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Hoppla, was singt der Sir da? «I just want it fuh you»? Im Refrain von «Fuh you», dieser schön schnörkellosen, schlichten Gitarrenpopnummer, kommt man nicht daran vorbei, Paul McCartneys sehr direkt formulierten Aufruf zum Beischlaf herauszuhören. Der Meister selbst, äusserlich und innerlich einem in die Jahre gekommenen Jungen nicht unähnlich, bezeichnet seine neue Single, die er mit Ryan Tedder (unter anderem verantwortlich für Adeles «Hello») schrieb, denn auch schelmisch als «dreckiges Liebeslied». Sein Alterswerk hat McCartney hier also nicht abgeliefert. Der unschuldig anmutenden «I Want To Hold Your Hand»-Phase ist der einstige Beatle und nach offiziellen Chart- und Verkaufsberechnungen erfolgreichste Musiker der Welt jedenfalls sehr deutlich entwachsen.
«Egypt Station» heisst McCartneys siebzehntes Soloalbum, es ist das erste seit «New» vor fünf Jahren, und es ist sein Stärkstes seit langer Zeit. Das Haupthaar wird immer grauer, ist aber noch dicht. Dazu ist die Stimme robust wie eh und je und die kompositorischen Ideen und instrumentalen Kniffe gehen McCartney auf 16 Songs nicht aus.
«Egypt Station» ist kein melancholisches Album. Er hat auch keinen Grund dazu. Dem 76-Jährigen geht es gesundheitlich glänzend und seit 2011 ist er glücklich mit der Amerikanerin Nancy Shevell verheiratet. Das unkomplizierte Stück «Happy With You» gibt Auskunft über seine Zufriedenheit mit der Gesamtsituation. Überhaupt durchziehen dieses Album melodische Leichtigkeit und frisch-quirlige Songschreibekunst. «Egypt Station» wirkt kein bisschen angestaubt. Offenbar tut es McCartneys Kreativität gut, dass er sich in den letzten Jahren immer mal wieder mit jüngeren Kollegen zusammentat. Zum Beispiel mit Nirvana- und Foo-Fighters-Mann Dave Grohl in der Filmdokumentation «Sound City» oder mit Querkopf Kanye West, mit dem er den von Rihanna gesungenen Hit «FourFiveSeconds» verfasste.
«Egypt Station» ist Paul McCartney in seiner reinen Form. Produzent Greg Kurstin (Sia, Pink) sagte im «Billboard»-Magazin: Natürlich wisse jeder, wofür Paul stehe, aber «wir wollten allzu Offensichtliches vermeiden». Und so kommt etwa im Stück «Hunt You Down» statt der erwartbaren Gitarre ein Cello zum Einsatz, auch Samba-Rhythmen («Back In Brasil») und richtig kerniger Rock sind auf dem Album zu hören.
Gegen Brexit und Abschottung
Politisch wird der ewige Optimist in zwei Stücken: Dem geradlinigen «People Want Peace» sowie – um einiges bissiger und nuancierter – in «Despite Repeated Warnings», in dessen Text sich Paul McCartney vehement gegen den Brexit und die damit verbundene Abschottungs-Ideologie ausspricht. Ohne Zweifel: Dieser Mann, der nichts und niemandem mehr etwas beweisen muss, hat richtig Lust darauf, weiter Paul-McCartney-Musik zu machen. «Ich liebe es», sagt er. Das hört man.
Paul McCartney Egypt Station (Universal). Erscheint morgen Freitag.