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Noch gibt es die kleine Sprache, welche seit 1938 die vierte Landessprache der Schweiz ist. Etwa 50'000 bis 60'000 Personen sprechen Rätoromanisch. Die Sprecherzahl ist seit einigen Jahrzehnten stabil.
Entwarnung gebe es allerdings keine, sagt Liedermacher Linard Bardill, denn immer noch gebe es Bündner Gemeinden, die von Rätoromanisch auf Deutsch wechselten – zumindest inoffiziell, wenn die Gemeindeversammlung plötzlich auf Bündnerdeutsch statt auf Rätoromanisch abgehalten werde. Und eine Gemeinde, die einmal gekippt sei, wechsle nie wieder ins Rätoromanische zurück.
Sprachgebiete bewahren
Seit dem Mittelalter wird das rätoromanische Sprachgebiet immer kleiner. Reichte es um 700 noch bis zum Bodensee, wurde es danach durch das Schweizerdeutsch stetig zurückgedrängt – zuletzt durch die stark gestiegene Mobilität im 20. Jahrhundert.
Um den Verlust rätoromanischer Gebiete zu verhindern, führte der Kanton Graubünden das sogenannte «Territorialitätsprinzip» ein: Sprechen mindestens 40 Prozent der Einwohnerinnen einer Gemeinde Rätoromanisch, gilt sie als amtlich einsprachig, ab 20Prozent als zweisprachig. Rätoromanisch wird dadurch gegenüber dem Deutschen bevorteilt, mit dem Ziel rätoromanischsprachige Gemeinden zu bewahren.
Gianna Olinda Cadonau, Direktionsmitglied der rätoromanischen Sprachorganisation «Lia Rumantscha», ist grundsätzlich froh um diese Regelung im kantonalen Sprachengesetz. Gleichzeitig müsse man täglich dafür kämpfen, dass das Gesetz auch eingehalten werde, sagt sie.
Fördergelder: Wie einsetzen?
Unterstützung gibt es auch vonseiten des Bundes: Etwa fünf Millionen Franken investiert er jährlich in die Förderung des Rätoromanischen. Ein Teil davon geht an die Lia Rumantscha. Sie initiiert und finanziert Projekte, welche die rätoromanische Sprache und Kultur fördern.
Linard Bardill findet, in der Bündner Sprach- und Kulturförderung werde das Geld teilweise zu wenig zielgerichtet eingesetzt. Zum Beispiel werde zu wenig für die Rätoromaninnen ausserhalb der Rumantschia getan.
Denn: Die Hälfte aller Rätoromanen lebt nicht in der Rumantschia, sondern in Chur, Zürich oder Bern. Gianna Olinda Cadonau gibt Bardill ein Stück weit Recht, weist aber darauf hin, dass man sich in der Lia Rumantscha seit Jahren genau darum bemühe.
Rätoromanisch ist überall
Das Territorialitätsprinzip müsse dafür etwas aufgeweicht werden, sagt Cadonau: «Rätoromanisch muss überall dort gefördert werden können, wo es gesprochen wird» – auch wenn das Orte seien, an denen es nie eine rätoromanische Bevölkerungsmehrheit gegeben habe. Dies könne zum Beispiel mit zweisprachigen Kindergärten geschehen.
Das scheint der Schlüssel für den Erhalt des Rätoromanischen im 21. Jahrhundert zu sein: Die Förderung der Sprache ausserhalb der Rumantschia könnte dazu beitragen, dass Rätoromanisch auch dort von Generation zu Generation weitergegeben wird und nicht verlorengeht.
Linard Bardill fasst die Diskussion fatalistisch zusammen: «Irgendwann wird Rätoromanisch aussterben – wie jede Sprache. Aber jetzt haben wir Spass dran.»
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