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| Sulpicius Severus (um 420) - Leben des hl.Bekennerbischofs Martinus von Tours (Vita sancti Martini)

18.
Inzwischen war die Stadt1 durch ein unerwartetes Gerücht von dem Vormarsch und Einfall der Barbaren in Bestürzung versetzt worden, Martinus ließ nun einen Besessenen vor sich bringen; er befahl ihm, zu bekennen, ob diese Nachricht auf Wahrheit beruhe. Da gestand dieser, zehn Dämonen seien bei ihm gewesen; sie hätten das Gerücht unter dem Volk ausgestreut, damit wenigstens auf solche Schreckenskunde hin Martinus aus der Stadt flüchtete. Die Barbaren dächten an nichts weniger als an einen Einfall. Da der unreine Geist mitten in der Kirche dieses Geständnis ablegte, wurde die Stadt von der beängstigenden Furcht befreit. Als der Heilige, von einer großen Schar begleitet, durch ein Tor von Paris2 einzog, küßte und segnete er zum Entsetzen aller einen Aussätzigen, der einen ganz jämmerlichen Anblick bot. Sofort verließ diesen alle Krankheit. Er kam tags darauf mit glänzend weißer Haut zur Kirche, um für die wiedererlangte Gesundheit zu danken. Es verdient auch Erwähnung, daß Fasern, die von seinem Oberkleid und seinem Bußgewand abgetrennt wurden, häufig Kranke wunderbar heilten. Wenn man sie nämlich den Kranken um die Finger band oder auf den Hals legte, dann wichen oft die Krankheiten von ihnen.
1: Wohl Trier.
2: Auf dem Heimweg von Trier. Es scheint die heutige Porte S. Martin zu sein. Nach Gregor von Tours, Hist. Franc. VIII, 33 stand am Orte des Wunders eine Kapelle.