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Als Vermännlichung (Androgenisierung) bezeichnet man typisch männliche Veränderungen bei einer Frau als Folge einer vermehrten Wirkung männlicher Hormone (den Androgenen).
Mögliche Ursachen für eine Vermännlichung sind unter anderem:
Die Beschwerden, die bei einer Vermännlichung auftreten, fasst man auch unter dem Begriff Virilisierung oder Maskulinisierung zusammen. Dazu zählen beispielsweise ein männlicher Behaarungstyp oder eine tiefere Stimme.
Für die Diagnose einer Androgenisierung befragt und untersucht der Arzt die Betroffene zum einen, zum anderen bestimmt er die Hormonwerte im Blut. Auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT können zum Einsatz kommen.
Die Therapie variiert abhängig davon, welche Ursache der Androgenisierung zugrunde liegt und wie stark die Veränderungen ausgeprägt sind. Liegt ein hormonproduzierender Tumor vor, wird dieser in der Regel operativ entfernt. Daneben setzen Mediziner häufig Hormone in der Therapie ein, welche die Bildung oder die Wirkung der Androgene hemmen. Meist handelt es sich um langwierige Krankheitsverläufe – eine Therapie ist deshalb in der Regel über mehrere Jahre erforderlich.
Der Begriff Vermännlichung (Androgenisierung) fasst Veränderungen bei der Frau zusammen, die durch eine verstärkte Wirkung von männlichen Hormonen (Androgenen) entstehen. Andere Bezeichnungen für Vermännlichung sind Maskulinisierung und Virilisierung, die sich von den lateinischen Worten masculinus beziehungsweise virilis (= männlich) ableiten.
Androgene sind männliche Geschlechtshormone. Zu ihnen zählen Testosteron und Androstendion, die beim Mann von bestimmten Zellen im Hoden (den Leydig-Zellen) gebildet werden. Androgene sind für die Ausbildung und Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale beim Mann verantwortlich. Zu den primären Geschlechtsmerkmalen gehören die Hoden, zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen unter anderem die tiefe Stimme und die Körperbehaarung. Neben der geschlechtsspezifischen Wirkung haben Androgene einen eiweissaufbauenden Effekt (anabolischer Effekt), was sich auf das Muskelwachstum auswirkt. Sie beeinflussen ausserdem das Knochenwachstum.
Androgene werden nicht nur beim Mann gebildet – auch die Frau produziert in geringerem Mass männliche Hormone. Der normale Testosterongehalt im Blut einer geschlechtsreifen Frau beträgt nur etwa ein Zehntel des männlichen Testosterongehalts. Die Androgenproduktion erfolgt bei der Frau vor allem in der Nebennierenrinde und in geringerem Masse auch in den Eierstöcken. Liegt eine Androgenisierung vor, ist der Testosterongehalt im Blut erhöht.
Eine Vermännlichung (Androgenisierung) kann verschiedene Ursachen haben. Sie entsteht meist, wenn der Stoffwechsel der männlichen Hormone (der Androgene) bei einer Frau gestört ist. Meistens ist dabei das Angebot an Androgenen erhöht. Dies kann durch eine gesteigerte Androgenproduktion oder als Folge einer gestörten Umwandlung beziehungsweise eines gestörten Abbaus der männlichen Hormone entstehen.
Ursachen für eine gesteigerte Androgenproduktion sind unter anderem hormonproduzierende Tumoren der Nebennierenrinde (z.B. Nebennierenrindenadenom) oder der Eierstöcke (z.B. polyzystisches Ovarsyndrom).
Ein Abschnitt des Gehirns, die Hirnanhangdrüse (Hypophyse), steuert die Androgenproduktion, indem sie bestimmte Hormone freisetzt. Tumoren an der Hypophyse können die Nebennierenrinde oder die Eierstöcke dazu anregen, vermehrt Androgene zu bilden, so dass es zu einer Vermännlichung kommt. Wichtigster Vertreter der Androgene ist bei der Frau das Testosteron. Im Blut liegt es meist an ein spezielles Eiweiss gebunden vor und ist deshalb inaktiv. Gibt es zu wenig Trägereiweiss, ist das Angebot an freiem und damit aktivem Testosteron gesteigert. Ein erhöhtes Angebot an Androgenen kann aber auch entstehen, wenn androgenhaltige Hormonpräparate (Anabolika) eingenommen werden.
Am Androgenstoffwechsel sind viele Enzyme beteiligt. Ein Mangel oder Defekt bestimmter Enzyme kann dazu führen, dass die männlichen Hormone nicht richtig abgebaut werden oder stärker wirken und es zu einer Androgenisierung kommt. Diese Enzymstörungen können angeboren oder erworben sein und können sich vor der Geburt, nach der Geburt oder auch erst nach der Pubertät auswirken. Die wichtigsten Enzymstörungen treten beim adrenogenitalen Syndrom auf.
In seltenen Fällen tritt eine Vermännlichung auch bei normalen Androgenkonzentrationen im Blut auf, wenn die Empfindlichkeit gegenüber den Androgenen und ihrer Wirkung gesteigert ist.
