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In der Debatte über Apples Rolle beim App-Vertrieb auf dem iPhone bekommt der Konzern neuen Druck durch eine Klage von zwei App-Entwicklern.
In der in Kalifornien eingereichten Klageschrift werfen sie Apple unter anderem vor, einen zu hohen Anteil an den Erlösen der App-Anbieter zu kassieren. Die Entwickler streben eine Sammelklage an, der sich auch andere Anbieter anschliessen könnten.
Apples Rolle als Betreiber des App Stores, der die einzige zugelassene Quelle für Anwendungen auf iPhone und iPad ist, geriet zuletzt verstärkt in die Kritik. So legte der Musikstreaming-Marktführer Spotify eine Beschwerde bei der EU-Kommission ein. Spotify prangert unter anderem an, dass der Dienst vom Erlös der auf einem iPhone abgeschlossenen Abos 15 bis 30 Prozent an Apple abgeben müsse, während der Konkurrent bei seinem Angebot Apple Music als Plattform-Anbieter den kompletten Betrag behalte.
«Wenn wir diese Steuer bezahlen, würde uns das zwingen, unsere Premium-Mitgliedschaft künstlich deutlich teurer zu machen als Apple Music», kritisierte Spotify. Man wolle «keine Sonderbehandlung», sagte das Unternehmen und verwies darauf, dass etwa der Fahrdienst-Vermittler Uber oder der Essenlieferdienst Deliveroo auch keine Abgaben für die einzelnen Transaktionen in ihren jeweiligen Apps zahlen müssten.
Ähnlich wie Spotify argumentieren andere Streaming-Dienste wie Netflix und Deezer.
In den USA gibt es zudem eine Klage von Konsumenten, die fordern, dass Apple auch konkurrierende App Stores für iPhone und iPad zulassen müsse. Das Oberste Gericht der USA lehnte jüngst einen Antrag von Apple ab, diese Klage nicht zuzulassen.
Auch die beiden App-Entwickler verlangen, dass Apple weitere Quellen für Anwendungen auf dem iPhone zulässt. Sie kritisieren unter anderem, dass der aktuelle App Store mit zwei Millionen Anwendungen zu gross sei und Apps zu leicht in der Masse untergingen. Bei einer Öffnung könnten dagegen auch spezialisierte Plattformen entstehen, in denen Apps leichter zu finden wären, argumentieren sie. Einer der Entwickler verkauft im App Store eine App mit Vorschlägen für Kinder-Namen, der andere bietet eine Anwendung zum Basketball-Training mit einer monatlichen Gebühr an. Die Abgabe von 30 Prozent bezeichnen die Entwickler als «exorbitant».
Apple weist die Kritik an seiner App-Politik stets zurück und betont unter anderem, dass mehr als 80 Prozent der Anwendungen im App Store kostenlos seien und dem Konzern kein Geld brächten. Mit der Kontrolle über den App Store hat Apple zudem die Möglichkeit, böswillige Anwendungen herauszufiltern, bevor sie die Nutzer erreichen. Laut jüngst veröffentlichten Zahlen werden sechs von zehn eingereichten Apps von Apple zunächst abgelehnt, meist wegen Software-Fehlern oder aus Datenschutz-Gründen. Diese Kontrollen können allerdings nicht gänzlich verhindern, dass betrügerische Apps nicht doch in den App Store gelangen.
Die EU geht schon lange gegen die grossen Tech-Konzerne vor. Nun wollen auch Demokraten und Republikaner im US-Abgeordnetenhaus die Marktmacht der grossen Technologiefirmen wie Apple, Google, Amazon und Facebook untersuchen lassen.
«Eine kleine Zahl von marktbeherrschenden, unregulierten Plattformen hat eine aussergewöhnliche Macht über Online-Handel, -Kommunikation und -Informationen», hiess es Anfang dieser Woche. Die Untersuchung soll unter anderem herausfinden, ob die Unternehmen ihre Monopolstellungen ausnutzen oder wettbewerbsfeindliche Massnahmen ergriffen haben.
In den USA macht sich parteiübergreifend ein Gefühl breit, dass bei Technologieriesen wie Apple oder Google zu viel Macht und Einfluss bei zu wenig Regulierung gebündelt sein könnte. Damit steigt der politische Druck auf die Unternehmen, die auch in Europa massiv ins Auge der Wettbewerbshüter und Steuerbehörden geraten sind.
Der iPhone-Hersteller Apple hatte im Steuerstreit mit den Wettbewerbshütern der EU im September 2018 mehr als 14 Milliarden Euro (fast 16 Milliarden Franken) auf einem Treuhandkonto hinterlegt. Wie die EU-Kommission mitteilte, entspricht die Summe dem Profit, den Apple durch illegale Steuervergünstigungen in Irland machte. Apple-Chef Tim Cook hatte die Nachforderung zunächst als «politischen Mist» kritisiert, lenkte jedoch später ein.
Zuletzt verhängte die EU-Kommission gegen Googles Muttergesellschaft Alphabet ein Bussgeld von 1.5 Milliarden Euro, weil das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung bei Online-Werbung missbraucht und Rivalen behindert haben soll.
(oli/sda/awp/dpa)