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Karten- und Profilkonstruktionen in der Region Thunersee (Berner Oberland, Schweiz) haben in vergangenen Untersuchungen zu Spekulationen über unterschiedliche, mehrphasige eiszeitliche Erosionsvorgänge und Sedimentakkumulationen geführt. Wissenschaftshistorisch nachweisbar sind bereits im 19. Jahrhundert Erklärungsmodelle mit mehreren quartären Eiszeiten.
Bereits zu Beginn des barocken 18. Jahrhunderts besuchte und beschrieb Johann Jakob Scheuchzer die «sintflutlich» überschotterten Schieferkohlen entlang des damaligen Kanderlaufes und den im Bau befindlichen Kanderdurchstich durch die Strättligmoräne. Bei diesen Schieferkohlen handelt es sich um organische Sedimente aus Seen, Teichen und Mooren, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts quartären Interglazialen und/oder Interstadialen zugeordnet wurden. Am Spiezberg über dem linken Thunerseeufer wurde 2005 zur geotechnischen Baugrunderkundung eine Sondierbohrung abgeteuft. Unerwartet erschloss diese 7 m mächtige intramoräne Stillwassersedimente (laminierte Silte und Tone mit eingelagerter Gyttja und fossilen Holzresten), welche sich ausgezeichnet für stratigraphische Studien eigneten. Die vorliegenden Analysen (Sedimentologie, Palynologie, 14C-Datierung, Paläogeographie) führen zu folgenden Erkenntnissen: Bei den See- oder Teichsedimenten handelt es sich um warmzeitliche Ablagerungen, die wir als Arbeitshypothese vorerst dem Eem-Interglazial zugeordnet haben. Die Stillwasserablagerungen sind in kaltzeitliche Flussschotter und Moränen eingebettet. Paläogeographische Korrelationen mit bereits bekannten mittel- bis spätpleistozänen glazigenen Sedimenten aus der Region Thunersee – Aaretal erlauben eine räumliche Rekonstruktion einerseits der Eem-Gewässer und andererseits der nachfolgenden Frühwürm Vorstossschotter.
Autorenschaft: Peter Zwahlen, Willy Tinner, Elisa Vescovi
Pages: 92-121
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