Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/2186

„Welterziehung ist unvermeidbar im Prozess zur Bildung einer demokratischen Schule, die jedem Lernenden angepasst ist.“, sagte Guiseppe Beccia, der Generalsekretär der Obessu, bevor die Konferenz begann. So sollte also jeder Schüler und jede Schülerin ein möglichst hohes Weltverständnis erlangen, um mit seiner Umwelt kompetent umgehen zu können, meint Beccia.
Die Welt schulen
Global Education – Welterziehung – war das Thema einer Konferenz in Zürich organisiert von der Union der Schülerorganisationen der Schweiz und Liechtenstein (USO) und dem Organising Bureau of European School Student Unions (Obessu) vom 12. Bis 16. März 2009. Der Konferenz vorausgegangen war ein Treffen des Organisationskomitees in Zürich Ende Februar 2009. Finanziell ermöglicht wurde diese Konferenz durch die Förderprogramme „Jugend in Aktion“ und „Ostprojekt“, die Stadt Zürich und durch die Eigenmittel der USO. An der Konferenz nahmen 43 Personen aus mehr als 18 verschiedenen europäischen Ländern teil.
Das Ziel der Konferenz war einfach: Die Vertreter aller Unionen Europas sollten auf das Thema „Global Education“ aufmerksam gemacht werden. Darum wurden die Vertreter nach Zürich eingeladen, um über Menschenrechte, Demokratie, Friedenserhaltung, Interkulturellem Dialog und der Kontakt mit Drittweltländern zu diskutieren, Probleme aufzuzeigen und Projekte zu entwerfen um „Democratic Education“ in den jeweiligen Ländern besser zu fördern. Das Ziel der Konferenz war für fünf Tage hoch gesteckt. Dennoch wurden in verschiedenen Vorträgen, spielerischen Gruppenarbeiten und interessanten Diskussionsrunden viele Vorschläge für Projekte gesammelt, um „Global Education“ besser zu fördern.
Ungleiche Ressourcen
Unter Anderen wurde ein solches Projekt praktisch vorgestellt: Allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen wurde eine Land und dazu virtuelle Ressourcen in Form von Schreibern, Papier, Zirkel und Tesa-Streifen zugeordnet. Das Ziel jedes Landes war es, eine Anzahl von geometrischen Formen zu zeichnen und auszuschneiden, um das Spiel zu gewinnen. Die Ressourcen waren natürlich ungleich verteilt und entsprachen dem tatsächlichen Ungleichgewicht des BIP verschiedener Länder. So begannen die einzelnen Länder miteinander Tauschhandel zu betreiben, in den verschiedensten Sprachen zu feilschen und bei Streit sogar ein „Völkergremium“ einzuberufen.
Nach drei Stunden wurde sichtbar, wie unfair die Ressourcen verteilt gewesen waren und wie die einzelnen Länder damit umgingen. Dieses Rollenspiel kann in Schulen mit wenig Aufwand durchgeführt werden und fördert das Verständnis für Konflikte zwischen Industriestaaten und Drittweltländern.
Auch ein Sprachaustausch
Die Rückmeldungen zur Konferenz waren durchwegs positiv. Vor allem das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen wurde als bereichernd empfunden. Die Konferenzsprache war schon von Beginn weg Englisch. Jedoch gab es immer wieder Situationen, in denen man andere Sprachen hörte. So konnten die Finnen auch ihr Schwedisch und die Schweizer Vertreter ihr Französisch verbessern. Die verschiedenen Treffen in der Schweiz und die intensive Zusammenarbeit der USO mit der Obessu förderten den Austausch und die europäische Vernetzung ungemein. Die anfängliche Skepsis gegenüber der Unterkunft – ein modernes Pfadfinderhaus – , welche nur Massenschläge und Massenduschen zur Verfügung hatte, verflog rasch. Letztendlich wurde die Atmosphäre gelobt, zu welcher auch die Unterkunft beigetragen hatte.
