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Elemente
Jura
od.
Juragebirge. Langgestrecktes Kettengebirge aus Kalkgestein, das die
Schweiz als natürlicher
Grenzwall im W. und NW. abschliesst. Auf Schweizer Boden hat es von der
Dôle im Kanton Waadt
bis
Regensberg im Kanton Zürich
eine Länge von 216 km.
Julius Caesar nennt den
Mons Jura als Grenzscheide zwischen den Helvetiern und Sequanern und lässt ihn im N. bis
zum Gebiet der Rauracer reichen; Joras bei Strabo. Jures bei Plinius, lourassos oros bei Ptolemaeus, später
Mons Jurassus.
Der Name leitet sich von einer keltischen Wurzel jor her, die zu juria latinisiert wurde und
«Wald» bedeutet, Jura also =
Waldgebirge. Die gleiche Wurzel findet sich noch in einer Reihe von anderen Ortsnamen der Westschweiz
(Jorat,
Joux etc.) und ist vielleicht mit dem slavischen Gora verwandt. Vergl. den Art.
Jeu.
Einleitung:
Allgemeine Uebersicht, Grenzen und natürliche Einteilung.
Der Jura zeichnet sich durch eine scharfe Kammlinie aus, die längs der hohen Grenzketten zwischen Frankreich und der Schweiz verläuft. Die Gebirgsflanken diesseits und jenseits dieser Linie sind ungleich entwickelt; die sanfter geböschte und breitere Seite gehört zu Frankreich (Departemente Ain, Jura, Doubs und ehemaliges Departement Haut Rhin oder heutiges Territorium Belfort), während der Steilabfall auf Schweizer Boden dem Mittelland zugekehrt ist. Hier liegt, nach NO. kulissenartig hintereinander gereiht, eine Reihe von schmalen Längsthälern, umschlossen von Parallelketten, die sich gegenseitig derart ablösen, dass die Kammlinie des Gebirges mehr und mehr nach N. verschoben wird.
Aus diesem Oberflächenbau ergibt sich, dass die Wege durch den Jura staffelförmig den Ketten parallel ziehen und den Längsthälern folgen, die wegen der Höhenabnahme der Kämme nach O. und SO. alle gegen die Schweiz zu absteigen. Hinter und parallel der Kammlinie des Gebirges bildet der tief in die jurassischen Hochplateaus eingeschnittene Lauf des Doubs bis Saint Ursanne noch eine wichtigere Grenzscheide zwischen Frankreich und der Schweiz als die Kammlinie selbst. Nach N. senkt sich der Jura ganz allmählig gegen den Elsässer Anteil an der oberrheinischen Tiefebene ab, während er nach NO. bis zu seinem Ende bei Regensberg dem S.-Rand der rheinischen Meseta oder der Rheintafel (s. diesen Art.) folgt.
Der Jura bildet einen langen Bogen, dessen konvexe Seite gegen NW. gerichtet ist, während die konkave Seite das schweizerische Mittelland begleitet. Das am Échaillon nahe Voiron (Departement Isère) beginnende und bei Regensberg im Kanton Zürich endigende Gebirge hat in seiner Gesamtheit, längs dem konkaven (schweizerischen) Innenrand gemessen, eine Länge von 360 km, längs dem über Besançon ziehenden konvexen (französischen) Aussenrand eine solche von 420 km. Seine grösste Breite zwischen Besançon und Orbe beträgt 70 km. Die den Jura begrenzenden beiden Bogenlinien stossen im SO. an das tertiäre schweizerische Mittelland, im W. und N. an die ebenfalls tertiären Senken der Saône, des Doubs und des Rhein mit der Rheintafel (oder dem Tafeljura, wie dieses Gebiet irrtümlicher Weise meist genannt wird).
