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Investitionen in fossile Energien haben keine Zukunft
196 Länder haben sich an der Pariser Klimakonferenz (COP21) verpflichtet, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Thiemo Lang, Senior Portfolio Manager von Robeco SAM, erwartet, dass sich immer mehr Investoren aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe zurückziehen werden.
06.04.2016, 15:30 Uhr
Redaktion: sif
Wie wird sich der Energiesektor nach der Unterzeichnung des Klima-Abkommens in den nächsten Jahren entwickeln? Thiemo Lang: Das COP21-Abkommen kann man mit Recht als die erste wahre globale Vereinbarung zur Bekämpfung der Erderwärmung bezeichnen, da es fast alle Industrie- als auch Entwicklungsländer mit einbezieht. Ein echter Durchbruch ist gelungen. Das in der Vereinbarung etwas vage formulierte Ziel, die Nettoemissionen "irgendwann" in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf null zu senken, hängt jedoch jetzt schon quasi wie ein Damoklesschwert über Investitionen in fossile Brennstoffe. Unternehmen, welche vorhaben, in konventionelle Energiequellen wie der Ölförderung oder Kohlekraftwerke zu investieren, werden solche Pläne jetzt noch mehr auf den Prüfstand stellen müssen. Genauso werden Energieversorger, die in der konventionellen zentralen Stromerzeugung tätig sind, ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen.
US-Präsident Obama hat den Budgetplan für 2016 unterschrieben, der auch die Verlängerung der Solar und Windkraft-Förderprogramme ITC bzw. PTC vorsieht. Erst kürzlich hat der Oberste Gerichtshof der USA Obamas Clean Power Plan gestoppt. Dieses Gesetz verpflichtet die Bundesstaaten zu einer erheblichen Senkung der Treibhausgasemissionen der staatlichen Stromerzeuger. Wie wichtig ist die Rolle des Staates für die Realisierung der COP21-Ziele? Die Verlängerung der Steuergutschriften für Solar- und Windkraftanlagen ist ein Segen für die betroffenen Unternehmen, sie gibt Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre und sogar darüber hinaus. Das neue ITC-Programm für Solaranlagen ist der wohl bisher bedeutendste politische Impuls zur Unterstützung des Sektors in den USA, er ist gut auf den Investitionsbedarf zur Erfüllung der Vorgaben des Clean Power Plan (CPP) auf Ebene der Bundesstaaten abgestimmt und wird es ermöglichen, dass die Solarenergie bis dahin in fast allen US-Staaten die Netzparität zu herkömmlichen Energieträgern erreichen wird. Das derzeitige Einfrieren des CPP hat nur begrenzte Auswirkungen auf den aktuellen Bedarf an Energie aus erneuerbaren Quellen. Wir müssen die weitere Entwicklung trotzdem genau verfolgen, da politische Richtungswechsel auf Bundesstaatsebene der nationalen Förderung erneuerbarer Energien zuwiderlaufen könnten. Derartige bundesstaatlichen Einzelentscheidungen beeinflussen tatsächlich signifikant die Nutzung erneuerbarer Energien in den privaten Haushalten, haben jedoch einen deutlich weniger starken Einfluss auf den Einsatz erneuerbarer Energie bei den Grossanlagen.
Sehen Sie in anderen Ländern regulatorische Entwicklungen mit potenziell positiven Auswirkungen auf erneuerbare Energien? In Paris haben 188 der 196 vertretenen Nationen eine Klimaschutzzusage abgegeben. Dies zeigt ganz deutlich, dass die Staaten dieser Welt die Herausforderung durch den Klimawandel endlich ernst nehmen. Jedoch sollte bei der positiven Grundstimmung nicht vergessen werden, dass das Pariser Abkommen bestenfalls ein Anfang sein kann, werden die getätigten Zusagen doch bei weitem noch nicht ausreichen, die Erderwärmung auf zwei Grad oder sogar darunter zu begrenzen. Wir gehen deshalb davon aus, dass künftig noch weitere und strengere Vorschriften verabschiedet werden oder werden müssen. Interessanterweise werden die stärksten Impulse für noch stärkere CO2-Reduktionsmassnahmen wohl von Ländern mit begrenzten fossilen Brennstoffreserven ausgehen. Diese haben den stärksten ökonomischen Anreiz, auf saubere Energien zu setzen, in einer Welt, in der saubere Energie zunehmend günstig zu bekommen ist.
Eine lange Liste von Investoren, darunter der norwegische Staatsfonds, die Rockefeller Foundation und die Church of England, haben alle angekündigt, sich von ihren Kohle-Anlagen zu trennen. Erwarten Sie, dass noch mehr Investoren ihr Anlagekapital in kohlenstoff- und emissionsarme Produkte umschichten werden? Auf sehr lange Sicht dürfte es der gesamte traditionelle Energiesektor schwer haben, nicht nur aufgrund strengeren Regulierungen, sondern auch, weil »Clean Energy»-Lösungen zunehmend einfach und kostengünstiger sind. Je mehr Investoren erkennen, dass ein Festhalten an Investitionen in fossilen Brennstoffen zunehmend riskant ist und ihren Anlageerfolg schmälert, desto mehr werden sich die Anleger aus diesen Sektoren zurückziehen.
Könnte das relativ billige Öl den Vormarsch der erneuerbaren Energien bremsen? Wir sehen bislang keine Anzeichen für eine nachlassende Dynamik des Ausbaus erneuerbarer Energien aufgrund des niedrigen Ölpreises. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass erneuerbare Energien in der Stromerzeugung vor allem mit Kohle und Erdgas konkurrieren. Öl ist nur für etwa 3% der weltweiten Stromerzeugung verantwortlich, in den Industrieländern ist der Anteil sogar noch geringer. Die Kohle- und Erdgaspreise standen zugegebenermassen über die letzten Jahren ebenfalls stark unter Druck, aber selbst dies hatte keine sinkenden Strompreise für die Endkunden zur Folge.
Spielt Erdgas weiter eine wichtige Rolle im Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft? Verglichen mit anderen Energiequellen wie Öl und Kohle ist Erdgas die bei weitem sauberste konventionelle Energieform. Der CO2-Ausstoss eines Gaskraftwerks ist nur etwa halb so hoch wie der eines Kohlekraftwerks der gleichen Leistung. Wir halten Erdgas für eine wichtige Energiequelle für die Übergangsphase der nächsten Jahrzehnte. In die Erdgasförderung sind in den letzten Jahren massive Investitionen getätigt worden, der Schiefergasboom in den USA ist ein Ergebnis davon. Aus Anlegerperspektive ist eine Investition im Sektor damit nicht unbedingt interessant, der Verschuldungsgrad der Unternehmen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, die Unternehmensfundamentaldaten haben sich zuletzt deutlich verschlechtert.
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