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Strohdachdecker/in
Das Handwerk der Strohdachdeckerin[1] besteht im Allgemeinen darin, geschnürte Bündel von Stroh[2] wie Dachziegel überlappend an einer Unterkonstruktion aus Dachlatten zu befestigen. Dabei gilt es allerdings diverse Verfahren der Strohdachdeckung zu unterscheiden, denn sowohl die Art der Befestigung als auch die Formung ist regional abhängig. Während beispielsweise nach einem häufig angewendeten Verfahren das Dach ohne die Verwendung von aufzubindenden Stocken eingedeckt wird, indem die Dachdeckerin die Strohgarben mit Strohseilen festbindet und mehrmals gegeneinander gedreht in eine Richtung zeigend verlegt, bedient sich die Strohdachdeckerin nach einem anderen Verfahren der Hilfe von Bandstöcken. Die untersten Stöcke werden zunächst anhand von Bohrungen in den Windbrettern gesteckt und daraufhin entlang der Giebellinie unter die Latten geführt. Bei dieser Dachdeckungsart wird das Stroh des Weiteren über den First gebogen und auf der Wetterseite befestigt, um daraufhin den oberen Teil des Daches weiterzudecken und abschliessend mit Lehm- oder Plaggenauflagen zu befestigen. Andere Varianten der Firstgestaltung ergeben sich in der Verwendung von Firstlatten und Windklötzen sowie Docken. Angesicht der Tatsache, dass sich bei der Verwendung von Holz irgendwann Fäulnis einstellt, wird der Strohdockendeckung und der Plaggenauflage sowie der Lehmdeckung der Vorzug gegeben. Der finale Arbeitsschritt im Rahmen dieses Verfahrens findet beim Aufschlagen des Strohs mittels einer Patsche oder dem Schlichtholz statt. Letzteres stellt ein flaches Brett dar, welches auf der einen Seite mit einem Sägeschnitt versehen wird und sich damit zur Reinigung des Strohdaches von losen Halmen eignet.
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Zum Handwerk der Strohdachdeckerin lässt sich des Weiteren feststellen, dass dieses bereits in den 80er Jahren als ausgehendes Handwerk bezeichnet wurde. Verfügte im 18. Jahrhundert noch jedes Dorf im schweizerischen Mittelland über einen „Decker“ so lässt sich zurzeit Schweizweit ein einziger Repräsentant dieses Handwerks ausfindig machen. Dies liegt insbesondere daran, dass das Strohdachdecken in der Schweizerischen Eidgenossenschaft bisweilen weder einen offiziellen Lehrberuf noch eine Berufsorganisation kennt. Das Strohdachdecken wurde vielmehr von den Bauern selbst ausgeübt und auf diese Weise an die nächste Generation samt Geräten, Fertigkeiten und Erfahrungen überliefert.
Geschichte
Stroh wurde bereits 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung mit sehr viel Geschick und Gestaltungsvielfalt als Deckungsmaterial verwendet. Das Strohdach war in mitteleuropäischen Ländern wie die britischen Inseln, den skandinavischen und den baltischen Ländern bis hin nach Russland als auch in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Österreich, Deutschland, Nordfrankreich und in der Schweiz von der Frühzeit bis in das 20. Jahrhundert eine typische Bedachung landwirtschaftlicher Gebäude.
So gehörten im schweizerischen Mittelland Strohdächer, welche für Tier und Mensch Schutz boten, zum typischen Landschaftsbild. Im Kanton Aargau beispielsweise, bilden Hochstudbauten, mit tief zu Boden hinabreichenden Dächern, bis in die heutige Zeit einen Gegensatz zu den umliegenden Gebäuden. Obschon im Laufe der Zeit ihre ursprüngliche Bedeckung einer Ziegel- oder Eternitbedachung weichen musste, zeugen die zumeist zwölf
-bis vierzehn Meter hohen Firste von einst schützenden und wärmenden Strohdachhäusern. Trotz ihres mächtigen Erscheinungsbildes und zahlreicher Bemühungen um deren Erhalt lassen sich zurzeit in der Schweiz wenige Strohdachhäuser verzeichnen. Erschwerend bei ihrer Wiederkehr wirken sich insbesondere die gängigen feuerpolizeilichen Vorschriften und der geringe Roggen-Anbau sowie die von Maschinen durchgeführte Drescharbeit. Für das Strohdach ist nämlich gut ausgereiftes und handgedroschenes Stroh vonnöten. Würde das Stroh fortan in grösseren Mengen benötigt, müsste es aus dem Ausland bezogen werden, was wiederrum mit erhöhten Kosten einhergehen würde. War das Strohdachhaus Einst ein Zeichen ärmlicher Verhältnisse, so steht es in der heutigen Zeit vielmehr für Wohlstand, Naturverbundenheit und Nachhaltigkeit. Letzteres gewinnt derart an Bedeutung, sodass in Ländern wie der USA und Kanada selbstragende Strohhäuser gebaut und unterhalten werden.
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nur die weibliche Form verwendet.
[2] Als Stroh werden die Stängel von Getreidesorten wie Weizen, Hafer, Roggen, Gerste, Hirse und Sorghum, aber auch die Stängel von Hopfen, Flachs, Schilf, Elefantengras, Sonnenblumen und Reis bezeichnet. Roggenstroh hingegen gilt in der Schweiz als am geeignetesten zum Dachdecken.
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Literatur
Gruber Herbert, Gruber Astrid: Bauen mit Stroh, Staufen bei Freiburg 2000.
Grützmacher Bernd: Reet- und Strohdächer. Alte Techniken wiederbelebt, München 1981.
Hugger Paul: Der Strohdachdecker, Basel 1981.
Mielke Heinz-Peter: Wandeln über Dächern. Bedachungsmaterial in Vergangenheit und Gegenwart, Viersen 1986.
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