Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03452.jsonl.gz/1591

Reinkarnation und Karma gehören für mich zusammen.
Mein Hauptinteresse in der Auseinandersetzung mit dem Werk Rudolf Steiners und der Anthroposophie gilt dem Gebiet von Reinkarnation und Karma. Bereits bevor ich mit den Arbeiten von Rudolf Steiner bekannt wurde, hatte ich in der Lektüre von Lessing die Theorie der Reinkarnation kennen gelernt. Das Reinkarnation eine Tatsache ist, war mir bereits mit 14 Jahren aus Erfahrungen völlig klar. Meine Erlebnisse in eine Theorie zu fassen, wäre mir damals natürlich nicht im Traum eingefallen.
Bedauerlicherweise konnte man auf dem Gymnasium solche Themen nicht studieren. Immerhin war es mir möglich ausführliche Studien zur Evolutionsbiologie zu machen. In einem halbjährigen Projekt befasste ich mich mit der Evolution des Pferdes. Dabei entwickelte ich die Theorie einer gerichteten Evolution auf der Ebene der Gattung. Denn es war für mich eindeutig, dass sich das Pferd als Wesen an klimatische Veränderungen anpasste. Dafür allein Mutation und Selektion verantwortlich zu machen, hielt ich für irrsinnig unwahrscheinlich. Ich musste dann aber feststellen, dass meinem Biologielehrer wie grossen Teilen der wissenschaftlichen Gemeinschaft das Denken von Wesen schwer viel bis unmöglich war.
Eine Reinkarnationstheorie ohne einen Begriff des Wesens, dass sich zwar verkörpert (inkarniert) aber nicht im Körper aufgeht oder mit diesem oder diesen identisch ist, macht keinen Sinn. Daher kann ich verstehen, dass viele eine solche Anschauung für Fantasie halten. Denn ohne den Begriff des Wesens wäre es das wohl auch.
Das Wesen ist etwas, das man sich zur Anschauung bringen kann. Eine einfache Übung dazu hat Rudolf Steiner in seinem Buch „Die Geheimwissenschaft im Umriss“ dargestellt. Ich meine die dort beschriebene Rosenkreuzmeditation.
Es ist Rudolf Steiner zu verdanken, dass er Untersuchungs- und Anschauungsweisen gesucht und entwickelt hat, um der Theorie des Wesens eine wissenschaftlichen Boden zu geben. Wozu er den Begriff der Wissenschaft allerdings erweitern musste.
In Beziehung auf den Menschen hat er es mit seiner Theorie in der allgemeinen Wissenschaft ähnlich schwer gehabt wie zum Beispiel C. G. Jung. Dieser hat für seine seelischen Beobachtungen eine Unterscheidung von Ich und Selbst gemacht. Das Ich von C. G. Jung ist dabei eine Instanz, die mit dem jeweiligen Leben verbunden ist. Das Selbst hingegen ist etwas, was unabhängig von der jeweiligen Existenz und Situation ist. Bei Rudolf Steiner finden wir unterschiedliche Verwendungen des Wortes „Ich“. Es gibt bei ihm eine ähnliche Unterscheidung wie bei Jung, wenn er vom Höheren und Niederen Selbst spricht. Andere Philosophen unterscheiden zum Beispiel das kleine (selbst) und das grosse Selbst. Bei Heidegger findet man eine Unterscheidung von Sein und Dasein, eine Unterscheidung die ich spannend finde.
Da dieses Gebiet weder psychologisch noch philosophisch noch meditativ umfassend genug untersucht wurde und da es – wie bei allen Wissenschaften im Anfangsstadium – noch keine einheitliche Verwendung der Begriffe gibt, kann man im Bereich der Darstellungen eigentlich nur von Fragmenten, Aphorismen und Essays sprechen.
Eine sehr spannende medizinisch orientierte Forschung hat Ian Stevenson vorgelegt.