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Einleitung
Bis vor wenigen Jahren hat die Welt-Gesundheitsorganisation WHO versucht, den Regierungen und den Bevölkerungen der angeschlossenen Länder weis zu machen, dass Alkohol ein schädliches Produkt sei (ähnlich wie Tabak), dessen Konsum in jedem Fall und auch bei kleinen Mengen negative Folgen hat. Daraus folgte, dass der Alkoholkonsum grundsätzlich zu verfolgen sei (wie der Tabakkonsum). Die jahrhundertealte Erfahrung, dass ein moderater Konsum von alkoholischen Getränken positive Folgen hat, konnte aber von der WHO auf die Dauer nicht mehr unterdrückt werden. Wie schon verschiedenen Organisationen aus dem Weinsektor, hat auch der europäische Dachverband CBMC vor einigen Jahren begonnen, auf die positiven Auswirkungen eines massvollen Bierkonsums hinzuweisen.
Bier - ein gesundes Getränk und seit Tausenden von Jahren ein zentraler Teil unserer Ernährung - ist nicht nur ein köstliches Getränk, es kann bei massvollem Genuss auch gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Diese Informationen sollen die Menschen nicht ermutigen, Bier und andere alkoholische Getränke aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Wirkung zu trinken. Ziel ist es vielmehr, diejenigen, die gerne Bier trinken, darüber zu informieren, dass der massvolle Genuss von Bier kein Gesundheitsrisiko darstellt, sondern sogar bestimmte gesundheitsfördernde Wirkungen haben kann. Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Wirkung eines mass- und verantwortungsvollen Biergenusses. Es muss ausdrücklich hervorgehoben werden, dass sich die gesundheitsfördernden Wirkungen ausschliesslich auf den massvollen Genuss durch Erwachsene beziehen. Übermässiges Trinken kann schädlich sein und wird mit vielen chronischen Gesundheitsproblemen in Zusammenhang gebracht. Für die zukünftige Verwendung des Ausdruckes "ein Glas Bier" gilt: ein Glas Bier enthält 0,3 Liter mit einer Alkoholstärke zwischen 4 und 5 % vol. Ein solches Glas enthält dann eine Alkoholmenge von ca. 10g.
Massvoller Biergenuss bedeutet, innerhalb jener Grenzen zu trinken, welche durch die Gesundheit, die Gesellschaft in der man lebt und die Verpflichtungen gegenüber Familie und Freunden gezogen werden.
"Prost!" rufen Deutschschweizer beim Anstossen, "wohl bekomms!". Etwas direkter sind die Franzosen, Spanier oder Italiener, wenn sie ihre Gläser klingen lassen. "Santé!", "Salud!", oder "Salute!", heisst es da, "Gesundheit" also - und damit liegen die Südländer goldrichtig.
Es gibt eindeutige Belege dafür, dass Menschen, die Bier, Wein und Spirituosen massvoll geniessen, im Vergleich zu völligen Abstinenzlern und übermässigen Trinkern ein erheblich verringertes Risiko für Herzkranzgefässerkrankungen und Herzinfarkt haben. Dies wurde durch viele Studien in der ganzen Welt bestätigt. Darüber hinaus gibt es auch Hinweise, dass ein leichter bis mässiger Alkoholgenuss auch gegen andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so auch die am weitesten verbreitete Form des Schlaganfalls vorbeugen kann.
Laut Schätzungen soll der Konsum von ca. drei alkoholischen Getränken pro Tag das Risiko einer Herzkranzgefässerkrankung um bis zu 24,7% verringern. Dies bezieht sich auf eine ganze Reihe von Personen, auch auf solche, die als besonders anfällig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten. Die "U-förmige Kurve" illustriert die Auswirkung, die diese Verringerung des Risikos einer Herzkranzgefässerkrankung auf das generelle Sterberisiko hat. Beim massvollen Alkoholgenuss reduziert sich das Risiko eines frühen Todes im Vergleich zu abstinenten Personen. Übermässiges Trinken führt hingegen zu Risikograden, die denen von abstinenten Personen gleichen oder sogar darüber liegen.
Für diese Risikoverringerung durch Alkoholgenuss gibt es einige sehr gut erforschte und bekannte Gründe. Erwiesene Hauptursache für diese Wirkung ist die Erhöhung des "guten Fetts" (HDL-Cholesterin) im Blut. Dadurch wird das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert. Die Forschung hat bestätigt, dass der Genuss von einem Glas Bier pro Tag den HDL-Cholesterin-Wert um bis 4% ansteigen lassen kann.
