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Komponistinnen Sinfoniekonzerte
Agnes Tyrrell
*1846 Brno; †1883 Brno
Agnes Tyrrell sollte als bedeutende europäische Komponistin betrachtet werden. Sie war Tochter des Englisch-Lehrers Henry Tyrrell, verbrachte aber ihr ganzes Leben in Brno (heute Tschechischer Republik). Komposition studierte sie bei Otto Ritzler und ist eine der wenigen Frauen, die vor 1900 eine Symphonie schrieb – die Symphonie in C-Dur. Ferner schrieb sie 39 Klavierwerke, 38 Lieder/Liedzyklen, 15 Chöre, ein Streichquartett, 2 Ouvertüren und eine Mazurka für Orchestra, das Oratorium „Die Könige in Israel“ und eine Oper „Bertran de Born“. Nur ein paar ihrer Klavierwerke sind veröffentlicht; praktisch alle ihrer grösseren Werke warten noch auf ihre Uraufführung.
Die frauenkomponiert-Uraufführung 2018 von Tyrrells Ouvertüre aus dem Oratorium „Die Könige in Israel“ anhand der von frauenkomponiert im Auftrag gegebenen Notenausgabe Rico Zelas, bildet einen Meilenstein in der Aufwertung und Anerkennung ihres Schaffens.
Alma Deutscher
*Februar 2005 Oxford, GB
Die britische Komponistin, Pianistin und Violinistin Alma Deutscher kannte bereits im Alter von zwei Jahren die Bedeutung der Tasten auf dem Klavier. Sie schrieb ihre erste Klaviersonate im Alter von 6 Jahren und ihre erste Oper, „The Sweeper of Dreams“, mit 7 Jahren. Ihr Violinkonzert, das sie als Solistin mit der nordspanischen Oviedo Filarmonía uraufführte, und dann auch mit dem Israel Philharmonic Orchestra spielte, komponierte sie im Alter von 9 Jahren. 2012 reichte sie ihre Oper „The Sweeper of Dreams“ bei der English National Opera in London zu einem Wettbewerb ein, das Werk verpasste aber den Finaleinzug. Dennoch wurde es in Israel im August 2012 uraufgeführt. Die Uraufführung der zweiten Oper, Aschenputtel, fand ebenfalls in Israel im Jahre 2015 statt.
Seit 2010 ist Alma Schülerin für Partimentieren und Improvisieren von Tobias Cramm (Basel). Alma Deutschers Talent als Musikerin wurde verschiedentlich gewürdigt, unter anderem von den Dirigenten Simon Rattle und Zubin Mehta und der Geigerin Anne-Sophie Mutter. Seit 2015 betreut Martin Campbell-White als Mentor Alma Deutscher. Er hatte u.a. schon Sir Simon Rattle entdeckt und gefördert. Mehr Informationen unter www.almadeutscher.com.
Heidi Baader-Nobs
*5.12.1940 Delémont, CH
Heidi Nobs wurde an der Ecole Normale in Delémont zur Lehrerin ausgebildet, dabei erhielt sie ihren ersten Klavier- und Geigenunterricht. Anschliessend begann sie ein berufsbegleitendes Geigenstudium an der Musik-Akademie Basel bei Rodolfo Felicani. Wegen einer chronischen Entzündung des rechten Arms musste sie das Geigenspiel aufgeben, daher konzentrierte sie sich auf das Kompositionsstudium bei Robert Suter und Jacques Wildberger.
Nach der Heirat mit Claudius Baader und der Geburt ihrer Kinder Manon (1971), Manuel (1973) und Sébastien (1978) reduzierte sie ihre kompositorische Tätigkeit schrittweise, um sich ganz der Familie zu widmen: “Die Kinder sind meine besten Werke.”
Nach einem mehrjährigen Unterbruch gibt sie 1980 dem hartnäckigen Drängen ihrer Freunde nach und beginnt wieder zu komponieren. Mehrere Werke entstehen auf Wunsch von Interpreten. Sie distanziert sich vom seriellen System und entwickelt eine sehr persönliche Musiksprache. Ihre Werke werden vor allem durch die graphische Form bestimmt, es sind akustische Verwirklichungen graphischer Vorstellungen. Mehr Informationen unter www.baadernobs.ch.
Amy Beach
*5.9.1867 Henniker, New Hampshire, US; † 27.12.1944, New York
Die Pianistin und Komponistin Mrs. H.H.A. Beach, geb. Cheney, war die erste amerikanische Komponistin grossangelegter Orchesterwerke und in ihrer Zeit in den USA und in Europa berühmt. Bereits als einjähriges Kind konnte Amy Cheney 40 verschiedene Melodien singen. Ein Jahr später begann sie, die zweite Stimme zu improvisieren und brachte sich selbst mit drei Jahren das Lesen bei. Mit vier Jahren trug sie einmal ein Klavierstück aus dem Gedächtnis vor, aber einen Halbton höher, weil das Klavier verstimmt war und sie den Originalklang wollte.
