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Immer mehr Lebensräume von Tieren und Pflanzen werden von unüberwindbaren Barrieren zerschnitten. Für die Biodiversität ist das eine grosse Gefahr. Im Juni 2012 haben Ständerat Stefan Engler und Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni deshalb im eidgenössischen Parlament je eine Interpellation zum Thema «Wildtierkorridore – Lebensräume vernetzen und Biodiversität stärken» (IP 12.3639/IP 12.3547) eingereicht. Diese Interpellationen wurden vom Bundesrat im September 2012 beantwortet.
Der Antwort des Bundesrates ist zu entnehmen, dass 12 Kantone ein Konzept zur Beseitigung von Hindernissen erarbeitet haben, in denen Massnahmen zur Sanierung dieser wichtigen Bewegungsachsen der Wildtiere aufgeführt sind. 16 Kantone haben die Wildtierkorridore in unterschiedlichem Mass in ihren kantonalen Richtplänen einbezogen, von blosser Erwähnung bis zur Bestimmung als Siedlungsgürtel.
Wie der Bundesrat in seiner Antwort schreibt, fällt die Hauptaufgabe für die Sanierung der überregionalen Wildtierkorridore den Kantonen und Gemeinden zu. Sie müssen über die kantonalen Richtpläne, beziehungsweise die Nutzungspläne, behördenverbindlich sicherstellen, dass beidseits von Wildübergängen entsprechende Wildtierkorridore angelegt und freigehalten werden. Für den Bau der Wildtierbrücken über Nationalstrassen ist der Bund zuständig. Für den Neubau und die Sanierung von Nationalstrassen und eingezäunten Hochleistungseisenbahnstrecken gelten die UVEK-Richtlinien «Planung und Bau von Wildtierpassagen an Verkehrswegen» vom 11. September 2001.
Diese sind bei Neubauten und Sanierungen zwingend einzuhalten. Auf dieser Ebene braucht es ein rascheres Umsetzen der geplanten Wildtierbrücken. Doch auch in den Kantonen und Gemeinden muss rasch gehandelt werden. Die Berücksichtigung der Korridore in den kommunalen Planungen sei eher die Ausnahme, schreibt der Bundesrat.
Alleine mit dem Bau von Wildtierbrücken über Nationalstrassen und Bahnlinien ist die dringend notwendige Offenhaltung der überregionalen Wildtierkorridore nicht gewährleistet. Es braucht dazu zwingend die Freihaltung der Wildtierkorridore von Bauten und Installationen, um die Vernetzung der Einstandsgebiete wildlebender Tiere dauerhaft sicherzustellen. Dies ist einerseits aus Gründen der Biodiversität und der Erhaltung der genetischen Vielfalt der betroffenen Arten notwendig. Die Offenhaltung der Wildtierkorridore trägt aber auch entscheidend dazu bei, die Wildschäden in den betroffenen Gebieten zu reduzieren.
Aus diesen Gründen sind Pro Natura und Jagd- Schweiz Ende Februar 2013 mit einem Brief und der Bitte an alle Kantone getreten, sich dafür einzusetzen, dass:
- die im Bericht des Bundes von 2001 und gemäss Überprüfung des BAFU von 2011 aufgeführten Wildtierkorridore von überregionaler Bedeutung unverzüglich in den kantonalen Richtplan aufgenommen und die dazu notwendigen Freihalteflächen behördenverbindlich ausgeschieden werden.
- sichergestellt wird, dass die im kantonalen Richtplan ausgeschiedenen Freiflächen langfristig offen gehalten werden.
- die Gemeinden, die im kantonalen Richtplan festgelegten Wildtierkorridore in ihren Nutzungsplänen berücksichtigen.
- die Kantone bei den zuständigen Bundesstellen darauf hinwirken, dass die zur Sicherstellung der Wildtierkorridore notwendigen Wildübergänge bei Nationalstrassen und Bahnlinien unverzüglich in die Planung aufgenommen und rasch realisiert werden. Dies gilt insbesondere für Wildtierkorridore, deren Sanierung von den Kantonen 2011 aus faunistischer Sicht als dringend eingestuft wurden.
Hanspeter Egli, Präsident JagdSchweiz