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Drei Viertel der rund 23 Millionen Menschen im afrikanischen Inselstaat leben von der Landwirtschaft. Nach Angaben der Entwicklungsorganisation Helvetas sind 200'000 direkt abhängig von der Vanilleproduktion. Durch die Schädigung der Vanillefelder durch den Wirbelsturm sei die Haupteinnahmequelle dieser Menschen gefährdet worden, sagte Christian Steiner, Landesdirektor Madagaskar von Helvetas, der Nachrichtenagentur sda.
Wie schlimm die Lage ist, zeigt etwa das Beispiel von Zafy Marie, einer 72-jährigen Bäuerin. «Der Zyklon hat mein Haus verwüstet, einige meiner Nutztiere getötet und und einen Teil der Vanilleplanzen zerstört», sagt sie. 40'000 Häuser wurden unbewohnbar, 250'000 Menschen verloren ihr Zuhause.
Der Zyklon Enawo traf Anfang März unter anderem Sava, die weltweit grösste Vanille-Anbauregion im Norden des Landes. Mehr als die Hälfte der globalen Vanilleproduktion stammt von hier. Etwa 30 Prozent der Vanillefelder, über 11'000 Hektaren, wurden durch den stärksten Wirbelsturm seit 13 Jahren beschädigt. Dies entspricht einer möglichen Ernte von etwa 600 Tonnen. Die weiter südlich gelegenen Anbaugebiete wurden verschont.
In der am schlimmsten vom Zyklon betroffenen Region muss man laut Steiner davon ausgehen, dass sich ein Grossteil der Felder erst bis in zwei oder drei Jahren erholt haben wird.
Zweitteuerstes Gewürz der Welt
Vanille ist nach Safran das zweitteuerste Gewürz der Welt. Es wird aus den fermentierten Kapselfrüchten verschiedener Arten der Kletterorchideen-Gattung Vanilla gewonnen. Die wichtigste Art für die Erzeugung von Vanilleschoten ist die Gewürzvanille, die ihren Ursprung im heutigen Mexiko hat. Die Azteken bauten Vanille schon vor 4000 Jahren an und verwendeten die Schoten nicht nur als Gewürz, sondern auch als Medizin und als Zahlungsmittel.
Die spanischen Eroberer brachten die Vanille nach Europa. Da sie nur in Mexiko wuchs, hatten die Spanier lange Zeit das Monopol auf Vanille. Durch die Franzosen fand die Kletterorchidee ihren Weg später nach Madagaskar und La Réunion.
Bestäuben von Hand
Das Züchten der Pflanzen auf den Inseln im Indischen Ozean gelang aber erst, nachdem man 1836 herausgefunden hatte, wie sich die weissen Blüten künstlich bestäuben lassen: einzeln mit Holzstäbchen von Hand. In Mexiko erfolgte die Bestäubung natürlich - durch Kolibris und bestimmte Insekten.
Auf Madagaskar und La Réunion wird heute die beste Qualität hergestellt, die sogenannte Bourbon-Vanille. Diese Bezeichnung stammt von Île Bourbon dem früheren Namen von La Réunion. Die beiden anderen wichtigen Sorten, Tonga- und Tahiti-Vanille, können auch in der Küche verwendet werden. Da die Inhaltsstoffe anders zusammengesetzt sind als bei der Echten Vanille, ist das Aroma nicht ganz so fruchtig. Tahiti-Vanille wird vorwiegend zur Verwendung in Kosmetika genutzt.
Ein einziger Tag
Für das manuelle Bestäuben der Blüte gibt es nur ein kleines Zeitfenster. Die Blüte, öffnet sich nur an einem einzigen Tag im Jahr. Das Bestäuben allein verursacht allein die Hälfte aller Produktionskosten beim Vanilleanbau. Nach dem Ernte werden die grünen Schoten drei Minuten zunächst in 65 Grad warmes Wasser eingetaucht, danach zur Reifung in Holzschachteln deponiert und schliesslich luftgetrocknet.
Durch die Trocknungs- und Fermentierungsprozesse bildet sich das Vanillin, der Hauptaromastoff der Vanille. Gleichzeitig schrumpft die Vanille zu den bekannten schwarz-braun glänzenden Schoten. Vanille wird in Glace, Schokolade, Backwaren, zahlreichen Süssigkeiten und Getränken verwendet. In der Nahrungsmittelindustrie ist das schwarze Gold das wichtigste Aroma. Zu den wichtigsten Abnehmern von Vanille gehören die Getränkekonzerne Coca-Cola und Pepsi.