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Regie: Robert Rodriguez Produktion: Robert Rodriguez, Elizabeth Avellan, Bill Borden Drehbuch: Robert Rodriguez Kamera: Guilermo Navarro Schnitt: Robert Rodriguez Musik: Los Lobos Sound: Dolby SR, einzelne Kopien in SDDS Aspect Ratio: 1:1.85Was passiert, wenn sich die Träume eines begabten jungen Filmemachers erfüllen? Was geschieht, wenn er sich plötzlich mit einem richtigen Hollywood-Budget und einem grossen Studio-Apparat im Rücken konfrontiert sieht? Desperado, die filmische Fortsetzung des Ueberraschungshits "El Mariachi" von 1993, der vom TexMex-Regisseur Robert Rodriguez mit einem Budget von 7000 Dollar, einer geliehenen 16mm-Kamera und ohne Crew in Mexiko gedreht wurde, ist der beste Beweis dafür, dass vor lauter pyrotechnischen Mätzchen und verschwenderischen Sets häufig die Kreativität auf der Strecke bleibt.
"Desperado" setzt dort an, wo "El Mariachi" endet. Im Vorgängerfilm wird der arbeits- und namenlose Gitarrenspieler versehentlich für den stadtbekannten Gangster Azul gehalten. Azul pflegt, seine Kanonen in einem Gitarrenkoffer spazierenzuführen, der äusserlich von dem des Mariachi nicht zu unterscheiden ist. Der Mariachi (Antonio Banderas), der durch die Verwechslung vom unfreiwillig Verfolgten zum Rächer mutiert, kommt in "Desperado" zurück in die mexikanische Kleinstadt Acuna, um sich am bösen Drogenboss Bucho (Joaquim De Almeida) zu rächen. Diesmal ist er allerdings besser vorbereitet. Sein Gitarrenkoffer ist gefüllt mit einem regelrechten Waffenarsenal und zudem wird er von einem Freund (Steve Buscemi) begleitet und bekommt zum Schluss Unterstützung von zwei Berufskollegen, die ihre Gitarrenkoffer mit Raketenwerfern und Maschinengewehren ausgerüstet haben. Zudem wird er zwischen den Konfrontationen von der hübschen Buchhändlerin Carolina (Salma Hayek), die wie schon ihre Vorgängerin in "El Mariachi" zusätzlich in einer Liebes- und Geschäftsbeziehung zum Oberbösewicht steht, liebevoll verarztet und gepflegt.
Auch seine Gegner haben aufgerüstet. Von der schussicheren Stretch-Limousine bis zum extrem hässlichen Messerwerfer und der martialischen Killerin ist alles vorhanden. Damit ist auch klar, womit der Rest des Films gefüllt ist: Schiessereien, Explosionen und Kämpfe.
Die Action-Szenen sind dabei äusserst furios inszeniert. Einzelne Einstellungen wurden sogar bis ins Detail vom Genre-Spezialisten aus Hong Kong, John Woo, kopiert. Doch neben der Action hat der Streifen nicht viel mehr zu bieten. Der Plot ist uninteressant, die Dialoge belanglos. Immerhin gibt es da einige nicht-stereotype Figuren, so zum Beispiel der bemantelte Drogenkurier, gespielt von Quentin Tarantino, der krampfhaft versucht, irgendwie cool zu wirken, aber dabei eine ziemlich lächerliche Vorstellung gibt. Die zahlreichen, zum Teil versteckten Anspielungen auf den bei uns nur kurz im Kino gelaufenen Vorgängerfilm sind eine nette Komponente, die allerdings von einem Grossteil des Publikums wohl nicht wahrgenommen werden.
Auch das ausgefeilteste Production Design schafft es nicht, die schäbige Atmosphäre zu erzeugen, die Rodriguez' Erstling auszeichnete. Auch wenn "Desperado" als pure Parodie betrachtet wird, liegen dem Betrachter die zahlreichen Leichen, die den den Weg des Mariachi säumen, schliesslich schwer auf dem Magen.
"Desperado" ist ein ultrabrutaler aber letztlich solide gemachter Actionfilm, der im Vergleich zum 1000mal billigeren Vorgänger jedoch enttäuscht.
Bewertung: ***
Regisseur Robert Rodriguez am Set von "Desperado"