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Am 31. Dezember 1922 gründete mein Grossvater, August Laube sen., kaum 24 Jahre alt, das, unter seinem Namen firmierende, Buch- und Kunstantiquariat August Laube in Zürich. Dank seiner vorzüglichen Ausbildung und erlangten Kenntnisse während der Lehrzeit bei C. Lang und H. Eisemann in Zürich und seinen dort erworbenen Beziehungen zu den führenden Antiquaren jener Zeit war ihm früh Erfolg beschieden. Ende der zwanziger Jahre war sein Haus bereits eine bekannte Adresse für Sammler und Wissenschaftler. Sein Interesse galt vor allem den Schweizer Büchern und ganz besonders der Schweizer Graphik. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit seltenen Ausgaben der französischen und deutschen Literatur sowie mit den Autografen von Dichtern und Musikern. Schon damals widmete er sich mit Vorliebe dem Aufbau von privaten Sammlungen (u.a. Beethovensammlung H. C. Bodmer, heute in Bonn).
Auf seinem Lieblingsgebiet, der Helvetica, führte er in den dreissiger und vierziger Jahren mit seinen Schweizer Kollegen W. Kündig, H. Schumann und A. Klipstein einige wichtige Auktionen durch (Sammlung Ulli, Teile der Wessnersammlung, Schloss Sully). Diese erfolgreiche Zusammenarbeit fand auch während des Krieges ihre Fortführung.
Eine besonders lebhafte Zeit waren die Jahre kurz vor dem Krieg, als mehrere grössere Bibliotheken und Sammlungen auf den Markt kamen, von denen einige auch durch die Hände meines Grossvaters gingen (Helvetica-Sammlungen der Kaiserin Marie Louise und der Herzöge von Leuchtenberg).
Der beachtlichen Entwicklung der Firma setzte der Weltkrieg ein jähes Ende. Bereits 1941 wurden die internationalen Verbindungen abgebrochen. Die Schweizer Kunden aber blieben dem Hause treu, so dass die schwierige Zeit des Krieges verhältnismässig gut überstanden werden konnte.
Sofort nach dem Kriege öffnete sich der Handel wieder weltweit und belebte sich enorm. Mitten in diesen Aufschwung trat mein Vater, August Laube jun. 1950 in die Firma ein.
Schon bald durfte er eigene Entscheidungen treffen und Material einkaufen. Damit entwickelte sich eine schöne und fruchtbare Zusammenarbeit, die über 30 Jahre dauern sollte. Von 1951–1970 führten Vater und Sohn zusammen einige Auktionen durch, die zum Teil recht bedeutend waren und mithalfen, den Handel zu beleben (Bibliothek May, Ikonensammlung Savitch, Helvetica-Sammlungen «B», Cerenville und die sog. Sammlung «Bordeaux»).
1960 wurde mein Vater Teilhaber und die Firma änderte den Namen in August Laube & Sohn. Sein Hauptinteresse galt seit der Lehrzeit bei H. Eisemann und M. Rousseau in London und Paris der alten Meistergraphik und damit verbunden den frühen Holzschnittbüchern. In der lebhaften Kunstwelt dieser beiden Weltstädte sah er damals eine Fülle feinster Bücher und Graphiken. Durch Dr. A. Klipstein ermuntert, kaufte er bereits 1952 seinen ersten Kupferstich von Albrecht Dürer. In den darauffolgenden Jahren fing mein Vater an, den Handel mit alter Graphik von Schongauer, Dürer, Rembrandt bis zu Goya aufzubauen. Später erweiterte er sein Lieblingsgebiet über den Impressionismus und Expressionismus bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert. Die fünfziger und sechziger Jahre waren eine Zeit des fortwährenden Aufbaus. Er achtete aber darauf, die Firma nicht unnötig zu expandieren, sondern auf Qualität Wert zu legen.