Die Konferenz hat vielen jungen Leuten aus Europa die Möglichkeit gegeben, in ein anderes Land zu reisen, sich auszutauschen, zu diskutieren und hat ihr Verständnis gegenüber anderen Kulturen wesentlich verbessert.
Ein bisschen eigenartig fand ich es ja schon, als ich das Flugzeug verliess und von strahlendem Sonnenschein begrüsst wurde, stand doch in der Reisebroschüre, man solle Regenjacke und -schirm, sowie wasserfeste Schuhe einpacken. Die Leute liefen in kurzen Hosen, Miniröcken und Flip Flops umher, obwohl die Temperatur kaum mehr als 18° C betrug. Ich hatte anscheinend einen der besonders schönen Tagen erwischt, die, der Hautfarbe der Leute nach zu beurteilen, wohl nicht sehr häufig sind. Schon am ersten Tag war ich von der Gastfreundschaft Irlands überzeugt. Die Familie, bei der ich wohnte, die Lehrer in der Sprachschule, fremde Leute auf der Strasse oder im Zug, alle waren stets sehr freundlich, höflich und erklärten einem, was man wissen wollte.
Verborgene Grossstadt
Der allererste Eindruck von Dublin ist vielleicht nicht gerade überwältigend: Man kommt in der Stadt an und hat irgendwie nicht das Gefühl in einer Grossstadt zu sein. Die Häuser sind niedrig, eher langweilig, die Zugbahnhöfe auch nicht gerade riesig und pulsierend. Wagt man sich aber weiter ins Getümmel vor, erkennt man die Lebendigkeit, die Farben und Vielfalt dieser Stadt. Die Strassen im Zentrum sind voll von Fussgängern, Strassenmusikern und anderen Artisten. Hat man die ersten Töne hinter sich gelassen, erklingen aus der nächsten Ecke schon wieder neue oder man entdeckt vor seinen Füssen die Simpsons mitten auf die Strasse gemalt. Die Iren sind sehr sportbegeistert, das Finalspiel der irischen Liga im „Gaelic Football“ schauten sich rund 81’000 Menschen live im Stadion an. Auch die zweite irische Nationalsportart, das „Hurling“, eine sehr schnelle Ballsportart, die mit Holzstöcken und einem kleinen Ball gespielt wird, ist bei Jung und Alt sehr beliebt.
Gälisch und Guinness
Auf der Suche nach etwas wirklich Irischem schaut man sich am besten Strassenschilder an oder hört sich Lautsprecherdurchsagen an Bahnhöfen an. Sämtliche Informationen werden immer zweisprachig gegeben, in Englisch und Irisch, einer gälische Sprache. Das ist insofern witzig, weil es nicht die geringste Ähnlichkeit mit einer romanischen oder germanischen Sprache aufweist, also komplett unverständlich für Ausländer ist und noch nicht einmal von allen Iren fliessend gesprochen wird. Für etwas Abwechslung begibt man sich also in einen von aussen farbig angemalten Pub. In vielen ist schon tagsüber Live-Musik zu hören, da verkraftet man es schon einmal für ein Pint (= 0.568 Liter) Guinness etwas mehr als 5 Euro zu zahlen. Dieses dunklere Bier, sozusagen das Irische Nationalgetränk, muss in Dublin einfach von jedem probiert werden. Mit einigen Zusätzen wie zum Beispiel Cassis hat es sogar mich zur Biertrinkerin gemacht. Am letzten Donnerstag, den 24. September, wurde weltweit der Arthur’s Day, das 250-jährige Jubiläum, benannt nach dem Gründer Arthur Guinness, gefeiert. Ein riesiges Fest mit vielen Konzerten und einem Haufen Bier in der ganzen Stadt. Wer auch mit Guinness nichts anzufangen weiss, dem sei zu einem Glas Irish Coffee geraten. Heisser Kaffee,gemischt mit original Irischem Jameson-Whisky und serviert mit einer Schicht Schlagsahne oben drauf, danach ist jeder bei guter Laune.
