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Geschichte
Der geschichtliche Streifzug durch Knonau wird Ihnen in folgenden Zeitabschnitten näher gebracht:
Und nun viel Vergüngen beim Eintauchen in alte Zeiten!
Vor der ersten Besiedelung
Beginnen wir unseren geschichtlichen Streifzug durch Knonau in der letzten Eiszeit, als grosse Blöcke von Riginagelfluh in das Gebiet von Knonau getragen wurden. Diese tauchen bei Grabarbeiten und Kiesabbau auf Knonauer Boden immer wieder mal auf. Am offensichtlichsten zeugt davon der vom Bahnhof her gut sichtbare Findling, welcher bei der Abtragung des Hirzrains zur Aufschüttung des Autobahntrassees zum Vorschein kam. Ein weiterer markanter sieben Meter über die Erde ragender Nagelfluh-Block, der „Kindlistein", auf dem eine grosse Eiche und eine Ruhebank stand, wurde in der Rossi im Jahre 1887 gesprengt und als Baumaterial für die Mauern des Dorfbaches verwendet.
Das weit verbreitete Kiesaufkommen, welches heute noch in der Kiesgrube im Gebiet Rütenen/Aspli ausgebeutet wird, deutet daraufhin, dass nach dem Rückgang des Eises der aus Rossau kommende Wattbach, der aus Mettmenstetten kommende Haselbach und der aus der Baaregg kommende Baareggbach (welcher sich später mit dem Gfängbach vereinigt) das Gebiet früher überschwemmt und einen See gebildet haben dürften. Dieser wurde mit angeschwemmtem Kies, Sand und Schlamm aufgefüllt. Auch ein Zahn eines Mammuts fand den Weg dahin und wurde in der alten Kiesgrube im Grund in beträchtlicher Tiefe gefunden. Das Wasser der Bäche und der fruchtbare Boden bildeten schliesslich die Grundlage, dass sich in Knonau eine starke Landwirtschaft ansiedeln konnte.
Kelten und Römer
Im letzten vorchristlichen Jahrtausend dürften überwiegend Kelten unser Gebiet besiedelt haben. So zeugt ein Grabhügel im Büelholz an der Grenze zu Mettmenstetten vermutlich aus der älteren Eisenzeit (um 500 v. Chr.). Auch auf der Anhöhe in der Nähe des Langackers wurden zwei keltische Gräber gefunden. Ob die Kelten auf Knonauer Boden aber Wohnsitz hatten oder nomadisierend durchzogen, kann nicht festgestellt werden.
Mit dem Einmarsch der Römer, welche im Jahr 58 v. Chr. den Auszug der keltisch stämmigen Helvetier verhindern konnten, und somit einen Puffer gegen die Germanenangriffe aus dem Norden hatten, nahm vorerst die keltische Oberschicht römische Sitten und Gebräuche an. Erst im Lauf der Jahrhunderte drang die römische Kultur bis zur Unterschicht durch. Einwanderer aus Rom gab es im Reusstal aber vermutlich keine. Als neue Besiedlungsformen entstanden in unserer Gegend aber von adligen Kelten geführte Gutshöfe nach römischem Vorbild, die abgeschlossene Siedlungen mit strenger hierarchischer Gliederung und beruflicher Aufteilung darstellten. Diese Siedlungen wurden später aber wieder verlassen, zerfielen und können nicht als Ursprung unserer heutigen Dörfer betrachtet werden.
Schon die Römer wählten für ihre Heerstrasse von Turicum (Zürich) nach Lucerna (Luzern) den Weg über den Albis, Unter-Rifferswil, Weissenbach und dann in Knonau vorbei am Bollet. Auf dem Bollet fand man auch Überreste eines römischen Hauses, welches wahrscheinlich zur Lagerung von Nahrungsmitteln oder als eine Art Wirtshaus verwendet wurde. Beim Eisenbahnbau wurde zudem auf der nördlichen Seite des Bollet eine ganze Reihe römischer Gräber, eine Art Friedhof, freigelegt.
Die römische Herrschaft brachte für längere Zeit wirtschaftlichen Aufschwung, Fortschritte bei der Infrastruktur und auch relativ ruhige Zeiten. Im 2. Jahrhundert begannen aus dem Osten abgezogene römische Truppen zudem die dort entstandenen neuen Religionen in den Westen, so auch in unser Gebiet, zu tragen. Unter diesen monotheistisch ausgerichteten Religionen befand sich auch das Christentum. Während Jahrhunderten gab es ein Nebeneinander der verschiedensten Religionen: keltische, germanische, griechisch-römische sowie kleinasiatische Götter wurden von den noch wenig verschmolzenen Volksgruppen der Kelten verehrt. Christen kamen aber vorwiegend aus den Reihen der Römer. Kaiser Theodosius erklärte 391 das Christentum zur Staatsreligion und verbot alle heidnischen Kulte, das römische Reich war aber bereits so schwach, dass sich das Christentum nördlich der Alpen nicht mehr wirklich durchsetzen konnte, bis germanische Stämme die Macht übernahmen.
Die im 3. Jahrhundert verstärkt einsetzenden Völkerwanderungen führten zu zunehmenden Problemen an den römischen Aussengrenzen und zu einer Militarisierung der römischen Innenpolitik. Dies brachte schliesslich den Rückfall in die Naturalwirtschaft und eine noch stärkere Entrechtung der Bauern, was Grundlage für das mittelalterliche Lehenssystem wurde.
