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Tirofiban plus ASS: Plan B nach Schlaganfall?
Eine Plättchenaggregationshemmung mit dem Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptor-Antagonist Tirofiban plus ASS könnte ASS allein in der Frühphase nach einem Schlaganfall überlegen sein. Das ist das Ergebnis einer chinesischen Studie.
Tirofiban vermittelt eine Thrombozytenaggregationshemmung über die Inhibition des Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptors. Beim Schlaganfall wird die Substanz bislang allerdings nicht routinemässig angewendet.
Ob Tirofiban in der Lage ist, die Plättchenaggregationshemmung zu verbessern, untersuchte eine multizentrische randomisierte Studie aus China (1).
Intensivierte Plättchenaggregationshemmung mit Tirofiban in den ersten 48 Stunden
Alle Teilnehmer (medianes Alter 68 Jahre) konnten vor dem Schlaganfall ohne Einschränkungen ihren Alltag bewältigen. Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten mit folgenden Kriterien:
- Kein vollständiger Verschluss mittelgrosser bis grosser Gefässe
- Ein NIHSS-Score ≥5
- Eine mindestens mittelschwere Hemiparese.
Ausserdem traf eines von vier möglichen klinischen Szenarien auf die Teilnehmer zu:
- Sie waren ausserhalb des Zeitfensters für eine Thrombolyse oder Thrombektomie
- Sie hatten progrediente Symptome über 24 bis 96 Stunden
- Sie zeigten eine frühe neurologische Verschlechterung nach der Thrombolyse, oder
- Sie zeigten vier bis 24 Stunden nach der Throbolyse keine Symptombesserung.
Nach Studieneinschluss erhielten 606 Patienten (medianes Alter 68 Jahre) randomisiert Tirofiban in einer Dosis von 0,4 µg/kg pro Minute für 30 Minuten intravenös, danach kontinuierlich 0,1 µg/kg pro Minute für 48 Stunden und zusätzlich Placebo oral für zwei Tage.
571 Teilnehmern weiteren Teilnehmern wurde zwei Tage Placebo intravenös verabreicht und 100 mg ASS pro Tag oral. Anschliessend erhielten alle Patienten 100 mg ASS täglich bis Tag 90.
Signifikanter Unterschied beim primären Endpunkt
Primärer Endpunkt war ein sehr guter Outcome (0–1 Punkte auf der modifizierten Rankin-Skala [mRS]). Diese Patienten durften dabei keine Symptome oder relevanten Behinderungen aufweisen. Diesen Endpunkt erfüllten 29,1 Prozent der Teilnehmer in der Tirofiban-Gruppe und 22,2 Prozent unter ASS allein (RR adjustiert 1,26; p=0,02).
Bei den sekundären Endpunkten Lebensqualität und funktionelle Unabhängigkeit nach 90 Tagen wurden keine signifikanten Unterschiede beobachtet. Und auch die Mortalität verhielt sich zwischen beiden Gruppen ähnlich: In der Tirofiban-Gruppe starben 3,8 Prozent der Patienten, in der ASS-Gruppe 2,6 Prozent (p=0,12).
Höheres Blutungsrisiko mit Tirofiban
Symptomatische intrakranielle Blutungen traten jedoch bei sechs der 606 Patienten unter Tirofiban ein, und gar nicht unter ASS. Damit erhöhte sich zwar das Blutungsrisiko etwa, die Autoren betonen jedoch, dass die Inzidenz mit rund einem Prozent als niedrig eingestuft werden kann. Der signifikanten Nutzen der Therapie überwiege ihr Risiko.