Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03263.jsonl.gz/852

Beispiele, wie die emotionale und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit hohem kognitiven Potenzial häufig falsch eingeschätzt wird:
- Hohes Einfühlungsvermögen
Ein dreizehnjähriger hochbegabter Junge bekommt eine schlechte Note in einem Schultest. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Lehrperson irrtümlicherweise etwas übersehen hatte. Die Note würde bei einer entsprechenden Korrektur deutlich besser ausfallen.
Darauf angesprochen, ob man nicht mit der Lehrerin darüber sprechen sollte, sagte der Junge: « Nein, lieber nicht. Ich hatte in der letzten Zeit den Eindruck, dass es ihr gerade nicht so gut geht. Lassen wir es lieber.»
- Langeweile statt Zurückgezogenheit
Ein fünfjähriger Junge wollte lieber in die Schule gehen als ein weiteres Jahr in den Kindergarten. Er konnte lesen und etwas schreiben und rechnete gerne.
Die Kindergärtnerin sagte den Eltern, sie könne dies nicht empfehlen. Er sei emotional und sozial etwas zurückgeblieben und spiele immer alleine.
In der Beratungsstunde bei mir zeichnete er einige Zeichnungsblätter voller Planeten. Er erzählte mir, dass das Weltall, die Sterne und Planeten ihn sehr interessierten. Die anderen Kinder im Kindergarten fänden das blöd. Deshalb spiele er nun lieber alleine.
Die Eltern berichten, ihr Sohn spiele sehr gern und sehr gut mit älteren Kindern aus der Nachbarschaft.
In der Abklärung zeigte sich übrigens eine deutliche kognitive Hochbegabung.
- frustrierendes Umfeld vs. frustrierte Persönlichkeit
Eine hochbegabte Gymnasiastin zeigt zusehends schlechtere Noten und zieht sich zurück. Die Lehrperson und die Schulpsychologin sehen dies als Persönlichkeitsproblem der Schülerin. Die Hochbegabung habe damit nichts zu tun.
Eine Veränderung der Schulsituation mit Verringerung der schulischen Unterforderung verändert die Situation innerhalb von zwei, drei Wochen: Der Schülerin geht es besser, Lernfreude und -motivation sind zurück, die schulischen Leistungen steigen wieder.