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H.P. Muster (2 Minuten Online): Herr Röllin, Ihre neueste Skulptur heisst “Schlaraffenland”. Wie das?
Nick Röllin: Dieses Werk bezieht sich auf das Gemälde von Pieter Bruegel aus dem 16. Jahrhundert. Eines der frühen Werke, die das Verhältnis von Wohlstand und Arbeit – oder eben Müssiggang – thematisieren. Das Schlaraffenland ist sowohl positive Vision von Wohlstand, ein kollektives Traumland, wie auch abschreckendes Abbild einer dekadenten Gesellschaft. Im 15. Und 16. Jahrhundert entwickelten sich erste Formen von Kapitalismus und Finanzhandel. Es ist wohl kein Zufall, dass damals wie heute Phänomene wie Masslosigkeit (Abzockerei) und Trägheit (Sozialschmarotzertum) aktuell sind.
HPM: Wer lebt nun in diesem Schlaraffenland?
NR: Das kommt natürlich auf die Perspektive an. Ist es der Arbeitsscheue, der Leistungsverweigerer, der Faulenzer, der vom allgemeinen Wohlstand profitiert? Oder ist es der Kapitalist, der sein Geld, also Andere, arbeiten lässt und dem gehobenen Savoir Vivre frönt?
HPM: Was sollen die vielen Bananen im Bild?
NR: In der Literatur war das Schlaraffenland ja da, wo Milch und Honig fliessen. Aus heutiger Sicht eine geradezu bescheidene Vorstellung. Heute könnte man wohl Gratishandies und Billigstflüge als Attribute eines Schlaraffenlandes nennen. Die sind aber sehr unschön oder schwierig zu modellieren. Deshalb der Rückgriff auf die gute alte Banane, während Jahrzehnten Symbol für westlichen, kolonialen Wohlstand. Und einfach schön.
HPM: Aber auch sehr phallisch, oder?
NR: Es ist wohl so, dass das Schlaraffenland vorwiegend eine Männerwelt ist.