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kann. Die Hauptschwierigkeit liegt in der schlechten Beschaffenheit des Untergrundes. Derselbe besteht nämlich in Torf- und Moorboden, unter dem ein flüssiger, schlüpfriger Laufletten liegt. Wird nun das Torfmoor angeschnitten oder werden Dämme darauf gesetzt, so wird die Letten- und Schlammschicht hervorgequetscht, stellenweise bilden sich förmliche Schlammkrater und es entstehen Unterhöhlungen, so dass die Ufer und Dämme einstürzen und der Kanal dann einem durch Elementarereignisse zerstörten Fluss gleichsieht. Da aber diese Beschaffenheit des Untergrundes den Technikern schon vor Inangriffnahme des Diepoldsauer Durchstiches bekannt war und da ferner ähnliche Schwierigkeiten am Rheinthalischen Binnenkanal endlich überwunden wurden, so ist anzunehmen, dass dies auch hier bei Diepoldsau gelingen werde, wenn auch nur unter den grössten Anstrengungen und unter bedeutender Ueberschreitung des Kostenvoranschlags.
Uebrigens haben schon die bisherigen Arbeiten (Rheinkorrektion, Fussacher Durchstich, Binnengewässerkorrektion) gute Früchte gezeitigt. Ueberall ist der Grundwasserstand gesunken, so dass die zahlreichen Ziehbrunnen des Rheinthales alle vertieft werden mussten. Die Thalebene ist in so frappanter und vorteilhafter Weise umgestaltet, dass Leute, die einige Jahre nicht mehr dort waren, sich kaum noch auskennen können, wenn man auch nicht von paradiesischen Verhältnissen reden darf, wie es schon von überschwenglicher Seite geschehen ist.
Gekrönt muss aber das grosse Werk werden durch den Diepoldsauer Durchstich, weil nur durch ihn (in Verbindung mit dem Lustenauer Durchstich) eine genügende Schuttausräumung des Rheinbettes und eine Tieferlegung desselben bis Sargans oder noch weiter hinauf möglich ist und nur dann die Rheinkorrektion eine wirklich durchgreifende sein kann. Man hat übrigens eingesehen, dass es mit einer rascheren Geschiebeabfuhr allein nicht getan ist, sondern dass auch die Zufuhr von Geschieben möglichst vermindert werden muss.
Darum hat man auch längst angefangen, den Rhein gleich an seinen Wurzeln zu fassen, d. h. die zahlreichen Wildbäche des Quellgebietes und der Zuflüsse zu verbauen und damit die Geschiebe zurück zu halten. Einzig im bündnerischen Rheingebiet sind wohl schon über 100 solcher Wildbachverbauungen (darunter auch an der besonders gefährlichen Nolla) vorgenommen und dafür viele Millionen verausgabt worden. Hand in Hand damit gehen auch viele Neuaufforstungen. Rekapitulierend können wir sagen, dass das grosse Werk der Rheinkorrektion in vier Hauptteile zerfällt:
I. Die Rheinkorrektion im engeren Sinn durch Wuhr und Dammbauten (Einengung des Stroms) auf 63 km von der Tardisbrücke bis zum Monstein. Ursprünglich auf 8½ Mill. Fr. devisiert, kostete sie in Wirklichkeit 15 Mill. Fr.
II. Die Rheinregulierung, d. h. die Abkürzung des Stromlaufs mittels Durchstichen zum Abschneiden der untersten grossen Flussbögen. Davon kostete der untere oder Fussacher Durchstich 8830000 Fr. (statt der devisierten 6438000); der obere oder Diepoldsauer Durchstich ist zu 9169000 Fr. devisiert, wird aber, wenn er überhaupt zustande kommt, jedenfalls auch verschiedene Millionen mehr kosten. Die Normalisierung der Zwischenstrecke kostete 930000 Fr. (statt 593000) und diejenige der obern Strecke bis zur Illmündung 2000000 Fr. (statt 360000).
