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Jahrelang bespitzelte der nach dem Landesstreik von 1918 gegründete Schweizerische Vaterländische Verband die politische Linke. Seine Beobachtungen lieferte er an die Bundesanwaltschaft, die Fremdenpolizei und den Bundesrat. Die Denunziationen des antikommunistischen Verbandes bildeten die Grundlage polizeilicher Ermittlungen. Auch mit Expertisen, Stellungnahmen und Lobbying hatten die privaten Überwacher prägenden Einfluss auf den schweizerischen Staatsschutz.
Die «Fichenaffäre» des Jahres 1989 löste in der Schweiz eine Kontroverse über den Staatsschutz und die Praktiken der Überwachung aus. In der Folge wurden Ausmass und Einseitigkeit der Bespitzelung von Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern in der Nachkriegszeit untersucht. Die Praktiken des schweizerischen Staatsschutzes in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben hingegen weitgehend unerforscht. Dieses Buch stellt das Wechselspiel von Antikommunismus und Staatsschutz von 1930 bis 1948 ins Zentrum. Es zeigt erstmals die engen Verflechtungen zwischen einer privaten, rechtsbürgerlichen Organisation und staatlichen Institutionen auf. Deutlich wird, wie die Überwachung, die Gründung der Bundespolizei und der Erlass zahlreicher antikommunistischer Gesetze in enger Absprache zwischen den Behörden und dem bis 1948 existierenden Schweizerischen Vaterländischen Verband zustande kamen.
«‹Antikommunisten als Staatsschützer› ist nicht nur die Geschichte eines dubiosen Schweizer Vereins, sondern auch ein unverzichtbares Werk über die Schwierigkeiten, denen die deutsche und jüdische Emigration nach 1933 ausgesetzt war. Zu wünschen ist, dass das Buch die dementsprechende Aufmerksamkeit auch in Deutschland erfährt.»
«Zimmermann geht in ihrer Arbeit der übergeordneten Frage nach, wie der Staatsschutz in der Schweiz funktionierte, als er sich in einer Auf- und Ausbauphase befand. Dabei untersucht sie die Bedingungen, die es dem SVV ermöglichten, innerhalb des politischen und gesellschaftlichen Systems in eine Machtposition zu gelangen, von der aus er massgebliche Prozesse – wie etwa den Aus- und Aufbau des schweizerischen Staatsschutzes beeinflussen konnte. Nicht zuletzt fragt die Autorin auch nach der Rolle und Funktion antikommunistischer Praktiken und Ideologien für den SVV. [...] Dass die Studie weit über eine rein deskriptive Verbandsgeschichte hinausgeht, zeigt sich etwa daran, dass auch die Rhetorik der SVV-Repräsentanten untersucht oder deren Motive zur Denunziation unter Einbezug eines emotionshistorischen Ansatzes analysiert werden. [...]
Die sehr gut strukturierten und eingeführten Kapitel, die stets mit einem prägnanten Zwischenfazit schliessen, machen das Buch [...] äusserst lesenswert. Positiv anzumerken ist an dieser Stelle zudem, dass die Autorin ihre Erläuterungen häufig mit ausländischen Beispielen kontrastiert und damit die Geschichte des SVV in einem internationalen Rahmen verortet. Insgesamt präsentiert Zimmermann ein sorgfältig erarbeitetes Panorama des umtriebigen und gut vernetzten SVV sowie dessen in rechtstaatlicher Hinsicht fragwürdigen Praktiken. Damit schliesst sie eine wichtige Lücke im Bereich der historischen Denunziationsforschung der Schweiz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Buch wird für die weitere Forschung zum Thema Antikommunismus und Staatsschutz in der Schweiz eine unverzichtbare Referenz darstellen.»
«Zu den interessanten Kapiteln zählt das zur ‹Denunziation›, bei Zimmermann auch als institutionalisierte Denunziation bezeichnet. Diese ideologisch verminte Begrifflichkeit, die in jüngerer Zeit Konjunktur erhalten hat, vertauscht Kollaboration und Informationsgewinnung mit nachrichtendienstlichen Mitteln. Davon abgesehen ist es aufschlussreich, da die Autorin schlüssig das Partizipationsangebot für Verbände und das Fehlen eines nationalen Nachrichtendienstes an dem privaten Staatsschutz herausdestilliert.»
«In ihrer aufwendigen Dissertation hat die Historikerin Dorothe Zimmermann [die Tätigkeit des Schweizerischen Vaterländischen Verbandes] untersucht, vor allem mit Blick auf die Zeit von 1930 bis 1948, als der Staatsschutz im Zentrum stand.»
«Diese [bisherige Forschungs-] Lücke schliesst Dorothe Zimmermann mit ihrer 2017 am Historischen Seminar der Universität Zürich angenommenen Dissertation ‹Antikommunisten als Staatsschützer. Der Schweizerische Vaterländische Verband, 1930–1948›. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Antikommunismus-forschung und zur Geschichte der Neuen Rechten in der Schweiz – einem Forschungsfeld, das bislang vor allem von der französischsprachigen Forschung abgedeckt wurde, zum Beispiel von Stéphanie Roulin und Michel Caillat. [...]
Zimmermann kommt zum Schluss, dass der Auf- und Ausbau des Staatsschutzes in der Schweiz durchgängig von einer antikommunistischen Gesinnung geprägt war, welche beispielsweise in der Bundespolizei vorherrschte und ‹die sicherheitspolitische Kultur und Struktur der Schweiz nachhaltig› beeinflusste (S. 370). Dank Zimmermanns Dissertation kann antikommunistischer Staatsschutz künftig nicht mehr nur mit dem Fichenskandal gleichgesetzt werden. Vielmehr wird deutlich, dass damit auch die hier untersuchten früheren Verbindungen zwischen Bundespolizei und privaten Verbänden mitgemeint sein müssen.»
«Ein nach dem Landesstreik vom November 1918 entstandener antikommunistischer Verband substituierte sich in den 1930er Jahren unter Duldung der Schweizer Bundesbehörden dem Staat als selbsternannter Schützer vor der Gefahr des Kommunismus. […] Die breit dokumentierte und sehr informative Zürcher Dissertation geht diesem Schweizerischen Vaterländischen Verband (SVV) zwischen seiner Neuausrichtung 1930 und der Auflösung 1948 nach. […] Die differenziert reflektierende Arbeit nimmt einen wichtigen Akteur der Schweizer politischen Landschaft in den Dreißiger- und der ersten Hälfte der Vierzigerjahre erfreulich kritisch in den Blick.»
«Le livre de Dorothe Zimmermann, issu d’une thèse de doctorat, en retrace l’évolution avec autant de soucis du détail que de la synthèse. [...] Abordant son objet sous l’angle d’une histoire culturelle du politique, attentive à la manière dont pouvoir et sens sont produits dans le processus de communication (Foucault), l’auteure déploie ses résultats en cinq chapitres thématiques bien articulés. [...] A la différence des études aux conclusions plus timides qui ont précédé, elle aborde de front cette question absolument centrale, grâce à un corpus impressionnant et maîtrisé de sources et de références. [...] La riche conclusion sur les continuités et les ruptures d’après-guerre aboutit à l’affaire Cincera qui a secoué le pays au milieu des années 1970.»