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Vor Kurzem hat Google offenbar mit der Breite der linken Spalte, also der Hauptspalte der Suchergebnisse experimentiert, und eine wesentliche Veränderung der Textfeldbreite eingeführt. Von 512 Pixel auf 600 Pixel (immerhin 17% mehr). Gleichzeitig hat Google die mögliche Länge der Überschriften bei den Suchergebnissen erhöht.
Welche Auswirkung hat diese Veränderung auf die Anzahl Zeichen, die wir nun für die anzuzeigende Überschrift einplanen können?
Seit der letzten Überarbeitung des Layouts der Suchmaschinenseiten 2014, lautet die allgemeine Empfehlung: 55 Zeichen. Jetzt ist das Textfeld 17% grösser. Stehen also 9 zusätzliche Zeichen zur Verfügung?
Ganz so einfach ist es leider nicht. Es wäre natürlich schön, wenn man einfach nur die Zeichen zählen könnte und fertig. Du ahnst es schon, es gibt ein „Aber“. Um genau zu sein: es gibt drei „Aber“:
(1) Die Breite der Zeichen ist variabel
Google benutzt die Schriftart Arial zur Anzeige der Suchresultate, und Arial ist proportional. Anders formuliert: jeder Buchstabe braucht unterschiedlich viel Platz, ein kleines „i“ belegt weniger Platz als ein grosses „W“.
Da die Breite des Textfeldes in Pixel (nicht in Zeichen) gemessen wird, hängt die Anzahl der Zeichen davon ab, was man zu sagen hat und welche Buchstaben man dafür benötigt.
(2) Der Schnitt erfolgt am Ende eines Wortes
Früher hat Google einfach nach Erreichen der verfügbaren Breite den Schnitt angesetzt. Jetzt erfolgt der Schnitt anscheinend immer am Ende eines Wortes.
Wenn also nach dem letzten Wort abgeschnitten wird, das noch in voller Länge passt, dann ist die Gesamtzahl der verfügbaren Zeichen unter Umständen erheblich geringer. Hier ein Beispiel mit einem zugegebenermassen überlangen Begriff:
(3) Google erweitert den Titel um den Markennamen
In einigen Fällen kürzt Google die Überschrift und hängt am Ende stattdessen den Markennamen an. Dies reduziert den verfügbaren Platz. Hier ein Beispiel, in dem die eigentliche Überschrift deswegen auf 42 Zeichen gekürzt wurde:
Der Seitenname "Begfex" wurde von Google angehängt, er war kein Bestandteil des <TITLE> Tags der Webseite. Die Kombination aus dem eingefügten Markennamen hat damit zu einer gekürzten Überschrift geführt.
Empfehlungen für die Title Tag Länge - Resultate aus 10.000 Suchergebnissen
Beispiele können ja bekanntlich irreführend sein, deshalb braucht man für genauere Aussagen eine grössere Datenbasis. In einer Analyse wurden 90.000 Title Tags unter die Lupe genommen. Ausgewertet wurden nur Überschriften, die von Google gekürzt wurden. Hier ist die Anzahl der dargestellten Zeichen bis zum Schnitt („...“ wurde nicht gezählt):
Die Auswertung ergibt eine leicht verschobene Normalverteilung mit jeweils einem Mittelwert und einem Median von ungefähr 63.
Ist 63 jetzt die magische Zahl? Nein, auch nicht. Von ungefähr der Hälfte der gekürzten Überschriften in der Auswertung wurden weniger als 63 Zeichen angezeigt. 63 scheint immer noch eine riskante Länge zu sein.
Die Anzahl Zeichen bei abgeschnittenen Überschriften sieht prozentual so aus:
• 55% der gekürzten Titel >= 63 (+2) Zeichen
• 91% der gekürzten Titel >= 57 (+2) Zeichen
• 95% der gekürzten Titel >= 55 (+2) Zeichen
• 99% der gekürzten Titel >= 48 (+2) Zeichen
Natürlich muss jeder selbst entscheiden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit, eine Kürzung zu vermeiden, für ihn sein soll. Dabei sollte man aber berücksichtigen, dass es hier nicht um Wissenschaft, sondern eher um alltagspraktische Überlegungen geht.
90% sind in unserem Zusammenhang vielleicht ausreichend wahrscheinlich und praktikabel. Wenn wir jetzt noch die " ..." dazu zählen, erhalten wir ungefähr 2 Zeichen mehr, daher die Angabe +2 oben in der Tabelle. Also könnte eine neue Empfehlung lauten: Title Tags sollten weniger als 60 Zeichen (57+2 = 59) haben.
Allerdings ist so ein Schnitt ja auch nicht immer schlecht und ein wohl platziertes „...“ könnte sogar manchmal die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Nutzer neugierig wird, wenn man sein Glück dem Zufall überlassen will.
Und jetzt, wo die Kürzung immer am Ende des vorangegangenen Wortes erfolgt, muss man sich auch keine Gedanken mehr darum machen, ob ein Wort durch die Kürzung eine neue und unbeabsichtigt (je nach Standpunkt) komische oder besorgniserregende Bedeutung bekommt: Diese Internationale Vereinigung einer besonderen Berufsgruppe ist wahrscheinlich froh über die Änderung:
Google entwickelt weiter und berücksichtigt dabei eine immer grössere Auswahl an Geräten. Es ist also anzunehmen, dass es weiterhin Änderungen geben wird.
Es bleibt abzuwarten, ob diese veränderte Darstellung von Dauer ist, da das frühere Format auch gelegentlich noch gezeigt wird.
Falls dieses Design der neue Standard wird, wäre dies auch ein Grund, die Zeichenzahl unter 60 zu halten und damit wahrscheinlich die meisten Cut-Offs zu vermeiden.