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Trend nach oben: Die jungen Jonas Siegenthaler und Dean Kukan dürften sich diese Saison einen Stammplatz in der NHL ergattern. Roman Josi dürfte sein All-Star Niveau halten können.
Mit Fragezeichen behaftet: Für Mirco Müller ist die kommende Saison entscheidend, aber es wird für ihn nicht einfach sein, sich einen Stammplatz zu ergattern. Yannick Weber hat seine Nische gefunden, wird aber bei den Predators wohl sein letztes Hurra haben.
Roman Josi: Sollte Elite-Level noch einige Jahre halten können
Über Josi habe ich schon vor ein paar Monaten im Detail geschrieben (Link). Der Captain der Nashville Predators, welche auch dieses Jahr einer der Favoriten auf den Stanley Cup-Gewinn sind, hatte eine punktemässig solide Saison. Er spielte in allen 82 Partien und erzielte dabei 56 Punkte (15 Tore / 41 Assists), die zweitbeste Ausbeute seiner Karriere. Bei 5-gegen-5 erzielte er neue Rekordwerte, aber im Powerplay war seine Ausbeute mit nur 12 Punkten eher mager. Die Predators allgemein waren ungemein schwach in Überzahl mit einer Erfolgsquote von nur 13%, der tiefste Wert in der ganzen Liga. Josi war auch letzte Saison wieder ein echtes Arbeitspferd mit über 25 Minuten pro Spiel. In Sachen Scheibenkontrolle war er solid mit einer Besitzquote von rund 52%.
Josi ist insbesondere im Mittel- und Angriffsdrittel überragend dank seiner Schnelligkeit und hervorragenden Scheibenkontrolle. Kaum ein anderer Verteidiger hat einen so positiven Einfluss auf die Tor- und Chancenquote seiner Mannschaft durch seine Fähigkeit entweder durch einen guten ersten Pass einen Mitspieler einzusetzen oder alleine aus der Verteidigungszone auszubrechen und Überzahlsituationen zu kreieren.
Ich erwarte für Josi ähnlich viel Eiszeit wie letztes Jahr und mit 62 Punkten (16 Tore / 45 Assists) in 81 Spielen einen neuen persönlichen Rekord. Haupttreiber dürfte eine bessere Ausbeute im Powerplay sein. Hier rechne ich dieses Jahr mit 20 Punkten. Damit sollte Josi komfortabel unter den Top 10 in der Skorerwertung der Verteidiger sein, welche dieses Jahr wohl vom Sharks-Duo Burns/Karlsson angeführt werden wird.
Dean Kukan: Gute Chancen auf einen Stammplatz bei den Blue Jackets
Pünktlich auf die letztjährigen Playoffs hin gelang dem 26-jährigen Kukan endlich der langersehnte Durchbruch zum Stammspieler. In der regulären Saison spielte Kukan nur 25 Mal und war mehrheitlich überzählig. In den Playoffs spielte er jedoch in allen zehn Spielen, und folglich auch in der ersten Runde, als die Jackets die klar beste Mannschaft der Regular Season, die Tampa Bay Lightning, deklassierten. Schon in der regulären Saison hatten sich Kukan’s Qualitäten abgezeichnet. Zwar erzielte er nur fünf Punkte, allesamt Assists, und spielte auch nur gut dreizehn Minuten pro Spiel, aber seine Puckbesitzwerte waren mit über 53% solide.
Ein Stammplatz ist allerdings diese Saison dennoch nicht sicher angesichts der Stärke der Blue Jackets auf der Verteidigerposition. Ich sehe Kukan momentan als #6 Verteidiger von Columbus und schliesse es nicht aus, dass er diese Saison noch einen weiteren Schritt nach vorne macht. Kukan ist ein mobiler, schneller Verteidiger, der dadurch fähig ist, die Scheibe aus der Gefahrenzone zu bringen. Wenn er sich defensiv weiter verbessert, sollte er seinen Platz zementieren können und auch vermehrt im Boxplay eingesetzt werden.
