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Die vier Evangelien sind zentrale Texte des Neuen Testaments. Das Wort «Evangelium» kommt vom griechischen (εὐαγγέλιον, «euangelion») und bedeutet «frohe Botschaft».Die Evangelien berichten von der Geburt Jesu, seinem Wirken, seinem Tod und seiner Auferstehung. Im Folgenden wird die Zuverlässigkeit dieser Berichte behandelt.
Ausserbiblische Quellen
Es ist nicht überraschend, dass die wichtigsten Quellen über das Leben Jesu von Christen stammen. Schliesslich werden die meisten Bücher von Leuten geschrieben, die ein grosses Interesse am behandelten Thema haben. Innerhalb der ersten 90 Jahre, als das Christentum nach der Kreuzigung Jesu entstand, gibt es aber dennoch eine Reihe nicht-Christlicher Quellen, die über Jesus berichten und den Rahmen der Evangelien in groben Zügen bestätigen.
Der römische Senator und Konsul Cornelius Tacitus (ca. 58 - ca. 120 n. Chr.) berichtet, dass Christus während der Regierung von Tiberius unter Pontius Pilatus die Todesstrafe erlitt und dass sich das Christentum von Judäa ausbreitete. Da Pilatus zwischen 26 und 36 n. Chr. im Amt war, muss der Tod in diesem Zeitrahmen liegen.
Es waren jene Leute, die das Volk wegen ihrer Schandtaten hasste und mit dem Namen „Christen“ belegte. Dieser Name stammt von Christus, der unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war.
Plinius der Jüngere (61/62 - 111 n. Chr.) war Gouverneur einer Region im Nordwesten der heutigen Türkei. In einem Brief an den Kaiser Trajan erwähnt er, dass Christen Loblieder sangen, in denen sie Christus als Gott anbeteten.
Sie behaupteten aber, ihre ganze Schuld … habe darin bestanden, dass sie sich an einem bestimmten Tage vor Sonnenaufgang zu versammeln pflegten, Christus zu Ehren, wie einem Gotte, im Wechselgesang ein Lied anstimmten und sich eidlich nicht etwa zu einem Verbrechen verpflichteten….
Obwohl es noch weitere Quellen gibt, sieht man bereits anhand dieser beiden Dokumente, dass sich die wichtigsten Fakten in diesen Texten mit dem Neuen Testament decken: (1) Jesus starb zwischen 26 und 36 n. Chr. unter Pontius Pilatus in Judäa und (2) er wurde schon früh von seinen Jüngern als Gott angebetet.
Autorschaft und Datierung der Evangelien
Irenäus, Bischof von Lyon, identifiziert um 185 n. Chr. die Autoren der Evangelien als Matthäus, ein Steuereintreiber aus Kapernaum und Apostel, Markus, der Übersetzer von Petrus, Lukas, ein Arzt, der Paulus auf dessen Reisen begleitete, und Johannes, ebenfalls Apostel und Fischer aus Kapernaum.Laut diesen Angaben sind also Matthäus und Johannes Augenzeugen.
Papias, ein Autor, der im 2. Jahrhundert schrieb, bestätigt die Verbindung zwischen Markus und Petrus, da er erwähnt, dass Markus seine Informationen von Petrus erhielt.
Wenn die Aussagen von Irenäus und Papias akzeptiert werden, ergeben diese kombiniert also, dass zwei dieser Autoren Augenzeugen waren und ein dritter seine Informationen von einem Augenzeugen erhielt. Man kann daraus nicht zwingend schliessen, dass die Evangelien zuverlässig sein müssen. Aber als Augenzeugen oder Personen, die Augenzeugen nahestanden, waren diese Autoren in einer guten Position, um zu wissen, was sich ereignet hatte. Deswegen sollte es grundsätzlich als möglich erachtet werden, dass die Berichte zuverlässig sind.
