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Es handelt sich um zwei verschiedene Krankheiten, die etwas gemeinsam haben, nämlich den Infektionsweg. Zecken stechen in die Haut von Mensch und Tier, um Blut zu saugen, das sie für ihre Entwicklung benötigen. Eine Zecke kann Bakterien oder Viren auf den Menschen übertragen. Jedoch sind nicht alle Zecken infiziert und deshalb führt nicht jeder Stich zu einer Krankheit. Zecken werden bei Temperaturen über zehn Grad aktiv, die meisten Infektionen erfolgen allerdings in der warmen Jahreszeit.
Die Lyme-Borreliose (oder Lyme-Krankheit) wird durch Borrelien, verschiedene Bakterienarten, verursacht. Die Bakterien besiedeln den Darm der Zecke und gelangen im Verlaufe des Saugaktes in den Menschen.
Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist Folge einer Infektion mit dem FSME-Virus. Die Viren leben in den Speicheldrüsen des Parasiten und können schon kurz nach dem Stich übertragen werden.
Bei einem „banalen“ Zeckenstich entsteht innerhalb von Stunden, maximal zwei Tagen auf der Haut eine kleine lokale Entzündung, die einem Insektenstich ähnlich ist. Die Rötung wird selten grösser als 1 cm und verschwindet rasch wieder. Wenn mit dem Stich keine Borrelien oder andere Krankheitserreger übertragen wurden, ist nicht mit weiteren Symptomen zu rechnen.
Die Borreliose lässt sich in drei Krankheitsstadien unterteilen, wobei allerdings nicht jede Phase durchlaufen werden muss. Der nachstehend dargestellte Verlauf der Krankheit gilt für den Fall, dass keine Behandlung stattfindet. Bei korrekter Therapie wird mehrheitlich nur das erste Stadium durchgemacht. Die Stadien können sich auch überlappen und gelegentlich erkranken verschiedene Organe oder Organsysteme nicht nacheinander, sondern miteinander.
Wer in Amerika einen Zeckenstich erlitten hat, beobachtet oft andere Symptome als die im Folgenden beschriebenen. Das ist darauf zurückzuführen, dass auf dem amerikanischen Kontinent andere Borrelienarten vorkommen.
Nach einer Infektion mit Borrelien entwickelt sich typischerweise (jedoch nur bei einem Drittel aller Fälle) die so genannte Wanderröte der Haut (Erythema migrans). Es handelt sich um einen rot-bläulichen Fleck, der nach einigen Tagen (meist nach 7 bis 10 Tagen) am Ort des Zeckenstichs beginnt, im Zentrum eine Aufhellung aufweist und sich flächig bis zu einem Durchmesser von 5 cm ausweiten kann. Bei Kindern erscheint das Erythema migrans oft am Kopf oder Nacken. Vereinzelt brennt oder juckt es. Zeichen einer Ausbreitung der Krankheit im Körper ist das Auftreten mehrerer derartiger Flecken. In der Schweiz werden jährlich zwischen 200 und 300 Fälle von Erythema migrans beobachtet.
Begleitet wird die Hauterscheinung oft von Allgemeinsymptomen, die einer Grippe ähneln, wie Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen, Fieber und Nackensteife. Eine spontane völlige Heilung ist jetzt noch möglich.
Nach Wochen bis Monaten können verschiedene innere Organe und die Haut von der Infektion befallen sein. Es kommt zu Gelenkschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Lymphknotenschwellungen, Nervenentzündungen und Lähmungen. Auch Hirnhautentzündung tritt auf, bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen.
Im Stadium 1 oder 2 – also nach wenigen Wochen – werden gelegentlich bereits neurologische Symptome und Herzmuskelentzündung (s. unten) beobachtet.
Nach Monaten oder Jahren sind charakteristisch: Hautveränderungen („Pergamenthaut“), chronische Gelenk- oder Herzmuskelentzündung sowie – selten – Nerven- und Hirnschädigungen, rheumatische Beschwerden, Lähmungen.
