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Ja, ich gebe es zu. Ich war heute morgen nervös. Ich habe Sonntag vorbereitet und mit meinem Mann die Situation «Blöde IV-Fragen» geübt. Lilly hat mir ja gesagt, ich soll mich gut auf die Abklärung vorbereiten, gut zu mir schauen und mich schützen.
Auch habe ich meine schwarze «Geschäftsjacke» angezogen.
Daniel und ich waren ein bisschen zu früh da. Unsere Dolmetscherin war schon da. Wir gingen in den ersten Stock zum Empfang. Nach etwa zwanzig Minuten wurden wir von einem Angestellten der Gewa abgeholt und zu einem Sitzungszimmer geführt. Dort warteten zwei Angestellte der Invalidenversicherung auf uns, Frau Grün und Frau Grau. Wir waren zusammen sechs Personen. Die Besprechung fing etwa eine Viertelstunde zu spät an.
Der Gewa-Angestellte fragte mich, ob ich etwas zu trinken möchte, und ich: «Nein Danke, ich habe mein eigenes Wasser dabei!» Ich baute meinen Platz um mich auf: Mäppchen, eine Flasche Wasser und mein Etui und knallte dabei die Sachen auf den Tisch. Das war schon etwas frech. Ich wollte mich einfach schützen und Stärke zeigen. Ich übernahm gleich die Führung und sagte: «Könnt ihr bitte euch kurz vorstellen, was eure Aufgabe ist?»
Nach der Vorstellungsrunde hat Frau Grau viele Fragen gestellt. Kann ich selber Kleider anziehen? Kann ich putzen? Kann ich Treppen steigen rauf und runter? Dann bekam ich die Aufgabe Büroklammern mit der linken und der rechten Hand aufzunehmen und etwa fünf Briefe einzupacken. Auch wollte sie wissen, wo ich und was ich gearbeitet habe, und warum ich die Stelle gewechselt habe. Meist waren es Kommunikationsprobleme. Ich sagte, dass die Kommunikation schwierig sein werde, ich werde viel aufschreiben müssen.
Dann kam das Thema Hörgeräte. Ich erklärte, dass ich auch mit Hörgeräte nicht alles verstehe. Dann fragte sie, warum ich überhaupt Hörgeräte trage. Ich bräuchte ja trotzdem Dolmetscher! Mein Mann erklärte, dass Hörgeräte Hilfsmittel sind, um die Lautsprache zusammen mit dem Ablesen besser zu verstehen. Er hat vorgeschlagen, dass die Invalidenversicherung einen Kurs bei Procap bestellt, um Hörbehinderung besser zu verstehen.
Zum Schluss verlor ich etwas die Nerven und fragte laut1: «Warum so viele Fragen?» Die Antwort war, die IV brauche halt Grundlagen, um richtig entscheiden zu können. Bei mir sei aber jetzt schon klar, dass eine komplette Streichung meiner Rente nicht Sinn mache2.
Ich bekam dann die Abklärungsvereinbarung rechts zum Unterschreiben. Es geht um die Mitwirkungspflicht für die Invalidenversicherung. Mein Mann erklärte mir: Die Vereinbarung wiederholt nur, was schon im Gesetz steht. Ich müsse bei den Massnahmen aktiv mitmachen und Auskunft geben. Die Unterschrift sei nur eine Formsache.
Danach demonstrierte mein Mann kurz die Website AMA-Bericht auf seinem Laptop. Für mich ist es wichtig, dass alle Beteiligten über unser Projekt Bescheid wissen. Mein Mann sagte mir, dass sie interessiert waren und uns lobten.
Danach gab es einen kleinen Rundgang. Es war inzwischen schon Mittag. Die Werkstätte wird über Mittag abgeschlossen, darum war niemand da. Es gibt extra (fensterlose) Ruheräume für die Mittagspause. Mir wurde mein zukünftiger Arbeitsplatz für die Abklärung im Grossraumbüro gezeigt. Morgen früh um 8 Uhr soll ich direkt dorthin gehen, ohne Dolmetscherin. Ein Dolmetscheinsatz ist erst für das Schlussgespräch für die Invalidenversicherung in rund vier Wochen, am 23. Februar 2012, wieder vorgesehen.
1«Laut» gibt es auch in Gebärdensprache.
2Frau Grün hat das geschraubter formuliert. Mein Mann hat es so verstanden, dass die Damen von der IV bereits jetzt schon, vor dem eigentlichen Beginn der Abklärung, denken, dass mein Invaliditätsgrad nicht tiefer als 40% eingeschätzt werden könne. Ich bin nicht sicher, ob er richtig verstanden hat. Er meint, egal was kommt, ich würde irgendetwas zwischen einer Viertel- und einer vollen Rente bekommen. Ein völliges Streichen der Rente sei definitiv ausgeschlossen. Die IV-Mathematik ist etwas speziell. Vielleicht macht Daniel mal eine Übersichtsseite darüber.