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Die Württembergerin Henriette Alexander arbeitete nach 1870 wiederholt als Haushälterin und Pflegerin für Pflegetöchter von Christian Friedrich Spittler im Klösterli in Riehen. Dort verbrachte sie auch ihren Lebensabend.
Tochter des Henry Alexander (Kammerdiener) und der Julie Weber (Kammerdienerin).
Henriette Alexander kam am 17. Februar 1817 als uneheliche Tochter von Henry Alexander und Julie Weber in Gabelsberg bei Stuttgart zur Welt. Ihr Vater war afrikanischer Herkunft. Der ehemalige Fechtmeister war von 1810 bis 1818 Kammerdiener am Hof von König Wilhelm von Württemberg. Die Mutter, ebenfalls Kammerdienerin, arbeitete beim württembergischen Minister Christian Friedrich von Otto. Henriette Alexander verbrachte ihre frühe Kindheit bei ihrer Patin in der Nähe von Stuttgart. Als sie acht Jahre alt war, brachte ihre Mutter sie in die Armenanstalt der Brüdergemeinde Kornthal. Nach dem Tod der Mutter 1833 wurde Alexander in Löwenstein bei Heilbronn konfirmiert und kehrte zurück in die Kornthaler Anstalt.
Aufgrund ihrer Hautfarbe und der fehlenden finanziellen Mittel kam niemand auf den Gedanken, sie einen Beruf erlernen zu lassen, hielt sie selber rückblickend fest. So blieb ihr nichts anderes übrig, als Hilfsarbeiten auszuführen. Zuerst assistierte sie der Hauswirtschaftslehrerin in der Kornthaler Anstalt. 1835 wurde sie als Kindermädchen bei einer Beamtenfamilie in Stuttgart engagiert, wo sie acht Jahre lang blieb. 1843 kam sie zu einer Gesellschaft von Kunstreitern, für die sie als Kinder- und Dienstmädchen arbeitete und als ‹afrikanische Attraktion› vor Publikum auftreten musste. Mehrere Fluchtversuche missglückten. Nach zwei Jahren gelang ihr auf einer Tournee in Basel die Kontaktaufnahme zu Christian Friedrich Spittler (1782–1867), der sie als Haushälterin im Haus ‹zum Fälkli› in Basel einstellte.
Spittlers Adoptivtochter Sette Spittler bildete Alexander zur Schneiderin aus. Von 1845 bis 1870 arbeitete sie als Hauswirtschaftslehrerin für die Armenschullehrer- und Armenkinder-Anstalt im Schloss Beuggen bei Rheinfelden. Es folgten Arbeitsjahre als Haushälterin bei Sette Spittler im ‹Fälkli› und im Klösterli in Riehen und sieben weitere Jahre in Gernsbach bei Baron von Gemmingen. 1881 kehrte Alexander ins Klösterli nach Riehen zurück und pflegte Spittlers kranke Pflegetochter Susanna Luise Anjama. Nach deren Tod kümmerte sie sich weitere vier Jahre um den Haushalt im ‹Fälkli›. Im Alter von 68 Jahren trat sie 1885 in Riehen in das im Klösterli eingerichtete ‹Spittlerstift›, ein Heim für ältere und alleinstehende Frauen. Dort starb Henriette Alexander am 5. Februar 1895 und wurde in Riehen bestattet.
An ihrem Grab wurden ihre autobiografischen Aufzeichnungen verlesen, in denen Alexander von den Schwierigkeiten berichtet, denen sie als Schwarze und mittellose Frau in Europa im 19. Jahrhundert begegnet war. Ihre Aufzeichnungen wurden 1895 auch im Monatsblatt von Beuggen abgedruckt. Dieser Text gilt als ältestes überliefertes Selbstzeugnis einer schwarzen Deutschen.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 7.5.2022
Nachruf auf Henriette Alexander. In: Monaths-Blatt von Beuggen 4 (1895). S. 30–32.
Debrunner, Hans Werner: Eine Afrikanerin in Riehen. Susanna Luise Anjama (1846–1882). In: Jahrbuch z’Rieche 1982. S. 32–47.
Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Ausstellungskatalog Homestory Deutschland. Schwarze Biografien in Geschichte und Gegenwart. O. O. o. J. S. 104f.
Debrunner, Werner: Anjama und ihre Schwestern. Zur Geschichte von Afrikanerinnen in der Schweiz. In: Höpp, Gerhard (Hg.): Fremde Erfahrungen. Asiaten und Afrikaner in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bis 1945. Berlin 1996. S. 275–286.
Dos Santos Pinto, Jovita: Spuren. Eine Geschichte Schwarzer Frauen in der Schweiz. In: Berlowitz, Shelley, Joris, Elisabeth und Zeedah Meierhofer-Mangeli (Hg.): Terra incognita. Der Treffpunkt Schwarzer Frauen in Zürich. Zürich 2013. S. 143–185.
Exotisch – höfisch – bürgerlich. Afrikaner in Württemberg vom 15. bis 19. Jahrhundert. Ausstellungskatalog Staatsarchiv Stuttgart. Stuttgart 2001. S. 71f., 101–103.