Alemannen
Nach dem Rückzug der römischen Truppen Mitte des 5. Jahrhunderts und dem Niedergang des weströmischen Reiches, konnte sich an den Seen, so am Zuger- und Zürichsee, die keltisch-römische Bevölkerung noch halten, während alemannische Volksstämme nur spärlich besiedelte Täler wie das Reusstal ohne auf grossen Widerstand zu stossen besiedelten. Dies führte zu einem Abbruch der wirtschaftlichen, kulturellen und militärischen Beziehungen zu Rom. Die neuen Häuser wurden teilweise aus den Steinen der zerfallenen römischen Gutshöfe errichtet. Erst diese Siedlungen bilden den Ursprung der heutigen Dörfer und Weiler. Die Bevölkerung war weitgehend keltischen und germanischen Ursprungs, wobei sich die alemannische Sprache bei der Bevölkerung durchsetzen konnte.
Ein in der Binzegg freigelegtes Gräberfeld, in welchem Glasvasen, Eisen- und Bronzegegenstände sowie Skelette gefunden wurden, geht wohl auf diese alemannische Zeit zurück. Auch die Steinsetzung im Marchsteinholz, welche noch lange für die Abgrenzung von Weiden diente, sich heute aber als unscheinbares von Pflanzen überwachsenes Relikt aus früheren Zeiten präsentiert, datiert vermutlich aus dieser Zeit.
Eine Hinterlassenschaft aus dem Frühmittelalter ist wohl auch der Name „Knonau". Wie auch die Schreibweise der Personennamen zu Beginn noch sehr variabel gehandhabt wurden, so erscheint das Gebiet Knonau z.B. als „Chonowa", „Chnonowo" „Knonowe", oder eben auch als „Kanonauw". Die wahrscheinlichste, zwar nicht gesicherte, aber durchaus einleuchtende These ist, dass sich das Wort aus den althochdeutschen Wörtern „Canon" für Schaf und „Auw" für Weide zusammensetzt. Allenfalls waren es Nomaden, welche ihre Schafherden weiden liessen und schliesslich hier sesshaft wurden.
Mittelalter
Die ersten Ansätze zum Christentum waren bei uns mit den Römern verschwunden und fanden erst im Frühmittelalter allmählich wieder zurück. Wie einige Jahrhunderte zuvor, wurde das Christentum zuerst wieder von der Oberschicht angenommen. So hatte der fränkische König Chlodwig bereits kurz nach dem Jahr 500 mit 3000 seiner Gefolgsleute die Taufe empfangen. Nur langsam breitete sich das Christentum wieder aus. Wann das Christentum in Knonau zum zweiten Mal Fuss fasste wissen wir zwar nicht, die vom Kloster Schänis gestiftete Kapelle, auf deren Fundament die im Jahr 1519 erbaute heutige Kirche steht, wurde aber vermutlich um das Jahr 800 errichtet und ist damit die älteste Kirche in der Gegend. Da die Häuser jeweils in der Nähe der Kirche gebaut wurden, bildeten sich so die heutigen Dorfstrukturen heraus.
Zu Beginn des Mittelalters stand jedoch nicht der christliche Humanismus im Zentrum, sondern das Streben der fränkischen Könige nach mehr Macht und ihr Ehrgeiz, die Nachfolge der weströmischen Kaiser anzutreten. Die rücksichtslose und mit allen Mitteln betriebene Grossmachtpolitik knüpfte nahtlos an die Methoden der römischen Feldherren und Provinzstatthalter an. Der Begriff "finsteres Mittelalter" ist angesichts der oft mit hemmungsloser Brutalität ausgefochtenen Kämpfe und des - zumindest für die Adligen faktisch geltenden "Rechtes des Stärkeren" - nicht ganz unbegründet. Schlechte hygienische Verhältnisse, grausame Strafen für Verbrecher, Fehlurteile noch und noch, Folter, Verfolgung von Andersgläubigen und angeblichen Hexen trugen ein Übriges dazu bei.
Das Mittelalter brachte auch den Rückfall in die Naturalwirtschaft, das beinahe vollständige Verschwinden der Schrift und eine Vernachlässigung der Infrastruktur, welche die Römer aufgebaut hatten. Ein beträchtlicher Demokratieverlust gegenüber den alten germanischen Stammestraditionen führte zu einer weiteren Konzentration des Eigentums in den Händen einer kleinen Oberschicht. Rechte wurden vom König bzw. Kaiser oder vom Papst als Lehen an Herzogtümer, Grafschaften und Ministeriale bzw. an Kardinäle, Bischöfe und Klöster vergeben. Diese mussten dem König im Gegenzug Truppen und finanzielle Mittel zur Aufrechterhaltung des Hofstaates zur Verfügung stellen. Wer die Rechte nicht selbst ausübte übergab diese an Verwalter (Vögte, Meier). Durch die Unzahl von Rechten und Lehensträgern entstand im Hochmittelalter ein undurchsichtiges Gewirr von Rechten, welches laufend im Wandel war. Das System beruhte auf einem Personal- und nicht auf einem Territorialitätsprinzip. Von einem Dorf Knonau mit eigenständigen Rechten konnte man also in diesem Zeitpunkt nicht sprechen.
