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Anatomie der Propaganda ist der Versuch, die im Titel der Ausstellung inhärente Unmöglichkeit einer exakten Definition von Propaganda zu unterlaufen. Die Grenzen zwischen public relations, Persuasion und Propaganda sind fliessend.
Je nach dem, ob das Publikum der „propagierten“ Ideologie anhängt oder nicht, kategorisiert es eine Kommunikation als Propaganda. Fest steht jedoch, dass Propaganda entweder ein Ideal oder eine Angst benutzt, um diese in einer nichtrationalen Art und Weise zu transportieren. Wie soll sich eine museale Institution mit wissenschaftlichem Anspruch brodelnden Emotionen nähern? – Sauber und steril wie ein pathologischer Anatom dem Körper auf dem Seziertisch? Im Zerlegen der Dinge werden Potenziale frei, die gerade jenes Wissen zu sprengen im Stande sind, das zu ihrer Vermittlung üblicherweise legitimiert ist. Jedes Ding, insbesondere wenn es bereits musealisiert ist, wird einem Wissensbereich zu- und untergeordnet, der sich normalerweise von einem nicht-dinglichen Denken ableitet. Die Vieldimensionalität der Dinge geht dabei leicht verloren. Anatomie der Propaganda ist ein Bemühen, diese zurückzugewinnen.
Dauer der Ausstellung
23. Januar - 2. April 2016
Fotos Copyright by: Laurids Jensen
An dem Tag, an dem "Musée Libidinal" im Ausstellungsraum auf der Lyss eröffnet wurde (21. Oktober 2015), begann die Arbeit an "Anatomie der Propaganda". Das Machen einer Ausstellung erklärte das kuratorische Team zur Ausstellung - die Besucher konnten in den Ausstellungsraum kommen und beim “Kuratieren” zusehen, das heißt beim “Recherchieren”, “Diskutieren”, “Plakate Aussuchen”, “Ausprobieren”, “Entscheidungen Treffen”, “Lösungen Suchen”, etc.
Die Idee zur Ausstellung über Propaganda basiert auf einem Text von Slavoj Žižek über die Unmöglichkeit, frei von Ideologien zu denken. Ein weiterer Anstoß war die Gewahrwerdung einer allgemein steigenden Unzufriedenheit über die Objektivität und Qualität der Medienberichterstattungen zum Weltgeschehen. Werden wir zufriedenstellend informiert? Wie stark unterliegen wir Zensur, Täuschung und Manipulation? Die Anomalien der zu beobachtenden Kommerzialisierung und grassierender Neoliberalismus spornen dazu an, sich die Frage zu stellen, wie man sich vor Propaganda schützen kann.
Es entwickelte sich folgender Gedankengang: Wenn man sich vor ihr schützen will, muss man Propaganda zuerst erkennen können. Also, wie sieht sie aus? Wie funktioniert sie? - Und so entstand die Idee einer Aufschlüsselung der "Anatomie" von Propaganda.
Nach erster intensiver Recherche wurde sehr schnell klar, dass die zu Anfang proklamierte Intention, die Gestalt und Struktur von Propaganda zu präsentieren, kläglich scheitern würde. Man kann keinen anatomischen Atlas der Propaganda erstellen, da sie sich nicht klar definieren lässt. Die subjektive Sichtweise und ideologische Verbundenheit des Rezipienten bestimmt dessen Definition von Propaganda im Fall eines spezifischen Kommunikationsakts. Auch wenn man diese Begriffe in der Kommunikation manipulatorisch einsetzt, - wer von uns würde von Propaganda sprechen, wenn Demokratie und Freiheit propagiert werden?
Das einzige zu identifizierende Erkennungsmerkmal von Propaganda ist, dass sie auf sowohl positive wie auch negative Emotionen abzielt (Verlangen, Wunscherfüllung, Identifikation, aber auch Angst, Hass, Unsicherheit) und niemals einen Zweifel oder Widerspruch in sich selbst trägt.
Beseelt von diesen Ideen haben die Ausstellungsmacher die Plakatsammlung durchstöbert und viele Plakate gefunden, die dieses Erkennungsmerkmal aufweisen. Am 22. Januar, während der Museumsnacht Basel, präsentieren sie das Resultat ihrer Arbeit, welche im Rahmen von "Musée Libidinal" entstanden ist. Die Besucher sind eingeladen, rund 100 Originalplakate der Sammlung unter dem Gesichtspunkt "Propaganda?" zu betrachten.
Der Eintritt ist frei.
23.01.2016 – 02.04.2016
Öffnungszeiten
Di-Fr 12:30-18:30
Sa 12:00-17:00
Adresse
Ausstellungsraum auf der Lyss, Spalenvorstadt 2, 4051 Basel
Fotos Copyright by: Laurids Jensen