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Blog > Fiocco Eine Weihnachtsgeschichte
In einem kleinen indischen Dorf, ganz in der Nähe einer grossen Hafenstadt, gab es eine Hundezucht mit einer ganz speziellen Rasse: Huskies wurden dort gezüchtet. Obschon der Husky eigentlich ein Schlittenhund ist und in dem bengalischen Dorf in Indien nie Schnee fällt, hatte der Züchter rentable Absatzkanäle in Europa geöffnet. Den reichen Europäern war eigentlich egal woher die Huskies kamen, nur schön aussehen mussten sie und reinrassig mussten sie sein. Das konnte der indische Züchter bieten und so liess er regelmässig eine grosse Anzahl von 12- bis 13-wöchigen Husky-Welpen in die Europäischen Hauptstädte fliegen.
Nun erliess aber eine neue Regierung in Indien ein Gesetz, wonach keine Hunde mehr ausgeführt werden durften. Unser Züchter versuchte zuerst Zollbeamte zu bestechen, fand aber niemanden der ihm half das Gesetz zu umgehen, da sehr hohe Strafen angedroht wurden. Der Züchter entschloss sich daher, seine Zucht aufzulösen und seine Zuchthunde zu verkaufen. Aber niemand kauft in Indien Huskies. Daher liess er alle seine Hunde frei und jagte sie mit einer Geissel von seinem Hof. Einige Hunde ergriffen die Flucht, die meisten aber erschienen zur Essenszeit wieder auf dem Hof. Niemand öffnete ihnen, da die Züchterfamilie verreist war. So zotteten nach ein paar Tagen die letzten Hunde davon und suchten in der Umgebung Nahrung und Unterschlupf. Aber kaum jemand gab ihnen zu essen und schon gar niemand nahm sie zu sich auf.
Die Hündin Leila landete auf ihrer Wanderschaft im Hafen der Grossstadt. Dort war es gar nicht so schlecht. Sie konnte sich oft etwas Fischabfälle schnappen und es gab auch genügend trockene Schlafgelegenheiten unter Rampen von Lagerhäusern, etc. Leila wurde aber oft sehr grob behandelt von den Hafenarbeitern und sie warfen mit Steinen und anderen Gegenständen nach ihr. Dann kam der Tag, als Hundefänger im Hafenquartier erschienen, die Hunde einfingen und sie zum einschläfern wegbrachten. Leila wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch sie eingefangen würde. Sie musst stets neue Verstecke suchen. So konnte sie sich in einem grossen Seecontainer verstecken, dessen Tür noch nicht ganz geschlossen war. Aber kaum war sie drin, schloss ein Hafenarbeiter die Tür mit grossem Getöse. Leila verhielt sich ganz still und wartete in der Nähe der Tür, falls diese wieder geöffnet würde, könnte sie mit Überraschungsstart wie der Blitz hinausrennen. Die Tür öffnete sich nicht mehr. Stattdessen hatte Leila das Gefühl mit dem ganzen Container zu schweben. Mit einem weiteren Getöse kam der Container zum stehen. Dann wurde es sehr ruhig und Leila wusste nicht, was das zu bedeuten hatte. Natürlich war Leila inzwischen in ihrem Seecontainer auf einem Containerschiff gelandet und bereits unterwegs nach Rotterdam. Leila blieb vorerst ruhig, aber sie bekam Hunger und Durst. Zudem spürte sie, dass sich in ihrem Bauch etwas bewegt. Als gute Zuchthündin wusste sie sofort, dass sie trächtig war und junge Huskies erwartete. Nun musste etwas geschehen, sie musste sich bemerkbar machen, damit jemand die Tür öffnet und sie mit etwas Glück davonrennen könnte und etwas zu essen und Wasser zum trinken suchen könnte. Leila fing an zu heulen wie ein Wolf. Der Container in dem Leila war, stand unweit der Brücke und der Steuermann des Schiffes konnte das Heulen von Leila gut hören. Er befahl dem Matrosen Stjepan, ein Kroate, er solle in diesem Container nachsehen was dort los sei. Stjepan öffnetet vorsichtig die Containertür und schon flitzte Leila wie eine Rakete heraus. Ihre Nase führte sie der Reling entlang, direkt in die Schiffsküche. Dort hatte der Chinesische Koch im angrenzenden Kühlraum soeben Hackfleisch für die Mittagsessensvorbereitung geholt und die Kühlraumtür stand noch halb offen. Als der Chinese Luo den Hund sah, wollte er ihn fangen. Aber der wendigen Leila gelang es, ihm zu entschlüpfen und im Kühlraum zu verschwinden. Sofort schloss Luo die Tür und leckte sich das Maul. Denn für Chinesen ist Hundefleisch eine Delikatesse.
