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Der Traum vom Süden – zu Ostern wird dieser Traum regelmässig zum Albtraum in Form einer Blechlawine vor dem Gotthard Autotunnel. Vor der Eröffnung des Autotunnels 1980 war die Bewältigung des Motorfahrzeugverkehrs zwischen Nord und Süd Aufgabe der SBB.
Wer weiss es noch? Vor 1980 wurden Motorfahrzeuge nicht nur durch den Simplon Richtung Süden verladen, sondern auch durch den Gotthard. Die Alpendurchstiche der Bahnen waren besonders gefragt, wenn die Passstrassen wegen der Schneelage noch gesperrt waren, was zur Osterzeit öfters der Fall war. Und da zu Ostern besonders viele Nordländer und Nordländerinnen dem langen Winter in Richtung Süden entfliehen wollten, waren die Bahnen zu dieser Zeit nicht nur mit einem vermehrten Passagier-, sondern auch Transportaufkommen konfrontiert.
Die Entwicklung der Anzahl transportierter Motorfahrzeuge am Gotthard widerspiegelt die Massenmotorisierung in den 50er Jahren: Vor dem 2. Weltkrieg wurden bereits 10 015 Fahrzeuge befördert. In den Kriegsjahren brach der Autoverlad dann komplett zusammen. Nach dem Krieg 1946 waren es dann wieder 10 095 Fahrzeuge. Nur sechs Jahre später waren es bereits fünf Mal mehr, nämlich 50 454 Stück.
Trotz der rapiden Zunahme verkündete das SBB Nachrichtenblatt 1952, die SBB sei «in der Lage, auch den grössten Stossverkehr in zufriedenstellender Weise zu bewältigen». So wurde bis dahin die angestiegene Menge an Autos und Motorfahrrädern mit denselben Mitteln wie vor dem Krieg befördert. Noch im selben Jahr wurde die SBB aber eines Besseren belehrt: Der unerwartete «Massenansturm an Ostern 1952» mit langen Wartezeiten sorgte für starke Kritik in der Presse. Daher wurden auf Ostern 1953 Neuerungen eingeführt, um die «Transportschlacht» zu überstehen. Ein Problem bestand offenbar in den zu langen Ladezeiten. Um diese zu verkürzen, mussten die Lenkerinnen und Lenker neu in ihren Fahrzeugen verbleiben und wurden nicht wie sonst üblich in angehängten Personenwagen untergebracht.
Ein kontinuierlicher Anstieg (1955 wurde die 100 000er Marke gesprengt, 1960 die 200 000er) der Transportzahlen erforderte diverse weitere betriebliche und bauliche Anpassungen. Airolo und später auch Göschenen erhielten neue Verladerampen mit neuen Ticketsystemen, zur Entlastung wurde teilweise bereits in Erstfeld verladen und auch das Rollmaterial wurde mit neuen Flachwagen erweitert.
Die Anpassungen waren offenbar zur Zufriedenheit der Generaldirektion der SBB ausgeführt worden, so dass diese am Gründonnerstag 1960 den Betrieb an den neuen Verladerampen stolz ausländischen Gästen vorstellte.
Lange konnten Sie sich aber nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen: Die Anzahl der transportierten Motorfahrzeuge durch den Gotthard stieg bis 1967 auf über 550 000 Stück an. Im selben Jahr wurde dann der San Bernardino-Strassentunnel eröffnet, was eine Entlastung für den Verkehr am Gotthard bedeutete. 1979 wurden aber immer noch über 400 000 Autos und Reisecars verladen.
Am 5. September, mit der Eröffnung des Autotunnels, stellte die SBB den Autoverlad am Gotthard ein. Staumeldungen am Gotthard sorgen bei der SBB seither höchstens noch für eine Mehrauslastung von Reisezügen.
Text: Lukas Gerber, Leiter Vermittlung, Marketing und Kundenservices bei SBB Historic.
Weitere spannende Einblick in die Schweizer Eisenbahngeschichte findest du im Blog von SBB Historic.