Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/1980

Entzündliche rheumatische Erkrankungen werden allgemein mit schmerzhaften Gelenken und Rücken assoziiert. Es gibt indessen Rheumaformen, bei denen der Befall von Weichteilen, wie Haut oder Blutgefässe, im Vordergrund steht. Gemeinsam ist allen, dass betroffene Körperstrukturen – auch Muskeln, Sehnen, Knochen, Gelenke, Herzklappen – zumindest teilweise aus Bindegewebe aufgebaut sind.
Rheumatische oder rheumaähnliche Symptome können ausserdem als unangenehme Begleiter von anderweitigen Krankheiten auftreten, z.B. Infektionen und Stoffwechselstörungen. Derart ausgelöste Gelenkentzündungen (Arthritiden), werden aber mehrheitlich nicht den rheumatischen Erkrankungen zugeordnet.
Arthritis heisst Gelenkentzündung. Je nach Ursache oder Arthritisform ist ein einzelnes oder sind mehrere Gelenke betroffen. Die Krankheit kann akut oder schleichend beginnen, wieder abklingen oder chronisch werden. Die Gelenke schmerzen, schwellen an und sind später zuweilen deformiert. In schwerer Ausprägung kann Invalidität entstehen. Die verschiedenen Arthritisformen haben unterschiedliche Ursachen, die allerdings nicht in allen Einzelheiten bekannt sind. Bei den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen spielen genetische und immunologische Faktoren eine wichtige Rolle.
Arthritis ist zu unterscheiden von der ähnlich klingenden Arthrose, der Abnützungserscheinung an Gelenken. Es besteht jedoch eine gegenseitige Beziehung, indem eine lange dauernde Arthritis schliesslich zu Arthrose führt und umgekehrt der Verlauf einer Arthrose zwischenzeitlich von entzündlichen Reizerscheinungen begleitet sein kann (aktivierte Arthrose).
Schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Medikament, das besonders bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt (Mehrzahl Antirheumatika). NSAR bedeutet „nicht steroidales Antirheumatikum“, also ohne Kortison.
Entzündung eines Gelenks, bisweilen hervorgerufen durch eine Autoimmunreaktion, manchmal in Zusammenhang mit einer viralen oder bakteriellen Infektion. Der Übergang zu Arthrose kann fliessend sein.
schmerzhafter, destruktiver (zerstörender) Vorgang an einem Gelenk durch Abnützung, als Folgezustand einer anlagemässigen Deformation, nach unfallbedingtem Gelenkschaden oder nach Arthritis.
Sie entsteht, indem das Immunsystem körpereigenes Gewebe schädigt. Es werden sog. Autoantikörper gebildet.
Es kann als „Gerüst“ des Körpers bezeichnet werden, da es in allen Organen vorkommt. Bindegewebe besteht aus Zellen und einer Grundsubstanz, die aus Eiweissen, Kohlenhydratverbindungen und unterschiedlichen Fasertypen aufgebaut ist – je nach Bindegewebstyp.
Durch Verschleissvorgänge bewirkt.
Die Arme und Beine; im Gegensatz dazu werden Kopf und Rumpf nicht als Extremitäten bezeichnet.
Generalisierte Erkrankung des Bindegewebesystems hauptsächlich verursacht durch immunologische oder autoimmune Vorgänge.
Dies ist ein natürliches Hormon der menschlichen Nebennierenrinde. In verschiedenen chemischen Abwandlungen als Medikament eingesetzt hat es stark entzündungshemmende und auch Schmerz lindernde Eigenschaften. Nachteile nach längerer und höheren dosierten Anwendung sind: Verminderung der Infektabwehr, Osteoporose, Hautveränderungen, Gewichtszunahme, Vollmondgesicht, Blutdruck- und Blutzuckeranstieg.
Erkrankung vieler Gelenke. Die der Arthritis beigefügte griechische Vorsilbe πολύ- (poly) heisst „viel“ oder sinngemäss „vielfach“.
Das griechische Wort ρεύμα (Rheuma) bedeutet Strömung, Fliessen.
Degenerative Veränderungen an den Rückenwirbeln, insbesondere an den kleinen Wirbelgelenken.
Entzündung eines Rückenwirbels, vom griechischen σπόνδυλος (Spondylos), der Wirbel, abgeleitet. Die Nachsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.
Kombination von Symptomen, die für eine Krankheit typisch sind.
Entzündungsvorgänge in der Wand von kleinen und/oder grossen Blutgefässen. Damit verbunden sind oft auch Muskelschmerzen, Kopfweh und andere Beschwerden. Mehrzahl: Vaskulitiden. Abgeleitet vom lateinischen vasculum, das (Blut-)Gefäss. Die Endsilbe „-itis“ bedeutet generell Entzündung.
