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Delonte West ist der schillerndste Maverick. Waffen und bunte Hobbys machen ihn berühmt. Für Carlisle ist er eine Schlüsselfigur.
Delonte West war 2007 Teil des Trades, der Ray Allen nach Boston brachte
Von Eric Böhm
München - Er ist ohne Frage der schillerndste Akteur im Kader Dallas Mavericks: Delonte West ist immer für eine Extravaganz gut.
Der Hobby-Maler und Gelegenheits-Rapper steckt schon einmal einem Gegenspieler den Finger ins Ohr, erklärt auf "YouTube" seine Tattoos oder twittert das Bild eines deutschen Hotel-Bidets.
Bei Dirk Nowitzki und den anderen Teamkollegen ist der auf beiden Guard-Positionen einsetzbare 29-Jährige extrem beliebt.
Das gilt auch für Coach Rick Carlisle, der besonders seine Defensivqualitäten schätzt und ihm auch kleine Ausrutscher verzeiht.
"Er ist ein guter, aber auch ein besonderer Spieler. Die meisten Jungs in der NBA laufen mit Benzin, Delonte ist ein Diesel. Wir müssen ihm helfen, dann wird er für uns noch extrem wichtig sein", sagt Carlisle.
Psychische Krankheit plagt West
Die Suspendierung nach einem Ausraster in Folge des Testspiels gegen Houston hob der Meistertrainer von 2011 schnell wieder auf, denn er weiss, wie er mit West umgehen muss.
Der Paradiesvogel leidet seit seiner Kindheit an einer bipolaren Störung der Psyche, die extreme Stimmungsschwankungen, Wahrnehmungsstörungen oder unerklärbare Handlungen auslösen kann.
"Ich muss ständig versuchen, meine Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Das gelingt mir nicht immer, aber ich arbeite ständig daran", bestätigt West, dem einst eine Affäre mit der Mutter von Ex-Kollege LeBron James angedichtet worden war.
Ärger mit dem Gesetz
Im September 2009 gelang ihm das nicht. In Maryland wurde West damals mit zwei Pistolen und einem Gewehr bewaffnet auf einem Trike von der Polizei gestoppt.
Keine der Waffen war registriert - D-West wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und musste eine Fussfessel tragen.
Nach seinem Wechsel zu den Mavs konnte er deshalb 2011 in Texas zunächst keine Wohnung mieten und übernachtete in seinem Auto oder gleich im American Airlines Center.
Carlisle ist ein Fan
Bis zu der kurzen Suspendierung galt West bei den Mavericks als eine der wenigen positiven Überraschungen der letztlich schwachen vergangenen Saison.
Als wertvoller Bankspieler überzeugte er mit giftiger Verteidigung, sicherem Ballhandling und durchschnittlich fast zehn Punkten pro Partie.
Der enge Draht zu Carlisle hielt das Enfant terrible im Zaum. Entsprechend machte sich der Coach für eine Vertragsverlängerung mit seinem "Ziehsohn" stark.
Wichtige Rolle im neuen Team
Der Zoff nach dem Rockets-Spiel wurde dann auch bei einem Vier-Augen-Gespräch ausgeräumt.
"Es war wie bei einem Familien-Barbecue. Onkel Ricky hat die Situation geklärt. Wir wollen die Sache nicht nach draussen tragen", erklärt West mit einem Augenzwinkern.
Angesichts von acht neuen Akteuren, Nowitzkis Ausfall zum Saisonstart sowie den Abgängen der Führungsspieler Jason Kidd und Jason Terry muss er nun auch mehr Verantwortung übernehmen.
"Ihm kommt eine Schlüsselrolle zu. Er kennt unser System und spielt seit 2004 in der NBA. Er wird für die neuen Guards eine Stütze sein", verspricht Carlisle.
Hilfe für Starter
Dessen "Flow-System" fast ohne feste Spielzüge ist für die designierten Starter Darren Collison und O.J. Mayo Neuland. West ist nun der erfahrenste Aufbauspieler im Kader.
"Delonte bringt uns sehr viel Flexibilität. Im Angriff kann er von überall treffen und als Point Guard Regie führen. Defensiv ist ohnehin auf ihn Verlass", gerät Carlisle fast ins Schwärmen.
Hilft West den Mavericks, in der starken Western Conference wieder Anschluss an die Spitzenteams zu finden, wird der Cheftrainer zumindest über kleinere Eskapaden weiter gern hinwegsehen.