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Unlösbare Probleme? Das scheint die Beziehung auf den ersten Blick zum scheitern zu verurteilen. Paartherapeut Henri Guttmann sieht das anders. Paare sollen nicht wie Synchronschwimmer durchs Leben gehen, meint er.
Henri Guttmann
Paartherapeut
Jahrgang 1954, verwitwet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt mit seiner Partnerin in Winterthur.
Er ist Dipl. Psychologe FH, Paar- und Familientherapeut, klinischer Sexologe und Sexualtherapeut
Vielmehr ist es wichtig, bei Konflikten zu unterscheiden, ob diese sich lösen lassen oder nicht. Das soll man in der Beziehung ansprechen und beim Partner nachfragen: Kannst du dieses Problem, das ich mit dir habe, lösen, oder muss ich das als Teil von dir akzeptieren?
Macke als Teil der Person akzeptieren
«Wenn die betreffende Person sagt, dass sie sich schon seit langem mit dem Problem oder der Macke auseinandersetze und dass sie es gar nicht lösen könne, dann muss man versuchen, das als Teil von dieser Person zu akzeptieren, wie bei einer Behinderung», erklärt Henri Guttmann.
Manchmal hilft ein Kompromiss
Es sind aber doch auch hier Kompromisse möglich. Ein Beispiel: Die Partnerin hat früher über Jahre hinweg ihre Socken in der Wohnung liegen gelassen, weil sie single war und es niemanden störte. Jetzt in der Beziehung will sie sich in dieser Hinsicht nicht einschränken lassen oder schafft es nicht, sich dieses Verhalten abzugewöhnen. Hier könnte man den Kompromiss eingehen, dass man zwar die Sockenverteilerei als Macke dieser Person akzeptiert, aber dafür zum Beispiel in der Küche mehr Mithilfe erhält.
Was, wenn es um Werte geht?
Schwierig wird es vor allem dann, wenn Wertekonflikte bestehen. Hier macht man ungern Kompromisse. Wenn der eine Partner zum Beispiel Vegetarier ist, kann er dem fleischessenden Partner nicht «mit einem halben Wienerli entgegenkommen», da dies seinen Werten widerspricht.
Im Operationssaal gibt es keine Sandwiches.
Manche Dinge würden auch schlicht nicht zur Diskussion stehen, weil spezifische Regeln eingehalten werden müssten, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen. Henri Guttmann formuliert dies metaphorisch so: «Im Operationssaal gibt es keine Sandwiches.» Es gilt zu respektieren, dass ein Wertekonflikt besteht. Dann kann man besser verstehen, warum die andere Person nicht bereit ist, einen Kompromiss einzugehen, und man kann beginnen, sich damit abzufinden.
Respekt und Akzeptanz
Paare, die akzeptieren, dass es ein, zwei unlösbare Konflikte in ihrer Beziehung gibt, sind laut Langzeitstudien glücklicher. Die Lösung bei unlösbaren Konflikten ist also, sich gemeinsam damit auseinander zu setzen und einander mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen, sagt Henri Guttmann.
Programmhinweis
Der Paartherapeut Henri Guttmann wird am Donnerstag, den 24.10.2019 ab 22 Uhr in der Sendung «1 Intim» im «Nachtclub» zu Gast sein und Ihre Fragen beantworten.