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Die Säumerglocken verstummten allmählich und die privaten Postpferdehalter mit ihren grossen Brückenwagen konnten auf den neuen 5-6 m breiten „Comercialstrassen“ 30 – 40 Zentner schwere Lasten mit geringer und gleichmässiger Steigung transportieren. Das Mittelalter war endgültig vorbei und der neue Bund der Eigenossen übernahm nur ein Jahr später am 1. August 1849 das Postwesen.
Von nun an ertönten vom hohen Bock der grossen Postkutschen die Posthornsignale der Postillione. Der Septimerpass hatte fortan als Handelsstrasse ausgedient und verlor jegliche Bedeutung in der Verkehrsgeschichte Bündens. Die Julierpassstrasse wurde zwischen 1800 und 1826 ausgebaut währendem die Strecke zwischen Chur und Bivio erst 1840 dem Verkehr übergeben werden konnte. Die neue „Obere Strasse“ erlaubte von nun an den durchgehenden Verkehr von ein- bis fünfspännigen Postwagen. Die Julierpost beförderte 1847 696 Passagiere während anfangs der 1870 Jahre nach und nach auf allen Bündner Pässen die achtplätzigen „Coupè-Landauer Wagen“ und die sechsplätzigen „Coupè-Kaleschen“ eingeführt wurden. Nach 1881 explodierte der Reisendenverkehr über den Julier von etwa 1‘000 auf über 22‘000 im Jahre 1900. Nach Eröffnung der Albulabahn brach er auf etwa 1‘500 im Jahre 1908 zusammen.
Postillione und Kontukteure in ihren blauen Uniformen, dem wackeren Wetterhut die silberne Plakette der Eidgenössichen Postverwaltung auf der Brust flössten sie allen Reisenden grossen Respekt ein. Mit der Zeit erlangte gar mancher Postillon eine grosse Meisterschaft in einem Beruf. Das waren gerade jene mit einer besonderen Liebe zu ihren Pferden welche sie ohne Peitschenhilfe führten. Solche virtuose Postillone, die nebenbei sich noch als gute Posthornbläser kundtaten waren Fluregn Frank von Rona, die Gebrüder Hosang von Mutten oder der Glarner Kaspar Hefti. Alle Postillone waren Angestellte der Pferdehalter während die Kondokteure Angestellte der Postverwaltung waren und nur bei den Pferdewechselstationen durchfuhren.Die Kleider der Postillone wurden von der Postverwaltung in ausreichender Zahl zu handen der Postillone zugestellt. Sie bestanden aus einem Postillonhut, einer Jacke, Aermelweste, Hose und Mantel sowie einer Pelerine. Ein paar Hosen kostete damals etwa Fr. 7.-. Kost und Logis hatten die Postillone beim Postpferdehalter daneben erhielten sie noch zwischen Fr. 40.- und höchsten Fr. 50.- Monatslohn.
Eine einfache Fahrkarte von Chur bis Tiefencastel kostete im Coupe/Banquette Fr. 8.70 währendem im Intereur Fr. 7.25 zu bezahlen waren. Tiefencastel – Silvaplana Fr 12.70 / Coupe/Banquette und Fr. 10.55 im Interieur. Auf dem festen Verdeck des Landauers konnte leichtes Gepäck verladen werden. Das meiste Gepäck musst aber durch zwei bis vierspännigen Brückenwagen nachgeführt werden.
Um die starken Steigungen zwischen Chur – Malix und Churwalden – Parpan auszuweichen, wählte man für schwere Ladungen den Umweg über Thusis – Schyn. Auf dieser Route war es möglich Ladungen von 40 – 50 Tonnen bis Sils zu bringen. Dorthin sandte dann der Postpferdehalter in Tiefencastel vier weitere Zusatzpferde als Vorspann und so brachte man die volle Churer Ladung durch den Schyn nach Tiefencastel. Für Hafertransporte fuhr man morgens um vier Uhr in Tiefencastel los, dann wurde in Chur geladen und gleichentags noch bis Bonaduz gefahren. Die nächste Uebernachtung war dann in Sils und nach nur 3 Tagen war man wieder zurück in Tiefencastel. Dies dreimal pro Woche.Während den Sommermonaten befanden sich insgesamt etwa 130 Pferde im Dorf Tiefencastel. Ein Viererzug der Postkutsche hatte in der Regel gleichfarbige Pferde: Vier Schimmel, vier Rappen oder vier Füchse. Im Winter verbrachte man die überzähligen Pferde ins St. Galler Rheintal zu Bauern zur Feldarbeit oder zu Mühlen- und Brauerei-Betrieben.
Tiefencastel zählte im Sommer täglich 32 ankommende und abgehende Posten. Die erste kam nachts von Chur um 0100 Uhr an und die letzte fuhr um 2300 Uhr von hier Richtung Bergün weg. Die Nachtpost befördert nur wenige Reisende. Mehrheitlich wurde sie benutzt für Fleischwaren, Geflügel und Fische.
Der Fourgonverkehr von Thusis nach Tiefencastel benötigte meistens vier Vierspänner und weiter bis Vedutta am Julier Hospiz vier Fünfspänner. Ab Julier fuhren Pferde von Kieni in Silvaplana. Die beladenen Wagen fuhren jedoch weiter bis Silvaplane und kehrten am folgenden Tag mit Waren aus dem Engadin zum Pferdewechsel auf dem Julierpass wieder zurück.
Mit der Eröffnung der Albulabahn im Jahre 1903 zerschnitt die neue Dampfbahn den alten Hauptverkehrsstrang in Tiefencastel. Nach 1904 sah es so aus, als hätten Julier und Albula für jeden grösseren Durchgangsverkehr endgültig ausgedient. Die Pferdepost bediente noch das Oberhalbstein und fuhr mit zweispännigen Postkutschen bis Silvaplana, im Winter mit zweispännigen Schlittenkursen bis Bivio.Die Lohnkutscher von Balzer warteten noch 3 – 4 Jahre auf dem Bahnhofplatz in Tiefencastel auf Touren nach Mulegns, Bivio, Bergün und Lenzerheide. Es gab aber auch Tage an den sie vergebens anstanden und auf aussteigende Reisende hofften. Der Tiefstand in der ereignislosen Verkehrsgeschichte leitete über in die neue Zeit der Motorfahrzeuge.
Die müden Rosse waren ausgespannt,
Das Lied der Postillone verklungen;
Denn die Maschine hat den Berg bezwungen.
Und jauchzt den Sieg mit hellem Pfiff durchs Land:
Gegolten hats, die Höhe zu erreichen,
Die trotzigstarren Felsen mussten weichen
Mit Bundesbeschluss vom 5.4.1919 ermächtigte die Postdirektion in Graubünden den Postautokurs einzurichten. Die ersten gelben Postwagen fuhren ab Tiefencastel im Jahre 1920 bis Mühlen und zwei Jahre später gar bis Bivio. Das Bündnervolk verwehrte den privaten Motorfahrzeugverkehr bis 1925 die Zulassung und ein späteres Gesetz wurde ebenfalls nur knapp angenommen. Der eigentliche Siegeszug der Auto und Motorräder begann erst im Jahre 1927. Im Jahre 1930 passierten insgesamt 269 Motorfahrzeuge den Julierpass aber immerhin noch 39 Fuhrwerke.
Posthorn-Signale
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