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In nur sechs Wochen Drehzeit hat die Genfer Regisseurin Patricia Planner das Material für einen abendfüllenden Dokumentarfilm über eine der grössten indischen Frauenorganisationen gedreht. Die Sewa (Self Employed Women Association) im indischen Staat Gujarat ist eine sehr spezielle Gewerkschaft, denn ihr gehören nur selbstständig erwerbende Frauen an. Selbstständig erwerbend sein bedeutet für diese Inderinnen allerdings ein Leben in äusserster Armut. Sie arbeiten als Abfallsammlerinnen, Stickerinnen oder betreiben einen kleinen Handel. Eigentlich entspricht ihre Selbstständigkeit der Norm, denn fast neunzig Prozent der Frauen in Gujarat verdienen ihren Lebensunterhalt im informellen Sektor, ohne garantierten Lohn. Dabei müssen ihnen oft ihre zahlreichen Kinder helfen, insbesondere die Mädchen. Da sie - wie die meisten Frauen in den Ländern des Südens - in der so genannten Schattenökonomie arbeiten, sind diese Frauen für den Staat nicht existent. Mit der Gründung der Frauengewerkschaft Anfang der Siebzigerjahre wollten die Initiantinnen diesem Schattendasein ein Ende bereiten und gemeinsam mit den betroffenen Frauen gegen deren prekäre Arbeits- und Existenzbedingungen ankämpfen.
Made in India zeigt viel Armut und Misere und die eindrückliche Erfolgsgeschichte der Sewa. 1998 waren in dieser Frauengewerkschaft bereits über 200'000 Frauen organisiert. Heute gewährt die Sewa ihren Mitgliedern Kleinkredite zu günstigen Bedingungen, versichert sie gegen Arbeitsausfall - bei Krankheit und Mutterschaft - und kümmert sich insbesondere um die Bildung der Frauen, die grösstenteils Analphabetinncn sind. Der Film von Patricia Plattner bildet vor allem die Realität ab, wie sie sich heute darstellt. Wenig erfährt man über die einflussreichen Gründerinnen dieser wichtigen Institution. Soziale und ethnische Unterschiede zwischen den dargestellten Frauen, die ganz unterschiedlichen Kasten und Religionen angehören, bleiben zu Gunsten von Gemeinschaft und Solidarität ausgeblendct. So erscheint Made in India wie das ideale Gesicht der grossen Organisation. Die kurzen Porträts der namenlosen Frauen sind zwar schön ins Bild gesetzt, bleiben jedoch oberflächlich.