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Das alte Zeughaus am Petersplatz

Petersgraben/Petersplatz
Tram 3 - Universität o. Spalentor / Bus 34 - Universität
Ein Lager für städtisches Kriegsgerät
Erstmals wird 1339 ein "Werkhof im Garten zu St.Peter" genannt. Er befand sich neben dem damals noch bestehenden jüdischen Friedhof. In diesem Werkhof liess die Stadt Belagerungsgerät wie Katapulte herstellen und später Geschütze fertigen. Ab 1414 lagerte die Stadt dort Waffenvorräte ein - das erste detailierte Inventar zählt erwähnt 324 Armbrüste mit 6000 Bolzen, 17 Feuergeschütze und 68 Handbüchsen.
Die Bestände müssen sehenswert gewesen sein, denn 1433 bemühten sich die zum Konzil zu Basel (1431-1449) angereisten Gesandten Venedigs hierhin, um die Feuergeschütze zu besichtigen. Während des Konzils soll im Jahr 1437 wegen einer Missernte eine Lebensmittelknappheit über die Stadt gekommen sein. Zugleich zogen Armagnaken plündernd in der Nachbarschaft umher. Es war ratsam, für den Fall einer Belagerung Vorräte anzulegen.
Daher beschloss der Rat auf dem Gelände des einstigen Judenfriedhofs neben dem Kloster Gnadental, als Bauwerk mit dreifacher Funktion ein Korn-, Werk- und Zeughaus zu errichten. 1438 wurde mit dem Bau begonnen. Eine Bauinschrift besagte, dass das Gebäude 1440, im 10. Jahr des Konzils, unter Bürgermeister Arnold von Bärenfels (gestorben 1454) sowie Oberstzunftmeister Hans Sürlin (gestorben 1451) vollendet wurde. Baumeister sei Martin von Waldegg gewesen.
Das alte Zeughaus auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum.
1 - Petersplatz
2 - Haupttrakt des alten Zeughauses am Peterplatz
3 - heutiger Petersgraben
4 - Bauten des ehemaligen Gnadentalklosters
Dekorative Malereien
Entstanden war ein länglicher spätgotischer Profanbau, an dessen Schmalseite am Peterplatz eine Treppengiebelfassade gegen den heutigen Petersgraben den Abschluss bildet. 1440 dekorierte Malermeister Lawelin die Hoffassade mit den Insignien der Stadt, während Konrad Witz (ca 1400-1446) 1441 die Innenwände bemalte. Vom frühen Gebäude blieb ein Relief erhalten. Es zeigt zwei Basilisken die einen Baslerstab halten und ist am Eingang zum Vesalgässlein zu sehen.
Als schliesslich die Bedrohung durch die Armagnaken konkret wurde, begann man wohl damit auch im eigentlichen Kornhaus Geschütze und Kriegsmaterial einzulagern. Offenbar wog in jenen Tagen das Schwert schwerer als die Pflugschar. Um die Materialstandplätze deutlich zu kennzeichnen, wurde im Jahr 1446 Buchstaben auf die Wände der Magazinräumlichkeiten aufgemalt.
Als sich einige Jahrzehnte später ein Konflikt mit dem burgundischen Herzog Karl dem Kühnen (1433-1477) abzuzeichnen begann, machte man sich 1474 daran, die Parkordnung der Kanonen im Zeughaus neu einzuteilen. Die diversen Geschütze trugen Namen, und diese wurden in liebevoll-dekorativer Art mit Spruchbändern an die Wände gemalt, damit ein jeder wisse, wo welche Kanone ihren Platz hatte.
Ein "Drache" im Alten Zeughaus
Als man nach den beutereichen Burgunderkriegen 1474/78 weitere Geschütze ins Zeughaus brachte, geriet die einige Jahre zuvor erstellte Parkordnung durcheinander und musste überarbeitet werden. Man übermalte einfach die alten Inschriften in Versform um sie durch neue zu ersetzen. Ein Geschütz von Anno 1514 im alten Zeughaus sei hier näher vorgestellt.
Es trug diesen Vers: "Ich bin der Drache Ungeheuer - Was ich schiess das tu ich mit Feuer - Meister Jerg zu Strassburg goss mich". Das in Bronze gegossene Kanonenrohr, wog 4687 Kilo, war 4,93 Meter lang und hatte ein Kaliber von 12,5 Zentimeter. Es war ein Geschütztyp den man als eine doppelte Feldschlange bezeichnete und entsprach jenem Modell, welches auch vom Deutschen Kaiser Maximiliam I. (1459-1519) bestellt wurde.
Die gegen den Petersgraben gelegene Partie des Zeughauses auf einer Postkarte um 1906. Man erkennt den Haupttrakt am Petersplatz und ganz hinten das heute noch erhaltene Gewerbeschulhaus.
Das Geschützrohr war vorne mit einem Drachenkopf geschmückt, aus dessen Mund die Mündung herauszuragen schien. Als sich Basel 1513 dazu entschloss, einige Geschütze neu giessen zu lassen, wandte man sich an den bekannten Giesser Jerg von Guntenheim in Strassburg. Er goss unter anderem den "Drachen" aus Bronze, die Basel als Rohmaterial aus zerschlagenen alten Kanonenrohren lieferte. Die Lafetten wurden durch den Stadtschmied von Strassburg hergestellt.
