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Sein Leben in Wort und Bild
Am 7. Februar 1891 wird Paul Gmünder auf St. Chrischona (BS) geboren. Er ist das 6. von insgesamt 10 Kindern des Predigers Johannes Gmünder und seiner Frau Anna Maria geb. Schmid.
1892 zieht die Predigerfamilie ins Thurgau nach Mattwill, 1901 nach Ebnat-Kappel (SG).
1907 tritt Paul Gmünder eine Lehrstelle als Stickereizeichner in der Firma J. P. Locher & Cie. in St. Gallen an.
Weil die Firma aber bereits 1908 Bankrott geht, wechselt er an die Zeichnungsschule des Industrie- und Gewerbemuseums St. Gallen. Die wichtigsten Fächer sind Natur-Zeichnen, Ornamentik, Vergrössern, Kunstgeschichte.
1911 erwirbt er das Diplom als Stickereizeichner.
Paul findet eine Stelle als Zeichner bei Max Reichmann in Berlin. Daneben pflegt er das Studium klassischer Werke in Berlins Museen und den Besuch von Aktzeichenkursen.
Er ist fasziniert von der Weltoffenheit des modernen Grossstadtlebens, sehr zum Leidwesen des strengen Prediger-Vaters zuhause, der moralischen Zerfall befürchtet.
Nach der Rückkehr aus Berlin lässt sich Paul Gmünder von 1914–16 am Seminar Muristalden, Bern, zum Primarlehrer ausbilden.
Anschliessend beginnt er die Ausbildung zum Zeichnungslehrer an der Kunstgewerbeschule Bern.
1918 erfolgt der Wechsel an die Kunstgewerbeschule in Basel. Gmünder belegt Kurse in Porträt-Zeichnen, Ölmalen, Radierung, Lithographie sowie einen Bildhauerkurs bei Otto Meyer.
Paul lernt seine zukünftige Gattin kennen, die Musikstudentin Martha Schmied aus dem Elsass, die bei der selben Vermieterin eine Mansarde bewohnt.
1919 schliesst er ab mit dem Zeichenlehrer-Diplom.
1921 heiraten Paul Gmünder und Martha Schmied.
1921–1929 Arbeit als Dorfschulmeister in der Gemeinde Linden (BE). Es entstehen viele Porträts von Menschen aus der bäuerlichen Umgebung sowie aus dem familiären Umfeld.
Die 4 Kinder Gerhard (1922), Peter (1925), Mathilde (1927) und Susi (1929) werden geboren.
1926 unternimmt Paul Gmünder eine Kunst- und Studienreise nach Italien. Es entstehen zahlreiche Aquarelle. Er verbringt einige Zeit in Sorrent im Haus des russischen Schriftstellers Maxim Gorki, wo seine Schwester Hulda als Hausangestellte arbeitet.
1929 während einer schweren Erkrankung (Lungenentzündung) wird Paul die Vision zuteil, dass er den Lehrerberuf aufgeben und sein Leben künftig ganz der Kunst widmen solle: «Ich lag mit 40 Grad Fieber tief in den Federn, mein Geist fieberte, und ich sah nur noch Farben. Mir wurde leicht wie einem Schmetterling. Nun wusste ich, dass ich mein Leben fortan der Kunst weihen würde. Als ich fieberfrei wurde, war das Entscheidende geschehen.»
Obwohl seine Gattin kurz vor der Entbindung des 4. Kindes steht, ist sie einverstanden und so wagt Paul Gmünder den mutigen Schritt und kündigt die Lehrerstelle. Die Familie zieht nach Hünibach (BE) um, Gmünder bezieht sein erstes Atelier in einer Schreinerwerkstatt.
1932 wird das Büchlein Ein Stündchen hinter Susi her herausgegeben, mit dem Gmünder beachtliche Erfolge feiert.
Im gleichen Jahr Gründung der Freien Gruppe Bernischer Maler und Bildhauer.
1933 Umzug nach Thun (BE), wo Paul Gmünder fortan als freischaffender Künstler lebt und arbeitet.
Da er in den Anfangsjahren noch nicht etabliert ist und Bilderverkäufe noch relativ rar sind, leistet Martha mit Geigenunterricht einen wesentlichen Beitrag zum materiellen Überleben der sechsköpfigen Familie.
1934 wird Gmünder in den Wirtschaftsbund bildender Künstler (WBK) aufgenommen, aus dessen Beziehungsnetz sich unter anderem Aufträge für Illustrationen, Titelblätter von Zeitschriften und Kalender ergeben (Ringiers Unterhaltungsblätter, Leben und Glauben, Blaukreuz-Kalender usw.)
1936 wird Susi geht zur Schule herausgegeben.
Im gleichen Jahr am 25. Dezember porträtiert Paul Gmünder Albert Schweitzer in dessen Wohnung in Lausanne.
1939 wird Paul zum Aktivdienst in der Gebirgsbrigade eingezogen, wo er sich bereits nach kurzer Zeit als Maler betätigen darf. In der Folge entstehen viele Porträts von Soldatenkollegen und höheren Militärs, sowie grafische Arbeiten wie Logos und Briefmarken.
1942 Aufnahme in die Gesellschaft Schweizerischer Maler und Bildhauer (GSMBA).
1953 Einweihung des Künstlerhauses an der Freienhofgasse 7 in Thun. Während 25 Jahren Ateliergemeinschaft mit den Künstlern Etienne Clare, Hans Ittig und Knud Jacobsen. Reger künstlerischer Austausch und Ausflüge, z.B. nach Oschwand zu Cuno Amiet.
1958 eröffnet der Galerist Emil von Gunten mit den Künstlern der Freienhofgasse zusammen die Galerie Aarequai, wo Gmünder über die Jahre sieben mal ausstellen wird.
1975 Tod der Gattin Martha Gmünder–Schmied am 26. April.
Am 12. Februar 1984 stirbt Paul Gmünder im Tiefenau Spital in Bern im Alter von 93 Jahren nach kurzer Krankheit.