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Die Zauberformel des Glücks im Alter
(Elena Mayorova)
Wovon hängt die Lebenszufriedenheit im Alter heute ab? Was wünschen sich Frauen und Männer in der Schweiz? Gibt es eine Zauberformel? Die Grenze zum Alter wird immer undeutlicher. Die Autorin Elena Mayorova schlägt neue Horizonte vor und schildert den Werdegang eines alten Schweizers in Haiti.
Auch im höheren Alter strebt man nach Glück und erfülltem Leben. Die Strategien «to be well» und «to be happy» verweisen auf verschiedene Szenarien, beinhalten aber ähnliche Komponenten. Die meisten Definitionen beschreiben Lebensqualität als eine Kombination aus objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Wohlbefinden. Zu den objektiven Lebensbedingungen gehören Ressourcen wie Einkommen, intakte Umwelt, Gesundheitssystem, Zugang zur Bildung sowie die Freiheit, aus diesen Ressourcen den eigenen Lebensstil frei wählen zu können.
So hat sich der 84-jährige Otto Hegnauer aus der Schweiz entschlossen, nach Haiti auszuwandern und seine AHV-Rente für eine Schule auszugeben. Von einem der reichsten Länder der Welt ins Armenhaus der Welt. Dazu behauptet er, dort sei er glücklicher. Kann man in diesem Fall von Lebensqualität sprechen? Ist das kein Paradox?
Ein «reicher Schweizer» in Haiti
Otto Hegnauer war nicht immer dieser bescheidene weise Mann. Er war ein «typischer Schweizer» mit einer aussergewöhnlichen Karriere, die ihn bis ins Kader einer der grössten Schweizer Firmen gebracht hatte, wo er für Neues zuständig war. Irgendwann reizte ihn das nicht mehr und er verschwand nach Afrika, wo er zum Beispiel Touristen ins Paradies führte, genauer: nach Sansibar, Tansania u.a. Er begann eine klassische Aussteigerkarriere.
Schliesslich wanderte er nach Haiti aus. Auf einem kleinen Hügel baute er ein Traumhaus mit allem Luxus. Er bepflanzte den Hügel mit den schönsten Blumen aus aller Welt. Sein Haus war weit herum bekannt, sogar im Ausland. Ein kleines Paradies mit allen Annehmlichkeiten. Er hat sich einen Traum erfüllt, um restlos glücklich zu sein. Seine AHV und Kaderpension machten ihn in diesem armen Land zu einem reichen Mann.
Das Erdbeben als Einschnitt
2010: Das grosse Erdbeben vernichtete alles. Das Epizentrum schien direkt unter seinem Haus zu sein, denn alles, was darin war, schleuderte in die Luft und war im Umkreis von Kilometern verteilt. Otto war auf den Hügeln von Port-au-Prince bei einer Freundin zuhause. Die gesamte Stadt, ja fast das gesamte Land lag in Trümmern. Die Häuser auf anderen Hügeln blieben unversehrt, nur einige Fenster zerbrachen.
Ottos Leben war vor dem Nichts. Er hatte alles verloren. Er kam zum Entschluss, diesen Ort, der ihm ein zweites Leben gab, nicht mehr zu verlassen. Er verzichtet auf alles: die Kaderpension gab er seiner in der Schweiz lebenden Familie und die AHV Melissa, bei der er zum Zeitpunkt des Erdbebens war. Unter der Bedingung, sie solle ihn ernähren und unterbringen. Mit dem Rest beschloss Melissa, eine Schule zu gründen, in dem Armenviertel, in dem sie lebten. Zugang zu Bildung war praktisch unmöglich, denn sie war kostenlos nicht erhältlich. Heute bietet die Schule, die hauptsächlich aus Ottos AHV finanziert wird, 400 Schülern eine kostenlose Bildung.
Schule: eine Alternative zur Kindersklaverei
In Haiti leben gemäss Schätzungen der UNICEF mindestens 125 000 Kinder in der Sklaverei. Aus purer Armut werden die Kinder von ihren Eltern an Vermögende oder Bessergestellte abgegeben, wo die «Viaweks» oder «Restavecs», wie sie genannt werden, ohne Rechte 15 Stunden am Tag die Hausarbeit erledigen. Die Schule gibt den Familien eine Perspektive, welche die Kinder vor diesem Schicksal verschont. In der Schule gibt es neben Bildung auch Essen. Otto und Melissa leben ärmlich, aber glücklich. Otto, weit und breit der einzige Weisse, ist in allen Gesellschaftsschichten ein anerkannter Mann.
