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Douiret, ursprünglich ein kleines Berber-Dorf auf einem Tafelberg in der Wüste, 20 Kilometer von der Provinzhauptstadt Tataouine im Süden Tunesiens entfernt. Das Dorf wurde nach der Unabhängigkeit Tunesiens vom Berg ins Tal umgesiedelt, eine Schule gebaut. Diese kam in die Jahre und brauchte dringend eine Erneuerung. Die Schweiz hat sich für die Schule eingesetzt, ihr modernere hygienische Verhältnisse beschert und auch eine verbesserte und nachhaltigere Infrastruktur, zum Beispiel eine wasserfassende Dach-Struktur, die eine Zisterne füllt. Ein Osmose-Filter macht das Wasser trinkbar und Trinkwasser ist sehr kostbar in dieser Wüsten-Region an der libysch-tunesischen Grenze. Eine neue kleine Küche ermöglicht es ausserdem, die Kinder in der Pause zu verpflegen.
Noch vor 60 Jahren haben etwa 3000 Personen in Douiret gewohnt. Seither ist das Dorf Opfer der Landflucht, die viele Familien aus Überlebensgründen nach Tunis oder ins Ausland auswandern liess. Das Dorf lebt hauptsächlich von den Zustüpfen, welche Arbeitsmigranten nach Hause schicken. Die Schule hat heute noch 26 Schüler, vor drei Jahren waren es noch über 40. Der Schulleiter zählt sie auf: je 4 Schüler in der 1. – 4. Klasse, je 5 Schüler in der 5. und 6. Klasse. Die Renovation soll die Abwanderung stoppen und dezentrale Orte wie Douiret wieder attraktiver machen.
Die Leute wissen, wie es um sie steht
Eine Gruppe Jugendliche steht auf dem Schulhof , sie sprechen kein Französisch ausser dass sie alle Fragen mit „oui“ beantworten. Sie haben keine Aussicht auf Jobs in der Region. Die örtliche Krankenschwester fasst mich am Arm, bittet mich eindringlich etwas für dieses Dorf in Bewegung zu setzen. Es sei einfach deprimierend von verschiedenen Seiten immer wieder vertröstet zu werden, und schliesslich passiere gar nichts. Die Schule sei zwar ein Anfang, aber hier würden vor allem auch Arbeitsplätze fehlen.
Der Schulleiter zeigt sich hingegen optimistisch, dass die neu renovierte Schule für Familien eine gewisse Attraktivität hat, eine Anziehungskraft ausüben wird. An der Einweihung sieht man trotzdem vor allem alte Männer, Frauen und Kinder teilnehmen. Männer im arbeitsfähigen Alter sind rar.
Die Schule ist ein Anfang
Auch für die Projektleiterin Irene Kraenzlin vom örtlichen Büro der DEZA (Direktion für Zusammenarbeit und Entwicklung) in Medenine sind die wichtigsten Massnahmen für diese Region nicht die Unterstützung der Schulen, sondern dass es hier längerfristig lokale Arbeitsmöglichkeiten für die nächsten Generationen gibt. Ein nächstes Projekt, welches sich für einen alternativen Tourismus in der Region einsetzen will, wird das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO nächstes Jahr im Südosten Tunesiens lancieren. Irene Kraenzlin wird das vom Büro Medenine aus begleiten.
Kurz zusammengefasst sollen für Individual-Reisende mit kulturellen Ansprüchen rund um das berberische Kulturerbe spannende Orte und Produkte erschlossen werden. Das Ziel wäre ein besseres und breiteres touristisches Angebot in der Region im Süden von Tunesien, das langfristig auch lokale Jobs schaffen könnte. Tunesien konzentriert sich im Moment noch fast ausschliessliche auf den Massentourismus. Individualtouristen müssen sich das Angebot relativ mühsam zusammen suchen. Oft fehlt es auch an qualifizierten Guides für anspruchsvollere Touristen.
Neues Dorfzentrum
Die Schule ist für das Dorf trotzdem wichtig, es ist ein Ort der Zusammenkunft. Dafür hat die tunesische Architektin Regaya Kioua gesorgt. Die energische Frau verbindet traditionelle Bauweisen und Materialien der Region mit einer modernen Architektursprache. Sie hat im grosszügigen Schulinnenhof mit Treppenabstufungen öffentliche Plätze geschaffen, die auch für andere Aktivitäten im Dorf genutzt werden können. Mit den lokalen Vereinen steht die Schule bereits heute in Verbindung. Sie werden sich für den Unterhalt der Schule einsetzen, aber auch für Aktivitäten rund um den Erhalt der Natur und des Kulturerbes von Douiret. Das Dorf erhält also mit dieser Schule auch eine Art neues Zentrum. Jetzt ist es an den Einwohnern, das auch zu nutzen.