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Die Zürcher Galerie Mark Müller zeigt Werke aus der Kunstsammlung Sybil Albers (Bild) anlässlich der Vernissage zum Buch «Die Sammlerin Sybil Albers».
Viele Frauen sammeln Kunstwerke, doch kennt ein breiteres Publikum ihre Namen, ausser jenem von Peggy Guggenheim, kaum. Die Zürcher Galerie Mark Müller zeigt nun einen Teil der Sammlung Sibyl Albers und präsentiert zugleich den Sammlungskatalog mit Beiträgen über Sybil Albers.
Werkauswahl der Sammlung Sybil Albers in der Galerie Mark Müller in Zürich, 2021.
Die Zürcher Sammlerin Sibyl Albers (1935-2019) fand anfangs der 1970er-Jahre zur Kunst, insbesondere der konstruktiv-konkreten Kunst. Sie hatte ihr Leben nach einem Umbruch neu ausgerichtet und sich mit dem Grafiker und Künstler Gottfried Honegger (1917-2016) zusammengetan. Auch er stand an einem Wendepunkt und fand damals den Weg vom Grafiker zum Künstler, der sich mit grossem Engagement der konkreten Kunst zuwandte.
«Monochrome rouge Mer-Soleil», 1987, von Bernard Aubertin (1934-2015). Er gehörte der Groupe ZERO an und war bekannt für seine roten Nagelbilder wie dieses hier, indem er rote Farbmasse pastos auf die Leinwand auftrug und anschliessend die Fläche mit Nägeln durchlöcherte.
Das Paar lebte sowohl in Zürich als auch in Paris. In Zürich arbeitete Sybil Albers in der Galerie Gimpel und Hanover und in Paris in der Galerie Durand-Dessert. Zudem inventarisierte sie neben ihrer eigenen Sammlung auch die Werke Honeggers sowie befreundeter französischer Künstlerinnen, wie Aurélie Nemours (1910-2005) oder Marcelle Cahn (1895-1981).
Ihre Vorliebe für die konstruktiv-konkrete Kunst teilte Sybil mit ihrem Partner. Die beiden gehörten 1986 zu den Mitbegründern des Museum Haus Konstruktiv damals im Zürcher Seefeldquartier, seit 2001 im ehemaligen Elektrizitätswerk beim Bahnhof Selnau. Ziel war es, dieser Kunstrichtung eine gebührende Plattform zu geben, und das nicht nur in der Schweiz.
Durch die Arbeit in den Galerien und Kunstmessen, aber auch durch Honegger, kam Sybil Albers regelmässig mit Künstlern und Künstlerinnen in Kontakt. So begann sie Kunst zu sammeln, zumal auch ihre Archivarbeit für befreundete Kunstschaffende nicht mit Geld, sondern mit Kunstwerken abgegolten wurde.
Aus der Sammlung Sybil Albers: im Vordergrund Metallskulptur von Bernar Venet, 2 lignes indéterminées, 1995; an der Wand rechts Gottfried Honegger, Z. 618, 1970; Mitte Gerhard Richter, Monochromes Grau, 1974; links Marcia Hafif, Acqua, 1995.
Sybil Albers lebte inmitten von Kunst und für die Kunst. Es ging ihr jeweils um das einzelne Werk, nicht um die Vollständigkeit der Sammlung. Sie erwarb Werke junger Künstlerinnen und Künstler, bevor sie bekannt wurden und förderte sie auf diese Weise. Um ein Werk einordnen zu können, liess sie sich die Arbeiten gerne auch im Atelier, wo sie entstanden waren, zeigen. Früh erwarb sie Bilder der Zürcher Konkreten oder von Gerhard Richter, Olivier Mosset, Mario Merz, Adrian Schiess, Joseph Beuys, auch von Künstlerinnen wie Cécile Bart, Marcia Hafif oder Dadamaino.
«Carré incliné à 10°», 1981-86, von François Morellet (1926-2016). Der Künstler war Mitglied der GRAV (Groupe de Recherche d’Art Visuel) nahm mehrfach an der documenta in Kassel teil sowie 1970 an der Biennale in Venedig. 2010 gestaltete er die Glasfenster im Treppenhaus des Louvre.
