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Mauzis Leben
Mauzi, eine rotweiße Hauskätzin, wurde am 14. April 1995 auf einem Bauernhof in Sursee geboren. Zusammen mit ihrer Schwester Flumi, einer halbangora-Katze, wurde sie von uns adoptiert und wohnte fortan an der Baumgartenstraße in Seengen. Flumi wurde bereits nach zwei Jahren bei ihren Streifzügen von einem Auto überfahren. Ein Jahr später adoptierten wir eine andere Angorakatze, die Flumi sehr ähnelte. Sie wurde von Mauzi vom ersten Tag an akzeptiert.
Im Sommer 2008, mit dreizehn Jahren, erkrankte Mauzi an einem aggressiven Fibrosarkom. Obwohl dieser pflaumengroße Tumor bereits gestreut hatte, wurde er vollständig operativ entfernt. In der Folge verabreichten wir Mauzi regelmäßig das Co-Enzym Q10. Nach drei Monaten waren die Metastasen verschwunden. Mauzi erhielt danach weiterhin in geringerer Dosis das Q10. In der folgenden Zeit blieb Mauzi gesund. Diese Geschichte kann hier nachgelesen werden.
Zwei Jahre später erkrankte Mauzi aufgrund eines Insekts oder von Schmutzpartikeln, die den Weg über die Luftröhre in die Lunge gefunden hatten, an einer Lungenentzündung. Sie wurde mit Antibiotika behandelt. Gleichzeitig erhöhten wir während dieser Zeit die Q10-Dosis. Nach etwa zehn Tagen war sie wieder gesund.
Nach einem weiteren Jahr machten sich bei Mauzi die ersten Alterserscheinungen in Form von langsamen Gehörverlust bemerkbar. Eine Folge davon war, dass sie beim Miauen ihre Lautstärke erhöhte, ihre Laute stärker herauspresste, was nach einiger Zeit zu einer Laryngitis (Stimmbänderentzündung) führte. Sie brachte keinen Ton mehr heraus und bekundete Mühe beim Schlucken. Erneut wurde sie mit Antibiotika und zusätzlich mit einem Langzeitschmerzmittel behandelt. Erneut erhöhten wir während dieser Zeit die Q10-Dosis. Nach einer Woche war sie wieder gesund, unterließ es jedoch, fortan in derselben Lautstärke zu Miauen. Ein Jahr später wiederholte sich die Stimmbänderentzündung. Auch dieses Mal konnte sie mit derselben Behandlung geheilt werden.
In den folgenden Jahren blieb sie, abgesehen von weiteren Alterserscheinungen wie leichter Muskelschwund, gesund. Ihre Sprungkraft reichte aber noch bei Weitem, um auf Stühle und Betten zu springen.
Mauzi, mittlerweile bald achtzehn Jahre alt, ging weiterhin ihren Gewohnheiten nach. Ihren Schlafrhythmus hatte sie schon längst dem unseren angepasst, und schlafen wollte sie stets in unserer Nähe, natürlich auf unserm Bett. Tagsüber machte sie ihre gewohnten Streifzüge oder suchte, je nach Wetter, ihre Lieblingsschlafplätze im Freien auf. Sie trank gerne das Wasser aus unserem Gartenteich, sie durchquerte gerne die Gärten der Nachbarn und hatte für ihre Geschäfte den idealen Platz gefunden: Unter den Sonnenkollektoren, die unser übernächster Nachbar an seiner Böschung angebracht hatte. Dort war die Erde trocken wie Sand und Mauzi konnte ihre Verrichtung sehr gut vergraben. Zudem störte es dort niemanden. Trotz all dem verlor sie langsam aber stetig an Gewicht.
Im April 2015 konnte Mauzi bei bester Gesundheit ihren 20. Geburtstag feiern.
Durch den weiteren Gehörverlust zeigten sich zwischendurch leichte Gleichgewichtsstörungen, vor allem, wenn sie sie sich schüttelte. Doch sie lernte schnell, damit umzugehen. Auch ihre Muskeln bildeten sich aus Mangel an Bewegung weiter zurück. Schlafen wurde immer mehr zu ihrer Lieblingsbeschäftigung. Dies konnte sie jedoch nicht von ihren ausgedehnten Streifzügen abhalten. Treppen wurde einfach etwas langsamer bewältigt.