Das Gebirge besteht aus einer Aufeinanderfolge von Ketten (Gewölben) oder Falten aus jurassischen und Kreidegesteinen, zwischen denen in den Längsthälern (Mulden) noch Reste von tertiären Schichten eingeschlossen sind. An die erste, am Échaillon nahe Voiron von den Alpen des Dauphiné sich loslösende Jurakette reihen sich von Les Échelles (bei Chambéry in Savoyen) ab neue, von den Alpen unabhängige Falten (zuerst Montagne de l'Épine, Mont du Chat etc.) an, so dass im zentralen Teil des Gebirges zwischen Besançon und Orbe oder zwischen Biel und Delle deren mehr als 20 unterschieden werden können.
Von da an nimmt gegen Solothurn und den Aargau die Zahl dieser Falten wieder ab, bis der Jura bei Baden wie an seinem Anfang nur noch aus einer einzigen Kette, der Lägern, besteht, die bei Regensberg (Kanton Zürich) unter das schweizerische Mittelland taucht. Zum so umgrenzten Juragebirge gehören also nicht mehr das Hügelland um die obere Saône, die Basler und Aargauer Tafelberge (Rheintafel), der Randen und die Rauhe Alb, trotzdem alle diese Gebilde ebenfalls aus Gesteinen jurassischen Alters aufgebaut sind. Diese Landschaften gehören nach ihrem orographischen und geologischen Charakter (keine Falten oder Ketten) den Vogesen, dem Schwarzwald etc. an und bestehen aus schwach geneigten oder gegen die Vogesen und den Schwarzwald zu aufgerichteten jurassischen Felsarten (Steilabfälle am Fuss von Vogesen und Schwarzwald).
Wir schliessen also von unserer Betrachtung des Juragebirges die ihm fremden Gebilde des Randen, des sog. «Tafeljura» und der oberrheinischen Tiefebene zwischen Basel und Aesch aus. Jules Thurmann hat in seinen Werken (Esquisses orographiques, Essai de phytostatique etc.) das ganze Juragebirge in 5 nach ihrer geographischen Lage benannte Hauptabteilungen getrennt: in den Südjura und Westjura (beide auf französischem Boden), Mitteloder Zentraljura (von der Dôle bis zum Weissenstein), Nordjura (zwischen Saint Hippolyte und Grellingen) und Ostjura. Diese erste Einteilung ist zugleich die beste und soll hier beibehalten werden. In der Schweiz unterscheidet man gewöhnlich einen Waadtländer, Neuenburger, Berner, Solothurner, Basler (Waldenburg etc.), Aargauer und Zürcher (Lägern) Jura.
Orographie:
Ketten und Muldenthäler.
Den Ketten des schweizerischen Jura sind meist scharfe Gräte oder langgezogene Kämme aufgesetzt, die seine hauptsächlichen Gipfel bilden. Durchmustert man diese Kämme von den Umgebungen von Genf bis in den Kanton Zürich hinein, so fällt zunächst auf, dass sie alle mit zunehmender Zahl der Parallelfalten und mit der Verbreiterung des Gebirges ¶
Karte der Hauptketten des Jura
Lf. 87.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebr. Attinger. Neuenburg
^[Karte: 4° 30’ O; 46° 30’ N; 1:1700000]
MCE. BOREL & CIE. NEUCHÂTEL
V. ATTINGER SC.
KARTE DER HAUPT-KETTEN DES JURA ¶
forlaufend
langsam aber regelmässig bis zum Weissenstein (1399 m) an Höhe abnehmen. Auch von da an werden sie, trotz der verminderten Faltenzahl und Breite des Gebirges, immer niedriger und erreichen bei Olten nicht mehr 1000 in und bei Aarau nicht mehr 800 m. Die letzte Kette hat ihren höchsten Punkt in 863 m. Im Süd- und Mitteljura findet man somit über den bewaldeten Hängen noch Sennberge (Weideflächen), während die Ketten des Nord- und Ostjura bis zu oberst völlig mit Wald bestanden sind.
