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Zum ersten Mal wurde die Drosophila suzukii im Juni 1916 in Yamacho in Japan entdeckt. 1931 wurde D. suzukii von Dr. Shounen Matsumura unter dem Namen « Drosophila suzukii Matsumura » beschrieben. Weitere Spuren findet man 1965 in Indien mit der Beschreibung von Parshad und Paika (D. suzukii subsp. Indicus).
HERKUNFT
Die Drosophila suzukii wanderte schrittweise von Süd- nach Nordeuropa und wurde in der Schweiz zum ersten Mal im Juli 2011 nachgewiesen.
Die registrierten Fangzahlen zeigen folgenden Weg der Ausbreitung:
2008: Spanien (Rasquera) und Italien (Toskana)
2009: Spanien (Barcelona), Frankreich (Montpellier und Alpes maritimes) und Italien (Trento)
2010-2011: Frankreich und Italien (Rest des Landes), Schweiz, Slowenien, Kroatien, Österreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Grossbritannien und Ungarn
2013-2014: Dänemark, Schweden
Die Einfuhr des Schädlings nach Europa hängt mit dem Früchtehandel zusammen (Westphal et al. 2008; Gerdeman und Tanagoshi, 2011; Cini et al., 2012; EPPO, 2013). Der Transport des Schädlings mit dem Blumenhandel ist nicht bewiesen.
VERBREITUNG
Bisher ist das Vorkommen der Drosophila suzukii in Asien dokumentiert, wo sie ursprünglich herkommt, sowie auch in Europa, Russland und Nordamerika. Es sieht so aus, als ob sie gleichzeitig in Europa und den USA eingeführt wurde, denn die genetischen Profile der auf den beiden Kontinenten gesammelten Exemplare sind die gleichen (Calabria et al. 2012; Freda und Braverman, 2013). In der Schweiz wurde die Drosophila suzukii zum ersten Mal im Jahr 2011 nachgewiesen.
Die Verbreitung der Drosophila suzukii in der Schweiz wird sehr streng überwacht durch das national koordinierte Kontrollnetz von Agroscope. In allen Kantonen wurden Kirschessigfliegen gefangen. Die Anzahl ist jedoch je nach Region, Kultur und klimatischen Bedingungen unterschiedlich.
BIOLOGIE
Die Drosophila suzukii ist allgemein bekannt unter dem deutschen Namen Kirschessigfliege und gehört zur gleichen Familie wie die heimischen Tau- oder Essigfliegen (Gruppe der Melanogaster, Unterart Sophophora). Der Name Kirschessigfliege kann zu Verwechslungen mit der Kirschfruchtfliege führen (Rhagoletis). Ein Merkblatt beschreibt die Merkmale zur Identifikation der Kirschessigfliege Drosophila suzukii.
D. suzukii überwintert im Adultstadium (Dalton et al., 2011) und kann auch an milden Wintertagen aktiv sein (ab 10 °C). Die Eiablage findet von April bis November statt.
Die Eier werden in reifende Früchte abgelegt. Die Eiablage erfolgt während 10 bis 65 Tagen mit durchschnittlich 300 bis 400 Eiern pro Weibchen (Kanzawa, 1939 ; Tochen et al., 2014). Die Eier schlüpfen nach 1 bis 3 Tagen, die Larven verpuppen sich nach 3 bis 13 Tagen. Der Grossteil der Larven verpuppt sich in der Frucht oder lässt sich auf den Boden fallen. Die Lebensdauer einer ausgewachsenen Kirschessigfliege beträgt 20 bis 56 Tage. Die Populationen erreichen zwischen August und Oktober ihren Höhepunkt und nehmen im Winter ab, sobald es genügend kalt ist (Frost).
GÜNSTIGE BEDINGUNGEN FÜR DIE ENTWICKLUNG DER KIRSCHESSIGFLIEGE
Gewisse Umweltfaktoren erhöhen das Risiko, dass sich der Schädling entwickeln kann:
- Attraktive Kulturen (Beeren, Kirschen, Holunder etc.). Das Vorkommen der Kirschessigfliege in verschiedenen Höhenlagen vergrössert den Aktivitätsradius.
