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Die Kykladenlandschaft der griechischen Insel Milos ist geprägt von windumtobten, felsigen Hängen und landwirtschaftlich genutzten Olivenhainen. In dieser Umgebung hat Deca Architecture das «Hourglass Corral» fertiggestellt. Das
Dach ist mit einer Vielzahl von aromatischen Pflanzen bewachsen und besticht mit einer Mischung aus Architektur
und Landschaftsarchitektur.
In der sonnenverwöhnten Kykladenlandschaft der Insel Milos, die von der Brise des nahen Meeres gekühlt wird, ist das «Hourglass Corral» in die natürliche Umgebung eingebettet. Mit seiner Architektur wirkt das Gebäude wie eine Ansammlung von Zellen. Jede Zelle des
Corrals¹ ist mit einer anderen Art von aromatischen Pflanzen bewachsen,
die für die Gewinnung von ätherischen Ölen verwendet werden. Deca Architecture hat das Haus gebaut und es ist Teil eines 90.000
Quadratmeter grossen Gebietes, für das die Architekten in den letzten zehn
Jahren fünf solcher «Voronoi's Corrals» entwickelt haben. Der Name ist an die Voronoi-Diagramme des Mathematikers Georgi Feodosjewitsch Woronoi angelehnt. Bei diesen Diagrammen handelt es sich um ein mathematisches Konstrukt, das eine Ebene in Regionen unterteilt, die von vorgegebenen Zentren bestimmt werden. Die Umrisse der Corrals, die auf den griechischen Inseln seit
Jahrhunderten als informelle und empirische Art der Zonierung
existieren, definieren klare Grenzen zwischen Wildnisgebieten und neuen
Wohn- und landwirtschaftlichen Nutzflächen zu deren gegenseitigem
Schutz.
Der «Hourglass Corral» ist der jüngste Corral, der gebaut wurde. Er liegt auf einem Plateau direkt über dem Orchard Corral und schafft eine Wechselbeziehung zwischen Architektur und Natur, geometrischen Regeln und Wildnis. Die rauen und verwitterten Steinmauern des Hauses umschliessen das Gebäude auf allen Seiten. Nach Süden hin verschwindet jedoch jegliches Gefühl der Abgeschlossenheit und die Sonnenstrahlen können ins Haus eindringen. Die Sichtbetonträger mit ihren schattenspendenden Vordächern ragen über die Steinfassaden hinaus und verschmelzen mit dem Panorama des Ägäischen Meeres. Jede Zelle des Gebäudes entspricht einer klar definierten Nutzung, sei es ein Aussenhof, ein schattenspendendes Vordach, ein Gemeinschaftsraum, ein Schlafzimmer oder ein Nebenraum. Statt Linien zu zeichnen, wurden die Pläne durch das Verschieben von Punkten im Raum verfeinert. «Die Voronoi-Formel sorgte dafür, dass jeder Tisch, jedes Bett und jeder Baum im Verhältnis zu den benachbarten Bereichen so viel Platz wie möglich hatte», sagt Carlos Loperena, der zusammen mit Alexandros Vaitsos 2001 das Architekturbüro Deca Architecture gründete.
Innen zentriert sich jeder Raum – einem Gewölbe ähnlich – nach oben zu einem gewählten Punkt, wo er von einem runden Oberlicht durchbrochen wird. Diese Öffnungen ermöglichen eine passive Belüftung und sorgen für Tageslichteinfall. Die Oberlichter sind funktionsfähig und tragen zusammen mit den begrünten Dächern, der Aussenbeschattung und den dicken Aussenwänden zur Senkung des Energiebedarfs des Hauses bei. Ein grosszügiger Aussenbereich, den man durch einen schmalen steinernen Durchgang erreicht, bildet eine Geometrie. Es handelt sich um einen Innenhof im traditionellen Sinne, der sich auf das frühe römische Impluvium² und den griechischen Patio³ bezieht: ein Gemeinschaftsraum im Zentrum des Hauses, der von Umfassungsmauern geschützt ist. Der Höhenunterschied ergibt reizvolle, schräge Blicke in die Gemeinschaftsbereiche Küche, Wohn- und Essbereich.
Die drei Schlafzimmer im Haupthaus, jedes mit eigenem Bad, sind eher intim. Ein viertes Schlafzimmer befindet sich im nordöstlichen Teil des Grundstücks. In den Schlafzimmern befindet sich unter jedem Oberlicht eine Verdunkelungsvorrichtung, die über einen Schalter in der Nähe des Bettes gesteuert wird. Es handelt sich um einen Mechanismus, der wie die Blende eines Kameraobjektivs funktioniert. Spektakulär wird es abends im Freien. Wenn die Nacht hereinbricht, lässt das Fehlen von Lichtverschmutzung den Himmel spektakulär erscheinen: Die Milchstrasse erstreckt sich von Horizont zu Horizont. Das Rauschen des nahen Meeres und der frische Geruch des Wassers dringen bis zum Haus vor und machen seine Präsenz spürbar.
¹ Corall (Übersetzung aus dem engl.): Wagenburg oder Fanggehäge für Tiere
² Impluvium: Wasserbecken im römischen Atrium, einem zentral gelegenen Raum in einem Wohnhaus
³ Patio: Innenhof
Architektur
DECA ARCHITECTURE
Text: PD, EL, Fotos: Yiorgis Yerolymbos