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Otto Roos, Zwei Menschen, 1916, roter Sandstein
Depositum Kunstmuseum Basel
Foto: Fotoalbum Otto Roos
Otto Roos war Maler und Plastiker. Als Plastiker arbeitete er überwiegend in Ton, das heisst er strebte danach, Bronzegüsse zu realisieren. Vereinzelt stellte er aber auch sein Talent als Steinbildhauer unter Beweis.
Einige wenige rundplastische Steinarbeiten entstehen zwischen 1912 und 1917. Zuerst eine Abwehr genannte Frauenfigur aus bayrischem Marmor.
Otto Roos, Abwehr, 1912, Bayrischer Marmor. Aktueller Standort unbekannt
Foto: Fotoalbum Otto Roos
1916 ein Zwei Menschen betiteltes sich umarmendes Paar aus rotem Sandstein.
Otto Roos, Zwei Menschen, 1916, roter Sandstein
Depositum Kunstmuseum Basel
Foo: Fotoalbum Otto Roos
Und anschliessend noch zwei Frauenfiguren, Der Tag und eine Hockende Frau, beide aus Hauteville-Kalkstein.
Otto Roos, Der Tag, 1917-21, Hauteville-Kalkstein, Höhe: 153 cm
Kunstmuseum Basel, Ankauf mit Mitteln aus dem Birmann-Fonds und Schiess-Fonds 1920 (Inv. P45)
Foto: Fotoalbum Otto Roos
Die vier Steinarbeiten sind alle, soweit feststellbar, ohne Auftrag entstanden. Roos hatte aber sicher gehofft, dass sie eine dauerhafte Aufstellung im öffentlichen Raum finden würden. Dieser Wunsch sollte sich indes nicht erfüllen.
Zwischen 1919 und 1926 konnte Roos seine Kenntnisse als Steinbildhauer in diverse Reliefs an Basler Gebäuden einbringen, also bauplastisch verwerten. Eine Ausdrucksform, die ihn nicht sonderlich begeisterte. Er sah darin einen reinen Broterwerb.
1924 und 1934 verschaffte ihm sein Wissen um die unterschiedlichen Bearbeitungsqualitäten verschiedener Steinsorten zwei Aufträge als Kopist von älteren Bildwerken im öffentlichen Raum, die aus Gründen des Denkmalschutzes ersetzt werden mussten.
1924 kopierte er daher die Faule Magd auf dem Brunnenstock des gleichnamigen Brunnens gegenüber dem Zunfthaus Zur Mägd.
Otto Roos, Nachhauung der Faulen Magd aus dem 16. oder 17. Jh. für den Faule-Magd-Brunnen, Nachhau von 1924, St. Johanns-Vorstadt, neben Haus 34, gegenüber Haus 25
Foto: Archiv Otto Roos
Prestigeträchtiger war 1934 der Auftrag, die Madonna vom Spalentor nachzuhauen – die sich bis heute über dem Tordurchgang befindet.
Otto Roos, Installation der Nachhauung der Madonna vom Spalentor, Nachhau von 1934, roter Sandstein. Links vorne: Otto Roos.
Foto: Fotoalbum Otto Roos
1939 bis 1942 entstehen seine beiden einzigen Steinarbeiten, die sowohl rundplastisch als auch in Relief gearbeitet sind und zudem eine dauerhafte Aufstellung gefunden haben. Gemeint sind die beiden Kapitelle, die Otto Roos für die Arkaden des 1936 eröffneten Kunstmuseums in Basel geschaffen hat.
Otto Roos, Kapitell „Freundschaft“ (links), 1941-42, Soloturner Kalkstein, und Kapitell „Frauenraub“ (rechts), 1939, Castione Granit. Arkaden, Kunstmuseum Basel
Fotos: Fotoalbum Otto Roos
In diesem Beitrag wollen wir nur auf die Sandsteinarbeit Zwei Menschen etwas näher eingehen. Das Thema hat Roos schon länger beschäftigt. Die ersten Spuren führen ins Jahr 1912 zurück. Im Kunstsalon Wolfsberg zeigt Roos im Herbst 1912 nicht weniger als sechzehn Gipse. In einer zeitgenössischen Besprechung heisst es dazu: „Der Bildhauer Otto Roos, dem ein besonderer Raum im Wolfsberg zugewiesen wurde, hat entschieden eine starke plastische Begabung.“
Titelseite und Werkliste Otto Roos aus dem Katalog zur Ausstellung „Serie IX“, Kunstalon Wolfsberg, Zürich, 1912
Foto: Stephan E. Hauser
Unter Nr. 92c findet sich eine Umarmung. Dabei dürfte es sich um den ansonsten nicht weiter nachweisbaren Gipsabguss nach dem definitiven Tonmodell handeln, der wenig später als Vorlage dient für einen Bronzeguss, der vom Künstler als Entwurf ausgewiesen wird.
