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Fadenfische verdanken ihren Namen den fadenartig verlängerten Brustflossen.
Zwergfadenfische gehören zu den Labyrinthfischen, wie z.B. der Siamesische Kampffisch. Der Name rührt von einem zusätzlichen Atmungsorgan her, das sich in der Kiemenhöhle befindet und aus gefalteten, gut durchbluteten Membranen besteht. Das Organ erlaubt es diesen Fischen, an der Wasseroberfläche Luft zu atmen und somit zusätzlichen Sauerstoff aufzunehmen. Dadurch können sie auch in sauerstoffarmen Gewässern leben. Allerdings entwickelt es sich erst allmählich, junge Fische atmen noch gänzlich über die Kiemen (Tate 2017).
Aquariengrösse: Das Aquarium sollte mind. 180 Liter (100x41x50 cm) fassen.
Gruppengrösse: Fadenfische können paarweise gehalten werden. Je grösser das Aquarium und je reicher strukturiert es ist, desto besser kann man auch mehrere Männchen und Weibchen halten. Da die Männchen allerdings sehr territorial sind und recht ruppig sein können, ist es wichtig, sie immer gut zu beobachten. Und die Anzahl der Weibchen sollte diejenige der Männchen übertreffen.
Einrichtung: Das Aquarium sollte reichlich Deckung (Pflanzen, Holz) bieten und bis in die obere Wasserschicht sehr gut bepflanzt sein. Vor allem das Weibchen muss dem Männchen gut ausweichen können, wenn das Männchen in Paarungsstimmung ist. An der Wasseroberfläche sollte man Schwimmpflanzen ansiedeln. Diese nutzen die Fadenfische, um ihre Schaumnester (s. Sozialleben) zu bauen.
Futter: Gefüttert werden sollte Flockenfutter, Lebend- Forst oder Trockenfutter sowie gelegentlich pflanzliche Kost.
Wasserwerte: Eine gute Wasserqualität ist bei dieser Fischart besonders wichtig, da sie sonst schnell kränkelt. Gesamthärte 5 - 19 dGH, Temperatur 22 - 28°C, pH: 6.0 - 8.0
Vergesellschaftung: Fadenfische sollten nicht mit Arten zusammengehalten werden, die an den fadenartigen Brustflossen zupfen, wie z.B. die Sumatrabarbe. Da Fadenfische ihr Territorium mit dem Nest stark verteidigen, hält man ihn am besten in einem Biotopaquarium mit nur einer oder zwei anderen Arten, z.B. Keilfleckbarben.
Zucht: Für den Handel In Indien stammen Zwergfadenfische noch immer aus Wildfang, was einen beträchtlichen Druck auf die natürlich vorkommenden Populationen ausübt (Sahu 2018). Allerdings lassen sich Zwergfadenfische bei geeigneten Bedingungen leicht züchten (Saha 2017). Durch die Zucht sind verschiedene Farbvarianten entstanden.
Taxonomie
Der Zwergfadenfisch (Trichogaster lalius) gehört in der Unterordnung der Labyrinthfische und der Unterfamilie der Fadenfische zur Gattung Trichogaster, die vier Arten umfasst.
Merkmale
Zwergfadenfische können bis zu 9.5 cm gross werden, wobei die Weibchen etwas kleiner sind (Masse von wilden Fadenfischen, Islam 2017).
Männchen haben eine blaugrüne, stark irisierende Grundfärbung mit auffällig leuchtend orangefarbenen und blauen Bändern gefärbt, die sich zur Fortpflanzungszeit verstärken. Die Weibchen weisen eine grausilberne Färbung mit blassorangen Bändern auf.
Beim Männchen ist die Rückenflosse hinten spitz, beim Weibchen gerundet. Dies ist bereits bei halberwachsenen Jungfischen zu sehen.
Verbreitung
Zwergfadenfische kommen ursprünglich in Pakistan, Indien, Bangladesh, Myanmar und Nepal vor. Mittlerweile kommt die Art durch Einschleppung in Ländern ausserhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets vor (Sahu 2018).
