Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03214.jsonl.gz/2308

Zielsetzung
Die folgenden Richtlinien wurden vom Verband der Zürcher Gerichtsdolmetscher und -übersetzer VZGDÜ erarbeitet.
Gesetzliche Grundlagen
Die gesetzliche Grundlage für das Dolmetscher- und Übersetzungswesen im Kanton Zürich (für kantonale Gerichts- und Verwaltungsbehörden) bilden die Dolmetscherverordnung (DolmV) vom 26./27. November 2003 (kantonalzürcherische Loseblattsammlung 211.17) sowie das Reglement der Fachgruppe Dolmetscher- und Übersetzungswesen vom 18. Februar 2004, die beide via Internet (www.obergericht-zh.ch/Formulare und Merkblätter/Dolmetscherwesen) heruntergeladen werden können. Dort finden sich Hinweise betreffend die Voraussetzungen für die Aufnahme ins Dolmetscherverzeichnis (§ 10 DolmV), das Aufnahmeverfahren (§ 9 DolmV), Rechte und Pflichten der Dolmetscherinnen und Übersetzer sowie die Entschädigung (§§ 16 ff. DolmV mit Anhang).
Verdolmetschung
Es wird eine vollständige, getreue Verdolmetschung angestrebt. Dies ist eine sehr schwierige Aufgabe, denn sie erfordert eine genaue Wiedergabe des Gesagten, die zugleich dessen Sinn fassbar macht (z.B. bildhafte Ausdrücke oder Sprichwörter). Wirre und mehrdeutige Aussagen sollen auch in der Verdolmetschung als solche wiedergegeben werden. Es ist nicht Aufgabe des Dolmetschers, die Aussage zu glätten. Auch eine ungeordnete, widersprüchliche Haltung des Beschuldigten/Zeugen oder Opfers soll zum Ausdruck kommen. Der Dolmetscher, aber auch die Richterin oder die Polizeibeamtin sollen nicht denken, die Verdolmetschung sei unzulänglich, wenn ihr Inhalt zunächst konfus erscheint. Der Dolmetscher darf eine Erklärung mitliefern, wenn dadurch der Sinn einer Aussage verständlicher wird. Er darf auch darauf hinweisen, dass etwas unübersetzbar ist. Schliesslich ist auch ein Blick in ein Wörterbuch gestattet. Es ist aber letztlich Aufgabe jener Person, welche die Befragung/Verhandlung führt, bei Unklarheiten zurückzufragen und andere, allenfalls klarere Fragen zu stellen.
Geduld
Gerichtsverhandlungen und Befragungen dauern mit fremdsprachigen Personen länger. Dies ist bei der Terminplanung, wie auch während der Befragung zu berücksichtigen. Zeitraubende zusätzliche Fragen oder Erläuterungen einerseits, bzw. kultur- oder kontextbedingte Ausführungen andrerseits, sind manchmal nicht zu vermeiden.
Direkte Rede
Der Richter, die Staatsanwältin, der Polizeibeamte oder die Jugendanwältin sprechen direkt zur Beschuldigten/Zeugin oder Auskunftsperson. Sie haben mit den fremdsprachigen Gesprächsbeteiligten Augenkontakt. Die Frage lautet: "Waren Sie am Samstag in Basel?" und nicht mit Blick auf die Dolmetscherin: "Fragen Sie den Beschuldigten, ob er am Samstag in Basel war". Diese direkte Rede gilt auch für die Antwort des Beschuldigten, Zeugen oder Opfers. Die Dolmetscherin antwortet: "Ich war am Samstag nicht in Basel", und nicht "der Beschuldigte sagt, er sei am Samstag nicht in Basel gewesen".
Grösse der Übersetzungseinheiten
Der Umfang der jeweils zu übersetzenden Einheit wird in erster Linie dem Rederhythmus der Gesprächsbeteiligten angepasst. Um immer eine vollständige Wiedergabe zu garantieren, kann der Dolmetscher längere Passagen der fremdsprachigen wie auch der Justizperson entsprechend seiner eigenen Merkfähigkeit unterbrechen. Es ist jedoch nicht Aufgabe des Dolmetschers, die befragte Person zu inhaltlicher Kürze aufzufordern.
Unparteilichkeit
Die Dolmetscherin ergreift in keinem Fall Partei. Selbst wenn der Beschuldigte ein Landsmann der Dolmetscherin ist, ist es nicht ihre Aufgabe, auf ihn einzuwirken. Die Dolmetscherin ist eine unparteiische Teilnehmerin der Gerichtsverhandlung bzw. Befragung, mit der Funktion, deren Ablauf genau und zuverlässig wiederzugeben. Die Dolmetscherin gibt während der Verhandlungen keine persönlichen Kommentare ab und sie soll auch nicht dazu aufgefordert werden. Dolmetscherinnen treten in den Ausstand, wenn sie durch die Annahme oder Fortführung eines Auftrages in einen Gewissenskonflikt geraten oder sich befangen fühlen.
Feedback
Die Dolmetscher (insbesondere die Neueren) erhalten nach der Verhandlung ein kurzes Feedback über ihre Dolmetschleistung. Gegebenenfalls erhalten sie Musterverfügungen, Urteilsdispositive, o.ä. zu Übungszwecken.
Warteraum
Es wird darauf geachtet, dass sich die Dolmetscherinnen vor den Sitzungszimmern und Gerichtssälen nicht in Gespräche mit den Parteien verwickeln lassen müssen.
Schweigepflicht
Dolmetscher geben keine Informationen über Personen, Firmen, Institutionen etc. und keine Unterlagen, die sie bekommen haben, weiter (Art. 320 des Strafgesetzbuches: Amtsgeheimnis).
Befähigung
Die Gerichtsdolmetscherinnen nehmen nur Aufträge an, für welche sie die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen und die sie auf hohem Niveau ausführen können. Die Dolmetscherinnen sind für die Richtigkeit ihrer mündlichen und schriftlichen Übersetzungen verantwortlich und berichtigen allfällige Fehler sofort (z.B. ein akustisch bedingtes Missverständnis).
Persönliche Erfüllungspflicht
Ist der Dolmetscher nicht in der Lage, einen Auftrag anzunehmen, darf er einen Kollegen weiterempfehlen. Der Dolmetscher nimmt keine Aufträge an und gibt sie dann – ohne vorherige Rücksprache mit dem Auftraggeber – einer anderen Dolmetscherin weiter.
Bestätigung
Der Auftrag wird vom Auftraggeber schriftlich bestätigt, vorzugsweise mit der Angabe der geplanten Einsatzdauer und der der Dolmetscherin geschuldeten Ausfallentschädigung im Falle der Annullierung des Auftrags. Alle für den Auftrag relevanten Unterlagen (z.B. Anklageschriften) werden der Bestätigung beigelegt.