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La chinoise
Regie: Jean-Luc Godard
Darst.: Jean-Pierre Léaud, Annie Wiazemsky, Juliet Berto, Michel Séméniako, Lex de Bruijn, Omar Diop, Francis Jeanson, Blandine Jeanson, Eliane Giovagnoli u.a.
Sommer 1967 in Paris. Die Bürgerstochter Véronique studiert Philosophie, und ihre Eltern haben ihr die Wohnung für den Sommer überlassen. Mit «vagen Ideen, aber mit klaren Bildern» plant sie zusammen mit Yvonne, die auf dem Land aufgewachsen ist, dem Theaterschauspieler Guillaume, dem Chemiker Henri und dem Maler Kirilov von dieser Wohnung aus eine Revolution der Massen. Die fünf diskutieren über die Kulturen der Klassen, die Situation in Vietnam, über eigene Wünsche und rezitieren theoretische Texte. «Wir müssen verschwommenen Gedanken klare Bilder entgegenstellen», ist zu Beginn von «La chinoise» auf einer Wand zu lesen; diesem Prinzip ist die experimentelle Form des Films untergeordnet. Neun Monate vor den Studentenrevolten spürte Jean-Luc Godard den politischen Haltungen und der Energie der jungen Menschen nach und rückte dafür vom konventionellen Erzählkino ab. Sein Bezugspunkt war das Konzept Bertolt Brechts, der im Theater ein Instrument für einen revolutionären Wandel des Bewusstseins des Betrachters sah. Dementsprechend verwendete Godard Brecht’sche Verfremdungseffekte wie die Zerstückelung der Handlung, die Sichtbarkeit der Arbeit des Filmteams, Improvisation und das offene Zeigen schauspielerischen Agierens. Trotzdem wurde sein experimentelles Revolutionstheater seinerzeit missverstanden. «Es ist mir unverständlich, weshalb man damals behauptete, Godard habe Partei ergriffen für die maoistische Jugendbewegung Frankreichs (wenn Sich-Befassen nicht schon Parteiergreifen heisst)», schreibt Martin Schaub in der Monografie des Hanser-Verlags über den Regisseur. «Deutlich nennt er zum Schluss den Film das ‹Ende des Beginns›. (…) Ein Jahr nach den Dreharbeiten von ‹La chinoise› hatten viele erst gemerkt, dass Godard der feinste Seismograph des französischen Kulturlebens gewesen war, als die Sprüche, die die Kunstfiguren von ‹La chinoise› auf die Mauern gespritzt hatten, in altehrwürdigen Kulturinstitutionen rezitiert wurden.»