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Der Südliche Ozean gehört zu den reichhaltigsten Gewässern der Erde. Unter der Wasseroberfläche und auch darüber tummeln sich die verschiedensten Tierarten. Besonders Seevögel profitieren von dem Reichtum und den abgelegenen Inseln für die Fortpflanzung. Eine internationale Studie zeigt nun, wie viel Zeit die Albatrosse und Sturmvögel auf dem Meer verbringen. Sie zeigt aber auch explizit auf, wieviel Verantwortung einzelne Staaten und Fischereiorganisationen haben, um sich für den Schutz der Seevögel einzusetzen.
«Seevögel wie Albatrosse sind die echten Globetrotter»Martin Beal, Hauptautor, Instituto Universitário Lisboa, Portugal
Das internationale Forschungsteam um Hauptautor Martin Beal von der Universität Lissabon kommt zum Schluss, dass die 39 weltweit untersuchten Albatros- und Sturmvogelarten rund 40 Prozent ihres Lebens auf dem offenen Ozean verbringen, also in Gebieten, die nicht von einem Land verwaltet werden. Bis auf eine Art verbinden die Vögel so mindestens zwei Länder miteinander, indem sie pro Jahr zumindest einmal deren Grenzen überfliegen und sich dort aufhalten. «Seevögel wie Albatrosse sind die echten Globetrotter», erklärt Hauptautor Martin Beal. «Doch damit sind sie anfälliger auf Bedrohungen an Orten, an denen der rechtliche Schutz nicht genügend ist.» Als Bedrohung sehen die Forscher vor allem die Fischerei in den internationalen Gewässern, die dort keinen ernsthaften Kontrollen unterliegt. Rund die Hälfte der 39 Arten gelten inzwischen als gefährdet – ernsthaft bedroht, 29 Arten werden als direkt von der Fischerei betroffen aufgelistet. Dazu zählen auch der Wanderalbatross, der grösste Seevogel, und die beiden Riesensturmvogelarten. Alle drei sind bekannte, auf subantarktischen Inseln brütende Seevogelarten und zählen zu den Ikonen des Seevogelschutzes.
Für ihre Arbeit, die in der Fachzeitschrift Science Advances werteten die Wissenschaftler GPS-Daten von besenderten Seevögeln aus, die im zwischen 1989 und 2017 erhoben worden waren. Dabei untersuchten sie Albatrosse und grosse Sturmvögel, da diese global zu finden sind, schon lange besendert werden, lange Wanderungen unternehmen, hochseeliebend sind und auch aufgrund des Gefährdungsstatus der einzelnen Arten. Das Team kam zum Schluss, dass der grösste Artenreichtum regional im Südlichen Ozean zu finden ist. Ausserdem zeigen die Daten, dass Seevögel im Süden in australischen und neuseeländischen Gebieten die meiste Zeit mit Brüten verbringen, während die argentinischen, chilenischen und südafrikanischen Regionen vor allem als Besucherregionen gelten. Dieses Ergebnis ist besonders wichtig, da die Tiere innerhalb dieser Gebiete zwar durch die geltenden Gesetze geschützt sind. Doch sobald sie in internationale Gewässer fliegen, sind sie ungeschützt. Das wiederum weicht die nationalen Schutzbestimmungen wieder auf und steigert die Bedrohung durch die aufstrebende Fischereiindustrie.
Das Forschungsteam untersuchte in seiner Arbeit auch die Grösse der Verantwortung verschiedener Fischereimanagementorganisationen und der Staaten, in denen die Vögel entweder brüten oder als Besucher durchziehen. Damit soll, so der Wunsch der Wissenschaftler, eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Staaten und den Organisationen untereinander erreicht werden. Das Ziel wären einheitliche, verbesserte Schutzbestimmungen auch im Bereich der Hochsee. Dazu meint die Mitautorin Dr. Maria Dias von BirdLife International: «Die Ergebnisse der Studie werden besonders nützlich sein, um die wichtigsten Fischereimanagementorgane zu identifizieren, die für die Gewässer zuständig sind, in denen bedrohte Seevögel aus bestimmten Ländern viel Zeit verbringen. Dies sollte die Möglichkeiten für internationale Interessenvertretung und Zusammenarbeit verbessern, um deren Erhaltung zu fördern.» Erste Vereinbarungen, die zwischen verschiedenen Staaten geschlossen worden sind, zeigen, dass dies einen messbaren Erfolg liefern kann. Doch noch bleiben viele Löcher auf den langen Wanderrouten der Albatrosse und Sturmvögel offen und bedrohen weiterhin diese grossartigen Wanderer der Ozeane.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal