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großen nördlichen Bogens des Huangho) und von dort zurück über Urga und Uliassutai ausgeführt.
Der sonst glücklichste und hervorragendste unter allen russischen Reisenden, Oberst Prschewalskij, hat auf seiner Expedition, die er von Petersburg [* 2] aus wieder mit Eklon angetreten hat, sein Ziel, die tibetische Hauptstadt Lhassa, nicht erreichen können. Über Saisan und Zaidam, über den Blauen Fluß und über das Tanlaplateau kam er bis an die Grenze Tibets, wo er zu der äußerst beschwerlichen Umkehr nach Siningfu in der chinesischen Provinz Kansu gezwungen wurde.
Von da aus erforschte er noch im Sommer 1880 das Quellgebiet des Huangho und kehrte dann nach Sibirien zurück. Seit 1883 ist er auf einer neuen ausgedehnten Forschungsreise durch jene Gebiete begriffen. Einige Jahre früher (1875) war der Pundit L- von Indien aus nach Schigatze am Jarudsangpo gegangen und hatte einen noch unbekannten Teil dieses Stroms erforscht, worauf ein andrer Pundit, N..m..y, 1878 ff. den Fluß noch ca. 320 km weiter östlich verfolgte. In Ostturkistan wurde Jarkand 1879 und 1880 von Ney Ellas besucht, Kaschgar 1880 von dem russischen Offizier Petrow.
China, Japan und Hinterindien.
China [* 3] und Japan blieben auch während des 19. Jahrh. bis auf die letzten Dezennien europäischen Reisenden so gut wie unzugänglich, was von manchen Teilen des chinesischen Reichs in gewissem Sinn auch jetzt noch gelten kann. Lange Zeit waren es fast nur Missionäre, welche uns hin und wieder Nachrichten über jene Länder zukommen ließen, und nur äußerst selten wissenschaftlich gebildete Reisende. Timkowskis und Bitschurins Reise über Kiachta nach Peking [* 4] 1820-21 wurde bereits erwähnt; 1830 begleitete Bunge russische Missionäre dorthin, 1823-1829 weilte Siebold in Japan. 1844-46 zogen die Missionäre Huc und Gabet durch China und die Mongolei bis an die Grenze von Tibet. Nachdem aber seit der amerikanischen Expedition unter Perry (1853-54) von Japan und seit dem französisch-englischen Krieg (1858) von China das System der fast völligen Abschließung aufgegeben ist, haben die Reisen in beiden Reichen schnell zugenommen.
Über China wird schon lange nicht mehr bloß von Missionären berichtet, unter denen Gützlaff, Lechler, Edkins, Beal, Eitel und die Mitglieder der russischen Mission in Peking sowie der China Inland Mission vor allen genannt werden müssen, oder von Besuchern der Küstenstädte; auch das Innere ist seit 25 Jahren wiederholt sowohl von der Küste als auch von Sibirien und Indien aus bereist und nach allen Richtungen hin genauer erforscht worden. Außer den schon unter Hochasien und Sibirien erwähnten Reisen, deren mehrere bereits das chinesische Gebiet betreffen, seien hier noch besonders angeführt: die Befahrung und Aufnahme des Jantsekiang und Sikiang 1858 ff. durch Bullock, Bleakiston, Sarel u. a., die gleichzeitigen Forschungen des Obersten Budogowski im Amurgebiet und bis Korea hin, die Schismarews 1864 und 1868 in der Mongolei, Michies und Pumpellys Reisen 1863 ff., des Abbé David Forschungen in China und Tibet (1861-1874), ferner Ney Elias, Swinhoe, Oxenhan 1868 ff., H. Fritsche 1868-71, Rocher, Palladius, Prschewalskij 1870 ff. Letzterer zog mit Pylzow durch die Wüste Gobi nach Peking und aber Tibet nach Sibirien zurück.
