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Am 2. Januar 1686 in Biberach als Sohn des Bäckers Wihelm Ströbele und der Katharina Mayer geboren, erhält er den Taufnamen Balthasar. Er hat vier Schwestern und einen Bruder. Dieser, 1681 geboren, tritt später ins Kloster Weissenau ein und wird dort Prior. Balthasar Ströbele legt 1703 die ewigen Gelübde im Kloster Schussenried ab und nimmt den Klosternamen Didakus an. Er erhält eine vertiefte theologische Ausbildung in Dillingen und ist um 1709 wieder in seinem Heimatkloster. 1710 wird er in Konstanz zum Priester geweiht. Als Nachfolger von Abt Innozenz Schmid wählt in der Konvent, in dem 27 Chorherren wahlberechtigt sind, in einer knappen Entscheidung am 3. Oktober 1719 zum 19. Abt von Schussenried. Er kann eine Abtei übernehmen, die auf gute Einkünfte verfügt und keine Schulden hat. Ihm verdankt Schussenried die weitere Ausstattung der Stiftskirche mit Altären, einem neuen Orgelgehäuse mit Umgestaltung der Empore, aber auch mit wertvollen Paramenten und Goldschmiedearbeiten aus Augsburg. Mit dem Vorarlberger Klosterbaumeister Michael Moor II (1682−1732) baut er die Kirchen in Attenweiler, Eggmannsried, Untereggatsweiler, restauriert die Kirche in Stafflangen und baut auch ein Pfarrhaus in Attenweiler. Die Nachwelt verdankt ihm das Juwel der Wallfahrtskirche von Steinhausen. Hier ist die Kirche wegen der nach dem Dreissigjährigen Krieg von Schussenried geförderten Wallfahrt zum Gnadenbild der «Schmerzhaften Muttergottes auf der Saul» dem Ansturm nicht mehr gewachsen. Abt Didakus nimmt 1727 mit dem im nahen Siessen am Bau der Dominikanerinnen-Klosterkirche tätigen Baumeister-Stuckateur Dominik Zimmermann Kontakt auf. Der Schussenriedener Abt erhält sehr schnell «ein feines Rissel», wie er den ersten Entwurf nennt. Vom Konvent werden 9 000 Gulden für den Neubau bewilligt, obwohl Zimmermann schon nach Fundationsbeginn 1728 einen Voranschlag von 12 000 Gulden vorlegt.[1] Dies genügt aber bei weitem nicht, die Wallfahrtskirche kostet bis zur Einweihung 1733 über 43 000 Gulden. Schussenried gerät deswegen nicht in Not, obwohl der Grosskellerer P. Vinzenz Rodenbach es so formuliert: Während die Handwerker und Arbeiter in Steinhausen ihre Geldbeutel füllen, wird derjenige des Klosters umso mehr geleert und es sind, wie man zu sagen pflegt, dem Klosterhund so ziemlich alle Haare ausgefallen.[2] Er sieht dies sicher richtig, denn, wie er vorgängig bemerkt, ist eben dies unter anderem auch Absicht des gutherzigen Abtes Didakus, der damit seinen etwas verarmten Untertanen unter die Arme greifen will.[3] Diese Sicht und auch die grossen Einnahmen aus der Wallfahrt werden bei der überraschenden Visitation des Roter Abtes Hermann Vogler in seiner Funktion als Generalvikar nicht berücksichtigt. Die Visitation, zu denen auch die Äbte von Weissenau und Marchtal dazustossen, dauert vom 9. Dezember 1732 bis zum 21. Januar 1733. Abt Didakus wird gezwungen, wegen mangelnder Klosterdisziplin[4] zu resignieren. Es ist die vierte erzwungene Resignation in Schussenried seit 1621. Die Kircheneinweihung am 5. Mai 1733 in Steinhausen findet ohne den verdienstvollen Abt statt. Didakus Ströbele wird sofort nach Marchtal gebracht, anschliessend verbringt er zwei Jahre im Prämonstratenserkloster Allerheiligen im Schwarzwald, um dann bis zu seinem Tod am 5. September 1748 im lothringischen Wadgassen[5] zu bleiben.
1722 lässt sich er sich mit 36 Jahren portraitieren. Das Ölbild zeigt den jugendlich wirkenden Abt, barhäuptig, ohne Krummstab, in der Rechten hält er ein Kreuz, in der linken ein Gebetbuch, auf dem Tisch liegt eine Taschenuhr und eine Art Rosenkranz mit Ring und angehängtem Kreuz. Das Wappen des Abtes ist zweigeteilt: Oben ein goldener Stern auf Blau, unten auf Rot drei silberne Blumen auf Dreiberg.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Kasper, Alfons: Das Prämonstratenser-Stift Schussenried, Teil 1 und 2, Schussenried 1960.
Kaufmann, Karl: Die Äbte des Prämonstratenser-Reichsstifts Schussenried 1404–1803, Schussenried 1985.
Anmerkungen:
[2] «Da indessen aber dergleichen arbeither hierbey ihre beuttel anspickten, wurde des Gotteshauses der seinig umb so mehrers gelärt undt giengen (wie man zue sagen pflegt) dem damahligen CLosterhundt die haar zimblicher massen auss.»
[3] «und eben dises ware under anderem auch ein absehen des guetherzigen Abbtens Diddaci, damit Er nemblich seinen etwan erarmten unterthanen under die armb griffe»
[4] Aus den Ordensannalen des Abtes Charles Louis Hugo von Etival: «Da er sich mit seinem persönlichen Charakter als nicht geeignet genug erwies und bei anderen ein allzu lockeres Leben zuliess, wurde er gezwungen, am 15. Januar 1733 sein Prälatenamt aufzugeben.»
[5] Heute Saarland (D). Die Prämonstratenserabtei wird 1792 von der Revolutionsregierung aufgehoben. Sie ist heute zerstört.
|Didakus Ströbele (1686−1748), Abt in Schussenried 1719–1733|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|18. März 1686||Biberach Baden-Württemberg D||Reichsstadt Biberach|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Pämonstratenser-Reichsabtei Schussenried||1719–1733|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|5. Dezember 1748||Wadgassen Saarland D||Grafschaft Nassau-Saarbrücken|
|Kurzbiografie|

Didakus Ströbele wird mit 33 Jahren Abt in Schussenried. Er ist der erste Abt der reichen Prämonstratenserabtei, der wirklich vom barocken «Bauwurmb» befallen ist. Mit Dominikus Zimmermann baut er das Juwel der Wallfahrtskirche Steinhausen, mit Michael Moor erstellt er neue Kirchen im Herrschaftsgebiet der Abtei und setzt gleichzeitig die Barockisierung der Klosterkirche fort. Völlig ausser Rand und Band gerät die Strafaktion, die wegen mangelnder Disziplin in Schussenried vom inquisitorischen Visitator, dem Abt Hermann Vogler von Rot an der Rot, 1732 begonnen wird. Der verdienstvolle Abt wird zur Resignation gezwungen und stirbt in der Verbannung im lothringischen Wadgassen.
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