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Maler, Bildhauer, Architekt, Produktgestalter, Grafiker. Kunsttheoretiker, Dozent, Kurator, Publizist. Max Bill (1908–1994) war ein Universaltalent von internationaler Bedeutung und hatte einen grossen Einfluss auf die Entwicklung von Lehni.
Der in Winterthur geborene Bill studierte 1927/1928 am Bauhaus in Dessau bei Lehrern wie Josef Albers, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Später kam Bill eine grosse Bedeutung bei der Etablierung des «konkreten» Ansatzes zu, und als Schlüsselfigur der Zürcher Konkreten trug er massgeblich zur internationalen Ausstrahlung des Schweizer Kunstschaffens bei. Obwohl Bill nie Produkte für Lehni gestaltete, spielte er eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Unternehmens von der Bauspenglerei zum Möbelhersteller. In Kontakt mit Lehni kam Bill bereits in seinem frühen Schaffen. 1922 eröffnete der kulturinteressierte Handwerker Rudolf Lehni senior (1885–1956), der schon in seiner Wanderzeit Kontakte zur künstlerischen Avantgarde in Berlin gepflegt hatte, unweit des Kunsthauses Zürich eine Bauspenglerei. Dank dem Verständnis Lehnis für gestalterische Fragen wurde die Werkstatt bald zur Anlaufstelle für Kunstschaffende – so auch für Max Bill, der bei Lehni 1932 sein «Wellrelief» fertigen liess. Heute wird diesem frühen Pionierwerk Bills eine besondere Bedeutung zugemessen, da es die amerikanische Minimal Art und die Arte Povera vorwegnimmt. In den folgenden Jahren entwickelte sich Bill, dessen Einfluss weit über die Kunstwelt hinaus reichte, zu einer der bekanntesten Schweizer Persönlichkeiten. (Bild: Max Bill in seinem Atelier im Haus Bill in Zumikon. Fotografiert von Doris Lehni Quarella, 1984)
Der entscheidende Impuls zur Herstellung von Möbeln für Lehni kam mit Andreas Christens Entwurf eines universellen Regals für die Schweizerische Landesausstellung «Expo 64» in Lausanne. Max Bill als Verantwortlicher für den Sektor «Bilden und Gestalten» hatte dem Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband für dessen Pavillon den jungen Designer und Künstler Christen (womöglich explizit auch das Tandem Christen/Lehni) für die Entwicklung eines zum Pavillon passenden Bücherregals empfohlen. Christen entwarf ein Regal auf Basis von Aluminiumblechen, das einfach auf- und abgebaut werden kann und im Vergleich zu seinem geringen Gewicht äusserst stabil ist. Eine Anekdote besagt, dass Bill kurz vor der Eröffnung der «Expo 64» vor den Verantwortlichen des SBVV deren Zweifel an der Tragkraft des Regals ausräumte, indem er auf eines der Tablare stieg, ohne dass das Regal davon einen Schaden trug. (Bild: Max Bill, «Wellrelief», 1932)
Nicht nur die Materialwahl, auch die durchdachte Konstruktion und ökonomische Produktionsweise des Bücherregals erregten Aufsehen. Regulär wurde das Regal um 1970 von Lehni auf den Markt gebracht und wird bis heute hergestellt. Der Erfolg des Regals gab für Rudolf Lehni junior, der die Firma seit einigen Jahren führte, den Ausschlag, seinen Betrieb vom metallverarbeitenden Allround-Betrieb zum Metallmöbel-Hersteller zu wandeln. (Bild: Schweizerische Landesausstellung «Expo 64» in Lausanne, 1964)
Sol LeWitt ist einer der wichtigsten Protagonisten des Minimalisums und ein Pionier der Konzeptkunst. Gerade in der Schweiz, wo LeWitt für seine Werke auch mit Lehni zusammenarbeitete, wurde dem Künstler viel Aufmerksamkeit zuteil.