Schrille Iren
Eine U-Bahn sucht man in Dublin umsonst, dafür gibt es unzählige gelbe Doppeldeckerbusse und eine Strassenbahn und Züge. Mehr ist auch gar nicht nötig; das Stadtzentrum ist nicht riesig, sondern schön übersichtlich und alles bequem zu Fuss erreichbar. Gleich neben der Grafton Street – einer der teuersten Einkaufsstrassen der Welt – liegt das Touristen- und Ausgangsviertel „Temple Bar“, mit seinen unzähligen Pubs, Bars, Restaurants und Clubs. An Samstagabenden sind die Strassen verstopft, man trifft hier alles und jeden: Iren, Italiener, Spanier, Asiaten, Deutsche, Engländer, sogar Schweizer sind keine Seltenheit. Die Iren von den Ausländern zu unterscheiden ist nicht schwierig, sie laufen entweder in Turnschuhen und Sportkleidern oder aber in total ausgeflippten, schrillbunten Outfits umher. An Freitag- oder Samstagabenden summiert sich das ganze dann noch einmal, modisch noch aufzufallen, ist nahezu unmöglich.
Erwischt man gutes Wetter, ist es wunderschön, die Umgebung von Dublin zu erkunden. Die Landschaft ist sehr ländlich, weite grüne Wiesen und Felder, vereinzelte ältere Häuser. Würde man die vielen Schafe durch Kühe ersetzen, könnte man sich schon fast heimisch fühlen. Ansonsten ist ein Ausflug ans Meer nie verkehrt, an den richtigen Orten und mit etwas Glück sind sogar Seelöwen zu sichten. Auch wer kein Wanderliebhaber ist, kommt auf seine Kosten: Steile Klippen, dunkelblaues Wasser und steinige Küsten sind eine willkommene Abwechslung zu sommerlichen Badeferien, obwohl manche Dubliner auch im September nichts gegen ein Bad im eiskalten Wasser haben.
Dublin ist keine Metropole, aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Das bekannte Trinity College liegt mitten in der Stadt und trägt seinen Teil zum Flair der irischen Hauptstadt bei. Die Atmosphäre ist einzigartig, die vielen Studenten und Sprachschüler geben der Stadt ein jung gebliebenes und dynamisches Bild, eine einzige Ansammlung von Individuen. Jeder wird in Dublin etwas Passendes finden, die Stimmung ist international, kreativ, inspirierend, aber trotzdem sehr relaxed. Denn irgendwie ist man in Irland eben doch weit entfernt von der restlichen Welt, auf einer grünen Insel mitten im Meer.
Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Ich sitze auf der hintersten Bank eines kleinen gelben Busses auf dem Weg zur Arbeit. Der Bus schaukelt und klappert, die Luft ist, dank Klimaanlage, angenehm kühl und ich döse vor mich hin. Ab und zu hält der Bus an, damit weitere Kinder zusteigen können. Woran man in Tainan eine Busstation erkennt, ist mir allerdings unklar. Ich persönlich orientiere mich an einem grünen Wellblechhaus, bei dem ich jeden Morgen warte.
Vorbei an einfachen Häusern und Wellblechhütten verlassen wir die Stadt und die Strasse windet sich durch eine mit Bambuswald bewachsene Hügellandschaft. Überall sind die Schäden des letzten Taifuns sichtbar. Hier und dort fehlt ein Stück Strasse und der Bambuswald sieht ein wenig gerupft aus.
Hallo, älterer Bruder!
Nach einer guten Stunde Fahrt erreiche ich mein Ziel, das St. Theresa Opportunity Center.
