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Die farbigen Broschüren mit den vielen Köpfen sind schon da, bald flattern die Umschläge mit dem Wahlmaterial ins Haus: Am 18. Oktober wählen die Freiburgerinnen und Freiburger die sieben Nationalrats- und zwei Ständeratsmitglieder, die sie bis 2019 im Bundeshaus vertreten werden.
Doch wie vorgehen, damit die eigene Stimme bei den Nationalratswahlen möglichst viel Gewicht hat? Wer einfach für eine Partei ist und alle Kandidierenden gleich gut mag, hats einfach: Der oder die wirft die vorgedruckte Liste «seiner» Partei in die Urne.
Kumulieren …
Die Nationalratswahlen sind eine Proporzwahl (siehe blauer Kasten). In einer ersten Auszählrunde wird ermittelt, welche Partei wie viele Stimmen erhalten hat–entsprechend werden die sieben Freiburger Nationalratssitze verteilt. Erst in einer zweiten Runde werden die Sitze den Personen zugeteilt: Holt beispielsweise die CVP zwei Sitze, gehen sie an die beiden Kandidierenden, die auf der CVP-Liste am meisten Stimmen geholt haben.
Wer einer bestimmten Person mehr Gewicht verleihen will, kann deren Namen zweimal auf die Liste setzen; im Fachjargon heisst dies Kumulieren. Der Effekt ist besonders gross, wenn keine andere Person auf der Liste aufgeführt wird. Wichtig dabei: Oben auf der Liste muss der Parteiname aufgeführt werden. So gelten die leeren Linien als Stimmen für die Partei.
… und panaschieren
Bei den Nationalratswahlen dürfen die Wählenden ihrer Partei aber auch untreu werden: Sie können panaschieren–also Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien notieren. Diese Stimmen kommen dann der anderen Par- tei zugute.
Die Listenverbindungen
Nicht immer geht die eigene Stimme am Schluss dort hin, wie es beabsichtigt war. Denn holt meine Partei keinen Sitz, geht meine Stimme via Listenverbindung an eine andere Partei. Um beim Beispiel der CVP zu bleiben: Sie hatte bei den Wahlen 2011 Stimmen verloren, den zweiten Sitz aber dank den Listenverbindungen mit den GLP und der BDP halten können. Diese waren ihrerseits zu schwach, um einen eigenen Sitz zu erhalten. Doch nicht immer gehen diese Reststimmen an die stärkste Partei im Bunde: Bei den Nationalratswahlen 2006 beispielsweise hielt die CSP ihren Sitz, obwohl sie nur 7,1 Prozent der Wählerstimmen holte: Die Reststimmen der anderen linken Parteien flossen zur CSP und sicherten den Sitz von Hugo Fasel.
Listenverbindungenfür den Nationalrat: CVP, GLP, die Junge GLP und die vier Listen der Jungen CVP; ebenso FDP, BDP und ihre beiden Jungparteien; SVP, EDU und Junge SVP; SP, CSP, Grüne, Junge Grüne, EVP und Juso.
Definition
Der Unterschied zwischen Majorz und Proporz
In der Schweiz gilt die Faustregel: Parlamente werden nach dem Proporzsystem bestellt, Regierungen nach dem Majorzsystem. DieProporzwahlist eine Verhältniswahl: Die Sitze werden im Verhältnis zu allen abgegebenen Stimmen verteilt. So auch bei denNationalratswahlen. Erst wird ermittelt, wie viele Stimmen jede Liste erhalten hat. Die Sitze werden dann im Verhältnis der Stimmen auf die Parteien aufgeteilt. Die Parteizugehörigkeit ist wichtiger als persönliche Leistungen.Majorzwahlbezeichnet eine Mehrheitswahl, wie jene für denStänderat. Um gewählt zu werden, muss die Kandidatin oder der Kandidat im ersten Wahlgang dasabsolute Mehrerreichen: eine Stimme mehr als die Hälfte aller gültigen Wahlzettel. Im zweiten Wahlgang reicht das einfache Mehr.njb
Ständerat: Eine kantonale Wahl
Die Ständeräte werden in einer Majorzwahl bestimmt (siehe blauer Kasten). Hier kann ein Name nur einmal aufgeführt werden. Der SP-Kandidat und bisherige Ständerat Christian Levrat gilt mehr oder weniger als gesetzt, CVP-Kandidat Beat Vonlanthen als Favorit für den zweiten Sitz. Wer für einen der anderen vier Kandidaten ist, wird daher keinen der Favoriten auf dem Wahlzettel notieren – und auf einen zweiten Wahlgang hoffen. Ständeratswahlen sind kantonale Wahlen. In anderen Kantonen können die Wählenden das absolute Mehr in die Höhe treiben und auf einen zweiten Wahlgang hoffen, in dem sie die zweite Linie leerlassen; dort bestimmt die Anzahl Stimmen das absolute Mehr. Im Kanton Freiburg wird das absolute Mehr über die Anzahl der eingegangen Wahlzettel ermittelt. Daher ist das Mehr nicht beeinflussbar. njb