Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/2867

Prominentester Preisträger des undotierten Ehrenpreises ist der kolumbianische Richter Iván Velásquez, der die Uno-Kommission gegen Straflosigkeit im mittelamerikanischen Guatemala leitet und dort massiver politischer Behinderung ausgesetzt ist.
Kampf gegen Machtmissbrauch
Die in Stockholm ansässige Right-Livelihood-Stiftung zeichnete Velásquez am Montag gemeinsam mit der früheren guatemaltekischen Generalstaatsanwältin Thelma Aldana mit dem nicht dotierten Ehrenpreis aus. Aldana hat sich ebenfalls einen Namen als furchtlose Korruptionsbekämpferin gemacht.
Mit ihrem Engagement prangerten die beiden Juristen Machtmissbrauch an und kämpften für die Glaubwürdigkeit öffentlicher Institutionen, erklärte das Preiskomitee. Besonders Velásquez steht derzeit unter grossem politischen Druck. Im August beantragte der Richter die Aufhebung der Immunität von Guatemalas Präsident Jimmy Morales, um ein Strafverfahren wegen illegaler Wahlkampffinanzierung einzuleiten. Guatemala erklärte den Kolumbianer daraufhin zur unerwünschten Person und verweigert ihm seitdem die Einreise.
326'000 Franken
Die dotierten Geldpreise in der Höhe von drei Millionen Schwedischen Kronen (rund 326'000 Franken) verteilen sich auf drei Preisträger. Einer davon geht an die drei saudiarabischen Menschenrechtsaktivisten Abdullah al-Hamid, Mohammad Fahad al-Kahtani und Walid Abu al-Chair, die sich alle derzeit im Gefängnis befinden.
Die Jury ehrte sie «für ihren visionären und mutigen Einsatz, geleitet von universellen Menschenrechtsprinzipien, das totalitäre politische System in Saudi-Arabien zu reformieren». Der Right Liveliood Award geht zum ersten Mal nach Saudi-Arabien.
Unfruchtbares Land fruchtbar gemacht
Der Bauer Yacouba Sawadogo aus der trockenen Sahelzone in Burkina Faso erhielt den Preis «für die Verwandlung von unfruchtbarem Land in lebendigen Wald und für die Weiterentwicklung von lokalem und indigenem Wissen zur Regeneration des Bodens», wie die Stiftung mitteilte. Sawadogo erklärte, er fühle sich geehrt und hoffe, dass der Preis «viele Menschen zur Regeneration ihres Landes» ermutige.
Ende der 1970er Jahre begann Yacouba Sawatogo, in trockenem Land nach der traditionellen Weise Löcher in die Erde zu hacken. In diese füllte er Hirsekörner, die er nach eigenen Experimenten mit einer Mischung aus Viehdung, Blättern und Asche ummantelte. Dazu legte Sawatogo Reihen von Steinen, die das Abfliessen des Regenwassers verlangsamen sollten. So konnte das Wasser besser in den trockenen Boden eindringen, heisst es auf Wikipedia. Die Methode brachte sehr gute Hirseerträge in einem Gebiet, das durch jahrelange Dürrezeiten ausgetrocknet war. Im Viehdung waren Baum- und Sträuchersamen enthalten, aus denen ein Wald wuchs. Dieser ist inzwischen über 40 Hektar gross. Im Wald finden sich 60 verschiedene Baum- und Buscharten.
Mit seiner Methode wurden auch in anderen Ländern Wüstengebiete wieder begrünt. «Als ich damit begann, Bäume zu pflanzen, dachten meine Nachbarn: Jetzt ist er verrückt geworden», berichtete der Bauer aus Burkina Faso 2011 auf der Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention gegen Wüstenbildung (UNCCD) im südkoreanischen Changwon. Doch trotz aller Widerstände habe er nicht aufgegeben. Gemäss klimareporter.de haben Tausende Bauern mit dieser Technik ihr Land regeneriert. Zehntausende Hektar in Burkina Faso und Niger sind wieder zu produktivem Land geworden.
Trockengebiete begrünt
Auch der australische Agronom Tony Rinaudo wurde für seine Bemühungen um die Begrünung und Kultivierung ausgetrockneter Landflächen in Afrika ausgezeichnet. Die Jury erklärte, Rinaudo erhalte den Preis «für den praktischen Beweis, wie Trockengebiete in grossem Umfang und mit minimalen Kosten begrünt werden können, zur Verbesserung der Lebensgrundlage von Millionen von Menschen».
Die Lösung des Problems entdeckt Rinaudo unter der Erde entdeckt. Im Boden des Halbwüstensands verbargen sich die Wurzelreste einst gefällter Bäume. In diesem «unterirdischen Wald» schlugen nach jedem Regen frische Triebe aus. Die Baumsprösslinge, die spontan wuchsen, mussten aufgezogen und kultiviert werden. Zudem mussten sie einige Monate lang vor grasenden Tieren geschützt und richtig beschnitten werden.
«Wenn man nicht immer mit dem Vorschlaghammer auf die Natur einschlägt, sondern mit ihr arbeitet, dann kehrt sie von allein zurück», sagte der Australier an der Preisverleihung. Er hofft, dass der Preis mehr Aufmerksamkeit auf seine Methode lenken und damit «die weltweite Verbreitung exponentiell beschleunigen wird».
Der Alternative Nobelpreis will den Einsatz für Menschenrechte, Pressefreiheit, bürgerliche Freiheiten und Umweltschutz würdigen. Er wurde 1980 vom schwedisch-deutschen Philanthropen Jakob von Uexküll geschaffen. Inzwischen zählt die Stiftung 166 Preisträger aus 68 Ländern, darunter auch den früheren US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden.