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Seit 2007 schreibe ich regelmässig Rezensionen und daneben schon länger auch Reviews zu Kongress- und Buchbeiträgen. Im Gegensatz zu Reviews, die meistens „blind“ sind, stehe ich bei Rezensionen mit meinem Namen. Das hat keine Auswirkungen auf die Mühe, die ich mir gebe und auch nicht auf die Qualität, aber den Effekt, dass die Autoren der Beiträge mit mir in Kontakt treten können. Vor einiger Zeit gab es eine Diskussion zu offenen Reviewverfahren. Ich finde diese Idee prinzipiell gut, möchte aber aus aktuellem Anlass auch auf mögliche Folgen hinweisen, die ich im Zusammenhang mit Rezensionen gesammelt habe.
Ähnlich wie bei Reviews ist es so, dass man Rezensionen nur für Publikationen bzw. Themenbereiche schreiben sollte, in denen man sich auskennt. In meinem Fall sind dies ausschliesslich Publikationen im Kontext informellen Lernens.
Problematisch finde ich sowohl Publikationen, die ich besonders gut finde, als auch diejenigen, die ich (besonders) schlecht finde. Erstere erwecken den Eindruck, dass ich nicht richtig gelesen habe, Letzere ebenfalls. Bei beiden fühle ich mich nicht besonders wohl. Allgemein gilt es natürlich, Positives wie Kritisches zu beleuchten.
Problematisch sind zum anderen Publikationen, bei denen man den/die AutorInnen kennt, mit ihnen zusammengearbeitet hat oder sonstwie verbunden ist. Dies kommt bei speziellen Themenbereichen durchaus häufiger vor – und ist vielleicht auch schwer zu vermeiden. Hier schwebt der Vorwurf der Befangenheit im Raum und positive wie kritische Anmerkungen legt man als Rezensierender mehrmals auf die Goldwaage. Meine Erfahrung ist aber, dass von diesen Personen Kritik sehr positiv bzw. gut aufgenommen wird.
Allgemein habe ich jedoch auf Rezensionen wenig Rückmeldungen, bis ich letzte Woche eine Mail mit der Aufforderung erhalten habe, die Rezension einer Publikatione des Absenders aus dem Netz zu nehmen. Unbegründet, wie ich finde.
Genau hier fängt das Problem mit den Rezensionen bzw. offenen Reviews an. Was ist, wenn Frau oder Herr Prof. schreibt, dass er oder sie mit dieser Rezension so nicht einverstanden ist? Kann man es sich als (junger) Wissenenschaftler leisten, es sich mit der Community zu verscherzen? Ich weiss nicht, wie ich vor 5 oder 10 Jahren darauf reagiert hätte. Heute kann ich damit souverän umgehen, weil ich auch nicht von einer Karriere in der Wissenschaft abhängig bin und die Kritik auch fachlich gut einschätzen kann. Aber diese Beispiel zeigt zumindest mir sehr deutlich die Grenzen offener Reviews und Rezensionen auf.
Ich werde so weiter machen wie bisher, auch wenn mir noch mal deutlich wurde, dass es nicht immer möglich ist, in der Community in einen konstruktiven Diskurs zu führen. Ich habe grosses Verständnis, insbesondere bei Dissertationen, an denen viel Herzblut hängt, wenn man sich falsch behandelt fühlt. Letztendlich geht es mir jedoch darum, nicht nur eine Einschätzung oder Empfehlung für eine Buch zu geben, sondern auch eine Rückmeldung an den Autor oder die Autorin. Die oft einzige Rückmeldung die man auf Publikationen bekommt, sind in der Regel nur Zitationen. Für die Arbeit, die man in Veröffentlichungen steckt, finde ich das zu wenig.
Letztendlich gilt, und das wäre mir noch wichtig anzufügen, dass alle Rückmeldungen, ob Reviews oder Rezensionen, Meinungen sind, subjektive Einschätzungen. Menschen können sich irren oder unterschiedlicher Meinung sein. Aber gerade die daraus entstehenden Spannungen können Lernprozesse anregen. Das ist eine tolle Chance, wie ich finde.