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Aromatherapie nennt man die kontrollierte Anwendung ätherischer Öle zur Erhaltung oder Verbesserung der Gesundheit.
Gerüche begleiten unser tägliches Leben vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Die einen empfinden wir als angenehm, erquickend, andere als widerlich. Unser Geruchssinn wir durch ein soziales Tabu in der Wertung gegenüber den anderen Sinnen herabgesetzt. Gesicht und Gehör gelten als "edle Sinne". Ihnen folgt in der Wertung der Geschmackssinn, der für die Schleckmäuler eine grosse Rolle spielt. Der Tastsinn mit seiner Beziehung zum Körperlichen und weniger sozialisierten Empfindungen ist schon etwas problematisch. Und ganz am Ende der Liste steht der Geruchssinn, der nur gewisse allgemeine gute oder schlechte Empfindungen vermittelt. Sein geringer Stellenwert äussert sich schon in der Tatsache, dass es uns schwerfällt über Gerüche genaue Angaben zu machen.
Es fehlen uns oft die Worte um einen Geruch genau zu beschreiben, alles ist Ausdruck eines mehr oder weniger stark empfundenen Gefühls.
Wenn ein Mensch gesund ist, riecht er gut. Seine Körpersäfte und Ausdünstungen haben einen angenehmen Geruch. Ein kranker Mensch hingegen entwickelt schlechte Gerüche. Beispiel: Der bei der Gartenarbeit produzierte Schweiss riecht gut, Stress-Schweiss hingegen riecht schlecht ja sauer. Der Zusammenhang mit der seelischen Verfassung ist offensichtlich, was auch durch das lateinische Wort "humor" für "Körpersaft" belegt wird.
Die Harmonie zwischen Pflanzen und Menschenwelt äussert sich in der Tatsache, dass beide aufeinander angewiesen sind und sich ergänzen. Betrachten wir zum Beispiel die wichtigste Vitalfunktion, die Atmung. Menschen und Tiere atmen Sauerstoff ein und Kohlendioxyd aus. Die Pflanzen atmen Kohlendioxyd ein und scheiden Sauerstoff aus. Diese Tatsache hat für den Menschen weitreichende Folgen.
Die Aromatherapie ist vor Jahrtausenden praktiziert worden und dann in Vergessenheit geraten. Archäologen fanden ein mesopotamisches Destilliergerät, das zur Herstellung von ätherischen Ölen diente. Es wird auf ein Alter von 5000 Jahren geschätzt. Von den Aegyptern wissen wir, dass sie schon 4000 Jahre vor der Zeitwende ätherische Öle verwendeten. Die Babylonier gingen so weit und parfümierten den Mörtel mit welchem sie ihre Tempel bauten. Dazu gebrauchten sie Zedernholz, Myrte und Zypresse, alles Öle welche auch heute therapeutisch noch genutzt werden. Die Chinesen und Inder stellten zu ältesten Zeiten ihrer Geschichte ätherische Öle her, vor allem von Rosen und Kalmus. Griechen und Römer zehrten vom Wissen der Ägypter und deren Erfahrung mit Heilpflanzen nach Eroberung des ägyptischen Reiches. Im 2. Mose/Exodus 30/ 22-25 erhielt Mose vom Herrn die Anweisung:
"Besorge Dir kostbare Duftstoffe, 6 Kilo Myrrhe, 3 Kilo Zimt, 3 Kilo Kalmus, 6 Kilo Kassia, gewogen nach dem Gewicht des Heiligtums und dazu 5 liter Olivenöl. Lass daraus das wohlriechende Salbenöl bereiten das für die Weihe von Personen und Gegenständen gebraucht wird."
