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Knochen
[* 2] (Ossa), die festesten
Teile des Körpers des
Menschen und der meisten Wirbeltiere, welche als
Gerüst für die
weichen
Teile desselben, als Befestigungspunkte der meisten
Muskeln
[* 3] und als passive Bewegungsorgane dienen und zum
Teil auch
zartere innere Gebilde schützend umgeben.
Ihrer Gestalt nach teilt man die
Knochen ein in lange oder Röhren
knochen, wie die meisten
Knochen der
Gliedmaßen, welche aus einem kompakten, im Innern die Markhöhle und das
Knochenmark enthaltenden Mittelstück (eigentliche
Röhre oder
Diaphyse) und zwei kurzen, mit überknorpelten Gelenkflächen versehenen Endstücken
(Epiphysen oder
Apophysen) bestehen; in platte oder breite
Knochen, welche meist aus zwei
Lagen fester
Substanz bestehen, zwischen denen sich eine
der
Dicke des
Knochen nach verschieden starke Schicht schwammigen
Knochengewebes (sog.
Diploe) findet, wie die Schulterblätter,
die meisten
Kopf-,
Gesichts- und Becken
knochen; endlich in dicke, kurze oder gemischte Knochen, welche von sehr
verschiedener, meist unregelmäßig würfeliger Gestalt sind, wie die Wirbel, die
Hand- und Fußwurzel
knochen.
Verbunden sind die
Knochen untereinander entweder beweglich durch die
Gelenkbänder (s.
Gelenk), oder unbeweglich durch Nähte (gezackte,
ineinander greifende
Knochenränder,
Knochennähte), wie die Kopf
knochen, oder durch feste
Bandmassen (s.
Bänder). Das Ganze
der
Knochen zusammengenommen nennt man
Knochensystem, und es enthält dasselbe mit
Ausschluß der 32
Zähne
[* 4] 213
Knochen. Von
den einzelnen Körperteilen enthalten der
Kopf 28, der Rumpf 53, die obern
Gliedmaßen je 34, die untern je 32 Knochen. Sie genau
zu beschreiben ist
Aufgabe der
Knochenlehre oder
Osteologie (s. d.), welche einen wichtigen
Teil der deskriptiven
Anatomie (s. d.) bildet.
Die Gesamtheit der von den Weichteilen befreiten Knochen heißt das Gerippe, Knochengerüst oder Skelett [* 5] (s. d.), an welchem man, vorausgesetzt, daß es einem regelmäßig gebauten Menschen angehörte, eine vollkommene Symmetrie wahrnimmt, und zwar so, daß alle Knochen, die nicht in der Mittellinie des Körpers liegen, paarig und auf beiden Seiten gleich gebildet sind. Bei einem Erwachsenen von mittlerer Größe besitzt das Skelett im vollkommen ausgetrockneten Zustande durchschnittlich ein Gewicht von 5 kg. Die Gestalt der einzelnen Knochen hängt so innig mit dem Bau und der Thätigkeit des ganzen Körpers zusammen, daß der Kundige aus der Form des Knochen erkennt, welcher Klasse das Tier angehört und wie es im übrigen beschaffen ist.
Nicht alle Tiere besitzen Knochen, sondern nur die Wirbeltiere, und auch diese nicht alle, sofern als das Skelett der Knorpelfische nicht aus Knochen, sondern aus Knorpel [* 6] besteht. Die organische Grundsubstanz der Knochen besteht aus dem sog. Knochenknorpel, einer knorpelähnlichen, biegsamen und elastischen organischen Substanz, welche mit unlöslichem, phosphorsaurem Kalk (Knochenerde) auf das innigste durchtränkt ist. Dieser Einlagerung der Knochenerde verdankt der Knochen seine Festigkeit, [* 7] Härte und Schwere; entzieht man dem Knochen die Salze durch Säuren, so hinterbleibt in der ursprünglichen Form des Knochen der elastische, biegsame Knorpel, welchen man weiterhin leicht durch Kochen in Leim umwandeln kann.
Jeder Knochen ist an seiner Oberfläche mit einer außerordentlich festen, fibrösen, der Knochenoberfläche überall innig anliegenden Haut, [* 8] der Bein- oder Knochenhaut (Periosteum), überzogen, von welcher aus die Ernährung, das Wachstum in die Dicke sowie die meisten Erkrankungen der Knochen ausgehen. Das Längenwachstum der Röhrenknochen erfolgt von den Endstücken derselben, den sog. Epiphysen aus, von deren Knorpelscheiben bis zur Vollendung des Knochenwachstums beständig Knochenmasse neu gebildet und an die Enden des Mittelstücks angesetzt wird, wodurch das letztere immer länger wird.
Beim Neugeborenen besteht der Knochen noch größtenteils aus Knorpel (s. d.), welcher sich nur allmählich durch Ablagerung von Kalksalzen in Knochengewebe umwandelt. Das Innere der Knochen, sowohl die Höhlen der Röhrenknochen als die spongiöse (schwammige) Substanz (s. Spongiosa) der kurzen und glatten Knochen, ist mit einer weichen, rötlichen oder gelben, fettreichen Masse, dem Knochenmark, erfüllt, welches nicht bloß als Schutz- und Fixierungsmittel der in den Knochen eintretenden Blutgefäße, sondern auch als Bildungsstätte der weißen Blutkörperchen [* 9] dient (s. Blut, Bd. 3, S. 159a) und bei allen entzündlichen Affektionen der Knochen eine wichtige Rolle spielt.
Hinsichtlich seiner feinern mikroskopischen Struktur unterscheidet man am Knochengewebe eine gelbliche, konzentrisch geschichtete, mit Kalksalzen imprägnierte Grund- oder Intercellularsubstanz, welche von zahlreichen feinsten Gefäßkanälchen, den sog. Haversischen Kanälchen (entdeckt von dem engl. Anatomen Havers im 17. Jahrh.), nach allen Richtungen durchzogen ist, und zahlreiche kleinste sternförmige, durch zarte Ausläufer miteinander verbundene länglichrunde Hohlräume, die sog. Knochenzellen oder Knochenkörperchen, welche in ganz regelmäßiger Anordnung in der Grundsubstanz eingebettet sind und die Ernährung des Knochengewebes vermitteln.
Für die Technik haben die Knochen Bedeutung. Durch Auskochen oder besser durch Ausziehen mit Benzin wird das Knochenfett, Knochenöl oder Klauenfett gewonnen, das, durch Umschmelzen und Filtrieren [* 10] gereinigt, seiner Dünnflüssigkeit wegen als Schmieröl für Uhren, [* 11] Maschinenteile u.s. w. vorzüglich ist. Die entfetteten und gebleichten Knochen werden zu Drechslerwaren verarbeitet (s. Knochenbearbeitung), während die Rückstände sowie die zur Verarbeitung nicht geeigneten Knochen zu Knochenmehl (s. d.) vermahlen werden. Aus der durch Auskochen der Knochen gewonnenen knorpeligen Substanz wird Glutin (s. d.) hergestellt. Die Knochenasche, weißes Spodium (an der Luft verbrannte Knochen), besteht zur Hauptsache aus Calciumphosphat neben Magnesiumphosphat, Calciumcarbonat und Fluorcalcium. Es dient in der Glasfabrikation [* 12] zur Erzeugung des Milchglases (Beinglas, Knochenglas), ferner
^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.] ¶
mehr
zur Erzeugung weißer Glasuren, als Gemengeteil zur Herstellung von Muffeln und Treibherden, als Polier- und Putzmittel, als Rohstoff zur Gewinnung der Phosphorsäure und des Phosphors und als Düngemittel. Ferner wird aus den Knochen die Knochenkohle (s. d.) und aus dieser das Beinschwarz (s. d.) hergestellt. -
Vgl. Friedberg, [* 14] Die Verwertung der auf chem. Wege (Wien [* 15] 1884).