Jünnan wurde 1866-68 von Kochinchina aus durch die französische Expedition auf dem Mekhongfluß erreicht; Cooper nahm 1868 den Weg von Chinas Küste nach Tibet; v. Richthofen zog 1868 ff. von Kanton [* 5] in gerader Richtung bis Peking, besuchte dann die Provinzen Schingking, Nganhui und Tschekiang und drang südlich durch Setschuan bis Jünnan vor. 1875 unternahm der englische Konsulatsbeamte Margary seine interessante Reise quer durch China (Kueitschou und Jünnan) bis Bhamo in Birma, fand aber auf der Rückreise seinen Tod durch Mörderhand; seit 1875 bereiste auch Grosvenor mit Colborne Baber Jünnan und dann Baber 1877 die Provinz Setschuan sowie nochmals Jünnan, wo er bis zu den unabhängigen Lolostämmen vordrang.
Sein Reisegefährte Leutnant Gill durchkreuzte in demselben Jahr das ganze Reich, indem er von Tschingtu, der Hauptstadt Setschuans, über Talifu und durch wildes Gebirgsland Bhamo in Birma erreichte, was in demselben Jahr auch dem Missionär Cameron gelang. 1878 ging Morrison von Hankeou nach Kanton und vom Jantsekiang zum Peiho, und Graf Széchényi trat über Lantschau eine große Reise nach Innerasien an, begleitet von dem Oberleutnant Kreitner. Die Expedition zog den Jantsekiang hinauf, dann durch die Provinzen Schensi und Kansu zum Kuku-Nor, durfte aber Tibet nicht durchqueren und mußte sich deshalb südwärts nach Bhamo am obern Irawadi begeben.
Nicht ohne geographische Ergebnisse blieb auch die Reise des englischen Konsularbeamten W. C. Hillier 1879 durch die Provinzen Hupei und Honan. Ungemein ausgedehnt, wenn auch weniger wichtig vom wissenschaftlichen und speziell geographischen Standpunkt sind die Reisen der Missionäre der China Inland Mission, welche seit 1876 sämtliche Provinzen des westlichen China, namentlich Kansu, das westliche Setschuan, Schensi, Schansi, Hunan, Honan, Kuangsi; Kueitschou und Jünnan, durchwandert haben. In Schansi, Setschuan und Kueitschou haben sie Missionsstationen errichtet.
Von besonderm Interesse ist darunter die Reise J. ^[Jacques] Mac Carthys, welcher 1877 den Jantsekiang aufwärts durch Setschuan gleichfalls Bhamo erreichte. Von sonstigen Missionären verschiedener Nationalität, die sich um die Erforschung des südwestlichen China verdient gemacht haben, nennen wir hier Riley, Clarke, Nicoll, Cameron, Pigott, Broumton, French, Baller, Dorward, Janssen und Creuse. Soltau und Stevenson gelangten 1880-81 zum erstenmal von Bhamo aus nach Itschangfu am Jantsekiang.
Fast alle diese Reisen nach und durch Jünnan bezweckten die Aufsuchung einer bequemen Überlandroute für den Handelsverkehr mit dem südlichen China, und dasselbe gilt von der Reise der beiden englischen Ingenieure Colquhoun und Wahab, welche 1882 von Kantor aus den Sikiang und Jükiang hinauffuhren, beide Flüsse [* 6] gut aufnahmen und dann über Pese, Kuëhuë (Kaihua) und Puër und durch das noch ganz unerforschte Gebiet des obern Papien über Talifu nach Bhamo gingen. Im nördlichen Setschuan reiste neuerdings E. H. Parker.
Der Distrikt Hundes oder Nari-Chorsam im westlichen Tibet wurde im Sommer 1877 unter Leitung von E. C. Ryall zum Teil aufgenommen und zwar mit Genehmigung der sonst so mißtrauischen chinesischen Behörden. In dasselbe Jahr fällt die Reise des um die Erforschung Tibets so verdienten französischen Missionärs, des Abbé Desgodins, von Bathang in Tibet nach Tatsienlu in Setschuan. Im Herbst 1877 bereiste v. Möllendorff den nördlich der Großen Mauer gelegenen Teil der Provinz Tschili, und 1878 ging der englische Konsularbeamte E. C. Baber in Setschuan ¶
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nach Tatsienlu. Im Juli 1879 besuchte J. H. Riley von der China Inland Mission mit Mollmann den Ngomischan, einen der höchsten Berge im westlichen Setschuan und berühmt wegen seiner buddhistischen Tempel. [* 8] Im äußersten Nordwesten reiste 1879 G. F. Easton, gleichfalls von der China Inland Mission.
