Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03321.jsonl.gz/2370

Abhängigkeitserkrankungen
Unter dem Begriff Abhängigkeitserkrankungen werden sowohl Substanzabhängigkeit wie auch Verhaltenssüchte verstanden. Beide weisen Merkmale einer psychischen Abhängigkeit auf. Sie können von den Betroffenen kaum kontrolliert werden und gehen mit schwerwiegenden Konsequenzen und einem hohen Leidensdruck einher.
Substanzabhängigkeit und Verhaltenssüchte
Viele von uns geniessen gerne mal ein Bier oder ein Glas Wein zum Essen. Problematisch wird es erst, wenn der Alkoholkonsum oder die Einnahme anderer psychoaktiver Substanzen wie Cannabis, Kokain oder Ecstasy nicht nur gelegentlich vorkommt. Der Übergang von einem normalen Konsum zur Abhängigkeit geschieht oftmals schleichend.
- Eine Abhängigkeit hat nichts mit ungenügender Disziplin oder Schwäche zu tun.
Neben den stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen ist die Gesellschaft auch zunehmend mit Verhaltenssüchten, auch stoffungebundene Süchte genannt, konfrontiert. Das exzessive Verhalten kann verschiedene Bereiche treffen, wie das Glücksspiel, die Internetnutzung, die Kaufsucht oder Sexsucht. Die Betroffenen können dem Drang, das Verhalten auszuführen, nicht widerstehen. Auch wenn sich dies negativ auf die Leistungsfähigkeit bei der Arbeit oder in der Schule, ihre Finanzen und ihr soziales Umfeld auswirkt. Für Betroffene und ihre nahestehenden Personen stellen Suchterkrankungen eine grosse Herausforderung dar und sind mit einem hohen Leidensdruck verbunden.
Merkmale einer Sucht
Typische Merkmale einer Sucht sind
- Ein starker Wunsch oder ein Zwang die Substanz zu konsumieren oder eine bestimmte Verhaltensweise immer wieder auszuüben. Abstinenz ist kaum mehr möglich.
- Der Zeitpunkt, die Dauer oder die Menge des Konsums können kaum kontrolliert werden.
- Entzugserscheinungen, wenn man den Substanzkonsum/das Verhalten deutlich reduziert oder einstellt (z.B. schwitzen, frieren, Kopfschmerzen, Unruhe oder Aggressivität).
- Steigerung der Häufigkeit bzw. Intensität des Substanzkonsums oder eines bestimmten Verhaltens (Toleranzentwicklung). Es braucht immer grössere Mengen der Substanz oder das Verhalten muss gesteigert werden, um den gewünschten Effekt zu erreichen.
- Vernachlässigung von Pflichten (z.B. Hausarbeit, Beruf, Schule), Beziehungen und sozialen Kontakten und Beeinträchtigung sowie Belastung des Alltags
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Zwischen Substanzabhängigkeiten und Verhaltenssüchten bestehen viele Ähnlichkeiten. Häufig leiden Betroffene auch unter einer anderen psychischen Erkrankung (Komorbidität) wie Depression, Angststörungen, Persönlichkeitsstörung oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS). Dabei ist aber nicht immer klar, ob diese Erkrankungen die Ursache oder die Folge des süchtigen Verhaltens sind. Meistens ist das süchtige Verhalten nur die Spitze des Eisbergs und es kann leicht passieren, dass die zugrunde liegende Erkrankung nicht gesehen wird. Zudem ist der Effekt der Verhaltenssucht auf das Gehirn mit den Auswirkungen von bewusstseinsverändernden Substanzen vergleichbar.
Es bestehen aber auch Unterschiede. So bewirken Verhaltenssüchte nur in seltenen Fällen eine physische Abhängigkeit, während sich die Abhängigkeit bei substanzgebundenen Süchten auch körperlich zeigt.
Was hilft?
Die Behandlung hängt von der Art und Schwere des Problems, der Motivation der Person, das Verhalten zu ändern, und eventuell von weiteren körperlichen und psychischen Schwierigkeiten ab. Behandlungen haben u.a. folgende Ziele:
- Überwindung der körperlichen Abhängigkeit bei Substanzabhängigkeit
- Überwindung der psychischer Abhängigkeit bei substanzgebundenen und Verhaltenssüchten
- Überwindung von Gewohnheiten
Betroffene können sich in einem ersten Schritt an eine Informations- oder Beratungsstelle wenden. In einem weiteren Schritt können psychotherapeutische Ansätze (Verhaltenstherapie oder motivierende Gesprächsführung) den Betroffenen unterstützen von seiner Sucht loszukommen. Bei Suchterkrankungen ist es wichtig, auch mögliche weitere psychische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen mitzubehandeln.