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Truthahnbraten, Marshmallow-überbackene Süsskartoffeln und Cranberrysauce bis zum Umfallen, dazu das Potential für familiäre Grundsatzdiskussionen, die man aber dem Frieden zuliebe bleiben lässt: Das steht am letzten Donnerstag im November in der überwiegenden Mehrheit der amerikanischen Haushalte auf dem Menü.
Thanksgiving ist mit keiner bestimmten Religion verbunden und beschränkt sich hauptsächlich auf Essen in üppigen Mengen im Familienkreis. Was feiern die denn eigentlich? Das fragen sich immer mehr Kritiker.
Wenn plötzlich der Appetit vergeht
Offiziell erinnert der Tag an das erste Erntedankfest der europäischen Siedler in der Neuen Welt 1621. Der Legende nach war das ein trautes Zusammensein von Siedlern und Indigenen in Plymouth, im heutigen Massachusetts, wo die Europäer ein Jahr zuvor mit der Mayflower gelandet waren.
Ein etwas weniger rosiger Blick in die Vergangenheit zeigt allerdings, dass es mit der Harmonie wohl nicht weit her war. Tatsächlich handelte es sich bei der Ankunft der Mayflower-Passagiere nämlich keineswegs um das erste Aufeinandertreffen zwischen den indigenen Völkern Neuenglands und den Europäern.
Zum ersten Kontakten war es schon in den 100 Jahren davor gekommen – und diese waren blutig verlaufen. Zudem hatten die Europäer Krankheiten eingeschleppt, die den dort ansässigen Stamm der Wampanoag dezimierten.
Die Wampanoag versuchten an jenem Erntedankfest 1621 ein Bündnis mit den Kolonisatoren auszuhandeln, um sich zu schützen. Das verhinderte aber nicht, dass sie wie so viele andere Stämme, ermordet und vertrieben wurden.
Die einen feiern, die anderen trauern
Die Indigenen Neuenglands haben den Thanksgiving Day deshalb zu einem Nationalen Tag der Trauer erklärt. Statt sich den leiblichen Genüssen zu widmen, halten sie an diesem Tag Protestveranstaltungen ab.
Und nicht nur sie. Immer mehr indigene Stämme, auch in Mexiko und Kanada, schliessen sich diesen Protesten an. Sie erinnern daran, dass eben nicht stimmt, was in den Schulen nach wie vor unterrichtete wird.
Danach halfen die Indigenen den Neuankömmlingen zuerst zu überleben, dann setzten sie sich mit ihnen zum Essen hin, und schliesslich verschwanden sie bequemerweise von ihrem Land.
Die Indigenen erinnern auch daran, dass ihre Vorfahren dieses Land bereits 12.000 Jahre vor den Kolonisatoren bewohnt hatten. Sie wehren sich gegen die Vorstellung, die Geschichte des heutigen Amerika beginne mit den Pilgervätern.
Die Lust aufs Thanksgiving-Buffet sei damit niemandem genommen. Der Tag könnte einfach ein Anlass sein, auch jenen zu danken, die Amerika zum Land der unbeschränkten Möglichkeiten gemacht hatten.