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Woran denkst du als Erstes, wenn du das Wort Jugendstil-Design hörst? Etwas Französisches, Klassisches, Schickes und vielleicht Teures? Nun, der Jugendstil wird auch Art Nouveau genannt, was aus dem Französisches stammt und „Neue Kunst“ bedeutet. Er sollte Kunst fürs Volk sein und ein Versuch, sich von traditionellen Kunstformen zu distanzieren, die oftmals restriktiv und exklusiv waren. Die Jugendstil-Bewegung sollte allen Bereichen des Lebens und allen Menschen Schönheit bringen.
In der heutigen Zeit sind wir dazu übergegangen, unterschiedliche Kunststile aus vergangenen Jahrhunderten zu nutzen, ohne sie wirklich zu kennen. Wir verwenden historische Designs wie Jugendstil-Design in unserem Branding, unserem Grafikdesign, unserer Wohnungseinrichtung, unserer Architektur und vielem mehr. Ein Blick auf die Kunstgeschichte zeigt, dass es es bei revolutionären Kunstwerken nicht nur um Ästhetik ging, sondern auch darum, einen Teil einer Gesellschaft widerzuspiegeln. Es ging um eine Bewegung und die Sehnsüchte und Abneigungen innerhalb einer Gesellschaft.
Heutzutage nutzen wir Kunst noch immer auf die gleiche Weise. Wir nutzen sie, um uns mit einer bestimmten Bewegung oder Denkrichtung zu identifizieren, um Kundschaft und Betrachter anzulocken. Wie wird Jugendstil-Design nun heutzutage von Marken und Designs genutzt? In diesem Artikel schauen wir uns die Geschichte des Jugendstils und seine wichtigsten Merkmale an, um dir dabei zu helfen, ihn in heutigen Designs zu erkennen.
Die Geschichte des Jugendstils
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Die Jugendstil-Bewegung begann im späten 19. Jahrhundert und wurde vom britischen Kunstgewerbler, Autor und Aktivisten William Morris zusammen mit weiteren Kollaborateuren der Arts-and-Crafts-Bewegung geprägt.
Die Arts-and-Crafts-Bewegung ging dem Jugendstil voraus und hatte das Ziel, die Qualität des funktionalen Designs zu reformieren, indem sie der Kunst, die in der damaligen Kunstwelt oft unterrepräsentiert war und nicht gewürdigt wurde, eine würdige Anwendung im Alltag verschaffte. Den Gedanken hinter der Arts-and-Crafts-Bewegung sieht man im Jugendstil: der Wunsch, die traditionellen und oft elitären Vorstellungen über die Hierarchie in der Kunst aufzulösen.
Der Gedanke hinter dem Jugendstil ist, dass es wichtig ist, die Schönheit in allen Objekten zu sehen: Kunst muss kein lebloses Gemälde sein, das du dir an die Wand hängst, sondern kann durchaus funktional und für mehr als nur wenige Menschen gemacht sein. Dies war eine radikale Philosophie in der elitären Kunstwelt. Wie William Morris sagte: „Habe nichts in deinem Haus, von dem du nicht weißt, dass es nützlich ist, oder du glaubst, dass es schön ist.“
In Anlehnung an seine britischen, mittelalterlichen und romantischen Ursprünge ließ sich der Jugendstil von der Welt der Pflanzen und der Natur inspirieren, ganz ähnlich wie die künstlerische und literarische Bewegung der Romantik. Die Romantik begann im 18. Jahrhundert und legte den Schwerpunkt auf Individualismus, Spontaneität und Regelfreiheit und ermutigte die Menschen, sich auf ihre Fantasie zu verlassen. Ein großer Unterschied zwischen Romantik und Jugendstil war jedoch, dass die Anhänger der Romantik die Industrielle Revolution kritisierten, wohingegen der Jugendstil diese begrüßte und sogar von ihr beflügelt wurde.
Jugendstil und die Industrielle Revolution
Der Jugendstil entstand als Reaktion auf bedeutende Weltereignisse, einschließlich der Industriellen Revolution, die im 18. Jahrhundert begann. Die Industrielle Revolution war der Wandel weg von einer handwerklichen Wirtschaft hin zu einer von Maschinen dominierten Wirtschaft durch das Aufkommen neuer Technologien.
Die fünf wichtigsten Faktoren er Industrialisierung sind:
- Land
- Arbeit
- Kapital
- Technologie
- Verbindungen
Diese fünf Elemente sieht man auch in der Jugendstil-Bewegung. Die Industrielle Revolution ermöglichte eine schnellere und günstigere Produktion von Materialien, wodurch neue Baumaterialien wie Glas, Stahlbeton, Gusseisen und Stahl jederzeit verfügbar waren.
