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Am Montag dem 27. Februar 2017 hat das Parlament von Bangladesch beschlossen, dass Ehen für Frauen unter 18 Jahren in gewissen Fällen möglich sein sollen.
Ein solcher Fall ist beispielsweise eine Schwangerschaft. Wenn also eine 15-jährige schwanger ist, soll es künftig möglich sein trotz Minderjährigkeit heiraten zu können. Rebecca Momin, Vorstehende des Parlamentskomitees für Frauen und Kinder begründet den gesetzlichen Schritt damit, dass unverheiratete schwangere Mädchen vor allem in den ländlichen Gebieten von der Familie, der Schule und der Gesellschaft verstossen würden. Es sei deshalb wichtig, dass schwangere Mädchen heiraten könnten, um sie vor dieser Isolation zu schützen.
Verschiedene Menschenrechtsorganisationen hingegen kritisierten das neue Gesetz scharf. Sie sehen die Schwangerschaft als möglichen Weg, ein Mädchen früher zu verheiraten und somit ein Rückschlag bezüglich Kindsschwangerschaft und Kindersterblichkeit. Zudem steige das Risiko, dass Mädchen sexueller Gewalt und aufgezwungener Schwangerschaften ausgesetzt sind, weil dies dann eine Heirat ermögliche. Das Gesetz sei auch deshalb nicht nötig, weil gerade auf dem Land nur 1.5% aller Ehen unter 18 Jahren erst nach einer Schwangerschaft stattgefunden hätten. Und schliesslich, definiere das Gesetz ‚gewisse Fälle‘ nicht, womit das Gesetz missbräuchlich verwendet werden kann.
Kindsheirat ist in Bangladesch ein grosses Problem. Im Jahr 2000 wurden 65% aller Mädchen vor dem Erreichen ihres achtzehnten Lebensjahres verheiratet, 38% vor dem Erreichen ihres fünfzehnten Lebensjahres. Die Situation hat sich zwar verbessert, doch noch immer werden 52% vor 18 verheiratet und 18% vor 15 Jahren. Ob das neue Gesetz zu einer weiteren Verbesserung oder einer Verschlechterung führen wird, wird sich erst noch zeigen müssen.
Quellen:
- Bangladesh Weakens Longstanding Law Against Underage Marriage (New York Times, 27.02.2017)
- Bangladesh’s plan to allow some child marriages is ‘step backwards’ (The Guardian, 17.01.2017)
- Human rights groups condemn new Bangladesh child marriage law (CNN, 03.03.2017)