Diese Mischung war eine sehr starke antivirale und antibiotische Substanz. Zimt ist stark antiviral, antibakteriell und antifungizid, Myrrhe ist ein antiseptikum und eines der besten Wundheilmittel, denn sie ist zellregenerierend und die heilenden Eigenschaften offener Wunden, Geschwüre und Frostbeulen waren legendär vor biblischen Zeiten. Am Ende des 10. Jahrhunderts entdeckte der bekannte arabische Arzt Avicenna (980 - 1037) die Dampf-Destillation wie man sie heute gebraucht. Durch die Kreuzzüge kam das Wissen von den duftenden Wässern und aromatischen Essenzen nach Europa. Handschuhfabrikanten gebrauchten Essenzen um ihre Produkte zu beduften. Es wird gesagt, dass sie zusammen mit den Parfümeuren deshalb zu den wenigen gehörten welche die Pest überlebten.
Die wissenschaftliche Studie über die therapeutischen Eigenschaften ätherischer Öle begann mit dem französischen Chemiker und Parfümeur René-Maurice Gattefossé um 1920. Bei der Herstellung einer Essenz verbrannte er eines Tages seinen Arm. Voller Schmerz tauchte er ihn in die nächstgelegene Flüssigkeit, welche wie sich herausstellte ein Fass voll Lavendelöl war. Zu seinem Erstaunen liess der Schmerz rasch nach und anstelle der üblichen Verbrennungserscheinungen mit Rötung, Hitze, Schwellung und Blasen, heilte die Wunde rasch und hinterliess keine Narbe. Von diesem Moment an widmete Gattefossé den Rest seines Lebens der Erforschung der heilenden Eigenschaften ätherischer Öle. Er formte den Ausdruck Aromatherapie. (Sein gleichnamiges Buch erschien 1939.)
Wer ätherische Öle gebraucht sollte sich genau über deren Gegebenheiten informieren. Folgende Kriterien können die Reinheit oder den Heilwert einer Essenz beeinflussen:
Botanische Gattung
Aetherische Öle werden häufig unter einem allgemeinen Namen verkauft, ohne dass die spezifische botanische Gattung aufgeführt ist. Es ist jedoch wichtig, den lateinischen Namen der Pflanze zu kennen. Ist das Birkenöl aus der kanadischen Birkenart betula lenta hergestellt oder handelt es sich etwa um eines aus Betula alba, deren Essenz krebserregend sein kann. Das neu erstandene Kieferöl stammt es von der Föhrenart pinus sylvestris oder etwa von einer (billigeren) abies sibirica? Obwohl beides Kiefergewächse sind, ist die chemische Zusammensetzung ihrer Öle sehr unterschiedlich und damit ihre therapeutischen Eigenschaften.
Geographische Herkunft der Pflanze
Weine haben optimale Anbaugebiete, bei den ätherischen Ölen ist es ähnlich. Die Zusammensetzung der äterischen Öle / Essenzen ist abhängig von Klima- und der Bodenverhältnissen. Typische Anbauländer zeichnen sich aus durch ideales Klima und entsprechende Bodenbeschaffung (Zusammensetzung) für die entsprechenden Pflanzen. Der beste Lavendel kommt z.B. aus der Haute-Provence, das wertvollste Orangen- und Zitronenöl aus Sizilien.
Konventioneller und biologischer Anbau, Wildsammlung
Nur Pflanzen die wild wachsen oder aus biologischem Anbau stammen liefern ätherische Öle von hochtshender Qualität. Speziell für Heilzwecke sind solche Essenzen anderen vorzuziehen. Billige Öle stammen oft von grossen Anbauflächen in ärmeren Ländern, dort werden leider immer noch sehr oft Pestizide und Kunstdünger für bessere Erträge eingesetzt. Haben Sie gewusst, dass Pestizide öllöslich sind und deshalb in die Essenz übergehen?
Verschnittene oder gepanschte Öle
Viele von den teureren Essenzen werden mit billigen vermischt um den Preis zu drücken. z.B. Kiefernöl mit Terpentin, Kamillenöl mit Zedern- und Schafgarbenöl, Rosenöl mit Palmarosa oder Geraniumöl. Dies verändert den therapeutischen Wert einer Essenz.
