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Es waren einmal drei kleine Schweinchen, die bewohnten ein grosses, schönes Haus am Waldesrand. Weil sie Angst hatten vor dem bösen Wolf, hielten sie die Türen immer verriegelt. Wenn ein Tier aus dem Wald oder vom Feld zu Besuch kam, musste es anklopfen. Und erst wenn die Schweinchen sicher waren, dass es nicht der böse Wolf war, der vor der Türe lauerte, öffneten sie die Tür.
Selbst wenn eines von den drei Schweinchen das Haus verliess, musste es, wenn es zurückkehrte, an die Tür klopfen. Die Schweinchen im Haus riefen dann: «Wer ist da?» Und erst, wenn sie die Stimme des dritten Schweinchens wiedererkannten, öffneten sie die Tür und liessen es herein.
Mit der Zeit wurde es den Schweinchen aber zu blöde, jedes Mal anzuklopfen, um ins eigene Haus reingelassen zu werden. Auch mochten sie nicht immer aufstehen und an die Tür gehen, wenn Freunde zu Besuch kamen. Zudem hatte man schon lange nichts mehr vom bösen Wolf gehört. Die drei Schweinchen beschimpften einander und warfen sich gegenseitig Misstrauen und grundlose Angstmacherei vor. Sie bezichtigten sich wechselseitig, Vorurteile gegenüber einzelnen Mitgliedern ihrer Hausgemeinschaft zu hegen, allgemein Hass unter Tieren und Schweinchen im Speziellen zu schüren und Minderheiten im Haushalt bewusst auszugrenzen.
Dieser Streit dauerte lange, war heftig und wurde dann aber feierlich beigelegt mit einem grossen Friedensvertrag. Es war sogar noch mehr als ein Friedensvertrag, denn es war eine Zukunftsvision. Kein Schwein sollte in diesem Haus jemals wieder von einer Türe aufgehalten werden. Eine grosse, friedliche Zukunft ohne Türen und Tore wurde eingeläutet. Und um den Friedensvertrag zu feiern, machten die drei Schweinchen ein grosses Feuer im Garten, indem sie sämtliche Türen des Hauses verbrannten. Und sie tanzten ums Feuer und sangen: «Wer hat Angst vor dem bösen Wolf?»
Die Schweinchen gingen fortan im Haus ungehindert ein und aus. Es war eine fröhliche Zeit voller Übermut. Und man lachte über die Vergangenheit, als man noch aus lauter Angst vor dem bösen Wolf jeweils die Türen verriegelt hatte. Aber nicht nur die Schweinchen gingen ein und aus. Die Kunde vom offenen Haus machte die Runde. Und nach und nach kamen immer mehr Tiere von nah und fern und gingen in dem Haus der Schweinchen ein und aus. Und sie waren alle willkommen. Die Schweinchen waren stolz auf ihr Haus. Sie wurden dafür geliebt und geachtet.
Dann kam ein Gerücht auf. Der Wolf sei wieder zurück im Wald. Während die Gäste tanzten und sangen «Wer hat Angst vor dem bösen Wolf?», diskutierten die drei Schweinchen im Nebenzimmer, was zu ihrer eigenen Sicherheit und derjenigen ihrer Gäste zu tun sei. Und man einigte sich darauf, einen weiteren Vertrag abzuschliessen. Nun schlossen die drei Schweinchen feierlich einen Sicherheitsvertrag. Man gelobte, sich gegenseitig vor dem bösen Wolf zu schützen. Wieder waren alle fröhlich und unbeschwert. Jedes Schweinchen wusste nun, dass die anderen beiden es beschützen würden, sobald der böse Wolf auftauchen sollte.
Und der böse Wolf kam. Aber er kam nicht ins Haus hinein, sondern legte sich draussen im Garten auf die Lauer. Die Schweinchen versteckten sich mit ihren Gästen im Dach des offenen Hauses und berieten, wie mit dieser Bedrohung umzugehen sei. Sie einigten sich darauf, dass der Wolf nicht als Bedrohung, sondern als Partner angesehen werden sollte. Und sie schickten dem Wolf einen Brief, um ihn als neuen Nachbarn zu begrüssen. In diesem Brief berichteten sie ihm - nicht ohne Stolz - von ihrem Schweinchenvertrag mit dem offenen Haus ohne Türen, den vielen Gästen im Haus und dem gegenseitigen schweinischen Schutzpakt und fragten ihn, ob er ihrem Schutzpakt nicht ebenfalls beitreten wolle - als Mitglied ausser Haus sozusagen. In diesem Falle würden sie ihn nämlich bitten, wo er sowieso schon draussen sei, Augen und Ohren offenzuhalten und aufzupassen, dass kein Wolf ins Haus reingehe. Der Wolf versprach, den Eingang des Hauses zu bewachen, verlangte aber sehr viel Geld dafür. Die Schweinchen fanden den Preis für die Überwachung des Eingangs zwar unerhört, aber sie zahlten. Und wenn er sie noch nicht gefressen hat, dann zahlen sie heute noch.