Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03166.jsonl.gz/412

Darf Mann das?
Damit die Männer ja nicht zu den Gehörnten gehören, rufen sie laut nach einem Vaterschaftstest. Jüngstes Beispiel: Italiens Fussballspieler Mario Balotelli.
Ein Bild, das in die Geschichte des Sports eingeht: Mario Balotelli im EM-Spiel gegen Deutschland.
Unterdessen weiss es die ganze Welt: Der italienische Fussballer Mario Balotelli soll angeblich Vater werden, die Mutter soll seine Ex-Freundin Raffaella Fico sein. Balotelli liess verlauten, er wolle nur die Verantwortung für das Kind übernehmen, wenn ein DNA-Test seine Vaterschaft bestätigen würde.
Längst sind es nicht nur Promis, sondern auch Normalsterbliche, die immer häufiger einen Vaterschaftstest verlangen, doch der Fall Balotelli-Fico kurbelt die Diskussion um Vaterschaftstests erneut an. Fachleute gehen davon aus, dass rund 5% der Kinder in der Schweiz «Kuckuckskinder» sind. Die Verunsicherung unter den Männern ist deshalb gross: Rund 800 Vaterschaften werden jährlich in den Schweizer Instituten für Rechtsmedizin abgeklärt. Dazu kommen mehrere hundert Fälle, die in Privatlabors untersucht werden – Tendenz steigend. In rund einem Viertel der Fälle ist die Skepsis berechtigt und das Kind kein leibliches.
Für Aufsehen (und letztlich auch Lacher) sorgten vor Balottelli bereits andere Fussball-Promis, die ihre Vaterschaft (zu Unrecht) in Frage stellten. So hatte Diego Armando Maradona während seiner Zeit beim SSC Neapel eine Affäre mit einer Neapolitanerin. Als sein Sohn zur Welt kam, verweigerte Maradona zunächst die Anerkennung der Vaterschaft, musste schliesslich jedoch Unterhalt zahlen. Auch Cristiano Ronaldo liess das Resultat eines One-Night-Stands mit einer Kellnerin überprüfen, als aber seine Vaterschaft mittels Test bewiesen wurde, war er deutlich grosszügiger als Maradona und bezahlte der Kellnerin mehrere Millionen Franken, damit sie ihre Identität geheim halten und ihm das alleinige Sorgerecht für das Kind überlassen würde.
Die Liste zweifelnder Väter könnte mit Eddie Murphy weitergeführt werden, der seine Vaterschaft über das Kind, das er mit Ex-Spice-Girl Mel B gezeugt hatte, ebenfalls zunächst bezweifelte und mittels DNA-Test dann doch anerkennen musste oder mit Fürst Albert von Monaco, Vater von zwei unehelichen Kindern, die ebenfalls erst mittels Vaterschaftstest zu ihrem Recht kamen.
Bei allem Respekt vor der Ur-Angst der Männer vor Kuckuckskindern: Dürfen Männer sich das Recht herausnehmen, eine Vaterschaft a priori anzuzweifeln? Ist ihnen bewusst, was sie mit diesem Misstrauensvotum bei Frauen auslösen können? Raffaella Fico soll Mario Balotellis Misstrauen jedenfalls schwer zugesetzt haben. Doch sie hat einem von ihm verlangten Test zugestimmt, um allen zu beweisen, dass sie Balotellis Kind in ihrem Schoss trage. In wenigen Monaten wird Klarheit herrschen. Die Beziehungen zwischen allen involvierten Parteien wird dadurch aber bestimmt nicht besser.
Was meinen Sie dazu?