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Die Geschichte des Jugendheims Aarburg
1891
beschliesst der Grosse Rat des Kantons Aargau, auf der Festung Aarburg eine Anstalt für „jugendliche Verbrecher und Taugenichtse“ einzurichten.
1893
kann die Anstalt nach den nötigen baulichen Anpassungen bezogen werden. Das düstere Gebäude war mit 56 Zellen mit vergitterten Fenstern und eisenbeschlagenen Eichentüren mit Guckloch und Essensklappe ausgestattet. Zucht, Ordnung, Arbeit und Gottesfurcht waren oberste Maxime der Organisation. Dieses Konzept sollte durch den Besuch der Anstaltsschule, dem Erlernen eines in der Anstalt betriebenen Handwerkes oder der Beschäftigung auf einem der Einrichtung gehörenden Gutsbetrieb erreicht werden. Die Anstalt, ein absolutes Novum in der Schweiz, fand viel Beachtung anderer Kantone. Schon zu Beginn war die Anstalt bis zur letzten Zelle belegt.
1917
genügten die Zellen den Anforderungen nicht mehr. So musste der Dachstock des Zellengebäudes ausgebaut werden, um 16 weitere Zellen einzurichten. In den folgenden Jahren fielen immer wieder Erneuerungs- und Renovationsarbeiten an (z.B. eine Haustelefonzentrale). Die bauliche Substanz wie auch die Vollzugsmassnahmen bedurften bald einmal einer dringenden Neugestaltung. Obwohl die damalige Direktionsleitung den Kanton immer wieder auf die Mängel hinwies, gingen die Behörden nicht darauf ein.
1932
Bewusstseinswandel im neuen Reglement: Der Erziehungsgedanke rückt gegenüber dem Strafgedanken in den Vordergrund, der Gefängnischarakter geht etwas verloren. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg konnte der Um- und Ausbau allerdings erst
1946
vollumfänglich in Angriff genommen werden. In vier Bauetappen wurden Unterkünfte, Wohnungen, Werkstätten, Verwaltung, Küche und Lingerie saniert. Der ehemalige Zellentrakt wurde vollständig abgebrochen und neu erstellt. Unter dem Gebäude entstand eine offene Halle, die dem Innenhof mehr Tageslicht zuführte. Auf dem südlich vorgelagerten Ravelin entstand ein vollständig neues Gebäude, das zusätzliche Wohneinheiten schuf.
1959
waren, mit der Beendigung der Bauarbeiten, die Voraussetzungen für ein modernes Vollzugskonzept mit einem differenzierten Erziehungssystem geschaffen. Es erfolgte die Einführung des Progressivsystems: Es standen eine geschlossene, eine halboffene und eine offene Abteilung zur Verfügung.
1972
wurde der Name von „Erziehungsanstalt“ in „Erziehungsheim“ geändert. Die bestehenden Grossgruppen wurden in überschaubare Wohngruppen gegliedert. Es wurde eine Intensivgruppe mit Sicherheitsmöglichkeiten für die schwierigsten Jugendlichen geschaffen.
1984-88
wurden verschiedene bauliche Mängel behoben und die drei Wohngruppen saniert. Parallel dazu wurde das neue Werkstattgebäude gebaut und die Anstalt für Nacherziehung geschaffen.
1989
fand erneut eine Namensänderung von „Erziehungsheim“ zu „Jugendheim“ statt.
1990
wurde das Jugendheim und die Anstalt für Nacherziehung (ANE) vom Bundesamt für Justiz anerkannt.
1993-96
fand ein Modellversuch mit einer „Drogenabteilung“ statt.
2001
wurde das Jugendheim mit der Schaffung der Stelle des Erziehungsleiters und der Integration der ANE in den Heimbetrieb neu konzipiert.
2004
wurde die Berufsvorbereitungsklasse (BVK) im renovierten Leutnantshaus eröffnet.
2007
wurde die ANE in die Geschlossene Wohngruppe (GWG) umgewandelt und das neue Konzept genehmigt.
2015
wurde die BVK aufgrund der veränderten Anforderungen in SBG (Schulabschluss- und Berufsvorbereitungsgruppe) umbenannt und das Konzept angepasst.