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Die Häuser an der unteren Rössligasse
Daniel Reicke
Baugeschichtliche Untersuchungen in den Häusern Baselstrasse 60 und Rössligasse 7
Die untere Rössligasse bildete früher einen der reizvolleren Strassenräume in Riehen mit ihrem Blick auf das kunstvoll vergitterte Hoftor des Iselin-Weberschen Landguts. Eingriffe unserer Zeit haben diesen Eindruck geschmälert. Die unter diesem Namen erst seit 1825 bekannte Rössligasse war einst die Strasse nach Inzlingen.
Die zwei Häuser, von denen hier die Rede sein soll, tragen unterschiedliche Adressen, obwohl sie bis 1991 unter einem First lagen: Das erste, ehemals mit der Familie Wenk verbundene Haus hat nach dem an der heutigen Hauptverkehrsader liegenden Eingang die Bezeichnung Baselstrasse 60, das daran anschliessende bäuerliche Wohnhaus hat die Adresse Rössligasse 7. Baselstrasse 60 war das Stammhaus der heute noch in Riehen vertretenen Familie Wenk; hier betrieben Mitglieder dieser Familie von 1606 bis 1809 eine Schmiede1).
Baselstrasse 60 wurde 1991 leider ausgekernt. Bis zu diesem Um- beziehungsweise Neubau war die traditionelle Aufteilung eines Bauernhauses noch erkennbar. Die Wohnräume lagen vorne an der Baselstrasse, der Stall- und Scheunenteil dahinter. Zum anschliessenden Bauernhaus Rössligasse 7 gehörte gemäss alten Fotos eine prächtige ökonomie dort, wo heute die Buchhandlung liegt2). Vom Vorsprung dieses grossen, Fritzihansens Scheune genannten Baus her bildete die Rössligasse bis zur Baselstrasse einen platzartigen Hof. Darin stand, seitlich vor dem Scheunentor des Wenkschen Hauses, ein kleines gemauertes Waschhaus. Auf alten Fotos und in Plänen, die vor dem Abbruch aufgenommen wurden, ist der 1811 erbaute und um 1934 abgetragene Kleinbau festgehalten3).
Beim Umbau 1991 verlor das Haus Baselstrasse 60 nahezu die gesamte historische Bausubstanz4). Der einzige heute noch erhaltene alte Bestandteil ist die Giebelmauer an der Baselstrasse. Während der Planungs- und Verhandlungsphase hatte die Basler Denkmalpflege ab 1990 immerhin die Gelegenheit, das Haus zu untersuchen und genau zu vermessen5).
Es zeigte sich eine vielschichtige, für ein Bauern- und Gewerbehaus sehr interessante Baugeschichte. Auch Teile des Nachbarhauses Rössligasse 7 wurden untersucht, als es im Zuge der Bauarbeiten an seiner Vorderfassade neu verputzt wurde. Nebst der Fassade wurden Keller und Dach dieses kleinen Hauses untersucht6).
In beiden Hausuntersuchungen wurde die Dendrochronologie eingesetzt7). In Baselstrasse 60 wurden insgesamt 53 Proben entnommen, eine Zahl, die sich aus der vielschichtigen Bausubstanz des Hauses ergab. 24 dieser Proben sind aus verschiedenen Gründen bisher nicht datierbar gewesen. In Rössligasse 7 schlug der Versuch, den Dachstuhl zu datieren, fehl, weil die Hölzer jeweils zu wenige Jahrringe hatten, hingegen gelang die Datierung nachträglich bei der Kellerdecke.
Die Nutzung von Baselstrasse 60 vor 1991
Die gewerbliche Nutzung von Baselstrasse 60 war durch die Jahrhunderte von Kontinuität geprägt: erst Schmiede, im vergangenen Jahrhundert Wagnerei und zuletzt Autowerkstatt. Diese von der guten Verkehrslage bestimmten Nutzungen haben 1991 einer Geschäfts- und Büronutzung Platz gemacht.
