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In dieser Wochenberichtsperiode hat der Wind, das himmlische Kind, höllisch gewütet. Bei mehreren Sturmphasen aus West, Nordwest und Südwest mit Föhn wurde viel Schnee verfrachtet – Neuschnee und Altschnee. Besonders am Alpenhauptkamm und nördlich davon ist die Schneedecke von den Stürmen, aber auch von den milden Temperaturen gezeichnet: Kämme und Grate sind abgeblasen. Meist kompakte Triebschneeansammlungen liegen in kammfernen Rinnen und Mulden. Am Alpensüdhang liegt deutlich mehr Schnee und die Schneeverteilung ist gleichmässiger als im Norden. Auch der Schneedeckenaufbau ist dort am günstigsten. In den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens ist der Schneedeckenaufbau am schlechtesten – «standesgemäss» hat sich vor allem dort ein Altschneeproblem entwickelt.
Wiederholte Sturmphasen aus West, Nordwest und Südwest mit Föhn prägten diese Wochenberichtperiode. Einen Überblick geben die Abbildungen 1 und 2 und einen Eindruck die verschiedene Abbildungen in der Bildstrecke.
Zudem fiel vor allem im Westen und Süden viel Schnee (vgl. Abbildung 4, 10). Die Temperaturen waren vor allem im Norden für die Jahreszeit sehr mild. Die Nullgradgrenze kletterte von unter 1000 m zum Anfang der Wochenberichtsperiode auf über 2000 m ab Sonntag, 15.12.
Es war stark bewölkt mit wiederholten Schneefällen vor allem im Westen und Norden. Am Samstag gab es vor allem am Alpensüdhang, in Graubünden und am westlichen Alpennordhang und im Jura Aufhellungen. Im Wallis schneite es gebietsweise noch schwach bis in den Nachmittag hinein. Die Schneefallgrenze lag am Freitag am Alpensüdhang und im Wallis in tiefen Lagen, sonst zwischen 800 und 1200 m. Am Samstag kletterte sie im Jura, den Waadtländer und Freiburger Alpen und im westlichen Unterwallis gegen 2000 m, sonst am Alpennordhang und im Wallis auf rund 1600 m. Am Alpensüdhang und in Graubünden lag sie um 1000 m oder darunter. Der Wind blies stark bis stürmisch aus West bis Nordwest (vgl. Abbildung 1 und 2). Am Alpennordhang kam am Freitag vorübergehend starker Südföhn auf.
Von Donnerstagnachmittag bis in die Nacht auf Sonntag schneites es im westlichen und nördlichen Unterwallis mit 60 bis 80 cm am meisten (vgl. Abbildung 4). Im Jura und am Alpennordhang sowie in den meisten Gebieten des Oberwallis schneite es 20 bis 40 cm, im Tessin und in Graubünden weniger.
Den Neuschnee zu messen und im Gelände zu finden war aufgrund des Sturmes nicht immer einfach. Er wurde zusammen mit Altschnee intensiv verfrachtet (vgl. Abbildung 5) und damit die Schneehöhenverteilen auf kleinem Raum sehr unterschiedlich. Kämme und Rücken waren schneefrei geblasen, dafür sammelten sich an windgeschützten Orten grosse Triebschneemengen an.
Bedingt durch die zeitweise intensiven Schneefälle im Westen und die starke Schneeverfrachtung durch den Sturm wurde im Lawinenbulletin zunehmend vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt: Zuerst im westlichsten Unterwallis (Bulletin vom 12.12., 17 Uhr), dann im westlichsten und nördlichen Unterwallis (Bulletin vom 13.12., 08 Uhr), dann in den meisten Gebieten des Unterwallis, im Turtmanntal und in den meisten Gebieten des nördlichen Oberwallis sowie im Grimselgebiet (Bulletin vom 13.12., 17 Uhr und 14.12., 08 Uhr). Aufgrund der festgestellten Lawinenaktivität an diesen beiden Tagen dürfte die Stufe 4 (gross) im westlichsten Unterwallis erreicht worden sein, in den übrigen Gebieten nur teilweise.
