Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03175.jsonl.gz/2229

Im Jahr 2022 ist die Zahl an vertriebenen Menschen, vor allem wegen des Konflikts in der Ukraine, drastisch gestiegen. Glücklicherweise haben die Menschen aus der Ukraine eine noch nie dagewesene Unterstützung erhalten und wurden in ganz Europa herzlich willkommen geheissen. Allerdings erhalten nicht alle Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, die gleiche Unterstützung und Solidarität, obwohl sie alle den gleichen Zugang zu Sicherheit und Schutz sowie die Möglichkeit zu arbeiten, zu studieren und zu reisen erhalten sollten. Die Krise in der Ukraine hatte schwere wirtschaftliche Auswirkungen, die vor allem die vertriebenen Gemeinschaften zu spüren bekamen und das Risiko eines Schulabbruchs, einer frühen Heirat oder geschlechtsspezifischer Gewalt erhöhten.
Der 2022 Unterfinanzierungsbericht befasst sich mit 12 Ländern, die zu den wichtigsten Operationen von UNHCR gehören und in denen bereits sehr schwierige Entscheidungen zur Prioritätensetzung getroffen wurden. Während in einigen Ländern vertriebene Gemeinschaften kurz vor einer Unterbrechung der Nahrungsmittelversorgung stehen, würden in anderen Ländern zusätzliche Mittel dazu beitragen, ihre Abhängigkeit vom UNHCR in Zukunft zu verringern.
In diesem letzten Artikel unserer dreiteiligen Serie werden wir uns die Länder Südsudan, Sudan, Uganda und Jemen genauer ansehen. Diese Länder sind stark unterfinanziert und geben UNHCR Anlass zur Sorge, da sich ihre Lage zweifellos verschlechtern wird, wenn keine weiteren Massnahmen ergriffen werden. Diese Länder mögen zwar unterfinanziert sein, sie werden jedoch nicht vergessen werden.
Mit über 2,3 Millionen südsudanesischen Flüchtlingen in den Nachbarländern ist die Flüchtlingskrise im Südsudan nach wie vor die grösste in Afrika. Es gibt 2,2 Millionen südsudanesische Binnenvertriebene, und der Südsudan selbst beherbergt über 340'000 Flüchtlinge, die hauptsächlich aus dem Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und Äthiopien stammen. Nicht nur der Bürgerkrieg hat den Südsudan während des grössten Teils seiner kurzen Geschichte geprägt, sondern auch die Auswirkungen des Klimawandels und die schwere Nahrungsmittelknappheit, von der 60 % der 11 Millionen Einwohner betroffen sind. Die durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen haben das Vieh getötet und die Erntezyklen unterbrochen, so dass die Hirten ihre Tiere weit über die Transhumanzrouten hinaus treiben mussten. Darüber hinaus steigen im Südsudan die Rohstoffpreise, die Landeswährung wird abgewertet und die Lebensmittelpreise steigen in die Höhe. Die Unterfinanzierung hindert UNHCR daran, grundlegende humanitäre Hilfe zu leisten, die den Flüchtlingen das Überleben ermöglicht, sowie Schulbildung für Flüchtlinge im schulpflichtigen Alter, medizinische Versorgung und verschiedene Projekte, die Menschen, die in ihre Heimatorte zurückkehren wollen, unterstützen würden. Von den 213 Millionen CHF, die zur Bewältigung der Krise benötigt werden, stehen bis heute nur 38% zur Verfügung.
Zugang zu Nahrungsmitteln und lebenswichtigen Gütern, nachhaltige Unterkünfte und Siedlungen, gemeinschaftsbasierter Schutz.
