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XI.
CHEMISCHE SCHÖPFUNGSGESCHICHTE
Fortsetzung
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Nachdem wir wissen, welche Chemikalien, dem Schwergewicht zufolge, übrig geblieben sein müssen, als die Flußsäure mit Kalkerde, Natron, Kieselerde und Tonerde neutralisiert war, lässt sich leicht überschauen, was weiter geschehen ist, sobald wir die noch heute lebenden Zeugen aus jener Periode: den Kieselguhr, die Steinkohle, das Erdöl, die Kreide, den Guano und den Chilesalpeter, zu Rate ziehen.
Wie die Sonne einen Kern und eine Atmosphäre hat, so auch unsere Erde. Als den Kern der Erde haben wir das feste Land und das Meer, samt dem eingeschlossenen Wasserstoff anzusehen; ihre Atmosphäre besteht heute aus Stickstoff und Sauerstoff, aber zu jener Periode der Erdformation war das Meer von einem braunen Schwefel-Phosphor-Cyan-Dampf bedeckt, diesen am leichtesten wiegenden negativen Elementen mit den bezüglichen Atomgewichtszahlen 32, 31, 26.
Im Meere selbst waren die Verbindungen von Fluor (38), Chlor (71), Brom (160) und Jod (254) mit leichten und schweren Elementen, vom Magnesium (12) beginnend, bis zum Gold (197) aufsteigend, in aufgelöster Form vorhanden.
Außerdem war das Meer reich mit Kieselerde im aufgelösten Zustand versehen, und zwar so scharf an der Grenze der Tragfähigkeit für Kieselerde, von welcher das Wasser etwa den tausendsten Teil aufzulösen vermag, dass jede fernere Zufuhr von Salz die Kieselsäure (identisch mit Kieselerde) zur weiteren Ausscheidung bringen musste, nachdem bereits ihre Ausscheidung in Form von Quarz und Opal in dem Maße vor sich gegangen war, als die Salze sich vermehrten und Fluorkiesel der Zersetzung zu Kieselsäure und Kieselflußsäure unterlag.
Und nun stand wirklich eine neue Zufuhr von Salz (oxalsaures Ammoniak) aus der Atmosphäre bevor, denn der Wasserdunst der Atmosphäre musste sich mit ihrem Cyan-Dampf zu oxalsaurem Ammoniak verbinden.
C2 N2, H6 O3 = C2 O3, H6 N2
Beiläufig war der Reichtum des Meeres an Kieselsäure so bedeutend, dass dort, wo nur wenig Wasser über der Erdrinde stand, das Meer und die Atmosphäre so erfolgreich sich verbanden, dass aus Kieselerde und oxalsaurem Ammoniak jene üppigen Schachtelhalmwälder der Urzeit hervorgehen konnten, in deren Schutz sich die Krokodile, Schildkröten und Ichthyosauren der ersten Schöpfungs-Periode entwickelten, die mit ihrem Protoplasma (erstem Bildungsmaterial) auf ein bestimmtes Quantum Kieselsäure angewiesen waren.
Da sich nun ein Teil Kieselsäure in etwa 1.000 Teilen warmem Wasser auflöst, so ergibt dies in Bezug auf das ungeheure Urmeer eine so gewaltige Menge, dass durch die Anhäufung an einer bestimmten Stelle beträchtliches Gebirge herauskommen würde.
In der Tat haben solche gebirgsmässigen Ausscheidungen von Kieselsäure an solchen Stellen der Erde stattgefunden, die in breiter Ebene flach unter dem Wasserspiegel lagen, demgemäß einer starken Verdunstung ausgesetzt waren, die durch nachrückende Wassermengen aus der Tiefe nicht ausgeglichen wurde.
Wo diese Verdunstung eine sehr starke war, wie in der Nähe des Äquators, da fielen ziemlich grobe Kristalle von Kieselsäure zu Boden. Die Sahara und der arabische Sand sowie die regenlosen Gebiete Persiens und des nördlichen Indiens erzählen davon.
