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Der entfernteste Ableger Siziliens liegt 120 Kilometer südlicher als Tunis und nur etwa 85 Kilometer entfernt von Mahdia an der Ostküste Tunesiens. Es ist die Insel Lampedusa, die verwaltungstechnisch der 220 Kilometer weiter nördlich gelegenen, sizilianischen Provinzhauptstadt Agrigento zugeordnet ist.
Lampedusa, eine schon zur afrikanischen Kontinentalplatte gehörende, flache Kalksteinformation mit sechs herrlichen, dem Schwarzen Kontinent zugewandten Badebuchten entlang der Südküste, ist die Hauptinsel des Pelagischen Archipels. Zu der Inselgruppe gehören das unbewohnte, kleine Lampione und die 50 Kilometer weiter nördlich gelegene Insel Linosa. Neben einer faszinierenden Unterwasserwelt vermag Lampedusa vor allem durch leuchtend klares Wasser und einen flirrenden Traumstrand zu bezaubern: den Strand auf der Südseite, dem die Kanincheninsel (Isola dei Conigli) vorgelagert ist. Wasserschildkröten nutzen einen Abschnitt dieses geschützten Gestades, um dort alljährlich ihre Eier abzulegen.
Im gleichnamigen Hauptort der Insel Lampedusa leben etwa 5000 Menschen. Trotz der Abgeschiedenheit ist die Inselbevölkerung keineswegs überaltert. Die jungen Menschen bleiben gerne auf „ihrer“ Insel, die dank des Ausbaus touristischer Einrichtungen auch immer mehr Arbeitsplätze bietet. Hinzu kommen die immer noch reichen Fischgründe, die eine kleine, aber leistungsfähige Industrie der Fischverarbeitung am Leben halten. Seit einigen Jahren ist auf Lampedusa ein Rundkurs mit einem Bus eingerichtet, der auch die wichtigsten Badeplätze anfährt.
Lampedusa ist ausserdem wichtigster Stützpunkt der größten Fischereiflotte Italiens, die im sizilianischen Mazzara del Vallo beheimatet ist. Wenn die von bullenstarken Motoren angetriebenen Fischkutter in stürmischen Nächten Schutz suchen im Hafen von Lampedusa (manchmal auch vor der tunesischen Marine), dann ist es gelegentlich ein bisschen so, wie es früher gewesen sein könnte, als wilde Piraten im Schutz der Dunkelheit im Naturhafen vor Anker gingen, um ein wenig in den Tavernen der Insel zu tafeln – auf der Insel, die der Sage nach die von Odysseus besungene Lotusinsel war und später eine Zeitlang den Engländern als Gefangenenlager diente. Das heute fast gänzlich kahle Eiland war, wie Grabungen bewiesen, ursprünglich, zumindest stellenweise, dicht bewachsen.
Noch vor 15 Jahren unterhielt die US-amerikanische Küstenwache in Zusammenarbeit mit der CIA eine Funkpeilstation am äussersten westlichen Ende der Insel, von dem aus die Schiffsbewegungen im östlichen Mittelmeer kontrolliert wurden. Die strategisch günstige Lage nicht allzu weit vor der lybischen Küste bescherte der nur 13 Kilometer langen und maximal 3 Kilometer breiten Insel einen Flugplatz, auf dem selbst Jumbo-Jets starten und landen können. Heute macht die Insel gelegentlich Schlagzeilen, weil sie immer wieder das Ziel von Flüchtlingen aus Afrika ist, die meist in desolaten Schiffchen von Tunesien her ankommen und an Lampedusas Küsten stranden, wenn sie nicht schon zuvor in Seenot geraten.
Lampedusa, die Insel, auf der man in den siebziger Jahren noch Mühe hatte, ausländische Banknoten zu wechseln, weil sie zum Teil einfach nicht bekannt waren, hat längst eine ansehnliche touristische Infrastruktur und ist inzwischen üppig mit Hotels bestückt. Sie wachsen aber dank restriktiver Vorschriften nirgends in den Himmel und beeinträchtigen auch nicht den afrikanischen Charakter der Insel.
Unser Tipp: Hotel Alba d’Amore, Telefon +390922-970272, www.albadamore.it im Ortsteil Guitgia. Man hat dort eine Badebucht mit schneeweissem Sand vor der Tür, erreicht über einen Pfad in wenigen Minuten die Cala Galera an der Südküste, und die Bushaltestelle ist auch in der Nähe.
Die kleine Insel Linosa ragt als erloschener Vulkan mit fünf Kegeln aus dem Meer. Sie wird von etwa 200 Menschen bewohnt. Auf den Vulkanböden gedeihen massenhaft Feigenkaktusse, deren Früchte ebenso geerntet werden wie die Seeigel, die man sich als Vorspeise aus der nächsten felsigen Badebucht pflückt. Es gibt einige Ferienwohnungen, die in der Nebensaison am besten direkt vor Ort besichtigt und gemietet werden können. Im August ist auch Linosa hoffnungslos überfüllt.
Jede Nacht, immer eine Minute vor Mitternacht, legt in Porto Empedocle unterhalb von Agrigento, die „Paolo Veronese“ ab, ein Fährschiff der SIREMAR. Von Anfang Oktober bis Ende Mai fällt allerdings eine Fahrt in der Woche aus, und zwar der Kurs am Freitag ab 23.59 Uhr. Entsprechend gibt es während dieser Zeit am Samstag keine Rückfahrt ab Lampedusa. Das Schiff erreicht Linosa jeweils frühmorgens um 5.45 Uhr, Lampedusa um 8.15 Uhr. Zurück geht es ab Lampedusa immer um 10.15 Uhr, ab Linosa um 12.15 Uhr. Bequemer und sehr viel schneller, und das mehrmals am Tag, ist Lampedusa vom Flughafen Palermo (Aeroporto Falcone-Borsellino) aus mit dem Flugzeug zu erreichen.