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Indien hat die internationalen Standards der ILO nicht unterzeichnet, obwohl Indien gemäss eigenen Schätzungen davon ausgeht, dass 10 Millionen Personen als Hausangestellte arbeiten, davon fast 80 Prozent Frauen.
Caritas Schweiz engagiert sich für die Hausangestellten in Delhi seit 2004 und entschied mit dem lokalen Partner und den Vertreterinnen der Hausangestellten sowohl in der Herkunfts- wie auch in der Arbeitsregion zu arbeiten: Information in der Herkunftsregion mit verschiedenen Partnern, Aufbau einer eigenen Organisation der Hausangestellten in Delhi, Lobbying und Advocacyarbeit für die rechtliche Anerkennung und den Schutz der Arbeit der Hausangestellten, sowie «Hot-Lines» für die Hausangestellten in Not.
Die Hausangestellten bauen ihre eigene Organisation auf: In den letzten vier Jahren wurden 4‘000 junge Frauen aktive Mitglieder des «Hausangestellten-Forums» in Delhi, einer Organisation der Hausangestellten selbst. Sie sind organisiert in den Quartieren, treffen sich regelmässig in über 320 Gruppen, diskutieren ihre Arbeitssituation und entwerfen Handlungsstrategien, wie sie ihre Grundrechte einfordern können. Und dies mit Erfolg: in einzelnen Quartieren konnten sie eine verbesserte Entlöhnung durchsetzen. Rund 10‘000 Frauen haben sich an den Weiterbildungsangeboten beteiligt, nahmen Rechtshilfe in Anspruch, engagierten sich in Advocay-Programmen, an Grossveranstaltungen und verhandelten mit Politikern und Polizisten. Die Caritas-Partnerorganisation Chetanalaya unterstützt die Frauen, ihre eigene Organisation im Grossraum Delhi aufzubauen und sich die Unterstützung wichtiger Akteure wie Politikerinnen, Frauenorganisationen, Fachpersonen, Anwälte und anderer zu sichern.
Erfolgreiche Schritte der Kampagnenarbeit: 2017 wurde das «Hausangestellten-Forum» von der Regierung als Gewerkschaft anerkannt. Weiterhin wurde ein Vorschlag für ein Arbeitsgesetz für Hausangestellte im Parlament eingereicht. Die nächsten Jahre sind der konsequenten Förderung und Ausbildung der Leiterinnen, der Verbreitung und Verankerung des Forums gewidmet sowie der Kampagnenarbeit für arbeitsrechtliche Anerkennung der Hausangestellten. Ausserdem werden Hilfsangebote wie Vermittlungsarbeit bei Konflikten für Frauen in Not verstärkt: Für Opfer von Gewalt stehen Nothilfeteams bereit. Anwältinnen und Anwälte reichen Klagen ein und vertreten die Mädchen und jungen Frauen vor Gericht.Das Ziel soll unter anderem sein, dass das «Hausangestellten-Forum» als nachhaltige und selbsttragende Institution in der Zukunft weiter funktionieren kann. Hierfür werden Mitgliederbeiträge erhoben und eine lokale Fundraisingstrategie entworfen.
Chetanalaya und das Forum der Hausangestellten intensivieren die Aufklärungsarbeit in den Herkunftsregionen und setzen den Schwerpunkt auf « informierte Migration». Jugendliche, Erwachsene, Gemeinden und Behörden sollen über Rahmenbedingungen von legaler Migration informiert sein, Missbrauch vorbeugen und bekämpfen. Dies geschieht im Wesentlichen über die Zusammenarbeit mit Organisationen in den Herkunftsregionen.
Die Organisation Chetanalaya ist seit den 1960er Jahren aktiv. Ihre Arbeit umfasst eine breite Palette: Entwicklungsarbeit, Fürsprache und Lobbyarbeit in den Slums und Ansiedlungszonen von Delhi, Aufbau von aktiven Organisationen unter den benachteiligten Bevölkerungsgruppen, Rechtshilfe, Nothilfeprogramme, aber auch Sozialhilfe und Kick-off-Programme für Jungunternehmerinnen und -unternehmer. Im Bereich Fürsprache und Lobbyarbeit arbeitet sie eng im Caritas-Netz, mit anderen Akteuren, mit der Justice-and-Peace-Kommission und der Regierung zusammen.