Aus pflanzlichen Bestandteilen zusammengefügte Öle
Versierte Chemiker sind heute im Stande teure Öle mit Bestandteilen billigerer Essenzen zusammenzubauen. Solche Öle werden später als "natürliches ätherisches Öl" verkauft.
Strecken mit fetten Ölen und anderen Flüssigkeiten
Es gibt Läden und gewisse Firmen welche nur einen kleinen Prozentsatz (z.B.3 %) ätherisches Öle in einem fettem Trägeröl (wie Mandel-, Traubenkernenöl o. a.) anbieten. Dies ist irreführend. Macht jedoch gerade teure ätherische Öle "erschwinglich" für jedes Portemonnaie. Manchen Essenzen wird sogar Mineralöl zugefügt und auch das Strecken mit Petroleum und synthetischen Stoffen scheint gängig zu sein. So kann es vorkommen, dass z. B. in einem so beliebten "Lavendelöl" schlussendlich nur noch ein verschwindend kleiner Teil echtes Lavendelöl vorhanden ist.
Synthetische Öle
Heute ist es möglich beinahe von allen ätherischen Ölen eine mehr oder weniger identische synthetische Kopie herzustellen. Solche Produkte werden jedoch in der Aromatherapie abgelehnt. Sie haben keinen Heilwert und können gesundheitschädlich sein, Allergien verursachen oder das Immunsystem schwächen.
Die Aromatherapie ist eine direkte Untergruppe der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). Pflanzen enthalten neben Wasser, Flavone, Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe und anderen Stoffen auch ätherische Öle. Ein ätherisches Öl wiederum enthält eine Vielzahl von unterschiedlichen chemischen Komponenten (im Schnitt ca. 100). Viele dieser Inhaltsstoffe sind allerdings noch nicht identifiziert.
Terpene, Ester, Kumarine, Alkohol, *Phenole, Lactone, *Ketone, Phenylether, Aldehyde, Oxide
Ein ätherisches Öl besteht jedoch aus mehr als bloss seinem Duft. Je nach Schwerpunkt der Inhaltsstoffe und Dosierung wirken die ätherischen Öle entweder stärker auf die körperliche oder seelische Ebene.
Ätherische Öle von guter Qualität sind ph-neutral bis leicht sauer, das erklärt weshalb viele dieser Öle antibakteriell wirken. Je nach Inhaltsstoffen wirken sie unter anderem auch:
Antiseptisch, erfrischend & stimulierend ➜ Monoterpene
Beruhigend, entzündungswidrig & hautregenerierend ➜ Sesquiterpene
Immunstimulierend, stimmungsaufhellend & hautfreundlich ➜ Alkohol(e)
Antiviral, beruhigend & entzündungshemmend ➜ Aldehyde
Entkrampfend & ausgleichend ➜ Ester
Auswurffördernd & schleimlösend ➜ Oxide(*) Stark phenol- und ketonhaltige Öle wie z. B. Piment, gewisse Minzen, Thymian (thymol & carvacrol), Rosmarin (borneon & verbenon), Salbei, Dill & Ysop (diese Liste ist nicht abschliessend) sollten nicht von Laien verwendet werden.
Faszinierend ist auch die Tatsache, dass isolierte Bestandteile, welche alleine reizend oder schädigend wirken, in der Synergie, d.h. Im Zusammenspiel mit den anderen chemischen Bestandteilen eines oder mehrer ihre Agressivität wieder verlieren.
Ich möchte die "Wirkung ätherischer Öle" abschliessen mit einem Zitat von Monika Werner. An einem Kurs im letzten November sagte sie:
"Es gibt keine schlechten Öle, nur schlecht informierte Verbraucher!"
