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Schon die Chance, dass aus dir eines Tages ein Fussball-Nationalspieler wird, ist verschwindend klein – es sei denn, du bist Liechtensteiner. Wie gering ist da erst die Möglichkeit, dass sogar du UND dein Bruder im Nationalteam auflaufen?
Rund 700 Brüderpaare hat die Website Transfermarkt aufgelistet, bei denen beide für eine A-Nationalmannschaft aufliefen. Nicht unbedingt für die selbe, etwa im Fall der Gebrüder Pogba. Während Paul 2018 mit Frankreich Weltmeister wurde, schafften es seine Brüder, die zwei Jahre älteren Zwillinge Florentin und Mathias, immerhin ins Nationalteam von Guinea. Die Familie Pogba stellt somit gleich drei Nationalspieler. Rekord ist das aber nicht, wie du noch sehen wirst.
Als erstes Brüderpaar auf höchster Fussballstufe gelten John und Archie Goodall. Zwei Schotten, von denen kurioserweise weder der eine, noch der andere für Schottland spielte. Der in London geborene John lief zwischen 1888 und 1898 für England auf, der in Belfast geborene Archie zwischen 1899 und 1904 für Irland.
Eine Auswahl berühmter Brüderpaare der Fussballgeschichte, die beide A-Nationalspieler sind oder waren:
Die Ägypter Ibrahim und Hossam Hassan spielten einst gemeinsam für Neuchâtel Xamax – und rund 300 Mal für ihr Heimatland. Die genaue Anzahl Länderspiele der zwei ist umstritten, von beiden gibt es unterschiedliche Angaben. Verteidiger Ibrahim Hassan brachte es auf 125 oder 131 Einsätze für Ägypten, Stürmer Hossam Hassan sogar auf 169 oder 178. Die verschiedenen Werte dürften auf Freundschaftsspiele zurückzuführen sein, die mal als offizielle Länderspiele zählen und mal nicht.
Yaya (links) und Kolo Touré sind Legenden der Premier League. Yaya lief jahrelang für Manchester City auf, eine Weile gemeinsam mit Kolo, der auch bei Arsenal und Liverpool verteidigte. Die Touré-Brüder liefen 60 Mal gemeinsam für die Elfenbeinküste auf. Kolo bestritt 97 Länderspiele, Yaya gar 118. In Erinnerung ist das Duo auch wegen des Ohrwurms, den die Fans ihnen mitsamt Tanz widmeten:
Deutschland gewinnt 1954 den WM-Titel dank eines 3:2-Siegs im Final gegen Ungarn. Spielführer Fritz Walter (ganz links) steht ebenso in der Startelf wie sein Bruder Ottmar (Fünfter von links). Fritz lief 61 Mal für die DFB-Elf auf, Ottmar kam auf 21 Länderspiele.
Auch Bobby und Jack Charlton wurden gemeinsam Weltmeister, 1966 mit England, als beide im Final mit dem berühmten Wembley-Tor in der Startelf standen. Mit 106 Länderspielen ist Manchester Uniteds Offensivkraft Bobby die grössere Legende der beiden Brüder. Jack, der 21 Jahre lang für Leeds United verteidigte, brachte es auf 35 Einsätze für die «Three Lions». Dafür brachte es Jack als Nationaltrainer der Republik Irland zu unsterblichem Ruhm.
Murat (links) und Hakan Yakin sind die Schweizer Brüder mit den zusammengezählt meisten Länderspielen. Während Spielmacher Hakan 87 Mal auflief, kommt Abwehrspieler Murat auf 49 Einsätze für die Nati.
An der EM 2016 bestritt Albanien sein erstes Spiel an einem grossen Turnier. Mit dabei: Taulant Xhaka. Der im Spiel gegen die Schweiz auf seinen Bruder Granit (links) traf. Dieser lief mit nunmehr 27 Jahren bereits 82 Mal für die Nati auf, der ältere Bruder Taulant bringt es auf 30 Einsätze für Albanien.
Zwei andere Brüder trafen noch nicht einem Länderspiel aufeinander: Albian Ajeti stürmt für die Schweiz, Arlind Ajeti kickt für Albanien.
Halbbrüder sind Kevin-Prince (links) und Jérôme Boateng. Während sich Angreifer Kevin-Prince für Ghana, die Heimat seines Vaters, entschied, verteidigte Jérôme für Deutschland. Gleich an zwei Weltmeisterschaften trafen sie aufeinander: 2010 (1:0 für Deutschland) und 2014 (2:2).