Der Amerikaner Sol LeWitt (1928 – 2007) gilt vielen nicht nur als Wegbereiter, sondern auch als Begründer der Minimal und der Conceptual Art, die sich in den sechziger Jahren in New York entwickelte. Seine Verwandtschaft mit den Zürcher Konkreten war mit ein Grund dafür, dass LeWitt in der Schweiz früher wahrgenommen wurde als in seiner Heimat. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Annemarie Verna Galerie in Zürich, eine der führenden Galerien für zeitgenössische Kunst in der Schweiz, mit der Sol Lewitt ab 1975 über Jahrzehnte hinweg zusammenarbeitete. 1977 beauftragte Sol LeWitt die Galerie mit der Anfertigung von vier Metallskulpturen aus der Reihe «Structures», die sich heute im Besitz privater Sammler befinden. Auf Anregung von Doris Lehni-Quarella erfolgte die Fertigung der Werke bei Lehni in Dübendorf. Lehni war schon damals bekannt für das grosse künstlerische Verständnis und die hohe Qualität in der Verarbeitung. (Bild: Die Skulptur «Cubes with Hidden Cubes» im Lehni-Werkgebäude, Dübendorf, 1978 / Sol LeWitt porträtiert von Doris Quarella, MOMA, New York, 1978)
Im Jahr darauf regte die Galerie Verna Sol LeWitt an, gemeinsam ein weiteres Werk zu realisieren. Der Künstler schuf die Skulptur «Cubes with Hidden Cubes», die heute zu seinen dreidimensionalen Hauptwerken zählt und die wiederum bei Lehni gefertigt wurde. Die grossformatige Arbeit nahm an der Art Basel 1978 den gesamten Raum des Messestandes der Galerie ein und wurde noch während der Messe verkauft. Im selben Jahr wurde dieses Hauptwerk für die Retrospektive über Sol LeWitt dem Museum of Modern Art in New York ausgeliehen und darauf in der Sammlung FER in Karlsruhe ausgestellt. Im Jahr 1985 wandte sich Sol LeWitt wiederum an die Vernas für die Fertigung einer Serie aus Metall namens «20 Forms Derived from a Cube». Auch in diesem Fall wurde die Ausführung Lehni anvertraut. Die Werke wurden noch im selben Jahr an den Kunstmessen in Basel und Madrid ausgestellt. (Bild: Kubus Nr. 5 aus der Serie «20 Forms Derived from a Cube», 1985)
Donald Judd war einer der Hauptvertreter der amerikanischen Minimal Art. In Zusammenarbeit mit Lehni entwarf Judd 1984 eine Kollektion von 15 Metallmöbeln, die noch heute bei Lehni gefertigt werden.
Die Verbindung zwischen Donald Judd und Lehni hat ihren Ursprung in der engen Freundschaft zwischen den Galeristen Annemarie und Gianfranco Verna und Doris Lehni Quarella (1944-1998). Die ausgebildete Fotografin und Ehefrau von Rudolf Lehni junior (1923-1981) wurde nach dem Tod ihres Mannes 1981 Inhaberin von Lehni und führte den Betrieb weiter, bis auch sie 1998 früh verstarb. (Bild: Donald Judd mit Doris Lehni Quarella im Jahr 1983)
Die Geschichte nahm ihren Anfang bei einem Treffen Judds mit dem Kurator Martin Schwander in der Annemarie Verna Galerie in Zürich. Schwander bereitete die Ausstellung «Skulptur im 20. Jahrhundert» für den Sommer 1984 im Merian Park bei Basel vor. Judd hatte sich bereit erklärt, dafür eine Auftragsarbeit zu realisieren. Während der Besprechung war Judd ein Bücherregal aufgefallen, das ihm gegenüber stand ein Lehni-Regal von Andreas Christen. Er war von der Materialisierung und Konstruktion beeindruckt. Judd war überzeugt, dass sich in ähnlicher Weise auch ein grosses Werk herstellen liesse, und wollte eine Form und eine Struktur für ein solches Werk erfinden. Annemarie Verna brachte darauf bei Judd die Firma Lehni als mögliche Produktionspartnerin ins Spiel und stellte den Kontakt her. (Bild: Werkstattchef Willi Bühler bei der Arbeit an Judds «Multicolored Works» in der Lehni-Manufaktur. Dübendorf, 1984)
