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Fantastisch!» Dann noch einmal: «Fantastisch!» Und wieder: «Fantastisch!» Immer wieder äussert der junge Chinese seine Begeisterung und Verwunderung, als er vom Flughafen in die Innenstadt Houstons gefahren wird. In der Schule hatte man ihm eingebleut, wie schrecklich es in Amerika zugehe. Nun sieht er hohe Häuser, leuchtende Lichterketten, grosse Autos, übervolle Supermärkte, schick gekleidete Menschen. «Fantastisch!» – dieses innerliche Kopfschütteln ist gleichzeitig Ausdruck eines Kulturschocks, der sich im Laufe des Films in ein Hohelied auf die amerikanische Freiheit wandeln wird.
Basierend auf den Memoiren von Li Cunxin, im Film dargestellt von Chi Cao, fächert Regisseur Bruce Beresford in Rückblenden die Geschichte des elfjährigen Bauernjungen auf, der Anfang der siebziger Jahre in der chinesischen Provinz von Apparatschiks mit einigen wenigen anderen aus der Schar der Schüler herausgepickt und nach Peking auf die Ballett-Akademie geschickt wird. Von nun an konzentriert sich Beresfords Inszenierung auf das harte Training, die unbarmherzigen Lehrer, die fremde Umgebung, die Einsamkeit, die Entbehrungen. Li Cunxin, soviel wird in diesen Bildern deutlich, bleibt seiner Herkunft verhaftet und vermisst seine Eltern über alles.
Die eigentliche Geschichte des Films entfaltet sich in der Rahmenhandlung. Trotz des Zwangs, mit dem die siebenjährige Ausbildung begann, hat Li Cunxin eine tiefe Leidenschaft zum Ballett entwickelt, er ist ein brillanter, kraftvoller Tänzer geworden. Anlässlich eines Kulturaustausches mit den USA landet er 1981 bei der Houston Ballet Company. Der naive junge Mann geniesst die unverhoffte, auch künstlerische Freiheit. Während in China die Tänzer mit Uniformen, Bajonetten und roten Fahnen den Kampf des Volkes symbolisierten, egal bei welchem Ballett, steht in den USA Stravinskys «Sacre du printemps» und Tschaikowkijs «Schwanensee» auf dem Programm. Beresford liebt diese Kontraste, sie ziehen sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film: Zwang gegen Selbstbestimmung, strikte Richtlinien gegen künstlerische Freiheit, Kollektiv gegen Individualismus.
Es kommt, wie es kommen muss. Li Cunxin will nicht nach China zurück, zumal er sich in eine amerikanische Kollegin verliebt hat. Als er deswegen im Konsulat vorspricht, lässt ihn der chinesische Botschafter kurzerhand verhaften und setzt ihn unter Druck. Die nun folgenden dramatischen Zuspitzungen spielen sich zwar vor dem Hintergrund sensibler bilateraler Staatsbeziehungen ab. Das macht aus Mao’s Last Dancer aber noch keinen politischen Film. Li Cunxins Wandlung im kapitalistischen Westen ist kein politisches Erwachen, sondern das persönliche Ergreifen einer Chance: die kreativen Möglichkeiten zu nutzen, die ein Künstler für seine Selbstentfaltung braucht.
Der Preis dafür ist hoch: Nach juristischem Geplänkel und einer Blitzheirat ist Li Cunxin amerikanischer Staatsbürger, darf aber nicht in seine Heimat zurück. Was das bedeutet? Er wird seine Eltern nie wiedersehen. Auch hierfür findet der Film eine Lösung, in einem ebenso bewegenden wie tränenrührenden Ende. Beresford trifft dabei immer den richtigen Ton. Er hat ein angenehmes, vielleicht etwas zu konventionelles Biopic inszeniert, das flüssig seine Konflikte entwickelt und löst. Man mag bedauern, dass der Regisseur die politischen und dramatischen Möglichkeiten ungenutzt lässt. Die Rechnung von Schwarz gegen Weiss geht zu einfach auf. Die perfekt choreographierten Ballettinszenierungen sind denn auch das grosse Plus von Mao’s Last Dancer. Das Zentrum des Films liegt also vielleicht ganz woanders – beim Tanz.