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«Als die deutsche Professorenschaft 1934 aufgefordert wurde, einen Eid auf Adolf Hitler abzulegen, gab es lediglich zwei Hochschullehrer, die diesen verweigerten. (…) Manchmal lohnt es, sich vorzustellen, wie sich Menschen in einer anderen Zeit in einem anderen System verhalten hätten. Wer in Erlangen studiert, hat nun eine begründete Vermutung, was seine Professoren, angeführt von dem Dekan Rainer Trinczek, angeht.»
Hält man sich an den Nietzsche-Grundsatz des Condorcet-Blogs, wonach jedes Sehen perspektivisches Sehen ist, eröffnen sich einem zumindest zwei Perspektiven, auf die es sich lohnt, näher einzugehen.
Aus der einen betrachtet, zeugt es von Intelligenz sowie stilistischer Eleganz und sprachlicher Kunstfertigkeit, ein heisses Eisen nicht anzufassen, sondern es lediglich anzudeuten, und zwar so, dass augenblicklich klar ist, was nicht gesagt, aber eben – vermeintlich – gemeint ist. Der Vorteil der Andeutung für Fleischhauer besteht darin, dass er sich schlecht beim Wort nehmen lässt, da er selbiges vermeidet, und zwar aus gutem Grunde. Gemeint ist natürlich der deutsche Nationalsozialismus der Dreissigerjahre, womit wir uns der zweiten Perspektive und dem oben erwähnten heissen Eisen nähern.
Letzteres besteht einerseits darin, dass Fleischhauer – eben nur andeutungsweise – die gesamte Professorenschaft der Uni Erlangen dem Verdacht der Feigheit aussetzt, eben jener Feigheit, der auch schon die Professoren unter Adolf Hitler offenbar unterlagen. Fleischhauer tut dies rhetorisch äusserst geschickt nicht über eine explizit bezichtigte Mutlosigkeit, sondern indem er einer anonymen Studentenschaft eine «begründete Vermutung» unterjubelt. Diese trotz aller eindrücklichen Rhetorik pauschalisierende Unterstellung geschieht möglicherweise auch noch ohne Wissen darüber, welcher der dortigen ProfessorInnen in die thematisierte Angelegenheit eingeweiht war und somit allenfalls in der Lage gewesen wäre zu reagieren. Überdies vergleicht Fleischhauer andererseits die heutige Cancel Culture – eben auch wieder nur andeutungsweise – mit dem damaligen Nationalsozialismus, der notabene mit der industriellen Vernichtung von rund sechs Millionen Menschen endete. Zur Erinnerung: In der vorliegenden Angelegenheit geht es um eine unbegründete Ausladung eines Professors.
Abgesehen vom oft bemühten Argument der Verharmlosung des Holocausts und ungeachtet dessen, dass Fleischhauer durch seinen angedeuteten Vergleich mit Kanonen auf Spatzen schiesst, stellt sich die Frage, warum er lediglich im Bereich der Andeutungen verharrt, anstatt klar Stellung zu beziehen und das Kind beim Namen zu nennen. Eine mögliche Antwort darauf gibt er selbst:
«Manchmal lohnt es, sich vorzustellen, wie sich Menschen in einer anderen Zeit in einem anderen System verhalten hätten.»