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Ayahuasca
Ich hatte die Gelegenheit, an einem Ayahuasca-Ritual teilzunehmen.
Ich freute mich darauf, endlich mal die legendäre Lieane kennenzulernen.
Nun mache ich erst mal eine schamanische Reise, um zu sehen, was die Geister dazu sagen.
Ich reise in die untere Welt und fliege dort über einen riesengrossen Wald. Es ist ein Tropenwald und ich erkenne eine kreisrunde Lichtung. Dort brennt ein Feuer und viele Menschen tanzen um dieses Feuer herum.
Ich lande und die Tanzenden verschwinden zwischen den umstehenden Bäumen. In der Mitte der Lichtung steht ein grosser Topf auf dem Feuer und ein sehr alter Mann mit dunkler Haut und weissen Haaren sitzt dabei und rührt langsam im Topf.
Ich setze mich zu ihm und er beginnt zu sprechen:
"Ayahuasca ist für euch eine Pflanze. Für uns ist sie ein Lebenwesen, ein Geist. Sie wohnt hier, ist hier in der Erde verwurzelt. Ayahuasca geht nirgendwo hin.
Mutter Erde hat an verschiedenen Orten verschiedene Kinder und das ist gut so. Es hat keinen Sinn, Eis vom Scheitel der Erde in die Sandwüste zu tragen. Und so hat es auch keinen Sinn Ayahuasca nach Europa zu bringen.
Die weissen Brüder bringen uns ihr Feuerwasser und verschmutzen unsere Flüsse und zerstören unsere Wälder. Nun wollen sie uns auch noch Ayahuasca wegnehmen, um sich zu betrinken. Das ist schlechte Medizin!
Ihr habt bei euch auch starke Geisterpflanzen, benützt sie und ihr könnt gute Medizin machen.
Wenn du reinen Herzens hierher zu uns kommst und ganz mit uns bist, vielleicht wird Ayahuasca hier zu dir kommen wollen".
Ich danke dem Alten und kehre zurück.
Tja, ich hatte mich auf dieses Ritual gefreut - aber wenn ichs mir so überlege, was der Alte gesagt hat ... und weshalb wollte ich Ayahuasca ausprobieren? Aus Neugierde wohl?
Nein - ich bin dem Alten dankbar für seine Standpauke. Ich bin nicht zu dem Ritual gegangen.
Bär // 1994 (Beitrag in der KREISZEIT)