Als Stjepan in der Küche erschien, war Luo mit Salatschneiden beschäftigt und tat so, als bemerke er Stjepan nicht. Dieser fragte ihn: "Hast du den Hund gesehen?". "Nein, nicht Hund gesehen". Ein leises Winseln vom Kühlraum her verriet aber, dass im Kühlraum ein Hund ist. Stjepan schaute Luo tief in die Augen und zog langsam den Hosengürtel aus. Luo begann sofort zu heulen und machte mit zusammengeschlagenen Händen einen Bückling nach dem andern: "Bitte nicht schlagen, bitte nicht schlagen - ich habe vergessen, ist Hund in Kühlraum, aber aufpassen Hund lebt und kann beissen. Vieleicht besser warten bis Hund tot." "Damit du ihn fressen kannst, kommt gar nicht in Frage. Ich öffne jetzt langsam die Kühlraumtür und du hältst den Hund fest, wenn er heraus kommt, ich lege ihm dann meinen Riemen um den Hals." "Aber Hund kann beissen" wimmerte Luo. "Das hättest du verdient, wenn du den Hund nicht festhältst, werfe ich dich über Bord, verstanden?". Der Chinese nickte nur. Langsam öffnete Stjepan die Tür und Leila kam wie ein geölter Blitz mit zurückgelegten Ohren herausgesprungen. Luo war auf dem Giwif, liess sich seitwärts fallen und umklammerte die Hündin mit beiden Armen. Stjepan konnte ihr ohne weiteres den Riemen um den Hals legen. Sie zottelte mit ihm davon, als ob sie ihn schon lange kennen würde. Offenbar spürte die Hündin, dass Stjepan ihr gut gesinnt war. Stjepan ging mit Leila schnurstraks zum Kapitän. "Herr Kapitän, wir hatten einen blinden Passagier an Bord, hier ist er - oder eventuell sie, ich konnte das noch nicht so genau feststellen." Der Kapitän, ein alter Seebär sagte, ohne sich umzuschauen: "Ok, dann werfen Sie ihn über Bord." "Bitte Herr Kapitän, schauen sie ihn sich an, ich glaube es ist ein reinrassiges Tier - und hier am Halsband ist ein Name eingraviert - Leila heisst sie." Der Kapitän warf einen Blick in das Gesicht des Hundes, aus dem ihn zwei blaue Augen bittend ansahen. Der Kapitän knurrte: "Der schaut einem ja beinahe an wie ein Mensch. - Hm, nun gut, nehmen Sie ihn in Ihre Kajüte. Wir sind in wenigen Tagen in Rotterdam. Dann haben Sie vier Wochen Landurlaub, Weihnachtsurlaub - und dann von Bord mit ihnen beiden. Der Hund kommt mir nach Ihrem Landurlaub nicht wieder an Bord. Haben wir uns verstanden?"
Stjepan stammelte nur ein kurzes "ai, ai, Käpten" und verschwand in seiner Kajüte. Dort angekommen bläute er seiner neuen Mitbewohnerin ein: "Du darfst nicht bellen (was ein Husky sowieso selten tut), nicht heulen (das tut er schon öfter) und auch nicht winseln, damit es von meinen Kollegen keine Reklamationen beim Kapitän gibt. Wir sind schon bald in Rotterdam und dann bringe ich dich zu meiner Mutter nach Kroatien. So quasi als Weihnachtsgeschenk. Sie wir sich sicher freuen und du wirst es dort gut haben." Leila schaute ihn mit etwas zur Seite gestelltem Kopf aufmerksam an und Stjepan war sicher, dass sie ihn verstanden hatte.
In Rotterdam angekommen ging Stjepan mit Leila sofort von Bord und nicht wie üblich zuerst in die nächst beste Hafenkneipe, sondern direkt zum Bahnhof, um Fahrkarten nach Kroatien zu kaufen. Fliegen wäre zwar günstiger gewesen, aber dann wäre Leila in einer Kiste in den Frachtraum gebracht worden und auch die Zollabfertigung wäre deutlich problematischer geworden, da Leila keine Papiere hatte. In der Eisenbahn hingegen konnte Leila bei Kontrollen unter den Sitzbänken versteckt werden. Wenn Grenzbeamte oder Eisenbahnbeamt Kontrollen machten, verschwand Leila schon Minuten vorher unter der Sitzbank und verhielt sich dort ganz ruhig. Offenbar erkannte sie die Beamten an ihrem Schritt, wenn sie durch die Eisenbahnwagen stolzierten, als läge ihnen die ganze Welt zu Füssen.
