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Geschichte der Thurlandschaft
Wie jede andere Flusslandschaft, hat sich die Thurlandschaft im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Einmal floss der Fluss ganz am Fusse des Hügels, dann suchte er sich sein Bett wieder in der weiten Ebene, die der Thurgletscher und der sich darnach bildende Thursee hinterlassen hatte. Es entstanden Flussschlaufen, die sich verengten und zu Altläufen wurden, weite delta-ähnliche Strecken mit Kies- und Sandbänken.
Eine Eigenart der Thur ist bis heute geblieben: Noch immer gleicht kein See ihren Lauf aus, von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein bleibt sie ein Wildbach, der je nach Witterung und Klima sehr schnell zu Hochwassern neigt. So bringt sie noch immer viel Geschiebe mit sich, das sie je nach Fliessgeschwindigkeit ablagert, umlagert oder liegenlässt. Aus der Zeit des freien Mäandrierens sind noch Reste der Ufervegetation erhalten geblieben: Auen und Altläufe.
Geschichte des Hochwasserschutzes
Schon immer haben die Menschen an der Thur versucht, sich gegen die immer wiederkehrenden Hochwasser zu schützen. Die alten Verbauungen vermochten die Thur nicht zu bändigen. Die zunehmende Bevölkerungszahl und der wirtschaftliche Druck durch die Industrialisierung der Gesellschaft wuchs beträchtlich. Verschiedene Hochwasser im 19. Jahrhundert richteten enorme Schäden an. Ab 1851 wurden Pläne zur Korrektion erarbeitet, 1862 wurde die Korrektion dem Parlament vorgelegt, und 1869 lag das Projekt vor, das dann ab 1874 ausgeführt wurde.
1890 wurde diese 1. Korrektion abgeschlossen. Die Thur wurde damals begradigt, indem an den engsten Stellen der Mäander künstlich ein Durchbruch hergestellt wurde. Es wurden dann die ersten Dämme gebaut, allerdings aus so unterschiedlichem Material, dass deren Sicherheit vergleichsweise gering war. Aus dieser Zeit stammen auch die Binnenkanäle. Sie waren notwendig geworden, weil es nicht ratsam war, überall, wo kleine Bäche in die Thur mündeten, wieder eine Dammlücke entstehen zu lassen. So werden nun immer noch die kleinen Bäche im Binnenkanal gesammelt und an geeigneten Stellen der Thur zugeführt.
In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts brachen die Dämme je zweimal kurz nacheinander und bescherten dem Thurtal immense Überschwemmungen mit hohen Schäden. Darauf wurden Projekte zur Sicherung der Hochwasserbauten erarbeitet. Auf Druck des Bundes mussten diese Projekte aber ökologischer gestaltet werden, bevor dann, zwanzig Jahre nach den Hochwassern, endlich realisierbare Projekte vorlagen.
Seit 1993, rund hundert Jahre nach der ersten Korrektion, wird nun zum zweiten Mal auf der ganzen Länge in den Thurlauf eingegriffen: Die 2.Thurgauer Thurkorrektion. Der Abschnitt von der Rohrerbrücke bei Frauenfeld bis zur Zürcher Grenze beim Fahrhof (Niederneunforn) wurde 2002 vollendet, der Abschnitt Schönenberg-Kradolf ist seit 2008 fertiggestellt. Im Abschnitt Bürglen-Weinfelden dauern die Planungsarbeiten an.