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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

II. Rede
44.
[Forts. v. [S. 28] ] Wenn einer ein vielartiges Ungeheuer von vielerlei Formen, das aus vielen großen und kleinen, zahmen und wilden Tieren zusammengesetzt wäre, leiten und bändigen wollte, so obläge ihm wahrlich keine kleine Arbeit und kein kleiner Kampf, um über ein solch seltsames, unnatürliches Wesen Herr zu werden, da nicht alle Tiere die gleiche Stimme, die gleiche Nahrung, die gleiche Berührung, den gleichen Pfiff, die gleiche Behandlung lieben, sondern jedes je nach seiner Natur und Anlage wieder andere Freuden und andere Launen hat. Was hätte ein solcher Tierbändiger zu tun? Vielseitig und umfassend müßte seine Geschicklichkeit sein; jedem Tiere müßte er entsprechende Behandlung angedeihen lassen, damit es gut erzogen werde und lange am Leben bleibe. In gleicher Weise ist es absolut notwendig, daß der Vorsteher dieses einheitlichen, aus vielen und verschiedenen Bräuchen und Lehren zusammengesetzten Kirchenkörpers, der einem einzigen, aber zusammengesetzten und vielartigen Wesen gleicht, einerseits etwas Einheitliches sei, wenn es gilt, auf die Masse einzuwirken, anderseits aber recht geschmeidig und vielseitig sich zeige, wenn es sich um Einzelseelsorge handelt und um eine Belehrung, von welcher jeder Vorteil und Nutzen haben soll.