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Fachbereich: Studien & Marktanalysen

Erstveröffentlichung: 11.07.2013
Ausgedruckt am: 30.07.2017

Trends im globalen Urbanisierungsprozess
80 Prozent der Bevölkerung von Industrieländern lebt heute in Städten; weltweit sind es 50 Prozent. Bis 2050 sollen es zwei Drittel sein. In der Schweiz beispielsweise leben bereits schon jetzt zwei Drittel der Bevölkerung in Städten. Der Trend zur Urbanisierung scheint unaufhaltbar. Warum? Welche Konsequenzen zieht diese Entwicklung nach sich? Mit diesen und vielen anderen Fragen/Antworten beschäftigen sich verschiedene Studien und Marktanalysen.
Sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart zeigen, dass die Urbanisierung ein mehr oder weniger fortwährender Prozess ist. Somit gelten Städte seit jeher als Zentren von Kunst und Kultur, von Handel, Wissenschaft und Technologie.
Ausschlaggebend für die zunehmende Urbanisierung ist in erster Linie die Industrie. Wie die Tatsache zeigt, ist die Geschichte der Urbanisierung eng mit der Industrialisierung Europas im 19. Jahrhundert verknüpft. Zusätzlich darf man hinsichtlich der Gründe zur vermehrten Urbanisierung auch nicht die Vorzüge des städtischen Lebens ausser Acht lassen. Im Gegensatz zu eher ländlich geprägten Regionen verfügen moderne Städte über eine ausgezeichnete Infrastruktur und zeichnen sich oftmals durch eine hohe Zentralität aus.
Der Mittelpunkt des Lebens verschiebt sich für die Gesellschaft zunehmend in die Stadt, wodurch die Landbevölkerung statistisch schrumpft. Das städtische Leben breitet sich zunehmend aus und im Rahmen der Suburbanisierung stellt sich auch in einst ländlichen Regionen Urbanität ein. Im alltäglichen Leben zeigt sich dies unter anderem an einem hervorragenden Netz öffentlicher Verkehrsmittel, einer exzellenten medizinischen Versorgung, einer immensen Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten, verschiedensten Freizeitmöglichkeiten und zahlreichen Arbeitsplätzen. Im Vergleich dazu muss man auf dem Land üblicherweise deutlich weitere Wege in Kauf nehmen, um zur Arbeit zu gelangen oder die Einkäufe erledigen zu können
Die Urbanisierungsphänomene beschäftigen zahlreich Experte, u.a. auch den amerikanischen Volkswirtschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman im Rahmen der von ihm eingeführten ʹNeuen Ökonomischen Geografieʹ. Als wichtigsten Treiber der Urbanisierung identifizierte er das Zusammenspiel von höheren Skalenerträgen und geringeren Transportkosten. Diese beiden Faktoren bestimmen den optimalen Standort von Unternehmen relativ zueinander und zu den Kunden. Krugmans Erkenntnisse wurden und werden es noch stets von vielen Ökonomen weiterentwickelt.
Städte sind also gegenwärtig entscheidend für die Schaffung von Wohlstand. Und wo der Wohlstand zunimmt, gibt es auch eine steigende Nachfrage nach Konsumdienstleistungen. Die Faktoren gelungener Urbanisierung – von modernen Transport- und Telekommunikationssystemen bis zu innovativen kulturellen Angeboten sowie konzentrierte Arbeitsplatzmöglichkeiten – bieten vor allem Investoren deshalb interessante Möglichkeiten und Chancen.
Die Frost & Sullivan-Studie 2013
Laut einer aktuellen Analyse von Frost & Sullivan, dem weltweit agierenden Marktforschungsunternehmen, lassen sich in vier Megatrends im Bereich Urbanisierung und Wachstumschancen in Städten der Zukunft erkennen, die gemeinsam
- mit dem Bevölkerungswachstum,
- geplanten Investitionen und
- neuen Infrastrukturen sowie
- technologischen Entwicklungen entstehen.
Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2025 voraussichtlich in städtischen Gebieten leben, was erhebliche Auswirkungen und Möglichkeiten in den Bereichen Infrastruktur, Mobilität, Ressourcen und Wohnungsbau bedeutet. Bis 2025 werden 35 Megastädte die enorme Summe von 30 Billionen US-Dollar zur Weltwirtschaft beisteuern. Die blosse wirtschaftliche Grössenordnung dieser Megastädte führt zu Machteinfluss bei Wirtschafts- und Investitionsangelegenheiten, der dem einzelner Länder und Nationen ebenbürtig sein wird.
"Städte – anstelle von Ländern – werden als Drehkreuze für Investitionen, der Schaffung von Wohlstand und Wirtschaftswachstum adressiert und mit Ländern hinsichtlich ihres Einflusses auf Wirtschafts- und Investitionsentscheidungen wetteifern", bemerkt Frost & Sullivan Visionary Innovation Research Group Senior Research Analyst, Frau Archana Vidyasekar. Die Top zehn Megastädte alleine werden bis zum Jahr 2025 voraussichtlich 13 Prozent des globalen BIP erbringen. "Jede Stadt wird zum Kunden", erklärt Archana Vidyasekar. "Während sich unterschiedliche Stadttypen ausgestalten, wird jede Stadt in ihrem Infrastrukturbedarf höchst individuelle Ansprüche haben. Dies wird bereichsübergreifende Auswirkungen auf mikrostruktureller Ebene nach sich ziehen und Chancen in vielfältigsten Branchen eröffnen, wie etwa Mobilität, Gesundheitswesen, Logistik, intelligente Produkte, Sicherheit und Einzelhandel."
Die F&S-Studie sagt auch aus, dass verschiedene Stadttypen entstehen werden, wobei jeder seinen besonderen Schwerpunkt hat. Letztere umfassen technologische Innovationen, Umwelteffizienz, Konnektivität oder auch Sicherheit und Wirtschaftswachstum. Beispielsweise dürften in einigen Städten grüne Konzepte durch "intelligente" Konzepte ersetzt werden, wodurch intelligente Städte erschaffen werden, die auf intelligenten Initiativen gründen. Frost & Sullivan geht davon aus, dass es bis 2025 rund 26 intelligente Städte, jeweils die Hälfte davon in Europa und Nordamerika, geben wird.
Städte der Zukunft werden voraussichtlich eine kohlenstoffarme Wirtschaft und nachhaltige Lebensweise anstreben. In den nächsten zehn bis zwölf Jahren wird es mehr als 100 dieser nachhaltigen Städte geben.
"Zunehmende Urbanisierung sollte nachhaltiges unternehmerisches Handeln bedeuten, um in der Zukunft die Energie- und Wasserversorgung trotz steigender Nachfrage sicherstellen zu können bzw. Investitionen in Forschung und Entwicklung zu ermöglichen, um neue Materialien für intelligente Gebäude zu finden", bemerkt Frau Vidyasekar. "Es gibt mehrere Möglichkeiten für neue Produkte und Lösungen in den Bereichen schnelllebiger Konsumgüter (engl. FMCG; Fast Moving Consumer Goods), Immobilien, Einzelhandel und Baubranchen. Die Auswirkungen der Verstädterung sind daher breit gefächert, und die Städte befinden sich im Zentrum dieses wichtigen Phänomens."
Die Studie von Forst & Sullivan ʹCity as a Customer – Identifying Growth Opportunities in Cities of Tomorrow (M75C)ʹ ist Bestandteil des Growth Partnership Service Programms Mega Trends, das ausserdem Analysen zu den folgenden Regionen umfasst: Mega Trends in der Türkei, Indien, Latein-Amerika und China. Sämtliche Studien im Subskriptionsservice basieren auf ausführlichen Interviews mit Marktteilnehmern und bieten detaillierte Informationen über Marktchancen und Branchentrends. Die Studien können unter http://www.frost.com bezogen werden.
Weitere Studien bestätigen,
… als Zentren für Handel, Kultur, Produktivität, Wissenschaft, Kreativität und vieles mehr, dass Städte den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt der Menschheit ermöglichten. Auf der Suche nach neuen Chancen strömen die Menschen nach wie vor in die Städte. Auch das global aufgestellte Bankhaus Credit Suisse hat diesen Trend der Urbanisierung hinterfragt. Ihre Analysen kommen zum Schluss, dass dies ein Trend ist, der die Gesellschaft langfristig prägen wird und auch weiterhin einen der wichtigsten Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft darstellt.
