Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03406.jsonl.gz/2453

Ich möchte hier im Artenteil nicht im Detail auf die Biologie der Vogelspinne eingehen. Beschreibungen des Aufbaus, der Fortpflanzung usw. sind in der sehr gut sortierten Fachliteratur zu finden.
Vogelspinnen (Theraphosidae) sind eine Familie in der Unterordnung der Vogelspinnenartigen (Mygalomorphae) mit 947 bisher beschriebenen Arten in 125 Gattungen (Stand 31. Dezember 2013). Vogelspinnen traten bereits im Karbon vor 350 Millionen Jahren auf. Ihr Lebensraum sind vorrangig tropische bis subtropische Klimazonen. Umgangssprachlich werden unter dem Begriff „Vogelspinnen“ manchmal auch Vertreter anderer Vogelspinnenartiger bezeichnet.
Ihren deutschen Namen „Vogelspinne“ verdanken sie wahrscheinlich der berühmten Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian. Ihre Eindrücke von einer Reise nach Surinam veröffentlichte sie 1705 in dem Werk Metamorphosis insectorum Surinamensium. Auf Seite 18 ist darin eine Illustration zu finden mit einer großen Spinne, die, auf einem Ast sitzend, einen Kolibri verspeist. Dies inspirierte wiederum Carl von Linné 1758 eine Spinne mit dem wissenschaftlichen Namen Aranea avicularia zu beschreiben [heute: Avicularia avicularia (Linnaeus, 1758)].
Beute
Vogelspinnen fressen alles, was sie überwältigen können. In der Regel sind das größere Insekten wie Grillen, Schaben und Heuschrecken. Aber auch Tausendfüßer und Skorpione gehören zum Beutespektrum. Große Vogelspinnenarten machen Jagd auf kleine Echsen und kleine Nagetiere, selten kleine (Gift-)Schlangen. Nestjunge oder kranke Vögel werden mitunter ebenfalls überwältigt. Gesunde Vögel gehören trotz ihres Namens nur selten zur Beute von Vogelspinnen.
Natürliche Feinde
Zu den natürlichen Feinden der Vogelspinnen zählt in Afrika die Wegwespe aus der Gattung der Pepsis, in Amerika Pepsis formosa. Mancherorts zählen Hundertfüßer und Skorpione zu den Fressfeinden. Auch kleine räuberische Wirbeltiere wie etwa die afrikanischen Mangusten erbeuten gelegentlich Vogelspinnen. Wanderameisen fallen bei ihren Beutezügen über alles her, was nicht flieht, auch Spinnen jeglicher Größe und Art.
Einige neuweltliche (amerikanische) Vogelspinnen besitzen zusätzlich zur Verteidigung so genannte Brennhaare auf ihrem Hinterleib, die mit Widerhaken besetzt sind. Potenziellen Feinden werden diese mit raschen Bewegungen der hinteren Beinpaare entgegengeschleudert (sog. Bombardieren), oder sie dienen als passive Verteidigung, indem sie sich bei Berührung ablösen. In Schleimhäuten und Augen können die Brennhaare zu Entzündungen führen, bei wiederholtem Kontakt mit Brennhaaren kann es aber auch zu allergischen Reaktionen kommen. Auf der Haut führen die Haare zu unangenehmem Juckreiz. Einige Avicularia-Arten spritzen dem vermeintlichen Angreifer Kotflüssigkeit entgegen.
„Unnatürliche“ Feinde
Für die in Terrarien gehaltenen Vogelspinnen zählen unter anderem Duftkerzen, Duftstecker und Insektenvernichtungsmittel (z.B. Zecken-/Flohhalsbänder von Hunden oder Katzen) zu den „Hauptfeinden“. Auch schlecht gepflegte Terrarien mit Pilzbildung aufgrund von Futterresten können Krankheiten und sogar den Tod der Tiere zur Folge haben. Ein absoluter tödlicher Feind für alle Vogelspinnen sind Nematoden. Ist ein grosser Bestand mit diesen Fadenwürmern befallen, ist eine Rettung praktisch nicht mehr möglich.