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Ein amerikanischer Hedgefonds fühlt sich von der Grossbank wegen einer Immobilienfinanzierung betrogen. Nun prozessiert er.
David Miller legt bei der Credit Suisse eine Bilderbuch-Karriere hin. Der Kreditspezialist wird 2013 zum Chef für Globale Kredite befördert. Er rapportiert direkt Investment-Bank-Leiter Gaël de Boissard. Doch die aggressiven Deals, die Miller Anfang des Jahrtausends einfädelte, belasten die Grossbank bis heute: So verlangt der US-Hedgefonds Highland für ein schiefgelaufenes Kreditgeschäft im Jahr 2004 Schadenersatz wegen Betrugs.
Kein Einzelfall. Laut den Amerikanern schummelte die Credit Suisse in zwölf ähnlichen Fällen. Insgesamt, so schätzt Highland, entstand Investoren ein Schaden von mehr als 2 Milliarden Dollar. Die Credit Suisse verteidigte ihr Vorgehen und erhielt von einem New Yorker Richter Rückenwind: «Beide Parteien wussten, was sie tun – das sind keine Dummköpfe», urteilte Richter Charles Ramos im Sommer.
Neue Beweise eingereicht
Aber Highland lässt nicht locker und klagt auch in Texas. Dort reicht er neue Beweise ein: Interne E-Mails der Credit Suisse, die sich bedenklich lesen. Es geht um ein Finanzierungsprojekt aus dem Jahr 2004 für «Lake Las Vegas», eine elegante Resortanlage an einem künstlichen See in Nevada. Die Credit Suisse schlug den Besitzern, der texanischen Öl-Familie Bass, eine Finanzierung vor: Einen «Dividendenrekapitalisierungskredit» in Höhe von 560 Millionen Dollar.
Wie es der Name andeutet: Es handelt sich um eine komplexe Transaktion mit dem Ziel, den Grossteil der Kreditsumme, 469 Millionen Dollar, als Dividende auszuschütten. Die Kreditraten sollten aus den Einnahmen von «Lake Las Vegas» getilgt werden. Den Kredit reichte die Credit Suisse kurze Zeit später an Highland Capital weiter. «David hat wie immer Kreativität in die Struktur gebracht …», lobte CS-Kollege Grant Little, ein damaliger Managing Director, im November 2004 in einer hausinternen E-Mail, die die «Handelszeitung» eingesehen hat.
Recycling von alten E-Mails
Das Kompliment von damals steht heute in ungünstigerem Licht: Mit Kreativität ist Millers Erfindung des «total net value» gemeint – einer Methode, die den Wert einer Immobilie unter den allerbesten Voraussetzungen beleuchtet. Little lobt Millers Methode: «Wir haben ein besseres, einzigartiges Bewertungsmodell entwickelt, das zu einem wesentlich höheren Wert führte als eingangs erwartet. David drängt jetzt die Real Estate Banker, das bei anderen Immobilienentwicklern anzuwenden.»
Die Credit Suisse sieht im «Recycling von alten E-Mails» eine «Verzweiflungstat» der Gegenseite: «Da ist einfach nichts Neues oder Beachtenswertes daran.» Dennoch steht die «Total net value»-Methode im Zentrum der Betrugsklage. Die CS verdiente an dem Deal 2 bis 3 Prozent Kommission. Highlands Vorwurf: Die Bank dehnte die Kreditsumme mit der unrealistischen Methode so weit wie möglich aus, um mehr zu verdienen.
Die Cash-Maschine stoppen
Laut E-Mails bewertete die Agentur Cushman Wakefield die «Lake Las Vegas»-Anlage im August 2004 zunächst mit 450 Millionen Dollar. Mit Hilfe von Millers «Total net value»-Methode wurde der Wert im Oktober 2004 schliesslich auf 1,1 Milliarden Dollar festgelegt – beinahe das Dreifache der ursprünglichen Schätzung. Miller selbst warnte in einer Mail: «Dies sind aggressive Deals (…), fliegt einer in die Luft (…), wird das unsere Cash-Maschine stoppen.» 2007 wurde seine Befürchtung wahr: «Lake Las Vegas» bekam die ersten Schockwellen der Finanzkrise ab, brach unter der Schuldenlast zusammen und musste sich refinanzieren.