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Ihre Kunst ist geprägt vom Rollenspiel, doch geht es dabei nicht um die Lust am Theatralischen, sondern um das Gegenteil: Mit ihren frühen doku-fiktionalen Videos ebenso wie mit dem Langzeitprojekt ¡No Firmo! spiegelt Ana Axpe Macht- und Identitätsfragen der zeitgenössischen Gesellschaft.
cDie Argentinierin Ana Axpe kam 1990 nach Genf, wo sie ihr Kunststudium 1999 an der École supérieure d’art visuel (heute HEAD) abschloss. Schon Mitte der 1990er-Jahre fiel sie mit Videoarbeiten auf, die oft auf Dokumenten zum spanischen Bürgerkrieg oder zur argentinischen Diktatur basierten, vermengt mit erinnerten Episoden, die Axpe meist selbst rezitierte. Diese Videos sind inspiriert von Axpes Vater, einem nach Argentinien emigrierten, politisch engagierten Basken. Es folgten Werke, die auf den Körper fokussierten, ihn etwa in Nahaufnahmen von einzelnen Extremitäten «zerstückelten», und die Auseinandersetzung mit Persönlichkeitsspaltung sowie mit weiblichen Klischeebildern – ein Werkkomplex, der mit Axpes psychisch erkrankter Mutter verbunden ist. 1996 beginnt das Langzeitprojekt ¡No Firmo!. Dabei handelt es sich um eine fiktive Telenovela – die lateinamerikanische Version der Soap-Opera –, in der Adela Conti (gespielt von Ana Axpe) in die Rolle ihrer irr gewordenen, internierten Schwester Olga (ebenfalls von Axpe verkörpert) schlüpft und deren überspitzt glamouröses Künstlerinnendasein lebt. Axpe persifliert die Ästhetik der Telenovelas ebenso wie den Starkult unserer Zeit und webt ein verwirrendes Geflecht aus Realität und Fiktion: In Ausstellungen ergänzt sie die zwölf Folgen der Telenovela um Poster, «dokumentarische» Filme, Fotos und Requisiten von Adela. Das subversive Rollenspiel ist Teil von Axpes umfassender Reflexion über persönliche und gesellschaftliche Realitäten. Ana Axpe, die bereits drei Mal mit dem Eidgenössischen Kunstpreis ausgezeichnet wurde, teilt mit Künstlerinnen wie Pipilotti Rist und Cindy Sherman die Strategie, Rollenbilder am eigenen Körper abzuhandeln. Seit Axpe die Schweiz 2005 verlassen hat, ist es um ihre Kunst allerdings ruhig geworden. Ana Axpe, 1968 geboren in Buenos Aires (ARG), aktueller Wohnort unbekannt (zuletzt Lyon, FRA). Tätigkeitsbereiche: Video, Fotografie, Installation