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Der Sommer 2022 wird als einer der heissesten in die Geschichte eingehen – er könnte gar den zweiten Platz hinter dem Hitzesommer 2003 einnehmen. Der letztjährige Sommer hingegen bleibt uns trotz überdurchschnittlicher Temperaturen nicht als heisser, dafür aber als ausgesprochen nasser Sommer in Erinnerung. Tatsächlich war der Sommer 2021 einer der niederschlagsreichsten in der langjährigen Messreihe. Auch wenn die Temperaturen im Durchschnitt stark ansteigen, werden wir in Zukunft wohl auch immer wieder mal ungewöhnlich kalte Winter erleben: Der Klimawandel führt neben höheren Temperaturen zu vermehrten Extremwetterlagen. Neben Hitzewellen zu Trockenperioden, Überschwemmungen, aber auch zu aussergewöhnlich milden oder kalten Wintern.
Der Jetstream verändert sich
Schuld an den gehäuft auftretenden Wetterextremen der letzten Jahre scheinen Veränderungen im Bewegungsmuster und der Geschwindigkeit des Jetstreams zu sein. Der Jetstream ist ein Starkwind, der in acht bis zwölf Kilometer Höhe weht. In Mitteleuropa liegen wir im Einflussgebiet des polaren Jetstreams, der je nach Grosswetterlage zwischen 40° und 60° Nord von Westen Richtung Osten weht. Dieser Starkwindstrom zieht sich nicht etwa als gerades Band um den Globus, sondern umweht die Erde in mehr oder weniger stark mäandrierenden Wellenbewegungen.
Verursacht werden die starken Winde durch die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Polregionen. Der Klimawandel führt dazu, dass diese Temperaturunterschiede abnehmen – die Polregionen erwärmen sich überdurchschnittlich stark. Dadurch verändert sich das Strömungsmuster des Jetstreams. Verschiedene Modelle zeigen, dass er sich in Zukunft verlangsamen und stärker mäandrieren wird, das heisst die Wellenbewegungen weiter nach Norden und Süden ausweichen werden. In der Folge häufen sich blockierende Wetterlagen: Der Jetstream verschiebt sich kaum, das Wetter bleibt über eine längere Zeit gleich. In den tiefen Wellentälern kann kalte Polarluft weit in den Süden vordringen. Das geschah im Jahr 2019 in Chicago, als ein Tiefdruckgebiet Temperaturen bis zu -30° Celsius brachte und den Lake Michigansee zum Gefrieren brachte. Unter den Wellenbergen herrscht hingegen warmes Wetter. Für die extreme Hitze im Sommer 2003 war ein besonders stark ausgeprägter Wellenberg, eine sogenannte Omegalage verantwortlich.
Omegalage, welche in Russland zu Wald- und Torfbränden, und in Pakistan zu Überschwemmungen führte. Quelle: Omegalage Russland Pakistan 2010, Wikipedia; Urheber: Kthar
Extreme Sommer werden in Zukunft zur Norm werden. Extrem werden sie durch die lange Dauer der entsprechenden Wetterlage, die uns extreme Hitze, starke Überschwemmungen oder ausgeprägte Trockenheit bringt.
Quellen und weitere Informationen:
Alfred Wegener Institut: Schwächelnder Jetstream
The role of stratospheric ozone for Arctic-midlatitude linkages
ESKP: Wie beeinflusst der Klimawandel den Jetstream?
Klimareporter
«Der Jetstream ist total blockiert»