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Patois im französischsprachigen Wallis
Zusammenfassung
Das Unterwalliser Patois ist eine fast ausschliesslich mündlich praktizierte Sprachform, die zur grossen Familie des Frankoprovenzalischen gehört. Die Dialektgruppe ist im Norden und Westen durch die Langues d’Oïl, im Süden und Südwesten durch die Dialekte der Langues d’Oc, im Osten durch die deutsche und im Süden durch die italienische Sprache begrenzt. Traditionell beschränkt sich der Dialektgebrauch auf den landwirtschaftlichen und den häuslichen Bereich. Die Ausprägungen sind zum Teil so unterschiedlich, dass sich die Sprecher von einem Ort zum andern manchmal kaum verstehen! Als Folge der Modernisierung gibt es auch im Wallis immer weniger aktive Dialektsprechende, dafür aber einige besonders leidenschaftliche Dialektliebhaber, die sich unermüdlich dafür einsetzen, das Patois in Form von Wörterbüchern, Sprachaufnahmen oder Theateraufführungen am Leben zu erhalten. Das Unterwalliser Patois ist wie der Freiburger und wie andere Dialekte der französischsprachigen Schweiz in vielen überlieferten Liedern und Erzählungen erhalten geblieben. Es gibt auch zahlreiche Theaterinszenierungen mit Laienschauspielern, die bei bestimmten Anlässen mit der Unterstützung der Fédération cantonale valaisanne des amis du patois auf die Bühne gebracht werden. Künstler, die an sich mit dem Patois nicht direkt vertraut sind, lassen es sogar auf ihren Tourneen und CDs wieder aufleben. Und schliesslich sind die 1529 Patois-Sendungen aus den Jahren 1952 bis 1992 des Radios der französischsprachigen Schweiz über Internet neu wieder zugänglich gemacht worden.
Die Akteure
In erster Linie sind dies die Leute, die das Patois noch aktiv und regelmässig praktizieren. Bei der nationalen Volkszählung im Jahr 2000 gaben im Wallis 6'202 Personen das Patois als eine ihrer regelmässig praktizierten Sprachen an. Von den 5'484 Personen, die das Patois zu Hause benutzen, sprechen es 839 auch bei der Arbeit. Im Bezirk Hérens gibt es 1'319 Patois-Sprechende, das sind 14,6 % der Bevölkerung; im Bezirk Conthey sind es 1'137 oder 5,6 %, im Bezirk Entremont 395 oder 3,2 %. Évolène ist die einzige Gemeinde in der Romandie, in der die Überlieferung des Patois ohne Unterbruch erfolgte. Auch heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wird den Kindern das Patois als Muttersprache beigebracht und von 48,5 % der ansässigen Bevölkerung gesprochen.
Neben den Personen, die das Patois im Alltag benutzen, müssen auch die Gruppen berücksichtigt werden, die auf eine passive Weise mit der Sprache verbunden sind, es nicht sprechen, aber verstehen und die verschiedenen Produktionen in Patois auch schätzen (Theaterpublikum, Zuhörer von Sagenerzählern usw.). Die Fédération cantonale valaisanne des amis du patois und die zwanzig ihr angeschlossenen Gruppierungen stellen die „Aktiven“ dieser Art von gelebter Tradition dar. In Form von Sagen, Liedern, Theaterstücken usw. werden wichtige Elemente der Tradition realisiert und vermittelt.
Dank der Initiative von Bernard Bornet, alt-Staatsrat, anerkennt die Walliser Kantonsregierung heute die Notwendigkeit, die Bemühungen zur Erhaltung der Walliser Mundarten aktiver zu unterstützen. Am 25. Juni 2008 wurde aufgrund der Empfehlung einer vom Chef des Departements für Erziehung, Kultur und Sport eingesetzten Kommission ein Conseil du patois (Dialekt-Rat) eingesetzt, der einen ambitiösen Massnahmeplan für die Erhaltung des Patois entworfen hat. Am 4. April 2011 haben der Walliser Staatsrat und die Fédération cantonale valaisanne des amis du patois auf Empfehlung des Conseil du patois die Fondation pour le développement et la promotion du patois franco-provençal gegründet (Stiftung für die Entwicklung und Förderung des Frankoprovenzalischen Patois im Wallis).
