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Coopzeitung: Wie wird man heutzutage Komponist?
Moritz Schneider: Ich wusste schon als Gymnasiast, dass ich beruflich etwas mit Ton und Musik machen will.
Und studierten dann an einer Musikhochschule?
Im Gegenteil. Ich hörte mit dem Musikunterricht am Konservatorium sehr schnell wieder auf, weil ich merkte, dass ich mit klassischen Methoden nicht dorthin gelangen würde, wo es mich hinzog.
Welches Instrument spielten Sie?
Zuerst Schlagzeug. Mit zehn daneben auch Klavier, und das spiele ich bis heute – neben Keyboard und Synthesizer.
Und dann begannen Sie zu komponieren?
Genau. Ich habe alles ersparte Geld in Eigenproduktionen gesteckt und habe in Studios meine ersten Versuche aufgenommen. Den ersten seriösen Auftrag erteilte mir mein Vater, der für ein Werbefilmprojekt Musik benötigte. Die Firma, die diesen Werbefilm produzierte,
traute der Sache nicht und vergab den Auftrag parallel anderweitig. Als beide Vorschläge vorlagen, wurde meiner gewählt.
Wieso?
Meine Stärke liegt glaub ich darin, für bestimmte Situationen Melodien zu finden, die passen.
Kann man das lernen?
Nach der Matura zügelte ich die Tonstudio-Ausrüstung, die ich schon hatte, in diese Filmfirma nach Zürich und konnte dann für sie Aufträge ausführen. Nach einem Jahr bot man mir an, die Tonabteilung zu leiten.
Nicht schlecht …
Wir produzierten vor allem Musik für Werbefilme. Das lief eine Zeitlang gut, ich wurde mit einem Partner selbstständig, und wir bauten in Zürich ein neues Studio.
Wie ging es weiter?
Leider ging die Dachfirma Konkurs und riss uns mit. So hatte ich ganz viele Schulden, gerade, als meine Frau schwanger wurde.
Ungünstig.
Genau. Zum Glück hatte ich mir in der Musikbranche einen Namen gemacht und für die Musik des Films «Breakout» zusammen mit Stress und Mich Gerber den Schweizer Filmpreis gewonnen. So konnte ich für diverse Schweizer Filme die Filmmusik machen und diese teilweise auch mit grossen Orchestern aufnehmen. Parallel dazu schrieb ich Popsongs für die Plattenfirma Universal in Berlin.
Wie begann die Sache mit den Musicals?
Als die Thunerseespiele 2010 mit «Dällebach Kari» erstmals ein eigenes Musical in Auftrag gaben, bekam ich die Chance, die Musik zu komponieren.
Und fingen gleich an?
Nein, da ich das noch nie gemacht hatte, wurde ich für einige Tage nach New York geschickt, um mir ganz viele Musicals anzuhören. Das war hart für meine Frau.
Warum?
Weil sie im Gegensatz zu mir Musicals schon immer geliebt hatte und nicht mitkommen konnte.
Sie waren kein Musical-Fan?
Die allererste Platte, die ich mir mit 13 kaufte, war zwar eine LP von «Phantom of the Opera». Doch dann interessierte mich andere Musik mehr.
Und heute sind Sie gemäss dem Engländer Michael Reed, der beim «Phantom» und anderen berühmten Londoner Musicals musikalischer Leiter war, der beste Schweizer Musical-Komponist. Wie ist das, zum «Andrew Lloyd Webber der Schweiz» zu avancieren?
Wow, das sind grosse Worte. Vorerst bin ich vor allem glücklich, nun schon zum zweiten Mal mit diesem Kreativ-Team zusammenarbeiten zu können.
Michael Reed war auch bei «Dällebach Kari» dabei?
Ja, nachdem wir anfangs gewisse Schwierigkeiten gehabt hatten, schickte man mich nach Wien, um Michael Reed die ersten Lieder vorzulegen. Er war damals im Theater Ronacher engagiert, wo wir jetzt fürs neue Projekt proben. Und das war dann Liebe auf den ersten Blick.
Gegenseitig?
Ja! Ich merkte sofort, wie viel Erfahrung und Gespür er für Musik hat. Und Michael war von einigen meiner Melodien so angetan, dass er vorschlug, sich an der Musicalproduktion zu beteiligen.
Ein Glücksfall?
Eindeutig. Wir gewannen mit dem «Dällebach Kari» Preise und das Musical wurde nach Thun auch in Bern und Zürich aufgeführt.
Und nun schreiben Sie zusammen die Musik zum Musical «Der Besuch der alten Dame». Wie weit sind Sie?
Wir entwickeln nun das bereits erarbeitete Musical-Material weiter. Nach angloamerikanischem Vorbild probieren die Darsteller Gesang, Sprache und Tanzelemente aus. An den Texten wird genauso gearbeitet wie an den Melodien.
Diese werden jetzt noch verändert?
Ja, laufend. Erst wenn man es auf der Probebühne sieht und hört, merkt man, was passt und was nicht.