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Die Angst vor Alzheimer trieb ihn in den Selbstmord. Vor einigen Tagen erschoss sich Playboy Gunter Sachs in seinem Chalet in Gstaad BE. In seinem Abschiedsbrief erklärt der 78-Jährige: «Jene Bedrohung galt mir schon immer als einziges Kriterium, meinem Leben ein Ende zu setzen.» Obwohl er noch keinen Rückgang seines logischen Denkens feststelle, bemerke er eine wachsende Vergesslichkeit und eine rapide Verschlechterung seines Gedächtnisses. Sind diese Symptome wirklich Anzeichen für Alzheimer, oder könnte es sich dabei um Altersvergesslichkeit handeln?
«Im Alter ist es normal, dass sich gewisse Hirnleistungen verschlechtern», erklärt Dr. Sacha Beck, Alzheimer-Experte am Stadtspital Waid in Zürich. «Vergesslichkeit alleine macht noch keine Demenzerkrankung aus», sagt der Oberarzt. Erst wenn dadurch grobe Einschränkungen im Alltag entstehen und keine akuten Krankheiten der Grund sein können, sollte man sich für eine Untersuchung beim Hausarzt anmelden. «Ausserdem kann Vergesslichkeit auch bei zahlreichen anderen Krankheiten wie Depressionen, Vitaminmangel oder Stoffwechselstörungen vorkommen.»
Demenz ist ein Überbegriff für fortschreitende Hirnerkrankungen, die zu einer Beeinträchtigung der Hirnleistungsfähigkeit und einer Einschränkung der Alltagskompetenz führen. Häufigste Symptome: Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme, sprachliche Schwierigkeiten, im Krankheitsverlauf auch Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressionen und Halluzinationen.
Experten unterscheiden drei Hauptgruppen: 1. Alzheimer-Demenz: Sie ist mit etwa 50 Prozent die häufigste Form. Auslöser: fortschreitender Verlust von Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen (sogenannte Synapsen) im Gehirn. Es kommt zum Absterben von ganzen Nervenzellengruppen, die Hirnmasse kann schrumpfen. 2. Vaskuläre Demenz: Daran leiden circa 20 Prozent der Patienten. Sie entsteht als Folge von Durchblutungsstörungen. Die Hauptursache hierfür ist eine Arteriosklerose (Gefässverkalkung). 3. Seltene Demenzformen: Es gibt zahlreiche weitere Formen wie frontotemporale Demenz oder Parkinson-Demenz, die aber sehr selten vorkommen.
Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem das Alter, Demenzerkrankungen von nahen Verwandten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hirnschädigungen. Ungefähr die Hälfte aller Patienten merkt selber, dass mit ihnen etwas nicht mehr stimmt. Die anderen werden von ihren Angehörigen darauf aufmerksam gemacht. «Die erste Phase einer Demenzerkrankung ist oft sehr belastend», sagt Dr. Sacha Beck. «Die Verunsicherung macht dem Patienten und den Angehörigen Angst.» Die Erfahrung aus der Sprechstunde zeigt, dass die Diagnose zwar Trauer und Wut auslösen kann, aber oft auch Erleichterung bringt. Geahntes wird bestätigt und hat einen Namen.
Medikamente können den Krankheitsverlauf nicht aufhalten, aber zumindest temporär stabilisieren und belastende Verhaltenstörungen positiv beeinflussen. «Ebenso wichtig sind die nicht medikamentösen Massnahmen wie das Fördern und Unterstützen der noch erhaltenen Fähigkeiten, das Vermeiden von Stressfaktoren und das Ausrichten der Betreuung auf die Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Angehörigen.» Die Ursache für Alzheimer ist noch nicht gänzlich geklärt. «Das ist ein Grund, weshalb es noch keine heilenden Medikamente gibt», sagt Dr. Sacha Beck.
In der Schweiz leiden 107 000 Menschen an Demenz – und es werden immer mehr. Denn mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko: Bei den über 65-Jährigen sind 8 Prozent betroffen, bei den über 90-Jährigen 30 Prozent. In der Endphase der Erkrankung entwickeln die Patienten oft Schluckstörungen und zunehmende Mobilitätseinschränkungen. Stürze, Unterernährung und Infektionen sind Folgen, an denen Patienten oft sterben. «Auch wenn es sich um eine schwerwiegende Krankheit handelt, ist aber auch ein Leben mit Alzheimer lebenswert», sagt Dr. Sacha Beck. «Ich betreue viele Patienten, die den Alltag trotz Gedächtnisstörungen lange gut meistern und zufrieden sind. Es kann Jahre dauern, bis die Einschränkungen ein Leben in der gewohnten Umgebung infrage stellen.»
CHECK
Das sollten Sie wissen!
Bei diesen Anzeichen sollten Sie einen Arzt aufsuchen:
- Wenn die Vergesslichkeit den Alltag verändert.
- Wenn Sie Mühe haben mit Ort und Zeit.
- Wenn Sie sich neue Namen nicht merken können.
- Wenn Sie die richtigen Wörter nicht mehr finden.
- Wenn Sie plötzlich nicht mehr wissen, wie bestimmte Geräte funktionieren.
- Wenn Sie von Angehörigen auf Gedächtnisstörungen hingewiesen werden.
Allgemein gilt:
- Alle diese Anzeichen können auch im Rahmen der normalen Hirnalterung vorkommen. Nehmen Sie Ihre Wahrnehmungen aber ernst, und sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber.
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