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Aus dem Notizbüchlein
Gedanken zu einigen Aspekten der ehemaligen kommunalen Finanzpolitik
Was nicht mehr zu ändern ist (aber nicht in Vergessenheit geraten sollte)
Uhrenfabrikli an der Rickenbacherstrasse Aktive Arbeitsbeschaffungs-Massnahmen
Die Gemeinde liess anno 1914 auf Land des «Armenguts» in den «Rüttenen» (auf der Ostseite der Rickenbacherstrasse) eine Uhrenfabrik erbauen. Das Grundstück war so gross, dass darauf mindestens ein weiteres gleiches Objekt hätte gebaut werden können. Die Gemeinde beauftragte mit dem Bau des Uhrenateliers den renommierten Basler Architekten Isidoro Rafael Pellegrini-Spiess, der in Gelterkinden auch als Gewerbelehrer tätig war.
Die Baukosten betrugen Fr. 25’0000.-.
Die Firma Revue Thommen aus Waldenburg übernahm das Gebäude. Sie beschäftige in dem von ihr anno 1926 käuflich erworbenen Fabrikli bis zu zwanzig Personen. Im Jahr 1988 stellte die Waldenburger Firma den Betrieb in Gelterkinden ein und verkaufte das Areal an Private.
Aus grundsätzlichen Überlegungen, nicht zuletzt aber auch im Hinblick auf die grosse finanzielle Belastung der Nachfolge-Organisation der ehemaligen «Armenkasse», hiess es seinerzeit da und dort: «worum hei die domols das Land nit im Bourächt abgee oder sich es Rückchaufsrächt uusbedunge?»
Aus heutiger Sicht tatsächlich unverständlich und gar unverzeihlich; aus damaliger Sicht aber wohl eine Selbstverständlichkeit.
Eidgenössisches Zeughaus
Zweiter Weltkrieg: Der Bund trifft Vorsorgemassnahmen
In der Heimatkunde von 2003 beschreibt Werner Tanner, wie es dazu kam, dass Gelterkinden bereits im Jahr 1936 eidgenössischer Zeughausort wurde. Zusammengefasst: Die Gemeinde erwarb rund 90 Aren Land und übernahm die Kosten für deren Erschliessung. Die Gemeindeversammlung bewilligte dafür einen Kredit von total Fr.Das fertig erschlossene Land wurde dem Bund unentgeltlich abgetreten.
Nun wird das Zeughaus (wie auch das gleichzeitig gebaute Pulvermagazin an der Rünenbergerstrasse) nicht mehr «gebraucht»; der Bund suchte Käufer für sein Gelterkinder Zeughausareal samt den darauf stehenden Bauten. Und nun der «Witz der Geschichte»: Die Gemeinde tritt als Kaufinteressent auf und erwirbt ihr ehemals geschenktes Areal wieder. Die Erwerbskosten (die darauf vom Bund erstellten Gebäude inbegriffen) betragen 1,7 Millionen Franken; dies unter «Berücksichtigung», dass das Areal seinerzeit geschenkt worden war.(Ein «Zurückschenken», wie Werner Tanner hoffte, stand also von Seiten des Bundes nicht zur Diskussion; im Gegenteil: Die Gemeinde muss die Verpflichtung eingehen, dem Bund 50 % eines allfälligen Nettogewinns zu bezahlen, sollte sie das Areal innert 25veräussern.)
Es ist müssig, aus heutiger Sicht die Frage zu stellen, weshalb die Gemeinde damals das Baugrundstück abgab, ohne zu stipulieren, dass es ihr wieder zurückgegeben wird, wenn ...? (Dazu kommt, dass die Gemeinde damals doch wohl auch ihren Beitrag an eine eventuell nötige Landesverteidigung leisten wollte.)
Die Gemeinde verscherbelte einen Teil ihres Tafelsilbers
Verkauf des Schulhauses von 1837
Als die Schul-Räumlichkeiten in dem anno 1822 erworbenen Teil eines Gebäudes an der heutigen Schulgasse nicht mehr zu genügen vermochten – die Schülerzahl war auf 140 angestiegen – , fasste die Gemeinde anno 1837 den Beschluss, ein erstes eigentliches Schulhaus zu bauen. (heute Poststrasse Nr. 4). Dieses wurde aber bereits im Jahr 1846 bereits zu klein, weshalb es an Private veräussert wurde.
Zu welchem Preis das «Schuelhüüsli» auch verkauft wurde: Klar ist, dass mit dem Verkaufserlös vor allem die Kosten des Erweiterungsbaus des Schulhauses von 1822 an der heutigen Schulgasse finanziert wurde.
Dass es vor mehr als 160 Jahren noch kein Thema war, lediglich das Gebäude – ohne das Grundstück – zu verkaufen, ist selbstverständlich; sowie auch, dass kein Vorbehalt angebracht wurde, dass bei einem allfälligen Verkauf des Grundstücks ein Teil des Erlöses der Gemeinde zurückvergütet werden müsse.
