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In Deutschland wird heftig debattiert, ob auch ein gross geschriebenes Eszett eingeführt werden soll.
Tatsächlich: Der antiquierte Konsonanten-Buchstabe ß – zur bildlichen Darstellung des stimmlosen s-Lautes; in der Schweiz und Liechtenstein vor bald 100 Jahren abgeschafft – ist der einzige Buchstabe Deutschlands, den es nicht auch als «Großbuchstabe» gibt.
Dies beschert deutschen Intellektuellen das Problem, dass sie in den seltenen Fällen von Versal-Schreibung (es muss dann SS geschrieben werden, da es ß ja eben gross nicht gibt) nicht wissen, was gemeint ist, wie man es ausspricht und ob man in Normalschrift dafür nun ß oder ss verwendet. Als Beispiel führt der Duden hier auf:
• DIE MASSE EINES MAGERSÜCHTIGEN MODELS (Maße oder Masse?) • BARBARA HEUSS (Heuß oder Heuss?).
Eigentlich alles kein Problem, sieht das Regelwerk doch vor, dass in solchen Fällen SZ geschrieben werden darf (MASZSTAB 1 : 50). Doch weil auch das noch unklar sein könnte (Duden: Keszler oder Keßler), haben findige Köpfe nun ein grosses Eszett entworfen. Es gibt sogar bereits eine ISO-Norm dafür (internationale Zeichensätze ISO-10646 und Unicode 5.1).
Seither sind Blogs und Leserbriefspalten voll mit einer überaus emotional geführten Debatte zum «scharfen S». Dabei werden alle alten Argumente, die schon beim Eszett-Wegfall nach kurzem Vokal (daß wurde zu dass) anlässlich der letzten Rechtschreibreform ins (Sprachschlacht-)Feld geführt wurden, wieder aufgewärmt.