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Richard Stanleys Umsetzung von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte ist witzig, brutal und nicht zuletzt ein geniales Vehikel für den wie immer urkomischen Nicolas Cage.
Nathan (Nicolas Cage) ist mit seiner Familie aufs Land gezogen – endlich. Doch nachdem dort ein seltsamer Meteorit eingeschlagen hat, nimmt ihr Leben eine unerwartete und unangenehme Wendung. Die Alpakas, die Nathan auf seiner Farm aufzieht, werden krank. Und das Wi-Fi wird immer unzuverlässiger – obwohl Nathans Frau Theresa (Joely Richardson) dieses für ihre Arbeit braucht…
H. P. Lovecraft (1890–1937) ist ein Autor, der zwar zu Lebzeiten keinen grossen Erfolg hatte, aber postum um so grössere Wirkung entfaltet – der afroamerikanische Regisseur Jordan Peele («Get Out», «Us») ist Exekutivproduzent einer kommenden TV-Serie, die «Lovecraft Country» heisst, und der Einfluss von Lovecraft ist z.B. auch im Batman/DC-Universum zu finden. Er gilt heute als Erfinder der modernen Horror-Story.
Mit «Color Out of Space» legt der in Südafrika geborene Regisseur Richard Stanley eine spannende, witzige und erschreckende Umsetzung der fast gleichnamigen lovecraftschen Kurzgeschichte («The colour out of space») vor. Er hat sich dabei entschieden, den Stoff in unsere Zeit zu verlegen. Die altmodischen Namen aus der Kurzgeschichte (Nahum, Merwin, Thaddeus, Zenas, Ammi, Nabby/Abigal) hat er durch etwas modernere Namen ersetzt, so heisst Nicolas Cage hier Nathan, nicht Nahum, die Kinder Lavinia, Benny, Jack und nicht Merwin, Thaddeus, Zenas; Nathans Frau heisst Theresa, nicht Nabby (Abigail). Noch wichtiger aber: Nathans Frau ist finanziell von ihm unabhängig und arbeitet auch; Lavinia ist ein Mädchen und zudem auf spiritueller Sinnsuche (Wicca). So oder so sind die Figuren bei Stanley urban geprägt, während bei Lovecraft Nahum ein ungebildeter Bauer ist.
Der Erzähler ist bei Richard Stanley (Ko-Autorin: Scarlett Amaris) zudem Afroamerikaner – eine Wahl, die der bekennende Rassist Lovecraft sicher nicht gutgeheissen hätte. Thema von «Color Out of Space» ist aber natürlich nicht unsere moderne Welt an sich; vielmehr ist es hier der Einbruch des Fremden, des wirklich Unmenschlichen. Diese Erschütterung lässt sich natürlich besser zeigen, wenn wir uns mit den Figuren identifizieren – hätte Stanley den Stoff als period piece, als in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts angesiedeltes Kostümdrama inszeniert, dann wäre ein guter Teil dieses Effekts verlorengegangen: es wäre ja dann der Einbruch des Fremden in eine uns ebenso fremde Welt, näher bei «The Witch» (Regie: Robert Eggers) als bei Stanleys Film. Stanley setzt dabei auch nicht zuletzt auf humorige Elemente: eine Paraderolle für Nicolas Cage. Trotzdem ist der Film aber natürlich nichts für schwache Nerven…
«Color Out of Space». Malaysia/Portugal/USA 2019. Regie: Richard Stanley. Mit Nicolas Cage, Madeleine Arthur, Joely Richardson, Eliot Knight, Julian Hilliard, Tommy Chong, Brendan Mayer, Q’orianka Kilcher u.a. DVD und Blu-ray-Disc erschienen bei Koch.
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