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19.IX.2008 - Die Schweizerische Nationalbank zu Inflation und Inflationsrisiken
Inflation und Inflationsrisiken
Die Inflation liegt seit Dezember 2007 über der Marke von 2%. Die höheren Erdölpreise konnten letztes Jahr verhältnismäßig einfach auf die Konsumentenpreise überwälzt werden, da die Wirtschaft in einer ausgezeichneten Verfassung war. Die seit Juli sinkenden Mineralölpreise haben bislang zu keiner bedeutenden Abnahme der Inflation geführt. Sie lag im August noch bei 2,9%, nachdem sie im Juli 3,1% erreicht hatte.
Die Aussichten für die weitere Teuerungsentwicklung bleiben grundsätzlich unverändert: Die Inflation dürfte nächstes Jahr aufgrund der in den letzten Monaten verzeichneten Abflachung der Erdölpreise und der erwarteten Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit weiter zurückgehen. Demzufolge ist die derzeitige Inflation eine vorübergehende Erscheinung.
Die seit der Lagebeurteilung vom Juni vorgenommenen Änderungen der Inflationsprognose sind im Wesentlichen technischer Natur. Die prognostizierte Inflation ist etwas höher und hartnäckiger, doch die mittelfristigen Aussichten bleiben mehrheitlich unverändert.
Diese Inflationsprognose ist mit besonderen Unsicherheiten behaftet. Diese betreffen vorwiegend die Annahmen über die Entwicklung der Weltwirtschaft. Darüber hinaus ist es schwierig, das Ausmaß, die Dauer und die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise abzuschätzen. Überdies kann nicht genau bestimmt werden, wie die Inflation auf die Konjunkturverlangsamung reagiert. Da die Nachfrage auf hohem Niveau liegt, die Produktionskapazitäten voll ausgelastet sind und die Kosten für Rohstoffe und Zwischenprodukte hoch bleiben, besteht die Gefahr, daß die Inflation weniger rasch zurückgeht als erwartet.
Der geldpolitische Entscheid
Die Inflationsprognose zeigt, daß die Teuerungsrate 2009 wieder unter die Marke von 2% zu liegen kommt. Die derzeitige Inflation ist eine vorübergehende Erscheinung, weil die zu erwartende Konjunkturverlangsamung dämpfend wirken wird und die Folgen der hohen Erdölpreise allmählich abflauen werden. Die mittelfristige Preisstabilität ist also nicht nachhaltig gefährdet.
Außerdem veranlassen die bedeutenden Unsicherheiten über die Weltkonjunktur und die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise die Nationalbank dazu, eine vorsichtige Haltung einzunehmen und ihren geldpolitischen Kurs unverändert beizubehalten.
Das hohe Inflationsniveau erfordert derzeit aber große Aufmerksamkeit: Ein erneuter Energiepreisanstieg, eine über Erwarten kräftige Konjunktur, ein schwächerer Franken oder ein Anstieg der Inflationserwartungen würden die mittelfristige Preisstabilität bedrohen.
Auf der anderen Seite könnte die Finanzkrise eine stärkere Verlangsamung der Konjunktur bewirken, was den Teuerungsdruck verringern würde. Die Nationalbank wird diese Faktoren deshalb weiterhin sehr genau beobachten, um bei Bedarf rasch handeln zu können.
Grafik der Inflationsprognose
Die neue Inflationsprognose (rot-gestrichelte Linie) reicht vom dritten Quartal 2008 bis zum zweiten Quartal 2011. Sie beruht, wie die Prognose vom Juni (strichpunktierte grüne Linie), auf der Annahme eines konstanten Dreimonats-Libors von 2,75%.
Die neue Prognose zeigt eine zunächst etwas hartnäckigere Inflation, die bis zum zweiten Quartal 2009 über der 2%-Marke liegt.
Dies ist vor allem die Folge der Erdölpreiserhöhungen in der Vergangenheit und einer Wirtschaftsaktivität auf hohem Niveau. Die Prognose zeigt jedoch, daß die Verlangsamung der Konjunktur, die in letzter Zeit rückläufigen Erdölpreise und der damit verbundene Basiseffekt zu einer Abnahme der Inflation in den kommenden Monaten beitragen werden.
Die Teuerung dürfte 2009 wieder auf einem Niveau liegen, das mit der mittelfristigen Preisstabilität vereinbar ist