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Die Frage: Den letzten beissen die Hunde – oder die städtebaulichen Rahmenbedingungen, in unserem Fall. Die letzte Parzelle in einem ansonsten fertig gewachsenen oder geplanten Gebiet zu überbauen schränkt die Gestaltungsfreiheit normalerweise empfindlich ein. Im Falle des Bandwiesareals könnte der vermeintliche Nachteil jedoch zum Vorteil gereichen. Zum einen weisen die bereits erneuerten oder in absehbarer Zeit neu erstellten Gebäude im Nordosten des Areals schon in die richtige Richtung. Zum anderen können mit der hier geplanten Überbauung der Studie neue Impulse für das Gebiet eingebracht und die Situation des Areals deutlich geklärt und abgeschlossen werden. Was nicht heisst, dass das Grundstück nicht seine Tücken aufweist. Da wären die unklare zukünftige Situation des Migros-Parkhauses und –Einkaufszentrums. Die hohe gewünschte Ausnützung des Grundstücks. Und die atmosphärisch stark gegensätzlichen zwei Seiten der Parzelle. Auf diese Herausforderungen eine schlüssige und einfache Antwort zu finden ist Ziel und Angelpunkt des Projekts.
Die Antwort: Auf die gegensätzlichen städtebaulichen Situationen des Grundstücks – dem lebendigen, öffentlichen Charakter der dicht bebauten zukünftigen 'Begegnungszone Bandwiesstrasse' auf der einen und dem ruhigen, offenen Charakter der Alpenstrasse auf der anderen Seite – schlägt das Projekt eine einfache, aber effektive volumetrische Strategie vor. Zur Bandwies- und Breitenhofstrasse fasst ein durchgehender L-förmiger Körper den Strassenraum und formuliert für das Bandwies-Areal nach Süden einen klaren Abschluss, welcher durch die erhöhte Ecksituation noch akzentuiert wird. Durch ein Abrücken vom heutigen Strassenverlauf nach Süden hin - in der Flucht der nördlicheren Gebäude des Areals - öffnet sich der Strassenraum zum Gemeindehaus hin und lässt dadurch die Begegnungszone von einer reinen Strasse zu einem langgezogenen Platz werden – mit einer freien Sichtachse von der reformierten Kirche bis zum Gemeindehaus. Durch ein Aufgehen der Bandwiesstrasse in diesem Platz entsteht eine grosszügige, bis zu dreissig Meter breite Begegnungsfläche mit dem Kopf des neuen Gebäudes und dem Coop-Gebäude vis-à-vis als Tor zum Areal und mit als attraktive Vorbereich für die Gewerbe-Nutzungen im Erdgeschoss. Zur Alpenstrasse hin steht das L-förmige Gebäude zusammen mit zwei kleineren Volumen mit seiner schmalen Seite. Das Areal öffnet sich somit weit zum Quartier im Westen und übernimmt trotz der grösseren Volumen das Dichte-Verhältnis der dort stehenden Gebäude. Die Strasse kann - wie im Verkehrskonzept vorgeschlagen - vor der Einmündung in die Breitenhofstrasse unterbrochen werden, um der Einfahrt in die neue Tiefgarage Platz zu geben. Die Alpenstrasse wird so zur praktisch verkehrsfreien Wohnstrasse und integriert sich in die Freifläche der Wohnüberbauung. Der ganze Innenhof kommt auf das Niveau der Alpenstrase zu liegen. Von hier werden die Wohnungen zentral und übersichtlich erschlossen. Durch die zwei verschiedenen Niveaus entstehen auf natürliche Weise quasi zwei verschiedene Erdgeschosse –zum einen das öffentliche an der Begegnungszone Bandwies mit den Gewerbenutzungen, zum anderen das mehr private Wohn-Erdgeschoss an der Alpenstrasse. Trotz der gewünschten Differenzierung der beiden Aussenräume mit ihren je eigenen Atmosphären sind diese trotzdem auf vielfältige Weise miteinander verbunden. Zum einen weiterhin über die Langsamverkehrsachse des Alpenwegs entlang des Migros-Parkhauses. Zum anderen über eine neue Treppe zwischen den Gebäuden von einem neu geschaffenen Platz an der Bandwiesstrasse im Norden der Parzelle direkt auf das Garten-Niveau. Und letztlich über die gebäude-internen Treppenhäuser und Lifte. Da die Tiefgarage auf das Erdgeschoss-Niveau der Bandwiesstrasse zu liegen kommt kann diese ebenerdig und direkt mit der Begegnungszone verbunden werden.
Die Gewerbeflächen: Im Erdgeschoss entlang der Bandwiesstrasse – mit einer Schaufensterfront zum neuen Bandwiesplatz – befinden sich die attraktiv gelegenen Gewerbeflächen. Diese sind in Einheiten von 100 m² unterteilt, können aber auch kombiniert werden. Die Einheiten können ohne Zusatzaufwand mit Nasszellen und Nebenräume ergänzt werden. Ausserdem erhalten durch die ebenerdige Tiefgarage einen direkten Zugang zur Anlieferung und zu Lagerflächen.
Die Wohnungen: Die über die ganze Überbauung einheitlich gehaltenen Treppenhäuser erschliessen meistens drei Wohnungen pro Geschoss. Beim Wohnungsmix wird eine weitgehende Durchmischung vorgeschlagen, wobei aber die grösseren Wohnungen vor allem in den Hofgebäuden und im Erdgeschoss zu finden sind, während das lange Gebäude entlang der Bandwiesstrasse fast ausschliesslich kleinere Wohnungen beherbegt, welche auch gut als Alterswohnungen geeignet wären. Durch die Anordnung der Gebäudevolumen und die Aufweitung des Innenhofes nach Westen erhalten alle Wohnungen von ihren Aussenräumen aus einen Blick in die Ferne. Die meisten Wohnungen sind ausserdem mehrseitig ausgerichtet indem sie entweder durchgesteckt sind oder in einer Gebäudeecke zu liegen kommen.
Der Aussenraum: Flanierbereich Bandwiesstrasse: Die heute bestehende Tempo-30- Zone soll längerfristig in eine Begegnungszone transferiert werden. Dies auch im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung des nördlich gelegenen Migros-Parkhauses. Der flächige Asphaltbelag wird mit Kiesinseln und einem langen Brunnen zoniert. Es entsteht ein Flanierbereich mit einheimischen Bäumen und Sitzgelegenheiten. Veloabstellplätze und Bäume werden auf den 'weich' gestalteten Kiesinseln angeordnet. Sitzgelegenheiten sind über die ganze Fläche platziert und sorgen für eine zusätzliche Belebung des neuen Flanierbereiches.
Gartengeschoss als Scharnier zum Quartier: Von der Bandwiesstrasse gelangt man über eine im Gebäudesockel eingelassene Treppe auf das eigentliche Gartengeschoss. Zusammen mit der bestehend bleibenden Langsamverkehrsachse wird so die Durchlässigkeit des Areals nicht nur gewährleistet, sondern noch verbessert. Innerhalb des Innenhofes werden alle Eingänge stufenlos und barrierefrei erschlossen. Alle Wohnungen mit Bodenanschluss erhalten grosszügige Aussenbereiche. Die Alpenstrasse ist mit einer lockeren Baumreihe akzentuiert. Zentral auf dem Gartengeschoss bilden zwei grosszügige Spiel- und Quartierplätze die zentralen Freiraumelemente dieses Niveaus. Durch die strassenseitigen Öffnungen der Baumreihen entsteht ein starker räumlicher Bezug zum angrenzenden Quartier.
Städtebaulicher Reaktionsbereich: Die Entwicklung des nördlich gelegenen Grundstückes der Migros ist derzeit noch unklar. Es wird aus diesem Grund ein städtebaulicher Reaktionsbereich definiert, der eine gemeinsame Lösung des Zwischenbereiches möglich macht und somit eine städtebauliche Lösung mit hoher Qualität fördert.
Die Chancen stehen also gut, dass die neue Überbauung zum Schlussstein und gleichzeitig zum Startpunkt für eine attraktive Begegnungszone, zu einem neuen Zentrum für Rüti wird. Die Letzten werden vielleicht für einmal wirklich die Ersten sein.