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Der schüchterne Eisverkäufer Benny (Yftach Katzur) ist chronisch in Geldnöten, der übergewichtige Johnny (Zachi Noy) zeigt sich fürs Leben gerne nackt und Momo (später Bobby alias Jonathan Sagall) lässt die Mädchen fallen wie heisse Kartoffeln. Doch eines haben die drei ungleichen Freunde in der achtteiligen Filmreihe gemeinsam: ihre Leidenschaft für das weibliche Geschlecht, Sex und Schabernack.
Bei «Eis am Stiel» drehte sich damals acht Folgen lang alles um die erotischen Abenteuer des Trios im Tel Aviv der 50er Jahre und den damit verbunden Verzwickungen wie beispielsweise Filzläuse, die das Resultat eines Besuchs bei einer Prostituierten waren. Aber auch die Duschszenen, der Penisvergleich und die wilden Fummeleien sind den Fans der Teenager-Klamotte nur allzu gut in Erinnerung geblieben. Schliesslich sorgten die freizügigen Szenen für feuchte Träume einer ganzen Generation. Doch der Einzige, der international an den Erfolg der Kult-Reihe anknüpfen konnte, war Jonathan Sagall, der den Mädchenschwarm Momo verkörperte.
JONATHAN SAGALL
Der Israeli verbrachte seine ersten Lebensjahre in Kanada und wanderte 1970 im Alter von elf Jahren mit seiner Familie nach Israel aus. Sieben Jahre später stand er zum ersten Mal für den Fernsehfilm «The Man with the Power» vor der Kamera. Anschliessend wurde er im deutschsprachigen Raum durch seine Rolle des attraktiven Bobby in «Eis am Stiel» bekannt. Die Kult-Reihe wurde in den Jahren 1977 bis 1988 produziert. Da Sagall zwischenzeitlich Streit mit dem Regisseur der Filmreihe hatte, wirkte er im sechsten Teil (1985) nicht mehr mit.
Mit seinem Lebensgefährten Amos Guttman, mit dem er von 1954 bis 1993 liiert war, als Regisseur spielte er 1983 in dem Film «Nagu'a» einen schwulen Regisseur in einer Identitätskrise. Als der Film 1984 beim World Film Festival in Montreal gezeigt werden sollte, protestierte die israelische Regierung dagegen mit der Begründung, dass er auf Grund seiner Thematik nicht repräsentativ für die Kultur Israels sei.
Für den 1987 entstandenen Film «Baba-It», eine Beziehungsgeschichte zweier schwuler Schriftsteller, schrieb er das Drehbuch und finanzierte ihn.
In den 1990er-Jahren wendete sich Sagall verstärkt dem Theater zu und wurde ein festes Ensemble-Mitglied des Habima National Theatre in Tel Avic. Er schrieb und inszenierte auch eigene Stücke. Seine für die israelische Jugendzeitschrift Rosh Ehad entstandenen Kurzgeschichten Hugo Asparagus wurden zu einem Drehbuch verarbeitet. Weiter spielte er die Rolle des Juden Poldek Pfefferberg in dem 1993 produzierten Filmdrama «Schindlers Liste» von Steven Spielberg. Sagall war aber auch Drehbuchautor der israelisch-palästinensischen Version der Sesamstrasse, welche erstmals im Sommer 1998 ausgestrahlt wurde.
1998 führte er nach zwei Kurzfilmen erstmals Regie bei dem Spielfilm «Kesher Ir» (internationaler Titel: «Urban Feel»). Er schrieb sowohl das Drehbuch, produzierte und spielte auch die Hauptrolle. Der Film gewann insgesamt vier Preise, drei davon in Israel.
Weiter erhielt er 2011 für seinen Spielfilm «Lipstikka» eine Einladung zur Teilnahme an den Wettbewerb der internationalen Festspiele von Berlin.
Aber auch Zachi Noy, der in der Kult-Klamotte der eigentliche Star war und als Dickerchen Johnny kein Fettnäpfchen ausliess, wurde ein erfolgreicher Fernsehstar.
ZACHI NOY
Seine erste Rolle hatte der israelische Schauspieler als 24-Jähriger in «Half a Million Back». Doch erst ein Jahr später gelang ihm der Durchbruch mit seiner Rolle in der Erotikkomödie «Eis am Stiel». Ausserdem spielte er 1998 bis 2000 in der Anwaltsserie «Ramat Aviv Gimmel» und gewann als Darsteller mehrere Fernsehpreise.
Am 13. November 2010 war der füllige Noy in der RTL-Show «Das Supertalent» zu sehen. Der Auftritt in bayrischer Tracht wurde jedoch zu einem Desaster. Denn unmittelbar nachdem er zu singen anfing, wurde er von den Zuschauern ausgebuht. Jurymitglied Dieter Bohlen fragte ihn daraufhin, wieso er es als ehemaliger Star nötig hätte, sich vor dem Publikum «zum Affen zu machen». Noy beschwerte sich später darüber, wie er von den Produzenten behandelt worden sei. Schliesslich sei er auf eine ausdrückliche Einladung gekommen und nur vorgeführt worden.
Weniger von sich zu reden machte Yftach Katzur, der in «Eis an Stiel» den schüchternen Eisverkäufer Benny spielte. Die acht Teile der Filmreihe sollten sein grösster Erfolg bleiben.
YFTACH KATZUR
Mit 17 Jahren begann er seine Karriere in Peter Shaffers Bühnenstück «Play Equus». Doch auch er hatte seinen Durchbruch als Schauspieler in «Eis am Stiel». Danach zog er sich fast ganz aus dem Filmgeschäft zurück, studierte Film mit Schwerpunkt Drehbuchschreiben in Tel Aviv, gründete einen Verlag und arbeitet bis heute als Produzent. Zusammen mit seinem Schauspielkollegen Zachi Noy stand er 1984 noch einmal für den Film «Der Ambassador» vor der Kamera. Danach hatte er eine letzte Rolle in «Gentila», der 1997 in die Kinos kam und der ein Jahr später als bester Film mit dem Haifa Film Festival Award ausgezeichnet wurde.