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Während seiner Hochblüte produzierte Columbia Pictures einige der kultigsten Filme des amerikanischen Kinos in einer Vielzahl von unterschiedlichen Stilen und beliebten Genres. Der Grundstein für das Filmstudio wurde 1924 gelegt, als die relativ kleine Filmgesellschaft Cohn-Brandt-Cohn in Columbia Pictures umbenannt wurde. Dieses neue Studio zeigte von nun an im Impressum und im Vorspann vor jedem Film die Dame mit der Fackel. Die an die Freiheitsstatue erinnernde weibliche Figur war anfangs in die amerikanische Flagge gehüllt und wird mittlerweile von Filmliebhaber*innen auf der ganzen Welt wiedererkannt.
Die Retrospektive des Locarno Film Festival, die in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse entwickelt wurde, würdigt das Studio in all seiner Pracht. Dabei werden weniger bekannte Genre-Regisseure wie Max Nosseck, Seymour Friedman oder William A. Seiter beleuchtet, aber auch grosse Autorenregisseure wie Howard Hawks, Frank Borzage, Fritz Lang, Frank Capra, George Stevens und John Ford, die einige ihrer bekanntesten, aber auch überraschendsten Filme in diesem Studio gedreht haben. Zudem trugen die Filme von Columbia Pictures wesentlich dazu bei, die Leinwandpräsenz renommierter Stars wie Rita Hayworth, Jean Arthur, Rosalind Russell und William Holden zu definieren. Sie stehen massgeblich für eine neue Ära intensiver psychologischer Schauspielkunst, die in den 1950er Jahren dominierte. Diese wurde mit einer neuen Generation von Filmemachern wie Joshua Logan, die vom Theater kamen, eingeläutet. Columbia Pictures war zeitweise die Heimat von so vielfältigen Persönlichkeiten wie Joseph Losey und Boris Karloff, den Three Stooges und George Cukor, Ben Hecht und William Cameron Menzies. Bemerkenswert ist auch, dass Dorothy Arzner, eine von nur zwei Regisseurinnen, die im klassischen Hollywood dieser Ära arbeiteten, hier einige ihrer bahnbrechendsten Werke produzierte. Diesem vielfältigen Spektrum von Künstler*innen, Darsteller*innen und beliebten Persönlichkeiten der Unterhaltung zollt das Festival mit dieser Retrospektive Tribut.
Die Wiederentdeckung der Geschichte des Studios wird durch den Zugang zu den Archiven von Sony Pictures Entertainment, der Muttergesellschaft von Columbia Pictures, ermöglicht. Durch die Nutzung ihrer Sammlungen und die Vorführung sowohl von Archivkopien als auch von makellosen neuen Restaurierungen werden viele vergessene Filme des Studios wieder zum Leben erweckt und in den zeitgenössischen Diskurs eingeführt. Die Retrospektive wird von einem englischsprachigen Buch über Columbia Pictures begleitet, das von Ehsan Khoshbakht und Les Éditions de l’Œil herausgegeben wird und Beiträge von internationalen Autor*innen enthält. Sie wird nach der 77. Ausgabe des Locarno Film Festival an anderen Orten auf der ganzen Welt gezeigt.
Ehsan Khoshbakht, Kurator der Retrospektive, erklärt: «Wie erzählt man die Geschichte eines führenden Hollywood-Studios, während man sowohl die Nuancen herausarbeitet als auch die Bedeutung klassischer Titel betont, die weiterhin gefeiert werden sollten? Dies war die grösste Herausforderung für unsere über 40 Titel umfassende Retrospektive, die den glorreichen Aufstieg von Columbia Pictures von der Poverty Row zu einer bedeutenden Kraft in Hollywood aufzeigt. The Lady with the Torch ist eine inoffizielle Geschichte von Columbia Pictures, die grosse Namen, Oscar-Preisträger*innen und epochale Filme feiert, aber gleichermassen der B-Unit und noch nicht entdeckten Meistern Aufmerksamkeit schenkt. Dazu zählen die redegewandten Karrierefrauen der Screwball-Komödien oder existenzialistische Cowboys, prophetische antifaschistische ‘Quickies’ oder beunruhigende ‘Problemfilme’. Dank der Grosszügigkeit von Sony können wir in Locarno neue Restaurierungen von Filmen von John Ford, Phil Karlson und vielen anderen Regieschätzen präsentieren. Es gab einmal einen brillanten Austausch zwischen Kunst und Kommerz, zwischen dem System und dem oder der Künstler*in – und diese Retrospektive wird dies feiern.»
Giona A. Nazzaro, Künstlerischer Leiter des Locarno Film Festival, ergänzt: «Unter der eisernen Führung von Harry Cohn, einem Produzenten mit ausserordentlichem kreativem Gespür, dessen autoritäres Temperament zum Stoff von Legenden wurde, entwickelte sich Columbia Pictures zu einem Schlüsselsymbol des amerikanischen Kinos. Während seiner Herrschaft etablierte sich das Studio als Talentschmiede, die es seinen Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen ermöglichte, Risiken einzugehen, zu erfinden, zu unterhalten, zu provozieren und vor allem innovativ zu sein. Filmemacher wie Howard Hawks, Budd Boetticher, Raoul Walsh, Phil Karlson, Don Siegel, John Sturges, Joseph H. Lewis und André De Toth nutzten die ihnen gebotenen Möglichkeiten, um jene Art von Kino zu schaffen, die später von den ‘Young Turks’ der Nouvelle Vague leidenschaftlich geliebt wurde. Nicht zu vergessen ist, dass Columbia Pictures den Frauen die grössten beruflichen Möglichkeiten bot und Dorothy Arzner ihr Debüt hinter der Kamera verschaffte. Wir sind stolz darauf, dass die Hundertjahrfeier von Columbia Pictures in Locarno eine Reise durch eine schöpferische Sternstunde des amerikanischen Kinos sein wird – mit Meisterwerken, Neuentdeckungen und Klassikern.»
Columbia Pictures wurde am 10. Januar 1924 von den Brüdern Harry und Jack Cohn sowie ihrem besten Freund Joe Brandt gegründet. Nachdem Frank Capras Klassiker Es geschah in einer Nacht 1934 die Oscars abgeräumt hatte, etablierte sich Columbia Pictures als Elitestudio, das für zahlreiche Filme von preisgekrönten und zeitlosen Klassikern bis hin zu Phänomenen der Popkultur verantwortlich war, darunter Mr. Smith geht nach Washington, Lebenskünstler, Rat mal, wer zum Essen kommt, Verdammt in alle Ewigkeit, Die Faust im Nacken, Lawrence von Arabien, Junge Dornen, Funny Girl, Taxi Driver, Tootsie, Karate Kid, Men In Black, Ghostbusters – Die Geisterjäger, Boyz n the Hood – Jungs im Viertel, Und täglich grüsst das Murmeltier, Eine Klasse für sich, The Social Network, Jumanji, Once Upon a Time… in Hollywood, Little Women, Spider-Man und viele mehr.