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bedingen Steilheit der Schichten, Unverwitterbarkeit, besonders Quarzreichtum des Gesteins die scharf gezeichneten, nadelförmigen und pyramidalen Felskämme und Gipfel, die namentlich die Westalpen charakterisieren, während dagegen die aus leichter verwitterndem Schiefer bestehenden Berge sanftere und gerundete Formen zeigen. In den Kalkalpen herrscht bei allen Veränderungen, welche die Schichtenstellung durch Störungen erfahren hat, immer noch die Neigung zur Hochflächenbildung vor (die an manchen Punkten so charakteristischen sogen. Karrenfelder mit ihren tiefen Furchen und trichterartigen Löchern und den scharfen Gebirgsrippen scheinen diese Form durch Erosion [* 2] erhalten zu haben); aber durch die ausgedehnte Zerstörung mächtiger Felsmassen sind oft die pittoreskesten Felsbildungen, Türmen und Ruinen ähnelnd, entstanden, die zu den interessantesten Bergformen des Hochgebirges gehören.
Man hat schon früh das Bedürfnis gefühlt, die [* 3] in verschiedene Teile zu teilen, und die alte Trennung derselben in die westlichen (französischen), mittlern (Schweizer) und östlichen (deutschen) Alpen empfiehlt sich, obschon sie nur auf die politischen Verhältnisse begründet ist, dennoch, da auch in der Bildung dieser Abteilungen bestimmte Verschiedenheiten hervortreten. Die westlichen Alpen unterscheiden sich von den übrigen durch ihre Richtung gegen N., die östlichen von den mittlere durch ihre größere Breite [* 4] und dadurch, daß in ihnen und zwar je weiter gegen O., desto mehr die Hochflächenbildung hervortritt. Jede derselben zerfällt dann wieder in kleinere Abteilungen. - In den
westlichen Alpen
unterscheidet man gewöhnlich vier kleinere Abteilungen. Den Südostteil derselben bilden die Seealpen, zwischen der lombardischen Ebene und dem Thal [* 5] des Verdon, zu denen vor allem die hohe, steil zur Ebene abfallende und bis zur Quelle [* 6] der Stura gegen NW. ziehende Gebirgskette gehört, deren höchste Gipfel die Cima dei Gelas (3188 m), Cima di Mercantour, Monte Tenibres, Monte Palat sind, und welche der fahrbare, Nizza [* 7] mit Turin [* 8] verbindende Paß [* 9] des Col di Tenda durchschneidet, über den die italienische Regierung eine Eisenbahn zu legen beabsichtigt. Im SW. dieser Kette breitet sich um das Thal des Var ein weniger hohes Gebirge aus, das westlicher mit den durch das Längenthal des Argens getrennten Ketten der Monts d'Esterel und Monts des Maures zusammenhängt.
Nördlich vom Thal der Stura und Ubaye beginnen die Kottischen Alpen, ein Land voller Berge und Bergzüge ohne bestimmte Richtung, welche die Thäler der Durance und des Drac umschließen, und über deren steil gegen O. sich herabsenkenden und von den Quellthälern des Pogebiets durchschnittenen Abhang der fahrbare, Briançon mit Susa verbindende Paß des Col de Genèvre führt, während sich südlicher isoliert der Monte Viso erhebt; die westlichen Abhänge dieses Gebirgslands zum Rhônethal sind weniger steil als die östlichen. Die bedeutendste Höhe erreicht in den Kottischen Alpen die Berggruppe des Pelvoux im S. des fahrbaren, von Grenoble [* 10] nach Briançon führenden Col de Lautaret, deren höchster Gipfel der Ecrins oder Pic des Arsines (4103 m) ist.
