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Die Surprise-Strassenmagazinverkäufer gehören schon längst zum Stadtbild von Basel. Wir stolpern an ihnen vorbei, während wir am Bahnhof versuchen, den Strom hetzender Menschen zu überleben, ohne in die langsam watschelnde alte Dame vor uns reinzulaufen und ohne das Schienbein an einem vorbeigeschleiften Gepäckstück ernsthaft zu verletzen. Mit einem „Nein, sorry!“ oder einem kalten Blick machen wir – oft gepaart mit einem schlechten Gewissen – den Surprise-Verkäufern klar, dass wir trotz üppig gefüllten Einkaufstaschen kein Kleingeld für den Kauf einer Strassenzeitung bei uns tragen. Aber wer verkauft diese Strassenmagazine? Wer steckt wirklich dahinter und wie nehmen uns die Verkäufer selbst wahr? Der Somalier Cabdisala Cali Xasan bietet seine Surprise-Magazine vor dem Coop am Aeschenplatz an und ist bereit, uns Auskunft zu geben.
Flüchtling aus Somalia
Cabdisala wurde in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren und hat dort seinen Schulabschluss gemacht. Da die politisch instabile Lage in Somalia zu gefährlich wurde, musste er sein Studium abbrechen und aus seiner Heimat fliehen. Ende 2008 kam er in die Schweiz und arbeitete eine Zeit lang für McDonalds, bis der Job mit seinem Deutschkurs, der fünf Tage in der Woche stattfand, nicht mehr zu vereinbaren war. Momentan ist seine einzige Tätigkeit jene für Surprise, da er trotz zahlreichen Bewerbungen und anständigem Deutsch keine Stelle findet. Eine Einzimmerwohnung in Büsserach im Kanton Solothurn dient ihm als Unterkunft. Mit den Einkünften aus dem Verkauf der Strassenmagazine bezahle er sein ÖV-Abo und die Telefonrechnungen, erklärt er. Für die sonstigen anfallenden Kosten benützt er die zweihundert Franken, die er von der Sozialhilfe pro Monat zugewiesen bekommt.
Warten auf eine neue Ausgabe
Der Verein Surprise gibt alle vierzehn Tage eine neue Ausgabe des Strassenmagazins heraus. Unser Interviewpartner erklärt, wie das abläuft: Die Strassenverkäufer kaufen die Surprise-Hefte im Büro des Vereins für 3.30 Schweizer Franken ein und versuchen diese an einem Ort, der für jeden Verkäufer persönlich bestimmt wurde, für sechs Franken an den Mann und die Frau zu bringen. Laut Cabdisala laufe der Verkauf dann gut, wenn das Heft frisch herausgekommen ist. An einem Arbeitstag wird er dann bis zu zwanzig Exemplare in zwei bis drei Stunden los. Das entspricht – nach mühsamem Kopfrechnen – einem Gewinn von 54 Schweizer Franken pro Tag. An den Tagen, an denen das Magazin nicht frisch herausgekommen ist, läuft der Verkauf zäher: laut Cabdisala zwischen drei bis sechs Magazine pro Tag. Meistens verkaufe er daher nur dann, wenn eine neue Ausgabe zum Verkauf bereitstehe. Im Winter falle es zudem schwerer, die Hefte zu verkaufen als in der warmen Jahreszeit. Einerseits sind die kalten Bedingungen für den Verkäufer unangenehm, andererseits sind die Menschen weniger gewillt, für einen Kauf anzuhalten.
„Du bist Ausländer! Du musst raus!“
Auf die Frage, was für positive Reaktionen er bekommt, antwortet der junge Mann: „Viele, viele!“. Auch wenn er nicht viel zum Inhalt des Heftes sagen könne, da sein Deutschlevel dies noch nicht ermögliche, mag es Cabdisala, wenn die Menschen von ihm mehr über Surprise wissen wollen. Ganz selten bezahlt jemand ausserdem gerne ein wenig mehr als sechs Franken. Ohne seinen freundlichen Ton zu ändern erzählt er aber auch von den negativen Seiten als afrikanischer Surprise-Verkäufer: Rassismus. „Manchmal kommen Leute und die machen…“. Dabei macht er eine Spuckgeste. Oder sie kommen und fragen: „Wieso machst du das? Du bist Ausländer, du musst raus!“. Dann zuckt er mit den Schultern: „Aber wir Verkäufer, wir hören das nicht.“ Er frage jeweils nur ruhig, ob sie ihn in Ruhe lassen könnten oder aber er ignoriere sie. „Nicht viele, nicht viele!“, merkt er noch an. Die unzähligen Menschen, die wortlos an ihm vorbeilaufen, scheinen ihn hingegen nicht zu kränken.
Den Kopf über Wasser halten
Aufgrund der instabilen Lage in seinem Heimatland möchte der 24-Jährige gerne in der Schweiz bleiben. Pro Tag verschicke er etwa zwanzig Bewerbungen, wobei er beim Schreiben auch manchmal mit der Hilfe von Surprise-Angestellten rechnen könne. Ob Arbeit im Lager, als Küchenhilfe oder in der Reinigung – er suche alles, was möglich sei. Während seiner Arbeitssuche hält er seinen Kopf mit wenig Geld über Wasser, unter anderem dank dem Verkauf der Surprise-Strassenmagazine.