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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

IV. Rede
46.
[Forts. v. [S. 97] ] Seine erste verwegene und kühne Tat war, sich selbst die Herrscherwürde zu übertragen und sich mit dem erhabenen Titel auszuzeichnen, der von den Zeitverhältnissen oder durch Beschluß des Kaisers oder wie früher durch das Urteil des Senates als Lohn für Tugend, nicht aber als Zufallsbeute verliehen wird; nicht hatte er es dem Herrscher überlassen, das Maß der Ehren zu bestimmen. Was war der zweite Plan Julians, dem, wie er selbst wußte, infolge seiner Tollkühnheiten die Verwegenheit bereits zur Natur geworden war? Bis zu welcher Ruchlosigkeit und Kühnheit ließ er sich hinreißen? Welcher Wahnsinn: Julian zieht gegen Konstantius zu Felde! Er bricht vom Westen her unter dem Vorwande auf, sich wegen der Herrscherwürde zu verteidigen; denn noch glaubte er, seine Verwegenheit verbergen zu können. In der Tat aber bricht er auf, um die ganze Herrschaft an sich zu ziehen und wegen seiner Rücksichtslosigkeit Bewunderung zu finden. In dieser Erwartung allerdings wurde er nicht getäuscht.