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stammen ursprünglich aus Brislach. Durch irgend einen besonderen Verdienst wurden sie geadelt. Auf dem Bergkegel südlich von Bretzwil errichteten sie ihre erste Stammburg. Der Basler Fürstbischof erhob sie bald einmal zu Freiherren. Ein Zweig davon verlor aber durch Missheirat diese Würde, er bildete neben den Freiherren das Geschlecht der Edelknechte. Beide Linien lebten mehr oder weniger einträchtiglich beisammen und bewohnten das Schloss Ramstein bei Bretzwil je zur Hälfte. Die Freiherren mit der reinen Abstammung führten in ihrem Wappen zwei verschränkte weisse Lilien im schwarzen Feld. Die Bastardlinie, die Edelknechte, hatten das gleiche Wappen, nur andere Farben, rote Lilien im gelben Feld. In Zwingen hatte man es immer nur mit den Freiherren zu tun. Die Herrschaft Zwingen war neben Pfirt, Hasenburg (Asuel) und Rappoldstein eines der vier verschworenen Lehen im Bistum. Ein solches Lehen durfte, wenn es infolge Aussterbens der Lehensträgerfamilie heimfiel, nicht mehr verliehen, verkauft, versetzt oder verpfändet werden. Dies zu beachten musste jeder neue Bischof feierlich schwören, daher die besondere Bezeichnung: Verschworenes Lehen.
Zwei Fürstbischöfe stellten das Geschlecht der Ramsteiner. Der erste war Imer von Ramstein, der 1382 kurz vor dem Sempacherkrieg Fürstbischof wurde. Als solcher hat er die Freiberge besiedelt, indem er den Bewohnern ganz besondere Rechte verlieh, damit sie die Arbeit in der unwirtlichen Gegend nur aufnahmen. Die Freiberge haben ihren Namen bis auf den heutigen Tag erhalten.
Rudolf III. von Ramstein, der letzte Spross dieses freiherrlichen Geschlechtes, starb am 4. Oktober 1459 und liegt in der Neuenburger Kapelle im Basler Münster begraben. Er hinterliess drei Töchter, leider keinen Sohn. Die eine Tocher, Ursula, heiratete Thomas von Falkenstein, den unrühmlichst bekannten Mordbrenner von Brugg im alten Zürichkrieg. Die anderen beiden liessen sich mit gewöhnlichen Bauernburschen ein.
Über den Plattenpass fand nun eines Tages eine seltsame Flucht statt. Beide Töchter und ihre Liebhaber, mit Silbergeschirr reich beladen, flüchteten über den Rhein. Unterhalb von Basel, bei Neuenburg, wurden sie jedoch gestellt und gefangen dem Schwager auf die Farnsburg gebracht.
Die eine der Ausbrecherinnen, Anna, starb 1514 im Steinenkloster in Basel. Ursula von Geroldseck, die rechtmässig angetraute Gemahlin des letzten Ramsteiners, hatte ihren Mann schon vor den beiden Töchtern verlassen, weil sich im Ramsteinerturm eine Nebenfrau häuslich niederliess.
Rudolf III. hatte gleichwohl einen Sohn, zwar nicht von der rechtmässigen Frau, auch nicht von seiner im Schloss aufgenommenen Nebenfrau, man munkelt von der Schwester des Georg von Andlau, des ersten Rektors der Universität Basel. Was doch der letzte Ramsteiner für Beziehungen hatte!
Dieser Sohn, Hans Bernhard, war der Gründer von Gilgenberg und setzte die Linie der Edelknechte fort. Dessen Sohn, Hans Imer von Gilgenberg, ist auf den prächtigen Wappenscheiben von Meltingen verewigt. Er war Bürgermeister von Basel während des Schwabenkrieges.
In der Pfefferhansgeschichte wurde ihm Spionagetätigkeit für die Schwaben vorgeworfen. Er musste als Bürgermeister abdanken. Der wirkliche Spion war aber sein Stadtschreiber Hans Gerster, selber ein Schwabe aus Kaufbeuren.
