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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Fünfzehntes Hauptstück.
Es wird behauptet, daß die Natur des Sohnes von der des Vaters nicht verschieden und ihr nicht unähnlich sey. Denn da der eingeborne Sohn Gottes auch das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist; so muß er hinsichtlich der Gestalt und Natur gleicher Wesenheit seyn. Oder wie wird zwischen dem Sohne und dem Vater die nicht verschiedenartige Natur unterschieden; da der Sohn mit den Eigenschaften des Vaters durch die in ihm gezeugte Natur besteht, nämlich mit der Herrlichkeit, Kraft, Macht, Un- [S. 358] sichtbarkeit und Wesenheit desselben? Und bei der Gleichheit dieser göttlichen Eigenschaften sieht man, daß weder jener geringer ist, weil er Sohn ist, noch dieser vorzüglicher, weil er Vater ist; da der Sohn dem Vater der Gestalt nach gleichgebildet, und der Beschaffenheit nach gleich ist; denn die Gleichheit des aus der Wesenheit des Vaters gezeugten Sohnes läßt keine Verschiedenheit der Substanz zu, und der Sohn und das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, faßt die ganze Gestalt der väterlichen Gottheit, wie und, wie groß sie ist, in sich; und dieses heißt in Wahrheit Sohn seyn; nämlich, die wahre väterliche Gestalt in der vollkommenen Gleichheit der gleichgebildeten Natur in sich darstellen.
IV. „Und wenn Jemand, da er hört:1 „Denn gleichwie der Vater das Leben in sich selber hat, so hat er auch dem Sohne verliehen, das Leben in sich selbst zu haben,“ den Sohn dem Vater nicht auch der Wesenheit nach gleich nennt, welcher doch selbst bezeugt, daß es so sey, wie er gesagt hat; so sey er verflucht.2 Denn es ist offenbar, daß, da das in dem Vater gedachte Leben Wesenheit genannt wird, und unter dem aus dem Vater hervorgegangenen Leben des Eingebornen auch die Wesenheit gedacht wird, jene Worte (des obigen Tertes) die Gleichheit der Wesenheit mit der Wesenheit bezeichnen.“
[S. 359]
1: Joh. V, 26.
2: Die Meinung der Orientalen finden wir bei Epiphanius, wo es heißt: „Denn nicht etwas anderes ist der Vater, etwas anderes das Leben, welches in ihm ist; sondern der Vater selbst ist ohne irgend eine Beimischung das Leben. Ferners hat er es, wie er es hat, so auch dem Sohne gegeben, nämlich ohne Beimischung.“