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Achtung Diebe! - Holen wir uns zurück was uns gehört
Wir möchten mit diesem Flugblatt auf einen Diebstahl aufmerksam machen. Wobei wir weniger einen einzelnen Diebstahl meinen, als eine langandauernde Praxis der Enteignung. Wir alle erschaffen etwas, das im Nachhinein von jemandem anderen gestohlen oder angeeignet wird. Was aber meinen wir damit konkret?
Nehmen wir als Beispiel die Hip-Hop Kultur. Diese entstand ursprünglich als kultureller Ausdruck der afroamerikanischen Unterschicht in den USA. Damit wurde eine neue Form der Kunst von unten erschaffen, die sowohl eine musikalische Erneuerung war, wie auch eine neue dichterische Ausdrucksform. Hip-Hop entstand als dynamische Bewegung, die mit der etablierten Kultur brach und eine Form der Rebellion darstellte. Nicht nur, weil in den Texten oft soziale Missstände thematisiert wurden, sondern vor allem auch weil eine neue Kunstform der Massen erschaffen wurde. Heute hat sich das Kapital in Form der Musikindustrie grosse Teile dieser Kultur angeeignet. Während die Massen also Etwas neues erschaffen, tritt das Kapital schlicht als Dieb auf, der sich das Erschaffene zum Zweck des Profits aneignet. Auch die Graffiti-Kultur entstand unter gleichen Umständen und wird heute oft in etablierten Galerien und auf Werbeplakaten verwertet.
Dieses Prinzip lässt sich auch auf Umstände und Entwicklungen anwenden, die uns als revolutionärer Bewegung hier näher sind. Im Zürich der 80er-Jahre entstand eine militante Bewegung, die sich auch stark gegen die etablierte Bünzli-Kultur richtete und für kulturelle Freiräume eintrat. Die erkämpften Orte und die darin angestrebte „Alternativkultur“ waren dabei ein wichtiges Element dieser Bewegung. Doch die lebendige Kultur, die damit erschaffen wurde, blieb dem Kapital nicht verborgen und dieses suchte schnell nach Mitteln und Wegen, sich das neu Erschaffene aneignen zu können. Die Folge ist die zunehmende Kommerzialisierung und Unterwerfung unter das Prinzip des Profits der ehemaligen „Alternativkultur“. In Zürich wurde in den 80er und 90er Jahren die Möglichkeit erkämpft, leerstehende Häuser zu besetzen und zu benutzen. Dieser Praxis wird heute versucht ihre Lebendigkeit und Wildheit zu nehmen, indem offizielle Verträge zu legalen Zwischennutzungen von leerstehenden Häusern angeboten werden. Diese Zwischennutzungen werden von der Stadt nicht nur als politisch harmlos angesehen, sondern werden als Standortfaktor für Zürich angepriesen. Das kreative Potential dieser Orte könne nämlich von Teilen des Kapitals – beispielsweise von der Werbe- oder Medienindustrie - ausgezeichnet profitabel genutzt werden. ähnliches wird auch anhand der Bewegung versucht, die sich in den letzten Jahren für das Recht auf „illegale“ und selbstorganisierte Partys im öffentlichen Raum einsetzte. Mittels neuer Bewilligungsverfahren wurde versucht, die Bewegung in politischer Hinsicht zu verharmlosen und zu integrieren. Gleichzeitig wurde damit auch die Möglichkeit eröffnet, die erschaffene lebendige Partykultur anzueignen und profitabel zu nützen.
Wir denken daraus lassen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen: Einerseits gilt es, wachsam zu bleiben und unsere Bewegung und ihre Kultur und Ausdrucksformen vor solchen Versuchen der Aneignung so gut wie möglich zu verteidigen. Aber die beschriebene Aneignung lässt sich auch in einem grösseren Zusammenhang sehen. Wir haben versucht zu zeigen, dass es immer wir sind, die Neues erschaffen und zwar gerade auch in kollektiven Massenbewegungen, die mit dem Alten brechen. Das Kapital dagegen erschafft nichts Neues, sondern eignet sich immer bloss das Erschaffene an und versucht es für seine Zwecke zu nutzen. Darin müssen wir unsere eigene Stärke erkennen und unsere Bewegung, unsere Arbeit, unsere Kreativität und unser Wissen von der Aneignung durch das Kapital befreien. Beginnen wir hier und jetzt damit, um bereits heute auf den Tag hinzuarbeiten, an dem wir die Diebe entgültig verjagen.