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Kompliziert versus Komplex
- oder was ein Teller Spaghetti über #Changemanagement aussagt.
Wenn wir uns mal betrachten, wie in den meisten Unternehmen heutzutage die Zukunft antizipiert wird, dann kommt schnell das Gefühl auf "da kann ja gar nichts mehr schiefgehen": Strategische 5-Jahres-Pläne mit akribisch detailliert festgelegten operativen Umsetzungsmassnahmen, Plan A-B-C für alle Eventualitäten, Zielvorgaben und sorgfältig ausgewählte Messmethoden, um die Zieleinhaltung zu garantieren und ja eine Wachstums- & #Erfolgsgarantie abgeben zu können...
... und dann kommt ein unvorhergesehenes Ereignis wie Lieferprobleme, neue politische Regelwerke, ein Börsencrash oder ein neuer Wettbewerber dazwischen, der die Gewinnmargen nach unten drückt ... und der ganze schöne Planungsprozess ist futsch und muss wieder neu aufgerollt werden. Jeder, der sich mit der berühmt-berüchtigten #VUCA-World (V= Volatility/Volatilität , U= Uncertainty/Unsicherheit, C= Complexity/Komplexität, A= Ambiguity/Mehrdeutigkeit) beschäftigt, kann ein Lied davon singen.
Eines, der Beispiele aus dem Buch #ReinventingOrganizations von #FrédéricLaloux - eine Metapher, die beim Unternehmen #FAVI verwendet wird - verdeutlicht diesen Prozess sehr eindrücklich: Wie wäre es, wenn wir uns das Ganze als einen Teller #Spaghetti vorstellen!
"Ein FLugzeug ist ein KOMPLIZIERTES System. Es hat vielleicht zehntausende Teile, aber sie folgen alle einer linearen Logik. Wenn Sie ein beliebiges Teil herausnehmen, dann kann Ihnen ein Ingenieur genau erklären, wann und wie das Flugzeug davon beeinflusst wird.
Im Gegensatz dazu ist ein Teller Spaghetti ein KOMPLEXES System. Es hat nur ein paar Dutzend Bestandteile, aber wenn Sie an einer Spaghetti ziehen, dann kann selbst der leistungsfähigste Computer der Welt nicht vorherrsagen, was geschehen wird."
In unserer heutigen #Arbeitswelt gehen die meisten Unternehmen davon aus, dass wir es mit einem Flugzeug zu tun haben - wenn wir alles nur gut genug planen, dann lässt sich der Erfolg auch vorprogrammieren. Die wenigsten verstehen sich wohl als Unternehmen mit #evolutionäremSinn - ein Unternehmen, das anerkennt, dass das Gesamtsystem komplexer ist, als wir zu verstehen imstande sind. Und dass es Sinn macht, statt langwieriger Strategiefindungs- & Planungsprozesse einfach mal vorsichtig an einer Spaghetti zu ziehen und zu schauen, was dabei in Bewegung kommt. Das bringt natürlich den bisher ruhenden Teller Spaghetti zunächst einmal aus der Balance und in eine neue Ordnung. Die Herausforderung besteht also darin, die Unsicherheit auszuhalten, wie der Haufen Spaghetti am Ende geordnet sein wird und das Vertrauen zu haben, dass er zu einer neuen, in sich stimmigen Ordnung findet. Oder wie es Frédéric Laloux in oben genanntem Buch ausdrückt:
"Die Organisation nicht als Maschine verstehen, sondern als lebendigen Organismus, der seine eigene Energie hat, sein eigenes Gespür für die Richtung, einen eigenen Sinn, den dieser Organismus in der Welt zum Ausdruck bringen will. Dann wird die Rolle des Führenden - und aller Mitarbeiter - viel einfacher. Statt eine Zukunft vorherzusagen und mit allen Mittel zu versuchen, sie Wirklichkeit werden zu lassen, hören sie einfach darauf, wohin sich die Organisation natürlich und von selbst bewegen will... und dann helfen sie der Organisation, diesen Weg zu gehen. Damit segeln wir immer mit dem Wind im Rücken. Wir bewegen uns vom Vorhersagen-und-Kontrollieren hin zu etwas viel Wirkungsvollerem: Spüren-und-Antworten."