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Die Wahrscheinlichkeit einer Abschwächung der europäischen Gemeinschaftswährung auf einen Dollar innerhalb der nächsten neun Monate wird bei mehr als 50 Prozent gesehen, verglichen mit 45 Prozent am letzten Freitag und lediglich 16 Prozent vor einem Monat, wie Optionspreise signalisieren. 9 der 53 von Bloomberg befragten Ökonomen prognostizieren, dass der Euro Ende 2017 einen Dollar oder weniger wert sein wird, verglichen mit 2 Ökonomen vor einem Monat. Die Deutsche Bank rechnet mit 95 Cent. Goldman Sachs hat die Euro-Parität zu einem ihrer Top-Handelsgeschäfte für 2017 gemacht. Société Générale und National Australia Bank erwarten, dass dies bis April eintreten kann.
Matteo Renzi ist das letzte politische Opfer einer Populismuswelle in den Industrieländern, nach Grossbritanniens Entscheidung für einen Austritt aus der EU und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Das italienische Referendum zur Verfassungsreform hatte sich zu einer De-Facto-Vertrauensabstimmung über die Regierung Renzi entwickelt, wobei die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung vom Ergebnis profitieren dürfte. In Frankreich, Deutschland und den Niederlanden finden 2017 Wahlen statt.
Zusätzliche Dollar-Stärke erwartet
"Die Parität ist eine klare Möglichkeit zwischen jetzt und den französischen Wahlen im nächsten Jahr, aber das muss auch im Zusammenhang mit der erwarteten zusätzlichen Dollar-Stärke gesehen werden", sagt Ray Attrill, Co-Leiter Devisen weltweit bei National Australia Bank in Sydney. Für Italien "ist der Schlüsselfaktor in dieser Woche, ob eine Übergangsregierung rasch gebildet werden kann. Wenn nicht, werden die Probleme im Bankensektor in den Vordergrund treten, und das könnte zusätzlichen Abwärtsdruck für den Euro bedeuten", sagt er. Renzi hat das Referendum zur Verfassungsreform mit 59 zu 41 Prozent verloren. Darauf hat er er seinen Rücktritt beim Präsidenten eingereicht, wird aber auf dessen Bitten noch im Amt bleiben, bis das Haushaltsbudget 2017 verabschiedet ist. Das soll im Verlauf der nächsten Woche passieren.
Der Euro verlor am Montag bis zu 1,5 Prozent auf 1,0506 Dollar, und näherte sich dem Tief vom März 2015 von 1,0458 Dollar, was der niedrigste Wert seit Januar 2003 war. Am Dienstagnachmittag notiert die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,0740 Dollar und damit 0,2 Prozent tiefer als am Vortag.
Die diversen europäischen Wahlen im nächsten Jahr "werden den Euro unter Druck halten", sagt Daisuke Karakama, Chef-Marktökonom bei Mizuho Bank in Tokio. Der Euro könne in den ersten drei Monaten des nächsten Jahres bis auf 1,02 Dollar sinken, aber die Parität sei unwahrscheinlich, nachdem diese selbst auf dem Gipfel der europäischen Schuldenkrise nicht erreicht wurde, argumentiert Karakama. "Wenn die Wahlergebnisse in Frankreich und Deutschland das Risiko eines Ausscheidens dieser Länder aus der EU erhöhen würden, könnte der Euro kollabieren, aber wir sind noch nicht einmal so weit, über solch ein Szenario zu reden", erklärt er.
(Bloomberg)