Die «Auto-Service-Station» mit der Tankstelle vor dem Haus war 1933/34 erstellt worden, damals mit einem Taxidienst kombiniert. Im letzten Zustand belegte die Autowerkstatt das Tenn mit Arbeitsgrube und Hebebühne sowie anschliessende Räume im Wohnhaus; in den Zimmern an der Baselstrasse waren Büros untergebracht. Im Obergeschoss bestanden zwei Wohnungen beidseits des in Firstrichtung verlaufenden Gangs.
Diese Nutzung hatte am Gebäude keine tiefgreifenden Veränderungen verursacht; andererseits wirkte die Einrichtung teilweise provisorisch. Die Toiletten waren im Erdgeschoss und Obergeschoss jeweils im Gang. Die ehemalige Wohnung im Erdgeschoss besass ein Badezimmer an der Nordseite, das 1957 eingerichtet worden war.
Der Keller ist hier speziell vorzustellen. Man erreichte ihn über eine bretterverschalte Treppe im Gang, hinter dem nach oben führenden Treppenlauf. Er war insgesamt aus drei Räumen von unterschiedlicher Grösse und Tiefe zusammengesetzt, dem grösseren, balkengedeckten Keller in der Grösse dem Badezimmer und dem Zimmer daneben im Erdgeschoss entsprechend -, einem kleinen Gewölbekeller westlich davon, zur Baselstrasse hin, sowie einem Vorplatz zwischen den beiden Kellerräumen. In diesem Vorraum war in Form einiger Steinstufen auf einem Mauerblock ein Teil des Kellerhalses noch erhalten, der ehemals von der Baselstrasse her hinab führte. Nördlich hatte der Vorplatz ein vermauertes Rundbogentor, auf dem bei der Untersuchung das Datum 1691 freigelegt wurde. Aus baugeschichtlicher Sicht war also die Ausgangslage spannend, weil die Räume offensichtlich zu verschiedenen Zeiten entstanden und Veränderungen ersichtlich waren.
Die Ergebnisse der Untersuchung in Baselstrasse 60
Die Fragen, die in der Untersuchung beantwortet werden sollten, lauteten, ob der unregelmässige Hausgrundriss mit einem Wachstum des Hauses zu erklären sei und wie alt die verschiedenen Teile sein könnten. Ein Blick auf die abgebildeten Schemapläne zeigt, dass die Bestimmung der Bauetappen teilweise schwierig war, unter anderem, weil die dendrochronologische Untersuchung nicht die gewünschten Aussagen brachte. Einzelne Balken höheren Alters sind offenbar aus einem älteren Zusammenhang wiederverwendet worden. Im Folgenden geben wir einen überblick über die erarbeiteten Befunde.
Reste der zwei ältesten Phasen der Bebauung (I und II) konnten im Keller erfasst werden. Einesteils handelt es sich um eine isolierte Kellermauer - die schräg zum übrigen Baubestand verlief-, welche 1420, beim Bau des überlieferten Kellers mit Balkendecke, wiederverwendet wurde. Der Keller (II) ist dendrochronologisch in die Zeit um 1420 oder kurz danach datiert. Das zugehörige Haus war damals erst 6,5 Meter tief und 8,5 Meter lang, das heisst der mittlere Teil an der Nordseite der heute bebauten, zirka 13,5 auf 23,5 Meter grossen Fläche darf als Kern der Bebauung bezeichnet werden. Wie das Haus des 15. Jahrhunderts genau aussah, wissen wir nicht; zu vermuten ist, dass ein ökonomieanbau bestand. Der Keller war mit dem Kellerhals von der Baselstrasse her erschlossen.
Im 16. Jahrhundert wurde das spätmittelalterliche Haus umgebaut und ergänzt (III). Diese Feststellung fusst in erster Linie auf zwei Dendro-Daten: Die profilierte Eichenstütze im Keller datiert von etwa 1525, ein Deckenbalken von 1588. Näheres über die Bautätigkeit jener Zeit kann kaum ausgesagt werden, da solche Holzteile auch in Zweitverwendung überliefert sein können. Mit konkreten Bauresten konnte aber für jene Zeit eine ökonomie mit Fachwerk über gemauertem Erdgeschoss nachgewiesen werden.
