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Jean de Bueil, Kommandeur der Armaganken

In der Schlacht von St.Jakob standen die Armagnaken unter dem Befehl von Sire Jean de Bueil, dem Stellvertreter des Dauphins. Im Gegensatz zum Kronprinzen von Frankreich, der offiziell das Söldnerheer führte, befand sich de Bueil persönlich auf dem Schlachtfeld bei Basel. Ihm war in diesem Feldzug das Lilienbanner des Königs anvertraut, einem Mann höchster Verdienste.
Kühl kalkulierend führte er seine Truppen bei St.Jakob gegen das kleine Korps der Eidgenossen in den Kampf. Schnell hatte er erkannt dass er hier gegen einen sehr schlagkräftigen Gegner kämpfte. Folglich hielt de Bueil stets den grössten Teil seiner Kampftruppen in Reserve und schickte bei Gundeldingen und St.Jakob immer nur soviele Männer wie nötig ins Gefecht. Im direkten Kampf mit den Eidgenossen liess er die Männer die im Gefecht standen immer wieder ablösen, während sein Gegner diese Möglichkeit nicht hatte.
Jean de Bueil handelte voraussehend und hielt einen starken Verband bereit, um eventuelle Unterstützung für die Eidgenossen aus Basel rechtzeitig zu verhindern, was ihm auch gelang. Während des Endkampfes der Schlacht erschienen bei St.Jakob österreichische Unterstützungen, die de Bueil gerne am Kampf teilnehmen liess, denn er hatte genug eigene Leute bei blutigen Angriffen verloren. In dieser Phase soll sich angeblich der Ritter Peter von Mörsberg vor Jean de Bueil auf die Knie geworfen haben, um ihn anzuflehen keinen Eidgenossen am Leben zu lassen.
Am ganzen französischen Hof fanden sich nur wenige Leute die so geistreich wie dieser Mann waren. Er wurde 1406 als Sohn von Jean de Bueil IV. - dem Segnieur de Montrésor - geboren. Seine Mutter war Marguerite de Clermont, die Dauphine d'Avergne und Comtesse de Sancerre. Als Jean 9 Jahre alt ist, fiel sein Vater bei Agincourt im Kampf gegen die Engländer. Jean war 17 Jahre alt als er bei Cravant und Verneuil 1423/24 seine ersten Kampferfahrungen als Ritter in der Schlacht machte. 1428 erhob man ihn zum Capitaine de Tours und ein Jahr später kämpfte er an der Seite von Jeanne d'Arc bei Orleans.
Weitere Schlachten im Gefolge der jungen Retterin Frankreichs folgten. Jean de Bueil wurde Veteran des Hunderjährigen Krieges, man gab ihm den Übernamen "Geissel der Engländer". 1433 war Jean in ein Attentat gegen Georges de La Trémoïlle, den Favoriten des Königs, verstrickt. Er sollte eine glänzende Karriere machen. Beim französischen Volk genoss Jean de Bueil nach der Wiedereroberung der Normandie 1450 den Ruf eines Helden, während ihn die Krone zum Vicomte de Carentan machte und zum Admiral de France erhob.
Nach dem Tod von König Karl VII. fiel Jean de Bueil in Ungnade und sah sich in steten Streitigkeiten mit dem neuen König Ludwig XI. (der Dauphin von 1444). Jean de Bueil zog sich auf sein Schloss Vaujours zurück. Dort schrieb er den autobiographisch angehauchten Roman "Le Jouvencel" der den Aufsteig eines Mannes aus einem Adelsgeschlecht welches durch den Hundertjährigen Krieg verarmt war schilderte. Der Jouvencel musste sich in vielen Schlachten bewähren und brachte es zu hohen Ehren.
Festgehalten hatte de Bueil in seinem Roman auch, dass man nie einem feindlichen Heer entgegenziehen solle, denn dies brächte den Untergang wie es den Schweizern zu St.Jakob geschehen sei. Er empfahl ferner beim Kämpfen zu Fuss eine eher leichte Rüstung zu tragen. Auch würde man schnell ausser Atem geraten wenn man das Helmvisier geschlossen habe. Jean de Bueil war verheiratet mit Jeanne de Montjean die ihm den Sohn und Stammhalter Antoine gebar. Anno 1456 ehelichte der alternde Edelmann Martine Turpin. Im Juli 1477 starb der Sieger von St.Jakob auf seinem Schloss.
Querverweise zur Schlacht von St.Jakob an der Birs:
>> Das Heer der Armagnaken
>> Das Heer der Eidgenossen
>> Der Basler Hauptmann Henman Sevogel
>> Das St.Jakobsdenkmal von Lukas Ferdinand Schlöth
Beitrag erstellt 15.01.04 / Quellen nachgeordnet 05.07.09
Quellen:
Albert Bruckner, Die Schlacht bei St.Jakob an der Birs, 122. Neujahrsblatt der GGG, Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1944, Seiten 36 bis 37
Aryeh Grabois/Peter Dinzelbacher, Enzyklopädie des Mittelalters, Edition Atlantis, Zürich, o.J., ISBN 3-7611-0726-9, Seite 53
David Nicolle, French armies of the hundred years war, Serie Men-at-arms Band 337, Osprey Publishing, Oxford, 2000, ISBN 1-85532-710-4, Seite 36
Werner Meyer "Also griffen die Eidgenossen das Volk an, Die Schlacht bei St.Jakob an der Birs - Hintergründe, Verlauf und Bedeutung", publiziert in Ereignis - Deutung - Mythos, 1444-1994 St.Jakob an der Birs, herausgegeben von Werner Geiser, Basel, 1994, ISBN 3-9520120-4-1, Seiten 24 bis 25
Jean de Bueil: Le Jouvencel, publiziert auf der Website der Herzog August Bibliothek: http://www.hab.de/ausstellung/ma-erzaehlt/ma12.htm
Jean de Bueil Seigneur de Montrésor, publiziert auf der Website Les Compagnons d'Armes de Jeanne d'Arc: http://perso.wanadoo.fr/jean-claude.colrat/enbref.htm