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Eduard Gerber war das neunte Kind des Konditormeisters Friedrich Gerber und der Louise geborene Lüthi. Am 20. Januar 1918 kam er in seinem Heimatort Langnau im Emmental zur Welt. Mit zwei Brüdern und sechs Schwestern wuchs er als Jüngster in einem lebhaften Familienkreis auf. Als er sieben war, verstarb sein ältester Bruder Hans an Tuberkulose. Mit zehn verlor er seine Mutter. In der zweiten Gattin seines Vaters Frieda geborene Wüthrich erhielt er zwei Jahre später wieder eine fürsorgliche Mutter und durch diese Ehe drei weitere Brüder.
Er schilderte sein Herkommen, das ihn lebenslang tief prägte, mit den folgenden Worten: „Nicht nur der Familienkreis von sechs Söhnen und sechs Töchtern, sondern auch die ganze übrige Hausgemeinschaft mit einem halben Dutzend Angestellten in Küche, Konditorei und Laden sowie mit an die zwei Dutzend Pensionären war geprägt durch den Hausvater. Er war Ältester und Prediger der emmentalischen Alttäufergemeinde der Mennoniten. In dieser Freikirche genossen alle zwölf Kinder ihren christlichen Unterricht und ebenda erhielten sie nach Erlangung der religiösen Mündigkeit die Willigkeitstaufe. Die grosse Übereinstimmung von Glaubenshaltung und Lebensführung des Vaters prägte uns Kinder und motivierte mich zum Theologiestudium. Durch Vaters Weitherzigkeit trat ich von der Sekundarschule Langnau über ins Städtische Literargymnasium Bern Kirchenfeld. Nach der Matura 1937 begann ich das Theologiestudium in Bern.“ (Ende Zitat)
Im Herbst 1939, während des Aktivdienstes und bereits in der Uniform eines Sanitätssoldaten, absolvierte Eduard Gerber in Bern das erste Examen an der theologischen Fakultät. Als Sanitätsgefreiter und dann als Sanitätskorporal im Aktivdienst, der insgesamt rund 1000 Tage dauerte, studierte er je ein Semester an den theologischen Fakultäten in Zürich und Basel. Im Oktober 1943 erlangte er das Bernische Staatsexamen und wurde als erster Alttäufer in den Dienst am Wort der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Bern aufgenommen. Obwohl grosser Pfarrerüberfluss herrschte, erhielt Eduard Gerber seine erste Stelle als Gemeindevikar in Madretsch bei Biel.
Am 31. Juli 1945 verheiratete er sich mit der Hauswirtschaftslehrerin Annemarie Aeberhard aus Herzogenbuchsee. Nach der Geburt zweier Töchter und eines Sohnes wurden die Eheleute an das volle Pfarramt nach Biel-Mett gewählt, wo ihnen zwei weitere Söhne geschenkt wurden. Von 1960 bis 1969 versahen sie ein Gemeindepfarramt in Münsingen und von 1969 bis zur Pensionierung im Jahr 1983 eines der vier Pfarrämter der Nydegg-Kirchgemeinde Bern. In seinem Lebenslauf schrieb Eduard Gerber: „Das grosse gemeindliche und übergemeindliche Arbeitspensum des Pfarrers war nur zu bewältigen gewesen, weil ich in meiner Gattin nicht nur eine tüchtige Hausfrau und Familienmutter, sondern auch eine in der Kirche tätige Pfarrfrau zur Seite hatte.“ (Ende Zitat)
Neben der Ausübung seines Amtes als Pfarrer entwickelte Eduard Gerber ein unermüdliches Engagement in verschiedenen Gebieten: Bereits als junger Pfarrer in Biel trat er 1948 dem Verein des Blauen Kreuzes bei und präsidierte einige Jahre die Ortsgruppe. Ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis war er während elf Jahren als Gefängnispfarrer in Biel tätig und amtete zudem in der gleichen Zeit von 1949-1960 als gewählter Werkpfarrer in den Kraftwerken Oberhasli.
Seit ihrer Gründung 1946 war er Mitglied der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz. Von 1971 bis 1986 leitete er die Ortsgruppe Bern, von 1981 bis 1986 präsidierte er den Zentralvorstand. Seine Frau Annemarie unterstützte ihn auch in der Freundschaft zum Volk der Juden, zum Staat Israel und in der arabisch-jüdischen Zusammenarbeit, indem sie ein Dutzend Gruppenreisen nach Israel/Palästina mit leiten und betreuen half.
