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Gestern Abend und in der Nacht auf heute ist eine Kaltfront langsam von West nach Ost über die Schweiz gezogen. Sie sorgte für ein Ende des Föhns, kräftige Niederschläge und eine Abkühlung. Wir ziehen Bilanz.
Wetter
Gestern Abend und in der Nacht auf heute ist eine Kaltfront langsam von West nach Ost über die Schweiz gezogen. Sie sorgte für ein Ende des Föhns, kräftige Niederschläge und eine Abkühlung. Wir ziehen Bilanz.
Wie in der gestrigen Ausgabe des Wetterblogs beschrieben, herrscht über Europa aktuell eine sehr dynamische Wetterlage. Vor allem vom Nordatlantik über die Britischen Inseln bis zur Nord- und Ostsee sind im Moment verschiedenste Tiefdruckzonen aktiv.
Das für unser Wetter relevante Tiefdrucksystem ist in der Nacht auf heute von den Benelux-Ländern nach Dänemark gezogen. Es führte eine Kaltfront langsam über die Schweiz hinweg ostwärts. Damit endete die Föhnphase vom Wochenende. Während der Ostwärtsverlagerung bildete sich an der Front über Norditalien eine Welle mit einem Sekundärtief. In der obigen Analyse von 00 UTC ist dieses schön zu erkennen.
Die Wellenbildung sorgte dafür, dass die Kaltfront für einige Stunden mehr oder weniger ortsfest über den östlichen Schweizer Alpen verharrte. Dies führte zu grösseren Niederschlagsmengen, dazu später mehr.
Der Föhn schwächte sich in den Alpentälern im Laufe des gestrigen Montags sukzessive ab. Das Föhnende erfolgte bereits im Vorfeld der Kaltfront. Die Ursache dafür war der mit der Tiefbildung einsetzende, starke Druckfall auf der Alpensüdseite.
In der Höhe verstärkten sich die Südwinde hingegen noch einmal. So wurde beispielsweise auf dem Piz Martegnas oberhalb von Savognin die maximale Böenspitze von 131 km/h erst am frühen Nachmittag gemessen.
Diese beiden Effekte sorgten dafür, dass der Niederschlag von der Alpensüdseite zunehmend auf die Föhnregionen übergreifen konnten. Wir hatten es also mit Dimmerföhn zu tun. Bei diesem weht der Föhn, gleichzeitig fällt aber auch Niederschlag und die Luftfeuchtigkeit ist deutlich höher als beim «normalen» Föhn. Weitere Informationen zum Dimmerföhn finden Sie auf folgendem Poster (in engl. Sprache).
Die höchsten Niederschlagsmengen wurden auf der Alpensüdseite registriert. Innert 24 Stunden sind stellenweise rund 100 mm Regen gefallen. Mit den starken südlichen Höhenwinden wurde der Niederschlag über den Alpenhauptkamm nach Norden verfrachtet. In weiten Teilen von Graubünden und im südlichen Glarnerland lagen die Mengen bei 40 bis 60 mm. Dabei ist insgesamt mehr Niederschlag gefallen als erwartet.
Gestern Nachmittag lag die Schneefallgrenze auf der Alpensüdseite und in den östlichen Alpen noch auf rund 2800 Metern. Mit der durchziehenden Kaltfront ist ein Absinken auf rund 1700 Meter erwartet worden. Tatsächlich schneite es heute am frühen Morgen in einigen Tälern von Graubünden bis auf 1200 Meter hinunter, so beispielsweise im Valsertal oder im Oberhalbstein (Region Savognin).
Ursache für die tiefe Schneefallgrenze war einmal mehr die Niederschlagsabkühlung während der intensiven Phase des Niederschlags. Dabei kühlt die Luft durch schmelzende Schneeflocken sukzessive ab (s. Grafik unten). Weitere Details zum Thema Schneefallgrenze und Niederschlagsabkühlung sind hier zu finden.
Mit der rasch sinkenden Schneefallgrenze ist in den höheren Lagen der zentralen und östlichen Alpen teils ergiebig Neuschnee gefallen. Oberhalb von 2700 bis 3000 lagen die Mengen gemäss Abschätzungen aus den Radardaten und den Messungen an den automatischen Stationen im Bereich von 40 bis 60 cm. Im Berninagebiet dürften die Mengen noch deutlich höher gewesen sein.
Von den manuellen Stationen meldete der SLF-Beobachter vom Schneemessfeld Corvatsch auf 2690 Meter mit 40 cm Neuschnee den höchsten Wert.