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Wie kommt man als Führungsperson in einem der grössten Finanzunternehmen der Welt darauf, Kinderbücher zu schreiben? Und was haben Finanzkenntnisse mit Gleichberechtigung zu tun? Das grosse Interview mit Plan-Unterstützerin Dr. Mara Catherine Harvey.
Sie sind seit 20 Jahren in der Finanzbranche tätig, einem vorwiegend männlichen Bereich. Was hat Sie dazu inspiriert, Bücher für Kinder, insbesondere für Mädchen, zu schreiben?
Ich fing an, zu analysieren, warum die Finanzindustrie sich nicht ausreichend auf die weibliche Kundschaft konzentriert. In der Analyse und zahlreichen Gesprächen mit Frauen kam unter anderem heraus, dass sie sich gerne mehr einbringen und investieren wollen, aber sich nicht sicher sind, wo sie anfangen sollen. Das wirkliche Problem war nicht so sehr der Mangel an echtem Wissen - sehr oft wussten die Frauen nicht weniger als die Männer – aber sie fühlten sich mit ihrem Wissensstand weniger sicher. In Kundengesprächen wurden sie aufgrund veralteter Stereotypen nicht ernst genommen. Also haben wir ein Modell entwickelt, um das finanzielle Vertrauen der Frauen zu stärken. Bei einer Podiumsdiskussion des «Female Quotient» für das Weltwirtschaftsforum 2017 versuchten wir, das Bewusstsein für dieses Thema und für die Tatsache zu schärfen, dass wir das finanzielle Selbstvertrauen von einer Million Frauen weltweit stärken wollten. Und es war während dieser Podiumsdiskussion, als Shelley Zalis, die Geschäftsführerin von Female Quotient, eine Bemerkung machte im Zusammenhang mit dem Buch «Oh the places you’ll go» Dr. Seuss. Ich las dieses Buch meinen Kindern vor, als sie kleiner waren, und ich dachte: "Ja, wir brauchen etwas, um das finanzielle Selbstvertrauen bereits bei den Kindern zu stärken! Denn ich war bereits über Untersuchungen gestolpert, die zeigten, dass Kinder ihr Selbstvertrauen im Alter von fünf Jahren und die Einstellung zu Geld im Alter von sieben Jahren bilden. Und so sass ich buchstäblich noch am selben Tag mit meinen Notizen auf meiner Couch und dachte mir: Wir müssen etwas im Zusammenhang mit Geld für Kinder, für Lohn und gleiche Bezahlung für Mädchen tun, damit sie verstehen, dass dies nicht nur ein Thema für meine Generation, sondern auch für die nächste Generation ist. Und ich begann zu schreiben, und innerhalb von fünf Stunden war mein erstes Buch entworfen. Es kam einfach wie ein Wasserfall heraus. Die anderen Bücher waren viel schwieriger (lacht). Also sehen Sie, es war wirklich nicht geplant. Wenn Sie mich vor ein paar Jahren gefragt hätten, ob ich Kinderbücher schreiben würde, hätte ich von all dem keine Ahnung gehabt. Ich gab das Buch einigen Leuten zum Lesen und sie haben es geliebt. Alle sagten mir, ich solle es veröffentlichen. Ich war unschlüssig, bis meine Tochter, damals 12 Jahre alt, es las und mir sagte: "Mama, das ist eine süsse Geschichte, aber ich sehe keinen Sinn darin. Warum sollte ein Mädchen weniger verdienen als ein Junge?" Da dachte ich mir, wenn meine eigene Tochter, die mit Gleichstellungsdiskussionen zum Frühstück, Mittag- und Abendessen aufwächst, nicht begreift, dass Lohnungleichheit nicht nur ein Problem meiner Generation ist, sondern voraussichtlich der kommenden sieben Generationen, dann muss ich etwas unternehmen. So entschloss ich, das Buch zu veröffentlichen und das Abenteuer für meine Buchserie «A Smart Way to Start» begann.
Erinnern Sie sich an einen besonderen Moment, in dem Ihnen bewusst wurde, dass es eine Ungleichbehandlung der Geschlechter gibt?
