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Interessante Verteidigungstaktik: Zu den Vorwürfen, «Blurred Lines» sei geklaut, sagt Robin Thicke, Pharrell Williams habe den Song geschrieben, er selbst habe in Interviews dazu gelogen – und sei ohnehin meist high gewesen.
«Blurred Lines» war von Anfang an ein kontrovers diskutierter Song: Mit den nackten Frauen im Video, einem Auftritt mit der Po-wackelnden Miley Cyrus und Textzeilen, die Anklänge an Vergewaltigungsapologien hatten, brachte der Song seinem Interpreten den Titel «Sexist des Jahres» ein. Doch damit endet der Ärger für Robin Thicke noch lange nicht.
Kurz nachdem «Blurred Lines» im Sommer 2013 seinen Siegeszug in die internationalen Charts antrat, wurden Plagiatsvorwürfe laut – der Song sei deutlich an «Got to Give It Up» von Marvin Gaye angelehnt, argumentierten die Erben des 1984 erschossenen Soulsängers. Zur Klärung der Vorwürfe wurde ein Gerichtsprozess angestrengt, in dessen Zusammenhang nun die Protokolle der per Video aufgezeichneten Aussagen von Thicke und seinem Mit-Interpreten Pharrell Williams öffentlich gemacht wurden.
Die Aussagen, die das Magazin «Hollywood Reporter» im Netz dokumentiert, werfen kein sehr schmeichelhaftes Licht auf Robin Thicke, der mit «Blurred Lines» den grössten Hit seiner Karriere landete. Er verbrachte sein Erfolgsjahr offenbar in einem dauerhaften Schleier aus Alkohol und dem Schmerzmittel Vicodin, dessen Wirkstoff Hydrocodon in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Er habe «kein einziges Interview gegeben, ohne high gewesen zu sein», so Thicke. In Interviews erzähle er, was auch immer helfe, Platten zu verkaufen.
Das ist für den Plagiatsprozess keine banale Aussage, da Robin Thicke in einem Interview mit der US-Ausgabe des Magazins «GQ» behauptet hatte, er habe «Blurred Lines» zusammen mit Pharrell Williams geschrieben, mit Marvin Gayes «Got to Give It Up» als ausdrücklichem Vorbild.
So könne es aber nicht gewesen sein, sagt Robin Thicke jetzt, weil er an dem Songschreibeprozess von «Blurred Lines» praktisch nicht beteiligt gewesen sei. «Ich würde sagen, der Song war zu 75 Prozent fertig, als ich ins Aufnahmestudio hineinkam», sagte Thicke. Ein Eindruck, den auch Pharrell Williams teilte. Es komme häufiger vor, dass der Anteil an der Autorenschaft von Musikern grösser dargestellt werde, als er tatsächlich war, so Williams in seinem Statement.
Als Grund dafür, dass er sich mit seinem angeblichen kreativen Input so gebrüstet habe, führte Thicke an, dass er zuvor sechs Alben selbst geschrieben und produziert habe. «Nun hatte jemand anderes den grössten Hit meiner Karriere geschrieben», so Thicke, «und ich war eifersüchtig und wollte einen Teil der Anerkennung.»
Der Anwalt der Gaye-Familie versuchte, aus diesen Aussagen Thickes allgemeine Charakterschwächen abzuleiten, wie aus dem spektakulären Protokoll hervorgeht. Auf die wiederholte Frage, ob Thicke sich selbst als ehrlichen Menschen sehe, sagte er: «Nein, deshalb hat sich meine Frau ja von mir getrennt.» Der Versuch, seine Paula mit einem (kommerziell gefloppten) Album zurückzugewinnen, brachte Thicke den Spott vieler Internetnutzer ein.
(feb/Reuters)