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Die Anfänge der UHF-Gruppe der USKA
«Das erste Relais lief ohne Konzession»
Von Peter W. Frey, HB9MQM
Vor 47 Jahren (im Jahre 1970) wurde in Zug die UHF-Gruppe der USKA gegründet als Trägerschaft für die neu aufkommenden FM-Relaisstationen auf 70 cm. Relaisbetrieb zwischen 430 und 440 MHz gab es aber schon zuvor – sogar ohne Bewilligung der damaligen Generaldirektion PTT.
Es war eine kleine, engagierte Gruppe vor allem aus dem Grossraum Zürich, die nach 1960 Pionierarbeit leistete zur Erschliessung des 70 cm-Bandes für den Amateurfunk über FM-Relais und die 1970 auch die meisten Gründungsmitglieder der UHF-Gruppe der USKA stellte. Dazu gehörten neben andern Hansruedi Lauber, HB9RG, Kurt Röthlisberger, HB9UZ, Hugo Suter, HB9WQ und Toni Scheuber, HB9WP. Ihre Erinnerungen und Berichte aus dem «Old Man» bilden die Grundlage für diese frühe Geschichte der UHF-Gruppe der USKA.
Auf dem 70 cm-Band waren in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch sehr wenige Schweizer Amateure tätig. «Es gab kaum Aktivität und in den Nachbarländern noch weniger», erklärt HB9UZ: «Es gab wohl Conteste, aber da hat man vielleicht drei, vier Stationen pro Wettbewerb gearbeitet, das war alles».
«Riesige, schwere Kisten»
Die Erschliessung des Bandes für den Relaisbetrieb begann mit Crossband-Betrieb aus dem 10-Meter-Band. «Wir haben auf 29,6 MHz gesendet und auf 70 cm gehört», schildert HB9WQ und HB9WP ergänzt: «Das kam von Amerika her mit den Citizen-Band-Geräten». Bei einer Präsentation der Sektion Zürichsee (HB9D) am Zürcher Bürkliplatz sei das erste 10 m/70 cm-Relais betrieben worden.
FM-Amateurfunkgeräte für das 70 cm-Band gab es damals noch nicht, wohl aber Sendeempfänger für kommerzielle Anwendungen. Entscheidend für die positive Entwicklung auf UHF war, dass mit Röhren bestückte Taxifunkgeräte des Typs Radiovox RV-92 von Autophon auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich wurden. Kurt Röthlisberger, HB9UZ, arbeitete bei Autophon und befand sich damit an der Quelle: «Es gab einen Wechsel auf voll transistorisierte Geräte und die Röhrengeräte boten sich an zur Abänderung auf Amateurfrequenzen». HB9RG kann sich noch gut an die günstigen Occasionsgeräte mit zwei 2C39-Röhren im Verdreifacher und in der Endstufe erinnern: «Das waren wirklich riesige, schwere Kisten!». Die ersten zwei Autophon-Geräte wurden im Herbst 1966 für das 70 cm-Amateurband bequarzt; eine erste Verbindung klappte zwischen HB9RG auf dem Hirzel und Edwin Bollier, HB9AFU in Zürich
Wie es zum Split von 7.6 MHz kam
Die Taxifunkgeräte waren ausgelegt auf einen Split zwischen Sende- und Empfangsfrequenz von 10 MHz – gerade etwas zuviel für den Betrieb im 70-cm-Amateurband zwischen 430 und 440 MHz. Der noch heute gültige Abstand von 7.6 MHz geht zurück auf diese Pionierzeit des FM-Relaisfunks: «Beim Umbau der Geräte war dies das beste Resultat, das man mit den damals verfügbaren Bestandteilen erreichen konnte», erklärt HB9RG. Wenn er sich recht erinnere, so fügt HB9UZ schmunzelnd bei, gebe es aber noch einen anderen Grund für den 7.6 MHz-Abstand. Ein Quarz sei bei der Waffenfabrik Bern falsch bestellt worden. «Wir wollten aber nicht nochmals viel Geld auslegen für einen neuen Quarz und blieben halt bei einem schmäleren Abstand».
Als 1970 die UHF-Gruppe gegründet wurde, war auf dem Uetliberg bereits schon ein 70 cm-Relais in Betrieb – und zwar offenkundig lange Zeit ohne Konzession. Hansruedi Lauber freut sich heute noch schelmisch, wenn er die Geschichte erzählt: «Wir hatten 1967 für die Generalversammlung der USKA auf einem Schiff auf dem Zürichsee eine Spezialbewilligung der PTT für ein 70 cm-Relais und einen 10 m/70 cm-Umsetzer auf dem Uetliberg erhalten. Einige Zeit später - ich war damals im USKA-Vorstand – ersuchten wir an einer Sitzung mit der Generaldirektion PTT um eine Dauerkonzession». In seinen Erinnerungen «Sechzig Jahre kurze Wellen» schildert Franz Acklin , HB9NL, langjähriger Sekretär der USKA, die Antwort der PTT-Vertreter: «Wir müssen noch Abklärungen machen, ob nicht Störungen möglich sind bei andern Funkdiensten». HB9RG konterte, es könne gar keine Störungen geben. Das Relais sei nämlich schon seit zwei Jahren ohne Konzession in Betrieb! HB9RG lachend: «Die PTT hat dann eingewilligt in eine Dauerkonzession». Die PTT habe sich aber anfangs schwer getan mit der Vorstellung einer unbemannten Amateurfunk-Station, wie es ein Umsetzer nun einmal ist.
