Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03172.jsonl.gz/112

Markus Vassalli (MAX)
Der Erfindungsgeist der Frauen steht jenem der Männer in nichts nach, das ist hinlänglich bekannt und so sorgte auch eine Frau dafür, dass des Mannes liebstes Hobby, das Auto, heute etwas besitzt, das jederzeit für den Durchblick garantiert.
Es ist ein strenger Winter, der 1902 in den USA herrscht. Wer das Haus oder die Wohnung nicht verlassen muss, tut es auch nicht. Man bleibt lieber zu Hause und heizt den Ofen gehörig ein. Besonders in New York schneit es in Massen, so auch an jenem Tag, an dem Mary Anderson, erfolgreiche Immobilienmaklerin und Bauunternehmerin, die in ihrer Heimat Alabama schon Dutzende Wohnungen bauen liess, in die Metropole kommt.
Am Bahnhof wird sie bereits vom bestellten Fahrer eines Gepäckwagens erwartet, der die Koffer und Taschen vorsichtig verstaut. Es schneit stark und der Wind peitscht kräftig. Mary Anderson nimmt neben dem Fahrer Platz und es geht los.
Nach wenigen Augenblicken sind die Scheiben zugeschneit und so öffnet der Fahrer das Fenster und wischt während der Fahrt immer wieder den Schnee von der Windschutzscheibe. Eine schweisstreibende Angelegenheit, die Mary Anderson noch dazu als wirklich ineffizient empfindet. Zwei Stunden dauert es, ehe sie ihr Hotel erreicht.
Im Zimmer packt sie sofort Papier und Bleistift aus und beginnt Pläne zu zeichnen, denn, es müsste doch möglich sein, ein Gerät zu haben, mit dem man vom Fahrzeuginneren die Scheibe putzen kann, ohne dabei so viele Kalorien zu verbrennen, wie es der arme Fahrer von vorhin getan hatte. Mary Anderson sitzt einige Monate lang über einer Lösung und präsentiert Anfang November 1903 eine Vorrichtung, bei der ein Hebel in Lenkradnähe angebracht war, mit dem der Fahrer bei Bedarf auf der Windschutzscheibe aussen einen gefederten Schwingarm mit einem schmalen Gummiblatt in Bewegung setzen konnte, der danach wieder in die Ausgangsposition zurückkehrte.
Der Scheibenwischer war erfunden!