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Nebraska, so ziemlich der einzige Bundesstaat, der sich auf Alaska reimt, fängt niederschwellig an, um dann zusehends zu verflachen. Der ursprüngliche Spitzname war „Treeplanter State“, aber Bäume sind nicht unbedingt das, was Nebraska auszeichnet, anders als Kalifornien, das seinen Beinamen „Treehugger State“ zu Recht führt. Nein, Nebraska kommt weitgehend ohne Bäume aus, weswegen man smarterweise auf „Cornhusker“ umsattelte, was sich womöglich liebevoll auf die Trinkgewohnheiten der Einheimischen bezieht. Der Grossteil des Staates ist bäuerlich, der Rest agrarisch orientiert. Staatsvogel ist der Wiesenstärling, ein vielbeschäftigtes Geschöpf, das diesen Job auch in Kansas, Oregon und Wyoming versehen muss – und in North Dakota.
Zwei US-Soziologen haben in einer Studie nachgewiesen, dass, je höher der Anteil an Country-Songs bei den lokalen Sendern ist, die Selbstmordrate unter der weissen Bevölkerung umso höher ist, ermuntert durch die ständigen Klagen über „booze, broads and bosses“. Tatsächlich ist Nebraska sehr weiss, der Anteil der People of Color liegt gerade mal bei 4,1 Prozent. Während in den umliegenden Midwest-Staaten „weizenblond“ beliebt ist, tendiert man hier bei der Haarfarbe eher zu „maisgelb“ – Donald Trump würde hier nie und nimmer auffallen.
Musikalisch hat Nebraska die USA immerhin mit Tompall Glaser und seinem Bruder Jim aus Spalding versorgt, mit Don King aus Fremont und mit Max T. Barnes aus Omaha, der Songs geschrieben hat für Collin Raye und Randy Travis. Ohnehin hat Bruce Springsteen den Staat komplett zugetaktet mit seinem Album „Nebraska“, und das bereits im Jahre 1982, als der 37. Staat der Union gerade mal 115 Jahre alt war. In Omaha musiziert jetzt eine lebhafte Indie-Szene, wobei „Indie“ nun nichts mit Indiana zu tun hat, mit einem gewissen Conor Oberst als Gallionsfigur. Oberst ist der Nachname, kein militärischer Rang. Dabei ist Omaha durchaus von militärischer Bedeutung, man denke nur an den Strand in der Normandie, der nach der Stadt getauft wurde – beziehungsweise umgekehrt. Wer sich Omaha – eine Stadt zwischen Gegenwart und Moderne – in bewegten Bildern betrachten möchte, dem sei der Film „About Schmidt“ mit Jack Nicholson ans Herz gelegt.
Zugegeben, was das Segment „Country“ anbelangt, wird in Nebraska nicht viel geboten, umso mehr dafür in der Abteilung „Western“: Buffalo Bill startete seine legendäre „Wild West Show“ auf seiner Ranch bei North Platte, wo auch das allererste Rodeo stattfand, wie Aufzeichnungen mit dem Rodeorekorder belegen. William Cody, wie er mit bürgerlichem Namen hiess, stammte ursprünglich aus dem wenig büffelrelevanten Iowa. Marlon Brando, Star von Western wie „Duell am Missouri“, „Südwest nach Sonora“ oder „Die letzte Mango in Paris, Texas“, kam in Omaha zur Welt, ebenso wie Montgomery Clift oder Warren Buffett, der Vater von Jimmy. Apropos Millionäre: Nirgends finden sich proportional mehr davon in den USA als in Grant County, Nebraska. Warren Buffett nennt man auch das „Orakel von Omaha“, weil er punktgenau die Entwicklung der Finanzmärkte voraussagen kann.
Zurück zum Western: Das erste Fort westlich des Missouri war Fort Atkinson, fort sind die Soldaten allerdings schon seit 1827. Crazy Horse wurde bei Fort Robinson getötet. Die Erschliessung des Westens wäre ohne Nebraska undenkbar gewesen, hier führten der Lewis & Clark Trail, der Mormon Trail und der Oregon Trail durch, nicht zu vergessen der Pony-Express. Von der Weite des Westens macht man sich manchmal keine Vorstellung: Allein Cherry County im Nordosten ist grösser als der Staat Connecticut. Wer von Nebraska aus ans Meer will, muss mindestens drei Staatsgrenzen überwinden. Trotz der Entfernung zu maritimen Gefilden ist der Walfang streng verboten. Warum auch nicht? Selbst die Schweiz als Binnenstaat hat das Internationale Walfangabkommen unterzeichnet, und seitdem ist Ruhe im Walensee.
Nebraskanische Wirtsleute dürfen kein Bier verkaufen, wenn sie nicht gleichzeitig Suppe zubereiten. Friseure dürfen nicht aus dem Mund stinken und deshalb tagsüber keine Zwiebeln verzehren, was nicht unvernünftig klingt. In Ashland werden mehr Stierhoden serviert als sonst wo auf der Welt anlässlich des „Testicle Festivals“. Eines noch: Die kleinste Polizeistation der Welt beherbergt die Stadt Friend. Wem all dies zu dick aufgetragen vorkommt, der kann ja mal schauen, ob er mit einem Faktencheck in der National Liar’s Hall of Fame in Dannebrog fündig wird, einem Städtchen, das aufgrund seiner skandinavischen Einwanderer gern „Danish Harlem“ genannt wird.
Abschliessend die Top Ten mit Songs, in denen Nebraska die zentrale Rolle spielt.
David Manning: Springtime Nebraska
Donovan Johnson: Nebraska Countryside
Steve Gulley & Tim Stafford: Nebraska Sky
The Bear Trap Band: Nebraska
Mojave Kings: Nebraska Nights
Kate Jacobs: 3 Years In Nebraska
Josh Rouse: Dresses Up Like Nebraska
Sawyer Brown: The Nebraska Song
Little Roger Clark: Still No Surf In Nebraska
Karen Phillips: Cold In Nebraska