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Erste Juragewässerkorrektion (1868-1891)
Mit vielen kleinen Korrektionen hatte man oft versucht, den teils verheerenden Überschwemmungen im Seeland Herr zu werden. Vergeblich, bis Johann Rudolf Schneider und der Ingenieur Richard La Nicca einen Plan ausarbeiteten, der vorsah, die Aare in den Bielersee zu leiten. Nach Diskussionen, Streitereien und Abänderungen wurde die erste Juragewässerkorrektion 1863 bewilligt. Durchgeführt wurde sie von den Kantonen Bern, Freiburg, Neuenburg, Solothurn und Waadt.
Ölraffinerie Cressier
Als Shell 1963 rund 125 000 Quadratmeter Land in Cressier kaufte, war die Bevölkerung über das Projekt noch nicht informiert. Erst als ein über 100 Meter hoher Kamin gebaut wurde, merkte die Öffentlichkeit, was da entstand. 1966 in Betrieb genommen, produziert die Raffinerie einen Viertel des schweizerischen Bedarfs an fossilen Brennstoffen. Noch 1980 wurden aber auch jährlich 2500 Tonnen Schwefeldioxid produziert. Das Rohöl kommt über eine Pipeline aus Marseille in die Raffinerie.
Amgen in Galmiz
55 Hektaren Galmizer Boden sollten dem amerikanischen Pharmariesen Amgen für eine Biotechnologie-Fabrik zur Verfügung gestellt werden. Mit der Aussicht auf 1200 Arbeitsplätze wurde Landwirtschaftsland umgezont. Gegen das Projekt erwuchs grosser Widerstand. Die Firma entschied sich schliesslich für ein Grundstück in Irland, wo aber bisher nichts realisiert wurde. Das Land im Grossen Moos ist wieder Landwirtschaftszone.
Swatchmobil-Fabrik
Nicolas Hayek, Gründer der Swatch-Gruppe, hatte die Vision eines kleinen, günstigen und umweltverträglichen Autos, dem Swatchmobil. Es sollte quer in einen Parkplatz passen und einen revolutionären Hybridantrieb haben. Der Kanton Bern bemühte sich um einen Produktionsstandort im Bieler Bözingenfeld. Daraus entstand später der Smart. Von Mercedes in Deutschland produziert. Ohne Hybridmotor. Und ohne Nicolas Hayek.
Henripolis
Henri II d’Orléans-Longueville setzte mit einer Gründungsurkunde 1625 die Basis für eine Konkurrenzstadt zu Neuenburg. Es hätte eine europäische Handelsstadt mit 13 000 bis 15 000 Einwohnern am östlichen Ufer des Neuenburgersees werden sollen. Das Projekt scheiterte aus drei Gründen: Der Grundeigentümer wollte kein Land verkaufen, das Geld fehlte, und Bern fürchtete um seinen Einfluss.
Zweite Juragewässerkorrektion (1962-1973)
Die Hochwassergefahr bestand weiter; trotz dem Regulierwerk Port kam der See immer wieder. Zwischen 1962 und 1973 wurden im Wesentlichen die Kanäle zwischen den Juraseen verbreitert und vertieft.
International World Centre
1913 entstand der Plan für eine Weltstadt als Zentrum der internationalen Konflikt- und Problemlösung, in dem harmonisch zusammengelebt und miteinander umgegangen werden sollte. Der Plan für eine Stadt zwischen Murten- und Neuenburgersee wurde der Union der internationalen Vereinigungen in Brüssel vorgestellt. Die Idee ging im Ersten Weltkrieg unter. Später wurde Genf zum Standort der damals propagierten Ideen.
Musterstadt statt Expo
Ein Autorenkollektiv u. a. mit Max Frisch wollte keine Landesausstellung 1964, sondern stattdessen die Gründung einer Musterstadt. Einen konkreten Plan gab es nie, wohl aber ein rotes Büchlein, in dem die Idee formuliert wurde. Im Büchlein wurde der Standort so vorgeschlagen: im Dreieck zwischen Murten-, Bieler- und Neuenburgersee, nahe der Sprachgrenze am Wasser, nahe der Landwirtschaft und der Industrie. Die Expo 64 kam trotzdem.
Canal d’Entreroches
Nach dem Dreissigjährigen Krieg sollten viele Verkehrswege zu Wasser erschlossen werden. Ziel war eine Verbindung von der Nordsee zum Mittelmeer. 1638 wurde mit dem Bau eines Kanals Neuenburgersee-Genfersee begonnen. Die 12 letzten Kilometer wurden nie realisiert. Der gebaute Kanal war dennoch bis 1829 schiffbar. 1647 entstand ein Kanal von der Broye über 15 Kilometer bis Aarberg, der bis 1697 in Betrieb war.
Transhelvetischer Kanal
Ein Rhein-Rhone-Kanal wurde Anfang des 20. Jahrhunderts wieder aktuell. 1910 formierte sich ein entsprechender Schifffahrtsverband. Mit der Zweiten Juragewässerkorrektion kam erneut ein Plan auf, Aare und Juraseen schiffbar zu machen sowie den Kanal zum Genfersee zu bauen. Gegen die Pläne der Frachtschifffahrt erwuchs aber Widerstand. Das Projekt starb 2006, als die Waadt das für den Kanal vorgesehene Land raumplanerisch freigab.
Seelandtangente
Mit dem Autobahnbau ab 1955 und der T6 Biel-Lyss zeichnete sich Mitte der 60er-Jahre eine grosse Verkehrsbelastung der Städte ab. Der Kanton Bern erarbeitete deshalb ein Strassenbauprojekt von Lengnau nach Kerzers – die Seelandtangente. Biel, Lyss und Aarberg sollten so umfahren werden. Letztmals zog Aarberg das Projekt 2003 aus der Schublade.
Flughafen Grosses Moos
Aufgrund der ungünstigen Topografie rund um den Flughafen Belpmoos suchten bernische Behörden ab dem Zweiten Weltkrieg einen Alternativstandort. Es entstand das Projekt eines Flughafens unterhalb von Kallnach im Grossen Moos. Dagegen formierte sich aber 1970 ein Schutzverband mit fast allen Seeländer Gemeinden. Es entstand eine eigentliche Protestbewegung. Bedenken wie der weiche Boden, der häufige Nebel sowie der Ausbau von Zürich-Kloten machten das Projekt dann überflüssig.
Die schwimmende Eisenbahn
Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Idee eines kombinierten Netzes von Schienen- und Wasserstrassen auf. Die bernische Regierung nahm die Idee der «schwimmenden Eisenbahn» auf. In Schottland liess sie sich von Fährschiffen für Eisenbahnen inspirieren. Ein Fährboot mit 20 Eisenbahnwagen sollte auch auf den Juraseen und der Aare verkehren. Eisenbahnlinien an den Nordufern des Bieler- und Neuenburgersees setzten dem Projekt ein Ende.
Stadtentwicklung Biel
Der Wirtschaftsschub der 50er-Jahre führte zu einer ungekannten Planungseuphorie. Biel plante damals eine Zentrumserweiterung nach Süden. Es hätte eine Agglomeration mit 180 000 Einwohnern entstehen sollen. Heute zählt die Agglomeration Biel 90 000 Einwohner.
Quelle: Ausstellungstexte «Vision Seeland».