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Die Van Rensselaer Familie gehörte bereits im 17. Jahrhundert zu den führenden Familien der heutigen USA. Im 18. Jahrhundert war sie in die Gründung der USA involviert. Im 19. und 20. Jahrhundert war sie mit wichtigen Industriellen- und Bankiersfamilien verbunden, welche die Industrie und das Finanzwesen der USA aufgebaut haben.
Die Van Rensselaers als Kolonialherren
Der niederländische Kaufmann Kiliaen Van Rensselaer (1586-1643) war in Amsterdam als Perlen- und Diamanthändler tätig. Er gehörte zu den Gründern und Direktoren der „Niederländischen Westindien Kompanie“, die von 1621 bis 1792 bestand und führend im atlantischen Sklavenhandel war. Zusammen mit anderen Direktoren der Kompanie war Kiliaen massgeblich an der Gründung der niederländischen Kolonie New Netherland beteiligt, die das heutige New York ausmacht. Zu dieser Zeit waren die Niederlande eine führende Kolonialmacht und das Finanzzentrum der Welt (Goldenes Zeitalter).
Kiliaen Van Rensselaer kannte den Niederländer Wolfert Gerritse van Couwenhoven, der Mitgründer der Kolonie New Netherland war. Couwenhoven hatte einen Knecht namens Jan Aertszoon. Dieser war der Stammvater der Vanderbilt Familie, die später im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten und reichsten Industriellen der USA aufstieg. Die Vanderbilts hatten Ende des 19. Jahrhunderts Kontakt zur Van Rensselaer Familie (Quelle).
Weitere wichtige niederländische Kolonialfamilien des 17. Jahrhunderts waren die Familien Roosevelt, Schuyler, Stuyvesant und Van Cortland. Sie heirateten mehrfach untereinander und alle heirateten in die Van Rensselaer Familie. Auch im 19. Jahrhundert kannten sie sich und es kam zu Heiraten. Die Roosevelt Familie gehört heute noch zur US-Elite und stellte im 20. Jahrhundert zwei US-Präsidenten. Sie hatte auch im 20. Jahrhundert Kontakt zur Van Rensselaer Familie (Quelle). Das deutet darauf hin, dass sie seit über 300 Jahren durchgehend Kontakt zueinander hatten.
Die Nachkommen von Kiliaen Van Rensselaer (1586-1643) wurden in New Netherland sesshaft und waren fortan die führende Familie der Kolonie. Sie waren Patroone (Landbesitzer) und vermieteten ihr Land an Einwanderer. Die Mieter mussten alle einen Treueid gegenüber der Van Rensselaers und ihrer Kolonie leisten.
1667 wurde die Kolonie New Netherland aufgelöst und von den Engländern übernommen, die sie in New York umbenannten. Trotzdem konnten die niederländischen Kolonialfamilien ihren Status beibehalten und sie erhielten Einbürgerungspapiere von der englischen Kolonialregierung. Kiliaen Van Rensselaer erhielt sogar von der damaligen Queen Anne ein Sonderpatent, um seinen Status als Patroon zu erhalten. Zudem heirateten die Van Rensselaers im 18. und 19. Jahrhundert in die Familien Livingston, Winthrop und Carroll, die drei der mächtigsten britischen Kolonialfamilien in Nordamerika waren. Die Familien Livingston und Carroll gehörten zu den Gründervätern der USA. Die Livingstons sind bis heute politisch aktiv (Bob Livingston ist mit Donald Trump verbunden und die beiden US-Präsidenten aus der Bush Familie sind Nachkommen der Livingstons). Die Winthrops waren spätestens bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch Teil der US-Elite und hatten Kontakt zu den Familien Van Rensselaer, Livingston und Carroll (Quelle). Das deutet darauf hin, dass sie seit 300 Jahren durchgehend Kontakt zueinander hatten.
Die Van Rensselaers heirateten im 18. und 19. Jahrhundert in die Kolonialfamilien Bayard und de Peyster. Die beiden hugenottischen Einwandererfamilien gehörten zu den mächtigsten Familien der Kolonien. Die beiden Familien hatten bis spätestens ins 20. Jahrhundert Kontakt zu den Van Rensselaers (Quelle).
Ausschnitte der Stammbäume dieser Kolonialfamilien findet man im englischen Wikipedia. Ausführlichere Stammbäume findet man auf Genealogieseiten.
Nicholas Van Rensselaer (1636-1678), der in den Niederlanden aufgewachsen war, traf den britischen König Karl II. aus dem schottischen Stewart Clan.
