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Wohnhochhaus
Adresse
8500 Frauenfeld
TG
Architektur
Mit den beiden Hochhäusern an der Grundstrasse – den ersten ihrer Art in Frauenfeld – wurde für die rasch steigende Zahl der Bevölkerung komfortabler und günstiger Wohnraum geschaffen. Durch das Bauen in die Höhe konnte bei gleichbleibender Ausnutzung mehr allgemein verfügbare Grünfläche erhalten werden, was einen entscheidenden Mehrwert für das Quartier bedeutete. Armin Posserts Hochhaus-Ensemble setzte einen weithin sichtbaren Akzent, der wohl als Sinnbild für den Fortschrittsgedanken der Nachkriegsmoderne auch in Frauenfeld verstanden werden kann.
Chronologie
Im Mai 1954 erwarb die Stadt Frauenfeld das Areal «Im Fallengatter». Zunächst wurde die Projektierung einer Wohnüberbauung mit zwei Hochhäusern in Auftrag gegeben und dann das Projekt des Frauenfelder Architekten Armin Possert genehmigt. Unter Mitarbeit von Susi Müller-Gehrig (1925–1981), die damals in Posserts Büro arbeitete, wurden die beiden Häuser zwischen 1958 und 1960 erbaut. Nach der Fertigstellung des ersten Wohnhochhauses an der Grundstrasse 23 im Jahre 1959 folgte 1960 das fast identische Gebäude an der Grundstrasse 21. 1996 wurde die Nummer 23, die seit 1992 im Besitz der Stadt ist, modernisiert und isoliert, während die in privater Hand gebliebene Nummer 21 weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten blieb.
Lage
Die Wohnhäuser befinden sich im nordwestlich von Frauenfeld gelegenen Quartier Kurzdorf. Sie sind Teil eines Wohngebiets im Süden der Schaffhauserstrasse, Die Erschliessung erfolgt über die gebogene Grundstrasse, welche beide Wohnhochhäuser umfliesst. Südseitig wird das Areal von der Feldhofstrasse gefasst. Die Häuser stehen annähernd senkrecht zueinander und bilden so zur strassenabgewandten Seite im Südwesten den Rahmen für einen gemeinschaftlich nutzbaren Aussenraum mit Wiese und Feuerstelle.
Beschreibung
Die Wohnhochhäuser sind längliche Sichtziegelbauten mit 10 Stockwerken und einem zurückversetzten Attikageschoss. Ein rechteckiges Sockelgeschoss aus Beton beinhaltet an der Grundstrasse 21 Stauraum, ein Zwischenlager für den Hausmüll und einen Coiffeur-Salon, das frühere Kaffee Kolibri. Darüber liegen neun achteckige Stockwerke mit verschieden grossen Wohnungen. Das abschliessende Attikageschoss umfasst die Waschküche, zwei Einzelzimmer für Angestellte oder Gäste und eine Terrasse für alle Bewohnenden. Die achteckige Form entsteht durch ein langgezogenes Rechteck, dass an allen Längs- und Stirnseiten leicht geknickt ist. Das Ziegelmauerwerk wird an den Längsseiten jeweils durch vertikal durchlaufende, weiss verputzte Fassadeneinschlüsse aufgelockert. Diese verbinden optisch die übereinander liegenden Laubengänge, Balkone und Fenster. Auf den kürzeren Seiten stehen kleinere, ebenfalls weisse Balkone vor, die durch ihren mittigen Knick die Fassadenform wiederholen. Ein weiteres Merkmal dieses Gebäudes ist das überstehende «Flugdach» unterhalb des Attikageschosses, das die achteckige Form aufnimmt.
Der Zugang erfolgt an der Grundstrasse 21 durch einen aus der Mittelachse nach Süden verschobenen, verhältnismässig kleinen Hauseingang. Die Wohnungen auf der Ostseite sind über Laubengänge erschlossen. Im Innern ist neben einem Personenlift auch ein Warenlift vorhanden, der Umzüge erleichtert. Im Untergeschoss befindet sich ein direkter Zugang zur Tiefgarage, die unter der Spielwiese liegt.
Literatur
- Grosses Wohnbau-Projekt in Frauenfeld, in: Thurgauer Volkszeitung, Nr. 223, 24. 9. 1954
- Frauenfeld bekommt Hochhäuser, in: Thurgauer Zeitung, 7. 9. 1955
- City Liegenschaften AG, Die Hochhäuserpläne und das erste Bauprojekt, in: Thurgauer Volkszeitung, Nr. 223, 26. 9. 1955
- Alfred Böhni, Das erste Hochhaus in Frauenfeld, in: Thurgauer Volkszeitung, 2. 4. 1959
- Armin Possert, Das erste Hochhaus in Frauenfeld, in: Thurgauer Zeitung, 2. 4. 1959
- Amt für Denkmalpflege des Kantons Thurgau (Hg.). Modern bauen. Thurgauer Nachkriegsmoderne 1940–1980. Basel 2015, S. 101
- Stephan Heuscher, Hoch hinaus – Hochhäuser an der Grundstrasse, in: frauenfeld.ch. Einwohnerzeitung der Hauptstadt des Kanton Thurgau Ausgabe 68/2018, S. 6 (online)
- Amt für Denkmalpflege. Hinweisinventar Bauten (online)