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Das neue Kirchgemeindehaus an der Poststrasse 14 A ist auf Ende Februar 2016 fertig gestellt worden. Seit Anfang März wurde der Betrieb im neuen Gebäude aufgenommen. Damit geht eine lange Planungs- und Bauzeit erfolgreich zu Ende.
Die Entstehung des Kirchgemeindehauses können Sie hier in einer Bildergalerie anschauen.
Die Architekten bm, Beat Müller und Katharina Schewe, beschreiben in einer Baureportage die Entstehung des neuen Kirchgemeindehauses:
Das neue Kirchgemeindehaus ersetzt den alten Gebäudekomplex an der äusseren Schmiedgasse.
Bereits 2005 zeigte das Ergebnis des Studienauftrages mit drei Architekturbüros und unserem erstplatzierten Projekt, dass sich die räumlichen und betrieblichen Bedürfnisse der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Herisau in den drei Volumen des alten Kirchgemeindehauses an der äusseren Schmiedgasse aus verschiedensten Gründen langfristig nicht befriedigend umsetzen lassen.
Das im Herbst 2008 dennoch in Auftrag gegebene Sanierungsprojekt des alten Kirchgemeindehauses, mit präzisen Kostenschätzungen, bestätigte das Ergebnis aus dem Studienauftrag nochmals und bewog die Kirchenvorsteherschaft im Frühling 2009 endgültig, das Umbau- und Sanierungsprojekt zu Gunsten eines Neubauprojektes aufzugeben.
Öffentliches Gebäude
Das neu erstellte Kirchgemeindehaus wird die zahlreichen und vielfältigen Bedürfnisse aller Altersgruppen der Evang.-ref. Kirchgemeinde Herisau und von vielen externen Benutzern für mehrere Jahrzehnte optimal aufnehmen. Einzig die Verwaltungsbereiche bleiben im Erdgeschoss des angrenzenden Friedeckgebäudes an der Poststrasse 14. Mit einem grossen Saal, einer semiprofessionellen Küche, vier weiteren polyfunktionalen Räumen und den ergänzenden Nebenräumen haben wir ein zeitgemässes Gebäude des 21. Jahrhunderts realisiert, dessen öffentliche Nutzungen in unvermeidbarer Differenz zu den privaten Wohnhäusern der äusseren Schmiedgasse aus dem 17. und 18. Jahrhundert stehen.
Ortsbauliche Eingliederung
Das neue Kirchgemeindehaus fügt sich durch seine minimale Volumetrie und die polygonale Grundform zurückhaltend, jedoch passgenau in das verwinkelte Umfeld mit den Häusern der äusseren Schmiedgasse, des Friedeckhauses und der südlichen Gartenanlage ein. Sowohl die Grundfläche als auch das Volumen des neuen Kirchgemeindehauses haben sich im Vergleich zum alten Gebäudekomplex deutlich verkleinert. Mit der horizontalen Gliederung der Fassaden in Form der mit zunehmender Gebäudehöhe geschossweisen Verjüngungen erhält der Neubau eine vertikale kubische Verfeinerung, die insbesondere im Strassenraum der äusseren Schmiedgasse eine zurückhaltende Erscheinung und eine gute natürliche Belichtung bis zum Strassenniveau ermöglicht. Die auf die inneren Raumgrössen abgestimmten Fenster sind als akustische Schutzmassnahme zu Gunsten des Umfeldes, mit Festverglasungen und Rahmenlüftungen ausgeführt, ergänzt mit innen liegenden Stoffrollos (Verdunkelung) sowie äusseren Stoffstoren (Verschattung, Sonnenschutz).
Fassadengestaltung
«…Das gestemmte Fronttäfer, das in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Appenzellerland aufkam, war nebst Schutz und Isolation anfänglich vor allem ein architektonisches Stilelement. Es bot die Möglichkeit, Bürger- und Fabrikantenhäuser von den einfacher gebauten Bauernhäusern abzuheben. Die repräsentativen Fassaden wurden mit einem bis zum First reichenden Fronttäfer fein gestaltet und ‹verschönert›. Vorangegangen war die Verschönerung der Stube durch ein gestemmtes Täfer, welches das grobe Konstruktionsholz des Stricks verdeckt…» (aus «Die Bauernhäuser beider Appenzell», Isabell Hermann und weitere Autoren, Appenzeller Verlag, 2004).
Die Strukturierung der Fassaden und der Innenräume des neuen Kirchgemeindehauses folgt einem ähnlichen, wenn auch auf die veränderte Aufgabe und auf unsere Zeit adaptierten Konstruktions- und Gestaltungsprinzip. Sowohl innen als auch aussen ist die tragende Betonstruktur des Neubaus gedämmt und entsprechend seiner Funktion in analoger Weise verkleidet. Diese mehrschichtige Konstruktion endet an den inneren Oberflächen mit offenen Brettelementen in weiss gestrichener Fichte bzw. Gipsfaser, die die Innenräume akustisch optimieren, an den Fassaden als Wetterschutz in Form einer analogen umlaufenden Schirmstruktur aus weiss gestrichenem Eichenholz.
Öffentlicher Weg und Garten
Die Freilegung des öffentlichen Verbindungsweges zwischen Poststrasse und äusserer Schmiedgasse beschrieb ein Bedürfnis, das viele Passanten im Vorfeld der Planungsarbeiten geäussert hatten, denn gerade bei Dunkelheit war diese enge, vom alten Kirchgemeindehaus überdeckte und unübersichtliche Aussentreppe unbeliebt. Mit der Freilegung dieses öffentlichen Weges und der Neugestaltung der attraktiven Gartenanlage erhält das neue Kirchgemeindehaus nun auch ein Umfeld, von dem sowohl die Benutzerinnen und Benutzer des Evang.-ref. Kirchgemeindehauses als auch die umliegende Bevölkerung profitieren werden.
Wir möchten der Auftraggeberin und insbesondere der verantwortlichen Baukommission für das Vertrauen in unsere Arbeit, das immense eigene Engagement und das faire Verhalten in den beiden Bewilligungsverfahren und der Bauphase herzlich danken. Auch dem Kantonalen Denkmalpfleger AR, dem Vorstand des Heimatschutzes AR sowie den Behördenmitgliedern der Gemeinde Herisau, die allesamt das Projekt in sämtlichen Phasen unterstützten, auch wenn dies in der Öffentlichkeit teilweise anders dargestellt wurde, möchten wir für die professionelle Bearbeitung, die Fairness und die Beständigkeit herzlich danken. Und letztlich gebührt den Ingenieuren, den Fachplanern und den vielen Handwerkern, die mit viel Fachwissen und enormer Arbeitsleistung dieses Bauwerk mit uns erschaffen haben, unser grösster Dank.
bm architekten eth sia, Herisau
Beat Müller, dipl. Architekt ETH SIA
Katharina Schewe, dipl. Ing. Innenarchitektur, Architektin ETH
Die Baukommission
Uschi Hofmänner, Präsidentin
Andreas Bernhard
Monika Hagmann
Beat Müller, Architekt
Louis Slongo
Michael Stern
Verena Troxler