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Schon mal von Bob Lutz gehört? Wenn nicht, dann lohnt es den Namen kurz auf Wikipedia nachzuschlagen. Lutz war vor 50 Jahren einer der besten amerikanischen Tennisspieler und gewann im Doppel mehrmals die US-Open. Mit wem? Mit Stan Smith. Mit der Adidas-Ikone holte er insgesamt 37 Titel. Lutz erfährt späte Gerechtigkeit. Wie sein Kompagnon Stan Smith hat er seit kurzem seinen Schuh. Das Sneaker-Label Autry hat ein Modell herausgebracht, auf dessen Zunge Lutz als Schattenriss zu sehen ist. Statt wie bei Sam Smith nur das Konterfei abzubilden, hat Autry Lutz in Aktion verewigt und lässt ihn als schwarz-weisse Miniatur eine Rückhand schlagen.
Ran ans Netz, bloss keine Pause einlegen. Das US-Label, das seine Hochzeit in den 80er-Jahren hatte und das die drei italienischen Unternehmer Alberto Raengo, Marco Doro und Gino Zarelli wiederbelebt haben, hat sich trotz der Covid-19-Pandemie in atemberaubender Geschwindigkeit entwickelt. Bislang beruht der Erfolg auf einem einzigen Modell, dem Tennisschuh Medalist. In Weiss gehalten, breit geschnitten, eingefasst in eine hohe, gelbe Kautschuk-Sohle und verziert mit der US-Flagge fällt der Medalist auf, ohne dabei laut und extravagant zu wirken.
Damit die Erfolgssträhne nicht genauso schnell endet wie sie angefangen hat, bemüht sich das Gründertrio, Autry in eine Lifestyle-Marke zu verwandeln. Mit dem Dallas gibt es einen zweiten Schuh. 2022 wird eine Running-Silhouette nachgeschoben. Das Label hat das Sneaker Sortiment mit Bekleidung, Sweatshirts und T-Shirts in kleinen Kapseln erweitert.
Gründer Jim Autry starb im September 2009. Da keiner seiner Nachfahren offenbar ein Interesse hatte, sein Erbe weiterzuführen, verschwand Autry vom Markt. Wieder ausgebuddelt hat die Marke Alberto Raengo. Er ist ein passionierter Scout. Er spürte das Outdoor-Label Holubar auf, das ursprünglich aus Colorado stammt, und etablierte es im gehobenen Modehandel. Autry entdeckte er in den 80ern, als er monatelang mit seinem Rucksack durch die USA tourte. «Auf dem West Broadway in New York reihte sich ein Sneaker-Laden an den nächsten. Autry war damals überall», sagt Raengo. Als er Jahrzehnte später feststellte, dass die Marke nicht mehr registriert war, war der Weg frei.
Das Know-how für Sneaker bringt Marco Doro mit. Er baute Philippe Model auf und ging danach mit dem Label Ghoud an den Start. Er machte den indonesischen Produzenten ausfindig und lies ihn als Aktionär am Erfolg von Autry teilhaben. «Seitdem sind uns bei den Stückzahlen keine Grenzen gesetzt», sagt Doro.
Gino Zarelli brachte Raengo und Doro zusammen. Seine Sporen verdiente sich der leidenschaftliche Lazio Rom-Fan mit dem Product Placements. Bei Autry leitet Zarelli den Vertrieb. Von Anfang an achtet er darauf, Autry nur über einen kleinen Kreis an Top-Händlern zu verkaufen. Als Partner wählte er Agenturen wie Regis Billard in Frankreich, Four Marketing in Grossbritannien und Arcus Bässler in Deutschland aus. Und landete einen Volltreffer. Denn Bässler braucht kein Wikipedia, um zu wissen wer Bob Lutz ist. Sein Tennistrainer stand mal mit dem Amerikaner auf dem Platz.
«Autry ist viel mehr als nur Schuhe. Autry ist Bekleidung. Autry sind Düfte und Brillen. Das Sortiment lässt sich gut erweitern.»Marco Doro, Unternehmer Autry