In später Gewissensnot liess wahrscheinlich der wirkliche Sünder bei Hans Holbein d.J. für die alte St. Ursenkirche in Solothurn ein Altarbild malen. Dieses Kunstwerk war lange Zeit verschollen. Endlich entdeckte man es in der Allerheiligenkapelle ob Grenchen. Die Zettersche Madonna ist heute das Prunkstück in der Kunstsammlung in Solothurn.
Die Ramsteiner sind auch in die Weltliteratur eingegangen. Der berühmteste von ihnen war der Edelknecht Heinrich. Im Turnier auf der Pfalz in Basel besiegte er 1428 den spanischen Ritter Merlo.
Die Niederlage dieses spanischen Ritters war derat in den Volksglauben übergegangen, dass sie 200 Jahre später Cervantes in seinem Hauptwerk „Don Quixote“ verwendete. Der siegreiche Ramsteiner, der in Spaniens Nationalepos seine Verewigung gefunden hat, heisst dort „Remestan“.
So stehen wir vor der erfreulichen Tatsache, dass die Ramsteiner nicht nur treue Vasallen des Bischofs waren, sie haben die Schweizer- und Kunstgeschichte befruchtet und sind sogar in die Weltliteratur eines Cervantes eingegangen.
Vertrieben wurden die Landvögte erst 1792 mit der Proklamation der raurachischen Republik. Drei Jahre später kam das Schloss in private Hände, wechselte mehrmals den Besitzer, ehe es 1913 von der Holzstoff- und Papierfabrik Zwingen gekauft wurde.
Obwohl das Schloss immer Wahrzeichen der Gemeinde war, blieb es den Dorfbewohnern lange Zeit verschlossen. Erst 1974 mit der Gründung des Schlossvereins wurde das Schlossareal frei zugänglich. Seit dem 1. August 1993 ist das ganze Schlossareal mit allen Gebäuden im Besitz der Einwohnergemeinde Zwingen.
Was es den Zwingener bedeutete, „ihr“ Schloss für den Kaufpreis von 3.9 Millionen Franken erwerben zu können, mag man angesichts 700-jähriger Fremdherrschaft ermessen.
„Zwingen geht zurück auf eine ursprüngliche Dativ-Form *twingen (bei der) Befestigung. Dieses Wort bezeichnet die Verordnungsgewalt der Herrschaft, dann deren Geltungsbereich innerhalb einer Festung, schliesslich die Befestigung selbst“.
„Der Ortsname steht in direkter Verbindung zum Schloss Zwingen, das im Jahr 1312 zum ersten Mal erwähnt wurde … 1792 wurde das Schloss Nationalgut. Es wechselte mehrmals den Besitzer. Unter ihnen war auch die Papierfabrik Zwingen, welche einen grossen Teil der Burg abreissen liess“.
Die in allen zitierten Abhandlungen identische Deutung geht davon aus, dass zuerst die Burg erbaut und programmatisch als Herrschaftswahrzeichen benannt worden sei, ähnlich wie die Gesslerburg Zwing Uri under die Stägen. Das Dorf habe dann den Namen der Burg als „Ort bei der Befestigungsanlage“ übernommen. Aber diese Deutung hat mehrere Schwachstellen. Als erstes ist es schwer vorstellbar, dass man in unserem altbesiedelten Land zuerst eine Festung „auf der grünen Wiese“ erbaute in der Hoffnung, dass sich schon ein Bauerndörfchen daran anschliessen werde, vielmehr wurde in der Regel eine Burg als organisatiorischer Mittelpunkt eines schon bestehenden Siedlungsraumes errichtet. Sie krankt weiter daran, dass die Burg Zwingen erst relativ spät, „wohl Ende des 13. Jahrhunderts“, entstand, weshalb der bereits hundert Jahre früher bezeugte Name des Dorfes sich nicht auf die Festung beziehen kann. Zu diesen chronologischen Bedenken kommen morphologische: Mhd. twinc ist entweder ein starkes Maskulinum oder wie im Fall von Zwing Uri ein Imperativ, während der Ortsnahme Zwingen eindeutig eine schwach flektierte Substantivform zeigt.
