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Wechsel kommt in sehr vielen Bedeutungszusammenhängen vor, etwa in Wildwechsel. Hier geht es um das Wertpapier.

Als Wechsel - oder Wechselbrief - bezeichne ich ein Wertpapier, das eine unbedingte Zahlungsanweisung des Ausstellers an den Bezogenen enthält, bei Fälligkeit an einem bestimmten Zahlungsort eine bestimmte Geldsumme an den Aussteller oder einen benannten dritten Zahlungsempfänger zu zahlen.
Der Wechsel wird als Zahlungsmittel und als Kreditmittel verwendet - wobei er so und so am Aussterben ist. Als Zahlungsmittel wurde er durch den Scheck abgelöst, den es auch bald nicht mehr - oder eben nur bei speziellen Geschäftsfällen - gibt.
Der Wechsel ist der Sache nach ein Schuldschein. Als Zahlungsmittel hatte der Wechsel die Funktion Geld- und Goldtransporte, die überdies auch oft geraubt wurden, zu umgehen und eine relativ klare Besitzurkunde darzustellen, die nicht ohne weiteres von Unberechtigten eingelöst werden konnten.

Wechsel auf die Summe von 1000 Gulden, ausgestellt auf Johann Nestroy als Direktor des Wiener Carl-Theaters, 1854
Formular
Bildquelle: Wikipedia
Quasietymologisch stammt das Wort von wehsal (althochdeutsch für Tausch). Die Wechselurkunde tauchte als „wesselbref“ erstmals 1393 in Köln auf mit der Formulierung „darinne was eyn wesselbref besloten van 25 guldenen“ (Wikipediageschichte).
Im Kontext von gesetzliches Zahlungsmittel - in England 1833 - stritten Ökonomen darüber, ob Banknoten Geld oder Wechsel seien, weil sie keinen Geldbegriff hatten. In diesen Diskussionen werden Wechsel und Scheck nicht unterschieden. - D. Ricardo war Vertreter der Golddeckung, die von Bankleuten als unnätig bezeichnet wurde, weil Wechsel auch nicht mit Gold gedeckt sind.
In Geldgeschichten werden verschiedenste Dokumente über Schuldverhältnisse als Vorläufer von Geld bezeichnet. Sie werden wahllos als Schuldschein, Wechsel oder Scheck bezeichnet und als Kreditmittel aufgefasst.
Ein kleine wunderbare Geschichte zum Wechsel, die auch wunderbar kurzverfilmt wurde:
Ein Tourist legt in einem Hotel eine 100-Dollarnote auf die Theke und bittet um einige Zimmerschlüssel, damit er mal nachschauen könne, ob Ihm die Zimmer gefallen würden. Die 100 Euro seien als Sicherheit. Der Hotelier gibt ihm alle Schlüssel, da er keinen einzigen Gast hat. Als der Gast verschwunden ist, um sich die Zimmer anzusehen, rennt der Wirt zum Metzger und gibt dem die 100 Euro und sagt, dass damit seine offen stehenden Rechnungen ja wohl bezahlt seien. Er rennt zurück in sein Hotel. Der Metzger läuft zum Bauern, gibt dem die 100 Euro und sagt; für das Schwein letzte Woche, das noch zu bezahlen ist. Der Bauer geht zur einzigen Prostituierten des Dorfes und gibt ihr die 100 Euro, weil er noch seine beiden letzten Besuche bei ihr zu zahlen hat. Die Prostituierte rennt zum Hotel und übergibt dem Hotelier die 100 Euro, die sie ihm noch für 2 Zimmermieten mit Kunden schuldet. In dem Moment kommt der Tourist die Treppe herunter und sagt, dass ihm keins der Zimmer gefallen würde. Er gibt dem Hotelier die Zimmerschlüssel, nimmt seine 100-Dollarnote und verlässt das Hotel. Alle Schulden sind bezahlt und keiner hat Geld.
Ein paar erläuternde Anmerkungen:
In der (wohl nicht geführten) Buchhaltung des Hoteliers sind 100 Dollar beim Kreditor und 100 Dollar beim Debitor, die Bilanz ist also 0. Würde der Metzger anstelle von Geld den Schuldbrief der Hure übernehmen, hätte der Hotelier immer noch 0 Vermögen, aber keine Schulden und keine Guthaben mehr.
Dasselbe gilt für alle Beteiligten.Die Hure hatte am Anfang Guthaben beim Bauern und Schulden beim Hotelier, in ihrer Bilanz also auch 0 Dollar.
Die Dollarnote fungiert als Wechsel, sie wechselt ihren Besitzer, der aber nicht eingetragen wird, weil es eben Geld und kein Wechsel ist.
Die Geschichte zeigt gut, dass Geld nur eine Grösse ist, mit welcher die Schulden und Guthaben bewertet werden. Sie zeigt auuch, dass eine Banknote wie ein Wechsel weitergegeben werden kann, wobei die Banknote als Wertpapier erscheint oder gar grob verallgemeinert als Urkunde, was dann oft auch noch mit Vertrag verwechselt wird. Viele Ökonomen und Geldhistoriker leiten aus solchen Geschichten ihre Geldbegriffe ab.
Wechsel und Zins aus S. Kenawi: Falschgeld
Der Wechsel ist, wie vieles in der Geschichte, nicht das Produkt bewusster Entscheidungen, sondern Ergebnis von Vermeidungs- und Umgehungsstrategien.
Das Zinsverbot zwingt Kaufleute und Bankiers zinstragende Kredite am Verbot vorbei zu vergeben. Der Kredit wird deshalb in das Gewand des Wechsels gekleidet. Der Wechsel ist ursprünglich eine Urkunde, die dazu dient, den gefährlichen Bargeldtransport überflüssig zu machen. Dazu zahlt ein Kaufmann am Ausgangsort seiner Reise bei einem Wechselbankier die am Zielort benötigte Geldsumme in bar ein, wofür er einen Wechselbrief erhält. Mit diesem reist er durchs Land, um ihn am Zielort bei einem kooperierenden Wechselbankier einzulösen. Von diesem erhält er einen Geldbetrag, der seinem eingezahlten Betrag abzüglich Wechselgebühr entspricht, in der vor Ort üblichen Münzsorte. Der Wechsel erspart dem Kaufmann so nicht nur den Geldtransport, sondern beinhaltet zugleich den Münzwechsel.
Indem die Kaufleute sich wegen des Zinsverbotes des Wechsels als eines Kreditpapiers bedienen, werden nicht nur Kredit und Zins verschleiert, das Wechselrecht entwickelt auch eine Eigendynamik, infolge derer aus dem Wechsel über den Umweg der Banknote Papiergeld und schließlich Buchgeld wird. In diesem Prozess wird das antike Münzgeld nach und nach verdrängt und schließlich ganz abgeschafft. Das moderne Bargeld ist im Gegensatz zum mittelalterlichen Münzgeld nicht mehr Ausgangspunkt, sondern Folge der Buchgeldschöpfung. Doch der Weg dahin war lang und verschlungen. Er soll nun Schritt für Schritt nachgezeichnet werden.