Der Jugendstil war in der Lage, sowohl handgefertigte, einzigartige Stücke als auch industriell produzierte Produkte hervorzubringen, damit auch jene Zugang zu den schöneren Dingen des Lebens hatten, die weniger wohlhabend waren. Dies wurde durch die Industrielle Revolution möglich und dies wiederum ermöglichte es dem Jugendstil, sein Ziel zu erreichen, Kunst für das Volk zu schaffen.
Ziele des Jugendstils
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Eines der Ziele des Jugendstils bestand darin, die Trennung zwischen bildender Kunst und angewandter Kunst aufzuheben. Bildende Kunst ist schlicht aufgrund ihrer Ästhetik Kunst, der es zwar oftmals an einem Konzept mangelt, die aber hauptsächlich anhand ihrer Schönheit beurteilt wird. Angewandte Kunst hingegen ist Kunst mit einem Zweck, Kunst, die auf alltägliche und praktische Objekte angewandt wird. Diese Kunstgattung machte es möglich, dass nicht nur die Wohlhabenden Zugang zu den schönen Dingen des Lebens hatten, sondern brachte die Schönheit in Bereiche, wo sich jeder an ihr erfreuen konnte, und gab ihnen einen funktionalen Zweck, von der Architektur und Innenarchitektur bis hin zu Grafik, Schmuck und vielem mehr. Viele Kunstwerke des Jugendstils waren keine Gemälde (die sich oftmals nur Reiche leisten konnten), sondern Gegenstände wie Vasen, Stühle, Lampen und Gebäude.
Die Pioniere des Jugendstils forderten die Gesellschaft – einschließlich Künstler, Handwerker und Handwerkerinnen aller Art – heraus, handgefertigte Kunsthandwerke neu zu etablieren und moderne Designs zu kreieren, die sowohl praktisch als auch schön waren. Diese Entwicklung führte dazu, dass Handwerker gewöhnliche Gegenstände erneut betrachteten und sie als potenzielle Meisterwerke sahen. Zu diesem Zweck experimentierten Künstler und Künstlerinnen mit einer Reihe von Elementen, wie z. B. der Schaffung freier Formen, Linien und Kurven, geometrischen Formen – alles Aspekte, die heute charakteristische Elemente des Jugendstils sind.
Die Jugendstil-Bewegung hatten auch das Ziel, die Bildungseinrichtungen zu verändern. Vom 17. bis 19. Jahrhundert wurde die akademische Kunstwelt von einer Hierarchie dominiert, bei der bildende Kunst wie Gemälde und Skulpturen als überlegen betrachtet wurde und daher mehr Aufmerksamkeit und Möglichkeiten bekam. Der Jugendstil rückte Kreative aller Disziplinen ins Licht und wertschätzte die große Vielfalt an Kunstwerken.
Künstler des Jugendstils
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Ausgehend von William Morris in England, verbreitete sich die Nachricht über die Jugendstil-Bewegung und wie sie die Kunstwelt veränderte schnell. Einer der Künstler, der die Jugendstil-Bewegung nach Belgien brachte, war der junge Architekt Victor Horta, der ein Haus im Jugendstil baute. Es wird aufgrund der innovativen Materialien als eines der ersten Gebäude betrachtet, die vom Jugendstil inspiriert waren.
Beeinflusst durch Horta, übernahm der französische Architekt und Designer Hector Guidmard den Jugendstil für den Eingang der Pariser Métro-Station „Le Metropolitain“.
Nach der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 wurde dem Jugendstil mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Die Weltausstellung zeigte viele Künstler und Künstlerinnen des Jugendstils, einschließlich namhafter Künstler wie Alphonse Mucha, einem tschechischen Maler, Illustrator und Grafikdesigner. Er war vor allem für seine unverwechselbaren, reich verzierten Theaterplakate bekannt. Besonders bekannt wurde er durch seine Poster mit der französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt und wie er Bernhardt aus Sicht des Publikums als Bewunderer und Beobachter des Stars darstellte.
Zu den weiteren führenden Architekten und Designern des Jugendstils gehörte der ungarische Architekt Ödön Lechner. Er war bekannt für seine grandiosen Designs, die den Gebäuden Budapests Leben und Farbe einhauchten. Lechner kombinierte Stilelemente des Jugendstils mit traditionellen ungarischen volkstümlichen Erzählungen, die ihre Wurzeln in der Romantik hatten.
Elisbateh Sonrel, eine weitere Jugendstil-Künstlerin, war eine französische Malerin und Illustratorin im Jugendstil mit Elementen der britischen Präraffaeliten des neunzehnten Jahrhunderts. Ihre Arbeit enthielt sinnbildliche Themen, Mystik und Symbolik sowie Portraits und Landschaften. Sonrel stellte mit Aquarellfarben idealisierte Frauen dar, oftmals mit religiösen Motiven. Ihr Stil war fein und detailorientiert.
