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dann auch durch den Inhalt. Vorwiegend wurden sie zur Schilderung geschichtlicher Ereignisse benutzt und fanden deshalb vielfache Verwendung an den Ehren- und Gedenksäulen sowie den Siegesthoren. Meist beschränkte sich die Darstellung auf trockne Wiedergabe der Vorgänge, ohne höhere künstlerische Absichten, wie z. B. die Probe (Fig. 173) von der Markussäule zeigt, die das sogen. «Regenwunder», durch das die Römer im Markomannenkriege aus großer Bedrängnis befreit wurden, darstellt. Die Flachbilder zogen sich in ununterbrochener Folge schraubenförmig aufsteigend an der Außenseite der Säule entlang. Ihr Wert ist wegen der getreuen Wiedergabe der Sitten und Gebräuche der Römer und der feindlichen Völker für die Geschichte bedeutender als für die Kunst.
Eine andere Art des Flachbildes zeigt das Stück (Fig. 174) vom Sockel der Säule des Antoninus Pius. Es stellt die Apotheose - Vergötterung - des Kaiserpaares dar. Links und rechts sitzen sinnbildliche Gestalten: in der Mitte schwebt der Genius der Unsterblichkeit, der auf seinem Rücken das Kaiserpaar emporträgt.
Auch in der römischen Flachbildnerei ging man zuletzt wieder auf griechische Art zurück und zwar vornehmlich in den zahlreichen Sarkophagen, die mit Darstellungen aus der griechischen Sage geschmückt wurden. Die Künstler beschränkten sich jedoch auf rein äußerliche Nachahmungen, das eigene Empfinden und Erfinden war ihnen verloren gegangen, so daß der Kunstwert der meisten dieser Sarkophage gering ist. Der in Fig. 175 abgebildete Sarkophag zeigt eine Darstellung aus der Niobesage.
Tier-Bilder. Zum Schluß der hellenischen Bildnerei gebe ich noch die Abbildungen zweier berühmter Tierdarstellungen, deren Entstehungszeit und Ursprung nicht sicher nachzuweisen ist. Das eine (Fig. 176) ist die sogen. kapitolinische Wölfin. Es ist keine unmittelbare Naturnachbildung, der Körper ist stilisiert, was besonders bei den Haaren des Halses und Rückens deutlich sichtbar ist. Man nimmt jetzt an, daß die Wölfin ein etruskisches Werk, etwa aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., ist. Die beiden Kinder wurden im 16. Jahrhundert durch Guglielmo della Porta hinzugefügt. Das zweite Tierbild stellt eine sogen. Chimäre dar, ist also ein reines Phantasiegebilde. Auch die Chimäre wurde für etruskische Arbeit gehalten, doch ist sie wahrscheinlich die Nachbildung eines griechischen Vorbildes aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. (Fig. 177).
Die Malerei der Griechen. Aeußerst lückenhaft und unsicher sind unsere Kenntnisse von der Malerei der Griechen, die hauptsächlichen und für die Kunstentwicklung entscheidenden «großen» Werke sind vernichtet, und man muß sich fast ausschließlich an die Ueberlieferungen halten, deren Wert sicher zu beurteilen wir auch nicht in der Lage sind. Eines geht jedoch aus den Berichten der alten Schriftsteller hervor: nämlich, daß die Zeitgenossen die Malerei höher schätzten als die Bildnerei.
^[Abb.: Fig. 182. Iphigeneia in Tauris.
Wandgemälde aus Pompeji. (Nach Photographie von Alinari.)] ¶
Wenn man nun auf Grund ihrer Urteile über Bildnereiwerke, die wir wenigstens teilweise prüfen können, den Alten Kunstverständnis zuerkennen muß, so wird man daraus folgern dürfen, daß die Gemälde in der That die begeisterte Wertschätzung verdienten, die ihnen in den erwähnten Berichten zu teil wird. Soweit man aus den erhaltenen Werken eine eigene Anschauung gewinnen kann, widerspricht diese auch keineswegs der Annahme, daß thatsächlich die griechische Malerei großartige Kunstwerke geschaffen habe.
Es sind allerdings fast ausschließlich nur Arbeiten kunstgewerblicher Natur - bemalte Gefäße und Wandmalereien in Gemächern - die wir noch mit eigenen Augen sehen können, gerade diese lassen aber zurückschließen, daß die «höhere Kunst» wirklich voll entwickelt war. Ueber die Anfänge dieser Entwicklung geben die «Gefäße», über das Ende die «Wandmalereien» der römischen Kaiserzeit Aufschluß.
Gefäßmalerei. Ueber die Gefäßmalerei des 8. und 7. Jahrhunderts habe ich bereits früher gesprochen und wäre nur noch zu bemerken, daß Korinth ein Hauptsitz dieser kunstgewerblichen Thätigkeit war. Im 6. Jahrhundert erscheinen dann verschiedene andere Orte als Fabrikstätten, von denen jede eine besondere Gattung hauptsächlich pflegt. Unter diesen tritt dann Athen in den Vordergrund und verdrängt auf dem «Weltmarkt» die anderen, namentlich wird Italien mit attischen Gefäßen versorgt.
Schwarzfiguriger Stil. Im Laufe des 6. Jahrhunderts entwickelte sich auch ein neuer Stil, welchen man als den «schwarzfigurigen» bezeichnet, da die Werke dieser Zeit durch Verwendung schwarzen Firnisses gekennzeichnet sind. Schon in der Formbildung der Gefäße giebt sich ein großer Fortschritt und reiche Erfindungsgabe kund. Schwungvolle Linien und schöne Verhältnisse zeichnen sie aus. Die Hauptsache ist jedoch die Ausbildung der Zeichnung, welche ja die Grundlage der Malerei ist.
Die Verzierungen. Die reinen Verzierungen (Ornamente) sind nicht mehr «geometrischer» Natur, sondern man verwendet jetzt vorwiegend Formen der Pflanzen, welche mit feinem Verständnis umgewandelt - «stilisiert» - werden. Immer mehr treten aber jetzt die figürlichen Darstellungen in den Vordergrund, da man die Gefäße mit Schilderungen von Vorgängen, sowohl des gewöhnlichen Lebens, wie solchen aus den Göttersagen und Dichtungen, schmückt. Letztere werden mit besonderer Vorliebe behandelt, da sie den Verfertigern Gelegenheit geben, ihre Vielseitigkeit zu zeigen.
Fortschritte der Zeichnung. Es ist nicht zu verkennen, daß in der Auffassung und Wiedergabe des menschlichen Körpers die Zeichner den gleichzeitigen Bildhauern überlegen erscheinen. Auch wissen sie lebendige Bewegung gut zum Ausdruck zu bringen. Die Gestalten werden noch durchwegs in Seitenstellung dargestellt, die Frauen von den Männern durch weiße Färbung unterschieden.
Die ganze Herstellungsweise bedingte natürlich die Beschränkung auf einfache Vorwürfe und Stellungen. Die Umrisse der Figuren wurden auf dem rotgelben Thongrunde vorgezeichnet und dann mit dem glänzend schwarzen Firnis ausgefüllt, in diese schwarze Fläche mußten dann mit dem Griffel die weiteren Umrißlinien eingeritzt werden. Einzelne Teile wurden dann noch mit rötlicher oder weißer
^[Abb.: Fig. 183. Mumienbildnis aus el Fayum.] ¶