Eine gelebte Sprache
Gelebte Tradition par excellence, ist die öffentliche Wahrnehmung bei einem fast ausschliesslich gesprochenen Dialekt ausserordentlich wichtig. Sie ist es einerseits für eine Vervollständigung und den Fortbestand der Mundart, aber auch, um das Überleben von symbolischen Elementen der betreffenden Gesellschaft zu gewährleisten. Auf dem Gebiet der Westschweizer Dialekte ist die Pflege der über Sprache vermittelten Traditionen exemplarisch. Solche immer noch lebendigen Traditionen gibt es insbesondere in den Kantonen Wallis und Freiburg: Sagenerzählen, Choraufführungen, Amateur-Theater und andere szenische Ausdrucksweisen des gesprochenen Dialektes mobilisieren viele Leute und tragen zur Erhaltung von Wissen bei. Sie ziehen ein interessiertes Publikum an, das sich der Notwendigkeit dieser Traditionspflege bewusst ist, die auch ein Ausdruck der Suche nach gesellschaftlichen Wurzeln ist, ein Ausflug in die Vergangenheit, aber auch ein Schlüssel und eine Philosophie, um die Gegenwart besser zu verstehen. Sie tragen zur Identität einer Region und zur Stärkung der Beziehungen zwischen den lokalen Gemeinschaften bei.
Neben der Erhaltung eines Traditionsguts aus der Vergangenheit geht esdabei auch um dessen Verankerung in der Gegenwart. Immer wieder werden neue Ausdrucksformen und -möglichkeiten gefunden, die über eine simple Reproduktion alter, erstarrter Traditionen hinausgehen und sie beleben.
Ursprung und Verschwinden des Patois
Federica Diémoz erinnert daran, dass es sich bei den frankoprovenzalischen Dialekten, auch Patois genannt, nicht um eine Unterart der französischen Sprache handelt. Vielmehr sind es in grossen Teilen eigene Idiome, romanische Sprachen, in den betreffenden Regionen noch gespickt mit alten, lateinischen Ausdrücken. Der Verbreitungsraum des Frankoprovenzalischen ist im Norden durch die Langues d’Oïl und im Süden durch die Dialekte der Langues d’Oc begrenzt, im Osten durch das Italienische und das Deutsche. Die frankoprovenzalischen Dialekte werden heute noch in grossen Gebieten in Frankreich (Rhône, Savoyen), der Schweiz (Suisse romande) und Italien (Aostatal) mehr oder weniger regelmässig gesprochen.
Das Auf und Ab zwischen Überleben und Verschwinden des Patois war und ist sein steter Begleiter. So kann durch das Aufkommen der Reformation gebietsweise ein rasches Verschwinden der Patois Romand beobachtet werden, zunächst in Genf und Lausanne. Ein grösseres Ansehen des Französischen, des Patois des Oïl d’Ile-de-France und Massnahmen zu kantonalen Vereinheitlichungen markieren anfangs des 19. Jahrhunderts eine zweite Welle. Der Prozess der Französisierung intensiviert sich mit den wirtschaftlichen Entwicklungen, basierend auf der Verstärkung der Handelsbeziehungen und einer stärkeren Durchmischung der Bevölkerung. Im 20. Jahrhundert spricht man nur noch in vereinzelten, isolierten Räumen Patois, davon mehrere im Wallis.
Entwicklung des Unterwalliser Patois
Abgesehen von einigen Merkmalen, die es mit allen frankoprovenzalischen Territorien gemeinsam hat, gibt es im Unterwalliser Patois eine Vielzahl von Variationen: Fast jedes Dorf hat seine sprachlichen Eigenheiten aufzuweisen, insbesondere im phonetischen und lexikalen Bereich. Da die öffentlichen bzw. offiziellen Dokumente ursprünglich in Latein und dann im 19. Jahrhundert mehr und mehr in Französisch abgefasst wurden, bleiben uns nur wenige schriftliche Spuren des einstigen Patois.
Im 19. Jahrhundert wird durch die Einschulung der Kinder, wie auch durch die Generalisierung des Französischen als Geschäftssprache und offizielle Schriftform das Patois auf eine lokale Ebene zurückgedrängt. Nach kurzer Zeit ist es praktisch nicht mehr vorhanden und es werden gar Massnahmen erlassen, die den Gebrauch des Patois offiziell untersagen. 1824, in Nachahmung eines waadtländischen Erlasses von 1806, besagt das Reglement der öffentlichen Schulen von Monthey: „Die Regierung verbietet den Schülern strengstens den Gebrauch des Patois während den Schulstunden und generell in allen Schulzimmern.“ Dem Beispiel findet Nachfolger, im Wallis wird ein generelles Verbot für den Gebrauch des Patois durchgesetzt weil man fürchtet, dass das Patois dem Erlernen und der Verbreitung des Französischen schadet. Unabhängig von diesen Massnahmen ist das Patois aber auch darum am Verschwinden, weil es allem voran eine Alltags- und Landwirtschaftssprache ist, mit vielen speziellen und regionalen Ausdrücken, die es von einer Region zur andern, einer Gemeinde zur andern, sogar einem Dorf zum andern nur knapp verständlich macht. Zusammen mit der steten Durchmischung der Bevölkerung und der gleichzeitigen Entstehung von wichtigen Handelsbeziehungen, die sich verstärken und das Wallis ab 1850 prägen, können das Patois bzw. die lokalen Patois-Dialekte mit dem Französischen nicht mithalten. Auch die parallelen Entwicklungen der Kommunikationsmittel in Industrie, Handel und Dienstleistungen tendieren auf den Gebrauch einer einzigen Sprache.
