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handelszeitung.ch traf Oswald Grübel an einem Fifa-Kongress in Zürich - und hatte ein paar Fragen dabei. Den Auftakte machte dem Anlass entsprechend das Thema Fussball ...
1. Haben Sie einen Lieblingsfussballclub?
Oswald Grübel: Nein, das nicht unbedingt. Aber ich liebe die Champions League und versuche kein Spiel zu verpassen.
2. Welcher Mannschaft drücken Sie da die Daumen?
Immer der besten.
3. Schweiz gegen Deutschland – zu wem halten sie da?
(Lacht) Zur Schweiz, nehme ich an. Weil sie die schwächere Mannschaft ist und der muss man die Daumen drücken.
4. Sie sind Formel-1-Fan. Wer ist der beste Fahrer aller Zeiten?
Ich habe zumindest den Ruf, Formel-1-Fan zu sein. In der Zeit, in der ich dabei war, war das ganz klar Ayrton Senna.
5. Was ist der grösste Geldbetrag, den Sie je bei einer Sportwette gesetzt haben?
Ich wette nicht.
6. Nie? Nicht mal in einer kleinen, privaten Tipprunde?
Bei privaten Wetten mal 100 Franken.
7. Haben die Fussballwettskandale Sie erschüttert?
Ja. Das ist ein grosses Problem, und wenn man es nicht in den Griff bekommt, wird es den Sport unter Umständen eines Tages zerstören. Aber es ist global und deshalb schwierig zu lösen.
8. Was hat Sie in der Wirtschaft zuletzt schockiert?
Nichts. Ich bin nicht so schnell zu erschüttern.
9. Der Libor-Skandal?
Nein, auch der sogenannte Libor-Skandal nicht. Dass das Libor-System manipuliert werden kann, haben alle vom ersten Tag an gewusst, auch die Aufsichtsbehörden.
10. Ihre Assoziation zu ein paar Namen bitte: Brady Dougan.
Mein Nachfolger.
11. Marcel Ospel.
Mein Vorgänger.
12. Daniel Vasella.
Ein intelligenter Mann.
13. Kweku Adoboli.
Ein Betrüger.
14. Thomas Minder.
Ein Volkspolitiker.
15. Peer Steinbrück.
Ein intelligenter Finanzminister.
16. Angela Merkel.
Eine der intelligentesten Politikerinnen der Welt.
17. Barack Obama.
Sozialist.
18. Was haben Sie mit Joe Ackermann gemeinsam?
Wir waren gemeinsam bei der Credit Suisse.
19. Was sonst noch?
Da fällt mir nichts ein.
20. Der schönste Tag in Ihrer Karriere?
Ich hatte viele und versuche jeden Tag zum schönsten zu machen.
21. Ein Politiker von Format?
Da gibt es heute wenige. Für mich hat ein Politiker Format, wenn er das Richtige tut, obwohl es ihn höchstwahrscheinlich die nächste Wahl kostet.
22. Fällt Ihnen einer ein?
Nein, spontan niemand.
23. Die wichtigste Fähigkeit, um Erfolg zu haben?
Man muss das, was man tut, verstehen und es gerne machen. Und man braucht das innere Bestreben, es besser zu machen.
24. Ihr Tipp für Führungskräfte?
Je höher sie auf der Hierarchieleiter steigen, desto mehr Arbeit und Aufopferung bedeutet das – dessen müssen sie sich bewusst sein.
25. Noch ein Ratschlag?
Ein Aufstieg bringt mehr Macht mit sich, aber wer diese nur für sich selbst nutzt, wird Schiffbruch erleiden.
26. Braucht ein Bankchef Humor?
Unbedingt. Jeder Mensch muss Humor haben. Unser Leben ist sehr begrenzt und ohne Humor unerträglich.
27. Ihr aktuell heissester Anlagetipp?
Wir stecken immer noch in einer Phase der Geldentwertung, weil wir versuchen, die Wirtschaft überall anzukurbeln, indem wir einfach nur Geld drucken. Solange das anhält, sehe ich jede Aktienkurskorrektur als Kaufgelegenheit.
28. Womit haben sie am meisten Geld verdient im Leben?
Mit Arbeit.
29. Die klügste Investment-Weisheit?
Es gibt kein «langfristig».
