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—[Kommentar von Angela Lustenberger, MA Studentin im Mehrsprachigkeitsdidaktik @Uni Fribourg]—
Fremdsprachenunterricht in China: Mit Englisch in eine erfolgreiche Zukunft?
Englisch gewinnt in China zunehmend an Bedeutung, was sich auch im Bildungssystem wiederspiegelt. Der Englischunterricht boomt. Doch wie ist es dazu gekommen, dass China vermehrt auf die Sprache der «running dogs of imperialism» setzt?
Englisch habe lange als die Sprache des Westens, der China technologisch und militärisch überlegen war, gegolten, meinte der australische Professor Andy Kirkpatrick, anlässlich der Ringveranstaltung an der Universität Fribourg. Um mit dem Westen mitzuhalten, habe China ein Bildungssystem nach dessen Vorbild eingeführt. Dazu gehörte auch eine Sprachreform, und der Fremdsprachenunterricht habe an Bedeutung gewonnen, wobei vor allem die englische Sprache in den Fokus rückte.
Englisch bedeutet Macht
Englisch wurde wichtig, weil es die Sprache der Handelspartner, der Intellektuellen, der technischen Experten, des Tourismus und der Pop-Kultur war. Obwohl die Förderung des Englischen als Bedrohung für die nationale Integrität wahrgenommen wurde, war die Hoffnung dennoch gross, dass China dank dem Englisch, seine Position in der Weltordnung stärken kann. (Adamson 2002: 231).
Englisch wurde also nicht aus sentimentalen Gründen unterrichtet, sondern aus funktionellen, weil man durch Englisch etwas erreichen konnte. Ausserdem nutzten Führer, wie Mao Tse-dung die englische Sprache, um ihre politischen Ideologien zu verbreiten und dem Westen zu zeigen, wie grossartig das Leben unter Chairman Mao sei. Anhand des Inhaltsverzeichnisses eines Lehrbuches aus dem Jahr 1974 zeigte Andy Kirkpatrick auf, worum es in den Englischlektionen ging. So lauteten die Titel der Lektionen beispielsweise: “We Wish Chairman Mao a Long, Long Life”, “Good Fighters of Chairman Mao”, oder “Learn from the Working Class”.
Are you English?
Interessant war in diesem Zusammenhang ausserdem die Anekdote, die Kirkpatrick erzählte. Hat er doch eine Zeit lang in China gelebt, auch zu Maos Zeiten. In China hätten die Menschen gerne mit ihm Englisch geübt. So habe er eines Tages etwa plötzlich ein Geräusch hinter sich gehört und ein gut gekleideter Mann fragte ihn, als er sich umdrehte: “Are you English? I want to learn about the navy.” “Which navy?” fragte Kirkpatrick. Es stellte sich heraus, dass dieser Mann sich für die Elisabethanische Marine interessierte. Dabei ging der junge Mann jedoch ein grosses Risiko ein. Leute wurden überwacht und manchmal verhaftet, wenn sie dabei erwischt wurden, wie sie mit Ausländern Englisch sprachen.
Nach Maos Tod machte man sich hingegen nicht mehr verdächtig, wenn man Englisch sprach. Somit steigt seit 1982 die Nachfrage nach Englischunterricht (Adamson 2002: 232).
Englisch wird heutzutage in allen chinesischen Schulen ab der dritten Primarklasse unterrichtet. Eltern, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder in englischsprachige Kindergärten oder heuern Privatlehrer an. Englisch ist zudem, neben Chinesisch und Mathematik, eines der drei Kernfächer für die Aufnahmeprüfungen in Sekundarschulen oder Universitäten. Mittlerweile wurde auch in über 1000 Universitäten in China Englisch als Unterrichtssprache eingeführt.
Englisch- ein zweischneidiges Schwert
Doch was bedeutet die Popularität des Englischen für das Chinesisch oder andere Sprachen? Gibt es heute noch Bestrebungen, chinesische Ideologien durch den Fremdsprachenunterricht zu verbreiten? Es könnte auch ganz anders kommen. So werden zahlreiche Chinesen von «Westlern» unterrichtet, die zuweilen nicht nur Englisch sondern beispielsweise auch christliche Werte vermitteln mit dem Ziel, das Christentum zu verbreiten. Zunehmende Englischkenntnisse ermöglichen es vielen chinesischen Studierenden ausserdem, Universitäten im Westen zu besuchen. Durch das Leben im Gastland werden sie mitunter auch mit westlichen Werten , wie Meinungs- und Informationsfreiheit oder Minderheitenschutz konfrontiert. Dies könnte dazu führen, dass die chinesischen Studierenden ihre eigene Regierung und deren Ideologien verstärkt hinterfragen.
