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Trotz der erfolgreichen EM-Qualifikation muss Robert Moreno für dessen Vorgänger Luis Enrique überraschend wieder gehen. Dabei soll Enrique selbst die Ausbootung von Moreno verlangt haben.
Am Dienstag liess der spanische Verbandschef Luis Rubiales die Bombe platzen. Der frühere spanische Nationalcoach Luis Enrique kehre nach fünf Monaten per sofort zurück.
Enrique, der frühere Coach des FC Barcelona, war im Juni aus zunächst nicht näher erläuterten persönlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten. Im August gab er bekannt, dass seine neunjährige Tochter an Knochenkrebs gestorben sei.
Moreno, der zehn Jahre als Enriques Assistent gearbeitet hatte, wurde damals als offizieller Nachfolger berufen. Seine Bilanz kann sich sehen lassen – der 42-Jährige marschierte ungeschlagen (sieben Siege, zwei Unentschieden) durch die EM-Qualifikation.
Am 3. September sagte Moreno öffentlich, dass er auf seinen Posten verzichten würde, wenn sein Vorgänger zurückzukommen wolle, und einen Monat später widmete er die spanische Qualifikation dem ehemaligen Barcelona-Chef Luis Enrique.
PR-Desaster vom spanischen Verband
Doch das Band zwischen den einst engen Freunden muss sich in den letzten Wochen zerschnitten haben. Gemäss verschiedenen Medien habe Enrique dem Verband klar gemacht, nur ohne seinen bisherigen Assistenten weitermachen zu wollen. Was genau die Ursache für den Bruch war, ist unbekannt. Vielleicht störte ihn, dass in Umfragen die Mehrheit der Spanier für einen Verbleib von Moreno votierte und ihm die Rolle im Rampenlicht immer mehr gefiel.
Die vermeintlich sanfte Ablösung zum Staus quo vor neun Monaten geriet jedenfalls zur medialen Schlammschlacht. Der Verband soll Moreno nach dem klaren 5:0-Erfolg gegen Rumänien in Madrid informiert haben, dass er die «Furia Roja» nicht zur Europameisterschaft 2020 führen werde, was den ahnungslosen Moreno überrumpelt habe.
Dieser soll in der Garderobe bittere Tränen vergossen haben und sich von den Funktionären «ausgenutzt und betrogen» fühlen, wie «AS» schreibt. Er soll fest damit gerechnet haben, die Früchte seiner Arbeit im Sommer selbst ernten zu können. Die obligatorische Pressekonferenz liess er gleich sausen und reiste in seine Heimatstadt Barcelona.
Die Spieler waren offenbar nicht im Vorfeld über die Pläne des Verbands informiert worden. Viele Stars sollen über den unfreiwilligen Abgang des beliebten Trainers ebenfalls geweint haben. Auch die spanische Goalie-Legende Iker Casillas zeigte sich irritiert über das Trainer-Chaos («Clown-Land, es lebe Spanien»).
Der spanische Verband ist in der Tat nicht bekannt für seine gute Kommunikationsarbeit. Vor eineinhalb Jahren trennte man sich nur zwei Tage vor dem ersten WM-Spiel in Russland von Julen Lopetegui, weil dieser einen Vertrag bei Real Madrid unterzeichnet hatte.
Präsident Rubiales hält nichts von der Kritik und betonte, man sei zwar dankbar für die Arbeit von Moreno, aber der Chef des Projekts sei Luis Enrique.
So darf der ehemalige Real- und Barça-Profi, dessen Vertrag bis zur WM 2022 läuft, den Rekord-Europameister an der EM 2020 coachen. Und Rubiales gibt ihm noch einen Vertrauensvorschuss: «An der EM kann es sehr gut, gut, mittel, schlecht oder sehr schlecht laufen. Aber keinesfalls wird Luis Enrique deshalb entlassen.»