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Mischfrankaturen Basler Taube
Am 12. September 1848 nahm das Schweizer Volk — pardon die Schweizer Männer, mit 169 743 Stimmen gegen 71 899 die neue Bundesverfassung an. Damit wurde auch das Postwesen zum Bundesregal; die kantonale Postherrlichkeit war zu Ende. Bereits am 30. November 1848 bestimmte die Bundesversammlung für die Uebernahme des Postmaterials der verschiedenen kantonalen Postverwaltungen eine Schätzungskommission. Die Basler Post machte unverzüglich reinen Tisch, und zwar mit einem vom 1. Dezember 1848 datierten Inventar, wobei u. a. auch 12320 Stück « Franco-Zettelchen » philatelistisch ausgedrückt Basler Täubchen an die eidgenössische Post übergingen.
Mit andern Worten: 30 Prozent der in Frankfurt am Main bei Krebs gedruckten Basler Täubchen waren am 1. Dezember 1848 «unverkauft»; sie behielten jedoch bis zum 30. September 1854 ihre Frankaturgültigkeit. Dies zur Freude der Philatelisten; denn sonst gäbe es keine Mischfrankaturen der Basler Tauben. Das Zumstein-Handbuch stellte einmal fest, daß die Verwendung der Basler Tauben ab Ende 1847 abnimmt. Die ersten eidgenössischen Briefmarken waren in Basel aber erst ab Mai 1850 erhältlich. Wie unglücklich mußten doch die 27 313 Basler vor 110 Jahren gewesen sein! Nun, sie, die Bobbies, überstanden diese « markenarme » Zeit prächtig, wie auch jeder Nichtbasler die alljährlich an der Fastnacht nach Basler Duden Fasnacht am Montag nach Invocativ-Sonntag feststellen kann.
Tatsache ist, daß heute nicht allzu viele Baslertauben mehr vorhanden sind, die ein Stempeldatum nach dem 1. Dezember 1848 tragen. Wie leicht ist das geschrieben, wie schwer aber bewiesen! Sicherlich ist es noch keinem Philatelisten eingefallen, nach dem Beweis zu forschen; denn wenn er eine Basler Taube für sein Album erworben hat, ist er für längere Zeit abgekämpft. Er freut sich über seine Basler Taube und denkt gar nicht eifersüchtig an den aus 14 Exemplaren bestehenden Taubenschlag des Briefmarkenkrösus Ferrari. Auch die sechs Tauben auf einem einzigen Brief aus der [[grosse Sammlungen | Georg-Koch-Sammlung aus Gießen]] lassen ihn «vorläufig» noch in Ruhe und das Gurren der Tauben aus dem weltberühmten * 15er-Block aus der Lichtenstein Sammlung]] stört ihn nicht im geringsten.
Nach tieferem Studium der Basler Tauben jedoch will man wissen wie viele Briefe und Brieffragmente der Basler Taube erhalten geblieben sind.
Im Buch A Propos Altschweiz hat der Author in über 30 Jahren rund 314 Briefe und Brieffragmnete der Basler Taube zusammengetragen. Auf Philaworld sind über 300 Baslertaube Frankaturen abgebildet. Selbstverständlich hoffe ich, dass mit der Zeit, diese Ansammlung der Abbildungen anwachsen wird.
Nun soll eine Auflistung nach Datum gamcht werden, denn der Author von A Propos Altschweiz weist darauf hin, dass nur wenige Briefe einen Stempel nach Mai 1850 tragen. Nur 5 davon seien Mischfrankaturen mit eidgenössichen Marken, drei davon auf Briefstück, es sind die hier gezeigten Stücke 1 bis 3. heute kennen wir noch mehr solcher Frankaturen, dies sind die Abbildungen 4-6. Was uns der Author der A Propos Schweiz aber vorenthalten hat, sind die weiteren Abbildungen der beiden Fragmente der Baslertaube mit den eidgenössischen Marken, die er in seinem Buch erwähnt. Wir haben dafür noch zwei Frankaturen mit ausländischen Marken gefunden.
