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Anwaltskosten
Was kostet ein Anwalt? Dies ist sicher die brennenste Frage, wenn es darum geht, einen Anwalt in einem Rechtsstreit zu beauftragen.
Leider lässt sich diese Frage jedoch nicht mit einer bestimmten Zahl beantworten. Denn Anwälte sind an keine Gebührenordnung gebunden
und können den Stundenansatz oder einen Pauschalbetrag für das Mandat, selber bestimmen.
Es gibt allerdings Modelle, nach denen das Anwaltshonorar abgerechnet wird.
Dies sind zum Beispiel:
- Abrechnung nach tatsächlich erbrachtem Zeitaufwand
- Abrechnung nach einer vereinbarten Pauschale
- Abrechnung nach einem, von Behörden oder Gericht, bestimmten amtlichen Tarif
- Abrechnung nach tatsächlich erbrachtem Zeitaufwand und eine Erfolgsbeteiligung bei Obsiegen im Prozess
Abrechnung nach Zeitaufwand
Wenn die Abrechnung nach Zeitaufwand vereinbart wurde, dann legen die Parteien den anwendbaren Stundenansatz in einer Honorarvereinbarung
zweckmässigerweise schriftlich fest. Dieser richtet sich in der Regel nach der Komplexität des Falles, der Dringlichkeit aber auch nach
den Fähigkeiten des Anwalts (Fachanwalt). Der Stundensatz ist wie bereits gesagt eine Sache der Vereinbarung mit dem Anwalt. Als
Richtwert kann schweizweit von CHF 200.- bis CHF 500.- ausgegangen werden. Das grosse Mittelfeld bewegt sich in der Grössenordnung
von CHF 250.- bis CHF 350.- pro Stunde.
Der vereinbarte Stundensatz hat aber nichts mit der Effektivität des Anwalts zu tun. Ein Anwalt, welcher schlussendlich für einen Fall
20 Stunden benötigt und CHF 200.- pro Stunde verrechnet ist teurer als ein Anwalt, der CHF 350.- verrechnet aber nur 10 Stunden benötigt.
Abgerechnet wird in der Regel in Zeiteinheiten. Die kleinste Zeiteinheit ist 0.1 Stunden, was 6 Minuten entspricht. Bei einem Stundensatz von CHF 300.-
sind dies CHF 30.-.
Abrechnung nach Pauschale
Eine Pauschalabrede für das Honorar setzt einen klar umgrenzten Auftrag voraus, welcher keine Eventualitäten offen lässt. Eine solche ist in der Schweiz grundsätzlich zulässig, wenn auch in der Praxis eher selten. Verboten sind rein erfolgsabhängige Honorare, wie sie
zum Beispiel in den USA häufig angewendet werden.
Eine Vereinbarung wie zum Beispiel: Wenn ich den Betrag von CHF 100'000.- erstreite, dann erhalte ich als Honorar CHF 30'000.-, ansonsten gehe auch ich leer aus, ist verboten und somit auch nichtig. Erlaubt hingegen ist ein Erfolgshonorar, welches zusätzlich zum vereinbarten Honorar
geschuldet ist, wenn der 'Erfolg' auch eintritt. Zum Beispiel: Wenn ich CHF 150'000.- erstreite, dann erhalte ich als Erfolgshonorar 10% auf die Summe, welche
CHF 100'000.- übersteigt.
Abrechnung nach einem amtlichen Tarif
Eine Prozesspartei darf nicht wegen ihrer Bedürftigkeit vom Recht ausgeschlossen werden, einen Anspruch gerichtlich beurteilen zu
lassen. Dafür gibt es die Möglichkeit der unentgeltlichen Prozessführung. Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sind Bedürftigkeit des Gesuchstellers, realistische Prozessaussichten (keine Aussichtslosigkeit) und im Falle, dass der
Staat dem Gesuchsteller einen Anwalt bezahlen soll, die Notwendigkeit des Beizugs eines Anwalts.
