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«Ich möchte bei Ihnen arbeiten, Fräulein,» wimmert es herzerweichend aus dem Regal des Möbeldetailisten.
Der Miniatur-Vorstadt-Casanova, der mich anspricht, wirkt etwas schüchtern. Verglichen mit der Grösse einer Katze besitzt er in etwa deren Körpermasse. Nur verteilt sich seine Statur in der Senkrechten. Der grüne Ganzkörperanzug mit den weissen Punkten und sein konstantes Lächeln verleiht ihm etwas Zurückhaltendes. Und sein Herz im Lendenbereich mag etwas komisch sein. Steht da einer vor mir, dem das Herz in die Hose rutschte? Vielleicht trug er es ja vorher auf der Zunge. Wer weiss?
«Übrigens, ich bin kein Fräulein. Und ausserdem ist der Begriff veraltet. Heute wird das weibliche Geschlecht mit Frau angesprochen, so erklärt es Wikipedia,» antworte ich dem grünen Tier im Ladenregal. «Hast Du Deine Kollegin Wiki Pedia ebenfalls mitgebracht?» fragt mich der Frosch gwundrig und guckt mich prüfend an. «Vielleicht könnte ich ja bei ihr arbeiten, falls Du nein sagst.» Mein Gott, schiesst es mir durch den Kopf, ich begegne einem halbschlauen Frosch, der glaubt, Wikipedia sei meine Kollegin. Vielleicht hofft er so auf die automatische Erhöhung seines IQs, falls ihn Wikipedia küssen würde. Was natürlich nie geschehen wird. «Sag mal, Froschkönig wäre es nicht passender, sich zuerst vorzustellen? Als mit dem Satz «ich suche einen Job»gleich mit der Türe ins Haus zu fallen? «Tragen Froschkönige überhaupt einen Namen?» frage ich das grüne Amphibienmännchen. Der Frosch räuspert sich kurz. «Hääähhhäm….ich bin Faibel,» antwortet der Winzling mit zitternder Stimme. «Weißt Du, meine Karriere als Froschkönig geht momentan steil bergab. Ich bin auf der Suche nach einem neuen Job», erzählt mir das grüne Wesen.
Statt Frösche küssen den Traummann vor dem Guli treffen?
Jedes Kind, das einst im Märchenbuch las, weiss um den Werdegang der Froschkönige. Da fand der Zauberspruch des royalen Amphibientieres noch Anklang beim weiblichen Geschlecht. Küss mich. Erlöse mich – nimm mich zu Dir nach Hause. Es gab sicher Frauen, die das grüne Tierchen küssten. Vielleicht verwandelte sich das eine oder andere in einen Traumprinzen. Oder die Frösche kehrten ohne einen Erfolg zu verbuchen in ihren nasskalten Brunnen zurück. Die Partnersuche oder die Wahl des eines Froschkönigs funktioniert heute anders: Im 21. Jahrhundert würde kein Mann freiwillig in einen Schacht oder Sodbrunnen steigen (ausser er sei für die Gemeindewerke in der Kanalreinigung tätig) um beim Gang ans Tageslicht auf die Angebetete zu treffen. Und keine Frau würde «auf Teufel komm raus» neben einem Guli warten, um dem Mann ihrer Träume zu begegnen.
Zurück zu Faibel und unserem Vorstellungsgespräch. «Was für Stärken besitzt Du in Sachen Hausarbeit, Faibel?» frage ich interessiert. «Ich putze gerne Wohnungen. Mähe den Rasen. Verjage Spinnen, Fruchtfliegen, »antwortet Faibel mit neunmalkluger Stimme. «Wie bitte !? »Ich glaube, ich höre nicht richtig: «Du, Faibel, ein grünweiss-gepunkteter Frosch mit Krone besitzt Kenntnisse in der Unterhaltsreinigung inklusive Gartenarbeit? Du weißt garantiert nicht, wie ein Staubsauger funktioniert. Ausserdem bist Du viel zu klein, um das Gerät in der Wohnung bewegen zu können, » antworte ich etwas ungläubig dem Möchtegern-Hauswart. Faibel versucht alles, um mich zu überzeugen. «Das brauche ich auch nicht, entscheidend ist die Technik, nicht die Kraft. Als Frosch weiss ich: Die meisten Haushalte besitzen Roboter-Staubsauger, Roboterrasenmäher. Als Kimi Raikkönen der Roboterstaubsauger-Fahrer pilotiere ich das Gerät in jeden Winkel deiner Wohnung. Ich sorge für das Verschwinden der Brotbrösmeli, Staubflusen. Deine Wohnung wird nachher blitzblank sein, glaub mir.»
Vom Froschkönig zum Roboterstaubsauger-Fahrer mit Schreibphobie
Es geschah also das, was alle vermuten. «Ich willigte ein. Faible übernimmt ab sofort bei mir als Roboterstaubsauger-Pilot den Job im Facility Management. Gleichzeitig amtet er als Türstopper bzw. als Türsteher mit besonderen Aufgaben. Als Türsteher in meiner Wohnung muss er keine schwierigen Besucher zur Türe hinausbegleiten. Und er darf sich was die Sympathien zu meinen Gästen betrifft, keine andere Meinung, keinen Ausrutscher erlauben. Verfällt er in sein altes «Froschkönig-Muster» mit der Bitte ihn zu küssen, zu erlösen, erhält er die Kündigung.
So unterschrieb Faibel vor ein paar Tagen seinen Arbeitsvertrag. Vorerst auf temporärer Basis. Anstelle von finanziellen Leistungen kann er bei mir gratis wohnen. Er darf alle Fliegen, Spinnen und Mücken vertilgen, die er fangen kann. Somit wäre das Problem der Verpflegung ebenfalls geklärt. Der gescheiterte Froschkönig zeigte sich übrigens begeistert über mein Vorhaben, seine Erlebnisse zu beschreiben. Da er eine Schreibphobie hat – weil er mit dem Adler-System die Buchstaben in meinen Compi eintippen müsste, übernehme ich die Schreiberei gerne für ihn. Freuen Sie sich nun über die Erlebnisse und Geschichten von Faibel, meinem neuen Mitarbeiter.