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Ein Eispanzer überzieht das Land
Bis zu zwei Kilometer dick war der Eispanzer, der während der Eiszeiten das Gebiet der heutigen Schweiz überzog. Die Gletscher der Alpen hatten sich vereinigt und stiessen ins Flachland vor – teilweise bis weit über die Landesgrenzen hinaus.
Der mächtigste dieser eiszeitlichen Gletscher in den Zentralalpen existiert noch heute: Der Rhonegletscher im Kanton Wallis, wo er auch Rottengletscher genannt wird.
In den wärmeren Perioden nach den Eiszeiten hat er sich vermutlich mehrfach zurückgezogen oder ist gar ganz weggeschmolzen. In kühleren Klimaepochen hat er sich wieder gebildet.
Die Quelle der Rhone
Der heutige Rhonegletscher bildet die Quelle der Rhone. Sein Schmelzwasser fliesst hinunter ins Rhonetal und durch den Genfersee, dessen Seebecken der Rhonegletscher in den Eiszeiten mit seinen gewaltigen Eismassen modelliert hat.
Auf einer vom Eis geschliffenen grossen Felsinsel am Ostufer des Sees wurde im 11. Jahrhundert das Schloss Chillon erbaut.
Nach dem Genfersee wächst die Rhone zum wasserreichsten Strom Frankreichs heran. In der Provence im Delta der Camargue mündet die Rhone nach einer Strecke von über 800 Kilometern schliesslich ins Mittelmeer.
Gletsch
Seit 1874 wird der Rhonegletscher genau erforscht und wurde dabei gleichzeitig zu einer wichtigen touristischen Attraktion. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Gletsch an der Verzweigung der Furka- und Grimselpassstrasse das “Grand Hotel Glacier du Rhône”. Die Lage des Hotels war einzigartig: Direkt am Ende der mächtigen Gletscherzunge, die damals noch weit ins Teil hinab reichte.
Das Hotel Glacier du Rhône existiert noch heute und es lohnt sich, hier einen Zwischenstopp einzulegen: Die Ausstellung mit den historischen Gletscherbildern ist sehenswert und der Apfelkuchen auf der Sonnenterrasse ist exzellent!
Blaues Eis
Seit 1870 wird jedes Jahr eine Eishöhle in den Gletscher geschlagen. Der Tunnel durch den Gletscher und die Grotte mit ihrem wunderbaren eisig-blauen Licht macht das Innere des Gletschers für die Besucher erlebbar.
Seit einigen Jahren wird der Gletscher im Bereich der Grotte mit weissen Blachen abgedeckt, um dort die Gletscherschmelze zu verlangsamen. Die Abdeckfolien sind im 360° Panorama deutlich sichtbar.
Die Grotte wird es vermutlich nicht mehr lange geben. Die Hintergründe erklärt der Betreiber der Grotte in einem Radio-Interview – der Link dazu findet sich Ende dieses Beitrags.
Der Rhonegletscher war damals wie heute ein Touristenmagnet. Kaum ein anderer Gletscher in Europa lässt sich so bequem besuchen. Für die autofahrenden Touristen unserer Zeit liegt er in Gehdistanz an der Strasse über den Furkapass in der Nähe des Hotel Belvédère auf rund 2’300 Metern über Meer.
Wer genügend Glück und Geduld hat, kann rund um den Parkplatz sogar Murmeltiere beobachten.
Goldfinger
Die grandiose Bergwelt rund um den Rhonegletscher und die Passstrasse waren im James Bond Thriller “Goldfinger” mit Sean Connery und Gert Fröbe auf der Leinwand zu bewundern. Der britische Geheimagent fuhr zum ersten Mal seinen legendären silbernen Aston Martin DB5 auf dieser touristischen Route über die europäische Wasserscheide.
Die komplette Gletscherschmelze steht bevor
Die nahe Zukunft des Rhonegletschers sieht düster aus. Heute misst der Rhonegletscher in seiner Länge zehn Kilometer. Die Gletscherzunge zieht sich erschreckend rasch zurück und mündet seit einigen Jahren hinter einem Felsriegel in einem Gletschersee. Hier ist ein 360° Panorama des Gletschers zu sehen, welches direkt über dem See entstanden ist.
Aufgrund der vom Menschen verursachten Klimaerwärmung wird die komplette Schmelze des Rhonegletschers nach neuesten Berechnungen noch vor dem Jahr 2100 eintreten.
Alles Fake News?
Der “President-elect of the United States”, Donald J. Trump, verbreitet seine Ansichten und Lösungen gerne in maximal 140 Zeichen langen “Tweets” – 34’000 sollen es bisher gewesen sein!
Wenige Stunden vor seiner Amtseinführung heute Freitag als 45. Präsident der Vereinigten Staaten erhält man von aussen den Eindruck, dass sich die amerikanische Gesellschaft und ihr künftiger Führer in einem Gestrüpp aus “Fake News” verheddert zu haben scheinen – nicht nur zum Thema Klimaerwärmung.
Weitere Informationen zum Rückzug der Gletscher in der Schweiz
- SRF Radiobeitrag: Interview mit Glaziologe David Volken:
„Die rund tausend Gletscher in den Schweizer Alpen schrumpfen bis Ende Jahrhundert auf einen Bruchteil zusammen. Das wirkt sich bereits in den nächsten Jahrzehnten merklich aufs Wasser- und Hochwassermanagement aus. Neue Ideen sind schon heute gefragt, wie die Perspektiven beim Rhonegletscher zeigen.“
- SRF Radiobeitrag: Gletscherschwund hautnah – ein Familienunternehmen schmilzt:
“Die fast 1000 Gletscher der Schweizer Alpen schrumpfen. Die Familie Carlen hat während vier Generationen vom Tourismus am Rhonegletscher an der Furka-Passstrasse gelebt, der Gletscher war eine wichtige Einnahmequelle der Familie. Nun droht ihr das Geschäft buchstäblich wegzuschmelzen.”