Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03227.jsonl.gz/296

Die Heimstättengenossenschaft Gartenfreund baute zu Beginn der 1920er-Jahre eine der ersten Genossenschaftssiedlungen Riehens.
Die Heimstättengenossenschaft Gartenfreund, die aus der sogenannten Pflanzlandbewegung hervorgegangen war, kaufte 1921 ein 37500 m2 grosses Grundstück auf dem Gelände der Niederterrasse oberhalb des Niederholzes. Zuvor hatte hier eine Pariser Immobilienfirma die Errichtung eines Villenviertels geplant. Als Folge des Ersten Weltkriegs musste sie allerdings Insolvenz anmelden.
Nach dem Vorbild der englischen Gartenstadt realisierten die Basler Architekten Emil Bercher und Eugen Tamm im Auftrag der Genossenschaft zwischen Dezember 1921 und Oktober 1922 eine Doppelhaussiedlung. Die Wohnhäuser sollten gesund, billig und zweckmässig eingerichtet sein und über einen möglichst grossen Garten für die Kleinviehhaltung verfügen. Im Oktober 1922 wurden entlang der sechs neu angelegten Strassen – Morystrasse, Vierjuchartenweg, Kornfeldstrasse, Tiefweg, Roggenstrasse und Wasserstelzenweg – insgesamt 54 Wohnhäuser fertiggestellt und von ihren Besitzerinnen und Besitzern bezogen. Die Doppelhäuser in lockerer Reihung bestehen aus einfachen, klaren Baukuben mit Giebeldächern. Die Häuser unterscheiden sich in Grösse und Volumen: Während das kleinste Haus drei Zimmer auf zwei Geschossen aufweist, verfügt das grösste über sechs Zimmer, verteilt auf drei Geschosse.
Die Siedlung Gartenfreund und die Wohngenossenschaft Niederholz waren die ersten Genossenschaftssiedlungen in Riehen. Die Neuzugezogenen waren meist Basler Handwerker- oder Arbeiterfamilien, die sich in diesen Siedlungen ein Haus mit Garten leisten konnten. Einige der Alteingesessenen begegneten den Neuzugezogenen mit Skepsis: Die neuen Siedlungen wurden bisweilen abschätzig als ‹Negerdörfli› bezeichnet.
In den folgenden Jahrzehnten wurden die Eigenheime in unterschiedlicher Form an- oder umgebaut: Aufstockungen zu Wohnzwecken, Terrassen, Balkone oder Dachterrassen entstanden. In den grosszügigen Gärten wurden teilweise Ersatzneubauten oder auch Mehrfamilienhäuser gebaut.
Autorin / Autor: Nils Widmer | Zuletzt aktualisiert am 7.1.2023
Reck Schöni, Yvonne: Vom Negerdörfli zum Privileg. Gedanken zu genossenschaftlichem Wohnen. In: Jahrbuch z’Rieche 1994. S.153–165.
Meyer, Peter: Die Siedlung der Heimstätten-Genossenschaft Gartenfreund in Riehen: Architekten Bercher & Tamm, Basel. In: Schweizerische Bauzeitung 5 (1924). S. 53–55.
Würmli, Peter: Wohngenossenschaften in der Region Basel. Von den Anfängen bis 1993. Basel 1994.