Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/4033

Hauptinhalt
Die Waldgrenze ist eine der auffälligsten Grenzen zwischen verschiedenen Lebensräumen. Infolge Landnutzungs- und Klimaänderungen verschiebt sie sich jedoch vielerorts. Wir erforschen, was dies für den Schutz vor Naturgefahren und andere Umweltleistungen von Gebirgsräumen bedeutet.
Die Waldgrenzenzone ist der Übergangsbereich zwischen subalpinen Wäldern und alpinen Rasen. Grossräumig betrachtet sind die Baum- und Waldgrenzen in erster Linie Wärmegrenzen. Nur wenn während der Vegetationsperiode mittlere Temperaturen von mindestens 5 bis 7 °C herrschen, können Stoffwechselprozesse ablaufen, die das Baumwachstum erfolgreich steuern. Ist die Vegetationsperiode zu kurz oder zu kalt, investieren die Bäume nicht genügend Energie in die Ausbildung eines Stammes. Kleinräumig betrachtet beeinflussen neben der Temperatur auch Landnutzung und Landnutzungsänderungen, Schneebewegungen, Frostereignisse im Frühsommer, Wind, Schneepilze, Trockenheit oder Konkurrenz durch andere Pflanzen das Überleben und Wachstum der Bäume.
Mithilfe von Langzeitbeobachtungen und ökologischen Experimenten erforschen wir, wie sich die Waldgrenze unter dem Einfluss verschiedener Faktoren verändert und wie sich solche Änderungen auf den Schutz vor Naturgefahren und andere Umweltleistungen auswirken.
Bilder zu Waldgrenze und Klimawandel
Klimawandel im Ural und im Lötschental
Unsere Forschungen zeigen, dass die Baumgrenze in der Schweiz in erster Linie durch menschliche Nutzung bestimmt wird. Im russischen Ural, weitab der Zivilisation, wird der Einfluss des Klimawandels direkt sichtbar. Wir untersuchen gemeinsam mit der ETH Zürich sowie russischen und deutschen Kollegen die Verschiebung der Waldgrenze im südlichen und polaren Ural. Die Waldgrenze ist dort seit Anfang des 20. Jahrhunderts schon um etwa 50 Meter in die Höhe gewandert.
Für die Schweiz sagen Klimaforscher für die nächsten 100 Jahre einen Temperaturanstieg von etwa 3°C vorher. Dies entspricht dem heutigen Temperaturunterschied zwischen der Baumgrenze und dem Talboden und macht das Lötschental zu einem idealen Untersuchungsgebiet für Effekte des Klimawandels. Deshalb beobachten wir seit 2011 das Wachstum zweier ökologisch unterschiedlicher Arten, Fichte und Lärche, entlang der süd- und nordexponierten Talhänge.