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Haus zur Gloria, Stadthausstrasse 135
Stadthausstrasse 135
8400 Winterthur
Wie ein zwischen Häuserreihen eingeschobener Fremdkörper steht die „Gloria“ an der Stadthausstrasse 135. Sie ist in den Jahren 1860 bis 1870 vom damaligen Stadtbaumeisteer Wilhelm Bareiss im neugotischen Stil gebaut worden. Bei der Totalrenovation im Jahre 1977 hielt man sich bei der Fassadengestaltung präzis an die ursprünglichen Pläne.
In den Jahren 1834-1846 war auf diesem Areal die Brauerei Furrer zu Hause. Gründer war Jakob Ulrich Furrer, Küfer und Bierbrauer, der das Grundstück 1834 vom Sohn eines Färbers namens Kaspar Sulzer erworben hatte. Der ohnehin nie grosse Ausstoss der Brauerei litt ab 1843 stark unter der Konkurrenz von Haldengut. Unter dem 2. September 1846 schrieb Herr Furrer zu Handen des Ragionenbuches, dass «er sein Bierbrauereigeschäft aufgehoben und sich nur einzig mit der Küferprofession beschäftige». 1847 ist die ehemalige Braustätte wieder als Färbereigebäude und Trockenstube brandversichert.
1868 wurde an dieser Stelle durch den Architekten Karl Friedrich Wilhelm Bareiss das Wohn- und Geschäftshaus "Zur Gloria" erbaut. Die neugotische Fassade des verputzten Backsteinbaues ist einheitlich durchgestaltet und wird durch eine reiche Mittelachse und die Zinnenbekrönung mit einem turmartigen Treppengiebel geprägt. Das hohe Portal mit Statuen von Merkur und Vulkan setzt sich in dem plastisch emporstrebenden Erker fort, was die torähnliche Wirkung unterstreicht.
Das Haus wurde zehn Jahre nach dem Anschluss ans Bahnnetz und zwei Jahre nach dem Abbruch seiner stolzen mittelalterlichen Türme, des Obertors und des Untertors, durch Carl Fridrich Wilhelm Bareiss, Architekt und Stadtbaumeister, das Geschäftshaus „Zur Gloria“ an der als Bahnhofstrasse geplanten Stadthausstrasse gebaut. Mit dem turmartigen Ziergiebel und der Zinnenbekrönung wollte der Architekt daran erinnern, dass der Bau in der Flucht der alten Stadtmauer stand, die von Zinnen gekrönt und von Türmen bewehrt war. Das Erdgeschoss löste er fast vollständig in Türen und Schaufenstern auf, ohne jedoch Massstab und Charakter des grossflächigen Backsteinbaues mit seinen reich verzierten Fenstern zu stören. Das hohe, statuengeschmückte Portal setzt sich in dem besonders plastisch emporstrebenden Erker fort, so die torähnliche Wirkung unterstreichend. Es gelang Bareis mit diesem Bau Tradition und Fortschritt zu versöhnen. Moderne Läden, grosszügige Wohnungen mit weiten Fenstern verbinden sich fast selbstverständlich mit der historisierenden Gestalt. (nach einem Text von Stadtbaumeister Karl Keller im Jahrbuch 1979).
Mitte der 1960er-Jahre wurde das Haus umfassend umgebaut und renoviert. Dabei wurde die arg verwitterte Fassade originalgetreu restauriert während das Innere komplett neu gebaut wurde.