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|Wer einer Sekte beitritt, sucht einen Ausweg. Er steht in einer Krise und erlebt in der Sekte zumindest vorerst Erleichterung.

- Bei jungen Menschen ist bei einem Sektenbeitritten heute häufig Einsamkeit das Hauptmotiv. Gemeinschaften mit organisierter Zuwendung ("Love Bombing") und durchstrukturiertem (Wochen-)Programm erreichen junge Menschen, deren soziales Netz gelockert und deren soziale Kompetenz zur Gewinnung neuer Freunde beschränkt ist.
- Einsamkeit spielt zunehmend auch bei Sektenbeitritten von Seniorinnen und Senioren eine Rolle. Gemeinschaften, die Menschen zu Hause anwerben und schulen, sind bei dieser Altersgruppe heute recht erfolgreich. Daneben sprechen Seniorinnen und Senioren naturgemäss gehäuft auf Gemeinschaften an, die körperliche Heilung versprechen.
- Manche Gemeinschaften sind auf Menschen spezialisiert, die nicht den Erfolg erleben, den sie sich eigentlich wünschen. Diese Gemeinschaften versprechen schnelles Vorankommen auf der Karriereleiter dank Anwendung der eigenen Methoden. Hier finden insbesondere Menschen in schwierigen beruflichen Verhältnissen dazu.
- Andere Gruppen bauen auf grundsätzliche Kritik an der Gesellschaft, indem sie z.B. Verschwörungstheorien vertreten. Sie sprechen ein Publikum an, das durch gesellschaftliche Entwicklungen irritiert ist und meint, von den sozialen Prozessen der Gegenwart überrollt zu werden.
- Gemeinschaften mit asketischer Tendenz oder partnervermittelnde Gruppen sprechen den jungen Menschen mit Liebeskummer an.
- Organisationen, die sich in Verbindung mit höheren Sphären erleben und einen Aufstieg des einzelnen Menschen in diese geistigen Bereiche lehren, finden Anklang insbesondere bei Personen in den mittleren Lebensjahren, die sich in einer beruflichen und privaten Sackgasse-Situation erleben. Diese Konstellation ist zur Zeit derart häufig, dass sich bei Beratungsstellen auf einen Sektenbeitritt eines jungen Menschen mindestens fünf Beitritte von Menschen in den mittleren Lebensjahren zu Gemeinschaften der geschilderten Struktur ergeben.
- Weniger häufig sind - im Gegensatz zu den Siebziger- und Achtzigerjahren - Sektenbeitritte aus einer weltanschaulichen Suche heraus.