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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.
Über Eschers Denkmal wurde in letzter Zeit heftig diskutiert. Sicher ist: Es steht am perfekten Platz. Vor dem Zürcher HB, mit Blick auf die Bahnhofsstrasse. Alfred Escher: Zürcher Gross-, Regierungs-, Schul-, Erziehungs-, Kirchen- und 34 Jahre lang Nationalrat, dreimal Nationalratspräsident, Gesandter der Tagsatzung, Staatsschreiber, informeller Kopf der liberalen Partei, Gründer der Schweizerischen Kreditanstalt, aber vor allem: Gründer der Schweizerischen Nordostbahn.
Als Politiker setzte Escher 1852 durch, dass der Eisenbahnbau nicht Sache des Staates, sondern von Privaten wurde. Und als Unternehmer machte er sich 1853 ans Werk. Eschers Nordostbahn baute innert Kürze ein um Zürich angelegtes und auf Zürich ausgerichtetes Netz. Die Stadt an der Limmat wurde zum ersten Eisenbahnknoten der Schweiz – und damit in der Folge zur grössten Stadt. Denn eigentlich Zürich war ein Spätzünder. Basel oder Genf waren Anfang des 19. Jahrhunderts grösser, verfügten über wichtigere Finanzplätze und 373 bzw. 274 Jahre ältere Universitäten. Bern war gerade Bundesstadt geworden und hätte der Bund die Schienen gelegt, wäre es wohl auch zum Eisenbahnzentrum avanciert. Escher aber holte die Bahn nach Zürich und lenkte sie zugunsten der Stadt.
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Eisenbahnen benötigten zwei Dinge: Knowhow und Kapital. Beim Knowhow nahm sich der Bund ein Vorbild an Frankreich und beschloss den Bau einer «École Polytechnique». Escher war mitverantwortlich dafür, dass die ETH 1855 in Zürich eröffnet wurde. Beim Kapital orientierte sich Escher an der Pariser «Crédit Mobilier» und lancierte 1856 die «Schweizerische Kreditanstalt», womit das Geld tausender Kleinsparer gebündelt und in den Eisenbahnbau investiert werden konnte (womit Escher den Finanzplatz Zürich auf ein ganz neues Level hievte). Ebenfalls nach französischem Vorbild liess Escher die Bahnhofstrasse gestalten: ein Boulevard à la parisienne (auf diesen blickt heute das erwähnte Denkmal).
Eschers grösstes Projekt aber war der Bau der Gotthardbahn. Die Arbeiten begannen 1871, kamen aber langsamer voran als budgetiert und wurden rasch teurer. Parallel dazu schlitterte die Nordostbahn in eine Krise. Schliesslich schaltete sich der Bund ein und Escher wurde zum Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Gotthardbahn gedrängt. Auch aus vielen anderen Ämtern zog er sich zurück; mal aus gesundheitlichen Gründen und mal, weil die Opposition gegen ihn zu stark wurde. Als am Gotthard 1880 der Fels durchbrochen wurde, war Escher nicht mal eingeladen, an der Eröffnung des Tunnels 1882 fehlte er krankheitshalber und ein Jahr später starb er. 1900 wurden die Bahnen verstaatlich; auch die Nordostbahn ging in der SBB auf. Diese investiert munter weiter ins Zürcher Schienennetz.