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Teil 1
Zur Person
Emmanuel Ateli Amapakabo (* 23. Dezember 1973) alias Big Manu ist ein Trader und ehemaliger Profi-Rugbyspieler mit nigerianischen Wurzeln. 2008 siedelt er in die Schweiz über, seit 2013 lebt und arbeitet er in Zug.
Inhalt Teil 1
Aufgewachsen in Port Harcourt im Südosten Nigerias, als ältester Sohn hineingeboren in eine multiethnische Familie – der Hintergrund seines Vaters ist der Ijaw-, der seiner Mutter ist der Igbo-Stamm –, kommt er 1992 nach Europa. Seine Eltern lernen sich zur Zeit des nigerianischen Bürgerkriegs kennen. Das Bewusstsein über diese traumatische Vergangenheit prägt ihn sehr. Er sieht, wie die Menschen nach dem Krieg wieder aufbauen.
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Emmanuel Amapakabo wird als Katholik geboren und wächst vor stark christlich geprägtem Hintergrund auf. Seine verschiedenen Erfahrungen in Nigeria führen dazu, dass er Protestant wird. Noch heute glaubt er an ein höheres Wesen, aber mit zunehmendem Alter und zunehmender Lebenserfahrung wird er agnostischer.
Zur Zeit, als er die Schule beendet, gibt es in Nigeria den Trend, dass junge Menschen, deren Familien über die nötigen Mittel verfügen, zum Studieren nach Europa oder in die USA gehen. Emmanuel Amapakabo, fasziniert von der französischen Sprache, geht nach Pau im Südwesten Frankreichs, wo er an der Université de Pau et des Pays de l’Adour erst Französisch für Ausländer, dann Politik und Politikwissenschaft studiert – als Vorbereitung für das geplante Jurastudium, mit dem Ziel, Anwalt zu werden.
Als Allroundsportler wird er in Frankreich von einem französischen Rugbytrainer entdeckt. Dieser erkennt in Emmanuel Amapakabo Potenzial, Rugby auf hohem Niveau zu spielen. Obwohl er in Nigeria nie Rugby gespielt hat, spielt er fortan während fast 15 Jahren als Profispieler für verschiedene Clubs. Als er ins erste Training geht, trägt er einfache Shorts und Basketballturnschuhe auf dem Rasenplatz. Seine südfranzösischen Teamkollegen [l’équipe d’Idron en Béarn] denken, das ist ein Witz. Sie halten ihn für einen Freak. Nach und nach erlernt er das Rugbyspiel – angefangen beim Fangen des Balls – und verschafft sich Respekt. In der Region wächst sein Ruf. Er wird zur «Hauptwaffe» des Teams.
Er legt sein Studium auf Eis und nutzt vorerst den Rugbysport, um sich weiterzubilden. Auf finanzielle Unterstützung aus dem Elternhaus ist er nicht länger angewiesen, weil er durch seine sportliche Tätigkeit selber für Ausbildung und Lebensunterhalt aufkommen kann. Als er anfängt bei der Profimannschaft Section Paloise auf nationaler Ebene zu spielen, wird sein Name in den Zeitungen gross gedruckt.
In der Section Paloise spielt Emmanuel Amapakabo mit jungen Talenten, die französische Nationalspieler werden, unter anderem mit Nicolas Brusque und Jean-Marc Souverbie. Er sammelt Erfahrungen in einem Team, das unterhalb der Section Paloise eingestuft wird, bevor er zu einem grösseren Team, dem Racing Club de Narbonne, wechselt. Später spielt er [erst für den Club athléthique Brive Corrèze Limousin, dann] für das Team Stade Toulousain, eine der besten Mannschaften der Welt, welche die französische und die europäische Szene dominiert. Während seiner beruflichen Tätigkeit als Sportler in Brive lernt er seine Ex-Frau kennen. Für ihn wird Brive zum Zuhause, wenn er nach Frankreich geht. Die Grossmutter und die Mutter seiner beiden Kinder und weitere Verwandte leben dort.
Emmanuel Amapakabo sagt, er hätte keine erfolgreiche Karriere gehabt, ohne einmal für ein Team in England zu spielen. So zieht er nach London und spielt [zwischen 2005 und 2006] für den Saracens Football Club, für den weltbesten Rugbyclub. Er beendet seine Profikarriere im Rugbysport mit 34 Jahren (2008) und plant den Übergang in die Finanz- und Geschäftswelt. Als er im Stadion von Grenoble vor 20’000 Zuschauern spielt, sind seine Eltern im Publikum. Erst jetzt verstehen sie, in welchem Ausmass ihr Sohn erfolgreich ist. Sein Vater sagt, dass er stolz auf ihn ist – einer der intimsten Momente, den er mit seinem Vater erlebt. Das gibt ihm neues Vertrauen in sich selbst. Im Sport lernt er Freunde fürs Leben kennen. Sein Weltbild wird in der Zeit seiner Profikarriere massgeblich geprägt.
Der Übergang vom Sport in die Wirtschaft verläuft reibungslos. Im letzten Jahr in London – inzwischen ist er von seiner Frau geschieden – arbeitet er für eine Vermögensverwaltungsfirma. Er lernt die Welt der Geschäftemacherei kennen und diese zu verstehen. Eine zufällige Begegnung mit einem Gentleman, der einen Hedgefonds in Genf hat, führt dazu, dass Emmanuel Amapakabo 2008 in die Schweiz übersiedelt. In Genf verbringt er eine einsame Zeit. Die Erfahrung, die er dort sammelt, würde er gerne mit seiner Familie, mit seinen beiden Kindern teilen. Die ersten Fähigkeiten, die er in der Geschäftswelt erlernt, sind Bescheidenheit, Demut und Geduld. Und er erkennt, dass ihn Wachstum interessiert.
