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Inkontinenz: Auch Männer sind betroffen
Über Harninkontinenz spricht man nicht – insbesondere, wenn es um die Inkontinenz beim Mann geht. Unbehandelt wird sie zu einem Handicap, das die körperlichen Aktivitäten, das Sozial- und das Sexualleben einschränkt. Dabei gibt es Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen.
Unter Harninkontinenz versteht man den unkontrollierbaren und unerwarteten Abgang von Urin. Dadurch leidet die Lebensqualität massgeblich. Frauen sind stärker betroffen, was auf anatomische Besonderheiten ihres Beckenbodens, Schwangerschaften und die Menopause zurückzuführen ist, die zu einem Nachlassen der Muskel- und Gewebespannung führt. Vor dem sechzigsten Lebensjahr haben Männer nur selten mit diesem Problem zu kämpfen, ab dem achtzigsten Lebensjahr tritt es jedoch bei vierzig Prozent der Männer auf. Erkrankungen der Prostata sind die häufigste Ursache für Harninkontinenz beim Mann.
Unterschiedliche Formen der Inkontinenz
Die Harninkontinenz bei Männern lässt sich in drei Hauptformen unterteilen:
- Unter Überlaufinkontinenz versteht man das regelmässige Harnträufeln. Dies ist auf ein unzureichendes Entleeren der Blase beim Toilettengang zurückzuführen.
- Als Belastungsinkontinenz wird der Harnabgang durch Husten, Niesen, das Heben von schweren Gegenständen oder andere Aktivitäten bezeichnet.
- Von einer hyperaktiven Blase spricht man bei plötzlich auftretendem, häufig starkem Harndrang. In diesem Fall kann es zum Harnabgang kommen, bevor der Betroffene die Toilette erreicht.
Auch Mischformen der Inkontinenz, also mehrere Typen zugleich, können vorkommen. Ausserdem gibt es auch die Form der totalen Inkontinenz. Dies bedeutet, dass der Patient keinerlei Kontrolle mehr über seinen Schliessmuskel besitzt und daher ständig Urin abgeht.
Welche Gründe für Inkontinenz beim Mann gibt es?
- Eine Prostataentfernung infolge einer Krebserkrankung (häufigste Ursache für Inkontinenz beim Mann)
- Eine vergrösserte Prostata
- Infektionen der Blase oder der Harnwege
- Eine Behinderung des Harnflusses
- Eine Fehlfunktion des Blasenschliessmuskels
- Nervenschädigungen
- Neurologische Störungen, die die Signale zur Kontrolle der Blase beeinträchtigen (Multiple Sklerose, Parkinson …)
Welche Vorbeugemassnahmen gibt es?
Harninkontinenz lässt sich unter Umständen nicht vermeiden. Risikofaktoren wie Alter und neurologische Erkrankungen liegen ausserhalb des Einflusses der Betroffenen.
Allerdings können gewisse mit dem Lebensstil verknüpfte Faktoren unter Kontrolle gebracht werden:
- Übergewicht vermeiden.
- Auf die Stuhlkonsistenz achten. Probleme des Verdauungstraktes wie Verstopfung können das Inkontinenzrisiko verstärken, indem grosser Druck auf die Beckenbodenmuskulatur ausgeübt wird. Ballaststoffreiche Ernährung und regelmässige sportliche Betätigung helfen bei der Vorbeugung von Verstopfung.
- Schädliche Stoffe wie Alkohol, Nikotin und Koffein meiden. Sie können sich negativ auf die Blase auswirken und mit der Zeit die Entwicklung von Inkontinenz fördern.
- Scharfe oder saure Lebensmittel können ebenfalls die auf eine hyperaktive Blase zurückzuführende Harninkontinenz verschlimmern.
- Die Beckenbodenmuskulatur stärken (siehe unten).
Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur
Eine starke und gut funktionierende Beckenbodenmuskulatur ist wichtig für den Erhalt der Kontinenz. Durch Übungen kann die Beckenbodenmuskulatur, die Blase und Darm trägt, gestärkt werden. Die Übungen fördern zudem die sexuelle Stimulationsfähigkeit und damit die Erektion. Kegel-Übungen, benannt nach dem Arzt, der sie entwickelt hat, sorgen schnell für Erfolg. Sie lassen sich leicht in eine gewisse Alltagsroutine integrieren.
- Beginnen Sie damit, die entsprechenden Muskeln zu identifizieren – es handelt sich um die Muskeln, die zum Unterbrechen des Harnflusses während des Wasserlassens eingesetzt werden.
- Ziehen Sie die Muskeln zusammen, halten Sie diese Anspannung etwa drei Sekunden lang und lösen Sie sie anschliessend wieder. Führen Sie diese Übung so oft aus, bis sie jeden Tag drei bis vier Zehnerserien schaffen.
- Versuchen Sie nach einiger Zeit, diese Übungen auch im Sitzen, im Stehen oder beim Gehen durchzuführen.
Behandlung der verschiedenen Inkontinenzformen
Bei Männern, die an Dranginkontinenz leiden, können Medikamente Linderung verschaffen. Einige Medikamente entspannen die Muskeln und verhindern so unerwünschte Kontraktionen der Blase. Andere wiederum blockieren diejenigen Nervensignale an die Blase, die im falschen Moment für Kontraktionen sorgen. Ein chirurgischer Eingriff gilt als letzte Möglichkeit. Bei Männern sind es vor allem die folgenden beiden Eingriffe, die zum Einsatz kommen:
- Der künstliche Blasenausgang: Es wird ein künstlicher Schliessmuskel eingesetzt, der aus einer aufblasbaren Manschette besteht, die um die Harnröhre gelegt und über eine im Hodensack platzierte Pumpe betätigt wird.
- Das Harnröhrenband: Dabei handelt es sich um ein synthetisches Band, das um die Harnröhre gelegt wird und diese stützt. So bleibt die Harnröhre geschlossen, wenn der Patient hustet, niest oder rennt.
Hilfe aus der Apotheke
In der Apotheke sind Einlagen in unterschiedlicher Grösse und Saugfähigkeit erhältlich. Viele Männer zögern vor der Verwendung von Hygieneeinlagen oder Einwegunterwäsche. Diese Einlagen stoppen nicht nur das Austreten von Urin, sondern schützen zudem die Haut vor Reizungen und verhindern die Entwicklung von Gerüchen durch den abgegangenen Urin. Das Apothekenteam bietet individuelle und fach-kundige Beratung zu den verschiedenen Produkten, auf Wunsch in einem vor Publikumsverkehr geschützten separaten Beratungsraum.
Dieser Artikel erschien in einer Ausgabe der astreaAPOTHEKE und wurde für die Website angepasst. Die vollständige Ausgabe der astreaAPOTHEKE ist jeweils in der Apotheke erhältlich und erscheint zehnmal im Jahr.