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Aus dem Geschichtsbuch des SBV
NEUN JAHRZEHNTE THEATERPOLITIK
Der Schweizerische Bühnenverband ist 1920 ins Leben gerufen worden. Besonders kulturpolitische sowie theater-, urheber- und arbeitsrechtliche Fragen prägten von Anbeginn bis heute die Aktivitäten dieser Arbeitgeberorganisation.
Die Idee, in der Schweiz einen Dachverband der Berufstheater zu gründen, wurde am 20. Mai 1920 in Zürich geboren. Ausgangspunkt dafür bildete die Stellung der hiesigen Theater gegenüber dem vom Deutschen Bühnenverein und der Bühnengenossenschaft geschaffenen neuen Tarifverträgen und Normalverträgen. Während ein Teil der schweizerischen Theater nicht abgeneigt war, sich als Untersektion der deutschen Organisation anzugliedern, beschloss die Mehrheit der damals anwesenden Theatervertreter schliesslich, einen eigenen deutschweizerischen Verband zu bilden. Dieser wurde am 7. Oktober des gleichen Jahres formell ins Leben gerufen, nannte sich Verband schweizerischer Bühnen, bildete dafür einen Vorort mit Sitz in Zürich und wurde von 1921 bis 1950 von Dr. Ernst Zahn, Verwaltungsrat der Limmatstädter Theater AG und Romanautor, präsidiert. Erste Mitglieder waren die Stadttheater von Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich sowie das Corso-Theater Zürich. Etwas später kam das Grand Théâtre de Genève hinzu.
1920 bis 1945
Unmittelbar nach der Gründung bemühte sich der neue Verband um die Ausrichtung von Bundessubventionen an die damals ums Überleben kämpfenden Bühnen, doch wurden seine Gesuche vom Bundesrat abgelehnt. Bis zum zweiten Weltkrieg waren es dann vor allem die stark aufkommende Konkurrenz durch Gastspiele auswärtiger Ensembles (sie führte zur Einrichtung einer Gastspielzentrale), die hohen Tantièmengebühren, fremdenpolizeiliche Bestimmungen zum Schutz der einheimischen Künstler, Freikartenregelungen, die Herausgabe einer verbandseigenen Zeitschrift, die vermehrte Berücksichtigung zeitgenössischer Dramatiker in den Spielplänen und Stellungnahmen zu Theaterzusammenlegungen und Bauprojekten für neue Festspielhäuser in der Schweiz, die den neuen Verband beschäftigten. Während der Kriegsjahre standen unter anderem Fragen der Ausgleichskassen, die Präsenz der Theater an der Landesausstellung von 1939, politische Interventionen zur Vermeidung von Betriebsschliessungen, die Zusammenarbeit mit den Theatervereinen, die Intensivierung der Kontakte zu den Theatern der französischen Schweiz und andern Organisationen im Kulturbereich sowie Hilfsaktionen zu Gunsten Kriegsgeschädigter im Vordergrund.
1945 bis 1970
Die Nachkriegszeit war zunächst geprägt von der Bildung einer Dramaturgischen Beratungsstelle (1947), anhaltenden Querelen mit der Fremdenpolizei, der Gründung eines Dachverbandes der Urheberrechtsnutzer (1952), einer Kampagne zu Gunsten der Berufstheater, der Errichtung einer Pensionskasse schweizerischer Bühnen (1953), dem erstmals durchgeführten Theatertag der hiesigen Bühnen (1954) und der ersten Konferenz der Verwaltungsdirektoren (1955). Zudem wechselte während dieser Zeit zweimal das Verbandspräsidium, von 1950-52 führte der Verleger Dr. Emil Oprecht das Zepter und von 1952-61 der Verwaltungsdirektor des Stadttheaters Bern Fritz Minnig. Mit den befreundeten Verbänden in Deutschland und Österreich wurde 1952 auch die Internationale Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Theater gegründet. 1956 leistete die Pro Helvetia an die Mitgliederbühnen des Verbandes erstmals Beiträge für Gastspiele im Ausland und löste Dr. Paul Wehrli den nach 36 Jahren zurücktretenden Dr. Samuel Theilacker als Verbandssekretär ab. 1961 wurde der Luzerner Stadtpräsident Paul Kopp zum neuen Präsidenten des Verbandes gewählt. Ein Jahr danach gab sich der Verband neue Statuten, nennt sich seither Schweizerischer Bühnenverband (SBV) und berief er Dr. Jules Goetschel (Basel) zum Rechtsberater (Syndikus). Die Entwürfe zu einem neuen Arbeitsgesetz mit Sonderbestimmungen für die Theater, der revidierte Vertrag mit dem Schweizerischen Bühnenverlegerverband (SBVV), ein Gebührenreglement für die Bühnenvermittlung, die Schaffung einer einheitlichen Theaterstatistik bestimmten die Verbandstätigkeit in den sechziger Jahren.
