Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03540.jsonl.gz/680

Als sich im Sommer 1851 die Tore des Crystal Palace in London für die Besucher öffneten, ahnte wohl kaum jemand, dass damit der Grundstein für eine Eventform gelegt wurde, die für mehr als 150 Jahre Bestand haben sollte: die Weltausstellungen. Die international ausgerichteten Ausstellungen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Mikrokosmen des imperialen Modernisierungswettstreits. Immer höher (Eiffelturm, Paris 1889), schneller und kreativer waren die hier vorgestellten Erfindungen. Wie sähe das Leben heute aus ohne Nähmaschine (London 1862), Telefon (Philadelphia 1876), Kühlschrank (Paris 1878), Tonfilm und Schreibmaschine (Philadelphia 1926). Immer prächtiger wurden die Ausstellungsgebäude und die Palais der teilnehmenden Nationen. Etwas abseits lagen die "Völkerschauen", rekonstruierte Dörfer mit Menschen aus den kolonialisierten Gebieten. Darüber hinaus entwickelten sich die Weltausstellungen immer stärker zu riesigen Freizeitparks und zogen mit exotischen Tänzerinnen wie der ehemaligen japanischen Geisha Sada Yakko (Paris 1900) oder Buffalo Bills Western Show (Paris 1889) ein sich zunehmend als kosmopolitisch wahrnehmendes Publikum an. Zahlreiche Künstler, zum Beispiel Claude Debussy, verarbeiteten ihre hier gemachten Erlebnisse in ihrem Werken. Die inhaltliche Vielfalt des Themas und die breite Auswahl an vorhandenem Quellenmaterial ermöglichen einen Einstieg in Methoden und Fragestellungen einer global und grenzüberschreitend ausgerichteten Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.
Weltausstellungen bis zum 2. Weltkrieg
Universität Basel
HS 2011
Einführungskurs (4-stündig)
Christiane Sibille