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Ausgrabungen in den Dorfteilen „Schlangern“ und „Leimern“ belegen, dass es schon in der mittleren Steinzeit, also vor mehr als 5000 Jahren, nomadisierende Jäger-Fischer in unserer Gegend gab.
Ebenso zeugen Ausgrabungen im Dorfteil „Badhaus“ von römischen Siedlungen.
Mit den Burgundern und Alemannen begann wohl die dauernde Besiedlung von Pieterlen. Die Lage zwischen französisch sprechenden Burgundern und deutsch sprechenden Alemannen hat sich auch in den frühesten Namenformen niedergeschlagen, finden wir doch gleichzeitig „Perla“, „Pelle“ und „Perles“ neben „Peterlo“, „Bieterlon“ und „Pieterlen“.
Die älteste erhaltene Urkunde von einer Kirche Pieterlen stammt von 1228 und zwar vom Bischof von Lausanne. Die erste Erwähnung der Edlen von Pieterlen geschieht in einer Pergamenturkunde von 1255. Die ältesten erhaltenen Siegel dieser Ritter - mit dem aufrecht gehenden Löwen, nach denen das heutige Wappen geschaffen worden ist - stammen von 1273.
Wann und unter welchen Umständen Pieterlen, das kirchlich zum Bistum Lausanne gehörte, unter die weltliche Herrschaft der Fürstbischöfe von Basel geriet, steht nicht fest. Der unnatürliche Verlauf der Südgrenze des Fürstbistums zwischen Neuenstadt und Pieterlen lässt auf langwierige Auseinandersetzungen mit dem Grafenhaus von Neuenburg-Nidau schliessen.
Die ersten genaueren Angaben über die Rechts- und Grenzverhältnisse gibt uns der „Rodel von Pieterlen“, datiert aus dem Jahr 1370. Durch Kauf ging Pieterlen 1416 an das Kloster Bellelay (im Jura) und von nun an zinsten (bezahlten Steuern) die Pieterler Bauern ihrem neuen Grundherrn, dem Abt von Bellelay.
Die neuen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse dauerten 400 Jahre lang, bis Pieterlen 1815, nach den kurzen Wirren der Franzosenzeit, zum Staat Bern geschlagen wurde.
In diese Zeit fällt auch der grosse Dorfbrand, welcher am 30. August 1726 ausbrach und in wenigen Stunden 28 Häuser und etliche Speicher und Scheunen in Asche legte.
In Pieterlen bestand zunächst eine gemischte Gemeinde, wie man sie als Verbindung von Burger- und Einwohnergemeinde im Jura noch heute antrifft. Doch die beginnende Industrialisierung und die allgemeine Bevölkerungszunahme, verbunden mit der Niederlassungsfreiheit, brachten Schwierigkeiten wegen der Verwendung der burgerlichen Güter, an denen die nichtburgerlichen Einwohner Anteil verlangten.
So kam es zu einem Ausscheidungsvertrag, der am 1. Januar 1861 in Kraft trat: Der Burgergemeinde fielen zur Hauptsache Wald und Land zu, während die Einwohnergemeinde mit einem Kapital von 80 000 Franken ausgesteuert wurde.
Mit der Einführung der Bundesverfassung von 1848 profitierte Pieterlen von den liberalen Ideen betreffend Menschen- und Bürgerrechte ebenso wie vom Aufschwung von Wissenschaft und Technik:
So wurde aus dem Bauerndorf ein Industrieort und aus den Acker- und Rebbauern und Kleinhandwerkern wurden Industrie- und Heimarbeiter. Erst nach 1950 stellte sich jedoch ein gewisser dauernder Wohlstand ein. Nachdem die Uhrenstein-Industrie 1983 und die Ziegelei 1997 , welche das Dorf jahrzehntelang geprägt hatten, aus dem Wirtschaftsleben Pieterlens verschwanden, ist das vorläufig letzte Kapitel der Geschichte Pieterlens abgeschlossen.