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Spalentor: Wann wurden die drei grossen Figuren angebracht?
Während der Gesamtrenovation des Spalentors im Jahr 2013 untersuchte die Bauforschung freigelegte Stellen am sonst verputzten Mauerwerk. Die Restaurierungsarbeiten an den sichtbaren Hausteinen ermöglichten Einblicke ins Gefüge der Turmmauern und erlaubten es unter anderem, Schlüsse auf die Anbringung des feldseitigen Figurenschmucks zu ziehen. Das Dachwerk, welches im Verlauf der Arbeiten ebenfalls Ausbesserungen erfuhr, wurde in der bestehenden Dokumentation ergänzt.
Spalentor: einst und jetzt
Das Spalentor ist das bekannteste und monumentalste Tor der Stadt Basel. Es wurde beim Bau der äusseren Stadtmauer errichtet und um 1400 fertiggestellt. Das Gebäude setzt sich aus einem Torturm mit rechteckigem Grundriss und den zwei das Tor flankierenden, zinnenbewehrten Rundtürmen zusammen. Die Feldseite ist nach Nordwesten auf die Verbindungsachse ins Elsass ausgerichtet und durch ein zusätzliches Vorwerk gesichert, das erst um 1473 angebaut wurde.
Seit dem Abbruch der äusseren Stadtmauer um 1866 steht das Spalentor losgelöst da und ist nur über dem Strassenniveau sichtbar. Früher schloss hinter den Rundtürmen die Stadtmauer an; sowohl Rundtürme als auch Vorwerk standen im Befestigungsgraben. Das Tor sah daher von der Feldseite her viel höher aus als heute.
Entstehung aus einem Guss
Die Untersuchung bestätigt, dass Rechteckturm und Rundtürme zusammen errichtet wurden. Auch die obersten, durch ihren achteckigen Grundriss vom unteren Rundturm abgesetzten Bauabschnitte stammen aus der Bauzeit. Die im Bereich der einst anschliessenden Stadtmauern untersuchten Stellen deuten darauf hin, dass das Turmmauerwerk auch zeitgleich mit der Stadtmauer hochgezogen wurde. Das Gebäude ist nur wenig verändert – nachträglich angebracht worden sind sechs Schussöffnungen an den Rundtürmen.
An den Rundtürmen belegen die an mehreren Stellen festgestellten Balkenkopf-Negative, dass die Mauern mit Hilfe eines hölzernen Baugerüsts errichtet wurden, dessen tragende Hölzer in die Mauer miteingebunden wurden – so wurde das früher oft gemacht. Die Bälkchen wurden in Abständen von zwei bis drei Metern miteingemauert und ragten dann in radialer Richtung aus den Rundtürmen. Die Gerüstbretter wurden darauf gelegt. Bei Bauende wurde das Gerüst wieder abgebaut, indem die Bälkchen von oben nach unten aus der Mauer herausgezogen und die Mauerlöcher zugeflickt wurden.
Nachträgliche Anbringung des Figurenschmucks und späteres Versetzen der Marienfigur
Der planmässige Charakter und die einheitliche Ausführung des Spalentors zeigen, dass die Baustelle gut organisiert gewesen sein muss. Besonders der ins Mauerwerk des Hauptturms integrierte, schlitzförmige Hohlraum, in den das gesamte Fallgatter hochgezogen werden kann, verweist auf eine bereits zu Baubeginn vorliegende, detaillierte technische Konzeption des Baumeisters. Umso stärker fällt daher die zufällig wirkende Anordnung des Figurenschmucks vor diesem Hohlraum auf. Bereits bei der letzten Restaurierung des Spalentors im Jahr 1931 stellte der damalige Kunstdenkmäler-Autor Casimir Hermann Baer fest, die Figuren seien später angebracht worden.
Die heutige Untersuchung hat die Einflickung der Konsolen und Baldachine bestätigt. Die bei der Restaurierung gewonnenen Farbbefunde weisen jedoch eher darauf hin, dass die Figuren zwar nachträglich, aber noch in der Bauzeit angebracht wurden – sie wären dann beim Bau der Mauer nur noch nicht eingeplant gewesen.
Die Freilegungen haben aber auch gezeigt, dass die Marienfigur in der Mitte später höher gesetzt wurde, was auch den knappen Freiraum zwischen ihrem Kopf und dem darüberliegenden Baldachin erklärt. Der Anlass für diese doch recht aufwendige Änderung, die den Ausbau der Konsole bedingte, könnte im Zusammenhang mit der Errichtung des Vorwerks gestanden haben.
Text und Fotos: Conradin Badrutt; Zeichnungen: Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt