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Von Natascha Fuhrer
Mein Buch handelt von der siebzehnjährigen, tierlieben Shoshana und ihrem grossen Abenteuer, das startet, als sie eines Tages von einem Kater, Dimitri, angesprochen wird – und zwar durch die Augen. Sie wird von ihm und einer Gepardin, Ta-shih-chih, in die neue Welt der Tiere gebracht, die sich auf unserem Planeten, aber in einer anderen Raum-Zeit-Dimension befindet und die durch fünf auf der Erde verteilte Tore, ”Portae”, erreicht werden kann. Diese fremde Welt wird ”Stella Misericors” genannt: Der Barmherziger Stern. Zu Beginn der Geschichte gibt es dort bloss eine einzige Insel, die bewohnbar ist, nämlich in Form eines Sternes und unterteilt in alle möglichen Klimate unserer Welt wie hier zu sehen:
Der Rest des Planeten ist erfüllt von leblosem Sumpf. Shoshana trägt ein Sternenmal auf der linken Hand, das dieselbe Form wie diese Insel hat.
Aus unserer Welt, welche ich ”Iniusta” (die Ungerechte) nenne, gelangten also einige Tiere hinüber nach Stella Misericors, und als sie dort ankamen, bemerkten sie, dass sie plötzlich miteinander sprechen konnten, nämlich durch das ”Sermo Silentii” (Gespräch der Stille), einer Art Gedankensprechen. Dabei dienen die Augen als Übermittler. Es ist völlig lautlos, wird zwar gehört, aber auf eine ganz andere Art als Ohren hören. Die ersten 50-60 Tiere, die durch eines der Tore traten, bekamen auch sonst besondere Fähigkeiten wie ungeheure Schnelligkeit oder die Fähigkeit, zu fliegen, infolge einer Verwandlung ihrer Gestalt, oder die Fähigkeit, Sermo Silentii an Tiere in Iniusta zu vergeben etc.
Shoshana soll nun den Tieren helfen, die fünf Elementträger, ”Gestatores Elementi”, zu finden, welche entscheidend sein werden für das Schicksal der Tiere in dieser neuen Welt, und zusammen mit ihren Gefährten wird sie viele Tiere in Iniusta befreien und hinüberbringen, doch mehr über ihre Abenteuer sei hier nicht verraten.
Stattdessen gebe ich gerne einen kurzen Einblick ins Buch – es ist ein Abschnitt aus dem ersten Kapitel, in dem Shoshana zum ersten Mal Sermo Silentii spricht:
„Die Stunde war fortgeschrittenen, doch der Schnee hielt das Licht fest und Shoshanas Augen gewöhnten sich rasch an die leichte Dämmerung; sie bahnte sich den Weg zwischen einigen dicht beieinander stehenden Bäumen durch, tastete sich bis zu einer breiten Birke vor, die am Rand einer kleinen Lichtung stand, und sah den grünäugigen Kater auf dem Boden sitzen, wo zerstreut im Schnee kleine Moosflecken hervoräugten, und konnte ihn nun richtig begutachten: Es war ein elegantes, trotz seines langen, flauschigen Felles schlank wirkendes Tier, schwarz-braun-getigert mit einem krummen, weissen Schlenker im Gesicht, der in einer Spitze zwischen den Augen begann, sich nach unten verbreiterte und in einen weissen Bart am Hals mündete, auch der Bauch und die Hinterläufe waren weiss, ausserdem die eine Vorderpfote. Die dunklen Farben waren fein getigert im Gesicht und an den Gliedern, zeichneten sich in breiteren Streifen und Flecken über Rücken und Flanken, ähnlich einer Marmorkuchenfärbung, und legten in abwechselnder Folge Ringe um den Schwanz. Sein Angesicht, die Ohren steil gespitzt, wandte er nun Shoshana zu, die zaudernd neben der Birke stand, und aus seinen intelligenten Augen, deren Pupillen sich im Dämmerlicht ausgeweitet hatten und die so das meiste der grünen Iris verschwinden liessen, schien er zu ihr zu sprechen, schon bevor er es tatsächlich tat. „Du bist also doch noch gekommen.“
Shoshana steckte fröstelnd die Hände in die Jackentaschen, einerseits weil sie ihre Handschuhe im Fahrradkorb liegen gelassen hatte, andererseits wegen der überwältigenden Tatsache, dass dieser wunderbare Wahnsinn sich fortsetzte – falls sie nicht am Träumen war. Ohne das kleinste Regen ihrer Lippen sagte sei: „Es… scheint so.“
Die grünen Augen blickten unverwandt in die ihren. „Danke. Dass du mir geglaubt hast… falls du es geglaubt hast.“
„Aha.“ Sie runzelte die Stirn.
„Das ist echt… faszinierend. Entschuldige, aber ich habe noch nie mit einem Menschen gesprochen.“
„Hm, ja, das muss eigenartig sein.“
Er erhob sich, schüttelte sich einmal kräftig und bewegte den Schwanz hin und her, als ob er gerade intensiv nachdächte.
Shoshana stellte die Frage, die ihr gerade auf der Zunge brannte. „Hast du einen Namen?“
„Ja, nenn mich Dimitri.““