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Online-Ausstellung
Jugendliche in Heimen Osteuropas
Der Internationale Sozialdienst SSI bekam öfters den Auftrag, junge Frauen aus Osteuropa, die bei der Prostitution erfasst wurden, zurückzubegleiten. Der SSI Schweiz bat im Jahr 2000 seine Kollegen im europäischen SSI-Netzwerk, mehr über die Lebenssituation der Frauen in ihren Heimatländern in Erfahrung zu bringen.
Die Abklärungen in Süd-Ost-Europa ergaben, dass über achtzig Prozent der Frauen in Heimen aufgewachsen waren und ohne festen Wohnsitz, ohne soziales Netz und oft ohne Ausbildung oder Arbeit mit achtzehn Jahren unvorbereitet entlassen wurden.
In Bulgarien, Albanien, Moldavien und der Ukraine bestanden keine Konzepte zur Entwicklung von Perspektiven nach der Heimentlassung. Einige Länder sahen eine minimale finanzielle Unterstützung vor, wenn ein/e Jugendliche/-r nicht in die Familie zurückkehren konnte; Bulgarien zum Beispiel ein Set Unterwäsche, ein Paar Schuhe und 40 Leva (zirka 20 Euro).
Viele der Heimentlassenen suchten eine Perspektive in einem anderen Land; viele junge Männer ohne Ausbildung und Arbeit kamen mit dem Gesetz in Konflikt oder wählten den Weg der Migration. Jungen Frauen wurde (und wird) in den Medien eine leuchtende Zukunft in Westeuropa angepriesen; die meisten wissen nicht, dass sie in der Prostitution landen.
Der SSI, unterstützt durch die DEZA, entwickelte mit den lokalen Ministerien und Partnern aus Wirtschaft, Sozialarbeit und Behörden das Konzept, alle Jugendlichen ab 15 Jahren Schritt für Schritt auf ihre Selbständigkeit vorzubereiten: in kleinen Wohneinheiten Eigenverantwortung üben, begleitetes Wohnen ausserhalb, persönliches Beziehungsnetz, Freizeitgestaltung, Begleitung bei der sozialen und beruflichen Eingliederung, Nachbetreuung.
2002 bis 2008 wurden so 600 Jugendliche in Bulgarien individuell begleitet, in der Ukraine von 2008 bis 2012 200 Jugendliche. Bulgarien kennt heute eine Vor- und Nachbetreuung. Es leben heute auch weniger Kinder in Heimen. In der Ukraine ist der Prozess wegen der politischen Lage noch nicht abgeschlossen.
Mehr Infos: www.ssi-suisse.org
Fotografien © Partnership for Every Child Ukraine