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„That is so New York„, sagen die Menschen in Manhattan gern. Und es schwingt dabei immer ein gewisser Stolz mit, im Sinne von: Ich gehöre dazu, ich bin auch ein Teil davon. Ab wann sich ein Bewohner von New York City dann „New Yorker“ nennen darf, ist schwierig. So schnell man sich in dieser Stadt heimisch fühlt, so sehr bleibt man doch Beobachter – mit wachem Geist und dem Skizzenbuch in der Hand. Und einem Koffer voll Anekdoten.
New York ist.
Wenn eine Mutter mit ihrem Kind vor einem Five Guys Restaurant steht. Mutter: „Can’t you hold it untill we’re home?“ Kind: „No, I have to poop right here.“ Mutter: „But there is a long line, honey.“ Kind: „That’s okay. I can wait.“
Wenn sie alle rennen im Central Park; Nonnen, Mütter und Männer mit nacktem Oberkörper.
Wenn ein kleiner alter Mann an der Avenue A an mir vorbei geht und meint: „Fuck you.“
New York ist.
Wenn eine dunkelhäutige Frau über einen Bagpipe Player an der African American Day Parade sagt: „Irish People at the Parade? What has this to do with the Black Movement? Shit. This has nothing to do with us!“
Wenn ein Obdachloser am Columbus Circle zu einem Wolkenkratzer spricht und sagt: „You are a skinny one.“
Wenn die Yogalehrerin in einem Studio in Midtown die Arbeit mit dem Körper, Atem und Geist erklärt und ihren Guru zitiert: „My teacher from India calls it Wrrrrrummm Wrrrummm…like a motorbike. Riding around circles. Endlessly. That’s what the mind does.“
New York ist.
Wenn ich in der Subway C Linie sitze und feststelle , dass ich der einzige bin, der nicht schläft, wegdämmert, oder zumindest die Augen geschlossen hat.
Wenn eine Frau am Fleamarket in Queens fragt: „Where you from sweety? Switzerland? God bless America.“
Wenn ich mich auf der Brooklyn Bridge auf das Velo schwinge, unterwegs nach Coney Island, kurz zurückblicke, die Skyline von Manhattan sehe und lächle.
New York ist.
Wenn eine junge Frau am Tag nach Halloween im Brooklyn Museum auf einen schräg angezogenen Typ zeigt und ihrer Freundin sagt: „Spooky season isn’t over yet.“
Wenn ich an einem Sonntag Morgen zum Grand Bazaar laufe, mir eine Frau mit zwei kleinen Hunden im Kinderwagen entgegen läuft, mein Lächeln bemerkt und meint: „I know it is ridiculous.“
Wenn eine weibliche Drag Queen eine Burlesque Nummer performt und vorgestellt wird mit den Worten: „She has a PhD. in gay.“
New York ist.
Wenn ich bei McNally Jackson Books an der Theke einen Kaffee bestelle und merke, dass Zadie Smith neben mir steht und einen Espresso trinkt.
Wenn eine Gruppe Frauen im Met vor einer Lithographie von Toulouse-Lautrec steht und eine auf das Bild mit der nackt vor dem Spiegel stehenden Dame zeigt und meint: „Oh my gosh, she looks at herself like she thinks, no more cake!“
Wenn eine andere auf ein Ölbild von van Gogh zeigt und sagt: „Oh, I’ve seen that one before. Is he French? No? Dutch. Of course. I love it.“
Die Zeichnungen sind ein Auszug aus verschiedenen Skizzenbüchern, entstanden in einem viermonatigen Stipendium-Aufenthalt in New York City 2019.
Text und Illustrationen: Pirmin Beeler