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Oktober 2020
DS Friedrichshafen (II) – Bodensee
Die Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen mussten den über fünfzig Jahre alten Raddampfer Friedrichshafen (I) ersetzen. 1907 wurde Escher Wyss & Cie., Zürich, mit dem Neubau beauftragt, der den beiden Schweizer Bodenseeschiffen St. Gallen und Rhein entsprechen sollte. Ein Jahr später erreichten die Bauteile für das Schiff auf Güterwagen verladen auf Trajektkähnen von Romanshorn her Friedrichshafen. Der Stapellauf des Raddampfers erfolgte am 28. April 1909.
Foto: Werksaufnahme der Firma Escher Wyss & Cie., Zürich
Die Inbetriebnahme zog sich hin. Am Hochdruckzylinder der schrägliegenden Heissdampf-Verbundmaschine kam versuchsweise eine neuentwickelte Ventilsteuerung anstelle der Schiebersteuerung zum Einsatz, was nicht problemlos gelang. Am 3. Juli 1909 lief die neue «Friedrichshafen» (II) zur Jungfernfahrt aus. An der dreistündigen Rundfahrt bis zur Insel Mainau und zurück nach Friedrichshafen nahm auch König Wilhelm II. teil.
Foto: Werksaufnahme des Salons (Escher Wyss & Cie., Zürich)
Das Dampfschiff war 55,96 Meter lang und hatte eine Breite über dem Hauptspant von 6,3 Meter. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 30,0 km/h, der Raddampfer konnte 650 Fahrgäste mitnehmen.
Foto: 1910 übte die Besatzung der «Friedrichshafen» die Schiffsrolle «Mann über Bord».
Am Abend des 12. Juli 1909 lag die «Friedrichshafen» während 15 Minuten manövrierunfähig vor der Einfahrt ihres Heimathafens. Die Ventilsteuerung war die Ursache für die Panne. Der Dampfer Württemberg eilte zur Hilfe und schleppte die «Friedrichshafen» an den Steg in der Werft. Über Nacht konnte der Schaden behoben werden und am anderen Morgen kam das Schiff bereits wieder in den Dienst.
Foto: Inflation in Deutschland – Die Deutsche Reichsbahn gab 1923 statt Bargeld Schecks aus.
1920 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Schiffe der Königlich Württembergischen Dampfschifffahrt. Alle königlichen Wappen waren auf den Dampfern verschwunden. Einzig die Reliefs aus Bronze auf der «Friedrichshafen» und dem Schwesterschiff Hohentwiel blieben erhalten. Aber 1941 mussten auch diese Wappen für die Rohstoffgewinnung von den Radkasten weichen.
Foto: Die Rückseite des Reichsbahn-Schecks zierte die «Friedrichshafen»!
Nachdem die «Hohentwiel» auf der Bodan-Werft in Kressbronn umgebaut wurde, war 1934/35 die »Friedrichshafen» an der Reihe. Auf dem Vor- und Oberdeck entstanden neue Salons und das Steuerhaus wurde höher gesetzt. Am Rumpf wurden wulstförmige Schwimmkörper angebracht, was es erlaubte die Tragkraft auf 700 Passagiere zu erhöhen.
Foto: Truppentransport im Ersten Weltkrieg.
In den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges standen die Dampfschiffe auf dem Bodensee im Gegensatz zu den Motorschiffen im strengen Dienst, da Kohle noch verfügbar war. Im März 1944 wurde die «Friedrichshafen» in der Werft ihrer Heimatstadt auf Stapel genommen, was ihr leider zum Verhängnis wurde. In den frühen Morgenstunden des 28. April 1944 flogen britische Bomber einen Angriff, der dem Hafen und dem Werftgelände galt. Die Werfthalle und mit ihr der Raddampfer brannten vollständig aus. Das Schiffswrack wurde nach dem Krieg mit Beton ausgegossen und im See versenkt.
Foto: Nach dem grundlegenden Umbau (1934/1935) verlässt das Dampfschiff Friedrichshafen ihren Heimathafen.