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Simplon-Orient-Express
Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Siegermächte gezwungen, eine neue Route für den Orient-Express zu finden, da die Vereinbarungen des Versailler Vertrags ein Durchfahrverbot von deutschen und österreichisch-ungarischen Gebieten vorsahen. Damit kam eigentlich nur eine Route südlich der Alpen in Frage, wobei der Simplon-Tunnel zwischen der Schweiz und Italien nun eine entscheidende Rolle spielte. Der 1898 bis 1905 (1. Röhre) und 1912 bis 1921 (2. Röhre) erbaute Simplontunnel war bis Ende der 1970er Jahre mit 19,8 km der längste Gebirgstunnel der Welt. Am 11. April 1919 fuhr erstmals der neu ins Leben gerufene „Simplon-Orient-Express“ von Paris über die Schweiz durch den Simplontunnel nach Mailand und weiter bis Triest. Anschlusszüge sicherten zunächst die Verbindung über Zagreb nach Belgrad. Ab Januar 1920 konnte der Simplon-Orient-Express durchgehend bis Belgrad geführt werden und im Sommer des gleichen Jahres dann sogar bis nach Istanbul (damals noch Konstantinopel). Ferner waren nun Kurswagen nach Bukarest beigestellt.
Als weitere Besonderheit verkehrte der Simplon-Orient-Express in der Zwischenkriegszeit täglich. Seine Fahrt begann im Pariser Bahnhof Gare de Lyon in den Abendstunden, nachdem die mit dem „Flèche d´Or“ („Goldener Pfeil“) ankommenden Kurswagen von Calais (Anschluss an die Kanalfähre von Großbritannien) beigestellt worden waren. Über Dijon, Vallorbe und Lausanne gelangte er nach Brig und durcheilte anschließend den namensgebenden Simplontunnel, um das italienische Domodossola zu erreichen. Weiter ging es am nächsten Morgen über Stresa, Mailand, Verona, Venedig und Padua nach Triest. Hinter Triest folgte die zweite Nachtfahrt über Ljubljana, Zagreb und Vinkovci nach Belgrad. Der Zweig nach Bukarest wurde in Vinkovci abgehängt und erreichte dann die rumänische Hauptstadt unter Umgehung ungarischen Gebiets über Subotica, Timișoara, Orșova und Craiova. In Belgrad erhielt der Zug je nach Verkehrstag Kurswagen des ab 1921 wieder eingeführten „Orient-Express“ sowie aus Berlin, Ostende oder Prag. Der Simplon-Orient-Express setzte dann seine Fahrt fort über Niș, Sofia und Swilengrad, bis er nach der dritten Nacht am nächsten Morgen den Bahnhof Istanbul-Sirkeci erreichte.
In den 1920er und 1930er Jahren avancierte der neue Simplon Orient Express zum luxuriösesten Transportmittel für den Balkan, die Türkei und den Nahen Osten, bevorzugt von Diplomaten, Künstlern, Schriftstellern und wohlhabenden Touristen. Eine bemerkenswerte Begebenheit am Rande: Im Februar 1929 berichtete die französische Wochenzeitung l´Illustration von einem heftigen Zwischenfall. Rund 80 Kilometer nördlich von Istanbul, bei Tscherkessköy, blieb der Simplon-Orient-Express für fünf Tage in gewaltigen Schneemassen stecken. Angeblich inspirierte dieses Ereignis die Krimischriftstellerin Agatha Christie zu ihrem Roman „Mord im Orient-Express“. Sie selbst war eine begeisterte Benutzerin des Zuges.