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Adelige Hitparaden-Stürmerin
Oh, Prinzessin Stéphanie von Monaco! Wo singst du heute?
Ob als Prinzessin, Model oder Sängerin: Die junge Stéphanie von Monaco gibt wenig auf die Regeln der Aristokratie. Sie ist eine Rebellin. Vor 30 Jahren erscheint ihre letzte Single – ein Duett mit Michael Jackson.
Gemeinhin bekannt ist: Ein Mensch muss nicht unbedingt gut singen können, um es in die Hitparade zu schaffen.
In der Diskografie von Stéphanie von Monaco fällt noch etwas anderes auf: Gemeinsam mit Michael Jackson nimmt die Prinzessin den Song «In The Closet» auf, also mit dem 2009 verstorbenen King of Pop, und schafft es damit vor 30 Jahren, also im Mai 1992, in mehreren Ländern in die Charts – auch in der Schweiz.
Doch diese Geschichte beginnt eigentlich schon früher. Denn es gibt über das beschauliche Fürstentum am Mittelmeer und sein blaublütiges Personal einiges zu erzählen.
«Sie ist das Schönste, Interessanteste, Aufregendste»
1985 glaubt die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit», Prinzessin Stèphanie von Monaco könne zur grossen royalen Retterin werden: «Nur Stéphanie kann die schleichende Abdankung des europäischen Hochadels aufhalten und so Dutzende von Arbeitsplätzen in der Druckindustrie retten.»
Und weiter: «Sie ist das Schönste, Interessanteste, Aufregendste, was die Monarchien während der letzten Jahrzehnte in die Welt gesetzt haben. Sie hat eine grosse Karriere als umjubelte Skandalprinzessin vor sich. Dagegen kann sie nichts machen. Und bei ein wenig Anstrengung wird sie zur Hoheit Nr. 1 aufsteigen: Mit ein, zwei Kindern zieht sie mühelos an Prinzessin Diana vorbei.»
20 Jahre vorher ist Stéphanie als drittes Kind von Fürst Rainier III. und dessen Ehefrau Fürstin Gracia Patricia, ehemals Hollywoodstar Grace Kelly, geboren worden.
Bei ihrer Geburt steht sie in der Thronfolge hinter ihrem älteren Bruder Fürst Albert und ihrer älteren Schwester Prinzessin Caroline an dritter Stelle.
Schicksalsschlag beendet die Jugend der Prinzessin
Als Tochter einer der reichsten Adelsfamilien Europas geniesst Nesthäkchen Stéphanie das Jetset-Leben. Als junge Frau strebt sie eine Karriere als Model an – zum Missfallen ihrer Eltern. Zumindest ist das so in der Regenbogenpresse zu lesen.
Eine Schlagzeile über die junge Adelige aus dem Fürstentum am Mittelmeer jagt die nächste. Die Geschichten sind oft wenig nett: wilde Prinzessin. Strahlend schöne Frau. Pummeliger Backfisch. Prinzessin aus dem Bilderbuch. Rockerlady.
Natürlich wird auch über mögliche Lieblingsmänner berichtet. Und über vermeintlich heimliche Küsse.
1982 beendet ein Schicksalsschlag die bis dahin trotz allem mehr oder weniger unbeschwerte Jugend der Prinzessin: Auf einer Autofahrt nach Monaco kommen ihre Mutter und sie mit dem Auto von der Strasse ab.
Stéphanie überlebt den Unfall schwer verletzt, während Fürstin Gracia Patricia einen Tag später ihren schweren Verletzungen erliegt.
Gerüchte werden laut, nicht die Mutter, sondern die damals 17-jährige Prinzessin habe am Steuer gesessen. In der Folge werden Verschwörungstheorien kolportiert. Die Boulevardmedien fragen scheinheilig: Leidet Stéphanie an einem Verlust-, Schuld- und Verdrängungstrauma?
Karriere im Showbusiness angestrebt
Drei Jahre nach dem Tod ihrer Mutter will Stéphanie von Monaco ihre Karriere im Showbusiness wieder ins Rollen bringen.
Diesmal versucht sie sich als Sängerin: Ihr Album «Besoin» kommt 1986 auf den Markt. Die Debütsingle «Ouragan» (französisch für Hurrikan) wird auch auf Englisch unter dem Titel «Irresistible» veröffentlicht.
In Frankreich ist der Song ein Riesenerfolg und führt fast drei Monate lang die Hitparade an.
Auch in der Schweiz, Deutschland und vielen anderen Ländern auf der Welt rückt das Lied in die Charts weit nach vorne. Was weniger mit den gesanglichen Qualitäten der Prinzessin zu tun hat, als vielmehr mit ihrem royalen Promi-Faktor.
«One Love to Give», die zweite Single-Auskopplung, schafft es mancherorts ebenfalls in die Top Ten. Als Ende der 1980er ihre zweite Tournee floppt, beendet die Prinzessin jedoch ihren Ausflug in die Musikbranche. Zumindest vorübergehend.
Der zweite Versuch und das Duett mit Michael Jackson
1991 veröffentlicht sie mit «Stephanie» ihr zweites Album. Der Erfolg bleibt bescheiden.
Bei ihrer nächsten Single muss die Prinzessin nicht mehr singen. Für manch einen zum Glück. Und damit wären wir endlich bei: Michael Jackson und dem Song «In the Closet».
Im Lied ist eine digital fast zur Unkenntlichkeit bearbeitete weibliche Stimme zu hören, die zunächst als «Mystery Girl» betitelt wird. In der Folge gibt es Spekulationen, wessen Stimme es sein könne, bevor sie Prinzessin Stéphanie zugeordnet wird.
Später behauptet Jacksons Vater in seiner Biografie, sein Sohn und die Prinzessin hätten eine Affäre gehabt. Sie habe allerdings nicht sehr lange gedauert.
Nur die Musik zählt
Ach, die Männer im Leben von Stéphanie, da gäbe es natürlich auch einige Geschichten zu erzählen. An dieser Stelle bleiben wir jedoch bei ihrer Gesangskarriere.
Die schien nach dem Duett mit Jackson definitiv beendet. War sie aber nicht.
2006 gibt es die Stimme der Prinzessin nochmals zu hören – im Aids-Benefiz-Song «L'or de nos vies». Im Stück der französischen Rockgruppe Kyo ist Stéphanies Stimme in einer kurzen Solo-Passage zu hören. Auch im dazugehörigen Videoclip tritt sie einige Sekunden lang auf.
Oh, Prinzessin Stéphanie! Wo singst du heute?
Leider entzieht sich das den Kenntnissen des Schreibenden. Aber wer weiss: Vielleicht singt sie ja jeweils am Nationalfeiertag, er wird in Monaco am 19. November begangen, mit der Familie die Landeshymne. Stéphanie ist schliesslich streng katholisch erzogen worden und weiss, was sich gehört.