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Augusta Raurica
Typisch römisch,
aber dennoch anders als in Rom
Buchstabe aus der Weihinschrift des Tempels auf dem Forum von Augusta Raurica.
Vor der Gründung der Colonia Augusta Rauricaa
Diese Geschichte ist schnell erzählt: Vor der römischen Eroberung siedelte im Raum Basel ein keltischer Volksstamm, die Rauriker. Sie zogen 58 v. Chr. zusammen mit den Helvetiern und weiteren keltischen Stämmen Richtung Westen, um sich in der Gegend von Bordeaux (F) niederzulassen. Dieser «Auszug der Helvetier» wurde unter dem Kommando von Gaius Julius Caesar gestoppt. Die keltischen Auswanderer wurden in der Schlacht bei Bibracte (F) vom römischen Heer vernichtend geschlagen und dazu gezwungen, in ihre Heimatgebiete zurückzukehren – Vorgänge, die durch Caesars Schilderungen in De bello Gallico bekannt sind. Im Laufe der Zeit kamen alle Gebiete links des Rheins unter römische Oberhoheit und um 44 v. Chr. gründete der Statthalter von Gallien, Lucius Munatius Plancus, eine Koloniestadt im Stammesgebiet der Rauriker: die Colonia Raurica. Allerdings blieb es damals wohl beim Gründungsakt – ein Aufschub, der wohl auf die bürgerkriegsähnlichen Wirren nach der Ermordung Caesars zurückgeht.
Nach dem Vorbild Roms
Koloniestädte wurden als «Klein-Rom» gebaut, um die städtische, römische Kultur in den neu eroberten Gebieten zu etablieren. Von Beginn an war ein Forum mit Tempel vorgesehen (Abb. 1), wo sich auch der Ausgangspunkt der Stadtver- 58 ◁ Abb.2 Fragmente zweier Ehreninschriften, die sich inhaltlich ergänzen. Der rekonstruierte Koloniename «Colonia Paterna (?) Munatia (?) Felix (?) Apollinaris Augusta Emerita Raurica» deutet auf eine Veteranenkolonie bei der ersten Gründung oder aber auf viele Militärangehörige unter den ersten Siedlern der zweiten Kolonie hin. Davon ausgehend wurde die Stadt in einem festgelegten Strassenraster mit rechteckigen Stadtquartieren (insulae) geplant, die im Laufe der Zeit mit privaten und öffentlichen Gebäuden überbaut wurden. Auch die städtische Verwaltung war derjenigen Roms nachempfunden: Der aus etwa 100 Decurionen bestehende Stadtrat tagte unter dem Vorsitz von zwei duumviri, entsprechend dem Senat in Rom mit seinen beiden Konsuln an der Spitze. Der Decurionenrat kontrollierte die Beamten, verfügte über den Boden, verpachtete Land oder stellte es zur Verfügung.
Fragmente zweier Ehreninschriften, die sich inhaltlich ergänzen.
Der rekonstruierte Koloniename «Colonia Paterna (?) Munatia (?) Felix (?) Apollinaris Augusta Emerita Raurica» deutet auf eine Veteranenkolonie bei der ersten Gründung oder aber auf viele Militärangehörige unter den ersten Siedlern der zweiten Kolonie hin.
Entwicklung der Koloniestadt
Zu Beginn waren die Gebäude noch vorwiegend aus Holz gebaut, aber um die Mitte des 1. Jahrhunderts setzte eine rege Bautätigkeit ein und innerhalb weniger Jahrzehnte wurde die Stadt grösstenteils in Stein ausgebaut, einer Tendenz im gesamten römischen Reich folgend. In dieser Phase wurde das Forum erneuert (Abb. 3) und bedeutende Neubauprojekte wurden in Angriff genommen. So entstand um ca. 70 n. Chr. im Stadtzentrum ein erstes Theater und auf dem gegenüberliegenden Schönbühl-Hügel wurden mehrere kleine Vierecktempel durch einen Podiumstempel nach römischem Vorbild ersetzt (Abb. 4). Das Ensemble lässt auf einen Kult im Rahmen der imperialen Propaganda schliessen, die schiere Grösse könnte auch auf einen feierlichen Rahmen im Zusammenhang mit einem Landtag der raurakischen Gemeinschaft hindeuten. Das Heiligtum in der Grienmatt, ein bedeutender Sakralbau mit angegliedertem Heilbad, entstand ebenfalls in dieser Zeit.
Das Forum von Augusta Raurica.
Theater und Tempel auf Schönbühl bildeten eine aufwendige Gesamtanlage.
Unter der Regierungszeit des Kaisers Vespasian wurde das «Dekumatenland » erschlossen und die Grenze des römischen Reiches über den Rhein gegen Norden verschoben. Mit erbeuteten Waffen und gefesselten Kriegsgefangenen geschmückte Siegesdenkmäler verkörperten den Herrschaftsanspruch Roms (Abb. 5). Im Laufe der Zeit entwickelte sich Augusta Raurica zu einer blühenden Handwerker- und Handelsstadt mit einer Infrastruktur, wie sie in einer Kolonialstadt erwartet werden durfte, mit öffentlichen Bädern und Brunnen und natürlich einem Amphitheater. Um 200 n. Chr. erreichte das Stadtgebiet seine grösste Ausdehnung, die Oberstadt umfasste rund 77 Hektaren, die Unterstadt weitere 29 Hektaren und die Bevölkerungszahl war auf rund 15’000 Einwohner angestiegen. Ab dem 3. Jahrhundert wurde das römische Reich von zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Wirren und Kriegen, aber auch Angriffen auf die äusseren Grenzen in Atem gehalten. Diese Krisen führten ab der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts auch in Augusta Raurica zu einem massiven Bevölkerungsrückgang und schliesslich zur Aufgabe der bisher bewohnten Stadtgebiete.
Einige Funde
Der Sucellus aus Augst erscheint im Typus des Göttervaters Jupiter, seine charakteristische Kleidung erinnert jedoch an seine gallische Herkunft.
Minerva mit Helm und Brustpanzer, gefunden bei Insula 37. Ursprünglich war die Büste wohl in einem Tempel aufgestellt.
Weihinschrift des römischen Bürgers L(ucius) Ciltius Cossus an Mercurius Augustus. Die Formel am Schluss der Inschrift L(ocus) D(atus) D(ecreto) D(ecurionum) zeigt, dass der Platz für die Aufstellung der Inschrift auf Beschluss des Decurionenrates zur Verfügung gestellt war.
Grabrelief eines Ehepaars.
Das Kartenspiel
Für das junge Publikum und Spielbegeisterte entwickelten wir das Frage-Antwort-Spiel Vade mecum! Das Kartenspiel führt durch die Ausstellung und gewährt Einblicke in die verschiedenen Lebensbereiche der Menschen am Rhein vor 2000 Jahren. Das Kartenset wird an der Museumskasse abgegeben und ist im Eintrittspreis inkludiert.
Begleitpublikation zur Ausstellung
Wir danken
Sponsoren
Die Begleitpublikation wurde gedruckt mit freundlicher Unterstützung der Berta Hess-Cohn Stiftung, Basel.