Diesen Entwurf zeigt Roos 1916 in einer Ausstellung „Neuerer Kunst aus Basler Privatsammlungen“ zusammen mit einem lebensgrossen Gipsmodell.
Otto Roos, Zwei Menschen, Entwurf, 1912, Bronze gegossen (1916?), 47 cm. Aktueller Standort unbekannt (links).
Otto Roos, Zwei Menschen, 1916, Gipsabguss nach dem definitiven Tonmodell, Höhe 173 cm. Aktueller Standort unbekannt (rechts).
Fotos: Fotoalbum Otto Roos
Der Plan war demnach schon damals, Support für eine lebensgrosse Umsetzung zu erhalten. Darauf deutet auch der Umstand, dass Bronze und Gips zu 900.- bzw. 5000.- Franken zum Verkauf angeboten werden. Für die Bronze bedeutet dies, dass sie wohl im Besitz des Künstlers war. Und der Preis für den Gips schliesst die Kosten für den Bronzeguss mit ein.
Die Kleinplastik aus Bronze kann Roos an das Ehepaar Max und Tilly Wassmer-Zurlinden, die Eltern des Künstlers Ricco, verkaufen, die auf Schloss Bremgarten bei Bern rauschende Feste mit Künstlern, Schriftstellern und Komponisten zu feiern pflegen.
Zu einem Bronzeguss des Gipsmodells kommt es nicht. 1926 kann Roos aber anlässlich der 15. Biennale in Venedig – einen Schweizer Pavillon gab es damals noch nicht – eine als Coppia allaciata (bronzo) bezeichnete Arbeit zeigen. Es ist denkbar, dass es sich dabei um die für diesen Zweck bronzepatinierte Gipsfassung handelt, von der im Nachlass des Künstlers eine Fotografie erhalten ist.
Otto Roos, Zwei Menschen, 1916, bronzepatinierter Gipsabguss nach dem definitiven Tonmodell (Aufnahme vermutlich von 1926) .
Foto: Fotoalbum Otto Roos
Nachdem sich 1916 kein Käufer für einen Bronzeguss des lebensgrossen Gipsmodells fand, muss Roos den Entschluss gefasst haben, eine Version aus rotem Sandstein zu hauen.
In einer Atelieraufnahme sieht man Gips und Stein nebeneinander stehen.
Otto Roos, Zwei Menschen, links die Version in Stein, rechts die Gipsversion, ganz links Abwehr (aus Bayrischem Marmor), Atelieraufnahme, wohl Ende 1916.
Foto: Fotoalbum Otto Roos
An den Punktierlöchern lässt sich erkennen, dass Roos vom Gips auf den Stein übertragen hat.
Otto Roos, Zwei Menschen, 1916, roter Sandstein (Detail vom Kopf des Mannes)
Foto: Stephan E. Hauser
Otto Roos schlug das Paar eigenhändig aus dem Stein, wie eine schöne Atelieraufnahme zeigt, auf der der Steinblock mitten im Bearbeitungsprozess zu sehen ist.
Otto Roos, Zwei Menschen, roter Sandstein, in Arbeit, Atelieraufnahme, wohl erste Hälfte 1916.
Foto: Fotoalbum Otto Roos
In der Januar-Ausstellung 1917 in der Kunsthalle Basel bietet Roos die Sandsteinarbeit für 11‘000.- Franken zum Kauf an.
Saalaufnahme der Januar-Ausstellung 1917, 1. Stock [Einzelausstellung Otto Roos]
Foto: Archiv Otto Roos
Das Werk findet keinen Abnehmer. Seit 1949 befindet es sich auf Veranlassung des Bruders, Dr. med. Adolf Roos, als Depositum in der Obhut des Kunstmuseums Basel.
1980 zeigt der Kunsthistoriker und Kurator Dr. Peter Killer Zwei Menschen im Rahmen eines begleitenden Kunstprogramms „80 Jahre Schweizer Plastik“ anlässlich der Grün 80 im Landschaftsgarten bei der Merian-Villa im Freien aufgestellt.
Otto Roos, Zwei Menschen, 1916, roter Sandstein, im Landschaftsgarten der Merian-Villa, Brüglingen bei Basel, 1980
Foto: Fotoalbum Otto Roos
Über diese beiden Präsentationen von 1917 und 1980 hinaus war Otto Roos‘ einzige Sandsteinarbeit nie öffentlich sichtbar.