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Fragen und Antworten
Welches sind die Auswirkungen auf die Betroffenen?
Welche Begleiterkrankungen gibt es?
Die Augenentzündung (Uveitis) gehört zu den häufigsten Begleiterkrankungen des Morbus Bechterew. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat mindestens einmal eine Augenentzündung.
Neben den Augen können auch innere Organe wie Herz, Lungen, Nieren oder Leber von der Entzündung befallen werden. Dies geschieht jedoch selten.
Wie lange dauert ein Schub?
Kurze Schübe von eine bis zwei Wochen kommen am häufigsten vor. Es gibt aber auch Schübe, die mehrere Monate andauern können.
Welches sind die typischen Frühsymptome?
Frühsymptome des Morbus Bechterew sind:
- flüchtige und wechselnde Schmerzen am Brustbein, im Nacken, an den Rippen, am Sitzbein, im Knie oder an der Ferse
- Schmerzen in der Brust beim Atmen, Niessen oder Husten
- nächtliche Ruheschmerzen im Kreuz, die den Patienten aufwecken
- Rückenschmerzen, gebessert durch Bewegung
- morgendliche Steifigkeit der Wirbelsäule
- Entzündungen und Schmerzen an den Knien oder Sprunggelenken
- Ischias-ähnliche Beschwerden
- Augenentzündungen
- Störung des Allgemeinbefindens: Müdigkeit, Arbeitsunlust, Gewichtsverlust, depresssive Verstimmung
Wie häufig kommt Bechterew bei uns vor?
Man kann davon ausgehen, dass 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz von der Krankheit betroffen ist.
Welche Medikamente wirken bei Bechterew?
Verschiedene Medikamentengruppen kommen zum Einsatz:
Nichtsteroidale Antirheumatika, Basistherapeutika, Analgetika (allgemeine Schmerzmittel), Psychopharmaka, Muskelrelaxantien (Medikamente zur Muskelentspannung)
In der Regel werden die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Diese Medikamente bekämpfen die Entzündung und dämpfen die Schmerzen. Verschiedene Produkte stehen zur Verfügung. Der Betroffene muss zusammen mit dem behandelnden Arzt herausfinden, welches Medikament genügend stark wirkt und gleichzeitig gut verträglich ist.
Immer mehr Bechterew-Patienten verwenden biologische Medikamente, so genannte «TNF-alpha-Blocker». Sie zeigen in schweren Fällen, bei denen mindestens zwei unterschiedliche NSAR versagten, vielversprechende Wirkungen. Sie sind aber sehr teuer, und die langfristigen Risiken sind noch nicht bekannt.
Erfahrungsgemäss sprechen etwa 50 Prozent der Bechterew-Patienten gut auf die TNF-Alpha-Hemmer an. Die Hoffnungen ruhen auf die Weiterentwicklung dieser biologischen Basismedikamente, damit auch die Schmerzen der anderen 50 Prozent erheblich gelindert werden können. Vereinzelt wurden bereits mit anderen biologischen Medikamenten Untersuchungen gemacht. Ob die TNF-Alpha-Hemmer die Versteifung beeinflussen können, ist derzeit fraglich.
Gibt es Nebenwirkungen der Medikamente?
Ja, die Antirheumatika können meist ohne Probleme mit anderen Medikamenten kombiniert werden. Vorsicht geboten ist bei blutverdünnenden Mitteln oder bei Medikamenten zur Behandlung der Zuckerkrankheit. Es ist in jedem Fall ratsam, den behandelnden Arzt über andere Medikamente, die eingenommen werden müssen, zu informieren.
Die meisten Nebenwirkungen der klassischen Antirheumatika treten im Bereich des Magen-Darm-Traktes auf: saures Aufstossen, Magenschmerzen, Brechreiz, Durchfall, Verstopfung. Weiter kommen Kopfschmerzen, Hautausschläge und Schwindel vor. Es wurden schon Veränderungen des Blutbildes und Leberschäden beobachtet.
Cox-2-Hemmer sind Weiterentwicklungen der klassischen NSAR. Sie zeigen geringere Nebenwirkungen im Magendarmtrakt auf. Allerdings werden auf Grund der Nebenwirkungen auf den Herzkreislauf einzelne Präparate nicht mehr verkauft.
Infektionen, die oft im Spital behandelt werden müssen, stellen das Hauptrisiko der TNF-Alpha-Therapie dar. Sie kommen bei bis zu 10% der Behandelten vor. Bei einer gleichzeitigen Zuckerkrankheit ist das Infektrisiko besonders hoch. Bei jedem neu auftretenden Infekt muss die Behandlung sofort unterbrochen werden mit engmaschigen ärztlichen Kontrollen.
Besonders gefürchtet unter den Infektionen ist eine Tuberkulose, welche in den Anfängen der TNF-Alpha-Hemmer-Therapie bei 25 bis 50 von 100 000 Behandelten auftrat.
Worauf ist bei einer Schwangerschaft zu achten?
Es ist durchaus möglich, als Bechterew-Patientin Mutter zu werden. Am besten wird der Kinderwunsch mit dem betreuenden Arzt besprochen. Auskunft zu allen Fragen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Morbus Bechterew gibt auch die Website des Zentrums für Mütterberatung und Familienplanung bei Rheumaerkrankungen in Bern. Wegen ungenügender Datenlage ist im Falle einer Schwangerschaft bei der Verwendung von TNF-Alpha-Hemmern Vorsicht geboten. Besprechen Sie dies mit Ihrem Rheumatologen.
Kennt man die Ursache der Krankheit?
Wird Bechterew vererbt?
Nun, der Morbus Bechterew tritt in zahlreichen Familien gehäuft auf. Das deutet darauf hin, dass bei dieser Krankheit Erbfaktoren beteiligt sind.
Bei rund 95% der Betroffenen ist der Erbfaktor HLA-B27 vorhanden, obwohl dieser nur bei 8% der gesunden Bevölkerung auftritt. Die genaue Bedeutung dieses Erbfaktors ist aber noch nicht geklärt.
Kinder von Bechterew-Patienten haben ein leicht erhöhtes Risiko, später an der gleichen Krankheit zu leiden. In der Bechterew Forschung werden laufend neue Gene mit dem Bechterew in Zusammenhang gebracht, darunter IL23R und ERAP1.
Gibt es verwandte Krankheiten?
Es gibt eine Reihe von Krankheiten, die ähnliche Symptome erzeugen wie der Morbus Bechterew. Sie werden unter dem Begriff «Spondyloarthritiden» zusammengefasst. Dazu gehören die folgenden Krankheiten: Psoriasis-Arthritis, Morbus Behçet, akute anteriore Uveitis, reaktive Arthritis, juvenile chronische Arthritis, Morbus Whipple, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Morbus Reiter.