Die Taktik der Könige war, die Positionen der lokalen Machthaber (Herzöge, Grafen) einerseits durch eigene Leute zu besetzen und andererseits nicht zu stark werden zu lassen, damit die nicht selbst auf die Idee kommen sollten eigene Herrschaftsansprüche geltend zu machen. Deshalb wurde auch gerne die Kirche mit Lehen ausgestattet, da deren Vertreter durch das Eheverbot keine Nachkommen hatten, an welche das Lehen weitergegeben wurde und diese Stellen wenigstens bis zum Investiturstreit auch vom König selbst besetzt werden konnten. Und so war es dann auch im Gebiet Knonau. Grundeigentum und damit verbunden das Zehntrecht, das Fallrecht (fällig bei jedem Handwechsel eines Grundstückes) und die niedere Gerichtsbarkeit (z.B. Urteile über Vergehen wie Sachbeschädigung oder Verstösse gegen Jagd-, Fischerei- und Forstrechte) besassen in Knonau im Hochmittelalter insbesondere die beiden Klöster Murbach und Schänis. Beim Kloster Murbach handelte es sich um eine im Jahr 727 gegründete Benediktinerabtei im südlichen Elsass, welche auch das Gebiet von Luzern erwarb, und das Kloster Schänis war ein im 8. Jahrhundert gegründetes adliges Damenstift mit relativ lockeren Regeln.
Das erste in lateinischer Sprache verfasste, schriftliche Zeugnis, in dem Knonau erwähnt wird, datiert vom 30. Januar 1045, in welchem der Salierkönig Heinrich III. die Kirche und den Hof zu „Chnonowa" als Besitz des Klosters Schänis garantierte. Er war erfüllt von den kirchlichen Reformideen und suchte deshalb in seiner Regierungszeit möglichst viele Kirchen und Klöster aus der Macht und Verfügungsgewalt der Adeligen zu lösen. Leider ist die Originalurkunde wegen eines Brandes des Schäniser Klosterarchives im Jahre 1610 nicht mehr erhalten, dank Abschriften kennt man aber immerhin den Text. Das Datum der Urkunde bewog die Knonauer am 30. Januar 1995 das 950jährige Bestehen zu feiern.
Am 28. Oktober 1178 wurden die Güter des Klosters Schänis auch von Papst Alexander III., welchen Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) eben als Papst anerkennen musste, urkundlich aufgezählt und garantiert. Da aber Murbach in Knonau die älteren Rechte besass, führte dies im Jahre 1223 zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen den beiden Zehntherren bezüglich den Zehntrechten an neu urbar gemachtem Land. Diesen Konflikt schlichtete schliesslich Abt Wido vom Kloster Kappel, das von den Freiherren von Eschenbach im Jahr 1185 gestiftet worden war.
Die Klöster, aber auch viele weltliche Adlige übten ihre Rechte nicht direkt aus. Sie beliehen einen weltlichen Fürsten, einen Vogt, mit dem Schutz ihrer Rechte. Das Kloster Schänis hatte die Vogteirechte zuerst an die Lenzburger vergeben, welche auch die Grafschaftsrechte besassen und damit bereits die hohe Gerichtsbarkeit und das Blutgericht ausübten. Aus dem Erbe der Lenzburger fielen die Grafschafts- und Vogteirechte 1172 erst an die Kyburger für welche sich als Ministeriale die Freiherren von Eschenbach mit Sitz auf der Schnabelburg auf dem Albis etablierten. Nach dem Aussterben der Kyburger gingen die Vogteirechte des Klosters Schänis im Jahr 1264 an die Grafen von Habsburg. Diese waren bereits Schirmherren des Klosters Murbach, nun Inhaber aller Vogteirechte und somit Lehensherren der niederen Gerichtsbarkeit in Knonau. Die Grafschaftsrechte übten vorerst noch die Eschenbacher aus. Da sich diese 1308 jedoch beim Mord am Habsburger König Albrecht beteiligten, wurde die Schnabelburg von dessen Erben ein Jahr später dem Erdboden gleich gemacht, die Eschenbacher wurden vertrieben und auch die Grafschaftsrechte gingen 1309 an die Habsburger.
Zwar hatten die Habsburger somit Anfang des 14. Jahrhunderts einen grossen Teil der Rechte in Knonau inne, sie übten diese aber nicht selbst aus, sondern liessen sich ihrerseits durch Vögte vertreten. Diese Rechte, welche zu Beginn des Mittelalters noch als Amtslehen ausgestattet waren (die Rechte verwirkten mit dem Tod) hatten sich bis ins Hochmittelalter zu Erblehen gewandelt, welche an Erben weitervererbt, an einen Verwalter weiter verliehen oder verkauft werden konnten und so zu einer Art Kapitalanlage wohlhabender Adliger wurden. Die Rechte kamen somit ähnlich heutigen Aktienpaketen in den Handel. 1309 erwarb Ritter Götz Mülner aus Zürich von den finanziell angeschlagenen Habsburgern unter anderem die Vogteirechte über Knonau, Schirmherren der Klöster Murbach und Schänis blieben aber weiterhin die Habsburger. Nach dem Tod von Götz Mülner kauften die Herren von Rüssegg diese Rechte, doch verkauften sie diese bereits 1346 weiter an Ritter Gottfried von Hünenberg. In finanzielle Nöte geraten verkaufte auch dieser seine Rechte in den Jahren 1370/71 weiter an seine Brüder, welche 1398 wiederum an Ritter Johannes von Seon, Ratsmitglied von Zürich und zwei Landadlige verkauften. Im Jahr 1399 erwarben schliesslich der Bürgermeister Johannes und sein Bruder Rudolf Meyer die Vogteirechte über Knonau, Aeugst, Borsikon (heute Chloster im Aeugstertal) und Breitmatt und übten somit die hohe Gerichtsbarkeit und das Blutgericht in Knonau aus. Diese Familie Meyer war ein aus Knonau stammendes, reiches Bauerngeschlecht.
Die Vogteien, deren Gebiet einige Dörfer umfassten, setzen pro Kirchgemeinde einen Verwalter ein, den so genannten Meier, und betrauten diesen mit dem Einziehen des Zehnten, des Falls und der Bussen (niedere Gerichtsbarkeit). In Knonau amteten für längere Zeit zwei Meier, nämlich einer für die Höfe von Murbach und einer für die Höfe von Schänis. Die Familie Meyer übte dieses Recht seit längerem für das Kloster Schänis aus. Rudolf Meyer gelang es dann im Jahr 1322 auch noch die Meierrechte des Klosters Murbach zu erwerben.
