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In der östlichen Hudson Bay werden drei neue Gemeinden an das Glasfasernetz angeschlossen, wie die Präsidentin der Region Kativik, Hilda Snowball, letzte Woche bekannt gab. Dies ist der zweite Abschnitt eines dreiteiligen Projekts, dessen erster Teil 2022 fertiggestellt wurde und dessen nächster Schritt die Anbindung von 14 Gemeinden an das Hochgeschwindigkeitsinternet bis 2025 abschließen wird. Das EAUFON-Projekt wird mit öffentlichen Mitteln in Höhe von 165 Millionen kanadischen Dollar finanziert.
Michael Delaunay, Politikwissenschaftler und Spezialist für Unterseekabel in der Arktis, erklärt uns, warum solche Anstrengungen unternommen werden. Während seiner Doktorarbeit untersuchte er die soziologischen Auswirkungen des Internets in Nunavut. Heute arbeitet er an der Nutzung von Glasfaser-Unterseekabeln zur Überwachung der Ozeane und Seegebieten. Vom 21. bis 22. Juni wird er mit dem Observatorium für Politik und Sicherheit der Arktis (OPSA) in Ottawa auf einer Konferenz sein. Bild: Michael Delaunay
Sie haben die Auswirkungen der Konnektivität bei den Inuit in Nunavut untersucht. Was erwarten Sie in Nunavik?
Was sich in Nunavut geziegt hat, ist, dass der Zugang zum Internet – und umso mehr, wenn er sich verbessert – langfristig einen besseren Zugang zu sozialen Netzwerken und allen Ausdrucksmitteln ermöglicht und den Inuit dieser Region die Möglichkeit gibt, sich Gehör zu verschaffen und Einfluss auf die öffentliche Politik innerhalb des Staates zu nehmen. Dies ist meine Analyse für Nunavut und müsste in Nunavik überprüft werden, aber ich bin sicher, dass sie dort ähnlich ausfallen wird.
Dadurch wird Geld gespart, das nicht mehr für Satelliten eingesetzt wird und stattdessen in andere Bereiche wie den Zugang zu Nahrungsmitteln und den Bau von Häusern investiert werden kann. Die Verbindung ermöglicht auch eine leichtere Fernbehandlung für Regionen, in denen keine Krankenhäuser und keine oder nur wenige Ärzte vorhanden sind. Dies erfordert ein sehr stabiles Netzwerk, wie es Unterseekabel im Gegensatz zu Satelliten bieten können. Außerdem bringt diese Verbindung Fernschulen und Fernunterricht dorthin, wo es keine Universitäten und keinen einfachen Zugang zu Bildung gibt.
Welche Auswirkungen wird dies haben?
Der fehlende Zugang zu einem leistungsfähigen Internet und das Fehlen einer Universität wirken sich auf die Gemeinden aus, und der Bildungsgrad der Inuit ist eher gering. Daher verfügen zwangsläufig nur sehr wenige von ihnen über die notwendigen Kenntnisse, um Führungspositionen in ihren eigenen Verwaltungen übernehmen zu können. Diese nehmen weiße Menschen aus dem Süden ein und entscheiden über die öffentliche Politik, von der die Inuit abhängen. Daher ist es wichtig, dass sie sich im Fernstudium weiterbilden und dann über ihre regionale Politik z. B. in Bezug auf die Sprache oder die Kinderbetreuung entscheiden können.
Wie kam es zu diesem Projekt in Nunavik?
Das EAUFON-Projekt geht auf einen Bericht aus dem Jahr 2016 von Jean-François Dumoulin zurück, der damals bei der Administration Régionale Kativik (ARK) – der Behörde, die Nunavik verwaltet – angestellt war. Er hatte gezeigt, dass die Verbindung via Unterseekabel langfristig billiger ist als die Verbindung via Satelliten, zusätzlich zu den wirtschaftlichen und sozialen Vorteilen. Das Projekt wurde also zu 100 % aus öffentlichen Geldern finanziert, und zwar aus Geldern von Quebec und der Bundesregierung. Für die Umsetzung hat Nunavik seinen eigenen Telekombetreiber (Tamaani) und es existiert kein privates Unternehmen, das die Vernetzung bereitstellt.
In diesem Punkt sind sie unabhängiger als die Inuit in Nunavut, sie entscheiden selbst über das Profil des Netzwerks, was in Bezug auf die technologische Souveränität bereits sehr wichtig ist. Sie stehen vor anderen Herausforderungen wie dem Zugang zu Nahrungsmitteln, der Bekämpfung von Selbstmord und Tuberkulose, entscheiden sich aber für Kabel und nehmen dafür mehrere hundert Millionen Dollar in die Hand. Die Konnektivität über Unterseekabel ist eine Verbindung zu besseren Lebensbedingungen und gleichzeitig ein Mittel, um Geld zu sparen.
Fragen die Inuit nach einem Breitband-Internetzugang?
In der Hudson Bay verlangen die Inuit wirklich nach einer besseren Verbindung, In Nunavik sind sie ähnlich stark vernetzt wie in Nunavut. Das lässt sich überall beobachten, auch in Alaska sind sie sehr daran interessiert. Es ist interessant zu sehen, dass dieser Wunsch Regionen und Grenzen überwindet. Das Internet ist nicht das erste, was uns in den Sinn kommt, wenn wir an die Entwicklung einer Region denken, aber wenn man von allen Dienstleistungen weit entfernt ist, können viele Dinge nicht erledigt werden.
Die sozioökonomischen Vorteile werden sich erst langfristig zeigen, aber eine Milliarde wird in die Konnektivität in Alaska investiert werden, insbesondere in Unterseekabel, und Grönland soll bald ein drittes Kabel erhalten. Alaska, Nunavik, Grönland – in der Arktis ist etwas im Gange. Endlich werden Kabelprojekte zum Nutzen der lokalen Bevölkerung konkretisiert.
Interview von Camille Lin, PolarJournal