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Wer am 7. August die WTA-Weltrangliste studierte und nach dem Namen von Sloane Stephens suchte, der musste weit nach unten scrollen. Sehr weit sogar. Denn die 24-jährige Amerikanerin lag nur auf Position 934. Vier Wochen später steht sie im Halbfinal des US Open, wo sie auf ihre Landsfrau Venus Williams trifft.
Doch Stephens ist alles andere als ein No-Name, der kometenhaft nach oben stürmt. Ihre Geschichte liest sich ganz anders: 2013 war die Tochter eines bei einem Verkehrsunfall verstorbenen, ehemaligen NFL-Profis und einer Schwimmerin bereits die Nummer 11 der Welt, nachdem sie beim Australian Open den Halbfinal erreichte.
Doch der ganz grosse Durchbruch blieb aus, Stephens verkrampfte sich, wollte den Erfolg zu sehr und spielte extrem inkonstant. «Die Verletzung im letzten Jahr hat mir dann die Augen geöffnet», erklärte Stephens nun. Wegen einer Fuss-Operation fiel sie insgesamt elf Monate aus. Erst in Wimbledon kehrte sie auf die Tour zurück.
In der freien Zeit kümmerte sie sich um ihre Grossmutter, die einen Schlaganfall erlitten hatte, ging auf Partys, Hochzeiten und Taufen. «Alles Dinge, die ich jahrelang nicht machen konnte, weil ich auf der Tour unterwegs war», erzählte sie.
Doch sie merkte auch, wie sehr sie das Tennisspielen liebt und vermisst. «Meine Gedanken sind nun klarer geworden. Ich habe durch meine Auszeit eine andere Perspektive bekommen, bin gelöster. Das gilt für das Leben, mein Tennis und so viel anderes.»
In Wimbledon und in Washington schied sie nach ihrem Comeback allerdings gleich in der 1. Runde aus. Bei den Masters-Turnieren in Toronto und Cincinnati, wo sie nur dank eines geschützten Rankings antreten konnte, klappte es dann schon besser: Beide Male erreichte sie den Halbfinal, sämtliche acht Siege gelangen der Rückkehrerin gegen Gegnerinnen aus den Top 50.
Vor dem US Open lag sie bereits wieder auf Platz 83 der Weltrangliste. Und auch in Flushing Meadows reihte sie wieder Sieg an Sieg. Im Viertelfinal besiegte Stephens die an Position 16 gesetzte Anastasija Sevastova nach 2:28 mit 6:3, 3:6 und 7:6 und liess sich im entscheidenden Satz auch von einem 1:3-Rückstand nicht beirren.
Es war ihr 13. Sieg in den letzten 15 Spielen. Im Halbfinal wartet nun aber ein ganz anderes Kaliber: Venus Williams war lange ihr grosses Vorbild gewesen. «Venus ist unsere Anführerin. Sie ist so, wie alle sein wollen», schwärmt Stephens vor dem zweiten Duell (1:0 für Stephens) mit der siebenfachen Grand-Slam-Siegerin. Geschenke wird sie ihr im Halbfinal-Duell aber keine verteilen, schliesslich ist jetzt nichts anderes als der erste Major-Sieg das grosse Ziel. (pre)