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Um Priti, den Keim aller weiteren Manifestationen der ewigen Bhakti bis zu den allerhöchsten Entfaltungen und Spielarten der Premabhakti, ein wenig zu verstehen, muss das Wort Priti zuerst sprachlich betrachtet werden. Priti oder Priyata, einer der vielen Sanskritausdrücke für „Liebe“ (auch für Zufriedenstellen) kann in zwei ganz verschiedenen Bedeutungen angewendet werden:
reflexiv: auf einen selbst bezogen, als Freude, große Freude, Wonne, Glück, das eigene Wohl, die eigene Zufriedenheit herbeiführend, und
transitiv: Liebe, Freundschaft, Herzlichkeit, die sich immer auf Shri Krishna oder eine seiner vielen anderen Formen bezieht.
Wenn man unvoreingenommen untersucht, entdeckt man, dass alles, was man in der Welt Liebe nennt, im Grunde nicht frei von der Bedeutung eins ist; also diese Priti (Liebe) sucht im Grunde mehr oder minder nicht nur das Glück des Geliebten oder der Geliebten, sondern auch immer noch eigenes Glück, eigene Freude. Diese Liebe ist also auch immer eine Art der Selbstbefriedigung.
In der Bhakti wird unter Priti immer nur die zweite, die transitive Bedeutung verstanden.
Jiva Goswami hat im Priti-Sandarbha für Priti die folgenden drei Definitionen gegeben:
„Liebe ist von der Natur der Förderlichkeit für das Objekt der Liebe.“
„Liebe ist Lust nach dem, was günstig (förderlich, lieb) ist für das Objekt der Liebe (das, was das Objekt der Liebe von sich aus als förderlich betrachtet).“
„Liebe ist ein besonderer Inhalt des Bewusstseins, voller Enthusiasmus, auf Grund der Erkenntnis Gottes und davon, dass das Liebesbemühen dem Objekt (Gott) wirklich eine Freude gewesen ist.“
Das Neue, das bei der Manifestation der Priti zur Sadhana-Bhakti hinzukommt, liegt darin, dass sich in dem Bhakta eine ganz persönliche Beziehung zu Gott, zu einer bestimmten Seinsweise, das heißt, zu einer bestimmten Gestalt oder zu einer bestimmten Lila Gottes, entwickelt. In den ersten Anfängen entsteht das, was man einen Sthayi-Bhava nennt. Dieser ist eine durch den spirituellen Charakter des Atma ganz individuell bestimmte, persönliche und dauernde Beziehung zu Gott, die sich nie ändert. Der Sthayi-Bhava ist eine bleibende unveränderliche Priti, die mit dem Wesen der Persönlichkeit ganz zu einer Einheit geworden ist. Zu anfangs handelt es sich noch um eine Einheit zwischen der Priti und der empirischen Persönlichkeit, also Einheit von Priti mit dem Bewusstsein und Unterbewusstsein. Allmählich wird der Sthayi-Bhava zu einer Einheit der Priti mit dem ewigen Selbst, dem Atma.
Bhava-Bhakti ist eine unverhüllte Manifestation der Samvit-Shakti (der Erkenntniskraft Gottes) durch die Gott sich selbst immer tiefer erkennt und auch andere ihn erkennen lässt. Sie ist wie Licht, das einen Edelstein (den Atma) trifft und in dessen Farbe zurückstrahlt. Erst wenn durch dieses Erkenntnislicht der Bhava-Bhakti Krishna wie er ist, sein Reich, seine Lila und seine Mitspieler nicht mehr bloß intellektuelle Umschreibungen der ewigen Wirklichkeit sind, kann eine dauernde persönliche Beziehung des Bhakta zu Gott erwachsen. Die Bhava-Bhakti wird das „Morgenrot der Prema“ genannt. Das Bhagavatam spricht klar aus, dass nur das Zusammensein mit den Premabhaktas und das ihnen Dienen, zu Bhava-Bhakti oder Rati und schließlich zu Premabhakti führen kann.
