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Weibels Buch "Simplicity"
Aus dem Bund:

Benedikt Weibel plädiert mit dem Buch
"Simplicity - die Kunst, die Komplexität zu reduzieren",
wie wesentlich es ist, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können.
Weibel war von 1993-2006 der Chef der SBB.
Er hatte sich unter anderem auch als Krisenmanager bewären müssen,
so beim Stromausfall vom Juni 2005, als in der ganzen Schweiz 2000 Züge still
standen. Er kriegte im Jahre 2013,
den
Eruopäischen Railway Award.

Der Schlüsselbegriff darin ist Ockhams Rasiermesser. Der englische
Philosoph Wilhelm von Ockham lebte von 1288 bis 1347. Von ihm stammt
sinn-gemäss die Aussage: Suche das Wesentliche und schneide alles
andere mit dem Rasiermesser ab. Der zweite Kronzeuge Weibels ist der
italienische Ökonom Vilfredo Pareto, der von 1848 bis 1923 lebte. Er
hat festgestellt, dass sowohl in sozialen System als auch in der Natur
vieles im Verhältnis von 80 zu 20 verteilt ist.
(...)
Aber der Versuch, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und den Rest
mit Ockhams Rasiermesser wegzuschneiden, lohnt sich nach Meinung des
Buchautors auf vielen Gebieten. Es ist häufig sogar notwendig, weil
es nicht möglich ist, alle Einflüsse im Auge zu behalten. Ein
Beispiel ist die Lawinenforschung: Es gibt unzählige Faktoren, welche
eine Lawine auslösen können, aber mit der Konzentration auf
die fünf wichtigsten kann der Grossteil der Unfälle vermieden
werden. Oder die Medizin: Es gibt 13'000 klassifizierte Krankheiten, 6000
Medikamente und 4000 chirurgische Verfahren. Kein Arzt überblickt
und beherrscht alles. Aber die vier Funktionen Körpertemperatur,
Puls, Blutdruck und Atmung geben ihm Aufschlüsse, ob eine Person
krank oder gesund ist.
Experten laufen Gefahr, sich in ihrem Wissen zu verstricken. Deshalb
sind Bauchentscheide häufig besser als Experten-meinungen.
Bauchentscheide sind allerdings nicht irrational, sondern sie beruhen
auf Mustern, welche wir aufgrund unserer Erfahrung gespeichert haben.
Wenn sich uns ein Problem stellt, vergleichen wir es mit unseren
Mustern und fällen dann den Entscheid: "Intuition ist unbewusste
Mustererkennung", schreibt Weibel. Das typischste Beispiel sind
Schachspieler: Sie vergleichen die Stellung der Figuren mit jenen aus
früheren Partien und entscheiden sich gestützt darauf für
den nächsten Zug.
Um Meister zu werden, muss man 10'000 Stunden üben - erst dann
hat man genügend Muster gespeichert, die man im richtigen Moment
abrufen kann. Diese Faustregel gilt auf allen Gebieten.
Die Konzentration auf das Wesentliche und die 20/80-Prozent-Regel
genügen aller-dings nicht in allen Situationen: Ein
Lokomotivführer darf kein einziges auf Halt gestelltes Signal
überfahren, und beim Start einer Weltraumrakete kann der kleinste
Fehler verhängnisvoll sein. Um Fehler zu vermeiden, macht man laut
Weibel am besten Checklisten: Diese sollen einfach und klar sein, und
sie müssen konsequent umgesetzt werden. Das bringt er auch seinen
Studierenden bei: "Die Essenz meiner Vorlesung sind 17 Check-listen",
schreibt er. Und auch in "Simplicity" steht am Ende jedes Kapitels eine
Checkliste mit den Punkten, auf welche es zu achten gilt.