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|iminhokis

Wizards
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| Posted: Sun Apr 25, 2004 11:57 pm Post subject: [D] Joschka Fischer in Armenien: Gedenkt Völkermord

|Armenien

Fischer gedenkt des Völkermords an Armeniern
FAZ net
22. April 2004 Die armenische Regierung wirft der Führung des Nachbarlandes Aserbaidschan mangelnden Verhandlungswillen im Streit über die Enklave Nagornyj Karabach vor. Das machte der armenische Präsident Kotscharjan im Gespräch mit Außenminister Fischer deutlich. Es hieß, nach dem Wechsel in der aserbaidschanischen Führung, wo Ilham Alijew im vergangenen Jahr das Präsidentenamt von seinem Vater übernahm, habe die aserbaidschanische Seite kaum Interesse an einer ernsthaften Fortsetzung der Verhandlungen gezeigt.
Der armenische Handelsminister Tchshmartjan, der an den Konsultationen mit Fischer teilnahm, sagte nach einem Treffen der Außenminister Armeniens und Aserbaidschans in der vergangenen Woche in Prag, es gebe nun aber Erwartungen an eine Fortsetzung des Dialogs.
Fischer rief beide Seiten zur Kompromißbereitschaft auf. Das sei besser, als sich gegenseitig die Bedingungen für eine Einigung vorzuhalten. Fischer sagte, er bezweifele, daß das "zielführend" sei. Wenn man den Frieden wolle, müsse man zu Kompromissen bereit sein. Beide Länder seien schließlich Nachbarn, sie blieben einander erhalten, diese Erkenntnis sollte eine Einigung fördern. Und auch wenn die internationale Gemeinschaft, vor allem die Europäische Union, jede mögliche Hilfe zu einer Einigung leisten wolle, um die Stabilität im Südkaukasus zu stärken, so bleibe doch die Verständigungsbereitschaft der beiden Kontrahenten die wichtigste Voraussetzung für eine Einigung. Deutschland ist Teilnehmer der sogenannten "Minsk-Gruppe", die sich unter der Führung von Frankreich, Rußland und den Vereinigten Staaten mit dem Mandat der OSZE um eine Lösung des Konflikts um Nagornyj Karabach bemüht.
Kotscharjan bekundete gegenüber Fischer das große Interesse Armeniens an einer Öffnung gegenüber dem zweiten großen Nachbarland, der Türkei. Nach Angaben aus Delegationskreisen sagte Kotscharjan, der Genozid, den die Türken an den Armeniern am Anfang des 20. Jahrhunderts verübten, spiele zwar im Gemüt der Armenier noch immer eine Rolle, doch sei die Bereitschaft zur Zusammenarbeit groß. Die Türken hätten sich aber offenkundig bislang nicht mit ihrer Geschichte auseinandersetzen können. Fischer erwiderte, Versöhnung und Erinnerung seien die Grundlagen für eine gemeinsame Zukunft. Fischer besuchte die Gedenkstätte Zizernakaberd, die an den von Türken verübten Völkermord an Armeniern erinnert.
Der deutsche Außenminister warb gegenüber der armenischen Seite um Vertrauen in die Reformanstrengungen der Türkei. Fischer hob das Interesse der EU an einer stabilen Entwicklung der "geopolitisch wichtigen Region" zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer hervor. Er äußerte auch deutlich die Besorgnis der EU über den Betrieb des noch aus den Zeiten der Sowjetunion stammenden Kernkraftwerkes Medzamor 2, das mehr als ein Drittel des armenischen Energiebedarfes deckt. Die EU will Armenien bei der Investition in andere Energiequellen helfen.
Text: Lt. ; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2004, Nr. 95 / Seite 1