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Opioide sind gemäss Definition ein Sammelbegriff für alle möglichen natürlichen oder künstlichen Stoffe, die morphinartige Eigenschaften aufweisen. Ihr wichtigstes Merkmal ist eine stark schmerzlindernde Wirkung.
Eher eine schmerzsteigernde Wirkung haben die Opioide auf die Executives einiger Versicherungen, glauben die Analysten der Investmentbank Jefferies. Denn das Recht in den USA gibt Süchtigen die Möglichkeit, hohe Schadenersatzforderungen vor Gerichten zu erstreiten, wenn sie sich von den Anbietern falsch informiert fühlen. Die Anbieter wiederum haben sich oft rechtzeitig Versicherungsschutz eingekauft, um für solche Situationen gewappnet zu sein.
Gerichte in den USA haben bei ihrer Urteilsfindung zwei mögliche Richtungen: Sie können sich an den Klagen gegen die Tabakindustrie orientieren. Oder sie können die Fälle gegen die Asbesthersteller als Vorlage nehmen. Wenn die Gerichte den Tabak-Fällen folgen, wäre das für die Versicherungen zwar handhabbar, aber teuer. Die Asbestvariante wäre hingegen für die US-Versicherungsbranche «katastrophal», so die Analysten.
Tabakhersteller waren kaum versichert
Bei den Klagen gegen die Tabakfirmen anerkannten die Gerichte, dass Tabak eine gefährliche Substanz enthielt, die, selbst wenn die Zigaretten völlig korrekt hergestellt wurden, ihre Gefährlichkeit beibehielt. Durch diese argumentative Seitenlinie wurde die Produkthaftpflicht berücksichtigt. Und die Tabakkonzerne wusste um diese Gefahren.
Die Tabakfirmen konnten nicht auf ihre Versicherungen zurückgreifen und diese als Quelle von Entschädigungszahlungen heranziehen, nachdem sie gemäss richterlicher Argumentation jahrzehntelang vom Verkauf gefährlicher und potenziell tödlicher Stoffe an Kunden profitiert hatten.
Umgekehrt hatte sich die Situation bei den Asbestfällen präsentiert: Die Kosten der dadurch bewirkten schweren Erkrankungen trugen zunächst die Produkthersteller (weil sie ein toxisches Produkt hergestellt hatten) und die Arbeitgeber (weil sie ihre Angestellten einem potenziell tödlichen Stoff ausgesetzt hatten). Obwohl ursprünglich niemand um die Gefährlichkeit dieses Stoffes für die menschliche Gesundheit wusste, wurden die Kosten schlussendlich von Versicherungen getragen (mit hässlichen Konsequenzen für Lloyd’s).
Eher die Tabakvariante
Es werden letztlich die Gerichte in den USA bestimmen, wer die Kosten der Opioide-Epidemie zu tragen hat. Bei der Tabakvariante würden zwar hohe, aber verkraftbare Entschädigungszahlungen auf die Hersteller und die für die Verschreibung zuständigen Instanzen zukommen. Bei der Asbestvariante wären die Auszahlungen durch die Versicherungen viel höher.
Allerdings gibt es noch weitere Komplikationen: Es zeichnen sich bereits erste Klagen von den Anwälten von Geschädigten ab, die «das Beste aus beiden Welten» kombinieren, das heisst, die Situation als «Unfall» darstellen möchten. Dann wären hohe Zahlungen von den Herstellern und den Versicherungsgesellschaften fällig. Und es stellt sich auch die Frage, ob und welche Limiten bei den Versicherungspolicen zur Anwendung gelangen. Bei den Tabakfällen lag die tatsächliche Grenze unter der potenziell erreichbaren Limite. Tabakfirmen hätten sich eine Erhöhung der Limiten vor den Gerichten in weiteren teuren und langwierigen Prozessen gegen die Versicherungen erstreiten müssen.
Aber auch in diesem Szenario gibt es aus Sicht von Versicherungen weitere Wege: Sie könnten die Regelung der Fälle selber vornehmen; die Hersteller, die dann weiterhin in der Verantwortung gegenüber den geschädigten Kunden stehen, wären dann weiterhin von den Versicherungen abhängig.