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170 Punkte gewann der HC Fribourg-Gottéron in diesen drei Saisons in der Qualifikation - im Schnitt zehn Zähler mehr pro Saison als die Konkurrenz. In den Playoff-Finals lief es aber stets schief: 1992 gewann der SC Bern die Finalissima in der St-Léonard-Halle dank zwei Goals von Patrick Howald mit 4:1, in den nächsten zwei Saisons erwies sich jeweils der EHC Kloten als zu stark (3:0 und 3:1 Siege in den Finals).
Jeder darf einen Traum haben, den er nie verwirklichen konnte, sagte Slawa Bykow, Fribourgs Überspieler in dieser Ära, Jahre später in einem Interview mit dem Sport.
Die ersten zwei Finalniederlagen gegen Bern (1992) und Kloten (1993) vermochte Fribourg zu verkraften. Das dritte Scheitern hingegen zerstörte das Freiburger Dream-Team. Die Qualifikation gewann Gottéron damals mit elf Punkten Vorsprung auf Kloten - und das zu einer Zeit, als es für einen Sieg bloss zwei Zähler gab. Wir sind bereit für den Meistertitel, sagte Bykow vor dem Final.
Bis zum Final verlor Gottéron in der ganzen Saison nur ein Heimspiel (3:4 n.V. gegen Ambri in der Qualifikation). Im Playoff-Final gingen aber beide Heimpartien im Hexenkessel St-Léonard gegen Kloten verloren (mit 4:5 und 2:4).
Der Grund? Gottéron spielte viel zu offensiv. Wir spielten gegen die internationale Tendenz, sagte Trainer Paul-André Cadieux, wir wollten die Offensive forcieren, auch gegen defensiv eingestellte Gegner. Die Desperado-Taktik ging im Final stets schief.
Zum Sündenbock wurde Goalie und Publikumsliebling Dino Stecher gestempelt. In drei der vier Finals von 1994 kassierte Stecher ein haltbares, entscheidendes Gegentor. Stecher lief nach dem dritten verlorenen Playoff-Final dem Klub davon: Ich bin jetzt weg, jetzt kann mir niemand mehr die Schuld für die Niederlagen in die Schuhe schieben. Stecher fühlte sich von Trainer Cadieux und von seinen Vorderleuten im Stich gelassen.
Fribourg konnte Stecher nicht adäquat ersetzen. Die Probleme häuften sich: Slawa Bykow und Andrej Chomutow zerstritten sich, Bykow war immer öfter verletzt, das Erfolgsteam der letzten Jahre fiel auseinander. Selten ist ein gutes Team schneller auseinander gefallen, sagte Bykow mit etwas Abstand. 1995 schaffte es Gottéron nochmals auf Platz 5 und in die Halbfinals. In der darauffolgenden Saison reichte es nicht einmal mehr für die Playoffs.
26 Jahre sind seither vergangen. SVP-Politiker Roger Köppel arbeitete 1994 noch als Sportredaktor bei der NZZ. Wir zitieren aus seinem Matchbericht zu Fribourgs Scheitern gegen Kloten: Fribourgs Angriffsspiel zerbröckelte unter dem Gegendruck eines hochgradig organisierten Gegners. Die eigene Virtuosität war zu oft nur Ursache von Gegentoren. ... Auch das Publikum nahm regen Anteil am Spiel, indem es entweder den ausgezeichneten Schiedsrichter bespuckte oder Feuerzeuge und anderes Kulturgut aufs Eis warf. ... (Marc) Leuenberger müsste die Absprungphase vor dem vorgetäuschten Foul besser tarnen, um wirklich glaubwürdig zu wirken.
Playoffs im Schweizer Eishockey: 1985 eingeführt, 2020 ausgefallen. Wir blicken zurück - angefangen bei der Angst der Klubs, die Fans würden der Qualifikation fernbleiben, bis zum Aufstieg zum 200-Millionen-Business, das seit 2015 Jahr für Jahr mehr als zwei Millionen Fans in die Stadien lockt. Eishockey soll primär unterhalten - und Playoff-Dramen garantieren beste Unterhaltung. Auf diese Dramen blicken wir in unserer Serie zurück.
(sda)