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Wie der Teufel die Möse mit dem Spaten schuf
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Von der spätmittelalterlichen Literatur zu einer psychoanalytischen Theorie der Geschlechterdifferenz
Monika GsellAusgangspunkt der im Jahr 2001 erschienenen Studie Die Bedeutung der Baubo war die Frage nach der Tabuisierung des weiblichen Genitales in der Kultur des Abendlandes: Mit welchen Phantasien ist dieser Körperteil verbunden, was repräsentiert er im Unbewussten, woran liegt es, dass dessen Zeigen bzw. Darstellen und Betrachten mit so viel grösserer Scheu verbunden ist als beim männlichen Genitale. Auf diese Fragen sollte eine psychoanalytisch orientierte Analyse von ikonographischen und literarischen Darstellungen der Vulva von der Antike bis ins ausgehende Mittelalter Antworten geben. Eines der spannendsten und psychoanalytisch ergiebigsten Motive, die sich im Verlaufe der Untersuchung herauskristallisierten, ist das Motiv der «gemachten Möse». Zahlreiche burlesk-obszöne Erzählungen des späten Mittelalters kreisen höchst vergnüglich um die Vorstellung, dass das, was die Frauen zwischen den Beinen haben, nichts Naturgegebenes ist, sondern etwas nachträglich Geschaffenes. Dass diese lustvollen und zuweilen auch ziemlich aggressiven Phantasien rund um die Kreation des weiblichen Genitales mehr und anderes sind als Kastrationsphantasien, soll an einigen ausgewählten Beispielen dargelegt werden. Den Schluss des Vortrages bilden weiterführende Überlegungen zu den Implikationen der hier herausgearbeiteten Phantasien im Hinblick auf eine psychoanalytische Theorie der Geschlechterdifferenz. Dr. Monika Gsell hat an der Universität Basel Germanistik und Philosophie studiert und 1998 mit der psychoanalytisch orientierten Studie Die Bedeutung der Baubo. Kultur¬geschichtliche Studien zur Repräsentation des weiblichen Genitales (Stroemfeld Verlag 2001) promoviert. Im Anschluss an die Promotion Ausbildung zur Psychoanalytikerin, seit 2003 in eigener Praxis tätig. Seit 2005 zusätzlich wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Gender Studies der Universität Zürich.