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Titel:
Rede von E. Schindler an der Mittellandkonferenz in Speicher
Thema: Leute
Datum: --.--.1900
Masse: 22 x 18 cm
Standort: Vorbesitz Walter Eugster, Herisau; Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, Ms. 547
Urheber/-in: Schindler, E.
Beschreibung:
Das Büchlein enthält ein Referat, welches von E. Schindler verfasst und von diesem an der Mittellandskonferenz für Primarschullehrkräfte in Speicher im Mai 1900 gehalten worden ist.
Der Text ist in roter und schwarzer Tinte und ebenmässiger Schrift geschrieben. Das Themengebiet des Referats ist breit; es handelt sich um einen chronologischen Abriss zum Schulwesen in den Mittelländer Gemeinden Gais, Bühler, Teufen, Speicher und Trogen. Schindler spricht von der Gründung der Mittellandkonferenz und erläutert das Aufkommen des Turnunterrichts um 1880. Ausserdem finden sich verschiedene Tabellen, Statuten und Protokollauszüge in seiner Rede. Die Inspektionsberichte von 1831 und 1835 handeln nicht nur von mittelländischen Gemeinden, sondern vom ganzen Kanton Appenzell Ausserrhoden.
Geschichte:
Um 1900 gab es im Mittelland 32 Schulen. An den Primarschulen wurde zwischen Halbtag-Schüler, Ganztag-Schüler und Uebungs-Schüler unterschieden. Im Schuljahr 1899/1900 wurden im Appenzeller Mittelland knapp 2400 Schüler verzeichnet. Der Primarlehrergehalt schwankte in den Gemeinden Teufen, Bühler, Gais, Speicher und Trogen zwischen 1600 und 1800 Schweizer Franken. Inbegriffen waren die Wohnungsentschädigung sowie das Holzgeld resp. das Freiholz.
In den ausgewählten Textstellen von E. Schindlers Referat handeln die ersten Seiten von verschiedenen Protokollen, welche von 1839-1866 verfasst wurden. Die Protokolle enthalten unter anderem Aussagen über problematische Eltern-Kind-Beziehungen, Lehrergehälter und mehrere Aufrufe an Lehrer, sich eine Handharmonika (Akkordeon) für die Schule anzuschaffen. Die Handharmonika wurde 1829 in Wien erfunden und entwickelte sich zu einem beliebten Volks- und Unterhaltungsinstrument, das einfach zu erlernen war.
Zwei weitere Textstellen enthalten die Inspektionsberichte von den Herren Zürcher und Weishaupt. Die Schulinspektionen wurden von dîesen in den Jahren 1831 und 1935 durchgeführt. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Qualität der Schulen und des Unterrichts, aber auch auf das Lehrergehalt und die Lage der jeweiligen Schulen. Zürchers und Weishaupts Urteile schwankten zwischen Lob und harscher Kritik an Missständen, so z.B. waren in Wolfhalden im selben Haus die Schule, ein Wohnhaus und ein Webkeller untergebracht. In Urnäsch musste auf Zeitungen ausgewichen werden, weil es an Schulstoff mangelte. In Teufen musste ein einziger Lehrer eine Klasse von hundert Schülern übernehmen. Aus den Inspektionsberichten wird deutlich, dass es besonders in den 1830er Jahren an Schulhäusern mangelte.
Autorin: Nina Sonderegger, Speicher
Chronologie:
1855-1865 Erster erhaltener Bericht über das Schulwesen im Kanton Appenzell Ausserrhoden in Form eines Büchleins
1900 Mittellandkonferenz der Primarlehrer
Literatur:
Akkordeon. In: Brockhaus Enzyklopädie 1 (1986), S. 277.
Kanton Appenzell Ausserrhoden (Hrsg.): Das Schulwesen im Kanton Appenzell A. Rh. Inspektionsbericht. Herisau 1900.
Transkription:
Aus diversen Protokollen
1835 Nov. Lutz bemerkte, in Wolfhalden habe er einen Vater gekannt, welcher seine Tochter einen „hochmütigen Balg“ schalt, wenn sie sich täglich waschen wollte. Ebenso erzählte Schefer in Teufen von einem Kind, dessen Eltern es nicht zugeben wollten, dass es sich wasche, ausser an den Sonntagen.
1839 Januar: Waldburger macht uns aufmerksam auf ein wohlfeiles und leicht zu erlernendes Instrument, auf die Handharmonika, welche er jedem Lehrer anzuschaffen rät, dem höhere Ausbildung der Musik fehlt und der sich doch gerne mit dem Spielen eines Instrumentes vergnügen möchte.
1840 September: Schliesslich wies Lehrer Waldburger, um dem Wunsche einiger Anwesenden gefällig entgegenzukommen, eine mitgebrachte Handharmonika vor, strich beredt die Vorzüge dieses Instrumentes heraus und unterrichtete geraume Zeit, wie dasselbe zu gebrauchen sei, um demselben seine zarten und lieblichen Klänge zu entlocken.