Eine völlig andere Auffassung vertritt Christoph Bächtold, der sich auf die Erstnennung stützt: „Alemannischer -ingen-Name mit einem althochdeutschen Personennamen Zino (Zeno?), Zinwin oder Sinwin, der seinerseits aus germanisch Sin- ‚Stärke’ oder Tin (Herkunft und Bedeutung unsicher) entstanden ist; also vielleicht ‚bei den Leuten des Zinwin’“. Das ergäbe eine ursprüngliche Form wie Ziningen, Tiningen oder Zinwiningen. Diese Deutung lässt sich nicht halten, da in zwei der vorgeschlagenen Realisierungen das /w/ fehlt und in der dritten die Reduktion eines Personennamens auf zwei nichtsilbische Konsonanten im Deutschen schwer vorstellbar ist. Die absonderliche Form Zinwigen ist, wie wir oben dargelegt haben, nichts anderes als eine hilflose Schreibung des päpstlichen Notars, der des Deutschen nicht mächtig war und dem es auf einige Buchstaben mehr oder weniger und ihre Position im Wort nicht ankam. Ch. Bächtolds versuchter Rückgriff auf einen Personennamen ist also ein Griff ins Leere.
Unseres Erachtens steckt im Ortsnamen Zwingen kein rechtlicher und kein verwaltungstechnischer Begriff, sondern ein Flurname. Wir führen ihn nicht auf das Maskulinum ahd. *dwing, mhd. twinc ’Gerichtsbarkeit’, sondern auf das wenig bezeugte Femininum ahd. *dwinga, mhd. twinge ‚Zwinge’ zurück. Eine Zwinge ist im ursprünglichen Sinn ein ‚Werkzeug zum Festklemmen, Festhalten’, zum Beispiel ein Ring, eine Kappe oder ein Beschlag aus Metall an einem Stock, eine Metallschliesse an einem Bucheinband, ein eiserner Kienspanhalter an der Wand, eine Presse, in seltenen Fällen aber auch eine ‚Enge im Gelände, ein Klamm oder eine Felskluft’. Dies dürfte der Schlüssel zur Namendeutung sein. Joseph Gerster Roth schreibt über den ehemaligen Lauf der Birs: „In vorhistorischer Zeit - auf alle Fälle vor Erbauung der Burg - muss die Birs ihren Lauf in nördlicher Richtung durch den alten Graben genommen und die beiden Inseln vom Gebirge abgetrennt haben. Der übrig gebliebene Weiher beim Hofe Buchwalder und das in die Felsen eingefressene alte Birsbett bezeichnen noch genau das Tracé des frühern Birsflusses. Der frühere Zufluss der Lüssel in das alte Birsbett bildet den jetzigen aus den Felsen ausgehöhlten Graben zwischen Burg und Vorburg“. Eine Zeichnung von Emanuel Büchel von 1755 zeigt, wie sich die Birs in unmittelbarer Nähe des Schlosses in zwei Arme teilt, die einen Felsen umspülen, auf dem die Vorburg steht. Und gemäss dem Stich von Matthäus Merian von 1625 ist der Flussarm zwischen Hauptburg und Vorburg eng und reissend und stellt dank der steilen Felswände eine kurze Schlucht dar. Dies ist es, was die ersten deutsprachigen Anwohner mit grosser Wahrscheinlichkeit als ahd. *twinga ‚Zwinge’ bezeichnet haben: den kurzen Engpass des einen Birsarms zwischen zwei Felsen. Der Ortsname geht also auf einen das Gelände charakterisierenden Flurnamen zurück. Das Dörfchen nannte sich vermutlich ahd. *za deru twingun ‚bei der Kluft’, und die später errichtete Burg übernahm den Namen des Dorfes.