III. Die Binnengewässerkorrektion zur Ableitung der Seitenbäche, Beseitigung der Stauwasser und Entsumpfang des Bodens. Davon kostete allein der Rheinthaler Binnenkanal 6100000 Fr. (statt 3600000 Fr.). Dazu kommen noch der Werdenberger Binnenkanal und der Sarkanal (im Sarganserland) mit Seitenkanälen, die ebenfalls mehrere Millionen kosteten, dann auf der rechten Seite des Rheins die Vorarlberger und die Liechtensteiner Binnengewässerkorrektion mit wiederum mehreren Millionen Fr. Kosten.
IV. Die Wildbachverbauung und Aufforstung in den Quellgebieten zur Verminderung der Geschiebezufuhr, deren Kosten natürlich auch in die Millionen laufen.
So wird also das gesamte Korrektionswerk am Rhein auf weit über 50 Millionen Fr. zu stehen kommen. Möge es von Erfolg gekrönt sein und bewirken, dass der Rhein für seine Anwohner nicht mehr wie bisher ein Gegenstand beständiger und schwerer Sorgen bilde, sondern die Freude und der Segen der Länder werde, die so viel durch ihn gelitten und so viel für ihn geopfert haben.
B. Der alpenvorländische Teil des Rheins
umfasst den Bodensee (inkl. Untersee) und die Flussstrecke von Stein bis Schaffhausen. Da der Bodensee in einem besonderen Artikel eingehend behandelt worden ist, so soll er hier nur in Kürze und des Zusammenhanges wegen charakterisiert werden. Er zählt zu den grossen alpinen Randseen. Wie der Genfersee liegt er ganz vor den Alpen, ohne ¶
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tiefer in sie einzudringen wie die übrigen schweizerischen Randseen. Diese Lage hat er mit den deutschen Randseen gemein, die aber alle viel kleiner sind. Mit dem Genfersee teilt er auch die Grösse und die Erstreckung fast über die ganze Breite des Alpenvorlandes. Er gliedert sich in den Obersee (von Rorschach-Bregenz bis Konstanz-Meersburg), den Ueberlingersee und den Untersee. Seine gesamte Flächengrösse beträgt rund 540 km2 (genauer 538,482 km2), wovon auf den Untersee 63 km2 kommen.
Seine Länge von Bregenz bis Ludwigshafen am Ende des Ueberlingersees beträgt 64 km, von Bregenz bis Konstanz 46 km, seine Breite von Rorschach bis Bregenz 20 km, etwas östl. von Romanshorn und Friedrichshafen noch 14 km und im Ueberlingersee 3-5 km. Der sehr unregelmässig gestaltete Untersee ist von Gottlieben bis Stein 20 km lang und westl. der Insel Reichenau 5 km breit. Der Seespiegel liegt im Mittel 398 m über Meer (bei einer jährlichen Schwankung von etwas über 2 m). Die grösste Tiefe misst 252 m, die mittlere Tiefe 91,7 m (für den Obersee inkl. Ueberlingersee allein 100 m, für den Untersee 28 m). Jeder der drei Teile enthält eine kleine Insel: der Obersee Lindau, der Ueberlingersee Mainau und der Untersee Reichenau, alle drei durch Brücken, bezw. Dämme mit dem Festland verbunden.
Ausser dem Rhein, der Dornbirner Ach und der Bregenzer Ach erhält der Bodensee nur noch wenige und kleine Zuflüsse. Davon
sind etwa zu nennen die Goldach und Steinach auf der linken, die Argen und Schussen auf der rechten Seite. Ein besonderes Interesse
gewährt die in das äusserste Ende des ^[Berichtigung: Untersees]
Ueberlingersees mündende Hegauer Ach
dadurch, dass sie hauptsächlich von der Donau gespeist wird. Von den Gewässern dieser letztern verschwindet nämlich ein
beträchtlicher Teil in den Klüften des Kalkbodens bei Mähringen, um erst 14 km weiter südl. beim Städtchen Aach im Hegau
als kräftiger Bach wieder an die Oberfläche zu treten und sich nach kurzem Lauf in den Bodensee zu ergiessen.
Ueber die Entstehung des Sees und der schweizerischen Randseen überhaupt stehen sich hauptsächlich zwei Erklärungstheorien
gegenüber, die man als Senkungstheorie und Erosionstheorie bezeichnen kann.
