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Für den Mai-Beitrag als Vorschau auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer-le-Lac fuhr ich wieder einmal in die Südwestschweiz. Genauer gesagt nach Couvet, ans Neuenburger Kantonale. Couvet? Nun, ich kannte diese Ortschaft vor dem 22. Mai auch nicht. Wikipedia weiss dazu: „Seit dem 1. Januar 2009 gehört Couvet zusammen mit Boveresse, Buttes, Fleurier, Les Bayards, Môtiers, Noiraigue, Saint-Sulpice und Travers zur neuen Gemeinde Val-de-Travers.“ Und weiter: „Couvet liegt auf 735 Meter über Meer, 24 Kilometer westsüdwestlich der Kantonshauptstadt Neuenburg (Luftlinie). Die Industriegemeinde erstreckt sich im zentralen Val de Travers beidseits der Areuse und auf dem Schwemmkegel des Seitenbachs Sucre, im südwestlichen Neuenburger Jura.“ Die Einwohner-Zahl von Couvet beziffert die Internet-Wissensdatenbank mit gut 2800.
Frühmorgens fuhr ich bereits los und machte mich auf den Weg zu meinem ersten Kantonalen auf Südwestschweizer Boden. Das Neuenburger Kantonale ist 2016 das zweite von insgesamt fünf Kantonalschwingfesten in der Romandie. Am 8. Mai fand in Carouge bereits das Genfer Kantonale statt, welches Benjamin Gapany souverän gewann.
2015 wurde das Neuenburger Kantonale übrigens von keinem geringeren als dem Seeländer Gast Christian Stucki gewonnen. Dannzumal fand das Fest in Le Landeron statt, wo Stucki im Schlussgang die Südwestschweizer Nachwuchshoffnung Steve Duplan besiegte.
Das diesjährige „Neuenburger“ wurde dank einem gestellten Schlussgang zwischen Steven Moser und Marc Guisolan von Samuel Dind, einem Neuenburger, gewonnen. Dind, welcher dem Schwingklub Vignoble angehört, holte sich fünf Siege. Dem gegenüber steht ein verlorener Gang beim Anschwingen mit dem Berner Gast Beat Wampfler.
Auf Rang zwei folgt Michael Nydegger, der zurzeit einzige Südwestschweizer Eidgenosse. Sein Rückstand auf Samuel Dind betrug leidglich ein Viertelpunkt. Bei seinem Kranzfest-Comeback blieb Michael fünfmal siegreich und musste nur im zweiten Gang gegen Stéphane Haenni einen Gestellten hinnehmen. Wegen fehlender Maximalnoten konnte der in Oberschrot FR wohnhafte Sennenschwinger nach dem unentschiedenen Schlussgang nicht erben. Dennoch zeigte sich der mittlerweile 43-fache Kranzgewinner nach dem Schwingfest sehr zufrieden.
Im ersten Teil des Besuches beim Neuenburger Kantonalen widme ich mich deshalb dem 31-jährigen Freiburger, dessen Comeback als absolut geglückt bezeichnet werden darf. Gestern Morgen gab mir Michael zu fünf Fragen Auskunft.
Das erste Kranzfest nach gut zwei Jahren lief sehr gut. Wie hast du dich dabei gefühlt? Welche Gedanken gingen dir durch den Kopf?
Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft. Ich habe mich sehr gut gefühlt und konnte mit einem Sieg beim Anschwingen einen guten Start hinlegen. Das ist immer gut bei einem Kranzfest. Der zweite Gang endete leider gestellt. Der dritte Gang, welcher wieder siegreich verlief, gab mir einen Motivationsschub. Danach ist es mir immer besser gegangen. Nach den vielen Verletzungen, welche ich mir in der Vergangenheit zuzog, tut das Resultat in Couvet einfach gut. Ich bin glücklich, dass ich so nach zwei Jahren Abwesenheit zurückkehren konnte. Das Ziel war der Kranz, und dass mein Körper mitmacht.
Ich wusste, dass der Festsieg bei einem gestellten Schlussgang drin liegen könnte. Es fehlten mir jedoch die Maximalnoten. Dies spielt aber keine Rolle. Das Resultat und der Verlauf beim Neuenburger Kantonalen gibt mir Selbstvertrauen und Motivation für die nächsten Feste.
Du hast dir diesen Frühling eine kleine Verletzung zugezogen. Ist alles wieder im grünen Bereich?
Ich bestritt diese Saison bisher zwei Rangschwingfeste. Beim Anlass in Chables konnte ich alle sechs Gänge schwingen und landete auf Rang 8b. Beim Abendschwinget Brünisried musste ich wegen einer Verletzung aufgeben. Ich überdehnte mir dort das Innenband beim operierten Knie. Ich legte danach eine Pause ein. Es ist nun wieder alles bestens ausgeheilt. Ich sagte mir, dass ich keine Feste bestreiten werde, wenn ich nicht topfit bin. Es ist für mich selber und meinen Kopf wichtig, dass ich nur fit an den Start gehe.
Bist du mit deinem Formstand zufrieden? An was musst du in nächster Zeit noch arbeiten?
Mit meinem Formstand bin ich sehr zufrieden. Die Kraft, die Ausdauer und die Explosivität sind vorhanden. Schwingerisch gesehen bin ich ebenfalls zufrieden. Wenn das Selbstvertrauen zurückkehrt, kann ich die Schwünge ansetzen, die ich mir vorstelle. Ich werde nun möglichst viele Schwingfeste bestreiten um mein Selbstvertrauen zu stärken. Dabei möchte ich mir nicht zu viele Gedanken machen, und Gang um Gang nehmen.
Wie gross ist Estavayer momentan für dich ein Thema?
Im Hinterkopf ist das Eidgenössische schon ein Thema, aber das findet erst gegen Ende der Saison statt. Wichtig ist, dass ich richtig in die Saison finde und dabei in einen Lauf komme. Der Rest ergibt sich von alleine. Zudem habe ich meine Trainer, die mich unterstützen.
Wie geht es nun weiter? Welche Feste stehen als nächstes an?
Das nächste Kranzfest, das Waadtländer Kantonale, findet bereits am nächsten Sonntag statt. Am 19. Juni folgt der Schwarzsee Bergschwinget, am 26. Juni das Freiburger Kantonale und am 3. Juli bin ich zusammen mit Benjamin Gapany Gast beim Innerschweizerischen Teilverbandsfest in Einsiedeln.
Michael Nydegger, glücklich nach dem gewonnenen sechsten Gang
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger
Beim zweiten Teil zum Neuenburger Kantonalen folgt demnächst eine „Fotostrecke“. Denn ich schoss in Couvet vom und rund um den schön hergerichteten Schwingplatz viele Fotos.
feldwaldwiesenblogger