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Inhalt:
Paris und Torres sind mit einem Shuttle unterwegs, als ihr Flug von
einem Tachyonenfeld abrupt gestoppt wird. Zwei Außerirdische materialisieren
vor ihnen, sprechen eine unverständliche Aliensprache und schießen
ohne Warnung.
Der Doktor übt sich im Singen von Arien, als er auf die Krankenstation
gerufen wird, wo er Tom Paris und B'Elanna Torres verarzten soll. Die beiden
Aliens hatten eine neurale Waffe abgefeuert, die vor allem Tom Paris ernste
Verletzungen zufügte. Tuvok berichtet, er habe ein Subraumsignal aufgefangen,
das sich aber nicht dekodieren läßt. Außerdem wurde ihnen
eine Art Karte zugeschickt, bei der es sich um etwas wie eine Gebietsangabe
handeln könnte. Offenbar wollen die Fremden, daß sich die Voyager
aus ihrem Bereich fernhält. Es würde aber 15 Monate Zusatzflug
bedeuten, würde man um das Gebiet einen Bogen machen.
Als der Doktor Paris operieren will, kann er sich an einzelne Behandlungsschritte
nicht mehr erinnern. Torres untersucht den Doktor und stellt fest, daß
sein Erinnerungsspeicher auseinanderfällt. Als medizinisches Notfallprogramm
hätte er ohnehin nie länger als 1500 Stunden aktiviert sein dürfen.
Zwar hatte vor zwei Jahren Torres seinen Speicher vergrößert,
doch nun scheint er instabil geworden zu sein. Man könnte das Programm
des Doktor neu booten, dann hätte er aber alles, was er in den letzten
zwei Jahren erlebte, vergessen. Kes überzeugt Janeway, daß man
es dem Doktor schuldig sei, nach einer anderen Möglichkeit zu suchen.
Chakotay und Kim entwickeln einen Plan, wie man unbemerkt durch das
Sensorennetz der Aliens fliegen kann.
Torres aktiviert auf dem Holodeck das Diagnose-Programm für den
Holodoc. Dr. Zimmerman selbst erscheint als Ebenbild des Holodocs, um Torres'
Fragen zu beantworten. Er kann ihr aber auch nicht weiterhelfen und meint
nur, man könne den Speicher des Holodocs nicht einfach erweitern,
sie müsse ihn neu starten und das wahrscheinlich alle zwei Jahre.
Zimmerman ist entsetzt, als er die seiner Ansicht nach völlig unnötigen
Speicherinformationen im Gedächtnis des Holodocs entdeckt. Inzwischen
ist der Gedächtnisverlust des Holodocs so schlimm, daß er nicht
einmal Kes wiedererkennt.
Die Voyager dringt in das verbotene Gebiet ein und trifft bald auf den
Schwarm, eine Ansammlung von Tausenden von Schiffen. Man findet einen schwerbeschädigten
Frachter. Es gibt nur einen Überlebenden, der vor seinem Tod von dem
Schwarm und dem gnadenlosen Angriff erzählt. Plötzlich löst
sich ein Schiff des Schwarms von der Hülle des Frachters und feuert
etwas auf die Voyager, das die Schilde zum Leuchten bringt. Plötzlich
bewegt sich der gesamte Schwarm Richtung Voyager.
Der Holodoc kann sich an so gut wie nichts mehr erinnern, seine Konturen
lösen sich auch auf. Kes begibt sich daraufhin zum Diagnoseprogramm
im Holodeck. Zusammen mit Dr. Zimmerman entwickelt sie den Plan, die unbeschädigte
Matrix des in vielfacher Hinsicht mit dem Holodoc identischen Diagnoseprogramms
in einer Art digitalen Knochenmarkspende in das Programm des Holodocs einzuarbeiten,
um es zu stabilisieren. Zimmerman ist einverstanden und erarbeitet ein
Programm, es kann aber sein, daß der Holodoc bei einem Neustart trotzdem
alle Erinnerung verloren hat.
Der Schwarm erreicht die Voyager. Die kleinen Schiffe legen sich wie
Blutegel auf die Außenhülle der Voyager und saugen dem Schiff
die Energie ab. Die Schiffe feuern interferometrische Impulse auf die Voyager
ab. Diese Impulse bilden mit den anderen Schiffen eine Art Gitter, was
Janeway vermuten läßt, daß es vielleicht eine Kettenreaktion
auslöst, wenn es gelingt, ein Schiff zu zerstören. Doch immer,
wenn man auf die Schiffe feuert, wird der Phaser auf die Voyager zurückgeworfen.
Nachdem man die Polarisation der Schilde der Voyager so einstellt, daß
sie die reflektierte Phaserenergie abstoßen, gelingt es, ein Schiff
des Schwarms zu zerstören. Die Kettenreakton tritt tatsächlich
ein und viele der Schiffe explodieren. Die anderen ziehen sich zurück.
Der Holodoc wird wieder aktiviert, doch er kann sich an nichts erinnern.
