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Abtreibungen müssten erlaubt sein, damit es weniger Frauen gäbe, die infolge von illegalen Abtreibungen sterben. Die sogenannte Müttersterblichkeit würde abnehmen. Diese Behauptung wird oft von Abtreibungsbefürwortern aufgestellt.
Allerdings verfängt dieses Argument nicht, wie drei verschiedene wissenschaftliche Studien beweisen.
In «The New York Times» widerspricht ein britischer Wissenschaftler dieser Behauptung1: Viele Länder, welche die Abtreibung einschränken, haben eine geringere Müttersterblichkeit als solche mit laxen Regelungen, erklärt Professor David A. Jones, Direktor des Institutes Anscombe für Bioethik in Oxford (GB): «Polen hat eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze in Europa, hat aber auch die niedrigste Müttersterblichkeit in Europa.»
In einer Untersuchung vergleicht der britische Arzt Dr. Calum Miller die Müttersterblichkeit in Äthiopien vor der Legalisierung der Abtreibung 2005 mit der Situation danach. Er veröffentlichte die Ergebnisse dieses Jahr im «Ethiopian Medical Journal»2. Die Legalisierung führte zu einem starken Anstieg der Abtreibungen ohne signifikante Verminderung der Müttersterblichkeit, erklärt er. Die Zahl der Frauen, die im Zusammenhang mit einer Abtreibung starben, sei schon vor der Legalisierung der Abtreibung zurückgegangen. In den zehn Jahren nach der Legalisierung sei die Müttersterblichkeit auf demselben Niveau verblieben. Äthiopien, führt er aus, hat jetzt aber eine höhere Müttersterblichkeit als zahlreiche andere Länder Afrikas, in denen Abtreibung nicht legalisiert ist.
Eine grossangelegte Studie, veröffentlicht im renommierten «British Medical Journal»3, in der die Lage aller 32 mexikanischen Bundesstaaten untersucht wird, kommt zum gleichen Ergebnis: Die Müttersterblichkeit ist nicht dort geringer, wo die Abtreibung erlaubt ist. Für die Müttersterblichkeit seien andere Faktoren wichtig, so das wissenschaftliche Autorenteam. Das stellt auch Professor Jones fest: Entscheidende Kriterien seien u. a. die Qualität der Gesundheitsversorgung, der Lebensstandard, das Niveau der Bildung.
1) David A. Jones, The End of Roe Doesn’t Need to Bring an Increase in
Maternal Mortality, in The New York Times, 9. Juli 2022.
2) Miller, C. (2022). Legalisation of Abortion and Maternal Mortality in Ethiopia,
in Ethiopian Medical Journal, Vol. 60, No. 2.
3) Koch E, et al., Abortion legislation, maternal healthcare, fertility, female
literacy, sanitation, violence against women and maternal deaths: a
natural experiment in 32 Mexican states, in BMJ Open 2015.