Mit der Triebschneeüberdeckung kristallisierte sich am Samstag in Graubünden und in den inneralpinen Gebieten des Wallis das schon latent bestehende Altschneeproblem klarer heraus (vgl. letzte Wochenberichtsperiode). Brüche wurden in der Schwachschicht direkt unter dem Triebschnee und in bodennahen Schichten beobachtet. Im Lawinenbulletin für den Sonntag, 15.12. wurde dies deshalb prominenter beschrieben.
Im Westen war es in der Nacht auf Sonntag noch wechselnd bewölkt mit vereinzelt schwachen Niederschlägen. Die Schneefallgrenze lag bei 1600 bis 1800 m. Tagsüber war es nördlich des Alpenhauptkammes in allen Gebieten föhnbedingt teils sonnig. Am Alpensüdhang begannen sich im Tagesverlauf die Wolken zu stauen, es blieb aber noch trocken. In der Höhe blies weiterhin ein kräftiger West- bis Südwestwind.
Auslösungen durch Personen und wenige spontane Lawinen konnten am Sonntag vor allem in Graubünden erneut dem Altschneeproblem zugeordnet werden. Zwei diese Lawinen wurden am Sonntag am Chummer Schwarzhorn (Davos, GR) ausgelöst (vgl. Abbildung 6, 7 und 8).
In der Periode von Montag bis Donnerstag beherrschte erneut eine Südlage mit Föhnsturm die Situation. Im Norden war es wohl meist stark bewölkt, es gab aber immer wieder föhnige Aufhellungen. Am Alpensüdhang war es bedeckt mit Niederschlag. Die Schneefallgrenze lag zwischen 1400 und 2200 m.
In Summe fielen oberhalb von 2200 m zwischen Sonntagabend und Donnerstagmorgen im nördlichen und mittleren Tessin sowie im Moesano verbreitet 20 bis 40 cm, in den Maggiatälern 40 bis 60 cm oder mehr (vgl. Abbildung 10).
Nachdem bis anhin schon viel Schnee verfrachtet worden war, war in der Folge mit weiterem Sturm nicht mehr mit der Bildung grösserer Triebschneeansammlungen zu rechnen. Die Schneeoberfläche war meist unregelmässig, hart und rauh, das heisst, frische Triebschneeansammlungen wurden nicht auf eine Schwachschicht abgelagert. Zudem waren tiefere Schwachschichten mächtig überlagert. Aus diesen Gründen nahm die Lawinengefahr nördlich einer Linie Rhone-Rhein in der Folge eher ab als zu.
Anders im südlichen Wallis und in Graubünden, wo die schwachen Schichten in der Schneedecke nur wenig überlagert waren: Dort wurde die Lawinengefahr weiterhin als erheblich (Stufe 3) beurteilt. Am Alpensüdhang stieg sie mit Neuschnee allmählich auf die Stufe 3 (erheblich) an.
Mit der Wärme und Regen wurden in allen Gebieten wieder vermehrt Gleitschneelawinen beobachtet (vgl. Abbildung. 11).
Regen bis auf 2200 m hinauf und der Föhn im Norden führten zu einer deutlichen Schneehöhenabnahme durch Schneeschmelze in tiefen und mittleren Lagen und Setzung in hohen Lagen. Auf 2000 m lagen am Donnerstagmorgen die in Abbildung 12 abgebildeten Schneehöhen.
Seit Freitag, 13.12. erscheint das Lawinenbulletin auch am Morgen um 8 Uhr täglich.
Informationen zur Verwendung der Lawinenprobleme im Lawinenbulletin sind hier zu finden.
In dieser Wochenberichtsperiode wurden 6 Lawinen mit erfassten Personen gemeldet. In fünf Fällen war jeweils eine, in einem Fall waren drei Personen erfasst. Eine Übersicht aller gemeldeten Lawinenunfälle mit Personen des hydrologischen Jahres 2019/20 ist hier zu finden. Am Sonntag, 15.12. ereignete sich am Titlis im «Laub» ein tödlicher Lawinenunfall. Am Brienzersee wurden zwei Steinböcke von einer Gleitschneelawine erfasst und stürzten ab.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.