Ich schreibe meinen Namen in eine Liste, zur Kontrolle meiner Anwesenheit. Natürlich in chinesischen Schriftzeichen. Das Klassenzimmer ist ein mit Spielsachen und einem grossen Ventilator ausgerüsteter Raum. In der Mitte sind ein paar Tische kreisförmig aufgestellt. Als ich das Zimmer betrete, werde freundlichst mit „gege“ begrüsst, was älterer Bruder bedeutet. Meine Aufgabe ist es, den Kindern bei alltäglichen Dingen behilflich zu sein, sei es Füttern, Händewaschen, oder stundenlanges Schaukeln im Garten. Das Schwierigste ist, herauszufinden, wie viel Hilfe jemand benötigt und was sie oder er alleine kann.
Freunde auf Abruf
Die Einrichtung ist ein durch und durch friedlicher Ort. Doch wie es in Asien so ist, braucht man immer einen Ausgleich. Schwarz und weiss, Süss und Sauer, Ruhe und Lebhaftigkeit. Und für diesen Teil ist meine Gast-Familie zuständig. Meine Freizeit verbringe ich mehr oder weniger hinten auf dem Roller meiner Gastschwester. Laut knatternd geht es durch die von Leuchtreklame beschienen Strassen Tainans. Zwischen unzähligen Rollern, Taxis, Fahrradfahrern und Fussgängern flitzen wir durch die Stadt . Hier und da halten wir an, essen Nudeln, trinken Wassermelonenmilch, oder spielen Billard. Und wenn wir mal nicht wissen, was wir genau unternehmen sollen, ruft die Gastschwester einfach einen Freund an, der sich hier auskennt, und so einen Freund gibt es in Taiwan in der Regel immer.
Wenn wir dann spät nach Hause kommen, ist der Abend noch lange nicht vorbei. Meine Gastmutter hat noch etwas zu Essen gemacht. Mein Gastbruder will noch eine Runde Computer spielen und mein Gastvater möchte mir noch Bilder der Schule zeigen, an der er arbeitet. Irgendwann gelingt es mir dann, mich in meinem Bett zu verkriechen. Ich schlafe sofort ein, bis mich meine Gastschwester mitten in der Nacht aufweckt, um zu schauen, ob ich auch gut schlafen kann und das, obwohl ich so früh mit dem gelben, angenehm knatternden Bus zur Arbeit muss.
Unter dem Titel „SurfingEurope“ veranstaltete die Deutsche Minderheit in Dänemark zwischen dem 1. und 8. August einen Surfaustausch. Eingeladen waren junge Rätoromanen aus der Schweiz, Kaschuben aus Polen, Nordfriesen, sowie Burgenlandkroaten aus Österreich. Wie der Name schon andeutet standen dabei der Sport und die generelle Beschäftigung mit dem Element Wasser im Vordergrund. Denn gerade für Minderheiten aus Bergregionen ist dies nicht alltäglich.
So konnten sich alle Teilnehmenden einige Tage auf dem Surfbrett versuchen und unter Anweisung von professionellen Lehrern gegen Wind und Wellen ankämpfen. Dass dies besonders zu Beginn viel Ausdauer und Durchhaltevermögen forderte, verkleinerte den Spassfaktor in keiner Weise. Im Gegenteil. Schnell entstand eine spannende Gruppendynamik und man versuchte sich gegenseitig zu motivieren und zu helfen. So kamen sich alle Teilnehmenden in den Surfpausen schnell näher und aus einer Einzelsportart wurde ein Gruppenerlebnis.
Mehr als nur Sport
Natürlich wurde in den vielen Gesprächen nicht nur das Windsurfen thematisiert. Nachdem man sein Gegenüber und dessen Minderheit etwas besser kannte, wurden oft Gemeinsamkeiten gefunden und jeder konnte von den Eigenheiten der anderen Minderheiten lernen. Denn wie so oft konnte man schnell feststellen, dass unterschiedliche Minderheiten ähnliche Probleme haben.