Inhalt Teil 2
Als Emmanual Amapakabo in Genf in einem Hedgefonds arbeitet, hört er zum ersten Mal von Zug. Er meint aber erst, Zug und Zürich seien dieselbe Stadt. Sein damaliger Arbeitgeber schickt ihn für ein Treffen mit einem Fondsmanager nach Zug. Er stellt fest, die Stadt Zug ist klein, aber sie gefällt ihm sehr. Nach dem Treffen geht er mit einem guten Gefühl nach Genf zurück. Dort arbeitet er für ML Capital im Bereich Finanzen und Hedgefonds.
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Eine Weinbar an der Rhone ist einer seiner Lieblingsorte in Genf. Eine zufällige Begegnung mit einem Mann – dieser hat die Übernahme von Marc Rich International MRI abgeschlossen – führt dazu, dass Emmanuel Amapakabo anfängt, für MRI in Zug im Metall- und Rohstoffhandel tätig zu sein, obwohl ihm jegliche Erfahrung fehlt. Der Mann, der ihm diesen Job vermittelt, vertraut auf seinen Instinkt. So kommt Emmanuel Amapakabo nach Zug, wo es ihm anfänglich schwerfällt, sich zu integrieren. Er spricht kein Deutsch und hat kaum Freizeit. Er beschliesst, mehr auszugehen, um Einheimische kennenzulernen. So landet er im Zytclub und lernt den Geschäftsführer Felix Suter kennen und bald auch Helena Todorovic, Geschäftsführerin der Panorama Schiffbar. Die beiden tragen viel dazu bei, dass er sich in Zug integrieren kann. Er sagt dazu: «Von da an wurde ich ein Zuger.»
Mit der Stadt Zug habe er den schönsten und besten Ort gefunden, an dem er je gelebt hat. Dieser Ort sei jetzt sein Zuhause. Erst muss er sich an Zug und Zug muss sich ihm anpassen. Er ist fasziniert von der Dynamik der wirtschaftlichen Aktivität in Zug. Dieser Standort löst bei seinem 18-jährigen Sohn Amaury gleiches Empfinden aus. Darum ist er inzwischen [aus Frankreich] zu seinem Vater gezogen.
Nach seiner Tätigkeit für MRI arbeitet Emmanuel Amapakabo kurz für Glencore und erkennt, dass er das auch alleine schaffen kann. So gründet er seine Firma Via Monde Commodities AG in Zug, die sich als Brücke versteht für Schweizer Unternehmen, die in Afrika Geschäfte machen wollen. Sein eigenes Unternehmen ruht zurzeit, weil er seit zwei Jahren für die internationale Firma Exxaro arbeitet. Exarro handelt von Zug aus mit Kohle, die in Südafrika produziert wird.
Emmanuel Amapakabo findet es faszinierend, dass aus Sicht vieler Europäer Afrika weit entfernt liegt. «Aber der Eingang nach Afrika ist genau hier, vor unserer Haustür», sagt er und findet es eine Genugtuung, dass er seinen Lebensunterhalt damit verdienen kann, indem er seinem Heimatkontinent eine Chance gibt. Er sei der stolzeste Mann, wenn er den Menschen etwas von seiner afrikanischen Kultur näherbringen kann.
Die Effizienz der Zuger Verwaltung und der menschliche Touch, den er darin festmacht, beeindruckt ihn sehr. Das ist es denn auch, was aus seiner Sicht die Stadt Zug so erfolgreich macht und florieren lässt. Die Stadt Zug zeichne sich nicht nur durch tiefe Steuern aus, sondern durch die Art und Weise, wie mit Problemen umgegangen wird. Man bekomme auf alles sehr schnell eine Antwort. Die Dienstleistungen, die in dieser Stadt für Unternehmen und Privatpersonen erbracht werden, seien aus seiner Sicht die besten der Welt.
In seiner Freizeit versucht er primär mit Zugerinnen und Zugern zu interagieren, nicht mit Expats. Für seine Integration sei das interessanter, da er so mehr von der lokalen Kultur erfahren kann. In Zug bekommt er die Gelegenheit, Cheftrainer des lokalen Rugbyvereins [Zug Rugby Club] zu sein. Die Zusammenarbeit mit den jungen Menschen gefällt ihm sehr, aber aufgrund von Zeitmangel kann er diese Aufgabe nach einem Jahr nicht fortführen. In Zukunft will er sich vermehrt ehrenamtlich als Mentor für Jugendliche engagieren, die Schwierigkeiten zu bewältigen haben. Auf ausgedehnten Wanderungen durch die Gemeinden des Kantons Zug entdeckt er immer neue Routen.
Er freut sich auf die gemeinsamen Geschäftstätigkeiten, die sich zusammen mit seinem Sohn ergeben könnten. Dabei will er ihn anleiten, damit dieser nicht dieselben Fehler begehen wird, die er gemacht hat. Noch immer steht Emmanuel Amapakabo in Kontakt mit seiner Heimatstadt in Nigeria. Seit seine Eltern gestorben sind, geht er aber nicht mehr regelmässig dorthin, zumal er, wie er sagt, in Zug seine Heimat gefunden hat – für immer.
Aufnahmedatum: 26. Juni 2021
Aufnahmeort: Zug
Interview, Ton und Redaktion: Remo Hegglin
Kamera: Martin Fähndrich
Postproduktion: Max Pfeffer
Fotografien: Alexandra Wey