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Postbureau, Telegraph, Telephon. 29
Häuser, 403 reform. Ew. Hier stehen die grossen
Fabrikanlagen der Firma Maggi, die sich aus bescheidenen Anfängen zu einem Welthaus entwickelt hat.
Bis 1841 stand hier nur eine Kesselschmiede, die später durch eine
Mühle ersetzt worden ist.
Ums Jahr 1880 begann man dann
mit der Fabrikation von Erbsen- und Bohnenmehl, zu dem sich nach und nach Suppenrollen, Suppenwürzen, Konserven etc. gesellten.
Die
Fabrik wurde 1890 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die heute mit einem Kapital von 8 Millionen
Franken arbeitet.
Die stets an Zahl zunehmenden Fabrikbauten bedecken eine Bodenfläche von 87900 m2.
Kraftanlage von 460 PS.
Zu den Fabrikanlagen gehört noch ein landwirtschaftlicher Betrieb mit 350 Stück Grossvieh und 50 ha Gemüseland.
Das Ganze
umfasst eine Fläche von mehr als 200 ha.
Die gleiche Gesellschaft besitzt daneben noch eine grosse Gutswirtschaft
im Kanton
Aargau u. eine Alpweide im Kanton Schwyz.
Vor wenigen Jahren sind in Paris und Singen (Grossherzogtum
Baden) Zweiggeschäfte gegründet
worden.
900-1280 m. Kleine Alpweide, auf einer mit Moränenschutt überführten Terrasse am
NW.-Hang
des
Fronalpstocks. 1½ Stunden sö. über
Mollis.
Nährt 50 Kühe.
Hütte in 1095 m. 1899 hat man hier das
Ferienheim
Neumünster-Zürich eröffnet. Es ist in 1150 m reizend gelegen und nimmt Knaben der obern Klassen auf, die hier
ihre Ferien zubringen wollen.
Zwei Kirchgemeinden:
Mühlehorn und
Obstalden-Filzbach. Sekundarschulen in
Obstalden und
Mühlehorn. Eine der Gemeinde
Kerenzen eigentümliche Einrichtung sind die drei sog. Genossamen
Mühlehorn,
Obstalden und
Filzbach. Es sind dies bürgerliche
Korporationen von mehr privatem als öffentlichem Charakter mit einem gemeinsamen Besitz von Waldungen,
Wiesen und Alpweiden,
deren Ertrag unter den dazu Berechtigten im Verhältnis zur Zahl der Familien oder ihrer männlichen Glieder aufgeteilt wird.
Daneben bestehen in
Obstalden-Mühlehorn noch die alte und die neue Alpgenossame, denen die grosse Mehrzahl aller Alpweiden
der Gemeinde zu Eigen gehört.
Wiesenbau, Viehzucht, Alpwirtschaft. Seidenweberei als Hausindustrie. Fremdenindustrie. Jahrhundertelang
konnten die Bewohner von Kerenzen nur auf dem Seeweg oder über schlechte Fusspfade mit ihren Nachbarn verkehren. Dann liess
Hauptmann Fridolin Heer 1603 auf seine Kosten längs dem Seeufer eine Strasse von
Weesen nach
Mühlehorn
erbauen, um so die oft gefährliche Fahrt auf dem
See unnötig zu machen.
Später vernachlässigte man diese Strasse derart, dass heute fast keine Spuren mehr davon übrig sind. Die jetzige Strasse
von
Mollis über den
Kerenzerberg nach
Mühlehorn wurde 1835-1848 erstellt. Kerenzen war zusammen mit dem
Gaster seit 890 Eigentum der
Grafen von
Lenzburg, ging nach dem Erlöschen dieses Geschlechtes an die
Grafen von
Kiburg und 1264 an
das HausHabsburg über. 1386 bemächtigten sich die
Glarner der Ortschaft
Filzbach, um sich vor Ueberfällen der
Oesterreicher über den
Kerenzerberg zu sichern; die Oesterreich günstig gesinnten Bewohner des Gebietes wurden hier am von
den Glarnern geschlagen, 1415 lösten sich auch
Obstalden und
Mühlehorn vom
Gaster los, um sich Glarus
anzuschliessen.
Damals stand Kerenzen unter der geistlichen Oberhoheit des
KlostersSchännis, von dem es sich erst 1593 völlig
loskaufte, obwohl es in
Obstalden schon längst eine eigene Kirche hatte und inzwischen auch zur Reformation übergegangen
war. 1230: Kirchintze; 1303: Kirichze. Obwohl man auf Kerenzen römische Münzen gefunden hat, ist es doch nicht sicher,
ob eine
Römerstrasse hier durchführte. Einige Forscher vermuten, dass dieRömer auf der Strecke
Weesen-Walenstadt
lediglich den Seeweg benutzt haben. Vergl.
Girard, Th. Kerenzen amWalensee (im Jahrbuch des histor. Vereins desKant. Glarus.
Heft 25).
- Winteler, J. Die Kerenzer Mundart. Leipzig 1876. - Winteler, J. Ueber einen römischen Handelsweg amWalensee (im Programmder Aargauischen Kantonsschule.Aarau, 1894). - Hafter E. Der römische Handelsweg vonZürichnachChur (im Jahrbuchdes histor. Vereins des Kts.Glarus.
Heft 30, 1895).
Die Burg der den Grafen von Kiburg dienstpflichtigen Ritter Kernen von
Kerrenried wurde 1318 von den Bernern zerstört. 1603 hat man in Kernenried etwa 1500 Stück römische
Silbermünzen gefunden, die den ersten Grundstock zum Münzkabinet in Bern
legten.