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Es gibt nicht viele Musiker, die ein so breites Publikum ansprechen wie der von den Medien benannte Teufelsgeiger. Mit seiner Mischung aus Klassik und Rock vermag David Garrett es, genauso viele junge Leute wie auch ältere Herrschaften an seine Konzerte zu locken. Am 22. April machte er im ausverkauften Hallenstadion seinem Kosenamen alle Ehre und geigte sich mit viel Gefühl, Leidenschaft und Virtuosität direkt in die Herzen der Zuschauer.
Der grosse, schwere Vorhang fiel und los ging es mit dem Guns N’ Roses Cover «Welcome To The Jungle», bei welchem David auf einer Hebebühne herunter gelassen wurde, während sich im Hintergrund Dschungelpflanzen über die riesige Videowall schlängelten. Man konnte sehen, dass er bereits zu diesem Zeitpunkt die Besucher in seinen Bann gezogen hatte. Nach «Palladio» von dem grossartigen Komponisten Karl Jenkins folgte der Song «Cry Me A River», bei welchem David nicht nur auf seiner Geige fiedelte, sondern auch zupfte, während hinten auf der Videowand Funken herunter rieselten. Des Weiteren wurden von David, seiner famosen Band und dem erstklassigen Orchester die beiden wohl allen bekannten Stücke «Live And Let Die» und «Yesterday» präsentiert. Bei letzterem waren auf der Grossbildleinwand verschiedene Bilder, dargestellt in Form eines Fotoalbums, zu sehen, welche dem Publikum einen Einblick in David‘s Kindheit gewährten.
Zwischen dem italienischen volkstümlichen Lied «Funiculi, Funicula» und dem Song «He’s A Pirate», bei welchem passenderweise Bilder einer stürmischen See gezeigt wurden oder auch ein Totenkopf die Videowall zierte, gaben sie David’s Lieblingsstück von Billy Joel zum Besten. Hier rückte auch der Pianist ein bisschen mehr in den Vordergrund, der «Leningrad» mit einem Klaviersolo einleitete. Nach dem in akustischer Version präsentierten Lied «Human Nature» konnte man bei «Beethoven’s 9th Symphony» sehen, wie sich viele Tintenflecken über die Wall hinten verteilten. Dazu erzählte David zuvor eine kleine Geschichte aus seiner Vergangenheit: mit acht Jahren entdeckte er seine Liebe zum Dirigieren, die abrupt endete, als er im Wohnzimmer zu eben diesem Song Dirigent spielte – und zwar mit geschlossenen Augen und offenem Füller.
Dies war nicht die einzige Story, mit der er für Unterhaltung sorgte, sondern nur eine von vielen. Er erzählte zum Beispiel von seiner ersten Tour in Australien, als er sich so weit weg von Zuhause ganz verloren fühlte und dann plötzlich ein Stück Deutschland entdeckte: und tadaa, hinten wurde ein Foto gezeigt, auf dem er von einem Aldi steht. Für einen Lacher sorgte unter anderem auch folgende Geschichte: der Hausmeister rief ihn an, motzte wegen der lauten Musik in David‘s New Yorker Wohnung und meinte, dass man doch nicht das ganze Wochenende über Party machen müsse. Da er gar nicht da war, beauftrage er den Hausmeister einmal nachzuschauen, was denn dort los sei. Wie sich herausstellte, hatte David vergessen den Radiowecker auszuschalten und während des ganzen Wochenendes lief die Live-CD von Metallica in ohrenbetäubender Lautstärke. Diese ganzen Stories hätte man meiner Meinung nach nicht unbedingt bringen müssen, waren aber ganz amüsant.
Bevor es eine 20-minütige Unterbrechung gab, wurden noch drei weitere Songs gespielt, unter anderem das Stück «1000 Pipers», bei dem die Background-Tänzerinnen, welche die ganze Show mit ihren Tanzkünsten perfektionierten, in ihren Mini-Röcken ein schottisch-irisches Tänzchen aufführten. Nach der Pause kamen bei «Sandstorm» dann sogar noch auf der Videowand Tänzerinnen dazu, welche auf Hausdächern ihre Hüften schwangen. Synchron dazu die vier Background-Tänzerinnen. Es folgten die Rockballade «Thank You For Loving Me» und das Coldplay Cover «Viva La Vida», bei dem ein sogenanntes Pedalboard zum Einsatz kam. Damit kann man etwas aufnehmen, dann abspielen und währenddessen wieder etwas Neues aufnehmen, was David live demonstrierte. Das Ganze klang einfach super, gefiel mir 77ig mal besser als das Original und war für viele wohl ein Highlight des Abends.
