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Frage2476 Home Bibelkreis.ch Download dieses Frame mit rechter Maustaste:==> 2476 Mutter oder Vater
|Hallo zusammen

Sprüche 10,1: Sprüche Salomos: Ein weiser Sohn macht seinem Vater Freude, aber ein törichter Sohn ist der Kummer seiner Mutter. (Schlachter 2000)
Warum wird öfters zuerst beim "guten" der Vater genannt, und dann beim "schlechten" die Mutter?
Gruss
Michael / CH

Das hat nichts mit der Mutter und dem Vater an sich zu tun, sondern damit das beide zusammengehörend und doch verschieden sind. Dieses wird für eine besondere Form der orientalischen Poesie genutzt.
Während die deutsche Dichtungstradition besonders auf das Stilmittel des Reims vertraut, ist die hebräische Poesie durch eine für unser Verständnis besonders auffällige Eigenheit der sprachlichen Rhythmisierung geprägt: den Parallelismus der Satzglieder („Parallelismus membrorum“). Dabei bilden meistens zwei, manchmal auch drei Zeilen eine kleine zusammengehörige poetische Einheit, wobei alle Glieder mit derselben Aussage beschäftigt sind, ohne jedoch einfache Doppelungen zu bieten.
Gott, du bist mein Gott, den ich suche /es dürstet meine Seele nach dir ... . (63,2)
oder:
Die Berge hüpften wie die Lämmer, die Hügel wie die jungen Schafe ... . (114,4)
Diese Technik des Parallelismus membrorum, in der eine Sache durch Wiederholung von verschiedenen Aspekten her umkreist wird, ist im ganzen alten Orient weit verbreitet. Sie entspricht der orientalischen Vorliebe, etwas möglichst plastisch darzustellen, es in seinen verschiedenen Aspekten zu zeigen. Während unser abendländisch griechisches Denken eher auf Präzision und Einfachheit abzielt, sind für hebräisches Denken die Dinge von größerer Komplexität, so dass unterschiedliche Perspektiven nötig sind, um einen sprachlichen Zugang zu ihnen zu finden.
Unterschiedliche Arten des Parallelismus membrorum
a) Der (am häufigsten auftretende) synonyme Parallelismus membrorum variiert mit der zweiten Zeile die Aussage der ersten Zeile:
Schafft Gerechtigkeit dem Armen und dem Waisen,
Und helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht.
b) Der polare Parallelismus membrorum. Eine Ganzheit wird durch zwei gegensätzliche Aspekte sichtbar gemacht, z.B.:
Tag und Nacht = immer,
Himmel und Erde = Weltganze,
gut und böse = Erkenntnis des Ganzen.
c) Der antithetische Parallelismus. Die zweite Zeile zeigt den antithetischen Kontrast zur Aussage der ersten Zeile.
Sie sind gestürzt und fallen,
Wir aber stehen und halten stand ... . (20,9)
Jhwh kennt den Weg der Gerechten,
doch der Weg der Gottlosen führt in den Abgrund ... .
d) Der synthetische Parallelismus. Die zweite Zeile führt den Gedanken der ersten Zeile weiter.
Jhwh ist König und herrlich geschmückt,
Jhwh ist geschmückt und umgürtet mit Kraft ... . (93,1)
Jhwh ist mein Licht und mein Heil,
vor wem soll ich mich fürchten?
Dies sind die wesentlichen Grundformen der Poesie. Daneben gibt es noch erheblich kunstvollere Formen. Zu solchen gehört das Alphabetgedicht (Akrostichon), bei dem jede neue Zeile mit dem jeweils nächsten Buchstaben des Alphabets beginnt. Die Psalmen 9; 10; 11; 25; 34 u.a. sind nach diesem Prinzip aufgebaut, das man in der deutschen Übersetzung nicht wiedergeben kann.
Grüße Konrad

Hallo Konrad

Lieber Michael/CH
So verstehe ich diesen Vers als eine Zustandsbeschreibung der Erziehung und deren Auswirkung auf Vater und Mutter.

Hallo Kurt
Ahhh! Schön Antwort. Ja das kann die Lösung sein!
Danke dir!
Gruss
Michael / CH
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