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Edward Whymper in Grönland
VON PAUL BOSSEY, LAUSANNE
Mit 1 Bild ( 46 ) Das Interesse für die arktischen Regionen hat seit dem Beginn unseres Jahrhunderts stets zugenommen. Ihre geographische und geologische Erforschung, die Erwartung, dort noch unbekannte Tiere zu entdecken - und wären es nur Insekten -, die Gründung fester meteorologischer Beobachtungsposten und sogar der Wunsch, dort militärische Stützpunkte zu errichten: das alles sind Beweggründe genug - für Wissenschafter und für Regierungen -, die Arktis zu Lande, zu Meer und zu Luft zu studieren. Den Forschern von heute stehen alle Mittel der Technik zur Verfügung.
Wie fern ist die heroische Zeit der im Eise blockierten Segelschiffe, der Expeditionen, von denen man während Jahren kein Lebenszeichen mehr hörte! Was hätte weiland John Ross gedacht von Forschern, die Raupenauto, Flugzeug und Unterseebot benützen, er, der 1829 mit dem ersten mit einem Hilfsmotor ausgerüsteten Schiff ausfuhr! Er hegte gar kein Vertrauen zu diesem Motor und versicherte, dass dieser die Dampfkessel abkühlte statt sie zu erhitzen und dass er das einzige Mal, als er in Gang gebracht werden konnte, einem Matrosen den Arm wegriss. Mit welcher Freude hisste er die Segel seiner Victory, liess die Maschinen abmontieren und ihre Bestandteile auf dem Packeis verstreuen, indem er sagte: « Endlich wird der verfluchte Motor etwas nützen! Er wird den Eisbären als Zeitvertreib dienen. » Es sind vergangene Zeiten, und in mancher Hinsicht mag man sich daran ergötzen; aber es war eine sehr sympathische Epoche arktischer Forschung.
Die Vorläufer Am Ende des 10. Jahrhunderts gründeten die Wikinger, geführt von Eric Rauda, zwei Kolonien an der Westküste Grönlands. Zu jener Zeit war die Vergletscherung sehr verschieden von der heutigen. Ein breites Küstengebiet mit üppigem Graswuchs erlaubte Viehzucht. Aber um ihr Leben zu fristen, brauchten die Siedler Lebensmittelnachschub aus Skandinavien.
Seit dem 13. Jahrhundert waren die Kolonien in Gefahr, da der Kontakt mit Europa abgeschnitten war. Die Wikinger waren auf dem Kontinent von zahlreichen politischen und militärischen Aufgaben in Anspruch genommen. Die Siedler wurden von einer Choleraepidemie dezimiert, und die Gletscher drangen in ihre landwirtschaftlichen Gebiete vor. Zuletzt trat an den Platz dieser körperlich erschöpften Nordländer eine kräftigere, für das Leben in den arktischen Gebieten geeignetere Rasse. Es waren die Eskimos, ein ausgesprochen mongoloider Typ. Sie hatten die Beringstrasse überquert und waren über Nordamerika gekommen.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts nahmen die Engländer als erste Europäer wieder Kontakt mit den arktischen Regionen auf und wiederentdeckten Grönland. Die Skandinavier jedoch betrachteten die Insel als ihr Eigentum und beeilten sich, ihrerseits dort neue Kolonien anzulegen. Sie versuchten auch, ins Innere vorzudringen, um die Möglichkeiten kennenzulernen, indem sie sich vorstellten, dass die ausgedehnten Weidegebiete den von den Wikingern zurückgelassenen Vieh-beständen erlaubt haben könnten, ihr Leben weiter zu fristen und in den Stand von Wildtieren zurückzukehren.
1728 machte Claus Parr den ersten Versuch. Er reiste nach Grönland mit einem Pferd, das er sogleich sattelte, und wandte sich dem Innern der Insel zu. Die Expedition dauerte vier Stunden, zwei hin und zwei zurück. Andere Versuche scheiterten an Gletschern oder an Küstengebirgen, bis man das Interesse an diesen Regionen verlor. Während man für die Küstengebiete nach und nach mehr oder weniger genaue Karten erstellte, blieb das Innere unbekannt.
