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Aura und Effizienz
Leistungsorientierte Materialisierung und Spiritualisierung in der Literatur der 1920-30er-Jahre: Emmy Hennings, Marieluise Fleisser, Friedrich Glauser und Bruno Goetz
Das Projekt untersucht, wie die nach dem Ersten Weltkrieg im Zeichen der Leistung von Wissenschaft, Ökonomie und Medien forcierte Doppelstrategie einer wechselweisen Materialisierung und Spiritualisierung von körperlichen und seelisch-geistigen Funktionen und Prozessen in der Literatur der 1920-30er-Jahre thematisiert, performiert und reflektiert wird.
Zusammenfassung: Anders als die bis in die aktuellen Forschungen vertretenen Thesen, welche die seit der Aufklärung immer wieder aufblühenden (neo )religiösen und esoterischen Spiritualismen und Okkultismen als Gegenreaktion zur Aufklärung und zum damit verbundenen Rationalismus betrachten, geht das Projekt von einer simultanen Regie der Effizienzsteigerung und Auratisierung von Körper und Geist aus. Mit der kreativen methodischen Neubewertung von Benjamins Aura-Begriff, wonach der Begriff der Effizienz darin bereits dialektisch angelegt ist, kann die Herausbildung der neuen Körper-Geist-Ontologie nach dem Ersten Weltkrieg mit einer diskurshistorisch fundierten Erkenntnispoetik beobachtet werden. Die methodische Innovation verdankt sich ebenso der besonderen Perspektive, welche die ausgewählten literarischen Werke von Hennings, Fleißer, Glauser und Goetz eröffnen: Als „kleine Literatur“ entziehen sie sich der ästhetischen und ökonomischen ‚Verwertung‘, Majorisierung und Kanonisierung, setzen sich dem stetigen Oszillieren zwischen Spiritualisierung und Materialisierung aus und erschließen mit einer lavierenden Schreibweise die Rand , Neben und Zwischenzonen der dominanten Diskurse. Auf diese Weise werden auch bislang wenig oder kaum erforschte Werke in einem kulturwissenschaftlich bedeutenden und aktuellen methodischen Fokus beleuchtet.
Teilprojekte: Die beiden hauptsächlichen Teilprojekte akzentuieren in einem im Werk von Hennings sich überschneidenden Textkorpus unterschiedliche Aspekte des Verhältnisses von Aura und Effizienz. Das Teilprojekt „Auratisierte Leistungskörper bei Hennings und Fleißer“ geht von der These aus, dass sich der im Zuge der Industrialisierungswellen auf Effizienz getrimmte Körper als Schauplatz einer Sehnsucht nach diesseitiger Transzendenz wie auch dialektisch dazu als Figuration von Devianz lesen lässt. Es analysiert, wie die Texte sowohl den effizienten Körper als auratisiertes Gebilde ausstellen als auch die vom Ideal abweichenden prekären Körper mit dokumentieren. Das Teilprojekt „Geister der Effizienz. Charisma, Spiritismus und Okkultismus als Phänomene der Leistungsmentalität bei Glauser, Goetz und Hennings“ widmet sich dem Komplex mit Fokus auf die aufkeimenden okkultistisch-spiritistischen Denkwelten und Praktiken. Es untersucht, wie die Texte mit spezifischen, teils experimentellen poetischen Verfahren die Formen der Machtperformanz als Aneignung von institutioneller Gewalt (Strafjustiz, Psychiatrie) mittels charismatischer Wirkprinzipien und materialistischer Techniken transparent werden lassen.