Wasserdampfdestillation
Reine ätherische Öle werden durch Wasserdampfdestillation von frischem Pflanzenmaterial gewonnen. Dieses Verfahren wird am häufigsten angewandt und ist gleichzeitig auch die Methode mit der grössten Bedeutung und den besten Ergebnissen. Ca 80 % der gängigen Öle werden so gewonnen. Die Destillation ist beindruckend. Zunächst wird gutes Wasser (am besten Quellwasser) bereitgestellt und mit Holz oder Gas erhitzt. Anschliessend wir der Pflanzenkorb im Alambic (Destillierkessel) mit Pflanzen gefülllt. Der Wasserdampf steigt durch das Pflanzengut hindurch, bricht die Ölzellen auf und nimmt den "Pflanzenduft" so in gasförmiger Form mit sich. Der so gesättigte Wasserdampf wird nun durch einen Kühler geleitet, kondensiert und fliesst in die Florentinerflasche. Das ätherische Öl trennt sich hier vom duftenden Hydrolat. Im Hydrolat finden sich die wasserlöslichen Stoffe einer Pflanze, im ätherischen Öl die öllöslichen Wirk- stoffe. Der Destillations-Prozess dauert von 45 Minuten (Lavendel) bis zu 24 Stunden (Ylang Ylang). Das Hydrolat kann ebenfalls verwendet werden wie wir später feststellen können.
Kaltpressung
Die Zitrusfrüchte wie Zitrone, Mandarine, Bergamotte und andere, lagern ihre ätherischen Öle in der Schale. Wir können sie von blossem Auge erkennen. Wenn wir eine Orangenschale gegen die Flamme einer brennenden Kerze ausdrücken verbrennt das ätherische Öl in hellen Flämmchen. Früher wurden die Zitrusöle so hergestellt, dass man deren Schalen gegen einen Schwamm ausdrückte. Heute werden sie durch maschinelle Kaltpressung gewonnen.Es ist zu beachten, dass die Pflanzen und Früchte nicht gespritzt sind oder noch besser aus biologischem Anbau stammen, da bei der Pressung sämtliche Giftstoffe aus der Schale ins Öl gelangen. Das so gewonnene Öl wird gefiltert und in Flaschen abgefüllt. Zitrusöle sind deshalb flüssiger als andere und müssen mit Sorgfalt gelagert werden.
Enfleurage
Schon in frühester Zeit hat man duftende Pflanzenteile in Öl oder Fett eingelegt. Dieses zog die Duftstoffe an sich. Man erhielt dadurch eine duftende Fettsalbe oder ein Öl. Die Trennung von beiden, Duft und Fett beherrschte man damals nicht. Aus dieser einfachen Methode wurde später die Enfleurage entwickelt wie man sie seit dem 19.Jh kennt. Sie wurde besonders für jene Pflanzen gebraucht, die sich mit der Methode der Wasserdampfdestillation nicht vereinbaren liessen, zum Beispiel Jasmin. Die empfindlichen, frisch gesammelten Blüten wurden in Fett gedrückt, das man auf Glasplatten gestrichen hatte. Nach zwei Tagen wurden die Blüten durch neue ersetzt. Dieser Prozess zog sich über Wochen hin, so lange, bis sich das Fett mit dem Duftstoff der Blüten ganz vollgesogen hatte. Durch Alkohol Extraktion wurde die Essenz dann aus dem Duft-Fett-Gemisch herausgelöst. Diese sehr zeitaufwendige Methode liefert sehr gute Öle. Sie wird jedoch heute hauptsächlich noch für Demonstrationszwecke verwendet.
Chemische Lösungsmittel
Seit relativ kurzer Zeit verwendet man auch chemische Lösungsmittel um die ätherischen Öle aus den Pflanzen zu lösen. Es handelt sich dabei um Hexan, Petroläther oder Chlorkohlenwasserstoff. Die Lösungsmittel werden anschliessend unter Vakuum abdestilliert. Man bekommt zuerst das salbenartige Concrete, von dem man dann mit Alkohol die Pflanzenwachse trennt und zu guter letzt das Absolue erhält. Die zur Herstellung verwendeten Lösungsmittel sind giftig und können in minimalen Mengen Allergien verursachen und das Immunsystem schwächen. Ein gewissenhafter Grosshändler sollte deshalb bemüht sein Absolues mit minimalen Konzentrationen (unter 2%) zu beschaffen.
