Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03105.jsonl.gz/1822

Die Liste mit Anwärtern auf den Triumph in der 191 Kilometer langen Etappe in die andorranische Hauptstadt Andorra la Vella war zu Beginn des letzten von vier Anstiegen ebenso lang wie hochkarätig: Vincenzo Nibali, Nairo Quintana, Steven Kruijswijk oder Alejandro Valverde erreichten den Fuss des Col de Beixalis als prominenteste Namen einer ursprünglich 32 Fahrer umfassenden Fluchtgruppe. Sie waren es auch gewesen, die dem Rennen an der Spitze bis 20 Kilometer vor dem Ziel den Stempel aufgedrückt hatten, allen voran Nairo Quintana.
Der Kolumbianer, der 2014 den Gesamtsieg am Giro und 2016 an der Vuelta feiern konnte, hatte am vorletzten Anstieg nach Port d'Envalira den stärksten Eindruck hinterlassen und sah sich auch am letzten Hindernis des Tages im Vorteil. Also griff Quintana sofort wieder an, als die letzte Steigung begann, er musste sich aber wie schon am Port d'Envalira einholen lassen. Den entscheidenden Angriff setzte mit Sepp Kuss einer, den die wenigsten Experten vor dem Etappenstart auf der Liste der Siegesanwärter hatten und der zuvor kaum in Erscheinung getreten war.
Rund 20 Kilometer vor dem Ziel distanzierte Kuss mit dem Spanier Alejandro Valverde nicht nur den ältesten Fahrer im Feld, er liess zugleich seinen letzten Herausforderer stehen. In Grobzügen kopierte der 26-jährige Amerikaner damit sein bisheriges Meisterstück von der Vuelta 2019, als er am Schlussanstieg ebenfalls die Differenz für seinen ersten und bisher einzigen Sieg an einer Grand Tour legte - auch damals in der 15. Etappe.
Zwei Rennen im Rennen
Ab dem Aufstieg zum Port d'Envalira entwickelten sich auf der 15. Etappe spätestens zwei voneinander unabhängige Rennen. Während sich vorne die Fluchtgruppe ohne Schweizer Beteiligung um den Sieg stritt, ging es weiter hinten für die Favoriten im Gesamtklassement - hier mit Unterstützung von Schweizer Helfern - darum, den Leader Tadej Pogacar vor dem Ruhetag am Montag nochmals zu fordern. So richtig gelingen wollte ihnen das nicht. Als einziges Zugeständnis blieb den Konkurrenten des 22-jährigen Slowenen seine Aussage nach Rennschluss. «Das ganze Peloton ist müde, ich zuallererst», sagte Pogacar.
Zwar gelang es den Herausforderern um das Team Ineos-Grenadiers, Pogacar in den Pyrenäen von seinem Team zu isolieren, die folgenden Angriffe parierte er aber auch solo problemlos. «Meine Rivalen haben versucht, mich zu attackieren, aber zu ihrem Leidwesen habe ich mich gut gefühlt. Mein Körper hat gut auf die Hitze reagiert», sagte Pogacar. Im Gesamtklassement liegt der Youngster nun sogar wieder mit über fünf Minuten Vorsprung an der Spitze.
Der Franzose Guillaume Martin, der am Samstag anlässlich der 14. Etappe den 2. Rang in der Gesamtwertung erobert hatte, musste seine Top-Klassierung umgehend wieder abtreten. Martin verlor über acht Minuten auf die Siegerzeit und fiel im Gesamtklassement auf Position 9 zurück. Der Kolumbianer Rigoberto Uran rückte auf Kosten des Franzosen wieder vor und liegt nach wie vor 5:18 Minuten hinter Pogacar.