Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03286.jsonl.gz/1030

Gemäss dem Landschaftsmythologen Dr. Kurt Derungs, Grenchen, liegt das ursprüngliche Bottisgrab an einem sorgfältig ausgesuchten Ort. Er schreibt in seiner Stellungnahme vom 15. März 2019 zur Standortevaluation:
«Neben den topographischen und den geologischen Bedingungen war der Ort auch hinsichtlich seiner Vernetzung mit anderen Plätzen der Region ein Kriterium. Wir dürfen also das Bottisgrab nicht isoliert in der Landschaft betrachten. Eine Verbindung besteht z.B. hinsichtlich der Astronomie. So sind in der Region Bern die Plätze Viereckschanze im Bremgartenwald, gallorömische Tempelanlage auf der Engehalbinsel und der Bottisgrabplatz miteinander auf einer Kultlinie verbunden.»
Diese Kultlinie führt gemäss Derungs von Südwesten (Viereckschanze) über die Tempelanlage zum Platz Bottisgrab im Nordosten. Von der Tempelanlage aus betrachtet, erhebt sich jeweils die Sonne am 21. Juni, also zur Sommersonnenwende, aus der Senke beim Bottisgrab in den Himmel (54/55° Nordost). Dieses Phänomen ist für den Landschaftsmythologen ein mögliches Kriterium für den neuen Standort. Entsprechend wäre der Platz nahe an dieser Kultlinie festzulegen.
Der Standort «Bottisacher» liegt an dieser Kultlinie. Es besteht von dort auch heute noch eine direkte Sichtverbindung zum ehemaligen Tempelbezirk auf der Engehalbinsel (siehe Übersichtskarte).
Menhire mit astronomischer oder vernetzender Funktion wurden nicht mitten im Wald aufgestellt, sondern im freien Gelände, auf offenem Wiesland. Nur hier war nämich eine Visur (d.h. eine geradlinige Sichtverbindung zum Anpeilen) zu wichtigen Geländepunkten und zum Horizont möglich. Bekannte Schweizer Beispiele von Menhiren auf freiem Feld sind etwa Corcelles-près-Concise VD und Falera GR (siehe Fotos).
Zurück zur Übersicht