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Have Space Suit – Will Travel ist 1958 erschienen und gehört zu den sog. Juveniles von Heinlein. Juveniles wird in diesem Zusammenhang die Reihe von Büchern für eine männliche Jugend genannt, von der Heinlein 1947 das erste (Rockship Galileo) schrieb. Have Space Suit – Will Travel ist das letzte. Es wurde verschiedene Male auf Deutsch übersetzt, immer mit einem andern Titel. Raumjäger nun heisst es in der im Dezember 2014 bei Heyne erschienenen Übersetzung von Heinz Nagel, die, so der Verlag, zum ersten Mal den gesamten Text auf Deutsch widergeben soll. Das kann ich nicht beurteilen; ich habe Have Space Suit – Will Travel zum ersten Mal gelesen. Die Übersetzung scheint mir aber solide zu sein; der typische Ton der Heinlein-Juveniles ist jedenfalls getroffen. Einzig der Titel wäre zu monieren: „Raumjäger“ (wenn wir darunter irgendwelche schnellen Schiffe irgendeiner Raumflotte verstehen, die zur Abwehr und zur Jagd auf feindliche Schiffe dienen sollen) kommen nämlich darin gar nicht vor. Ich gebe aber zu, dass eine wörtliche Übersetzung des Titels („Habe Raumanzug – werde reisen“) einen unmöglichen Rhythmus und eine zungenbrecherische Ansammlung von Konsonanten aufweist, und dass die bisherigen deutschen Titel, die von „Piraten“ faselten, ebenso falsch sind – ganz einfach, weil auch keine Piraten in der Geschichte vorkommen. Einzig Die Invasion der Wurmgesichter hat einen substantiellen Zusammenhang mit der Story, klingt aber ohne Kenntnis des Inhalts ganz einfach nur kindisch.
Heinlein (1907-1988) gilt als Grossmeister der US-amerikanischen Science Fiction, ist aber nicht unumstritten. Er muss sich Vorwürfe des Chauvinismus, des Rassismus und des Sexismus gefallen lassen. Sein Libertarismus tendiert von Anfang seiner schriftstellerischen Karriere an zu einer sehr wertkonservativen Haltung. Die gegen den Staat gerichtete Tendenz, die dem Libertarismus eigen ist, wird in Heinleins späteren Romanen in eine Art Anarchismus umschlagen, und rassistische und chauvinistische Elemente zum Verschwinden bringen. Allerdings ist zuzugeben, dass Heinlein dafür auf ausführlichen und vom Inhalt völlig abgekoppelten Sex-Szenen beharrt, oft und gern ältere Herren darstellend, die von jungen Damen vernascht werden.
Dies ist selbstverständlich beim vorliegenden Buch nicht zu befürchten. Nicht einmal geraucht wird in Have Spacesuit – Will Travel. Die libertäre Tendenz Heinleins kommt aber durchaus zum Tragen, so, wenn der Vater von Kip (so heisst die männliche Hauptfigur), eines Tages Besuch vom Steuerinspektor bekommt, der ihn überreden will, in Zukunft seiner Steuererklärung (Kips Vater ist offenbar selbständig) schriftliche Unterlagen beizulegen. Kips Vater weist den Inspektor darauf hin, dass der Staat ihn nicht dazu verpflichte, dass der Staat seine Bürger nicht einmal dazu verpflichte, lesen und schreiben zu können. Und dass es ebenfalls legal ist, seine Steuerschulden in Ein-Dollar-Noten zu zahlen, die Kips Vater jeweils einmal im Jahr in einem Couvert in die Haupststadt schickt, weist er dem Inspektor gleich auch noch nach. Nur die Berufsbezeichnung „Spion“ in den Unterlagen ist er bereit, in „Spion a.D.“ abzuändern. (Am Schluss der Geschichte wird der Leser übrigens gar nicht mehr so sicher sein, dass Kips Vater hier bloss einen Witz gemacht hat – er könnte tatsächlich, u.a., Spion gewesen sein.) Kips Vater verweigert also das Zahlen der Steuern nicht gänzlich, wie sein offenbares Vorbild Thoreau, aber er will dem Staat auch keine unnötigen Reverenzen erweisen.
Zum Inhalt kann ich wenig sagen. Es ist die Heinlein-Juveniles-typische Geschichte des Jugendlichen, der seine Welt rettet, zusammen mit einer leicht verschrobenen, ein bisschen altklugen, aber de facto noch jüngeren Gefährtin – hier heisst sie Peewee, ist 12, hat den Körper einer 10-Jährigen und den Verstand einer 20-Jährigen. Kips Alter, nebenbei, erfahren wir nicht – nur, dass er sich schon rasieren muss. (Und dass er nach dem Abschluss des College nun einen Studienplatz an einer Universität sucht.) Heinlein singt auch in Have Spacesuit – Will Travel, und das schon fast aufdringlich, das Hohelied der Eigeninitiative und des logischen Denkens, die die Helden aus jeder Bredouille befreien.
Und der Bredouillen gibt’s ein paar. Heinleins Juveniles wurden jeweils zuerst in Jugendzeitschriften als Serie vermarktet. Dies merkt man Have Spacesuit – Will Travel gehörig an. Der Roman ist als Kette von Einzelabenteuern geschmiedet, die im Grunde genommen – jedenfalls die ersten drei oder vier Male – immer dasselbe erzählen: Held und Heldin sind in die Gewalt von ganz besonders fiesen und bösartigen Aliens geraten, können sich befreien, werden wieder eingefangen usw. Natürlich gibt es ein Happy Ending, natürlich können der Held und die Heldin zum Schluss sogar eine Art intergalaktischen Gerichtshof davon überzeugen, dass die Menschheit nicht zu eliminieren sei, und natürlich ist der Schluss ein bisschen überzogen, ein bisschen an den Haaren herbei gezogen.
Ob die heutige Jugend noch das Zielpublikum dieses Romans sein kann, wage ich zu bezweifeln. Als Einstieg ins Genre und/oder in Heinleins Werk ist es ebenfalls nicht geeignet. Der Aficionado, sei es von Heinlein, sei es der US-amerikanischen Science Fiction von vor über 50 Jahren, wird das Buch lesen müssen. Alles in allem aber gibt es, auch unter Heinleins Juveniles, Besseres.