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Mitwirkungsbericht - Stadt Arbon
Online-Mitwirkung Verkehrsberuhigung
Bahnhofstrasse Süd
Bahnhofstrasse Süd
Mitwirkungsbericht
An einem Workshop mit rund 35 Anwohnerinnen und Anwohnern der Bahnhofstrasse Süd in Arbon wurden Ende April 2022 drei Ansätze zur Verbesserung der Verkehrssituation in diesem Gebiet diskutiert. Um der gesamten Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ihre Ansichten zu den drei Varianten zu äussern, wurde im Mai eine Online-Mitwirkung durchgeführt. In diesem Rahmen haben rund 70 Personen ihre Meinung in mehr als 50 Kommentaren und rund 140 Bewertungen abgegeben. Der vorliegende Bericht fasst die wichtigsten Aspekte der gesamten Mitwirkung zusammen. Um ein umfassendes und differenziertes Gesamtbild zu erhalten, können die gesammelten Rückmeldungen im Detail eingesehen werden. Ausserdem sind die Bewertungen und Kommentare zwar wertvoll und aufschlussreich, doch können sie die Haltung der gesamten Bevölkerung selbstverständlich nicht repräsentativ abbilden.
Variante 1: Verschmälerung der Fahrbahn
Mit einem Ergebnis von 2,05 / 5,0 (39 Stimmen) wird die Idee einer Fahrbahnverengung nicht sehr hoch bewertet. Die Hauptargumente gegen diese Massnahme sind das erhöhte Lärmpotenzial durch mehrfaches Abbremsen und Wiederanfahren, der zusätzliche Parksuchverkehr, das erhöhte Sicherheitsrisiko für den nicht motorisierten Verkehr, der durch die Verengung selbst behindert wird (insbesondere durch zusätzliche Parkplätze) und die zusätzlichen Kosten, die durch einen Rückbau der Verengung bei Sanierungen und zukünftigen Bebauungen entstehen würden. Wenige Teilnehmende rechnen bei dieser Variante nur dann mit positiven Effekten, wenn diese Massnahme mit einer Tempo-30-Zone kombiniert wird.
Auch im Workshop vom 25. April 2022 mit den direkten Anwohnenden der Bahnhofstrasse Süd sind positive und negative Punkte zu dieser Variante gesammelt worden. Positiv wurde bewertet, dass zusätzliche Parkplätze für Besuchende geschaffen werden und dass diese Variante im Vergleich zu Tempo 30 schneller umgesetzt werden kann. Negativ wird hervorgehoben, dass die Unübersichtlichkeit Sicherheitsrisiken für alle Verkehrsteilnehmende birgt und der Lärm mit dieser Variante nicht reduziert werden kann. Eine vollständige Auflistung aller Pro- und Contra-Argumente, die im Workshop gesammelt wurden, findet sich in den folgenden beiden Bildern (mit einem Klick auf die Bilder erscheinen diese in vergrösserter Form).
Variante 2: Kappung
Mit 62 Stimmen und einer Durchschnittsnote von 4,1 / 5,0 wird die Idee einer Kappung am besten bewertet. Die Teilnehmenden sehen in dieser Variante viele Vorteile. Es wurde angemerkt, dass diese Variante die Aufenthaltsqualität am Bahnhof in Richtung Seeufer stark erhöhe, was auch dem Tourismus zugutekäme. Ausserdem wäre der nichtmotorisierte Verkehr bei dieser Variante am besten geschützt, da durch die Kappung nicht nur der Durchgangsverkehr reduziert werden könnte, sondern auch die Kappung selbst als verkehrsfreie Passage gut passierbar wäre. Diese Reduktion des Durchgangsverkehrs würde sich wiederum auch positiv auf den Lärm auswirken. Dass diese Kappung aber auch bedeutet, dass Umwege in Kauf genommen werden müssten und sich das Lärmproblem auch auf andere Strassen verlagern könnte, wurde mehrfach betont. Insbesondere der Bahnübergang, welcher den Webschiffkreisel und die Bahnhofstrasse verbindet, wäre davon stark betroffen, da grosse Rückstaus befürchtet werden. Andere Teilnehmende sehen in dieser Umleitung aber auch eine Chance, den öffentlichen Verkehr weiter zu stärken.
Mit der Diskussion um eine Kappung wurden auch Rückmeldungen zu den Anforderungen an diesen Lösungsansatz eingeholt: Um die Problematik des Langsamverkehrs auf der Bahnhofstrasse Süd anzugehen, sollte nicht nur dieser Strassenabschnitt, sondern auch die Überführung auf Höhe Jumbo zum Saurer-WerkZwei-Areal in Betracht gezogen werden, da dort eine sichere Langsamverkehrsverbindung fehlt. Weitere Überführungen vom Saurer WerkZwei zum See sollten ebenfalls in die Überlegungen einbezogen werden. Zudem müsste im Vorfeld geklärt werden, wie genau der Zubringer zum Bahnhof funktionieren soll, damit auch hier kein Verkehrschaos entsteht.
