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SRF DOK: Niki Lauda, wann haben Sie Clay Regazzoni kennengelernt ?
Niki Lauda: Clay Regazoni war zu meiner Anfangszeit als Rennfahrer bereits ein Mann, den man kannte. Er hatte Erfolge, zuerst mit dem Sportwagen, dann mit Formel 1 natürlich. Als ich begonnen habe, war er schon eine Formel-1-Grösse.
Wie haben Sie denn mit ihm gesprochen?
In Englisch, in erster Linie.
Sie hatten einen Spitznamen für ihn...
...nicht nur einen, etliche! Ich wechselte je nach Situation.
Ein wiederkehrender war jedoch Jakob...
...ja, das stimmt.
Clay Regazzoni war schon eine grosse Nummer als Sie anfingen. Wie war er?
Er war unglaublich schnell. Ein Naturtalent im wahrsten Sinne des Wortes. Für mich zur damaligen Zeit eine Messlatte, die ich als unerfahrener, junger Rennfahrer schlagen musste. Da gab es Rennen, da war er unbesiegbar und umgekehrt war es auch so. Wir waren auf Augenhöhe.
Wie charakterisieren Sie seinen Fahrstil?
Er war ein Naturtalent. Es war ihm ganz Wurst, wie das Auto lag, oder was er damit machen musste. Ich war derjenige, der mit meinem technischen Gespür versucht hat, das Auto immer weiter zu entwickeln, Inputs für die Techniker vor allem für den genialen Konstrukteur Mauro Forghieri zu geben. Ich habe versucht, ein schnelleres Auto produzieren zu lassen, womit wir dann beide einen Riesenvorteil hatten. 1974 resultierten unsere Bemühungen im Vizeweltmeistertitel von Clay und 1975 wurde ich zum ersten Mal Weltmeister. Für Ferrari war es der erste WM-Titel seit 1964!
Wie war für Sie beide die Zusammenarbeit mit dem Firmengründer Enzo Ferrari?
Clay hatte es mit dem «Alten» wesentlich leichter, weil er auch italienisch sprach. Ich musste mit Enzo Ferrari Englisch reden und Piero, sein Sohn übersetzte dann auf Italienisch. Enzo sprach kein oder kaum Englisch. Das war am Anfang schwierig. Enzo Ferrari mochte Clay Regazzoni wirklich gern, weil er für ihn fast ein «waschechter Italiener» war – obschon er Schweizer war. Aber als Tessiner hatte er ja dieselbe Muttersprache wie Enzo Ferrari.
Von der Sprache und auch vom Charakter her war Regazzoni Teil des italienischen Systems. Ich war das Gegenteil. Ich hatte nichts anderes im Sinn als diesen Ferrari zum Siegen zu bringen. Clay verband das Rennfahren mit den schönen Seiten des Lebens. Reisen, Parties. Die 1970er Jahre in der Formel 1 waren wilder.
Aus eigenem Interesse habe ich die Techniker immer wieder gebeten, Dinge zu verändern. Da mussten sie zu Clay gehen und fragen, was er davon hält. Wir machten Ferrari sicherer und schneller. Nach 1974 ist uns das geglückt, denn ein Jahr später hatten wir ein Top-Auto, mit dem ich Weltmeister wurde.
Waren ihre Rennautos damals gleichwertig?
Ja, die Entwicklung wurde parallel gemacht. Da gab es überhaupt keine Unterschiede. Es wurde immer so gebaut, dass wir das gleiche Material hatten.
Wie nahe standen Sie Clay Regazzoni?
Ich glaube, sehr nahe. Wir hatten beide durch meinen Unfall, den er ja miterlebt hatte, eine Ebene der Männerfreundschaft, in der wir einander mit wenigen Worten halfen. Wenn wir uns am Morgen in der Früh anschauten, dann wusste er schon wie es mir geht, und ich wusste, wie es ihm geht. Wir hatten eine enge Verbindung, ohne gross zu reden.
Seine Grundstärke?
Er war sportlich unglaublich stark, obschon er nicht einer dieser voll trainierten Super-Rennfahrer war.
Sie haben Clay Regazzoni 1980, nach seinem schweren Unfall in Long Beach besucht. In Basel, wo damals das Paraplegikerzentrum war. War er anders nach dem Unfall?
Nein, im Gegenteil! Er war immer noch gleich kindisch, gleich lustig. Hat immer Witze gemacht, sein Leben genauso weitergelebt wie vorher. Mit der schweren Last, die er zu tragen hatte.
Clay Regazzoni in zwei Sätzen?
Ein unglaublicher Typ, den ich nie vergessen werde.
«DOK» am Mittwoch
«Clay Regazzoni – Leben am Limit», Mittwoch, 14. Dezember 2017, 22:55 Uhr, SRF1.