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Ihr italienisches Timbre, ein starker Ausdruck und ihr Streben nach stimmlicher Weiterentwicklung zeichnen die Mezzosopranistin aus. Ganz bewusst stellt sie die Arbeit als Interpretin in den Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Vielfältigkeit und Flexibilität in ihrer stilistischen Herausforderungen legen dafür ein Zeugnis ab.
Lebenslauf
Gianna Lunardi wuchs in Winterthur auf und erhielt dort auch ihre erste musikalische Ausbildung mit Violin-, Gesangs- und Klavierunterricht. Eine intensive Beschäftigung mit der Musik führte sie mit 16 Jahren nach Schweden, wo sie ihre musikalische Tätigkeit erstmals in den Mittelpunkt stellte.
Nach abgeschlossnerer Matura wurde sie ins Vorstudium bei David Thorner in Winterthur aufgenommen und begann anschliessend im Sommer 2008 ihr Gesangstudium bei Jane Thorner an der Zürcher Hochschule der Künste, welches sie mit Auszeichnung mit dem Master of Arts in Music – Pädagogik im Sommer 2013 abschloss. Wegen ihren herausragenden Leistungen im pädagogischen Bereich wurde sie mit dem Preis der Werner und Berti Alter-Stiftung honoriert.
Lehr- und Wanderjahre
Nach dem Studium arbeitete sie mit Raymond Connell (London) an ihrer stimmlichen Weiterentwicklung. Daneben folgten erste Engagements. Sie debütierte als Hermine in Paul Suits’ Kammeroper „Die Göttin im Kater“ (Urauffürung) im Herbst 2013. Im Winter 2014/15 erntete sie Schlagzeilen als Prinz Orlowsky, der in Strauss’ Operette “Die Fledermaus“ im Theater Arth als Conchita Wurst inszeniert war, an der Premiere erstmals die Bühne betrat.
Ihr komisches Talent und ihre Vielseitigkeit demonstrierte sie als 2. Dame in Mozart‘s „Zauberflöte“ in der Schlossoper Hallwyl im Sommer 2015 und als Alice Bean im Musical „Titanic“ auf der Seebühne Melide (Produktion der Walenseebühne Ticino, Sommer 2016).
Im barocken Pasticcio „Ariadne – eine Frau sieht rot“ (Oper mal anders, Luzern, Sommer 2017), durfte sie als Oenone mit Spezialisten des barocken Faches zusammenarbeiten und im Sommer 2018 die neu geschaffene Rolle der Baronessa in der erweiterten „Zaubergeige“ von Offenbach interpretieren (Operetta giò’n Plazzetta Ardez) .
Meisterprüfung
Nach mehrjährigem Unterbruch nahm sie im Herbst 2017 wieder das Studium auf, um ihre bis dato erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen aufs Beste zu komplettieren. Parallel zum Master-Studium bei Judith Schmid freute sie sich, den Theaterbetrieb eines offiziellen Hauses Kennenzulernen. Im Theater Luzern stand sie als Elfe in Schumann’s „Szenen aus Goethes Faust“ (Frühling 2018) und als Gianna in „Im Amt für Todesangelegenheiten“ von Klaus von Heydenaber (Herbst 2018) auf der Bühne.
2019 schloss sie auch ihren zweiten Master mit Auszeichnung ab und kehrte für eine erneute Operellaproduktion an den Zürichsee zurück: In William Waltons „The Bear“ verkörpert sie die temperamentvoll trauernde Witwe Lady Popova.
Im Winter 2020 flog sie als Stella/Ella in „Frau Luna“ von Paul Lincke am Theater Sursee zum Mond – ein Flug, der leider vorzeitig wegen der Pandemie vorzeitig abstürzte und dessen Spielzeit nicht beendet werden konnte.
Teamplayerin – Lichtblicke im Coronadunkel
Ein Debüt am Wiener Konzerthaus und die Möglichkeit, an der Eröffnung der Biennale in Venedig zu singen gehörten leider zu den Coronaopfern. Gleichzeitig eröffnete die Pandemie neue Möglichkeiten: Plötzlich hatten alle mehr Zeit und so wurde es möglich, sich intensiv und gezielt in einer Company kennenzulernen und weiter zu bilden.
Es entstand „Ein Zuger Sommernachtstraum“ mit der Gravity-Company, dessen Premiere unter Zittern und strengen Massnahmen in einer Lockerungsphase im Sommer 2020 stattfinden durfte. Die Strategie, die Stücke den Mitwirkenden anzupassen und nicht umgekehrt ermöglichte es, in kleiner Formation und sicher auch eine „Zuger Zauberflöte“ im Sommer 2021 auf die Bühne zu bringen. In beiden Stücken interpretierten alle vier Darstellenden mehrere Rollen, was dazu führte, dass Gianna Lunardi Mozarts Königin der Nacht (natürlich eine Quarte runter transponiert) zu ihrem Repertoire zählen darf.
Dazwischen lag eine grossangelegte Produktion von „La cambiale di Matrimonio“ von Gioachino Rossini, welche von Operetta gio’n Plazzetta in Koproduktion mit Opera Engiadina im Engadin auf Reisen gehen durfte und in der sie die Rolle der Clarina innehatte.
Immer noch geprägt von den dunklen Zeiten folgte im Winter 2022 eine inszenierte „Winterreise“ mit Liedern von Schubert, Schumann und Texten von Edgar Alan Poe.
Sängerische Tätigkeitsfelder
Gianna Lunardi ist Mitglied verschiedenen Formationen und pflegt dabei eine grosse stilistische Diversität.
Als Mitglied des Vokalensembles Zürich unter der Leitung von Peter Siegwart wirkt und wirkte sie in diversen Projekten, darunter den Königsfelder Festspielen und dem Musiktheater „Die Reise nach Comala“ (Uraufführung 2017) von Germán Toro Pérez mit. Mit der Zürcher Sing-Akademie durfte sie schon mit namhaften Dirigenten, wie zum Beispiel David Zinman, Roger Norrington und Charles Dutoit arbeiten.
Kammermusikalische Projekte im Liedbereich mit der Pianistin Seraina Braun und andere Kombinationen, wie zum Beispiel mit Gitarre oder Saxophon komplettieren das musikalische Schaffen der Künstlerin.
Sie ist ausserdem Mitglied des Vorstandes von Operetta gio’n Plazzetta, ein Verein, der es sich zum Ziel macht, Oper in die entlegenen gebiete des Unterengadins zu bringen und so für die Bevölkerung verfügbar zu machen.
Höhepunkte ihrer Konzerttätigkeit als Solistin bildeten Auftritte in der Tonhalle Zürich u.a. in Beat Furrer‘s FAMA und im Hayden-Oratorium.