Lebensphilosophie des Glücks im Sein
Otto Hegnauer erinnert mehr an Ghandi als an einen Schweizer Manager. Sein einziger materieller Besitz ist sein Computer, mit dem er täglich festhält, was in der Schule und im Armenviertel vor sich geht. Inzwischen geht er am Stock die steinigen Wege hoch und herunter. Aber auch das nimmt er gelassen hin. Nie hat man gehört, dass er sich über irgendetwas beschwert hätte. Er führt auch leidenschaftliche Gespräche über den Einsatz der Geldmittel in der Schule, wie und wo diese ausgebaut werden sollte. Entscheiden lässt er aber andere. Er hat sich zurückgenommen, aber nicht aufgegeben. Er ist Zuschauer und nicht mehr Macher, er erfreut sich am Lachen, Singen und Spielen der Kinder. Er sagt, er sei in Haiti in Armut glücklicher als in der Schweiz. Dabei empfindet er sich nicht als arm. Er habe früher alles gehabt, was man zum Glücklichsein brauchen würde. Otto sagt, er sei 84, das sagt er aber schon seit sechs Jahren. Spielt Alter eine Rolle? Glück sei bedingungslos, meint er. Erst wenn du dein Glück nicht mehr von zukünftigen Ereignissen oder von Besitz abhängig machst, kannst du wirklich glücklich sein. Nicht, wenn das erreicht ist, bin ich glücklich, sondern das pure Sein ist Glück, sagt ein Mann, der schon alles erlebt hat.
Ist es wirklich so? Gemäss vielen Einschätzungen findet man das Glück im Alter eher in Europa, sicher nicht im Armenhaus Haiti, und doch haben wir mit Otto Hegnauer ein prächtiges Beispiel für das Gegenteil. Das Vorhandensein eines Lebenssinns, die Erfahrung der eigenen Nützlichkeit und in diesem Fall wahrscheinlich hedonistisches Erleben der Einfachheit des Lebens schaffen positive Emotionen, die den Platz für das Glück schaffen.
Möchten Sie mehr dazu lesen? Dann schauen Sie in ein paar Tagen nochmals hier vorbei; Sie finden dann einen Link zum vollständigen Text.
Und was meint Otti persönlich zum Gerontologieblog?
Die Autorin hat es gesagt: wir leben ärmlich. Abr wir fühlen uns reich. Reich sein kann man auch ohne Geld. Ich fühle ich mich gebauchpinselt, danke!. Das gibt mir wieder einen Schub Motivation, auf deutsch „Be-Geisterung“, das ist das Zauberwort. Verglichen mit Johann Heinrich Pestalozzi (https://www.youtube.com/watch?v=1qEYQPRsh-c bei 24Min 50Sek) und Mahatma Gandhi (in diesem Text) wird man nicht jeden Tag. Beides ist übertrieben. Zudem etwas egoistisch, wenn auch nicht materiell. Und ich möchte doch ALTRUISTISCH sein …
Gemeinnützig-materiell ist die Freude über jede Spende, von Lebensmitteln aus Hongkong (containerweise Mannapacks etc.), Schulgeldern für Lehrerlöhne und Lehrmittel bis zur Wasseraufbereitungs-Anlage, Neubauten und Solarpanel-Dächer(z.Z. unterwegs aus Australien), ein Aufsteller nach dem andern. Ich kann gar nicht alles aufzählen. Ich kann nur sagen: Danke für alles, im Namen der ehemaligen Strassenkinder und ihrer Eltern!
Dann jedes Winken aus der Ferne (auch der Erwachsenen), das Leuchten all der Augen, das Klatschen, der Ausdruck ihrer Freude, durch Gesänge, Spiele, Tänze, ihr Fleiss, ihre Fortschritte, ihre Ideen. Die vielen Lieder und Texte, die sie selber erfunden haben, und mit denen sie ihre Schule preisen. Oder Olmyda, die unserer Schule als Erste entwachsen ist, den Anschluss ans Collège. gut schaffte und dort als„Königin“ und beste Schülerin gefeiert wurde
Und Lehrer und Leiter, die „für fast nichts“ arbeiten und nicht mehr aufhören wollen. Alle sind begeistert und motiviert, das Zauberwort hat eingeschlagen.
Und was wir gar nicht erzielten, ergab sich von selbst: auch die Erwachsenen profitieren. Sie haben von der Stiftung Crupe Solarlampen geschenkt erhalten. sie bekommen Wasser, das sie vorher stundenweit herschleppen mussten, und Trinkwasser, ja etwas Arbeit, denn wir haben einige Arbeitsmöglichkeiten und (leider zu) viele Baustellen; es entwickelt sich sogar etwas „lokale Wirtschaft“.
Ich möchte, dass Altruismus ansteckend wäre. In einer Welt des Teilens sind keine Almosen mehr nötig. Aber leider sind wir nicht so weit. Wir bitten noch darum. Unser Planet wäre gerettet, und viele Probleme gelöst, selbst in der Poli Nein, sie spintik.
Ich rate auch Dir zum Neubeginn. Es ist nie zu spät, ich weiss nicht wo Du bist. Sicher nicht auf Null, so wie ich es war. Du musst selbst scha uen, was Du machst. Ich wünsche Dir Mut und Glück!
Und jetzt die Ergänzung: eigentlich ist man mit dieser Meinung ein Egoist. Abr nicht Alles muss nach eigenen Vorstellungen laufen!
(von Patrick C. Price)
Doch Lesen und Schreiben allein genügt nicht zum Überleben. Hilfst Du mit?