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Der umstrittene Lehrplan 21 ist neu überarbeitet. Widerständler in der Lehrerschaft sind noch immer dagegen. Wegen der Sammelfächer zum Beispiel – Geschichte und Geographie gehören nicht zusammen, sagen sie.
Furchtbar: Der alte Putzger (Historischer Atlas) vermengte Geografie und Geschichte (Entwicklung des französischen, niederländischen und britischen Kolonialreiches) auf unzulängliche Weise.
Man kann den Schülern Geschichte natürlich so beibringen: Zuerst waren die Höhlenbewohner. Sie zogen von Höhle zu Höhle und jagten. Dann begann man Wälder zu roden, Äcker zu bewirtschaften, Haustiere zu züchten und musste deshalb sesshaft werden. Später suchte man sicherere Wohnsitze, die vor wilden Tieren und feindlichen Stämmen schützten. Man trieb Pfähle in den Seegrund und errichtete darauf Plattformen und Häuser. Dann baute man befestigte Ortschaften, Städte und irgendwie gelangt man zu den Griechen, Römern, ins Mittelalter, aufs Rütli, zu den Habsburgern, in die Burgunderkriege, zur Alten Eidgenossenschaft, zu Napoleon, dem Bundesstaat, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, dann zum Kalten Krieg, zum Fall der Mauer und hoffentlich endet die Schulzeit, bevor man zur Europafrage kommt. Denn die ist heikel.
Und Geographie geht etwa so: Zuerst erleben die Kinder ihren ländlichen, dann ihren städtischen Raum – je nachdem, wo sie wohnen – dann die Topografie, wo sie lernen, dass es Täler, Berge und hohe Berge gibt, Flüsse, die Täler ausgegraben und Gletscher, die sie breit ausgehobelt und hie und da Findlinge liegen gelassen haben. Früher war hier ein Meer. Dann nicht mehr, dann hat der afrikanische Kontinent geschoben und die Alpen hochgehoben, es gab Eiszeiten und in den Tälern haben sich Leute niedergelassen, Wege zueinander gebaut, zum Beispiel über die Pässe, der Gotthard führt von Göschenen nach Airolo, der Simplon von Brig nach Domodossola, aber Sion ist der Hauptort vom Wallis, die Meere haben Gezeiten, die Wüsten Dünen und wenn es geht, kommt auch noch die Klimaerwärmung dazu. Ist aber auch heikel, seit die SVP Schüler und Schülerinnen auffordert, linke Lehrer zu melden.
So unterrichtet man Geschichte von 10.05 bis 10.50 Uhr und Geographie von 10.55 bis 11.40 Uhr.
Das Historische Museum Bern zeigt eine Pfahlbau-Ausstellung und die vermischt Geographie und Geschichte aufs übelste. Die Ausstellungsmacher haben einfach die beide Fächer miteinander vermanscht und was dabei herauskam, ist zwar sehr lehrreich, spannend, aufschlussreich und eindrücklich. Aber am Schluss wissen wir gar nicht mehr so recht, was jetzt dabei Geschichte war und was Geographie.
Subversive Individuen
Es gibt natürlich auch in der Lehrerschaft so subversive Individuen, die die Grenzen nicht respektieren und manchmal beim Geschichtsunterricht geografische Hinweise und im Geografieunterricht historische Ereignisse einfliessen lassen. Wie die Berge, ihre Übergänge, ihr Klima, ihre Vegetation etwa die Mentalität und die Politik der Alpenvölker geprägt haben und was daraus wurde. Warum aufgrund der geographischen Verhältnisse Seefahrernationen entstanden. Und dergleichen mehr.
Aber solchen Lehrern wird der gewerkschaftliche Widerstand in den nächsten Monaten, wenn die Referenden gegen den Lehrplan 21 anstehen, schon noch Raison beigebracht. Sonst kommt es dann tatsächlich soweit, dass zwischen 10.05 Uhr und 11.40 Uhr ein so furchtbares Durcheinander zwischen Geografie und Geschichte entsteht, dass die fünfminütige Pause draufgehen könnte. Das macht pro Woche sicher drei Mal fünf Minuten aus und in 40 Schulwochen macht das 600 Minuten, und das wären dann zehn unbezahlte Überstunden.
Widerspruch in sich
Die moderne Schule hat klare Leitplanken nötig. Wichtig dabei ist natürlich, dass auch moderne Lehrmittel zur Verfügung stehen und veraltete Lehrmittel wie der staubige «Historische Atlas» des läääääääängst verstorbenen F.W.Putzger auch aus den Estrichen der Schulhäuser entsorgt werden. Er vermischt Geschichte und Geografie aufs gröbste – und ein «Historischer» «Atlas» ist ohnehin ein Widerspruch in sich.