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Früher glaubte man, Aale würden aus dem Schlamm von Meeren und Flüssen entstehen, weil im Frühjahr grosse Schwärme von jungen Aalen plötzlich an den Flussmündungen auftauchten. Erst im 20. Jahrhundert fand man heraus, dass Aale zur Fortpflanzung aus den Flüssen in Europa in die Sargassosee ziehen, die 6000 Kilometer weit entfernt im Atlantik liegt. Dort legen die Aale ihren Laich ab und verenden.
Fische wandern zwischen verschiedenen Gewässern, weil Laich und Jungfische oft andere ökologische Ansprüche haben als ausgewachsene Fische. Meer und Fluss sind als Lebensraum äusserst verschieden; am offensichtlichsten ist der unterschiedliche Salzgehalt des Wassers, doch auch die Strömungsverhältnisse und Temperaturen unterscheiden sich stark, was auch zu einem ganz unterschiedlichen Nahrungsangebot in diesen verschiedenartigen Ökosystemen führt.
Wanderfische werden nach der Wanderrichtung der erwachsenen Fische in sogenannte anadrome und katadrome Arten eingeteilt. Anadrome Arten, wie zum Beispiel der Lachs und die Meerforelle, schwimmen vom Meer flussaufwärts zu ihren Laichplätzen. Katadrome Wanderfische, wie der Europäische Aal, schwimmen flussabwärts ins Meer um zu laichen. Sind die kleinen Aallarven in der Sargassosee geschlüpft, erreichen sie nach etwa 2-3 Jahren die Küsten Europas und ziehen in grossen Schwärmen die Flüsse hoch.
Wie finden sich die Aale auf dem langen Weg zurecht?
Aale sind für ihren ausserordentlichen Geruchssinn bekannt. Er dient ihnen auch zur Orientierung und hilft ihnen zum Beispiel eine Flussmündung zu finden, sobald sie das Festland erreicht haben. Wissenschaftler vermuteten aber schon länger, dass die Aale zur Navigation für die 6000 Kilometer lange Reise zu ihren Laichgründen und zurück auch das Erdmagnetfeld verwenden. Diese Vermutung wurde 2013 durch eine Gruppe von Wissenschaftlern am Institut für Meeresforschung in Storebø, Norwegen bestätigt. Um zu testen, ob sich Aale wirklich an Magnetfeldern orientieren können, machten Caroline Durif und ihre Kollegen Experimente unter kontrollierten Laborbedingungen. Sie setzten Europäische Aale in Tanks, die künstlichen Magnetfeldern in verschiedenen Richtungen ausgesetzt wurden. Dabei schotteten sie die Tanks von allen anderen möglichen Einflüssen wie Licht, Vibrationen, Gerüchen oder Geräuschen ab, die den Tieren sonst noch bei der Orientierung helfen könnten.
Die Aale richteten sich immer in eine bestimmte Richtung relativ zum magnetischen Nordpol. Dabei änderte sich diese Richtung abhängig von der Wassertemperatur. Bei Temperaturen unter 12°C orientierten sich die Fische in eine andere Richtung als bei höheren Temperaturen. Das könnte darauf hinweisen, dass Aale sowohl das Erdmagnetfeld als auch die Wassertemperatur zur Orientierung nützen. In der warmen Periode, wenn sie auf Futtersuche sind, schlagen sie eine andere Richtung ein als bei kälteren Temperaturen, wenn sie ihre Wanderung zur Sargassosee beginnen.
Zusammenfassend zeigten diese Experimente, dass sich Aale tatsächlich an Magnetfeldern orientieren können und dass die Wassertemperatur für die Schwimmrichtung wichtig ist. Nun versteht man etwas besser, wie Aale einen so langen Weg zurücklegen können ohne sich zu verirren. Der genaue Laichort in der Sargassosee bleibt aber weiterhin ein ungelöstes Rätsel.
Anadrome Wanderfische:
Schwimmen vom Meer flussaufwärts zu ihren Laichplätzen (Beispiele: Forelle, Lachs).
Katadrome Wanderfische:
Schwimmen flussabwärts zu ihren Laichplätzen im Meer (Beispiel: Europäischer Aal).
Amphidrome Wanderfische:
Wandern regelmässig zwischen Meer und Süsswasser hin und her, sei es auf der Suche nach Nahrung oder zum Überwintern.
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