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Die Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI) bringt auf einzigartige Weise Grundlagenforscher und klinisch tätige Ärzte aus Spitälern sowie niedergelassenen Praxen in einer gemeinsamen Organisation zusammen. Das erklärte Ziel der SGAI besteht in der manchmal herausfordernden, aber immer lohnenswerten Aufgabe, enge Beziehungen zwischen diesen verschiedenen Gruppen zu fördern. Die SGAI ist darüber hinaus aktiv in verschiedene Aspekte der nationalen Gesundheitspolitik eingebunden, indem sie Unterstützung und Hilfe bei der Formulierung von Regelungen zu praktischen Gesichtspunkten der Arbeit von Fachärzten für Allergologie und Immunologie anbietet. Die Gesellschaft veranstaltet ausserdem einen Jahreskongress, ein Forschungstreffen für PhD-Studenten sowie kontinuierliche medizinische Fortbildungskurse und hält die Facharztprüfungen ab. Schliesslich bietet die SGAI Stipendien an, die junge Kollegen anspornen sollen, internationale Kongresse zu besuchen und ihre Forschungsergebnisse vorzustellen.
Im Jahr 1950 gründete eine Gruppe renommierter Ärzte aus unterschiedlichen medizinischen Fachbereichen (Innere Medizin: Wilhelm Löffler, Werner Hadorn; Mikrobiologie: Arthur Grumbach; Dermatologie: Guido Miescher, Werner Jadas-sohn; und weiteren Repräsentanten der Fächer Pneumologie und Innere Medizin), deren Interesse an Allergologie damals noch eher ein Hobby als eine Profession darstellte, die „Schweizerische Gesellschaft für Allergologie“. Bereits in ihrem ersten Jahr zählte diese mehr als 150 Mitglieder und veranstaltete den Ersten Internationalen Kongress für Allergologie (1951 in Zürich), auf dem die Internationale Vereinigung für Allergologie (später erweitert um das Gebiet der Klinischen Immunologie: IAACI) ins Leben gerufen wurde.
In den 1950er-Jahren entstanden an allen Universitätskliniken in der Schweiz allergologische Ambulanzen, zunächst in Zürich (Hans Storck, Brunello Wüthrich und Peter Grob), gefolgt von Basel (Rudolf Schuppli, Ferdinand Wortmann), Bern (Alain de Weck), Lausanne (Philippe Frei) und Genf (Jean-Pierre Girard). In den frühen 1960ern erlebte die Immunologie einen zunehmenden Aufschwung als neue medizinische und wissenschaftliche Disziplin, die sich aus ihrer histori-schen Bindung an die Mikrobiologie löste und um eigenständige Anerkennung rang. Infolgedessen erschienen einige selbsternannte „Immunologen“ mit unterschiedlichem wissenschaftlichem Hintergrund auf dem Plan, darunter Henri Isliker (Biochemie), Ernst Sorkin (Mikrobiologie), Alfred Hässig (Transfu-sionsmedizin) und Alain de Weck (Dermatologie), die nach dem Vorbild der meisten anderen europäischen Länder eine unabhängige Gesellschaft für Immunologie schaffen wollten. Stattdessen wurde schliesslich entschieden, die Fächer Allergologie und Immunologie unter dem Dach einer einzigen Gesellschaft zu vereinen. Die Schweizerische Gesellschaft für Allergologie hatte sich bis dahin vorrangig mit klinischen Aspekten der Allergologie beschäftigt. Die Gründung der SGAI brachte dann Grundlagenforscher und klinisch tätige Ärzte aus beiden Feldern zusammen, und diese Struktur hat sich seither als beson-ders fruchtbar erwiesen.
