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Wer sind die grössten Playoff-Helden des Schweizer Eishockeys? Wer könnte dies besser wissen als einer der grössten Eishockey-Experten und mehrfacher «Sportjournalist des Jahres» Klaus Zaugg? Eben. Drum hier seine Liste.
Im Frühjahr 1986 sind die ersten Playoffs gespielt worden. Seither werden Jahr für Jahr Heldengeschichten geschrieben. 2020 gibt es zum ersten Mal keine solchen Geschichten. Zeit also, um zurückzuschauen und die 50 Grössten der Vergangenheit aufzulisten.
Es sind nicht nur Sieger und Meistermacher. Die Dramatik der Playoffs bringt es mit sich, dass auch Spieler eine Heldengeschichte schreiben, die am Ende den Pokal nicht hochstemmen dürfen oder die nur in einem einzigen Abend ins Rampenlicht treten. Es geht bei unserer Aufstellung um jahrelange Dominanz, um Titel, aber auch um Helden aus einem einzigen Spiel.
Es ist eine Auflistung ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Richtigkeit, geprägt von persönlichen Erinnerungen, nicht frei von Irrtümern und auch nicht ganz frei von Polemik. Die aufgeführten Helden habe ich seit 1986 alle im Stadion gesehen. Als Klubzugehörigkeit haben wir bei den einzelnen Spielern nur die wichtigsten Arbeitgeber aufgeführt.
In den SCB-Meisterteams von 2016, 2017 und 2019 übernimmt er die Rolle eines ausländischen Verteidigers und bereits 2011 gewinnt er mit dem HCD die Meisterschaft, spielt dort aber nur eine Statistenrolle (ein Assist während der ganzen Saison). Er hat in den Playoffs (0,18 Tore pro Spiel) die viel besseren Werte als in der Qualifikation (0,09 Tore pro Spiel).
Den wichtigsten Treffer erzielt er am 6. April 2019 im sechsten Halbfinal-Spiel in Biel. Der SCB muss gewinnen, sonst ist die Saison zu Ende – und er trifft bereits nach 8:33 Minuten zum 1:0 – es bleibt der einzige Treffer dieser Partie, der SCB gewinnt anschliessend Spiel 7, rückt in den Final vor und gewinnt die Meisterschaft 2019. Seine Rückkehr in die Mannschaft kurz vor dem Playoff-Start entscheidet die Meisterschaft 2019: Wegen einer Gehirnerschütterung hatte er in der Qualifikation nur die letzten sechs Partien bestritten.
Er ist ein Spezialist für Treffer in den Playoff-Verlängerungen. Der Stürmerfloh (170 cm/70 kg) trifft schon am 10. März 1998 für Rapperswil-Jona im sechsten Viertelfinal-Spiel gegen Zug in der Verlängerung zum 5:4 und erzwingt gegen den späteren Meister ein siebtes Spiel, das erst in der Verlängerung verloren wird (2:3).
Doch das hätte für den Bieler höchstens für ein bisschen lokalen Ruhm gereicht. Erst am 10. April 2004 gelingt ihm in Lugano das Tor des Lebens: In der Verlängerung des fünften Finalspiels trifft er nach 74 Minuten und 20 Sekunden gegen Ronnie Rüeger zum 4:3 – nachdem er bereits den Ausgleich zum 2:2 (nach 37:07 Minuten) erzielt hatte. Der SCB ist Meister. Und dankt es ihm ewig. Marc Weber ist heute Nachwuchschef beim SCB.
Er ist der erste wahre Rock’n’Roller unserer Hockeygeschichte. Manager Roland von Mentlen holt ihn während der Saison 1995/96 aus der Alpenliga (Ljubljana) nach Zug. Der Kanadier rockt das Nachtleben, wird mit Alkohol am Steuer erwischt, eine Gefängnisstrafe kann doch noch vermieden werden und er hält Präsident Fredy Egli mit seinen Eskapaden laufend auf Trab. Aber er beschert seinem Boss eben auch den bis heute einzigen Titel der Zuger.
