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Paris, 1936: Seit das Musiktheater "Chansonia" seine Tore geschlossen hat, sind der Bühnenarbeiter Pigoil (Gérard Jugnot), der Beleuchter Milou (Clovis Cornillac) und der Imitator Jacky (Kad Merad) arbeitslos. Pigoil ersäuft seinen Frust im Alkohol und verliert deshalb auch bald das Sorgerecht für seinen Sohn, den talentierten Harmonikaspieler Jojo (Maxence Perrin). Erst, wenn er wieder einer geregelten Tätigkeit nachgeht, kriegt er Jojo zurück.
Die drei Freunde beschliessen, das Theater unter eigener Führung wiederzubeleben - und schaffen es, den mächtigen Quartierkönig Galapiat (Bernard-Pierre Donnadieu), Besitzer des Chansonia, zu überzeugen, ihnen diese Chance zu geben. Voraussetzung dafür ist, dass die Show bald Geld einbringt. Beim Vorsprechen entdecken die drei die Sängerin Douce (Nora Arnezeder), und es zeigt sich bald, dass die reizende junge Frau ausserordentlich talentiert ist. Es geht nicht lange, und sie ist der Star des Chansonia. Allerdings verdreht sie nicht nur Milou gehörig den Kopf, sondern auch Galapiat - und der entscheidet letztendlich über Sein oder Nichtsein des Theaters...
Wenn nach zwei opulenten und emotionalen Filmstunden der Abspann von Faubourg 36 über die Leinwand flimmert und der Zuschauer danach den Kinosaal verlässt, summt ihm noch lange dieser wunderbare Edith-Piaf-Ohrwurm im Kopf herum. Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass es sich dabei um keinen Piaf-Song handelt: "Loin de Paname" wurde, wie alle anderen Stücke auch, von Reinhardt Wagner eigens für diesen Film komponiert. Der eingängige Refrain "Paris, Paris" schien den Marketingfritzen dabei offensichtlich massentauglicher als "Faubourg 36", weshalb der Film nun international unter ersterem Titel vermarktet wird. Ganz nach dem Vorbild von La môme alias La vie en rose, der diesbezüglich nach dem gleichen Prinzip verfuhr. Wobei wir also wieder bei der Piaf wären.
Genauso, wie La môme der Film von Piaf-Darstellerin Marion Cotillard war, gehört Faubourg 36 derjenigen jungen Dame, die in einer der zentralen Szenen des Films die Liebeserklärung an Paris durch die Hallen des Chansonia schmettert. Nora Arnezeder heisst sie, hat österreichische und ägyptische Wurzeln, und man tut gut daran, sich ihren Namen zu merken. Noch keine 20 Jahre alt, ist sie sieben Jahre nach Audrey Tatou alias Amélie Poulain die neue, superschnuckelige Prinzessin in einem bis haarscharf an die Kitschgrenze romantisierten Paris. Genauso wie damals Amélie wirft auch Faubourg 36 einen wehmütig verklärten Blick auf die Stadt der Liebe. Eingesetzt werden Schneeflocken, heimelige Häuserfassaden und natürlich als passende musikalische Untermalung der Klassiker schlechthin, das charmant auf- und abschwurbelde Akkordeon.
Arnezeder überstrahlt mit ihrer Schönheit und ihrem Gesang denn auch glanzvoll die Schwachpunkte des Filmes, wie die durch und durch konventionelle sowie reichlich überladene und in die Länge gezogene Story. Was die weiteren Hauptdarsteller betrifft, so hat Gérard Jugnot bereits in Les Choristes mit Regisseur Christophe Barratier zusammengearbeitet, genauso wie Kad Merad, der kürzlich in Bienvenue chez les Ch'tis auch in der Deutschschweiz für heitere Stunden gesorgt hat. Hier hat seine Komik eher tragische Ausmasse. Apropos Komik: Bemerkenswert ist auch der Auftritt von Seventies-Komödienstar Pierre Richard. Es bedarf schon eines genauen Hinschauens, um in dem distinguierten älteren Herrn den Grossen Blonden mit dem schwarzen Schuh von anno 1972 wiederzuerkennen.
Christophe Barratier ist ein studierter Musiker. Kein Wunder also, dass die Musik die grösste Stärke seines neuen Filmes ist. Eines Filmes, der sich nicht die Mühe macht, das Rad neu zu erfinden, sondern bewährte Rezepte neu aufkocht. Der Vergleich mit Moulin Rouge liegt nahe. Faubourg 36 erfreut das Ohr und wärmt die Seele - es ist bestimmt kein Zufall, dass der Film hierzulande in der Vorweihnachtszeit in die Kinos kommen wird.