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Für einen starken Dollar sprechen verschiedene rationale und sachliche Argumente, die relativ überzeugend sind. Vor allem weist die amerikanische Wirtschaft einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem Konjunkturzyklus der Volkswirtschaften der Eurozone auf. Sie ist erstaunlich kräftig im Vergleich zu den G-7-Ländern.
Die reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen, die geringen Energiekosten von Schiefergas sowie der traditionell flexible Arbeitsmarkt leisten einen erheblichen Beitrag zur Erholung der US-Wirtschaft. Die gute Wirtschaftsverfassung wird denn auch mit einer positiven Wachstumsdifferenz von 2,2 Prozent gegenüber Europa belegt. Ein klarer Kontrast zu Europa, welches sich mit der Ankurbelung der Wirtschaft sehr schwer tut.
Argumente pro Dollar
Ein weiterer Grund ist die amerikanische Geldpolitik. Nachdem die US-Notenbank Fed den Markt zur Stimulierung der Wirtschaft mit Dollars überschwemmt hat, kommt sie nach und nach wieder zu einer konventionelleren Geldpolitik. An ihrer jüngsten Sitzung hat sie ihr Tempo für die Drosselung der quantitativen Stimulierung bekräftigt: Die monatlich erfolgenden Anleihenkäufe sollen nur noch 55 Milliarden Dollar statt wie bisher 65 Milliarden Dollar betragen. Damit dürfte das Anleihenkaufprogramm wie vorgesehen bis im November dieses Jahres auslaufen.
Die Anhebung der Zinsen, die darauf folgen dürfte, wird zusammen mit der Reduzierung der massiven Anleihenkäufe mittelfristig dennoch eine Stütze für den Green Back darstellen.
Was für den Euro spricht
Es gibt aber auch Argumente zugunsten des Euro. Die Bilanzsumme der Fed und jene der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickeln sich in entgegengesetzter Richtung. Während sich die Bilanzsumme der Fed weiter ausweitet, bildet sich jene der EZB zurück. Dazu kommt eine Differenz bei den Leistungsbilanzen, im Besonderen bei den Handelsbilanzen, zugunsten der Eurozone. Da die europäische Bilanz einen Überschuss ausweist, führt dies indirekt zu Eurokäufen, wodurch der Eurokurs gestützt wird.
Eine weitere Erklärung für den Wertgewinn der europäischen Währung ist die Rolle als Ersatzwährung für den Yen, die sie in nächster Zeit als Reservewährung spielen könnte. Der Wert des Yen wurde durch die ultraexpansive Geldpolitik, mit der die japanische Zentralbank das Land der aufgehenden Sonne aus der Stagnation befreien möchte, dermassen abgeschwächt, dass der Yen künftig als Risikowährung wahrgenommen werden wird.
USA-Politik – schwacher Dollar auf der Agenda
Sind diese rationalen Erklärungen nun ausreichend, um die Frage beantworten zu können, warum der Dollar dermassen schwach gegenüber dem Euro bleibt? Nicht wirklich. Um andere Erklärungselemente zu finden, muss man sich über die Absichten der Vereinigten Staaten einige Gedanken machen. Steckt hinter dem schwachen Dollar etwa ein politischer Grund, ein strategisches Ziel? Sind die USA vielleicht sogar darauf aus, einen starken Dollar zu verhindern?
Ein Teil der Antwort scheint offensichtlich zu sein. Die unter der riesigen Schuldenlast von 17 Billionen Dollar leidenden USA haben zwei Möglichkeiten, um diese zu reduzieren: Über die Schaffung von Wachstum und/oder über eine Inflation. Ein starker Dollar ist jedoch in beiden Fällen ein erhebliches Hindernis. Eine verführerische Lösung zur Umsetzung solcher Ziele führt über die Zinsen. Hält die Fed die Zinsen tief, schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie stimuliert das Wachstum und fördert die Inflation.
Der Dollar und die Vermeidung von Konflikten
Diese politischen Absichten könnten zum Teil auch erklären, warum die USA stets weltweit die Konflikte lösen wollen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass weltweit Krisen immer zu einem Anstieg des Dollars geführt haben. Durch ihre Interventionen gelingt es den USA einerseits, das Niveau von Stress und Unsicherheit zu senken, was den Dollar schwächt, und andererseits ein Anschnellen des Erdölpreises zu verhindern, der das Wachstum abbremsen würde.
Wird sich das Euro/Dollar-Verhältnis umkehren, wenn in Amerika die kurzfristigen Zinssätze im ersten Semester 2015 wieder ansteigen werden? Um dies zu wissen, muss noch etwas abgewartet werden.
François Donzé ist Portfoliomanager bei der Bank Bonhôte, Neuchâtel.