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Obskuradio: The Slaves
The Slaves waren ein kurzlebiges intereuropäisches Garage-Rock-Projekt, das es trotz vermeintlichem Analphabetismus immerhin zur Vorgruppe der Kinks brachte.
„Die Slaves sind richtige Zigeuner, die jahrelang durch Europa zogen und nur für ihre Musik leben; einige der Gruppe können nicht einmal lesen und schreiben“, hiess es 1965 in der von Jürg Marquard lancierten Jugendzeitschrift ‚Pop‘ über The Slaves.
Das anarchistische Image der Band basierte auf fiktiven Lebensläufen. Die Gerüchte um The Slaves sind auf dem Mist des Zürcher Konzert-Promoters und Sauterelles-Managers Hansruedi Jaggi gewachsen. Das jüngste Mitglied der Band, die sich aus zwei Österreichern, zwei Schweizern und einem Deutschen zusammensetzte, zählte gerade mal 15 Lenze. Nachdem The Slaves Zürich – angeblich wegen dem Besitz illegaler Substanzen – verlassen mussten, erspielten sie sich in Wien rasch den Ruf der besten Live-Band der Stadt. Dank Jaggis Engagement waren The Slaves darauf mit Grössen wie The Kinks und The Lords in Europa auf Tour. 1966 flog die Band nach London, um ein Album aufzunehmen. Allerdings haben sich The Slaves aufgelöst, noch ehe ihr Debüt im Kasten war.
The Slaves haben drei Singles exklusiv bei Phillips Schweiz veröffentlicht, die alle entweder in Sammlerhänden oder spurlos verschwunden sind. Die folgenden Vinyl-Rips stammen vom Sampler „Beat International“, den Austrian Airlines (!) 1966 veröffentlicht hat. Der auf der LP zwischen The Walker Brothers und The Davis Spencer Group versteckte Lofi-Garage-Rock von The Slaves schockte damals wohl so manchen AUA-Passagier. „Slaves Time“, das es auf das legendäre Nuggets-Boxset geschafft hat, tönt wie eine durchgeknallte Variante von The Pretty Things, „Panic“ dagegen eher wie eine Vorahnung von Velvet Underground:
The Slaves – Slaves Time[audio:http://www.78s.ch/wp-content/uploads/2010/09/Slaves-Time.mp3]
The Slaves – Panic[audio:http://www.78s.ch/wp-content/uploads/2010/09/Panic.mp3]
Mittlerweile gibt es übrigens wieder eine gleichnamige Band, die allerdings nur halb so wild ist: The Slaves aus Stockholm machen braven Indie-Pop.
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