Die Grajischen Alpen beginnen mit einer hohen, nach ONO. ziehenden Gebirgskette zwischen den Thälern des Arc und der Dora Riparia; in ihrem Westteil liegen die Grandes Rousses (3478 m), östlicher führt über sie der berühmte, Grenoble und Turin verbindende Paß des Mont Cenis, und 21 km westlich davon durchschneidet die Eisenbahn im Tunnel [* 11] unter der Pointe sur Fréjus das Gebirge. Nördlich von dieser Kette liegt das Thal des Arc (die Landschaft Maurienne), und wieder nördlich von diesem erhebt sich eine andre, jener Kette parallel ziehende (mit dem Grand Paradis von 4052 m und der Becca di Nona), die im N. von den Thälern der Isère (der Landschaft Tarantaise) und der Dora Baltea begrenzt wird; beide Flüsse [* 12] sind an ihren Quellen durch eine hohe, gegen NW. ziehende Bergkette geschieden, über die der fahrbare Paß des Kleinen St. Bernhard von Grenoble nach Aosta führt.
In den darauf folgenden Savoyer Alpen erhebt sich zuerst die kolossale Gebirgsmasse des Montblanc, die höchste der ganzen Alpen, ein gegen NO. sich erstreckender Gebirgszug, dessen mit großen Gletschern bedeckter Kamm nirgends unter 3000 m herabsinkt, in welchem sich der Montblanc (4810 m) und die durch ihre zackigen, pyramidalen Gipfel ausgezeichneten Aiguilles (Aiguille Verte, Aiguille de Dru etc.) erheben. Diese Bergmasse wird im S. von den Quellthälern der Dora Baltea (der nach den vielen Gletschern benannten Allee Blanche), im N. von dem Quellthal der Arve, dem weltberühmten Thal Chamonix, begrenzt; von dem letztern endlich senkt sich das Hochgebirge (in der Landschaft Chablais) allmählich zum Genfer See herab, durch das Thal von Sixt in zwei Teile getrennt, in deren südlichem sich der Buet und weiter nördlich der Dent du Midi erheben; noch allmählicher ist die Senkung nach W. über die untere Arve gegen das Rhônethal hin.
Die Mittlern oder Schweizer Alpen
zerfallen zunächst in zwei Teile, den südlichen, welcher die höchsten Ketten des Gebirges umschließt, und den nördlichen oder die Schweizer Voralpen. Die erstern lassen sich wieder in vier Abteilungen scheiden. Die nördlichste bilden die Berner Alpen, eine gegen ONO. ziehende Gebirgsmasse, die am Westende nur durch den engen Paß von St. Maurice, durch den der Rhône zum Genfer See hindurchbricht, von dem Dent du Midi getrennt ist und im O. an der Quelle des Rhône mit der Masse des St. Gotthard unmittelbar zusammenhängt.
Nur Saumpfade (der Paß der Gemmi, der der Grimsel) führen über den Kamm des Gebirgszugs, dessen großartigster Teil der östliche, mit mächtigen Gletschern bedeckte ist, über den sich die höchsten Spitzen (das Finsteraarhorn 4275 m, das Aletschhorn, die Jungfrau, der Mönch, Eiger, das Schreckhorn) erheben. Zum Brienzer und Thuner See hin senken sich von dieser Gebirgsmasse zugängliche Thäler. Am berühmtesten sind die von Grindelwald und Lauterbrunnen, welche das Berner Oberland im engern Sinn, das Gebiet zwischen den genannten Seen im N., dem Thal der obern Aare (Hasli) im O. und dem der Kander im W., erschließen.
