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Verloren und doch gewonnen
Zum ersten Mal boxten auch Frauen an den Olympischen Spielen in London, wobei in jeder Gewichtsklasse eine Chinesin antrat (Asienspiegel berichtete). Doch diese gingen schliesslich ohne Gold nach Hause: Goldmedaillen gingen an Nicola Adams (Fliegengewicht, UK), Katie Taylor (Leichtgewicht, Irland) und Claressa Shields (Mittelgewicht, USA).
Selbst wenn sie Adams bereits im Mai an den Weltmeisterschaften bezwang, verlor die grösste Goldmedaillenhoffnung Ren Cancan eindeutig gegen die diesmal viel stärkere Adams. Ren musste sich mit einer Silbermedaille begnügen. Selbst wenn sie damit nur den zweiten Platz errang, weiss sie um die Bedeutung ihres Sieges für die Zukunft des Frauenboxens in China.
Niederlage und Sieg zugleich
«Zahlreiche Faktoren führten zu meiner Niederlage, ich konnte mein Niveau nicht zur vollen Entfaltung bringen», kommentierte Ren ihren zweiten Platz gegenüber den Medien. Trotzdem ist sie zufrieden mit ihren Ergebnissen und ist der Ansicht, sie habe ihre Aufgabe erfüllt. Sie ist überzeugt, dass dem Frauenboxen in China nun eine positive Wende widerfährt.
Ihr Sieg gibt der Randsportart neue Triebkräfte im Land, gewann sie doch die erste Medaille in einer Disziplin, die erst 2012 olympisch wurde. Frauenboxen fristete bis dahin nicht nur in China ein Schattendasein und begann erst an Popularität zu gewinnen, als im Jahr 2009 die Sportart für die nächsten Olympischen Spiele zugelassen wurde. In der Tat scheint sich die Lage für die Athletinnen nun zu verbessern.
Die Boxerinnen dürfen hoffen
«Dem Frauenboxen in China stehen offensichtlich positive Zeiten bevor. Abgesehen von den Olympischen Spielen wurden die [China-internen] Nationalspiele um diese Sportart erweitert, die Athletinnen des Nationalteams erhalten nun über 5000 RMB (640 Euro) monatlich ausbezahlt. Das ist bereits eine grosse Attraktion für angehende Boxerinnen», bestätigt die Seniortrainerin der Boxerinnen, Wu Bin, aus Wuhan (Provinz Hubei). Früher mussten die Nationalsportlerinnen neben dem harten Training noch selber für ihre Lebenserhaltungskosten aufkommen.
Boxen war bis vor kurzem eine absolute Randsportart in China. Auch Ren Cancan kam erst spät zum Boxen: Zuerst trainierte sie für den Hürdenlauf, bevor sie aus gesundheitlichen Gründen und aus persönlichem Interesse im Jahr 2002 zum Boxen wechselte. Ab 2009 erhielt das Frauenboxen jedoch starken Auftrieb: In kurzer Zeit entstanden zahlreiche Boxingteams auf Provinzebene und das Frauenboxen entstand in China fast aus dem Nichts. Das Ende der Olympischen Spiele in London bedeutet also ein neues Kapitel und weitere Popularität für den Sport.
Nationale Unterstützung oder Profiboxen
Ausserhalb Olympias fristet Boxen nach olympischen Regeln immer noch ein Schattendasein. Um sich finanziell abzusichern, wechseln deshalb viele ins Profi-Lager, das zwar andere, härtere Regeln kennt, jedoch auch mehr Geld und Glamour verspricht.
Wer beim Amateurboxen bleibt, muss sich also finanziell selber absichern. Nicola Adams arbeitete etwa als Statistin und Bauarbeiterin, um sich finanziell über Wasser zu halten. Ren Cancan hingegen darf auf weitere staatliche Unterstützung für ihr Training hoffen. Als Mitglied des Nationalteams garantiert das nationale Sportsystem Chinas ihren Athletinnen immerhin eine minimale Unterstützung – bis der Sport wieder seine (olympische) Popularität verliert.