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Gelungener Umbau für den Kindernotfall
Die Abteilung Kindernotfall des HFR Freiburg – Kantonsspitals wurde umfassend renoviert. Grössere, ergonomisch gestaltete Räume dienen dem Wohlbefinden und der besseren Versorgung der Kinder und Jugendlichen.
Debatten, Standorte und ein Legat: Das Kantonsspital hat in seiner 200-jährigen Geschichte einige Wendepunkte erlebt. Heute ist das HFR Freiburg – Kantonsspital für seine Spitzenmedizin bekannt und engagiert sich für die Ausbildung der künftigen Ärztinnen und Ärzte.
Ab 1808 brachte der Staat Freiburg auf der Grundlage eines Abkommens seine bedürftigen Kranken im Bürgerspital unter. Diese Übereinkunft genügte aber bald nicht mehr. Um 1820 wurde erwogen, ein kantonales Hospiz zu gründen. Das Gesetz von 1869 über die Institutionen zur Krankenpflege bildete eine erste Grundlage, um den Bedarf an Spitälern im Kanton zu planen. Der Staat erkannte die Bezirksspitäler an, unterstützte ihre Entwicklung und äusserte seinen Wunsch, ein Kantonshospiz für chirurgische Eingriffe sowie eine Nervenheilanstalt zu bauen. Diese wurde im Jahr 1875 in Marsens gegründet. Sie war das erste Staatsprojekt des öffentlichen Gesundheitswesens im Kanton Freiburg.
Da sich das Freiburger Spitalsystem um 1870 verbessert hatte, liessen sich manche zur Annahme verleiten, die Bedürfnisse des Kantons seien gedeckt und ein Kantonshospiz nicht mehr nötig. Die Freiburger Regierung strebte indes weiterhin den Bau eines solchen Hospizes an, erst recht, als Staatsrat Georges Python sich für die Gründung einer medizinischen Fakultät einzusetzen begann.
Die Jahre 1890 bis 1900 erwiesen sich für Pythons Projekt als günstig: 1893 erhielt er Unterstützung von Dr. med. Alfred Dupraz, Privatdozent an der Universität Genf, und Dr. med. Konstantin Kaufmann, Professor für Chirurgie an der Universität Zürich. Beide bestätigten, dass Freiburg eine medizinische Einrichtung mit 120 Betten benötigt. Auch das politische Klima war für Python günstig; das Thema Kantonsspital prägte in den Jahren 1897–1912 mehrere Gemeinde- und Kantonsratswahlen. Schliesslich jedoch gelang es Python lediglich, im Gambach und im Pérolles je eine Klinik zu errichten, die um 1919 gebaut wurden.
Die Augenklinik war eine Stiftung aus dem Vermächtnis eines Gönners, der 1897 sein Vermögen für eine solche Einrichtung gespendet hatte. Die Fondsverwaltung übernahm Python, der die Ordensschwestern der Providence de Dijon nach Freiburg holte, um die Klinik zu leiten. Das Areal im Gambach stellte der Staat 1907 zur Verfügung. Schliesslich wurde entschieden, die Chirurgie und die Geburtenabteilung in diese Klinik einzugliedern. Nachdem dort von 1914 bis 1918 Soldaten beherbergt worden waren, wurde die Klinik schliesslich Hauptsitz des Kantonsspitals. Daraufhin wurde mit dem Bürgerspital ein Vertrag abgeschlossen: Es sollten keine Kranken mehr im Bürgerspital aufgenommen werden, die im Gambach behandelt werden konnten. Zudem konnten 1919 einige Schwestern des St.-Martha-Ordens verlegt werden. Das Gebäude zählte zu diesem Zeitpunkt 125 Betten. 1920 fiel der Entscheid, die Geburtenabteilung mit einer Verlegung ins Pérolles von den übrigen Abteilungen zu trennen. In diesem Jahr, nach fast einem Jahrhundert der Streitereien und Debatten, wurde das Freiburger Kantonsspital an den Standorten Gambach und Pérolles gegründet.
Bereits in den 1940er-Jahren genügte das zwanzig Jahre zuvor eröffnete Spital den Ansprüchen nicht mehr: Es hatte seit seinem Bau keine nennenswerten Renovationen mehr erfahren, war baufällig geworden und nicht mehr in der Lage, den steigenden Patientenzahlen gerecht zu werden. 1941 war die maximale Aufnahmekapazität von 200 Betten erreicht. Neben dem Desinteresse, das sowohl die Ärzte wie die wohlhabende Kundschaft an dieser Einrichtung zeigten, wurden nun auch die finanziellen Schwierigkeiten sowie die Konkurrenz des Bürgerspitals spürbar, das sich nach dem Brand von 1937 zu einer medizinisch gut ausgestatteten Institution entwickelt hatte. Deshalb war eine grundlegende Reorganisation erforderlich. 1946 war es schliesslich soweit: Paul Torche wurde in den Staatsrat gewählt und beauftragte die kantonalen Behörden mit dem Thema.