Die höchsten. Gipfel des Gebirges stehen an seinem innern Rand und zwar im Südjura. Hier haben wir in der Kette des Reculet (n. vom Pays de Gex bei Genf) den Grand Crédo (1624 m), Reculet (1720 m), Crêt de la Neige (1723 m) und Colombier de Gex (1691 m), alle auf französischem Boden und in der Höhenregion der Sennberge. Der höchste Juragipfel in der Schweiz ist der Mont Tendre (1680 m). Ihm folgt die Spitze der Dôle (1678 m). Die Dôle bildet eine eigene Kette, mit der mehrere sekundäre Falten verschmelzen und die im O. vom Mont de Bière (1528 m) und Mont Tendre (1680 m) abgelöst wird.
Alle diese Falten zeigen von SO. her gesehen nur wenig gegliederte, nahezu horizontale und der obern Waldgrenze parallele Kammlinien. An dieses Gebiet des Waadtländer Hochjura oder der Dôle schliesst sich im NW. eine andere lange Kette an, die von Mijoux (nw. der Valserine, Departement Ain) her kommt und den zum Teil bewaldeten breiten Bergstock des Noirmont sö. über dem Jouxthal bildet. Dieser verbreitert und gabelt sich südl. Vallorbe in zwei Aeste, die zusammen das weite Hochthal von Vaulion (1000 m) umschliessen und deren nördlicher die Dent de Vaulion (1486 m) trägt. Es endigt somit der Waadtländer Hochjura am Lac de Joux und an der Orbe.
Die breite Mulde des Jouxthales (Vallée de Joux), die vom Plateau von Les Rousses (französ. Departement Jura) herkommt und SW.-NO. streicht, wird von der Orbe durchflossen. Diese bildet hier drei Seen, den auf französischem Boden liegenden kleinen Lac des Rousses und den Lac de Joux mit seinem Anhängsel Lac Brenet. Die Mulde des Jouxthales, deren tiefster Punkt in 1009 m liegt, wird ihrerseits wieder durch mehr oder weniger abradierte Faltungen niederer Ordnung gegliedert und ist mit Moränenschutt jurassischer Herkunft überführt.
Nw. über dem Jouxthal liegt die Kette des Mont Risoux, die auf eine Länge von 33 km, parallel dem Hauptkamm des Gebirges, die Grenze zwischen dem Kanton Waadt und dem französischen Departement Doubs bildet. Sie erhebt sich zwischen den Muldenthälern von Joux (Waadt) und Mouthe (Doubs) und besteht aus drei Hauptfalten. Die zwei nördlichen vereinigen sich s. von Mouthe zum breiten und stark bewaldeten Rücken des Noirmont (1240 m; Departement Doubs), der als einzelne Falte sich nach NO. fortsetzt, dann gegen N. abbiegt und mit der S.-Falte des Mont Risoux zum malerischen Mont d'Or (1463 m) verschmilzt.
Dieser bildet w. vom Col de Jougne (Departement Doubs) einen von Malmwänden eingefassten halbkreisförmigen Felsenzirkus. Die Falte des Mont Risoux, deren Kammlinie von der Roche Bernard bis zum Mont d'Or die Landesgrenze zwischen der Schweiz und Frankreich folgt, ist ein regelmässig gestalteter Rücken mit dem Gros Crêt (1423 m) als höchstem Punkt. Am Col de Jougne schalten sich mehrere wenig hohe und kurze Ketten ein, die vom Suchet und Chasseron zu einer neuen grossen Kette zwischen der Orbe und Areuse abgelöst werden. Es ist somit der Col de Jougne eine Einsattelung zwischen zwei Faltensystemen, deren einzelne Glieder sich nicht mit einander vereinigen sondern einander ablösen, da die Falten des Risoux von der allgemeinen Richtung der Ketten in diesem Gebirgsabschnitt abweichen (vergl. die orographische Skizze). Er bildet ein totes Thal mit durch Erosion entstandenen Klusen, durch das der einstige Rhonegletscher zu wiederholten Malen gegen Pontarlier und das Thal der Loue vorgerückt ist.
