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Ich gestehe: Ich bin süchtig nach Dokumentationsfilmen! Ohne meine wöchentliche Dosis an Dokus beginne ich am ganzen Körper zu zittern. Gestern noch habe ich mir die Dokumentationen zu den „Wolkenmenschen“ angeschaut*, den Cachapoyas wie sie von den Inkas genannt wurden. Heute stehe ich am Ort der Handlung, in der Provinz Cachapoyas in Peru: Mittendrin statt nur dabei!
Interessant wie wenig ich eigentlich trotz der Dokumentationen über deren Kultur weiss. Scheinbar müssen solche Sendungen vor allem spektakulär sein um überhaupt ein Fernsehpublikum zu finden*. Ich jedenfalls bin ein dankbarer Zuschauer und klebe mit der Nase am Bildschirm.
Seit wann genau man von der Kultur der Chachapoyas sprechen kann ist unklar. Klar ist nur, dass sie vor den Inkas in Nordperu lebten und von diesen 1475 – kurz vor dem Eintreffen der Spanier – unterworfen wurden. Man vermutet, dass damals um die 500’000 Chachapoyas in der Region lebten. Später verbündeten sie sich mit den spanischen Eroberern gegen die Inkas, wurden aber von den Spaniern um den Lohn der Unabhängigkeit geprellt und starben bald darauf weitgehend aus.
Spannend ist, dass sie vom spanischen Chronisten Pedro de Cieza de Leon als „die weißesten und schönsten aller Eingeborenen“ beschrieben wurden was zu wilden Spekulationen über ihre Herkunft führte. Während die Einwanderung aus benachbarten Ländern aus Mangel an Kulturparallelen unwahrscheinlich scheint, glauben Fantasten es handle sich um Europäer, die Südamerikas vor Kolumbus bereisten**. Genanalysen widerlegen diese Theorie klar und zeigen eher eine Verwandtschaft mit Polynesiern. Sicher ist, die Cachapoyas sind eine der am wenigsten verstandene Kultur Südamerikas!
Umso realer ist ihre spektakuläre Hinterlassenschaft. In Kuélap haben sie in den Jahren 400 bis 1300 nChr auf einem Bergkamm 3000 MüM eine riesige Festung gebaut. Die Anlage ist flächenmässig grösser als Machu Picchu und die „Wolkenmenschen“ haben dreimal mehr Steine verbaut als sich in der Cheops Pyramiden befinden. Die Festungsmauern sind bis zu 21 Meter hoch und es sollen bis zu 2’000 Menschen in über 400 Häusern dort gelebt haben. Trotzdem wird Kuélap nur von einer Handvoll Touristen besucht. Schlimmer noch: Seit 2011 sind alle peruanischen Kulturstätten dem nationalen Ministerium unterstellt. Seitdem fliessen alle Einnahmen direkt nach Lima, aber nicht mehr zurück: Sämtliche Restaurationsarbeiten wurden aus Geldmangel gestoppt.
Gut möglich, dass wir dereinst von der Flucht des peruanischen Kulturministers hören werden, der sich mit den Einnahmen aus den Kulturstätten abgesetzt hat. Er wäre nicht der erste korrupte südamerikanische Beamte, der mit seinem Vermögen nach Florida flüchtet!
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* „Die versunkene Stadt der Wolkenmenschen„, ZDF. Während der Deutsche Ärchologe als „Extremärchologe“ vorgestellt wird und mit modernster Bergsteigerausrüstung vor einem steilen Felsabhang steht, steigt hinter ihm der peruanische Gehilfe mit Gummistifeln ungesichert durch die Felswand.
** Hans Giffhorns Buch: „Wurde Amerika in der Antike entdeckt?“.