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Arbeits- & Organisationspsychologie
Lesezeit 6’ Minuten // Ein Beitrag von Sylvia Manchen Spörri
«Man spricht Deutsch», so lautete vor einigen Jahren der Titel einer Komödie von Gerhard Polt, in der die Touristen aufs Korn genommen werden, die auf ihren Reisen erwarten, dass sich die besuchten Länder der deutschen Kultur anpassen und ihre Sprache verstehen (zum Trailer).
Und wie sieht es in der Arbeitswelt von heute aus? Für 62,0% der Bevölkerung der viersprachigen Schweiz ist laut der Strukturerhebung 2019 Deutsch die Hauptsprache, während 24,3% der Bevölkerung eine Nichtlandessprache als solche haben (Bundesamt für Statistik, 2021). In kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) wird vor allem die jeweilige Sprache des Kantons gesprochen und Englisch eher in grossen Betrieben oder in Führungspositionen (Coray & Duchêne, 2017, S. 45).
Oftmals gehen Deutschschweizer Betriebe mit mehrsprachiger Belegschaft mehr oder weniger bewusst davon aus, dass ausschliesslich Deutsch die Unternehmenssprache ist. Aber auch internationale Betriebe erwarten analog, dass «man» Englisch spricht und verwenden diese gemeinsame Unternehmenssprache als Mittel zur Vereinfachung der Kommunikation.
Bei der Wahl der Unternehmenssprache handelt es sich in dem Fall um eine „Lingua Franca”, eine für berufliche Situationen und Zwecke begrenzt ausgebaute Arbeits- bzw. Verkehrssprache. Mit ihrer Verwendung können zahlreiche Probleme verbunden sein, die die kommunikative Effizienz betreffen aber organisationspsychologische Auswirkungen haben:
Zusammenfassend können sich diese Faktoren negativ auf die Effizienz der Kommunikation in mehrsprachigen Organisationen und Teams auswirken. Der Zeitaufwand, Handlungsziele zu etablieren, Handlungsmuster abzuschliessen und Wissensbestände weiterzugeben ist grösser. Die Kooperation im Team findet u.U. auf dem tiefen Niveau einer reinen Informationsweitergabe statt und die Partizipation von Mitarbeitenden ist erschwert.
Vor allem multinationale Unternehmen, die eine mehrsprachige Belegschaft haben, entwickeln deshalb ein Sprachmanagement, zu dem Leitlinien und Regelungen zum Sprachgebrauch in der internen und externen Kommunikation sowie sprachliche Praktiken („corporate language policy“) und Ansätze des Personalmanagements (Auswahl, Beurteilung und Entwicklung des Personals in Hinblick auf sprachliche Kompetenzen) gehören. Dieses Vorgehen ist auch sinnvoll für Unternehmen, die national tätig sind, jedoch durch Migrationsbewegungen und in der viersprachigen Schweiz eine mehrsprachige Belegschaft haben.
Interessiert?
Wer sich für das Thema interessiert findet weitere Tipps für Führung, Kooperation und Mitarbeitendenförderung sowie eine empirische Fallstudie zum Sprachmanagement in dem Artikel:
Manchen Spörri, Sylvia & Weinzinger, Caroline (2021). Sprachdiversität in teilautonomen Teams: Herausforderungen für ein betriebliches Sprachmanagement. Wirtschaftspsychologie, 2, 67-79.
Weitere Beiträge zum Thema Arbeits- und Organisationspsychologie findet man hier.
Referenzen
Prof. Dr. Sylvia Manchen Spörri
Sylvia Manchen Spörri ist Arbeits- und Organisationspsychologin und Dozentin an der Hochschule Luzern. Seit 2019 leitet sie den Bachelorstudiengang Business Psychology.
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