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Nach dem Parteitag der Demokraten letzte Woche halten die Republikaner in den USA diese Woche ihren Parteitag ab. Ein profunder Kenner der Partei, Philipp Adorf, rechnet damit, dass dieser sehr Trump-lastig wird.
Philipp Adorf
Professor und Experte für US-Republikaner
Philipp Adorf ist Junior-Professor an der Universität Bonn am Institut für politische Wissenschaft und Soziologie. Seine Forschungsschwerpunkte sind der Aufstieg der Republikanischen Partei in den Südstaaten der USA seit den 60er Jahren, die steigende Relevanz von «Rasse» in der US-amerikanischen Politik, die «Christian Right» und ihre Allianz mit der Republikanischen Partei und weitere.
SRF News: Was erwarten Sie vom Parteitag der Republikaner in den USA?
Philipp Adorf: Es wird sicherlich eine Trump-Show. Die Indikatoren deuten darauf hin, dass er jeden Abend zur besten Sendezeit Redezeit erhalten wird. Der Fokus wird auf den Wirtschaftsdaten am Anfang des Jahres liegen, auf dem Wachstum und der niedrigen Arbeitslosigkeit, bis dann – so das Narrativ – ein chinesisches Virus alles zunichtemachte.
Wenn Trump sich ohne Publikum direkt an das amerikanische Volk richten muss, dann könnte das schlechter ankommen als eine pathetische Parteitagsrede.
Die Republikaner haben den Vorteil, dass sie auf diesem Parteitag auch auf den demokratischen reagieren können. Auch der republikanische Parteitag wird hauptsächlich virtuell stattfinden.
Präsident Trump liebt das Bad in der Menge. Aufgrund der Pandemie ist das nicht möglich. Ist das ein Nachteil für Trump?
Er hätte sich sicherlich gewünscht – wie vor vier Jahren– vor Tausenden von Zuschauern eine Veranstaltung durchzuführen und eine Rede zu halten. Es könnte für ihn zum Nachteil werden, weil er nicht der begabteste Redner ist. Das heisst, wenn er sich wie Biden ohne Publikum direkt an das amerikanische Volk richten muss, dann könnte das schlechter ankommen als eine pathetische Parteitagsrede.
Sie rechnen damit, dass der Fokus auf die Wirtschaft gelegt wird. Können die Republikaner Corona quasi ausblenden?
Das ist sicherlich problematisch. Man hört nun aber, dass auch Trump alles Erdenkliche versucht, um Wege zur Heilung von Corona umzusetzen. Doch die Parteitage selbst sind ein klares Zeichen, dass die Pandemie in den USA noch in der ersten Welle ist, die nie wirklich abgeklungen ist.
Einer der Vorteile der virtuellen Form ist, dass man viel besser darauf achten kann, was gesagt wird.
Das Argument wird lauten, dass irgendwann die Wirtschaft zurückkommen wird, und sie komme am besten mit einer Trump-Regierung zurück, mit mehr Steuersenkungen, mit mehr Deregulierung. Der Blick wird auf der Erholung der Wirtschaft liegen, die Pandemie wird kaum erwähnt werden.
Es gab auch Kritik an Präsident Trump aus der Republikanischen Partei. Werden diese Stimmen am Parteitag eine Rolle spielen?
Das werden sie nicht. Das ist einer der Vorteile dieser virtuellen Form, dass man viel besser darauf achten kann, was gesagt wird. Vor vier Jahren hielt der damals Zweitplatzierte bei den Republikanern, Ted Cruz, eine Rede, in der er mehr oder weniger Trump kritisierte und ihn nicht offiziell unterstützte, sondern nur sagte: «Stimmen Sie nach Ihrem Gewissen ab».
Das wird heuer nicht der Fall sein. Man kann dieses Mal einen Parteitag organisieren, in dem alles auf Trump zugeschnitten ist und auch keine einzige kritische Stimme zu Wort kommen wird.
Wenn Sie all das zusammenfassen müssten: Was für ein republikanischer Parteitag steht uns bevor?
Es steht uns ein aussergewöhnlicher Parteitag bevor. Das ist nicht überraschend, denn es ist ein aussergewöhnliches Wahljahr mit einem aussergewöhnlichen Präsidenten. Doch die Relevanz dieses Parteitags wird überschaubar sein. In der Vergangenheit galten Parteitage als Startschuss für die heisse Phase des Wahlkampfes, die Kandidaten noch nutzen konnten, um zusätzliche Zustimmung zu erobern. Das wird aber dieses Mal wahrscheinlich sehr schwer.
Das Gespräch führte Christina Scheidegger.