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Alois Kleber
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 21. Oktober 1886
Gärtner: 1886–1945
Krankenbruder: 1932–1945
Lebensbeschreibung[1]
Als jüngstes von acht Kindern einer katholischen Bauernfamilie, von der auch zwei Töchter in den Ordensstand traten, wurde Josef Kleber am 20. September 1863 in Krondorf bei Schwandorf in der bayrischen Oberpfalz geboren. Seine Herkunft bestimmte die Eigenart, die zeitlebens sein Wesen und Schaffen prägte: eine solide Religiosität, eine bemerkenswerte Intelligenz, Unternehmungslust, zähe Ausdauer und Arbeitsfreude, eine kräftige Gesundheit und eine nie versagende Gewandtheit im Gebrauch des Wortes. Als Knabe dachte er ernstlich daran, Priester zu werden; und das Zeug zu einem packenden Prediger und organisationstüchtigen Pfarrer hätte er sicher gehabt. Aber die Vermögenslage der Eltern war durch eine Feuersbrunst auf dem väterlichen Gut eine etwas missliche geworden, und so verzichtete der junge Mann auf die kostspieligen Studien. Er machte dafür in einem bayrischen Minoritenkloster eine tüchtige Gärtnerlehre, die später für ihn und das Koster bedeutungsvoll wurde. Auch den üblichen Militärdienst in der bayrischen Armee leistete er mit Freude und Erfolg. Welche Stufe der militärischen Würden er erstieg, ist später nie klar erkennbar geworden, da seine diesbezüglichen Erinnerungen allmählich unter dem Einfluss der Legende standen. Auch vornehme Freundschaften scheinen damals geschlossen worden zu sein; so zählte der Verstorbene den Prinzen Alfons von Bayern stets zu seinen "alten Freunden"; und als anno 1917 in Engelberg die Kohlenknappheit bedrohlich wurde, schrieb er an seinen fürstlichen Freund um Kohlenvermittlung beim deutschen Kaiser; vier Woche vergingen, und sechs Wagenladungen Kohlen rollten heran.
Trotz bester Erfolgsaussichten in der Welt, liess ihn der Gedanke, sein Leben Gott zu weihen, nie los. Zur Abklärung seiner Berufsfrage machte er eine Wallfahrt nach Einsiedeln, obwohl sein Vater ihm schrieb, die Fahrt in die Schweiz sei wohl die Folge irgend eines Lumnpenstreiches, denn alle Lumpen gehen in die Schweiz. In Einsiedeln hörte er von Abt Frowin Conrad, dem Gründer des Engelberger Tochterklosters Conception in Amerika, der gerade in Europa weilte. Schnurstracks kam der deutsche Pilger nach Engelberg, um sich für das amerikanische Kloster anzumelden. Aber Abt Anselm Villiger gewährte ihm die Aufnahme in die Engelberger Klosterfamilie und nach gut bestandenem Noviziat gelobte er als Br. Alois, zusammen mit dem wesentlich gelasseneren Br. Josef Zwyssig, die Ortsbeständigkeit auf das Kloster Engelberg. Seine jahrzehntelang treu bebauten klösterlichen Arbeitsfelder waren vor allem der Garten und die Krankenpflege.
Die zuvor etwas vernachlässigten Gartenanlagen brachte Br. Alois in unverdrossener, zielsicherer Arbeit zu einer beachtlichen Blüte und Ertragfähigkeit. Besonders den Gemüseanbau pflegte er mit ausgesprochener Sachkenntnis und unermüdlicher Hingabe. Es gelang ihm denn auch, durch die praktische Erfahrung den Beweis zu erbringen, dass gewisse Gemüsesorten, an deren Gedeihen in Engelberger Boden und Klima man vorher nicht recht glauben wollte, sich für Engelberg sogar sehr gut eignen. Zur Förderung des Gartenbetriebs wurden in den Jahren 1905 und 1906 Frühbeete angelegt und ein Treibhaus gebaut. Wie sich Abt Leodegar Hunkeler erinnerte, machte das neue "Gwäxhaus" in Kloster und Kollegium viel Aufsehen. Nun konnte auch der Winter für den Gartenbetrieb ausgenützt werden, was von grossem Vorteil war. Die ganze neue Entwicklung unserer Gartenkultur wirkte sich vorzüglich aus; die. Ernährung des Konventes und der Schülerschaft wurde gesünder und abwechslungsreicher; und auch die Gasthöfe Engelbergs waren dem Klostergärtner für die Belieferung mit vorzüglichem frischem Gemüses, gerade in Zeiten des Stossbetriebs, sehr dankbar.
