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Rolf Springer, Präsident des Kartklubs Seebach und Betreiber des Labors Springer an der Jungstrasse, hat sich nur sehr gelegentlich an den Herd gestellt, obwohl er durchaus eine Ahnung vom Kochen hatte. Immerhin durfte er seiner Kostgeberin Madeleine Dubois in Paris während eines Jahres beim Kochen über die Schultern schauen. Es lag also nicht an den fehlenden Kenntnissen, sondern vielmehr daran, dass er es viel mehr zu schätzen wusste, vor dem Essen mit seinem Gast ungestört sprechen zu können, um dann von einem Koch oder einer Köchin, die ihr Handwerk verstehen, bedient zu werden, statt selber harte Küchenarbeit zu verrichten.
Zum selber Kochen brachte man ihn nur, wenn man ihn heraus forderte, indem man an seinen Kochkünsten zweifelte oder indem man sich am Herd so einfältig verhielt, dass er sich zum Eingreifen genötigt sah. Andererseits war er aber durchaus fähig, ein Essen auszulassen, ohne dass ihn der Hunger plagte und an den Herd getrieben hätte. Bloss des Hungers wegen hätte er kaum je gekocht. Einmal im Jahre 1967 behauptete ich so ganz nebenbei, ich könne eine Tomatensauce zubereiten, die besser wäre als die Springer'sche. Das liess er nicht ungeschehen in der Luft stehen und forderte mich zum Duell heraus, am Herd natürlich.
Da ich eben geheiratet hatte, ergab es sich, dass die Angeheiratete als Schiedsrichterin wirken musste und den Einkauf besorgte. So fand dann an einem Samstag Abend das Kochduell statt. Jeder hatte seine Zutaten zur Verfügung und gewürzt wurde mit den Dosen aus dem McCormick-Gewürzgestell. An eine Zeitlimite waren wir nicht gebunden und begannen in zwei verschiedenen Bratpfannen mit der Zubereitung der Saucen am gleichen Herd. Eine dreiviertel Stunde später waren diese bereit zur Prüfung. Die Prüfexpertin schickte uns aus der Küche und wir warteten am Esstisch gespannt auf ihr Urteil, indem wir uns die Zeit mit einem Campari verkürzten.
Es dauerte ziemlich lange, bis sie endlich auftauchte und den Tisch zu decken begann. Dann servierte sie eine Schüssel Spaghetti, ein Schälchen Reibkäse, eine Pfeffermühle und ein Réchaud mit einer einzigen Tomatensauce darauf! Wir wunderten uns beide und fragten, wessen Sauce denn nun gewonnen habe. Sie antwortete in salomonischer Weisheit: Beide Saucen wären gleich gut gewesen, daher habe sie die beiden zu einer einzigen Sauce gemischt! Rolf war ziemlich konsterniert und wir waren beide ein bisschen enttäuscht, weil es beim Duell keinen Sieger gab. Das Essen hat aber allen gut geschmeckt und die Hobbyköche steckten das verordnete Unentschieden locker weg.
Nachdem es Rolf nicht gelungen war, beim Kochduell zu punkten, versuchte er die Scharte beim Essen aus zu wetzen, indem er uns meisterhaft zeigte, wie der Italiener mit der Gabel und ohne Suppenlöffel die Spaghetti aufrollt und sie zum Munde führt. Dabei geschah etwas Unerwartetes: Die aufgewickelten Spaghetti lösten sich von seiner Gabel und fielen in den Teller zurück. Dabei bekleckerten sie das blütenweisse Hemd des Rolf Springer mit einigen hässlichen roten Flecken. Das war nur möglich, weil die Sauce zu dünn war. Wie sich dann heraus stellte, hatte meine Frau die Sauce verdünnt, weil sie der Meinung war, unsere Saucen wären zu dickflüssig gewesen. Dennoch schämte sich Rolf wie ein erwischter Lausbub und wurde sogar ein wenig rot.