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Indem ich die Ehre habe, Ihnen den Empfang des politischen Berichtes No 40, vom 23. d. Mts. (Schreiben des Herrn Ritter, vom 19. October d.J.)2 dankend zu bestätigen, will ich nicht unterlassen, Ihnen, Ihrem Wunsche gemäss, meine Ansicht betreffend die gedachte Eventualität, soweit ich dieselbe momentan zu beurtheilen vermag, in Kürze zur Kenntniss zu bringen.
Vor der Hand habe ich den Eindruck, der fragl. H. Sulzberger habe auch seine Reise nach Tokio und die Unterredungen mit dem japanischen Marquis Nembrini de Gonzoga mehr aus eigener Initiative unternommen, als in Folge eines positiven Auftrags seines Chefs. Und selbst wenn ein solcher Auftrag Vorgelegen hätte, könnte ich mich bis auf weiteres nicht veranlasst sehen, diese Mission Sulzbergers in dem Grade ernst zu nehmen, dass mir die Eventualität einer offiziellen oder offiziösen Demarche der betheiligten Regierungen bei dem Herrn Bundespräsidenten, zum Zwecke der Übernahme der Arbitrage, als wahrscheinlich erscheinen würde.
Zu dieser Auffassung gelange ich aus folgenden Gründen:
2.) Möchte ich doch sehr bezweifeln, dass die massgebenden Kreise des grossen chinesischen Reiches für die gedachte Arbitrage – wenn überhaupt eine solche tendiert werden sollte – die Schweiz, über deren Existenz man in China noch sehr unbestimmte Begriffe haben dürfte, in Aussicht zu nehmen gedenken.
3.) Spricht auch der Umstand gegen die in Frage liegende Eventualität, dass China, ja bereits die Mediation verschiedener Grossmächte und im besondern auch diejenige der Vereinigten Staaten Nord-Amerikas angerufen hat und dass das Washingtoner Cabinet in der That geneigt zu sein scheint, die von ihm erbetene Vermittlung eintreten zu lassen.
Es will mir also scheinen, die Sachen liegen dermalen so, dass Sie keinen Anlass haben, der Frage jetzt schon näher zu treten, ob und wie ein eventuell offiziell an Sie gelangendes Gesuch um Übernahme der Arbitrage zu berücksichtigen wäre.
Nicht verhehlen will ich immerhin jetzt schon, dass nach meinem Dafürhalten – bessere Belehrung Vorbehalten – in casu unserer Übernahme der schiedsrichterlichen Rolle verschiedene gewichtige Bedenken prinzipieller und praktischer Natur entgegenstehen würden.
Von einer einlässlichen Meinungsäusserung glaube ich indes, abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit des Eintretens der von H. Sulzberger ins Auge gefassten Eventualität, auch darum zur Zeit Umgang nehmen zu müssen, weil wir ja überhaupt noch gar nicht wissen, wie sich die Situation bis zu dem Momente gestalten wird, in welchem man zu dem fraglichen Zwecke an die Schweiz zu gelangen allenfalls beabsichtigen könnte und ebenso wenig, welche Fragen die kriegführenden Partheien der Arbitrage zu unterstellen gewillt sein dürften.