Initiant wird erster Präsident
Gegründet wurde die UHF-Gruppe der USKA an einem feuchtkalten Dienstag, 10. März 1970 im Hotel Ochsen in Zug von 20 lizenzierten Radioamateuren und einem Höramateur. Die Gründungsversammlung dauerte von 2020 Uhr bis 2315 Uhr. Initiant für die Gründung war der Aargauer Unternehmer und ehemalige USKA-Präsident Robert Grisch, HB9ER aus Beinwil am See, den die Versammlung denn auch zum ersten Präsidenten wählte. HB9ER hatte in seiner Begrüssung mitgeteilt, dass die Auslagen für den Relais-Bau und -Unterhalt bisher «praktisch alle durch HB9RG» bestritten worden seien. Es handelte sich um eine Summe von rund 10'000 Franken.
Das Protokoll der Gründungsversammlung verzeichnet ausgiebige Diskussionen über die Höhe des Jahresbeitrages (man einigte sich auf 25 Franken) und über weitere Relaisstandorte neben dem Uetliberg. Genannt wurden Säntis, Chasseral, La Dôle,Weissenstein, Pilatus und Brienzer Rothorn. Im Testbetrieb lief zu diesem Zeitpunkt bereits ein Umsetzer auf dem Titlis, ein Standort, der sich nach Angaben von HB9UZ aber von der Ausbreitung her als nicht geeignet herausstellte: «Für Richtung Zürich und das Mittelland ist der Titlis schon etwas zu stark in den Alpen drin.».
Ein Gesamtkonzept für ein 70 cm-Relaisnetz gab es nicht, bestätigt HB9UZ: «Man hat einzeln geschaut, wo ein Relais sinnvoll wäre und vor allem auch machbar». Der Standort musste entweder mit dem Auto oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn, Luftseilbahn) zugänglich sein. Für die Relais-Elektronik und den Antennen-Mast musste ein Gebäude vorhanden sein – und vor allem bedurfte es einer Bewilligung. Dazu waren private Beziehungen oder das Netzwerk der Amateure wichtig. So half Hans Dolder, HB9ABD, der bei der Pilatusbahn arbeitete, bei der Amateurfunk-Erschliessung des Pilatus, Robert Grisch, HB9ER war Aktionär der Titlisbahn und der damalige Pächter des Gasthauses Uto-Kulm war Patient von Zahnarzt Hansruedi Lauber, HB9RG.
Flöte als Ruftongenerator
Der zweite Umsetzer nach dem Uetliberg ging auf dem Pilatus in Betrieb. HB9RG und HB9UZ informierten darüber in der Old Man-Nummer vom Februar 1971. Bereits das Protokoll der Gründungsversammlung der UHF-Gruppe vom März 1970 hatte vermerkt, dass die beiden OM den Luzerner Hausberg als nächsten Standort testen würden. In den Relais-Pionierzeiten arbeiteten die Umsetzer auf den gleichen Frequenzen (Sender auf 438.92 MHz, Empfänger auf 431.05 MHz) und wurden durch unterschiedliche «Locktöne» aufgetastet. Das Relais Uto-Kulm hörte auf 1160 Hz, die mindestens eine Sekunde mit minmal 8 kHz Hub gesendet werden mussten, während der Umsetzer auf dem Pilatus auf 1595 Hz reagierte. Hugo Suter, HB9WQ: «Am Anfang spielten wir mit einer Flöte und haben versucht, die Töne zu treffen, weil wir noch keinen Tongenerator in den Geräten hatten!».
Diesen Mangel hatten die von Walter Berner, HB9MY aus Allenwinden ZG in Kleinserie hergestellten Geräte nicht. Sie verfügten neben einigen Quarzkanälen über vier Tasten für Ruftöne. Der HB9MY-Transceiver wurde auch in Gruppen nachgebaut. Bei den Feststationen und in den Fahrzeugen waren aber lange Zeit umgebaute kommerzielle Geräte vorherrschend – unter anderem von Autophon, Brown Boveri oder Pye (Grossbritannien). Erst Mitte der siebziger Jahre kamen spezielle 70 cm-FM-Amateurgeräte aus Japan auf den Markt, zuerst von Standard Radio.
Beim Umbau der kommerziellen Geräte halfen Amateure, die bei den Geräteherstellern oder bei den Schweizer Vertretungen ausländischer Fabrikate tätig waren, mit Rat und Tat. HB9WQ denkt gerne an diese Zeit zurück: «Das war wirklich super, man hat sich gegenseitig unterstützt». Ausser neuen Quarzen und dem Neuabstimmen des Hochfrequenz-Teils seien wenig Modifikationen nötig gewesen. «So weit ich mich erinnern kann, mussten wir keine anderen Teile auswechseln».
