Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/1963

Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers zieht Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam, Bilanz über die Renditen von festverzinslichen Anlagen in der letzten Dekade. Bei der Betrachtung der gleitenden Jahresrenditen zwischen dem 12. September 2008 und dem 12. September 2018 treten gemäss De Coensel durchaus Überraschungen zutage.
"Für Anleger ist es gut gelaufen"
So haben globale Aktien (MSCI World) mit einer Rendite von 9,7% am besten abgeschnitten. Im festverzinslichen Segment erzielten Euro-Hochzinsanleihen die besten Ergebnisse. In einem von niedriger Volatilität geprägten Umfeld rentierten sie mit 8,9%. Im Vergleich dazu warfen europäische Aktien (MSCI EMU) eine Rendite von 4,6% ab. Euro-Staatsanleihen, Euro-Unternehmensanleihen, globale Staatsanleihen von Industrieländern und Staatsanleihen von Schwellenländern erwirtschafteten Renditen zwischen 4,3% und 4,9%.
"Für Anleger, die in den vergangenen zehn Jahren an ihren festverzinslichen Anlagen festgehalten haben, ist es gut gelaufen" sagt De Coensel. Ein diversifiziertes Anleihenportfolio im Wert von 1000 Euro, das sich zu je 20 % aus den vorstehend erwähnten Anleihensegmenten zusammensetzt, habe heute einen Wert von 1525 Euro. Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers habe ein Portfolio aus globalen Anleihen eine jährliche Bruttorendite von 4,40% erzielt.
Zentralbanken mit unkonventionellen Methoden
Als erster und direkter Faktor für diese Ergebnisse nennt De Coensel die erweiterte Rolle von Zentralbanken. Unkonventionelle politische Instrumente seien neben konventioneller Geldpolitik zur Norm geworden. Ein solches Instrument sei der Beschluss der Notenbanken, Kreditinstituten und Unternehmen unbeschränkte Finanzierungen anzubieten. "Motivation dabei war die Vermeidung einer Kreditklemme unter allen Umständen", erklärt er. Als Folge sanken die Leitzinsen innerhalb kurzer Zeit auf 0% oder rutschten sogar in den negativen Bereich.
Ausserdem positionierten sich die Zentralbanken neben traditionellen und langfristig ausgerichteten institutionellen Anlegern (Fondsmanager, Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds) und kauften in grossem Stil Staats- und Unternehmensanleihen auf. Das Ergebnis war ein Kursanstieg in allen Segmenten des festverzinslichen Universums. Bisher und auch weiterhin haben die Wertpapierkaufprogramme von Zentralbanken gemäss De Coensel anhaltende Auswirkungen.
Banken und Versicherer strenger reguliert
Als zweiter Faktor sei die strengere Regulierung von Banken und Versicherern zu nennen. Es wurden höhere Kapitalpuffer gebildet, um sich gegen Schwankungen des Marktwertes von Anlageportfolios abzusichern. Doch Anleihen erfordern gemäss De Coensel niedrigere Kapitalanforderungen als Aktien. Daher sei die Nachfrage nach Anleihen strukturell geworden.
Ende September erwarteten die Anleihenmärkte US-Leitzinsen in einem Korridor von 3,00% bis 3,25% bis Ende nächsten Jahres. De Coensel prognostiziert, dass der US-Zinszyklus Mitte 2019 bei einer Leitzinsspanne von 2,50% bis 2,75% eine Pause einlegen wird. Im zweiten Halbjahr 2019 werde die EZB mit dem Zinsstraffungszyklus in der Eurozone beginnen. Wie auch bei der Fed rechnet er mit einem langwierigen Pfad bis zur Normalisierung.
Weltweite Portfoliodiversifizierung der Schlüssel
Der CIO Fixed Income erwartet in den Märkten für Staatsanleihen der Industrie- und Schwellenländer mit Renditechancen. Und das in einem Umfeld, in dem Wachstumsraten auf den Prüfstand gestellt werden und die Inflation begrenzt bleibt. Dabei sei die weltweite Portfoliodiversifizierung der Schlüssel, um die vorhandenen Potenziale effizient auszuschöpfen. Für die Segmente Unternehmensanleihen, Investment Grade-Rating und Hochzinsanleihen ist nach Meinung von De Coensel Selektivität ein Muss, denn der Kreditzyklus sei bereits in der reifen Phase. "Die konjunkturelle Abkühlung wird zu einem begrenzten Anstieg der Kreditrisikoprämien (Credit Spreads) führen", erwartet er.
Die Zentralbanken würden zwar über zahlreiche Instrumente verfügen, um Schocks an den Finanzmärkten abzufedern. Auch haben die Aufsichtsbehörden das Finanz-Ökosystem insgesamt noch besser im Blick. Ein schweres Schockereignis, vergleichbar mit der Lehman-Pleite, sei ihnen zufolge weniger wahrscheinlich geworden. "Dennoch bieten Anleihen Stabilität und Ertragswachstum, unabhängig davon, aus welchen Gründen das Marktbarometer stürmisches Wetter anzeigt", sagt De Coensel.