Resionoid-Herstellung
Bei der Verarbeitung duftender Harze werden die Duftstoffe von den fast geruchlosen, schwer flüchtigen Anteilen aus dem Harz gelöst. Das Harz wird mit dem Chlorkohlenwasserstoff Toluol oder mit Alkohol angesetzt, erhitzt und gerührt. Das ätherische Öl löst sich, die Lösungsmittel werden wieder abgedampft: leider nicht vollständig. Aus diesem Grunde wird Alkohol als Lösungsmittel bevorzugt. Auf diese Weise werden Öle aus Harzen von Weihrauchbäumen, Lärchen und Benzoebäumen hergestellt.
Wie sollten ätherische Öle verpackt und beschriftet sein?
Wird Ihnen eine Anzahl verschiedener Essenzen mit gleichen Preisen angeboten, können sie davon ausgehen, dass diese Öle nicht rein sind. Ätherische Öle stammen von verschiedenen Pflanzen welche unterschiedlich viel Pflege brauchen. Bei einigen liegt der Anteil an ätherischem Öl recht hoch andere liefern nur sehr wenig Essenz. Auch die Art der Ernte spielt eine Rolle, können die Pflanzen maschinell "gepflückt" werden oder werden die Blüten in mühsamer Arbeit einzeln von Hand abgelesen. Die Länge des Destillationsvorganges kann den Preis einer Essenz auch beeinflussen, denn der Vorgang muss konstant überwacht werden! Steigt oder fällt der nötige Druck, wird der gesättigte Wasserdampf zu schnell abgekühlt kann ein ätherisches Öl stark an Qualität einbüssen. Eine Rosenessenz kann aufgrund der o. g. Gründe deshalb nie den Preis einer Geraniumessenz haben, sie ist viel teurer! Die Bezeichnung "echtes ätherisches Öl" ist nicht geschützt und bietet keinerlei Reinheits- oder Qualitätsgarantie.
Ätherische Öle sollten immer in Lichtschutzflaschen (Braunglas) abgefüllt sein. Sie sind sehr lichtempfindlich und verlieren deshalb rasch an Qualität, wenn sie auf einem Fenstersims gelagert werden. Ätherische Öle und Essenzen werden am besten an einem kühlen dunklen Ort aufbewahrt.
Auf der Etikette sollten folgende Angaben vorhanden sein:
Deutscher Name
Botanischer Name
Ursprungsland
Pflanzenteil aus dem die Essenz gewonnen wird
Gewinnungsverfahren
Abfüllmenge
Eventuelle Lösungs- oder Streckmittel
Ätherische Öle, Essenzen und Absolues stehen uns in zwei Formen zu Verfügung: als Gas oder in flüssigem Zustand.
Gasförmig nehmen wir sie über die Nase auf. Flüssig und in Kombination mit fetten Ölen, Meersalz, Milch, Rahm, Honig oder Kleie wirken sie über die Haut auf unser Befinden ein. Aromatherapeuten verordnen z. T. auch die innerliche (preorale) Einnahme, dies ist allerdings Laien nicht zu empfehlen! Der Grund dafür ist die Tatsache, dass die Öle unser Verdauungssystem durchqueren müssen und auf diesem Weg mit Verdauungssäften in Kontakt kommen, welche ihre chemische Zusammensetzung verändern können.
Jede Aufnahme von ätherischen Ölen, Essenzen oder Absolues hat einen doppelten Effekt. Einerseits wird das Gehirn angesprochen, damit werden hormonelle und intellektuelle Prozesse bei uns ausgelöst. Andererseits gelangen die Wirkstoffe über unsere Organe (Haut, Lunge, Magen oder Darm) in den Blutkreislauf und schlussendlich in den gesamten Körper. Anwendungsformen wie Bäder und Massagen erlauben die Aufnahme ätherischer Öle sowohl durch die Nase als auch über die Haut. Ätherische Öle sind bei korrekter Anwendung nebenwirkungsfrei und werden vom Körper innerhalb von 3 - 6 Stunden wieder ausgeschieden. Die Ausscheidung erfolgt über die Atmung, die Haut, den Stuhlgang, den Harn und bei Stillenden über die Muttermilch.
