Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03385.jsonl.gz/1336

Danilo Dolci

Danilo Dolci war ein italienischer Architekt, Soziologe, Sozialreformer und Friedensforscher. Er wurde durch seine Anti-Mafia-Initiativen in Sizilien und den Aufbau einer gewaltlosen sozialen Bewegung «von unten» bekannt. Man nannte ihn auch den «Gandhi Siziliens». Unter denjenigen, die öffentlich ihre Unterstützung für seine Bemühungen zum Ausdruck brachten, waren Carlo Levi, Erich Fromm, Bertrand Russell, Jean Piaget, Aldous Huxley, Jean Paul Sartre und Ernst Bloch.
Er wurde zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert. Auszeichnungen: Internationaler Lenin-Friedenspreis (Sowjetunion), den er entgegennahm, obwohl er erklärte, kein Kommunist zu sein, 1957; Ehrendoktor der Philosophie der Universität Bern, 1968; Antonio Feltrinelli-Preis (Goldmedaille), 1969; Gold-medaille der Accademia dei Lincei für seine Arbeit zur Verbreitung humanitärer und kultureller Werte, 1969; Sonning-Preis der Universität Kopenhagen «für seinen Beitrag zur europäischen Zivilisation» 1970; Sokrates-Preis von Stockholm für «die Tätigkeit zugunsten des Friedens, für die weltweit geleisteten Beiträge auf dem Gebiet der Bildung» 1970; Ätna-Taormina Preis für Poesie, 1975; Internationaler Preis für Poesie von Viareggio, 1979; Goldmedaille für die pädagogische Arbeit, Gemeinde Sesto S. Giovanni (MI)1979; Jamnalal Bajaj International Award (Indien) Gandhi International Award for the deepening of non- violent revolutionary values, 1989; Ehrendoktorwürde in Erziehungswissenschaften von der Universität Bologna, 1996.
Geistiges Erbe
Sowohl in praktischer wie in theoretischer Hinsicht war Dolcis zentrale Methode die Mäeutik, die «Hebammenkunst». Zudem zeigte sich Dolci in höchstem Masse von Theorien zur gewaltfreien und für Friedenserziehung angeregt. Er setzte sich mit den theoretischen Ansätzen von Wissenschaftlern wie Freire, Capitini, Boal, Chomsky, Gandhi, Sokrates,
sowie zahlreichen anderen auseinander und entwickelte schliesslich die Reziproke Mäeutische Methode (RMA). Jeder Akt der Erziehung ist von allen Seiten beeinflusst und reziprok. Die RMA ist eine dialektische Methode zur Befragung für die Mitwirkungsfähigkeit von Gemeinden und Einzelpersonen. Es geht also, basierend auf demokratischen Prozessen, um eine Hilfe zur Selbsthilfe.
Damals wie heute ist die Schulung im kritischen Denken gegenüber Regierungen und mächtigen Institutionen auf der ganzen Welt von höchster Wichtigkeit. Die Umsetzung alternativer Ideen in friedlichem und gewaltlosem Dialog basiert auf der Erziehung zum selbstständigen Denken und gemeinschaftlichen Handeln.
Funktion des Borgo
Der Borgo wurde als Zentrum für Kurse und Seminare in verschiedenen Disziplinen zur ganzheitlichen Bildung auf internationalem Niveau konzipiert: territoriale Entwicklung, Urbanistik, Soziologie, Friedensforschung, Philosophie, Erziehungswissenschaft, Literatur, Musik, Malerei.
Die Kurse die das «Centro per lo Sviluppo Creativo – Danilo Dolci» bisher in anderen Lokalitäten angeboten hat werden in Zukunft wieder im Borgo di Trappeto durchführt werden..
Inhalt und Methoden
Dank der langjährigen Arbeit des Vereins «Centro per lo Sviluppo Creativo – Danilo Dolci» in Palermo und die regelmässige Förderung durch die EU sind Inhalte und Methoden der sozialen Arbeit Danilo Dolcis nach wie vor aktuell und lebendig. Zahlreiche Projekte in ganz Europa zeigen auf, wie gewaltlose Kommunikation zur Konfliktlösung eingesetzt wird. Der Borgo soll gesamteuropäisch wieder als Forschungszentrum für diverse Fragestellungen und Themen unserer heutigen Gesellschaft genutzt werden können.

Das Borgo in der Zeit von Danilo
Erich Fromm über Danilo Dolci
«Danilo Dolci ist das aussergewöhnliche Beispiel eines Mannes, der das Leben liebt. Er belebt die Dinge, mit denen er in Berührung kommt, sei es, wenn es darum geht, Bauern zu organisieren, sei es in der Erziehung der Kinder. Seine Kraft liegt in seinem Beispiel und im überwältigenden Eindruck, den ein Mensch hinterlässt, der vor Gefahren und Risiken nicht zurückschreckt, wenn es darum geht, sich der anderen anzunehmen und sie in aktivere, mutigere Menschen mit grösserem Selbstvertrauen zu verwandeln.»
Erich Fromm, September 1977
Laurent Goetschel über Danilo Dolci
«Wüsste man nicht, dass die Ideen von Danilo Dolci rund 50 Jahre alt sind, könnten Sie auch einem heutigen Handbuch für die Reform der internationalen Zusammenarbeit entstammen. Bei swisspeace verfolgen wir in allen geographischen Kontexten, in denen wir aktiv sind, einen sogenannten Ansatz des «leichten Fussabdrucks» (light-footprint-approach), demzufolge wir lokalen Akteuren und Konfliktparteien die Hauptrolle zuweisen und uns selber darauf konzentrieren, sie zu befähigen, Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.
Auch Danilo Dolci stand durch sein Leben und Engagement stellvertretend für das Bild eines äusserst umtriebigen Forschenden, Lehrenden und Aktivisten, einer Kombination, die ich in der heutigen Welt gerne öfters antreffen würde.»
Prof. Dr. Laurent Goetschel. Präsident Swisspeace, Schweizerische Friedenstiftung, Oktober 2021
Ueli Mäder zum Potenzial des Borgo
«‹Borgo di Trappeto› beinhaltet ein viel versprechendes Potenzial. Das Erneuern des Komplexes ist schon von der räumlichen Entwicklung her sehr sinnvoll. Hinzu kommt die vorgesehene Nutzung. Instand gesetzt und umgebaut, bietet das Zentrum einen Ort innovativer Reflexion. Im Sinne einer Tradition, die fundierte Theorie und humane Praxis vereint. Dies anhand relevanter Themen, die weit über die Region hinaus interessieren und vielfältige Vernetzungen und Kooperationen generieren, zum Beispiel mit Hochschulen.»
Ueli Mäder, Soziologe, Prof. Dr., em. Uni Basel, September 2021
Matthias Drilling zum Wirken von Danilo Dolci
Das von Danilo Dolci seit den 1950er Jahren geschaffene Werk hat sich bis heute in den Grundkanon der anwendungsorientierten Sozialwissenschaft gewoben…»
«Dass Danilo Dolci weltweit anerkannte Preise erhielt, für den Nobelpreis nominiert wurde, sich der Unterstützung wichtiger Lehrstuhlinhaber der Philosophie gewiss war, weist auf das Potenzial, die enorme Ausstrahlungskraft und Lebendigkeit Ihres Vorhabens hin.»
Prof. Dr. Matthias Drilling, Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz ,, Oktober 2021
Arne Engeli über einen Besuch