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Woher der Erfolg?
Woher der Erfolg? Ein Frage, die man sich stellen muss, angesichts des Erfolges der Sowjetunion in Fragen der Raumfahrt. Der Erfolg ist sicher erstaunlich, wenn man bedenkt, wie "arm" das Volk in der Sowjetunion war und mit welchen Mitteln die Sowjetunion ausgestattet war. Diese waren im Vergleich mit den Mitteln des Westens etwa 10-20 Jahre im Rückstand. Als Beispiel soll hier nur die Elektronik genannt werden.
Dennoch vermochte es die UdSSR die Amerikaner in fast allen Weltraumeroberungen zu schlagen. Einem einzigen Ort war es den Amerikanern vergönnt zu gewinnen. Bei der bemannten Mondlandung. Dies aber auch nur nachdem die Sowjetunion kurz zuvor noch eine Sonde auf den Weg geschickt hat, die Gesteinsproben vom Mond nahm und zur Erde zurückkehrte.
Doch woher stammte der Erfolg?
Als erstes war sicher das Gedankengut vorhanden. Es gab viele Russen, die schon um die Jahrhundertwende das Gedankengut zur Weltraumfahrt lieferten. Das berühmteste Beispiel ist K.E.Ziolkowski.
Auch gab es seit 1680 eine staatliche Raketenanstalt, die mit Pulverraketen experimentierte. Dies waren nicht Feuerwerkskörper sondern dienten schon damals dem Militär. Diese Entwicklung ging weiter. Ab den 30er Jahren des 20. Jahrhundert gab es in der Sowjetunion Gruppierungen um S.P.Koroljow und W.P.Gluschko die an Flüssigraketen und Triebwerken herumbastelten. So gab es auch Experimente mit Düsenflugzeugen, Raketenwerfern etc. Somit stand sicher einmal das Grundgerüst für eine erfolgreiche Raumfahrt. Übrigens gab es neben den Gruppierungen in der Sowjetunion nur noch in Deutschland um Wernher von Braun eine Gruppe, die Flüssigraketen entwickelten (Hitlers V1 und V2 waren das Ergebnis dieser Gruppe).
Dadurch dass die Sowjetunion als erste einen Satelliten (Sputnik 1) ins All geschossen haben, wurde dies zu einem der Hauptpropagandathemen der Sowjetischen Führung. Jeder Erfolg wurde richtiggehend ausgeschlachtet. Dadurch dass der Parteispitze Erfolge in der Raumfahrt so wichtig waren, floss auch sehr viel Geld in die Raumfahrt. Den zuständigen Planungsämtern mangelte es deshalb nie an den finanziellen Mitteln.
Was funktioniert, wird jahrzehntelang nicht verändert! Dies trifft auch in der sowjetischen Raumfahrt zu. Die russische Raumfahrt ist eine Mischung aus Low-Tech und Routine. Getreu dem Motto des Maschinengewehr-Konstrukteurs Michail Kalaschnikow: "Alles Vernünftige ist einfach. Alles Komplizierte ist überflüssig." (Quelle 8, S. 94) So ist z.B. die Sojuskapsel seit über 30 Jahren nahezu unverändert im Einsatz. Sämtliche Raketen sind noch immer nach dem gleichen System aufgebaut. Nur immer etwas grösser.
Bewährtes wird beibehalten. Funktioniert ein Bauteil, so ist es erstens genial konstruiert und zweitens Idiotensicher. Ein Amerikanischer Raumfahrtarzt sagte: "Wir neigen dazu, alles immer wieder neu zu erfinden und das macht unsere Systeme sehr anfällig." (Quelle 8, S. 97) Ein kleines Beispiel: 1995 koppelte erstmals das amerikanische Space Shuttle an die MIR. Die Andockkupplung dazu wurde in der UdSSR gebaut. Obwohl niemand mit Kopplungsmanövern mehr Erfahrung hat als die UdSSR, legte der amerikanische Beratungsstab ein Liste mit 34! Änderungen vor. Schlussendlich wurde gleichwohl nach russischer Bauart geflogen. Der Andockstutzen funktionierte bis heute mehrmals einwandfrei.
Es gibt jedoch noch einen dritten wichtigen Punkt. Die seriöse Entwicklung. Dieser Punkt gilt aber erste seit etwa 1970. Vorher war die sowjetische Raumfahrt unter Einfluss der Politik. Oftmals wurde auf Wunsch der Politiker früher gestartet als eigentlcih zu Verantworten war. Beispielel dafür waren z.B. der erste Flug einer Frau, genauer von Valentina Wladimirowna Tereschkowa. Dieser Flug wurde nur auf Geheiss der Partei veranstaltet. Obwohl er Propagandamässig fast noch den Flug von Juri Gagarin übertraf, war er nicht sehr erfolgreich. Dies zeigte sich auch darin, dass erst ab den 80er Jahren wieder Frauen im All anzutreffen waren. Ein anderes ist der überstürzte Start von Saljut 1 im Jahre 1969 mit der ebenfalls neuen Trägerrakete vom Typ Proton. Die Rakete explodiert bekanntlich und zerstörte auch die Station.
Nachdem die UdSSR den Wettlauf um die Mondlandung gegen die USA verloren hatte, wurde die Raumfahrt neu organisiert. Seither bestimmten die zuständigen Ingenieure wann eine Rakete gestartet wurde und wann nicht. Dadurch war es möglich gewisse Entwicklungen zuerst richtig zu testen, bevor man sie benützte. Dies zeigte sich auch beim Aufbau der Raumstationen Saljut's und MIR. Da wurde längerfristig auf das Endziel Grossraumstation experimentiert, getestet, geprüft und entwickelt. Der vorläufige Höhepunkt, MIR, funktioniert seit 1986, in der neusten Zeit wegen Altersschwäche zwar nicht mehr so zuverlässig aber sie funktioniert immer noch.
Somit kann man sagen, dass drei Punkte den wesentlichen Ausschlag zum Erfolg der Sowjetunion in der Weltraumfahrt gegeben haben. Erstens das geistige Gedankengut, das in der Sowjetunion vorhanden war, zweitens der Hang zum Konservatismus, das heisst, dass etwas das funktioniert jahrelang nicht verändert wird, der sich in der Raumfahrt auszahlt und drittens die sorgfältige Entwicklung der Raumschiffe und Raketen.

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