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Ob eine Vasektomie das Risiko erhöht, dass der betroffene Mann an Prostatakrebs erkrankt, wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Das Ziel der vorliegenden Metaanalyse war, diese Frage zu klären.
Bimal Bhindi und Jeffrey Karnes der Mayo Clinic in Rochester konnten in ihrer Studie keinen Zusammenhang zwischen Vasektomie und hochgradigem, fortgeschrittenem oder tödlichem Prostatakrebs aufdecken, sie fanden aber eine schwache Assoziation zu Prostatakrebs-Erkrankungen insgesamt. Die Metaanalyse umfasste 53 Studien, darunter 16 Kohortenstudien, 33 Fall-Kontroll-Studien und vier Querschnittsstudien. Unter den Studien mit niedrigem Verzerrungspotenzial wurde bei sieben Kohortenstudien ein Zusammenhang zwischen Vasektomie und einem erhöhten Prostatakrebsrisiko gefunden (adjustierte Odds Ratio = 1,05, p <0,001); ein ähnliches, aber nicht signifikantes Resultat ergab sich in den Kontrollstudien (adjustierte Odds Ratio = 1,06, p = 0.54). Es wurden keine signifikanten Assoziationen zwischen Vasektomie und hochgradigem, fortgeschrittenem oder tödlichem Prostatakrebs gefunden. Es wurde geschätzt, dass eine Vasektomie mit einem absoluten Anstieg des Lebenszeitrisikos für Prostatakrebs um 0,6% assoziiert war. Das Fazit der Studienautoren: «Diese Metaanalyse fand keinen Zusammenhang zwischen Vasektomie und hochgradigem, fortgeschrittenem oder tödlichem Prostatakrebs. Es gab eine schwache Assoziation zwischen Vasektomie und Prostatakrebs, die mit zunehmend robusterem Studiendesign näher bei Null lag. Diese Assoziation ist wahrscheinlich nicht kausal und sollte nicht dazu führen, dass Vasektomien als langfristige kontrazeptive Option nicht durchgeführt werden.»
Quelle:
Bhindi B, et al.: The Association Between Vasectomy and Prostate Cancer;A Systematic Review and Metaanalysis. JAMA Intern Med 2017; 177(9):1273-1286.
Kommentar von Prof. Dr. med. Jörg Beyer
Diese sehr umfangreiche und wichtige Studie von Bhindi et al. hilft in der Beratung von Männern, die erwägen, sich einer Vasektomie zu unterziehen. Wenn die Familienplanung abgeschlossen ist und/oder definitiv kein Kinderwunsch besteht, sollte die Möglichkeit eines späteren Prostatakarzinoms ganz sicher kein Grund sein, von dem Eingriff Abstand zu nehmen. Es gibt keine biologische Rationale, weshalb eine Vasektomie das Risiko erhöhen sollte, im Lauf des späteren Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln. Eine schwache Assoziation, welche die Autoren für eher indolente Karzinome fanden, hat keine klinische Relevanz. Diese kann durch eine Vielzahl konkurrierender Einflussgrössen bedingt sein. Neben einem hohen Lebensalter haben nach den aktuellen Daten andere Faktoren wie ethnischer Hintergrund, eine fleischreiche Ernährung, Übergewicht und Nikotinabusus eine viel grössere Bedeutung für das Auftreten eines Prostatakarzinoms als eine Vasektomie. Wahrscheinlich spielen zudem familiäre Risiken und eine genetische Disposition auch beim Prostatakarzinom eine noch grössere Rolle, als wir dies bislang angenommen haben.
Prof. Dr. med. Jörg Beyer, Leitender Arzt Onkologie, UniversitätsSpital Zürich