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Die Schweiz finanziert eine nigerianische TV-Serie, die afrikanische Migranten über die Risiken der Überfahrt nach Europa informiert und mit dem Mythos der Schweiz als Eldorado aufräumen will. Das Projekt kostet 450'000 Franken. Ob es wirkt, ist zweifelhaft.
Das Leben in der Schweiz ist hart. Das spürt der junge Nigerianer Joshua. Er erhält kein Asyl und lebt illegal hier. Seine Geschichte wird in der TV-Serie "The Missing Steps" erzählt, eine Koproduktion der Schweiz und Nigerias im Rahmen der Migrationspartnerschaft.
Die Serie hat nämlich ein klares Ziel: nigerianische Migranten von der Einreise in die Schweiz abhalten. Lukas Rieder vom Staatssekretariat für Migration (SEM) erklärt gegenüber SRF: "Wir möchten objektive Informationen über die Migration liefern. Wir wollen zeigen, dass die Überfahrt mit Gefahren verbunden ist, dass die Chance auf Asyl sehr klein ist. Und dass das Leben als Sans-papier in der Schweiz kein gutes Leben ist."
Die Kosten für die TV-Serie betragen 450'000 Franken und werden vollständig vom SEM getragen. Einige Szenen werden in der Schweiz gedreht. Der nigerianische Regisseur Charles Okafor und sein Team befinden sich für die Dreharbeiten zurzeit in der Schweiz.
Es ist nicht das erste Projekt dieser Art. Im Jahr 2007 finanzierte das SEM einen zweiminütigen Spot, der in verschiedenen afrikanischen Ländern ausgestrahlt wurde, unter anderem in Kamerun und Nigeria. Die Botschaft war: "Glaubt nicht alles, was ihr hört!" Der Clip wurde kritisiert, weil er die Schweiz in ein schlechtes Licht stellte. 2013 wurden ähnliche Videos auf YouTube publiziert, die sich an junge Leute aus dem Kosovo richteten.
Die Schweiz ist nicht der einzige Staat, der solche Kampagnen finanziert. Auch Länder wie Deutschland, Italien oder Australien haben Videos mit mehr oder weniger aggressiven Botschaften an Migranten produziert.
Aber funktioniert diese Strategie? Die Migrationsexpertin Jill Alpes ist skeptisch. "Die meisten wissen durch ihre Freunde und Verwandten schon sehr genau, was die Risiken der Migration sind", sagt sie gegenüber SRF. Die Forscherin hat in Kamerun Menschen befragt, wie sie sich informieren, bevor sie Richtung Europa aufbrechen.
Alpes bezweifelt, dass die Videos einen direkten Einfluss auf Migrationsströme haben: "Die haben grösstenteils keinen Neuwert an Informationen. Und den Informationen wird auch gar nicht so stark vertraut."
Auch Amnesty International zweifelt am Nutzen dieser Kampagnen. "Es ist klar, dass Migranten korrekt über Schweizer Gesetze und das Asylverfahren informiert werden müssen", sagt die Juristin Denise Graf gegenüber swissinfo.ch. "Die Schweiz sollte sich aber vor allem für eine Verbesserung der Situation in Nigeria einsetzen, zum Beispiel in Bezug auf Menschenrechte und Verteilung von Ressourcen. Das sind wichtige Aspekte, damit die Leute in ihrem eigenen Land bleiben können."
Im Jahr 2016 stammten 1106 von insgesamt 27'207 in der Schweiz gestellten Asylgesuchen von nigerianischen Staatsangehörigen (4,1%). Im gleichen Jahr erhielten aber (von 1261 erledigten Fällen) nur 3 nigerianische Bürgerinnen und Bürger Asyl, weitere 6 Personen wurden vorläufig aufgenommen.
(Übertragung aus dem Italienischen: Sibilla Bondolfi)