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Über den Autor
René Zeyer
René Zeyer (1955) ist Publizist, Bestsellerautor («Bank, Banker, Bankrott») und Kommunikationsberater. Er lebt in Zürich und Havanna.
René Zeyer (1955) ist Publizist, Bestsellerautor («Bank, Banker, Bankrott») und Kommunikationsberater. Er lebt in Zürich und Havanna.
Für den US-Präsidenten Donald Trump sind Handelskriege «gut und leicht zu gewinnen». Andere sehen dabei nur Verlierer. Wer hat recht?
Handelskriege werden normalerweise ohne den Einsatz von Massenvernichtungswaffen geführt. Es wird also nicht geschossen, gebombt oder gemetzelt. Handelskriege werfen zuerst lange Schatten voraus. So hat die Börse von Shanghai in den letzten Wochen 15 Prozent des Handelswerts verloren, ein paar hundert Milliarden Dollar.
Anleger sind verunsichert, weil der US-Präsident Donald Trump Strafabgaben auf chinesische Waren angekündigt hat. Ab vergangenem Freitag werden Sonderzölle von 34 Milliarden Dollar auf chinesische Importe erhoben. Das bedeutet, dass Fertigwaren aus China für den Konsumenten in den USA teurer werden, US-Produkte, die Bestandteile aus China enthalten, werden ebenfalls teurer. China hat bereits Gegenmassnahmen angekündigt, Trump droht für diesen Fall mit weiteren Zöllen gleich in der Höhe von 200 Milliarden Dollar.
Eine ähnliche Politik betreibt Trump gegenüber Kanada, der Europäischen Union und auch der Schweiz. Warum macht er das, wieso findet er das gut, was würde es bedeuten, wenn er «gewinnt»? Dafür muss man zunächst verstehen, was Zölle sind. Alle Länder der Welt erheben sie. Sie sind willkommene Einnahmen des Staates, zudem sollen sie einheimische Produzenten vor der Konkurrenz aus dem Ausland schützen. So wären beispielsweise die Schweizer Bauern ohne Subventionen und hohe Zölle auf Lebensmittelimporte nicht überlebensfähig. Das widerspricht eigentlich der Grundidee der freien Marktwirtschaft, dass Produkte dort hergestellt werden, wo die Produktion am billigsten ist. Im Rahmen der Globalisierung kann das irgendwo auf der Welt sein, der Containerschifffahrt sei Dank.
Da Zollschranken Handelshemmnisse darstellen, sind in den vergangenen Jahrzehnten viele dieser Hürden gefallen oder gesenkt worden. So erhebt beispielsweise die EU im Schnitt 5,2 Prozent Einfuhrzoll auf US-Produkte, die USA hingegen nur 3,5 Prozent auf EU-Waren. China erhebt sogar fast 10 Prozent Zoll auf US-Importe. Beim wichtigen Handelsprodukt Auto sind die Unterschiede noch deutlicher: Die USA erheben auf den Import lediglich 2 Prozent Zoll, die EU 10 Prozent und China ganze 25 Prozent. Trump hat also durchaus recht, wenn er das als ungerecht kritisiert.
Ausserdem beschwert sich Trump darüber, dass die USA ein hohes Leistungsbilanzdefizit haben. Alleine im ersten Quartal 2018 importierten die USA für 124 Milliarden Dollar mehr Waren und Dienstleistungen, als sie exportierten. Mit Abstand an erster Stelle steht bei diesem Vergleich China; im Jahr 2016 betrug das Defizit im Handel fast 350 Milliarden Dollar. Trump hat also auch recht, wenn er Ungleichgewichte kritisiert. Wobei diese Zahl mit Vorsicht zu geniessen ist. Wird beispielsweise ein iPhone in China auch mit US-Komponenten zusammengeschraubt, wird der gesamte Wert als Import aus China gezählt. Die Schweiz liefert für 36 Milliarden Franken in die USA, importiert aus dem zweitwichtigsten Exportpartner aber nur für 21 Milliarden im Jahr 2017. Ist ein solches Defizit der USA nun gut oder schlecht?
Trump behauptet, dass ungerechte Zölle und diese Leistungsbilanzdefizite dazu führten, dass weniger Produkte in den USA hergestellt werden, Arbeitsplätze verloren gehen und das Ausland zu viel im grössten Binnenmarkt der Welt verdient, ohne dass die USA durch Arbeitsplätze, Steuern und Know-how davon profitieren. Diese Ungerechtigkeiten müssten beseitigt werden, auch ausländische Firmen müssten mehr in den USA produzieren und weniger in die USA exportieren. Um sie dazu zu verleiten, erhebe er Einfuhrzölle und löse damit viele Probleme der USA. Damit liegt Trump aber völlig falsch. Und zwar in jedem Punkt:
In den USA kann man bei der niedrigsten Arbeitslosenquote seit Jahrzehnten aktuell beinahe von Vollbeschäftigung sprechen. Es ist also gar nicht dringend nötig, mehr Arbeitsplätze zu schaffen.
Arbeitsplätze im sogenannten Rust Belt, also dort, wo früher die US-Stahl- und Autoindustrie florierte, könnten zwar mit prohibitiven Zöllen auf Stahl- und Autoimporte geschaffen werden. Da diese Industrien aber eingegangen oder deutlich reduziert wurden, weil sie nicht mehr konkurrenzfähig waren, wäre das ein Rück- und kein Fortschritt.
Eine neue Zollschranke tut immer dem Exporteur weh und schützt den einheimischen Hersteller. Aber dafür zahlt der Konsument mit höheren Preisen die Zeche, auch der Produzent muss seine Güter verteuern, wenn er zur Herstellung mit neuen Zöllen belegte Produkte verwendet.
Ein Handelskrieg besteht wie jeder Krieg aus Aktion und Reaktion. Alle von den US-Strafzöllen betroffenen Länder haben Gegenzölle bereits erhoben oder angekündigt. Auch darunter leiden US-Firmen, wie das Beispiel der Traditionsmarke Harley Davidson zeigt.
Die wichtigste Frage ist: Wo wird dieser Handelskrieg enden? Wir sprechen inzwischen von einer Weltwirtschaft, in der riesige Warenströme zwischen den USA, China, Europa und Japan fliessen, um nur die wichtigsten Akteure zu nennen. Werden immer massivere Zollschranken erhoben, könnte dieser Warenaustausch zwar nicht zum Erliegen kommen, aber massiv verringert werden. Exportorientierte Länder wie China, Deutschland, aber auch die Schweiz bekämen massive wirtschaftliche Probleme. Gleichzeitig würden sich viele Produkte verteuern, da sie nicht mehr am billigsten Ort hergestellt werden. Weniger Kaufkraft, teurere Produkte, Krise, Weltkrise, Unruhen, Verteilungskämpfe, Weltkrieg. So sieht das schlimmstmögliche Szenario aus.
Oder aber, Trump gibt sich mit Verbesserungen der Zollsituation zufrieden und fährt sowohl seine Rhetorik wie auch die Strafzölle wieder hinunter. Dann hätte er einen guten Deal gemacht; alleine mit der Drohung eines echten Handelskriegs bereits den Krieg gewonnen. Nun ist Trump leider dafür bekannt, dass er als Geschäftsmann schon mehrfach fast bankrott war, weil er immer wieder schlechte Deals abschloss, die aber mit grossem Getöse als Erfolg verkaufte. Es ist zu hoffen, dass er das bei diesem beginnenden Handelskrieg auch tut, bevor er tatsächlich die Weltwirtschaft ins Chaos reisst. In dem es, nicht einmal für die Schweiz, nirgendwo Neutralität gäbe.
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