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Konzerte, die sich lohnen

Antonio Vivaldi
Gloria in D, RV 589
Die Entstehung der Komposition fällt in die Zeit, als Vivaldi am Ospedale della Pietà als führende Persönlichkeit des Instituts tätig war. Das Ospedale diente ursprünglich der Beherbergung von ausgesetzten oder verwaisten Mädchen. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts stammten die Mädchen jedoch meistens aus den besseren Patrizierfamilien in und um Venedig, die so die hohen Summen der Mitgift umgingen und ihr Geld für die männlichen Nachkommen sparten. Die Töchter erhielten den Novizinnenschleier und genossen gleichzeitig - so das Konzept des Ospedale - eine musikalische Förderung. Das Ospedale war also eine Art klösterliches Konservatorium für Mädchen aus besserem Hause und führte einen Chor und ein Orchester, wobei die Begabtesten als Solistinnen ausgebildet wurden. Ganz integer ging es im Haus allerdings nicht zu und her, hatten doch die Mädchen nicht selbst ein religiöses Leben gewählt. Von weltlicher Kleidung, Lockenwicklern, Kontakt mit Liebhabern, ausgelassenen Tanzfesten bis hin gar zu Prostitution war die Rede, was allerdings den musikalischen Ruhm der Mädchen und des Hauses nicht schmälerte.
Die Talentiertesten konnten sich durchaus mit ihren bedeutendsten männlichen Kollegen messen und traten immer wieder auch an der Oper oder in Konzertsälen auf. Sie trugen so massgeblich zum Unterhalt des Instituts bei, das weit über Venedig hinaus bekannt war.
Lange Zeit hatte man sich gefragt, wie Vivaldis vierstimmige Chorsätze, so eben auch das Gloria RV 589, aufgeführt worden waren, denn es fanden sich zwar Besetzungslisten, allerdings ohne die Erwähnung von Männern, stattdessen mit Namensangaben wie Paulina dal Tenor' oder Anneta dal basso'. Daraus lässt sich schliessen, dass die jungen Frauen auch die Bass- und Tenorpartien übernahmen. Gegen die Annahme, dass die Stimmen einfach eine Oktave höher erklungen seien, als wir sie heute im gemischten Chor aufführen, spricht vor allem die Stimmführung der Komposition. Die neuere Forschung nimmt an, dass Frauen mit einer von Natur aus tiefen Stimme damals mittels einer besonderen Technik teilweise im Tenor- und sogar im Bassregister ausgebildet worden seien.
Das Gloria in D gehört zu Vivaldis berühmtesten Chorwerken. Manche Arien dieses Werkes, so das Domine Deus und das Qui sedes, unterscheiden sich von der damals üblichen Da-capo-Arie und folgen der Ritornellform, wie sie auch in Instrumentalwerken verwendet wird. Das ganze Werk scheint in seinen reichhaltigen Kontrasten und seinem Reichtum an musikalischen Mitteln eher dem Aufbau eines mehrsätzigen Concerto grosso zu ähneln und sich nicht so sehr auf den im Werk verwendeten Text zu stützen. Zwischen 1713-1719 entstanden, fällt es denn auch in die Zeit, als viele von Vivaldis grossen Instrumentalwerken entstanden sind. Seine innere Geschlossenheit, die Vivaldi durch die motivische Verzahnung einzelner Sätzen erreicht, und das hohe kompositorische Niveau machen das Gloria in D zu einem der bedeutendsten geistigen Vokalkompositionen des 18. Jahrhunderts.
Literatur:

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©opyleft Monday 16. Dec 2002, 12:00, by Daniel Schönenberger <<email-pii>>
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