Empfehlung
Ein Streit vor Gericht kann sehr schnell teuer werden. Um die beste Lösung zu erarbeiten und Kosten zu sparen, ist der frühzeitige
Beizug einer Anwältin oder eines Anwalts unbedingt geboten. Durch Zuwarten können z.B. Fristen für unkomplizierte Rechtshandlungen
ablaufen und Rechtsuchende sich so gezwungen sehen, beschwerlichere Umwege zu beschreiten.
Lassen Sie sich nach der Schilderung Ihres Problems über das Honorar und die Kosten orientieren, die aufgrund der anwaltlichen
Leistungen voraussichtlich zu erwarten sind. Zu vergüten sind die gesamten anwaltlichen Bemühungen, auch das Erstgespräch. Das Entgelt
unterliegt grundsätzlich der Mehrwertsteuer, die zusätzlich belastet wird.
Bei Ungereimtheiten und Uneinigkeiten in Bezug auf das Anwaltshonorar können Sie eine Überprüfung der Rechnung durch die
Honorarkommission des Kantonalen Anwaltsverbands beantragen. Die Honorarkommission kann jedoch die Qualität der anwaltlichen Tätigkeit
nicht überprüfen; dazu sind wiederum die Gerichte zuständig.
Mittellose Parteien haben im Rahmen eines hängigen Gerichtsverfahrens die Möglichkeit, eine unentgeltliche Rechtsvertretung zu beantragen. Gewährt wird die unentgeltliche Rechtspflege bei Bedürftigkeit, wenn der Beizug eines Anwalts geboten erscheint und wenn der Prozess nicht aussichtslos ist. Kommt die Partei durch den Prozessausgang oder sonst wie zu Vermögen, ist sie zur Rückzahlung verpflichtet.
Vereinbarung des Honorars
Das Honorar wird direkt mit der Anwältin oder dem Anwalt vereinbart. Es ist abhängig von Faktoren wie Schwierigkeit des Falles und Interesse- oder Streitwert und ist tendenziell höher, wenn Spezialkenntnisse oder besondere Sprachkenntnisse erforderlich sind, sowie bei ausgewiesener Berufserfahrung. Üblicherweise sind die Sekretariatskosten im Honorar enthalten. Zusätzlich verrechnet werden Barauslagen, entweder nach effektivem Aufwand oder als Pauschale.
Die Vereinbarung eines Pauschalhonorars für eine im Vornherein definierte Aufgabe ist grundsätzlich ebenfalls möglich.
Gesucht: Gratis-Anwalt
Gibt man bei Google den Begriff "Suche einen gratis Anwalt" ein, erhält man rund 367'000 Treffer. In den fordersten Positionen zu diesem Thema, erscheint u.a. der Beobachter mit "Rechtsstreitigkeiten: Rechtsberatung zum Nulltarif" oder "Streit um Alimente: Anwälte gibts auch gratis - Beobachter" aber auch die Aargauer Zeitung mit der Überschrift: "22'000 Beratungen: Der Gratis-Anwalt im Aargau ist gefragt".
Auch bei SwissAnwalt werden täglich Suchbegriffe registriert, wie "Rechtsberatung kostenlos", "Rechtsauskunft online kostenlos" oder auch "Anwalt gratis" usw.
Manche Internetnutzer gehen auch heute noch davon aus, dass im Internet alles gratis ist. Selbst der Anwalt. Dies wird von einigen Website-Betreibern gar noch kräftig unterstützt wie zum Beispiel von einer Rechtsschutzversicherung, bei welcher man eine Rechtsfrage gratis stellen kann und dann von einem Juristen kontaktiert wird. Die Antwort auf die Rechtsfrage erhält man telefonisch. So ist für den Rechtsschutzversicherer immer gewährleistet, dass selbst eine Falschauskunft später nicht bewiesen werden kann, sollte es denn schief laufen, wenn man sich an die Anweisungen des Rechtsschutz-Juristen hält.
Das Interesse des Rechtsschutzversicherers liegt meist allerdings nicht darin, Gutmensch zu sein und gratis Rechtsauskünfte zu erteilen, sondern allenfalls darin, möglichst jedem Anrufer eine Rechtsschutz-Versicherungspolice zu verkaufen.
Solche Machenschaften sind unseriös und dienen dem Rechtssuchenden nicht, da in erster Linie der Verkauf von Rechtsschutzpolicen im Fordergrund steht und nicht das Rechtsproblem des Fragestellers.
