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aus dem Kunstmuseum Hamburg
Während die Malerei ihre Wirkung durch die Mannigfaltigkeit farbiger Flächen erreicht, ist die Radierung auf Schwarz und Weiß beschränkt. Der Maler arbeitet mit dem geschmeidigen Pinsel, der Radierer übersetzt die Erscheinungen der Natur in ein Durcheinander von starken und schwachen Strichen, die er mit einer spitzen Stahlnadel zieht.
Es wird, wenn man dies so im allgemeinen sagen darf, für den Radierer vor allem darauf ankommen, das Zeichnerische und Formale auf der Kupferplatte wiederzugeben, am besten in andeutender Weise; wobei ich an Liebermanns berühmte Definition „Zeichnen ist Weglassen“ erinnern möchte.
Andererseits braucht der Radierer keineswegs auf malerische Wirkungen zu verzichten, da ihm die ganze Tonleiter vom dunkelsten Schwarz des stark geätzten Striches bis zum reinen Weiß des Papiertones zur Verfügung steht. Ja, er kann sogar durch die verschiedene Art, wie er die Striche führt, ätzt oder in das blanke Kupfer einkratzt, eine ausgesprochen farbige Wirkung erzielen und den Beschauer vergessen machen, daß das Blatt, auf welches er blickt, nur aus Tonunterschieden einer einzigen Farbe entstanden ist.
Text aus dem Buch: Die Kunst des Radierens, Verfasser: Hermann Struck
aus dem Kunstmuseum Hamburg