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Das Lexikon der Fälschungen
Werner Fuld: Das Lexikon der Fälschungen. Eichborn Verlag, 1999, 309 S.
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Werner Fuld hat mit Das Lexikon der Fälschungen
ein unterhaltsames und geistreiches Buch geschaffen, das uns über
Fälschungen, Lügen und Verschwörungen aus Kunst, Geschichte,
Wissenschaft und Literatur informiert. Die Müsterchen menschlicher
Schwächen, Dummheit, Eitelkeit und krimineller Energie sind alphabetisch
geordnet und bieten oft Grund zum Schmunzeln. Manchmal stimmen sie auch
nachdenklich.
Gleich zu Beginn steht die Geschichte von Eddie
Burrup,
einem Aboriginal-Künstler, der als typischer Vertreter der Kunst der
australischen Ureinwohner galt. Als seine Bilder im Frühjahr 1997
für einen angesehen Preis nominiert werden sollten, stellte sich heraus,
dass Eddie Burrup gar nicht existiert. Eine damals 82jährige Dame
irischer Abstammung hatte die Kunstwerke geschaffen. Ihre Glaubwürdigkeit
hatte sie wesentlich der fiktiven Autobiographie zu verdanken, die ihre Freundin, die Schriftstellerin und Malerin Elisabeth
Durack, verfasst hatte.
Zur gleichen Zeit nahm ein von Aborigines geleiteter Verlag die angebliche
Autobiographie einer Ureinwohnerin aus dem Programm, die in Tat und Wahrheit
von einem weissen Taxifahrer stammte, der damit 1996 den Preis für
das beste Erstlingswerk einer Frau gewonnen hatte.
Die Redensart "jemanden ins Bockshorn
jagen" verdanken
wir dem holländischen Humanisten Boxhorn, der eine Abhandlung über
ein von ihm der römischen Antike zugeordnetes Gedicht verfasst hatte,
das jedoch von einem französischen Zeitgenossen stammte, der ihm offenbar
einen Streich spielen wollte.
Churchills berühmte Rede nach der Niederlage von
Dünkirchen am 4. Juni 1940, "Nichts als Blut, harte Arbeit, Tränen
und Schweiss", hatte er im Unterhaus gehalten. Dort herrschte ein
Tonaufnahmeverbot.
Amerikanische Rundfunkstationen wollten diese Rede beim Kriegseintritt
der USA zu Propagandazwecken ausstrahlen. Churchill lehnte aus Zeitgründen
eine Aufnahme ab. Daher übernahm der Schauspieler Norman Shelley die
Aufgabe. Die berühmteste Rede Churchills durfte natürlich nicht
auf einer Sammlung der Aufnahmen des Kriegspremiers der Plattenfirma Decca
aus dem Jahr 1964 fehlen. Als Shelley 1976 sein Geheimnis lüftete,
wollte ihm zunächst niemand glauben. Erst eine Stimmenanalyse aus
dem Jahr 1991 bestätigte seine Angaben posthum, die zudem von einer
ehemaligen Studioangestellten der BBC als zutreffend bezeichnet wurden.
Die Lektüre des Buches kann wegen der Vielzahl von
Artikeln in kleinen, bekömmlichen Häppchen vollzogen werden.
Wir können allerdings nicht dafür garantieren, dass nicht die
eine oder andere Geschichte in einigen Jahren völlig neu erzählt
werden wird ...