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Löbernstrasse 3
Das Chalet im Löbernquartier war ursprünglich ein Zweifamilienhaus. Erbaut hat es ein Chamer Baumeister im Auftrag einer Frau. Aus Sicht des Denkmalschutzes gilt es als schützenswert.
Chronologie
1933 Der Chamer Baumeister Wilhelm Hauser (1874–1943) erstellt das Chalet an der Löbernstrasse 3. Auftraggeberin war mit Elisa Stuber-Werder (1881–1934) eine Frau. [1] Baumeister Hauser erstellt über dem gemauerten Sockelgeschoss die zwei Obergeschosse in Blockbauweise. «An der Hauptfassade dominieren der Balkon am Obergeschoss und das nachträglich darüber angebrachte Klebedach.» [2]
1996 Ida Röllin-Stuber (1908–1996), Tochter von Elisa Stuber-Werder, stirbt. Die Wohnung im zweiten Obergeschoss wird renoviert. [3]
2021 Die Denkmalpflege des Kantons Zug erachtet das Chalet als ein «aussergewöhnlich gut erhaltenes, äusserlich wenig verändertes Chalet. Es handelt sich damit um einen wertvollen Vertreter der halbindustriell gefertigten Holzhäuser, welche die neueren Wohnquartiere von Cham wesentlich mitprägten. (…) Mit der Blockbauweise griffen die Chalets architektonische Elemente einheimischer Bauernhäuser auf. In den einfachen und sparsam dekorierten Holzbauten fand man eine als heimelig empfundene und ihrer ländlichen Umgebung angemessene Form von Wohnhäusern, die sich v.a. an die wachsende Zahl der Fabrikarbeiter und Fabrikarbeiterinnen richtete. Von den ehem. zeittypischen Bauzeugen bestehen heute jedoch nur noch wenige unverändert. Stellvertretend für diese ortsbildprägende Kapitel Architektur- und Sozialgeschichte, das in Cham am Verschwinden ist, steht das auffallend intakte Chalet an der Löbernstrasse.» [4]
Das Chalet ist im Besitz von Leo Röllin (*1935) in Pfäffikon SZ. [6]
2022 Das Chalet ist im Inventar der schützenswerten Denkmäler der Gemeinde Cham aufgeführt. [7]
Die Geschichte zum Wohnhaus Löbernstrasse 3 [8]
1902 heiraten Albert (1876–1932) und Elisa Stuber-Werder und übernehmen die Liegenschaft «Untere Chamau» in Hünenberg als Pacht. 1908 erwerben sie den Bauernhof Niederwil 4. Der Familie entspriessen vier Kinder: Albert (*1903), Ida und Elise (1914–2007), ein weiteres Kind stirbt als Säugling.
Niederwil wird zur Heimat der Familie. Doch die harte Arbeit eines Bauernbetriebes nagt an der Gesundheit der Eltern. So entschliessen sie sich 1931, den Betrieb aufzugeben und verkaufen die Liegenschaft an Wagner Jakob Gretener-Hug (1879–1961) und seine Frau Christina (1885–1969) in Niederwil, die auch die gleichnamige Wagnerei führen. Die Kinder von Albert und Elisa Stuber-Werder haben andere Berufsziele. Albert wird Gemeindearbeiter und Totengräber, Ida erlernt den Beruf der Damenschneiderin und Elise findet Stellen als Familienhelferin bei bekannten Familien am Zürichberg und in Kastanienbaum LU.
Die kranken Eltern versuchen, ein kleines Haus in Cham zu finden. Aber im aufstrebenden Ort der Anglo-Swiss herrscht Wohnungsnot und so müssen sie sich mit einem Haus in Oberwil ZG begnügen. Leider dauert das traute Glück nur ein Jahr. Vater Albert stirbt 1932 an Krebs. Das Heimweh nach Cham wächst und die Witwe Elisa Stuber-Werder beschliesst, selber zu bauen. An der Löbernstrasse 3 findet sich ein Grundstück, auf welchem die Baufirma von Wilhelm Hauser nach eigenen Plänen ein Chalet baut. Bereits 1933 zieht die Familie Stuber-Werder ein. Glücklicherweise ist das Haus gross genug für eine zweite Person. Der Bruder von Elisa Stuber, Leonz Werder, ein Schneider, kehrt aus Paris zurück und bezieht zwei Mansardenzimmer und ein Badezimmer – zu jener Zeit ein nicht alltäglicher Luxus.
Ebenfalls ungewöhnlich für diese Zeit ist die Zentralheizung, die das ganze Haus wärmt. Allerdings wird die Heizanlage offenbar falsch konzipiert. Trotz Radiatoren in jedem Zimmer werden die Räume zu wenig warm. 1940 entschliesst sich die Tochter Ida Röllin-Stuber das Heizsystem auf eine Holz-Zentralheizung mit Kachelofen in der Stube umzubauen.
Die Wasserwerke Zug führen eine Gasleitung nach Cham und erschliessen auch das Gebiet Löbern. Bedauerlicherweise wird die Drei-Zimmer-Wohnung im ersten Stock nicht angeschlossen. Nach einem Jahr stellt sich heraus, dass die Küche zu klein ist. Die Lösung ist die Eingliederung des Küchenbalkons ins Haus und im zweiten Stock erhält so das Kinderzimmer mehr Platz. Auf der Südseite des Hauses wird an Stelle des Mansardenbalkons ein Klebedach angebracht. Der Grund: Wasser dringt beim Mansardenbalkon in die Wohnstube.
Leider kann Mutter Elisa das neue Heim nicht lange geniessen. Kurz nach der Hochzeit von Tochter Ida Stuber mit Briefträger Kaspar Röllin (1907–1986) stirbt sie 1934 an einem plötzlichen Herzversagen, nachdem sie am Morgen noch am Gottesdienst in der Pfarrkirche teilgenommen hatte. Drei Jahre später stirbt auch ihr Bruder Leonz.
Karte
Die Baupläne von Wilhelm Hauser
Das Baugeschäft von Wilhelm Hauser, Cham, zeichnete die Pläne des Chalets an der Löbernstrasse 3 [9]
Neubau 1933
Erweiterung 1934
Einzelnachweise
- Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Inventarblatt schützenswerte Bauten [Stand: 15.04.2021]
- Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Inventarblatt schützenswerte Bauten [Stand: 15.04.2021]
- Freundliche Mitteilung von Leo Röllin, Pfäffikon SZ, 20.06.2021
- Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Inventarblatt schützenswerte Bauten [Stand: 15.04.2021]
- Freundliche Mitteilung von Leo Röllin, Pfäffikon SZ, 20.06.2021
- www.zugmap.ch, Eintrag Grundstücknummer 209 [Stand: 15.04.2021]
- Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Inventar der schützenswerten Denkmäler der Gemeinde Cham, Grundstücknummer 209 [Stand: 17.01.2022]
- Nach einem Typoskript und mündlichen Überlieferungen von Leo Röllin, Enkel von Elisa Stuber-Werder, aufgewachsen in Cham, wohnhaft in Pfäffikon SZ, 20.06.2021
- Pläne freundlicherweise von Leo Röllin, Pfäffikon SZ, zur Verfügung gestellt