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Protokoll der Sitzung bei Herrn Dr. van Thoma. Anwesend:
Dr. Benjamin van Thoma (Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte) Dr. Johannes Deutz (Alte Deutsche Kunst)
Dr. Michael Westhausen (Direktor GMN)
Protokollführer: Jochen Schmitt (Adjunkt GMN)
Betr. Fund einer Adlerfibel bei Tieschkowitz
Dr. Westhausen begrüßt die Runde protokollgemäß und erteilt Herrn Dr. Deutz das Wort.
Dr. Deutz: Es freut mich Herr Dr. Westhausen, Ihnen Herrn Dr. van Thoma, ein ausgewiesener Experte für deutsche Vorgeschichte, vorzustellen. Er wird nun im Folgenden seine Erkenntnisse darlegen. Ich bin überzeugt, dass das Museum nachher sein Interesse für einen Kauf bekräftigen wird. Ich bitte Herrn Dr. van Thoma um seine Beurteilung.
Dr. van Thoma: Ich danke für das Wort. Sehr geehrte Kameraden vom Museum, ich bin hoch erfreut über Ihr Interesse und darüber, Ihnen die Schlussfolgerungen meiner Untersuchung darlegen zu können. Ich werde zuerst etwas zum Fundort, nachher zum Zustand der Spange und schließlich weitere Überlegungen zur Bedeutung des Objektes vortragen.
Die Schnalle in Form eines Adlers mit einem nach links abgedrehtem Kopf, zwei Flügeln und dem Schwanz wurde, wie Sie das von Herrn Dr. Deutz erfahren haben, in der Nähe von Tieschkowitz in feuchter Moorerde in einer Tiefe von 2 bis 2,5 Metern gefunden. In der unmittelbaren Umgebung waren im Weiteren stark oxydierte Bronzeteile im Boden dicht verstreut. Die Vorderseite war mit einer dicken Kruste aus grauer, sandiger Moorerde überzogen, auf der Hinterseite war die Kruste grün. Das Stück ist aus 24-karätigem Gold, die Nadel, die die Spange zusammenhält, besteht aus Bronze, daher erklärt sich die vorher erwähnte grünliche Patina, die sich auf der Rückseite gebildet hat. Die Maße betragen 12,5 Zentimeter mal 6,5 Zentimeter, der Schmuck ist also von beeindruckender Größe. Die Spange ist 196 Gramm schwer. Die gesamte Oberfläche ist mit Almandinen, also Edelgranaten, bedeckt. Diese Almandinen sind in Zellen aus Gold gefasst. Rund um die Schnalle zieht sich ein Perlrand. Das Auge des Adlers besteht aus einem Kristall. Am Hals, auf der Brust, auf den beiden Flügeln und im Schwanz stechen insgesamt fünf größere, rund geschliffene und ebenfalls eingefasste Almandinen hervor, sie heben sich etwas vom Rest der Oberfläche ab. Da die Spange eher flach gefertigt ist, dürfte sie ihrem Zweck, ein schweres Gewand zusammenzuhalten, nicht gedient haben, wir gehen davon aus, dass es sich um ein reines Zierstück handelt. Dank der außerordentlich hohen Goldschmiedekunst ist sie noch gut erhalten.
Fundort, Stil und Technik lassen uns vermuten, dass es sich bei dieser Kleiderspange um eine Arbeit eines ostgotischen Goldschmieds handelt. Sie weist Ähnlichkeiten zur bekannten und in Ihrem Museum in Nürnberg beheimateten Adlerfibel aus dem oberitalienischen Cesena aus der Zeit von – wenn ich mich recht entsinne – Theodorichs Reich auf.
