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Von 1990 bis 2020 haben die Stimmberechtigten von
Büron 81,3 Prozent der insgesamt 283 eidgenössischen Vorlagen wie die Mehrheit in der Schweiz beurteilt. Damit liegen sie unter dem Durchschnitt aller ländlichen Gemeinden. Die jeweiligen Empfehlungen des Bundesrats trug Büron ebenfalls weniger mit als die durchschnittliche Schweizer Gemeinde.
In diesen rund dreissig Jahren folgte Büron am häufigsten den Aufrufen der SVP. Trotzdem sass erst einmal ein Vertreter dieser Partei im Gemeinderat (2008 – 2012).
Seither hat sich in der Exekutive die Politformel 2+2+1
etabliert: zwei Vertretende der Mitte-Partei (CVP), zwei
der FDP und ein Parteiloser.
Seit den kantonalen Anfängen 1831 bis Ende des
20. Jahrhunderts hatten die Liberalen (heute FDP) die Lokalpolitik Bürons dominiert: Den Dreier-Gemeinderat bis in die 1940er-Jahre über hundert Jahre lang, danach im Fünfer-Gremium jeweils über das Präsidium und die Gemeinderäte. Von 1919 bis 1983 konnten die Konservativen (ab 1972 als CVP) den Gemeindeamman (Finanzen und Immobilien) stellen. Ende der 1980er- Jahre, einhergehend mit dem Einwohnerzuwachs, der Frauenmitbestimmung sowie den gewandelten Wirtschafts- und Arbeitsverhältnissen, lockerte sich diese liberale Vorherrschaft.
Ab 1827 betrieb Jakob Robert Steiger (1801 – 1862) einige Jahre eine Arztpraxis in Büron. Steiger war ein Liberaler, der Leute mitreissen konnte. So nahmen mit ihm 1844 und 1845 die jungen Büroner und viele der Gemeindeelite an den Freischarenzügen gegen die Stadt Luzern teil. Wie der ebenso glühende Josef Sigmund Bühler (1804 – 1863), die zweite Politgrösse aus Büron (beide einst zum Tode verurteilt), sass Steiger früh im Regierungsrat des Kantons Luzern und im Nationalrat. 1848 war er der zweite Nationalratspräsident im Bundesstaat. >> Information zu Bühler: Standort 1.
>> Information zu Bühler: Standort 1
Im Surental war einzig Triengen politisch gleichgesinnt
wie Büron. Wie grosse Teile des Kantons Luzern waren
Geuensee und Sursee konservativ. Bis in die 1990er-
Jahre bestimmten auf dem Land die Konservativen (Roten) das Geschehen. Die Liberalen (Schwarzen) regierten in gewerblich-industriellen Dörfern und in der Stadt Luzern. Neben diesen patronal politisierenden Volksparteien gediehen weder Sozialdemokraten noch Gewerkschaften.
Als jüngste politische Zäsur gilt in Büron das Jahr 2012,
als der komplette Gemeinderat ergänzt werden musste.
Ein turbulentes Jahrzehnt, das von Ende der 1990er bis Ende der 2000er-Jahre einen Umbruch ankündigte,
war diesem politischen Erdbeben voran- gegangen. Das Amt des Gemeindeammanns wurde abgeschafft. Erstmals wurden mehrere nicht alteingesessene Büroner
gewählt und so die etablierten Machtverhältnisse verändert. Nun führte ein CVP-Politiker die Gemeinde als Präsident, seit 2020 präsidiert die Gemeinde erstmals
eine Frau (Mitte-Partei).
Die vielen Neuzuzüger der letzten dreissig Jahre aus dem In- und Ausland haben die dörflichen Gesellschaftsstrukturen
verändert und bringen neue Impulse nach Büron. Nahezu ein Drittel der Dorfbevölkerung Bürons ist heute ausländischer Herkunft. Die Hälfte stammt aus Ländern der EU, die andere aus dem Balkan, Osteuropa oder anderen Kontinenten. Viele von ihnen leben schon lange in der Gemeinde und haben sich ins Dorfleben integriert.
Panoramafotografie, Fotograf Marco Bucher, Juli 2021.
Abb.1: Zentralbibliothek Zürich, Lithograph Ludwig Wegner, gedruckt bei Orell Füssli in Zürich, um 1845.
Abb.2: Archiv Gemeinde Büron, vor 1914.
Abb.3: Archiv Gemeinde Büron, 1930.
Abb.4: Schule Büron, 3. und 4. Klasse mit Lehrerin Lea Dubach, 2021.