Als Whymper versuchte, ins Innere Grönlands vorzudringen, waren erst zwei amerikanische Expeditionen vorangegangen: die des Dr. Kane, 1853-1855, bis zum 78.Breitengrad, und die von Dr.Hayes, 1860, der in der gleichen Region einen Vorstoss von 100 km auf My brother John's Glacier machte. Der komische Name « Gletscher meines Bruders John » stammt von Dr. Kane zum Dank an seinen Bruder, der nach ihm suchte ( übrigens erfolglos ), als man zwei Jahre ohne Nachricht von seiner Expedition geblieben war.
Es blieb also eine Insel, sechsmal so gross wie die Schweiz, zu erkunden. Ein ungeheures Arbeitsfeld für Forscher und Wissenschafter.
Whympers Ziel Nachdem er die Alpen durchreist und das Matterhorn bestiegen hatte, interessierte sich Whymper für entlegenere und unbekannte Regionen. Er glaubte, dass ihm die in den Alpengletschern gesammelten Erfahrungen eine wissenschaftlich und geographisch interessante Kundfahrt ins Innere Grönlandes erlaubten.
Es gab aber noch eine weitere Triebfeder: er wollte beweisen, dass seine Mitarbeit im Schoss einer künftigen Expedition grossen Ausmasses in die Arktis nützlich, wenn nicht unerlässlich wäre. Seiner Ansicht nach war es dringend angezeigt, dass die britische Admiralität eine Expedition organisierte mit dem Ziel, sich dem Pol zu nähern oder unter günstigen Bedingungen sogar am nördlichsten Punkt der Erdkugel die englische Flagge zu hissen.
Die höchste nördliche Breite hatte bis jetzt der Engländer William Parry erreicht; er war am 23. Juli 1827 auf 82° 45'vorgestossen, das heisst bis auf etwa 800 km an den Pol. Aber auch die Vereinigten Staaten hatten, nachdem sie an den Nachforschungen zur Auffindung der Expedition Franklin teilgenommen, zwei weitere ( oben erwähnte ) Expeditionen höher in den Norden hinaufgeschickt. Wenn auch der Sezessionskrieg ihren Elan aufgehalten hatte, war es sicher, dass sie, sobald wieder Ruhe eingekehrt sein würde, ihre Versuche erneuerten; eine gefährliche Drohung für den Rekord Parrys! Daher drängte Whymper seine Landsleute, ihre Forschungen in der Arktis wieder aufzunehmen, um einem Erfolg dieser neuen und gefährlichen Konkurrenten zuvorzukommen.
In einer Darlegung an den Alpine Club schreibt er: « Ich hoffe, dass die Zeit bald gekommen ist, wo der Finanzminister verstehen wird, dass es dringende Gründe gibt, neue Expeditionen auszusenden, und dass wir eines Tages eine Regierung haben werden, die fähig ist, einzusehen, dass in gewissen Augenblicken die Nationalehre über die Pfund Sterlings, die Shillings und die Pences geht1. » Reise und Vorbereitungen War Whymper - als Künstler - ein Schwärmer? Liess seine angelsächsische Natur die kühle Vernunft vom Gefühl beherrschen? Jedenfalls scheint er in den Ländern, die er durchreiste, weder die 1 Alpine Journal, Mai 1871.
