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Juli bringt nochmals grosse Hitze
Nach dem zweitheissesten Juni registrierte die Schweiz den sechstwärmsten Juli seit Messbeginn. Im letzten Julidrittel breitete sich die zweite sommerliche Hitzewelle über unser Land aus. An einzelnen Messstandorten gab es neue absolute Hitzerekorde. Die seit Juni anhaltende Wärme führte im landesweiten Mittel zur zweitwärmsten Juni-Juli Periode seit Messbeginn 1864.
Einer der wärmsten Julimonate
Im landesweiten Mittel stieg der Juli 2019 auf über 16 °C. Mehr als 17 °C brachten nur die Julimonate 1983 mit 17,4 °C, 2006 mit 17,7 °C und 2015 mit 17,8 °C. In der Nordschweiz unterhalb von 1000 m erreichte der Juli 2019 ein Monatsmittel von über 20 °C. Der Juli 1983 lieferte hier 21,3 °C. Im Juli 2006 und 2015 war es nochmals wärmer mit knapp 22 °C.
In den Tieflagen der Alpensüdseite brachte der Juli 2019 ein Monatsmittel zwischen 24 und 25 °C. Deutlich wärmer war auf der Alpensüdseite nur der Juli 2015 mit knapp 26 °C. Etwas mehr Wärme registrierte Lugano auch im Juli 1928 mit 25 °C im Monatsmittel. Ähnlich warm wie aktuell zeigten sich auf der Alpensüdseite die Julimonate 2010 und 2006.
Extrem warme Juni-Juli Periode
Die Temperatur der Juni-Juli Periode stieg mit einem landesweiten Mittel von 15,7 °C auf den zweithöchsten Wert seit Messbeginn 1864. Gleich warm zeigte sich die Juni-Juli Periode im heissen Sommer 2015. Landesweit wärmer war nur die Juni-Juli Periode im legendären Hitzesommer 2003 mit 16,4 °C.
Die extreme Juni-Juli Temperatur 2019 markiert einen weiteren Punkt in der seit 1980 erfolgten rasanten Juni-Juli Erwärmung. Von der Normperiode 1961‒1990 zur Vergleichsperiode 1989‒2018 stieg die Juni-Juli Temperatur um 1,5 °C, seit der vorindustriellen Periode 1871‒1900 um rund 2 °C. Die früher heissesten Juni-Juli Perioden sind heute zum Durchschnitt geworden. Bis 2060 dürfte dieser Durchschnitt um weitere 1,5 bis 3,5 °C ansteigen (CH2018).
Sommerliches Hochdruckwetter
Vom 1. bis zum 5. Juli brachte ein von England nach Deutschland reichendes Hochdruckgebiet meist sonniges und warmes Wetter in der Schweiz. Am 1. Juli lag die Tagesmaximum-Temperatur in den Tieflagen beidseits der Alpen als Folge der ausklingenden Juni-Hitzewelle noch über 30 °C. Anschliessend bewegten sich die Tageshöchstwerte auf der Alpennordseite zwischen 26 und 29 °C. Auf der Alpensüdseite pendelten sie um 30 °C. Sommerliche Gewitter lieferten lokal 20 bis 30 mm Niederschlag. Vom 6. auf den 7. Juli zog aus Westen eine Gewitterfront über die Schweiz, die verbreitet Regen und kräftige Windböen brachte.
Mit Atlantikluft kühler
Vom 8. bis am 10. Juli führte ein Atlantikhoch kühlere Luft zur Schweiz. Mit aufkommender Bise erreichten die Tageshöchstwerte auf der Alpennordseite verbreitet 20 bis 25 °C. Auf der Alpensüdseite lagen die Werte zwischen 28 und 30 °C.
Nach einem Warmfrontdurchzug aus Nordwesten am 11. und 12. Juli mit lokalen Schauern, dehnte sich vom 13. bis am 15. Juli erneut ein Hochdruckgebiet von England nach Mitteleuropa aus. Höhenkaltluft löste vom 14. auf den 15. verbreitet Gewitter und Schauer aus. Auf der Alpennordseite sank die Tagesmaximum-Temperatur meist auf 18 bis 22, auf der Alpensüdseite unter die Sommermarke von 25 °C.
Hochdruck bringt viel Sonnenschein
Das von England nach Mitteleuropa reichende Hoch wurde am 16. Juli nahtlos von einer Hochdruckzone abgelöst, die sich schubweise von Atlantik über Südwesteuropa nach Mitteleuropa vorschob. Das Hochdruckwetter bescherte der Schweiz viel Sonnenschein und eine zunehmende Hitze. Schauer und Gewitter entwickelten sich nur lokal. Vom 20. auf den 21. Juli wurde das Hochdruckwetter von einer Kaltfront aus Nordwesten mit Gewittern und zum Teil kräftigen Schauern unterbrochen.
