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Klar ist, dass erneuerbare synthetische Treibstoffe («Syn-Fuels») in der Produktion deutlich teurer sind als fossile Energieträger (vgl. Abbildung 1). Die Produktionskosten liegen heute um den Faktor 8 über denjenigen von fossilen Treibstoffen.
Aufgrund der üblichen Lernkurven und Skaleneffekte dürften sich diese allerdings senken lassen – bis 2050 voraussichtlich auf einen Faktor 4 über diejenigen von Benzin, Diesel und Gas. Die Produktkosten machen heute ungefähr einen Viertel der Säulenpreise aus.
Rund die Hälfte besteht aus Steuern und Abgaben, den Rest verschlingen Verteilung, Tankstelle und Marge. Die höheren Produktionskosten von Syn-Fuels wirken sich deshalb gedämpft auf die Säulenpreise an den Tankstellen aus.
Syn-Fuels, die heute um den Faktor 8 teurer sind als fossile Treibstoffe, ergäben Säulenpreise von 3.90 Fr. / l (ohne Mineralölsteuer und Mineralölsteuerzusatz) bzw. 4.60 Fr. / l (mit Min-Öst). Bis 2050 würden sich diese dann auf knapp 2.00 Fr. / l (ohne MinÖSt) bzw. 2.70 Fr. / l (mit MinÖSt) reduzieren (vgl. Abbildung 1, Diagramm rechts). Angegeben sind hier Diesel-Äquivalente unter Annahme konstanter Mineralölsteuer-Ansätze und konstanter anderer Kosten. Fossile Energie wird mit Produktionskosten von 0.04 Fr. / kWh bzw. einem Säulenpreis von 1.68 Fr. / l angenommen, die MinÖSt eingerechnet.
Wollte man die Mehrkosten von Syn-Fuels über eine CO2-Abgabe ausgleichen, müsste diese zu Beginn mit mehr als 700 Fr. pro Tonne CO2 bzw. einem Aufschlag auf fossile Treibstoffe von mehr als 2 Fr. / l Diesel-Äquivalent veranschlagt werden – selbst wenn die Syn-Fuels von der Mineralölsteuer befreit wären. Diese CO2-Abgabe könnte dann aufgrund der Produktionskostenentwicklung bis 2050 schrittweise auf 150 Fr. pro Tonne CO2 bzw. 0.40 Fr. / l gesenkt werden (mit MinÖSt auf 450 Fr. pro Tonne CO2 bzw. 1.20 Fr. / l Diesel-Äquivalent). Da ein solcher Ansatz weder politisch noch wirtschaftlich umsetzbar scheint, wird im Folgenden ein anderer Ansatz präsentiert.
Geht man davon aus, dass die verbleibenden fossilen Treibstoffe ab 2025 bis 2050 zu 100% durch erneuerbare synthetische Treibstoffe substituiert werden sollen (vgl. Abbildung 2, linkes Diagramm), würde dies den Säulenpreis für den Mix-Treibstoff (Diesel-Liter-Äquivalent) bis 2040 auf 2.60 Fr. / l (ohne MinÖSt bei den synthetischen Treibstoffen) bzw. 3.20 Fr. / l (mit Min-ÖSt) erhöhen, was immer noch rund einer Verdoppelung des heutigen Säulenpreises entspräche (Abbildung 2, rechtes Diagramm). Nach 2040 würde wegen sinkenden Produktionskosten von Syn-Fuels eine Preisreduktion einsetzen. Ohne Mineralölsteuer bei den synthetischen Treibstoffen würde sich der Säulenpreis 2050 für den dannzumal rein synthetischen Treibstoff bei rund 2 Fr. / l einstellen, mit MinÖSt ein solcher von 2.80 Fr. / l.
Auch eine solche Kostenentwicklung dürfte für eine Umsetzung unrealistisch sein – gesucht ist ein Ansatz mit konstanter Preisentwicklung. Im Folgenden werden zwei Massnahmen vorgestellt, die eine solche Entwicklung ermöglichen:
Die erste Massnahme stellt die Anrechenbarkeit der CO2-Minderung durch Syn-Fuels im Rahmen der Fahrzeugzulassung dar, wie sie in der Revision des CO2-Gesetzes vorgeschlagen ist. Für die Importeure oder einheimischen Hersteller von Fahrzeugen werden jährlich individuelle CO2-Zielwerte vorgegeben. Werden diese überschritten, wird eine Sanktion fällig. Für das Referenzjahr 2020 beträgt diese pro Gramm Zielwertüberschreitung und pro verkauftem Fahrzeug 109 Fr. Bei einer angenommenen Laufleistung von 200’000 km eines Fahrzeugs werden mit 109 Fr. also 200 kg CO2 sanktioniert. Umgerechnet in einen Dieselverbrauch macht dies 0.15 Fr. / kWh aus.
