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Titel
Garnier
(spr. garniéh), 1) Gustave Alexandre, franz. Bildhauer, geb. zu La Suze (Sarthe), war in der Plastik Schüler von Duret (gest. 1865) und in der Malerei von Yvon. Von 1859 an stellte er viele gerühmte Porträtbüsten und -Statuen aus, aber auch mehrere ideale Bildwerke, z. B.: ein schlafender Fischer, Knabe Cymbeln spielend, die erste Erziehung (1865), David als Besieger Goliaths (1866), der heil. Georg, der Frühling u. a., ebenso unter den Porträtbüsten namentlich die des Physikers Léon Foucault (1874) und die des türkischen Sultans Abd ul Asis für das Hôtel de Ville; für letztere erhielt er den türkischen Medschidieh-Orden.
2) Jean Louis Charles, franz. Architekt, geb. zu Paris, widmete sich in der Specialzeichenschule zunächst dem Modellieren und der Bildhauerkunst, trat 1842 in die École des beaux-arts, wurde Schüler der Architekten Lebas und Leveil und erhielt 1848 für sein Projekt zu einem Konservatorium der Künste und Gewerbe den großen Preis für Rom. Hier bildete er sich weiter aus und durchforschte dann die Bauwerke im übrigen Italien, in Griechenland und einem Teil der Türkei. 1854 nach Frankreich zurückgekehrt, wurde er Hülfsinspektor der Arbeiten am Turm St. Jacques la Boucherie, leitete die Arbeiten an den alten Barrieren und wurde 1860 Architekt von zwei Arrondissements der Stadt. Ein großartiges Feld der Thätigkeit eröffnete sich ihm 1861, als die Jury dem von ihm eingereichten Projekt für den Bau der Neuen Oper in Paris den ersten Preis zuerkannte und er mit der Ausführung seines freilich nachher in ¶
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manchen Teilen veränderten Plans beauftragt wurde. Sie begann 1863 und wurde nach den durch den Krieg veranlaßten Unterbrechungen 1874 vollendet. Der Riesenbau bedeckt einen Flächenraum von 11,237 qm, ist also das größte Theater der Welt, obgleich es in der Zahl der Zuschauer (2150) den Theatern von Mailand, Neapel, München und Wien (Neues Opernhaus 2272) etwas nachsteht. Ohne den Wert des Grundstücks waren die Baukosten 35,600,000 Frank, weil keine Kosten gescheut wurden, um im Bau selbst und seiner prachtvollen Ausstattung alles Vorhandene zu übertreffen. Dies Ziel ist freilich erreicht, namentlich im Innern; aber das Ganze entbehrt des Totaleindrucks vornehmer Schönheit und zeigt sich namentlich in den Verhältnissen der Fassade allzu gedrückt. Bei der Einweihung des Gebäudes erhielt der Baumeister das Offizierkreuz der Ehrenlegion.
Vor einigen Jahren baute er in Monaco ein mit großem Luxus ausgestattetes Theater. Seine übrigen Schöpfungen beschränken sich fast ausschließlich auf architektonische Zeichnungen und Entwürfe sowie schriftstellerische Arbeiten; Zu erstern gehören: das Forum des Trajan (1849), der Tempel des Jupiter Serapis in Pozzuoli (1851), die polychrome Restauration des Tempels der Minerva auf Ägina (1853);
zu den letztern: die «Mémoires explicatifs sur le temple d'Égine» (1856) in der «Revue archéologique», «A travers les arts» (1869),
«Études sur le théâtre» (1871) und zahlreiche Aufsätze in kunstwissenschaftlichen Journalen. 1876-79 gab er in 10 Heften eine «Histoire du Nouvel Opéra de Paris», mit Tafeln, heraus.
3) Jules Arsène, franz. Genremaler, geb. zu Paris, mußte seiner Gesundheit wegen lange im südlichen Frankreich zubringen, begann 1865 seine künstlerische Ausbildung in Toulouse, bis er 1867 zu Paris in die École des beaux-arts trat und Schüler von Gérôme wurde. Er arbeitete sich allmählich so in die Stoffe des Mittelalters hinein, daß seine Bilder fast den Stempel jener Zeit tragen. In Charakteristik und Ausdruck ist er sehr geschult, aber in seinen Darstellungen bisweilen unästhetisch und obscön.
Nach dem Debüt 1869: die Badende folgten in den nächsten Jahren als die bedeutendsten, für ihn charakteristischten Bilder: der Traum Adams, das Recht des Gutsherrn (jus primæ noctis), die Strafe des Ehebruchs, le roi s'amuse, le libérateur du térritoire (mit zahlreichen Porträten), eine Hinrichtung im 15. Jahrhundert, die Versuchung (1879) und Rabelais, der Pfarrer von Meudon (1880); außerdem mehrere Bildnisse. Zwischen die Entstehung dieser Bilder fallen mehrere Studienreisen nach Holland, Spanien und Marokko, deren Eindrücke für ihn sehr nachhaltig und wichtig wurden.