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Diese Studie von Alexander Honold basiert auf seiner Gastprofessur in Bamberg 2020 sowie auf dem Thomas Mann Kolloquium an der ETH Zürich und an der Uni Basel 2019. Die Problematik der Krankheitsdarstellung in ausgewählten Werken von Thomas Mann wird sowohl in den grösseren wie auch aktuellen Rahmen von Medizin und Literatur verschoben. In dieser «Dissonanz» können aufgrund von kontagiösen sprachlichen Erzählformen kulturelle kognitive Deutungsmöglichkeiten bewirkt werden.
Literatur reagiert auf Krankheiten, Leiden, Epidemien, Infektionen – und zugleich übernimmt sie – die Ansteckung funktioniert auch in Hinsicht auf Sprache und Erzählformen – in quasi nachträglicher Manier eine kognitive Funktion in Hinsicht auf Krankheitsverläufe und Schicksale, politische Massnahmen und medizinwissenschaftlicher Forschung. Hierbei sind zwei Formen von Mimesis am Werk. (I) Durch Ansteckung bilden sich Krankheitsmuster und -verlauf in allen Facetten am Einzelnen und in der Gesellschaft ab (Ängste, Verdächtigungen etc.). – (II) Durch Ansteckung bilden sich eine medizinische und eine politische Terminologie in der Sprache, in der Sprache der Fiktion ab.
Literatur, umgekehrt, kreiert mit dem Abbild einer Struktur des Einzelnen und der Gesellschaft im Zustand von Krankheit und Epidemie eine Diagnose, eine Kritik und eine Deutung. Kann indes eine Poetik der «buchstäblichen Ansteckung» massgeblich und antizipierend Aufschluss geben für soziales und politisches Verhalten?BESTELLEN