Die Van Rensselaers bei der Gründung der USA
Die treibende Kraft hinter dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg war der Kontinentalkongress. Dieser bestand aus der Elite der 13 Kolonien der Ostküste Nordamerikas, die sich ab dem Jahr 1774 von Grossbritannien unabhängig machen wollten, worauf der Unabhängigkeitskrieg begann. Die vom Kontinentalkongress gesteuerte Armee gewann mit der Hilfe von Frankreich den Krieg. Mitglieder des Kontinentalkongresses gründeten daraufhin die USA. Die Van Rensselaers waren nicht im Kontinentalkongress vertreten und gehörten auch nicht zu den Gründervätern. Dafür waren die befreundeten und verwandten Kolonialfamilien Livingston, Bayard und Schuyler im Kontinentalkongress vertreten. Drei Livingstons gehörten zu den Gründervätern der USA. Stephen van Rensselaer II. (1742-1769) heiratete eine Tochter des Gründervaters Philip Livingston.
Einer der wohl wichtigsten Gründerväter war Alexander Hamilton. Er gilt als der Gründer des Finanzsystems der USA. Seine Frau kam mütterlicherseits aus der Van Rensselaer Familie und väterlicherseits aus der Schuyler Familie. Die Nachkommen von Alexander Hamilton, die bis spätestens Ende des 20. Jahrhundert noch zur US-Elite gehörten, haben somit Blut der Van Rensselaer Familie in sich.
Henry Bell Van Rensselaer (1810-1864) heiratete eine Enkelin von Rufus King, der zu den Gründervätern gehörte. William King, der Bruder des Gründervaters Rufus King, war der erste Gouverneur des US-Bundesstaates Maine und der erste Grossmeister der Freimaurergrossloge von Maine (Quelle: 1 und 2).
Mehrere Mitglieder der Van Rensselaer Familie nahmen aktiv am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teil, wie der Brigadegeneral Robert Van Rensselaer (1740-1802) und der Oberst Henry Van Rensselaer (1744-1816). Letzterer war Freimaurer (Quelle). Auch die befreundeten Familien Schuyler und Van Cortland besetzten hochrangige Positionen in der Kontinentalarmee, die den Unabhängigkeitskrieg führte.
Die Van Rensselaers im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert gehörten die Van Rensselaers weiterhin zu den führenden Familien des Landes. Der Politiker und Geschäftsmann Stephen Van Rensselaer (1764-1839) galt in den 1830er Jahren als der reichste US-Amerikaner. 2014 veröffentlichte CNN Money eine Liste der reichsten US-Amerikaner aller Zeiten basierend auf dem Verhältnis des Vermögens zum heutigen BIP. Auf dieser besetzte Stephen Van Rensselaer den siebten Platz. Auf einer 2011 veröffentlichten Liste von Business Insider lag Stephen auf Platz zehn. (Quelle)
Stephen Van Rensselaer besass viel Land und war Vermieter von 80 000 Mietern. Dazu muss man beachten, dass es im Jahr 1800 erst 5,3 Millionen Menschen in den USA gab. Bis zu Stephens Tod stieg die Bevölkerungszahl auf 17 Millionen. 1845 wurde das Land der Van Rensselaers aufgrund eines Aufstands der Mieter aufgelöst.
Stephen gehörte zu den ersten Aktionären der 1799 gegründeten Manhattan Company, eine New Yorker Bank. Sie fusionierte 1955 mit der Bank der Rockefeller Familie. Sie gehört zu den Vorläufern der Grossbank JPMorgan Chase, die derzeit die grösste Bank der USA ist.
Stephen war Ehrenmitglied der Society of the Cincinnati. Die Gesellschaft wurde 1783 von den Gründervätern gegründet und besteht bis heute. Neben mehr als 15 US-Präsidenten gehörten Mitglieder der Familien Du Pont, Livingston und Rockefeller zur Gesellschaft sowie auch die niederländischen Kolonialfamilien Vanderbilt, Roosevelt, Van Cortland und Schuyler.
Stephen war in der Politik und war Vizegouverneur von New York, das ursprünglich wie gesagt von den Van Rensselaers mitgegründet wurde. Stephen war Freimaurer. Er war von 1825 bis 1829 Grossmeister der Freimaurergrossloge von New York (Quelle: 1 und 2). Jeremiah Van Rensselaer (1741-1810) war ebenfalls Vizegouverneur von New York und Freimaurer (Quelle). Die Familie brachte im 19. Jahrhundert noch weitere New Yorker Politiker und Freimaurer hervor. Es gibt in den USA mehrere Freimaurerlogen, die nach der Van Rensselaer Familie benannt sind.
Killian Henry Van Rensselaer (1800-1881) war „Sovereign Grand Commander“ (Vorsitzender) des Obersten Rates der Freimaurer in den USA (Quelle). Nur Freimaurer, die den 33. Grad erreichen (der höchste Grad), können dem Obersten Rat beitreten. Inzwischen besitzen viele Länder einen Obersten Rat, der die Freimaurerei im jeweiligen Land führt. Die USA besitzen zwei Oberste Räte. Killian Henry Van Rensselaer leitete den Obersten Rat der Northern Jurisdiction. Dieser führt die Freimaurerei in den US-Bundestaaten Ohio, Michigan, Indiana, Illinois, Wisconsin sowie Pennsylvania und alle Staaten östlich davon, darunter auch New York. Die Freimaurerei in den restlichen Bundesstaaten untersteht dem Obersten Rat der Southern Jurisdiction.
