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Über eine Bilderrückwärtssuche lässt sich das Foto in der Fotodatenbank Alamy finden. Der Legende ist zu entnehmen, dass das Foto Hassan Al-Thawadi, Generalsekretär des Supreme Committee for Delivery and Legacy (SC), anlässlich seiner Rede während des 72. FIFA-Kongresses am 31. März 2022 in Doha, Katar zeigt. Hassan Al-Thawadi ist für Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022 verantwortlich. Das Foto ist auch in der Datenbank der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu finden.
Weder in seiner Kongress-Rede noch anderweitig lässt sich die angebliche Aussage Al-Thawadi oder einem anderen katarischen Sprecher zuordnen. Ein Nahost-Experte erklärt, keine offizielle katarische Person habe sich derartig geäussert.
Den Videoaufzeichnungen des FIFA-Kongresses 2022 zufolge äusserte sich Al-Thawadi auch nicht derartig. Vielmehr sprach er über die historische Gelegenheit, die Wahrnehmung über die arabische Welt zu ändern und zu welche Fortschritte Katar während des WM-Projektes gemacht habe. Weiter sagte er, dass Katar sich mit der WM 2022 dazu verpflichtet hätte, die Welt willkommen zu heissen.
Generell lässt sich das Zitat nicht Al-Thawadi oder einem anderen katarischen Sprecher zuordnen. Im Gegenteil: Ein Nahost-Experte mit Lehrauftrag in Katar teilte via Twitter mit, dass die Aussage von keiner offiziellen katarischen Person stamme. Der Twitter-Account, der den Tweet mit der falschen Aussage absetzte, wurde unterdessen von Twitter gesperrt. Der Tweet selbst ist in den Internet-Archiven zu finden.
Homosexualität ist in Katar verboten
Das katarische Gesetz verbietet in einer Reihe von Gesetzesartikeln ausserehelichen Sex sowie Homosexualität. Im Artikel 285 steht: Wer mit einem Mann über sechzehn Jahren kopuliert, werde zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Dasselbe gilt auch für Frauen, wie Artikel 281 regelt. Der Artikel 288 ist genderneutral formuliert: Wer ohne Zwang, Nötigung oder List mit einer Person über 16 Jahre Geschlechtsverkehr habe, werde zu maximal zehn Jahren Haft verurteilt. Dasselbe gelte für die Person, die freiwillig einwilligt. Im Artikel 296 wird Sodomie mit bis zu drei Jahren Haft bestraft.
Im Anbetracht der WM 2022 fordert Human Rights Watch vom Gastgeber Katar, die Anti-LGBT-Gesetze zu reformieren.
Sicherheitsfrage für Mitglieder der LGBT-Community
Katar selbst äusserte mehrfach, dass alle an der WM willkommen seien. Nasser Al Khater, CEO des Organisationskomitees der WM 2022, sagte gegenüber Cable News Network (CNN) Ende 2021, Mitglieder der LGBTQ-Community seien auch willkommen. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass Katar in Bezug auf öffentlich gezeigte Zuneigung ein konservatives Land sei. Der Emir von Katar forderte unlängst in Berlin, dass die für die WM anreisenden Gäste die Kultur Katars zu respektieren hätten.
Der katarische Sicherheitsvorsitzende der WM 2022 Abdulaziz Abdullah Al Ansari sagte der Agentur Associated Press (AP) Anfang April 2022 ebenfalls, dass alle am World Cup willkommen seien, unabhängig von deren Religion, Rasse oder deren sexueller Neigung. Sehe er aber eine Regenbogenfahne an der WM, würde er diese zum Schutz der Person selbst abnehmen, so Al Ansari. Er könne die Sicherheit des Fahnenträgers vor anderweitigen Attacken nicht garantieren. Die Meinungen bezüglich LGBTQ sollen dort demonstriert werden, wo sie akzeptiert seien, so Al Ansari weiter.
Die FIFA wiederum erklärte bereits im Jahr 2020, dass Regenbogensymbole in den WM-Stadien in Katar willkommen seien. Nasser Al Khater sagte gegenüber AP, dass die FIFA ihre eigenen Richtlinien bezüglich der Regenbogenfahnen in Stadien habe, welche Katar respektieren würde.
Bezüglich der Sicherheit von Personen der LGBTQ-Community an der WM in Katar lassen die katarischen Behörden und Verantwortlichen Fragen offen. Mehrere internationale Medien berichteten von unbeantworteten Fragen und fehlenden Garantien. Recherchen von norwegischen Journalisten ergaben, dass Hotelreservationen von homosexuellen Paare durchaus zurückgewiesen werden können, obwohl die Hotels von der FIFA empfohlen wurden. Die britische Daily Star berichtete ebenfalls, dass Paare mit unterschiedlichen Nachnamen an einer Hotelreservierung ausgeschlossen worden seien.
Im Schweizer Parlament wurde bereits über die Sicherheit von queeren Personen an der WM 2022 in Katar diskutiert. Gemäss dem Bundesrat hat die FIFA versichert, dass Mittglieder der LGBTQ-Community an den Fussballspielen in Katar nicht diskriminiert werden. Die katarischen Behörden hätten der FIFA entsprechende Garantien vorgelegt. Auch das Zeigen der LGBTQ-Symbole sei innerhalb sowie ausserhalb der WM-Stadien erlaubt. Der Bundesrat beobachte die Menschenrechtsentwicklungen und verfolge, ob der Gastgeber Katar seinen Verpflichtungen nachkomme.
Gemäss Artikel 3 und 4 der FIFA-Statuten bekennt sich die Organisation zu den international geltenden Menschenrechten und verbietet Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung. Die FIFA bekennt sich zu einer inklusiven WM-Veranstaltung in Katar, wobei weder Kunden noch Gemeinschaftsmitglieder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert würden.
Sorgen existieren - Tweet ist falsch
Die Gesetzeslage zur Homosexualität in Katar erscheint eindeutig, und Zweifel an der Praxis während der Fussball-WM sind erlaubt. Für das angebliche Zitat - zumal in Verbindung mit der Person von Hassan Al-Thawadi - gibt es allerdings keinen Beleg. Der Tweet und entsprechende Sharepics müssen deshalb als falsch bewertet werden.
Ausblick: In der Ausschreibungsleitlinie für die WM 2026 steht explizit, dass das Gastgeberland die Menschenrechte gemäss den FIFA-Statuten respektieren müsse.