Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03154.jsonl.gz/286

Zink und Depressionen – eine aktuelle Metaanalyse
Wie wirkt Zink bei Depressionen?
Zink scheint über verschiedene Wege auf den Hirnstoffwechsel einzuwirken. Es beeinflusst die Übertragung von Neurotransmittern an der Synapse und wirkt als Modulator von wichtigen Neurotransmitter-Rezeptoren wie AMPA (α-Amino-3-Hydroxy-5-Methyl-4-Isoxazol-Propionsäure), GABA (γ-Aminobuttersäure) und NMDA (N-Methyl-D-Aspartat). Ein Zinkmangel bzw. eine Störung des Zinkstoffwechsels kann daher auf diesen biochemischen Wegen dazu führen, dass das Nervensystem sich nicht mehr gleich gut auf Änderungen des Umfeldes oder auf neue Erfahrungen einstellen kann, was langfristig zur Entwicklung von psychiatrischen Krankheitsbildern führen kann.
Ein Zinkmangel erhöht auch die Spiegel von pro-inflammatorischen Zytokinen wie IL-6 (Interleukin-6) und TNF-α (Tumornekrosefaktor-α) und begünstigt Veränderungen der zerebralen Funktion von Serotonin. Damit wird auch die Verfügbarkeit des Serotonin-Bausteins Tryptophan für die Serotonin-Biosynthese reduziert. Tryptophan wird nämlich bei Entzündungen vermehrt über Kynurenin und Chinolinsäure – ein neurotoxisches Stoffwechselprodukt – abgebaut. Chronische Entzündungen inkl. Silent Inflammation wiederum führen zu erniedrigten Zinkspiegeln.
Zink ist auch bei der Regulierung der Expression des Proteins BDNF (Brain-derived neurotrophic factor) involviert. Der BDNF spielt eine wichtige Rolle für das Gedächtnis, für die Neuroplastizität und trägt zur Regulation von Prozessen wie Lernen, Erfahrungen oder Erinnerungen bei. Erniedrigte BDNF-Spiegel korrelieren mit einer neuronalen Atrophie und mit depressiven Störungen.
Die Ergebnisse der Metaanalyse: Zink kann die Symptome einer Depression reduzieren
Die Metaanalyse2 schloss insgesamt 6 randomisierte, placebokontrollierte Studien ein, wobei lediglich 4 Studien mit Patienten mit einer Major-Depression durchgeführt wurden. Nur diese wurden dann auch für die Sensitivitätsanalyse mitberücksichtigt. Die in den Studien zum Einsatz gekommenen Zinkdosierungen liegen in einem Bereich von 7–25 mg Zink pro Tag über eine Interventionsdauer von 2–6 Monaten. Das Ergebnis der Metaanalyse zeigt, dass eine Zinksupplementierung – begleitend zu einer antidepressiven Therapie – zu einer zusätzlichen Reduktion der Symptome bei Patienten mit einer Major-Depression führen dürfte.
Dies gilt insbesondere für über 40-jährige Patienten. Für Kinder und Jugendliche ist die Wirkung von Zink bei Depressionen nicht belegt.
Kommentar
Zink ist nicht der einzige Nährstoff, der begleitend bei Depressionen eingesetzt werden kann resp. bei dem die Vermeidung/Behebung eines Mangels mit einem verbesserten Ansprechen auf die medikamentöse Therapie assoziiert ist. Dasselbe gilt bekanntermassen auch für Magnesium und Vitamin D3. Als therapeutische Alternative zu einer medikamentösen Therapie bei Depressionen haben sich insbesondere die EPA-lastigen Omega-3-Fischölpräparate (> 2 g EPA+DHA/Tag) als zuverlässig wirksam erwiesen. Es bleibt mit Spannung abzuwarten, ob zukünftige Studien mit noch grösseren Probandenzahlen die jetzigen positiven Ergebnisse von Zink bei Depressionen bestätigen werden.
Literatur
1 Lai J et al. The efficacy of zinc supplementation in depression: systematic review of randomised controlled trials. J Aff Disorders. 2012;136(1-2):e31-e39.
2 Da Silva LEM et al. Zinc supplementation combined with antidepressant drugs for treatment of patients with depression: a systematic review and meta-analysis. Nutr Rev. 2021;79(1):1-12.