Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/568

Baccalaureus,
Titel von zweifelhafter Abstammung. Im Mittelalter bezeichneten neulat. baccalarius (vielleicht aus kelt. bachan, klein, jung), sowie frz. bachelier (provencal. bacular), woraus engl. Bachelor, sowie ital. baccelliere, span. bachiller ¶
forlaufend
und portug. bacharel entlehnt sind, seit etwa dem 9. Jahrh, den Inhaber einer baccalaria, d. h. eines ländlichen Grundstücks, das ihm der Grundherr gegen Zins geliehen hatte, also einen Hintersassen, ferner allgemein junge Leute und Mädchen, im Sinne unsers Burschen und Backfisch, dann Knappen, die den Ritterschlag noch nicht erhalten hatten, oder Edelleute, die, unvermögend, ein eigenes Banner zu führen, sich einem Bannerherrn anschlossen. Allmählich fand das Wort in der Gliederung der übrigen Stände zur Bezeichnung ähnlicher Rangverhältnisse Eingang. So gab es bacheliers d'église, d. i. Geistliche, welche die niedrigsten Würden bekleideten, während in den Zünften und zunftähnlichen Gemeinschaften diejenigen jüngern Mitglieder, denen die untergeordneten Geschäfte oblagen, bacheliers oder juniores hießen.
Als akademischer Titel wurde das Wort
Baccalaureus im 13. Jahrh, zu Paris
[* 3] und an andern Universitäten üblich zur Bezeichnung der Studenten,
die nach der Prüfung auch die Disputation während der Fastenzeit (determinatio) bestanden hatten und gewisse Vorlesungen
halten durften. In der philos. Fakultät blieb der
Baccalaureus von geringer Bedeutung, denn die determinatio schloß
nur die elementare Vorbereitung ab, eine größere gewann der Grad in den drei obern Fakultäten, in denen die Erwerbung des
Doktor(Magister-)grades mit langer Studienzeit und sehr bedeutenden Kosten verbunden war und sich viele mit dem Grade des
Baccalaureus oder Licentiaten begnügten (s. Universitäten). Auf engl. und franz. Universitäten hat sich noch viel von diesen Einrichtungen
erhalten. In Frankreich muß z. B. bacheleir ès lettres jeder werden, der in einer der vier andern
Fakultäten (Naturwissenschaften, Recht, Medizin, Theologie) den Grad eines bachelier erwerben will. Auch in Deutschland
[* 4] hat sich
dieser Titel noch an einigen Universitäten als Vorstufe für den Doktorgrad erhalten, ist aber ohne Bedeutung.
Vgl. Thurot, De l'organisation de l'université de Paris (Par. 1850);
Kaufmann, Geschichte der deutschen Universitäten, Bd. 1 (Stuttg. 1888).