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Datierung
1959
Bildmasse
83 x 66 cm
Technik/Material
Tempera auf Pavatex
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung aus Privatbesitz
Inv.-Nr.
SK10403
Opus 89 A
Der Maler, Kunsttheoretiker und Architekt Hans Hinterreiter (1902, Winterthur, CH – 1989, Ibiza, ES) pflegte persönliche Beziehungen zu den Zürcher Konkreten, sein künstlerisches und wissenschaftliches Œuvre zeugt jedoch von einer autonomen Auseinandersetzung mit den Eigengesetzlichkeiten von Form und Farbe.
Hinterreiter studierte Architektur an der ETH Zürich und malte in der Freizeit vorerst stilisierte Landschaften. Ausschlaggebend für die radikale Richtungsänderung hin zur konstruktiven Malerei war 1929 die Beschäftigung mit den mathematischen Prinzipien der Farbenharmonie, wie er sie in den Schriften von Wilhelm Ostwald formuliert fand. Hinterreiter wendete Ostwalds Farbsystem mit 680 Farbnormen und deren Beziehungsverhältnissen an. Er begann eine entsprechende «Farb- und Formorgel» anzulegen. Diese Sammlung elementarer geometrischer Strukturen sollte Künstlern als Fundus dienen für mannigfache rhythmische Kompositionen. Hans Hinterreiter hielt seine auf Philosophie, Mathematik und Musik basierenden Reflexionen ab 1936 in seiner Abhandlung «Die Kunst der reinen Form» fest.
Aufbauend auf der von ihm entwickelten Theorie und in der Abgeschiedenheit der Insel Ibiza entfaltete Hinterreiter sein malerisches Werk. Ein Netz mit dekorativen, sich drehenden und spiegelnden Knoten überzieht in den Jahren nach 1930 kaleidoskopartig die «Form- und Farbgedichte», wie der Künstler seine Arbeiten nannte. Inspiriert durch seinen Besuch der Alhambra (1934) liess er Elemente der maurischen Ornamentik in seine Werke einfliessen. Das kristalline Muster bricht in den Skizzen und Malereien ab Mitte der 1940er-Jahre durch Brennpunkte in der Mitte oder am Rand auf. Daraus entspringen oft geschwungene Strukturen, die in präzise entwickelten eckigen und runden Werkformaten aufgehen. Die späteren Arbeiten «SWF 83», und «Opus 89A» verdeutlichen Hinterreiters Weg zur Dynamisierung des Bildfeldes. Das Betrachterauge kann hier ein soghaft anziehendes Wandelspiel von abstrakten Formen und leuchtenden Farben nachvollziehen.
Erst in den 1970er-Jahren widmete das Kunstmuseum Winterthur dem Künstler in einer Einzelausstellung die überfällige Anerkennung. Hinterreiters theoretische und künstlerische Verdienste im Sinne einer Systematisierung von Farbe und Form sowie einer andersartigen Kombination alter Regeln haben zu innovativen ästhetischen Lösungen geführt und damit die geometrisch-konstruktive Malerei bereichert – gemäss Hinterreiters Diktum: «[...] nicht das Chaos, sondern die Ordnung ist für unser Empfinden schön und beglückend.»
Ursula Meier