Die Gegend um Mährisch-Ostrau war zwar gemäß meinem Wissen nie von den Ostgoten richtig besiedelt worden, aber es wird in der Historiker-Zunft davon ausgegangen, dass versprengte Teile unserer Vorfahren dennoch bis in die besagte Region vorgedrungen waren. Zeitlich müsste das dann gewesen sein, als die Ostgoten noch das nahe gelegene Pannonien in Westungarn besetzt hielten und die Donau als Grenze zu den Langobarden diente. Das war etwa im Jahre 450 nach Christus. Um 500 zogen die Langobarden Richtung Mähren, verdrängten also unsere Vorfahren, und später nach Pannonien. Die Spange datiere ich demzufolge auf die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts, kurz bevor die Langobarden kamen. Aber nicht nur siedlungshistorische Gründe sprechen für diese Datierung, es gibt auch stilistische Erwägungen: Der Perlrand fehlt bei der Cesena-Fibel komplett, dies dürfte auf eine Weiterentwicklung der Technik und der Art der Goldfassung hindeuten, also ist die Tieschkowitzer Spange vermutlich etwas früher anzusetzen. Zudem ist der dargestellte Adler mehr noch als die Cesena- und andere Fibeln stark der Natur nachempfunden, sieht organischer aus und ist nicht so stilisiert oder schematisiert, wie spätere Werke. Es herrscht noch ein Gleichgewicht zwischen Kunst und Natur, Phantasie und Wirklichkeit. Ebenfalls von Bedeutung ist die Fertigung der Zellen, in die die Almandinen eingelassen sind. Es fallen nicht so sehr die einzelnen Steine ins Auge, die auf dem Goldgrund eingefasst wurden, es ist eher umgekehrt: wir erkennen als erstes die Zellen als ein Muster und erst dann die Almandinen. Wir können sagen, dass wir also eher einen Raster aus goldenen Zellen auf Steingrund wahrnehmen. Dieses Zellmuster ist charakteristisch für das Erscheinungsbild. Das weist ebenfalls auf die hohe Kunst des Goldschmieds hin und ist eine Vorwegnahme der Entwicklung hin zur Cesena-Fibel. Allerdings ist anzumerken, dass unsere Tieschkowitzer Version mit dem Kristallauge und den 5 charakteristischen einzelnen, inselartig gesetzten, mugeligen und stärker hervortretenden Alamandinen (am Hals, auf je einem Flügel, auf Brust, auf Schwanz) nicht schon ganz durchgehend vom Prinzip des bei Cesena herrschenden, geometrisch streng angelegten Goldrasters beziehungsweise des entsprechenden Zellmusters bestimmt wird. Bei der Cesena-Fibel hat die Kunst beziehungsweise die Phantasie den Vorrang über die Natur beziehungsweise die Wirklichkeit erlangt. Diese hier vorzufindende, eben sozusagen inselartige Charakteristik der Steinsetzung schwächt sich bei den späteren Spangen etwas ab.
Dr. Westhausen: Verzeihen Sie mir bitte, wenn ich hier unterbreche, verzichten Sie möglichst auf Wiederholungen und fassen Sie sich etwas kürzer, ich nehme an, wir bekommen Ihr Gutachten noch schriftlich. Und wenn ich die Fibel endlich begutachten und in den Händen halten könnte, würde ich das sehr schätzen. Ich könnte dann Ihren Ausführungen besser folgen…
Dr. van Thoma: Sehr wohl, Herr Direktor. Hier übergebe ich Ihnen einen Artikel, den ich vor einem halben Jahr publiziert habe und mein Gutachten (Dr. van Thoma übergibt J.S. eine Fachzeitschrift und ein Gutachten; zu den Akten). Ich bin ohnehin fast fertig mit meinen Erläuterungen. Lassen Sie mich bitte kurz zusammenfassen, bevor Sie das Schmuckstück unter die Lupe nehmen. Sie werden kaum noch zuhören wollen und können, wenn Sie die Fibel in den Händen halten: Die hier heute vorliegende Adlerspange der Ostgoten ist das schönste, kostbarste und größte Exemplar altgermanischer Goldschmiedekunst, das wir kennen, sie ist darüber hinaus auch von wissenschaftlich großer Bedeutung: Sie stellt den Ausgangspunkt einer Entwicklungsreihe jener Spangen dar, wie wir sie heute in Nürnberg, aber auch an anderen Orten, wie in Paris, Brüssel und Neuyork ausgestellt sehen. Wir haben einen weiteren, unbestechlich tatsachengetreuen Beleg gefunden für die einzigartige Entwicklung der nordischen Kulturseele. Sie, Herr Dr. Westhausen, haben die Möglichkeit, die ausländischen Museen mit nun zwei Schlüsselwerken zu übertrumpfen. Ich habe geschlossen.
