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Eine fast unlesbare kleine Schrift
In der Öffentlichkeit bekannt wurden die Mikrogramme erst nach Robert Walsers Tod 1956. Überliefert sind 526 Blätter, die entziffert und transkribiert Tausende von Druckseiten Text ergeben und neben Prosastücken, Gedichten und dramatischen Szenen auch einen ganzen Roman enthalten. Praktiziert hatte der Autor sein «Bleistiftsystem» in den Zwanziger Jahren in Bern. Er schrieb in fast unlesbar kleiner Schrift auf Blätter und Zettel, Formulare, Umschläge, Telegramme, Quittungen, Rechnungen. Mit den winzigen Buchstaben und der Möglichkeit, das so Entworfene später ins Reine zu schreiben, überwand Walser eine tiefgreifende Schreibkrise.
Die enzifferte Handschrift
Walsers Mikrografie ist so irritierend, dass sie von Carl Seelig anfänglich als «Geheimschrift» bezeichnet wurde. Erst Jochen Greven, dann Bernhard Echte und Werner Morlang gelang es nach jahrelanger Arbeit, die Handschrift zu entziffern. Die schlichten Blätter und das ungewohnte Schriftbild sind von einer grossen Schönheit. Sie faszinieren insbesondere auch bildende Künstler in aller Welt. Walser selber schrieb mikrografisch verklausuliert: «Schreiben, Schriftstellern scheint mir vom Zeichnen abzustammen.»
Von Walsers Schreibwelt zur Welt des Feuilletons
Mit seinem mikrografischen «Bleistiftgebiet» schuf sich Robert Walser eine nur ihm allein zugängliche Welt. Über die einzigartige Form hinaus sind die Mikrogramme auch literarisch bedeutsam und gehören zu den legendärsten Texten der modernen Literatur.