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Ökonomisch gesehen ist die Zauberwelt in «Harry Potter» ein Reinfall – das sagt eine neue Studie, die von der Oxford-Universität publiziert wurde. Wirtschaftswissenschaftler haben das Franchise unter die Lupe genommen und festgestellt, dass marktwirtschaftlich nur wenige Dinge in der Zauberwelt Sinn ergeben.
Doch warum nehmen sich die Wissenschaftler überhaupt die Zeit, die Geschehnisse einer fiktiven Welt zu untersuchen? Sie machen dies, «um zu beurteilen, wie sich die Bücher auf die wirtschaftliche Bildung auswirken könnten». Denn sie schätzen, dass über 7 Prozent der Weltbevölkerung die «Harry Potter»-Bücher gelesen hat, und Millionen weitere die Verfilmungen gesehen haben. «Diese aussergewöhnlichen Zahlen unterstreichen die Bedeutung der in den Büchern vermittelten Botschaften», heisst es in der Studie.
Das Franchise prägte (im Unterbewusstsein) das ökonomische Grundverständnis einer ganzen Generation – das sei ein Problem.
In einigen Beispielen beanstandeten die Autoren, dass gewisse Dinge in der magischen Welt von Harry Potter scheinbar nicht vorkommen. Ob diese in der magischen Welt tatsächlich nicht existieren, oder einfach nicht erwähnt werden in den Büchern, weil sie nicht von Bedeutung sind für die Handlung, geht aus der Studie nicht hervor.
In der Zauberwelt der britischen Autorin J. K. Rowling existieren drei Arten von Münzen: die goldene Galleone, der silberne Sickel sowie der bronzene Knut.
Die goldene Galleone hat am meisten Wert. Sie entspricht 17 silbernen Sickeln, ein silberner Sickel ist wiederum 29 bronzene Knut wert.
Dieses System sei jedoch völlig unbrauchbar, sagen die Wissenschaftler. Denn der Wechselkurs ist viel zu kompliziert und erschwert eine flexible Preisgestaltung. Als weiteres Problem beschreiben die Forschenden den fixen Wechselkurs. Während des Buches «Harry Potter und der Halbblutprinz», wird erwähnt, dass gleichzeitig mit der Inflation die Nachfrage nach Silber steige, weil Silber zur Herstellung von gefragten Zaubern und Geräten verwendet werde.
Damit nicht genug. Die Leute seien nicht gierig genug. Goldene Galleonen könnten nämlich ganz einfach eingeschmolzen und als reines Gold an Muggel weiterverkauft werden, meinen die Forschenden. So würden Zauberer viel mehr Gewinn machen, als die Münzen in der Bank zu deponieren. Auf diese Idee scheint aber niemand zu kommen.
Zu bedenken ist bei diesen beiden Punkten allerdings, dass anhand der Bücher oder den Aussagen Rowlings nicht ersichtlich ist, ob es sich bei den Münzen um reines Edelmetall handelt, oder ob die Münzen Metall-Legierungen sind.
Auch die Bank Gringotts (die eine Monopolstellung innehat) sei problematisch, sagen die Forschenden. Die Transaktionen seien ineffizient, da sie ein langwieriges bürokratisches Verfahren erforderten und somit hohe Transaktionskosten implizierten. Harry Potter zum Beispiel hebt einmal vor Schulbeginn Geld ab, welches ihm das ganze Jahr durch reichen muss.
In Hogwarts gebe es laut den Autoren nur geringen technischen Fortschritt. Während wir ständig von neuer und verbesserter Technologie profitieren, sei das Einzige, was sich in Hogwarts weiterentwickle, die Besen.
Die Überlegenheit von Harrys Besen Feuerblitz wird dafür gleich mehrmals erwähnt. Dieser ist nach internationalem Standard gebaut und beschleunigt von 0 auf 250 Kilometer pro Stunde in nur zehn Sekunden.
«Die Regierung in der Harry-Potter-Welt sei gross, korrupt und ineffizient. Sie kontrolliere und reguliere die Produktion aller wichtigen Güter und Dienstleistungen, die in der Wirtschaft hergestellt werden, einschliesslich Gesundheit, Recht und Bildung», schreiben die Autoren der Studie.
