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Als externes Gedächtnis bezeichnen wir Artefakte unter dem Gesichtspunkt, dass wir uns anhand von Artefakten daran erinnern können, welche Unterscheidungen wir in unseren Konstruktionen getroffen haben.
Wenn ich etwas aufgeschrieben habe (ein Liebesbrief oder ein Computerprogramm), habe ich ein Artefakt, das unter dem Gesichtspunkt der Konsistenz nicht mehr alle Interpretationen zulässt. Artefakte sind (auch) Restriktionen.
- Wenn ich in einen Text einen Ausdruck (durch bestimmte andere Ausdrücke) definiere, muss ich diesen Ausdruck immer so verwenden, dass die Definition Sinn macht (vergleiche Hyperspiel).
- Wenn ich eine Maschine so programmiert habe, dass eine bestimmte Funktion der Maschine an bestimmte Buttons (Knöpfe) gebunden ist, dann muss ich diesen Button benutzen, um die Funktion zu realisieren.
Das externes Gedächtnis kritisiert unsere Inkonsistenzen. Erst wenn wir die Artefakte wirklich produzieren, sehen wir, ob sich die Artefakte so verhalten, wie wir es antizipieren. Und wenn wir Vorstellungen von Mechanismen haben, dann zeigt sich im Artefakt, auf welche Weise unsere Vorstellungen adäquat sind (vergleiche Erklärungen).
Externes Gedächtnis ist eine Metapher, die R. Keil Slawik eingeführt hat (1992:179f), um eine spezifische Funktion der Artefakte zu benennen. Nämlich: Wenn man ohne externe Dinge oder Objekte operieren muss, also nicht auf eine bereits bestehenden geronnene Historie oder Welt zurückgreifen kann, kommt man nicht sehr weit, was man etwa durch sogenanntes Kopfrechnen leicht verifizieren kann. Wenn man das Kopfrechnen durch Artefakte, etwa durch ein externes Gedächtnis in Form von Text unterstützt, wird es viel effizienter.
Der Ausdruck "Gedächtnis" korrespondiert mit der Redeweise: "Ein Hammer erinnert mich daran, dass man Nägel einschlagen kann." Der Hammer bringt mich aber natürlich auch auf die Idee, Nägel einzuschlagen, wenn ich noch keine Erinnerung habe. Das Erkennen der Gegenstandsbedeutung ist so oder so eine Leistung des Beobachters.
Die Vorstellung von einem externen Gedächtnis geht davon aus, dass es etwas wie ein Gedächtnis zuerst im Kopf gibt, das dann externalisiert werden kann. Diese Redeweise ist problematisch, die angesprochene Sache jedoch nicht. Wenn man 'es' extern vor sich hat, dann kann man daran weiterarbeiten, ohne das Hirn zu belasten. Können Geschichten als externes Gedächtnis verstanden werden? (Das war ein spontaner Eintrag, bevor ich Keil-Slawik konsultiert hatte!)
"Artifacts are viewed as embodying the external memory of human cognitive processes" (Keil-Slawik, 1992 , 188). Vgl. dort das Kapitel 'Artifacts as external memory' S. 179 -181.
Die internen Repräsentationen (im Kopf des Menschen) sind nicht Abbildungen der Umwelttatbestände, sondern Auswirkungen seines Verhaltens. Aus diesem Grund muss sich der Mensch, wenn er sich entwickeln will, verhalten! (Damit lässt sich auch verstehen, dass eigentliche Abbildungen Gegenstände sind). Die Bedeutung bleibt in den Artefakten (als externes Gedächtnis), sie gelangt nicht in den Menschen hinein. "Wir leben in einer funktionalen Beziehung zu unserer Umwelt, nicht in einer abbildenden" (Keil-Slawik, 1990 (2), 130, Vgl. auch 128ff, 140f, 158, 192f.
Vgl. Keil-Slawik, 1985, 115, (impliziter Verweis)