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Klar ist bereits nach den Viertelfinals im «Ally Pally» in London: Im WM-Final am Montag wird es zum Duell zwischen einem Engländer und einem Schotten kommen. James Wade (4) bekommt es am Sonntagabend mit Michael Smith (9) zu tun, danach treffen im Duell der «Bravehearts» die Ex-Weltmeister Peter Wright (2) und Gary Anderson (6) aufeinander.
Topfavorit Gerwyn Price wird seinen WM-Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen können. Der Waliser scheiterte in einer engen Kiste am «Bully Boy» Michael Smith.
Price gelang dabei im vierten Satz bei einer 2:1-Satzführung ein Nine-Darter. Es war der dritte bei der WM, so viele gab es zuvor noch nie am gleichen Turnier.
Smith verdiente sich den zweiten Halbfinaleinzug seiner Karriere nach 2019, als er danach im Final gegen Michael van Gerwen verlor. Der Engländer zeigte vom Anfang bis zum Schluss eine fokussierte Leistung. Smith liess sich auch von kleinen Fehlern nicht aus der Bahn werfen, die «Iceman» Price getreu seinem Spitznamen oft eiskalt ausnutzte.
Beim Stand von 4:3 für Price vergab der Waliser zwei Match-Darts. Das war der Wendepunkt. Smith gelang der Satzausgleich und es wirkte, als ob Price gedanklich noch zu sehr dem verpassten Sieg nachtrauerte. 16 Mal warf Michael Smith das Maximum von 180 Punkten, mit einem Average von fast 102 Punkten und einer Checkout-Quote von 51,2 Prozent hatte er klar die Nase vorn.
Smith wird im Halbfinal der grosse Favorit sein, denn James Wade konnte sich auch im Viertelfinal nicht wirklich steigern. «The Machine» schaffte es primär so weit, weil Mervyn King noch schwächer war. Wade schlug ihn glatt in 5:0 Sätzen, aber bloss mit einem Drei-Pfeile-Schnitt von 86,50 Punkten. Massgebend für den Sieg war eine etwas höhere Trefferquote auf die Doppelfelder.
Will es Wade erstmals nach drei verlorenen WM-Halbfinals zwischen 2009 und 2013 in den Final schaffen, wird er sich erheblich steigern müssen. «Man sollte mich nicht unterschätzen», meinte er bei «Sky», wo Experte Wayne Mardle offenbar genau dies tat, selbstsicher. Wade hatte auf seinem Weg in die Runde der letzten Vier auch von einer günstigen Auslosung und dem coronabedingten Forfait von Vincent van der Voort profitiert.
Die Cinderella-Story des Callan Rydz ist in einer hochklassigen Partie zu Ende gegangen. Der 23-jährige Aussenseiter, der letzte verbliebene Ungesetzte im Turnier, unterlag dem Schotten Peter Wright erst in der Verlängerung des entscheidenden neunten Satzes. Rydz zeigte dort Nerven, während «Snakebite» Wright, der Weltmeister von 2020, dank seiner Erfahrung reüssierte. «Er wird eines Tages Weltmeister», tröstete Wright den Verlierer.
«The Riot» Rydz hatte gleich fulminant losgelegt und sich das erste Leg der Partie mit einem 152er-Checkout geholt. Der Engländer lag rasch mit 2:0 Sätzen vorne, vier der sechs Legs beendete er mit einem High-Finish. Der Unterschied lag lange Zeit vor allem bei der Doppelquote, die bei Wright unterirdisch tief war. Sein hohes Scoring mit unter anderem 17 Mal einer 180 hielt ihn am Leben – und dass er nie verzagte, obwohl Rydz später 3:1 und 4:3 führte.
Dass der Sensationsmann der WM seine Nervosität nicht verbergen konnte, war besonders am Ende sichtbar: Rydz schwitzte stark, haderte nach vergebenen Chancen. Derweil blieb Paradiesvogel Wright cool und zeigte erst nach dem spektakulären Sieg Emotionen. Nun kommt es im Halbfinal zum schottischen Duell mit Gary Anderson.
Gary Anderson warf mit Adrian Lewis und Rob Cross schon zwei frühere Weltmeister aus dem Turnier. Nun steht der Schotte, der 2015 und 2016 selbst im «Ally Pally» triumphiert hatte, zum siebten Mal im WM-Halbfinal. Beim 5:2-Sieg über Luke Humphries im Viertelfinal zeigte der 51-jährige Anderson einmal mehr, dass er zu Unrecht oft abgeschrieben wird.
Zwar kann er sich beim Auschecken der Legs noch steigern (33,3 Prozent), dafür gelangen dem «Flying Scotsman» vier High-Finishs. «Was habe ich viele Fehler auf den Doppelfeldern gemacht …», seufzte Anderson, «aber zum Glück habe ich sie im richtigen Moment doch getroffen.»
Elf Tage hielt die Saga um Novak Djokovics Visum in Australien das Land und den Sport in Atem. Am Sonntagabend wurde der beste Tennisspieler der Gegenwart abgeschoben. Der 34-Jährige zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Bundesgerichts, bat aber darum, dass der Fokus nun auf dem Tennis und den Australian Open liegen solle, dem Turnier, das er neun Mal gewonnen hat. Es ist ein frommer Wunsch. Der Fall wirft einen Schatten über das Turnier. Und er spaltet die Tenniswelt in zwei Lager.