Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03631.jsonl.gz/1582

Elisa ist der Prophet der Gnade. So weist er in mancher Situation auf den Herrn Jesus hin, durch den die Gnade und die Wahrheit zu uns gekommen sind (Joh 1,17). In diesem Sinn stellen die jungen Männer, die «Söhne der Propheten» genannt werden, die Jünger des Herrn dar. Dabei geht es nicht nur um solche, die in der Zeit seines Lebens auf der Erde bei Ihm waren, sondern um alle, die Ihm im Lauf der Jahrhunderte nachgefolgt sind und Ihm bis heute nachfolgen wollen. Ich möchte zwei Erfahrungen der Söhne der Propheten mit Elisa betrachten, um sie auf uns Gläubige in unserem Wandel mit dem Herrn Jesus anzuwenden.
Der Tod im Topf
2. Könige 4,38-41
Die Hungersnot
Elisa und die Söhne der Propheten befanden sich in Gilgal. Das war ein guter Ort, denn er spricht von Selbstgericht. Trotzdem gab es eine Hungersnot. Auf uns übertragen, können wir fragen: Ist es möglich, am richtigen Ort zu sein und trotzdem eine geistliche Hungersnot zu erleben? Ja, das ist möglich. Die Ursache dafür kann unsere eigene Schuld oder eine Prüfung des Herrn oder sogar beides sein. Wie reagieren wir in einer solchen Situation? Es gibt in der Bibel einige Beispiele, wie sich gläubige Männer und Frauen in einer Hungersnot verhalten haben. Am einfachsten ist es, von diesem Ort wegzugehen. Genau das tat Abraham in einer Zeit der Hungersnot. Er ging nach Ägypten (1. Mo 12). Er kam zwar zu gegebener Zeit zurück, aber er brachte eine Reihe von Problemen mit, die ihn für den Rest seines Lebens begleiteten. Diesen Weg wählte auch Elimelech mit seiner Familie. Sie zogen nach Moab, um sich eine kurze Zeit dort aufzuhalten. Doch es wurden zehn Jahre daraus, und alle Männer der Familie starben (Rt 1).
Wie reagierten die Söhne der Propheten? Sie taten das einzig Richtige: Sie blieben dort, wo sie waren, und sassen vor Elisa. Die Anwendung für uns Christen ist klar: In einer geistlichen Hungersnot bleiben auch wir am Ort, wo der Herr seine Gegenwart verheissen hat, und warten einfach auf Ihn.
Der grosse Topf
Elisa sagte zu seinem Diener: «Setze den grossen Topf auf.» Hatte der Prophet keine Ahnung von der Mangellage, dass er in einer Hungersnot einen grossen Topf verlangte? Bestimmt wäre es schon schwierig genug gewesen, einen kleinen Topf zu füllen, damit einige Menschen wenigstens etwas zu essen bekämen. Doch der Glaube bittet immer um den grossen Topf und vertraut darauf, dass der Herr genug für alle bereitstellt. Wenn wir zur Verkündigung des Wortes Gottes zusammenkommen, können wir im Vertrauen auf den Herrn einen grossen Topf mitnehmen. Er kann jeden Einzelnen mit dem passenden Wort versorgen und auch eine Botschaft für die ganze Versammlung geben. Sein Wort ist reich genug, um für alle unsere Bedürfnisse zu sorgen.
Schädliche Nahrung
Aber dann gab es ein Problem: Einer von den Söhnen der Propheten ging auf das Feld, um etwas Essbares zu sammeln. Dazu hatte er keinen Auftrag von Elisa erhalten. Er hatte ihn nicht einmal gefragt, ob er gehen sollte. Der Prophet hatte nur seinen Diener gebeten, ein Gericht zu kochen, sonst hatte er niemand einen Auftrag gegeben. Der Mann, der auf das Feld ging, kann (wie auch die übrigen Söhne der Propheten) mit einem jungen oder unreifen Gläubigen verglichen werden, dem das geistliche Unterscheidungsvermögen fehlt.
Von der Speise, die er brachte, heisst es: «Sie kannten sie nicht.» Die wilden Koloquinten sahen gut aus, aber ihr Problem wurde nicht erkannt. Heute gibt es ein grosses Feld, wo es alle Arten von «geistlicher Nahrung» gibt: Literatur, Audio-Aufnahmen und Videos im Internet. Vielleicht finden wir dieses Angebot interessant, so dass wir hier und da etwas davon sammeln und es in den Topf werfen. Doch das ist gefährlich.
Hier steht, dass der Mann die wilden Koloquinten zerschnitt. Der Feind führt die falschen Lehren nicht so offensichtlich ein, dass jeder sie sofort bemerkt, sondern Stück für Stück. Trotzdem wird das Ergebnis sein, dass der Tod im Topf ist: Das Verkehrte wird seinen gefährlichen Einfluss auf das geistliche Leben der Gläubigen ausüben.
