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Es ist bekannt, dass der Medienumgang insgesamt konsistent zur kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter verläuft. Dies zeigt sich sowohl bei der Wahl des Mediums wie auch bei Inhaltspräferenzen (Blackwell, Lauricella, Conway & Wartella, 2014). Das bedeutet: Kinder und Jugendliche wählen bevorzugt die ihrem Entwicklungsstand entsprechenden Medien und Inhalte. Im Hinblick auf potenzielle Wechselwirkungen mit der kognitiven Entwicklung zeigt sich aber ein inkonsistentes Bild. Zum einen gibt es Studien, die auf Entwicklungsdefizite im Zusammenhang mit exzessiver Bildschirmnutzung respektive Fernsehnutzung – vor allem bei Kindern im Vorschulalter – hinweisen. Vermerkt wurden dabei Defizite bei exekutiven Funktionen wie Gedächtnis, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit (Brzozowska & Sikorska, 2016; Nathanson, Alade, Sharp, Rasmussen & Christy, 2014) oder bei der Sprachentwicklung (Buesching et al., 2017; Tomopoulos et al., 2010). Demgegenüber wird in anderen Studien auf positive Effekte von Bildungs- und Schulfernsehen, auf das Vokabular, das Sozialverhalten oder das schulische Wissen hingewiesen (Anderson & Subrahmanyam, 2017). Blumberg und Kolleginnen (2013) betonen, dass in gewissen Videogames mathematische Fertigkeiten geübt werden können. Auch bieten Games geschützte Erfahrungsräume zum Ausprobieren von Aufgaben, die in verschiedenen Entwicklungsabschnitten anfallen (Blumberg et al., 2013).
Digitale Medien stehen sowohl positiv wie auch negativ in Wechselwirkung zur kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung des Individuums. Entscheidend sind häufig die Dosis und der Inhalt.
Die Entwicklung eines eigenen, positiven Körperbildes ist eine wichtige Aufgabe im Kindes- und Jugendalter (Flammer & Alsaker, 2002). Es existiert eine Vielzahl von Studien zu potenziellen Effekten von digitalen Medien auf das Körperbild von Kindern und Jugendlichen (Ferguson, 2013; Hausenblas et al., 2013). In einer Meta-Analyse von 204 Studien wurde der Zusammenhang zwischen idealisierten medialen Körperbildern und der Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, Symptomen von Essstörungen und Diätverhalten bei Kindern und Jugendlichen untersucht (Ferguson, 2013). Es fanden sich keine Effekte bei Jungen und jungen Männern und schwache Hinweise bei den Mädchen und jungen Frauen, insbesondere bei Mädchen und Frauen mit vorbestehender Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Eine andere Metaanalyse zu über 33 Laborstudien zeigte auf, dass sich medial präsentiertes ideales Körperbildmaterial schwach auf Depressionssymptome und Wutgefühle sowie auf ein reduziertes Selbstwertgefühl auswirkten. Die grössten Effekte hatten in Medien abgebildete idealisierte Körper auf Personen, die ein vorbestehendes erhöhtes Risiko für Essstörrungen aufwiesen (Hausenblas et al., 2013).
In Bezug auf die Entwicklung der eigenen Sexualität kann der Konsum von Internetpornografie zu unrealistischen Vorstellungen führen (Owens, Behun, Manning & Reid, 2012). Die Rezeption von sexualisierten Medieninhalten kann zudem vor allem bei Knaben zu einem erhöhten Sexualinteresse führen und mit grösserer sexueller Freizügigkeit einhergehen (Baams et al., 2015; Doornwaard, Bickham, Rich, ter Bogt & van den Eijnden, 2015).
Auch zur Entwicklung des Bindungsverhaltens gibt es widersprüchliche Befunde. Gemäss einiger Studien verändert sich das Bindungsverhalten durch die Nutzung von Sozialen Medien in zwei Richtungen: entweder in Richtung unsicheren Bindungsverhaltens (Davis, 2018) oder gerade umgekehrt in Richtung einer besseren Einbindung in das eigene soziale Umfeld (Barth, 2015). Ob das Pendel nun auf die eine oder die andere Seite ausschlägt, hängt mit Aspekten der Person, des Umfeldes und der Situation zusammen. Auf alle Fälle gilt: Der Umgang mit neuen Technologien verändert den Zugang zu und die Herangehensweise an etliche Entwicklungsaufgaben, die sich dem Individuum im Laufe von Kindheit und Adoleszenz stellen: Dies kann sowohl entwicklungsfördernd wie auch -hemmend sein.