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Liebesbeziehung zu Luzern
Am vergangenen Freitag ist der Soul- und Gospel-Sänger Otis Clay gestorben. Der 1942 in Mississippi geborene Sänger zog wie die Bluesmen seiner Generation nach Chicago und ersang sich eine Weltkarriere, die ihn neben den USA nach Japan und auch in die Schweiz führte. Trotz seiner soulhaltigen Stimme und den tollen Aufnahmen stand er — was den Bekanntheitsgrad abging — dennoch lange Zeit hinter Boby «Blues» Bland oder Otis Redding zurück. Seine grössten Hits hatte der Sänger in den 1960er und 1970er Jahren. Seine Zusammenarbeit mit Johnny Rawls führte zum erfolgreichen Album Soul Brothers. 2013 wurde Clay in die «Blues Hall of Fame» aufgenommen, doch seine erste Liebe blieb Soul und Gospel. Am 8. Januar 2016 erlag er in seiner Wahlheimat Chicago einem Herzversagen im Alter von 73 Jahren, wie die offizielle Website bekannt gibt.
Otis Clay wurde am 11. Februar 1942 in Waxhaw, Mississippi geboren. Das ist im Bolivar County mitten im Delta und direkt am Fluss im Norden des Staates (nördlich ausserhalb Rosedale). In den 1940er Jahren hatte in diesem Teil des Südens bereits die Migration nordwärts eingesetzt und die Familie Clay zog 1953 nach Norden und liess sich in Muncie, Indiana, nieder, wo Otis mit den Voices of Hope erste Erfahrungen sammelte. 1957 zog er nach Chicago wo er in den 1960er Jahren in einer Reihe von Gospel-Bands mitsang: The Pilgrim Harmonizers, The Gospel Songbirds und The Sensational Nightingales, was ihn ab Mitte des Jahrzehnts zu Verträgen und Aufnahmen unter seinem eigenen Namen brachte, und stilistisch eine Abkehr vom Gospel und Hinwendung zu Blues und Soul bedeutete.
Otis Clay unterschrieb als Solokünstler beim Label «One-derful» und machte ab 1965 Aufnahmen bis das Label drei Jahre später einbrach. Er hatte seine ersten Erfolge mit «One-derful» mit den beiden Titeln That's How It Is (When You're In Love) und A Lasting Love, die es bis auf Nr. 34, bzw. 48 in den US Billboard R&B Charts brachte. Nach dem Zusammenbruch des Labels 1968 wechselte er zu «Cotillion», einem Sub-Unternehmen von Atlantic Records. Ein erneuter Wechsel zu «Hi Records» brachte in den 1970er Jahren seine grössten Erfolge, die allerdings nur in R&B-Kreisen Wiederhall fanden und nie den Weg in die regulären Charts fanden. Sein Titel Tryin' To Live My Life Without You kam immerhin bis auf Nr. 5 der Pop Charts im Jahr 1981, allerdings in der Coverversion von Bob Seger.
Mit seiner warmen Soul-getränkten Stimme, die an «Mighty» Sam McClain oder Bobby «Blue» Bland erinnert, blieb der Mann mit dem charakteristischen Schnurrbart populär in Japan und Europa, wo er am Luzerner Blues Festival 2005 sein Album Respect Yourself einspielte. In den folgenden Jahren war er alleine oder mit Johnny Rawls stets ein gern gesehener Gast am Vierwaldstättersee, wo die zwei auch zur 20. Jubiläumsausgabe 2014 eingeladen waren. Wer seinen Gesang anhört merkt, wie Clay seine ganze Kraft in jeden Ton legt, mit welcher Genauigkeit er singt und wieviel Kraft hinter seinen Tönen steckte. Mit einer Diskographie von 18 Alben hinterlässt Otis Clay eine eindrückliche Sammlung von Musik, die in den kommenden Jahren vielen Musikfans klar machen werden, dass hier ein ganz grosser des Soul-Gesangs von uns gegangen ist, dessen stimmliche Qualitäten selten zu finden sind.