Die Evangelien werden von den meisten Gelehrten zwischen 60 und 100 n. Chr. datiert, wobei das Markus-Evangelium von der Mehrheit am frühesten und das Johannes-Evangelium am spätesten datiert wird. Es ist naheliegend anzunehmen, dass die vier Autoren die Evangelien in diesem Zeitraum verfassten. Sie waren also Augenzeugen oder zeitlich nicht mehr als eine Generation vom Geschehen entfernt. Darum wurden ihre Informationen als wertvolle Tradition geachtet und immer wieder weitergegeben.
Da die Berichte Informationen von Augenzeugen enthalten, die Berichte zeitlich nicht mehr als eine Generation entfernt sind und weil diese Informationen als wertvolle Tradition erachtet und immer wieder weitergegeben wurde, ist davon auszugehen, dass die Berichte mindestens im Kern zuverlässig sind.
Zuverlässigkeitstests
Die Zuverlässigkeit der Angaben in einem Text kann anhand verschiedener Merkmale überprüft werden. Zwei wichtige Merkmale sind Personennamen und geographische Angaben. Bei einem vorliegenden Text kann man untersuchen, ob solche Angaben intern und extern bestätigt werden. Bei interner Evidenz geht es um die Frage, ob die Behauptungen innerhalb des Texts konsistent sind. Diese Frage wurde im Artikel Widersprechen sich die Evangelien? thematisiert. Von externer Bestätigung spricht man, wenn Behauptungen durch mindestens ein unabhängiges Dokument gestützt werden. Letztere sollen im Folgenden genauer betrachtet werden.
Richard Bauckham, ein Forscher an der Ridley Hall in Cambridge, verglich die relative Häufigkeit von jüdischen Personennamen in Palästina zwischen 330 v. Chr. und 200 n. Chr. (wobei der Grossteil der Daten aber von 50 v. Chr. bis 135 n. Chr. stammt) mit der Häufigkeit der Namen in den Erzählungen des Neuen Testaments.Dabei fand er heraus, dass die Verteilungen dieser Namen sehr ähnlich sind. Genauer gesagt kommen diejenigen Namen, die in Palästina sehr geläufig waren (z.B. Simon und Maria), auch im Neuen Testament sehr häufig vor. Die Namen von Juden in Ägypten hingegen weichen deutlich von dieser Verteilung ab. Dies bedeutet, dass die Personenangaben in den Evangelien sowohl zeitlich als auch geographisch passen.
Der Direktor des Tyndale House in Cambridge, Peter J. Williams, untersucht in Can We Trust the Gospels? geographische Angaben wie Städte, Regionen und Gewässer. In den vier Evangelien werden 26 unterschiedliche Städte erwähnt, wovon die einen mehr und andere weniger bekannt waren.Die Gesamtzahl aller Ortsangaben liegt in Matthäus bei 90, in Markus bei 60, Lukas erwähnt 99 Orte und im Johannes-Evangelium werden 76 Orte genannt. Die Bedeutung dieser Zahlen wird augenscheinlich, wenn man diese mit den Ortsangaben späterer, falscher Evangelien (Pseudepigraphien) vergleicht. Das Thomasevangelium erwähnt Judäa ein einziges Mal und macht ansonsten keine Ortsangaben. Das Judasevangelium enthält überhaupt keine Ortsangaben. Etwas mehr Angaben findet man im Philippusevangelium, welches vermutlich aus dem 3. Jahrhundert stammt. Dort werden Jerusalem, Nazareth und Jordan erwähnt. Die vergleichsweise hohen Zahlen in den Evangelien zeugen von einem deutlichen qualitativen Unterschied im Gegensatz zu den späteren Evangelien.
Fazit
Ausserbiblische Quellen unterstützen diverse Aussagen der Evangelien und bestätigen dadurch den groben Rahmen dieser Berichte. Bereits ab dem 2. Jahrhundert liegen Quellen vor, welche die traditionelle Verfasserschaft der Evangelien unterstützen. Ausserdem bestätigen diese, dass die Evangelien entweder von Augenzeugen stammen oder dass die Autoren Zugang zu den Aussagen von Augenzeugen hatten. Letztlich deuten Untersuchungen von Personennamen und geographischen Angaben innerhalb der Evangelien auf eine gute Qualität der Berichte hin und zeugen somit von ihrer Zuverlässigkeit.