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- Details
- Kategorie: V1
- Erstellt: Dienstag, 07. Juli 2020 00:00
- Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 14. Juli 2020 09:41
V1-Feuerstellung Wasserwerk 1
Siracourt; Département Pas-de-Calais
|Örtlichkeit||Detail||Situation||Abteilung||Nr.||Art|
|Siracourt||5 km W Saint-Pol||I||1||Ww|
«Wasserwerk 1» auch «Wasserwerk Saint-Pol» ist eine verbunkerte Anlage des Typs «Wasserwerk» und neben Brécourt (V2, später V1) das einzige Wasserwerk von dem noch namhafte Anlageteile zu sehen sind. Reste weiterer Wasserwerke finden sich in Lottinghen (V1), Couville-Martinvast (V1) und Sottevast (V2).
Die Bauweise der «Verbunkerung» oder «Erdschalung» wurde von den Deutschen entwickelt, um während der ständigen Bombardierungen dieser Baustellen einen weitgehenden Schutz der schon gebauten Anlagenteile und der Arbeiter zu erreichen.
Die Erstellung eines Bunkers dieses Typs erfolgte in 6 Schritten, wie aus nebenstehender Grafik zu ersehen ist. Zuerst wurden in flachem Gelände auf der Breite des zu erstellenden Bauwerks zwei Gräben ausgehoben und über die ganze Länge des Bauwerks in Form von Gängen betoniert. Nachdem diese mit der Randpartie der massiven Betondecke überdeckt waren, boten sie ersten Schutz. In einem dritten Schritt wurden die inneren Randbereiche ausgehoben und darauf die Deckensegmente betoniert. Als fünfter Schritt erfolgte die Betonierung des zentralen Deckenbereichs und als letzter Schritt der Aushub des Innenraums und dessen Auskleidung. Da direkt auf das massive Erdreich (resp. nur auf das Erdreich gelegte, leichte Wellbleche) betoniert werden konnte, erübrigten sich massive Schalungen, die das gesamte Gewicht der bis zu 5 m dicken Betondecke hätten tragen müssen.
Die Erschliessung der riesigen Baustelle erfolgte über einen normalgleisigen Anschluss an die bestehende Bahnlinie, die von Saint-Pol-sur-Ternoise nach Frévent führte → heute nicht mehr vorhanden.
Für den Betrieb von Wasserwerk 1 war eine leicht abgeänderte Zufahrt vorgesehen, die jedoch zum Zeitpunkt der Aufgabe des Bauwerks erst trassiert war.
Die Baustelle selbst war durch eine schmalspurige Bahnanlage erschlossen, um den umfangreichen Umschlag von Erdmaterial und Beton zu bewältigen.
«Wasserwerk 1» war im Bau weit fortgeschritten, als der Bunker am 25. Juni 1944 von der RAF auch mit Tallboy-Bomben angegriffen wurde. Die Angaben über die Auswirkungen des Tallboy-Angriffs sind widersprüchlich. Im Tagebuch des RAF Bomber Command ist von drei direkten Treffern die Rede. Die Auswertungsskizze der British Bombing Research Mission hingegen zeigt nur zwei Treffer, deren Auswirkungen auch heute noch sichtbar sind. An der Nordwestseite die Auswirkung einer Tallboy, welche die Bunkerdecke am Rand auf einer Länge von rund 25 m und einer Breite von etwa 8 m zerstört hat. Dazu der zugemauerte Treffer mitten in der Decke südlich der Öffnung für die Startrampe. Dieser Treffer konnte die Decke zwar nicht durchdringen, führte jedoch zu einer lokalen Absenkung derselben im Innenraum. Tatsache ist, dass das Bauwerk in der Folge dieser Beschädigungen und der Situation nach der Landung der Alliierten in der Normandie, kurze Zeit darauf aufgegeben wurde.
Die Bunkerdecke ist von der Nordwestecke her auf eigene Verantwortung zugänglich und leicht zu begehen, am Zugang zur Anlage erinnert eine Gedenktafel an die sowjetischen Kriegsgefangenen, die unter Aufsicht der Organisation Todt beim Bau eingesetzt wurden. Das Bunkerinnere wurde nie fertiggestellt, bzw. nie in Betrieb genommen, einzig im Raum beim Tor zur geplanten Startrampe wurde das Erdreich teilweise ausgehoben. Zwei ca. 1,2 m hohe Stichgänge führen von dort nordostwärts. Zum Teil sind an der Decke noch Reste von T-Trägern mit Holzschalungen sichtbar. Ebenfalls erkennen kann man Schalungsreste in den vergitterten Öffnungen der drei Lüftungsaufbauten.
Fragwürdig an diesem Konzept ist, dass die V1 vor dem Start zum Richten und Prüfen des Kompasses hätten ausserhalb des Bunkers verbracht werden müssen, es sei denn, man hätte eine interne Richtplatte genau ausmessen und kompensieren können. Nicht einleuchtend sind Darstellungen aus der Zeit nach dem Krieg, welche den Ansatz der Startrampe im Innern des Bunkers sehen wollen. Durch einen Start auf diese Weise wären die ganzen toxischen Gase welche beim Anlassen des Argus-Triebwerks und dem Aktivieren des Dampferzeugers entstanden wären, im Bunkerinnern ausgetreten. Die Startplattform müsste daher in der nur ca. 6 m tiefen Vorkammer ausserhalb des Panzertors gelegen haben.
Die z-förmigen Mauern im Öffnungsbereich sind ein nachträglicher Einbau den Briten von 1945. Und ein Overlay mit der 48 m langen Startrampe, fixiert am noch vorhandenen vordersten Pendelstützenfundament zeigt, dass der Geschützanker – und damit der Dampferzeuger – vor dem Panzertor gelegen hätte.
Eine Skizze der Alliierten im Sanders Report zeigt das Katapult auf einem Erdwall liegend. Für diesen Erdwall gibt es jedoch keine Hinweise oder Belege. Hingegen ist das vorderste Pendelstützenfundament noch vorhanden, also dürfte eine ganz normale Walter-Rohrschleuder 2,3 t geplant gewesen sein.
Keine der geplanten Anlagen mit innenliegenden Startplätzen war je in Betrieb, somit kann nicht gesagt werden, ob dieses Bauprinzip überhaupt funktioniert hätte. Im Gegensatz zu modernen, unbemannten Startkomplexen war ja für den Start der V1 eine Bedienungsmannschaft bis kurz vor dem Start am Startplatz tätig. Somit hätten die im geplanten, 20-minütigen Startrythmus anfallenden Abgase evakuiert werden müssen.