Das Mehl
Als die Söhne der Propheten die Gefahr erkannten, taten sie wieder das einzig Richtige: Sie riefen Elisa an. Sie wandten sich an den, der auf den Herrn Jesus hinweist und die Lösung für das Problem hatte. Die Antwort von Elisa lautete: «So holt Mehl her!» Das Mehl, besonders das Feinmehl, spricht von Jesus Christus in seiner vollkommenen Menschheit. Die Beschäftigung mit seiner wunderbaren Person ist der beste Weg, um in der Wahrheit befestigt und nicht von fremden Lehren verführt zu werden, die nicht die «Lehre des Christus» sind (2. Joh 9). Danach war die Speise, die Elisa ihnen vorsetzte, nicht mehr schädlich, sondern gut und nahrhaft.
Das verlorene Eisen einer Axt
2. Könige 6,1-7
Mit Elisa zum Jordan
Diese Situation unterscheidet sich völlig von dem, was wir vorher betrachtet haben. Es gab keine Hungersnot mehr. Stattdessen hatte der HERR die Söhne der Propheten gesegnet, so dass ihnen der Ort, wo sie wohnten, zu eng wurde. Sie hatten eine Idee, wie sie das Problem lösen könnten. Sie dachten daran, an den Jordan zu gehen und einen Ort herzurichten, der ihrer neuen Situation entsprach. Aber sie begannen nicht mit ihren eigenen Ideen, ohne den Propheten Elisa zu fragen. Auch wir können in eine Lage kommen, in der eine Veränderung notwendig wird, weil der Herr uns und sein Werk unter uns gesegnet hat. Es ist sicher gut für uns, wenn wir uns überlegen, wie dies geschehen könnte. Aber wir wollen uns davor hüten, unabhängig von unserem Herrn zu handeln. Die Söhne der Propheten legten Elisa ihre Pläne vor und warteten auf seine Antwort. Als er ihnen sagte: «Geht hin!», besassen sie seine Zustimmung und hätten hingehen können.
Doch sie taten es nicht. Wenigstens einer von ihnen hatte einen weiteren Wunsch: Er wollte, dass Elisa mit ihnen ging. Wie gut ist es, wenn wir nicht nur die Zustimmung des Herrn für unsere Pläne bekommen wollen, sondern auch seine persönliche Gemeinschaft in der Umsetzung wünschen. Das wird bei allem, was wir im Werk des Herrn tun, einen echten Segen bringen.
In einer weiteren Anwendung stellen die Söhne der Propheten jüngere Gläubige dar, die einen älteren Diener (Elisa) bei sich haben wollen. Es ist gut, wenn jüngere Diener einen älteren Bruder bei ihrem Vorhaben nicht nur um Rat fragen, sondern auch wünschen, dass er sie in ihrem Einsatz begleitet. Das wird sich als ein grosser Segen erweisen. Elisa war bestimmt nicht der Mann, der die Bäume fällte. Es gibt Bereiche im Werk des Herrn, wo die Energie und Kraft der Jüngeren unerlässlich sind. Doch später stehen sie vielleicht vor einem Problem, bei dem nicht Tatkraft, sondern Weisheit und Erfahrung gefragt sind. Dann brauchen sie einen «Vater in Christus», der ihnen helfen kann.
Das Eisen fällt ins Wasser
Wie in Gilgal tauchte auch hier am Jordan plötzlich ein Problem auf: Als einer einen Baum fällte, löste sich das Eisen der Axt vom Stiel und fiel ins Wasser. Da wandte er sich an den Propheten und sprach: «Ach, mein Herr! Und es war geliehen!» Wie gut, wenn wir wissen, wohin wir mit den Problemen und Herausforderungen in unserer Arbeit für den Herrn und in allen anderen Bereichen unseres Lebens gehen können.
Der Mann verlor das Eisen der geliehenen Axt. Ich möchte daraus zwei Anwendungen machen, die scheinbar das Gegenteil voneinander bedeuten. Dennoch sind sie beide in geistlichem Sinn wahr:
- Aus einer Sicht betrachtet, arbeiten wir alle mit geliehenen Äxten. Jede Gabe, jede Fähigkeit, die wir haben, kommt von oben. Zudem sind wir alle dankbar für die Diener, die vor uns gearbeitet und eine wertvolle Arbeit geleistet haben, auf der wir aufbauen können. Wir haben auch viel von Lehrern aus der Vergangenheit gelernt, die uns geholfen haben, das Wort Gottes zu verstehen und es heute anderen weiterzugeben. Das soll uns demütig und bescheiden machen. Wenn uns dieses Bewusstsein verloren geht, verlieren wir das Eisen unserer Axt! Mit dem Stiel können wir vielleicht noch viel Lärm im Wald machen, aber es ist nicht mehr vom Herrn. Wie töricht sind wir, wenn wir vergessen, dass alles, was wir haben, vom Herrn ist und nicht uns gehört. Darum haben wir kein Recht, darauf stolz zu sein. Der Apostel Paulus stellt diesen Punkt klar vor: «Was aber hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber auch empfangen hast, was rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?» (1. Kor 4,7).
