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Kühles Schauerwetter im Norden, Föhn im Süden
Das heutige Sonntagwetter machte dem aktuellen Monat alle Ehre: Aprilwetter. Auf der Alpennordseite und in den Alpen herrschte sehr wechselhaftes Wetter, und es schneite bis unterhalb 1000 Meter hinunter. Auf der Alpensüdseite übernahm dagegen der Nordföhn das Zepter und brachte viel Sonne.
Wechselhaft und kühl im Norden
Das wetterbestimmende System war ein Höhentief, dessen Kern über Benelux lag und sich bis zum Abend zu den Alpen verlagerte. Mit einer mässigen Nordwestströmung führte es feuchte und hochreichend labile Polarluft zur Schweiz.
Darin entwickelten sich bereits in den Morgenstunden Schauer sowie Schauerlinien. Zusätzlich verstärkt wurde die Konvektion durch die Sonneneinstrahlung, die zwischen den Quellwolken für ein Aufheizen sorgte. Zwar stiegen die Temperaturen nur auf rund 10 Grad, aber dies reichte in der Polarluft, um die Entwicklung von Schauerzellen verstärkt auszulösen. So wechselten sich heute dunkle Quellwolken mit Schauern ab mit sonnigen Phasen, was kumuliert bis am Abend für 1 bis 4 Sonnenstunden führte.
Comeback des Winters in den Bergen
In der Nacht auf heute Sonntag sank die Schneefallgrenze mit der Ankunft der Polarluft auf 700 bis 900 Meter hinunter, lokal wurden sogar auf 600 Metern noch Schneeflocken beobachtet. Mit den Schneefällen der Nacht konnte heute Morgen in den Bergen ein Neuschneezuwachs von 5 bis 20 cm gemessen werden. Am meisten fiel am Alpennordhang. Auch tagsüber schneite es oberhalb 900 bis 1200 Metern in den Schauern immer wieder.
Nordföhn im Süden
Die aus Nordwesten kommende Polarluft strömte über die Alpen und stürzte als böiger Nordföhn in die Täler der Alpensüdseite hinunter. Wie bei Föhn typisch erwärmte sich die Luft beim Absinken bis auf 18 Grad in den Niederungen, und gleichzeitig trocknete sie stark ab. In Locarno und Lugano ging die relative Luftfeuchtigkeit bis auf 18% zurück!
Zwei Nordföhnrichtungen in Locarno
Wie die untenstehenden Aufzeichnungen an der Wetterstation Locarno-Monti zeigen, wurde die Station heute von zwei verschiedenen Nordföhnströmungen erreicht und damit auch aus unterschiedlichen Richtungen.
Mit dem Vorstossen der aus Norden ankommenden Kaltluft über die Alpen stiess der Nordföhn bereits in der zweiten Nachthälfte auf heute in die Täler des Tessins hinunter vor. Und so erreichten die ersten Föhnstösse schon um 03 Uhr die Magadinoebene. Von der Magadinoebene dehnte sich die Nordföhnströmung in schwacher Ausprägung zeitweise bis Locarno-Monti aus, wo sie kurz nach 08 Uhr (06 UTC) zum ersten Mal beobachtet wurde und zwar als Ostwind. Dabei handelte es sich, wie die unten gezeigten Trajektorienberechnungen von 08 UTC zeigen, grösstwahrscheinlich um einen Strömungsast, der über den San Bernardino ins Misox gelangte und von dort weiter über die Magadinoebene Richtung Locarno.
Kurz vor Mittag erreichte dann der Föhnströmungsast aus dem Maggiatal die Wetterstation von Locarno-Monti, so dass der Windmesser eine Winddrehung auf West bis Nordwest registrierte. Diese Nordföhnströmung aus dem Maggiatal mit Böen von 40 bis 50 km/h blieb dann bis am Abend erhalten. Dieser Wechsel vom Nordföhnströmungsast aus dem Misox-Magadinoebene zu demjenigen aus dem Maggiatal kann auch in den Simulationen mit dem Prognosemodell Cosmo-1 wiedergegeben werden, wie untenstehende Grafik schön zeigt.