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Entwicklung und Implementierung von Methoden zur räumlichen Erreichbarkeit in der Region Västra Götaland (Schweden)
Quantitative Methoden zur Berechnung der räumlichen Erreichbarkeit spielen bei der integrierten Bewertung von Verkehrs- und Siedlungssystemen eine zunehmend wichtigere Rolle
Um Städte und Regionen für die Bevölkerung attraktiv zu gestalten, ist, neben verschiedenen anderen Faktoren, die verkehrliche Anbindung der Wohnorte an diejenigen Orte, an denen Aktivitäten wie Arbeiten, Ausbildung, Einkaufen oder Unterhaltung stattfinden, ein zentraler Baustein. Im Sinne einer nachhaltigen Mobilität ist es wichtig, eine quantitative Bewertung der Mobilität für verschiedene Verkehrsträger (zu Fuss, Fahrrad, öffentlicher Verkehr, motorisierter Individualverkehr) durchführen und entsprechende Planungsentscheide ableiten zu können. Zur Beurteilung, wie gut also beispielsweise Einkaufsläden, Schulen, Naherholungsgebiete oder Gesundheitseinrichtungen für die Bevölkerung erschlossen sind, hat sich in den letzten Jahren das Konzept der räumlichen Erreichbarkeit etabliert. Es bildet einen integrierten Rahmen, um gleichzeitig siedlungsplanerische wie auch verkehrliche Aspekte eines Systems zu bewerten und verschiedene Entwicklungsszenarien miteinander vergleichen zu können.
Die Region Västra Götaland in Südwestschweden verfolgt im Rahmen eines grösseren Projektes in Zusammenarbeit mit der Universität Göteborg sehr ähnliche Ziele. Die Projektinhalte lassen sich grob wie folgt zusammenfassen: In einem ersten Schritt sollen Methoden entwickelt werden, mit denen die räumliche Erreichbarkeit für Gemeinden wie auch für die gesamte Region ermittelt werden können. Dabei stehen Fragestellungen aus den Bereichen Verkehr, Wohnen, Arbeit und Soziales im Vordergrund. In einem zweiten Schritt sollen Instrumente (GIS-basierte Tools, R-Code) zur Unterstützung der regionalen Planung entstehen. Neben der Entwicklung von Methoden und Werkzeugen soll mit diesem Projekt auch die Zusammenarbeit zwischen der regionalen Planungspraxis und der Wissenschaft explizit vorangetrieben werden.
Im Rahmen eines Teilprojektes wurden vom IDP Methoden zur räumlichen Erreichbarkeit entwickelt und implementiert. Neben den methodischen Zielen wurden, soweit möglich, frei verfügbare Geodaten genutzt und Open Source-Software Tools eingesetzt werden. Spezifische Daten zu Bevölkerung und Arbeitsplätzen wurden vom Auftraggeber Västtrafik (Verkehrsbetriebe der Provinz Västra Götaland) und anderen öffentlichen Stellen zur Verfügung gestellt.
Die Anwendung der Implementierung im Rahmen von Fallstudien konzentrierte sich zunächst auf die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen mit dem öffentlichen Verkehr, wobei für die Bevölkerungsverteilung mit einer Rastergrösse von einem Quadratkilometer gearbeitet wurde. Andere Aktivitätsklassen (Bildung, Einkaufen etc.) können ausgewählt und räumliche Auflösungen frei gewählt werden.
Im Projekt wurden verschiedene Methoden mit entsprechenden Masszahlen entwickelt. Ein relativ einfaches, aber gut kommunizierbares Mass ist die Gesamtzahl der Arbeitsplätze, welche innerhalb einer gewissen Zeit erreicht werden kann. Um dies ermitteln zu können, sind zunächst die Reisezeiten für alle bewohnten Orte zu den entsprechenden Arbeitsplätzen zu berechnen. Ein Beispiel einer Karte, in der die minimalen Reisezeiten zu den sechs grossen Zentren der Region dargestellt sind, wurde für die Jahre 2014 (Referenz, letztes Erhebungsjahr) und 2018 aufbereitet (siehe Abbildung oben) und fand, zusammen mit verschiedenen aggregierten Zahlen zur Veränderung zwischen den beiden Jahren, Eingang in den Jahresbericht 2018 der Verkehrsbetriebe.
Neben der Entwicklung und Implementierung der Berechnungsmethoden in der Programmiersprache R wurde, als weiterer Teil des Projektes, in Göteborg ein eintägiger Workshop (Präsentation der Projektergebnisse; praktische Schulung am Computer mit spezifischen Berechnungsbeispielen in R) abgehalten. Es nahmen 20 Personen aus unterschiedlichen Planungsbereichen der Stadt Göteborg, der Region, von Hochschulen und von Beratungsfirmen teil. Neben der Kommunikation der Projektergebnisse hatte der Anlass auch zum Ziel, dass die Teilnehmenden die neuen Methoden und Werkzeuge kennenlernen und selber ausprobieren können und dass die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen gefördert wird.