Ab dem Jahr 1400 besassen somit die Meyer von Knonau sämtliche Meier- und Vogteirechte in Knonau. Als Überbleibsel aus dem Hochmittelalter waren die Meyer zwar formell noch immer Lehensträger der beiden Klöster einerseits und Habsburg-Österreich andererseits. Effektiv waren sie aber die Herren. Sie lebten jedoch spätestens seit 1363 bereits in Zürich, wo sie sich einbürgern liessen und sogar den Bürgermeister stellten. In Knonau verfügten sie nur noch über einen Landsitz auf dem Grundstück des heutigen Schlosses. Längst hatten sie die Meierrechte weiter verliehen, an einen Beamten, der im Stammhaus der Meyer von Knonau, residierte. Die Knonauer Rechte hatten sich für die Meyer von Knonau gelohnt, wurden sie doch in den Steuerlisten der reichsten Zürcher aus dem Jahr 1467 auf Platz 7 geführt.
Während der alte Landsitz der Meyer später dem Schloss weichen musste, findet man das Stammhaus der Meyer heute an der Schmiedgasse 2. Bis der „Adler" im Jahr 1575 gebaut wurde, beherbergte es auch das einzige Wirtshaus im Dorf, den alten „Löwen". Später wurde das Tavernenrecht des „Löwen" ins Schloss verlegt. Der geschichtsträchtige Bau ist neben der Kirche das älteste Gebäude im Dorf. Ein Denkmal wurde den Meyern von Knonau auch mit dem Gemeindewappen gesetzt, zeigt es doch deren Familienemblem, nämlich den Meierhut.
Anfang des 15. Jahrhunderts besassen also die Meyer die Vogtei- und Meierrechte, die Habsburger besassen aber die Grafschaftsrechte. Aufgrund eines verlorenen Machtkampfes gegen Kaiser Sigismund wurde nun aber Herzog Friedrich von Österreich geächtet und seine Gebiete wurden schlagkräftigen Interessenten angeboten. Am 16. April 1415 gingen deshalb die Grafschaftsrechte am „Freiamt zu Affoltern", wie das Gebiet rechts der Reuss genannt wurde, an die Stadt Zürich über, welche Ende des 14. Jahrhunderts begonnen hatte systematisch Rechte in der Landschaft aufzukaufen. Das Freiamt zu Affoltern wurde mit dem bereits im Besitz der Stadt Zürich befindlichen Maschwanderamt vereinigt.
1438 bewarben sich die Stände Schwyz und Glarus – gegen die Opposition Zürichs – erfolgreich um die Übernahme der Schirmherrschaft über das Kloster Schänis von Habsburg. Der Kampf um die Vorherrschaft am oberen Zürichsee artete schliesslich zwischen 1440 – 1450 in den alten Zürichkrieg aus. Knonau wurde zwar nicht direkt in die Kriegswirren verwickelt, hatte aber ein rechtliches Problem, da der Lehensherr (Kloster Schänis) der einen Kriegspartei angehörte und die Lehensträger (die Meyer von Knonau) der anderen. So kam es zu einer rechtlichen Auseinandersetzung, in welcher es schlussendlich darum ging, ob die Rechte der Meyer von Knonau ein Amtslehen darstellten, welche das Kloster Schänis beliebig neu verleihen könne oder aber ein Erblehen. Da die Meierrechte in der Praxis seit Generationen wie ein Erblehen behandelt wurden, obsiegte schliesslich das Gewohnheitsrecht und die Meyer behielten ihre Position.
Die Stadt Zürcher bis zum Einfall Napoleons
Zwar hatten die Zürcher die Grafschaftsrechte bereits 1415 erworben, die Meier- und Vogteirechte hatten aber die Meyer von Knonau inne. Tatsächlich änderte sich mit diesem Herrschaftswechsel für die Meyer vorerst wenig, wurden doch ihre Rechte nicht beschnitten. Die Knonauer dürften diesen Wechsel jedoch trotzdem nicht begrüsst haben, übte doch Zürich nun auf einer neuen Ebene ihre Territorialhoheit aus und beanspruchte das Recht, Truppen auszuheben, in Kriegszeiten Truppen im Untertanenland beliebig einzuquartieren und zusätzliche Steuern zu erheben. Die 1454 erstmals eingetriebenen Vermögenssteuern stellten etwas zuvor nie Gekanntes dar und bedeuteten für die Aemtler eine erhebliche Mehrbelastung.
Da Gerold Meyers Sohn Johannes mit Anna Reinhard, die sich in zweiter Ehe mit Ulrich Zwingli verheiraten sollte, eine nicht standesgemässe Frau geheiratet hatte, lehnte dieser seinen Sohn ab und ging schliesslich soweit, dass er der Stadt Zürich die Meierrechte (1508) und die Vogteirechte (1512) verkaufte, damit sein Sohn nicht mehr in deren Genuss kam. Zürich konnte so das Gebiet derart straff verwalten, wie dies nie zuvor möglich gewesen war. Obwohl die Leibeigenschaft, welche dreihundert Jahre früher noch alle Knonauer betroffen hatte, endgültig abgeschafft wurde, mussten die Knonauer der neuen Obrigkeit in viel höherem Mass gehorchen als je zuvor irgend einem Lehnsherrn. Die Zeit stand im Zeichen der territorialen Machtorganisation. Weil Zürich über praktisch alle Rechte in Knonau verfügte, übte es faktisch die Hoheit über das ganze Gebiet, und nicht mehr nur einzelne Rechte über bestimmte Höfe, Güter und Menschen aus.
