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Sleeve Gastrectomy oder Roux-en-Y-Gastric-Bypass?
Mit Interesse haben wir Ihren oben erwähnten Beitrag im Swiss Medical Forumvom 05.12.2018 [1] gelesen, in dem Sie zur Schlussfolgerung kommen, dass die sogenannte Sleeve Gastrectomy ([SG], «Schlauchmagen») aktuell die erste Wahl für einen bariatrisch-metabolischen Eingriff darstellt. Dabei verwenden Sie unter anderem die von uns verfasste SM-BOSS-Studie («Swiss Multicenter Bypass Or Sleeve Study») als unterstützende Referenz [2].
Bei der SM-BOSS-Studie handelt es sich um eine prospektiv-randomisierte Studie, die von Prof. Peterli initiiert und an vier bariatrischen Zentren in der Schweiz durchgeführt worden ist (St. Claraspital, Basel; UniversitätsSpital Zürich; Kantonsspital St. Gallen; Inselspital Bern). Zwischen Januar 2007 und November 2011 wurden insgesamt 217 Patienten in die Studie eingeschlossen, von denen 107 Patienten eine laparoskopische SG und 110 Patienten einen laparoskopischen proximalen Roux-en-Y-Gastric-Bypass (RYGB) erhielten. Ziel der Studie war es, mögliche Unterschiede zwischen den beiden Prozeduren bezüglich Gewichtsverlust, Adipositas-assoziierte Begleiterkrankungen, Lebensqualität und Morbidität/Mortalität festzustellen. Nach einer Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren zeigte sich für die beiden Eingriffe weder ein statistisch signifikanter Unterschied im erzielten Gewichtsverlust noch in der Behandlung der meisten Adipositas-assoziierten Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ2, Dyslipidämie und arterielle Hypertonie. Des Weiteren konnte kein Unterschied in Morbidität und Mortalität zwischen den beiden Verfahren gefunden werden. Lediglich in der Behandlung einer bereits vorhandenen gastroösophagealen Refluxerkrankung (GERD) zeigte sich eine signifikante Überlegenheit für die RYGB-Operation. Ausserdem entwickelten weniger Patienten eine De-novo-GERD nach RYGB als nach SG. Besorgniserregend sind in diesem Zusammenhang kürzlich publizierte Studien, die auf eine erhöhte lnzidenz von De-novo-Barrett- Metaplasien bei bis zu 17% der Patienten nach SG hinweisen [3, 4]. Abhängig vom Grad der Dysplasie und der Länge des betroffenen Speiseröhrensegmentes liegt die Inzidenz für ein Barrett-Karzinom zwischen 0,3 und 2,4% pro Jahr. Weitere Daten mit längeren Nachbeobachtungszeiträumen sind sicher nötig, bevor ein abschliessendes Urteil gefällt werden kann, aber diese Entwicklungen sollten bei den Überlegungen zur Verfahrenswahl sicher Berücksichtigung finden.
Aus diesen Ergebnissen lässt sich unserer Ansicht nach keinesfalls eine Überlegenheit der SG- gegenüber der RYGB-Operation ableiten und wir weisen darauf hin, dass wir den weltweit festzustellenden Trend hin zu einer Bevorzugung der SG über den RYGB [5] vor dem Hintergrund der oben erwähnten Daten sehr kritisch sehen. Diese Position wird auch durch eine weitere prospektiv-randomisierte Studie aus Finnland gestützt, die parallel zur SM-BOSS-Studie publiziert wurde und ebenfalls scheiterte, eine Überlegenheit der SG gegenüber dem RYGB festzustellen [6].
Es gibt Argumente für beide Operationen. Die Wahl soll nach interdisziplinärer Abklärung mit den Patienten nach vollständiger Aufklärung über Vor - und Nachteile der verschiedenen Methoden, auch unter Berücksichtigung des Patientenwillens, erfolgen. Wir erachten es als irreführend, zum heutigen Zeitpunkt, wo die Langzeitkomplikationen respektive Konsequenzen der SG noch nicht genügend bekannt sind, eine so dezidierte Empfehlung wie in Ihrem Artikel erwähnt, abzugeben.
Image d'en-tête: © Thomas Gowanlock | Dreamstime.com