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«Hopp, i be da Helmuth», sagt Bell in breitestem Widnauerdialekt. Wir treffen den 73-Jährigen im Restaurant Rosengarten in Widnau. Zusammen mit seiner Frau Verena sitzt er an einem massiven Holztisch. Er trägt ein blaues T-Shirt mit einem Aufdruck des Ballenberg-Museums, lange Blue Jeans, seine nackten Füsse stecken in Badelatschen. Bell wirkt, als ob er modisch die USA und akustisch das Rheintal repräsentiert. Nur seine Aussprache des Buchstabens «W» verrät, dass er eigentlich schon lange nicht mehr in der Schweiz wohnt. Ansonsten scheint es, als sässe man einem «reachta Rheantaler» gegenüber.
Annonce aus der Zeitung schickt ihn ins Abenteuer
«Vor fast 40 Jahren sah meine Frau in der Berner Zeitung ‹Der Bund› ein Inserat. Dort suchte eine Schweizer Untertitelungs-Firma jemanden, der in Los Angeles eine Filiale eröffnete.» Bell bewarb sich und bekam den Job. Dann sei alles ganz schnell gegangen: «Innerhalb dreier Monate hatten wir alles gepackt und waren zum Abflug bereit.»
Nach einigen Jahren in Los Angeles kaufte sich Bell die Firma, die ihn Jahre zuvor eingestellt hatte. Er begann, Hollywoodfilme zu untertiteln und nannte sich fortan ami-konform «John». Was folgte, war harte Arbeit, aber auch viel Erfolg. «John» Helmuth Bell arbeitete mit den ganz grossen Stars zusammen: Clint Eastwood und Steven Spielberg waren nur zwei davon.Das Interview mit den Bells
Mal kurz das Pentagon anrufen
Immer wieder schweift der Widnauer ab, verliert sich in Anekdoten, lustigen Geschichten aus seiner frühen Zeit in den USA. «Mein erster Film, den ich untertitelt habe, war ‹Das Boot›, ein deutscher Film aus dem Jahr 1981. Nur hatten die Deutschen in diesem Film militärische Grade der Marine, die ich trotz meines Armeedienstes in der Schweiz nicht deuten, geschweige denn ins Englische übersetzen konnte. Also habe ich kurzerhand das Pentagon angerufen», sagt Bell und lacht laut. Nachdem er seine schwierige Situation dargelegt hatte, stellte ihm das amerikanische Verteidigungsministerium tatsächlich einen Beamten zur Verfügung, der ihm zur Hand ging.
Mittlerweile hat sich Bell mehrheitlich aus dem Untertitel-Business zurückgezogen. Sein Sohn zieht nun die Strippen.
«Am Rheintal nervt nur, dass hier nicht alle Widnauer sind»
Seine zahlreichen Besuche in der Schweiz sind immer eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. «Hier ist Heimat. Hier rufen die Menschen auf der Strasse: ‹Hopp Helmuth! Bescht o do!› Das einzige, was mich am Rheintal nervt, ist, dass hier nicht alle Widnauer sind», scherzt der dreifache Vater. Und doch gibt es Dinge, die ihm in der Schweiz ab und zu auf den Zeiger gehen. So seien die Engstirnigkeit und die fehlende Fröhlichkeit in der Schweiz deutlich weiter verbreitet als in seiner Wahlheimat USA. «Hier machen viele Leute immer einen ‹Greand›» (haben schlechte Laune, Anm. d. Red.). In Amerika sei zwar vieles oberflächlich und falsch, aber: «Mir ist ein gekünstelt lächelnder Amerikaner deutlich lieber, als Schweizer, die ständig einen sauren Stein machen.»
Auch die USA können nerven
In Kalifornien gibt es aber auch gewisse Dinge, mit denen Bell nach all den Jahren noch hadert. «Der Verkehr ist grauenhaft. Wir müssen oft mindestens zwei Stunden vor einer Verabredung parat sein, damit wir es rechtzeitig schaffen.» Darunter leide das Zusammengehörigkeitsgefühl: «Mir fehlt manchmal der Stammtisch. Nicht wegen des Trinkens, sondern wegen der Geselligkeit. Weil man irgendwo hin geht und weiss, dass da Freunde sind.»
Das gebe es in L.A. definitiv nicht. Die Rheintaler Gastfreundschaft bemerkt man auch daran, dass die Bells nicht etwa in einem Widnauer Hotel abgestiegen sind, sondern während ihrer Besuche stets in der Stammbeiz, dem Rosengarten, wohnen. Wirtin Erika Schwinger besucht ihrerseits regelmässig Kalifornien. Und, fügt Helmuth Bell augenzwinkernd an: «Wenn man Hunger hat, ist es noch günstig, direkt über einem Restaurant zu wohnen.»
Vielleicht kommt bald die Rückkehr in die Schweiz
Ans Zurückkommen denkt Bell vorerst nicht. Allerdings verkaufen er und seine Frau bald das gemeinsame Heim in den Hollywood Hills. «Es ist einfach zu gross für uns», sagt Verena. «Wir suchen uns jetzt etwas Kleineres.»
Und falls Helmuth und Verena Bell sich bald ganz dem Kleinen verschrieben haben, ziehen sie vielleicht wieder in die Schweiz. Allenfalls sogar nach Widnau. Dann hört Bell jeden Tag den vertrauten Satz: «Hopp Helmuth! Bescht wieder do?»