Stark verhaftet mit der konkreten Praxis der traditionellen bäuerlichen Lebensweise verkümmert die Sprache: Die Eliten bemühen sich darum, ihre Zuhörerkreise zu erweitern und verwenden dafür das Französische. Die Schulen wie auch die Medien gehen ebenfalls in diese Richtung und entziehen sich der traditionellen Mundart. Dies im Gegensatz zu den mündlichen Traditionen, die sich bereits früh auf den engeren Familienkreis und die Dorfgemeinschaft beschränken.
Erhaltung und Aufwertung des Patois
In der gleichen Zeit, da das Patois progressiv an Wichtigkeit einbüsst, entstehen Initiativen, um zumindest einige Elemente des Dialektgebrauchs zu erhalten und aufzuwerten. Das grösste Unternehmen in diesem Zusammenhang ist ein Wörterbuch: Das Glossaire des patois de la Suisse romande. Begonnen in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts, hat dieses Werk zum Ziel, 50’000 Wörter aus über 200 Orten in der ganzen Westschweiz zu sichern und zu wahren. Dabei wurden die kantonalen Behörden für Hilfeleistungen angegangen: „Die Schweiz, die so viel Aufwand betrieben hat für die Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten tut nichts, um ein so wichtiges Gedankengut unserer Väter zu retten, eine Sprache, die während Jahrhunderten dazu gedient hatte, deren Freude und Mühen auszudrücken?” (Dubois S. 381). Auf Anhieb wurde das Projekt durch grosszügige Subventionen des Bundes und der Westschweizer Kantone unterstützt und wird es von letzteren noch heute.
1973 wird zudem an der Universität Neuchâtel ein Dialektzentrum gegründet, das Centre de dialectologie et d’étude du français régional. Es hat die universitäre Lehre und Ausbildung von Studenten in der galloromanischen Dialektologie, der noch bestehenden Patois-Dialekte und dem regionalen Französisch zum Ziel. Das Centre de dialectologie und das Glossaire des patois de la Suisse romande gewährleisten die Aufwertung des Patois auf wissenschaftlicher Ebene. Der Unterhalt der lebendigen Tradition jedoch spielt sich bei anderen Akteuren ab, bei solchen, die sich direkt um das Überleben der Sprache kümmern, über eine unmittelbare mündliche Überlieferung.
Das Patois am Radio
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigen der Rückgang der traditionellen Landwirtschaft und die Veränderungen auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen das Verschwinden des Patois. Ausser in einigen wenigen Walliser Gemeinden wird das Patois im Familienkreis nicht mehr gesprochen. In dieser Notsituation entsteht eine Idee, die den Mundarten der Suisse romande und den angrenzenden Regionen regelmässig eine Plattform bieten soll: Im Rahmen von Radio-Lausanne (später Radio Suisse romande) beginnen Charles Montandon, Fernand-Louis Blanc und Ernest Schüle, Chefredaktor des Glossaire des patois de la Suisse romande, mit einer Radiosendung in Patois, die alle zwei Monate ausgestrahlt werden soll. Ihre Absicht ist nicht nur, das Vokabular oder typische Redensarten vor dem Verschwinden zu retten, sondern in erster Linie, die Modulationen und Nuancen der gesprochenen Dialekte wiedergeben zu können.
Am 16. Dezember 1955 werden die Statuten der Archives sonores de parlers de la Suisse romande et des régions voisines unterschrieben und eine Equipe beginnt, lebendige, authentische Zeugnisse der vom Verschwinden bedrohten Mundarten zusammenzutragen, aufzunehmen und auszustrahlen. Im Verlauf der Zeit erweitern die Verantwortlichen ihre Perspektive und interessieren sich nun auch für die Nachbargebiete: Aostatal, Savoyen, Piemont, Elsass. Zwischen 1952 und 1992 werden so insgesamt 1’529 Sendungen produziert. Sie umfassen das gesamte traditionelle Repertoire der oralen Literatur: Neben Sagen, Legenden, Liedern, Gebeten, Gedichten, die von einer sehr eigenen, sensiblen Vision der Welt geprägt sind, auch zahllose kleine Theaterstücke und Lustspiele.
