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Der Amerikaner George Eastman revolutionierte 1888 die Fotografie. Von der Kodak Nummer 1 sind sogar noch Aufnahmen erhalten.
Früher war Fotografie eine dreckige Angelegenheit. Das erste Foto der Welt wurde 1826 mit Asphalt, Lavendelöl und Petroleum auf eine Zinnplatte gebannt: Es zeigt den «Blick aus dem Arbeitszimmer», den der Franzose Joseph Nicéphore Nièpce genossen hat. Später wurden die Bilder mit Quecksilberdämpfen auf Kupferplatten festgehalten.
Wer nicht so gerne Gift einatmete, musste sich bis zur Entwicklung der ersten «Kompaktkamera» anno 1888 gedulden. Ein Amerikaner namens George Eastman hatte einen Apparat entwickelt, in dem ein damals hochmoderner Rollfilm aus Papier eingespannt war, der bald durch Zelluloid ersetzt wurde. 1892 gründete der New Yorker in seiner Heimatstadt die Firma Eastman Kodak.
Die Kodak Nummer 1 wurde zur Legende. Nie zuvor konnten derart einfach – auf Knopfdruck – und schnell fotografiert werden. Eine weitere Neuerung: Kodak übernahm auch die Entwicklung des Films, auf dem etwa 100 Aufnahmen Platz hatten. Dazu musste die komplette Kamera abgegeben werden. Nach etwa vier Wochen bekam der Besitzer die Abzüge und das Gerät inklusive neuem Film zurück.
Die Kodak Nummer 1 kostete 1890 25 Dollar, was heute etwa 640 Dollar entspricht. Die Entwicklung schlug mit zehn Dollar (heute rund 256 Dollar) zu Buche. Kein Wunder also, dass jene Bilder, die bis heute überdauert haben, nicht gerade alltägliches Elend festgehalten haben. Die Fotos des National Media Museum aus Grossbritannien zeigen vielmehr heimelige Familienszenen und den neusten technischen Schnickschnack.
Besagte Technik ist die Eisenbahn. Zwar wurde die erste «Tramroad» in England schon 1825 in Betrieb genommen, doch erst mit der einsetzenden Industrialisierung und Elektrifizierung wurde die Bahn zum geschätzten Massenverkehrsmittel, das es wert war fotografiert zu werden.
Wer sich in London vor der Jahrhundertwende eine teure Kamera kaufen konnte, hatte natürlich auch Ferien. Tatsächlich sorgten Verkehrsmittel wie die Eisenbahn und Gesetze wie das Verbot der Sonntagsarbeit aber auch dafür, dass Arbeiter erstmals Freizeit geniessen konnten.
Das Auto gab es anno 1890 seit vier Jahren: 1886 hatte der Deutsche Carl Benz das Patent angemeldet. Kutschen sorgten für schnellen Transport, obwohl London zuerst Hafenstadt war, wie wir sehen.
Und vor allem knipsten die Menschen – wie auch heute – Kurioses. Wie den kleinen Zoo-Elefanten von jenem Kontinent, von dem es damals nicht mal eine akkurate Karte gab: Afrika war erst 1885 auf der Berliner Kongokonferenz unter den Europäern aufgeteilt worden, ohne dass sie genaue Kenntnisse der Topographie hatten.