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Selbstverständnis als Lehrperson / Impliziter Ansatz
Die Beschäftigung mit geschlechtergerechter Lehre erfordert von den Lehrpersonen auch eine gewisse Bereitschaft, ihr eigenes Selbstverständnis als Frau oder Mann zu reflektieren. Dazu gehören insbesondere der Auftritt als Lehrperson und die persönlichen Vorstellungen über Rollen und Eigenschaften von Männern und Frauen.
Auftreten Lehrende markieren ihre Professionalität und Expertise auch mit dem eigenen Auftritt (Wahl der Kleidung, Körpersprache, usw.). Allerdings sind die Anforderungen dieser Situation für weibliche und männliche Lehrpersonen nicht unbedingt dieselben. Da wissenschaftliche Expertise eng mit Männlichkeit verknüpft wird, sind Frauen als Lehrpersonen verstärkt mit Fragen rund um den eigenen Auftritt konfrontiert. Ein Beispiel: Wenn ein Dozent vor vollem Hörsaal in Jeans auftritt, wird seine Expertise dadurch nicht in Frage gestellt, seine Haltung wird sogar als locker eingestuft. Wenn dagegen eine Dozentin dasselbe tut, läuft sie Gefahr, dass ihre Professionalität in Frage gestellt wird. Für weibliche Lehrpersonen sind die Anforderungen zwischen der Demonstration ihrer Expertise und der Darstellung ihrer Weiblichkeit nach wie vor widersprüchlich (vgl. « Doing gender »).
Kommunizieren Zur Reflexion der eigenen Haltung als Lehrperson gehören auch Aspekte der nonverbalen Kommunikation mit Ihren Studierenden. Wem drücken Sie Ihre Anerkennung aus und wem erteilen Sie in Ihren Lehrveranstaltungen das Wort? Hier finden Sie Fragen, die Ihn helfen können, ihre Haltung in den Interaktionen mit Ihren Studierenden zu reflektieren: Interaktionen zwischen Lehrperson und Studierenden – Beobachtung
Der Umkehrtest Die eigenen Vorstellungen über die Geschlechter sind uns so selbstverständlich, dass sie uns oft nicht bewusst sind. Sie sind aber im Umgang mit den Studierenden durchaus wirksam. Eine Möglichkeit, sich darüber klar zu werden, ist die Umkehrprobe: Wenn Sie eine bestimmte Situation reflektieren möchten, tauschen Sie probehalber das Geschlecht der Beteiligten. Ein Beispiel: Wie hätten Sie sich auf den Kurs vorbereitet, wenn die Teilnehmenden ausschliesslich Männer und nicht ausschliesslich Frauen gewesen wären? Die Selbstreflexion kann Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie Frauen und Männern möglicherweise unterschiedliche Kompetenzen, Potenziale oder Defizite zuschreiben. Stereotype Zuschreibungen können insbesondere bei der Bewertung von Leistungen und bei der Rückmeldung an Studierende wirksam sein.