Im Schnee gelandet
Öfters ausgewechselt werden mussten dagegen die Endstufen der Relaisstationen. HB9RG spricht von «einem wahnsinnigen Röhrenverschleiss». Ursprünglich wurden die Umsetzer auf dem Uetliberg und auf dem Pilatus sogar in der Nacht abgeschaltet, um die teuren Röhren zu schonen. Jeweils von Mitternacht bis 0630 oder 0730 Uhr war Sendepause. Den Pionieren des 70 cm-Relaisfunks war offenkundig keine Anstrengung zu viel. Für dringende Unterhaltsarbeiten mussten HB9UZ und HB9RG auch schon einmal zu Unzeiten auf den Uetliberg, und es konnte vorkommen, dass sich die Arbeiten bis nach der Abfahrt des letzten Zuges hinzogen. «Wenn es Schnee hatte, mussten wir einen Schlitten benutzen und hatten Geräte auf den Knien beim Runterfahren. Da sind wir auch schon mal im Schnee gelandet», schildert HB9RG.
Mit ihren Aktivitäten vorab im Raum Zürich-Zentralschweiz-Ostschweiz blieb die UHF-Gruppe der USKA in der Schweiz nicht lange allein. In andern Regionen wurde der Ruf nach eigenen Relais laut, und die Pioniere aus Zürich halfen den regionalen Relaisgruppen mit Rat und Tat bei der Realisierung, so beim Umsetzer auf dem Weissenstein, der schon im Sommer 1972 in Betrieb war und in Basel. Im Frühjahr 1973 zählte das Relaisnetz im 430 MHz-Band bereits sechs Stationen. Auch finanziell wurden andere Relaisgruppen unterstützt. Der Jahresbeitrag von Mitgliedern der UHF-Gruppe, die im Einzugsbereich anderer Relais wohnten, wurde zum grossen Teil an die Betreiber dieser Umsetzer rückvergütet.
Für das Basler Relais konnte ein Standort auf dem Hochhaus des Kantonsspitals Bruderholz gefunden werden. Der Betrieb dauerte allerdings nicht lange. Die UHF-Gruppe hatte Netzteile für Umsetzer beschafft, doch die Basler OM entschieden sich aus Kostengründen dafür, selbst ein Netzteil zu bauen. «Dummerweise begann das Netzteil zu rauchen – und das war dann auch schon das Ende des Relais auf dem Spitaldach», schmunzelt HB9RG.
Im Raum Bern wurde 1972, zwei Jahre nach der UHF-Gruppe der USKA die Relaisgemeinschaft HB9F gegründet. Mit den Berner OM entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit. So wird im Bericht über die Generalversammlung von 1976 erwähnt, am Bau einer Antennenweiche für das Relais Pilatus sei Roland Moser, HB9MHS, der Berner Relaisbauer, massgeblich beteiligt gewesen. Zu diesem Zeitpunkt, sechs Jahre nach der Gründung des Vereins, waren bereits alle drei Stationen der UHF-Gruppe – Uetliberg, Pilatus und Säntis – auf voll transistorisierte Geräte umgerüstet.
«Furchtbares Theater» um den Namen
Seit 2009 ist die UHF-Gruppe der USKA eine überregionale Sektion der Union Schweizerischer Kurzwellenamateure mit Antrags- und Stimmrecht an der jährlichen Delegiertenversammlung und damit als «Special Interest»-Gruppe innerhalb der USKA auch offiziell anerkannt. Das war nicht immer der Fall. Im Umfeld der Gründung gab es nach den Worten von Hansruedi Lauber, HB9RG «ein furchtbares Theater»: Die USKA wollte nicht, dass der neue Verein den Begriff «USKA» im Namen führte
Verschiedene Vereinsmitglieder fanden, Funkverbindungen über Relais hätten nun wirklich gar nichts mit Amateurfunk zu tun. So erklärte der damalige Old-Man-Redaktor Rudolf Faessler, HB9EU, er sehe «aus der Sicht des internationalen Kurzwellenamateurismus im Errichten von UHF-Relaisstationen keinen grossen Wert». Und der nachmalige USKA-Präsident Max Cescatti, HB9IN schrieb 1971 im Vereinsorgan vehement dagegen an, dass die USKA der jungen Relaisgruppe mit einem einmaligen Beitrag von 1000 Franken unter die Arme greifen wollte. Cescatti sprach von einer «Nachahmung mit Surplusmaterial» und von einem «Projekt einer kleinen Minderheit».
Hansruedi Lauber, HB9RG erinnert sich, dass er sich «wie ein Löwe» gegen das Streichen des Begriffs «USKA» aus dem Vereinsnamen wehrte: «Immerhin waren wir ja alles USKA-Mitglieder!» Der Kampf des Relais-Pioniers hat sich offensichtlich gelohnt: Aktuell ist die UHF-Gruppe der USKA, angeblich das «Projekt einer kleinen Minderheit», noch immer mit dem gleichen Namen quicklebendig, innovativ und mit viel mehr Mitgliedern unterwegs.