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Die Diskussionen, welche Wirtschaftsordnung die bessere sei, eine sozialistische oder kapitalistische, ist durch die Geschichte und die Realität entschieden, würde man meinen. Es muss ja wohl so sein, wenn selbst ein ehemaliger Juso Präsident und heutiger SP Nationalrat seine Rede zum 1. Mai 2018 mit folgendem flammenden Appell beendet: „Die Sache der Freiheit ist vor allem eines: Nie und nimmer verloren, es lohnt sich immer, dafür zu kämpfen.“ Adam Smith statt Marx. (Dass der sozialdemokratische Redner die Solidarität, das notwendige Pendant zur Freiheit, nicht erwähnt, ist bemerkenswert). Die evidenteste Widerlegung des Sozialismus ist die Realität, nämlich das Schicksal der betreffenden Staaten: den Kapitalismus kann man nur kritisieren, wenn der eigene sozialistische Laden nicht zusammenbricht, wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung einmal schrieb.
Aber deswegen zu folgern, der Liberalismus habe über den Sozialismus „gesiegt“, ist falsch. Denn die Analysen von Marx haben etwas Richtiges, genauso wie die von Adam Smith. Der „Fehler“ besteht weniger in den Analysen, als darin, was die Menschen aus diesen machten: Ideologien. Kennzeichen der Ideologie ist, dass sie den Menschen und seine Welt unter das Joch einer als absolut und einzig wahr behaupteten, manchmal sogar als „wissenschaftlich“ bezeichneten Idee zwingen will.
Wirklich erfolgreich waren und sind nicht der Liberalismus oder der Sozialismus, sondern die menschengerechte Entwicklung von Freiheit und Solidarität, die pragmatische Umsetzung von Idealen, die man nicht verabsolutiert. Deshalb setzte die christliche Soziallehre anstelle einer sozialistischen oder liberalistischen Ideologie die Leitbegriffe der Personalität, Solidarität und Subsidiarität sowie die Sozialprinzipien des Gemeinwohls und der Nachhaltigkeit. Daraus resultierte die Idee der sozialen Marktwirtschaft als humane Wirtschaftsordnung. Sie setzt den Menschen ins Zentrum, nicht die Idee. Und ist deshalb erfolgreicher als jede Ideologie. Man kann und sollte von Marx lernen. Auch von Smith. Aber man sollte das Richtige lernen.