An anderen Stellen der Erde geschah die Ausscheidung der Kieselsäure, vielleicht nur zu Folge der in der Nacht verminderten Temperatur des Wassers, in mikroskopischen Flocken. Von dieser Beschaffenheit und zwar mit Eisenoxid und Tonerde verbunden treffen wir das Produkt unter dem Namen Kieselguhr u. a. im Gebiet der Lüneburger Heide, in Schweden und in den flachen Gegenden Nordamerikas.
Unserem in der Vorrede ausgesprochenen Vorsatz getreu, die Naturwissenschaft nicht als einen dürren Stecken zu behandeln, sondern als ein grünendes, blühendes und fruchttragendes Reis, mögen hier einige Betrachtungen über die Wichtigkeit der Kieselsäure mitten im sandigen Thema als eine Oase in der Wüste zur Geltung kommen.
In manchen Gegenden Schwedens vermischen die Bauern den erwähnten Kieselguhr mit Getreidemehl zum Brotbacken und es unterliegt keinem Zweifel, dass das hohe Lebensalter, welches im Norden Europas von manchen Landleuten erreicht wird, auf die zementierende Kraft zurückzuführen ist, welche der Kieselerde in Bezug auf organisches Material beiwohnt, folglich auch auf unser Bluteiweiß, einerlei, ob die Kieselerde direkt in der leichtlöslichen Form von Kieselguhr oder indirekt in Gestalt gewisser Vegetabilien, z. B. groben Hafermehls, genossen wird. Was den direkten Genuss von Kieselerde betrifft, so berichten Reisende von Guinea, wo die Europäer so rasch hinfällig werden, dass sich die dortigen Neger zeitweise einer roten plastischen Erde zur Nahrung bedienen, die allerdings nicht chemisch untersucht worden ist, von der jedoch als wahrscheinlich angenommen werden darf, dass sie aus Kieselerde, Tonerde und Eisenoxid besteht.
Auch unsere Schriftgelehrten bedienen sich der Kieselsäure, um sich beispielsweise von Lähmungszuständen zu befreien, nur mit dem Unterschiede gegen die schwedischen Bauern und Guinea-Neger, dass sie nicht wissen, was sie tun. Die deutschen Gichtbrüchigen ahmen vollkommen getreu dem Schneehuhn nach, welches Kieselerde, Tonerde, Mangan, Eisen, Magnesium, phosphorsaure Kalkerde, Natron und Kali in Form von Gabbrogestein zu sich nimmt. Denn wenn die Patienten Karlsbader Sprudel trinken, so trinken sie eben in 16 Litern 1 Gramm Kieselsinter, 1/250 Gramm phosphorsaure Tonerde, 1/25 Gramm kohlensaures Eisen, ferner 1/75 Gramm Mangan, 10 Gramm Kalkerde, Magnesium, Lithium, Strontium und Fluorsilicium und 80 Gramm schwefelsaures, salzsaures und kohlensaures Natron. In diesem Karlsbader Sprudel kommt es sehr wesentlich auf Kieselerde und Fluorkiesel an, wennschon auch dem schwefelsauren Natron (Glaubersalz) eine sehr bedeutende Bindekraft in Bezug auf Eiweißstoffe beiwohnt. Aber es verdient ausdrücklich gesagt zu werden, dass die Wirksamkeit der Kieselerde und des Fluors eine andere ist als von dem einfachen Glaubersalz erwartet werden darf, welches zu teurem Preise unter dem Namen „Karlsbader Salz“ bis vor Kurzem in den Handel gebracht wurde.
Auch die Kissinger Quellen enthalten Kieselerde, Fluor, Mangan, Tonerde, Eisen, Natron, Kali, Lithium, Kalk und Magnesium, teils an Kohlensäure, teils an Salzsäure, teils an Schwefelsäure, teils an Phosphorsäure gebunden.
Die gleichen Erden, in verschiedener Mischung, und in verschiedener Verdünnung sind aber auch in den folgenden Heilquellen enthalten:
Nauheim in Kurhessen, Franzensbad und Marienbad in Böhmen, Kreuznach in der Rheinprovinz, Ems, Homburg am Taunus, Cudowa, Krankenheil, Wildungen, Wiesbaden, Driburg (Westfalen), Pyrmont, Reinerz, Warmbrunn, Schlangenbad, Rippoldsau, Wildungen, Salzbrunn usw.
