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Das unter Bundesschutz stehende Gasthaus zum Trauben in Weinfelden besteht aus einem Hauptbau aus dem 16. Jh., einem Saalbau aus dem 19. Jh. und einem neuen Annexbau. Nach einem Rohrleitungsbruch im Jahr 2014 wurden zahlreiche bautechnische Mängel festgestellt. Das Gasthaus wurde daraufhin umfassend von Werner Keller Architekturbüro & Bach Mühle Fuchs saniert und neustrukturiert: Das Betriebskonzept wurde modernisiert, die Adressierung wiederhergestellt und das Haus an heutige Anforderungen angepasst.
Geschichte
Das Gasthaus zum Trauben ist eine der wichtigsten historischen Stätten des Thurgaus. Das Gebäude liegt an exponierter Stelle gegenüber dem Rathaus am zentralen Rathausplatz in Weinfelden. Das Wirts- und Gerichtshaus wurde kurz nach 1550 erbaut und seither mehrfach verändert. Balken im Keller, Obergeschoss und Dachraum wurden im Zuge des Umbaus auf das Jahr 1549 dendrodatiert. Das Gebäude wurde im stattlichen Frühbarock gestaltet. Der Altbau ist ein dreigeschossiger, verputzter Massivbau mit steilem Giebeldach und Fachwerkteilen im Inneren. Die Fassaden sind unregelmässig durchfenstert, teils mit modernen mehrteiligen Fensterwägen. An der Nordfassade gibt es rustizierte Eckverbände, welche in den unteren Teilen geböscht sind. Unter dem Nordgiebel gibt es zwei Aufzugstore und ebenfalls unregelmässig gesetzte Fenster. Das Innere hat einen dichten Bestand an historischer Ausstattung: Hoher Lagerkeller mit mächtigen Eichensäulen und Deckenbalken aus der Bauzeit. Sehr gut erhaltener bauzeitlicher Dachstuhl. Für die Erbauungszeit ungemein innovative, liegende Dachkonstruktion mit ausschliesslich gezapften Verbindungen.
Der Trauben wurde als herrschaftlich-zürcherische Taverne mit südlich anschliessendem Zehntenhaus genutzt und 1649 restauriert. Das Wirtshaus war ein Lehen der Herrschaft Weinfelden und wurde in der Regel einem Lehensmann für die Dauer von 12 Jahren verliehen. Vermutlich ab 1544 und bis 1797 versammelten sich im Mai oder Juni die Gerichtsherren; das waren die Inhaber der niederen Gerichtsherrschaften in der Landgrafschaft Thurgau. Ab 1550 tagten die Gerichtsherren im Gasthaus zum Trauben. Alle zwei Jahre nahm der Landvogt auf dem Platz vor dem Trauben den Treueid und die Huldigung der Weinfelder und der Angehörigen umliegender Herrschaften entgegen. Am 1. Februar 1798 proklamierte Paul Reinhart von der Traubentreppe aus die Freilassung des Thurgaus aus der eidgenössischen Untertanenschaft. Die südlich anschliessenden Ökonomiebauten von 1836 wurden 1891 zum Saaltrakt umgebaut, dessen Fassade Architekt Karl Fülscher 1967 vereinfachte. In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre bestanden Pläne für den Abbruch des Trauben, bis dann 1959 eine Stiftung gegründet wurde, die das Gebäude übernahm und eine komplette Restaurierung durchführte. Seit 1981 ist das Gasthaus zum Trauben Eigentum der Bürgergemeinde Weinfelden. Eine weitere Restauration fand 1990-91 statt und zehn Jahre später nun die Gesamterneuerung.
Ausgangslage
Nach einem Rohrleitungsbruch im Jahr 2014 wurde erstmals erwogen, die Hotelzimmer zu erneuern. Die dazu notwendigen Untersuchungen zeigten in der Folge laufend weiteren dringenden Sanierungsbedarf, der schliesslich so umfassend wurde, dass der Verwaltungsrat der Bürgergemeinde entschied, diese Arbeiten zusammengefasst beim anstehenden Pächterwechsel auszuführen.
