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übrigens viel weiter zurück. Schon im vorigen Jahrhundert zerzupften z. B. die ärmeren,
sparsamen Bewohner des
Harzes Strumpflumpen und die Lumpen grober lockerer Wollgewebe und verspannen die so gewonnene
Wolle
wieder. Doch blieb dies nur eine durch örtliche Verhältnisse aufgekommene Hausindustrie. Von England verpflanzte sich die
im Großen betriebene Kunstwollfabrikation auf den Kontinent, welcher England längst überflügelt hat.
Zahlreiche Kunstwollfabriken bestehen in Frankreich, Belgien, Deutschland und Österreich, hier namentlich in Berlin, Düren,
Würzburg, Wien, Prag, Brunn, Reichenberg, Linden vor Hannover, Bodenwerder, Reichenbach im Voigtlande etc.
Man unterscheidet zwei Sorten von Lumpenwolle, Mungo und Shoddy. Die erstere stammt von gewalkten Wollstoffen,Tuchen
u. dgl. und ist kurzhaarig, weil das Öffnen dieser
Stoffe eine gewaltsamere Bearbeitung erfordert; zur andern dienen gestrickte, gewirkte, gehäckelte Lumpenzeuge, die sich
leichter lösen und einen längern Faserstoff ergeben. Die Vorarbeit besteht in einem gründlichen Auslesen unter Entfernung
aller nicht wollenen Teile, wofür zuweilen auch noch das Auflösen derselben durch
Schwefel- oder
Salzsäure
in Anwendung kommt, Reinigen auf der Putzmaschine, Sortieren nach den verschiednen Farben etc.
Es gibt hierfür besondere große Sortieranstalten, die den Spinnereien vorarbeiten.
Die Verarbeitung der maschinenfertigen Lumpen geschieht auf einem sog. Wolf, einer
Maschine, in welcher eine rasch umlaufende
mit spitzen Stahlzinken besetzte Trommel gegen entgegengesetzt stehende
Zinken wirkt und die zwischengeführten
Lumpen in lauter lose Fasern zerreißt. Die Zahl der
Zinken und die Geschwindigkeit des Umlaufes ist natürlich für Shoddy
geringer als für Mungo. Die letztere Sorte wird vom Lumpenwolf weg in Ballen verpackt und an die Wollspinner versendet,
während die Shoddy noch, unter Einölung mit
Baumöl, eine Bearbeitung auf einer Reißkrempel erhält,
welche die Fasern geradestreckt und sie zu einer losen
Watte vereinigt. In manchen Fabriken werden die Lumpen nicht trocken,
sondern naß oder selbst unter Wasser bearbeitet, sodaß also die zerreißende Maschinerie in einem Wasserkasten steht. Neue
Lumpen (Schneiderabfälle) werden für sich verarbeitet und geben die beste Sorte Mungo.
Gewöhnlich fabriziert man aus einer besondern Auslese neben den beiden Kategorien noch eine dritte unter dem Namen
Extrakt.
In den Spinnereien (einzelne Anstalten verspinnen ihr Produkt gleich selbst zu Garn) werden dann diese Produkte im Gemisch
mit mehr oder weniger neuer
Wolle, lange Shoddy aus Strumpflumpen wird sogar allein versponnen und die
Garne zu allen Geweben verwendet, zu welchen Streichgarne gebraucht werden,
Tuch,
Buckskin,
Düffel, schwere und leichte Rock-
und Hosenstoffe, Köperzeuge,
Teppiche, Decken etc. Je nach Umständen erhält die
Wolle 30-60% alte Ware; ja ordinäre Gewebe
bestehen oft ganz aus solcher. - K. ist zollfrei, Lumpen ebenfalls. Garne gem.
Zolltarif im Anh. Nr. 41
c 3,. Gewebe Nr. 41 d 4 bis 6.
(lat. Cuprum, frz.
cuivre, engl.
copper). Das K. nimmt hinsichtlich seiner technischen Wichtigkeit seinen Rang gleich nach dem
Eisen ein, in der Vielseitigkeit
seiner Verwendungen steht es demselben sogar voran. Die Kenntnis und Verarbeitung des roten Metalls mag
in weit ältere Zeiten zurückgehen als die des schwerer zu gewinnenden und zu behandelnden
Eisens; denn bevor dieses in Gebrauch
kam, hatte man, nicht nur K., sondern selbst
Bronze, hatte also schon gelernt, durch
Legierung des Kupfers mit
Zinn gleichsam
ein neues, gießbares, härteres Metall zu schaffen. In Mexiko und in Amerika überhaupt waren die Eingeborenen selbst bei
der Entdeckung ihres Weltteils durch die Europäer selbst noch nicht über kupferne Waffen und Geräte hinausgekommen, wogegen
die Schwarzen durch ganz Afrika nicht nur
Eisen schmelzen und verarbeiten, sondern wo es sich findet auch
K. Die alten germanischen Völker, die so gute Eisenarbeiter waren, müssen vor ihrer Bekanntschaft mit den Römern das K. nicht
gekannt haben, da sie keine nationale Benennung dafür hatten, denn unser „Kupfer“ sowie die ähnlichen schwedischen,
dänischen und andre Namen kommen vom lat. cuprum, und dieses führt über
Griechenland nach der Insel Cypern (Kypros), woher die alten Ägypter und Griechen ihr K. holten.
