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Unsere Nahrungsmittelversorgungskette ist für 1/3 der weltweit verursachten Treibhausgase verantwortlich. Kein Fortschritt im Transportsektor und keine Energierevolution kann den Klimawandel so effizient verlangsamen wie eine intelligente Lebensmittelwahl. Die wirkungsvollsten Antworten auf das Pariser Klimaabkommen verstecken sich in unseren Kühlschränken; sie sind also weder in unseren Garagen noch in unseren Heizungssystemen zu finden.
Von Manuel Klarmann, CEO Eaternity
Würden alle Schweizer und Schweizerinnen dreimal pro Woche klimafreundlich essen, käme die erzielte Klimawirkung dem Wegfall von 580 000 Autos gleich. Momentan verursacht das Essensverhalten pro Schweizer und Schweizerinnen jährlich rund drei Tonnen CO2, was das Zürcher Hallenstadion etwa 25 000-mal füllen würde. Würde man aus diesen Stadien eine Brücke bauen, würde diese von Zürich bis Chicago reichen; und dies jedes Jahr von Neuem. Mit überlegten, saisonalen und regionalen Lebensmittelentscheidungen können wir diese Emissionen um mehr als 50% verringern. Veränderungen im Lebensmittelkonsumverhalten ist der effizienteste Weg, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und den vom Pariser Klimaabkommen festgelegten Grenzwert eines maximalen Temperaturanstieges von 2 Grad einzuhalten.
Die Landwirtschaft steht momentan vor Herausforderungen, die eng mit dem Klimawandel verflochten sind. Es wird davon ausgegangen, dass die Erträge aus Grundnahrungsmitteln um 20% zurückgehen werden. Entwaldung, Biodiversitätsverlust, Bodendegradation und der Verbrauch von sich verknappendem Wasser tragen trotz kurzfristigen Gewinnen dazu bei, dass die Kapazität der Erde, uns mit Lebensmitteln zu versorgen, abnimmt. Und dies während die Nahrungsmittelnachfrage ständig ansteigt. Weiter wird davon ausgegangen, dass die Weltbevölkerung in den nächsten 30 Jahren um 20% zunehmen wird. Wenn man bedenkt, dass bereits heute 40% der Landflächen von der Landwirtschaft in Anspruch genommen werden, bedeutet dies eine Krise für unsere Lebensmittelversorgung. Die gute Nachricht ist, dass der Übergang zu einem nachhaltigeren Versorgungssystem einfach ist und mit der Gesundheit Hand in Hand geht. Heutzutage sind starkes Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes für 70% aller Todesfälle in Europa verantwortlich. Würden wir uns an die Gesundheitsempfehlungen halten, könnten wir die unzähligen, durch die Lebensmittel-Überversorgung verursachten Krankheiten vermeiden und gleichzeitig die negativen Auswirkungen auf das Klima um 35% verringern. Mit dem Trend unserer modernen Gesellschaft, immer häufiger auswärts zu essen, kommt der Gastronomie bei der Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Volksgesundheit eine Schlüsselrolle zu.
So stehen Köchen und Köchinnen clevere Tools zur Verfügung, mit welchen sie negative Umweltauswirkungen ihrer Restaurants aufspüren, reduzieren und ebenso Krankheitsrisiken vermindern können. Einer der Vorreiter hier ist die Delegate Technology GmbH, welche mit ihrem Warenwirtschaftssystem genau dies bereits ermöglicht. Grosse Cateringunternehmen und Kantinenbetreiber wie die Compass Group (Schweiz) AG und die Apleona HSG Culinaress haben sich bereits angeschlossen indem sie sich der Herausforderung stellen, lebensmittelbezogene CO2-Emissionen zu reduzieren und zu einer gesünderen Gesellschaft beizutragen.
Gemeinsam tragen wir die Verantwortung für die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen. Dies bedeutet, dass unsere Handlungen nicht willkürlich sein dürfen, sondern sich auf Facts stützen müssen. Und die Facts weisen darauf hin, dass die individuellen Entscheidungen die Eckpfeiler einer globalen Lösung darstellen. Wenn wir, die Gemeinschaft aller Erdbewohner und Erdbewohnerinnen, weiterhin Produkte konsumieren, welche die Kapazität unseres Planeten übersteigen, wird das Ausmass der Zwangsumsiedlungen und Zerstörung schlimmer sein als dasjenige aller bisherigen Kriege der Menschheitsgeschichte zusammen. Handeln wir heute.
Eaternitys Fokus liegt auf dem Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und Klimawandel. Zusätzlich schafft Eaternity Transparenz über die Umweltwirkungen von zwei Bereichen, die am häufigsten mit nachhaltiger Ernährung in Verbindung gebracht werden: biologische Produktion und gesunde Ernährung.
Es ist besonders schwierig, über die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung in Hinsicht auf den Klimawandel zu reden, da 20 bis 30 Jahre zwischen Ursache und Wirkung liegen. Sobald der Schaden offensichtlich wird, ist es zu spät zum Handeln. Es ist eine Herausforderung, tiefgreifende Veränderungen zu verlangen, wenn der Änderungsbedarf noch nicht akut spürbar ist.
Wir müssen uns dabei allein auf wissenschaftliche Vorhersagen stützen. Die Wissenschaft ist jedoch komplex, und es ist nicht einfach, Leute mit Komplexität zu überzeugen. Dennoch kann die Lösung eines komplexen Problems manchmal sehr einfach sein: So einfach wie das Umsetzen eines Leitfadens.
Ziel unserer Arbeit bei Eaternity ist es, die Daten und Tools für gemeinsame Klimahandlungen zur Verfügung zu stellen. Wir setzen uns für Lösungen ein, die für alle Konsumenten und Konsumentinnen sowohl zugänglich als auch attraktiv sind.
Unsere Erkenntnisse zeigen uns, dass für die nachhaltige Entwicklung des Ernährungssystems noch einige Schlüsselaspekte fehlen. Es ergibt sich noch kein vollständiges Bild. So verpassen wir die Möglichkeiten, uns an die Konsumenten zu wenden, welche Entscheidungen in dem Sinne treffen können und wollen, die Klimaerwärmung – im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen – unter 2 °C zu halten. Unser Kernanliegen sollte es sein, diese dabei zu unterstützen, ihre Schlüsselrolle in Bezug auf den Klimawandel und die Volksgesundheit aufzunehmen, und verantwortungsvoll auszuüben.