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Eine Expertenjury hat die eingegangenen Bewerbungen für ein Mobilitätsstipendium zur Realisierung eines künstlerischen Projekts im Zeitraum 2020 geprüft. Nach eingehenden Überlegungen entschied sie sich für die Projekte von Gauri Priscilla Brülhart und Viviane Fontaine, zwei Künstlerinnen, die zu den Ursprüngen ihrer Kunst zurückkehren wollen, um Neues zu schaffen.
Die Tänzerin und Choreografin Gauri Priscilla Brülhart wird von Februar bis Mai 2020 Tanzkompanien sowie bekannte professionelle Tänzerinnen und Tänzer in den indischen Städten Lucknow, Ahmedabad und Varanasi und auch in New York besuchen, um den Kathak (klassischer indischer Tanzstil) zu erforschen und dessen Grenzen auszuloten. Sie will dabei einen persönlichen, zeitgenössisch geprägten Stil entwickeln. Das Stipendium wird es ihr ermöglichen, das Bewegungsvokabular des Nrithya (des erzählenden Teils des Kathak) und des Nritta (rein technischer Teil) sowie Rasa, die Formen von Emotionen, welche die Tänzerin oder der Tänzer zum Ausdruck bringen und die von den dafür empfänglichen Personen im Publikum verspürt werden können. Nach diesem Eintauchen in die Ursprünge des Kathak wird Gauri Priscilla Brülhart die zeitgenössische Dimension ihrer Stilstudien bei der Martha Graham School Company in New York weiter vertiefen. Während ihrer gesamten Reise wird Gauri Priscilla ihre Begegnungen, Erfahrungen und Inspirationen in den sozialen Netzwerken teilen. Ihre Studien wird sie gestalterisch in einem Werk zum Ausdruck bringen, das 2021/22 in Freiburg präsentiert werden soll.
Gauri Priscilla Brülhart, geboren 1980 in Freiburg, ist Tänzerin und Choreografin. Nach ihren Ausbildungen am Konservatorium Freiburg, an der Tanzschule «Danse Plus» in Monaco und am Laban Center in London wurde sie 2006 von Pt. Ravi Shankar Mishra entdeckt und verbrachte mehrere Jahre in Varanasi (auch Benares genannt), um den klassischen indischen Tanz (Kathak) zu erlernen. Die Berufstänzerin mit einem Junior und Senior Diplom der Prayag Sangeet Samiti Akademie in Allahabad praktiziert seit 2010 den Kathak und tritt regelmässig in Indien, Europa und in der Schweiz auf. Im Rahmen verschiedener Projekte hat sie mit Musik- und Kunstschaffenden aus unterschiedlichen Bereichen zusammengearbeitet: mit der Balletcompagnie "Les Ballets de Monte Carlo", mit der Landwehr, dem "Cirque liquide" usw. Im Januar 2014 gründete sie den Verein Sangeet Swiss in Freiburg, um die klassischen indischen Künste und den interkulturellen Austausch zu fördern. Zudem ist sie bei der Vereinigung "Ateliers d’ethnomusicologie" in Genf als Lehrkraft tätig.
Die Künstlerin Viviane Fontaine wird nach Japan reisen, um sich dort von Oktober bis Dezember 2020 vertieft mit den alten Techniken der Papierherstellung zu befassen. Der Titel ihres Projekts «Sur les traces d’Uchigumo…» bezieht sich auf eine 1500-jährige Technik, die nur noch in einer weltweit einzigen Werkstatt in Imadate (Präfektur Fukui) praktiziert wird, einem Dorf, das für seine historische Papierherstellung bekannt ist. Viviane Fontaine wird während ihres Aufenthalts in Japan unter anderem auch nach Minō reisen, einem Zentrum des Papierkunsthandwerks. Das Stipendium wird ihr intensive Kontakte mit den japanischen Papierkunsthandwerkern ermöglichen, um Einblick in die Geheimnisse ihres Handwerks zu erhalten und sich darin zu üben. Nach ihrer Rückkehr wird Viviane Fontaine mit Hilfe der neu gewonnenen Kenntnisse grosse Platten gestalten. Sie will dabei ihre Ideen zur Transparenz und Undurchsichtigkeit in einem architektonischen Kontext, in dem das Licht eine wichtige Rolle spielt, in ihre Werke einfliessen lassen.
Nach ihrem Maturaabschluss im Jahr 1972 begab sich Viviane Fontaine (geboren 1953 in Genf) in die Vereinigten Staaten, wo sie einen Künstler kennenlernte, der mit Papier arbeitet. Dieser erste Kontakt mit diesem Material in einem künstlerischen Umfeld wird sie nachhaltig prägen. 1973 wurde sie in die Hochschule für Kunst und Design in Genf aufgenommen. In ihrem Abschlussjahr erstellte Viviane Fontaine eine Forschungsarbeit über die Papierherstellung in Europa. Seit 1984 stellt sie regelmässig in der Schweiz und im Ausland aus und bildet sich mit Praktika und Atelierbesuchen weiter, zunächst im Elsass und in den USA, dann ab 1987 in Japan. Sie lebt seit 1990 in Greyerz, wo sie originelle Werke mit Pflanzen gestaltet und ihre Kunst weiterentwickelt. Die verschiedenen Papierarten und Techniken bilden für sie die Ingredienzen, mit denen sie ihre Werke gestaltet. Seit 1986 vermittelt sie ihr Wissen und leitet Praktika an Kunsthochschulen in der Schweiz, private Workshops und praktische Ausbildungskurse für Lehrpersonen und pädagogischem Fachpersonal.
Die EKSD schreibt seit 2014 jedes Jahr ein oder mehrere Mobilitätsstipendien mit einem Betrag von höchstens 20 000 Franken aus, um professionellen Kunstschaffenden aus Freiburg die Realisation eines Schaffensprojekts zu ermöglichen, das einen drei- bis sechsmonatigen Aufenthalt ausserhalb ihrer Sprachregion oder im Ausland erfordert.