Literaturverzeichnis
Adamson, R.A. (2002). Barbarian as a foreign language: English in China’s schools. World Englishes, 21(2), 231-243.
Nina Müller: Der in den Lehrwerken verwendete Begriff Parallelwörter umfasst Wörter, welche in der Linguistik als Kognaten bezeichnet werden. Ein Wort besteht aus einer Form (Aussprache und Schreibweise) und einer damit assoziierten Bedeutung. Ein Wortpaar in zwei Sprachen – in der Tabelle 1 mit deutschen und englischen Beispielen – kann sich dabei auf verschiedene Arten überlappen (adaptiert von Jarvis, 2009, S. 107–108):
Als Parallelwörter werden echte Kognaten und Teilkognaten bezeichnet – also Wörter, welche sowohl inhaltliche als auch formale Aspekte teilen. Diese Ähnlichkeiten sind zum Teil aus der historischen Entwicklung entstanden – wie vom Indoeuropäischen duwo über die erste Germanische Lautverschiebung d-t zum englischen two und die zweite Germanische Lautverschiebung t-z zum deutschen zwei. Manchmal sind es aber auch Wörter, die aus anderen Sprachen übernommen wurden, wie Computer oder Restaurant. Dies ergibt insgesamt eine grosse Basis, die wir beim Lernen insbesondere einer verwandten Sprache nutzen können.
Daneben gibt es aber auch täuschende Kognaten, auch bekannt als falsche Freunde. Die Grenzen zwischen einem «guten» und «falschen» Freund sind oft schwammig. Objektiv kann man zwar bestimmen, ob ein Wortpaar als Parallelwort gelten soll, indem man berechnet, wie viele Buchstaben sich ändern. Für das Fremdsprachenlernen ist jedoch die individuelle Wahrnehmung des Lernenden entscheidend: Kann ein Kind die Ähnlichkeit zwischen Pinsel und pencil erkennen und nutzen – oder führt die etwas unterschiedliche Bedeutung eher zu Verwirrung, wodurch es die Ähnlichkeit vielleicht gar bewusst ignoriert?
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Seminararbeit darüber zu schreiben?
Für ein Seminarprojekt habe ich mehrsprachigkeitsdidaktische Aufgaben im Lehrmittel New World 1 (Arnet-Clark et al., 2013) analysiert, die die SchülerInnen dazu anregen, ihr bereits vorhandenes Sprachwissen gezielt zu nutzen, um den Prozess des Fremdsprachenlernens zu vereinfachen und beschleunigen. Dabei habe ich festgestellt, dass die SchülerInnen zwar oft dazu animiert werden, Parallelwörter für das Leseverständnis zu nutzen, aber nicht genau erklärt wird, was Parallelwörter sind und woran sie diese erkennen können. Aufgrund der zuvor beschriebenen schwammigen Grenzen habe ich mich daher gefragt, wie die SchülerInnen diese Strategie konkret umsetzen.
Gibt es viele empirische Studien über Parallelwörter?
Der Umgang von Kindern mit Parallelwörtern im Fremdsprachenunterricht wurde bisher meines Wissens nicht untersucht. Mehrere Studien mit Kindern von spanischsprachigen Einwanderern in den USA zeigten, dass SchülerInnen mit einem hohen (!) Bewusstsein für Parallelwörter bessere Ergebnisse in Wortschatz- und Leseverständnistests erzielen (u.a. Dressler et al., 2011; Nagy et al., 1993). Einige Studien gibt es auch zur Interkomprehension, d.h. dem Erschliessen von losgelösten Wörtern oder auch kurzen Texten in einer unbekannten, aber nahe verwandten Sprache, wie Schwedisch bei Deutschsprachigen (u.a. Lambelet & Mauron, 2017; Vanhove & Berthele, 2015). Wie bei den Studien mit bilingualen Kindern zeigten sich grosse individuelle Unterschiede, und Kinder hatten mehr Mühe als Erwachsene, Wörter korrekt zu erschliessen.
