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Etrusker auf Elba
Während die letzten prähistorischen Völker auf Elba noch von der Landwirtschaft lebten, zogen schon die Eisengruben die Aufmerksamkeit der Mittelmeerwelt auf sich. Bereits die Kupfervorkommen hatten die Insel Elba auf dem Festland bekannt gemacht, doch nachdem das Eisen seinen Siegeszug in Italien angetreten hatte, wurde Elba zu einer begehrten Beute der Etrusker, aber auch für die Karthager und Griechen. Wer über das Tyrrhenische Meer herrschen wollte, war auf Elbas strategische Lage angewiesen. Die Etrusker waren zwischen 1000 und 800 v. Chr. nach Mittelitalien eingewandert. Die Hochblüte ihrer Kultur verdankten sie vor allem der geschickten Verarbeitung von Erzen und dem Handel mit dem wertvollen Metall. Trotz der ständigen Bedrohung durch griechische Piraten beherrschten die Etrusken die Insel Elba und hatten um 500 v. Chr. den Höhepunkt ihrer Macht erreicht, als sie den grössten Teil des Gebietes zwischen den Alpen und der römischen Campagne unter Kontrolle hatten.
Die Waffentechnische und damit politische Bedeutung des Eisen wurde erst erkannt, als man es in grosser Menge herzustellen gelernt hatte. Die Zeiten der ersten Eisenverhüttung auf Elba gehen wahrscheinlich auf das 8. Jahrhundert v. Chr. zurück. Elba besass an der Ostküste im Gebiet von Rio Marina und auf der Halbinsel Calamita im Tagebau leicht zu gewinnende Eisenerze, die unerschöpflich zu sein schienen. Der ungewöhnliche Reichtum des Erzes – enthält etwa 60% Eisen – gab Anlass zum Raubbau. Auch die eigenartige Behauptung in der Antike, dass der Erz wie die belebte Natur nachwüchse und den Abbau ersetze mögen dazu beigetragen haben. In der Tat häuften sich während der Jahrhunderte Halden von nicht verwertetem Gestein, das oft noch 50% Eisen enthielt, so dass eine Verhüttung in der Neuzeit lohnend war.
Eisenschmelzofen
Anfangs waren die Öfen, in denen Eisen reduziert wurde, solche vom katalanischen Typ und bestanden aus einem mehr oder weniger tiefen Graben. Dieser war am Boden und seitlich mit Steinen ausgekleidet und mit einer Lehmschicht abgedichtet. In die Vertiefung wurde dann abwechselnd Holzkohle und Eisenerz aufgeschichtet, die Kohle entzündet und die Glut mit Hilfe eines Blasebalgs geschürt. Die Blasebälge waren am Rande des Ofens mit Röhren aus Tonerde befestigt. Reste eines solchen kreisförmigen Mauerwerks, das einem Ofen dieses Typs ähnelt, fand man am Capo Pero, im Herzen des Bergwerkgebietes.
Kupferschmelzofen
Die Öfen des katalanischen Typs wurden sehr bald durch zweckmässigere Öfen ersetzt, und zwar solche wie sie von den Etruskern bis zum 7. Jahrhundert für die Kupfergewinnung benutzten. Diese Öfen bestehen aus zwei übereinander angeordneten, von einer durchlöcherten Gesteinsplatte getrennten Kammern. Die obere Kammer, abgestützt durch eine zentrale Steinsäule, wurde mit Kupfererz und Holzkohle gefüllt und die untere Kammer diente zur Erzeugung der notwendigen Temperatur. Das geschmolzene Kupfer tropfte durch die Öffnung nach unten und floss auf dem geneigten Boden des Verbrennungsraumes durch eine seitliche Öffnung ab. Die Etrusker stellten den Ofen so geschickt auf, dass Fall- und Aufwinde den Blasebalg ersetzten. Mit Hilfe dieses Ofens war die Eisenreduktion ergiebiger als mit den katalanischen Öfen.
Schlackenfunde beweisen, dass man die Erze nicht nur in Ostelba verhüttete, sondern auch in Mittel- und Westelba. Die weithin sichtbaren Flammen und die Rauchschwaden haben sicherlich dazu geführt, dass die Insel von den Griechen (Aristoteles) den Namen “Aithalia” erhielt, was soviel wie die “Rauchende” Insel bedeutet. Wie intensiv die Förderung des Eisenerzes auf der Insel Elba war, beweist die Tatsache, dass man an mehr als 90 Orten Feilreste aus der Bearbeitung des Eisenerzes fand, und zwar vorwiegend auf der nördlichen Seite, wo es genügend Holz gab und auch Häfen vorhanden waren. Die Handelsstrasse führte nach Populonia (in der Nähe des heutigen Piombino) und Alalia (heute Aleria auf Korsika).
Etruskische Höhensiedlungen
In den letzten Jahren wurden 3 Etruskische Höhensiedlungen freigelegt. Castiglione di San Martino, Castiglione di Marina di Campo und Monte Castello (südlich von Procchio).
Monte Castello war von einer hohen Stadtmauer aus auseinandergesetzten Blöcken umgeben, die der Ummauerungen anderer Etruskischer Städte vergleichbar ist. Die Innenmauer ist sehr regelmässig angelegt. Diese Siedlung wurde 250 v. Chr. zerstört.
Paolina Feseln
Auch auf dem Paolina-Felsen nordwestlich von Procchio war eine etruskische Siedlung angelegt; man fand viele Bruchstücke von Amphoren, Keramik aus Campagnen und eine Vase mit einer etruskischen Inschrift – eine Zahl – zeigt. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Ort um einen Handelsposten.
Madonna del Monte
In der Nähe der Höhle Madonna del Monte wurde 1971 ein etruskergrab entdeckt, das leider schon unsachgemäss durchsucht worden war. Unter den mit Sicherheit zu einer Beerdigung gehörenden Gegenstände zählen scharzfigurige Kantharosbruchstücke, ein Kyatos, verschiedene Fragmente einer Olpe aus dem Olpaizyklus und eines korinthischen Alabastron mit Hähnchen geschmückt sowie zwei Bronzespangen. Diese Funde müssen aus der Zeit zwischen 650 und 550 v. Chr. stammen.
Hauptwege des elbanischen Eisens in etruskischer Zeit