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Nochmals über die Bücher
Ein Kommentar von Stefan Haller, Redaktor beim General-Anzeiger, zum Info-Anlass… Weiterlesen
von
Titus J. Meier
26. April 2018
09:00
Rudolf kam 1218 als ältester Sohn von Albrecht IV. und Heilwig von Kyburg zur Welt. Er hatte zwei Brüder und zwei Schwestern. Der eine Bruder schlug eine geistliche Laufbahn ein, der andere zog nach Oberitalien, wo er für den Kaiser kämpfen wollte und später in Gefangenschaft starb. Der Überlieferung nach war der Stauferkönig Friedrich II. der Taufpate von Rudolf, der jedoch nicht am Königshof aufwuchs und vermutlich weder Lesen noch Schreiben konnte. Rudolf dürfte sich in jungen Jahren häufig in Brugg aufgehalten haben, wo seine Familie ein festes Haus südlich der Kirche besass. Ab 1200 entwickelte sich die Siedlung beim wichtigen Aareübergang allmählich zu einem Städtchen. Diese Entwicklung wurde massgeblich durch Albrecht IV. und seinen Sohn Rudolf IV. gefördert, die damit politische, militärische und wirtschaftliche Interessen verfolgten.
Trennung der Linien
In Brugg befand sich ein Herrschaftsschwerpunkt, der nach der Besitzteilung von 1232 noch wichtiger wurde. Damals entschlossen sich Albrecht IV. und sein jüngerer Bruder Rudolf III. ihren Besitz zu teilen. Albrecht IV. erhielt dabei die Rechte im Aargau und Frickgau samt den Vogteien über Muri und Säckingen sowie die Eigengüter im Elsass. Rudolf III. bekam die Vogtei über Ottmarsheim, die Orte Willisau und Sempach sowie Laufenburg, die zum neuen Stammsitz wurde. Die Teilung stiftete jedoch Unfrieden in der Familie und 1238/39 kam es zu einem Schiedsspruch durch Bischof Lütold von Basel. In der Urkunde wurde erstmals ein Turm zu Brugg genannt. Der Schiedsspruch brachte zwar eine Klärung, aber keinen dauerhaften Frieden und 1242 soll die Festung (castellum) Brugg durch den Grafen Gottfried von Habsburg-Laufenburg geplündert worden sein, der damals mit seinem Cousin Rudolf von Habsburg in Fehde stand.
Rudolf IV. wird Graf
Im Jahr 1239 machte sich Albrecht IV. auf zu einem Kreuzzug ins Heilige Land, wobei er den Tod fand. Rudolf IV. trat 22-jährig das väterliche Erbe an. Sein Bruder Albrecht V. war damals bereits Domherr in Basel und Hartmann noch minderjährig, womit Rudolf alleiniges Familienoberhaupt wurde. In den ersten Jahren dominierte die Auseinandersetzung mit seinen Verwandten der Linie Habsburg-Laufenburg, die er letztlich für sich entscheiden konnte. Einerseits ging es ihm darum, seine Herrschaftsansprüche durchzusetzen und namentlich am Ober- und Hochrhein zu intensivieren. Andererseits positionierte und bewährte er sich als treuer Anhänger der staufischen
Könige.
Späte Heirat
Erst mit 36 Jahren – und damit verhältnismässig spät – heiratete Rudolf 1254 Gertrud von Hohenberg. Er scheint damals bereits einen unehelichen Sohn gehabt zu haben, über dessen Mutter nichts bekannt ist. Damals waren Heiraten für Adlige mit Machtanspruch keine privaten Angelegenheiten zweier Menschen, sondern waren Politik. Eine klug gewählte Verwandtschaft diente der Sicherung und dem Ausbau der eigenen Stellung. Die Familie Hohenberg hatte ihren Stammsitz im Quellgebiet des Neckars in der Nähe von Rottweil. Durch ihre Verwandtschaft mit den Zollern gehörten sie wie auch die Habsburger in die Gefolgschaft der Zähringer. Getrud von Hohenberg brachte Besitztümer im Elsass mit in die Ehe, was Rudolfs Position in diesem Raum stärkte. Aus der Ehe Rudolfs mit Gertrud gingen sechs Töchter und vier Söhne hervor. Drei Jahre nach dem Tod von Gertrud heiratete er 1284 die erst 14-jährige Elisabeth von Burgund. Ihr Bruder war ein Schwager des französischen Königs. Rudolf wollte mit dieser Heirat den habsburgischen Einfluss auf Burgund verstärken, doch konnte er sich nicht gegen den Einfluss des französischen Königshauses durchsetzen. Die zweite Ehe blieb kinderlos.
