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Als Wein noch eher Grundnahrungsmittel statt hedonistisches Genussgetränk war, so etwas wie der «Vernatsch Cup» noch in weiter Ferne lag und die Gewerkschaften zusammen mit der Sozialdemokratischen Partei den Klassenkampf noch vom Bahnhofbuffet in Olten aus führten, begann die moderne Geschichte des Vernatsch Weins in der Schweiz – in eben jenem Bahnhofbuffet…
Vernatsch: Vom Massenträger zum Klassenträger
Wer vor rund 50 Jahren in einem Restaurant ein «Zweierli» bestellte, erhielt in der Regel (auch im Bahnhofbuffet in Olten) zwei Deziliter eines Weins, der in der Schweiz allgemein als «Kalterersee» bezeichnet wurde. Der «Kalterersee» oder eben die rund 150'000 Badenwannen voller Wein (umgerechnet rund 250'000 Hektoliter), die im Südtirol rund um diesen See produziert wurden, fanden ihren Bestimmungsort, als Offenwein in grossen Eisenbahnwaggons transportiert, grösstenteils diesseits der Alpen, in der Schweiz.
Die Weine aus der autochthonen Vernatschtraube, italienisch auch als Schiava und in Deutschland als Trollinger bezeichnet, waren – aus heutiger Sicht – wohl nicht oder nur unter grösster Überwindung als Genussmittel zu konsumieren. Das primäre Ziel bestand in dieser Zeit darin, aus den dünnschaligen, grossen Beeren sprichwörtlich den letzten Saft auszupressen, um damit Geld zu verdienen. Dazu eignete sich die in sogenannten Pergeln (überhängende Pflanzgerüste) angebaute und für die Ertragsmaximierung gezüchtete Vernatschrebe auch bestens (die sehr ausführliche, aber lesenwerte Geschichte des Vernatsch finden Sie hier).
Kaum vorstellbar, dass dieser Vernatsch von einer der Grössen der Weinwelt, Axel Heinz, dem Direktor des sagenumwobenen Weinguts Ornellaia, einmal mit der Königin des Weins, dem Pinot Noir verglichen werden wird…
Diese Meisterleistung konnte nur durch einen gemeinschaftlichen Kraftakt, die rigorose Ertragsreduktion, heute werden im ganzen Südtirol noch – um bei unserem Anfangsbeispiel zu bleiben – bescheidene 25'000 Badewannen dieses Weins produziert, durch ältere Reben mit weniger Ertrag (bis zu 80 Jahre alte Pflanzen) und neue Vernatsch-Klone mit kleineren Beeren und dickeren Schalen (mit einem besseren Saft-/Aromaverhältnis) erbracht werden.
Eine Art Gegentrend, keineswegs jedoch in qualitativer Hinsicht (diese ist einwandfrei und hervorragend), setzt hier Christian Platter vom Ansitz Waldgries, der mit seinem St. Magdalener Classico Antheos einen etwas kreativeren Weg eingeschlagen hat: Er entdeckte die ursprünglichen Vernatschsorten (Edelvernatsch, Grauvernatsch, Tschaggelenvernatsch, Mittervernatsch etc.) neu und baut diese gemeinsam, im sogenannten Mischsatz, im traditionellen Stil mit grösster Sorgfalt und Fokus auf die ertragsreduzierte Qualität auf seinem Weingut an. Die Reise in die Vergangenheit lohnt sich!
Die drei Gesichter des Vernatsch (Anbaugebiete)
Heute verteilen sich die Anbaugebiete für Vernatsch, dessen Herkunft übrigens nach wie vor nicht ganz geklärt ist (einige Autoren gehen von einer spontanen Kreuzung zwischen Teroldego und einer unbekannten Traubensorte aus), hauptsächlich auf drei Gebiete im Südtirol, die alle mit einer eigenen Weinstilistik und einem eigenständigen Charakter überzeugen.
Der grösste Anteil nimmt nach wie vor die namensgebende Region Kalterersee mit rund 16'000 «Badewannen» Vernatsch ein. Diese Weine sind besonders mild, harmonisch, sehr fruchtig und weisen häufig einen charakteristischen, an Veilchen erinnernden Blumenduft auf. Wer Lust auf diese fruchtigen Sommerweine hat, ist mit dem Kalterersee Classico Superiore DOC Novis 2021 vom Weingut Ritterhof oder dem Quintessenz Kalterersee Classico Superiore DOC 2020 der Kellerei Kaltern bestens beraten.
Etwas exklusiver sind die Weine vom St. Magdalener Hügel oberhalb von Bozen, welche mit ca. 6000 «Badewannen» zur Weinvielfalt im Südtirol beitragen. Der kurz als «Magdalener» bezeichnete Vernatsch wird traditionell mit 5 – 10% Lagrein verschnitten und gilt deshalb als der kräftigste und aromatischste Vertreter dieser Weinstile. Er wird häufig mit Pinot Noir verglichen und hat einen dicht gewobenen Aromateppich, bestehend aus schwarzen Kirschen, Brombeere, Waldfrüchten und einer leicht herben Würze, die mitunter auch an ungeschälte Mandeln erinnern kann. Ein ideales Preis-Leistungsverhältnis findet sich in der Einzellage des Premstallerhofs St. Magdalener Vigna Classico DOC 2021 von Rottensteiner. Die aromatische, jedoch auch preisliche, Luxusedition erhalten Sie mit der Rarität St. Magdalener Vigna Classico DOC Vigna Rondell 2021 vom Glögglhof von Franz Gojer.
Den Abschluss bildet die – mittlerweile beinahe «vom Aussterben bedrohte» – Region rund um den Meraner Hügel mit verschwindend kleinen 1'700 «Badewannen». Der Meraner Vernatsch gilt als der rassigste Wein, welcher einen intensiven, manchmal etwas ungestümen Druck am Gaumen aufbaut, spürbare Tannine aufweist und mit Aromen von dunklen Früchten, etwas dunklen Preiselbeeren, Veilchen und Mandeln auftrumpft. Ein repräsentatives Genussbeispiel findet sich im Meraner DOC Fürst Vernatsch 2017 der Kellerei Meran.
Der Vernatsch Cup
Zu guter Letzt kehren wir zurück zu den Anfängen des Vernatschs – sie erinnern sich, damals als die Gewerkschaften mit der Sozialdemokratischen Partei im Bahnhofbuffet in Olten noch mit einem «Zweierli» Kalterersee auf den Klassenkampf angestossen haben?!
Keine Angst, die Ursprünge des Vernatsch Cups gehen nicht so weit zurück – dessen Idee im Grundsatz jedoch schon. Nachdem die Vernatsch-Weine durch die «Kalterersee-Schwemme» den Grossteil ihres Renomées verloren hatten, wollten einige Visionäre der edlen Trauben wieder zum ihnen gebührenden Platz in der Weinwelt und neuem Ruhm verhelfen und die Sorte vor ihrem Verschwinden bewahren. Seit rund 15 Jahren folgen deshalb die besten Sommeliers der Region, Weinjournalist/innen aus ganz Europa und verdiente Produzent/innen dem Ruf in das Vigilius Mountain Resort, um die besten Vernatsch-Weine des aktuellen Jahrgangs zu prämieren.
Um diese gelungene Wiedergeburt des Vernatsch zu feiern, finden Sie eine sorgfältig kuratierte Auswahl aus den aktuellen Gewinnerweinen in unserem Degustationspaket, welches wir Ihnen bequem nach Hause liefern.