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Der kurzen Fuhrmannsgeissel (Zch. 1) und der langen Schafgeissel (Zch. 2) gemeinsam ist die Schlinge, indem vorerst Hanf zu immer dünner werdenden Fäden gespinnt wird, deren vier zu einem sich verjüngenden (d. h. gegen das eine Ende hin dünner werdenden) Seil zusammengedreht werden und aus diesem Seil in sechs bis vierzehn dreifachen Teilen die Schlinge erst geschlungen wird. Die Schlinge einer Schaub verjüngt sich von 45 mm Dicke oben am Stecken zu 5 mm unten beim Zwick. Sie ist bis 5000 mm lang. Die Schlinge einer Fuhrmannsgeissel verjüngt sich von 28 mm Dicke oben an der Schlaufe zu 3 mm unten am Zwick. Sie ist meistens 1200 mm lang. Die Schlinge einer Schafgeissel ist also fast doppelt so dick und mehr als doppelt so lang wie die Schlinge der Fuhrmannsgeissel. Zwischen die Schlinge und den Zwick wird vom Klepfer selbst die Vorsatz- oder Vorschlinge, etwa 200 mm Schnur aus sechsfachem Zwirn, als Reservezwick geknüpft. In die Schlaufe dieser Vorschlinge bindet der Klepfer einen Zwick aus etwa 60 mm Nylonschnur. In die obere Schlaufe der Schlinge wird der Stecken befestigt. Für die Schafgeissel besorgt der Spieler den Stecken selber. Er ist etwa 700 mm lang, oft aus einem Besenstiel zurechtgeschnitten oder stammt vom letzten Christbäumchen oder von einer Haselstaude. Es genügt, diesen Stecken durch die Schlingenschlaufe zu stecken und bloss mit einer Holzscheibe oder mit einem Lederriemen zu befestigen, den das Gewicht der allein horizontal geworfenen Geissel verhindert das Abgleiten des Seils. Der Griff der Fuhrmannsgeissel ist mit einer länge von 900 bis 1700 mm nicht nur länger als derjenige der Schaub, sondern viel kostbarer. Er wird aus einem seltenen Holz mit dem Namen Surgel oder Zürgel (lat. Celtis australis), das in Mittelmeerländern und auch noch im Tirol vorkommt, geschnitzt. Der unterste Stamm des Zürgelbaumes wird in Italien (Triester-Holz) und im Tirol (Tiroler Surgel) zu rohen Geisselstäben gespalten. Diese Stäbe schnitzt man in Spänen so ein, dass ein massiver Handgriff ausgespart bleibt. Dann legt man diese Ruten ins Wasser, worauf sich die einzelnen Späne drehen und schlingen lassen. Diese elastischen Stöcke werden entweder bloss belassen oder vom Sattler oder Spieler mit Metallstäben und Leder eingebunden, um sie haltbarer zu machen. Zwischen dem oft gelb gebeizten Handgriff und dem eingeschlitzten Stock wirkt ein buntes Lederbändchen oder ein Kränzchen aus Wildschweinborsten oder Dachshaar als Zierde.
Oben am Zürgelstock ist eine Schlaufe meistens aus gelbem Leder mit Zwirn befestigt, durch die ein weiteres Lederbändchen gezogen wird, das auch durch die Schlaufe der Schlinge läuft und in der sogenannten Rose kunstvoll zusammengeknüpft ist.
Beim Chrüzlistreich (Kreuzstreich) gilt es, die Schwyzer Surgel von hinten nach vorn über den Kopf schnellen und zurückgleiten zu lassen, mit der rechten und linken Hand in regelmässigen Streichen im Vorwärtsschleudern und Zurücknehmen der Schlinge ein Kreuz zu zeichnen. Die Schafgeissel aber wird mit grosser Kraft waagrecht von rechts nach links geschlagen und prallt von selbst in die Ausgangslage zurück. Dabei darf der Chlepfer nicht mähen oder die Strasse wischen und auf diese Weise den Seidenzwick im Strassenkot feucht und untauglich machen.
In Schwyz knallen die Kandidaten des Priis-Chlepfe solistisch. Der Klepfer beginnt mit zwei bis vier mässigen Schlägen im Schritttempo, also in Viertelsnoten, die er anschliessend in eine beliebig lange Reihe von Achteln auflöst.
Der Knall der Schwyzer Geissel ist kurz und höher als derjenige der längern Schaub. Diese kann ebenfalls im Einzelspiel geschlagen werden. Die Schläge folgen einander dumpf und langsam. Eine schnellere Abfolge der Knälle erreichen vier Klepfer, die sich mit grossem Abstand im Kreis aufstellen. Dabei ziehen alle miteinander die Geissel auf und schlagen dann von rechts nach links so nacheinander, dass der erste Klepfer den letzten folgerichtig und regelmässig ablösen kann.
Brigitte Geiser, Das Geisselchlepfen in der Schweiz. In: Schwyzer Hefte 10/11, Seite 9 ff.