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Am 7. Oktober gab es für viele Alfred Hitchcock-Fans ein besonderes Jubiläum zu feiern: Vor genau 60 Jahren wurde sein Film Psycho im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Das Werk gilt nicht nur als erfolgreichster Film von Hitchcock, sondern war auch der erste veröffentlichte Psychothriller, der zahlreiche Regisseure beeinflusst hat. Die legendäre Duschszene ging in die Filmgeschichte ein und wurde mehrmals rezitiert. Der Film zog drei Fortsetzungen nach sich, einen auf den Stoff basierenden Fernsehfilm, ein Remake sowie die TV-Serie Bates Motel. Anfang 2019 gab Universal Pictures, in Zusammenarbeit mit Turbine Medien, nun eine Sammelbox namens Psycho Legacy Collection heraus. Für Fans von Psycho ist sie ein absolutes Muss.
Diese Filme beinhaltet die Psycho Legacy Collection
Spoilerwarnung: Die nachfolgenden Absätze enthalten einige Spoiler, die die Handlung der Fortsetzungen verraten können.
Psycho (1960)
Marion Crane hat ihrem Chef 40 000 Dollar gestohlen. Auf ihrer Flucht vor der Polizei steigt sie in einem Motel ab, das vom eigenbrötlerischen Norman Bates geführt wird. Dieser lebt mit seiner kranken Mutter zusammen im Nachbarhaus. Als Marion spurlos verschwindet, machen sich ihre Schwester Lila, ihr Freund Sam und ein Privatdetektiv in Bates’ Motel auf die Suche nach ihr. Schon bald stellen alle fest, das in diesem Gebäude nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Was verbirgt der unheimliche Norman und seine Mutter vor den Besuchern?
Psycho II (1983)
22 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils wird Norman Bates als geheilt angesehen, und unter heftigem Protest von Lila Loomis, der Schwester von Marion Crane, aus der Psychiatrie entlassen. Obwohl Dr. Raymond, der Norman schon in der Klinik betreut hat, davon abrät, kehrt Norman in das nunmehr seit Jahren unbewohnte Haus seiner Mutter und das heruntergekommene Motel zurück. Dieses wurde in der Zwischenzeit in ein Stundenhotel umfunktioniert. Norman bekommt eine Arbeitsstelle als Hilfskraft in einem Schnellrestaurant. Doch schon bald geschehen merkwürdige Dinge: Norman bekommt seltsame Nachrichten auf Zetteln und Telefonanrufe, die von seiner Mutter zu kommen scheinen. Zudem kommt es zu rätselhaften Morden…
Psycho III (1986)
Im dritten Teil der Psycho-Reihe verirren sich die junge Novizin Maureen sowie der erfolglose Rockmusiker Duane in das inzwischen heruntergekommene Bates-Motel. Norman Bates lebt immer noch dort und gibt der Journalistin Tracy, die einen Artikel zum Thema «Rehabilitation geisteskranker Mörder» verfassen möchte, ein Interview. Während des Interviews sieht Norman zum ersten Mal Maureen, die ihn an sein erstes Opfer Marion Crane erinnert. Er gerät in Panik und bricht das Interview ab. Dies erweckt natürlich Tracys Neugier und so beauftragt sie Duane, Norman während seines Aufenthalts im Motel auszuspionieren. Maureen bewohnt zufälligerweise dasselbe Zimmer, in dem seinerzeit auch Marion Crane einquartiert war. Norman wird wieder rückfällig und schon bald häufen sich in der Gegend wieder eigenartige Vorkommnisse.
Psycho IV – The Beginning (1990)
Norman Bates ist mittlerweile mit Connie verheiratet und wird demnächst Vater. Als während einer Radio-Talkshow das Thema Matrizid behandelt wird, ruft Norman an, gibt sich als «Ed» aus und erzählt seine Lebensgeschichte. Dadurch erfährt man, dass seine Mutter ihn in seinen jungen Jahren psychisch misshandelt hat. Zu Gast im Studio der Radiosendung ist Dr. Richmond, der früher Norman Bates in der Anstalt betreute. Dieser erkennt zwar, dass es sich bei dem Anrufer um Norman handelt, kann ihn aber nicht aufhalten und man wirft ihn aus der Sendung. Nach dem Anruf kündigt Norman an, dass er seine Frau Connie umbringen will. Hintergrund ist dabei die Tatsache, dass Connie das gemeinsame Kind gegen Normans Willen austragen will. Bates befürchtet, dass seine Krankheit vererbbar sei, und will mit allen Mitteln verhindern, Vater zu werden.
Psycho (1998)
Hier handelt es sich um ein Remake des ersten Teils, das Drehbuch entspricht quasi eins zu eins dem Original. Auch die Kameraarbeit wurde kopiert oder nur geringfügig verändert. Regie führte Gus Van Sant, Vince Vaughn übernahm die Hauptrolle. Anne Heche spielt Marion Crane, während Julianne Moore ihre Schwester Lila verkörpert. Auch Herr der Ringe-Star Viggo Mortensen ist als Sam Loomis, der Freund von Marion, zu sehen.