Kompliziert gestaltete sich auch die Differenzierung der Bauteile, die im Verlauf des 17. Jahrhunderts entstanden (IV). Nach den Dendrodaten wurde 1616, um 1640, um oder nach 1680 sowie 1691 und folgende Jahre gebaut. Die Umbauphase von 1616 ist der erste Eingriff, der auf die Familie Wenk zurückgeht. In jenem Jahr erstellte man eine Tür im Obergeschoss der Westfassade des damaligen Hauses. Dies bedeutet, dass im vorgelagerten 6 Meter tiefen Teil zur Baselstrasse hin ein zweigeschossiger Anbau bestand, in dem die Schmiedewerkstatt angenommen werden darf. Die Lage der Werkstatt im Erdgeschoss wird zwar erst in einem Schriftstück 1776 konkret genannt8). - Bei den Umbauten der Jahre 1640 und 1680 sind Teile der Fassaden ausgewechselt worden. Der zweite Eingriff war gründlicher; grosse Teile der nördlichen und strassenseitigen Fassade entstanden damals neu. So auch das inschriftlich auf 1680 datierte Tenntor, von dem Reste unter dem Verputz bis 1991 erhalten blieben9).
Im späteren 17. Jahrhundert erreichte Baselstrasse 60 schon das heutige Bauvolumen, denn kurz nach 1691 baute man einen neuen Westgiebel, an der Stelle des jetzt bestehenden (V). Von diesem Giebel wurden dann 1811 grosse Teile ersetzt.
Der Zugang zum Haus von der Baselstrasse her lag damals noch nicht in der Mittelachse, sondern nördlich davon. Bei der Untersuchung kam in der inneren Westmauer ein Rundbogentor im Erdgeschoss zum Vorschein. Dieses Portal wurde auch nach 1680, nach Erstellen der Anbauten davor, weiter benützt.
Die Datumsinschriften?
Wie angedeutet, beleuchten drei Datumsinschriften aus dem späteren 17. Jahrhundert die Hausgeschichte: Zwei davon sind in Zeichnungen beziehungsweise Plänen dokumentiert worden, jene am hinteren Kellertor ist bei der Untersuchung 1991 zum Vorschein gekommen.
Die erste Inschrift, jene des ehemaligen Schlusssteins am Tenntor in der Südfassade, lautet auf 1680 (siehe Anmerkung 9). Die beigefügten Initialen «HW» mit Hufeisen und «FW» mit Metzgerbeil lassen sich auf die Söhne des Johannes Wenk-Hagist, Hans Wenk (1652-1719) und Philipp (Filip) Wenk (1639-1708) beziehen. Die Zusammenstellung darf so gedeutet werden, dass das Haus damals den Brüdern gemeinsam gehörte und zumindest als Domizil ihres Gewerbes von beiden genutzt wurde. Bei den Wappen handelt es sich auch um Berufsbezeichnungen; in der käuflichen übertragung des Hauses von 169310) ist das Vorhandensein einer «metzger Schol», eines Schlachtraums, vermerkt. Mit der Inschrift am Scheitel des Tors sollte die Erneuerung der Südfassade 1680 bezeichnet werden.
Die 1991 neu gefundene Inschrift ist dem Datum nach die zweite. Sie befindet sich an der Nordseite des Hauses, am Scheitel des erwähnten Rundbogentors zum Kellervorplatz, sitzt aber eindeutig nicht an der ursprünglichen Stelle"). Die Inschrift trägt das Datum 1691, die Initialen «FW» und das Metzgerbeil beziehen sich wohl wieder auf Ph(F)ilipp Wenk. Ob hinter dieser Hausmarke ebenfalls eine Bau- oder Renovationsarbeit steht, ist ungewiss. Immerhin hat eine der Holzdatierungen in diesem Haus dieselbe Jahreszahl ergeben.
