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Stromausfall, Blackout, Strommangel: Das sind die Unterschiede und Risiken
Blackout vs. Strommangel: der Unterschied kurz erklärt
Bei einem Blackout kommt es plötzlich zu einem grossflächigen Stromausfall in einer Region, einem ganzen Land bis hin zu Teilen eines Kontinents. Bei einer solchen Störung ist die Stromversorgung aufgrund mehrerer Umstände unterbrochen, aber in der Regel wäre grundsätzlich genug Strom vorhanden, um die Nachfrage zu decken.
Bei einem Strommangel oder einer Strommangellage ist nicht genug Strom vorhanden, um die Nachfrage zu decken. Kann der Strom aufgrund der Mangellage nicht aus dem Ausland zugekauft werden, muss der Stromverbrauch reduziert werden – bis hin zu einer zyklischen Abschaltung des Netzes für mehrere Stunden.
Dass ein Strommangel entstehen könnte, weiss man in der Regel – wie jetzt – weit im Voraus, weil er durch die Kombination vieler unterschiedlicher Einflussfaktoren überhaupt erst möglich wird (siehe Wie entsteht ein Strommangel).
Inhalt
- Warum kommt es zum Blackout?
- Was ist eine Strommangellage?
- Häufige Fragen
Warum kommt es zum Blackout?
In kleinerem Umfang hat wohl jede und jeder von uns bereits einen oder mehrere Stromunterbrüche erlebt. Ein Stromausfall in einem Quartier oder einer Gemeinde kommt hin und wieder vor und ist innert maximal einiger Stunden behoben. (Detailwissen: In der Schweiz liegt die durchschnittliche Stromausfalldauer bei 17 Min. (2021) (SIDI-Index) und bei ewz bei 6,8 Minuten (Mittelwert der letzten 5 Jahre).)
Von einem Blackout spricht man, wenn es sich um einen grossflächigen Stromunterbruch handelt. Wenn also in einer Region, einem Land oder gar auf einem Teil eines Kontinents keine Energie mehr fliesst.
Es gibt verschiedene Ursachen für einen Strom-Blackout: Grundsätzlich kann eine Störung des Gleichgewichts zwischen Stromverbrauch und Stromproduktion einen unvorhergesehenen, grossflächigen Stromausfall auslösen.
Ursache dafür können extreme Wetterereignisse sein wie Schneestürme oder heftige Gewitter, Unfälle durch technisches oder menschliches Versagen, Erdbeben oder Terroranschläge, die zu einem Kraftwerksausfall oder einer Beschädigung von Netzleitungen führen.
Fällt ein Kraftwerk oder eine Hochspannungsleitung aus, kann das plötzliche Ungleichgewicht im schlimmsten Falle zu einer Kettenreaktion im Stromnetz führen. Dann erfolgt ein sogenannter Lastabwurf. Dabei werden automatisch oder manuell Verbraucher «abgeworfen» – also nicht mehr mit Strom versorgt.
In der Regel ist bei einem Blackout genug Strom vorhanden oder könnte produziert werden, aber er gelangt aus den genannten Gründen nicht mehr zu den Konsument*innen.
Wie lange dauert ein Blackout?
Ein Blackout kann je nach Ursache und entstandenen Schäden einen bis mehrere Tage dauern. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) rechnet bei einem Extrem-Szenario beispielsweise mit einem Stromunterbruch von bis zu sieben Tagen. In diesem Sinn existiert aber keine Obergrenze für die Dauer, sondern diese hängt immer von den aktuellen Umständen und davon ab, wie gut und schnell die Schäden repariert werden können, sowie vor allem davon, wie schnell das Stromnetz flächendeckend wieder hochgefahren werden kann.
Wie wahrscheinlich ist ein Blackout in der Schweiz?
Das Risiko eines flächendeckenden Stromausfalls in der Schweiz ist sehr gering. Denn in der Schweiz sind die Sicherheitsvorgaben für Energieanbieter und die Swissgrid, welche für das Übertragungsnetz zuständig ist, sehr hoch. Das BABS schätzt, dass es in der Schweiz etwa alle 30 Jahre zu einem grösseren Stromausfall kommen kann.
Als dicht besiedeltes Land verfügt die Schweiz über eine sehr sichere Stromversorgung mit einem engmaschigen Verteilnetz. «Bei einem Störungsfall kann relativ schnell und einfach eine Umverteilung vorgenommen werden», erklärt Thöme Jeiziner von ewz. Er nennt ein konkretes Beispiel: «Die Stadt Zürich wird von vier Zuleitungen der Swissgrid mit Strom versorgt. Fällt eine aus, wird der Strom über die anderen drei Leitungen zugeführt.»
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Was ist eine Strommangellage?
