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Die Nutzung der Kartoffel begann vermutlich vor rund 10 000 Jahren an den Ufern des Titikakasees im heutigen Peru und Bolivien. Jäger und Sammler nutzten die essbaren Knollen unter den rund 90 Solanum-Wildarten, die dort vorkommen. Durch Auslese entstand die heutige Kartoffelart Solanum tuberosum. Zwischen 1800 und 1200 v. Chr. wurde die heutige Kartoffel von verschiedenen peruanischen und bolivianischen Kulturen erstmals angebaut. Zwischen 300 v. Chr. und 100 n. Chr. hatte sich die Kartoffel in den Hochlagen der Anden als Nahrungspflanze weiträumig etabliert. Für die Entwicklung der andinen Hochlandzivilisationen war sie als Grundnahrungsmittel von entscheidender Bedeutung, da Mais im Hochland kaum gedieh.
1532 landeten die spanischen Eroberer an der peruanischen Nordküste. Fünf Jahre später folgte eine Expedition ins Hochland des heutigen Kolumbiens, von wo die erste historische Erwähnung der Kartoffel stammt. In Europa wurde die Kartoffel als Nahrungsmittel erstmals 1573 erwähnt, als sie im «Hospital de la Sangre» im spanischen Sevilla für Patienten zubereitet wurde. Von nun an verbreitete sich die Kartoffel auf verschiedenen Wegen. Sie erregte Neugierde bei den Botanikern in Europa und wurde herumgereicht. Die Protestanten nahmen sie als Nahrungsmittel mit, wenn sie verfolgt wurden. Dies verhalf der Kartoffel zur weiteren Ausbreitung, beschränkte ihren Anbau damals jedoch vor allem auf Gebiete mit protestantischem Glauben. Gegen Ende des 18. Jh. war die Kartoffel in Europa bereits weir verbreitet.
Im Jahre 1596 veröffentlichte der Basler Professor für Anatomie und Botanik, Caspar Bauhin, sein Werk «Phytopinax», in dem sich eine der ersten wissenschaftlichen Beschreibungen der Pflanze befindet. Bauhin benannte die Pflanze schon damals mit dem noch heute gültigen Namen Solanum tuberosum. Zuerst wurde die Kartoffel mehrheitlich nur als Zierpflanze kultiviert. Ein erster landwirtschaftlicher Anbau in der Schweiz ist um 1730 aus dem Bernbiet überliefert. 1760 soll auch im heutigen Kanton Aargau der Anbau von Kartoffeln in Ausbreitung gewesen sein. Wenn auch genaue Angaben aus der Region fehlen, so ist doch anzunehmen, dass auch in der Region Basel der Anbau in diesem Zeitraum begann.
Zu Beginn des 19. Jh. hatte sich die Kartoffel als zentrales Grundnahrungs- wie auch Futtermittel etabliert und wurde zu einem wichtigen Pfeiler der Ernährung. Mit dem Verschwinden der Dreizelgenwirtschaft konnte die Kartoffel als Wechselfrucht eingeführt und im Sommer angebaut werden. Sie lieferte nicht nur Kohlenhydrate und damit wertvolle Kalorien, sondern ist auch reich an Vitaminen, Spurenelementen und essentiellen Aminosäuren. Zudem konnten mit der Kartoffel pro Ackerfläche nahezu doppelt so viele Kohlenhydrate erzeugt werden wie mit Getreide. Einen Höhepunkt erreichte der Anbau der Kartoffel während des Zweiten Weltkrieges, als bei Kartoffeln die Selbstversorgung realisiert und keine Kontingentierung nötig wurde. Danach gingen die Erntemengen wie auch der Pro-Kopf-Verbrauch allmählich zurück.
In den Jahren 1845 bis 1847 traf eine Kartoffelkrankheit die Bevölkerung in der Region und in ganz Europa unvorbereitet. Die Kraut- und Knollenfäule, verursacht durch den Pilz Phytophthora infestans, wurde aus den USA nach Europa eingeschleppt und breitete sich in den Kartoffelfeldern aus. Die Sporen des Pilzes befallen die Blätter der Kartoffelpflanze, die unterseits einen gräulichen Belag aufweisen. Dort setzen die Fruchtkörper des parasitischen Pilzes massenhaft Sporen frei, die durch den Wind und Regen weiterverbreitet werden. Der Pilz dringt über den Stängel auch in die Knollen ein und verursacht eine Braunfäule, welche die Kartoffeln ungeniessbar macht.
Da die Kartoffel Mitte des 19. Jh. ein wichtiges Hauptnahrungsmittel war, führte der Ausbruch dieser Krankheit zusammen mit misslichen Witterungsverhältnissen zu einer Agrarkrise. Die Missernten trafen vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten, die nun an Hunger litten. Dies bewog die Obrigkeiten zu Zukäufen von Reis und Mais aus Frankreich, wodurch vor allem der Mais in der breiteren Bevölkerung bekannt wurde. Von da an galt die Kartoffel als unsichere Kultur. Zur Fütterung der Schweine wurde zunehmend auf die Runkelrübe (Durlips) ausgewichen. Erst 1863 erkannte der deutsche Naturforscher Anton de Bary den Pilz Phytophthora infestans als Verursacher der Kraut- und Knollenfäule und legte damit die Grundlage zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheit.
Die zu den Nachtschattengewächsen zählende Kartoffelpflanze treibt unterirdische Ausläufer, deren Enden sich verdicken und die essbaren Kartoffelknollen bilden. Die Kartoffel ist demnach keine Wurzel, sondern ein Stück unterirdischer Stängel, eine Sprossknolle. In ihr legt die Pflanze Speicherstoffe in Form von Stärke an. Die sogenannten Augen auf der Kartoffelknolle, die morphologisch Achselknospen sind, bringen Seitentriebe hervor, die zu neuen Kartoffelpflanzen heranwachsen und so für die vegetative Vermehrung sorgen.
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Quelle: swisspatat