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Bereits zum 19. Mal bescherte das traditionell am Pfingstwochenende durchgeführte Barockfestival den Besuchern musikalische Leckerbissen. In der Kirche Saint-Nicolas von Rougemont musizierten von Donnerstag bis Montag unter anderem die Ensembles «Le Petit Trianon», «XVIII-21-Le Baroque Nomade», «Le Caravansérail», «Doulce Memoire» und «Les Passions de L’Âme».
CETIN KÖKSAL
Intendantin Capucine Keller stellte unter dem Motto «Musicalement vôtre …» ein abwechslungsreiches Programm zusammen. Dieses bezog sich auf die verschiedenen Institutionen, für welche die Stücke komponiert worden sind. Denn man bedenke – Barockmusik wurde immer für einen bestimmten Zweck komponiert. Beispielsweise für die Kirche, einen König oder ein Theater, basierend auf Freiwilligkeit oder einer entsprechenden Bestellung. Mithilfe von Musik sollte also ein vorher definiertes Ziel erreicht werden.
Im Paris von Louis XV.
Als Auftakt zum Festival spielte die noch junge Formation «Le Petit Trianon» am Donnerstagabend Werke von Joseph Bodin de Boismortier (1689– 1755), Michel Corrette (1707–1795), Jean-Marie Leclair (1697–1764) und Jean-Féry Rebel (1666–1747). Die fünf Kammermusiker an der Traversflöte, an der Barockgeige, am Fagott, am Barock-Cello und Cembalo hatten einen etwas unglücklichen Start. Die 2. Sonate Opus 41 von Boismortier bereitete ihnen unüberhörbar Mühe. Die Flöte wurde von der sehr dominanten Geige übertönt, die schnellen Läufe waren überwiegend unpräzise und das Zusammenspiel wollte ebenfalls nicht so richtig klappen. Nur das Cello und Fagott fielen durch ihre sichere Zuverlässigkeit auf. Ohne übertreiben zu wollen, wird der eine oder andere Zuhörer wohl mit einer gewissen Skepsis an den weiteren Verlauf des Konzertabends gedacht haben. Nun, er wurde dann glücklicherweise positiv überrascht. Wie ein kontinuierliches Crescendo wurde die Qualität der gebotenen Interpretationen immer besser. «Le Petit Trianon» schien sich allmählich wiederzufinden und hatte so die Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Besonders überzeugend waren die beschwingten, lebensfreudigen «Caractères de la danse» von Rebel. Die jungen Musiker harmonierten miteinander und vermittelten aufs Trefflichste die Leichtigkeit, Eleganz und Anmut dieses Ballets. Jean-Luc Ho verlieh dem «j’avois crû qu’en vous aimant» für Solo-Cembalo eines unbekannten Komponisten einen meditativen Glanz, der den Zuhörer für einen Moment die Zeit vergessen liess. Das Konzert gipfelte und endete gleichermassen mit den entspannt und dennoch konzentriert vorgetragenen Zugaben.
Fantasie mit Rachel Redmond
«A Fancy» heisst die mehrfach ausgezeichnete CD des Ensembles «Le Caravansérail» mit der Sopranistin Rachel Redmond. Unter der Leitung von Bertrand Cuiller trugen sie am Samstagabend ebendieses Programm vor. Zwei Geigen, je eine Flöte, Bratsche, Viola da Gamba und Theorbe mit Cembalo oder Orgel entführten den Zuhörer in die Traumwelt eines Londoner Theaters des 17. Jahrhunderts. Solistin Rachel Redmond begeisterte mit Arien wie «Where are thou, God of Dreams» aus «Romulus und Hersilia» von Giovanni Battista Draghi (ca. 1640–1708), «Ah me! To many deaths decreed» aus «Regulus» von Henry Purcell (1659–1695) oder auch «Adieu to the Pleasures» aus «The Tempest» von James Hart (1647–1718). Ihr samtig-warmes Timbre in tieferen Lagen gefiel ebenso wie die glockenklare Stimme in mittleren Lagen und die Brillanz in luftiger Höhe. «Le Caravansérail» musizierte mit der hervorragenden Sopranistin (beinahe) auf Augenhöhe und überzeugte mit ausgereiften Interpretationen, denen es dennoch nicht an spontaner Verve und Leichtigkeit mangelte. Bertrand Cuiller kombinierte auf kreative Weise seinen Cembalo- und Orgelpart, indem er das Cembalo auf die Orgel legte und so die Tastaturen der beiden Instrumente gleichzeitig nutzen konnte.
Auch dieses Jahr bot La Folia dem geneigten und neugierigen Musikliebhaber einen bunten Strauss an Barock-Schmankerl. Langsam stellt sich bereits jetzt die Vorfreude auf die 20. Ausgabe ein. Bis Pfingsten 2020 dauert es kein Jahr mehr!