In den frühen 1970er-Jahren mündete das wachsende Interesse an dem Ge-biet der Immunologie in die Gründung mehrerer neuer Institutionen, die sich der diesbezüglichen Forschung und klinischen Praxis widmeten. Dazu gehörten das Institut für Klinische Immunologie an der Universität Bern (Alain de Weck) sowie immunologische Stationen und Abteilungen an anderen Universi-täten (Zürich: Jean Lindenmann, Rolf Zinkernagel, Peter Grob; Lausanne: Philippe Frei; Genf: André Cruchaud, Jean-Michel Dayer). Darüber hinaus ent-standen zahlreiche von den Universitäten unabhängige Institutionen für Immunoogie, unter denen das Basler Institut für Immunologie (Niels Jerne, Fritz Melchers), das Ludwig Institut in Lausanne (Jean-Charles Cerottini), das Schweizerische Institut für Experimentelle Krebsforschung (Henri Isliker) sowie das Schweizerische Institut für Allergie- und Asthma-forschung (Ernst Sorkin, Kurt Blaser) besonders hervorzuheben sind. Alle diese Institutionen, mit der bedauerlichen Ausnahme des Basler Instituts für Immunologie, sind bis heute aktiv und erfolgreich in der Forschung tätig. Vor Kurzem stiess das 2000 in Bellinzona gegründete Institut für Forschung in der Biomedizin (Antonio Lanza- vecchia) zu diesem Kreis hinzu. Die wichtigen Beiträge dieser Institutionen haben dazu geführt, dass die bedeutende Rolle der Schweiz auf dem Gebiet der Allergologie und Immunologie internationale Anerkennung gefunden hat.
1970 wurde Interlaken vor allem auf Initiative von Bernard Cinader und John Humphrey zum Gründungsort der International Union of Immunological Societies (IUIS). In der Folgezeit wurden die SGAI-Mitglieder aktiv in verschiedene inter-nationale Körperschaften, die sich der Allergologie und Immunologie widmeten, eingebunden. So hatte zum Beispiel Alain de Weck aufeinander-folgende Präsidentschaften der IUIS und der IAACI inne, der 13. Internationale Kongress für Allergologie und Klinische Immunologie fand 1988 in Montreux statt, und 1991 organisierte Brunello Wüthrich das Jahrestreffen der European Academy of Allergology and Clinical Immunology unter der Schirmherrschaft der SGAI.
Auf nationaler Ebene widmete sich die SGAI in den 1970er- und 80er-Jahren der Einrichtung von Lehrstühlen für grundlagenwissenschaftliche und klinische Immunologie an allen medizinischen und wissenschaftlichen Fakultäten in der Schweiz und kämpfte für die Anerkennung der Immunologie als unabhängige wissenschaftliche Disziplin. Darüber hinaus wirkte die SGAI entscheidend am Erreichen der Anerkennung von Allergologie und klinischer Immunologie als medizinisches Fachgebiet durch die FMH, die grösste ärztliche Organisation in der Schweiz, und die Bundesgesundheitsbehörden mit. Nachdem sie anfangs ein Teilfach von Innerer Medizin, Dermatologie, Pädiatrie oder Hals-Nasen-Ohrenheilkunde gewesen waren, geniessen Allergologie und klinische Immuno-logie heute den Status eines vollkommen eigenständigen medizinischen Fachgebiets.
In einer Zeit, in der immer mehr Institute und Spitalabteilungen für Allergologie und Immunologie entstehen und die meisten von ihnen dazu tendieren, unabhängig voneinander zu agieren, ist die Rolle der SGAI als gemeinsame Basis wichtiger denn je geworden.
Der Vorstand der SGAI setzt sich aus Vertretern von Grundlagen- und klinischen Wissenschaften sowie Praktikern zusammen. Die beiden Letzteren bilden die Fachkommission, die für Pre- und Post-Graduate-Programme, praktische Aspekte für niedergelassene Ärzte, Labortests, medizinische Bestimmungen und nationale Standespolitik zuständig ist. Aufgrund ihrer Verdienste wurde Dominique Olgiati-Des Gouttes als erste niedergelassene Ärzten zur Präsidentin der Fachkommis-sion 2005-2006 ernannt und war Mitglied des Vorstandes der SGAI.