1974 und 1978 verlor die Niederlande zwei Mal den WM-Final. So sind die Zwillinge Willy und René van de Kerkhof zweifache Vize-Weltmeister. Auch zwei Jahrzehnte später gelang es holländischen Zwillingen nicht, einen Titel zu gewinnen: Ronald und Frank de Boer. Das schaffte zwischendurch aber ein anderes Brüderpaar: Ronald (links) und Erwin Koeman standen in Hollands Final-Elf, die 1988 den EM-Titel gegen die Sowjetunion gewann. Europameister wurde auch Arnold Mühren, dessen älterer Bruder Gerrie Mühren vor dieser Zeit Nationalspieler war. In den 1990ern schafften es auch Rob und Richard Witschge, für die «Elftal» aufzulaufen.
Was den Koemans gelang, schafften acht Jahre vorher auch zwei Förster. Nicht solche mit einer Kettensäge, solche mit Stollenschuhen: Bernd und Karl-Heinz Förster wurden 1980 Europameister mit Deutschland.
Michael Laudrup war ein grosser Fussballer, genau wie sein Bruder Brian. Doch während letzterer 1992 sensationell mit Dänemark zum EM-Gewinn stürmte, verpasste Spielmacher Michael (u.a. Juve, Barcelona, Real Madrid) den Titelgewinn wegen eines Krachs mit Nationaltrainer Richard Möller Nielsen. Dabei lief er zwischen 1982 und 1998 nicht weniger als 104 Mal für sein Heimatland auf, Brian (u.a. Bayern, Milan, Chelsea) brachte es auf 82 Länderspiele.
49 Länderspiele haben Philipp (links) und David Degen gemeinsam auf dem Buckel. Verteidiger Philipp, in seinen besten Zeiten bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool, kam auf 32 Nati-Einsätze, David (Mönchengladbach) auf 17. Gemeinsam standen sie dabei nur in fünf Partien auf dem Feld – alle waren Freundschaftsspiele und kein gemeinsamer Einsatz der Degen-Zwillinge für die Schweiz dauerte länger als 48 Minuten.
Die schwedischen Zwillinge Björn (links) und Bengt Anlert haben beide exakt ein Länderspiel bestritten. Bemerkenswert ist, dass Bengt seines im Jahr 1955 absolvierte, während Björn erst 1963 zur Ehre kam.
Klar, in einem Land mit weniger als 40'000 Einwohnern ist die Chance grösser als anderswo, zu den besten elf Fussballern zu gehören. Bemerkenswert ist trotzdem, wie viele Brüderpaare schon für die Fürsten-Krone kickten. Als da wären: Martin und Michael Stocklasa, Thomas und Roger Beck, Franz und Patrick Burgmeier, Mathias und Andreas Christen, Franz und Harry Schädler sowie Yanik und Noah Frick – die Söhne des 125-fachen Nationalspielers Mario Frick. Wer weiss, ob bald mehr Brüder hinzu kommen. Fabio Wolfinger bestritt ein Länderspiel, Marco war bisher zwölf Mal Ersatzspieler ohne Einsatz. Und das Pech von Claudio und Armando Majer ist, dass sie beides Goalies sind. Beide sassen im Nationalteam schon auf der Bank, kamen aber noch nie zum Einsatz.
Die rumänischen Brüder Silviu Lung jr. (Bild) und Tiberiu Lung haben beide schon das Tor der Nationalmannschaft gehütet. Besonders bemerkenswert: Ihr Vater, Silviu Lung, war langjähriger Stammgoalie Rumäniens, unter anderem an der WM 1990.
Shane und Wynton Rufer kommen als Söhne eines Schweizer Vaters und einer neuseeländischen Mutter auf die Welt. Vom anderen Ende der Welt versuchen sie in den 1980er-Jahren, gross rauszukommen. Während Shane durch die Schweiz tingelt – fünf Klubs in neun Jahren – wird aus Wynton Ozeaniens Fussballer des Jahrhunderts. Mit Werder Bremen wird er Meister, Pokalsieger und Europacupsieger.
Aus der Schweiz: Max, André und Jean Abegglen. Besonders die ersten beiden hinterliessen tiefe Spuren: Zu Ehren von Max, «Xam» genannt, taufte man Neuchâtel Xamax so, mit 32 Länderspieltoren ist es immer noch die ewige Nummer 3, direkt vor André («Trello»).
Aus Ghana: André Ayew, Jordan Ayew und ihr Halbbruder Ibrahim Ayew. Die Söhne von Abedi Pelé, der dreifacher afrikanischer Fussballer des Jahres war.
Aus Gibraltar: Lee, Kyle und Ryan Casciaro. Gemeinsam mit den Brüdern Joseph und Kenneth Chipolina können die beiden Familien fast das halbe Nationalteam stellen.
