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Die Dendrochronologie, entdeckt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ist eine Wissenschaft, welche die Analyse der Jahrringe von Bäumen möglich macht. Für den Förster, den Obstbauern und viele Biologen ist es zentral, das Alter gewisser grosser Bäume zu kennen. In der Kategorie der sehr alten Bäume (über 400 Jahre) hält die Lärche (Larix decidula Mill.) den Rekord. Die ältesten bekannten Exemplare sind über tausendjährig, wovon es in Westeuropa noch einige wenige gibt.
Der graue Lärchenwickler (Zeiraphera diniana Guénée) ist die Raupe eines Nachtfalters. In einem Zyklus von Massenvermehrung kann dieser Vielfrass 90 Prozent der Nadeln einer Lärche abfressen. In einem solchen Jahr entwickeln die Bäume nur einen sehr kleinen oder gar keinen Jahrring. Dendrochronologische Analysen ermöglichen die Bestimmung von Vermehrungshöhepunkten dieses Falters.
Von jeher haben die Menschen in Europa das Harz von Nadelbäumen gesammelt. Das Sammeln fand jeweils während des Bergsommers von Mai bis September statt. Im Mai und Juni wurden neue Rinnen geritzt oder alte aufgefrischt. Die Spuren, welche die wandernden oder lokalen Sammler so hinterlassen haben, sind in Form von Narben bis heute sichtbar. Mit ihnen lässt sich der Jahreskalender einer heute vergessenen Tätigkeit rekonstruieren.
Zwar ist die Dendrochronologie in erster Linie eine Methode, um Holz zu datieren, sie kann aber auch andere Themen aufgreifen wie den Fortbestand und das Wachstum von Pflanzen, das Zusammenspiel von Parasit und seinem Wirt oder die manchmal ambivalenten Beziehungen zwischen Mensch und Baum.
Bild: Patrick Gassmann