Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03144.jsonl.gz/2092

Teil 1 (Vorgeschichte)
Es war in Amriswil ein langer Weg vom Schwimmbad-Traum bis zum ersten Sprung ins kühle Nass. Gerade der Standort gab immer wieder zu reden.
Das erste Amriswiler Schwimmbadprojekt datiert aus dem Jahr 1921. Der Verschönerungsverein Amriswil unter der Leitung von Edwin Hess rechnete mit Baukosten von 90 000 Franken. Die Idee war, den Hellmühleweiher – die Kinder nutzten ihn damals sowieso schon zum Baden – «herauszuputzen». Das Projekt schaffte es allerdings nicht zur Abstimmungsreife. Zehn Jahre später nahm der Verschönerungsverein einen neuen Anlauf. Diesmal unter der Leitung von Dr. W. Stäheli. Zwei Projekte wurden verfasst: eines sah den Standort Kilbwiesen vor, das andere den Standort Tellen. Erneut blieb es bei Projekten und somit beim Traum von der Badi.
Konkreter wurde das Thema nach dem zweiten Weltkrieg: Es folgte ein weiterer Vorstoss für einen Schwimmbadbau in Amriswil mit dem Standort Kilbwiesen. Hauptinitiant war wieder Edwin Hess. Er präsidierte die ins Leben gerufene Schwimmbadkommission. Das Projekt des Amriswiler Architekten Karl Fischer rechnete mit Baukosten von 490 000 Franken. Offenbar war das dem Amriswiler Stimmvolk zu viel: Bei der Abstimmung am 14. November 1948 verwarf es das Projekt mit 542 zu 678 Stimmen.
Heftige Diskussionen via Medien
Dieses Nein galt es zunächst einmal zu verarbeiten. So dauerte es bis ins Jahr 1960, ehe sich wieder ein Initiativkomitee für den Bau eines Schwimmbads in Amriswil bildete. Für das Zustandekommen der Initiative benötigte das Komitee 324 Unterschriften von 1619 stimmberechtigten Amriswilern. 504 Stimmbürger unterzeichneten die Initiative.
Im März 1961 wurde erneut eine Schwimmbadkommission gegründet. Diesmal hatte Lehrer Hermann Engweiler den Vorsitz. Via Medien kam es zu heftigen Diskussionen über den Standort der Badi (Tellen oder Kilbwiesen), so dass eine öffentliche Versammlung einberufen wurde. Weil an dieser Versammlung im November 1961 keine Einigung möglich war, wurden für beide Standorte Projekte ausgearbeitet.
Im Mai 1962 folgte eine ausserordentliche Gemeindeversammlung zwecks Bestimmung des Standortes: Mit 307 zu 172 Stimmen hatten die Kilbwiesen hier deutlich die Nase vorn, so dass der Standort feststand. Im Juni beschloss die Kommission, zur Mitfinanzierung des Projekts eine öffentliche Sammlung durchzuführen. Auf dem Marktplatz wurde ein Spende-Pegel aufgestellt, der schliesslich bis auf gut 100 000 Franken ansteigen sollte.
1962 sagte das Stimmvolk Ja
Obwohl das Projekt von Architekt Badertscher aus Winterthur mit einem Budget von 1,020 Millionen Franken – auch die Schulgemeinde steuerte 200 000 Franken bei – für damalige Verhältnisse ein ziemlicher «Lupf» war, schaffte es Ende September 1962 die Abstimmungshürde.
Kurz danach tagte die Schimmbadkommission zum letzten Mal. Der Bau und die Verwaltung wurden an die Schwimmbad-Genossenschaft abgetreten, deren Gründung am 21. Januar 1963 im Hotel Schwert über die Bühne ging. Drei Kommissionen wurden gebildet: Die Verwaltungskommission (Präsident: Rudolf Hess), die Baukommission (H. Engweiler) und die Betriebskommission (P. Hugentobler). Nachdem auch die Finanzierung gesichert und die Baupläne fertiggestellt waren, stand dem Bau des Amriswiler Schwimmbads (zunächst noch ohne Minigolfanlage) nichts mehr im Wege.