Inhaltsverzeichnis
Exemplar Nr. 1
Ein Prachtsbrief, der erstmals — leider ohne Text — in einem Inserat der Firma Ernst Müller AG, Basel, in ;der « Schweizer Briefmarken-Zeitung » Nr. 9/1935 abgebildet war. Von wem die Firma Müller diese Mischfrankatur kaufte, ist unbekannt. Man vermutet jedoch, daß sie aus der Sammlung des CIBA-Präsidenten in den USA, Alfred F. Lichtenstein , stammt. Der Author aus der "A Propos Altschweiz" schreibt: Wenn mir mein Gedächtnis keinen Streich spielt, hatte der große Könner und Gönner Alfred F. Lichtenstein diesen Brief in seiner Vitrine an der unvergeglichen NABA ZÜRICH') ausgestellt, „Katalogfähig» wird diese Mischfrankatur jedoch erst viel später. In der XI. Auflage des Zumstein-Spezialkataloges vom November 1944 wird sie noch totgeschwiegen; vier Jahre später, in der XII. Auflage vom August 1948 wird der Brief jedoch mit «Basler Taube zusammen mit Porte Locale (5 Rp. Frankatur)» aufgeführt und bereits in der XIII. Auflage wird der Druckfehler «Porte» korrigiert in «Poste». Es ist der öffentlichkeit nicht bekannt, zu welchen Preis die Firma Müller diese Rarität anno 1935 an den Mann brachte. Hingegen weiß man, daß die Mischfrankatur im Jahre 1948 im Objekt 60 des bekannten Philatelisten Herrn Iwan Ballt, Schönenwerd, an der IMABA in Basel ausgestellt war.
Samstagnachmittag, den 3. Juni 1950, führte Frau Ch. Hassel im « Braunen Mutz » in Basel ihre erste Auktion durch. Im gedruckten Auktionskatalog gab es viele «Sächelchen» ' die das Herz jedes Schweiz-Sammlers höher schlagen ließen. Die ganz großen « Sachen » waren jedoch recht stiefmütterlich in einem neunseitigen, vervielfältigten Nachtrag aufgeführt, wobei wir unter Los Nr. 977a lesen: « Brief ... Basler Taube und Poste Locale m. Einf. (5 Rappenfrankatur!), Nr. 8 und 14 I, sches. „Francostempel" im Kasten, Nebenstempel „Basel 27. Oct. 1850", außerordentlich seltene Mischfrankatur, wahrscheinlich Unikum ... ». Als Ausrufpreis wurden 9000 Franken verlangt und zugeschlagen wurde diese Spitzenrarität für 12 800 Franken plus 10 Prozent Aufgeld — also für die kokette Summe von 14080 Franken. Ein Auktionsrekord; brachte es doch ein (D Paar Waadt 4 «nur» auf 9000 Franken plus 10 Prozent Aufgeld (Los Nr. 978a)! Herr Werner Cueni, Basel, dem wir diese Angaben verdanken, führte noch an, daß die Mischfrankatur « im Saal» ersteigert wurde. Der neue Besitzer ist unbekannt, aber wir dürfen uns an der einwandfreien Abbildung freuen. Es werden wahrscheinlich noch einige Jahre vergehen, bis diese Seltenheit wieder einmal unter den Auktionshammer kommt.
Hier möchte ich nur noch beifügen, daß der Brief unter der Nr. 133 und 221 im 195? erschienenen « Nachtrag zum Katalog der Zentrale für Projektionsbilder» aufgeführt ist. Alle weiteren philatelistischen Einzelheiten dieser Mischfrankatur kann jeder «SBZ» Leser selber aus der Abbildung «herauslesen» — mit Ausnahme der Typen-Nummer der Poste-Locale-Marke! Durfte Frau Hassei anno 1950 diese Mischfrankatur als «wahrscheinliches Unikum» bezeichnen? ja — denn es ist tatsächlich der einzige Brief, auf dem eine Basler Taube neben einer Poste-Locale-Marke klebt. Es ist nicht die einzige Mischfrankatur — gewiß nicht —, aber der Brief ist in dieser Markenzusammensetzung gleichwohl ein Unikum; genau gleich, wie die zwei folgenden Mischfrankaturen. Wenn es jemanden aus verkaufstechnischen Gründen Freude macht, jede einzelne Mischfrankatur der Basler Taube als Unikum zu bezeichnen — bitte, jedem sein Pläsierchen!
Nachtrag 1, März 1960 Hierüber äußerte sich Philu elicus in der SBZ 2/1960 wie folgt: «Die abgebildete Basler Taube mit einer POSTE LOGALE mit Kreuzeinfassung ist von anerkannten Kennern schon bezweifelt worden. Mindestens müssen wir ein großes Fragezeichen dahinter anbringen; verkauft wurde der Brief ohne Attest. Der Ersteigerer kaufte den Brief nicht für seine Sammlung, sondern für fremde Rechnung».
Nachtrag 2, Dezember 1960 Durch einen wirklich großen Zufall erhalte ich Kenntnis von einem am 1. August 1950 ausgestellten Gutachten über diesen Brief Basler Täubchen mit Poste Locale. Vorerst möchte ich anführen, daß es sich um die Type 20 mit Kreuzeinfassung handelt. Der Basler Zweikreisstempel ist rot; in der gleichen Farbe ist auch die Taxzahl «4», die scheinbar auf der Rückseite des Briefes in Spiegelschrift erkennbar ist. Der Brieftext stellt eine Rechnung dar. Auf der Rückseite soll der rote Zweikreisstempel ZURICH 28 OCTO 1850 VORMITTAG und der schwarze Zweikreisstempel THALWEIL 28 OCTO angebracht sein.
