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Der Grand Coucher, ein stark kodifiziertes öffentliches Ritual, das zum Alltag von Ludwig XIV. gehörte, fand ohne Musik statt und wurde mit der Kerzenschein-Zeremonie beendet, was diesem Augenblick eine quasi heilige Stimmung verlieh. Der für uns interessante Augenblick fand am Rande dieses Rituals statt, in einem weniger stark kodifizierten Rahmen, in dem der König nach und nach die prunkvolle öffentliche Repräsentation verliess und sich in seinen Privatbereich zurückzog. Dann wurden die schönsten Stücke von Lully und Lambert gespielt, die besonders für Kammermusik-Trios geeignet waren. Der grosse König will sich im Prunkzimmer zur Ruhe legen. Mit seinen 75 Jahren war er ziemlich erschöpft von diesem Tag, den er erneut in ständiger Repräsentanz verbracht hatte. Das geregelte, aber stille Hin und Her der „Entrées“ (Eintritte) zum Grand Coucher ging gerade zu Ende. Der Petit Coucher, der auf ihn folgte, endete ebenfalls in Kürze. Nur einige auserwählte Privilegierte blieben, kurze Zeit später war der Monarch endlich allein. Wie es in den 1680er Jahren seine Gewohnheit war, liess der König nun seinen Gitarrenlehrer sowie einige Sänger und Sinfonisten der Musique de la Chambre du Roi (Musik der Königskammer) rufen. Stück für Stück wurde er nun auf die Ruhe vorbereitet, bis er in die Welt der Träume versank. Wovon er dabei geträumt hat und ob er am Morgen ausgeruht erwacht ist, entzieht sich unserer Kenntnis, aber wir spielen die Zeremonie nach: das Publikum hört sich das Konzert aus dem Liegestuhl an!