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Hedge-Fonds verkaufen Wertpapiere in Höhe von Milliarden von Dollar, um den Forderungen ihrer Anleger und Kreditgeber nachkommen zu können, und tragen so zu den Verlusten am US-Aktienmarkt bei. Vergangene Woche verzeichnete der Dow Jones Industrial Average den grössten Rückgang innerhalb von zwei Tagen seit dem 20. Oktober 1987.
Eine der grössten Hedge-Fonds-Firmen, die 16 Mrd Dollar schwere Citadel Investment Group, ist von einigen Grossbanken gebeten worden, zusätzliche Sicherheiten bereitzustellen, um die Verluste ihrer Investments zu decken, heisst es unter Branchenexperten. Dabei wurde die von Kenneth Griffin gemanagte Citadel Group bis vor kurzem noch als möglicher Retterin für in Schwierigkeiten geratene Wall-Street-Firmen angesehen. Aber Citadels grösster Hedge-Fonds ist in diesem Jahr um 40% gefallen, was Griffin dazu zwang, Gespräche mit Kreditgebern – darunter Goldman Sachs, Deutsche Bank und Merrill Lynch – zu führen, damit diese Citadels Trades finanzieren.
Gerüchte um Citadel
Laut Citadel-Management handelt es sich hierbei jedoch um normales Geschäftsgebaren in Zeiten fallender Wertpapierkurse. Aufgrund der nicht versiegen wollenden Gerüchte, der Hedge-Fonds stecke in Schwierigkeiten, erklärte Citadel im Oktober bei einer Telefonkonferenz, 30% des Kapitals in Barmitteln und Staatsanleihen zu halten und über noch unausgeschöpfte Kreditlinien von 8 Mrd Dollar zu verfügen.
Die Firma sagte auch, dass sie ihr Risiko und den Einsatz von Fremdkapital verringert habe und dass sich die Performance in der letzten Zeit erholt habe. «Citadel ist ein wichtiger Kunde, und wir machen weiterhin Geschäfte wie gehabt», kommentierte der Goldman-Sprecher Ed Canaday. Ähnlich äusserte sich auch der Sprecher der Deutschen Bank.
Hedge-Fonds erweisen sich aktuell als die neuesten Sorgenkinder im Verlauf der globalen Finanzkrise. Je höher ihre Verluste steigen, desto mehr Wertpapiere müssen sie verkaufen, um den Anfragen der Kreditgeber und Anleger auf Auszahlung nachkommen zu können. Einige Hedge-Fonds haben Geld gehortet, um den Entnahmewünschen der Anleger entsprechen zu können. Sie sitzen auf der Rekordsumme von geschätzten 400 Mrd Dollar. Andere Manager hoffen, dass es sich die Anleger doch anders überlegen und ihre Gelder nicht abziehen.
So oder so entzieht die Welle von Auszahlungsnachfragen dem Markt Geld. «Der Rückzug aus Hedge- und Investmentfonds belastet die Aktien», sagt Mary Ann Bartels, Chefstrategin bei Merrill Lynch. Die Mittelabflüsse kommen zu einem Zeitpunkt, da Investoren – einschliesslich Stiftungen, Pensionsfonds und vermögender Einzelpersonen – auch den Wert ihrer anderen Investments sinken sehen. Teilweise benötigen sie ihrerseits Geld, um eigenen Verpflichtungen nachkommen zu können. Teilweise trauen sie aber auch den Hedge-Fonds keine überragende Performance mehr zu. Zwar sind diese mit 20% dieses Jahr nicht so stark gefallen wie der S&P 500 mit 34%. Aber das Ergebnis ist dennoch enttäuschend, wenn man bedenkt, dass HedgeFonds seit 1990 annualisiert 13,8% Gewinn erzielen konnten.
Das Resultat ist eine Abwärtsspirale. Hedge-Fonds verkaufen wenig liquide Wertpapiere, zum Beispiel Convertible Bonds und Unternehmensanleihen, worauf deren Preise noch mehr in den Keller rutschen, noch grössere Verluste entstehen und die Zahl der verkaufswilligen Anleger wiederum wächst.
Auch Carl Icahn betroffen
Sogar die renommiertesten Hedge-Fonds sind davon betroffen. Carl Icahn erreichten Auszahlungsbescheide in Höhe von einer Mrd Dollar für seinen 7 Mrd Dollar schweren Hedge-Fonds. Bei Highbridge Capital Management, mit 17 Mrd Dollar einer der grössten Hedge-Fonds überhaupt, sollen bis Jahresende 15% abgezogen werden. Highbridges grösster Fonds hat dieses Jahr bereits 22% verloren.
«Mitte Oktober lag der Abfluss von Geldern etwa bei 5%, doch plötzlich schnellte er bei einigen Fonds auf 25%», sagt Gregory Horn, Präsident von Persimmon Capital, einer Firma, die in HedgeFonds investiert. Er selbst forderte 20% der Anlagen des Unternehmens zurück – laut Horn der höchste Level seit 17 Jahren.