Die Hoffnung, ihre eigene Sammlung sowie jene ihres Lebenspartners in einem Schweizer Museum unterzubringen, zerschlug sich. Dafür bot sich in Südfrankreich eine unerwartete Gelegenheit. Auf ihre Initiative hin sowie mit der Unterstützung einflussreicher französischer Freunde konnte der Espace de l’Art Concret (EAC) in Mouans-Sartoux im Jahr 1990 realisiert werden, und zwar in einem Schloss aus dem frühen 16. Jahrhundert. Von Beginn weg war die umfangreiche Leihgabe der Sammlung Sybil Albers die Basis des Espace. In den ersten zehn Jahren wurden unter Sybils Mitwirkung rund dreissig thematische Ausstellungen um ihre Sammlung herum organisiert, wie etwa le carré libéré oder le regard libéré.
Espace de l’Art Concret (EAC) im Park von Mouans-Sartoux, links das Schloss aus dem frühen 16. Jahrhundert, rechts der Neubau der Architekten Gigon-Guyer.
Damit hatte sich der Traum von Sybil und Gottfried erfüllt und Sybil schenkte im Jahr 2000 einen bedeutenden Teil ihrer Kunstsammlung dem französischen Staat. Die Donation Albers-Honegger hatte zur Folge, dass für den EAC ein zusätzliches Museumgebäude errichtet wurde, gebaut von den Zürcher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer aufgrund eines anonymen Wettbewerbs. Im Neubau wird nicht nur die Sammlung Albers-Honegger präsentiert, sondern hier finden Vorträge, Konferenzen, Veranstaltungen auch für Kinder und Jugendliche statt.
Sybil Albers mit einem Gemälde von Aurélie Nemours vor dem Schloss in Mouans-Sartoux.
Anfänglich war die nicht-figurative Kunstrichtung – meist mit der Werkbezeichnung Ohne Titel – in Frankreich ungewohnt. Doch sie etablierte sich und weitere Künstler schenkten der EAC ihre Werke. Das Zentrum ist inzwischen staatlich abgesichert als Centre d’art contemporain d’intérêt national. Auch wenn Sybil Albers (2019) und Gottfried Honegger (2016) gestorben sind, lebt der EAC weiter und ist in Südfrankreich ein Kulturplatz mit grosser Ausstrahlung.
Rund vierhundert Werke, darunter Zeichnungen, Skizzen, Gemälde, Skulpturen Objekte und Modelle, behielt die Sammlerin für sich und ihre Nachkommen zurück. Ein Teil davon ist nun in der Zürcher Galerie Mark Müller ausgestellt, kuratiert von Beat Wismer. Wismer war langjähriger Direktor des Aargauer Kunsthauses in Aarau sowie Generaldirektor des Museums Kunstpalast in Düsseldorf.
Mario Merz, My home’s wind, Neonröhre, Wachs, Eisen, Trafo, Elektrokabel, undatiert.
Sybil Albers hatte ihre Sammlungsstücke jeweils mit Polaroid-Aufnahmen sowie den Rechnungen dokumentiert. Diese Dokumente sichtete und digitalisierte sie 2009 gemeinsam mit ihrer Tochter Ines Bauer, die nun einen Katalog der Werke, ergänzt mit zahlreichen Essays von Bekannten und Mitarbeitenden herausgegeben hat.
Titelbild: Sybil Albers im Park der Espace de l’Art Concret in Mouans-Sartoux. Foto: © Ines Bauer.
Fotos: rv
bis 26.08.2021
Ausstellung in der Galerie Mark Müller, mehr siehe hier
Im Espace de l’Art Concret in Mouans-Sartoux findet am 16.10.2021 die Eröffnung der Ausstellung «espace libéré», eine Hommage an die Donatorin Sybil Albers, statt, mehr siehe hier
Werkkatalog «Die Sammlerin Sybil Albers» mit verschiedenen Beiträgen, hrsg. Ines Bauer, Verlag 3, Zürich, 2021. ISBN 978-3-033-08462-9
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