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Diese I. heißt auch prophylaktische
I. In der Regel denkt man bei dem Wort I. an die künstliche Übertragung des Kuhpockengifts
auf den Menschen (Vaccination) in der Absicht, ihn dadurch gegen den Ansteckungsstoff der Menschenpocken unempfänglich zu
machen. Die Kuhpocken (vaccina, variola vaccina) sind ein pustulöser Ausschlag am Euter der Kühe, der in
Form der wahren und der falschen Kuhpocken (s. Mauke) auftritt, jedoch nur in der erstern Form eine Schutzkraft gewährt.
Die Lymphe dieser Pocken, deren Aussehen ganz dem der Menschenpocken (s. Pocken) entspricht, enthält in Form kleinster Spaltpilze
den Ansteckungsstoff, der am achten Tag zur I. am geeignetsten ist. Man verwendet die Lymphe am besten
frisch, da sie, in Glycerin aufbewahrt, schon nach 2-3 Monaten zweifelhafte oder unbrauchbare Resultate liefert, selbst wenn
sie in kleinen Glasröhrchen fest zugeschmolzen ist. Der Akt der I. selbst besteht darin, daß am Oberarm die Haut
mit einer Lanzette
[* 5] geritzt oder schräg eingestochen wird, so daß höchstens ein Tröpfchen Blut hervorquillt, und daß in
diese kleine Wunde die Lymphe mittels derselben Lanzette hineingemischt und verstrichen wird. Am 1. und 2. Tag ist nichts zu
bemerken, am 3. erscheint ein roter Fleck, der am 4. zunimmt, an welchem man auch ein kleines Knötchen
fühlt;
am 5. erhebt sich dasselbe, wird pustelförmig und mit einem schmalen, roten Hof
[* 6] umgeben. Am 6. Tag bekommt die Pustel
eine Delle, füllt sich mit klarer Flüssigkeit, der Hof tritt mehr hervor;
am 9. dehnt er sich noch weiter aus, wird röter, die Lymphe wird dicklich eiterig. Am 10. ist die
Delle verschwunden, die Pustel in völliger Eiterung, die Röte bis über den ganzen Arm verbreitet, dabei
Fieber vorhanden.
Vom 12. Tag an fängt die Pustel an abzutrocknen, und der Entzündungsrand verschwindet. Hat die entstandene
Pustel nicht alle Zeichen der echten Kuhpocke, so trage der Arzt Sorge für die später anzustellende Wiederimpfung (Revaccination).
Eine unentwickelte, rudimentäre Kuhpocke, eine sogen. Vaccinelle, wird entstehen oder auch die I. ganz
erfolglos bleiben, wenn man sich eines unwirksamen Impfstoffs bediente, bei der I. selbst Fehler beging, oder wenn das geimpfte
Individuum gegen das Kuhpockenkontagium zufällig unempfänglich ist.
Der Impfstoff trägt die Schuld des Mißlingens der I., wenn man ihn einer Vaccinelle entnahm, oder wenn man eine echte Pocke
zur unrechten Zeit, zu früh oder zu spät, öffnete. Nur am siebenten oder achten Tag nach der I., wo
die Kuhpocke in ihrer Blüte
[* 7] und die Lymphe wasserhell ist, ist die letztere zum Weiterimpfen brauchbar. Unbrauchbar sind daher
auch echte Kuhpocken, deren Ausbildung durch Quetschen und Auskratzen gestört worden ist, sowie auch jene
Pocken es werden, denen man wiederholt zu viel Lymphe entnimmt.
Ist die I. von einer guten Pockenbildung gefolgt, so kann man darauf rechnen, daß innerhalb der nächsten 6-8, höchstens 9 Jahre
eine Ansteckung mit Pockenkranken entweder ganz unschädlich bleiben, oder nur eine sehr schwache Erkrankung zur Folge haben
wird. Diese Erfahrung ist eine der wichtigsten und für das menschliche Geschlecht segensreichsten Entdeckungen
auf dem Gebiet der Heilkunde. Es war eine längst bekannte Thatsache, daß die künstlich hervorgebrachten Menschenpocken gewöhnlich
milder verliefen als die auf dem gewöhnlichen Weg der
¶
Im Lauf der Zeit hat sich die Überzeugung von der Schutzkraft der Kuhpockenimpfung gegen die mit Recht so gefürchteten Menschenpocken
an der Hand
[* 21] zahlloser Erfahrungen und auf Grund eines überreichen statistischen Materials bei Ärzten und
Laien eingebürgert, und bei sorgfältiger Ausführung ist sie auch völlig gefahrlos. Sofern man die I. mit reiner Kuhlymphe
vornimmt, ist ein übles Ereignis niemals zu gewärtigen; impft man dagegen mit humanisierter, d. h.
auf menschlicher Haut entstandener, Lymphe, so ist die Gefahr der gleichzeitigen Übertragung andrer schädlicher
Stoffe nicht ganz ausgeschlossen. Es ist nicht zu leugnen, daß auf diesem Weg nicht nur die Wundrose oder eiterige Hautentzündungen,
sondern auch die Tuberkulose und Syphilis unter Umständen übertragen werden können, und daß z. B. die Syphilis in vereinzelten
Fällen wirklich übertragen worden ist. Da sich aber bei gehöriger Umsicht von seiten des Arztes diese
Gefahr vermeiden läßt, so kann daraus kein Einwand gegen die Vornahme der Schutzpockenimpfung als einer allgemeinen
Maßregel der öffentlichen Gesundheitspflege hergeleitet werden.