Als dritte ist jene Inschrift zu nennen, die an einem Radabweiser an der Ecke des Waschhauses bis zu dessen Ab brach 1935 bestand. Dieses Zeichen weist mit «HW», Hufeisen und Jahreszahl 1697 auf jenen Wenk hin, der das Haus 1693 übernommen hatte: Johannes Wenk-Hauswirth (1661-1719), Hufschmied. Der heute hinter Baselstrasse 46 aufgestellte Stein lässt sich nach Grösse und Form als linker Sockel eines grösseren Torbogens bestimmen. Auch hier wissen wir nicht, ob mit dieser Inschrift wirklich Bautätigkeit dokumentiert wurde; die ungewöhnliche Plazierung auf einem Sockelstein scheint eher zu bedeuten, dass der Hausbesitzer lediglich das Bedürfnis hatte, sich am Haus nach dem Vorbild seiner Vorgänger zu dokumentieren. Nach mündlicher Tradition soll dieser Stein von der ehemaligen Schmiede herkommen.
Die Ergänzungen und Veränderungen des 18./19. Jahrhunderts
1797 wurde der kleine, oben erwähnte Gewölbekeller neben dem bisherigen Keller angelegt. Das Erstellungsjahr wurde in den frisch erstellten Verputz eingekratzt; die dazu gesetzten Initialen «FP» oder «FD» sind nicht mit der Familie Wenk in Verbindung zu bringen, möglicherweise aber mit der damaligen Pächterfamilie. Der neue Keller wurde seltsamerweise kleiner ausgelegt als es der vorhandene Platz zugelassen hätte; die Beleuchtung erfolgte durch ein 2,5 Meter langes, stollenartiges Fenster von der Westfassade her.
Für diesen Keller musste der alte Kellerabgang unterbrochen werden. Zum neuen Vorplatz führte nun ein Tor in der Nordmauer und der Kellerhals wurde aussen davor angelegt. Dieses Tor erhielt den beschriebenen, 1691 datierten Scheitel in Wiederverwendung (siehe Grundriss VI). Zu jener Zeit, 1797, gehörte das Haus noch der Familie Wenk, wobei die Witwe Elisabeth Wenk-Frey Nutzniesserin war und als «Lehensschmied» Johannes Denger (beziehungsweise Tenger) eingesetzt hatte.
Erst 1811, als der Werkstattraum mit dem darüber liegenden Zimmer in der Südwestecke des Hauses neu gebaut wurde, kam der Hauseingang in die Mitte zu liegen, wo er heute noch ist. Die Erneuerung des Bereichs an der Westfassade bot hier also Anlass, diese Erschliessung des Hauses mit dem Gang in der Mittelachse herzustellen.
Nach Ausweis der Dendrodatierungen wurde der 1991 abgebrochene Dachstuhl kurz nach 1839 errichtet, zusammen mit der Neuerrichtung eines weiteren Zimmers im Obergeschoss. Bauherr war Wagnermeister Hans Georg Stump. Diese schöne Dachkonstruktion bestand aus dem üblichen liegenden Stuhl, war aber in zwei Ebenen mit Pfosten und Streben abgestützt.
Abschliessend kann zu Baselstrasse 60 bemerkt werden, dass die Untersuchung Indizien für die Existenz eines Vielzweck- oder Dreisässenhauses seit dem 16. Jahrhundert an dieser Stelle erbracht hat. Wie das in Resten nachgewiesene Haus des 15. Jahrhunderts aussah, muss offen bleiben.
Zur Baugescbichte von Rössligasse 7
Die Baugeschichte des anschliessenden Hauses Rössligasse 7 reicht nicht so weit zurück wie jene von Baselstrasse 60. Dennoch besitzt dieses Haus historischen Wert, und besonders zu erwähnen ist sein guter Erhaltungszustand, der von einer kontinuierlich gebliebenen Nutzung profitiert.
Es sind zwei Hauptbauphasen zu unterscheiden: Im ersten Zustand war das Haus schmaler. Die Räume gegen Osten, zur jetzigen Giebelseite mit dem Hauseingang hin, sind in einem jüngeren Ausbauschritt entstanden, der auch im Dachstuhl noch ablesbar ist. Der Keller ist auf den äl teren, inneren Hausteil beschränkt; er weist in seinem hinteren Teil eine nochmals ältere Kellermauer auf, die in das 16. Jahrhundert zurückreichen dürfte.
