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Zusammen mit der Problematik “mein Kind schläft nicht“, machen die Probleme im Ernährungsbereich 60 bis 70% der Konsultationen aus.
Die Mahlzeit ist jedoch ein privilegierter Moment der Freude: Es ist der einzige Moment, in dem alle zusammen sind und gemeinsam Ort, Zeit und Ideen teilen. Sie ist die “Familien – Legislative“: Der Ort, wo die Familienregeln aufgestellt werden, wo man sich gegenseitig informiert und wo man sich austauscht.
Die Familienmahlzeit fängt vor der eigentlichen Mahlzeit an
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Dialog über die Einkäufe:
Wer macht die Einkäufe? Gibt es etwas zu besprechen, bezüglich der Einkäufe? Wer stellt das Menu zusammen; sind Verhandlungen möglich? Haben die Kinder das Recht, einzukaufen? Helfen sie, die Einkäufe zu tragen? Wissen sie, dass sie schwer sind? Kennen sie den Preis der Waren? Wenn man zusammen das Menü vorbereitet, gibt es einen Mitverantwortlichen, der wichtig ist und nicht vernachlässigt werden darf.
Bei Ernährungsschwierigkeiten stellt man oft fest, dass das Ernährungsproblem nicht notwendigerweise am Tisch ist, aber man diskutiert es am Tisch.
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Dialog über die Zubereitung der Mahlzeit:
Die gleiche Frage stellt sich, was die Zubereitung der Mahlzeit betrifft. In 9 von 10 Fällen ist es die Frau, die sie zubereitet. Manchmal erlauben sich die Kinder und der Ehemann, sie zu kritisieren: Es ist nicht gut, was du gemacht hast, ich habe das nicht gern. Es ist immer die gleiche Person, die kritisiert oder gelobt wird!
Ein Turnus für die Zubereitung erlaubt eine gemeinsame familiäre Weiterentwicklung.
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Dialog über das Vorbereiten des Tisches:
Wer deckt den Tisch? Spontan oder nicht? Wer hat schon das Recht, das Besteck hinzulegen, wer noch nicht? Der Beitrag eines Zweijährigen, die Kaffeelöffel da hin zu legen, wo sein grosser Bruder es ihm zeigt, bedeutet gegenseitigen Respekt in der Familie.
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Dialog über die Freude:
Denkt diejenige Person, welche die Einkäufe macht daran, jedem Familienmitglied Freude zu machen? Wissen es diese zu schätzen und machen sie ihrerseits eine Freude?
Die Prinzipien des gegenseitigen Respekts sind in der Familie wichtig.
Die familiäre Gegenseitigkeit ist nicht sehr bekannt! In den Gesprächen heisst es oft: Die Kinder haben alle Rechte, sie machen nichts! Die Eltern haben alle Rechte, sie können uns vom Fernseher vertreiben!
Die Kenntnis des gegenseitigen Respekts ist wesentlich, wenn man mit der Familiendynamik zurechtkommen will: Geben und Nehmen sind heilsam.
Die Mahlzeit
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Wenn eine Familie am Tisch sitzt, begegnen sich zwei Generationen: Die Eltern und die Kinder. Das Gespräch mit allen ist manchmal schwierig. Welchen Platz nimmt jeder am Tisch ein und warum? Nimmt man den Platz von jemandem, der abwesend ist? Derjenige, der den Platz des Vaters einnimmt, übernimmt er auch dessen Rolle? Kommt der Wechsel von selbst oder nach einem Konflikt zu Stande? Wenn es Streit gibt, was machen die Eltern während des Streites? Welche Position nehmen sie ein? Alle diese Abläufe sind für die Dynamik am Tisch wichtig.
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Zwei Kräfte steuern die ganze Inszenierung: Das “Wir als Familie“ und das “Ich als Individuum“. Die beiden Kräfte stehen sich dauernd gegenüber.
Das “Wir als Familie“: Grundregeln der Familie, die wir von unseren Eltern mitbekommen haben, und die in unserer Familie gelehrt oder angewendet werden. Alle Sätze, die folgendermassen anfangen: “ Bei uns macht man das so oder man isst so...“.
Das “Ich als Individuum“: “Ich will das und nicht das, ich esse nur, was ich will.“
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Im Gespräch, das am Tisch zu Stande kommt, entstehen Bündnisse unter den Geschwistern. Die Eltern sind ausgeschlossen. Es gelingt den Kindern, untereinander zu verhandeln, denn in diesem Moment trennt sie der Tisch voneinander.
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Der Tisch ist auch der Ort, um soziale Erfahrungen zu machen, den Respekt vor den anderen zu lernen sowie die verschiedenen familiären Rollen kennen zu lernen. Die Eltern spielen eine Rolle: Sie sind Model für ihr Kind, der Sohn lernt ein Ehemann zu sein, das Mädchen lernt eine Frau, eine Mutter zu sein. Alle diese Rollen werden hauptsächlich am Tisch weitergegeben, gelernt und mitgeteilt.
Am Tisch isst man
Im Geist einiger besteht eine grosse Unklarheit zwischen dem Essen als Freude und dem sich ernähren.
Die Verpflegung (freiwilliger und anerzogener Prozess) unterscheidet sich von der Ernährung (physiologischer Prozess: Ich esse Brot, das verdaut wird). Diese Unklarheit führt zum “Problem WWW“: Wann? Was? Wie viel?
