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Seit Februar war es dauerhaft viel zu warm für die Jahreszeit und die Vegetation entwickelte sich früher als üblich. In den letzten Tagen kam es aber zu einem massiven Kälteeinbruch mit Frost, wobei grosse Schäden in der Landwirtschaft zu beklagen sind.
Ungewöhnliche Kälte
Am 10. April wurde noch ein Höchstwert von beinahe sommerlichen 23.4°C gemessen, danach ging es mit den Temperaturen ziemlich bergab. Acht Tage später schneite es wiederholt und die Landschaft in Mörschwil war zeitweise leicht angezuckert. In den folgenden Nächten sank die Temperatur sogar in den Frostbereich. Am kältesten war es dabei am Freitagmorgen mit -1.9°C. Bereits in den Jahren 2016, 2014 und 2013 gab es in der zweiten Aprilhälfte noch leichten Frost, allerdings lagen die Temperaturen dabei jeweils nur einige Zehntelgrade unter dem Gefrierpunkt.
War der Kälteeinbruch auch verglichen mit den letzten Jahrzehnten ungewöhnlich heftig?
Um dies herauszufinden, wurden die Daten der Wetterstation St. Gallen verwendet. Die Tagesmittelwerte sind als Diagramm öffentlich zugänglich: Meteoschweiz.
Der 19. April wies ein Tagesmittel der Temperatur von knapp unter 0°C auf. In der zweiten Frühlingshälfte, also von Mitte April bis Ende Mai war es letztmals im Jahr 2001, also vor 16 Jahren so kalt. Vor der Jahrtausendwende waren derart kalte Tage allerdings nicht so selten. Von 1970 bis 1999 ereigneten sich zehn vergleichbare Kälteeinbrüche. Letztmals deutlich kälter war es vor beinahe fünf Jahrzehnten: Im Jahr 1969 wurde nach Mitte April ein Tagesmittel von -2°C gemessen. Dies war wohl auch der Kältererkord für die zweite Frühlingshälfte, da dieser ebenfalls um -2°C liegt.
Also kann festgehalten werden: Für das Klima des bisherigen 21. Jahrhunderts handelte es sich tatsächlich um für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrige Temperaturen. Verglichen mit dem 20. Jahrhundert traten allerdings ähnliche Fröste mehrmals pro Jahrzehnt auf, waren daher kein Extrem.
Die Wärme war mitschuldig!
Die ebenso ungewöhnliche Wärme seit Februar sorgte dafür, dass sich die Vegetation viel früher und schneller entwickelte als in den letzten Jahrzehnten. Der Februar war 2.5°C wärmer als normal, der März gar 3°C. Die Angaben beziehen sich hierbei auf das Mittel von 1981 bis 2010. Auch die erste Aprilhälfte war viel zu warm, damit war die Temperatur eigentlich etwa drei bis vier Wochen im Vorsprung – gefühlt hatten die Pflanzen also schon Anfang Mai. Nun kam der Frost, so stark wie es im Mai im vergangenen Jahrhundert erst einmal geschehen war. Auf so etwas sind die Pflanzen schlichtweg nicht vorbereitet und dementsprechend nahmen viele Blüten Schaden.
Die tiefste Lufttemperatur der Ostschweiz in tieferen Lagen hat Meteoschweiz in Ebnat-Kappel mit -6.2°C gemessen. Der Boden kühlt allerdings in klaren Nächten wesentlich stärker aus als die Luft. So wurden in der gleichen Nacht in fünf Zentimetern Höhe über Boden -10.9°C registiert! (Quelle: Meteoschweiz).
Erhebliche Schäden – eines der teuersten „Unwetter“ des Jahres?
Wie das St. Galler Tagblatt berichtet, seien in der Ostschweiz zwei Drittel aller Rebentriebe erfroren. Noch schlimmer traf es einen Bauernhof in Jona: Laut der Zürichsee Zeitung seien dort sogar 80% der Obstblüten zerstört. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass der Kälteeinbruch eines der folgenschwersten Wetterereignisse des Jahres war. Von Unwetter spricht man bei Frost eigentlich nicht, aber dieser hat wohl für ähnliche Zerstörungen gesorgt, wie Hagelzüge, die meist nur kleine Gebiete betreffen. Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und hoffe, dass die Ernteausfälle letztendlich nicht allzu gross sind.