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Gerade mal 30 Jahre alt ist Jiri Menzel, als er 1968 einen Oscar entgegennimmt: Die Auszeichnung für den «besten ausländischen Film» erhält Menzel für seine Tragikomödie «Liebe nach Fahrplan». Der Film handelt vom Leben auf einer kleinen Bahnstation während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.
Zu dieser Zeit war Jiri Menzel bereits eine Weile einer der Hauptprotagonisten der Neuen Welle des tschechoslowakischen Films. Sie zeichnete sich durch eine ausgesprochene Experimentierfreudigkeit aus, die sie vom sozialistischen Aufbaufilm abgrenzte.
Schluss mit lustig
Wie viele seiner späteren Filme beruhte auch «Liebe nach Fahrplan» auf einer Literaturvorlage des Schriftstellers Bohumil Hrabal (1914-1997). In ihm schien Menzel einen Seelenverwandten gefunden zu haben.
Mit dem Einmarsch der Sowjettruppen in die CSSR im August 1968 nahm die Zeit der künstlerischen Freiheit für Filmemacher ein jähes Ende. Auch Menzel persönlich bekam das zu spüren: Sein 1969 fertiggestellter Film «Lerchen am Faden» nach Motiven einer weiteren Hrabal-Erzählung landete für die nächsten 20 Jahre im Tresor.
Die Kritik an den Zuständen im Land ging den Machthabern zu weit. Nach der Wende bekam Menzel für die Politsatire nachträglich den Goldenen Bären der Berlinale.
Kaum mehr in der Öffentlichkeit
Seit einer schweren Erkrankung im Jahr 2017 war Menzel praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Nun ist er am vergangenen Samstagabend nach langer Krankheit 82-jährig in Prag verstorben. Er hinterlässt seine Frau Olga und zwei junge Töchter.