Wenn freilich alle diese Mineralquellen bei vorgeschrittenem Siechtum nicht die gleiche Wirkung haben wie in beginnenden Krankheitszuständen, so liegt es vielleicht an der starken Verdünnung der Gesteine, deren Substanz unserem eigenartigen Eiweiß sehr wesentlich zukommt und die beiläufig vom Volk in Gestalt von grobem Schwarzbrot genossen wird, denn in der Asche der Getreidekörner steckt Kieselsäure, Kali, Natron, Magnesium, Kalkerde, Eisen, Phosphorsäure und Schwefelsäure. Darum spielen ja die Vegetarier mit ihrem Grahambrot, welches in der Kleie die mineralischen Bestandteile besitzt, die uns widerstandsfähig machen, in der Tat einen wirksamen Trumpf aus. Indessen der kaukasische Boden, von dem unsere Rasse herstammt, bringt nicht bloß alle Arten von Getreide, Hülsenfrüchte und Wein hervor, sondern auch Pferde, Rinder, Hirsche, Schafe und Gemsen, also dass sich die kaukasische Rasse zwischen Landwirtschaft und Jägerei bewegen konnte, wie Kain und Abel. Ob es nicht für alle Zukunft so bleiben wird? — Ob die Vegetarier die Hoffnung hegen dürfen, allen Mitmenschen eine fromme Denkart und gleichen Geschmack und Neigung einzupflanzen??
Hinsichtlich der Notwendigkeit erdiger Bestandteile im Blute scheint es mir noch am Platze, daran zu erinnern, dass in den Apotheken früher unter dem Namen Steinmark (Medulla Saxorum) eine Art Tonerde-Speckstein vorrätig gehalten wurde, welcher vom Volk gegen solche Leidenszustände Verwendung fand, die auf Blutstockungen und Verfettung der Organe beruhen. Jetzt ist dieses Mittel nur hier und da anzutreffen und das Volk verlangt es nicht mehr, weil es nicht mehr das bekommt, was tatsächlich wirksam ist, denn leider haben einige Fach-Gelehrte behauptet, der Gebrauch von Steinmark sei nur ein Unsinn. Darum schafften es die Drogisten nicht mehr an und die Apotheker mussten zu dem Notbehelf greifen, eine Mischung von weißem Ton, Magnesium und Eisenoxid zu verabfolgen, was den Zweck nicht erfüllt.
Jetzt wird die Wissenschaft, die auf der Jagd nach Bazillen ein wenig zu hastig vorangeschritten ist und dabei den sicheren Boden unter den Füssen verlor, mit Verlaub „umkehren“ müssen und entweder zum echten Steinmark oder zu fein gepulvertem norwegischen Gabbro greifen müssen, der sämtliche, unserem Bluteiweiß erforderlichen Erdarten harmonisch beisammen aufweist und der nicht, wie die homöopathisch verdünnten Mineralwässer, Saft und Kraft aus dem Körper spült.
Ohne Kieselerde, die im Wasser aufgelöst war, hätten die Krokodile nicht zu ihrem Schuppenpanzer und ohne Fluor nicht zu ihrem fürchterlichen Gebiss gelangen können. Jetzt, wo das Wasser kein Fluor mehr enthält, müssen sie Landtiere verschlingen, die das Fluor mit den Pflanzen in sich aufnehmen.
Dass die Kieselerde Eiweißstoffe zusammenbindet, beruht auf ihrem Charakter als Mineralsäure, welche sowohl zum Kalk, wie zum Ammoniak, zu Magnesium, Kali und Natron im Gegensatz steht und eben darum verknüpfend wirkt.
Darum hat auch die Kieselerde desinfizierende Kraft, d.h. sie wirkt auf Trinkwasser reinigend von Farbstoffen, Riechstoffen und zerfallenden Eiweißstoffen, die durch sie unlöslich zusammengefügt und niedergeschlagen werden.
