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Printed in
▼▶Repository
|Archive||Swiss Federal Archives, Bern|
▼
▶Archival classification
|CH-BAR#E2003-06#1982/68#292*|
|Old classification||CH-BAR E 2003-06(-)1982/68 31|
|Dossier title||Manifestations devant le bâtiment de l'ancienne Ambassade américaine à la Havane (1970–1973)|
|File reference archive||o.841.06s/d • Additional component: USA - Cuba|
Roas Antwort ist fast durchwegs in korrektem Ton gehalten und die wenigen Schimpfworte beziehen sich nicht auf uns. Stellenweise wird mit Genugtuung von Ihren Erklärungen Kenntnis genommen. Offensichtlich ist die kubanische Regierung bereit, uns zu verzeihen, was sie uns angetan hat.
Wie bei einem totalitären Regime nicht anders zu erwarten, enthält die Note kein Wort des Bedauerns für das Vorgefallene, nicht die geringste Entschuldigung dafür, dass Staatschef und Aussenminister Sie auf Grund einer unkontrollierten Nachrichtenmeldung gröblichst beschimpft haben.
Roas Darstellung der Vorkommnisse um das Malecón4 ist weitgehend falsch. So z. B. wenn er schreibt, dass zu keinem Moment der schweizerische Beamte5 und der kubanische Wächter6 im Gebäude in Gefahr gewesen seien.
Der Minister führt weiter aus, dass er mir mehr als einmal für mich und meine Mitarbeiter jede Art von Garantie zugesichert habe. Er verschweigt jedoch, dass diese Garantie, als ich sie gleich nach Beginn der Zwischenfälle am Freitagmorgen verlangte7, konsequent verweigert wurde bis zum Ende der Manifestation am Mittwochmorgen. Erst dann, als es praktisch nicht mehr nötig war, erhielten wir wieder Zusicherungen.
Roa erwähnt weiter, er habe mir mündlich und schriftlich erklärt, ich sei vollkommen frei, das Gebäude zu betreten und zu verlassen, vergisst jedoch beizufügen, dass nach seiner eigenen Note8 ich die volle Verantwortung trage, wenn das aufgebrachte Volk einen derartigen Versuch als Provokation betrachte und entsprechend reagiere.
Botschafter Melendez fragte mich im Auftrag seines Ministers eindringlich, wie ich diese Note beurteile. Ich wies, wie ebenfalls kurz gemeldet, auf den versöhnlichen Ton der kubanischen Antwort hin und erwähnte, dass manches darin diskutabel wäre, ich hingegen im Hinblick auf die Beilegung des Konfliktes und die künftige Zusammenarbeit auf die Diskussion dieser Punkte verzichte. Man könnte in der Tat ad infinitum diskutieren, ohne je die kubanischen Behörden zum Geständnis zu bringen, dass sie irgendwie unkorrekt gehandelt haben.
Im übrigen war Botschafter Melendez, häufig ein ungehobelter Knot, diesmal äusserst liebenswürdig. Er nahm mit grosser Genugtuung davon Kenntnis, dass ich, wie ihm längst bekannt, demnächst in die Ferien verreisen werde und dass diese Reise keine politische Bedeutung habe. Er wünschte mir und meiner Frau gute Erholung und erkundigte sich auch nach dem Befinden der Familie Hunziker.
Ganz allgemein ist im Aussenministerium festzustellen, dass der Wind gekehrt hat. Zwei nordamerikanische Flugzeuge wurden innert wenigen Stunden zum Rückflug freigegeben, ohne dass wir, wie bei den Südamerikanern, lange warten und dann eine exorbitante Rechnung bezahlen mussten. Der laufende Kontakt spielt sich wie früher reibungslos ab und wir bemühen uns, im Interesse unserer Aufgabe die Arbeit weiterzuführen, wie wenn sie nicht unterbrochen worden wäre.
- 1
- Schreiben: CH-BAR#E2003-06#1982/68#292* (o.841.06s/d). Visiert von P. Graber. Handschriftliche Marginalie: Affaire déjà traitée.↩
- 3
- Für die Note von P. Graber an R. Roa vom 23. Mai 1970 vgl. die Pressemitteilung von P. Graber vom 23. Mai 1970, dodis.ch/34504.↩
- 4
- Zur Belagerung der ehemaligen amerikanischen Kanzlei vgl. das Telegramm Nr. 225 von A. Fischli an das Politische Departement vom 15. Mai 1970, dodis.ch/34500.↩
- 7
- Vgl. dazu das Telegramm Nr. 41 von A. Fischli an die Schweizerische Botschaft in Washington und an das Politische Departement vom 17. Mai 1970, dodis.ch/34502.↩