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40 Jahre Menschen für Menschen: Wetten, dass … es voran geht?
Zürich/Addis Abeba (ots) – Vor genau 40 Jahren wurde die Idee zu Menschen für Menschen geboren. Am 16. Mai 1981 forderte der Schauspieler Karlheinz Böhm in der Fernsehshow „Wetten, dass..?“ die Zuschauer heraus, den Hunger in Afrika zu bekämpfen. Dies war der Impuls zur Gründung der Äthiopienhilfe. „Vieles hat sich seitdem zum Guten entwickelt“, sagt Kelsang Kone, Geschäftsführer der Stiftung. Der Anteil der unterernährten Kinder in Äthiopien ist stark gesunken. Fast alle Kinder gehen jetzt zur Schule: „Unsere Unterstützer haben zu dieser Entwicklung beigetragen.“ Allerdings sieht sich das Land mit neuen Krisen konfrontiert, die akute Nothilfe erforderlich machen.
Karlheinz Böhm war einer der bekanntesten Schauspieler im deutschsprachigen Raum. Das Publikum liebte die „Sissy“-Filme der Fünfzigerjahre, in denen er den Kaiser Franz gegeben hatte. Die Kritiker überzeugte Böhm mit den Rollen in den Fassbinder-Filmen der Siebzigerjahre. Als Showmaster Frank Elstner ihn in die dritte Ausgabe von „Wetten, dass ..?“ am 16. Mai 1981 einlud, fasste Böhm einen Entschluss. Zum Ende der Sendung sprach er direkt zum Publikum: Er wette, dass nicht einmal ein Drittel der rund sieben Millionen Zuschauer in allen deutschsprachigen Ländern einen Franken oder eine Mark spenden würde, damit in der Sahelzone kein Kind mehr verhungern müsse. „Und ich wünsche mir jetzt, dass ich diese Wette gegen Sie alle verliere!“
Karlheinz Böhm gewann die Wette, doch es kam die Summe von 1,2 Millionen Franken zusammen. Mit den Spenden aus der Wette versorgte er zunächst äthiopische Hirtenfamilien mit Nahrung und siedelte 3200 Menschen im fruchtbaren Erer-Tal an. Die Hirten hatten in einer langen Dürre ihre Weiden und ihr Vieh eingebüsst und vegetierten in einem Flüchtlingslager „in einem Schwebezustand zwischen Leben und Tod“, erinnerte sich Böhm in seiner Autobiographie. Er beendete seine Karriere als Schauspieler und gründete Menschen für Menschen.
Seitdem hat sich Äthiopien in vielerlei Weise entwickelt. Flächendeckende regionale Hungersnöte wie in den Achtzigerjahren vermochten Regierung und Nichtregierungsorganisationen durch Koordination und frühzeitige Hilfen in den vergangenen Jahren zu verhindern. Der Anteil der unterernährten Kinder unter fünf Jahren halbierte sich in den vergangenen 30 Jahren auf jetzt 21 Prozent. 1981 starben 13 Prozent aller Babys vor ihrem ersten Geburtstag, nun sind es noch vier Prozent. Als Karlheinz Böhm in Äthiopien ankam, konnte nur jeder 20. Einwohner lesen und schreiben, heute sind es jeder zweite.
Trotzdem gibt es weiterhin extreme Armut. Dies ist vor allem auch der Überbevölkerung geschuldet. 1981 gab es 36 Millionen Äthiopier. Aktuell hat das Land 117 Millionen Einwohner. Doch in keinem anderen Land südlich der Sahara ist die Zahl der Kinder pro Frau seit Mitte der Neunzigerjahre stärker gesunken als in Äthiopien. Heute schon verhüten vier von zehn Frauen in Äthiopien, Tendenz steigend. Im Jahr 1981 bekam jede Frau in Äthiopien im Durchschnitt 7,3 Kinder, aktuell liegt die Zahl bei 4,0. Laut Prognosen wird die Geburtenrate weiter sinken, in den kommenden zehn Jahren auf 3,2 Kinder pro Frau.
„Ohne Bildung keine Entwicklung“
„Dies liegt daran, dass die Mädchen besser gebildet sind und an einer besseren Aufklärung über Familienplanung, wie auch Menschen für Menschen sie betreibt“, betont Kelsang Kone. „Ohne Bildung keine Entwicklung, sagte Karlheinz Böhm. Deshalb werden wir uns weiter in diesem Bereich engagieren.“ Armen Familien hilft Menschen für Menschen mit Schulbedarf und Schuluniformen, damit die Kinder den Unterricht besuchen können. Mütter bringt die Äthiopienhilfe in Selbsthilfegruppen zusammen, wo sie Schulungen erhalten und Startkapital für ein Kleingewerbe.
„Leider werden unsere Erfolge durch neue Not überschattet“, bedauert Kelsang Kone. „Seit gut einem Jahr sind wir teilweise zurückgeworfen auf Aufgaben, mit denen Karlheinz Böhm seine Arbeit begann, nämlich auf Lebensmittel-Nothilfe.“ In der Corona-Krise bekommen viele Tagelöhner keine Arbeit mehr. Die Preise von Grundnahrungsmitteln sind gestiegen. Die Corona-Pandemie ist in Afrika noch lange nicht überstanden, weil sich die reichen Länder die Impfstoffe sichern. Im Projektgebiet Fogera mussten Bauern mit Saaten versorgt werden, weil ihr Felder überflutet wurden – Hochwasser, Dürren und Heuschreckenschwärme nehmen aufgrund des Klimawandels in Äthiopien zu. Und in Tigray liefern sich regionale Kämpfer und die nationale Armee Gefechte, unter der die Zivilbevölkerung leidet: „In der Kleinstadt Wukro bringen wir Lebensmittel zu 3000 bedürftigen Familien.“
Trotz dieser akuten Rückschläge zeigten aber die statistisch nachweisbaren längerfristigen Entwicklungen in Äthiopien, dass Karlheinz Böhm recht hatte, sagt Kelsang Kone: „Eine gerechte Welt ist möglich – wenn wir uns dafür engagieren. Wir danken unseren zahlreichen Spendern, dass die uns dabei teilweise schon seit Jahrzehnten unterstützen.“
Menschen für Menschen setzt sich gegen Armut und Hunger ein. Die Stiftung wurde von dem Schauspieler Karlheinz Böhm (1928 – 2014) gegründet. Im Geiste des Gründers schafft das Schweizer Hilfswerk Lebensperspektiven für die ärmsten Familien in Äthiopien. Ziel der Arbeit ist es, dass sie in ihrer Heimat menschenwürdig leben können. Schwerpunkte der einzelnen Projekte sind Frauenförderung, Berufsbildung, Mikrokredite, Kinderhilfe, Familienplanung und landwirtschaftliche Entwicklung. Die Komponenten werden nach den lokalen Bedürfnissen kombiniert und mit sorgfältig ausgewählten einheimischen Partnern umgesetzt.
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