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1720 – Der Nationalpark von Ankarafantsika
Dieser Nationalpark befindet sich etwa 420 km nordwestlich der Hauptstadt Antananarivo und etwa 115 km östlich der Hafenstadt Majunga (Mahajanga) in der Region Boeny. Der Park gehört zu den ältesten Naturschutzgebieten Madagaskars und ist erreichbar über die gut ausgebaute Nationalstrasse RN 4 und um dieses interessante Naturreservat besser zu erkunden, sollte man hier mindestens 2 Tage einplanen.
Die Anreise aus Antananarivo zur Westküstenstadt Mahajanga oder zum Nationalpark Ankarafantsika ist gut über die Strasse zu bewältigen, am besten mit einem Stopp im Dorf Maevatanana um die brütende Hitze bei dieser langen Autofahrt zu meiden. Es gibt auch eine Flugverbindung zwischen der Hauptstadt und der Hafenstadt Mahajanga, was die Anreise zum Naturreservat etwas angenehmer macht.
Der Ankarafantsika Nationalpark (was wörtlich übersetzt “die Berge mit Dornen“ heisst) liegt auf etwa 75-390 m über dem Meeresspiegel. Das Naturschutzgebiet wurde bereits im Jahre 1927 eingerichtet. Erst 2002 bekam es das offizielle Statut eines Nationalparks, und gehört zu den am meisten besuchten Naturschutzgebiete an der Nordwestküste.
Der Park liegt zwischen den beiden Flüssen Betsiboka an der Westseite und Mahajamba an die Ostseite. Das ca. 135’000 ha grosse Trockenwaldgebiet wird durch die Nationalstrasse 4 in zwei Gebiete geteilt. Er besteht aus ausgedehnten Trockenwäldern, Schluchten, Seen, Savannenlandschaft mit heissem Klima und beherbergt einen enormen Artenreichtum. Bemerkenswert sind die Flüsse, die aus dem Hochland kommen und sich während der Regenzeit zwischen Dezember und März zu reissenden Strömen wandeln.
Nationalpark von Ankarafantsika
Mehrere Wanderwege mit unterschiedlichen Schwerpunkten und verschiedenen Schwierigkeitsstufen, je nach Interesse und Kondition der Besucher, zeigen den Park in seiner ganzen Vielfalt und seiner beeindruckenden Schönheit.
Dieses Schutzgebiet ist besonders bekannt wegen der hier ansässigen Zuchtstation für bedrohten Landschildkröten.
In der Forststation Ampijoroa am Parkeingang des Ankarafantsika Parks gibt es das Projekt „Angonoka“ (Astrochelys yniphora), auf Deutsch Schnabelbrustschildkröte wegen ihres auffällig langen Vorsatzes am unteren Brustpanzer. Dieses Zucht- und Forschungszentrum kümmert sich um diese vom Aussterben bedrohten und endemischen Reptilien, die nur in diesem kleinen geschützten Gebiet im Nordwesten vorkommen.
Die Gründe des rasanten Rückgangs dieser seltenen Tiere sind einerseits die massive Brandrodung und die Abholzung der Trockenwälder, andererseits werden die Schildkröteneier von den wilden Buschschweinen aufgespürt und gefressen, ausserdem sehen einige Madagassen die Schildkröten traditionell als Delikatesse an. Das grösste Problem ist aber, dass einige Schildkrötenarten, vor allem diese sehr seltenen „Angonoka“, für sehr hohe Preise auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Dieses Projekt wird glücklicherweise vom WWF und vom Wildlife Preservation Trust seit 1986 unterstützt.
Nach der Aufzucht werden diese geschützten Tiere in den weit entfernt gelegen Nationalpark Baie de Baly am Kanal von Mosambik, 150 km südwestlich von Mahajanga, in ihre natürlichen Lebensräume gebracht. Vermutlich tummeln sich dort ca. 100 dieser Exemplare in freier Wildbahn. Auch die seltenen Flachrückenschildkröten (Pyxis planicauda) und die Madagaskar-Schienenschildröte (Erymnochelys madagascariensis) werden hier in Ampijoroa vom Aussterben bewahrt.
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Nationalpark von Ankarafantsika
Die hier lebenden Sakalava-Volksgruppen werden in die Naturschutzarbeit aktiv eingebunden. Schüler der umliegenden Schulen pflanzen während der Regenzeit Bäume. Die Erwachsenen legen am Rande des Parks Feuerschutzschneisen an oder sie werden durch die Naturführer bei verschiedenen Ausbildungen des Madagaskar Nationalparks für den Naturschutz sensibilisiert.
In der Forststation Ampijoroa befindet sich der “See Ravelobe“, benannt nach einem berühmten Räuber. Ein Rundgang zum See ist besonders bei Vogelkundlerbeliebt, er führt zu einem Aussichtspunkt mit eindrucksvollem Rundblick. Dieser kleinen See wird nämlich von zahlreichen endemischen Watvögeln, Reihern und vor allem vom Madagaskar- Fischadler (Haliaeetus vociferoides) auf madagassisch “Ankoay“ aufgesucht.
