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Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré stossen als erstes Schweizer Frauen-Duo an Olympia in die Beachvolleyball-Halbfinals vor. Die Zürcherin und die Bernerin haben nun zwei Chancen auf eine Medaille.
Der Viertelfinal gegen die Brasilianerinnen Ana Patricia/Rebecca wurde in der drückenden Tages-Hitze von Tokio zur erwartet schweren Prüfung für die Europameisterinnen. Als die am Ende angeschlagen wirkende Ana Patricia nach 65 Minuten beim dritten Matchball ihren Service ins Netz setzte, sanken Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré sofort erleichtert in den Sand des Shiokaze Parks. Innert Sekundenbruchteilen wich die Anspannung ausgelassenem Jubel.
Die Umarmung der Zürcher Block- und der Berner Defense-Spielerin, die seit 2017 ein Team bilden, war ebenso lange wie innig. Schliesslich war es für die beiden 29-Jährigen der persönlich grösste Erfolg. Doch dieser hart erkämpfte 21:19, 18:21, 15:12-Triumph gegen Ana Patricia/Rebecca, wodurch auch das zweite Frauen-Duo aus Brasilien frühzeitig ausschied, kommt auch für das Schweizer Beachvolleyball einem Meilenstein gleich.
Kein brasilianisches Déjà-Vu
Seit sich Patrick Heuscher und Stefan Kobel 2004 in Athen die Bronzemedaille sicherten, gewann die Schweiz an Olympia keine Medaille mehr. Bei den Frauen qualifizierte sich überhaupt noch nie ein Duo für die Halbfinals. Als «mega-cool» – gleichermassen für das Frauen-Beachvolleyball und die Frauen generell in der Schweiz – bezeichnete deshalb Vergé-Dépré die Premiere.
Zuletzt in Rio de Janeiro war Heidrich, damals noch mit Nadine Zumkehr als Partnerin, in den Viertelfinals nach drei vergebenen Matchbällen am brasilianischen Top-Duo Larissa/Talita gescheitert. Dies ergab in der Endabrechnung Rang 5. Dass sie in Tokio kein brasilianisches Déjà-Vu der unangenehmen Sorte erlebte, dafür war Heidrich zusammen mit Vergé-Dépré gleichermassen besorgt.
Fokussiert und nervenstark
Das Duo blieb über die gesamte Partie konzentriert, spielte auf konstant hohem Niveau. Von eigenen Fehlern oder strittigen Entscheiden der Schiedsrichterin liessen sie sich nie beirren. Man habe als Team einen guten Job gemacht, so bilanzierte Heidrich richtig. Im entscheidenden Moment zeigten sich die Nummern 1 von Europa nervenstark, bewahrten sie auch bei grösster Hitze kühlen Kopf.
Nach gewonnenem erstem Satz (21:19) und verlorenem zweiten (18:21) erwischten Heidrich/Vergé-Dépré den besseren Start ins Tiebreak. Drei schnelle Punkte in Serie brachten die 4:2-Führung, später hiess es – auch dank zwei wichtigen Blocks von Heidrich – sogar 9:5 und 10:6. Als die Brasilianerinnen – vor den Spielen Zweite in Gstaad – auf 9:10 herankamen, nahmen die Schweizerinnen ein Timeout, um sich neu zu fokussieren.
Dies gelang ihnen – und auch die «Hilfe» der fehlerhaften Ana Patricia war mehr als willkommen. Eine Wende wie 2019 bei den Direktbegegnungen an den Turnieren in Den Haag und Rom, als Ana Patricia/Rebecca nach verlorenem Startsatz jeweils noch gewannen, erfolgte dieses Mal nicht mehr.
Nun gegen US-Duo
Heidrich/Vergé-Dépré erhalten nun zwei Chancen, um die angestrebte Medaille zu gewinnen. In den Halbfinals am Donnerstag (02.00 Uhr Schweizer Zeit) treffen sie auf die Weltranglisten-Fünften April Ross/Alexandra Klineman, gegen welche sie im Juli 2018 in Gstaad ihre einzige Direktbegegnung verloren.
Das US-Duo spielt in Tokio bislang äusserst stark auf. Die WM-Zweiten von 2019 haben ihre fünf Partien allesamt gewonnen und dabei nur einen einzigen Satz abgegeben. Vor allem Ross befindet sich einmal mehr auf einer olympischen Mission. Die 39-jährige Kalifornierin stand schon 2012 (Silber/mit Jennifer Kessy) und 2016 (Bronze/Kerri Walsh) auf dem Podest. Mit Gold kann Ross ihren Medaillensatz an Olympia vervollständigen.