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Ulrich Zwingli (1484 – 1531), einer der Väter der Reformation
Der Theologe engagiert sich gegen das Söldnerwesen und ist eine der wortgewaltigsten Stimmen der Reformation. Mit Martin Luther, den er 1529 trifft, streitet er sich in Fragen der Eucharistie: Laut Zwingli ist Christus während des Gottesdienstes nur geistig anwesend. Im Oktober 1531 schlagen bei Kappel die katholischen Kantone die Protestanten. Zwingli selbst findet dort den Tod, während er als Militär-Geistlicher der Zürcher Verwundete pflegt.
Francesco Borromini und Domenico Trezzini, Meister der Sakralarchitektur
Der Tessiner Francesco Borromini (1599 – 1667) arbeitet zuerst als Bildhauer. Die Architektur erlernt er erst auf der Baustelle des Petersdoms in Rom. Der Erbauer von Klöstern und Monumentalkirchen reichert den Barockstil mit gekrümmten Linien und organischen Elementen an. Nach ihm wirkt Domenico Trezzini (1670 – 1734) als Architekt Zar Peters dem Grossen für den Bau von Russlands neuer Hauptstadt St. Petersburg.
Die Familie Bernoulli und Leonhard Euler (17. und 18. Jahrhundert), grosse Basler Mathematiker
Die Familie Bernoulli revolutioniert in zwei Generationen die Mathematik. Die Brüder Jacques (1654 – 1705) und Jean (1667 – 1748) tragen stark dazu bei, das Infinitesimal- und Wahrscheinlichkeits-Rechnen in Europa zu verbreiten. Zur Familie oder deren Umfeld gehören auch Daniel Bernoulli (1700 – 1782) und Leonhard Euler (1707 – 1783), Erfinder der berühmten "Eulerschen Kreise", die heute noch jeder Schüler kennt.
Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778), ungeliebter Vordenker
Der Autor von "Contrat social" (Gesellschaftsvertrag) und der "Neuen Heloise" gilt als Vordenker der französischen Revolution. Heute hat sich auch Frankreich den universellen Denker angeeignet, zu seinen Lebzeiten aber war er dort unerwünscht. Auch die Bürger von Môtiers im Val-de-Travers verjagen ihn, aufgehetzt von den Schmähreden seines Konkurrenten Voltaire. Sie bewerfen sein Haus mit Steinen und verbrennen seine Bücher.
Jacques Necker (1732 – 1804), Financier des Königs
Der in Paris tätige Genfer wird 1776 Finanzminister von Louis XVI. Er führt eine Politik der strengen Ausgaben-Kontrolle, zum Verdruss des Adels. 1781 tritt er zurück, 1788 wird er wieder eingesetzt. Er ruft die Generalstände zusammen und versucht, den König von der Abschaffung von Sonderrechten zu überzeugen. Das trägt ihm den Verweis vom Hof ein – 3 Tage vor dem Sturm auf die Bastille. Er verbringt den Lebensabend auf Schloss Coppet.
Abraham-Louis Breguet (1747 - 1823), Uhrmacher-Pionier
Der Neuenburger erlernt sein Metier zwischen Versailles und London, bevor er nach Paris kommt. Auf den genialen Erfinder gehen unter anderem die erste Uhr mit integriertem Aufzug-Mechanismus zurück, neue Uhrzeiger und Uhrwerke, arabische Zifferblatt-Zahlen und der Anti-Schock. 1810 kreiert er für Napoleons Schwester Caroline Murat die erste Armbanduhr. Er wird Uhrmacher der königlichen Marine und Mitglied der Akademie der Wissenschaften.
Antoine-Henri de Jomini (1779 – 1869), Stratege Napoleons und des Zaren
Aufgrund seiner Strategie-Publikationen steigt der Waadtländer im Empire bis zum Brigade-General auf. Während des Russland-Feldzuges schlägt er Napoleon die Brücke über die Beresina als Rückzugs-Variante vor und bewahrt so die Grande Armée vor der Vernichtung. Im Unfrieden wechselt er zum russischen Zaren und gründet die russische Militärakademie. Zusammen mit dem Preussen Clausewitz gilt er als erster Theoretiker der modernen Kriegsführung.
