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Der Kunstdiskurs der Woche
Es ist Biennale in Venedig, mal wieder, und ich sah in der Kulturberichterstattung des öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens einen Beitrag zum deutschen Pavillon. Der Einleitungstext ging so: «Schemen. Gespenster. Diesmal wird das Dach des deutschen Pavillons bespielt. Von Olaf Nicolai. Einer wirft. Eine schleift. Imaginäre Arbeiter. Eine imaginäre Werkstatt.»
Dazu sah man Aufnahmen vager Figuren, die auf dem Dach des Pavillons einen Bumerang warfen. Dann erschien im Bild: Olaf Nicolai, Künstler. Ich weiss das, weil es eingeblendet wurde. Der Künstler nun sagte Folgendes:
«Wenn du nen Bumerang baust, wie bei jedem Gegenstand – vielleicht bei nem Bumerang noch mehr als bei anderen –, manifestieren sich ja die Bedingungen seiner Produktion in dem Gegenstand. Das heisst: Er passt genau für diesen Ort, für den er produziert ist. Und wenn du diesen Bumerang hast, der ideal für diesen Pavillon ist, dann hast du im Grunde genommen den deutschen Pavillon in deinem Bumerang repräsentiert.»
Dies ist, meine Damen und Herren, der grösste Bullshit, den ich diese Woche gehört habe. Und das will was heissen, denn ich arbeite an der Peripherie jener Abteilung des Showgeschäfts, die sich mit Literatur befasst, und da wird regelmässig mehr Unsinn geredet als bei «Germany’s Next Topmodel». Aber diese Woche kriegt das Krönchen: Olaf Nicolai. Wer immer das ist. Wahrscheinlich jemand, der ganz viele Stipendien bekommt. So funktionierts. Vielleicht bei nem Bumerang noch mehr als bei anderen. Bis übermorn.