Entzündliche Vorgänge und/oder Abnützungserscheinungen, die an praktisch allen Bindegewebsstrukturen vorkommen können, an Haut, Knorpel, Nerven, Blutgefässen, Herzklappen, Narben, Sehnen sowie an Muskeln.
Die chronische Polyarthritis, auch „primär chronische Polyarthritis“ (PcP) oder „rheumatoide Arthritis“ genannt, ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und sozialmedizinisch von grosser Bedeutung. Eine Fehlreaktion der Körperabwehr, vermutlich durch immunologische Vorgänge ausgelöst, bewirkt die chronische Entzündung mehrerer Gelenke, besonders an Fingern und Hand, bisweilen auch grosser Gelenke wie Schulter oder Knie. Sogar der gesamte Bewegungsapparat kann betroffen sein. Auch das Allgemeinbefinden ist beeinträchtigt und gelegentlich sind innere Organe ins Krankheitsgeschehen mit einbezogen. Die rheumatoide Arthritis kann schon im 4. Lebensjahrzehnt beginnen; Frauen leiden häufiger daran als Männer.
Der Verlauf ist im Allgemeinen chronisch fortschreitend, wobei wiederholt schmerzhafte Schübe auftreten. Als typisch gilt, dass die Schmerzen auch in Ruhe da sind. Insbesondere die Hände sind vielfach zunehmend deformiert. Nach längerer Leidenszeit ist der Übergang zur Arthrose fliessend.
Prognose: In etwa 10% der Fälle wird eine spontane Heilung beobachtet, doch ist eine solche umso seltener zu erwarten, je länger die Polyarthritis besteht.
Der französische Maler Auguste Renoir (1841 – 1919) litt im Alter an chronischer Polyarthritis, was ihn jedoch nicht vom Malen abhielt. Als er den Pinsel nicht mehr mit den Fingern halten konnte, band er ihn an seiner Hand fest.
Der bekannte südafrikanische Herzchirurg Christiaan Barnard (1922 – 2001), dem 1967 die erste erfolgreiche Herztransplantation gelang, musste 1983 im Alter von 61 Jahren die Operationstätigkeit wegen chronischer Polyarthritis einstellen. In der Folge setzte er sich für herzkranke Kinder in der ganzen Welt ein, leitete eine Klinik auf der Insel Kos und widmete sich der Altersforschung.
Synonyme sind Rheumatic fever und Streptokokkenrheumatismus. Es handelt sich um eine Arthritis, die durch Bakterien ausgelöst wird und die in Industrieländern dank des Einsatzes von Antibiotika selten geworden ist. Im Anschluss an Angina oder Scharlach kann sich – meist bei Jugendlichen – eine abnorme Antikörperbildung (abnorme Abwehrreaktion, Autoimmun-Krankheit) gegen die Bakterien (Streptokokken der Gruppe A) entwickeln. Diese manifestiert sich zwei bis vier Wochen später in starkem Krankheitsgefühl mit Fieber, eventuell Schüttelfrost und schmerzhaften, wandernden Arthritisschüben. Neben den Gelenken (vor allem den grossen wie Knie, Hüfte und Schulter) können innere Organe entzündlich geschädigt werden. Gefährlich wird das rheumatische Fieber, wenn die Antikörper sich gegen das Herzmuskel- und Herzklappengewebe richten, worauf Herzrasen und Herzschmerzen hinweisen.
Spätfolgen: „Das rheumatische Fieber leckt an den Gelenken, aber beisst das Herz“. Während die Gelenke folgenlos heilen, bleiben oftmals Funktionsstörungen an den Herzklappen (Herzklappenfehler), Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen zurück.
Der Begriff umfasst verschiedene Arthritisformen, die im 3. bis 16. Lebensjahr beginnen. Bei einigen werden auch innere Organe (Herz, Lunge, Bauchorgane), Sehnen oder Augen von der Entzündungsreaktion in Mitleidenschaft gezogen. Häufige Allgemeinsymptome sind Krankheitsgefühl, tägliche Fieberschübe, Lymphknotenschwellung, ein blassroter Hautausschlag. Bei der Gruppe der sog. juvenilen idiopathischen Arthritis handelt es sich um die häufigste Autoimmunkrankheit des Kindesalters.
Die Bechterew-Krankheit (auch Spondylitis ankylosans) gehört zu den bekanntesten rheumatischen Wirbelsäulenerkrankungen. Spondylitis heisst Entzündung eines Rückenwirbels. Aber nicht nur die Wirbelkörper, sondern auch Wirbelgelenke, Zwischenwirbelscheiben und Bänder sind ins Geschehen mit einbezogen. Dies hat schliesslich eine zunehmende Deformierung und Versteifung des Rückens in Buckelstellung und weitere Beeinträchtigungen zur Folge.