So wurden denn auch politische Themen von den Organisatoren nicht ausgeklammert. Jede der Minderheitengruppen hatte Vorträge erarbeitet, welche die Bedeutung des Klimawandels für ihre spezifische Volksgruppe näher beleuchtete. Dabei wurde schnell klar wie stark sich beispielweise ein Bergvolk wie die Rätoromanen von einem Volk direkt am Meer unterscheidet und wie sehr die eigene Identifikation nicht nur mit Sprache und Kultur zu tun hat, sondern gerade auch stark von diesen Elementen geprägt wird. Die Unterschiede wurden nicht zuletzt auch in der Unterkunft der Teilnehmenden ersichtlich. Diese lag in Skelde, direkt am Meer – für Rätoromanen einzigartig.
Immer wieder eine tolle Erfahrung
Da Surfen auf die Dauer anstrengend wurde, gab es zwischendurch einen Ausflug nach Haitabu ins Wikingermuseum. Dort gab es eine Führung durchs ehemalige Wikingergebiet und deren Siedlungen. Nach der morgendlichen Exkursion konnte man sich in Deutschlands nördlichstem Gasthaus „Hansens Brauerei“ eine deftige Stärkung gönnen. Anschliessend folgte, wie es sich für den hohen Norden gehört, eine Bootstour, die mit einem Zwischenstopp und einem Vortrag auf den so genannten Ochseninseln endete.
Für die Rätoromanen war der SurfExchnage ein besonderes Erlebnis, weil er ursprünglich als Folgeprojekte des SnowExchange in der Schweiz entstand. Nachdem dieser bereits zwei Mal stattgefunden hatte, revanchierte sich die deutsche Minderheit in Dänemark indem sie den Schnee durch das Meer ersetzten. Aus dieser intensiven Zusammenarbeit resultiert jedoch nicht nur Positives für die eigene Minderheit, sondern auch für den einzelnen Jugendlichen selbst. Oft entstehen nach solchen Projekten enge Freundschaften, die auch Jahre später noch gepflegt werden. Es gibt bestimmt viele Formen, internationale Zusammenarbeit unter Minderheiten zu fördern, doch zeigt sich am Beispiel des SurfExchange, dass mit dem Jugendaustausch eine Form gefunden wurde, die nicht nur politischen und kulturellen Inhalten gerecht wird, sondern ebenso den Spass und den persönlichen Kontakt unter den Jugendlichen unterstützt.
Jugend in Aktion
Dass solche Treffen stattfinden können, ist jedoch nicht selbstverständlich. Es bedarf eines grossen Einsatzes der Jugendlichen, ihrer Organisationen und des ganzen Europäischen Netzwerks. Nicht zuletzt ist aber auch die Unterstützung der Schweizerischen Koordinationsstelle des Programms “Jugend in Aktion” unumgänglich. Durch ihr Engagement ist es überhaupt erst möglich, solche und ähnliche Projekte durchzuführen.
Angenommen, du suchtest jemanden, der ein Weihnachtslied für dein Kinderhörspiel schreiben sollte. Es erginge dir dabei wohl ähnlich wie Stephan Sigg, dem St. Galler Jungautor. Du würdest all diese Musikforen im Internet durchforsten. Myspace ist wohl das Bekannteste, aber es gibt noch viele Andere. Für einen Weihnachtssong sucht man vermutlich besser nicht unter der Rubrik Metal oder Punk. Aber auch wenn man so die Suche einschränken kann, das Angebot bleibt riesig. Die Chance für einen Musiker durch eine solche Plattform entdeckt zu werden, besteht zwar, ist aber doch verschwindend klein.
