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Name: Reina Permalink: http://tierrechtsforen.de/2/7564/7597

Datum: 04.03.03 01:45
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Hi,
Zum Standpunkt:
Tierrechtler sollten gesundheitliche pro-vegan Argumente in der Auseinandersetzung mit Nicht-Veganern vermeiden.
Ich habe versucht, die vorgetragenen Argumente aus dem Forum mal zu sammeln und zu kommentieren.
Ein Link zu Tanja's Einwänden: http://www.veganismus.ch/foren/read.php?f=2&i=177&t=168
Mögliche/vorgebrachte Gründe:
1.) Ist ohnehin Schwachsinn, schließlich kann man auch vegan ungesund leben.
2.) Wieviele Menschen rauchen, obwohl sie wissen, daß es gesundheitsschädlich ist?
3.) Die meisten Menschen interessiert ihre Gesundheit nicht wirklich und ich kenne keinen Fleischfresser, der keine Leichen mehr konsumieren will, weil er Angst hat, Darmkrebs zu bekommen.
4.) Es geht nicht nur um das Einschränken tierlicher Nahrungsmittel.
5.) Die Leute sollen nicht deshalb keine Kinder schlagen, weil sie sich dabei die Hand verletzen könnten, sondern, weil Kinder ein Recht haben, nicht mißhandelt zu werden.
6.) Es wäre Ressourcenverschwendung, da man sich stattdessen auf die notwendige ethische Argumentation konzentrieren könnte.
Entgegnungen:
zu 1.)
Gesundheitliche Aufklärung über den Konsum bestimmter ungesunder Produkte ist nicht deshalb unvernünftig, weil es auch sonst noch andere ungesunde Verhaltensweisen gibt. Verallgemeinernde Betrachtungen über eine [vollwertige und ausgewogene] vegane Ernährung sind prinzipiell natürlich zulässig und z.T. auch notwendig.
zu 2.)
Nikotin bindet an nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren und beeinflusst verschiedene Hirnareale, so u.a. das dopaminerge Belohnungssystem. Die Hälfte aller Raucher ist suchtkrank. (siehe z.B. http://www.rauchen.de/gifte/neuro.htm) Wieviele Kokainabhängige entsagen ihrer üblen Angewohnheit nach dem ersten Polizeibesuch oder der Aufklärung über die ethischen Hintergründe des Drogenhandels ? Da liessen sich per Analogieschluss noch ganz andere Erkenntnisse ableiten...
zu 3.)
Die meisten Menschen sind sich der enormen gesundheitlichen Gefahren von Tierprodukten in ihrer Ernährung auch gar nicht bewusst, einige werden erst durch Routineuntersuchungen in den späteren Lebensjahren auf alarmierende (Cholesterin-, Blutzucker-, Harnsäure- etc.) Werte aufmerksam gemacht ohne über wirklich effektive Verhaltensalternativen informiert zu werden. Agrar- und Nahrungsmittelwirtschaft investieren Vermögen, damit sich an dieser Situation auch so schnell auch nichts ändert.
Ich selbst kenne mehrere Menschen, die erst aus gesundheitlichen Gründen ihren Tierproduktkonsum stark einschränkten und erst später bzw. gerade durch diese Umstellung für die Tierumgangsproblematik empfänglich wurden. Der durchgängige Tierproduktkonsum verleitet offenbar viele Menschen dazu, aus Bequemlichkeit oder Angst vor Veränderung an ihren speziesistischen Wahrnehmungsklappen festzuhalten.
zu 4.)
Es behauptet auch niemand, dass gesundheitliche Argumente ethische ersetzen sollten bzw. diese überflüssig machen würden. Jeder Tierrechtler weiss, wie schwierig es ist, Menschen dazu zu bringen, sich der Verantwortung für ihr Verhalten zu stellen und ihre grundlegenden Gewohnheiten zu ändern. Deshalb sollten wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel der Überzeugung sinnvoll ausschöpfen.
Zweifel an der Aussagekraft von Tierversuchen oder der "Jagd als Naturschutz" sind ethisch ebenfalls irrelevant, aber sollten wir diese rational beweisbaren und das grundlegende Verständnis vieler Menschen prägenden Argumente einfach unter den Tisch fallen lassen ? Ethische Konzepte können ungerecht bzw. widersprüchlich sein oder gegen allgemein anerkannte Regeln verstossen, grundsätzlich beweisbar sind ethische Ansprüche hingegen leider nicht. (Wozu Ethik... ?)
Zudem gilt es auch auf einen politischen Paradigmenwechsel hinzuarbeiten. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass in einer Demokratie Tierrechte politisch gegen den Mehrheitswillen durchgedrückt werden könnten. Ein Umsteuern in der Gesundheits- und Agrarpolitik hin zu beweisbar gesunden Alternativen scheint viel eher denkbar. Leider bleibt resümierend festzustellen, dass solche politischen Schritte weitaus spürbarere Konsequenzen hätten, als sie alle bisher geleistete Tierrechtsarbeit gehabt hat.
zu 5.)
Das Recht der Tiere gilt es erst herzuleiten und zu erkämpfen. Hier geht es nur darum, alle argumentativen Möglichkeiten auszuschöpfen. Zudem wird aufgezeigt, das die tierausbeutende Industrie auch noch ganz andere Verbrechen begeht, die Täterschaft ist hier vielschichtiger.
zu 6.)
Viele Leser stossen auf meine Tierrechtstexte z.B. über eine Google-Suche nach Gesundheitsbegriffen.
Zudem wäre es auch dumm, sich angesichts der oft geschührten gesundheitlichen Vorurteile gegen den Veganismus nicht in die Offensive zu begeben und aufzuzeigen, was hier dann wirklich propagiert wird - ethisch, gesundheitlich, ökologisch und ökonomisch.
Ich kann auch nicht begreifen, welchen konkreten Vorteil nun ein Löschen der Textabschnitte bringen sollte, in denen ich die Problematik von Tierprodukten in der Ernährung des Menschen darstelle. Wie sollten diese Texte denn irgendwen negativ beeinflussen ? In den Vordergrund stelle ich das nicht.
Viele Grüße, Reina.