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Als Primarschülerin wurde Ekin Yilmaz eingebürgert, später sass sie selber in der Einbürgerungskommission der Stadt Arbon. Nun macht sie sich gegen eine Verschärfung des Bürgerrechtsgesetzes stark.
Ekin Yilmaz erinnert sich noch genau an den Tag, als sich ihre Familie vor der Einbürgerungskommission der Stadt Arbon einzufinden hatte. «Uns gegenüber sass eine Reihe älterer Herren.» Die Behörden zeigten sich an einer raschen Einbürgerung der Familie interessiert, weil der Bruder schon in einer Schweizer Juniorenauswahl Fussball spielte. Ekin, damals in der fünften Primarklasse, wurde nach ihrem Hobby gefragt: Auch sie spielte leidenschaftlich gerne Fussball. Schliesslich war der Vater an der Reihe: Wen er denn unterstütze, falls die Schweiz gegen die Türkei spiele. «Selbstverständlich die Türkei», antwortete er. Die Familie wurde trotzdem eingebürgert.
Als Treffpunkt hat Yilmaz die Statue der griechischen Siegesgöttin Nike im Lichthof der Uni Zürich vorgeschlagen. Nike rückwärts gelesen ergibt Ekin. «Als Seconda hatte ich Glück», sagt die 24-Jährige. Glück, dass sie sich mit ihrer Familie einbürgern lassen konnte. «Die Hürden wurden seither immer höher.» Glück hatte sie auch, weil ihr Lehrer empfahl, sie an die Kantonsschule zu schicken. «Meine Eltern waren aus der Türkei als Fabrikarbeiter in die Schweiz gekommen und konnten sich unter einem Studium wenig vorstellen.» Heute studiert sie Französisch und Spanisch, später möchte sie Kantilehrerin werden. «Was ist schöner, als das Wissen zu teilen?»
Der Seitenwechsel
Neben dem Studium ist Yilmaz politisch aktiv, unter anderem im Stadtparlament von Arbon. Weil sie ihre Maturarbeit über die Integration von TürkInnen in Arbon geschrieben hatte, wurde sie von der örtlichen SP-Sektion für eine Kandidatur angefragt. «Ich dachte, mit meinem Namen und auf dem zweitletzten Listenplatz hätte ich keine Chance. Doch dann geschah ein kleines Wunder.» 2007 wurde sie gewählt. «Unsere Wähler, vor allem die Frauen und die Secondos, haben sich durch mich vertreten gefühlt.» So kam es, dass sie selbst dort Platz nahm, wo ihr einst die älteren Herren gegenübersassen: in der Arboner Einbürgerungskommission.
«Weil ich mich in die Person versetzen konnte, die eingebürgert werden wollte, fand ich die Fragen oft nur peinlich.» Beispielsweise die nach drei typischen Schweizer Produkten. «Zum Glück mussten Ablehnungen von Einbürgerungsgesuchen in Arbon schon damals begründet werden. So kam es selten zu Ablehnungen.» Als sie für ein Austauschsemester nach Spanien ging, gab Yilmaz die Arbeit in der Kommission auf. Dafür hat sie nach der Rückkehr ein neues Amt übernommen: Zusammen mit dem Berner Halua Pinto de Magalhães präsidiert sie die Vereinigung Second@s Plus, die sich für die Rechte der AusländerInnen der zweiten und dritten Generation einsetzt.
Yilmaz spricht lebhaft und verständlich. Sie hat aus ihrer Erfahrung klare Schlüsse gezogen. «Warum muss eine Ausländerin Steuern zahlen, aber darf den Schulpräsidenten nicht wählen?», fragt sie. «Die Einbürgerung sollte nicht die Belohnung für die Integration sein, sondern die Voraussetzung.» Am meisten regt sie sich über die «Pseudoliberalen» auf: «In der Wirtschaft ist jede Vorschrift zu viel. Gegen die Ausländer aber erlassen sie eine um die andere.»
Erniedrigende Schreibtests
So auch bei der laufenden Revision des Bürgerrechtsgesetzes, über die der Nationalrat am kommenden Mittwoch debattiert. Sie wurde 2004 in Angriff genommen, als die Stimmbevölkerung die erleichterte Einbürgerung für die zweite Generation knapp ablehnte. In der staatspolitischen Kommission brachten die Bürgerlichen zahlreiche Verschärfungen ein: Die Jahre, die Jugendliche zwischen zehn und zwanzig Jahren in der Schweiz gelebt haben, sollen bei der Einbürgerung nicht mehr doppelt zählen. Ausserdem müssen sich sogenannte Einbürgerungswillige in Wort und Schrift in einer Landessprache gut verständigen können.
«Man muss sich diese Regelung aus Sicht der Secondos vorstellen. Für viele von ihnen ist Deutsch die Muttersprache», sagt Yilmaz. Wenn sie sich jetzt noch in einem Schreibtest beweisen müssten, sei das für sie erniedrigend. Die Tests würden zudem ausländische Frauen bei der Einbürgerung benachteiligen: «Manche sind wie meine Mutter in der Türkei nur wenige Jahre zur Schule gegangen, finden sich aber im Alltag bestens zurecht.»
Trotz der neuerlichen Verschärfungen ist Yilmaz zuversichtlich: «Es ist eine Illusion, dass sich die Realität mit Gesetzen aufhalten lässt. Die Bürgerlichen können noch so täubelen: Wir Ausländerkinder werden Lehrer, Ärzte, Juristen.» Mit Second@s Plus will sie sich für das Stimm- und Wahlrecht von AusländerInnen einsetzen. Und dafür, dass alle hier Geborenen erleichtert eingebürgert werden können. So etwas brauche Zeit, wie das Frauenstimmrecht gezeigt habe. «Etwas schneller gehen würde es allenfalls, wenn die Fussballnati mit all ihren Secondos einmal streiken würde.»