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Denkmal des aus Livland stammenden russischen FeldmarschallsBarclay de Tolly. Zur Rechten und Linken, wo ein größerer Raum zwischen
dem hohen Ufer und dem Fluß bleibt, entwickelt sich die Stadt. Jenseit des Embachs befindet sich noch ein nicht unbedeutender
Teil der Stadt. Jüngst angelegte Deiche, die sich die Embachufer entlang ziehen, schützen die Stadt vor
dem Frühlingswasser und bieten zugleich schöne Spaziergänge. Die Einwohner, (1881) 29,727 an
Zahl, sind überwiegend Deutsche,
[* 33] im übrigen Russen und Esthen, welch letztere besonders die dienende Klasse der Dorpater Bevölkerung
[* 34] bilden.
Von industriellen Etablissements bestehen in Dorpat große Bierbrauereien, Brot-, Zigarren-, Kachelfabriken, 2 größere Buchhandlungen, 5 Buchdruckereien, 3 Pianofortefabriken.
Der Handel in Landesprodukten (besonders Holz,
[* 35] Getreide,
[* 36] Flachs) ist ansehnlich, wird durch den schiffbaren Embach gefördert,
auf dem vier Dampfboote regelmäßige Fahrten über den Peipussee bis nach Pskow unternehmen. Die städtische Bank, deren Reingewinn
teilweise zu Schulzwecken verwandt wird, hat einen jährlichen Umsatz von 50-60 Mill. Rubel. Im Januar findet
ein Jahrmarkt statt.
Zwischen dem 14. und 15. Jahrh. hob sich die Stadt noch mehr, schloß sich dem Hansabund an
und rivalisierte in Reichtum und Macht selbst mit Riga und Reval.
[* 41] Im J. 1268 wurde das feste Schloß aus
dem Domberg fruchtlos von den Russen belagert, dagegen die damals aus Blockhäusern bestehende Stadt von Grund aus verbrannt. 1304 hielt
der
livländische Ordensmeister mit seinen Beamten und den Bischöfen hier die erste allgemeine Versammlung des Landes; 1427 wurde
Dorpat wiederum von den PleskowerRussen belagert, die aber von den Litauern vertrieben wurden. 1525 folgte
Dorpat dem Beispiel der Schwesterstädte und nahm die protestantische Lehre
[* 42] an. Mit dem übrigen Land verlor auch Dorpat seine Selbständigkeit
durch die Einfälle der Heere des russischen ZarenIwan des Schrecklichen.
Diesem gelang es, die Stadt zu erobern. Der Bischof wurde nach Rußland abgeführt, die Stadt
konnte nicht wieder von den Deutschen erobert werden und verfiel unter der 25jährigen Herrschaft der Russen. Schwer litt sie
durch das Blutbad von 1571: ReinholdRosen wollte sie denPolen in die Hände spielen, der Anschlag mißlang aber, worauf ein großer
Teil der unschuldigen Bewohner von den Russen niedergemacht wurde, ein andrer nach Rußland in die Verbannung
wanderte, während ihre Häuser dem Erdboden gleich gemacht wurden.
Dennoch sah sich Rußland gezwungen, im Frieden mit StephanBáthori 1582 an Polen abzutreten. 1600 wurde die Stadt von den Schweden
[* 43] erobert, fiel aber 1603 wieder an die Polen, welche nun durch die härtesten Mittel die katholische Lehre
in der eifrig protestantischen Stadt einzuführen suchten, aber den heftigsten Widerstand fanden und die Stadt endlich 1625 an
GustavAdolf verloren. Allerdings wurde Dorpat 1656 von den Russen erobert und wieder ein Teil der Bevölkerung in die
Gefangenschaft geführt; allein bald fiel die Stadt wieder an die Schweden zurück, und erst 1704 wurde sie unter Peter d. Gr.
vom russischen FeldherrnScheremetjew erobert und blieb seitdem unter russischer Herrschaft.
Wegen vermeintlicher Verbindungen mit Schweden wurde 1708 zum drittenmal der größte Teil der Bewohner tief ins Innere Rußlands
versetzt, und die Stadt verfiel völlig. Erst nach mehreren Jahren durften die Bewohner zum Teil wieder
heimkehren, und nun begann sich Dorpat von den wiederholten Kriegen und Zerstörungen zu erholen und hat sich seit Katharina II.
und Alexander I. zu einer eleganten, fast neuen Stadt entwickelt. In denJahren 1763 und 1775 ward es von
großen Bränden heimgesucht und beidemal von der KaiserinKatharina II. im Wiederaufbau unterstützt. Seit 1783 ist Dorpat Kreisstadt
im GouvernementLivland.