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Was ist überhaupt politische Kommunikation?
Eine Sprache gelte immer dann als politisch, wenn sie von widerstreitenden Kräften öffentlich «für Machtkämpfe oder politische Zwecke benutzt wird.» Aber Achtung:
Politische Sprache ist nicht gleich die Sprache der Politiker!
Auch Führungskräfte aus der Wirtschaft, die beispielsweise ihr Handeln erklären müssen oder Intellektuelle wie Schriftsteller, die Ideologien aufdecken, benutzen laut Scholten eine politische Sprache.
Warum klingt politische Sprache immer derart kompliziert?
«Politiker haben es nicht leicht», weiss Scholten. Die erste Aufgabe eines Politiker sei es, die komplexe Materie selbst zu verstehen und Politik herzustellen.
Man denke allein an die Finanzplatzregulierung. Da kommt wirklich kaum jemand mehr draus...
In einem zweiten Schritt müssen diese Themen schliesslich einfach und verständlich an die Öffentlichkeit getragen werden: «Einige Politiker sind also besser in der Politikherstellung - und andere eben in der Politikdarstellung», meint Scholten weiter.
Die Politik per se ist also bereits zu komplex?
«Man muss sich das wie ein Informations-Dreieck vorstellen: Unten steht der harte und faktenbasierte Inhalt mit den jeweiligen Positionen und Argumenten. Im Anschluss geht es darum, alles mit einfachen und klaren Worten zu erklären. In der Spitze des Dreiecks sollte dann bestenfalls eine einfache Kernaussage entstehen.»
Durch meine praktische Erfahrung weiss ich, dass der Übersetzungsprozess in eine einfache Sprache wirklich harte Knochenarbeit ist.
Je komplexer die Sprache, desto kompetenter wirkt der Politiker?
Das dürfe kein Ziel der Politiker sein: «Sobald Politiker sorglos mit Begriffen umgehen, besteht die Gefahr, dass sie unverstanden oder sogar missverstanden bleiben. Je einfacher und klarer die Positionen und Argumente also auf den Punkt gebracht werden, desto besser der Eindruck.»
Man könnte das Volk aber auch absichtlich in die Irre führen wollen...
«Dem würde ich widersprechen», meint Scholten. «Politiker müssen wiedergewählt werden und überzeugen. Politik überzeugt immer nur mit Sprache, sie hat kein anderes Mittel. Politik ist Kommunikation.»
Gibt es Parteien, die einfacher als andere kommunizieren?
«Eigentlich klingen die Wahlkampfslogans und die Sprache aller Parteien ziemlich einfach», findet Scholten und nennt einige Vergleiche:
- FDP: Freiheit, Gemeinsinn und Fortschritt. Aus Liebe zur Schweiz.
- SP: Für alle, statt für wenige.
- Die Grünen: Einfach besser Leben.
- SVP: Einfach frei bleiben.
Der SVP gelingt es aber sehr gut, komplizierte Themen zu emotionalisieren und sich damit einen Aufmerksamkeitsvorsprung zu verschaffen.
Apropos: Wie geht man mit einem emotionalem Thema innerhalb der Sprache um? Zum Beispiel Abtreibung?
«Das ist relativ einfach, weil sich diese Themen sozusagen von selbst vermitteln. Viel schwieriger ist es, trockene Themen emotional zu vermitteln. Genau da fängt das Handwerk der politischen Sprachjongleure an.»
Politiker sind zwar kaum auf Social Media aktiv. Aber wenn - ändert sich dann hier ihre Sprache?
«Wenn ein Politiker aktiv twittert, dann hat er eben nicht so viele Zeichen zur Verfügung. Dann entscheidet natürlich das Medium über die Länge.» Aber:
Dass Politiker kaum auf Social Media aktiv sind, zeigt bestens, dass sie sich nicht wirklich gewohnt sind, sich kurz zu fassen...
Wie werden Politiker denn punkto Sprache geschult?
«Vermutlich ist das ein Prozess, der automatisch geschieht. Aber die Politiker gehen selbstverständlich auch in Auftrittstrainings und lernen hier unter anderem, dass man bestenfalls mit drei Botschaften kutschiert, um den Zuhörer nicht zu überfordern und schnell auf den Punkt zu kommen.»
Ihr Fazit?
«Politik sollte sich mit Sprache beschäftigen. Der Kampf um Aufmerksamkeit findet in der Medienarena statt - und hier bleibt wenig Zeit, seine Position zu markieren...»