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Angespornt von Gedanken über Vaterland, Freundschaft und Wissenschaft gründeten 1819 Berner und Zürcher Studenten die Studentenverbindung Zofingia. Ein Jahr später schloss sich die Sektion Luzern dem Gesamtverein an. Es war der Startschuss in eine turbulente Vereinsgeschichte, die zwischen Anfeindung, Auswanderung und Anerkennung schwankte.
Am ersten Zentralfest der Zofingia 1820 beteiligten sich erstmals Luzerner Studenten, wo sie gleichentags als Sektion Luzern in den Gesamtverein aufgenommen wurden. Es dauerte aber nicht lange bis erste Konflikte mit der Luzerner Obrigkeit auftraten:
Der Arzt, Politiker und Lehrer Ignaz Paul Vital Troxler galt als der als grosser Förderer der Luzerner Zofingia. 1821 wurde er aufgrund einer «obrigkeitsfeindlichen» Schrift von seiner Stelle als Lehrer entbunden.
Auch seine treuen Luzerner Studenten stiessen mit ihren freiheitlichen Idealen auf Skepsis, ja Ablehnung durch die politische Elite.
Turnen als «staatsgefärdender Umtrieb»
Zankapfel war, aus heutiger Sicht unvorstellbar, unter anderem das Turnen. Die Idee der «körperlichen Ertüchtigung» rief die Zofingia Luzern auf den Plan die erste «Turnanstalt» in Luzern zu bauen.
Vorbild der Turnerbewegung war Heinrich Pestalozzi, welcher betonte wie wichtig eine physische Ausbildung sei und welche positiven Auswirkungen das Turnen auf die Gesundheit und die Würde des Menschen habe. Trotz reaktionärer Schulbehörde, die dem Turnen kritisch gegenüberstand, gelang es den Luzerner Zofingern ein breiteres Interesse für das Turnen zu wecken.
Dem damaligen Zeitgeist entsprechend wurde von der Obrigkeit kritisiert, dass die akademische Jugend in Luzern «staatsgefährdende Umtriebe» plane. Die Zeit der Anfeindung des Turnens war aber spätestens vorbei, als das Turnen 1861 als Schulfach für angehende Lehrer eingeführt wurde.
Turbulente Jahre und die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
Loslösungen vom Gesamtverein, Übertritte zu anderen Studentenverbindungen, Verbote, Neugründungen und Fusionen; aus Sicht des Vereins Zofingia Luzern war die Periode von 1830 bis 1860 eine turbulente.
Erst nachdem eine Fusion mit der Studentenverbindung Helvetia Luzern im Jahr 1859 rückgängig gemacht wurde und die Zofingia Luzern wieder in den Gesamtverein der Zofinger aufgenommen wurde, kehrte in Luzern auf organisatorischer Ebene Ruhe ein.
Diese Ruhe fand Ausdruck in verschiedenen Tätigkeiten: Nebst dem Turnen, Gesang, karikativen Tätigkeiten gedieh das Sektionsleben in Luzern durch die Einführung eines eigenen Zentralblattes.
Wiederspiegelt wurde die Phase des Aufschwungs in der steigenden Mitgliederzahlen; um 1860 verfügte die Zofingia Luzern über 40 Aktive. Zum Vergleich: Heute sind es 18 Aktive und Inaktive Gleichzeitig fand auch die Stigmatisierung durch die Obrigkeit ein Ende.
Die Luzerner Zofinger genossen bei den Behörden und in der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen. Die Zofinger in ihren weissen Mützen und dem rot-weiss-roten Band waren willkommene Gäste an gesellschaftlichen Anlässen.
Krise um 1880
Eine neue Krise für den Verein rief das «Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit» hervor: Es führte dazu, dass den bisher äusserst aktiven und liberalen Theologiestudenten in der Zofingia Luzern der Zutritt verwehrt wurde, welches zu starkem Mitgliederschwund führte.
Wacker hielt sich Franz Jenni in den Jahren 1880 und 1881 als einziger Aktiver in den Reihen der Luzerner Zofinger. Nach der überwundenen Krise 1883 stieg die Mitgliederzahl wieder kontinuierlich an.
Die Gründung einer Luzerner Kolonie in den USA durch einen Zofinger
Aus dem Kreise der Zofingia Luzern ging eine Reihe von wichtigen Politikern, Juristen, Ärzte, Eisenbahnfachleute, Journalisten und Wissenschaftler hervor. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen dieses Blogs sprengen.
Stattdessen soll ein Verdienst besonders hervorgehoben werden, nämlich die Gründung der Luzerner Kolonie «Neu Schweizerland» oder «Highland» im US-Bundesstaat Illinois im Jahr 1831 durch drei Luzerner Zofinger.
Treiber für die Emigration des Neuenkircher Kaspar Köpfli, waren die unglücklichen politischen Verhältnisse während der Zeit der Restauration. Als Weggefährte des Luzerner Vital Troxlers wurde auch er nicht von Anfeindungen verschont.
Auf der Suche nach der Erfüllung seiner Wünsche, sprich nach religiöser, politischer und bürgerlicher Freiheit, wanderte Köpfli senior 1831 in die USA aus. Zusammen mit 15 Einwanderern aus Sursee liess sich Köpfli in Madison County im Bundesstaat Illinois nieder.
Sein Sohn, Kaspar Köpfli junior und sein Neffe Josef Suppiger, beides Schüler von Professor Troxler, folgten beide ebenfalls dem Ruf nach Freiheit in die USA. Heute besitzt Highland, das nur 55 Kilometer östlich der Metropole St. Louis liegt, knapp 10’000 Einwohner.
Studentenverbindungen im 21. Jahrhundert
In der jüngeren Geschichte der Zofingia Luzern gab es zwei einschneidende Ereignisse: Erstens, nachdem die kantonale Volksabstimmung zum «Universitätgesetz» vom 21. Mai 2000 angenommen wurde, wurde die bestehende universitäre Hochschule zur Universität Luzern ausgebaut.
Für die Zofingia Luzern war dies ein bedeutender Schritt, denn sie war bisher eine reine Mittelschulsektion. 2002 schliesslich wurde die Zofingia Luzern auch zur Hochschulsektion und ist seither im universitären Leben in Luzern präsent.
Ein weitaus weniger erfreuliches Ereignis war der Brand des Stammlokals am 2. Mai 2018, dem Hotel und Restaurant zum Schlüssel am Franziskanerplatz.
Dank ehrenamtlicher Arbeit und privaten Spenden in Millionenhöhe von Luzerner Altzofinger konnte der geschichtsträchtige Bau aus dem 16. Jahrhundert wiederhergestellt und Anfang Dezember 2019 wiedereröffnet werden.
200 Jahre Zofingia Luzern
Die Zofingia Luzern feiert dieses Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Eigentlich hätte der Festakt diese Woche stattfinden sollen. Aufgrund der Corona Pandemie wurde die Jubiläumsfeier aber auf den Frühling 2021 verschoben.
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