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Abklärung für mögliches Hilfsprojekt in Tunis
Hintergrund
Corelina hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, Kindern mit Herzfehlern, die kaum oder gar keinen Zugang zu Spitzenmedizin haben, weltweit zu helfen. Wenn möglich, möchte Corelina vor Ort helfen. Dabei kann sie auf die Zusammenarbeit mit der Stiftung Terre des hommes bauen. Eine kleine Expertengruppe, rund um Stiftungsratsmitglied Dr. Damian Hutter, besuchte am 27. und 28. Januar 2015 Tunis, die Hauptstadt Tunesiens.
Die Situation vor Ort wurde mit Vertretern des tunesischen Gesundheitsministeriums, des öffentlichen Kinderspitals «La Rabta» und der nationalen Krankenkasse diskutiert. Dabei sollte evaluiert werden, wie die Schweizer Expertengruppe dem Kinderspital helfen könnte.
Kinderherzchirurgische Versorgung
Tunesien befindet sich zurzeit mitten in der politischen Neuorientierung nach dem arabischen Frühling. Dies betrifft insbesondere auch das öffentliche Gesundheitssystem. Zum heutigen Zeitpunkt besteht die Kinderherzchirurgie an den öffentlichen Spitälern nur marginal. Es fehlt vor allem an Geldern der öffentlichen Hand, insbesondere auch für den Bereich Kinderherzchirurgie, Kinderintensivmedizin und Kinderintensivpflege. Zusätzlich belastend ist die hohe Sterblichkeitsrate bei Herzoperationen. Dies führt nicht zuletzt auch zu einer Demotivation des engagierten Personals.
So werden zurzeit viele einfache Herzfehler (Ventrikelseptumdefekt, Vorhofseptumdefekt oder persistierender Ductus arteriosus) an privaten Spitälern in Tunesien operiert. Komplexere Herzfehler (Fallotsche Tetralogie, atrioventrikulärer Septumdefekt oder Klappendefekt) können nur schwerlich medizinisch behandelt werden. So werden diese gelegentlich vor Ort zusammen mit Spezialisten aus dem Mailänder Spital «Hospedale San Donato» operiert. Einige herzkranke Kinder können im Ausland versorgt werden, meist dank der Unterstützung durch Institutionen wie der Stiftung Terre des hommes, dem Pariser «Hôpital Necker» oder dem bereits erwähnten «Hospedale San Donato». Für die Operationen im Ausland übernimmt der tunesische Staat einen Teil der Kosten.
Diese schwierige Situation in der Grundversorgung von Patienten mit angeborenen Herzfehlern führt dazu, dass längst nicht alle herzkranken Kinder die lebensrettenden Operationen erhalten können. Obwohl das tunesische Gesundheitsministerium sich grosse Mühe gibt, allen betroffenen Familien Zugang zu den notwendigen Herzoperationen zu ermöglichen, sind die individuellen Chancen doch eher bescheiden. Darüber hinaus bleiben Eingriffe an den öffentlichen Spitälern mit hohen Risiken verbunden.
Politische Situation
Die Not an spitzenmedizinischer Unterstützung vor Ort ist gross. Es fehlt an fachlicher Ausbildung sowohl peri- als auch postoperativ. Das Gesundheitsministerium und die Mediziner vor Ort sind für jegliche Art einer medizinischen Unterstützung dankbar. Die medizinischen Experten von Corelina haben auch in Erwägung gezogen, mit den Kollegen des Mailänder Spitals «Hospedale San Donato» zu kooperieren.
In der Phase der Projekt-Evaluierung traten unvorhergesehene Schwierigkeiten durch die politische Lage im Land auf. Corelina kann zurzeit aufgrund der angespannten politischen Situation nach den terroristischen Anschlägen in Tunis keine geordnete und längerfristige nachhaltige Zusammenarbeit anbieten
Ergebnis
Man muss aktuell von einer Unterstützung vor Ort zum jetzigen Zeitpunkt absehen. Es besteht aber die Möglichkeit, betroffene Patienten mithilfe der Stiftung Terre des hommes in der Schweiz zu behandeln. Diese Option muss im Detail mit den lokalen Behörden und Terre des hommes abgeklärt werden.