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Henner Kleinewefers, Sie sind 1974 als Wirtschaftsprofessor nach Freiburg gekommen. Was hat Sie nach Freiburg gelockt?
Ich bin seit 1966 in der Schweiz, habe an der Universität Zürich doktoriert und habilitiert und hatte danach keine Lust, nach Deutschland zurückzukehren. Weil in Freiburg ein Nachfolger für den erkrankten Professor Büchi gesucht wurde, habe ich mich für dessen Lehrstuhl interessiert. Ausschlaggebend war, dass Freiburg eine kleine Universität besass, an der die Professoren viele Freiheiten genossen, und man noch fast alles persönlich und informell erledigen konnte. Zudem reizte mich Freiburgs Situation an der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Welsch.
Sie haben sich danach auch sehr für die Wirtschaft des Kantons Freiburg interessiert.
Ja, das hat sich im Verlaufe der Zeit so ergeben. Mein grosses Interesse galt früher den sozialistischen Wirtschaftssystemen. Ich war immer überzeugt, dass diese à la longue keinen Erfolg haben können. So ist es dann auch gekommen. Nach deren Zerfall habe ich mich der Frage gewidmet, wie sich diese Länder wirtschaftlich entwickeln können. Dabei hat sich immer mehr bestätigt, dass es nur eine Entwicklungs- und Wachstumspolitik gibt, während man früher geglaubt hat, es seien unterschiedliche Theorien für das Wachstum von entwickelten und unterentwickelten Ländern oder von Staaten und einzelnen Regionen bzw. Standorten erforderlich. Ich habe mich dann auch dafür interessiert, diese allgemeine Wachstums- und Entwicklungstheorie auf das anzuwenden, was um mich herum in Freiburg geschah.
Der Kanton Freiburg ist Ihnen auch ans Herz gewachsen, zumal Sie sich ja einbürgern liessen?
Gewiss, ich bin seit 25 Jahren Bürger von Belfaux, wo ich auch während längerer Zeit wohnte. Als Mitglied des CA Belfaux habe ich auch den Murtenlauf 15-mal bestritten. In Greng habe ich vor Jahren ein Häuschen mit genügend Platz für meine Bücher und meinen Arbeitsplatz gefunden. Greng ist nicht, wie viele glauben, ein Ghetto von Reichen. Es dominiert hier der Mittelstand. Im Gegensatz zu meinen beiden Kindern, die hier aufgewachsen und perfekt zweisprachig sind, fühle ich mich nicht vollständig integriert. Wenn man hochdeutsch spricht, wird man von der Umgebung automatisch als Deutscher wahrgenommen. Hier in Greng fehlt mir der Kontakt nicht, ich kann mich aber auch zurückziehen, was mir sehr gefällt.
Sie würden also in Greng bleiben, auch wenn die Gemeinde ihren Steuersatz aufgrund des neuen interkommunalen Finanzausgleichs erhöhen müsste.
Ganz ausschliessen würde ich einen Wegzug nicht, aber es ist eher unwahrscheinlich. Aber ich kenne hier einige Leute, die sehr sensibel auf Steuererhöhungen reagieren würden. Der neue Finanzausgleich verschlechtert gerade in jenen Gemeinden die steuerlichen Bedingungen, die bisher im Steuerwettbewerb noch einigermassen mithalten können. Dies wird in wenigen Jahren zu einer Abwanderung grosser Steuerzahler führen. Freiburg sollte aber Sorge tragen zu ihnen, sie sind sehr mobil.
Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre Tätigkeit als Professor zurück?
Ich habe mich stets in erster Linie als Lehrer definiert, eine Tätigkeit, die ich mit Sorgfalt und Liebe ausgeübt habe. Wenn ich die vielen Kontakte betrachte, die ich noch mit ehemaligen Studenten, Doktoranden und Assistenten pflege, habe ich ein sehr gutes Gefühl. Das heisst nicht, dass ich bei allen Studenten beliebt war, denn ich habe hohe Anforderungen an sie gestellt.
Meine Professoren-Kollegen haben sich vielleicht an meiner direkten Art gestört. Ich war nicht immer ein bequemer Kollege. Aber ich hatte auch viele Kollegen und Assistenten, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe. az