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Russland und die Schweiz verbindet seit langem ein enges Verhältnis. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert suchten einige 10000 SchweizerInnen im Zarenreich ihr Glück, wie Eva Maeder und Peter Niederhäuser in «Käser, Künstler, Kommunisten» schreiben. Das Buch enthält «vierzig russisch-schweizerische Lebensgeschichten aus vier Jahrhunderten», beginnt mit dem ersten bekannten und berühmten Auswanderer, dem Genfer François Lefort, der ein enger Vertrauter von Zar Peter dem Grossen wurde und als General dessen Truppen und Flotte befehligte.
Einige der Schweizer, die in den Osten auswanderten, kamen reich zurück – wie zum Beispiel Bernhard Simon, der als Sohn eines Schuhmachers im Glarnerland aufwuchs. Er reiste als junger Bursche nach St. Petersburg, ging dort beim Architekten Georg Ruprecht Zollikofer – der ebenfalls aus der Schweiz stammte – in die Lehre, wurde bald selbständig und baute begüterten RussInnen prächtige Häuser. Später kehrte er aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz zurück, liess sich im St. Galler Rheintal nieder, baute das Thermalbad in Ragaz und wurde dort Kurdirektor.
Im Buch werden aber auch RussInnen porträtiert, die in der Schweiz lebten und leben. Vor allem in Zürich gab es in der zweiten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts eine grosse, revolutionär gesinnte Kolonie von Studierenden – vor allem Russinnen zog es hierher. Dem Zaren passte das gar nicht, er versuchte 1873 zu verbieten, dass seine weiblichen Untertanen in Zürich studierten, allerdings hatte er damit wenig Erfolg. Im Wintersemester 1906/07 waren über 2300 Studierende, die aus Russland stammten, in Zürich immatrikuliert – mehr als die Hälfte davon Frauen.
Aber es gab auch Leute wie Fritz Platten, die die Revolution nach Russland zog. Platten wuchs in St. Gallen in armen Verhältnissen auf. Er engagierte sich früh politisch, lernte Lenin kennen, rettete ihm auch einmal das Leben und lehrte später in Moskau Politökonomie. In den dreissiger Jahren wurde Platten ein Opfer von Stalins Säuberungen, sass mehrere Jahre im Gefängnis und wurde 1942 hingerichtet.
Das Buch reicht bis in die Gegenwart, porträtiert auch Schweizerinnen, die heute in Russland leben, oder Russen, die sich in der Schweiz eine neue Existenz aufgebaut haben. Und das ist auch ein Problem des Buches: Die Kurzbiografien lesen sich zwar abwechslungsreich, doch es findet keine Gewichtung statt, alle Texte sind etwa gleich lang, und es ist nicht einsichtig, nach welchen Kriterien die Porträtierten ausgewählt wurden.