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Manche Gewohnheiten aus der Medizin weisen ein ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis auf. Mit diesen befasst sich an der Universität Lausanne der Gesundheitsökonom Joachim Marti. Mit seiner Forschungsgruppe hat er das Ausmass der Verschreibung von sogenannten Benzodiazepinen wie etwa Temesta oder Xanax in der Schweiz bei 69 000 Personen ab 65 Jahren untersucht. Auf der Grundlage von Krankenkassendaten analysierte er für 2017 den Zusammenhang zwischen der Einnnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, der Häufigkeit von Hospitalisierungen und den Kosten.
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Marti stellte fest, dass 20 Prozent der untersuchten Personen mindestens einmal Benzodiazepine erhalten hatten. Zudem steigt der Konsum mit dem Alter an und ist bei Frauen höher. Eine weitere Erkenntnis: Mit Benzodiazepinen behandelte Personen werden häufiger wegen Unfällen ins Krankenhaus eingeliefert und verursachen um 70 Prozent höhere Krankenkassenkosten. Joachim Marti vermutet, dass die übermässige Anwendung dieser Medikamente – bei schätzungsweise 16 Prozent der Teilnehmenden seiner Studie – damit zusammenhängt, dass die Behandlung kostengünstig ist und kurzfristig als wirksam erlebt wird. Mittel- und langfristig hingegen ist der therapeutische Nutzen unklar, denn es kann zu Entzugserscheinungen, zu Abhängigkeit und zu Nebenwirkungen kommen, die bei älteren Menschen besonders ausgeprägt sind: verlangsamter Stoffwechsel, Gedächtnisstörungen, kognitive Störungen und Sturzgefahr. Benzodiazepine scheinen ähnliche Auswirkungen zu haben wie Opioide, allerdings müsste dies mit weiteren Studien genauer erforscht werden.
Der Forscher schlägt zur Lösung des Problems folgende Strategie vor: «Wichtig ist, herauszufinden, bei wem diese Medikamente tatsächlich wirksam sind. In Zukunft möchten wir durch Patientenbeobachtung über spezifische Aspekte mehr in Erfahrung bringen, zum Beispiel über die Unterschiede in der Verschreibung zwischen der Deutsch- und der Westschweiz.»