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Plaine Morte: Überwachungssystem für Gletschersee, Eiskanal und Abfluss
Unser Gletschersee-Überwachungssystem auf der Plaine Morte wurde dieses Jahr um vier autonome Kamerastationen und eine zusätzliche Drucksonde erweitert. Nachdem der Faverges-See Ende Juli 2018 innerhalb kürzester Zeit ausfloss und zu Überschwemmungen im Talboden mit Schäden an mehreren Gebäuden führte, wurden auf diesen Sommer Massnahmen zur Vermeidung ähnlicher Ereignisse getroffen. Im Frühjahr 2019 begannen die Arbeiten für einen Entwässerungskanal im Gletschereis, der dem Faverges-See als Überlauf dienen soll, wenn er ein kritisches Volumen erreicht hat. Zur Beobachtung der Ereignisse rund um den Entwässerungskanal installierten wir Anfang Sommer neben den langjährigen Sommer-Stationen „Faverges“ und „Trüebbach“ zusätzlich vier (teils mobile), autonome Kamerastationen sowie eine weitere Drucksonde zur Messung des Seepegels auf der anderen Seeseite.
Der Entwässerungskanal wurde Ende Juni fertig gestellt, gut 2 Wochen später erreichte der Pegel des Faverges-See bereits den Überlauf. Seither fliesst das Schmelzwasser in den Entwässerungskanal und der Seepegel senkt sich langsam ab. Das Video nebenan zeigt die Zeitraffer-Aufnahme der Kamerastation Faverges 1 am südöstlichen Ende der Plaine Morte.
Der Faverges-See erreichte diesen Sommer anders als in vorherigen Jahren bereits Mitte Juli seinen Höchststand. Die Abbildungen nebenan zeigen einen Vergleich der maximalen Seeausdehnung im Sommer 2019 gegenüber 2018. Dank dem Überlaufsystem blieb das Volumen des Sees vergleichsweise klein: seit Messbeginn 2012 war das Maximalvolumen in keinem Sommer so klein wie 2019, was deutlich in den Kamerabildern und den Pegelmessungen zu sehen ist.
Zwei unabhängige, am Seegrund montierte Drucksonden messen den Wasserdruck und ermitteln daraus den Seepegel. Die Gletscherstationen auf der Plaine Morte sind saisonale Anlagen und werden im Frühjahr jeweils auf- und im Herbst wieder abgebaut. Da sich der Untergrund im Laufe der Zeit ändert, kann die Drucksonde im nächsten Frühjahr nicht am gleichen Ort installiert werden und die absoluten Pegelwerte unterschiedlicher Jahre sind nicht direkt vergleichbar.
Das aktuelle Webcam-Bild der Station Faverges wird von der Gemeinde Lenk auf www.gletschersee-lenk.ch angezeigt.
Umfassende Überwachung des Eiskanals
Neben der bisherigen Station Faverges 1 und der Pegelmessung am Trüebbach, installierten wir auf dem Bergrücken „Les Faverges“ am südlichen Ende der Plaine Morte eine PTZ-Kamerstation. PTZ steht für Pan-Tilt-Zoom und beschreibt die fernsteuerbaren Funktionen Neigen, Schwenken und Zoomen dieses Kameratyps. Die PTZ-Kamera fährt mehrmals täglich vordefinierte Positionen ab und schiesst automatisch Bilder, die anschliessend an das Geopraevent Online Datenportal übermittelt werden. Drei mobile Kamerastationen sind zudem am Eiskanal installiert und geben einen Einblick in die Situation vor Ort. Alle Stationen sind energieautonom und werden von Solarzellen mit Strom versorgt. Um die Anlagen möglichst energiesparsam zu betreiben, werden bestimmte Komponenten bei Nichtgebrauch ausgeschaltet. Die PTZ-Kamera beispielsweise schaltet sich alle zwei Stunden selbständig ein, macht mehrere Aufnahmen und schaltet sich automatisch nach der Datenübermittelung wieder ab.
Der Gletschersee Faverges auf der Plaine Morte füllt sich jeden Sommer mit Schmelzwasser und entleert sich gelegentlich über den Trüebbach nördlich des Hochplateaus in Richtung Lenk. Geopraevent betreibt seit 2012 ein Alarmsystem, das bei einer markanten Abnahme des Seepegels sowei bei einem rasanten Anstieg des Bachpegels beim Abfluss aus dem See sofort im Tal alarmiert.