Kurze Zeit später summt er jedoch die Opernarie. So nach und nach
kommen also seine Erinnerungen wieder zurück.
Kritik:
"The Swarm" enthält zwei Handlungsstränge, die temporeich
inszeniert und geschickt miteinander verschachtelt sind, gegen Ende aber
durch eine banale Technobabble-Auflösung schwer enttäuschen.
Dies ist schon die zweite Episode hintereinander, in der die Lösung
kämpferisch erreicht wird. In "The Chute" werden Kim und Tom gewaltsam
aus dem Gefängnis befreit, hier wird der Schwarm mit Hilfe der mit
Technikkauderwelsch etwas veränderten Schilde durch einen Phaserschuß
besiegt. Hier soll jetzt nicht wieder die Arie erklingen, was in Star Trek
sein darf und was nicht, das Problem ist nämlich ein ganz anderes:
Solche Auflösungen sind schlicht unoriginell und daher langweilig.
Schon der angeblich so kämpferische Kirk hat in der Classic-Serie
so manchen Computer zu Tode argumentiert und nicht einfach vernichtet,
aus dem einfachen Grunde, weil die zweite Variante vollkommen witzlos gewesen
wäre. Die Auflösung von "The Swarm" war außerdem noch extrem
unglaubwürdig. Der Sieg konnte letztlich viel zu einfach errungen
werden, es ist kaum vorstellbar, daß das zuvor noch keinen anderen
Schiff geglückt sein soll. (Abgesehen davon, daß ich das ganze
Vorgehen eh nicht verstanden habe, denn erst hieß es, die Schilde
seien auf Null gesunken, und dann hat Janeway die Polarisierung der Schilde
umgedreht...)
Gleiches gilt für das Problem des Holodocs, das mit Technikgeschwafel
reinsten Wassers gelöst wurde. Hier fällt es mir genauso schwer,
nachzuvollziehen, was da genau gelaufen ist, denn auch wenn sich gegen
Ende die Gestalt des Holodocs langsam auflöste und hier die Matrix
des Diagnoseprogramms nützlich sein kann, wie soll diese identische
Matrix das Problem mit dem überlasteten Speicher lösen?
Interessant ist das Ende, als der Holodoc zunächst tatsächlich
alle Erinnerungen verloren zu haben scheint, dann aber die Oper zu summen
beginnt, die er zu Beginn der Episode auf dem Holodeck gesungen hat. In
"Future's End Part 2" wird noch einmal erwähnt, daß der Holodoc
immer noch an dem langwierigen Prozeß arbeitet, seine Erinnerungen
wiederherzustellen. Später gab es jedoch keine Hinweise mehr auf irgendwelche
Gedächtnislücken.
Der immer umfangreicher werdende Erinnerungsverlust des Holodocs wurde
vielfach als Parabel auf die Alzheimer Krankheit angesehen. Ich würde
einen Vergleich mit dieser schlimmen Krankheit nicht zu weit treiben. Sollte
das ganze wirklich eine Anspielung auf Alzheimer gewesen sein, muß
man leider erkennen, daß die Umsetzung zu humorvoll ist, um als geglückt
betrachtet werden zu können.
Etwas befremdlich ist auch Janeways schnelle Entscheidung, das fremde
Gebiet zu durchqueren. Jeri Taylor hatte ja schon vor der dritten Staffel
angekündigt, der Janeway-Charakter würde mehr Richtung Kirk gehen.
Abgesehen davon, daß das nun wirklich nicht die optimale Methode
ist, um für die Janeway-Figur einen eigenen Stil zu entwickeln (Janeway
soll sich nicht wie Kirk, sie soll sich wie Janeway verhalten), der Widerspruch
zu früheren Episoden ist doch enorm. In "Prime Factors" (dt.: Das
oberste Gesetz) hatte sich Janeway noch geweigert, ein Gerät zu kaufen,
das vielleicht den kompletten Heimflug ermöglicht hätte, weil
sie dann gegen das Gesetz der Planetenbewohner verstoßen hätte.
Hier ignoriert sie die ausdrückliche Anweisung, einem Gebiet fernzubleiben,
um eine Flugzeit von 15 Monaten zu sparen. Vergessen scheint auch die schöne
Ansprache von Janeway in "Alliances" (dt.: Allianzen), das wichtigste seien
die Prinzipien der Föderation. Als Tuvok darauf hinweist, nach dem
Gesetz der Sternenflotte müsse man dem Gebiet fernbleiben, meint Janeway
nur lapidar, daß die Föderation weit entfernt sei. Im Grunde
ist gegen eine Entwicklung zu einem etwas freieren Umgang mit den Regeln
der Sternenflotte nichts einzuwenden, im Gegenteil, es wäre nur logisch,
wenn sich Janeway allmählich zu der Erkenntnis durchgerungen hätte,
daß die Regeln der Sternenflotte in der außergewöhnlichen
Situation, in der sich die Voyager befindet, nicht immer funktionieren.