Aufgrund politischer Unsicherheit, schlechter wirtschaftlicher Aussichten und harter Bedingungen herrscht im Sudan eine alarmierende Ernährungsunsicherheit. Die Inflation ist im Jahr 2020 sprunghaft angestiegen und bleibt weiterhin sehr hoch, was die Allgemeinheit belastet und sich unverhältnismässig stark auf die vertriebene Bevölkerung auswirkt, insbesondere auf diejenigen, die sich bereits in einer schlechten wirtschaftlichen Lage befinden. Unsicherheit und Vertreibung haben landesweit zugenommen, und Ausbrüche von Gewalt zwischen den Gemeinschaften haben die humanitären Organisationen unter grossen Druck gesetzt, nicht nur den Binnenvertriebenen, sondern auch ihren Aufnahmegemeinschaften zu helfen. Die Finanzierung ist für NHCR nach wie vor von entscheidender Bedeutung, um angemessene Schutzprogramme, z. B. gegen geschlechtsspezifische Gewalt, für den Schutz von Kindern im ganzen Land sowie für Unterkünfte, Bildung, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung bereitzustellen. Von den 346 Millionen CHF, die für die Bewältigung der Krise benötigt werden, sind bis heute nur 34% verfügbar.
Nachhaltige Unterkünfte und Siedlungen, lokale Integration, Engagement der Gemeinschaft und Stärkung der Rolle der Frau.
Uganda, Afrikas grösstes Aufnahmeland für Flüchtlinge, beherbergt mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge in Siedlungen, in denen ihnen Grundstücke zum Wohnen und zum Anbau zur Verfügung gestellt werden und sie dieselben Gesundheitszentren und Schulen besuchen können wie die Mitglieder der Aufnahmegesellschaft. Das Land ist führend in seinem Konzept der friedlichen Koexistenz. Die Flüchtlingshilfe ist jedoch nach wie vor stark unterfinanziert, so dass das UNHCR nur begrenzt in der Lage ist, wichtige Schutzdienste, grundlegende humanitäre Hilfe und dauerhafte Lösungen anzubieten. Das UNHCR war gezwungen, seit Juli 2022 Kürzungen bei der humanitären Hilfe vorzunehmen, z. B. bei der Beschaffung von Seife und Hygienekits. Diese sind für Frauen und heranwachsende Mädchen von entscheidender Bedeutung, da der Zugang zu Hygienebinden das Risiko von Infektionen und psychischem Stress verringert und ihren Zugang zu Bildung und Berufschancen verbessert. Wenn keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden, sind weitere operative Kürzungen zu erwarten, die katastrophale Folgen haben könnten. Von den 341 Millionen CHF, die zur Bewältigung der Krise benötigt werden, stehen bis heute nur 38% zur Verfügung.
Gesundheit, Bildung, Eigenständigkeit, wirtschaftliche Eingliederung und Existenzgrundlagen.
Das Land wird seit 2015 von einem schweren Krieg heimgesucht und ist bereits die schwächste Wirtschaft in der Region. Diese Umstände haben zu einer gewaltigen humanitären Krise geführt, bei der zwei Drittel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen sind und bis Ende 2022 voraussichtlich 7,3 Millionen Menschen an einer Hungersnot leiden werden. Der Hilfseinsatz von UNHCR in Jemen ist heute fast doppelt so unterfinanziert wie noch vor einem Jahr. Wenn nicht dringend Mittel bereitgestellt werden, wird sich die Lage der 70 % der 540'000 gefährdeten vertriebenen Jemeniten, die Bargeldunterstützung zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse benötigen, unweigerlich verschlechtern. Die Flüchtlinge geben den grössten Teil der UNHCR-Bargeldunterstützung für Nahrungsmittel aus, so dass fehlende Mittel sie weiter in die Armut treiben und das Risiko von Hunger und schädlichen Bewältigungsmechanismen wie Kinderarbeit und Betteln erhöhen werden. Von den 289 Millionen CHF, die zur Bewältigung der Krise benötigt werden, sind bis heute nur 36% verfügbar.
Operative Unterstützung, Nachhaltiges Wohnen und Siedlungen, Wohlergehen und Grundbedürfnisse.