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- Die Bespitzelungsaffäre bei der Credit Suisse zieht personelle Konsequenzen nach sich.
- Der operative Chef Pierre-Olivier Bouée und der Leiter der globalen Sicherheitsdienste Remo Boccali treten per sofort zurück.
- Der Konzernchef Tidjane Thiam war über die Überwachung von Ex-CS-Manager Iqbal Khan nicht informiert, teilte die Grossbank mit.
- Während einer Medienkonferenz am Dienstagmorgen entschuldigte sich Verwaltungsratspräsident Urs Rohner bei Khan für die Überwachung.
Weiterhin erklärte er, dass das Vorgehen, Khan zu überwachen, «falsch und unverhältnismässig» war und so nicht der Art entspreche, wie die Credit Suisse vorgehen wolle.
Ein Journalist wollte während der Pressekonferenz wissen, ob es glaubwürdig sei, dass Thiam nichts gewusst haben soll. Rohner erwiderte, dass genau dies ein Fokus der Untersuchungen gewesen sei und man auch Thiam dazu befragt habe. Es habe schlussendlich keinerlei Hinweise gegeben, dass er die Überwachung genehmigt habe oder darüber informiert war. Dies unterstrichen auch der Vorsitzende des Audit Committee John Tiner sowie die mit der Untersuchung beauftragte Anwaltskanzlei Homburger.
Rohner wurde auch gefragt, ob er seine Position bei der Bank nach den Ereignissen überdenke, worauf er erwiderte, dass er dies sowieso jeden Tag tue. Mehr wollte er dazu nicht sagen und John Tiner fügte hinzu, dass der Verwaltungsrat voll hinter Rohner stehe und dessen «volles Vertrauen» geniesse.
Diese Stellungnahmen beziehen sich auf Ereignisse, welche im August ihre Anfänge hatten. So war damals bekannt geworden, dass der damalige Leiter der internationalen Vermögensverwaltung Iqbal Khan im Oktober zur UBS wechseln und dort Co-Chef der Vermögensverwaltung werde. Vergangenen Freitag war dann berichtet worden, dass die CS Khan hatte beschatten lassen.
Laut Medienberichten erfolgte dies offenbar aus Angst, er könnte wichtige Mitarbeitende abwerben. Neben Khan stand zunehmend auch das Verhalten von Rohner und Thiam im Fokus.
Keine Anzeichen für Abwerben durch Khan
Die Überwachung soll jedoch von COO (Chief Operating Officer) Pierre-Olivier Bouée alleine angeordnet worden sein, wie die CS mitteilte. Die mit der Untersuchung beauftragte Kanzlei habe keinen Hinweis darauf, dass CEO Tidjane Thiam die Überwachung von Khan genehmigt habe.
Weder die Untersuchung der Kanzlei noch die Überwachung von Khan hätten Anhaltspunkte dafür erbracht, dass dieser entgegen seinen vertraglichen Verpflichtungen versucht hätte, Mitarbeitende oder Kunden der Credit Suisse abzuwerben, hiess es weiter.
Kurzeinschätzung von Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler
Die CS zieht personelle Konsequenzen – der Wirbel um die Grossbank wegen ihrer Beschattung des ausgetretenen Bankers Iqbal Khan war schlicht zu gross geworden. Nun muss mit dem COO Pierre-Olivier Bouée unter anderem ein Mitglied aus der Geschäftsleitung, also aus der obersten Führungsreihe, gehen. Der Rest der Bankenspitze in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat beteuert, von nichts gewusst zu haben: Präsident Urs Rohner, Chef Tidjane Thiam und andere distanzieren sich von der Beschattungsaktion.
Inwiefern dies die Investoren und vor allem die CS-Belegschaft beruhigt, ist offen. Doch eins scheint klar: Von weiteren Beschattungsaktionen wird die CS wohl vorläufig die Finger lassen. Der aus dieser Geschichte entstandene Reputationsschaden für die zweitgrösste Schweizer Bank ist schlicht zu gross.
James Walker Nachfolger von Bouée
Die Beschattung von Khan war vorletzte Woche bekannt geworden. Der ehemalige Leiter der internationalen Vermögensverwaltung bei der CS hatte die Detektive bemerkt und darauf die Polizei alarmiert. Khan soll heute Dienstag seine neue Stelle bei der UBS antreten.
Zum Nachfolger von COO Bouée und zum neuen Mitglied der Geschäftsleitung hat die Bank nun James Walker ernannt. Walker übe gegenwärtig «verschiedene wichtige Funktionen im Finanzbereich der Bank» aus, so die CS. So sei er Chief Financial Officer der wichtigsten amerikanischen Tochtergesellschaften sowie Leiter «Product Control».