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Der italienische Schriftsteller Erri de Luca hat die Bergsteigerin Nives Meroi im Himalaja besucht und während einer Nacht ein langes Gespräch mit ihr geführt. Dieses Gespräch, das er nun in Buchform herausbrachte, ist assoziativ angelegt; die beiden hangeln sich von einem Thema zum nächsten. Sie kreisen dabei um die zentralen Fragen des Bergsteigens und berühren eine Vielzahl von Themen. Meroi erzählt von ihren Erfahrungen, den Gefahren und den seltenen Glücksmomenten während des Auf- und Abstiegs. Sie beschreibt den Wind in diesen Höhen, der «der Herr über die Zeit» sei und dem sie so nahe dem Himmel Gesellschaft leiste, ihre Empfindungen auf dem Gipfel, das Zusammenwirken mit ihren Gefährten.
Nevis Meroi besteigt zusammen mit ihrem Ehemann Romano Benet und Luca Vuerich im Alpinstil, also mit minimaler Ausrüstung, die höchsten Berge der Erde. Sie drei bringen den Bergen Respekt entgegen und haben hohe Ansprüche. Als sie kurz vor dem Gipfel des Dhaulagiri, auf einem Zacken in 8000 Meter Höhe angekommen, bemerkten, dass ihnen zwei unbegehbare Kämme den Weiterweg zum nur wenig höher gelegenen Gipfel versperrten, kehrten sie um - und unterlagen später nicht der Versuchung, den Berg als bestiegen auszugeben.
Wahrscheinlich waren es gerade diese Form von Bescheidenheit und der Verzicht auf Starallüren, die Erri de Luca veranlassten, das Buch zu schreiben. De Luca, der 1968 als 18-Jähriger nach Rom ging und sich dort der linksradikalen Bewegung Lotta Continua anschloss, sich bis 1980 für die Arbeiterklasse und linke Bewegungen engagierte und danach auf dem Bau arbeitete, begann erst spät mit dem Bergsteigen. Durch Zufall wurde er von dem Verleger Giangiacomo Feltrinelli entdeckt, nachdem er schon unzählige Hefte mit Geschichten vollgeschrieben hatte. Das Bergsteigen und Klettern wurden eine weitere Passion. 2002 gelang ihm im Alter von 52 Jahren der Durchstieg einer 8b+-Route in der Grotta dell’ Areonauta in Sperlonga.
Erri de Luca ergänzt den Dialog mit Bildern und Ereignissen aus seiner eigenen Geschichte; dadurch erhält das Gespräch eine Weite, die über das Bergsteigen hinausgeht.