Auch gibt es neuerdings Anbieter in der Rechtsberatung, bei welchen nicht der Fragesteller für seine Frage an den Anwalt bezahlen soll, sondern der Anwalt selbst, der die Frage beantwortet, um später allenfalls ein Mandat aus der Antwort zu generieren! Ob es allerdings tatsächlich Anwälte gibt, welche auf so plumpe Angebote hereinfallen, darf bezweifelt werden. So müsste ein Anwalt momentan CHF 139.- excl. MwSt. berappen, damit er fünf Fragen beantworten darf. Naja, versuchen kann man alles.
Gibt es den Gratis-Anwalt nun
Wenn Sie eine schnelle Antwort auf eine brennende Rechtsfrage wünschen, dann wird dieser Wunsch unerfüllt bleiben. Denn der Gratis-Anwalt, wie sich dies mancheiner vorstellt, gibt es nicht. Ich werde weiter unten allerdings noch auf gewisse Ausnahmen zu sprechen kommen.
Gratis Rechtsauskünfte zu erteilen, ist zudem auch unseriös und in erster Linie auch gefährlich. Denn auch jeder gutgemeinte rechtliche Rat - wenn er denn falsch ist - führt zu einer Haftung. Dies ist vermutlich auch der Grund, weshalb die oben erwähnte Rechtsschutzversicherung Antworten nur telefonisch gibt. Denn eine falsche telefonische Rechtsauskunft - es gibt auch einige Anwälte, welche über eine teure 0900er Nummer solche Auskünfte erteilen - können später meist gar nicht bewiesen werden und der Beratene hat einen allfälligen Schaden aufgrund der Auskunft, selber zu tragen. Kommt es wegen der Falschauskunft dann zu einem Gerichtsverfahren, können die Kosten schnell in die Zehntausenden steigen.
Zudem kommt bei einer telefonischen Rechtsauskunft dazu, dass der Fragesteller genau das aus der Antwort des Anwalts herauspickt, das er hören möchte und die Risiken aus der Antwort, ausblendet. Telefonische Antworten kann man später nicht nachlesen und allenfalls auch eigene Notizen sind nicht vollständig und schon gar kein Beweis dafür, was der Anwalt tatsächlich gesagt hat.
Seriöse Anwälte bearbeiten daher in einer Online-Rechtsberatung in der Regel nur schriftliche Anfragen und geben auch eine schriftliche Antwort, wie dies zum Beispiel SwissAnwalt macht. Allerdings kosten solche Anfragen auch Geld, denn auch die Zeit eines Anwalts ist nicht gratis.
Meist kommt jetzt das Argument, dass ein Anwalt aber teuer und praktisch nicht zu bezahlen sei. Das ist beschränkt richtig. Der grosse Durchschnitt der Anwälte verrechnet ein Stundenhonorar von CHF 250.-. In der Stadt Zürich - an Lagen wie z.B. der Bahnhofstrasse oder der Rämistrasse - gehen solche Stundenansätze aber auch schnell über CHF 500.-.
Warum dem so ist, ist einfach erklärt: Anwälte an privilegierten (bevorzugten) Lagen, zahlen vielfach exorbitante Mieten für Ihre Kanzleien und beschäftigen in der Regel auch teures Personal. Mit dem Stundensatz muss der Anwalt nun alles bezahlen. Mieten, Personal, Versicherungen, Mobilien, Verbrauchsmaterial usw. Auch für Ihn und seine Familie sollte letzendlich etwas übrig bleiben.
Haben Sie auch schon Ihren Arbeitgeber gefragt, welche Kosten er pro Stunde für Ihre Arbeitsleistung verrechnet resp. kalkuliert? Das ist nicht nur der Stunden- resp. Monatslohn, welchen Sie erhalten. Ihre Firma wäre dann längst pleite. Und Frage: Sind Sie bereit, Ihre Arbeitsleistung für fremde Personen gratis zu erbringen und dies täglich gleich mehrfach. Denn der Gratis-Anwalt wird nicht nur einmal pro Tag gesucht.
