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Schon seit der Mitte des 16. Jh. sind verschiedene Beschreibungen und Abbildungen der antiken Überreste im Gebiet von Augst bekannt. Die älteste Darstellung der Theaterruine findet sich 1544 in der ersten Ausgabe von Sebastian Münsters Cosmographie, einer der berühmtesten Weltchroniken der Zeit.
Erstaunlich ausführlich ist auch die 1548 entstandene Beschreibung in Johannes Stumpfs Chronik der Eidgenossenschaft. Im 12. Buch werden die damals sichtbaren Mauerreste, so etwa auch die halbrunden Entlastungsbögen, genau beschrieben und einzeln abgebildet. Der humanistisch gebildete Stumpf erkennt bereits, dass es sich um Ruinen des antiken Augusta Raurica handeln muss.
Leider kennt man die treibenden Kräfte nicht, die veranlassen, dass ab 1582 in den Ruinen und speziell auf dem Gelände des Theaters Ausgrabungen durchgeführt werden. Der damals mit der Freilegung beauftragte Basler Handelsherr Andreas Ryff erwähnt in seinem 1597 verfassten Selbstzeugnis lediglich, dass die Initiative von Basler Bürgern ausgegangen sei und dass sich der Rat selbst mit einem Beitrag von 1200 Gulden an der kostspieligen Unternehmung beteiligt habe.
Genährt durch die alten Legenden bestand wohl die Hoffnung, auf Schätze und wertvolle Altertümer zu stossen. Auch die Aussicht, durch Abbruch der Mauerreste und den Abtransport der einmal freigelegten Sandsteinquader zu günstigem Baumaterial zu gelangen, mag ein Anlass für die Grabung gewesen sein. In jedem Fall klingt Ryff nicht sehr glaubwürdig, wenn er in seinem Bericht festhält, die Unternehmung sei «allein umb wunders willen» erfolgt. Während drei Jahren legt er grosse Teile des antiken Theaters frei, teilweise gar in Bergbaumanier und unter Anlage von unterirdischen Stollen.
War Ryffs Unternehmung noch primär als Schatzgräberei zu bezeichnen, so ging der Basler Jurist und Humanist Basilius Amerbach die Untersuchung der freigelegten Theaterruine schon bald in wissenschaftlichem Geist an. Im Herbst 1587 zog es ihn nach Augst, um sich die freigelegten römischen Baureste anzuschauen. Bis dahin war er beruflich und durch die Neuordnung seiner Sammlung, dem späteren «Amerbachkabinett», stark absorbiert gewesen. Der Anblick der imposanten, noch mehrere Meter hoch erhaltenen Mauerzüge dürfte bei ihm Erinnerungen an seine Studienzeit in Italien geweckt haben, wo er bereits 1556 verschiedene antike Baudenkmäler besucht und studiert hatte.
Ab Oktober 1588 beschäftigte er sich in regelmässigen Feldkampagnen mit der Dokumentation der Ruine und der Erstellung eines genauen Grundrissplans. Er ging dabei ausserordentlich systematisch vor und bereitete am Schreibtisch Planskizzen vor, auf denen er später im Feld mit Rotstift seine Beobachtungen zu den Bauresten notierte. Zudem war er bestrebt, die Ruine möglichst exakt zu vermessen. Die Arbeiten gipfelten im Herbst 1589 in der Abfassung eines Manuskripts mit dem Titel: «Amphitheatri Rauraci Reliqua».
Schon bald musste Amerbach feststellen, dass der zum Manuskript gehörende Grundrissplan in vielen Punkten fehlerhaft war. Er entschloss sich deshalb 1590 zur Zusammenarbeit mit dem Kunstmaler und Vermessungsspezialisten Hans Bock d. Ä., mit dem er das Theater im Mai desselben Jahres neu vermass und weiter dokumentierte. Wohl auf Anregung Bocks wurden wichtige Befunde nun auch in perspektivischen Skizzen festgehalten; Beobachtungen zu baulichen Details wurden erweitert. Wichtige Fragen, die sich bei seiner Arbeit am Schreibtisch ergaben, hielt Amerbach systematisch auf Notizblättern fest, um sie bei nachfolgenden Kampagnen im Feld abklären zu können.
Trotz des aufwändigen Verfahrens erwies sich Hans Bocks Vermessung als ebenso ungenau wie die vorangegangenen Versuche, so dass Amerbach im Winter 1590 versuchte, durch Kombination aller bisher erfolgten Messungen zu einem genaueren Plan zu kommen. Doch das ambitiöse Dokumentationsprojekt im Augster Theater fand schon bald ein abruptes Ende, als der 58-jährige Amerbach im April 1591 unverhofft an einer Lungenentzündung erkrankte und bald darauf verstarb.
Basilius Amerbachs Aufzeichnungen blieben somit unvollendet. Kurz vor seinem Tode hatte er zudem verfügt, dass seine Dokumentation nicht veröffentlich werden solle, da sie nicht abgeschlossen sei. Sein Erbe respektierte diesen Wunsch und die wertvollen Aufnahmen blieben dadurch während vielen Jahren unbeachtet. Erst 1661 mit dem Ankauf des Amerbachkabinetts durch die Stadt Basel gelangten sie an die Öffentlichkeit. Verschiedene Gelehrte begannen nun, das Material zu sichten und Teile davon zu publizieren.
