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Der frühere Finanzminister Lawrence Summers betonte das Risiko eines plötzlichen Abschwungs in der Wirtschaft nach einem Anstieg des Beschäftigungswachstums, welches sich im letzten Monat verstärkt hat. Die Anzahl der neuen Stellen stieg um 517'000 gegenüber den prognostizierten 198'000 neuen Stellen. Die Zahlen stellten alle Erwartungen in den Schatten. Ich kann mich nicht erinnern, dass es je so schwierig war, die US-Wirtschaft zu lesen", sagte Summers gegenüber Bloomberg.
Eine Schlüsselfrage nach dem Anstieg der neu geschaffenen Stellen ist, ob dieses Jobwachstum "zu mehr Ausgaben der Konsumenten führt und die Wirtschaft ein Stück weit ankurbeln kann". Oder kommen Unternehmen irgendwann zu dem Schluss, dass sie zu viele Arbeiter und zu hohe Lagerbestände haben. "Dann werden wir einen ziemlich plötzlichen Stopp sehen", so Summers.
Die Arbeitslosenquote sank im Januar auf 3,4 Prozent, den niedrigsten Stand seit 1969. Trotz diesem erfreulichen Wert sagte er, es sei möglich, dass sich das Muster der jüngsten Entlassungswelle bei grossen Technologieunternehmen auf breiterer Ebene in der gesamten Wirtschaft widerspiegeln werde. "Aber das ist sicher alles andere als eine zuverlässige Prognose."
Lohnwachstum kühlt sich ab
Eine ebenso spannende Frage sei, ob sich die jüngste Verlangsamung der Lohninflation fortsetze. "Wirtschaftsmodelle hätten das Ausmass des Gewinnsprungs Ende des Jahres 2022 nicht vorhergesagt", sagte er. Das aktuelle Tempo bei den Gewinnen entspricht nicht dem, was sie eingepreist hätten. Die Frage sei jetzt, ob die Inflation weiter rapide zurückgehen werde. Wenn dies nicht der Fall sei, werde eine sogenannte weiche Landung in der Wirtschaft schwieriger.
Während Summers letzte Woche noch betonte, dass eine Lockerung der Finanzbedingungen – zum grossen Teil dank Rallyes bei Aktien und Anleihen – die Fed beunruhigen sollte, unterliess er es, Jerome Powell, den Vorsitzenden der amerikanischen Notenbank Fed, dafür zu kritisieren, dass er in seiner Pressekonferenz vor einer Woche solche Besorgnisäusserungen vermieden hatte.
"Ich denke, die Fed leistet gute Arbeit bei der Darstellung der erheblichen Unsicherheiten in der Wirtschaft. Die politischen Entscheidungsträger erkennen, dass es sehr schwierig sein wird und sie versuchen, die Daten Monat für Monat richtig zu interpretieren, so dass zu viele Überraschungen ausbleiben." Die Gefahr bestehe immer noch darin, dass der Inflationsrückgang "vorübergehend sein wird – ich denke, dass das Risiko grösser ist", sagte er.
Gleichzeitig meint der ehemalige Finanzchef, dass die Dynamik rund um die jetzt positiven, inflationsbereinigten Zinssätze "nicht den Stellenwert bekommen, den sie eigentlich verdient haben. Das ist eine Art Verschärfung der finanziellen Bedingungen, die von den Standardindizes nicht erfasst wird", erläutert Summers. Jerome Powell, Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, betonte diese Dynamik auch in seiner Pressekonferenz vor einer Woche, als die Fed ihren Leitzins um 25 Basispunkte anhob. Die Realzinsen "über die gesamte Zinskurve hinweg sind positiv", stellte der Fed-Vorsitzende fest.
(Bloomberg)