Eine Vermännlichung (Androgenisierung) wirkt sich vorwiegend auf körperliche Merkmale aus. Weitere Symptome können sich aber auch in stärkeren Aggressionen und einem stärkeren sexuellen Trieb äussern.
Durch den verstärkten Einfluss männlicher Hormone bilden sich bei Frauen in unterschiedlichem Masse männliche sekundäre Geschlechtsmerkmale aus:
Bei einer Vermännlichung können sich ausserdem infolge der verstärkten Androgenwirkung die weiblichen Geschlechtsmerkmale zurückbilden:
Um bei einer Vermännlichung (Androgenisierung) die Diagnose zu stellen, befragt und untersucht der Arzt die Betroffene. Dabei erfasst und dokumentiert er die Androgenisierungserscheinungen und erhält erste Hinweise auf die mögliche Ursache.
Um die genaue Ursache der Vermännlichung zu finden, sind Labortests nötig. Mit ihnen bestimmt man die Konzentration verschiedener Hormone (Androgene, Hypophysen- oder Nebennierenrindenhormone). Ausserdem gibt es viele Funktionstests, mit denen man prüft, wie die Zielorgane und die Steuerungskreise funktionieren. Wichtige Funktionstests sind zum Beispiel
Besteht der Verdacht auf einen Tumor der Nebennierenrinde, der Eierstöcke oder der Hypophyse, setzt der Arzt ausserdem bildgebende Verfahren ein. Für die Bauchhöhle sind dies in erster Linie die Ultraschalluntersuchung und die Computertomographie (CT), für den Kopf, zur Untersuchung der Hypophyse, ist die Magnetresonanztomographie (MRT) häufig besser geeignet. Kann dies die Ursache der Vermännlichung nicht eindeutig klären, kann manchmal die gezielte Hormonbestimmung aus dem Venenblut der Nebennieren oder Eierstöcke weiterhelfen. In seltenen Fällen kann erst eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) endgültig einen Tumor nachweisen beziehungsweise ausschliessen.
Um bei einer Vermännlichung (Androgenisierung) eine geeignete Therapie durchzuführen, ist es wichtig, die genaue Ursache zu kennen. Ist die Ursache beispielsweise ein hormonproduzierender Tumor, sollte dieser operativ entfernt werden. Beruht die Vermännlichung auf androgen beziehungsweise anabol wirkenden Aufbaupräparaten, sind diese abzusetzen.
Eine ursächliche Therapie der Vermännlichung ist nicht immer möglich, zum Beispiel wenn die Ursache ein Enzymdefekt oder eine verstärkte Empfindlichkeit der Organe gegenüber männlichen Hormonen (Androgenen) ist. In diesen Fällen behandelt man die Symptome der Vermännlichung meist mit einer Hormontherapie. Dabei kommen Wirkstoffe zum Einsatz, welche die Bildung und die Wirkung der Androgene unterdrückt. Meist handelt es sich dabei um Wirkstoffe, die vor allem in hormonellen Verhütungsmitteln (wie der Antibabypille) eingesetzt werden. Sie beeinflussen die Bildung der männlichen Hormone, indem sie zum Beispiel die Steuerungshormone in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) hemmen oder die Bildung von Androgenen direkt in den Eierstöcken unterdrücken. Einige Wirkstoffe (z.B. Cyproteron) verringern dagegen die Wirkung der Androgene am Zielorgan. Der Wirkstoff Spironolacton wiederum kann die Androgenbildung in der Nebenniere unterdrücken.
Je nach Schweregrad der Vermännlichung kann man versuchen, die Beschwerden ohne Hormonpräparate zu lindern. Dies gelingt unter Umständen bei Vermännlichungserscheinungen an Haut und Haaren.
Bei einer verstärkten Behaarung (Hirsutismus) im Zuge der Androgenisierung kann die dauerhafte Epilation helfen, welche die Haarwurzel zerstört. Weitere Möglichkeiten sind eine regelmässige Rasur oder ein Auszupfen der Haare (z.B. mit Wachs). Bei Haarausfall (Alopezie) kommen Haarwässer mit Minoxidil zum Einsatz. Minoxidil ist ein Wirkstoff mit blutdrucksenkender Wirkung, bei dem als Nebenwirkung eine Förderung des Haarwachstums beobachtet wurde. Bei der Therapie von Seborrhö und Akne lassen sich verschiedene Präparate einsetzen, welche die Talgproduktion verringern und entzündungshemmend auf die Talgdrüsen wirken (Vitamin-A-haltige Präparate, Sonnenlicht, UV-B-Strahlen, Tetrazykline).
Ist eine ursächliche Therapie der Vermännlichung (Androgenisierung) nicht möglich, erschwert dies die Behandlung und hat meist einen langwierigen Verlauf zur Folge. Wird die Therapie bei einer Androgenisierung unterbrochen, können die Beschwerden erneut auftreten.
Einer Vermännlichung (Androgenisierung) lässt sich nur bedingt vorbeugen. Besonders androgen wirkende Präparate, insbesondere Präparate zum Aufbau von Muskelmasse (Anabolika, Dopingmittel), fördern eine Vermännlichung.