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Europarat will Blatters Wiederwahl untersuchen
Joseph Blatter. (Keystone)
Der Europarat wurde 1949 gegründet und ist damit die älteste zwischenstaatliche Organisation in Europa. Oft wird er mit der Europäischen Union verwechselt, deren Parlamentssitz ebenfalls in Strassburg ist.
Der Europarat zählt 47 Mitgliedstaaten. Damit sind in der Organisation im Vergleich zur EU fast doppelt so viele europäische Staaten vertreten - auch Russland, die Türkei, die Ukraine und die Schweiz.
Wichtigste Ziele des Europarats sind der Schutz der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit.
Fifa-Präsident Joseph Blatter ist bei einer Debatte im Strassburger Europarat heftig in die Kritik geraten. Dabei ging es gleich um mehrere Vorwürfe der Korruption. So wurde der Fussball-Weltverband zur Untersuchung eines möglichen Stimmenkaufs bei der Wiederwahl von Blatter aufgefordert.
Geklärt werden soll, ob der Walliser seine Position dazu ausgenutzt habe, «unfaire Vorteile für sich oder für abstimmende Personen» zu erlangen, hiess es in einer Entschliessung über Ethik im Sport. Sie wurde von der parlamentarischen Versammlung der 47 Europaratsländer fast einstimmig angenommen. Blatter ist seit 1998 Fifa-Chef und war im vergangenen Jahr für vier weitere Jahre wiedergewählt worden.
ISMM-Pleite soll aufgeklärt werden
Gleichzeitig soll die Fifa nach dem Willen des Europarates Klarheit schaffen über die Korruptionsaffäre um das 2001 in Konkurs gegangene Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL. «Die Führung der Fifa und ihr Präsident haben nicht viel getan, um die Schuldigen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen», sagte der Berichterstatter der Versammlung, der konservative Franzose François Rochebloine. Er habe im Gegenteil den Eindruck, dass bei der Fifa «eine Art Gesetz des Schweigens verhängt wurde».
Rochebloines Vorwürfe gehen zurück auf eine Anhörung des Kulturausschusses des Europarates mit dem für die Affäre zuständigen Schweizer Sonderermittler Thomas Hildbrand im März dieses Jahres. Zwischen 1989 und 1998 wurden nach Angaben Hildbrands etwa 122 Millionen Schweizer Franken Bestechungsgelder an Sportfunktionäre in Verbindung mit den Fernseh-und Marketingrechten gezahlt. Weitere 37,4 Millionen Schweizer Franken seien an unbekannte Personen zwischen Juni 1999 und Januar 2001 geflossen.
Beträchtlicher Schaden für die Fifa?
Namen nannte Hildbrand aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht. Konkret erwähnte er zwei hochrangige Fifa-Funktionäre, von denen einer noch im Amt sei. Sie hätten Millionenbeträge kassiert, sich persönlich bereichert und das Geld nicht an die Fifa weitergeleitet, was ihre Pflicht gewesen wäre. Dem Weltverband sei dadurch ein beträchtlicher Schaden entstanden.
Die Macht des Europarates und speziell der parlamentarischen Versammlung ist generell bescheiden, Rochebloine hofft aber auf die Mitarbeit von Ministerien und Regierungen. (ank, dpa)
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