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4. und 5. Juli 2023
Die St. Nikolai Kirche
im 14. Jahrhundert wurde die St. Nikolai Kirche für die Fischer und Seefahrer gebaut. Mit ihrem 37 Meter hohen Langschiff gehört sie zu den vier höchsten Kirchen Deutschlands.
Die imposante Höhe ist auch das Erste, welches im Inneren dieser aus Backstein geschaffenen Kirche auffällt. Danach aber fällt der Blick auf die vielen Nischen, in denen eine Vielzahl an Kirchenschätzen ausgestellt ist, welche zu einem Grossteil aus den verschiedenen im 2. Weltkrieg zerstörten Kirchen Wismars stammen.
Die erste Nische die ich betrete, lässt mich erst einmal still werden. Denn hier sind Bilder und Abschiedsbriefe zur Erinnerung an Männer ausgestellt, welche sich als Soldaten gegen die Gräueltaten der Nazis auflehnten und dafür von diesen getötet wurden. Diese Ehrfrucht begleitet mich dann auch auf meinem weiteren Rundgang in der Kirche.
die Grube
Der Mühlenbach, wie er offiziell heisst, wird vom Mühlenteich gespiesen und fliesst von dort zum Teil überirdisch mitten durch Wismar zum Hafen. Er ist der letzte erhaltene künstlich angelegte mittelalterliche Wasserlauf in einer norddeutschen Altstadt.
Bereits im 13. Jahrhundert wurde sein Wasser zum Betrieb der Mühlen aufgestaut und der Bach schiffbar gemacht. So konnten die Lastkähne Getreide, Salz und Heringe auf dem Wasser in die Stadt transportieren. Der Mühlenbach selbst ist noch einmal in drei Abschnitte unterteilt: die Mühlengrube, die Frische Grube sowie die Runde Grube. Diese Abschnitte gaben den entlang führenden Strassen auch ihre Namen.
Das Wasser der Grube erfüllte aber noch andere Zwecke. So wurde dieses mittels hölzernen Röhren zu den Schöpfstellen innerhalb der Stadt geleitet und bei Stadtbränden wurde das Wasser gestaut, um es zum Löschen der Brände zu verwenden. Und auf den Brücken wurde die Wäsche sauber gewaschen.
Den Beinamen "Frische Grube" erhielt sie übrigens, um sie gegenüber der "Salze Grube" abzugrenzen. Die Salze Grube führte im 14. Jahrhundert durch einen Kanal in der Breite Strasse und die Fischerreihe zum Hopfenmarkt.
Die Schweinsbrücke
Die vom Bildhauer Christian Wetzel 1989 geschaffenen Skulpturen erinnern an die Schweine, welche einst vom Poeler Tor in die Stadt und zum Markt getrieben wurden.
Schöne dekorationen in der Stadt
Nach dem zweiten Corona-Lockdown sollte die Wiedereröffnung der Geschäfte nicht still und leise erfolgen, sondern für alle sichtbar werden. So entstand die Idee der kunstvollen Schriftzüge auf
den Schaufenstern.
Inzwischen hat Frau Federzauber aka Birgit Gleichmann bereits über 70 dieser wunderschönen Sprüche auf die Schaufensterscheiben gezaubert.
Fotografieren bedeutet den Kopf, das Auge und das Herz auf dieselbe Visierlinie zu bringen.
Es ist eine Art zu leben. #wismarpoesie
Die HeiligEN-Geist-Kirche
Die Heiligen-Geist-Kirche, eine einstige Spitalkirche, gehörte zum Heiligen-Geist-Hospital. Dieses wurde im 13. Jahrhundert gegründet, um Kranke und Bedürftige zu pflegen und versorgen.
Ihr Einfahrtstor in den Hof hat auch Fernsehgeschichte geschrieben. Denn es dient der fiktiven Polizeistation "SOKO Wismar" als Filmkulisse für die einfahrenden Polizeiautos.
Das Welt-Erbe-Haus
Das Welt-Erbe-Haus ist ein historisches Dielenhaus aus dem 14. Jh. Mit seinen über 700-jährigen Bau- und Nutzungszeit ist es eines der ältesten Gebäude der Stadt. Diese schmalen
Dielenhäuser waren ideal für die schmalen Grundstücke der Hansestädte.
