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Zystische Tumore
des Pankreas
Zysten sind Hohlräume, die sich im Gewebe bilden und von einer Art Kapsel umgeben sind. Sie können aus einer oder mehreren Kammern bestehen und mit Gewebeflüssigkeit, Blut oder Eiter gefüllt sein.
Zystische Veränderungen an der Bauchspeicheldrüse nehmen in der letzten Zeit an Bedeutung zu und können unterschiedliche Ursachen haben. Sie werden oft als Zufallsbefund aufgrund unserer heute besseren Bildgebung (CT, MRT, Endosonographie) bei Abklärung anderer Erkrankungen entdeckt. Insgesamt treten sie mit zunehmendem Alter immer häufiger auf.
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Zystische Veränderungen
Echte zystische Neubildungen (Tumore) müssen von sogenannten Pseudozysten abgegrenzt werden, die nach akuter oder chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündungen entstehen können. Zystische Tumore des Pankreas sind meist gutartig, haben aber – je nachdem welche zystische Veränderung vorliegt – ein Risiko, sich langfristig zu einem bösartigen (malignen) Tumor zu entwickeln, ähnlich wie es bei den Polypen im Dickdarm der Fall ist (sogenannte Polyp-Adenom-Karzinom-Sequenz). Im Gegensatz zu Zysten in anderen Organen wie Leber und Nieren, sollte bei zystischen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse eine spezialisierte Untersuchung erfolgen, um das Risiko der Entartung zu einem bösartigen Tumor einschätzen zu können. Die grosse Mehrheit dieser zystischen Veränderungen kann in regelmässigen Abständen kontrolliert werden, beim anderen Teil ist jedoch eine Operation notwendig.
Was sind die Krankheitszeichen?
In den meisten Fällen (80% oder mehr) verursachen die zystischen Veränderungen keine Beschwerden. Wenn die Zysten jedoch eine bestimmte Grösse erreichen und/oder auf benachbarte Strukturen wie zum Beispiel den Gallengang drücken, können sie Symptome wie ein Druckgefühl im Oberbauch, Völlegefühl, Schmerzen oder auch eine Gelbsucht (Ikterus) verursachen. Eine neu aufgetretene Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und ein ungewollter Gewichtsverlust sollten immer weiter abgeklärt werden. In diesem Zusammenhang kann es sich um ein Zeichen der Bösartigkeit handeln.
Wie erfolgt die Abklärung?
Zur Diagnostik werden im Allgemeinen die Computertomographie (CT) des Abdomens und die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRI) mit zusätzlicher Darstellung der Bauchspeicheldrüse und Gallenwege (MRCP: Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie) verwendet. Auch die Endosonographie (Ultraschall „von Innen“ im Rahmen einer Magenspiegelung) hat bei den zystischen Tumoren ihren festen Platz und kann wegweisende Befunde ergeben. Hinsichtlich der sogenannten malignen Entartung (Entstehung und Vorliegen von Krebs) werden Tumormarker im Blut (CA 19-9, CEA) oder im Sekret durch Punktion der Zysten während der Endosonographie bestimmt. Eine Punktion der Zyste ist technisch anspruchsvoll und nicht in allen Fällen zielführend. Dieses Vorgehen ist auch mit bestimmten Risiken behaftet wie beispielsweise das Auslösen einer akuten Pankreatitis. Der Entscheid einer Punktion muss daher nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung getroffen werden. Das Hauptziel der Punktion ist die Analyse der Flüssigkeit auf veränderte Zellen.
Die Behandlung zystischer Tumore
Mit Hilfe der Krankengeschichte, des Geschlechts, des Alters und den bildgebenden Verfahren (CT, MRT, Endosonographie) können Pankreasspezialist:innen bei betroffenen Patienten eine Zuordnung zu den verschiedenen Typen der zystischen Pankreastumore vornehmen. Die empfohlene Therapie richtet sich danach. Nach aktueller Studienlage können Veränderungen, die kleiner als rund 2 Zentimeter sind und keine Risikofaktoren aufweisen, in regelmässigen Abständen kontrolliert werden. Bei den übrigen Veränderungen ist eine Operation notwendig, um der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zuvorzukommen, oder diesen in einem möglichst frühen Stadium zu entfernen. Damit ist die Prognose dieser Veränderungen insgesamt sehr gut.
