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Die Hinwiler Schule verdankt - wie alle Schulen auf der Zürcher Landschaft - ihre Entstehung der Reformation. Eines der Hauptanliegen der Reformation war es, allen Gläubigen den direkten Zugang zur Bibel zu eröffnen, darum sollte jeder rechte Christ lesen lernen ..
Die Pfarrer wurden deshalb angewiesen, Lese- und Religionsunterricht zu erteilen oder jemanden dafür anzustellen. Schon 1537 wurde in Hinwil ein Schulmeister namens Johannes Fries erwähnt, der die Kinder der ganzen Kirchgemeinde in seiner Stube gegen ein bescheidenes Entgelt unterrichtete.
Lange war das Hinwiler Schulmeisteramt mit dem des Sigrists und Vorsängers verbunden. Der bescheidene Verdient hätte sonst nicht ausgereicht, besonders da anfangs nur im Winter Schule gehalten wurde. Die Kirche bestimmte auch den Unterrichtsstoff: "Läsen, schryben, bätten" lautete das Programm.
Fast 150 Jahre lang wurde in Hinwil in Privatstuben Schule gehalten. 1680 konnte die Kirchgemeinde den oberen Hausteil des Hauses zur Linde unterhalb der Kirche kaufen und dort ein Schulzimmer einbauen. Im Keller dieses Hauses wurde übrigens auch das Gemeindegefängnis eingerichtet.
Ab 1700 gründeten die Aussenwachten ihre eigenen Schulen, dabei spielten vor allem Gründe der Distanz, aber auch des teuren Schuhwerks eine Rolle. Als erste richteten die Ringwiler 1708 eine eigene Schule ein, dann folgte Wernetshausen 1717, 1750 Unterbach, 1763 Erlosen Bossikon. Dort blieb der Schulort lange ein Streitpunkt. Anfänglich wurde eine Woche in Erlosen, dann eine Woche in Bossikon Schule gehalten.
Um 1800 musste der Lehrer so viele Wochen in Bossikon unterrichten, wie er Kinder von dort hatte. 1815 verlangte dann der Erziehungsrat ein festes Schulzimmer. Im Laufe des 19. Jahrhunderts bauten alle Aussenwachten neue Schulhäuser, einige davon (Ringwil, Girenbad, Unterbach und Unterholz) sind noch heute in Betrieb.
Obschon die Kinder der Aussenwachten nun ihre eigenen Schulen besuchten, wurde die Schulstube im Haus zur Linde zu klein, die über 170 Kinder mussten in zwei Schichten unterrichtet werden. Als erstes neues Schulhaus im Dorf wurde deshalb 1852 das heutige Alte Dorfschulhaus an der Dürntnerstrasse mit zwei Klassenzimmern und zwei Lehrerwohnungen in Betrieb genommen.
Das neue Volksschulgesetz von 1832 führte wichtige Neuerungen ein, so die obligatorische Volksschule für Knaben und Mädchen mit einem abgestuften Lehrplan und einheitlichen Lehrmitteln. Die Schule stand nun nicht mehr unter der Aufsicht der Kirche, sondern der Schulpflege. Die angehenden Lehrer mussten sich im neuen Seminar Küsnacht ausbilden lassen. Die Sekundarschule besuchten die Hinwiler Kinder vorerst zusammen mit den Schülern aus Dürnten, Rüti und Bubikon in Dürnten. 1860 machte sich die Hinwiler Sekundarschule selbstständig. Sie war zuerst im Haus zur Linde untergebracht, konnte dann aber 1873 den alten Felsenhof beziehen. Da die Schülerzahlen stetig stiegen, plante man ab 1909 ein neues Schulhaus. Im Oktober 1911 konnte das Sekundarschullhaus Mätteli mit vier Klassenzimmern (eines davon für die Primarschule) bezogen werden. Auf ihr neues Wahrzeichen waren die Hinwiler mächtig stolz.
Nicht ohne Protest ging dann 1919 die Vereinigung der acht ursprünglich selbstständigen Schulpflegen der Aussenwachten zur Gesamtschulpflege Hinwil vor sich, was angesichts der grossen finanziellen Opfer der Wachten für ihre Schulen verständlich erscheint.
Gesellschaft Ortsmuseum Hinwil - Marianne Meili