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von Michel Voisard
Subjekt ohne Macht – Macht ohne Subjekt
Brüche, Zufall, Kontingenz. Selbsttechnologien.
Traditionelle Sichtweisen beschreiben Macht moralisierend, wie ‚Macht ist böse’, ‚Macht ist unterdrückend’, oder ontologisch, wie ‚Macht als Besitz’, z.B. eines Herrschers, einer Klasse, oder bauen Gegensätze auf‚ Macht und Freiheit’ bzw. ‚Macht und Herrschaft’ . Diese traditionellen Beschreibungen sind eng mit denjenigen des Subjekts verwoben. Solcherlei Beschreibungen lassen wesentliche Merkmale von Macht aus oder verschleiern diese.
Will man Macht eindeutig festhalten, greifen oder beschreiben, verschwindet stets ein anderer wichtiger Aspekt ihrer selbst. Dagegen ermöglicht eine hinreichend komplexe Theorie auch den Einbezug von Zirkularitäten und Paradoxien. Ebenso kann dies eine Theorie leisten, die sich durch weitreichende Beschreibungen und einzigartige Formulierungen auszeichnet und derart versucht, alle Facetten von Macht entsprechenden Eigenschaften mit einzubeziehen. Damit sind beide hier im Zentrum stehenden Autoren Luhmann und Foucault angesprochen.
Luhmann spricht in einem seiner frühen Aufsätze von 1969 davon, dass „der Macht zumindest jene Macht genommen werden [soll], die auf dem Umstand beruht, dass man nicht genau weiss, worum es sich eigentlich handelt“. Foucault stellt fest, dass man hinsichtlich der Macht zweifellos Nominalist sein müsse. Dieser Unterschied ist im Wesentlichen auf die unterschiedliche Begriffsfassung zurückzuführen. Während Luhmann für einen begrenzten Machtbegriff plädiert, der sich durch begriffliche Schärfe auszeichnet und der theoretisch nicht überladen werden soll, wählt Foucault einen weitreichenden Machtbegriff, der dann wiederum mit anderen Begriffen von Luhmanns Theorie zusammenfällt bzw. Ähnlichkeiten aufweist. Schon diese knappen Ausführungen lassen die grundlegenden Unterschiede der Herangehensweise an den Begriff bzw. an das Phänomen der Macht erahnen. Mit der Zusammenführung der Machttheorien der beiden Autoren soll die daraus resultierende Perspektive von Macht herausgearbeitet werden.
Perspektiven von Medienwirkung
Medienwirkungsforschung – Publikums- bzw. Rezeptionsforschung: Unterschiede, Gemeinsames, Paradoxien
Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden Begriffe durchleuchtet, die im Zusammenhang der Analyse von Medien, Rezipient und der Beziehung der Teilnehmer von Medienkommunikation stehen. Perspektiven der qualitativen, der quantitativen Forschung und theoretische Überlegungen stehen dabei im Mittelpunkt.
Im zweiten Teil werden Perspektiven von Medienwirkung, unterschiedlichen Ansichten zur Frage nach Medienwirkung bzw. „Medienwirkung“, aber auch zu unterschiedlichen Menschenbildern. Die spezifischen Fragestellungen, die in diesem Zusammenhang untersucht werden, sind in der Einleitung des zweiten Teils erörtert.
Im dritten Teil werden aufgrund der aus der Perspektive dieser Arbeit gewonnen Einsichten Schlüsse gezogen. Die Unterscheidung von Ebenen, aber auch die mit den Perspektiven verbundenen Menschenbilder zeigen eine wichtige Gemeinsamkeit der eigentlich konträren Positionen auf. Diese muss jedoch ausgeblendet werden, um die bezogene Perspektive nicht zu gefährden. Wird dieser Umstand berücksichtigt, eröffnet sich eine andere Perspektive in Bezug auf Medienwirkung.
Die Offen-Geschlossen-Paradoxie von Systemen
Interventionsberufe, ihre Grenzen und Widersprüche
Diese Arbeit geht der Paradoxie ‚Systeme sind offen und geschlossen’ nach und zeigt auf, wie sie in der Systemtheorie von Luhmann entfaltet wird. (…) Paradoxien sind deshalb für die Systemtheorie nach Luhmann grundlegend. Weder verhindern sie den Anschluss weiterer Operationen, noch sind sie etwas, das es, wie etwa bei der Logik, zu vermeiden gilt.
Weiter geht es um die Frage, ob Systeme offen oder geschlossen sind. (…) Während Selbstreproduktion nur in geschlossenen Systemen möglich ist, bedingt das Überleben eines Systems immer auch die Berücksichtigung ökologischer Gegebenheiten, entsprechend setzt die Selbstreproduktion menschlichen Lebens eine bzw. die Gesellschaft voraus.
Nun stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von System und Umwelt. (…) Das System bestimmt hochselektiv, welche Umweltgegebenheiten über eigene Operationen berücksichtigt werden. Ihm öffnet sich ein schmaler Umweltausschnitt, jedoch stets nach Massgabe systemeigener Strukturen. Kausalität bleibt wiederum Sache eines Beobachters.
Kausalität, die Frage von Offen- und Geschlossenheit, von Selbst- und Fremdreferenz und der Beobachtung werden durch Einschübe und Verweise in Bezug zu Interventionssysteme gesetzt. Interventionssysteme, wie etwa Erziehung oder Soziale Arbeit, haben zum Ziel, die Operationen anderer Systeme zu beeinflussen. Interventionsberufe stehen folglich orthogonal zur Theorie der operativen Geschlossenheit.
Zum Abschluss werden wichtige Konklusionen für Interventionssysteme abgeleitet, die sich aus der Theorie der operativen Geschlossenheit ergeben.