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Das Porträt einer jungen Frau mit halbgeschlossenen Augen, langem schlanken Hals und ausladender Kopfbedeckung mit darauf liegenden Leguanen betört uns mit ihrer Anmut. Mit der Darstellung der Familie Serdan, deren bewaffnete Mitglieder aus den Fenstern ihres Schlafzimmers feuern, hält Fernando Castro Pacheco (1918-2013) die Anfänge der Mexikanischen Revolution von 1910 fest.
Die Blätter sind in der von Milena Oehy kuratierten Ausstellung präsentiert. Sie umfasst rund fünfzig ausgewählte Arbeiten aus dem mehrere hundert Blätter umfassenden Bestand der Grafischen
Sammlung des Kunsthaus Zürich, der als Schenkung durch den Schweizer Fotografen Armin Haab (1919-1991) Ende der Achtzigerjahre hierher gelangte. Die Grafiken, von denen viele erstmals in der
Schweiz zu sehen sind, halten die Entwicklungen Mexikos vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Siebzigerjahre fest, als die ersten abstrakten Kompositionen entstanden. Einzigartige Werke mit
soziopolitischem und revolutionärem Gedankengut stammen aus der 1937 gegründeten Werkstatt der volkstümlichen Grafik, dem Taller de Grafica Popular. Die hier ausgestellten Editionen zeugen von
der mexikospezifischen Schwarz-Weiss-Tradition im Holz- und Linolschnitt. Neben abstrakt-figurativen Kompositionen von Rufino Tamayo (1899-1991) oder Francisco Toledo (*1940) überwiegen
figurative realistische Darstellungen von 27 Kunstschaffenden wie Leopoldo Méndez (1902-1969), Manuel Manilla (1830-1895) und José Guadalupe Posada (1852-1913). Zu ihren berühmtesten Werken
zählen die Calaveras — sarkastische Skelettdarstellungen, in denen die mexikanische Elite während der Revolutionszeit verhöhnt wurde.
Eindringliche Blätter von Diego Rivera (1886-1957), José Clemente Orozco (1883-1949) oder David Alfaro Siqueiros (1896-1974) halten neben den Traditionen der indigenen Bevölkerung das Leben in seiner Härte, seiner Ungerechtigkeit als auch in seiner Poesie fest. Diese als «los tres grandes» gefeierten Künstler gestalteten von den Zwanziger- bis in die Siebzigerjahre auch Wandgemälde zu sozialen und politischen Themen. Sehr eindrücklich das Blatt von Mendez, der einen Blick in die Werkstatt von Posada wirft, wie er als Augenzeuge die Szene einer Strassenrevolte direkt in die Druckplatte stichelt. Als eher unpolitisch erweisen sich die abstrakten Werke, die als Synthese aus prähispanischer Kultur und internationaler Moderne zu einer eigenständigen künstlerischen Sprache fanden.
Mexikanische Grafik, Kunsthaus Zürich, bis 27. August 2017.