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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Sechstes Buch
IV. Kapitel
37.
1. Nach allem kommt zuletzt der Prophet, der deutlich sichtbar das Wassergefäß in den Armen trägt, und ihm folgen diejenigen, die die zum Fortsenden1 bestimmten Brote tragen.
2. Der Prophet selbst aber lernt als der Vorsteher des Tempels die zehn sogenannten hieratischen Bücher auswendig; diese handeln von den Gesetzen, von den Göttern und von der ganzen priesterlichen Bildung. Denn der Prophet ist bei den Ägyptern auch der Aufseher über die Verteilung der Steuern (der oberste Steuerbeamte).
3. Hermes hat aber im ganzen zweiundvierzig ganz unentbehrliche Bücher verfaßt. Von ihnen lernen die Vorgenannten die sechsunddreißig Bücher auswendig, welche die ganze Philosophie der Ägypter enthalten; die übrigen sechs aber lernen die Pastophoren;2 der Inhalt dieser Bücher bezieht sich auf die Heilkunst, und sie handeln vom Bau des menschlichen Körpers (von der Anatomie), von den Krankheiten, von den Instrumenten und Heilmitteln und von den Augenkrankheiten und von den Frauenleiden.
1: Die Bedeutung des hier gebrauchten Wortes (xxx) ist nicht klar. Fr.W. von Bissing schlägt dafür (xxx) vor, das in der Bedeutung "Rösten" öfters in den Papyri vorkommt (vgl. die Stellen bei Preisigke, Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden I S. 451 f.); aber dazu paßt wohl das Verbum (xxx) nicht. Man hat auch an eine Art "Schaubrote" gedacht; es kommen auf Abbildungen Opferträger vor, die auf den Händen spitze Brote tragen. Über die vielen Arten ägyptischer Brote vgl. A. Wiedemann, Das alte Ägypten (Kulturgeschichtliche Bibliothek I 2), Heidelberg 1920, S. 288 ff.
2: Die Pastophoren sind Tempeldiener, die ihren Namen davon haben, daß sie bei den Prozessionen die kleinen Götterbarken zutragen hatten; vgl. die ausführlichen Angaben über sie bei W. Otto, Priester und Tempel im hellenistischen Ägypten, Leipzig und Berlin 1905, I S. 94 ff. Otto hält die Angabe des Clemens über die Ausübung der ärztlichen Kunst durch sie für falsch.