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Auch im Abschnitt zwischen Ellikon am Rhein und der Mündung der Thur in den Rhein sind einige architektonisch besonders interessante Anlagen zu finden. Und auch geschichtlich kann
dieser Abschnitt mit einigen interessanten Details aufwarten, zum Beispiel einer Brücke die 1940 in die Luft gefolgen ist, einem Bunker der beschossen wurde und einer Fähre die für
5 Franken verkauft wurde.

Kurioses und explosives
Neben den vom BBB standardisiert errichteten MG-Bunkern, wurden durch die Truppe während des Aktivdienstes einige spezielle Anlagen erstellt. Dazu gehört zum Bespiel der
Beobachtungs-Bunker A5451 Ellikon-Fähre. Dieser befindet sich direkt in einem Haus integriert an der Fähranlagestelle in Ellikon. Dazu gibt es folgende Geschichte zu berichten:
1905 wurde eine Seilfähre mit dem gegenüberliegenden deutschen Ufer eingerichtet. Mit dem Kriegsausbruch 1939 musste der Fährbetrieb aber auf Grund eines Befehls "von oben"
eingestellt werden. Das Fährschiff wurde an Land gezogen und in einen Schuppen gestellt. Im folgenden Jahr verfügte das Militär, dass das Schiff ins Landesinnere transportiert
wird. Seit der Stilllegung hatte das Schiff aber derart gelitten, dass es nur noch zerstört werden konnte. Das dabei angefallene Holz wurde der in Ellikon stationierten Truppe
der Gz Füs Kp II/267 für den Betrag von 5 Franken verkauft. 1946 wurde der Fährbetrieb wieder mit einem neuen Schiff aufgenommen. Der Bunker an der Fährstelle wurde in den 50er
Jahren wieder aus dem Inventar gestrichen und die Nummer A5451 an einen weiteren Bunker "vererbt". Heute nutzen unzählige Spaziergänger am Rhein diese Fähre - ohne von der Geschichte
und dem speziellen Beobachtungsbunker in Ellikon zu ahnen.
Die Anlagen und Objekte im Thurdelta hatten im Laufe des Aktivdienstes einige "Explosionen" zu verdauen. So wurde der MG-Bunker A5449 einmal aus "Versehen" aus dem AW Ebersberg mit
einer 7.5 cm Granate beschossen. Der "Kratzer", den der Bunker davon getragen hat, ist noch heute zu sehen. Das Graffiti gleich daneben entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Aber urteilt selber darüber. Einen weitaus grösseren Knall erlebte die Thurbrücke. Sie dürfte eines der wenigen Sprengobjekte sein, welches im zweiten Weltkrieg auch wirklich
"gesprengt" wurde. 1935 wurde die Brücke zwischen Ellikon und Flaach über die Thur errichtet. Ihr Leben war aber nur von kurzer Dauer. Wie alle Brücken im Grenzgebiet wurde auch
sie für die Sprengung vorbereitet und mit Sprengstoff geladen. Am 16. Mai 1940 um 15:30 schlug aber ein Blitz in die Ladung und sprengte die Brücke unversehens in die Luft.
Der Kanton entschied bald darauf die Brücke wieder zu errichten, welche heute noch steht.
Ein weiteres Kuriosum in Ellikon ist der unmittelbar beim Bunker A5453 stehende kleine, verwachsene Beobachtungsbunker. Dass dieser so lange unbekannt blieb, liegt an der Tatsache, dass
dieser kleine Bunker von der Truppe erstellt wurde und nie offiziell seinen Weg ins Inventar der Armee gefunden hat. Deshalb erhielt er auch nie eine A-Nummer und wurde im Prinzip auch
nie unterhalten. Trotzdem haben die Festungswächter dieser Region immer ein Auge auf ihn geworfen und ihn soweit als möglich und notwendig unterhalten. Mit der Aufgabe der Rheinbunker
durch die Armee und der Auflösung des FWK ging auch dieser Bunker vergessen und so gibt es heute nur noch zwei oder drei Leute, die wissen, dass es den Bunker gibt und wo er steht.
Dank Hinweisen von diesen Leuten konnten wir aber auch diesen vergessenen Igel für euch dokumentieren.
All diese geschichtsträchtigen Anlagen sind heute alle aus dem Inventar gestrichen und können bei einem angenehmen Spaziergang in schöner Natur problemlos erkundet werden. Besonders
auffällig sind dabei aber die vielen Biberspuren, die man sehen kann.
Ausbau im Kalten Krieg
Während dem Krieg wurde die Gegend rund um Andelfingen hinter Ellikon praktisch nicht befestigt. Wie an vielen Sperrstellen entlang dem Rhein, fehlte es auch hier der Verteidigung
an der Staffelung in die Tiefe.
Kartenausschnitt Sperrstellen Ellikon a.R. und Andelfingen Umgebung (1:25'000) [ Friends only ]
Dies änderte sich dann in den 1960er Jahren. Der Ausbau der Strasse zwischen Schaffhausen und Winterthur führte dazu, dass die Region Andelfingen und seinen Übergängen über die
Thur zu starken Stützpunkten ausgebaut wurden. Die Region wurde entlang den Verkehrsachsen - wie in dieser Zeitperiode üblich - mit unzähligen VOBAG Unterständen, Kugelbunkern und
Pak-Garagen befestigt. So zeigt die Gegend noch heute ein sehr homogenes Bild an Befestigungsbauten, die praktisch ausschliesslich aus dieser Bauperiode stammen.
Einige der Pak-Garagen stehen heute an kuriosen Stellen. Sei es in einem Golfplatz, in
der Strasse eines Wohnquartiers, als Schaffstall in einer Wiese oder als private Garage direkt in einem Bauernhof.
Die meisten Unterstände sind heute geleert und zugeschweisst und in wenigen Jahren wird keiner mehr wissen, wohin die Türe im Grashang oder der Deckel im Wald führt. Nachfolgende
Generationen an Archäologen werden viel Freude an den vielen Löchern rund um Andelfingen haben.

Kapitel Hauptseite
Anlagen Ellikon a.R.
Anlagen Thurau
Sprengobjekt Thurbrücke
Sperrstellen Andelfingen
und Marthalen
Schiesspanorama 1941
[Historisches Exklusivmaterial]
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