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Nach dem 6:2-Sieg zum Champions-League-Auftakt gegen Genk kann man den Tatendrang der Österreicher verstehen.
Die Salzburger kannte man aus der Champions League bisher nur aus der Qualifikation. Seit 2006 bewarben sie sich zehn Mal für die Teilnahme an der Gruppenphase, jedes Mal scheiterten sie spätestens in den Playoffs. Und nicht selten auf spektakuläre Weise. Legendär ist das Scheitern des österreichischen Serienmeisters in der zweiten Qualifikationsrunde der Saison 2012/13. Salzburg - Düdelingen (0:1, Rückspiel in Salzburg 4:3) entspricht auf Klubebene ungefähr dem Färöer - Österreich (1:0) aus dem Jahr 1990, das auf neutralem Terrain in Schweden stattfand, Österreich die EM-Qualifikation kostete und Nationalcoach Josef Hickersberger zum sofortigen Rücktritt bewegte.
Beim Anlauf im Herbst 2016 führte Salzburg daheim gegen Dinamo Zagreb nach 87 Minuten 1:0. Das hätte gereicht. Aber die Kroaten glichen noch aus und setzten sich in der Verlängerung durch. Vor einem Jahr schien der Traum endlich wahr zu werden. Nach einem 0:0 in Belgrad führte Salzburg im Rückspiel in der Pause 2:0. Aber Mitte der zweiten Halbzeit trafen die Serben in einer Minute zweimal. Es wurde wieder nichts.
Vielleicht wären die «Roten Bullen» auch in diesem Herbst wieder ausgeschieden. Aber sie konnten nicht mehr ausscheiden, weil Österreichs UEFA-Koeffizient mittlerweile so gut geworden ist, dass der Meister direkt in die Gruppenphase gelangt.
Haaland und Ashimeru
Offenbar können die Salzburg ihre Stärken am besten gegen die Stärkeren entfalten. Der Sieg gegen Genk, das immerhin vor Klubs wie Anderlecht oder Brügge belgischer Meister wurde, war jedenfalls beeindruckend. Nach der Mathematik hätte Salzburg auch gewonnen, wenn Erling Haaland seine drei Tore nicht erzielt hätte. Aber der im Juli 2000 geborene norwegische Stürmer, Anfang 2019 von Molde verpflichtet, ist eine Trouvaille, die Salzburgs neuem amerikanischem Trainer Jesse Marsch weiterhin Freude und Punkte verschaffen könnte. In den letzten zwei Meisterschaftsspielen musste Haaland wegen einer Erkältung passen. Sein Einsatz im Match in Liverpool ist nicht gesichert. Vorerst jedoch ist Haaland der drittjüngste Spieler, der jemals in einem Champions-League-Match drei Tore geschossen hat. Nur Wayne Rooney und Rekordhalter Raul waren jünger.
Majeed Ashimeru, ein anderer Junger, ist daran, sich in Salzburgs Paradeformation zu kämpfen. Salzburg hatte den 21-jährigen Ghanaer in den letzten drei Saisons fremdplatziert, zuerst nach Lustenau, dann nach Wolfsberg und schliesslich 2018/19 zum FC St.Gallen, bei dem er mit seinem Punch im Mittelfeld einer der Besten war. In den letzten zwei Meisterschaftsspielen kam Ashimeru je über 90 Minuten zum Zug. Beim jüngsten 4:1 gegen Austria Wien erzielte er das 1:0. Am Mittwoch könnte er sein Debüt in der Königsklasse geben.
Wolfsberg gab den Warnschuss ab
Champions-League-Gewinner Liverpool, bei dem Xherdan Shaqiri wegen einer Wadenverletzung nicht einsatzfähig ist, wird Salzburg auf keinen Fall unterschätzen. Trainer Jürgen Klopp hat mitbekommen, dass die Kärntner aus Wolfsberg der hoch gehandelten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach in der Europa League auswärts eine schmachvolle 0:4-Niederlage beigebracht haben. Auch der LASK Linz, Zweiter in der letzten österreichischen Meisterschaft, hat seine internationale Tauglichkeit in diesem Herbst schon bewiesen. Beim FC Basel kann man es bestätigen.