Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03379.jsonl.gz/0

Die Beziehungen der beiden Länder haben sich seit dem Sturz des Regimes von Präsident Ben Ali 2011 intensiviert und sind ausgezeichnet. Das Handelsvolumen ist seit dem Umsturz stetig gewachsen. Ausserdem ist Tunesien ein Partner der Schweizer Kooperationsstrategie für Nordafrika.
Bilaterale Beziehungen Schweiz–Tunesien
Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen
Die guten bilateralen Beziehungen kommen in mehreren Abkommen zu verschiedenen Themen zum Ausdruck. Die beiden Länder sind über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) verbunden, das am 17. Dezember 2004 unterzeichnet wurde und 2005 in Kraft trat, und haben ein Investitionsschutzabkommen abgeschlossen.
Weitere Abkommen wurden im Zusammenhang mit der demokratischen Transition Tunesiens unterzeichnet. 2012 haben die Schweiz und Tunesien eine Migrationspartnerschaft abgeschlossen und ein Kooperationsabkommen im Migrationsbereich sowie ein Abkommen über den Austausch von jungen Berufsleuten unterzeichnet.
Zahlreiche Kulturprojekte und auch Bundesstipendien vertiefen den Austausch zwischen Tunesien und der Schweiz und fördern die bilateralen Beziehungen.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Tunesien ist der zwölftwichtigste Handelspartner der Schweiz in Afrika. Das Handelsvolumen belief sich 2018 auf 413 Millionen CHF.
Verschiedene Schweizer Unternehmen sind in Tunesien tätig, insbesondere im Textil-, Bekleidungs- und Nahrungsmittelsektor. 2011, nach dem Umsturz in Tunesien, entstand eine tunesisch-schweizerische Handelskammer.
Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation
Forschende und Kunstschaffende aus Tunesien können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um ein Bundes-Exzellenz-Stipendium bewerben
Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hat die Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) zum Leading House für den Nahen Osten und Nordafrika (Region MENA) bestimmt. Ziel dieses Mandats, das sich über die Jahre 2017–2020 erstreckt, ist die Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und den MENA-Ländern.
Friedensförderung und menschliche Sicherheit
Die Schweizer Kooperationsstrategie 2017–2020 für Nordafrika beruht auf drei Pfeilern:
Demokratische Prozesse und Menschenrechte
Wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung
Migration und Schutz
Im Rahmen des ersten Pfeilers unterstützt die Schweiz die Förderung der Menschenrechte, indem sie technische Hilfe bei der Integration der Menschenrechte in die Gesetzgebung zur Terrorismusbekämpfung leistet. Zudem unterstützt sie die Nationale Behörde zur Verhütung von Folter auf institutioneller Ebene. Des Weiteren setzt sich die Schweiz dafür ein, dass die Grenzbeamten die Menschenrechte einhalten. Im Bereich der Vergangenheitsarbeit unterstützt die Schweiz die Stärkung der Mechanismen der Transitionsjustiz, insbesondere in Fragen der Archivierung, und engagiert sich für die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Debatte über die Transitionsjustiz. Schliesslich unterstützt sie Projekte, die durch eine stärkere politische Partizipation der Jungen auf lokaler Ebene zur Prävention von gewalttätigem Extremismus beitragen sollen.
Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Nach den Ereignissen im Januar 2011 verstärkte die Schweiz ihr Engagement in Tunesien. Im Rahmen der Schweizer Kooperationsstrategie für Nordafrika wurde mit lokalen Partnern ein Programm zur Unterstützung des Transitionsprozesses ausgearbeitet. Dieses wird unter der Leitung der eigens dazu geschaffenen Organisationseinheit Internationale Zusammenarbeit der Schweizer Botschaft in Tunis umgesetzt. Die Schweiz konzentriert ihr Engagement zur Förderung der Entwicklung und zur Armutsbekämpfung auf benachteiligte Regionen in Tunesien. Die Jugend stellt eine Priorität des schweizerischen Engagements im Land dar.
Die für die Internationale Zusammenarbeit mit Tunesien eingesetzten Mittel umfassen für den Zeitraum 2017–2020 ein Gesamtvolumen von rund 110 Millionen CHF.
Kulturaustausch
Die Schweiz und Tunesien pflegen einen regen Kulturaustausch, die gemeinsame französische Sprache ist dabei ein wichtiger Aspekt. So organisiert die Schweiz regelmässig Ausstellungen und Anlässe in Tunesien und unterstützt lokale Kulturprojekte. Zudem nimmt die Schweiz jedes Jahr an den «Journées de la Francophonie» teil.
Die Stiftung Pro Helvetia und ihre Aussenstelle in Kairo sind für die Förderung von Schweizer Kunst und Kultur im Ausland zuständig. Pro Helvetia fördert Kontakte zu tunesischen Kulturschaffenden, initiiert Koproduktionen mit Künstlerinnen und Künstlern und ermöglicht diesen Residenzaufenthalte.
Schweizerinnen und Schweizer in Tunesien
Ende 2018 lebten 1496 Schweizer Staatsangehörige in Tunesien.
Geschichte der bilateralen Beziehungen
Die Beziehungen der Schweiz zu Tunesien entwickelten sich im 19. Jahrhundert während der französischen Expansion in Nordafrika. 1939 eröffnete die Schweiz in Tunis ein Konsulat. 1956 erlangte Tunesien die Unabhängigkeit. Dieses Jahr kann allgemein als Beginn der bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Tunesien angesehen werden. Kurz danach anerkannte die Schweiz Tunesien als unabhängigen Staat und eröffnete eine Gesandtschaft. Diese wurde 1961 in eine Botschaft umgewandelt.