Der wissenschaftliche Jahreskongress der SGAI bringt klinische, translationale und Grundlagenwissenschaften der Allergologie und Immunologie zusammen und bietet ein wichtiges Forum für Praktiker. Aufgrund der relativen kleinen Mitglieder-zahl der Gesellschaft (derzeit etwa 510 Mitglieder) werden diese Treffen mit denjenigen anderer schweizerischer Gesellschaften mit Bezug zu Allergologie und Immunologie zusammengelegt, zum Beispiel aus den Disziplinen Dermatologie, Pneumologie oder Infektionskrankheiten. Dieser Ansatz hat eine stattliche Anzahl anregender Jahreskongresse entstehen lassen, die sich auf Themen konzentrieren, die für die teilnehmenden Gesellschaften von zentralem Interesse sind. Die eingeladenen Referenten rekrutieren sich aus internationalen Experten und bestanden zum Beispiel beim jüngsten Treffen in Basel (abgehalten in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie) in D. Kioussis, VK; D. Jayne, VK; A. Strasser, Australien; M.J. Lenardo, USA; F. Dazzi, VK; P. Muraro, VK; P.A. Kolle, Deutschland; R. Happle, Deutschland; M. Pirmohamed, VK; H. Waldmann, VK; B. Rochat, Frankreich; D. Nemazee, USA; B. Stockinger, VK; M. Feldmann, VK, K. Smith, VK; H. Peter, Deutschland; D. Lipsker, Frankreich; C. Rooney, USA; P. Comoli, Italien, und P. Friedl, Deutschland. Im Mittelpunkt des nächsten Jahreskongresses, der zusammen mit der Gesellschaft für Pneumologie abgehalten wird (Fribourg, 17.-18. April 2008), werden neue molekulare Mechanismen angeborener und erworbener Immunität, Autoimmunität, Parasiten und Tumorimpfstoffe sowie klinische Aspekte entzündlicher Lungenerkrankungen stehen.
Die SGAI unterstützt ausserdem eine jährlich stattfindende, zweitägige Konferenz für Fachärzte für Allergologie und Klinische Immunologie. Organisiert von Werner J. Pichler in Zusammenarbeit mit einer der fünf Schweizer Universitäten und getragen von erheblichem Input durch praktizierende Allergologen und klinische Immunologen, steht dieses Treffen exklusiv SGAI-Mitgliedern in klinischer Praxis und Ausbildung offen. Nationale und internationale Referenten bieten Einblick in und aktuelle Informationen zu speziellen Bereichen, die für Allergologen und klinische Immunologen von Belang sind. 2007 gehörten zu den behandelten Themen Immundefizienz-Erkrankungen, aktuelle Konzepte in der Pathophysiologie und Therapie von Asthma, das Wechselspiel zwischen Allergie und Parasiten sowie die Anwendung von Biologika bei Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich werden Workshops als interaktive Fortbildungsgelegenheit und Forum für Diskussion und Wissensaustausch angeboten. Dieser Kongress hat sich als äusserst populäre Veranstaltung in der Post-graduate-Ausbildung von klinisch tätigen Ärzten erwiesen, was sich in der Tatsache widerspiegelt, dass gewöhnlich mehr als 75 Prozent der in der Schweiz praktizierenden Allergologen und klinischen Immunologen teilnehmen.
Nicht zuletzt ist die SGAI Co-Sponsor eines von Hans Hengartner organisierten jährlichen Kongresses, der sich eigens an Doktoranden im Fachbereich Immunologie/Allergologie wendet, die an schweizerischen Institutionen tätig sind. Während der dreitägigen Veranstaltung haben die Studierenden Gelegenheit, das Thema ihrer Dissertation und deren Ergebnisse ihren Kommilitonen und einer kleinen Anzahl erfahrener Immunologen, die als Supervisoren zur Verfügung stehen, zu präsentieren. Dieses Meeting bietet die Gelegenheit, unschätzbare Erfahrungen in der Vorbereitung von Präsentationen für internationale Kongresse zu gewinnen.
Gemäss unseren Statuten wird der Präsident der SGAI alle zwei Jahre von der Generalversammlung neu gewählt. Um Kontinuität über einen längeren Zeitraum zu gewährleisten, sind der zukünftige und der letzte Präsident ebenfalls in diesem Gremium vertreten.
Die Gesellschaft möchte ihre Rolle als Kommunikationsplattform zwischen Wissenschaftlern und Klinikern weiter ausbauen, um die Qualität der Immunologie und Allergologie auf sämtlichen Ebenen zu verbessern. Darüber hinaus ist die Schaffung einer neuen Stiftung geplant, die sich auf Forschungsfinanzierung, Auslandsstipendien für junge Wissenschaftler und Ärzte sowie die Förderung der Ausbildung von Ärzten aus Entwicklungsländern konzentrieren soll.