Aus Luxemburg: Vincent, Sébastien und Olivier Thill. Mit 16 Jahren unterschrieb Vincent seinen ersten Profivertrag in Frankreich. Nun ist er 20 und hat sich bei den Erwachsenen noch nicht wirklich durchgesetzt.
Aus Gabun: Pierre-Emerick (links), Catilina (Mitte) und Willy Aubameyang. Den Arsenal- und Ex-Dortmund-Stürmer Pierre-Emerick muss man nicht vorstellen. Bruder Willy war Profi in Italien, Belgien und Schottland, Catilina bestritt unter anderem ein Spiel für Milan und je zehn für Lugano und Chiasso.
Tatsächlich: Die Schweden Gunnar, Knut, Bertil und Gösta Nordahl schafften es allesamt in die Nationalmannschaft. Berühmt war Milan-Bomber Gunnar Nordahl (im Bild Jahre nach der Karriere mit Tomas Brolin), der fünf Mal Torschützenkönig der Serie A wurde.
Rolf und Frank Feltscher wuchsen in Zürich auf und wurden bei GC gross. Nach Einsätzen in der Schweizer U21-Nationalmannschaft liefen sie auf höchster Stufe für ihre zweite Heimat Venezuela auf. Rolf, mittlerweile bei Los Angeles Galaxy, nahm mit den «Vinotintos» an einer Copa America teil.
Filippo und Simone Inzaghi waren in den 1990er- und 2000er-Jahren gefürchtete Angreifer. Schwalbenkönig «Pippo», der laut Sir Alex Ferguson mutmasslich schon im Offside auf die Welt kam, schoss in 57 Einsätzen 25 Tore für die «Squadra Azzurra» und wurde 2006 Weltmeister. Bruder Simone brachte es auf drei Länderspiele.
Die brasilianischen Zwillinge Rafael und Fabio galten bei Manchester United als «the next big thing». Sie wurden es nicht. Beide bestritten 2011 und 2012 nur je zwei Länderspiele.
Nicht immer haben zwei Brüder, obwohl es bis zum Nationalspieler gebracht hatten, das gleiche Renommée. Oft hat einer der beiden – wie bei den Inzaghis – wesentlich mehr erreicht als der andere. Während Uli Hoeness mit 35 Länderspielen Weltmeister und Europameister wurde, wurde Dieter Hoeness mit sechs Länderspielen Vize-Weltmeister.
Noch klarer ist die Rollenverteilung bei den Rummenigges: Weltstar Karl-Heinz mit seinen 95 Länderspielen überragt seinen Bruder, den zweifachen Nationalspieler, Michael Rummenigge. Gleich ist die Situation im Hause Allofs, wo es Klaus auf 56 Partien im Nationaltrikot brachte, Thomas auf zwei. Während Nigerias Nwankwo Kanu (87 Länderspiele) eine Ikone des afrikanischen Fussballs ist, verkommt Bruder Chris Kanu (3) zur Fussnote.
Auf Schweizer Ebene ist das ebenfalls bei zwei Brüderpaaren festzustellen. Heinz Hermann ist mit 118 Länderspielen Rekordnationalspieler, sein Bruder Herbert bringt es auf zwölf Einsätze für die Schweiz. Und während Alain Sutter als Mitglied des legendären 1994er-Teams ein WM-Held war, kam Bruder René Sutter zu zwei Partien. In einer wurde er für Alain eingewechselt – es war ein sensationeller 1:0-Sieg über Brasilien.
Noch deutlicher wird es, wenn Brüder für unterschiedliche Länder spielen. Der Stürmer Christian «Bobo» Vieri war ein Star Italiens, sein Bruder Massimiliano schaffte es knapp in die Auswahl Australiens. Star der «Socceroos» war lange der 107-fache Nationalspieler Tim Cahill. Dessen Bruder Chris lief 15 Mal für Samoa auf.
Flo, Flo, Flo – gleich drei Mitglieder des norwegischen WM-Kaders 1998 trugen diesen Familiennamen. Jostein und Tore André waren Brüder, Havard ihr Cousin.
Apropos Havard: Ersetzen wir einen Buchstaben, haben wir den Nachnamen Hazard und damit zwei belgische Brüder. Eden Hazard (links) von Real Madrid ist ein Weltstar, Thorgan Hazard von Borussia Dortmund noch eine Stufe unter ihm.
Die beiden Engländer bringen mich immer wieder zu einer meiner liebsten Fussball-Anekdoten: Der Vater von Phil und Gary Neville hiess tatsächlich Neville Neville.
Keine Frage: Emile Mpenza war berühmter. Doch in Sachen Länderspielen liegt Bruder Mbo Mpenza (u.a. Standard Lüttich, Sporting, Anderlecht) fast gleichauf: In der Bilanz liegt Emile (u.a. Schalke, HSV, ManCity, Sion) mit 57 zu 56 Einsätzen vorne.
