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Belo Horizontes Herausforderung für die WM 2014
Das ungenügende Hotelnetz ist die grösste Herausforderung der Stadt
Belo Horizonte die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais wurde 1897 eingeweiht – projektiert vom Architekten Arão Reis. Heute ist sie der Distrikt mit der sechstgrössten Bevölkerung und einer der bedeutendsten kulturellen, wirtschaftlichen und industriellen Pole des Landes. Gross-Belo-Horizonte besteht aus 34 Munizipien, ist die drittgrösste urbanistische Konzentration Brasiliens und hat die niedrigste Arbeitslosenquote (10,2%) unter den sechs grössten Metropolen Regionen des Landes. Im Jahr 2006 betrug der PIB (erwirtschaftetes Gesamteinkommen) von Minas Gerais 214,8 Milliarden Reais (rund 100 Milliarden US$) – das drittgrösste Brasiliens. Allein die Munizipien Betim und Contagem erwirtschafteten zusammen 62,6 Milliarden Reais (30 Milliarden US$) im Jahr 2006, eine Summe, welche mehr als 80% des PIB der Stadt Belo Horizonte ausmacht !
Der Bundesstaat Minas Gerais besitzt verschiedene interessante touristische Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel seine historischen Städtchen aus der Kolonialzeit, staatliche und nationale Naturparks mit vielen Attraktionen für Öko- und Abenteuer-Touristen, sowie eine Reihe von wohltuenden Kurstätten mit heilenden Wassern für denjenigen, der Ruhe und Entspannung bevorzugt. In der mineirischen Hauptstadt selbst ist der Tourismus direkt mit Messen und Veranstaltungen gekoppelt. Obwohl das Potential des Business-Tourismus hier noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Belo Horizonte ist die einzige Grossstadt des Landes, deren erste Clubs kein eigenes Stadion mittlerer Grösse besitzen. Das Stadion „Governador Magalhães Pinto“ ̶ besser bekannt unter dem populären Namen „Mineirão“ ̶ ist Eigentum der Staatsregierung und hat eine Kapazität für 81.000 Zuschauer. Seinen Publikumsrekord erlebte es im Jahr 1997, als 132.800 Zuschauer die Partie zwischen CRUZEIRO und VILA NOVA verfolgten (1 : 0). Nach einer Reform könnte dieses Stadion die Bedingungen der FIFA erfüllen – und käme auch dem Sport-Potential der Stadt entgegen, in der ein zahlendes Publikum existiert, durchaus in der Lage, diesem Stadion weiterhin auch eine wirtschaftliche Zukunft zu garantieren. Als Beispiel möchte ich ein Spiel zwischen Brasilien und Argentinien anführen, bei dem im Juni 2008 von 57.000 Eintrittskarten 52.500 verkauft wurden – mit einer Einnahme von insgesamt 6,6 Millionen Reais – was einem Mittelwert von 125,75 R$ pro Eintrittskarte entspricht!
Belo Horizontes Stadion „Mineirão“ hat eine lange Geschichte mit riesigen Publikumszahlen und hohen Einnahmen. Aber es werden viele Änderungen vorgenommen werden müssen, um das Stadion an die Forderungen der FIFA anzupassen, die meisten haben mit Problemen der Sicht und der Sicherheit zutun.
Die Copa 2014 verdient Investitionen, welche die touristische Infrastruktur der Stadt verbessern, mit dem Ziel, einen Aufenthalt des Business-Touristen in der Hauptstadt zu verlängern und Einrichtungen zu schaffen, zu denen er jederzeit gerne zurückkehrt. In diesem Sinne hat das Tourismus-Sekretariat von Minas Gerais (SETUR) im April 2009 das Projekt „Rede de Turismo de Negócios e Eventos“ (touristisches Netz für Business und Events) ins Leben gerufen, welches mit einer Investition von 5,6 Millionen Dollar rechnen kann, die durch ein Abkommen mit der „Banco Interamericano de Desinvolvimento (BID)“ –unterzeichnet im Jahr 2008 – garantiert sind.
Ein Teil des Geldes wird dazu verwendet, eine Datenbank zur Organisation und Vereinheitlichung des nationalen und internationalen Veranstaltungskalenders einzurichten – dann kann man Messen und Events gleichmässig übers Jahr verteilen, die Belegung der Hotels in der Hauptstadt austarieren und so auch entsprechende Aktivitäten erweitern. Dasselbe Projekt sieht auch eine Erhöhung der Kapazitäten des Hotelsektors vor, sowie eine Erweiterung der touristischen Dienstleistungen – und dies zu wettbewerbsfähigen Preisen. Man visiert die Möglichkeit an, den Business-Touristen auch für die Nutzung des touristischen Freizeitangebots zu interessieren.
Unter den ersten Herausforderungen für Belo Horizonte rangiert die Erweiterung des städtischen Hotelangebots. Daten aus dem Jahr 2007 der SETUR belegen, dass Belo Horizontes Hotelangebot sich auf 52 Häuser zwischen zwei und fünf Sternen, sowie 38 Aparthotels, beschränkt. Von diesen 90 Hotels, mit insgesamt 7.945 Wohneinheiten, liegen 34,4% auf einem Vier- und Fünf-Sterne-Level. Bis Ende 2010 soll das Hotelnetz der Stadt weitere 1.668 Wohneinheiten bekommen.