Stjepan und Leila (unentdeckt) erreichten Rijeka. Am Bahnhof wurden sie von Stjepans Mutter abgeholt. Natürlich hatte Stjepan seiner Mutter bereits telefoniert und ihr vom neuen Familienmitglied Leila erzählt. Die Mutter freute sich riesig Leila zu sehen und wurde von Leila überschwänglich begrüsst, als wäre es eine alte Bekannte. Stjepan schmunzelte nur und sagte: "Wahrscheinlich riechst du ähnlich wie ich."
Zu Hause angekommen hatte Mutter schon ein Körbchen in der grossen Wohnküche für Leila vorbereitet. Leila tatzelte schnurstrakts auf das Körbchen zu, legte sich hinein, als wäre schon immer das ihr Platz gewesen. Leila blieb stundenlang im Körbchen liegen und kam nur zur Essenszeit oder wenn sie ihr Geschäft verrichten musste, aus dem Körbchen. Stjepans Mutter sah, wie Leilas Bauch immer grösser wurde. Sie tastete Leilas Bauch ab und wusste sofort, was los war - Leila wird in Bälde Mutter. Stjepan war besorgt. "Was machen wir nur mit all den Welpen?" "Sei unbesorgt" meinte seine Mutter "wenn die Welpen nur halb so schön sind wie Leila, müssen wir keines verschenken - wir bekommen sogar Geld dafür."
Weihnachten rückte näher. Stjepans Mutter hatte das Wohnzimmer mit dem Tannenbaum festlich geschmückt und an Heilig Abend die beiden Geschwister von Stjepan ebenfalls zur Weihnachtsfeier eingeladen. Stjepan spielte hervorragend Gitarre, also musste er an Heilig Abend "Stille Nacht, Heilige Nacht ..." spielen. Schon während der ersten Strophe wurde er von einem lauten Wimmern aus der Küche unterbrochen - alle stürmten in die Küche. Was sie da sahen, trieb der Mutter die Tränen in die Augen: Bereits waren zwei Welpen geboren und das Dritte kam gerade zur Welt. Dann kamen noch zwei Welpen. Die Freude und Aufregung in der Familie des Matrosen war so gross, dass sie das Singen weiterer Weihnachtslieder vergassen und nur noch das Krabbeln der Welpen bestaunten.
Schnell sprach sich der Familienzuwachs bei Bekannten und Verwandten herum und noch vor Neujahr meldeten sich erste Interessenten für einen Welpen. Aber Stjepan wollte noch zuwarten mit irgendwelchen Zusagen, zumindest bis zum Ende seines Landurlaubes in der zweiten Hälfte Januar. In diesem Landurlaub hat Stjepan nicht eine Minute Fernsehen geschaut. Er konnte sich nicht sattsehen am Krabbeln der jungen Hunde und am fürsorgerischen und sanftmütigen Umgang von Leila mit ihren Jungs, denn es waren alles Männchen. Dann rückte aber das Ende des Landurlaubs näher und damit auch der Tag des Abschiednehmens von den Hunden. Stjepan gab seiner Mutter genügend Geld für Hundefutter und die notwendigen Impfungen. Er trug ihr auf besonders gut zu Leila zu schauen bis er auf den nächsten Urlaub in ca. sechs Monaten wieder komme. Dann gab er ihr eine Liste mit Namen von Bekannten und Verwandten, welche für einen Welpen angefragt hatten und welche er sich als gute Hundebesitzer vorstellen konnte. Allerdings zeigte sich schnell, dass die meisten Interessenten kein Geld für die Hunde bezahlen wollten und wohl auch kaum genügend Geld hatten, die Hunde ordentlich zu füttern.
