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1907 legt die Firma Settelen ihre Betriebe von der Davidgasse (Personentransport) und Solothurnerstrasse (Sachentransport) an der neu errichteten Firmenzentrale an der Türkheimerstrasse 17 zusammen. Bereits ein Jahr später beginnt die radikalste Umstrukturierung der Firma: Im für rund 170 Pferde konzipierten neuen Unternehmenssitz tauchen die ersten Autos auf. Sie und ihre Verbrennungsmotoren benötigen Benzin statt Hafer und Heu.
Um 1900 verkehren in Basel hauptsächlich Pferdefuhrwerke, Fussgängerinnen und Fussgänger sowie zunehmend auch Velofahrer. Die rund 40 «Automobildroschken» am Rheinknie sind noch etwas Exotisches, Neuartiges, Aufsehenerregendes. Einer der ersten Automobilisten ist der Zahnarzt Otto Settelen, der jüngste Bruder von Firmengründer Julius Settelen. Sein Auto trägt das Nummernschild BS 2.
1908 sind in der Stadt bereits ein paar hundert Autos unterwegs und beginnen langsam den Pferdedroschken das Wasser abzugraben. Ein anderer Konkurrent der Pferdedroschken und -omnibusse ist der öffentliche Verkehr. So lassen auf den 1. April 1908 «die 'Vereinigten Hôtels der inneren Stadt', mit Ausnahme des Hotels 'Drei Könige', den Omnibusdienst mit Rücksicht auf die guten Tramverbindungen zur Stadt eingehen». Im gleichen Jahr tauchen in der damaligen «Basler Droschkenanstalt Settelen» die ersten beiden «Automobildroschken» auf, die als Taxis eingesetzt werden. Damals sind an der Türkheimerstrasse rund 150 Pferde untergebracht, die täglich rund eine Tonne Hafer verzehren, um ihre Arbeit verrichten zu können. Die Renault-Taxis benötigen nicht Hafer sondern Benzin, um Passagiere transportieren zu können. Tankstellen, wie wir sie heute kennen, gibt es noch nicht. Der Umsatz an flüssigem Treibstoff ist gering. Ein privater Autofahrer muss das Benzin für seinen Wagen in der Regel in einer Apotheke oder Drogerie besorgen. So finden sich im ältesten «Tankstellenverzeichnis» Deutschlands 1909 rund 2500 Drogerien, Kolonialwarenhändler, Fahrradhandlungen, Hotels und Gaststätten, die allfällige Kunden mit Benzin versorgen.
Um gewerbsmässig Taxi zu fahren, benötigt Settelen eine eigene Tankstelle. Deshalb wird bereits 1909 an der Grenzmauer im hinteren Hof - neben dem damaligen Krankenstall - ein rund 3 auf 3 Meter grosses gemauertes Behältnis mit Eisentüre errichtet. Darin lagern auf einem Podest drei Benzinfässer, die den «Automobildroschken» als erstes Benzinlager dienen. Der Taxidienst floriert. 1911 sind es bereits acht Taxis, die angesichts ihrer Leistung - verglichen mit heutigen Autos - Unmengen Benzin verbrauchen. Settelen benötigt deshalb eine «richtige» Tankanlage und lässt noch im gleichen Jahr einen ersten 2'000l-Tank in der Ecke rechts vom Hofzugang zur Kundenwerkstatt versenken (1968 stillgelegt).
1928 erhält Settelen am gleichen Ort wie heute eine erste Kundentankstelle. Sie ist ausgerüstet mit einer modernen, in einem Blechkasten verschlossenen, Handpumpe. Damals ist diese Tanksäule ein Luxusmodell: Ein Kunde kann die gesamte Menge Benzin, die er beziehen will, im Voraus an dem kleinen Handrad fünfliterweise einstellen. Dann pumpt der Tankwart von Hand Benzin in das Fünflitergefäss. Wenn es voll ist, fliesst das Benzin durch den Schlauch in den Tank und gleichzeitig beginnt die Füllung des nächsten Glases. Da der Inhalt des Schlauches immer dem Kunden gehört, sind bei dessen Leerung aus der Distanz bisweilen eigentümliche Turnübungen zu beobachten.
Gespeist wird die Tanksäule durch einen genieteten 10 000-Liter-Benzintank, der im «Vorgarten» vor dem Eingang zum Möbellager versenkt wird (stillgelegt 1978). Für den Bau der Kundentankstelle ist die Lumina AG (Shell) verantwortlich. Mit ihr schliesst Settelen per 1. Januar 1928 auch den ersten Liefervertrag für Treibstoffe ab. Darin wird mit einem «Jahresquantum von ca. 100 000 kg [rund 130 000 Liter] gerechnet, die die Lumina zu liefern hat». Settelen verpflichtet sich darin, die «Shell-Reklame gut sichtbar anzubringen» und «ihren Bedarf an Benzin während fünf Jahren mit mindestens 75% bei der Lumina zu beziehen». Obwohl die erwünschten Mengen nicht ganz erreicht werden, besteht die Partnerschaft - mit einer kurzen Unterbrechung - noch heute.
1948 wird die heutige Kundentankstelle mit dem pilzförmigen Dach und zwei elektrischen Tanksäulen errichtet. Eine Verteilanlage zu den verschiedenen Tanks und Tanksäulen im Boden des Treppenhauses ermöglicht das Zuordnen von Tanks und Tanksäulen nach freier Wahl. Obwohl unterdessen ein paar tausend Autos in Basel registriert sind, hält sich der Benzinabsatz bei Kunden noch in überschaubaren Grenzen. Die unterdessen 49 firmeneigenen Fahrzeuge (Taxis, LKWs, Busse und Traktoren) beziehen den grossen Teil der Treibstoffe. Weniger als 20% wird an Kunden verkauft. Beim Diesel sieht das Verhältnis heute noch ähnlich aus.
1958, nach zehnjährigem Betrieb, geht die Tankstelle vertraglich in den Besitz von Settelen über. 50 Jahre nachdem die ersten «Automobildroschken» in Betrieb genommen wurden, kommt auch der ganze Transformationsprozess in Folge der Umstellung auf den Verbrennungsmotor zu einem Ende. Die Stallknechte sind verschwunden, die Droschkenkutscher umgeschult - und die letzten beiden Pferde gehen in Pension.