Auch der 21. Geburtstag ein Jahr später verbrachte sie bei bester Gesundheit. Neugierig wie sie war, wollte sie auch an ihrer Geburtstagskerze schnuppern und versengte sich dabei ein bisschen ihre Augenbrauen, die jedoch schnell wieder nachwuchsen.
Anfang April 2017, also kurz vor ihrem 22. Geburtstag erkrankte sie erneut an einer Stimmbänderentzündung. Wegen der Schluckbeschwerden aß sie in der Folge immer weniger. Zudem war sie in Sachen Futter schon immer sehr wählerisch. Die medikamentöse Behandlung und die Erhöhung der Q10-Dosis zeigten nicht mehr denselben Erfolg wie noch Jahre zuvor. Mauzi verlor noch mehr an Gewicht.
Sie war zwar schon immer ein Leichtgewicht gewesen, hatte es nie über dreieinhalb Kilogramm gebracht. Ab dem achtzehnten Lebensjahr verlor sie langsam aber sukzessive an Gewicht. Bis kurz vor ihrem 22. Geburtstag konnte sie es jedoch bei etwa zweieinhalb Kilogramm stabil halten. Doch ab Mitte Mai ging es rasant bergab. Mauzi wurde immer schwächer. Wir achteten darauf, dass sie nie alleine war. Wir pflegten sie, halfen ihr beim Essen und begleiteten sie nach draußen. Nach wie vor wollte sie ihre Streifzüge machen, wenn auch deutlich langsamer. Nach wie vor suchte sie ihre Lieblingsplätze auf. Schon vor einiger Zeit hatte sie sich mit dem Rasenmäher-Roboter des übernächsten Nachbarn angefreundet und verbrachte viel Zeit mit ihm bei seiner Ladestation, die sich unter einer Gartenföhre befindet.
Doch all dies konnte nicht verhindern, dass sie weiter an Gewicht verlor und noch schwächer wurde. Immer mehr suchte sie unsere Nähe, erklomm die Treppen mit letzter Kraft, nur um bei uns sein zu können. Auch genoss sie es immer mehr, auf unserem Schoß liegend zu schlafen, sei es draußen auf dem Gartensitzplatz, im Wohnzimmer auf dem Sofa oder am Schreibtisch beim Arbeiten am PC.
Am Montagabend, 12. Juni 2017 gegen 21 Uhr, verließ sie einen ihrer gewohnten Schlafplätze. Dass sie immer wieder ihre Plätze wechselte, war nicht ungewöhnlich. Da sie mittlerweile etwas wackelig auf den Beinen war, achtete ich mich darauf, welchen der anderen Schlafplätze sie ansteuerte, um ihr beim Hochsteigen zu helfen. Dabei stellte ich fest, dass sie direkt auf mich zu kam und mir in die Augen sah. Dies war nicht ungewöhnlich. Sie hatte in der Vergangenheit auf diese Weise immer wieder signalisiert, dass sie in meine Nähe wollte. Sie war diesbezüglich sehr anlehnungsbedürftig.
Also hob ich sie auf und setzte mich wieder aufs Sofa, lehnte mich zurück und nahm sie in meinen Arm. Sofort kuschelte sie ihren Kopf an meine Brust. Ihr regelmäßiger Atem verriet mir wenig später, dass sie friedlich schlief und sich durch meine zwischenzeitlichen Bewegungen nicht stören ließ. So verbrachten wir mehrere Stunden, ohne dass sie einmal ihre Position veränderte. Nach wie vor konnte ich ihren regelmäßigen Atem vernehmen.
Kurz nach 0:45 Uhr tat sie plötzlich einen heftigen und tiefen Atemzug, nach einer kurzen Pause dasselbe noch einmal. Ich sah ihr in die offenen Augen und hatte den Eindruck, dass sie nur noch wenig Leben ausstrahlten. Gleich darauf streckte sich ihr Körper krampfartig und löste sich gleich wieder. Dann hörte sie auf zu atmen. Das Leben in ihren Augen war erloschen.
Am 13. Juni 2017, um 0:48 Uhr, ist Mauzi von uns gegangen. Sie wurde 22 Jahre und 60 Tage alt.