(Dr. van Thoma holt aus einem Schrank in seinem Büro einen samtenen Beutel und entnimmt daraus die Fibel und legt sie auf den Tisch)
Dr. Westhausen: Wunderbar, wunderbar. Sehr schön. (Er dreht sie in den Händen.) Phantastisch, sehr beeindruckend. (Pause) Ein, zwei Fragen hätte ich noch.
Herr Dr. van Thoma: Bitte, bitte.
Dr. Westhausen: Unsere Cesena-Fibel wendet den Kopf nach rechts, die Tieschkowitzer nach links. Was ist davon zu halten?
Dr. van Thoma: Das kann ich nicht schlüssig beurteilen, aber vermutlich ist dies nicht so bedeutsam. Es gibt andere Spangen – wie eine, die in Spanien gefunden wurde und in Brüssel gezeigt wird –, die den Kopf ebenfalls nach links gedreht haben.
Dr. Westhausen: Ein Detail, das Sie ausgeführt haben, ist mir nicht klargeworden. Sie sagen, das Steinmosaik breche auf und das schematisierte goldene Zellmuster trete in den Vordergrund, gleichsam als bestimmendes Gestaltungsmerkmal. Das sei die allgemeine Entwicklung. Nun gibt es aber Beispiele, die darauf hindeuten, dass schon im 4. Jahrhundert Zellmuster vorherrschend waren, beispielsweise der Halsschmuck von Pietrossa. Von einer Entwicklung kann also nicht gesprochen werden, eher von nebeneinander bestehenden Gestaltungsformen oder von regionalen Eigenheiten.
Dr. van Thoma: Da muss ich Ihnen Recht geben. Unterstützend für meine These kann allerdings gesagt werden, dass die erwähnte Entwicklung, betrachten wir nur Adlerspangen, sehr wohl neu ist.
Dr. Westhausen: Nun ja, so viele gibt es denn auch wieder nicht. Wie dem auch sei. Interessant scheint mir zu sein, dass die Fibel doch viele Gemeinsamkeiten mit unserer Cesena-Fibel aufweist. Sie wissen es vermutlich noch nicht, weil wir es noch nicht mitgeteilt haben, aber unsere Adlerfibel datiert um 500 nach Christus, stammt aber aus einem ganz anderen Gebiet. Ich teile also nicht alle Ihre Einschätzungen Herr Dr. van Thoma. Meiner Meinung nach kann kaum von einer gradlinigen Entwicklung gesprochen werden, da die beiden Fibeln fast zeitgleich in weit auseinanderliegenden Gegenden entstanden sind. Insofern sind die Übereinstimmungen verblüffend.
Dr. van Thoma: Ach, ich dachte, die Cesena-Spange sei jünger und der Goldschmied habe sich möglicherweise auf die Tieschkowitzer Fibel bezogen oder sie zumindest gekannt.
Dr. Westhausen: Wir dachten auch, sie sei jünger, aber neueste Untersuchungen, von denen wir noch nicht berichtet haben, gehen von einem älteren Datum aus. Vielleicht liegen 50 Jahre zwischen diesen beiden Fibeln. Ob das reicht, um die von Ihnen geschilderte Entwicklung zu erklären oder gar zu untermauern, weiß ich nicht. Unsere Forscher werden das noch genauer bestimmen können.
Dr. van Thoma: Sie lassen die Spange nochmals analysieren?
Dr. Westhausen: Keine Sorge, Herr Dr. van Thoma. Wir zweifeln nicht an Ihrem Urteil, geschweige denn an der Echtheit, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sich unsere Frühhistoriker im Hause ein solches Prachtstück nicht genauer ansehen wollen.
Dr. Deutz: Aber eines ist doch klar, meine Herren: Die hohe kulturelle Leistung, die unsere altgermanischen Vorfahren fähig waren zu erbringen, dürfte damit einmal mehr bewiesen sein. Ich stelle mir vor, dass eine zweite Spange neben der Ihrigen sich gut eignen würde, um dies zu unterstreichen. Glauben Sie nicht auch?
Dr. Westhausen: Unbedingt. Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Wir werden jedoch, obwohl wir heute noch handelseinig werden wollen, noch – und hier möchte ich Ihnen wirklich nicht zu nahetreten, Herr Dr. van Thoma – unsere eigenen Nachforschungen anstellen, schon aus rein protokollarischen Gründen sind wir dazu verpflichtet. Wir sind nicht misstrauisch. (Zu J.S. gewandt:) Was sind denn die Maße der Cesena-Fibel, Herr Schmitt.
