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«Das ist ein lustiger Zufall»von Céline Graf Gabriele «Gornaya» war in der Spielzeit 2016/17 Hausautorin von Konzert Theater Bern. Die Schweizer Theaterautorin spricht über ihr Stück «Island» und ihren Künstlernamen.
Hatten Sie als Hausautorin von Konzert Theater Bern viele Vorgaben?
Alle meine Arbeiten für Konzert Theater Bern, darunter musikalisch-szenische Soirées, sind im Austausch entstanden. Vorgegeben war nur, dass ich ein Stück schreibe. Die Idee zu «Island» hatte mich schon lange verfolgt.
«Island. Als Freunde sind wir erbarmungslos» ist eine Groteske über die Regierung eines fiktiven Staates, die nur noch inszeniert und in Zitaten spricht, statt politisch zu handeln. Was reizt Sie an diesem Theater im Theater?
Mich interessiert die Sprache der politischen Macht. Der Minister und sein Stab benutzen die Sprache, um Macht zu erhalten, zu demonstrieren und zu inszenieren. Sie kommunizieren nicht miteinander, drücken sich absurd aus und haben den Bezug zur Realität verloren. Gegenwärtig sieht man das etwa in den USA, bei rechtsnationalen Parteien in Europa oder in der Türkei. Eine historische Fundgrube sind Protokolle des Zentralkomitees der DDR vor dem Mauerfall. Die Politiker tun so, als wäre alles normal.
Ist der Staat, der seinen Bürgern die Show eines isländischen Staatsbesuchs vorspielt, eine Demokratie oder eine Autokratie?
Das lasse ich offen. Das Volk protestiert, insofern ist es keine Diktatur. Aber die Regierung betreibt ein Verwirrspiel und instrumentalisiert die Wut des Volks.
Wie spielt Ihr Künstlername hinein? «Gornaya» lässt an das Treffen von Michail Gorbatschow und Helmut Kohl in der Datscha «Gornaya Ritschka» im Nordkaukasus im Juli 1990 denken, an dem die deutsche Wiedervereinigung nach dem Kalten Krieg zugesichert wurde.
Das ist ja ein lustiger Zufall. Nein, ich schreibe schon immer unter dem Namen Gornaya. Das heisst «Berglein» auf Russisch und ist meiner Grosstante gewidmet, einer Pianistin, die aus Riga nach Wien floh und sich durchkämpfen musste. Sie ist mein Vorbild. Ihre Geschichte werde ich vielleicht einmal zu Papier bringen.
Interview: Céline Graf