Neuheit noch das Malerische empfunden zu haben. Im Gegenteil ist er unangenehm beeindruckt von dem, was er auf der Reise nach Dänemark, wo er sich einschiffte, gesehen und angetroffen hat. Einem Freunde schreibt er: « Belgien ist widerwärtig, die preussischen Provinzen noch ärger und Schleswig das ärgste von allem! Dass man sich um den Besitz eines solchen Landes streiten kann, ist mir schleierhaft1. » Das dänische Schiff setzte ihn am 16. Juni 1867 in Jacobshavn an Land, einer Stadt an der grönländischen Küste, durch die Meerenge von Vaigat von der Insel Disko getrennt. Er hatte diese Gegend am 70. Breitengrad gewählt, weil ihm der Gouverneur von Grönland versichert hatte, dass er hier durch sehr tiefe Fjorde bis an die Basis der Gletscher heranfahren könne. Um diese Fjorde zu erkunden, unternahm Whymper zwei Viertagemärsche, worauf er sich entschloss, seinen Versuch nordöstlich der Station auszuführen. Er hatte dort Bedingungen angetroffen, die er als ausgezeichnet beurteilte, hatte er doch auf einem Gletscher zehn Kilometer in anderthalb Stunden bewältigt, worauf er allzu optimistisch Tagesetappen von 55 bis 65 km ins Auge fasste. In Wirklichkeit haben grösste Tagesmärsche mit von Hunden gezogenen Schlitten nie Strecken von 30 km überschritten. Bedenken wir, dass die Arktis während Jahrhunderten von Seeleuten erkundet wurde, die kaum ihre Schiffe verliessen. William Parry war es, der 1820 als erster ins Innere des arktischen Festlandes vordrang. Er überquerte die Insel Melville, wobei er die Schlitten mit Ausrüstung und Proviant von seinen Seeleuten ziehen liess. Erst bei den Nachforschungen nach der Expedition Franklin, also von 1850 an, benützte man die Hilfsmittel der Eskimos. Der Schotte Kennedy und der Franzose Beilot verwendeten für ihre lange Rundreise auf dem Prince-de-Galles-Land Hundeschlitten und bauten Iglus. Man hatte also noch wenig Erfahrung mit diesem Beförderungsmittel, und Whymper musste zu seinem Schaden die Erfahrung machen, dass die Eskimos weniger zuverlässig, dafür aber um so anspruchsvoller waren als die Bergführer in den Alpen, und die Hunde störrischer und bösartiger als die Walliser Maulesel.
Von seiner vorbereitenden Exkursion zurück, erwartete Whymper die unangenehme Überraschung, dass in Jacobshavn eine Lungenentzündungsepidemie wütete, die bereits 50 Einwohner von 200 dahingerafft hatte. Unter diesen Umständen war es äusserst schwierig, eine Mannschaft anzuwerben und die für die Expedition nötigen Lebensmittel zu bekommen. Aus England hatte er Holz mitgebracht, um die Schlitten nach einem Modell, das er vor seiner Abreise ausprobiert hatte, herstellen zu lassen. Nun waren die, die sie hätten anfertigen können, mit der Herstellung von Särgen beschäftigt. Er musste sich mit den Schlitten begnügen, die ihm die Eskimos überliessen und die seinen Anforderungen bei weitem nicht entsprachen.
Zuletzt wurden auch die Hunde von der Epidemie erfasst. Whymper musste in einen andern Bezirk wechseln, und nach tausend Schwierigkeiten konnte er drei Hundeführer mit ihrem Tross und einen Dolmetscher engagieren; aber er durfte die Epidemiezone nicht passieren. All diese Komplikationen verzögerten den Aufbruch der Expedition und waren eine der Ursachen ihres Scheiterns.
Whymper hatte einen seiner Freunde aus London, Richard Brown, mitgebracht als sechstes Glied der kleinen Equipe, die am 20. Juli 1867 auf dieses Abenteuer auszog.
Der Versuch Die erste Fahrstrecke wurde mit zwei Schaluppen zurückgelegt, die die Expedition in zwei Tagen in den Atafjord hineinführte. Die zehn Eskimos, die die Boote führten, kehrten dann mit dem einen 1 F. S. Smythe: Edward Whymper ( auch in französischer Übersetzung von Louis Seylaz ).
an ihren Ausgangsort zurück; das andere blieb da für die Rückkehr Whympers. In zwei weiteren Tagen brachten die Forscher ihr Material an den Fuss eines Gletschers. Da das Wetter zu ungünstig war, kampierten sie hier noch drei Tage, machten die Ausrüstung bereit und beluden die Schlitten mit Proviant, der ihnen erlauben sollte, 30 Tage fern von der Basis zu verbringen.
