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Schon gewusst? Früher war Opel der grösste Fahrradhersteller weltweit.
Heute kennt man Opel vor allem als deutschen Autohersteller von erschwinglichen Fahrzeugen. Doch die Geschichte des Unternehmens startete nicht mit Autos. Auch nicht mit Velos. Sondern – mit Nähmaschinen. Von 1862 bis 1885 verkaufte Opel ausschliesslich Nähmaschine. Dann besuchte Firmengründer Adam Opel Paris, wo das Hochrad florierte. Das brachte den Unternehmer auf die Idee, selber in die Produktion einzusteigen: So verkaufte Opel bereits ein Jahr später ihr erstes, eigenes Hochrad.
Sicherheitsrad folgt ein Jahr später
Bereits ein Jahr später begann Opel mit der Fabrikation von Dreirädern und Niederrädern, den sogenannten Safeties. Ein solches Sicherheitsrad hatte Karl – der Sohn von Adam – von einer Studienreise über die Fahrradproduktion aus dem englischen Sheffield mitgebracht. Das Safety hatte zwei nahezu gleich grosse Räder und war nun wesentlich einfacher zu fahren als das Hochrad.
Das erste Auto als Nebenprodukt
1899, vier Jahre nach dem Tod des Firmengründers, bauten die beiden Söhne das erste Automobil, sie forcierten sich aber weiterhin auf die Fahrradproduktion. Bis in die 1920er-Jahre verpflichteten sie regelmässig die weltbesten Radrennfahrer, die reihenweise Siege auf Opel-Rädern einfuhren. Weil die Nachfrage nach den Zweirädern weiter zunahm, stellten die Rüsselsheimer bald ihre Produktion grundlegend um: 1923 führte Opel als erstes deutsches Unternehmen die Fliessbandfertigung für seine Fahrradproduktion ein. Nun lief alle sieben Sekunden ein neues Rad vom Band.
Die Übernahme von GM
In den folgenden Jahren musste das Unternehmen jedoch einige Rückschläge verkraften. Nach dem Tod der Opel-Söhne Karl und Heinrich in den Jahren 1927 und 1928 gerieten die Brüder Wilhelm und Fritz wegen der nun doppelt zu zahlenden Erbschaftssteuer in finanzielle Nöte. Als das Geld zur Renovierung der zuvor stets ausgelasteten Produktionsanlagen fehlte, schauten sich Wilhelm und Fritz Opel nach einem Käufer um. Zu diesem Zeitpunkt kam ein Übernahmeangebot von General Motors, dem damals weltgrössten Automobilhersteller, gerade recht. Im September 1929 war die Übernahme beschlossene Sache.
Der schwarz Freitag
Nur einen Monat später, am 29. Oktober 1929, stellte sich der Verkauf als äusserst weise Entscheidung heraus. Der als «Schwarzer Freitag» in die Geschichte eingegangene Crash an der New Yorker Börse trieb unzählige Firmen in den Bankrott. Der florierenden Opel-Fahrradproduktion konnte die jahrelange Wirtschaftskrise aber aus mehreren Gründen wenig anhaben: Erstens war die GM-Tochter gut gerüstet in die Krise hineingegangen, zweitens herrschte nach dem Ende der Wirtschaftsflaute ein erhöhter Bedarf an Fahrrädern und drittens sank die Zahl der Beschäftigungslosen durch Arbeitsbeschaffungsmassnahmen, sodass sich immer mehr Personen ein Fahrrad leisten konnten.
Opel wird zum Autohersteller
Doch bei den Herstellern standen alle Zeichen längst auf Automobilproduktion: «Um alle verfügbaren Kräfte für die Motorisierung freizumachen, der wir uns nunmehr mit aller Energie widmen wollen», so die Unternehmensleitung, entschied sich der Vorstand und Aufsichtsrat der Adam Opel AG, das Fahrradgeschäft Ende 1936 an NSU zu verkaufen. Am 15. Februar 1937 lief das letzte Opel-Fahrrad vom Band und beendete eine mehr als 50-jährige Tradition mit rund 2,6 Millionen gefertigten Drahteseln.
Neue Fahrrad-Studie
75 Jahre lang baute Opel kein Velo mehr, nun kehrt man mit der Studie RAD e zu den Wurzeln zurück. Das E-Bike soll die urbane Mobilität der Zukunft unterstützen, denn nicht überall kommt man direkt mit dem Auto ans Ziel – mit dem Velo hingegen schon. Ob es in Zukunft wieder Velos von Opel geben wird, ist eher unwahrscheinlich, aber die Hoffnung stirbt zuletzt, denn Opel-Chef Karl-Thomas Neumann ist ein bekennender Fahrradfan.
Text: Pressedienst / Koray Adigüzel
Bilder: Opel