Selten bleibt nach einer Infektion mit Borrelien trotz geeigneter Antibiotikatherapie ein so genanntes Post-Lyme-Syndrom bestehen. Charakteristisch dafür sind monatelang anhaltende Beschwerden wie Gelenk-, Muskel- oder Nervenschmerzen, Gedächtnisstörungen und Müdigkeit.
Diese virale Infektion verläuft in etwa zwei Dritteln der Fälle symptomlos. Bisweilen entsteht vier Tage bis drei Wochen nach der Ansteckung ein grippeähnliches Krankheitsbild, das nach einigen Tagen wieder verschwindet. Die Krankheit kann damit ausgeheilt sein. Aber nicht in allen Fällen. Von den Infizierten erleidet etwa jeder siebte nach einer meist kurzen scheinbaren Erholung eine Hirnhaut- oder Hirnentzündung mit hohem Fieber, Bewusstseinstrübung, Kopfweh, Lichtscheu, Schwindel, Nackensteife, mitunter Nervenlähmungen und epileptischen Anfällen. Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen begleiten diese Krankheitsphase, die wochen- bis monatelang anhalten kann. Die Sterblichkeit beträgt 1%, wobei Kinder aber meistens einen gutartigen Verlauf mit Heilung aufweisen.
Nach schweren Verläufen bleiben vereinzelt Kopfschmerzen, Müdigkeit, Restlähmungen im Gesicht und an den Armen oder Beinen und psychische Veränderungen zurück.
Zwischen 2004 und 2006 hat sich die Zahl der in der Schweiz jährlich gemeldeten Fälle mehr als verdoppelt. Die deutlichste Zunahme war zu verzeichnen in den Kantonen Nidwalden, Waadt, Freiburg, Bern und Luzern. Die Anzahl der Infektionen ging allerdings 2007 wieder deutlich zurück.
Eine spezielle Behandlung der Krankheit gibt es nicht, man kann nur die Symptome bekämpfen. Das BAG empfiehlt aus diesem Grund die FSME-Schutzimpfung für Personen (Kinder ab 6 Jahren), die in einem Endemie- oder Risikogebiet leben (s. bei „Vorbeugen“).
Da Borrelien erst am Ende des Saugaktes in Haut und Blutbahn gelangen, verhindert schnelles Auffinden und Entfernen der Zecke unter Umständen eine Infektion. FSME-Viren können demgegenüber bereits zu Beginn des Saugens übertragen werden.
Auf das Bestreichen mit Öl ist unbedingt zu verzichten. Auch sollte man die Zecke nicht stark drücken oder quetschen, weil sie sonst ihren Speichel in die Blutbahn entleert.
Eine Arztkonsultation empfiehlt sich, wenn nicht die ganze Zecke entfernt ist und bei jedem Verdacht auf Infektion mit Borrelien oder FSME-Viren. Zurückgebliebene Teile erkennt man an schwarzen Pünktchen unter der Haut, die überwiegend von selbst herausfallen.
Verdacht auf eine Borreliose besteht, wenn die Hautrötung an der Stichstelle mehr als 5 bis 10 mm gross ist oder wenn diese Rötung länger als drei Tage bestehen bleibt. Das Gleiche gilt beim Auftreten von unklaren Allgemeinsymptomen nach einem Zeckenstich, auch wenn dieser drei oder vier Monate zurückliegt. Es kann sich dahinter eine bis anhin nicht bemerkte Infektion verstecken.
Die Borreliose wird mit Antibiotika behandelt, hauptsächlich um Komplikationen (Herzmuskelentzündung, neurologische Symptome) zu verhindern. Mit der Therapie ist alsbald nach Feststellen eines Erythema migrans oder anderer Symptome einer Borreliose zu beginnen. Die Mehrzahl der Patienten spricht gut auf die Behandlung an, doch können bis zum endgültigen Verschwinden der Krankheitszeichen Monate vergehen.
Bei FSME sind Antibiotika unwirksam, da es sich um eine Virusinfektion handelt. Die Therapie besteht im Bekämpfen der Symptome mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Medikamenten.
Schutz vor Zeckenstichen ist das Entscheidende. Es gibt verschiedene vorbeugende Massnahmen.