Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03296.jsonl.gz/1396

Im Oktober 2018 gelangte die Zürcher Landwirtschaftliche Kreditkasse (ZLK) mit folgender Bitte ans Bankpräsidium: Wäre es möglich, die seit langen Jahren regelmässig überwiesenen Kredite als Schenkung zu erhalten?
Wo sind die 160’000 Franken?
Eine Hilfsorganisation für Landwirte des Kantons stellt ein Ansuchen, um einen Kredit à fonds perdu zu erhalten. Die Antwort überrascht alle.
Die Zürcher Landwirtschaftliche Kreditkasse war 1933 unter dem Namen Zürcher Bauernhülfskasse entstanden. Im Jahr zuvor hatte der Bund einen Beschluss zur vorübergehenden Kredithilfe an notleidende Bauern in Kraft gesetzt. Laut dem Geschäftsbericht von 1933 bröckelte der Preis für schlachtreifes Vieh damals bereits seit drei Jahren. Doch gerade der Verkauf von Vieh stellte für viele Bauern eine entscheidende Quelle ihrer Einkünfte dar, um Pacht und sonstige Bedürfnisse abzudecken. Sanken hier die Preise, wurde es eng. Die Bauernhülfskasse verteilte aber nicht wahllos Almosen, ihre Hilfe war gebunden an «die Würdigkeit» der Empfänger. Dass dies schwierig zu entscheiden war, wusste man schon damals. Im Bankratsprotokoll steht, «würdig» und «unwürdig» seien als Begriffe immer relativ und «die grosse Masse der Fälle liegt zwischendrin». Nichtsdestotrotz fand die Bauernhülfskasse genug «würdige Empfänger», denn bis Ende Oktober 1934 führte sie bereits 241 Sanierungen durch.
«Die Kasse muss sich bewusst bleiben, dass sie nicht ein Institut zur Prämierung der Untüchtigkeit, Faulheit und Liederlichkeit ist.»
Der Erlös aus dem Viehverkauf war für die Solvenz der Bauernfamilien entscheidend: Grossviehmarkt um 1950.
Die Bauernhülfskasse berichtet über ihre Leistungen im ersten Jahr ihres Bestehens.
Unbürokratische Hilfe gestern und heute
Die Summe, um die es im Oktober 2018 ging, betrug 160’000 Franken. Die Aufregung war gross. Aber nicht, weil man das Gesuch unangebracht fand, sondern allein deshalb, weil man den Betrag in den Büchern der Bank nicht finden konnte. Mit modernster Big-Data-Technologie versuchte man das Problem zu lösen, und siehe da – in einem Protokoll aus den 1990er Jahren kam man der Sache auf die Spur: Die Zürcher Kantonalbank war von Anfang an davon ausgegangen, dass man die Kredite der Bauernhülfskasse schenken würde! Deshalb hatte sie die Summe von der ersten Kreditvergabe an – buchhalterisch ausgedrückt – abgeschrieben. Und solche Beträge sieht man in den Bilanzen der folgenden Jahre nicht mehr. So kam die Zürcher Landwirtschaftliche Kreditkasse 2018 im Eilzugstempo zu ihrer Schenkung – und die Bauern des 21. Jahrhunderts weiterhin zu unbürokratischer Hilfe in Notsituationen.
Titelbild: Auch heute noch sind Landwirte eine Kundengruppe mit besonderen Bedürfnissen: Plakat, 2012.