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Der Schweizer Rudy Burckhardt (1914–1999) kam als 21-Jähriger zum ersten Mal nach New York und entschied sofort zu bleiben. Überwältigt von der schieren Grösse dieser Metropole, der architektonischen Vielfalt und dem hektischen Treiben in den Strassen, begann er, seine Eindrücke fotografisch und filmisch zu verarbeiten.
Rudy Burckhardt hat sich in der alteingesessenen Basler Patrizierfamilien in die er geboren worden war, nie richtig wohl gefühlt. Früh schon treibt er sich lieber im leicht anrüchigen Kleinbasel herum, als sich um eine gesellschaftliche Stellung im Basler "Daig" zu bemühen, der reichen Oberschicht. Gleichzeitig beginnt er, sich für Fotografie zu interessieren. In Basel finden Ausstellungen der fotografischen Avantgarde statt, die heftige Diskussionen auslösen. Für den jungen Burckhardt vielleicht mit ein Grund, sich mittels Fotografie einen neuen, von allen Traditionen und Familienzwängen befreiten Zugang zur Welt zu verschaffen.
1933 beginnt er ein Medizinstudium in London, das er aber sofort wieder abbricht. Stattdessen entdeckt er die Grossstadt mit seiner Kamera. Dann begegnet er dem zehn Jahre älteren amerikanischen Tänzer, Dichter und späteren Tanzkritiker Edwin Denby und folgt diesem 1935 nach New York. Im Gepäck hat er eine komfortable Erbschaft, die seinen Lebensunterhalt für die nächsten paar Jahre sichert.
Der Schwerpunkt der Ausstellung der Fotostiftung Schweiz liegt auf Rudy Burckhardts New Yorker Fotografien von den späten 1930er- bis zu den frühen 1950er-Jahren, ergänzt durch eine Auswahl von Fotografien, die nach 1945 auf Reisen in Europa entstanden sind. In einem separaten Raum im Zentrum der Ausstellung sind ausgewählte 16mm-Kurzfilme aus den Jahren 1937–59 zum Thema New York zu sehen. Alle ausgestellten Fotografien sind von Rudy Burckhardt hergestellte Vintage- oder spätere Abzüge.
(Bilder: Rudy Burckhardt/Text: Gabriele Ochsenbein)