Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03406.jsonl.gz/6

«Ich habe den Albumtitel ‹Aliens Deliberating› gewählt, weil es sich manchmal so spacemässig anhört, als würden Ausserirdische miteinander reden», erklärt der experimentierfreudige Künstler Joris Roelofs.
Zwischen Improvisation und Komposition
Das Album «Aliens Deliberating» besteht aus zwölf Stücken: sowohl aus längeren komponierten Passagen als auch aus kurzen Zwischenstücken. Eine Stückauswahl, die beispielsweise von Duke Ellingtons «Sophisticated Lady» bis hin zu Eigenkompositionen wie Diana’s Castle reicht.
In den längeren Stücken, die er komponiert hat, gebe es auch ziemlich viel Freiheit: «Lang nicht alles, was auf Papier steht, müssen wir spielen.» Eine fast durchgehende Annäherung improvisatorischer und kompositorischer Arbeitsweisen kommt auf diesem Album zum Ausdruck.
Joris Roelofs ist 1984 in Aix en Provence geboren und in Amsterdam aufgewachsen. Er war sechs, als er mit der Klarinette angefangen hat. Mit zwölf erlernte er das Spiel des Alt-Saxophons. Er lebte von 2008 bis 2012 in New York, schloss 2007 seine Studien am Konservatorium von Amsterdam mit dem Master of Music ab.
Die Möglichkeiten der Bassklarinette sind schier unerschöpflich
Bereits 2001 erhielt er den Pim-Jacobs-Preis und 2003 in den Vereinigten Staaten – als erster Nichtamerikaner – die Stan Getz/Clifford Brown Fellowship-Auszeichnung. Von 2005 bis 2010 spielte er im Vienna Art Orchestra und arbeitete unter anderen mit Dee Dee Bridgewater und Aaron Goldberg. 2010 lud der amerikanische Jazzpianist Brad Mehldau ihn ein, mit ihm zusammen in der Carnegie Hall in New York und im Sanders Theatre in Boston zu spielen.
Vor drei Jahren hat er die Bassklarinette entdeckt. Seitdem hat sie ihn nicht mehr losgelassen. Die Bassklarinette könne man einerseits wie ein Saxophon spielen, andererseits sei sie aber auch vielseitiger einsetzbar und biete mehr Möglichkeiten als das Saxophon. «Ich habe mit der Bassklarinette viele verschiedene Klänge, Geräusche und neue Töne kreiert», sagt Joris Roelofs. Die Möglichkeiten seien schier unerschöpflich. Gerade habe er eine neue Oktave – kleiner als die normale Oktave – mit vielen Zwischentönen herausgefunden.
Permanente Suche nach Tönen
Der neugierige Jazzmusiker begibt sich immer wieder auf die Suche nach neuen Geräuschen, die verstören und aufhorchen lassen. Zum Beispiel im kurzen Stück «Big Drunken Bumblebee» auf «Aliens Deliberating»: «Ein bestimmtes Geräusch, so ein rrrrrr, das hab ich entdeckt und dann weiter entwickelt. Da habe ich eine Hummel vor mir gesehen, die betrunken ist und versucht zu fliegen und dann so ein Geräusch macht. Ich mein, ein bisschen Phantasie braucht man ja auch.»
In seiner Titelwahl steckt viel Imagination. So hat er beispielsweise für eines seiner Stücke den Namen «Ataraxia» gewählt, der altgriechische Begriff bedeutet innere Ruhe und verweist auf Joris Roelofs philosophische Ader. Schließlich ist er nach seinem New-York-Aufenthalt 2012 nach Amsterdam zurückgekehrt, um dort neben seiner Musik auch noch ein Philosophiestudium zu machen.
Mit Bassklarinette, Stift und Papier
Er schreibt sich genau auf, wie er ein bestimmtes Geräusch mit der Bassklarinette kreiert, wie er den Mund hält, welche Klappen er eindrückt. Später greift er auf diese Notizen zurück und arbeitet damit weiter. Joris Roelofs mag an der Bassklarinette, dass man damit sanft spielen, aber auch laute und hässliche Klänge erzeugen kann. «Das gleicht der menschlichen Stimme», so Joris Roelofs. «Ich möchte beides machen. Wenn ich nur sanft, nett und freundlich spielen würde, das wäre irgendwie ‹hypocrite›, ein Mensch ist nie nur nett.»