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Zoodirektor Severin Dressen über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit beim Natur- und Artenschutz – und was der OPA damit zu tun hat.
Was haben alle Roten Pandas – weltweit und auch im Zoo Zürich – gemeinsam? Sie fressen gerne Bambus und sehen mit ihrem roten Fell, der Stupsnase und den kleinen Knopfaugen sehr herzig aus. Vor allem aber gehören sie zu einer stark bedrohten Art und sind Teil des «One Plan Approach» (kurz OPA) der Weltnaturschutzunion IUCN. «One Plan Approach» lässt sich grob mit «Ein-Plan-Herangehensweise» übersetzen. Der OPA hat dabei nichts mit der Planwirtschaft sozialistischer Staaten zu tun, aber sehr viel mit der Idee, dass etwas ganzheitlich, von übergeordneter Stelle, geplant werden muss.
Bisher war es häufig so, dass bedrohte Arten wie eben der Rote Panda auf zwei Arten geschützt wurden. Zum einen probierten Zoos und andere Naturschutzorganisationen, die bedrohten Arten in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet zu schützen. Das bedeutet, dass man vor Ort versucht, die Natur zu erhalten und Wilderei und Umweltzerstörung zu stoppen, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung. Für diese ist das im Idealfall auch wirtschaftlich von Vorteil, weil die Tiere Touristen anlocken und so neue Einkommensquellen schaffen. Diese Arbeit nennt man «in-situ». Man kann das ungefähr mit «vor Ort» übersetzen, also im bestehenden Verbreitungsgebiet der Tiere.
Gleichzeitig sind Zoos weltweit bemüht, durch gemeinsame Zuchtprogramme Reservegruppen für bedrohte Tierarten aufzubauen. Man nennt dies «ex-situ» – also ausserhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der betroffenen Tiere. Eine solche Reservegruppe, zum Beispiel von Roten Pandas, kann genutzt werden, um Tiere wieder auszuwildern. Besonders dann, wenn der schlimmste Fall eintritt: wenn der Schutz vor Ort versagt und der Rote Panda in der Natur ausstirbt.
Bisher waren diese beiden Schutzstrategien – also in der Natur vor Ort (in-situ) und im Zoo (ex-situ) – meist nicht miteinander verbunden. Manchmal wussten die in-situ-Leute nicht, was die ex-situ-Leute taten, und umgekehrt. Um genau dies zu verhindern, um alle verfügbaren Mittel bestmöglich zu nutzen und besonders, weil uns bei vielen Arten die Zeit davonrennt, entstand die Idee des OPA.
Der OPA bringt alle Menschen und Organisationen an einen Tisch, die weltweit in irgendeiner Form mit dem Roten Panda arbeiten.
Gemeinsam entwickeln sie einen gesamtheitlichen Plan. Alle sollen an einem Strang ziehen und mit ihrer jeweiligen Arbeit zu diesem einen grossen Plan beitragen. So werden die Roten Pandas in Zoos nun nicht mehr nur als Reservegruppe genutzt, sondern sind auch Teil von Forschungsprojekten. Dies, um mehr über diese Art zu lernen. Denn in der Natur lebt der Rote Panda sehr versteckt und ist nur schwer zu beobachten.
Bildungsprogramme rund um den Roten Panda erklären den Zoogästen die spannende Biologie des Tiers und welche Probleme der Rote Panda in der Natur hat – und wie man als Zoogast zu seinem Schutz beitragen kann. Zoos und andere Organisationen, die Teil des OPA sind, setzen diese Schutzmassnahmen wiederum in ihren Naturschutzprojekten vor Ort um.
So dient alles, was weltweit mit den Roten Pandas passiert, – in Zoos, an Universitäten oder in den Nationalparks vor Ort – dem einen übergeordneten Plan: die Roten Pandas vor der Ausrottung zu bewahren. Auch unsere beiden Roten Pandas Shang und Siddhi sind Teil dieser weltweiten Anstrengungen. Auch wenn sie davon natürlich nichts wissen. Stattdessen geniessen sie lieber täglich den frischen Bambus vom Zürichberg.