Teil 2 (Bau und Eröffnung)
Ein gutes Jahr dauerte der Bau des Amriswiler Schwimmbads. Zwar konnte es wie geplant am 27. Juni 1964 eingeweiht werden, doch ereignete sich bis dahin auch Unvorhergesehenes. Kurz vor der feierlichen Eröffnung galt es beispielsweise, ein Leck im Schwimmbecken zu beheben.
Die Baustelle war gerade einen Monat alt und der Aushub noch im Gange, als die Kilbwiesen ihre künftige Zweckbestimmung bereits zu erahnen schienen: Nach einem Unwetter war das künftige Schwimmbad-Gelände Mitte Juni 1963 grossflächig mit Wasser bedeckt. Dieses floss zum Glück bald wieder ab, so dass die Stutz AG im Juli den Beckenbau in Angriff nehmen konnte. Gleichzeitig begann der Restaurant-Bau und im August der Garderobentrakt, für den die Amriswiler Firma Clematide zuständig war. Überhaupt setzten fast nur Ortsansässige das Projekt des Winterthurer Architekten Badertscher um.
Aufregung in der Baukommission
Ende September war der Rohbau der Becken abgeschlossen und die Hochbauten schritten voran. Auf den 30. November lud die Genossenschaft zum Aufrichtefest ins Restaurant Schäfli (am Marktplatz) ein.
Auch über den Winter fanden in den Klibwiesen gewisse Bauarbeiten statt. Bis April 1964 wurde die Zugangsstrasse mit einer Brücke über den Hegibach erstellt. Die Ausbauarbeiten, das Anlegen der Rasenflächen und die letzten Wasserleitungen sorgten im Mai/Juni für emsiges Treiben auf der Baustelle. Am 19. Juni, eine gute Woche vor der geplanten Eröffnung, konnte mit dem Befüllen der Becken begonnen werden. Doch dann – oh Schreck – wurde ein Leck festgestellt. Aufregung in der Baukommission. Nochmals musste ein Loch ausgehoben werden. Retter in der Not war Taucher Steinbrink, der ins 12 Grad kalte Wasser stieg.
Mitsamt Kleidern ins Becken
Schliesslich hiess es: Ende gut, alles gut! Wie geplant konnte am 27. Juni 1964 die Badi-Eröffnung gefeiert werden. Zur Unterhaltung trug unter anderem ein präsidialer Dreisprung bei: Schwimmbadpräsident Rudolf Hess, Schulpräsident Walter Schweizer und Gemeindeammann Ernst Nägeli sprangen mitsamt Kleidern ins Wasser. Wobei böse Zungen behaupten, man habe hier und da etwas nachgeholfen...
Wenig später tummelten sich jung und alt in den Becken. Die langersehnte Badegelegenheit in Amriswil war endlich Tatsache!
Teil 3 (Betrieb seit 1964)
Seit der Eröffnung der Badi 1964 hat sich einiges getan. Unter anderem wurde die Infrastruktur durch eine Minigolfanlage, durch Beachvolleyballfelder und Tischtennis-Tische ergänzt und es fanden mehrere Sanierungen statt. In den letzten 15 Jahren besuchten im Schnitt 52' 000 Gäste das Schwimmbad. Hochgerechnet auf 50 Jahre ergibt das weit über zwei Millionen.
Seit der Eröffnung der Badi 1964 hat sich einiges getan. Unter anderem wurde die Infrastruktur durch eine Minigolfanlage, durch Beachvolleyballfelder und Tischtennis-Tische ergänzt und es fanden mehrere Sanierungen statt. In den letzten 15 Jahren besuchten im Schnitt 52'000 Gäste das Schwimmbad. Hochgerechnet auf 50 Jahre ergibt das weit über zwei Millionen.
Nach nur acht Jahren hatten die hölzernen Sprungbretter ihren Dienst getan. Sie wurden durch Sprungbretter aus Kunststoff ersetzt – zu jener Zeit etwas sehr Modernes.
Unwetter überflutete die ganze Anlage
Ende der Sechzigerjahre wurde auch erstmals über den Bau eines Hallenbades diskutiert. Grund dafür waren wohl weniger die Patronen, welche die Schützen damals noch (natürlich nur ausserhalb der Schwimmbad-Öffnungszeiten) von der Festhütte über die Badi-Wiese in Richtung Oberfeld feuerten, sondern eher der steigende Wohlstand in der Bevölkerung.
