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16. Jahrhundert hinein einen bestimmenden Einfluß, dies verdankte sie aber mehr den Ueberlieferungen aus der Eyckschen Zeit als den Leistungen der damaligen Gegenwart. Es war allerdings kein Verfall der Kunstpflege eingetreten, die Fertigkeit und Geschicklichkeit nahm vielmehr zu, aber in Flandern-Brabant wurde die volklich-selbständige Eigenart aufgegeben zu Gunsten der italienischen Kunstweise, welche auf die Niederländer eine starke Anziehungskraft ausübte, und in Holland, wo die Kunst volkstümlicher blieb, kam man auch nur zu einer Verbindung der altholländischen Ueberlieferungen mit italienischen Anschauungen. So erklärt sich, daß die Niederlande im 16. Jahrhundert zwar eine stattliche Zahl von Künstlernamen aufweisen, denen man Achtung nicht versagen kann, dagegen nur ein Meister zu nennen ist, dem eine besondere künstlerische Bedeutung zukommt, und höchstens noch zwei Andere diesem zur Seite gestellt werden können.
Quentin Massys. Der Hauptmeister der niederländischen Renaissancezeit, welcher auch über die heimatlichen Grenzen hinaus bedeutsam wurde, ist Quentin Massys (1460 bis 1530) in Antwerpen. Im Jahre 1488 hatte Brügge infolge einer Empörung gegen Kaiser Maximilian seine bisherigen Handelsprivilegien verloren und diese waren Antwerpen verliehen worden, welches nunmehr der Hauptstapelplatz der Niederlande und deren Vorort wurde. Daß dies auch zur Belebung der Kunstpflege beitragen mußte, ist natürlich.
Quentin Massys war von Hause aus Kunstschmied und hatte als solcher nur kunstgewerbliches Zeichnen gelernt. Infolge einer schweren Krankheit, welche seine körperlichen Kräfte gelähmt hatte, wandte er sich der Malerei zu, in welcher er ohne einen Lehrmeister blos durch Selbststudium allmählich sich ausbildete. Er mochte wohl schon 30 Jahre alt sein, als er 1491 in die Malergilde als Meister aufgenommen wurde. Der Umstand, daß er völlig frei von allen schulmäßigen Einflüssen, nur durch Selbstbildung und gründliche Naturbeobachtung seine eigene Kunstweise fand, erklärt wohl hinlänglich seine unabhängige Eigenart und seine die Zeitgenossen überragende Stellung. Als gereifter Mann war er in den Künstlerkreis eingetreten und dies brachte auch mit sich, daß er weniger mit jugendlichem Schwung als vielmehr mit Ernst und Strenge seine Aufgaben erfaßte.
^[Abb.: Fig. 586. Pieter Brueghel: Bauernhochzeit.
Wien. Kaiserl. Gemäldesammlung.] ¶
Sein frühestes bekanntes Werk ist ein Altarbild der Peterskirche in Löwen, welches sich schon durch großzügige Kraft des Ausdrucks und lebendig bewegte Darstellung der Handlung auszeichnet. Diese Eigenschaften traten noch mehr hervor in dem Altarbilde «Beweinung Christi» (Antwerpener Galerie); das von packender Wahrheit sowohl in der Darstellung des Leichnams wie in der Schilderung der Gefühlsausdrücke der Trauernden ist, und in dieser Hinsicht alles übertraf, was die niederländische Kunst in den letzten Jahrzehnten vorher geleistet hatte, die zu einer mehr kleinlichen und tüftelnden Behandlungsweise gelangt war.
In der Folgezeit schuf er noch verschiedene Kirchenbilder in diesem Stile, und beschäftigte sich auch mit Ebenbildnissen, in denen er durch eindringliche Lebenstreue treffliche Wirkung erzielt (Fig. 583 u. 584). Eine besondere Art von Bildniswerken kam damals auf; die betreffende Persönlichkeit wurde nämlich in ihrer Beschäftigung, - Geld zählend, oder am Schreibtische arbeitend - dargestellt, und so wurde das Bildnis zugleich eine Sittenschilderung. Diese lebens- und sittenschildernde Malerei, - die Deutschen nennen es «Genremalerei» - wurde späterhin ungemein beliebt und insbesondere in den Niederlanden eifrig gepflegt. Auch sein Sohn Jan Massys und ein Schüler Marinus von Roymerswalde waren hauptsächlich in dieser Art thätig, bei der es vor allem auf scharfe, lebenswahre Herausarbeitung der Züge persönlicher Eigenart ankam, und welche auch die Entfaltung des dem niederländischen Volksgeiste eigenen, etwas derben Humors gestattete, der manchmal freilich bis zur Karikatur geht.
Patinir. Bles. Neben Quentin Massys sind noch zwei Meister zu nennen: Joachim Patinir und Hendrik Bles, welche insbesondere das Landschaftliche in ihren Bildern mit sorgfältiger Naturbeobachtung behandelten, und gewissermaßen als Vorläufer der späteren Landschaftsmalerei betrachtet werden können. In dieser Hinsicht verdienstvoll, sind sie im Uebrigen ohne hervorragende Bedeutung und Eigenart.
Italienische Einflüsse. Die anderen Künstler in Flandern-Brabant stehen durchwegs unter italienischem Einfluß. Es war in den Niederlanden eben auch «Mode» geworden, nach Italien zu gehen, und die dortige Kunstblüte mußte um so stärker einwirken, je weniger persönlicher Kunstgeist die betreffenden Maler besaßen. Die heimische Kunstweise stand ja in der That erheblich hinter jener der Großmeister, wie Raphael, Michelangelo, Correggio u. s. w. zurück; und bei der lebhaften Empfänglichkeit der Niederländer fanden die Anregungen der italienischen Richtung einen günstigen Boden. Das Gefühl für Schönheit war ja bei Jenen in hohem Maße vorhanden und hinter diesem einen Zuge trat eben der andere: der Sinn für das Volkstümliche und Humoristische zurück.
Unter dieser Gruppe der in Italien gebildeten Künstler waren allerdings einige, die in die Heimat zurückgekehrt, gewisse Züge der heimischen Kunst beibehielten und sie mit den italienischen mehr oder minder geschickt vermischten, während andere vollständig der italienischen Richtung huldigten. Zu den ersteren zählt unter anderen Jan Gossaert genannt Mabuse, in dessen «Danae» man die vorerwähnte Mischung erkennen kann (Fig. 585). Von
^[Abb.: Fig. 587. van Leyden: Schachpartie.
Berlin. Kgl. Galerie.] ¶