1839 Februar: Waldburger meinte, als Ersatz für Mühe, Arbeit und Brechung der Kleriker (!) wäre es nur recht und billig, wenn man eine Entschädigung von etwa einem Gulden für jedesmaliges Erscheinen erhielte. [Wohl bezogen auf das Erscheinen an der Mittellandkonferenz]
1847 Dez. Sonderbund: Koller teilt uns mit, dass gewisse Herren sich sehr verwundert haben, wie die Soldaten so häufig unrichtige und wunderliche Adressen auf ihre Briefe schreiben, indem sie doch vermutet hätten, die neuere Volksschule hätte bessere Früchte tragen sollen. – Sehr passend deklamierte Hr. Sturzenegger von Trogen die „Schlacht“ von Schiller.
1864 Januar: Hohl frägt an, ob der Lehrer es dulden solle, dass die Schüler mit dem üblichen Klausen noch ihr Unwesen treiben. Als Antwort darauf diente ihm folgende Anekdote von Schiess: In Teufen würden am letzten Sylvestertage sämtliche Lehrer vom regierenden Hauptmann beauftragt, den Schülern das „Klausen“ zu verbieten; es würde sonst polizeilich eingeschritten, doch hatte der oberste Befehlshaber die Freundlichkeit, am genannten Tage einem „Klausen“ alleine 30 Rp. für seine Bemühungen darzubieten. Warum soll der Lehrer allein noch opponieren wollen?
1866 November: Jahresbericht. Das Allerneuste sind die Gehaltserhöhungen in Trogen, Speicher, Bühler, Heiden. Bismark [sic] konnte sich über die deutschen Eroberungen nicht mehr freuen als wir Lehrer über diese Errungenschaften. Vor einigen Jahren noch war es ein kühner Wunsch, die Primarlehrergehalte auf 1000 Gulden erhöht zu sehen; man betrachtete dies als Endziel für längere Zeit und nun machte Trogen, wie ein „hüslige“ Ratsherr in Trogen meinte, den „ungeschickten“ Sprung auf 1200.–
Aus dem Inspektionsbericht 1831
( - Zürcher, Wolfhalden - )
Urnäsch, Schule im Tal: des Schulmeisters Frau hält meistens die Schule und macht es in manchen Stunden recht brav.
Schwellbrunn, Schule Einsiegeln: Schule wird in einer Kammer gehalten und aus dem nahen Abtritt dringt [...] Geruch in die Schule.
Teufen, Gmündersschule: die Leistungen sind nur z.T. befriedigend, denn Kopfrechnen und Gesang fehlen immer noch. Die Schule zählt 100 Schüler und da muss dem Lehrer die Frau helfen.
Bühler: das Gehalt des Schullehrers ist das grösste mir bekannte in Ausserrhoden. (1855 = 6 Gulden wöchentlich und freie Wohnung)
Gais, Steinleuten: das Haus gehört dem Schulmeister. Die Leistungen dieser Schule zeichnen sich besonders aus. Die Schüler wissen jetzt Dinge, von denen der Lehrer selbst vor 3 Jahren noch keine Ahnung hatte. Nur der meisterhafte Fleiss des Schulmeisters konnte solche Fortschritte möglich machen. ( [...] 1855 war diese Schule in Miete bei einem Bauern)
Rehetobel, Dorfschule: die Schulstube ist schlecht eingerichtet, [...] im Winter dämpft es in derselben und sie dient zugleich der Familie des Schulmeisters zur Wohnung, was nur in [Lobenschwendi?] der Fall ist. Der Lehrer treibt seinen Beruf treu und fleissig, wie man ein Handwerk treibt; von etwas Geistigem ist keine Rede. Von einer Klasseneinteilung hat ihr Lehrer kein Begriff. So elend habe ich niemands rechnen gesehen. Die Grenze ist durchaus nicht anderes als Abrichtung; der Verstand geniesst ungestörte Ruhe.
Wolfhalden, an der Hub: Auch ist es ein Elendsstand, dass Hausleute in der Schulstube wohnen und dass ein störender Webkeller unter derselben ist.
Aus dem Inspektionsbericht 1835
( - Weishaupt, Gais - )
Urnäsch: In allen Schulen herrscht Mangel an Schulstoff, sodass [sic!] man zu allerlei Zeitungen die Zuflucht nehmen musste.
Schwellbrunn, Schule [Rütschwilen?]: Eine [...]kammer in der [Kreme?] wird als Schulzimmer benützt.
Wolfhalden: (und fast überall im Nachbarland) die Wahl der Lehrer steht bei den stimmfähigen Schulgenossen der Rhode bei dem alljährlichen Erneuerungswahlen findet nur [...] statt.
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