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Falls sie zu haben sind...
Vieles spricht für eine Trennung der Gebrüder von Arx vom HC Davos. In Langnau könnten Reto und Jan noch vieles bewirken. Es wäre eine Rückkehr an die Stätte, wo eine der erfolgreichsten Schweizer Eishockey-Geschichten aller Zeiten begann.
Im Sommer 1995, der SC Langnau spielt nach seinem Aufstieg aus der 1. Liga seit einem Jahr in der NLB, rüttelt ein Transfer das ganze Emmental auf. Die Gebrüder Reto und Jan von Arx verlassen den SC Langnau und wechseln zum HC Davos. Es ist der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, die sich erst jetzt, neunzehn Saisons später, ihrem Ende zu neigt. Fünf Meistertitel holten die beiden Brüder mit dem HCD, drei mal (2003, 2006 und 2009) wurde Reto zum MVP der NLA gewählt. Für viele war er über lange Jahre der beste Eishockeyspieler, den die Schweiz je hervor gebracht hat. Auch die Karriere seines jüngeren Bruders Jan ist bemerkenswert. Denn mit den fünf Meistertiteln in Davos (2002, 2005, 2007, 2009 und 2011) hatte auch er etwas zu tun. Jan gehörte in seinen besten Jahren zu den Top-Verteidigern des Landes. Nun sind die beiden im recht hohen Alter von 38 (Reto) und 36 (Jan) Jahren endlich zu haben. In Davos deuten die Zeichen auf Trennung hin. Wenn die SCL Tigers wollen, könnten sie im Rennen um die beiden Brüder in der Pole-Position stehen. Doch wie sinnvoll wäre dieser Transfer? Würden eventuell sogar alte böse Geister wieder geweckt?
Wechsel mit Getöse
Der damalige Wechsel der beiden Brüder zum HCD erfolgte nicht ohne Getöse. In Langnau verfuhr man mit «Abtrünnigen» nicht eben «süferli». Bruno Wittwer, der als Liga-Topscorer zu Beginn der 1970er-Jahre die Langnauer wegen eines Welschland-Aufenthalts verlassen wollte, könnte ein Lied davon singen. Wittwer wurde, was damals noch möglich war, gesperrt und spielte danach nie mehr für die Langnauer. Auch die Familie von Arx musste ein Vierteljahrhundert später nach Bekanntwerdens des Engagements der Brüder beim HCD Schimpf, Schade und Beleidigungen über sich ergehen lassen. Doch es wurde auch zurück geschossen. Er werde nie mehr für die Langnauer auflaufen, schwor sich Reto öffentlich.
Doch das Langnau von heute ist nicht mehr das Langnau von damals. Inzwischen haben Fabian Sutter, Michael Liniger, Andreas Camenzind und Simon Moser als jeweilige Captains der SCL Tigers zur Konkurrenz gewechselt und hinterliessen Lücken im Team der Langnauer, ohne dass ihnen irgend jemand böse gewesen wäre deswegen. Heute würde der Wechsel der äusserst talentierten Gebrüder von Arx aus den Niederungen der NLB zu einem ambitionierten Spitzenclub der obersten Spielklasse im Emmental verstanden. Das, was damals stattfand, würde heute nicht mehr stattfinden. Zur Entschuldigung des damaligen Langnau sei zudem erwähnt, dass man nicht leidenschaftlich hassen kann, was man nicht gleichzeitig auch liebt. Es war halt damals schon ein herber Verlust, der Abgang der beiden Brüder zerstörte viele Hoffnungen. Und wie gut die Sutters, Linigers, Camenzinds und Mosers auch immer sind oder gewesen sein mögen: - an die Klasse eines Reto von Arx kamen sie nie heran!
Zwei zentrale Fragen
Es mag sein, dass Reto und Jan von Arx ihre Blütezeit hinter sich haben. Doch wenn es in Davos heisst, das Preis- Leistungsverhältnis stimme nicht mehr, so liegt dies mehr am Preis als an der Leistung. Möglich, dass die beiden in den Bündner Bergen nur noch Rollenspieler sind. Doch in Langnau wären sie Leader und Leistungsträger. In Langnau wäre Reto nicht mehr zum Verteidiger degradiert, sondern würde wieder als Center auflaufen. Reto von Arx ist nicht nur einer, der selbst brilliert, sondern einer der wenigen Stars, die auch ihre Mitspieler stärker machen können. Reto und Jan im Doppelpack wären wohl das Mosaiksteinchen, welches den SCL Tigers derzeit zum ernsthaften Aufstiegsaspiranten noch fehlt. Zwei Fragen sind deshalb zentral:
1.) Können sich die SCL Tigers die beiden Brüder überhaupt leisten? Denn eines ist klar: Auch wenn sie nicht mehr so viel kosten wie zu ihren besten Zeiten, wird immer noch eine rechte Stange Geld notwendig sein, sie zu engagieren.
2.) Können es sich die SCL Tigers leisten, die beiden Brüder nicht zu engagieren? Die Gefahr ist gross, dass wenn es in Davos nicht zu einer Einigung kommt und Langnau nicht zuschlägt, die beiden Brüder bei der direkten Konkurrenz (Rappi, Ambri, Olten) landen. Dies könnte die Aufstiegsbemühungen der Langnauer sowohl in diesem wie auch im nächsten Jahr empfindlich stören.
Fazit: Das Engagement von Reto und Jan von Arx muss in Langnau sofort und mit höchster Priorität zu einem ernsthaften Thema werden. Zwar ist es nicht egal, dass die beiden eventuell zwei derzeitigen Teammitgliedern ihren Platz in der Mannschaft «rauben». Bei der gegenwärtigen Entwicklung müssen dies ja nicht zwangsläufig die Nachwuchskräfte sein. Schwer vorstellbar, dass der sich prächtig entwickelnde Miro Zryd plötzlich «bänkeln» müsste. Der Leistungsdruck im Team würde jedoch massiv gesteigert.
Niemand verlangt von den Verantwortlichen der SCL Tigers, dass sie sich finanziell überfordern. Doch innerhalb der vorhandenen Möglichkeiten muss alles getan werden, um diese Situation zu nutzen. Es wäre auch ein versöhnliches Ende einer schönen Geschichte. Die verlorenen Söhne kehren zu ihrem Ursprung zurück und verhelfen ihrem Stammklub zur Rückkehr in die NLA.
Genügend Erfahrung, wie man Meisterschaften und wichtige Serien gewinnt, haben beide. Reto und Jan, Langnau würde sich auf euch freuen!