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Die zwei Möglichkeiten, ein neues Stadtquartier im Viererfeld zu bauen, unterscheiden sich in ihrem Charakter und in ihrer späteren Entwicklung grundlegend:
Ohne Brücke entsteht eine ruhige perifere Wohnüberbauung mit 90% Wohnnutzung, Ateliers und Gemeinschaftsanlagen. Diese werden bereichert durch Dienstleistungen für die Quartierbewohner, z.B. einen Bioladen, einer Kinderkrippe und ähnlichem. Für Kundenkreise ausserhalb des Quartiers würde das Wohnviertel keine grosse Anziehungskraft haben. Für Touristen ist ein Hotel geplant.
Mit der Viererfeldbrücke könnte etwas grundsätzlich anderes entstehen. Durch die Vernetzung könnte sich ein nutzungsgemischtes lebendiges Stadtquartier entwickeln. Dieses Quartier würde in der ersten Zeit dieselben Wohnnutzungen wie oben beschrieben aufweisen. Zusätzlich würde sich aber am Viererfeldboulevard langsam ein Angebot mit Läden, Gewerbe, Coiffeurs, Cafés, Restaurants, freiberuflichen Büros wie Anwaltspraxen, Architekturbüros, Ärzten und eventuell grösseren Arbeitgebern ansiedeln, welche die Lagegunst und den Chic der neuen Adresse suchen. Die Entwicklung einer neuen belebten Geschäftsstrasse wäre absehbar, ähnlich der Moserstrasse im Breitenrain, der Thunstrasse im Kirchenfeld oder der Länggass-Mittelstrasse in der Länggasse.
Diese Entwicklung muss man sich als Prozess vorstellen, der nicht von heute auf morgen geschieht. Entscheidender Faktor und Voraussetzung dazu ist die Zeit und möglichst viele Menschen, die hier gerne leben würden, durchgehen oder durchfahren und den Stadtteil damit beleben und kennenlernen. Darum ist es entscheidend, ob die 25’000 BewohnerInnen des Stadtteils V Breitenrain mit einer eleganten Brücke die Möglichkeit erhalten, das Viererfeld einfach und praktisch zu besuchen und ob sie den neuen Stadtteil interessant genug finden, um hier zu verweilen oder einzukaufen oder zu arbeiten.
Für alle Bewohner der Stadt könnte der Viererfeldboulevard und die bestehende historische „Spaziermeile“ zwischen Innerer und Äusserer Enge ein Naherholungs-Magnet werden. Gar gesamtstädtische Bedeutung könnte eine offene Allmend unterhalb des Viererfeldboulevards bekommen. An Sommertagen könnten auf dieser „Gurtenwiese“ Konzerte oder ein Openairkino mit 30-Meter-Leinwand wie in Locarno für alle stattfinden. Die Weite des Viererfelds mit seiner Aussicht auf die Alpen wäre in diesem grossen Freiraum für die BernerInnen auch in Zukunft erlebbar.
Die urbanen, lebendigen, für Menschen aus der ganzen Stadt attraktiven Nutzungen würden das geplante dichte Wohnen im Viererfeld nicht behindern, sondern ergänzen.