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Verzweiflung ist ein Thema, das für die Wende zur Moderne eine entscheidende Rolle spielt. Seit der Frühen Neuzeit wird >Verzweiflung< als Krisensymptom neuzeitlicher Subjektivität in Philosophie, Anthropologie und Literatur kontrovers verhandelt. Unter Verzweiflung versteht man ganz allgemein einen >Zustand der Hoffnungslosigkeit<, von dem das Subjekt übermannt wird und der seine Handlungsfähigkeit stark beeinträchtigt und zu unterwandern droht. Diese allgemeine Definition ist jedoch historisch zu präzisieren: In dieser Studie soll gezeigt werden, wie sich im 18. Jahrhundert eine Umcodierung herausbildet, die dazu führt, dass Verzweiflung nicht mehr nur als eine rein negative, aktionshemmende Emotion verstanden wird. Die hier ins Zentrum der Studie gestellte Verzweiflung ist eine rationalistisch modernisierte Begriffsvariante, welche sich nicht als äquivalent zu der des Mittelalters oder der Frühen Neuzeit erweist. Sie weicht auch von unserem heutigen Begriffsverständnis ab, denn sie bezeichnet in vielen Texten des 18. Jh. keinen negativen Affekt bzw. ein unklares, lähmendes Gefühl, sondern zeigt sich dort als positiv bewertbare Verstandesleistung eines zum Handeln fähigen, vernünftigen Subjekts innerhalb einer rationalistisch geprägten Weltauffassung.