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Zeitschrift und Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins
Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Redigiert von H. Heß. Neue Folge. Band XXI. München /Wien 1905.
Die Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins hat unsere Aufmerksamkeit wie gewohnt erregt und unsere hochgespannten Ansprüche befriedigt. Ihr Redaktor hat diesmal den Stoff etwas anders verteilt als früher, indem er die rein wissenschaftlichen Artikel oder Abhandlungen voranschickte, die Beiträge aus außereuropäischen Berg-ge^enden daran anschloß und die Schilderungen aus den europäischen Alpen an den Schluß stellte. Jeder einzelne Artikel aber ist eine Monographie, welche den Stoff ganz erschöpft. Kürzere Mitteilungen, wie sie früher noch etwa in der Zeitschrift erschienen, sind nun ganz in die Mitteilungen verwiesen worden. Die Monographien müssen sogar wegen ihrer Länge oft auf zwei oder mehr Jahrgänge verteilt werden. Dieses System erlaubt eine völlige Ausnützung des Stoffes und Illustrationsmaterials, kann aber natürlich nur da angewendet werden, wo die finanziellen Mittel uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Die Abhandlungen sind folgende: Dr. O. Ampferer: Aus der geologischen Geschichte des Aachensees; Max Eckert: Die Verwitterungsformen in den Alpen, insbesondere in den Kalkalpen; Hermann Reishauer: Die Vegetationsdecke der Adamellogruppe; Eugen Oberhummer: Die Entwicklung der Alpenkarten im 19. Jahrhundert, IV. Teil ( Schluß ) Frankreich, Italien. ( Hiermit geht eine mit großer Autorität durchgeführte Besprechung der kartographischen Leistungen des verflossenen Jahrhunderts zu Ende, die von bleibendem Werte ist und noch lange mit großem Nutzen konsultiert werden wird. ) Dr. Ludwig von Hörmann berichtet über den tirolisch-vorarlbergischen Weinbau ( I. Teil ). Auch dieses Thema hat für den Alpinisten Interesse, der, wenn er nicht Abstinent ist, auf diese Produkte in den Schutzhütten des D. & Ö.A.V. angewiesen ist. Sehr interessant war für mich die Arbeit von M. von Prielmayer über Deutsche Sprachinseln, wegen der Vergleichung der Zustände in Lusern und im Fersental, die von dem Autor geschildert werden, mit denjenigen im Süden und Osten des Monte Rosa-Stockes, die ich persönlich genau kenne. Artikel aus außereuropäischen Berggegenden sind: Aug. C. F. Ferber: Die Erkundung des Mustaghpasses im Karakorum-Himalaya; E. Tewes: Aus den Alpen von Britisch Columbia, und Henry Hoek: Bergfahrten in Bolivia. Alle drei Artikel sind vom größten Interesse und reich an Belehrung, namentlich auch in geographischer Hinsicht. In der letzten Rubrik der Zeitschrift bringt Dr. Karl Blodig seine Fahrten „ zwischen der Saaser- und Mattervisp " zu Ende und beschreibt solche in „ den Bergen des Klostertals ". Dr. E. Niepmann bringt eine Darstellung seiner mit Dr. Lorenz ausge- führten Begehung des Nordgrates des Weißmies, von welcher mir Alphons Supersaxo einst abgeraten hatte, weil sie zu „ langweilig " sei, d.h. zu viel Zeit in Anspruch nehme. Die beiden Herren haben in der Tat vom Weißmieshotel zum Gipfel zehn Stunden gebraucht, sich aber dabei offenbar nicht gelangweilt. Dr. Niepmann bespricht ferner auch die Ortlergruppe ( I. Teil ). Hans Leberle das Wettersteingebirge ( Schluß ). Hans Seyffert und Alfred von Eadio-Radiis schreiben über die Marmolatagruppe, Adolf G stirner über den westlichen Teil der Julischen Alpen, Dr. G. Freiherr von Saar „ Zur Erschließung der karnischen Voralpen ". Wenn also an Vielseitigkeit und Güte der Texte die Zeitschrift des D. & Ö.A.V. ihresgleichen sucht, so kann man die Illustration noch höher einschätzen. Schon das Titelblatt: Vordere Rotspitze, vom Sällentferner, Aufnahme von F. Benesch, Mezzotinto von F. Brückmann, ist ein Musterbild, und die 26 Vollbilder, Autotypien und Lichtdrucke nach photographischen Aufnahmen oder Zeichnungen von E. T. Compton sind es ebenfalls. Außerdem schmücken 87 Textbilder und zwei Kartentafeln den Band, und eine von dem Schweizer L. Ägerter aufgenommene, von C. Freytag und Berndt gedruckte Karte der Marmolatagruppe in 1: 25,000 ist als Beilage gegeben. In Summa ein Prachtband!
Auch die Mitteilungen behaupten ihren frühern Rang und bilden nach wie vor eine der wichtigsten Fundgruben für alpine Vorkommnisse und Fortschritte, namentlich, aber gar nicht ausschließlich in den Ostalpen, die für den D. & Ö.A.V. bekanntlieh beim Splügen beginnen. Wegen der Fülle des hier Gebotenen und weil die „ Alpina " ja auch Angaben über den Inhalt der „ Mitteilungen " bringt, beschränke ich mich auf die Anführung einiger Artikel, die von ganz allgemeiner oder für uns Schweizer von besonderer Bedeutung sind. Dr. R. A. Hermann berichtet über die Montes Lunae ( das Mondgebirge in Zentraiafrika ) als deutsches ( d.h. zum deutéchen Schutzgebiet gehörendes ) Gebirge. A. Blümcke, Dr. H. Heß, Dr. H. Angerer und S. Finsterwalder berichten über die wissenschaftlichen Unternehmungen des D. & Ö.A.V. am Hintereisgletscher, Gliederferner, Vernagt- und Guslarferner und im Ankogel-Hochalpenspitzgebiet. Gustav Becker bringt die Hochalpenunfälle von 1904 zur Sprache, Ernst Enzensperger die kitzlige Frage über die Pflichten des Gefährten; Th. Giom-Hochberg- bringt „ Altes und Neues für Bergsteigerinnen "; Eugen Oberhummer „ Die Erschließung des Tian Schan " durch die Merzbachersche Expedition. Eine Überschreitung der Meije schildert Adolf Iglseder, eine Ersteigung des Piz Julier Hansi Andry, eine Überschreitung des Mittelhorns bei Grindelwald Reinhold Müller. Ferner finden wir Nekrologe über Rudolf Baumbach, Eduard Richter und Ferdinand v. Richthof en, die alle drei im Jahre 1905 der Literatur und Wissenschaft zu früh entrissen worden sind. Der D. & Ö.A.V. zählte auf den 15. Februar 1905: ß3,O77 Mitglieder in 319 Sektionen.
Meiiaktton.