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Die nachfolgende Motion betrifft den Schulunterricht in der Schweiz zum Zweiten Weltkrieg: 22.04.2006 08:28

Grosser Rat des Kantons Aargau. 35. Sitzung vom 14. März 2006, 10.00 Uhr:
Motion Sylvia Flückiger-Bäni, SVP, Schöftland, und Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg, SVP, Windisch, das Ziel betreffend, einen ausgewogenen Unterricht zum Thema Schweiz im Zweiten Weltkrieg an aargauischen Schulen sicherzustellen; Einreichung und schriftliche Begründung
Von Sylvia Flückiger-Bäni, SVP, Schöftland, und Dr. Jürg Stüssi-Lauterburg, SVP, Windisch, und 34 mitunterzeichnenden Ratsmitgliedern wurde folgende Motion eingereicht:
Der Regierungsrat wird aufgefordert, einen ausgewogenen Unterricht zum Thema Schweiz im Zweiten Weltkrieg an Aargauer Schulen sicherzustellen. Er soll zu diesem Zweck unter anderem dafür sorgen, dass das in seiner Themengewichtung und in seinen Wertungen tendenziöse, durch die Forschung und die Ereignisse bereits überholte, in Zürich ausgeheckte neue Schulbuch "Hinschauen und Nachfragen" nur verwendet werden darf, wenn gleichzeitig und im gleichen Umfang die gut dokumentierte wirkliche Geschichte unseres bedrängten Kleinstaates in den Jahren 1939 bis 1945 zur Darstellung gelangt.
Begründung:
Die neuere, weiter andauernde Forschung (an der Aargauer und Aargauer Verlage intensiv beteiligt gewesen und beteiligt sind) hat unter anderem gezeigt,
- dass der bedrängten schweizerischen Demokratie von den informierten Briten und Amerikanern der Kriegszeit eine mutige Haltung attestiert wurde,
- dass die Wirtschaftsverhandlungen mit Deutschland, welches den lebenswichtigen Eisen- und Kohlennachschub sowie die gesamten Importe der Schweiz überhaupt von 1940 bis 1944 vollständig kontrollierte, von der Schweizer Diplomatie stets mit Briten und Amerikanern abgesprochen werden mussten, weil sonst überhaupt keine Importe aus Übersee erhältlich gewesen wären,
- dass die ernst zu nehmende, durch den Aktivdienst der Armee untermauerte schweizerische Ankündigung, im Falle eines deutschen Überfalls zu kämpfen und insbesondere die Alpentransversalen für das von deutschem Nachschub abhängige Italien zu kappen, die Nazis ihren genau geplanten Angriff auf die Schweiz immer wieder verschieben liess,
- dass die Liste der 16 der Schweiz zum 650. Jahrestag ihres Bestehens am 1. August 1941 gratulierenden Staaten allein schon zeigt, wohin das Land geistig und von seiner ganzen Haltung her gehörte (Grossbritannien, die USA, Frankreich und China z. B. gratulierten, Deutschland und Italien gratulierten nicht),
- dass Winston Spencer Churchill mit seiner sehr positiven Beurteilung von 1944 nur genau zusammenfasste, was die britische Sicht jener harten Jahre war.
Das - wie man fast annehmen muss - mutwillige Hinunterspielen, ja Ausblenden solch zentraler Fakten, die einseitige und übertriebene Gewichtung von (in der Tat problematischen und nach ihrem wahren Gewicht darzustellenden) Teilaspekten der schweizerischen Geschichte wie den Grenzschliessungen von 1942 (welche aber in einem typisch demokratischen Prozess öffentlich diskutiert und in der Folge gelockert worden sind) und vor allem die enorm einseitige Gewichtung der Titelgebung (Beispiel: "Industrie und Verkehr im Dienst der Achsenmächte", Seite 84) und Bebilderung von "Hinschauen und Nachfragen", welche insgesamt suggerieren, die Schweiz habe hauptsächlich Unrecht begangen, welches nun wieder gutgemacht werden müsse oder wieder gutgemacht worden sei, machen das Lehrmittel "Hinschauen und Nachfragen" wenig geeignet, als hauptsächliche Grundlage für den Unterricht verwendet zu werden. Was hier geboten wird, ist nicht unsere Geschichte, es ist nicht Weltgeschichte, es ist mit historischem Dekor versehene einseitige politische Propaganda, die es deutlich als genau das zu bezeichnen gilt. Dass der kniende sozialdemokratische deutsche Bundeskanzler Willy Brandt der Schweizer Schuljugend nun offenbar als Ideal General Henri Guisan ersetzen soll, dass der mittlerweile im laufenden Prozess verstorbene frühere sozialistische serbische Präsident Slobodan Milosevic sogar in Farbe auf der Anklagebank gezeigt wird, um den aussenpolitischen Aktivismus unserer Tage zu unterstützen, und dergleichen Feststellungen mehr, zeigen, wie wichtig es ist, diesem schön gedruckten und daher didaktisch verführerischen Stück politischer Propaganda früh eine kritische Begleitung angedeihen zu lassen.