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Die vom norwegischen Institut für Meeresforschung durchgeführte Expedition zum 1989 gesunkenen sowjetischen U-Boot «Komsomolets» hat erfolgreich Proben entnehmen und untersuchen können. Die Resultate zeigen, dass teilweise sehr hohe Konzentrationen von Radioaktivität austreten. Diese werden jedoch gemäss Aussagen der Leiterin von den Wassermengen sehr schnell und stark verdünnt. Doch das Wrack muss unter Beobachtung bleiben.
Die von Norwegen und Russland gemeinsam durchgeführte Expedition zum Wrack der Komsomolets hat erfolgreich erste Proben vom U-Boot und der Umgebung nehmen können. Dabei hat sich gezeigt, dass aus dem Inneren Radioaktivität austritt. Der höchste gemessene Wert betrug 800 Becquerel (Bq) pro Liter, rund 800’000 Mal höher als der für die Barentssee nominell gemessene Wert. Doch die Werte schwanken beträchtlich: Andere Proben aus dem Inneren variierten zwischen 100 Bq und 0.001 Bq. Die Forscher sind der Meinung, dass die Radioaktivität in Wellen hinausgepumpt wird, eventuell durch Dampf im Inneren des Reaktors. Die Expeditionsleiterin Hilde Elise Heldal ist von den Daten nicht überrascht: «Wir haben die Wasserproben an dieser speziellen Röhre entnommen, weil hier die Russen bereits in den 90er und 2007 Lecks festgestellt hatten.» Sie betont auch, dass 100 Bq pro Liter nicht gefährlich sei. « Nach dem Tschernobyl-Unfall 1986 hatten die norwegischen Behörden die Obergrenze auf 600 Bq pro Kilo (für Nahrungsmittel wir Fleisch oder Fisch, Anm. d. Red.) festgelegt. Was wir gemessen haben, beeinflusst die Fische und die Meeresfrüchte aus norwegischen Gewässern kaum. Die Pegel in der Norwegischen See sind generell sehr niedrig. Die Verschmutzung durch die Komsomolets wird schnell auf einen harmlosen Stand verdünnt, weil das Wrack so tief unten liegt,» erklärt Heldal weiter.
Also alles klar und keine Gefahr? Nicht ganz. Expeditionsleiterin Heldal unterstreicht die Wichtigkeit einer kontinuierlichen Beobachtung des Wracks. «Eine genaue Dokumentierung der Radioaktivitätspegel im Meerwasser, in den Sedimenten und natürlich in den Organismen sind unbedingt notwendig. Wir werden daher weiterhin sowohl die Komsomolets im Speziellen und die norwegischen Gewässer im Generellen beobachten und beproben», sagt Heldal. Die entnommenen Proben werden mit der G.O. Sars zurück ins norwegische Institut für Meeresforschung gebracht, wo sie genauer analysiert werden.
Ein Monitoring-Programm ist durchaus auch im Sinne Russlands. Denn die Norwegische See und die Barentssee gehören zu den kommerziell wichtigsten Gebieten Russlands und Norwegens im Bereich Fischfang und Meeresfrüchte. Denn Aufnahmen vom Wrack zeigen teilweise schwere Schäden an der Hülle der Komsomolets, besonders im vorderen Bereich, wo die beiden Torpedos mit ihren Nuklearsprengköpfen liegen. Die Bedenken, dass etwas passieren kann, ist gross. Frederic Hauge von der Umweltgruppe Bellona, der in den 1990er mit der niederländisch-russischen Komsomolets-Foundation nach einer Möglichkeit zum Heben des Wracks gesucht hatte, meint: «Damals kamen wir zum Schluss, es technisch unmöglich ist, das U-Boot zu heben. Das Gewicht von 1,700 Metern Kabel ist einfach zu gross.» Seiner Meinung nach ist eine Bergung der Komsomolets auch jetzt nicht prioritär.
Hauges Meinung nach ticken andere Zeitbomben in der Barentssee. «Die Komsomolets liegt in so grosser Tiefe, dass die Chancen auf gefährliche Mengen an Strahlung in der Nahrungskette sehr gering sind. Ich habe viel grössere Bedenken über die K-159, die in flacherem Wasser in der wichtigen Fischfangzone nördlich der Kola-Halbinsel in der Barentssee liegt», erklärt Hauge. Dieses U-Boot sank 2003 in einem Sturm, als es von der Gremikha Marinebasis zur Nerpa-Werft hätte geschleppt werden sollen. Zurzeit liegt es auf 248 Metern. An Bord befinden sich zwei Kernreaktoren mit rund 50 – 60 Kilogramm Uran-235. Das Wrack wurde in einem Bericht 2017 als «grosse Bedrohung» betrachtet worden.
Quelle: The Independent Barents Observer / Hafvorskningsinstiuttet