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Ottmar Hitzfeld wird das Videostudium des gestrigen Spiels zwischen Ecuador und Honduras nicht geniessen. Die Partie war wie keine andere des bisherigen Turniers von langen Bällen und Einzelaktionen geprägt. Die Spielanalyse erklärt, worauf die Schweiz gegen Honduras aufpassen muss und wie sie deren Kompaktheit überwinden kann.
Das schnöde Duell zwischen den beiden 4-4-2-Aussenseiterteams aus Ecuador und Honduras demonstrierte vor allem eins: Beide Schweizer Gruppengegner sind in ihrem Angriffsspiel sehr limitiert und vorhersehbar. Die Partie war wie keine andere des bisherigen Turniers von langen Bällen und Einzelaktionen geprägt.
Damit demonstrierten die beiden Mannschaften ein fundamentales Problem des 4-4-2-Systems, welches dazu führt, dass kaum eine Mannschaft in der Offensive noch auf diese Ordnung vertraut; wenn eine Mannschaft nominell so agiert, stellt es sich bei Ballbesitz normalerweise als 4-2-2-2 mit einrückenden Flügelspielern oder 4-4-1-1 mit einer hängenden Spitze dar.
Wenn die vier Angriffsspieler jedoch mehr oder weniger positionstreu agieren, so wie das Honduras und Ecuador praktizierten, bietet das System kaum Potential für Kombinationsspiel oder überhaupt Synergien zwischen den Spielern. Das liegt an der flachen Staffelung zwischen den Offensivspielern und der fehlenden Besetzung des offensiven Mittelfelds.
Die vier Angriffsspieler reihen sich quasi nebeneinander auf und somit entstehen keinerlei Dreiecke, welche für flüssiges Passspiel essentiell sind. Die Angreifer sind damit auf sich allein gestellt oder können höchstens simpelste Kombinationen in Pärchenbildung mit dem Nebenspieler oder einem hinterlaufenden Aussenverteidiger spielen.
Zudem ist generell der Spielaufbau problematisch, da das Zentrum mit nur zwei Spielern leicht zu verteidigen ist. Kein Wunder also, dass beide Mannschaften häufig mit langen Bällen aus der Verteidigung eröffneten. Das 1:0 fiel dabei sogar nach drei aufeinanderfolgenden langen Bällen: Ecuador bolzte den Ball diagonal auf Valencia, Izaguirre fing ihn ab und bolzte ihn hoch raus, er kam dabei aber nicht weit und so konnte Beckeles noch einen Pass schlagen, der dann die Stürmer fand.
Der Schweiz wird es leicht fallen, diesen simplen Stil weitestgehend zu kontrollieren. Am ehesten müssen sie aufpassen, dass Izaguirre wenige Bälle bekommt; der Celtic-Rechtsverteidiger ist ungewöhnlich kreativ in der Spieleröffnung. Darüber hinaus ist Kompaktheit in der Abwehr am wichtigsten.
Die honduranischen Stürmer besetzen beide Innenverteidiger. Wenn diese von den Aussenverteidigern nicht genug unterstützt werden, können sie in unangenehme 2-gegen-2-Situationen kommen – siehe die Grafik zum 1:0. Eine Dreierkette könnte dieses Problem von vornherein lösen.
Im Spiel gegen den Ball zeigte sich Ecuador sehr aggressiv und rückte häufig mannorientiert nach vorne, was zwar Druck machte, aber auch immer wieder Räume öffnete. Honduras hingegen konzentrierte sich sehr auf die Kompaktheit, was sie bereits gegen Frankreich auszeichnete.
Die Mittelfeldkette hält knappe Abstände zur Abwehr und variiert ihre Positionierung in der Breite sehr stark. Besonders Linksaussen Espinoza rückt zuweilen weit ein. Beim Verteidigen der Flügel schiebt der ballnahe Sechser weit heraus und doppelt diszipliniert.
Diese Kompaktheit greift aber erst im Abwehrdrittel so richtig. Ecuador konnte wie bereits Frankreich recht problemlos über die Mittellinie aufrücken und dann im defensiven Mittelfeld den Ball zirkulieren lassen. Die beiden honduranischen Stürmer beteiligen sich nur unkonstant an der Defensivarbeit. Trotz der fehlenden Kreativität Ecuadors reichte die beständige Offensivpräsenz zu zwei glücklichen Treffern. Honduras liess den Gegner einfach zu oft zu nah ans Tor kommen.
Honduras' sehr simple und defensive Herangehensweise schreit förmlich nach radikaler Anpassung. Eigentlich würde sich anbieten, mal unorthodox offensiv aufzustellen: Ein 3-4-2-1 mit Shaqiri als Sechser und einer Dreierkette mit Inler und Behrami aussen würde eine sehr druckvolle Ballzirkulation erlauben, Lichtsteiner und Rodriguez mehr Freiheiten erlauben und wäre trotzdem gut abgesichert.
Dass Hitzfeld mit einer Dreierkette spielen lässt, gab es in diesem Jahrtausend aber noch nicht sehr häufig, von daher ist wohl wahrscheinlicher, dass die Schweiz sich auf ihre Stabilität konzentriert, die Null hält und offensiv versucht, gelegentlich zu überraschen oder mit Standards zum Erfolg zu kommen. Eventuell wird das Pressing auch etwas justiert. Mit etwas tieferen Sechsern (oder einem 4-3-3) und hoch eingerückten Flügelspielern könnte sich Hitzfeld an der souveränen Vorstellung Frankreichs vom ersten Gruppenspieltag orientieren.