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Häufige Fragen
Allgemein
Gibt es eine Zunahme der Kinder mit angeborenem Herzfehler?
Die Rate an Kindern mit Herzfehlern liegt konstant bei 0.7 bis 0.8%. Dies bleibt gleich über die Jahrzehnte.
Antwort von Dr. Kuen, Kinderspital Luzern
Wie sieht die Zukunft eines Herzkindes aus?
Kinder mit einem Herzfehler haben heute Dank der Fortschritte der Medizin eine Zukunft. Je nach Grad der Missbildung können die meisten Herzkinder ein ganz normales Leben führen.
Enstehung / Diagnose
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für einen Herzfehler?
In der Schweiz kommt rund jedes hundertste Baby mit einem leichten, jedes tausendste mit einem schweren Herzfehler zur Welt.
Wie entsteht ein Herzfehler?
In der ersten bis achten Schwangerschaftswoche entwickeln sich die Strukturen des Herzens. In dieser Zeit entsteht der Herzfehler. In über 90% der Fälle bleibt die Ursache unklar.
Werden Herzfehler vererbt?
Angeborene Herzfehler sind in der Tat genetisch bedingt. Mütter mit einem Herzfehler haben ein Risiko von vier bis sieben Prozent, dass ihr Kind ebenfalls mit einem Herzfehler geboren wird (Risiko bei der Bevölkerung: 0,8 Prozent). Hat der Vater einen Herzfehler, ist das Risiko etwas geringer.
Antwort von PD Dr. Erwin Oechslin
Wann werden Herzfehler entdeckt?
Dank bildgebender Diagnostik (Herz-Ultraschall) meistens kurz nach der Geburt. Trotzdem kommt es vor, dass man Herzfehler erst Monate oder Jahre später wegen Beschwerden, eines Herzgeräusches oder per Zufall bemerkt. Wenn das Baby zum Beispiel weder trinkt noch an Gewicht zunimmt oder beim Trinken schwitzt, sollte man es gründlich untersuchen lassen. Es gibt aber auch Fälle, in denen Herzfehler erst durch den Schul- oder Hausarzt entdeckt werden.
Anwort von PD Dr. Erwin Oechslin
Wie hoch ist das Risiko eines weiteren Herzkindes?
Bei rund 1% aller Geburten besteht ein Herzfehler. Haben sie bereits ein Herzkind in der Familie, verdoppelt sich dieser Prozentsatz auf 2%. Daraus folgt, dass sie wahrscheinlich ein gesundes Baby erhalten.
Endokarditis
Was ist Endokarditis?
Bakterien lassen sich gerne an abnormalen Strukturen des Herzens nieder. Sie vermehren sich rasch und verursachen eine Entzündung, die z.B. eine Herzklappe völlig zerstören können. Eine solche Entzündung nennt man Endokarditis.
Wie wird Endokarditis vorgebeugt?
Bei Gefahr, dass Bakterien in die Blutbahn gelangen können (z.B. bei aufwendigen Zahnbehandlungen, Aufschneiden eines Furunkels oder Abzesses) wird vorgängig Antibiotika verabreicht. Da sich Bakterien gerne an den Zahnhälsen ansammeln, ist eine sorgfältige Zahnpflege überaus wichtig.
Medizin
Ist Antibiotika schädlich?
Nein. Die meisten Antibiotika haben keine Nebenwirkungen, die sie befürchten müssen. Sie schwächen auch nicht die körpereigene Infektabwehr. Bei der richtigen Dosierung und einer genügend langen Behandlungsdauer (nicht aufhören, auch wenn die Symptone eines Infekts abgeklungen sind) kann nichts Schlimmes passieren. Es ist wichtig, dass das Antibiotika so lange eingenommen wird, bis alle Bakterien vollständig abgetötet sind. Dadurch wird gewährleistet, dass keine Bakterien übrig bleiben, die eventuell resistent gegen das Antibiotikum werden.
Darf ein Herzkind geimpft werden?
Keuchhusten kann für Herzkinder lebensbedrohlich sein, deshalb sollte die Impfung gegen Keuchhusten unbedingt durchgeführt werden. Üblicherweise spricht nichts dagegen, auch die übrigen Impfungen wie bei gesunden Kindern durchzuführen. Falls gewichtige Gründe gegen eine Impfung sprechen, wird ihnen dies ihr Kardiologe mitteilen.
Welche Schwangerschaftsverhütungsmittel sind für herzkranke junge Frauen sinnvoll?
Die meisten betroffenen Frauen können die normalen Methoden der Schwangerschaftsverhütung wählen. Ausnahme bilden Frauen mit Zyanose, verdicktem Blut, hohem Blutdruck im Lungen- oder Körperkreislauf und Antikoagulantientherapie. Die Spirale geht mit einem hohen Endokarditisrisiko einher und sollte eher nicht gewählt werden.
Gibt es Jugendkardiologen?
