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Geschichte
der Delhi-Gharana
© 2002 by Indische Tabla-Schule,
Peter Huber
Als
Gründer des Delhi-Gharana wird Sudhar Khan von Delhi angenommen, der im
mittleren bis späten 18. Jahrhundert gelebt haben soll. Sudhar Khan dürfte
damit in der Geschichte eine tiefgreifende Schlüsselfunktion spielen, denn
die Delhi-Gharana ist nicht nur die erste Tabla-Tradition, sondern Sudhar Khan
gilt damit auch gleichzeitig als Erfinder des Tabla, bzw. als erster
Tabla-Spieler überhaupt.
Der Delhi-Stil zeichnet sich als der reinste und brillanteste Stil aller Stile
aus. Die Klänge sind subtil und von besonderer Klarheit. Der Delhi-Stil gilt
als besonders geeignet für den lernenden Schüler aufgrund der
stieleigenen Kompositionsformen wie Kaida (Grundlage, Basis) und Rela
(fliessen, strömen). Des weiteren eignet sich dieser Stil hervorragend zur
Begleitung von Vokal- sowie Instrumentalmusik wegen seiner klar strukturierten
Phrasenmuster, und nicht zuletzt wegen deren brillanten Kinar-Klänge.
Der Delhi-Stil wird auch als Kinari-ka-baj oder Kinar-baj
bezeichnet, was soviel bedeutet wie: „Kinar im Griff“, oder „Kinar im
Sound“, während mit Kinar (wörtlich: Rand, Ufer) einen harten,
klaren Klang gemeint ist, der am Rand der Dayan erzeugt wird.
Die Kompositionsformen Peshkar, Kaida und Rela gelten als eindeutige
Erfindungen des Delhi-Gharana, dies bedeutet, dass alle anderen
Tabla-Traditionen dem Delhi-Gharana gefolgt sind. Dieser Stil wurde dank
dieser Kompositionsformen zudem massgebend für das Solo-Tabla-Repertoire, denn
innerhalb der Spiels der Pakhawaj sind weder Spieltechniken noch
Kompositionsformen in dieser Art bekannt.
Markante Klänge bzw. Phrasen dieses Stils sind: „TI TE“, „DHINA GINA“, „DHAGE DHINA GINA“,
„DHINA NAG“ usw. Tatsache ist, dass sich der Stil im Laufe der Zeit stetig
weiter entwickelt hat, und bis zum heutigen Tag als äusserst ausgereift gilt.
Nennenswerte Vertreter dieses Gharanas, gefolgt von Sudhar Khan sind: Sitab
Khan von Delhi, der als Lehrer der beiden Brüder Kallu und Miru Khan galt, die
als Gründer des Ajrada-Gharana in die Geschichte eingingen. Später folgten
Natthu Khan (1875 - 1940), Lehrer des legendären Habibuddin Khan, und Gameh
Khan, der Vater von Inam Ali Khan (1924 - 199?) der angeblich an den Höfen von
Raipur und Jaipur gespielt haben soll bevor er später nach Bombay zog.