Zwergfadenfische leben in langsam fliessenden Flüssen, Bächen und Seen mit viel Vegetation, aber auch in Reisfeldern und Bewässerungskanälen (fishbase.org, Sahu 2018). Leider ist wenig über den von Fadenfischen bevorzugten natürlichen Lebensraum bekannt (Jones 2021).
Fadenfische ernähren sich sowohl von pflanzlicher als aus tierischer Nahrung. Zuweilen suchen sie diese auch am Boden (Miller 1983).
Der Zwergfadenfisch zeigt bei der Futtersuche ein Spuckverhalten, wie es vom Schützenfisch bekannt ist (siehe unten Besonderes). Dabei streckt er die Nase über Wasseroberfläche, schluckt Luft, taucht wieder ab und stösst dann mit einem kräftigen Stoss einen Wasserstrahl in einem Bogen aus (Miller 1983). Mit diesem Wasserstrahl kann er Beute abschiessen, die sich über der Wasseroberfläche befindet (Jones 2021).
Ausserhalb der Fortpflanzungszeit leben erwachsene Zwergfadenfische in lockeren Gruppen. Die Jungfische bilden grosse Schwärme (Schmidt 2009).
Fortpflanzungsverhalten
Zu Beginn der Fortpflanzungszeit werden Fadenfische aggressiv und die Männchen intensivieren ihre Körperfärbung. Es treten Maulkämpfe zwischen den Männchen, aber auch zwischen Männchen und Weibchen auf. Beim Männchen treten sie vor allem im Zusammenhang mit der Verteidigung des Territoriums auf. Dieser Kampf besteht darin, den anderen mit dem offenen Maul wegzudrängen und kann intensiver werden, indem die Fische einander vehementer wegstossen, sich jagen und mit dem Schwanzflosse schlagen (Miller 1983).
Das Männchen baut in seinem Territorium ein schwimmendes, kuppelförmiges Schaumnest. Solche Schaumnester sind wichtig für das Überleben der Eier und Larven, da sie an der Grenzschicht zwischen Luft und Wasser viel Sauerstoff enthalten. Das Männchen schnürt Luftblasen von der Wasseroberfläche ab und produziert Blasen, die mit einem Schleim umgeben sind, der in der Mund- und Rachenhöhle von Zellen abgesondert wird. Die Blasen werden entweder an, unter oder über die Oberfläche gespuckt. Nach und nach bildet sich ein Nest aus Blasen, in das der Zwergfadenfisch auch Pflanzenteile und Algen, Detritus oder Sand einbaut (Hayakawa 2010).
Das Männchen lockt das Weibchen mit Werbeverhalten zum Nest. Es folgen Sequenzen des Paarungsverhalten und schliesslich die Paarung. Während der Paarung zeigt das Männchen ein typisches Klammerverhalten: Unter dem Nest wickelt es seinen Körper um denjenigen des Weibchens. Er beugt seinen Körper mehrmals auf eine Seite und danach auf die andere. Das Verhalten dient dazu, dass es die Spermien optimal abgeben kann.
Das sich umschlingende Paar gleitet unters Nest und das Weibchen laicht die Eier direkt ins Nest ab. Das Ablaichen wird mehrere Male wiederholt. In der Folge kümmert sich das Männchen um Eier und Larven, indem es weitere Blasen ins Nest bläst, es sauber hält und Eier zurückholt (Miller 1983, Hayakawa 2010).
Nach 12 bis 24 Stunden schlüpfen die Larven. Für drei Tage bleiben die Larven im Schaumnest, bis der Dottersack aufgebraucht ist. Nach drei Tagen verlassen die Larven das Nest und schwimmen frei. In gemässigten Zonen in Nordindien erreichen sie die Geschlechtsreife mit acht bis zwölf Monaten, im wärmeren Singapur schon mit vier Monaten (Sahu 2018).
Von einigen Fischarten ist bekannt, dass sie Wasser als Hilfsmittel bzw. Werkzeug einsetzen, um Beute zu machen. Sie bilden mit dem Maul einen Wasserstrahl und schiessen so auf die Beutetiere oder versuchen damit, die Beute aus Spalten oder aus dem Sand zu spülen.