Mit voller Power ging es weiter mit dem Säbeltanz, bei welchem Flammen in die Höhe schossen, dem brasilianischen Lied «Tico Tico», was Urlaubsstimmung verbreitete, und «James Bond Theme», zu welchem ein Filmchen mit David als 007 auf Mission abgespielt wurde. Danach wurde es mit dem Klassikstück «Corelli» und dem Eagles Cover «Desperado» wieder etwas ruhiger, bis dann der Soundtrack zu Pulp Fiction folgte, bei dem wieder die Post abging und der zu meinen Favoriten des Abends zählte. Die Visuals dazu auf der Wall waren nicht recht definierbar, erinnerten aber an ein modern gestaltetes Wurmloch. Bei «Stop Crying Your Heart Out» freute sich besonders eine Lady aus der ersten Reihe sehr, als sie auf die Bühne geholt wurde und während des ganzen Songs neben David auf einem edlen Sofa Platz nehmen durfte.
Bei «Highway To Hell» zog sich David dann zurück und überliess die Bühne seiner Band und dem Orchester. Vor allem die beiden Gitarristen, aber auch die restlichen Musiker, konnten hier mal so richtig zeigen, was sie auf dem Kasten haben. Bei «Smells Like Teen Spirit» war dann David wieder der Mittelpunkt bzw. Höhepunkt: geigend flog er an Seilen hängend über die Köpfe des Publikums hinweg, landete zwischendurch inmitten der Leute und schwebte dann wieder zurück. Die Zuschauer waren entzückt. Bei «Music» gab es auf der Videowall nicht nur Noten und Equalizer zu erblicken, sondern auch die Lyrics des Songs, was sicherlich noch stärker zum Ausdruck bringen sollte, wie wichtig die Musik für David ist und dass er ohne sie nicht leben könnte.
Schon nach wenigen Sekunden von «We Will Rock You» klatschte und stampfte die ganze Halle im Takt mit und die meisten Besucher konnten sich nicht mehr auf den Stühlen halten. Während dabei alle verheissungsvoll auf die Bühne starrten und sich wahrscheinlich schon wunderten, wohin David verschwunden war, kam der Geigenvirtuose plötzlich beim Seiteneingang herein und spazierte zwischen den Leuten hindurch in Richtung Bühne. Da standen auch die letzten auf. Nach Konfetti-Regen und einer ersten Verabschiedung, spielten sie zum Abschluss noch die Zugabe «Let It Be», nach welcher die glücklichen Zuschauer endgültig in die kühle, klare Nacht entlassen wurden. Ein wirklich sehr schönes Konzert, welches zwar von A-Z durchstudiert war, aber trotzdem nicht gekünstelt wirkte, was wahrscheinlich auch daran lag, dass der Mister Garrett trotz des Welterfolges auf dem Boden geblieben ist und sich ganz natürlich zeigte.
Setlist:
01. Welcome To The Jungle
02. Palladio
03. Cry Me A River
04. Live And Let Die
05. Yesterday
06. Funiculi, Funicula
07. Leningrad
08. He’s A Pirate
09. Human Nature
10. Beethoven’s 9th Symphony
11. Groovy Kind Of Love
12. Kashmir
13. 1000 Pipers
Pause
14. Sandstorm
15. Thank You For Loving Me
16. Viva La Vida
17. Sabre Dance (Chatschaturjan)
18. Tico Tico
19. James Bond Theme
20. Corelli
21. Desperado
22. Pulp Fiction
23. Stop Crying Your Heart Out
24. Highway To Hell
25. Smells Like Teen Spirit
26. Music
27. We Will Rock You
Zugabe:
28. Let It Be
Text + Bilder: Jasmin Stierli