Man kann die Anwendung ätherischer Öle in 3 Hauptgruppen unterteilen:
- Aufnahme vorwiegend durch die Nase
- Aufnahme vorwiegend über die Haut
- Aufnahme vorwiegend über den Magen
Duftlampe
Diese Lampen werden entweder aus Keramik, Glas oder Metall gefertigt und mit einer Kerze oder Strom betrieben. Es ist wichtig dass Sie, wenn Sie eine Keramiklampe kaufen, den Verkäufer fragen ob die Glasur oder Engobe giftfrei ist. So verschieden solche Lampen auch aussehen mögen, sie funktionieren alle gleich. In eine mit Wasser gefüllte Schale gibt man 2 - 8 Tropfen ätherisches Öl. Die Dosierung hängt ab von der Raumgrösse und dem Duftempfinden der Anwesenden. Schwangere Frauen reagieren z. B. eher auf Gerüche! Zitrusöle dürfen etwas höher dosiert werden, Absolues und sehr teure Oele sind ist mit Vorsicht zu dosieren. Wussten sie dass in einem Tropf Jasmin Absolue die Kraft von 300 Blüten enthalten ist oder in einem Tropf echtem Rosenöl die Wirkstoffe von ca. 40 Rosenblüten!
Diffuseur
Diffuseure sind elektrische Feinzerstäuber, die Luft in einen Glaskolben blasen, in welchen einige Tröpfchen pures ätherisches Öl gegeben wurden. Diese Öltröpfchen werden dadurch in kleinste Partikel zerteilt und verteilen sich ganz fein im Raum. Die Anschaffungskosten eines Diffuseurs liegen zwischen 100.-- - 160.-- sFr. je nach Marke. Er ist jedoch viel effizienter als eine Duftlampe und die chemische Zusammen- setzung der Öle bleibt unverändert, da keine Wärme zugeführt wird. Der Diffuseur ist eine ideale Version um das Schlafzimmer oder andere Räume zu beduften oder z. B. während Grippezeiten zu desinfizieren. Diese Methode eignet sich ausgezeichnet für Astmatiker und chronische Atemwegprobleme. Kleiner Nachteil: Geräuschentwicklung des Motors. Das kann jedoch behoben werden indem man den Raum ca. 20 Minuten vor dem Zubettgehen desinfiziert resp. beduftet.
Aromaventilator
Aromaventilatoren blasen mit Hilfe eines Ventilators Luft durch ein Vlies, auf das ätherisches Oel gegeben wurde. (Dosierung 2 - 8 Tropfen wie bei der Duftlampe.) Die Ventilatoren können mit Storm oder Batterien betrieben werden. Nachteil: Man muss das Vlies für jede unterschiedliche Duftrichtung wechseln. Je nach Marke gestaltet sich das Auswechseln mehr oder weniger kompliziert respektive kostspielig.
Dampfinhalation
In eine Schale heisses, aber nicht kochendes Wasser gibt man 2 - 4 Tr. ätherisches Oel, bedeckt den Kopf und das Gefäss mit einem Tuch und inhaliert den Dampf während ca 10 Minuten. Augen schliessen! Den Vorgang wiederholt man 2 - 3 Mal pro Tag. Diese Methode eignet sich sehr gut zur Behandlung von Infekten der oberen Luftwege. Sie ist hingegen NICHT GEEIGNET FUER ASTMATHIKER!!! (Der warme Wasserdampf kann einen neuen Anfall produzieren.