Es gab mehrere Momente. Während meiner gesamten Schul- und Universitätszeit habe ich es nicht wirklich tiefgehend erlebt. Denn ich würde sagen, es ist ein Umfeld, in dem Ihre Fähigkeiten bestimmen, wie gut Sie sind. Ich habe also keine Benachteiligung gegenüber Jungen gespürt. Ich hatte damals allerdings bereits mit Recherchen über den Arbeitsmarkt in der Schweiz begonnen. 1999 veröffentlichte eine Lokalzeitung einen Artikel über meine Recherchen. Der Artikel zeigte auf, warum die Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt insgesamt so gering war und sie sich auf sehr wenige Branchen konzentrierte. Das war eine erste Erkenntnis, bei der ich aber damals dachte, dass dies weitgehend mit der Wahl der Menschen zu tun hatte, mit Familie, mit Teilzeitarbeit. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass viele dieser Entscheidungen keine echte Wahl darstellten, sondern auf Erwartungen zurückzuführen sind, die von der Gesellschaft an Sie gestellt werden. Und dass die Infrastruktur vielleicht nicht vorhanden ist, die es Ihnen erlauben würde, Vollzeit zu arbeiten. Das ganze Thema der Lohnungleichheit wurde für mich erst nach einem Jahrzehnt in meiner beruflichen Laufbahn sichtbar.
Sind finanzielle Kompetenzen wichtig, um die Gleichstellung der Geschlechter voranzubringen?
Ja sie sind extrem wichtig. Und ich sage ihnen gerne warum anhand eines Beispiels. Eines Tages plauderte ich mit meinen Chief-Investment-Office-Kolleginnen und fragte sie: Nehmen wir an, ich bin eine berufstätige Frau, arbeite mein ganzes Leben lang Vollzeit und ich verdiene weniger im Vergleich zu einem Kollegen, der genau dasselbe tut wie ich. Wie viel weniger Geld als er habe ich am Ende bekommen? Und wie gross ist diese Lücke im Hinblick auf fehlende Investitionsmöglichkeiten, nicht nur in meinem aktiven Leben, sondern auch während meiner Pension? Also kurz gefragt: Wie viel weniger Vermögen habe ich, wenn ich sterbe? Eine schwierige Frage, die man nicht beantworten konnten, weil es dazu keine Forschung gab. Wir entschlossen uns also, die Situation zu simulieren und ein paar Faktoren hinzuzufügen. Wir simulierten den Lohnunterschied und die Diskontinuität der beruflichen Laufbahn, also zum Beispiel zwei einjährige Berufspausen (Mutterschaft). Dazu simulierten wir, dass die Frau nach der Mutterschaft Teilzeit arbeitet (70 Prozent) sowie die Tatsache, dass Frauen länger leben. Das heisst, dass alles, was eine Frau hat, im Hinblick auf die Lebensqualität nach der Pensionierung, länger erhalten bleiben muss. Zusätzlich simulierten wir die Tatsache, dass Frauen weitgehend weniger risikofreudig sind, weil sie finanziell weniger involviert sind - und das zu einem niedrigeren Zinssatz als Männer. Mit der Zeit verdienen sie weniger Geld an ihren Investitionen, Männer verdienen mehr. So bat ich meine Kolleginnen, das alles zusammenrechnen und mir zu sagen, wie viel weniger Geld eine Frau am Ende haben würde. Die Zahlen waren katastrophal. Allein ein Lohnunterschied von 10 Prozent kann zu 40 Prozent weniger Vermögen führen, ohne alle anderen Faktoren mit einzuberechnen. Die Frau mit zwei Kindern hat am Ende 50 Prozent weniger Vermögen als der Mann. Und wenn sie sich dann für eine Teilzeitarbeit entscheidet, bricht der Vermögensaufbau ein. Also, kein schönes Bild. Wenn man die Teilzeitbeschäftigung, die Langlebigkeit, die Risikofreudigkeit usw. zusammennimmt, besteht die Gefahr, dass den Frauen das Geld ausgeht, bevor sie sterben. Die meisten werden viel länger leben, als sie denken, und die Mittel dafür werden ihnen fehlen. Es ist die Kombination dieser Dinge, die meiner Meinung nach finanzielle Bildung zu einer der wichtigsten Fähigkeiten für die Zukunft eines jeden Menschen macht. Und es ist ziemlich tragisch, dass dies in der Schule nicht gelehrt wird. Sogar ich selbst, die ich in der Finanzindustrie arbeite, habe meine Ersparnisse über ein Jahrzehnt nicht investiert. Sie lagen einfach auf einem Geldkonto. Ein Jahrzehnt verpasster Chancen. Fehlende Finanzkenntnisse sind das wichtigste Hindernis für die wirtschaftliche Gleichstellung der Geschlechter. Denn, wenn Frauen ausrechnen würden, wie viel Potenzial sie aufgeben, indem sie sich entscheiden, zu Hause zu bleiben, indem sie ihre Karriere pausieren und was dabei alles auf dem Spiel steht, dann würden sie vielleicht andere Entscheidungen treffen. Ich sage nicht, dass zu Hause bleiben oder Teilzeit arbeiten schlecht ist, aber man sollte wissen, was die langfristigen Auswirkungen sein werden. Es waren also schockierende Fakten und Zahlen, die mich erkennen liessen, wie wichtig finanzielles Allgemeinwissen ist.
