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Three Islands
June Leaf, Richard Stankiewicz, Robert Lax
21. September 2004 – 16./23. Januar 2005
Zwei Künstler, eine Künstlerin, alle drei aus den USA, gehen – unabhängig voneinander – denselben Weg. In den fünfziger und sechziger Jahren erleben sie erste Erfolge in New York und Chicago, erregen sie erstes Aufsehen mit ihrem eigenständigen Werk, das sich nicht mitreissen lässt vom Mainstream der US-Kunst jener Zeit, der sich vor allem auf den amerikanischen abstrakten Expressionismus und die Pop Art konzentriert. Alle drei ziehen sich dann in den Sixties aus dem hektischen Kunstleben der Grossstadt auf ihre eigenen, abge- schotteten Inseln zurück, um ihre künstlerischen Wege in Ruhe und konzentriert weiter beschreiten zu können.
Richard Stankiewicz (1922-1983) zieht sich 1962 nach Worthington zurück – ein kleines Kaff irgendwo mitten in den weiten Wäldern von Massachusetts. Einen Namen in der Kunstgeschichte machte sich der amerikanische Eisenplastiker als einer der ersten Künstler, der rostigen Eisenschrott zu Skulpturen zusammenfügt: In seinen frühen Schaffensphasen lässt er aus dem Abfalleisen poetisch-verspielte und humorvolle Skulpturen ent- stehen, die hinter einem ersten abstrakten Eindruck eine überraschend augenfällige Figürlichkeit offenbaren: Gesichter, Menschen, Tiere oder ganze Figurengruppen.
1960 lernt Stankiewicz Jean Tinguely kennen, der damals im Museum of Modern Art seine Hommage to New York schafft. Die beiden Eisenplastiker be- einflussten einander gegenseitig in hohem Masse – Tinguely vollzieht geradezu eine Kehrwende: nach diesem Zusammentreffen schafft er die ersten Werke mit Zivilisationsabfall aus rostigem Schrott. Stankiewicz’ Werk wiederum wird zunehmend abstrakt.
Von Richard Stankiewicz sind fast 60 Eisenskulp-turen zu sehen, von denen ein Grossteil bereits in den USA drei Stationen der Ausstellung Miracle in the Scrap Heap gezeigt wurden.
Es ist die bis anhin umfangreichste Retrospektive des Eisenplastikers.
June Leaf (* 1929) zieht sich 1969 nach Mabou, Nova Scotia (Kanada) zurück (zusammen mit ihrem Ehemann, dem amerikanisch-schweizerischen Fotografen Robert Frank). Die Malerin und Bildhauerin inszeniert mit der Metallschere, mit dem Pinsel oder dem Zeichenstift ihre ureigene karnevaleske Comédie humaine, in der es um den alles entscheidenden Tanz des Lebens, der Liebe und den Tod geht: Menschen sowie Fabelwesen wie Kentaurinnen oder Vogelmenschen in den verschiedensten Stadien / Zustandsformen ihres Seins.
June Leafs Arbeiten, Eisenskulpturen, auf der Leinwand und auf Papier sind keineswegs von einander losgelöst. Die Plastiken, Gemälde und Zeichnungen bedingen einander stark: ihre Zeichnungen und Bilder sind stets auch Entwürfe für ihre Skulpturen, die Plastiken umgekehrt auch Modelle für ihre Arbeiten mit Pinsel und Zeichenstift. Daraus entstehen Sparten übergreifende Menschenstudien, die nicht zuletzt durch ausser- gewöhnliche und überaus originelle Details zu fas- zinieren wissen.
June Leaf ist mit über 100 Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen präsent. Das Werk der in Chicago aufgewachsenen und heute in New York und Mabou, Nova Scotia lebenden Künstlerin ist erstmals in einem europäischen Museum zu sehen.
Robert Lax (1915-2000) zieht sich 1964 auf die griechischen Inseln Kalymnos und später Patmos zurück. Der amerikanische Lyriker wurde immer wieder als der grosse Unbekannte der amerikanischen Literatur bezeichnet, seine geradezu radikale Minimal poetry fand aber dennoch über die Literaturszene hinaus viel Anerkennung. Endgültig vom Geheimtipp zur Kultfigur avancierte der meditative Insel-Eremit durch die Video- Installation Three Windows – Hommage à Robert Lax von Nicolas Humbert und Werner Penzel.
Prägend für den Werdegang von Robert Lax waren seine Studentenjahre an der Columbia University in New York. Dort gehörte er, zusammen mit dem Schriftsteller und späteren Trappistenmönch Thomas Merton und dem Maler Ad Reinhard, einer Gruppe von jungen Kunst- Avantgardisten an, die man in ihrer antibürgerlichen Haltung als Vorläufer der „beat generation“ bezeichnen kann. Lax beginnt seine Poesie mehr und mehr auf ein absolut notwendiges Minimum zu reduzieren. Gleiches vollzieht er auch mit seinem Lebensstil. Auf Patmos lebte Robert Lax 35 Jahre bis zu seinem Tod vor, dass Kargheit und Langsamkeit gegenüber der Hektik und dem Lärm unserer Zivilisation, wie sie gerade Tinguely gültig umsetzte, eine notwendige Gegenwelt bilden. Das Museum Tinguely kann im Katalogband über Robert Lax mit Acrobat off die Erstveröffentlichung seiner Last notes (letzten Gedichte) aus Patmos präsentieren.
Im Zentrum der Kunstinsel zu Robert Lax steht die Video-Installation Three Windows – Hommage à Robert Lax der Cineasten Werner Penzel und Nicolas Humbert. Daneben sind Zeichnungen, Briefe, Dokumente und Publikationen des Dichters zu sehen.
Zur Ausstellung Three Islands erscheinen im Benteli-Verlag drei Publikationen, die sowohl einzeln, wie auch im Schuber erhältlich sind.