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US-Wahlergebnisse erscheinen marktfreundlich
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Katie Deal, Washington Analyst US Equity Division
Gespaltene US-Regierung lässt moderate Politik erwarten
Die wichtigsten Punkte
- Die ersten Marktreaktionen auf die Ergebnisse der US-Wahlen waren zwar positiv, ein umstrittener Machtübergang könnte jedoch kurzfristig zu Volatilität führen.
- Wenn die Republikaner nach zwei Stichwahlen in Georgia die Kontrolle über den Senat behalten, könnte eine gespaltene Regierung die Gesetzgebungspläne von Joe Biden behindern.
- Eine republikanische Mehrheit im Senat würde signifikante Steuererhöhungen mit ziemlicher Sicherheit ausschließen. Eine von Biden geführte Regierung könnte sich stärker auf Regulierung und Außenpolitik konzentrieren.
Obwohl Präsident Donald Trump seine Niederlage bisher nicht eingesteht und rechtliche Schritte eingeleitet hat, um die Wahlergebnisse in wichtigen Bundesstaaten anzufechten – der Demokrat Joe Biden scheint die US-Präsidentschaftswahlen 2020 gewonnen zu haben. Im Januar werden zwei Stichwahlen in Georgia über das künftige Kräfteverhältnis im Senat entscheiden. Bisher erscheint am wahrscheinlichsten, dass die Demokraten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus knapp behaupten, sodass die Regierung gespalten bleibt.
Die Kapitalmärkte haben auf diese Ergebnisse zwar offenbar positiv reagiert, der Machtübergang nach der Wahl könnte jedoch zu Marktvolatilität führen. Die Anlageexperten von T. Rowe Price sind allerdings der Ansicht, dass andere Themen, etwa die Fortschritte bei der Entwicklung eines Coronavirus-Impfstoffs, in den nächsten Monaten wichtiger sein werden.
„Ich denke, die Maßnahmen gegen Covid-19 werden eher im Blickpunkt stehen als die Wahlen“, äußert sich John Linehan, CIO im Bereich Aktien. „Daran könnte sich nur etwas ändern, wenn das Wahlergebnis ernsthaft angefochten wird. In einem solchen Umfeld dürfte die Risikobereitschaft an den Märkten deutlich sinken.“
Wahlen und politische Streitfragen
In der Übergangsphase bis zur Amtseinführung von Joe Biden werden sich die Marktteilnehmer auf die Aussichten für ein zusätzliches Konjunkturpaket konzentrieren. Kurz vor der Wahl waren die Verhandlungen über ein solches Paket gescheitert.
Katie Deal, Analystin für US-Politik in der Equity Division, sieht nur eine „geringe Chance“ auf die Verabschiedung bedeutender Konjunkturmaßnahmen vor Ende 2020. Ernsthafte Verhandlungen dürften erst über ein Konjunkturprogramm für 2021 beginnen. Im künftigen Senat wird eine der beiden Parteien nur eine knappe Mehrheit haben. Daher wird es den Demokraten schwerfallen, ihr bisher geplantes Paket im Umfang von 2,2 Bio. USD durchzusetzen, das nicht über das Repräsentantenhaus hinausgekommen ist.
Die Kapitalmärkte haben auf diese Ergebnisse zwar offenbar positiv reagiert, der Machtübergang nach der Wahl könnte jedoch zu Marktvolatilität führen.
Die Fiskalpolitik dürfte 2021 von einer gespaltenen Regierung geprägt sein – vorausgesetzt, die Republikaner halten mindestens einen der beiden Sitze im Senat, um die es bei der Stichwahl in Georgia geht. „In einem von den Republikanern kontrollierten Senat wäre eine Steuererhöhung, gleich welcher Höhe, von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, prognostiziert Linehan.
Nach Ansicht von Mark Vaselkiv, CIO Fixed Income, könnte sich die fiskalpolitische Debatte in einer gespaltenen Regierung schließlich wieder auf die Frage konzentrieren, wie das rasant steigende Haushaltsdefizit auf Bundesebene eingedämmt werden kann. Vorerst scheinen sich jedoch beide Parteien über die Notwendigkeit einer expansiven Fiskalpolitik einig zu sein. „Sollte es nicht gelingen, Anfang nächsten Jahres ein zusätzliches Konjunkturpaket zu verabschieden, könnte die US-Wirtschaft wieder in die Rezession abgleiten“, warnt Vaselkiv.
Ausblick für die Geldpolitik
Ein wichtiger Faktor, an dem das Wahlergebnis mit ziemlicher Sicherheit nichts ändern wird, ist die massive Liquidität, mit der die US-Notenbank Fed Wirtschaft und Kapitalmärkte unterstützt. Die Liquiditätsschwemme hat zu sinkenden Kreditspreads und steigenden Emissionen von Investment-Grade- und hochverzinslichen Unternehmensanleihen geführt. „Was die Fed getan hat ist außergewöhnlich“, stellt Vaselkiv fest.
