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Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Sepp Blatter eröffnet. Man habe «ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie – eventualiter – wegen Veruntreuung eröffnet», hiess es in der Mitteilung.
Blatter sei am Freitag nach der Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich vernommen worden. Zudem wurde in der FIFA-Zentrale Blatters Büro durchsucht und Datenmaterial sichergestellt, teilte die Behörde mit. UEFA-Präsident Michel Platini wurde «gleichzeitig als Auskunftsperson von Vertretern der Bundesanwaltschaft einvernommen», hiess es in der Presseerklärung. Für den Präsidenten der FIFA, Joseph Blatter, gilt wie für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit.
Die FIFA hatte die Pressekonferenz mit Blatter nach der Sitzung des Exekutivkomitees völlig überraschend abgesagt. Die Absage erfolgte am Freitagnachmittag fünf Minuten vor dem geplanten PK-Beginn ohne Angabe von Gründen. In einer Pressemitteilung nach dem Ende des zweitägigen Treffens des Exekutivkomitees verwies die FIFA lediglich auf Beschlüsse und weitere Vorschläge im Reformprozess.
Durch seinen Anwalt liess Blatter der «New York Times» ausrichten, er werde bei der Klärung der Vorwürfe kooperieren. Auch die FIFA selbst hatte der Bundesanwaltschaft bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Blatter die volle Unterstützung zugesichert.
Das Verfahren beruht auf den Enthüllungen des Nachrichtenmagazins «10vor10» des Schweizer Fernsehens, das Dokumente über Blatters Geschäfte mit dem Präsidenten des karibischen Fussballverbands, Jack Warner, veröffentlichte.
In diesen Dokumenten wurde erstmals eine direkte Beteiligung Blatters an einem fragwürdigen FIFA-Geschäft ersichtlich. Die FIFA hatte TV-Rechte für die Weltmeisterschaften 2006 und 2010 massiv unter Wert an Warner verkauft. Dieser hat sie dann über seine private Firma mit mehreren Millionen Dollar Gewinn weiterverkauft. Blatter hatte die Verträge eigenhändig unterschrieben.
Der ehemalige FIFA-Manager Guido Tognoni nannte das Vorgefallene auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA «tragisch für die FIFA und für Blatter». Das Vorgehen der Bundesanwaltschaft an sich sei logisch: «Man kann nicht die Grossen laufen lassen und die Kleinen holen.»
«Für alle überraschend» ist in den Augen von Tognoni das Auftauchen der Zwei-Millionen-Zahlung von Blatter an Platini. Man müsse davon ausgehen, dass die bisher bekannten Skandale um die FIFA nicht das gesamte Repertoire darstellten. Die FIFA befindet sich in seinen Worten «auf einem Tiefpunkt».
Diesen Betrag habe er für vertraglich vereinbarte Leistungen für die FIFA erhalten, teilte Platini am Freitagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mit. Er sei froh, habe er dies den Schweizer Behörden bei seiner Befragung erläutern können. Platini legt Wert auf die Feststellung, dass er als Auskunftsperson befragt wurde. Er habe vollständig mit den Behörden kooperiert und sei bereit, dies weiterhin zu tun, liess Platini ausserdem wissen. Da er in der Schweiz wohne, stehe er ihnen jederzeit zur Verfügung.
«Die Bundesanwaltschaft der Schweiz hat gegen den Präsidenten der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie – eventualiter – wegen Veruntreuung eröffnet.
Das Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen Joseph Blatter wurde am 24. September 2015 eröffnet wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB) und – eventualiter – wegen Veruntreuung (Art. 138 StGB). Es besteht dabei einerseits der Verdacht, dass Joseph Blatter am 12. September 2005 mit der CARIBBEAN FOOTBALL UNION (deren Präsident Jack Warner war) einen für die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat.
Andererseits besteht der Verdacht, dass Joseph Blatter auch bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der FIFA resp. der FIFA Marketing & TV AG verstossen hat. Zudem wird Joseph Blatter eine treuwidrige Zahlung von CHF 2 Mio. im Februar 2011 an Michel Platini, Präsident der Union of European Football Associations (UEFA), zu Lasten der FIFA vorgeworfen, angeblich für die zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geleisteten Dienste.
Joseph Blatter wurde am 25. September 2015 von Vertretern der Bundesanwaltschaft der Schweiz im Anschluss an eine Sitzung des Exekutiv Komitees der FIFA als Beschuldigter einvernommen. Michel Platini wurde gleichzeitig als Auskunftsperson (Art. 178 StPO) von Vertretern der Bundesanwaltschaft einvernommen.
Die Bundesanwaltschaft führte zudem am 25. September 2015 mit Unterstützung der Bundeskriminalpolizei (BKP) eine Hausdurchsuchung bei der FIFA in Zürich durch. Dabei wurde auch das Büro des FIFA-Präsidenten durchsucht und Datenmaterial sichergestellt. Für den Präsidenten der FIFA, Joseph Blatter, gilt wie für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.»
«Seit dem 27. Mai 2015 hat die FIFA mit der Schweizer Bundesanwaltschaft kooperiert und Anfragen nach Dokumenten, Daten und anderen Informationen entsprochen. Wir werden weiterhin in diesem Masse kooperieren.
Heute haben Mitarbeiter der Bundesanwaltschaft am FIFA-Hauptsitz Gespräche geführt und Dokumente sichergestellt. Die FIFA betrachtet diese Gespräche als Teil ihrer bereits begonnenen Kooperation.»
(aeg)
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