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Villen am Heiligberg-Hang
Wylandstrasse, Breite und Vogelsang sind Örtlichkeiten, die dem Winterthurer ein Begriff sind. Sie bilden eine bevorzugte Wohnlage mit schöner Weitsicht in das untere Tösstal (Schlosstal). Die Wylandstrasse wurde 1872, als Ersatz für die Obere Vogelsangstrasse zur Verbindung von Zürcherstrasse und Breite erstellt. 1877 folgte der Bau der eisernen Wylandbrücke über die Bahnlinien. An dieser Strasse und ihrem Einzugsgebiet entstanden herrschaftliche Villen von Angehörigen der Sulzer-Familie.
Das Gebiet zwischen Heiligberg und Eschenberg trat nach 1860 in ein neues Zeitalter ein: Winterthur wurde eine Industriestadt, und die städtische Bebauung begann immer mehr den Raster der Altstadt zu sprengen. Schon vor 1800 entstanden erste Landhäuser ausserhalb der Stadtmauer, zuerst entlang den Ausfallstrassen, nach 1830 folgten dann Landsitze an den Hängen. Als erstes neues Gebäude auf dem Heiligberg wurde 1848 die Villa Büel durch den Textilfabrikanten Friedrich Imhoof-Hotze erbaut, die 1894 dann das heutige herrschaftliche Aussehen erhielt. Mit der ersten Blütezeit der Stadt Winterthur in den 1860er-Jahren folgten weitere Bauten am Heiligberg, so dass der spätere Stadtrat Isler in seinem Festführer von 1895 schreiben konnte, der „Scheitel und der Abhang dieses Vorberges sind mit reizenden Villen bebaut, um die sich kunstvolle Parkanlagen winden“. 1877 wurde die eiserne Wylandbrücke über die Bahnlinien gebaut und somit die direkte Verbindung ins Fabrikareal Sulzer erstellt.
Den Anfang machte Johann Rudolf Ernst-Reinhart, später Teilhaber der Gebrüder Sulzer. Er erwarb 1867 zwei grosse Wiesen am Heiligberg und liess 1868/69 die Sichtbackstein-Villa Frohberg errichten. Sie wurde 1886 vom bekannten Architekten Ernst Jung zum heutigen pseudomittelalterlichen «Schlössli» ausgebaut. Quasi als Gegenstück entstand auf dem Heiligberg im Stil eines französischen Landhauses 1872 die Villa Heiligberg des Textilkaufmanns Paul Reinhart. Der benachbarte «Sonnenberg» geht auf einen Landsitz zurück, der 1901 durch den heutigen, repräsentativ-wuchtigen Bau des bekannten Zürcher Architekten Gustav Gull für den Fabrikanten Robert Biedermann-Mantel ersetzt wurde.
Gegen den Vogelsang hin liess Fabrikant Albert Sulzer-Grossmann 1876/77 seine im Stil der italienischen Renaissance gehaltene Villa erbauen. Sie wurde 1939 abgerissen.
In der Nachbarschaft fanden dann auch die 1906 errichteten Landhäuser der beiden Schwiegersöhne Platz: die im Reformstil gehaltene Villa Selvana (Architekten Jung und Bridler) für Ingenieur Rudolf Matossi-Sulzer und die neubarocke Villa Blumenhalde für Theodor Reuter-Sulzer. Beide Bauten wurden um 1980 abgerissen, erhalten ist einzig das Garagengebäude der Blumenhalde von 1912, heute der Werkstatt-Laden von Christoph Anderes.
Im Schatten dieser herrschaftlichen Architektur standen die Bauernhöfe Mötteli sowie Oberer und Unterer Vogelsang, alle wohl älter als 1800. Während der obere Hof Vogelsang, in den 1870er-Jahren in den Besitz von Sulzer-Grossmann kam und 1894 abbrannte, ging der untere Hof an der heutigen Lärchenstrasse 1873 an die Stadtgemeinde Winterthur über, blieb lange ein Pachtbetrieb und wurde 1950 abgetragen.