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John Landis ist ein prominenter Gast am diesjährigen Locarno Filmfestival. Einen Namen gemacht hat er sich als Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Bekannt ist er für unzählige Filme, beispielsweise das Roadmusical «The Blues Brothers» (1980). Weniger bekannt, aber nicht minder bedeutend ist, dass Landis hinter dem Videoclip zu Michael Jacksons «Thriller» (1983) steckt; im Nachgang zu Landis' Horrorfilm «An American Werewolf in London» (1981) liess Jackson Landis den Clip als cineastischen Kurzfilm inszenieren.
«Das Kino hat sich sehr verändert»
Im Vorfeld der Verleihung des Ehrenleoparden sagte Landis, das Kino habe sich seit den 1970er Jahren «sehr verändert»: «The Blues Brothers ist, ob Sie es glauben oder nicht, der letzte Film, der in einem Studio im alten Stil produziert wurde», erzählte er vor den Medien.
Bis in die 1980er Jahre habe ein Studio mehrere Abteilungen gehabt: eine für die Garderobe, eine für die Spezialeffekte, eine für den Ton; heute müsse jeder, der einen Film machen wolle, diesen von Grund auf neu erstellen, für jede Aufgabe müssten die zuständigen Personen einzeln einstellt werden. «Das Niveau der Professionalität ist ganz anders als damals», sagt der Regisseur, "es gibt weniger Filme und die grossen Studios stellen keine Autoren mehr ein.
«Das Kino ist nicht einmal 200 Jahre alt, es ist ganz neu im Vergleich zur Schrift, zur Malerei und zur Bildhauerei. Seit seinen Anfängen ist das Kino ein Gemeinschaftserlebnis.» Doch jüngst hätten die neuen Technologien noch einmal alles verändert, viele Menschen sehen sich heute Filme auf ihren Handys oder ihren Computern statt im Kino an: «Die Tatsache, dass die Leute Filme auf ihren iPhones ansehen, bricht mir das Herz.»
Auch computergenerierten Bildern in Filmen, einer weiteren neuen Technik, kann er wenig abgewinnen. Derartige Bilder würden inzwischen «überstrapaziert». Folglich würde nicht mehr das «Gefühl des Wunders» erzeugt, das das Kinoerlebnis so besonders macht.
Und: Landis verweist auf ein Wiederaufleben von Horrorfilmen, die «kein grosses Budget brauchen». Das Kino habe sich auch vor dem Hintergrund eines veränderten gesellschaftspolitischen Kontextes weiterentwickelt.
Hollywood «existiert nicht mehr»
Landis lebt grösstenteils in England und bezieht deshalb den veränderten gesellschaftspolitischen Kontext auch auf den Brexit: «Wer zum Teufel hat das für eine gute Idee gehalten?» Als amerikanischer Staatsbürger nahm er auch zum abgetretenen Präsidenten Trump kein Blatt vor den Mund, dem «Clown» der Stunde.
Es gebe «viel Wahnsinn, es gibt Leute, die den Klimawandel nicht als solchen erkennen, die nicht an Covid-19 glauben». Zwar habe es Menschen, die so dächten, schon immer gegeben, aber «das Problem ist, dass sie heute 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen». All dies «hat einen Einfluss auf Filme, aber auch auf alles andere». Hollywood «existiert nicht mehr».