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Das Doppelgängermotiv als Schicksalsreflexion: Inmitten einer Revolte kreuzen sich in Krakau die Leben zweier Frauen, die Zwillinge sein könnten. Die eine wurde in Polen geboren, die andere in Frankreich. Nichts voneinander wissend, sind sie sich dennoch so nah, als wären sie eins … Kieslowski thematisiert in poetisch-magischen Spiegelungen die unterbewusste Ahnung über die Existenz eines anderen Ichs und darüber, dass das Leben in jedem Moment ganz anders hätte verlaufen können.
Kieslowski experimentiert – wie in seiner darauffolgend entstandenen Drei-Farben-Trilogie – mit Farbfiltern: Der Film ist bewusst mit Gelbstich aufgenommen, damit kalte blaue Töne fehlen. «Ein Gewoge aus Linien und pastellgelben, goldenen Hautflächen verhindert die vorschnelle Fixierung der Figur, als entstehe eine noch nicht feste Gestalt vor unseren Augen erst allmählich aus der Unschärfe, aus dem Halbdunkel und gelben Leuchten des Inkarnats, der Fleischfarbe, als werde Véronique im Bild erstmal geboren.» (Thomas Koebner, Doppelleben? «La double vie de Véronique»)
Kieslowskis Film entstand in Zeiten politischer Umbrüche und lässt auch heute vielfältige, jedoch keine einfachen Interpretationen zu. Irène Jacob wurde für ihre Darstellung der zwei Veronikas in Cannes 1991 als beste Schauspielerin ausgezeichnet, auf dem Internationalen Filmfestival in Warschau 1991 gewann der Film den Publikumspreis.