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Gut eingebuchtet
12.04.2012
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Martinique
Gut eingebuchtet ist manchmal von Vorteil. „Gut eingebuchtet“ ist ausnahmsweise mal kein nautischer Ausdruck und bedeutet nicht: in einer schönen Bucht vor Anker liegen; frau muss also nicht googeln. Eingebuchtet bedeutet hier so viel wie „eingekerkert“ oder „im Gefängnis“. Warum dies manchmal von Vorteil ist, zeigt die folgende Geschichte:
Noch mal zurück nach St. Pierre (wir lieben diesen Namen), einem kleinen Dorf am Fuss des Vulkans Mont Pelée. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt St. Pierre als das Paris der Karibik. 30’000 Menschen lebten hier. St. Pierre war das kulturelle und kommerzielle Zentrum von Martinique. Dann, im Frühling 1902, gab der Vulkan mehrere Warnungen: eine erste Eruption bedeckte die Stadt mit Asche. Wenige Tage später fegte eine Lawine kochender Vulkanerde eine Farm mit all den dort arbeitenden Menschen hinweg. Wiederum drei Tage später begrub der Vulkan eine weitere Plantage mit mehreren Arbeitern.
Das Ende aber kam an Auffahrt – wie sinnig! – der Mont Pelée explodierte und spie einen Feuerball aus einer Mischung von 1000° C heissem Gas und Asche aus. (Vulkanologen nennen es einen pyroklastischen Strom.) Der Strom raste mit einer Geschwindigkeit von geschätzten 600 km/h auf St. Pierre zu. 30’000 Menschen verbrannten innert Sekunden, nur wenige überlebten. Einer von ihnen, Louis-Auguste Cyparis, eingekerkert in einer steinernen Zelle. So ist das Leben.
Warum sind die Menschen trotz der eindeutigen Warnungen des Vulkans in St. Pierre geblieben? Eine Evakuation der Leute hätte die Regierung vor grosse Probleme gestellt. Der Gouverneur der Insel, Louis Mouttet, ein adretter Parvenu mit gepflegtem Schnauzbart (wie ihn eine Foto im Museum zeigt), war erst ein Jahr im Amt und wurde durch die Plantagenbesitzer und Geschäftsleute ermutigt, nichts zu unternehmen. Sie befürchteten bei einer allfälligen Evakuation finanzielle Verluste und negative Folgen für die kommenden Wahlen.
Der Gouverneur gründete eine Arbeitsgruppe, die das Risiko abwägen sollte ...
Kommt uns dies nicht irgendwie bekannt vor? Oder: Was lernen wir aus der Geschichte?
Damals wie heute scheinen sich Dilettanten an der Spitze der Gesellschaft zu sammeln, dort, wo Entscheidungen getroffen werden und der Schtutz das wichtigste Kriterium ist. Die Methode der Wahl war und ist, zuerst mal Arbeitsgruppen einzusetzen, um die eigene Unfähigkeit zu verdecken und auf Zeit zu spielen, bis die nächsten Wahlen oder die nächste Präsentation der Bilanz überstanden sind. (vgl. Story in der Baz von Dienstag, 27.3.12, Studie über die Evakuierung einer Stadt im Falle einer AKW-Katastrophe)
Manchmal sollte man sie einfach einbuchten.
PS: Die schnellste richtige Lösung des letzten Rätsels kam von Nicolas:
Marie Josephe Rose de Tascher de la Pagerie.
Bravo!
Und hier das neue Rätsel: Wie lautet der Familienname der hellgrünen Pflanze im Bild “Old and Beautiful”?
To Be Locked Up Might Be a Blessing
Back to St. Pierre (we do love the name), a town that lies at the foot of the Mont Pelée volcano. At the beginning of the 20th century St. Pierre was called the Paris of the Caribbean. It had a population of 30 000 people and was the cultural and commercial centre of Martinique. In spring 1902 the volcano gave several warnings: a first eruption covered the town in ash, a few days later an estate south of St. Pierre including all the people working there was swept away by an avalanche of boiling volcanic mud. Three days later the volcano buried an other estate, the family and many workers.
The end came at eight on Ascension Day (how witty). Mont Pelée burst open releasing a fireball of a superheated, 1000° C hot, mixture of gas and ashes (volcanologists call it a pyroclastic flow). The flow came towards St. Pierre at a speed of 600 km/h. 30 000 people burned to death within a few seconds, leaving only a few survivors, one of them, Louis-Auguste Cyparis imprisoned in a dark stone cell. That’s live.
So, why did people stay? Evacuation would have posed huge problems and the governor Louis Mouttet, a young preppy parvenu with moustache soigné (as seen on a foto at the museum), on the island less than a year, was encouraged to sit tight by the planters and business people who were afraid of financial losses and of undesirable effects on the coming elections if the city would have been evacuated. The governor formed a committee to assess the risk ...
Don’t you readers feel that you have heard this kind of stories before? Or: what do we learn from history?
Then as well as today dilettantes seem to accumulate on top of each society, right there where decisions are taken and where profit is the reason No 1 for any decision.
It’s always a good idea to start a committee to hide one’s inability till the elections or the semi-annual financial statement are over.
Sometimes they just should be locked up.
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