Auch während des Workshops am 25. April 2022 wurden einige Vor- und Nachteile der Kappung diskutiert. Als weitere Vorteile wurden die schnelle Umsetzung und der relativ geringe Preis genannt. Als zusätzlichen Nachteil sahen die Anwohnenden der Bahnhofstrasse Süd die geringe Akzeptanz bei den Pendlern. Die folgenden Plakate zeigen die am Workshop geäusserten Überlegungen.
Variante 3: Tempo-30-Zone
Die Variante, die mit einer durchschnittlichen Bewertung von 2,36 / 5,0 (39 Stimmen) den mittleren Platz einnimmt, ist die Tempo-30-Zone. Von einigen Teilnehmenden wurde hervorgehoben, dass diese Variante wenig Kosten verursachen und wenig bauliche Massnahmen erfordern würde, da die Zone direkt an die Tempo-30-Zone der Altstadt anknüpfen und so für eine Vereinheitlichung sorgen könnte. Ausserdem argumentieren einige, dass bei dieser Geschwindigkeitsreduktion weniger Lärm zu erwarten sei. Kritische Stimmen befürchten jedoch, dass durch das ständige Abbremsen und Anfahren der Lärmpegel nicht verringert, sondern erhöht würde. Auch würden Poser die Hindernisse nicht von der Durchfahrt abhalten, gerade weil das Anfahren und Abbremsen für diese spannend sei. Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass in einer Tempo-30-Zone das Sicherheitselement des Zebrastreifens per Gesetz wegfallen würde, was zu gefährlichen Situationen für den Langsamverkehr führen würde – vor allem auf Höhe des Bahnhofs. Die Teilnehmenden betonen auch, dass bei Nichteinhaltung von Tempo 30 das Risiko besteht, dass die Zone später wieder aufgehoben wird. Dieses Risiko ist insbesondere deshalb nicht zu unterschätzen, weil im Kanton Thurgau Geschwindigkeitskontrollen für Tempo-30-Zonen immer im Voraus angekündigt werden müssen, so dass die Geschwindigkeit ohne Vorankündigung oft überschritten würde. Das Fehlen von unangekündigten Kontrollen führt zudem dazu, dass die Wirksamkeit der Tempo-30-Regelung generell in Frage gestellt wird.
Neben den positiven und negativen Argumenten wurden von den Teilnehmenden noch weitere Ideen und Voraussetzungen vorgebracht. So wurde angeregt, dass eine Tempo-30-Zone ohne zusätzliche Parkplätze eingeführt werden sollte, um Suchverkehr und die damit verbundenen zusätzlichen Emissionen zu vermeiden. Weiter wurde vorgeschlagen, den Veloverkehr nur über die Bahnhofstrasse zu führen und die Kastanienallee ausschliesslich für Fussgängerinnen und Fussgänger freizugeben. Auch die Einbahnstrassenregelung wurde als eine zu kombinierende und zu erprobende Lösung genannt.
Im Workshop wurde die Tempo-30-Zone ebenfalls breit diskutiert. Zusätzlich zu den Rückmeldungen in der Online-Mitwirkung wurde angemerkt, dass diese Massnahme langwierig sei, da zunächst ein Antrag gestellt werden müsse, der den Bedarf für diese Zone belege. Auch das ursprüngliche Problem der Auto-Poser würde mit dieser Massnahme in keiner Weise gelöst werden. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass ein nahtloser Übergang zur Altstadt geschaffen würde, so dass Unsicherheiten bezüglich des Geschwindigkeitsregimes durch eine einzige Tempo-30-Zone verschwinden würden.
Nachfolgend die am Workshop gesammelten Voten:
Allgemeine Rückmeldungen
Unter den Rückmeldungen zur Bahnhofstrasse Süd gab es auch Stimmen, die das Verkehrsproblem an sich in Frage stellten, da sich dieses mit der NLK relativiert habe. Andere Strassen – etwa die Landquartstrasse, die Sonnenhügelstrasse und die Romanshornerstrasse – seien ebenso stark oder noch stärker von Verkehrsproblemen betroffen.
Zudem wurde darauf hingewiesen, dass für kurzfristige Verkehrsberuhigungsmassnahmen für die Bahnhofstrasse Süd keine unverhältnismässigen Kosten in Kauf genommen werden sollten.
Die Stadt bedankt sich für die zahlreichen Rückmeldungen und weist darauf hin, dass diese in die weiteren Überlegungen miteinbezogen werden.