Hauptmerkmale des Jugendstil-Designs
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Kreative aus verschiedenen Disziplinen von Maler über Illustratoren bis hin zu Schmuckdesigner nutzten bestimmte Techniken, die sie als Künstler und Künstlerinnen der Jugendstil-Bewegung kennzeichneten. Diese Techniken zeigten traumhafte Bilder, die die Vorstellung von einem Denken jenseits der Form verkörperten und eine Zeit illustrierten, in der neue Gedanken zum Leben erwachten. Diese traumhaften Bilder wurden häufig durch folgende Merkmale dargestellt:
Sinnlichkeit
Der Jugendstil spiegelte das Erwachen der Sexualität wider, das während dieser Zeit stattfand. Frauen wurden im Jugendstil häufig erotisch dargestellt und andere Disziplinen nutzten sinnliche, rundliche Formen, um den Körper zu symbolisieren.
Heutzutage nutzen wir noch immer die Sinnlichkeit und Erotik des Jugendstils, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen und sinnliche Produkte wie exklusives Essen oder gehobene Speisen, Kosmetika, Parfums und alkoholische Getränke zu branden. Schau dir die Designs unten an, um zu sehen, was wir meinen.
Japanisch inspirierte flache Perspektive
Sigfried Bing, ein deutsch-französischer Kunsthändler, brachte die japanische Kunst in die westliche Welt und trug so stark zur Entwicklung des Jugendstil-Designs bei. Aufgrund der Weltausstellung in Paris, in der Bing mehr als 700 Drucke und mehr als 400 Bücher aus Japan ausstellte, gewann japanische Kunst überall in Europas Kunstkreisen an Beliebtheit.
Die Bewegung aus Japan, die den Jugendstil am stärksten beeinflusste, wurde Ukiyo-e genannt, was so viel wie „Bilder der fließenden Welt“ bedeutet. Ukiyo-e war ein aufwändiges Verfahren zur Herstellung von Holzschnitten, die flache Perspektiven erzeugen. Die Nutzung von Raum, Farbe und dekorativen Mustern in japanischen Kunstwerken inspirierte dieselben Elemente im Jugendstil stark.
Geschwungene und frei fließende Linien
Die Kreativen der Jugendstil-Bewegung erfanden einen Stil, bei dem Rundungen vorherrschten. Der Peitschenhieb war ein ikonisches Element, welches durch ein geschwungenes „S“ in einer oft asymmetrischen, von der Natur inspirierten Linie gekennzeichnet war. Wir finden diese Linien bei Balkonen, Geländern, Fassaden, Hauseingängen und Rahmen.
Heutzutage kannst du diese geschwungenen und frei fließenden Linien häufig in Logo- und Verpackungsdesigns sehen. Wie in den Beispielen von Renata_Costa und Mila Katagarova unten zu sehen, wirken diese Designs, als würden sie fließen. Und die dekorativen und verschnörkelten Details in den Designs spiegeln den architektonischen Einfluss des Jugendstils wider.
Florale Formen
Viele Künstler und Künstlerinnen des Jugendstils nutzten Blumen oder natürliche Elemente wie Lilien, Schwertlilien, Mohnblumen, Rosenknospen, Pfauen, Libellen, Eiformen, Wolken oder Wasser. Selbst Darstellungen von Frauen mit wunderschön langem, wehendem Haar wurden genutzt, um interessante Imitationen der Natur selbst zu kreieren, was zur harmonischen Komposition beitrug.
Wir sehen dies heutzutage, wenn Marken florale Formen nutzen, um ein Gefühl von Luxus, Vitalität und Weiblichkeit zu vermitteln. Florale Designs im Jugendstil-Design werden überall genutzt: von Postern über Verpackungen bis hin zu Produktetiketten, Logos und Einladungen für feierliche Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Baby Showers. Sie lassen jedes Design sofort weicher und natürlicher wirken.
Wann du Jugendstil-Design in deinem Branding nutzen solltest
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Jugendstil-Design zeigt uns, wie man durch die Wertschätzung und Kombination verschiedener Kulturen mit Respekt und Achtung traditionelle Stile neu erfinden und wiederbeleben kann. Es handelt sich um einen klassischen Stil, der in der heutigen Kunstwelt noch immer umjubelt ist, da er alle Künstler und Künstlerinnen der damaligen Zeit mit einbezog.
Jugendstil-Design wird häufig für visuelle Identitäten verwendet, die vermitteln wollen, dass sie organisch oder originell sind, die Natur bewundern, Leben und Schönheit in alle Dinge bringen und einen Hauch von Eleganz vermitteln. Wenn dies Elemente sind, die deine Marke repräsentieren soll, experimentiere selbst mit Jugendstil-Design oder lass dir von professionellen Designern und Designerinnen helfen.