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Im vergangenen Sommer, als die ersten Wellen der COVID-Pandemie langsam verebbten, liess Norwegen zur Unterstützung des heimischen Tourismusmarktes auch Expeditionsreisen zu. Hurtigruten hatte ein umfangreiches Sicherheitskonzept vorgelegt, um Ausbrüche an Bord seiner Schiffe zu verhindern. Doch Ende Juli dann der Schock: An Bord der «Roald Amundsen» waren Crew-Mitglieder am Ende von zwei Reisen positiv auf das Virus getestet worden. Der Vorfall zog immer weitere Kreise und eine Strafuntersuchung der regionalen Behörden wurde gegen Hurtigruten eingeleitet. Nun wurden der Abschlussbericht und die Strafe veröffentlicht.
Die Firma Hurtigruten Coastal AS wurde zu einer Geldstrafe in der Höhe von 1 Million Norwegischen Kronen (rund 100’000 Euro) verurteilt «für Mängel im Sicherheitsmanagementsystem, Notfallvorsorge, Organisation, Berichterstattung, Gefährdungsbeurteilung, Moderation und Benachrichtigung», schreibt die Polizeibehörde der Region Troms und Finnmarken in einer Pressemitteilung. Ausserdem wurden sowohl der damalige Kapitän der Roald Amundsen und der Schiffsarzt mit Bussen in der Höhe von 30’000 und 40’000 Norwegischen Kronen (3’000 und 4’000 Euro) belegt. Als Grund werden dem Kapitän «Versäumnisse, die norwegischen Behörden über eine mögliche Infektion zu informieren» und dem Arzt «Mängel in der Ausübung seines Berufs als medizinisches Personal sowie wegen unterlassener Unterrichtung der norwegischen Behörden» vorgeworfen. Alle drei Parteien können gegen die Bussen Berufung einlegen, heisst es in der Pressemitteilung weiter. Anderen Personen, gegen die ermittelt worden war, wurde kein Fehlverhalten attestiert und wurden entsprechend als unschuldig gesprochen. Dazu zählten unter anderem auch der CEO von Hurtigruten, Daniel Skjeldam
„Der Verstoss wird als erheblich angesehen. Die Strafverfolgungsbehörde hält es für richtig, Hurtigruten dafür ein Bussgeld aufzuerlegen“Jørn Bremnes, Staatsanwalt Troms & Finnmarken
Die Busse betrifft den Zweig Hurtigruten Coastal AS, nicht die gesamte Hurtigruten-Gesellschaft. Der Zweig wurde im Zuge einer Neustrukturierung im Oktober 2020 neu gebildet und führt die Fahrten entlang der norwegischen Küste durch. Der regionale Staatsanwalt Jørn Bremnes, der den Fall behandelt, erklärte in der Pressemitteilung: «Der Verstoss wird angesichts der Anzahl der Passagiere und der Besatzung, der Art der Krankheit, der Schwere und Infektiosität sowie des Risikos einer weiteren Infektion als erheblich angesehen. Die Strafverfolgungsbehörde hält es für richtig, Hurtigruten dafür ein Bussgeld aufzuerlegen, und ist aufgrund der Art und Schwere des Verstosses der Ansicht, dass 1 Million Kronen ein angemessenes Bussgeld ist.» Der Kapitän sei «überrascht von der Busse» und werde diese anfechten, wie sein Anwalt gegenüber Medien bereits verlautbaren liess. Der Schiffsarzt erklärte via Anwalt, dass er die Anschuldigung nicht verstehe und jede kriminelle Schuld von sich weise. Währenddessen machte die Anwältin von Hurtigruten Coastal AS auf die Komplexität des Falles aufmerksam und erklärte, dass man zuerst die Details betrachten wolle, bevor man weitere Schritte unternehmen wolle.
Der Fall hatte im Sommer 2020 für viel Aufsehen gesorgt, da zu diesem Zeitpunkt eigentlich die Expeditionsfahrtenindustrie zum Stillstand gekommen war. Hurtigruten hatte aber von der norwegischen Regierung grünes Licht erhalten, mit einheimischen Passagieren Fahrten zu unternehmen. Im Juli hatte dazu die Roald Amundsen zwei Reisen in Nordnorwegen und bis Svalbard geplant gehabt. Gemäss dem Behördenbericht hatte die Firma zwei Tage vor Ende der zweiten Reise Verdachtsmomente auf COVID an Bord des Schiffes erhalten. Ein Arzt hatte bei einem Patienten, der an der ersten Reise teilgenommen hatte, COVID festgestellt und hatte die Firma informiert, dass sie möglicherweise COVID an Bord hätten. Gleichzeitig empfahl die norwegische Gesundheitsbehörde FHI Hurtigruten eine Benachrichtigung aller anderen Reiseteilnehmer derselben Reise.
Doch erst bei Ankunft des Schiffes in Tromsø wurden Tests bei der Crew durchgeführt, während die Passagiere von Bord gelassen wurden. Als bei Crewmitgliedern das Virus nachgewiesen worden war, mussten alle Passagiere im Nachgang informiert und in Quarantäne gesetzt werden. Bei 29 Passagieren wurde ebenfalls eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus nachgewiesen. «Hätte die Reederei das gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsmanagementsystem eingerichtet, hätte die Summe der Informationen, auf die sich die Reederei stützte, zu Massnahmen, Benachrichtigungen und besseren Folgemassnahmen führen müssen, um das Risiko zu einer weiteren Ausbreitung der Infektion zu verringern,» betont Polizeianwältin Lisa-Mari Ellingsen, die den Fall untersucht hatte. Nach Bekanntwerden hatte sich die Polizei und die Staatsanwaltschaft der Region Troms und Finnmarken mit dem Fall befasst und untersucht, ob die Firma oder einzelne Personen gegen das Gesetz verstossen hatten.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal