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In „Der Platz“ beschreibt Annie Ernaux das Leben ihres Vaters.
Der Vater, 1899 in ärmlichen Verhältnissen geboren, schafft den Aufstieg vom einfachen Landarbeiter zum Angestellten in einer Seilerei und schliesslich zum Inhaber eines Lebensmittelladens mit Ausschank in einem Dorf in der Normandie.
Obwohl er das Arbeiterleben hinter sich lassen konnte, lebt er sein ganzes Leben in „ständiger Angst fehl am Platz zu sein, sich schämen zu müssen“ und den sozialen Erwartungen an ihn nicht gerecht werden zu können.
Annie Ernaux erzählt nicht nur die Geschichte ihres Vaters, sondern auch die ihres eigenen Lebens. Denn ebenso wie der Vater ist auch seine Tochter dem ursprünglichen Milieu entkommen.
Sie hat Erfolg in der Schule, wird Gymnasiallehrerin, heiratet und wird später eine erfolgreiche Autorin. Weit mehr als ihre Eltern lässt sie ihre Herkunft hinter sich. Der Bildungsaufstieg hat sie ihren Eltern entfremdet.
Auf nur knapp 100 Seiten beschreibt Annie Ernaux in einer direkten und unsentimentalen Sprache, was dieser Aufstieg sie gekostet und in welchen Zwiespalt er sie gestürzt hat.
1983 erschien „Der Platz“ in Frankreich und schon damals sorgten Annie Ernauxs soziologisch präzisen Schilderungen über ihren Arbeitervater für viel Aufsehen.
Therese Heiniger