Dann kam der Tag, an dem der Tierhändler kam, er bot einen ordentlichen Preis für die Welpen und sie wurden handelseinig. Eigentlich hätte Mutter den Fiocco gerne behalten. Dem sie den Namen Fiocco (zu deutsch Flocke) gab, weil er auf der Schulter einen weissen Fleck hat, wie eine Schneeflocke. Er war der lebhaftenste, hatte einen besonderen Gesichtsausdruck und eine sehr schöne Fellzeichnung. Aber der Tierhändler wollte alle haben und ihr Sohn, der Matrose, trug ihr auf, ja alle Welpen zu verkaufen. Also ging der Tierhändler mit allen Welpen auf den Markt in Rijeka und konnte schon nach kurzer Zeit alle Welpen verkaufen, ausser Fiocco. Für die Interessenten war er zu lebhaft und sie wollten lieber einen etwas ruhigeren Hund, zumal bekannt ist, dass Huskies ohnehin viel Bewegung brauchen.
Bis gegen Abend interessierte sich niemand für Fiocco und der Tierhändler wollte Feierabend machen. Also sagte er zu Fiocco: "Ich lasse dich jetzt los und gebe dir die Freiheit. Mach was du willst, aber komm nie wieder hier her zurück!"
Fiocco raste wie der Blitz die Marktgasse hinunter, dann links Richtung Bahnhof. Am Bahnhof angekommen, ging er zu den alten Güterschuppen hinter den Abstellgeleisen. Instinktiv wusste er, dass er sich dort gut verstecken konnte. Unter einer halb zerfallenen Verladerampe lagerte ein Stapel Paletten, hinter denen konnte er sich gut verstecken und behielt trotzdem den Überblick über das Güterbahnareal. Plötzlich entdeckte er einen uralten Güterwagen, der alleine zuhinterst auf einem Abstellgeleise stand. Der Güterwagen musste schon sehr lange dort stehen, dem Graswuchs unter dem Wagen nach zu beurteilen. Auf der Schiebtür, die ein Spalt breit offen stand, war das Wasserradsignet einer Mühle zu erkennen mit der Aufschrift: BROT; FORELLEN; ALTE MÜHLE OBERHOF. Offensichtlich handelte es sich um einen Privatwagen, der vor langer Zeit einer Mühle gehörte und mit dem ihre Produkte ausgeliefert wurden. Inzwischen gehörte der Güterwagen der Kroatischen Eisenbahngesellschaft.
Fiocco wartete ab, bis es dunkel war. Dann schlich er sich zu dem alten Güterwagen und steckte seine Nase hinein, um festzstellen, ob nicht schon jemand darin wohnte. Die Luft war sauber und so hüpfte er in den Güterwagen und beschnupperte ausführlich das innere des Wagens. Da war offensichtlich schon lange kein Lebewesen mehr drin. Überall lag nur Gerümpel herum, in einer Ecke sogar eine alte Matratze, welche offenbar vor langer Zeit einem Landstreicher als Nachtlager diente. Fiocco hatte nun sein vorläufiges Zuhause gefunden. Vom Güterwagen aus schlich er, vorwiegend nachts, durch die Stadt und suchte essbares. Da in fast jeder Stadt mit Esswaren verschwenderisch umgegangen wird, fand er auch stets genügend.
An einem schönen Frühlingsmorgen lag Fiocco dösend im Güterwagen. Er war noch müde, weil er in der vergangenen Nacht kaum schlafen konnte. Die lauten Gesänge der Nachtigallen-Männchen, welche damit die weiblichen Vögel beeindrucken wollten, liessen ihn stets wieder aufwachen. Plötzlich hörte er Männerstimmen - und dann wurde die Schiebetür geschlossen. Fiocco hörte noch wie einer der Männer sagte: "Mach eine Zollplombe an den Riegel, damit es nicht unnötige Verzögerungen an den Grenzen gibt." Kurze Zeit später gab es einen Ruck durch den Güterwagen und der Wagen begann zu fahren.
Fiocco konnte nicht wissen, dass ein Mitglied des VHE Verein Historische Eisenbahn Emmental in seinen Ferien in Kroatien den über 100jährigen Güterwagen vom Typ K2 gesehen hatte. Dieser setzte alle Hebel in Bewegung, dass sein Verein den Güterwagen kaufen konnte. Und nun wurde der alte Güterwagen auf der Schiene in die Schweiz überführt, mit Fiocco an Bord.