Als nun Whymper zur Orientierung einen Berg bestieg, der den Tossuketekgletscher überragt, hatte er einen niederschmetternden Ausblick: vor ihm dehnte sich der unermessliche Gletscher, auf dessen Oberfläche der Schnee geschmolzen war. Ein Labyrinth von Spalten durchfurchte ihn in allen Richtungen, und es war unmöglich, einen zusammenhängenden Weg zu entdecken. Seit seinem ersten Versuch hatten sich die Verhältnisse vollständig verändert. Die Schneeschicht, die ihm erlaubt hatte, zehn Kilometer in anderthalb Stunden zurückzulegen, war verschwunden, und damit würde nur ein äusserst langsames Vorrücken möglich oder wahrscheinlich überhaupt nicht möglich sein. Als Whymper trotzdem das Signal zum Aufbruch gab, machte er sich gar keine Illusionen.
Er ging voraus und bezeichnete die Wegspur mit Holzstöcken, die er ins Eis pflanzte. Aber seine Befürchtungen bewahrheiteten sich schon nach den ersten Schritten. Unüberquerbare Spalten mussten in weitem Umweg umgangen werden, und mehrmals musste die Karawane umkehren. Dazu waren die Hunde störrisch; sie stritten sich und brachten die Zugseile durcheinander, warfen die Schlitten um oder liessen sie in Spalten hinabkippen, die sie im Sprung nehmen wollten. Jedesmal war es schwer, die Ordnung wieder herzustellen und die Schäden zu beheben.
Nach drei- oder vierstündigen Anstrengungen schickte Whymper drei seiner Gefährten als Kundschafter in östlicher Richtung voraus, um zu beurteilen, ob sich dort die Verhältnisse besserten. Sie brachten negativen Bericht, und Whymper gab das Signal zum Rückzug.
Die Expedition endete also mit einer Niederlage. Wie Claus Parr war Whymper das Opfer seiner Unerfahrenheit geworden: seine Expedition war viel zu spät aufgebrochen. Wie Nordenskjöld später bestätigte, erlaubten die Mittel, die damals zur Verfügung standen, nur in den Monaten März bis Juni Ortsveränderungen auf dem Packeis, wie auf dem arktischen Festland. Hinfort hielten sich denn auch die Forscher an diese Daten. Man muss noch hinzufügen, dass Whymper nur über sehr beschränkte Geldmittel verfügte, so dass er in keinem Fall ein weitgestecktes Ziel ins Auge fassen konnte. Jedenfalls trug sein Versuch eine Erfahrung mehr über die Arktis ein, und jede neue Erfahrung erlaubt denen, die die richtigen Schlüsse daraus ziehen, einen Schritt vorwärts.
1868. Zweite Expedition Bei seinem ersten Aufenthalt auf Grönland war sich Whymper klar geworden, dass zwischen den Karten über die Bucht von Disko, die ihm die britische Admiralität übergeben hatte, und denjenigen, die der Gouverneur von Jakobshavn besass, enorme Unterschiede bestanden. Die englischen Karten fussten auf Angaben von Seeleuten: Davis, Baffin, John Ross, Mac Clintoc, während die dänischen sich auf die Messungen des Leutnants Graah stützten, der 1821-1829 sich bemüht hatte, die Karte zwischen dem Kap Farvell, dem südlichsten Punkt Grönlands, und der Station Upernavik, nördlich von Disko, zu entwerfen. All diese Kartographen hatten mit sehr ungenügenden Mitteln und mangelhaften Instrumenten gearbeitet. Gewisse Regionen waren sogar ohne jede Messung gezeichnet, ohne aufgesucht worden zu sein, einfach auf Grund dessen, was man vom Schiffe aus sah. Whymper hatte deshalb 1867 grosse Schwierigkeiten, seinen Weg zu finden in diesem Labyrinth von Buchten, Kaps und Fjorden. Er entschloss sich, für seine zweite Expedition auf die Erforschung des Inlandeises zu verzichten und sich dem Studium der Küsten zu widmen, um eine exakte Karte zu erstellen.
Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert der Wissenschaft. Auf einem Berggipfel angekommen, zog der Alpinist Instrumente aus dem Sack, um Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Höhenlage zu messen. In den Instruktionen, die die britische Admiralität ihren Expeditionsführern mitgab, waren die Beobachtungen und Messungen, die die zugeteilten Naturforscher zu machen hatten, genau festgelegt. Obschon seine Expedition keinen offiziellen Charakter hatte, war es Whympers Absicht, diese unbekannten Regionen von verschiedenen Gesichtspunkten aus zu studieren. So umfasste sein Programm auch eine geologische Studie über die Gegend von Disko.
Schon früher waren in der Arktis seltsame Entdeckungen gemacht worden; 1820 brachte William Parry von der Melville-Insel äquatoriale Pflanzenfossilien mit, 1858 entdeckte der Schotte James Lamont im Ice Fjord auf Spitzbergen Kohlenminen, die dann zu Beginn unseres Jahrhunderts ausgebeutet wurden. Die geologischen Entdeckungen und die Fossilfunde vervielfachten sich bei den Nachforschungen nach der Expedition Franklin. Nach und nach entstand eine Theorie, nach welcher sich der Pol nicht immer an dem Punkt befand, wo er heute ist. In einer weitzurückliegenden Zeit muss die Erdachse in der Gegend von Paris den Erdball « durchstossen » haben, und die Arktis war damals tropisches Gebiet.
1857 wurde Mac Clintoc, der an Bord der Fox noch einmal zur Suche nach Franklin aufbrach, im Eis des Baffinmeers blockiert, wo er überwintern musste. Im Frühjahr nahm er den Kontakt mit Grönland wieder auf, um sein vom Eis beschädigtes Boot zu reparieren. Bei dieser Gelegenheit brachten ihm die Eskimos versteinerte Holzstücke, die sie in der Meerenge von Vaigat gefunden hatten. In seinem Buch The voyage of the Fox erklärt Mac Clintoc, dass in dieser Meerenge ein versteinerter Wald liegen müsse, an einem Ort, den die Eskimos Atanakerdluk nennen. Er selbst war nicht dort gewesen, aber nach den Beschreibungen und den Fossilien, die ihm die Eskimos brachten, konnte er dessen Vorhandensein nicht bezweifeln. Dies war unter anderen ein leidenschaftlich begehrtes Forschungsziel Whympers.
Die Erfahrung von 1867 hatte ihm kein grosses Vertrauen in die Eingeborenen von Grönland hinterlassen, noch in die Geräte, die sie ihm liefern konnten; deshalb wollte er von ihnen unabhängig sein. Von seiner ersten Expedition hatte er ein Kajak mit heimgebracht. Aber die Versuche, die er damit gemacht hatte, zeigten ihm, dass er bei weitem nicht die Geschicklichkeit der Eskimos besass: allzuoft schlug das kleine Boot um, sogar als er auf beiden Seiten Ausleger angebracht hatte. Endlich hatte er ein Schraubenboot konstruieren lassen, das ihm erlaubte, sich, gefolgt von einer Barke, die sein Material mitführte, nach Belieben zu bewegen.
Wissenschaftliche Ausbeute Die Erforschung der Meerenge von Vaigat und im Norden der Diskobucht verlief ohne Schwierigkeiten. Es war das gewohnte Lavieren zwischen dem Treibeis, Begegnungen mit enormen Eisbergen, tosendes Krachen von Séracs, die sich von einem Eisberg lösten und ins Meer stürzten, auch das Risiko, von Strömungen abgetrieben oder von einem plötzlichen Sturm fortgetragen zu werden. Whymper befleissigte sich, so nahe als möglich an der Küste zu bleiben, und bei jeder günstigen Gelegenheit stieg er an Land, um seine geologischen Forschungen durchzuführen.