Nach der ersteren (Heim, Aeppli) wäre gegen Ende der 1. Interglazialzeit der Alpenkörper als Ganzes wieder etwas eingesunken, während das Alpenvorland in seiner Höhenlage verharrte. Dadurch wären die schon vorher durch Erosion entstandenen Thäler dieses letzteren streckenweise rückläufig geworden, so dass das Wasser sich hier stauen und die Seen bilden musste. Anfänglich reichten diese Seen weiter in die Alpen hinein als heutzutage, der Bodensee z. B. bis nach Chur.
Durch Deltabildung wurden sie an ihren oberen Enden allmählig verkürzt und auf ihren heutigen Umfang reduziert. Nach der Erosionstheorie (Penck, Brückner) dagegen wären die Seewannen durch Gletschererosion entstanden, indem die eiszeitlichen Gletscher ihre Unterlage ausgehobelt hätten, während der Boden vor denselben durch Moränen vor Abtragung geschützt, ja sogar noch erhöht worden wäre. Nach Rückzug der Gletscher mussten sich dann die so entstandenen Becken mit Wasser füllen.
Das landschaftliche Bild des Bodensees ist durch seine Grösse wesentlich mitbedingt. Kein anderer Schweizersee erinnert so sehr an das Meer wie gerade er. Von Bregenz aus gesehen scheint einem die Abendsonne in den Wasserspiegel zu tauchen. Auch ist von hier aus die Erdkrümmung schon recht wohl wahrnehmbar, da die ganz über Wasser verlaufende Linie Bregenz-Konstanz eine Aufwölbung von etwas mehr als 9,5 m aufweist, so dass die am Strande liegenden niedrigern Häuser beider Städte gegenseitig dem Blick entzogen bleiben.
Die Ufer bilden fast rings um den See ein sanft ansteigendes Gelände mit Obstgärten, Weinbergen und zahlreichen Siedelungen. Nur wenige Stellen sind steiler oder flach-morastisch, letzteres besonders am obern Ende. Dabei ist das schweizerische Ufer wechselvoller und malerischer als das gegenüberliegende, das aber die schönern Ausblicke, namentlich von etwas erhöhten Punkten etwa bei Friedrichshafen, Lindau oder Bregenz (Pfändler, St. Gebhardsberg), bietet, weil man von da ausser dem weiten Seespiegel und dem überaus freundlichen Ufergelände auch eine herrliche Alpenszenerie, vor allem das scheinbar direkt am See sich erhebende Säntisgebirge überblickt.
Oft wird der Bodensee mit seiner Natur und Umgebung als Deutschlands Paradies gepriesen, und die Mainau im Ueberlingersee ist Deutschlands «Isola Bella». Am und auf dem Bodensee pulsiert auch ein reiches Leben. Auf keinem andern Schweizersee herrscht eine so starke Schifffahrt wie hier. Schon die Römer hielten eine Flottille auf dem See, und im Mittelalter blühten Konstanz und Lindau als Handelsstädte. Mit Augsburg und den Donaustädten sind sie gesunken, bis ihnen dann die Eisenbahnen wieder vermehrten Verkehr brachten.
Für die schweizerische Ein- und Ausfuhr sind Rorschach und Romanshorn wichtige Plätze. Es fahren auf dem See ausser den vielen Segel- und Ruderschiffen etwa 40 Segel-Motorschiffe für den Güterverkehr (Baumaterialien, Getreide, Obst, Vieh), ebenso viele Dampfer und mehrere Trajektboote für den Transport von Eisenbahn-Güterwagen. Der Verkehr auf diesen Schiffen beläuft sich per Jahr auf etwa 1300000 Personen, 1550000 Tonnen Güter und 15000-20000 Stück Vieh.
Ausser den bei Rorschach, Romanshorn, Konstanz, Stein, Friedrichshafen, Lindau und Bregenz an den See stossenden Eisenbahnen gibt es auch eine vollständige Gürtelbahn, die allerdings an einigen Stellen sich etwas weit vom Strande entfernt, wie zwischen Rheineck und Bregenz, zwischen Friedrichshafen und Ueberlingen und auf der Strecke Ludwigshafen-Radolfzell-Stein. Natürlich kommt dem Bodensee, da 5 Staaten an ihn grenzen, neben einer vielseitigen wirtschaftlichen auch eine bedeutende politische Bedeutung in trennendem und einigendem ¶