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Brussa,
Brusa oder Bursa, vor Eroberung Adrianopels die Residenz der türk. Sultane, jetzt Hauptstadt des Wilajets Khodawendikjar in Kleinasien, liegt 30 km vom Marmarameere entfernt, in herrlicher Lage am Rande einer überaus fruchtbaren Ebene und am steilen Abhange des 2530 m hohen, stark bewaldeten, den größten Teil des Jahres eine Schneekrone tragenden Keschisch-Dagh (Mönchsberg), des mysischen Olympos. Die Stadt hat 9000 meist niedrige Häuser, enge, schlecht gepflasterte Straßen und zählt 60000 E. (einst 100000), meist Türken, außer diesen Armenier, Griechen, Juden und Franken.
Ein reißendes überbrücktes Bergwasser teilt die Stadt in die Mohammedaner- und Armenierstadt, eine andere Schlucht trennt letztere von dem Griechenviertel. Mitten in der Stadt erhebt sich steil eine tafelförmige Felsmasse mit den Mauern und Türmen einer alten, verfallenen Burg. Durch die Erdbeben [* 2] vom 28. Febr. und und die durch das Bersten der Backöfen entstandene furchtbare Feuersbrunst hat die Stadt bedeutend gelitten. Aus der Masse der niedern Häuser und Hütten [* 3] erheben sich drei griechische, zwei armenische Kirchen, zwei Synagogen, und, zum Teil zu gewaltiger Höhe, an 150 Moscheen mit ihren Kuppeln und Minarets, mehrere freilich nur noch als Ruinen.
Unter ihnen zeichnet sich
Oglu-Dschami oder die Moschee der drei
Sultane,
Murad I.,
Bajazet I. und Mohammed
I., durch ihre
Größe und schöne maur. Bauart aus. Die Gärten,
Bäder,
Kioske, Spaziergänge, Gruppen von hohen Cypressen
und Platanen heben das landschaftliche
Bild des Ganzen.
Brussa ist der Sitz eines Paschas, eines Mollah, eines griech.
Metropoliten und eines armenischen Erzbischofs sowie eines deutschen Vicekonsuls. Die
Bazare stehen zum
Teil denen von
Konstantinopel
[* 4] nicht nach; Karawanserais, Chane (Herbergen), Medressen und öffentliche Garküchen giebt es
in Menge. Die Stadt hat den Ruf, die
Gräber der
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sechs ersten türk. Sultane zu enthalten, die hier bis 1363 ihr eigentliches Hoflager (die Pforte) hielten. Auf der Burghöhe
steht die Moschee Daud-Monasteri, ursprünglich eine christl. Kirche, mit dem Grabe Orchans. Das mit Jaspis und Marmor geschmückte
Grabdenkmal Osmans I. liegt außerhalb der Stadt. Die Überreste Murads I. sind 4 km im Westen derselben
in einem prächtigen Mausoleum bei dem Dorfe Tschekerki beigesetzt. Etwa 2 km im Westen von
Brussa treten auf einer Fläche von 380 m
im Geviert vier heiße Schwefelquellen hervor, zwei von 85° C. Wärme.
[* 6]
Über zwei derselben sind Badehäuser errichtet, von denen das bedeutendste Eski-Kaplidscha (Alt-Warmbrunn)
heißt.
Brussa ist eine der ersten Industriestädte des türk. Reichs. Haupterwerbszweige sind Seidenzucht, -Spinnerei und -Weberei.
Die Seide
[* 7] wird hauptsächlich nach Lyon
[* 8] ausgeführt. Auch die Baumwollkultur hat in neuester Zeit Fortschritte gemacht. Berühmt
sind die seidenen Burnusse und die baumwollenen Bademäntel von
Brussa In den nahen Gebirgen wird Meerschaum gegraben,
welcher in
Brussa zu Pfeifenköpfen gebohrt wird. Der Handel ist in starkem Aufschwunge; Hafen der Stadt ist Mudania, mit dem es
durch eine 38 km lange Eisenbahn verbunden ist. -
Brussa ist das unter König Prusias II. von Bithynien gegründete Prusa, wurde
um 950 durch Seif ed-daulet von Haleb (Aleppo) erobert und geschleift, 1326 von Orchan, dem Sohne des ersten
Türkensultans Osman I., nach 10jähriger Belagerung den Griechen entrissen, 1402 von Timurs Enkel Mirsa eingenommen und auch
späterhin wiederholt durch Kriegsleiden heimgesucht. Hier lebte 1852-55 Abd el-Kader.