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Wie das Automobil populär wurde
Mit dem Aufkommen des Automobils fand ein Wandel statt. Das Automobil wurde im Vergleich zu den Kutschen immer wichtiger und wies entscheidende Vorteile auf. Ein neues Transport- und Ausflugszeitalter war angebrochen.
23. Februar 2021
Transportieren ohne Mist zu produzieren
Das Aufkommen der Automobile faszinierte den Ennetbadener Fuhrhalter Jakob Twerenbold. Der erste Lastkraftwagen der Marke Arbenz wurde 1919 angeschafft. Die im zürcherischen Albisrieden domizilierte Firma produzierte bereits ab 1904 LKWs. Offensichtlich konnte Jakob Twerenbold seinen Arbenz für 15'000 Franken vergleichsweise günstig erwerben. Ursprünglich bestellt hatte ihn das Deutsche Reich – bezahlen konnte es ihn nach der Kriegsniederlage im Ersten Weltkrieg nicht mehr. Die Anschaffung des Motorfahrzeugs bewährte sich technisch und zahlte sich betriebswirtschaftlich aus.
Das Auto war schnell eine preisgünstige Alternative, da es im Gegensatz zum Pferd nur dann Nahrung (nämlich Treibstoff) brauchte, wenn es tatsächlich bewegt wurde – ein Umstand, auf den die Automobilindustrie bald werbend hinwies. Hinzu kam, dass Pferdefutter viel voluminöser war als Benzin, ein Auto keinen Mist produzierte, der wieder irgendwohin entsorgt werden musste.
Die in den 1920er Jahren angeschafften Lastwagen verfügten über eine auswechselbare Brücke, mit welcher sie an Wochentagen für Warentransporte und am Wochenende für Personentransporte genutzt wurden. Früh morgens wechselten Jakobs Söhne den Aufbau (die «Brücke»), reinigten den Lastwagen und installierten Bänke für die Tagesausflügler. Der erste Chauffeur, Josef Twerenbold, steuerte mit den Fahrgästen Ziele im In- und Ausland an, wobei die Fahrzeuge noch nicht überdacht waren. Regnete es während Ausflügen, mussten die Fahrgäste einen Unterstand aufsuchen und auf besseres Wetter warten. Die geschlossene Karosserie kam erst in den 1920er Jahren auf.
War die Schweizer Bevölkerung dem Automobil gegenüber anfänglich eher skeptisch eingestellt, so lernten sie die neue Transportmöglichkeit zunehmend schätzen. Dies nicht zuletzt dank Twerenbold und anderen Fuhrhaltereien, die einer breiten Bevölkerungsschicht eine erste motorisierte Ausfahrt erstmals ermöglichten. Mit Josef Twerenbold konnte man die Vorzüge eines Ausflugs im «Gesellschaftswagen» bereits in den 1920 er Jahren direkt erleben. Nun konnten also auch die Einheimischen die Vorteile der «Motordroschke» geniessen; sprich bequemer, weiter und im Vergleich zur Eisenbahn flexibler verreisen. Dass Schweizer Ausflügler und Vereine aus der Region mehr und mehr Fahrten nachfragten war für die Zukunft der Firma Twerenbold ein entscheidender Wendepunkt. So konnte man sich neben den Kurgästen ein bedeutsames zweites Standbein aufbauen. Deren Nachfrage nach Taxidiensten und Tagesauflügen garantierte zwar noch über Jahre ein regelmässiges Einkommen, doch nahmen die Badegäste proportional zum Niedergang des Kurortes Baden ab.
Mit dem Aufkommen des Automobils wandelte sich Twerenbolds unmotorisierte Fahrhabe immer mehr zu einem Relikt aus vergangenen Zeiten. Der moderne Kurgast oder lokale Verein wollten jetzt «automobil» unterwegs sein: Ein neues Transport- und Ausflugszeitalter war angebrochen.