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Ich möchte heute mit einem Fallbeispiel beginnen:
Die 15 Monate alte Leonie kann nur einschlafen, wenn Ihre Mutter oder Vater neben Ihr auf dem Bett liegen und Ihre Hand halten. Doch sobald die Mutter oder der Vater versuchen die Hand vorsichtig wegzuziehen, protestiert das kleine Mädchen und die Eltern müssen sofort Ihre Hand wieder halten. Leonie versucht möglichst lange wach zu bleiben, um sicherzustellen, dass Ihre Eltern bei Ihr bleiben. Leonie wird regelmässig auch nachts wach, manchmal auch mehrmals pro Nacht und ruft sofort nach den Eltern. Ein Elternteil kommt dann und hält Ihre Hand bis sie wieder einschläft. Gelegentlich holten die Eltern Leonie genervt ins Elternbett, damit Ruhe ist, obwohl sie ja eigentlich wollen, dass sie in ihrem Bettlein schläft. Wenn Leonie eine der Nächte hinter sich hat, in denen sie spät eingeschlafen und mehrfach aufgewacht ist, schlägt sich dies am Folgetag in Müdigkeit nieder, Leonie wirkt unaufmerksam und quengelt häufig.
Dieses Problem sowie auch andere Regulationsstörungen im Säuglingsalter treten vorübergehend auf und verschwinden nach einiger Zeit auch wenn keine Intervention erfolgt.
Problematisch ist vielfach weniger das Problemverhalten selbst, sondern es sind vor allem die vielfältigen Konsequenzen, die sich daraus für die Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung ergeben können. Wenn in den ersten Lebensmonaten vielfältige Probleme zwischen einem Kind und seinen Bezugspersonen entstehen, kann dies den Beziehungsaufbau beeinträchtigen und darüber vermittelt Folgeprobleme nach sich ziehen. Zum Beispiel den Kontrollverlust der Eltern kann zu Misshandlungen des Kindes führen. Insofern sollten Regulationsstörungen ernst genommen werden, auch wenn sie möglicherweise nicht längerfristig bestehen bleiben. Häufig nimmt das Kind durch seine Problematik so viel Raum ein, dass die Eltern zunehmend eingeschränkt fühlen.
Doch wie geht man vor?
Prävention:
Die Signale des Kindes früh erkennen (wie Augenreiben, Gähnen etc.) sowie prompt und angemessen handeln (z.B. Schlafen legen). Auch der Aufbau von Ritualen und Routinen kann hilfreich sein. Aber ich muss nun auch sagen, dass viele Verhaltensprobleme auch vorübergehender Natur sind und alle Eltern das einfach „miterleben“ müssen (also einen Blick in einem Informationsbuch über die Kinderentwicklung ist sicherlich wertvoll).
Intervention:
Wenn schon deutliche Probleme eingetreten sind, kann eine wichtige Massnahme darin bestehen, die betroffenen Eltern sowohl psychisch als auch physisch zu entlasten. Dies kann beispielsweise dadurch geschehen, dass ein Kind übergangsweise durch andere Bezugspersonen betreut wird, sodass eine Beruhigung der Elternteile eintreten kann. Weiter können entlastende psychotherapeutische Gespräche von Bedeutung sein, um beispielsweise einseitige Schuldzuweisungen seitens der Eltern zu vermeiden.
Also nicht warten, sondern handeln!
Herzlichst Ihre Isabella Coduti