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Die Gewerbe, die hier präsentiert werden, und ihre Kontrolle durch die Zünfte zeigen die städtische Seite der Freiburger Wirtschaft im Ancien Régime. Sie spielt eine geringere Rolle als der Ackerbau und die Viehwirtschaft: dort hat vor allem der Greyerzerkäse eine überragende Bedeutung als hauptsächlicher Exportartikel.
Von 1500 bis 1800 arbeiten Handwerker und die wenigen Fabrikanten der Stadt in erster Linie für den eigenen Markt und zur Befriedigung von Grundbedürfnissen: sie schaffen Unterkunft, Nahrung und Kleidung. Zusammen mit etwas Werkzeug – Sensen, Waffen – und Devotionalien für die Frömmigkeit (Bücher, liturgische Gefässe, Kerzen, Bilder, Skulpturen) macht dies bereits den Grossteil der Freiburger Produktion aus. Verflossen ist die Zeit, in der die Stadt auf der Grundlage einer soliden Lederindustrie ein stattliches Wollgewerbe aufgebaut hatte; noch um 1450 verkauften die Leinen- und Wollweber ihre Produkte bis auf die Handelsplätze des Orients! Ab 1500 bietet jedoch das Kriegshandwerk mit den Fremden Diensten zwar riskante, aber verlockende Gewinnmöglichkeiten und wird zum Hauptverdienst jener Freiburger, die auf dem Bauernhof oder in der Alphütte keine Arbeit mehr finden.
Die berufstätigen Städter gehen ihrer Arbeit im Rahmen einer Zunft (in Freiburg auch «Abbaye») nach, die den Zugang zur Ausbildung und zur Ausübung des Handwerks reglementiert wie auch Qualitätsnormen, Preise und Konkurrenz regelt. Es handelt sich dabei jedoch nicht bloss um einen Berufsverband, der Meister, Gesellen und Lehrlinge vereinigt.
Die Zunft ist nämlich auch eine religiöse Bruderschaft; sie steht unter dem Schutz eines himmlischen Patrons, im Fall der Schmiede des heiligen Eligius, des heiligen Theodul bei den Steinmetzen usw. Jede Zunft besitzt einen Altar in der Stiftskirche oder in einer Klosterkirche (Franziskaner, Augustiner); sie stiftet Messen und Jahrzeiten für ihre Mitglieder; daneben nimmt sie an den feierlichen Zeremonien teil und tritt besonders an Prozessionen mit ihren monumentalen Tortschen auf (mehrere dieser Kerzenstangen sind im Saal 19 ausgestellt). Daneben hat die Zunft auch eine militärische Bedeutung («Reisgesellschaft»): sie muss der Stadt eine bestimmte Anzahl kriegstüchtiger und bewaffneter Männer stellen.
Im Unterschied zu Basel oder Zürich spielten die Freiburger Zünfte politisch nie eine wichtige Rolle. Vergessen sind sie aber bis heute nicht: mehrere von ihnen existieren noch immer und pflegen ihre geselligen Bräuche weiterhin.
Metzgerbeil, 1806
Unbekannt
Stahl, Holz
Über Jahrhunderte war Fleisch neben Brot das wichtigste Grundnahrungsmittel. Die Metzgerei lieferte aber auch andere unentbehrliche Rohstoffe: Häute, Talg, Horn. In Freiburg wurden die Tiere im städtischen Schlachthaus geschlachtet; das Fleisch verkaufte man auf einem zentralen Fleischmarkt. Noch heute erinnert der Name «Metzgergasse» an diese Orte.
Zinnpokal, 1582
Adam, Wuilleret
Zinn, Bronze oder Messing
Adam Wuilleret, der Vater des Malers Peter Wuilleret, war 1576 nach Freiburg gekommen und als Zinngiesser in die Schmiedezunft eingetreten. Den Pokal, ein Prunkstück, schuf er 1582 im Auftrag des Freiburger Baumeisters und des Werkmeisters – des Leiters der städtischen Bauarbeiten – wohl für die Zunft der Steinhauer oder jene der Zimmerleute.
Teller mit Wappen der Familie Küenlin, vers 1766 Inv. MAHF 2346, 2347
François, Camélique (Zuschr.)
Fayence
Das Essgeschirr einfacher Leute bestand während langem aus Ton, jenes wohlhabender aus Zinn. Um 1750 kam in vermögenden Haushalten die Fayence auf, eine feine, oft bemalte Keramik, die dem eleganten Geschmack der Zeit entsprach. Unsere Teller gehören zu einem grossen Service, der von einer Freiburger Manufaktur hergestellt wurde.
Kasten der Weissgerberzunft, 1758
Unbekannt
Nussbaumholz
In einem verschliessbaren Kasten bewahrte die Zunft ihre Mitgliederliste auf. Die Liste konnte man auswechseln und auf den neuesten Stand bringen. Der Kasten ist von einer Lünette mit dem Zunftzeichen, dem Wilden Mann, bekrönt. Er hält in der einen Hand eine Keule, mit der andern das Zunftwappen (zwei gekreuzte Gerbmesser).
Fahne der Schmiedezunft, um 1550
Hans Schäufelin d. J.?
Leinen, Tempera
Es handelt sich um die älteste erhaltene Fahne einer Freiburger Zunft. Auf blauem Grund mit Sternen sind die Zeichen der Schmiedezunft gemalt: der Hammer, die gekrönte Schlange und die Zange mit dem glühenden Eisen. Möglicherweise wurde diese Fahne von Hans Schäufelin d. J. geschaffen, der von 1542 bis 1564/1565 Freiburger Stadtmaler war.
Schild der Schuhmacherzunft, um 1760
Jacques-David, Müller
Silber
Zu einer Freiburger Zunft gehörte auch ein Weibel. Bei offiziellen Anlässen trug er einen Mantel, an dem ein kleines Metallschild mit dem Wappen oder dem Bild des Schutzheiligen seiner Zunft befestigt war. Auf dem Schild der Schuhmacher, einem Werk von Jacques-David Müller, sind die Zunftheiligen Crispin und Crispinian dargestellt.
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