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Reformation
Neues Denkmal für die letzte Äbtissin
Auch rund 500 Jahre nach ihrem Tod sorgt die letzte Äbtissin von Zürich für Diskussionen. Das Zürcher Stadtparlament hiess im Februar einen Vorstoss für ein neues Denkmal für Katharina von Zimmern gut, wie ref.ch berichtete. Ein «figuratives Denkmal in der Innenstadt», so die Parlamentarier. Mit dem Denkmal will man die Friedenstat der Äbtissin ehren.
Damit bekäme die Äbtissin ihr zweites Denkmal in Zürich. Das bestehende im Kreuzgang des Frauenmünsters sehe aus wie ein Sarkophag oder ein Altar, kritisierte Ernst Danner. Die EVP träumt von einem Denkmal in der Art der Jeanne d’Arc. «Goldig, glänzend und klassisch». Stadtpräsidentin Corina Mauch störte dieses «figurativ»: «Diese gescheite Frau braucht kein figuratives Denkmal.»
Doch wer ist diese Frau, die Zürich mit zwei Denkmälern ehrt und die kaum jemand kennt? Ihr Leben liest sich wie ein Drehbuch für einen Hollywoodfilm: Ins Kloster gezwungen, heimliche Liebe mit einem Söldnerführer, uneheliche Tochter, und dies in einer Zeit der Religionswirren.
In der Nähe von Zwingli
Katharina von Zimmern war Äbtissin des Zürcher Fraumünsters während der Reformation. Sie stammt aus adeligem Haus. Wegen Streitigkeiten mit Kaiser Friedrich III. flüchtet ihre Familie auf eidgenössisches Gebiet und lebt 1491 in Weesen am Walensee. In nächster Nähe zu Huldrych Zwingli, der dort von 1489 bis 1494 bei seinem Onkel Bartholomäus wohnt. Ob sich die beiden begegnet sind, ist umstritten.
1494 tritt von Zimmern nicht ganz freiwillig dem Fraumünsterkloster Zürich bei. Mit 18 Jahren wird sie zur Äbtissin ernannt. Das Kloster ist in einem schlechten Zustand. Nur wenige Nonnen leben in den Gemäuern. Als Fürstäbtissin besitzt Katharina von Zimmern jedoch hohes Ansehen.
Offen für die Reformation
Als Huldrych Zwingli und der Zürcher Rat die Reformation einleiten, verfolgt sie den theologischen Disput mit Interesse. Zwingli überreicht ihr seine 1523 erschienene Reformationsschrift mit einer Widmung.
Der gesellschaftliche Wandel wie auch ihre Überzeugung bringen die Äbtissin dazu, 1524 dem Zürcher Rat das Fraumünsterkloster mit all den Besitzungen zu übergeben. Um «grosse Unruhe und Ungemach» zu vermeiden, wie sie erklärt. Der Rat spricht ihr dafür eine hohe Leibrente und das Wohnrecht im ehemaligen Kloster zu. Mit diesem Schritt vermeidet die Äbtissin einen blutigen Konfessionskrieg und prägt die Reformation entscheidend.
Nach der Auflösung des Klosters heiratet Katharina von Zimmern den Söldnerführer Eberhard von Reischach. Wegen unerlaubtem Kriegsdienst muss das Paar Zürich verlassen und lebt in Schaffhausen und Diessenhofen. Später kehren sie zurück. Eberhard von Reischach stirbt 1531 in der Schlacht bei Kappel.
Eigenständige Persönlichkeit
Die letzte Äbtissin von Zürich war eine intelligente, eigenständige Persönlichkeit, die sich dem Geist des Humanismus verpflichtet sah. Sie liess sich nicht hinter den Klostermauern einschliessen. Dies zeigen die Arbeiten der Historikerin Christine Christ-von Wedel, unter Mitarbeit von Irene Gysel, Jeanne Pestalozzi und Marlis Stähli. Die vier Frauen stöberten in den Archiven und fanden Belege, dass die Äbtissin eine uneheliche Tochter gehabt haben könnte – die während ihrer Zeit im Fraumünster zur Welt kam. Der Vater soll Eberhard von Reischach gewesen sein, ihr späterer Ehemann. Trotz der akribischen Recherche bleibt weiterhin im Dunkeln, wo die uneheliche Tochter aufgewachsen sein könnte.
Tilmann Zuber, kirchenbote-online
Buchtipp
Die Äbtissin, der Söldnerführer und ihre Töchter, Christine Christ-von Wedel. Katharina von Zimmern im politischen Spannungsfeld der Reformationszeit. Unter Mitarbeit von Irene Gysel, Jeanne Pestalozzi und Marlis Stähli, Theologischer Verlag Zürich