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Zwischen den Zeiten: Tomasi di Lampedusa (23. Dezember 1896 - 23. Juli 1957)
Er schien nichts als ein Relikt aus vergangener Zeit gewesen zu sein: ein sizilianischer Fürst, gelangweilt von Hotel zu Hotel reisend, mit einer nicht ganz standesgemässen baltischen Baronin verheiratet, ungeheuer gebildet, aber ohne Beruf. Bis er 1954 in San Pellegrino zufällig in einen Autorenkongress geriet und beschloss, der kurzatmigen Literatur seiner Zeit eins auszuwischen und die Umbruchszeit, in der er lebte, auf emphatische Weise in der Umbruchszeit des Risorgimento zu spiegeln. Zwei Haltungen sollten dabei fassbar werden: Zwischen den Zeiten stehen und sich weder in der alten noch in der neuen zuhause fühlen - und opportunistisch auf die neue Zeit setzen, weil man erkennt: «Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.» Ersteres trifft für den Fürsten Don Fabrizio zu, der lächelnd zusieht, wie die Sizilianer den Leopard seines Wappens für einen «gattupardu», einen Ozelot, halten, und wissend und stolz mit seiner Zeit untergeht. Letzteres gilt für den Neffen Tancredi, der mit Garibaldi paktiert und aus Karrieregründen mit der bürgerlichen Angelica eine Mesalliance eingeht.
Mondadori wies «Il gattopardo» von Tomasi di Lampedusa 1957 als unbrauchbar zurück, die Absage von Einaudi erreichte den Autor fünf Tage vor seinem Tod am 23. Juli 1957. Erst Giorgio Bassani erkannte den Wert des Romans und publizierte ihn 1958 bei Feltrinelli. Befördert durch Viscontis Verfilmung mit Burt Lancaster und Claudia Cardinale wurde das Buch einer der grössten Erfolge der italienischen Literatur. Auch im deutschsprachigen Raum, wo Charlotte Birnbaums Übersetzung 700 000 mal verkauft wurde. Seit 2004 liegt nun, erstellt von Giò Waeckerlin Iduni, unter dem Titel «Der Gattopardo» bei Piper eine neue, quicklebendige Übertragung vor, die erstmals auch das 2002 entdeckte erotisch freizügige Kapitel mit der Vorgeschichte der Liebe zwischen Tancredi und Angelica enthält.