Es ist klar, dass nicht alle Versuche und Unternehmungen des findigen Gartenkünstlers den gleichen Erfolg haben konnten. Die russischen Apfelbäumchen z.B., die er einbürgern wollte, und denen er eine grosse Zukunft in unserem Höhenklima prophezeite, versagten ihm die Gefolgschaft. Solche Widerspenstige wurden immer prompt ausgeschaltet, damit weder das Bild des Gartens noch das Prestige des Gärtners durch sie Schaden leide. Aber sehr vieles ist gelungen; und gerade die Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs liessen erkennen, wie wichtig seine Gartenarbeit für das Kloster gewesen war. Aus natürlicher Neigung und aus christlicher Liebe war Br. Alois stets gern bereit, die Geheimisse seines Erfolges anderen mitzuteilen. Er wµrde zu Unterrichtsstunden in der hiesigen Haushaltungsschule sowie zu Vorträgen über Gartenbau bei der Engelberger Frauenwelt berufen; auch hielt er in den meisten Gemeinden Unterwaldens und des Entlebuch gut besuchte Gartenbaukurse, die grosse Anerkennung fanden. Seine bei solchen Anlässen entwickelte Beredsamkeit war blühend und praktisch zugleich; und es fehlte weder an eingestreuten rührenden Episoden, noch an seelsorglichen Ermahnungen. Ein Entlebucher Pfarrer schrieb nach einem Gartenbaukurs nach Engelberg, man müsse das nächste Mal nur noch einen Beichtvater mitschicken, dann sei die Volksmission komplett.
Sein zweites wichtiges war die Krankenpflege, die er anno 1892 übernahm. Abt Anselm schickte ihn zur praktischen Ausbildung nach Wörishofen zu Pfarrer Kneipp, dessen Heilmethoden Br. Alois dann mit Geschick und Energie in den Dienst seiner kranken Mitbrüder, auch des leidenden Abtes selber, sowie der Studenten stellte. Intelligent und angriffig, wie er war, zeigte er auch für das Amt des Krankenbruders unleugbare Qualitäten: eine recht gute Diagnose, - wehe dem, der krank sein wollte, ohne es zu sein - eine rasche Entschlossenheit und ein grosses, aufrichtiges Interesse für die Kranken. Besonders wenn der Fall akut war und ganzen Einsatz verlangte, war Br. Alois im Element; alle Erfolg versprechenden Mittel wurden angewandt; und weder der Pfleger noch der Gepflegte bekamen Ruhe, bis der böse Geist ausgetrieben war. Zog das Übel sich in die Länge, so pflegte der Eifer sich etwas zu mässigen, besonders wenn gleichzeitig im Garten Hochkonjunktur war. Der Gärtner mischte sich überhaupt gelegentlich etwas in die Tätigkeit des Krankenbruders ein; die grüne Schürze ging mit in die Krankenstube; und die peinliche Reinlichkeit, welche die Mediziner für das Krankenbett verlangen, kam nicht immer streng zu ihrem Recht. Es wird immer so sein, dass Personalunionen gewisse Grenzverwischungen mit sich bringen. Aber in ihrer Gesamtheit genommen war die Arbeit des Verstorbenen als Krankenbruder gediegen und erfolgreich; und immer wahrte er bei Ausübung des wichtigen Berufes in Kloster und Kollegium die Würde des Ordensmannes.
Weniger bedeutungsvoll als die beiden genannten Tätigkeitsbereiche von Br. Alois waren zwei weitere, die er nur nebenbei betreute. Als Hornbläser nahm er am musikalischen Leben des Klosters teil; sein Lehrmeister war Br. Peter Haag, selber auch kein Zünftiger im Fach. Die Übungen fanden im Kirchenestrich statt, weil die Zellennachbaren der beiden Hornisten zu wenig geduldige Nerven hatten, um die Konzerte mit Beifall zu belohnen. Da zudem das Talent des Hornisten wesentlich geringer war, als das des Gärtners und Krankenpflegers, blieben die Leistungen auf der Mittelstufe. Auch mit dem Schreiben von Orchesterstimmen zu Opern des Studententheaters hatte er wenig Glück; die vielen Böcke, die er dabei schoss, führten nachher in den Proben zu allerlei Unebenheiten. - Entschieden besseren Erfolg hatte er bei einer Arbeit, der er sich in jungen Jahren im Winter widmete; mit Geschick verfertigte er für seine Mitbrüder Rosenkränze und für die Kirche künstliche Blumen. Dies nahm aber ein Ende, als Treibhaus und Frühbeete auch den Winter in den Gartenbetrieb einbezogen.
Br. Alois war ein sehr arbeitsamer Mann, der seine Zeit und seine reiche Kraft freudig und erfolgreich in den Dienst seines Gotteshauses stellte. Er verband damit eine solide und echte Frömmigkeit, besonders eine kindliche Liebe zur Muttergottes, die ihm als Regina Bavariae und als Schutzherrin von Engelberg doppelt teuer war. Seiner bayrischen Heimat blieb er immer stark verbunden; die schweizerdeutsche Sprache hat er nie gelernt. Um die Jahreswende 1944/45 packte ihn ein Fieber, das zwar bald überwunden gewesen wäre, aber eine auffallende Schwächung des ganzen Organismus zurückliess. Ein leichter Schlaganfall trat hinzu; und die einst so rüstige Lebenskraft des greisen Mitbruders war für immer gebrochen.
Werke
- Kleber, Alois: Spezialisierung – Rationalisierung, in: Schweizerisches Gartenbau-Blatt 62 (1941), Nr. 28, S. 124-126.
Professnummer
- Nr. 671
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend übernommen von Hunkeler, Br. Alois Kleber.
Bibliographie
- Hunkeler, Leodegar: Br. Alois Kleber, in: Titlisgrüsse 31 (1944/45) S. 28-31.