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Für den Inhalt des nachfolgenden Beitrags zeichnet allein der Autor verantwortlich.
Professor Knuttis logische Fehlschlüsse
von Franz-Josef Schulte-Wermeling
Klimamessungen gibt es erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, als auch der industrielle (anthropogene) CO2-Ausstoss einsetzte. Der genaue Temperaturverlauf des Klimas in vorindustrieller Zeit ist daher unbekannt, unbestritten und beispielsweise durch Gletscherkernbohrungen der ETH-Glaziologen gut dokumentiert ist aber immerhin, dass die Schweizer Gletscher in den vergangenen 115'000 Jahren mehrmals nahezu eisfrei waren, dass es also bereits in vorindustrieller Zeit ohne anthropogenen CO2-Ausstoss mehrmals bedeutend wärmer (oder kälter) war als heute. Einzelheiten hierzu findet man im Internet unter
Es handelt sich hierbei um einen ETH-News-Artikel über eine Forschungsarbeit von ETH-Professor Martin Funk. Prof. Funk ist Glaziologe und Bergführer. Professor Reto Knutti war an dieser Arbeit nicht beteiligt, er hat sich aber auf der oben erwähnten Internetseite an einer Diskussion mit Lesern beteiligt.
Als ein Blogger dazu schrieb: «Womit die Klimakatastrophe widerlegt sein dürfte», bloggte Knutti am 14. 11. 2018: «Das ist logisch falsch, und wäre dasselbe wie wenn man jemanden tot unter einem Auto hervorzieht und behauptet: Viel früher wurde mal einer vom Säbelzahntiger getötet, daher kann der Verkehrsunfall nicht die einzige Ursache sein.»
Zehn Tage später leugnete (!) Prof. Knutti in einer Sendung des Schweizer Fernsehens (BaZ Standpunkte v. 24. 11. 2018) den vorindustriellen natürlichen Klimawandel sogar, als er sagte: «Der Mensch ist Hauptverursacher der Erwärmung und das geht nicht über Korrelation, sondern über physikalisches Verständnis, und die ersten Physiker, die das herausgefunden haben, das war vor 100 Jahren und da gab es noch keinen Klimawandel. Die Wissenschaft ist klar: Die Erwärmung ist real, sie ist zum grössten Teil menschengemacht und somit können wir einen grossen Teil der Zukunft steuern.»
In seiner «Gegenrede» in der Weltwoche v. 05. 06. 2019 schreibt Prof. Knutti nun hierzu immerhin: «Tatsächlich verändert sich das Klima aufgrund von Änderungen in der Erdbahn, der Sonne, von Vulkanen. Nur weil etwas früher schon mal da war, bedeutet das nicht, dass es heute die gleiche Ursache hat. Die derzeitige Diskussion des Artensterbens illustriert den logischen Fehlschluss: Die Dinosaurier sind ohne menschliches Dazutun ausgestorben, aber kaum jemand würde behaupten, dass das heutige Artensterben darum auch natürlich ist.»
Prof. Knuttis geballte Ladung logischer Fehlschlüsse besteht also ganz offensichtlich zunächst darin, dass er die Existenz sowohl des natürlichen Klimawandels als auch des natürlichen Artensterbens einfach leugnet oder ignoriert und stillschweigend davon ausgeht, dass der natürliche Klimawandel durch Auftreten des anthropogenen Klimawandels beendet oder zumindest «zum grössten Teil» verdrängt worden sei. Solange man aber die Ursachen des natürlichen Klimawandels weder kennt noch quantifizieren kann, ist eine Aussage über den jeweiligen Anteil der anthropogenen oder der natürlichen Erderwärmung am Klimawandel unmöglich:
Wer etwas von Mess-& Regeltechnik sowie von der Theorie & Technik der Statistik versteht, muss Professor Knuttis Modelle und Korrelationen als Unsinn bezeichnenFranz-Josef Schulte-Wermeling
Professor Knuttis Behauptung, dass der Mensch «mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit» die dominante Ursache des Klimawandels sei, nährt Zweifel an Professor Knuttis Kenntnissen der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Korrelation: Wer etwas von Mess-& Regeltechnik sowie von der Theorie & Technik der Statistik versteht, muss Professor Knuttis Modelle und Korrelationen als Unsinn bezeichnen: Weil die verwendeten Messdaten (ausnahmslos!) erst nach Industrialisierungsbeginn erhoben wurden, kann man damit nur die Summe der natürlichen und der mutmasslichen anthropogenen Erderwärmung «berechnen». Weil sich obendrein die offensichtlich starken Temperaturschwankungen nach Industrialisierungsbeginn nicht durch die stetige Zunahme des anthropogenen CO2 erklären lassen, sind diese Modelle für den Nachweis einer CO2-Signifikanz oder Kausalität wertlos.
Falls aber der Anteil der natürlichen Erderwärmung am Klimawandel entgegen Prof. Knuttis unbeweisbarer Behauptung demjenigen der anthropogenen Erderwärmung gleichkommt oder diesen sogar übertrifft, kann auch eine «vollständige Abkehr von Öl, Gas und Kohle in den nächsten paar Jahrzehnten die Erderwärmung nicht deutlich auf zwei Grad begrenzen».
Sämtliche Klimafolgen, mit welchen Prof. Knutti den anthropogenen Klimawandel zu beweisen versucht, lassen sich ebenso gut oder besser mit dem natürlichen Klimawandel erklären. Darüber hinaus bringt Prof. Knutti Naturereignisse ins Spiel, welche weder mit dem anthropogenen noch mit dem natürlichen Klimawandel zu erklären sind: So ist beispielsweise der unterschiedliche Anstieg des Meeresspiegels an verschiedenen Orten der Erde analog zu Ebbe und Flut durch die Umlaufbahnen einzelner Trabanten und Planeten relativ zur Erde erklärbar.
Prof. Knuttis CO2-Theorien sind bis heute noch nie (!) beispielsweisen, durch Doppel-Blind-Versuche überprüft oder anderweitig zuverlässig bestätigt worden und stossen bei zahlreichen Fachpersonen auf dem Gebiet der Physik und Chemie auf heftigen Widerspruch. Wie relevant diese Widersprüche sind, kann ein Laie nicht beurteilen, sie schmälern aber Prof. Knuttis angeschlagene wissenschaftliche Kompetenz und Glaubwürdigkeit in hohem Masse.
Schlussendlich bleibt nur eine Feststellung, welcher auch Prof. Knutti nicht widersprechen wird:
Zumindest hierzulande sollten diejenigen, welche an den anthropogenen Klimawandel glauben, bedenken, dass die Schweiz, weil sie nur 0.1% des weltweiten anthropogenen CO2-Ausstosses verursacht und beeinflussen kann, weder den anthropogenen Klimawandel noch die Gletscherschmelze verhindern, sondern nur um knapp 6 Tage verzögern kann, falls sie ihren CO2-Ausstoss ab SOFORT linear bis 2050 auf NULL herunterfährt. Das wird sogar Herr Knutti bestätigen müssen. Angesichts der Geringfügigkeit dieses lediglich erhofften, aber keinesfalls erwiesenen Nutzens erweist sich Schweizer Klimapolitik als sinnloser kostspieliger Leerlauf.