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Saoirse Ronan brilliert als Lady Bird, die davon träumt, ihr Leben nach der Highschool erstmals selbst bestimmen zu können. Zurecht erhielt die Schauspielerin neben anderen Auszeichnungen einen Golden Globe und wurde sogar für einen Oscar nominiert.
Freudenberg, Rämibühl, Enge, Hohe Promenade – lauter Namen, die eine ganz bestimmte Welt bezeichnen für jene, die dort zur Schule gehen oder dort einst die Matura gemacht haben. Das letzte Schuljahr vor dem Studium bildet auch den Hintergrund des ebenso witzigen wie herzerwärmenden Films «Lady Bird». Nur wechselt die Hauptfigur Christine (Saoirse Ronan), die unbedingt Lady Bird genannt werden will, nicht vom Gymi an die Uni, sondern von der Highschool ans College. Und weil sie nicht in der uncoolen Heimatstadt Sacramento bleiben will, liebäugelt sie mit einem College in New York.
Ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf), die ihr Socken zu Weihnachten schenkt, findet das völlig unrealistisch und sagt in einem denkwürdigen Dialog während einer Autofahrt: «Mit deiner Arbeitsmoral solltest du einfach an ein College unserer Stadt gehen, dann ins Gefängnis, dann wieder ans College. Vielleicht reisst du dich dann mal zusammen und erwartest nicht immer, dass andere alles für dich …» Weiter kommt die Mutter nicht, denn Lady Bird lässt sich aus dem fahrenden Auto fallen.
«Mit deiner Arbeitsmoral solltest du einfach an ein College unserer Stadt gehen, dann ins Gefängnis, dann wieder ans College.»
Dreh in Sacramento (von links): Greta Gerwig (Regie), Saoirse Ronan (Lady Bird) und Beanie Feldstein (Julie)
Lady Bird heisst Frau Vogel. Nicht ganz so hübsch wie «ladybird», was Marienkäfer bedeutet.
Ein pinkfarbener Gips am rechten Unterarm erinnert die Schülerin hinterher daran, dass die Abnabelung von der Mutter schmerzhaft und nicht mit einem Sprung aus dem Auto getan ist. Aber hey, sie hat ihren Standpunkt klargemacht. Und das versucht sie die ganzen 94 Filmminuten hindurch: ihren Standpunkt klarmachen. Eine junge Frau, die davon träumt, ihrer biederen, engen Welt einer Familie mit Geldsorgen und einer katholischen Schule ins weltoffene New York zu entfliehen, wo sie Kunst und Kultur aufsaugen kann.
Romantischer Moment: Lady Bird und Kyle (Timothée Chalamet)
Während Lady Bird an die Social-Media-Weisheit «Live your dream!» glaubt, scheint ihr ganzes Umfeld ständig nur zu sagen: «Vergiss es!» Dass das nicht dröge, sondern ausgesprochen witzig daherkommt, liegt am herzerwärmenden Drehbuch der Regisseurin Greta Gerwig, die selbst auch eine hervorragende Schauspielerin ist.
Greta Gerwig hat sich so köstliche Szenen einfallen lassen wie diese: Während Lady Bird und ihre Freundin Julie (Beanie Feldstein) in der Kirche Oblaten essen, sprechen sie über Masturbation. Oder Danny (Lucas Hedges), den Lady Bird gerne als Boyfriend hätte, stellt fest: «Ich bin irischer Katholik. Da ist es schwer, ein Mädchen zum Daten zu finden, das nicht meine Cousine ist.»
«Ich bin irischer Katholik. Da ist es schwer, ein Mädchen zum Daten zu finden, das nicht meine Cousine ist.»
Saoirse Ronan (links) mit Regisseurin Greta Gerwig
Es gibt auch viele Szenen, bei denen man nicht weiss, ob man weinen oder lachen soll. Wenn sich zum Beispiel Lady Birds arbeitsloser Vater für die gleiche Stelle bewirbt wie ihr älterer Bruder. Oder wenn die Nonne, die Lady Birds Schule leitet, beim Abschlussball sagt: «15 Zentimeter für den Heiligen Geist.» Damit meint sie den Abstand, den Tanzpärchen einzuhalten haben.
Es gibt auch viele Szenen, bei denen man nicht weiss, ob man weinen oder lachen soll.
Lady Bird geht mit ihrer Mutter (Laurie Metcalf) ein Kleid für den Schulabschlussball aussuchen.
Je länger der Film dauert, desto mehr erinnert er einen an die eigene Jugendzeit, als man ausbrechen wollte und es doch nicht konnte. Denn seine Herkunft wird man nie los, so weit man seinen Geburtsort auch hinter sich lässt. Das muss allerdings nicht schlecht sein, was Lady Bird langsam, aber sicher auch einsieht.
Lady Bird und Danny (Lucas Hedges)
Das Einzige, was man dem vielfach prämierten Film vorwerfen könnte, ist, dass der Ton in der zweiten Hälfte deutlich ernster wird und nicht mehr ganz zur locker-flockigen ersten Hälfte zu passen scheint. Dennoch ist diese Geschichte über das Ende der Teenager-Zeit sehr sehenswert, denn sie unterhält, berührt und macht auch nachdenklich.
Reto Baers Bewertung
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