Für Kukan rechne ich als sechster Verteidiger von Columbus mit 17 Punkten (3 Tore / 14 Assists) in 72 Spielen. Er sollte auch seine Eiszeit auf gut sechzehn Minuten pro Spiel erhöhen können. Damit wäre er hinsichtlich einer Vertragsverlängerung (sein aktueller Zweijahresvertrag über $1.45m läuft Ende kommende Saison aus) zu deutlich besseren Konditionen gut positioniert. In jedem Fall dürfte es für die Blue Jackets dieses Jahr jedoch - nach dem Abgang von Topskorer Artemi Panarin sowie Torhüter Sergej Bobrovski - schwierig werden, die Playoffs zu erreichen. Weiter ist auch ein möglicher Wegtausch eines Verteidigers (Kukan wäre ein Kandidat) nicht ganz auszuschliessen, um die Potenz im Angriff wieder zu erhöhen.
Jonas Siegenthaler: Wie Kukan auf dem Sprung zum Stammspieler
Siegenthalers erste ‘richtige’ Saison bei den Washington Capitals (auch dieses Jahr ein Top 10-Team) ist ziemlich ähnlich wie dasjenige von Kukan verlaufen. Er ist auch wie letzterer ein guter Schlittschuhläufer mit guter Mobilität angesichts seiner Grösse. Der 22-jährige Zürcher spielte zwar nur 26 Spiele in der regulären Saison, konnte sich aber für höhere Aufgaben empfehlen. Dazu spielte er auch in den vier (letzten) Playoff-Begegnungen, nachdem er Christian Djoos nach dem dritten Spiel der Serie gegen Carolina ersetzte. Seine Puckbesitzwerte waren knapp unter 50%, was angesichts seiner mangelnden Erfahrung ein respektabler Wert ist. Ausserdem war Siegenthaler stark im Verhindern hochkarätiger Chancen und er erzielte in Sachen erwarteter Toranteil (diese Statistik berücksichtigt nicht nur die Anzahl von Torschüssen sondern auch deren Erfolgschancen) mit 58% sogar den besten Wert seiner Mannschaft. Als Defensivverteidiger (mit entsprechenden Gardemassen von 191 cm Grösse und einem Gewicht von 95 Kilo) war seine Punkteausbeute mit ‘nur’ vier Assists entsprechend bescheiden.
Nach dem Rücktritt von Veteran Brooks Orpik, dem Wegtausch von Matt Niskanen zu Philadelphia (im Gegenzug für den spielerisch limitierteren aber knüppelharten Radko Gudas nach Saisonende) und der Platzierung von Djoos auf die Waivers, hat Siegenthaler beste Aussichten auf einen Stammplatz. Er wird wahrscheinlich im dritten Verteidigungspaar links neben ebendiesem Gudas auflaufen und hat meines Erachtens auch das Potential, diesen im Verlauf der Saison in Sachen Eiszeit zu überholen. Dieses Paar ist insbesondere defensiv sehr solid und dürfte auch gegen stärkere Konkurrenz zu Einsätzen kommen.
Nach guten 14 Minuten Eiszeit pro Spiel letzte Saison erwarte ich bei Siegenthaler eine klare Steigerung auf 16-17 Minuten pro Spiel. Ich schätze, dass er in 68 Spielen auflaufen wird und dabei auf eine Ausbeute von 4 Toren und 15 Assists für ein Total von 19 Punkten kommt. Einer Vertragsverlängerung im Sommer 2020 zu deutlich besseren Konditionen als dem aktuellen Jahressalär von knapp über $700,000 dürfte alsdann nichts mehr im Weg stehen.