Weiter heisst es: «Die Politik der Regierung sorgt für wirtschaftliche Stabilität, wie im Marx'schen Modell, in dem Sinne, dass es in ‹Harry Potter› keine Konjunkturschwankungen gibt und folglich alle Arbeitnehmer zu jeder Zeit beschäftigt sind». Als Kritik an der Studie könnte bei diesem Punkt vorgebracht werden, dass Rowling durchaus Zauberer erschaffen hat, die ohne geregelte Anstellung sind – wie den Dieb Mundungus Fletcher.
Die Zauberer-Öffentlichkeit wisse nur sehr wenig darüber, wie die Regierung funktioniert, was Korruption einfach mache, behaupten die Autoren der Studie. Der Mangel an Informationen rühre daher, dass die Zauberer eine einzige Informationsquelle haben: die Zeitung Der Tagesprophet.
Der Herausgeber hat gute Beziehungen zu hohen Beamten und wohlhabenden Personen. In der Studie heisst es: «Die Reporter der Zeitung veröffentlichen Informationen, die die Beamten begünstigen, die im Gegenzug Entscheidungen zugunsten der Reporter und wohlhabenden Zauberer treffen.»
Zauberer können problemlos und günstig weite Strecken reisen – für den internationalen Reiseverkehr gibt es kaum Beschränkungen. Beim Handel sieht dies allerdings anders aus. Internationaler Handel existiere kaum, was auf die Vorschriften zum Schutz von lokalen Produzenten zurückzuführen ist, schreiben die Autoren. Hinzu komme, dass Vorurteile gegenüber Fremden und Nicht-Zauberern den Umgang und Handel mit Muggeln fast vollständig verhinderten.
«Manche Arten von Fremdarbeit sind jedoch so profitabel, dass sie toleriert werden», heisst es in der Studie weiter. Diese Aussage bezieht sich auf die Hauselfen, die für körperlich schwere und schmutzige Arbeit eingesetzt werden.
«Obwohl die Elfen viele nützliche Dienste leisten, arbeiten sie unter schrecklichen Bedingungen und fast ohne Bezahlung. Sie besitzen nicht einmal ihre eigene Kleidung. Dennoch sind sie fleissig, arbeiten jahrelang ohne Unterbrechung, akzeptieren die Bedingungen der Sklaverei und haben grosse Angst, entlassen zu werden, denn Arbeitslosigkeit bedeutet für sie fast den sicheren Tod.»
Die Bücher drehen sich um die Ausbildung von Harry Potter und seinen Freunden. Die Ausbildung an der magischen Schule ist für die Schülerinnen und Schüler kostenlos. Rowling bestätigte dies auf Twitter. Die Autoren der Studie argumentieren, dass nicht klar sei, ob Steuern in der magischen Welt erhoben werden. Deshalb drängt sich die Frage auf, wie das Schulsystem finanziert werde.
Ein weiterer Punkt, den die Autoren an der Schulbildung kritisieren, ist, dass diese unter der Aufsicht des Zauberministeriums sei und somit dem Einfluss der Politik unterliege. In «Harry Potter und der Orden des Phönix» greift die Regierung sogar in den Lehrplan ein. Ebenfalls sei der Lehrplan seit hunderten von Jahren nicht mehr überarbeitet worden – das Wissen der Absolventen habe sich somit auch nicht weiterentwickelt, schreiben die Autoren.
Weil die potter'sche Wirtschaft eine Mischung aus verschiedenen Modellen und Weltanschauungen ist, ist sie oft inkonsistent und widersprüchlich. Zusammengefasst:
«Ausserdem fehlen im potter'schen Modell wichtige Aspekte der Wirtschaft und Gesellschaft der realen Welt», heisst es in der Studie. Ein wichtiges Thema, das (bis auf die Weihnachtsfeier) nicht vorkomme, ist die Religion.
«In Anbetracht der Erkenntnisse über den potenziellen Einfluss populärer Literatur auf die Ansichten und Meinungen der Leser [der «Harry Potter»-Bücher] können diese das Verständnis der Öffentlichkeit für wirtschaftliche Themen und Angelegenheiten beeinflussen und prägen», heisst es in der Studie.
Diese verschiedenen Botschaften können dazu führen, dass ein unbedarfter Bürger das Vertrauen sowohl in die Institutionen des Marktes als auch in die Autorität der Regierung verlieren könnte. Die Autoren schreiben: «Die Folgen könnten Apathie und Desinteresse sein, was besorgniserregend sein sollte.»