Ihr Name ist auf die bis zu 6 Metern hohen Dielen zurückzuführen, in denen gehandelt und repräsentiert wurde. Entsprechend prunkvoll war auch deren Ausstattung. Gleichzeitig waren sie aber auch der Aufenthaltsraum für die ganze Familie. Für das dafür notwendige Licht sorgten grosse Fenster auf beiden Seiten des Raums. Über der Diele befanden sich die Lagerräume. Gelebt wurde im hofseitigen Flügelanbau, der sogenannten Kemlade, abgeleitet von Kemenate, einem beheizbaren Raum. Denn neben der Feuerstelle in der Diele gab es hier die einzige Heizmöglichkeit.
Die Wahl des Standortes für das ursprüngliche Handelshaus war nicht zufällig gewählt. Denn damals bildete die Lübsche Strasse nicht nur die Ost-West-Achse Wismars, sie war gleichzeitig auch Teil eines wichtigen Handelsweges der damaligen Zeit.
Im 17. bis 19. Jh. bauten es die neuen Eigentümer zu einem reinen Wohnhaus um, wobei die hohe Decke der Diele herabgezogen wurde. Dadurch gewannen die oberen Räume an Stehhöhe. Anschliessend bewohnte es ein Bürgermeister und 1924 kaufte es eine Kaufmannskompanie. Diese nutzte das Haus als Geschäftsräume mit einer Gaststätte und kleinem Museum bis es 1950 der Kulturbund der DDR übernahm. Danach verfiel es zusehends.
Eines der Highlights des Welt-Erbe-Hauses ist sicherlich die 64 m² grosse Wandverkleidung im Tapeten-Zimmer. Diese wurde 1823 in Paris aus kunstvollen Papierdrucken und einem Untergrund aus Sackleinen erschaffen. Die Tapeten zeigen Szenen aus der Reise des Telemach auf die Insel der Göttin Calypso. Fast wäre diese Besonderheit jedoch verloren gewesen als Diebe sie 1995 von den Wänden rissen und damit verschwanden. Zum Glück konnten sie kurz darauf wieder gefunden werden. Bevor sie jedoch zurück an die Wand gebracht wurde, wurde sie aufwändig restauriert.
In den Jahren 2013/2014 wurde auch das Haus selbst in rund 18 Monaten umfassend saniert und anschliessend in ein Museum umgewandelt. Bei der Sanierung arbeiteten die verschiedenen Sachverständigen Hand in Hand. Denn es sollte so viel wie möglich von der historischen Substanz erhalten bleiben.
St. Georgen Kirche
Die im 13 Jh. gebaute St. Georgen Kirche ist nicht nur die neueste, sondern dank der umbauten Fläche auch die grösste Kirche Wismars. Einst war sie das Gotteshaus der Handwerker und Gewerbetreibenden. Über ihren Vorgängerbau ist nicht viel überliefert. Man weiss nicht einmal sicher, ob dieser bereits an dieser Stelle stand.
Auch St. Georgen wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und unter der DDR-Regierung weiter dem Verfall überlassen. Erst als in einer Sturmnacht 1990 der Giebel einbrach und zwei
Nachbarshäuser beschädigte, begann ihr kontinuierlicher Wiederaufbau. Seit 2010 ist sie auch wieder Gotteshaus und Kulturkirche.
2014 bekam sie in 35 Metern Höhe eine Aussichtsplattform, die über einen Glaslift erschlossen ist. Von dort oben soll man einen herrlichen Weitblick über die Stadt haben. Da wir nicht selber oben waren, gibt es auch keine Bilder dazu.
Auf dem Weg zur Kirche kommen wir auch am ehemaligen Fürstenhof, dem heutigen Amtssitz Wismars, vorbei. Ab 1329 war er die Residenz der Landesfürsten. Dabei wurde er im Laufe der Zeit mehrmals erweitert und zum Teil neu errichtet. Auch die Schweden, welche hier einige Zeit herrschten, erweiterten den Bau, den sie als Sitz ihres obersten Gerichts in ihren deutschen Besitzungen nutzten.