Mirco Müller: Entscheidende Tage, entscheidendes Jahr
Müller hat ein ähnliches Profil wie Siegenthaler und vor allem Kukan (physisch stark und trotzdem mobil, defensiv solid aber mit limitiertem Potential in der Offensive), hat aber im letzten Jahr weniger Fortschritte gemacht als die beiden anderen. Der 24-jährige Winterthurer und ehemalige #18 Draftpick konnte sich auch im zweiten Jahr bei den Devils (das mit am stärksten verbesserte Team aber trotzdem nur mit etwa 50% Playoff-Chancen) nicht entscheidend durchsetzen. Und dies obwohl er relativ viel Vertrauen erhielt und zumindest Anfang Saison im ersten Verteidigungspaar neben Sami Vatanen eingesetzt wurde. Seine Einsätze reduzierten sich jedoch im Verlauf der Saison konstant. Schlussendlich absolvierte Müller insgesamt 53 Spiele und erzielte dabei nur ein Tor und insgesamt elf Punkte bei guten 18 Minuten Eiszeit pro Spiel. Seine Scheibenbesitzwerte waren mit 48% einmal mehr nicht berauschend, allerdings startete Müller auch über 60% seiner Einsätze in der Defensivzone was angesichts seines eher defensiv orientierten Profils wenig überrascht.
Im Juni hat Müller einen neuen Einjahresvertrag über $1.4m unterschrieben. Die kommende Saison ist wichtig für Müller, damit er sich endlich einen Stammplatz erspielen kann und Aussichten auf einen besser dotierten, langfristigen Vertrag hat. Mit PK Subban als Neuzugang hat aber auch das Potential für Eiszeit tendenziell abgenommen. Momentan scheint Müller in der Hackordnung etwa auf Platz 6 oder 7 gleichauf mit Connor Carrick zu stehen, und der Erstrundenpick von 2018, Ty Smith, darf sich ebenfalls gute Chancen auf Einsätze machen. Einen Stammplatz hat Müller momentan nicht auf sicher.
Ich erwarte von Müller eine bessere Saison mit insgesamt 60 Spielen, einer leicht erhöhten Eiszeit von 19 Minuten sowie 14 Punkten (2 Tore / 12 Assists). Mit ein bisschen Glück könnte es sogar noch besser kommen und er etabliert sich definitiv als NHL-Stammspieler.
Yannick Weber: Das letzte Hurra?
Der 31-jährige Weber hat eine weitere solide, wenn auch unspektakuläre Saison hinter sich. Einmal mehr lief er in Nashville primär als Drittlinienverteidiger hinter dem besten Verteidigerquartett der Liga auf. Entsprechend kam er auf nur knapp zwölf Minuten Einsatzzeit pro Spiel, davon weniger als eine halbe in Spezialsituationen und typischerweise gegen schwächere Konkurrenz. Er lief in insgesamt 62 Spielen auf und erzielte dabei acht Punkte (2 Tore / 6 Assists). Seine Puckbesitzwerte waren mit knapp 53% solide und deutlich besser als in den fünf Jahren zuvor. Einmal mehr startete er auch primär in der Offensivzone, seiner Wandlung zu einem soliden Defensivverteidiger in den letzten paar Jahren nichtsdestotrotz.
In der kommenden Saison dürfte der Rechtsschütze wiederum mehrheitlich im dritten Verteidigerpaar neben dem Veteranen Dan Hamhuis auflaufen. Dies obwohl das Duo letztes Jahr Mühe hatte bei der Spielauslösung. Er sollte aber in der Lage sein, seinen Platz gegen Neuzugänge wie Steven Santini zu verteidigen.
Webers $1.25m Zweijahresvertrag läuft Ende Saison aus und angesichts von Vater Zeit sowie der jungen Verteidiger, die in Smashville nachrücken, dürfte es für Weber nicht einfach sein, sich noch einmal einen Vertrag in der NHL zu ergattern. Ich erwarte dieses Jahr einen weiteren Rückgang in Sachen Spiele (auf 57), Eiszeit und Punkteausbeute (2 Tore / 5 Assists für 7 Punkte insgesamt) für den Verteidiger mit dem harten Schlagschuss, welchen er leider nur noch vereinzelt einsetzten kann.