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100 Jahre: Unsere Geschichte
Der Zürcher Theaterverein wird 100 Jahre alt. Er erlebte so manche kulturelle Stimmung der Stadt Zürich. Und er ist mitverantwortlich, dass die heutige Theaterszene in Zürich so vielfältig ist.
Im Jahr 1918 wurde Zürichs Theaterszene als „prekär“ eingestuft. Nach langen Kriegsjahren und wirtschaftlicher Krise wurden selbst die Mäzene müde. Also trafen sich am 11. April im Zunfthaus zur Waag verschiedene Persönlichkeiten aus Zürichs kultureller und politischer Szene, um die Theaterkultur wieder zu fördern. Unter ihnen auch Bankier Julius Bär oder Stadtrat Adolf Streuli. Der erste Vereinspräsident war der Schriftsteller Dr. Ernst Zahn. Dies war die Gründungsstunde des Zürcher Theatervereins.
Bald lockten musikalische und literarische Veranstaltungen die Mitglieder an; 406 derer wurden im ersten Vereinsjahr gezählt. Unter dem Präsidium von Ernst Zahn wurden in den ersten Jahren oft Stimmen laut, dass eine solche Förderung purer „Luxus“ sei. Ernst Zahn hielt dagegen: „Das Theater ist ein Kulturerfordernis. Unentbehrlich als Erziehungsstätte muss es gleichberechtigt erklärt werden mit Kirche und Schule“, wie es in einem Protokoll heisst. Dank der finanziellen Unterstützung hatten die Vereinsmitglieder ab 1922 Zugang zu vergünstigten Karten.
Die Theater AG und die Kriegsjahre
Als 1921 die damalige Theater AG die Pfauenbühne (heute das Schauspielhaus) vom Stadttheater (heute das Opernhaus) abtrennte, war es für den Theaterverein eine Ehrensache, letzteres finanziell zu unterstützen. Dank einer Fusion mit der Zürcher Theatergemeinde, welche sich besonders für die Pfauenbühne einsetzte, waren ab 1922 beide Häuser im Fokus des Vereins. Oper- wie Sprechbühne profitierten von den Zuwendungen.
Ab 1938 bot das Schauspielhaus Aufführungen von der Klassik bis hin zur Moderne und begeisterte das Publikum. In den Kriegswirren jener Zeit sprach der Verein seinen Mitgliedern sogar Mut zu: Das lebendige Schweizerische Theater bot die Grundlage der Auseinandersetzung mit den „letzten Grundlagen der Existenz, der Moral – und der Sitte“, wie es in damaligen Unterlagen steht.
Trotz des Krieges hielt man durch. Der Verein versuchte mit der Jugend-Theater-Gemeinde die Besucherbasis zu verbreitern - was auch gelang. Am 16. Oktober 1943 beging er sein 25-jähriges Jubiläum im grossen Stil: 2000 Mitglieder feierten im Schauspielhaus wie im heutigen Opernhaus; beide Häuser wurden prächtig mit Blumen geschmückt.
Ein Paukenschlag
Spannende Jahre folgten, in welcher der Zürcher Theaterverein für die kulturelle Szene der Stadt ein wichtiger Pfeiler wurde, beispielsweise bei der Gründung der Schauspielschulen. Zu Beginn der 1950er-Jahre zählte der Verein 4000 Mitglieder – ein Rekord. Im Jahre 1962 erfolgte dann ein Paukenschlag: Die Stadt Zürich wollte die Subventionen für das Stadttheater streichen. Entgegen der Maxime des Vereins, sich niemals in die künstlerische Freiheit der Theater sowie der Stadt einzumischen, gründete er ein Aktionskomitee zugunsten der Subventionen, mit dem Resultat, dass bei der Volksabstimmung eine Mehrheit gegen die Idee der Stadt mobilisiert werden konnte.
Neue Bühnen und ein Ziervorhang
Jahrzehntelang konzentrierte sich der Zürcher Theaterverein auf die beiden grossen Häuser. Ende der 1960er-Jahre öffneten neue Bühnen ihre Tore, wie das Theater Neumarkt oder die Winkelwiese. 1968, zum 50. Jubiläum, zählte der Verein immer noch 3000 Mitglieder. Den Festaufführungen von Mozarts „Die Zauberflöte“ und Wedekinds „Der Marquis von Keith“ folgte ein rauschender Jubiläumsball im Kongresshaus. Bälle organisierte der Verein übrigens bis Anfang der 1960er Jahre regelmässig.
In den 1970er-Jahren begann der Zürcher Theaterverein, mittlerweile in den Verwaltungsräten von Schauspiel- und Opernhaus, Theaterreisen ins Ausland zu unternehmen. Ebenso neu waren die Saisoneröffnungsabende. Die Verbundenheit zu den zwei grossen Häusern blieb stets bestehen. 1984 übernahm der Zürcher Theaterverein die Restaurierungskosten des Ziervorhangs vom Opernhaus. Dieser wird auch heute noch benutzt und macht die Vereinsmitglieder immer wieder stolz.
Der Zürcher Theaterverein heute
Die Vereinszeitung, die seit 1984 erscheint, wird heute mit einer Auflage von 1700 Exemplaren an Mitglieder, Theaterinteressierte und an Bühnen verschickt und verteilt. In den jüngsten Jahren konnte sich der Zürcher Theaterverein auch in den neuen Medien etablieren. Die Website des Vereins wird rege besucht. Kartenbestellungen beim Opern- und Schauspielhaus wurden dank des Internets einfacher: Statt die vergünstigten Tickets beim Sekretariat zu bestellen, geht dies heute in einem von Opern- und Schauspielhaus zur Verfügung gestellten Weblogin, in welchem die Karten platzgenau online bestellt werden können.
Bis heute unterstützt der Zürcher Theaterverein das Opern- und Schauspielhaus mit seinem erwirtschafteten Gewinn. Aber auch weitere Bühnen und Produktionen reichen Gesuche ein und werden mit Unterstützungsgeldern bedacht.
Dank eines grosszügigen Legats von 600’000 Franken verfügt der Zürcher Theaterverein über einen Wohnfonds, von welchem jährlich Studierende der Zürcher Hochschule der Künste und dem Internationalen Opernstudio profitieren. Viele der vom Verein unterstützten jungen Talente konnten sich in der Theaterszene etablieren.
Die Mitglieder des Vereins dürfen sich heute über ein breites Angebot an vergünstigten Karten erfreuen, da viele Theater der Stadt dem Verein attraktive Angebote machen. Der Zürcher Theaterverein kann auch auf seinen Kanälen viele Stücke bewerben.
2018 zählt der Verein rund 1300 Mitglieder. Als Präsidentin amtet seit 2009 Frau Berty Bauknecht. Das klassische Vereinsleben wird heute mit der jährlichen Generalversammlung, die jedes Jahr in einem anderen Theater stattfindet, gemeinsamen Opernreisen und Theaterbesuchen gepflegt.
Quelle: Jubiläumsschrift 75 Jahre Zürcher Theaterverein, Irma Voser