Die Ankoay sind die grössten Raubvögel in Madagaskar und dieser See ist für ihn einer der wichtigsten Lebensräume. Süsswasserfische sind ihre Hauptnahrung. Weit oben über dem See thronend beobachten sie die „Tilapia Fische“ unter der Wasseroberfläche, stürzen sich hinunter und fangen sie mit ihren langen und scharfen Krallen. Ein einmaliges Naturschauspiel! Als Raubtiere fangen sie auch Krabben und kleine Vögel, wenn die Fische nicht genügen.
Nationalpark von Ankarafantsika
Der Lac Ravelobe ist auch bekannt wegen der hier lebenden Nilkrokodile (Crocodylus niloticus madagascariensis). Diese endemischen Riesenkrokodile mit bis zu neun Metern Länge gelten als heilig für die Sakalava-Volkstämme. Es ist Fady oder Tabu diese Reptilien zu jagen, so können sie in diesem Schutzgebiet ungestört leben und sich vermehren. Im sicheren Boot und in Begleitung eines ortskundigen Führers kann man den am Ufer in der Sonne dösenden Echsen ziemlich nahekommen! Auch Chamäleons sowie Erdchamäleons (Brookesia), Skinke, Tagesgeckos, Schlangen etc. sind weitere Bewohner dieses Naturparks. Wegen der starken kulturellen und spirituellen Bedeutung des Sees gelten in diesem Naturpark viele Tabus.
Auf den zahlreichen Rundwegen im Nationalpark von Ankarafantsika lernt man auch die interessante Vogelwelt dieses Naturschutzgebiets kennen. Für die Ornithologen ist der Park ein reiches Revier für Vogelbeobachtungen. Rund 130 Vogelarten sind hier im Park vertreten. Darunter findet man Bienenfresser, Drongos und Paradiesschnäpper, die in diesem Naturschutzgebiet ungestört leben. Die blattlose Vegetationsperiode des Trockenwaldes von Mai bis Oktober eignet sich besonders für die Vogelbeobachtung, um die versteckt lebenden Couas, die schönen Seidenkuckucke oder die endemischen Rotvangas (Schetba rufa) zu entdecken.
Nationalpark von Ankarafantsika
Die madagassische Erzählkunst oder die Märchen berichten auf besondere Art über viele Tiere. Die Lokalführer an der Nordwestküste erzählen den Besuchern gerne die spannende Geschichte des schwarzen Vogels, dem auffälligen Trauerdrongo, genannt auch der Gabelschwanzdrongo. Unverwechselbar ist das Aussehen dieses Vogels mit dem schönen Haarschopf und dem gegabelten Schwanz, wie sein Name andeutet.
Dieser Vogel kommt überall im Trocken-, sowie auch im Regenwald vor. Er ist nicht scheu, aber vor allem ist er ein ausgezeichnet Stimmennachahmer. Vor vielen Jahrhunderten kamen die Seeräuber in die Nähe des Dorfes Maroantsetra an der Nordostküste Madagaskars, um die Dörfer zu plündern und um Gefangene zu machen. Wenn die Dorfbewohner hörten, dass sich die Piratentrupps näherten, flohen sie sofort in den Dschungel. Doch eine Frau mit ihrem kleinen Kind konnte nicht mithalten und versteckte sich im nächsten Dickicht. Gerade als die Piraten an ihnen vorbeieilten, weinte das Baby. Die Seeräuber drehten sich zum Geräusch um, sahen aber nur einen Drongo auf einer Baumkrone, der gerade das weinende Baby nachahmte. So dachten die Fremden, dass sie in die Irre geführt wurden. Sie gaben ihr Unternehmen auf und kehrten zu ihren Booten zurück. Seither wird der Drongo in diesem Dorf verehrt und es ist in der Region tabu oder Fady diesen schönen Vogel zu töten.
Eine Wandertour durch das Trockenwaldgebiet ist aufgrund seiner biologischen Vielfalt und wegen seiner leichten Begehbarkeit sehr warm zu empfehlen. Im Schutzgebiet gibt es gut ausgeschilderte Lehrpfade und die ausgebildeten Führer sprechen französisch und/oder englisch.
Zahlreiche Lemurenarten, wie die roten Coquereli-Sifakas (auch tanzenden Lemuren genannt) siedeln am Parkeingang und begrüssen die Besucher. Die heimischen nachtaktiven goldbraunen Mausmaki (Microcebus ravelobensis) und der seltene Mongozmakis (Eulemur mongoz) sind im Park auch gut zu beobachten.
Nationalpark von Ankarafantsika
Dieses nordwestliche Gebiet wird wegen seiner lang andauernden Trockenperiode Trockenwaldzone genannt, da die meisten Bäume ihre Blätter abwerfen und einige Lemuren wie die Fettschwanzmakis für einige Monate ihren sogenannten Trockenschlaf halten. Bei der Tageswanderung durch den Park entdecken die Naturfreunde und die botanisch Interessierten neben Lemuren, Reptilien und Vögel auch schöne Lianen, riesige Baobabs und zahlreiche Palmen und endemische Sukkulentenpflanzen.
Leider ist das Hotelangebot besonders in der Hochsaison sehr beschränkt. Der Nationalpark bietet einfache Bungalows und Campingmöglichkeiten mit befestigten und überdachten Zeltplätzen an.
Oktober 2020; Geschrieben von: Fanasina PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch