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<h2>SubmittedText<h2><p>Bei der Diskussion des tragischen Carunfalls im Tunnel von Siders haben diverse Fachleute - darunter auch Daniel Menna, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung - die Frage aufgeworfen, wie sicher die Nothaltebuchten in den Tunnelwänden sind. Dabei ging es darum, ob die Buchten die Sicherheitsstandards in angemessener und optimaler Weise umsetzen, wenn sie so gebaut sind, dass ihre Endwand rechtwinklig zur Fahrbahn steht und, wie in Siders, rund drei Meter breit ist.</p><p>Solche Konstruktionen sind in den Schweizer Tunneln sehr verbreitet. Daher stelle ich dem Bundesrat die folgenden Fragen:</p><p>1. Gibt es Rechtsvorschriften für die Ausgestaltung solcher Ausstellbuchten in Schweizer Tunneln? Falls ja: Sind sie hier eingehalten worden?</p><p>2. Wie viele dieser Nischen oder Ausstellbuchten haben eine rechtwinklige Wand?</p><p>3. Gibt es eine Statistik zu denjenigen Unfällen, die speziell auf solche Nischen mit rechtwinkligen Wänden zurückzuführen sind?</p><p>4. Weshalb werden nicht Nischen bevorzugt, deren Wände in einem schrägen Winkel zur Fahrbahn stehen?</p><p>5. Sind als Konsequenz des schweren Unfalls von Siders Massnahmen geplant, mit denen dieser Gefahr begegnet und die Sicherheit in den Schweizer Tunneln generell erhöht werden soll?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Grundriss der Ausstellbuchten ist in der SIA-Norm 197/2 (Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein) definiert. Diese Norm wurde 2004 in Kraft gesetzt. Sie ersetzt die Richtlinien des Eidgenössischen Departements des Innern für die Projektierung von Strassentunneln aus dem Jahr 1970. Die Nischen im Tunnel Sierre entsprechen den heute gültigen Normen.</p><p>2. Insgesamt gibt es in den Nationalstrassentunneln und -galerien 237 Ausstellbuchten. 208 haben Stirnwände, die rechtwinklig zur Fahrbahnachse gebaut sind. Bei 8 Ausstellbuchten sind passive Schutzmassnahmen vorhanden, z. B. in Form einer schräg angeordneten Normleitschranke. 29 Ausstellbuchten haben eine mehr oder weniger schräge Stirnwand, dies als sogenannte Sichtberme (lokale Zurücksetzung einer sichtbehindernden Wand) oder weil sich die Ausstellbucht in einer Kurve befindet.</p><p>3. Es existiert keine separate Statistik zu Unfällen bei Ausstellbuchten mit rechtwinkligen Stirnwänden. Die allgemeine Unfallstatistik zeigt keine Häufungen von Unfällen bei Ausstellbuchten.</p><p>4. Die unter Frage 1 erwähnte SIA-Norm 197/2 definiert die Ausstellbuchten mit rechtwinkligen Stirnwänden. Bautechnisch wäre es möglich, die Winkel der Ausstellbuchten abzuschrägen oder mit Beton- oder anderen Elementen zu schützen. Die Abschrägung kann sich jedoch für Personenwagen und Motorräder kontraproduktiv auswirken: Personenwagen und Motorräder würden nach einem Anprall auf die Fahrbahn zurückgeschleudert. Dadurch könnte es zu Kollisionen mit nachfolgenden oder - in Tunneln mit Gegenverkehr - mit entgegenkommenden Fahrzeugen und entsprechend gravierenden Folgen kommen. Ausserdem ist bei Nothalte-Nischen mit abgeschrägten Winkeln die Gefahr um ein Vielfaches grösser, dass ein Fahrzeug an der Wand entlang schleift, Funken erzeugt und dadurch einen Brand auslöst.</p><p>Auch der Bau einer starken Schutzvorrichtung im Nischenbereich mit Beton- oder anderen Elementen kann für Personenwagen und Motorräder unter Umständen kontraproduktive Auswirkungen haben. Eine Schutzvorrichtung, die solche enormen Energien wie den Aufprall eines Lastwagens oder eines Cars aufzufangen vermag, ist so starr, dass sie sich bei einem Aufprall von Personenwagen oder Motorrädern fatal auswirken würde.</p><p>5. Generell garantieren die Anforderungen gemäss SIA-Normen und Astra-Richtlinien eine genügende Sicherheit in Tunneln. Der Bundesrat hat bereits nach dem Brand im Gotthard-Strassentunnel ein Nachrüstprogramm für die bestehenden Nationalstrassentunnel beschlossen. Die entsprechenden Arbeiten werden 2025 abgeschlossen sein. Die Unfallstatistik und verschiedene Studien zeigen auch, dass die Unfallhäufigkeit in Nationalstrassentunneln geringer ist als auf offener Strecke. Auch die Anzahl der Getöteten und Verletzten pro gefahrenen Fahrzeugkilometer ist in Tunneln tiefer als auf offener Strecke. Im Nachgang zum tragischen Ereignis in Siders werden dennoch sowohl die zuständige Normenkommission des SIA wie auch eine Expertengruppe des Bundesamts für Strassen (Astra) nach allfälligen kurz- und mittelfristigen Optimierungsmöglichkeiten suchen.</p>  Antwort des Bundesrates.