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Lucasfilm Games wird 40 Jahre alt: Vorsicht, hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!
Die Games-Sparte von Lucasfilm hat in den letzten vier Dekaden eine wechselhafte Geschichte durchgemacht, bis sie nur noch ein Schatten ihrer selbst war.
Dies ist ein Artikel unseres Content-Partners «Golem». Hier findest du den Original-Artikel von Redakteur Peter Osteried.
Wenn ein Star-Wars-Produzent eine Spielefirma gründet, würde man als erstes ein Star-Wars-Spiel erwarten. Doch George Lucas konnte mit Lucasfilm Games kein Star-Wars-Spiel herausbringen, weil die Rechte dafür bei Atari lagen. Im Nachhinein muss man sagen: ein Glück! Denn das zwang das am 1. Mai 1982 gegründete Unternehmen zu originären Ideen, statt auf ein etabliertes Franchise zu setzen. Wer weiß, ob es sonst Monkey Island und andere Adventure-Klassiker je gegeben hätte.
Das erste Spiel, das so entwickelt und veröffentlicht wurde, war Maniac Mansion. Es kam 1987 heraus, da war Lucas' Spielefirma, die zunächst Lucasfilm Computer Division mit der Spiele-Abteilung Lucasfilm Games Group hieß, bereits acht Jahre alt.
Der Sitz der Firma war auf der Skywalker Ranch, eine Neustrukturierung des Unternehmens führte aber dazu, dass die Game-Abteilung zu einem Teil der neu gegründeten Firma Lucasarts Entertainment Company wurde, zu der auch Industrial Light & Magic und Skywalker Sound gehörten. Aus letzteren wurde später die Lucas Digital Ltd., während Lucasarts für die Games zuständig war und neue Büros im kalifornischen San Rafael bezog.
Die große Zeit der Adventures kommt – und geht
Lucasarts entwickelte Side-Scroller, First-Person-Shooter und Simulationsspiele, vor allem aber wurde die Firma in den 1990er Jahren für ihre Adventures bekannt. 1988 kam Zak McKracken and the Alien Mindbenders heraus, 1989 Indiana Jones and the Last Crusade: The Graphic Adventure und im Jahr 1990 The Secret of Monkey Island. Letzteres war so erfolgreich, dass einige Sequels folgten. Zudem gab es mit Indiana Jones and the Fate of Atlantis ein originäres Abenteuer mit dem peitscheschwingenden Archäologen.
Einige Jahre lang waren Adventures das Nonplusultra unter Spielern, in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ließ ihre Zugkraft jedoch nach. Dennoch brachte Lucasarts zum Ende des Jahrzehnts einen dritten und vierten Teil von Monkey Island auf den Markt – Spiele, die nach wie vor recht gut ankamen.
Die Zeit der Adventures war aber vorbei, die Graphiken wurden aufwendiger, die 3D-Möglichkeiten immer wichtiger und die Games machten einen starken Evolutionssprung durch. Spiele waren in der Entwicklung, wurden aber eingestellt, zum Beispiel Sam & Max: Freelance Police.
Die Entwickler, die daraufhin entlassen wurden, gründeten mit Telltale Games ihre eigene Firma. Telltale war mit Spielen zur Zombie-Serie The Walking Dead sehr erfolgreich, musste 2018 jedoch Konkurs anmelden. Die Namensrechte an Telltale wurden veräußert, so dass 2019 eine neue Firma entstand, die bis dato aber noch nicht wieder groß in Erscheinung getreten ist.
Sternenkriege und sonst nichts
So kam Lucasarts schließlich doch zu Star Wars und produzierte, als die Lizenzen nicht mehr fremdvergeben waren, reihenweise erfolgreiche und beliebte Spiele rund um den Sternenkrieg. Bis in die frühen 2000er Jahre kamen so Star Wars: Rebel Assault, Star Wars: Jedi Knight, Star Wars: Rogue Squadron, Knights of the Old Republic und Star Wars: Jedi Academy heraus.
Man verließ sich sehr auf das Zugpferd, was Lucasarts selbst offenbar nicht geheuer war. Darum erklärte die Firma im Jahr 2002, dass künftig 50 Prozent der neuen Spiele nichts mit Star Wars zu tun haben sollten – eine Initiative, die allerdings nicht lange hielt, da die neu entwickelten Ideen und Spiele nicht erfolgreich waren oder sogar bereits in der Produktionsphase wieder eingestellt wurden.
Aber auch die Star-Wars-Titel konnten mit den erfolgreichsten Spielen nicht mithalten. Im Jahr 2003 machte die Firma einen Umsatz von 100 Millionen Dollar – viel Geld, das ein Spiel wie Halo aber schon allein erlöste.
Ein Grund war sicherlich, dass man die Spiele nicht im eigenen Haus entwickelte, sondern mit externen Entwicklern wie Bioware zusammenarbeitete, was die Kosten nach oben drückte. 2004 begann man darum damit, eine eigene Entwicklungsabteilung aufzubauen. Gleichzeitig waren Einsparungen nötig. In der Spitze hatte Lucasarts 450 Angestellte, später waren es nur noch 190.
Zudem versuchte man, dem Versprechen der frühen 2000er Jahre gerecht zu werden und Spiele zu entwickeln, die nichts mit Star Wars zu tun hatten. Zusammen mit Telltale Games entwickelte Lucasarts Tales of Monkey Island, ein Remake des Originals aus dem Jahr 1990. Das war 2009, im Jahr darauf folgte dann das Sequel.
Im Jahr 2010 musste ein Drittel der Belegschaft entlassen werden. «Das liegt nur daran, dass wir unser Team reorganisieren, um den Nöten des Studios mehr entgegenzukommen», erklärte die Firmensprecherin Emilie Hicks damals. Das letzte Spiel, das Lucasarts als Tochter des unabhängigen Lucasfilm veröffentlichte, war Angry Birds Star Wars.
Nur der Name bleibt
Als die Walt Disney Company im Jahr 2012 Lucasfilm und alle dazugehörigen Tochterfirmen erwarb, sollte zuerst alles beim Alten bleiben. Neue Spiele wurden entwickelt, aber nicht mehr publiziert. So arbeitete man auch an einem Open-World-RPG und einem First-Person-Shooter. Schon 2013 war jedoch damit Schluss.
Der Großteil des Personals wurde entlassen, nur zehn Angestellte blieben. Das Label Lucasarts behielt man, es wurden nun aber keine Spiele mehr entwickelt, sondern nur noch Lizenzen verwaltet. Der Gedanke dahinter war: Übergibt man die Star-Wars-Lizenzen an verschiedene Entwickler, erhält man erstklassige Games, die die Sichtbarkeit von Star Wars gewährleisten, aber das Risiko für Disney minimieren.
2021 wurde die Firma schließlich wieder zu Lucasfilm Games umbenannt und als Co-Publisher von Return to Monkey Island mit Devolver Digital angekündigt, das Ende 2022 erscheinen soll. Wie es darüber hinaus weitergeht, kann nur die Zeit zeigen.
Die Geschichte von Lucasfilm Games war wechselhaft und – von einer kurzen Zeit in den 1990er Jahren abgesehen – basiert der Erfolg praktisch nur auf Star Wars. Zum Vermächtnis der Firma gehört aber auch, dass viele Ex-Mitarbeiter eigene, erfolgreiche Firmen gegründet haben, die heute noch Spiele entwickeln.
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