Was Sie aber ganz sicher nicht müssen, ist ein Anwalt an einem teuren Standort mandatieren. Den der teure Standort ist keine Garantie für gute Leistung. Unter Umständen ist gar das Gegenteil der Fall, da der Kostendruck auf die Anwälte an teuren Standorten zum Teil sehr hoch ist und daher möglichst viel Umsatz generiert werden muss.
Es gibt einen Witz: "Ein Anwalt von der Bahnhofstrasse in Zürich kommt in den Himmel und tritt vor Petrus. Der Anwalt fragt Petrus, weshalb er die Welt schon verlassen müsse, er sei doch erst 62 Jahre alt. Darauf hin antwortet Petrus: Lieber Anwalt, ich hab mir Deine Stundenabrechnungen angesehen und die verrechneten Stunden an Deine Mandanten zusammengezählt. Nach all dem, müsstest Du 96 Jahre alt sein."
Wie bereits erwähnt: dies ist ein Witz und trifft natürlich auf alle Anwälte an der Bahnhofstrasse in Zürich selbstverständlich nicht zu.
Wenn Sie in einer Online-Rechtsberatung wie der von SwissAnwalt also CHF 145.- oder auch mehr für eine Antwort bezahlen müssen, dann kommen Sie sehr günstig zu einer rechtssicheren Antwort durch einen Rechtsanwalt. Allerdings gilt auch hier, dass der Zeitaufwand für Ihre Fragen in einer gewissen Relation stehen muss. Auch in der Online-Rechtsberatung kann kein Anwalt Ihre Frage seriös beantworten, wenn er einen Zeitaufwand von drei Stunden für Ihre Fragen einrechnen muss, Sie aber nur bereit sind, CHF 95.- für diesen Aufwand zu bezahlen.
In so einem Fall wenden Sie sich am besten gleich direkt an einen Anwalt in Ihrer Region. Er wird Ihnen für den Besuch und die Beantwortung Ihrer Fragen dann bestimmt mehr als CHF 1'000.- verrechnen.
Wenn Ihre Fragen also eine gewisse Komplexität haben und für den Anwalt entsprechend Aufwand bedeutet, dann bieten Sie dem Anwalt auch eine angemessene Summe oder fragen Sie nach, welcher Betrag für die Beantwortung der Frage angemessen ist.
Aber für die, welche immer noch den Gratis-Anwalt suchen, gibt es nun doch noch "good news". Viele Anwaltsverbände haben eine kostenlose Rechtsauskunft, welche zum Beispiel wöchentlich irgendwo im Kanton in dem Sie wohnen, stattfindet. Erkundigen Sie sich allenfalls beim zuständigen Anwaltsverband.
An der kostenlosen Rechtsberatung geben Anwälte entsprechend kostenlos Auskunft - in der Regel dauert diese Auskunft rund 10 Minuten, damit alle Ratsuchenden Auskunft erhalten.
In diesen 10 Minuten kann ein Anwalt sich allerdings nicht vertieft in Ihren Fall einarbeiten. Er kann Ihnen aber allenfalls eine kurze Einschätzung abgeben. Bei einem komplexeren Fall wird er Ihnen aber allenfalls raten, sich direkt von einem Anwalt beraten zu lassen.
Spätestens hier ist aber die Gratis-Beratung zu Ende und somit auch der Gratis-Anwalt.
Es gibt aber auch den amtlichen Verteidiger, den Sie beantragen können, wenn Sie kein Vermögen und/oder auf dem Existenzminimum oder gering darüber leben, sich also gar keinen Anwalt leisten können. Allerdings müssen dann gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Das Gericht muss davon ausgehen, dass Sie zur Durchsetzung Ihrer Interessen einen Anwalt benötigen und dass Ihr Fall nicht aussichtslos ist.
Gewinnen Sie den Fall vor Gericht und kommen allenfalls zu Ihrem Geld, ist die unentgeltliche Prozessführung dann nicht mehr gegeben und Sie müssen allfällige Mehrkosten für den Prozess selber bezahlen.
Auch hier gibt es die Möglichkeit nicht, allenfalls auf Kosten der Allgemeinheit, (gratis) zu Geld zu kommen.