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Pneumonie: CRP und Procalcitonin zur Risikoprädiktion in der hausärztlichen Praxis
Die Unterscheidung zwischen unkomplizierten Infekten der unteren Atemwege und Pneumonien ist in der Allgemeinpraxis häufig anspruchsvoll. Eine Studie im Britischen Ärzteblatt untersuchte den Beitrag der beiden Biomarker CRP und Procalcitonin zur Abschätzung einer möglichen Pneumonie bei Patienten mit akutem Husten.
An der Studie beteiligten sich insgesamt 2'820 Erwachsene (40% Männer, Durchschnittsalter 50 Jahre), die sich zwischen 2007 und 2010 in 12 hausärztlichen Zentren in Europa mit einem akuten Husten vorstellten. Bei allen Patienten erfolgte eine klinische Anamnese und Untersuchung sowie die Bestimmung von CRP und Procalcitonin. Zusätzlich wurde innerhalb von einer Woche ein Thoraxröntgen durchgeführt. Primärer Endpunkt war eine radiologisch bestätigte Pneumonie, wobei den Radiologen die Ergebnisse der anderen Untersuchungen nicht bekannt waren.
Bei 140 Patienten (5%) bestand laut Röntgen eine Pneumonie. Das Reassessment von 1'675 Thoraxröntgen ergab eine Übereinstimmung in 94% der Fälle. In der ROC-Analyse für die sechs publizierten Modelle zur Diskriminierung basierend auf klinische Symptome und Zeichen reichten die Werte von 0.55 bis 0.71. Die beste Risikoprädiktion mit einem ROC-Wert von 0.70 ergab sich aus der Kombination der folgenden klinischen Variablen: fehlendes Nassenrinnen, Bestehen von Atemnot, auskultatorisches Rasseln und abgeschwächtes Atemgeräusch, Tachykardie und Fieber. Die zusätzlich CRP-Bestimmung (Cut-off > 30 mg/l) vergrösserte die Fläche unter der Kurve auf 0.77 und verbesserte die diagnostische Einordnung (um 28% bei der Reklassifikation).
Bei jenen 1'556 Patienten, die gemäss klinischer Symptome und Zeichen sowie CRP zur Niedrig-Risiko-Gruppe zugeteilt wurde, lag die Pneumonie-Inzidenz bei 2% und bei jenen 132 mit "hohem Risiko" bei 31%. Die positive "Likelihood Ratio" (LR) als Masszahl für die Wahrscheinlichkeit einer Pneumonie lag bei niedrigem, mittlerem und hohem Risiko bei 0.4, 1.2 und 8.6. Die Bestimmung von Procalcitonin führte zu keiner relevanten Verbesserung der diagnostischen Information. Ein einfacher diagnostischer Score basierend auf klinische Symptome und Zeichen sowie CRP (Cut-off >30 mg/l) ergab eine Pneumonie-Inzidenz von 0.7% (Niedrig-Risiko-Gruppe), 3.8% (mittleres Risiko) und 18.2% (Hoch-Risiko-Gruppe).
Konklusion der Autoren: Ein Modell basierend auf klinische Symptome und Zeichen war bei Patienten mit leichtem oder starkem Husten im hausärztlichen Setting am besten geeignet zur Abschätzung einer Pneumonie. Die CRP-Bestimmung (optimaler Cut-off > 30 mg/l) verbesserte die diagnostische Information, Procalcitonin konnte die Risikoprädiktion nicht zusätzlich verbessern.
Link zur Studie
BMJ 2013;346:f2450 - van Vugt SF et al. on behalf of the GRACE consortium
01.05.2013 - gem