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1898 wurde Elgar mit einem grossangelegten Werk für das 1900 stattfindende Birmingham Triennial Music Festival beauftragt und begann im Herbst 1899 mit der Komposition des «Dream of Gerontius». Die Uraufführung fand am 3. Oktober 1900 unter Leitung von Hans Richter in der Birmingham Town Hall statt, wurde aber wegen zu knapper Probezeit zu einem argen Misserfolg. Trotz der unzureichenden Aufführung erkannte jedoch ein Teil der Kritiker die musikalischen Qualitäten des Werks. Julius Buths, Direktor des Niederrheinischen Musikfests, verfertigte eine deutsche Übersetzung und in dieser Form wurde das Werk in Anwesenheit des Komponisten am 19. Dezember 1901 erfolgreich in Düsseldorf aufgeführt. Danach konnte es sich rasch durchsetzen und etablierte sich insbesondere in Grossbritannien dauerhaft im Repertoire (auch wenn es anfangs kritische Stimmen seitens der Church of England gegen Elemente des stark katholisch geprägten Textes gab). Heute gilt es als eines der Hauptwerke Edward Elgars und rangiert im angelsächsischen Raum hinter Händels Messias auf Platz zwei der Beliebtheitsskala. Elgar selbst erachtete «The Dream of Gerontius» als sein bestes Werk und wünschte sich, es möge in die Erinnerung der musikbegeisterten Menschen eingehen.
Das Oratorium basiert auf einem Gedicht des englischen Kardinals John Henry Newman und ist von der katholischen Vorstellungswelt geprägt. Hauptfigur ist der sterbende Gerontius, «ein Mensch wie du und ich», wie Elgar notierte, der nach seinem Tod in die Jenseitswelt eingeht.
Elgar straffte das lange Libretto auf etwa die Hälfte und teilte den Stoff in zwei Teile. Der erste Teil stellt das Diesseits ins Zentrum, wo der alte Gerontius im Sterben liegt. Kurz vor seinem Hinscheiden wird er von Glaubenszweifeln und Todesfurcht ergriffen, stirbt am Ende aber in ruhiger Zuversicht. Der zweite, gut doppelt so lange Teil schildert den Weg, den der Schutzengel – dem antiken Seelenführer gleich – mit Gerontius’ Seele im Jenseits geht.
Elgar, der sich vor allem Wagner und den Spätromantikern verpflichtet fühlte, setzte in «The Dream of Gerontius» Erfahrungen wie Todesangst und Glaubenszweifel, aber auch paradiesische Unbeschwertheit und den überwältigenden Anblick Gottes in eine Musik um, deren leicht wehmütige Schönheit unmittelbar zu berühren vermag.