Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/633

Filmmusik
JAGDZEIT ist ein kommender Spielfilm von Sabine Boss (Der Goalie bin ig), produziert von Michael Steiger und Anita Wasser von Turnus Film (Wolkenbruch).
Alexander Maier (Stefan Kurt) ist der perfektionistische Finanzchef des Schweizer Automobilzuliefer-Konzerns Walser, der sein ganzes Leben der Arbeit unterordnet. Er hofft noch immer, dass seine Ex-Frau und sein Sohn zu ihm zurückkehren - doch dann platzt der neue CEO Hans-Werner Brockmann (Ulrich Tukur) in sein Leben. Der Topmanager soll die Firma umstrukturieren. Die beiden schmieden energisch einen Plan, um den Betrieb in die Zukunft zu retten. Doch schon bald schlägt ihre Kollegialität um in einen erbitterten Kampf. Als ein Deal mit einem Grossinvestor platzt und der geplante Börsengang gestoppt wird, gibt Brockmann Maier die Schuld für das Scheitern. Maier realisiert, dass er alles verloren hat: seinen Ruf, seine Frau und seinen Sohn. In dieser Leere sieht er nur noch eine Möglichkeit, um sich an Brockmann zu rächen...
Zur Filmmusik:
JAGDZEIT spielt vorwiegend in luxuriös, eingerichteten Büroräumen und teuren Wohnungen. Ich wollte etwas finden, das diese sterile Umgebung bricht, etwas, das einen Kontrast zu diesen Bildern kreiert.
Im Film wird ein Schlüssel-Element eingeführt - das „Hagakure-Buch“ (auch Ehrenkodex der Samurai genannt). Alexander bekommt es von Brockmann bei dessen Amtsantritt als Geschenk. Ich dachte mir, ein japanisches Element in der Filmmusik könnte diesen Kontrast wunderbar herstellen und habe nun an einige Stellen eine Solo-Shakuhachi gegen die Bilder der sterilen Büroräumen gesetzt.
Dann gibt es das „Jagdmotiv“, welches zum ersten Mal in einem achtköpfigen Blechbläser-Satz erklingt. Es steht für den drohenden Kampf zwischen Alexander und Brockmann und klingt im ersten Moment fast wie eine entfernte Sirene. Auch dieses Element entspringt aus den Texten des Hagakure-Buchs. Die Blechbläser wurden in den AIR Studios in London aufgenommen und werden im Verlauf des Films immer mehr mit elektronischen Elementen vermischt.
Schliesslich wollte ich ein Haupt-Motiv finden, welches mit dem Film mitgeht und die tragische Entwicklung Alexanders mitmacht. Es sollte ein Motiv sein, welches immer in einer anderen Erscheinung auftreten kann. Das „Hagakure-Motiv“ wird eingeführt, im Moment als Alexander das Buch von Brockmann erhält. Das Thema wird mit einem gedämpften Upright Piano interpretiert und hat fast verführerischen Charakter. Alexander wird immer mehr vom Buch in seinen Bann gezogen, bis er einer manischen Bodenlosigkeit verfällt. Auch das Hagakure-Motiv verfällt immer mehr in seine musikalische Bausteine, bis sich Rhythmik, Melodik und Harmonik komplett auflösen.
Es war faszinierend zu sehen, wie das Hagakure-Buch als dramaturgisches Schlüssel-Element der Ursprung für sämtliche musikalische Entscheidungen werden konnte.