Vergleichbares gilt für andere Formen der Spondylarthritis, wobei jedoch Deformierung und Versteifung nicht so ausgeprägt sind wie bei der Bechterw-Krankheit. Bei einigen Spondylarthritiden treten aber nicht bereits zu Beginn Rückenschmerzen auf, es kann z.B. auch eine Achillessehnenentzündung sein, die als erstes Symptom auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung dieser Art aufmerksam macht.
Rückenschmerzen vor allem in der Kreuzgegend, sind ein Frühsymptom und machen sich auch in Ruhe und nachts bemerkbar, sie können in die Leistengegend oder bis ins Bein hinunter ausstrahlen.
Verlauf und Folgezustände der Bechterew-Krankheit: Die weitere Entwicklung erfolgt in Schüben, aber auch ein spontaner Stillstand ist möglich. Mit fortschreitendem Leiden kommt es oft zu Veränderungen an rumpfnahen und peripheren (rumpffernen) Gelenken sowie Sehnenansätzen. Das Atmen wird erschwert durch Steifheit des Brustkorbs. Bisweilen sind weitere Organe mit betroffen wie Auge, seltener auch Lunge und Herz.
Manche dieser Krankheiten gehen mit entzündlichen Reaktionen an Gelenken und Wirbelsäule einher. Die meisten werden nicht dem rheumatischen Formenkreis zugeordnet, äussern sich aber ähnlich wie rheumatische Schmerzen.
Arthritis als Begleiterscheinung von Infektionskrankheiten
Diese sog. infektreaktiven Arthritiden werden durch immunologische Vorgänge verursacht.
So sind viele Viruskrankheiten von Gelenk- und Muskelschmerzen begleitet, z.B. Grippe, Hepatitis, Röteln, AIDS, Herpes-Infektionen. Entsprechendes gilt für bakterielle Erkrankungen wie Darminfektionen (Enteritis), Lyme-Borreliose und andere. Auch Parasitenbefall – insbesondere mit Würmern – geht mit Arthritiden einher.
Septische Arthritis, Gelenkempyem
Ursache sind Eitererreger, die auf dem Blutweg (oder selten durch direktes Eindringen von aussen) in ein Gelenk gelangen. Begünstigend wirkt sich eine Abwehrschwäche aus, z. B. bei Immundefekten, AIDS, Diabetes mellitus. Meist wird ein einzelnes Gelenk befallen, das dann extrem schmerzhaft und geschwollen ist. Fieber kann den Zustand begleiten.
Beispiele:
Auch der Ausdruck Periarthritis des Schultergelenks enthält das Wort Arthritis. In diesem Fall spielen sich chronisch-degenerative Vorgänge aber in Weichteilen ab, die das Gelenk umgeben, und lösen akute Schmerzen aus. Deshalb wird die Erkrankung dem Weichteilrheumatismus zugerechnet. Beschrieben ist die Krankheit in einem separaten Text (s. entsprechender Link oben).
Kurzfristiges Ruhigstellen des schmerzenden Gelenks im akuten Arthritisschub. Dies sollte jedoch nur kurz und unter ärztlicher Kontrolle geschehen, da bei langer Ruhigstellung eines Gelenks Kontrakturen und Muskelschwund drohen. Bei einer Kontraktur lässt sich das betroffene Gelenk sowohl aktiv als auch passiv nur noch gering bewegen. Es kann bis zur totalen Versteifung eines Gelenks führen.
Kühlende Umschläge oder Salben reduzieren die Überwärmung und den Schmerz. Wärme ist im akuten Arthritisschub sogar kontraproduktiv und sollte vermieden werden. Ein entzündungshemmendes Medikament kann eingenommen werden, jede länger dauernde Medikation erfordern jedoch das Gespräch mit dem Arzt und allenfalls Kontrollen, insbesondere Labortests.
Alternative Methoden werden oft ausprobiert, da rheumatische Leiden vielfach sehr lange andauern und einige Medikamente bedeutende Nebenwirkungen haben. Allerdings ist meist eine Kombination mit Methoden der Schulmedizin nötig.
Sind Grundkrankheiten bekannt, die eine Arthritis ausgelöst haben, zum Beispiel Angina, Gicht oder Hämophilie, besteht das Vermeiden von Folgeschäden in der sorgfältigen Behandlung des zugrunde liegenden Leidens.
Die Diagnose erfordert neben der Allgemeinuntersuchung verschiedene Labortests und oft auch Röntgenbilder.
Eine frühzeitige Therapie trägt dazu bei, Folgeschäden zu verhindern oder hinauszuschieben und möglichst viel Lebensqualität zu erhalten. Dem gleichen Ziel dient auch die Behandlung einer ursächlichen Krankheit.