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Das Schweizer Energieunternehmen Axpo hat in den letzten Jahren vermehrt in den Wasserstoffbereich investiert. In diesem Artikel werden die Eigenschaften von Wasserstoff, seine Anwendungsbereiche und Produktionsverfahren sowie die Rolle von Axpo im Wasserstoffmarkt vorgestellt. Hier erhalten Sie einen Einblick in die Entwicklungen im Bereich erneuerbarer Energien und Wasserstofftechnologie.
Eigenschaften und Verwendung von Wasserstoff
Wasserstoff hat ein grosses Energiegewicht und kann dreimal so viel Energie pro Pfund speichern wie herkömmliche fossile Brennstoffe. Das Gas ist farblos, geruchlos und nicht toxisch. Bei der Verbrennung gibt Wasserstoff nur Wasserdampf ab, was bedeutet, dass keine schädlichen Treibhausgase freigesetzt werden.
Wasserstoff kann in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden:
- Transport: Brennstoffzellenfahrzeuge, die Wasserstoff nutzen, erzeugen Strom zur Speisung von Elektromotoren, was bedeutet, dass sie emissionsfrei und leise sind.
- Energiespeicherung: Wasserstoff kann überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien speichern und später wieder in Strom umgewandelt werden, wenn Bedarf besteht.
- Industrie: In Bereichen wie der Stahl- und Chemieindustrie kann Wasserstoff als sauberer Brennstoff und Reduktionsmittel dienen, um Prozesse zu dekarbonisieren.
Produktion von Wasserstoff
Es gibt mehrere Methoden zur Herstellung von Wasserstoff, und diese werden oft nach ihrer Klimabilanz unterschieden:
- Elektrolyse: Hierbei wird Wasser mittels elektrischen Stroms in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stammt, ist der produzierte Wasserstoff als "grün" zu bezeichnen.
- Dampfreformierung von Erdgas: Dabei wird Erdgas (hauptsächlich Methan) mit Dampf reagiert, um Wasserstoff zu erzeugen. Dies ist derzeit die wirtschaftlichste Methode zur Wasserstoffproduktion, führt jedoch zur Freisetzung von CO2, wodurch der resultierende Wasserstoff als "grau" eingestuft wird.
- Biologische Produktion: Hierbei wird Wasserstoff durch Bakterien oder Algen in einem biologischen Prozess erzeugt.
Wasserstoff existiert auf der Erde nicht in seiner reinen Form, sondern ist immer in Verbindung mit anderen Elementen. Dieses farb-, geschmack- und geruchlose Gas muss aus wasserstoffreichen Quellen extrahiert werden, wobei Energie zur Spaltung der Verbindungen benötigt wird. Die Energiequellen zur Produktion von Wasserstoff variieren und führen zu unterschiedlich "gefärbten" Wasserstoffarten, je nachdem, wie er produziert wird. Einige dieser Farben sind:
- Grüner Wasserstoff: Durch Wasserelektrolyse unter Verwendung von Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Wind oder Sonnenenergie hergestellt.
- Grauer Wasserstoff: Produziert durch Dampfreformierung, meist mit Erdgas.
- Blauer Wasserstoff: Grauer Wasserstoff, bei dem ein Teil des CO2 abgefangen und im Boden gespeichert wird.
- Türkiser Wasserstoff: Wird durch thermische Spaltung von Methan hergestellt.
- Gelber Wasserstoff: Erzeugt aus dem vorhandenen Strommix im Netz, in der Schweiz hauptsächlich aus Wasserkraft oder Kernenergie.
- Rosa Wasserstoff: Mit Kernenergie produziert.
- Weisser Wasserstoff: Bezieht sich auf natürlich vorkommende Wasserstoffvorkommen im Untergrund.
Die strategische Positionierung von Axpoim Wasserstoffsektor
Axpo, einer der führenden Energieversorger in der Schweiz, positioniert sich zunehmend als zentrale Figur in der Entwicklung und Implementierung von Wasserstofflösungen, insbesondere im Bereich des grünen Wasserstoffs. Ihr Engagement ist Ausdruck einer Vision, in der erneuerbare Energien und Wasserstofftechnologien einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von Klimaneutralität leisten.
Mit einer Präsenz in etwa 40 internationalen Märkten baut Axpo auf eine beeindruckende Erfahrung im Energiesektor auf. Ihre Expertise reicht von der Planung und dem Bau von Wasserstoffproduktionsanlagen bis hin zur Vermarktung des erzeugten Wasserstoffs. Diese breite Palette an Dienstleistungen macht Axpo zu einem Schlüsselakteur in der europäischen Energielandschaft.
Eines der markantesten Projekte von Axpo ist die Wasserstoffproduktionsanlage beim Wasserkraftwerk Reichenau. Mit einer Kapazität von 2,5 MW ist diese Anlage ein Beispiel für den Einsatz von erneuerbaren Energien zur Produktion von grünem Wasserstoff. Die jährliche Produktion von etwa 350 Tonnen entspricht einer potenziellen Diesel-Einsparung von rund 1,5 Millionen Litern in der Region Graubünden.
