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Der Geburtsort der Quarantäne
Pest, Cholera, Lepra: Formen des Social Distancing werden schon seit Jahrtausenden praktiziert. Im Mittelalter wurde in der Unesco-Welterbe Stadt Dubrovnik schliesslich die Quarantäne erfunden.
Pest, Cholera, Lepra: Formen des Social Distancing werden schon seit Jahrtausenden praktiziert. Im Mittelalter wurde in der Unesco-Welterbe Stadt Dubrovnik schliesslich die Quarantäne erfunden.
Abgeriegelte Städte, geschlossene Grenzen und Selbstisolation: Die derzeitigen Schutzmassnahmen gegen die Corona-Pandemie sind ohne Vergleich – so scheint es. Das mag in dieser Dimension stimmen (derzeit ist etwa die Hälfte der Menschen von Einschränkungen betroffen), die Praxis des «Social Distancing» ist jedoch mehrere tausend Jahre alt.
Älteste Überlieferungen finden sich im Alten Testament. In den Hygienevorschriften des Buches Leviticus (3. Buch Mose) werden Empfehlungen für Abstandsregeln zu kranken Personen gegeben.
Das, was man heutzutage als Quarantäne bezeichnet, hat allerdings ihren Ursprung im Italien des 14. Jahrhunderts. Damals wütete die Pest in Asien und Europa, eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses. Allein in Europa starben am Schwarzen Tod 25 Millionen Menschen, etwa ein Drittel der Bevölkerung. Die Pest hatte ihren Ursprung wie der Corona-Virus in China und wurde durch mongolische Reiterhorden und italienische Händler nach Europa eingeschleppt.
Die grösste Welle war im Jahr 1351 überstanden, lokale Ausbrüche ereigneten sich allerdings in den nächsten Jahrhunderten immer wieder. Damals wie heute versuchte die Politik, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen.
Während man zur Hochzeit des Ausbruchs ganze Landstriche und Städte abriegelte, suchte man in den kommenden Jahrzehnten nach Lösungen, die einerseits den Schutz der Bevölkerung garantierten, andererseits den Handel ermöglichten – während der Coronakrise geschieht derzeit nichts anderes.
In der Handelsstadt Ragusa, dem heutigen Dubrovnik, die damals noch zu Venedig gehörte, erfand man schliesslich die Quarantäne: Handelsschiffe, Matrosen und Güter aus infizierten Regionen durften erst nach einer 30-tägigen Isolation auf vorgelagerten Inseln Hafen und Stadt betreten.
Später wurde die Zeitspanne auf 40 Tage erweitert. Aus dem italienischen Begriff «quarantino» für eine 40-tägige Zeitspanne wurde das heutige Wort «Quarantäne».
Die Festlegung auf 40 Tage war dabei allerdings nicht medizinisch begründet, sondern bezieht sich auf die Zahl 40, die mehrmals in der Bibel eine Rolle spielt.
Um Händler und Matrosen unterzubringen, wurden Quarantänelager gebaut, die man nach dem biblischen Lazarus «lazzaretto» nannte. Das letzte Quarantäne-Lazarett Dubrovniks wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts am Rande der Altstadt gebaut und ist heute noch zu besichtigen. Auffällig ist das weitläufige Gelände (Social Distancing) und die Möglichkeit zur guten Belüftung (Reduktion der Krankheitserreger).
Jahrhunderte vor der Entdeckung von Viren und deren Übertragungswegen, entwickelte die Menschen Schutzkonzepte, die auch heute noch zur Anwendung kommen.