Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03322.jsonl.gz/2787

„Die heutige materialistisch orientierte Gesellschaft bewundert die Spezialisten. Diese haben den Mann im Volke glauben machen, dass wissenschaftliche und technische Tüchtigkeit sowie materieller Erfolg des Lebens wünschbarste Ziele seien. Es ist ihnen gelungen, alle menschlichen Werte zu verfälschen. Unter den Umständen hält es schwierig, echte Werte zu etablieren, ausser, wenn es gelingt, durch überragende Kenntnisse auch die hartnäckigsten unter den verkalkten und sich selbst bewundernden wissenschaftlichen und technischen Spezialisten an die Wand zu drücken.
Das ist natürlich eine grosse Aufgabe. Sie kann nur dann erfolgreich erledigt werden, falls es gelingt, Wege zu finden, die es dem freien Menschen erlauben, sein technisches Wissen und seine Fähigkeiten viel schneller zu entwickeln und tiefer und vielseitiger zu gestalten, als es mit den konventionellen Erziehungsmethoden möglich war. Ein solcher Weg ist uns jetzt durch die Entwicklung der morphologischen Methoden des Denkens, der Analyse und der Konstruktion eröffnet worden.“
Fritz Zwicky in Free World Agents of Democracy (1949)
Fritz Zwicky wurde 1898 als Schweizerbürger in Warna geboren, wuchs in seinem Heimatkanton Glarus auf und schloss seine Studien an der ETH Zürich 1922 mit der Promotion zum Dr. sc. nat. ab. Ab 1925 lebte er in den USA, wo er u.a. mit Albert Einstein zusammenarbeitete, dessen „brillantester Schüler“ er auch genannt wurde. Danach war er Professor für Astrophysik am California Institut of Technology in Pasadena und Astronom der Mount Wilson- und der Mount-Palomar-Sternwarte. Der Katalog seiner Leistungen ist so reichhaltig, dass er hier nicht zitiert werden kann. Seine von ihm begründete morphologische Weltschau liess Zwicky auch über sein Fachgebiet hinaus Wesentliches schaffen und ihn durch seine vielfach sensationellen Entdeckungen und Erfindungen auf wissenschaftlichem Gebiet sowie seine führende Mitarbeit in internationalen Gremien hervortreten. Fritz Zwickys Weg zu einer venünftigen, freien, gesunden Menschheit in einer vernünftigen, freien, gesunden Welt für über die folgenden drei Stufen, die überwunden werden müssen:
- Alle Verirrungen des menschlichen Geistes, die durch die Vergangenen Jahrtausende zur kontinuierlichen Verpfuschung der Welt geführt haben, müssen erkannt und rücksichtslos bekämpft werden.
- Die fundamentale Tatsache, dass jeder Mensch ein potentielles Genie ist, und dass eine vernünftige, freie, gesunde Welt nur dann Wirklichkeit werden kann, wenn alle dieses Genie erkannt und entfaltet haben, ist heute nur wenigen gegenwärtig.
- Von der morphologischen Forschung entwickelte und noch zu entwickelnde Erziehungssysteme zur Erkennung und Entfaltung des Genies in jedem Einzelnen.
Der erste Schritt besteht also darin, alle Verirrungen der Menschen, wo und bei wem man sie antrifft, beim Namen zu nennen, sie zu eliminieren und durch konstruktives Denken und Handeln zu ersetzen. Vornehmster und dringenster Ansatzpunkt aller Denker und Menschen der Tat ist derjenige, das Genie jedes einzelnen Menschen zur Entfaltung zu bringen, um sie so von allen verhängnisvollen Verirrungen zu befreien und es ihnen zu erlauben und zu ermöglichen, ihre ganze Kraft für die Schaffung einer freien und gesunden Welt einzusetzen. Wir dürfen diesen letzten Feldzug nicht verlieren. Daher stehen an erster Stelle die Anweisen von Fritz Zwicky
a) Lege die Karten auf den Tisch
b) Nenne das Kind beim Namen
c) Audacter et Sincere (Mut und Redlichkeit)
Es darf keiner geschont werden, der aus Dummheit, Selbstsucht oder Aberglauben die Menschen darin hindern will, sich eine freie, gesunde und schöne Welt zu schaffen. Ganz nach dem Motto: „Nüd lugg lu gwünnt“ (Nicht loslassen gewinnt). Ganz im Sinne von Zwickys Denken, suchte er Lösungen nie ausschliesslich im technischen Bereich, sondern bezog die Person des kreativen Menschen, sein Denken und Fühlen und seine sozialen Beziehungen mit ein.
Trotz seinem internationalen Engagement, blieb Zwicky sehr eng mit seiner Heimat, der Schweiz, verbunden. Er war nicht nur regelmässiger Besucher des Alpenlandes, sondern bemühte sich aus ehrenwerten und uneigennützen Motiven heraus um das von ihm geliebte Land. Sein Fachwissen als auch seine Erfahrungen aus den Forschungs- und Beratertätigkeiten für die Sicherheit der USA, liess Zwicky immer wieder in visionären Ratschlägen zur schweizerischen Landesverteidigung einfliessen. Ratschläge die teilweise erst heute, Jahrzehnte später, Gestalt annehmen.
