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Primäres Lymphödem – Eine Störung des lymphatischen Systems
Das Lymphödem ist eine Schwellung welche durch eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe, aufgrund einer Funktionsstörung des lymphatischen Systems entsteht. Von einem primären Lymphödem spricht man, wenn durch eine angeborene Fehlfunktion des Systems, die Lymphflüssigkeit nicht richtig abtransportiert werden kann. Wenn jedoch dieses Problem durch äussere Einwirkungen entsteht, wie z.B. nach der Entfernung eines Lymphknotens oder während einem entzündlichen Vorgang im Körper, ist es ein sekundäres Lymphödem.
Grundsätzlich wird das primäre Lymphödem in die folgenden Untergruppen eingeteilt:
- Angeborenes primäres Lymphödem – Kinder unter 2 Jahren, meistens an Beinen und Armen
- Juveniles Lymphödem (9-20) – meistens zwischen 9 und 20 J., am häufigsten an den unteren Extremitäten
- Primäres lymphödem praecox (unter 35) – vor 35 Jahren
- Primäres Lymphödem tardum – nach 35 Jahren
Mögliche Ursachen für ein primäres Lymphödem
- Hypoplasien, Verschmälerung der Lymphgefässe oder Verminderung der Lymphgefässanzahl
- Lymphangiektasien, Erweiterung der Lymphgefässe mit Klappeninsuffizienz
- Lymphknotenfibrose, Vernarbung von Lymphknoten
Erscheinungsbild
Das betroffene Gebiet beginnt allmählich oder plötzlich anzuschwellen, die Haut fühlt sich gespannt an und es kommt zu einem Schweregefühl. Häufig breitet sich das primäre Lymphödem beidseitig von den Zehen und dem Fussrücken über die Knöchelregion zum Unter- und schliesslich Oberschenkel aus. Ein weiteres typisches Zeichen ist die Entstehung einer Delle beim Eindrücken mit dem Finger an der betroffenen Stelle. Bei einem fortgeschrittenen Lymphödem können sich verhärtete Stellen bilden (Fibrose) und die natürlichen Hautfalten an Zehen oder Fingern sind stark vertieft. Wenn sich das Lymphödem auf die ganzen Beine ausbreitet, kann das gesamte Bein auch seine Form verändern und wird bei extremen Fällen Elephantiasis genannt.
Häufigkeit und Auftreten des primären Lymphödems
Etwa ein Drittel aller chronischen Lymphödeme sind primär und Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer. Im Prinzip kann jeder Körperteil betroffen sein doch 95% der primären Lymphödeme treten an den Beinen auf. Das Auftreten kann durch bestimmte Ereignisse wie zum Beispiel einem Wachstumsschub, Pubertät oder Bagatellverletzungen (Verstauchter Knöchel, Quetschung) ausgelöst werden. Aber auch einen Sonnenbrand, Insektenstich oder eine Infektion können der Auslöser sein. Durch solche Ereignisse kann das defekte, jedoch bis dahin noch hinreichend funktionierende Lymphgefässsystem so geschädigt werden, dass seine Kapazität zum Abtransport der Lymphflüssigkeit nicht mehr ausreicht. So entsteht ein chronisches Lymphödem.
Therapie und Tipps bei einem primären Lymphödem
Die beste Therapieform für das primäre Lymphödem ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie welche aus der manuellen Lymphdrainage, Kompressions- und Bewegungstherapie sowie Hautpflege besteht. Es ist eine 2 Phasen-Therapie. In der ersten Phase, der sogenannten Entstauungsphase, wird durch die manuelle Lymphdrainage der Abfluss der Lymphflüssigkeit angeregt und gesteigert. Die Häufigkeit in welcher diese Drainage durgeführt werden sollte variiert je nach Stadium des Lymphödems. Zu der ersten Phase gehört auch die Kompressions-Therapie. Durch fachgerechtes anbringen einer Kompressions-Bandage wird der Abtransport zusätzlich unterstützt. In der zweiten Phase, der Erhaltungsphase, versucht man das erzielte Ergebnis von der ersten Phase möglichst lange zu erhalten. Die Häufigkeit der manuellen Lymphdrainage wird langsam reduziert und die Kompressions-Bandage wird durch einen speziell angepassten Kompressionsstrumpf ersetzt. Die Kosten von Kompressionsstrümpfen, wird beim Vorweisen eines Arztzeugnisses, von der Krankenkasse übernommen.
Es ist sehr wichtig, dass die komplexe physikalische Entstauungstherapie durch fachkundliche Therapeuten mit einer fundierten Ausbildung durchgeführt wird damit ein optimales Resultat erreicht wird und eventuelle Kontraindikationen oder Komplikationen sofort erkennt werden.
Wer an einem primären Lymphödem leidet sollte folgende Punkte beachten:
- Keine enge oder einschneidende Kleidung tragen damit der Lymphabfluss nicht behindert wird
- Tragen von bequemen Schnürschuhen mit flachem Absatz
- Bewegung: ruhige Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Spazieren oder Yoga sind empfehlenswert
- Man sollte grosse Hitzeeinwirkungen wie Sauna, Thermalbad oder übermässige Sonnenbäder vermeiden
- Keine Wärmeanwendungen wie wärmende Salben, Fango oder Wärmepackungen an der betroffenen Region verwenden
- Die betroffenen Stellen vor Verletzungen schützen
- Hochlagern der betroffenen Stelle
- Gut angepasste Kompressionsstrümpfe oder Bandagen tragen
- Entstauungsübungen regelmässig ausführen
- Regelmässige Entstauungstherapie (manuelle Lymphdrainage)