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Immer wieder hört man sie: Diese Geschichten von zwei Menschen, die im selben Haushalt leben, vielleicht sogar ein Paar sind und sich so gut wie alles in der Wohnung teilen. Dann erkrankt die eine Person an Corona. Die andere bleibt gesund. Wie ist das möglich? Ein Rätsel, das die Forschung seit Ausbruch der Pandemie beschäftigt.
Erste Vermutungen, was hinter dem Phänomen stecken könnte, liefert eine britische Studie. Die befindet sich zwar (noch) im Begutachtungsprozess, wurde aber bereits vom renommierten Fachmagazine Nature publiziert.
Eine individuelle Immunabwehr
Die Forschenden identifizierten 58 Britinnen und Briten, die an vorderster Front auf den Covid-19-Stationen gegen das Virus kämpfen. Trotz ihrer Arbeit infizierten sie sich nie mit Corona: All ihre Schnell- und PCR-Tests waren stets negativ. Ihre Kolleg*innen steckten sich hingegen trotz strenger Schutzmassnahmen reihenweise an.
Bei 20 der nicht-erkrankten Mitarbeiter*innen zeigte sich im Blut eine erhöhte Anzahl T-Zellen und bei 19 fand man zusätzlich das Immunprotein IFI 27. Das Protein könnte laut den Forschenden auf einen Kontakt mit Coronaviren hindeuten. Sie vermuten, dass die Viren bei diesen Personen zwar in den Körper eingedrungen sind, dort aber sofort vom Immunsystem bekämpft wurden, bevor es sich festsetzen und weiterverbreiten konnten.
Für den schnellen Abbruch der Infektion könnten die T-Zellen verantwortlich sein. Das sind kleine weisse Blutkörperchen, die gewisse Krankheitserreger erkennen und alle Zellen abtöten, die mit diesem Erreger infiziert sind. Es wird daher vermutet, dass diese Zellen bei den Nicht-Erkrankten auch die Coronaviren sofort erkennen konnten.
Frühere Erkältung als möglicher Grund
Interessant dabei: Das Immunsystem der Nicht-Erkrankten war scheinbar schon vor Ausbruch der Pandemie auf eine Coronainfektion vorbereitet, wie frühere Blutproben zeigten. Die Forschenden vermuten daher, dass frühere (harmlose) Varianten von Coronaviren – die meist in Form einer normalen Erkältung daherkamen – das Immunsystem auf die Viren trainierte.
Das würde erklären, warum die Abwehr so schnell möglich war. Dass frühere Infektionen mit anderen Coronaviren den Schutz erhöhen könnten, vermutet auch eine Studie der Universität Zürich. Sie konnten beweisen, dass starke Immunreaktionen gegen andere Coronaviren, auch bis zu einem gewissen Grad gegen Covid-19 helfen können – zumindest über einen gewissen Zeitraum.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Die Autoren der britischen Studie warnen aber davor, falsche Rückschlüsse zu ziehen. So könne man nicht davon ausgehen, dass Menschen, die eine frühere Corona-Erkältung hinter sich haben, automatisch vor Covid-19 geschützt seien. Nicht einmal, dass ein «Infektionsabbruch» überhaupt möglich ist, sei sicher.
Die Studie lässt zudem viele Fragen offen. Dazu gehört beispielsweise, warum die schnelle Immunabwehr bei manchen Menschen funktioniert und bei anderen nicht. Denn es wird davon ausgegangen, dass die meisten Menschen bereits in irgendeiner Form mit Coronaviren in Kontakt waren.
Trotzdem könnte die Studie eine mögliche Stossrichtung für künftige Impfstoffe sein. Denn sollte es tatsächlich möglich sein, das körpereigene Immunsystem auf alle Arten von Coronaviren vorzubereiten, könnte das auch den Schutz vor zukünftigen Mutationen sicherstellen. Dafür braucht es allerdings noch weiterführende Studien.