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http://www.reichenburg.ch/de/portrait/geschichte/?action=showinfo&info_id=2260
14.12.2019 06:12:21

Geschichte
«Vor 600 Jahren kam der Hof Reichenburg an das Kloster Einsiedeln. Zum 26. September 1370 bemerkten die Regesten der Einsiedler Stiftsgeschichte: Abt Markward von Grünenberg kauft von Rudolf Keller zu Rapperswil die Herrschaft Reichenburg um 1200 Gulden».
Das war im Blick auf die Entwicklung Einsiedelns im Spätmittelalter ein grosser, ja geradezu ein ausserordentlicher Tag. Sonst nämlich hatte man in jener Zeit viele Güter und Rechte aus der Gründungszeit des Klosters verloren oder veräussern müssen: 1350 musste das Kloster beim Frieden mit den Schwyzern nach dem mehr als 200-jährigen Marchenstreit auf mehr als die Hälfte seines ursprünglichen Stammbesitzes um Einsiedeln verzichten; 1363 verkaufte das Stift Einsiedeln das Patronatsrecht über die Pfarrei Neuheim an das Kloster Kappel; um 1350 hatte Abt Heinrich von Brandis die Besitzungen Einsiedeln im Breisgau, unter denen besonders der Hof Riegel zu nennen ist, verkauft. Unter Abt Markward (1364–1376) hatte sich die finanzielle Lage des Klosters vorübergehend etwas gebessert, sodass er Burg und Dorf Reichenburg in der March erstehen konnte.
Der Verkäufer von Reichenburg, Rudolf Keller, war Bürger in Rapperswil und Mitglied des dortigen Rates. Er muss es verstanden haben, aus der damaligen Verarmung des Adels Nutzen zu ziehen: 1355 brachte er den Zehnten in Toggwil an sich, und 1368 kaufte er von den Edeln zu Aspermont den Hof Reichenburg, den er aber schon nach zwei Jahren dem Stift Einsiedeln mit Gewinn verkaufte.
Warum aber erwarb Einsiedeln Reichenburg, das doch schon für damalige Verhältnisse ziemlich weit vom Stift entfernt war. Vielleicht empfahl es sich als Station auf dem Weg nach den Einsiedler Besitzungen im Vorarlberg. Wahrscheinlich aber handelte es sich um einen Rückkauf.
Es findet sich im Hofrodel der Gemeinde Reichenburg vom 8. April 1536 ein deutlicher Hinweis, dass Einsiedeln schon früher diesen Hof besessen haben musste. «Ittem auch soll jedermann wüssen, dass wir recht gotzhuslütt sind an das ehrwürdige gotzhus zuo den Eisidlen und waren einmal ganz und gar vom gotzhus kommen bis an vier rossissen.» Es könnte sein, dass das Kloster Einsiedeln schon im 10. oder 11. Jahrhundert Besitzungen hatte, ähnlich wie in Altendorf, Wangen, Siebnen, Schübelbach und Wäggital. Die Urbarien des Klosters Einsiedeln geben darüber leider keine Auskunft. Das ist wohl ein Zeichen, dass der ursprüngliche Klosterbesitz in Reichenburg schon sehr früh, wohl vor Errichtung des ersten Urbar von 1220, verloren gegangen sein muss.
Eine besondere Beachtung verdienen die rechtlichen Verhältnisse des Hofes Reichenburg. Laut Kaufvertrag von 1370 besass hier der Abt die hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Der Abt von Einsiedeln konnte hier auch Recht sprechen über alles, was Leben und Freiheit betraf. Er hatte also daselbst mehr Recht als in Einsiedeln selber, wo die Schwyzer als Schutzherren des Klosters die hohe Gerichtsbarkeit ausübten.
Einsiedeln Hohes Gericht (der Blutbann) über Reichenburg wurde dem Kastvogt Schwyz zugesprochen. Einsiedeln aber akzeptierte das Urteil nicht und übte es weiter aus. Rechtlich bereinigt wurde die Angelegenheit erst 1741, indem Schwyz lediglich allfällige Einsiedler Bluturteile vollstrecken musste.
Reichenburg bildete so ein besonderes Gemeinwesen, das nicht zur March gehörte. Es war nur dadurch den Schwyzern unterworfen, als diesen die Vogtei über das Kloster Einsiedeln zukam. Reichenburg besass auch in gewissem Sinne eine eigene Verwaltung, da der Vogt über die kleine Herrschaft stets ein Hofmann von Reichenburg selber sein musste. Ebenso mussten die Richter stets Hofleute sein, drei von diesen wurden von den Reichenburgern selbst gewählt, drei vom Abt aufgestellt. Ihre öffentlichen Güter (Allmenden, Wälder) verwalteten die Hofleute selbständig, ebenso seit 1469 die Berechtigten ihre Alpgenossame.
Trotzdem scheinen sich die Äbte in viele kleine Angelegenheiten eingemischt zu haben. Beispielsweise hatten die Reichenburger lange keine eigene Wirtschaft. Da befahl ihnen Abt Augustin Hofmann im Jahre 1623, dass innert Monatsfrist eine solche errichtet werden solle. Man wird ihm dies aber gerne nachsehen, da er 1627 bei einem heilsamen Wasser ein Badhaus einrichten liess.
Am 12. März 1798 entliess das Kloster Einsiedeln unter dem Eindruck der französischen Invasion in die Alte Eidgenossenschaft die Reichenburger aus seiner Herrschaft. Aber als 1799 die Kaiserlichen wieder zurückkamen, leisteten sie am 8. August wiederum den Eid an Einsiedeln, was aber beim erneuten Vorstoss der französischen Truppen nur für wenige Tage Geltung besass.
Die Reichenburger bewährten sich als ausserordentlich anhängliche Gotteshausleute, denn am 30. Mai 1814 hatte die Hofgemeinde einstimmig beschlossen, dass sie wieder mit allen ehemaligen Rechten und Freiheiten den Gnädigen Herrn und Abt von Einsiedeln als Oberherrn anerkennen wollen. Am 25. Juni 1825 huldigten die Hofleute von Reichenburg dem neu gewählten Abt Cölestin Müller. Es war das letzte Mal. In den Auseinandersetzungen zwischen Ausser- und Innerschwyz um 1830 wurde verlangt, dass Reichenburg wieder mit dem Bezirk March vereinigt werde. In der neuen Verfassung des Kantons Schwyz vom 29. September 1831 wurde Reichenburg als eine Gemeinde der March aufgezählt, womit alle politischen und rechtlichen Bande zwischen Einsiedeln und Reichenburg aufgelöst wurden.»
Seit Jahren veröffentlicht der Marchring, die Kulturhistorische Gesellschaft March, Beiträge zu Reichenburgs Geschichte, so u.a. in den Heften 42 (2000), 44 (2003), 49 (2008), 52 (2010), 56 (2014), 58 (2016).
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