Am Markt
Alle Strassen führen nach Rom bzw. zum Mittelpunkt Wismars. Da der Marktplatz Wismars nicht organisch gewachsen ist, sondern auf dem Reissbrett geplant wurde, gelangt man aus zig Richtungen auf den fast quadratischen Platz. Aber nicht nur dies macht ihn zu etwas Besonderem: mit seinen fast 10.000 m² ist er auch der grösste Marktplatz Norddeutschlands. Dazu all die wunderschönen Gebäude, die ihn umrahmen, unter anderem das Rathaus an der Nordseite und der Alte Schwede.
Unübersehbar ist auch die pavillonähnliche, freistehende Wismarer Wasserkunst, ein weiteres Wahrzeichens
Wismars. Bis 1897 wurde diese zur Trinkwasserversorgung der Stadt genutzt. Davon zeigen heute nur noch die teils deutschen, teils lateinischen Inschriften. Bei unserem ersten Besuch am Sonntag
können wir die Wasserkunst zum Glück in ihrer vollen Pracht bewundern und auch mit Lenny und Shadow noch ein kleines Shooting veranstalten. Am nächsten Tag wird die
Sicht durch unzählige Stände versperrt und der Blick auf diese ist nicht so, dass sie uns dafür entschädigen könnte.
So lassen wir diese am Montag schnell links liegen und besuchen wie geplant das Restaurant im "Alten Schweden", dem ältesten Bürgerhaus Wismars. Auch hier ist wieder einmal die Höhe des Raumes beeindruckend. Und obwohl nicht viel Licht durch grossen Fenster hinein fällt, sehen wir doch genug, um die Dekorationen zu bewundern. Aber nicht nur das hat uns begeistert, sondern auch die Freundlichkeit der Kellnerin. Kaum sieht sie unsere Hunde, schaut sie sich nach einem idealen Platz für uns um und zieht extra noch den schweren Tisch von der Wand, damit sie auch bequem liegen können. Und zum Schluss verpackt sie auch die übrig gebliebenen Kartoffeln liebevoll als Doggy bag <3
Kirche St. Marien
Bereits 1250 wurde die ehemalige Rats- und Hauptpfarrkirche urkundlich erwähnt. Mit dem Bau der späteren dreischiffigen Basilika begann man jedoch erst 1339. Dabei wurde auch der bestehende Turm der alten Kirche mit einbezogen.
Auch diese Kirche wurde leider ein Opfer der Bombeneinschläge 1945 und danach ihrem Schicksal überlassen. Es gab auch keinerlei Sicherungen. 1960 wurden die Ruinen dann aus politischen Gründen komplett gesprengt. Nur der 81 Meter hohe Kirchturm, welcher als Seezeichen diente, blieb erhalten.
Einige Teile der Ausstattung konnten jedoch zum Glück gerettet werden und sind heute in der St. Nikolai Kirche zu sehen.
Der Lindengarten
Der Lindengarten, eine unter nationalem Denkmalschutz stehende Parkanlage, geht zurück auf den 1815 entstandenen Lindengarten in der ehemaligen schwedischen Zitadelle.
Am Rande des Lindenparkes steht der letzte Wasserturm Wismars. In ihm wurde ab 1682 das Trinkwasser gesammelt und über Pumpen in die Stadt verteilt. Von 1882 bis 1897 war er auch in das Netz der städtischen Wasserversorgung eingebunden. Gebaut wurde er im 15 Jh. Damals jedoch noch als Teil der Stadtbefestigung wo er der Verteidigung und als Pulverturm diente.
Direkt gegenüber steht eine der Persiluhren, welche von der Firma Henkel 1920 an ausgewählte Orte verschenkt wurden. Heute (2023) sind noch von rund 30 dieser Uhren deren Standorte bekannt. Unmittelbar hinter der Uhr in Richtung Stadt, befindet sich das ehemalige königlich-schwedische Provianthaus, welches an die die Epoche erinnert, in der Wismar laut einem hundertjährigen Pfandvertrag Schweden bis 1903 zugesprochen war. Heute befindet sich hier nebst der Apotheke das Wismarer Arbeitsamt. Dazwischen war es Kaserne aber auch Spital.