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DIE CHRONIK
DER BÄCKEREI ZUM ENGEL
Als ich nachgeforscht habe, wie der Engel vor vielen Jahren gewesen ist, kam ich bis auf das Jahr 1880.
Damals kaufte Karl Eugster, "der Urgrossvater'' des letzten Betriebsinhabers, die Liegenschaft aus der Konkursmasse und übergab ihn seinem Sohn. Dieser, erst aus dem Militär entlassen, des Bäckerhandwerks noch nicht mächtig, wurde innert drei Monaten in der damaligen Tobelmühli‑Bäckerei bei Büriswilen im Kurzverfahren ausgebildet. Kurzerhand wurde geheiratet, da der Betrieb, dem noch ein Restaurant angehörte, ohne Frau gar nicht funktionieren konnte. Nach 31 Jahren wurde der Betrieb in die nächste Generation übergeben. Wiederum war die Leitung der Bäckerei und des Restaurants unter Karl Eugster.
Eine grosse Arbeitserleichterung war die erste Knetmaschine, die sich Karl Eugster 1927 anschaffte. Bis dahin wurden nämlich alle Teige von Hand geknetet. Als 1949 der Vater starb, war der Engel bis 1952 eine Erbengemeinschaft. Dann übernahm Karl Eugster Junior den Betrieb. Drei Jahre nach der Betriebsübernahme renovierte er die Fassade des ganzen Hauses. Bald darauf heiratete er seine Frau Ilse. Zu zweit arbeiteten sie mit Erolg in der Bäckerei und im Restaurant.
1963 wurde das ganze Restaurant renoviert und vier Jahre danach auch der Laden. 1968 war ein bewegtes Jahr, denn da wurde rationalisiert: Die erste Bürliwirkmaschine (TTW) wurde gekauft. Im Jahr darauf wurde die Backstube umgebaut und der gute alte Holzofen musste einem moderneren Elektroofen weichen. Im selben Jahr leistete sich Karl Eugster auch noch den Luxus, eine Gipfelrollmaschine anzuschaffen. 1971 fand die erste Spiralknetmaschine ihren Platz im Engel. Ebenfalls erwarb Karl eine Zweierkombination und die erste Ausrollmaschine. Man muss sich vorstellen, dass Blättterteige und Gipfelteige vorher noch von Hand touriert und ausgerollt werden mussten.
Da hinter der Bäckerei eine Scheune abgebrochen wurde, konnte 1976 die Backstube vergrössert und noch ein zusätzlicher Keller angebaut werden. Gleich ein Jahr danach baute der Geschäftsinhaber Karl Eugster die erste Gewerbekühlzelle ein. Mit diesem für die damalige Zeit modernen Betrieb arbeitete Karl 27 Jahre lang. 1982 wurde die Fassade des Hauses ein zweites Mal renoviert. 1989, nach nun 37 Jahren Betriebsleitung, verkaufte Karl Eugster den Betrieb an die Ortsgemeinde Au. In der Bäckerei zum Engel endete nach 109 Jahren oder drei Generationen die Aera der Karl Eugsters als Bäckerei‑ und Wirtsleute. Nicht dass es an Nachwuchs gemangelt hätte, aber seine Söhne konnten den Beruf aus gesundheitlichen Gründen leider nicht ausführen.
Das ganze Restaurant und der Saal sowie die Küche und die Wirtschaftsräume wurden von der Ortsgemeinde total renoviert. Dies hatte zur Folge, dass der Engel über keine Backstube mehr verfügte. 1990 wurde der Laden als Filiale von Peter Kohler aus Rebstein wieder eröffnet, jedoch nur für zirka ein halbes Jahr. Im November 1990 eröffneten N. und E. Unternährer aus St, Gallen den Laden wiederum als Filiale.
Nach diesen tubulenten Jahren übernahm mein Chef die Bäckerei mit Verkaufsladen. Aus dem alten Saftkeller baute er eine Backstube und konnte am 12. November 1993 die Betriebseröffnung der neuen Bäckerei zum Engel feiern. Bernadette und Norbert Keller arbeiteten mit dem kleinen, aber rationell eingerichtete Betrieb mit viel Erfolg. Mein Chef arbeitete zu Beginn noch paralell zum nächtlichen Bäckereibetrieb tagsüber im Aussendienst bei einer Backmittelfirma. Ein halbes Jahr später entschloss er sich dann aber doch, sich ganz auf seine Bäckerei und Konditorei zu konzentrieren. Zweieinhalb Jahre arbeitete er mit seiner Frau alleine in der Backstube, bis nach den Sommerferien im Jahre 1996 ich als erster Lehrling überhaupt im Engel tätig wurde. Um den heutigen Anforderungen ganz entsprechen zu können, wurde im Frühling 1996 eine Konditorei angebaut. Da alles an diesem Betrieb ein bisschen anders ist als sonstwo, sollte es auch hier nicht anders sein: Die Konditorei steht nämlich zu zwei Dritteln auf dem ehemaligen Friedhof.