Parallelwörter im Fremdsprachenunterricht liegen irgendwo dazwischen: Die FünftklässlerInnen in den Passepartout-Regionen können auf meist muttersprachliche Deutschkenntnisse, ein kleines Französisch-Repertoire aus dem 3./4. Schuljahr und einige Englischbrocken aus dem Alltag zurückgreifen. Somit ist die Sprache nicht komplett neu wie bei den Studien zur Interkomprehension, aber auch noch nicht so vertraut wie für die hispanischen Kinder, welche in den USA immersiv aufwachsen.
Wie haben Sie Ihre eigene empirische Studie durchgeführt?
Insgesamt haben knapp 150 SchülerInnen aus 12 verschiedenen Klassen der Kantone Basel-Land, Bern und Solothurn teilgenommen – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die engagierten Lehrpersonen und FünftklässlerInnen. Als Basis diente ein Textausschnitt aus dem Activity Book des Lehrmittels New World 1 (Arnet-Clark et al., 2013, S. 31). Dabei handelt es sich um eine englischsprachige Passage über ein Gemälde von Pablo Picasso, in der viele Parallelwörter vorkommen. Die TeilnehmerInnen lasen zuerst den Text leise individuell und fassten dann kurz auf Deutsch zusammen, was sie davon verstanden. Dann definierten sie den Begriff Parallelwörter und/oder gaben Beispiele dafür. Anschliessend markierten sie im Text alle Wörter, die ihrer Meinung nach Parallelwörter sind, und beschrieben zum Schluss, aus welcher Sprache sie das Wort herleiteten und was es auf Deutsch bedeutet.
Und was sind die Ergebnisse Ihrer Seminararbeit?
Nur wenige Teilnehmende konnten das Konzept von Parallelwörtern vollständig definieren. Am häufigsten beschrieben die Lernenden, dass die Wörter gleich oder ähnlich klingen, was überraschend war, da die Parallelwörter-Strategie vor allem im Rahmen von Leseverständnisaufgaben geübt wird.
Die Teilnehmenden erkannten vor allem bereits gelernte Wörter wie father und name. Neue Wörter wurden nicht nur seltener markiert – durchschnittlich knapp 9 von 50 Wörtern –, sondern auch weniger oft korrekt übersetzt. Diese Beobachtungen stehen im Widerspruch zur Annahme, dass SchülerInnen Parallelwörter mehrheitlich für das erfolgreiche Erschliessen von unbekannten Wörtern nutzen (können). Die Bezugssprache war meistens Deutsch, bei über der Hälfte der Kinder ausschliesslich. Französisch nutzten 40% der Teilnehmenden, vor allem bei Wörtern wie colour oder circle, für welche es kein deutsches Parallelwort gibt. Das französische Sprachniveau scheint ein entscheidender Faktor zu sein und war vermutlich bei einigen FünftklässlerInnen nach nur zwei Jahren Unterricht noch nicht ausreichend für den Transfer auf neue Englischwörter. Die Bezugssprachen Deutsch und Französisch führten in knapp 90% der Fälle zur erfolgreichen Übersetzung, während Wörter mit anderen Bezugssprachen (z.B. Italienisch) nur zu einem Drittel richtig übersetzt wurden. Mehrsprachige Kinder können somit zwar auf eine vielfältigere Wortschatzbasis zurückgreifen, stehen aber auch vor der Qual der Wahl hinsichtlich der passenden Bezugssprache und des jeweiligen Parallelwortes.
Fazit: Machen Parallelwörtern das Lernen einer L2 oder L3 wirklich einfacher?
Das ist sehr pauschal formuliert. Parallelwörter können – sofern sie richtig identifiziert werden – beim Verstehen einer verwandten Sprache hilfreich sein und somit das Hören oder Lesen in einer Fremdsprache, sowie das Vokabellernen unterstützen. Ihre Wahrnehmung ist jedoch subjektiv. Es gibt gewisse Regelmässigkeiten, zum Beispiel t-s zwischen Englisch und Deutsch wie bei water-Wasser oder foot-Fuss. Aber ob solche Regeln den Lernenden helfen können, bleibt zu erforschen.
