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Das Schloss in 1767 Herrliberger
Vues aériennes de Wildegg
Die Gegend von Möriken und Holderbank wird von dem auf der Kammhöhe angelegten Schloss Wildegg beherrscht. Die ehemalige Feste ist im Lauf der Jahrhunderte zum herrschaftlichen Patriziersitz umgewandelt worden. Ein von der Natur bereits dreigeteilter Felskopf auf dem südlichen Ausläufer des Kesternbergs bot die topographisch günstige Situation für eine dreiseitig sturmfreie Befestigung. Die zwei Gräben wurden künstlich erweitert und lieferten zugleich das Steinmaterial für den Bau. Auf dem mittleren Felsen wurde um 1200 der massive Bergfried errichtet, dessen Mauerwerk auf der Talseite weniger stark aufgeführt worden ist. Das Bauwerk bildet im Grundriss ein Rechteck von 9.5 auf 12 Meter. Das Mauerwerk besteht aus bollen- und Quadersteinen und besitzt bis auf die Höhe von 14 Metern eine gleichmässige Dicke von 3 Metern. Erst in den beiden obersten geschossen nimmt die Mauerstärke ab. Der Hocheingang befindet sich auf der Nordseite, etwa 11 Meter über dem Felsen. Noch gut sind die Balkenlöcher für die Tragbalken des ehemaligen Podests zu erkennen. Der Bergfried wies ursprünglich eine Zinnenbekrönung auf. Bündig an den Turm, mit sichtbarer Baufuge, wurde in einer zweiten Etappe der steinerne Palas angebaut. Schon von Anfang an war der Palas in einen Wohn- und Küchentrakt unterteilt. Das steinerne Gebäude mag wohl einen hölzernen Vorgängerbau abgelöst haben. An der Südwestecke des Wohngebäudes befand sich ein hinterer Zwinger, durch eine Schildmauer geschützt, durch welchen man in die Ökonomiegebäude gelangte. In diesen befanden sich die Vorratsräume und die Stallungen. Etwas tiefer liegt der ummauerte Burghof. Der alte Burgweg führte von Holderbank her über den nördlichen Burggraben durch den ersten und zweiten Hof, überquerte den südlichen Graben und mündete schliesslich im schmalen Zwinger, der die ganze Burg umgab. Mit Ausnahme der dreiseitig abgebrochenen Zwingermauern ist der mittelalterliche Baubestand in der heutigen Anlage erhalten geblieben.
Ein Blitzschlag zerstörte 1552 die Burg bis auf das feste Mauerwerk. Die Feste wurde wieder aufgebaut, wobei der Bauherr sich bemühte, den Wohnkomfort beträchtlich zu verbessern. Immer wieder mahnte die Stadt Bern, die übergeordnete Lehensherrin, die Wehrhaftigkeit der Burg dabei nicht zu vergessen. Beim Neuaufbau wurde der ehemals zweigeschossige Palas um ein Stockwerk erhöht. In der Ecke zwischen Ökonomie- und Wohngebäude wurde ein Treppenturm eingefügt. Verschiedene Gebäude, auch der hintere Zwinger, erhielten ein Dach. Die Terrasse am Osthang war wohl bereits im 16. Jahrhundert als Krautgarten angelegt worden. Hohe Mauern mit flankierenden Rundtürmen schlossen den Garten ein. Auch die nächsten Bewohner des Schlosses wirkten an der Verbesserung der Anlage mit. Hans Ludwig Effinger richtete im obersten Geschoss des Palas einen Festsaal ein. Verschiedene Räume wurden mit einfachem Grisailledekor und in barocker Manier ausgemalt.
Unter Bernhard Effinger (1658-1725), dem Obervogt zu Schenkenberg, erhielt das Schloss seine heutige Gestalt. Der Bergfried bleib unverändert, während die anderen Gebäude modernisiert und zum Teil aufgestockt wurden. An die Bautätigkeit von Bernhard Effinger erinnert das 1693 datierte Portal mit seinem und seiner Gemahlin Wappen im südlichen Zwinger. Der Besitzer liess ferner eine grosse Terrasse auf halber Höhe des Südhangs ausebnen, deren äussere Ecken mit Pavillons geschmückt wurden. Der alte, unbequeme Sod im Küchenhaus wurde 1711 durch einen Brunnen im Hof ersetzt.
Die nächsten Besitzer modernisierten die einzelnen Schlossgebäude, erweiterten die Gartenanlagen und bauten neue Wohnräume, ohne aber dem Ganzen den Schlosscharakter zu nehmen. Der nördliche Halsgraben ist völlig aufgefüllt und mit dem Rebhaus und einem Ökonomietrakt als Garten hergerichtet worden. Vor allem aber ist der Palas tiefgreifend verändert und den gestiegenen Bedürfnissen nach besserer Wohnqualität angepasst worden.
Zwischen Lenzburg und Brugg dehnten sich im Mittelalter weite Waldgebiete aus, die von den Grafen von Habsburg und ihren Dienstleuten gerodet und kolonisiert wurden. Um 1200 erbaute sich eine Familie des niederen Adels, welche das Schenken- und Truchsesssenamt für das Haus Habsburg ausübte, die Wildegg. 1242 wird die Burg zum ersten Mal in den Urkunden erwähnt. Wohl durch Kauf gelang es Johann I von Hallwil, in den Besitz der Burg sowie der an die Feste gebundenen Herrschaftsrechte in den Dörfern Holderbank und Möriken zu kommen. Bei der Eroberung des Aargaus blieb die Burg von den Bernern verschont, obgleich die Besatzung zur Verteidigung entschlossen war. Der Stand Bern konnte später doch noch die Lehnshoheit über die Herrschaft Wildegg erwerben. 1437 veräusserten die Herren von Hallwil die Anlage Petermann von Griffensee, dem bereits die Habsburg gehörte.
1457 zog die Stadt Bern die Herrschaft Wildegg an sich und fand in Kaspar Effinger von Brugg (1442 1513), Spross einer angesehenen Familie, einen passenden Abnehmer. Dieser hatte sich als Anführer der Brugger bei der Schlacht von Murten militärisch ausgezeichnet. Schon früher hatte bern die verschiedenen Handänderungen argwöhnisch verfolgt, um verhindern zu können, dass der Besitz an einen Feind der Stadt überging. Kaspar Effinger erwarb 1484 die Feste Wildegg mit der Zwingherrschaft zu Holderbank und Möriken. Bern behielt indessen die hohe Gerichtsbarkeit. Die Anlage blieb ununterbrochen im Besitz der Familie Effinger, welche die Burg mehrmals umbaute und vergrösserte.
1912 ging die Wildegg durch das Vermächtnis von Julie von Effinger, der Letzten ihres Geschlechts, an die Schweizerische Eidgenossenschaft über. 1917 wurde das Schloss renoviert und als Museum mit Effingerschem Familienbesitz und Beständen des Schweizerischen Landesmuseums eingerichtet. Die heutige Einrichtung der Räume entspricht dem Zustand um 1800, über dem man dank einer Burgchronik genau orientiert ist.
Pages Officielles du Château de Wildegg
Bibliographie