Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03511.jsonl.gz/107

Bei der Teilung der Grosspfarrei Hoch-Rialt (St. Johann auf Hohenrätien) im Jahre 1505 wird die Kirche St. Stephan erstmals erwähnt, Stephanstag ist der 26. Dezember. Von da an gesellte sich Tartar zur Pfarrei Portein, was erklärt, dass die Gemeinde heute eine Kirchengemeinschaft mit Portein, Sarn und Präz unterhält.
Der Baubestand entspricht der heutigen reformierten Stefanskirche. Die Wichtigkeit dieser Kirche in jener Zeit zeigt sich darin, dass Tartar um 1760 drei Messmer zu besolden hatte, nämlich einen Anteil nach Portein, einen Anteil an die neue Kirche in Sarn und dazu auch noch jener der eigenen Stefans Kirche.
Vor der Reformation war das Dorf kirchlich dem Kloster Cazis angeschlossen, tribut- und zinspflichtig. Pfarrer Clemens Raguth führte um 1530 in Tartar, Sarn und Portein die Reformation durch. Nach der Reformation blieb die Gemeinde Tartar paritätisch, was heissen will, dass die Macht zwischen den beiden Religionsgruppen gleichmässig aufgeteilt war. Tartar besass und besitzt noch heute keinen eigenen Friedhof. Im Laufe der Jahrhunderte wurden mit den Nachbargemeinden Sarn (protestantisch) und Cazis (katholisch) Bestattungsrechte vertraglich geregelt.
Der Auskauf der letzten bischöflichen Rechte erfolgte 1709. Ein Dorfbrand zerstörte 1806 praktisch das ganze Dorf. Übrig blieben lediglich das imposante «Stecherhaus», die Kirche, zwei weitere Häuser und drei Ställe. Zwei Quellen beziehen sich auf dieses Ereignis: 1. Die Kirche blieb beim Brand verschont; 2. Die Nachbarschaft Tartar trägt 1809 Meister Disch und Meister Gebhart auf, die in jenem Brand «eingeäscherte Kirche» neu aufzubauen. Bemerkung: «Die beiden arbeiten im Taglohn und sollen ihr Quantum Branntwein erhalten, für Sonntag ist dies ebenfalls vorgesehen.» Ein scheinbarer Widerspruch, aber möglich wäre, dass mit «eingeäschert» nur die Holzteile verbrannten und die Mauern erhalten blieben, so dass der Neubau sich vielleicht nur auf die Dächer von Kirche und Turm beziehen könnte. Vielleicht wird diese These unterstützt durch die folgende Feststellung: «Im 18. Jahrhundert erhielt die Kirche einen zwiebelförmigen Barockhelm.»
Im Jahre 1996 wurde die Kirche restauriert und erhielt eine kleine Orgel der Firma Kuhn aus Männedorf mit drei Registern, ein Schindeldach, und im Turm baute man ein Stundenschlagwerk ein. Die Glocke, Ø 50 cm, Ton c“, zeigt nach Angabe des Gemeindepräsidenten G. Holzner von Tartar die folgende Inschrift: «JAKOB GRASMAIR IN FELDKIRCH HAT MICH ANNO 1835 GEGOSSEN».
Das Tartarer Kirchlein ist eine Saalkirche in der Grösse einer erweiterten Stube: Länge 7,40 und Breite 4,70 m. Die Kanzel ohne Schalldeckel ist links angebracht. In der Mitte des Chors steht der Taufstein.
Renovationen: 1900, 1954, 1992, 1996.
Text: Herbert Patt, Kulturarchiv Cazis