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Abhange liegt und gedrängt gebaut ist, zwangen die Baumeister, mit beschränktem Raume zu rechnen. Die daraus sich ergebenden Schwierigkeiten wurden meist glücklich gelöst und die Anlage der Treppen und Vorhäuser ist mustergiltig zu nennen.
Als Baumeister sind vornehmlich Galeazzo Alessi (1512-1572) und Giovanni Battista Castello (+ 1569) hier thätig. Von Ersterem stammt wahrscheinlich der Grundriß der Kirche S. Maria di Carignano, eine Anlehnung an Michelangelos Plan-Entwurf zur Peterskirche. In seinen weltlichen Palastbauten bekundet Alessi eine ungemein fruchtbare Einbildungskraft und schöpferische Erfindungsgabe hinsichtlich immer neuer Einzelheiten. Ebenso sind auch seine Gartenanlagen von hoher Schönheit. In gewissem Sinne leitet er für Oberitalien bereits den Uebergang zum Barock ein.
Mailand, Tibaldi. Die bedeutsamen Leistungen Alessis verschafften ihm und seiner Schule einen weitreichenden Einfluß auf ganz Oberitalien, wo man an seiner vornehm heiteren Auffassung Gefallen fand. Gegen diese Vorherrschaft nahm in Mailand der Bologneser Pellegrino Tibaldi (1527-98) den Kampf auf, welcher die strengere Richtung Vignolas vertrat. Er huldigt einer größeren Einfachheit in der Anlage wie in den Formen, die er mit Sicherheit und einem gewissen Schwung behandelt. Seiner Schule gehört eine Anzahl begabter Baumeister an, so auch Lantana, der Erbauer des schönen Domes zu Brescia. Bemerkenswert ist, daß dieser Tibaldische Kreis wieder den Centralbau aufnahm und in dieser Art Bedeutsames leistete; auch der vorerwähnte Dom in Brescia ist ein solcher Centralbau, ferner finden sich in Mailand, Genua und Neapel derartige Kirchen.
Bologna, Serlio. In Bologna hatte sich um die Mitte des 16. Jahrhunderts eine eigene örtliche Kunstweise entwickelt, welche einerseits manche Mängel in der Formgebung, andrerseits aber wieder eigene reizvolle Gestaltungen aufweist. Der Bologneser Gruppe, welche ihre besondere Art der Auffassung der Antike hatte, gehört Sebastiano Serlio (1475-1552) an, der weniger durch seine Bauten als durch sein Lehrbuch großen Einfluß übte.
Florenz. In Florenz war nach der reichen Bauthätigkeit in der Frührenaissance allmählich eine Ermattung eingetreten. Der einzige namhafte Baukünstler Baccio d'Agnolo Baglioni (1462-1543) zeigt sich von den römischen Strömungen wenig beeinflußt und beschränkte sich im Wesentlichen auf die Fortführung des guten florentinischen Palastbaues in der Art des Palazzo Guadagni. Von Baumeistern der späteren Zeit sind zu nennen der vielseitige, als Kunstschriftsteller berühmte Giorgio Vasari (1511-1574) als Erbauer der Uffizien, und Bartolomeo Ammanati (1511-1592), der in den Palastbau eine Umwandlung brachte, indem er ihn der einfachen Hausform näherte. Diese Beiden folgten auf das Getreueste den Bahnen Michelangelos, während alle Anderen mehr oder minder in einem Gegensatze zu letzterem standen.
Die Venezianer. In Oberitalien suchte der Bramante-Schüler Michele Sanmichele (1484-1559) eigene Gedanken mit den römischen Formen zu verknüpfen. Seine Hauptthätigkeit in Verona und Venedig bestand in Festungsbauten, bei denen er die Rustika als Ausdrucksmittel des Wehrhaften anwandte. Dabei ging er so weit, daß er an Thorbauten und Türmen auch die Wandpfeiler,
^[Abb.: Fig. 449. Pollajuolo: Herkules und Antäus.
Florenz. Nationalmuseum.] ¶
Pfeiler und Säulen mit Bossenwerk umkleidete. Die Vorliebe für derartige Anwendung der Rustika behielt er auch an den Palastbauten bei, deren schönster der Palazzo Bevilacqua (Fig. 428) in Verona ist. In Venedig baute er den Palazzo Grimani am Canal grande mit großartigen Verhältnissen. Der eigentliche Baumeister Venedigs war für die Hochrenaissance Jacopo Tatti, genannt Sansovino (1479-1570). Bei der Eigenart des venezianischen Kunstgeschmackes ist es erklärlich, daß der schmuckhaften Richtung des römischen Stiles der Vorzug gegeben wurde. Die Venezianer wollten vor allem Prachtbauten, und Sansovino verstand es, seine Kunst dem Willen der Auftraggeber anzupassen. Oft mußte darunter der künstlerische Wert seiner Werke leiden, so daß man neben Vollendetem auch sehr viel Minderwertiges findet. Sein Hauptwerk, die Bibliothek von S. Marco (Fig. 429) an der Piazzetta, entschädigt aber für alles Geringere vollkommen.
Die Bibliothek ist ein langgestreckter, zweistöckiger Hallenbau mit Bogen und Säulenstellungen. Den Aufbau entnahm Sansovino von einem alten römischen Bauwerk, dem Marcellustheater, gab ihm aber durch reichen und doch maßvollen bildnerischen Schmuck größere Lebendigkeit. Für die neuzeitliche Baukunst ist dieser Hallenbau nebst einem ähnlichen des Palladio in Vicenza für viele sogenannte «Gallerien» das Vorbild geworden. Ein sehr reizvoller Zierbau ist die Loggetta mit reichem bildnerischen Schmuck (Fig. 430). Vor dem Bau der Bibliothek entstand der Palazzo Corner della Ca grande, mit Anklängen an den römischen Palastbau; das Untergeschoß mit Rustika, die beiden oberen Stockwerke mit Säulengruppen zwischen den rundbogigen Fenstern. Von Kirchenbauten Sansovinos ist S. Giorgio de' Greci als der beste zu nennen, das Aeußere zeigt deutlich die Anpassung Sansovinos an den üblichen venezianischen Kirchenstil, der durch die Lombardi ausgebildet worden war. Der Aufbau der Vorderseite zeigt zwei Geschosse mit einem giebelartigen Aufsatz.
Sansovinos Kunstweise wurde nun für die meisten jetzt entstehenden Bauten Venedigs maßgebend. Einzelheiten von der Markusbibliothek und vom Palazzo Corner wurden an vielen Palästen und öffentlichen Bauten nachgeahmt, so daß die venezianische Baukunst lange Zeit durch ihn ihr Gepräge erhielt.
^[Abb.: Fig. 450. Pollajuolo: Grabmal Innocenz VIII.
Rom. St. Peter.] ¶