Nur wenige Rechte fehlten der Stadt Zürich, um ihre territoriale Hoheit unangefochten auszuüben. (Historische Karte Zürich) Die noch fehlenden Rechte führten aber immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten. Erst 1566 konnte die Stadt Zürich die Zehntrechte des Luzerner Chorherrenstifts Leodegar (ehemaliges Kloster Murbach), 1651 das Fallrecht und 1694 das Kollaturrecht des Klosters Schänis erwerben.
Die verkehrstechnisch günstige Lage und die periphere Position gegen die Innerschweiz führten dazu, dass die Stadt Zürich 1507 den Sitz der äusseren Vogtei Hedingen-Freiamt-Maschwanden in den Meyerhof nach Knonau verlegte und unser Dorf so über mehrere Jahrhunderte zum Verwaltungssitz der Landvogtei Knonau wurde. 1525 wurde das heutige Schloss erbaut, ein spätgotischer Kubus mit Treppengiebel, welches Vorbild für andere Schlösser in der Zürcher Herrschaft im 16. Jahrhundert wurde.
Der Landvogt war der höchste Beamte in der Vogtei, wurde für sechs Jahre von Zürich eingesetzt und hatte den Sitz im Schloss Knonau. Sein Verwaltungsbezirk umfasste die Gerichte Knonau, Affoltern, Maschwanden, Hausen und Hedingen. Weil er aber in Knonau residierte war hier sein Einfluss am grössten. Seine Aufgaben waren die Gerichtsbarkeit, die Beachtung der Vorschriften Zürichs und das Einziehen der Steuern. Als wichtigster Beamter stand ihm der Landschreiber zur Seite, dessen hauptsächliche Funktion in der Führung der Kanzlei der Landvogtei – dem heutigen Notariat vergleichbar – bestand. Für jeden Amtsbezirk (in der Herrschaft Knonau waren dies das Freiamt und das Maschwander Amt) wurde ein Untervogt gewählt, die höchste politische Stufe, welche man in der Landvogtei Knonau erreichen konnte. Neben diversen Aufgaben hielt der Untervogt auch die Stellvertretung des Landvogtes inne.
Die territoriale Machtorganisation war zwar bezüglich der weltlichen Hierarchie erreicht. Die kirchliche Organisation stimmte aber nicht damit überrein. So kam Zürich 1519 das Wirken von Ulrich Zwingli im Zürcher Grossmünster gelegen, nicht vorrangig aufgrund der religiösen Einsichten, vielmehr weil sie mit der neuen staatlich kontrollierten Kirche ein Werkzeug erhielt, um die katholische Kirche als Konkurrenten auf ihrem Territorium zurückzudrängen. In Knonau hatte Zürich 1526 ihr Ziel erreicht, so dass von diesem Zeitpunkt an jeder Knonauer protestantisch war. Zürich erliess strenge Sittenmandate, welche sehr weitgehend in die Privatsphäre ihrer Untertanen eingriffen und in der Kirche verlesen wurden. Die Gründe dafür waren grösstenteils wirtschaftlicher oder politischer Natur, vorgeschoben wurde jeweils der Glaube. Die Besetzung der Pfarrstelle wurde zwar faktisch von Zürich vorgegeben, das Recht dazu stand aber eigentlich dem Kloster Schänis zu, was natürlich bis zum Kauf der Kollatur Knonau im Jahr 1694 immer wieder zu Konflikten führte.
Die innerschweizer Stände kämpften erbittert gegen die Reformation, was zu den zwei Kappelerkriegen 1529 und 1531 und schliesslich einem Kompromiss zwischen den Kantonen führte. Knonauer seien in diesen Kriegen keine gefallen, dafür wurde das Schloss Knonau beschädigt, als die Innerschweizer nach ihrem Sieg brandschatzend, vergewaltigend und plündernd durch die Gegend zogen. Deshalb wurde zwischen 1534 und 1540 das Schloss durch eine hohe Mauer und einen vom Wattbach gespiesenen Wassergraben mit Fallbrücke befestigt.
Nicht nur das Schloss wurde in dieser Zeit erbaut sondern auch das älteste noch bestehende Bauernhaus in Knonau, welches nach mündlicher Überlieferung im Jahr 1512 in der Baaregg erbaut wurde. Es handelt sich um einen gut erhaltenen Bohlenständerbau mit Satteldach und grossen Klebdächern, liegt im Zentrum des Weilers Baaregg und ist im Inventar der Schutzobjekte von kantonaler Bedeutung.
Nach der Reformation führte Zürich auch das Amt des „Ehegaumers" ein, welcher das sittliche Verhalten der Untertanen zu überprüfen hatte. Sie überwachten die Polizeistunde (im 18. Jahrhundert um 21 Uhr), den regelmässigen Kirchbesuch aller Dorfgenossen sowie die Einhaltung der Sitten- und Kirchenmandate. Im 17. Jahrhundert wurde die Behörde des Ehegaumers zum „Stillstand" erweitert. Er umfasste den Landvogt, den Pfarrer, den Landschreiber, den Freiamtsweibel (den herrschaftlichen Polizeibeamten) und die Kirchmeier (Kirchenpfleger). Erstmals bezeugt ist der Knonauer Stillstand 1678. Der Stillstand war eine kirchliche Behörde, indessen war er bis 1799 als die „Munizipalität" – der spätere Gemeinderat - eingeführt wurde, die einzige Behörde Knonaus im heutigen Sinn und besass im Dorf ein nicht zu unterschätzendes Gewicht.