Auch der Basler Jurist Daniel Bruckner rezipierte Amerbachs Aufzeichnungen, betrieb aber auch eigene antiquarische Forschungen zu Augusta Raurica. Ab der Mitte des 18. Jh. beschrieb und dokumentierte er zusammen mit dem Zeichner Emanuel Büchel die Augster Ruinen. Er führte eigene Grabungen durch, bei denen ihn nicht nur die Fundobjekte interessierten, sondern auch die freigelegten Baubefunde.
Als versierter Zeichner fertigte Büchel exakte Pläne und Skizzen von den Grabungssituationen an, die Bruckner letztlich als Vorlage für den 23. Band seiner berühmten «Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel» dienten. 1763 erschienen beschreibt dieses umfangreiche Werk sämtliche damals bekannten Überreste des antiken Augusta Raurica. Selbstverständlich behandelte Bruckner in seinem Buch auch die Ruine des Theaters, die er zuvor mit Büchels Hilfe neu vermessen hatte und zu deren Beschreibung er auf Amerbachs Aufzeichnungen zurückgriff. In seinem Werk ist auch ein Geländeplan abgebildet, auf dem die um die Mitte des 18. Jhs. bekannten Ruinen eingezeichnet sind.
Von Bruckners profundem Wissen profitierte auch eine andere, bereits 1751 erschienene Publikation, in der die Augster Ruinen ebenfalls ausführlich behandelt werden: Johann Daniel Schöpflins «Alsatia Illustrata». In diesem Werk findet sich der erste publizierte Gesamtplan des Ruinengeländes, für dessen Grundlagen Schöpflin auf die Erkenntnisse von Daniel Bruckner zurückgriff, was deutlich aus der Korrespondenz der beiden Gelehrten hervorgeht. Gemäss überlieferten Dokumenten pflegten Bruckner und Büchel aber auch noch mit anderen antiquarisch Interessierten ihrer Zeit, darunter dem in Aventicum tätigen Erasmus Ritter, wissenschaftlichen Austausch.
Zudem zogen die Augster Ruinen als bekannte Sehenswürdigkeit vielfältige Besucher aus dem In- und Ausland an. Einer von ihnen war der 1792 in die Schweiz emigrierte französische Architekt Aubert Joseph Parent, der um 1802 grössere Ausgrabungen durchführte. Einem seiner Mäzene, dem Seidenbandfabrikanten Johann Rudolf Forcart, richtete er mit Architekturteilen aus den Grabungen in dessen Garten eine künstliche Grotte im Ruinenstil ein.
Ab dem späten 19. Jh. setzte in Augst eine Intensivierung der Grabungstätigkeit ein, die mit einer deutlichen Qualitätssteigerung in der Dokumentation einherging. Diese erfolgte systematisch unter dem Basler Altphilologen Theophil Burckhardt-Biedermann, dessen Passion für die Antike ein wahrer Glücksfall für die Augster Archäologie darstellte. Ab den 1880er-Jahren blieben die Grabungen und Forschungen nun nicht mehr auf wenige punktuelle Unternehmungen beschränkt, sondern deckten das gesamte Gebiet der ehemaligen Koloniestadt ab.
Um 1890 löste ihn Karl Stehlin bei der Betreuung der Feldarbeiten ab. Stehlin war nicht nur technisch und methodisch auf dem besten Stand seiner Zeit, sondern pflegte als Jurist eine akribische und sorgfältig geführte Dokumentation mit klar festgelegten Massstäben. Bis zu seinem Tode im Jahre 1934 verfasste er allein für Augusta Raurica eine hunderte von Seiten umfassende Dokumentation von ausserordentlicher Qualität, die ihren Wert als äusserst wertvolle Arbeitsgrundlage bis heute bewahrt hat.
Nach dem Tode Karl Stehlins trat Rudolf Laur-Belart in dessen Fussstapfen. 1941 an der Universität Basel zum Professor für Ur- und Frühgeschichte ernannt, intensivierte und professionalisierte er im Auftrag der 1935 gegründeten Stiftung Pro Augusta Raurica die Forschung in Augst. Ausgelöst durch den Bauboom der 1960er und 70er-Jahre erfolgte die Finanzierung der Grabungs- und Forschungsarbeiten zunehmend über staatliche Mittel, so dass 1975 im Rahmen des «Vertrags über die Römerforschung» der bis dahin privat organisierte archäologische Betrieb in die Verwaltung des Kantons Basel-Landschaft inkorporiert wurde.
Heute bewältigt ein von den Kantonen Basel-Landschaft und Aargau finanziertes über 60-köpfiges Team von Fachleuten die vielfältigen Aufgaben, zu denen nebst der Grabung und Wissenschaft auch der Museumsbetrieb, die Restaurierung, der Unterhalt des Ruinengeländes und die Verwaltung von Depots und Archiven gehört.
Thomas Hufschmid, Barbara Pfäffli