Exemplar Nr. 2
Dieser Brief ist den Sammlern, die die Schätze heben, und den Forschern, die ihnen Leben geben, schon seit über vierzig Jahren bekannt, trotzdem hat sich Zumstein erst im August 1956 entschlossen, das Stück in der XIV. Auflage seines Spezialkataloges mit « 1 Paar (Basler Tauben) mit Rayon II auf Briefstück» aufzunehmen. Der Katalog der VSPV-Zentrale für Briefmarken-Projektionsbilder 7) vom 1. Oktober 1920 spricht jedoch unter der Nr. 16 auif Seite 11:«Basel, 21/2 Rp., Doppelstück, wagrecht geschnitten, mit Rayon II, gelb, mit schwarzen eidg. Rauten, auf ganzem Brief von Basel 6. Nov. 51 Nachm. nach Renan. Eidg. 15 Rp.-Porto im Rayon III». Die Seltenheit wird auch als Nr. 320, bzw. 220 im Katalog 1938, bzw. im Nachtrag der Projektionszentrale aufgeführt, wobei stets von «Brief» gesprochen wird, während Zumstein die «Rarität» zum Briefstück «degradiert». Briefstück oder Brief — sicherlich keine weltbewegende Frage. Ich hoffe jedoch, daß der heutige Besitzer mir gleichwohl über diese Frage Auskunft gibt, trotzdem das Stück bis heute noch an keiner öffentlichen Auktion und m. W. auch noch nie in einer philatelistischen Zeitschrift abgebildet wurde. Es ist die geheimnisvollste Mischfrankatur, welche sich heute in der Sammlung Seebueb befindet; auch die Literaturquellen versiegen hier. An der Echtheit darf jedoch gar nicht gezweifelt werden. Der Brief oder die Briefvorderseite trägt die Adresse: Monsieur Gagnebin ä Renan. Das Taubenpaar ist mit zwei übergehenden schwarzen Rauten entwertet; auch die Raute auf der Rayon-II-Marke geht unten und oben auf den Brief über. Wenn meine Augen mich nicht im Stiche lassen, so handelt es sich bei der Rayon-Marke um die 40. Type. Der schwarze? Datumstempel BASEL 6 NOV. 51 NACHMITTAG ist Nr. 6035
Der Brief wurde im Jahre 1991 an der Corinphila Auktion für 412'000.- sFr an einen schweizr Sammler verkauft und konnte später an der Ausstellung der Sammlung "Seebueb" bestaunt werden.
Exemplar Nr. 3
| m. W. in der Literatur noch nie vollständig abgebildet worden. Die «Berner Briefmarken-Zeitung » Nr. 3/19458) und das Inserat der Firma Zumstein im Katalog der Nationalen Ausstellung Lausanne 1955 9) geben das gleiche Klischee wieder — es fehlt darauf der obere Teil mit dem Luzerner Stempel. Warum die Kataloge der Projektions-Zentrale diese Rarität nicht aufführen, ist mir ein Rätsel.

Die erste Notiz darüber finden wir in den von Ernst Zumstein herausgegebenen «Schweizerischen Philatelistischen Nachrichten» 10) auf Seite 114 des 2. Jahrganges von 1910: «Neue Schweizer Rarität. Die Firma Ernst Zumstein, Markenhaus, Bern, gelangte soeben in den Besitz eines Briefstückes mit sehr interessanter Frankatur, nämlich 1 Paar Basler Täubchen zusammen mit hellblauem Rayon, mit übergehendem Rautenstempel entwertet. Zum erstenmal findet sich da eine kombinierte Frankatur von Kantonalmarken und Bundesmarken, eine Rarität, die von Kennern entsprechend gewürdigt wird ». Und Herr A. Hertsch führt in seiner Stud-I»,., « Das Basler Täubchen hundert Jahre alt» in der « Berner Briefmarken-Zeitung» Nr. 3/1945 fort: «Diese Rarität war dann jahrzehntelang im Besitz eines Zürcher Sammlers, nach dessen Tod sie nun einen Platz in der derzeit größten Schweiz-Spezialsammlung gefunden hat ». Nun kann das Rätselraten um den «Zürcher Sammler» und um den anno 1945 «größten Schweiz-Spezialsammler» beginnen. Ich muß hier noch einige Zeit «Stillschweigen» üben —nicht aus Angst vor philatelistischen Indiskretionen, sondern ganz einfach, weil mir noch ein Steinehen zum Bau dieses Taubenschlages fehlt. Trösten Sie sich unterdessen mit der hier erstmals vollständigen Abbildung dieser Seltenheit; einzig der untere Rand des Briefstückes mit der Adresse « Herren M.?» mußte ein wenig gestutzt werden.
