Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/167920

<h2>SubmittedText<h2><p>Das Grossraubtierkonzept des Bundes will, dass die Wolfspopulation in der Schweiz erst dann reguliert werden darf, wenn die Rahmenbedingungen einer flächigen Ausbreitung des Wolfes, die dokumentierte Reproduktion, das Monitoring der Bestände und die Herdenschutzmassnahmen erfüllt sind.</p><p>Speziell in den Berggebieten und insbesondere im Sömmerungsgebiet gerät die Politik des Bundes immer stärker in Konflikt mit anderen Politikbereichen. Jedes Jahr steigt die Anzahl unbestossener Alpen, weil der Aufwand für den Herdenschutz zu teuer, zu aufwendig und das Verlustrisiko zu gross wird.</p><p>Studien zeigen, dass in gewissen Kantonen rund ein Viertel der Alpflächen gegen Wolfsattacken nicht schützbar ist. Mit der Bewirtschaftungsaufgabe erfährt die Alp eine massive Entwertung, da die Beiträge für die Pflege der Kulturlandschaft entfallen.</p><p>Der Wolf ist nicht vom Aussterben bedroht. Seltene Nutztierrassen wie die Walliser Schwarzhalsziege oder das Spiegelschaf sind gefährdet. Der Bund hat den Auftrag, tiergenetische Ressourcen zu erhalten. Die natürliche Haltungsform der Kleinwiederkäuer ist der Weidegang.</p><p>Der Herdenschutz ist nicht verlässlich. Eine Wolfsattacke kann eine gefährdete Nutztierpopulation existenziell gefährden.</p><p>Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie viele Alpen sind in den vergangenen Jahren aus Gründen des unzumutbaren Herdenschutzes aufgegeben worden, und was sind die Schätzungen für die kommenden Jahre?</p><p>2. Ist der Bund bereit, den Wertverlust eines Sömmerungsbetriebes zu entschädigen, der gegen Wolfsattacken nicht geschützt werden kann und als Folge davon aufgegeben werden muss?</p><p>3. Wie sind das Grossraubtierkonzept und folglich die Aufgabe von nicht schützbaren Sömmerungsflächen vereinbar mit dem Auftrag der Landwirtschaft zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und Pflege der Kulturlandschaft?</p><p>4. Warum ist es im Fall von bedrohten Nutztierrassen nicht möglich, den Schutz der Nutztiere höher zu werten als den Schutz des Wolfes und in den Weidegebieten der Nutztiere den Wolfsabschuss präventiv zu erlauben?</p><p>5. Warum erfasst der Bund im Rahmen seines Grossraubtier-Monitorings nicht die Anzahl vermisster oder abgestürzter Tiere, die indirekt Opfer eines Wolfsangriffs wurden?</p><p>6. Was unternimmt er konkret, um die zunehmende Aufgabe von Sömmerungsflächen aufgrund der Ausbreitung des Wolfes zu stoppen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bund erhebt keine Statistik über nicht mehr bestossene Alpen in der Schweiz und über die Gründe, die zu einer allfälligen Aufgabe geführt haben. Auch ist eine seriöse Analyse aufgrund der fehlenden Erhebungen in den Kantonen nicht möglich. Dem Bundesrat ist aber bekannt, dass in gewissen Gebieten mit Wolfspräsenz einige Schafalpen, die bisher allesamt als Standweide bewirtschaftet wurden, heute nicht mehr bestossen werden. Die Schafe dieser aufgegebenen Alpen weiden heute auf anderen Alpen mit Umtriebsweide oder ständiger Behirtung, oft auch mit eingerichtetem Herdenschutz. Der Bundesrat begrüsst diese Entwicklung.</p><p>2. Der Bund ist interessiert, dass die Sömmerungsalpen bestossen werden. Er unterstützt deshalb einerseits die Talbetriebe, welche Nutztiere zur Sömmerung geben (Alpungsbeiträge), und andererseits die Sömmerungsbetriebe, welche Nutztiere zur Sömmerung aufnehmen (Sömmerungsbeiträge). Für die Entschädigung der Aufgabe einer Alp gibt es keine rechtliche Grundlage.</p><p>3. Der Wolf ist nach internationalem und nationalem Recht geschützt und breitet sich natürlicherweise in ganz Europa wieder aus. Zur Vermeidung von Konflikten hat der Bundesrat die Jagdverordnung (SR 922.01) auf den 1. Januar 2014 angepasst und unterstützt nun die Landwirte beim Ergreifen wirksamer Massnahmen zum Schutz der Nutztiere. Sofern diese Massnahmen ergriffen werden, lassen sich die Nutztierhaltung - auch mit geschützten Arten - und die Kulturlandschaftspflege mit der Rückkehr der Grossraubtiere vereinbaren.</p><p>4. Die Erhaltung bedrohter Nutztierrassen und der Schutz der Grossraubtiere sind zwei gleichwertige Aufgaben von Bund und Kantonen. Schäden an Nutztieren lassen sich am effektivsten mit Herdenschutzmassnahmen verhindern. Sollten bedrohte Nutztierrassen durch Wölfe besonders unter Druck geraten, besteht die beste Lösung in der Verstärkung dieses Herdenschutzes. Dazu bietet der Bund Unterstützung an.</p><p>5. Das Bundesamt für Landwirtschaft, das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sowie das Bundesamt für Umwelt haben gemeinsam mit dem Schafzuchtverband Schweiz, Pro Natura, dem WWF und Agridea eine Erhebung über die auf den Sömmerungsflächen verendeten, abgestürzten, von Wölfen gerissenen oder vermissten Schafen gemacht. Jährlich gehen während der Sömmerung insgesamt etwa 2 bis 3 Prozent des gesömmerten Schafbestands verloren, das entspricht 4000 bis 6000 Schafen. Die Hauptursachen sind Krankheiten, Blitzschläge oder Abstürze. Die Wölfe reissen jeden Sommer zwischen 150 und 300 Schafe, dies entspricht 0,75 bis 1,5 Promille des besömmerten Bestandes. Der indirekte Verlust an Schafen durch Wolfsangriffe kann zwar nur schwer exakt beziffert werden, aber er dürfte gemäss den Erfahrungen der Wildhüter nur einige Dutzend Tiere betragen.</p><p>6. Um die Aufgabe der Sömmerungsflächen aufgrund der Ausbreitung des Wolfes zu verhindern, unterstützt der Bund - wie erwähnt - seit der Revision der Jagdverordnung von 2013 (in Kraft seit 1. Januar 2014) die Herdenschutzmassnahmen. Zudem wurden im Rahmen der Agrarpolitik 2014-2017 die Anreize für eine nachhaltige Schafsömmerung erhöht.</p>  Antwort des Bundesrates.