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Konfliktbewältigung in Brasiliens Schulen
Neben den Programmen im restaurativen Jugendstrafrecht, welche sich mit Kindern befassen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, strebt Terre des hommes in Brasilien auch die Prävention von Gewaltvorfällen an. Durch Programme zur Konfliktbewältigung in Schulen und Gemeinschaften sollen Kinder lernen ihre Konflikte zu lösen, anstatt für Fehlverhalten bestraft zu werden.
Kinder erleben in Brasilien täglich Gewalt, sei es in der Familie, der Schule oder ihrer Gemeinschaft. Durch den Einsatz von Mediatoren und das Erlenen von Techniken zur Konfliktbewältigung lernen sie Streitigkeiten beiseitezulegen und in Zukunft zu vermeiden.
Célia de Deus, Schuldirektorin einer Mittelstufe in Mucuripe in Fortaleza, zählt die Probleme auf, die die Schüler im gewalttätigen Viertel haben: „Drogen sind für die Schüler leicht verfügbar und viele Mädchen werden bereits mit 13 oder 14 schwanger. Viele Schüler interessieren sich ausserdem nicht sehr für die Schule, weil sie nicht sehen, wie die Schule ihr Leben verbessern kann.“ Das Konfliktpotential ist in Mucuripe daher hoch.
Die Mediationstechniken, welche Tdh seit zwei Jahren den Schülern und Lehrern beibringt, hat das Zusammenleben vereinfacht und Schüler wissen nun, wie sie Unstimmigkeiten lösen können. Célia selbst hat festgestellt, dass es „nicht einfach darum geht ‚den Schuldigen‘ auszumachen, sondern die Verantwortung für das Handeln zu übernehmen, welches zum Konflikt geführt hat.“ Im Moment richtet die Schule gerade einen separaten Mediationsraum ein, wo man sich bei Konflikten treffen kann.
Ähnliche Erfahrungen hat auch Schuldirektor Marcos Justino Matias (rechts im Bild) gemacht, als er einen Konflikt mit einem zu spät kommenden Schüler hatte. Dieser bedrohte ihn und schlug eine Fensterscheibe ein. Der Schuldirektor entschied sich jedoch gegen einen Anruf bei der Polizei und liess stattdessen Terre des hommes als Mediator auftreten. Beide Seiten wurden angehört und der Konflikt konnte gelöst werden, sodass der Schüler die Schule nicht abgebrochen hat.
“Zuvor wenn ein Schüler gegen die Schulregeln verstiess, haben wir ihn, abhängig von der Schwere des Vergehens, zum Teil permanent von der Schule verwiesen. Heute sehen wir, dass es andere Wege als Strafen gibt. Wir haben verstanden, dass in der Mehrheit der Fälle Bestrafung nicht die beste Lösung ist, weil sie das Problem nicht wirklich klärt. Sie kann zwar vielleicht die Schule entlasten, indem der Schüler weggewiesen wird, aber der Schüler lernt gar nichts dabei und denkt auch nicht über den Fehler nach, den er begangen hat.“
In Brasilien schult Terre des hommes Schüler und Lehrer in besonders konfliktanfälligen Schulen in den Bundesstaaten Ceará, Maranhão und Rio Grande do Norte. Durch die Mediation bei Konflikten werden Unstimmigkeiten friedlich beigelegt und zukünftige Gewalttaten vermieden.
Fotos: Escola Murilo Borges © Tdh / Drawlio Joca