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Es lebte einmal ein armer Mann, der hatte drei Söhne. Als er starb, hinterliess er ihnen einen Backtrog. 'Die zwei älteren Brüder sagten: «Was sollen wir mit dieser alten Hütte? Wir ziehen in die Welt hinaus.»
Den Jüngsten aber wollten sie nicht mitnehmen. Sie sagten: «Du kannst hierbleiben, du bist ja noch so klein, so klein wie ein Pünktchen.»
Die beiden Älteren zogen los, kamen zu einem Schloss und durften dort als Stallburschen arbeiten. Der Jüngste aber wollte auch in die Welt ziehen. Er nahm den Backtrog auf die Schultern und zog los. Der Backtrog aber war sehr schwer, und so dauerte es lange, bis er ebenfalls zum Schloss kam. «Wir haben keine richtige Arbeit mehr für dich», sagten sie ihm im Schloss.
Doch weil er so sehr bat, durfte er in der Küche beim Wassertragen helfen und Feuer machen. Er war so schnell und flink, dass ihn bald alle im Schloss mochten. Das ärgerte die beiden Brüder und sie überlegten, wie sie ihn loswerden könnten.
Das Königsschloss aber stand an einem grossen See, und auf der anderen Seite des Sees war ein grosser Berg. Dort hatte ein Troll sein Haus gebaut. Ihm gehörten sieben silberne Enten, die wollte der König gerne haben, aber er traute sich nicht, sie zu holen, denn der Troll war gefährlich und stark. Die Brüder sprachen nun zum König: «Unser Bruder ist flink und schnell, er könnte die silbernen Enten holen.»
Das gefiel dem König und sofort liess er Pünktchen rufen und sagte: «Ich habe gehört, dass du die silbernen Enten holen könntest.»
«Ich weiss von nichts und kann auch nichts», sagte Pünktchen.
«Deine Brüder haben es aber gesagt», antwortete der König. «Geh und hole mir die sieben silbernen Enten. Gehst du nicht, so wird es dir schlecht gehen.» '
Was sollte Pünktchen nun tun? Er überlegte einen Tag, dann nahm er ein Säckchen Weizen, setzte sich in seinen Backtrog und ruderte über den See. Als er schon nah am Haus des Trolls war, warf er den Weizen auf das Wasser. Die Enten kamen geschwommen, er lockte sie in den Backtrog und ruderte so schnell er konnte über den See davon.
In diesem Moment kam der Troll aus seinem Haus und rief: «Du! Hast du meine silbernen Enten genommen?»
«Ja!»
«Kommst du noch öfter, du?»
«Kann schon sein!», rief Pünktchen zurück und ruderte so schnell, dass er bald am Schloss ankam.
Er brachte dem König die Enten und dieser freute sich so sehr, dass er Pünktchen zum Hausdiener machte.
Die Brüder ärgerten sich sehr. Es dauerte nicht lange, da gingen sie wieder zum König und sagten: «Unser Bruder sagt, er könnte die Bettdecke des Trolls mit dem silbernen und goldenen Muster holen.»
Das hörte der König gern. Sogleich rief er Pünktchen zu sich und sagte: «Geh zum Haus des Trolls und hole mir die Bettdecke mit dem silbernen und goldenen Muster!»
Pünktchen sagte: «Das scheint mir sehr gefährlich zu sein.»
Der König aber rief: «Geh und hole die Bettdecke, oder es wird dir schlecht gehen!»
Was sollte Pünktchen da tun? Er überlegte drei Tage, dann nahm er seinen Backtrog, setzte sich hinein und ruderte über den See. Schon von Weitem sah er, dass die Frau des Trolls die Bettdecke aus dem Fenster gehängt hatte, um sie auszulüften. Er wartete, bis alle Trolle im Haus verschwunden waren, dann schlich er sich an das Trollhaus heran, kletterte an den Felsen hoch, schnappte sich die Trolldecke und sprang damit davon, so schnell er konnte. Er hüpfte in seinen Backtrog und ruderte mit der Decke davon.
In diesem Moment kam der Troll aus seinem Haus und rief: «Du! Hast du meine Decke mit dem silbernen und goldenen Muster genommen?»
«Ja!», rief der Jüngste zurück.
«Kommst du noch öfter, du?»
«Kann schon sein!», rief Pünktchen und ruderte so schnell, dass er bald am Schloss ankam.
Er überbrachte dem König die Decke und dieser freute sich noch mehr als beim ersten Mal und machte ihn zu seinem persönlichen Diener. Das gefiel Pünktchen sehr, denn so konnte er die Prinzessin jeden Tag sehen und die beiden mochten sich von Tag zu Tag lieber.
