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Erstmals in der Geschichte könnte der Kleinstaat am Rhein in den nächsten vier Jahren von einer Frau regiert werden. Die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) nominierte die 46-jährige Sabine Monauni als Regierungschef-Kandidatin.
Die Botschafterin beim Königreich Belgien und bei der EU in Brüssel steht nicht direkt zur Wahl. Sie könnte aber diesen Frühling vom neuen Parlament ins höchste Exekutivamt gewählt werden. Voraussetzung ist, dass ihre Partei, die Fortschrittliche Bürgerpartei, am Sonntag wieder zur stärksten Kraft im Parlament avanciert.
Frauenstimmrecht seit 1984
In der fünfköpfigen Liechtensteiner Exekutive selbst arbeiten Frauen als Regierungsrätinnen seit Jahren. Eingeführt wurde das Frauenstimmrecht im Kleinstaat 1984. Das Amt an der Regierungsspitze, das noch nie von einer Frau ausgeübt wurde, wird frei, weil der bisherige Regierungschef, der 56-jährige Adrian Hasler von der FBP, nach acht Jahren aufhört.
Zurück an die Spitze möchte auch die Vaterländische Union (VU), die zweite grosse Volkspartei. Ihr Kandidat für das Regierungschef-Amt ist der bisherige Regierungschef-Stellvertreter, der 42-jährige Daniel Risch. Er leitet seit März 2017 das Ministerium für Infrastruktur, Wirtschaft und Sport. Sollte Risch sein Wahlziel verfehlen, will er aus der Regierung zurücktreten.
Jahrzehnte lang in Koalition regiert
Viel stärker als in der Schweiz haben die Parlamentswahlen im Fürstentum einen direkten Einfluss auf die anschliessende Regierungsbildung. Abgesehen von zwei Unterbrüchen von je vier Jahren mit einem Regierungs- und Oppositionssystem wird Liechtenstein seit Jahrzehnten von einer Koalition zwischen FBP und VU regiert. Die Anfänge dieser Zusammenarbeit reichen zurück bis ins Jahr 1938.
Traditionellerweise stellt die wahlstärkste Partei in der Koalitionsregierung den Chef und zwei Mitglieder, der Juniorpartner den Vize und ein Mitglied. Die letzten acht Jahre war die FBP die dominierende Kraft. Die Wahlen werden auch zeigen, ob die Regierungskoalition fortgesetzt wird. Den Willen dazu bekundeten beide grossen Volksparteien.