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1990
Eine böse Entdeckung
Quellenangaben
Die Unterlagen zu diesem Kapitel lieferte mir Daniel Furter im Mai 2006, nachdem ich ihn beim speziellen Stadtrundgang "Bern giggerig, Schwulengeschichte" kennengelernt hatte, eines Angebots von StattLand, Führungen Bern Tourismus.
Bei der Station "anderLand", dem Sitz der HAB bis 2007 (Homosexuelle Arbeitsgruppen Bern), kamen auch diese Meldekarten zur Sprache. Einleitend zitierte er Beispiele aus der Praxis der Stadtpolizei vor 1979:
"Bei den Klappen, so werden öffentliche Toiletten-Treffpunkte im Schwulenjargon genannt, sind in Bern vor allem jene im Bahnhof beliebt gewesen. Dort haben jeweils mehrere Polizisten die WC-Anlage gestürmt und mit Klimmzügen an den Türen überprüft, ob nur ein Mann in der Kabine sitzt. Doch die Polizei hat sich nicht mit Razzien begnügt: 1977 hat die Kantonspolizei Bern eine so genannte 'Strichjungen- und Homo-Meldekarte' eingeführt."
In Akten der SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen), die im sas (Schwulenarchiv Schweiz) liegen, fand sich ein offizielles Schreiben zur Einführung dieser Karten. Es trägt den handschriftlichen Vermerk von Jürg Wehrli, gerichtet an Markus Gantner, den damaligen Präsidenten der SOH: "Die Kapo BE weiss nicht, dass wir im Besitz dieses Zirkulars sind, 8. Mai 1990". Zum Sammeln von Dokumenten kam es nach einem Artikel in der Berner Zeitung BZ vom 26. April 1990, in dem der Skandal aufgedeckt wurde.
Ernst Ostertag, Juni 2007