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Die ZHB Luzern setzt seit dem Jahr 2000 Fachprofile auf Grundlage des Conspectus ein. Sie finden auf dieser Seite ausführlichere Informationen zu diesen Fachprofilen sowie zum Conspectus-Verfahren mitsamt seiner Umsetzung in Luzern.
Fachprofile sind Resultat der Erwerbungsstrategie einer Bibliothek. Ihre detaillierte Ausformulierung ermöglicht eine klare Ausweisung der Stärken und Schwächen eines Bestandes. Im Erwerbungsprozess unterstützen detaillierte Fach- oder Erwerbungsprofile zudem die Titelauswahl.
Aus Gründen der Retro-Vergleichbarkeit ihrer Bestände nutzt die ZHB hierbei Fachcodes auf Grundlage der Sachgruppen der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) auf dem Stand 2003. Teilweise wurden diese Sachgruppen in bedarfsorientierter Hinsicht weiterentwickelt.
Zur umfassenden Darstellung von Beständen und Erwerbungspolitik erfolgt an dieser Stelle eine deskriptive Charakterisierung im Rahmen der jeweiligen Fachseiten sowie als tabellarische Gesamtüberblick.
Das Conspectus-Verfahren wurde in den 1970er Jahren in den USA zur Beschreibung von Bibliotheksbeständen entwickelt. Es existiert seitdem im Wesentlichen in zwei Varianten:
Der RLG-Conspectus (Research Library Group) stellt die ursprünglichere der beiden Varianten ein. Entwickelt wurde dieser zunächst für Spezialbibliotheken, in späteren Versionen auch für allgemeine öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken.
- Darauf aufbauend wurde ab den 1990er Jahren der WLN-Conspectus (Western Library Network) entwickelt. Dieser Conspectus zeichnet sich insbesondere durch eine deutlich differenziertere Einstufungsmöglichkeit der Bestände aus. Der WLN-Conspectus kommt in einer angepassten Form auch an der ZHB Luzern zum Einsatz.
- Vorteile des Conspectus-Verfahrens bestehen unter anderem darin, dass neben einer Einschätzung des Bestandsprofils auch Aussagen über die aktuelle Sammelintensität sowie über das Bestandesziel gemacht werden.
Ausführlichere Informationen zum Conspectus-Verfahren finden Sie u.a. bei: Angelika Brauns, Bestandsaufbau und Erwerbungspolitik an US-amerikanischen Universitätsbibliotheken (Berlin: Humboldt Universität, 2007) und Ralph Hafner, Automatisierung der Erwerbung auf der Grundlage des Conspectusverfahrens (Berlin: Humboldt Universität, 2010)
Das Conspectus-Verfahren ist an der ZHB Luzern in einer umfassenden Weise – wenn auch nicht ganz im Sinne seiner ursprünglichen Intention – zum Einsatz gelangt. Neben der üblichen Einschätzung von Bestandesqualität, Sammelintensität und Bestandesziel wurde über einen Zeitraum von zwölf Jahren hinweg (2000-2011) jedes einzelne erworbene Medium hinsichtlich seines Conspectus-Niveaus klassifiziert. Dies diente auch als Ersatz für die sonst sehr aufwendige Bestandesaufnahme.
Als Resultat liegt nunmehr für 197.373 Katalogeinheiten eine dezidierte Einschätzung über ihr jeweiliges Conspectus-Niveau vor. Dies ist ein Drittel des über Sachgruppen klassifizierten Bestandes von rund 600‘000 Katalogeinheiten. Die Vergabe der Conspectus-Niveaus erfolgte im Rahmen der Sacherschliessung durch die wissenschaftlichen BibliothekarInnen (Fachreferate) der ZHB. Auf dieser Grundlage kann nunmehr eine ausserordentlich präzise Darstellung der Erwerbungspraxis und der Bestandesprofile bei allen gesammelten Fächern erfolgen.
Seit 2012 ist die Conspectusvergabe auf Individualniveau zumindest vorläufig eingestellt worden. Dies hat mehrere Gründe: (a) Entlastung des Fachreferats durch zunehmend automatisierte bzw. deligierte Routinetätigkeiten, (b) zunehmende Rolle elektronischer Medien insbesondere in Paketform, (c) die konsequent einheitliche Vergabe des Conspectus stellt eine sehr grosse Herausforderung dar sowie (d) die Tatsache, dass via Conspectus zwar gut die Sammelintensität abgebildet werden kann, es erscheint jedoch aufgrund der gemachten Erfahrungen nicht als zielführend, ihn auch zu einem automatisierten Erwerb zu verwenden. Die ZHB evaluiert für die Zukunft alternative Formen der Bestandesevalution.
Zum Einsatz an der ZHB gelangt der WLN-Conspectus, wobei die Niveaus 0, 1 und 5 auf der Ebene der Einzelvergabe nicht zur Anwendung kamen. Die Schlüssel wurden zudem angepasst an die Struktur des modernen Hochschulwesens (Bologna-Reform).
|WLN-Bezeichnung||ZHB-Praxis|
|0||(Out of Scope)|
|1a||(Minimal Level, Uneven Coverage)|
|1b||(Minimal Level, Even Coverage)|
|2a||Einführende Informationsstufe||Schüler bis und mit 10. Schuljahr [ZHB: keine aktiver Erwerb]|
|2b||Weiterführende Informationsstufe||gebildetes allgemeines Publikum, Schüler ab 10. Schuljahr|
|3a||Grundlegende Lern- und Studienstufe||Weiterbildung, einführende Wissenschaftsliteratur|
|3b||Weiterführende Lern- u.Studienstufe||fortgeschrittene Weiterbildung, Studium bis Bachelor|
|3c||Fortgeschrittene Lern- u. Studienstufe||Masterabschluss, allgemeine Forschungsstufe|
|4||Forschungsstufe||spezialisierte Forschung|
|5||(Comprehensive Level)|
Anwendung des Conspectus auf die einzelnen Fachprofile (PDF)
Dr. Wolfram Lutterer, Leiter Fachreferate
Stand: Mai 2014