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Der Hermann Hesse-Platz befindet sich an der Rheingasse, in unmittelbarer Nähe zum Kleinbasler Rheinufer. Ob die 159 Quadratmeter kleine Ausbuchtung der Rheingasse ein würdiger Ort sei, darüber schieden sich im Vorfeld die Geister. Die Rednerinnen und Redner aus dem Regierungsrat und dem Deutschen Seminar hielten aber dagegen, dass dieser «Winkel», wie sich Literaturprofessor Alexander Honold in seiner Ansprache ausdrückte, der absolut richtige Ort sei.
Die für die Benennung von Strassen und Plätzen zuständige Justiz- und Sicherheitsdirektorin Stephanie Eymann (LDP) verwies auf das nahe Hotel Krafft, wo Hesse im Winter 1924/1925 mit dem Schreiben eines seiner berühmtesten Werke, dem «Steppenwolf», begann.
Dass Hermann Hesse (1877-1962) so spät und erst nach vielen deutschen Städten auch in Basel einen Platz bekommt, liegt auf der einen Seite beim Mangel an neu zu benennenden Örtlichkeiten, wie der Präsident der kantonalen Nomenklaturkommission sagte. Ein Vorschlag von 1974, die Mittlere Strasse umzubenennen habe man abweisen müssen, weil damit Hunderte von Anwohnern und Geschäften eine neue Adresse bekommen hätten.
Hesse liebte Basel
Dass Basel mit dem berühmten Bürger so zurückhaltend umgegangen ist, könne auch an einer gewissen Arroganz liegen, wie Literaturwissenschaftler Honold sagte. In Akademikerkreisen müsse Hesse gegen den Ruf ankämpfen, ein literarisches Leichtgewicht zu sein. Die Bürger identifizierten sich lieber mit den grossen Humanisten wie Erasmus von Rotterdam oder Jacob Burckhardt. Dazu komme, dass Hesse mehr mit seinem späteren Wohn-und Wirkungsort Montagnola im Tessin als mit Basel in Verbindung gebracht werde.
Umgekehrt war es ganz anders. Hesse, der mit seinen an die Basler Mission berufenen Eltern als Vierjähriger ein erstes Mal nach Basel kam und fünf Jahre hier lebte, war ein regelrechter Heimwehbasler. «Ich hatte keinen anderen Wunsch, als wieder nach Basel zu kommen, es schien dort etwas auf mich zu warten», erinnerte er sich an seine Zeit nach Abschluss seiner Lehre als Buchhändler.
Es wartete tatsächlich etwas auf ihn. Er kehrte als 22-Jähriger in seine geliebte Stadt am Rheinknie zurück, begann als Buchhändler zu arbeiten und zu schreiben – zuerst als Journalist, dann als Literat. In Basel schrieb er seinen ersten Erfolgsroman «Peter Camenzind», der 1904 erschien. Im selben Jahr heiratete er die Baslerin Mia Bernoulli. Basel spielt auch als Handlungsort in mehreren seiner Bücher eine wichtige Rolle.
Jetzt also hat Hermann Hesse seinen Platz oder sein Plätzchen bekommen. Dieser oder dieses wird von einer grossen Kastanie dominiert, die im Sommer Schatten spendet. Was jetzt noch fehle, seien die Bänke, wo man sich zum Lesen hinsetzen könne, sagten mehrere Rednerinnen und Redner.