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Autor: frank stettler
2001 kam der 47-jährige Chris McSorley vom zu jener Zeit der Anschutz-Gruppe gehörenden Verein London Knights zum ebenfalls von den amerikanischen Investoren unterstützten Servette, mit dem er 2002 den Aufstieg in die Nationalliga A schaffte. Nach dem Ausstieg von Milliardär Philip Anschutz wurde der Kanadier bei den Genfern Eigentümer und erreichte zweimal den Playoff-Final. Chris McSorley stammt aus Hamilton (Ontario, Kanada). Das berühmteste seiner neun Geschwister ist Bruder Marty, der in der NHL einst an der Seite von Wayne Gretzky gespielt hatte. Chris McSorley, der in seiner Aktiv-Karriere Center gewesen war, kam nie über die unteren Ligen in Nordamerika hinaus.
Chris McSorley, mit nur gerade vier Siegen aus 18 Partien ist Servette der Saisonstart gründlich misslungen. Woran liegt’s?
Zunächst gilt es festzuhalten, dass wir zu den Teams mit den kleinsten Budgets der Liga zählen. Dies allein ist natürlich keine Entschuldigung. Viel schwerer wiegen da schon die zahlreichen Ausfälle, die wir zu beklagen haben. So brach sich etwa Toni Salmelainen in Freiburg den Daumen und konnte nur gerade mal vier Spiele bestreiten. Ein anderes Beispiel ist Dan Fritsche, der bis auf sechs Partien ausfiel. Insgesamt war gut ein Drittel der Mannschaft bereits verletzt. So ist es nicht einfach. Jedes Team hätte Mühe, wenn derart viele wichtige Spieler passen müssten. Wäre Gottéron so weit vorne, wenn Andrei Bykow und Julien Sprunger nicht zur Verfügung stehen würden? Und ehrlich gesagt, oft fehlte uns auch das Glück. Beim Match in Freiburg zum Beispiel erzielte Sprunger Sekunden vor Ende den Siegestreffer. Dies nach einem Solo, das sicher nicht alle Tage gelingt.
Zuletzt gaben Sie mit Thomas Déruns, John Gobbi, Martin Höhener und Robin Breitbach diverse Spieler mit einem gewissen Renommee ab. Ist nicht ganz einfach der Substanzverlust zu gross, um vorne mitzumischen?
Nein. Sehen Sie, Breitbach konnte in dieser Saison für die ZSC Lions verletzungshalber noch kein einziges Spiel absolvieren. Gobbi ist bei den Zürchern nur Verteidiger Nummer acht. Höhener spielt bei Bern keine zentrale Rolle, und auch Déruns hat beim SCB nicht den Einfluss, den alle erwartet haben. Die Leute vergessen, dass all diese Spieler, bevor sie zu Servette kamen, nicht eben begehrt waren auf dem Markt.
Sie gelten in der Branche als knallharter Geschäftsmann. Kann es sein, dass Sie momentan auf kleinerer Flamme kochen, um auf das Jahr 2015 hin, wenn die neue Arena in Genf bezugsbereit sein sollte, ein Meisterteam auf die Beine zu stellen?
Nein. Wir mussten jetzt Einsparungen vornehmen, um zu überleben. Mit der neuen Halle hat dies alles nichts zu tun. Erst mit einer neuen Infrastruktur können wir wieder einen Schritt nach vorne mache.
Servette liegt bereits elf Punkte hinter einem Playoff-Platz. Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie demnächst aus dieser Krise herauskommen?
Ich bin ein Optimist durch und durch. Hans Kossmann, der mich besser kennt als meine Frau, weiss am besten, dass ich nie aufgebe – nie. Was wir brauchen, ist ein Erfolgserlebnis, das den Knoten löst. Ich glaube nach wie vor an meine Mannschaft. Wir hatten wirklich viel Pech bisher und das tut mir für meine Spieler leid. Wenn Salmelainen und Fritsche ins Team zurückkehren, werden wir uns steigern. Wie gesagt, ich kenne die Gründe für unseren Fehlstart und ich kenne die Lösungen, um aus dem Tief herauszukommen. Es bleiben noch genügend Partien in dieser Saison. Das Spiel in der Liga wurde noch intensiver, damit bekunden einige meiner Spieler noch Mühe.
Servette wird also auch in dieser Saison die Playoffs erreichen?
Garantiert. Sehen Sie, letztlich ist es wie beim Sesseltanz. Acht Plätze stehen zur Verfügung. Ich bin sicher, wenn die Musik aufgehört hat zu spielen, werden wir auf einem der Stühle sitzen. Und dann geht es in den Playoffs so richtig los.
Am Freitag treffen Sie zuhause auf Gottéron. Wie überrascht sind Sie, dass die Freiburger auf Platz eins stehen?
