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St. Jakob war bis zur Industrialisierung eine kleine Siedlung weit vor den Toren der Stadt Basel und befand sich dort, wo der südliche Weg nach Augst und Liestal die Birs überquerte. Der Boden sowie das Brücken- und Fischereirecht gehörte der Stadt Basel. Geschützt vor den Hochwassern wurden die ersten Gebäude errichtet: das Brückenzollhaus, die Siechenhäuser und die Kapelle. Das Zollhaus diente auch als Wirtshaus und die Zolleinnahmen kamen den seit 1265 existierenden Siechenhäusern zugute, in denen Personen mit Lepra («Aussatz») gepflegt wurden.
Später kam der städtische Ziegel- und Kalkofen dazu, in dem der beim Schänzli abgebaute Kalkstein und Lehm vom Jakobsberg verarbeitet wurden. Sie bildeten das «Dörflein» St. Jakob. Auf den Böschungen der Niederterrassen zwischen St. Jakob und Brüglingen befanden sich auch Reben, die vom damaligen Zollmeister angelegt worden waren. Grosse Flächen dieser Reben mussten um 1900 dem Bau des Bahnhofs Wolf weichen. Im Weiteren hatte der Zollmeister von altersher auch das Wirteprivileg. Er durfte also Leute beherbergen, Getränke ausschenken und Speisen servieren.
Der verästelte Birslauf wurde meist zu Pferd oder auf einem Wagen überquert. Für Fussgänger wurden Stege errichtet, die jedoch bei jedem Hochwasser wieder weggespült wurden. Am St. Alban-Teich, der 1624 von St. Jakob in die Neuewelt verlängert wurde, kam später die Walke zu stehen, in der mit Hilfe von Wasserkraft filzartige Wollstoffe hergestellt wurden. Bereits vor 1650 wurde zur Wasserversorgung der Bewohner von St. Jakob ein Brunnwerk errichtet. Ein Wasserrad im St. Alban-Teich trieb eine Pumpe an, mit der Quellwasser in einen Turm und von dort weiter zum Brunnen des Dörfleins geleitet wurde. Als der Aussatz verschwand, kam der Weiler St. Jakob um 1677 als gemeinnützige Stiftung ans Waisenhaus. Nach und nach erwarb sich Christoph Merian ab 1830 das ganze Dörflein und nach seinem Tod fiel es zusammen mit der Brüglinger Ebene der Stadt Basel zu.
Durch die Eisenbahn und die Autobahn wurde das Dorf St. Jakob immer stärker von der Stadt abgetrennt. Sukzessive erfuhr das Quartier eine Erweiterung. Zuerst mit dem Gartenbad, dann mit dem St. Jakob-Stadion aus den 1950er-Jahren, das später durch den heutigen St. Jakobspark mit Einkaufszentrum und Altersresidenz ersetzt wurde. Mit den Sporthallen und den erneuerten Trainingsplätzen der Brüglinger Ebene ist der Stadtteil zu einem Ort der Megaevents und des Sports geworden. Heute wirken die Siechenhäuser, die Kapelle und das historische Wirtshaus zwischen den Monumentalbauten der umgebenden Sportstätten und den wachsenden Verkehrsbauten wie ein Relikt aus früheren Zeiten.
DK