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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Neuntes Buch
52. Der Vater wird im Sohn geschaut.
Um die Einheit seines mit dem Vater (gemeinsamen) Wesens zu bezeugen, hatte er in derselben vorhergehenden Darlegung gesagt: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen”1 und: „Der Vater ist in mir, und ich bin im Vater.”2
Diese Worte bieten wegen der Gleichheit des Wesens keinen Unterschied dar; denn das Hinblicken auf den Sohn ersetzt das Schauen auf den Vater; und der eine, der in dem einen dauernd ist, trennt den einen nicht von dem einen. Damit man aber nicht glaube, er beziehe das schauende Hinblicken von sich aus auf den Vater auf das körperliche Hinblicken (auf ihn, Christus), deswegen hatte er hinzugefügt: „Glaubt mir, daß ich im Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubt wenigstens wegen meiner Werke.”3 Da nämlich die Kraft den Kern des Wesens ausmacht und das Wirken die Macht der Kraft ist, sollte durch die machtvolle Betätigung seiner Kraft die Einheit seines Wesens mit dem Vater erkannt werden. Denn sofern ihn jemand als Gott in der Kraft des Wesens erkannt habe, insofern würde er auch Gott-Vater in der Macht des Wesens [S. 129] erkennen. Da endlich der Sohn durch seine Taten in sich den Vater zu schauen ermöglichte, weil er so groß war wie der Vater, sollte der Vater als vom Sohn nicht unterschieden erkannt werden, nämlich durch die Erkenntnis des Wesens, das mit Rücksicht auf die Macht nicht unterschieden war.
1: Joh. 14, 9.
2: Joh. 10, 38.
3: Joh. 14, 11 f.