Trotz solcher Fähigkeiten erlaubten ihr ihre Eltern nicht, den professionellen Weg als Musikerin einzuschlagen. Nachdem sie mit 18 den 25 Jahre älteren Henry Harris Aubrey Beach geheiratet hatte, akzeptierte sie (mit etwas Widerstand) nur noch einmal im Jahr als Pianistin aufzutreten. Das Metier seiner Frau als Komponistin (ein Metier, das allerdings von zu Hause aus auszuführen ist) bestimmte ihr Mann, der ihr erlaubte, einige Werke unter ihren neuen, d.h. seinen Namen, zu veröffentlichen. Da ihr Mann ihr nicht erlaubte, Kompositionsunterricht zu nehmen, lernte Beach weiter autodidaktisch: mit den Instrumenten des Orchesters umzugehen entnahm sie Hector Berlioz‘ Buch über die Instrumentationslehre.
Als musikalische Vertreterin der USA auf der Weltausstellung von 1893 in Chicago wurde sie in Musikerkreisen und unter Frauenrechtlerinnen bekannt. Nach dem Tod ihres Mannes 1910 ging Beach auf eine dreijährige Tournee nach Europa, wo sie Konzerte mit eigenen Klavierwerken gab. Im Jahre 1914 kehrte sie in die USA zurück und verbrachte einige Zeit in der MacDowell Colony in Peterborough, New Hampshire, bevor sie in den 1920er Jahren nach New York übersiedelte. Dort arbeitete sie bis 1940 an der St. Bartholomews Church in der Park Avenue in Manhattan.
Komponistinnen Kammermusik-Festival
Isabelle Aboulker
Parallel zum Kompositions- und Klavierstudium am Pariser Konservatorium komponierte Isabelle Aboulker (*1938) für Theater-, Kino- und Fernsehproduktionen. Als Begleitpianistin und Gesangsprofessorin konzentriert sich ihr kompositorisches Schaffen ab 1981 auf die Stimme und Oper. Ihre Aufmerksamkeit für die Prosodie zeigt ihre Wurzeln in der französischen Liedtradition.
May Aufderheide
Die in Indianapolis (Indiana) aufgewachsene May Aufderheide (1890–1972) gilt heute als bekannteste und bedeutendste Ragtime-Komponistin. 1908 wurde ihre erste Komposition Dusty veröffentlicht, ein Jahr später ihr erfolgreichstes Werk, The Thriller. Ihr Vater gründete einen eigenen Musikverlag, um die Werke seiner Tochter und anderer Ragtime-Komponistinnen herauszubringen.
Antonia Padoani Bembo
Antonia Padoani Bembo (1640-1720) war in zwei unterschiedlichen Städten und Musikkulturen verwurzelt – in Venedig als etablierte Sängerin und Schülerin von Francesco Cavalli und in Paris als von Ludwig XIV. geschätzte und durch lebenslange Pension unterstützte Sängerin und Komponistin. Dies erklärt ihre gleichermassen tiefe Vertrautheit mit dem italienischen und dem französischen Geschmack.
Carla Bley
US-amerikanische Jazz-Musikerin, Komponistin, Arrangeurin, Bandleaderin, Pianistin und Organistin Carla Bley (*1938) begann bereits im Alter von 4 Jahren in der Kirche zu singen, Klavier und Orgel zu spielen. Sie machte sich etwa ab Mitte der 1960er als geistreiche und innovative Jazz-Komponistin bemerkbar. Sie schrieb für Paul Bley, George Russell und Art Farmer, gründet 1964 mit Mike Mantler das Jazz Composer’s Orchestra und veröffentlichte 1971 eine der wenigen Jazz-Opern: Escalator over the Hill.
Grace M. Bolen
Grace M. Bolen (1884–1976) wurde in Kansas City (Missouri) geboren. 1898 wurde der bedeutende Verleger Carl Hoffmann auf die Vierzehnjährige aufmerksam und veröffentlichte im selben Jahr ihre erste Komposition. Wie bei den meisten der vielversprechenden Komponistinnen der Ragtime-Ära, endete Bolens Schaffen mit dem Eintritt in den Ehestand.
Mel Bonis
Es scheint unverständlich, dass die Werke von Mel Bonis (1858–1937) in Vergessenheit geraten sind: sie gehören zu den wichtigsten Kammermusikkompositionen der französischen Postromantik. Gefördert durch César Franck, wurde Bonis 1877 am Pariser Conservatoire Supérieur aufgenommen und studierte dort erfolgreich, wie mehrere Preisauszeichnungen bezeugen, bis 1881. 1883 heiratete sie den Industriellen Albert Domange, brachte bis 1898 vier Kinder zur Welt und erst als die Kinder herangewachsen waren, erhielt die Musik erneut Vorrang. Ihre wichtigsten Werke erstanden zwischen 1900 und 1914.
