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Das Zentrum des Bebens lag etwa 90 Kilometer nördlich von Christchurch unweit von Hanmer Springs auf der Südinsel, wie die US-Erdbebenwarte USGS mitteilte. Nach unbestätigten Radioberichten wurden mehrere Menschen verletzt.
Das Beben ereignete sich in der Nacht auf Montag gegen Mitternacht Ortszeit (12.00 Uhr MEZ am Sonntag) in etwa 23 Kilometern Tiefe. Es war im gesamten Land zu spüren. Dem Hauptbeben folgten eine Reihe von Nachbeben.
Der neuseeländische Zivilschutz warnte, dass ein «zerstörerischer Tsunami möglich» sei . Das Zivilschutzministerium bezeichnete den möglichen Tsunami in seiner Warnmeldung als «ein Ereignis von lebensbedrohlichem und landesweitem Ausmass».
Die erste Tsunamiwelle erreichte den Angaben zufolge die Nordostküste der Südinsel Neuseelands am Montag früh kurz vor 2.00 Uhr Ortszeit (14.00 Uhr MEZ am Sonntag) – etwa zwei Stunden nach dem Beben. Am Küstenabschnitt von der Halbinsel Banks südlich Christchurchs bis nahe der Nordspitze der Südinsel Neuseelands drohten zunächst Wellen von drei bis fünf Metern Höhe.
Dies gelte auch für die 900 Kilometer östlich im Pazifik gelegenen Chatham Islands. An der übrigen Ostküste Neuseelands könnten ein bis drei Meter hohe Wellen aufrollen, schrieb der Zivilschutz. Die erste Welle müsse nicht die grösste sein. «Begeben Sie sich sofort ins Inland oder zu höheren Punkten», warnte er.
Am Montagmorgen (Ortszeit) stufte der Zivilschutz seine Tsunami-Warnung herunter. Er warnte nur noch vor Wellen von bis zu einem Meter Höhe an Teilen der Ostküsten von Süd- und Nordinsel Neuseelands.
In verschiedensten Städten gab es Gebäude- und Strassenschäden sowie Stromausfälle. Fotos in Sozialen Medien zeigten zerbrochene Glasscheiben, mit Splittern übersäte Bürgersteige, Risse in Strassendecken, Erdrutsche und zerbrochene Weinflaschen, die in einem Supermarkt aus dem Regal gefallen waren. Ein Twitter-Nutzer schickte Bilder seines verwüsteten Hauses.
In Christchurch, der grössten Stadt der Südinsel, verliessen die Bewohner der Uferzonen ihre Häuser in Richtung höher gelegener Stadtteile. Dichter Autoverkehr wurde gemeldet. Viele Menschen standen auf den Strassen und teilten über Mobiltelefone mit, dass sie wohlauf seien.
Eine Studentin sagte, sie könne Freunde in der Kleinstadt Waiau bei Hanmer Springs nicht erreichen. «Es gibt sechs Menschen in Waiau, die niemand erreichen kann», sagte sie.
«Es war stark und dauerte wirklich lange», beschrieb Tamsin Edensor aus Christchurch das Beben. «Wir schliefen und wachten auf, als das Haus wackelte, es dauerte und schien stärker zu werden», sagte die zweifache Mutter.
Regierungschef John Key schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter: «Ich hoffe, alle sind in Sicherheit nach dem Erdbeben heute Abend.»
In Wellington sammelten sich Hunderte Menschen in den Strassen, während Alarmsirenen heulten und Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge durch die Strassen jagten. Von einigen Gebäuden schienen Mauerteile auf die Strasse gefallen zu sein.
Nahe dem Civic Square zitterten Hotelgäste in Bademänteln und warteten darauf, in ihr Gebäude zurück zu dürfen. In einer Bar trotzten die Stammgäste dem Chaos, sie tranken und rauchten weiter. Die Universität Wellington wollte alle ihre Einrichtungen bis zum Mittag geschlossen halten, um sie auf Schäden zu überprüfen.
Simon Morton, ein Radiojournalist aus der Hauptstadt Wellington, sagte, er habe sein Haus verlassen, als er bemerkt habe, wie sich das Wasser zurückgezogen habe. Mit anderen Einwohnern habe er sich in höher gelegenen Orten vorsichtshalber in Sicherheit gebracht.
In Hamilton (Nordinsel) gab es für Wayne Timmo ein unsanftes Erwachen, als die Küchenmarkise gegen das Fenster schlug. «Das Wasser im Swimming Pool des Nachbarn schwappte hin und her, und die vom Erdbeben geweckten Leute liefen auf die Strasse», sagte er.
Die Reporterin Rachel Thomas berichtete dem Onlineportal «stuff.co.nz» aus Hataitai am Stadtrand von Wellington, sie und ihre Mitbewohner seien vom Ächzen des Daches geweckt worden. «Unser Nymphensittich fiel von seiner Stange. Wir drei drängen uns im Morgenmantel unter dem Küchentisch mit einem zitternden Vogel zwischen uns.»
In Christchurch waren im Februar 2011 insgesamt 185 Menschen durch einen Erdstoss der Stärke 6,3 ums Leben gekommen. Im vergangenen September hatte ein Erdbeben der Stärke 7,1 an der Ostküste Neuseelands einen kleinen Tsunami ausgelöst, bei dem es aber nicht zu grösseren Schäden kam.
(SDA)