Henry Dunant (1828 – 1910), Erfinder der Menschenrechte
Der Getreidehändler hat im Juni 1859 beruflich am Gardasee zu tun, wo er in Solferino einen Tag nach der Schlacht gegen die Österreicher eintrifft. Er pflegt während drei Tagen Verwundete und ist derart schockiert, dass er die Grundsätze für das Rote Kreuz ausarbeitet. Er überzeugt die gekrönten Häupter von der Idee einer internationalen Konvention, so dass diese 1864 in Genf unterzeichnet wird. 1901 wird er erster Träger des Friedens-Nobelpreises.
César Ritz (1850 – 1918), Hotelier der Könige
Mit 17 Jahren kommt der Walliser Hirtensohn nach Paris, wo er schnell die Hierarchiestufen der Hotellerie erklimmt. Nach elf Jahren ist er Direktor von zwei Palace-Hotels in Luzern und Monaco. Sein hervorragender Ruf trägt ihm die Berufung ans Londoner Savoy ein. 1897 gründet er das berühmte Ritz-Hotel an der Pariser Place Vendôme, etwas später ein gleichnamiges Hotel in London.
Carl-Gustav Jung (1875 – 1961), Erforscher der menschlichen Seele
Der Thurgauer Arzt und Psychiater interessiert sich schon früh für die Arbeiten von Sigmund Freud. Er trifft den Vater der Psychoanalyse 1907 und wird dessen Kronprinz. Doch 1912 kommt es zum Bruch, da Jung die Sexualität weniger gewichtet als Freud. Nach langer Phase des Zweifelns veröffentlicht er die Theorie des kollektiven Unbewussten. Jung interessiert sich mehr für die Seele des gesunden Menschen als jene des Neurotikers oder des Psychoten.
Louis Chevrolet (1878 – 1941), Automobil-Legende
Der Uhrmachersohn aus dem Jura wandert nach New York aus, wo er erst Autos repariert. 1906 stellt er mit 191,5 km/h einen neuen Weltrekord auf, 1911 gründet er das Unternehmen Chevrolet. Nach dem Bruch mit einem Mitgründer muss Louis Chevrolet seine Firma verlassen und darauf verzichten, seinen Namen in der Autoindustrie zu benutzen. Den Plan, Flugzeugmotoren zu bauen, kann er wegen der Krise der 1930er-Jahre nicht mehr umsetzen.
Le Corbusier (1887 – 1965), visionärer Architekt
Geboren in La Chaux-de-Fonds, bildet sich Charles-Edouard Jeanneret in Wien, Paris und Berlin zum Architekten aus. 1917 kommt er nach Paris, wird französischer Staatsbürger und nimmt den ledigen Namen seiner Mutter an. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges konzipiert er nochmals den Sozialbau neu.
Sophie Taeuber-Arp (1889 – 1943) und die Dada-Bewegung
1916 entsteht in Zürich das Cabaret Voltaire als Spitze der Dada-Avantgarde gegen die bourgeoise Kultur. Zur Bewegung gehört auch die in Davos geborene Sophie Taeuber-Arp. 1922 heiratet sie Jean Arp, auch er Dadaist, und wird Französin. Sie ist abstrakte Malerin, Architektin, Dekorateurin und Tänzerin. Auf der Flucht vor den Nazis nach Zürich gekommen, stirbt sie 1943 an Kohlenmonoxid-Vergiftung infolge eines falsch betriebenen Ofens.
Arthur Honegger (1892 – 1955), Schweizer Komponist in Paris
Als Franko-Schweizer hat der Komponist von "Pacific 231" und anderen Filmmusiken nur sehr selten Kontakt mit seiner ursprünglichen Heimat: Ein Beginn am Konservatorium in Zürich, ein Aufenthalt beim Chef des Basler Orchesters, Paul Sacher, und vor allem 1921 ein Auftrag von René Morax, dem Direktor des Théâtre du Jorat, für das Oratorium "König David". Die Musik gehört zu den grössten Erfolgen von Honegger.
