Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03493.jsonl.gz/783

Belinda Bencic erkämpft sich Olympia-GoldSchreiben Sie einen Kommentar
Nach fast zweieinhalb Stunden sinkt Belinda Bencic auf dem Centre Court in Tokio in die Knie, dann auf den Rücken. Beim zweiten Matchball segelte Vondrousovas Return ins Aus, die Schweizerin hatte ihren grössten Erfolg erleiden müssen. Wie fast jeden Sieg in den letzten Tagen.
Die French-Open-Finalistin von 2019, obwohl nur noch auf Platz 42 des WTA-Rankings klassiert, lieferte Bencic einen grossen Kampf. Doch die Schweizerin war dem Druck gewachsen und gewann wie so oft in den letzten Tagen die wichtigen Punkte. Im ersten Satz lag sie 2:3 mit Break im Rückstand, setzte sich aber dank 17 Winnern 7:5 durch. Den zweiten dominierte die zwei Jahre jüngere Tschechin, die unter anderen die Mitfavoritinnen Naomi Osaka und Jelina Switolina ausgeschaltet hatte.
Und auch im Entscheidungssatz ging Vondrousova gleich mit einem Break in Front. Bencic demonstrierte aber ihre vielleicht grösste Qualität: Sie steckte nie auf und wurde dafür belohnt. Sie begann wieder aggressiver zu spielen und brachte damit ihre tschechische Freundin aus der Komfortzone. Als Folge davon stieg Vondrousovas Fehlerzahl markant. Im dritten Durchgang unterliefen ihr nicht weniger als 18 unerzwungene Fehler, gleich viele wie in den ersten beiden Sätzen - bei Bencic waren es im finalen Set deren 6.
Dennoch musste die Schweizerin den Sieg erdauern. Nachdem sie das 0:1 in ein 3:1 gedreht hatte, kam ihre Gegnerin auf 3:3 heran. Bencic wehrte einen Breakball zum 3:4 ab, danach drei weitere, als sie zum Match aufschlug. Bis dann eben der letzte und entscheidende Aufschlag den Triumph brachte. Zur Schlussphase sagte sie: «Ganz ehrlich, ich war am Ende meiner Kräfte. Ich weiss nicht, was ich überlegt habe. Ich versuchte einfach, jeden Ball auf die andere Seite zu bringen. In dem Moment existierte ich nur noch, ich konnte nicht mehr denken und fast nicht mehr laufen.»
Es ist die dritte Schweizer Goldmedaille im Tennis nach Marc Rosset 1992 in Barcelona und dem Doppel Roger Federer/Stan Wawrinka 2008 in Peking. Seither gab es an allen Spielen mindestens eine Medaille für die helvetische Tennis-Delegation. Am Sonntag hat Bencic um 8.00 Uhr Schweizer Zeit an der Seite von Viktorija Golubic im Doppel die Chance auf eine zweite Goldmedaille. Gegnerinnen im Final sind die topgesetzten Tschechinnen Barbora Krejcikova/Katerina Siniakova.