Darüber hinaus plant Axpo eine beachtliche Wasserstoffanlage am Industriestandort Wildischachen in Brugg, die, wenn sie fertiggestellt ist, zu den grössten ihrer Art in der Schweiz gehört. Solche Investitionen belegen die Bestrebungen von Axpo, die Wasserstoffproduktion in der Schweiz zu revolutionieren.
International betrachtet baut Axpo auf Kooperationen, wie ihre 43%ige Beteiligung an Swiss Green Gas International und ein Pilotprojekt mit ABB in Italien, welches Technologien im Bereich grünen Wasserstoffes untersucht. Diese internationalen Partnerschaften sind ein Indikator für die Ambitionen von Axpo, nicht nur national, sondern auch auf dem globalen Markt eine Führungsrolle im Wasserstoffsektor zu übernehmen.
Dabei rückt auch die weniger bekannte Möglichkeit des weissen Wasserstoffs in den Fokus, welcher natürlich im Untergrund vorkommt. Diese Vorkommen wurden bereits in den 1980er Jahren in Mali entdeckt. Doch trotz dieser alternativen Wasserstoffquelle betont Guy Bühler, Leiter Wasserstoff bei Axpo, dass die aktive Produktion von grünem Wasserstoff unerlässlich ist, um den CO2-Fussabdruck zu reduzieren und die Dekarbonisierung voranzutreiben.
Historisch gesehen hat Axpo sich als einer der führenden Energieversorger in Europa einen Namen gemacht. Gegründet im frühen 20. Jahrhundert, hat sich das Unternehmen stetig weiterentwickelt und den Herausforderungen des Marktes angepasst. Ihre neuesten Bemühungen im Wasserstoffbereich sind nur ein Kapitel in einer langen Geschichte von Innovation und Engagement für eine nachhaltigere Energiezukunft.
Insgesamt spiegelt die strategische Ausrichtung von Axpo im Wasserstoffsektor eine umfassende und langfristige Vision wider, die sowohl auf die nationale als auch auf die internationale Energielandschaft abzielt. Mit solchen Ambitionen und Investitionen wird Axpo weiterhin eine Schlüsselrolle in der sich entwickelnden Wasserstoffwirtschaft spielen.
Herausforderungen und Chancen für Wasserstoff in der Schweiz
Die Verwendung von Wasserstoff als umweltfreundlicher Energieträger befindet sich in der Schweiz und weltweit noch in einer Anfangsphase. Der Glaube an das Potenzial von Wasserstoff, vor allem in seiner grünen Form, als Beitrag zur Erreichung der Klimaziele ist ungebrochen. Doch stehen dieser Vision bedeutende Herausforderungen gegenüber. Eine der grössten Schwierigkeiten ist die derzeitige Dominanz des aus Erdgas gewonnenen Wasserstoffs, welcher in seiner Herstellung beträchtliche CO2-Mengen freisetzt. Das steht im Widerspruch zu den Umweltzielen, die mit grünem Wasserstoff erreicht werden sollen.
In der Schweiz erweist sich auch die Lagerung und der Transport von Wasserstoff als eine besondere Herausforderung. Aufgrund seiner geringen Dichte muss Wasserstoff unter hohem Druck gelagert und transportiert werden, was spezielle Infrastrukturen erfordert. Hinzu kommen die hohen Kosten, die mit der Produktion und Infrastruktur von grünem Wasserstoff verbunden sind, insbesondere im Vergleich zu fossilen Brennstoffen. Allerdings bieten sich gerade in der Schweiz auch besondere Chancen. Das Land verfügt über eine Fülle von erneuerbaren Energieressourcen wie Wasserkraft, die genutzt werden können, um Wasserstoff auf umweltfreundliche Weise zu produzieren. Zudem könnte Wasserstoff helfen, saisonale Schwankungen in der Energieproduktion auszugleichen, indem er in Zeiten von Energieüberschuss produziert und gespeichert wird.
Für Unternehmen wie Axpo ist die Botschaft klar: Erneuerbare Energien und Wasserstofflösungen sind unerlässlich für eine klimafreundliche Energiezukunft. Die Investition in diese Technologien ist nicht nur eine Verpflichtung gegenüber der Umwelt, sondern kann auch eine Chance für wirtschaftliches Wachstum und Innovation sein. Die Partnerschaften und Projekte, die Axpo in diesem Bereich eingeht, sind ein Zeichen für das Vertrauen des Unternehmens in die Zukunft von Wasserstoff als nachhaltigem Energieträger. Schlussendlich repräsentiert Wasserstoff für die Schweiz und die globale Gemeinschaft sowohl eine Herausforderung als auch eine immense Gelegenheit. Der Weg dorthin mag steinig sein, aber mit dem Engagement und der Innovationskraft von Unternehmen wie Axpo, gepaart mit politischer Unterstützung und technologischem Fortschritt, könnte Wasserstoff tatsächlich eine tragende Säule in der Energielandschaft der Zukunft werden.