Kieselerde aber ist Sand, gleichviel welcher Art, denn es gibt kein Gestein ohne Kieselsäure, und ihre desinfizierende Kraft bleibt auch in Verbindung mit Erden bestehen, z.B. als kieselsaures Natron (Wasserglas) oder als kieselsaure Magnesium (Glimmersand). Deshalb ist ja das Gebirgswasser in Christiania von so wunderbarer Reinheit und deshalb hatte auch die Stadt Berlin mit ihrem sandigen Untergrund noch bis vor 80 Jahren ein so reines Trinkwasser und war eine so gesunde Stadt. Nun aber ist der Sand freilich längst verschlammt und wirkungslos geworden. Auf welche Weise jetzt die Stadt Berlin, der veränderten Sachlage entsprechend, sanitäre Verhältnisse wieder herbeiführen kann, indem gegen Scharlach und Diphtheritis Vorkehrungen getroffen werden, wird uns an anderer Stelle beschäftigen.
Von der großartigen Mission, welche die Kieselsäure im Haushalt der Natur mit der Wirkung einer Gesundheits-Polizei ausübt, haben wir noch viel zu berichten; aber sie ist es nicht allein, die unser Wohlbefinden sichert.
Noch weit energischer als die Kieselerde, die schon in ansehnlichem Grade Farbstoffe und Riechstoffe an sich bindet, wirkt die Tonerde, als Bestandteil des Erdreichs, Miasmen und Zersetzungsstoffe chemisch bindend.
Jedes beliebige Tonerdesalz schlägt Farbstoffe, Riechstoffe und Eiweißstoffe aus deren Auflösung nieder. Neben Tonerde können Eiweißstoffe schlechterdings nicht in aufgelöster Form bestehen, weder faulende, noch gesunde Eiweißstoffe. Und ganz ähnlich wie mit dem Aluminiumoxid oder der Tonerde, verhält es sich mit dem Eisenoxid und Eisenchlorid. Dank diesem Umstand konnten mittels Kieselerde, Tonerde und Eisenoxid aus dem Meerwasser die verschiedensten Eiweißarten in Gestalt von tierischen Substanzen chemisch zusammengeknüpft werden, als es noch keine Muttertiere gab. Es wird sich nur darum handeln zu erfahren, wo solche Eiweißgrundlage hergekommen ist und was man sich überhaupt unter Eiweiß vorzustellen habe.
In dieser Hinsicht stehen wir vor einer neuen Erkenntnis. Nämlich Justus von Liebig hatte bereits vor 15 Jahren den glücklichen Gedanken, die Grundlage der Eiweißsubstanz als ein Produkt aus Zuckerstoff und Ammoniak zu definieren, eine bahnbrechende Idee, die leider nicht weiterverfolgt worden ist. Heute nun reicht Liebig´s Erklärung nicht mehr aus, obwohl sie einen vortrefflichen Anhaltspunkt gibt. Nämlich wir müssen den speziellen Eiweißbegriff zum generellen Protoplasma-Begriff erweitern und dürfen alsdann sagen:
Protoplasma ist eine chemische Verbindung von Zuckerstoff oder Ölstoff mit mehr oder weniger von den folgenden Substanzen: Ammoniak, Kali, Natron, Kalkerde, Magnesium, Mangan, Eisen, Lithium, Kieselsäure, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Salzsäure, Kohlensäure, Fluorwasserstoffsäure.
Alle diese Substanzen und noch andere (Gold, Silber, Kupfer, Nickel, Kobalt, Arsenik) waren im Urmeer enthalten, nachdem Zuckerstoff und Ölstoff nebst kohlensaurem Ammoniak aus Phosphor-Schwefel-Cyangas und dem Wasser des Meeres entstanden waren.
