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Äthiopische Fussballträume
Am diesjährigen Sommerfest im Kinderdorf Pestalozzi ist dieses Wochenende ein aussergewöhnliches Filmprojekt zu sehen: Horizon Beautiful – eine äthiopisch-schweizerische Gemeinschaftsarbeit.
Der Protagonist von Horizon Beautiful erinnert an den ungeliebten Schweizerischen Fifa-Präsidenten: Der erfolgreiche Schweizer CEO Franz Arnold, gespielt von Stefan Gubser, steht einem Konzern vor, der über die weltweite Vergabe von Fussballrechten verfügt. Während des Besuchs in Addis Abeba im Rahmen einer Promotion-Tour soll der Fussball-Magnat in eine vorgetäuschte Entführung verwickelt werden.
Der 12-jährige Strassenjunge Admassu Amare (gespielt von Henok Tadele) wittert seine Chance und entwickelt einen raffinierten Plan: Er will als Retter des weissen europäischen Funktionärs einspringen, ihn von seinen Fussballkünsten überzeugen und damit erreichen, dass ihn dieser mit sich nach Europa nimmt – in den «Fussballhimmel».
Umkehr stereotyper Rollenverteilung
Trotz des zynischen und moralfreien Hauptcharakters vermittelt der Film Europa als Paradies für junge Fussballer – die fatalen Auswirkungen des kriminellen Fussballgeschäfts und des Menschenhandels, bei dem Jugendliche aus afrikanischen Ländern mit falschen Versprechen nach Europa gelotst und brutal ausgenutzt werden, sind nicht explizit thematisiert. Doch nach einer Weile wird klar: Die Rollen von Helfenden und Hilfsbedürftigen werden umgedreht; und Europa verliert seinen Status als Ziel der Hoffnung.
Horizon Beautiful entstand unter der Regie von Stefan Jäger, der seit 2011 an der drei Jahre zuvor vom Kameramann Abraham Haile Biru gegründeten Filmschule «Blue Nile Film and Television Academy» in Addis Abeba unterrichtet. «Die Grundidee war, einen Spielfilm auf professionellem Niveau in Zusammenarbeit mit der einzigen Filmschule in Äthiopien zu machen.», sagt er. «Die Studierenden sollten die Crew bilden und von ein paar erfahrenen europäischen Mitgliedern angeleitet werden.»
So nahm Jäger gemeinsam mit Abraham Haile Biru das Filmprojekt in Angriff und übte mit den Studierenden der Filmakademie die Produktion eines Langspielfilms: Vom Drehbuch über das Casting bis zur Ausstattung wurde alles von den Filmschülern und -schülerinnen umgesetzt. Produziert wurde der Film von tellfilm Gmbh, der Firma von Stefan Jäger und Stefan Gubser.
Verbindungen zum Kinderdorf Pestalozzi
Nebst seinem bemerkenswerten Produktionshintergrund beeindruckt Horizon Beautiful mit Bildern aus äthiopischen Wäldern und dem Schauspiel der afrikanischen Darsteller und Darstellerinnen, insbesondere des jungen Henok Tadele. Der Film wurde auf zahlreichen internationalen Festivals gezeigt und gewann mehrere Male den Publikumspreis.
Anfang Juni lief er in den Schweizer Kinos an und ist nun auch im Kinderdorf Pestalozzi zu sehen – was nicht von ungefähr kommt, denn Stefan Gubser, der in der Rolle des skrupellosen Fussballmanager zu sehen ist, setzt sich als Botschafter für das Kinderdorf Pestalozzi ein. Hinzu kommt, dass der Film in Äthiopien spielt, wo sich die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi mit unterschiedlichen Projekten für den Zugang zu qualitativ guter Bildung einsetzt, so wie sie am Ende auch Admassu Amare zu Gute kommt.
Horizon Beautiful am Sommerfest des Kinderdorf: Sonntag, 9. August, 10 Uhr. Vor dem Film schildert Lucia Winkler, Länderverantwortliche Ostafrika, die Herausforderungen im Bildungsbereich Äthiopiens. Im Anschluss erzählt Stefan Gubser von den Dreharbeiten in Äthiopien. Weitere Infos: pestalozzi.ch/sommerfest