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Ziel
Das Hauptziel dieses Teilprojekts war die Charakterisierung der Akteure, die bei der Planung von Trinkwasserversorgungs- und Entwässerungssystemen direkt involviert sind, sowie derjenigen, die mit diesen Prozessen verbunden sind. Des Weiteren wollten wir herausfinden, wie gut diese Akteure in die Entscheidungsprozesse integriert sind und welche Interessen sie verfolgen. Wir haben ebenfalls versucht, mehrere Hypothesen zu testen, insbesondere, ob zwischen verschiedenen Sektoren und Entscheidungsebenen im Wassersektor eine starke Fragmentierung besteht.
Methoden
Wir haben eine klassische Akteursanalyse mit einer sozialen Netzwerkanalyse kombiniert. Eine Akteursanalyse ist ein eher qualitativer, aber sehr beliebter Ansatz. Damit können Aktuere mit grossem Einfluss identifiziert werden, aber auch Akteure mit geringem Einfluss, die von diesen Entscheidungen betroffen sein können. Wir haben diese Akteure und ihre Rolle im Wassersektor und den Interessen, die sie verfolgen, im Rahmen von 27 halbstandardisierten Interviews detailliert charakterisiert.
Im zweiten Teil der Akteursanalyse haben wir offene Fragen eingeführt, um einen ganzheitlicheren Überblick über die Sichtweise der Akteure bezüglich der aktuellen Wasserinfrastrukturplanung zu erhalten. Dabei haben wir die Interviewpartner gefragt, wie sie sich den „idealen Planungsprozess“ vorstellen, welche Grenzen sie im bestehenden System erkennen und welche Massnahmen ergriffen werden müssen, um die erkannten Defizite zu beseitigen.
Die soziale Netzwerkanalyse ist ein eher quantitativer Ansatz, im Rahmen dessen wir die Beziehungen und Verbindungen zwischen den verschiedenen Akteuren eruieren sowie feststellen konnten, in welchem Masse die Akteure in den Planungsprozess involviert sind.
Wichtigste Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass eine grosse Anzahl Akteure (d. h. 66) eine Rolle bei der Wasserinfrastrukturplanung spielen. Die Hypothese einer starken Fragmentierung im Wassersektor konnte klar bestätigt werden. Es ist allgemein bekannt, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Trinkwasserversorgungs- und dem Entwässerungssektor nur schwach ausgeprägt ist – sowohl in der Schweiz als auch in anderen Ländern. Gemäss unserem Wissen konnte dies bisher jedoch nicht auf solch systematische Weise wie in unserer sozialen Netzwerkanalyse aufgezeigt werden. Andererseits konnten einige Akteure ausgemacht werden, die mit vielen anderen Akteuren interagieren und die die Fähigkeit haben, zwischen verschiedenen Sektoren zu vernetzen. Diese sind somit sehr zentral im Netzwerk der Akteure und übernehmen eine äusserst einflussreiche Rolle als Vermittler.
Die Zusammenarbeit zwischen Akteuren verschiedener Entscheidungsebenen ist ebenfalls schwach ausgeprägt. Lokale Ingenieure und Gemeindebehörden haben in der aktuellen Wasserinfrastrukturplanung eine sehr wichtige Rolle inne, während viele andere Akteure nur einen geringen Einfluss auf die Planungsprozesse ausüben können. Es überrascht nicht, dass viele Akteure ein starkes Interesse in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit, die Wasserinfrastrukturtechnologie als solches und die Inanspruchnahme von Dienstleistungen in Zusammenhang mit der Technologie, der Trinkwasserversorgung und der Entwässerung haben.
Viele der Interviewpartner haben die Mängel des aktuellen Systems erkannt. Ihnen war bewusst, dass die Hauptakteure kurzfristige Interessen verfolgen und längerfristige strategische Ziele wie Regionalisierung und integrierte Einzugsgebietsplanung im Rahmen der bestehenden Planungsprozesse schwieriger zu erreichen sind. Viele erwähnten ebenfalls, dass innerhalb des Wassersektors eine bessere Zusammenarbeit dringend nötig sei, um die Nachteile der Fragmentierung zu beseitigen und die Effizienz zu erhöhen. Sie betonten die Wichtigkeit einer integrierten Einzugsgebietsplanung, um längerfristige Herausforderungen in Bezug auf die Nachhaltigkeit anzugehen. Sie kritisierten ebenfalls, dass die aktuelle Wasserinfrastrukturplanung zu stark mit der lokalen Politik verbunden ist, wodurch das Anpacken von längerfristigen strategischen und Nachhaltigkeitszielen ebenfalls erschwert wird.
Der methodische Ansatz, bei dem die offenen Fragen der Akteursanalyse mit dem geschlossenen Format der sozialen Netzwerkanalyse kombiniert wurden, war äusserst nützlich und trug zum besseren Verständnis des sozialen Systems der Wasserinfrastrukturplanung bei.
Basierend auf den Ergebnissen der Fallstudie können wir klar sagen, dass es nicht länger angemessen ist, die Wasserinfrastrukturplanung ausschliesslich den Ingenieuren zu überlassen. Wir müssen über neue Lösungen nachdenken, um zukünftige Herausforderungen meistern zu können. Dies kann nur im Rahmen einer tiefergehenden Diskussion über Nachhaltigkeitsziele im Wassersektor erreicht werden. Wir müssen herausfinden, welche Formen der Regulierung und Verwaltung für die Erreichung dieser Ziele am besten funktionieren. In Zusammenarbeit mit Fachpersonen müssen wir unsere Forschung und die politischen Diskussionen mit den Gegebenheiten in der Realität in Verbindung bringen.
Weitere Informationen
- Lienert, J., Schnetzer, F., Ingold, K. (2013) Stakeholder analysis combined with social network analysis provides fine-grained insights into water infrastructure planning processes. Journal of Environmental Management 125: 134-148. Postprint Verlagsversion