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Der ehemalige kubanische Staatschef Fidel Castro ist tot. Er verstarb am Freitag im Alter von 90 Jahren, wie sein Bruder, Staatschef Raúl Castro, im staatlichen Fernsehen mitteilte. Während der Ära Castro unterhielt die offizielle und auch die intellektuelle Schweiz enge Verbindungen mit der Karibikinsel.
Fidel Castro war vom Sturz des Diktators Batista 1959 bis 2008 Regierungschef der Insel. Nach einer schweren Darmoperation hatte er 2008 die Staatsführung seinem Bruder Raul übergeben.
Als "gut und im Zeichen der Kontinuität" bezeichnet das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf seiner Website die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Kuba.
Seit 1961, nach dem Bruch zwischen Washington und Havanna, vertritt Bern die Interessen der Vereinigten Staaten in Kuba, seit 1991 auch jene von Kuba in den USA. Wegen der Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba ist das Schweizer Schutzmachtmandat 2015 ausgelaufen.
Während der 54 Jahre des Schutzmachtmandates hatten die Schweizer Diplomaten direkten Kontakt mit der kubanischen Regierung und damit auch mit Fidel Castro, der seine Wertschätzung für die Schweiz und ihre Vertreter nie versteckt hatte.
Botschafter als Vermittler
Das auffälligste Beispiel des Vertrauens zwischen dem "Maximo Lider" ("grösster Führer"), wie er sich nennen liess, und der Schweizer Diplomatie war wohl der Wunsch Washingtons 1962, also während der schweren Krise zwischen beiden Ländern - den Schweizer Botschafter in Kuba als Vermittler einzusetzen. Dieser Posten hatte damals Emil Stadelhofer inne.
Die Krise war ausgebrochen, weil auf der Karibikinsel sowjetische Raketen stationiert worden waren, deren Reichweite bis in die USA ging. Das führte zu einer der heissesten Perioden des Kalten Krieges. Die Welt fürchtete den Ausbruch des Dritten Weltkrieges.
Letztendlich aber wurde die Krise direkt zwischen Washington und Moskau gelöst. Emil Stadelhofer führte aber lange Gespräche mit Fidel Castro, der ihm bei verschiedener Gelegenheit öffentlich gratulierte. Für die Gegenseite konnte der Schweizer Botschafter die Rückführung der Leiche jenes Piloten der US Air Force organisieren, der während einer Aufklärungsmission über Kuba abgeschossen worden war.
Besuch in der Schweiz
Zu den Höhepunkten der guten Beziehungen zwischen der Schweiz und Kuba gehört vor allem der offizielle Arbeitsbesuch von Fidel Castro in Bern vom 20. Mai 1998. Anlass war das 50-jährige Jubiläum der in Genf beheimateten Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Castro wurde vom damaligen Bundespräsidenten Flavio Cotti und von anderen Bundesräten empfangen. Er bezeichnete das Ereignis als "Treffen voller Freundschaft, fast wie eine Familie" und sagte, die Schweiz sei "ein Symbol des Friedens, ein Beispiel dafür, wie das Verhältnis zwischen den USA und Kuba sein sollte".
Flavio Cotti sprach von einem "ehrlichen, aufrichtigen und direkten" Treffen und meinte damit auch die Gespräche zu Themen wie Menschenrechte, Meinungsfreiheit oder inhaftierte Gefangene. In der Tat fehlte in der Schweiz die Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen durch das kubanische Regime nicht. Während des Besuchs von Castro in der Schweiz erinnerte Amnesty International daran, dass es damals mindestens 300 politische Gefangene gab in Kuba.
Intellektuelle beeindruckt
Vor mehr als einem halben Jahrhundert hatte Fidel Castro – zusammen mit Che Guevara - die Hoffnung auf eine gerechtere Welt verkörpert, die frei von Hunger, Krieg, Krankheit und Analphabetismus war.
Von der Zuversicht der kubanischen Revolution und des Comandante en Jefe, wie Castro auch genannt wurde, liessen sich seither auch viele Schweizer Intellektuelle, Künstler und Schriftsteller beeindrucken. Sie besichtigten in den 1960er-Jahren an der Seite von Jean Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Régis Debray den revolutionären Aufbruch in Havanna.
Jean Ziegler und Hugo Lötscher
Legendär sind die Berichte und Einschätzungen über Fidel Castro von Jean Ziegler, dem Soziologieprofessor aus Genf, und von Hugo Lötscher, dem verstorbenen Schriftsteller aus Zürich. Jean Ziegler gab bereits am Anfang der Revolution vor, wem das eigentliche Interesse in Havanna galt: Mehr als Fidel Castro stand Che Guevara im Fokus, der nicht nur von einer, sondern von vielen Revolutionen träumte.
Wie nie zuvor in der neueren Geschichte nutzen die Revolutionäre in Havanna die Macht und die Magie der Bilder. Allen voran Fidel Castro, der sich bis ans Ende mit seinen ausufernden Reden als mediales Zentrum der Revolution verstand.
René Burri und Luc Chessex
Von der revolutionären Bildermagie liessen sich verschiedene Schweizer Fotografen und Filmemacher in Havanna inspirieren, unter ihnen René Burri und Luc Chessex. René Burri gelangen 1963 Bilder von Che Guevara, die weltweit schnell zu Ikonen wurden. Fidel Castro lieferte die Rhetorik der Revolution, Che Guevara die Bilder dazu.
Während der langen Jahre seines Aufenthaltes auf Kuba richtete Luc Chessex seine Kamera auf Fidel Castro. Chessex' Vorliebe für den Darsteller Castro endete im Streit. Dieser konnten die beiden jedoch Jahre vor dem Tod des Comandante ausräumen.
Richard Dindo verfilmt bolivianisches Tagebuch
Auch der preisgekrönte Dokumentarfilmer Richard Dindo beschäftigte sich intensiv mit Kuba. Mit der dokumentarischen Verfilmung des "bolivianischen Tagebuche"s verewigte er Che Guevara, nicht Fidel Castro.
Möglich, dass Castro die historische Image-Kampagne gegen Che Guevara verloren hat. Während Che 1967 mit 39 Jahren im bolivianischen Dschungel scheiterte und exekutiert wurde, hielt sich Fidel Castro 47 Jahre an der Macht. Sein Scheitern war am Ende nicht geringer. Castro allein hätte es in der Hand gehabt, seit der ideologischen Wende von 1989 bis zu seinem Rücktritt dringend notwendige Reformen in Wirtschaft und Gesellschaft auf Kuba durchzusetzen. Dazu konnte er sich nicht durchringen.
Bildung und Medizin
Zusätzlich zur unauffälligen Diplomatie, die die Schweiz in Castros Kuba betreibt, kommt ein ständiges Büro, das die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) seit 2000 betreibt. Ziel der Aktivitäten ist die Förderung und Unterstützung einer kubanischen Zivilgesellschaft.
Die Mittel werden für Projekte eingesetzt, welche die Entwicklung im Land unter Wahrung der sozialen Errungenschaften stützen soll. Pragmatisch gehen die Schweizer Nichtregierungs-Organisationen vor. Camaquito etwa engagiert sich im Bereich der Bildung, mediCuba im Kampf gegen die Krebskrankheit.
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