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Pfarrkirche S. Gions
Inmitten der Wiesen von Cons – in campo sancti johannis – steht die mächtige barocke Pfarrkirche dem Hl. Johannes dem Täufer geweiht. Früher war die Wiese gegen Norden und Westen unbebaut, heute steht die Kirche inmitten des Dorfes, neben Schule und Altersheim.
Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1261 zurück. Die Erwähnung in campo sancti johannis zeigt aber, dass die Kirche älter ist. Die noch ältere Pfarrkirche stand aber eher auf dem Gebiet beim Kloster. Die Pfarreien Medel, Tujetsch und Andermatt machten sich selbständig und erbauten ihre eigenen Kirchen. So bekam die Pfarrkirche Disentis 1289 ihr eigenes Siegel. Um 1450 erbaute man den Turm im romanischen Stil, allerdings wurde der Turm zweimal erhöht und misst heute 36 Meter. Diese Bauetappen sieht man im Turminnern sehr gut. Das Christophorusbild stammte ebenfalls aus dieser Zeit und zeigt, dass die Pfarrkirche an einer wichtigen Passstrasse liegt.
1489 baute Ivo Striegel aus Memmingen (Deutschland) den gotischen Flügelaltar, der heute in einer der zwei Werktagskapellen der Kirche steht. Der Altar gilt als besonders wertvoll und ist vollumfänglich aus Holz geschnitzt.
Am 22. April 1640 segnete Abt Augustin Stöcklin den Grundstein für den heutigen Barockbau. Da der Platz Richtung Osten vom Gefälle her ungünstig war, kehrte man die Kirche einfach um. Einige Teile der alten Kirchen liess man stehen und ergänzte den Bau zur grössten Barockkirche des Kantons Graubünden. 1643 wurde der Bau fertig. Die Inschrift (Intarsien) am Kirchenportal trägt aber das Jahr 1647. Diese Zahl deutet wohl auf die Kirchweihe hin. 1641 wurde ebenfalls eine Orgel eingebaut, die erste Orgel in einer Pfarrkirche im Kanton überhaupt. Doch diese Orgel, ein Geschenk des Disentiser Tuchhändlers Conrad Bartorff, war von schlechter Qualität und wurde bereits 1661 durch eine neue Orgel ersetzt.
1667 wurde der Kirchturm zum ersten Mal erhöht und erhielt 1686 vier neue Glocken. 1712 gab es eine neue Orgel. Beim Franzoseneinfall vom 6. Mai 1799 wurden das Kircheninnere und die Glocken zerstört, kurz darauf jedoch wieder erstellt. 1804 baute der Walliser Silvester Walpen eine neue, 12 registrige Orgel. Diese stand damals in der rechten Chorloge, wurde aber später (1845) in die neu erstellte Doppelempore als Brüstungsorgel eingebaut. 1846 wurde eine neue Kirchturmuhr installiert.
1803 schuf der italienische Maler Sartori die neuen Kreuzwegtafeln. 1830 kam das aus Brienz (GR) gekaufte Tabernakel nach Disentis. Dieses passte hervorragend zum neu vergoldeten Hochaltar.
1891 verkaufte die Pfarrei die alte Orgel nach Surrein und die Pfarrkirche bekam eine neue Goll-Orgel. Der einheimische Schreiner Toni Manetsch baute 1912 neue Bänke ein. 1916 wurde die neue grosse Glocke, welche seit dem Brand von 1799 im Turm fehlte, durch die Firma Rüetschi aus Aarau gegossen und am 26. März 1917 mit der Bahn nach Disentis, dann per Kutsche zur Kirche und durch die Dorfjugend auf den Turm gebracht. Zwischen 1927 und 1928 fand eine Gesamtrenovation statt. 1946 wurde eine neue Turmuhr eingebaut. 1952 baute die Firma Kuhn eine neue Orgel. Kurz später (1956) wurde die heutige Heizung installiert. 1967 wurden die Glasfenster durch neue ersetzt. Zwischen 1973 und 1975 fand erneut eine Gesamtrenovation statt. Die Abtrennung zwischen Chor und Schiff wurde entfernt, der Boden aufgenommen und neu verlegt. 1976 baute Gion Mihel Flury aus Segnas den neuen Volksaltar und ein Jahr später lieferte die Firma Metzler die neue Orgel (Opus 483) mit zwei Manualen und 24 Registern. Die Disposition stammte vom damaligen Organisten Giusep Huonder. Die Orgel gilt heute als sehr wertvolles Instrument und wird von berühmten Organisten sehr geschätzt.
2005 erfolgte der Umbau der Totenkapelle am Eingang zur Kirche. Die vorher eher dunkle und schwerfällige Kapelle wurde vom einheimischen Künstler Linus Flepp in einen stillen, leichten Ort des Abschieds umgewandelt. Der Ort Encarna da cumiau [romanisch für Abschiedsecke] soll Begegnung von Himmel und Erde sein und uns daran erinnern, dass unser Leben vergänglich ist.
2008 erhielt die Kirche eine neue Akkustikanlage und 2009 bis 2011 wurde der Kirchturm einer inneren Renovation unterzogen. Dabei wurden sämtliche Glocken und die elektrischen Installationen erneuert oder revidiert.
