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Jedes Jahr versterben in der Schweiz mehr als 8000 Menschen am sogenannten «plötzlichen Herztod». Das bedeutet, dass jede Stunde in der Schweiz das Herz eines Mitmenschen völlig unerwartet stehenbleibt. Es betrifft viele: Jeder kennt in seiner eigenen Familie oder in seinem Umfeld einen Betroffenen. Der plötzliche Herztod kennt keine Unterschiede in Bezug auf Reichtum, Hautfarbe oder Sprache. Gemeinsam ist, dass die Patienten zu jung zum Sterben sind.
Wenn einem Mitmenschen unerwartet das Herz stehenbleibt, hängt das Leben an einem seidenen Faden: Hat es jemand mitbekommen? Weiss der Beobachter, wie zu reagieren ist? Ist im Stress die Notrufnummer (144) bekannt? Kennt ein Augenzeuge die Basismassnahmen der Reanimation? Steht ein automatischer externer Defibrillator (AED) zur Verfügung? Wie lange braucht es, bis die Ambulanz eintrifft? Kann der Patient vor Ort erfolgreich wiederbelebt werden? Wenn nein – wie geht es weiter? Transport ins Spital – welches Spital? Und was passiert im Spital?
Folgeschäden minimieren
Nach primär erfolgreicher Reanimation am Notfallort versterben mehr als die Hälfte aller Patienten in den Stunden und Tagen nach dem Herzstillstand am zugrundeliegenden Ereignis (zumeist strukturelle Herzerkrankungen wie zum Beispiel ein Herzinfarkt) oder an den Folgen des Sauerstoffmangels des Gehirns, welches zum Zeitpunkt des Herzstillstands nicht durchblutet wird. Aber im Besonderen die Hirnschäden sind nicht auf den Zeitpunkt des Herzstillstands beschränkt, es können Folgeschäden auftreten, welche durch besondere Überwachung und eine multidisziplinäre Behandlung auf der Intensivstation minimiert werden.
Zusammen mit den Teams der Notfallstation, der Kardiologie und der Anästhesie sowie bei Bedarf anderen Fachdisziplinen werden die zumeist komatösen Patienten vom Rettungsdienst übernommen. Es wird versucht, die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln und den Patienten zu stabilisieren. Auf der Intensivstation wird die Körpertemperatur auf einen Zielwert eingestellt (targeted temperature management, TTM), dafür benötigen fast alle Patienten Medikamente für ein künstliches Koma. Nach 24 bis 36 Stunden stellt sich dann die bange Frage: Erwacht der Patient aus dem künstlichen Koma? Wenn nein, folgt die nächste belastende Frage: Wird der Patient jemals wieder aus dem Koma erwachen? Die Prognosestellung erfordert erneut ein multidisziplinäres Team: Die klinische Untersuchung durch das Team der Intensivstation, das Team der Neurologie für die Hirnstromkurven, das Team der Neuroradiologie zur Beurteilung des MRI (Magnetresonanztomographie) des Gehirns und das Team des Labors zur Bestimmung von Biomarkern. Im weiteren Verlauf braucht es aber noch mehr Teams: Rehabilitation (kardial/neurologisch) und Diagnostik (Kardiologie, Innere Medizin, Trauma, Radiologie, Herz-und Gefässchirurgie, Humangenetik). Zudem benötigen die betroffenen Familien Unterstützung durchs Care Team und den Sozialdienst.
Zusammenarbeit mit Partner und Schnittstellen definiert
Ein Patient mit einem Herzstillstand beansprucht somit eine komplexe Behandlung, welche gut koordiniert und orchestriert werden muss, um die kleine Chance einer Genesung zu wahren. Die europäische Gesellschaft für Intensivmedizin hat zusammen mit der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie und weiteren Fachgesellschaften das Konzept des «Cardiac Arrest Center» skizziert, um die Behandlung dieser komplexen Patienten auf höchstem Niveau zu fördern. Am 2. Februar 2021 erhielt das Inselspital vom Deutschen Rat für Wiederbelebung (German Resuscitation Council) als erstes Spital in der Schweiz das Zertifikat «Cardiac Arrest Center».
Mit diesem Zertifikat wurde der bisherige erfolgreiche gemeinsame Weg honoriert. Das Inselspital hat gezeigt, dass es die Zusammenarbeit mit seinen Partnern und Schnittstellen definiert hat und dass es seine Struktur- und Behandlungsqualität dokumentiert, um in Quervergleichen mit anderen Kliniken Abweichungen zu erkennen und bei Bedarf angehen zu können.
Als Universitätsspital forscht das Inselspital auch erfolgreich im Bereich der Wiederbelebung. Die Intensivstation ist Mitglied in mehreren nationalen und internationalen Forschungskonsortien und forscht im Speziellen an neuen Methoden der Reanimation, der Intensivbehandlung und der Prognosestellung.
Medienauskünfte
Dr. med. Manuela Iten, Oberärztin der Intensivstation, und Prof. Dr. med. Matthias Hänggi, Leitender Arzt der Intensivstation
Kontakt via Medienstelle Insel Gruppe, <email-pii>, +41 31 632 79 25