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Weg-Wort vom 3. Juni 2019
Beim Harken im Garten entdecke ich eine Werre. Sie rennt schnell über die Erde, aber nicht schnell genug. Ich greife sie und nehme sie in meine Hand.
Werren haben neulich die Wurzeln meiner frischen Kürbissetzlinge von unten abgefressen. Oben waren die Pflanzen unversehrt, unten haben die Wurzeln gefehlt. Um die Pflanzen herum waren kleine Löcher. Untrügliche Hinweise. Ich habe damals geschimpft. Werren sind dunkel und auf Distanz könnte man meinen, dass man einen Skorpion vor sich hat. Aus der Nähe erkennt man die Grille.
Nun habe ich einen der Übeltäter in meiner Hand. Ich habe große Hände und kann meine Hand ganz um die Werre schließen. Sie kann mir nicht entkommen. Die Vorderfüsse der Werre sind, wie bei einem Maulwurf, zu Grabschaufeln umgebildet. Damit versucht die Werre meine Finger auseinanderzudrücken. Sie drückt mit erstaunlicher Kraft.
Wenn eine Werre in meiner Hand kämpft, bewirkt das bei mir etwas Erstaunliches: Ich spüre Zuneigung für das Tier, spüre sein Leben und dass dieses Leben gerade mit meinem verbunden ist.
Eine Werre tut nichts Anderes als das, was Menschen auch tun: Sie frisst, sie vermehrt sich, sie baut, ab und zu schwimmt sie oder fliegt. Bei alledem richtet sie ein wenig Schaden an. Männchen, die eine Braut suchen, singen. Ich setze die Werre in eine Wiese und schaue, wie sie davonläuft.
«Rrrrrrr…» klingt es abends aus der Wiese. Ein Werrenmann singt das ewige Lied von der Liebe.
Werren stehen auf der Liste der bedrohten Arten, weil wir Menschen meinen, andere Lebewesen, die minimale Schäden anrichten, vernichten zu dürfen.