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«Münstertaler Murmeltiere pfeifen höher als Kientaler»
Pro Natura Magazin: Sie haben Münstertaler Murmeltiere mit Murmeltieren aus dem Kiental verglichen. Erkennen Sie von blossem Ohr, wer pfeift?
Sarah Marmorosch: Ja, bei den meisten Pfiffen ist dies gut möglich. Die Frequenz, also die Tonhöhe, ist im Münstertal deutlich höher als im Kiental. Das können auch Sie heraushören.
Wie sind Sie darauf gekommen, Murmeltierdialekte zu untersuchen?
Ich war schon immer ein grosser Fan von Murmeltieren und es war für mich rasch klar, dass ich für meine Maturaarbeit etwas im Fach Biologie mit diesen Tieren machen wollte. Dann bin ich auf das Thema Dialekte bei Tieren gestossen, das bislang vor allem für Singvögel erforscht ist. Über Dialekte bei Säugetieren ist erst sehr wenig Forschung betrieben worden.
Und dann sind Sie mit einem Aufnahmegerät in die Berge gefahren?
Ja. Ich habe ein Mikrofon mitgenommen und tagelang Warnrufe aufgezeichnet. Sowohl Einzelpfiffe als auch Pfiffserien. Zu Hause habe ich die Aufnahmen am Computer analysiert und statistisch ausgewertet.
Wie oft pfeifen Murmeltiere am Tag?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gab Tage, an denen ich nur zwei Warnrufe aufgenommen habe, an anderen bis zu zehn. Warum das so ist, wäre spannend zu erforschen. Ich habe etwa Unterschiede je nach Population bemerkt. Im Münstertal hatte ich rasch viele Aufnahmen, im Kiental ging es halbwegs gut und auf der Oldenalp im Berner Oberland, wo ich es ebenfalls mehrere Tage lang versucht habe, war ich leider erfolglos.
Versteht ein Murmeltier aus dem Kiental eines aus dem Münstertal?
(lacht) Das ist eine wichtige Frage und es wäre sehr interessant, hier weiterzuforschen. Ich denke da an ein sogenanntes Playback-Experiment, bei dem man die Warnrufe der einen Population der anderen vorspielt und die Reaktionen beobachtet.
Die Münstertaler Murmeli pfeifen in einer höheren Frequenz als die Kientaler. Gibt es weitere Unterschiede?
Bei den Pfiffserien, also jenen Pfiffen, die aus mehreren Schreien bestehen, ist der erste Schrei in der Serie im Münstertal deutlich länger.
Dieser Artikel wurde im Pro Natura Magazin publiziert.
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