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Street-Art-Künstler JR und die Macht von Papier und Kleister
- Freitag, 20. September 2013, 15:09 Uhr
JR zählt zu den bekanntesten und angesehensten Street-Art-Künstlern der Welt. In seinen Arbeiten hinterfragt er Freiheit und Identität. Und, inwiefern Kunst die Wahrnehmung der Menschen verändern kann. Seine wichtigste Motivation: die Interaktion mit anderen Menschen.
Für seine kreativen Visionen einer besseren Welt erhielt JR 2011 den renommierten TED Prize. Der französische Street-Art-Künstler nutzte das Preisgeld von 100‘000 Dollar, um ein neues weltweites Fotoprojekt zu realisieren, mit dem er das Innerste der Welt nach aussen bringen möchte.
Bis heute nahmen über 153‘000 Menschen mit ihren Porträts an «Inside out» teil. Mit diesem Projekt gelang es JR, als erstem Künstler überhaupt, den gesamten Times Square im Herzen von New York mit Porträts zu bekleben.
Das Trottoir als Galerie
Geboren und aufgewachsen in einem Vorort von Paris, machte JR seine ersten künstlerischen Versuche als Graffiti-Sprayer. Er kletterte mit Freunden auf Häuserdächer und besprayte Häuserfassaden und Metro-Tunnel. Bis er eines Tages eine Kamera fand und anfing, die illegalen Abenteuer zu dokumentieren, auszudrucken und wiederum auf Häuserwände zu kleben.
So entstanden seine ersten «Sidewalk Galleries», Ausstellungen auf der Strasse, die von jedem vorbeilaufenden Passanten gesehen werden konnten. Das sogenannte «Wheatpasting» (dt. kleistern) wurde zu seiner wichtigsten Technik, die bis heute sein künstlerisches Schaffen kennzeichnet.
Porträt einer Generation
Die Tristesse der Banlieues war für JR nichts Ungewöhnliches. Aber ein Besuch in dem Pariser Problembezirk Clichy Montfermeil während der gewalttätigen Unruhen 2004 brachte erst den Stein ins Rollen. Schockiert über die Existenz solch heruntergekommener Viertel in Frankreich begann er, die zornigen Jugendlichen ohne Perspektive mit seiner Kamera zu porträtieren. Er druckte sie überdimensional gross aus, und kleisterte die Plakate nachts illegal an die Häuserwände der noblen Stadtteile von Paris.
Durch diese Aktion mit dem Titel «Portrait of a Generation» gab JR den Ausgegrenzten ein Gesicht, und erkannte von diesem Moment an die Macht von Papier und Kleister. Fortan wurden die Bilder für ihn zur friedlichen Waffe, und JR begann sich selbst als «Photograffeur» zu bezeichnen, eine Mischung aus Fotograf und Graffiti-Künstler.
Immer wieder am Rande der Legalität
Die Kraft eines Künstlers zeigt sich mitunter in seiner Grenzüberschreitung und in der damit verbundenen Frage, wie weit er gehen kann. Nach wie vor bewegen sich die meisten Street-Art-Künstler am Rande der Legalität. Meist nicht, um der Illegalität Willen: Oftmals lassen ihnen die Umstände keine Alternative.
Das Eingehen von Risiken und die Überwindung der eigenen Ängste ist ein wichtiger Teil von JRs Arbeit. Ein schneller und gut durchdachter Ablauf ist Voraussetzung. Rückblickend aber beschreibt JR selbst, dass die Risiken weit weniger gravierend waren als angenommen, und dass stets die Idee des Projekts sowie die positiven Erlebnisse überwogen.
Freiheit und Identität
In seinen Arbeiten stellt JR die Frage nach Freiheit und Identität, und inwiefern Kunst die Wahrnehmung der Menschen verändern kann. Seine wichtigste Motivation ist die Interaktion mit anderen Menschen. Bevorzugt realisiert JR Projekte in Slums und Armenvierteln auf der ganzen Welt: von Brasilien bis nach Sierra Leone, von Kenia bis nach Kambodscha. In 2007 reiste er für ein einzigartiges Projekt nach Israel.
Für «Face 2 Face» beklebte JR die Sperrmauer, die Israel von Palästina trennt, jeweils mit Porträts der gegenüberliegenden Bevölkerung. Palästinenser blickten auf lachende Israelis, Israelis wiederum blickten auf freundliche Palästinenser – die grösste illegale Fotoaktion, die es jemals gegeben hat.
Die Macht der Street Art
Street Art ist wortwörtlich Kunst auf der Strasse, für die Strasse. Mit seinen Arbeiten bringt JR das Herz der Städte, die Menschen die in ihnen leben, auf die Fassaden. In ihren Porträts kann sich jeder wiederfinden, ganz gleich ob arm oder reich, ob bekannt oder unbekannt, ob jung oder alt.
Die Macht der Street Art liegt in ihrer Popularität begründet, längst ist sie zu einer der wichtigsten Kunstformen unserer Zeit geworden. Unabhängig von Kunstinstitutionen und Galerien setzt sich Street Art über Grenzen hinweg, ist experimentell, vielseitig und zuweilen auch provokativ. Oftmals allerdings auch nur von kurzer Lebensdauer. Aber, auch wenn sie von den Wänden wieder entfernt wird, bleibt ihre Wirkung im digitalen Zeitalter nachhaltig, dank Foto- und Videodokumentation. Das zeigen auch die Aktionen von JR.
Sendung zu diesem Artikel
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30.03.2014 23:20
30.03.2014 23:20
JR nennt er sich. Er ist Fotograf und Public-Art-Künstler. Seine Galerie steht unter freiem Himmel. Der 31-Jährige gehört zu den innovativsten Vertretern der internationalen Gegenwartskunst. Anlässlich der grossen Einzelausstellung in Süddeutschland wiederholt «Sternstunde Kunst» sein Filmporträt.
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