Umgebungsgestaltung
Die Hauptzugänge des Gasthauses zum Trauben orientieren sich zum Rathausplatz hin. Seit der Erneuerung liegt hier auch der Eingang für das Foyer zum Festsaal. Ein erhöhtes Eingangspodest für das Foyer dient als Massnahme für das 300-jährige Hochwasser. Vom Hof her gibt es hindernisfreie Zugänge zum Foyer und zur Anlieferung. Wie früher erfolgt die Zufahrt zum Hof für Anlieferung und Gästeparkplätze über die Amriswilerstrasse. Zwischen dem Gasthaus zum Trauben und der Liegenschaft Amriswilerstrasse 6 wurde ein Baumblock mit Spitzahorn gepflanzt, unter dem sich eine Gartenwirtschaft befindet. Die Topografie wurde leicht verändert. Im Bereich der neuen Baumgruppe gibt es eine neue Stützmauer. Die Oberflächen wurden vorwiegend asphaltiert. Bei der Baumgruppe gibt es eine Chaussierung.
Ersatzbau
Neu reicht der Annex bis ins zweite Untergeschoss: Hier gibt es Platz für Lager und Haustechnik. Ausserdem wurde damit die Möglichkeit geschaffen, dass der Trauben später direkt aus der allfälligen Erweiterung der Tiefgarage Rössli-Felsen erschlossen werden kann. Im neuen Annex ermöglicht ein Lift den hindernisfreien Zugang bis ins Erdgeschoss. Die neue Küche befindet sich im Erdgeschoss, mit vielen Nebenräumen im Untergeschoss, verbunden durch einen Warenlift. Das Foyer erstreckt sich neu über zwei Geschosse und reicht im Untergeschoss unter der Bühne bis zum Rathausplatz. Das vormalige Bürolokal der Bürgergemeinde wird zum Eingang des Festsaals bzw. des Foyers zum Festsaal. Ein zweiter Eingang besteht von Osten.
Über der Küche liegen die Lüftungsaggregate für Küche und Festsaal, die durch diese Platzierung mit kürzesten Kanälen auskommen. Der neue Anbau erfüllt aber noch eine zusätzliche wichtige Funktion: Er übernimmt die Kräfte des Saaltraktes im Falle eines Erdbebens. Diese Funktion wird durch die aussenliegenden Stützen sichtbar gemacht. Die Dachfläche ist eine betonierte Scheibe, mit äusserer Wärmedämmung und einem Ziegeldach. Der Annex soll als solcher sichtbar sein und sich nicht mit der vorhandenen Substanz anbiedern. Um in der Materialität eine Feinheit zu erzielen, gibt es eine Differenzierung: Die Pfeiler erscheinen in glattem Sichtbeton und die Wandfläche mit strukturiertem Verputz, beides Hellgrau. Die Nordfassade ist voll verglast. Durch sie kann die ehemalige Ostfassade des Trauben auch von aussen wahrgenommen werden.
Neukonzeption
Die Aussenwände und die Dachkonstruktion blieben bestehen. Die Dachflächen wurden über den Sparren gedämmt, wobei die Dachränder an den Traufen bestehen bleiben konnten. Die neuen Trennwände der Hotelzimmer wurden als raumhohe tragende Binder ausgebildet, die ihre Lasten direkt auf die Aussenwände abgeben. Der ursprüngliche Scheunencharakter soll mindestens in Teilbereichen erlebt werden können, so reicht der Erschliessungsgang bis unter den First. Beim Eintritt in den südlichen Baukörper kann die freigespielte ehemalige Südfassade des nördlichen Baukörpers in einem Gebäudeschlitz vollflächig gesehen werden.
Umbauten im Bestand
Wegen den Brandschutzanforderungen und den Anliegen für eine hindernisfreie Erschliessung, wurde der Standort der Treppe im Zusammenhang mit einem neuen Lift studiert. Es wurde festgestellt, dass im Bereich der jetzigen Küche bzw. den früheren Toiletten im 1. Obergeschoss bei einem Eingriff am wenigsten Substanz verloren geht. Beim Lift war das Ziel, dass er ohne Dachaufbauten möglichst viele Geschosse erschliessen kann, d.h. je näher am First umso besser. Der Standort der 1961 eingebauten Treppe wurde aufgehoben. Zusammen mit dem Lift entsteht eine neue vertikale Erschliessungszone vom 1. Obergeschoss bis ins 1. Dachgeschoss. Die Pächterwohnung wurde aufgehoben und durch Hotelzimmer ersetzt. Das Dach wurde mit einem Unterdach versehen und auf der Innenseite gedämmt. Das Untergeschoss des Saaltrakts wurde ausgeräumt und neu eingeteilt. Es nimmt die zentralen Toiletten und Nebenräume für die Küche auf.
©Alex Ochsner