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Ottokars Cinétips
Wiedersehen mit einem Hollywood-Aussenseiter
Zum Saisonbeginn widmet das Stadtkino Basel einem ganz grossen und beinahe in Vergessenheit geratenen Kinostar eine Hommage: Marlon Brando
Von Ottokar Schnepf
Marlon Brando in: «One Eyed Jacks» (1961)…
Als Marlon Brando 2004 achtzigjährig starb, hat er in 39 Filmen seine ganz speziellen Rollen gespielt, mit vielen davon hat er Kinogeschichte geschrieben. Neben den bestbekannten von «A Streetcar Named Desire» bis zu «Last Tango in Paris» sind im Stadtkino-Programm etliche Filme vertreten, die damals zu wenig Beachtung gefunden haben. Dazu zählen unter anderen Brandos einzige Regiearbeit «One Eyed Jacks» und «The Chase» von Arthur Penn.
«Ich übernehme», sagte Marlon Brando während der Dreharbeiten zu «One Eyed Jacks» zu Stanley Kubrick, mit dessen Regieführung er nicht zufrieden war.
Es überraschte nicht, dass die beiden Aussenseiter miteinander nicht zurecht kamen. Einen Kubrick vom Platz zu weisen, galt aber als unverfrorene Selbstüberschätzung, man räumte dem Film jetzt keine Chancen mehr ein.
Doch Brando war seiner Sache sicher und lieferte nach dem Roman The Authentic Death of Henry Jones von Charles Neider, nach einem Drehbuch von Sam Peckinpah, der den Sinn und Widersinn der Rache reflektiert, einen 143 Minuten langen Western, der seinesgleichen sucht.
Infolge der Besessenheit, mit der Brando sich seiner Arbeit widmete (ein Grund vielleicht, weshalb der Film den deutschen Titel «Der Besessene» trägt), dauerten die Dreharbeiten jahrelang.
Am Originalschauplatz Monterey (Kalifornien) liess Brando das Team tagelang warten, bis das Meer, das den Hintergrund einer Szene bildete, sich seinen Vorstellungen fügte. Das Resultat rechtfertigt diese Verrücktheiten: In seiner lyrisch-pathetischen Getragenheit ist «One Eyed Jacks» einer der schönsten Western überhaupt.
Die Rache eines aus dem Gefängnis entlassenen Abenteurers (Brando), der von seinem ehemaligen Komplizen (Karl Malden) verraten wird und der in der Zwischenzeit zum kaltschnäuzig-sadistischen Sheriff avancierte, wurde zu einem Meilenstein- Western. Von der Kritik übersehen wie so viele Western, ist jetzt im Stadtkino Basel die Gelegenheit, diesen Film nach bald 50 Jahren zu geniessen.
Rassenhass und Vorurteile
…und in «The Chase» (1966)
Trotz Jane Fonda und Robert Redford neben Marlon Brando in den Hauptrollen, gehört «The Chase» von Arthur Penn («Bonnie and Clyde») zu den weniger bekannten Brando- und unterschätzten Penn-Filmen.
Zu unrecht, denn der Hass auf eine gewisse Gesellschaft im Süden der USA, wo Korruption und Massenhysterie waltet, ist in jeder Einstellung präsent und fühlbar. Im texanischen Kaff Tarl ist die Langweile so gross wie die Ölfelder.
Doch das ändert sich, als Bubber (Robert Redford) aus dem Gefängnis ausbricht, denn seine Frau (Jane Fonda) hat ein Verhältnis mit dem Sohn des Mannes, der Bubber ins Gefängnis brachte. Als das Versteck des Flüchtigen entdeckt wird, ahnt Sheriff Calder (Marlon Brando) die Lynchgefahr und greift ein. Das wird ihm zum Verhängnis und kostet ihn beinahe sein Leben.
Der damals von der Produktion zerschnittene Film ist jetzt im Stadtkino Basel in der Originallänge von 135 Minuten zu sehen.
Von Ottokar Schnepf