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Nach Thomas und Heinrich kommt jetzt noch ein weiteres Mitglied der Familie dran: Klaus Mann (1906-1949).
Mephisto ist die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen, der sich gerade in Spanien aufhält, als Hitler Reichskanzler wird. Was soll Höfgen tun? Die Nazis widern ihn an, ausserdem hat er in der Vergangenheit mit der politischen Linken Kontakt gehabt… Doch er kann sich nicht zur Emigration entschliessen. Nach Berlin zurückgekehrt, beginnt Hendrik, die Bekanntschaft mit seiner Kollegin Lotte Lindenthal wieder aufzuwärmen. Diese ist nämlich die Freundin (und später die Gattin) eines gewissen prunksüchtigen Luftwaffenoffiziers, der unter dem neuen Regime Preussischer Ministerpräsident geworden ist. Über Lotte erhält Hendrik Zugang zur Macht – und protegiert von der dicken Nummer 2 im Staate beginnt für ihn eine glänzende Karriere. Der brillante Schauspieler und Regisseur unterdrückt seine Skrupel, redet sich ein, doch nur ein unpolitischer Künstler zu sein, und erkennt zu spät, dass sein Lieblingsstück Faust gewissermassen Wirklichkeit geworden ist – mit ihm als Faust…
Klaus Mann hat immer wieder bestritten, in seinem Roman ganz bestimmte Personen porträtiert zu haben. Aber die Parallelen sind allzu offensichtlich. Sein Ex-Schwager Gustaf Gründgens (von 1926 bis 1929 mit Klaus‘ Schwester Erika Mann verheiratet) war der erfolgreichste Schauspieler des dritten Reichs; trotz grosser Bedenken wollte er nicht auf seine Karriere in Deutschland verzichten; seine Paraderolle war, wie bei Höfgen, der Mephisto in Goethes Faust. Gefördert wurde er von dem eitlen, prachtliebenden „Fliegergeneral“ (Göring) und dessen Frau, einer ehemaligen Schauspielerin (Emmy Sonnemann), wesentlich schwieriger war seine Beziehung zum „Propagandaminister“ oder „Reklamechef“ (Goebbels).
Das Bemerkenswerte an Mephisto ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass der Roman bereits 1936 erschien; Klaus Mann war damit wohl einer der allerersten Schriftsteller, die sich literarisch mit dem Dritten Reich befassten – und er attackiert „den Führer, den Dicken und den Hinkenden“ mit herzerwärmendem, bissigem Spott. Gründgens hat sich übrigens sein Leben lang gegen diesen Roman gewehrt.