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Lucius Licinius Lucullus, ein Zeitgenosse Cäsars und Ciceros, war Soldat. Sein Erzfeind hiess Mithridates, seines Zeichens Herrscher über das Königreich Pontos am Schwarzen Meer. Die pontische Streitmacht war gefürchtet – wegen ihrer Kriegsflotte und ihrer schlagkräftigen Kavallerie. General Lucullus marschierte im Jahr 74 v. Chr. mit einem römischen Heer nach Osten, wo er Mithridates binnen weniger Jahre vernichtend schlug.
Der Ruhm und die gewaltigen Schätze, die Lucullus während seines Kleinasien-Feldzugs angehäuft hatte, weckten Neid. Eine von Rom geschürte Meuterei und eine Intrige im Senat führten am Ende zur schmachvollen Absetzung. Vor den Toren Roms wartete Lucullus jahrelang verbittert auf den ihm zustehenden Triumphzug, baute in der Zwischenzeit Luxusvillen und legte riesige Gärten an. In Neapel liess er Verliese in den Fels schlagen, in denen Dutzende pontischer Kriegsgefangener vor sich hin vegetierten, weil Lucullus sie dem Volk vorzuführen und anschliessend zu erdrosseln gedachte.
Glorreicher General und schwerreicher Gastgeber: Die Gastmähler des Lucullus – von Diners zu sprechen, wäre eine krasse Untertreibung – dienten weniger dem Stillen des Hungers als vielmehr der Selbstdarstellung. Je exklusiver die Speise (jede erdenkliche Art von Gemüse, Fisch und Fleisch, bis hin zu Pfauenhirnragout oder gebratenen Flamingozungen), desto höher der Status des Gastgebers. Lucullus war auch der allererste, der die damals noch unbekannten Kirschbäume importieren und anpflanzen liess. Und so steht sein Name heute für Luxus in einem Ausmass, von dem das gemeine Volk nicht einmal zu träumen wagte.