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Und Mose sprach zu Gott: «Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie zu mir sagen werden: Was ist sein Name? – was soll ich dann zu ihnen sagen?» Da sprach Gott zu Mose: «Ich bin, der ich bin.» Und er sprach: «So sollst du zu den Kindern Israel sagen: Ich bin hat mich zu euch gesandt. 2. Mose 3,13-14
Mose bekommt eine Antwort, als er fragt, wer sich hinter der Stimme versteckt, die mitten in der Wüste aus dem Feuer heraus mit ihm redet. Es ist die Frage nach Gott, die er stellt, und die Antwort ist ein Meisterwerk der Verwirrkunst. Sie verbirgt mehr als dass sie offenbart.
«Ich bin, der ich bin»: Das ist vielleicht die radikalste und zugleich freundlichste Art, die eigene Identität zu behaupten, ohne sie preiszugeben. Ja, ich bin ich, und gerade deswegen wirst du immer nur nach mir fragen können. Und mehr noch: Gerade deswegen wirst du immer nach mir fragen müssen, wenn du über mich sprechen willst.
«Gott» verweigert sich also einer Festlegung in doppelter Weise: Er ist keine Sache und auch keine Person, die man benennen und dadurch auf ein Sosein einschränken könnte. Zudem entzieht er sich der Mitteilbarkeit. Das ist die Grenze auch allen Predigens.
Das ist Ihnen alles zu kompliziert? Zu hoch? Zu philosophisch?
Kürzlich bekam ich einen Brief aus dem Gefängnis. Darin heisst es: «Ich denke fest an Gott. Aber ich weiss nicht, wer Gott ist». Das bringt es auf den Punkt. Und es lässt sich umkehren: Weil ich nicht weiss und nicht wissen kann, wer «Gott» ist, kann ich nicht aufhören an ihn zu denken. So – und vielleicht nur so – finde ich ihn dann in seinem Versteck. Oder auch nicht.
Werdet nicht müde, von ihm zu sprechen,
von seiner verborgenen Gegenwart
in allem, was lebt und geschieht.
(Kirchengesangbuch Nr. 250)
Hansueli Hauenstein