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Quelle: Kleine Schriften zur Zürcher Denkmalpflege, Heft 2 von Peter Ziegler
Südostansicht des renovierten Weinbauernhauses «Zur Vorderen Fuhr», Zustand 1988.
Lage
Das ehemalige Weinbauerngut «Zur Vorderen Fuhr», mit Wohnhaus, Waschhaus, Brunnen und mächtiger Scheinzypresse, liegt seeseits der Fuhrstrasse, exponiert auf einer Geländestufe über dem alten Wädenswiler Dorfkern.
Situationsplan. Massstab 1 : 2 500
1 Vers.-Nr. alt 259 c Sennereigebäude; ausser dem Kellergeschoss abgebrochen 1864.
Ziel der Renovation von 1987/88 war der schonende Umbau zum Dreifamilienhaus, verbunden mit der Instandstellung der wertvollen Innenausstattung und des äusseren Erscheinungsbildes. Das Treppenhaus wurde zugunsten interner Wohnungserschliessung und der Einrichtung von Badezimmern und WC’s auf jedem Stockwerk verkleinert. Im übrigen blieben die Wohnungsgrundrisse von Hochparterre und erstem Obergeschoss erhalten. Aus der Dachgeschosswohnung mit sechs Zimmern entstand nach dem Entfernen von Zwischenwänden eine grosszügige Vierzimmerwohnung.
Geschichte
Das Bauerngut «Zur Vorderen Fuhr» wurde 1773 durch Erbteilung vom südostlich benachbarten alten Bauernhof Bühl abgespalten. Der neue Eigentumer, Hans Rudolf Hauser-Wüest (1727–1791), Erbauer des Hauses, gehörte zur Wädenswiler Oberschicht. Er war Hauptmann und bekleidete die Ämter des Landrichters und des Seckelmeisters. Über sechs Generationen hinweg vererbte sich die Liegenschaft in der Familie Hauser auf die heutigen Besitzer. Die bäuerlichen Grundstücke auf der Fuhr – zwischen heutiger Oberdorf- und Unterer Weidstrasse – wurden seit Ende des letzten Jahrhunderts parzellenweise verkauft und mit Ein- und Mehrfamilienhäusern überbaut. Südostlich des Wohnhauses stand bis 1864 ein Sennereigebäude. Seine beiden eingewölbten Sennereikeller haben sich unter dem Hausgarten erhalten. Bergseits des Waschhauses mit Sodbrunnen im Innern und des wieder laufenden Brunnens von 1859 erhob sich bis 1932 eine Trotte. Heute dehnt sich hier ein Parkplatz aus.
Kunstgeschichtliche Würdigung
Das Haus «Zur Vorderen Fuhr», ein verputzter Massivbau unter leicht gebrochenem, nur knapp vorspringendem Giebeldach mit eleganter Walmlukarne in der Südostfassade, gilt als eines der besten Bauzeugnisse ländlicher Architektur und Wohnkultur am Zürichsee aus dem Ende des Ancien Regime. Streng beachtete Regularität und Symmetrie an Trauf- und Giebelfassade, heller Fassadenanstrich und vornehme graue Fassung einzelner Teile verleihen dem klaren Baukubus sein rokokohaftes Aussehen. Einen weiteren Farbakzent setzen die türkisblauen Sprossenfenster und die dazu farblich abgestimmten Fensterläden. Besondere Beachtung verdient die Eingangsfassade mit gemauerter Freitreppe und zierlichem Gitterwerkbalkon. Der Hauseingang weist profilierte, verkropfte Sandsteinrahmen auf sowie einen mit Akanthusblatt besetzten Schlussstein mit den Initialen des Bauherren-Ehepaares Hans Rudolf Hauser und Susanna Wüest und dem Erstellungsjahr 1784 (17.HRH.SW.84). Das eingelegte Türblatt in Eiche zeigt einen rokokohaft geschwungenen Spiegel, das einfallsreich gestaltete Schmiedeisenwerk des Oberlichtgitters eine bekronte ovale Kartusche, beidseits flankiert von Rocaillemotiven.
Linkes: Gemauerte Freitreppe mit Gitterwerkbalkon an der Nordwestfassade. Rechts: Hausflur mit Tonplattenboden.
Stube im ersten Obergeschoss.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts passten die Besitzer das Haus den Bedürfnissen jener Zeit an. Vor den Kellern auf der seeseitigen Giebelfront errichtete man eine Veranda über Holzstützen, und über der rückwärtigen Trauffront entstand ein Zinnenaufbau mit dekorativ ausgesägtem Stirnbrett an der kleinen Giebellukarne. Die beiden Bauteile am Wohnhaus entsprechen dem Charakter des Waschhauses, welches 1883 über gemauertem Sockelgeschoss in einfachem Fachwerk aufgestockt und im Laubsägestil verziert wurde.
Das Innere des Hauses, 1987 in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege restauriert und teilweise umgestaltet, zeugt von feiner Wohnkultur im bauerlichen Rokoko. Über dem nur teilweise in den Hang eingetieften Kellersockel erhob sich ursprünglich ein Wohn- und ein Schlafgeschoss, dessen innere Treppenerschliessung im 19. Jahrhundert neu gestaltet wurde. Die Innenausstattung der Räume des Hochparterres stammt noch weitgehend aus der Bauzeit. Rokokotäfer mit geschweiften Füllungen, Felderdecken mit eingelegtem Mittelmedaillon, Nussbaumtüren mit Wulstrahmen und ebensolche Wandkästchen, Parkettböden und zwei bemalte Kachelofen vermitteln ein einheitliches Bild gehobener ländlicher Wohnkultur.
Allianzkacheln von Rudolf Hauser (links) und Susanna Wüst (rechts), 1785, am Kachelofen in der Nebenstube.
Der eine Ofen trägt auf einer Kachel die Jahreszahl 1759, ist also älter als das Haus. Der andere weist eine mit 1785 datierte Allianzkachel von Johann Rudolf Hauser und seiner Ehefrau Susanna Wüest auf, dazu eine Blattkachel mit der Darstellung des Hauses «Zur Vorderen Fuhr» samt daneben liegender Sennhütte sowie eine Ansicht der Kirche Wädenswil aus Nordosten. Bemerkenswert ist auch die Folge von Veduten der zürcherischen Amtssitze Regensberg, Kyburg, Kappel, Laufen und Wädenswil nach graphischen Vorlagen von David Herrliberger. An der Herdwand in der Küche hat sich, wohl vom selben Ofen, ein Friesbändchen mit der Signatur des Hafners Kaspar Nehracher von Stäfa und der Jahreszahl 1785 erhalten.
Links: Herd in der Küche, mit Kacheln des Hafners Kaspar Nehracher, 1785. Rechts: Der ursprüngliche hölzerne Abort, noch ohne fliessendes Wasser.
Schutz
Nach abgeschlossener Renovation wurde das Haus 1988 wegen ≪seiner dominierenden Situation in der Landschaft, seinem baukunstlerischen Eigenwert sowie der ortsgeschichtlichen Bedeutung der Erbauerfamilie Hauser≫ als Schutzobjekt von regionaler Bedeutung ins uberkommunale Inventar aufgenommen.