Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/120305

<h2>SubmittedText<h2><p>Im Kampf gegen den starken Schweizerfranken hat die SNB am Devisenmarkt spekuliert. Die Folge ist ein Defizit von über zwanzig Milliarden Schweizerfranken.</p><p>1. Wie viel hat die SNB im Jahr 2010 auf dem Devisenmarkt generell investiert und wie viel insbesondere auf dem Euromarkt?</p><p>2. Wie hoch ist die Prozentzahl der Schweizer Unternehmen, welche die Auswirkungen des starken Schweizerfrankens zu spüren bekommen?</p><p>3. Wie viel investieren Schweizer Unternehmen in Finanzinstrumente zur Absicherung vor Wechselkursrisiken? </p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Allgemeine Bemerkung: Zunächst darf festgehalten werden, dass es sich bei den Devisenmarktinterventionen der Schweizerischen Nationalbank nicht um Spekulation handelt, sondern um Massnahmen zur Erfüllung des Mandats der Preisstabilität unter Berücksichtigung der Konjunktur. Die Devisenmarktinterventionen erfolgten vor dem Hintergrund von Deflationsgefahren und in einem Umfeld, in dem die Zinssätze bereits auf nahe null reduziert wurden. Weiter ist zu beachten, dass es sich bei den ausgewiesenen Verlusten um Buchverluste und nicht um realisierte Verluste handelt.</p><p>1. Die SNB hat zur Abwendung der Deflationsgefahr hauptsächlich Euro gekauft und später einen Teil davon im Sinne einer Diversifikation ihrer Devisenreserven auch in andere Währungen umgeschichtet. Bestand und Währungsaufteilung der Devisenreserven werden von der SNB regelmässig publiziert. Aktuelle Angaben werden u. a. erst dem am 10. März 2011 publizierten Rechenschaftsbericht der SNB zu entnehmen sein.</p><p>2. In der Schweiz als kleine und offene Volkswirtschaft kommt dem Exportsektor eine tragende Rolle zu. So beträgt der Exportanteil am BIP auch gut 50 Prozent. Extreme Wechselkursbewegungen wirken sich direkt auf die Exportindustrie und indirekt auch auf die Binnenwirtschaft aus. Die Folgen sind nicht für alle Unternehmen gleich. Eine Quantifizierung der Wirkungen ist schwierig. Für die Volkswirtschaft insgesamt ist aber eine Frankenaufwertung im seit 2008 beobachteten Ausmass eine Belastung. Eine von der SNB publizierte Umfrage bei Unternehmen zeigt folgendes Bild. Ihr zufolge gaben insgesamt 45 Prozent der im vierten Quartal 2010 befragten Unternehmen negative Auswirkungen an: 1,8 Prozent deutlich und 27 Prozent leicht negativ. Dies entspricht einer bedeutenden Verschlechterung im Vergleich zu den Vorquartalsergebnissen. Im dritten Quartal hatten die negativ beeinflussten Unternehmen 28 Prozent der gesamten Stichprobe ausgemacht.</p><p>Allgemein zur Umfrage: Die Konjunkturumfrage der Delegierten für regionale Wirtschaftskontakte wurde im vierten Quartal 2010 zum zweiten Mal um die systematische Befragung zu den Wechselkurseffekten erweitert. Die Befragungen fanden zwischen Oktober und November 2010 statt. 244 Unternehmen nahmen an dieser Umfrage teil. Die Unternehmensauswahl erfolgt nach einem Muster, das die Produktionsstruktur der Schweiz widerspiegelt, wobei die ausgewählten Unternehmen von Quartal zu Quartal ändern. Die Bezugsgrösse ist das BIP ohne Landwirtschaft und ohne öffentliche Dienstleistungen.</p><p>3. Über die "Hedging-Aktivität" der Unternehmungen gibt es keine zuverlässigen Angaben. Die obenerwähnte Umfrage lässt gewisse qualitative Rückschlüsse zu. Die Firmen wurden nach den Massnahmen befragt, die sie schon umgesetzt haben, um der Wechselkursaufwertung entgegenzuwirken. Sehr stark verbreitet ist der Einsatz von Absicherungsstrategien, vor allem mittels "Natural Hedging" (Kosten und Erträge in derselben Währung). Der Anteil der Unternehmen, die negativ von der Frankenaufwertung betroffen sind und die finanzielles "Hedging" einsetzen, ist mit rund 20 Prozent dagegen relativ klein. Allerdings sagt der Anteil nichts über das Ausmass und die damit verbundenen Kosten aus. Die ganze Studie ist im Quartalsheft der SNB Q4/2010 publiziert.</p>