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Gestern haute der SonntagsBlick auf die Pauke. „So dreist ist Guy Lachappelle“, meinte die grosse Zeitung. Und titelte in Fett-Lettern: „Das falsche Spiel des Raiffeisen-Präsidenten“.
Das Boulevard-Medium wirft Lachappelle miese Touren vor. Es geht um ein Treffen vor zwei Wochen von Journalisten mit dem Spitzenbanker.
Zu einem heiklen Thema, das in der gestrigen Story nicht steht, aber inzwischen klar ist. Die vertrauliche Unterredung zwischen Medium und Topmanager drehte sich um Lachappelles Ex-Affäre mit einer Managerin.
Lachappalle hat die Frau an mehreren Fronten belangt und eingeklagt, nachdem diese letzten Sommer ein 50seitiges Buch über sogenannt fragwürdige Leader publizierte.
Obwohl nicht genannt, erkannte sich Lachappelle im Text wider. Der Basler erwirkte darauf mit einer ersten Verfügung von September 2020 ein Publikationsverbot des Buches der Frau. Dieses gilt bis heute.
Der SonntagsBlick hatte davon Wind gekriegt. Er liess Lachappelle nach der Unterredung von vorletzter Woche im Ungewissen über ein Erscheinen einer Story zum Thema.
Für Lachappelle ein No-go. Der Raiffeisen-Kapitän drängte mit seinem Anwalt, der eine Raiffeisenbank präsidiert, auf ein Publikationsverbot; just im Moment, als der SonntagsBlick ihm mitteilte, vorerst nichts zu bringen.
Das aber war Lachappelle zu riskant. Er erhielt, was er wollte: ein superprovisorisches Urteil gegen einen Artikel, der noch gar nicht erschienen war und vielleicht auch nie erscheinen würde.
Superprovisorisch meint in diesem Zusammenhang, dass Lachappelle eine unmittelbare und nicht leicht wieder gutzumachende Gefahr gegen sich geltend machen konnte.
Das zuständige Basler Gericht gab dem Raiffeisen-Mann am 25. Juni auf ganzer Linie recht. Auf dem Spiel stehe eine Verletzung von Guy Lachappelles Persönlichkeit.
Ringier, welche den SonntagsBlick herausgibt, wurde bis auf weiteres untersagt, über den Fall zu schreiben. Die Zeitung darf sich nicht einmal über den superprovisorischen Entscheid auslassen.
Nach einwöchigem Schweigen schiessen die Medienleute nun scharf. Bei Lachappelle frage sich, ob dieser „geeignet ist, einen Grosskonzern wie Raiffeisen mit 11’000 Mitarbeitern zu führen“.
Die Story schlug ein. Alle fragten sich, warum der Big Banker mit 900’000 Franken Jahreseinkommen für einen 70-Prozent-Job derart um sich haut und ein Medium mundtot macht.
Schutz von Familie und eigener Privatsphäre, so Lachappelles Position. Was er privat mache, gehe niemanden etwas an, lautet sein Standpunkt.
Lachappelles Schuss mit Klagen gegen die Frau und jetzt gegen die Zeitung ging gestern nach hinten los. Der SonntagsBlick-Artikel machte schnell die Runde.
Um die Mittagszeit landete er anonym bei mehreren Raiffeisen-Verwaltungsräten und -Managern. Am Abend ging um, dass noch viel mehr Leute eine erste Version der Story erhalten hätten.
Der Versand erfolgte über einen ausländischen Mailserver, der eine Rückverfolgung vermutlich unmöglich macht. In der Nacht auf heute landeten auch noch Emails rund um den SonntagsBlick-Artikel in Basler Kreisen.
Die Affäre ist damit explodiert – genau das, was Guy Lachappelle mit seiner Intervention um jeden Preis verhindern wollte.
Die Raiffeisen stellt sich auf Anfrage hinter ihren Präsidenten. „Der Verwaltungsratspräsident hat den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz über die Vorgänge in einer privaten Angelegenheit informiert“, meinte gestern eine Sprecherin.
„Da es sich um eine Angelegenheit ausserhalb von Raiffeisen Schweiz handelt, äussert sich Raiffeisen Schweiz zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter zu diesem Thema.“
Thomas Rauber, Mitglied im VR der Raiffeisen Schweiz, sagte am Abend am Telefon: „Herr Lachappelle hat mich und weitere schon vor der Story von heute im SonntagsBlick ins Bild gesetzt.“
Die von Lachappelle als reine Privatsache bezeichnete Affäre ist aufgrund des Verhaltens des Bankers zum Thema geworden. Die superprovisorischen Vorstösse gegen die Frau letzten Herbst und jetzt gegen die Zeitung haben zum Eklat geführt.
Der Artikel, den der SonntagsBlick angefertigt hatte, ist ausführlich, mit vielen Details. Viele innerhalb der Raiffeisen und in weiteren Kreisen werden ihn inzwischen gelesen haben.
Die Frage wird sein, ob sie die darin enthaltenen Informationen und Einschätzungen ernst nehmen oder sie als Privatsache zur Seite schieben.