Dr. Westhausen unterbricht: In unserem Hause, werter Herr Schmitt, sprechen wir in diesem Zusammenhang von Fibeln, bitte schön.
J.S.: Also, unsere Fibel ist 12 mal 6 Zentimeter, fast gleich groß, aber etwas leichter: 128 Gramm.
Dr. Westhausen: Hm, fast die gleichen Abmessungen, das ist doch verblüffend. Die beiden Fibeln sind sich wirklich äußerst ähnlich.
J.S.: Eine wichtige Frage hätte ich noch, wenn Sie erlauben. Dr. Deutz: Bitte, bitte.
J.S: Sie sprachen von einem tschechischen Ausgräber. Wer war das? Für die Herkunftsforschung ist das für uns von Belang.
Dr. Deutz: Da muss ich leider passen, ich kenne den Namen nicht. Der Finder will ja nicht genannt werden. Höchstens vom Fundort her wäre es möglich, den Grundeigentümer zu ermitteln. Ich kann das vielleicht nachschauen, wenn ich wieder an meinem Schreibtisch bin, ich entsinne mich aber nicht, den Namen zu kennen. Ich hoffe, ich hab mir das genauer aufgeschrieben. Die Fibel wurde uns ja von Herrn Dr. Fränklein, seines Zeichens Kunsthändler in München, angeboten. Reicht das? Oder wissen Sie was davon Herr van Thoma?
Dr. van Thoma: Nein, davon weiß ich nichts.
J.S.: Ja, gut, gehen Sie der Sache nach, Herr Dr. Deutz, bitte. Es ist wichtig für uns, eine lückenlose Herkunft nachweisen zu können. Wie sagte Herr Dr. van Thoma schon wieder? Tatsachengetreu.
Dr. Deutz: Wie gesagt, ich kümmere mich darum.
J.S.: Wissen Sie…
Dr. Westhausen: Ist gut, Herr Schmitt. Herr Dr. Deutz hat begriffen. (Pause) Meine Herren, sind Sie sich bewusst, was für einen Überraschungseffekt dieser ganzen Geschichte innewohnt? Schon fast ein Witz.
Dr. van Thoma: Wie meinen Sie das?
Dr. Westhausen: Ein antideutsch eingestellter tschechischer Großgrundbesitzer liefert uns einen Beweis, dass die Ostgoten bis nach Tschechisch-Schlesien gekommen sind und sich dort angesiedelt haben, und es waren offenbar nicht nur ein paar versprengte Gruppen, wie man dies bis anhin meinte. Die Arbeit dieses Goldschmieds ist ein Beleg dafür, dass die Besiedelung tiefer gegangen sein könnte. Offenbar waren dort Edelleute zuhause, die eine solche Adlerfibel trugen, und die entsprechenden Kunsthandwerker. Unsere Haushistoriker werden sich freuen. Das ist doch ein überzeugender Grund, das Reich wieder bis dort auszudehnen, wo unsere altgermanischen Vorfahren angesiedelt waren und ihr Handwerk ausübten – und das dargebracht ausgerechnet von feindlichen und offenbar feindlich gesinnten Tschechen. Da werden sich ein paar Leute die Hände reiben.
Dr. Deutz: Für wahr, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Und? Was meinen Sie Herr Direktor? Werden Sie sich um die Fibel bemühen?
Dr. Westhausen: Das habe ich Ihnen doch gesagt. Was hätten Sie denn so gedacht, Herr Dr. van Thoma?
Dr. van Thoma: Wenn ich alle Objekte berücksichtige, die in den letzten Monaten aus dieser Periode veräußert wurden, wobei natürlich kein solches Schmuckstück darunter war, gehe ich von einem Preis von ungefähr 2500 englischen Pfund aus.
Dr. Westhausen: Mein lieber Herr Dr. van Thoma, was denken Sie denn? Wir geben für einen deutschen Schatz englische Pfund aus? Rechnen Sie das bitte in Reichsmark um. Sie erlauben doch? (Dr. Westhausen nimmt die Fibel in die Hand und betrachtet die Rückseite.) Die Cesena-Fibel ist auf der Rückseite wegen der Bronzenadel auch leicht grünlich, hm.
