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Kate Moss entsprach noch nie den Idealen eines typischen Models. 1988 im Alter von 14 Jahren im New Yorker JFK-Flughafen entdeckt, war sie mit ihren 1,70 Metern eigentlich zu klein für eine Modelkarriere und hatte im Gegensatz zu ihren damaligen Kolleginnen eine «knabenhafte» Figur.
Da war sie also, das Mädchen aus dem südlichen London mit den schiefen Zähnen und der rauchigen Stimme, die es mit 15 auf die Laufstege der Welt schaffte und mit 18 neben Mark Wahlberg für den Unterwäsche-Riesen Calvin Klein posierte.
Moss war anders. Sie wurde zum Inbegriff von «Cool Britannia», verkörperte Rock’n’Roll und liess keine Party sausen. So konnte die zierliche Britin so manchen unter den Tisch trinken, was ihr von Freunden den Spitznamen «The Tank» bescherte, weil sie Alkohol trank, als sei er Wasser.
Sie prägte die Ära der Neunzigerjahre wie keine andere, denn Kate stellte eine Gegenbewegung zum perfekten Image des traditionellen Supermodels dar. Sie sah natürlicher aus, hatte eine einzigartige androgyne Ausstrahlung und stahl so Supermodels wie Cindy Crawford oder Linda Evangelista die Show.
Ihr Look: Erfrischend zugänglich
Doch was machte Moss so faszinierend, so anziehend? Vielleicht ihre Kunst, stets den Eindruck zu vermitteln, als hätte sie mehr Spass im Leben als alle anderen. Sie pfiff auf Diäten und Schönheitsideale, besuchte statt Sportstunden lieber Musikfestivals und feierte bis ins Morgengrauen. Ihre Stilexperimente sind bis heute berühmt – wie beispielsweise ihr durchsichtiges Slip Dress, das sie bei einer Party im Jahr 1993 trug. Ihre Streetstyle-Looks sind legendär – wer quetschte sich damals nicht in Topshop-Skinny-Jeans und trug Ballerinas von Repetto?
Ihr Look war, im Vergleich zu vielen anderen Stars, erfrischend zugänglich: Moss setzte lieber auf Grunge statt auf Schickimicki, trug Augenringe anstelle von Make-up und hatte eine Vorliebe für böse Jungs. Johnny Depp, Pete Doherty oder Lenny Kravitz etwa, um nur einige ihrer Lover zu nennen. Und natürlich Jamie Hince, Gitarrist der Band «The Kills», der Kate Moss 2011 in einem Kleid von John Galliano dazu brachte, Ja zu sagen. Doch auch diese Beziehung hatte sich nach vier Jahren ausgeturtelt.
Ja sagte Moss bekannterweise auch zu Drogen: Ihr Drogenkonsum, besonders an der Seite von Babyshambles-Musiker Pete Doherty, führte 2005 dazu, dass sie einige Jobs verlor. H&M, Chanel oder Burberry kündigten Moss die Zusammenarbeit und das Model landete im Entzug.
Gewohnt kontrovers
Die Karriere wohl jedes anderen Superstars wäre mit dem Drogenskandal beendet gewesen, doch Kate Moss tat, was ein echter Rockstar eben so tut: 2011 kehrte sie für die Winterkollektion von Louis Vuitton rauchend und mit fast entblösstem Hinterteil – Spuren von Cellulite inklusive – auf den Laufsteg zurück. Provokation und Extravaganz à la Moss, gewohnt kontrovers eben.
Auch mit 50 Jahren setzt sich Kate Moss als Gegenpol zu den typischen Vorstellungen durch. In einer Gesellschaft, in der Frauen vorgeschrieben wird, wie sie zu altern haben, und in der vor allem Frauen, die mit ihrem Aussehen Geld verdienen, für immer jung aussehen müssen, setzt Kate über Generationen hinweg immer noch Massstäbe. Und bleibt sich selbst treu.
Zeit für mehr Balance
Nach mehr als 37 Jahren im Rampenlicht sehnt sich das Supermodel nach etwas mehr Gelassenheit in ihrem Leben. Inzwischen mischt sie die Wellnessbranche mit ihrem Beauty Brand Cosmoss auf. Erinnert man sich an Moss vor ein paar Jahren zurück, hätte man eine solche Produktlinie von ihr wohl kaum erwartet.
Und was meint die Moss zu Kritiker:innen, die ihr den Wandel von Party zu Self-Care nicht ganz abkaufen? «Ich möchte immer noch Spass haben, aber ich möchte auch auf mich selbst aufpassen», sagt sie in einem Interview mit «Harpers Bazaar». «Ich habe einen Punkt im Leben erreicht, an dem ich mehr Balance möchte.»
Nicht nur die eigene Wellness- und Beautylinie des Models beweist: Etwas ruhiger ist es um sie inzwischen eben doch geworden. Exzessive Partynächte und Koks-Skandale sind Schnee von gestern.
Asanas statt durchtanzte Partynächte
Von ihrer 21-jährigen Tochter Lila Grace, die in die Fussstapfen ihrer schönen Mama getreten ist und mit der sie im Dezember das Cover der «British Vogue» zierte, leiht sie sich ihre Trainingsanzüge. Heute prägen – zumindest laut eigener Aussagen der Modeikone – Self-Care und Yoga ihren Alltag. Ihren Morgen beginne sie jeweils mit einer «Kanne Tee, bevor ich eine 10-minütige Meditation mache», und ihr glücklichster, heiligster Ort sei der eigene Garten in ihrem Haus auf dem Land, sagt sie zu «Harpers Bazaar». Dort könne sie meditieren, sich erden: «Ich lege mich gerne ins Gras, verbrenne Weihrauch und höre Musik. Es ist so friedlich.»
Cremes und holistische Gesichtssprays statt Zigaretten und Champagner? Asanas statt durchtanzte Partynächte? Auch Rockstars wissen wohl, wann es Zeit ist, einen Gang runterzuschalten. Ob Kate Moss ihren runden Geburtstag so wild feiern wird wie ihre vergangenen, bleibt offen – aber angestossen wird bestimmt nicht nur mit Wasser und Tee.