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Apennin entspringenden Flüsse
[* 6] Bormida, Scrivia, Trebbia fließen nach N. dem Po zu. Das Klima
[* 7] ist mild und gesund, aber sehr unbeständig,
mit wechselvollen Winden.
[* 8] Die Einwohner (Genuesen), deren Zahl (1881) 760,122 beträgt, reden einen besondern,
schwerverständlichen Dialekt, sind ein schlanker, beweglicher und arbeitsamer Menschenschlag und gelten für schlau und wankelmütig.
Sie waren zu allen Zeiten als tüchtige Seeleute berühmt. Außer der Schiffahrt sind Industrie und Handel hoch entwickelt.
Die gleichnamige Hauptstadt (mit dem Beinamen la superba, im genuesischen Volksdialekt Zene) liegt im innern Winkel
[* 13] des Meerbusens
von Genua, wo sie zwischen zwei im O. und W. mündenden Flüßchen an den Bergterrassen des Apennin bis zu
einer Höhe von 160-190 m amphitheatralisch emporsteigt. Ausgezeichnet durch einen den kleinern Schiffen des Altertums und Mittelalters
ohne wesentliche künstliche Verbesserung genügenden Naturhafen, mußte sich an dieser Stelle eine große Handelsstadt entwickeln,
sobald die Länder Oberitaliens u. Mitteleuropas sich zu höherer Kultur erhoben und Straßen über den
hier durch das Thal
[* 14] der Polcevera eingeschnittenen und leicht gangbar zu machenden Apennin gebahnt waren.
Schon zu Hannibals Zeit war Genua der bedeutendste Platz Liguriens, von wo 148 v. Chr. die Via Postumia nördlich zum Padus, 104 die
Via Ämilia nach Luna gebaut wurde. In diesem Winkel an der nördlichsten Ausbuchtung des westlichen Mittelmeerbeckens
stießen die beiden längs der ligurischen Küsten führenden Wasserstraßen, auf welche aller Verkehr bei der Steilheit der
Berge angewiesen war, zusammen, um sich vereint als Landstraße über den Apennin fortzusetzen.
Wenn auch wesentlich infolge der verringerten Bedeutung des ganzen Mittelmeers seit dem 16. Jahrh. Genua sank,
so mußte sich die Gunst seiner Lage doch neuerdings geltend machen, sobald durch Eisenbahnen wieder lebhaftere Beziehungen
zum Hinterland hergestellt waren. So sehen wir seit einigen Jahrzehnten die Stadt in raschem Aufschwung, der durch Eröffnung
der Gotthardbahn, welche Genua zum nächsten Hafen für die Schweiz
[* 15] und das südwestliche Deutschland
[* 16] machte,
noch mehr gestiegen ist.
Die Häuser sind aneinander geschichtet, die Straßen meist erstaunlich eng, dazu von acht- bis neunstöckigen Häusern eingefaßt
und sehr düster, aber äußerst sauber gehalten. Sie führen bald auf-, bald abwärts und sind hier
und da durch Marmortreppen oder, wo ein Felsenspalt sie trennt, durch Brücken
[* 18] miteinander verbunden. Bemerkenswert ist unter
den letztern namentlich der 34 m hohe PonteCarignano. Gefahren wird nur in einigen breiten Hauptstraßen; sonst dienen Portechaisen
den Menschen als Transportmittel, während zahlreiche Reihen von Maultieren die Waren fortschaffen.
Der HafenGenuas gehört zu den bedeutendsten des Mittelmeers. Mit zwei ins Meer hinausgebauten Molen von 450 und 660 m
Länge, dem Molo Vecchio und dem Molo Nuovo, umspannt die Stadt das ungefähr 1500 m im Durchmesser haltende Wasserbecken. Beide
Molen, fast gegeneinander gerichtet, schützen den Hafen, wenn auch nicht hinreichend, gegen die Süd- und Südostwinde.
Der Eingang wird durch starke Batterien verteidigt. Der Molo Vecchio trägt an seinem Ende einen alten kleinen Leuchtturm; neben
dem Molo Nuovo stehen die Quarantäne und der neue, 78 m hohe Leuchtturm mit herrlicher Aussicht, bei welchem neue Befestigungen
angelegt worden sind.
An der Nordseite des Hafens ist der königliche Kriegshafen (Darsena reale) nebst dem Marinearsenal (ehemals
KlosterSantoSpirito) an der Stelle, wo 1547 Fiesco ertrank.
Die Ostseite nimmt der ehemalige Freihafen (Porto franco), seit 1867 in
ein Generalentrepot für ausländische Waren umgewandelt, ein, welcher früher durch die 1886 abgetragene marmorne Hafenterrasse
von der Stadt getrennt war und durch eine Zweigbahn mit dem Bahnhof (im NW. der Stadt) verbunden ist.
Hier treiben sich auch die bergamaskischen Lastträger oder Facchini umher, die seit 1470 ein Privilegium für ihren Erwerb
in Genua haben. Seit 1877 wurde übrigens die Erweiterung und Neugestaltung des dem angewachsenen Verkehr nicht mehr genügenden
Hafens von in Angriff genommen. Nach außen werden zwei Molen, ein westlicher von 1500 m und ein östlicher
von 600 m Länge, angelegt, im innern Hafenbecken werden neue Landungsbrücken hergestellt, so daß mit den alten Landungsstellen
der Hafen künftig eine Kaientwickelung von 6,5 km besitzen wird.
Auch wird der Ankergrund durch Baggerung auf mindestens 8,5 m gebracht. Alle diese Arbeiten sind mit 28 Mill.
Lire veranschlagt, wozu der Herzog von Galliera 20 Mill. widmete, und werden 1889 beendet sein. Hiermit stehen ferner Eisenbahnanlagen,
dann die Herstellung von Ladevorrichtungen, Magazinen u. dgl. in Verbindung. Der Schiffsverkehr von Genua umfaßte 1884 im ganzen
10,882 handelsthätige Schiffe mit einem Tonnengehalt von 4,823,585 Ton. und einem beförderten Warenquantum
von 2,386,886 T. Hiernach steht Genua unter allen italienischen Häfen obenan, so wie auch der Tonnengehalt und die Warenbewegung
gegen früher eine sehr bedeutende Steigerung aufweisen.
Unter den bedeutenden und zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten behaupten das prächtige
und großartige Armenhaus (Albergo de' Poveri, 1539 gegründet, mit Raum für 2200 Arme und Kranke) und das nicht minder großartige
Ospedale Pammatone (1423 gestiftet, zugleich Findelhaus) den ersten Rang. Auch das Waiseninstitut, ein
Taubstummeninstitut, ein Irrenhaus und das Conservatorio Fieschi, Institut zur Erziehung armer Mädchen, sind bedeutende Anstalten.
An öffentlichen Unterrichts- und Bildungsanstalten sind zu nennen: die 1783 gestiftete Universität mit durchschnittlich 600 Studenten,
botanischem Garten,
[* 51] einem Observatorium,
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