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Vesper mit i Cantanti
«Christus unser König»
Zur Aufführung gelangen mehrchörige Werke von Heinrich Schütz, der im November 1672, also genau vor 350 Jahren, starb. Er ist einer der wichtigsten und genialsten Vertreter des Frühbarocks und hat eine grosse Zahl geistlicher Werke hinterlassen. Nicht zuletzt durch seine Studienzeit in Venedig bei Giovanni Gabrieli und Claudio Monteverdi wurde er zum Wegbereiter des konzertierenden Stils in Deutschland.
Seit Beginn des 15. Jahrhunderts ist die Praxis überliefert, die ungeradzahligen Verse von Psalmen in ihrer gregorianischen Gestalt und die geradzahligen Verse im mehrstimmigen Satz vorzutragen. Ab etwa dem Jahr 1430 vollzieht sich fliessend der Übergang von der Mehrstimmigkeit in einem Chor hin zum Einsatz von zwei und mehreren Chören gleichzeitig.
Gioseffo Zarlino hält 1558 in seinen «Le istitutioni harmoniche» fest, dass «in grossen Kirchen die Vierstimmigkeit oft nicht mehr ausreicht, einen grossen Klang zu erzielen». Er lobte daher die Klangpracht und Abwechslung des mehrchörigen Musizierens. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erhält das Bewusstwerden der erweiterten Dimension des Raumes und damit auch sinnbildlich die mehrchörige Kompositionsweise ihren philosophischen Hintergrund als Verbindung der sichtbaren Welt mit der geistigen Welt.
Das erste Chorwerk in dieser Vesper ist der hymnische Psalm 95 «Kommt herzu lasst uns fröhlich sein». Beim dreichörigen Psalm 100 «Jauchzet dem Herrn, alle Welt» ergänzen Bläserklänge harmonisch die jubelnden Vokalstimmen. Mit der gleichen Festlichkeit schliesst sich der Psalm 111 «Ich danke dem Herrn von ganzen Herzen» an.
Als Canticum folgt ein konzertantes Duett mit zwei Bässen und Continuo mit dem Text «Ich beuge meine Knie». Nach der Schriftlesung durch Bethlehemmissionar Martin Jäggi erklingt ein frohlockendes «Deutsches Magnificat» für zwei Chöre und Bläser. Die anschliessende Motette «Gib unsern Fürsten» für fünf Solisten ist wie ein Fürbittengebet, das auch in unserer Zeit Gültigkeit hat. Nach dem «Vater unser» und dem Segen durch Martin Jäggi klingt der fröhliche Abend mit einem frohlockenden «Lobe den Herrn, meine Seele» für acht Stimmen und Bläser aus.