Naturparfüm
3 - 10 % einer Duftkomposition aus ätherischen Oelen, Essenzen und Absolues auf ein Hydrolat/Alkohol (90/10) Gemisch oder in Jojobaöl geben.
Potpourris
Hat ein Potpourri "ausgeduftet", geben Sie es in ein mit Gummidichtung verschliessbares Einmachglas und aromatisieren Sie es mit Ihrer Lieblingsduftkomposition. Für 30 g getrocknete Pflanzenteile rechnet man ca 30 Tropfen Oel. 2 - 3 Wochen stehen lassen und regelmässig durchschütteln.
Kompressen
Tauchen Sie ein Baumwolltuch (je nach Grösse der betroffenen Körperstelle) in eine Mischung aus 150 ml warmem oder kaltem Wasser mit 4 - 6 Tropfen ätherischem Oel. Tuch leicht auswringen und auf die betroffene Körperstelle legen.
Gesichtsmaske
Tonerde oder Quark mit Hydrolat oder Kräutertee anrühren und 1-3 Tropfen auf den Hauttyp abgestimmtes ätherisches Öl unterrühren.
Gesichtswasser / Rasierwasser
Hydrolat pur oder 100 ml Hydrolat mit 5 % hochprozentigem Alkohol und 5 Tropfen ätherischem Oel vermischen.
Duftvollbad
Für Angespannte ist das lauwarme Bad (35-37°C) genau richtig. Ein Antistress-Bad sollte ca. 2°C wärmer sein. Geben Sie je nach Wunsch 6 - max. 10 Tropfen ätherisches Öl bei, emulgiert mit Meersalz, Rahm, Honig, Molke oder Kleie. Die Öle müssen gut mit dem Emulgator vermischt werden und erst nach dem Einlaufen des Badewassers zugegeben werden. In das Bad steigen und etwa 15 Minuten in den Düften schwelgen. Achtung: schlecht gelöste Öle können dauerhafte Schäden an der Wanne hinterlassen.
Massage
Eine der angenehmsten Formen von den ätherischen Oelen zu geniessen ist die Aroma-Massage. Eine sehr sanfte Massageform in welcher je nach Hauttyp und Indikationen eine Trägerölmischung mit 1 - 5 % ätherischen Ölen vermischt und in die Haut einmassiert wird. Durch die Bearbeitung der Haut wird die Wirkung der ätherischen Oele noch verstärkt.
Körperöle und Lotionen
Eine andere sehr angenehme Art ätherische Öle zu gebrauchen besteht darin, ätherische Oele mit einem kalt gepressten Oel oder einer weissen (duftneutralen) pflanzlichen Lotion zu vermischen und sie z. B. am Morgen nach der Dusche, anstelle einer herkömmlichen (mineralölhaltigen) Körpermilch/lotion einzureiben (Mineralöle dringen nicht in die Haut ein!..)
Würzöle
Haben sie eine Vorliebe für Rosmarin, aber nicht immer frische Zweige händig? Mischen Sie 5 Tropfen ätherisches Oel mit 100 ml Speiseöl und verwenden Sie das so aromatisierte Oel wie gewohnt.
Würzessig
5 Tropfen ätherisches Oel auf 100 ml Essig geben.
Backwaren
Sie können anstelle der künstlichen Aromastoffe, z. B. mit 1 oder 2 Tropfen Orangen- oder Zitronenöl verfeinert werden. Ein Biscuit wird zu einem besonderen etwas, wenn man 1 - 2 Tropfen Bergamotteöl zufügt.
Weil die ätherischen Oele so angenehm riechen, mag es leicht fallen zu denken, dass ihr Wert im wesentlichen darin liegt uns zu bezaubern. Das wäre ein Fehler. Diese Substanzen sind sehr komplex und ihre molekulare Struktur sehr wirksam. Das ätherische Öl des Oreganos (Origanum vulgare) zum Beispiel ist ein 26 mal stärkeres Antiseptikum als Phenol. Phenol ist das Hauptbestandteil vieler komerziell hergestellter Putzmittel.