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A Dry White Season ist ein wenig bekannter Film aus dem Jahr 1989 über die Apartheidzeit Südafrikas. Susan Sarandon, Donald Sutherland und Jürgen Prochnow sind in Hauptrollen zu sehen, in einer kleinen Nebenrolle ausserdem Marlon Brando. Die Musik von Dave Grusin stammt aus einer erfolgreichen Schaffensperiode, in der Kompositionen wie Havana, Milagro Beanfield War, The Bonfire of the Vanitiesund The Fabulous Baker Boys entstanden.
Bruce Kimmel spricht in den liner notes von „one of his [Grusin’s]best“, was wieder einmal recht übertrieben ist. Die Musik ist eher zurückhaltend, dezent, auch die afrikanischen Einflüsse sind (zum Glück?) besonnen eingesetzt. Ebenfalls würde ich den Score als insgesamt eher untypisch für Grusins sonst so auffälligen, sofort erkennbaren Stil bezeichnen, auch wenn einzelne Momente wie etwa der Beginn von Aftermath/Dead Children seine deutliche Handschrift tragen, ebenso wie die afrikanisch angehauchten Stücke (Dead Children, Wife Waffles), in denen sein Jazzstil durchschimmert.
A Dry White Season beginnt mit Happier Times, einem stillen, elegischen und in seiner Gesamtheit nichts gutes verheissenden Thema für Streicher und Holzbläser, fast sowas wie ein „Koda für den Beginn“, wenn man das überhaupt so ausdrücken kann. Dieses Thema wird desöfteren Verwendung finden und erinnert mich von der Stilistik her lustigerweise etwas an Ennio Morricone.
Dramatisch wird es in Monsters Win/Funeral Parlor mit Timpani, Snares und Blechbläsern. Das zu hörende 4-Noten-Spannungsmotiv mit den staccati nimmt Grusin auch in späteren Tracks wie Flashbacks oder The Search/Christmas in the Park etc. wieder auf.
Der Score dreht sich hauptsächlich um die drei Elemente Titelthema, Spannungsstücke und afrikanische-Grusin-Klänge. Da der Score (ohne Bonus Tracks) knappe 30 Minuten dauert und sich auf 15 Tracks aufteilt, ist es nicht ganz einfach hier ein Hörfluss zu finden, das ist sicher einer der Schwachpunkte von A Dry White Season.
Das Booklet von Kritzerland ist wieder äusserst bieder ausgefallen, gerade mal drei Absätze sind der Musik gewidmet. Das ist insbesondere für eine limitierte Veröffentlichung einfach schwach und spottet fast jeder Bescheibung. Dass dabei keinerlei Erwähnung zweier Tracks (Intro von Ben’s Death und Source Music 2), die Grusin 1992 für seine Jazz-CD „Migration“ (auf der ausserdem erstmals Milagro Beanfield War zu hören war) neu arrangieren und erweitern würde, ist demnach auch nicht weiter verwunderlich.
Insgesamt eine nette Addition in die Grusin-Sammlung. Mehr aber auch nicht.
Phil, 3.3.2011
A DRY WITH SEASON Dave Grusin Kritzerland KR20017-8 36:10 Min./19 Tracks Limitiert auf 1000 Stück