Die Gruppe des Mont Suchet und Chasseron besteht aus drei Hauptfalten, deren südlichste den auf der Grenze zwischen der Waadt und Neuenburg zum Neuenburgersee absteigenden Mont Aubert (1342 m) bildet. Diese Falte gehört der Kette des Suchet (1596 m) und der der Aiguille de Baulmes (1563 m) zugleich an, weil diese beiden Berge zwei Sequankämme (mittlere Malmstufe) einer und derselben Falte sind, die bis zu den untern Stufen des Dogger ausgewaschen worden ist (vergl. den Art. Aiguilles de Baulmes).
Die mittlere Falte des Systems trägt den Chasseron (1611 m), den über dem Zirkus des Creux du Van liegenden Soliat (1465 m) und die die Areuseschlucht (Gorges de l'Areuse) beherrschende Montagne de Boudry (1388 m). Hier ist diese Kette von der Areuse durchschnitten und von ihrer Fortsetzung, dem das Schloss Rochefort tragenden Rücken, abgetrennt worden. Sie zieht sich von da mit langsam abnehmender Höhe weiter bis zum Wald von Serroue über Corcelles. Die dritte Falte endlich, die N.-Kette des Chasseron, begrenzt stufenförmig das Val de Travers von Les Oeuillons, s. von Noiraigue, bis Buttes, wo sie n. von Sainte Croix von der bis zum Mont du Miroir (997 m; s. von Les Fourgs im Departement Doubs) reichenden Kette der Vraconnaz abgelöst wird. Die Chasseronkette als Ganzes wird im N. von der Mulde von La Côte aux Fées und ihren Fortsetzungen Val de Travers, Gorges de l'Areuse (synklinaler Abschnitt) und Vallon de Rochefort begrenzt. Sie steigt aus den französischen Hochflächen von Jougne zur beträchtlichen Höhe des Chasseron auf, um wie die vorhergehenden sich gegen den Rand des schweizerischen Mittellandes, hier also gegen das Neuenburger Weinland, zu senken.
Die kleine Kette des Mont des Verrières (1246 m), die die beiden Längsthäler von La Côte aux Fées und Les Verrières von einander trennt, gehört nur mit ihrem östlichen Ende der Schweiz an und bildet ein Glied der Faltenbündel in der Gegend von Pontarlier und des Lac de Saint Point (Mont de Saint Sorlin 1240 m; nw. von Mouthe). Bei Saint Sulpice hat die Areuse einen prachtvollen Erosionskessel in den Kalken u. Mergeln (Malm und Dogger) dieser Falte ausgewaschen, die sich nördl. von Boveresse im Val de Travers an die Gruppe der Tête de Rang anschliesst.
Das Val de Travers bildet zusammen mit dem von La Côte aux Fées eine lange Mulde, die mit tertiären und quaternären Gebilden ausgekleidet und von Gesteinen der untern Kreide (asphaltführendes Urgon) umrandet ist. Die Mulde von La Côte aux Fées wird vom Bach von Buttes durchflossen, der in Fleurier in die aus dem Zirkus von Saint Sulpice herkommende Areuse mündet. Diese durchzieht dann das Val de Travers bis zum Zirkus von Noiraigue und verlässt es dann, um erst in der spitzen und ausgewaschenen Mulde des Champ du Moulin wieder auf seine Fortsetzung zu stossen. Von hier an verschmilzt das Thal, dessen geologische Verhältnisse durch sekundäre Falten und Ueberschiebungen sich komplizieren, mit der Mulde von Rochefort und dem Val de Ruz.
Das Val de Ruz ist eine der weitesten Mulden im Juragebirge und ganz in die regelmässig gestalteten Falten der Neuenburger Berge mit ihren Waldhängen eingebettet. Es sind dies im N. die Kette und Gruppe der Tête de Rang, im SO. die Ketten des Chaumont und Chasseral. Die Thalsohle bildet eine Mulde ohne Faltungen untergeordneten Ranges, aber mit zahlreichen Moränenablagerungen und glazialen Alluvionen, die meist die tertiäre Unterlage völlig verdecken. ¶
forlaufend
Die Kette des Chasseral beginnt am Rand einer Mulde, die in Stufen aus dem Mittelland aufsteigt, und folgt zuerst - vom Streichen der vorhergehenden Ketten etwas abweichend - der Richtung NNO. (Chaumont), um dann vom Verschmelzungspunkt mit der Kette der Tête de Rang (1425 m) an wieder zum allgemeinen Streichen nach NO. zurückkehren. Der Chaumont (1177 m) ist eine regelmässige Falte, die im SW., wo sie noch nicht hoch ist, von der Klus des Seyon durchschnitten wird, an der Quelle des Seyon nach NW. überliegt und bei La Dame von einer kleinen sekundären Falte abgelöst wird.