Das Metall ist das einzige rote; im frisch polierten Zustande ist seine Farbe und sein Glanz wohlgefällig, aber nicht lange
dauernd, da es den Einflüssen von Luft und Feuchtigkeit nicht gut widersteht. Auf frischen Bruchflächen
und galvanoplastisch auf einer Fläche niedergeschlagen zeigt das Metall ein schönes mattes Blaßrot. Der Witterung ausgesetzt,
wird das Metall allmählich grün durch Bildung einer Schicht von sog.
Grünspan, die zugleich als Schutz gegen tiefergehende
Oxydation dient.
Dieser
Grünspan ist nicht dasselbe wie der
Grünspan des Handels (s. d.), sondern besteht aus einem
Gemenge von Kupferoxydhydrat mit Kupferkarbonat. Das K. ist nahezu neunmal schwerer als Wasser, schmilzt bei Gelbglühhitze,
taugt aber nicht zum Gießen oder doch nur zu ganz einfachen Gußstücken, da es die Formen nur unvollständig ausfüllt.
Beim Schmelzen verdampft es etwas und die Dämpfe verbrennen mit schön grüner Flamme. Es ist härter
als
Gold und
Silber und fast ebenso dehnbar als diese, denn es läßt sich zu den feinsten Blättchen ausschlagen und zu den
dünnsten
Drähten ausziehen.
Vermöge seiner Dehnbarkeit läßt es sich kalt hämmern und treiben, wird dabei zwar hart und federnd, nimmt aber immer
wieder seine ursprüngliche Weiche an, wenn es geglüht und in Wasser abgelöscht wird. Das K. legiert
sich leicht mit allen Metallen,
Eisen ausgenommen, und bildet damit gleichsam neue besonders geartete Metalle, deren einige
eine hohe technische Wichtigkeit haben. Die gute Leitungsfähigkeit des K. für elektrische Ströme macht es auf einem andern
Felde wichtig und unentbehrlich. Neben so manchen guten Eigenschaften hat das K. aber auch die schlimme,
daß alle seine Verbindungen giftig sind, und schon das Metall selbst erregt auf der Zunge einen häßlichen Geschmack und
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mehr
stößt gerieben einen eben solchen Geruch aus. Indes auch diese üble Eigenschaft wird noch nützlich verwendet beim Gebrauch
des K. zu Schiffsbeschlägen. -
Das K. kommt in der Natur teils gediegen, teils in Form von allerlei Erzen vor. Gediegen K., das auf Gängen und Klüften
in Begleitung von Kupfererzen und andern Metallen, zuweilen kristallinisch, öfter in Platten, Blechen,
verästelt, moosförmig etc. auftritt, ist im allgemeinen der Masse nach unbedeutend und öfter
wegen zu großer Verteilung nicht zu gewinnen; nur zwei Länderstriche sind bekannt, wo gediegenes K. in großen Massen sich
findet, erstlich am Ural und tiefer in Sibirien, im Kirgisenlande, und dann in Nordamerika am Obern See.
Hier sind schon öfter Massen von 1000 bis 3500 kg aufgefunden worden, der größte Kupferriese aber im Juli 1869 in einer
Tiefe von 144 m unter der Oberfläche. Diese schon freigelegte enorme Platte ist 19 m lang und 9½ m breit, bei einer
mittlern Dicke von 1.2 m, und verspricht einen Ertrag von nahezu ½ Mill. Dollar. Das natürliche Gediegenkupfer ist äußerlich
braun oder grün angelaufen und gewöhnlich gleich zum Einschmelzen tauglich. Die Erze des Kupfers sind entweder Verbindungen
des Metalls mit Sauerstoff, also Oxyde, und Verbindungen dieser mit Säuren, oder sie sind Verbindungen
des Kupfers mit Schwefel und heißen dann Kupferkiese. Die Oxyde, welche sich am leichtesten verhütten lassen, kommen gerade
seltener vor, und so hat man sich denn meistens an die geschwefelten Erze zu halten, denen den Schwefel auszutreiben seine
großen Schwierigkeiten hat.
Das angenehmste Erz ist das Rotkupfererz oder der Kuprit, welches Kupferoxydul ist und in sehr reinem
Zustande gegen 89% Metall ergibt. Unter den in Australien vorkommenden schönen Kupfererzen macht dieses einen beträchtlichen
Anteil aus. Hierher gehört auch das sog. Ziegelerz, ein rotes erdiges Gemenge von Rotkupfererz
und Brauneisenstein. Ferner Malachit und Kupferlasur, welche aus kohlensaurem Kupferoxyd bestehen. Das
erstere, schön grün, ist namentlich in Sibirien zu finden und dient in seinen besten Stücken als Material für die Steinschneiderei,
sodaß nur der Abfall und die kleinen Stückchen zur Verhüttung verbleiben, die übrigens der Größe nach bis zur Sandform
herabgehen. Ähnlich ist es mit der schön blauen Lasur, deren reinste Stücke zu Malerfarbe verarbeitet
werden. Diese sauerstoffhaltigen Erze bedürfen nur einer einfachen Schmelzung mit Kohle unter Zusatz von Kalk u. dgl., um
sogleich ein metallisches Rohprodukt, das Schwarzkupfer zu geben.
