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Die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) ist eine wild wachsende Verwandte der in Gärten kultivierten Christrose (Helleborus niger). Sie gehört zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae).
Foto von Helleborus foetidus auf Wikipedia.
Wie die Christrose ist die Stinkende Nieswurz eine beliebte Gartenpflanze. Unter den Arten der Gattung Helleborus ist sie die Pflanze, die am besten Sonne und Trockenheit toleriert. Im Garten etablierte Pflanzen säen sich häufig selbst aus.
Normalerweise blüht die rund 50 Zentimeter hohe, buschige Staude bereits im Februar in lichten Buchen- und Eichenwäldern – in diesem Jahr hat sie sich wegen dem langen Winter vielerorts verspätet.
Die hängende Blüten werden von Bienen bestäubt. Hefekulturen zersetzen zum Teil den Nektar und erzeugen dadurch in der Blüte Temperaturen, die bis zu 6 °C über derjenigen der Umgebung liegen können. Die Wärme lockt auch bei tiefen Temperaturen Hummeln zur Bestäubung an. Sie bekommen quasi eine warme Ofenbank geboten als Gelegenheit zum Aufwärmen. Einen ähnlichen Aufwärm-Service kennt man vom Aronstab (Arum maculatum).
Die Stinkende Nieswurz ist durch den Gehalt an Helleborin sehr giftig. Es ist ein Saponingemisch, das vor allem aus Steroidsaponinen besteht. Helleborin wirkt schleimhautreizend und regt zum Niesen an.
Die Stinkende Nieswurz wurde früher in der Volksmedizin als Heilpflanze verwendet, ist jedoch wegen unerwünschter Nebenwirkungen nicht mehr in Gebrauch.
Bedeutender in der traditionellen Heilkunde war die Christrose. Sie wurden vor allem als Mittel gegen Wahnsinn und Epilepsie geschätzt, da nach der antiken Säftelehre psychische Erkrankungen durch einen Überschuss an schwarzer, bitterer Galle erklärt wurden und Niesen als beste Abhilfe galt (im Sinne der Ausleitung überschüssiger Säfte).
Auf Wikipedia findet sich dazu eine amüsante Anekdote mit einem kritischen Patienten: In der lateinischen Komödie Menaechmi von Plautus (Uraufführung etwas 200 v.u.Z. in Rom) sagt der Arzt: „elleborum potabis faxo aliquos viginti dies“ (du wirst Nieswurz trinken und das 20 Tage). Der Patient antwortet darauf: „neque ego insanio“ (aber ich bin doch nicht verrückt).
Christrose (Helleborus) wird heute noch in Form von Globuli in der Homöopathie eingesetzt. Belege für die Wirksamkeit gibt es allerdings keine.
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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