In den meisterlichen Playoffs von 1998 erzielt er in 19 Partien 16 Tore, acht davon im Final gegen Davos. In 40 Qualifikationspartien hatte er 25 Mal getroffen. Es sind eben nicht die schlechtesten Früchte, woran die Wespen der Kritiker nagen. Nach der Meistersaison wechselt er zu Kloten, wird während der Saison zu Lugano transferiert, wechselt für die Saison 1999/00 zu den München Barons, wo Zugs Meistertrainer Sean Simpson Chefcoach geworden ist und gewinnt die Deutsche Meisterschaft. Im Frühjahr 2001 kehrt er für ein kurzes Gastspiel bei Chur noch einmal in die Schweiz zurück.
Es gibt Karrieren, die werden auf ein Tor reduziert. Jürgen Sparwasser geniesst ewigen Ruhm durch sein 1:0 mit der DDR gegen die BRD bei der WM 1974. Noch extremer ist es bei Morgan Samuelsson. Er hat gerade Mal acht Playoff-Partien gespielt. Und doch geniesst auch er unvergänglichen Ruhm.
Am 7. April 2001 überrascht er im siebten Finalspiel in Lugano in der Verlängerung (nach 70:07 Minuten) Luganos Torhüter Ronnie Rüeger mit einem Weitschuss zum 2:1 – die ZSC Lions sind Meister und im Stadion kommt es zu den grössten Tumulten in der Geschichte unseres Hockeys, die als «Schande von Lugano» in die Geschichte eingehen und Lugano eine Busse von 20'000 Franken und ein «Geisterspiel» zum Start der nächsten Saison einbringen. Nie hat ein Spieler in der Geschichte unseres Hockeys mit so wenig Aufwand so viel bewirkt – acht Playoffspiele, ein Schuss, ein Titel, ein Geisterspiel und eine Karriere als TV-Experte.
Der ZSC-Captain und in diesem Amte der Nachfolger von Kult-Captain Mathias Seger ist kein offensiver Traumtänzer und sozusagen des hockeytechnische Gegenstück zum unmittelbar vor ihm klassierten Petteri Nummelin. Aber er ist in den Playoffs (0,32 Punkte pro Spiel) immerhin fast so produktiv wie in der Qualifikation (0,33 Punkte). Ja, diese Statistik ist sogar besser als die von Mathias Seger, der sich in der Qualifikation pro Partie 0,43 Punkte gutschreiben liess, in den Playoffs aber «nur» 0,31.
Und Patrick Geering hat bereits ein «goldenes Tor» erzielt: Am 27. April 2018 trifft er in Lugano im siebten Finalspiel zum 1:0 (nach 6:55 Minuten). Die Partie endete 2:0. Patrick Geerings Treffer ist das Tor, das dem ZSC den überraschendsten Titel der Vereinsgeschichte brachte – die Zürcher waren vom 7. Platz aus in die Playoffs gestartet.
Der finnische Kultverteidiger ist in den Playoffs (1,25 Punkte pro Spiel) deutlich produktiver als in der Qualifikation (1,06 Punkte) – und das will wahrlich etwas heissen. Immerhin punktete er auch in der Qualifikation wie ein Wilder, war 2003 gar Liga-Topskorer.
Er wird mit Lugano 2003 und 2006 Meister – für den Titel 2006 steuert er in 17 Playoffpartien gegen Ambri, Kloten und Davos sagenhafte 33 Punkte bei, alleine 10 davon im Final gegen Davos. Es ist nach der «Ära John Slettvoll» (1986 bis 1992) das zweite «Grande Lugano» mit der «finnischen Achse» Ville Peltonen (26 Playoff-Punkte) und eben Petteri Nummelin – aber die Herrlichkeit währt diesmal nur diese eine Saison.
Bereits 1998 hatte Petteri Nummelin mit dem HCD den Final gegen Zug erreicht. Noch 2016/17 ist der Weltmeister von 1995 in der zweithöchsten Liga in Finnland im Alter von 45 Jahren der punktbeste Verteidiger und seine Profi-Karriere beendet er im Frühjahr 2018 in der Asien-Liga im japanischen Nikko. Seine NLA-Statistik ist besser als die vieler ausländischer Stürmer: 496 Punkte aus 467 Spielen in der Qualifikation und 126 Punkte aus 101 Playoff-Partien.
Er kommt im Sommer 1986 nach vier Jahren bei den New York Rangers direkt vom Broadway in den Bärengraben. Im Team der rauen SCB-Kerle fällt seine läuferische Eleganz noch mehr auf. Doch er ist auch ein schlauer, bissiger und cooler Lenker und Vollstrecker, alles andere also als ein Kurläufer – deshalb hat er sich ja auch in der NHL durchgesetzt. In den Playoffs (ein Punkt pro Spiel) ist er noch besser als in der Qualifikation (0,99 Punkte). Er lenkt das SCB-Spiel an der blauen Linie und läuft rückwärts schneller als viele Gegenspieler vorwärts. Mit dem finnischen Verteidiger wird der SCB 1989, 1992 und 1992 Meister.