Zweite sommerliche Hitzewelle
Nur einen Monat nach der Juni-Hitzewelle wurde die Schweiz von einer zweiten Hitzewelle erfasst. In der Westschweiz stiegen die Tageshöchstwerte vom 20. bis am 26. Juli täglich über 30 °C. Das Hitzemaximum wurde landesweit am 24. und 25. Juli erreicht mit Höchstwerten auf der Alpennordseite zwischen 35 und über 37 °C. Auf der Alpensüdseite erreichten die Höchstwerte 33 bis knapp 36 °C.
Die Juli-Hitzewelle zeigt sich in der Westschweiz heisser als jene im vergangenen Juni. Für die intensivste 7-Tagesperiode vom 20. bis am 26. Juli ergab sich eine mittlere Maximumtemperatur zwischen 33 und 34 °C. Im Juni lag das mittlere Maximum der intensivsten 7-Tagesperiode in der Westschweiz rund ein Grad tiefer.
Der Raum Basel erlebte eine vergleichbare Hitze wie im vergangenen Juni. Während der heissesten 7 Tage lag das mittlere Maximum beide Male zwischen 33 und 34 °C. Die Alpensüdseite registrierte ebenfalls zwei vergleichbare Hitzewellen. Sie erreichten während der intensivsten 7-Tagesperioden eine mittlere Maximumtemperatur zwischen 32 und 33 °C.
In der Zentral- und Ostschweiz hingegen war die Junihitze intensiver. Die mittlere Maximumtemperatur stieg im Juni während der intensivsten 7-Tagesperiode auf 32 bis 33 °C. Im Juli blieben die Werte während der grössten 7-Tageshitze rund ein Grad tiefer.
Abbildung 2 zeigt eindrücklich, dass intensive Hitzeperioden in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden sind. In der Westschweiz, die immer wieder davon betroffen war, folgen sie sich heute in immer kürzeren Zeitabständen. Das heutzutage häufigere Auftreten von Hitzewellen ist eines der klaren Signale der laufenden Klimaänderung. Nach einer aktuellen ETH-Analyse ist in der Schweiz das Auftreten einer Hitzeperiode wie im Juli 2019 heute rund zehnmal wahrscheinlicher als ohne Klimaänderung.
Neue Hitzerekorde
Die Julihitze brachte an einzelnen Messstandorten neue absolute Rekorde. Besondere Beachtung verdienen die Messstandorte Koppigen und Scuol. Hier gab es im Juni 2019 bereits neue absolute Rekorde (Scuol 33,3 °C, Koppigen 36,5 °C). Nur einen Monat später wurden diese Rekorde wieder überboten.
Die folgenden Tabelle zeigt die drei höchsten Jahreswerte der Tagesmaxima für die Messstandorte mit neuen absoluten Temperaturrekorden:
Niederschlag bringt Abkühlung
Mit der Annäherung einer Niederschlagszone aus Westen wurde es am 27. Juli in der ganzen Schweiz zunehmend gewitterhaft. Kräftige Schauer fielen vor allem auf der Alpensüdseite, im Genferseegebiet und in der Ostschweiz.
Die Niederschlagszone brachte am 28. Juli verbeitet Regen. Auf der Alpennordseite gab es regional 40 bis 60 mm. Auf der Alpensüdseite, im Engadin und im Wallis blieben die Mengen meist gering. Die Tagesmaximum-Temperatur erreichte im Norden bei ganztags trüben Verhältnissen noch 17 bis 20 °C. Auf der Alpensüdseite stiegen die Werte mit etwas Sonnschein auf 26 bis 28 °C.
Phänologie im Sommer
Zum Sommer gehört die Fruchtreife der ersten Bäume und Sträucher. Die reifen Beeren des roten Holunders konnten seit Mitte Juni beobachtet werden. Im Juli wurden die roten Beeren in Höhenlagen zwischen 400 und 850 m beobachtet, genau zu einem mittleren Zeitpunkt der Datenreihe, die seit 1996 existiert.
Verschiedene Bäume und Sträucher setzten im Juli ihre Blüte in höheren Lagen fort, so die Blüte des Schwarzen Holunders, die Anfang Juli aus Höhenlagen zwischen 1250 und 1350 m gemeldet wurde, ebenfalls zu einem normalen Zeitpunkt. Blühende Sommerlinden traten meist oberhalb von 800 m auf, während die Winterlinden im Höhenbereich von 400 – 900 m blühten.
Um im Sommer mehr Informationen über die Phänologie zu erhalten, wurde 1996 mit der Beobachtung des Wald-Weidenröschens begonnen. Das ist eine Pflanze, die in der ganzen Schweiz vom Tiefland bis in die Berge vorkommt und besonders auf lichten Waldstellen, Felsschutt und am Ufer wächst. Seit Ende Juni ist das Wald-Weidenröschen am Blühen und wurde Mitte Juli bereits in Adelboden auf 1350 m beobachtet. Im Vergleich mit der Datenreihe seit 1996 blühte das Wald-Weidenröschen in diesem Jahr bis jetzt 3 Tage später als im Mittel.