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Herstellen müssen die Transparenz vor allem die Bundesbehörden. Diese haben mit ihrer verklausulierten und unvollständigen Kommunikation das Informationsdebakel verursacht.
Die Behörden sind im Dezember zum Schluss gekommen, dass die heute diskutierten Spuren der Abbauprodukte R417888 und R471811 des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil «nicht relevant» sind. «Nicht relevant» heisst, dass sie keine negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben. «Nicht relevant» heisst auch, dass viel höhere Grenzwerte gelten (Faktor 100), und diese werden von den Abbauprodukten R417888 und R471811 weit unterschritten.
Offensichtlich halten sich die Behörden aber nicht an die eigene Beurteilung vom Dezember 2019 und an die darin gemachten Schlussfolgerungen. Vielmehr verweisen sie auf die EU und behaupten, dass das diskutierte Pflanzenschutzmittel «wahrscheinlich krebserregend» sei. Somit sei die Unterscheidung zwischen «relevanten» und «nicht relevanten» Abbauprodukten (oder Metaboliten) nicht mehr entscheidend. Alle Metaboliten seien «relevant» und damit gälten die tieferen Grenzwerte und die Wasserversorger seien aufgefordert, Massnahmen zu treffen, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen.
Doch ist diese Behauptung aus zwei Gründen falsch. Erstens wird Chlorothalonil von der zuständingen Europäischen Chemikalienagentur ECHA nicht als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft. Und zweitens wären die hauptsächlich diskutierten Abbauprodukte R417888 und R471811 selbst in einem solchen Fall unproblematisch, da die Behörden nach eingehender Überprüfung der wissenschaftlichen Studien zum Schluss gelangt sind, dass diese «nicht relevant» und somit für Mensch und Umwelt nicht gefährlich sind. Dies wird in den Schlussfolgerungen auf Seite 40 der Relevanzprüfung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vom 3. Dezember 2019 unmissverständlich schwarz auf weiss so festgehalten.
Der Schaden ist jedoch angerichtet. Die intransparente Information durch die Behörden hat zwei Konsequenzen: Einerseits ist die Bevölkerung verunsichert und andererseits wirft das widersprüchliche Verbot eines Pflanzenschutzmittels Fragen zur Stabilität der Rahmenbedingungen für die forschende Agrarindustrie auf. Würden korrekterweise die Grenzwerte für nicht-relevante Metaboliten angewendet (10µg/l), gäbe es auch keine Grenzwertüberschreitungen. Der Grenzwert wurde aus politischen Gründen 100fach verschärft (0.1µg/l). Wissenschaftlich sind diese tiefen Grenzwerte nicht begründbar.