Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03591.jsonl.gz/411

Die BMC Roadmachine 01 FOUR ist ganz schön schnell.
Wilma Rudolph war eine der bemerkenswertesten Leichtathletinnen. 1940 erblickt sie in Saint Bethlehem, Tennessee, erstmals das Licht der Welt. Eine Kinderlähmung setzt ihr linkes Bein ausser Gefecht. Erst mit elf Jahren kann sie gehen. Sie beginnt Basketball zu spielen und entdeckt ihre Lust am Laufen. Mit sechzehn Jahren gewinnt sie an den olympischen Spielen 1956 4×100-Meter-Staffel-Bronze. 1960 pulverisiert sie an den US-Meisterschaften den 200m-Weltrekord, reist an die olympischen Spiele nach Rom, verstaucht sich am Vorabend zum 100-Meter-Rennen den Knöchel und gewinnt trotzdem alle drei Kurzstreckendisziplinen. Wilma Rudolph war schwarz, schön und schnell. Sie erzielte mehrere Weltrekorde und verzauberte mit ihrem eleganten Laufstil „tout le monde“, was ihr den Übernamen „schwarze Gazelle“ eintrug. Und Wilma Rudolph hatte ein grosses Herz. Nach ihrer Karriere startete sie verschiedene Projekte, um die städtische Jugend von der Strasse zum Sport zu bringen. 2014 wurde sie in die IAAF Hall of Fame aufgenommen.
Die schwarze Gazelle, die jetzt vor mir steht, missioniert in umgekehrter Richtung. Sie bringt Sportler zurück auf die Strasse und macht sie dort sauschnell. Selten habe ich ein so schönes Rennrad gesehen wie die BMC Roadmachine 01 FOUR. Alleine die Hochflanschfelgen von DT Swiss mit den ausgezeichneten Braunwandreifen von Vittoria sind eine Augenweide. Von Kabelzügen fehlt jeder Spur. Es scheint als ob BMC diesem Velo bewusst asketische Züge einverleibt hat, um alles zu vermeiden, was der Erreichung seines Zieles (Tempo!) im Wege stehen könnte. Zum Beispiel das Gewicht. Mit weniger als acht Kilos ist das Velo ultraleicht. Und es verfügt über eine elektronische Schaltung, die diesen Strassenrenner durch leichtes Antippen ultraknackig in die Gänge bringt.
Auf den Ausritt freue ich mich so sehr, dass ich eine meiner längsten und anspruchsvollsten Routen in Angriff nehme. Sie führt mich durch drei Kantone, von Aarberg über den Möslipass an den Schifenensee, nach Faoug an den Murtensee, hoch auf den Mont Vully zurück nach Aarberg. Soviel zum Plan. Am Murtensee angelangt breche ich das Experiment ab. Die Roadmachine macht mit mir, was Asketen zur körperlichen Ertüchtigung zählen: Übungen im Ertragen von Schmerzen. Mir tut alles weh.
Doch dieser bildhübsche Renner verdient eine zweite Chance. Ich justiere die Sattelhöhe, schwinge mich eine Woche später erneut aufs Rad und fahre Richtung Lyss. Vor der Verzinkerei Aarberg werde ich rechts überholt. Der wilde Verkehrstäter ist ein E-Bike-Fahrer mit gelber Strassennummer. Es ist das langersehnte Zeichen für die schwarze Gazelle. Sie beschleunigt mit viel Zug, liegt enorm kontrolliert auf der Strasse und hält ein ganz hohes Tempo. Gazellen, so sagt man, sind schnelle Läufer. Sie können über längere Zeit Geschwindigkeiten von 50 km/h durchhalten. Ähnliches bemerkt in Lyss auch der stürmische E-Bike-Fahrer. Die schwarze Gazelle erreicht sein Hinterrad. Jetzt fühle ich mich wie Wilma Rudolph auf der Zielgerade bei ihrem Weltrekordlauf der 4-mal-100-Meter Staffel 1960 an den olympischen Spielen in Rom: schneller als der Wind, federleicht und so vogelfrei wie noch nie.
BMC Roadmachine 01 FOUR
|Rahmen||Karbon|
|Gewicht||7.55 kg|
|Reifen||Vittoria Corsa Control, 28mm|
|Schaltung||Shimano Ultegra Di2, 2×11|
|Bremsen||Shimano Ultegra Di2, SM-RT 800 Rotors|
|Preis||CHF 7‘299.–|
Biketester: Lorenz Schmid, Partner bei in flagranti communications und leidenschaftlicher Velofahrer