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Das satte Grün des Regenwalds, die leuchtenden Blüten und Vögel, die warme und feuchte Luft konnten nicht ewig anhalten. Verlässt man die tropische Ostküste nach Westen hin und überquert den Great Dividing Range (ein gewaltiger Rücken, stellenweise über 1000 m hoch, der sich entlang der ganzen australischen Ostküste zieht), gelangt man in etwa einer Stunde in die Tablelands, ca. 700 m über Meer. Hier ist es immer noch satt und grün, doch der grosse Teil von dem, was hier vor 200 Jahren noch Regenwald war, musste Platz machen für Kuhweiden und Plantagen. Früchte, Gemüse, Tee und Kaffee werden hier unter anderem angebaut.
Reist man von den Tablelands aus nach Südwesten, wie wir das getan haben, dann werden die Ortschaften rasch klein und liegen weit auseinander, aus grünen Pflanzen werden beige-bräunliche: Savannenbuschland. Die Grenze zum Outback ist nirgends bezeichnet, denn das Outback ist ein mythisches Konzept. “Out back” ist dort, wo man zuerst auf sich gestellt ist, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Dort, wo der nächste Operationstisch zwei, drei oder acht Stunden Autofahrt entfernt ist. Dort, wo man spürt, dass einem die "Zuvielisation" noch nicht auf den Fersen ist. In einer Serie von Blog-Einträgen hatte bereits 2010 versucht, ein Gefühlt davon zu vermitteln, was das Outback ist (diese Einträge sind übrigens immer noch die meist gelesenen, so sagt es meine Blogspot-Statistik).
"out back"
Im Moment sind wir im Outback von Queensland, dort wo eine Station (Schaf- oder Rinderfarm) mindestens 100 km2 gross sein muss, damit sie überleben kann. Wo die Prärie oder Savanne manchmal nur 50 Schafe oder 4 Rinder pro Quadratkilometer erträgt. Wo die Natur nach Regenfällen innert Tagen regelrecht explodiert, das Gras einen Meter hoch schiesst, Fische, Dingos und Kängurus sich vielfach multiplizieren. Wo trockene Flussbette zu 50 km breiten Schwemmebenen werden, die Städte und Stations mehrere Wochen abschneiden können. Wo aber auch mehrere Jahre lang praktisch kein Regen fallen kann. Dann trocknen zuerst die Bäche aus, dann die Flüsse, dann langsam ein Wasserloch (Billabong) nach dem anderen. Früher vertrockneten so Millionen von Schafen, doch in den letzten gut 100 Jahren haben die Farmer gelernt, Dämme zu bauen, Bäche zu stauen und das Grundwasser, das bis zu 1000 Meter tief liegt, anzubohren, um ihre Herden auch dann noch tränken zu können, wenn alles Oberflächenwasser verdunstet ist.
Kein Regen seit drei Jahren
Einige Wasserlöcher sind noch nicht trocken
Das kleinste Bisschen Regen lässt Grün spriessen
Immer noch ein typisches Bild: Brunnen mit Windrad (treibt die Pumpe an) und "turkey's nest dam" (angelegter Weiher)
Wir hatten bereits vor mehreren Monaten die Klagen der Farmer und die Berichte von Reisenden vernommen, dass das QLD- und das NSW-Outback seit über zwei Jahren in der Dürre stecken. Dass mittlerweile viele Stations ihr Vieh in grünere Gebiete näher an der Küste verlegt haben, weil den Tieren sonst das Futter ausgegangen wäre. Wir haben einen Moment lang überlegt, ob wir besser der Ostküste entlang nach Melbourne zurückfahren, aber 2010 sahen wir das Outback nach Regen, jetzt wollen wir sehen, wie es auch sein kann. “Ahhh, it’s shocking, mate!”, warnte uns die Dame im Visitor Information Centre in Hughenden, fügte aber rasch an, dass es immer noch — oder erst recht — ein Erlebnis ist. Doch statt dürre Nationalparks zu besuchen, in denen die Tiere im Überlebensmodus vegetieren und tags kaum zu sehen sind, empfahl sie uns, die kleinen Outback-Städtchen zu besuchen, die jetzt wahre Oasen in der Wüste sind.
Winton, Mutabarra, Aramac, Barcaldine (ausgesprochen “Baakoldn”), Longreach, Blackall, Charleville und wie sie alle heissen. Einst, das heisst von ca. 1880 bis 1970, die Hochburgen der Schafzucht, die Wirtschaftsmotoren Australiens — mehr dazu in einem nächsten Eintrag —, sind sie heute noch Service-Zentren für die verbleibenden Stations und den langen Strom der Wohnwagentouristen. Vor allem die “Grey Nomads”, die stereotypen Pensionierten, die ihr Haus im “kalten” Süden verkauft haben und nun mit 4x4-Zugfahrzeug, tinnie und Wohnwagen migrieren wie die Zugvögel: im Mai in den Norden, im September zurück zu Kindern und Enkelkindern in den Süden.
Schafe scheren, bis ca. 1900 noch von Hand
Der Wohnwagen kann nicht gross genug sein, das Blechboot (tinnie) muss stets mit, wird aber kaum je gebraucht
Die Städtchen sind teilweise extrem klein (50 bis 3'000 Einwohner), und tatsächlich sind sie herausgeputzte Oasen. Und im QLD-Outback ist es wirklich extrem trocken. Winton erhält im Durchschnitt 410 mm Regen pro Jahr, doch seit drei Jahren hat es nie mehr richtig geregnet. Nur noch auf wenigen Weiden tummeln sich einige Schafe oder Rinder und suchen Grashalme. Alles ist grau-beige, auch die Tausenden von Kängurus, die sich tagsüber im Schatten der wenigen Bäume ausruhen: immer eines sitzt aufrecht und spitzt die Ohren, während die anderen vor sich hindösen. Die Känguru-Population profitiert grossartig von all den künstlich angelegten Viehränken und davon, dass Schafe und Rinder im Moment anderswo fett werden. Und wenn es zu dämmern beginnt, dann kommen sie raus, die Kängurus, um in Hundertzahl auf den Highways überfahren zu werden. It’s shocking, indeed! Von Aramac über Barcaldine und Longreach nach Winton: 300 Kilometer und alle 20 Meter ein Kadaver auf oder neben der Strasse. Das Fahren wird zum Känguru-Slalom. Mit dem Velo bekäme man sogar noch die Geruchskulisse dazu. Und die Ironie dabei ist, dass wir bisher tausendfach auf das bekannte “Next 12 km” Schild getroffen sind, auch wenn meistens keine Kängurus zu sehen waren, doch in dieser Gegend steht kein einziges solches Schild.
Windorah, Oase in der Wüste
Altes Ladengebäude in Winton
Silhouetten wie Osterhasen
Schlachtfeld
Überall, nur nicht dort wo viele Tiere überfahren werden …
James Bond wäre unsere neue Superwaffe bestens angestanden
Hörbehindertes Rind