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Georg Fient 1845 – 1915
Aufgewachsen in Luzein, Kanzleidirektor des Kantons Graubünden. Seine wichtigsten und bekanntesten Werke hat der Verlag der Prättigauer Zeitung im Buch Heimatluft, Prättigauer Art und Unart, 1950 herausgegeben. Da es 1953 bereits vergriffen war, folgte bald eine zweite und 1963 eine dritte Auflage. Druck und Verlag: AG Buchdruckerei Schiers. Gut die Hälfte des Buches ist in Dialekt geschrieben: Studäfridli und unter anderem «Dr Taucher» und «Di Bürgschaft» von Friedrich Schiller.
Heini Fümm hat die zwei Balladen im Jahr 2007 im Dialekt von Georg Fient auf eine CD gesprochen, Jaap Achterberg in der Originalversion von Friedrich Schiller.
Di Bürgschaft
Hier liest Heini Fümm die ersten 4 Strophen der Bürgschaft, der Text folgt am Schluss dieser Seite. Der Dialekt ist Georg Fients Muttersprache, so wie sie noch heute von achtsamen Luzeinern gesprochen wird. Einzig die Endungen der Verben in der Grundform sind in den vergangenen über hundert Jahren fast ganz verloren gegangen. Auf der CD hören wir sie noch!
Das Hörbuch mit CD, Fients Lebenslauf, Begleittexten und Bildern ist erhältlich bei der AG Buchdruckerei Schiers.
In der Sendung «Schnabelweid» vom 19.03.2020 von Radio srf wird die Bürgschaft von Fient/Fümm ebenfalls vorgestellt: Horaz in Baseldeutsch und in Oltnerdeutsch, Shakespeare in Walliserdeutsch und in Zürichdeutsch, Schiller in Bündner Walserdeutsch. «Zum Welttag der Poesie am 21. März 2020 stellen wir einige dieser sprachlichen Wunderwerke und die zugehörigen Übersetzer vor.» Moderation: Regi Sager, Redaktion: Christian Schmutz, André Perler, 19.03.2020, 21:03 Uhr. Link:
Text zu den ersten vier Strophen. (Das unleserliche Iehr wäre klein geschrieben iehr, sd: Ihr. Schinterpatsch ist ein grobes Sackmesser.)
Di Bürgschaft
Ämal hed-s z’Syrakus ä Chünig g’gän, en gwüssä Disch, en gwaldtetigä Hund. Zun däm heind d’Chnächtä äs Tagsch einä gfergget und gseid, där hei da im Underhus äso ummerg’glotzet, und im Sack hei-r ä Schinterpatsch ghan, däm trüwend-sch nun z’Halben. «Wie heisset Iehr?» freget dr Chünig.
Und dr Frönd seid: «Mörschli, Meijästet!» Was, Mörschli, en Tüfel; säg-r Nammen und Gschlächt, wie-s dr Bruch sy, so sys rächt und guet und sus well mä är denn dn Taufzädel schon ärläsen,» bruset dr Chönig uf. Und dua antwortet dr Gfangnä: «Eigentli heind-sch mi Mörus gätauft, aber bin ünsch seid mä Mörschli, äs ist gwüss wahr, Meijästet.»
«Was heid-r denn mid däm Patsch da wellen?» Mörschli hed-schi ä Wyl bsunnen und bäkennt denn: «Ja, lueget, Meijästet, i schlan da kein Hand für ds Mul, i han ghört, Iehr sijed ä schlächtä Hund, und dua han i gädeicht, Eu müeß mä töten. Das han i au tue wellen, jetz wüßt-rs, und jetz fed in Gotts Nammen mümmer an, was-r welld.»
Und dua seid dr Chünig: «Mid imm machend-sch da nid lang Fäderläsis, inn tüejend-sch chrü-zigen.» «Guet,» seid Mörschli, «wenn-s syn müessi, so müessis syn, aber um ättas möcht-r no bätten, är sötti no gschwind heingahn, d’Schwester tüe hüraten, und da müeß-r dm Schwager no d’Marhä zeihen, d’Schulda redli angän und bim Zivilstandsbeamtä Zügä syn.»