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Viola Davis, Sie spielen in «The Help» eine Hausangestellte in den Südstaaten der 60er-Jahre. Ihre Mutter war selbst eine Haushaltshilfe. Hat Sie die Rolle auch deshalb gereizt?
Viola Davis: Meine Mutter und meine Grossmutter! Ja, das war schon ein Faktor. Vor allem aber sind die Figuren im Film Frauen, deren Leben mir vertraut sind, ihre Geschichten sind auch Teil meines Lebens.
Sie hatten zunächst Zweifel, ob Sie die Rolle annehmen sollen, weil Sie kritische Reaktionen aus der afroamerikanischen Gemeinschaft befürchteten. Gab es die?
Viola Davis: Oh ja. Ich hatte grossen Respekt vor der Verantwortung, Schwarze in jener Zeitperiode darzustellen. Jede Schauspielerin will letztlich geliebt werden, und mir war klar, dass dieser Film Reaktionen auslösen würde. Die kamen dann auch: Er sei zu sauber, zu sehr Hollywood, werde der Realität nicht gerecht, ein weisser Mann habe den Film gedreht, auf der Basis des Romans, den eine weisse Frau geschrieben habe...
Ist die Kritik berechtigt?
Viola Davis: Es ist sehr schwierig, Künstlerin zu sein und gleichzeitig positive politische Botschaften zu verbreiten. In meiner Jugend habe ich nicht viele wahrhaftige und gute Darstellungen von Schwarzen im Film gesehen, ich habe jetzt die Gelegenheit, das zu ändern. Also tue ich das, auch wenn es nicht immer hübsch aussieht. Die Kritik hat dazu beigetragen, dass ich gelernt habe, meine Entscheide zu verteidigen. Letztlich bin ich Künstlerin, nicht Politikerin.
«The Help» basiert auf dem Buch einer guten Freundin des Regisseurs. Blieb da überhaupt Spielraum für eigene Interpretationen der Figuren?
Viola Davis: Oh ja, wir hatten eine Menge Spielraum. Die Autorin sah das extrem locker. Vor den Dreharbeiten fragte ich sie, ob sie mir irgendwelche Tipps geben könne. Sie fand, ich solle tun, was immer ich für richtig halte. Das habe ich auch schon ganz anders erlebt. Speziell im Theater hatte ich schon Autoren, die merkten, wenn man auch nur einen Buchstaben veränderte, und dann auf ihrer Version bestanden.
«The Help» hat eine klare Botschaft, anders als Ihre bisherigen Filme wie «Easy A».
Emma Stone: «Easy A» hatte das auch, das geht nur immer vergessen. Da ging es gegen das Schikanieren von Schwulen, gegen das Verbreiten falscher Gerüchte, gegen den Verlust von Kontrolle über die eigene Identität. Aber ja, die antirassistische Botschaft in «The Help» war mir natürlich wichtig.
War Ihnen diese Ära vertraut?
Emma Stone: Tate Taylor gab uns allen eine sechsstündige Dokumentarfilmserie zur Vorbereitung. Das war enorm hilfreich. In der Schule lernten wir praktisch nichts über diese Zeit. Wir hörten von Martin Luther King und Rosa Parks, das wars auch schon. Ziemlich surreal und erschreckend. Was ich in Vorbereitung auf den Film erfahren habe, sollten alle Jugendlichen in der Schule lernen.
Mississippi ist noch immer ein Staat mit vielen Armen, vielen sozialen Problemen und auch Rassismus. Wie viel hat sich wirklich verändert seit den 60er-Jahren?
Viola Davis: Es gibt immer noch einiges zu tun. Wobei das sicher nicht nur für Mississippi oder die Südstaaten gilt. Das Beste, was dieser Film ausgelöst hat, sind all die Diskussionen zum Thema Rassismus. Das wird sonst gerne unter den Teppich gekehrt.
Viola Davis, die 60er-Jahre sind lange vorbei, Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe gibt es noch immer. Haben Sie das auch persönlich schon erlebt?
