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Wie die Ligareform die National League verändert hat
Die Sieger
Genève-Servette ist nicht nur verdienter Schweizermeister, es dominierte auch in der ganzen Saison die Liga mehrheitlich als Spitzenreiter ab dem 9. Spieltag. Nur an insgesamt 8 Spieltagen gab man kurzfristig den ersten Rang ab, einmal an den späteren Finalgegner Biel und einmal an die ZSC Lions. Als souveräner Leader bauten die Genfer ihren Vorsprung zwischenzeitlich auf 7 Punkte aus.
Auch als Verlierer des Playoff-Finals nennen wir den EHC Biel trotzdem einen Sieger. In den letzten Jahren wurde die Mannschaft kontinuierlich aufgebaut und klever verstärkt. In diesem Jahr schaffte sie eine hervorragende und konstante Qualifikation, die sie sogar punktgleich mit den Servettiens beendete. Auch im Final forderte sie den Qualisieger bis zum siebten und letzten Spiel. Die Seeländer spielten auch mit verletzungsbedingten Ausfällen eine Saison ohne Leistungseinbruch und Krisen.
Genève-Servette ist Schweizermeister (JustPictures)
Die Besten
Nach einer perfekten Saison müssen wir hier nochmals den Genève-Servette HC nennen. Die auf allen Positionen stark besetzte Mannschaft konnte auf ihrer klaren Mission nicht einmal vom vormaligen, zweifachen Meister EV Zug im Playoff-Halbfinal aufgehalten werden. Die Genfer hatten gesamtheitlich gesehen auch die stärksten Ausländer, im Speziellen das Trio Omark, Hartikainen und Filppula. Und die Verteidigung wurde souverän vom wohl komplettesten Spieler der NL, Henrik Tömmerness, regiert. Er wurde rechtzeitig für die Playoffs vom offensiv starken Verteidiger Sami Vatanen unterstützt.
Die stabilste Defensive der Liga hatte der ZSC, er liess mit 123 Toren die wenigsten Treffer zu und hatte mit Simon Hrubec dementsprechend auch den besten Torhüter mit 2,3 erhaltenen Toren pro Spiel. Während die Genfer mit 28.14 % die höchste Powerplay-Effizienz hatten, das ist fast 5 % höher als das vom zweitplatzierten Fribourg-Gottéron, war der HC Davos mit 88.39 % das erfolgreichste Team in Unterzahl.
Die Rekorde
Der Genève-Servette HC gewann den ersten Meistertitel in seiner 118-jährigen Vereinsgeschichte und erzielte in der Qualifikation 185 Tore, was ausser dem EV Zug 20/21, keinem Team in den letzten 10 Jahren gelang.
2’979’300 Zuschauer besuchten die Spiele der Qualifikation, Playoffs und Playouts, dies bedeutet einen neuen Rekord in der National League.
Die ZSC Lions schafften dank ihrer neuen Swiss Life Arena einen Zuschauerrekord von 11`459 pro Spiel, das bedeutet europaweit Platz 4 und das sind 3`439 mehr als im Vorjahr. Die National League belegt auch in diesem Jahr in Europa den ersten Platz im Zuschauerranking mit 7`005 pro Spiel, obwohl man den eigenen Rekord von 7`074 Zuschauern aus der Vor-Corona Saison 2019/20 ganz knapp verpasste.
Der 41-jährige Berner Verteidiger Beat Gerber, der seit 25 Jahren in der höchsten Spielklasse aktiv ist, ist mit 1270 Spielen absoluter Rekordträger der National League. Er beendete in diesem Jahr seine Karriere beim SC Bern, mit dem er 6 Meistertitel gewann.
Quelle: Alliance of European Hockey Clubs
Die Überraschungen
Dass der HC Lugano nach der Entlassung von Chris McSorley den jungen Luca Gianinazzi als Cheftrainer einsetzte und nun auch längerfristig mit ihm plant, kam doch eher unerwartet. Auch wenn ihm nicht der grosse Aufschwung gelang, schaffte er es aber, Ruhe und System ins Team zu bringen und gewann wenigstens noch die Pre-Playoff-Serie gegen Fribourg diskussionslos mit 2:0.
Der EHC Kloten, vor dem Saisonstart noch mehrheitlich als Abstiegskandidat gehandelt, setzte sich nach harzigem Start dann relativ bald vom Tabellenende ab und erreichte schlussendlich sogar die Pre-Playoffs, wo eine erfreuliche Saison dann aber gegen den SC Bern endete. Besonders erwähnenswert ist, dass die Mannschaft diesen Erfolg mit rund einem Dutzend Spieler aus der Swiss League erreichte. Ein weiterer Beweis für die Wichtigkeit und das hohe Niveau der Swiss League.
Die Enttäuschungen
Dass der EV Zug nicht gleich wieder in den Final einziehen wird, wurde vielerorts vermutet, dass aber die ganze Saison dermassen schwankhaft war und man sich erst in extremis für einen direkten Playoffplatz qualifizieren konnte, hätte man bei diesem Kader doch nicht erwartet.
Die ZSC Lions verpassten den Final klar mit einer enttäuschenden 0:4 Niederlage im Halbfinal gegen den EHC Biel. Den anfänglichen Schwung in der neuen Swiss Life Arena konnte das Team nicht bis in die Playoffs mitnehmen und fand keine Lösung gegen das aggressive Forechecking und das Speedhockey der Seeländer.
