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In Artikeln zum Hambacher Forst wird immer darauf hingewiesen, dass der Wald sehr alt sei. Das scheint ein wichtiges Argument zu sein. Nur habe ich zwei verschiedene Zahlen gelesen: 1200 und 12000 Jahre.
Das bringt mich zu der Frage, wie man das Alter eines Waldes bestimmt. Mit dem Alter der Bäume hat es wohl nichts zu tun, denn es gibt dort keine Bäume, die 1200 Jahre alt sind.
Der Wald ist also ein merkwürdiges Wesen. Es gibt keinen Teil des Waldes, der so alt ist wie der Wald. Was ist der Wald eigentlich? Der Wald besteht aus Bäumen. Sind zwei Bäume schon ein Wald? Vermutlich nicht. Nehmen wir an, dass ein Wald mindestens 10 Bäume hat. Wenn ich den nördlichsten Baum fälle, dann ist es kein Wald mehr. Dieser Baum hat also etwas Besonderes, denn er macht aus 9 Bäumen einen Wald. Das gilt aber auch für die anderen 9 Bäume. Nominalisten sagen, dass es in der Realität gar keinen Wald gibt. Es gibt nur Bäume und der Mensch macht erst in seinem Gehirn daraus einen Wald. Kann aber etwas, das es in der Realität nicht gibt, ein Alter haben?
Man kann die Aussage, dass der Wald 1200 bzw. 12000 Jahre alt ist, auch so interpretieren, dass dort während dieser Zeitspanne Bäume gestanden haben. Ist das charakteristisch für den Hambacher Forst. Wälder gibt es bei uns hauptsächlich da, wo der Boden zu sandig, zu felsig oder zu steil für Landwirtschaft ist. Man kann daher annehmen, dass die meisten Wälder bereits seit der letzten Eiszeit bestehen. Der Hambacher Forst hätte in dieser Richtung kein Alleinstellungsmerkmal.
Wir haben in unserem Haus eine Gasheizung, die auch NOx emittiert. Vermutlich werden an unserem Schornstein daher die Immissionsgrenzwerte überschritten. Das ist aber kein Problem, da sich dort ja niemand das ganze Jahr aufhält. Es lässt sich aber in Deutschland wohl nicht ausschließen, dass Menschen sich das ganze Jahr am Strassenrand aufhalten. Deshalb sind die Messcontainer immer direkt am Strassenrand aufgestellt.
In unserem Dorf in der Schweiz gibt es einen Golfplatz, an dem ein schöner Wanderweg vorbeiführt. Man hat dort ein Schild angebracht: «Vorsicht fliegende Golfbälle. Nicht stehenbleiben, zügig weitergehen!». Das hat mich auf folgende Idee gebracht.
Da die überhöhten NOx-Werte nur direkt am Strassenrand auftreten (in den angrenzenden Geschäften und Wohnungen sind sie erheblich niedriger), könnte man doch Schilder aufstellen mit dem Text: «Achtung: erhöhte NOX-Emissionen! Der ständige Aufenthalt am Strassenrand ist untersagt.»
Eine Stecke messen wir normalerweise in Metern oder, wenn sie lang ist, in Kilometern.
Die während einer bestimmten Zeit zurückgelegte Strecke messen wir in Metern pro Sekunde oder Kilometer pro Stunde und nennen es Geschwindigkeit. Was könnte man sich unter 50 Kilometer pro Stunde pro Jahr vorstellen? Vermutlich nichts.
Energie messen wir in Joule. Die pro Zeiteinheit «erzeugte» oder «verbrauchte» Energie messen wir in Joule pro Sekunde und haben dafür die Einheit Watt erfunden. Was will uns der Spiegel sagen, wenn er diese Woche von Terrawatt pro Jahr also Terrajoule pro Sekunde pro Jahr schreibt?
Vermutlich will er uns zeigen, wie schlecht es Journalisten geht, sodass sie über Dinge schreiben müssen, von denen ihnen sogar das Basiswissen fehlt.
Vor kurzem gab Prof. Schellnhuber der FR ein Interview. In darauffolgenden Leserbriefen wurde er für seine «lasche» Haltung kritisiert.
Wenn man das Interview genau durchliest, dann stellt man fest, dass Prof. Schellnhuber meistens im Konjunktiv spricht. Er hat dazugelernt. Vor Jahrzehnten hat man noch grosszügig Prognosen gemacht in der Art «2010 gibt es keinen Schnee mehr in den Alpen.».
Wenn mal ehrlich ist, muss man zugeben, dass man zwar weiss, dass es wärmer wird. Wieviel es jedoch wärmer wird und wo und welche Folgen das hat, das wissen wir nicht genau und können es vielleicht auch gar nicht wissen bei einem chaotischen System wie dem Klima. Die Vorhersagen schwanken zwischen 1.5° und 4.5° bis zum Jahr 2100.
Leute wie Prof. Schellnhuber meinen, dass eine vollkomme Änderung unserer Lebensweise und unseres Gesellschaftssystems notwendig seien. Das hat ihm den Vorwurf einer «Ökodiktatur» eingetragen.
Wenn ich derartig starke Veränderung fordere, dann müssen dahinter auch Annahmen für die Folgen des Klimawandels stecken. Ich habe den Eindruck, dass wer maximale Veränderung fordert auch von maximalem Schaden ausgeht. J. Trittin hat sich mal in einem Interview auf Phoenix dahingehend geäussert. Man müsse die pessimistischsten Prognosen zur Basis der Politik machen.
Dieses wurde mMn niemals in Deutschland diskutiert.