James Francis, der Churer Sing – und Songwriter hatte aber das grosse Glück. „Ich habe also stundenlang Song um Song angehört und plötzlich die Musik von James entdeckt”, erinnert sich Stephan Sigg, “und die hat mir sofort gefallen. Seine Songs wirken sehr authentisch und kommen ehrlich rüber.” Sogleich schrieb er dem jungen Musiker ein Mail. Die Überraschung für James Francis war gross, dass überhaupt jemand ausserhalb des Bündnerlandes seiner Musik Beachtung schenkte. Die Vermarktung von Musik im Internet scheint also auch ihre positive Seite zu haben. Nach dem ersten Überraschungsmoment dachte James Francis: „Ja eh, da mach i mit.“
Weihnacht ohne Kitsch
Er weiss selbst, wie sehr Hörspiele Kinder faszinieren können. Es war ihm aber sehr wichtig, nicht einfach ein Lied zu schreiben, wie es schon viele gibt: „Das Lied, das ich geschrieben habe, habe ich nicht für Kinder geschrieben, in der Art von Linard Bardill, dem Bündner Kinderliedermacher.“ Das schien mit Stephan Siggs Vorstellungen übereinzustimmen, denn er wollte auf keinen Fall einen kitschigen Song. Verständlich bei einem Thema wie Weihnachten, dass mit vielen solchen Vorurteilen beladen ist. Trotzdem aber sollte in dem Song Weihnachten und Winter thematisiert werden. Keine leichte Aufgabe, die James Francis da zu erfüllen hatte. Aber laut Stephan Sigg hat er die Aufgabe gut gemeistert.
Die meisten Musikerinnen und Musiker bekommen heute ihre Aufträge über ihr Plattenlabel zugeteilt. Das Ganze wird so recht unpersönlich und vielen Songs hört man auch an, dass kein Herzblut drin steckt. Die Zusammenarbeit zwischen James Francis und Stephan Sigg ist um einiges ungezwungener und offener, was man dem Hörspiel sicher anmerken wird.
Ganz anders als geplant
Aufgenommen worden ist die Musik für das Kinderhörspiel in Herisau. Stephan Sigg beschrieb die Momente im Studio mit James Francis so: „Wir sind im Studio zusammen gesessen, haben so dies und das ausprobiert und so sind wir zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen, als wir ursprünglich geplant hatten.“ Für den Musiker James Francis war es eine ganz spezielle Erfahrung ein Lied über ein vorgegebenes Thema zu schreiben. Das Aussergewöhnlichste an der Zusammenarbeit zwischen James Francis und Stephan Sigg ist aber wohl ihre Entstehung. James Francis wundert sich immer noch, wie viel ein einziges Mail auslösen kann.
Dass sich Liebeskummer auch zum Guten wenden kann, beweist das bittersüsse Album “Break Up” des US-Singer-Songwriter Pete Yorn und der Hollywood Schönheit Scarlett Johansson. Denn während seiner Tour 2006 wurde der Indie-Rocker von heftigem Liebeskummer und schlaflosen Nächten geplagt, bis ihn eine Eingebung davon erlöste. “Plötzlich hatte ich das dringende Bedürfnis ein Album im Stil von Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot aufzunehmen. Dieses Boy-Girl-Ding.” Erklärt der 35 Jährige Songwriter jüngst in einem Interview.
Alle Songs von Yorn
Seine Brigitte Bardot war auch schnell gefunden: Das Multitalent Scarlett Johansson. Ein kurzer Anruf genügte, um die Leinwandschönheit von seiner Idee zu begeistern und dem Album stand nichts mehr im Wege. “Ich bin ein grosser Fan von Pete’s Stimme und wir sind gut befreundet, es klang wie ein kleines und interessantes Abenteuer”, so Scarlett. Die ausschliesslich aus Pete Yorn’s Feder stammenden Songs wurden im Garagenstudio des Produzenten Sammy Levine aufgenommen. “Ich hatte das Album nicht als Ganzes im Kopf, ich war so darauf konzentriert, Harmonien zu treffen und mit der richtigen Einstellung zu singen. Doch als ich das Album zum ersten Mal hörte, war ich begeistert”, schwärmt Scarlett von ihrer Zusammenarbeit mit Pete Yorn.