Die zwei Hauptbauphasen liegen nach den baulichen Merkmalen nicht sehr weit auseinander; die erste dürfte in das 17. Jahrhundert, die zweite wohl ins 18. Jahrhundert gehören. In die Zeit um 1700 passen die geohrten, mit Wulstprofil ausgeführten Holztüren in der Stube im Erdgeschoss; die feiner profilierten, mit kleinen Diamantmotiven verzierten Türrahmen im oberen Stock sind frühbarock. Inschriftlich mit 1726 bezeichnet ist eine der Steinkonsolen im Keller, und die zentrale Holzstütze zeigt dort dasDatum 1748. Dass hier im 18. Jahrhundert wirklich gebaut wurde, ist nun mit Dendrochronologie nachgewiesen.
Eine weitere Konsole im Keller weist an ihrer Vorderseite eine plastische Maske auf. Sie wurde verschiedentlich schon als Indiz für einen sehr alten, eventuell romanischen Kern in diesem Haus angesehen. Dabei wurde der bauliche Zusammenhang nie in Frage gestellt oder die mögliche Wiederverwendung dieser Konsole bedacht. Die Konsolen wirken in ihrer heutigen Form einheitlich und sind in einer Art, die zum 18. Jahrhundert passen würde, scharriert. Die Maske selbst weist ebenfalls Spuren einer überarbeitung mit dem Scharriereisen auf. Vom baulichen Gefüge her ist festzuhalten, dass die Konsolen im älteren Kellerteil, der zwei Drittel der Fläche umfasst, nachträglich eingefügt sind und im ergänzten Kellerteil zur Rössligasse hin mit dem Mauerwerk zusammen eingebaut wurden. Die Dendrodatierung der Deckenbalken des Kellers auf 1725 und des Unterzugs mit der Stütze in das Jahr 1748 geben für diese Bauteile wenigstens Gewissheit, dass die Datumsinschriften gültig sind, das heisst, dass eine Wiederverwendung der datierten Bauteile mit grosser Gewissheit auszuschliessen ist12).
Es bleibt somit die Möglichkeit bestehen, dass die Konsole mit der Maske ein altes, wiederverwendetes und für den neuen Zweck frisch hergerichtetes Werkstück sein könnte. Die Maske muss nicht aus romanischer Zeit stammen; es existieren auch in das 16. Jahrhundert datierte Exemplare dieser Art. Ein zweites Riehener Beispiel befindet sich im Meierhof am Schlussstein eines Bogens im Keller; auch dieses ist wohl nicht mehr in seiner ursprünglichen Lage.
Rössligasse 7 ist gemäss dieser Untersuchung ein Haus des 17./18. Jahrhunderts, in dem als älterer Bestand im Mauerwerk der Rest eines wohl aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kellers erhalten geblieben ist. Eine Schriftquelle um 1490 erwähnt zwar einen Besitzer des Grundstückes, gibt aber keinen sicheren Hinweis auf das Vorhandensein eines Hauses13).
Schluss
Auch wenn die Ergebnisse der Untersuchungen - trotz oder gerade wegen ihrer verwirrenden Detailfülle - den Beteiligten Freude bereiteten, ist festzuhalten, dass der Verlust der historischen Bausubstanz, der in Baselstrasse 60 hingenommen werden musste, ein schmerzvolles und für die Baukultur im Dorf Riehen bedauerliches Faktum ist. Bei den Umbauten der letzten Jahre wurde von privater Seite mit der Substanz der «gewöhnlichen» Häuser nicht immer zimperlich umgegangen, im Gegensatz zur immerhin beachtlich restaurativen Sorgfalt, mit der die Riehener Landgüter behandelt wurden. Es genügt eben nicht, wie im Fall von Baselstrasse 60, die äussere Hülle eines Hauses annähernd gleichartig wiederaufzubauen. Was alte Häu ser und die Probleme der Dorfbilderhaltung generell betrifft, können wir auf das Gespräch von Brigitta HauserSchäublin mit Georg Mörsch im RJ 1989 verweisen. In welcher Art der Riehener Dorfcharakter bewahrt werden kann, ist eine Frage, die sich permanent und nicht nur vom Baulichen her stellt.
