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Lebensgeschichte Annemarie Eberle
Ich heisse Annemarie Eberle und bin am 4.4.1947 in Buchs SG geboren. Dort besuchte ich ein Jahr den Kindergarten, bevor ich dann für sechs Jahre in die Primarschule wechselte. Obwohl die Oberstufe damals freiwillig war, absolvierte ich anschliessend drei Jahre lang die Sekundarschule.
Um Französisch zu lernen, zog ich dann für ein Haushaltslehrjahr nach Genf. Zurück in St. Gallen schrieb ich mich in der Handelsschule ein.
Während dieser Zeit lernte ich meinen zukünftigen Mann kennen. Ich erledigte meine Einkäufe oft mit dem Auto, da mich meine Mutter begleitete, welche nicht mehr so gut zu Fuss war. Ausserdem war ich schon immer etwas unsportlich. Auf der Suche nach einer Parklücke schnappte ich einem Unbekannten den besten Parkplatz vor der Nase weg. Als Entschädigung lud ich ihn anschliessend zum Kaffee ein. Der Unbekannte stellte sich als Viktor Eberle vor und aus dem einstigen Parkplatzproblem wurde Liebe.
Als Inhaber der Eberle Mühle in Kressbrunnen bot Viktor mir eine kaufmännische Stelle in seiner Firma an. Als ich den Handelsschulabschluss in der Tasche hatte, arbeitete ich deshalb bei „Eberle Mühlen“ im Büro.
Das meiste Getreide wurde aus dem Ausland geliefert und in der Schweiz verarbeitet. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, war das Getreide im zweiten Weltkrieg rationiert. 1950 brach dann der Koreakrieg aus, welcher zur Verknappung des Getreideangebotes führte. Deshalb hielt man an den Massnahmen des zweiten Weltkrieges fest und die Mühlen richteten sich ein Lager zur Kriegsvorsorge ein. Nach dem Krieg wurde das Kontingent zum Glück aufgehoben und die Mühlen konnten wieder ohne Einschränkungen arbeiten.
Als ich 28 Jahre alt war, heirateten wir im Jahr 1975. Für Viktor war es die dritte Ehe.
Meine jüngere Schwester absolvierte gerade ihre Lehre bei der Post, als sie schwanger wurde. Weil sie Angst vor der Reaktion ihres Vaters hatte, weihte sie zuerst nur mich ein. So schonend wie möglich brachten wir die Neuigkeit dann gemeinsam unserer Mutter bei. Jetzt mussten wir es nur noch unserem Vater beichten. Kaum hatte er das Haus betreten, erklärte unsere Mutter ihm, dass er bald Grossvater wird. Weil mein Vater dachte, dass ich schwanger war, kassierte ich von ihm sofort eine Ohrfeige.
Meine Schwester Lis heiratete dann den Vater ihres Kindes. Weil beide berufstätig waren, kam ich oft als Babysitterin zum Einsatz. Ich hatte zuhause ein Büro eingerichtet und konnte so arbeiten und gleichzeitig die Kinder betreuen. Auch meine spätere Arbeit bei der Krankenkasse konnte ich daheim erledigen.
Einen eigenen Kinderwunsch verspürte ich nie. Durch ein Buch meiner Tante wurde jedoch mein Interesse an Hunden geweckt. Unsere Deutsche Dogge wurde in der Hundeschule der Polizei ausgebildet, obwohl sich Doggen eigentlich nicht für die Polizeiarbeit eigneten.
Neben dem Training mit unserem Hund turnte und wanderte ich gerne. Meine Freizeit richtete sich aber meist nach dem Geschäft meines Mannes. Oft wurden Ausflüge mit Kontrollen von Getreidelagern in der ganzen Schweiz verbunden.
Bis zu meiner Pension arbeitete ich weiter bei der Krankenkasse. Mein Mann war einige Jahre älter als ich und verstarb leider an einem Herzinfarkt. Ich wohnte nun alleine in einem Haus mit 14 Zimmern. Der Aufwand, der mit dem grossen Haus einherging, überstieg immer mehr meine körperlichen Fähigkeiten. Deshalb entschloss ich mich, es zu verkaufen. Glücklicherweise interessierte sich eine junge Familie bereits seit zwei Jahren für unser Haus. Ich verkaufte das Haus in Kressbrunnen und zog in ein kleineres Haus in Andwil.
Einige Zeit später wurde in Andwil eine Überbauung geplant. Da mein Haus inmitten der Baupläne stand, konnte ich es für einen gute Preis verkaufen und zog am 27.2.2018 ins Altersheim Espel. Als das Espel aufgelöst wurde, wechselte ich ins Betagtenzentrum Schwalbe.
Hier bin ich selbständig und kann meinen Alltag nach meinen Bedürfnissen gestalten. Ich lese viel, löse Kreuzworträtsel und unternehme täglich einen Spaziergang. Dass ich eine eigene Dusche und ein WC in meinem Zimmer habe, schätze ich sehr. Zudem geniesse ich auch das feine Essen. Ich hoffe sehr, dass meine Gesundheit diese Selbständigkeit noch lange zulässt…