Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03101.jsonl.gz/558

Der Klimawandel setzt uns zu
Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einem Umweltphysiker, der an Eisbohrkernen forscht, um herauszufinden, wie viele Treibhausgase sich in früheren Epochen in der Atmosphäre befanden. Er sagte mir, dass die Psychologie und die Sozialwissenschaften eine wichtigere Rolle einnehmen könnten als die Naturwissenschaften, wenn es darum geht, die Klimakrise zu überwinden. Denn die Fakten liegen auf dem Tisch. Wir wissen, warum sich die Erde erwärmt und was wir dagegen tun können. Nun geht es darum, Wege zu finden, um unser Verhalten an die neuen Umweltbedingungen anzupassen.
In dieser Psychoscope-Ausgabe zeigen wir Bilder aus Bangladesch, wo circa 6,5 Millionen Menschen durch Zyklone, Überflutungen und den Anstieg des Meeresspiegels von ihrem Land vertrieben wurden. Viele Beispiele aus der Geschichte zeigen, dass die Empathie der Menschen auf einen unbekannten Personenkreis ausgeweitet werden kann. Warum sollte es nicht möglich sein, sie auf kommende Generationen oder auf Tiere auszuweiten?
Es sind seit jeher die Geschichten, die Narrative, die ethische oder politische Veränderungen bewirkt haben. Welches Narrativ bestimmt unser Leben? Dient unser derzeitiges Wirtschaften dem Menschen und der Umwelt? Oder ist es nicht eher andersherum? Eines der neuen hoffnungsvollen Narrative kommt aus Bhutan. In diesem Himalaja-Staat wurde das sogenannte «Bruttonationalglück» eingeführt, welches das Bruttonationaleinkommen zur Messung des Lebensstandards ablöst. Gemäss diesem Standard soll die wirtschaftliche Entwicklung eines Lands nicht Selbstzweck sein, sondern ein Mittel, um das zu erreichen, was wirklich wichtig ist, nämlich Glück und Zufriedenheit.