Die Überführung wurde von zwei Mitgliedern des VHE begleitet (dem "Entdecker" und dem Präsidenten). Diese wollten natürlich nicht durch den Gotthardbasistunnel fahren, sondern über die alte Bergstrecke. So kam es, dass der Zug in Goldau einen Zwischenhalt einlegen musste. Da ja jetzt die Zollplombe entfernt werden konnte, wollte der Präsident einmal einen Blick ins Innere des Güterwagens werfen. Als sie die Schiebetür öffneten schoss ein Husky an ihnen vorbei und verschwand Richtung Rigi-Seilbahn. Die Seilbahnkabine war gerade im Begriff los zu fahren und die Kabinentür schloss sich langsam. Da schlüpfte Fiocco noch geschmeidig in die Kabine. In der Kabine waren keine Passagiere, daher lies der Talwart die Seilbahn fahren und telefonierte dem Bergwart, es komme dann ein blinder Passagier und er solle ihn fangen. Der Bergwart wartete oben auf die Kabine aus dem Tal. Breitbeinig stand er vor der Kabine und wartete auf die automatische Öffnung der Tür - aber da schoss ihm Fiocco schon zwischen den Beinen hindurch und suchte das Weite.
Zur Feier ihres Hochzeittages ging ein Pärchen aus Oberhof, mit ihrer altdeutschen Schäferhündin Ella, auf die Rigi. Sie hatten nach einem ausgiebigen Mittagessen noch eine kleine Wanderung gemacht und waren nun auf dem Weg zur Bergstation der Seilbahn. Da kam ihnen ein Husky entgegengesprungen. Fiocco und Ella beschnupperten sich ausführlich. Wie auf ein Kommando sprangen plötzlich beide mit Vollgas los, überwarfen sich gegenseitig und spielten wie alte Freunde miteinander. Das Pärchen versuchte Ella abzurufen, denn sie wollten auf die nächst Seilbahn. Aber Ella kam erst beim fünften mal und hinter ihr nach trottete Fiocco. Das Pärchen sah, dass Fiocco ein Halsband an hatte, mit dem eingravierten Namen Fiocco. Was sollten sie nur tun mit diesem Hund? Sie telefonierten der Polizeistation in Goldau und erklärten dem Beamten dort, es sei ihnen (bzw. der Ella) ein Husky zugelaufen und er lasse sich nicht wegjagen. Der Beamte, ein urchiger Innerschweizer, sagte: "Nehmen Sie den Hund mit nach Hause, gehen Sie morgen mit ihm zu einem Tierarzt, er kann den Chip einlesen und Ihnen den Eigentümer bekannt geben. Falls er aber keinen Chip hat, verkaufen Sie den Hund und verpflichten den neuen Eigentümer, das Tier chipen zu lassen."
Das Pärchen sah sich nur an und sagte: "Die Polizei dein Freund und Helfer - nicht wirklich!" - Also nahmen sie Fiocco einfachmal mit. Das erste Problem entstand schon bei der Bergstation der Luftseilbahn. Der Bergwärter erkannte Fiocco sofort und sagte zu ihm: "So du Schlawiener, jetzt bezahlst du für die Berg- und für die Talfahrt." Das Pärchen war auf diese Reaktion vorbereitet und antwortete nur: "Bitte behalten Sie den Hund, verkaufen Sie ihn und bezahlen Sie damit Ihre blöden Fahrscheinkosten." Jetzt wurde der Wärter sichtlich nervös: "Eh, nein nein, bitte nehmen Sie den Hund mit und machen Sie mit ihm was Sie wollen." Also nahm das Pärchen nebst Ella auch Fiocco mit nach Oberhof. Auf der Fahrt nach Hause besprach das Pärchen, was sie wohl mit Fiocco machen wollten. Dabei kam ihnen in den Sinn, dass ihre Nachbarn in der alten Mühle in Oberhof vor kurzem ihren Hund verloren hatten und deren Grosskind Anna sich nichts sehnlichster wünschte, als einen neuen Hund.
In Oberhof angekommen, läuteten sie an der Tür zur alten Mühle und die zwölfjährige Anna öffnete. Als sie Fiocco sah umarmte sie ihn und fragte: "Dürfen wir ihn behalten?" "Ja, wenn deine Grosseltern damit einverstanden sind." Obwohl die Grosseltern eigentlich keinen Hund mehr wollten, konnten sie den sehnlichsten Wunsch ihrer Enkelin nicht abschlagen. - Und so kam Fiocco nach Oberhof im Jurapark Aargau!
Weitere Geschichten werden folgen zu Fiocco und seiner neuen Freundin Ella:
Fiocco und die vierzehn Nothelfer
Fiocco und etc. etc.
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