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Sie leben unter misslichen Bedingungen, oft in Hütten, unter Plastikdächern, und viele sind illegal im Land. Die Landarbeiterinnen und Landarbeiter in den Gemüseanbaugebieten rund um Murcia, um Alicante in Spanien, aber auch in Kalabrien, in Apulien - sie gehören zu einer rechtlosen, ungeschützten Minderheit. 30 Euro pro Tag kriegen sie, manchmal mehr, manchmal weniger.
Drastische Verschlechterung der Lebensverhältnisse
Die Worte einer unabhängigen Untersuchungskommission, die im Auftrag der Open Society Foundation die Arbeitsverhältnisse der Migranten in der italienischen Landwirtschaft untersucht hat, sind deutlich.
«In den letzten Jahren hat die Zahl der Migrantinnen und Migranten, die im Süden Italiens in der Landwirtschaft arbeiten, stark zugenommen», heisst es in ihrem Bericht, und weiter: «Wir haben eine drastische Verschlechterung der ohnehin schon prekären Lebensverhältnisse festgestellt, verursacht teilweise auch durch die Wirtschaftskrise; dies alles führt dazu, dass die Würde verloren geht, und zwar im doppelten Sinne - die Würde der Arbeit und die Würde der Menschen.»
Der Gewerkschafter Federico Pacheco von der Landarbeitergewerkschaft Sindacato de Obreros de Campo, der die Situation im Süden Spaniens beobachtet, betont, dass die Lage der Produzenten sehr schwierig sei, sie müssten halt einfach Gewinn erwirtschaften.
Coop und Migros wollen Normen
Nun haben Coop und Migros, gemeinsam mit anderen Grossverteilern in Europa, die Initative ergriffen, um mit Sozialnormen, mit Audits, mit Runden Tischen und mit direkten Besuchen bei den Betrieben dafür zu sorgen, dass wenigstens die minimalen Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter gewährt bleiben.
Überstunden sollen bezahlt sein, die Versammlungsfreiheit soll gewährt, Pausen müssen eingehalten werden. Man möchte, sagt der Verantwortliche für die Sozialstandards bei Coop, Raphael Schilling, dass Konsumenten bei Coop Gemüse und Früchte kaufen können, die mit Sicherheit «unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt wurden.»
Gerechte Bezahlung - teures Gemüse
Doch die Normen, die auch Grossverteiler wie Aldi teilweise anwenden, machen vor den Toren der Betriebe halt. Sie schreiben genau das nicht vor, was die Produzenten teuer zu stehen käme: anständige Unterkünfte, Gesundheitsvorsorge, Bildung, Transport zum Arbeitsplatz.
Billige, ungeschützte Arbeitskräfte, die unter unwürdigen Bedingungen leben und arbeiten - wären sie gerecht bezahlt, würde man sie anständig unterbringen, kriegten sie die gesundheitliche Vorsorge, die sie brauchen, dann wäre unser Wintergemüse unerschwinglich.
Das sind dann, wie es der Gewerkschafter Federico Pacheco nennt, die «Realitäten des Marktes».