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Der aktuelle Krieg im Osten Europas hat es uns wieder deutlich gemacht; die Ukraine ist einer der grössten Weizenproduzenten der Welt – und wir erinnern uns an den Geografie-Unterricht, wo wir lernten, dass die fruchtbarsten Erden Schwarzerden sind, und dass es in der Ukraine ganz viel von dieser gibt. Googelt man «Schwarzerde-Vorkommen», so finden sich diese ausschliesslich auf der nördlichen Halbkugel. Gibt man jedoch das brasilianische Wort für Schwarzerde, «Terra Preta» ein, dann sieht es ganz anders aus, da ist Brasilien an vorderster Stelle.
Was ist der Unterschied? Eigentlich keiner. Schwarzerde ist ein natürliches Vorkommen, welches sowohl in der Ukraine wie in Amazonien von Menschen pyrotechnisch bewirtschaftet wurden, um deren Fruchtbarkeit zu vergrössern. Im Amazonasbecken, das wie andere Tropenregionen aus magerer Roterde besteht, wurden 1978 ausgedehnte Gebiete mit fruchtbarster Schwarzerde entdeckt (Eije Erich Pabst). Die Analyse zeigte eine Komposition aus Küchenabfällen, Exkrementen, Tonscherben und Pflanzenkohle, womit klar war, dass es sich um eine absichtlich hergestellte Erde handelte. Man nannte diese Erde «Terra Preta do Indio».
Wer von Sao Paulo auf der BR 381 Richtung Norden fährt, der kommt an der Ortschaft „Terra Preta“ vorbei. Auf der Tafel liesst man „Saida“ (Ausfahrt) und «Retorno» (Kehrtwendung). Auf amerikanischen Highways würde das heissen «Exit» und «U-turn».
Das hat aber nichts mit Otto Schramers «Theorie U» zu tun, die aus der Zukunft heraus das Gegenwärtige bewältigen will, sondern mit Hans-Peter Schmidts Theorie C (c-turn), der Lehre vom Kohlenstoff, der Zirkularität und des Regenerativen. Und der Rolle des Pyrolyse-Feuers bei der Bewältigung der Klimakrise. Hans-Peter Schmidt prägte dazu den Satz einer „archaischen Zukunftsforschung am offenen Feuer». Das klingt ganz wie der afrikanische Sankofa-Vogel, der davon singt, dass «die Zukunft in der Vergangenheit liegt»
Der Klimawandel kommt dadurch zustande, dass Kohle, Erdöl und Erdgas aus fossilen Lagerstätten entzogen und verbrannt wurden. Der im Boden gespeicherte Kohlenstoff wurde dadurch zu CO2 in der Atmosphäre. Um den Klimawandel rückgängig zu machen, muss all das CO2 aus dem verbrannten Erdöl, Erdgas und Kohle wieder aus der Atmosphäre entzogen werden, wieder in eine stabile Form von Kohlenstoff umgewandelt werden und wieder in den Boden, d.h. in alte Lagerstätten oder über Sekundärnutzungen in Materialien oder als Terra Preta in landwirtschaftliche Böden eingebracht und dort für Jahrtausende gespeichert werden.
«Zurück in den Stollen» ist denn auch der Titel des Vortrags von Hans-Peter Schmidt, Co-Autor des Buches Terra Preta am kommenden Pflanzenkohlensymposium, das gleichzeitig mit dem Cholefestival vom 2. – 4. September in Beatenberg stattfinden wird und wo am Sonntag dem 4. September auch der «Dia da Terra Preta», (Tag von Terra Preta) mit brasilianischer Musik und Essen gefeiert werden soll.
Bis dahin wird hier zum Thema Terra Preta wöchentlich ein Beitrag erscheinen. Beitragseinsendungen sind erwünscht.