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Nach der Korruptionsaffäre in Nigeria gelobte Panalpina, alle Dienste aufzugeben, welche die höchsten Compliance Standards nicht erfüllen. Das Binnengeschäft in Nigeria wurde in der Folge eingestellt, was letztes Jahr zu einer Ebitda-Einbusse von rund 60 Mio Fr. und heuer von rund 50 Mio Fr. führt.
Jetzt gerät die Logistikoperation von Panalpina auf dem Offshore-Ölfeld Kashagan im Kaspischen Meer in ein schiefes Licht. Ein von der EU finanzierter Bericht, der der «Handelszeitung» vorliegt, geht scharf ins Gericht mit den Auswirkungen der vom italienischen Agip-Konzern geleiteten Kashagan-Erschliessung; diese bezeichnet Panalpina als ihren «Showcase». Die Exploration habe alarmierende Auswirkungen auf die Umwelt; seit dem Start seien unter anderem Tausende toter Meerestiere angeschwemmt worden, heisst es in dem Bericht der internationalen NGO Friends of the Earth (Titel: «Kashagan oil field development»). Besonders bedenklich sei, dass das Agip-Konsortium noch nicht dargelegt habe, wie es die Schwefel- und andere Gifte, die bei der Ölförderung im seichten Wasser in grossem Ausmass zu Tage träten, behandeln und lagern wolle.
Wenn das Kashagan-Feld voraussichtlich 2012 den Betrieb aufnimmt, ist es nach dem Ghawar-Feld in Saudi-Arabien das zweitgrösste Ölfeld der Welt. Der Ölboom an der Küste Kasachstans in den letzten zehn Jahren hat laut der NGO dazu geführt, dass rund 100 Menschen wegen Emissionen und dem Konsum von verseuchten Tieren starben und über 1000 weitere erkrankt seien. Grosse Teile der lokalen Bevölkerung hätten zudem umsiedeln müssen.
Panalpina distanziert sich
Panalpina habe Kenntnis von den Vorwürfen gegen das Agip-Konsortium im Zusammenhang mit Kashagan, sagt Panalpina-Sprecher Martin Spohn auf Anfrage. Er betont zwar, Panalpina sei nicht Teil des Konsortiums. Dennoch ist der Basler Logistikkonzern eng mit den Ölfirmen verbandelt: So heisst es auf einer Präsentationsfolie von Panalpina, das Panalpina-Team sei beim Agip-Konsortium «eingebettet».
Angesichts der Kritik verweist Panalpina auf ihre Zertifizierungen: In Kasachstan ist der Logistikkonzern gemäss Sprecher Martin Spohn durch den Warenprüfkonzern SGS gemäss der Standards ISO 14001 (Umwelt) und OHSAS 18001 (Gesundheit und Sicherheit) zertifiziert. Beim Kashagan-Projekt habe man alle Audits anstandslos bestanden und bei den «Risk Assessments» seien keine Probleme identifiziert worden. «Es gibt daher aus ethischer und moralischer Sicht oder aus Compliance-Gründen keinen Anlass, sich aus diesem Projekt zurückzuziehen», führt Spohn aus.
Streit mit den Behörden
Der Besitzer von Agip, der italienische ENI-Konzern, betont in einer kürzlichen Stellungnahme, dass alle Aktivitäten des Konsortiums, dem auch Exxon Mobil, Total und Shell, ConocoPhilips und Inpex Holdings of Japan angehören, den Umweltstandards und der Gesetzgebung der Republik Kasachstans entsprächen. ENI verspricht, weitere Studien über die Auswirkungen der Exploration zu erstellen. Für Panalpina dürfte das Projekt nicht nur wegen ökologischen Fragezeichen zu einem schwierigen Fall werden.
Die Regierung Kasachstans blockierte die Arbeiten von ENI mehrmals und drohte mit dem Entzug der Förderlizenzen. Grund sind Kostenüberschreitungen, Umweltkonflikte und Produktionsverzögerungen. Ende 2008 wurde der Konflikt vorübergehend beigelegt, nachdem ENI Stimmrechte abgetreten hat. Die Regierung Kasachstans konnte ihren Anteil am Kashagan-Konsortium von 8,33 auf 16,81% verdoppeln. ENI und Agip, die Partner von Panalpina, haben jetzt nicht mehr das Sagen.
Kashagan gilt nicht nur als eines der am schwersten erschliessbaren Ölfelder überhaupt. Es ist auch ein aussergewöhnliches Projekt, weil so viele Ölfirmen daran beteiligt sind. Ein Analyst von Morgan Stanley bezeichnete deshalb das Konfliktpotenzial als hoch. Panalpina kann sich auf weitere Auseinandersetzungen gefasst machen.