The Psycho Legacy (2010)
Die Dokumentation The Psycho Legacy beschäftigt sich mit den ersten vier Psycho-Filmen.
Sie enträtselt den Prozess des Drehbuchsschreibens, des Casting und der Regiearbeit der ganzen Filme. Dabei wird deren Langlebigkeit und deren Erfolg untersucht. Nie gezeigte und sehr seltene Interviews und Fotos von Anthony Perkins werden mit dutzenden Interviews von Robert Loggia, Olivia Hussey, Henry Thomas, Diana Scarwid, Hilton Green und viele mehr verflochten. The Psycho Legacy ist die erste Dokumentation, welche Jahrzehnte von Psycho-Filmen vereint und untersucht. Sie führt dabei Überraschungen zu Tage und ermöglicht Einblicke in den Ursprung des modernen Horrors.
Bates Motel (1987)
Norman Bates lernt in der Heilanstalt den jüngeren Alex West kennen und vermacht ihm sein Motel. Alex investiert viel Zeit und Mühe, um das inzwischen stark heruntergekommene Motel wiederherzurichten. Die junge und attraktive Willie hilft ihm dabei. Während der Bauarbeiten wird die Leiche von Mrs. Bates gefunden und beerdigt. Alex ist von nun an von Alpträumen geplagt, in denen er Leichen sieht, die nicht existieren.
Der Fernsehfilm nimmt auf Alfred Hitchcocks Psycho Bezug. Dabei hat Bates Motel keinerlei Verbindung zu den Psycho-Fortsetzungen, sondern baut direkt auf Hitchcocks Original von 1960 auf.
78/52 (2017)
Die Dokumentation über die legendäre Duschszene aus Psycho. Regisseur Alexandre O. Philippe analysiert die Szene umfassend und lässt zahlreiche berühmte Persönlichkeiten aus der Filmwelt zu Wort kommen, darunter Schauspieler Elijah Wood, Regisseur Guillermo del Toro sowie Komponist Danny Elfman. Ebenfalls interviewt wurden Marli Renfro, die in Psycho als Stuntdouble mitwirkte und Oz Perkins, der älteste Sohn des 1992 verstorbenen Norman Bates-Hauptdarstellers Anthony Perkins.
Diese Extras bietet die Collection zusätzlich
Die Edition beinhaltet nebst den DVDs verschiedene Türhänger, einzelnen Postern zu jedem Teil, Postkarten, eine Limitierungskarte, 25 Briefbögen, einen Nachdruck von Sam Loomis’ Brief sowie eine erstaunlich detaillierte Besprechung von Filmkritiker Tobias Hohmann. Abgedruckt ist sie in einem 120-seitigen und grossformatigen Buch. Dieses lässt wirklich keine Anekdoten und Hintergründe zu den Psycho-Filmen und ihrem späteren Einfluss aus und beinhaltet einzelne Tribute-Texte an die Schauspieler, und sollte jeden Hardcore Fan zufriedenstellen.
Das Herzstück der Edition sind aber die an unterster Stelle eingepackten Plastikboxen, die mit herrlich nostalgischen Retrocovern aufwarten.
Insgesamt befinden sich in den Boxen dann die acht Blu-ray Discs mit 15-stündigen Bonusmaterial, worunter Psycho I-IV, sowie die deutsche Uncut-Fassung, der Fernsehfilm, das Remake des Originals und die zwei Dokus enthalten sind.
Meine Gedanken zu den Streifen
Gerade die erste Doku hat mich überzeugt und wenn man bedenkt, dass dieser Film vor allem seine Anfänge als Fanprojekt hatte, muss man diesem Filmemacher zugestehen, dass er hier eine sehr gute Arbeit ablieferte und man sehr vieles über die Hintergründe zu den Filmen erfährt. Dies auch dank den vielen reingeschnittenen Interviews mit den Schauspielern.
Einzig die vielen Formatwechsel sind etwas störend, aber es ist ja auch keine komplett professionelle Doku, die gar von einem Filmstudio in Auftrag gegeben wurde. Ich empfehle daher, euren Psycho-Marathon mit dieser Doku zu starten. Diese löst vor allem die Lust auf die ganze Reihe aus, welche ich nun im Nachhinein auch nochmal kurz ansprechen möchte.
Der erste Psycho-Teil ist natürlich ganz klar der wegweisende Klassiker für alle Fortsetzungen und auch für jeden danach erschienenen Film, der sich überhaupt mit Psychopathen oder Serienkillern beschäftigte. Diese Version beinhaltet zudem zusätzliche Szenen, die man aus verlorengeglaubten Filmrollen gefunden und eingefügt hatte. Diese nachträglich eingebauten Szenen hat man nachrestauriert und ins vorhandene Universal-Master, das bereits 2010 in der Kinofassung auf Blu-ray veröffentlicht wurde, eingefügt.
