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Das Autismus-Spektrum
Beim Autismus-Spektrum handelt es sich um eine Bezeichnung für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die als Einheit auftreten. Zum Autismus-Spektrum gehören einerseits spezifische Auffälligkeiten im Sozialverhalten und der sozialen Kommunikation, wie eine andersartige Verarbeitung sozialer Signale, ungewöhnliche Arten der Kommunikation oder untypische soziale Bedürfnisse. Andererseits gehören zum Autismus-Spektrum intensive oder ausgewählte Interessen, wie z. B. Beschäftigung mit einem Spezialgebiet, oder Rituale wie z. B. gleichförmige Abläufe im Alltag oder wiederholte Bewegungen zur Selbstberuhigung. Auch können Auffälligkeiten in der Art, wie Sinnesreize wahrgenommen werden, z. B. Geräuschempfindlichkeit und häufiges Erleben von Reizüberflutung in reizintensiven Situationen, vorkommen. Dieses Muster von Autismus-Spektrum-Besonderheiten muss seit der frühen Kindheit vorhanden gewesen sein, um als solches zu gelten. Einzelne Menschen auf dem Spektrum können sich stark voneinander unterscheiden, da die autismustypischen Eigenschaften ein Spektrum bilden und dieses nur ein Teil der Persönlichkeit einer Person ausmacht.
Gemäss aktuellem Forschungsstand entsteht das Autismus-Spektrum durch eine besondere neurobiologische Entwicklung, und ist Teil der natürlichen Form menschlicher Vielfalt in der Hirnentwicklung (ich verweise auf das Konzept der sog. "Neurodiversität" (A. Ne'eman 2012)). Es wird davon ausgegangen, dass unterschiedliche Arten der Hirnentwicklung unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich bringen. Das Autismus-Spektrum ist somit keine "Störung", sondern eine untypische Art des Wahrnehmens, Denkens, Fühlens und Verhaltens, die sich in einigen Aspekten von den Eigenschaften der Mehrheit (den sog. "Neurotypischen") unterscheidet.
Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
"Autismus-Spektrum-Störung" ist die Bezeichnung für eine psychiatrische Diagnose im aktuellen Klassifikationssystem, in dem die aktuell verwendeten psychiatrischen Diagnosen zusammengefasst sind. Die Diagnose "Autismus-Spektrum-Störung" wird Menschen auf dem Autismus-Spektrum vergeben, welche die charakteristischen Merkmale seit der frühen Kindheit zeigen, und unter zumindest einigen Merkmalen oder deren Folgen leiden resp. in verschiedenen Bereichen des Lebens durch die Merkmale beeinträchtigt werden. Ob eine Beeinträchtigung durch das Autismus-Spektrum entsteht, hängt von der Ausprägung der Schwierigkeiten und Stärken, und zusätzlich von der Passung zwischen Person und Umfeld ab. In Europa sind nach wie vor auch die Diagnosebezeichnungen "Asperger-Syndrom", "Atypischer Autismus" und "Frühkindlicher Autismus" in Gebrauch, welche unterschiedliche Arten des Autismus-Spektrums bezeichnen.
Autismus-Diagnostik
Die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung erfordert, dass Fachpersonen mit Erfahrung im Gebiet eine spezielle Abklärung mit Gesprächen und Tests durchführen. Dabei wird die gesamte Entwicklung seit der frühen Kindheit untersucht, da ASS immer seit der Kindheit vorhanden ist (wenn auch nicht immer deutlich für das Umfeld zu erkennen war.) Viele Betroffene berichten, dass die Diagnosestellung ihnen half, sich mit seinem ganzen Selbst zu versöhnen, inklusive der autismusspezifischen Besonderheiten (wie eine Klientin formulierte: "Ich bin nicht komisch, als Autistin bin ich sogar völlig normal!"). Zudem kann die Kommunikation mit dem Umfeld erleichtert werden. Mit einer Diagnose können zudem Therapien wie Psychotherapie und ausbildungs-/ berufsbezogene Unterstützungsmassnahmen (z. B. Jobcoaching) sowie allenfalls wohnbezogene Unterstützungsmassnahmen (wie z. B. Wohncoaching) in Anspruch genommen werden.