Caroline Charrière
Die schweizerische Komponistin und Dirigentin Caroline Charrière (*1960) wurde in Freiburg im Üechtland geboren und studierte Querflöte, Komposition und später Dirigieren am Konservatorium von Lausanne. Im Jahre 2000 entschied sie in ihrer Tätigkeit der Komposition den wichtigsten Platz einzuräumen.
Emma Lou Diemer
Die in Kansas City, Missouri, geborene Komponistin Emma Lou Diemer (*1927) studierte zunächst Klavier und Musikwissenschaft in Kansas City und Yale, danach Klavier und Komposition in Brüssel. Ihre Formation setzte sie in Tanglewood bei Ernest Toch und Roger Sessions und in New York (PhD) fort. Sie lebt und arbeitet in Santa Barbara/Kalifornien.
Susanne Doll
Seit 1991 ist Susanne Doll (*1956) Titular-Organistin an St. Leonhard und der Pauluskirche und künstlerische Leiterin des „Orgelspiel zum Feierabend“ in Basel. Ihre Schwerpunkte bilden Kompositionen für Orgel und Chor; Bearbeitungen für Orgel von Bach über Debussy bis zu Pink Floyd, Santana, Piazzolla, Gershwin, Dvorak, Grieg und Brubeck; Arbeit mit Laien; Orgelwerke von Bach, Dupré und Messiaen.
Helena Tulve
Geboren 1972 in Estland, studierte Helena Tulve Komposition am Staatlichen Konservatorium in Tallinn und am Conservatoire de Paris. Sie schreibt eine fliessende, sich frei entwickelnde Musik, die aus einfachsten Impulsen entsteht und auf eine natürliche Weise experimentell klingt. Neben Komposition hat sie sich auch intensiv mit der Gregorianik und verschiedenen mundlich uberlieferten Vokaltraditionen befasst. www.helenatulve.ee
Louise Farrenc
Die gebürtige Pariserin Jeanne Louise Dumont, später Louise Farrenc (1804–1875) genannt, war Komponistin, Pianistin und Musikwissenschaftlerin. Sie hatte das Glück in ihrem Gatten Aristide Farrenc einen verständigen und sie unterstützenden Musikverleger an der Seite zu haben. Mit 38 Jahren wurde sie ans Pariser Konservatorium berufen. Ihr Oeuvre weist mit Sinfonien, Ouvertüren, Vokalwerken, Chormusik, Soloklaviermusik und Kammermusik ein beträchtliches Volumen auf.
Esther Flückiger
Esther Flückiger (*1959) Pianistin, Improvisatorin und Komponistin auch im multimedialen Bereich schöpft aus einem reichen Fundament, das ihre Vertrautheit sowohl mit dem klassischen Repertoire wie auch mit den Jazz-Idiomen zeigt. Konzerte in Europa, USA, Russland, Asien, Südamerika; zahlreiche CD-, TV- und Radioaufnahmen.
Sofia Gubaidulina
Nach ihrer Klavier- und Kompositionsausbildung am Konservatorium von Kasan (1949–1954), setzte Sofia Gubaidulina (*1931) ihr Kompositionsstudium bei Nikolai Pejko und Wissarion Schebalin in Moskau fort. Wenn auch Gubaidulinas russische Herkunft für Ihre Stücke von grosser Bedeutung ist, sind ebenfalls die asiatischen Einflüsse ihrer tatarischen Abstammung deutlich zu erkennen. Es ist aber vor allem die grosse Geistigkeit ihrer Werke – sie versteht das Komponieren als religiöse Handlung –, die ihr ganzes Schaffen durchdringt. Gubaidulina arbeitet häufig mit Gegensätzen, z.B. mit „Licht und Dunkelheit“, und ihr Ziel ist es, widersprüchliche Stimmen zu versöhnen.
Elisabeth Claude Jacquet de la Guerre
Elisabeth Claude Jacquet de la Guerre (1665–1729) war, als Tochter eines Cembalobauers, schon im Kindesalter als Cembalovirtuosin hoch angesehen. Im Alter von 15 Jahren wurde sie von Ludwig XIV. engagiert, der sie förderte und ihre Kompositionen zur Aufführung brachte.