- Blaue bis dunkelrote, reife und saftige Früchte (auch noch rote Brombeeren können befallen werden).
- Hohe Luftfeuchtigkeit (mehr als 70 %)
- Vorhandensein schattiger Rückzugsorte
- Nähe zu Hecken oder Wald (ganzjähriges Vorkommen des Schädlings)
- Vorkommen von Immergrün-Pflanzen als Versteck und Überwinterungsorte .
- Vorhandensein von Unterschlupfmöglichkeiten im Landwirtschafts- und Siedlungsraum (Scheunen, Holzschuppen, etc.) während kalter Winter.
Die Temperatur spielt für die Aktivität der Drosophila suzukii eine wichtige Rolle.
Gemäss bisher zur Verfügung stehender Literatur reagiert Drosophila suzukii empfindlich auf grosse Hitze mit tiefer Luftfeuchtigkeit. Beobachtungen im Jahr 2015 zeigten dass die Population der KEF bis Juli weiterhin anstieg. Danach hat die anhaltend starke Hitze das exponentielle Wachstum der Population stoppen können. Daten aus dem Ausland bestätigen diese Tendenz. Es scheint, dass die Drosophila suzukii in den Morgen- und Abendstunden am aktivsten ist, wenn Temperatur und Feuchtigkeit optimal sind und die Eiablage geschieht. In schattigen Kulturen wie Brombeeren oder Hecken sind die Fangzahlen höher als in gut durchlüfteten Kulturen wie Heidelbeeren, wo das Laub weniger dicht ist.
Die Temperatur scheint einen Einfluss auf die Lebensdauer zu haben.
Ein Weibchen kann zum Beispiel 35 Tage bei 10 °C überleben, aber nur 2 Tage bei 30 °C (Tochen et al. 2014); akklimatisierte adulte Tiere können 88 Tage bei einer konstanten Temperatur von 10 °C überleben und 7 aufeinanderfolgende Frosttage ertragen (Dalton et al., 2014).
Bei günstigen Bedingungen (25 °C und genügend Feuchtigkeit) reichen 10 Tage für eine Generation vom Schlüpfen bis zum Heranwachsen zu einer adulten Kirschessigfliege. Die Weibchen beginnen nach 3 Tagen mit der Eiablage und können im Laufe des Lebens insgesamt 300 bis 400 Eier ablegen. Mehrere, überlappende Generationen leben gleichzeitig, was zu einer extrem hohen Anzahl Fliegen führt. Pro Jahr kann es bis zu 10 Generationen geben.
Internationale Handelstätigkeiten und der weltweite Verkehr sind verantwortlich für die Einfuhr der Kirschessigfliege in die Schweiz. Die Biologie der Kirschessigfliege ist an unsere klimatischen Bedingungen angepasst, was es ihr erlaubt, sich in der Schweiz anzusiedeln und sich zu vermehren.
SCHÄDEN
Im Gegensatz zur heimischen Essig- oder Taufliege hat die D. suzukii eine starke Vorliebe für reife und gesunde Früchte. Sie befällt die Früchte während der Reifung und legt ihre Eier in die Früchte ab (Fachvideo). Die Larven (Maden) schlüpfen nach kurzer Zeit und machen die Früchte ungeniessbar. Die befallene Frucht fällt in sich zusammen, wird faulig und verliert Saft.
Nein. D. suzukii ist nicht Träger eines bekannten Pathogens. Befallene Früchte werden ungeniessbar. Falls befallene Früchte konsumiert werden, stellt dies keinerlei Risiko für die Gesundheit dar.
Die D. suzukii hat eine Vorliebe für Steinobst wie Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen, Beeren (Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren), Trauben und Wildbeeren (vor allem Holunder).
Die Wahl der Wirtspflanze hängt von der Pflanzenart und der Sorte ab. Laborversuche zeigen, dass die Festigkeit der Früchte ein Kriterium sein könnte (Burrack et al., 2013).
D. suzukii kann kommerzielle Anlagen wie auch Kleinparzellen oder Hausgärten befallen. Die Bekämpfungsmethoden hängen von der jeweiligen Kultur ab.
BEKÄMPFUNG
Prophylaktische Massnahmen und gezielte, an die Kultur angepasste Bekämpfungsstrategien müssen idealerweise grossflächig umgesetzt werden, denn die Fliege kann mehrere Kilometer weit fliegen. Das Ziel besteht darin, die Entwicklung der Populationen schon früh im Jahr zu limitieren, um keine günstigen Vermehrungsmöglichkeiten zu schaffen.
Für den gewerblichen Anbau
Es werden regelmässig Empfehlungen für Produzenten abgegeben und jährlich aktualisierte Merkblätter für die betroffenen Kulturen erstellt.
Für Privatpersonen
Nicht gepflegte Bäume (zum Beispiel Hochstamm-Kirschbäume), private Gärten und schlecht gepflegte Kulturen (zu hoch wachsende Verunkrautung) stellen grosse natürliche Reservoirs dar, die grosse Populationen der D. suzukii beherbergen können. Das Merkblatt für Haus- und Kleingärten beschreibt, wie man durch eine angepasste Bewirtschaftung die Kirschessigfliege in Schach halten kann.
Für öffentliche Institutionen
Hecken und Wälder dienen als Reservoirs. Es wird empfohlen, Heckenpflanzen zu wählen, die wenig attraktiv sind für die D. suzukii. Die Liste der empfohlenen Pflanzen wird regelmässig aktualisiert.
Seit der Entdeckung im Jahr 2011 erfolgt eine strenge Überwachung der Kirschessigfliege. Agroscope organisiert und koordiniert systematische Fallenüberwachungen im gesamten betroffenen Gebiet in Zusammenarbeit mit den Kantonen. Die Fangzahlen sind je nach Situation unterschiedlich. Das Monitoring erlaubt eine Früherkennung der Populationen und eine Überwachung der Entwicklung. Die Resultate der Fangkontrollen werden den Produzenten jede Woche zur Verfügung gestellt (auf der Internetseite unter Monitoring). Während der Saison wird in einem Newsletter jeden Monat eine Zusammenfassung der aktuellen Situation in der Schweiz veröffentlicht.
Die Forschung sucht nach Lösungen für die verschiedenen Kulturen und Produktionsbedingungen. Die Forschungsarbeiten betreffen sowohl die Erkennungs- und Kontrollmethoden wie auch die Bekämpfungsmöglichkeiten. Agroscope arbeitet aktiv mit dem BLW und dem BAG wie auch mit internationalen Forschungsinstituten zusammen.
Beispiele für laufende Forschungsarbeiten:
Die Art der Fallen und die verschiedenen Lockstoffe sind Gegenstand von zahlreichen Forschungsarbeiten. Untersucht werden zudem chemische Bekämpfungsmöglichkeiten, der Einsatz von natürlichen Substanzen als Alternative zu chemischen Stoffen, die biologische Bekämpfung durch Nützlinge oder Mikroorganismen, die Wirkung von Massenfallen, Hygienemassnahmen oder Schutznetzen.
Die regelmässige und koordinierte Information aller Akteure ist wichtig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Der Schädling ist in der Schweiz präsent und wirkt sich auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen wie auch Wildgebiete aus. Aus diesem Grund publiziert Agroscope Empfehlungen zu Bekämpfungsmethoden für Fachleute und die breite Öffentlichkeit.
Eine Arbeitsgruppe D. suzukii koordiniert die Aktivitäten auf nationaler Ebene.
Das Einfangen der Kirschessigfliegen ist möglich und im Merkblatt zu den Haus- und Kleingärten beschrieben.
Die Drosophila suzukii kommt seit vielen Jahren in Asien vor. Verschiedene Massnahmen helfen, die Entwicklung zu reduzieren: die Kirschbäume werden mit Netzen abgedeckt und natürliche Parasitoiden helfen, die Population zu reduzieren. Es scheint jedoch, dass sehr grosse Populationen alle 5 bis 6 Jahre zu erheblichen Verlusten in den Kirschenkulturen führen. Die Forschenden des Institut de recherche pour la biologie (CABi) in Delémont arbeiten zusammen mit chinesischen Forschenden an diesem Forschungsthema.
In China werden Insektizidbehandlungen in Beerenkulturen durchgeführt, um die Ausbreitung der Kirschessigfliege zu bekämpfen.