Das Fachgebiet Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern gewinnt immer grössere Bedeutung, da die Kinder mit Herzfehler eine immer bessere Prognose haben und älter werden als früher. Üblicherweise erfolgt der Wechsel vom Kinder- zum Erwachsenenkardiologen im Alter von 16 - 18 Jahren. Leider haben zur Zeit nicht viele Erwachsenenkardiologen Erfahrungen in der Betreuung von Patienten mit angeborenen Herzfehlern.
Antwort von Dr. Kuen, Kinderspital Luzern
Alltag
Wie ist der Einfluss der Jahreszeiten (Kälte, Hitze) auf die körperliche Verfassung?
Hitze stellt eine Kreislaufbelastung für den Körper dar. Um die Körpertemparatur im normalen Bereich zu halten muss Wärme abgegeben werden, indem Gefässe der Haut weit gestellt werden und Schweiss abgesondert wird. Für jemanden mit einem relevanten die Leistung einschränkenden Herzfehler bedeutet dies, grosse Hitze zu meiden. Ansonsten sollte auf körperliche Betätigung verzichtet und auf reichlich Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Kälte ist ebenfalls belastend. Der Stoffwechsel ist aktiviert, es kommt zu einem erhöhten Sauerstoff- und Energieverbrauch. Auch grosse Kälte ist für den Organismus sehr belastend. Zusätzlich wird die Durchblutung der äusseren Körperteile wie z.B. Nase, Finger etc. reduziert, so dass Kinder mit "blauem" Herzfehler noch blauer erscheinen.
Antwort von Dr. Kuen, Kinderspital Luzern
Schule / Ausbildung
Wird mein Kind normal zur Schule gehen?
Da heute die Korrekturoperationen zu einem frühen Zeitpunkt stattfinden, werden die Mehrzahl der Herzkinder an allen Schulaktivitäten ganz normal teilnehmen. In den seltenen Fällen, wo eine Korrektur des Herzfehlers nicht möglich ist, muss mit krankheitsbedingten Schulabsenzen, Problemen beim Schulbesuch und mit einer verstärkten Ermüdbarkeit gerechnet werden. Die Lehrer sollten darauf Rücksicht nehmen.
Ferien / Freizeit
Darf ein Herzkind in die Ferien?
Die meisten Herzkinder dürfen ohne weiteres in die Ferien. Je nach Reiseziel kann es sinnvoll sein, für den Fall eines Infektes eine Packung Antibiotika in der Reiseapotheke mitzuführen (ihr Hausarzt wird sie beraten). Denken sie besonders bei Kleinkindern und zyanotischen Kindern an den vermehrten Flüssigkeitsbedarf in warmen Ländern. Bei Flugzeugreisen ist zu beachten, dass das Klima im Flugzeug trocken und ärmer an Sauerstoff ist. Für zyanotische Kindern mit verdicktem Blut können besondere Risiken bestehen.
Darf unser Herzkind in die Berge reisen?
Für die meistens Herzkinder spricht nichts gegen einen Aufenthalt in den Bergen. Die meisten Ferienorte liegen zwischen 1000 bis 1500 m über Meer. In dieser Höhe ist der Sauerstoffgehalt der Luft noch ausreichend. Kinder mit zyanotischen Herzfehlern fühlen sich in mittleren Höhenlagen unwohl. Für sie ist ein Aufenthalt am Meer besser geeignet.
Darf ein Herzkind Sport treiben?
Die meisten Herzkinder dürfen Freitzeitsport betreiben. In der Regel darf das betroffene Kind selber entscheiden, welchen Anstrengungen es sich aussetzen will. Eltern haben oft die Tendenz, ihr Kind zurückzuhalten Dies verstärkt das Krankheitsgefühl des Kindes und kann zu Gegenreaktionen vor allem bei Jugendlichen führen. Es sollte trotzdem vermieden werden, dass sich das Kind überfordert. Deshalb sind Wettkampfsportarten einzeln oder in Gruppen sowie Krafttraining (Blutdruckspitzen) weniger zu empfehlen. Während der Sportausübung sollte das Kind noch gleichzeitig sprechen können. Die individuelle Belastungsgrenze können sie mit ihrem Kardiologen abklären.
Ist eine Flugreise (2 - 3 h) mit einem Herzkind (VSD) möglich und falls ja was ist dabei zu beachten?
Grundsätzlich ist eine Flugreise für ein Kind mit einem VSD problemlos möglich und es gibt keine Vorsichtsmassnahmen. Ausnahme wäre höchstens bei einem VSD und einer pulmonalen Hypertonie, was bei einem kleinen Loch praktisch nicht vorkommt. Bei Unsicherheiten empfehle ich ihnen sonst bei ihrem behandelnden Kinderkardiologen nachzufragen.
Antwort von Dr. D. Stambach, Oberarzt Kardiologie, Kinderspital Zürich
Versicherungen
Gibt es Komplikationen mit den Versicherungen?
Viele Patienten mit Herzfehlern können keine Privat- oder Lebensversicherungen abschliessen. Obwohl viele eine gute Lebensqualität haben, werden sie beim Abschluss einer Versicherung an den Makel ihres angeborenen Herzfehlers erinnert.
Antwort von PD Dr. Erwin Oechslin
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