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Der erste Eindruck zählt – auch im Job. Doch bei der Urteilsbildung lassen wir uns nicht nur von Äusserlichkeiten wie Kleidung beeinflussen, sondern viel mehr davon, wie sich jemand ausdrückt. Andrea De Ventura Rajab, hat im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Kalaidos FH experimentell untersucht, welche Wirkung Führungskräfte mit Businessjargon erzielen.
Das Experiment
Führungskräfte möchten als modern, gebildet, professionell und kompetent wahrgenommen werden. Um dies zu erreichen, verwenden sie häufig Businessjargon: inhaltsleere Floskeln, Phrasen und Banalitäten, oft in englisch und „denglisch“. Diese Begriffe sollen dazu dienen, wichtig zu klingen, erzielen aber genau den gegenteiligen Effekt, wie Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigen konnten (Rickers, Risberg, & Hommelhoff, 2016). Andrea De Ventura Rajab knüpfte an diese Ergebnisse an, ging dabei aber noch einen Schritt weiter: In ihrem Experiment zeigte sie 645 Teilnehmenden unterteilt in vier Versuchsgruppen entweder einen Text oder eine Videoaufnahme einer Führungskraft. Damit wollte sie die Versuchsbedingungen möglichst realitätsgetreu gestalten und zusätzlich die Frage berücksichtigen, inwiefern nonverbale Signale wie Aussehen, Mimik und Gestik die Eindrucksbildung beeinflussen. Der Text und das Video lagen in zwei verschiedenen Versionen vor, welche sich nur dadurch unterschieden, ob die Führungsperson Businessjargon verwendete oder nicht. Anschliessend beurteilten die Teilnehmenden, wie erfolgreich, kompetent, glaubwürdig und sympathisch die Führungsperson auf sie wirkte. Businessjargon hatte dabei einen besonders negativen Einfluss auf die Glaubwürdigkeit und Sympathie der Führungskraft. Damit konnte gezeigt werden, dass Führungskräfte mit Businessjargon einen schlechten Eindruck hinterlassen.
Unterschiedliche Wahrnehmung von Businessjargon
Gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung von Businessjargon je nach Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad? Jüngere Personen schätzten die Führungskraft im Allgemeinen als positiver ein. Auf Personen mit höherem Bildungsgrad machte die Führungsperson mit ihrem Businessjargon dagegen einen besonders schlechten Eindruck. Die Ergebnisse zeigten auch, dass Männer den Businessjargon als störender empfanden als Frauen. Bei den Frauen hatten nonverbale Reize einen grösseren Einfluss auf die Wahrnehmung von Businessjargon: Sie beurteilten den Geschäftsführer im Video als positiver als die Männer, selbst wenn er Businessjargon verwendete. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Frauen die nonverbalen Reize stärker gewichteten. Und wie sieht es auf der Chefetage aus? Interessanterweise empfanden Personen mit Führungsfunktion den Businessjargon der Führungskraft nicht als weniger störend als Personen ohne Führungsfunktion. Nicht einmal bei seinesgleichen kann ein Geschäftsführer mit seinem Jargon also Eindruck schinden.
Was können Führungskräfte aus diesen Erkenntnissen für ihren Berufsalltag mitnehmen?
Als Führungskraft hilft es Ihnen vielleicht bei der Kommunikation den richtigen Ton zu finden, wenn Sie sich folgende Fragen stellen:
• Wer ist Ihr Gegenüber? Passen Sie Ihre Sprache der Sprache des Empfängers an. Damit schaffen Sie Vertrauen und erhöhen die Chance, dass die Nachricht bei Ihrem Gegenüber ankommt. Erwachsene mögen es auch nicht, wenn Jugendliche mit ihnen wie mit ihrer Clique sprechen.
• Was ist der Kontext der Kommunikation? Wenn Sie Ihre Mitarbeiter informieren möchten, ist es ratsam den Fokus auf die Verständlichkeit zu legen. Mit einfachen und klaren Ausdrücken beugen Sie Missverständnissen vor.
• Was möchten Sie mit dem Gesagten bewirken? Bei einem informellen Schwätzchen mit Ihresgleichen schadet es vielleicht nicht ein bisschen zu floskeln. Allerdings sollten Sie sich auch hier fragen, ob Sie damit den gewünschten Effekt erzielen.
Es kann reizvoll sein, ein bisschen mit Floskeln und Phrasen zu jonglieren. Testen Sie Ihre neuen Wörter aber doch am besten in Ihrem eigenen Umfeld und führen Sie diese nicht auf der Bühne vor. Ihre Mitarbeiter möchten nicht als Publikum missbraucht werden.
Quellen und weitere Informationen:
De Ventura Rajab, A. (2017). Wahrnehmung von Businessjargon. Ein Experiment zur Wirkung von Businessjargon bei Führungskräften (Bachelor Thesis).Institut für Wirtschaftspsychologie, Kalaidos Fachhochschule, Zürich, Schweiz.
Rickers, S., Risberg, I., & Hommelhoff, S. (2016, September). Die Wahrnehmung von deutschem und englischem Geschäftsjargon bei Führungskräften. Poster für den 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Leipzig, Deutschland.
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