Damit stehen wir auf dem Punkt, die organische Schöpfung beginnen zu lassen, wenn wir Zucker und Öl, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Kohlensäure, Schwefelwasserstoff und Ammoniak im Meerwasser glaubwürdig nachweisen. Allerdings müssen zuerst Gold, Silber, Blei, Kupfer, Nickel, Kobalt und Arsenik daraus niedergeschlagen werden, aber nachher werden mit den zurückbleibenden Erden alle nur denkbaren Arten von lebensfähigem Eiweiß entstehen. Die zuerst auftretenden Eiweißarten werden darum lebensunfähig sein, weil sie durch Reste von Quecksilber, Silber, Gold und Blei, die ihr Schwergewicht geltend machen, an der Beweglichkeit gehindert und in die Meerestiefe herabgezogen werden. Diese Metalle wirken ja heute noch so vielfach Leib oder Seele vergiftend, das Blei der Buchdrucker häufig auf beiderlei Weise, Blut- und Nerveneiweiß „coagulierend.“
Ferner ist vorauszusehen, dass die im Meereswasser als Chloraluminium aufgelöste Tonerde ebenfalls zu Anfang das Lebendigwerden der Eiweißarten verhindern wird, und zwar weil ihr die charakteristische Eigenschaft zukommt, harte Schalen zu erzeugen, ähnlich dem Kalk und der Kieselerde, welche ebenfalls ihre Plätze an der Peripherie einnehmen, im teilweisen Gegensatz zum Kali.
Unempfindliche, harte Schalen! — Damit stimmt überein, dass organische Substanzen jeglicher Art aus ihren Auflösungen in Wasser durch Tonerdehydrat leblos und unlöslich niedergeschlagen werden. (Die Wirkung des Alauns, der schwefelsaure Kali-Tonerde bedeutet, als Gurgelwasser beruht darauf, dass das katarrhalische Sekret chemisch gebunden wird und augenblicklich seine ansteckende, d.h.: gleichartigen Zerfall oder Gärung hervorrufende Kraft einbüßt.)
Es würden folglich erst von da ab, wo die Tonerdesalze des Meeres zum größten Teil in Verbindung mit organischer Substanz als „bituminöser Schiefer“ zu Boden gefallen sind, verdünntere Auflösungen davon um organische Körper herum Schalen erzeugen, indem sie die Beweglichkeit der Geschöpfe zwar einschränken, aber nicht gänzlich aufheben (Krokodile, Ichthyosauren, Schildkröten).
Nachdem auf solche Weise die Tonerde vermindert worden, könnte ferner hinzutretender ammoniakalischer Eiweißstoff mit den übriggebliebenen Erden weitere Verbindungen eingehen und anders geartete Geschöpfe würden sich zu den bereits entstandenen gesellen.
Einer solchen Reihenfolge entsprechend, würden Korallen, Schnecken und Krebstiere zuerst die Kalksalze des Meeres verbrauchen; alsdann würden Knorpelfische auftreten, demnächst Sumpf- und Seevögel, die auf Kalkfelsen, wo die Meereslauge verdunstete, zu Kieselsäure und Tonerde gelangen konnten, um sich ihr Gefieder daraus zu bereiten. Nachdem dann die Tonerde samt Kieselsäure aus dem Meer so gut wie gänzlich verschwunden, kämen solche Geschöpfe an die Reihe, die sich ohne Federn und Tonerde-Kieselerde-Schale behelfen müssen, aber in der allgemeinen Schöpfungszeit noch genug Kieselfluorid vorfanden, um sich in Verbindung mit gewaltigen Mengen von Phosphor- und Schwefelcyan, teils Stoßzähne, teils hornige Schilder zu bereiten (Rhinozeros, Elefant). Ebenfalls aus Schwefelcyan produzierten Känguru, Höhlenbär, Löwe und Hyäne ihre Krallen und die Sprungfedern ihrer Sehnen.
Wie nahe nun auch immerhin die Atomgewichte von Schwefel (32) und Phosphor (31) einander stehen, der Schwefel ist doch noch ein wenig schwerer und folglich wurde er, allerdings gemeinschaftlich mit Phosphor, zuerst verwendet, um mit Eiweißsubstanz tierisches Protoplasma zu liefern. Daher die hornigen Schilder der Nashörner, die schwefelhaltigen Haare des Mammuts, die dicken Pelze und sehnigen Pranken der Bären, dieser ersten Säugetiere.