Das würde auch die Eigenständigkeit von "Star Trek - Voyager"
enorm erhöhen. Nur ist hier keine Entwicklung zu dieser Erkenntnis
zu sehen, vielmehr handelt es sich bei Janeways Verhalten um einen ziemlich
abrupten Charakterumschwung.
"The Swarm" hat natürlich auch eine ganze Reihe sehr positiver
Elemente. Das ebenfalls von Robert Picardo gespielte Diagnoseprogramm ist
sehr vergnüglich. Auch technisch sind die beiden Picardos hervorragend
zusammengefügt worden, man vergißt teilweise völlig, daß
es sich hierbei um einen Trickeffekt handelt, wenn die beiden Figuren gemeinsam
im Bild zu sehen sind. Hier spricht der Holodoc auch erstmals über
seine Glatze, denn als sich das Diagnoseprogramm als noch unfreundlicher
erweist als der Holodoc, meint Torres zum Holodoc: "I can see where you
got your charming personality." Der Holodoc erwidert: "Not to mention my
hairline." (dt.: Ich erkenne jetzt, wo Sie ihre charmante Persönlichkeit
herhaben. - Von meinem Haarwuchs gar nicht zu reden.) Der echte Zimmerman
ist übrigens in der DS9-Episode "Dr. Bashir, I Presume" zu sehen.
Auch wurde in einigen interessanten Dialogen erörtert, was der
Holodoc eigentlich ist. Während Kes fest daran glaubt, daß er
eine eigene Persönlichkeit entwickelt hat, versucht sie das Diagnoseprogramm
davon zu überzeugen, daß alle Emotionen und Verhaltensweisen,
die der Holodoc zu haben scheint, nur eine Simulation sind. Hinter dem
Holodoc stecke kein Charakter, der Holodoc bestehe nur aus trockenen, mathematischen
Algorithmen. Ein interessanter Aspekt, der ja nach wie vor ungelöst
ist. Ist der Doc wirklich ein Wesen mit Bewußtsein, oder ist er nur
eine sehr ausgefeilte Holodeck-Figur, die menschliche Verhaltensweisen
perfekt imitiert und uns eine eigene Persönlichkeit nur vortäuscht.
Recht kurzweilig ist auch der Anfang der Episode. Wir sehen den Holodoc,
wie er die Arie "O Soave Fanciulla" aus der Verdi-Oper "La Boheme" singt
und wegen eines verspäteten Einsatzes von der Operndiva Josephina
Pentangeli ziemlich runtergemacht wird. ("You're lagging behind like a
tired donkey!" - dt.: Du hinkst hinterher wie ein müder Esel!) Besonders
erfreulich ist, daß es sich bei dem Gesinge des Holodocs nicht nur
um einen überflüssigen Einleitungsgag handelte, sondern um einen
wichtigen Bestandteil der ganzen Episode. Erstaunlich, aber wahr: Robert
Picardo hat die Arie tatsächlich selbst gesungen.
Natürlich ist auch der Schwarm eine recht originelle Idee. Der
Schwarm hätte einen bei weitem originelleren Dauergegner abgegeben
als die Kazon oder Vidiianer. Natürlich wurden die unzähligen
kleinen Schiffe mit dem Computer erzeugt, doch als sich der Schwarm auf
die Außenhülle der Voyager setzt, sah das leider nicht allzu
überzeugend aus. Die Computergraphik war doch zu deutlich als solche
erkennbar.
Diese Episode markiert den Beginn der Liebesbeziehung zwischen Tom Paris
und B'Elanna Torres. Die Tom/B'Elanna-Beziehung wird sich durch die ganze
dritte Staffel ziehen und in der vierten Staffel wohl ihren Höhepunkt
erreichen, denn so lange muß man warten, bis die beiden es endlich
in der Episode "Day of Honor" wagen, sich ihre Liebe einzugestehen.
Das Holoprogramm "Sandrine's Bar" ist hier zum letzten Mal zu sehen.
Es taucht in der gesamten dritten Staffel nicht mehr auf.
Janeway erwähnt, sie habe die "High School" besucht. Offenbar hat
sich das amerikanische Schulsystem durchgesetzt und besteht im 24ten Jahrhundert
immer noch. (Auch nicht gerade sehr einfallsreich von den Autoren.)
Seltsam war, daß sich der Holodoc vor der Operation die Hände
desinfiziert. Nun kann man lange darüber streiten, ob sich eine holographische
Figur die Hände desinfizieren muß, doch mit Hilfe der Star Trek-Technik
dürfte es ohnehin kein Problem sein, innerhalb des Operationsbereichs
alle Keime abzutöten. Ein Arzt muß sich also sicher nicht mehr
extra die Hände säubern.
"The Swarm" ist eine zweischneidige Sache. Die Episode hat viele sehr
geglückte Szenen, einige davon außergewöhnlich witzig,
andere überdurchschnittlich spannend. Ein Jammer, daß die etwas
unglaubwürdige Ausgangsituation um Janeways überstürzten
Entschluß und das völlig enttäuschende Ende den ansonsten
positiven Eindruck so extrem mindern. "The Swarm" hätte das Zeug zu
einem Highlight gehabt.