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Warum Schweizerdeutsch lernen?
Planen Sie einen Umzug in die Schweiz oder leben Sie bereits hier? Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich für die Sprache und die Kultur in der neuen Heimat interessieren und sich die Mühe nehmen die dortige Sprache zu lernen? Ich schätze diese Einstellung sehr und unterstütze Sie sehr gerne in Ihrem Lernprozess. Im Falle der Schweiz empfehle ich Ihnen, zuerst Hochdeutsch zu lernen. Bitte schliessen Sie zuerst das Niveau B1 auf Hochdeutsch ab, bevor Sie mit Schweizerdeutsch beginnen! Der Grund dafür ist, dass Schweizerdeutsch ein Dialekt ist und es keine einheitliche schriftliche Sprache gibt. Das heisst, jede Person in der Schweiz schreibt ihren Dialekt lautgetreu und gewissermassen so auf, wie sie es für richtig hält.
Offizielle Sprachen in der Schweiz sind Hochdeutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Das standardisierte Hochdeutsch in der Schweiz wird in der Schule gelehrt und gesprochen. Das Schriftdüütsch, die Hochsprache wird für fast alles Schriftliche benutzt und erfüllt somit die Rolle der offiziellen Sprache. Sie unterscheidet sich nur wenig vom Hochdeutschen aus Deutschland. Dennoch gibt es ein paar wenige Unterschiede. In der Schweiz verwenden wir kein ß (Eszett) wir schreiben stattdessen ss. Teilweise benutzen wir auch andere Wörter als in Deutschland. Diese sind unter dem Begriff Helvetismen bekannt. Folgender Link führt Sie zu einigen dieser Wörter:
Rund zwei Drittel der über acht Millionen Einwohner und Einwohnerinnen in der Schweiz sprechen Schweizerdeutsch als Erstsprache. Französisch spricht rund ein Viertel, dann folgen mit circa acht Prozent die Italienischsprachigen und zuletzt mit nur wenigen tausenden Menschen die Rätoromanischsprachigen. Die Realität zeigt aber, dass über 20 Prozent Ausländer und Ausländerinnen sind. Ein grosser Teil hat eine andere Muttersprache. So haben zum Beispiel viel mehr Menschen Portugiesisch, Albanisch oder Serbokroatisch als Muttersprache als Rätoromanisch.
Innerhalb der deutschsprachigen Schweiz gibt es zwischen acht und zehn verschiedene alemannische Dialekte und Mundarten. Nicht nur die Aussprache variiert von Dialekt zu Dialekt stark, sondern auch Wortschatz und Satzbau können differieren. So ist der Berner Dialekt nicht nur wegen des Akzents, sondern auch wegen der Syntax und der Wortwahl anders als das Züridüütsch. Die Zürcher und Zürcherinnen haben ihre eigene Grammatik und entsprechend auch Lehrmittel entwickelt, um ihre Mundart zu standardisieren. Für sie ist das Züridüütsch sozusagen das Hoch-Schweizerdeutsch. Dass man dies in Basel und in Bern etwas anders sieht, versteht sich von selbst. Laut einer Umfrage ist der Akzent der Bündner und Bündnerinnen der beliebteste aller schweizerdeutschen Dialekte. Und in einem abgelegenen Walliser Tal werden Sie wohl kaum noch ein Wort verstehen, denn Walliserdüütsch wird auch nicht von den restlichen Deutschschweizern und Deutschschweizerinnen verstanden. Dennoch zeichnet sich heute eine Tendenz ab, dass sich die Dialekte aufgrund der flexiblen Arbeitssituationen und der zunehmenden Mobilität der Menschen immer mehr vermischen.
In der Schweiz ist das Dialektsprechen nicht stigmatisiert, wie es in Deutschland der Fall ist, wo dies oft als ungebildet angesehen wird. Im Gegensatz zu den Deutschen pflegen wir unsere Mundarten. Dialekt Sprechen und Kultur gehören zusammen. Auch die Schweizermentalität drückt sich durch unsere Redensweise aus. Wenn Sie eine Partnerin oder einen Partner aus der deutschsprachigen Schweiz haben, werden Sie diese oder diesen besser verstehen lernen, wenn Sie sich mit unseren Schweizerdialekten auseinandersetzen.
Im Allgemeinen sind Schweizer und Schweizerinnen sehr stolz auf ihre Sprache. Schweizerdeutsch ist Teil unserer nationalen, regionalen und persönlichen Identität.
Was sind die Unterschiede zwischen Schweizerdeutsch und Hochdeutsch?
Schweizerdeutsch und Hochdeutsch unterscheiden sich in Aussprache, Wortschatz und Grammatik.
Bevor wir zu den einzelnen Lauten kommen, möchte ich darauf hinweisen, dass wir im Schweizerdeutschen oft Vokale weglassen. Für Nicht-Muttersprachler erschwert das Fehlen der Vokale die Aussprache, selbst für Deutsche ist die Aussprache nicht einfach. Hinzu kommt, dass Schweizer und Schweizerinnen eine auf- und absteigende Satzmelodie führen.
