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Hongkong ist eine Stadt, in der das Wohnen im Hochhaus zur Normalität gehört. Im Unterschied zu andern Metropolen, in denen das Wohnhochhaus Exklusivität geniesst, leben in Hongkong Menschen aus allen sozialen Schichten in solchen Gebäuden. Diese Wohnform wird durch das Public Housing Programm der Stadtverwaltung seit den 1960er Jahren stark gefördert. In dieser Zeit ist die Bevölkerung von ca. 2.3 auf ca. 7 Millionen angewachsen. Das Wachstum musste vertikal erfolgen, da es in der Fläche nur beschränkte Möglichkeiten gab. Zum einen ist die Stadt halbseitig vom Meer umgeben – es gab zwar immer wieder Landgewinnungsmassnahmen durch Meeraufschüttungen – zum andern ist die Stadt von Hügeln mit steilen Flanken umgeben, die eine Bebauung erschwerten oder verunmöglichten. In meinen Fotografien der bei Tag entstandenen Serie Slopes & Houses ist sichtbar, wie diese Hänge durch bauliche Massnahmen gegen Erosion geschützt werden müssen.
Von der hügligen Topografie Hongkongs konnte ich auch bei der Serie TV Time profitieren, indem ich von erhöhten Aufnahmestandorten einen besseren Einblick in den Stadtkörper hatte. Dank guten Karten mit Höhenkurven konnte ich das Potenzial von ein paar Aufnahmorten schon vorgängig abschätzen.
Bei meinen Streifzügen durch die abendliche Stadt stellte ich dann vor Ort fest, dass sich bei vielen Wohnhochhäusern die Farbe der Fassaden und ihrer Fenster in unregelmässigen Abständen veränderte. Dieses irritierende Phänomen war darauf zurückzuführen, dass sich in diesen meist kleinen Wohnungen der Fernsehapparat am gleichen Platz befand und sich viele Bewohner offenbar zur gleichen Zeit dasselbe Fernsehprogramm anschauten. Wie an andern Orten auf dieser Welt gehört Fernsehen in Hongkong zu den abendlichen Hauptbeschäftigungen.
Da Hongkong nur wenig über dem Aequator liegt, dunkelte es bei meinen Aufenthalten relativ früh ein und entsprechend gross war die Lichtmenge, die aus den Gebäuden herausströmte, in denen abends bereits gewohnt oder noch gearbeitet wurde.
Damals war es für mich interessant festzustellen, dass die Lichtfarbe der Wohnungsbeleuchtungen etwas aussagte über die soziale Zugehörigkeit der Bewohner oder eines eines ganzen Quartieres. Viele kommunalen Wohnungen waren mit billigen, kühl wirkenden Fluoreszenzlampen ausgestattet, während in den luxuriöseren Gegenden, z.B. in Happy Valley auf Hongkong Island warmes Glühlampen- oder Halogenlicht bevorzugt verwendet wurde. Der fotografische Film verstärkte diese Farbunterschiede, welche ich vor Ort nicht in dieser Deutlichkeit wahrnahm.
Georg Aerni