Wenn man sich mit einem Nahrungsproblem auseinandersetzt, kann man sich besser orientieren, wenn man diese drei Aspekte in Betracht zieht:
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Welches sind die eindeutigen und die nicht formellen Regeln des “Wann“? Wer entscheidet, wann die Familie isst? Wer isst zwischen den Mahlzeiten? Wer isst im Voraus, wer nachher und warum? In einigen Familien essen alle zusammen, und man macht sich das Leben täglich schwer, obwohl man bestimmte Familienmitglieder separieren könnte. Wieso muss das Kind 5 Minuten vor dem Essen ein Stück Brot haben? Die Reaktion der Eltern, die das Kind kennen, ist immer die Selbe. Es ist also eine Inszenierung, die sagt: “Ich mache das, obwohl ich weiss, dass es verboten ist...“
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Welches sind die eindeutigen und nicht formellen Regeln des “Was“? Welche Nahrungsmittel isst man zur Freude? Welche, um sich zu ernähren? Sagt man das oder nicht? Gibt es Andeutungen? Was bedeutet das “Mir“, das man in allen Sprachen findet: Er will mir kein Gemüse essen (mir, seiner Mutter, die ihn doch so liebt...), sie trinkt mir den Schoppen nicht fertig? Es weist auf etwas hin, dass ich gemacht habe, dass ich ihr/ihm übertragen habe.
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Welches sind die eindeutigen und die nicht formellen Regeln für das “Wie viel“?
Man findet dieses Problem in jedem Alter: Je älter das Kind wird, desto häufiger finden die Eltern, dass das was es isst, ungesund ist.
Stillen: Das Kind trinkt die Menge, die es will. Die Natur hat die Weisheit gehabt, keine graduierten Brüste zu schaffen! Leider hat der Mensch die Waage erfunden! Mit dem Schoppen haben die Eltern die absolute Kontrolle!
Sie/Er isst zu wenig oder zu viel, aber in Bezug auf was? Wenn ein Kind sich an den Tisch setzt, kommt es mit einem gewissen Hunger, einem gewissen Verlangen, zu essen, denn ob es ihm gefällt oder nicht, man muss sich ernähren. Die Problematik “wenig essen, viel essen“ ist sehr relativ in Bezug auf etwas, was nicht existiert. Ist es die Mutter, die allen schöpft oder bedient sich jeder selbst mit so viel, wie er Lust hat? Mütter, die ihren Kindern schöpfen, sind eher die, die zum Arzt gehen mit der Sorge ihre Kinder ässen zu wenig oder verweigern das Essen. Das Kind soll sich selbst bedienen und soll essen, was es geschöpft hat. Meist hilft diese Vorgehensweise, viele Familienkonflikte zu lösen.
Entspannung der Stimmung am Tisch:
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Ein gegenseitiges Anerkennen aller Familienmitglieder.
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Akzeptieren, dass das Kind an Selbstständigkeit gewinnt: mit 2 Monaten ist das Kind abhängig, mit 4 Jahren ist es fähig, die Quantität, die man ihm vorschlägt, abzuschätzen.
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Vermeiden Sie dem Kind Sachen vorzusetzen, die Sie selbst nicht gern haben, und die es ebenfalls nicht mag, obwohl sie gesund sind. Man findet die Vitamine und die Mineralsalze in einem anderen Nahrungsmittel, die das Kind gerne hat.
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Die Stimmung am Tisch soll alles überwiegen: Das was am Tisch geschieht, worüber man spricht, ist viel nahrhafter für die Beziehung mit dem Kind, als das, was man in den Mund steckt. Manchmal ist die Spannung zu gross und beim gemeinsamen Essen kann kein Austausch mehr stattfinden. Lassen Sie in solchen Momenten zuerst die Kinder essen und essen Sie nachher, wobei es den Kindern frei steht, an den Tisch zu kommen. Sie kommen, wenn sie wollen. Es liegt also an den Eltern, Gesprächsthemen zu finden und anzuschneiden, welche die Kinder interessieren.
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Einige Kinder brauchen Stunden zum Essen: Es kann abwechslungsweise den Vater oder die Mutter neben sich haben. So hat es grosses Interesse, langsam zu essen. Aber wenn man ihm sagt: “ Iss fertig, dann machen wir etwas zusammen“, kann das eine zusätzliche Motivation für das Kind sein.
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Das Kleine, das selbst essen will: Es nimmt seinen Löffel und wird alles überall verkleckern! Das Essen ist ein Spiel für das Kind: ein Beziehungsspiel wird sich einstellen und es wird (mit 1 bis 2 Jahren ungefähr) seine Eltern auf die Probe stellen: Wenn es isst, übt es seine Selbstständigkeit und seine Fertigkeiten. Wenn es mit den Fingern isst, stellt es Vater und Mutter auf die Probe; eine Provokation, die im Zusammenhang mit der Dynamik des Augenblickes verstanden werden muss. Aber es kennt das richtige Verhalten, welches wir ihm beigebracht haben: Wenn es eingeladen ist, verhält es sich richtig!
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Die Beziehung zwischen Liebe und Ernährung ist sehr wichtig: Einen Löffel für Mama, einen für Papa, zum Beispiel.
Wenn das Kind nicht isst, fühlen sich die Eltern in ihrer Rolle als Ernährer und als Eltern ausgestossen, denn die Frage ist: Was muss ich machen, dass es isst? Wenig stört die Eltern mehr, als ein Kind, das nicht essen will.
Dr. N. Frenck, Kinderarzt FMH, Familientherapeut