schwefelsäure unvermindert,
während die des Wassers sich dadurch vermindert, daß die gasförmigen Elemente des letztern sich an beiden Polen entwickeln
und getrennt voneinander angesammelt und gemessen werden können.
Einen solchen Wasserzersetzungsapparat einfacher Art zeigt die beistehende
[* 6]
Figur. Derselbe besteht aus einem trichterförmigen
Glasgefäße A, das teilweise mit Schwefelsäure enthaltendem Wasser gefüllt ist. In dasselbe tauchen die vor dem Versuche
mit derselben Flüssigkeit völlig angefüllten Glöckchenh und o. Durch den Boden des Gefäßes A gehen
luftdicht und voneinander isoliert eingesetzt zwei Platindrähte, die in dem untern Teile der Glöckchen, also in der leitenden
Flüssigkeit, je in einem Platinblech enden und außerhalb des GefäßesA inVerbindung mit den Leitungsdrähten ff der galvanischen
Batterie gebracht werden. Sobald der Strom geschlossen wird und durch die verdünnte Schwefelsäure geht,
entwickeln sich 2 VolumenWasserstoff auf 1 Volumen Sauerstoff. Ersteres sammelt sich im Glöckchen h, letzteres in o an.
Die Erklärung dieser Vorgänge versuchte die ältere Elektrochemische Theorie (s. d.) in folgender Weise zu geben. Die Moleküle
des aus einem elektropositiven und einem elektronegativen Bestandteile bestehenden Elektrolyten richten
sich beim Eintauchen der Elektroden unter der Wirkung elektrischer Anziehung derart, daß die positiven dem negativen Pole,
die negativen aber dem positiven Pole¶