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Was wird in der Arbeitswelt von Berufsleuten verlangt? Wie sollen sie sich im Arbeitsprozess verhalten? Welche Einstellungen werden im Allgemeinen stärker bewertet als andere?
Eigenverantwortung – Erarbeitung – Selbstkontrolle. Diese Bezeichnungen drücken einen Wandel aus. Diesen Wandel kann man sehr wohl auf eine Zeitachse «gestern – heute – morgen» legen. Jedoch darf man nicht so weit gehen, dass früher nur Fremdkontrolle regiert hat und heute alle sich selbst kontrollieren. Die Tendenz, im Sinne einer Verlagerung der Schwergewichte, deutet jedoch in die dargestellte Richtung. Zum Beispiel: Die Tätigkeit in einem Sekretariat war früher dominiert durch die Notwendigkeit, seitenlange Texte nach Diktat abzuschreiben. Es war die Aufgabe der Datatypistin, Texte nach genauen Vorgaben möglichst fehlerfrei herzustellen. Die Tätigkeit des Hand- und Maschinensetzers bestand zu einem grossen Teil aus der Herstellung von Texten. Die Berufe und die damit verbundenen Tätigkeiten sind weitgehend verschwunden, resp. haben sich gewandelt. Schreibprogramme ermöglichen die Korrektur von geschriebenen Texten und ihre beliebige Reproduzierbarkeit und Verwandelbarkeit. Der Geschäftsbericht wurde früher vom Chef gedacht und diktiert, von der Sekretärin getippt und von der Druckerei gesetzt, umgebrochen und in der vorbestimmten Auflage gedruckt. Wenn wir das vereinfachte Beispiel auf heute übertragen, sieht das vielleicht so aus: Der Sekretär bespricht mit der Chefin die Gestaltung des Geschäftsberichts. Nachdem die Inhalte festgelegt sind, setzt er die Termine fest, verteilt das Konzept an die zuständigen Personen, mahnt die Abteilungsleiter bei Verspätungen, bearbeitet die erhaltenen Dateien, um sie in die gewünschte Form zu bringen und kopiert schliesslich den Geschäftsbericht in der vorläufig gebrauchten Auflage. Tätigkeiten, Anforderungen und Haltungen sind also anders geworden. Der Wandel ist aber nicht einfach eine simple Angelegenheit von Ursache (Technik) und Wirkung (Arbeit). Die Veränderungen gehen weiter und tiefer. So haben die geschilderten Möglichkeiten zur Folge, dass mehr Texte hergestellt, verteilt und zugänglich werden. Das hat wiederum zur Folge, dass die Organisation der Information anders wird und durch die Informationstechnologie neue Tätigkeiten entstehen und die Berufsarbeit verändern.
Qualifikation – Kompetenz. Wir können davon ausgehen, dass sich die konkreten Aufgaben und Tätigkeiten von Sekretariat zu Sekretariat stark unterscheiden. Bei einem Wechsel macht kaum jemand bei der neuen Stelle das Gleiche wie bei der alten. Sucht man eine neue Mitarbeiterin für das Sekretariat, sucht man kaum mehr jemanden mit einer bestimmten Qualifikation (basierend auf einer bestimmten Ausbildung), die präzise zur Funktion der offenen Stelle passt. Die Person, die wir für unsere fiktive Stelle suchen, muss gewisse Voraussetzungen erfüllen, die im bestehenden Team fehlen. Unter den Bewerbungen finden wir unterschiedliche Kompetenzprofile und wir wählen die Person aus, die am meisten Wissen und Können einbringt. Ein Bewerber kann gut organisieren und hat leichten Kontakt zu anderen Menschen (Kommunikationsfähigkeit), eine Bewerberin kennt sich mit den Computerprogrammen gut aus und kann Budgets erstellen, Daten verwalten und Folien gestalten. Wir müssen uns zwischen zwei unterschiedlichen Kompetenzprofilen entscheiden.
Lernen und Ausbilden. Das Tätigsein in der Berufswelt bestimmt die Art und Weise, wie wir junge Menschen ausbilden, d.h. sie auf dieses Tätigsein vorbereiten. In der aktuellen Entwicklung tritt das differenzierte Ausbilden an Stelle von normierten, präzis definierten Standardausbildungen. Das Bildungssystem wird offener, weil sich die Berufsleute darauf einstellen müssen, immer wieder neue Aufgaben zu bewältigen. Nicht nur bei Stellenwechseln, sondern an der gleichen Stelle verändern sich die Aufgaben. Kriterium für einen guten Mitarbeiter ist also weniger, was jemand genau kann, sondern immer mehr, was man jemandem zu können zutraut: Kann er sich im Zusammenhang mit einer neuen Aufgabenstellung aus der Situation heraus das aneignen, was gebraucht wird? Ausbildung orientiert sich deshalb immer weniger an klar umschriebenen beruflichen Tätigkeiten. Immer weniger Berufe können im Sinne eines Lebensberufs erlernt werden. Die Ausbildung ist also nichts anderes als die Basis für das Lernen während des ganzen Berufslebens.
Der unkonventionelle Generalist. Die Geradlinigkeit des Berufslebens ist für die wenigsten jungen Leute eine Perspektive. Die klare Zuordnung zwischen Ausbildung und Arbeitsstelle (wie eidg. Fähigkeitszeugnis = Facharbeit, Berufsprüfung = Teamleitung usw.) ist nicht grundsätzlich gewährleistet. Aus- und Weiterbildung gepaart mit Lebenserfahrung ist jedoch wichtiger denn je. So können verschiedenste Erfahrungen, auch in berufsfremden Bereichen, positiv wirken. Die Tätigkeit als Aushilfsskilehrer während einer Saison erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit Menschen umgehen kann. Die Funktion des Kassiers im Schachklub lässt den Schluss zu, dass der Betreffende auch in der Firma Budgetverantwortung übernehmen kann.