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Siedlungswachstum als Spiegelbild des Bevölkerungswachstums
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. veränderte sich die Stadt Basel radikal. Basel verzeichnete ein überproportionales Wachstum der Bevölkerung – diese hatte sich im Zeitraum 1850–1910 mehr als verdreifacht. Im gleichen Zeitraum war sie in Baselland nur um die Hälfte gewachsen.
Die Industrialisierung und die Veränderungen im Verkehr durch den Bau der Eisenbahnen waren wichtige Rahmenbedingungen für diese Entwicklung. Ab 1860 wurden die Stadtmauern geschleift, damit Basel sich in die Freiflächen vor den ehemaligen Stadtmauern ausbreiten konnte. Die wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt war ein Magnet für die ländliche Bevölkerung in der Region. Da seit 1848 die Niederlassungsfreiheit galt, setzte eine Landflucht ein. Das Wachstum der Bevölkerung führte in der Folge schnell zu einem Ausbau der Stadt bis an die Kantonsgrenzen. Ab 1900 begannen sich Häuser und Dörfer entlang der neu gebauten Tramlinien (Münchenstein 1902, Allschwil 1905, Reinach 1907, Huningue 1910, St. Louis 1911, Muttenz 1921) auszubreiten.
In der Stadt herrschte mittlerweile eine prekäre Wohnungsnot. Die hygienischen und sozialen Verhältnisse in den Mietshäusern waren oft unhaltbar. Diese Zustände in der Stadt waren auch massgebend für den Bau der Gartenstädte wie Freidorf in Muttenz oder Wasserhäuser in Münchenstein. Die Bevölkerungsentwicklung verlief in den beiden Kantonsteilen immer unterschiedlich. Während die Bevölkerung des stadtnahen Bezirks Arlesheim von 1900 bis 1941 von 26 000 auf 46 000 Einwohner wuchs, stagnierte sie in den beiden ländlichen Bezirken Sissach und Waldenburg bei rund 17 000 beziehungsweise 9000 Einwohnern.
Die Verstädterung der Landschaft
Ab etwa Mitte des 20. Jh. setzte eine Trendwende ein – auf die Landflucht folgte die Stadtflucht. Der Ausbau der Verkehrsträger durch den Bau des Autobahnnetzes mit den Nationalstrassen A2 und A3 sowie der Talentlastungsstrassen ermöglichte vielen Leuten, günstiges Bauland im Grünen ausserhalb des bestehenden Siedlungsgürtels zu kaufen. Es entstanden vielerorts Einfamilienhaussiedlungen, vor allem an den sonnigen Südhängen entlang der Verkehrsachsen. Um 1980 lagen die stärksten Wachstumsgemeinden in einer Distanz von etwa 10 Kilometer. Das Ergebnis dieser Entwicklung war ein Wachstum der Siedlungen in die Fläche mit relativ geringer Wohndichte.
In vielen Gemeinden entstanden ausserhalb der ursprünglichen Siedlung Subzentren für die Infrastruktur
wie Schulen (Gymnasium Oberwil) oder Einkaufszentren (Grüssen in Pratteln, Schönthal). Die scharfen Grenzen zwischen städtischer Agglomeration und ländlichem Umland, die Anfang der 1960er-Jahre noch sichtbar waren, verwischten sich. Heute kann man sagen, dass sich die landschaftsprägende Struktur der Siedlungen weitgehend mit der Struktur des öffentlichen Verkehrs deckt: Die «Tram-Stadt» entspricht dem dichten Siedlungsnetz, während die «Regio S-Bahn-Stadt» eher Siedlungsinseln verbindet.
