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Auf seinem Bio-Betrieb in Grindelwald melkt Bruno Appert 85 Milchschafe der Rasse Lacaune. Er ist einer von wenigen, die die Lämmer muttergebunden aufziehen. Für ihn ist klar, dass sich dieses System positiv auf die Tiergesundheit und das Tierwohl auswirkt.
Appert hat den Betrieb 2013 übernommen. Er bewirtschaftet 32 Hektaren Land, wovon 62 Prozent Ökoflächen ausmachen. Er produzierte von Anfang an Schafmilch, doch zu Beginn tränkte er die Lämmer am Eimer ab und gab einen kleinen Teil auf externe Mastbetriebe. Da auf den Mastbetrieben aber Tiere von verschiedenen Betrieben zusammenkommen, ist der Krankheitsdruck relativ hoch. Der Landwirt konnte nicht hinter dieser intensiven Mast stehen, weshalb er selber Verschiedenes ausprobierte. Die muttergebundene Aufzucht war das System, mit dem er sich identifizieren konnte. Damit hat er inzwischen bereits fünf Jahre Erfahrung. In dieser Zeit optimierte er die Abläufe, sodass er heute ein ausgetüfteltes System vorweisen kann.
Das ganze Jahr Milch
Ein Teil der Milch geht in den Handel, den Rest verarbeiten Bruno Appert und seine Frau Agnes auf dem Betrieb zu Käse, welchen sie an regionale Detailhändler und an zwei Marktfahrer verkaufen. Damit dem Abnehmer während des ganzen Jahres Milch geliefert werden kann, lammt etwa die Hälfte der Schafe im Frühling und die andere Hälfte im Herbst ab.
Ablammen
Beim Ablammen sowie etwa zwei Tage darüber hinaus, werden die Schafe einzeln oder in kleinen Gruppen separiert. «Frische Lämmer sind sehr stark auf die Mutter fixiert und es ist wichtig, dass sie keinen Stress haben», erklärt Appert. Wären neugeborene Lämmer in derselben Gruppe mit Lämmern, die zwei Wochen und älter sind, würde das für die Kleinen zu viel Stress bedeuten.
Manchmal gibt es Lämmer, die nicht säugen, zum Beispiel, weil sie es nicht begreifen oder weil die Mutter das Lamm nicht annimmt. Diese Lämmer werden dann von Hand getränkt.
Lacaune haben zum Teil eher grössere Euter, weshalb es manchmal länger geht, bis die Lämmer selbstständig trinken. Solche Tiere werden gezielt ausselektioniert.
Bruno Appert, Landwirt
«Frische Lämmer sind sehr stark auf die Mutter fixiert und es ist wichtig, dass sie keinen Stress haben.»
Melken und Kontrolle
Jedes Schaf kommt zweimal täglich in den Melkstand. Vor dem Melken werden die Schafe gefüttert, sodass die Lämmer in den Lämmerschlupf getrieben werden können. Appert hat eine konsequente Strategie mit Bändern an den Beinen der Schafe. Dadurch weiss er, wann ein Schaf gemolken werden muss und was zusätzlich zu beachten ist. Das rechte Bein gibt Aufschluss darüber, ob die Milch gut ist und in den Tank gemolken werden kann (kein Band), ob die Milch noch nicht in den Tank gehen darf (blau) oder ob das Schaf trockengestellt ist (rot). Ein Band am linken Bein sagt, dass das Schaf ein Lamm hat, zwei Bänder bedeuten zwei Lämmer. Die Kontrolle ist für Appert sehr wichtig. Anhand des Muttertiers kann man die Lämmer kontrollieren und anhand der Lämmer die Mutter: «Ist zum Beispiel das Euter eines Schafs, zu dem zwei Lämmer gehören, voll, weiss ich, dass etwas nicht stimmt und die Lämmer zu wenig trinken.»
Die Milch muss von Anfang an gut sein, auch wenn er das Schaf noch nicht melkt. Dies wird anhand des Schalmtests kontrolliert.
Lämmerschlupf
Einen Lämmerschlupf gab es im Schafstall nicht von Anfang an, heute ist Appert aber sehr froh darum. Einerseits können dort die Lämmer separat gefüttert werden, andererseits ist es sehr gut, dass es während des Melkens bei den Schafen ruhiger ist.
Bruno Appert, Landwirt
«Dass die Lämmer bei den Schafen säugen, ist sehr positiv für die Tiergesundheit und das Tierwohl.»
Pro Tag sind die Lämmer etwa zwei bis drei Stunden im Lämmerschlupf und erhalten dort Kraftfutter, Luzernewürfel und Emd. Mit diesen Komponenten kann sich der Pansen gut entwickeln. Bis die Lämmer genügend fressen, erhalten sie das Futter ad libitum. Saugen dürfen die Lämmer bis sie mindestens 18 kg schwer und mindestens 40 Tage alt sind. Dann fressen sie relativ gut, was das Absetzen von der Mutter erleichtert.
Bei den abgesetzten Lämmern wird das Futter rationiert vorgelegt und ab etwa 28 bis 30 kg gibt es kein Kraftfutter mehr. Die Frühlingslämmer gehen dann zusammen mit den Nachzuchttieren auf die Weide. Dafür werden extensive Weiden genutzt, welche mit dem mobilen Melkstand nicht befahrbar sind. Im Herbst werden die Tiere dann mit etwa 48 kg Lebendgewicht als Schlachtlämmer verkauft.
Die Herbstlämmer werden mit etwa 25 kg auf einen externen Mastbetrieb verkauft, wo sie noch ausgemästet werden.
Positiv für Schaf und Lamm
Aus Sicht des Betriebsleiters hat das Säugen der Lämmer bei den Schafen viele positive Effekte auf die Tiergesundheit und das Tierwohl. Durchfall bei den Lämmern gibt es selten, und wenn, ist es mit pflanzlichen Mitteln meist schnell wieder weg.
Würde die Familie Appert die Lämmer nicht säugen lassen, müssten diese dreimal täglich getränkt werden, was einen hohen Zusatzaufwand bedeutet, oder sie müssten einen Automaten haben. Bei einem ad-libitum-Automaten könnten die Lämmer noch mehr Milch aufnehmen, während die Mutter die Milchaufnahme der Lämmer irgendwann stoppt.
Für die abgegebene Schafmilch erzielt Appert einen Milchpreis von ungefähr drei Franken. Dass der Preis so gut ist, hat damit zu tun, dass Schafmilch ein Nischenprodukt ist und der grösste Teil in Produkte mit guter Wertschöpfung geht. Ihm ist es deshalb wichtig, das Beste zu geben, um gesunde Tiere und somit qualitativ hochwertige Produkte zu produzieren.