So war das Kollaborationsalbum “Break Up” schon lange vor ihrem Soloalbum, “Anywhere I lay my head”, im Kasten und begeistert mit eher unbekümmerten aber inhaltvollen Songs, in denen man geradezu versinken kann. Und ja, Scarlett verleiht den Songs, mit ihrer tiefen, etwas farblosen aber sexy Stimme das gewisse Etwas. Das macht schliesslich den eigentlichen Reiz des Albums aus.
Links
Der Bass lässt den Boden unter den Füssen und den Bierbecher in der Hand vibrieren. Es ist Wochenende. Freitagabend im Sommercasino, im Basler Volksmund auf Soca abgekürzt. Punk Rock steht auf dem Programm. Violent Radio aus Basel machen den Anfang. Während dem ersten Song tummeln sich knappe 15 Leute vor der Bühne rum. Eingefleischte Fans?
Gitarrengeladene Auftritte
„Etwas Ruhigeres zur Einstimmung“, verkünden die Jungs. Mit ihrem spitzbübischen Charme und ihrem Enthusiasmus gewinnen sie das Publikum für sich. Es folgt eine Rapeinlage des Sängers: überraschend erfrischend. Innert Minuten füllt sich der rot-schwarz gestrichene Raum bis auf circa 50 Personen an. „Heute Abend wird gerockt“, sagt der Drummer und Rock bieten sie. Auch das Cover eines Incubus-Songs gelingt. Doch dann lässt der Gesang nach: Er verschwindet in der monotonen Durchschnittlichkeit und die nicht ganz sauberen Töne sind gut rauszuhören. Das scheint das Publikum aber nicht zu stören.
Nach einer kurzen Pause eröffnen Confuzed das zweite Drittel des Abends. Gitarrengeladen (und der Sänger ohne Hemd, dafür mit Hut) spielen sie als gäbe es kein morgen. Unterdessen befinden sich über hundert Jugendliche und Junggebliebene im Soca. Die langjährige Bühnenerfahrung der vier Musiker kommt im Spiel mit dem Publikum sehr gut zur Geltung: Aktionen wie „Den-Gitarristen-auf-den-Händen-Tragen“ gelingen ohne Probleme oder Verletzungen. Ansonsten bieten sie ein gutes Repertoire an selbstgeschriebenen Songs.
Wie wenn sie jung und sexy wären
Das Publikum ist nun bereit für den Headliner des Abends. Die holländische Band Heideroosjes legt los. Sobald der Bass ertönt, strömen die Leute von kalten Herbstluft wieder nach drinnen. „Hallo Basel! We’re gonna rock this town!“, brüllt der Sänger ins Mikrofon. Und das tut die Band, die seit 20 Jahren unterwegs ist. Die Songs handeln von Themen, mit denen die Leute sich nur all zu gut identifizieren können. Beispiel: Das Erwachen am Samstagmorgen. „Und jetzt ein Song aus dem Jahre 1992, als wir noch jung und sexy waren.“ Das Gelächter geht im Song unter: „I’m not deaf, I’m just ignoring you.“ (Dt.: Ich bin nicht taub, ich ignoriere dich nur.) Und das Publikum tobt und hüpft – nur die Musik hörend. „Der nächste Song handelt von Hooligans“, sagt der Sänger. Und nach einem kurzen Zögern fügt er – nicht ganz ernst gemeint – hinzu: „ Ihr wisst doch was das ist?“ Allerdings. Das wissen wir.
