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In den frühen 70er Jahren, als ich noch Aquarelle malte, stellte ich in der Galerie im Pressehaus Wien aus. Bereits nach einigen Tagen wurde ich aufgefordert, meine Bilder wieder abzuholen, da die Ausstellung vorzeitig abgebrochen wurde.
In dem Gebäude in dem die Redaktionen aller grossen Tageszeitungen untergebracht waren, kam es wegen meiner Ausstellung zu einem Aufstand der Angestellten. Sie drohten sogar mit einem Streik, sollten die Bilder nicht verschwinden. Ich war erstaunt, dass meine kleinen Aquarelle im Stande waren soviel Aufregung zu verursachen.
Als ich meine Arbeiten abholen wollte, sprach mich ein bekannter Journalist der konservativen Tageszeitung "Die Presse" an, er regte sich schrecklich über meine 'perverse' Kunst auf, und dass er nicht mehr schlafen könne,da er die Bilder meiner verwundeten Kindergesichter nicht mehr aus dem Kopf kriegen könne.
Ich fragte ihn ob er Soldat gewesen sei, er bejahte das und auf meine Frage ob die Dinge, die er da gesehen habe, ihn um seinen Schlaf brächten, sagte er nein, es sei eben Krieg gewesen. Ich fragte ihn dann weiters, ob die Fotos und Berichte von Greueltaten, mit denen er als Journalist ja täglich konfrontiert sei, auch nicht aus seinem Kopf kriegen könne. Er sagte, er hätte kein Problem damit, das sei eben sein Beruf.
Dann sagte ich: "Ist es nicht interessant, dass Sie all die wirklichen Katastrophen unberührt lassen, während meine Aquarelle, die aus nichts als dünnem Papier und winzigen Mengen Farbpigmenten bestehen, die Macht haben, Ihnen den Schlaf zu rauben?"
In diesem Moment erkannte ich, dass es nicht meine gemalten Bilder waren, die die Leute aus der Fassung brachten, sondern Ihre eigenen Bilder in ihren Köpfen.