Es ist der Alkohol, der die schützende Wirkung entfaltet.
Kein einzelnes alkoholisches Getränk kann hierauf ein Monopol erheben.
Derartige positive Wirkungen lassen sich in vielen verschiedenen Ländern mit sehr unterschiedlichen Kulturen und andersartigen Trinkgewohnheiten feststellen. Dies bestätigt, dass es der Alkohol selbst ist, der diese vorbeugend schützende Wirkung entfaltet, und nicht etwa eine bestimmte Alkoholart ein "Monopol" auf diese Vorzüge im Bereich der Herzkranzgefässerkrankung für sich beanspruchen kann.
In Deutschland zum Beispiel, wo Bier das beliebteste Getränk ist, hat die Forschung die gesundheitsfördernde Wirkung an alkoholischen Getränken bestätigt. Forscher haben berechnet, dass es zu einem Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu einem Rückgang der Lebenserwartung um ca. zwei Jahre und zu einer Verminderung der allgemeinen Lebensfreude käme, wenn die Biertrinker in Europa aufhören würden, Bier zu trinken.
Abgesehen von dem, was der Mensch trinkt, gibt es viele Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen. Dazu zählen etwa die Ernährung, der soziale Status, der Lebensstil, Gesundheitsvorsorge und -bewusstsein sowie bereits bestehende Vorerkrankungen. In einer Reihe dänischer Veröffentlichungen hiess es, dass Wein gesundheitsfördernder sei als Bier. Jetzt wurde jedoch erkannt, dass die Unterschiede im Lebensstil bei dieser Untersuchung nicht ausreichend berücksichtigt worden sind.
Eine weitere wichtige Erwägung ist, dass es nicht darauf ankommt, "wie viel" man trinkt, sondern ebenso auf die "Art und Weise" des Trinkens. Die neuesten Untersuchungen zeigen, dass gelegentliche "Trinkgelage" (mehr als fünf bis sechs alkoholhaltige Getränke auf einmal) Menschen nicht denselben Schutz vor Erkrankungen der Herzkranzgefässe bieten, auch wenn der Alkoholgenuss auf die Woche verteilt, massvoller wäre. Zudem ist erwiesen, dass das Trinken alkoholischer Getränke zum Essen besser ist als auf "nüchternen Magen".
- In der Forschung mehren sich die Hinweise, dass regelmässiger massvoller Alkoholgenuss auch vor vielen anderen Beschwerden schützen kann.
- Mehrere Studien haben bestätigt, dass es bei massvollem Alkoholgenuss sowohl bei Männern wie auch bei Frauen zu vermindertem Auftreten von Altersdiabetes kommt (Typ 2 Diabetes Mellitus). Das Risiko lag bei Männern, die ein oder zwei Gläser alkoholischer Getränke pro Tag zu sich nahmen, im Vergleich zu völligen Abstinenzlern um 36% niedriger.
- Verschiedene Studien haben einen Zusammenhang zwischen massvollem Alkoholgenuss und einem verringerten Risiko der Bildung von Gallensteinen nachgewiesen. Dies gilt für alle Arten von alkoholischen Getränken gleichermassen, wobei das Risiko bei einem regelmässigen Alkoholgenuss am geringsten ist.
- Neueste Studien haben ebenfalls ergeben, dass ein mässiger Alkoholgenuss auch eine schützende Wirkung auf die Knochen hat und so das Risiko einer Osteoporose-Erkrankung (Knochenschwäche) vermindern kann.
- Weiter wird ein vermindertes Risiko einer Parkinson-Erkrankung mit einem moderaten Alkoholgenuss in Verbindung gebracht. Die genauen Ursachen dieser positiven Wirkungen sind noch nicht hinreichend bekannt.
- Positive psychologische Wirkungen eines massvollen Alkoholgenusses sind unter Experten anerkannt, können allerdings nur schwer wissenschaftlich nachgewiesen werden. Forschungen in Spanien haben skandinavische Ergebnisse bestätigt, nach denen Menschen, die mässig Alkohol trinken, überzeugt sind, gesünder zu sein. Dies führt dazu, dass sie sich besser fühlen und eine positivere Einstellung zu ihrer Gesundheit haben.