Im Unterrichtsalltag werden die verschiedenen Strategien zum Erhöhen des Textverständnisses oft vermischt: Die SchülerInnen werden dazu angeregt, alles im Text zu markieren, was sie aus dem Kontext, bereits gelerntem Wissen oder aufgrund von Parallelwörtern verstehen. Daher war die Aufgabe für die Teilnehmenden etwas ungewohnt. Dennoch zeigten die Ergebnisse deutlich, wie unterschiedlich erfolgreich Kinder Parallelwörter momentan nutzen. Das Missverständnis des Wortes see als Deutsch See statt sehen führte beispielsweise bei einem Kind zu einer sehr lebhaften Beschreibung eines Badeausflugs. Andererseits gab es Lernende, welche erfolgreich verschiedene Sprachkenntnisse nutzen konnten und dadurch sowohl painting über das französische peinture als auch background über die Analogie zu foreground mit dem deutschen Vordergrund erschlossen.
Hat Ihre Untersuchung einen Einfluss auf Ihre eigene Fremdsprachenunterrichtspraxis?
Ja, auf mehreren Ebenen. Einerseits habe ich persönlich viel Theoretisches über sprachliche Ähnlichkeiten gelernt. Andererseits ist mir bewusst geworden, wie unterschiedlich diese wahrgenommen werden. Als Lehrperson frage ich mich natürlich, wie ich das Bewusstsein der Lernenden für solche Ähnlichkeiten fördern kann – dieser Frage gehe ich in meiner Masterarbeit nach.
Sie waren auch mehrere Jahre als Primarlehrerin tätig. Was würden Sie LehrerInnen empfehlen in Bezug auf die Verwendung von Parallelwörtern im Fremdsprachenunterricht?
Eine wichtige Basis ist das eigene Wissen über sprachliche Ähnlichkeiten, damit man die SchülerInnen gezielt darauf aufmerksam machen und weitere Beispiele aufzeigen kann. Die verschiedenen Aspekte von Wörtern – Aussprache, Schreibweise und Bedeutung – können auch problemlos mit Kindern diskutiert werden. Als Sprachdetektive systematische Ähnlichkeiten zu entdecken, bereitet den Lernenden Spass und bietet einen anderen Zugang zum Sprachenlernen. Das Austauschen von Beobachtungen ist dabei wichtig und wertvoll, gerade weil die Trennung zwischen hilfreichen und verwirrenden Ähnlichkeiten so subjektiv wahrgenommen wird.
Literatur
Arnet-Clark, I., Frank Schmid, S., Ritter, G., & Rüdiger-Harper, J. (2013). New World 1. English as a Second Foreign Language. Klett & Balmer Verlag.
Dressler, C., Carlo, M. S., Snow, C. E., August, D., & White, C. E. (2011). Spanish-speaking students’ use of cognate knowledge to infer the meaning of English words. Bilingualism: Language and Cognition, 14(02), 243–255.
Jarvis, S. (2009). Lexical transfer. In A. Pavlenko (Hrsg.), The Bilingual Mental Lexicon: Interdisciplinary Approaches. Multilingual Matters.
Lambelet, A., & Mauron, P.-Y. (2017). Receptive multilingualism at school: An uneven playing ground? International Journal of Bilingual Education and Bilingualism, 20(7), 854–867.
Nagy, W. E., García, G. E., Durgunoğlu, A. Y., & Hancin-Bhatt, B. (1993). Spanish-English bilingual students’ use of cognates in English reading. Journal of Reading Behavior, 25(3), 241–259.
Vanhove, J., & Berthele, R. (2015). The lifespan development of cognate guessing skills in an unknown related language. International Review of Applied Linguistics in Language Teaching, 53(1), 1–38.
—[Kommentar von Angela Lustenberger, MA Studentin im Mehrsprachigkeitsdidaktik @Uni Fribourg]—
Wer prägte die Schweizer Sprachenpolitik ?
In der mehrsprachigen Schweiz sollte es selbstverständlich sein, dass eine zweite Landessprache in der Schule vermittelt wird – wegen des nationalen Zusammenhalts. Anja Giudici konnte hingegen aufzeigen, dass der nationale Zusammenhalt bei der Einführung des Fremdsprachenunterrichts nicht ausschlaggebend war.