Bhagavan (Shri Krishna) sagt: „Aus dem Zusammensein mit den Premabhaktas und dem ihnen enthusiastisch Dienen entwickeln sich Gespräche über meine wunderbaren Taten, die in Ohr und Herz herrlich schmecken und die Erkenntnis meiner Größe und inneren Kraft bedeuten. Durch das dienende Hören dieser Geschichten entstehen stufenweise schnell hintereinander Shraddha (fester Glaube) und Rati und (Prema-) Bhakti und er, der höchste Freiheit ist, wird erlangt.“
(Bha 3.25.25)
Das Wissen vom Sphota (dem Aufbrechen des Sinnes des Wortes, welches anfänglich nur in seiner Schattenhülle wahrgenommen wird) liegt hinter dieser Aussage. Cit-Vibrationen in denen Wort und Idee und Gegenstand eins sind, gehen durch das Ohr ins Herz ein und geben dem Atma (dem Selbst) die Kraft der dienenden erkennenden Liebe.
Die Kennzeichen der Bhava-Bhakti sind:
Auch bei der Begegnung mit dem Tod bleibt der Bhakta unerschüttert.
Er vergeudet seine Zeit und Kraft nicht mehr mit nebensächlichen Dingen (also mit anderen Dingen als Bhakti).
Die Anziehungskraft der physischen und geistigen Dinge der Erfahrungswelt verblasst gänzlich.
Obwohl er auf dem Bhakti-Weg weit fortgeschritten ist, denkt er, dass er es zu nichts gebracht habe.
Und doch hat er eine feste, ganz tief verwurzelte Überzeugung, dass er ans Ziel gelangen wird.
Der Bhakta dieser Stufe ist voll klarem sich Sehnen, einmal so weit zu kommen, dass er dann ausschließlich Krishna dienen wird.
Er ist voll innerlicher Freude, wenn er den Namen, die Eigenschaften und die Lila Krishnas hört, singt oder sich an sie erinnert.
Sein anfangs noch bewusstes freudiges Anhaften an den Berichten von der Lila Gottes wird immer mehr spontan, es wird so unbewusst, wie man atmet.
Er ist voll innerer Freude, dass er, zumindest im Geiste, an den Orten der inneren Lila weilen darf.
Die vorstehenden Angaben im Bh.r.s. (1.3.25-40), die durch vielerlei Szenen aus der Lila Krishnas erläutert werden, sind dazu bestimmt, dass der Neuling (Adept) sich auf dem Weg prüfen kann, wo er eben steht, um dadurch vor Selbsttäuschungen bewahrt zu bleiben. Bhava-Bhakti ist sehr schwer erlangbar, sie lässt selbst Befreiung (Mukti) geringwertig erscheinen. Gottes großer Avatara Kapila, der seine Mutter Devahuti in der Lehre des theistischen Sankhya unterwies, sagt im Bhagavatam:
„Es ist ein Kennzeichen des von den Gunas der Maya freien Bhakti-Yoga, dass der Geist und das Herz sich ohne Unterbrechung zu mir, der ich verborgen (unsichtbar) im Herzen aller Wesen wohne, bewegt, so wie die Fluten der Ganga zum Ozean hin. Das geschieht bei bloßem Hören meiner (überweltlichen) Eigenschaften.“ „Die Manifestation unverfälschter (frei von den Gunas) dienender Liebe zu mir, dem höchsten Herrn, entfaltet sich in der Tat völlig ursachlos.“ „Diese reinen Bhaktas nehmen außer dem mir Dienen nichts an, selbst wenn es ihnen von mir angeboten wird; weder Aufenthalt in meinem Reich (Salokya), noch gleichen Reichtum wie ich zu besitzen (Sarshti), noch mein persönlicher Gefährte zu sein (Samipya), noch die gleiche Gestalt und die gleichen körperlichen Merkmale wie ich zu besitzen (Sarupya), geschweige denn das mit mir Einswerden (Ekatva; Sayujya).“ „Das ist der äußerste absolute Bhakti-Yoga. Mit ihm gelangt man über die drei Gunas hinaus und erlangt Bhava (ganz persönliche Liebe) zu mir."