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Zusammen mit dem Gegenüber und dem hoch herabschauenden Marthastift bildete das Haus Nr. 4 im Kellergässlein ein Gewinkel, das die Traulichkeit selber war. Der Bau aus dem frühen 15. Jahrhundert stand gegen den Berghang und machte nicht grundlos einen ruhigen, beschaulichen Eindruck. Er hatte zu Beginn das Zunfthaus der Fischer, die Peterskirche, den Ringelhof und die Trinkstube "zum Brunnen" zu Nachbarn. Seine Erbauer und ersten Bewohner waren Adlige. Das historische Grundbuch nennt 1406 als ersten den Ritter Hartmann Röte, von dessen Geschlecht "das Hus und Hofstatt mit dem Garten derhinder, genannt der Roten Hoff", den Namen zuerst erhielt. Schon damals bestand die steinerne Treppe zum Petersberghügel hinauf. Das grosse gotische Tor war breit und hoch genug, Ritter und Reisige hoch zu Ross in Hof und Stall einzulassen.
Betrat man kurz vor dem Abbruch, also in den 1930er-Jahren, den Hof der Liegenschaft, so war man völlig überrascht von dem fast noch mittelalterlich anmutenden Charakter der Gebäulichkeiten. Man hatte den südwestlichen Teil des Hauptbaus vor sich und zwei lange Flügelgebäude, die sich gegen den Berg hinaufzogen. Hübsche spätgotische Türen und Fenster am Wohnhaus und interessante Holzkonstruktionen an den Flügelbauten fesselten das an kontemporäre Prosa gewohnte Auge. Im Innern waren die Baulichkeiten stark modernisiert. Erwähnenswert war vom architektonischen Standpunkt aus, dass ein Teil des Kellers und ein darüber befindliches Geschoss schon seit mehr als zwei Jahrhunderten zum nördlich anstossenden Haus "zur Glocke" am Fischmarkt gehörte.
Vom privaten in kirchlichen Besitz
Der Herrensitz erfuhr einige Handänderungen, bevor er gegen Ende des 17. Jahrhunderts von einem der allmächtigen Burckhardte, Herrn Hanns Rudolff "Stadtgerichtsbeysitzer in Mehrerem Basel" "um 1350 Pfundt Gelts gutter gänger Bassler Wehrung sampt den Bauchkesseln" an Herrn Jakob Schrade weiterverkauft wurde. 1674 hiess das Haus zum ersten Mal "zum Kalten Keller" und die Gasse von da an das "Kaltkellergässlein". 1678 verkaufte die Witwe des Schrade das saubere Wohnhaus samt Anhang und Garten um zweitausend Pfund samt zwölf Reichstalern Trinkgeld an Hans Ullricht Passevant, der sich 1684 einige bauliche Änderungen erlaubte, ohne den bürgerlich-gotischen Charakter anzutasten. Passevant war Ratsherr und Handelsmann. Er überliess das Haus 1709 um 500 Pfund seinem Schwiegersohn Augustin Schnell "mit der Abrede, dass der Herr Käufer der Handelskompagnie für das Losament in der Behausung nicht mehr als 40 Reichsthaler jährlichen Zins fordern solle".
Auch Schnell war im Rat, sogar im Geheimen. 1730 vermachte seine Witwe ihrem Sohn, dem Handelsmann Hans Ullrich Schnell, und seiner Verlobten Anna Maria Häussler das Haus "mit Einschluss von Mobiliar, Tapezerey, des Geliegens und albes Nuth- und Nagelfesten, nicht weniger ihre darinnen führende Fabrique, Gewerb- und Seidenzeug-Handlung mit allen zugehörigen Outencilles, als Stühl, Schiff und Geschirr, insbesondere Gewichten, Waagen, Maschinen, Bauchkesseln, 32 Fabrikstühlen samt künftig darzugemachten, Geschirr von Faden und Schnüren, nebst einem Reitsattel, Chabraquen, Pistohlen". Auf diese schöne Unterlage eines jungen Eheglücks sollte bald ein bitterer Wermutstropfen fallen. 1734 verpfändet nämlich die immer noch lebende Mutter ihre Wohnbehausung gegen 4400 Pfund an Frau Anna Maria Iselin. Es müssen geschäftliche Gründe für die Errichtung dieser hohen Hypothek gewesen sein, die später vom Direktorium der Kaufmannschaft abgelöst wurde. 1737 kamen weitere 3000 Fr. dazu, und 1761 verkauft der nun auch alt gewordene kleine Seidenherr Johann Ullrich Schnell-Häussler dem E.E. Capitel des Stifts St. Peter seine Wohn- und Fabrikliegenschaften um bloss 5500 Pfund.
Dieser Wechsel bereitete dem Haus nunmehr ein geistliches Schicksal. Bis ins Jahr 1880 wohnte in dem geräumigen Bauwerk jeweils einer der Pfarrherren zu Sankt Peter, und als letzter wohnte darin der markante Kanzelredner Pfarrer Probst. Allsonntäglich stieg er wohl durch das linksseitige Flügelgebäude auf der Gartentreppe zur Peterskirche hinauf, bis ihm ein neues, bequemeres, gesünderes Haus zugewiesen wurde. Für die Wohnzwecke eines Geistlichen war das Haus aber zu gross und zu teuer im Unterhalt, auch zu veraltet. Bevor Probst aber die Liegenschaft verliess, versuchte er sie dem im Jahre 1906 gegründeten und in der Schneidergasse Nr. 27 domizilierten Basler Brockenhaus zu sichern. Die neutrale Lage des Gebäudes bewog denn auch den damaligen Vorstand des Brockenhauses, mit dem Finanzdepartement in Verbindung zu treten und nach den nötigen Umänderungen das Haus zu mieten. 31 Jahre konnte das Brockenhaus den ihm gesetzten wohltätigen Zwecken hier dienen, dann zog es im Herbst 1938 seine Waren und Gegenstände hinüber in das neue Haus an der Ochsengasse 12.
Der Abbruch im Namen des Spiegelhofs
Monate vor seinem Abbruch schon räumte man die der Liegenschaft zugehörenden beiden Seitentrakte längs des Treppenaufstiegs zur Petersgasse und den versonnenen Hof weg, und mit ihnen das Terrassen-Gärtlein, das oben in einen Laubengang endete und durch ein kleines Törchen in die Petersgasse mündete. Durch die Einrichtung des Brockenhauses kam in vielen Jahren grosser Segen aus dem Hause im Kellergässlein, ehe es vom Erdboden verschwand, um einer anderen wohltätigen Institution, der öffentlichen Krankenkasse, Platz zu machen, auch wenn das Gebäude der Letzteren für viel Unmut gesorgt hat.
Quellen:
- National-Zeitung vom 11. Januar 1925
- Basler Nachrichten vom 5. November 1936
- Abendzeitung vom 15. Januar 1938