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Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist eine seltene Erkrankung, die akut (plötzlich und einmalig) oder chronisch (wiederkehrend und dauerhaft) auftreten kann. Bei der akuten Form verursachen meist Erkrankungen der Gallenwege (z.B. Gallensteine) die Entzündung – bei der chronischen Form ist der Auslöser in der Regel dauerhafter Alkoholmissbrauch.
Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung verläuft bei 9 von 10 Patienten mild und ohne Komplikationen. Wiederholte Bauchspeicheldrüsenentzündungen schädigen die Bauchspeicheldrüse (das Pankreas) dauerhaft und können unter Umständen zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) führen.
Symptome der akuten Pankreatitis sind:
Bei der fortgeschrittenen chronischen Pankreatitis kommt es wiederholt zu:
Die Diagnose der Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt anhand der Krankengeschichte, einer körperlichen Untersuchung, durch Blutuntersuchungen, Ultraschall und eventuell eine endoskopische Untersuchung oder eine Computertomographie (CT).
Die Behandlung einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung erfolgt im Spital: Der Betroffene darf nichts essen, bis er schmerzfrei ist. In dieser Zeit bekommt er Flüssigkeit, Elektrolyte und Nährstoffe über eine Vene (Infusion). Schmerzmittel lindern die Beschwerden – später erfolgt ein langsamer Kostaufbau. Bei Komplikationen kann eine Operation erforderlich sein.
Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung führt zumeist nicht zu Komplikationen, schwere Verläufe sind aber möglich. Bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ist es besonders wichtig, dass der Betroffene strikt auf die Auslöser der Entzündung verzichtet, etwa Alkohol.
Der Begriff Pankreatitis steht für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Es kann sich dabei um ein einmaliges, plötzlich auftretendes (akutes) oder ein mehrmalig wiederkehrendes (chronisches) Ereignis handeln. Mediziner nennen dies entsprechend
Zudem unterscheiden Mediziner bei der akuten Form, ob eine infektiöse oder nicht-infektiöse Pankreatitis vorliegt. Viren etwa können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen – dann handelt es sich um eine infektiöse Form. Häufiger sind aber nicht-infektiöse Geschehen der Grund für die Entzündung (z.B. Gallensteine).
Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch quer an der hinteren Bauchwand. Sie grenzt mit ihrem Kopf an den Dünndarm und mit ihrem Ende (lat. Cauda = Schwanz) an die Milz. Der Mittelteil (lat. Corpus = Körper) der Bauchspeicheldrüse liegt vor der unteren grossen Körpervene (Hohlvene). Die Oberfläche der Bauchspeicheldrüse ist mit Bauchfell überzogen. Das 15 Zentimeter lange und 70 Gramm schwere Organ produziert Hormone sowie Verdauungssäfte und -enzyme. Über zahlreiche Seitengänge sammeln sich die Verdauungssäfte im Hauptgang der Bauchspeicheldrüse. Dieser mündet zusammen mit den Gallenwegen gemeinsam in einen gemeinsamen Ausgang zum Dünndarm – die sogenannte Papilla vateri (auch: Papilla duodeni major). Funktionell gibt es einen Drüsenteil, der die Hormone produziert (endokriner Teil) und einen, der die Verdauungssäfte und -enzyme herstellt (exokriner Teil).
Der endokrine Teil der Drüse besteht aus den langerhansschen Inseln – benannt nach ihrem Entdecker Paul Langerhans. Sie werden in ihrer Gesamtheit auch als Inselorgan bezeichnet. Vier Zelltypen des Pankreas bilden jeweils spezifische Hormone.
Die exokrine Drüse des Pankreas stellt den Verdauungssaft her. Dieser besteht neben Wasser und alkalischem Bikarbonat (chemisch: ein Salz der Kohlensäure) aus verschiedenen Verdauungsenzymen. In 24 Stunden produziert die Bauchspeicheldrüse etwa einen Liter Verdauungssaft. Um eine Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse zu verhindern, stellt sie inaktive Enzymvorstufen her, die erst nach Verlassen der Drüse im Darm aktiviert werden.
Die Bauchspeicheldrüse produziert folgende Enzyme:
Die Häufigkeit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung ist in den letzten Jahrzehnten weltweit gestiegen.
Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kann verschiedene Ursachen haben. In über 80 Prozent der Fälle zählen ein unbemerkt gebliebenes Gallensteinleiden oder Alkoholmissbrauch zu den Pankreatitis-Ursachen – bei Männern ist häufig Alkohol für die Pankreatitis verantwortlich, bei Frauen sind bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung meist Gallensteine die Ursachen.
