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Duch gefälschte Uhren gehen der Schweizer Uhren-Industrie jährlich 800 Mio. Franken verloren. Der Dachverband sorgt sich um die Hartnäckigkeit des Phänomens.
Die Fälscher sind vor allem in Südostasien und rund ums Mittelmeer zu finden.
"Die Situation hat sich nicht verschlimmert, aber sie bleibt sehr ernst", sagte Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH).
Am Freitag präsentierte der Verband seinen Jahresbericht. Wegen Fälschungen erleide die Uhrenindustrie in der Schweiz jährlich einen Verlust von ungefähr 800 Mio. Franken. Das sind 8 Prozent des Umsatzes der Schweizer Uhrenexporte. Diese betrugen im vergangenen Jahr 10,18 Mrd. Franken.
Die Fälscherfabriken befänden sich vor allem in China und im Mittelmeerraum, insbesondere in der Türkei, aber auch in Italien und Spanien.
Mehr Fälschungen als Originale
"Wir versuchen mit den Behörden in den Problem-Ländern aktiv zu werden. Beispielsweise haben wir im vergangenen Jahr mit der chinesischen Regierung diskutiert, wie sie die Gesetzgebung verbessern könnte", sagte Pasche gegenüber swissinfo.
Der Fälschungsservice der FH prüfte im vergangenen Jahr 1187 Muster aus 31 Ländern. Unter diesen Uhren gab es insgesamt Fälschungen von 60 verschiedenen Marken. Von einigen Uhrenherstellern seien sogar mehr Fälschungen im Umlauf als Originalprodukte.
Weltweites Fälscher-Netz
"Fälscher schaden dem Staat, weil sie keine Steuern und Sozialabgaben bezahlen und können auch Arbeitslosigkeit fördern", sagt Pasche. Auch die Uhrenfirmen würden geschädigt, weil sie viel in Entwicklung und Marketing investiert hätten – die Fälscher profitierten davon. "Der Konsument sollte sich dessen bewusst sein", fordert er.
Verkauft werden die kopierten Uhren vor allem, aber nicht nur, in asiatischen oder südeuropäischen Ländern. Das Distributionsnetzwerk habe sich ausgeweitet, schreibt der FH: Die traditionellen Drehscheiben befänden sich in den Benelux-Staaten, aber auch in Zentral- und Osteuropa sowie in Grossbritannien und den USA.
Begehrte Schweizer Uhren
"Imitationen und Fälschungen sind zu einem weltweiten sozialen Phänomen geworden", sagte Jacques Duchène von der Basler Uhren- und Schmuckmesse im Fühjahr. Dieses Jahr wurden sogar auf der Messe selber Fälschungen entdeckt.
"Leider sind sich die Konsumenten und die Behörden über das Ausmass des Problems nicht bewusst." Die Fälscherwerkstätten fänden sich jedoch nicht mehr in Garagen und Hinterhöfen, sondern seien richtige Industrie-Firmen.
"Vor allem Uhren von Rolex, Cartier, Rado und Omega werden zur Zeit gefälscht", sagte Nicolas Hayek. Der Swatch-Gründer sorgt sich vor allem ums Internet, über welches immer mehr Fälschungen vertrieben würden.
Auch die Schweizer Regierung versucht, das Problem anzugehen: So brachte Wirtschaftsminister Joseph Deiss das Thema bei seiner Reise nach Thailand im März aufs Tapet.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Uhrenexporte:
2000: 10,3 Mrd. Franken
2001: 10,65 Mrd. Franken
2002: 10,64 Mrd. Franken
2003: 10,18 Mrd. Franken
In Kürze
Schweizer Uhren werden in grosser Anzahl gefälscht.
Der Schaden für die Uhren-Industrie betrage, so der Dachverband, 800 Mio. Franken.
Vor allem in China und der Türkei stehen die Fälscher-Fabriken.
Die Hersteller und der Verband versuchen diese zur Strecke zur bringen.