Die vier häufigsten zystischen Tumore des Pankreas
Seröses Zystadenom / Serös-zystische Neoplasie (SCN)
Serös-zystische Tumore der Bauchspeicheldrüse bilden ein sogenanntes seröses (dünnflüssiges) Sekret. Sie treten häufiger bei Frauen und bei Patient:innen jenseits der 60 Jahre auf. In sehr seltenen Fällen (weniger als 3 Prozent) liegt bereits ein bösartiger Tumor (seröses Zystadenokarzinom) vor. Es ist der zystische Tumor mit dem niedrigsten Entartungsrisiko und kann grundsätzlich mit einer Bildgebung in regelmässigen Abständen kontrolliert werden. Vor allem bei Auftreten von Beschwerden, bei einer Grössenzunahme oder einer Grösse von über 3 bis 4 Zentimeter sollten sie chirurgisch entfernt werden.
Muzinöses Zystadenom / Muzinös-zystische Neoplasie (MCN)
Muzinös-zystische Tumore bilden im Gegensatz zu den serösen Veränderungen ein sogenanntes muzinöses (zähflüssiges und schleimiges) Sekret. Frauen sind deutlich häufiger betroffen und der Altersdurchschnitt ist mit 40 bis 50 Jahren jünger als bei anderen zystischen Tumoren. Rund 90 Prozent der Tumore kommen im Körper- oder Schwanzbereich der Bauchspeicheldrüse vor. Die muzinösen Zystadenome (gutartige Tumore) zeigen einen Übergang zu Borderline-Tumoren (Veränderung in Richtung Krebs) oder zu muzinösen Zystadenokarzinomen (bösartige Tumore) und sollten daher immer entfernt werden. Es wird eine sogenannte onkologische Resektion – mit ausreichend Sicherheitsabstand und unter Mitnahme von dazugehörigen Lymphknoten – durchgeführt, um Rezidive (Wiederauftreten) von Tumoren zu vermeiden. Da der Tumor häufig im Schwanzbereich des Pankreas vorkommt, ist hier die Pankreaslinksresektion die häufigste Operation mit oder ohne gleichzeitige Entfernung der Milz.
Intraduktal papillär-muzinöse Neoplasie (IPMN)
Die intraduktal papillär-muzinöse Neoplasien gehen vom Pankreasgangepithel aus, das heisst von der Schleimhaut im Gangsystem der Bauchspeicheldrüse, und haben im Gegensatz zu den anderen zystischen Veränderungen ein Anschluss an das Gangsystem der Bauchspeicheldrüse. Am häufigsten treten diese Tumore im Alter zwischen 60 und 70 Jahren auf und rund 80 Prozent der IPMNs kommen im Kopfbereich der Bauchspeicheldrüse vor. Allerdings zeigt dieser Tumor sehr oft ein multifokales Wachstum (an mehreren Stellen vorkommend), mit bis zu zehn oder sogar mehr Lokalisationen.
Bei diesen Veränderungen gibt es noch eine weitere Unterteilung hinsichtlich des Ursprungs in Main-Duct-IPMN (vom Hauptgang ausgehend), Branch-Duct-IPMN (von den Seitengängen ausgehend) oder Mischtypen, bei denen sowohl Haupt- als auch Seitengänge betroffen sind.
Wie bei den muzinösen Tumoren (MCN) gibt es auch bei den IPMNs eine Entwicklung vom Adenom über den Borderline-Tumor bis zum Karzinom. Tumore, die vom Hauptgang ausgehen (MD-IPMN), besitzen ein hohes Risiko bösartig zu entarten und sollten operativ entfernt werden. Es sollte wie bei den MCN eine onkologische Resektion erfolgen mit ausreichend Sicherheitsabstand und unter Mitnahme von dazugehörigen Lymphknoten.
Die IPMN, die von den Seitengängen ausgehen (BD-IPMN), zeigen ein niedrigeres Entartungsrisiko. Kleinere Zysten, welche keine Beschwerden verursachen und in der Bildgebung keine Risikofaktoren aufweisen, können in regelmässigen Abständen kontrolliert werden. Beim Auftreten von Beschwerden, einer Grössenzunahme oder Auffälligkeiten (sogenannte Sorgen bereitende Charakteristika) in der Bildgebung sollte eine chirurgische Therapie erfolgen.
Solid-pseudopapilläre Neoplasie (SPN)
Diese zystischen Veränderungen sind sehr selten und treten vor allem bei jungen Frauen auf. Sie sind regelmässig bösartig oder weisen gar Metastasen auf. Es wird eine chirurgisch onkologische Resektion angestrebt.