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August 2020
DS Helvetia – Bodensee
Bei der Indienststellung am 21. Juni 1887 durch die damalige Schweizerische Nordostbahn-Gesellschaft (NOB), war die neue «Helvetia» eine ebenso elegante wie stattliche Einheit. Die «Helvetia» stammte aus den Werkstätten der Zürcher Maschinenfabrik Escher Wyss. Sie zählte zu den ersten Bodenseeschiffen, die von Anfang an mit einer elektrischen Beleuchtungsanlage ausgerüstet waren, die von einem Laval-Dampfgenerator gespeist wurde.
Foto: Die «Helvetia» im Ursprungszustand von 1887.
Die «Helvetia» war das erste «echte» Salonschiff der Romanshorner Flotte und war ebenso wie die anderen «Zeitgenossen» in der damals Bodensee-spezifischen Halbsalonbauweise abgeliefert worden. Das Zeitalter der Salonschiffe hatte auf der Schweizer Seite mit einem Umbau des Dampfers Zürich im Jahre 1884 begonnen. Der Hecksalon mit seinen Nebenräumen war mit neobarocken Stilelementen ausgestaltet, die Sitzmöbel mit grünem Samtplüsch überzogen. Die Zweizylinder-Verbundmaschine mit einer Leistung von 500 Pferdestärken verlieh der «Helvetia» eine durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit von 25,5 km/h. Für den Neubau mussten von der Schweizerischen Nordostbahn-Gesellschaft 273‘234 Franken aufgewendet werden.
Foto: DS Helvetia weilt zu Revisionsarbeiten in der Romanshorner Werft.
Der stattliche, zunächst für 550 und später für 700 Personen zugelassene Dampfer verkehrte das ganze Jahr über auf den damals von den schweizerischen Schiffen befahrenen Verbindungen von Romanshorn nach Friedrichshafen und Lindau sowie auf der Route Rorschach-Lindau. Über das Sommerhalbjahr war die «Helvetia» auch häufig als Sonderschiff unterwegs. Zahlreiche Ausflugsfahrten führten an das benachbarte deutsche Ufer nach Meersburg, die Insel Mainau, Überlingen und sogar bis nach Bodman. Besonders beliebt waren in den Hochsommermonaten auch die Fahrten auf dem damals noch für grosse Einheiten schiffbaren Alten Rhein bis nach Rheineck.
Foto: Die «Helvetia» ist auf einer Sonderfahrt unterwegs.
Als im Mai 1932 das neue Motorschiff Thurgau dem Querverkehr zwischen Romanshorn und Friedrichshafen zugeteilt wurde, sollte die «Helvetia» gegen Jahresende aus der Flottenliste gestrichen werden. Aber das Ende kam früher als erwartet. Am 21. August lief die „Helvetia“ zu einer der letzten Sonderfahrten nach Lindau aus. Auf der Rückfahrt brach vermutlich wegen Materialermüdung ein Radarm des backbordseitigen Schaufelrades. Die manövrierunfähige «Helvetia» musste von der «St. Gallen» nach Romanshorn geschleppt werden. Da das Schiff ohnehin zur Ausmusterung vorgesehen war, wurde auf eine Reparatur verzichtet. In den Monaten September und Oktober wurde der Dampfer samt der Maschinen- und Kesselanlage unter dem grossen Hammerkran im Romanshorner Werfthafen vollständig ausgeschlachtet.
Foto: Bei Morgennebel verlässt die «Helvetia» den Hafen.
Am 27. Oktober wurde der ausgeweidete Schiffsrumpf von der «Thurgau» auf die Seemitte geschleppt. Das Ehrengeleit gab der letzte, für die Romanshorner Bodenseeflotte gebaute Dampfer Rhein aus dem Jahre 1906. Nach Öffnen der Bodenventile versank die Schale der «Helvetia» unter dem Sirenengeheul der Begleitschiffe mit wehender Bugflagge für immer im «Tiefen Schweb» zwischen Romanshorn und Langenargen. 2013 wurde der Schiffsrumpf bei Vermessungsarbeiten östlich von Romanshorn in 200 Meter Tiefe wieder entdeckt.
Foto: Nachdem das Dampfschiff Helvetia «ausgeweidet» wurde, ist es im Bodensee versenkt worden.