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| Augustinus (354-430) - Vier Bücher über die christliche Lehre (De doctrina christiana)

4. Buch
4. Kapitel: Die nach den Zwecken verschiedene Methode des christlichen Lehrers
6. Aufgabe des Erforschers und Lehrers der (heiligen) Schriften, des Verteidigers des rechten Glaubens und des Bekämpfers des Irrtums ist es, das Gute zu lehren und vor dem Bösen zu warnen. Da dies der Zweck seiner Rede ist, so muß er die Gegner gewinnen, die Schlaffen aufrütteln und den Unwissenden einschärfen, worum es sich handelt und was sie erwarten sollen. Trifft er aber von vorneherein schon wohlwollende, aufmerksame und gelehrige Zuhörer oder hat er sie selbst in diesen Stand versetzt, so sind die übrigen Punkte zweckentsprechend durchzuführen: brauchen z. B. die Zuhörer eine Belehrung, so hat dies durch die Erzählung zu geschehen, vorausgesetzt, daß sie zur Kenntnis des Gegenstandes notwendig ist; soll Zweifelhaftes gegen Zweifel sichergestellt werden, so hat man an der Hand von Gründen den Beweis zu führen; handelt es sich aber darum, die Zuhörer mehr innerlich zu packen als bloß zu belehren, damit sie in der Ausführung dessen, was sie bereits wissen, nicht erlahmen, sondern damit sie den Dingen, deren Wahrheit sie bekennen, tatsächlich auch im Herzen beistimmen, dann braucht es eine eindringlichere Rede. In diesem Falle sind nötig: Beschwörungen und Schelten, Aufrührung und Strafworte und all die anderen Mittel, die man sonst noch zur Erschütterung des Herzens braucht.