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Rafael Nadal hat am French Open in Roland-Garros zum dritten Mal ein Spiel verloren. Novak Djokovic erreichte zu später Stunde den Final vom Sonntag gegen Stefanos Tsitsipas.
Der Halbfinal hielt, was er versprochen hatte. Novak Djokovic setzte sich mit 3:6, 6:3, 7:6 (7:4), 6:2 durch - in vier Stunden und elf Minuten. Das Niveau des Spiels bewegte sich auf irrsinnig hohem Niveau – eigentlich ab dem ersten Ballwechsel, wobei während der ersten halben Stunde nur Nadal grossartig spielte.
Schon Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev hatten die 5000 Fans im ersten Halbfinal fast vier Stunden lang vorzüglich unterhalten. Aber Nadal und Djokovic legten noch Brikets nach. Ein Vergleich: Der Grieche Tsitsipas gewann die ersten zwei Sätze gegen Zverev mit einem halben Dutzend Gewinnschläge. Nadal gelangen schon in den ersten fünf Games, die er alle gewann, ein Dutzend Winner.
In dieser Startphase muss sich Novak Djokovic vorgekommen sein wie Roger Federer im Final des French Open 2008, den Nadal gegen den Schweizer 6:1, 6:3, 6:0 gewann. Aber anders als damals Federer liess es Djokovic nicht zu, von Nadal abserviert zu werden. Der Serbe erkämpfte sich sogar im ersten Satz noch Chancen. Er dominierte den zweiten Satz. Er gewann verdientermassen das Tiebreak des dritten Satzes, obwohl sich Nadal beim Stand von 6:5 ein Satzball geboten hatte.
In diesem dritten Satz fiel mehr als eine Vorentscheidung. Djokovic führte zweimal mit einem Break: zuerst 3:2, später 5:3. Nadal riss das Steuer herum. Er erspielte sich einen Satzball. Den wehrte Djokovic mit einem Stoppball ab. Zuvor hatte der Serbe nach Stoppbällen die Ballwechsel regelmässig verloren. Womöglich war es dieser für Nadal unerwartete Stoppball, der den packenden Halbfinal entschied. Djokovic gewann bis zum Satzgewinn 10 der nächsten 14 Ballwechsel.
Im vierten Satz bäumte sich Nadal noch kurz auf (2:0-Führung), sein Blitzstart erwies sich aber nur noch als Strohfeuer. Djokovic gewann die nächsten sechs Games und zog in den Final ein.
Rafael Nadal verlor erst zum dritten Mal am French Open ein Einzel (bei 105 Siegen). Vor zwölf Jahren, bei der Niederlage gegen Robin Söderling (die Roger Federer den Weg zu seinem einzigen Paris-Titel ebnete), war er zudem handicapiert (weil verletzt. Daneben unterlag er bis am Freitag nur noch 2016 Novak Djokovic.
Obwohl die «Bataille» nicht in einen Entscheidungssatz ging, reihte sich das 59. Duell zwischen Nadal und Djokovic in die grössten Duelle dieser zwei Tennisball-Virtuosen ein – wie der Australian Open Final von 2012 oder der Halbfinal in Wimbledon 2018.
«Es war mir eine Ehre, mit Rafa auf dem Platz zu stehen», meinte Novak Djokovic nach der Partie. Und jedermann im Stade Philippe Chatrier glaubte es ihm. Die Partie war nicht nur geprägt von horrendem Niveau und Intensität, sondern auch von grosser Fairness. Als sich Nadal im dritten Satz den Satzball erspielte, der die Partie in andere Bahnen hätte lenken können, applaudierte Novak Djokovic. «Ich hätte das wohl auch gesagt, wenn ich verloren hätte», so Djokovic, «aber ich spielte in Paris noch nie besser. Das war klar mein bestes Spiel in meiner gesamten Karriere. Ansonsten hätte ich Rafa am French Open nie bezwingen können.»
Was bedeutet Djokovics Sieg für Roger Federer? Die Gefahr, dass Rafael Nadal den Schweizer in Paris mit einem 21. Grand-Slam-Titel distanziert, ist gebannt. Dafür droht neue Gefahr von Novak Djokovic, der am Sonntag gegen Tsitsipas seinen 19. Grand-Slam-Titel holen kann. Nach der Leistung vom Freitag startet Djokovic in den Final ganz klar aus der Favoritenrolle.
Obwohl die Partie bis nach 23 Uhr dauerte, durften die 5000 Zuschauer bis zum Ende bleiben. Die Sperrstunde (23 Uhr) wurde für die Fans verschoben. Gut möglich, dass sich in Paris mit diesem populären Entscheid ein paar Politiker ihre Wiederwahl gesichert haben.
(zap/sda)