Von der Klosterkirche zum Kornhaus
Neben dem als Zeughaus und Werkhof genutzten Gebäudekomplex wurde im Jahr 1500 das "Kleine Zeughaus" eingerichtet. Konrad Schnitt verzierte es 35 Jahre später durch Malereien. Anno 1883 musste es dem Vesalianum weichen. Bemerkenswertes geschah im Februar 1529, als sich Freunde der Reformation Zutritt zu den Zeughausbeständen verschafften, um wohlgerüstet mit einigen Kanonen beim Rat von Basel um Gehör für ihre Anliegen baten.
Die Kirche des früheren Klosters, wo heute die alte Gewerbeschule steht, wurde im Jahr 1573 in ein Kornhaus umgebaut. Dementsprechend fiel die dritte Funktion des Zeughauses und Werkhofes als Kornlager weg. Das Basler Zeughaus war eines der umfangreichsten Arsenale der alten Eidgenossenschaft und stand im Rufe einer besonderen Sehenswürdigkeit. So wurde es den Gästen der Stadt jeweils von der Obrigkeit neben dem Rathaus und der Bibliothek präsentiert.
Der Grossbrand von 1775
Eine Feuersbrunst, die in der Nacht zum 19. August 1775 in einem Karrenstall in der Nachbarschaft ausgebrochen war, zerstörte weitgehend das grosse wie auch das kleine Zeughaus. Der Grossbrand machte einen vollständigen Neubau notwendig, der aber unter Einbezug der intakt gebliebenen Aussenmauern vollzogen wurde. So bewahrte auch das neue Zeughaus gegen aussen hin überwiegend sein altes Antlitz mit den markanten Treppengiebeln.
Die zum Petersplatz gewandte Fassade erhielt im Jahr 1777 ein neues Mittelportal, welches der Steinmetz Nicola Curi (1737-1803, auch Niklaus Kury). Es war gekrönt von einem Baslerwappen das von kunstvoll angeordnetem Kriegsgerät umrankt war. Das Portal entging seiner Zerstörung beim Abriss des Zeughauses und ist heute bei der Basler Denkmalpflege am hinteren Eingang des kleinen Klingentals bei der Kaserne öffentlich zugänglich.
Das erhaltene Zeughausportal des Nicola Curi aus dem Jahr 1777, heute am Hintereingang des kleinen Klingental bei der Kaserne. Es wurde beim Abriss des Zeughauses 1937 erhalten und ins Kleinbasel gerbacht.
Das alte Zeughaus am Petersplatz verlor seine Funktion mit der Inbetriebnahme des im Oktober 1914 eingweihten neuen Zeughauses bei St.Jakob an der Zeughausstrasse Nummer 2. In den folgenden Jahren beherbergte der heruntergekommene Gebäudekomplex am Petersgraben einen Polizeiposten, ein Feuerwehrmagazin, Schulräumlichkeiten so wie auch den Sitz des Kreiskommandos und der Motorfahrzeugkontrolle.
Zugunsten eines Universitätsgebäudes geopfert
Leider sollten den alten Mauern keine besseren Zeiten mehr bevorstehen, denn bald beanspruchte die Universität den Standort des ehrwürdigen Zeughauses zum Bau eines neuen Kollegiengebäudes. Nach einer emotionalen Debatte und einer Volksabstimmung im November 1936, bei welcher sich eine Mehrheit für den Abriss des alten Zeughauses aussprach, rückte man dem traditionsreichen Bau mit der Spitzhacke zu Leibe.
Im Juni 1939 konnte an seiner Stelle das kühle Kollegiengebäude des Architekten Roland Rohn (1905-1971) eingeweiht werden, welches jedoch am Petersplatz nicht mehr jenen Akzent zu setzen vermag, der der früher mit dem Zeughaus so präsent war. Kurz vor dem Abriss nahm Hans Bühler (1906-1983) 1937 mit Wehmut nochmals Stift und Zeichenblock zur Hand, um diesen dem Untergang geweihten Zeugen altbaslerischen Wehrwesens im Bild festzuhalten.
Wenn man mit der Hand über das Gemäuer strich, rieselte ganz fein weisslicher Sandstaub zu Boden. Als das alte Zeughaus in Trümmer sank, blieb das Wachthäuschen im Hof etwas länger stehen, so dass es sich für eine kurze Weile über das Schuttfeld erhob, wie eine einsame Grabkapelle für das verschwundene Bauwerk. Dann fiel es ebenfalls der Zerstörung anheim.
Querverweis zum Thema:
>> Abstimmung zum Abriss des alten Zeughauses
Beitrag erstellt 17.02.03 / Korrektur Quellen 08.01.17
Quellen:
Hans Bühler, Das alte Zeughaus, Beitrag im Basler Jahrbuch 1938, Helbing und Lichtenhahn, Basel, 1938, Seiten 31 bis 39
Hans Eppens, Baukultur in alten Basel, 8.Auflage, Verlag Frobenius AG Basel, Basel, 1974, Seiten 51 und 54
Eduard Achilles Gessler, Basler Wehr- und Waffenwesen im 16. Jahrhundert, 116. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1938, Seiten 7 sowie 26 bis 39
Carl Hildebrand, Die Zeughäuser in der Schweiz, herausgegeben vom Verband der Schweizerischen Zeughaus- und Armeemotorfahrzeugpark-Verwalter, Kriegsmaterialverwaltung, Bern, 1993, Seiten 92 bis 95
Eugen Anton Meier, Das verschwundene Basel, Pharos Verlag Hans Rudolf Schwabe AG, Basel, 1968, Seiten 225 bis 228
Eugen Anton Meier, Basel Einst und Jetzt, 3.Auflage, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seite 133
Wolfgang Schneewind, Die Waffensammlung des Historischen Museums Basel, Birkhäuser Verlag, Basel, 1958, Seiten 5 bis 10 und 37 bis 37