Aussprache von einzelnen Lauten
Ch ist immer guttural, wie in Chuchichaschtli. Das ist ein sehr beliebtes Wort, das wir den Neuankömmlingen gerne vorführen und welches wir sie dann nachsprechen lassen. Die Bedeutung davon ist Küchenkasten. Das K wird zu einem kratzenden Ch.
S ist immer stimmlos, anders als im Hochdeutschen
St wird immer zu scht, auch am Ende eines Wortes, zum Beispiel Frost
T wird nicht aspiriert, Aussprache wie in tu (wie im Französischen oder Spanischen)
P wird nicht aspiriert, Aussprache wie in Pizza (italienische Aussprache)
Kein Diphthong, Schweizerdeutsch spricht beide Vokale einzeln aus wie in Müesli, erst ü dann e.
Ausnahme: Euro und Europa werden gleich wie im Hochdeutschen ausgesprochen.
Wortschatz
Das Schweizerdeutsche hat viele französische Leihwörter. Hier finden Sie einige:
|Schweizerdeutsch||Hochdeutsch|
|s Velo||das Fahrrad|
|merci||danke|
|dè Coiffeur||der Frisör|
|d Saison||die Jahreszeit|
|s Poulet||das Hähnchen|
|s Trottoir||der Gehweg, der Bürgersteig|
|dè Chauffeur||der Fahrer|
|s Dessert, dè Dessert||die Nachspeise|
|s Glace, d Glace||das Speiseeis|
|s Spital||das Krankenhaus|
Derzeit nimmt das Schweizerdeutsche englische Wörter noch schneller auf als die meisten anderen europäischen Sprachen.
Siehe auch Leihwörter aus dem Englischen:
Grammatik
Für manche Leute mag es so aussehen, als gäbe es in den Schweizer Dialekten keine Grammatikregeln, was so nicht stimmt. Allerdings kann man sagen, dass Schweizerdeutsch im Großen und Ganzen reduzierter in Wortschatz und Grammatik ist. Es gibt dennoch viel Gleiches. Der Satzbau ist in den meisten Dialekten wie auf Hochdeutsch. Wenn wir in einem Satz zwei Verben verwenden, zum Beispiel ein Auxiliar und ein Hauptverb, muss das konjugierte Verb an der zweiten Position stehen, während das andere Verb, meist ein Infinitiv oder ein Partizip, am Ende des Hauptsatzes steht. Hier füge ich zwei Beispiele an:
Petra möchte in den Sommerferien nach Italien reisen.
Petra möcht in dè Sommerferiè nach Italiè reise. Die Syntax ist dieselbe wie im Hochdeutschen.
Weitere Sätze am Beispiel der trennbaren Verben: Das Präfix rückt an das Satzende, wenn das Verb in Präsens konjugiert ist.
Ich stehe am Morgen um sieben Uhr auf.
Ich schtaa am Morge am siibni uf.
Hier verwenden wir die gleiche Struktur wie im Hochdeutschen.
Eine Ausnahme bildet das Perfekt der Berner und Bernerinnen. Statt «Ich habe sie kennengelernt». Ech ha se lehre kenne. Kein Partizip II, nicht das konjugierte Verb am Ende und lernen und lehren wird nicht differenziert.
Des Weiteren verwenden wir im Schweizerdeutschen nur zwei Zeitformen, das Präsens und das Perfekt. Während im Hochdeutschen die Zeitformen Präteritum und Perfekt austauschbar sind, verwenden wir im Schweizerdeutschen für die Vergangenheit immer das Perfekt. Es gibt kein Präteritum, kein Futur und auch das Plusquamperfekt existiert im Schweizerdeutschen nicht.
Anstelle der vier Fälle, die im Hochdeutschen verwenden werden, brauchen wir im Schweizerdeutschen zwei bis drei Fälle, angefügt folgendes Beispiel:
Wen hast du gestern gesehen? Hochdeutsch verwendet das Fragepronomen im Akkusativ
Wer hesch geschter gsee? Schweizerdeutsch, das gleiche Fragepronomen gilt für beide Fälle, Akkusativ und Nominativ
Wer ist da?
Wer isch da?
Weitere Beispiele:
Siehst du den Hund? Akkusativpronomen Maskulinum
Gsehsch dè Hund? Pronomen Maskulinum gleich Akkusativ und Nominativ
Der Hund ist gross. Nominativpronomen Maskulinum
Dè Hund isch gross. Pronomen Maskulinum gleich Akkusativ und Nominativ
Den Genitiv verwenden wir übrigens nie, anstelle benutzen wir den Dativ.
Das Genus kann je nach Region variieren. Glace, Eis auf Hochdeutsch, kann feminin oder neutral sein.
Bitte nehmen Sie heute noch Kontakt mit mir auf, dann können wir bald schon mit der ersten Probestunde beginnen!