Königswahl
Rudolf war über seine Mutter Heilwig mit dem Haus Kyburg verwandt. Die Kyburger waren im schweizerischen Mittelland seit dem Ende des 12. Jahrhunderts die einflussreichste Adelsfamilie. Wie auch die Linie Habsburg-Laufenburg gehörten sie der staufischen Opposition an. Nachdem 1264 der letzte männliche Vertreter der Kyburger gestorben war, handelte Rudolf rasch und sicherte sich Teile des kyburgischen Erbes, zu dem etwa die Städte Winterthur und Frauenfeld sowie Besitztümer im Raum Walensee und zwischen Limmat und Reuss gehörten. 1273 scheint er die restlichen kyburgischen Besitztümer erworben zuhaben, zu denen im Aargau etwa die Orte Aarau, Lenzburg und Mellingen gehörten. Rudolf von Habsburg war nun der mächtigste Adlige im Raum zwischen Freiburg im Üechtland, Luzern, Basel und Konstanz.
1273 trafen sich die Kurfürsten zur Wahl und schlugen unter anderem Rudolf von Habsburg als Kandidaten vor. Dieser belagerte gerade die Stadt Basel als der Burggraf Friedrich von Nürnberg ihn im Lager aufsuchte und fragte, ob er eine Wahl annehmen würde. Rudolf überlegte nicht lange, brach die Belagerung von Basel ab und reiste nach Frankfurt, wo er am 2. Oktober, einen Tag nach der Wahl, eintraf und als König eingesetzt wurde. Seine Frau residierte damals in Brugg und brach nach Aachen auf, wo nach ihrem Eintreffen am 24. Oktober die Krönung stattfand. Erstmals sass nun ein Habsburger auf dem deutschen Königsthron und beendete die Zeit des sogenannten Interregnums («Zwischenkönigszeit»), während derer über die rechtmässige Königsnachfolge gestritten wurde.
König Rudolf I.
Aus dem Grafen Rudolf IV. wurde nun König Rudolf I. (seine Gattin nannte sich von nun an Anna). Zielstrebig festigte er seine Position, wozu er seine Kinder geschickt mit den Reichsfürsten verheiratete und dadurch seine Position festigte. Er strebte erfolgreich die Rückgewinnung des fast vollständig verlorengegangenen Reichsgutes an und baute gleichzeitig den Einfluss der Habsburger aus. Sein Sieg in der Schlacht bei Dürnkrut 1278 sicherte ihm die Herrschaft über Österreich und die Steiermark. Dadurch verlagerte sich auch der Schwerpunkt des habsburgischen Einflussgebiets nach Osten. Rudolf erkannte die Bedeutung der Städte für die Festigung der Königsherrschaft und sicherte sich ihre Unterstützung durch das Ausstellen von Stadtrechtsprivilegien. Dazu dürfte auch Brugg gezählt haben, das 1284 ein Stadtrecht empfangen durfte.
Rudolf war auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt. Bischof Heinrich soll einmal ausgerufen haben: «Herrgott im Himmel, sitze fest, sonst nimmt Dir dieser Rudolf Deinen Platz!»
Keinen Erfolg hatte Rudolf jedoch im Bestreben, vom Papst die Kaiserkrone zu empfangen. 1291 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Im Bewusstsein seines bevorstehenden Todes reiste er nach Speyer, dem bedeutendsten Begräbnisort des römisch-deutschen Königtums. Am 15. Juli 1291, einen Tag nach seiner Ankunft, verstarb er 73-jährig.