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Rekordverdächtige Verluste der Schweizer Gletscher im Sommer 2017
Nach kurzem und sehr schneearmem Winter setzten die Hitzewellen im Juni und August den Schweizer Gletschern stark zu. Sie verloren zwischen Oktober 2016 und September 2017 rund drei Prozent ihres Eisvolumens – mit dem Wasser könnte jeder Schweizer Haushalt ein 25 Meter Schwimmbecken füllen. Das Jahr 2017 gehört damit zu den drei schmelzintensivsten Jahren seit Messbeginn, berichtet die Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze der Akademie der Naturwissenschaften.
Kurz vor Mitte November 2016 sorgten die ersten grösseren Schneefälle im Winterhalbjahr 2016/17 für reichlich Schnee in den Bergen. Die weisse Pracht schmolz jedoch mit dem Föhn bis weit hinauf rasch wieder weg. Der Dezember war vor allem in den Bergen sehr sonnig und warm, sodass der trockenste und schneeärmste Dezember seit Messbeginn resultierte. Der Schnee fiel wie im Vorjahr erst im Lauf des Januars. Der Februar war vor allem in den inneralpinen Gebieten weiterhin zu trocken, der März dagegen als einziger Monat des Jahres vielerorts überdurchschnittlich nass. Mitte April und anfangs Mai schneite es zwar in hohen Lagen wiederholt und teilweise massiv. Trotzdem erreichten die Schneehöhen im Gebirge häufig keine durchschnittlichen Werte. Eine trockene und sehr warme zweite Maihälfte und vor allem der zweitheisseste Juni seit Messbeginn sorgten anschliessend für ein schnelles Schmelzen des Schnees, so dass die Ausaperung im Gebirge rund einen Monat früher stattfand als letztes Jahr. Die Kombination des extrem schneearmen Frühwinters und der frühen Ausaperung haben im Winterhalbjahr 2016/17 dazu geführt, dass die Dicke und Dauer der Schneedecke in hohen Lagen so gering war wie schon lange nicht mehr. Der Süden war davon noch stärker betroffen als der Norden. Vor allem kleinere Gletscher waren teils im Juli schon komplett ausgeapert. Nach einem warmen Juli und heissen August war der September ein Monat mit klar unterdurchschnittlichen Temperaturen, was sich auch in der grossen Anzahl von Neuschneetagen im Gebirge zeigte. Hätte der September auf den Gletschern keine schützende Schneeschicht gebracht, wäre der Eisverlust noch höher ausgefallen.
Gletscher zwischen Berner Oberland und Wallis schmelzen am stärksten
Die Massenbilanz wurde im September 2017 für 20 Schweizer Gletscher bestimmt. Einmal mehr ist die Bilanz zwischen Zuwachs durch Schnee und Verlust durch Schmelze stark negativ. Der Sommer 2017 ist charakterisiert durch deutlich überdurchschnittliche Verluste in allen Regionen der Schweiz. Vielerorts zerfallen die Gletscherzungen aufgrund der fortwährenden Schmelze. Am stärksten eingebüsst haben die Gletscher zwischen westlichem Berner Oberland und Wallis (Glacier de Tsanfleuron, Glacier de la Plaine Morte, Griesgletscher) mit einer Abnahme der mittleren Eisdicke von 2-3 Metern. Auch auf den meisten anderen Gletschern waren die Verluste mit einer mittleren Dickenabnahme von 1 bis 2 Metern sehr gross. Der Dickenverlust fiel am Rhonegletscher und anderen Gletschern im Gotthardgebiet mit gut einem Meter am geringsten aus.
1,5 Milliarden Kubikmeter weniger Gletschereis
Auf alle Gletscher der Schweiz übertragen, ergibt sich für das hydrologische Jahr 2016/17 ein geschätzter Volumenverlust von rund 1’500 Millionen Kubikmetern Eis. Das aktuell noch vorhandene Eisvolumen ist in diesem Jahr um rund 3 Prozent zurückgegangen. Die Gletscherschmelze im Sommer 2017 war extrem – schweizweit verloren die Gletscher noch mehr Eis als im Hitzesommer 2015 und etwa ähnlich viel wie 2011. Die Rekordverluste von 2003 wurden aber nicht ganz erreicht. Die 100 Jahre langen Messungen der Gletscherschmelze auf dem Claridenfirn im Glarnerland bestätigen: Das Jahr 2017 gehört zu den drei schmelzintensivsten Jahren.
Neues Themenportal zu Schnee, Gletscher und Permafrost
Ein soeben aufgeschaltetes Webportal (kryosphäre.ch) macht in interaktiven Grafiken die weltweit einzigartigen Schweizer Messreihen zu Schnee, Gletscher und Permafrost fassbar und erklärt die Zusammenhänge. Für Gletscher werden ausgewählte langjährige Messreihen zu Längenänderung und Massenbilanz gezeigt und erklärt. Das Portal wird von der Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze herausgegeben.
Das Schweizer Gletschermessnetz (GLAMOS) wird finanziert durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU), MeteoSchweiz im Rahmen von GCOS Schweiz, die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz und swisstopo.