Diese beginnt kurz vor dem Col de Chuffort und verschmilzt dann mit der Kette des Chasseral. Letztere zweigt auf dem Plateau von Les Loges von der S.-Flanke der Tête de Rang ab, trägt zunächst den Mont d'Amin (1411 m) und den Bec à l'Oiseau (1249 m) und senkt sich dann zur Klus von Cheneau de Villiers, um nachher bei der Combe Biosse mit felsigen oder bewaldeten Gräten rasch zu den beiden hohen Kämmen (S.- und N.-Kamm) der Kette anzusteigen. Der Sequankamm des Chasseral bleibt mit 1610 m nur um einen Meter hinter dem Chasseron zurück, dem er in allen Beziehungen gleicht.
Die beiden Längskämme der Kette umranden ein Doggergewölbe, das im Zirkus von Steinersberg bis zum Lias hinunter ausgewaschen und bei Rondchâtel über Biel von einer Klus durchbrochen ist. An der Gestlerfluh über Grenchen geht die Chasseralkette in die Weissensteinkette über. Die beiden sie im S. und N. begleitenden Längsthäler (Vallon du Pâquier und Vallon de Péry) sind somit für sich abgeschlossen und stehen nicht direkt mit dem Val de Ruz einerseits (westlich) und mit dem Schweizer Mittelland andererseits (östlich) in Verbindung.
Die Hauptkette der Gruppe des Chasseral ist 38 km lang; an sie schliessen sich nach N. stufenförmig absteigende sekundäre Falten an. Im S. wird sie von der plateauförmigen Mulde der mit Unrecht so genannten Montagne de Diesse (Tessenberg, 800 m), der sehr regelmässigen sekundären Falte des Mont Sujet (1386 m) und dem in der Fortsetzung der Montagne de Diesse gelegenen und an beiden Enden offenen Vallon d'Orvin-Vauffelin begleitet. Längs dem Neuenburger- und Bielersee endlich umrandet den Chasseral die sog. Seekette (Chaîne du Lac), die aus den Ketten von Enges oder Serroue, sowie der von Magglingen (Jorat) oder dem Twannberg mit dem Vorberg oder der Montagne de Boujean besteht.
Ketten des Neuenburger Hochjura. Die Ketten der Tête de Rang, des Sommartel und des Larmont-Pouillerel sind Faltenbündel, die sich nicht vom schweizerischen Rand des Jura, sondern vom Innern des Gebirges abzweigen und regelmässig gebaut sind. Sie schliessen gut ausgeprägte und hoch gelegene (1000 m) Muldenthäler in sich ein. Man kann alle diese Falten zu der Gruppe des Neuenburger Hochjura zusammenfassen, der von den tiefsten und breitesten Mulden - Val de Travers, Val de Ruz, Vallon de Morteau (Departement Doubs) - umgrenzt wird.
Die Kette der Tête de Rang verschmilzt am Crêt de Travers mit derjenigen des Sommartel; sie ist bei La Vaux von der Areuse angegriffen worden, die hier die schöne Klus oder den Zirkus von Noiraigue (Quelle der Noiraigue) ausgewaschen hat. Von hier an hebt sie sich mit felsigem Hang zur Tourne (Tablette, 1294 m); am Col de la Tourne (1172 m) löst sich ein neuer Zweig ab, der sich zur Hauptkette entwickelt und der als höchste Punkte den Mont Racine (1442 m) und die Tête de Rang (1425 m) trägt.
