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Die Luftverschmutzung ist neben dem Klimawandel eine der grössten Umweltbedrohungen für die menschliche Gesundheit. Heute veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre neuen globalen Leitlinien für Luftqualität (AQG), die den Schaden, den die Luftverschmutzung der menschlichen Gesundheit zufügt, eindeutig belegen. In den Leitlinien werden neue Luftqualitätswerte empfohlen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, indem die Werte der wichtigsten Luftschadstoffe, von denen einige auch zum Klimawandel beitragen, reduziert werden.
Das Swiss TPH trug zu den AQGs bei, indem es mit Hilfe zahlreicher Langzeitstudien und politischer Empfehlungen Belege lieferte und sich dabei auf das Fachwissen aus 30 Jahren Forschung über Luftverschmutzung und Gesundheit stützte. "Luftverschmutzung ist eine immense Bedrohung für die Gesundheit von Menschen auf der ganzen Welt", sagt Nicole Probst-Hensch, Leiterin des Departements Epidemiologie und Public Health am Swiss TPH. "Wir sind stolz darauf, dass wir mit unserer multidisziplinären Forschung, die von Biobanken und Kohorten bis hin zu Langzeitstudien und Biomarkern, und von der Grundlagenforschung bis hin zu den Auswirkungen reicht, zu den neuen AQGs beitragen konnten."
Der Beitrag des Swiss TPH zu den Leitlinien
In den neuen Leitlinien der WHO werden Luftqualitätswerte für sechs Schadstoffe empfohlen, für die es die meisten Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen der Belastung gibt. Wenn Massnahmen für diese so genannten klassischen Schadstoffe - Feinstaub (PM), Ozon (O₃), Stickstoffdioxid (NO₂), Schwefeldioxid (SO₂) und Kohlenmonoxid (CO) - ergriffen werden, hat dies auch Auswirkungen auf andere schädliche Schadstoffe.
Das Swiss TPH hat zu diesen Leitlinien beigetragen, indem es im Rahmen der SAPALDIA-Studie und grösserer internationaler Forschungskooperationen wie der paneuropäischen ESCAPE-Studie oder dem neuen EXPANSE-Projekt Untersuchungen durchgeführt und Erkenntnisse über die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung in der Schweiz und darüber hinaus gewonnen hat. Die Schweiz stand von Anfang an im Mittelpunkt der Forschung zur Luftverschmutzung und der Entwicklung von Strategien, was auf die reiche Geschichte des Instituts in der Umwelt- und Gesundheitsforschung am ehemaligen Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) Basel zurückzuführen ist.
"Die Belastung durch Luftverschmutzung verursacht jedes Jahr schätzungsweise sieben Millionen vorzeitige Todesfälle und führt zum Verlust von Millionen weiterer gesunder Lebensjahre", sagt Nino Künzli, Leiter der Einheit Bachelor-Master-Doktorat am Swiss TPH und Mitglied der AQG-Entwicklungsgruppe. "Deshalb ist es dringend notwendig, dass die Politik aus diesen Leitlinien Konsequenzen zieht, um die Gesundheit aller Menschen zu schützen, insbesondere die der am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen." Als Präsident der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene und als Mitglied des neu gegründeten Global Air Pollution and Health Technical Advisory Board der WHO wird Nino Künzli die zukünftigen Luftqualitätsziele der Schweiz und der Welt mitgestalten.
"Wir arbeiten sehr eng mit staatlichen Stellen wie dem Bundesamt für Umwelt und der Eidgenössischen Kommission für Lufthygiene zusammen, um deren Politik im Bereich der Luftverschmutzung zu unterstützen", sagt Meltem Kutlar Joss, Projektleiterin von LUDOK am Swiss TPH. "Wir hoffen, dass unsere Forschung weiterhin die Luftqualitätsvorschriften wie die AQG der WHO prägen und auf das Ziel hinarbeiten wird, die Luftqualität rund um den Globus zu verbessern."
Die Länder können die Leitlinien auch als Instrument nutzen, um die Auswahl und Verabschiedung von Massnahmen zur Verringerung der Belastung durch Luftverschmutzung voranzutreiben und zu unterstützen, die sektorübergreifende Zusammenarbeit auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene zu stärken, sich für Massnahmen zur Verbesserung der Luftqualität und des Klimas einzusetzen und wirksame Schritte zur Verringerung gesundheitlicher Ungleichheiten im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung zu unternehmen.
Langjähriges Fachwissen zum Thema Luftverschmutzung
Das Swiss TPH verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Luftverschmutzung. Diese reicht von der Auswertung der internationalen Literatur zu Luftverschmutzung und Gesundheit über die Messung und Modellierung der Belastung durch Luftverschmutzung bis hin zur Untersuchung der gesundheitlichen Auswirkungen bei Kindern und Erwachsenen sowie der Abschätzung der damit verbundenen Belastung für die öffentliche Gesundheit oder des Nutzens sauberer Luft. "Am Swiss TPH forschen wir seit 30 Jahren zum Thema Luftverschmutzung und Gesundheit, wobei prominente Langzeitstudien wie SAPALDIA wegweisend sind", sagt Probst-Hensch. "Zukünftige Forschungsarbeiten zu Aspekten wie Biomarkern werden unglaublich wichtig sein, um Zusammenhänge zu verstehen und epidemiologische Forschungsergebnisse zu unterstützen, wenn es darum geht, künftige Luftqualitätsvorschriften zu gestalten."
Projekte zu Luftverschmutzung und Gesundheit am Swiss TPH
EXPANSE
EXPANSE (EXposome Powered tools for healthy living in urbAN Settings) untersucht die Auswirkungen der Luftqualität auf die Gesundheit im Zusammenhang mit Umweltfaktoren im städtischen Umfeld, einschliesslich der Lebensmittelumgebung und anderer Einflüsse wie Lärm, Licht und Temperatur, indem es Biobanking und Biomarker einsetzt, um gesunde Umgebungen im städtischen und stadtnahen Raum zu gestalten.
SAPALDIA
Seit 1991 untersucht die SAPALDIA-Kohorte die Auswirkungen von Lebensstil und Umwelt auf chronische Krankheiten und Alterung bei Erwachsenen der Schweizer Allgemeinbevölkerung. Ziel ist es, die langfristigen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Atemwege bei der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz zu ermitteln und zu quantifizieren.
LUDOK
Das LUDOK (Schweizerisches Dienstleistungszentrum für Luftfremdstoffe und Gesundheit) sammelt und katalogisiert im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAG) die weltweit veröffentlichte Literatur zum Thema Luftfremdstoffe und Gesundheit. Diese Arbeit ist für die Übersicht und die Evidenzsynthese von entscheidender Bedeutung.
ESCAPE
ESCAPE (European study of cohorts for air pollution effects) ist ein Zusammenschluss europäischer Kohortenstudien zur Quantifizierung der gesundheitlichen Auswirkungen der Langzeitbelastung durch Aussenluftverschmutzung.
ELAPSE
ELAPSE (Effects of Low-Level Air Pollution: A Study in Europe) ist eine europaweite Zusammenarbeit zur Untersuchung der Langzeitbelastung durch Feinstaub (PM2,5), Russ (BC), Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon (O3) in niedriger Konzentration.