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Der erste Schritt ist: Sterne, Sonne und Mond zu lieben – je weiter entfernt, desto besser, denn wenn du das weit Entfernte lieben kannst, wird es leichter, auch das zu lieben, was dir näher ist. Auch die Sterne besitzen eine ungeheure Sensibilität, wenn sie auch primitiver ist als die der Tiere. Sterne, Sonne, Mond – fange bei ihnen an, und sie werden dir antworten, vergiß das nicht! Und sei darauf gefaßt, daß sie nicht sehr schonend mit dir umgehen werden! Sie werden dir die reine Wahrheit sagen – wie auch immer sie aussieht.
Dann gehe zu den Felsen, zu den Bergen. Fühle die Felsen, ihre Beschaffenheit, und liebe sie. Dann gehe zu den Flüssen, dem Wind, dem Regen. Sie besitzen mehr Leben, sind lebendiger als alles andere. Tanze im Regen und im Wind. Schwimme im Fluß und laß los, laß dich davontragen. Kämpfe nicht gegen den Fluß, treibe ihn nicht an und gehe nicht gegen die Strömung. Gehe mit dem Strom, vollkommen eins mit ihm.
Auf diese Weise wirst du viele Spielarten der Liebe kennenlernen, viele Qualitäten der Liebe. Dann Bäume, Sträucher, Blumen, Früchte… bewege dich allmählich auf das Leben zu. Die Bäume sind noch lebendiger, und die Blumen sind noch näher, viel näher als die Sterne und die Felsen und die Flüsse. Dann gehe zu den Vögeln, zu den Tieren.
Und wenn du imstande bist, alle diese unterschiedlichen Ausdrucksformen der Existenz zu lieben, wirst du auch imstande sein, Mann und Frau zu lieben, denn Mann und Frau sind ihr höchster Ausdruck – sie enthalten die Sterne, die Berge, die Flüsse, die Winde, den Regen, die Bäume, die Vögel, die Tiere. Das alles ist in ihnen enthalten. Aus all diesen Dingen sind wir gemacht! Etwas in uns hat teil an den Sternen, etwas in uns hat teil an den Flüssen, den Bergen, etwas in uns hat teil an den Bäumen, den Blumen, etwas in uns hat teil an den Vögeln.
Es ist nicht von ungefähr, daß ihr vom Fliegen träumt; es ist nicht von ungefähr, daß der Mensch die Flugzeuge erfunden hat; es ist nicht von ungefähr, daß sich der Mensch so gewaltig zu den Sternen hingezogen fühlt, und das seit Tausenden von Jahren. Zuerst durch die Astrologie, dann durch die Astronomie und heute durch die enorme Attraktion, den Mond zu erreichen, den Mars und schließlich die Sterne. Etwas Magnetisches zieht uns an.
Es ist nicht von ungefähr, wenn ihr ans Meer fahrt, daß etwas in euch sich eins mit dem Meer fühlt, denn achtzig Prozent eures Körpers bestehen aus Meerwasser. Der Mensch war am Anfang seiner Entwicklung ein Fisch, und vom Fisch hat er sich zum Menschen entwickelt. Jedes Kind im Mutterleib ist tatsächlich für einige Tage ein Fisch. In neun Monaten muß es sämtliche Stadien durchlaufen, die die ganze Menschheit in Millionen von Jahren durchlaufen hat. Etwas in euch bleibt immer fischähnlich.
Auch ist es nicht verwunderlich, daß ihr, wenn ihr eine Frau liebt, anfangt, sie »Kätzchen« zu nennen; sie hat etwas davon. Jede Frau hat in ihrem Wesen etwas von der Katze, jeder Mann hat etwas vom Hund. Darum könnt ihr ständig erleben, daß Mann und Frau wie Hund und Katze miteinander sind.
Wenn du einen Mann oder eine Frau lieben willst, mußt du noch ganz anderes lieben. Wenn du dich Hals über Kopf in eine Frau verliebst, hast du bald Schwierigkeiten, denn viele ihrer Dimensionen sind dir unbekannt. Viele Dimensionen des Mannes, den du liebst, sind dir fremd. Etwas an ihm ist auch ein Fels, und wenn du die Beschaffenheit eines Felsens nicht kennst und den Felsen nicht lieben kannst, wirst du auch den Peter nicht lieben können – denn Peter bedeutet »Fels«.
Nur wenn du die Liebe in all ihren Erscheinungsformen kennenlernst… denn Mann und Frau sind der Höhepunkt vieler Dinge. Viel ist geschehen, und eine gewaltige Vergangenheit liegt hinter ihnen, ist in ihrem Sein inbegriffen. Sie ist präsent und sehr lebendig. Wenn du die Bäume nicht lieben kannst, wenn du den Wind nicht lieben kannst, wenn du keine Lust verspürst, im Regen zu tanzen, dann wirst du nicht fähig sein, eine Frau oder einen Mann zu lieben. Deiner Liebe wird etwas fehlen. Sie wird nicht jene Vollendung, jene exquisite Anmut haben, die sie haben könnte und auch haben sollte. Du mußt langsam vorgehen. Beginne bei dir selbst und gehe dann zu den entferntesten Sternen, und von den Sternen bewege dich wieder auf dich selbst zu. Die Sterne sind deine Peripherie, und nur von dort aus kannst du dein Zentrum wiederentdecken. Das ist der Moment, in dem ein Mensch zu einem Erleuchteten wird, zu einem Buddha, einem Christus. Das ist der Moment, in dem er heimkehrt. Seine Pilgerreise ist zu Ende – die Pilgerreise der Liebe.
Ein junges Paar lernt sich in den Ferien kennen. Sie verlieben sich ineinander und beschließen zu heiraten. Der einzige Geistliche in der Gegend gehört zur örtlichen Nudistenkolonie. Als sie sich erkundigen, sagt man ihnen, daß der Geistliche und ein paar Mitglieder der Kolonie bereit wären, die Heiratszeremonie durchzuführen, wenn sie ihrerseits bereit wären, ihre Kleider auszuziehen und sich der Gruppe anzuschließen. Die beiden willigen freudig ein, und der Geistliche vollzieht die Zeremonie im Freien unter den Bäumen. Die Nudisten stellen sich in einer langen Reihe auf, die Männer auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite.
Als der Geistliche zur Braut sagt: »Nimmst du diesen Mann zu deinem rechtmäßig angetrauten Ehegatten?«, da schaut sie zuerst auf ihren Bräutigam und dann auf die lange Reihe attraktiver nackter Männer, und dann sagt sie: »Also, ehrlich gesagt, ich würde lieber diesen Mann dort am Ende der Reihe nehmen!«
Man muß die Liebe in all ihren Erscheinungsformen kennenlernen! Lege dich nicht zu schnell fest. Bewege dich frei innerhalb der ganzen Existenz. Liebe viele Männer, liebe viele Frauen. Nur so kannst du nach und nach herausfinden, mit welchem Menschen dein Herz Synchronizität verspürt. Es ist keine leichte Aufgabe. Kein Astrologe kann es für dich tun; kein Vater, keine Mutter kann es für dich tun. Es gibt keine andere Möglichkeit, als vieles auszuprobieren und Fehler zu riskieren!
Auszug aus Osho, The The Wild Geese and the Water 3. Kapitel