Der zweite Teil von Psycho ist zwar nicht mehr ganz so genial wie sein Original, braucht sich aber auch nicht dahinter zu verstecken. Er ist für sich allein gestellt und auf jeden Fall einer der besten und erfolgreichsten Psychothriller der 80er Jahren. Erneut ist Anthony Perkins in seiner Paraderolle zu sehen und darf sich vorerst als geheilt bezeichnen, bis ihn seine Vergangenheit wieder einholt. Diese Fortsetzung ist jedenfalls auch grossartig in Szene gesetzt worden und nebst Perkins ist auch Vera Miles in ihrer alten Rolle zu sehen. Zudem wartet er mit einem grossartigen Soundtrack von Komponistenlegende Jerry Goldsmith auf.
Das Schöne an diesem Teil ist, dass der Zuschauer die Chance erhält, mit Norman mitzufühlen. Man betrachtet ihn als den verzweifelten und gebrochenen Mann, der gegen seine eigene dunkle Vergangenheit ankämpft.
Unbedeutende Fortsetzungen wie Psycho 4
Auch Psycho III weiss auf seine ganz eigene Art zu überzeugen. Hier führte erstmals Anthony Perkins selbst Regie und realisierte damit wohl ganz klar einen, aus heutiger Sicht immer noch zeitlosen, Horrorfilm mit fast schon parodistischem Anstrich.
In diesem Teil kommt wohl ganz klar Perkins ganz eigner Humor zum Tragen. Immer wieder ist dieser Film durchzeichnet von kleinen Gags und Anspielungen auf die vorangegangenen Filme, die teilweise in kurzen, absurden aber auch prägnanten Dialogen zum Vorschein kommen. Neben dieser Änderung fasziniert aber auch der mitreissende Soundtrack, der mir beim ersten Hören sofort einen Ohrwurm bescherte. Alles in allem gelungen, wenn auch im Gesamtbild nochmal eine Stufe schwächer als Teil 2.
Zu guter Letzt gibt es aber leider auch noch Teil 4, der alles in allem sicherlich auch für Fans noch konsumierbar ist, aber der auch beweist, dass die Reihe langsam ihren Zenit erreicht hat. So bäumt sich ein Anthony Perkins, der schon deutlich von seiner Aids-Erkrankung gezeichnet ist, ein letztes Mal auf und liefert eine, zumindest für sich nochmal, im Gedächtnis bleibende Darstellung ab. Doch das nützte dem gesamten Erfolg des Films allerdings auch nicht mehr viel. Am Ende erreichte diese Produktion jedenfalls keinen grossen Bekanntheitsgrad und lief nicht mal im Kino.
Eher unbedeutend sind dann die beiden Streifen Bates Motel und das bereits vielfach kritisierte Remake Psycho von 1998. Der erstgenannte Fernsehfilm ist auch ziemlich spannungsarm und wurde wohl nur der Komplettierung zuliebe beigefügt. Das Remake hat deutlich bewiesen, dass man die Chemie eines von 1960 gedrehten Films nicht mehr herstellen kann und dass diese Umsetzung eher seelenlos und uninspiriert abgefilmt daherkommt.
Ganze Dialoge hat man hier einfach übernommen, aber die Genialität des Originals konnte man logischerweise nicht kopieren, da dies schlichtweg unmöglich ist. Daher ist es wohl eines der überflüssigsten Remakes der 90er Jahren.
Wer sich gerne ein besseres Remake anschauen möchte, liest am besten hier weiter.
Verbesserte Ton- und Bildqualität bei den Streifen
Für die Restaurierung des ersten Teils der Reihe wurde auf das Masterband von 1960 zurückgegriffen.
Zwar gibt es immer wieder mal aufblitzende Schmutzpartikel oder ein Bildrauschen zu sehen, aber man kann sagen, dass diese Version zu den besseren Schwarzweiss- Restaurierungen zählt. Somit hat man zumindest, was die Kontraste und die Schärfe anbelangt, eine gute Blu-ray vor sich, die auch die nachträglich hinzugefügten Szenen, mit Ausnahme eines leichten Rauschen, gut ergänzt. Der Ton ist leider nur in Stereo vorhanden, ist aber dennoch von guter Qualität.
Auch die Fortsetzungen wurden überarbeitet. Das Material dazu stammt von den Masterversionen der bereits bekannten US-Fassungen und bietet eine gute bis befriedigende Qualität. Vor allem bei Teil 2 und 3 macht sich hin und wieder mal ein stärker ausgeprägtes Filmkorn bemerkbar.
Ansonsten gibt es aber wirklich nichts zu bemängeln und auch das Korn ist letztendlich eine Frage des Geschmacks. Der Ton ist auch hier in Stereo, aber mit dynamisch erklingenden Soundtrack.
Fazit: Für mich mit Abstand die beste Veröffentlichung des letzten Jahres. Für den Filmliebhaber und Cineast hat man hier ein perfekt zusammengestelltes Psycho-Überraschungspaket auf den Markt gebracht.
Über unseren Gast-Autor
Sandro Biener veröffentlicht unter dem Namen SANY 3000 Film-Rezensionen auf Amazon und auf Wattpad. Er beantwortet auch gerne Fragen über Filme und Serien auf gutefrage und produziert Megamixes von bekannten Sängern sowie weitere diverse Videos. Diese findet ihr auf seinem YouTube-Kanal.