Der Trend zur Urbanisierung zeigt sich weltweit. Das bestätigen auch Anlysen von internationalen Organisationen. Bereits im Jahr 2008 wohnte die Hälfte der Menschen in Städten, noch vor 200 Jahren waren es nur gerade drei Prozent. Die Entwicklung beschleunigt sich zusehends: Im Jahr 2050 werden gemäss Prognosen der Vereinten Nationen UNO knapp 70 Prozent in urbanen Räumen leben, also etwa 6,25 Milliarden Menschen. Das 21. Jahrhundert wird somit durch das rapide Wachstum der Städte geprägt sein, laufend entstehen neue Megacities mit mindestens zehn Millionen Einwohnern. Gab es noch 1975 weltweit nur fünf solche Städte, wird sich ihre Anzahl bis 2015 auf 27 erhöhen, wie aus Schätzungen der Vereinten Nationen hervorgeht. Der Grossteil davon entsteht in den Entwicklungsländern, wo die Bevölkerung fast ausschliesslich in den städtischen Gebieten der weniger entwickelten Regionen wächst. Dazu kommt die sich fortsetzende stetige Abwanderung aus den ländlichen Regionen. Und nicht selten werden ganze Gegenden, die früher ländlich geprägt waren, von Städten geschluckt.
Laut dem Bericht des Credit Suisse Emerging Market Research Institute mit dem Titel "Opportunities in an urbanizing world" bieten Länder mit erfolgreichen urbanen Zentren attraktivere Investitionsmöglichkeiten als Länder, die solche nicht vorweisen können. Unternehmen, die auf die Bereiche ausgerichtet sind, die am stärksten von der Urbanisierung betroffen sind – wie etwa Immobilien, Transportinfrastruktur, Gesundheitswesen, Wasserwirtschaft oder Entsorgungs- und Bildungsdienstleistungen – dürften von dieser Entwicklung profitieren.
Nachhaltigkeit ist Trumpf
Die grosse Herausforderung, dass Städte weiterhin wachsen und gedeihen, liegt für Stadt- und Industrie-Planer, Investoren sowie Industrie & Handel ganz generell, dies möglichst auf nachhaltige Weise zu tun. Obwohl die Definitionen hier auseinandergehen, sind sich Experten einig, dass eine nachhaltige Stadt die Anforderungen der Gegenwart erfüllen sollte. Sie sollten in der Lage sein, sich selbst zu ernähren, ohne Land oder Ressourcen zu belasten, und ihre Energieversorgung sollte durch erneuerbare Energiequellen sichergestellt sein.
Neue Technologien können dazu beitragen, Städte nachhaltiger zu machen. Technologische Innovationen sind zwar für diese Entwicklung entscheidend, aber in diesem Zusammenhang ist auch Kreativität und soziale Organisation für den Gestaltungsprozess gefragt.
Modernste Technik allein reicht also nicht, um eine nachhaltige Stadt zu bauen oder bestehende Städte nachhaltig umzubauen. Es braucht auch gute Planung und die Mitsprache der Bewohner (demokratisch getragene Entscheidungen).
Curitiba ist weder die schönste Stadt Brasiliens noch die bekannteste. Und doch ist die Stadt mit ihren 3 Millionen Einwohnern ein Vorbild, zumindest für Stadtplaner. Das verdankt sie nicht teurer Technik in Gebäuden oder im Verkehrssystem, sondern allein der Planung. Neue Quartiere sind so angelegt, dass ihre Bewohner dort alles finden, was sie brauchen, Wohnungen, Büros, Geschäfte. Zudem sind sie so gegliedert, dass der öffentliche Bus das Quartier bestens erschliesst und damit Autos ebenso entbehrlich macht wie lange Fusswege.
