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Graupapagei
Psittacus erithacus
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Der Graupapagei (Psittacus erithacus) gehört zweifellos zu den bekanntesten der rund 330 Mitglieder der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae), obschon er weit weniger bunt ist als viele seiner Vettern. Dies hat damit zu tun, dass er ein ausserordentlich begabter Nachahmer von menschlichen Worten, Melodien und anderen Geräuschen ist, und dass er es darüber hinaus versteht, die gemerkten Wort- und Tonfolgen oder Geräusche mit bestimmten Situationen in Verbindung zu bringen, sie also «situationsgebunden» wiederzugeben. So sagen Graupapageien ihr «Guten Morgen!» nicht irgendwann, sondern am Vormittag, und sie lassen einen bestimmten Namen einzig beim Anblick der zugehörigen Person verlauten. Der Graupapagei wird darum in Europa und in Nordamerika sehr häufig als Heimtier gehalten, und zwar schon seit dem 16. Jahrhundert.
Die Heimat des Graupapageis sind die Regenwälder Äquatorialafrikas - von Guinea-Bissau im Westen quer durch das Tiefland Westafrikas und das Kongo-Becken bis nach Westkenia und Nordwesttansania im Osten. Insgesamt kommt die Art in 23 Ländern vor. Innerhalb dieses weiten Areals werden im Allgemeinen zwei Unterarten unterschieden: Östlich der regenwaldlosen «Dahomey-Lücke», die sich bei Togo und Benin befindet, lebt der Kongo-Graupapagei (Psittacus erithacus erithacus). Er ist mit einer Länge von ungefähr 33 Zentimetern und einem Gewicht um 400 Gramm der grössere der beiden Vettern. In Westafrika ist der Timneh-Graupapagei (Psittacus erithacus timneh) heimisch. Er wird nur ungefähr 30 Zentimeter lang und wiegt um 320 Gramm. Das Grau des Gefieders ist beim Timneh-Graupapagei etwas dunkler als beim Kongo-Graupapagei, das Rot seines Schwanzes ist eher Braunrot, und sein Schnabel ist auf der Oberseite nicht schwarz, sondern rosa gefärbt. Männchen und Weibchen lassen sich bei beiden Unterarten äusserlich nicht unterscheiden.
Bei der Nahrungssuche bewegt sich der Graupapagei vornehmlich im Kronendach seiner Heimatwälder umher, besucht aber auch gern deren Randbereiche zum Offenland hin. Meistens begegnet man ihm paarweise oder in kleinen Trupps. Früchte aller Art bilden seine Hauptkost. Bei sich bietender Gelegenheit nimmt er aber - gewissermassen als Beikost - auch Blätter, Blüten und manchmal sogar Insekten zu sich. An ihren Schlafplätzen versammeln sich die Graupapageien jeweils in der Abenddämmerung zu grösseren Gemeinschaften. Bis die Nacht hereinbricht, herrscht dort ein vielstimmiges Pfeifen, Krächzen und Kreischen.
Beim Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von drei bis fünf Jahren verbindet sich der Graupapagei mit einem Partner des anderen Geschlechts und bleibt dann gewöhnlich sein Leben lang mit diesem zusammen. Als Kinderstube wählt das Graupapageienpaar meistens eine Baumhöhlung in einem grossen, absterbenden oder abgestorbenen Baum. Das Gelege besteht gewöhnlich aus drei Eiern. Die jungen Graupapageien schlüpfen nach einer Brutzeit von etwa vier Wochen. Sie erreichen im Alter von elf bis zwölf Wochen die Flugfähigkeit und verlassen dann das Nest, bleiben aber noch rund vier Monate lang von der Zufütterung durch ihre Eltern abhängig. Graupapageien sind langlebige Vögel, welche in Menschenobhut fünfzig und mehr Jahre alt werden können.
Wie gross die Graupapageienbestände in der freien Wildbahn sind, wissen wir nicht. Immerhin gibt es für ein paar Länder innerhalb des Artverbreitungsgebiets recht verlässliche Schätzungen. Führt man aufgrund dieser Bestandsschätzungen sowie der Schätzung der Fläche des in den übrigen Ländern verbleibenden Lebensraums eine Hochrechnung durch, so ergibt sich für den Gesamtbestand eine Zahl, die irgendwo zwischen etwa einer Million und zehn Millionen Individuen liegt. Diese Zahl erscheint recht hoch, doch leider sind die Graupapageienbestände nirgendwo stabil. Im Gegenteil: In fast allen Ländern, in welchen die Art vorkommt, nehmen die Bestände rasch ab.
Lebensraumzerstörung zwecks Gewinnung von Holz und zur Ausweitung der Anbau- und Weideflächen heisst einer der hauptsächlichen Schadfaktoren. Noch mehr zu schaffen macht dem Graupapagei jedoch seine Beliebtheit als Heimtier in Europa und den USA. Allein zwischen 1994 und 2003 wurden über 350 000 Individuen legal aus Afrika exportiert. Kamerun mit rund 160 000 Individuen (= 44 Prozent) und Kongo-Kinshasa mit rund 120 000 (= 33 Prozent) waren die beiden Hauptexportländer.
Da wahrscheinlich etwa jeder zweite der zumeist nestjung gefangenen Vögel gestorben war, noch bevor er sein Heimatland verlassen hatte, müsste man die genannten Zahlen ungefähr verdoppeln. So oder so kann von einer nachhaltigen Nutzung keine Rede sein. Aufgrund der besorgniserregenden Fangzahlen sah sich die Weltnaturschutzunion (IUCN) 2007 gezwungen, den Graupapagei in der Kategorie «Nahezu Gefährdet» auf die Rote Liste zu setzen.
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