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Die Reaktion der Europäischen Zentralbank auf die beispiellose Inflation ist "fest verwurzelt" in der Strategie, die sie im letzten Jahr verabschiedet hat, und trägt dazu bei, die Erwartungen für Preissteigerungen "solider zu verankern", heisst es in einem Blogbeitrag auf der Website der Institution.
Die derzeitige "unerwünscht hohe Inflation" folge auf einen langen Kampf gegen deflationäre Tendenzen in der Eurozone, wobei der Übergang von rekordniedrigen Zinssätzen "schrittweise" erfolgen müsse, so die EZB-Ökonomen Ursel Baumann, Christophe Kamps und Manfred Kremer.
Als sich der Preisdruck Ende 2021 "ausweitete und verstärkte" und in den folgenden Monaten die Befürchtung aufkam, dass "die Inflationserwartungen sich von der Zielvorgabe von 2 Prozent lösen könnten", habe sich die EZB verpflichtet, die Konjunkturmassnahmen aus der Pandemie-Ära zurückzufahren, so die Autoren.
Allerdings dauerte es dann weitere sieben Monate, bis die quantitative Lockerung beendet und die Zinssätze zum ersten Mal seit 2011 wieder angehoben wurden - zu diesem Zeitpunkt lag die Inflation bei fast 9 Prozent. Dies führte zu der Kritik, dass die EZB zu beharrlich an ihren - zu optimistischen Prognosen und deren Kommunikation festhalte, was die Ursache dafür sei, dass sie bei der Eindämmung der Inflation hinter die US-Notenbank und andere vergleichbare Institutionen zurückgefallen sei.
EZB unterschätzte Preisanstieg
Während die EZB einen Grossteil des Preisauftriebs auf steigende Energiekosten nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine zurückführt, hat Präsidentin Christine Lagarde gleichwohl Fehler bei der Bewältigung der Herausforderung eingeräumt - unter anderem, dass die Notenbank immer wieder unterschätzt habe, wie schnell die Preise steigen würden.
Die Inflation hat sich seit Juli 2021 beschleunigt, als laut den Autoren des Blogs eine Annäherung der Analystenprognosen an das EZB-Ziel zeigte, dass die neue Strategie funktioniert.
Sie führen verschiedene Gründe an, warum die Haltung der EZB in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres angemessen war - darunter die Berücksichtigung "unvermeidlicher kurzfristiger Abweichungen der Inflation vom Zielwert sowie Verzögerungen und Unsicherheiten bei der Übertragung der Geldpolitik."
Mit Blick auf die Zukunft sei es wahrscheinlich, dass mehrere geldpolitische Optionen "jeweils mit der Gesamtstrategie übereinstimmen", schrieben sie. "Während ein strategischer Rahmen einen grundlegenden Anker für die mittelfristige Ausrichtung der Geldpolitik bietet, erfordern die Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung immer noch ein beträchtliches Mass an Ermessen in Bezug auf die Bewertung der neuesten konjunkturellen Informationen und die Bestimmung der angemessenen Geschwindigkeit bei der Anpassung des geldpolitischen Kurses."
(Bloomberg)