In Zusammenarbeit mit Radio Suisse romande, Memoriav (audiovisuelle Kulturgütererhaltung), den kantonalen Westschweizer Bibliotheken und der Mediathek Wallis – Martigny wurden diese Melodien und auch ein Teil der Radiosendungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, 472 in Unterwalliser Patois und mehr als 500 in Freiburger Patois. So ist es heute möglich, viele wertvolle Elemente dieser gesprochenen Tradition wieder zu finden, zu hören, zu erforschen – und wieder auferstehen zu lassen.
Heutige Praxis
Parallel zur Feldarbeit von Radio Suisse romande begründete die Fédération romande et interrégionale des patoisants (gegründet 1954 und präsidiert von Ernest Schüle) einen Literaturwettbewerb mit dem Ziel, das Entstehen des einen oder anderen geschriebenen Textes in einem Westschweizer Patois-Dialekt zu fördern, damit die Tonarchive der Westschweizer Dialekte zu ergänzen und zur Wiederbelebung der Westschweizer Dialekte beizutragen.
Die ebenfalls 1954 gegründete Fédération cantonale valaisanne des amis du patois (Walliser Vereinigung der Freunde des Patois) machte sich daran, das Patois über verschiedene Kanäle aufzuwerten: Vorträge, Studien, Sprichwort-Forschung, Redensarten, Anekdoten, Lieder, Gedichte, Einakter, Predigten… Für die Niederschrift eines fast ausschliesslich mündlichen Kulturgutes wurde ein grosser Aufwand betrieben. Dazu organisiert und unterstützt die Féderation Schreibkurse, Verskurse, Musik- und Theaterkurse. Ausserdem fördert sie ethno-linguistische Forschungen bzw. Befragungen mit der Absicht, das Wissen der noch Patoissprechenden zu sichern, die in der Zeit gelebt hatten, als sprichwörtliche Redensarten noch zum gesellschaftlichen Gemeinwissen gehörten.
Diese Aktivitäten haben auch einen direkten Einfluss auf die lokalen Gruppierungen. Die Fédération unterstützt und betreut die Bildung von lokalen Vereinigungen, die sich aber mehr schlecht als recht erhalten können, die Zahl der sich anschliessenden Sektionen ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trotzdem im konstanten Steigen begriffen. Heute gibt es ca. 20 der Féderation angeschlossene Gruppen, drei davon ausserhalb des Kantons. In diesen Vereinen entstehen viele Aktivitäten, die das Dorfleben animieren: Es werden Patois-Abende veranstaltet, Sprechende auf Tonträger aufgenommen, Dialekte gelehrt, lokale lexikographische Inventare realisiert usw.
Das Erhalten und Aufwerten des Patois sprengt jedoch den rein sprachlichen Rahmen und umfasst das gesamte Kulturgut, dessen Vektor das Patois ist.
Spezielle Erhaltungsmassnahmen
So hat das Patois heute wieder einen anerkannten Platz in der Gesellschaft. Seine Geschichte und seine Dialektologie fasziniert die Forscher nach wie vor. So ist die Zahl der Patois-Anhänger nicht nur gewachsen, sondern man ist auch immer noch fest entschlossen, für die Erhaltung und Wertschätzung der Sprache zu kämpfen. Weil das Patois insbesondere eine mündliche Tradition ist, findet es vor allem im Theater und in Sagen seinen literarischen Ausdruck. Unter der Aufsicht der Fédération cantonale valaisanne des amis du patois, des Conseil du patois und der Fondation pour le développement et la promotion du patois franco-provençal wurden spezielle Massnahmen ergriffen, um das Weiterleben dieser lebendigen Tradition zu ermöglichen. Wie bereits beschrieben, fördert die Fédération die Kreativität in Form einer ganz eigenen regionalen Literatur. Sie schreibt auch immer wieder Kurse aus, um interessierten Dialektsprechenden die nötige Basis für das Weiterführen ihres wertvollen Wissens zu geben.