Die Ortsgemeinde stellte für die Bearbeitung eines Vorprojekts «Hallenbad Amriswil» 5000 Franken zur Verfügung. Bei der Abstimmung 1977 sagte das Volk allerdings Nein zu einem Bau. Noch heute ist ein Hallenbad in Amriswil ein unerfüllter Traum.
1977 war auch für das Schwimmbad kein gutes Jahr: Am 1. August überflutete ein grosses Unwetter die ganze Anlage. Bei allen Becken musste das Wasser abgelassen und die ganze Anlage gereinigt werden. Erstmals musste man die Defizitgarantie der Ortsgemeinde und der Schulgemeinde in Anspruch nehmen. Wie überall stiegen auch bei der Badi die Kosten für Personal und Betriebsmittel.
Europameisterschaft der Minigolfer
In den Achtzigerjahren erfolgten verschiedene bauliche Massnahmen: 1983 die Neugestaltung der Bepflanzung um die Schwimmbecken, 1985 die Erneuerung der Beleuchtung in der Minigolfanlage und 1986 die Sanierung der Gartenanlage Minigolf.
A propos Minigolf: Wiederholt war die Amriswiler Anlage Austragungsort hochkarätiger Anlässe. Neben mehreren Schweizer Meisterschaften – mit meist gutem bis sehr gutem Abschneiden des heimischen Minigolfclubs Amriswil – fanden im Jahr 1975 sogar Europameisterschaften in den Kilbwiesen statt.
Ein neuer Standort für das Kinderplanschbecken
Zurück zur baulichen Entwicklung: 1989/1990 stand der grosse Umbau im Schwimmbad an. Folgende Arbeiten wurden ausgeführt: Sanierung der Schwimmbecken (Einbau von Folien), Erstellen eines neuen Kinderplanschbeckens im westlichen Teil des Areals, Abbruch des Kinderbeckens im nord-östlichen Teil, Erstellen der Wasserrutschbahn, Sanierung des Kiosks.
1996 wurden die Filteranlagen saniert. In der Wasseraufbereitung kam es zur Umstellung von Chlorgas auf Javel-Lauge. Der Kredit betrug 670 '000 Franken. Für rund eine halbe Million Franken wurden 2001/02 die Garderoben sowie die Dusch- und WC-Anlagen saniert. 2008 erfolgte die Sanierung der Überlaufrinnen aller Becken.
Seit 2013 sind sämtliche Becken mit neuen Folien ausgekleidet und auf die Saison 2014 hin wurde die Bepflanzung rund um die Schwimmbecken angepasst und eine «Sünneler»-Plattform beim Schwimmerbecken erstellt.
Jubiläumsfeierlichkeiten mit Linard Bardill
In den vergangenen 20 Jahren wurden im Schwimmbad Amriswil pro Jahr durchschnittlich gut 50' 000 Eintritte verkauft. Höhepunkt war das Jahr 2003 mit dem «Jahrhundertsommer» und über 92' 000 verkauften Eintritten.
In gebührender Art und Weise feierte die Schwimmbad- und Minigolfgenossenschaft Amriswil im Jahr 2014 das 50-Jahr-Jubiläum der Badi. Unter anderen trat Liedermacher und Geschichtenerzähler Linard Bardill in den Kilbwiesen auf.
Bis heute ist das Schwimmbad Amriswil eine familienfreundliche Naherholungsoase mit zahlreichen schattenspenden Bäumen geblieben. An heissen Tagen lockt sie zahlreiche Besucher aus Amriswil und den umliegenden Gemeinden an.
Zusatzinfo:
Acht Präsidenten
Die Amriswiler Schwimmbad- und Minigolfgenossenschaft wurde 1963 gegründet. Erster Präsident war Rudolf Hess (bis 1970). Es folgten A. Blattmann, Josef Echle, Marc Kamber, Karl Spiess, Roger Breu, Andreas Aebischer und Ruedi Bärlocher (seit 2016).