Während ihrer Tätigkeit als Assistentin in der Politikwissenschaft wurde Anja Giudici mit der Frage konfrontiert, wie mehrsprachige Gesellschaften Demokratie praktizierten. Sie fragte sich zudem, wie Schulen damit umgingen. Literatur dazu fand sie kaum. So entschloss sie sich ihre Dissertation darüber zu schreiben. Dabei ging sie unter anderem folgenden Forschungsfragen nach:
• Welche Sprachen wurden in der Schweiz gelehrt?
• Wie lässt sich der Ein- und Ausschluss der Sprachen erklären?
Welche Sprachen wurden in der Schweiz gelehrt?
Wegen der Mehrsprachigkeit und des Föderalismus konnte die Schweiz nicht einfach ein Modell aus dem Ausland übernehmen. Dies führte zu vielen Diskussionen und Entscheiden, die in Protokollen kantonaler und eidgenössischer Parlamente und Bildungskommissionen festgehalten wurden. In pädagogischen Zeitschriften kamen zudem die damaligen Akteure, etwa Lehrplanverfasser oder Lehrerverbände, zu Wort. Diese Quellen sowie Gesetze und Berichte der EDK halfen Giudici die Prozesse der Sprachpolitik in der Schweiz zu rekonstruieren.
Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Volksschulen auf. Lange wurde davon ausgegangen, dass bereits damals Fremdsprachen unterrichtet wurden. Doch dem war nicht so. In den Kantonen Fribourg, Tessin und Zürich gab es zwar anfänglich einen Fremdsprachenunterricht, dieser verschwand jedoch mit dem Aufkommen der kantonalen Lehrpläne. Ausnahmen bildeten die Kantone Genf, Schaffhausen und Basel-Stadt.
Weshalb manche Kantone dennoch Fremdsprachen unterrichteten
Vor der Einführung des Fremdsprachenunterrichts in Basler Volksschulen, wurde dieser nur in Gymnasien erteilt. Weil sich Eltern wirtschaftliche Vorteile vom Französischunterricht erhofften, drängten diese ihre Sprösslinge in Gymnasien. Die weniger begüterten Kinder wurden ins Welschland geschickt. Beides kam bei den Basler Pädagogen nicht gut an. Die Gymnasiallehrer monierten, dass viele ihrer SchülerInnen für das Gymnasium nicht geeignet seien und Erziehungsexperten warnten vor den moralisch und geistig schädlichen Welschlandaufenthalten. Die unter Druck geratenen Basler Behörden führten daraufhin den Französischunterricht zuerst in den Knaben- und später auch in den Mädchenschulen ein.
Auch in Schaffhausen gaben die Behörden dem Druck der Eltern nach, die Petitionen einreichten und mit der Abwanderung in Privatschulen drohten.
Welche Rolle spielte der nationale Zusammenhalt?
Obwohl es Anfang des 20. Jahrhunderts den Konsens gab, dass der Fremdsprachenunterricht förderlich für den nationalen Zusammenhalt sei, spielten solche Argumente in der Praxis kaum eine Rolle. In der EDK und in den deutschsprachigen Kantonen wurde eher darüber diskutiert, dass die SchülerInnen vor allem Hochdeutsch lernen sollten, und manche auch nicht fähig seien, Französisch zu lernen.
Bloss bei Minderheiten war der nationale Zusammenhalt ein Thema. Interessant: Je kleiner die Minderheit, desto weniger umstritten war der Fremdsprachenunterricht.
Wirtschaftliche Faktoren wichtiger als nationaler Zusammenhalt
Überraschend ist, wie stark die Sprachenpolitik damals von unten her bestimmt wurde, von Lehrern und Eltern. Ausschlaggebend waren dabei vor allem wirtschaftliche Faktoren. Wie dies auch heute noch der Fall ist, wenn man sich die Diskussionen ums Frühfranzösisch in der Deutschschweiz anschaut. Und wirtschaftliche Faktoren unterminieren nach wie vor das auch in heutigen Lehrplänen auftauchende Argument des nationalen Zusammenhalts.
In this video, Nicola McLelland tells the story of different language teaching methods from early Medieval England until today. A great overview of the socio-political, economic and scientific motivations which have been influencing language teaching practices across time in the UK.
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