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In grossen Hafenstädten herrscht wegen Corona dicke Luft. Während der Covid-Pandemie hat die weltweite Luftverschmutzung nach Daten der NASA zwar erfreulicherweise abgenommen, in den grossen Hafenstädten hat sich der Ausstoss von Feinstaub, Stickoxiden, Schwefeloxiden, Kohlenmonoxid und Methan seit Beginn der Pandemie jedoch stark erhöht.
Das zeigt eine Untersuchung, die ein Team der Nanyang Technological University Singapore (NTU) zu mehreren grossen Häfen durchgeführt hat. Dazu berechneten die Forschenden den Abgasaustoss von Schiffen aus Daten über die einzelnen Schiffe und deren Bewegungen in mehreren Hafenstädten.
Doppelt so viel Emissionen in Singapur und L.A.
In Singapur (plus 123 Prozent) und Los Angeles (plus 100 Prozent) haben sich die Emissionen demnach mehr als verdoppelt, zeigt die im Oktober im Fachmagazin «Environmental Research» erschienene Studie auf. In Long Beach, Kalifornien, sind sie im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie um zwei Drittel (66 Prozent) und in Hamburg um mehr als ein Viertel (27 Prozent) angestiegen.
Der Zuwachs wurde grösstenteils durch Containerschiffe und Massengut-Frachter verursacht. Das bestätigt eine andere Arbeit über Verkehr und Luftverschmutzung im Hafengebiet von Shanghai, die ebenfalls einen erhöhten Abgasaustoss von Handelsschiffen bei insgesamt geringerem Verkehr fand.
Längere Liegezeiten und lange Abfertigung
Die Abgaswolke, unter der die Anwohner leiden, hat mehrere Ursachen. Durch Engpässe in den globalen Lieferketten wie einen im März 2020 tagelang im Suezkanal festsitzenden Frachter stauten sich hinterher vielerorts wartende Schiffe. Dazu zog die Nachfrage nach Rohmaterialien in der zweiten Jahreshälfte 2020 stark an, was zu mehr Handelsverkehr führte.
Während Schiffe vor dem Hafen auf das Löschen der Ladung oder die nächste Fahrt warten, erzeugen sie die an Bord benötigte Energie mit Dieselmotoren. Deren Abgase verteilen sich dann über die naheliegende Küste. Wegen Kontroll- und Quarantänevorschriften sowie pandemiebedingtem Arbeitskräftemangel dauert dazu die Abfertigung länger, teilweise doppelt so lange wie vor der Pandemie.
Gegenmassnahmen bewirkten wenig
Um den Stau abzuarbeiten, kündigte beispielsweise der Hafen von Los Angeles im Oktober die Umstellung auf einen durchgehenden Betrieb an, berichtete der «Guardian». Gegen die Luftverschmutzung helfen solche Massnahmen erst einmal nichts.
Durch den 24/7-Betrieb verstärken sich andere Emissionen. LKW, die die gelöschte Ladung aufnehmen und neue anliefern, werden beispielsweise zahlreicher, was für mehr Verschmutzung sorgt. Betroffen von Hafen- und anderen Verkehrsabgasen sind in Los Angeles grösstenteils weniger wohlhabende Küstengebiete, deren Einwohner ohnehin belastetet sind. Luftverschmutzung stellt dort schon länger ein ernstes Gesundheitsproblem dar.
Die Zahl der Asthmakranken und das Risiko an Krebs zu erkranken sind in den betroffenen Gemeinden erhöht. Schlechte Luftqualität in einigen Gemeinden hat den Anteil der tödlichen Covid-Infektionen auf Werte steigen lassen, die um die 60 Prozent höher sind als in Gegenden mit besserer Luft. Im US-Bundesstaat Kalifornien herrschte 2020 der schlimmste Smog seit Jahrzehnten.
Weniger Abgase als 2019, falls die Pandemie abflaut
Falls die pandemischen Einschränkungen aufgehoben werden, könnte der Abgasausstoss im Hafen noch unter die Werte von 2019 absinken, haben die Forschenden aus Singapur für die nähere Zukunft errechnet. Das gilt besonders für den Hafen Hamburg. Anstrengungen der Gesetzgeber und Reedereien für verschmutzungsärmere Schifffahrt würden sich dann bemerkbar machen. Hält die Pandemie unverändert an, wird die Luft voraussichtlich noch dicker als 2020 und 2021, vor allem in Singapur.
Die Forschenden der NTU Singapur schlagen vor, die politischen Anstrengungen zu erhöhen, damit Schiffe während des Aufenthalts im Hafen weniger Schadstoffe ausstossen. «Unsere Studie zeigt, dass Schiffe während der Liegezeit die meisten Schadstoffe ausstossen, das heisst, wenn sie vor Anker liegen … dies wäre ein Hinweis auf die Notwendigkeit geeigneter politischer Reaktionen und Massnahmen zur Abschwächung der Auswirkungen von Schiffen im Leerlauf auf die Luftqualität», sagt Jiahui Liu, eine der Autorinnen und PhD-Studentin an der Nanyang Technological University gegenüber «ScienceDaily».
Die Autoren der Studie, die Shanghais Hafen unter die Lupe genommen hat, werden konkreter und dringen auf eine Ausdehnung der Elektrifizierung in Häfen («Shore Power»), damit wartende Schiffe keine fossilen Kraftstoffe mehr verbrennen müssen. Am weitesten gehen mehrere Politiker und Bürgerinitiativen in Kalifornien. Sie fordern, den gesamten Schiffsverkehr an der kalifornischen Küste zu dekarbonsieren, um die Gesundheit der Anwohner zu schützen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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