Unser Personal und Aushilfen
Mittwoch, 24. November 2010
Kurt Latzer
Das «Engel-Beck-Team» (von links): Bernhard Lüchinger, Bernadette und Norbert Keller, Ines Sommer, Daniela Tobler und Claudia Stricker. Am Fototermin nicht teilnehmen konnte Claudia Hämmerle. (Foto: kul)
Au. – «Absolut nichts haben wir gewusst. Wie
immer zur Frühstückspause habe ich die Zeitung aufgeschlagen und bin dabei
auf die Seite ”Das beste Brot der Schweiz“ gestossen. Gleich ist mir das
Pfünderli aufgefallen, neben dem stand ”Bäckerei zum Engel“», sagt Norbert
Keller beim Besuch der «Rheintalischen Volkszeitung». «Engel» gibt es
sicherlich viele, habe er gedacht – das Bild des Pfünderlis aber habe ihn
nicht losgelassen: «das sieht genauso aus wie unseres.» Erst kurze Zeit
später habe er einen Blick auf die Rangliste geworfen, wo stand: «Dunkles
Pfünderli, Bäckerei zum Engel, Au». Erst da habe er realisiert, dass «sein»
Pfünderli und seine Bäckerei gemeint waren.
Erste Auswahl trafen die Kunden
Bereits kurze Zeit später – am selben Morgen – seien die ersten Kundinnen und Kunden im Laden vorbeigekommen, die ihm zum Erfolg gratulierten. Dabei hielt Norbert Keller gleich einmal fest: «Das ist nicht das Verdienst von mir alleine, sondern dasjenige des gesamten Teams, und vor allem auch der treuen Kundschaft.»
Letztere waren es, die es dem «Engel-Brot» überhaupt ermöglichten, von der Fachjury bewertet zu werden. «Die Vorauswahl trafen die Leser», hiess es in der Gratiszeitung. Auf einen Anruf hin hätten Hunderte ihre Lieblingsbäcker und -brote genannt. «So entstand eine Liste mit zehn Broten aus allen Grossregionen sowie je einem von
Migros, Coop, Volg und Aldi», hiess es im Blatt. Für jedes Brot sei von der Jury ein Punktedurchschnitt ermittelt worden.
Teige gleich wie vor hundert Jahren
Auf die Idee, einmal eines seiner Produkte an einem Event bewerten zu lassen, sei er noch nie gekommen.
Erst im Nachhinein habe er sich daran erinnert, dass kürzlich jemand zehn Pfünderli bei ihm bestellt und mit nach Zürich genommen habe. «Ich habe mir dabei nichts gedacht, zumal ich schon Osterhasen nach Australien und Hochzeitstorten ins Tirol oder Tessin geliefert habe», sagt Norbert Keller.
Das am höchsten bewertete Brot erzielte 56,18, das auf Platz zehn 43,33 Punkte. Auf dem siebten Rang ist das Pfünderli des «Engel-Becks» zu finden, mit 51,35 Punkten. «Für das Team und mich ist diese Auszeichnung ebenso viel wert wie eine Goldmedaille. Der Test hat nicht nur gezeigt, dass sich unser solides Handwerk bezahlt macht und von der Kundschaft sehr geschätzt wird», betonte Norbert Keller. Denn die Backwaren würden im «Engel» noch gleich hergestellt wie vor hundert Jahren. Für die Brote wird nach alter Handwerkstradition noch ein Vorteig hergestellt, der 12 bis 15 Stunden ruht, bevor daraus der Hauptteig entsteht.
Gerade weil die Kundinnen und Kunden einen grossen Teil zum Erfolg beigetragen haben, will sich der «Engel-Beck» auf besondere Art und Weise bei ihnen bedanken. «Am Sonntag, 5. Dezember, dem Tag nach dem Weihnachtsmarkt, sind Kundinnen und Kunden zu einem Apéro vor dem ”Engel“ eingeladen», sagt Norbert Keller.
Für unsere treuen Kunden haben wir einen neuen Ofen in unsere Bäckerei montiert!