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Zürich 7 April 1876.
Hochverehrter Herr & Freund!
Beiliegend meine Antwort1 auf die 3 Artikel der « Norddeutschen Allg. Zeitung». Es kommt mir vor, dieselbe sollte selbstständig erscheinen & was Sie vom Standpuncte des Bundesrathes aus gegen die 3 Artikel zu schreiben gedenken, würde am besten als für sich bestehender Artikel (also nicht etwa als ІІ) in eine spätere Nummer der Norddeutschen Allg. Zeitung aufgenommen. Meine Antwort vom Standpuncte des Bundesrathes aus zu interpoliren erscheint mir beinahe unmöglich, jedenfalls aber ungeeignet. Wenn Sie mit dieser Auffassung einig gehen, so bitte ich Sie, meine Antwort gemäß Ihrem gef. Anerbieten Hrn. Hammer2 zu übermitteln, damit er die Aufnahme derselben in die «Norddeutsche Allgemeine Zeitung» bewirke. Sollte die letz| tere, was ich zwar nicht annehmen kann, die Aufnahme verweigern, so ermächtige ich Hrn. Hammer, die Antwort in ein anderes deutsches Blatt, welches ihm hiezu am geeignetesten scheint, einrücken zu lassen.
Der Verrath, der von unserer Bauleitung gegen uns & – man muss hinzufügen – auch gegen den Bundesrath, beziehungsweise die Schweiz angezettelt ist, tritt immer deutlicher hervor. Sie werden ohne Zweifel das Telegramm aus Altorf d. d. 31. März in der Neuen Freien Presse v. 1. April (No 4166)3 bemerkt haben, welches folgender Maßen lautet: «⅗ der bei der Gotthardbahn beschäftigten Ingenieure wurden mit dem heutigen Tage entlassen. Die Cantone dürften die Subventionen einziehen. Der Bund wird auch die Mehrkosten der Tessiner Bahn nicht tragen.» Dieses Telegramm ist dann in die Norddeutsche Allg. Zeitung, die Opinione, die Nazione u. s. f. übergegangen. Bei Lesung des Telegramm's stund sogleich bei mir fest, daß dasselbe von unserem Sectionsbureau in Altorf herrühre. Nachforschungen, die wir angestellt, haben ergeben, | daß wirklich ein Ingenieur dieses Bureau's, welcher dem Sectionsingenieur4 sehr nahe stehen & Correspondent vieler Zeitungen sein soll, die Depesche aufgegeben hat. Ich werde nun natürlich veranlassen, dass gegen diesen Menschen vorgegangen wird. Es hat aber etwas bemühendes, gegen die Werkzeuge einzuschreiten & die Haupttriebfeder gewähren lassen zu müssen. Indessen haben Sie mir ja mit Beziehung auf diese in Aussicht gestellt, daß – die Geschicke sich erfüllen werden!
Mit Beziehung auf Ihren Herrn Sohn5 habe ich eine sehr eingehende Besprechung mit Hrn. Director Stoll6 gehalten, deren Resultat ich Ihnen nun mittheilen will. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich im Gebiete des Versicherungswesens schöne Wirkungskreise darbieten. Es scheint auch die Thatsache festzustehen, dass sich verhältnißmäßig wenig junge Leute für das Versicherungswesen ausbilden, & doch bedarf es zu einer gehobenern Thätigkeit in demselben einer Reihe von Spezialkenntnissen. Wir glauben daher, daß sich Ihrem Herrn Sohne schöne Aussichten für die Zukunft eröff| nen würden, wenn er sich dieser Branche widmen sollte.7 Natürlich setzen wir voraus, daß er Lust dazu hätte, was ja die Grundbedingung jeder ersprießlichen Thätigkeit ist. Was Hrn. Director Widmer anbetrifft, so hat mir Hr. Stoll, der ihn besser kennt als ich, gesagt, er glaube, daß er sich junger Leute, die auf seinem Bureau arbeiten, & vollends, wenn es sich um Ihren Sohn handelte, sehr annehme. Vielleicht könnte Ihr Herr Sohn einen Versuch auf der Rentenanstalt machen & wenn seine Erwartungen nicht befriedigt würden, so bliebe ihm ja der Übertritt zu der Creditanstalt fortwährend gesichert. Zu jeder weitern Mittheilung über diesen Gegenstand, der Ihnen sehr am Herzen liegen muß & für den ich daher auch ein lebhaftes Interesse habe, bin ich selbstverständlich mit Freuden bereit.
Wenn Sie mit mir mündlich zu conferiren wünschen, so bitte ich Sie, mir zu rufen. Ihnen stehe ich stetsfort gerne zu Diensten.
Mit herzlichem Gruße
Ihr
Dr A Escher