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Eine Lektion auf einem Reitsimulator, das ist es!
Mir fiel ein, dass sie vor einiger Zeit die Möglichkeit eines Reitsimulators erwähnt hatte. Dank Google wurde ich schnell fündig. So eine geniale Sache! Da setzt man sich auf ein total computerisiertes Pferd – schaut alles aus wie echt – und während das Pferd auf die Hilfen des Reiters reagiert, zeichnet der Computer jede kleinste Muskelbewegung und Gewichtsverlagerung des Reiters auf.
Da wird unter anderem gemessen, ob die Zügel tatsächlich nur in leichter Anlehnung zum sehr sensiblen Pferdemaul stehen, oder ob der Reiter sich daran festzieht.
Verspannter/-e ReiterIn, verspanntes Pferd
Dieser Aspekt fasziniert mich persönlich sehr. Ich verbrachte selbst viele Jahre täglich auf dem Pferderücken und konnte auch viele ReiterInnen beobachten. Schon damals dachte ich öfters, dass es Pferd und Reiter sehr guttun würde, wenn der Mensch zuerst seinen eigenen Körper lockert und wahrnimmt, bevor er oder sie sich auf einem Pferderücken niederlässt.
Es ist tatsächlich nicht möglich, die Zügel mit leichter Anlehnung zu führen, wenn die Handgelenke und Schultern verspannt sind. Und wenn die Schultern verspannt sind, ist es meistens auch der Nacken, und wenn der Nacken sich verkrampft, ist das Becken blockiert, wenn das Becken blockiert, sind die Fussgelenke fest etc. Von einem ausbalancierten Sitz im Sattel kann keine Rede sein.
Auswirkungen auf der Körperebene
Was passiert dabei mit dem armen Pferd? Das versucht permanent, die unkoordinierten Bewegungen und Gewichtsverlagerungen des Reiters/der Reiterin zu kompensieren, indem es ständig irgendwelche Muskeln anspannen muss. Irgendwann führt das zu Schmerzen, die meistens erst entdeckt werden, wenn das Pferd lahm geht. Ein/e geschulte/r PferdeosteopathIn kann anhand der Muskelverspannung und Triggerpunkte beim Pferd sogar sagen, wie der Mensch auf dem Rücken des Pferdes sitzt und einwirkt.
Die Parallele zur Hundewelt
Du fragst dich jetzt sicher, was das mit der Hundewelt zu tun hat. Ich sage dir, ganz viel!
Einer meiner Lieblingssätze ist: «Du hältst die Leine wie eine Feder in der Hand, deine Arm- und Schultermuskulatur ist entspannt und das Leinenhandling ist wie ein Tanz mit deinem Hund.»
Kleines Experiment, machst du mit?
Mach doch an dieser Stelle einen Moment Pause und hol dir gerne eine Leine. Du kannst sie an einem Tischbein befestigen. Und nun lege das eine Ende der Leine ganz locker in deine Hand. In der Art, dass du die Leine trägst und eben nicht festhältst. Dann bewegst du deinen Arm im Schultergelenk. Du legst den Daumen entspannt über die Leine, gerade nur so viel, dass sie nicht von deiner Hand rutscht. Ist dein Handgelenk entspannt? Ist deine Armmuskulatur entspannt, dein Schultergürtel, dein Nacken? Deine Kiefermuskeln, deine Augenmuskulatur? Prima! Nun wickelst du dir das eine Ende der Leine ein paar Mal um das Handgelenk und hältst sie ganz gut fest. Wieder die Frage nach der Entspannung im Hand-Arm-Schulterbereich. Genau, alles andere als entspannt! Und exakt diese Spannung vermittelst du deinem Hund über die Leine. Im dümmsten Fall direkt auf den sensiblen Halsbereich deines Hundes, im etwas weniger dummen Fall, aber immer noch unangenehm genug, auf das Brustgeschirr.
Dein Hund verspannt sich durch den Leinenzug im ganzen Körper
Deinem Hund ergeht es jetzt ähnlich wie dem eingangs erwähnten Pferd: Er verspannt sich über den Nackenbereich, weiter über die Brustwirbelsäule bis in die Lendenwirbelsäule. Und wie du bereits weisst, sind Schmerzen das Resultat davon, den Hund über die Leine festzuhalten. Der Hund geht ständig unter Zug, in etwa so, wie wenn du einen Schlitten hinter dir herziehen würdest. Auch nicht gerade eine entspannte Variante der Vorwärtsbewegung.
