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|Abt Hartmut (872-883)

Abt Hartmut
Hartmut, 872-883. Wenn die Verwandtschaft Hartmuts mit Bischof Landalt von Treviso und König Rudolf von Burgund auch zweifelhaft ist, so steht doch fest, daß er einer angesehenen Familie entstammte. Seine Ausbildung erhielt er bei Hrabanus Maurus in Fulda; dort war er Mitschüler Otfrids von Weißenburg und Werinberts. Als Mönch von St.Gallen erscheint Hartmut erstmals in einer Urkunde vom 8.2.838. Da Abt Grimald infolge seiner Hofdienste sehr oft vom Kloster abwesend war und um die Unregelmäßigkeit seiner Ernennung auszugleichen, ließ er die Mönche mit Einwilligung des Königs einen Stellvertreter wählen, nämlich Hartmut. Im Mai 849 tritt Hartmut erstmals als Dekan auf. In diesem Amt ist er bis 872 ununterbrochen mit Ausnahme der Jahre 855 und 867 belegt, in denen er als Propst erscheint. Nach Grimalds Tod am 13.6.872 wurde Hartmut in einer zweiten Wahl als Nachfolger bestätigt. Am 1.2.873 wird er erstmals in einer Urkunde als Abt erwähnt. Bereits unter Grimald griff er bestimmend in die Geschicke des Klosters ein, seine Statuten, die sich auf die Klosterverwaltung und die Disziplin beziehen, waren lange nach seinem Tod noch in Kraft. Mit Ludwig dem Deutschen und Karl III. stand Hartmut in bestem Verhältnis, 873 erlangte er von Ludwig Immunität, Königsschutz und das Inquisitionsrecht, d.h. die völlige Gleichstellung des Klosters St. Gallen mit den andern königlichen Klöstern, etwa der Reichenau; 877 bestätigte König Karl die Immunität und freie Abtswahl, 883 wiederholte er die Bestätigung als Kaiser. Hartmut war eifrig für das Wohl seiner Brüder besorgt. In die elf Jahre seiner Regierung fallen über 50 Urkunden, die eine Schenkung, eine Übertragung, einen Tausch oder die Rückerwerbung von Gütern beinhalten. Hartmut ist wohl der Verantwortliche für sämtliche Um- und Neubauten aus der Regierungszeit Abt Grimalds, deren Ausstattung erst unter seiner Regierung fertiggestellt wurde, wie auch die Errichtung des Schul- oder Hartmutsturms, der dazu dienen sollte, bei Brandgefahr den Klosterschatz zu bergen. Schon unter Grimald war Hartmut um die Vermehrung der Bibliothek bemüht. Abt Hartmut gilt als der Schöpfer des neuen großen Bibelkorpus. Unter ihm erlebte die Miniatorenkunst eine bedeutende Entwicklung, wie das schönste Werk der Miniatorenschule, der Folchard-Psalter, erweist, der nach einem Schreibereintrag praeceptoris Hartmoti jussu angefertigt wurde. 883 bat er den aus Italien heimkehrenden Kaiser Karl, auf die Abts-würde resignieren zu dürfen, was dieser gewährte. Hartmut ist als Abt ein letztes Mal am 5.10.883 belegt. Ihm wurde Herisau mit Waldkirch und Niederbüren zur Nutznießung überlassen. Später scheint er jedoch das strenge Leben eines Inklusen geführt zu haben. 895 muß er noch gelebt haben, denn in der Zeugenliste der Urkunde vom 30. März figuriert er als Hartmuotus presbyter unmittelbar nach dem Abt. Als Todesdatum geben sowohl das St. Galler wie auch das Reichenauer Necrologium den 23. Januar an. Begraben wurde er auf dem Friedhof unmittelbar neben der Peterskirche.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)