Die vielen verschiedenen Aktivitäten finden ihren Höhepunkt in regionalen und interregionalen Treffen, mit zahlreichen kulturellen Darbietungen, unter denen Gesang, Theater (Sketch) und das Erzählen von Sagen und Legenden herausragen. Die Fondation und der Conseil du patois konnten auch neuere, aktuellere Ausdrucksweisen des Patois im Zusammenhang von neueren Kunstformen präsentieren. So verwenden inzwischen auch viele Künstler das Patois als Bühnensprache und geben CDs im zeitgenössischen Stil heraus (Laurence Revey, Paul Mc Bonvin, Sylvie Bourban, Carine Tripet). Daneben gibt es Patois-Kurse bei der Volkshochschule und Anfängerkursen in der Primar- und Orientierungsschule. Und mit der Einführung von fakultativen Patois-Kursen in der Primarschule konnte die Initiative einen spektakulären Erfolg verzeichnen. Ein erster Vorstoss der Gemeinde Evolène wurde von Erfolg gekrönt: Beim Schuleintritt 2011 schrieben sich mehr als 60 Schüler in die fakultativen Kurse ein.
Ähnliche Traditionen
In verschiedenen Schweizer Kantonen, in denen die traditionelle Kultur der Modernisierung standgehalten hat, ist das Patois noch lebendig und wird aktiv praktiziert. So neben dem Unterwallis auch im Kanton Freiburg (Gruyère und Veveyse) und im Jura, wo das Patois zu den Oïl-Dialekten gehört. In den andern Kantonen der Romandie ist das Patois praktisch verschwunden. Im Aosta-Tal ist das Patois – das dem Unterwalliser Patois sehr ähnlich ist – bei einem Teil der Bevölkerung solide verankert und wird aktiv praktiziert. Dank der Unterstützung der regionalen Behörden hat es einen offiziellen Status und wird an den Schulen gelehrt. Verschiedene Gruppierungen, aber auch die Schulen, benutzen ähnliche Ausdrucksmittel wie im Wallis. Die vielen regelmässig organisierten Treffen und Veranstaltungen, die das Patois zum Thema haben, geniessen hier eine breite gesellschaftliche Unterstützung.
Speziell für das Wallis ist, dass die Tradition noch recht lebendig ist. Bemerkenswert ist aber auch das grosse öffentliche Interesse insbesondere für den literarischen und theatralen Ausdruck. Im Interesse der Erhaltung und Entwicklung dieser lebendigen Tradition sollte eine stärkere Zusammenarbeit mit Freiburg, aber auch mit Aosta angestrebt werden.
Referenzen
1. Conseil des patoisants romands, L’Ami du patois : trimestriel romand, 1973 et ss.
2. Anne-G et Nicola Bretz-Héritier, Le patois de Savièse (10 tomes), 1996-2009.
3. Federica Diémoz,Serge Rossier, Le patois, une langue et un patrimoine communautaire, in La Gruyère dans le miroir de son patrimoine, t. 2, 2011, pp.103-114.
4. Alain Dubois, La conservation et la valorisation de la mémoire des patois dans le Valais romand, in Vallesia, Sion 2006.
5. Fédération cantonale valaisanne des amis du patois, Les patois du Valais romand : 50 ans, 1954-2004, 211 p., Evolène, 2005.
6. Glossaire des patois de la Suisse romande, Neuchâtel, puis Genève, 1924 et ss.
7. Jean-Henry Papilloud, Archives des parlers patois de la Suisse romande et des régions voisines, Arbido, 2005/5 pp. 18-20 , renvoie à Médiathèque Valais - Martigny, 1529 émissions de la RSR en ligne sur memovs.ch et patois.ch.
8. Rose-Claire Schüle, Inventaires lexicologique du parler de Nendaz (3 volumes), 1963-2006.
Multimedia
Fotos
- Kantonales Patois-Treffen am 6. November 2010 in Conthey: Veranstaltungsplakat. © Mediathek Wallis - Martigny.
- Kantonales Patois-Treffen am 6. November 2010 in Conthey: Gemeinsamer Schlussgesang. © Mediathek Wallis - Martigny.
- Kantonales Patois-Treffen am 6. November 2010 in Conthey: Theateraufführung junger Einheimischer. © Mediathek Wallis - Martigny.
- Kantonales Patois-Treffen am 6. November 2010 in Conthey: Auftritt der Chorgruppe Cobva. © Mediathek Wallis - Martigny.
- Kantonales Patois-Treffen am 6. November 2010 in Conthey: Auftritt einer jungen Chorgruppe aus Hérémence. © Mediathek Wallis - Martigny.
- Kantonales Patois-Treffen am 6. November 2010 in Conthey: Theateraufführung einer Gruppe aus Hérémence. © Mediathek Wallis - Martigny.
- Kantonales Patois-Treffen am 6. November 2010 in Conthey: Laurence Revey und Joël Nendaz. © Mediathek Wallis - Martigny.