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Vom Jahr 1993 bis 2011 stieg der Verbrauch von Methylphenidat (Ritalin ®) von 34 Kilogramm auf 1791 kg pro Jahr an – das ist eine Zunahme von über dem 50-fachen in nur 18 Jahren!
„Das Ende der Symptombekämpfung“ benötigt genaues Wissen um Krankheitsursachen gerade bei der ADHS/ADS, da hier viele Kinder und Jugendliche betroffen sind.
ADHS/ADS steht unserer Erfahrung nach sehr häufig in einem engen Zusammenhang mit einer nicht erkannten Kryptopyrrolurie.
Was genau ist ADHS/ADS?
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom bzw. ADS für Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Sie betrifft Kinder und Jugendliche gleichermaßen wie Erwachsene.
Gemäß ICD-10 (International Code of Diseases) kommt es bei der ADS/ADHS in einem Zeitraum von mindestens 6 Monaten zu folgenden Symptomen:
- Unaufmerksamkeit
- Überaktivität
- Impulsivität in einem Ausmaß, welches mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht vereinbar ist
Die deutschen Leitlinien zur Behandlung dieser Erkrankung beinhalten medikamentöse Maßnahmen (in erster Linie Methylphenidat) sowie psychologische und pädagogische Maßnahmen.
Zu schnell diagnostiziert
Nach unseren Erfahrungen wird die Diagnose allerdings oftmals sehr schnell, viel zu schnell gestellt. Wie kann es sein, dass bis zu 40% aller Grundschulkinder betroffen sein sollen?
Das Phänomen des „unruhigen, hyperaktiven Kindes“ ist nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert beschrieb der Frankfurter Kinderarzt Dr. Heinrich Hoffmann in seinem Klassiker „Struwwelpeter“ den „Zappelphilipp“ sowie den „Hans-Guck-in-die-Luft“. Was ist allerdings eine Auffälligkeit bei einem Kind und was ist Krankheit?
Der Wirkstoff Methylphenidat, der in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, wird in vielen Fällen schnell verschrieben; die anderen Maßnahmen scheitern hingegen häufig an fehlenden Therapieplätzen oder der Einsicht der Erziehungsberechtigten zur Mitarbeit.
Patienten, also Eltern mit ihren Kindern oder Jugendlichen stellen sich aus drei Gründen in unseren Praxen vor:
- Sie mußten die medikamentöse Therapie aufgrund starker Nebenwirkungen unterbrechen oder gar abbrechen
- Die Therapie zeigte keinen zufriedenstellenden Erfolg
- Es wurde eine alternative, ursachenorientierte Behandlungsmöglichkeit gewünscht
Häufige Ursache Kryptopyrrolurie
Unsere Aufgabe besteht in solchen Fällen primär darin, die wirkliche(n) Ursache(n) des Symptomenkomplexes zu finden, der als ADHS/ADS bezeichnet wird. In ca. 50% der von uns untersuchten Fälle, weisen die Betroffenen eine Kryptopyrrolurie auf.
Abb.: Der KPU-Kreislauf nach Hoffmann/Kauffmann
Die Kryptopyrrolurie (KPU) ist eine in erster Linie genetisch bedingte, familiär gehäuft auftretende Störung des Häm-Stoffwechsels, die sich durch zwei Merkmale zeigt:
1) Verlust der lebensnotwendigen Mikronährstoffe Vitamin B6, Zink und Mangan
Durch die gestörte Häm-Synthese kommt es – stressbedingt – zu einer unbemerkten Ausscheidung freier Pyrrole. Dabei werden Vitamin B6, Zink und Mangan unbemerkt „mitgerissen“ und gemeinsam mit den Pyrrolen über den Urin ausgeschieden. Dies kann u.a. zu einer Störung des Hirnstoffwechsels führen.
Das chronische Defizit an den o.g. Mikronährstoffen kann den Hirnstoffwechsel nachhaltig beeinträchtigen. Insbesondere finden wir labordiagnostisch einen gestörten Katecholaminstoffwechsel, mit teilweise stark erhöhtem Dopamin- und erniedrigten Adrenalinspiegel. Zudem sind die Serotoninspiegel häufig stark vermindert. Durch das Chaos im Hirnstoffwechsel können Konzentration, Motorik und Stimmung stark beeinflusst werden.
2) Entgiftungsstörung der Leber
Diese andersartige Hämsynthese führt – neben dem Mikronährstoffdefizit – zu einer erschwerten Entgiftungsleistung der Leberentgiftungsenzyme der Phase I. Dies erklärt, warum Patienten mit KPU oftmals an Medikamenten – und Alkoholunverträglichkeit leiden. Darüber hinaus finden wir bei Betroffenen oftmals erhöhte Gifte – insb. Schwermetalle – im Körper.
Basistherapie: Ausgleich der Mikronährstoffe
Für einen Ausgleich dieser KPU-bedingten Nährstoffdefizite setzen wir – je nach Ausprägung der Symptomatik und im Blut gemessenen Laborwerten– folgende Stufendiagnostik ein:
1) Ernährungstherapie
Nach unserer Erfahrung profitieren Betroffene von einer anti-entzündlichen, biologisch-organischen, histaminarmen Kost, die Wert legt auf die Zufuhr von Zink, Mangan und Vitamin B6. Hierzu erhalten Patienten in unseren Praxen eine entsprechend individuelle Ernährungsempfehlung.