1990 gelingt die Titelverteidigung nicht. Auch deshalb, weil es Ruotsalainen in dieser Saison noch einmal in der NHL versucht. 1994/95 spielt er noch einmal für den SCB – aber die Magie kehrt nicht mehr zurück. Auch nicht 1995/96 in seiner letzten Saison in der Schweiz beim ZSC. Und noch eine Besonderheit: Im Frühjahr 1987 kehrt er nach dem Ende der Saison in der Schweiz in die NHL zurück und gewinnt mit den Edmonton Oilers den Stanley Cup.
Der Kanadier erklärt vor den Playoffs 1989, der Titel sei das Ziel. Und sorgt damit für das Selbstvertrauen, das dem SC Bern gegen den himmelhohen Favoriten Lugano – den Meister von 1986, 1987 und 1988 – die erste Überraschung unserer Playoff-Geschichte gelingt. Und tatsächlich erzielt Alan Haworth am 11. März 1989 in Lugano nach 52:22 Minuten das 3:2. Es ist statistisch der Treffer, der dem SCB den Titel bringt (Schlussresultat 4:2).
Haworth ist der charismatische und beinharte Leitwolf der «Big Bad Bears», die auch 1991 und 1992 den Titel holen. Und doch endet seine SCB-Karriere mit einer schier unfassbaren Demütigung. Am 9. April 1992 verliert der SCB das vierte Finalspiel gegen Gottéron 0:3, die Serie steht 2:2 und Gottéron hat die Chance, im fünften und letzten Spiel (Best of Five) den Titel zu holen.
Trainer Bill Gilligan entschliesst sich – um den Gegner zu verwirren – zu einer riskanten Umstellung. Er schickt für dieses letzte Spiel am 11. April Alan Haworth zum ersten Mal überhaupt auf die Tribne und setzt Ersatzausländer Juri Lala (sein einziger Einsatz für den SCB) ein. Der SCB gewinnt 4:1 und so auch Meisterschaft. Jiri Lala hat keinerlei Einfluss aufs Spiel – aber der Sieger hat immer Recht. Es ist das Ende von Alan Haworths SCB-Karriere als Spieler. Im Herbst 2004 wird er auch als SCB-Trainer gefeuert.
Er ist mit ziemlicher Sicherheit der zweitbeste Einzelspieler, der je in unserer höchsten Liga gespielt hat. Dürfen wir einen Titanen des Welteishockeys, einen mehrfachen Weltmeister und Olympiasieger, ein Stürmer, der bei uns in 67 Playoff-Partien 124 Punkte (davon 53 Tore!) produziert hat, so weit hinten klassieren? Ist das nicht eine Beleidigung? Nein, es ist ein Kompliment.
Bis heute können wir nicht verstehen und empfinden es als Ungerechtigkeit der Hockey-Götter, dass er mit Gottéron dreimal hintereinander den Final verloren hat (1992, 1993, 1994) und nie Meister geworden ist. Andrej Chomutow geniesst in der Nähe von Fribourg ein friedliches Leben als Junioren- und Regionalliga-Trainer.
Er ist mit ziemlicher Sicherheit der beste Einzelspieler, der je in unserer höchsten Liga gespielt hat. Dürfen wir einen Titanen des Welteishockeys, einen mehrfachen Weltmeister und Olympiasieger, ein Stürmer, der bei uns in 69 Playoff-Partien 121 Punkte produziert hat, so weit hinten klassieren? Ist das nicht eine Beleidigung? Nein, es ist ein Kompliment.
Bis heute können wir nicht verstehen und empfinden es als Ungerechtigkeit der Hockey-Götter, dass er mit Gottéron dreimal hintereinander den Final verloren hat (1992, 1993, 1994) und nie Meister geworden ist. Slawa Bykow wird 2008 und 2009 als Nationaltrainer Weltmeister mit Russland, 2011 und 2015 russischer Meister und geniesst heute in Fribourg (und als Gottéron-Verwaltungsrat) ein ruhiges Leben.
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