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1947 ist in Mitholz im Berner Oberland ein Munitionslager der Armee explodiert. Im Juni wurde bekannt, dass von dem verschütteten Munitionslager im Kandertal eine grössere Gefahr ausgeht als bisher angenommen.
Nun geht aus einer Risikoanalyse hervor, dass es in Mitholz statistisch gesehen alle 300 Jahre zu einer kleineren Explosion kommen könnte.
Weiterhin keine Sofortmassnahmen
Trotzdem drängen sich derzeit nach wie vor keine Sofortmassnahmen für die Bevölkerung auf, wie aus der Risikoanalyse hervorgeht. Mittel- bis längerfristig muss aber das Risiko gesenkt werden. Welche Massnahmen dafür in Frage kommen, ist noch offen. Eine Expertengruppe prüft die möglichen Schritte.
Am Abend informierte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die örtliche Bevölkerung vorerst über die Ergebnisse der vollständigen Risikoanalyse. In diversen Voten aus der Bevölkerung wurde klar, dass die Mitholzerinnen und Mitholzer befürchten, dass nicht alles geräumt werden könnte.
VBS präferiert vollständige Beseitigung der Munition
Es gehe nicht darum, das Risiko auf ein akzeptierbares Mass zu senken und dann sei es gut, betonte Bruno Locher vom Generalsekretariat des VBS. Im Fokus stehe eine vollständige Beseitigung der Munition. Doch es gelte, alle Möglichkeiten abzuwägen. Die Risikoanalyse geht nun an das Bundesamt für Umwelt (Bafu) für eine unabhängige Prüfung. Das Ergebnis dieser Prüfung soll im Frühjahr 2019 vorliegen.
Eine der grössten Explosionen ohne Kernkraft
Das Munitionslager der Armee: Im Zweiten Weltkrieg wurde das Munitionslager gebaut und bei einer Explosion 1947 teilweise zerstört und verschüttet. Es besteht aus sechs Kammern und einem quer dahinter verlaufenden Bahnstollen, der die Kammern verbindet. Im Lager befanden sich seinerzeit rund 7000 Tonnen Munition. Die Explosionsursache konnte nie vollständig geklärt werden.
Die Kriegsmunition im Berg: Im Inneren der ehemaligen Anlage werden heute noch rund 3500 Bruttotonnen Munition vermutet, darunter Fliegerbomben, Minen, Artilleriemunition, Handgranaten und Treibladungspulver. Durch die Explosion 1947 gelangte ein Teil der Munition in den Bahnstollen, wo sich schätzungsweise noch immer grössere Mengen grosskalibriger Munition befinden, die bei einer Massenreaktion explodieren könnte.
Die möglichen Schadensszenarien: Im Juni gab das VBS bekannt, dass grössere Ereignisse im Stollen nicht ausgeschlossen werden können. Fachleute halten zwei Szenarien für möglich: Eine kleinere Explosion entsprechend einer Tonne Sprengstoff, und ein grösseres Ereignis, entsprechend rund 10 Tonnen Sprengstoff.
Die Risiken einer allfälligen Explosion: Laut der Risikoanalyse des VBS kann ein kleineres Ereignis alle 300 Jahre auftreten, ein grösseres alle 3000 Jahre. Als Auslöser kommen in Frage unter anderen Felsstürze im zerklüfteten Berginnern, Erschütterungen durch Erdbeben oder Sprengarbeiten, Kupferazidbildung an Zündern oder Selbstentzündung von Brandgranaten mit weissem Phosphor.
(K)ein Rechenzentrum auf dem «Pulverfass»: Später plante die Armee ein neues Rechenzentrum auf dem Gelände in Mitholz. Dabei stellte sich heraus, dass von diesem «Pulverfass» im Berg eine grössere Gefahr ausging als bisher angenommen. Inzwischen wurde auf dem Armeegelände eine Truppenunterkunft und ein Lager der Armeeapotheke geräumt.
Die Vorgeschichte in Mitholz: In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 1947 explodierte ein Teil des Munitionslagers mit verheerender Wirkung: Neun Menschen kamen ums Leben. Das Dorf Mitholz wurde schwer verwüstet und über 200 Einwohner waren von einer Minute auf die andere obdachlos. Nach der Explosion wurde so viel Munition wie möglich geborgen, der Rest blieb aber zugeschüttet im Berg. Berichte aus den Jahren 1949 und 1986 stützten die Annahme, die Munition sei dort sicher verwahrt.