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Das Mitte-Herbst-Fest (Zhong Qiu Jie) wird des schönen, runden, leuchtenden Vollmonds wegen auch Mond-Fest (Yue Liang Jie) genannt. Es hat wie so vieles in China eine lange Tradition. Die Kaiser opferten zur Aussaat im Frühling der Sonne und zur Ernte im Herbst dem Mond. Schon zu Beginn der Tang-Dynastie (618-907) betrachteten nach dem chinesischen Mondkalender am 15. Tag des 8. Monats Chinesinnen und Chinesen mit leuchtenden Augen den Mond am Himmel. Seit der Ming-Dynastie im 15. Jahrhundert wurde das Mond-Fest zum Familienfest mit dem Mond als Symbol für Prosperität und Glück. Heute sind das Mitte-Herbst-Fest zusammen mit dem Frühlingsfest – Chinesisch Neujahr – die wichtigsten chinesischen Feiertage des Jahres.
Yuebing
Im Mittelpunkt des Mond-Festes – gregorianisch 15.-17. September – stehen die Mondkuchen. Sie werden nicht zu Hause gebacken, sondern in Bäckereien und Supermarkts gekauft. Familienmitglieder, Verwandte, Freunde und Bekannte beschenken sich gegenseitig mit den köstlichen Kuchen. Meist sind die Yuebing, die mondrunden Küchlein, aufwendig verpackt. Die Füllung ist süss, salzig oder auch beides, also süss und sauer. Symbolhaft signalisiert beispielshalber süss und sauer das alte chinesische Prinzip Yin und Yang, also Harmonie.
Die Yuebing-Zutaten sind zahlreich: Süsskartoffeln, Zucker, Dattelpaste, Bohnenbrei, Lotussamen, Sesam, verschiedene Früchte, Schweinefleisch, feingehacktes Gemüse oder als Symbol des Vollmondes dezent gesalzenes Eigelb, ja selbst Krabben und Fisch. Die Zutaten-Liste liesse sich beliebig lang fortsetzen. Jede Provinz im Land jedenfalls beansprucht für sich die besten Rezepte. Die Yuebing aus der Provinz Jiangsu sind so zum Beispiel eher weich und fettig und jene aus der Südprovinz Guangzhou (Kanton) extrem variantenreich. In Peking und der nahen Hafenstadt Tianjin dagegen sind die Mondkuchen nach Ansicht Ihres Korrespondenten herrlich knusprig, also die besten im ganzen Reich der Mitte. Die meisten Kuchen sind mit Schriftzeichen dekoriert, die Harmonie oder Langes Leben versprechen.
Alles was rund ist
Neben dem Verzehr von der doch ziemlich mastigen Mondküchlein wird anderes, immer aber Rundes mit Gusto verzehrt. Wassermelonen als Symbol der Fruchtbarkeit sind besonders beliebt, aber auch Pomelo (Youzi), dessen Aussprachen ähnlich tönt wie «Segne den Sohn». Auch beliebt sind Granat-Aepfel, Kürbis, rund Lotuswurzel-Stückchen und Trauben. Gut für die Gesundheit – besonders Lunge – sollen gedämpfte, geschälte Birnen sein. Der Verzehr von Taro-Früchten wiederum soll böse Geister vertreiben. Reiswein mit Klebereis-Bällchen hingegen sind ganz einfach gut, ja köstlich.
Mondkuchen-Bäcker versuchen auch eher auf der skurrilen Seite, Aufmerksamkeit zu erhaschen. So haben Studenten der Yangzhou-Universität in der Provinz Jiangsu bunte Küchlein mit 3D-Drucker hergestellt. Künstler in der Guangdong-Provinz wiederum kreierten einen Yuebing aus sündhaft teurer Jade. In Kunming (Provinz Yunnan) suchten Bäcker wohl den Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde mit einem 68 Kilogramm schweren Mondkuchen mit einem Durchmessen von 2,4 Metern. Der Rekord-Kuchen ist gefüllt mit Schinken und Rosenblätter-Konfitüre. Mmhh!