Sowenig auch von Korea, diesem »verschlossenen Land«, zu berichten ist, von welchem bisher nur die Küsten und auch diese nicht einmal vollständig aufgenommen sind, so ist das wenige, was geschehen ist, doch erfreulich. Es sind Japaner, denen wir diese Erweiterung unsrer Kenntnis zu danken haben, seit 1879 eine japanische Gesandtschaft an den Hof [* 9] von Söul geschickt wurde, um wegen der Eröffnung zweier Häfen zu verhandeln. Die Folge war die Eröffnung der beiden koreanischen Häfen Genzanschin und Ningseng, letzterer nur wenige Meilen von der Hauptstadt Söul entfernt.
Ähnliche Handelsverträge haben die nordamerikanische Union und Deutschland [* 10] abgeschlossen, so daß nunmehr die Erforschung auch dieser merkwürdigen Halbinsel schnelle Fortschritte machen dürfte, da Japan, England, die Vereinigten Staaten [* 11] und auch Frankreich dieselbe in Angriff genommen haben. Bis zur Possjetbucht an der Nordgrenze Koreas drang übrigens der russische Oberst Barabasch jüngst von der Ussurimündung durch noch unbekannte Teile der Mandschurei vor. Ernst Oppert unternahm 1866-69 drei Fahrten nach Korea. 1882 besorgten Hoskyn und Carpenter Aufnahmen an der West- und Südküste, und Hall [* 12] besuchte die Hauptstadt Söul.
Von Reisenden auf Formosa nennen wir Bernard, Scheetelig, Brooker, aus den letzten Jahren den Photographen Thomson (1872), Ibis (1875), Corner (1876) und Steere. Auch Hainan fängt an, besucht und einigermaßen bekannt zu werden, wo Swinhoe schon 1868 und später Stuhlmann sich einige Zeit aufhielten und neuerdings Carpenter 1881 die Aufnahme der Westküste besorgte. Auch die Liukiuinseln sind in ihrem nördlichen Teil von Döderlein untersucht worden.
Was Japan betrifft, so waren uns die landwirtschaftlichen und gewerblichen wie die Handelsinteressen und politischen Zustände desselben früher nur unvollkommen bekannt, obgleich L. Pagès schon 1859 die Summe von 672 Aufsätzen und Werken über dieses Land verzeichnen konnte. Wie erwähnt, erschlossen die Amerikaner 1854 das Reich; Österreich [* 13] sandte Expeditionen 1857 (die Novara) und 1868, Preußen [* 14] 1859. Deutsche, [* 15] Engländer und Amerikaner wetteiferten, uns Nachrichten zu liefern, so daß wir über Japan demnächst besser als über jedes andre Reich in Ostasien unterrichtet sein können.
Die epochemachenden Arbeiten v. Scherzers und seiner Mitarbeiter begreifen den ganzen Osten Asiens; Japans Flora und Fauna haben Hofmann und Siebold beschrieben, welch letzterer 1859 wieder auf drei Jahre nach Japan sich begab. Die Periode der Pionierreisen, wo es sich noch um Entdeckungen handeln konnte, geht hier bald zu Ende, und es beginnt die umfassende, systematische Erforschung des Landes, die topographische und geologische Aufnahme durch eigens dazu bestellte, meistens von Deutschen geleitete Institute und Kommissionen. Im Auftrag des Ministers des Innern begann Naumann 1879 die Aufnahme Japans, welche die Topographie, die Geologie [* 16] und die agronomischen Verhältnisse berücksichtigen soll.
