Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03252.jsonl.gz/2427

1983, rund 20 Jahre nach ihrer Gründung und ein Jahr nach der offiziellen Auflösung der Rock-Tyrannosauren The Who, fabrizierte deren vormaliger Kopf und Gitarrist, Peter Dennis Blandford Townshend, einen „Scoop“. Zu gut deutsch: Schöpfkelle, Schub, grosser Gewinn/Fang/Treffer, Primeur. Er hatte also einen Schub, griff zur Schöpfkelle, schöpfte damit aus dem Übervollen, landete damit einen Primeur (wovon im Berufsjargon jeder Journalist träumt, nämlich der ersten und exklusiven Veröffentlichung einer brisanten Story), und platzierte damit einen Volltreffer, der einen grossen Fang und Gewinn für seine Fangemeinde bedeutete.
Pete Townshend hatte also erstmals mit der Veröffentlichung von bisher unveröffentlichtem Material aus alten Tagen begonnen, sagenumwobenen Demo-Tapes von späteren Who-Hits und solchen, die den Weg nie in die Rille einer LP gefunden hatten und eingekellert worden waren. „Scoop“ war also ein Primeur und ein Volltreffer sondergleichen – es galt als das Beste, was der Mann mit dem längst historischen Spagatsprung auf der Bühne auf den Markt gebracht hatte. Aber dann folgte vier Jahre später „Another Scoop“ (1987).
Und dieser andere Primeur, 2002 wieder neu aufgelegt, vermag den Vorgänger noch zu überbieten. Noch mehr Who-Klassiker, Titel wie „You Better You Bet“, „Pinball Wizard“, „Happy Jack“, „Substitute“, „Long Live Rock“,„Pictures Of Lily“ oder „The Kids Are Alright” – Tommy & Gang lassen aus alten Tagen grüssen – kommen in überraschend erfrischender, ungeschliffener Rohfassung daher. Schnörkellos, entschlackt, vermögen sie die zuvor veröffentlichten vermeintlichen Originale in ihrer Einfachheit oftmals bei weitem zu übertreffen. Und sie zeigen Townshends Perfektionismus, mit dem er seine „Primeure“ aufgenommen hat, irgendwo, manchmal an seinen jeweiligen Wohnsitzen, manchmal in Studios, manchmal in Hotelzimmern zwischen England und irgendwelchen vereinigten amerikanischen Staaten. Es ist bekannt, dass Petes Demos häufig auch schon so ausgereift daherkamen, dass die Band sie eins zu eins übernommen hat.
Und seit seinem Erscheinen gilt „Another Scoop“ als seine bisher beste je veröffentlichte Hinterlassenschaft – gewiss nicht zu Unrecht, you better you bet.