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EIN FLUSS UND EIN GLETSCHER
Freiburg in der Eiszeit
Spuren eines alten Flusses
Was sehen Sie? Gerundete Kieselsteine, die manchmal wie Dachziegel übereinander liegen, und Sand mit einer schrägen Schichtung.
Dies sind die Ablagerungen eines Flusses, der Gesteinsfragmente rollte und polierte, bis daraus Kieselsteine wurden. Die Strömung drehte sie so lange, bis sie eine stabile Position erreichten. Zwischen den Steinen, wo die Kraft des Wassers geringer war, oder wenn sich die Strömung verlangsamte, lagerte sich Sand ab. Die schräge Schichtung entstand durch kleine Veränderungen der Strömungsgeschwindigkeit und zeigt die Fliessrichtung an. Die gleichen Phänomene kann man auf den Sand- und Kieselbänken der Saane beobachten.
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Kieselsteine und Sand am Ufer der Saane
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Fluvioglaziale Kieselsteine und Sand im Aufschluss
Forno-Gletscher (GR)
Eine fluvioglaziale Landschaft
Die Kieselsteine setzen sich vor allem aus Kalkstein zusammen, aber auch aus anderen Gesteinstypen, die alle aus den Voralpen oder den Alpen stammen. Ein Holzstück, welches in äquivalenten Sedimenten gefunden wurde, konnte mittels Kohlenstoff-14 datiert werden und ergibt ein Alter von 55’000 Jahren. Damals stiess eine Zunge des Rhone-Gletschers bis ins Freiburgerland vor. Im Vorfeld entwickelte sich eine weite Schwemmebene, welche von zahlreichen Flussläufen durchzogen wurde. In Island werden solche Schwemmebenen „Sandur“ genannt, und dieser Begriff gehört nun zum wissenschaftlichen Vokabular.
Unser Aufschluss ist Zeuge dieses Systems von Gletscher und Flüssen (daher der Name fluvioglazial). Der Gletscher erodierte die Bergflanken, transportierte Gesteinsfragmente auf seinem Rücken und in seinem Eis und übergab sie dann den Flüssen, welche sie weiter spülten und rundeten. Die heutige Saane-Schlucht war noch nicht eingeschnitten und die fluvioglaziale Ebene bedeckte einen grossen Teil der Region Freiburg.
Moräne, erratische Blöcke und Boden
Als der Gletscher seine grösste Ausdehnung während der letzten Eiszeit erreichte (vor etwa 21’000 Jahren), überdeckte er den Sandur. Damals war das Eis über unserem Aufschluss rund 350 Meter dick. Vor ungefähr 17’000 Jahren zog sich der Gletscher zurück und liess die Moräne zurück, die heute die Landschaft bedeckt. Dazu kommen die erratischen Blöcke, welche man entlang des Weges beobachten kann (ungefähr 200 Schritte in Richtung der Stadt Freiburg). Die Zusammensetzung der Granite und Gneisse gleicht der des Mont Blanc Massivs, jene der Konglomerate derjenigen des Mont Pèlerin.
Mit der Klimaerwärmung am Ende der Eiszeit kam die Vegetation. Wurzeln durchdrangen das unterliegende Sediment und zerstörten teilweise die ursprünglichen Strukturen. Einsickerndes Wasser und die Tätigkeit von Mikroben wandelten die Gesteine und die Mineralien um. Diese Prozesse der Pedogenese führten zur Bildung von Boden, was durch die Braunfärbung des Aufschlusses erkennbar ist.
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Granit
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Konglomerat
Frage 1
In welcher Richtung floss der Fluss, der die Kiesel und den Sand hier im Aufschluss ablagerte?
Die Übereinanderlagerung der Kieselsteine und die Schrägschichtung im Sand zeigen eine Strömungsrichtung von rechts nach links an, gegen Westen, im Gegensatz zur generellen Fliessrichtung der heutigen Saane. Weil aber die Flusskanäle auf der fluvioglazialen Schwemmebene Mäander bildeten, weisen die Strömungsrichtungen eine breite Streuung auf.
Frage 2
Welche Fauna spazierte auf dem Sandur?
- Dinosaurier
- Mammuts
- Eidechsen
In der Kiesgrube von Wittenbach (westlich Düdingen), in ähnlichen Sedimenten wie hier, wurde 1995 der Stosszahn eines Mammuts gefunden. Sein Alter beträgt 45'000 Jahre. Mammuts waren demnach ein Bestandteil der Fauna dieser fluvioglazialen Landschaft.
Frage 3
Wie kamen die erratischen Blöcke vom Mont Blanc und vom Mont Pèlerin bis hierher?
Auf dem Rücken des Gletschers. Als das Mont Blanc Massiv durch den Rhone-Gletscher erodiert wurden, fielen grosse Felsbrocken aus Granit und Gneiss auf den Gletscher. Dieser stiess in Richtung Freiburg vor und nahm im Vorübergehen noch Blöcke vom Mont Pèlerin mit. Als das Eis schmolz, blieb das Gesteinsmaterial zurück.
Texte und Fotos: Prof. André Strasser
Illustrationen: rmgdesign