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Im Steinbruch Mehlbach auf dem Gemeindegebiet von Kerns OW, an der Südwestflanke des Stanserhorns, wird seit 1931 Rohgips abgebaut. Von der Gipsabbaustelle werden die gebrochenen Steine in effizienter Weise mit der werkseigenen Seilbahn zur Talstation Rohren NW gebracht und in Silos zwischengelagert. Von dort wird ein Teil des Rohmaterials direkt mit Lastwagen in die Zementindustrie geführt, während der andere Teil in die nahe gelegene Gipsfabrik Ennetmoos transportiert und dort weiter verarbeitet wird.
Die Zweiseilumlaufbahn wurde 1931 von der renommierten Leipziger Seilbahnfirma Bleichert & Co. erstellt. In einer 2'600 m langen, geraden Linie verbindet die Werkbahn das Abbaugebiet mit den Zwischenlagersilos in der Nähe der Siedlung St. Jakob. Anfänglich trugen 16 Holzstützen die Seile. Nach einem Seilbruch im Jahre 1961 ersetzte die Firma Bleichert die alten Holzstützen durch sieben Stahl-Fachwerkstützen in Portalform.
Die Talstation präsentiert sich als dreigeschossige, bretterverschalte Ständerkonstruktion unter Satteldach. Auffallend ist die qualitätvolle Holzkonstruktion im Innern des Gebäudes. Die Ein- und Ausfahrt der Bahn befindet sich im obersten Stockwerk, der als Silobau ausgebildeten Talstation. Der Baukörper wurde um ein seitlich angefügtes Betonsilo ergänzt. Die Bergstation ist eine eingeschossige, seitlich offene Holzkonstruktion unter Satteldach, an welche bergseitig die massiven Gebäudeteile des Verladebereichs anschliessen.
Die Linie der Bahn verläuft weitgehend durch das bewaldete Gebiet am Fuss des steilen Westhangs des Stanserhorns und überquert dabei mehrere Gräben.
An die noch original erhaltenen Laufwerke und Gehänge der Firma Bleichert wurden 1961 neue, grössere Mulden angehängt, die von der Firma Niederberger NSD, Dallenwil, stammen. Die betrieblich lösbaren Fahrbetriebsmittel verfügen über Gewichtsklemmen vom Typ Bleichert, welche für die nötige Klemmkraft am Zugseil sorgen. Die Spannvorrichtungen mit Gewicht für das Trag- und das Zugseil sind in der Talstation untergebracht, während sich der Antrieb in der Bergstation befindet. Der Motor, das Getriebe und die Bremsen wurden 1988 ersetzt. Gleichzeitig erfolgte die Modernisierung der Steuerung und der Fernüberwachungsanlage.
Die von der Fixit AG, einem führenden Produzenten im Schweizer Baustoffmarkt, betriebene Werkbahn ist noch heute eine wichtige Komponente im Produktionsprozess.
Die Werkbahn vom Gipssteinbruch in Mehlbach zum Zwischenlagerungsstandort in Rohren weist noch zahlreiche Komponenten von 1931 auf. Die 1961 und 1988 marginal modifizierte und nachgerüstete Bleichert Anlage ist von industriegeschichtlicher Bedeutung. Zusammen mit den beiden Stationen bildet die Materialseilbahn ein wichtiges Element im mehrteiligen Produktionsprozess vom Abbau des Rohgipses bis zu den Endprodukten Zement oder Baugips.
Der Abbau von Gips in offenen Gruben hat immer auch einen starken Eingriff in die Landschaft zur Folge. Dagegen steht die Seilbahn als effizientes Transportmittel für den weitgehend schonenden Umgang mit der Umwelt.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||zu Steinbruch Mehlbach (an der Südwestflanke des Stanserhorns); Transport des Rohmaterials Gipsstein zu Zwischenlagersilos in Rohren; Werkkontext|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||betrieblich bestimmt: gerade direkte u. sehr lange Linie von dem an der Verkehrsachse gelegenen Zwischenlagerungsstandort zum Steinbruch|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||markante Fachwerk-Portalstützen; Fahrbetriebsmittel sind Mulden; mit Gewichtsklemmen (Typ Bleichert) an endlos gespleistem Zugseil befestigt, Laufwerk auf Tragseil; Antrieb in Beladestation; Kettenförderer bei Beladestation, bei Entladestation manuelle Beförderung der Mulden|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||interessanter, einer der ältesten, in einem repräsentativem Masse aus der Erstellungszeit überlieferter Vertreter einer Materialseilbahn basierend auf dem Seilbahn-Urprinzip der Zweiseilumlaufbahn; Anlage der renommierten Leipziger Seilbahnfirma Bleichert & Co.|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||feingliedrige u. formschöne, zum Teil sehr hohe Stahl-Fachwerkkonstruktionen in Portalform; hohe Zimmermannskunst bei der Talstation|
|Architektur||hohe, schlanke Entladestation als Silobau ausgebildet: Einfahrt im obersten Stockwerk; in der architektonischen Wirkung durch jünger seitlich angefügtes Betonsilo beeinträchtigt; Ladestation: unterster u. vergleichsweise niedriger u. langgestreckter Baukörper einer in der Höhe gestaffelten Bauvolumenanlage; funktionale Anordnung u. Ausführung|
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||Tal- respektive Entladestation: ungefähr dreigeschossige, mit einem Satteldach überdeckte Holzkonstruktion; Berg- respektive Ladestation: eingeschossige, seitlich offene Holzkonstruktion, mit einem Satteldach überdeckt u. bergseitig, im Ladebereich, massiver Kern; eindrückliche Zimmermannsarbeiten|
|bautypologische Bedeutung||Hochbauten als wesentliche, in einem repräsentativen Masse aus der Anfangszeit stammende u. minimal veränderte Anlagekomponenten|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||ein Grossteil der Werkbahn-Komponenten stammt von 1931; sie vermitteln einen guten Eindruck früher Werkbahnen aus dem renommierten Hause Bleichert|
|Qualität der Nachrüstungen||wichtige Nachrüstungsphase 1988 mit dem Ersatz des Antriebs, des Bremswerks sowie der Modernisierung von Steuerung u. Fernüberwachungsanlage; die Mulden wurden 1961 ausgewechselt|
|funktionale Unversehrtheit||als wichtige Komponente des Produktionsprozesses in Betrieb|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||FIXIT (FIXIT Weiach u. Gipsunion): wichtiger Akteur in der Schweizer Baumaterialindustrie|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||von industriegeschichtlicher Bedeutung; Bindemittelindustrie als wesentlicher Faktor der Bauwirtschaft; einer der vier letzten Gipsabbaustandorte der Schweiz|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||betrieblich bestimmt; Entladestation ausserhalb des Zentrums der Siedlung St. Jakob; teilweise durch bewaldetes Hügelgebiet; jedoch bereits Vorbelastung durch Gipsabbau|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||Silos für Zwischenlagerung bei Talstation; Gipsfabrik an der Bettistrasse in Ennetmoos; intakter Zusammenhang der Produktionskette|
|Verkehrsnetze||Fahrstrasse/Hauptstrasse Stans-Kerns für Transport zum Werk Ennetmoos an der Bettistrasse u. zum Abtransport zu den Zementwerken|