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«English first» oder «English only»? und die «idée suisse»
Das Konzept der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), für den Fremdsprachenunterricht in den öffentlichen Schulen schon auf der Grundstufe zwei Fremdsprachen einzuführen und den Kantonen die Wahl der Reihenfolge zu überlassen, fand als weiser Kompromiss viel Zustimmung. In der Suisse Romande meldete sich auch Kritik.
Das EDK-Konzept ist ein Versuch, einerseits dem föderalistischen Wildwuchs zu begegnen, anderseits aber auch eine zentralistische Einheitslösung zu vermeiden, etwa in der Bundesverfassung festzuschreiben, der Fremdsprachenunterricht müsse landesweit mit einer Landessprache beginnen.
Viele Romands empfinden den Deutschschweizer Trend zu «English first» als einen Verrat an der «idée suisse» . Die welschen Befürchtungen , dass die französische Sprache in der deutschen Schweiz künftig an Terrain verliert, können nicht einfach in den Wind geschlagen werden. In der Öffentlichkeit wie auch in der Lehrerschaft regt sich bereits Opposition gegen die Präsenz von zwei Fremdsprachen auf der Grundstufe. Wenn aber nur eine Fremdsprache übrig bleibt, so wird mit Sicherheit das Französische und nicht das Englische auf der Strecke bleiben.
Es gibt noch ein anderes Problem. Schon bald könnte im Namen der Mobilität eine schulpolitische Einigung zwischen den Deutschschweizer Kantonen gefordert werden. Und dann wäre es durchaus fraglich, ob sich die Behörden der «frankophilen» Kantone noch lange der von Zürich ausgehenden Sogwirkung zugunsten des Englischen entziehen könnten.
Sollte der Französischunterricht in der ganzen Deutschschweiz zurückgestuft
werden, wäre es auch nicht mehr sicher, dass die welschen Behörden am Vorrang des Deutschunterrichts festhalten könnten. Das Endresultat dürfte dann sein, dass in der welschen wie auch in der deutschen Schweiz mit Englisch begonnen würde. Es wäre schon recht paradox, wenn die Einigung zwischen Deutschschweizern und Romands darin bestünde, dass alle dem Englischen den Vorzug geben . ..
Die Deutschschweizer könnten im sprachlichen Bereich den Romands einen grossen Dienst leisten: ohne Wenn und Aber im Umgang mit Anderssprachigen hochdeutsch zu sprechen. Wenn die Deutschschweiz neben der Mundart vermehrt auch die Standardsprache pflegt und das Schriftdeutsch so sehr wie die Dialekte als einen Teil ihres kulturellen Erbes versteht und fördert, dann wäre allen Anderssprachigen geholfen.
Bearbeitung SKD nach c.bi. in der NZZ vom 20. April 2004
(skd) Gemäss Leitbild haben wir nichts gegen Englisch, geben aber den Landessprachen den Vorzug und sehen Möglichkeiten des Immersionsunterrichts in den
Sprachgrenzregionen.
Hoffentlich melden sich zum Artikelthema nach dem Verzicht des BR auf das Sprachen- und Verständigungsgesetz auch mal andere schweiz. Sprachorganisationen für Mundart und Schriftsdeutsch. Die Sprachsituation der Schweiz macht“s erforderlich.