Harziger Weg der Siedlungsplanung
In der ersten Hälfte des 20. Jh. verlief die Siedlungsentwicklung in der Region völlig ungesteuert. Erst im Jahr 1942 legte der Kanton Baselland mit dem Erlass eines kantonalen Baugesetzes die gesetzlichen Grundlagen, wonach die Gemeinden verschiedene Zonen
festlegen konnten. 1943 genehmigte der Regierungsrat zu Handen der Gemeinden ein Normalbau- und ein Normalzonenreglement und erliess im gleichen Jahr eine «Wegleitung für die Aufstellung von Bebauungs-, Zonen- und generellen Baulinienplänen». Bis jede Gemeinde ihre gültigen und griffigen Zonenpläne hatte, dauerte es aber Jahre oder gar Jahrzehnte.
Unter dem Eindruck der starken Zersiedelung
und den vielen Überbauungen verstärkte sich in den späten 1960er- und den 1970er-Jahren die Forderung nach einem Landschaftsschutz. Mit dem provisorischen «Regionalplan Siedlung» reagierte der Kanton Basel-Landschaft auf den immer grösseren Landverbrauch und zwang die Gemeinden zum Einfrieren aller Baugebietserweiterungen. Der Bund griff 1972 zum Instrument der dringlichen Massnahmen und verpflichtete die Kantone zur Ausscheidung provisorischer Schutzgebiete, deren Überbauung vorläufig einzuschränken oder zu verhindern sei.
Ein eidgenössisches Raumplanungsgesetz scheiterte 1976 in einer Volksabstimmung und bekam erst 1980 nach einer zahmeren Neuauflage Rechtskraft. Schon 1971 hatte der Bundesrat für die Durchführung des flexiblen Baustopps neun überhitzte Regionen bezeichnet. Darunter befanden sich die stadtnahen Gemeinden Allschwil, Binningen, Birsfelden, Münchenstein, Muttenz, Pratteln, Bottmingen, Oberwil, Reinach, Aesch, Therwil, Arlesheim und natürlich Basel-Stadt.
Wichtige Raumplanungselemente
Kantonaler Richtplan: Der kantonale Richtplan ist ein Planungsinstrument. Er legt die räumlichen Interessen des Kantons sowie seine Rahmenbedingungen zur räumlichen Entwicklung verbindlich fest. Der kantonale Richtplan dient als Grundlage und Rahmen für die kommunale Richtplanung sowie für die Nutzungsplanung von Kanton und Gemeinden. Der kantonale Richtplan ist für die Behörden verbindlich. Er umfasst die Richtplan-Gesamtkarte, die Richtplankarte Verkehrsinfrastruktur sowie den Richtplantext (Objektblätter).
Konzept Räumliche Entwicklung Kanton Basel-Landschaft (KORE): Das KORE zeigt, wie die Zukunft des Lebens- und Wirtschaftsraumes Baselland mitgestaltet werden soll. Generelles Ziel ist die Sicherstellung einer nachhaltigen Entwicklung unseres Lebensraumes, welche die heutigen Bedürfnisse der Bevölkerung, der Wirtschaft und des Staates umweltschonend zu decken vermag, ohne für künftige Generationen die Möglichkeiten zu schmälern, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.
Heutige Problematik
Die heutige räumliche Entwicklung wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Das ungebremste Bevölkerungswachstum verursacht unter anderem eine Wohnungsknappheit. Die grosse Nachfrage ergibt hohe Bodenpreise und hohe Mietzinse, vor allem in der Stadt Basel. Die Bauzonen sind schon relativ stark aufgefüllt. Verdichtetes Bauen sowie Bauen in die Höhe sollen das Problem lösen.
Wohn- und Arbeitsort sind immer öfter nicht mehr am gleichen Ort. Das verursacht verstärkte Pendler
ströme und eine Zunahme des Verkehrs. Damit kommt der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs, aber auch des privaten Verkehrs (Ausbau Autobahnen) eine Schlüsselrolle in der räumlichen Entwicklung zu. Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Bautätigkeit ausserhalb der Bauzonen. Die neuste Revision des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes spielt – nicht nur hier – eine zentrale Rolle für die künftige Entwicklung.
HPM