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Wimbledon respektiert bei der Erstellung der Setzliste der Männer erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder die Weltrangliste. Einer der grössten Profiteure der bisherigen Regelung war Roger Federer.
Selten war die Ausgangslage vor Wimbledon bei den Männern deutlicher als in diesem Jahr: Novak Djokovic, der 2019 auch die letzte Austragung vor der Pandemie gewann, ist der klare Favorit. Danach? Klafft ein grosses Loch. Rafael Nadal, der Sieger von 2008 und 2010 verzichtet, weil sein Körper eine Pause brauche. Neben Djokovic figurieren nur noch zwei ehemalige Sieger im Hauptfeld: Rekordsieger Roger Federer (8 Titel) und der Brite Andy Murray (2 Titel). Beide zählen wegen Verletzungen nicht zu den Anwärtern auf den Titel, Federer kommt immerhin entgegen, dass er in der Weltrangliste noch auf Position 8 liegt und deshalb gesetzt ist.
Allerdings markiert das Jahr 2021 auch für ihn eine Zeitenwende, denn in den letzten Jahren wurde Federer für gewöhnlich höher eingestuft, als er in der Weltrangliste platziert war. 2019 zum Beispiel verdrängte er den vor ihm klassierten Rafael Nadal und wurde auf Platz 2 der Setzliste geführt. Die Folge: Nadal hätte schon im Halbfinal auf den Weltranglistenersten Novak Djokovic treffen können, landete bei der Auslosung aber in Federers Tableauhälfte und scheiterte in den Halbfinals am Schweizer. Doch damit ist nun Schluss, die spezielle Berechnung der Setzliste ist Geschichte.
Denn erstmals seit 1975 verzichtet man darauf, in den Jahren zuvor erzielte Resultate auf Rasen höher zu gewichten und respektiert die Weltrangliste. Das hatte zum Beispiel zur Folge, dass der Amerikaner Pete Sampras 2001 die Setzliste anführte, obwohl er nur im 6. Rang der Weltrangliste lag, aber sieben der acht letzten Austragungen gewonnen hatte. Es war das Jahr, in dem Sampras in den Achtelfinals einem gewissen Roger Federer unterlag. 1997 war Boris Becker an Position 8 gesetzt (Weltrangliste: 18.), und 1996 war der Schwede Stefan Edberg an Position 12 gesetzt (Weltrangliste: 22).
Das führte immer wieder zu Kontroversen und in Einzelfällen sogar zu Boykotten: 2000 verzichteten mit den drei Spaniern Alex Corretja, Albert Costa und Juan Carlos drei Spieler aus den Top 20 auf Wimbledon.
Roger Federer könnte in Wimbledon bereits in den Viertelfinals auf Novak Djokovic treffen, dem er dort schon drei Mal im Final unterlegen war: 2014, 2015 und 2019, als er zwei Matchbälle nicht hatte nutzen können.
Zuletzt trainierte Federer in Zürich nicht etwa wie in britischen Medien kolportiert auf Rasen, sondern auf einem Hartplatz. Anfang Woche wird er ohne die Familie nach London reisen. Bei seiner Achtelfinal-Niederlage in Halle wurde klar, dass Federer trotz seiner Vergangenheit an der Church Road wohl nicht zu den Herausforderern von Djokovic gehören wird.
Auch sonst scheint für den 19-fachen Grand-Slam-Sieger keine Gefahr in Sicht. Mit Daniil Medwedew, dem French-Open-Finalisten Stefanos Tsitsipas, Dominic Thiem, Alexander Zverev, Andrei Rublew und Matteo Berrettini haben sechs der acht in Wimbledon Topgesetzten dort noch nie die Viertelfinals erreicht. Federer und Djokovic bilden die Ausnahme.
Unverändert bleibt die Regelung bei der Erstellung der Setzlisten bei den Frauen. Massgeblich ist zwar die Weltrangliste, die Organisatoren behalten sich aber vor, Veränderungen vorzunehmen, «um ausgewogene Tableaus zu garantieren», wie es offiziell heisst. Wie 2018 zum Beispiel: Damals war die Amerikanerin Serena Williams nach ihrer Babypause bis auf Position 183 der Weltrangliste zurückgerutscht, wurde aber an Position 25 gesetzt.