Das mononukleare städtische Entwicklungsmodell verhinderte ein Entstehen neuer Zentren in den übrigen Munizipien der metropolitanen Region von Belo Horizonte. Der Verlauf der Untergrundbahn, die Makrostruktur der Strassen und des Transports – sie stehen vorwiegend auf der Achse Nord/West zur Verfügung der Bürger – verstärken diese Konzentration und das Defizit der Platzverteilung innerhalb der Stadt – hier muss an verschiedenen Stellen in kollektiven Transport investiert werden.
Der Zugang zum Stadion sollte von einem Massentransportmittel garantiert werden, mit einer Station in seinem näheren Umkreis und mit Verbindungen zu den bedeutendsten Bevölkerungszentren. In den grösseren Munizipien des Distrikts Belo Horizonte sollte das Transportsystem besonders grosse Kapazitäten verkraften können – wie zum Beispiel Untergrundbahn oder metropolitane Zugverbindungen. Das Metro-System der Hauptstadt ist schon lange auf dem Papier, allein es fehlt die Finanzierung. In den übrigen Städten genügt ein System mittlerer Kapazität, wie zum Beispiel exklusive Korridore für Busse. Der Transport von Touristen zum Stadion sollte vorzugsweise per VAN geschehen. Mit einer Zugangs-Infrastruktur wie der heutigen kann man Mobilitätsprobleme voraussehen, was den Zugang zum Stadion schmälern würde.
Der vom Tourismus-Ministerium vorgelegte Plan sieht für Belo Horizonte lediglich 211,7 Millionen Reais (zirka 100 Millionen US$) für die Anlage von 5,5 Kilometern Omnibus-Korridor vor, und zwar nach Fertigstellung der Verdoppelung der Avenida Presidente Antônio Carlos, der Konstruktion der Endstation Pampulha und der Neugestaltung des Strassenkomplexes der „Lagoinha“ sowie der „Área Central“ – mit exklusiven Abschnitten für den Busverkehr und erhöhten Zugängen.
Das „Mineirão-Stadion“ befindet sich in der Pampulha-Region, vorherrschend mit Privatresidenzen hohen und mittleren Einkommens bestückt – angrenzend der Campus der staatlichen Uni von Minas Gerais und zirka drei Kilometer vom Pampulha-Flughafen entfernt. Die Region wird von einem normalen städtischen Bussystem bedient. Die Transportpläne für die Region sehen eine U-Bahnlinie von 10,3km zwischen Pampulha und dem Bohême-Stadtteil Savassi vor – gekoppelt mit den bereits vorhandenen U-Bahn-Verbindungen. Wie gesagt, diese Linie ist noch in der Planung und es gibt vorläufig keine finanziellen Mittel zu ihrer Implantierung.
Belo Horizonte arbeitet ebenfalls an der Entwicklung einer „Linha Verde“ (Grüne Linie) – eine schnelle Trasse mit dem Ziel, die Verbindung zwischen der Stadt und dem 40km entfernten internationalen Flughafen „Confins“ von 60 Minuten auf 35 Minuten zu verringern. Dieses Projekt ist das signifikanteste unter den verkehrstechnischen Bauvorhaben der Stadt Belo Horizonte der letzten zehn Jahre. Ihre Infrastruktur stützt sich auf zwei wichtige Flughäfen: den kleineren in der Pampulha-Region und den grösseren, internationalen in Confins – er ist der am weitesten von einer Hauptstadt entfernte des ganzen Landes (38km)! Im Jahr 2005 verlegte die INFRAERO (Flughafenaufsicht) 120 Flüge der Pampulha nach Confins – was die Zahl der Passagierbewegung verfünffachte – 400.000 und 5,18 Millionen im Jahr 2008!
Belo Horizonte besitzt eine ideale Ausrüstungsstruktur für den Fussball und könnte anderen Städten als Vorbild für die Konstruktion eines neuen Stadions dienen. Ihr Stadion für die Weltmeisterschaft 2014 herzurichten ist also kein Problem, sondern wie gesagt, das Problem liegt bei der Erweiterung von Unterkünften für die Besucher aus aller Welt. Wohl gibt es Investoren, die an der Errichtung neuer Hotels interessiert sind, aber sie haben noch Zweifel hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit hinterher. Die Mobilität in der Stadt ist ebenfalls eines der grössten Probleme, das wie in anderen Städten die Freude über die „Copa 2014“ belastet, aber der Riesen-Event dürfte sich in infrastrukturellen Segnungen niederschlagen, welche der Stadt und ihren Bürgern auch danach noch lange von grossem Nutzen sein werden. Die Möglichkeiten einer Reurbanisierung oder Revitalisierung bestimmter dekadenter Gebiete dürften ebenfalls mit den Verbesserungen von Anfahrt und Mobilität wahrgenommen werden.
Annähernd 100 Personen – unter ihnen Architekten, Ingenieure, Regierungsmitglieder und Staatssekretäre nahmen am Seminar „Desafios de Minas Gerais para sediar a Copa de 2014“ (Herausforderungen an Minas Gerais zum Empfang der Copa 2014) teil, in der Absicht, über die Vorbereitungen der Infrastruktur für die Fussball-Weltmeisterschaft zu diskutieren. Während des Events, der am 1. Juli 2008 im Auditorium des BDMG stattfand, zeigten sich anwesende Autoritäten optimistisch hinsichtlich der Wahl ihrer Stadt als Austragungsort, sprachen sich aber auch kritisch über die zu überwindenden Hindernisse aus. Zentrale Themen des Treffens waren Fragen, welche sich auf die Städtische Mobilität und ihre touristische Infrastruktur bezogen.