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Wenig ästhetischen Spielraum für den Bau einer Präsenzbibliothek
Die Ästhetik dieses Architekten hängt eng zusammen mit Struktur im Sinne von Konstruktion im Spannungsfeld von konstruktiver Rationalität und surrealistischer Phantastik, wobei allerdings unverkennbar ist, dass die hier gegebene Aufgabe, der Bau einer rechtswissenschaftlichen Präsenzbibliothek für eine so geartete Ästhetik naturgemäss wenig Spielraum bietet.
An klassischen Vorbildern fehlt es gerade in der Schweiz nicht: es genügt, an die Klosterbibliotheken von St. Gallen und Einsiedeln zu denken: Diese kennzeichnen sich dadurch, dass die Regale den Wänden entlang hochgeführt und durch Galerien erschlossen sind.
Und nun das Erstaunliche: Calatrava, der Konstrukteur von Flughafenterminals, Bahnhöfen und Konzerthallen, beschränkt sich im vorliegenden Fall darauf, den ingenieurtechnischen Hochseilakt fast unsichtbar, im Dach versteckt, zur Aufführung zu bringen, während er sich für die Bibliothek selbst auf das klassische, will sagen (in unseren Breitengraden), das barocke Muster der Präsenzbibliothek stützt.
Das heisst, er baut Regale, den in diesem Fall konkav geschwungenen Wänden entlang aufgestellt und durch Galerien für die Benutzer erschlossen, Regale, die zusammen mit den Schalen ihrer Rückwände ihrerseits ein gebautes Kabinettstück schweizerischer Präzisions-Möbelschreinerei darstellen, wobei auf den Galerien noch Arbeitsplätze angeordnet sind, so dass die Bestimmung des Raums als Bibliothek gar nicht unmittelbar erkennbar ist, weil man die Regale als solche vom zentralen Lichthof aus nicht sieht.