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Ein Tor an einer Fussball-WM – klar, da versammelt sich die ganze Mannschaft zum Jubel. Die ganze Mannschaft? Nein. Ein Spieler muss sich opfern und zuschauen, weil der Gegner sonst sofort wieder angreifen kann. Das wird zumindest behauptet.
Cristiano Ronaldos Ausgleichstor zum 3:3 Portugals gegen Spanien ist einer der Momente, der bislang die WM geprägt hat. Herrlich, wie er kurz vor dem Abpfiff einen Freistoss versenkt und damit seinen Hattrick perfekt macht.
Alle Feldspieler stürzen sich auf den feiernden Ronaldo, im Seitenaus neben der Cornerfahne bildet sich ein Jubelknäuel.
Alle Feldspieler? Nein. Wenn wir genau hinschauen, dann sehen wir: José Fonte darf nicht mitfeiern. Ein Teamkollege gibt ihm die Anweisung, innerhalb des Spielfelds zu bleiben. Fonte gehorcht.
Es existiere eine Regel, welche genau dies verlange, wird daraufhin behauptet. Der entsprechende Tweet verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Wenn sämtliche Feldspieler den Platz verlassen würden, könne der Schiedsrichter die Partie wieder anpfeifen, lesen wir. Spanien hätte so mit all seinen Spielern auf den einsamen portugiesischen Goalie Rui Patricio losziehen können. Im Handball als «Schnelle Mitte» bekannt und erlaubt.
Das klingt spektakulär – ist aber gar nicht wahr. Das zeigt der Blick ins Regelbuch. Regel 8 (Beginn und Fortsetzung des Spiels) hält fest, wie ein Anstoss zu erfolgen hat. «Alle Spieler, mit Ausnahme des Spielers, der den Anstoss ausführt, befinden sich in der eigenen Spielfeldhälfte», ist bei 8.1 festgehalten. Das bedeutet: Die Spanier auf einer Seite, die Portugiesen auf der anderen.
Aber warum durfte Fonte nicht mitjubeln? Weil Fussballer keine Schiedsrichter sind und sein Mitspieler die Regel wohl nicht genau kannte. Oder vielleicht auch deshalb, weil der Portugiese sich an ein Video erinnerte, das vor drei Jahren kursierte. Bei einem U16-Spiel zwischen Gibraltar und Mazedonien schossen letztere ein Tor und alle Spieler rannten zur Bank, um mit den Ersatzspielern zu jubeln. Weil sie sich noch auf dem Feld befanden und die Regel somit erfüllt war, pfiff der Schiedsrichter wieder an – und Gibraltar kam zu einem Gratis-Tor. Zu viel Fingerspitzengefühl konnte dem Ref sicher nicht vorgeworfen werden …
Doch nun kommt's: Die Portugiesen waren nicht das einzige Team mit einem «Solo-Jubler» bei dieser WM. Auch Englands Kieran Trippier ist zu sehen, wie er ganz für sich alleine ist, während alle Teamkollegen feiern. Und bei Australien muss Mark Milligan in den sauren Apfel beissen: Während seine Mitspieler jubeln, ist er nur Platzhalter.
Alex Feuerherdt vom renommierten Schiedsrichter-Blog «Collinas Erben» meint dazu gegenüber der ARD, dass die Spieler möglicherweise einem Gerücht aufgesessen seien oder bei den Regelschulungen vor dem Turnier etwas falsch verstanden hätten. Ausserdem betonte er: «Kein Schiedsrichter würde bei einem solchen Turnier den Anstoss ausführen lassen, wenn sich noch eine signifikante Zahl an Spielern beim Torjubel ausserhalb des Feldes befindet.»