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Etwas gesunden Egoismus und sogar ein bisschen Narzissmus trägt jeder Mensch in sich. Eitle Personen oder Menschen in Führungspositionen, die sehr selbstbewusst ihre Ziele verfolgen, sind jedoch noch nicht krankhaft narzisstisch veranlagt. Eine pathologische Bedeutung bekommt die übertriebene Selbstliebe erst, wenn andere Menschen unter dem narzisstischen Verhalten des Betroffenen leiden. Der Narzisst missbraucht die Personen in seinem Umfeld emotional, um seinen Selbstwert zu stärken.
Hinzu kommt die ständige Erwartung von Anerkennung und Lob. Wenn andere Menschen dem Narzissten nicht geben, was er von ihnen wünscht, entstehen fast immer starke Konflikte. Dem Narzissten fehlt es ausserdem an Empathie für seine Mitmenschen. Es kommt zu einer tiefgreifenden Störung der Persönlichkeit, wenn er sich Misserfolgen gegenüber sieht und mit diesen aufgrund seines instabilen Selbstwertgefühls nicht zurechtkommt. Die Persönlichkeitsstörung geht oft einher mit Depressionen, Angst- und Abhängigkeitserkrankungen bis hin zum Suizid.
Narzisstische Persönlichkeitsstörungen äussern sich durch ein geringes Selbstwertgefühl, das mit übertriebener Arroganz bis zur Hochstapelei überspielt wird. Es ist jedoch so instabil, dass ein ständiger Wechsel vom einen Gefühl der absoluten Grandiosität zu einer zurückgezogenen, schamvollen Zerknirschung von einer Minute auf die andere möglich ist. Nach Kränkungen zieht sich der Narzisst zurück und bricht nicht selten den Kontakt zu jenen Personen ab, die ihm nicht den wünschten Beifall zollen. Nicht fähig, mit Kritik umzugehen, staut sich in dem Betroffenen eine Wut auf, die sich beim geringsten Anlass entladen kann. Narzissten neigen zu Überreaktionen und greifen nicht selten zu Suchtmitteln, um ihr vermeintliches Leid zu ertragen.
Bereits der österreichische Psychologe Sigmund Freud versuchte Anfang des 20. Jahrhunderts, mithilfe der Psychoanalyse eine Erklärung für den Narzissmus zu finden. Es gibt viele verschiedene Erklärungsansätze für die Entstehung von Narzissmus. Einige suchen die Ursachen in der Erziehung. Kinder, die nicht gelernt haben, mit Frustration umzugehen, schaffen es unter Umständen nicht, aus der kindlichen Vorstellung von Grandiosität zu einem realistischen Selbstbild zu finden.
Bei mangelnder Liebe der Eltern hingegen könnte der Narzissmus als Schutzfunktion dienen, um auf sich allein gestellt im erwachsenen Leben zurechtzukommen. Ebenso könnte die Persönlichkeitsstörung auch aufgrund von zu hohen Erwartungen an die Kinder entstehen. In diesem Fall wird das Kind dazu benützt, den Ehrgeiz der Eltern auszuleben. Zusätzlich haben jedoch auch andere Faktoren wie gesellschaftliche Glaubenssysteme oder die Medien eine gewisse Bedeutung.
Nur wenige Narzissten beginnen freiwillig eine Psychotherapie. Oft kommt es erst zu einer Therapie, wenn der Betroffene aufgrund seiner unkontrollierten Wutausbrüche die Beziehung zu anderen Menschen belastet und darauf hingewiesen wird, dass er sich professionelle Hilfe suchen sollte. In der Psychologie ist das oberste Therapieziel, dass der Narzisst lernt, sein Selbstwertgefühl nicht mehr nur von äusserem Lob abhängig zu machen, sondern es autonom zu regulieren.
Narzisstische Persönlichkeitsstörungen gehen meist mit weiteren psychischen Störungen einher. Für eine Einweisung in die Psychiatrie muss jedoch eine Gefahr für die Gesundheit oder das Leben des Betroffenen oder für Personen aus seinem Umfeld vorliegen. Der Klient wird in der Psychotherapie empathisch aufgefangen, damit er sich helfen lässt, ein stabiles Selbstbild aufzubauen. Grundsätzlich ist die narzisstische Persönlichkeitsstörung jedoch nicht heilbar. Die Symptome können gemildert werden und der Betroffene kann lernen, mit seinem Lebensumfeld, mit Kritik, Kränkungen und mit seiner Wut besser umzugehen.
In der Psychoanalyse zeigt sich häufig, dass der Narzisst zu einer normalen nicht fähig ist. Da sich jedoch alles im Leben in Beziehungen zu anderen Menschen abspielt, tun sich die von der Persönlichkeitsstörung Betroffenen schwer, mit ihren Arbeitskollegen, Partnern oder Kindern gut zurechtzukommen. Das ständige Streben nach Anerkennung führt zu Selbstüberschätzung, Übertreibungen und sogar zu Lügen. Wird der Betroffene dabei ertappt, fühlt er sich abgewertet und nicht ernst genommen. Die Bedeutung von narzisstischen Persönlichkeitsstörungen in der Familie wird erkennbar, wenn es an Empathie für nahe Angehörige fehlt. Der Narzisst schaut nur auf seine Bedürfnisse und nimmt wenig Rücksicht auf die Gefühle oder das Wohlbefinden anderer. Spricht man ihn darauf an, reagiert er beleidigt, wütend und destruktiv.
Männer erhalten die Diagnose „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ häufiger als Frauen. Während narzisstische Frauen ihre Selbstzweifel oft hinter einer selbstbewussten Fassade und Perfektionismus verstecken können, streben Männer mit dem Krankheitsbild nach Macht und Einfluss. Beide Geschlechter versuchen mit allen Mitteln ihr Selbstwertgefühl zu bewahren. Die Betroffenen beginnen meist aus anderen Gründen eine Psychotherapie, zum Beispiel aufgrund von Depression, Burnout oder Suchtproblemen. Die Diagnose Narzissmus kommt oft erst in der Therapie zum Vorschein.
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