Dr. van Thoma: Also, wenn Sie meinen: 48’000 Reichsmark hätte ich schon gedacht.
Dr. Westhausen: Sie überschätzen die Möglichkeiten unseres Hauses. Wir werden das zusammen mit der ADK erwerben. Sie haben doch nichts dagegen, Herr Dr. Deutz?
Dr. Deutz: Also, ähm, ich weiß nicht, ob das geht, ich müsste meinen Vorgesetzten Herrn Dr. Fredericks fragen…
Dr. Westhausen: Dr. Fredericks hat mir sein Einverständnis heute Morgen telefonisch gegeben. Wir haben freie Hand. Haben Sie das nicht mitbekommen?
Dr. Deutz: Hat er das wirklich? Ich weiß nichts davon.
Dr. Westhausen: Doch sicher. Sie glauben mir etwa nicht?
Dr. Deutz: Wie könnte ich an Ihren Worten zweifeln.
Dr. Westhausen: Also bitte. Wir bieten 40’000 Reichsmark.
Dr. van Thoma: Das ist wirklich bescheiden, Herr Dr. Westhausen. Bedenken Sie die kunsthistorische Bedeutung dieser Fibel. Sie markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt hin zur Cesena-Fibel. 46’000 Reichsmark, darunter gehe ich nicht.
Dr. Westhausen (dreht die Fibel nochmals in der Hand): Ich muss gestehen, sie ist nicht so sorgfältig gearbeitet wie die Cesena-Fibel. Die mugeligen Steine sind eher grob geschliffen und scheinen nicht wertvoll, ich muss gar sagen: durchschnittliche Fertigungs-Qualität. Das ist noch nicht die ganz hohe Kunst des oberitalienischen Handwerks. 41’000 Reichsmark.
Dr. van Thoma: Dann lassen Sie es eben bleiben. Wir finden Käufer.
Dr. Westhausen: Zieren Sie sich nicht, Herr Dr. van Thoma. Zudem zweifle ich – wie bereits erwähnt – an der stilistischen Entwicklung, wie Sie sie beschrieben haben, sie läuft nicht gradlinig. Sie überschätzen die Bedeutung der Fibel und irren sich, was die Zellmusterung betrifft. Kommen Sie also mit dem Preis entgegen. 41’500 Reichsmark.
Dr. van Thoma: Denken Sie an die politische Bedeutung, wie sie Sie vorhin beschrieben haben. 44’000 Reichsmark.
Dr. Westhausen: Jetzt haben Sie mich aber erwischt. Das war ein taktischer Fehler meinerseits. Aber mehr als für die Cesena-Fibel werden wir nicht ausgeben können.
Dr. van Thoma: Wie viel war das?
Dr. Westhausen: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Letztes Gebot: 42’000 Reichsmark. Herr Dr. Deutz wird Ihnen hier und jetzt den Scheck ausstellen und wir nehmen die Fibel gleich mit.
Dr. Westhausen: Sie schlagen nicht ein? Gut denn. Schade zwar. Meine Herren, es hat mich gefreut. (Dr. Westhausen steht auf.)
Herr Dr. Deutz, Adjunkt Schmitt, wollen wir?
Dr. van Thoma: Also gut, meinetwegen einverstanden. 42’000 Reichsmark.
(Dr. Westhausen und Dr. van Thoma geben einander die Hand. Das Geschäft ist besiegelt.)
Dr. Westhausen: Wer sagt’s doch. (Zu Herrn Dr. Deutz gerichtet) Herr Dr. Deutz, darf ich Sie bitten?
(Dr. Deutz füllt den Scheck aus, übergibt ihn an Dr. van Thoma. Dieser packt die Fibel wieder ein und händigt sie Dr. Westhausen aus.)
Dr. Westhausen: Schicken Sie uns bitte noch eine Quittung, Herr Dr. van Thoma. Ich danke Ihnen für dieses interessante Treffen und wünsche ein schönes Wochenende.
(Die Runde löst sich auf, die Herren Dres. Westhausen und Deutz sowie J.S. verlassen das Büro von Dr. van Thoma.)
– kurzschriftlich aufgenommen –