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Gletscherseeüberwachung in Westchina (Shaksgam-Tal/Xinjiang)
In den letzten 10 Jahren haben fünf Gletschersee-Ausbrüche entlang des Yarkant-Flusses in Westchina (Provinz Xinjiang) Menschenleben gefordert und grosse Schäden an Infrastruktur verursacht. Etwa 560 km talaufwärts vom gefährdeten, besiedelten Gebiet, auf 4‘750 m ü.M. wirkt der Kyagar-Gletscher als natürlicher Damm im Shaksgam-Tal. Hinter dem Gletscher bildet sich immer wieder ein See mit einem aktuell möglichen Volumen von etwa 20 Mio Kubikmetern. Bricht dieser See durch den Gletscher-Damm, kommt es zu den gefährlichen Flutwellen.
Geologen und Überwachungsspezialisten der GEOTEST AG und der GEOPRAEVENT AG haben in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Wasserministerium (MWRC), dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vor Ort zwei Überwachungsanlagen installiert: eine Anlage misst den Pegel des Keleqin-Flusses und übermittelt täglich mehrere Bilder vom Flussbett. Bei Überschreitung des Alarmpegels werden die chinesischen Behörden per SMS gewarnt. Eine zweite Anlage befindet sich direkt am Gletschersee: mittels zwei Webcams kann die Seegrösse jederzeit beurteilt werden. Beide Stationen sind ausserdem mit zahlreichen meteorologischen Sensoren ausgestattet, welche wichtige Messwerte aus dieser sehr entlegenen und schlecht untersuchten Gegend übermitteln. Beide Anlagen senden ihre Daten und Bilder mehrmals täglich per Satellitenverbindung.
Grösste Herausforderung war die extrem abgelegene Lage, welche eine aufwändige, mehrtägige Expedition in grösstenteils unbekanntes Gebiet erforderte, mitsamt dem Transport der gesamten Überwachungsanlage inklusive Installationsmaterial. Die erste Anlage wurde im August 2011 in Betrieb genommen, die zweite Anlage hinter dem Gletscher läuft seit August 2012.
Die Anlage und das gesamte Installationsmaterial für die See-Station musste während einer mehrtägigen Expedition mit insgesamt 12 beteiligten Personen durch unbekanntes Gelände transportiert werden. Im Grenzgebiet zu Kaschmir hat sich seit Jahrzehnten kein Mensch mehr aufgehalten.