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Die Entscheidung heute: Wer schafft es in die Zürcher Regierung?
Wer und wie wird gewählt? Der Kantonsrat
Bei den Kantonsratswahlen wählen die Zürcher Stimmberechtigten die Zürcher Legislative, also das kantonale Parlament. Die Wahl findet in 18 Wahlkreisen statt, in denen jeweils unterschiedliche Personen für 180 Mandate im Kantonsrat kandidieren. Insgesamt bewerben sich 1687 Personen. Prominente Namen auf den Wahlzetteln sind der Filmemacher Samir oder Whistleblower Rudolf Elmer, Alt-Stadtrat Richard Wolff und Hans-Ulrich Bigler, Geschäftsführer des Schweizerischen Gewerbeverbandes.
Es wird nach dem Prinzip der Verhältniswahl gewählt, Proporzwahl genannt. Der Anteil der Wählenden einer Partei entspricht dem Anteil der Mandate, welche die Partei bei der Wahl erhält. Die Aufgabe des Rats ist es, unter anderem über Verfassungs- und Gesetzesänderungen sowie neue Gesetze und führt Aufsicht über Gerichte .
Der Regierungsrat
Die sieben Mitglieder der Kantonsregierung werden in einer Majorzwahl, also Mehrheitswahl, gewählt. Die sieben Kandidierenden, die am meisten Stimmen erhalten, werden gewählt, sofern sie im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreichen. Der Regierungsrat ist die ausführende Gewalt, genannt Exekutive, er führt die Gesetze aus und setzt sie um.
Der Frauenanteil
Der Frauenanteil beträgt bei den Grünen und der AL nach Listen über 50 Prozent, knapp gefolgt von der SP mit 49.4 Prozent. Auffallend ist, dass die SVP mit nur 28.9 Prozent das Schlusslicht darstellt von den grossen Parteien. Der Frauenanteil nimmt aber generell bei allen Parteien langfristig zu, und dieses Jahr auch bei allen Kantonsratsparteien, ausser bei FDP und EDU. Die Stadtwahlkreise haben mit wenigen Ausnahmen eher höhere Frauenanteile: Kreis 11 und 12 sind unter dem Kantonsschnitt. Der Bezirk Pfäffikon ist mit 36.9 Prozent Frauenanteil am männerlastigsten. Der neue Kantonsrat dürfte im Vergleich zu 2019 nicht auffallend weiblicher werden.
Das Durchschnittsalter...
...der Kandidierenden liegt bei 46.9 Jahren. Eine ganz leichte und stetige Zunahme gibts seit 2007: Etwa ein halbes Jahr pro Wahlperiode: Von 2011 ging der Schnitt mit 45.3 Jahren auf 46.9 Jahre im 2023. Am jüngsten ist hier die SP mit einem Durchschnitt von knapp 42 Jahren.
Älteste Kandidatin für den Kantonsrat ist mit Jahrgang 1939 Claudia Gule für die PdA. Die jüngsten Kandidaten sind 2004 geboren und gehen noch zur Schule: es sind Gymnasiasten, Fachmittelschüler und Lernende. Dicht gefolgt von zahlreichen Studierenden mit Jahrgang 2003.
Der Anteil erneut kandidierender Bisherigen...
...ist in allen Parteien sehr hoch. 100 Prozent verzeichnen Die Mitte, EVP und EDU. Kantonal sind es 87.7 Prozent. Und alle sieben bisherigen Regierungsräte treten wieder an. Das ist deshalb ungewöhnlich, weil vier von ihnen bereits im Pensionsalter sind oder es bald dazu kommt. Zudem dürfte ausgerechnet ein Parteiloser das beste Resultat erzielen und zum Überflieger werden: Mario Fehr.
Ein Prime-Tower voller Wahlmöglichkeiten
Im Bezirk Andelfingen bewerben sich 37 Kandidaten auf zehn Listen für vier Sitze. Das ergibt 998'630 unterschiedliche Möglichkeiten, einen Wahlzettel gültig auszufüllen. Aufeinandergestapelt gäbe das einen Papierturm von etwa 128 Metern Höhe, was etwa dem 126 Meter hohen Prime-Tower in Zürich entspricht. Im Bezirk Bülach bewerben sich 171 Kandidierende auf zehn Listen um 18 Sitze, was ganze 56'336'302'297'650'584'260'268'860 Möglichkeiten ergibt: über 56 Quadrillionen Varianten, eine 26-stellige Zahl.
Zuteilung der Kantonsratssitze auf Wahlkreise
Die Anzahl der Sitze, die in den 18 Wahlkreisen zu vergeben sind, richtet sich nach der in- und ausländischen Wohnbevölkerung im jeweiligen Wahlkreis. Das Statistische Amt ermittelt diese Sitzzahlen vor jeder Wahl neu.
Für die bevorstehende Wahl des Kantonsrates ändert sich die Anzahl zu vergebender Sitze in den Wahlkreisen Affoltern (+1 Sitz) und Stadt Zürich, Stadtkreise 6 und 10 (-1 Sitz). Horgen und Uster kommen mit 15 und 16, und Bülach, mit sogar 18, auf die meisten Sitze.
Was in Zürich geschieht, das passiert auch im Oktober
Es erstaunt nicht, dass die kantonalen Wahlen in Zürich als guter Indikator gelten für die nationalen Wahlen, die jeweils im Oktober des gleichen Jahres stattfinden. Zürich hat mit rund 1.5 Millionen die grösste Einwohnerzahl und ist der wirtschaftlich stärkste Kanton der Schweiz. Wie Zürich wählt, so wählt tendenziell das ganze Land.
Wer hat Chancen für den Regierungsrat und wer nicht?
Der politische Einzelkämpfer Fehr ist auf Platz 1, auf der Beliebtheitsskala dicht gefolgt von Natalie Rickli und Ernst Stocker. Als Herausforderer haben folgende die besten Chancen unter den «Neuen»: Die Nationalrätin Priska Seiler Graf soll für die SP den durch Mario Fehrs Parteiaustritt verlorenen zweiten Sitz zurückholen. Bei der Tamedia-Umfrage liegt sie gleichauf mit Silvia Steiner, in der NZZ-Umfrage vom Dezember mit Abstand hinter ihr. Mit Peter Grünenfelder, dem Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse, soll ein «Quereinsteiger» der FDP wieder zu einem zweiten Sitz verhelfen.
Wenig oder keine Chancen sollen haben: Anne-Claude Hensch (AL) und Daniel Sommer (EVP). Das gilt auch für Hans-Peter Amrein, eine schillernde Figur der Zürcher Politik, der sich seinen Wahlkampf um die 300'000.- Franken hat kosten lassen.
Und im Kantonsrat?
Vor vier Jahren waren Grüne und Grünliberale die grossen Sieger. Grosse Verschiebungen dürfte es gemäss den Umfragen von NZZ und Tamedia nicht geben. Die Grünliberalen könnten um rund 1.5 Prozent zulegen, die SP verliert etwa gleich viel. Laut den Zahlen von Tamedia droht den Grünen ein ähnlich hoher Verlust, was die seit 2019 bestehende knappe Mehrheit der Klima-Allianz gefährden könnte.