Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03647.jsonl.gz/91

Er sitzt auf einem Stuhl am Tisch, zwischen den Schliessfächern und dem Fenster. Einen Unterarm und einen Ellbogen auf den Tisch gelegt, in die Sonne blinzelnd antwortet er auf meine Fragen. Etwa dreimal konnte er über seine Antworten lachen. Gerade vor dem Interview hatte er noch für Sweet Charity geprobt.
Verantwortungsvoller Familienvater
Thomas Mathys wurde am 5. April 1967 in St. Gallen geboren und wuchs in Baden bei Zürich auf. Noch in der Kindheit, „kurz vor der Pubertät“, entdeckte er die Schauspielerei für sich. Am neusprachlichen Gymnasium im Kloster Wettingen schloss er aber erst mal die Matura erfolgreich ab, und arbeitete am Kurtheater Baden als Techniker und Beleuchter. Nachdem er die Aufnahmeprüfung beim ersten Anlauf bestanden hatte, studierte er an der Hochschule Ernst Busch in Berlin/DDR. Die Schauspielschulen in Bern oder Zürich kamen für ihn nicht infrage: „Ich musste einfach weg.“ Seit 2000 ist Thomas Mathys im Stadttheater Bern engagiert. Thomas Mathys ist seit kurzem mit Gabi, die nichts mit Theater zu tun hat, verheiratet. Sie haben zwei Söhne. Ihr sechsjähriger Sohn heisst Leo und spielt selber schon Theater. Der jüngere Sohn Moritz ist drei Jahre alt. „Es sind zwei fröhliche Kinder, die gesund und einfach toll sind“. Die Familie lebt im Breitenrein-Quartier in Bern.
Sich selber beschreibt er als verständnisvollen, geduldigen, aber auch komplizierten Menschen. Sein Lebensmotto lautet: „Versuche, andere Leute zu verstehen und ihnen zu verzeihen. Wir alle machen Fehler.“ Er charakterisiert sich als verantwortungsbewusst und verantwortungsvoll, sozial und wenig egoistisch, auch wenn er alles im letzten Moment macht und zu wenig auf sich achtet. Jetzt, im Nachhinein, würde er sich vielleicht auch anders auf das, was kommen sollte – die Schauspielerei – vorbereiten. Und manchmal wünscht er sich, dass er noch einen zweiten Beruf erlernt hätte. Dann wäre er nicht so abhängig von einzelnen Stücken oder Produktionen, denn die sind „auch nicht immer das Gelbe vom Ei“, wie er mir augenzwinkernd verrät. Trotzdem liebt er es, vor Publikum zu singen, zu spielen und zu sprechen.
Zeitungslesen als Luxus
Ein Tag im Leben von Thomas Mathys fängt entweder mit dem Versorgen der Kinder oder bereits um fünf Uhr morgens mit dem Gang ins Radiostudio Bern von Schweizer Radio DRS an. Er liest dort die Nachrichten. Danach geht er nach Hause oder zur Probe ins Theater. Später am Abend folgt dann wieder eine Probe oder eventuell eine Vorstellung. Wenn er am folgenden Morgen Nachrichten lesen muss, hofft er, am Vorabend frühzeitig ins Bett zu kommen. Während der Probenzeit einer Theaterproduktion arbeitet er mindestens 44 Stunden in der Woche: von Montag bis Freitag je 8 Stunden sowie 4 Stunden am Samstag. In seiner Freizeit geht gerne joggen und liebt es, Zeitungen zu lesen. Ausführliches Zeitungslesen empfindet er als Luxus.
An seinem Beruf faszinieren ihn die Vielseitigkeit, die Abwechslung, und dass er sich in verschiedene Rollen, Charaktere, Autoren und Musik einfühlen und damit spielen kann. Den Text für seine Rollen lernt er, indem er ihn versteht und fühlt. Das findet zum Teil auf den Proben statt, aber natürlich muss er den Text auch einige Male für sich allein lesen.
Sturz in den Orchestergraben
Auf meine Frage, was alles schon mal schief lief, erzählte er mir folgende Geschichten: «Bei der Premiere von „My Fair Lady“ fielen mein Kollege und ich in den Orchestergraben. Zum Glück wurden wir vom Netz aufgefangen. Erst beim Weiterspielen realisierte ich, dass es mir trotz des Sturzes gut ging und dass wir sehr viel Glück gehabt hatten. Und bei „Romeo und Julia“ hatte ich als Tybalt bei einem Fechtkampf einen Säbelstich abbekommen. Ich blutete, und alle Zuschauer glaubten, es sei nur Theaterblut!“
Nach unserem Gespräch im Aufenthaltsraum der Probebühnen des Stadttheaters empfinde ich den Schauspieler Thomas Mathys als sehr bescheidenen Menschen. Auch aufgrund seiner persönlichen Wünsche für die Zukunft: „Ich würde gerne auf dem Land leben und wünsche mir, dass ich so lange wie möglich gesund bleibe und erleben kann, wie meine Kinder gross werden.“ Beim Heimfahren kreist mir sein Satz „Mit dem ‚Schau-Spielen‘ kann man seine Kindheit verlängern“ noch lange durch den Kopf.
Über die Autorin
Von Anna-Lea Stalder (14)
"Was ist das wichtigste in deinem Leben?" Die Antwort kommt sofort, ohne Zögern: "Fussball!" Es ist die grosse Leidenschaft der 15-jährigen Irene Hodel. Für ihren Traum würde sie alles tun. Sie wohnt in Mühleturnen, doch für das Training fährt sie drei Mal die Woche nach Kaufdorf und Worb. Neben dem Training verbringt Irene die Zeit auf der Skipiste oder mit kleinen Kindern. Dementsprechend nachvollziehbar ist auch der Berufswunsch der Sportlerin: "Ich will Sportlehrerin werden!" Irene hat auch Zeit, ein Instrument zu lernen. Seit sieben Jahren spielt sie Euphonium, ein Blechblasinstrument, das sie über drei Oktaven spielen kann. Fast nebenbei besucht Irene die 9. Klasse in Riggisberg. Ihre Klassenlehrerin hat sie auf die Schreibwerkstatt im Stadttheater aufmerksam gemacht. Schon vorher hat Irene Erfahrungen mit dem Stadttheater gesammelt. Ihr Primarlehrer Stefan Greminger lieh der Pflanze aus dem Stück Der kleine Horrorladen seine Stimme und lud seine Klasse in eine Vorstellung ein. Irenes Familie ist beinahe ein Frauenhaushalt. Sie hat zwei Schwestern, 12 und 17 Jahre. Neben dem Meerschweinchen Moritz ist der Vater der einzige Mann im Haus. Wenigstens hat er Irene, die mit ihm das Fussballfieber teilt.