Psychotherapie bei Autismus-Spektrum
Als eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin und Expertin für das Autismus-Spektrum biete ich Ihnen qualifizierte Psychotherapie bei Autismus-Spektrum-Störungen (frühere Bezeichnung: Asperger-Syndrom, hochfunktionaler Autismus, frühkindlicher Autismus). Typische Ziele einer Psychotherapie mit Menschen auf dem Spektrum sind je nach Wunsch und Bedarf die Auseinandersetzung mit der Diagnose und den zugehörigen Merkmalen, eigene Stärken und Schwächen besser akzeptieren zu lernen und den Selbstwert zu stärken. Womöglich kann es wichtig sein, Lebenserfahrungen zu verarbeiten, mit dem Wissen der neu gestellten Diagnose. Ausserdem ist oft ein besserer Umgang mit Stress ein Ziel, wozu auch oft gehört, Anpassungen an der Umgebung vorzunehmen und sich passende Nischen zu suchen. Zusätzlich ist ein häufiges Ziel, den Umgang mit schwierigen Gefühlen zu verbessern sowie auch die sozialen Kompetenzen zu trainieren. Da Menschen auf dem Spektrum unter psychischen Folgeproblemen wie Depressionen, Burnout, Angststörungen, Essstörungen und Zwangsstörungen leiden können, ist eine Behandlung dieser Probleme oft auch Ziel der Psychotherapie. Wie in jeder Psychotherapie werden die Ziele zu Anfang gemeinsam vereinbart, und während der Psychotherapie wird in strukturierter, transparenter Art und Weise gemeinsam an der Erreichung der Ziele gearbeitet.
Für Menschen auf dem Autismus-Spektrum, welche einen Online-Kontakt gegenüber persönlichen Sitzungen vorziehen, kann die Therapie ganz oder teilweise als Online-Therapie > erfolgen.
Besonderheiten der Psychotherapie bei Autismus-Spektrum
Gemäss Forschungsbefunden und eigener praktischer Erfahrung muss der Rahmen der Psychotherapie an die Bedürfnisse von Menschen auf dem Autismus-Spektrum angepasst werden. So ist beispielsweise eine feste Struktur der Therapie (wie gleichbleibende Sitzungsabstände, Vorhersehbarkeit (wie Planung der Themen im Voraus), transparente und klare Kommunikation, eine Umgebung mit möglichst keinen Störgeräuschen, indirektem Licht und genügend Körperabstand sowie die Möglichkeit auch schriftlich (z. B. via E-Mail) statt nur mündlich kommunizieren zu können für viele Menschen auf dem Autismus-Spektrum hilfreich. Oft dauert eine Psychotherapie bei Menschen auf dem Autismus-Spektrum länger, weil sie Themen vertieft behandeln möchten und eine längerdauernde Begleitung gewünscht wird. Wie in jeder Psychotherapie basiert eine gute Zusammenarbeit auch bei Menschen auf dem Autismus-Spektrum auf Vertrauen und Offenheit zwischen Klient*in und Therapeutin. Dabei passe ich mich als Expertin für Autismus-Spektrum an Ihre Art zu kommunizieren an, um eine gemeinsame Sprache zu entwickeln (z. B. ist die Art zu kommunizieren u. U. direkter, sachlicher, mehr auf den Inhalt als die Körpersprache ausgerichtet etc.). Wie bei jeder Psychotherapie baut die gemeinsame Arbeit zudem auf Ihre besonderen Stärken und Fähigkeiten auf. Menschen auf dem Autismus-Spektrum haben teilweise typische Stärken, wie ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, logisches Denken, Ausdauer und Beständigkeit.
Aufgrund meiner mehrjährigen Tätigkeit im Bereich Autismus-Spektrum kann ich auf ein sehr gutes Netzwerk zurückgreifen, und arbeite bei Bedarf gerne mit anderen Fachpersonen wie ausbildungsbezogenen oder berufsbezogenen Unterstützungspersonen (wie Jobcoachs oder Institutionen), wohnbezogenen Unterstützungspersonen, IV oder anderen Stellen zusammen, resp. kann ihnen helfen bei Bedarf die Kontakte aufzubauen und zu nutzen.
