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Von Gregor Loepfe
Warum es im Wesentlichen nur zwei Monatsnamen in Titel von Jazzstandards geschafft haben, darüber lässt sich spekulieren. Vielleicht geben Monate aus Frühling und Herbst – beides Jahreszeiten, die für Veränderung in der Natur und in der menschlichen Seele stehen – mehr Anlass zu emotionalen sprachlichen Gedankenspielen als andere. Um Emotionen geht es denn auch im Songtext von «April In Paris». Da wird der Zauber des Frühlings in Verbindung mit aufkommenden Liebesgefühlen besungen. Song und Titel entstanden jedoch eher zufällig.
Teil eines unbekannten Musicals und dennoch Berühmtheit erlangt
Der amerikanische Komponist Vernon Duke schrieb «April In Paris» 1932 auf einen Text von Edgar «Yip» Harburg, von dem auch «Over The Rainbow» stammt. Das Stück entstand verspätet als Teil des Musicals «Walk A Little Faster» und gehörte anfangs gar nicht zu den fürs Musical konzipierten Songs. Nach Fertigstellung des Musicals und während der Inszenierung kam der Wunsch auf, noch einen Liebessong einzufügen. Die Idee dazu flog Vernon Duke bei einem Nachtessen in lockerer Runde mit Freunden in einem New Yorker Restaurant zu, als ein Gast am Tisch, die Autorin Dorothy Parker, beim gemeinsamen Smalltalk den Drang äusserte, im April nach Paris fahren zu wollen. Vernon Duke soll noch im Restaurant ein Stockwerk höher auf einem alten Klavier die Melodie zu «April In Paris» entwickelt haben.
Der Song baut auf einer typischen 32-taktigen Liedform mit dem Schema A-A‘-B-A auf. Die eigentümliche und sofort erkennbare Melodie erklingt am Anfang in sehr eng geführter Tonfolge. Auch die unterlegten Harmonien sind nicht ganz alltäglich. Im Text geht es um das bewusste Erleben des Frühlings und seines Charmes in der Stadt Paris, begleitet von blühenden Kastanienbäumen, Picknicktischen im Park und Herzklopfen angesichts der aufkommenden Frühlingsgefühle.
Erst- und Folgeaufnahmen mit Resonanz
Die ersten beiden Aufnahmen des Songs «April In Paris» schafften es 1934 in die amerikanischen Charts, hielten sich dort aber nur wenige Wochen: Sie stammen von Freddy Martin und Henry King mit ihren Orchestern. Ende der 1940er-Jahre wurden Bebop-Musiker wie Coleman Hawkins, Thelonious Monk und Charlie Parker auf den Song aufmerksam. Wegen der speziellen Melodie und der interessanten Akkorde wurde er zu einem ihrer Lieblingsstücke. Alle drei spielten ihn immer wieder öffentlich, nahmen ihn auf Tonträger auf und wurden zu dessen «Anwälten». Erst dank der Interpretation des Count Basie Orchestra 1955 erlangte der Song weltweite Popularität und wurde als Jazzstandard unsterblich. Count Basie bescherte er sogar einen Eintrag in die «Grammy Hall Of Fame». Die ersten vokalen Aufnahmen entstanden Mitte der 1950er-Jahre. Zu den berühmtesten zählt jene von Sarah Vaughan.
Interpretationen im Programm von Radio Swiss Jazz
Das Count Basie Orchestra nahm 1965 zusammen mit dem Sänger Sammy Davis Jr. den Song ein zweites Mal auf. Daneben existieren die gesungenen Versionen von Ann Malcolm als sanfte Fassung in Richtung Latinjazz und von der deutschen Soul-Sängerin Lyambiko als traditionelle Jazz-Variante. Instrumentale Versionen gibt es von Benny Golson in Form einer sinnlichen Ballade mit Tommy Flanagan am Klavier, vom Duo Dany Doriz & Georges Arvanitas an Vibrafon und Klavier und von der Pepe Lienhard Big Band.