Nach meinem Eindruck widerspricht es der menschlichen Natur immer vom schlimmsten auszugehen (Ausnahmen bestätigen die Regel.). Wenn ich vom schlimmsten ausgehe (in zwei Minuten bin ich tot), dann führt das zum Fatalismus.
Der diesjährige warme und trockene Sommer gab zu vielen Analysen Anlass. Ein Aspekt wurde aber nicht gewürdigt. Warme und trockene Sommer entstehen durch festliegende Hochdrucksysteme. Die Luftdruckunterschiede sind über weite Strecken gering und dies bedeutet, dass es wochenlang sehr windstill ist. Die Windturbinen stehen meistens still oder drehen sich nur langsam.
Wenn man also mal annimmt, dass durch den Klimawandel solche Sommer zum Normalfall werden, dann fällt die Windenergie als Stromlieferant im Sommer praktisch aus. Wenn kein Wind weht, nützt es auch nichts, wenn man mehr Turbinen aufstellt, die sich dann auch nicht drehen.
Ich stehe auf einem Deich an der Nordsee. Es ist auflaufendes Wasser und stürmischer Nordwestwind. Windstärke 9, in Böen 10. Man kann sich nur mit Mühe halten. Neben mir steht ein vegetarischer Arzt aus Marienhafe und bläst mit voller Kraft gegen den Sturm an. Ich schaue ihn entgeistert an und sage: «Was soll das denn werden?». Er dreht sich zu mir und schreit: «Immerhin besser als gar nichts tun.» Ich will gerade richtig loslachen, da schläft der Sturm plötzlich ein. «Ich muss jetzt leider gehen, noch Hausbesuche zu machen», sagt der Arzt.
Ich habe in der letzten Zeit wieder etwas Wissenschaftstheorie gelesen. Hauptsächlich Ludwik Fleck und Imre Lakatos. Ich frage mich, ob die überhaupt jemand kennt in Deutschland.
Er sollte eigentlich allgemein bekannt sein, dass man physikalische Theorien nicht beweisen kann. Journalisten scheint das nicht bekannt zu sein oder sie sind der Meinung, dass man dem Publikum (Naturwissenschaftprekariat sagt J. Kachelmann) solche schwierigen Dinge besser verschweigt.
Aber zu dem eigentlichen Gedanken, der mir beim Lesen gekommen ist.
Ich glaube, dass das menschliche Gehirn fantastisch gut geeignet ist, dass der Mensch mit der wandelnden Umwelt zurecht kommt. Daher auch mein Optimismus, was die Zukunft der Menschheit betrifft. Es war sicherlich in der Evolution ein Vorteil.
Vielleicht ist unser Gehirn aber garnicht geeignet, die Welt zu verstehen. Ein Gehirn, das die Welt versteht, war in der Evolution nicht von Nutzen, vielleicht sogar Ballast.
Versorgungsunternehmen kaufen Strom nicht nur an der Börse. Um einen günstigen Einkaufspreis zu erzielen, kaufen sie den Strom bereits Jahre im voraus ein. Aber nur konventionelle Kraftwerke können garantieren, dass sie den Strom auch wirklich liefern können.
Also kauft z.B. ein Versorger 3 Jahre im voraus den Strom bei einem Kohlekraftwerkbetreiber für 40 Euro / MWh.
Wenn der Strom geliefert werden muss, ist zufälligerweise sehr viel Wind. Der Strom kostet an der Börse fast nichts.
Der Kohlekraftwerksbetreiber reduziert seine Leistung oder schaltet ganz ab und kauft den Strom billig an der Börse ein. Er liefert den fast kostenlosen Strom für 40 Euro / MWh und spart auch noch die Kohlekosten.
Sind das „windfall profits“?
In den letzen Tagen liefen die Backofenuhren 6 Minuten nach. Jetzt berichtet das Manager-Magazin und der Spiegel, dass das Problem in Kosovo und Serbien entstanden sei. Dadurch sei die durchschnittliche Frequenz von 50 Hz auf 49.95 Hz abgesunken und das hätte sich in 2 Monaten zu 6 Minuten addiert.
Rechnen wir mal schnell nach. Wenn die Frequenz 49.95 statt 50.00 ist, laufen die Uhren genau ein Tausendstel zu langsam. Um 6 Minuten zu erreichen, müssen also 6000 Minuten vergehen, bis 6 Minuten erreicht sind. Das sind etwa 4 Tage (6000 / 60 / 24), aber nicht 60 Tage.
Ich vermute mal, dass die Frequenz nur auf 49.995 Hz gefallen ist und es 40 Tage (= 6 Wochen) gedauert hat. Dann passen die Zahlen.
Gibt es bei Zeitungen eigentlich eine Qualitätskontrolle?
Ich hatte im letzten Semester geäussert, dass es für mich unwichtig sei, ob eine wissenschaftliche Theorie wahr sei. Wichitg sei, dass sie die Phänomene richtig beschreibt. Daraufhin hörte ich vom Professor die Bemerkung, dass das auch die Ansicht von N. Luhmann sei.
Ich hatte den Namen schon mal gehört. N. Luhmann war ein Professor in Bielefeld, der über eine Theorie der Gesellschaft geforscht hat. Nach 30jährigen Nachdenken hat er ein bedeutendes Werk dazu verfasst.
Nun mag die Theorie ja nicht richtig sein. Wenn aber ein kluger Mann 30 Jahre über eine Theorie der Gesellschaft nachdenkt, können gesellschaftliche Phänomene wohl kaum simpel erklärt werden.
Wieso kommen eigentlich Menschen, die alles mit simplen Theorien („Schuld ist der Neoliberalismus.“ „Schuld sind die Lobbyisten.“) erklären, nicht auf die Idee, dass alles vielleicht viel komplizierter ist?