1970 bis 1995
1970 übernahm Roland Morgenegg (Bern) die Geschäftsführung des Verbandes von seinem Vorgänger J. Bezmann und 1975 gab Dr. Paul Kopp (Luzern) das Präsidium des SBV an Hannes Strasser (Zürich) ab. Fast während des ganzen Jahrzehnts kämpfte der Verband um vermehrte Berücksichtigung des Theaters durch Radio und Fernsehen und rang er mit den Bühnenverlegern um eine neue Tantièmenregelung sowie mit der Schweizerischen Interpretengesellschaft (SIG) um die Benützung von Tonträgern bei Schauspiel- und Ballettaufführungen. Ein Versuch, Austauschgastspiele zwischen allen Landesteilen zu fördern, wurde wieder aufgegeben.
Zu seinem 60jährigen Jubiläum gab der SBV 1980 das Buch „Theater – unsere Welt“ heraus. 1981 trat Dr. Peter Mosimann (Basel) die Nachfolge für den verstorbenen Syndikus Dr. Jules Goetschel an. Zugleich wurde der zwischen dem SBV und dem Schweizerischen Bühnenkünstlerverband (SBKV) ausgehandelte Gesamtarbeitsvertrag in Kraft gesetzt. In der Westschweiz wurde 1986 die Union des théâtre romands als Sektion des SBV gegründet. Daneben evaluierte der Verband in den achtziger Jahren computergestützte Systeme für die Buchhaltungen und Kassen der Theater, erarbeitete eine Gemeinschaftslösung für die Altersvorsorge (Zweite Säule) und gab er Richtlinien über die Betriebssicherheit und Unfallverhütung an Theatern heraus. Das Verhältnis zwischen ihm und der SRG entkrampfte sich, sodass die Bühnenkunst vermehrt Einlass fand in Radio und Fernsehen. Mit dem SBVV wurde ein Rahmenvertrag über die Urheberabgaben abgeschlossen und daneben die Bundesanerkennung von Theaterberufen vorangetrieben.
In den 1990er Jahren bekamen fast alle Theater die Kürzungen der Kulturetats zu spüren. Daneben gaben diesen die restriktive Praxis der Bundesbehörden bei Arbeitsbewilligungen für Ausländer und die Umsetzung der Mehrwertsteuer zu schaffen.
1995 bis heute
Während der zweiten Hälfte des Jahrzehnts sorgten die Revision des Urheberrechts, die Schutzfrist geschützter Werke, die Musikeinrichtungen bei Schauspielen und das auf den 1.8.2000 in Kraft gesetzte neue Arbeitsgesetz für Zündstoff. Mit der Wahl von Ivo Reichlin zum neuen Präsidenten (1993-2001) und von Marco Badilatti zum Geschäftsführer (1994) verstärkte der SBV seine Öffentlichkeitsarbeit, führte einen Preis der Theater-Fotografie sowie jährliche Fortbildungsseminare für Theaterpersonal ein. Auch brachte er ein neues Verbandsbulletin („Première“) und eine Publikation über bühnentechnische Berufe heraus. Ausserdem wurde die Zusammenarbeit mit den Gastspielhäusern, dem Verband Schweizer Berufsorchester und dem Bundesamt für Kultur enger gestaltet.
Seit Herbst 2001 präsidiert Adrian Balmer den Verband. Seither beschäftigte sich der SBV mit den sich aus dem neuen Arbeitsgesetz ergebenden Problemen (Sonntagsarbeit, Ruhezeit, Jugendarbeit), der Revision des Urheberrechtsgesetzes und der künftigen Gestaltung des Mehrwertsteuergesetzes (Einheitssatz). Zu reden gaben ferner das Haftungsrisiko bei Lärmimmissionen, die Bilateralen Verträge Schweiz-EU, das Burnout-Syndrom von Mitarbeiter(innen) sowie die Zugänglichkeit von Spielstätten für Behinderte. Zudem widmete sich der SBV vermehrt kulturpolitischen Fragen (Kulturförderungs- und Pro Helvetia-Gesetz) sowie Bildungsaufgaben (Anerkennung von Theaterberufen) und der Herausgabe von Lehrmitteln und Publikationen (DVD-Film, Broschüre über darstellende Künste, Hör-CD für Kinder, Theater-Vademecum). Auf diesen Gebieten arbeitete er eng mit Behörden und Fachhochschulen zusammen. Ferner wurde seine Verbandszeitschrift durch die vorliegende Internet-Seite ersetzt. Auch gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Schweizer Koalition, die sich in unserem Land für die Ratifizierung der UNESCO-Konvention für kulturelle Vielfalt einsetzte; die Vereinbarung ist im Frühjahr 2008 vom Bundesparlament genehmigt worden. Ende 2007 hat der SBV seine Statuten neuen Gegebenheiten angepasst. Zurzeit revidiert er mit seinem Sozialpartner die Gesamtarbeitsverträge Solo und Gruppe.