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Zürich 19 Julii 1856
Lieber Freund.
Die Regierung hat ihre 1½ Milionen gar nicht übernommen, ungeachtet Speculanten ihr die ganze Summe mit 4 oder 5% Agio sofort fest abkaufen wollten. Ich glaube, dieser Entschluß der Regierung ist den Umständen ziemlich angemessen, zumahl zur Zeit noch so viele Vorurtheile gegen die Anstalt bestehen.
Die Zeichnungen scheinen die Summe von zweihundert Millionen weit zu übersteigen. Die Reduction wird ein schweres Stück Arbeit sein. Unter diesen Umständen war es natürlich absolut unmöglich, für irgend Jemanden die Anmeldungen so ein zu richten, daß er eine bestimmte Zahl sicher bekomme.
Herr Fierz geht nun in einigen Tagen auch fort; seine Gesundheit erfordert es dringend, daß er sich einige Ruhe gönne & Seebäder nehme. So schwinden unsere Arbeits| kräfte bedeutend zusammen & ich sehe der nächsten Zukunft mit einiger Besorgniß entgegen, zumahl wir auf die auswärtigen Mitglieder wenig rechnen können. Um so wichtiger wäre es allerdings, einen Vice Director zu finden, der sofort eintreten könnte. H. Fierz schlägt Herren Trümpeler vor, der lange in Italien bei einem Banquier-Hause betheiligt gewesen ist. Es scheint, daß er ganz tüchtig wäre & alles Vertrauen verdienen würde; es frägt sich nur, ob der Umstand, daß er Schwager v. H. Ott-Trümpeler ist, absolut im Wege stehe. H. Fierz hat an H. Hüni über H. Trümpeler geschrieben, aber keine Antwort bekommen. Wenn Ihr ganz entschieden gegen eine solche Wahl seid, so wäre es vielleicht am Besten, wenn ihr morgens schon durch den Telegraphen melden würdet: «Wir rathen von der beabsichtigten Wahl ab» | oder etwas dergleichen. Ich muß aber immer & immer wiederhohlen, daß die Direction unmöglich unbesetzt bleiben kann.
Wir haben soeben beschlossen, 100,000 fcs Gründungsactien der Bank in Luzern zu zeichnen, womit ihr wohl auch einverstanden sein werdet. Ihr werdet natürlich noch keine Vorstellung davon haben, wie lange die Sitzung in Bern dauern kann.
Es grüßt Dich herzlich
ganz der Deinige
J R