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Der Thek
Im August geht die Schule wieder los, für viele Kinder zum ersten Mal. Was tragen sie am Rücken? In Zürich und Glarus den Theek, im Thurgau den Theekt oder die Theekte, in Luzern die Theeke, im Aargau, in Basel, Bern, Solothurn und in Teilen St. Gallens und Graubündens den Schuelsack, in Bern auch den Habersack oder kurz Habi, im Wallis, in Unterwalden und in Teilen Graubündens die Schueltäsche, vielerorts in Aargau, Bern, St. Gallen, Appenzell und Graubünden den Tornister, in Teilen von Schaffhausen und Schwyz den Ranze, in Davos und Klosters die Pulscha, und vielleicht kennen die einen oder andern Zuger noch den Ooser. So waren im Grossen und Ganzen die Verhältnisse jedenfalls in der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Der Habersack und der Tornister waren zuerst im Militär üblich, ehe sie zur Tasche des Schülers wurden. Die Pulscha stammt aus dem Rätoromanischen und war ursprünglich die Hirtentasche. Der Ooser oder Aaser bezeichnet eigentlich die Brottasche der Wandernden und Jäger. Das auffälligste der oben genannten Wörter aber ist der Theek(t) bzw. die Theek(t)e.
Theek kommt über das Lateinische aus dem Griechischen. Lateinisch thēca bzw. griechisch thḗkē bedeutete «Behälter, Kapsel, Büchse, Kasten, Futteral für Schreibgerät», im Mittelalter auch «Reliquienschrein». In der Schweiz verstand man im 18. und 19. Jahrhundert unter «Thek» ein Futteral oder eine Mappe für Schriften, Dokumente, Zeichnungen und Ähnliches. Von hier aus ist das Wort im späteren 19. Jahrhundert auf den Schulranzen übergegangen – vorher waren solche extra für Primarschüler hergestellte Rückentragtaschen ohnehin unüblich.
Der Theek ist übrigens sprachgeschichtlich das gleiche Wort wie die Theke «Schanktisch, Ladentisch»: Der Ladentisch hat einen verglasten Auf- oder Untersatz, also einen Kasten, um die Waren auszustellen. Sei es nun die Kapsel, der Reliquienschrein, die Dokumentenmappe, der Schulranzen oder der mit einem Schaukasten versehene Ladentisch: Ausgangspunkt bei allen Bedeutungen von Thek(e) ist, dass er bzw. sie – ein «Behälter» ist.
(22. August 2016, CL)