Obwohl die Zusammenhänge noch nicht in allen Einzelheiten bekannt sind, weiss man, dass Alkohol in zahlreiche Körperprozesse eingreift und die Bauchspeicheldrüse schädigen kann und eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen kann. Oftmals entwickelt sich jedoch basierend auf einer Alkoholkrankheit eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Noch ist nicht sicher geklärt, wie Alkohol eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hervorruft. Es gibt verschiedene Hypothesen, wie die Pankreatitis infolge von übermässigem Alkoholkonsum entsteht:
Auch Gallensteine gehören bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung zu den häufigen Ursachen: Eine Pankreatitis kann auftreten, wenn sich ein Gallenstein vor den gemeinsamen Ausführungsgang von Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse (Pankreas) legt und diesen versperrt.
Die Verdauungssäfte können dann nicht mehr aus der Bauchspeicheldrüse in den Darm abfliessen und stauen sich. Dadurch gelangen die Enzyme aus dem Pankreassekret wieder zurück in die Bauchspeicheldrüse und beginnen, sie zu zersetzen – Mediziner sprechen von einer Selbstverdauung.
Abgesehen von Alkohol und Gallensteinen gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen können, etwa eine sehr fettreiche Ernährung. Ausserdem kommen bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung folgende weitere Ursachen infrage:
Stoffwechselstörungen, zum Beispiel:
Mechanische Ursachen, zum Beispiel:
Infektionen
Infektionen sind bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung aber nur in weniger als einem Prozent der Fälle die Ursachen.
In seltenen Fällen kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung genetische Ursachen haben. Diese Form heisst hereditäre Pankreatitis. Die genetischen Veränderungen (Mutationen) können mehr oder weniger stark ausgeprägt sein und führen entsprechend mit einer gering oder stark erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einer Pankreatitis. Diese hereditären Formen kommen sowohl bei einer akuten als auch zu einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung als Ursachen infrage.
In etwa zehn Prozent der Fälle von Pankreatitis sind die Ursachen unbekannt. Mediziner sprechen dann von einer idiopathischen Pankreatitis.
Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) unterscheiden sich die Symptome je nachdem, ob es sich um eine akute oder eine chronische Form der Pankreatitis handelt.
Bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung treten plötzlich heftige, gürtelförmige Schmerzen im Oberbauch auf, die nach allen Seiten und bis in den Rücken oder Brustkorb ausstrahlen können. Sie sind sehr intensiv und halten oft mehrere Tage an. Die Betroffenen liegen meist mit gekrümmtem Rücken im Bett, da dies die Schmerzen etwas lindert. Der Bauch reagiert sehr empfindlich auf Druck und ist prall-elastisch – wie ein «Gummibauch».
Weiterhin äussert sich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung durch Symptome wie:
Die chronische Pankreatitis ruft meist eine nicht mehr umkehrbare Schädigung der Bauchspeicheldrüse hervor. Sie äussert sich durch wiederkehrende – Stunden bis Tage andauernde – Schmerzen im Oberbauch. Der Schmerz kann wie bei der akuten Pankreatitis gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlen – gelegentlich tritt er mehrere Stunden nach dem Essen auf. Darüber hinaus leiden die Betroffenen oftmals unter Verdauungsproblemen beim Verzehr fettreicher Speisen, es können Übelkeit und Erbrechen auftreten.
Hinzu können bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung folgende Symptome kommen:
In diesem fortgeschrittenen Stadium der Bauchspeicheldrüsenentzündung ist die Bauchspeicheldrüse bereits geschädigt, trotzdem sind die Betroffenen während der entzündungsfreien Phasen oft auch schmerzfrei.
Plötzlich auftretende heftige, gürtelförmig ausstrahlende Oberbauchschmerzen weisen auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) hin. Um die Diagnose zu bestätigen, macht der Arzt eine Blutuntersuchung: Bei einer Pankreatitis ist der Wert von Lipase und Elastase im Blut erhöht. Beides sind Enzyme, welche die Bauchspeicheldrüse produziert. Die Blutkonzentration von Kalzium ist verändert. Auch die Entzündungswerte (z.B. CRP) können einen Hinweis auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung geben.
Verlegen etwa Gallensteine die Gallenwege, steigen auch die Blutwerte anderer Enzyme an, zum Beispiel: Gamma-GT, AP (alkalische Phosphatase) und LAP (Leucaminopeptidase).
Bildgebende Untersuchungen können bei einer Bauchspeicheldrüse die Diagnose unterstützen. Mittels Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann der Arzt die Bauchspeicheldrüse begutachten. Schwellungen, Verkalkungen oder krankhafte Flüssigkeitsansammlungen kann er auf diese Weise erkennen. Mit einer Computertomographie (CT) und einer Magnetresonanztomographie (MRT) kann der Arzt erkennen, wie viel Pankreasgewebe bereits zerstört ist und ob sich die Entzündung auf Nachbarorgane ausgeweitet hat. Auch Blutungen werden dabei sichtbar. Bei Verdacht auf Gallensteine kann der Arzt die Mündung des Gallengangs (Papille) und das Gangsystem endoskopisch untersuchen (Endoskopische Retrograde Cholangiopankreatikographie, ERCP) und gegebenenfalls von kleinen Steinen befreien. Dazu schiebt er einen winzigen, an einem dünnen Schlauch befestigten Spiegelapparat über die Speiseröhre und den Magen bis zur Bauchspeicheldrüse.