Was raten Sie jungen Frauen, die ins Berufsleben eintreten?
Wenn Sie sich entscheiden, 80 Prozent zu arbeiten, seien Sie sich der Tatsache bewusst, dass Sie am falschen Ende des Deals stehen werden. Das heisst, höchstwahrscheinlich werden Sie am Ende sowieso 100 Prozent arbeiten und 80 Prozent verdienen. Wenn Sie sich für eine Teilzeitbeschäftigung entscheiden, sollten Sie sich der Kompromisse, die Sie eingehen, sehr bewusst sein. Für den Rest gilt der gleiche Ratschlag: Machen Sie einen rigorosen Sparplan, fangen Sie an zu investieren, jedes bisschen hilft. Egal, wie hoch der Betrag ist, machen Sie es sich zur Gewohnheit. Widmen Sie sich mindestens einmal im Jahr einen Tag für Ihre Ersparnisse, für Ihre Finanzen. Schauen Sie, was Sie getan und erreicht haben und wohin sie wollen. Definieren Sie Ihre finanziellen Ziele. Machen Sie kleine Schritte in diese Richtung. Bauen Sie sich ein Netzwerk mit anderen Menschen auf, die investieren, und tauschen Sie sich mit anderen Frauen aus aus. Fragen Sie Freunde und Familie, haben Sie investiert? In was haben Sie investiert und wieso? Über Geld muss man reden. Frauen unter sich sollten auch den Mut haben, über Lohn zu sprechen und sich gegenseitig mit dieser Transparenz zu helfen. Fragen Sie auch Männer, was sie verdienen. Machen Sie Geld zu einem Gesprächsthema.
Welchen Rat würden Sie Eltern geben?
Am wichtigsten ist es, den Kindern von klein auf beizubringen, wie man Geld verdient. Aber auch, den Mut zu haben, zu fragen wieviel man für eine Aufgabe bezahlt wird. Dies gilt insbesondere für Mädchen. Sprechen Sie schon ziemlich früh mit ihren Kindern darüber, wie man Geld verdient und wie verschiedene Aufgaben unterschiedlich belohnt werden. Vermitteln sie ihnen auch gute Geldgewohnheiten rund ums Sparen. Das heisst, nicht nur ein Sparkonto zu haben, sondern ein Konto, auf dem man im Laufe der Zeit investiert, um sein Geld für sich arbeiten zu lassen. Ich glaube, dies geschieht viel zu spät im Leben.
Auf Ihrer Website geben Sie an: "Geld ist nicht nur eine Übermittlung von Wert: es ist eine Übermittlung von Werten.» Können Sie dies näher erläutern?