Die Van Rensselaers gehörten zu den Four Hundred, die Ende des 19. Jahrhunderts die New Yorker Elite ausmachten. Die Gesellschaft wurde von der Astor Familie geleitet, die oft der Gastgeber war. Zu den 400 gehörten auch die bereits erwähnten Kolonialfamilien Vanderbilt, Livingston, Winthrop, Schuyler, Bayard, de Peyster, Carroll und weitere Nachkommen von Kolonialfamilien.
Alexander Van Rensselaer (1850-1933) heiratete 1898 in die Drexel Familie, die damals ein enger Geschäftspartner der Bankiersfamilie Morgan war. Morgan und Drexel waren damals zwei der mächtigsten Bankiersfamilien der USA.
Harriet Van Rensselaer (1838-1911) heiratete den Militäroffizier John Schuyler Crosby, der mütterlicherseits aus der Kolonialfamilie Schuyler kam. Sein Vorfahre William Floyd gehörte zu den Gründervätern der USA. Harriets Sohn Stephen Van Rensselaer Crosby (1868-1959) heiratete Henrietta Grew, die mit der Bankiersfamilie Morgan verschwägert war.
Kiliaen Van Rensselaer (1845-1905) heiratete Olivia Phelps Atterbury. Sie war eine Enkelin von Anson Green Phelps. Der Geschäftsmann stammte von englischen Kolonialfamilien ab, die in Nordamerika die Kolonie Connecticut gründeten. Anson gründete 1834 die Handelsfirma Phelps Dodge, die zunächst mit Kupfer handelte und sich dann zu einem führenden Bergbauunternehmen mit eigenen Kupferminen entwickelte. 2007 wurde Phelps Dodge vom Bergbaukonzern Freeport-McMoRan übernommen, der derzeit einer der grössten Kupferproduzenten der Welt ist.
Cornelia Van Rensselaer (1836-1864) heiratete einen Sohn des schottisch-amerikanischen Bankiers David Sproat Kennedy (1791-1853). Er stammte vermutlich aus den schottischen Clans Kennedy und Lenox. Er war Präsident der Saint Andrew’s Society of the State of New York und war somit mit den schottischen Clans verbunden.
Die Van Rensselaers im 20. Jahrhundert
Die Van Rensselaer Familie schloss sich dem 1911 gegründeten Order of colonial Lords of Manors in America an. Der Orden besteht bis heute. Nur Nachfahren von bedeutenden Kolonialfamilien können beitreten. (Quelle)
Charles Augustus Van Rensselaer (1867-1950) und William Stephen Van Rensselaer (1886-1930) waren Mitglied der 1902 gegründeten Pilgrims Society (Quelle: Seite 11/14). Das Elitennetzwerk bezeichnet sich selbst als die älteste und angesehenste angloamerikanische Organisation auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Gesellschaft wird von der britischen Königsfamilie geführt. William Stephen Van Rensselaer arbeitete in der US-Botschaft in Lissabon und Rom. Die Mutter von Charles Augustus Van Rensselaer kam aus der deutschen Einwandererfamilie Heckscher. Marcus Abraham Heckscher gründete 1797 zusammen mit Salomon Heine die deutsche Bank Heckscher & Co.. Die beiden gehörten zu den reichsten Bankiers der deutschen Stadt Hamburg. Einige Mitglieder der Heckscher Familie emigrierten in die USA, darunter auch August Heckscher (1848-1941), der dort ein Vermögen in der Zinkindustrie machte. Seine Tochter heiratete in den britischen Adel.
Cornelia Van Rensselaer Thayer (1881-1960) heiratete den dänischen Graf Carl Moltke. Er war dänischer Aussenminister. Cornelias Enkelin Alexandra Moltke (*1945) heiratete Philip Henry Isles II.. Philips Grossmutter kam aus Lehman Familie, die im 20. Jahrhundert eine der mächtigsten Bankiersfamilien der USA war.
Ein Edwin Van Rensselaer Milbury heiratete 1979 in die Mellon Familie. Es ist allerdings unklar, ob er mit den Van Rensselaers verwandt ist. Die Mellon Familie gehört schon seit über 100 Jahren zu den reichsten Familien der USA.
Die Van Rensselaer Familie war auch nach dem Jahr 2000 in der Society of the Cincinnati vertreten (Quelle).
Anmerkung: Ich geh aktiv gegen Urheberrechtsverletzungen vor.