Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/166030

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Schweiz hat 1997 die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ratifiziert. Seitdem hat sie dem Generalsekretariat des Europarates sechs periodische Berichte vorgelegt, den letzten im Dezember 2015. Ein Teil dieses Berichts (Teil II, Ziff. 1, §8) antwortete auf den Wunsch, den der Sachverständigenausschuss, der mit der Prüfung der periodischen Berichte betraut ist, geäussert hatte. Der Ausschuss hatte den Wunsch geäussert, die Situation des Frankoprovenzalischen in der Schweiz besser kennenzulernen, und er hatte die Schweizer Behörden dazu angeregt, "in Zusammenarbeit mit den zuständigen kantonalen Behörden und Vertreterinnen und Vertretern der Sprechenden zu prüfen, ob das Frankoprovenzalische als Regional- oder Minderheitensprache im Sinne von Artikel 1 Absatz a der Charta zu bezeichnen sei". Im Bericht werden die kantonalen Massnahmen aufgelistet, mit denen das Frankoprovenzalischen erhalten und gefördert wird. Ein Anstoss zu Überlegungen zur Anerkennung des Frankoprovenzalische als Regional- oder Minderheitensprache ist nicht zu erkennen. Es wird weiterhin nicht als Sprache anerkannt.</p><p>Das Frankoprovenzalische verdient eine formelle Anerkennung. In allererster Linie trägt dies zu dessen Schutz bei. Kultur, Identität und die Verwurzelung einer Region können nur an die zukünftigen Generationen weitergegeben werden, wenn die Sprache geschützt wird. Und schliesslich wird mit einer formellen Anerkennung auch die Arbeit zur Erhaltung und Förderung, die Patois-Sprecherinnen und -Sprecher seit Jahren leisten, anerkannt.</p><p>Deshalb bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beantwortet der Bundesrat die Frage des Sachverständigenausschusses, "ob das Frankoprovenzalische als Regional- oder Minderheitensprache in Sinne von Artikel 1 Absatz a der Charta zu bezeichnen sei"?</p><p>2. Wieso anerkennt der Bundesrat das Frankoprovenzalische nicht formell als eine Regional- oder Minderheitensprache?</p><p>3. Welche Alternativen zu einer formellen Anerkennung des Frankoprovenzalischen sieht der Bundesrat?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Mit der Ratifizierung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen (Charta; SR 0.441.2) im Jahr 1997 hat der Bundesrat die Förderung der Regional- oder Minderheitensprachen als eine der strategischen Ausrichtungen in seiner Sprachenförderungspolitik festgelegt.</p><p>Der Bundesrat beantwortet die in der Interpellation formulierten Fragen wie folgt:</p><p>1. Die Charta definiert als "Regional- oder Minderheitensprachen" diejenigen Sprachen, a. die herkömmlicherweise in einem bestimmten Gebiet eines Staates von Angehörigen dieses Staates gebraucht werden, die eine Gruppe bilden, deren Zahl kleiner ist als die der übrigen Bevölkerung des Staates, und b. die sich von der (den) Amtssprache(n) dieses Staates unterscheiden.</p><p>Das Frankoprovenzalische entspricht dieser Definition einer Regional- oder Minderheitensprache. Es wird von einer kleinen Zahl Personen herkömmlicherweise in einigen Gebieten der Kantone Freiburg und Wallis gesprochen.</p><p>2. Eine förmliche Anerkennungserklärung muss vom Bundesrat in Übereinkunft mit jenen Kantonen abgewogen werden, in denen das Frankoprovenzalische noch gesprochen wird, insbesondere also mit den Kantonen Freiburg und Wallis. Eine Anerkennung muss von allen involvierten Akteuren gutgeheissen werden. Der Bundesrat wartet die Berichte des Expertenkomitees und des Ministerkomitees des Europarates zum sechsten Bericht der Schweiz und die allenfalls darin abgegebenen Empfehlungen ab. Gegebenenfalls nimmt er Kontakt mit den betreffenden Kantonen auf, um die Frage zu erörtern und um ein mögliches weiteres Vorgehen zu besprechen.</p><p>3. Unabhängig von der Frage einer förmlichen Anerkennung liefert der sechste Bericht der Schweiz über die Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen eine detaillierte Bestandesaufnahme der derzeit umgesetzten Fördermassnahmen für das Frankoprovenzalische. In der Tat ist es erforderlich, dem Frankoprovenzalischen im Rahmen der Bewahrung und der Vermittlung des Kulturerbes eine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, was in den Kantonen Freiburg und Wallis der Fall ist. Denn als Teil des Kulturerbes betrifft das Frankoprovenzalische nicht nur die Sprechenden, sondern auch die Regionen, in denen es gesprochen wird. In diesem Sinne ist es wichtig, die Unterstützung der öffentlichen Hand (betreffende Kantone und Bund) auf seine Erhaltung, seine Erforschung und seine Vermittlung auszurichten.</p>  Antwort des Bundesrates.