Für mich ist das keineswegs überraschend. Freiburg hat auf dem Papier ein tolles Team. Da ist eine ganze Menge Leadership im Kader zu finden. Hans Kossmann und sein Assistent René Matte leisten ausgezeichnete Arbeit. Gottéron verdient seine Position. Die Mannschaft spielt hart und strukturiert. Mit Sicherheit ist Freiburg kein Zufallsleader.
Wie gross ist der Anteil von Hans Kossmann, der lange Jahre Ihr Assistent in Genf gewesen war, am Erfolg der Freiburger?
Hans hat wie schon erwähnt eine wirklich starke Equipe zur Verfügung. Zudem ist er sehr smart und arbeitet hart. Er hat eine Menge aus unserer gemeinsamen Zeit in Genf mit nach Freiburg genommen. Die hohe Intensität, die langen Pässe, dies alles macht Gottéron zu einem Team, das nur sehr schwierig zu bezwingen ist. Als Freund bin ich glücklich zu sehen, was Hans leistet. Aber als Berufskollegen sind wir Gegner. Wir sind die Feinde Nummer eins und zwei.
Das Romand-Derby wäre der ideale Zeitpunkt für das Erfolgserlebnis, welches Sie erwähnt haben.
Ja, die Spiele gegen Freiburg sind immer speziell. Wie gesagt, wir treffen auf ein Top-Team. Ein Sieg würde uns zweifelsohne beflügeln. Wir werden hungrig sein.
Hat das Vertrauen in sein Team trotz der anhaltenden Baisse nicht verloren: Chris McSorley, der starke Mann bei Servette.Bild Keystone
Der heutige Gegner
Die Fakten zu Servette-Genf
•Servette provoziert mit seiner schnellen Spielweise Strafen. Die Genfer konnten mit 145 Minuten bisher am meisten in Überzahl spielen.
•Topskorer der Genfer ist Captain und Verteidiger Goran Bezina mit 13 Punkten (4 Tore/9 Assists).
•Chris McSorley muss auch heute auf Toni Salmelainen, Dan Fritsche und Adrian Brunner verzichten.
•Trotz der Krise: mit im Schnitt 6474 Zuschauern stehen die Genfer weiter hinter ihrem Team. fs
Gottéron-Trainer Hans Kossmann: «Habe Servette nicht so schlecht erwartet»
Sieben Jahre lang war Hans Kossmann in Genf der Assistent von Chris McSorley. Der Gottéron-Trainer glaubt nicht, dass das System «McSorley» schlicht überholt ist. «Auch Servette hat seine Spielweise verändert und betreibt nicht mehr das Forechecking früherer Tage. Vielleicht sollte Chris aber wieder auf das alte System zurückgreifen», so Kossmann schmunzelnd. «Jedenfalls habe ich Genf nicht so schlecht erwartet, wobei die vielen Verletzten sicher eine Rolle spielen.» Früher noch habe Servette mit seiner Intensität die Gegner überrascht, erklärt Kossmann. «Das Spiel in der Liga ist aber schneller und intensiver geworden. Servette ist deshalb keine Ausnahme mehr.»
Wichtige Spezialsituationen
Während die Genfer in den letzten sieben Partien nur gerade einen Sieg feiern konnten, realisierte Gottéron am Dienstag Sieg Nummer zehn in Serie. «Wir können mit viel Selbstvertrauen zu Servette reisen. Aber aufgepasst: Genf spielt sehr direkt mit viel Zug auf das Tor. Wir müssen dieselbe Schnelligkeit aufs Eis bringen und das Spiel von unserer Zone fernhalten.»
Entscheiden werden laut dem Freiburger Trainer einmal mehr die Spezialsituationen. «Im 5-gegen-5 ist es schwierig, gegen Genf zu treffen. Umso wichtiger werden die Überzahlsituationen sein.»
Heins noch heute gesperrt
Kossmann muss heute ein letztes Mal auf Shawn Heins verzichten, der seine siebte und letzte Spielsperre absitzt. Während Dimitri Afanasenkow erfolgreich am Fuss operiert wurde, ist Sandro Brügger ein weiteres Mal an La Chaux-de-Fonds ausgeliehen. Simon Rytz wird heute in Genf Ersatz-Goalie sein.
Spielbeginn in Genf ist heute Abend um 2015 Uhr (live auf TSR II).fs
«Ich kenne die Gründe für unseren Fehlstart und ich kenne die Lösungen, um aus dem Tief herauszukommen.»
Autor: Chris McSorley
Autor: Trainer Servette-Genf
«Mit Sicherheit ist Gottéron kein Zufalls-Leader.»
Autor: Chris McSorley
Autor: Trainer Servette-Genf