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János Kornai prägte mit seinen Arbeiten über die kommunistische Planwirtschaft den Begriff der Mangelwirtschaft. Und dennoch war er kein begeisterter Anhänger des Kapitalismus. Eine Kurzbiografie über den Mann zwischen zwei Systemen.
Vor gut einem Jahr verstarb der ungarische Ökonom Jànos Kornai, geboren mit dem Namen Kornhauser, im hohen Alter von 93 Jahren. Als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts überlebte er – im Gegensatz zu seinem Vater und Bruder – die Okkupation seines Geburtsorts Budapests durch Nazi-Deutschland, wenn auch nur knapp. Geprägt von den Ereignissen wurde er ein überzeugter Marxist, schrieb für eine kommunistische Zeitung und verpasste dafür sogar die Geburt seines ersten Kindes.
Irgendwann holten Kornai allerdings Zweifel ein. Anfänglich noch im Glauben, dass der Marxismus reformfähig sei, liess ihn die Niederschlagung des Ungarn-Aufstands 1956 definitiv mit ihm brechen. Noch während des Aufstands verteidigte er öffentlich seine Dissertation über die «Überzentralisierung» als Schwäche des sozialistischen Wirtschaftssystems, die unter anderem zur Repression von Andersdenkenden führt.
Aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber dem Kommunismus litt Kornai selbst jahrelang unter starken Einschränkungen und Repressalien und konnte seine wissenschaftlichen Projekte erst Ende der 1960er Jahre wirklich fortsetzen. Einzelne Teile seiner Arbeiten fanden aber dennoch ihren Weg in den Westen und wurden entsprechend positiv aufgenommen. Mit seiner halbjährlichen Professur an der Harvard University ab 1984 sowie dem allmählichen Niedergang der Sowjetunion konnte Kornai dann seine Kritik nicht nur vermehrt, sondern auch besser und präziser äussern.
Ein begeisterter Befürworter des Kapitalismus wurde Kornai dennoch nicht. In «The Road to a Free Economy» sprach er sich für einen graduellen Übergang der Sowjetunion in eine Marktwirtschaft (und nicht eine Schocktherapie der Massenprivatisierung) aus. Sein induktiver Ansatz und seine Kritik an der Gleichgewichtstheorie der Mainstream-Ökonomen verhinderte wohl auch, dass ein Nobelpreis sein Lebenswerk verdienterweise geehrt hätte.
In seinem Buch «Economics of Shortage» beschreibt Kornai akribisch die systematischen Fehler einer zentral organisierten Ökonomie. Besonders erwähnenswert ist Kornai’s Konzept der weichen Budgetrestriktion («soft budget constraint»). Demzufolge sind Organisationen, die nicht Konkurs gehen können (wie praktisch alle Staatsbetriebe im Kommunismus), weniger effizient, weil sie Preissignalen keine Beachtung schenken müssen.