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Neben diesem Paradestück der Rezitation hat der Brutus die zentrale Rolle, große Gewichtung und die meisten Auftritte in Shakespeares Frühwerk. Eigentlich die Figur der persönlichen Integrität, ein Idealist – Cäsar ist sein väterlicher Freund – macht Brutus bei der Verschwörung nur mit wegen Rom, weil er die Machtbesessenheit des Imperators sieht, der auf dem Capitol die von Marc Anton drei mal angebotene Königskrone zum Schein ablehnt.
Stück ist relevanter als je zuvor
Matthias Klausener stellt den edlen Brutus mit dessen moralischer Rigidität und politischer Verblendung genial dar. Er weiß um den Zwiespalt Loyalität – eine tragische Gestalt. Cassius (Falk Döhler als Heißsporn) sät den Zweifel in Brutus, und so werden sich die „ehrenwerten Männer“ an den berühmten „Iden des März“ (Monatsmitte) zum Tyrannenmord verabreden.
Nach Cäsars Tod kommt es zur Entscheidungsschlacht bei Philippi. Zwei Heerlager stehen sich hier gegenüber. Spätestens, wenn Feldherr Marc Anton die Lage mit einem Feldstecher beobachtet, weiß das Publikum im Förnbacher-Theater, dass diese Römertragödie nicht als Toga- und Sandalenstück inszeniert wird.
Das Setting ist zeitlos. Daher ist es schlüssig, dass das Stück minimalistisch ausgestattet ist, mit einem sehr reduzierten Bühnenbild und heutigen Kostümen, schwarzen Anzügen, Militärlook, Bomberjacken. Das Drama, das im Original nahezu fünf Stunden dauert, hat Förnbacher auf zwei Stunden verknappt, die komplizierte Dramaturgie gestrafft, es verständlich neu übersetzt sowie auf die Kernhandlung, die Kernfiguren, den politischen Machtkampf und die Tricks der Massenmanipulation konzentriert.
Dieter Mainka in der Titelrolle trägt als Cäsar auch keine traditionelle Tunika und keinen Lorbeerkranz, sondern martialischen Ledermantel oder seidenen Hausmantel, während Förnbacher als Marc Anton sich in einen mondänen Pelzmantel wirft. Kristina Nel ist gleich in mehreren Rollen zu erleben, sie wechselt zwischen blonder und schwarzer Perücke als Gemahlin des Brutus und des Cäsar. Auch Percy von Tomei sieht man in verschiedenen Rollen, denn die Förnbacher Company kann natürlich nicht 40 Figuren einzeln besetzen.
Alles in allem ist dieses Drama in Förnbachers Inszenierung mehr als ein historisches Ereignis im alten Rom, vielmehr ein Spiel über die Verhältnisse von Macht und Tyrannei und gewinnt in der modernen Fragestellung noch an Aktualität. Cäsar ist zwar früh tot, aber das Stück ist sehr lebendig und heute vielleicht relevanter als je zuvor.