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Es war im Jahr 1947 in Los Angeles. Nat King Cole sollte im Lincoln Theatre auftreten. Cole war zu dieser Zeit eine riesige Nummer, im Jahr zuvor feierte er mit «(I Love You) For Sentimental Reasons» seinen ersten Nummer-1-Hit. Natürlich sollte es an diesem Tag in Los Angeles auch Fans haben, die auf ein privates Treffen mit dem Jazzsänger hofften.
Doch ein Typ passte so gar nicht in die Szene. Eine Art Jesus-Verschnitt: Langer Mantel, wilde Locken und ein struppiger Bart – Eden Ahbez. Er wollte sich nicht das Konzert anhören. Er wollte Cole sprechen, ihm eine eigene Komposition schenken. Der Türsteher liess den vermeintlichen Spinner nicht rein.
Ahbez liess nicht locker. Erst als ein Bühnenarbeiter erschien und ihm versprach, die Notenblätter an Cole weiterzugeben, verschwand Ahbez. Der Bühnenarbeiter hielt sein Versprechen.
Wo ist der Komponist?
Nat King Cole spielte das Stück – und war hin und weg. «Nature Boy» war anders als so viele Songs zuvor. Der Song war mysteriös, der Inhalt schien so gar nicht zur Melodie zu passen. Als Cole das Stück spielte, drehte das Publikum durch. Cole musste das Stück aufnehmen und als Platte veröffentlichen. Doch dazu musste er zuerst einmal den Mann finden, der ihm die Notenblätter zukommen liess.
Mehrere Wochen suchten Nat King Cole und die Vertreter seines Plattenlabels nach dem Unbekannten. Kein einfaches Unterfangen, denn Eden Ahbez war ein Obdachloser.
Schon früh als Landstreicher unterwegs
Geboren 1908 in Brooklyn, wuchs Ahbez zusammen mit zwölf Geschwistern in Armut auf. Er wurde an Pflegeeltern abgegeben und lebte auf einer Farm in Kansas. Bereits mit 14 Jahren hatte Ahbez genug von diesem geordneten Leben. Er trampte durch die USA, schrieb Gedichte, komponierte Musik. Zu dieser Zeit gab sich der bis dahin als George Aberle bekannte Mann auch den neuen Namen: eden ahbez. Bewusst kleingeschrieben. «Nur Gott, die Unendlichkeit und die Liebe haben es verdient, grossgeschrieben zu werden», sagte er.
Ahbez würde man heute als Hippie bezeichnen, damals sagte man diesen Leuten noch «Nature Boys» – so wie er auch sein berühmtestes Lied später nannte. Er lebte von Früchten, die er in der Natur fand. Hatte nie einen festen Wohnsitz.
Er heiratete die Geschäftsfrau Anna Jacobson, die von ihm und seinem Leben fasziniert war. Gemeinsam lebten Anna und Eden als Landstreicher.
Unter dem «Hollywood»-Schriftzug gefunden
Eden Ahbez wurde nach ein paar Wochen von Vertretern des Plattenlabels von Nat King Cole gefunden. Er lebte damals unter dem zweiten «L» des «Hollywood»-Schriftzugs. Rasch wurde mit Ahbez ein Vertrag aufgesetzt, «Nature Boy» von Nat King Cole erschien im März 1948 – und wurde ein riesiger Erfolg.
Der Nummer-1-Hit wurde innert eines Monats über eine Million Mal verkauft, Coles Status als Star wurde zementiert, er wurde in alle Shows eingeladen, um seinen Hit zu spielen.
Ahbez war kein Geschäftsmann
Ahbez selbst hatte vom Erfolg wenig. Schon bevor der Song erschien, erwarb der Songschreiber Irving Berlin die Hälfte der Rechte. Nat King Cole bekam einen Viertel. Vom restlichen Viertel schenkte Ahbez die Hälfte dem Bühnenarbeiter, der die Notenblätter an Cole weitergab. Doch auch mit diesem Achtel blieb für Ahbez eine ansehnliche Summe, umgerechnet rund 350'000 Dollar.
Er rührte das Geld nicht an, er wolle es «irgendwo verstecken, wo ich nicht rankomme». Doch Ahbez war jetzt ein Star. Er gab Interviews, posierte für Fotos, gab Autogramme. Dabei wollte er diesen Rummel gar nicht, er war schlicht überfordert. Denn sein Leben wollte er nicht ändern.
Ein Sohn und ein eigenes Album
Doch das Leben wurde für ihn geändert. Im Oktober 1948 wurden Eden und Anna Eltern eines Sohnes, Tatha Om Ahbez, genannt Zoma. Für die junge Familie war das noch lange kein Grund, ihren Lebensstil zu ändern, sie lebten weiter in der Natur, angeblich mit maximal 8 Dollar pro Woche.
Eden zog sich darauf immer mehr zurück. 1960 wurde er von Bob Keane für das Label Del-Fi Records verpflichtet und Ahbez brachte sein eigenes Album raus: «Eden's Island». Verkauft wurde es ein paar hundert Mal. Die Songs handeln von Inseln, Stränden, Früchten, Tieren. Ahbez rezitiert Gedichte, hat tiefe Einsichten, zwischendurch spielt er auf selbstgebauten Flöten.
Mehrere Schicksalsschläge
Danach hörte man kaum mehr etwas von Eden Ahbez. Einige Leute behaupteten, er schreibe an einem Buch, andere wollten wissen, dass er eine neue Platte plane.
Doch das Schicksal traf Ahbez hart. 1963 starb seine Frau Anna an Knochenkrebs, der gemeinsame Sohn Zoma ertrank zwei Jahre später im Alter von 17 Jahren.
Eden Ahbez zog sich weiter zurück. Es gibt verschiedene Berichte von Sichtungen, bestätigt ist nichts. Im März 1995 starb Ahbez, nachdem er von einem Auto angefahren wurde. Er wurde 86 Jahre alt.
Mehrere Neuauflagen von «Eden's Island»
Dass er danach wieder ein gefragter Musiker wurde, erlebte er nicht mehr. Noch im gleichen Jahr wurde «Eden's Island» ein erstes Mal wiederveröffentlicht, Exotica feierte ein Revival und das Album war ein begehrtes Sammlerstück. Das ist es in bestimmten Kreisen bis heute, erst vor wenigen Monaten wurde «Eden‹s Island» erneut neu aufgelegt. Ahbez› unveröffentlichte Lieder wurden von der bekannten Exotica-Band Ìxtahuele unter dem Titel «Eden Ahbez's Dharmaland» und «Eden's Themes – The Music of an Enchanted Garden» rausgebracht. Seit mehreren Jahren ist ein Dokumentarfilm über Eden Ahbez angekündigt.
Mit «Nature Boy» lebt Eden Ahbez bis heute weiter, es gibt weit über 200 Coverversionen. Und damit lebt auch die wichtigste Botschaft Eden Ahbez' weiter, die er ganz am Schluss des Songs platzierte: «The greatest thing you'll ever learn, Is just to love and be loved in return» – «Das Grösste, was du jemals lernen wirst, ist einfach zu lieben und zurückgeliebt zu werden».
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