Nach den ersten Besuchen im Betrieb zeigte sich Judd von der hohen handwerklichen und technischen Präzision beeindruckt. Doris Lehni-Quarella richtete für Judd im Fabrikgebäude einen Arbeitsplatz ein und der beste Facharbeiter des Betriebs, Willi Bühler, stand ihm für einige Tage zur Verfügung. Über Nacht erfand Donald Judd eine Werkstruktur und das künstlerische Konzept liess sich konstruktiv realisieren. (Bild: «Multicolored Works» bei Lehni. Dübendorf, 1984)
Die Skulptur für die Basler Ausstellung bildet den Anfang eines neuen Kolorismus im Schaffen des Künstlers und war die erste von Judds «Multicolored Works»: Konstellationen aus einfachen farbigen Kuben und Quadern, die als Boden- oder Wandstücke («floor and wall pieces») konzipiert sind. Davon ausgehend entwickelte Judd seine weiteren «Multicolored Works», die zum überwiegenden Teil von 1984-86 entstanden und bei Lehni hergestellt wurde.
Die Zusammenarbeit führte zum Plan, zusammen eine von den «Multicolored Works» inspirierte Möbel-Kollektion zu realisieren, auf Basis des Konstruktionsprinzips (Lehni-Biegetechnik) und Farbeinsatzes der «Multicolored» begann Donald Judd mit dem Entwurf von Möbelstücken aus Metall, die formal mit seinen Arbeiten aus Holz in Verbindung standen. Die ersten Modelle wurden im Dezember 1984 in der Max Protetch Gallery New York und im Februar 1985 in der Verna Galerie in Zürich ausgestellt. Am Schluss umfasste die Kollektion 15 Objekte aus einfarbig pulverbeschichtetem Aluminium in 15 Farben.
Die Kollektion wurde in den letzten Jahren durch die Judd Foundation in Zusammenarbeit mit Lehni sanft weiterentwickelt und um zusätzliche RAL-Farben sowie die Materialvarianten Kupfer und Messing erweitert. Heute ist Lehni weiterhin weltweit die einzige Firma, welche die gesamte Judd-Möbelkollektion in Metall herstellt. (Bild: Donald Judd, Möbelskizzen, 1985)
Donald Judd über Lehni
«Das handwerkliche Niveau ist sehr hoch, was eine Seltenheit ist; industrielle Technik, die keine Garantieerklärungen braucht.»
Judd legte Wert darauf, dass keine Unregelmässigkeit die Wahrnehmung der Formen störte. Um dies zu erreichen, wird jedes Möbelstück zu einem Grossteil in Handarbeit gefertigt. Wenn eine Bestellung eingeht, wird exakt 1 Möbel hergestellt. (Bild: Die erste Lehni-Judd-Möbelkollektion im Werkgebäude in Dübendorf, 1985)
Aus dem Lehni-Archiv: Von Marfa nach New York
Fotografie: Doris Quarella, 1984
Andreas Christen (1936–2006) war ein bedeutender Schweizer Designer und bildender Künstler. Christen arbeitete mit Lehni während über 40 Jahren zusammen und war der wichtigste Entwerfer. Seine Bedeutung für Lehni geht weit über die eines normalen Produktgestalters hinaus.