Konkret bedeutet die Anrechenbarkeit nun, dass Importeure oder schweizerische Hersteller von Fahrzeugen geringere Sanktionszahlungen zu leisten haben, wenn sie parallel zum Verkauf von Verbrennern oder Hybridfahrzeugen auch synthetische Treibstoffe in den Markt bringen. Dies könnte beispielsweise mittels Herkunftsnachweisen sichergestellt werden, die belegen, dass die Syn-Fuels auf erneuerbarer Energie basieren. Hier wird angenommen, dass die Herkunftsnachweise zur Hälfte der entsprechenden Sanktionskosten gehandelt werden. Die Sanktionskosten werden nur für CO2-Emissionen über dem entsprechenden Zielwert erhoben, was bei den Berechnungen berücksichtigt wurde. Dabei spielt die europäische CO2-Gesetzgebung für die Fahrzeugzulassung sowie die Marktentwicklung, wie zum Beispiel der Anteil Elektrofahrzeuge, eine wichtige Rolle. Die Herkunftsnachweise für Syn-Fuels müssen im Immatrikulationsjahr der entsprechenden Fahrzeuge für deren ganze Lebensdauer, hier mit 15 Jahren angenommen, vorgelegt werden. Gleichzeitig wird ausgegangen, dass pro Jahr 1/15 der Fahrzeugflotte ersetzt wird.
Insgesamt senkt die Anrechenbarkeit der CO2-Minderung die Säulenpreise synthetischer Treibstoffe bis ins Jahr 2050 unter den getroffenen Annahmen um bis 0.36 Fr. / l Diesel-Äquivalent (vgl. Abbildung 3, links). Entsprechend dem Anteil von Syn-Fuels führt dies im Treibstoff-Mix zu einer Reduktion des Säulenpreises bis zum vollständigen Ersatz fossiler Energieträger im Jahr 2050 (vgl. Abbildung 3, rechts). Unter den hier gewählten Annahmen stellt der so für 2050 berechnete Säulenpreis den langfristig minimal erreichbaren Preis für synthetische Treibstoffe dar.
Da während der Übergangsphase von 100% fossiler auf 100% erneuerbare synthetische Treibstoffe nach wie vor ein deutlicher Preisanstieg bis 2040 mit einem Preisabfall danach resultiert, wird als zweite Massnahme vorgeschlagen, auf fossile Treibstoffe eine Umlage zu erheben. Konkret würden damit fossile Treibstoffe verteuert, um synthetische Treibstoffe zu verbilligen.
Das Ziel ist, den Säulenpreis während des Umstiegs auf Syn-Fuels von Anfang an auf den langfristig minimal erreichbaren Treibstoffpreis abzusenken (vgl. Abbildung 4, Links). Dazu ist unter den getroffenen Annahmen eine Umlage in der Höhe von 30 Fr. pro Tonne CO2 bzw. 0.008 Fr. / kWh erforderlich (vgl. Abbildung 4, Mitte). Daraus resultiert ohne MinÖSt ein leicht sinkender, mit MinÖSt ein leicht steigender finaler Säulenpreis (vgl. Abbildung 4, rechts). Bis 2050 würde sich so ein Säulenpreis für 100 % erneuerbare synthetische Treibstoffe von 2.40 Fr. / l Diesel-Äquivalent ergeben, inklusive Mineralölsteuer in voller Höhe.
Neben der Elektrifizierung der Antriebe braucht es die Elektrifizierung der Treibstoffe, um die CO2-Ziele der Schweiz zu erreichen, insbesondere für Langstrecken- und Lastanwendungen. Diese sind zwar hinsichtlich der Anzahl Fahrzeuge nicht besonders relevant, aufgrund der hohen Fahrleistungen jedoch sehr wohl bezüglich CO2-Emissionen. Diese Umstellung von fossilen auf erneuerbare Treibstoffe würde sich nicht nur auf die Neuwagenflotte, sondern auf den Bestand aller Fahrzeuge auswirken, was die Massnahme sehr effektiv macht. Der CO2-Gehalt im Treibstoffsystem würde sich analog zum Strommarkt bis 2050 kontinuierlich reduzieren.
Weiterführende Informationen: Nachhaltige Antriebskonzepte