Aus dieser Zeit, dem 17. Jahrhundert, stammen weitere noch heute erhaltene Gebäude, so der 1635 erbaute Buechhof, das 1669 erbaute Pfarrhaus mit Waschhaus im Dorfzentrum (siehe Bild rechts), welches den Einfluss und das Ansehen des Pfarrers zu jener Zeit widerspiegelt, und das um das Jahr 1680 erbaute Haus Meili im Hinteruttenberg. Alle diese Gebäude gehören heute zum Inventar der Schutzobjekte von kantonaler oder regionaler Bedeutung.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte der Wassergraben des Schlosses ausgedient, führte er doch regelmässig dazu, dass die Zürcher Verwalter im Sommer wegen Mückenplagen von Knonau Reissaus nahmen. In den Jahren 1787 bis 1789 wurde dann anlässlich einer gründlichen Renovation der Wassergraben aufgefüllt und die ausgedienten Befestigungen entfernt. Um Schatten zu spenden, wurden 1786 zwei Platanen im Schlosshof gepflanzt, die heute als die mächtigsten Bäume ihrer Art in der Schweiz gelten.
Mit dem Einmarsch Napoleons in den Jahren 1798/99 wurde der alten Zürcher Herrschaft ein Ende gesetzt und der Helvetische Einheitsstaat auferlegt. Aus der Stadt Zürcher Herrschaft entstand der Kanton Zürich und die Gemeinden erhielten nach und nach mehr Eigenständigkeit und konnten eigene Behörden bestellen, deren Kompetenzen im Laufe der Zeit zunahmen. Als erster Knonauer Gemeindepräsident amtete Hans Ulrich Frick von 1799-1803.
Das 19. Jahrhundert
Da der Stadt Zürich an dem in Naturalien eingebrachten Zehnten sehr gelegen war, bewilligte sie den Zehntloskauf nur in Ausnahmefällen, so dass die Knonauer erst im Jahr 1804, während der Zeit der französischen Herrschaft, den Zehnten gesamthaft aufkünden konnten. Fast kein Bauer konnte aber die hohen Summen begleichen, was dazu führte, dass die Zehntabgaben durch Bankschulden ersetzt wurden. Am 11. November 1810 beglich die eigens dazu einberufene Loskaufs-Kommission alle noch ausstehenden Beträge.
Auch die Schule löste sich nun von der Kirche und wurde stark gefördert, obwohl sie im Jahr 1819 einen Schicksalsschlag hinnehmen musste, wurde doch das Knonauer Schulhaus Opfer der Flammen. Erst im Jahr 1836 wurde ein neues definites Schulgebäude neben der Kirche fertig gestellt, welches heute die Kindergärten beherbergt.
Die anfangs des 19. Jahrhunderts höchst bedeutungsvolle Industrialisierung betraf Knonau nur mittelbar, da hier keine Fabriken entstanden. Auch die Bezirksverwaltung wurde bereits 1799 – 1803 dem „Distrikt Mettmenstetten" unterstellt. Ab 1803 gehörte Knonau dann dem weitläufigen Bezirk Horgen an (im Wesentlichen die heutigen Bezirke Horgen, Meilen und Affoltern), welcher in verschiedene Zünfte aufgeteilt war. Immerhin hatte Knonau noch den Sitz der Zunft Knonau inne (Knonau, Hausen, Kappel, Mettmenstetten) und jeden dritten Monat im Jahr fanden die Sitzungen des Bezirksgerichtes im Schloss Knonau statt. Nach der Aufhebung der Mediationsverfassung am 29. Dezember 1813 wurde der Riesenbezirk Horgen in drei Oberämter aufgeteilt. Der Oberamtmann für das Oberamt Knonau, welches mit insgesamt 9600 Einwohnern sämtliche Gemeinden des heutigen Bezirks umfasste, residierte wiederum im Schloss Knonau.
Auch nach der Annahme der neuen Kantonsverfassung im Jahre 1831 wurde erneut Knonau aus Tradition zum Bezirkshauptort ernannt. Affoltern und Mettmenstetten, welche sich ebenfalls für diese Würde beworben hatten, wurden nicht berücksichtigt. Es setzten aber Klagen und Petitionen der unterämtler Gemeinden ein, welche sich nicht damit abfinden konnten, und so wurde das Thema Bezirkshauptort im Jahr 1837 wieder aufgenommen. Unter dem Vorsitz des späteren Bundesrates Jonas Furrer aus Affoltern entschied das Parlament mit grossem Mehr, den Bezirkshauptort nach Affoltern zu verlegen. Man erachtete es als notwendig eine möglichst zentral gelegene Ortschaft zum Hauptort zu ernennen. Am 1. Juli 1839 siedelte die Behörde nach Affoltern über, welches am Jonenbach eine starke Industrie aufgebaut hatte. Zwar fanden die Sitzungen des Bezirksrates, welcher sich gegen die Verlegung gewehrt hatte, noch einige Zeit abwechslungsweise in Knonau und Affoltern statt. Die Zeit als Verwaltungszentrum war für Knonau aber so zu Ende.
Der Bau der Sennhütte neben dem Schloss im Jahre 1837 brachte für die Knonauer Landwirte einen einschneidenden Wandel mit sich. Während die Milchwirtschaft bis dahin ein Schattendasein fristete und die Bauern mehr auf den Ackerbau setzten, wobei insbesondere Dinkel als robustes Getreide den Hauptteil der Ernten ausmachte, wurde die Milchwirtschaft von diesem Zeitpunkt an immer wichtiger. Diese Sennhütte hat heute ihren ursprünglichen Zweck verloren und wurde inzwischen zu drei Einfamilienhäusern umfunktioniert.
