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Abstract: Der Zürichsee und der Obersee bilden zusammen eine Wasserfläche von 88 km2, die im Osten mit dem heute verlandeten Tuggener See bis in die Frühe Neuzeit eine Erweiterung fand. Weiter ostwärts schliessen die Linthebene und der Walensee als Verbindung zum Alpenrheintal an. Auch wenn man bedenkt, dass Binnengewässer – dank des erleichterten Transports auf dem Wasser – bereits in der Vorgeschichte eher eine verbindende als trennende Wirkung gehabt haben dürften, so bietet eine Landverbindung nicht unerhebliche Vorteile. Als einzig prädestinierte Stelle für eine solche Art Verbindung im Zürichsee muss die Engstelle zwischen Rapperswil SG und Hurden SZ gelten. Diese günstige naturräumliche Situation wird im Wesentlichen von der Landzunge Hurden und einem extremen Flachwasserbereich gebildet. Beide Erscheinungen sind einem Stand des Linth/Rhein-Gletschers während der letzten Eiszeit zuzuschreiben.
Eine – historisch bezeugte – spätmittelalterliche Holzbrücke war lange Zeit der früheste Beleg für eine Ausnutzung dieser Engstelle. Die seit dem Jahr 1998 im Bereich des heutigen Seedamms durchgeführten unterwasserarchäologische Untersuchungen des Amts für Städtebau der Stadt Zürich im Auftrag des Amts für Kulturpflege Schwyz und der Kantonsarchäologie St. Gallen lieferten Nachweise einer viel früheren Nutzung der Seeenge: Pfahlstellungen, die in langen Reihen an mehreren Stellen zwischen beiden Ufern dokumentiert werden konnten, wurden seit der Frühbronzezeit an dieser Stelle angelegt. Sie lassen sich auch für römische Zeit und bis ins Frühmittelalter nachweisen, wobei die grösste Anzahl und die bisher am besten erforschten Einrichtungen in die Bronze- und Eisenzeit datieren.
So konzentriert sich die Lizentiatsarbeit auf den archäologischen Befund, den die vorgeschichtlichen Pfahlstellungen an dieser Fundstelle bilden. Als primäres Ziel gilt es zu ergründen, welcher Art die Anlagen waren. Um erosionsbedingte Defizite in den Überlieferungsbedingungen vor Ort auszugleichen, kann dies nur mittels einer vergleichenden Betrachtung anderer, besser erhaltener vorgeschichtlicher Verkehrseinrichtungen gelingen.
In Verbindung mit neu entdeckten Siedlungen, in nächster und näherer Umgebung, ergibt sich für diesen Teil des Zürichsees eine bemerkenswerte Konzentration von Siedlungen und gleichzeitigen Verkehrseinrichtungen, deren – auch über die Chronologie hinausreichender – Zusammenhang zu diskutieren sein wird. Die bereits vorliegenden umfassenden dendrochronologischen Datierungen bilden dabei die entscheidende Datenbasis für derartige Verknüpfungen innerhalb dieser Mikroregion. In einem grösseren Massstab ist der Versuch angelegt, die Seequerungen in Bezug zu einer vorgeschichtlichen Verkehrstopographie der Region zu setzen. Wobei eine Letztere erst aus vorhandenen Fundstellen und der allgemeinen Topographie zu erschliessen sein wird.
Ein umfangreiches, leider unstratifiziertes bronzezeitliches Fundensemble vom Seegrund sticht nicht nur mengenmässig aus dem übrigen Fundspektrum hervor. Auffallend ist es besonders in seiner Zusammensetzung, vorrangig aus Bronzeobjekten mit einem Schwerpunkt auf Gewandnadeln. Es gilt dieses Ensemble eingehend zu analysieren und damit neben der relativchronologischen Einordnung der Fundstelle einen weiteren Aspekt zu beleuchten, der im Zusammenhang mit intentionellen Deponierungen im Bereich der Seeenge steht.
Literatur
Cavelti, Th. (2001) Von Seebrücken und Steinzeitstahl – Neues zur Prähistorie des Kantons Schwyz. Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz 93, 11-18.
Eberschweiler, B. (2004) Ur- und frühgeschichtliche Verkehrswege über den Zürichsee: Erste Ergebnisse aus den taucharchäologischen Untersuchungen beim Seedamm. Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz 96, 11-32.
Hügi, U. (2004) Prähistorische Ufersiedlungen und Verkehrswege an Zürich und Obersee. as. 27, 16-26.