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Wie wäre es, wenn ich im Alter von neun Jahren ein Auto auf dem Rücken tragen müsste? - Eine Erzählung
Ich war ein kleines Mädchen von neun Jahren, dünn und blass, und ich hatte immer eine Plastikpuppe bei mir. Sie war so alt, dass ihre Farben verblasst und ihre Teile korrodiert waren, so sehr war sie gebraucht worden. Die Puppe war älter als ich, sie war durch die Hände mehrerer Kinder gewandert. Als ob mir die symbolische und subjektive Bedeutung bewusst gewesen wäre, einen Gegenstand in den Händen zu halten, der für so viele Kinder zur Komplizin geworden war, hatte ich sie immer bei mir behalten, damit nur ich ihr meine Spuren aufdrücken konnte. Ich war mir völlig bewusst, dass ich auch ihre Beschützerin war; als ob ich die Zeit und das, was sie wusste, kontrollieren könnte. Was ich aber nicht wusste, war, dass ich diejenige war, die von ihr beschützt wurde. Dass sie eine Art Krücke für mich war. Denn damit ihr nichts zustösst, würde ich Dinge riskieren, die ich ohne sie nicht tun würde.
Eines Tages lief ich mit der Puppe in der Hand um das Haus herum, ein energiegeladenes Kind – wenn auch dünn, fast klapprig – und kam zu einem Seitenfenster, das den Innenraum des Wohnzimmers von einem kleinen Garten trennte. Das Fensterglas war sehr sauber, denn es war Putztag, und unser Hausmädchen hatte es gerade auf Hochglanz poliert, damit meine Mutter sich nicht beschweren würde. Wie ich nun vor diesem Glas stand, konnte ich mir nicht vorstellen, dass der grösste Abdruck, den ich auf meiner geliebten Puppe hinterlassen würde, aus der Reflexion des Glases entstehen würde. Das Glas, das fast spiegelnd war, aber gleichzeitig so viel Transparenz hatte; mehr als genug, um mich auf die andere Seite zu versetzen, wo ich etwas Alltägliches beobachten konnte, das nur selten bemerkt wird.
Ich legte beide Hände auf die Brüstung des Fensters. Das Wort hätte für mich mehr Sinn gemacht, wenn es von «Hand» gekommen wäre, nicht von «Brust». Denn ich war nicht gross genug, um in ein Wort zu passen, das von einer Welt gemacht wurde, die nur den Erwachsenen und denen, die sie beherrschten, zu gehören schien. In diesem Moment staunte ich mit meiner Puppe vor der Brüstung, dem Fensterbrett, und beobachtete etwas Winziges, das sich schnell bewegte. Und dann fühlte ich, die ich mich für das Symbol des Kleinen hielt – nicht nur etwas kleiner, sondern am kleinsten –, mich plötzlich unerreichbar. Ich konnte mich jetzt weder anschauen noch über mich nachdenken. Ich konnte mich nicht als gross vorstellen, ich konnte mich nicht gross akzeptieren. Aber ich war so gross, dass ich, glaubte ich, unsichtbar für dieses Wesen wurde, das in seiner eigenen Existenz wandelt, ohne die physische Fähigkeit zu haben, jemanden mit Bewusstsein wahrzunehmen.
Ich sah eine Ameise, genau, eine Ameise, schwarz, flink und von Natur aus dünn. Sie lief wie wild in eine Richtung, als hätte sie es eilig, irgendwohin zu kommen, so wie ein Erwachsener in seiner Mittagspause nach Hause kommt, wenn es ihm möglich ist. Sie ging hektisch nach rechts – nicht in einer bestimmten Linie, sondern so, als ob sie taumelte und bei jedem Schritt aufpassen müsste, dass sie nicht durch einen Stein, ein Loch oder etwas anderes von ihrer Richtung abgelenkt wurde; vielleicht durch ein Spielzeug oder eine Person, die sie vom Weg oder vom Ziel abbringen könnte.
Als ich aufmerksamer hinsah, war ich überrascht, dass ich den grossen und blauen Gegenstand nicht vorher bemerkt hatte, den die Ameise über dem Kopf trug. Sofort kam mir eine andere Theorie in den Sinn. Könnte es an den Hindernissen auf dem Weg der Ameise liegen, oder an ihrer Müdigkeit? Weil sie etwas so Grosses auf dem Rücken trägt? Denn es ist ganz natürlich, nicht elegant zu sein, wenn man müde ist. Ich wusste das, wenn ich mit einer grossen, schweren Tasche auf dem Rücken aus der Schule kam. Plötzlich kam mir das Bild meines Vaters in den Sinn: Denn immer, wenn er von der Arbeit kam, sah er aus wie diese Ameise, die spazieren ging …
In diesem Moment fiel meine Puppe, die für mich nicht mehr die gleiche Bedeutung zu haben schien, wegen einer unmerklichen Bewegung, die ich machte, zu Boden, und bei diesem Sturz brach ein Stück ihres Kopfes ab. Instinktiv sammelte ich das Bruchstück und die Puppe auf, ich sah mich traurig um, aber konnte mich nicht länger aufhalten, denn die Ameise, die zum Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit geworden war, könnte einfach verschwinden. Ich hatte keine Zeit, mich um etwas zu kümmern, das nach meiner Vorstellung warten konnte. So nahm ich die Puppe und das Bruchstück und legte sie vor mich, damit ich die Ameise beobachten konnte. Ich fühlte mich besser, weil ich die Puppe in meiner Nähe platziert hatte, obwohl meine Augen und meine Aufmerksamkeit von der Ameise in Anspruch genommen wurden.
Kehren wir auf den Weg zurück, auf dem wir waren, bevor der tragische Unfall mit der Puppe passierte. Ich dachte über die Last nach, die die arme Ameise zu tragen schien, das blaue Objekt. Wie wäre es, wenn ich im Alter von neun Jahren eine Schultasche von der Grösse eines Autos auf dem Rücken tragen müsste? Und wie ist es möglich, dass ein Wesen so viel Kraft hat, so schnell in eine Richtung zu laufen, dass es kaum Zeit hat, zur Seite zu schauen oder gar anzuhalten? Warum hat man es so eilig, etwas zu erreichen, und warum? Und in einer Träumerei hatte ich mich in eine Metapher verwandelt und mich gefragt: Wird meine Tasche eines Tages so schwer werden, und werde ich so stark sein können wie diese Ameise?
Ich wusste damals noch nicht, dass ich in meiner Tasche zwischen Zahlen und Buchstaben eine Last von Jahren trug, dass ich bereits auf einem Weg war, dem ich vielleicht ein Leben lang folgen würde. Ich hätte mir nämlich nie vorstellen können, dass ein Fragenkatalog über etwas so Unwichtiges in meinem Kopf entstehen würde. Und das war befreiend, wie ein Weg, von dem man nicht weiss, ob oder wie er endet. Ich fühlte mich nicht mehr gezwungen, dem zu folgen, was mir beigebracht wurde, ich konnte jetzt wählen, weil die Entdeckung meine war.
In diesem Moment schien die Puppe, die mein grösstes Anliegen und meine grösste Freude war, nicht mehr die gleiche Bedeutung zu haben, bis dass ….