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Der US-Präsident will bei seiner Steuerreform eine neue Methode zur Inflationsberechnung einführen. Die subtile Änderung hat weitreichende Konsequenzen.
Was viele nicht wissen: Im Rahmen der Reform des US-amerikanischen Steuersystems soll auch der Konsumentenpreisindex neu definiert werden. In den meisten Ländern der Welt setzt sich dieser identisch zusammen, die US-Regierung hingegen verwendet gleich zwei Definitionen: So stützt das amerikanische Schatzamt (US Treasury) sich auf den «CPI» (Consumer Price Index). Die amerikanische Notenbank (Fed) hingegen verwendet den Preisindex für den privaten Konsum – auch als «Personal Consumption Expenditure» oder «PCE» bekannt.
Diese Zweigleisigkeit sorgt nicht nur bei der Kommunikation der Wirtschaftspolitik für Verwirrung, sie hat auch handfeste wirtschaftliche Folgen. So liegt der «CPI» in der Regel über dem «PCE» – seit 1993 beträgt die Abweichung im Schnitt 0,5 Prozentpunkte. Durch die Verwendung des «PCE» lassen sich also ganz einfach Einsparungen bei sämtlichen preisindexgebundenen Ausgaben und Einnahmen realisieren.
Sozialversicherungen wären betroffen
Leider ist nicht geplant, im Rahmen der anstehenden Reformen neu den «PCE» zu verwenden. Stattdessen soll mit dem sogenannten «Chained CPI» (kettengewichteter CPI) ein neuer Preisindex definiert werden. Ersten Schätzungen zufolge soll ein solcher «Chained CPI» gegenüber dem «klassischen CPI» im Schnitt eine Differenz von 0,3 Prozentpunkten ausweisen - er liegt somit etwa zwischen dem «CPI» und «PCE». Von dieser Neudefinition betroffen wären auf der Ausgabenseite vor allem die Leistungen der Sozialversicherungen und die Renten. Stellt man nämlich seine Berechnungen auf eine langsamer reagierende Basis ab, wachsen auch die zu tätigenden Zahlungen weniger rasch.
Davon profitiert natürlich der Staatshaushalt. Auf der anderen Seite hingegen leiden in erster Linie die Empfänger der Leistungen. Mit der Einführung eines neuen Preisindexes würden also die Ausgaben für Sozialversicherungen und Renten auf Umwegen reformiert. Hierzu muss man wissen, dass die Ausgaben für die Sozialversicherung bereits 25 Prozent des Staatshaushalts ausmachen. Zählt man die ebenfalls preisindexgebundenen Gesundheitsprogramme «Medicare» und «Medicaid» hinzu, sind es gar 50 Prozent.
Reiche sparen Steuern
Auch auf der Einnahmenseite wirkt sich die Anpassung der Messung zur Preisentwicklung aus. So sind auch verschiedene Steuerabzüge an den «CPI» gekoppelt. Mit einem tieferen Inflationsindex schrumpfen diese und lassen so das steuerbare Einkommen ansteigen. Da die Steuertarife ebenfalls an die Inflationsentwicklung angepasst werden führt dies dazu, dass Einkommen aufgrund einer geringeren Inflationsrate zu einem höheren Satz besteuert werden. Schätzungen des Haushaltsbüros des US-Kongresses zufolge dürfte sich so das Haushaltsdefizit in den nächsten zehn Jahren um 180 Milliarden US-Dollar verringern lassen, wovon die tieferen Sozialausgaben etwa 120 Milliarden US-Dollar beisteuern würden (2016 betrug hier das Defizit 580 Milliarden US-Dollar).
Die ideale Lösung wäre voraussichtlich, man würde sich auf eine einzige Definition der Inflationsrate einigen. Weshalb verschiedene Bereiche der öffentlichen Hand mit unterschiedlichen Definitionen arbeiten sollen, bleibt daher ein Rätsel. Eine Reform bei der Indexierung der Ausgaben- und Einnahmenseite ist sicher notwendig, will man die Staatsverschuldung der USA in den Griff bekommen. Die bittere Wahrheit ist aber, dass eine Koppelung dieser Reformen mit Steuersenkungen für die höchsten Einkommensklassen in erster Linie dazu führt, dass vor allem ältere Personen oder solche mit geringen Einkommen noch ärmer würden. Der «kettengewichtete CPI» würde so zur Armutsfalle vieler.
Marie Owens Thomsen ist Global Head of Investment Intelligence bei CA Indosuez Wealth Management.