Anmerkungen 1) Den Herren Fritz Lehmann, Michael Raith, Albin Kaspar und Johannes Wenk ist für ihre Hinweise zu danken.
2) Nach Auskunft des Hausbesitzers von Rössligasse 7, Gino Cavina, hiess die Stelle in der Gasse «im Rümpel». So auch bei Iselin, S. 257 und 52* sowie Ryhiner-Plan von 1786.
3) Pläne des Technischen Arbeitsdienstes von 1935, Kopien im HGR
4) Bauherrschaft: Stefan Juhasz und Dapro AG. Verantwortlich für den Bau: Dapro AG Architekten
5) Im Auftrag der Denkmalpflege führte Heinz Pantli, Grabungstechniker (IBID Institut für Bauforschung, Inventarisation und Dokumentation, Winterthur), die Untersuchung in zwei Arbeitseinsätzen im Sommer 1990 und im Frühjahr 1991 durch. Die Denkmalpflege unterstützte die Untersuchung mit einem Zeichner zu Beginn, bei Erstellen der Pläne, und speziell nochmals in der Schlussphase. Namentlich arbeiteten mit: Daniel Reicke (Betreuung der Untersuchung), Dieter Sommer (Zeichner), Matthias Merki (Mitarbeit in der Schlussphase); Fotos z.T. durch Erik Schmidt, Basel. Originaldokumentation bei der Basler Denkmalpflege, Baugeschichte, Laufnummer D 1990/5.
6) Laufnummer Rössligasse 7: D 1991/7. Dokumentation der Vorderfassade Bernard Jaggi, Fotodokumentation im Hausinnern Bruno Thüring, Untersuchung des Inneren Daniel Reicke. Dem Hausbesitzer und Bewohner Gino Cavina ist für die Ermöglichung dieser Arbeiten herzlich zu danken.
7) Dendrolabor Heinz und Kristina Egger, Boll. Probenentnahmen am 6. August 1990, 14. Februar 1991 und 13. Juli 1992. Vgl. zur Datierungsmethode der Dendrochronologie Bernard Jaggi: «Die Baugeschichte der Landvogtei Riehen», RJ 1990, S. 16-17
8) StABS Schreibereien B 15 (1774-1778), p. 259
9) Die Jahreszahl am Scheunentor wurde 1967 beim Versuch, sie abzunehmen, versehentlich zerstört. Dokumentiert ist sie auf einer Zeichnung von Helmut Paul, Kopie im Besitz des HGR.
10) Philipp Wenk (1639-1708), Untervogt (der nach der Inschrift am Tenntor auch Metzger war), verkaufte am 18. Dezember 1693 das Haus seinem Sohn Hans Wenk, Hufschmied. Die Beschreibung lautet: «behausung, hofstatt, Schmidte, werckzeug und alles was sich in der Schmidte befindet zugleich die metzger Schol sampt aller zugehördt und gerechtigkeit». StABS Schreibereien B 10, f. 82f.
11 ) Der Torbogen war mit leichter Ungenauigkeit in einem jüngeren Mörtel eingebaut. Der Bogenscheitel ist seit 1991 im Gang hinter dem Haus in etwas ungeschickter Art sichtbar gemacht. Unsicher ist, ob die Inschrift vielleicht bereits vom zweiten Sohn des Philipp, Philipp Wenk-Eger (1667-1725), ebenfalls Metzger, herstammt.
12) Probenentnahme am 20. Juli 1992, Bearbeitung wie Anm. 8.
13) GLA Karlsruhe 66/38, 1490; Berein, der als Nachbar zu Baselstrasse 70 einen Hans Schmid nennt. (Vgl. Fritz Lehmann: «Eigentümer der Häuser Baselstrasse 60 und Rössligasse 7/9)