Beratung von Angehörigen bei
Autismus-Spektrum
Angehörige von Menschen auf dem Spektrum sind auf besondere Weise gefordert. Dauerhaft Empathie aufrecht zu halten, praktische Unterstützung zu bieten und dabei oft wenig auf das Verständnis und die Hilfestellung des grösseren Umfelds zurück greifen zu können, ohne sich dabei selbst zu verleugnen und selbst vernachzulässigen, erfordert Kraft. Als Spezialistin für das Autismus-Spektrum kann ich Ihnen emotionalen Support bieten. Unter Umständen kann ich Ihnen ausserdem noch weitere Informationen und praktische Hilfestellungen zur Hand geben, um Sie als Angehörige zu stärken. Sind Sie Parter*in eines Menschen auf dem Spektrum, können Sie auf meine Kompetenz im Bereich der Paartherapie und Paarberatung für Menschen auf dem Spektrum zurück greifen.
Weiterbildung und Supervision bei Autismus-Spektrum
Mir ist es ein wichtiges Anliegen, das Wissen über Autismus-Spektrum in der Öffentlichkeit und unter Fachpersonen zu fördern. Darum führe ich regelmässig führe ich öffentliche Veranstaltungen für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen sowie Weiterbildungen für Fachpersonen im Bereich Autismus-Spektrum durch. U. a. bin ich Dozentin für die Schweizerische Gesellschaft für Kognitive Verhaltenstherapie SGVT.
Ebenfalls biete ich autismusspezifische Supervision für Fachpersonen an, meine Erfahrung umfasst beispielsweise Supervision für Autismussprechstunden verschiedener psychiatrische Dienste im Kanton Bern.
Die Weiterbildung und Supervision kann auch bei Ihnen vor Ort oder als Videokonferenz erfolgen.
Meine Kompetenz für das Autismus-Spektrum
Seit 2015 vertiefe ich mich in das Spezialgebiet Autismus-Spektrum. Anlass waren persönliche Erfahrungen. Ich realisierte, dass es im Gebiet Autismus-Spektrum noch viel zu tun gibt. Obwohl seit einigen Jahren sehr viel zum Thema geforscht wird, es auch in der Öffentlichkeit z. B. den Medien immer mehr behandelt wird, mangelt es in der Schweiz an passenden Unterstützungsangeboten für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Die Motivation, dies zu ändern, aber auch die Faszination am Thema, liessen es mich ab 2016 zum hauptsächlichen Schwerpunkt meiner Arbeit werden. Zwischen 2016 und 2021 arbeitete ich in der Autismusssprechstunde für Erwachsene an der Universitätsklinik Bern, und war im interdisziplinären Team für die Abklärung und Behandlung sowie Weiterbildung für Fachpersonen in diesem Bereich zuständig. Daneben unterstützte ich in der eigenen Praxis ab 2015 Menschen auf dem Spektrum und ihre Angehörigen.
Literaturhinweise
Eigene Veröffentlichungen:
Psychoscope 6/15 Gefühle im Verborgenen. Artikel zu Autismus-Spektrum-Störung
Psychoscope 6/15 Der Rosie-Effekt: Graeme Simsion. Buchrezension
Psychoscope 1/17 Verstörungstheorien: Marlies Hübner. Buchrezension
Ausgewählte Literaturempfehlungen:
Isabel Dziobek, Sandra Stoll: "Hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen". Kohlhammer 2019
Silke Lipinski: "Autismus: Das Selbsthilfebuch. " Balance-Ratgeber 2020
Steve Silberman: "Geniale Störung. Die geheime Geschichte des Autismus und warum wir Menschen brauchen, die anders denken." Dumont 2016
Rückmeldungen von Klient*innen
"Ich schätze Frau Jaggis Fähigkeit, sich in beiden Denksystemen, dem von neurotypischen Personen und dem von Personen aus dem Autismus-Spektrum, so frei bewegen zu können."