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Weit über 40 Millionen Amerikaner sassen an jenem Sonntagnachmittag vor ihren TV-Bildschirmen, so viele wie nie zuvor bei einem Golfturnier. Ein 21-jähriger Afroamerikaner namens Eldrick «Tiger» Woods nahm mit 9 Schlägen Vorsprung die Schlussrunde des US Masters in Angriff.
Jahre später hielt Woods in seinen Memoiren fest, was ihm während der weit über 4 Stunden der Schlussrunde alles durch den Kopf gegangen war. Er fragte sich, ob sein Sieg, wenn es denn einer werden würde, Minderheiten in den USA den Zugang zum Golfsport erleichtern würde. Würde der Sieg also eine gesellschaftliche, soziale Bedeutung bekommen?
Woods erinnerte sich auch, dass er auf dem 18. Green weinen musste, als er seinen Vater und langjährigen Förderer Earl Woods umarmte: «Ich hatte vorher in meinem Leben nur sehr selten geweint. Mein Vater war ein paar Monate vorher krank gewesen und wäre beinahe gestorben. Ich musste weinen.»
Das Turnier der Rekorde
Am Ende gewann Woods das prestigeträchtige Turnier mit sagenhaften 12 Schlägen Vorsprung. Es war einer von insgesamt 20 Rekorden, die Woods an diesem Turnier aufstellte, 6 weitere egalisierte er. Von den Rekorden stechen 3 besonders ins Auge und gelten bis heute:
- jüngster Sieger in Augusta (21 Jahre, 3 Monate und 14 Tage)
- erster afroamerikanischer Sieger beim US Masters
- 270 Schläge (18 unter Par)
Woods war schon vor dem Turnier kein Unbekannter. Bereits als Knirps trat er mit Schläger und Ball in TV-Shows auf. 1994 gewann er als erster Junior die US-Amateurmeisterschaft. Beim Wechsel zu den Profis beschenkte ihn der Sportartikelhersteller Nike mit einem Werbevertrag im Wert von kolportierten 40 Millionen Dollar. Woods benötigte nicht einmal ein halbes Jahr, um 3 Turniere des US-Proficircuits zu gewinnen.
Meilenstein und Start einer Ära
Der Sieg beim Masters in Augusta bedeutete dann aber einen Meilenstein – und war der Anfang einer beispiellosen Karriere. Hier einige eindrückliche Zahlen:
- 15 Major-Siege
- 82 Siege auf der PGA-Tour
- 683 Wochen (davon 281 in Folge) an der Spitze der Weltrangliste
Woods' erster Sieg in Augusta setzte auch eine Spirale in Bewegung, die sich immer noch dreht. TV-Stationen multiplizierten in den Jahren danach ihre Angebote beim Kauf der Turnier-Rechte, Titelsponsoren schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Preisgelder selbst an Turnieren ohne grosse sportliche Bedeutung stiegen und stiegen – dank dem «Woods-Effekt».