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Korallenriffe gehören zu den komplexesten Ökosystemen der Erde. Sie beherbergen mehr als ein Drittel aller Meerfische. Doch sie gehören auch zu den am meisten bedrohten Lebensräumen, denn der Klimawandel, die Wasserverschmutzung und intensive Nutzung der Küsten setzen ihnen zu. Am stärksten beeinträchtig werden sie allerdings durch die Überfischung.
Die Fischerei eliminiert vor allem grosse Fische, insbesondere Haie und Rochen. Dies hat verheerende Folgen für das ökologische Gefüge und die Nahrungskette und wirkt sich negativ bis auf Stufe der Pflanzenfresser aus, die eine wichtige Funktion ausüben.
Haie und Rochen haben wichtige ökologische Funktion
Knorpelfische wie Haie und Rochen spielen als Riffbewohner eine entscheidende Rolle für ein funktionierendes Ökosystem. 134 Arten, in 30 Familien mit 59 Gattungen, bewohnen verschiedene Nischen im Lebensraum Riff. Als Räuber aber auch Nährstofflieferanten beeinflussen sie sowohl das Nahrungsangebot als auch das Verhalten der Mitbewohner im Riff. Der Tigerhai beispielsweise beeinflusst die Struktur und Funktion der fürs Klima äusserst wichtigen Seegrasswiesen, indem sie durch ihre bedrohliche Anwesenheit das Fressverhalten von Dugongs und Schildkröten beeinflussen, die hier grasen.
Zwei Drittel der Riffarten vom Aussterben bedroht
Für ihre Analyse haben die Autor:innen die Rote Liste als Grundlage genommen, um die Bedrohungslage der 134 Riffarten zu ermitteln. Die sieben Kategorien der Roten Liste reichen von "Nicht Gefährdet" bis "Ausgestorben", wobei diejenigen, die ein erhöhtes Aussterberisiko aufweisen, als gefährdet gelten (verletzlich, stark gefährdet, vom Aussterben bedroht). Diese Rote Liste umfasst insgesamt 1199 Hai- und Rochen-, Chimärenarten, die weltweit vorkommen. Davon sind mehr als ein Drittel vom Aussterben bedroht (Dulvy 2021).
Die Analyse der Daten aus der Roten Liste zeigt, dass verglichen mit allen 1199 Hai- und Rochenarten das Aussterberisiko bei den Riffarten doppelt so hoch ist. 59 bis 65.7 Prozent der Riffarten sind bedroht und bei 70 Prozent nehmen die Populationen ab. Die Rochen sind noch stärker bedroht als die Haie. Diese dramatische Abnahme der Zahlen erfolgte während der letzten 50 Jahre, also in einer sehr kurzen Zeit, wobei der stärkste Rückgang vor 2005 erfolgte. Am stärksten bedroht sind Arten, die gross sind und ein grosses Verbreitungsgebiet haben und somit vielfach mit der Fischerei in Berührung kommen.
Die Überfischung ist das Hauptübel
Die Hauptursache für diesen schlechten Zustand ist die Fischerei. Haie werden wegen ihres Fleischs und ihren Flossen weltweit gehandelt, Rochen wegen ihres Fleischs und wegen ihrer Haut, die zu Lederwaren verarbeitet wird. Weiter werden sie für die Haltung in Aquarien, als Tierfutter oder Medikamente genutzt. Verstärkt wird diese Entwicklung durch den Klimawandel und die Zerstörung des Lebensraums.
Für Haie und Rochen, die in Riffs leben, ist das Risiko auszusterben, beinahe doppelt so gross wir für alle weltweit vorkommenden 1199 Hai- und Rochenarten. Sterben diese Arten aus, hat das starke negative Konsequenzen für Korallenriffe als Ökosystem, eine Entwicklung, die nur schwer oder gar nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Sofortiger Schutz nötig
Es braucht sofortigen weltweiten Schutz aller Haie und Rochen. Gefragt sind in erster Linie ein wissenschaftsbasiertes Fischereimanagement, wirkungsvolle Meereschutzgebiete und verstärkte regionale Zusammenarbeit im Artenschutz und der Fischerei, insbesondere für migrierende Arten.