Kinshasa wächst stärker als jede andere Stadt
Keine einzige der am schnellsten wachsenden Grossstädte der Welt befindet sich gemäss allen Prognosen in einem Industriestaat. Die Städte befinden sich allesamt in Afrika oder auf dem indischen Subkontinent. Sieben der 25 am schnellsten wachsenden Grossstädte liegen in China, sechs in Indien.
Die Bevölkerung von Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, wird Schätzungen zufolge von 2015 bis 2020 stärker wachsen als jede andere Stadt der Welt – pro Jahr um weitere 424'000 Einwohner. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen werden die Städte Kalkutta, Lagos, Karachi, Mumbai, Dhaka, Delhi und Kinshasa mindestens bis zum Jahr 2025 um 300'000 bis 500'000 Menschen jährlich wachsen. Zum Vergleich: In den Industriestaaten wird im selben Zeitraum New York City die stärkste jährliche Bevölkerungszunahme mit durchschnittlich 81'000 Menschen verzeichnen. Hongkong und Los Angeles belegen mit einem Wachstum von durchschnittlich 61'000 Menschen im Jahr gemeinsam den zweiten Platz.
In den Industriestaaten gibt es aber auch Anzeichen einer Stabilisierung; eine knappe Mehrheit der Bevölkerung (53 Prozent) lebt in kleineren Städten (unter 500'000 Einwohner). Dagegen ist in den Entwicklungsländern ein starker anhaltender Trend der Abwanderung in immer grössere städtische Ballungsräume zu beobachten.
"Megacities" (über 10 Millionen Einwohner).
Seit 1980 rücken alle fünf Jahre durchschnittlich drei städtische Ballungszentren in die Kategorie der Megacities auf. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen wird diese Entwicklung bis mindestens 2025 anhalten. Ab 2010 werden sich die Zahl der "major cities" (zwischen fünf und zehn Millionen Einwohner) und der "large cities" (zwischen 3,5 und fünf Millionen Einwohner) pro Fünf-Jahres-Zeitraum voraussichtlich um durchschnittlich mehr als vier erhöhen. 2025 wird es auf der Welt 29 Megacities.
Bis zum Jahr 2020 wird China die höchste Dichte an städtischen Ballungsräumen mit mehr als einer Million Einwohnern aufweisen, mit 121 solcher Ballungsräume, gefolgt von Indien (58) und den USA (46). Interessanterweise ist Russland das einzige Land mit einer beträchtlichen Anzahl an städtischen Ballungsräumen mit mehr als einer Million Einwohnern, in dem es Schätzungen zufolge zu einem zahlenmässigen Rückgang solcher Städte kommen wird.
Infrastrukturen müssen á jour bleiben
"Eine Stadt nachhaltig zu machen, das hat viel mit Kultur zu tun. Zudem sind breit angelegte öffentliche und private Massnahmen sowie politisches Engagement erforderlich ," so Joshua Kauffman, dem Mitgründer von Groupshot und dem Designer/Geschäftsmann, der an der Schnittstelle zwischen Urbanistik, Technologie und Daten arbeitet. Er hat Urbanistik und Infrastruktur an der Harvard Graduate School of Design studiert.
Die Zersiedelung dagegen macht den öffentlichen Verkehr unmöglich. "Lieber kleine Zentren, wo die Leute alles finden, was sie brauchen“, sagen die Analysten der Credit Suisse. Allerdings sei das bei neuen Städten leichter umzusetzen als bei bestehenden. Das zeigen zwei hierfür typische Beispiele.
Istanbul ist zu klein für Istanbul
Noch in den 1950er Jahren lebte in Istanbul eine Million Menschen, seither ist die Stadt das Ziel vieler früherer Landbewohner. Nun rächt sich die chaotische Politik der Urbanisierung der vergangenen zwei Jahrzehnte: Die Politik richtet sich nur an Wachstum und wirtschaftlicher Entwicklung aus. Überall entstehen neue Baustellen, historische und beliebte Areale müssen Platz machen für reichere Bürger, die Bewohner ganzer Viertel werden in die Randbezirke verdrängt. Auch das ist der Hintergrund der aktuellen Proteste in der 17-Millionen-Metropole.
