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«Ich werde jenen Beruf wählen, in welchem ich am meisten wirken kann. Meine innere Neigung ruft mich zur Journalistik. Ich erkenne in der Stimme meines Herzens den Ruf des Heilandes und will ihm folgen.» Diese Worte schrieb der 19jährige Philipp Etter 1911 in sein Exerzitienheft und versprach, gegen Freimaurertum, Liberalismus und Sozialismus zu kämpfen: «Mein Leben ist meinem Heilande geweiht, und wenn ich ihm auch nur als armes Zeitungsschreiberlein dienen kann.» Etter wurde 1912 mit 20 (!) Chefredaktor der «Zuger Nachrichten», der Parteizeitung der Zuger Katholisch-Konservativen, und leitete sie während 22 Jahren.
Die Biografie von Thomas Zaugg stellt vieles von dem, was Etter nachgesagt wird, in ein neues Licht. Auch wenn er im Zweiten Weltkrieg ein Berufsregister nach korporativem Vorbild zu schaffen vorschlug, mit dem sich die Journalisten eigenverantwortlich der Zensur unterwerfen sollten, war er keiner, der nur darauf wartete, sich Nazideutschland an die Brust zu werfen – wie Briefwechsel aufzeigen, fürchtete er den Nationalsozialismus wie auch den Bolschewismus. Dass er, als Bundesrat, Wendungen wie «der ewige Jude» verwendete, mag aus heutiger Sicht erschrecken, ist aber auch aus der Zeit heraus zu verstehen. Zaugg enttarnt Etter als typischen katholisch-konservativen Exekutivpolitiker, wie man ihn heute noch in den Reihen der CVP antrifft: ein vorsichtiger Zögerer, Zauderer und Kompromissler, ein Opportunist vielleicht in einigen Fragen.
Mit 26 überlebte Etter die Spanische Grippe und wurde in den Kantonsrat gewählt, dann mit 30 in den Regierungsrat, mit 39 in den Ständerat und mit 43 in den Bundesrat – um dort, zum «Etternel» geworden, während 25 Jahren zu verbleiben. Etter war zehnfacher Familienvater und gilt als Vater der geistigen Landesverteidigung. 1937 schrieb er: «Die bewaffnete Verteidigung des Landes ist eine primäre und wesenhafte Aufgabe des Staates. Die geistige Landesverteidigung dagegen fällt primär nicht dem Staat, sondern dem Menschen, dem Bürger zu.»
Thomas Zaugg: Bundesrat Philipp Etter (1891–1977).
Zürich: NZZ Libro, 2020.