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Der Sohn mag ja mittlerweiler bekannter sein, aber in Erinnerung wird der Vater bleiben: Martin Sheen gilt als einer der wichtigsten Stars Hollywoods. Und manchmal als anstrengender Besserwisser. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.
Auf seine alten Tage hat Martin Sheen seine grosse Liebe gefunden: einen Mann. Das ist zumindest die Rolle, über die Amerika gerade spricht. Sheen spielt in der Serie «Grace and Frappy Birthdayankie» einen alternden Anwalt, der die Liebe zu seinem Kollegen öffentlich macht und damit die ganze Familie, vor allem natürlich Jane Fonda als seine Frau, ins Chaos stürzt.
Die Kindheit sah nicht nach Karriere aus: Ramón Antonio Gerardo Estévez war eines von zehn Kindern eines spanischen Einwanderers. Die Mutter starb jung, da war Sheen elf Jahre alt. Als er schauspielern wollte, war der Vater strikt dagegen. Ein katholischer Priester lieh ihm schliesslich das Geld, um von Dayton, Ohio zur Ausbildung nach New York zu fahren.
Allerdings musste ein neuer Name her. Da der kleine Ramón immer Erzbischof Fulton J. Sheen mit seiner «Katholische Stunde» im Radio und Fernsehen verehrt hatte, nannte sich der junge Schauspieler Martin Sheen. Und in der Welthauptstadt von Theater und Bühne half ihm einer der buntesten Vögel des Katholizismus: Dorothy Day - Journalistin, Feministin, Kommunistin, Anarchistin, Pazifistin, Katholikin, alles möglichst radikal.
Sheen organisierte unter ihrem Einfluss seinen ersten Streik - mit 14. Von da an war er ein politischer Aktivist und blieb es auch als Millionär und Filmstar.
Sheen spielte auch die Kennedys
Doch der Weg zum Star war lang, auch wenn Sheen grosse Rollen spielte: John F. Kennedy und dann dessen Bruder Robert, einen Offizier in der Kriegssatire «Catch-22» und 1972 in «That Certain Summer» den Sohn eines schwulen Vaters - dem ersten US-Film, in dem ein Homosexueller nicht albern und tuntig, sondern mit normalen Problemen und Gedanken erschien.
Ein Unbekannter war Sheen also nicht mehr, als er für Francis Ford Coppola in den Vietnamkrieg zog. «Apocalypse Now» war für Marlon Brando die Krönung, für Sheen der endgültige Durchbruch. Der Film wurde mit Preisen überhäuft und wurde ein Stück Kulturgut.
Obwohl Sheen gläubiger Katholik ist, ist er ein Verfechter der gleichgeschlechtlichen Ehe. Entsprechend glaubwürdig ist er nun in «Grace and Frankie» mit seiner Liebe zu Sol (Sam Waterston). Ein paar Seitenhiebe gibt es trotzdem. So beschwert sich sein Filmsohn in einer Szene: «Papa hat Mama und uns seit 20 Jahren betrogen. Aber weil er es nicht mit einer Frau, sondern einem Mann getan hat, muss ich das jetzt auch noch toll finden und total glücklich für die beiden sein.» (sda/dpa)