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Die Nachgeburtsphase
Es lohnt sich für Dich und Deine Kuh, in die ersten Tage nach der Geburt gut zu investieren. Neben der Fütterung in der Zeit vor der Geburt kannst Du hier mit Deinem Wissen, Beobachten und Deiner Sensibilität für das Tier wichtige Weichen für die kommende Laktation stellen.
Mit der Austreibung der Frucht und dem Abgang der Fruchtwässer verkleinert sich die Gebärmutter ca. auf die Hälfte ihrer Grösse, die sie kurz vor der Geburt aufwies und das innerhalb weniger Stunden.
6-12 Stunden später sollte die Nachgeburt abgegangen sein. Dabei muss sich die feste Verbindung der Rosen auf komplizierte Art und Weise lösen. Dieser Mechanismus wird stark durch die Galtfütterung und eine allfällige Geburtshilfe beeinflusst. Weiter verstärkt sich die Ablösung, wenn die Kuh ihr Kalb nach der Geburt ablecken kann. Hierbei wird bei ihr Oxytocin ausgeschüttet, was den Nachgeburtsabgang fördert.
Häufige Faktoren, die den Nachgeburtsabgang negativ beeinflussen während der Galtzeit sind: Schlechter Futterverzehr wegen schlechter Futterqualität (Krippenausputz, Schimmelpilze etc.) oder Verabreichung von zu wenig Futter (in der Galtzeit sollen zu fette Kühe nicht mehr abspecken), mangelhafter Kuhkomfort mit zu wenig Bewegung, keine oder ungenügende Anfütterung, mangelhafte Wasserversorgung, Klauenprobleme, Verfettung, Proteinüberschuss, mangelhafte Versorgung insbesondere von Vitamin E und Selen, Pansenübersäuerung wegen Strukturmangel, allgemein Giftstoffe im Futter. Durch diese Faktoren wird der Stoffwechsel in den Verbindungsstücken der Gebärmutter (Karunkeln) und Embryoseitig der Rosen (Kotyledonen) nach der Geburt so beeinflusst, dass der ausgeklügelte und fein abgestimmte Ablösemechanismus negativ beeinflusst werden kann und es dadurch zu Ablöseproblemen kommt.
Findet diese Ablösung nicht statt, spricht man von Nachgeburtsverhalten. Diese kommen besonders bei Frühgeburten, Spätaborten und eingeleiteten Geburten vor. In diesen Fällen ist die Nachgeburt noch nicht so ausgereift, dass sie sich nach der Geburt ablösen kann. Eine nicht abgelöste oder „nicht-mehr-auffindbare“ (Spaltenboden, gefressen durch die Kuh, den Hund oder Wild, etc.) Nachgeburt ist ein Fall für deinen Tierarzt/Deine Tierärztin. Er/Sie soll einen Gesamteindruck der Kuh bekommen und entsprechende Massnahmen treffen.
Sowohl eine erhöhte Temperatur von über 39.5°C als auch eine Untertemperatur von weniger als 38°C sind Alarmzeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Achte auch einfach auf den Gesamteindruck, der das Tier auf Dich macht: Deine Kuh sollte ganz normal Fressen, Trinken, Wiederkauen und Liegen.
Bei gesunden Tieren, bei denen die Nachgeburt abgegangen ist, kommt es in den ersten 10-14 Tagen nach der Geburt zum sog. Lochialfluss. Dabei handelt es sich um braunes bis blutiges, nicht stinkendes Sekret, das durchaus in grossen Mengen von der Gebärmutter über die Scheide abgesondert wird. Beobachtest Du Eiterbeimengungen oder stinkt der Ausfluss, ist die Gefahr einer Gebärmutterinfektion gross. Auch das wird dann schnell ein Fall für Deinen Tierärzt/Deine Tierärztin.
Innerhalb 3-4 Wochen nach der Geburt hat sich die Gebärmutter Deiner Kuh wieder auf ihre ursprüngliche Grösse zurückgebildet. Eine Brunst unterstützt diesen Vorgang zusätzlich. Je kleiner das Energiedefizit nach der Geburt ist, desto besser kommt die Kuh wieder in Brunst. Dieses wird umso kleiner, je besser die Kondition der Kuh vor der Geburt war. Ideal ist ein BCS von 3.5 in der Galtzeit und der Geburt. Dafür muss die Ration in der Galtzeit strukturreich, energiearm aber qualitativ einwandfrei sein, die Wasserversorgung ist garantiert, die Kuh hat Bewegung und wird 2-3 Wochen vor der erwarteten Geburt angefüttert.
Wann die Kuh nach der Geburt dann wieder besamt werden soll, hängt von ihrem Zustand, ihrer Milchleistung und Deinem Betriebsmanangement ab. Eine durchschnittliche Rastzeit von 60 Tagen ist sinnvoll.
Tipp: Halte Fakten über die Geburt fest. Sie können sehr hilfreich sein für die nächste Besamung bzw. Trächtigkeit.