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The Red Canvas ist ein amerikanischer Kampfsportfilm aus dem Jahr 2009, der in Deutschland im Mai 2009 gleich auf DVD veröffentlicht wurde, ohne vorher im Kino gesehen worden zu sein. Mikael Carlsson, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Filmmusiken zu kaum bekannten aktuellen Filmen auf CD zu bringen, hat sich dieser Musik des Komponisten James Peterson nun angenommen und sie veröffentlicht.
Wie gut man eine Musik empfindet, hängt stets stark von der Erwartungshaltung des Hörers ab, und hier muss man sich zuerst fragen, was für eine Musik man für einen recht günstig produzierten Kampfsportfilm wohl erwartet hätte. Gewiss, die Zeiten, in denen Kampfsportfilme einen trashigen Synthscore bekommen haben, mögen vorbei sein, doch nichtsdestotrotz vermag Peterson mit seiner Musik zu überraschen, denn es ist nicht nur ein orchestraler Beitrag, sondern auch noch von vergleichsweise recht hohem Niveau, und er zeugt von solidem Handwerk des Künstlers.
Wie James Peterson im knappen Begleittext erläutert, stockte er das Orchesterensemble deutlich auf, um dem Film den kräftigen Sound zu geben, den er benötigte. Das bedeutete meist doppelte Besetzung bei den Blechbläsern (8 Hörner, 2 Bassposaunen, 2 Tuben etc.) und teilweise auch bei den Streichern (18 erste Geigen, 16 zweite Geigen, 8 Kontrabässe usw.). Holzbläser sind in Form von Flöten, Klarinetten, Oboen und Englischhörnern vertreten, die Percussion wurde teils mit echten Instrumenten eingespielt und teils in Petersons eigenem Studio aus dem Computer gesampelt.
An dieser Stelle sei bereits erwähnt, dass es sich hierbei nicht um Beats oder Loops wie aus der Hans Zimmer-Schmiede handelt, sondern um Percussion eines Orchesters, das künstlich aus dem Computer kam, weil die nötige Besetzung fehlte und man daher nicht die Möglichkeit hatte, es live mit den anderen Instrumenten aufzunehmen. Diese künstliche Percussion, die gar nicht künstlich klingt, ordnet sich perfekt den anderen Instrumenten unter und ergänzt das Klangbild hervorragend, so dass es nicht im Mindesten störend wirkt.
Die komplette Musik zu The Red Canvas ist Peterson insgesamt ebenfalls gut gelungen. Ein wenig übertrieben mag die oft doppelte Besetzung erscheinen und leider ist es teilweise auch so, dass man als Hörer von dem dadurch entstehenden Bombast nahezu erdrückt wird. Die Musik klingt wahrlich episch, voll und kräftig; dem Hörvergnügen zugute kommt hier die Produktion des Albums, denn wuchtige Actiontracks wechseln sich öfter mit ruhigeren, wenn auch eher kürzeren stilleren Momenten ab, in denen immer wieder einzelne Instrumente solistisch in den Vordergrund treten, unterstützt von warmem Streicherteppich.
Man darf also aufatmen, wenn die kräftigen fortissimo-Bläser und die teils vielleicht etwas überlauten Pauken kurz pausieren. Positiv anzumerken sei, dass immer wieder sehr gelungene musikalische Motive auftauchen, etwa bestimmte Streicherfiguren, verschmitzt, vorantreibend oder teils gar im Stile eines Miklós Rózsa, die aufhorchen lassen und sehr viel Spaß während des Hörens bereiten. Dies entschädigt für das Fehlen eines eingängigen Hauptthemas, welches die Musik vielleicht noch zusätzlich ausgezeichnet hätte.
Doch auch ohne eine Melodie vermag dieser Soundtrack gut zu unterhalten, ist hervorragend orchestriert, präsentiert gelungene Motive. Anstrengend mag lediglich der teilweise entstehende Dauerbombast sein, an den sich viele Hörer wohl erst gewöhnen müssen, doch macht dieser Faktor das vorliegende Werk keinesfalls zu einer schlechten Musik. Wertungsmäßig hätte diese gut auskomponierte Filmmusik im Vergleich zu anderen in 2009 entstandenen Soundtracks zweifellos 4 Sterne verdient, doch im Hinblick auf andere, ebenfalls auf dieser Rezensionsseite besprochene CDs, die nicht nur aus besagtem Jahr stammen, sind 3,5 Sterne angemessen.
Highlight dieser CD ist jedoch die Zugabe und nicht der Soundtrack zu „The Red Canvas“ selbst: „Moving Images Suite“ heißt das Werk von James Peterson, das als Bonus ebenfalls veröffentlicht wurde. Diese Suite ist deshalb sehr angenehm zu hören, weil die Musik deutlich intimer ist als ihr Vorgänger auf dieser CD. Trotz des recht großen Orchesters, das auch hier aufspielen darf, erscheint die Suite (aufgeteilt in 8 Tracks) teilweise fast kammermusikalisch, denn meistens lässt Peterson ein Instrument ein Solo spielen und setzt andere Instrumente dezent in den Hintergrund.
Vom Kompositionsstil ist hier pure, sehr warme Americana zu hören mit ebenfalls sehr gelungenen Motiven, nicht minder gut orchestriert wie die Musik zum Kampfsportfilm. Wenn sich das Orchester zu einer lyrischen Hymne erhebt, fühlt man sich gar Copland oder Goldsmith nahe und weiß: Hier reift ein talentierter Komponist heran, von dem man hoffentlich noch viel hört.