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Inmitten von Gräbern des 7. Jahrhunderts fiel im Gräberfeld von Schleitheim-Hebsack eine ungewöhnlich grosse Grabgrube auf, die – anstelle der üblichen Orientierung zur aufgehenden Sonne gegen Osten – eine Nord-Süd-Ausrichtung besass. Diese Ausnahme, die sich nur in einem weiteren Grab (Grab 500) wiederholt, liess die Bestattung einer besonderen Persönlichkeit vermuten.
Die Grablege (Grab 363) enthielt eine 25–29 jährige Frau, bestattet in Festtagstracht mit ihrer Habe, deren Reichtum alle Frauengräber von Schleitheim-Hebsack übertrifft. Gemeinsam mit ihrem Partner (Grab 500) hat diese Frau offenbar die Siedlung bei Schleitheim gegründet. Beide Bestatteten zählen zu den frühesten Vertretern der neu hinzugekommenen germanischen Bevölkerung nördlich des Hochrheins (um 420 n.Chr.). Die beiden Gräber stehen am Beginn der frühmittelalterlichen Epoche. Die Heimat der Zuzüger ist im Bereich der mitteldeutschen Elbe zu suchen; von dort zumindest stammen die Keramik, der silberne Halsring und vielleicht die Sitte, grosse Bernsteincolliers zu tragen.
Aufgrund von anderen Vergleichsbeispielen mit erhaltenen Textilresten konnte die Kleidung rekonstruiert und mit dem erhaltenen Tracht- und Schmuckzubehör in Verbindung gebracht werden. Der Bronzegürtel steht in der Tradition spätrömischen Kunsthandwerks. Solche Militärgürtel wurden von Offizieren des römischen Heeres getragen. Diesem männlichen Umfeld entnommen, gürtet er hier eine knöchellange Tunika. Da das Bernsteincollier im Grab über dem Gürtel lag, ist eine Trageweise des Colliers über der Tunika und unter dem Mantel anzunehmen. Neben dem silbernen Halsreif, als Trachtelement ihrer Heimat, bestand der weitere Schmuck aus Glasperlen, zwei Fingerringen, einer Haarnadel und einem sogenannten Toilettebesteck aus Silber. Gemäss der Fundlage gehört Letzteres zu Frisur oder Schleier, obwohl dessen Funktion in den Bereich der Körperpflege (Nagelpflege) verweist.
Von diesen Funden sind die eigentlichen Beigaben zu trennen, welche der Siedlungsgründerin zur existentiellen und standesgemässen Versorgung im Jenseits mitgegeben wurden. Ihre persönliche Habe an Textilien wurde wohl in der Holztruhe aus Pappelholz mit Eisenbeschlägen verwahrt. Die Wegzehrung bestand aus einem Spanferkel und vermutlich weiteren, nicht erhaltenen Vorräten in den Keramikgefässen. Vordergründig diente der Kamm zur Haarpflege; im übertragenen Sinn symbolisiert das nachwachsende Haar eine Quelle der Lebenskraft.
Objekt:
Grabbeigaben
Datierung:
Frühmittelalter (5. Jh. n.Chr.)
Fundort:
Schleitheim-Hebsack, Grab 363
Weitere Informationen:
Anke Burzler/Markus Höneisen/Jakob Leicht/Beatrice Ruckstuhl, Das frühmittelalterliche Schleitheim. Siedlung, Gräberfeld und Kirche. Schaffhauser Archäologie 5, 2002.
Erhältlich im Online-Shop.