Viola Davis: Selbstverständlich. Aber es passiert heute natürlich subtiler. Es manifestiert sich in Möglichkeiten oder eben fehlenden Möglichkeiten, zum Beispiel als Schauspielerin.
Es gibt also nicht viele gute Rollen für afroamerikanische Frauen in Hollywood?
Viola Davis: Definitiv nicht. Genausowenig, wie es viele gute Rollen für Frauen über 40 gibt. Ich hoffe, dazu beitragen zu können, dass sich daran etwas ändert. Es macht übrigens einen Unterschied, ob man hellere oder dunklere schwarze Haut hat. Es gibt aber Fortschritte. Und die jüngere Generation ist offener, sie hat keine Erinnerung mehr daran, wie es war, als die Rassen noch getrennt waren.
Was hat sich für Afroamerikaner geändert, seit Barack Obama Präsident ist?
Emma Stone: Beantworte du das.
Wie wichtig ist «The Help» für Ihre Karriere?
Viola Davis: Ich bin seit 23 Jahren im Geschäft, aber dies ist meine erste richtige Hauptrolle. Und es ist der tollste Charakter, den ich je gespielt habe. Es ist ein grosser Schritt in meiner Karriere.
Können Sie seit der Oscarnomination 2008 als beste Nebendarstellerin im Film «Doubt» wählerischer sein, bei welchen Projekten Sie zusagen?
Viola Davis: Man kann immer Nein sagen. Aber einige Leute können sich das eher erlauben als andere. Ich bin eine Charakterdarstellerin und habe bisher nehmen müssen, was ich kriegen konnte – meist waren das nur drei, vier Szenen pro Film. Ansonsten habe ich bei der Projektwahl keine grossen Ansprüche. Daran hat auch die Nomination für «Doubt» nichts geändert.
Der Erfolg von «The Help» in den USA hat bereits diverse Oscargerüchte ausgelöst. Machen Sie sich Hoffnungen, Emma Stone?
Emma Stone: Sie fragen ernsthaft mich? (lacht) Jawohl, ich würde Viola und Octavia Spencer sofort einen Oscar geben! Ich selbst frage mich vor allem, was ich anziehen sollte, falls ich zu den Oscars eingeladen würde. Alles andere ist noch gar nicht bis in mein Bewusstsein vorgedrungen.
Sie haben mehrfach starke Polizistinnen in TV-Serien gespielt. Liegt Ihnen diese Rolle?
Viola Davis: Naja, das ist eben, was ich so kriege. Polizistinnen sind hart und stark, so sieht man mich offenbar. Aber das waren grossartige Charaktere, und ich habe das Beste daraus gemacht. Egal, wie das Drehbuch geschrieben ist, es ist die Aufgabe eines Schauspielers, es zu behandeln, als wäre es Shakespeare.
Emma Stone, nach «Zombieland» und «Easy A» ist «The Help» ein ziemlich radikaler Genrewechsel. Was hat Sie am Film gereizt?
Emma Stone: Ich habe mich in Regisseur Tate Taylor, in die Story und in meinen Charakter verliebt. Es war etwas völlig anderes, als ich je zuvor gemacht habe. Zwar empfand ich alle meine Filme bisher als Herausforderung, dieser hier aber war es auf besonders vielen Ebenen. Vor allem ängstigen mich Hauptrollen immer ein bisschen, ich bin da ganz anders als Viola. Ich mag es, nur ein paar Tage auf einem Set arbeiten zu müssen.
Ihr nächster Film, die Neuauflage von «The Amazing Spider Man» nächsten Sommer, wird Sie endgültig zum Star machen. Wie fühlt sich das an?
Emma Stone: Ich kann mir das noch nicht so recht vorstellen, aber ja, es wird viel geredet werden, viel auch über mich, und ich werde wohl mehr von mir preisgeben müssen als bisher. Leute werden Meinungen über mich haben. Das Filmen allerdings war nicht viel anders.