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Er ist Vermittler und Vertrauter des kongolesischen Machtzirkels, war gar zur Hochzeit von Präsident Joseph Kabila eingeladen: Dan Gertler. Gemäss der Berichterstattung über die «Paradise Papers» soll der israelische Geschäftsmann Politikern im Kongo Millionen gezahlt haben, so dass Geschäftspartner – darunter Glencore – ihre Deals rund um Minen und Minenlizenzen effizient und zu vorteilhaften Konditionen abschliessen konnten.
Die Anwälte von Dan Gertler kritisieren die kurze Antwortfrist, bezeichnen die Berichterstattung als unzulässig und drohten mit rechtlichen Schritten
In den Publikationen über die «Paradise Papers» – in der Schweiz durch den Tages-Anzeiger – ist nachzulesen, dass Dan Gertler von Glencore einen Auftrag erhalten hatte, Verhandlungen mit den zuständigen staatlichen Stellen im Kongo zu führen und so die Geschäfte rund die Katanga-Minen zu beschleunigen. Dies ist ihm gemäss «Paradise Papers» gelungen.
Vor diesem Hintergrund erscheint ein Geschäft mit einer anderen Minengesellschaft, an der Glencore und Dan Gertler beteiligt waren, in neuem Licht. Darin hat, so die Indizien, Glencore seinem Geschäftspartner Dan Gertler einen millionenschweren Gefallen getan.
Der Fall Kansuki
Glencore und Dan Gertler besassen drei Viertel an der Lizenz der Kupfer- und Kobalt-Mine Kansuki. Das letzte Viertel stand zum Verkauf. Glencore verzichtete auf das Vorkaufsrecht, weil der Verkäufer laut Glencore mehr als 100 Millionen US-Dollar verlangte. Aber: Laut Kaufvertrag vom 28. März 2011, den «ECO» sich im Kongo beschafft hatte, kosteten die Anteilscheine nur 17 Millionen US-Dollar.
Der Ablauf in Kürze:
- Die staatliche Bergbaugesellschaft Gécamines und eine Firma namens «Kansuki Investment» gründeten 2010 ein Joint Venture. Ein Viertel der Anteilscheine gehörte Gécamines, drei Viertel «Kansuki Investment».
- Im August 2010 übernahm Glencore die Hälfte von «Kansuki Investment», die andere Hälfte gehörte – laut Glencore – Dan Gertler. Wollte Gécamines ihre Anteilscheine am Joint-Venture verkaufen, musste sie diese zuerst «Kansuki Investment» anbieten.
- Anfang März 2011 verzichteten Glencore und Dan Gertler auf ihr Vorkaufsrecht. Sie schlugen vor, die Staatsfirma Gécamines sollte die Anteilscheine an die Firma Biko verkaufen. Gécamines folgte diesem Vorschlag und erhielt dafür 17 Millionen US-Dollar.
- Biko ist eine Offshore-Firma, die auf den British Virgin Islands gegründet wurde. Dahinter verbirgt sich Dan Gertler.
Wenn ein Viertel der Anteile 17 Millionen US-Dollar gekostet haben, hat das Joint Venture einen Wert von 68 Millionen US-Dollar. Die Deutsche Bank schätzte den Wert des Joint Ventures zwei Monate später auf 835 Millionen US-Dollar.
Eine Differenz von mehr als 700 Millionen US-Dollar. Verlierer war das kongolesische Volk.
Glencore meinte vor Jahren im Interview mit «ECO» zur Transaktion: «Die Erschliessung der Gebiete Kansuki und Mutanda ist teuer. Glencore und der Investment-Partner waren sich deshalb einig, dass wir lieber in Gebäude, Bagger und Lastwagen investieren wollen als einen anderen Aktionär auszukaufen.»
Keine Äusserung zu neuen Fragen
|Zu neuen, konkreteren Fragen von «ECO», insbesondere dazu, ob es sich beim Kansuki-Deal um eine Gegengeschäft für die guten Dienste von Dan Gertler handelte, wollte sich Glencore nicht äussern. die Firma betont aber, dass sich Glencore stets an alle rechtlichen Verpflichtungen halte. |
Glencore hat Dan Gertler übrigens im Februar dieses Jahres aus seinen Beteiligungen im Kongo ausgekauft: für 534 Mio. US-Dollar. Dies, nachdem in einem Strafprozess gegen eine Drittpartei in den USA Zahlungen von Dan Gertler an hohe Staatsangestellte im Kongo genannt wurden. Auch diesen Vorwurf weist Dan Gertler zurück. Dan Gertler war im besagten Strafprozess nicht Partei, das heisst, er war auch nicht angeklagt.