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Basel, 1779-1813
Maler: Daniel Burckhardt-Wildt- (1752 - 18Inv. 19)
Einband aus Karton und marmoriertem braunem Papier, Seiten aus Papier
Bleistift, Tusche, Kohle, Aquarell
H. 44,5 cm, B. 30,5 cm
2011.552.
Dank einer grosszügigen Schenkung aus Privatbesitz ist das HMB um ein beachtliches Konvolut von über neunzig eigenhändigen Zeichnungen des Daniel Burckhardt-Wildt reicher. Die Zeichnungen, die der Bandfabrikant und Kunstsammler zwischen 1779 und 1813 fertigte, wurden wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ein grossformatiges Rechnungsbuch geklebt. Der 41 Seiten umfassende Klebeband gelangte 1894 in den Besitz des Ururenkels des Zeichners, des Kunsthistorikers Daniel Burckhardt-Werthemann (1863-1949), der Konservator der Öffentlichen Kunstsammlung in Basel war. Später wurden einige der ursprünglich 133 Blätter herausgeschnitten und die Lücken mit Papier hinterklebt.
Die oftmals signierten und datierten Zeichnungen bezeugen die technische Vielfalt von Burckhardt-Wildts künstlerischem Schaffen. Neben hingeworfenen Bleistiftskizzen, Kohlestudien und lavierten Tuschezeichnungen finden sich detailliert ausgearbeitete Aquarelle. Auch das breite Themenspektrum wird hier deutlich: Naturstudien, Schilderungen alltäglicher Beobachtungen wie Trinkgelage der Landmiliz oder Bettlerszenen sowie eigene Kompositionen aus der Geschichte vom Apfelschuss des Wilhelm Tell bezeugen seine Vielseitigkeit. Wiederholt hielt Burckhardt-Wildt sein persönliches Umfeld fest, wie beispielsweise die Porträts seiner Frau Margaretha, des Instrumentenbauers Jeremias Schlegel, des Stiftsschaffners Dienast oder Bildnisse von Künstlerkollegen oder Kunsthändlern wie Franz Feyerabend oder Reinhard Keller zeigen. Auf der abgebildeten Seite erscheint zudem eine aquarellierte Bleistiftzeichnung von 1813 mit dem Bildnis des „Raphael Picart v. Hägenheim“ (um 1759 – 1830), einem im Elass ansässigen jüdischen Händler, von dem Burckhardt-Wildt einige Objekte für seine Antikensammlung erwarb. Bei den oben und rechts unten eingeklebten Zeichnungen handelt es sich um Kopien von Gemälden alter Meister; das Bildnis der jungen Dame erinnert an Werke Rembrandts. Ein spezielles Zeitzeugnis ist die nach der Natur gezeichnete tote Feldmaus, die der Zeichner selbst in der Bildunterschrift kommentierte: „Feldmäuse, welche im Späth Jahr 1794 auf denen Felderen Hauffen weiß sich befanden, großen Schaden anrichteten und (auf den Xten ?) in den Häusern sich in Mengen einfanden“.
Der neu eingegangene Zeichnungsschatz stellt eine wahre Fundgrube dar, die den im HMB verwahrten Bestand von Autographen, Skizzenheften und Sammlungsstücken des Daniel Burckhardt-Wildt hervorragend ergänzt. So finden sich im Klebeband zwei Zeichnungen des berühmten Grabmals der Maria Langhans in der Kirche von Hindelbank bei Bern, das Burckhardt-Wildt 1788 besuchte und in seinem Tagebuch seiner zehntägigen Schweizreise (Inv. 1986.6.) beschrieb. Die Grabplatte, die Johann August Nahl d.Ä. 1751 für die im Kindbett verstorbene Pfarrersfrau und ihr Kind in Sandstein meisselte, war damals noch in den Boden des Chores der Kirche eingelassen. Die eindrucksvolle Darstellung der bevorstehenden Auferstehung der jungen Frau mit ihrem Kind hatte sich im ausgehenden 18. Jahrhundert zu einer Touristenattraktion entwickelt. Burckhardt-Wildt zeichnete die Grabplatte vor Ort mit Bleistift ab und fertigte im darauf folgenden Jahr nach dieser Vorlage das abgebildete Aquarell. Der Zeichner konzentrierte sich ganz auf die Abbildung der aus der aufgebrochenen Grabplatte hervordringenden Toten, indem er auf die Wiedergabe der Inschrift sowie der Wappen verzichtete. In seinem Reisetagebuch hatte der Kunstfreund vermerkt, dass das Epitaph effektvoller wäre, wenn die Inschrift weniger dominant ausfallen würde und der aufgebrochene Grabstein aus schwarzem Marmor, die Verstorbenen hingegen aus weissem Marmor geschaffen worden wäre. Diesen Kontrast arbeitete er in seinem Aquarell deutlich heraus und steigerte somit die Emotionalität der spannungsreichen Darstellung. Das Blatt stellt somit neben den Abbildungen und zahlreichen kleinplastischen Miniaturnachbildungen des Langhans-Grabmals – darunter das Terrakottarelief des Berner Kunstprofessors Valentin Sonnenschein im HMB (Inv. 1904.619.) – eine eigenständige Interpretation dar.
Daniel Burckhardt-Wildts Beschäftigung mit dem Thema Tod belegt auch eine Reihe weiterer Zeichnungen aus dem Klebeband, die der Trauer und der Auferstehung aus dem Sarg gewidmet sind. Zudem verfasste er selbst Schauergeschichten und illustrierte diese, wie „Die Erscheinung nach dem Tode“ von 1788 (Inv. 2006.236.).
Als Daniel Burckhardt-Wildt auf zehn Blättern Szenen aus dem Trauerspiel „Abällino, der grosse Bandit“ von Heinrich Zschokke (1771-1848) zeichnerisch festhielt, schenkte er dem Zwiegespräch des Titelhelden Abällino mit dem Totenschädel besondere Aufmerksamkeit. Der Monolog des venezianischen Banditen mit dem Totenkopf spielt am Ende des 4. Aufzugs und endet mit den Worten „Du grinsest freundlich, und antwortest nicht! – Kamerad wir müssen Bruderschaft trinken“. Daniel Burckhardt-Wildt zitierte über der zentralen Darstellung den Ausspruch „Du grinstest mich so freundlig an“. Das auf einem Räuberroman Zschokkes basierende Drama wurde 1795 uraufgeführt und erfreute sich grosser Beliebtheit.