Christen trennte die Arbeit des Künstlers und der als Designer konsequent. Entwurf, Herstellungsprozess und ein sicheres Gespür für Materialästhetik sind aber sowohl in seinem Produktdesign als auch in seiner Kunst stark präsent, wie auch die vorbildliche und präzise Art, etwas zu konstruieren und auf das Wesentliche zu reduzieren. (Bild: Ausstellung zum Werk von Andreas Christen im Museum Haus Konstruktiv, Zürich, 2008)
Als jünger Künstler genoss Christen die Unterstützung durch Max Bill. Er zählte zu den jüngsten Eingeladenen zu Bills epochaler Ausstellung «konkrete kunst: 50 jahre entwicklung» im Zürcher Helmhaus. Das Schaffen von Christen wurde in den sechziger und siebziger Jahren dann auch zumeist mit den Zürcher Konkreten in Zusammenhang gebracht.
Die erste Begegnung zwischen Rudolf Lehni junior und Andreas Christen fand vermutlich an der Kunstgewerbeschule Zürich statt, wo Lehni Materialkunde und Metallverarbeitung unterrichtete. Christen absolvierte von 1956 bis 1959 als einziger Student die Versuchsklasse für Produktform an der Kunstgewerbeschule Zürich beim Bauhaus-Absolventen Hans Fischli. (Bild: Andreas Christen, Museum Haus Konstruktiv, Zürich, 2008)
Es war der Beginn einer einzigartig konstanten Zusammenarbeit. Die durchdachte Detaillierung der Elemente und gestalterische Bewältigung auch scheinbar unwichtiger Details blieben stets das gemeinsame Interesse von Christen und Lehni. Nach dem frühen Tod von Rudolf Lehni junior, im Jahr 1981 übernahm seine Frau Doris Lehni-Quarella die Firmenleitung. Zusammen mit Andreas Christen entwickelte sie das Möbelprogramm weiter.
Christens Entwürfe zeichnen sich durch klare Formen, schlichte Eleganz, durchdachte Funktionalität und den ökonomischen Umgang mit Material aus. Viele seiner Möbel zählen heute zu Klassikern des Möbeldesigns. (Bild: Andreas Christen, Museum Haus Konstruktiv, Zürich, 2008)
Zilla Leutenegger (*1968 in Zürich) ist eine herausragende zeitgenössische Schweizer Künstlerin. In ihrem Werk spielt auch der Paravent von Lehni eine Rolle.
Zilla Leutenegger ist vor allem für ihren charakteristischen Zeichenstil bekannt, der aus klaren, kräftigen Strichen und starken Farbakzenten besteht. Ihre Werke werden seit 1996 national und international in renommierten Kunstinstitutionen und an Biennalen ausgestellt. Leutenegger definiert sich als Zeichnerin, unabhängig davon, in welchem Medium sie arbeitet. Die Künstlerin arbeitet regelmässig gleichzeitig mit verschiedenen Medien. Charakteristisch sind ihre Arbeiten mit Zeichnung und Video, die sie zur Videozeichnung verbindet und damit multimediale räumliche Installationen kreiert, in denen physische Objekte auf Projektionen, Schatten, Wandzeichnungen und Ton treffen. 12 (Bild: "Celines Zimmer", Monotypie auf 5-teiligem Sieb / Öl auf Aluminium 180 x 250 cm. Unikat, 2017)
Mit der Monotypie, einer Drucktechnik, bei welcher ein einziges Originalbild entsteht, verbindet die Künstlerin ab 2016 das Zeichnerische mit dem Einsatz von Farbe. Dabei bringt sie in Form von bedruckten Paravents die Zeichnung physisch in die Dreidimensionalität, Basis bildet dabei der Paravent von Lehni, den Zilla Leutenegger immer wieder als Trägerelement für ihre Kunst einsetzt. So entstanden in den letzten Jahren diverse grossformatige Monotypien, welche die Künstlerin jeweils in Zusammenarbeit mit Lehni fertigte. (Bild: "La notte", Monotypie auf 6-teiligem Sieb / Öl auf Aluminium 180 × 300 cm. Unikat, 2017)