Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03550.jsonl.gz/1629

1931–33 verfilmte der junge Pianist Karl Ulrich Schnabel in Berlin das Märchen «Das Kalte Herz» des Dichters Wilhelm Hauff (1802–1827). Darin entführt der junge Köhler Peter Munk die ZuschauerInnen in den geheimnisvollen Schwarzwald des 19. Jahrhunderts. Mit seinem Leben als Köhler unzufrieden, macht sich Munk in den Zauberwald auf. Dort erscheint ihm dank eines Zauberspruchs ein Waldgeist, das «Glasmännlein», das Wünsche zu erfüllen vermag. Munk wünscht sich Reichtum, weiss jedoch nach seiner Rückkehr mit seinem Glück nicht umzugehen und verliert alles. Erneut bricht er auf, dieses Mal zum bösen Riesen «Holländermichel». Im Gegenzug zur Erfüllung seiner Wünsche ersetzt der Riese Munks Herz durch einen Stein, sodass dieser zu einem gefühllosen Menschen wird. Schafft Munk es, sein Herz zurückzugewinnen?
Aufgrund der politischen Ereignisse 1933 konnte der Film nicht fertiggestellt werden und blieb lange Zeit verschollen. Am Projekt, das mit wenigen Mitteln auskommen musste, waren junge MusikerInnen, Theaterschaffende und SchauspielerInnen beteiligt, die am Anfang ihrer Karriere standen und später zu namhaften Persönlichkeiten wurden. So ist in der Hauptrolle einer der erfolgreichsten Regisseure in der Geschichte des Schweizer Films zu sehen: Franz Schnyder, bekannt für sein Regiedebut «Gilberte de Courgenay», seine Gotthelf-Verfilmungen oder «Die 6 Kummer-Buben».
Im Jahr 2009 stiess der Berner Filmemacher Raff Fluri bei der Arbeit an einer Ausstellung über Leben und Werk von Franz Schnyder auf eine VHS-Kassette mit alten Filmaufnahmen, die Schnyder in jungen Jahren zeigten. Die Recherchen ergaben, dass es sich um Fragmente aus einer Verfilmung des Märchens «Das Kalte Herz» handelte. In einem aufwendigen Prozess hat Fluri den Film rekonstruiert. Die Berner Filmförderung, der Verein zur Erhaltung von audiovisuellen Werken Memoriav, die Burgergemeinden Bern und Burgdorf, die UBS Kulturstiftung, die Schnabel Music Foundation LLC sowie das Schweizer Fernsehen SRF unterstützten das Gesamtprojekt. Weitere Kosten konnten dank Crowdfunding gedeckt werden. Raff Fluri ist es zu verdanken, dass das Werk rund 80 Jahre später fertig gestellt und für Kinos zugänglich gemacht werden konnte.
Am Freitag, 28. April führt Raff Fluri in den Film ein und steht nach der Vorstellung für ein Filmgespräch zur Verfügung.
Zum Interview mit Raff Fluri
Zur Website des Projekts