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Die Senatorin aus Minnesota landet bei den Vorwahlen am Dienstag an dritter Stelle. Bisher wurden der 59-Jährigen kaum Chancen auf die Nomination ausgerechnet. Könnte sich das nun ändern?
«Hallo Amerika, ich bin Amy Klobuchar und ich werde Donald Trump schlagen», mit diesen durchaus optimistischen Worten hat sich die 59-jährige Senatorin aus Minnesota am Dienstag feiern lassen. Amy Klobuchar ist die Überraschung von New Hampshire. Lange schien sie in dem dichten Bewerberfeld der Demokraten ihren Platz nicht so recht zu finden. Nun landete sie bei den ersten Vorwahlen an der Urne («Primary») mit knapp 20 Prozent der Stimmen an dritter Stelle – knapp hinter dem bekennenden Sozialisten Bernie Sanders (26 Prozent) und dem Millennial Pete Buttigieg (24 Prozent).
Klobuchar übertraf damit bekanntere Rivalen wie die Senatorin Elisabeth Warren oder den früheren Vizepräsidenten Joe Biden, was ihr wohl vor wenigen Wochen noch kaum jemand zugetraut hätte: Bei den Caucuses von Iowa belegte sie, trotz einem intensiven Wahlkampf, Platz fünf. In New Hampshire war die Senatorin vor sechs Wochen in Umfragen noch an achter Stelle gelegen. Hier hat sich ihr Effort - sie hielt in dem kleinen Gliedstaat an der Ostküste im letzten Jahr mehr als 70 Auftritte ab - anscheinend ausgezahlt.
Erklärte Pragmatikerin
Klobuchar zählt, wie Buttigieg und Biden, zu den gemässigteren Anwärtern im demokratischen Bewerberfeld. Sie stellt sich als Pragmatikerin dar, die «das Rezept» hätte, auch mit den Republikanern zusammenzuarbeiten, um Gesetze auf den Weg zu bringen. Dabei hebt sie sich betont vom linken Flügel ab. Vorschläge ihrer Konkurrenten wie die Forderung einer obligatorischen staatlichen Krankenversorgung hinterfragt sie aufgrund der unklaren Finanzierbarkeit kritisch. Sie hänge «keinen Tagträumen nach», sagt die Senatorin von sich selbst, sondern fokussiere sich auf Vorhaben, die umgesetzt werden könnten. Die «New York Times», die zwei Wahlempfehlungen abgegeben hat – eine für die weiter links stehende Senatorin Elisabeth Warren und eine für Klobuchar – schrieb der 59-Jährigen zu, die demokratische Partei und womöglich gar das Land «einen zu können.»
Tatsächlich kann Klobuchar im Rennen um die Prsäidentschaftskandidatur einiges für sich verbuchen. Mit ihren Positionen dürfte sie ein breites Wählerspektrum ansprechen, sie ist jünger als die bald 80-jährigen Sanders und Biden sowie mit 13 Jahren im Senat erfahrener als der erst 38-jährige Buttigieg. Dennoch konnte die 59-Jährige bisher nicht so recht verfangen.
Fernsehauftritt brachte Aufwind
Zu ihrem guten Abschneiden in New Hampshire dürfte zum einen ihre Rolle im Impeachment-Verfahren beigetragen haben, wo sie als Teil der Jury im Senat ihre Bekanntheit steigern konnte. Wesentlich war offenbar aber vor allem ihr Auftritt bei einer Fernsehdebatte am vergangenen Freitag. Dabei übte sie scharfe Kritik an ihrem Rivalen Buttigieg wegen dessen Unerfahrenheit: «Wir haben einen Newcomer im Weissen Haus. Schaut, wohin uns das gebracht hat», sagte Klobuchar zu dem 38-Jährigen, der als einzige politische Erfahrung das Bürgermeisteramt in der 100 000-Einwohner-Stadt South Bend vorweisen kann.
Der Senatorin dürfte in New Hampshire auch zugute gekommen sein, dass viele der Wähler bis kurz vor der Abstimmung unentschlossen waren. Zwei Drittel ihrer Unterstützer sagten in Wählerbefragungen, sie hätten ihre Entscheidung erst in den letzten Tagen getroffen. Starken Zuspruch bekam Klobuchar von älteren, gemässigten Wählern, von Personen, die sich religiös nennen und von Wählern mit Hochschulabschluss. Vergleichsweise wenig Erfolg hatte die Senatorin bei den 18- bis 29-Jährigen und bei Niedrigverdienern.
Kritik erntete Klobuchar in der Vergangenheit für das ruppige Verhalten, das sie gegenüber ihren Mitarbeitern an den Tag legen soll. Aus ihrer Zeit als Staatsanwältin in Hennepin County wird sie zudem für den Fall Myon Burrell kritisiert. Der dunkelhäutige Teenager wurde 2002 des Mordes schuldig gesprochen. Laut Recherchen der Nachrichtenagentur Associated Press soll es während des Verfahren aber zu schweren Fehlern gekommen sein. So habe die Polizei Informanten Geld angeboten und sei Spuren, die Burrell entlastet hätten nicht nachgegangen. Am Dienstag sprach sich Klobuchar, nicht zum ersten Mal, für eine Wiederaufnahme des Verfahrens aus.
Fraglich ist nach dem Erfolg in New Hampshire, ob Klobuchar den Schwung bei den kommenden Vorwahlen mitnehmen kann. Will sie das erreichen, wird sie ihre Kampagne in anderen Gliedstaaten innerhalb kurzer Zeit massiv verstärken müssen und muss zeigen, dass sie auch bei der afroamerikanischen und hispanischen Wählerschaft punkten kann. In landesweiten Umfragen kam die Senatorin bisher nie auf mehr als 5 Prozent. Zwar geht von dem Ergebnis im «Granite State», der als erster Gliedstaat der USA eine «Primary» abhält, eine starke Signalwirkung aus. Doch im nationalen Vergleich ist New Hampshire eine kleine Nummer: nur 24 der mehr als 4000 Delegierten werden von dort an den Parteikonvent entsandt, um im Juni den demokratischen Präsidentschaftskandidaten zu wählen.