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Welche Spuren wird es in zweihundert Jahren noch von uns geben? Möglicherweise die Machtzentren und die wichtigsten Straßen in unseren Städten, Museen und alte Ruinen. Viele Menschen sind sich sicher, dass die Archäologie der Zukunft unseren konsumistischen Lebensstil durch die Überreste von Einkaufszentren, die riesigen „Nicht-Orte” von Marc Augé erforschen wird, so wie wir heute in den Kathedralen das Symbol der kirchlichen Macht und in den großen Boulevards von Baron Haussmann den Ausdruck von Napoleons Pracht sehen. Doch neben der Architektur wird es auch eine andere Art von Archäologie geben, anhand der unsere Zeit studiert werden kann - die des Abfalls. Wir ertrinken in Abfall und das meiste davon wird auch in den nächsten tausend Jahren nicht verschwinden.
Die Idee, dass Abfall interessante archäologische Materialien darstellt, stammt von einer Gruppe von Anthropologen der University of Arizona unter der Leitung von William Rathje, der in den Siebzigerjahren begann, städtische Deponien und Container auszugraben, um das authentischste Dokument unseres Lebens auf diesem Planeten ausfindig zu machen. Das Projekt basiert auf der Idee, dass die Objekte, welche die Menschen besessen und weggeworfen haben, viel vollständiger, eloquenter und aufrichtiger von deren Leben erzählen können, als es die Menschen selbst jemals könnten. Heute zeigen Museen auf der ganzen Welt Gegenstände des täglichen Gebrauchs aus alten Zivilisationen. Tatsächlich handelt es sich um von Archäologen geborgene und in wertvolle Kunstgegenstände verwandelte Abfälle, die in einer Vitrine ausgestellt werden.
Christopher Ræburn ist auf seine Weise ein postmoderner Archäologe, der Abfälle in Kunstwerke zu verwandeln vermag. Er begann seine „Ausgrabungen”, indem er auf einige der am schwierigsten zu entsorgenden Abfälle zurückgriff, die der Textilindustrie. Fasziniert von militärischer Kleidung und einem utilitaristischen Stil, kreierte Ræburn 2010 die Linie REMADE und debütierte in London mit der ersten AW10 PREPARE-Kollektion, die aus Beständen der Armee hergestellt, dekonstruiert und wieder aufgearbeitet wurde. Jeder REMADE Artikel ist ein limitiertes Stück, das in England nach sehr hohen Nachhaltigkeitsstandards zugeschnitten und genäht wird. Neben REMAKE produziert Ræburn zwei weitere Linien mit stark reduzierter CO2-Bilanz: REDUCED, für das überschüssiges Material verwendet wird, das wiederum von lokalen Herstellern in kleinen Mengen verarbeitet wird, und RECYCLED, wofür ausgelagerte Ressourcen Verwendung finden, welche die gleichen Nachhaltigkeitsstandards wie Ræburn einhalten.
1952, noch bevor Ræburn geboren wurde, wurde von Nathan Swartz eine kleine Outdoor-Schuhfirma in Boston eröffnet. 1973 schuf die heute von seinem Sohn Sidney geleitete Firma einen wasserdichten Lederstiefel in der charakteristischen gelben Farbe. Mit dem Arbeitsschuh entstand offiziell Timberland und ist bis heute eine der beliebtesten und populärsten urbanen Outdoor-Marken der Welt. Timberland-Stiefel sind für eine lebenslange Verwendung und für den Einsatz im Freien sowie als integraler Bestandteil der Natur konzipiert, wie das baumförmige Firmenlogo zeigt. Über 270 Mio. recycelte Plastikflaschen werden derzeit bei der Herstellung von Arbeitsstiefeln verwendet. 2016 erreichte Timberland eine Abfallvermeidungsquote von 75%. Bis 2020 will das Unternehmen einen Wert von 95% erreichen, so dass im Prinzip keine Abfälle mehr anfallen. Es war unvermeidlich, dass sich früher oder später die zwei Wege kreuzen würden.