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Mit diesem kosmogonischen der alten Mythen stimmen die im »Gastmahl« des Platon, der berühmtesten Schrift des Altertums über
den Eros, dargelegten Ansichten wenig überein. Der Eros des Philosophen ist der geistige Zeugungstrieb, der
eben nur Seelenliebe braucht, und erscheint hier in der Stufenfolge aller andern berechtigten Arten der Liebe als Vollendung
derselben, im vollen Kontrast gegen ihre Ausartungen, insbesondere als Verklärung der bei den Griechen nach ihren geselligen
Verhältnissen unausbleiblichen Männerliebe, als deren letzter Grund Sehnsucht des Sterblichen nach Unsterblichkeit
aufgedeckt wird.
Dem gemeinen Verstand hingegen war und blieb der mehr oder weniger sinnliche Liebesgott. Als solcher ist er von lyrischen, elegischen
und epigrammatischen Dichtern auf das mannigfaltigste und sinnreichste gepriesen und ausgeschmückt worden. Als seine Mutter
gilt meistens Aphrodite, als sein VaterAres
[* 7] oder Hermes,
[* 8] der Geflügelte. Da sich die Liebe auf unbekannten
Wegen in die Herzen einschleicht, so ließen manche seine Eltern unbekannt sein oder nannten ihn vaterlos.
Listig, wie die Liebe ist, stellt er seine Netze und trifft unversehens selbst seinen Wohlthäter, wie in der bekannten Anakreontischen
Ode (59). Zeus erkannte sogleich bei seiner Geburt den Unheilstifter und befahl der Aphrodite, ihn umzubringen. Diese aber verbarg
ihn in den Wäldern, wo er an der Brust wilder Tiere sich ernährte und den neu geschnitzten Bogen versuchte.
Die Binde vor seinen Augen bezeichnet, daß die Liebe blind ist; daß sie auch flatterhaft sein kann und schnell die Herzen erobert,
deuten die Flügel an. Reiz und Schönheit erwecken die Liebe; daher thront er am liebsten auf rosigen Wangen
oder lacht aus schönen Augen und bleibt ein williger Sklave der Schönheit.
Da aberLiebe ohne Gegenliebe nicht gedeiht, so wollte Eros nicht eher wachsen, als bis ihm Aphrodite aus Ares' Umarmung den Anteros
(»Gegenliebe«) gebar. Nun ward er größer und stärker, war fröhlich mit seinem Gespielen und traurig,
wenn dieser ihm fehlte. Doch ist letzterer oft auch im Kampf mit ihm. Eros selbst erscheint gewöhnlich als Begleiter seiner
MutterAphrodite. Als seine Gesellschafter treten öfters auf Pothos (»Sehnsucht«) und Himeros (»Verlangen«),
der sogen. bogenprüfende Eros im kapitolinischen Museum zu Rom (Fig. 2;
wahrscheinlich nach einem Bronzeoriginal des Lysippos), der aber außerdem in zahlreichen andern Kopien
erhalten ist, und ein mit Knöcheln spielender Eros im Berliner
[* 31] Museum;
endlich die berühmte Marmorgruppe von Amor und Psyche,
die sich umarmen und
küssen, deren beste Wiederholung sich im kapitolinischen Museum findet. (Vgl. Collignon, Essai sur le
mythe de Psyché, Par. 1878.) Die verschiedenen Seiten der Liebe hatte Skopas in einer Gruppe des Eros (Liebe),
Pothos (Sehnsucht) und Himeros (Verlangen) zum Ausdruck gebracht.