Die letzte kriegerische Auseinandersetzung, in welche Knonau hineingezogen wurde, war der Sonderbundskrieg (http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderbundkrieg) im Jahr 1847. Ein letztes Mal befand sich Knonau direkt an der Grenze zum militärischen Gegner. Namhafte Teile der unter der Führung von General Dufour stehenden Tagsatzungsarmee wurden am 14. November in Knonau einquartiert und vom Kommandostab unter Oberst Ziegler vom Schloss aus befehligt. Nach der Kapitulation von Zug am 21. November zogen die Truppen Richtung Luzern weiter.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden wichtige und weitsichtige Infrastrukturprojekte realisiert. So eröffnete die Eisenbahnlinie Zürich-Zug, welche Knonau mit den grösseren Zentren verbindet im Jahre 1864. Nicht minder wichtig war die Sicherstellung der Wasserversorgung. Gemäss Überlieferung wurde durch kluges und rasches Handeln des Knonauer Gemeindepräsidenten Adolf Weiss mit Reinhold Vollenweider aus Weissenbach noch in den frühen Morgenstunden des 24. Februar 1891 ein Vertrag abgeschlossen, der einen Kaufpreis für die Quellen von Fr. 2'000.-- und für das benötigte Land von Fr. 200.—vorsah. So kam es, dass der Knonauer Bedarf an Frischwasser noch heute durch die erstklassige Quelle in Wissenbach abgedeckt werden kann.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden aber nicht nur Infrastrukturprojekte vorangetrieben, auch das soziale Leben wurde neu organisiert. So wurde 1857 der Männerchor Knonau, 1874 der Feldschützenverein und 1875 der Turnverein gegründet. Diese starke, gelebte Vereinskultur ist bis heute ein wichtiges Standbein im Knonauer Alltag geblieben.
Das 20. Jahrhundert bis heute
Im Jahr 1700 wohnten in Knonau 340 Personen. Bis ins Jahr 1940 wurden 580 Einwohner gezählt. Dieser moderate Bevölkerungsanstieg widerspiegelt die stark landwirtschaftliche Ausrichtung bis zum zweiten Weltkrieg. Nach den unsicheren Jahren der beiden Weltkriege und der Weltwirtschaftskrise begann aber dann auch für Knonau ein konjunktureller Aufschwung. Neue Siedlungen entstanden und die Bevölkerung, aber auch der Verkehr nahm zu.
Um auf diese Entwicklung zu reagieren wurde 1956 die Abwasserreinigungsanlage in Betrieb genommen und zwischen 1955 und 1958 die Turnhalle und das Schulhaus Aeschrain gebaut. 1967 beschloss die Gemeindeversammlung die Umgestaltung des Dorfplatzes, den Bau der Uttenbergstrasse mit Durchstich durch den Bahndamm zur Umfahrungsstrasse, die Verlegung der Chamstrasse vom Schloss weg Richtung Schlossmatt und Anpassung des Verlaufs des Haselbaches zur Ableitung des Meteorwassers der Autobahn. Bereits 1970 wurde auch die N4 auf zusehen hin bis an den Nordrand von Knonau gebaut und diente als Zufahrtsstrasse für den Bau der Umfahrungsstrasse, welche seit 1973 den Verkehrsfluss, welcher sich vorher über die alte Kantonsstrasse mitten durchs Oberdorf und durch das Schlossquartier quälte, ableitet und so das Dorf enorm entlastet.
In den Jahren 1965 bis 1967 entstand um den Bauernbetrieb Langacher ein Schul- und Erziehungsheim der Zürcher Pestalozzistiftung, das nach den damals neusten Erkenntnissen und Vorstellungen der Heimerziehung gebaut wurde. Am 1. Juli 1967 wurde das neue Heim offiziell eröffnet. Anfänglich bot das Heim 48 Schülern in 4 Wohngruppen Erziehung und Schulung. Die Gruppengrösse wurde dann im Laufe der Jahre reduziert. Heute können 24 Kinder und Jugendliche in drei Wohngruppen aufgenommen werden.
Während der Phase der Umgestaltung des Dorfzentrums und dem Bau der Autobahn wurde auch eine umfassende Melioration im Dorf durchgeführt. Die teilweise zersplitterten landwirtschaftlichen Besitzungen wurden neu geordnet, um die Bewirtschaftung zu erleichtern, aber auch um die kantonalen Richtpläne umzusetzen. Aufgrund der Komplexität und den für etliche Einwohner einschneidenden Massnahmen führte dies zu einem langwierigen Prozess, welcher aber schliesslich dazu führte, dass ein von der Landwirtschaft weitgehend entflechteter Dorfkern, wirtschaftlich sinnvoll zu führende Landwirtschaftsbetriebe und eine abseits des Dorfes, verkehrsgünstig gelegene Industriezone im Hasental entstehen konnte.
All diese Anpassungen gingen aber nicht ohne teilweise schmerzhafte Verluste vonstatten. Unmittelbar mussten fünf Gebäude aus dem 17. bis 19. Jahrhundert den Veränderungen im Dorfzentrum weichen. Namhaftestes Beispiel war ein ehemaliges Bauernwohnhaus mit Baujahr 1675, das der Familie Syz bis 1895 als Postlokal gedient hatte und bis zum zweiten Weltkrieg auch das Restaurant „Frohsinn" beherbergte. Die Landwirtschaftsbetriebe der Familien Eggimann und Grimmer, welche auf dem heutigen Autobahntrasse ihre Bauernbetriebe führten, mussten umgesiedelt werden. Die aus dem 19. Jahrhundert stammende Knochenstampfi, welche aus Knochen gemahlenes Mehl als Zusatz zur Stalldüngung produzierte und auf dem heutigen Stampfiplatz neben dem Haselbach stand, wurde in Knonau abgebaut, jedes Bauteil nummeriert und in akribischer Kleinarbeit im Freilichtmuseum Ballenberg wieder aufgebaut, wo sie seit dem Jahr 1989 wieder zu bewundern ist.