Obwohl der SC Bern nach einem 11. und 9. Rang in den beiden Vorjahren in dieser Saison einen Pre-Playoff Platz schaffte und immerhin den Viertelfinal erreichte, gehört er dennoch in diese Rubrik, denn diese Platzierungen liegen weit unter den Erwartungen der Hauptstädter und haben offenbar auch die Zuschauer enttäuscht, deren Zahl seit 2018 von 16`371 auf 14`750 stetig abnimmt.
Die Ausländer
2022/23 waren insgesamt 64.4 % Spieler mit einem Schweizer Pass unter Vertrag, in anderen Worten spielten fast ein Drittel Ausländer in der NL (darunter sind auch Spieler mit Schweizer Lizenz enthalten). Auf der einen Seite machten die Imports die Liga nach dem Ausbau der Ausländerzahl etwas ausgeglichener, sodass auch vermeintlich schwächere Teams erstaunlich mithalten konnten. Auf der anderen Seite dominieren diese erwartungsgemäss noch deutlicher die Spitzenplätze bei Toren und Scorerpunkten, was auch eine Folge von längeren Eiszeiten und mehr Einsätzen bei Überzahlspielen ist. Das sind die Anzahl Schweizer im Top 50-Ranking der letzten 3 Jahre:
Die Aufsteiger
Robert Mayer, dessen Vergangenheit geprägt war durch persönliche und sportliche Rückschläge, wurde vor zwei Jahren in Davos ausgebootet und kehrte auf diese Saison zu Genf zurück. Dort spielte er konstant, steigerte sich in den Playoffs nochmals und lieferte einen entscheidenden Beitrag zum Meistertitel. Zu Recht wurde er nun an der WM in Riga/Tampere zum Nr. 2 Goalie nominiert.
Der österreichische Youngster David Reinbacher spielte sich bei Kloten durch ein ausgeglichenes Defensiv-Verhalten und hervorragende Offensivaktionen in die Notizblöcke der NHL-Scouts und wird nun sogar als Erstrunden-Draft gehandelt.
Vincent Praplan, der 28-jährige Walliser, entfaltete seine feine Lauf- und Stocktechnik erneut bei Meister Genf nach drei schwierigen Jahren in Bern und war bester Schweizer Scorer bei den Calvinstädter.
Tyler Moy, der Amerikanisch-Schweizerische Doppelbürger, profitierte enorm von seinem Wechsel zu den Rapperswil-Jona Lakers, wo für den 27-jährigen Stürmer infolge zahlreicher Neuzuzüge nur noch eine marginale Rolle übrigblieb. Er erreichte mit seinem neuen Verein 51 Scorerpunkte in 52 Spielen.
Die Marathon-Läufer
Auch in der Statistik der Spieler mit der meisten Eiszeit dominieren die Ausländer. Unter den Top 10 findet man nur zwei Schweizer. Die Nr. 1, Henrik Tömmernes, war sage und schreibe 43 % der effektiv möglichen Spieldauer auf dem Eis.
Die Bösen
Wobei das Wort böse im Eishockey nicht notwendigerweise einer negativen Bedeutung gleichkommt, in diesem Sport ist eine gewisse Härte gefragt. Wir zeigen hier lediglich die Statistik der Anzahl Strafminuten. Unter den Top 5 sind dabei 2 Ambri-Spieler. Die Tessiner führen mit total 581 Penaltyminuten auch die Statistik der Teams an.
Die Ärgernisse
Trotz aller Qualität, Unterhaltung und Spannung, die diese Saison bot, erlauben wir uns auch ein paar kritische Punkte, die auch die Fans ärgerten.
Zu viele Video-Konsultationen und die Regel der visuellen Torhüterbehinderung verzögerten einige Spiele erheblich. Auch die Video-Abklärungen betreffend Offside hätte man sich teilweise sparen können, da die vorhandenen Kameras keine eindeutigen Beweise resp. Bilder lieferten.
Und nach wie vor ärgern wir uns über das irreführende Hauptargument der Liga- Verantwortlichen als Grund für die Erhöhung der Ausländerzahl vor der Saison. Wie man inzwischen weiss, haben sich die Lohnkosten überhaupt nicht gesenkt, wohl eher erhöht. Denn es wurden letztendlich keine Ergänzungsspieler, sondern Topleute aus den führenden Ligen Europas, und vor allem aus der KHL, geholt.
Die Neuerungen für 2023/24
Aus den 2021 eingeführten PrePlayoffs werden neu die «Play-Ins», welche die Teams auf den Rängen 7 bis 10 absolvieren. Dabei spielt der 7-Platzierte gegen den 8-Platzierten. Der Sieger ist für die Playoffs qualifiziert. Das Team auf Rang 9 spielt gegen dasjenige auf Platz 10. Der Sieger spielt gegen den Verlierer der Paarung Siebter gegen Achter um den letzten Playoff Platz. Die Serien werden in einem Hin- und Rückspiel ausgetragen und eine Overtime ist nur im Anschluss an das zweite Spiel möglich, falls das Gesamtresultat unentschieden ist.