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Die RBA-Holding kauft einen Anteil der Bank CA St. Gallen, die unlängst zusammen mit zwei weiteren RBA-Banken angekündigt hatte, Finnova statt IBIS einsetzen zu wollen. Versucht die RBA mit diesem "unfreundlichen Akt" den abtrünnigen Banken einen Denkzettel zu verpassen?
Die Nachricht kam überraschend: Am vergangenen Donnerstag teilte die RBA-Holding mit, dass sie nun eine Beteiligung von 4,5 Prozent an der Bank CA St. Gallen besitze. Die Gemeinschaftsorganisation von zirka 50 Schweizer Regionalbanken musste dies publik machen, weil per 1. Dezember 2007 die Meldeschwelle von 5 auf 3 Prozent reduziert wurde. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die Bank CA St. Gallen aus Sicht der RBA "seit längerem als Übernahmekandidatin gehandelt wird." Die Regionalbanken-Vertreter, die den RBA-Verwaltungsrat bilden, hätten den Aufbau der Beteiligung beschlossen, weil "sie nicht länger bereit waren, den Angriffen auf ein bedeutendes Mitglied der Bankengruppe tatenlos zuzusehen", heisst es in der Mitteilung.
"Zum Aussterben verurteilter IT-Saurier"
Bereits im Mai dieses Jahres hatte die St. Galler Kantonalbank (SGKB) einen Anteil von 4,9 Prozent an der CA erworben. Damals hiess es, man wolle einer Liechtensteiner Bank zuvorkommen, die beinahe auf den Bankenplatz St. Gallen vorgestossen wäre. Diese "fürsorgliche Haltung" wurde damals von der CA nicht goutiert, so wie auch jetzt das Vorpreschen der RBA-Holding mit Befremdung betrachtet wird: Die Beteiligung von 4,5 Prozent wurde ohne Wissen der CA und der übrigen RBA-Mitgliedbanken aufgebaut.
Was steckt wirklich hinter dieser Aktion? Beobachter glauben, dass die RBA-Pool-Mitgliederversammlung, die nächste Woche stattfinden wird, Hinweise auf eine mögliche Antwort geben könnte. Wie seit September bekannt ist
, wird an dieser Mitgliederversammlung entschieden, ob die RBA-Banken in Zukunft weiterhin die Kernbankenlösung IBIS des Berner IT-Dienstleisters und Softwareherstellers RTC einsetzen werden, oder aber – wie von der Bank CA St. Gallen und zwei anderen Ostschweizer RBA-Banken angestrebt – dieser Zwang aufgelöst wird und somit jede Mitgliedbank frei wäre, jene Bankensoftware einzusetzen, die sie möchte.
Die drei Ostschweizer Banken wollen sich von IBIS lösen, aber weiterhin im RBA-Verbund bleiben. Sie möchten von IBIS auf Finnova umsteigen, weil ihrer Ansicht nach die Neuentwicklung von IBIS nicht vorankommt und folglich diese Bankenlösung den Bedürfnissen nicht mehr entspricht. Die 'NZZ' schrieb am vergangenen Samstag, dass diese von den RBA-Banken eingesetzte und mitfinanzierte Plattform als "zum Aussterben verurteilter IT-Saurier" gilt. Dieser Meinung war auch die Migros Bank, die bereits im August die Reissleine zog
und sich nun nach dreissig Jahren von IBIS abwenden und Finnova einführen wird.
"Kein freundlicher Akt"
Da die RBA-Banken und RTC-Kunden die Kosten von IBIS selbst tragen und mit dem Abgang der Migros Bank ein riesiges Loch entstand, wäre bei einem Ausstieg der RBA-Banken aus der Ehe mit RTC das Ende der IBIS-Plattform nahe. Die Frage ist, was die RBA-Holding mit der Beteiligung von 4,5 Prozent bezwecken will. Stefan Kaspar, Mitglied des Kaders von RBA-Service, sagt gegenüber inside-it.ch, dass die Beteiligung "absolut nichts" mit Informatikfragen zu tun hat: "Die RBA-Holding hat damit auf den Umstand reagiert, dass die Bank CA St. Gallen - notabene ein bedeutendes Mitglied der RBA-Gruppe - als Übernahmekandidatin gehandelt wurde und dass direkte Konkurrenten von Regionalbanken unumwunden ihre Interessen an einer Übernahme der Bank CA St. Gallen in der Öffentlichkeit darlegten", so Kaspar.
Stephan Weigelt, Geschäftsleitungsvorsitzender der Bank CA St. Gallen, betont gegenüber inside-it.ch, dass sich die Position der drei Ostschweizer Banken mit dieser Beteiligung nicht geändert habe. Die RBA-Holding könne mit dieser Beteiligung den Entscheid nicht in ihrem Sinne beeinflussen. Eher im Gegenteil: "Das war kein freundlicher Akt. Andere Mitgliedbanken werden sich einige Fragen stellen."
Die 'Finanz und Wirtschaft' mutmasste derweil in ihrer samstäglichen Ausgabe, dass bei einem Bruch zwischen der RBA und der CA die Beteiligung weitergereicht würde. Als Käufer könne die SGKB auftreten, die ja bereits knapp 5 Prozent der CA besitzt. "Das wäre sicher nicht im Interesse der auf Unabhängigkeit bedachten Bank CA", so die Wirtschaftszeitung.
Die RBA-Holding scheint also eine Art Druckmittel in der Hand zu haben. Sollte dieser "unfreundliche Akt" wirklich ein Versuch gewesen sein, die RTC-RBA-Ehe zu erhalten, so dürfte dieser Schuss nach hinten losgegangen sein. Nun wird die Mehrheit der RBA-Banken entscheiden, ob sie diese Spielchen weiter mitmachen oder stattdessen auf einen unabhängigen Bankensoftware-Anbieter umsteigen will. (Maurizio Minetti)