Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03296.jsonl.gz/1264

In den 1970er Jahren beschrieben Wissenschafter erstmals das Burnout-Syndrom als Reaktion auf chronischen Stress im Beruf. Heute geht man davon aus, dass bei Burnout in hohem Masse auch Persönlichkeitsfaktoren beteiligt sind. Perfektionismus kann zum Beispiel das Risiko für eine Erkrankung erhöhen. Doch gab es natürlich schon vor der wissenschaftlichen Beschreibung Erschöpfungszustände – auch in der Zürcher Kantonalbank. Ein sehr frühes Beispiel betraf einen der Direktoren. Er wollte 1886 seine Demission einreichen, weil «die Geschäftslast ihm allmählich zu schwer werde & er das Gefühl habe, dass er körperlich & geistig abgearbeitet sei». Zwei Bankräte versuchten, ihn zum Bleiben zu bewegen, mit Erfolg. Ob nach seinem Verbleiben Entlastungsmassnahmen für seine Person eingeleitet wurden, ist nicht bekannt. Als er ein paar Jahre später starb, wurde in seinem Nachruf hervorgehoben, dass er stets mit grossem Eifer und Gewissenhaftigkeit am Werke gewesen sei.
Im Falle eines Kassiers sind die getroffenen Massnahmen hingegen überliefert. Der Mann litt, so steht es im Bankratsprotokoll vom April 1905, an einer «krankhaften Ängstlichkeit». Er wurde in eine ruhigere Abteilung versetzt. Explizit wurde festgehalten, dass diese Massnahme keinesfalls «den Charakter einer Strafe» haben solle. Die Bemerkung lässt bereits auf eine gewisse Sensibilität im Umgang mit den betroffenen Mitarbeitenden schliessen.