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Die empirische Evidenz legt Überraschendes nahe: Lockdowns nützen nicht, sie schaden. Das jedenfalls zeigen immer mehr Forschungsresultate. Wie?
Die Wirkung von Massnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie kann auf unterschiedliche Weise empirisch getestet werden. Ein solches Mass ist die Gegenüberstellung der Intensität der eingeleiteten Massnahmen, auch Lockdowns genannt, und der Mortalitätsrate.
Christian Bjørnskov, ein Forscher an der dänischen Universität Aarhus und am Schwedischen „Institute of Industrial Economics“, hat dies gemacht. „CESifo Economic Studies“ hat den Vergleich unter 24 europäischen Ländern publiziert.
Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache.
Doch zunächst zur Methode. Für die Intensität der eingeleiteten wirtschafts- und sozialpolitischen Massnahmen greift Bjørnskov auf die Daten des Blavatnik-Zentrums an der Universität Oxford zurück. Sie umfassen 13 Elemente, die man verallgemeinernd-abkürzend „Lockdown“ nennt.
Diese Elemente sind: Schulschliessungen, Home Office, Absage öffentlicher Veranstaltungen, Versammlungsbeschränkungen, Schliessung von Handel und Gastronomie, Aufrufe a la „Bliib dihei“.
Zudem Einschränkungen des internationalen Reisens, Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, Härtefallmassnahmen für Unternehmen, Schulden- und Ausgabenentlastungen für Haushalte, öffentliche Information, Testrichtlinien und Kontaktverfolgung.
In seiner Untersuchung lässt Bjørnskov die letzten drei Elemente aussen vor, da sie keine grossen Auswirkungen auf das wirtschaftliche und soziale Zusammenleben haben. Das entspricht dem üblichen Standard bei ähnlichen Studien.
Für die Daten zur Mortalität greift er auf das statistische Amt der Europäischen Union, die Eurostat, zurück. Dort nimmt er die wöchentlichen Sterblichkeitszahlen aus 24 europäischen Ländern.
Hier weicht der Däne vom Standard ab. Er begründet:
„Während die wöchentliche Sterblichkeit alle tatsächlichen Todesfälle in einem Land zählt, werden bei Covid-19-Todesfällen alle Todesfälle gezählt, bei denen der Verstorbene positiv auf das Virus getestet wurde.“
„Das heisst aber nicht unbedingt, dass der Tod durch den Virus verursacht wurde. Auch verzerren länderspezifische Unterschiede in der Meldung der Covid-19-Todesfälle diese Statistik. Jene der Eurostat wird hingegen nach weitgehend gleichen Ansätzen gemacht.“
Und nun zu den Ergebnissen: Schon in der statistischen Diskussion fällt das Urteil vernichtend aus. Bjørnskov schreibt:
„Die Hauptergebnisse in (…) zeigen, dass die geschätzten Auswirkungen von Lockdowns positiv und signifikant sind, solange man ihn auf unter zwei Wochen beschränkt.“
„Jedoch, wenn sich der Lockdown auf drei oder vier Wochen erstreckt, das heisst auf die gemäss Virologen angemessene Dauer, fallen die Ergebnisse klein und insignifikant aus.“
In den Schlussfolgerungen wird Bjørnskov noch deutlicher:
„Ein Vergleich der wöchentlichen Sterblichkeit in 24 europäischen Ländern zeigt, dass strengere Lockdowns nicht mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden sind. Mit anderen Worten, Lockdowns haben nicht wie beabsichtigt funktioniert.“
„Weitere Tests zeigen auch, dass frühe Interventionen keinen zusätzlichen Nutzen boten; diese Tests weisen sogar darauf hin, dass die Lockdowns des Frühjahrs 2020 mit signifikant mehr Todesfällen in der jeweiligen Altersgruppe zwischen 60 und 79 Jahren verbunden waren.“
Was kann man daraus lernen?
Lockdowns sind einseitige Massnahmen. Sie fokussieren auf das Epidemiologische und lassen etwa die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung, die Wirtschaft und das Soziale ausser Acht.
Lange hat man Lockdowns damit gerechtfertigt, dass sie mindestens epidemiologisch nützen. Doch auch daran darf – soll – gezweifelt werden.
Offenbar erfüllen sie nicht einmal ihre epidemiologische Funktion.
Was sie sicher tun: Sie reissen Volkswirtschaften in schwere Rezessionen und verursachen menschliches Leid. Mehr noch, sie schränken die Grundrechte ein – all dies, wie die empirische Evidenz nahelegt, ohne konkreten Nutzen.
Es ist höchste Zeit, auch in der Schweiz die Lockdown-Politik für absolut gescheitert zu erklären. Eine Normalisierung ist mit der Logik des gezielten Schutzes möglich und nötig.