Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03225.jsonl.gz/1746

Beim Konzert der Toten Hosen in Leipzig im vergangenen Sommer sangen 70’000 Menschen „Steh auf, wenn Du am Boden bist“. In der Mitte des Songs kam plötzlich Wölli auf die Bühne, stimmte ein in den Chor, denn der Song galt ihm. Wölli hatte Krebs. Bis Ende der Neunziger sass er bei den Toten Hosen am Schlagzeug, jetzt ist der ehemalige Drummer der Punkrock-Band im Alter von 66 Jahren gestorben.
Wolfgang Rohde, den alle bloss Wölli nannten, war Mitglied der Band, als diese Erfolgssongs wie „Hier kommt Alex“ oder „Alles aus Liebe“ veröffentlichte. Der ehemalige Schlagzeuger der Toten Hosen, der von 1986 bis 1999 bei der Band aus Düsseldorf den Takt angab, war vor zwei Jahren schwer erkrankt. Die Niere war vom Krebs befallen, schliesslich auch die Lunge. Doch der Musiker wollte sich nicht unterkriegen lassen. Er fuhr also mit dem Auto nach Leipzig, um schliesslich Arm im Arm mit Campino und den Tausenden zu singen. Ihrem Ex-Drummer waren die Toten Hosen treu, auch nachdem dieser sich von der Band verabschiedet hatte, weil der Rücken nicht mehr mitmachten. Wölli wurde durch seinen Roadie Stephen George „Vom“ Richie ersetzt, aber blieb Hosen-Mitglied. Die demokratisch organisierte Band, die auch die Anteile am Geschäft gleichmässig aufteilt, liess Wölli nicht fallen. Er behielt die Einnahmen, Richie bekam seinen Teil ab.
Wölli selbst hatte 1986 den vormaligen Schlagzeuger Klaus-Peter „Trini“ Trimpop ersetzt, der ins Management der Band wechselte. Mit Wölli am Schlagzeug erzielte die Band ihre grössten Erfolge, darunter die Alben „Damenwahl“, „Bis zum bitteren Ende“ und „Opium fürs Volk“. Nach mehreren Bandscheibenvorfällen zog sich Rohde aus der Band zurück, da ihm die körperliche Belastung zu viel wurde. Seine unkomplizierte und fröhliche Art brachte ihn zu den Toten Hosen, wurde in der ersten Band-Biographie vermerkt. Wölli war ein netter, manchmal kauziger Typ, mit dem man schnell ins Gespräch kam. Auch in Meerbusch, wo der gebürtige Kieler die vergangenen 17 Jahre lebte, nahm er die Herzen im Sturm. Kaum hatte er sich im Stadtteil Lank-Latum niedergelassen, organisierte er dort über viele Jahre ein Rockfestival. Auch musikalisch blieb Wölli weiterhin aktiv. Er absolvierte regelmässig Gastauftritte bei den Hosen, unter anderem bei Rock am Ring 2004. 2011 gab er mehrere Konzerte mit „Wölli und die Band des Jahres“. Rohde trat in der Band als Sänger auf. Die Single-Auskopplung „Alles von vorn“ sang er im Duett mit Hosen-Frontmann Campino, Andreas „Kuddel“ von Holst, ebenfalls Hosen-Mitglied, zupfte die Gitarre.
Wölli hinterlässt zwei Söhne. Anfang 2015 war bereits der langjährige Manager der Toten Hosen, Jochen Hülder, gestorben. Er war im Gemeinschaftsgrab der Rockband auf dem Düsseldorfer Südfriedhof beigesetzt worden. Auch „Wölli“ Rohde hatte einen Platz in dem „Familiengrab“ angemeldet. „Wenn ich ein paar Meter Erde über mir habe, dann bitte da, wo auch die Jungs später irgendwann liegen werden!“, hatte er gesagt. Die Band teilte folgendes auf Facebook mit:
Musikalisch geben mir die Hosen heute nicht mehr viel, die Alben aus den 80ern aber halte ich bis heute für grossartig. Für diese sass Wölli hinter der Schiessbude. Damals hab ich so einige Konzerte miterlebt und die werde ich nie vergessen! Und ich werde Wölli nie vergessen. Du warst Teil meiner Jugend. Nun haste den Kampf verloren. Der Moment, wo ein trotziges „Alles auf Anfang“ nicht mehr funktioniert. Machs gut, Alter Haudegen. Der erste aus der legendären Düsseldorfer Opelgang ruht jetzt für immer. Vielleicht doch im Paradies. Danke für gute Musik! Und nun haut raus den Scheiss und dreht die Boxen auf! R.I.P. Wölli!