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Der Konsum pflanzenbasierter Getränke hat von 2011 bis 2016 um 19% zugenommen, während der Konsum von Trinkmilch um 6% zurückging. Welche ernährungsbedingten Folgen kann der Konsum von pflanzenbasierten Getränken anstelle von Kuhmilch haben? In einer Studie, in der die Zusammensetzung von 45 pflanzenbasierten Getränken, die in der Schweiz kommerziell erhältlich sind, mit derjenigen von Kuhmilch verglichen wurden, ist die Berner Fachhochschule dieser Frage nachgegangen.
1. Konsum pflanzenbasierter Getränke nimmt zu
Pflanzenbasierte Getränke bestehen aus Extrakten, die aus Soja, Reis, Kokosnuss, Hafer, Mandeln, Quinoa oder anderen Pflanzen gewonnen werden. Sie werden oft als Ersatz für Kuhmilch in der täglichen Ernährung konsumiert. Aus medizinischen Gründen wird der Ersatz von Kuhmilch durch pflanzenbasierte Getränke bei einer Kuhmilchproteinallergie, deren Inzidenzrate beispielsweise bei Kindern unter 3 Jahren bei 2–5% liegt, verordnet. Der Hauptgrund für den zunehmenden Konsum von Milchalternativen liegt jedoch gemäss dem Euromonitor International darin, dass die Konsumenten pflanzenbasierte Getränke als die «gesündere» und «natürlichere» Wahl ansehen.
2. Studienaufbau
Der Nährstoffgehalt von 45 in der Schweiz kommerziell erhältlichen, pflanzenbasierten Getränken und Kuhmilch wurde analysiert sowie mit den Ernährungsempfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) für verschiedene Bevölkerungsgruppen (Erwachsene (25–51 Jahre), Kinder (4–7 Jahre), Kleinkinder (1–3 Jahre)) verglichen. Dabei wurde der Fokus auf den Gehalt an Proteinen, an essenziellen Aminosäuren (EA) sowie die Proteinbioverfügbarkeit gelegt.
Des Weiteren interessierte auch der in den untersuchten Getränken vorhandene Gehalt an Kalzium, Salz und Zucker. Dabei wurden die Verpackungs- und Internetangaben zur Nährstoffzusammensetzung der einzelnen Getränke verwendet. Fehlende auf den Verpackungsetiketten oder im Internet nicht enthaltene Nährstoffangaben wurden mit Zahlen aus der Schweizerischen Nährwertdatenbank, der FoodCASE Internetseite oder der Literatur ergänzt. Um die Nährwertprofile miteinander vergleichen zu können, wurden die Nährstoffangaben auf eine Portionengrösse berechnet. Diese beträgt gemäss Schweizerischer Lebensmittelpyramide 200 ml für Erwachsene und 100 ml für Kinder und Kleinkinder.
3. Proteinqualität
Die 45 analysierten Getränke wurden entsprechend ihres Hauptbestandteiles in folgende Kategorien eingeteilt: Soja-basierte Getränke, Hafer-basierte Getränke, Dinkel-basierte Getränke, Kokosnuss-basierte Getränke, Reis-basierte Getränke, Quinoa-basierte Getränke, Mandel-basierte Getränke und Kuhmilch. In der Tabelle 1 sind die Nährwertprofile der pflanzenbasierten Getränke im Vergleich zu Kuhmilch dargestellt. Alle Milchalternativen weisen einen tieferen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und, ausser bei den Quinoa-basierten Getränken, einen leicht tieferen Energiewert auf.
