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St-Louis, die heute wichtigste Stadt im französischen Teil des Trinationalen Eurodistricts Basel, liegt an zwei sich kreuzenden Hauptverkehrsachsen. Die Achse von Nord nach Süd verbindet Strasbourg mit Mulhouse und Basel, diejenige von West nach Ost führt von Paris über Belfort, Bourgfelden, die Brücke Palmrain und Weil nach Deutschland. An diesem Carrefour siedelten sich schon früh Geschäfte an – hieraus erwuchs die heutige Einkaufscity.
Wo heute St-Louis – zu Deutsch Sankt Ludwig – steht, gab es ursprünglich nur ein paar Häuser. 1679 wurde die Festung Hüningen als «Porte de France» durch Vauban im Auftrag von Louis XIV. gebaut. Damit konnte der Zugang zum Elsass nördlich von Basel durch eine Festung kontrolliert werden. Die Bewohner von Huningue wurden in ein neu gegründetes Dorf, eben Village-Neuf (Neudorf), umquartiert. 1684 wurde auf Geheiss von König Louis XIV. auch St-Louis gegründet. Während der französischen Revolution nannte man das Dorf «Bourg libre», eine Bezeichnung, welche nicht lange Bestand hatte, aber im Volksmund nicht in Vergessenheit geriet. Somit kann man sagen, dass St-Louis ursprünglich nur eine Aussensiedlung von Huningue war. Es umfasste Ende des 18. Jh. lediglich eine Strassenzeile von 500 Meter Länge. Der Aufschwung kam mit der Verkehrsentwicklung, denn St-Louis hatte eine hervorragende Verkehrslage. So wurde 1840 die erste Bahnlinie der Region von Mulhouse über St-Louis nach Basel gebaut. Nach 1871 erfolgten unter deutscher Verwaltung erste Industrieansiedlungen.
Nach 1945 entwickelten sich Gewerbe und Industrie recht stark. Ausserdem boomte die Industrie in der Schweiz, speziell auch in Basel. Diese suchte Arbeitskräfte. Immer mehr Menschen zogen nach St-Louis und arbeiteten als Grenzgänger. Neue ausgedehnte Wohnviertel entstanden gegen Bourgfelden (Burgfelden) und Michelfelden hin. Heute zählt St-Louis – nach einigen Eingemeindungen wie Bourgfelden 1953 und La-Chaussée (heute Neuweg) 1958 – über 20 000 Einwohner. Diese stammen aus 98 Nationen! Der Anteil an Sozialwohnungen liegt mit 27% weit über einer steuerwirksamen Grenze von 20 %.
Ab 1877 bestand im damals deutschen St. Ludwig ein Pferdetram. 1885 entstand der Plan einer Verbindung mit Basel. Diese wurde 1900 eingeweiht und 1910 bis St-Louis Centre verlängert. Mit Unterbrüchen während der Kriege fuhr die Basler Tramlinie 5 nach St-Louis. Ab 1947 verkehrte die Basler Linie 5 nur noch bis St-Louis Grenze. Dort musste man in das Tram, welches St-Louis in Eigenregie ebenfalls unter der Liniennummer 5 betrieb, umsteigen. 1957 wurde die Tramlinie durch eine Buslinie ersetzt.
Heute existiert ein Projekt für eine erneute Tramverbindung. Geplant ist eine Verlängerung der Tramlinie 3 über Bourgfelden (Burgfelden) zur Rückseite des Bahnhofs von St-Louis mit Haltestellen beim Sportplatz Pfaffenhofen, beim Lycée, der Polyclinique, dem Supermarché Casino sowie dem geplanten Entwicklungsgebiet Lys westlich des Bahnhofs. Der Bahnhof Saint-Louis soll in den nächsten Jahren zu einem zentralen Verknüpfungspunkt Schiene-Schiene und Schiene-Strasse mit Park+Ride (P+R) ausgebaut werden. Die Tramlinie soll 2017 in Betrieb genommen werden.
Ursprünglich stand auch die Verlängerung der Linie 11 von Lysbüchel um etwas mehr als einen Kilometer ins Zentrum von St-Louis zur Diskussion. Geschäftsinhaber des Zentrums hatten sich jedoch erfolgreich gegen die Verlängerung der Linie 11 widersetzt, da sie offenbar befürchteten, jene Kunden zu verlieren, die bis anhin mit dem Auto gekommen sind.
Heute ist St-Louis durch die verschiedenen Verkehrsträger wie Flugplatz, Autobahn, Zollfreistrasse, Eisenbahn, Hauptstrasse und Kanal, welche fast alle nord-südwärts durch die Gemeinde verlaufen, begrenzt, zerschnitten und geprägt. Einzig im Nordosten mit der Petite Camargue Alsascienne ist das naturschützerisch bedeutendste Feuchtgebiet der Region erhalten geblieben. Für die weitere Entwicklung braucht St. Louis dringend Platz. Dafür steht nur noch das Gebiet mit den Familiengärten im Süden zwischen Bourgfelden und der Stadt Basel zur Verfügung. Interessant ist das Projekt der Internationalen Bauausstellung 2020, im Bereich der ehemaligen Kiesgruben zwischen Allschwil (CH), St-Louis (F), Basel (CH) und Hégenheim (F) einen «Parc des Carrières» mit einem vielfältigen Angebot zu realisieren.
HPM