- In einem anderen Sinn ist es verhängnisvoll, nur mit geliehenen Äxten zu arbeiten. Wie bedenklich ist es, wenn das, was wir gelernt haben, nie unser persönlicher Besitz geworden ist, sondern nur Erfahrung aus zweiter Hand bleibt! Dann haben wir unsere Füsse nie auf diese biblischen Wahrheiten gesetzt. Wir haben Josua 1,3 nicht befolgt: «Jeden Ort, auf den eure Fusssohle treten wird – euch habe ich ihn gegeben, so wie ich zu Mose geredet habe.» Wir mögen sehr geschickt darin sein, das Gehörte und Gelesene wiederzugeben, aber die Kraft des Geistes des Herrn ist nicht da. In diesem Fall besteht die einzige Hilfe darin, sich mit einem «Ach, mein Herr!» an den Herrn Jesus zu wenden.
Elisa hilft
Es folgt ein interessanter Dialog. Elisa fragte: «Wohin ist es gefallen?» Da zeigte ihm der Mann den Ort. Der Herr will auch uns zeigen, wo alles angefangen hat. Im ersten Fall: Wann hast du begonnen zu vergessen, dass alles, was du hast, nur ein Geschenk ist? Wann hast du angefangen, auf deine Gabe und deine Erkenntnis stolz zu sein? Oder im zweiten Fall: Wann hat es angefangen, dass du gemerkt hast, dass all dein Wissen nur angelernt ist und kein persönlicher Besitz ist? Im ersten Fall musst du vielleicht zugeben, dass du stolz und unabhängig wurdest, als die Leute dich für deinen Dienst lobten oder als du merktest, wie viele «Follower» du hast. Im zweiten Fall stellst du fest, dass dein Dienst keine Kraft hat und deine Botschaft nicht dein eigener Besitz ist. Nochmals: Wer die biblische Wahrheit lehrt, muss sie auch persönlich besitzen.
Wie lautete die Antwort dieses Mal? Elisa nahm ein Stück Holz und warf es ins Wasser. So brachte er das Eisen zum Schwimmen. Das Holz spricht vom Kreuz des Herrn Jesus. Alle oben genannten Probleme müssen zum Kreuz des Erlösers gebracht werden. Dort erkennen wir, dass wir mit Ihm gestorben sind. Darum gibt es für uns wirklich keinen Grund, auf irgendetwas stolz zu sein. Wenn wir diese demütige Haltung einnehmen, können wir in vielerlei Hinsicht zum Segen sein. Lasst uns bei allem, was wir tun, nie das Kreuz aus den Augen verlieren.
Elisa vollbrachte ein Wunder, als er das Eisen zum Schwimmen brachte. Aber er handelte nicht so, dass das Eisen der Axt dem jungen Mann in die Hände fiel. Nein, der Prophet forderte ihn auf: «Hol es dir herauf.» Da streckte dieser seine Hand aus und nahm es. Wenn wir für den Herrn nützlich sein wollen, müssen wir bereit sein, Kritik von Ihm anzunehmen. Vielleicht benutzt Er dazu andere, die uns anhand der Bibel auf etwas hinweisen, was es zu korrigieren gilt. Dann dürfen wir uns nicht beleidigt fühlen. Niemals soll eine Zurechtweisung durch den Herrn als Rechtfertigung dienen, einen Dienst aufzugeben. Nachdem wir unsere Lektion gelernt haben, müssen wir das Eisen wieder in die Hand nehmen und weiterarbeiten.
Der Apostel Petrus gibt uns ein gutes Beispiel dafür. Als er dachte, er würde seinen Herrn niemals verleugnen, war dies der Moment, an dem er im übertragenen Sinn das Eisen der Axt verlor. Kurze Zeit später verleugnete er seinen Meister tatsächlich. Da wurde klar, dass er das Eisen verloren hatte. Aber in Johannes 21 stellt ihn der Herr wieder her. Petrus bekam das Eisen der Axt zurück und nahm es wieder auf. In der Apostelgeschichte sehen wir, wie er sich kraftvoll zur Ehre seines Herrn und zum Segen für viele Menschen einsetzte.