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«Bin ich verrückt?» fragt Aleardo Buzzi den amerikanischen Jazzkritiker Ira Gitler. «Bin ich verrückt, solche Platten zu machen?» Es ist heiss, und Ira Gitler, soeben von einem «Marathon» durch die wichtigsten Jazzfestivals in den touristischen Zentren des Mittelmeers zurückgekehrt, würde sich lieber etwas ausruhen. Doch Aleardo Buzzi, ungeduldig wie ein Junge, will uns das Masterband seines neusten Albums vorspielen. Etwas unbeholfen bedient er die Tasten der Stereoanlage, bis endlich das altmodische Wohnzimmer der Buzzi mit jenen warmen und suggestiven Akkorden erfüllt wird, deren Geheimnis Bubba Brooks als einer der letzten noch hütet.
«Heute gelingt es keinem mehr, dem Saxophon einen solchen Klang zu entlocken. Als ich Bubba hörte, beschloss ich, eine Aufnahme zu machen», sagt Buzzi zufrieden wie ein Sammler, der etwas besonders seltenes entdeckt hat. Dass Bubba Brooks 72 Jahre alt ist und noch nie eine Platte aufgenommem hat, schreckt Buzzi nicht ab. Auch Ira Gitler, zurzeit mit der Überarbeitung der «Encyclopedia of Jazz» beschäftigt, hat noch nie etwas von diesem Musiker gehört, der an die Tradition von Amen Cobb, Ben Webster oder Eddie «Lockjaw» Davis anknüpft. «Als ich ihn auszahlte, zog er die Schuhe aus und steckte sich das Bündel Dollars in die Socken, bevor er nach Harlem zurückkehrte», erinnert sich Aleardo Buzzi.
«I Love Jump Jazz» ist das dritte Album, das er für Claves produziert hat. Es war seine Idee, dem für Klassikausgaben bekannten Thuner Plattenverlag eine Reihe mit Jazzaufnahmen vorzuschlagen. «Jazzplatten aufzunehmen war immer mein Traum.» Seit seiner Pensionierung hat der Ex-CEO der Philip Morris International endlich Zeit dazu. So verlässt der distinguierte Herr alle paar Monate seine Wohnung im Zentrum Monte Carlos, um nach New York zu reisen und in einem Aufnahmestudio zu verschwinden.