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Ärgerliche Intransparenz bei Börsengängen
Wie viele andere habe ich mich für Stadler-Aktien interessiert, aber auch ich bin leer ausgegangen. Niemand, den ich kenne, hat Stadler-Aktien zugeteilt erhalten, obwohl Peter Spuhler wollte, dass es eine Volksaktie wird. Nur wurde die Aktie anscheinend nicht unters Volk verteilt. Wurden die Aktien vielleicht von den Banken erworben, um sie nun mit Gewinn unters Volk zu bringen? C.S.
Aufgrund Ihrer Frage habe ich mich direkt bei den Banken, die den Börsengang von Stadler Rail begleitet hatten, erkundigt, nach welchen Kriterien die Zuteilung der Stadler-Rail-Aktien erfolgt sei und wie hoch nun der Anteil institutioneller und privater Investoren war, die Aktien des Unternehmen bekamen. Leider erhielt ich von den Banken keine Antwort. Ein Sprecher von einer der am Börsengang federführenden Banken schrieb mir lediglich: «Wir dürfen den IPO als Syndikatsbank nicht kommentieren.»
Natürlich weiss ich, dass jene Banken, die ein Initial Public Offering (IPO), wie Börsengänge englisch genannt werden, begleiten, sich weder zu den Aussichten der Firma äussern oder ein Aktienrating vornehmen dürfen. Dass man aber auch nicht mal ansatzweise offenlegt, an wen denn nun die begehrten Aktien gingen, finde ich indes irritierend.
Etwas mehr Informationen erhielt ich immerhin bei der Stadler Rail selber. «Die Zuteilung erfolgte in etwa fifty-fifty an die institutionellen Investoren und an die Kleinanleger», erklärte Marina Winder, Leiterin Kommunikation bei Stadler Rail, auf meine Anfrage hin. Gleichzeitig stellt sie fest: «Aufgrund der hohen Überzeichnung sind die zugeteilten Mengen in vielen Fällen natürlich wesentlich geringer ausgefallen, als von einzelnen Investoren gewünscht.»
Auf meine Frage, inwiefern beim Börsengang dem Willen von Peter Spuhler Rechnung getragen wurde, dass Stadler Rail eine Volksaktie werden soll, meinte sie: «Die Idee der Volksaktie bezieht sich insbesondere auch auf den anvisierten Handel an der Börse. Die Stückelung wurde so vorgenommen, dass der anvisierte Preis der Aktie erschwinglich ist und es jedem Privatinvestor erlauben sollte, über den Markt Aktionär von Stadler zu werden.»
Wie nach jedem erfolgreichen Börsengang bleiben auch bei Stadler Rail viele enttäuschte Kleinanleger zurück, die wie Sie keine Aktien zugeteilt erhielten und somit nicht vom Kurssprung am ersten Handelstag profitieren konnten.
Wie ich in meinen Geld-Blog an dieser Stelle bereits vor dem Börsengang von Stadler Rail am 4. April geschrieben hatte, erfolgt die Zuteilung der Aktien durch die federführenden Banken nach Richtlinien, welche von der Schweizerischen Bankiervereinigung erlassen wurden. Mit den Zuteilungsrichtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung soll sichergestellt werden, dass die verschiedenen Anlegergruppen reale Chancen für eine Zuteilung haben und diese fair und unparteiisch erfolgt.
Allerdings wird in den Zuteilungsrichtlinien der Bankiervereinigung auch darauf hingewiesen, dass «im Rahmen einer angemessenen Interessenabwägung Zuteilungen an verschiedene Kunden bzw. Kundengruppen differenziert erfolgen können». Weiter wird betont, dass für die Anleger kein Anspruch auf Zuteilung besteht.
Immerhin haben die Banken gemäss diesen Richtlinien bei Zuteilungen an Privatanleger sicherzustellen, dass diese fair und unparteiisch behandelt werden und nicht einzelne Privatanleger ohne sachlichen Grund gegenüber anderen benachteiligt werden. Als Zuteilungsverfahren, welche die faire und unparteiische Behandlung von Privatanlegern sicherstellen, gelten gemäss dem Regelwerk der Schweizerischen Bankiervereinigung solche, die auf folgenden, sachlichen Kriterien oder Kombinationen davon beruhen:
«Los, Ordergrössen, Prozente der Zeichnungen, Zeitpunkt des Eingangs der Zeichnung, angebotene Kaufpreise (bei Auktion), regionale Gesichtspunkte, langfristige Bindung zum Emittenten, Portfoliostruktur der Anleger, Verbesserung von Qualität, Position und Platzierungskapazität der Bank zum mittel-und langfristigen Nutzen der Privatanleger, Wünsche des Emittenten bezüglich Anlegerstruktur, Dauer der Kundenbeziehung und andere sachliche Kriterien.»
Ob und inwiefern im Detail diese Kriterien beim Börsengang von Stadler Rail erfüllt wurden, kann ich nicht beurteilen. Denn es fehlt die Transparenz. Aus meiner Sicht sollten sowohl Banken als auch die Schweizer Börse SIX und die Börsenneulinge die Transparenz bei Börsengängen erhöhen und jeweils kommunizieren, welche Anlegergruppen in welchem Umfang beim IPO berücksichtigt und welche Kriterien angewandt wurden.
Intransparenz hingegen schwächt das Vertrauen der Anleger, was eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass Aktien wie jene von Stadler Rail, wie von Unternehmer Peter Spuhler gewünscht, tatsächlich eine Volksaktie werden können.