Durch das Grindelwaldthal wird von der Hauptmasse der Berner Alpen eine Berggruppe geschieden, in der das durch seine Aussicht auf die südlich davon gelegenen Gletscher berühmte Faulhorn (2683 m) hervorragt. Niedriger als im O. ist der Kamm der Berner Alpen im W.; hier gilt als höchste Spitze das Wildhorn (3264 m). Die Südseite senkt sich steil und schnell zu dem Längenthal des obern Rhône, der Landschaft Wallis, herab. Südlich vom Rhônethal erhebt sich die noch kolossalere Gebirgsmasse der Penninischen oder Walliser Alpen, die, im W. ¶
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mit der Masse des Montblanc zusammenhängend, nach O. bis zur Quelle der Anza zieht und nur einen einzigen gangbaren Paß, den Saumpfad des Großen St. Bernhard, im Westteil enthält, während weiter im O. der Kamm von den gewaltigsten Gletschern überlagert ist. Über diese erheben sich die höchsten Gipfel am Ostende [* 14] des Gebirgszugs (Monte Rosa mit der Dufourspitze 4638 m, Matterhorn, Weißhorn). Nach S. sinken diese Berge steil und schroff zum Thal der Dora herab, nach N. zum Rhône allmählicher und mit längern Armen, welche große und schöne Thäler (das Bagne-, Eringer und Vispthal) umschließen. Ganz im O. erstreckt sich zwischen den beiden Armen des letzten Thals vom Monte Rosa aus die hohe Kette der Mischabelhörner (mit dem Domhorn) nach N., und ihr parallel zieht eine ähnliche Kette (mit dem Fletschhorn) an der Ostseite des Saasthals nach N. bis zum Rhône.
Östlich davon beginnen mit dem fahrbaren Paß des Simplon die Lepontinischen Alpen. Im O. durch die Einsenkung des Splügen und das Hinterrheinthal mit der Via mala, im N. durch die Thäler des obern Rhône, die Gebirgsmasse des St. Gotthard und das Vorderrheinthal begrenzt, breiten sie sich gegen S. bis zum Lago Maggiore und Comersee aus. Die Thäler der Tosa und des Tessin sondern aus dieser Masse Gebirgsgruppen aus, die man wohl unter dem Namen Tessiner Alpen zusammenfaßt; sie enthalten zwar noch am Nordufer des Lago Maggiore Gipfel von über 2000 m, erreichen jedoch die Schneegrenze nur in ihren nördlichsten Teilen.
Zwei Alpenketten schließen sich im N. an diese Gruppe an, von denen die eine vom Simplon bis zum St. Gotthard reicht, mit den höchsten Gipfeln Monte Leone (3565 m) und Basodine, während die andre unter dem Namen Adula-Alpen vom St. Gotthard aus sich nach O. bis zum Splügen hinzieht. In diesem Teil, zwischen dem Rheinthal im N. und den Seen im S., ist die höchste Erhebung das Rheinwaldhorn (3398 m). Nördlich vom Thal des obern Tessin (Val Bedretto) liegt die zentrale Masse des St. Gotthard mit dem berühmten Paß gleichen Namens, unter dem jetzt durch einen Tunnel eine Eisenbahn gebaut ist; sie wird im N. von dem Thal der obern Reuß [* 15] (dem Urserenthal) begrenzt, das durch zwei fahrbare Pässe, den Furkapaß mit dem Thal des Rhône und den Oberalppaß mit dem des Vorderrheins, verbunden ist. Im O. schließen sich an die Lepontinischen die Rätischen Alpen (Graubünden) an, welche durch das Längenthal von Chiavenna bis Landeck (Bergell und Engadin, durch den fahrbaren Malojapaß miteinander verbunden) in zwei Abschnitte geteilt werden.
Der nördliche Teil der Rätischen Alpen, zwischen Inn, Rhein und der Arlbergstraße von Landeck bis Feldkirch, hat nur wenig ausgedehnte Schneeflächen; doch übersteigen noch eine Reihe von Gipfeln 3000 m. Die höchsten Erhebungen liegen in einer am südlichen Rand sich hinziehenden Kette (Piz Kesch 3422 m, Piz Linard in der Silvrettagruppe, Piz d'Err). Mehrere fahrbare Pässe, zu denen vom Rhein her Querthäler führen, übersteigen den Kamm, wie Julier, Albula, Flüela, welche die Verbindung mit dem Engadin unterhalten.
