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Barbera
Herkunft
Über die Herkunft dieser auf der halben Rebfläche des Piemont angebauten roten Erfolgsrebe gibt es viele Versionen. Eine davon lautet, dass sie bereits im 7. Jahrhundert von den Langobarden in den Piemont eingeführt wurde. Bekannt ist sie dort seit dem 13. Jahrhundert, urkundlich wurde sie im Jahre 1799 erwähnt. Jedenfalls stammt sie aus dem Piemont, denn nirgends scheint sie sich wohler zu fühlen als dort. Mitte der 1980er-Jahre kam sie zu unrecht in Verruf, als beim berüchtigten Methanol-Skandal in Italien billige Barbera-Massenweine mit Metylalkohol versetzt wurden und daran 20 Menschen starben.
Verbreitung
Barbera ist eine hochwertige blaue Rebsorte aus dem Piemont. Bereits im 13. Jahrhundert wurde sie im Monferrato angebaut. Heute ist die Barbera in ganz Italien verbreitet und gilt als anpassungsfähig und ertragstark. Nach der Sangiovese und der Montepulciano belegt Barbera den dritten Platz unter den blauen Sorten Italiens. In den drei Regionen Emilia-Romagna, Lombardei und Piemont ist sie die bestimmende Sorte und erbringt sortenreine DOC-Weine: Barbera d´Alba, Barbera d´Asti, Barbera del Monferrato, Colli Piacentini, Franciacorta (DOCG) und Oltrepò Pavese. In vielen anderen Regionen wird sie zumeist als Verschnitt-Partner (oft mit der Bonarda) verwendet, zum Beispiel in den DOC´s Bardolino, Cerveteri, Colli Perugini, Falerno del Massico und Molise, sowie in zahlreichen Tafelweinen in ganz Italien.
Sie wird etwas in Slowenien und in grossem Styl in Argentinien angebaut. Vermutlich ist sie mit der auf Sardinien beheimateten Perricone identisch. Diese wird als Verschnitt-Partner oder auch für sortenreine Landweine names Pignatello eingesetzt. Dort gibt es auch eine Varietät namens Barbera Sarda.
Eigenschaften
Die Barbera ist eine sehr produktive Sorte. Sie will streng erzogen werden. Das heisst, dass der Winzer den Ertrag regulieren muss. Große Überschüsse, speziell in den achziger Jahren, sinkende Qualität und damit verbundene niedrige Preise beschädigten den Ruf dieser Sorte. Mittlerweile hat man sich wieder auf vernünftige Mengen und vor allem auf eine sorgfältige Pflege der Barbera besonnen.
Weintyp
Die aus Barbera gekelterten Weine gelten als kraftvoll, robust, mit ausgeprägten Pflaumen-Aromen, geringem Tannin mit vollem Körper und einer tief-rubinroten Farbe. Ihre kräftige Säure, behalten sie selbst bei Aufwuchs in heißem Klima, wo sie auf bis zu 14% Alkohol kommen. Barbera-Weine sind bereits in ihrer Jugend Trinkreif. Sie können aber auch ohne Probleme einige Jahre gelagert werdern.
Synonyme
Barbera Amaro, Barbera d’Asti, Barbera Dolce, Barbera Fina, Barbera Forte, Barbera Grossa, Barbera Nostrana, Barbera Rissa, Barbera Vera, Barberone, Barbera Riccia, Barbera Mercantile, Besgano, Ughetta, Cosses Barbusen, Gaietto, Barbera a Raspo Rosso, Barbera a Peduncolo Rosso, Barbera a Peduncolo Verde, Barbera a Raspo Verde, Barbera Crna, Barbera Nera, Barbera Rosa, Lombardesca
Bekannt ist auch eine weisse Abart Barbera Bianca.
NZZ Folio 10/94
Önologische Charakterstudien – Der Barbera
Von Andreas Heller
Manchmal braucht es gar wenig zum Glück. Der Schatten eines Baumes, das goldene Licht des Altweibersommers, ein Stück Wurst, Brot, ein Glas Wein, und schon plagen den wahren Geniesser weder Fragen noch Wünsche. Der Wein im Glas? Hauptsache, er ist redlich. Das weitere interessiert so wenig wie die Botanik des Baumes, der den Schatten spendet.
In solchen Momenten der Minne schmeckt fast jeder Wein - und keiner besser als der Barbera. Einfach ist er, rustikal: ein buon vino, wie er die alltägliche Tafel der Weinbauern Piemonts ziert, ein Wein von grundsolidem Charakter.
Die Barbera-Rebe ist gütig und grosszügig. Lässt man sie gewähren, entfaltet sie eine Wuchs- und Ertragskraft, die ihresgleichen sucht. Barbera fliesst in Strömen: Gut die Hälfte der Weinberge um Alba und Asti sind mit Barbera bestockt, und rund 1,5 Millionen Hektoliter werden jährlich produziert, wovon der grösste Teil in Damigane, in 54 Liter fassenden Glasballonen, oder in Zweiliterflaschen auf den Markt gebracht werden. Süffige Landweine mit viel Säure und wenig Gerbstoff sind das, dem Connaisseur eigentlich nicht der Rede wert. Und doch: Gesellt sich ein rechtes Stück Salami dazu, ist das archaische Glück vollkommen.
Wohltuende Anspruchslosigkeit von der Rebe bis zum Glas zeichnet den Barbera aus. Hat der Winzer nur das Wesentliche beachtet – Lage, Ertragsbeschränkung, tadellose malolaktische Gärung –, dann ist das Resultat bereits ein Wein, der Nase und Gaumen schmeichelt. Der Barbera muss nicht wie Cabernet Sauvignon im Barrique, im kleinen Eichenfass, ausgebaut werden. Aber man kann ihn dergestalt veredeln, und dann wird aus ihm gar ein komplexer, ein grosser Wein. Nur: Mit dem herben Bauernwein haben diese modernen Kreationen mit so wohlklingenden Namen wie Bricco dell’Uccellone, Passum oder Pomorosso nicht mehr viel zu tun. Der wahre Barbera ist ein kleiner Wein, seine Zierde die Einfachheit.