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In der buddhistischen Tradition wird erzählt, dass der indische Weise Bodhidharma nach China gekommen ist, um seine Lehre zu verbreiten. Eine Audienz beim Kaiser blieb ohne Ergebnis, so dass er weiterzog, wobei er der Legende nach den Yangtse auf einem Schilfrohr überquert haben soll. In einer Kalligrafie aus dem Mittelalter werden diese Geschehnisse in prägnanten Versen zusammengefasst:
«Er hatte Flüsse und Wüsten durchquert. Vor dem Kaiser angelangt, bezeugte er: Ich weiss nicht. Ohne Erfolg zog er weiter. Seine Füsse betraten das Wasser.»
Da kommt ein weiser Lehrer zu einem fremden Herrscher, und die Zusammenfassung seiner Lehre sind diese drei Worte: «Ich weiss nicht»!
Vermutlich bezieht sich die Aussage auf die Erkenntnis des Buddha, dass Wissen immer nur im Moment möglich ist, etwas Vorläufiges ist. Der Mensch neigt jedoch dazu, an seinen Vorstellungen über die Wirklichkeit festzuhalten, die Welt zu etwas Objektivem, Festgefügtem zu machen. Aber unser Erkennen ist immer auf das beschränkt, was wir mittels unserer Sinne und innerhalb der Möglichkeiten des Denkens zu einer bestimmten Zeit erfassen können. Es ist begrenzt.
Dass man mit dieser Erkenntnis – «Letztlich weiss ich nichts» – bei einem Herrscher, der wohl in Kategorien wie Nutzen, Macht und Erfolg denkt, abblitzt, ist nicht erstaunlich.
War der Bodhidharma damit erfolglos? Immerhin hat sich seine Lehre des Zen dann doch durchgesetzt. Vielleicht gerade deshalb, weil es ihm nicht um Erfolg ging?
Manchmal tut es gut, sich zurückzulehnen und Distanz zu all dem einzunehmen, was einem so wahnsinnig wichtig ist und worauf man sein Leben baut – und sich zu sagen: Ich weiss nicht.
Abb: Skulptur des Maitreya-Buddha in den Feilai Feng Höhlen, China. Foto: Mr. Tickle. Wikimedia Commons