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US-BANKEN.
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Die US-Banken haben früher auf die Marktturbulenzen reagiert. Sie redu zierten ihr Personal in Europa und bremsten die Expansion ins Ausland. Doch inzwischen haben die Geschäfte in Europa eine grosse Bedeutung und so gute Zukunftschancen erlangt, dass die US-Banken zur Beseitigung der Subprime-Sturmschäden auf Europa angewiesen sind.
Die Kreditkrise hat die Wall Street schwer getroffen. Bear Stearns, Goldman Sachs, Lehman Brothers und Morgan Stanley erlitten bei ihren Geschäften mit Festverzinslichen im 3. Quartal 2007 milliardenschwere Einbussen. Die Verluste wirkten sich auf die Gesamtergebnisse der Banken aus, Goldman Sachs ist die einzige Bank, die ein Gewinnwachstum vermelden konnte.
Die besten Leute nach Europa
Trotz der Verluste haben sich die US-Banken mittlerweile in einem Mass an die Auslandsgeschäfte gebunden, was vor kurzem noch unvorstellbar gewesen wäre, indem sie ihre besten Leute nach Europa, Asien, Afrika und in den Nahen Osten versetzten.Im vergangenen Jahr beliefen sich die Gewinne der Investmentbanken – einschliesslich der amerikanischen – aus Krediten, Aktiengeschäften und dem Provisionsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen in Europa auf 28 Mrd Dollar. Das ist mehr als das Doppelte im Vergleich zu 2004 (13 Mrd Dollar). Nach Angaben des Datenanbieters Dealogic waren vor allem in Europa Rekorderlöse zu verzeichnen. Angesichts der Underperformance in den USA steht Europa gut da. Die europäische Wirtschaft wächst schneller als die amerikanische, und die ausserhalb der USA erzielten Erlöse der Wall-Street-Firmen treiben ihre Gewinne. Die Dollar-Schwäche verleiht den in Euro gebuchten Erlösen ein zusätzliches Gewicht in den US-Bilanzen.
Das Potenzial ist riesig
Auch das Potenzial für Gebühreneinnahmen steigt in Europa rascher. Im Jahr 2004 wurden hier 13 Mrd Dollar verzeichnet, in den USA 20 Mrd. In den ersten neun Monaten dieses Jahres lagen nach Angaben von Dealogic die Gebühreneinnahmen in den USA bei 27 Mrd (plus 35%) und in Europa bei 24 Mrd (plus 85%).John Mack, Vorstand und CEO von Morgan Stanley, schickte diesen Sommer den Starbanker Leutnant Walid Chammah aus New York nach London, damit er dort die Leitung der ausseramerikanischen Geschäfte übernimmt. Gleichzeitig verlegte Morgan Stanley das globale Management für M&A und Investmentbanking unter der Leitung von Gavin MacDonald an die Londoner Canary Wharf.«Morgan Stanley ist in Europa schon sehr lange vertreten, aber diese Veränderung, die Leitung des globalen Investment Banking von London aus, ist bemerkenswert», sagte ein Mitarbeiter der Bank. Schon vor einiger Zeit verlagerte Lehman Brothers, das Bond-Haus an der Wall Street, nicht nur die Leitung ihres Geschäfts mit Festverzinslichen nach Grossbritannien, sondern betraute auch den Briten Roger Nagioff mit dessen Leitung.
Europa gleich Wall Street
Das europäische Investment Banking-Geschäft von Morgan Stanley brachte im vergangenen Jahr genauso viel ein wie das in Nordamerika, während einige der Konkurrenten über 1 Mrd Euro aus europäischen M&A, Kredit- und Aktiengeschäften erzielten. Merrill Lynchs europäischer Rekorderlös übertraf die Zielmarke des vergangenen Jahres und ebenso die für dieses Jahr erhofften Ziele.Die Bank ist einziger Berater und Underwriter in dem Konsortium unter der Führung der Royal Bank of Scotland, das 100 Mrd für die holländische Bank ABN Amro geboten hat. Ein Erfolg bei der Übernahme könnte 300 Mio Euro Gebühren einbringen und damit Verluste im Geschäft mit gehebelten Krediten ausgleichenAm deutlichsten waren die Auswirkungen der Subprime-Krise auf das Investment Banking bei fremdfinanzierten Anleihen zu sehen, den billigen Krediten, die Banken den Private-Equity-Firmen gegeben haben, damit diese grössere Übernahmen schultern konnten. Banker schätzen, dass das Austrocknen stark gehebelter Firmenübernahmen die Budgets, die ehrgeizige M&A-Abteilungen aufgestellt haben, bis zum Jahresende um ein Fünftel nach unten ziehen könnten.«Finanzinvestoren bringen einer Investmentbank im Jahr bis zu 500 Mio Dollar an Gebühren», sagte ein in London arbeitender Mitarbeiter einer US-Bank. «Sie könnten auf 200 Mio zurück-gehen, sodass Banken anders-wo nach Wachstum suchen müssen.»
Russland besonders attraktiv
Banker rechnen mit diesem Wachstum vor allem in Afrika, dem Nahen Osten und Europa, besonders in Russland, der Türkei und den Schwellenländern Europas, wo sie bereits Millionen für Talentsuche, erste Beteiligungen oder Firmenkäufe investiert haben.Aber auch die europäischen Banken werden in diesen Regionen stärker. In der vergangenen Woche bestellte UBS Simon Warshaw und Hermann Prelle zu Leitern des Investment Banking in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, nachdem dieser Posten 15 Monate lang unbesetzt war. Warshaw sagte: «Wachstum, Momentum und Komplexität unseres Europa-Geschäfts lassen es sinnvoll erscheinen, sich mit vollem Einsatz auf die Führung» im europäischen, afrikanischen und Nahost-Geschäft einzulassen.
Präsenz wird ausgebaut
Morven Jones, CEO bei Lehman Brothers’ europäischer Investment-Banking-Abteilung, die ihre europäische Präsenz in den vergangenen fünf Jahren ausgebaut hat, glaubt: «In Europa und dem Nahen Osten ist mit Gebühren noch viel Geld zu machen und wir richten unser Geschäft danach aus.»Wie viele Konkurrenten hat auch Lehman Brothers in der Türkei eine Niederlassung gegründet, ist nach Russland zurückgekehrt und hat in den vergangenen 18 Monaten auch in den Nahen Osten expandiert – alles mit dem Ziel, dort langfristig tätig zu sein. Im September bekräftigte auch Bear Stearns, eines der Opfer der US-Subprime-Krise, sein Vorhaben, das Europa-Geschäft auszubauen. Ungeachtet der Probleme wolle man in Europa expandieren und Personal einstellen, sagte CFO Sam Molinaro.«Europa, der Nahe Osten und Afrika zeigen sich ziemlich krisenresistent, und die Region ist zentraler Bestandteil unserer Strategie», berichtet Hermann Prelle von UBS. «Russland wächst weiterhin, und im Nahen Osten entsteht ständig mehr Liquidität. Wir rechnen mit einer Restrukturierung des Finanzdienstleistungssektors, und der wird Wachstum bringen», fügte er hinzu.