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Werden an den Tankstellen Biotreibstoffe zu fossilen Treibstoffen beigemischt werden?
Die in der Schweiz an Tankstellen verkauften Treibstoffe (Benzin, Diesel und Erdgas) enthalten bereits heute einen geringen Anteil Biotreibstoffe. Dieser Anteil wird sehr wahrscheinlich steigen – im Einklang mit den Zielen der Umweltgesetzgebung im Verkehrsbereich in der Schweiz und der EU, für welche die flüssigen Biotreibstoffe oft die einzige realistische kurzfristige Lösung darstellen.
Die Schweiz unterstützt im Grossen und Ganzen keine Biotreibstoffe der „ersten Generation“, die aus dem Anbau von Lebensmitteln wie Raps, Mais, Zuckerrübe oder – in den tropischen Ländern – Zuckerrohr und Palmöl stammen. In diesem Sinn sind nur Biotreibstoffe, die sehr strenge Sozial- und Umweltanforderungen erfüllen, von der Mineralölsteuer ausgenommen. Ende 2014 enthielten Benzin und Diesel an der Zapfsäule etwa 0,4% Biotreibstoffe. Ausserdem haben von den etwa 3‘500 Tankstellen in der Schweiz Ende 2014 nur etwa hundert Tankstellen die verbreitetste Mischung, E5 (5% Bioethanol, 95% Benzin), angeboten. Etwa vierzig Tankstellen verkauften die Mischung E85 (85% Bioethanol, 15% Benzin) und nur etwa zehn boten die Mischung B5 (5% Biodiesel, 95% Diesel) an.
Andererseits verpflichten neue, im Jahr 2013 in Kraft getretene gesetzliche Bestimmungen die Importeure fossiler Treibstoffe in der Schweiz bis zum Jahr 2020 10% der durch die Nutzung dieser Treibstoffe verursachten CO2-Emissionen zu kompensieren. Die Biotreibstoffe stellen in dieser Hinsicht eine wirtschaftliche und leicht umzusetzende Option für die Erdölindustrie dar, was die Zunahme deren Importe erklärt, welcher von 9 Millionen Liter im Jahr 2012 auf ca. 19 Millionen im Jahr 2014 angestiegen ist.
Die Europäische Union (EU) geht sogar noch weiter: Sie hat beschlossen, bis 2020 10% ihres Mobilitätsbedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken. Die Biotreibstoffe stellen die einzige realistische Option für die Erreichung dieses ehrgeizigen Ziels in einem so kurzen Zeitraum dar. Die Verwendung der Biotreibstoffe erfordert in der Tat weder einen Austausch der Fahrzeugflotte, noch eine Änderung der Infrastruktur für die Verteilung der Treibstoffe (im Gegensatz zu den Elektro-, Gas- oder Wasserstoffautos, die im Jahr 2020 noch wenig verbreitet sein werden). Deshalb hat die Europäische Kommission den Verkauf der Mischungen E5 und B7 als Ersatz von reinem Benzin und Diesel erlaubt. Diese Mischungen sind mit allen in Europa zugelassenen Fahrzeugen kompatibel.
Die Treibstoffe E5 und B7 sind noch nicht in ganz Europa verfügbar. Die traditionellen, reinen Treibstoffe (Benzin, Diesel, Kerosin) sind immer noch sehr breit verbreitet und die Schweiz hat derzeit kein Problem, sie zu importieren. Diese Situation könnte sich allerdings bald ändern. Bis zum Jahr 2020 werden die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union an den Tankstellen keine reinen Treibstoffe mehr verkaufen, sondern einzig die Mischungen E5 und B7 – wenn sie die Verpflichtungen in Bezug auf die EU-Richtlinien zur Förderung erneuerbarer Energien zu erfüllen gedenken. Folglich gibt es keine Garantie dafür, dass die europäischen Raffinerien einzig für die Versorgung des Schweizer Marktes Verteilkanäle für reine Treibstoffe aufrechterhalten. Dies insbesondere auch deswegen, weil vor 2020 die Einführung von Mischungen mit höheren Anteilen an Biotreibstoffen, insbesondere von E10 (10% Bioethanol und 90% Benzin, in Frankreich und Deutschland bereits erhältlich) erwartet wird, die zur Mischung E5 hinzukommt, womit die Kapazitäten der Verteilnetze weitgehend ausgeschöpft sein werden. Es könnte sich daher als schwierig und sehr teuer erweisen, spezifische Kanäle nur für die Schweiz aufrechtzuerhalten.
Ausserdem werden Fahrzeuge, die auf dem europäischen Markt verkauft werden, für einen Betrieb mit diesen zukünftigen Biotreibstoffmischungen optimiert. In diesem Umfeld wird es für die Schweiz schwierig, einen Alleingang zu machen, weil sie nur das importieren kann, was auf dem Markt verfügbar ist. Aus diesem Blickwinkel ist sie bis zu einem gewissen Grad den Entscheidungen der Europäischen Union ausgeliefert [→ F89]. Es ist daher vorhersehbar, dass die Schweiz sich früher oder später gezwungen sieht, viel mehr flüssige Biotreibstoffe zu importieren. Bis dahin besteht die Hoffnung, dass die Biotreibstoffe 2. Generation – die viel weniger umstritten sind als jene der 1. Generation – verfügbar sein werden [→ F55].
Das in der Schweiz produzierte Biogas wird v. a. zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Es wird aber auch eine kleine Menge ins Erdgasnetz eingespeist, das auch Tankstellen versorgt. Es dient als Treibstoff für erdgasbetriebene Fahrzeuge [→ F33], die wahrscheinlich weiterhin Marktanteile gewinnen werden. Ausserdem besteht noch ein bedeutendes Potenzial für die Erzeugung von Biogas aus biogenen und tierischen Abfällen.
Quellen
- Bauen, Ausilio and Chase, Adam and Chudziak, Claire and Ouwens, Jeroen Daey and Denvir, Brian and Owen, Nick and Ripken, Ralph and van den Berg, Maarten and Vuille, Francois (2013)
- Bauen, Ausilio and Chase, Adam and Chudziak, Claire and Ouwens, Jeroen Daey and Denvir, Brian and Owen, Nick and Ripken, Ralph and van den Berg, Maarten and Vuille, Francois (2013). A harmonised Auto-Fuel biofuel roadmap for the EU to 2030. E4tech.
- Erdöl-Vereinigung - Union Pétrolière (2013)
- Erdöl-Vereinigung - Union Pétrolière (2013). Stations-service 2012: la tendance vers de plus grands shops se poursuit.
- THE EUROPEAN PARLIAMENT AND THE COUNCIL OF THE EUROPEAN UNION (2009)
- THE EUROPEAN PARLIAMENT AND THE COUNCIL OF THE EUROPEAN UNION (2009). DIRECTIVE 2009/28/EC OF THE EUROPEAN PARLIAMENT AND OF THE COUNCIL of 23 April 2009 on the promotion of the use of energy from renewable sources and amending and subsequently repealing Directives 2001/77/EC and 2003/30/EC. Official Journal of the European Union, 140. 16–62.