Die Brüder aber ärgerten sich gewaltig. Nicht lange und sie gingen wieder zum König und sagten: «Unser kleiner Bruder hat gesagt, er könnte die goldene Harfe aus dem Trollhaus holen.»
Diese goldene Harfe ging dem König nun nicht mehr aus dem Kopf, denn es hiess, dass jeder, wenn er auch noch so traurig war, wieder froh wurde, wenn er dem Klang dieser Harfe lauschte. Es dauerte nicht lange und der König rief Pünktchen zu sich. «Geh und hole mir die goldene Harfe aus dem Trollhausl», befahl er.
«Das ist aber sehr schwer», antwortete Pünktchen.
«Wenn du es schaffst, bekommst du meine Tochter zur Frau und mein halbes Königreich dazu. Schaffst du es nicht, so musst du sterben.»
Was sollte Pünktchen nun tun? Es blieb ihm nichts Anderes übrig, als zu überlegen, wie er an die goldene Harfe kommen könnte. Er überlegte sieben Tage, dann nahm er einen grossen Sack, band ihn unter seine Kleider und ruderte im Backtrog über den See zum Trollhaus.
Als er am anderen Ufer ankam, schaute die Frau des Trolls zum Fenster hinaus und rief: «Jetzt haben wir dich aber!»
Sie holte ihren Mann, den Troll, und zusammen packten sie Pünktchen und riefen: «Du hast unsere silbernen Enten gestohlen und die Bettdecke mit dem silbernen und goldenen Muster. Nun musst du sterben!»
«Ach!», jammerte da Pünktchen. «Wenn ich schon sterben muss, möchte ich gerne die Todesart auswählen.»
Die Trolle waren einverstanden und Pünktchen sagte: «Ich möchte gerne durch Breiessen sterben.»
Das Trollweib ging sogleich in die Küche, nahm einen riesigen Topf, setzte ihn über das Feuer und begann Brei zu kochen. Dann musste sich Pünktchen an den Tisch setzen und Brei essen. Er aber nahm immer einen Löffel in den Mund, den anderen liess er in seinem Sack, den er unter den Kleidern versteckt hatte, verschwinden. Die Trolle staunten, wie viel Brei er essen konnte.
Auch die Trolltochter schaute zu, aber sie jammerte immerzu, weil die silbernen Enten und die Bettdecke fort waren. Da sprach die Trollmutter: «Nimm doch die Harfe und spiel darauf, damit du wieder fröhlich wirst.»
Die Trolltochter holte die goldene Harfe hervor und wollte gerade spielen, da liess sich Pünktchen vom Stuhl fallen und tat, als wäre er gestorben.
Die Trolle freuten sich und sagten: «Kommt, lasst uns einen grossen Sack holen und ihn hineinwerfen.»
Alle drei eilten aus dem Haus. Pünktchen aber rappelte sich auf, nahm die Harfe und rannte so schnell er konnte aus dem Trollhaus zu seinem Backtrog. Schon sass er darin und ruderte davon.
Als er etwa auf der Mitte des Sees war, kam der Troll angesprungen und rief: «Bist du es, Pünktchen?»
«Ja!»
«Kommst du noch öfter, du?»
«Nein, nun komme ich nicht mehr!», rief Pünktchen und ruderte zum Schloss zurück.
Als er aus dem Backtrog ausstieg, nahm er die Harfe und begann, darauf zu spielen. Sogleich kam der König mit seiner Tochter und dem ganzen Gefolge aus dem Schloss, um der herrlichen Musik zu lauschen, und in seiner Freude sagte der König: «Nun soll Hochzeit sein und du bekommst das halbe Königreich!»
Da wurde Hochzeit gehalten und später wurde Pünktchen König. Die beiden Brüder aber wollten auch solches Glück haben. Sie ruderten über den See und suchten das Trollhaus, aber das war verschwunden und man hat es nie wieder gesehen.
Was für ein tolles Märchen. Eignet sich übrigens auch sehr gut für kleinere Kinder. Die können sich besonders gut mit "Pünktchen" identifizieren. Wenn ich diese Geschichte lese, dann muss ich unweigerlich daran zurückdenken, mit welcher Selbstverständlichkeit Kinder an Aufgaben gehen, die uns Erwachsenen manchmal unmöglich erscheinen. Vielleicht ist es Zeit, dass wir Erwachsenen uns erlauben wie dieses Urvertrauen mehr zuzulassen...
Diese Geschichte eignet sich sicher dazu:
- leckeren Brei zu kochen und (vielleicht) einen Wettbewerb zu veranstalten, wer einen Teller Brei schneller essen kann
- aus einer Kartonschachtel ein "Boot" zu bauen und damit im Wohnzimmer über den See zu rudern
- eine Schatzsuche zu veranstalten und den "Troll" dabei auszutricksen