Exemplar Nr. 4 und 5
Diese drei hier gezeigten Probedrucke sind in der Philateli Literthur bis 1960 bisher nicht bekannt resp. nicht erwähnt. man kann also davon ausgehen dass diese Briefe oder Briefteile erst danach aufgetauicht sind, resp der öffentlichkeit bekannnt gemacht wurden.
| Basler Taube mit dunkelblauer Rayon I

Der dunkelblaue Rayon mit Baslertaueb als Mischfrakatur befindet sich im Postmusem in Bern. Informationen dazu sind nicht gross bekannt. Entwertet mit sehr seltenem schwarzem LBpH Stempel sowie Abgangsstempel Basel VOR-MITTAG 28 OCT 1850 und nebenan ein eine Firmenstempel. Es handelt sich um ein Adressstreifband ohne Adresse, welches bverwendet wurde als Drcucksache.
| Basler Taube mit Französicher vollständiger Brief

Diese Mischfrnakatur ist abgebildet im Buch "OBLITERATIONS SUISSES 1843-1854 / von Henri Grand" Die beiden Marken kleben auf einem vollständigen Briefumschlag und sind mit einer Gitterraute von Mulhouse überghend auf beide Marken entwertet.
| Basler Taube mit Französischer auf Brieffragment

Diese Mischfrankatur ist abgebildet in einem Werbetext vom Prüfer von der Weid. Die beiden Marken kleben auf einem Papierfragment und sind je mit einer Gitterraute von Mulhouse überghend auf des Fragment entwertet. Sehr schön auch zu erkennen der rote ovale PD Stempel, welcher andeutete dass das Porto bis zum Empfänger bezahlt wurde. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Empfänger Adresse in Basel lag.
Basler Taube Mischfrankaturen (zwei Baslertauben versch. Epochen)
|Die seltenste Mischfrankatur bei der Balsertaube ist diese mit der Baslertaube selbst. Von der Baslertaube gab es zwei bei den Postschalten zur Verwendung gelangte Ausgaben, der Zumstein Katalog nennt kennt diese mit den ^Nummern 8 und 8a diese beiden Ausgaben zusammen auf einem Brief verwendet sind sehr selten anzutreffen.|
Gefährliche Fälschungen
Es gibt eine gefährliche verfälschte Mischfrankatur. Es handelt sich um ein Streifband, adressiert an Herrn Erziehungsdirektor J. Schaller in Freiburg/Schweiz. Herr Iwan Bally schrieb in der Schweizer Briefmarken Zeitung Nr. 5/1947 darüber:
« Vor einigen Jahren erwarb der Unterzeichnete, der sich als Sammler auch für Mischfrankaturen interessiert, mit Garantie der Lieferfirma den den nachstehend abgebildeten Brief, adressiert an Herrn Erziehungsdirektor J. Schaller in Freiburg, mit einem Balser Täubchen und einer Rayon II - eine 12 1/2-Rp-Frankatur.
Bald darauf wurde durch drei Prüfer gleichlautend festgestellt, daß die beiden Marken, das Basler Täubchen und die Rayon II, echt, der Francostempel falsch und die Mischfrankatur verfälscht ist in dem Sinne, daß an der Stelle des Basler Täubchen ursprünglich eine andere Marke war, wahrscheinlich eine Ortspost oder Poste Locale.
Der Verkäufer erstattete mir den Kaufpreis des Stückes in anderen Marken zurück. Mit einer Kennzeichnung des Stückes als Fälschung war er jedoch nicht einverstanden. Ich fühle mich verpflichtet, die Sammlerwelt hierauf aufmerksam zu machen, für den Fall, daß es je wieder als Mischfrankatur auf dem Markte erscheinen sollte.»
Bereits im Jahre 1940 stellte der leider zu früh verstorbene, äußerst gewissenhafte Verbandsprüfer Werner Cueni eine Kopie des Attestes Nr. 122 der «Briefmarken-Prüfungsstelle Basel» vom 5. Dezember 1940 — unterschrieben von Ernst Müller, J. Uehlinger und W. Cueni — aus, woraus ersichtlich ist, daß es sich um eine Rayon II, ohne KE, Type 28, handelt. Das Attest führt u. a. auf: « Unter der Quarzlampe ist klar ersichtlich, daß an der jetzigen Stelle der Basler Taube ursprünglich eine hochformatige Marke geklebt war ... ».
Referenzen und Links
Referenzen:
- A Propos Altschweiz
- Basler Taube Buch
- Diverse Auktionskataloge