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Viel Risikokapital für eine neue RZ-Automatisierungsidee.
Das kalifornische Unternehmen Mesosphere hat gerade die beträchtliche Summe von 36 Millionen Dollar an neuem Risikokapital erhalten. Zu den Investoren gehört unter anderem der Netscape-Gründer Marc Andreessen.
Die Idee, welche die Geldgeber überzeugt hat, ist "DCOS" - ein "Betriebssystem" für ganze Rechenzentren. DCOS besteht sowohl aus Open-Source- als auch proprietären Komponenten. Laut Mesosphere
soll es alle Computing-Ressourcen in einem Rechenzentrum oder auch in einer Cloud zu einem virtuellen Pool zusammenfassen können. Der Umgang damit soll dadurch für Administratoren und Applikationsentwickler so einfach werden, wie der Umgang mit einem PC via das Betriebssystem. DCOS soll im kommenden Jahr kommerziell lanciert werden, eine "Early Access"-Version ist aber bereits verfügbar. Das kommerzielle Produkt richtet sich an sehr grosse Unternehmen, die auch sehr grosse Rechenzentren betreiben, es soll aber auch eine kostenlose "Community"-Version geben.
Viele Managementapplikationen, die heute unter den Schlagworten Cloud-Management oder "Software defined" angeboten werden, versprechen ähnliches, gehen aber laut Mesosphere weniger weit. Laut Benjamin Hindman, dem Chefarchitekten von Mesosphere, müssen sich Administratoren und Entwickler heutzutage noch zu sehr um einzelne Maschinen beziehungsweise Cluster kümmern. Dies kompliziere den Betrieb und zwinge Entwickler dazu, Software zu bauen, die von Maschinen-spezifischen Charakteristiken wie IP-Adressen oder lokal verfügbarem Speicher eingeengt seien. In einem Blogbeitrag
vergleicht er die heutige Situation beim Betrieb von distribuierten Applikationen in einem Rechenzentrum mit der eines Users, der einen PC ohne Betriebssystem verwenden will. Für jede gestartete Applikation müsste dieser festlegen, welcher CPU-Kern verwendet werden soll, welcher des Speichers verwendet werden darf und welche Caches usw.
DCOS soll die analogen Aufgaben in einem kompletten RZ automatisieren. Der eigentliche Clou eines RZ-Betriebssystems, so Hindman, sei aber eine gemeinsame Programmschnittstelle für alle Applikationen. DCOS bietet eine solche API, inklusive einem Toolset für Entwickler. Die Apps sollen so nicht mehr für bestimmte Ressourcen, sondern eben für das Betriebssystem geschrieben werden können. Dadurch können sie, verspricht Mesosphere, einerseits ganz einfach aus DCOS heraus gestartet werden können. Andererseits werden sie auch portabel und können ohne Änderungen in jedem anderen RZ oder auch in einer Cloud, auf der DCOS läuft, gebraucht werden. Hadoop, Yarn, Spark, Cassandra und Kafka sind einige der RZ-Applikationen, die in DCOS bereits unterstützt werden.
Im Kern von DCOS steckt das Open-Source-Projekt Apache Mesos. Mesos wird unter anderem von Twitter zur Verwaltung von Clustern benützt. Hindman ist einer der führenden Köpfe hinter Mesos und war bis vor kurzem für dessen Einsatz bei Twitter zuständig. Wie er erklärt, ist Mesos aber eher ein unfertiges Bauteil als ein richtiges Produkt. Bei Twitter, Airbnb und anderen Anwendern habe man Mesos und weitere Tools heruntergeladen und sie mit etwas "Klebeband und Leim" zusammengebaut, erklärte er gegenüber 'ZDnet'
. DCOS soll dagegen ein komfortables Fertigprodukt werden, bei dem alle Teile schon vorhanden und vorintegriert sind.
Das Risikokapital soll unter anderem dafür verwendet werden, die dafür benötigte Zahl von Entwicklern zu bezahlen. Gegenwärtig beschäftigt Mesosphere rund 30 Entwickler, bis Ende 2015 sollen es etwa 100 werden. (hjm)