Da zahlreiche andere Erkrankungen ähnliche Symptome wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung verursachen, kann die Diagnose sehr schwierig sein. Als andere Ursachen für die Beschwerden kommen beispielsweise infrage:
Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) erfolgt die Therapie im Spital – oft auf der Intensivstation. Basis ist in der Regel eine konservative – also nicht operative – Behandlung. Zunächst behandelt der Arzt die Schmerzen mit entsprechend wirksamen Schmerzmitteln. Um die Produktion von Verdauungssäften durch die Bauchspeicheldrüse so gering wie möglich zu halten, dürfen Menschen mit akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einem akuten Schub einer chronischen Pankreatitis keine Nahrung zu sich nehmen (sog. Nahrungskarenz). Die Betroffenen erhalten ersatzweise über eine Vene (Infusion) Flüssigkeit, Elektrolyte und Nährstoffe.
Nachdem die Erkrankten keine Beschwerden mehr haben und sich die Laborwerte normalisiert haben, dürfen Betroffene nach und nach wieder leichte, fettarme Lebensmittel essen. Zu Beginn darf die Nahrung nur kleine Mengen Fett enthalten, im Verlauf kann der Fettanteil langsam erhöht werden. Die Ernährung sollte aber generell fettarm sein. Alkohol und Kaffee dürfen Betroffene nicht trinken.
Bei einer Bauchspeicheldrüsenentzündung gehört es auch zur Therapie, eventuell vorliegende Gallensteine mithilfe einer Endoskopie – der sogenannten ERCP (endoskopischen retrograde Cholangiopankreatikographie) zu entfernen. Grosse flüssigkeitsgefüllte Kammern in der Bauchspeicheldrüse, die sich im Laufe der Bauchspeicheldrüsenentzündung bilden (sog. Pseudozysten oder «falsche» Zysten), entleert der Arzt durch das Einlegen von sogenannten Drainageschläuchen. Durch sie kann die Flüssigkeit nach aussen ablaufen. Bei nicht behandelbaren grossen Pseudozysten oder Verengungen im Bereich der Gallenwege oder des Pankreasgangs erfolgt eine chirurgische Korrektur (z.B. Einbringen von kleinen Drahtgeflechten, sog. Stents, die den Gang dauerhaft offen halten). In schweren Fällen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung entfernt der Chirurg Teile des Pankreas operativ.
Der Entstehung der alkoholbedingten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) können Sie vorbeugen, indem Sie auf den (regelmässigen) Genuss grösserer Alkoholmengen verzichten.
Das Risiko für Gallensteine, die ebenfalls sehr häufig Ursache für eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung sind, können Sie durch eine ausgewogene, fettarme Ernährung senken.
Bei der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung können im Verlauf der Erkrankung folgende Komplikationen auftreten:
Die chronische Pankreatitis zeichnet sich durch eine nicht mehr umkehrbare Schädigung der Bauchspeicheldrüse aus. Im Frühstadium treten immer wieder akute Schübe auf, die starke Schmerzen verursachen. Im Laufe der Zeit wandelt sich das geschädigte Gewebe in sogenannte falsche Zysten oder Pseudozysten (mit Flüssigkeit gefüllte Kammern) um, die sich entzünden können oder in die es einbluten kann. Des Weiteren kommt es in der Bauspeicheldrüse und im angrenzenden Gewebe zu ausgedehnten Verkalkungen. Im Gangsystem entstehen Verengungen und mit der Zeit Pankreassteine, die den Abfluss der Sekrete behindern – die Verdauungssäfte stauen sich. Bei fortgeschrittener Organzerstörung kommt es zu erheblichen Verdauungsstörungen mit Gewichtsabnahme und Mangelerscheinungen und es entwickelt sich ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
Als Spätkomplikation der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung kann Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) entstehen.
Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung ist eine schwere Erkrankung, dennoch ist die Prognose meist gut. Der Grossteil der akuten Formen verläuft ohne Komplikationen. Schwere Verläufe einer akuten Pankreatitis können jedoch lebensgefährlich sein.
Bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung hängt die Prognose vor allem davon ab, ob es dem Betroffenen gelingt, ganz auf Alkohol zu verzichten. Nur so kann er seine Bauchspeicheldrüse schonen und entlasten.