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Patagonien, das ist der südliche Landesteil Argentiniens. Weite bis zum Horizont, flach wie eine Flunder, riesige Haziendas mit Viehzucht. Unendliche Zäune begrenzen die Strasse auf beiden Seiten, stundenlang, tagelang immer das Gleiche, keine Abwechslung. Der legendäre, immerwährende starke Patagonien-Wind, ein Trauma für die Velofahrer, so das gängige Klischee dieses Landstriches.
Es gibt aber noch ein ganz anderes Patagonien. In die Ebenen sind tiefe Täler eingeschnitten mit klaren, türkisfarbenen Flüssen, Hügel und Berge.
Oder das Patagonien der Anden. Mit den hohen Gebirgen der Süd-Anden, der grossartigen Gletscherwelt und den glatten, hohen Kletterwänden eines Cerro Torre oder Fitz Roy.
Oder das Patagonien mit den grössten Dinosaurier-Funden oder den grossen versteinerten Wäldern, den grossen Oel-Vorkommen aus fossiliertem Meeres-Plankton. Hier wurde vor hundert Millionen Jahren Geschichte geschrieben, bei der Aufspaltung von Pangäa in die heutigen Erdteile.
In Trelew besuchen wir das Paläontologischen Museum Eugidio Feruglio.
Der Besuch hat sich wirklich gelohnt: Argentinien und insbesondere die Region Chubut sind ausserordentlich reich an Fossilien, darunter der grösste, jemals gefundene Saurier, über 77 Tonnen schwer, 40m lang und 20m hoch lebte vor 95-100 Millionen Jahren.
Er hat noch keinen festen Namen.
Gegen die Ölstadt Comodoro Rivadavia schüttet es aus Kübeln. Wir besuchen das Museo del Petroleo. 1907 wurde hier zum ersten mal Öl gefunden. Im Umkreis von 30km finden sich viele Bohrstellen. Das Museum gibt einen guten Überblick über Entstehung und Gewinnung des Erdöls: Meeresplankton wurde in den Sedimenten durch Druck und hohe Temperaturen in Öl umgewandelt und im Gestein eingeschlossen. Es diffundierte später in durchlässige Sandsteinschichten. Comdoro Rivadavia ist heute ein wichtiges Erdöl-Versorgungszentrum für Argentinien.
Von Comodoro fahren wir über die RN26 / RP20, vorbei an unzähligen Erdöl-Pumpen zum versteinerten Wald von Sarmiento.
Das farbige Hügelgebiet erschliesst viele versteinerte Bäume mit einer erstaunlichen Detailtreue, obschon die ganze Holzmasse abgebaut ist.
Der Wind bläst heftig, fast zum Fliegen.
Für das Nachlager finden wir den am Lago Musters Club de Pesca y Náutica einen guten Platz. Das feine Nachtessen, Teigwaren mit Bolognese-Sauce essen wir gemeinsam in einer grossen Halle, völlig windgeschützt, während draussen heftige Böen den See aufwühlen.
Die Nacht war sehr windig-böig. Ob ein Windschutz geholfen hätte? Wir nehmen uns Zeit, füllen die Wassertanks, Walter muss einen Platten auswechseln. Wir besuchen kurz den Parque de Gigantes del Valle: ein Sammelsurium von Saurier-Reproduktionen, teilweise defekt und nur mit Führung.
Wir lassen’s sein. Walter fährt direkt nach Rada Tilly, Chris, Angie und wir machen den Umweg über die RP24 / RP26 bis zum Rio Chico. Eine wilde-schöne Strecke durch einsame Gegenden,
entlang dem ausgetrockneten Lago Colhué Huapi über trockene Hochebenen, vorbei an erloschenen Vulkanen.
Wir begegnen aufgehängten Füchsen, Nandu-Familien, schwimmenden Flamingos.
Der Rio Chico ist entgegen den Erwartungen völlig ausgetrocknet. Sandstürme haben die überschwemmten Farmen im Flussbett fast ganz zugedeckt.
Hier kann es offensichtlich auch ungesittet zu- und her gehen. Unter einem Hang finden wir einen vernünftigen Platz, montieren die Windschutzplatten und geniessen den Sonnenuntergang mit einem Wein von Walter. Prost Walter!
Auf der RP26 fahren wir zuerst durch meterhohe Sanddünen auf das Plateau, eine karge, trockene wilde und schöne Landschaft. Gegen Pampa de Castillo kommen wir wieder in die Ölfelder mit vielen Pumpen, Pipelines und Erschliessungsstrassen.
Am Rand liegt ein Hylux schwer demoliert, nach einem Rollbügeltest. Die RP39 ist eine reine Ölstrasse mit Pumpen, Tanklagern, Kleinraffinerien, Werkstätten. Wir erreichen wieder Comodoro.
Von Jaramillo benutzen wir die RP93 als Abkürzung zum versteinerten Wald. Mitten in der Pampa geniessen wir warmes Lagerfeuer.
Der NP Bosque Petrificado Jaramillo ist den Besuch absolut wert: riesige versteinerte Araucarien liegen herum teilweise 3m dick und 50m lang, dazwischen versteinerte Holzsplitter.
Das Gebiet ist erst seit 2003 geschützt. Davor wurden viele Relikte einfach abtransportiert.
Auf dem Weg über einen kleinen Estanzia-Pfad zurück zur Küste begegnen wir stolzen Guanacos, Nandus, Maras, die vor uns auf der Strasse herrennen und vielen anderen Sehenswürdigkeiten.