Es geht mir darum, klar zu machen, dass Geld jeden Tag etwas tut. Egal, ob Sie es aktiv steuern, jemand anderen auf Ihrem Geld sitzen lassen oder ob Sie nichts damit tun. Selbst wenn Sie Geld auf Ihrem Bankkonto haben, benutzen die Banken es, um anderen Menschen und insbesondere Unternehmen Kredite zu geben. Fragen Sie sich bei jeder einzelnen Geld- oder Konsumentscheidung, wem sie Ihr Geld geben. Denn letztlich gibt es bei jeder Geldtransaktion irgendwo ein Geschäft. Wir sollten uns bewusst sein, dass wir jemandem mit unserem Geld jeden Tag Macht geben. Wenn uns unsere Werte wichtig sind, wenn wir einen besseren Planeten, mehr Gleichberechtigung, keinen Hunger mehr, qualitativ hochwertige Bildung für alle wollen, dann müssen wir unsere Stimme mehr erheben und sagen, dass wir unser Geld nicht an Unternehmen und Betriebe geben wollen, denen diese Dinge egal sind. Man kann argumentieren, dass dies auf individueller Basis wie ein Tropfen auf dem heissen Stein sein mag, aber wenn man 7,5 Milliarden Tropfen hat, wird der heisse Stein überschwemmt. Ich denke auch, dass es langsam aber sicher zu einem Reputationsrisiko für Unternehmen wird, sich nicht an bessere Standards zu halten. Die Herausforderung besteht natürlich auch darin, wie man das misst. Was sind echte, positive Auswirkungen? Ist es viel Schönfärberei, die gut aussieht, oder sind es wirkliche Ergebnisse? Aber ich denke, dass jeder Schritt in die richtige Richtung ein guter Schritt ist, der uns letztendlich an unser Ziel bringen wird. Wenn wir Geld als Spiegelbild von Werten betrachten, haben wir sehr viel Macht, um Gutes zu bewirken. Wir müssen vor allem kleinen Kindern beibringen, dass Geld Macht ist, aber nicht im Sinne von Macht, wie wir es von früher kennen, sondern die Macht, Dinge zu lenken und zu entscheiden, was Geld tun soll, welche Werte es aufrechterhalten soll.
Während COVID-19 die sozialen und finanziellen Ungleichheiten auf der ganzen Welt verschärft, sind solche Werte wichtiger denn je. Was können wir Ihrer Meinung nach tun, um eine bessere «Normalität» zu schaffen?
Der Regierung und dem Bildungssystem kommt eine gewaltige Rolle zu, wenn es darum geht, finanzielle Allgemeinbildung in den Lehrplan aufzunehmen. Und ich verstehe nicht, warum es so schwierig ist, das zu tun. Ich denke, das Bildungswesen muss anerkennen, dass finanzielle Allgemeinbildung eine entscheidende Fähigkeit für das Leben ist. Ich denke auch, dass Unternehmen mehr soziale Verantwortung übernehmen müssen. Mir fällt dabei zum Beispiel der Gerichtsentscheid im Fall von Uber ein, welcher besagt, dass man nicht alle Fahrer wie selbständige Unternehmer behandeln kann, sondern dass sie Angestellte sind und Uber für ihre Angestellten Sozialabgaben zahlen muss. Ich persönlich finde, dass dies der richtige Schritt ist. Ich begrüsse, dass man flexibel sein will und für eine agile Wirtschaft ist und Arbeitsstellen schafft, die man sowohl als Nachtjob oder Tagesjob, als Studierende, etc. ausführen kann. Aber wenn man das Makrobild im Hinblick auf die sozialen Folgen betrachtet, wenn all diese Beiträge im Pensionskassenfonds fehlen, ist es einfach zu kritisch. Zusätzlich bin ich der Meinung, dass Regierungen ernsthaft über die Unternehmenssteuer nachdenken müssen. Wir haben auch gesehen, dass die Globalisierung an ihre Grenzen gestossen ist. Werden wir also die Globalisierung weiterhin als eine grosse Bedrohung anschauen, oder werden wir das Ungleichgewicht unserer eigenen Gesellschaften als die grösste Bedrohung unserer Zukunft betrachten? Wir müssen ein gesundes Gleichgewicht zwischen beidem finden und Kompromisse bei der Produktivität der Aktionäre und beim gesellschaftlichen Beitrag eingehen. Das Traurige ist, dass der Finanzmarkt weiterhin nur Unternehmen belohnt, die gerade Quartal für Quartal die kurzfristigen Gewinne optimiert haben. Deshalb gefällt mir zum Beispiel die Initiative von 100 CEOs in den USA, die Gewinn nicht länger als einzigen Treiber des Shareholder Value sehen. Das ist ein guter erster Schritt. Man muss den Mut haben, aufzustehen und seinen Aktionären zu sagen, dass wir nicht nur zu ihrem Nutzen maximieren werden. Denn meistens gehören diese Aktionäre bereits zu den wohlhabenderen Leuten. Was ist also mit all den anderen? Wir müssen die Ethik wieder zurück in den Kapitalismus bringen.
