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Von Prälat Prof. Dr. Georg May
Nicht nur Russen und Amerikaner beteiligten sich an der Raumfahrt, sondern auch Deutsche. Im Jahre 1997 blieb der aus Mönchengladbach stammende Kosmonaut Reinhold Ewald 18 Tage an Bord der russischen Raumstation «Mir». Nach seiner Rückkehr hielt er in seiner rheinischen Heimat einen Vortrag, und in diesem Vortrag erklärte er wörtlich: «Der Himmel, in den ich als Raumfahrer fliege, nimmt mir nicht den Himmel des Kommunionunterrichts, in den, unserem Glauben nach, alle Menschen eine Chance haben, nach dem Tode zu gelangen.»
Menschliche Himmelfahrten widersprechen dem Glauben nicht, den wir an Christi Himmelfahrt bekennen. Vierzig Tage nach Ostern ist Christus vor den Augen seiner Jünger in den Himmel aufgenommen worden. Die Apostelgeschichte berichtet davon: «Er wurde emporgehoben, und die Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg.» Im Lukas-Evangelium, das ja derselbe Verfasser geschrieben hat wie die Apostelgeschichte, heisst es: «Hierauf führte er sie hinaus, Bethanien zu. Er hob seine Hände und segnete sie, und es geschah, während er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr in den Himmel hinauf.»
Die Zeit des vom Staate verordneten Atheismus ist vorbei. Aber der Himmel bleibt auch danach eine problematische Angelegenheit. Wenn man die Kinder im Kindergarten auffordert, den Himmel zu zeichnen, dann sitzt auf einem Thron ein alter Mann mit Bart, mit einem weissen Gewande angetan, umgeben von umherfliegenden Engeln. Wir lächeln über solche Vorstellungen; wir lächeln mit Recht. Aber man kann auch ein gewisses Verständnis dafür haben; denn wie soll man denn das Unsagbare aussagen? Wie soll man sich denn das Unvorstellbare vorstellen? Es liegt auch hier ein Missverständnis vor. Es wird nicht unterschieden zwischen dem Himmelsgewölbe, wo die Raumschiffe fahren, wo die Wolken ziehen und die Flugzeuge kreisen, und der Himmelsherrlichkeit, in welche die Vollendeten nach Gottes Willen eintreten und ihn schauen. Aber eine solche Unterscheidung ist unbedingt notwendig. Der Himmel, den wir sehen, ist eine materielle Angelegenheit; der Himmel, an den wir glauben, ist eine geistige Wirklichkeit. Das Deutsche besitzt leider für beide Gegenstände nur ein Wort, nämlich «Himmel». Die Engländer haben zwei. Sie bezeichnen den Wolkenhimmel mit «sky», und sie bezeichnen die Gott vorbehaltene Wirklichkeit mit «heaven». «Sky» und «heaven» sind völlig verschiedene Wirklichkeiten. Das eine bezeichnet eine Quantität, das andere eine Qualität.