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Die Tücken einer langjährigen Ehe
Darum gehts im Bestseller-Roman von Hilary Boyd «Thursday in the Park»: Jeanie ist ihr halbes Leben mit einem Mann verheiratet, der urplötzlich ihr Bett verlässt und nie mehr zurückkommt. Als Jeanie das passierte, wurde sie wütend und beschloss, ihren Ehemann George, mit dem sie seit 30 Jahren verheiratet ist, zum Sprechen zu bringen. Liebt er eine andere? Was hat sie falsch gemacht? Er wird es ihr nicht sagen.
Der beste Tag der Woche für Jeanie ist der Donnerstag, dann spaziert sie mit ihrer Enkelin im Park. Eines Tage lernt sie dort Ray kennen. Er ist nett, gesprächig und sieht gut aus - alles, was George nicht ist. Aber wird sie den Mut haben, ihr Leben auf den Kopf zu stellen, sich auf eine neue Liebe einzulassen, obwohl ihr alle davon abraten?
Hilary Boyd beschreibe keine Emanzipationsgeschichte, so der Tages-Anzeiger, es gehe nicht um die Rebellion einer angepassten Ehefrau, sondern um etwas viel Alltäglicheres: Um die Tücken einer langjährigen Ehe und um die Einsamkeit, die sich nicht selten einstelle. Boyd schreibt über die Unzufriedenheit und die Langeweile, fehlende Zärtlichkeit und unerfüllte Sehnsucht.
Die Autorin ist eine englische Krankenschwester von 62 Jahren, die seit 40 Jahren verheiratet ist. Sie schrieb schon immer Romane, die aber bisher nie beachtet worden waren. Boyd machte ein Sujet zum Thema, über das kaum je gesprochen wird: Die Sehnsucht nach Zärtlichkeit und körperlicher Liebe von Frauen nach 60.
In der Times erklärt die Autorin: «Deshalb beginnen die Frauen in meinem Alter, orthopädische Schuhe zu tragen und Hosen mit Gummizug, sie hören auf, ihre Haare zu färben und lassen sich komplett gehen. Sie geben auf. Diese Frauen sagen mir: Was willst du dir beweisen? Ich antworte: dass es noch nicht vorbei ist.»
Im Durchschnitt endet eine Partnerschaft nach 15 Jahren, und gesamtschweizerisch liege die Scheidungsquote bei 43 Prozent, schreibt der Tages-Anzeiger. Nicht inbegriffen seien all jene Paare, die zusammenblieben, obwohl ihre Liebe längst gestorben sei. Grund dafür sei meist die Angst vor Veränderung, die Furcht vor dem Alleinsein.
Hilary Boyd dazu in der Sunday Times: «Egal, wie gesund, dynamisch und finanziell unabhängig man ist: In unserem Alter ist es besonders schwer, einen Schlussstrich zu ziehen und ein neues Leben anzufangen. Ich hatte schreckliche Angst davor, ich hatte ja nie zuvor alleine gelebt, sondern war direkt von meiner Mutter in die gemeinsame eheliche Wohnung gezogen. Aber dann, nach einem weiteren sinnlosen Streit, dachte ich, dass das Alleinsein nicht schlimmer sein kann als das, was wir jetzt hatten.»
Sie und ihr Mann hätten sich getrennt - fanden aber wieder zusammen. Boyd besteht aber darauf, dass sie keinen Ratgeber geschrieben habe. Nur ihre eigenen Erfahrungen und die vieler anderer Frauen wiedergegeben. Das Material, aus dem ein Bestseller geschnitzt ist, stammt häufig aus dem realen Leben. Hier gehts zum Buch