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Gibt es in Zukunft noch Seegfrörnen?
Neue Daten von Eis auf Schweizer Seen zeigen einen markanten Rückgang von Seegfrörnen im Schweizer Mittelland. Viele mittelgrosse Seen sind seit über 30 Jahren nie mehr ganz zugefroren. Durch den Klimawandel dürften Seegfrörnen zukünftig noch seltener werden.
Markant weniger Seegfrörnen
Hendricks Franssen und Scherrer haben im Jahr 2008 Daten zu Eis auf Schweizer Mittellandseen publiziert. Nun wurden sie bis in die Gegenwart aufdatiert. Sie zeigen ein deutliches Bild. Es gab in den letzten Jahrzehnten markant weniger Seegfrörnen, wie Abbildung 1 eindrücklich zeigt. Die grössten Abnahmen lassen sich bei mittelgrossen Seen, wie zum Beispiel beim Hallwiler- und Sempachersee, erkennen. Bis in die 1960er Jahre gab es an diesen Seen zwei bis vier Gfrörnen pro Jahrzehnt. Mit der Ausnahme der 1980er Jahre, sind die Gfrörnen an diesen Seen seitdem nicht mehr aufgetreten. Etwas weniger dramatisch ist die Abnahme bei kleineren, flacheren oder höher gelegenen Seen wie dem Pfäffikersee, Greifensee oder Ägerisee, aber auch hier wurden die Gfrörnen deutlich seltener. Grosse oder tiefe Seen, wie der Boden- und Zugersee frieren sehr selten zu, zum letzten Mal im strengen Winter 1962/63.
Klimawandel erklärt Abnahme
Die Schweiz hat sich in den letzten 150 Jahren um zwei Grad Celsius erwärmt und Kältewellen haben deutlich abgenommen. Da Seegfrörnen nur in extrem kalten Wintern auftreten, reagieren sie sehr sensitiv auf die Erwärmung und das Ausbleiben von starken Kältewellen. Somit erklärt die Klimaerwärmung sehr gut die markante Abnahme der Eisbedeckung auf den Schweizer Mittellandseen.
Was bringt die Zukunft?
Die Klimaerwärmung geht weiter. Die Temperaturen werden in den nächsten Jahrzehnten je nach Szenario um einige weitere Grad ansteigen. Forscher der ETH Zürich, der Universität Fribourg, des Forschungszentrum Jülich und der Academia Engiadina haben mit einem einfachen Modell berechnet, dass mittelgrosse Mittellandseen bis 2050 in extrem kalten Wintern weiterhin zufrieren könnten. Nach 2050 wird ein Zufrieren zunehmend unwahrscheinlicher. «Seegfrörnen» im Mittelland dürften dann zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.
Weitere Informationen
Detailliertere Informationen zum Thema «Seegfrörnen», unter anderem auch dazu, wieviel Kälte es braucht, bis ein See zufriert, finden Sie hier.
Links
Huss M, Hendricks Franssen H-J, Keller F, Funk M und M Hoelzle (2016) Freezing of lakes on the Swiss Plateau 1865-2100: combining long-term observations with modelling. Geophysical Research Abstracts, 18, EGU2016-5593 (Englisch)
Die Schweizer Jahresmitteltemperatur animiert (Blogbeitrag MeteoSchweiz)
Streifen als Klimabotschafter (Blogbeitrag MeteoSchweiz)
Von der Seegfrörni und Klimavariabilität (Blogbeitrag MeteoSchweiz)