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Im Gegensatz zu Schweinen wird Milchvieh bisher kaum proteinreduziert gefüttert. Studien zeigen, dass es auch beim Rindvieh Potential zur Proteineinsparung und damit zur Reduktion von Ammoniak-Emissionen gibt.
Die parlamentarische Initiative «Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» (Pa.Iv.19.475) verlangt eine angemessene Reduktion der Stickstoff- und Phosphorverluste aus der Landwirtschaft bis 2030. Da die Tierhaltung für etwa 90 % der landwirtschaftlichen Ammoniakverluste verantwortlich ist, wird sie massgeblich zur Zielerreichung des Absenkpfades beitragen müssen.
Um die Ziele zu erreichen, werden Massnahmen entlang der gesamten landwirtschaftlichen Produktion von Nöten sein. Optimierungen in der Fütterung sind dabei besonders effektiv, da über eine Reduktion des Nährstoffeintrages automatisch das Potential für Verluste entlang der gesamten Produktionskette gesenkt werden kann. In der Schweine- und Geflügelfütterung ist der Einsatz von stickstoff- und phosphorreduziertem (NPr) Futter weit verbreitet. Beim Milchvieh wurde der Ansatz der rohproteinreduzierten Fütterung in der Praxis bisher jedoch kaum umgesetzt. Deshalb wurden in Pilotversuchen in zwei Schweizer Praxisbetrieben während zwei Jahren die Auswirkungen von proteinreduzierten Rationen auf die Milchleistungsparameter untersucht. Dabei wurde in Crossover-Versuchen jeweils eine Versuchsgruppe (V) einer Kontrollgruppe (K) gegenübergestellt. In den Versuchsgruppen wurde der Proteingehalt um rund 10 g/kg TS reduziert und die Rationen mit pansengeschützten Aminosäuren ergänzt, so dass die Menge an verdaulichem Lysin und Methionin mindestens der Menge in der Ration der Kontrollgruppe entsprach.
Tiefere Harnstoffgehalte führen zu geringeren Emissionen
Es wurde kein signifikanter Effekt auf die energiekorrigierte Milchmenge und die Milchfett- und Milchproteingehalte festgestellt. Wie in anderen Studien konnte jedoch ein leichter numerischer Rückgang der Milchleistung beobachtet werden. Ein Grund könnte im verminderten Stickstoffangebot für die Pansenmikroben und deren Wachstum liegen. Allenfalls vermochten die zugesetzten Aminosäuren Lysin und Methionin die Differenz an verfügbarem Protein im Darm nicht auszugleichen. In der Literatur gibt es Hinweise, dass unter gewissen Bedingungen Histidin eine limitierende Aminosäure für die Milchproduktion darstellen könnte. Für weitere Versuche müsste daher neben den Aminosäuren Methionin und Lysin auch noch Histidin betrachtet werden.
Aufgrund der Korrelation zwischen den Stickstoffausscheidungen und dem Milchharnstoffgehalt kann letzterer herangezogen werden, um die Umweltwirkung der Versuchsration zu beurteilen. Für alle Versuchsgruppen konnte ein signifikant tieferer Wert (−3.2 bis −4.6 mg Harnstoff pro dl Milch) im Vergleich zur Kontrollgruppe beobachtet werden. Gemäss Studien kann bei den beobachteten Milchharnstoffgehalten für die proteinreduzierte Ration eine Reduktion der Ammoniakemissionen zwischen 8 und 14 % erwartet werden.
In Übereinstimmung mit den Ergebnissen anderer Studien konnte gezeigt werden, dass eine Reduktion der Proteinzufuhr in der Milchviehfütterung bei gezieltem Ausgleich mit pansengeschützten Aminosäuren ohne Milchleistungseinbussen möglich ist und damit ein Beitrag zur Reduktion der Ammoniakemissionen leisten kann.
Fazit
- Eine Absenkung der Rohproteingehalte in Milchviehrationen ist bei einem Ausgleich durch pansengeschützte Aminosäuren ohne negative Auswirkungen auf die Milchleistung möglich.
- Die Reduktion der Proteinzufuhr führt zu deutlich tieferen Milchharnstoffgehalten und Stickstoffausscheidungen.
- Eine Reduktion der Ammoniakemissionen um 10 % scheint mit Hilfe einer proteinreduzierten Milchviehfütterung in Zukunft realistisch zu sein.
- Die Berücksichtigung weiterer Aminosäuren als Lysin und Methionin, insbesondere Histidin, dürfte notwendig sein.