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Martina ist ehrgeizig, treibt viel Sport und war immer eine sehr gute Schülerin. Vor knapp zwei Jahren – sie kam gerade in die Sekundarschule – begann das Ganze. Sie war schon damals sehr gross für ihr Alter und wog 57 kg; ihr Körper begann etwa zu diesem Zeitpunkt, die Formen einer Frau anzunehmen. In ihrer Klasse begannen die ersten Mädchen, mit Diäten zu experimentieren – auch sie.
In den ersten Wochen nahm sie relativ rasch ein paar Kilos ab. Als ihr Gewicht dann aber nicht mehr weiter sank, drosselte sie ihre Nahrungszufuhr weiter auf ein absolutes Minimum. Mit der Zeit ass sie ein paar Tage lang gar nichts mehr und trank nur noch stark verdünnten Fruchtsaft und ungesüssten Tee. Ab und zu gönnte sie sich noch einen Kaugummi.
Sie steigerte sich immer mehr hinein und wollte immer noch mehr abnehmen. Hunger empfand sie schon lange keinen mehr. Als sie noch 50 kg wog, blieb die Mens aus. Mit 48 kg hörten ihre Nägel auf zu wachsen; mit 45 kg fielen ihr die ersten Haare aus. Magenschmerzen waren an der Tagesordnung; sie war immer blass und fror ständig. In der Schule konnte sie sich schon seit langem nicht mehr konzentrieren.
Lange merkte niemand etwas – nicht ihre Lehrer, nicht ihre Freundinnen und Freunde, nicht einmal ihre Eltern. Sie sagt heute rückblickend: „Beim Hungern fühlte ich mich überlegen, disziplinierter als alle anderen. Darauf war ich stolz.“ Verzicht betrachtete sie als Stärke.
Mit der Zeit veränderte sie sich; das merkten dann auch ihre Freundinnen und Eltern: Sie lachte nicht mehr, vergass Verabredungen, ihr war alles egal. Dann an einem Morgen klappte sie zusammen. Ihre Mutter brachte sie ins Spital, Diagnose Anorexie. Im Spital hat sie jetzt eine gute Chance, ihre Anorexie zu heilen.