1972 wechselte die Firma ihre Räumlichkeiten nach 42 Jahren vom Haus «zum Pelikan» am Talacker an die obere Trittligasse 19. Bei dieser Gelegenheit trat mein Grossvater als Teilhaber zurück; er liess es sich aber nicht nehmen, bis kurz vor seinem Tod im Februar 1980 weiterhin noch aktiv mitzuarbeiten.
Die Jahre an der Trittligasse waren wohl die lebhaftesten in der Geschichte unseres Hauses. Mein Vater hatte das Glück, auf allen Gebieten zum Teil sehr bedeutende Sammlungen erwerben zu können, welche er entweder geschlossen oder einzeln an unsere Sammler und an Museen weitergeben konnte.
Noch während des Einzugs in unsere neuen Räume kaufte er eine prachtvolle Dürer-Sammlung, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen von Hofrat Josef Meder zusammengetragen worden war. Im Frühjahr 1974 verkaufte mein Vater mit seinem amerikanischen Kollegen Robert M. Light zusammen eine sehr bekannte Rembrandt-Sammlung und organisierte gemeinsam mit ihm 1976 eine Rembrandt-Ausstellung in Tokyo.
Für unser Buch-Antiquariat konnten wir immer wieder sehr seltene und rare Bücher erwerben. Eine Bibliothek deutscher Literatur in Erstausgaben (18./ 19. Jahrhundert), die ein führender Münchner Antiquar in den zwanziger Jahren für sich aufgebaut hatte, war eine schöne Herausforderung in Bezug der Aufarbeitung dieser Bibliothek. Dazwischen kamen noch zwei Sammlungen besonders schöner Schweizer Graphik in unseren Besitz, an deren Bearbeitung ich dann auch mitwirken durfte. 1984 rief mich mein Vater von meiner Museumstätigkeit in Boston zurück, um für die Art Curators Conference in Zürich eine Altmeister-Ausstellung in unseren Firmenräumlichkeiten zu organisieren. Leider verstarb mein Vater bereits 1989 nach schwerer Krankheit. Die Firma wurde zu August Laube GmbH umbenannt und von meiner Schwester Daniela und mir in gewohnter Weise weitergeführt. Auch zu dieser Zeit durften wir grössere Sammlungen bearbeiten und veräussern. Ein schöner Erfolg war 1991 der Verkauf der grossen Sammlung von Aargauer Ansichten an das Staatsarchiv des Kantons Aargau. 2003 trennten sich die Wege von Daniela und mir. Sie ging nach Amerika, und ich führte das heimische Antiquariat als Einzelfirma weiter.
2018 zog die Firma nach 46 Jahren an der Trittligasse 19 ein weiteres Mal um an die Kirchgasse 32. 2021 konnte ich erneut eine sehr schöne kleine Dürersammlung erwerben, deren Katalog ich Ihnen hier gerne zu unserem Jubiläum präsentiere.
Die aufgeführten Beispiele von den vielen schönen Blättern und Büchern, welche wir in den Händen halten durften, bilden nur eine Auswahl unseres breiten Angebots; Die Art unseres Geschäftes auferlegt uns Verschwiegenheit.
Auch wenn sich die Zeiten geändert haben und der Markt und die Voraussetzungen immer komplizierter und schwieriger werden, so ist sich unsere Firma dennoch all die Jahre in ihren Grundsätzen treu geblieben; wir versuchen nach wie vor, unsere Kunden aufs Beste zu beraten, ihre Interessen zu vertreten und die Qualität unseres Angebots hochzuhalten. Der jahrzehntelange Erfolg ist einerseits Bestätigung unseres Geschäftsmodells, andererseits aber nur möglich dank der nicht selten über Generationen andauernden Treue unserer Kunden, aus der auch manch schöne Freundschaft entstanden ist. Meine Mitarbeiter und ich danken allen Kunden und Freunden herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen.
Ihre
Brigitta Laube