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Geschichte | Geographie | Wirtschaft | Gesellschaft
Flavia Steiner, 2003 | Wilen bei Wollerau, SZ
Im Jahr 1799 befand sich die Schweiz unter der Besatzung Frankreichs. Sie bildete Teil des Kriegsschauplatzes des Zweiten Koalitionskrieges. Alexander Wasiljewitsch Suworow zog während des Kriegs mit seinem Heer über die Schweizer Alpen. Die Innerschweizer wurden durch den Feldzug noch mehr Entbehrungen ausgesetzt. Trotzdem nahmen sie die Russen positiv auf und wahr. Sie heroisierten insbesondere Suworow. Wie lässt sich das erklären? Das Studium und die Analyse von Quellen ergab, dass die Russen einen willkommenen Gegenpol zu den verhassten Franzosen darstellten. Die Russen standen wie der Grossteil der Innerschweizer für die alte Ordnung. Sie wollten die Schweiz von den Franzosen befreien und die alte Ordnung wiederherstellen. Die Innerschweizer erhofften sich viel von Suworow. Er verkörperte für sie den Befreier; sie glorifizierten ihn als Retter und Helden.
Fragestellung
Wieso wurde Alexander Wassiljewitsch Suworow während seines Feldzuges durch die Schweiz von der Innerschweizer Bevölkerung im Jahr 1799 heroisiert? Die daraus abgeleitete These lautet: Obwohl Suworow der Innerschweizer Bevölkerung viel Leid brachte und sein Zug über die Alpen scheiterte, wurde er im Jahr 1799 heroisiert, da er als Russe den Franzosen vorgezogen wurde.
Methodik
Die Arbeit basiert auf dem Studium und der Analyse von Quellen. Die Auseinandersetzung mit dem historischen Kontext und der Ereignisgeschichte stützt sich zur Hauptsache auf Sekundärliteratur. Der praktische Teil basiert auf Augenzeugenberichten, Briefen und der Übersetzung des Tagebuchs des russischen Soldaten Nikolaj Alexejewitsch Grjazew. Das Forum Schweizer Geschichte Schwyz stellte den Grossteil der Augenzeugenberichte zur Verfügung.
Ergebnisse
Das durch die Franzosen verursachte Leid der Innerschweizer führte dazu, dass die lokale Bevölkerung von der französischen Besatzungsmacht befreit werden wollte. Sie wünschte sich die alte Ordnung zurück. Das Bedürfnis liess Raum für einen Helden entstehen. Suworow repräsentierte Tugenden, die von der lokalen Bevölkerung geschätzt wurden. Er war religiös, er repräsentierte die alte Ordnung und wollte die den Innerschweizern aufgezwungene Helvetische Republik beseitigen. Suworow füllte dadurch die Gallionsfigur eines Helden beinahe idealtypisch aus. Er wurde zudem sowohl durch die Bevölkerung der Urschweiz, als auch von seinen eigenen Soldaten mittels eines expliziten Heldennarrativs glorifiziert. Diese Umstände trugen zu seiner Heroisierung bei.
Diskussion
Die These konnte ich im Rahmen meiner Maturaarbeit verifizieren. Es ergab sich, dass noch deutlich mehr Aspekte zur Heroisierung beigetragen haben, als die in meiner Arbeit dargelegten. Es lässt sich daher nicht abschliessend bestimmen, ob die von mir behandelten Aspekte allein die einzigen waren, die zur Heroisierung Suworows führten. Das Prinzip der Quellenanalyse erwies sich als fruchtbar. Sie hätte noch umfassender sein können. Eine ergänzende Vorgehensweise wäre beispielsweise die Analyse von Berichten gewesen, in denen russische Soldaten das Aufeinandertreffen des russischen Heeres mit der lokalen Bevölkerung, insbesondere mit Suworow, schildern. Entsprechende Übersetzungen lagen mir leider nicht vor. Zudem hätte ich noch nach zusätzlichen Augenzeugenberichten der Innerschweizer Bevölkerung forschen können.
Schlussfolgerungen
Alexander Suworow hat sich als Held ins Gedächtnis der Innerschweizer eingebrannt, obwohl sein beeindruckender Zug über die Alpen nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Seine Verehrung hat sich bis heute gehalten und teilweise sogar verstärkt. Durch die gewonnenen Erkenntnisse konnte ich meine Fragestellung beantworten und meine These verifizieren. Die Thematik liesse sich noch vielschichtiger und tiefer beleuchten: Offen geblieben ist insbesondere, wie stark sich die Heroisierung Suworows in den einzelnen Bevölkerungsschichten ausprägte und wie sie sich im Laufe der Zeit veränderte.
Würdigung durch den Experten
Dr. Marcel Berni
Die originelle Arbeit von Flavia Steiner beschreibt die innerschweizerische Wahrnehmung von russischen Truppen, die von Alexander Wassiljewitsch Suworow während des Zweiten Koalitionskrieges 1799 über die Alpen geführt wurden. Dafür wertet die Autorin nicht nur Sekundärliteratur, sondern auch Primärquellen aus. Frau Steiner kommt dabei zum überzeugenden Schluss, dass Suworows Heroisierung in der Innerschweiz stark in Abgrenzung zu den französischen Expansionsgelüsten erfolgte. Der Autorin entgeht nicht, dass dieses Heldennarrativ bis heute vielerorts Bestand hat.
Prädikat:
gut
Kantonsschule Ausserschwyz, Pfäffikon
Lehrerin: Yve Schmid