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Kürzlich traf ich einen Kunst-Professor der Universität San Francisco. Wir kamen auf das Thema E-Learning zu sprechen. Er meinte, einer seiner Kollegen wolle ihn überzeugen, seinen Kurs im Flipped Classroom Modus anzubieten. Er sagte, „Da kannst du dann nur noch hoffen, dass die Videos auch geschaut werden“. Ich meinte, hoffen sei zu wenig. Er müsse zusehen, dass seine Studierenden sich die Videos ansähen.
Im Anschluss an dieses Gespräch habe ich mir überlegt, wie man das anstellen könnte.
1 – Führe deine Studierenden in die Methode ein!
Die Lernenden müssen wissen, was von ihnen erwartet wird. Wenn du am Schluss einer Stunde noch in die bereits aufbrechende Runde rufst, dass sie ein Video zur Vorbereitung schauen sollen, dann hat das erstens die Hälfte der Anwesenden gar nicht gehört, und von der anderen Hälfte wird es nur ein Drittel tun, denn die anderen können sich darunter gar nichts vorstellen. Denn was heisst vorbereiten in diesem Zusammenhang genau? Und wie macht man das mit einem Video?
Nimm dir Zeit und zeige deinen Studis, was gemeint ist und was du von ihnen erwartest. Wie könnte eine Vorbereitung aussehen?
2 – Halte den Lernauftrag schriftlich fest
Wenn du den Lernenden einen verbindlichen Auftrag erteilen möchtest, dann tue dies schriftlich in deinem LMS oder deiner digitalen Lernumgebung. Die Lernenden und du selbst haben viel um die Ohren und vergessen wieder, was du gesagt hast. Halte fest, was du von ihnen erwartest, wann sie den Auftrag posten und zur Orientierung eventuell auch, wieviel Zeit sie ungefähr aufwenden sollen. Führe alle Ressourcen auf und natürlich auch das famose Video, welches hier z B. auch eingebettet werden kann.
3 – Wiederhole den Auftrag mehrmals [Update]
Finde einen Rhythmus, kreiere einen kleinen Zyklus, der sich regelmässig und oft wiederholt. Zum Beispiel wöchentlich? Jede Woche finden deine Studierenden einen neuenVorbereitungsauftrag mit Ressourcen nach dem gleichen Muster. Sie wissen nun, was sie tun werden. Sie bekommen langsam eine Vorstellung davon, was es bedeutet, sich vorzubereiten.
4 – Verwende Templates für die Vorbereitungs-Aufträge
Mach dir das Leben etwas einfacher und entwerfe ein Template, das du immer nutzen kannst für diese Art Aufträge. Es ist nicht nur für dich von Vorteil, auch die Lernenden werden sich daran gewöhnen und den Auftrag mit der Zeit schon allein daran erkennen, wie er visuell und inhaltlich daher kommt.
5 – Wie kontrollieren?
Du kannst nicht kontrollieren, wer das Video geschaut hat, aber du kannst einen Beitrag verlangen, den die Studierenden während der Vorbereitungsphase verfassen und in der Lernumgebung posten. Auf diesen Beitrag können du oder die Peers nun Feedback geben.
Der Auftrag könnte zum Beispiel etwa so lauten:
1. Schaue das Video A, und
2. lese den Bericht B. Welche Aspekte gefallen dir oder könnten für deine Projektarbeit wichtig werden?
3. Finde weitere Ressourcen im Web für dein spezifisches Thema?
4. Schreibe einen Blogpost / Forumseintrag mit deinen Gedanken dazu bis zum 27. Mai.
5. Lese vor der nächsten Sitzung die Beiträge von mindestens zwei Kommilitoninnen und kommentiere.
So bekommst du auch einen Überblick, wer wie arbeitet. In gewissen LMS gibt es die Möglichkeit, Foren so einzustellen, dass die Studierenden die Beiträge der Kommilitoninnen und Kommilitonen erst nach dem eigenen Posting sehen. So kannst du die Eigenständigkeit der Beiträge fördern.
6 – Zum Schluss zwei Tipps von Christian Spannagel, was man beim Flipped Classroom nicht tun sollte…
Frage die Studis nicht, ob sie das Video geschaut hätten. Du riskierst, dass sie sagen, sie hätten es nicht getan. Willst du dich in diese Situation bringen? – Geh davon aus, dass sie es gesehen haben und dass sie vorbereitet sind. Dies erhöht die Motivation der Studierenden, beim nächsten Mal vorbereitet zu erscheinen. Wenn du ihnen vertraust, werden sie es eher tun.
Fasse die Videos nie zu Beginn der nächsten Präsenzstunde zusammen. Wenn du es trotzdem tust, wundere dich nicht, dass sie die Videos nicht mehr schauen.