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«Niemand, den ich kenne, hat ein Amerika vorausgesehen wie das, in dem wir heute leben», sagte der 84-jährige Roth in einem Interview der «New York Times», das die «Süddeutsche Zeitung» am Montag in deutscher Übersetzung veröffentlichte.
Prahlerischer Buffon
Im Roman «The Plot Against America» (Verschwörung gegen Amerika) hatte Roth 2004 die Fiktion einer faschistischen Machtübernahme in den USA gezeichnet.
Doch niemand habe sich vorstellen können, «dass die Katastrophe des 21. Jahrhunderts, die entwürdigendste Katastrophe der USA, nicht in der schrecklichen Gestalt eines orwellianischen grossen Bruders auftreten würde, sondern in der beängstigend lächerlichen Commedia-dell'-Arte-Figur des prahlerischen Buffons», sagte der Schriftsteller.
Trump sei «ein grosser Betrüger, die üble Summe all seiner eigenen Unzulänglichkeiten, frei von allem ausser der leeren Ideologie eines Grössenwahnsinnigen».
Roth liest Geschichtsbücher
Der vielfach ausgezeichnete Roth, der am 19. März 85 Jahre alt wird, gilt als einer der bedeutendsten Autoren der Gegenwart. 2012 gab er seinen Rückzug vom Schreiben bekannt.
Er denke nicht daran, aus dem Ruhestand zurückzukehren, bekräftigte er jetzt. «Das Lesen hat den Platz des Schreibens eingenommen und bildet heute den Hauptteil, den Anreiz meines denkenden Lebens.» Allerdings lese er kaum Romane, sondern beschäftige sich mit amerikanischer, aber auch moderner europäischer Geschichte. (sda/dpa)