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- 3. März 2014
Mit Macht müssen sich fast alle auseinandersetzen. Naheliegenderweise wird die Thematik von denen leidenschaftlich besprochen, die (zu) wenig davon haben; Erfahrungsgemäss gehen sich Mächtige häufig relativ problemlos zur Hand, da sie in Kooperationen eher gewinnen. Weniger Mächtige sind diesbezüglich häufig zurückhaltend, vielleicht aus Angst, das zu verlieren, was sie (noch) haben.
Der Volksmund stellt fest: „Grosse Hunde beissen sich nicht“ und „Den Letzten beissen die Hunde“. In der Hackordnung der Hühner zeigt sich, dass das letzte Huhn wenig Federn hat und im übertragenden Sinne die unten an der Leiter um den Zugang zum erstem Tritt kämpfen, die oben helfen sich auf die darüber liegende Plattform.
Platon beschrieb in Georgias Macht als etwas Tückisches: jene, die darüber verfügen, sind versucht, Lösungen anzustreben, die ihnen wegen ihrer Macht möglich sind – nicht weil sie sinnvoll wären. Die Machbarkeit lenke so vom Verfolgen des Guten ab, insofern sei der Mächtige ohnmächtig in Bezug auf das, was für ihn langfristig selbst gut wäre.
Von den Griechen über die Römer zu weiteren Philosophen bleibt Macht unbefriedigend: sie ermöglicht zwar vieles, vermag aber denjenigen, der sie ausübt, nicht recht zu befriedigen, weil er gegen Widerstand, mit Gewalt und nicht aus Freiheit zu dem kommt, was er will. Immer wieder scheint durch, dass Herrschende lieber freiwillige Anhänger hätten, lieber anders überzeugen würden als durch blanke Übermacht, sei es argumentativ oder physisch. Es zeigt sich, dass Macht an sich nicht erfüllend ist, und dass es auch einen schalen Geschmack hat, andere überwältigen zu können, nur weil man die Machtinstrumente besser beherrscht. Entwickelt wurden dann Konzepte von zwei Seiten der Macht: einerseits eine behindernde, destruktive Macht, auf der anderen Seite eine ermöglichende, instruktive Macht. Oder auch eine strafende und eine beschützende Macht. Diese Konzepte mit „guter oder unterstützender“ und „schlechter oder eingrenzender“ Macht ist staatspolitisch relevant, für Überlegungen zur Staatsgestaltung von Bedeutung.
Bertrand Russell beschäftigt sich in „Formen der Macht“ damit, wie man Macht zähmen kann. Sein Schluss ist (es liegt in der Sache) ziemlich ohnmächtig: man könne nur mit Erziehung fördern, dass man statt sich (indem man andere beherrscht) dem menschlichen Leben Grösse verleihen könne – was besser geht, wenn das einige wenige durch ihr Dasein schon als möglich erwiesen haben.
Henry Mintzberg, der Doyen für Strategiefragen in Organisationen meint: „Macht ist die Fähigkeit, (organisatorische) Ergebnisse zu bewirken oder zu beeinflussen“.
Max Weber hat mit seiner Definition, Macht sei „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ beschrieben, wie Macht in Erscheinung tritt.
So zeigt sich: wer Macht beschreibt, fokussiert aus der Beobachterposition häufig auf die Auswirkung, also das Ergebnis von Macht – und der Diskussion, wo man dem Staat welche Macht zuordnen will. Das ist sicher ein wichtiger Aspekt. Aus Sicht von einzelnen Akteuren, die unmittelbar in die Speichen der Geschichte eingreifen möchten, die etwas kraft ihrer Ethik verfolgen möchten, braucht es einen anderen Fokus: jenen auf dem Prozess der Produktion von Macht: wie schafft man es, Einfluss wahrnehmen zu können in Situationen, wo es nicht so aussieht, als könnte man etwas oder viel bewirken. In Organisationen, wo man ungehört bleibt; zwischen Organisationen, wo man übergangen wird; in Situationen, wo man mit Machtteilung eine bessere Ergebnisqualität erreichen würde.
Hierzu ist das Instrument MachtBalance gedacht. Wenn Macht wie ein übliches Produkt betrachtet wird, entsteht es entlang der untenstehenden Grafik:
Die übliche Beschreibung von Macht bezieht sich auf den Output oder den Impact von Macht. In der MachtBalance wird beschrieben, mit welchem Input (und dieser kann mit gestaltet werden) und welcher Vorgehensweise resp. Umsetzung Einfluss resp. Macht hergestellt werden kann. Dies auch, um eine Balance von Macht zu finden, wichtigen und übergangenen Aspekten Gehör zu verschaffen, Partizipation zu ermöglichen und so im Sinne einer tiefen Demokratie (und Psychologie) alle Anteilen zu ermöglichen, gesehen, wahrgenommen und mit einbezogen zu werden und um gemeinsam eine angestrebte Wirkung zu erzielen.
Das erste Seminar im November 2012 fand guten Anklang. Es war eindrücklich, dass zum Abschluss nach 3-Minuten-Interviews beschrieben werden konnte, wer über welche Machtmittel verfügt, wie diese relativiert, demokratisiert werden können und was im Zusammenspiel mit diesem Gegenüber die eigenen Spielräume vergrössert. Es wurde entwickelt, worauf Macht beruht, wie sie geschaffen und eingesetzt werden kann. Ein wirkungsvolles Instrument, um aus scheinbar ohnmächtigen Positionen auf Augenhöhe zu gelangen.
Ich freue mich für das nächste Seminar vom 9. / 10. Juli 2014 am Institut für systemische Impulse wieder auf Menschen, die reflektieren wollen, wie sie ihren Einfluss modulieren, Partizipation gestalten, Kooperationen ausformen können.