Bei einer Strommangellage ist nicht genug elektrische Energie im System vorhanden, um die Nachfrage zu decken. Diese Stromknappheit kann über mehrere Tage oder Wochen anhalten.
Das passiert bei einer Strommangellage
Die eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom prüft laufend, ob die Elektrizitätsmärkte die Schweizer Stromversorgung sicherstellen können. Zeichnet sich mittel- bis langfristig ab, dass die Versorgungssicherheit erheblich gefährdet ist, schlägt sie dem Bundesrat Massnahmen vor, um das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch aufrechtzuerhalten.
Für den Fall einer Strommangellage hat der Verband Schweizerischer Elektrizitätswerke (VSE) im Auftrag des Bundes bereits vor über 30 Jahren die Krisenorganisation OSTRAL (Organisation für Stromversorgung in Ausserordentlichen Lagen) gegründet. Sie setzt im Fall einer Strommangellage die Massnahmen um, welche der Bundesrat beschlossen hat.
Darüber hinaus hat sie den Auftrag erhalten, Massnahmen auszuarbeiten für den Fall einer länger anhaltenden Stromverknappung. (Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung hat ein Infoblatt mit FAQ zur Strommangellage zusammengestellt)
Reichen Stromsparmassnahmen und Effizienzempfehlungen nicht aus, ordnet der Bund weitere Massnahmen an. Dabei kann es zu Stromkontingenten und als äusserste Massnahme auch zu geplanten zyklischen Abschaltungen des Netzes kommen. So sollen Netzzusammenbrüche oder ein Blackout verhindert werden. (Zur Energiespar-Kampagne des Bundes)
Systemrelevante Betriebe wie Spitäler, Wasserversorgung, Telekomunternehmen, Entsorgung usw. sind, wenn technisch möglich, von den zyklischen Stromabschaltungen ausgenommen.
Welche Massnahmen wann zum Tragen kommen und wie sich diese auf unseren Alltag auswirken, lesen Sie im Interview mit Susanne Weidmann, der Leiterin der Fachstelle OSTRAL beim VSE.
Wie entsteht der Strommangel?
Der drohende Strommangel im bevorstehenden Winter 2022/23 betrifft die Produktionskapazität mehrerer Länder, denn zwischen der Schweiz und den europäischen Ländern findet ein reger Austausch von Strom statt. Insbesondere im Winter, wenn der Strombedarf höher ist, sind die Schweiz und andere Länder auf Importe angewiesen. Die Schweiz etwa muss dann bis zu 40 Prozent des Stroms importieren. Wenn die verschiedenen Länder zu wenig Strom produzieren – wie zurzeit die Wasserkraftwerke aufgrund des extrem trockenen Sommers 2022 und vor allem die französischen Kernkraftwerke aufgrund von Revisionen – und sich die Länder auch nicht mehr gegenseitig mit Strom aushelfen können (Gasknappheit in Deutschland sowie Folgen des Ukraine-Kriegs), kommt es zur Strommangellage.
Die aktuelle Energiekrise hat vielfältige Ursachen:
- Aufgrund des Ukraine-Kriegs fehlt Erdgas. Es wird zum Heizen, für die Stromproduktion (18% des Stroms in Europa wird mit Gas produziert) und für industrielle Zwecke wie etwa die Stahlproduktion genutzt.
- Frankreich musste in diesem Jahr rund die Hälfte seiner Atomkraftwerke vom Netz nehmen. In normalen Zeiten bezieht die Schweiz, aber auch Deutschland im Winter Strom aus Frankreich.
- Die lange Dürre im Frühling und Sommer hat dazu geführt, dass die Pegelstände in Flüssen und Stauseen tief sind, womit im Winter auch weniger Wasserkraft genutzt werden kann. Dies, nachdem im Winter 2021/22 ausbleibender Schnee und Regen ohnehin schon die Wasserreserven reduziert hatten. Ein regenreicher Herbst könnte die Situation allerdings entschärfen.
- Für die Schweiz kommt erschwerend hinzu, dass kein Stromabkommen mit der EU existiert. Die dazu nötigen Verhandlungen für ein Rahmenabkommen hat der Bundesrat 2021 abgebrochen. In der Folge haben Mitgliedstaaten beim Strombezug Vorrang vor der Schweiz. Deshalb hat ewz langfristige Lieferverträge mit ausländischen Stromproduzenten abgeschlossen.
Wie gross ist das Risiko einer Strommangellage in der Schweiz?
Das BABS hat 2020 die dritte Auflage seiner nationalen Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» abgeschlossen. Darin wird die Strommangellage als grösstes Risiko für die Schweiz eingestuft. Das BABS schätzt, dass eine Strommangellage etwa alle 30 Jahre eintreten kann. Wobei die Wahrscheinlichkeit aus den oben aufgezählten Gründen für den bevorstehenden Winter grösser ist als in anderen Jahren.
