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Brunilde Smith-Kind, auch Brunhilde Damira, war eine italienisch-schweizerische Bildhauerin und Kunstmalerin, die zwischen 1926 und 1937 in Riehen lebte und arbeitete. Ihr Atelierhaus wurde zu einem kulturellen Zentrum Riehens.
Tochter des Theodor Adolf Kind (Ingenieur, Direktor einer Seifen- und Kerzenfabrik in Mira und in Turin (I)) und der Concetta Elsa, geborene Pellizaro. Vier Geschwister. Heirat 1910 mit Harald Smith (Smit) (1879–1977, Wintersportler, Skifabrikant). Scheidung um 1924. Eine Tochter.
Brunilde Kind kam am 12. September 1884 in Mira bei Venedig als drittes von sechs Kindern zur Welt. Ihr Vater, damals Leiter einer Kerzenfabrik in Mira, war der Sohn eines protestantischen Pfarrers aus Chur, die Mutter stammte aus dem venezianischen Adel.
Als Brunilde Kind sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Turin, wo der Vater eine eigene Kerzendochtfabrik eröffnete. Daneben begann er sich für den Bergsport zu begeistern und wurde ein wichtiger Pionier des Alpinismus in Norditalien.
Während ihrer Schulzeit in Turin entdeckte Kind ihre künstlerischen Fähigkeiten. Obwohl die grossbürgerlichen Eltern ihrer Tochter keine künstlerische Ausbildung ermöglichen wollten, durfte Kind ein Jahr lang im Atelier des Bildhauers Leonardo Bistolfi lernen. 1907 kam Kinds Vater Adolfo beim Bergsteigen ums Leben. Die 23-Jährige schuf eine Büste des Vaters als Grabschmuck. 1910 heiratete Kind den norwegischen Skipionier Harald Smith (Smit), einen Freund der Familie. Das Ehepaar zog in die Schweiz, zunächst nach Celerina, (GR) wo 1911 die gemeinsame Tochter Solveig zur Welt kam. Damals entstanden weitere bildhauerische Arbeiten von Smith-Kind. Möglicherweise war sie 1914 mit einem Werk an der Schweizerischen Landesausstellung in Bern vertreten. 1915 zog die Familie zunächst nach Diessenhofen (TG), wo Harald Smith eine Skifabrik aufbaute, später zogen sie nach Erlenbach am Zürichsee.
Nach mehreren Fehlgeburten und dem Tod eines Sohnes im Säuglingsalter war Smith-Kind physisch und psychisch schwer angeschlagen: Aufgrund einer Gefässerkrankung befand sie sich über zehn Jahre lang immer wieder in medizinischer Behandlung. 1924 trennte sie sich von ihrem Ehemann und liess sich von ihm scheiden.
1926 zog Smith-Kind nach Riehen zu ihrer Tochter. Diese war während der Krankheit der Mutter von ihrer mit dem Arzt der Sonnenhalde in Riehen, Charles Bach, wiederverheirateten Grossmutter aufgenommen worden.
In Riehen begann eine intensive künstlerische Phase für Smith-Kind. Sie nannte sich Damira – ‹aus Mira› nach ihrem Geburtsort –, um die Familie nicht mit ihrem Künstlerdasein zu belasten. Zuerst betrieb Smith-Kind in einer Garage an der Rössligasse 9 ein ‹Atelier für moderne Bildhauerarbeiten, Kirchen- und Gartenplastik›. 1930 bezog sie ein nach eigenen Vorstellungen errichtetes Atelierhaus an der Dinkelbergstrasse 20. Während den elf Jahren in Riehen entfaltete sich um Smith-Kind ein reges kulturelles Leben: Ihr Atelierhaus wurde zu einem kleinen Zentrum, wo sich bekannte Persönlichkeiten aus der Kunst- und Musikszene trafen. Daneben erteilte Smith-Kind auch privaten Kunstunterricht. Von den in Riehen entstandenen Werken sind ein Grabmal für den Germanisten und Universitätsprofessor Franz Zinkernagel und eine Büste des Botanikers Franz Christ bekannt; beide Werke sind heute jedoch unauffindbar. Die von ihr geschaffene Büste des Historikers Rudolf Wackernagel befindet sich im Treppenaufgang des Staatsarchivs Basel-Stadt. 1937 verliess Smith-Kind Riehen aus gesundheitlichen Gründen und zog nach Positano südlich von Neapel. Hier blieb sie bis 1952. In dieser Zeit entstanden Skulpturen aus Terracotta und Holz. Von 1952 bis 1974 lebte sie in San Remo an der ligurischen Küste und malte vorwiegend mit Temperafarben. 1974, im Alter von 90 Jahren, zog sie zu ihrer Tochter ins südfranzösische Céret.
Brunilde Smith-Kind starb am 16. Februar 1978 in Céret (F).
1996 fand im Bürgersaal des Gemeindehauses Riehen eine vom Kunsthistoriker Robert Schiess kuratierte Ausstellung über das Werk von Brunilde Damira Smith-Kind statt.
Autorin / Autor: Franziska Schürch | Zuletzt aktualisiert am 3.1.2023
Die Werke von Brunilde Smith-Kind sind sehr schwer auffindbar. Der von ihrem Enkel Friedrich Hartmann erstellte Werkkatalog ist ebenfalls nicht greifbar. In verschiedenen Lexika sind die Titel von Werken aufgelistet. Etwa ‹Pomona›, ‹Mutter und Kind› oder ‹Tänzerin› um 1934 sowie ‹Amazone› um 1935.
In Basel zu sehen ist einzig die Büste von Prof. Rudolf Wackernagel im Treppenhaus des Staatsarchivs Basel-Stadt.
Sammlung biographischer Zeitungsauschnitte: 2 Zeitungsartikel.
Familienarchiv Kind, Chur 18.–21. Jahrhundert: ASpIII 11c 203. Schmitdowa, Eva: Die Unbekannte aus Venedig. Interview mit Brunilde Damira Kind, Sommer 1973.
Hartmann, Friedrich: Brunilde Damira – Botschaft einer Frau. In: Jahrbuch z’Rieche 1996. S. 77–89.
Brunilde Damira, 1884–1978, in Riehen tätig 1924–1937. Eine Ausstellung der Gemeinde Riehen im Bürgersaal des Gemeindehauses, 21. September bis 20. Oktober 1996. O. O. 1996.
Damira (Pseudonym für Smith-Kind), Brunhilde, Bildhauerin. In: Plüss, Eduard, Elles, Iris: Künstler-Lexikon der Schweiz, XX. Jahrhundert. Frauenfeld, 1958–1967.
Damira (eigentlich Kind, Bruhilde; verh. Smith-Kind, Brunhilde), schweiz. Bildhauerin, Malerin, Graphikerin. In: Allgemeines Künstler-Lexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 24. München 2000. S. 25f.