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Immer wieder liest man in der Zeitung von den stark gestiegenen Mieten. Dabei machen die Wohnkosten in der Schweiz seit vielen Jahren einen gleichbleibenden Teil der Haushaltsausgaben aus. Seit 1996 ist der Medianlohn (die Hälfte der Leute verdient mehr, die andere weniger) von 5073 Franken pro Monat auf 6189 Franken pro Monat angestiegen. Die durchschnittliche Miete stieg im gleichen Zeitraum von 1036 Franken auf 1348 Franken. Der Anteil der Miete am Lohn ist in dieser Zeit also ganz leicht von 20 auf 22 Prozent angestiegen.
Auch die Haushaltsbudgeterhebung (HABE) des Bundes von 2014 vermittelt ein ähnliches Bild. Der grösste Anteil der Haushaltseinkommen wird für die obligatorischen Transferausgaben aufgewendet: 27 Prozent gehen für Steuern, Krankenkassenprämien und übrige Gebühren weg. Den zweitgrössten Posten bei den Ausgaben machen Wohnen und Energie aus. Gemäss HABE geben Haushalte dafür 15 Prozent ihres Einkommens aus. Die nächstgrössten Ausgabeposten sind übrige Konsumausgaben (13 Prozent) sowie ein Sparbetrag von 11 Prozent.
Betrachtet man die Wohnausgaben nach Einkommensklassen, zeigt sich, dass die unterste Einkommensklasse (das Fünftel, das am wenigsten verdient) Wohnkosten von deutlich über 25 Prozent hat. Die zweitunterste Einkommensklasse gibt ca. 22 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen aus, während die übrigen drei Gruppen 20 Prozent oder sogar noch weniger dafür aufwenden müssen. Gut 60 Prozent der Haushalte geben maximal einen Fünftel ihres Einkommens für Wohnkosten aus, wobei dieser Anteil zuletzt sogar deutlich tiefer lag.
Die Zahlen verdeutlichen: Nicht die ganze Bevölkerung, sondern vor allem die unterste Einkommensklasse leidet unter hohen Wohnkosten.
Hinzu kommt, dass Personen, die schon lange in der gleichen Wohnung leben, deutlich tiefere Mieten bezahlen als solche, die einen neuen Mietvertrag zu den aktuellen Marktkonditionen unterzeichnen. Was die Zahlen nicht zeigen, ist, dass Herr und Frau Schweizer immer mehr Wohnraum beanspruchen – bei gleich bleibendem Kostenanteil gemessen am Einkommen.
Die Zielgruppe für staatlich geförderten günstigen Wohnraum ist also klar begrenzt. Vor allem Menschen aus der untersten Einkommensklasse sind auf günstige Mieten angewiesen. Auf diese sollten sich die Bemühungen des gemeinnützigen Wohnungsbaus konzentrieren. Um sicherzustellen, dass diejenige Bevölkerungsgruppe von geförderten Wohnungen profitiert, die es wirklich nötig hat, müssen alle Organisationen, die staatliche Unterstützung irgendeiner Art erhalten haben, konsequente Einkommenskontrollen durchführen. Unter staatlicher Unterstützung sind dabei sowohl vergünstigtes Bauland, vergünstigte Darlehen wie auch Bürgschaften durch den Staat zu verstehen.
Erwähnenswert ist, dass es auch viele private Vermieter gibt, die Wohnungen zu günstigen Konditionen anbieten. Zudem ist der Markt im gehobenen Segment seit einiger Zeit gesättigt, so dass Investoren sich wieder vermehrt auf kleinere und günstigere Mietwohnungen konzentrieren dürften. Mitte Juli gab das Bundesamt für Wohnungswesen bekannt, dass sich der Wohnungsmarkt in der Schweiz insgesamt im Gleichgewicht befinde. Dazu habe vor allem die rege Bautätigkeit der letzten Jahre beigetragen, in denen jeweils ca. 50 000 neue Wohnungen gebaut wurden. Es gibt allerdings regionale Unterschiede: Während die Wohnraumversorgung in der Nordwestschweiz, in der Ostschweiz sowie im Tessin sehr gut ist, gibt es in der Region Zürich und in der Zentralschweiz noch Engpässe. In dieser Region weiterhin sehr gefragt sind Wohnungen im unteren Preissegment.