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Ron DeSantis, Gouverneur von Florida, Superstar der Republikaner.
Die Fakten: Ron DeSantis, der Gouverneur von Florida, wird mit 59,4 Prozent in seinem Amt bestätigt. Ein so deutliches Ergebnis gab es in diesem Staat seit 1868 nie mehr.
Warum das wichtig ist: Donald Trump ist nicht erledigt, bei weitem nicht, aber mit DeSantis ist ein Verfolger herangewachsen, den er mehr fürchtet, als er zugibt.
Wer hat die Zwischenwahlen in Amerika gewonnen?
- Joe Biden? Nicht wirklich, auch wenn er seit dem Dienstag wieder besser schlafen kann
- Donald Trump? Keinesfalls, stattdessen ist er wohl der grösste Verlierer – was sich auch daran erkennen lässt, dass er sich trotzdem für einen Sieger hält. Nachtwandeln mit Donald
- Die Demokraten oder die Republikaner? Beide können nicht zufrieden sein. Die einen freuen sich, dass ihnen nur ein Arm abgetrennt wurde, die anderen reden sich ein, dass auch Einäugige ein gutes Leben haben
Nein und wieder Nein. Wenn es einen Sieger gibt, dann heisst er Ron DeSantis.
Er ist der neue Star seiner Partei, eine Himmelserscheinung über Florida, die man von überall her im Land erblicken kann:
- Ron DeSantis distanzierte seinen Demokratischen Herausforderer, Charlie Crist mit sagenhaften 20 Punkten – dabei ist Crist kein Greenhorn, sondern selbst ein ehemaliger Gouverneur
- Noch vor vier Jahren war DeSantis nur ganz knapp zum Gouverneur bestimmt worden, der Vorsprung betrug 0,4 Prozent – in einem Staat, der damals noch als typischer Swing State galt, also ein Bundesstaat, wo einmal die Demokraten obsiegten, dann wieder die Republikaner
- Inzwischen ist Florida dunkelrot. Eine Festung der Republikaner, wo so gut wie alle wichtigen politischen Positionen von Republikanern besetzt werden
Dafür ist DeSantis nicht alleine verantwortlich, aber er trug viel dazu bei. Am meisten half dem Konservativen Corona, was zynisch wirkt und dennoch stimmt. Wenn es einen Krisengewinnler gibt, dann DeSantis:
Während die meisten von Demokraten beherrschten Staaten sich einen Wettbewerb des Lockdowns lieferten, Schulen schlossen, Masken vorschrieben, Impfungen verfügten und Zertifikate einführten, tat der Republikaner DeSantis das Gegenteil. Und am Ende scheinen ihm die Zahlen recht gegeben zu haben.
Interessant war stets der Vergleich mit dem Staat New York
- Beide Staaten weisen etwa die gleiche Bevölkerungszahl auf: Florida 21,7 Millionen, New York 20,2 Millionen (2021)
- Auch was die demographische Zusammensetzung anbelangt, sind sie ähnlich, ob Immigranten, ältere Leute oder gut ausgebildete Junge. Ebenso gelten sie beide als wirtschaftlich potent, wobei New York nach wie vor reicher ist (BIP pro Kopf: New York 103 000 Dollar; Florida 63 000)
Wenn man allerdings die Corona-Politik vergleicht, die die jeweiligen Gouverneure – Andrew Cuomo in New York (Demokrat, Rücktritt 2021) und Ron DeSantis in Florida betrieben haben, könnte man kein unterschiedlicheres Bild erhalten.
- New York, ein Monument des strikten Regimes, ein Little China in Amerika, wo Leute ohne Maske etwa so tolerant behandelt wurden wie Klingonen ohne Impfzertifikat
- Florida dagegen stieg zum liberalen Champion auf, wo DeSantis sich wiederholt als Corona-Befreier inszenierte. Selbst den Sinn und Zweck von Masken stellte er in Frage, ein Sakrileg unter den Corona-Propheten des Untergangs
Ein Klingone auf dem Weg nach New York. (Figur aus dem amerikanischen Weltraum-Epos Star Trek, ihre durchschnittliche Lebensdauer ist 150 Jahre).
Im Grunde war es ein Experiment in der Wirklichkeit – und die Testergebnisse müssen jedem Politiker (weltweit) zu denken geben. Denn so unterschiedlich der Ansatz, so ähnlich das Ergebnis. Einige Zahlen mögen das verdeutlichen:
1. Corona-Tote (seit Ausbruch der Pandemie, Januar 2020 bis 8. November 2022)
- New York: 377 Tote per 100 000 Einwohner
- Florida: 384 Tote per 100 000 Einwohner
2. Impfung
- Im Frühjahr 2021 waren in New York 31 Prozent der Bevölkerung teilweise geimpft
- In Florida: 29 Prozent (und das, obwohl DeSantis das Impfen als freiwillig bezeichnet und privaten Arbeitgebern verboten hatte, von ihren Arbeitnehmern eine Impfung zu verlangen)
- Inzwischen haben sich die Impfraten auseinanderentwickelt: in New York sind 89 Prozent vollständig geimpft, in Florida 78 Prozent (Stand Frühling 2022)
Corona spaltete Amerika genauso wie andere Länder – und als wäre die Polarisierung zwischen Demokraten und Republikanern nicht schon tief genug, schlug man sich bald auch die Köpfe ein, welches denn die beste Methode wäre, die Pandemie einzudämmen.
War es nicht grotesk? Wer die Maske trug, gab sich als Demokrat zu erkennen, wer sie unters Kinn hinunterzog oder gar nicht montierte, war sicher ein Republikaner – und liebte Ron DeSantis.
Wenn es einen Darling aller Corona-Skeptiker und Massnahmenkritiker gab, dann der Gouverneur von Florida, der das seuchenpolizeiliche Laissez-faire ausprobierte und mit Erfolg anwandte, was im ganzen Land für Aufsehen sorgte. Das ging so weit, dass in den letzten zwei Jahren kaum ein Staat so viele Einwanderer aus Corona-strengen Gebieten verzeichnet hat wie Florida. Plötzlich sah man Autos in den Strassen von Miami mit einem kalifornischen Kennzeichen.
- Kalifornien versank in der Corona-Hölle, Florida stieg zum Corona-Paradies auf
- Florida brummte wirtschaftlich, als wäre nichts geschehen, New York oder Kalifornien mühten sich mit der Krise ab
59,4 Prozent. Dieses rekordhohe Resultat, das Ron DeSantis am Dienstag erzielt hat, ist die Quittung für eine mutige, eigenständige Politik. Die Bürger von Florida sind begeistert.
Ron DeSantis. Superstar.
Was tut Trump?
Nächste Woche dürfte er in Mar-a-Lago, seinem Wohnsitz in Florida, ankündigen, dass er sich wieder um die Präsidentschaft bewirbt.
Was eine Sensation hätte sein sollen – nach einem Wahltriumph der Republikaner am Dienstag – wirkt wie ein Abschied. Ein B-Event, so originell und frisch wie eine verfaulte Bratwurst.
The Beef gibt es anderswo.
Mit Ron DeSantis, dessen acht Urgrosseltern alle aus Italien eingewandert sind, ist zu rechnen.
Und er weiss es:
«Meine Taten werden lauter zu vernehmen sein als meine Worte.»
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag Markus Somm