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Der Musikverein von Claro (Meinrad Lienert)
Eine berührende Kurzgeschichte des Schweizer Dichters Meinrad Lienert (1865-1933). Sie spielt wohl in der Tessiner Region „Riviera“ (zwischen Biasca und Bellinzona), wobei nur das Dorf Claro wirklich genannt wird, und die Nachbardörfer aus unbekannen Gründen mit Pseudonymen bezeichnet werden. >>Text>>
In die Handlung verflochten ist das Schicksal einer aus Deutschland stammenden Dienstmagd, die als Posaunist und Fähnrich des lokalen Blasmusikvereins zu ungeahnten Ehren kommt, bevor sie zufälig entlarvt wird. Sie wird als – zweifelsohne illegale – Immigrantin aber nicht ausgeschafft, sondern sogar zur Schwiegertochter des ehrenwerten Vizepräsidenten des Musikvereins, dessen Sohn eigentlich die Tochter des reichen Gemeindepräsidenten heiraten sollte. In dieser Geschichte von 1896 überwindet die aus dem Herzen kommende Sicht der Dorfleute auf den Menschen die ebenfalls vorhandene Fremdenfeindlichkeit. Diese Geschichte berührt mich in der Zeit zunehmender Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in fast allen Ländern Europas doppelt!
Während die Dörfer der Leventina langsam aussterben – die Autobahn hat nicht nur die Ruhe und Natur zerstört, sondern auch gleich die Lebensgrundlage der Orte (Gastgewerbe, Handel) an der Gotthardtransversale nach Süden mitgenommen – sind die Dörfer der Riviera näher an den wirtschaftlichen Zentren des Tessins. Bei Claro zweigt die wichtige Alpentransversale über den San Bernardino ab.
Etwas oberhalb von Claro, bei Bodio wird in Zukunft auch der neue Gotthardbasistunnel beginnen (oder enden, je nach Sichtweise). Das wird die Leventina weiter veröden lassen. An Claro werden die Züge auch weiterhin vorbeidonnern. Aber Georg Pankow, der die Geschichte im A-Bulletin abgedruckt hat, möge noch lange bei der Vorbeifahrt an den Musikverein von Claro und seine Geschichte denken. Das A-Bulletin ist übrigens eine aufbauende, 14täglich erscheinende Schweizerische Zeitschrift (ohne Web-Auftritt), kommentiert z.B. im Blog „nachhaltigbeobachtet“)