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Als Folge von drei heftigen Gewittern verursachte der «Hüpbach» in den vergangenen Neunziger-Jahren Hangrutsche, Murgänge und Überschwemmungen. Geröll und Geschiebe verstopfte die Durchlässe von Strassen und Bahn in Oberwil. Mit dem Bau von zwei Rückhaltebauten will die Schwellengemeinde Oberwil künftige Gefahren verhüten. An den Kosten von gut 2,5 Millionen Franken beteiligen sich Bund und Kanton mit insgesamt rund zwei Dritteln der Baukosten. Die Bauten sind auf 300-jährige Murgangsereignisse ausgelegt.
Der Hüpbach ist im Normalfall ein kleines Bächlein, das im Gebiet des Nüebärg auf 1734 Meter über Meer unterhalb des markanten Widders-grind entspringt, durch enge Schluchten stürzt, den Dorfkern von Oberwil passiert und nach 3,2 Kilometern, eintausend Höhenmeter tiefer, im Heidenweidli in die Simme mündet.
Am 14. Februar 1990 und zweimal in kurzer Folge im Sommer 1994 (22. und 26. Juli) verursachte der Hüpbach nach schweren Gewittern Schäden. Die Vertreter der Schwellengemeinde sahen sich zur Suche nach Lösungen veranlasst. Zudem wurde aus der im Jahr 2004 erstellten Gefahrenkarte für Oberwil ersichtlich, dass neben Teilen des Dorfkerns von Oberwil, Wald, landwirtschaftliche Flächen, Werkleitungen, Strassen, Bahn, Brücken und auch eingezontes Bauland in der «roten» und damit in der nicht überbaubaren Gefahrenzone liegen. Zum Schutz von Menschen, Tieren und Liegenschaften und um die bauliche Weiterentwicklung zu ermöglichen, hat die Schwellengemeinde Oberwil nun durch Firma Emch+Berger, Spiez, ein Wasserbauprojekt ausarbeiten lassen, das zwei Rückhaltebauten vorsieht.
Beim Hauptrückhalt (auf 1015 Meter über Meer) wird – anstelle der bisher üblichen Betonsperren – ein neuartiges flexibles Hängebrückennetz erstellt. An drei fast zehn Zentimeter starken Stahlseilen, gesichert von bis zu 30 Meter langen Verankerungen, wird ein grossflächiges Ringnetz befestigt. Dieser als Knautschzone ausgelegte Anprallschutz soll die extrem hohen Kräfte aus einem Murgang schadlos aufnehmen können. Durch die Flexibilität und Verformbarkeit des Systems können die Spitzenkräfte, die bei einem starren Aufprall entstehen, gedämpft werden. Gleichzeitig wird durch das Ringnetz ein durchlässiges System zur Wasserableitung geschaffen. Der auf der Bachsohle aufliegende Netzteil wird ca 3,5 Meter tief eingegraben, mit Natursteinblöcken fixiert und mit Mikropfählen (mit Ankerlängen von 20 Metern) gesichert.
Schwellengemeinde-Präsident Hansueli Siegenthaler hat sich von der neuartigen Konstruktion, die auch schon in Hasliberg und in Leissigen erstellt worden ist, überzeugen lassen: «Der Umstand, dass etwa 25 Prozent des Geschiebes durch die Maschen geleitet wird, wird sich auf die Unterhaltskosten auswirken. Der Rückhaltestandort ist nur schwer zugänglich und der Abtransport des gestauten Materials ist entsprechend kostspielig. Weil die Feinanteile mit dem Wasser abfliessen können, bleiben diese im Bach und verhindern damit die Gefahr durch weiteres «Ausfressen». Knapp hundert Höhenmeter unterhalb des Hauptrückhalts wird eine weitere Sperre mit 3000 Kubikmeter Fassungsvermögen entstehen. Diese wird im standardisierten Verfahren aus Beton erstellt und ebenfalls mit einem Ringnetz versehen.
Christian Aegerter wird für die Schwellengemeinde für die finanzielle Abwicklung des Projektes zuständig sein. Der Kostenvoranschlag geht von einer Bausumme von 2 563 500 Franken aus. Soeben hat der Regierungsrat des Kantons Bern einen Beitrag von 692 000 Franken bewilligt. Der Bund hat auf Ende Juli die Zusicherung eines ähnlich hohen Betrags in Aussicht gestellt. Der Schwellengemeinde Oberwil bleiben damit Restkosten von rund einem Drittel (850 000 Franken). Für Schwellengemeinde-Kassier Ramon Kunz ist der Betrag ohne weitere Erhöhung des Schwellentell-Ansatzes verkraftbar: «Dieser ist vor Jahren im Hinblick auf die grossen Investitionen auf 1,5 Promille der amtlichen Werte angepasst worden und mit den damit geschaffenen Reserven wird das Projekt tragbar.
Dank der guten Zusammenarbeit mit den Land- und Waldeigentümern und dank dem frühzeitigen Einbezug der Waldabteilung und dem Naturschutzinspektorat konnten die Planungsarbeiten effizient erledigt werden. Schon im Herbst 2011 möchte die Schwellengemeinde mit der Erstellung der Baupiste und mit dem Ausholzen für den Hauptrückhalt beginnen. Bis im Frühjahr 2012 sollten die Baumassnahmen abgeschlossen sein. Danach könnten die gefährdeten Gebiete aus der roten Zone entlassen werden und der baulichen Weiterentwicklung von Oberwil stünde nichts mehr im Wege.
Ein neuartiges Hängebrückennetz soll das Geschiebe im Hüpbach aufhalten Oberwil
Erstellt am: 07.07.2011