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Kritik der Jury
Der Standort des Projektes befindet sich parallel zur Rue des Rosiers, in leicht zurückgesetzter Lage.
Die Autoren des Projektes schlagen einen langen Parkplatz entlang der Strasse vor, was zur Folge hat, dass jeder volumetrische Zusammenhang zum Krankenhaus zunichte gemacht wird. Selbst wenn das im Programm genannte Synergie-Konzept zwischen den beiden Einrichtungen vor allem die Funktionsweise und die Komplementarität der Programme betraf, wäre dennoch auch ein volumetrischer und räumlicher Zusammenhang wünschenswert gewesen.
Das Projekt nutzt die gesamte Breite des Grundstücks, sodass sich die Zimmer auf nur zwei Etagen verteilen, die beide über qualitativ hochwertige Bereiche im Freien verfügen: einen Garten im oberen Teil des Grundstücks und eine weitläufige Terrasse in der zweiten Etage. Durch diese Anordnung können ebenfalls Flure zum Flanieren eingerichtet werden, die jedoch wahrscheinlich in der ersten Etage zu dunkel sind. Eine weitere Konsequenz des Plans sind lange Wege für das Pflegepersonal. Darüber hinaus scheint die Breite der Gänge im Verhältnis zu ihrer Länge schlecht proportioniert zu sein.
Jede Zimmeretage verfügt über einen grossen zentralen Bereich, von dem aus man im ersten Stock in den Garten und im zweiten auf die Terrasse gelangt. Selbst wenn dieses Raumkonzept gewisse Qualitäten besitzt, geht es auf Kosten kleinerer kollektiver Räumlichkeiten, die auf den Stationen sogar ganz fehlen.
Der Eingangsbereich zur Gebäudemitte im Erdgeschoss ist hell und bietet schnellen Zugang zu den Etagen. Linker Hand befindet sich der schwer zu unterteilende Speisesaal, der direkt mit der Küche in Verbindung steht. Letztere wird unzureichend mit natürlichem Tageslicht erhellt. Rechter Hand befindet sich der mit einer Terrasse verbundene Gemeinschaftsraum, welcher einen grossen Teil dieses Flügels einnimmt.
Die Umsetzung des Gebäudes, die einen Dialog zwischen Holz und mineralischem Rauputz etabliert, sorgt für eine gelungene Integration des Gebäudes. Charakter, Art der Durchbrüche, Proportionen und Rhythmus des Gebäudes verleihen dem Komplex jedoch ein relativ neutrales Aussehen, das die Besonderheit von Sainte-Croix nicht widerspiegelt.
Die Jury begrüsst die Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit des Projektes, bedauert jedoch die mangelnde Integration des bestehenden Krankenhauses und des Standorts im Allgemeinen.
Das Gebäudevolumen liegt deutlich über der mittleren Grösse der vorgeschlagenen Kuben.
Beschreibung
Der Standort des Projektes befindet sich an einem Hang im Westen des Dorfes Sainte-Croix mit einem bemerkenswert breiten Sichtfeld auf die umliegende Landschaft. Das zukünftige Gebäude, in dem die Geriatrie und die Alterspsychiatrie untergebracht werden sollen, ergänzt das gemeinschaftliche Gesundheitszentrum «Centre de Soins et de Santé Communautaire (CSSC)» und liegt diesem gegenüber. Der vorgeschlagene Gebäudekomplex fügt sich harmonisch in das Landschaftsbild ein, parallel zur vorhandenen Topografie und innerhalb der Baugrenzen, sowohl im Grundriss als auch im Schnitt. Ein Parkplatz mit 42 Stellplätzen befindet sich in der Rue des Rosiers vor dem Eingang des Gebäudes, links und rechts der Bushaltestelle. Das Projekt behandelt das Grundstück als Ganzes mit übereinander angelegten mineralischen oder begrünten Aussenanlagen. Jeder Garten oder jede Terrasse besitzt eine eigene Identität, wodurch unterschiedliches Ambiente und verschiedene Stimmungen mit diversen Pflanzen- bzw. Baumarten entstehen. Ein markierter Spazierweg, der am Gebäude beginnt, führt im hinteren Teil des Grundstücks langsam bergan und bietet zwei breite Flächen mit Bänken und verschiedenen Ausblicken. Der Garten wird durch eine Reihe von Koniferen begrenzt. Verschiedene, im Projekt verwendete Pflanzen- und Baumarten stehen in direktem Zusammenhang zum Programm. Ein Beet mit Blumen und mehrjährigen Pflanzen schmückt den Garteneingang des Alters- und Pflegeheims. Hinter dem Gebäudekomplex befindet sich ein Obstgarten, der sich den Jahreszeiten entsprechend verändert und den Nutzerinnen und Nutzern somit einen zeitlichen Anhaltspunkt liefert. Koniferen schliessen das Gelände ab und definieren die Gartengrenze.
