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Regenwald statt Staudämme
Der Regenwald von Borneo gehört zu den artenreichsten Regionen der Welt. Grosse Teile dieses Paradieses fielen bereits der Abholzung und den Plantagen zum Opfer. Auch der neuste Streich der Regierung von Sarawak zielt auf den Regenwald: Eine Serie von Mega-Staudämmen soll tausende Quadratkilometer Regenwald überfluten und zehntausende Menschen vertreiben. Da das ganze Innere von Sarawak betroffen wäre, steht das Überleben der indigenen Lebensweise und Kultur auf dem Spiel. Der Bruno Manser Fonds unterstützt die betroffenen indigenen Gemeinden in ihrem Widerstand gegen die Grossprojekte.
Gigantismus und Korruption
Die Regierung von Sarawak hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit Pläne für bis zu 50 Staudämme entwickelt. Das Strompotential dieser Staudämme liegt bei 20'000 Megawatt. Im Moment arbeitet das malaysische Elektrizitätsunternehmen Sarawak Energy an der Realisierung der ersten zwölf Staudämme. 2011 ging der 2'400 Megawatt schwere Bakun-Staudamm, einer der grössten Staudämme Asiens, ans Netz. Der Murum-Staudamm soll auch schon bald 944 Megawatt liefern. Die momentane Stromnachfrage in Sarawak überschreitet hingegen kaum 1'500 Megawatt.
Die Staudämme sollen ein immenses Industrialisierungsprogramm, genannt SCORE, Sarawak Corridor of Renewable Energy (Sarawak-Korridor für erneuerbare Energien), ermöglichen. Die Regierung träumt von industriellen Grossprojekten wie zum Beispiel von gesundheitsgefährdenden Aluminiumwerken. US$ 105 Milliarden sollen bis 2030 in SCORE investiert werden – damit ist SCORE das ambitionierteste und teuerste Energieprojekt von Südostasien.
Recherchen zeigen, dass die Familie um Sarawaks Regierungschef Taib direkt von den Staudämmen profitieren. Die Taib Familie besitzt Anteile an Firmen, die von Sarawak Energy Verträge zum Bau von Stromleitungen und Siedlungen für Staudamm-Vertriebene erhielten. Eine von Taibs Firmen besitzt sogar ein Quasi-Monopol auf Zement. Taibs Firmen investieren ausserdem in die Schmelzwerke und bauen neue Strassen im Namen von SCORE. Der eben fertiggestellte Bakun-Staudamm erhielt von Transparency International den Titel „Monument der Korruption“.
Der Widerstand wächst
Die Indigenen von Sarawak haben bereits gelernt, was Staudämme für sie bedeuten: der Verlust ihres Landes, ihrer Kultur und ihrer Identität gefolgt von Perspektivenlosigkeit. Der Bakun-Staudamm überflutete nicht nur knapp 700km2 Regenwald, sondern vertrieb Ende der 1990er Jahre auch 10'000 Indigene. Der Murum-Staudamm verschlang 250km2 Regenwald und zwang 1400 Indigene zur Umsiedlung.
Der jetzt geplante Baram-Staudamm im Norden von Sarawak würde über 400km2 Regenwald überfluten und 20'000 Indigene vertreiben – auch das Kerngebiet der Penan Selungo könnte bald unter Wasser stehen. Doch der Widerstand formiert sich: Die Staudamm-Betroffenen aus den verschiedenen Regionen Sarawaks gründeten Ende 2011 das Save Sarawak Rivers Network (SAVE Rivers). SAVE Rivers und der Bruno Manser Fonds kämpfen seither unermüdlich für die Einhaltung der international anerkannten Rechte der Betroffenen sowie für den Schutz der Regenwälder vor den Grossprojekten. Unterstützt wird die lokale Bevölkerung, internationale Firmen werden in die Verantwortung genommen.
Erste Erfolge
Unsere Kampagne hat bereits zu einigen Erfolgen geführt. Der Minenkonzern Rio Tinto hat sich aus einem Aluminiumwerk zurückgezogen. Rio Tinto war nicht zufrieden mit dem angebotenen Strompreis und dem Umgang der Regierung von Sarawak mit den Staudamm-Betroffenen. Das australische Energieberatungsbüro Hydro Tasmania hat seine personelle Unterstützung für Sarawak Energy stark reduziert.
Die Regierung von Sarawak zeigt sich überfordert mit dem unerwarteten Widerstand in der Baram Region. Hunderte Indigene konnten für Blockaden und Proteste mobilisiert werden. Unermüdlich fordern sie mit ihren Aktionen die Regierung und Sarawak Energy heraus. Dank des erfolgreichen Widerstandes konnten die Planungsarbeiten für den Baram-Staudamm bereits verzögert werden.