Schon beschränkter in der Auswahl des Stoffs waren die Beuteltiere. Als ihr Leibesmaterial sich zusammengruppierte, standen vermutlich Schwefel-Cyan und Phosphor-Cyan in gleichem Verhältnis zu einander. Die beständig wachsenden Nagezähne deuten auf ein Rivalisieren des phosphorsauren und schwefelsauren Ammoniaks hin. Denn der „Zement“, der den Stoßzähnen und den Mahlzähnen des Elefanten, den Hauern des Wildschweins und den Schneidezähnen der Nagetiere zu Grunde liegt, besteht aus schwefelhaltiger Knorpelsubstanz, ebenso wie das Horn, welches den allerempfindlichsten Teil der Gehirnnervensubstanz, nämlich den Nasen-Nerv beim indischen Nashorn beschützt. Die Befestigung solchen Zements, seine quasi Verwandlung in Stein, wird durch phosphorsauren Kalk zustande gebracht. Und der Phosphorgehalt bedingt nun einmal das Material zu seelischem Licht. Daher die bemerkbare Intelligenz der Beuteltiere und aller Nager, deren beständig nachwachsende Nagezähne Phosphor zur Voraussetzung haben.
Endlich aber kam die Zeit, wo das Schwefelcyan so stark verbraucht war, dass das Phosphor-Cyan dagegen im Übergewicht stand. Um starke Sehnen hervorzubringen, ja selbst, um ein Haarkleid zu erzeugen, war nicht mehr genug Schwefel da. Auch Kalkerde war nicht mehr genügend in aufgelöster Form vorhanden, um widerstandsfähige Knochen und ein festes Schädeldach zu liefern. Dagegen war noch in überreichlicher Menge phosphorsaures Ammoniak und Ölstoff vorhanden.
So geschah es, dass an allen Orten der Erde, mehr oder weniger große Kugeln von phosphorhaltigem Fett, die sich zusammenballt hatten, in dem salzigen Wasser schwimmend, vom Wellenschlag an die Gestade getrieben wurden. Nur eine schwache Rinde von Leimzucker-Knorpel, worin kaum ein paar Sternchen von phosphorsaurem Kalk einkristallisiert waren, überdeckte das phosphorhaltige Fett, unter der Form eines großen Gehirns, aus dem einzelne Fasern und eine Art Stiel herausgequollen waren, an denen ein kaum nennenswerter Anfang von Rumpf und Gliedern festhing. Für diese stützenden Grundlagen war zu wenig Material übrig geblieben, denn die Affen hatten das Schwefelcyan verbraucht, um sich — wer lang hat, lässt lang hängen — unverschämt lange Arme, einen prachtvollen Wickelschwanz und soviel Haare und Sehnenstoff daraus zu machen, da sie in dem Augenblick, wo sie aus dem Traum erwachten, als ihr Kopf an einen aus dem Wasser ragenden Baum stieß, den Stamm umarmen, in die Höhe klettern und sich auf die Äste schwingen konnten. Wir haben in dieser Beziehung nichts mit den Affen gemein.
Körperlich hilflos und gebrechlich, unbewehrt, unbehaart, erschien das Menschenkind, selbständig von salziger Flut, aber nicht von Affen erzeugt, auf der Bildfläche, seinen Mitgeschöpfen trotz aller Hilflosigkeit in zwei Dingen überlegen, nämlich durch reichlicheres Material zu seelischem Licht, und durch seine Herrschaft über die Töne. Diesen rührend jammernden Klagetönen des hilflosen, weinenden Menschenkindes, an dem es kaum etwas Nahrhaftes zu verzehren gab, konnten die Tiere nicht widerstehen. Kein Wunder, dass Bärinnen, Hündinnen und Wölfinnen sich des seltsamen Pflegekindes annahmen, das, mit Bärenmilch gesäugt, damals bärenstark heranwuchs.
Was das erforderliche Material an Zuckerstoff, Ölstoff, Ammoniak, Phosphorsäure und Kohlensäure betrifft, so ging es aus den in der Atmosphäre übriggebliebenen drei Elementen Schwefel (32), Phosphor (31) und Cyan (26) in Verbindung mit Wasser hervor.
Durch die Vereinigung dieser Substanzen mit den im Meer vorhandenen Elementen Magnesium (12), Calcium (20), Natrium (23), Kalium (39), Mangan (27 1/2), Eisen (28), Silizium (28), Fluor (38), Chlor (71), in mannigfachster Kombination, entstanden teils gleichzeitig, teils rasch hintereinander, unzählbare Tier- und Pflanzenkeime.
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