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Die Alpwirtschaft ist an vielen Orten gemeinschaftlich organisiert, sei es auf Basis kollektiven Eigentums oder in Form genossenschaftlicher Bewirtschaftung. Die Sömmerung von Tieren verschiedener Besitzer beinhaltet immer ein Zusammenbringen der Herden zu Beginn des Sommers und deren Trennung am Ende, dies zusammen mit dem Aufteilen von Alperzeugnissen. Zu beiden Übergängen – vom Privaten ins Kollektive und zurück – sind im Verlauf der Jahrhunderte Rituale entwickelt worden, die sich an einigen Orten zu Traditionen gefestigt haben und bis heute praktiziert werden.
Chästeilet und Schafscheid sind solche Übergangsmomente im alp- und landwirtschaftlichen Jahresablauf. Dieser hat sich jedoch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tiefgreifend verändert und bietet vielerorts kaum mehr Anknüpfungspunkte an die Zeit vor diesem Strukturwandel. An einigen Orten blieben die Übergangsrituale als Traditionen erhalten, auch weil sie über ihre engere Funktion in der Alpwirtschaft hinaus für die regionale ländliche Bevölkerung oder für Touristinnen und Touristen Bedeutung erlangt haben. Zu den bekanntesten Traditionen dieser Art zählen der «Chästeilet Justistal» in der Gemeinde Sigriswil (Kanton Bern) und der «Schafscheid Riffenmatt» in der Gemeinde Guggisberg (Kanton Bern).