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Demografische Entwicklung: Die Pensionierungswelle reisst grosse Lücken auf
Demografische Entwicklung in der Schweiz und weltweit
Die Schweizer Bevölkerung altert
Wie viele andere Länder profitierte auch die Schweiz in den letzten Jahrzehnten von einer demografischen Dividende: Die geburtenstarken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg, die sogenannte Babyboomer-Generation, erreichten ab Mitte der 1960er-Jahre nach und nach das erwerbsfähige Alter. Dies sorgte für einen deutlichen Anstieg der Erwerbsbevölkerung. Wenn mehr Personen arbeiten können und viele dies auch tun, dann wächst die Volkswirtschaft insgesamt.
Ab 1965 ging die jährliche Geburtenrate deutlich zurück (sogenannter «Pillenknick»). Die Fertilität sank bis ins Jahr 1970 auf 2,1 Kinder pro Frau, was die Bevölkerung langfristig gerade stabil halten würde. Doch seit der Mitte der 1970er-Jahre liegt sie mit rund 1,5 Kinder pro Frau deutlich tiefer. Somit sank verzögert ab Ende der 1980er-Jahre auch die Zahl der Jungen, die in den Arbeitsmarkt einsteigen. Weil nun weniger geburtenstarke Jahrgänge nachrückten und die Zahl der älteren Personen dank der steigenden Lebenserwartung zunahm, wurde die Bevölkerung im Schnitt stetig älter.
Das Ende der demografischen Dividende
Der Anstieg der Erwerbsbevölkerung durch die Babyboomer hatte positive Impulse auf die Gesamtwirtschaft. Diese demografische Dividende ist nun aber erschöpft und kippt ins Gegenteil. So zahlreich, wie die Babyboomer einst in den Arbeitsmarkt eingetreten sind, so zahlreich treten sie nun auch wieder aus. Und weil die Geburtenrate seit Längerem tief ist, rücken Jahrgänge nach, die diesen Wegfall niemals kompensieren können. Diese Entwicklung ist seit 2020 in der Schweiz zu beobachten: Die erwerbsfähige Bevölkerung nimmt, ohne Berücksichtigung der Zuwanderung, immer deutlicher ab.
Die Aussichten sind düster. Die folgende Abbildung zeigt, dass diese negative Entwicklung 2029 ihren Höhepunkt erreicht: Die Anzahl Personen, die ins Pensionsalter kommen, wird die Anzahl Junge, die in den Arbeitsmarkt nachrücken, um über 30'000 Personen übertreffen. Insgesamt bedeutet dies, dass bis 2040 rund 431'000 Personen im Arbeitsmarkt fehlen. Dies sind rund acht Prozent der gesamten, heute erwerbstätigen Bevölkerung.
Abbildung 1: Jährliche Differenz zwischen 65- und 20-jährigen Personen
Entwicklung im Ausland
Die Schweiz steht mit dieser Herausforderung nicht allein da. Im Gegenteil: Alle Regionen dieser Welt, mit Ausnahme von Afrika, werden in den kommenden Jahren von einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung betroffen sein. Diese Entwicklung hat nicht nur in der Schweiz, sondern in Europa insgesamt bereits begonnen (vgl. Abbildung 2) und in Nordamerika ist es in wenigen Jahren ebenfalls so weit. In Südamerika und Asien wird die Erwerbsbevölkerung erst ab etwa Mitte des Jahrhunderts rückläufig sein. In Asien ist die Entwicklung allerdings unterschiedlich: Gerade im bevölkerungsreichen China sinkt die Zahl der Personen im Erwerbsalter bereits. China wird damit etwas verzögert eine ähnliche Entwicklung wie Japan durchlaufen. Die Dimensionen sind gewaltig: Die erwerbsfähige Bevölkerung in China wird bis ins Jahr 2100 von heute rund 1 Milliarde auf rund 580 Millionen schrumpfen. Die einzige Region, in der die erwerbsfähige Bevölkerung noch deutlich zunimmt, ist Afrika. 40 Prozent der Bevölkerung bzw. 540 Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner sind aktuell jünger als 15 Jahre. Diese Menschen werden in den nächsten Jahren eine Arbeit suchen, sei dies in Afrika oder in anderen Weltregionen.
Abbildung 2: Veränderung der erwerbsfähigen Bevölkerung ohne Nettozuwanderung (UNDESA)
Die Rolle der Zuwanderung
Neben Geburtenrate und Lebenserwartung ist die Nettozuwanderung für die demografische Entwicklung mitentscheidend. Wenn mehr Personen im erwerbsfähigen Alter ein- als auswandern, kann dies einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung entgegenwirken. Im umgekehrten Fall wird das Problem zusätzlich verschärft.
Die Schweiz profitiert von einer Nettozuwanderung von Erwerbsfähigen: Diese sind mehrheitlich zwischen 20 und 39 Jahre alt und füllen die aufgezeigte Lücke an Arbeitskräften (siehe Abbildung 3). Die Bevölkerungsprognosen des BFS gehen davon aus, dass dank der Nettozuwanderung die Erwerbsbevölkerung in der Schweiz in den nächsten Jahren weiterwachsen wird, wogegen sie ohne Zuwanderung schrumpfen würde. Andere Länder, die für erwerbsfähige Ausländerinnen und Ausländer attraktiv sind, werden ebenfalls von diesem Effekt profitieren. Das gilt beispielsweise für die USA. In Ländern, die von einer starken Abwanderung der erwerbsfähigen Bevölkerung betroffen sind, wird das Problem hingegen noch verschärft.