- Alkohol wirkt zudem wie ein Blutverdünner: Er vermindert die Menge gerinnungsfördernder Eiweisse und hebt gleichzeitig den Spiegel gerinnungshemmender Eiweisse an. Auf diese Weise sorgt Alkohol dafür, dass Blutplättchen weniger gut aneinander haften und so weniger Gerinnsel verursachen.
Die Bezeichnung "Bierbauch" wird in vielen Teilen Europas mit Fettleibigkeit von Biertrinkern in Verbindung gebracht. Dies dürfte aber eher darauf zurückzuführen sein, dass einige Biertrinker einen nicht allzu gesunden Lebensstil pflegen.
Bier als natriumarmes, sowie fett- und cholesterinfreies Getränk kann im Diäteinsatz bereichernd wirken. Bier in Massen genossen und als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung macht nicht dick. Im Gegenteil: Oftmals sind Abstinenzler im Allgemeinen dicker als Personen, die alkoholische Getränke zu sich nehmen. Bier liefert weniger Kalorien als die meisten alkoholfreien Getränke.
- Bier enthält kein Fett oder Cholesterin und sein Zuckergehalt ist niedrig. Die Kalorien im Bier stammen grösstenteils aus dem Alkoholgehalt.
- Es hat sich gezeigt, dass Abstinenzler im Allgemeinen die Tendenz haben, dicker zu sein als Personen, die alkoholische Getränke zu sich nehmen.
- Bier enthält nicht mehr Kalorien als alkoholfreie Getränke.
- Der Genuss von Bier scheint nicht dick zu machen - vorausgesetzt, er ist Teil einer ausgewogenen Ernährung.
- Bier besteht zu 93% aus Wasser und weist einen relativ niedrigen Alkoholgehalt auf. Es enthält viel Kalium und wenig Natrium - das richtige Verhältnis für einen gesunden (niedrigen) Blutdruck.
- Dank wenig Kalzium und viel Magnesium kann Bier zudem der Bildung von Gallen- und Nierensteinen vorbeugen.
- Der Hopfen enthält aktive Verbindungen, die den Kalziumabbau in den Knochen verhindern.
- Bier versorgt den Körper mit löslichen Ballaststoffen, die aus den Zellwänden des Gerstenmalzes stammen und zu einer gesunden Darmfunktion beitragen.
- Der Zusammenhang zwischen Folsäuremangel und Neuralrohrdefekten ist, wie die Eidgenössische Ernährungskommission (EEK) feststellte, erwiesen. Nebst diesem Schutz vor Neuralrohrdefekten bietet die Folsäure auch Schutz gegen verschiedene Krebsarten. Gemäss einer Studie der EEK ist klar, dass die Folsäureversorgung insbesondere bei Schwangeren (Folsäure muss bereits vor der Schwangerschaft konsumiert werden) verbessert werden muss. Folsäure ist im Bier enthalten. Die prozentuale Bedarfsabdeckung mit Folsäure durch einen Liter Bier beträgt bei Frauen 21,5 Prozent! Ein Liter Bier umfasst ungefähr soviel Folsäure wie 300 Gramm Tomaten, 130 Gramm Kartoffeln oder 1 Liter Milch!
Die in diesem Kapitel angeführten Ergebnisse fassen den gegenwärtigen Wissensstand zu diesem Thema zusammen. Diese Informationen zielen nicht darauf ab, den Genuss von Bier oder anderen Getränken als Mittel der Gesundheitsförderung oder zur Verlängerung der Lebenserwartung darzustellen. Bier wird zur Erfrischung, zum Vergnügen sowie aus Geselligkeitsgründen getrunken. Mediziner zögern, massvollen Alkoholgenuss aus gesundheitlichen Gründen zu befürworten, weil sie befürchten, dass dies zu übermässigem Trinken führen oder einzelnen Personen als Ausrede für den Missbrauch dienen könnte. Für diejenigen, die Bier regelmässig trinken, mag es beruhigend sein, dass Bier als Teil einer ausgewogenen Ernährung - massvoll genossen - kein Gesundheitsrisiko darstellt, sondern "unter dem Strich" sogar gesundheitsfördernd sein kann.
Quellen:
CBMC The Brewers of Europe / Schweizerischer Bierbrauerverein. Beer & Health / Bier und Gesundheit - Vorteile eines massvollen Biergenusses. 2. Auflage. CBMC - Die Europäischen Brauer, 2002.