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Ein Kindermädchen, das nachts in Gestalt eines Seehunds ihr Unwesen treibt - das ist für die drei ??? fast schon Alltag. Wäre da nicht die Tatsache, dass dieses Kindermädchen seit Jahren auf einem Friedhof an der Küste begraben liegt! Als Justus, Peter und Bob mit den Ermittlungen beginnen, müssen sie feststellen, dass sie mitten in ein gefährliches Netz aus Intrigen, Verrat und Machtspielen geraten sind. Wem können die Detektive überhaupt noch trauen? Die Wahrheit scheint auf dem Grund des Meeres zu liegen. Verborgen in den Tiefen eines Unterwasserwaldes.
Das Mädchen stand vor einem Sarg. Sie verzog keine Miene, sondern schaute einfach nur auf die dunkle Holzkiste hinab. Justus Jonas hatte sie nicht kommen sehen. Das war erstaunlich.
Immerhin arbeitete er seit über einer Stunde hier draussen auf dem Schrottplatz und hatte dabei die Einfahrt stets im Blick gehabt. Onkel Titus und Tante Mathilda besuchten eine Bekannte immKrankenhaus und Justus sollte sich solange um die Kunden kümmern, die Post entgegennehmen und nebenbei noch die letzten Weihnachtsgirlanden abhängen.
"Hallo!", rief Justus. Er wischte sich die Hände an seiner Hose ab und ging auf das Mädchen zu.
Wie immer brauchte er nur ein paar Sekunden, um sein Gegenüber von Kopf bis Fuss zu mustern und Schlüsse zu ziehen. Das Mädchen war deutlich kleiner als er. Sie war dünn, aber nicht dürr. Er schätzte sie auf acht, höchstens zehn Jahre. Ihre dunklen Haare waren kurz geschnitten und rahmten ein schmales, ungewöhnlich blasses Gesicht ein. Sie trug eine Kette aus kleinen Bernsteinen und einen Mantel mit Hornknöpfen. Überhaupt bestand ihre Kleidung überwiegend aus Naturmaterialien. Schlicht, ordentlich, aber vermutlich teuer.
Justus schätzte, dass sie eine Sammlerin war. Auf dem Schrottplatz gab es die seltsamsten Dinge und für jeden Geschmack war etwas dabei - von altem Spielzeug bis zur Mineraliensammlung und vom Teeservice bis zum Leierkasten. Es gab bunte Gemälde, Gartenmöbel und Pferdesättel, leere Aquarien und Hamsterställe, Modeschmuck und Puppenhäuser, Autositze und Gardinenstangen, Schuppentüren und Standuhren. Das war auch der Grund, warum Justus' Onkel stets beteuerte, dass er kein Schrotthändler sei, sondern Kunst und Kuriositäten aller Art verkaufe. Den Schrott gab es allerdings - in beachtlichen Haufen auf getürmt - auch. Der Ort war eine wahre Fundgrube.
"Der ist nicht echt", erklärte Justus, als das Mädchen langsam den Kopf hob. Dessen Augen waren beinahe schwarz.
"Ich würde sagen, der Sarg ist durchaus real", gab das Mädchen zurück.
Justus hob die Augenbrauen. Normalerweise war er es, der die Kunden mit seiner gehobenen
Sprechweise überraschte. "Das Material ist selbstverständlich echt - also real", korrigierte er sich. "Allerdings wurde dieses Stück nicht gefertigt, um jemanden darin zu begraben. Es ist eine Requisite aus einem Film."
"Welches Genre?"
"Horror. Soweit mir bekannt ist", gab Justus zurück. "Kann ich dir helfen?"
"Ja", sagte sie.
Justus wartete ab, doch das Mädchen redete nicht weiter.
"Suchst du etwas?"
"Ja." Sie umrundete den Sarg und liess den Blick über ein paar steinerne Katzen streifen, die auf einem Tisch standen.
"Porzellanpferde? Alte Comics? Kerzenständer? Ersatzteile?", ratterte Justus das Sortiment des Schrottplatzes herunter. "Besteck, Lampen, Musikinstrumente?"
"Dich." Sie blieb direkt vor ihm stehen und sah zu ihm auf.
"Wie bitte?", fragte Justus irritiert.
"Das ist die Antwort auf deine Frage."
Justus atmete tief durch. "Da ich nicht zum verkäuflichen Inventar unseres Gebrauchtwarencenters gehöre, gehe ich davon aus, dass du mich suchst, weil du einen Auftrag oder eine Botschaft für mich hast."
Sie nickte. "Ja."
"Für mich und meine Kollegen?", hakte Justus nach.
"So ist es", bestätigte das Mädchen. "Denn Peter Shaw und Bob Andrews gehören doch mehr oder weniger zu deinem Detektivbüro dazu, wenn ich richtig informiert bin."
"Definitiv mehr als weniger", sagte Justus entschieden. "Wir sind ein Team. Aber kommen wir zu dir. Gehe ich recht in der Annahme, dass du einen Fall für uns hast?"
"Ja."
Justus war sich sicher, dass das Mädchen ihn testete. Es mochte vielleicht noch sehr jung sein, aber es strahlte eine Überlegenheit aus, die es um Jahre älter scheinen liess.
Gerade, als er überlegte, welche Gesprächstaktik er ihm gegenüber anwenden sollte, rollte Bobs VW Käfer auf den Hof. Der Wagen parkte, dann sprang Bob und Peter heraus. "Wunderbar", sagte Justus. "Ich würde vorschlagen, du teilst uns dein konkretes Anliegen mit, sobald sich meine Kollegen zu uns gesellt haben,"
"Hallo", sagte...