Robert (links) und Niko Kovac spielten rund ein Jahrzehnt lang gemeinsam für Kroatien, Robert 83 Mal, Niko 84 Mal. Später bildeten die in Berlin geborenen Brüder miteinander das Trainerduo der kroatischen Nationalmannschaft.
In Mailand kann man nur für Milan oder Inter sein. Entweder oder, aber nicht für beide Klubs. Es sei denn, man gehöre der Familie Baresi an. Während Franco, der «ewige Libero», eine riesige Milan-Legende ist, absolvierte sein Bruder Giuseppe fast 400 Spiele für Inter. Dort stand «Beppe» nach der Karriere auch knapp zwei Jahrzehnte in Trainerdiensten. Franco wurde 1982 Weltmeister, gewann 1994 WM-Silber und 1990 WM-Bronze.
Unerwartet deshalb, weil wegen ihrer Künstlernamen nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, dass es sich um Brüder handelt. Sócrates war Brasiliens Captain an den WM 1982 und 1986, er war ein Weltstar. Sein Bruder Raí wurde 1994 Weltmeister, er hatte Brasilien ebenfalls als Captain ins Turnier geführt. Nach einer schwachen Vorrunde verlor er seinen Stammplatz jedoch, im Final kam er nicht zum Einsatz und Carlos Dunga hatte die Ehre, den WM-Pokal in die Höhe zu stemmen.
Auch nicht auf den ersten Blick als Brüder auszumachen sind der spanische Nationalspieler Thiago Alcantara und der zweifache brasilianische Nationalspieler Rafinha. Ihr Vater Mazinho wurde 1994 mit Raí Weltmeister.
Schwierig zu sagen, wer hier wer ist. Goalie Thomas Ravelli stand in 143 Länderspielen zwischen den Pfosten der schwedischen Nationalmannschaft, hexte sie 1994 zu WM-Bronze. Zwillingsbruder Andreas verteidigte in 41 Länderspielen vor ihm.
Beinahe zwei Jahrzehnte lang bildeten die Beresuzki-Zwillinge die Innenverteidigung von ZSKA Moskau. Wassili absolvierte zudem 101 Länderspiele, Alexei immerhin 58.
Hier jubeln die Bender-Zwillinge Lars und Sven. Mittlerweile spielen sie bei Leverkusen wieder gemeinsam im Klub. Lars lief 19 Mal für Deutschland auf, Sven sieben Mal.
Die Synchronität des rechten Jubel-Arms zeigt: Hamit und Halil Altintop sind Zwillinge. Die in Deutschland aufgewachsenen Türken spielten für die Heimat ihrer Eltern. Hamit 84 Mal, Halil in 38 Partien.
An ihren Familienfeiern ist selten von sportlichen Erfolgen die Rede: Aldo Simoncini ist Nationalgoalie von San Marino, Zwillingsbruder Davide ist der Captain des internationalen Prügelknaben. Nicht überliefert ist, wie gross der Knatsch nach dem Eigentor von Davide gegen Aldo 2016 gegen Norwegen war. Vermutlich war er gering – schliesslich gelang San Marino bei jener 1:4-Niederlage das erste Auswärtstor nach 15 Jahren.
Jürgen Gjasula (vorne) galt beim 1. FC Kaiserslautern als der nächste Michael Ballack. Er konnte dann immerhin für St.Gallen und Basel einigermassen brillieren – und lief mit 27 Jahren zwei Mal für Albanien auf. Bruder Klaus stieg vor einem Jahr mit Paderborn in die Bundesliga auf. Der helmtragende Defensivspieler bestritt kurz vor seinem 30. Geburtstag sein erstes von bislang fünf Länderspielen.
Aufgepasst, wenn Baggio und Romario gemeinsame Sache machen. Nein, die zwei sind keine Brüder – und doch sind sie es. John Baggio (Bild) und Jean Romario Baggio liefen beide für Madagaskar auf. John spielte zuvor übrigens in Basel bei Concordia und Old Boys. Die vollständigen Namen der beiden lauten John Baggio Rakotonomenjanahary und Jean Romario Baggio Rakotoharisoa – nachvollziehbar, dass sie kürzere Varianten bevorzugen.
Apropos Baggio: Falls du Roberto und Dino Baggio in dieser Liste vermisst hat: Die sind keine Brüder, ja noch nicht einmal miteinander verwandt. In der italienischen Nationalmannschaft standen sie 27 Mal gemeinsam auf dem Feld, darunter in jedem Spiel der WM 1994 – die mit Roberto Baggios verschossenem Penalty im Final gegen Brasilien endete.