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Arigatō
In Japan dankt man in der Regel mit einer Verbeugung. In einem traditionellen Rahmen auf den Knien, im modernen Leben und geschäftlichen Umfeld bloss im Stehen. Befindet sich der Dankende weiter unten in der Hierarchie, muss er sich tiefer und länger verbeugen.
Bevor sich der Untergebene erhebt, sollte er sich also auf jeden Fall vergewissern, dass sein Gegenüber sich schon wieder aufgerichtet hat – was nicht immer ganz einfach ist.
Das japanische Arigatō für Danke bedeutet in der wörtlichen Übersetzung: Es kann nicht leicht sein. Man will damit im Grund sagen, dass sich das Gegenüber Mühe gegeben und einen aussergewöhnlichen Einsatz für den Dankenden vollbracht hat.
Danke sagen? Kennen die Maniq nicht
Viele Jäger- und Sammlergesellschaften haben in ihrer Sprache keine Begriffe, um sich zu bedanken. Dieses Phänomen haben Anthropologen immer wieder und um den ganzen Globus verteilt beobachtet. So etwa Khaled Hakami (41), der sich auf die Maniq in Südthailand spezialisiert hat. Seine These lautet: «Bei Jägern und Sammlern ist Teilen so selbstverständlich, dass es kein Danke braucht.»
Hakami arbeitet für das Institut für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Er beschäftigt sich schon über zehn Jahre mit den Maniq und hat mit seinem Kollegen insgesamt mehr als anderthalb Jahre mit ihnen gelebt. Anthropologe Hakami hat auch keine Gesten beobachtet, mit denen das Naturvolk Dank ausdrücken würde. Er ist überzeugt: «In völlig egalitären Kleingruppen, die als Gemeinschaft funktionieren, braucht es das Konzept Danken nicht.»
Xièxie
Ursprünglich dankte man in China wie in Japan mit einer Verbeugung. Die Kommunisten haben mit dieser Tradition gebrochen. Sie empfanden diese Geste als Zeichen von Unterwürfigkeit – in einer Gesellschaft, in der doch theoretisch alle gleich sein sollten. Die Verbeugung gilt deshalb heute als rückständig, im Schriftzeichen für «Danken» lebt sie jedoch weiter.
Es besteht unter anderem aus dem Zeichen für «Körper» und dem Zeichen für «kleiner machen». Interessant ist, dass «Xie» nicht nur im Danken vorkommt, sondern auch in Entschuldigungen. Dem Dank haftet eine Entschuldigung an, dass man in der Schuld des Gegenübers steht.
Shukran
Unter Arabern dankt man sich selten mit Shukran. Lieber sagen Arabisch sprechende Menschen Dinge wie «Gott segne deine Hände», worauf das Gegenüber dann vielleicht antwortet «Gott wird auch dich wohlbehandeln». Solche Floskeln benützen auch Leute, die überhaupt nicht religiös sind. Denn indem man den Dank nicht personalisiert, sondern auf Gott überträgt, signalisiert man Bescheidenheit.
Da im arabischen Raum die Gastfreundschaft enorm wichtig ist, kann ein Zuviel des Dankes sogar beleidigend sein. Wer überschwänglich dankt, sagt implizit, dass er möglichst schnell wieder quitt sein möchte. Echte Freundschaften sind aber nur solche, in denen nicht ständig nachgerechnet wird, wer wem was schuldet. Wenn man zu viel dankt, sagen Freunde oder Verwandte in diesem Sinn: «Zwischen uns beiden gibt es kein ‹Danke›» – ma fi shukran bayn-na.
dhan’yavāda
In Hindi gibt es mit dhan’yavāda ein schönes Wort für danke. Allerdings wird es im Alltag selten benutzt. Dank wird in Indien normalerweise bloss mit einem Lächeln oder einem leichten Neigen des Kopfs ausgedrückt. Diese Dankesgesten kann man vor allem zwischen Freunden, Bekannten und Verwandten beobachten.
Fremde, die eine Dienstleistung erbringen, erhalten meist keinen Dank – etwa der Verkäufer im Laden oder der Kellner im Restaurant. Das hat seinen Ursprung im Kastensystem: Bedienstete stammen in der Regel aus einer tieferen Kaste. Ihre Handlungen gelten als selbstverständlich. Bedanken sich Westler zu überschwänglich, kann dies sogar als Flirtversuch gedeutet werden.