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Noch hatte sie mit Olympia eine Rechnung offen. “Es gibt noch eine leere Seite, die es zu füllen gibt”, sagte Steingruber im Vorfeld der Spiele von Rio, nachdem sie 2012 den Einzug in den Sprung-Final wegen eines Sturzes knapp verpasst hatte. Nun bieten sich der 22-jährigen Ostschweizerin in Rio de Janeiro zwei Chancen, den Traum vom Gewinn einer Olympia-Medaille wahr werden zu lassen. Als Dritte am Sprung und als Vierte am Boden qualifizierte sie sich für den Final der besten acht.
Die ersten beiden Plätze wohl schon vergeben
Die Ausgangslage an beiden Gerätefinals präsentiert sich ähnlich. Gold und Silber – so scheint es – sind so gut wie vergeben. Simone Biles turnte in der Qualifikation sowohl am Sprung als auch am Boden in einer eigenen Liga. Erste Kandidatinnen auf der Silbermedaillen sind am Sprung die Nordkoreanerin Hong Un-jong, die Olympiasiegerin von 2008, sowie die Amerikanerin Alexandra Raisman am Boden, die Olympiasiegerin von 2012. Dahinter ist das Feld offen.
Steingruber mit Luft nach oben
Auch wenn Steingruber am Sprung als Dritte der Qualifikation in den Final steigt, sind ihre Chancen am Boden auf den Gewinn einer Medaille grösser. Sowohl beim Schwierigkeitsgrad als auch in der Ausführung hat sie noch Luft nach oben. “Die Boden-Übung war nicht meine beste, man darf noch ein wenig mehr von mir erwarten”, sagte Steingruber, die hinter Vanessa Ferrari Rang 4 belegte. Gelingt ihr eine ähnliche Performance wie beim Gewinn des EM-Titels vor zwei Monaten in Bern, dann ist sie die erste Anwärterin auf den Gewinn der Bronzemedaille.
Verzwickte Ausgangslage am Sprung
Steingruber zeigte in der Qualifikation einen perfekten Tschussowitina und einen sehr guten Jurtschenko mit Doppelschraube, was zu Rang 3 reichte. Von den acht Finalistinnen weist sie aber den tiefsten Schwierigkeitsgrad auf. Bringt Maria Paseka, die russische Weltmeisterin von 2015, im Final ihr Programm im Gegensatz zur Qualifikation einigermassen sauber durch, ist auch sie für Steingruber ausser Reichweite.
Neuer Sprung in der Hinterhand
Zwar hat Steingruber ihren neuen Sprung, den sie in Rio bis zur Qualifikation noch nicht trainiert hat, in der Hinterhand, diesen müsste sie allerdings ähnlich perfekt springen wie den Tschussowitina, um eine höhere Wertung zu erzielen. Klar ist: Auch wenn sie die Premiere des neuen Sprungs wagen würde, liegt das Medaillen-Schicksal Steingrubers nicht in ihren Händen. Das Risiko einzugehen, macht deshalb wenig Sinn, zumal zwei Tage später der Boden-Final stattfindet. Diesen verpasste Steingruber 2015 an den Weltmeisterschaften in Glasgow – weil sie sich im Sprung-Final verletzt hatte.
Während an ihren Paradegeräten alles nach Plan lief, qualifizierte sich Steingruber im Mehrkampf nur als 14. für den Final von heute Abend (ab 21.00 Uhr), was der Rangierung von London 2012 entspricht. Schafft es Steingruber, ohne Sturz durch ihr Programm zu kommen, dann ist aber eine markante Steigerung möglich. Im Optimalfall liegt die Wiederholung des 5. Platzes von Glasgow drin.
Regenerationspause für den Körper
Im Gegensatz zum jeweils dicht gedrängten Programm an Welt- und Europameisterschaften erstrecken sich die Einsätze Steingrubers in Rio de Janeiro über zehn Tage. Für die Regeneration des Körpers ist dies zwar ein Vorteil, mental sind die langen Pausen zwischen den einzelnen Einsätzen aber eine Herausforderung. Für den Kopf sei es schwierig, die Anspannung so lange aufrecht zu erhalten, sagte Steingruber. “Hoch fahren, runter fahren, hoch fahren, runter fahren”, nannte Trainer Zoltan Jordanov das Programm der kommenden Tage.
Um sich zu entspannen, gönnte sich Steingruber nach der Qualifikation einen freien Tag, den sie mit ihren Eltern und Freunden genoss. Unter anderem stand auch ein Besuch des “House of Switzerland” im Programm. Zu hoffen ist, das Steingruber noch einmal in die Schweizer Herberge an der Lagoa Rodrigo da Freitas zurückkehren wird – zur eigenen Medaillenfeier.
(SDA)