2010 wurde im Kirchturm die Uhr gegen Norden ergänzt. Diese fehlte wohl aus zwei Gründen: als man die Turmuhr erstellen liess, gab es auf dieser Seite keine Wohnquartiere und sicher spielte die Finanzierung auch eine Rolle. Geplant waren ursprünglich nämlich nur zwei Uhren in Talrichtung. Die zusätzliche Uhr gegen Süden wurde aber durch eine Anwohnerin gesponsert. Seit den 1960er Jahren wuchsen die Quartiere Dulezi und Cons immer mehr und so steht die Pfarrkirche heute mitten im Dorf, höchste Zeit, die fehlende Uhr zu ergänzen. Zusammen mit der Uhrsanierung wurden auch die Glocken saniert: die Klöppel wurden ausgetauscht, Lager gewechselt und die ganze Computertechnik auf dem neusten Stand gebracht.
Auch die Heizungssteuerung wurde 2010 modernisiert. Die gesamte Technik wird seitdem vom Computer gesteuert und überwacht. Dank professionellen Arbeitern sieht man als Besucher jedoch nichts bis wenig von dieser Technik.
Treten wir nun in die Kirche, so sticht sicher der Hochaltar zuerst ins Auge. Dieser wurde 1810 durch den Einheimischen Placi Schmed erbaut. Das Hauptbild zeigt die Kirchenpatrone Johannes den Täufer und Johannes Evangelist. Doch auch Carolus Borromäus, der ehemalige Erzbischof von Mailand ist zu sehen. Im oberen Bild sieht man Maria mit dem Jesuskind. Seitlich sind zwei Statuen der Disentiser Heiligen Placidus und Sigisbert zu sehen.
Das Chorgestühl wurde nach dem Brand von 1799 gebaut. Die zwei Seitenaltäre sind der Mutter Gottes gewidmet. Die Medallions zeigen rechts den Rosenkranz und links die Schmerzen Marias. In den beiden Seitenkapellen finden sich rechts ein Altar dem Hl. Carolus Borromäus und links der Maria Magdalena gewidmet. In der linken Seitenkapelle befindet sich zudem der Leichnam Christi. Diese Gipsfigur wird für den traditionellen Karfreitagsgottedienst gebraucht. Mit einer Prozession gedenken die Disentiser dem Leiden Christi. Das Ereignis ist typisch für viele katholische Orte.
Die Kanzel ist erst nach dem Brand von 1799 erstanden; der Taufbecken, aus Russeiner Marmor, eine Alp der Gemeinde, ebenfalls. Ganz hinten in der Kirche befindet sich der Beichtstuhl, ein Werk von Bruder Theodor Stäuble aus dem Jahre 1946.
Die barocken Verzierungen finden sich im ganzen Kirchenraum, besonders im Chorbereich, wo das Engelsballett eine Monstranz umzingeln. Zusammen mit den Altären bilden diese Stukkaturen einen prächtigen Barockbau. Gotische Fenster lassen genügend Licht in den Raum treten, um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen.
Die Kirche ist tagsüber zwischen 08.00 Uhr und 19.00 Uhr geöffnet. Gottedienste in romanischer Sprache finden jeden Sonntag statt (siehe Aushang bei der Kirche).
Glocken der Kirche
Johannes Glocke (1917) b0 Gewicht: 3090 kg ø 180 cm
Inschrift: Ils vivs clomel jeu, ils morts cumpognel jeu, auras stempradas retegnel jeu, tiel fiug dedestel jeu – Giesserei Rüetschi Aarau 1917
[Übersetzung: Die Lebenden rufe ich, die Toten begleite ich, Unwetter halte ich auf, beim Feuer wecke ich]
Bilder: Kreuzigung Christi, Maria mit Jesuskind
Karls-Glocke (1821) des‘ Gewicht: 1650 kg ø 140 cm
Schurmegi nuss dell‘aua, tempiasta neif et Fiug, camond che la malaura s‘absenti de quest liug, soing carli a soing michel
[Übersetzung: heiliger Karl und Heiliger Michael, bewahrt uns vor dem Feuer und befehlt den Unwettern fern zu bleiben]
Initialen J. B. M. F. MDCCCXXI (Johann Baptist Monzini Fecit 1821), gegossen in Disentis
Placidus und Sigisbert-Glocke (1821) es‘ Gewicht: 1050 kg ø 125 cm
Il on melli e pli siatchen novonta nof, la rabia dil schuldau franzos – il sis de matg a dau Fiug ach strof Muster avent battiu culs nos – soing plazi a soing sigisbert
[Übersetzung: Am 6. Mai 1977 hat die Wut des Franzosen, nachdem er mit uns gekämpft hat, das Dorf Disentis als Strafe angezündet]
Initialen J. B. M. F. MDCCCXXI (Johann Baptist Monzini Fecit 1821), gegossen in Disentis
Marien-Glocke (1821) as‘ Gewicht: 600 kg ø 104 cm
Maria nossa chara dunna, sco biars an viU cun grond temer, a BARGIU per la sfortuna a ver en fiug tut il muster – nossa dunna de las dolurs
[Übersetzung: Maria, unsere liebe Frau, wie viele mit Angst gesehen und geweint haben, als sie Disentis in Feuer sahen – Maria, Frau der Schmerzen]
Initialen J. B. M. F. MDCCCXXI (Johann Baptist Monzini Fecit 1821), gegossen in Disentis