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Nintendo bedient gern den Nostalgie-Trieb seiner Fans und frischt alte Franchises auf. So tief wie bei "Famicom Detective Club" war der Griff in die Mottenkiste aber selten. Die beiden hier im Doppelpack enthaltenen Titel "Famicom Detective Club: The Missing Heir" und "Famicom Detective Club: The Girl Who Stands Behind" haben nämlich beide schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel. Jetzt, anno 2021, erscheinen sie aber zum ersten Mal auch ausserhalb Japans, sind natürlich technisch generalüberholt und bringen auch sonst einige Verbesserungen mit. Doch reicht das in einer Welt, in der Fans inzwischen von Genrevertretern wie etwa den "Phoenix Wright"-Spielen verwöhnt sind, noch aus? Oder sind die Titel zu angestaubt, um heutigen Gamern noch Spass zu machen? In unserem Test erfahrt ihr es.
Eine Klarstellung vorneweg: Der Verfasser dieser Zeilen ist zwar so alt, dass er in den 1980er-Jahren schon Videospiele gezockt hat, jedoch hat er aufgrund des nie erfolgten Europa-Releases und mangelnder Japanischkenntnisse die Originaltitel nicht gespielt. Solltet ihr in der gleichen Situation sein und euch fragen, welchen Teil man denn nun zuerst spielen sollte, dann lautet die Antwort: Kommt drauf an. "The Missing Heir" erschien zuerst, nämlich 1988, und ist allgemein von der Struktur her etwas klassischer und simpler gehalten als "The Girl Who Stands Behind" aus dem Jahr 1989. Allerdings ist das später erschienene Werk ein Prequel, spielt also früher. Was tun? Die Spiele erzählen in sich abgeschlossene Geschichten, sind aber trotzdem miteinander verknüpft. Wir empfehlen, sie in der Erscheinungsreihenfolge (also "The Missing Heir" zuerst) zu spielen. Neben dem erzählerischen Aspekt hatten die Entwickler bei "The Girl Who Stands Behind" auch aus einigen Fehlern gelernt und sie ausgebügelt. Spielt ihr diesen "verbesserten" Titel zuerst und erst danach "The Missing Heir", wird euch das umso saurer aufstossen. Doch genug der Vorrede. Worum geht es überhaupt?
Story und Gameplay
Der Einstieg von "The Missing Heir" ist, passend für das Alter des Spiels, sehr klassisch, ja geradezu klischeebeladen. Unser Protagonist erwacht nämlich am Fuss einer Klippe und kann sich an rein gar nichts erinnern - sehr praktisch für ein Mystery-Game. Doch euer Gedächtnisverlust ist nicht das einzige Mysterium, das es zu lösen gilt. Denn zum Glück werdet ihr kurz darauf von Ayumi aufgegabelt, die sich bald als euer Sidekick herausstellt. Sie nimmt euch mit in die Utsugi Detective Agency, in der beide offenbar arbeiten. Da der Chef gerade auf Reisen ist, habt ihr ein wenig Narrenfreiheit. Ihr macht euch deshalb aufgrund einiger erster Hinweise auf die Suche nach euren Erinnerungen, denn aus irgendeinem Grund wart ihr ja bei dieser Klippe. Schnell ist eure Erinnerungslücke aber nicht mehr der einzige Story-Aspekt, denn es kommt ein mysteriöser Todesfall hinzu, in dem ihr ermittelt. Da kommt dann alles zusammen, was so ein gutes "Murder Mystery" ausmacht: Familienstreitigkeiten, Intrigen, dunkle Geheimnisse. Viel mehr wollen wir aber nicht verraten, denn Genre-typisch sind Story und Charaktere die wichtigsten Elemente des Spiels, und die wollen wir natürlich nicht spoilern.
Auch zu "The Girl Who Stands Behind" wollen wir nicht zu viel verraten. Nur so viel: Der Haupthandlungsort ist eine Schule, und natürlich geht es auch hier nicht ohne Leiche. Zudem kursiert in der Schule ein Gerücht um eine übernatürliche Erscheinung, das titelgebende "Girl Who Stands Behind". Ob da was dran ist? Ob das mit dem Mord zusammenhängt? Nun, es ist an euch, hier eure Detektivfähigkeiten einzusetzen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Das Gameplay-Gerüst ist bei beiden Spielen praktisch dasselbe, auch wenn in "The Girl Who Stands Behind" alles etwas ausgereifter erscheint und man unnötig abstruse Lösungswege, die es im Vorgänger leider gibt, grösstenteils weggelassen hat. Wer die Spiele aus der "Ace Attorney"-Reihe rund um Phoenix Wright und Konsorten kennt, dürfte sich schnell heimisch fühlen. Denn zwar geht es hier nicht um ikonische Showdowns vor dem Richter, doch genau wie in jenen Titeln bestehen grosse Teile des Gameplays daraus, Locations via On-Screen-Cursor zu erkunden, wichtige Details zu finden und richtig zu kombinieren und mit den anwesenden Personen darüber zu sprechen. Im Laufe der Gespräche kommen auch immer mal neue Optionen hinzu, und es kann durchaus mal sein, dass ihr ein Thema einfach ein zweites (oder drittes) Mal ansprechen müsst, um endlich etwas aus eurem Gesprächspartner herauszubekommen. Doch auch wenn der Aufbau der Spiele aus heutiger Sicht manchmal doch ein wenig angestaubt ist und von späteren Titeln im Genre verfeinert wurde, funktioniert das Ganze nach wie vor sehr gut. Das ist vor allem auch den gut und spannend geschriebenen Geschichten und Dialogen zu verdanken. Dazu kommt, dass man sich bei den 2021er-Remakes wirklich Mühe gegeben hat.