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Germain Meyer
Ein Theater-Bauer im Jura
Schweizer Theaterpreis 2016
Germain Meyer, geboren 1946 in Charmoille JU, studierte Literaturwissenschaften an der Universität Fribourg und promovierte 1974 in Theaterwissenschaften an der Sorbonne in Paris über «Antonin Artaud et le théâtre» bei Roland Barthes. Anschliessend lebte er auf den Spuren von Artaud bis 1986 in Mexiko, wo er für die Direktion Volkskultur als Verantwortlicher für Bildung und Animation in einer ländlichen Umgebung wirkte. Als Regisseur arbeitete er mit Bauern und Indigenen zusammen und inszenierte rund zehn Stücke in ganz Mexiko. Er hielt Vorträge über die Kunst der Regie, beispielsweise an den Universitäten von Potosi und Mexiko, in Kulturzentren und auf Festivals. Seine in Mexiko entwickelte Methode publizierte er 1985 unter dem Titel «Teatro campesino». Nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er 1989 Mitgründer der Association jurassienne d'animation culturelle (AJAC) und entwickelte eine auf die vier Ebenen Ausbildung, Kreation, Vermittlung und Diffusion ausgerichtete Theaterpolitik für den Jura. Für seine Verdienste für den Kanton und in der Kulturvermittlung wurde er 2006 mit dem Prix des Arts, des Lettres et des Sciences de la République et Canton du Jura und 2011 mit dem Kulturvermittlungspreis des Kantons Bern ausgezeichnet.
Im Rahmen der AJAC inszenierte Meyer 18 Theaterstücke, arbeitete regelmässig mit dem Ensemble des Amateurtheaters l’Estrade in Moutier und leitete Kurse in Regie, Theaterspiel und -vermittlung. Zwischen 1992 und 2003 koordinierte er Theaterworkshops an den Schulen im Jura und initiierte und leitete die erste und einzige «maturité artistique théâtre» der Schweiz am kantonalen Gymnasium in Porrentruy. Germain Meyer wirkt bis heute als Tausendsassa und Motor für das Theater im Jura und beweist, dass mit Beharrlichkeit und Engagement auch in einer Randregion das Theater Fuss fassen kann.
«Anspruchsvolles. Wie das, was er bei Artaud geliebt hat. Wunsch nach einem Theater des Bewusstseins. Auf dessen Suche er sich in Mexiko gemacht hat. Populäres. Wie bei Jean Vilar mit der Inszenierung eines besonderen Moments, wo sich Erwartung und Verlangen einnisten. Germain Meyer sät diese Schätze. In seinem Kanton, dem Jura, hat er dafür gekämpft, dass die Theaterkunst ihren Platz im Lehrplan der Schulen findet, und es ist ihm gelungen, dass es nun die in der Schweiz einmalige Theatermatur gibt. Er hat es geschafft, dass auch die Jüngsten Risiken einzugehen wagen. Er liebt Marionetten und Statisten, er liebt die, die ungehorsam sind, manchmal unsichtbar, aber die viel erzählen. Denn Germain Meyer glaubt mit voller Überzeugung, dass das Theater Ideen transportiert, es die Versuchsanordnung einer anderen Welt ist.»
Anne Fournier, Jurymitglied