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Nördlich des alten Siedlungskerns liegen Bauten, die mit einer Ortserweiterung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Ein Teil dieser Höfe wurde später zu gewerblichen Zwecken umgebaut, entlang des Bachs erstreckt sich etwa eine Sägerei mit teilweise neueren Bauten. Von diesem Ortsteil gelangt man zu abgesetzteren Liegenschaften, ein paar Wohnhäusern des 20. Jahrhunderts und einer Gruppe von fünf Höfen, die ein schönes Ensemble mit markanter Silhouette bilden.
Der Weiler Haag erstreckt sich entlang einer flachen Bachmulde und wird von noch immer fast unverbauten Wiesenhängen eingefasst. Der alte Siedlungsteil des Weilers umfasst sieben Bauernhöfe, deren lose kreisförmige Anlage eine eher selten anzutreffende Form am Jurasüdfuss ist. Die Höfe sind locker und mit grossem Abstand zueinander angeordnet, wobei die Freiräume als Hofvorplätze, Gärten oder auch Wiesen weiterhin bäuerlich genutzt werden.
Bauernhöfe im Wandel
Die gut erhaltenen alten Bauernhöfe des alten Siedlungskerns im Haag stammen aus verschiedenen Epochen, so dass hier die bauliche Entwicklung von Bauernhäusern vom frühen 18. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert ablesbar ist.
Das Hochstudhaus Chappeliweg 4 dürfte ins 18. Jahrhundert zurückreichen und gehört zum ältesten noch erhaltenen Bautypus der Region (siehe auch Weiler Altreu). Die noch heute landwirtschaftlich genutzte Liegenschaft blieb jeweils über mehrere Generationen im Besitz derselben Familie. Ab 1858 ist die Familie Greder und ab 1913 die Familie Ramseier fassbar, die nach wie vor Eigentümerin des Hofes ist. Der breitgelagerte Hof vereint unter einem Dach Wohnhaus 12 Weiler Haag und Scheune, die sich durch ein imposantes Tor vom Wohnteil absetzt. Dem zur Strasse hin erhöht liegenden Hof ist ein Garten vorgelagert. Zur Liegenschaft gehört auch ein Speicher nördlich des Hauses. Der Wohnstock Haagstrasse 10 ist dagegen mit Krüppelwalmdach und einer Berner Ründe, die auf gezwirnten Stützstreben ruht, ein typischer Bau für die Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. In seinem Kern geht das Haus jedoch auf ein Anfang des 19. Jahrhundert errichtetes Ofenhaus zurück.
Wasserkraft
Von der einstigen gewerblichen Nutzung der Wasserkraft des Haagbachs zeugt heute nur noch ein kleiner massiver Nebenbau der heutigen Liegenschaft Chappeliweg 2. Mit dem Symbol eines Mühlrades über der Tür markiert er den Ort der nicht mehr bestehenden Mühle im Haag, die bereits ab dem 14. Jahrhundert erwähnt wird und noch bis Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb war. Hier befand sich vermutlich ab der Mitte des 16. Jahrhunderts gleichzeitig auch eine Reibe. Es war damals üblich, dass gleichzeitig mit der Mühle auch Stampfen und Reiben betrieben wurden. Die Fruchtreibe befindet sich heute neben dem «Speicher Obrecht» an der Selzacherstrasse in Altreu.