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Schneearme und warme Winter sind in Europa, vor allem in den nördlichen Regionen, so häufig aufgetreten, dass Forscher und Politiker mittlerweile vom «neuen Normal» sprechen. Auch in der Arktis sind die vergangenen zehn Jahre immer wärmer geworden. Svalbard, der norwegisch verwaltete Archipel vermeldete jedes Jahr immer höhere Temperaturen als im Durchschnitt. Nun hat der März aber die Meteorologen und Klimaforscher überrascht: Der Monat war seit dem November 2010 der kälteste Monat im Vergleich zum Durchschnitt von 1961 – 1990.
Die von den norwegischen Behörden veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die durchschnittliche Temperatur rund ein halber Grad tiefer lag im März als normal. Die wäre eigentlich relativ nahe am normalen Zustand, erklärt Ketil Isaksen vom Meteorologischen Institut. «Was es aber so speziell macht, ist die Tatsache, dass wir seit dem November 2010 jeden Monat Temperaturen über dem normalen Durchschnitt verzeichnet hatten. Obwohl die Temperaturen natürlicherweise schwanken, haben wir bisher eine massiver Erwärmung Svalbard erlebt», sagt der Forscher weiter. Die Temperaturen im März bewegten sich zwischen -29.9°C und +2.1°C, Schnee kam regelmässig und gegenwärtig sind die Bedingungen, wie sie eigentlich im Durchschnitt sein sollten. Dieser Schnitt beinhaltet die Daten zwischen 1961 und 1990, wie üblich.
Der Winter auf Svalbard war in diesem Jahr schneereich und stabil, gemäss Isaksen. Dies im Gegensatz zu den Bedingungen in weiten Teilen von Europa, wo Schnee Mangelware war und die Wintersportorte in den Bergen unter Druck setzte. Der Permafrostboden in weiten Teilen des Archipels wird dank der diesjährigen Winterbedingungen eine kleine Pause vom Wärmestress erfahren. Ketil Isaksen meint gegenüber Svalbardposten: «Es dauert immer eine Weile, bis Wärme aus dem Boden verschwunden ist. Doch wir werden wahrscheinlich einen Temperaturrückgang im Boden während des Frühlings und Anfang Sommer feststellen. Das ist sehr positiv, da wir in den vergangenen Jahren einen steilen Temperaturanstieg im Permafrostboden verzeichnet hatten. Damit wird wohl die Kurve für eine kleine Weile etwas gedämpft. Denn die Tatsache, dass der kalte Winter von jetzt den Permafrost einige Monate im Voraus beeinflussen wird, bedeutet, dass er den potentiell heissen Sommer überstehen kann.»
Ist jetzt alles wieder im Lot und Svalbard wird wieder kälter? Wohl kaum. Denn die bisherigen Daten zeigen, dass Svalbard sich massiv erwärmt hat. Und ab 2021 werden die Durchschnittstemperaturen nicht mehr mit den Daten von 1961 – 1990 berechnet, sondern mit denjenigen von 1991 – 2020. Das bedeutet, dass die bis jetzt verzeichneten höheren Temperaturen tatsächlich das neue «Normal» darstellen werden. «Es wird unwahrscheinlich sein, dass wir so lange Perioden mit Über-Normal-Temperaturen haben werden. Denn die 1960er und 1970er Jahre waren relativ kalt und die Temperaturen sind seither stark angestiegen. Ab nächstem Jahr werden die Schwankungen wahrscheinlich in einem normalen Bereich liegen», meint Isaksen weiter. Eines ist sicher: Der Permafrostboden profitiert auch von den gegenwärtigen Eisbedingungen rund um den Archipel. Diese sind, anders als in den weitesten Teilen der Arktis, annähernd dem alten Durchschnitt entsprechend. Das bedeutet einen wesentlich kälteren Frühling, wenn keine signifikante Wetteränderung mit wärmeren Luftmassen aus dem Süden eintreten wird. Doch der Klimawandel hat die Zahl an unvorhersehbaren Wetterereignissen auch in Svalbard deutlich ansteigen lassen. Von einer Erholung und einer Rückkehr zum «alten» Normal braucht man nicht mehr auszugehen.
Quelle: Svalbardposten / Norwegisches Meteorologisches Institut