Die Stampfi gab auch unserem Mehrzweckgebäude den Namen, welches 1978 auf dem Grundstück des ehemaligen Bauernbetriebes der Familie Syz erstellt wurde. Bereits zwei Jahre vorher, am 22. Mai 1976 wurde das in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftlichen Genossenschaft (Volg) gebaute Gemeindehaus eröffnet. Die Gemeindeverwaltung verliess das alte Verwaltungsgebäude an der Chamstrasse 14, welches schliesslich 2002 von der Gemeinde verkauft wurde. Der Volg siedelte vom Bachweg 2 an ihren heutigen Standort.
1990 wohnten in Knonau noch um die 1000 Personen und konnte auf ein moderates Bevölkerungswachstum in den vorhergehenden Jahrzehnten zurückblicken. Am 27. Mai 1990 war der Start des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV), welcher auch für Knonau als Anliegergemeinde einen massgebenden Einfluss auf dessen Entwicklung gehabt haben dürfte. In den 90er-Jahren hatte Knonau insbesondere durch die Neubauten im Gebiet Eschfeld, Grundstrasse (Mehrfamilienhäuser) und Schlossmatt das prozentual stärkste Wachstum der Einwohnerzahl aller Gemeinden im Kanton Zürich. Weiter ging es auch im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends wurden doch die Gebiete Im Grund (Einfamilienhäuser), an der Rigiblickstrasse, Alpenblickstrasse, Möslistrasse, Aeschrainstrasse, Baumgartenweg und Im Bül erschlossen und überbaut. Im Jahr 2010 wohnten in Knonau deshalb mit über 1750 Einwohnern bereits 75% mehr Personen als noch vor 20 Jahren.
Und da war doch noch die Autobahn! Der politische Druck verzögerte über Jahrzehnte die Fertigstellung der N4. Der Belag auf dem unbenutzten Knonauer Stumpf war schon überall gesprungen und die Natur versuchte sich erfolgreich ihren Platz zurückzuerobern. Nicht in Vergessenheit geraten war sie beim Gemeinderat Knonau, welcher sich leider vergebens auch auf rechtlichem Wege für eine Überdeckung des Autobahnteils im bewohnten Dorfteil einsetzte. So wurden die Arbeiten im Jahr 2007 auch in Knonau wieder aufgenommen und im Jahr 2008 die Schallschutzwände montiert. Nach einer Teileröffnung des Üetlibergtunnels im Frühjahr 2009 wurde am 13. November 2009 auch die restliche Teilstrecke von Knoanu bis Wettswil dem Verkehr übergeben. Neben der wertvollen Anbindung an das S-Bahn-Netz und der nun zusätzlichen Busverbindung von Affoltern durch das Üetlibergtunnel bis ins Zürcher Engequartier ist nun Knonau auch für den Individualverkehr noch besser positioniert.
Nach einer Aussensanierung des Gemeindehauses im 2008, wurde im Herbst 2009 auch die Gemeindeverwaltung nach 33 Jahren einer Totalsanierung unterzogen, der Grundriss den aktuellen Bedürfnissen angepasst und konnte durch das Gemeindepersonal Mitte Dezember 2009 bezogen werden.
Ein wichtiger Meilenstein: Knonau knackt die 2000er-Marke. Am 1. Februar 2013 konnte der 2000 Knonauer begrüsst werden.
Ausblick
Die sich im Bau befindlichen- oder geplanten Überbauungen werden dazu führen, dass schon bald die Einwohnerzahl weiter ansteigt. Momentan hat Knonau über 2000 Einwohnerinnen und Einwohner. Es ist somit eine der aktuell grössten Herausforderungen, diese Entwicklung für Knonau positiv zu nutzen und kluge und weitsichtige Perspektiven für das Dorf aufzuzeigen, welche die hohe Lebensqualität in unserem Dorf erhalten. Auf den unüberbauten Grundstücken und den Arealen, deren Überbauung absehbar ist, besteht gemäss Kapazitätsabschätzung ein Fassungsvermögen für zusätzliche 500 Einwohner. Davon entfallen rund 250 Einwohner auf die Wohneinheiten, welche bereits bewilligt wurden (Oberdorf / Eschfeld / Uttenbergstrasse). Bauland ist mittlerweile knapp in Knonau und es wird keine neuen Parzellen eingezont (kantonaler Richtplan). Das heisst, dass künftig vor allem verdichtet gebaut werden wird.
Dieser geschichtliche Streifzug durch die Knonauer Geschichte lässt sich selbstverständlich auch vertiefen. Wir empfehlen
-
die „Chronik der Gemeinde Knonau" von Jean Hägi aus dem Jahr 1915, welche in unserer Bibliothek als neudeutsche Abschrift gelesen werden kann (eine Ausleihe ist nicht möglich) oder
-
die „Geschichte der Gemeinde Knonau" von Bernhard Schneider aus dem Jahr 1982, welche Sie auch in unserem Online-Schalter bestellen können oder
- die Geschichte des Kantons Zürich
Man erfährt so manche Anekdote, welche sich in Knonau zugetragen hat. Viele Plätze und Häuser stehen heute noch und lassen die alten Zeiten wieder aufleben. Sie sind also eingeladen, Knonau auch mal aus einer anderen Perspektive zu erleben.