Fanny Hensel
Die ältere Schwester Felix Mendelssohns, Fanny Hensel geb. Mendelssohn, getauft Bartholdy (1805–1847) spielte bereits mit 13 Jahren grosse Teile des Wohltemperierten Claviers von Bach auswendig. Gemäss den Sitten dieser Zeit für eine Frau ihrer Abstammung wurde Fannys Musiktätigkeit mit ca. 15 Jahren auf Kammermusik für den privaten Raum limitiert – Komposition durfte für sie nur „Zierde“ sein. Sie liess sich jedoch davon nicht beirren und komponierte ihr ganzes Leben lang insgesamt um die 450 Stücke.
Billy Holiday
Billy Holiday (1915–1959) zählt zu den bedeutendsten US-amerikanischen Jazzsängerinnen. Aus Not und Armut ist sie kometenhaft aufgestiegen, rührte ihre Hörer zu Tränen und stand auf gegen Rassismus. In den unzähligen Beschreibungen heisst es, sie sei heiter, energisch, empfindsam, erfolgreich, naiv, lüstern, scheu, hilflos, freundlich, ständig pleite, kriminell, versoffen, ein Wrack.
Vítězslava Kaprálová
Vítězslava Kaprálová (1915–1940) machte ihre ersten Kompositionsversuche mit neun Jahren. Mit 15 Jahren studierte sie Komposition und Dirigieren am Konservatorium ihrer Heimatstadt Brno – gegen den Willen ihres Vaters, der allerdings auch selber Komponist war. 1937 dirigierte Kaprálová ihre Militärsymphonie mit der tschechischen Philharmonie und ein Jahr später mit dem BBC Symphony Orchester. Trotz ihres frühen Todes hinterliess sie ein bemerkenswertes kompositorisches Œuvre.
Alma Mahler
Während ihrer künstlerisch aktiven Zeit komponierte und entwarf Alma Mahler geb. Schindler (1879–1964) mehr als hundert Lieder, verschiedene Instrumentalstücke und den Anfang einer Oper. Von ihrem Gesamtwerk sind nur 17 Lieder erhalten. Mit seinem Heiratsantrag machte Gustav Mahler klar, dass seine Ehefrau ihre Musik aufgeben müsste. Alma Mahler war eine bedeutende Persönlichkeit der Kunst-, Musik- und Literaturszene in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach Mahlers Tod heiratete sie den Architekten Walter Gropius, dann den Dichter Franz Werfel und wurde die Geliebte des Malers Oskar Kokoschka.
Isabel Mundry
Isabel Mundry (*1963) ist Professorin für Komposition an der Zürcher Hochschule der Künste und ihre Kompositionen werden weltweit aufgeführt. Komposition studierte sie in Frankfurt bei Frank Michael Beyer und Gösta Neuwirth, später auch bei Hans Zender; ausserdem studierte sie Musikwissenschaft bei Carl Dahlhaus und Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin.
Clara Schumann
Clara Schummann (1819–1896) wurde von ihrem Vater, Friedrich Wilhelm Wieck, von ihrem fünften Lebensjahr an systematisch zur Klaviervirtuosin ausgebildet. Schon früh begeisterte Clara Wieck durch ihre Improvisationen und eigene Kompositionen. Wenngleich sie sich in erster Linie als Pianistin verstand, bedeutete ihr das Komponieren sehr viel.
Johanna Senfter
Von Max Reger als seine beste Schülerin bezeichnet, komponierte Johanna Senfter (1879–1961) mehr als 134 Werke, darunter neuen Symphonien, 26 Orchesterwerke, Kammermusik, Orgelwerke, Chöre und Lieder. Sie schloss ihr Studium in Theorie und Komposition (Iwan Knorr), Violine (Adolf Rebner), Klavier (Carl Friedberg) und Orgel (Heinrich Gelhaar) im Juli 1909 mit Auszeichnung ab und erhielt den Arthur Nikisch-Preis für die beste studentische Komposition des Vorjahres.
Barbara Strozzi
In ihren Werken erscheint Barbara Strozzi (1619–1664) als eine der grossen Komponistinnen ihrer Zeit, und sowohl ihre frühen Madrigale wie auch die späteren Kantaten sind von ausserordentlicher Expressivität und Schönheit. Sie lebte als Kurtisane in Venedig und war Mutter verschiedener Kinder von verschiedenen Männern.
Nathalie Laesser Zweifel
Nathalie Laesser Zweifel (*1976) wuchs in Aarau auf, studierte Klavier am Conservatoire de Lausanne bei Christian Favre und in der Konzertklasse von Hiroko Sakagami an der Hochschule Luzern. Sie hat sich in Lied-Begleitung bei Edward Rushton weitergebildet und studierte Jazz-Klavier und Komposition bei Thierry Lang an der Jazzschule Montreux. Wichtige musikalische Impulse erhielt sie in Rio de Janeiro beim Pianisten Leandra Braga für Bossa Nova und Samba.