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Therapeutische Lymphdrainage
Eine physikalische Entstauungsbehandlung
Die Aufrechterhaltung eines fliessenden Gleichgewichts ist ein wichtiges biologisches Merkmal beim Menschen. Dieses Gleichgewicht des Stoffwechsels zwischen Auf- und Abbau bedeutet einen steten Transport von Stoffen, die für eine lebenstüchtige Funktion notwendig sind. Der Körper stellt durch den Stoffwechsel gewonnene biochemische Energien bereit. Zum Transport besitzt der Körper Transport-systeme (Herz, Atemmechanismus, kontraktile Abschnitte der Lymphgefässe). Diese Lymphgefässe durchziehen den ganzen Körper; lediglich Gehirn, Rückenmark, Knochen und Knorpel sind ausgenommen. In den Verlauf der Lymphgefässe sind überall im Körper Lymphknoten eingeschalten. Über das Bindegewebe stehen in der äus-sersten Peripherie die Blutkapillaren und Lymphkapillaren zusammen mit den Elementen des Bindegewebes in anatomischer und funktioneller Verbindung. Hier geschehen wichtige Stoffwechsel- und Transportvorgänge. Sauerstoff, Wasser, Salze und Eiweiss werden durch Blutgefässe an die Zellen herangebracht. Venen und Lymphgefässe vollziehen den Stofftransport von den Geweben zurück zum Blutstrom.Eine Störung dieses fliessenden Gleichgewichts an dieser Stelle führt daher zu Krankheiten, die mit Schwellungen einhergehen, die der Arzt als Oedem bezeichnet. Damit ist aber nicht gesagt, dass alle Schwellungen durch eine gestörte Lymphfunktion bedingt sind.
Derjenige Zustand, in welchem der Lymphgefässapparat aus irgend einem Grund seine Aufgabe nicht meistern kann, wird als Insuffizienz der Lymphströmung bezeichnet. Infolge dieses kranken Mechanismus stauen sich zwischen den Fasern des Bindegewebes Eiweisskörper. Dies führt zu einer Erhöhung des Druckes und damit zur Entstehung einer Schwellung. Diese Ansammlung von Flüssigkeit sowie der erhöhte Druck, der die notwendige Zirkulation behindert und den Austauschprozess zwischen Flüssigkeit und Zellen verändert, sind verantwortlich, dass kleinste Gefässe und Zellen geschädigt werden. Durch die Schwellung steigt die Entfernung zwischen den Blutkapillaren und den Zellen, so dass die Zunahme der Distanz den Austausch und Abtransport von Stoffwechselprodukten weiter erschwert. Die Rückstauung von Körperflüssigkeit, Stoffwechselprodukten und Eiweisskörpern erschwert und behindert die Transportfunktion. Es ergibt sich so eine Differenz der Kräfte im Endstromgebiet der Transportsysteme des Körpers.
Eine therapeutische Massnahme muss diese erwähnten Mechanismen, die zu einer Störung der Funktion im Transportsystem führen, berücksichtigen und die natürlichen Bedingungen des Körpers nachahmen. Da im kranken Gebiet der notwendige wechselnde Druck im Gewebe verlorengegangen ist, kann eine Therapiemethode wie die therapeutische Lymphdrainage hier dem Körper die notwendige Hilfe leisten.
Die Drainagetechnik der manuellen Lymphdrainage (ML) charakterisiert sich durch ihre kreisenden, pumpenden und schöpfenden Handgriffe, welche mit sanftem auf- und abschwellendem Druck durchgeführt werden. Dadurch werden Flüssigkeit und Eiweissmoleküle rein manuell in die Blutkapillaren bzw. Lymphkapillaren hineingeschoben und es wird somit Platz geschaffen für frisches, mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertes Plasma. Dank ihrem Aufbau kann die Lymphkapillare aber nicht nur Flüssigkeit und Eiweiss aufnehmen, sondern auch andere Abfallstoffe, Zelltrümmer, Schutzpartikel usw. Ist die Lymphkapillare nun gefüllt, ergiesst sich deren Inhalt ins erste Angion und so weiter, kommt in den Lymphknoten, wird auf seinem Weg eingedickt, weil sich der Körper entnimmt, was er braucht. Im Lymphknoten werden Eiweiss umgeformt oder weiterverwertet, Bakterien recht drastisch bekämpft und unschädlich gemacht. Unter Angion verstehen wir die Klappenkammer der Lymphgefässe, ähnlich der Venenklappen. Dank der Klappe kann die Lymphe nicht mehr zurückfliessen. Werden die Lymphgefässe grösser, sind sie von einer dünnen Muskelschicht umgeben und haben eine schwache Eigenbewegung. Die Umgebungsbewegung der Muskeln und der Blutgefässe fördert den Lymphstrom am meisten. Hinzu kommen noch die feinen Nervenenden, welche, nachdem sich das Angion gefüllt hat, über eine einfache Reizleitung, d.h. über die Wirbelsäule, die Kompression des Muskels verursachen und dadurch wird der Inhalt des Angions in das nächste Angion gedrückt. Durch diesen Vorgang, bei dem jedes zweite Angion gefüllt ist und die übrigen noch leer sind, erhält das Lymphgefäss unter dem Mikroskop sein charakteristisches, perlschnurartiges Aussehen. Die Lymphe des ganzen Körpers mündet in die obere Hohlvene und wird wieder in den Kreislauf integriert und später über die Niere zum Teil ausgeschieden.
Noch etwas geschieht bei der Lymphdrainage. Durch den ständig gleichbleibenden Rhythmus, die mehrmaligen über die gleiche Hautstelle streichenden Berührungen, wird eine nervliche Umstimmung erreicht. Der gehetzte, nervöse und geplagte Mensch wird aus der sympathischen Lage (Sympathikus, der Arbeitsnerv) in eine parasympathische Lage (Parasympathikus, der Ruhende, Schlafende) geleitet. Der Behandelte wird ruhig, müde und schläft nicht selten während der Drainage ein. Durch die immer wiederkehrende, rhythmische Berührung verringert sich der Schmerz. Warum? Unseren Körper durchziehen verschiedene auf Berührung und Schmerz reagierende Nervenbahnen. Der Nozizeptor ist verantwortlich für den Schmerz (pathischer Reiz), der Mechanorezeptor vermittelt uns die Berührung. Beide haben ihre erste Schaltstelle in der Wirbelsäule und von hier geht die Leitung zum Hirn weiter.
Da nun während der ML ein ständiges auf- und abschwellendes Berühren vor sich geht, wird der Mechanorezeptor an der ersten Schaltstelle (Wirbelsäule) öfter auftreffen und somit den schmerzenden Reiz (Nozizeptor) übertönen. Dadurch wird der pathische Reiz immer schwächer im Hirn eintreffen. Im Idealfall tritt völlige Schmerzfreiheit ein und kann erhalten werden.
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