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Der Basler Pharma-Konzern Roche verbilligt seine Aids-Medikamente in den ärmsten Ländern der Welt deutlich. Auch soll auf Patentklagen in jenen Ländern verzichtet werden.Dieser Inhalt wurde am 14. Februar 2003 - 08:46 publiziert
Entwicklungs-Organisationen begrüssen den Schritt, fordern aber weitere Zugeständnisse.
In den ärmsten Ländern der Welt sowie in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara verkauft Roche die Medikamente nach eigenen Angaben in Zukunft ohne Gewinn.
Mit den Massnahmen solle den am schlimmsten von Aids betroffenen Ländern der Zugang zu den Proteasehemmern Invirase und Viracept weiter erleichtert werden, heisst es in einer Medienmitteilung von Roche am Donnerstag.
Keine Patentklagen, keine neuen Patente
Man werde die Regierungen in den betroffenen Ländern auch ersuchen, von Steuer- und Zollaufschlägen auf diese Medikamente abzusehen.
In den am wenigsten entwickelten Ländern (gemäss UNO-Kriterien) sowie in Afrika südlich der Sahara will Roche zudem nicht gegen Verletzungen der Patente seiner bisherigen Anti-HIV-und Aids-Mittel vorgehen. Auch will Roche in diesen Ländern keine Patente mehr beantragen für neue Aids-Medikamente oder für solche, die sich noch im Prüfstadium befinden.
Preis ohne Gewinn
In die 49 Länder, die nach UNO-Indikatoren als am wenigsten entwickelt gelten, sowie in weitere 13 afrikanische Staaten südlich der Sahara liefert Roche die Packung Viracept künftig zu einem Preis "ohne Gewinn" von 90.90 Franken und Invirase zu 95.40 Franken.
An 60 weitere Staaten mit niedrigem und "niedrigem mittleren" Einkommen liefert Roche die Packung Viracept und Invirase zum Preis von je 300 Franken. Für Brasilien hat Roche über Mengenrabatte eine separate Regelung getroffen.
Die Preise gelten für Regierungen, institutionelle Anbieter von Anti-HIV-Therapien und für Nichtregierungs-Organisationen (NGO).
Separat verrechnet werden allerdings die Lieferkosten für Fracht, Steuern und Lager. Die lokalen Preise sind deshalb höher.
In der Schweiz verkauft Roche eine Packung der beiden Medikamente an den Grosshandel für 551 Franken. In der Apotheke kostet sie 665.25 Franken.
Die Preise "ohne Gewinn" für die ärmsten Länder sind laut Roche die niedrigstmöglichen Preise, zu denen die Produkte auf kontinuierlicher Basis geliefert werden können. Kosten für Forschung und Entwicklung, Marketing, Vertrieb und firmeninterne Fixkosten seien in den Preisen nicht enthalten.
Kritik am Tempo
Roche hatte zwar im Jahr 2000 nach dem Beitritt zu einer entsprechenden UNO-Initiative ("Accelerating Access Initiative") die Preise für seine Proteasehemmer gesenkt. Dennoch wurde das Unternehmen weiter wegen seiner Preispolitik für Viracept kritisiert, zuletzt im vergangenen November durch die Organisation "Ärzte ohne Grenzen".
Beim Medikament Viracept sei die Preissenkung für die ärmsten Staaten nicht so schnell möglich gewesen, wie Roche selber dies gewünscht hätte, räumte Roche-Sprecher Horst Kramer ein. Der Grund sei, dass das Patent für das Medikament nicht bei Roche, sondern bei Pfizer und Japan Tobacco liegt. Mit diesen hätten zuerst Vereinbarungen getroffen werden müssen.
Die Ankündigungen von Roche wurden am Donnerstag begrüsst. "Ärzte ohne Grenzen" kritisiert allerdings, dass die Massnahmen erst fast drei Jahre nach dem Beitritt des Konzerns zu der UNO-Initiative zustande kommen. Roche sei im Vergleich mit andern Konzernen das Schlusslicht.
Die Erklärung von Bern forderte den Einbezug weiterer Länder, in denen Aids-Medikamente für einen Grossteil der Bevölkerung ebenfalls unerschwinglich seien. Und "Ärzte ohne Grenzen" forderte eine international verbindliche Politik mit Preisabstufungen, die Patienten in armen Ländern den Zugang zu Medikamenten ermögliche.
Auch die Aids-Hilfe Schweiz begrüssten den Schritt von Roche. Ohne den Abbau von Tabus und Ungleichheiten lasse sich aber in der Aids-Frage keine Trendwende erreichen.
swissinfo und Agenturen