Die Auswirkungen und der verursachte wirtschaftliche Schaden sind je nach Dauer der Mangellage und der nötigen Massnahmen immens und grösser noch als bei der Covid-19-Pandemie.
Das BWL informiert laufend über die aktuelle Lage zur Energieversorgung.
Was hilft gegen die Strommangellage?
Ein regenreicher Herbst würde für höhere Pegelstände in den Stauseen sorgen, sodass mehr Wasserkraft genutzt werden kann. Ein milder Winter würde weniger Heizenergie nötig machen. Beides würde der Versorgungssicherheit der Schweiz und Europas entgegenkommen.
Weiter hat der Bundesrat im September 2022 die Verordnung zur Wasserkraftreserve in Kraft gesetzt. Speicherkraftwerks-Betreiber halten gegen ein Entgelt Wasserreserven zurück, die bei einer Stromlücke eingesetzt werden. Zudem hat der Bundesrat beschlossen, dass 45 Wasserkraftwerke die Restwasserabgabe vorübergehend reduzieren dürfen. So steht mehr Wasser für die Stromproduktion zur Verfügung. Die Verordnung gilt für sieben Monate und betrifft Anlagen, die bestimmte ökologische Anforderungen erfüllen.
Der Bund hat im September 2022 die Verordnungen verabschiedet, mit denen die Bauarbeiten des temporären Reservekraftwerks Birr im Kanton Aargau starten können. Vorgesehen ist, dass es im Februar 2023 einsatzbereit ist. Die Turbinen können mit Gas, Öl oder Wasserstoff betrieben werden und erbringen 250 Megawatt Leistung – etwa 2,5-mal so viel wie das Wasserkraftwerk Rheinfelden. Die Laufzeit ist auf vier Jahre beschränkt.
Als weitere Massnahme hat der Bund im November beschlossen, dass er Verträge mit Gemeinden und Firmen für den Einsatz von deren Notstromgruppen abschliessen kann. Diese würden zusätzlich rund 280 Megawatt Leistungen sichern.
Die billigste, umweltfreundlichste, aber auch wirkungsvolle Massnahme ist die Energieeffizienz. Was nichts anderes bedeutet als weniger Energie zu verbrauchen. Die Bevölkerung, aber auch die Wirtschaft soll wo immer möglich Strom sparen und damit den Verbrauch senken – abgesehen davon sparen sie damit auch Geld. Hier finden Sie vielfältige Tipps zum Energiesparen
Tipps zum Stromsparen finden Sie in den folgenden Artikeln:
Häufige Fragen – Faktencheck in Kürze
Im Winter 2022/23 könnte es eng werden mit der Stromversorgung. Das hängt insbesondere mit dem Ukraine-Krieg und dem fehlenden Gas, den AKW-Ausfällen in Frankreich und den Wetterbedingungen mit einem trockenen Frühjahr und Sommer zusammen. Letztere führen zu tieferen Pegelständen in Flüssen und Stauseen und damit zu weniger Wasserkraft. Der Bund gibt etwas Entwarnung, siehe Medienmitteilung.
Ein Blackout wegen der Strommangellage ist sehr unwahrscheinlich. Dafür werden in der Schweiz, aber auch in ganz Europa Vorkehrungen und Massnahmen getroffen, um bei einem Strommangel den Verbrauch zu senken. So bleiben Produktion und Verbrauch im Gleichgewicht. Es kann aber im äussersten Falle dennoch zu geplanten, periodischen Abschaltungen kommen. Auch dies ist eine Massnahme, um unvorhergesehene Stromausfälle zu vermeiden.
Bei einem grossflächigen Stromausfall kann es passieren, dass auch die Wasserversorgung unterbrochen ist, da diese ebenfalls Energie in Form von Strom benötigt, zum Beispiel für Pumpen. Bei einer Strommangellage mit vorübergehenden Netzabschaltungen wird die Wasserversorgung grundsätzlich aufrechterhalten. Entweder bleibt sie als notwendige Infrastruktur am Netz oder der Unterbruch dauert nicht länger als vier Stunden.
Ein Campingkocher mit Gaskartusche, ein Fondue-Rechaud mit Brennsprit oder -paste können aushelfen, wenn kein Strom fliesst. Wer einen Outdoor-Grill hat, kann diesen im Freien verwenden.
Ein Notvorrat, den man regelmässig aufbraucht und wieder ersetzt, sorgt dafür, dass man genug Essen zur Verfügung hat, falls es zu einem länger dauernden, grossflächigen Stromausfall kommt.