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Für Catharina Sturzeneggers wagemutigen Auslandeinsätze haben die Begegnungen mit Henry Dunant in Heiden Funken geschlagen. Dunant, dem Initiator des Roten Kreuzes, wird für sie zum Vorbild und geistigen Vater. Dunant und Sturzenegger führen lange Gespräche über den Frieden. Bald wird Sturzenegger eine eifrige Verfechterin von Dunants Idealen. Bei einem ihrer späteren Besuche bei Dunant ruft er bezüglich des russisch-japanischen Kriegs aus, ob denn niemand in der Schweiz den Japanern die Grundsätze des Roten Kreuzes näherbringen könne. Da meldet sie sich spontan freiwillig und reist im Auftrag des Roten Kreuzes nach Japan.
Doch bereits vor diesen Begegnungen mit Dunant nimmt sich Catharina Sturzenegger vor, dem Krieg den Krieg zu erklären. Nachdem sie aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf als Lehrerin aufgeben muss, übernimmt sie während 15 Jahren zuerst das Postbüro in Wolfhalden und später dasjenige in Grub nahe St. Gallen. Sie muss 18 Stunden täglich im Büro einsatzbereit sein, um die Pferdepost-Fuhrwerke abfertigen zu können. Doch langweilig wird es ihr nie. Sie interessiert sich für die internationale Friedensliga und gründet eine Ostschweizer Sektion dieser Vereinigung. Die Idee des Pazifismus liegt vor dem Ersten Weltkrieg in der Luft; kurzerhand schreibt sie neben ihren posthalterischen Pflichten eine «Kurze Schweizergeschichte» aus pazifistischer Sicht. Darin lässt sie «altbewährte» Schlachten unerwähnt und widmet stattdessen ein ganzes Kapitel der Genfer Konvention. Bei einem internationalen Wettbewerb zur Friedensfrage erreicht sie unter 112 Arbeiten den siebten Rang.
In ihren weiteren Schriften plädiert Sturzenegger für die völkerrechtliche Sicherung des Friedens durch ein internationales Tribunal. Sie fordert Einsparungen bei der Rüstung, um mit diesem Geld den ärmeren Bevölkerungsgruppen zu helfen. Als sozialpolitische Massnahmen schlägt sie die unentgeltliche Krankenpflege und die kostenlose Berufsbildung vor. Als Autodidaktin bringt sie sich auf ihrer Reise nach Japan die englische Sprache bei, sie erlernt durch Beobachten die Künste der Krankenpflege. Sie verdient ihr Reisegeld damit, dass sie grossen Schweizer Zeitungen Kriegsberichte zuschickt oder den Japanern die deutsche Sprache beibringt. Zudem ist sie eine fleissige Fotografin.
Catharina Sturzenegger ist eine aussergewöhnliche und widersprüchliche Frau. Sie setzt sich für den Frieden ein, verherrlicht jedoch die nationalistischen Strömungen in Japan und Serbien. Sie schreibt über Pazifismus und ist gleichzeitig als erste Frau Mitglied im Schiessverein Wolfhalden - und glänzt mit ihren Resultaten.