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Mit einer Retrospektive und einer Fotoausstellung ehren die Solothurner Filmtage den Regisseur, Autor und Schauspieler Maximilian Schell.Dieser Inhalt wurde am 18. Januar 2006 - 16:15 publiziert
Der Schweizer Hollywoodstar bedankt sich mit Charme und Komplimenten. Er bringt einen Hauch von Glamour und Weltruhm ans Filmfestival.
An der Fassade des Cinema Palace in Solothurn flattert ein Transparent mit einem überlebensgrossen Maximilian Schell und markiert so den Ort der Retrospektive. Der Weltstar mit dem lebhaften Blick unter buschigen Augenbrauen gibt sich die Ehre.
"Ich bin der beste Botschafter der Schweiz, ich erzähle im Ausland nur Gutes über sie – hier mache ich das natürlich nicht", sagt Schell an der Pressekonferenz in Solothurn und gibt gleich seinem Befremden Ausdruck über die Tatsache, dass sein Dokumentarfilm über seine Schwester Maria Schell von der Schweiz abgelehnt wurde: "Immerhin hatte ich da schon einen Oscar gewonnen und war für drei weitere nominiert."
"Ich wäre schon froh, wenn die Kultur in der Schweiz einen höheren Stellenwert hätte, und zwar bei den Leuten, die über die Geldvergabe für die Projekte entscheiden." Denn so wie Salzburg für seine Festspiele und Solothurn für seine Filmtage berühmt seien, so könnte sich die Schweiz in der Welt durch ihre Kultur behaupten, aber dafür müsse man auch etwas einsetzen.
Lieber Freund Dürrenmatt
Auf die Frage, ob die Schweiz vielleicht eine Nummer zu klein für ihn sei, reagiert er launig: "Im Gegenteil, sie ist eine Nummer zu gross." Und fügt gleich eine Anekdote an. Friedrich Dürrenmatt habe ihm über den Schriftstellerkollegen Max Frisch einmal gesagt: "Weisst du, der Max wird mit der Schweiz einfach nicht fertig."
Ja, Dürrenmatt. Über diesen "lieben Freund" könnte Schell stundenlang reden. Etwa über das Drehbuch zu "Midas", das sie zusammen geschrieben haben. Eines Tages habe ihn Dürrenmatt angerufen, als es um die Besetzung der Rollen und die Finanzierung des Projekts ging: "Du, ich habe da in einem schrecklichen Film einen guten Schauspieler gesehen, wie heisst er gleich... ja, Robert Redford, kennst du den?" - "Allerdings", habe Schell geantwortet, "der kostet fünf Mio. Dollar". - "Dann ist er nichts für uns", so Dürrenmatt lakonisch.
Das Projekt wartet noch heute auf seine Realisierung, die 13 Drehbuchfassungen liegen bei Schell in der Schublade, die Rechte allerdings bei der Dürrenmatt-Witwe Charlotte Kerr. Ob dieser Umstand ein Vor- oder ein Nachteil sei, fragt ein Journalist süffisant. "Das ist ein Vorteil", sagt Schell lächelnd, "ich weiss, dass Frau Kerr als schwierig gilt, aber sie ist es gar nicht, ich versteh mich sehr gut mit ihr." Acht Mio. Franken benötigt Maximilian Schell für die Produktion dieses Films.
Zwischen London und New York
Aber Schell, der kürzlich seinen 75. Geburtstag feierte, ist auch so dauernd beschäftigt. Nach Solothurn ist er direkt von den Theaterproben in London gekommen, das Skript von Arthur Millers letztem Stück "Resurrection Blues" unter dem Arm. Inszeniert wird es vom US-Regiestar Robert Altman.
Schell hält den vor einem Jahr verstorbenen Arthur Miller für den bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts neben Beckett und O'Neill. Kennen gelernt habe er ihn in New York, als Schell eine Hommage an Vaclav Havel gehalten habe. Was in Solothurn wie name-dropping klingt, ist für Maximilian Schell Alltag.
Fotoausstellung
Die Solothurner Filmtage ehren den Weltstar mit österreichischen und Schweizer Wurzeln auch mit einer stimmungsvollen Fotoausstellung. Die beiden Berner Fotografen Hansueli Trachsel und Thomas Pfister haben 1974 die Dreharbeiten zur Verfilmung von Dürrenmatts Krimi "Der Richter und sein Henker" begleitet.
Maximilian Schell war damals mit einer internationalen Crew nach Bern gekommen. Der Ausstellungstitel "Mahmud Bridge" bezieht sich auf eine Brücke in Istanbul, auf der eine entscheidende Szene des Films spielt. Gedreht wurde sie allerdings im Felsenau-Autobahnviadukt bei Bern.
Als es dunkel wird in Solothurn, läuft im Cinema Palace Schells Filmadaption von Ödon von Horvaths "Geschichten aus dem Wienerwald", anschliessend der Oscar-gekrönte Film "Judgement at Nuremberg" in der Inszenierung von Stanley Kramer. Ob die Schweiz für Maximilian Schell nun zu klein oder zu gross sei – mit seiner Präsenz hat er ihr zumindest einen internationalen Touch verpasst.
swissinfo, Susanne Schanda
Fakten
Die Retrospektive an den Solothurner Filmtagen zeigt 12 von Maximilian Schell selbst ausgewählte Filme, darunter:
"Der Richter und sein Henker"
"Justiz" (beide nach Romanen von Dürrenmatt)
"Marlene"
"Meine Schwester Maria", der umstrittene Dokumentarfilm über die Schauspielerin Maria Schell.
In Kürze
Maximilian Schell, Sohn eines Schweizer Dramatikers und einer österreichischen Schauspielerin wurde 1930 in Wien geboren.
1938 flüchtete er mit seinen Eltern vor den Nazis in die Schweiz.
1958 spielte er zum ersten Mal in einem Hollywoodfilm.
1961 erhielt Schell den Oscar für seine Rolle in Stanley Kramers "Judgement at Nuremberg".
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