Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03167.jsonl.gz/2247

Federico Fellini Edition (Blu-ray Box)
INHALT
Wie viele Kinogänger von heute können mit dem Namen Federico Fellini noch etwas anfangen? Diese Edition gibt einen Überblick über die vier Jahrzehnte umfassende Regie-Karriere des großen Filmemachers, der in den 50er und 60er Jahren das italienische und europäische Kino prägte wie wenige andere: Neun Filme, sechs davon zum ersten Mal auf Blu-ray Disc erhältlich, führen von den neorealistisch beeinflussten Anfängen über die großen Meisterwerke der 60er Jahre bis zum visuell überbordenden, ideenreichen Spätwerk.
- Die Müßiggänger (I vitelloni, 1953)
- La Strada (1954)
- Die Schwindler (Il bidone, 1955)
- La Dolce Vita (1960)
- Achteinhalb (Otto e mezzo, 1963)
- Fellinis Satyricon (1969)
- Fellinis Roma (1972)
- Fellinis Casanova (1976)
- Fellinis Stadt der Frauen (La città delle donne, 1980)
Die DVD-Ausgabe der Box enthält zusätzlich den Film "Die Nächte der Cabiria" aus dem Jahr 1957.
KRITIK ZU DEN FILMEN
An den innerhalb der drei Jahre 1953 bis 1955 entstandenen ersten drei Filmen der Edition kann man beobachten, wie Fellini seine Wurzeln im Neorealismus hinter sich lässt: In "Die Müßiggänger" erzählt er alltägliche Ereignisse rund um eine Clique von fünf jungen Männern aus einer Kleinstadt an der Adriaküste. Das zugleich satirische wie liebevolle Frühwerk lässt viel von Fellinis eigenen Jugenderinnerungen einfließen. "La Strada", die Geschichte des emotional verkümmerten Schaustellers Zampanò (Anthony Quinn) und seiner zarten, naiven Assistentin Gelsomina (Giulietta Masina) fügt dem ärmlichen Setting melodramatische und märchenhafte Elemente hinzu. Fellini gewann damit bei den Filmfestspielen in Venedig einen silbernen Bären und konnte seinen ersten großen internationalen Erfolg feiern. "Die Schwindler" wiederum ist ein gut besetztes, realistisches Drama um zwei Gauner, das starke Gefühle erzeugt und auf einer tragischen Note endet.
"La Dolce Vita" läutet 1960 dann Fellinis "klassische Phase" ein. Seine traurigsüße Abrechnung mit dem Nachtleben der römischen High Society und der parasitenhaft davon lebenden Klatschpresse wurde zu einem der größten internationalen Kassenerfolge in Fellinis Karriere. Mit "Achteinhalb" schlug der Filmemacher dann 1963 introspektivere Töne an. Der in Teilen surreale Film mit Marcello Mastroianni als Fellinis Alter Ego ist eine autobiografische Zwischenbilanz seines Lebens als Privatmensch wie als Künstler und bescherte seinem Urheber eine weltweite Flut an Lobeshymnen und Preisen.
Die Werke der Jahre 1969 bis 1980 sind vor allem inspiriert von Fellinis Beschäftigung mit Psychoanalyse und Traumdeutung. So entstanden sowohl "Fellinis Satyricon", eine episodische Phantasiereise nach dem antiken Schriftsteller Petronius, als auch "Fellinis Casanova", basierend auf den Lebenserinnerungen des venezianischen Adligen Giacomo Casanova (gespielt von Donald Sutherland), komplett in den Cinecittà-Studios. Diese farbenprächtigen, surrealen Bilderwelten voller theaterhafter Künstlichkeit sind für heutige Sehgewohnheiten ungewohnt, entfalten aber immer noch ihren eigenen Reiz - "fellini-esk" eben.
"Fellinis Roma", einen eigenwilligen Mix aus Dokumentation und Surrealismus, drehte der Meister 1972 als Hommage an seine Wahlheimatstadt: Erinnerungen an Fellinis ersten Rom-Besuch in der Mussolini-Ära wechseln mit Schlaglichtern auf das "Hippie"-Rom der frühen 1970er Jahre und satirischen Seitenhieben auf Pomp und Eitelkeit bei einer Modenschau im Vatikan. Eine verspielte Auseinandersetzung mit Machotum und Geschlechterrollen bietet schließlich der letzte Film der Edition, "Fellinis Stadt der Frauen" aus dem Jahr 1980: In der Rolle der Hauptfigur Snaporaz, der sich auf einen feministischen Kongress verirrt, tritt noch einmal Marcello Mastroianni auf. Dessen altes Latin-Lover-Image wird hier ironisch auf die Probe gestellt.
TECHNIK UND AUSSTATTUNG
Dass diese Filme nicht neu sind, sieht man ihnen durchaus an - mit der Detailschärfe und Sauberkeit heutiger Digitalproduktionen können die HD-Master der Blu-rays nicht konkurrieren. Müssen sie aber auch nicht! Das zum Teil deutlich sichtbare Filmkorn und manche kleine Unperfektheit der sehr unterschiedlichen Ausgangsmaterialien geben diesen Filmen einen wunderbar kinohaften Look, der bei Klassikern dieses Kalibers durchaus angebracht ist. Vor allem "La Dolce Vita" und die Filme des Spätwerks entfalten trotzdem große Wirkung in den vorliegenden HD-Fassungen. Dazu gehört auch der überall vorhandene italienische (Mono-)Originalton, der jeweils von gut gemachten deutschen Untertiteln und der deutschen Synchronfassung ergänzt wird.
Eine kleine Enttäuschung stellt sich dagegen beim Thema Extras ein. Film-Trailer und einige geschnittene Szenen aus "Fellinis Roma" als einziges Bonusmaterial auf den Discs lassen viele Wünsche offen. Darüber kann auch das mit 80 Seiten recht umfangreiche Booklet mit Basis-Infos zu Fellini und den vorliegenden Filmen nicht hinwegtrösten.
KABEL EINS BEWERTUNG
Von Fellinis großen Meisterwerken fehlt hier eigentlich nur die sehr persönliche Kindheits-Reminiszenz "Amarcord". Doch wer die hier enthaltenen neun - in der DVD-Box zehn - grandiosen Filmkunstwerke gesehen hat, kann sich auf jeden Fall als Fellini-Kenner bezeichnen. Die für Fans des klassischen europäischen Kinos obligatorische Edition enttäuscht lediglich durch die kaum vorhandenen Extras. (map / kabeleins.de)
Heimkino-Facts
Anbieter: Studiocanal
Erhältlich als: DVD Box Set, Blu-ray Box Set
Veröffentlichung: 14. Februar 2019
Film Details
|Land||Italien|
|Länge|
|Altersfreigabe||FSK 16|
|Produktionsjahr||1953-1980|