Doch trotz der steigenden Liquidität blieben die Renditen kurz- und langlaufender US-Treasuries niedrig und stabil – ein Zeichen dafür, dass die Inflationserwartungen verhalten bleiben. „Dadurch könnte es der Fed gelingen, Zinserhöhungen bis 2024 und vielleicht sogar bis 2025 zu vermeiden“, fügt Vaselkiv hinzu.
Ordnungs- und Handelspolitik
Da umfangreiche Konjunkturprogramme im Fall einer republikanischen Mehrheit im Senat weniger wahrscheinlich sind, könnte sich die Regierung unter Joe Biden stärker auf die Ordnungspolitik konzentrieren, um ihre Agenda voranzutreiben. Dazu zählen möglicherweise Maßnahmen zur Umstellung der US-Energieversorgung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energie. „Eine Neuregulierung des Energiebereichs führt zwar unter Umständen zu geringeren Investitionsausgaben im Sektor, könnte jedoch im Gegenzug den Vorteil haben, dass sich das Angebot reduziert und die Energiepreise steigen“ erläutert Linehan.
„Wesentliche Veränderungen in der Gesundheitspolitik – etwa die Ergänzung des Affordable Care Act um die Option einer staatlichen Krankenversicherung – erscheinen unwahrscheinlich“, fügt Deal hinzu. Und mit Blick auf die großen Technologieplattformanbieter haben zwar beide Parteien ihr Interesse an einer Regulierung bekundet, ihre Vorschläge unterscheiden sich jedoch erheblich, sodass rasche Maßnahmen kaum möglich erscheinen.
„Die Handelspolitik ist ein weiterer Bereich, in dem die neue Regierung versuchen könnte, sich zu profilieren“, erläutert Deal. Biden hat den Wunsch geäußert, die Beziehungen zu traditionellen US-Handelspartnern, wie der Europäischen Union, Japan und Südkorea, zu normalisieren. Mit Blick auf China könnte der Fall jedoch anders liegen. „Für Biden wäre es politisch schwierig, die von Trump eingeführten Zölle wieder abzubauen, ohne in den Verhandlungen mit Peking zunächst nachweisbare Fortschritte zu erzielen“, argumentiert Deal.
Auswirkungen auf die Kapitalmärkte
Für Aktienanleger dürfte sich der Trend zu hohen Renditeunterschieden – die im vergangenen Jahr insbesondere zwischen Wachstums- und Substanzwerten weiter gestiegen sind – durch das Wahlergebnis kaum ändern. Der Verlauf der Pandemie spielt dabei jedoch eine wesentliche Rolle. „Weitere Fortschritte auf dem Weg zu einem Impfstoff und ein stärkeres Wirtschaftswachstum könnten zyklischen Sektoren wie Energie zugutekommen“, stellt Linehan fest.
An den Märkten für US-Unternehmensanleihen dürften sich die niedrigen Zinsen, der Rückgang der Ausfallraten und die Liquiditätsunterstützung durch die Fed auch nach den Wahlen als positive Faktoren erweisen. „Die Renditen längerfristiger US-Treasuries könnten Anfang 2021 jedoch steigen, wenn sich die Konjunkturerholung beschleunigt“, so Vaselkiv.
Eine steilere Renditekurve dürfte die Nettokreditmargen – und somit die Rentabilität – von Banken und anderen Kreditgebern verbessern. „Doch selbst ein geringer Anstieg der Renditen könnte bei Wertpapieren mit längerer Laufzeit zu Kapitalverlusten führen“, warnt er. Er rät Anlegern, Hochzinsanleihen und variabel verzinsliche Bankkredite in Betracht zu ziehen, die gegenüber Durationsrisiken weniger empfindlich sind.
Fazit
Die Wahlen im Jahr 2020 führen für die US-amerikanischen und die globalen Kapitalmärkte kurzfristig zwar zu erheblichen Problemen. Unseres Erachtens ist es für die meisten Anleger jedoch nach wie vor am besten, sich auf ihre langfristigen Anlagestrategien zu konzentrieren und wesentliche Änderungen aufgrund von politischen Ereignissen zu vermeiden.
„In der Vergangenheit war die Performance des US-Aktienmarkts während der Präsidentschaft von Kandidaten beider Parteien relativ beständig“, stellt Linehan fest. Daher hält er eine langfristige Perspektive für optimal. „Die Umschichtung zwischen Anlageklassen als Reaktion auf kurzfristige politische Ereignisse kann zu hohen Kosten führen.“, fügt Vaselkiv hinzu.
„Es ist sehr leicht, sich bei der Reaktion auf die Wahlergebnisse zu verzetteln“, so Linehan. „Unserer Auffassung nach könnten ein ausgewogener Investmentansatz und ein wohlüberlegtes und sorgfältiges Vorgehen für den langfristigen Anlageerfolg entscheidend sein.“
Die Umschichtung zwischen Anlageklassen als Reaktion auf kurzfristige politische Ereignisse kann zu hohen Kosten führen