Nach einer Statistik (1882) von Pissin (Berlin),
[* 22] welcher sich große Verdienste um die Einführung der animalischen
I. erworben hat, wurde mit frischer wie konservierter Lymphe vom Kalb (die Dauer der Konservierung währte bis acht Wochen)
bei 98,1 Proz. der zuerst Beimpften und bei 91,3
Proz. der Wiedergeimpften ein
günstiger Erfolg erzielt, so daß die Impfpocken
aufgingen. Bei der ungeheueren Anzahl derer, welche in frühern Zeiten, vor Einführung der Schutzpockenimpfung, an Menschenpocken
gestorben oder dauernd an ihrer Gesundheit geschädigt worden sind, ist es begreiflich, daß der Staat sich der Schutzpockenimpfung
annahm und sie zu einem stehenden Institut der öffentlichen Gesundheitspflege machte.
Der ganze hohe Wert dieser Schutzmaßregel kann sich aber nur dann ergeben, wenn die Schutzpockenimpfung
eine allgemeine, sämtliche Individuen umfassende ist, und wenn sie an jedermann in entsprechenden Zeitabschnitten wiederholt
wird. Bei der lebhaften Agitation, welche von verschiedenen Seiten gegen die I. ins Werk gesetzt worden ist, und bei der Gleichgültigkeit
vieler, namentlich ungebildeter Menschen gegen alles, was mit der öffentlichen Gesundheit zusammenhängt, kann die I. nur
durch staatlichen Zwang zu einer allgemeinen Einrichtung werden.
Die ganze Angelegenheit der I. und des Impfzwanges hat für das Deutsche Reich
[* 23] ihre definitive Regelung durch das Impfgesetz
vom gefunden. Dieses Gesetz beruht auf dem Prinzip der allgemeinen zwangsweisen I. und Wiederimpfung.
Im allgemeinen ist die erste I. bis spätestens zum Schluß des zweiten Lebensjahrs, die Revaccination aber im zwölften Lebensjahr
vorzunehmen (weil man in diesem Alter durch Vermittelung des Schulbesuchs einen Überblick über sämtliche Impfpflichtige
hat).
[* 2] (lat. Inokulation), im Gartenbau s. v. w. Veredelung, besteht in der möglichst innigen Vereinigung eines Teils
eines abgeschnittenen Zweigs oder eines Auges des zu vermehrenden Baums (der, auf natürlichem Weg fortgepflanzt,
die Eigenschaften der Varietät verliert, welche ihm Wert verleihen) mit einer bereits herangezogenen Unterlage (dem Subjekt)
verwandter Art. Aber die botanische Verwandtschaft ist hier nicht maßgebend, wie namentlich beim Obstbau hervortritt; denn
der Birnzweig dauert nicht auf der Apfelunterlage, obwohl beide zum GeschlechtPirus gehören, wohl aber
wachsen Birnzweige auf der Quittenunterlage (Cydonia); Süßkirschen
¶
mehr
gedeihen nicht auf Sauerkirschen, wohl aber umgekehrt, das Pfirsichreis (Amygdalus) auf dem Pflaumenstamm (Prunus) etc. Die
Vereinigung des Edelreises, bez. des Auges mit der Unterlage (sie wachsen niemals zusammen, wohl aber umhüllen neue Jahresringe
Unterlage und Edelreis) muß eine möglichst genaue sein, und namentlich müssen die innern Seiten der Rinde
(die Kambiumschicht) beider Teile miteinander in Berührung kommen. Am besten gelingt die I., wenn der Trieb der Unterlage
bereits angeregt ist, das Edelreis aber sich noch im Zustand der Ruhe befindet, weshalb man letztere zu geeigneter Zeit (Dezember,
Januar) schneidet, in Bündel bindet und an schattigem, kühlem, nicht zu feuchtem Ort einschlägt, wo
sie zum Wachstum nicht angeregt werden.
Bei der GattungAbutilon hat man bemerkt, daß nach dem Veredeln einer Sorte mit panaschierten Blätter auch
das Subjekt solche erzeugt. Versuche mit Kartoffelknollen haben die allgemeine Aufmerksamkeit nicht lange zu fesseln vermocht.
Eine Bedingung für das Gelingen der I. ist die, daß die Triebe des Subjekts wohl verkürzt, aber niemals eher
ganz entfernt werden dürfen, als bis das Edelreis »festgewachsen« ist. Wenn die Unterlage eine gewisse Varietät nicht annimmt,
dann veredelt man doppelt, d. h. zuerst mit einer Abart, die leicht angenommen wird, und daraus mit einer zweiten, die wohl
dem ersten Edelreis, nicht aber der Unterlage genügend verwandt ist.
Jedenfalls müssen beide Teile bis zum »Anwachsen« genügend miteinander
vereinigt bleiben, und die Luft muß von den Verwundungen, auch
der obern des Edelreises, abgehalten werden; man benutzt zu
diesem Zweck verschiedene Bindematerialien, wie Papierstreifen, Band,
[* 34] Woll- und Kautschukfäden, Binsen,
Kautschukpapier, Bast
[* 35] u. a. Bast (am besten ist Raffiabast), Binsen und Fäden finden beim Okulieren Verwendung, Bänder und Papierstreifen,
mit Baumwachs bestrichen, oder Kautschukpapier in schmalen Streifen beim Pfropfen. Man impft auch den Keim einer feinen Kartoffelsorte
auf die Knolle einer gröbern, um den Ertrag der erstern zu erhöhen.