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Trüeb Ernst, alt Professor ETH und Politiker 1924-2015
1951 kam Ernst Trüeb zu den Stadtwerken und wurde 1964 Direktor des Gas- und Wasserwerks der Stadt Winterthur. Seine realisierten Projekte wirken bis heute nach. Winterthur hat auch in den heissesten Sommern nie ein Wasserversorgungsproblem. Nach seiner Berufung an die ETH wirkte er von 1976 bis 1982 als FDP-Vertreter im Gemeinderat seiner Stadt.
Als Sohn des Gewerbeschullehrers Ernst Trüeb kam Ernst Trüeb jun. am 7. November 1924 in Winterthur zur Welt. Hier besuchte er die Schulen bis zum Maturitätsabschluss 1943 an der Oberrealschule. Nach seinem Studium als Kulturingenieur an der ETH Zürich (Abteilung für Kulturbauwesen, 1948 Diplomprüfung) arbeitete Trüeb zuerst in einem Ingenieurbüro und später in seiner Heimatstadt Winterthur bei den Gas- und Wasserwerken.
1951 erwarb er das Patent als eidg. Grundbuchgeometer. Als Adjunkt bei der Stadt Winterthur übernahm Ernst Trüeb die Betriebsleitung des städtischen Wasserwerkes und des Gasverteilungsnetzes. Seit 1956 war er Vizedirektor des Gas- und Wasserwerkes und ab 1964 deren Direktor. Er war massgeblich beteiligt am Ausbau der Wassergewinnungsanlagen. Im Jahr 1972 wurde er vom Bundesrat zum ordentlichen Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der ETH Zürich gewählt, wo er sich in der Folge nicht nur als Professor, sondern auch als Vorsteher des Instituts für Hydromechanik und Wasserwirtschaft und der Abteilung für Kulturtechnik für das Gebiet und dessen Weiterentwicklung in Lehre und Forschung engagiert einsetzte.
Im Verlaufe seiner Amtszeit im Gas- und Wasserwerk Winterthur ist die Kapazität der Wassergewinnung von 46‘000 auf 115‘800 Kubikmetern pro Tag gesteigert worden. Im selben Zeitraum sind die Leitungssysteme der Gas- und Wasserversorgung, deren etappenweisen Ausbau Ernst Trüeb projektierte und leitete, von 149 auf 207 Kilometer (Gas) und von 241 auf 351 Kilometer (Wasser) angewachsen. Die Gasabgabe erfuhr von 1964 mit 8,5 Millionen Kubikmeter bis 1971 mit 13,7 Millionen Kubikmeter eine erhebliche Steigerung.
Prof. E. Trüeb, der seine Lehrtätigkeit vorläufig nur mit halber Verpflichtung am 1. April 1972 aufgenommen hatte, stand der Stadt Winterthur mit Bewilligung des Präsidenten der ETH Zürich weiterhin zur Verfügung, und zwar als Leiter der Planung des interkommunalen Grundwasserwerks Rheinau. Er war auch weiter verantwortlich für den Ausbau der Wassergewinnungsanlagen in der näheren Umgebung der Stadt, welche mit der Erstellung der Grundwasserpumpwerke in den Hornwiden (Gemeinde Zell) und in der Bannhalde sowie des Werks Hard II ihren Abschluss fand.
1972 bis 1988 leitete Trüeb das Nationale Forschungsprogramm "Grundlegende Probleme des schweiz. Wasserhaushalts". In seiner Lehre entwickelte Trüeb die techn. Erforschung und Bewirtschaftung des Grundwassers und schuf die kartografischen Grundlagen für die Versorgung im Krisenfall. Seine Fachkompetenz bezeugt auch die Mitarbeit als Präsident der Bundeskommission zur Bearbeitung der Richtlinien zum Schutze des Grundwassers gegen Verunreinigung durch Lagerflüssigkeiten; die Mitgliedschaft in der Kommission für Wasserfragen der Schweiz sowie seine Arbeit im Verein der Gas- und Wasserfachleute.
Als Gutachter begleitete er die Wasserversorgungen des Bernischen Seelandes und weiterer Gebiete. Ab 1974 war Ernst Trüeb Ehrenmitglied des Schweiz. Vereins des Gas- und Wasserfachs und 1982 der International Water Supply Association. Im Jahr 1992 wurde er nach zwanzigjähriger erfolgreicher Tätigkeit pensioniert. Ernst Trüeb hat vielen Generationen von angehenden Bau- und Kulturingenieuren die Grundlagen einer modernen, ganzheitlichen Wasserwirtschaft und des Gewässerschutzes vermittelt, wobei er namentlich auch aus seiner umfangreichen Praxiserfahrung schöpfen konnte.
In der Forschung beschäftigte er sich hauptsächlich mit den für die Trinkwasserversorgung in unserem Land zentralen Grundwasservorkommen und deren nachhaltiger Bewirtschaftung. Über seine Tätigkeit als Lehrer und Forscher hinaus hat Ernst Trüeb als Mitglied zahlreicher Kommissionen und als Berater einen massgeblichen Einfluss auf die Lösung drängender Fragen im Bereich der Wasserwirtschaft ausgeübt. Ihm wurden mehrere Ehrungen zuteil, so verlieh ihm die Technische Universität Graz 1984 für seine grossen Verdienste im Fachbereich die Würde eines Ehrendoktors. Seit 1950 war Ernst Trüeb verheiratet und Familienvater.