Gleichzeitig sollten die Erz- und Kohlenlagerstätten etc. untersucht werden. Inzwischen sind Europäer und Japaner nicht müßig gewesen, das Inselreich zu bereisen, aufzunehmen und geographisch wie auch naturwissenschaftlich zu erforschen. Wir nennen hier: Rein 1874-75, Marshall, Knipping 1875 ff., v. Drasche 1876, Wojeikow 1876, Lyman 1876 ff., Kempermann, Gebauer, Wenjukow 1878 f., Wada, Wagener, Woolley, Guppy, Satow, Otto Schütt, Scheube 1881, Siebold den jüngern 1882.
Die Erforschung Hinterindiens, dessen Inneres den Europäern völlig verschlossen und so gut wie unbekannt war, hat eigentlich erst in den letzten Dezennien erhebliche Fortschritte gemacht. Crawfurd that seit 1821 teils als Gouverneur in Singapur, [* 17] teils als britischer Gesandter in Siam, Kochinchina und Birma viel für Erweiterung der Kenntnis des Landes, ebenso Pallegoix, der seit 1830 viele Jahre als Missionär in Siam wirkte, das 1850 auch von Bowring besucht und beschrieben wurde.
Mac Leod forschte 1837 zwischen Saluen und Mekhong; Heathcote besorgte zum Teil mit Yule und Rennie die Aufnahme des Irawadi, wo seit 1856 auch der Naturforscher Brandts mit Erfolg thätig war. Außerdem haben der Naturforscher Henri Mouhot (1859 bis 1861), Freiherr v. Richthofen (1861-62), Ad. Bastian (1861-64) Hinterindien [* 18] bereist; insbesondere letzterm verdanken wir eine eingehende Schilderung des Landes und Volks und seiner Geschichte in einem sechsbändigen Werk und in vielen Spezialarbeiten.
Kambodscha ist durch die französischen Eroberungen bekannt geworden. Auch das Innere von Lao wie von Birma wurde mehrfach betreten; die französische Mekhongexpedition durchzog 1866-1867 das Laogebiet seiner ganzen Länge nach. Die vielen Versuche der Engländer, von ihrem Besitz in Birma über Bhamo am Irawadi einen Handelsweg nach dem südlichen China sich zu öffnen, besprachen Bowers und Sladen, die beiden 1868 dorthin gesandten englischen Beamten, in »Bhamo expedition« (deutsch von Merzdorf, 1871), welches Werk eine Fülle neuer geographischer und statistischer Nachrichten enthält.
Der Versuch Coopers (1870), von Birma am Irawadi hinauf nach Jünnan zu gelangen, blieb ohne Erfolg. Zu nennen sind noch: Dupuis' Erforschung des Songkaflusses in Tongking [* 19] (1870 ff.) und sein Versuch, auf ihm Handel mit Jünnan anzuknüpfen, was 1873 zu der Einmischung Frankreichs und zu dem Tode des berühmten Reisenden Garnier führte;
die Reisen des Arztes Morice in Französisch-Kochinchina (1871-76), die des Botanikers Strettel im nördlichen Birma (1873-74), des russischen Anthropologen Miklucho-Maclay auf der so wenig bekannten Halbinsel Malakka (1874-1875), wo 1875 ff. auch der Engländer D. Daly und 1879 Hervey wichtige Aufnahmen machten.
Letztere durchkreuzten die Halbinsel von W. nach O., während H. S. Deane die Ertragsfähigkeit einzelner Distrikte untersuchte. Wichtig ist auch besonders die Reise des französischen Arztes Harmand im Gebiet des Mekhong (1875-77), da es ihm zuerst gelang, die Wasserscheide zwischen diesem Strom und dem Chinesischen Meer zu überschreiten und von W. her die anamitische Hauptstadt Huë zu erreichen. Ein andrer Franzose, Dutreuil de Rhins, hat sich durch Aufnahmen in der Umgebung dieser Stadt verdient gemacht. Dieser Eifer in der nähern Erforschung Hinterindiens ist namentlich von seiten der Franzosen in den letzten Jahren besonders gesteigert worden. Eine ganze Reihe französischer Reisenden, Blanc Aymonier, Boulangier, Villeroi d'Angis mit Courtin Gautier, Delaporte, Neïs, Septans u. a., haben von Kochinchina aus nach Siam, Kambodscha und ¶