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Haus zum Steinadler, Marktgasse 9
Das Haus „ Zum Steinadler", das 1765 als Liegenschaft eines der bedeutenderen Handelshäuser Winterthurs errichtet wurde, erhielt bereits in der Rokokozeit seine heutige Gestalt. Im Innern sind noch der Kreuzgratgewölbekeller, das Treppenhaus mit den gestemmten Wohnungstüren, Stuck- und Kassettendecken, Ofentüren und ein Louis XVI-Kachelofen aus der Zeit des Rokoko erhalten.
Das Haus Zum Steinadler wurde 1765 durch Johannes (Hans) Jacob Biedermann (*1747) gebaut. Er war als Arzt und Kantonsrat ein angesehener und wohlhabender Bürger. Seine Mutter, Katharina, geborene Steiner (1748-1806), heiratete am 11. November 1770 zweiundzwanzigjährig den ein Jahr jüngeren Mediziner. Neun Kinder gebar die Mutter innerhalb von vierundzwanzig Jahren, von denen nur Jacob, Emanuel und Susanna (Susette) das Kindesalter überlebten.
Emanuel Biedermann wurde am 17. Mai 1779 in diesem Haus zum Steinadler geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, was aber keineswegs seinen Neigungen entsprach. Nach Auswärtsaufenthalten etablierte er sich in Winterthur und engagierte sich im öffentlichen Leben. 1801 heiratete er Anna Troll. Im März 1802 kam Johann Jacob Biedermann zur Welt. Es folgten schnell aufeinander tragische Ereignisse. 1805 verunglückte sein Vater tödlich. Im Herbst des gleichen Jahres wurde seine Ehe geschieden und im August 1806 verstarb seine Mutter. Mit dem bedeutenden Erbe gründete er zwei Handelsfirmen. 1807 heiratete er Maria Pfenninger. Die nächsten Jahre verbrachte er abwechselnd in der Toskana oder auf dem kleinen Landgut „Vogelsang“ bei Winterthur. Durch die Folgen des Seekrieges und der Kontinentalsperre sowie das Unvermögen eines Geschäftspartners folge der geschäftliche Ruin. Mit der erneuten Heirat mit Verena Kern am 28. April 1818 begann ein glücklicherer Lebensabschnitt. Das Paar bewirtschaftete im Weiler Mönchhof in Bendlikon (Gemeinde Kilchberg) am Zürichsee ein kleines Landgut. Hier kam am 2. März 1819 Alois Emanuel Biedermann zur Welt. Er machte später als reformierter Theologe von sich Reden.
Im Haus sind heute nach einem gelungenen Umbau Anfang dieses Jahrhunderts Geschäfte und Wohnungen untergebracht. Auch das „Bed and Breakfast Steinadler“ bietet sich an dieser besten Lage an. In früherer Zeit war lange Jahre die Papeterie Rösli in dieser Liegenschaft zu Hause.
Wer früher Schreibwaren und Büromaterial brauchte, fuhr in die Stadt. Das Telefonbuch von 1943 nennt nicht weniger als 13 Papeterien mitten in der Winterthurer Altstadt: Gysi & Co. am Bahnhofplatz 12, Kaestli an der Marktgasse 5, Maeder am Untertor 32, Meier-Keller an der Marktgasse 59, Meili am Graben 7, Rösli an der Marktgasse 9, Schelling an der Schmidgasse 7, Schmid an der Marktgasse 4, Schoch am Untertor 7, Suter & Co. an der Marktgasse 32, Wachter am Graben 31, Weber-Ritter an der Steinberggasse 41 und Wettstein am Unteren Graben 37.