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Ein Experte für finanzielle Angelegenheiten im Musikbusiness, sagte aus, dass Michael Jackson mit einer Welt-Tournee, Merchandising und einer Show in Las Vegas (ohne persönliche Beteiligung) bis zu seinem 65. Geburtstag 1.1 bis 1.5 Milliarden US-Dollar hätte einnehmen können. Die Anwälte von AEG bemühen sich seit Dienstag, diese Zahlen massiv herunter zu schrauben. Dabei zeigten sie auch Aussagen von Katherine und Paris Jackson.
Der Experte Arthur L. Erk präsentierte der Jury am Montag Hochrechnungen, wie viel Michael Jackson in 15 Jahren nach 2009 hätte einnehmen können. Er stützte sich dabei auf AEG E-Mails, die damals mit einer auf die Londoner Konzerte folgende Welt Tournee spekulierten.
Erk, der bereits für Stars wie die Band Kiss, Britney Spears oder Notorious B.I.G arbeitete, und seine finanziellen Hochrechnungen als konservativ bezeichnete, sagte, er habe folgende Annamen getroffen: Eine 37-monatige Tour (mit längeren Pausen dazwischen) mit durchschnittlich zwei Konzerten pro Woche im zentralen Europa, Asien, Australien und in den USA. Zusätzlich Merchandisingverkäufe und Sponsoring. Ausserdem rechnete er mit einer zehnjährigen Show in Las Vegas die auf Michael Jacksons Musik basiert hätte, aber ohne dessen persönliche Teilnahme stattfinden hätte können.
AEG verkaufte in nur fünf Stunden 750 000 Tickets für die Londonder This Is It Konzerte. Erk unterstrich, dass die Tickets in „Rekord brechender Zeit“ verkauft wurden, was es noch nie zuvor gab und was bisher nicht übertroffen wurde. Arthur Erk zeigte der Jury eine Statistik von Billboard über die Touren im Jahr 2009 mit den höchsten Einnahmen, angeführt von U2, Madonna und Paul McCartney. Jackson hätte sie alle geschlagen. „Michael Jackson war in einer Klasse für sich selbst. Er war bekannt als der King of Pop. Da gibt es niemanden, der an ihn ran kommt“, so Erk.
Erks Prognose zog auch extravagante Ausgaben Jacksons von USD 134,386,236 in seine 15 Jahre Berechnung mit ein. Bis Michael 65-jährig in den Ruhestand hätte treten können. Erks Prognose ignorierte aber Michael Jacksons Tantiemen für dessen bisherigen Alben und Kompositionen, da er diese Einnahmen so oder so gehabt hätte. Letzteres kommentierte Kevin Boyle, einer der Anwälte der Jacksons.
Erk hatte der Jury Michael Jacksons Verkaufszahlen vor Augen geführt: So habe Thriller weltweit 65 Millionen abgesetzt, Bad 45 Millionen, Dangerous 32 Millionen, Off The Wall und HIStory 20 Millionen und Invincible 13 Millionen. „Wenn man dies historisch betrachtet, so hat er eine gewaltige Fan Basis“, sagt Arthur Erk.
Obwohl MJ nur für die Londoner Konzerte unterschrieben hatte, hoffte AEG, Michael würde im Anschluss einer Welt Tournee zustimmen. In einer E-Mail schrieb Randy Phillips nach dem rekordbrechenden Ticketverkauf: „Wir hätten basierend auf die Nachfrage über 200 Shows machen können. Wichtige Stars wie Coldplay, Akon, Blackeye Peas, etc. wollen supporten.“
Die Anwälte von AEG präsentierten dann am Mittwoch Dokumente, die zeigten, dass AEG Live LLC im September 2008 Pläne für eine 186 Konzerte umfassende Welttournee Michael Jacksons in Europa, Indien, Australien und in den USA entwarfen. AEG spekulierte, dass MJ durch die Auftritte 132 Millionen eingenommen hätte. Diese Summe wäre einiges tiefer, als diejenige von Arthur Erk, der für 260 Konzerte mit 835 Millionen gerechnet hatte.