Vom Zentrum des nordrätischen Kammes (der Silvrettagruppe) zieht sich nach NW. zwischen den Thälern Montafun und Prättigau das Rätikon mit der Scesaplana (2968 m) hin. Die südliche Abteilung der Rätischen Alpen zieht sich von der untern Maira nach NO. bis zur Reschenscheideck; sie ist besonders ausgezeichnet durch die von großen Gletschern umgebene Gebirgsmasse des Bernina (der Rosso di Scerscen 4052 m), an deren Ostseite der gleichnamige fahrbare Paß nach dem Veltlin, dem an der Südseite dieser Kette gegen SW. und W. bis zum Comer See sich erstreckenden Längenthal der Adda, führt, an dessen Südseite sich als selbständige Gruppe die Bergamasker Alpen erheben, deren höchste Kette (Monte Redorta 3039 m) sich der Adda nahe gegen O. ausdehnt, während ihre südlichen Verzweigungen sich zur lombardischen Ebene hinabsenken und im O. durch das Ogliothal (Val Camonica) von den Bergen [* 16] Westtirols getrennt werden.
Die Schweizer Voralpen breiten sich vor den Abhängen der Berner und nördlichen Rätischen Alpen aus und reichen im N. bis an die Schweizer Ebene und den Bodensee. Den Hochgebirgscharakter zeigen sie nur hier und da und mehr isoliert; sie werden von einer Reihe schöner Thäler, die abwechselnd Quer- und Längenthäler (die letztern mit großen Seebecken) bilden, vielfach durchschnitten und erhalten dadurch die Mannigfaltigkeit und Abwechselung, welche ihnen so großen Ruhm verschafft hat. Die Hauptthäler sind die der Aare, Reuß, Linth mit dem Züricher und Wallensee und des mittlern Rheins; durch diese zerfallen sie in sechs Abteilungen.
Die westlichste, zwischen der Ebene, dem Thal der Simme und dem Ostende des Genfer Sees, die Freiburger Alpen (mit dem Vanil Noir 2386 m, dem Stockhorn und dem Moleson), die in der Mitte vom Thal der Saane durchschnitten werden, zeigt nirgends die Natur des Hochgebirges. Nördlich vom Thuner und Brienzer bis zum Vierwaldstätter See liegen die Emmenthaler Alpen (das Brienzer Rothorn 2351 m, der Pilatus), über welche der fahrbare Paß des Brünig zum Brienzer See führt; sie werden von den Thälern der beiden Emmen, der zur Reuß und der zur Aare fließenden, durchschnitten und senken sich gegen NW. zur Ebene herab. Im O. folgen darauf die Urner Alpen, die von der Aare bis zur Reuß und im N. bis zum Vierwaldstätter See reichen, in der Mitte von einer Kette mit sehr hohen Gipfeln (dem Dammastock 3633 m, dem Galenstock, dem Titlis) durchzogen, die von der Rhônequelle sich gegen N. ausdehnt.
Im O. der Urner Alpen breiten sich nördlich vom Vorderrhein die Glarner Alpen aus, die bis zum Linththal und den Ufern des Wallensees reichen; sie haben noch an mehreren Punkten die Hochgebirgsnatur (der Tödi 3623 m, das Scheerhorn, der Piz Sol) und werden von den Thälern der Sernf und einigen Zuflüssen des Rheins durchschnitten. Nordwestlich davon liegen im W. des Thals der Linth und zwischen dem Vierwaldstätter und Züricher See die Schwyzer in denen die Bildung des Hochgebirges nur noch im Ostteil hervortritt (der Glärnisch 2919 m); zu ihnen gehört im Südwestteil die durch das Thal des Lowerzer Sees ganz von den übrigen Bergen geschiedene Gebirgsmasse des Rigi zwischen dem Zuger See im N. und dem Vierwaldstätter See im S., der sich zwar nur zu 1800 m erhebt, aber als Aussichtspunkt so hochberühmt ist. Nördlich von dem durch Thäler mit dem Züricher See wie mit dem Rheinthal verbundenen Wallensee erhebt sich, dadurch ganz von den südlichern Bergen geschieden, das Gebirgsland der Appenzeller (der Säntis 2504 m, die Churfirsten), im N. und W. von den allmählich zur Ebene sich senkenden Höhen umgeben, welche die Thäler der Thur und Töß einschließen. ¶