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ACTARES nahm an der diesjährigen Generalversammlung der Credit Suisse teil, um zur Finanzierung massiver Abholzungen in Indonesien Fragen zu stellen. Dieser Auftritt entstand in Zusammenarbeit mit der Erklärung von Bern, die zu diesem Thema recherchiert hat. In den letzten zehn Jahren wurde die asiatische Zellstoff- und Papierindustrie von internationalen Finanzinstituten mit Krediten, Aktien- und Obligationenausgaben stark gefördert. Mehr als 15 Milliarden Dollars sind in diese Branche in Indonesien geflossen. Gross davon profitiert hat die Asia Pulp and Paper (APP), eine Holding mit Sitz in Singapur. Das Beispiel der APP belegt klar und anschaulich, dass sich fehlendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit über kurz oder lang auch finanziell negativ auswirkt.
Die Credit Suisse ist seit vielen Jahren in verschiedenen Rollen mit APP verbunden, einem Unternehmen, das heute mit 13,4 Mia Schulden dasteht und nicht mehr in der Lage ist, diese zurückzuzahlen. Schon im März 2001 stellte APP den Schuldendienst ein. Die Credit Suisse nimmt unter den über 300 indonesischen und internationalen Banken, die APP finanzierten, eine Sonderstellung ein. Einerseits ist die Credit Suisse First Boston (CSFB) mit mindestens einer Viertel Milliarde Dollar die grösste bekannte Obligationärin von APP, andererseits übernahm CSFB im vergangenen Jahr ein Beratungsmandat für die Sanierung des überschuldeten Konzerns.
Massive Vernichtung von Naturkapital
APP ist mitverantwortlich für die flächendeckende Zerstörung von Regenwald in Indonesien. Jedes Jahr wird dort eine Fläche kahlgeschlagen, die der halben Schweiz entspricht. Dabei geht nicht nur der Urwald verloren, sondern auch der Lebensraum der dortigen Bevölkerung und die dort speziell reichhaltige Tierwelt. APPs grösste Zellstoff- und Papierfabrik in Indonesien, Indah Kiat in Riau auf Sumatra, bezieht nur einen Bruchteil des Holzes aus Plantagen, den grössten Teil jedoch aus bisher unberührten Regenwäldern. Mindestens 300’000 Hektaren eines der artenreichsten Regenwälder der Welt wurden dadurch in den letzten Jahren zerstört. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will das Unternehmen noch einmal soviel Regenwald zu Papier und Zellstoff verarbeiten.
Zusammenhang von Ökologie und Ökonomie
Eines ist klar: Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens hängen aufs engste mit seiner ökologisch nicht tragfähigen Wirtschaftsweise zusammen. In den letzten Jahren sind die Preise für Zellstoff und Papier massiv gesunken, nicht zuletzt, weil Firmen wie APP den Weltmarkt mit Produkten zu Dumpingpreisen überschwemmten. So oder so wird APP innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht mehr auf Regenwaldholz fast zum Nulltarif zählen können. Nach Schätzungen der Weltbank gibt es bereits 2005 im Tiefland von Sumatra keinen Regenwald mehr.
Fragen an die Credit Suisse
ACTARES fragte die Credit Suisse, ob sie bereit sei, im Rahmen ihres Beratungsmandats ihren Einfluss auf die anderen Gläubiger auszuüben, um für die APP eine ökologisch nachhaltige und damit auch wirtschaftlich zukunftsfähige Lösung zu suchen. Nur mit einer reduzierten Kapazität, basierend auf dem in Plantagen produzierten Holz, kann APP langfristig weiterproduzieren. Mit der bisherigen Strategie würde APP nach dem Ende des Regenwaldholzes schlicht Pleite gehen. ACTARES stellte ausserdem fest, dass offensichtlich die Umweltauswirkungen der internationalen Bankaktivitäten bei der Credit Suisse nicht systematisch genug geprüft wurden. Sonst wäre ein Engagement bei APP wohl verhindert worden. ACTARES fragte darum, ob die Credit Suisse bereit sei, daraus Konsequenzen zu ziehen, das heisst, neue Regeln für die Finanzierung von Unternehmen zu erlassen, mittels geeigneter Kontrollmassnahmen sicherzustellen, dass die Finanzierung umweltzerstörender Geschäftsaktivitäten in Zukunft ausgeschlossen werden kann, und genügend fachlich qualifiziertes Personal einzustellen, um die Umweltauswirkungen von Investments umfassend zu prüfen.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website von Friends of the Earth und von CIFOR. CIFOR hat in Zusammenarbeit mit dem “Macroeconomics Program Office” des WWF im November 2000 eine Studie zu diesem Thema veröffentlicht: Profits on Paper - the Political-Economy of Fiber, Finance, and Debt in Indonesia’s Pulp and Paper Industries. Eine Studie von Friends of the Earth vom Mai 2001 ergänzt diese Publikation: Paper Tiger, Hidden Dragons - The Responsibility of International Financial Institutions for Indonesian Forest Destruction, Social Conflict and the Financial Crisis of Asia Pulp and Paper.