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Über 30 Millionen Schweizer Franken hat die französische Produktion von Canal+ gekostet. Somit ist «Versailles», eine Serie über das Leben des Sonnenkönigs Louis XIV, die teuerste europäische TV-Produktion. Bei den «Game Of Thrones»-Produzenten wird diese Summe nur ein müdes Lächeln bewirken, kostete eine Folge der Erfolgsserie mindestens 10 Millionen Schweizer Franken.
Viel Aufwand für wenig Ertrag
Trotz der hohen Ausgaben kann «Versailles» «Game Of Thrones» nicht mal annähernd das Wasser reichen. Die Serie spielt zwar in Versailles, die Darsteller sprechen aber Englisch. Die Musik könnte von einem Yoga-Guru produziert worden sein, so viele sphärische Klänge wie darin vorkommen. Auch die Charakteren der Serie treten wie betäubt ins Bild und geben meist banale Sätze von sich, die bedeutend wirken sollten.
Historisches Kapital nicht genutzt
Obwohl man bei der Geschichte von Louis dem Sonnenkönig viel Tiefe in die Serie bringen hätte können, konzentrieren sich die Produzenten auf Sex, Intrigen und Verbrechen. Der rote Faden der Serie ist die Verlegung des kulturellen und politischen Zentrums des Landes von Paris nach Versailles. Was an politischem Willen und Haltung hinter dem Prunk stand, wird nicht behandelt. Kurz: Die Drehbuchautoren David Wolstencroft und Simon Mirren nutzten erstaunlich wenig des historischen Kapitals.
Geschichtlich nicht korrekt
In der Realität wurde der Bruder von Louis, Philippe, als Kind wie ein Mädchen gekleidet, damit er keinen Anspruch an den Thron stellt. Zu dieser Zeit war es üblich kleine Buben wie Mädchen anzuziehen, jedoch nicht so lange wie bei Philippe. Bei ihm wurde zudem jegliches maskuline Verhalten komplett unterdrückt.
Dieser Umgang führte dazu, dass Philippe als Erwachsener ebenfalls in Frauenkleidung herumlief, homosexuelle Affären hatte und sich nicht für Politik interessierte. Louis fand dieses Verhalten abstossend, was dieses Zitat von ihm unterstreicht: «Für den, der herrscht, kann es von Vorteil sein zu sehen, wie diejenigen, die ihm durch Geburt nahestehen, durch ihr Verhalten sich weit von ihm entfernen. [ … ] was er an Tatkraft und Streben nach Ruhm erkennen lässt, wirkt unendlich glänzender, wenn man um ihn herum nichts als lastenden Müssiggang oder kleinliche Neigungen sieht.»
In der Serie haben die beiden Brüder ein gutes Verhältnis und Philippe ist politisch interessiert. Er wird als Schwuler mit diversen Liebhabern dargestellt, ohne seine Kindheit damit zu verbinden oder in irgendeiner Weise zu erwähnen.
Letzte Staffel nun online
Vergangene Woche ist die dritte und letzte Staffel von «Versailles» auf Netflix veröffentlicht worden.
Die Serie ist nun am Ende angekommen und wir finden, das ist auch gut so.
(nm)