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Tonhalle Zürich
Konzertdienst
Vorbereitende Arbeit vor leeren Stühlen. Das Stimmen der Orgel und des Flügels. Ordnung ermöglicht Synergie im Chaos der Frequenzen.
Die Musik verneigt sich vor Ἁρμονία Harmonia,
der griechischen Göttin der Eintracht,
der sie ihre Existenz verdankt.
Unterschiedliche Charaktere verträglich zu vereinen - zusammenzuspannen - das ist die Kernkompetenz Harmonias. Die Abbildung oben links zeigt sie als Lenkerin eines Wagens, welcher von einem Tiger, einem Greif und einem Stier gezogen wird. In analoger Weise stellt sie Konsonanzen und Dissonanzen in den Dienst der Musik. Betrachtet man die natürlichen Gegebenheiten genauer, passen die Intervalle Oktav, Quint, Quart, Terz und Sext alle nicht zueinander. Das pythagoreische Komma zeigt z.B. die Differenz zwischen 12 Quinten und 7 Oktaven auf. Ohne ordnendes Eingreifen wäre ein akustisches Einvernehmen nicht zu erzielen.
Sowohl für Damon von Athen als auch für Platon (* um 428 v. Chr - † um 347 v. Chr.) war die Musik ein wesentliches Element in der ethischen Erziehung des Menschen und das Anliegen hat bis heute nichts an Aktualität eingebüsst. Zweifellos ist die Formung des Charakters auf das gute Beispiel angewiesen, denn mit Wissensvermittlung alleine ist es nicht getan.
Angenommen, die Beobachtung Yehudi Menuhins wäre zutreffend, dass von einer Musikschule üblicherweise keine Kriminellen kämen, so hätte er sich doch zeitgleich die Frage stellen müssen, wie viele Menschen mit krimineller Energie wohl Interesse daran entwickeln, eine Ausbildungsstätte für das aufeinander Hören, für gegenseitige Rücksichtnahme und Empfindsamkeit zu besuchen. Dem familiären und sozialen Umfeld kommt eine besondere Bedeutung zu. Konzerte liefern den Nachweis, dass harmonisches Zusammenwirken unter bestimmten Voraussetzungen funktionieren kann. Gute Beispiele geben der Gesellschaft Orientierung. Das Engagement Yehudi Menuhins, Daniel Barenboims und so vieler anderer für Völkerverständigung und Menschenrechte ist von ausserordentlichem Nutzen.
© Aurelius Belz 2022