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Als ich ins Bündnerland fuhr, gings über den Julier- und den Malojapass ins Bergell nach Vicosoprano, das zur politischen Gemeinde Bregaglia gehört. Unweit davon befindet sich der Weiler Pranzaira, von welchem ich mit einer Seilbahn, die im Jahr 1959 fertiggestellt wurde, den Stausee Albigna auf 2162 m.ü.M. erreichte. Die Seilbahn wurde 2015/2016 erneuert sowie dann auch die Tal- und Bergstation neu gebaut. Die ursprüngliche Seilbahn wurde 1955 gebaut und 1957 in Betrieb genommen.
Nach der Fahrt mit dieser Seilbahn und wenigen Minuten Fussmarsch erhielt ich beim Stausee nicht nur einen wunderbaren Rundblick übers Bergell, sondern auch einen Einblick auf die erste hochalpine Solar-Grossanlage von ewz. Um den Stausee liegen etwa der Piz dal Päl, der Punta da l'Albinga, der Piz Cacciabella und der Albignagletscher.
Die Sonne brennt. Nur noch wenige der über 1200 Photovoltaikpanels, die durch rund sechs Kilometer Kabel verbunden werden, fehlen noch an der Albigna Staumauer. Dann sind die Hauptarbeiten an der ersten hochalpinen Solar-Grossanlage im Bergell abgeschlossen. Das Spezielle an der Anlage ist denn auch, dass die PV-Module auf der nach Süden gerichteten Wasserseite angebracht sind, was für die Planung, Konstruktion und Bau eine echte Herausforderung dar-stellte.
Montagesystem
Die Lösung war ein leicht zu unterhaltendes Montagesystem, bestehend aus Konsolen und Aluprofilen, in die sich die PV-Module einfach einschieben und bei Bedarf auswechseln lassen. Für die Montagearbeiten wurde ein Brückenuntersichtgerät mit der Albigna-Seilbahn auf die Staumauer transportiert. Dafür musste eine der beiden Personengondeln abgenommen und das Gerät an die Seilbahn angehängt werden, die Bauarbeiten wurden grösstenteils durch die Bergeller ewz-Mitarbeitenden ausgeführt. In den letzten Wochen wurden die Unterkonstruktion gebaut und die Solarmodule auf rund 670 Metern unterhalb der nach Süden gerichteten seeseitigen Mauerkrone montiert. Für einzelne Arbeitsschritte wurde ein Brückenuntersichtgerät eingesetzt, damit die Mitarbeitenden die Profile für die Unterkonstruktion an der Staumauer befestigen konnten. ❭ Willi Roganti, Leiter Betrieb und Instandhaltung Bergeller Kraftwerke bei ewz, der die Bauarbeiten führt, meinte dazu: «Auch für uns war es eine nicht alltägliche Arbeit. Aber wir waren entsprechend vorbereitet und sicherheitstechnisch geschult worden.»
Solarpioniere
Seit 2014 bietet ewz seinen Kundinnen und Kunden in der Stadt Zürich bereits das Bürgerbeteiligungsmodell ewz.solarzüri an. Für den Solarstrom von der Albigna-Staumauer war ab Mitte August das Produkt ewz.solargrischun nicht nur für Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher, sondern auch für die ewz-Kundinnen und ewz-Kunden in Graubünden erhältlich – sie werden damit zu Solarpionieren. Aufgrund der höheren Leistung der Solaranlage (intensivere Sonneneinstrahlung in diesen Höhenlagen sowie die reflektierende Schneedecke und tieferen Temperaturen) werden pro Quadratmeter 180 kWh Solarstrom pro Jahr während 20 Jahre der Stromrechnung gutgeschrieben. Die Kosten pro Quadratmeter belaufen sich einmalig auf 560 Franken. Insgesamt stehen 2176 Quadratmeter an der Solar-Grossanlage zum Erwerb. ewz-Kundinnen und ewz-Kunden können ½, 1, 3 oder 5 Quadratmeter bestellen und damit einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Energiewende leisten.
20 Solaranlagen
Beim Bürgerbeteiligungsmodell ewz.solarzüri werden die Solaranlagen erst realisiert, wenn sie verkauft sind. In der Stadt Zürich sind bereits 19 Solaranlagen in Betrieb. Im Herbst 2020 kommt eine neue dazu und für 2021 sind weitere in Planung. Die Solar-Grossanlage auf der Albigna-Staumauer ist ein Pionierprojekt von ewz und hat Leuchtturmcharakter für die Schweiz. Deshalb hat ewz entschieden, die Anlage schon vor dem Verkauf zu bauen. ewz geht aber davon aus, dass das Beteiligungsmodell ewz.solargrischun auf grosses Interesse stösst und damit die Flächen sehr rasch ausverkauft sein werden.
Versorgungssicherheit im Winter
Mit den über 1200 PV-Modulen können pro Jahr rund 500 Megawattstunden Naturstrom produziert werden. Dies entspricht dem jährlichen Strombedarf von ca. 210 Stadtzürcher Haushalten. Im Vergleich zu Anlagen im Mittelland ermöglichen hochalpine PV-Anlagen ausserdem bessere Ertragswerte. Grund dafür sind die intensivere Sonneneinstrahlung in diesen Höhenlagen sowie die reflektierende Schneedecke. Des Weiteren steigt die Effizienz von PV-Anlagen mit sinkenden Aussen- und somit Modultemperaturen. Rund die Hälfte der Stromproduktion der PV-Anlage wird im Winter anfallen. Die Anlage trägt somit zum Erhalt der Stromversorgung im Winter bei.
Beim Bau und Betrieb der Anlage konnten auch noch verschiedene Synergien genutzt werden. So ist der Netzanschluss bei der Staumauer Albigna bereits vorhanden und die Installationsarbeiten konnten grösstenteils durch ewz-Mitarbeitende aus dem Bergell ausgeführt werden, die schon das Pilotprojekt initiiert haben. Ausserdem vereinfacht die ganzjährige Verfügbarkeit von eigenem Personal allfällige Wartungsarbeiten.