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Marie ist 58, verheiratet und hat zwei Kinder, die nicht mehr zu Hause wohnen. Sie und ihr Mann, der als Manager arbeitet, leben in einem eigenen Haus. Marie ist Hausfrau. Als sie jung war, hat sie bei ihrem Mann als Sekretärin gearbeitet. Nach der Hochzeit wurde sie schwanger und ist wegen der beiden Kinder zu Hause geblieben. Mein Beruf ist Hausfrau und Mutter, so hatte sie meinen Fragebogen ausgefüllt. Mein Mann will nicht, dass ich arbeiten gehe. Er meint, die Nachbarn könnten denken, dass er nicht so viel Geld verdient.
Doch ich fühle mich nicht mehr gebraucht. Die Kinder leben ihr eigenes Leben und mein Mann braucht mich nur als Putz- und Waschfrau. Ich bekomme auch keine Anerkennung von ihm, er merkt nur, wenn seine Lieblingswurst fehlt oder sein neuestes Hemd nicht gebügelt ist, und meckert mit mir.
"Er darf auch nicht erfahren, dass ich heute hier bin." Sie legt das Geld für 2 Coachingstunden auf den Tisch. "Ich habe es mir vom Haushaltsgeld ausgeliehen!" Ich frage, wie ich ihr denn helfen kann.
Marie sagt mir, dass sie wieder arbeiten will um Anerkennung zu bekommen und sich auch wieder gut zu fühlen. "Ich will gebraucht werden und nicht nur neben meinem Mann daher leben!"
Finde Lösungen und deine neue Zukunft!
Zuerst reden wir über Maries Wünsche und Visionen, um ein genaues Ziel festlegen zu können. Sie wollte, bevor sie den Beruf der Sekretärin lernte, sehr gern etwas mit Menschen machen, wie etwa Kindergärtnerin, Lehrerin oder auch Verkäuferin. Ihre Eltern haben dann gesagt, sie solle einen Beruf in einer grossen Firma lernen, dann da sind die Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten besser. Als ehemalige Chef-Sekretärin eines Managers hatte sie ja auch sehr gut verdient. Nun also wollte sie etwas mit Menschenkontakt machen. Ein Job als Verkäuferin schied aus, da sie es nicht so mit dem Rechnen hatte. Doch sie können sich was mit älteren Menschen vorstellen, so als Begleitung im Alltag, Hilfe im Haushalt oder auch nur zum Zuhören und Händchen halten.
Ich stellte Marie die Wunderfrage: "Stell dir vor, heute Nacht während du schläfst, geschieht ein Wunder und das Problem, welches dich gerade beschäftigt, ist verschwunden! Woran würdest du das merken und woran würden es andere Menschen merken?"
Marie schaute mich erst ganz gross an, dann schloss sie die Augen ...und erzählte mir, wie sie sich in ihrer neuen Zukunft fühlte, was sie sah, was sie nun tun durfte, wie sie von anderen Menschen gelobt wurde und dass sie ihr eigenes Geld verdiente. Dann öffnete sie ihre Augen und sagte: "Oh, war das gut! Doch wie komme ich dorthin????
Auf einem Whiteboard malte ich einen sehr kurvigen Weg vom Start zum Ziel auf und wir begannen herauszufinden, was Marie braucht, wer ihr helfen könnte, welche Schwierigkeiten auftreten können und wie sie zu beheben sind und wer mit ihr gemeinsam gehen und die Erfolge feiern darf. Dann legten wir den allerersten Schritt fest: Marie wird ihrem Mann sagen, dass sie arbeiten wird und warum.
Hierzu haben wir ein Rollenspiel genommen und Marie und ihren Mann als Mitspieler auf zwei Stühle gesetzt. Marie wechselte immer von einem Stuhl auf den anderen und verkörperte jeweils die entsprechende Person. So konnte sie auch die Antworten und Fragen ihres Mannes nachvollziehen lernen, um richtig argumentieren zu können.
Heute arbeitet Marie bei einer mobilen Pflegeeinrichtung und betreut ältere Menschen, die sich über "ihre" Marie sehr freuen, denn sie hat für jeden ein offenes Ohr und ein aufmunterndes Wort parat.
Nachdem Maries Mann erkannte, was dieser Job für sie bedeutet, gibt er nichts mehr auf das "eventuelle" Gerede der Nachbarn. Im Gegenteil, die Nachbarn freuen sich nämlich auch über "ihre" Marie!