Die wissenschaftlichen Resultate waren ausgezeichnet. Whymper erstellte eine Karte vom nördlichen Teil der Bucht, bis zur Breite 71° 30dazu brachte er 80 Fossilien mit, wovon 32 neue. Dank dieser Ausbeute und derjenigen, die die Expedition Toreil und Nordenskjöld 1858 aus Spitzbergen mitgebracht, konnte der Schweizer Naturforscher Oswald Heer, Professor an der ETH, 1883 Die fossile Flora der Polarländer veröffentlichen, eine damals sehr beachtete Arbeit. In seinem Bericht spricht Whymper nicht mehr vom fossilen Wald des Mac Clintoc.
Das sind die beiden Expeditionen Edward Whympers in die Arktis. 1875 stand dann an der Spitze der englischen Regierung ein Mann, wie ihn unser Forscher erhofft hatte. Dank der Anstrengungen Disraelis brach eine englische Expedition auf in der Hoffnung, den Pol zu erreichen. Die Führung war Kapitän Nares und Leutnant Markham anvertraut. Edward Whymper nahm nicht daran teil.
Seit 1875 schickte Dänemark jedes Jahr Wissenschafter aus, um geographische, geologische und mineralogische Karten aufzunehmen. Ihre Nachforschungen führten endlich auch zur Entdeckung von Spuren der beiden von Eric Rauda gegründeten Wikingerkolonien. Das Innere der Insel und die Ostküste wurden erst später erforscht. Versuche, die Insel zu durchqueren, 1870 und 1883 von Nordenskjöld, 1876 von Jensen und 1886 von Peary, endeten mit Niederlagen. Erst Fridtjof Nansen glückte es 1888, von der Ostküste ausgehend. Die Schwierigkeiten, die er zu überwinden hatte, gestalteten seinen Expeditionsbericht zu einem vorzüglichen Abenteuerroman.
Grönland, das sich vom 60. bis zum 83. Breitengrad erstreckt, das heisst über eine Länge von mehr als 1400 km, hatte noch lange nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben. Der äusserste Norden wurde 1892 und 1895 von Peary durchquert, 1912 von Rasmussen. Weitere Expeditionen folgten, welche alle zur Kenntnis der Arktis beitrugen. Wir erwähnen diejenige von Prof. Alfred de Quervain als erste schweizerische Arktisexpedition. Sie durchquerte Grönland von West nach Ost, nördlich von Jacobshavn bis nach Angmagssalik, der einzigen dänischen Siedlung an der Ostküste. In 41 Tagen wurden 700 km bereist und zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt. Die geographischen Entdeckungen auf dieser Route - 50 km von derjenigen Nansens gewählt -waren bedeutend: Port de Quervain, dem der Kapitän des Schiffes 1, das die Expedition zu ihrem Ausgangspunkt brachte, diesen Namen gab, und an der Ostküste eine Bergkette, aus der der Mont Forel und der Nunatak 2 Mercanton 3 herausragen. Prof. P.L. Mercanton, Ehrenmitglied des SAC, war der Zweite auf dieser Expedition; er begleitete die Equipe de Quervain auf einigen Etappen, um dann an die Westküste zurückzukehren, wo er eine Forschungsgruppe leitete. Der Bericht über diese Expedition ist von Prof. Dr. de Quervain unter dem Titel Quer durchs Grönlandeis veröffentlicht worden.Übers.: F. Oe.
1 Es war die Fox, und es war die letzte Fahrt dieses Schiffes, das unter dem Kommando von Sir Allen Young und später unter Mac Clintoc an den Nachforschungen nach Franklin teilnahm.
( An der Quervain-Expedition beteiligte sich auch Dr. Wilhelm Jost - Bern -, ebenfalls Ehrenmitglied des Gesamt SAC ). M. Oe.
2 Man bezeichnet den felsigen Übergang am Rand des Inlandeises als Nunatak.
3 Der Mont Mercanton wird heute Nunatak Mercanton genannt.