Bereits in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges bestanden Kontakte zwischen dem schweizerischen Militärattaché in Washington und Zwicky. Letzterer wurde als wertvoller Aussenposten für Informationen aller Art betrachtet. 1945, anlässlich einer Mission für die USAF in Deutschland, nahm via Prof. Ackeret, Inhaber des Lehrstuhls für Aerodynamik und Flugzeugbau an der ETH Zürich, Prof. Zwicky Kontakt mit Persönlichkeiten des Eidgenössischen Militärdepartements auf. 1949 bis 1959 wurde Fritz Zwicky während seiner Schweizer Aufenthalte in kleinerem Ausmass auch von der Gruppe für Festungswesen der Generalstabsabteilung, der Abteilung für Sanität und der damaligen Abteilung für Luftschutz zur Beratung beigezogen. Aufgrund von Vorstössen Zwickys bestanden auch Kontakte zur „Schweizerischen Studienkommission für Atomenergie“ (Präsident: Prof. Scherrer) sowie zum Delegierten für Atomfragen (Dr. Jakob Burckhardt).
Landesverteidigung war für Zwicky immer im Sinne einer Gesamtverteidigung die auch die zivile Tätigkeit des Landes und die Entwicklung der exportorientierten Wirtschaft miteinbezog. Eine starke Schweiz musste seiner Meinung nach auf allen Gebieten widerstandsfähig sein. Das Schicksal seiner Heimat ging ihm, dem Auslandsschweizer im doppelten Sinne, stets sehr nahe. Sein Einsatz für das, was er als richtig und notwendig hielt, war kompromisslos und blieb durch Enttäuschungen und Anfeindungen ungeschwächt.
Professor Zwicky war ein Querdenker der sein Engagement hartnäckig verfolgte und je nach Laune auch unsachlich führen konnte. Damit stiess er nicht nur hin und wieder ihm wohlgesinnte Freunde vor den Kopf, sondern verunmöglichte damit oft auch die Annahme von durchaus realisierbaren Vorschlägen. Trotzdem kann unmissverständlich nachgewiesen werden, dass trotz oftmals einhelliger Ablehnung durch die angesprochenen Entscheidungsträger, die Ideen von Fritz Zwicky nicht ganz wirkungslos blieben. Wie Einstein scheute Zwicky den Einsatz schwieriger mathematischer Hilfsmittel und kompensierte diese lieber durch geniale Ideen. Darunter finden sich nicht wenige Ideen die für alle Zeiten bestand haben werden und die Geschichte der Menschheit entscheiden geprägt haben und es noch heute tun.
Die Idee Zwickys für eine „Wehrwissenschaftliche Abteilung“ wurde von den obersten militärischen und politischen Behörden stets durch in den Vordergrund geschobene hohe Kosten abgelehnt. Es ist allerdings unverkennbar, dass primär der Widerwille gegen eine solche unabhängig operierende „Denkfabrik“, deren Erzeugnisse möglicherweise gar nicht im Sinne vorgefasster Meinungen und Traditionen ausfallen könnten, jeweils den eigentlichen Ausschlag zur Ablehnung war.
„Ein Kleiner sieht einen Grösseren so, wie er ihn zu sehen vermag“
Auch das Zwicky Institut kann einem brillanten Denker wie Fritz Zwicky und dessen visionären Ideen niemals vollständig gerecht werden. Doch wir können und wollen im Geiste von Professor Zwicky unsere wertvolle Stimme erheben und nicht verstummen lassen. Wie Zwicky machen wir es unserer Umwelt nicht leicht, im Wissen, dass es genügt, dass die Guten nichts tun, damit das Böse zu gewinnen vermag (Edmund Burke).
Auszüge aus den Büchern von Fritz Zwicky
Der Begriff des “Genies”
Ganze Menschen vs. Versager
Bücher
„Morphological Astronomy“, Springer Verlag, 1957
„Morphologische Forschung“, Buchdruckerei Winterthur 1959
„Catalogue of Galaxies and of Clusters of Galaxies“, Volumes I to VI, California Institute of Technology, Pasadena, California 1961 bis 1968
„Morphology of Propulsive Power“, Bookstore of the California Institute of Technology, 1962
“Entdecken, Erfinden, Forschen”, Droemer Verlag München, 1966
„New Methods of Thought and Procedure“, Springer Verlag New York, 1968
„Discovery, Invention, Research“, MacMillan New York, 1969
„Jeder ein Genie“, Herbert Lang & Cie. AG Bern, 1971
„Fritz Zwicky – Leben und Werk des grossen Schweizer Atomphysikers, Raketenforschers und Morphologen“, Verlag Baeschlin Glarus, 1986
Links
Zwicky Stiftung
ETH Zwicky Prize Fellowships
Einstein Archives Online