Kuhmilch und Sojadrink besitzen den etwa gleich hohen Gehalt an Gesamtprotein (Abb. 1). Allerdings weist Kuhmilch eine höhere Qualität in Bezug auf den Gehalt an EA auf als die pflanzenbasierten Getränke. Bei der Kuhmilch sind 49% der Aminosäuren essentiell, bei Sojaprotein und Mandelprotein beträgt dieser Wert 41% bzw. nur gerade 24%. Vor allem der Gehalt an Methionin, einer der neun essenziellen Aminosäuren, ist in den Getränken sehr unterschiedlich. Sie muss über die Nahrung zugeführt werden, weil sie vom menschlichen Körper nicht selber synthetisiert werden kann. Kuhmilchprotein enthält 3,1% Methionin. Wird Kuhmilchprotein durch Sojaprotein oder Mandelprotein ersetzt, dann reduziert sich der Methioningehalt auf 1,48% oder gar 0,39%. Bezieht man jetzt noch den niedrigen Proteingehalt des Mandeldrinks ein, kann dieser keinen Beitrag zum täglichen Methioninbedarf mehr leisten.
4. Kalzium-, Salz- und Zuckergehalt
Der Gehalt an Kalzium in den untersuchten Getränken unterscheidet sich stark (Tabelle 1). Dort wo Nährwertangaben zum Kalziumgehalt vorhanden sind, liegen diese bei den pflanzenbasierten Getränken mehr als sechs Mal tiefer als bei Kuhmilch. Eine Portion Kuhmilch trägt zur Deckung von 24%, 16% oder 20% der empfohlenen Tagesdosis für Erwachsene, Kinder bzw. Kleinkinder bei. Soja-, Mandel- und Quinoa-basierte Milchalternativen dagegen decken den empfohlenen Tagesbedarf nur zu rund 2% (Abbildung 2).
Einige der pflanzenbasierten Getränke werden mit Kalzium und Vitaminen (vor allem Vit. D, Vit. B2 und Vit. B12) angereichert. Um das Aroma des Getränks appetitlicher zu machen sowie unerwünschte Off-Noten pflanzlichen Ursprungs zu maskieren werden den pflanzenbasierten Getränken Salz sowie in einigen Fällen, wo auch Aromastoffe zum Einsatz kommen, Zucker zugesetzt. Aromatisierte Milchalternativen enthalten zwei bis acht Mal so viel Zucker wie die nicht-aromatisierte Variante.
5. Was gilt es zu beachten?
Die Ergebnisse zeigen, dass Kuhmilch einen höheren Gehalt an Protein und an EA besitzt als die meisten in dieser Studie analysierten pflanzenbasierten Getränke. Wird Kuhmilch durch Mandelmilch ersetzt, ist besonders zu beachten, dass diese die schlechteste ernährungsphysiologische Proteinqualität aufweist. Das haben bereits andere Studien aus den USA und Europa gezeigt. Ausserdem weist Mandelmilch einen sehr niedrigen Proteingehalt auf. Grosse Unterschiede gibt es auch beim Kalzium: Kuhmilch besitzt rund sechs Mal mehr Kalzium als die in dieser Studie untersuchten pflanzlichen Getränke.
Sehr vielen der untersuchten pflanzenbasierten Getränke wurden Salz und Zucker zugesetzt. Die Schweizerische Ernährungsstrategie hat zum Ziel, den Zusatz von Salz und Zucker bei der Herstellung von Lebensmitteln zu reduzieren, da er mit der starken Zunahme von nicht-übertragbaren Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert ist.
Obwohl die Ergebnisse der vorliegenden Studie auf Angaben der Hersteller und Nährwertdatenbanken beruhen, zeigen sie deutlich, dass der Konsum von Milchalternativen nicht per se als die «gesündere» Wahl angeschaut werden darf. Pflanzenbasierte Getränke enthalten oft einen tieferen Proteingehalt, weniger EA, weniger Kalzium, weniger Vitamine – dafür aber zugesetztes Salz und möglicherweise Zucker. Der Ersatz von Kuhmilch allein durch pflanzenbasierte Getränke sollte deshalb mit Vorsicht angegangen und mögliche resultierende Nährstoffdefizite mit anderen Nährstoffquellen ausgeglichen werden.
*Autoren: Berner Fachhochschule BFH, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, Länggasse 85, 3052 Zollikofen