30. Die dümmste Investment-Weisheit?
Langfristig investieren.
31. Ihr ungewöhnlichstes Investment?
Für mich gibt es nichts Ungewöhnliches in dieser Hinsicht.
32. Was hat die Schweizer Wirtschaft der deutschen voraus?
Sie ist kleiner und überschaubarer und dadurch flexibler, auch der Arbeitsmarkt. Und natürlich das Bankensystem. Als kleines Land haben wir in den letzten 50, 60 Jahren ein Bankensystem aufgebaut, das vergleichbar ist mit Ländern, die zehnmal grösser sind. Dadurch waren wir in der Lage, unsere Wirtschaft günstiger zu finanzieren.
33. Apple- oder Android?
Ich habe leider ein paar Apple-Aktien.
34. Leider?
Im Moment gehen sie runter.
35. Tablet oder Smartphone?
Weder noch. (Holt ein altes Handy aus der Jacketttasche.) Wie heisst das? Das ist ein Uralttelefon.
36. Wir haben dieses Interview-Format hier von einem deutschen Journalisten abgekupfert. Haben Sie auch schon etwas kopiert?
Nicht, dass ich wüsste. Natürlich bekommt man Ideen durch das, was man liest und sieht. Aber ich versuche, das immer in Verbindung zu bringen mit dem, was ich denke. Ich überprüfe die Richtigkeit und die Schlussfolgerungen. Mit Abkupfern kommt man nicht weit.
37. Thema Konsum: Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist bekannt dafür, beim Einkaufen nach Sonderangeboten zu suchen. Was sind Sie für ein Mensch im Supermarkt?
Massgebend ist nicht nur der Preis, sondern auch Qualität und das bewusste Einkaufen.
38. Was ist das Unsinnigste, das sie je gekauft haben?
Das waren immer Autos.
39. Was ist das Nützlichste, was sie je erworben haben? Ihr bester Kauf?
Eigentlich immer Immobilien.
40. Was vermissen Sie an Thüringen, wo sie ihre Kindheit verbracht haben?
Den Thüringer Wald, über den Goethe schon geschrieben hat.
41. Ihr Traumjob als Kind?
Ingenieur, Motorenbauer. Es hat mich fasziniert, dass mir niemand erklären konnte, wie ein Motor funktioniert.
42. Warum sind Sie es nicht geworden?
Mein Grossvater meinte, bei der Bank verdient man mehr Geld – und er hat Recht gehabt.
43. Was waren Sie für ein Kind, ein Tüftler?
Mich hat alles interessiert, was ich nicht verstanden habe. Und das ist auch heute noch so. Ich gebe keine Ruhe, bis es mir jemand erklären kann.
44. Womit beschäftigen sie sich gerade, was versuchen sie zu verstehen?
Den Menschen. Überlegen Sie mal: Das grosse Mysterium der Welt sind wir selbst.
45. Ein Komiker, über den sie lachen können?
Es gibt viele. Der Humor, den die Engländer haben, liegt mir dabei eher.
46. Wann haben Sie zum letzten Mal einen Reifen gewechselt?
Etwa vor einem Jahr, Winterreifen. Wenn ich keine Garage in der Nähe habe, die mir das macht, mache ich es selber.
47. Wofür schämen Sie sich?
Wenn ich etwas tue, das unbeabsichtigt jemand anderem schadet.
48. Wovor haben Sie Angst?
Vor Nichts.
49. Bereuen Sie etwas?
Ja, vieles. Etwa, dass ich nicht studieren konnte. Aber höchstwahrscheinlich wäre mein Leben dann ein anderes geworden. Wir Menschen sind so gebaut, dass wir Sachen bereuen, weil wir glauben, dass es hätte besser sein können. Aber ob es wirklich besser geworden wäre, weiss niemand. Daher muss ich eigentlich doch sagen, ich bereue nichts.
50. Eine banale wie persönliche Frage zum Abschluss: Wie lange brauchen Sie morgens für Ihre Haare?
Ich würde sagen fünf Minuten.
Das Gespräch fand im Rahmen des Kongresses «Sport, Wirtschaft und Ethik - eine Standortbestimmung» der Fifa-Tochter Early Warning System am vergangenen Freitag in Zürich statt. Oswald Grübel war als Finanzexperte zu Gast.