Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/1068

Noch nicht in Dämme gezwängt und für die Stromproduktion genutzt, dynamisch und eigen, so präsentierte sich wohl die Aare im Gründungsjahr. Es war im Frühjahr 1880, als sich sämtliche Pontoniere von Klingnau gemeinsam mit den Schifferleuten zu einem Verein zusammentaten unter dem Namen Pontonierfahrverein Klingnau, um sich im regelrechten militärischen Fahren zu üben; 44 Männer erklärten sich bereit, beizutreten.
Erst ab dem Jahre 1894 fand man es nötig, die Protokolle abzulegen, welche am Anfang sehr spärlich gehalten sind. Es galt wohl noch; ein Mann – ein Wort! Mit dem Amt eines Protokollführers war auch das Kassier-Amt verbunden. Aus diesem Grunde ist es einigermassen begreiflich (wahrscheinlich ist der erste Aktuar ein Geldmensch gewesen!), dass wir in den ersten Jahren der schriftlichen Aufzeichnungen nur von einer Jahresrechnung lesen. Die Art der Rechnung war einfach und für uns, mehr als ein Jahrhundert später, amüsant zu lesen. So wurden im Protokoll 1895 unter anderem folgende Ausgaben festgehalten:
13. Jan. Für 1 Fass Bier im Rebstock Fr. 6.–
14. Feb. Für 1 Brief nach Aarau samt Postpapier und Couvert Fr. –.15
21. Sept. Für 1 Fass Bier im Rebstock Klingnau Fr. 5.70
21. Sept. Für 1 Fass Bier im Engel Klingnau Fr. 7.50
Es scheint, der Pontonierfahrverein habe zu jener Zeit nicht aus lauter Abstinenten bestanden. Wie bei jedem Verein wechselten auch bei den Klingnauer Pontonieren Hoch und Tief miteinander ab. War es einmal das liebe Geld, das böses Blut schaffte, ein anderes Mal der schlechte Fahrübungs- oder Versammlungsbesuch, sodass man 1899 «unentschuldigte Versäumnisse mit 50 Cts. büsste».
Der Kraftwerksbau gilt als Wende für die Pontoniere. Am 7. April 1935 ist der Aufstau der Aare beendet, lieb gewordene Wirbel und Wasserläufe für immer verschwunden. Die Umsiedelung in den Koblenzer Giritz, unser bis heute angestammtes Trainingsgelände, erfolgte dann erst nach den Kriegsjahren. Der Abschied vom «alten Trainingsgelände» wurde gebührend mit einem Wasserfest gefeiert, weitere folgten später noch. Im Juli 1945 wurde das erste Rayonwettfahren nach dem Krieg in Koblenz durchgeführt. 3000 Zuschauer säumten damals die Ufer unterhalb der Eisenbahnbrücke Koblenz – Felsenau. Für den Nachwuchs organisierten wir bereits viermal ein Jungpontonierwettfahren.
Die soziale, gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung der Klingnauer Pontoniere wird im Städtli auch wahrgenommen. So hatte man bereits ab 1913 am einst legendären Klingnauer Fasnachtsumzug teilgenommen, welcher heute wieder fest im Jahresprogramm ist. Mit der Stadtmusik betreiben wir die Zythüsli- Beiz am Winzerfest in Döttingen, der Wagen am Umzug ist Ehrensache. Das Fischessen beim Vereinshaus am Stausee in Klingnau ist mittlerweile auch nicht mehr wegzudenken.
Nach dem Eidgenössischen Wettfahren 1982 hat der Verein an der ausserordentlichen GV 2008 dem Vorschlag des Vorstandes zugestimmt, das «Eidgenössische» 2012 nach genau 30 Jahren wieder durchzuführen.
Aktuell umfasst die Sektion der Pontoniere Klingnau 18 Jungpontoniere und 82 Aktiv Mitglieder.