2) Ernährungstherapie mit zusätzlicher oraler Substitution
Zusätzlich zur optimierten Ernährung ist es häufig notwendig und auch empfehlenswert, mangelnde Mikronährstoffe zusätzlich zuzuführen.
3) Ernährungstherapie, orale Substitution plus individueller Infusionstherapie
In schweren Fällen ist ergänzend eine Infusionstherapie hilfreich. Diese kann die Therapiedauer erheblich verkürzen. Durch Infusionen erreichen wesentlich höhere Konzentrationen an Substanzen den Organismus, da der Verdauungstrakt umgangen wird. Somit nimmt der Patient eine deutlich spürbare Besserung wahr. Dieses Gefühl kann für die Therapiebereitschaft des Patienten und somit für den langfristigen Therapieerfolg sehr hilfreich sein.
Ohne Stressabbau geht es nicht!
Der entscheidende Faktor, der eine Kryptopyrrolurie ausbrechen läßt, ist Streß. Hiermit ist Streß in all seinen Ausprägungen gemeint: Psychosozialer Streß kann ebenso die Kaskade der KPU in Bewegung setzen, wie emotionaler oder biochemischer Stress durch beispielsweise Umweltgifte.
Streßreduktion auf möglichst vielen Ebenen ist daher neben der Ernährungsumstellung und dem Mikronährstoffausgleich eine entscheidende Therapiesäule!
Die Kryptopyrrolurie ist eine komplexe Stoffwechselstörung, die nicht alleine durch Mikronährstoffgabe nachhaltig zu therapieren ist. Wir empfehlen grundsätzlich bei einer KPU die Hilfe eines erfahrenen Therapeuten in Anspruch zu nehmen. Eine Liste entsprechender Therapeuten finden Sie unter anderem in unserem Ratgeber, der im Januar 2014 erscheinen wird (siehe Autorenprofil). Von einer Selbsttherapie bzw. Eigenmedikation raten wir ab, da eine entsprechende Labordiagnostik notwendig ist.
Bei der hier beschriebenen Methode handelt es sich um ein Verfahren, welches nicht zu den allgemein anerkannten Verfahren im Sinne einer Anerkennung durch die Schulmedizin gehört. Alle getroffenen Aussagen über Eigenschaften und Wirkungen sowie Indikationen des vorgestellten Verfahrens beruhen auf den Erkenntnissen und Erfahrungswerten in der Therapierichtung selbst, die von der herrschenden Schulmedizin nicht geteilt wird. Die Autoren übernehmen keine Haftung. Bei Beschwerden ist auf jeden Fall der Rat eines Arztes/Heilpraktikers einzuholen.
Literaturhinweise
Weiterführende Literatur zum Thema:
- Badzun, Matthias: Kryptopyrrolurie, Orthomedis Labor Schweiz, Oktober 2007
- Eichinger, Uschi/Hoffmann, Kyra: Der Burnout-Irrtum, 4. Auflage 2013
- Gröber, Uwe: Mikronährstoffe, 3. Auflage, Stuttgart 2011
- Hoffmann, Kyra: Kryptopyrrolurie, Comed 06/2010
- Hoffmann, Kyra/Kauffmann, Sascha: Kryptopyrrolurie – Ein Ratgeber für Betroffene und deren Angehörige, 1. Auflage 2013
- Hoffmann, Kyra/Kauffmann, Sascha: Vitalstoffe – Information für gesunde Prävention, 1. Auflage 2013
- Hoffmann, Kyra/Kauffmann, Sascha: ADHS/ADS – Rationale Alternativen zur Methylphenidat-Therapie, Comed 1/2013
- Nature 224, 1969, 811-813: Irvine, D.G. et al: Identification of Kryptopyrrole in Human Urine and its Relation to Psychosis
- Kuklinski, Bodo: Das HWS-Trauma, 2006
- Pfeiffer, Carl. C.: Nutrition and Mental Illness – An Orthomolecular Approach to Balancing Body Chemistry, Rochester 1987
- Pfeiffer, Carl C.: Zinc and other Micro Nutrients, New Canaan 1978
- Strienz, Joachim: Leben mit KPU – Kryptopyrrolurie, Ein Ratgeber für Patienten, Germering/München 2011
- Walsh, William J.: Nutrient Power – Heal your biochemistry and heal your Brain, New York 2012
- Journal of Orthomolecular Medicine, Volume 25, Number 1,2010: James Jackson et al.: Urine Pyrrole and Other Orthomolecular Test in Patients with ADD/ADHD
- British Journal of Psychiatry, 1965 August; 111:741-4: O’Reilly Po et al.: The Incidence of Malvaria
- International Review of Neurobiology 1974; 16:145-82: Irvine DG: Kryptopyrrole and other monopyrroles in molecular neurobiology