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Novartis- Wir sind die Guten! - Wir retten Leben!
Am Weltwirtschaftsforum (WEF) 2007 in Davos wurde Novartis mit dem Preis für eine besonders menschenverachtende Firmenpolitik ausgezeichnet. Aktuell ging es um einen Fall, bei dem der Basler Pharmakonzern mit Patentklagen versuchte, in Indien und anderen Entwicklungsländern den Zugang zu bezahlbaren Generika einzuschränken. Dies war nicht der erste Fall, wo finanzielle Interessen über dem Grundrecht zum Zugang zu überlebenswichtigen Medikamenten stehen. Novartis und andere Pharmakonzerne haben schon mehrmals Staaten verklagt, die versuchen, überlebenswichtige Medikamente ihrer Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Wie viele Hunderttausende (?) Menschen diese Politik bereits das Leben gekostet hat, lässt sich nur erahnen.
Rückblick Patentrechtsfall Südafrika: Im Jahr 2000 starben in Südafrika 250 000 Menschen an AIDS. Die Mehrheit der südafrikanischen Bevölkerung kann sich wegen der hohen Medikamentenpreise keine Behandlung leisten. Dasselbe gilt auch für andere in Südafrika weit verbreitete Krankheiten. Da die südafrikanische Regierung zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung ihr Patentrecht anpasste, erhoben im Jahr 1998 39 Pharmafirmen und -gruppen (darunter die beiden Schweizer Unternehmen Roche und Novartis) vor dem Obersten Gerichtshof von Pretoria Klage gegen die südafrikanische Regierung. Mit ihren Forderungen wollten sie verhindern, dass Hunderttausende Menschen Zugang zu für sie überlebenswichtigen Medikamenten erhalten (ausser wenn sie diese bezahlen können).
Glücklicherweise wurden diese Klagen abgewiesen.
Im aktuellen Fall in Indien ging es im Speziellen um ein Generikum zum Novartis-Medikament Glivec, das für Zehntausende (oder gar Hunderttausende?) Menschen, die an chronischer Leukämie (Blutkrebs) erkrankt sind, überlebenswichtig ist.
Zum Vergleich: Mit dem lebensrettenden Generikum konnten die Behandlungskosten von 10 000 $ auf weniger als 140 $ pro Jahr und Patient gesenkt werden.
Das indische Patentrecht schützt neue innovative Medikamente. Aber es erteilt nur ein Patent auf Medikamente mit neuen Wirkstoffen. Bereits bekannte Medikamente, die z.B. nur einen neuen Namen und eine neue Verpackung erhalten haben, bekommen keinen erneuten Patentschutz. Somit beinhaltet das indische Gesetz eine korrekte und wegweisende Vorschrift gegen die missbräuchliche Patentierung bereits bekannter Wirkstoffe ohne verbesserte Wirksamkeit. Dieses Gesetz ist Novartis ein Dorn im Auge, und Novartis begann die indische Gesetzgebung zu verklagen.
Doch das indische Gericht liess sich nicht einschüchtern. Es schmetterte 2007 die Klage von Novartis ab und setzte somit ein Zeichen, dass das Leben von Zehntausenden Patienten über finanziellen Interessen stehen müsse.
In einem offenen Brief baten daraufhin 52 Organisationen und unzählige Menschen aus allen Kontinenten Daniel Vasella, den Präsidenten und CEO von Novartis, zugunsten der öffentlichen Gesundheit auf das weitere gerichtliche Vorgehen zu verzichten. Jedoch auch diese Bitten zeigten keine Wirkung. Novartis prozessierte weiter gegen Indien. Glücklicherweise hat inzwischen auch die Rekursinstanz das Überleben und Leiden von Zehntausenden Menschen über die finanziellen Interessen von Novartis gestellt und die Ablehnung des Patents auf Glivec bestätigt.
Es geht Novartis nicht nur um Glivec, sondern generell um den Zugang von Patienten zu überlebenswichtigen Medikamenten.
Um das eigene Image zu beschönigen, spielt Novartis manchmal Wohltäter und verteilt Gratis-Packungen von wichtigen Medikamenten. Diese PR-Aktionen greifen dann unkritische und bezahlte Medien auf und rücken die Politik von Novartis in ein positives Licht. Doch diese Gratis-Packungen erhalten nur sehr wenige Menschen.
Grundsätzlich gilt: Wer sich die teuren Medikamente nicht leisten kann, soll sie auch nicht erhalten.
Dazu urteilte das in den USA ansässige ICCR (Interdisciplinary Centre for Comparative Research in the Social Sciences): «Novartis’ juristische Winkelzüge treffen nicht nur einige Tausende indischer Patienten, die von Glivec abhängig sind, sondern auch Millionen Menschen, die nur dank der indischen Generika-Medikamente, z.B. gegen AIDS, überleben können.»
Auch Dr. Rolf Marti, Leiter wissenschaftliches Sekretariat der Krebsliga Schweiz, betonte in einem Interview mit der Erklärung von Bern: «Unser Ziel ist es, dass alle Betroffenen Zugang zu den wirkungsvollsten Krebsmedikamenten haben, und zwar zu erschwinglichen, sozialverträglichen Preisen. Das Vorgehen von Novartis im Fall von Glivec in Indien zielt in die entgegengesetzte Richtung.»
Der EvB-Pharmaexperte (Erklärung von Bern) Julien Reinhard unterstrich: «Die von Novartis in Indien angestrengte Klage geht weit über den Fall des Krebsmittels Glivec® hinaus, da sie die völkerrechtlich anerkannten Massnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit infrage stellt.»
Andreas Item
Weitere Infos dazu finden Sie unter:
http://www.evb.ch/de/f25000086.html?action=search&opt=simple&search_text=novartis&go=suchen