Ich hatte in meinem Leben bisher nebst Meerschweinchen drei Hunde und bestimmt über dreißig Katzen. Jedes Tier war für mich etwas Besonderes. Jedes einzelne war mir ans Herz gewachsen. Einige hatten sogar besondere Fähigkeiten. So hatten wir einmal eine Katze, die konnte jede Tür und sogar den Kühlschrank öffnen. Sie sprang an die Türklinke hoch, machte daran einen Klimmzug und schon war die Tür offen. Sogar bei Fenstern hatte sie es versucht. Beim freistehenden Kühlschrank hakte sich mit den Krallen in den Abdichtungsgummi der Tür und zog sie auf. Nur ein schwerer Ziegelstein vor der Kühlschranktür konnte sie daran hindern, diesen regelmäßig auszuräumen. Eine andere Katze fand es sehr interessant, auf der Klaviertastatur auf und ab zu gehen und dabei echte Katzenmusik zu erzeugen. Wieder eine andere Katze kroch jede Nacht unter die Bettdecke bis zum Fußende und verbrachte die Nacht jeweils als Fußwärmer. Noch eine andere Katze fand es sehr lustig, in der Küche die Spanngardinen hochzuklettern und sich dann ins Spülbecken fallen zu lassen.
Auch Mauzi war eine ganz besondere Katze. Sie war sehr kommunikativ, aber auch sehr selbstbewusst und fordernd. Während der 22 Jahre hatte ich immer wieder den Eindruck, dass sie meine Gedanken verstand. Nicht die Gedanken in Worten, sondern eher emotionale und bildhafte Gedanken.
Tiere kommunizieren untereinander in einer anderen Sprache als wir Menschen. Da sie nicht artikulieren können, geschieht dies auf eine andere Art und Weise. So auch bei Katzen. Untereinander tun sie dies jedoch nicht auf dieselbe Weise wie mit Menschen. Erwachsene Katzen verständigen sich untereinander nicht durch Miauen. Das tun sie nur mit Menschen. Untereinander benutzen sie eine Art Zeichen- oder Gebärdensprache, wobei sich die Gebärden auf den gesamten Körper beziehen und nicht nur auf die Hände. Dafür benutzen sie verschiedene Körperteile. Beispielsweise Augen, Ohren, Schwanz oder bestimmte Körperhaltungen. Allerdings ist ihr Repertoire dadurch sehr begrenzt. Deshalb sind all ihre Zeichen, die sie untereinander austauschen, relativ und stehen im Kontext zur jeweiligen Situation. Für die Beurteilung von Situationen spielt auch der Instinkt eine große Rolle.
Wenn Menschen versuchen, all diese Zeichen zu deuten und auf dieselbe Art und Weise mit ihnen zu kommunizieren, so können einfache Dialoge entstehen. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier wird dadurch vertieft, da auch das Tier sich verstanden fühlt und die Kommunikation erwidert.
Während der über 40 Jahren, in denen ich mit Katzen zusammenlebte, hatte ich immer versucht, ihre Zeichen zu deuten und mit ihnen auf diese Art und Weise zu kommunizieren. Mit keiner anderen Katze gelang mir dies so ausgeprägt, wie mit Mauzi. Vor allem über Augenkontakt und -gesten erfolgten immer wieder einfache Dialoge. Mauzi stellte sich darauf ein und reagierte entsprechend auf meine Zeichen.
Diese Art zu kommunizieren erzeugte eine Beziehung, wie ich sie bisher noch mit keiner Katze erlebt hatte. Über die Jahre hinweg stellte ich zudem fest, dass sie immer wieder bei bestimmten Gedankengängen meinerseits kurz darauf bei mir erschien und mir erwartungsvoll in die Augen sah. Es war für mich nicht erstaunlich, dass Mauzi immer mehr meine Nähe suchte und sich sehr oft im selben Raum aufhielt wie ich, wenn nicht sogar in meiner unmittelbaren Nähe. Laut Aussagen meiner Lebenspartnerin begab sie sich oft einige Minuten bevor ich nach Hause kam zur Haustür und wartete, obwohl ich alles andere als einen geregelten Tagesablauf habe. Meine Ankunftszeiten variieren über mehrere Stunden.
22 Jahre sind eine lange Zeit. Eine Zeit, in der die Beziehung zwischen Mensch und Katze immer enger und intensiver wird. Und da Mauzi zudem eine besondere Katze war, war unser Beziehung sehr eng. Sie hinterlässt in meinem Leben eine riesige Lücke.