Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03243.jsonl.gz/1399

Am 13. Januar 1917 wurde die SP Romanshorn aus der Taufe gehoben. Und zwar waren 34 Genossen anwesend, wovon zwei wegen parteischädigendem Verhalten gleich wieder vor die Tür gestellt wurden. Der erste SP-Präsident Carl Meyer lud im Gründungsjahr zu 10 Vorstandssitzungen und 15 Parteiversammlungen. Der Zeitpunkt der Parteigründung war alles andere als zufällig: Der Erste Weltkrieg ging seinem Ende entgegen, die Russische Revolution hatte das Zarenreich zur UdSSR umgepflügt und in der Schweiz stand wegen der fortschreitenden Verarmung der Arbeiterschaft der Generalstreik (1918) vor der Tür. Die SP Romanshorn erlebte einen schwindelerregenden Starterfolg: bereits 1920 zählte die Sektion 170 Mitglieder und sowohl im Gemeinderat als auch in Schul- und Kirchenbehörden sassen SP-Vertreter.
SP-Vertretung im Gemeinderat: Von 1938 bis 1987 stellte die SP in der Regel vier (!) Mitglieder, in zwei Amtsdauern nur deren drei, dafür zu Beginn der 50iger Jahre gleich fünf Mitglieder, die SP-Fraktion bildete also für vier Jahre die Mehrheit im 9-köpfigen Gemeinderat.
Gemeindeammänner: Es fällt auf, dass die Gemeindeoberhäupter dannzumal viel mehr Sitzleder hatten. So „regierte“ beispielsweise Johann Etter neun Amtsdauern (zu damals drei Jahren), Jakob Annasohn immerhin deren vier und Adolf Schatz führte sein Amt von 1949 bis 1975 aus. Der erste SP-Gemeindeammann hiess Hansheiri Müller, der nach zehn Jahren das Amt an SP-Mann Walter Anderes abgab, der bis 1999 die Gemeinde führte. Das neue Jahrtausend setzte der Ära der SP-Gemeindeammänner ein Ende und für die nächsten zwölf Jahre kamen die CVP'ler Max Brunner und Norbert Senn zum Zug.
Eine Erwähnung verdient in diesem kurzen Rückblick haben gewiss auch die Parteipräsidenten. Nach dem bereits erwähnten Gründungspräsident Carl Meyer wird man in den vorhandenen Akten erst im Zweiten Weltkrieg wieder fündig, und zwar in der Person von Willi Seiler, gefolgt von Paul Engeli und Otto Hälg, der die Sektion bis 1967 führte. Die nächsten drei übten ihr Amt je etwa sieben Jahre aus, nämlich Walter Flacher, Walter Anderes und Peter Osterwalder. Ihm folgte mit Vreni Schawalder (sie verfasste mit zehn Seiten den längsten Jahresbericht!) die erste Präsidentin und nach zwei Jahren räumte sie ihren Sessel für Danilo Clematide. Er und sein Nachfolger Ruedi Meier führten die Partei „nur“ je vier Jahre lang, nicht zuletzt wegen ihrer Wahl in den Gemeinderat. 2005 übernahm Dorothe Lemke das Zepter, das sie wegen Wohnortwechsel keine zwei Jahre später leider wieder abgeben musste. Und nach einem längeren Interregnum – einer präsidentenlosen Zeit also – steuert der aktuelle Präsident Martin Böller das SP-Schiff.
Die Mitgliederzahlen verharrten nicht lange auf der sensationellen Zahl von 170 wie im Jahr 1920. Je nach politischer Grosswetterlage pendelte sich die Mitgliederzahl zwischen 60 und 100 Personen ein, wobei bereits im Jahresbericht von 1964 erwähnt wird, dass der Anteil älterer Genossinnen und Genossen überdurchschnittlich gross sei. An den Parteiversammlungen konnten bis in die 80er Jahre hinein 30 – 40 Personen begrüsst werden, und am 15. Januar 1980 war mit 57 Anwesenden die Rekordbeteiligung zu verzeichnen. Versammlungsorte waren in Ermangelung eines Parteilokals in aller Regel Restaurants, so sehr oft der Hirschen, der Anker und der Volksgarten. Die Generalversammlung wurde in der Regel an einem Samstag abgehalten.