AEG unterstrich auch, dass der King of Pop Anfang 2009 nur für die Londoner Konzerte unterschrieben hatte und (noch) keinen weiteren Gigs zugestimmt hatte, obwohl diese Option im Vertrag festgehalten war. Mit den Konzerten in London hätte Michael zwischen 22 und 30.7 Millionen Dollar verdienen können. Sponsorverträge waren damals keine vorhanden.
Die Verteidigung zeigte der Jury ein Video von Paris Jackson, in dem sie sagte, dass ihr Vater nach den Londoner Konzerte nicht mehr auftreten hätte wollen, aber eine Weltreise mit seinen Kindern in Betracht zog. „Hat er dir erläutert, wie lange die Tour dauern sollte?“, so die Frage von Putnam in der vorgängigen Befragung. „Ich nehme an eine lange Zeit, seitdem es eine Welttour war, aber diese dauern gewöhnlich lange“, so Paris. „Wie kamst du darauf, dass es eine Welttour war?“- „Weil er es uns erzählte“, so Paris. „Dass wir rund um die Welt auf Tour gehen werden.“ Paris berichtete zuvor: „Er hatte noch immer eine Menge Musik, an der er noch immer arbeitete, aber auf eine Art musste er sich ausruhen.“
Am Dienstag sagte die AEG Anwältin Sabrina Strong zum Experten der Jacksons, er habe Michaels Vergangenheit völlig ignoriert. So sei Michael verklagt worden, da er Konzerte abgesagt hatte (nach dem Jahr 2000, Anm.). und er habe eine Medikamentenmissbrauchs-Geschichte gehabt. Ausserdem sei seine Popularität durch den Kindsmissbrauchsprozess im Jahr 2005 minimiert worden, oder etwa wegen dem „Baby über den Balkon halten“-Skandal in Berlin. Arthur Erk war damit nicht einverstanden und meinte, die This Is It Tour wäre eine aussergewöhnliche Tour geworden. Und spätestens während der Welttournee wäre sein Ruf reputiert gewesen, so Erk. Die Rekorde brechenden This Is It Ticketverkäufe hätten gezeigt, dass das Interesse am King of Pop keinesfalls geschwunden war.
AEG Anwältin Strong erinnerte daran, dass MJ gemäss ihrem Zeugen und stellvertretendem AEG Vorsitzenden Paul Gongaware, durch die HIStory Tour keine Gewinne gemacht hätte. Dies obwohl die HIStory Tournee die Tour mit den höchsten Brutto-Einnahmen war. (165 Millionen durch Ticketverkäufe der 82 Konzerte und Merchandising). Ausserhalb des Gerichtsgebäudes sagte Erk den Reportern, dass Michael keinen Gewinn machte, da er 85 Prozent seiner Einnahmen für wohltätige Zwecke gespendet habe. Ein anderer Journalist wollte wissen, was er dazu meine, dass AEG die Missbrauchsvorwürfe erwähnt hatte: „Sie können alles erwähnen. Wir sind bereit.“
Die AEG Anwältin Strong unterstrich auch, dass Erk Michaels Schulden von 400 Millionen Dollar und die drohende Zwangspfändung vom Encion Anwesen der Jacksons (in Michaels Besitz) ignoriert hatte. Sie erläuterte, dass Michaels Sony/ATV Anteil mit einem 320 Millionen Kredit belastet war. Ausserdem erwähnte sie die Behauptungen eines früheren Managers von MJ, dass Michael pro Jahr zwischen 20 und 30 Millionen mehr ausgebe, als einnehme.
Erstmals wurde im Gerichtssaal eine (vorgängig aufgenommene) Aussage von der Klägerin Katherine Jackson gezeigt. Darin sagte Katherine, dass Michael ihr gesagt hätte, den Moonwalk mit 50 Jahren nicht mehr zeigen zu wollen. Sie sei überrascht gewesen, als ihr Sohn die This Is It Konzerte angekündigt hatte.
Bezüglich den erwähnten Aussagen von Paul Gongaware: Dieser hatte Ende Mai ausgesagt, dass Michael in der ersten Hälfte der HIStory Tour 26 Millionen verloren habe. Er sei dann für die letzten 40 Konzerte der zweiten Tourhälfte ins Organisationsteam geholt worden, um Kosten zu kürzen. Gongaware bezeichnete HIStory als eine der anspruchvollsten Touren und Michaels Auftritte als „sensationell.“