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Seit 1872 werden in Lausen Ziegeleiprodukte hergestellt. Die erste Produktionsstätte befand sich in einem Ökonomiegebäude. Ab 1907 produzierte die Tonwerk Lausen AG am Bahnhof Steinzeugbodenplatten, Schamottesteine und Speicheröfen.
Das Areal am Bahnhof besteht aus zwei Teilen. Die ältere Gebäudegruppe WEST entstand 1913 und stammt aus der Feder der Berliner Architekten Wilhelm Eckardt und Ernst Hotop. Die erste Anlage war L-förmig; parallel zur Bahnlinie ein Längsbau und ein Ostflügel rechtwinklig dazu. Der Längsbau brannte zweimal ab und musste 1942 und 1993 neu aufgebaut werden. Einzelne Bauteile davon blieben erhalten, etwa die Stichbogenfenster des Altbaus im Erdgeschoss. Die restlichen feingesprossten Fenster stammen vom Wiederaufbau von 1942. 1993 kamen die durchlaufenden Bandfenster im Dachgeschoss hinzu. Zum Bahnsteig hin unterbricht ein turmartiger Vorbau die Südwestfassade.
Der Ostflügel, ebenfalls ein Sichtbacksteinbau, wurde 1923 von fünf auf zehn Achsen verlängert. Giebelseitig ist er dreiachsig mit einem flachen Satteldach. Die Stahlkonstruktion im Inneren ist sichtbar verschraubt. Seit 1923 akzentuiert ein südlicher Turm den Ostflügel. Seit dem Umbau des Bahnhofplatzes 2008 kommen die Sichtbacksteinfassaden und der Turm umso besser zur Geltung.
Die Gebäudegruppe OST folgte ab 1941. Die Architekten Brodtbeck und Bohny erweiterten die Anlage um eine Fabrik für gebrannte Bodenplatten. Zum Bau gehört seit 1961 auch eine Halle mit sichtbarem Holzfachwerk. Bevor die Fabrikanlage spätestens 2016 abgerissen wurde, konnten die Hallen gemietet werden. Heute wird auf dem Areal Tonwerk Ost am Bahnhof gewohnt. Die Lage ist in der erweiterten Agglomeration von Basel perfekt mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Über den architektonischen Ausdruck der Wohnüberbauung der Liestaler Architekten Otto + Partner lässt sich allerdings streiten.
Sowohl die abgebrochene Gebäudegruppe Ost als auch jene im Westen befinden sich im nicht rechtsverbindlichen Bauinventar des Kantons Basellandschaft BIB. In diesem Inventar erfasst die kantonale Denkmalpflege baukulturell wichtige Gebäude und empfiehlt deren Unterschutzstellung. Sie definiert dabei die Wichtigkeit. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass das BIB beim Abriss von schützenswerten Gebäuden keine grosse Rolle spielt. So sind das Tonwerk Ost, als auch viele andere Gebäude in Lausen sang- und klanglos verschwunden. Andere erhaltenswerte Gebäudegruppen wie das Cheddite-Areal an der Gemeindegrenze Liestal-Lausen sind darin gar nicht enthalten. Aus baukultureller Sicht bildet das BIB eine wertvolle Sammlung, in der Realität allerdings findet es kaum Beachtung.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Tonwerk Lausen Areal WEST
Adresse: Bahnweg 6-8, 4415 Lausen
Architektur: Wilhelm Eckardt, Ernst Hotop
Baujahr: 1913
Umbau Ostflügel: 1923
Wiederaufbau Längsflügel nach Bränden: 1942,1993
Funktion: Industriebau (bis 2017)
Inventar: Bauinventar Baselland (nicht rechtskräftig)
Schutzstatus: nicht geschützt (kommunal zu schützen)
Heutige Nutzung: Mieträumlichkeiten (seit 2017)
Tonwerk Lausen Areal OST
Adresse: Furlenstrasse 3, 4415 Lausen
Architektur: Brodtbeck & Bohny
Baujahr: 1941
Erweiterung: 1961
Abbruch: um 2016
Funktion: Industriebau
Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Karten/Luftbild:
– Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Quellen:
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2008), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Lausen