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Komorbidität
Komorbidität heisst allgemein, dass zusammen mit einer Grunderkrankung gleichzeitig eine oder mehrere weitere Krankheiten vorliegen. Im Suchtbereich wird Komorbidität in der Regel spezifischer als das gemeinsame Auftreten einer Suchterkrankung und einer oder mehrerer psychischer Störungen verstanden. Dafür sind auch die Begriffe Doppeldiagnose oder Dualdiagnose geläufig, mit denen auch ausgedrückt wird, dass nicht immer eindeutig zwischen einer primären Grundstörung und einer sekundären Zusatzstörung unterschieden werden kann.
Mehr als die Hälfte der SuchthilfeklientInnen, darunter zunehmend insbesondere auch ältere Personen, weisen nicht einfach eine Abhängigkeitserkrankung auf, sondern sind von Mehrfachabhängigkeiten und zusätzlichen somatischen und/oder psychischen Störungen betroffen. Diese bestimmen die Behandlung mit und wirken sich auf das Behandlungsergebnis aus. Sie müssen so früh als möglich erkannt und mitbehandelt werden.
Verschiedene Suchtformen beziehungsweise die verschiedenen konsumierten Substanzen sind mit je unterschiedlichen Komorbiditäten verbunden. Somatische Erkrankungen wie Schädigungen von Lunge, Kreislauf, Leber und weiteren Organen kommen bei andauerndem starkem Konsum verschiedenster legaler und illegaler psychotroper Substanzen vor. Infektionskrankheiten kommen vor allem bei intravenösem Drogenkonsum mit unsauberem Injektionsmaterial häufig vor. Psychische Komorbiditäten sind bei Personen mit Abhängigkeitsproblemen im Vergleich zur übrigen Bevölkerung vermehrt anzutreffen. Am häufigsten treten Depressionen, Angststörungen, Traumatisierungen, Persönlichkeitsstörungen sowie ADHS im Erwachsenenalter auf.
Für die Prävention im Jugendalter ist Komorbidität deshalb von Bedeutung, weil sie auf mögliche Risikofaktoren hinweist. Aus Jugendstudien ist bekannt, dass Kinder und Jugendliche mit Problemverhalten oft auch psychische Beeinträchtigungen aufweisen. Früher und ausgeprägter Substanzkonsum, Gewalt und Delinquenz gehen oft einher mit erhöhter Ängstlichkeit, Depression und allgemein schlechter Befindlichkeit. Wirksame Präventionsansätze sollten deshalb – neben der Verminderung von Risikofaktoren – auch auf eine positive Veränderung der psychischen Befindlichkeit hinwirken. Dies ist das Ziel vieler Programme zur Stärkung der kognitiven, sozialen und emotionalen Kompetenz.
Quellen
Cominetti, F./Simonson, T./Dubois-Arber, F./Gervasoni, J.-P./Schaub, M./Monnat, M. (2014): Analyse der Hepatitis-C-Situation bei den drogenkonsumierenden Personen in der Schweiz. Raisons de santé 234b. Lausanne: Institut universitaire de médecine sociale et préventive.
Infodrog (Hrsg.) (2015): Diversität in der Suchtarbeit: Themenblatt Somatische Zusatzerkrankungen und psychische Komorbiditäten. Bern: Infodrog.
Ridinger-Johann, M./Walter, M. (2014): Sucht und komorbide Störungen. SuchtMagazin 40(1), 4-7.
[aktualisiert am 21.08.2018]