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Die Bürgerliche Vereinigung entstand Anfang der 1920er-Jahre als Gegenpol zur politischen Linken. Obwohl der Zusammenschluss bei den kommunalen Wahlen jeweils den gewünschten Erfolg brachte, kam es innerhalb der Vereinigung immer wieder zu Differenzen.
Nach dem Ersten Weltkrieg und den Generalstreiks von 1918 und 1919 war das politische Klima in der Schweiz angespannt. Die sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien rangen mit den bürgerlichen und konservativen um die Mehrheit in den politischen Behörden, so auch im Kanton Basel-Stadt. Zudem entdeckten die Parteien zu Beginn der 1920er-Jahre den Wahlkreis Riehen für sich und hofften, dort wichtige Stimmen für den Grossen Rat zu holen.
Im Vorfeld der Grossrats-Wahlen 1923 kam es zu diversen Parteigründungen, vor allem im bürgerlichen Lager. Bereits 1911 hatten sich die bürgerlichen Kräfte zu einer Dorfliste zusammengeschlossen, um einen politischen Gegenpol zu den linken Parteien zu bilden. 1923 wurde dann die ‹Bürgerliche Dorfliste› offiziell ins Leben gerufen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die LDP, FDP, EVP, CVP sowie die ‹Bürger- und Gewerbepartei›, die später mit der LDP fusionierte, und einige Parteilose. Hinter dem Zusammenschluss stand die Idee, alle bürgerlichen Kandidaten auf einer gemeinsamen Liste antreten zu lassen und die gewonnenen Sitze nach einem zuvor gemeinsam festgelegten Schlüssel unter den Parteien zu verteilen.
1940 schlossen sich auch die Vertreter des Landesrings der Unabhängigen (LdU) der Bürgerlichen Dorfliste an. 1948 wurde die ‹Dorfpartei Riehen› gegründet, die aus der vormals losen ‹Dorfgruppe Riehen› hervorging und ebenfalls der Bürgerlichen Dorfliste beitrat.
1951 kam es zu grösseren Konflikten. Die CVP und EVP traten aus der Bürgerlichen Dorfliste aus, da sie sich bei der listeninternen Sitzverteilung benachteiligt fühlten. Sie traten bei den Wahlen von 1951 mit eigenen Listen an und die Bürgerliche Dorfliste als ‹Bürgerliche Vereinigung›.
1953 kam es zur Auflösung der Bürgerlichen Vereinigung, weil auch FDP und LdU sich entschieden, mit eigenen Listen anzutreten. Ab 1954 schlossen sich wiederum bürgerliche Parteien unter dem Namen ‹Vereinigte Dorfliste› zusammen. 1966 konnten sie sich nicht mehr auf eine gemeinsame Liste einigen.
Autorin / Autor: Nils Widmer | Zuletzt aktualisiert am 8.1.2023
Raith, Michael: Aus der Geschichte des Gemeinderates von Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1969. S. 45–85.
Raith, Michael: Zweihundert Jahre gelebte Demokratie. In: Jahrbuch z’Rieche 1999. S. 4–37.
Raith, Michael: Zweihundert Jahre gelebte Demokratie. Die Jahre nach dem Krieg. In: Jahrbuch z’Rieche 2000. S. 40–53.
Zinkernagel, Robert: 50 Jahre Weiterer Gemeinderat Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1974. S. 45–80.
Raith, Michael: Kleine Geschichte der Riehener Parteien. In: Riehener Zeitung, 15.03.1974.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 215–219.
Vögelin, Hans Adolf: Von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart (1789–1970). In: Bruckner, Albert et al.: Riehen – Geschichte eines Dorfes. Riehen 1972. S. 319–410, hier S. 355f.