Am Ende schreien sich alle die Kehle nach einer Zugabe aus dem Leibe. Und die gibt’s: Zwei Songs spielen sie für ihre neuen Fans. Und der Sänger meint: „Basel, ihr seid das beste Publikum, das wir heute Abend gehabt haben!“ Und das Publikum ist sich einig: „Heideroosjes, ihr seid die beste Band, die wir heute Abend gehabt haben.“
Ob Berner, Zürcher, Basler oder sogar Deutsche und Franzosen: Unter den gut 6’500 Besuchern des ausverkauften Schupfart Festivals fand man so gut wie alles. Schon früh pilgerten die hartgesottenen Fans ein, um sich auch ja ihren Platz in der ersten Reihe zu sichern. Andere hingegen nahmen es eher gemütlich, schliesslich war für Speis, Trank und Unterhaltung gut gesorgt. Kurz nach halb acht füllte sich das Zelt jedoch langsam. Der Grund war klar, Lovebugs eröffneten den Abend und versuchten sogleich, die Stimmung zum kochen zu bringen.
Leichte Startschwierigkeiten
Leider bemerkte man zu Beginn bei Leadsänger Adrian Sieber ein paar gesangliche Startschwierigkeiten und dies drückte ein wenig auf die Stimmung. Glücklicherweise besserte sich dies nach ein paar Songs und somit stieg auch die Laune im Publikum. Gut 70 Minuten begeisterten sie die Zuschauer mit den grössten Hits aus ihrer bisherigen Musikkarriere. Zum Schluss gab es dann sogar noch ein extra Zückerchen. Sie gaben einen noch nie gespielten Song, “Golden on a Gate” zum Besten, ehe sie unter tosendem Applaus die Bühne verliessen.
Einheizen auf kölsch
Nun hiess es erst einmal warten und zwar auf die deutsche Band BAP. Kurz vor halb Zehn betraten sie schliesslich die Bühne und gaben während gut 90 Minuten ihre Songs zum Besten. Die Zuschauer zogen nicht mehr so gut mit wie bei den Lovebugs. Dies mag aber auch daran liegen, dass nur die eingefleischten Fans die kölschen Texte ganz verstanden. Trotz allem sah man viele fröhliche Gesichter und nach mehreren Zugaben verliessen auch sie unter verdientem Applaus die Bühne.
Sofort wurde wieder umgebaut. Innert kürzester Zeit war von BAP nicht mehr viel übrig und die Utensilien von Gotthard nahmen ihren Platz ein. Das Leuchten in vielen Gesichtern wurde nun noch grösser. Wie wir vor dem Konzert von einigen Zuschauern erfahren haben, waren sie nämlich der grosse Magnet des Abends und man konnte sich auf einen noch grösseren Stimmungsaufschwung gefasst machen.
Es kracht vor Mitternacht
Kurz vor halb Zwölf, mit leichter Verspätung, war es dann so weit. Das Licht ging aus und leichter Nebel überzog die Bühne. Gleich zu Beginn heizte Gotthard mit ihrem neuen Song “Shangri-La” dem Publikum mächtig ein. Die Stimmung war trotz anfänglich leichten Tonschwierigkeiten gigantisch und dies vom ersten bis zum letzten Lied. Insgesamt war es eine gute Mischung aus Balladen, Rocksongs, älteren Songs und Stücken der neuen CD “Need to Believe”. Klassiker wie “Heaven” waren wie erwartet auch vertreten und wurden vom Publikum begeistert im Chor mitgesungen. Doch wie alles hatte auch dies irgendwann ein Ende. Kurz vor eins verliess auch Gotthard nach mehreren Zugaben und lang andauerndem Applaus die Bühne und liessen viele zufriedene Zuschauer zurück. Sie hatten einmal mehr alles gegeben und gezeigt, was alles in ihnen steckt.
Fazit: Wie man auch unter den Zuschauern beobachten konnte, war wirklich für jede Altersklasse etwas dabei. Zwischen 7 und 70 Jahren fand man so ziemlich jede Alterskategorie vertreten. Und obwohl es gegen Ende im Zelt anfing zu tropfen und die Musik eindeutig zu laut eingestellt war, war es ein gelungener Abend, an dem ziemlich sicher niemand enttäuscht nach Hause ging.