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Grafen v. Salis
Die Geschichte von Schloss Hauptwil
In einer Urkunde von 1413 taucht der Ortsname als «Hobtwile» erstmals auf. Der Chorherrenstift St.Pelagius in Bischofszell begann um 1430 in der Talmulde zwischen Hauptwil und Wilen mehrere Karpfenweiher anzulegen, womit die Voraussetzung für die spätere Nutzung der Wasserkraft und damit der Industrialisierung in Hauptwil geschaffen war. Als erstes Gewerbe ist für das Jahr 1448 eine Mühle belegt.
Freiheitlicher Geist und Unternehmertum
Heinrich Gonzenbach (1585-1650) übersiedelte nach St.Gallen, wo er 1607 das Bürgerrecht annahm. Er und seine Söhne machten sich einen Namen als
erfolgreiche und bald sehr wohlhabende Kaufleute im Leinwandhandel.
Wegen der innovationsfeindlichen Struktur der sanktgallischen Leinenindustrie beschlossen die Brüder Hans Jacob (1611-1671) und Bartholome Gonzenbach (1616-1693) den Wegzug nach Hauptwil. Dort hatten sie inzwischen das Gerichtsrecht und weitere Liegenschaften erworben. Die Übersiedlung von St.Gallen nach Hauptwil und der Einzug ins neu erstellte Obere Schloss fand im Frühling 1666 statt. Damals gab sich die Familie die adlige Bezeichnung «Gonzenbach von und zu Hauptwil», da sie nun dem Stand der thurgauischen Gerichtsherren angehörte.
Das Schloss selbst wurde zwischen 1664 und 1665 erbaut, die Haupteingangstür zeigt 1665 an. Hauptwil stand mehrmals im Brennpunkt wichtiger Ereignisse, so mit dem Bau einer neuartigen Leinenmanufaktur (1665) oder als Ausgangspunkt der revolutionären Bewegung zur Befreiung des Thurgaus (1798).
Immer wieder spielten ledige und verheiratete Frauen eine wichtige Rolle. So trugen Cleophea Gonzenbach (1676–1757) und ihre zwei ledigen Schwestern maßgeblich zum Gedeihen des Unternehmens bei.
Das Schloss
Das Schloss teilt sich auf in zwei Flügel und das Zentralgebäude.
Das Hauptgebäude hat 7 Etagen.
Die Säle
Gartensaal
Der Gartensaal war ursprünglich die Kapelle in der die Gemeindegottesdienste für die reformierte Bevölkerung stattfanden.
1861 wurde die Kirche Hauptwil gebaut.
Kapelle
Heute ist die Kapelle der Gartensaal und das frühere Öllager die Kapelle. Das Deckengemälde ist in Teilen dem Fresco des Treppenhausgewölbes der Würzburger Residenz entlehnt.
Das Fresco in Würzburg wurde 1750 von Carl-Philipp v. Greiffenclau an Giovanni Battista Tiepolo in Auftrag gegeben.
Kreuzgang
Der Kreuzgang war gekennzeichnet durch die Sichtachse bis in den Barockgarten. Allerdings war die obere Tür zugemauert und zugeschüttet und ist erst im Rahmen der umfänglichen Renovierungsarbeiten wiederhergestellt worden.
Der imposante Gang im Erdgeschoss
Der breite mit Rorschacher Sandstein ausgelegte Gang zeichnet sich die zwei Kamine und den grossartigen Barockstuck aus. Man kann sehr
schön den Einfluss berühmter Barockstukateure sehen. In Schloss Hauptwil sind viele Decken mit Stuck versehen. Angefangen vom Gartensaal bis
hinauf in den zweiten Stock.
Die Stuckmotive stellen neben Putten insbesondere Obst, Trauben, Feldfrüchte und Getreide dar. Die Ostschweiz beheimatete zur Barockzeit berühmte Stuckateure. Einer der bekanntesten war Johann Georg Gigl (28. September 1710 –Schönwag-Forst in der Gemeinde Wessobrunn in Oberbayern; † 11. August 1765 im schweizerischen St. Gallen). Johann Georg Gigl hat zum Beispiel den Stuck der Katholische Kirche St. Michael in Niederbüren gestaltet.
Um die gesamten Stuckarbeiten im Hause zu säubern und wiederherzustellen sind über 2.000 Arbeitsstunden angefallen.
Esszimmer
Das Esszimmer wurde vermutlich zwischen den Jahren 1805 – 1812 neu im Empire Stil ausgestattet.
Teezimmer
Im Schloss Hauptwiler Teezimmer wurde die anonym erschienene Schrift mit dem Titel «Unmassgebliche Vorschläge eines Thurgöwischen Volks-Freundes» verfasst, deren Urheberschaft zu Recht Hans Jacob Gonzenbach zugeschrieben wird.
Hans Jacob IV Gonzenbach (1754-1815), trieb die Befreiung des Thurgau’s aus eidgenössischer Untertanenschaft voran.
Die Gärten von Schloss Hauptwil
Die Gärten von Schloss Hauptwil teilen sich auf in den Barockgarten, das barocke Kräuterbeet, den Seerosenteich, den Innenhof und den Wildwiesen Obstgarten im Osten der Anlage. Im klassischen Barockgarten sind die folgenden Elemente in der Reihenfolge: Parterre, Boskett und Wald vorhanden.
Parterre sind die streng symmetrischen Muster Boskett ist die Hecke und der Wald wird von der Blutbuche symbolisiert.
Weitere wichtige Elemente sind der zentral gelegene Springbrunnen, das Teehaus und der Gartenpavillon.
Springbrunnen und Greiff
Der Greiff ist das Wappentier der Grafen Matuschka v.Greiffenclau und wird Ihnen im Schloss und der Gartenanlage immer wieder begegnen. So auch im
Springbrunnen des Barockgartens. Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau ließ den Vierströme Brunnen 1706 – 1708 in Würzburg erbauen.
Mittig angeordnet ist ein aufsteigender Delfin. Er trägt auf seiner Schwanzflosse einen Greif (Fabeltier mit dem Leib eines Löwen sowie Kopf, Flügel und Krallen eines Adlers), der das Wappen des Fürstbischofs vorzeigt. Im Original sind vier weitere Figuren zu sehen, Allegorien der vier fränkischen Flüsse Main, Tauber, Sinn und Saale.
Hier sind wir aber im Thurgau, keine Fürstbischöfe und außerdem ist der Würzburger Vierströmebrunnen zu groß für die Anlage und somit ist er reduziert auf den Delphin und den Greiff.
Das Teehaus
Die Bleiverglasungen zeigen Wappen der Schweizer Familien in welche Greiffenclau Töchter eingeheiratet haben, sowie das Wappen der Familie Siemer. Der Urahn der Siemer, die jetzige Gräfin ist eine geborene Siemer, wurde der Siebener geheißen, weil er im Kampf «sieben Gegner» erlegt hatte, symbolisiert durch sieben Keilerzähne im Wappen der Familie.
Grafen v. Reinach
Truchsessen von Rheinfelden
Grafen Stauffenberg mit denen Mitglieder der Grafen Matuschka im Widerstand vom 20ten Juli 1944 waren.