Der Zugang zum Alters- und Pflegeheim CSSC erfolgt von der Rue des Rosier aus. Das Programm ist im Gebäude selbst in Form von verschiedenen Ebenen mit vertikalen Achsen umgesetzt: Rezeption und Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss, Psychogeriatrie in der ersten und Geriatrie in der zweiten Etage. Die vertikalen Verkehrswege zwischen den Stockwerken sind auf die verschiedenen Nutzer der Einrichtung ausgelegt: Bewohner, Patienten, Personal und Besucher. Die Trennung der Verkehrswege hilft den Nutzern bei der Orientierung und ermöglicht die Kontrolle der Verkehrsströme durch das Pflegepersonal. Horizontale Verkehrswege in Form von freien Fluren sind um die Stationsmitte angelegt. Mit diesen Anti-Demenzfluren können eventuelle Panikattacken oder Desorientierung der alten Menschen schnell erkannt werden. In der Gebäudemitte sind die medizinischen Abteilungen, die Gemeinschaftsfoyers und die verschiedenen Abteilungen untergebracht, während die Zimmer in der Peripherie angelegt sind und den Blick auf Sainte-Croix und die Umgebung freigeben. Hauptziel dieses Konzeptes ist, dem Pflegepersonal die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten und die verschiedenen Verkehrsströme innerhalb des Gebäudes kontrollieren zu können.
Der Plan des Erdgeschosses bietet drei hintereinander angeordnete Bereiche. Der erste dient als Eingang, Empfangs- und Gemeinschaftsbereich. Der Zugang erfolgt in der Gebäudemitte, von der aus die vertikalen Verkehrswege und gemeinsamen Bereiche direkt erreichbar sind. Der Speisesaal und der Aufenthaltsraum sind um den Eingang angeordnet und bieten Zugang zu klar begrenzten Aussenanlagen. Der zweite Teil umfasst die Verwaltung, die verschiedenen Abteilungen und die vertikalen Verkehrswege, während der dritte halb unterirdische Bereich im hinteren Teil des Gebäudes den Technikräumen vorbehalten ist. Das Gesamtvolumen spiegelt das Programm wider. Die beiden Geriatrie-Volumen, die über drei anderen Psychogeriatrie-Einheiten angelegt ist, stützen sich auf eine Basis, die Eingangsbereich und Gemeinschaftsräume klar unterscheidet. Die Volumenbewegungen setzen die Aussenbereiche, die den angrenzenden Programmen entsprechen, in Szene. Durch die Gebäudeöffnungen erhält man einen schnellen Überblick über das Ensemble. Die Gemeinschaftsräume bieten einen weitläufigen Blick auf die umliegende Natur. Im Gegensatz dazu sind die Privaträume, wie z. B. die Zimmer der Bewohner, intimer ausgelegt. Das Projekt soll mit regionalen Materialien umgesetzt werden, und verbindet lokalen Mineralputz mit Holzelementen. Letztere bieten den Bewohnern ein wärmeres Ambiente und bilden eine Art «Verlängerung» der umliegenden Wälder.
Die psychogeriatrische Abteilung im ersten Stock umfasst mehrere Gemeinschaftsräume und bietet den Patienten somit mehr Ruhe. Die Lebenseinheiten können im Bedarfsfall getrennt und geschlossen werden. Der gemeinsame Speisesaal, der sich ebenfalls in der Mitte des Gebäudes befindet, kann direkt von den Pflegeeinheiten aus kontrolliert werden und profitiert von einem natürlichen Lichteinfall von oben. Im Sinne der gewählten Anordnung übereinander gelangt man vom ersten Stock im hinteren Bereich in einen Wintergarten, der in eine überdachte Terrasse übergeht. Jede dieser Aussenanlagen wird somit direkt von einer Pflegeeinheit kontrolliert.
Die geriatrische Abteilung ist um einen grossen Gemeinschaftsraum herum angeordnet, der als Speisesaal und Gemeinschaftraum fungiert und auf eine weitläufige südlich ausgerichtete Terrasse führt. Diese räumliche Gestaltung fördert die Begegnung und den Austausch zwischen den Bewohnern. Die beweglicheren Bewohner der zweiten Etage haben von der ersten Etage aus, welche über vertikale überwachte Verkehrswege zu erreichen ist, Zugang zum Garten.
Jedes Zimmer besitzt eine vom Flur etwas zurückgesetzte Tür, wodurch jeder Bewohner über einen individuellen Eingangsbereich verfügt. Die Zimmer umfassen vier verschiedene Zonen: einen komfortablen Eingangsbereich mit grossen Einbauschränken, ein grosszügiges Bad, einen Schlaf- und einen Aufenthaltsbereich. Durch die grössere Breite im Vergleich zur Länge kann man sich in den Zimmern gut bewegen und sie frei einrichten; sie sind ebenfalls weit nach aussen hin geöffnet. Die Pflegeeinheit verfügt über einen weitläufigen unabhängigen und anpassbaren Bereich, mit einem Empfang für die Familien, einem abgegrenzten Aufenthaltsraum und einer Küche. Für das Projekt werden einfach zu unterhaltende und warme Materialien verarbeitet: Holz für die Wände und matt lackierte Naturholzböden. Das Mobiliar ist in kräftigen und fröhlichen Farben gestaltet, wie z. B. Grün, das die Farbe der umliegenden Natur aufgreift.