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Dank seinem Bruder, der in Zürich lebt, kennt Ace von Skunk Anansie die Schweiz schon gut. Er sei schon in Luzern, Bern, Genf und einem anderen Ort gewesen, an dessen Namen er sich aber gerade nicht mehr erinnern könne. Auch in die Berge hat ihn der Bruder schon mitgenommen, aber Skifahren würde er nicht. Mit einer leichten Ironie nennt Ace einen einzigen Kritikpunkt an der Schweiz, nämlich, dass es hier viel zu teuer sei.
Tink.ch: Ace ist dein Nickname. Dein richtiger Name ist Martin Ivor Kent. Als ich den Nachnamen Kent gelesen habe, musste ich lachen und an Clark Kent denken. Hast du schon mal den Übernamen “Superman” oder “Clark Kent” gekriegt?
Ace: Nein, nicht wirklich. Grundsätzlich ist Kent ja mein richtiger Name. Als ich vor etwa 20 Jahren nach London kam, haben in meiner Heimatstadt alle immer zu allem Ace gesagt. Zum Beispiel: “Oh, I had an ace piece of cake!” oder “I saw an ace film!”. Und als ich dann nach London kam, wurde mir Ace als Übername gegeben, weil es aus dieser Zeit in der Heimatstadt war.
Also bedeutet Ace so etwas wie “grossartig”?
Ja, da hast du Recht. Die Leute in meiner Heimatstadt sagen das wirklich andauernd! Wenn ich jetzt manchmal zurück nach Hause gehe, höre ich immer noch Leute “ace” sagen. Aber eigentlich wurde das Wort vor allem in den 90ern gebraucht.
Hast du irgendwelche speziellen Erinnerungen oder Verbindungen zur Schweiz?
Oh ja, die habe ich! Mein Bruder lebt hier und ich bin schon viele Male hier gewesen. Als wir heute am Flughafen angekommen und dann mit dem Bus in die Stadt gefahren sind, habe ich Zürich schon recht gut gekannt. Ich bin dann gleich spazieren gegangen, in die Altstadt, und habe mit den Leuten in den Tattooshops gesprochen.
Sprechen wir über euer Konzert: Es ist ausverkauft. Wie denkt ihr darüber?
(lacht) Wir sind sehr froh darüber, dass das Konzert ausverkauft ist! Gestern Abend hatten wir einen Gig, der auch ausverkauft war, und dies war die beste Show, die wir bisher auf dieser Tour hatten! Es hatte 1000 Leute und es war grossartig, absolut grossartig. Ja, wir sind sehr glücklich, weil die Platte in der Schweiz auf Platz 6 oder so was war, was wirklich gut ist. Je mehr wir in den Charts sind, desto mehr macht es uns glücklich, weil es mit unserem eigenen Label ist.
Du hast vorher die Chart-Position eurer neuen CD “Black Traffic” angesprochen, welche in den Schweizer Charts Platz 7 erreicht hat. In Grossbritannien wart ihr etwa zur selben Zeit auf Platz 58. Wie erklärst du den grossen Unterschied?
Es kommt immer auf das Land an. In Island sind wir Nummer 1, in Deutschland Nummer 7 und in Grossbritannien auf Platz 50. Der Unterschied ist, dass es sehr lokal ist. Wenn du also zurück nach Grossbritannien gehst, speziell in London, sind dort so viele Bands. Da sind sooo viele. Pop-Musik ist sehr beliebt. Es kommt immer ein bisschen drauf an, was in einem Land für eine Musikrichtung vorherrschend ist. Wenn dies Rock ist, dann sind wir da auch meist erfolgreicher. Aber unsere Live-Auftritte sind eigentlich überall erfolgreich, was gut ist.
In euren Songs geht es auch politisch zu und her. Wie wichtig ist es euch, diese politische Botschaft in eurer Musik zu haben?
Ich denke, jeder, der in irgendeiner Form Musik macht, macht, was er machen möchte. In einer Pop-Band wird übers Ausgehen et cetera gesungen. In der Gothic Musik singen sie über die Dunkelheit und Ähnliches. Und wir sind einfach ganz normale Leute. Und unsere Texte und die ganze Musik ist darüber, was wir sind und was um uns herum ist. Das ist es, was uns sehr politisch macht. Es geht darum, was um uns herum passiert, in dem Moment, in dem wir uns befinden.
Denkst du, ihr werdet auf diese politischen Songs, die ihr habt, reduziert?
Nein, wir sind nicht darauf reduziert. Du kannst sagen “I’ve belived in you” ist ein politischer Song, weil er um die Regierung geht. Aber dann ist der nächste Song auf dem Album zum Beispiel “I hope you get to meet your hero”, in welchem es darum geht, persönlich enttäuscht zu sein. Oder du nimmst “I will break you”, der grundsätzlich ein unverschämter Song über Sex ist. (lacht) Es ist nur… es variiert. Wir sind nicht nur politisch. Wir sagen einfach, was wir als Band fühlen.
Wie ist denn die Rollenteilung in der Band? Schreibt nur Skin die Songtexte oder auch der Rest der Band?
Nur Skin schreibt die Texte. Aber die entstehen durch Gespräche, die wir in der Band haben. Und Skin macht aus diesen dann die Texte. Wenn sie also die Texte schreiben, wissen wir alle, wovon sie spricht, weil wir über die entsprechenden Themen gesprochen haben. Insofern sind wir schon auch ins Schreiben involviert.
Wie hast du eigentlich Skin und die anderen Bandmitglieder kennen gelernt?
Wir haben uns in einem Club getroffen. In einem Club in London, ja. Das war ein Club in dem wir alle immer wieder Shows mit verschiedenen Bands gespielt, herumgehangen haben und so. Und dann sind wir Freunde geworden und haben Skunk Anansie gegründet. Eigentlich sehr einfach.
Du verbringst sehr viel Zeit mit der Band, wenn du auf Tour bist oder eine Platte aufnimmst. Wird einem das manchmal ein bisschen zu viel?
Oh, nein. Klar, manchmal brauchst du deinen eigenen Raum. Wir haben ja den Tag durch frei und da muss man den Rest der Band ja nicht unbedingt sehen, wenn man nicht möchte, da kann selbst ein bisschen umherschauen. Ich denke, wir haben uns gegenseitig richtig ausgewählt, um gemeinsam als Band so viel Zeit verbringen zu können. Ich verbringe wahrscheinlich mehr Zeit mit der Band als mit meiner Frau, meiner Familie und meinen Freunden. Das stimmt. Denn wenn ich zuhause bin, gehe ich mal an einem Abend aus, an einem anderen meine Frau. Und den Tag durch sehen wir uns auch nicht so oft. Und wenn ich mit der Band auf Tour bin, dann schlafe ich in demselben Bus, wie die Band, bin in demselben Hotel wie sie, bin den ganzen Tag mit ihnen zusammen, wir spielen die Konzerte zusammen und oft essen und shoppen wir zusammen. Die ganze Zeit sind wir zusammen. Mit keiner anderen Person verbringe ich so viel Zeit, wie ich es mit der Band tue!