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Geburtsstunde der landwirtschaftlichen Forschung
Um 1850 wurden die ersten Düngemittel eingesetzt: Phosphate und Guano. Um die Kundschaft vor Fälschungen zu bewahren, wurden in Europa die ersten Analyse- und Kontroll-Labors aus der Taufe gehoben. Mit dem Wissen über die Düngemittelzusammensetzung kam der Wunsch nach optimaler Dosierung. Jede Kulturpflanzenart hat ihre eigenen Bedürfnisse, und auch jeder Bodentyp braucht eine angepasste Dosierung. Die Chemie und die Physik des Bodens gewannen dadurch an Wichtigkeit. Darüber hinaus begann man die Zusammensetzung und Nährstoffgehalt von Futterpflanzen für die Nutztiere zu untersuchen. Insbesondere erforderte die Erforschung der Verdaubarkeit schon zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts feine Analysemethoden. Damit kam es zur Gründung der Eidgenössischen Forschungsanstalten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen die Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der Technik stärker die landwirtschaftliche Produktion und Verarbeitung zu beeinflussen; so vor allem in der Düngung, Fütterung undMechanisierung sowie in der zunehmenden Verarbeitung von Milch zu Käse und Kondensmilch. Dünger- und Futtermittelanalysen, Samen- und Milchkontrollen sowiedie Erforschung der Käsegärung wurden notwendig. Die Umstellung von Getreidebau zur Milcherzeugung verlief parallel mit dem Aufschwung der Käsefabrikation. Die Ackerfläche wurde mehr als halbiert, dafür verdoppelte sich der Export von Käse von 1871/80 bis 1913 auf 36 Mio. kg; ein Viertel der Milchproduktion ging damals in den Export. Eine gute Käsequalität wurde entscheidend für den Milchpreis und das bäuerliche Einkommen.