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Wie kommt es zu Inflation? Olivier Blanchard, Exchefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), erklärte das Phänomen jüngst auf Twitter mit einem Satz, der für Aufregung sorgte: Inflation sei das Ergebnis sozialer Verteilungskonflikte. Firmen erhöhten die Preise, etwa um ihre Gewinne zu halten, wenn Arbeitskräfte höhere Löhne durchsetzten; oder, wie Blanchard früher geschrieben hatte, um ihren Gewinn zu steigern. Aktuell gehen darum die Profite der Energiekonzerne durch die Decke.
Für Aufregung sorgte Blanchards Tweet, weil der einflussreiche Professor damit eine Position einnimmt, die kritischere Ökonom:innen seit Jahrzehnten vertreten. Es ist die Gegenposition zu Milton Friedmans monetaristischem Dogma, das die Welt Ende der siebziger Jahre eroberte, wonach Inflation das automatische Ergebnis von zu viel Zentralbankgeld ist. (Die übersimple Idee dahinter: je mehr Geld im Umlauf, desto höher die Nachfrage nach Gütern und entsprechend deren Preise.) Zwar anerkennen inzwischen die meisten Ökonom:innen, dass mehr Geld nicht immer zu mehr Nachfrage führt (vgl. «‹Wir müssen das System vom Kopf auf die Füsse stellen›»). Und dennoch: Als die Inflation 2021 anzog, schrien sie nach Zinserhöhungen.
Nun fordert der Ex-IWF-Ökonom diese Politik heraus. Denn: Ist Inflation die Folge eines Verteilungskonflikts, kann sie auch gezielt von den Regierungen gestoppt werden. Diese könnten etwa die höheren Gewinne durch eine Steuer abschöpfen, so Blanchard in der Twitter-Debatte, um damit für die Konsument:innen die Energiekosten zu subventionieren. Regierungen könnten auch die Steuern (für Reiche, so wäre zu ergänzen) erhöhen, um so die wirtschaftliche Nachfrage und damit auch die Inflation zu drosseln.
Normalerweise werde es den Zentralbanken überlassen, den Verteilungskonflikt durch Zinserhöhungen zu lösen, schrieb Blanchard weiter. Diese seien jedoch ein «schmerzlicher» und «höchst ineffizienter Weg». Was er meint: Sie lösen den Konflikt, indem sie absichtlich Arbeitslosigkeit schaffen – was die Nachfrage und so die Inflation senkt. Es ist eine Lösung auf dem Buckel der Ärmsten.