Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03176.jsonl.gz/3140

Auf einer Darstellung des französischen Malers Humbert Mascheret ist Bruder Klaus mit einer Labeflasche abgebildet, seine Hände auf die Schultern des katholischen Solothurner Gesandten und des reformierten Basler Abgeordneten gelegt.
Das Bild von 1586, eine historisch falsche Darstellung des Bundesschwurs von 1481, geschaffen für das Rathaus des mächtigen reformierten Standes Bern, war für die Katholiken eine Provokation: Mit der Labeflasche wurde nicht nur das Wunderfasten von Niklaus von Flüe in Frage gestellt, sondern Bruder Klaus, aus katholischer Sicht leuchtendes Vorbild für den alten Glauben, als Brücke zur Reformation dargestellt.
Die erfolgreiche und für die Eidgenossenschaft so wichtige Vermittlung des in Stans 1481 nicht anwesenden Eremiten aus dem Ranft begründete Bruder Klausens Ruf als zivilreligiöser Vermittler, der bis heute weiterwirkt.
Mit diesem Beispiel und vielen anderen zeigt der reformierte Nidwaldner Pfarrer Fritz Gloor eindrücklich auf, dass Niklaus von Flüe auch bei den Reformierten stark verehrt wurde und wird, aber eben anders als bei den Katholiken.
Eine Brücke zu den Reformatoren war der erste offizielle Biograf von Niklaus von Flüe, Heinrich Wölfli, der nicht nur Lateinlehrer von Huldrych Zwingli war, sondern auch Ideengeber für die vier Schriften Zwinglis über Bruder Klaus. Darin warnte Zwingli vor Eigennutz und der damit verbundenen Reisläuferei, die ihrerseits für die katholisch gebliebenen eidgenössischen Orte wirtschaftlich sehr wichtig war. Am Anfang der katholisch-konfessionellen Literatur über Bruder Klaus stand die erste gedruckte Biografie aus dem Jahre 1537, verfasst vom katholischen Polemiker Hans Salat. Salat, der den Neugläubigen zugestand, die Geschichte des Ranfteremiten objektiv zu schildern, stilisierte Bruder Klaus zu einer heilsgeschichtlichen Gestalt empor, die geradezu Höhepunkt und Abschluss des wahren Christentums vor der Glaubensspaltung gewesen sei. Das sahen die Reformierten natürlich anders: Sie wehrten sich bis zur Heiligsprechung von 1947 gegen die Vereinnahmung des vorreformatorischen Eremiten als allein katholischer Heiliger.
Wer sich über den «Landesheiligen zwischen den Konfessionen» interessiert, ist mit dem von Fritz Gloor eingängig geschriebenen Buch aus dem TVZ-Verlag bestens bedient!