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1860 baute Lenoir in Frankreich die ersten kommerziell nutzbaren Gasmotoren. Aber auch eine Reihe kleiner Unternehmen versuchten sich damit, so auch Karl Benz, der Gas-Kleinmotoren für gewerbliche Anwendung baute. Die Einführung des Otto-Viertaktverfahrens und die Verfügbarkeit von Benzin bereiteten der Gasanwendung in jeder Art von Fahrzeugen ein jähes Ende. Dieseltreibstoff wurde erst interessant, als Mercedes 1936 den ersten Selbstzünder-Personenwagen in Serie herstellte, kurz danach auch Hanomag. Lastwagen nutzten den Dieselmotor freilich viel früher.
Leucht- oder Stadtgas, aus der Kohlevergasung gewonnen, war ein ziemlich bösartiges Gasgemisch mit einem Anteil von rund neun Prozent des giftigen CO. Die Umstellung der Gasnetze auf Erdgas erfolgte in Europa bis etwa 1970, wobei es für den Motorantrieb wegen seines extrem geringen Heizwertes nicht verwendet wurde. Erdgas, das auf der ganzen Welt vorkommt und vorwiegend aus Methan besteht, hat rund den doppelten Heizwert. Es wird heute CNG genannt, Compressed Natural Gas, weil es zum Fahrzeugantrieb in Tanks mit einem Druck bis 250 bar mitgeführt wird. In Argentinien zählt CNG im Auto schon seit langem zum Alltag. Dass Erdgas für stationäre Grossmotoren zunehmend interessant wird, ist eine ganz andere Geschichte.
Opel und VW waren die ersten Hersteller, die serienmässig hergestellte Erdgasautos anboten. Wir haben sie gefahren und waren durchaus zufrieden. Durch den geringeren Heizwert gegenüber Benzin lagen die Motorleistungen deutlich unter denen vergleichbarer Benziner. Beide Hersteller hatten jedoch durch Aufladung dafür gesorgt, dass die Besitzer auch mit Erdgas gut leben konnten. Anreiz war der niedrigere Preis, während das relativ dünne Ergasnetz viele Interessenten abschreckte. Zum Preis kommen wir noch.
Eine weitere Gasvariante ist das Auto- oder Flüssiggas LPG (Liquid Petroleum Gas), ein Gemisch aus vorwiegend Propan und Butan, wie es auch für Gasfeuerzeuge verwendet wird. Es fiel in den Raffinerien an und wurde zunächst abgefackelt, bis man entdeckte, dass damit auch Verbrennungsmotoren zu betreiben waren. Bereits 1935 wurde in Hannover die erste LPG-Tankstelle eingerichtet. Nach dem Krieg führte sich LPG relativ rasch vor allem in Holland und Italien ein. Die Verbreitung entlang der Nord-Süd-Route von Holland nach Italien dokumentiert diese Entwicklung auch in Deutschland und der Schweiz; bei den Eidgenossen gibt es (neben 140 CNG-Tankstellen) immerhin 58 LPG-Stationen. Anders als früher, wo es LPG-Autos verboten war, in Tiefgaragen zu parkieren, können sie sich heute fast überall ohne Einschränkungen bewegen.
Gegenüber Benzin erfordert LPG einen Mehrverbrauch zwischen 10 und 20 Prozent, doch gibt es neuere Entwicklungen mit besserem Wirkungsgrad. Besonders interessant ist, dass mit LPG der Ausstoss von Stickoxiden auf rund 20 Prozent des Benzinwertes sinkt, während unverbrannte Kohlenwasserstoffe um rund 50 Prozent schwinden.