Diese Kette wird durch die Senken des Col de la Vue des Alpes (1288 m), Col du Pertuis und Col du Bugnenet gegliedert. Sie zieht über Montpéreux, La Chaux d'Amin, La Joux du Plane und den Col du Bugnenet oder Col des Pontins (1124 m), um an der Egasse oder Agasse mit der Kette des Chasseral sich zu verknüpfen. Nw. der Kette der Tête de Rang liegt das Längsthal von La Sagne und Les Ponts (1010 m), das etwa 15 km lang ist, sich von NO.-SW. verbreitert und auf seinem tertiären und quaternären Untergrund eine Menge von Torfmooren und sumpfigen Wiesen trägt.
Die Kette des Sommartel oder Crêt de l'Oura besteht aus zwei grossen Falten. Diejenige von Les Fontenettes begleitet die Sonnseite (Le Droit)* [*In den NO.-SW. ziehenden Thälern des Schweizer Jura heisst der zur Sonne exponierte Hang Le Droit, L'Endroit oder Sonnenseite, der kältere gegenüberliegende Hang L'Envers oder Schattenseite] des Vallon des Verrières, um n. von Les Ponts mit der andern, der von Trémalmont, zu verschmelzen. Von da an streicht die Kette als breiter, mit Wald und Sennbergen bestandener Rücken längs der Sonnenseite (Le Droit) des Vallon de La Sagne gegen NO., erreicht im Sommartel 1330 m und im Crêt de La Sagne 1267 m, öffnet sich zu den Argoviencomben (s. später) der Umgebung von La Chaux de Fonds (Les Grandes Crosettes) und geht endlich in die Ketten des Sonnenbergs und Weissensteins über.
Der Vallon des Verrières ist gegen Frankreich zu weit offen, nach welcher Seite hin er durch die Cluse de Joux nach Pontarlier (800 m) leitet. In dem bis zum Quartier du Locle 28 km langen Muldenthal von La Brévine liegt der unterirdisch abfliessende kleine Lac des Taillières, dessen Wasser u. a. auch die Quelle der Areuse bei Saint Sulpice speisen. Dieses Thal ist das höchst gelegene (La Brévine in 1050 m) und kälteste aller Thäler des Hochjura. Es beginnt über Les Verrières nahe Le Petit Cernet und zieht sich als langer, flacher und einförmiger Streifen über La Chaux du Milieu bis südl. von Le Locle. In der Umgebung von Le Locle haben sich kleine Bäche, die zusammen den Bied du Locle bilden, in die tertiäre Unterlage eingeschnitten.
Dann geht die Mulde wieder eben und einförmig vom Crêt du Locle weiter bis La Chaux de Fonds, stets über einer Höhe von 1000 m sich haltend. Begleitet wird sie im N. von der Kette des Larmont-Pouillerel, dessen S.-Kamm die Landesgrenze bildet. Diese Kette steigt nicht sehr hoch über die Thalsohle auf und ist wenig gegliedert, mit Ausnahme des Col des Roches (nahe Le Locle), wo der Bied, sowie die Strasse und Eisenbahn nach Frankreich den Berg durchtunneln. Gegen NW. fällt sie überall zu dem weit tiefer eingeschnittenen Thal des Doubs ab. Alle die genannten Längsthäler des Hochjura besitzen nur kleine Bäche, die von den mergeligen Comben herabkommen und sich in Trichtern oder Dolinen (fondrières oder entonnoirs, im Dialekt embossieux = emposieux, époisats, pouches) im Boden verlieren, um in den tiefer gelegenen Thälern als starke Stromquellen (sources vauclusiennes: Areuse, Noiraigue, Biaufond etc.) wieder zu Tage zu treten.
Die scharf hervortretende Weissensteinkette löst südl. von La Ferrière die Kette des Sommartel ab und bildet zunächst den n. vom St. Immerthal aufsteigenden Sonnenberg (oder Montagne du Droit 1266 m). Am Col de Pierre ¶