Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/1458

Die Wissenschaftler untersuchen dabei die Tumorentwicklung und den Krankheitsverlauf unter anderem mit Hilfe von genetisch veränderten Labormäusen, die wichtige Merkmale von Krebserkrankungen beim Menschen zulassen. Dabei konzentrieren sie sich auf die Autophagie, also die Fähigkeit von Zellen, sich selbst abzubauen. Sie kamen beispielsweise zur Erkenntnis, dass trizyklische Antidepressiva die Autophagie bei Glioblastom-Tumoren anregen. In Kombination mit Blutverdünnern erhöhte sich die Autophagie-Rate deutlich. Es kam zu einem hochinteressanten Effekt: Die Tumorzellen assen sich quasi selber auf. So konnten die Wissenschaftler das Wachstum der Tumore verlangsamen. Die Überlebensdauer der Mäuse wurde um das Dreifache verlängert.
Derzeit konzentriert sich das Labor für Krebsforschung auf Krankheitsbilder wie Melanome, Glioblastome, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Plattenepithelkarzinome, die durch menschliche Papillomaviren hervorgerufen werden. Zu den zentralen Themen gehören mechanistische Studien zu erworbenen Fähigkeiten – Kennzeichen von Krebs – einschliesslich Resistenz gegen den programmierten Zelltod, Tumor-Angiogenese sowie -Invasion und Bildung von Metastasen.
Ein wichtiges Thema ist die Rolle der heterotypischen Tumor-Mikroumgebung und der zusätzlichen Zellen, die sich mit Krebszellen verbinden und bösartige Erkrankungen auslösen. Darüber hinaus untersucht das Labor Mechanismen der adaptiven Resistenz gegen Therapien, um diese Medikamentenresistenz mit kombinatorischen Therapien zu umgehen.
Hanahan fasste im Jahr 2000 mit Robert A. Weinberg unter dem Titel «The Hallmarks of Cancer» die vielen komplexen Eigenschaften von Krebszellen in sechs prinzipiellen, charakteristischen Merkmalen zusammen. Diese in der Fachzeitschrift «Cell» veröffentlichte Arbeit ist eine der meistzitierten Publikationen auf diesem Gebiet. Hanahan und Weinberg bewiesen darin, dass die Krebszellen nach wenigen grundlegenden Prinzipien aufgebaut sind. 2011 erarbeiteten die beiden Autoren eine aktualisierte Fassung «Hallmarks of Cancer. The Next Generation».
Demnach weisen Krebszellen die folgenden Eigenschaften auf: eine eigenständige Versorgung mit Wachstumsfaktoren, eine fehlende Sensitivität gegenüber wachstumsinhibierenden Signalen, die Vermeidung des programmierten Zelltodes, ein unbegrenztes Replikationspotenzial, eine fortwährende Angiogenese (Bildung von Blutgefässen), eine Invasion des normalen Gewebes und Metasthasenbildung, einen veränderten Energie- und Stoffwechsel, das Verhindern der Zerstörung durch das Immunsystem, eine Instabilität des Genoms, Mutationen und tumorwachstumsbegünstigende Entzündungen.
Douglas Hanahan wurde 1951 in Seattle als Sohn eines Biochemikers geboren. Schon in früher Kindheit kam er mit wissenschaftlichen Themen in Berührung. Sein Interesse am Beruf des Vaters hielt sich aber in Grenzen. Dies sollte sich im Verlauf der Jahre nachhaltig ändern. Am Massachusetts Institute of Technology schloss Hanahan im Alter von 25 Jahren das Physik-Studium mit dem Bachelor ab. An der Harvard Universität wurde danach sein Interesse an der Biologie geweckt. Es sollte der Beginn einer grossen Karriere sein. Gleichzeitig zu seinem Harvard-Studium arbeitete er am Cold Spring Harbor Laboratory (CSHL) in New York (1978–88), einer der wenigen Einrichtungen, die damals mit rekombinanter DNA bei Bakterien experimentieren durften. Hier erlangte er 1983 den Doktortitel in Biophysik, verbesserte die Methoden zur Einschleusung rekombinanter DNA in Bakterien erheblich und entwickelte das sogenannte SOB-Medium, ein Nährmedium für Bakterien. Hanahan blieb auch nach dem Abschluss als Forscher am CSHL. 1988 erhielt er eine Professur an der University of California, San Francisco, wo er bis 2010 arbeitete.
Er wurde in die American Academy of Arts & Sciences (2007), die US-amerikanische National Academy of Medicine (2008), National Academy of Science (2009), sowie in die European Molecular Biology Organization aufgenommen. Im Jahr 2011 erhielt Douglas Hanahan die Ehrendoktorwürde an der University of Dundee.