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DMZ – GESUNDHEIT / WISSEN ¦ Wissenschaftsredaktion
Das Malariamedikament Hydroxychloroquin, das US-Präsident Donald Trump nach eigener Aussage eingenommen hat, könnte das Sterberisiko bei einer Covid-19-Erkrankung erhöhen. Eine zu hoch dosierte Behandlung von COVID-19-Patienten mit dem Malariamittel kann schwerwiegende Herzrhythmusstörungen verursachen. Mehrere Studien zeigen ein erhöhtes Sterberisiko und keine Verbesserung für Patienten.
Demnach hatten Covid-19-Patienten, die Hydroxychloroquin oder das verwandte Chloroquin erhielten, ein höheres Risiko, im Spital zu versterben, als eine Kontrollgruppe, der keines der Medikamente verabreicht wurde. Die Studie basiert auf den Daten von 96'000 Patientinnen und Patienten.
Eine umfassende Datenanalyse bestätigt laut einem Bericht im Wissenschaftsjournal "The Lancet" die Ergebnisse kleinerer Studien, dass sich die Malaria-Arzneien Chloroquin und Hydroxychloroquin wahrscheinlich nicht zur Behandlung von COVID-19 eignen. Im Gegenteil, die Wirkstoffe erhöhen womöglich die Todesrate und führen zu mehr Herzrhythmusstörungen, berichten Forscher aus den USA und der Schweiz im Journal "The Lancet". Sie hatten Daten von gut 96.000 Patienten ausgewertet, von denen fast 15.000 eines der Mittel allein oder in Kombination mit einem Antibiotikum bekommen hatten.
Kritische Wirkung vor allem in Kombination mit Antibiotika
Die Autoren sprechen sich dafür aus, die Mittel nur im Rahmen von klinischen Studien einzusetzen und den Nutzen sorgfältig zu prüfen. Derzeit laufen zahlreiche klinische Studien, in denen die Wirksamkeit genauer geprüft wird. Die Ergebnisse des Teams um Mandeep Mehra von der Harvard Medical School weisen nicht auf einen Nutzen der Mittel hin. Die Patientendaten der Studie stammten von 671 Krankenhäusern auf sechs Kontinenten. Alle vier Behandlungsarten - die beiden Mittel jeweils allein oder mit Antibiotikum - erhöhten das Sterberisiko im Krankenhaus. Vor allem Hydroxychloroquin zusammen mit einem Antibiotikum erwies sich als schlecht: Einer von vier der so behandelten Patienten starb, laut der Studie. In der Kontrollgruppe war es nur einer von elf Patienten. Auch bestimmte Herzrhythmusstörungen traten gehäuft auf: Bei 8 Prozent im Vergleich zu 0,3 Prozent der Kontrollgruppe.
Tödlicher Studienverlauf in Brasilien
Wie riskant eine hochdosierte Behandlung von COVID-19-Patienten mit Chloroquin vor allem in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin oder anderen Medikamenten sein kann, zeigte zudem schon zuvor eine kleine Phase-II-Studie in Brasilien, bei der elf Patienten an tödlichen Arrhythmien oder Herzmuskelschäden verstarben.
An der Studie, die vom brasilianischen Staat finanziert wurde und deren vorläufige Ergebnisse ebenfalls auf dem wissenschaftlichen Portal "MedRxiv" veröffentlicht wurden, nahmen 81 Krankenhauspatienten teil. Eigentlich sollten an der Phase-IIb-Studie "CloroCovid-19" sogar 440 Patienten teilnehmen.
Das Team um Marcus Lacerda vom Tropeninstitut in Manaus im brasilianischen Bundesstaat Amazonas verabreichte etwa der Hälfte der behandelten Personen fünf Tage lang zwei Mal täglich eine Dosis von 450 Milligramm Chloroquin (Gesamtdosis 2,7 Gramm). Den anderen Patienten wurde zehn Tage lang eine Dosis von mehr als 600 Milligramm (Gesamtdosis 12 Gramm) verschrieben. Eine Placebo-Gruppe gab es nicht.
Wurden Warnungen ignoriert?
Bereits in der vergangenen Woche hatten Internisten im Canadian Medical Association Journal vor den Gefahren einer QTc-Verlängerung im EKG beim Einsatz von Chloroquin und Hydroxychloroquin gewarnt - vor allem in Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin.
Demnach könne die Kombination neben Herzrhythmusstörungen auch zu Hypoglykämie (abnorm niedrigen Blutzuckerspiegel) sowie Unruhe, Verwirrtheit und Wahnvorstellungen führen. Bei einer Überdosierung könne es zu epileptischen Anfällen, Koma und Herzstillstand kommen.
Menschen als Versuchskaninchen?
Grundsätzlich sind die beiden Wirkstoffe Chloroquin/Hydroxychloroquin gut verträglich und sicher. Das von deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer entwickelte Medikament Resochin wird bereits seit den 1930er Jahren erfolgreich als Malaria-Medikament bzw. -Prophylaxe eingesetzt.
Allerdings sind die Risiken und Nebenwirkungen ähnlich lange bekannt. Bei einer extrem hohen Dosierung, bei einer falschen Selbstmedikation oder bei bestimmten Personengruppen können auch solche altbewährten Medikamente schwere Schäden verursachen.
Untersuchungen müssen nun zeigen, ob bei der klinischen Studie in Brasilien fahrlässig zu hoch dosiert oder Warnungen ignoriert wurden.
Quellen:
- https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2<ip-pii>56424v1
- https://www.cmaj.ca/content/cmaj/early/2020/04/08/cmaj.200528.full.pdf
- https://www.magazin.bayer.de/de/corona-virus-ein-wirkstoff-von-bayer-koennte-helfen.aspx
- https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31174-0/fulltext
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