Anfang der Fünfzigerjahre entschied der Freiburger Staatsrat, ein Kantonsspital zu bauen, das seinem Namen Ehre machen sollte. 1952 bestimmte er zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe innerhalb der Verwaltungskommission. Das Projekt war politisch geprägt, die kantonalen Behörden in Aufbruchsstimmung: Zweiflern entgegneten sie 1954, ein Kanton wie Freiburg könne aus Prestigegründen und nicht zuletzt wegen seiner Universität schlicht und einfach nicht auf das Kantonsspital verzichten. Die Verwirklichung verlief harzig: Rund zwanzig Jahre vergingen, bevor das Spital von Bertigny eröffnet wurde. Die Schwierigkeiten waren verschiedenster Natur: Zunächst ging es darum, die Unterstützung des Grossen Rates zu erlangen, der über die Vergabe der Kredite entschied. Hier stand viel auf dem Spiel, da wegen des Spitalgesetzes von 1955 mehrere Regionalspitäler ebenfalls in der Entwicklungsphase standen. Diese erwarteten nicht, dass ein neues Kantonsspital gebaut würde, sondern vielmehr, dass sie selbst öffentliche Gelder für neue Bauten und Infrastruktur erhalten würden. Insbesondere wurde befürchtet, diese Einrichtung sei nur für die Einwohner des Saanebezirks vorgesehen, die über kein Regionalspital verfügten.
Das Bürgerspital war nach 1937 mit einer modernen medizinischen Infrastruktur ausgestattet worden. 1944 hatte die Freiburger Gemeindeverwaltung eine Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital und eine Aufgabenteilung zwischen den beiden Einrichtungen noch abgelehnt. Im Jahr 1974, zwei Jahre nachdem das neue Kantonsspital seine Tätigkeit aufgenommen hatte, unterzeichneten die Stadt und der Kanton Freiburg endlich einen Vertrag. Für das Bürgerspital bedeutete dieser das Aus. Ein grosser Teil der Freiburger Ärztinnen und Ärzte, die um ihre Privilegien fürchteten, war gegen diesen Schritt.
Um dieses Projekt erfolgreich abzuschliessen, musste der Staatsrat Stellung nehmen und ein Kantonsspital präsentieren, das die regionalen Einrichtungen ergänzen und der gesamten Ärzteschaft nützen sollte. Wie in anderen Kantonen musste diese Einrichtung ein Zentrum für Spitzenchirurgie werden und sich auf bestimmte Fachgebiete spezialisieren. 1954 und 1957 stimmte der Grosse Rat den Krediten für die Machbarkeitsstudien zu. Bis Mitte der Sechzigerjahre dauerten die Gespräche und Verhandlungen an
1972 wurde auf dem Hügel von Bertigny (Brittenach) das neue Kantonsspital eröffnet. Seither hat sich das Spital mit der regelmässigen Aufnahme zusätzlicher Leistungen und der Nutzung neuer Technologien laufend den neuen Gegebenheiten angepasst. Der Reihe nach waren dies die Hämodialyse (1974), die Nuklearmedizin (1975), die Implantation von Herzschrittmachern (seit 1976), der Ultraschall (1979), die Urologie und Hämato-Onkologie (1980), der Lasereinsatz, ophthalmologische Geräte und Computertomografie (1985), die Pneumologie (1986), die Elektromyografie und Endokrinologie (1987) sowie die Angiografie (1989), die Neurologie (1990) und die Diabetologie (1991). Auch die bestehende Ausstattung wurde laufend optimiert: der Zahntechnikraum (1985), der HNO-Operationssaal (1987), die Räumlichkeiten der Radio-Onkologie sowie die Magnetresonanz (1995). 2001 wurde das Spitalgebäude Bertigny II eröffnet mit der Notfallstation, der Kardiologie, der Erweiterung des Operationstrakts, dem Aufwachraum, der Intensivpflegestation, der Augenklinik und der Diabetes- und Ernährungsberatung. 2004 folgte die neue PET-Kamera, 2007 die Räumlichkeiten für die Koronarografie und Angioplastie.
Am 1. Januar 2007 wurde das Kantonsspital in das brandneue freiburger spital aufgenommen, das die öffentlichen somatischen Spitäler des Kantons umfasst. Aufgrund der grossen Nachfrage wurde 2010 das Gebäude Bertigny III mit neuen Operationssälen, der Abteilung Hämodialyse und der Spitalpharmazie eröffnet. Um noch besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung einzugehen, wurde ein dreistöckiges Verbindungsgebäude gebaut, das insbesondere mehr Platz für die Kardiologie schaffte. 2018 erstand das Spital die ehemalige Villa St. François in Villars-sur-Glâne, wo unter anderem die Palliative Care untergebracht ist. Für eine noch bessere Patientenversorgung wurde im selben Jahr die Notaufnahme renoviert und ausgebaut. Auch der Kindernotfall, der sich in unmittelbarer Nähe zum Erwachsenennotfall befindet, wurde umgestaltet.
Im September 2019 beginnt für das freiburger spital eine neue Etappe: das Masterstudium in Humanmedizin in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg. Ein zu diesem Zweck erbautes vierstöckiges Gebäude wird die Studierenden und Professoren am Standort des HFR Freiburg – Kantonsspitals aufnehmen. Im Studiengang stehen die Allgemeine Medizin und die Hausarztmedizin im Vordergrund. Auf diese Weise leistet er einen Beitrag zur Erhöhung der Ausbildungsplätze und fördert die hausärztliche Versorgung – ein wesentliches Element zur Sicherung der Nachfolge von Hausärzten. Damit bietet Freiburg nunmehr die gleichen Leistungen wie Lausanne, Genf, Bern, Basel und Zürich.
(Quelle: Donzé, Pierre-Yves: Bâtir, gérer, soigner – Histoire des établissements hospitaliers de Suisse romande. Georg Editeur, Editions Médecine et Hygiène département livre, Bibliothèque d’histoire de la médecine et de la santé, Genf, 2003.