Fallbeispiel: Caracas
Über 900’000 Einwohnern zählen die Slums in Caracas, die sich an allen ringsherum bestehenden Hügeln der venezulanischen Hauptstadt erstrecken. Man hat hier erkannt, dass man bei Bauvorhaben die spezifischen Merkmale des Gebiets mit einbeziehen muss. So hat man z.B. ein diesbezügliches Seilbahnnetz entwickelt. Das Ergebnis ist ein Transportsystem, das minimal in die Struktur der Slums eingreift, aber pro Stunde 3000 Personen in zwei Richtungen transportieren kann. Es zeigt, wie auf Hügeln gelegene Wohnviertel in ein städtisches Transportsystem eingegliedert werden können.
Die Schattenseite der Urbanisierung
Urbane Zentren sind jedoch immer auch der Gefahr von negativen Effekten wie Verkehrsüberlastung, Verschmutzung und Kriminalität ausgesetzt. Laut Anna Tibaijuka von UN-Habitat sind Slumbewohner davon überproportional stark betroffen. Gegenmassnahmen erfordern erhebliche Investitionen. Auch der öffentliche Sektor muss viel Geld investieren, um die urbane Lebensqualität zu verbessern. Nur wo sich ein lebhafter privater Sektor und ein gesunder öffentlicher Sektor vereinen, kann nachhaltig Wohlstand geschaffen werden und sind somit hohe Anlageerträge möglich.
Von den 3,45 Milliarden Menschen, die derzeit in Städten wohnen, leben 29 Prozent in Slums – also eine Milliarde Menschen weltweit.
Stadtbewohner sind für 60 bis 80 Prozent des globalen Energieverbrauchs und 75 Prozent der Emissionen verantwortlich. Sie stellen eine hohe Belastung für den öffentlichen Gesundheits- und Bildungssektor sowie für die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung dar. Zu den weiteren Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt, zählen Verkehrsstaus, ein Mangel an angemessenem Wohnraum und eine sich verschlechternde Infrastruktur.
Zusammenfassung
In vielerlei Hinsicht erweist sich die Urbanisierung als grosse Herausforderung für die gesamte Gesellschaft. Auch in Anbetracht des enormen Fortschritts, den die Verstädterung in vielen Lebensbereichen bedeutet, sind gewisse Schattenseiten der Urbanisierungsprozesse nicht von der Hand zu weisen. Die gesamte Gesellschaft muss sich auf die zunehmende Verstädterung einstellen und dieser aktiv begegnen.
Die Gebäudetechnik hat zwar ein hohes technisches Niveau erreicht, ebenfalls die Erzeugung erneuerbarer Energien. Aber die "Stadttechnik“, die urbanistische Verknüpfung zu einer Stadt, steckt noch in den Kinderschuhen. So können z.B. beim Energieverbrauch der einzelnen Gebäude grosse Effizienzgewinne erzielt werden, noch bevor über die Technik entschieden ist.
Andererseits verändert sich im Zuge der Urbanisierung das gesamte Konsumverhalten und gesellschaftliche Leben der Bevölkerung. Mit der Urbanisierung haben sich diesbezüglich jedoch gravierende Veränderungen ergeben, die natürlich auch einen gesellschaftlichen Wandel zur Folge haben. Arbeit und Privatleben sind in der Stadt in der Regel voneinander getrennt, während sich gleichzeitig die Bedeutung der Familie verändert. Die hohe Mobilität, das enorme Freizeitangebot und weitere Aspekte sorgen im urbanen Umfeld zwar für einen höheren Lebensstandard, verschieben zudem aber auch die Prioritäten. Die Schnelllebigkeit in den Städten tut ihr Übriges und trägt somit ebenfalls dazu bei, dass die Geburtenrate sinkt. Der demographische Wandel, mit dem gegenwärtig vor allem die Industrienationen zu kämpfen haben, ist demnach unmittelbar mit der Urbanisierung verbunden.
ʺWenn wir nicht vorausplanen beziehungsweise die anstehenden Probleme auf die ʹlange Bank schiebenʹ, wird dies furchtbare Konsequenzen für unseren urbanen Planeten haben“, konstatieren zahlreiche Fachleute und Politiker.
Quellen:
11.07.2013 | Autor Hans Joachim Behrend
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