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Amoralisches Management
Moralische Fragen sind oft mühsam, heikel und komplex. Wäre es nicht besser, diese aus Managementaufgaben auszuklammern? Das sagt die Forschung dazu.
Moralische Entscheidungen im Business: Führungskräfte nehmen hier eine Vorbildsfunktion ein. (Bild: iStock)
Theoretisch gibt es für das Management drei Möglichkeiten, mit Moral umzugehen.
- Erstens: Es versucht, bestimmte moralische Werte und Normen umzusetzen. Dann sprechen wir von moralischem Management.
- Zweitens: Im Management wird gegen moralische Werte und Normen verstossen, etwa indem Manager lügen, betrügen und einander über den Tisch ziehen. Das nennen wir unmoralisches Management.
- Die dritte Variante ist, moralische Werte und Normen auszublenden und Management als rein technisches Handwerk zu verstehen. Das können wir als amoralisches Management bezeichnen.
Konsequenzen fehlender Unternehmensethik
Doch was passiert, wenn Führungspersonen moralische Werte und Normen aus ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Agenda und ihrem Programm streichen?
Dieser Frage ging ein Forschungstrio dreier verschiedener US-amerikanischer Universitäten nach. Dazu führte das Team drei Studien durch. Eine erste, um Skalen zur Messung von amoralischem Management zu definieren. In einer zweiten wurden Führungspersonen und ihre Unterstellten befragt und in einer dritten wurde die zeitverschobene Wirkung analysiert. Dabei stachen zwei Erkenntnisse heraus:
- Je amoralischer eine Führungsperson handelt, desto geringer ist das moralische Engagement ihrer Mitarbeitenden und desto ausgeprägter deren unmoralisches Verhalten.
- Je moralischer die Führungskultur ist, desto ausgeprägter ist der negative Effekt von amoralischen Führungspersonen auf das moralische Engagement und in der Folge auf das moralische Verhalten der Mitarbeitenden.
Vorbildsfunktion von Führungskräften
Für die Praxis lässt sich folgern:
- Mitarbeitende orientieren sich in ihrem Verhalten an jenem der Vorgesetzten. Je amoralischer diese sind, desto unmoralischer handeln ihre Unterstellten.
- Die Vorbildwirkung der Vorgesetzten ist stärker als die Führungskultur, zumindest im Bereich des moralischen Handelns. In Analogie zu Peter Druckers «Culture eats Strategy for Breakfast» kann man formulieren «A Leader eats Culture for Breakfast».
- Amoralisches Management kostet in Form von Betrug, Diebstahl, Fälschungen, Konflikten und Indiskretionen. Deshalb lohnt es sich, in Massnahmen zu moralischem Management zu investieren.
Moralische Fragen aus dem Management auszuklammern, kann nicht nur teuer werden, letztlich ist es auch illusorisch. Unternehmen sind keine Naturprodukte, sondern wurden von Menschen mit deren Vorstellungen des Guten, Gerechten und Vernünftigen geschaffen. Damit sind moralische Motivationen und das Grundbedürfnis verbunden, in moralisch gutem Licht dazustehen.
Quelle:
Quade, M.J., Bonner, J.M. & Greenbaum, R.L. (2022). Management without morals: Construct development and initial testing of amoral management. Human Relations, 75(2), 273-303.
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