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© Marcel Burkhardt
Aus naturschutzbiologischer Sicht ist es wünschenswert, jene Habitate und Lokalpopulationen zu bestimmen, die sich durch hohe Nachwuchs- und Überlebensraten der Individuen einer Zielart auszeichnen. Das Projekt untersuchte, unter welchen Bedingungen in bisherigen Studien Source- bzw. Sinkpopulationen festgestellt wurden.
Source-Habitate (bzw. Populationen) sind aus Sicht der Naturschutzplanung von Bedeutung, da sie prioritäre Gebiete für den Artenschutz darstellen und entsprechend gefördert werden sollten. Um Source- von Sinkhabitaten zu unterscheiden werden oft die Nachwuchs- und Überlebensraten herangezogen. Damit wird für ein Habitat die lokale Populationswachstumsrate berechnet; liegt diese über 1, spricht man von Sourcehabitat, anderenfalls von Sinkhabitat. Obwohl diese Methode relativ einfach anzuwenden ist, führt sie aber wohl meist zu einer ungenügenden Abschätzung der tatsächlichen Source-Sink-Situation, da der Austausch mit anderen Populationen nicht berücksichtigt wird. So kann beispielsweise eine lokale Population aufgrund der Populationswachstumsrate als Sink bezeichnet werden, obwohl sie Individuen für andere Lokalpopulationen liefert (Emigration) und dadurch für ein Netzwerk von Lokalpopulationen durchaus als Source fungieren könnte.
In diesem Projekt wurden Vorhersagen über mögliche Gründe für das Auftreten bzw. Fehlen von Source-Populationen bei terrestrischen Wirbeltieren und Wirbellosen auf der Grundlage eines umfassenden Literaturreviews evaluiert.
Der Literaturreview richtete sich nach den von Pullin & Stewart (2006) empfohlenen Richtlinien. In Anlehnung an die bestehende Übersicht von Runge et al. (2006) wurden verschiedene Datenbanken nach vorgegebenen Begriffen abgesucht. Zudem wurden auch relevante Artikel, auf die in den gefundenen Arbeiten verwiesen wurde, in den Review aufgenommen. Aus den gefundenen Arbeiten extrahierten wir jene Informationen, die benötigt wurden, um die Vorhersagen zu testen.
Die Zuteilung von Geldern für den Arten- und/oder Gebietsschutz basiert auf verschiedenen Grundlagen. Eine davon kann der Source-Sink-Status eines Gebiets für spezifische Arten sein. Wenn aber der Source-Sink-Status nicht ohne weiteres erkannt werden kann, könnten finanzielle Mittel zuhanden des Naturschutzes an ungeeigneten Orten eingesetzt werden, was sich für die Schutzziele nachteilig auswirken könnte. Eine kritische Evaluation der Nützlichkeit des Source-Sink-Konzepts ist deshalb angezeigt.
Die Literaturübersicht ergab 90 Abschätzungen des Sources-Sink-Status aus 73 Studien. Über alle Studien gesehen wurden Sink-Populationen tendenziell häufiger gefunden als Source-Populationen. Das Auftreten von Source- oder Sink-Populationen unterschied sich hingegen je nach untersuchter Tierklasse. Bei Säugetieren wurden häufiger Sink- anstatt Source-Populationen nachgewiesen, während bei Amphibien als Tendenz das Umgekehrte der Fall war. Keine Unterschiede in der Häufigkeit von Source- und Sink-Populationen wurden bei Insekten, Strahlenflossern (Actinopterygii, eine Klasse der Knochenfische) und Vögeln gefunden, wobei letztere eine nichtsignifikante Häufung von Sink-Populationen zeigten.
Verschiedene Analysen ergaben, dass Source-Populationen umso häufiger vorkamen, je besser die lokalen Populationen vernetzt waren. Der Source-Sink-Status hing hingegen nicht mit folgenden Faktoren zusammen: räumliche Skala der Studie, Anzahl der untersuchten lokalen Populationen, Populationstrend, Zugstrategie, Fähigkeit zur Ausbreitung (Dispersal), Habitatspezialisierung und Grösse des Verbreitungsgebiets der Studienart.
Die Studie belegt zudem, dass der Source-Sink-Status auch heute noch selten unter gleichzeitiger Berücksichtigung mehrerer demographischer Parameter wie Fekundität, Überleben, Emigration und Immigration ermittelt wird. Um Source-Sink-Situationen besser zu verstehen, sollten künftige Untersuchungen stärker auf das Studiendesign (z.B. bezüglich Konnektivität der lokalen Populationen) achten und den Source-Sink-Status mittels mehrerer demographischer Parameter ermitteln.