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John Dowland und, 400 Jahre später, John Cage haben beide raffinierte, verspielte und zarte Musik komponiert. Dieses Programm präsentiert Werke aus John Dowlands "Second Booke of Songs" und John Cages "Song Books" in Versionen für Stimme, Laute und Elektronik. Die Stille hat hier den gleichen Wert wie der Klang und unterstreicht die Eleganz der ausgewählten Texte.
Das "Second Booke of Songs or Ayres" des englischen Lautenisten John Dowland (1563-1626) wurde im Jahr 1600 veröffentlicht. Der 37-jährige Komponist beherrschte damals seine Kunst vollkommen, und die ersten Stücke dieser Sammlung ("I saw my lady weepe" oder "Flow my teares") gehören noch heute zu den meistgespielten Werken der englischen Renaissance. Das Programm konzentriert sich auf die ersten acht "Songs" dieser Sammlung, deren Besonderheit darin besteht, dass sie eindeutig für zwei Stimmen komponiert sind (die meisten von Dowlands "Songs" sind entweder nur für eine Stimme und Laute oder für vier Stimmen und Laute). Als echter "Dialog zu dritt" (zwei Sänger und Laute) sind diese Kompositionen mit ihren bewegenden Texten von sanfter Melancholie ein Eintauchen in die Intimität und den Ausdruck der Gefühle. 2
John Cage (1912-1992) veröffentlichte 1970 die Sammlung "Song Books". Es handelt sich dabei um eine Zusammenstellung von 90 "Songs", in denen Cage die Vielfalt seiner kompositorischen Fähigkeiten präsentiert.
Es gibt einige neue Ideen, aber viele der Solos recyceln Techniken aus seiner früheren Musik. Die Song Books enthalten sogar eine neue Version des Stücks 4'33". Solo 8 hat den Untertitel 0'00" und gibt dem Interpreten Anweisungen: "In a situation with maximum amplification (no feedback), perform a disciplined action.". Wenn es bei 4'33" darum geht, nichts zu hören, geht es bei 0'00" darum, etwas zu hören. Das Schlüsselwort hier ist "diszipliniert". Eines von Cages immer wiederkehrenden Problemen war, wie er in seinem Buch "A Year from Monday" sagt, "einen Weg zu finden, die Menschen frei zu lassen, ohne dass sie verrückt werden" (to find "a way to let people be free without their becoming foolish"). Die Song Books sind ziemlich anfällig für Fehlinterpretationen. Einige der Solos sind so leicht auszuführen, wie sie beim Schreiben gewesen sein müssen - "What can you do?" fragt Solo 78; "I can take off my shoes and put them on again" -, aber viele andere erfordern eine aussergewöhnliche Stimmgymnastik.
Die scheinbare Einfachheit der Vokallinien und die von barocker oder belcantistischer Virtuosität weit entfernte Ästhetik ist hier ein Weg, die Komplexität und Raffinesse der Werke von John Dowland und John Cage zu enthüllen.