Verkauf des Schulhauses von 1822/1846
Das Schulhaus an der Gasse, die nach ihm benannt wurde, war von 1846 bis 1876 «das Schulhaus». Anno 1876 wurde das Schulhaus an der Bonigasse gebaut und bezogen. Von da an waren in der «alten Schule», nebst den beiden «Lehrerwohnungen» im zweiten Obergeschoss, noch der Kindergarten, zwei Schulkassen, die Gemeindeschwester, das Stimmlokal, das Gemeinderatszimmer und die Gemeindeverwaltung untergebracht.
Als im Herbst 1954 die Schulanlagen in der Hofmatt (Architekturwettbewerbs-Titel «Änedra») bezogen werden konnten, zügelten Gemeinderat und Gemeindeverwaltung in das nun praktisch leere Schulhaus an der Bonigasse. Dieses wurde nun «das Gemeindehaus» genannt und auch so bezeichnet.
Die Frage, was und wie weiter mit den Gebäuden an der Schulgasse, war bald entschieden: Verkauf! Bei den Schulanlagen in der Hofmatt wisse man nun – so der damalige Gemeindepräsident Emanuel Gerster anlässlich der Einweihung – was «der Brotis» (der Neubau) koste; aber noch nicht, wie teuer die dafür noch nötige «Sosse» (die Kosten für den Unterhalt etc.) zu stehen komme.
Dazu – auch dies stand fest – war das Schulhaus von 1876 umzubauen und es sollte der Bau von zwei neuen Kindergärten realisiert werden können. Für den damaligen gemeinderätlichen Finanzchef, den späteren Gemeindepräsidenten Ernst Spinnler, war klar: Es müssen so rasch als möglich Schulden abgebaut, der Bau der ersten beiden gemeindeeigenen Kindergärten verwirklicht und das Schulhaus an der Bonigasse als Gemeindehaus ausgebaut werden können. Deshalb also: Verkauf der Schulgebäude an der Schulgasse.
Am 15. Mai 1955 hat die Gemeindeversammlung nach heftiger Diskussion und eigehender Beratung beschlossen, das alte Schulhaus zu verkaufen; und zwar an den hiesigen Gärtnermeister Emil Stäheli-Feuerstein zum Preis von 160'000 Franken
Erfreulicherweise wurde in diesem ehemaligen Schulhausgebäude anschliessend ein Kinosaal eingebaut, der sich nun als ein nicht mehr wegzudenkender Kulturraum in der Gemeinde etabliert hat.
Aber dessen ungeachtet: In den 1950er-Jahren hätte es bereits ein Thema sein können oder sollen, lediglich das Gebäude zu veräussern und das Grundstück im Eigentum der Gemeinde zu belassen; oder mindestens den Vorbehalt anzubringen, dass bei einem allfälligen Verkauf des Grundstücks ein Teil des Erlöses der Gemeinde zurückzuvergüten sei. Man merke: Formulierung im Konjunktiv!
Postskript 1
Das ehemalige «Armengutland» an der Rickenbacherstrasse ist endgültig weg.
Das Zeughausareal konnte zurückgekauft werden (zwar mehr als fünfzig Mal teurer als 1936 verkauft ) und ist nun wieder im Eigentum der Gemeinde.
Die beiden ersten Schulhäuser der Gemeinde sind, zusammen mit dem Areal, auf dem sie erbaut wurden, verkauft. Das Grundstück, Parzelle Nr. 2541, des im Jahr 1876 erbauten und unlängst verkauften Schulhauses an der Bonigasse ist nach wie vor im Eigentum der Gemeinde; die neue Besitzerschaft des «alten Gemeindehauses» hat nun offenbar, wie bereits eine stattliche Anzahl von Besitzern gemeindeeigener Baurechtsparzellen, ihren jährlichen Obolus in den Baurechtszinsentopf der Gemeinde zu bezahlen.
Postskript 2
Wie etwa anlässlich eines Banntags, eines Waldausgangs oder einer Holzgant von älteren Männern zu hören war, hat die Gemeinde ab und zu ein Stück Allmend, eine «Munimatte» oder dergleichen verkauft. Der Grund dafür war immer etwa derselbe: Mittelbeschaffung um ein grösseres Vorhaben realisieren zu können, ohne dafür um Fremdgeld bitten zu müssen. Einer der letzten Landverkäufe dieser Art, den die Gemeindeversammlung anno 1938 gutgeheissen hat, war der Verkauf eines «Geissbockmättelis» im «Baumgärtli». Die Käuferschaft hat dieses Land gelegentlich verkauft und/oder selbst überbauen lassen.
Postskript 3
Mitte der 1970erJahre hat die Gemeinde erste Bauparzellen im Baurecht abgegeben. Praktisch Jahr für Jahr wurden es aber mehr. Im Jahr 2009 betrug der Liegenschaftsertrag aus dem Finanzvermögen der Gemeinde bereits Fr. 358.769.75. Im Voranschlag für das kommende Rechnungsjahr (2011) soll der entsprechende Betrag bereits mit etwas mehr als 400'000 Franken eingesetzt werden können.
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