Jean Piaget (1896 – 1980), Erforscher der Kinderseele
Als Naturwissenschaftler stösst der Neuenburger auf die Frage nach der Entwicklung der Intelligenz. Seine Beobachtungen macht er bei seinen drei Kindern. Er lehrt an drei Westschweizer Universitäten und an der Sorbonne in Paris. Piaget erneuert die Konzeption über das Denken des Kindes komplett, indem er aufzeigt, dass sich dieses Denken auf Grund eigener Regeln vollzieht, die von jenen der Eltern abweichen. Sein Werk wirkt bis heute nach.
Alberto Giacometti (1901 – 1966), aufgewühlter Bildhauer
Der Sohn des impressionistischen Bündner Malers Giovanni Giacometti studiert Kunst in Genf, schliesst sich dann in Paris den Surrealisten an. Im II. Weltkrieg kommt er nach Genf, um danach wieder an die Seine zurückzukehren, wo er mit seinen figürlichen, spindeldürren Silhouetten den internationalen Durchbruch schafft. Sie sollen die Zerbrechlichkeit und Einsamkeit des Menschen darstellen.
Denis de Rougemont (1906 – 1985), geistiger Vater Europas
In den 1930er-Jahren engagiert sich der Neuenburger in den antikonformistischen Zirkeln in Paris. Zurück in der Schweiz, gründet er 1939 aus Widerstand gegen den Faschismus die "Gotthard-Liga". Um Neutralität bemüht, schicken ihn die Schweizer Behörden auf eine akademische Mission in die USA. Nach seiner Rückkehr entwickelt er die Konzeption eines Europa ohne Nationalstaaten, die den Kontinent in Asche gelegt hatten.
Albert Hofmann (1906 – 2008), Vater des psychedelischen Trips
Als Sandoz-Chemiker forscht er 1938 an einem Roggenparasiten. Dabei entdeckt er zufällig den natürlichen Wirkstoff Lysergsäure. Er verbindet diese mit Diäthylamid zu LSD-25. Fünf Jahre später, als er seine Forschungen wieder aufnimmt, unternimmt er einen Selbstversuch. Danach kommt LSD weltweit in Umlauf, zuerst als Psychopharmaka, dann als Droge. Ende der 1960er-Jahre wird das Halluzinogen zu einem Symbol der Hippie-Gegenkultur.
Max Frisch (1911 – 1991), universeller Autor aus Zürich
Der Vielreisende, Pazifist und kritische Patriot ist erst Journalist, dann Architekt, bevor er Schriftsteller und Dramaturg wird. Die Parabel "Andorra" über Rassismus im Alltag wird weltberühmt. Der Humanist ohne Illusionen, geformt von einem "halb jüdischen, halb englischen" Humor, hinterfragt in Romanen wie "Homo faber" die Moral und die Zufälle des Schicksals. Den Nobelpreis erhält er nie, aber dafür zahlreiche internationale Preise.
Meret Oppenheim (1913 – 1985), Ikone des Surrealismus
Die Aktfotos, die Man Ray in Paris von ihr macht, werden ebenso zu Ikonen des Surrealismus wie ihr "Frühstück im Pelz". Das mit Pelz überzogene Kaffee-Service, bestehend aus Tasse, Untertasse und Löffel, wird gar vom New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) aufgekauft. Ein spiralförmiger Brunnen in Bern mit üppigem Pflanzenbewuchs und starker Tuffsteinbildung wird 1983 zu ihrem letzten Werk.
Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990), Berner Schriftsteller mit Universalanspruch
Der Berner Autor und Dramaturg beginnt mit eher parodierenden Kriminalromanen, bevor er als 35-Jähriger mit dem Stück "Besuch der alten Dame" zu Weltruhm gelangt. Mit sprachlicher Opulenz, groteskem Humor, viel Absurdität und quasi-religiösem Gefühl zeigt er die Machtlosigkeit des Einzelnen vor dem Chaos der Welt. Aufsehen erregt er 1990 in einer Laudatio auf Václav Havel, als er die Schweiz mit einem Gefängnis vergleicht.
Während Jahrhunderten ist es herausragenden Schweizern – und auch einigen Schweizerinnen – immer wieder gelungen, mit ihren Ideen, Weltanschauungen oder Kunstwerken das übrige Europa oder gar die Welt zu prägen.
Die Auswahl der grossen Köpfe aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur ist nicht vollständig. Aber allen hier Versammelten ist gemein, dass sie heute zu den Grossen der Schweiz zählen.