Klarer Himmel?
Das grösste Glück am Mitte-Herbst-Fest besteht für Chinesinnen und Chinesen darin, mit Familie, Verwandten und Freunden bei einem guten Essen den Vollmond zu betrachten. Aus meteorologischen Gründen ist das natürlich nicht überall möglich. Der Chinesische Wetterdienst gab sich denn viel Mühe, Vollmond-adäquate Prognosen zu veröffentlichen. Dabei wurden die Wetterdaten vom 15. Tag des 8. Monats von 1951 bis 2013 analysiert. Danach gibt es eine 70-prozentige Chance, dass der Himmel weniger als 50 Prozent bedeckt ist zum Beispiel in den Laoshan Bergen in Qingdao, im Tang-Paradies in Xi’an oder – zum Glück für Ihren Korrespondenten – bei der Luguo-Brücke in Peking. Der Taifun Meranti wiederum verunmöglicht Menschen in den Provinzen Guangdong (Kanton) und Fujian sowie in der «abrünnigen Provinz» Taiwan, den Vollmond in seiner runden Pracht zu geniessen.
Fertig lustig
Die Mondkuchen haben – wie fast alles in China – auch eine politische Seite. Geschenklein geben und erhalten hat eine lange Tradition, und somit auch das Beschenken von Beamten und Parteikadern. Nicht selten erhielten die Staats- und Parteidiener sündhaft teure Yuebings kunstvoll eingebunden in noch teurere Geschenkpackungen. Seit Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping an der Macht ist, fallen solche Mondkuchen-Geschenke unter Korruptions-Verdacht. Fertig lustig also. Nicht mehr wie früher, dürfen jetzt Festtagsgeschenke mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Bankette sind ebenfalls verboten.
«Wichtiges politisches Ziel»
Der Verkauf von teuren Mondkuchen jedenfalls ist seit 2013 rasant rückläufig. Zhang Xixian, Professor an der Parteischule des Zentralkomitees wird von «Global Times» – einer Zeitung des Parteiblattes «Renmin Ribao» – mit folgenden Worten zitiert: «Für das chinesische Volk ist es eine Tradition, an Festtagen Bankette zu veranstalten und Geschenke zu geben, zum Beispiel Mondkuchen am Mitte-Herbst-Fest. Das hat vielen Beamten die Gelegenheiten eröffnet, bestochen zu werden». Die Zentrale Kommission für Disziplin-Überwachung (CCDI) der KP Chinas hat nun den Antikorruptionskampf verschärft. Auf einer neuen Website werden die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, jene Beamten und Parteikader zu melden, die durch teure erhaltene Geschenke auffallen oder solche mit Staatsgeldern finanziert haben. Die Namen der Schuldigen sollen dann auf der Website an den Pranger gestellt werden. Dass es die KP ernst meint, zeigt eine in «Global Times» veröffentlichte Stellungnahme von CCDI-Vize-Sekretär Huang Shuxian. Er nannte den Kampf gegen «Korruption, Formalismus, Bürokratie, Hedonismus und Extravaganz» der fehlbaren Partei-Kader ein «sehr wichtiges politisches Ziel».
Ohne Luxus-Kuchen
Der Absatz von sehr teuren Mondkuchen jedenfalls ist in den letzten drei Jahren um über 50 Prozent zurückgegangen. Nach einem Bericht der «Global Times» wird sich dieser Trend fortsetzen. Längst sind die Zeiten vergangen, als vergoldete Yuebings Mode waren. Zwei Mondkuchen reichlich vergoldet erzielten vor vier Jahren den Rekordpreis von umgerechnet 6’500 Franken. Ein Geschenk mit zwei bis zwölf Mondküchlein, schön Festtags-verpackt, kostet nach einer nicht-repräsentativen Recherche Ihres Korrespondenten in den Pekinger Supermarkts von Jingkelong, Carrefour oder WalMart zwischen 50 und 500 Yuan (7 – 70 Franken). Auch ohne Luxus-Mondkuchen also: e Guete!
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine