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Ich möchte in diesem Beitrag darüber berichten, was ich aus meiner psychotherapeutischen Sicht, an der Atmung spannend finde.
Selbsterfahrung
Als erstes schlage ich vor, die zwei folgenden Übungen auszuführen, denn die Wechselwirkung zwischen Atem, Körper und Seele lernst du am besten am eigenen Leibe kennen.
Übung 1:
Konzentriere dich auf eine Erfahrung, in der du richtig wütend wurdest. Nimm dir Zeit. Wie und wo fühlst du die Wut? Welches sind die körperlichen Empfindungen? Wie ist dein Atem?
Beginne nun tief zu atmen. Verschränke die Hände hinter dem Rücken, so dass du eine Minute gut atmen kannst, bleibe mit den Gedanken bei der Situation, in der die Wut aufkam. Verändert sich dein Gefühl?
Wiederhole dies mit anderen Emotionen, wie Trauer, Sorge, Lust, Angst oder Frustration. Nimm dir die Zeit, damit die Gefühle sich bilden können.
Übung 2:
Konzentriere dich auf eine Situation, die dich sehr traurig gemacht hat. Erinnere dich an die Umstände dieser Situation. Nimm wahr, wo sich die Empfindung manifestiert. Die Trauer existiert sowohl in deinem Körper als auch in deinem Kopf.
Stelle dir nun vor, dass du beobachtet wirst und dass du die empfundene Trauer nicht zeigen darfst, obwohl du den Tränen nah bist. Du bleibst in der Situation und unterdrückst die Tränen und das traurige Gefühl in deinem Körper. Was passiert mit deinem Atem?
Mache die gleiche Übung mit anderen Emotionen.
Stelle dir nun vor, dass du es dir zur Gewohnheit machst den Ausdruck von Emotionen zu unterdrücken. Dies würde unweigerlich zu chronischen Verspannungen des Muskelsystems und zu einer Hemmung der Atmung führen. Emotionen entstehen sowohl im Körper als auch im Geist.
Wilhelm Reich und der Atem
Der Psychotherapeut Wilhelm Reich befasste sich eingehend mit der Beobachtung der Atmung seiner Patient:innen und den damit verbundenen emotionalen Zuständen. Seine Lehren und seine therapeutischen Ansätze beeinflussen bis heute die Körperpsychotherapie.
Als Körperpsychotherapeutin ist mir bewusst, dass ich durch ein volles und freies Atmen bei der Patient:in ein Gefühl der Erleichterung herbeiführen kann. Die Herausforderung besteht jedoch darin, die Patient:in an diesen Punkt zu bringen, denn der Widerstand gegen den Ausdruck von Gefühlen ist groß.
Dementsprechend wird die Patient:in gebeten, sich hinzulegen und zu atmen. Dann wird die Aufmerksamkeit auf die Art und Weise gelenkt, wie er oder sie, sich der natürlichen Ein- und Ausatmung "widersetzt". Ich kann beispielsweise darauf hinweisen, dass sie oder er vollständig einatmet, aber nur wenig Luft ausströmen lässt, oder dass sich der Brustkorb nicht bewegt, oder dass sie oder er unnatürlich schnauft und pustet.
Was kann mir die Atmung für Hinweise geben?
Veränderungen der Körperhaltung, Muskelspannung, Atmungsmuster können für die Therapie wertvolle Informationen liefern.
Du kannst beispielsweise ein Gefühl unterdrücken, indem du das Gegenteil tust. So kannst du dich nach hinten lehnen, statt dich nach vorne zu beugen und zu weinen. Eine Person kann sexuelle Gefühle unterdrücken, indem sie den Brustkorb anspannt. Die Blockierung von Wut kann durch Anhalten des Atems und Verzögerung des Ausatmens erfolgen. Die Angst kann durch Einschränkung der Tiefenatmung unterdrückt werden. Ein chronisches Schnaufen oder Seufzen kann ein Zeichen für Entbehrungserfahrungen sein.
Ein übertriebenes Ausatmen kann auf eine Frustration hindeuten.
Ein unsichtbares, unauffälliges Atmen könnte Selbstverleugnung bedeuten.
In der Körperpsychotherapie dient der Atem sowohl als diagnostisches Mittel als auch als Werkzeug, um Emotionen zu intensivieren und Anspannungen im Körper zu lösen.