1974 publizierte Eduard Gerber ein Buch über „Sekten und Kirche im Urteil der Bibel“. Zwei Auflagen davon waren sofort vergriffen. Mit dieser Schrift qualifizierte sich der Gemeindepfarrer zum gefragten Experten für Kirchen- und Sektenkunde in Vorträgen, am Radio und im Fernsehen.
Der Ruhestand im Eigenheim mit Garten in Grafenried verlief für den pensionierten Pfarrer sehr arbeitsreich. Er machte Predigtvertretungen, hielt Vorträge und war weiterhin publizistisch tätig in den Themen, die ihn bis zu seinem Tod bewegten. Bestimmend für sein Leben blieb der Gegensatz zwischen dem Glauben seiner täuferischen Herkunftsfamilie und einem historisch-wissenschaftlichen Bibelverständnis. Das Haus in Grafenried wurde zum Ort unbeschwerter Familientreffen für seine fünf Kinder mit ihren Partnern und Partnerinnen sowie für die elf Enkelkinder.
Mit folgenden Worten endet der von ihm 2003 verfasste Lebenslauf. „Nach dem Hinschied meiner Gattin am 21. Juni 2002 fand ich im Haus Sarepta, im Seniorenzentrum des Diakonissenhauses Bern eine Alterswohnung, wo ich einen ruhigen und gesegneten Lebensabend verbringen durfte.“ (Ende Zitat)
Im Haus Sarepta waren unserem Vater, Schwiegervater und Grossvater noch insgesamt sieben Jahre bei hervorragender geistiger und körperlicher Gesundheit vergönnt. Intensiv pflegte er seine Interessen weiter, machte Reisen und wanderte. Bis ganz zuletzt pflegte er auch die Beziehungen zu Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln, unter anderen indem er die in Grafenried begonnene Tradition eines jährlichen Familienfestes weiterführte. Beglückt erlebte er noch, dass zwei Urenkel am letzten gemeinsamen Fest zugegen waren. Hoch geschätzt wurde von ihm auch der Austausch mit der weiteren Verwandtschaft, mit Bekannten und Freunden. Die regelmässigen Treffen mit den „Achtzehnern“, seinen ehemaligen Schulkameradinnen und Schulkameraden aus Langnau, lagen ihm sehr am Herzen. Auch mit den Freunden aus seiner Gymnasialklasse, den so genannten „Knorpeln“ blieb er bis zuletzt verbunden. Herzliche Freundschaftsbeziehungen mit Othmar Affolter, Rosemarie Döbeli und Verena Schori bereicherten seine letzten Jahre. Mit grosser Selbstdisziplin gestaltete er seine Tage auch dann noch, als sich die Altersbeschwerden bemerkbar zu machen begannen. Im November 2010, in seinem 93. Lebensjahr erlitt Eduard Gerber einen Hirnschlag, von dem er sich zwar gut erholte, doch war der Umzug auf die Pflegestation Belvoir unumgänglich. Auch dort blieb er bis zuletzt geistig rege. Er verstarb am 23. Mai 2012.
Wir nehmen in Dankbarkeit Abschied von einem liebevollen, aussergewöhnlich vielseitig begabten und grosszügigen Vater, Schwiegervater, Grossvater und Urgrossvater. Für uns, seine Kinder, war er ein grosser Geschichtenerzähler und geschickter Handwerker. Wenn wir in der Kindheit krank waren, kamen uns seine im Aktivdienst erworbenen pflegerischen Fähigkeiten als Sanitäter zu Gute. Im Einvernehmen mit unserer Mutter scheute Vater keine Ausgaben für unsere Ausbildung und Bildung. Trotz angespanntem Budget liess er Töchtern und Söhnen Musikunterricht erteilen. Selber ein begabter Sänger, Geiger und Bratschist sorgte er dafür, dass wir unsere musikalische Ausbildung auf guten Instrumenten machen konnten. Nie vergass er die Geburtstage seiner Kinder, Schwiegerkinder, Enkelinnen und Enkel. Bis zuletzt versandte er Geburtstagskarten, auch wenn seine Schrift zunehmend von der grossen Anstrengung zeugte, die ihn das kostete. Wir danken Othmar Affolter Rosemarie Döbeli und Verena Schori sowie unseren Verwandten, dass sie Vater bis zuletzt begleitet und seine letzten Tage erleichtert haben.
Verfasst nach seinen eigenen Aufzeichnungen im Jahr 2003 und ergänzt durch seine Kinder