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Asthma
(griech.,
Brustkrampf,
Engbrüstigkeit), ursprünglich jedes erschwerte Atmen, jede
Atemnot, gleichgültig durch
welche krankhafte Veränderung der
Organe sie bedingt ist. Im engern
Sinn versteht man gegenwärtig unter
(
Asthma bronchiale) eine periodisch und in Anfällen auftretende
Atemnot, welcher keine nachweisbare anatomische
Störung der
Luftwege,
der
Lungen und des
Herzens zu
Grunde liegt. Das
Asthma ist also eine rein nervöse
Krankheit. Es beruht auf einem
Krampf der Muskelfasern,
welche die feinern und feinsten Luftröhrenäste ringförmig umgeben und durch ihre Zusammenziehung diese
verengern können.
Die Krankheit befällt Leute, welche an Lungenemphysem oder an chronischen Nervenaffektionen verschiedener Art leiden, aber auch gesunde, namentlich männliche, Individuen im mittlern Lebensalter. Sie tritt in sehr unregelmäßig aufeinander folgenden Anfällen auf, die oft nur einige Minuten, manchmal dagegen stundenlang währen und Pausen zwischen sich haben, die zuweilen nur einen Tag, dann aber auch Wochen und viele Monate betragen können. Der Kranke empfindet eine überaus quälende und beängstigende Atemnot, einen Luftmangel, der bei Nacht die Traumvorstellung erregt, als lagere sich eine schwere, drückende Last auf die Brust (Alpdrücken); bei Tage ist die Beklemmung nicht geringer, die Atemzüge sind langsam, schwer, pfeifend, alle Muskeln [* 2] werden dabei zu Hilfe gezogen, der Brustkorb durch Aufstemmen der Hände auf einen festen Gegenstand fixiert, das Herz klopft krampfhaft, es bricht Angstschweiß aus, so daß die Kranken jeden Augenblick zu ersticken fürchten. Diese Gefahr liegt indessen nicht vor, der Anfall endet, entweder rasch oder allmählich nachlassend, stets mit Genesung. Über die Krankheitsursachen wissen wir nichts Zuverlässiges. Als Gelegenheitsursachen sieht man wohl Gemütserregungen, Diätfehler, geschlechtliche ¶
forlaufend
Ausschweifungen an, aber mit zweifelhaftem Recht; am verständlichsten ist es noch, wenn das Einatmen reizender Substanzen, Staub od. dgl. als Ursache genannt wird. In neuester Zeit wird die Bildung kleinster, spitziger Kristalle in [* 4] den Luftröhren als der erregende Reiz angesehen.
Die Behandlung des
Asthmas hat die Aufgabe, die einzelnen Fälle abzukürzen und zu mildern sowie die
Wiederkehr neuer Anfälle zu verhüten. Ein vortreffliches Mittel, den Anfall zu mildern, ist die Einatmung komprimierter
Luft. Allein da hierzu komplizierte Apparate notwendig sind, so läßt sich dieses rationelle Mittel nur äußerst selten in
Anwendung bringen. Man muß sich damit begnügen, den Kranken von beengenden Kleidungsstücken zu befreien
und im Krankenzimmer für reine, warme und trockne Luft zu sorgen.
Zweckmäßig ist es, dem Kranken eine Tasse starken Kaffee oder kleine Portionen von Fruchteis zu reichen. Daneben werden Hautreize angewendet, namentlich warme Hand- und Fußbäder sowie Senfteige, welche man auf die Brust, die Vorderarme und Waden legt. Am sichersten ist die Wirkung der narkotischen Mittel, namentlich des Morphiums und des Chloroforms, welches eingeatmet vorzügliche Dienste [* 5] leistet und am schnellsten Erleichterung verschafft. Das Rauchen von Stechapfelblättern (käuflich als Stramonium-Zigarren) und das Einatmen der Dämpfe von verbranntem Salpeterpapier gewährt manchmal Hilfe, doch ist der Erfolg kein sicherer. In schweren Fällen ist die Anwendung eines Brechmittels am Platz. Um die Wiederkehr neuer Anfälle zu verhüten, muß der Kranke alle Schädlichkeiten und alle Umstände vermeiden, welche nach seiner persönlichen Erfahrung früher Anfälle bei ihm hervorgerufen haben.
Diese Schädlichkeiten und zufälligen Umstände sind bei den einzelnen Individuen überaus verschieden, sie erscheinen häufig wahrhaft barock, und meist ist nicht einzusehen, wie sie einen Anfall hervorzurufen im stande sein sollten. Allein daran darf man sich nicht kehren. Für alle Patienten empfiehlt sich der Aufenthalt in trockner, reiner Luft; staubige, mit Rauch erfüllte Räume, windige Plätze sind zu vermeiden. Auch ist auf eine mäßige Lebensweise und auf nicht zu langen Schlaf zu halten.