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Ausser schwarz war die WOZ in ihren ersten Jahren rot, dann wurde sie gelb, was sie bis heute geblieben ist. Ein einziges Mal aber war sie blau: «Treues WoZ-Publikum! Dies hier ist die WoZ oder genauer; ihre Sonderbeilage zur Presselandschaft Schweiz», hiess es im Editorial der WOZ Nr. 10/02 unter dem Zeitungskopf, der den Schriftzug der «Weltwoche» täuschend echt imitierte - eben im obligaten Blau. Ebenfalls auf der Titelseite hiess es: «Sehr geehrte, leider unbekannte InvestorInnen der Jean Frey AG. Verzeihen Sie, wenn wir (die Crew der ‹WochenZeitung›) uns per offenen Brief an Sie (die zehn bis zwanzig Parteien, die den Jean-Frey-Verlag gekauft haben) wenden. Aber aussergewöhnliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Massnahmen.»
Der ausführliche, gut dokumentierte und sauber formulierte Brief lief auf folgendes hinaus: Die WOZ erklärte sich bereit, die «Weltwoche» zu übernehmen und auf die Erfolgsstrasse zurückzuführen. Gegen bescheidene 50 Millionen Franken - für die WOZ natürlich.
Was war los? Die «Weltwoche», die damals noch im Zeitungsformat erschien, ist seit eh und je das Prestigeobjekt des Jean-Frey-Verlags, dem ausserdem Titel wie «Beobachter» und «Bilanz» gehören. Die Jean Frey AG wiederum gehörte nach dem Rückzug der Gründerfamilie in den achtziger Jahren wechselnd verschiedenen Herren, die mit ihr nicht glücklich wurden: dem späteren Rekordbankrotteur Werner K. Rey, dem Lebensmittelhändler Beat Curti, der Basler Mediengruppe («Basler Zeitung»). Nun erfolgte im Vorfrühling 2002 die Übernahme durch die ominöse Investorengruppe.
Die «Weltwoche», die sich politisch schon in den Jahren zuvor schleichend Richtung rechts bewegt hatte, stand seit Herbst 2001 unter der Leitung von Chefredaktor Roger Köppel, der ihr unzimperlich innert kurzer Zeit ein klar konservatives Profil verpasste.
Die WOZ bot nun in ihrer pfiffigen Aktion selbstlos nicht mehr und nicht weniger an, als der in ihren ersten Jahrzehnten so grossartigen «Weltwoche» zu neuem Glanz - und finanzieller Stabilität zu verhelfen. Schliesslich hatte das Blatt während Jahren Verluste in zweistelliger Millionenhöhe produziert - und war es nicht die WOZ, die wusste, wie man drohende Pleiten abwendet? Das WOZ-Angebot war versehen mit einem «Risikoinvestmentplan» mit Talon, in welchem WOZ-LeserInnen sich zum Beispiel als «Venture-Capital-High-Risk-InvestorIn» mit einem Einsatz von 1000 Franken beteiligen konnten, wofür sie vier Jahre lang die WOZ zugut hatten und auf einer Wunschliste fünf «Weltwoche»-MitarbeiterInnen angeben konnten, die sie bei der WOZ arbeiten sehen wollten.
Die Aktion fand bei WOZ-LeserInnen und in Medienkreisen grossen Anklang. Nur die angesprochenen InvestorInnen konnten sich nicht durchringen, die Offerte anzunehmen. Wie sich Ende März zeigte, hatte und hat der Financier Tito Tettamanti die Federführung unter den neuen Besitzern; zu den weiteren Aktionären zählen Leute wie der SVP-Nationalrat Hans Kaufmann, der St. Galler FDP-Nationalrat Peter Weigelt und der Berner Medienmagnat Charles von Graffenried. Verlags-CEO wurde FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, notabene einst Geburtshelfer der WOZ.
Das vollständige Angebot an die Investorengruppe finden Sie hier: WOZ übernimmt Weltwoche.