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«Congo Hold-Up»: Libanesischer Fleischhändler kassierte in Genf trotz US-Sanktionen Millionen
Zürich, Lausanne, 24.November 2021
Die Recherche-Serie «Congo Hold-up»* beleuchtet, wie die Zweigstelle der BGFIBank in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) es der Entourage von Ex-Präsident Joseph Kabila ermöglichte, über 138 Millionen US-Dollar aus Staatsgeldern abzuschöpfen. Dieses Geldinstitut bot aber auch Netzwerken dubioser Geschäftsleute Zugang zum internationalen Bankensystem. Dazu gehörte Congo Futur. Diese 1997 von den Tajideen, einer libanesischen Kaufmannsfamilie, gegründete Unternehmensgruppe hatte sich auf den Fleischhandel spezialisiert und zu einem der grössten Lebensmittelimporteure der DRK entwickelt. Dies dank ihrer Verbindungen zum Kabila-Clan und obwohl sie in Europa und den USA in Konflikt mit der Justiz standen. 2009 kam Kassim Tajideen, der starke Mann von Congo Futur, auf die Sanktionsliste des US-Finanzministeriums, weil er die libanesische Gottespartei und Miliz Hisbollah finanziell unterstützte. Im selben Jahr wurde er in Belgien wegen Geldwäsche und Urkundenfälschung verurteilt. 2010 geriet auch seine Ovlas Trading, zu der unter anderem Congo Futur gehört, auf die rote Liste der USA.
Unsere Analyse ergab, dass eine zur Ovlas-Gruppe gehörende Offshore-Firma namens Global and Infinite Traders (GAIT) zwischen Mai 2011 und April 2015 über 11 Millionen US-Dollar auf ihr Konto bei der BankMed (Suisse) SA in Genf erhielt, ohne dass deren Compliance-Abteilung Alarm schlug. Die 62 Einzahlungen stammten von sechs mit Congo Futur verbundenen Unternehmen, die in der DRK tätig waren und ihre Konten allesamt bei der BGFIBank DRK hatten. GAIT stellte dabei erst ihre Fleischkäufe in Belgien und anderen Ländern in Rechnung und kassierte dann einen Teil der Einnahmen in der Schweiz. Die belgische Justiz beurteilte einen ähnlichen «Dreieckshandel» zwischen Einheiten desselben Konzerns als illegale Preismanipulationen und sogar Geldwäsche.
Die Daten von «Congo Hold-Up» belegen zudem die Rolle der Schweiz bei den Praktiken der unabhängigen nationalen Wahlkommission (CENI), die es dem Kabila-Clan ermöglichten, sich nach den verlorenen Präsidentschaftswahlen 2018 zwei weitere Jahre an der Macht zu halten. So stützte sich der niederländische Konzern Gemalto, zu dem seit 2015 auch die damalige Aargauer Herstellerin der Schweizer Identitätskarten gehört, auf eben diese untadelige Tochterfirma namens Trüb, um bei einem engen Vertrauten Kabilas für einen Auftrag der CENI im Wert von 46 Millionen Dollar zu lobbyieren. Dieser Deal für die Lieferung von amtlichen Registrierungs-Kits wurde in der DRK von fragwürdigen Finanztransaktionen begleitet. Zudem geht es um eine kleine ghanaische Firma, der die CENI im Rahmen eines besonders undurchsichtigen Vertrags mehrere Millionen Dollar auf Konten der Union Bancaire Privée (UBP) in Genf überwiesen hat.
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