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«Die Sonne warf eine Handvoll Goldtaler auf den Moosboden. Vögel probten den Abendgesang.» Heimelige und friedvolle Bilder wie diese finden sich nur wenige in Eveline Haslers Romanbiografie über eine der schillerndsten, aber nahezu vergessenen Frauengestalten der Schweiz: Mentona Moser – reiche Erbin und bedeutende Sozialrevolutionärin. Der Roman zeichnet nämlich ein langes und ungemein umtriebiges Leben nach, in dem die stillen Momente regelrecht ertrotzt werden müssen. Spürbar wird das bereits im eindrucksvollen ersten Teil über einige Kindheitsjahre, die Mentona, 1874 geboren, mit Mutter und Schwester auf Schloss Au bei Wädenswil verbringt. (Ihr Vater, der Grossindustrielle Heinrich Moser, starb kurz nach ihrer Geburt.) Dort führt die Mutter, eine der reichsten Frauen Europas, ein über Bedienstete und Töchter gleichermassen rigoroses Regiment, wobei das Profitdenken die bestimmende Maxime ihres Handelns darstellt. Die frühe Erkenntnis Mentonas: «Das Geld füllt Kassen, doch das lebendige Herz verhungert» bildet wohl tief in ihrem Innern die Grundlage für ihr späteres soziales und politisches Engagement. Dieses führt sie ab 1898 zu zahllosen Tätigkeiten in verschiedenen Ländern, Institutionen und politischen Funktionen: ob in Londons Armenviertel Southwark oder in Fürsorgeeinrichtungen in und um Zürich, ob als Mitglied von Pro Juventute, der Sozialdemokratischen oder später der Kommunistischen Partei der Schweiz, für die sie als Delegierte auch mehrere Reisen in die Sowjetunion unternimmt. Wegen dieser politischen Einstellung verweigert die Mutter ihr über Jahre jede finanzielle Unterstützung. Erst nach deren Tod kann Mentona über den Pflichtteil des Vermögens verfügen, wodurch z.B. der Bau des Kinderheims in Waskino möglich wird.
Besonders anschaulich zeichnet Eveline Hasler die Lebensverhältnisse in Southwark oder den Moment, als Mentona im Kreml vor einer vergoldeten Moser-Uhr sitzt. Ansonsten wählt sie eine eher distanzierte Sprache und einen zurückgenommenen Erzählstil. Dies und die Strategie, oft nur bei den Fakten zu verharren, lassen die Motive der handelnden Personen im Vagen. Gleiches gilt auch hinsichtlich Mentonas Faszination für den Kommunismus. Einem Fotografen antwortet sie auf die Frage, ob sie von einem Prinzen träume: «Nein, ich träume von einer gerechteren Welt.» Und eine solche kann nach der Oktoberrevolution für sie nur der Kommunismus schaffen.
Auch wenn «Tochter des Geldes» nicht den Sog vieler Vorgängertitel entwickelt, folgt man dieser «biografischen Annäherung», wie die Autorin selbst es nennt, an das bewegte und bewegende Leben Mentonas gerne. Nahe kommt man auch den Kindern aus Londons Angel Court, von denen es etwa heisst: «…oh, wie eifersüchtig schauten die kleinen Engel mit den schweren Marmorflügeln dem lustigen Treiben zu!»
Eveline Hasler: Tochter des Geldes. Zürich: Nagel & Kimche, 2019.