Neben Drückerfischen (Balistidae) und Rochen (Elasmobranchia) sind die bekanntesten Arten für dieses Verhalten die Schützenfische (Toxotes spp.). Sie setzten diese Technik ein, um zielgenau Insekten abzuschiessen, die auf der Ufervegetation sitzen (s.die Zusammenfassung einer Studie in der Bibliothek).
Auch bei Fadenfischen und insbesondere beim Zwergfadenfisch wurde dieses Verhalten beobachtet. Allerdings waren diese Berichte bisher nur anekdotischer Art oder es handelte sich um Studien, die nur mit einzelnen Individuen durchgeführt wurden.
Dabei stellte sich die Frage, ob dieses Verhalten der Fadenfische ähnlich wie bei den Schützenfischen tatsächliche eine Anpassung des Fressverhaltens ist, um sich eine neue Nahrungsnische zu erschliessen, oder ob diese Spuckfähigkeiten eigentlich dem Nestbauverhalten (s. oben) dient, aber auch die Funktion des Nahrungserwerb übernehmen kann.
Spucktraining
Um diese Frage zu beantworten, trainierten Forscher:innen Zwergfadenfische darauf, mit Wasserstrahlen Beute abzuschiessen (Jones 2021). Im ersten Trainingsschritt diente eine rote Plastikkugel als Ziel. Trafen die Fadenfische die Kugel, erhielten sie eine Belohnung.
Sowohl Männchen als auch Weibchen lernten, auf die Plastikkugel zu schiessen, was darauf hindeutet, dass dieses Verhalten sich nicht vom Nestbauverhalten der Männchen ableitet.
Weiter lernten die weiblichen Fadenfische sehr schnell, auch auf lebende Beute (Fruchtfliegen, junge Grillen) zu schiessen. Und sie zeigten Ausdauer: Sie schossen solange mit einem Wasserstrahl auf die Beute, bis sie sie trafen und fressen konnten.
Es scheint also, dass die Fadenfische das Schiessen mit Wasserstrahl im Nahrungserwerb durchaus einsetzen können. Wie intensiv sie das tun, ist nicht bekannt, da es nur wenig Informationen zum Fressverhalten von wilden Fadenfischen gibt.
Mit Spucken den Radius erweitern
Im Unterschied zu Schützenfischen, die bis zu 2 Metern hoch schiessen können, erreichen Fadenfische lediglich Höhen von fünf Zentimetern. In der Studie nahm die Treffsicherheit schon bei einer Höhe von drei Zentimetern ab. Zudem waren die Fadenfische weniger motiviert zu schiessen, wenn sich die Beute vier oder fünf Zentimeter über der Wasseroberfläche befand.
Da Zwergfadenfische in stark bewachsenen Gewässern leben (fishbase.org), genügen wohl auch Schüsse aus kurzer Distanz, um an die Beutetiere zu kommen. Alles in allem eine gute Strategie, um an Nahrung zu gelangen, die sie ansonsten nicht erreichen würden.
Eine Studie hat gezeigt, dass Fadenfische Wasser spucken, um an Beute zu kommen (Jones 2021). Im Video der University of St. Andrews sieht man die Versuchsanordnung mit der Plastikugel, die als Ziel im Training diente. Das Fadenfischweibchen hat schnell gelernt, mit einem Wasserstrahl auf die Kugel zu zielen. Trifft es, wird es belohnt.
Das Weibchen des Zwergfadenfisches ist etwas dezenter gefärbt. Fürs Ablaichen folgt sie dem Männchen zum Schaumnest. Die Eier legt sie direkt ins Nest. Voraus geht ein spezielles Paarungsverhalten, während dem sich das Paar umschlingt.
Fadenfischmännchen bauen Schaumnester, indem sie mit dem Maul Luftblasen produzieren. Sie können mit ihrem Maul auch einen Wasserstrahl formen und damit Beutetiere wie Insekten abschiessen.