Das wirkt sich auf die körperliche und seelische Gesundheit deines Hundes aus
Leider sehe ich so viele Hunde, die sich noch mehr in die Leine hängen, um sich diesem Schmerz zu entziehen. Mit der Zeit werden die Verspannungen in der Muskulatur sich negativ auf die inneren Organe auswirken. Du zweifelst? Dann schau dir auf einem Bild die Akupunkturpunkte eines Hundes an. Diese Akupunktur- oder Akupressurpunkte werden durch die provozierte Verspannung in der Muskulatur ständig gereizt und beeinflussen ungünstig das gesamte Körpersystem.
Durch das permanente Ziehen an der Leine sind zudem die Muskelfaszien betroffen, indem sie sich verhärten. Die Faszien stehen in einem ganz engen Kontakt und Austausch mit den inneren Organen. Durch die Verhärtung der Faszien werden die Organe in ihrer Funktion wiederum negativ beeinflusst.
Es geht also nicht nur darum, dass es für dich als Mensch unangenehm ist, wenn dich dein Hund durch die Gegend schleppt, sondern auch um die Gesundheit deines Hundes. Um sein seelisches und körperliches Wohlbefinden.
Die Lösung ist ein Hundesimulator
Und genau deswegen die Idee eines Hundesimulators. Ein vollcomputerisierter Hund, wahlweise mit Halsband oder Brustgeschirr ausgestattet. Am besten übst du dann mit beidem. Der Computer zeigt sowohl deine sensomotorischen und koordinativen Fähigkeiten auf, wie auch die Reaktion des Hundes auf deine Einwirkungen.
Vorschläge in der Ausführung des Simulators
Da hätte ich doch einige Vorschläge zur Umsetzung: Ein sehr lautes Röcheln und Jaulen, wenn die Leine auf die Kehle drückt. Und weil der Mensch im Alltag dieses Röcheln nicht selten überhört oder meint, der Hund sei selber schuld, müsste dieser Ton sehr laut und schrill sein.
Gleichzeitig soll der Mensch viel positives Feedback vom Computerhund erhalten, wenn dieser sich an der Leine wohl und entspannt fühlt. Das kann wiederum über Sensoren in der Muskulatur des Hundes gemessen werden. Wir wissen ja, dass Lernen am besten über positive Verstärkung funktioniert, auch beim Menschen.
Im Weiteren könnte man mit einem derart programmierten Hund auch das richtige Timing in der Signalgebung üben. Das einfühlsame Hochheben des Hundes, das Ankündigen einer Handlung am Hund. Man könnte die Reaktionszeit des Menschen messen und verbessern, das Auge schulen für die Körpersprache des Hundes und sogar die eigene Körperhaltung optimieren.
Höchste Priorität aus meiner Sicht hat das Leinenhandling
Aber am wichtigsten und mit allerhöchster Priorität und Dringlichkeit ist die Analyse und Optimierung der Leinenführung zu behandeln. Nicht der Hund muss das Gehen an der Leine lernen, sondern sein Mensch das rücksichtsvolle Führen.
Der Tennisellbogen bringt den Menschen in die Hundeschule
Menschen kommen gerne dann in eine Beratung, wenn sie selbst einen Tennisellbogen entwickelt haben, weil ihr Hund so an der Leine zerrt. Und weniger, weil der Hund am Leiden ist. Da höre ich auch immer mal wieder den Satz: «Wenn es ihm weh macht, soll DER doch aufhören mit Ziehen.»
Tja, wenn das so logisch wäre, würden alle Hunde ab sofort locker an der Leine gehen. Ich freue mich über jedes Team, das an diesem Thema arbeiten möchte. Weil ein optimales Leinenhandling euch beiden viel Entspannung bringt.
https://vimeo.com/643588831/d942423461
In diesem Sinne:
«Die lockere Leine zwischen dir und deinem Hund ist ein Agreement und sorgt für Wohlbefinden bei euch beiden .»