Warum unterstützen Sie die Arbeit von Plan International?
Es ist leicht, ein Buch in seinem privilegierten Schweizer Zuhause zu schreiben. Wenn man sich bewusst wird, wie schwierig die Umstände für so viele Mädchen in anderen Ländern sind, will man einfach nur noch härter kämpfen. Denn wenn die Leute hier nicht einmal anerkennen, was für ein Problem die Ungleichheit immer noch ist, wie kann man es dann anderswo lösen wollen? Ich denke, wir werden über Generationen hinweg weiter für Gleichberechtigung kämpfen müssen. Weil es so schnell wieder dahin zurückdriften kann, wo wir in den 1950er und 1960er Jahren waren. Wir sehen schon bei der Coronakrise, wie viele Familien gezwungen sind, Entscheidungen zu treffen. Oft ist es die Frau, die Kompromisse eingehen muss. Ich denke also, wir müssen das Bewusstsein weiter schärfen. Und wir müssen Wege finden, Initiativen, die wir hier durchführen, viel besser mit Initiativen zu verknüpfen, die in den Ländern, die sie am meisten brauchen, eine grosse Wirkung erzielen können. Wenn ich also über finanzielle Bildung nachdenke, sollte ich auch an das Thema der finanziellen Eingliederung denken. Ich meine, einige Frauen in anderen Ländern haben nicht einmal Zugang zu einem Bankkonto. Frauen sollen sich absichern können, ohne die Unterschrift ihres Ehemannes, sie sollen Geschäfte machen dürfen, Mikrokredite aufnehmen können. Das ist für mich etwas, das noch viel Aufmerksamkeit braucht.
Ich habe vor einigen Jahren die Chance gehabt, mit Graça Machell zu sprechen (Ex-Frau von Nelson Mandela). Sie ist eine prominente Persönlichkeit in Südafrika und setzt sich mit grossen Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter ein. Sie sagte mir, in Afrika seien Frauen für das Finanzsystem unsichtbar. Ich sagte, ja, das ist eine Tragödie, weil sie nicht finanziell an der Gesellschaft und an der Wirtschaft beteiligt sind. Ich sagte ihr auch: «Wissen Sie, was ebenfalls eine Tragödie ist? Frauen sind auch in den entwickelten Ländern für die Finanzindustrie unsichtbar, weil sie sich nicht auf Frauen als Kunden konzentrieren. Fast keine Bank teilt ihre Zahlen nach Geschlecht auf. Und das, obwohl sie die Pässe aller Kundinnen und Kunden haben. Nur sehr wenige Banken können Ihnen sagen, für wie viele Frauen Sie tätig sind, wieviele Frauen sie jeden Tag mit Krediten unterstützen usw. Sie sehen nicht die Notwendigkeit. Wenn man das Geschäft nicht unter der Geschlechterlinse betrachtet, wird man die Ungleichgewichte zwischen den Geschlechtern nie beheben. Sie müssen sich also immer fragen, wo die Frauen sind. Frauen als Kundinnen. Frauen als Mitarbeiterinnen. Frauen als Führungskräfte. Und das brauchen wir in anderen Ländern noch mehr. Die Institutionen müssen gestärkt werden, damit Frauen überhaupt eine faire Chance haben, Zugang zu erhalten. Zugang zu Kapital, Zugang zu finanziellen Ressourcen, Zugang zu Eigentum, Zugang zu Karrierechancen - und dann werden sie damit zurechtkommen. Die Rechte sind das Entscheidende.
Das Buch "A Smart Way to Start Doing Good” (Englisch) steht Plan-UnterstützerInnen und Unterstützern kostenlos zur Verfügung.