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So pittoresk der Norden von Thailand auch ist: Er hat zugleich eine dunkle Seite. Über den Norden gelangen Drogen aus Burma nach Thailand. In den ärmeren Dörfern sind deswegen Drogenabhängigkeit und -handel ein grosses Problem.
Wer im Gefängnis landet, hat oft schlechte Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. In Chiang Mai hat eine ehemalige Gefängnisdirektorin deshalb Massagesalons eröffnet, in denen ausschliesslich ehemalige Gefangene arbeiten.
Die Arbeit als Masseurin als zweite Chance
In einem dieser Massagesalons, dem «Lila Thai Massage Salon», arbeitet auch Buasorn Aunjai. Die 40-jährige Thailänderin ist in einem Dorf nahe der Grenze zu Burma aufgewachsen. Für sie ist die Arbeit als Masseurin eine Art zweite Chance.
Wir hatten Familienprobleme und ich versuchte mich mit Drogen zu trösten. Bald war ich abhängig und begann selbst zu dealen.
Ihr Mann habe mit Drogen gedealt, erzählt Aunjai. «Wir hatten Familienprobleme und ich versuchte mich mit Drogen zu trösten. Bald war ich abhängig und begann selbst zu dealen.» Je mehr Geld sie verdient habe, desto mehr Drogen habe sie konsumiert.
25 Jahre Gefängnis wegen Methamphetamin-Handels
Dann wurde ihr Mann mit einer grossen Menge Yaba-Tabletten erwischt. Der Methamphetamin-Verschnitt wird in Südostasien oft von Ärmeren konsumiert. Nun sitzt ihr Gatte deswegen eine 25-jährige Strafe ab.
Auch bei Buasorn wurden Pillen gefunden. Mehr als zwei Jahre verbrachte sie im Gefängnis. Dort lernte sie in dank einem Kurs zu massieren.
Weil die Gefangenen nach ihrer Entlassung keine Arbeit fanden, gründete meine Mutter 2008 den ersten Massagesalon.
Nach ihrer Entlassung fand Buasorn eine Anstellung in einem der «Lila Thai»-Massagesalons. Der Familienbetrieb wird von Nanthawan Chutipongrirate geführt. Die Idee sei vor über zehn Jahren von ihrer Mutter gekommen, der ehemaligen Gefängnisdirektorin von Chiang Mai, so die Salonbesitzerin. Damals habe der Tourismus in Chiang Mai geboomt.
«Meine Mutter merkte, dass die Gefangenen nach ihrer Entlassung keine Arbeit fanden», erinnert sich Chutipongrirate. «Deshalb gründete sie 2008 den ersten Massagesalon in Chiang Mai.»
Vom Sozialprojekt zum Geschäftsmodell
Was als Sozialprojekt begann, entwickelte sich bald zu einem lukrativen Geschäftsmodell. Doch dann begann die Corona-Pandemie. Die Grenzen wurden geschlossen, Touristen bleiben seither aus.
Inzwischen sind nur noch drei der acht Salons geöffnet. Die meisten der 180 Mitarbeiterinnen mussten in ihre Dörfer zurückkehren.
In den Dörfern treffen die Arbeitslosen auf alte Strukturen, alte Freunde und die Möglichkeit, wieder Drogen zu verkaufen.
Für die Salonbesitzerin ist das eine gefährliche Entwicklung. Chutipongrirate sorgt sich um ihre arbeitslosen Angestellten, die in ihre Dörfer zurückkehren: «Dort treffen sie auf alte Strukturen, alte Freunde und die Möglichkeit, wieder Drogen zu verkaufen.»
Der Lohn reicht nicht aus
Buasorn Aunjai konnte ihre Arbeit bisher behalten. Doch Covid-19 habe auch ihr Leben stark verändert, sagt die Masseurin. Weil sie weniger Geld verdient, musste sie ihre zwei Söhne in ein Heim geben, das von einer christlichen Organisation geführt wird. Dort könnten sie gratis wohnen und essen.
Die ehemalige Gefangene hofft, dass nicht nur bald die Touristen nach Chiang Mai zurückkehren können, sondern sie nach der Pandemie auch ihre Söhne wieder zu sich holen kann.