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Crisfield, Maryland
Jack hielt am Straßenrand vor dem bescheidenen einstöckigen, weiß gestrichenen Einfamilienhaus an und schaltete den Motor aus. Erinnerungen stürmten auf ihn ein. In seinem ersten Jahr im College war er zum ersten Mal hier gewesen – damals hatte Corys Mum den beiden Collegestudenten einen schmackhaften Rinderbraten vorgesetzt. »Damit ihr groß und stark werdet«, hatte sie gesagt. »Greift zu, ihr werdet es brauchen, wenn ihr heute hinausrudern wollt.« Mit dem Ruderboot, das Corys Dad selbst gebaut hatte, waren sie auf den Daugherty Creek hinausgerudert. Die Rudertour war eine der schönsten Erinnerungen, die ihn mit Cory verbanden.
Corys Familie gehörte zu dem, was man untere Mittelschicht nennt, und passte genau zu dem kleinen Haus, in dem sie wohnte – solide, zuverlässig, robust und alles andere als trendy oder elegant. Cory war ein guter Freund gewesen, und die Erinnerung an ihren gemeinsamen Roadtrip im zweiten Studienjahr, bei dem sie auch ein paar Viertausender in Colorado bestiegen hatten, brachte ihn noch heute zum Schmunzeln.
Jack fühlte sich unbehaglich, als er auf die Haustür zuging; zu viele Jahre waren vergangen, seit er und Cory sich zuletzt gesehen hatten. Geplant hatten sie es mehrmals, aber immer war etwas dazwischengekommen. Cory war erst im fünften Semester gewesen, als sein Vater starb. Er hatte seinen Traum vom Jurastudium aufgeben müssen und stattdessen den kleinen Baumarkt seines Vaters übernommen, um sich auch um seine kranke Mutter kümmern zu können. Damals hatte Jack ihn ein paar Mal besucht, aber Cory war so beschäftigt gewesen, dass sie nur bei einem Kaffee im Laden ein wenig hatten plaudern können. Nach seinem erfolgreich abgeschlossenen Studium hatte Jack zielstrebig seine Karriere weiterverfolgt, während Cory … Nein, es gab keine Missgunst, keinen Neid. Damals waren sie an einer Weggabelung angekommen und hatten unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen.
Jack hatte seinen Traumjob bei Hendley Associates und beim Campus gefunden.
Und Cory füllte Baumarktregale mit Holzschrauben und Vogelfutter.
Corys Mutter war vor ein paar Jahren gestorben, aber Jack hatte die Beerdigung verpasst – er hatte sogar erst ein gutes Jahr danach von ihrem Tod erfahren. Eigentlich hatte er Cory damals anrufen wollen, um ihm sein Beileid auszusprechen, aber weil seit ihrem Tod schon so viel Zeit verstrichen war, war es ihm einfach zu peinlich gewesen.
Peinlich, in der Tat.
Bist schon ein wahrer Freund, Arschloch.
Jack drückte auf den Klingelknopf. Kurz darauf öffnete eine Pflegerin mittleren Alters in makel