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Im Oktober 2020 ist Marco Rossi einer der am heissesten gehandelten Hockey-Nachwuchsspieler der Welt. Er wurde im NHL-Draft gerade von den Minnesota Wild an neunter Stelle gedraftet und galt für viele Scouts als der Spieler des Drafts, der schon am besten für die grosse Bühne der National Hockey League gerüstet ist.
Doch weil die NHL-Saison aufgrund der Coronavirus-Pandemie erst im Januar losgeht, kehrt der Österreicher in die Schweiz zurück. Rossi soll die Saison mit den ZSC Lions beginnen, der Organisation, in der spielt, seit er 13 Jahre alt ist.
Nach nur einem Spiel ist das Gastspiel allerdings wieder vorbei. Der Center infiziert sich mit dem Coronavirus und muss in Isolation. Und als er wieder für den Spielbetrieb freigegeben ist, werden andere ZSC-Spieler positiv getestet und die ganze Mannschaft muss in Quarantäne. Erst später wird Rossi feststellen, wie ernsthaft seine Covid-Erkrankung war. Heute sagt er über die Situation: «Ich bin froh, dass ich noch lebe». Die Geschichte hat er Youngster nun gegenüber Michael Russo von «The Athletic» geschildert.
Im Dezember reist er mit der österreichischen Nationalmannschaft an die U20-Weltmeisterschaft in Edmonton. Rossi fühlt sich müde und ausgelaugt, obwohl er während der Corona-Erkrankung nur leichte Symptome verspürte. Der junge Österreicher erklärt, er habe die Müdigkeit auf die ungewohnt lange Pause durch Isolation und Quarantäne geschoben, die sich sein Athleten-Körper nicht gewohnt war.
Nach einer enttäuschenden U20-WM rückt er ins Trainingslager der Minnesota Wild ein, wo er sich einen Platz im NHL-Kader der Mannschaft ergattern will. Doch noch bevor er ein erstes Mal auf dem Eis steht, folgt nach einem ersten Fitnesstest die Schockdiagnose der Ärzte: Myokarditis. Eine Entzündung des Herzmuskels verursacht von der Infektion mit dem Coronavirus.
Die Ärzte in Minnesota schicken Rossi nach Hause und erteilten ihm ein generelles Sportverbot. Der Stürmer argumentiert dagegen. Da machen ihm die Ärzte klar, wie schwerwiegend die Situation ist: «Sie haben mir gesagt, wenn ich an der U20-WM noch ein weiteres Spiel gespielt hätte, wäre die Geschichte möglicherweise ganz anders herausgekommen», sagt Rossi. Die Rede ist von einem permanenten Schaden des Herzmuskels. Selbst ein plötzlicher Herztod sei nicht auszuschliessen gewesen.
Wieder zu Hause wird Rossi von der Angst gepackt. Er hält es kaum aus, allein zu sein. «Jedes Mal, wenn ich schlafen ging, hatte ich Angst, nicht mehr aufzuwachen», erklärt der 19-Jährige. «Ich habe meine Eltern gefragt, ob sie im gleichen Zimmer schlafen und mich beobachten können, bis ich eingeschlafen bin.»
Besonders sein Vater unterstützt ihn in dieser Zeit. Michael Rossi verspricht seinem Sohn schon beim Draft im Oktober 2020 auf dessen Wunsch hin abzunehmen. Nach Marcos Erkrankung legt er sich besonders ins Zeug und arbeitet sich insgesamt von 127 Kilos auf 87 Kilos runter. «Ich wollte Marco zeigen, dass es sich lohnt, für gewisse Dinge zu kämpfen», erklärt er gegenüber «The Athletic».
Mittlerweile geht es dem jungen Österreicher wieder besser. Bislang durfte er bis auf kurze Spaziergänge aber keinen körperliche Betätigung betreiben. Rossis Blutwerte sehen laut seinem Agenten mittlerweile wieder gut aus. Um das Risiko von Infektionen weiter zu senken, hat er seine Ernährung auf Anraten seines Ernährungsberaters auf vegan umgestellt. Mitte Mai stehen dann drei Tage in Dornbirn mit diversen medizinischen Tests an. Sofern dort alles gut aussieht, darf sich der Stürmer langsam auf die nächste Saison vorbereiten.
Marco Rossi ist optimistisch, dass er stärker aus der schwierigen Phase herauskomme: «Ich werde noch besser und stärker sein. Und ich bin gereift, habe eine neue Perspektive. Ich bin einfach dankbar, dass ich wieder gesund bin, dass meine Familie gesund ist. Ich habe jetzt eine neue Challenge vor mir und ich liebe Herausforderungen.» (abu)