Die viel mehr Arbeit erfordernden Schwefelerze sind hauptsächlich folgende: Kupferglanz (Graukupfererz, Kupferglaserz, Redruthit,
Chalkosin), aus Schwefel und K. nebst kleinen Mengen andrer Schwefelmetalle bestehend, enthält etwa 80%
Metall;
Kupferkies oder Chalkopyrit, Schwefeleisen mit Schwefelkupfer, mit 35% K.;
Buntkupfererz (Bornit), mit denselben Bestandteilen,
aber weniger Eisen und 56% Kupfer. Es ist das am häufigsten vorkommende und zugute gemachte Erz.
Außerdem wird noch, namentlich
im
Mansfeldischen und in Kurhessen, Kupferschiefer verhüttet, ein thoniger und kalkiger, durch Kohle
geschwärzter Schiefer, welcher in feiner Zerteilung verschiedne geschwefelte Kupfererze, außerdem etwas Silber und Zink enthält.
Die Mansfelder schieferbauende Gewerkschaft produziert aus diesem Material jetzt 60000 Ztr. K. und
darüber.
Obgleich hier schon die Natur mit einem Zerkleinerungs- und Schlämmprozesse vorgearbeitet hat, ist das Ausbringen doch
um nichts weniger mühsam als bei den eigentlichen Schwefelerzen. Die Bearbeitung dieser besteht in einem mehrfach wiederholten
Rösten und Schmelzen mit schlackenbildenden Zuschlägen, wobei zunächst neben Schlacken kein Metall, sondern immer wieder
Schwefelkupfer erschmolzen wird, nur daß der Schwefel mehr und mehr abnimmt. Diese Zwischenprodukte heißen im allgemeinen
Stein (Rohstein, Dünnstein, Konzentrationsstein etc.). Aus dem besten Stein
wird schließlich durch Schmelzen mit Kohle Schwarzkupfer erhalten, das noch alle fremden Metalle der Erze enthält.
Unter diesen ist nur das Eisen so gern gesehen, daß man es in Ermangelung der Schmelze sogar zusetzt. Es hilft das K. vom
Schwefel reinigen, indem es sich mit diesem selbst zu Schwefeleisen verbindet. Das Schwarzkupfer kann noch
enthalten kleine Mengen von Schwefel, Eisen, Blei, Antimon, Arsen, Wismut, Zink, Nickel und im besten Falle auch Silber. Ist dieses
so genügend vorhanden, daß die Ausbringung etwas abwirft, so wird das Schwarzkupfer erst ausgesaigert. Man schmilzt es
mit einer größern Menge Blei zusammen, gießt daraus Scheiben und setzt sie in einem Ofen zwischen Kohlen
der Hitze aus.
Das ausfließende Blei nimmt den Silbergehalt mit. Das noch unverkäufliche Schwarzkupfer wird in einem Flammenofen in Garkupfer
verwandelt. Es werden dabei durch die Hitze und Gebläseluft die fremden Metalle teils in Dampfform verjagt
(Antimon, Arsen, Zink), teils zu abfließenden Schlacken oxydiert, während das K. der Oxydation am längsten widersteht. Nach
beendeter Gare wird das im Ofen flüssig stehende K. gerissen, d. h. man besprengt die Oberfläche
mit Wasser, sodaß sich durch die Abkühlung sogleich eine feste Scheibe bildet, die man mit Haken wegzieht.
Das Spritzen und Abziehen wird so lange wiederholt, bis der Tümpel des Ofens erschöpft ist. Die so gewonnenen Scheiben
heißen Rosettenkupfer.
Auch in diesem Zustande ist das Metall, trotzdem es schon rot aussieht, noch nicht völlig brauchbar, da ihm die Hämmerbarkeit
fehlt. Dies ist die Folge des beim Garmachen unvermeidlich mit entstehenden Kupferoxyduls, das in der
Masse mit enthalten ist und durch ein abermaliges Umschmelzen mit Kohle noch zu Metall reduziert werden muß. Diese Arbeit
heißt das Hammergarmachen und wird oft auch erst auf den Kupferhämmern vorgenommen. Das so geläuterte K. wird sogleich
zu prismatischen Blöcken von 3-9 dm Länge ausgegossen, welche Hartstücke heißen und in der Regel
mit der Marke des betreffenden Hüttenwerks gestempelt sind. Auf den Kupferhämmern, die aber jetzt größtenteils Walzwerke
sind, werden
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