Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/2220

Ouchy
(Kt. Waadt,
Bez. und Gem. Lausanne).
380 m.
Vorstadt und Seehafen von
Lausanne, am rechten Ufer des
Genfersees 1,5 km s. vom Zentrum
der Stadt, mit der der
Ort durch eine ununterbrochene Reihe von
Häusern in Verbindung steht. Das Dorf
Ouchy selbst ist nur
klein, bildet aber mit den in seiner unmittelbaren Nähe stehenden Siedelungsgruppen
Les Jordils,
Petit Ouchy,
Le Denantou etc.
eine nicht unbeträchtliche Ortschaft. Zusammen 125
Häuser, 1758 reform. Ew. Kirchgemeinde
Lausanne. Es
sind hier viele Ortsfremde
¶
mehr
verschiedener Konfessionen ansässig. Die reform. Kirche steht an der sog. Croix d'Ouchy 500 m n. vom Dorf und auf der O.-Seite der nach Lausanne führenden Strasse; sie ist mit freiwilligen Beiträgen von wohlhabenden Privaten 1840 erbaut und kürzlich restauriert und vergrössert worden. Nahe daneben stehen eine auf Kosten eines reichen Privatmannes erstellte katholische Kirche und das 1894 erbaute Schulhaus der Croix d'Ouchy, das für die Kinder des untern Stadtteiles von Lausanne bestimmt ist.
Die bemerkenswerteste Baute von
Ouchy ist der am See stehende alte Turm, der letzte Ueberrest eines vom Bischof Landry de Durnes 1170 aufgeführten
Schlosses, das später zerstört und dann vom Bischof Roger wieder hergestellt worden ist. Dieses den Bischöfen
zeitweise zum Wohnsitz dienende Schloss wurde mit Ausnahme des Turmes gegen Ende des 17. Jahrhunderts abgetragen und durch
ein Zollhaus ersetzt, an dessen Stelle heute ein grosser Gasthof steht. 1877 erbaute man eine Drahtseilbahn, die von
Ouchy
zum Hauptbahnhof und zu der durch die Anffüllung und Zudeckung des Flonthälchens w. vom Grand Pont geschaffenen Place du
Flon.
Seit 1903 steht
Ouchy ferner mit der Stadt durch einen Zweig der städtischen Strassenbahn in Verbindung. Ortschaft und Hafen
sind zu wiederholten Malen verschönert und verbessert worden. 1790 erstellte man nach den Plänen des
Ingenieurs Céard einen nahe vom Schloss aus in den See vorspringenden Damm von etwa 100 m Länge, der einen Teil des Hafens
vor den durch den SW.-Wind erzeugten Wellen zu schützen bestimmt war. Grosse Arbeiten fanden namentlich im Zeitraum 1855-1860
statt, indem man einen nach SSW. gerichteten neuen Quai anlegte, der einen Teil des Dammes überdeckte,
östl. vom Hafen einen öffentlichen Platz schuf und an diesem das von einem Park umgebene grosse Hotel Beau Rivage (Aktienunternehmung)
erbaute.
Zwischen 1870 und 1880 entstanden w. von
Ouchy ein neuer Platz und neue Strassenzüge. Ganz neu ist ein 1050 m
langer und 45 m breiter Quai, der vom Hotel bis zur Mündung der Vuachère nach O. zieht und in Lutry in die Strasse über die
Croix d'Ouchy einmündet. 1904 und 1905 endlich brach man eine Reihe von alten Häusern ab, verbreiterte die Strassen und erbaute
zwischen Lausanne und
Ouchy zahlreiche neue Häuser. Als Hafen der nach Genf
grössten Stadt am Genfersee ist
Ouchy sehr bedeutend und zwar sowohl für den Waren (besonders Baumaterialien)-Verkehr als für den Personenverkehr. Im Sommer
kursieren an beiden Seeufern zahlreiche Dampferkurse zwischen Genf,
Vevey und Villeneuve, die zwar im Winter merklich eingeschränkt,
aber nie ganz aufgehoben werden. 1898-1902 haben in
Ouchy jährlich 116500 Personen verkehrt.
Ouchy ist der zweitbedeutendste Hafen des Sees und trägt für sich allein 16% der Gesamteinnahmen der Dampfschiffahrt auf
dem Genfersee. Westl. vom Hafen hat die Dampfschiffahrtsgesellschaft 1888 eine Werft mit Reparaturwerkstätte für ihr Schiffsmaterial
einrichten lassen. Nahe dabei befindet sich die aus 1847 stammende Gasanstalt der Stadt Lausanne.
Ouchy
hat sich seit dem Bau des Hotel Beau Rivage, dem sich andere Gasthöfe angeschlossen haben, auch zur beliebten Sommerfrische
entwickelt.
Zwei Erziehungsanstalten für junge Leute. In
Ouchy besassen einst der Bischof und das Stift zu Sitten Güter, die dann 1245 an
das Stift zu Lausanne verkauft wurden. Es existierte längs dem Ufer lange Zeit der Brauch des Ziehens
der Schiffe, wofür eine Abgabe erhoben wurde, die
1558 durch Kauf an die Stadt kam und bis 1798 bestehen blieb. Die Berner
Regierung unterhielt in
Ouchy eine Kriegsflottille, um mit Genf
verkehren zu können und gegen allfällige
Ueberfälle von Seiten der Herzoge von Savoyen gerüstet zu sein. In Ouchy vollendete Lord Byron seine Dichtung Der Gefangene
von Chillon. Geburtsort des Theologen Ch. François Gabriel Recordon (1800-1870) und von Alexandre Vinet (1797-1847). Im 11. Jahrhundert:
Osciacum; 1170, 1228: Oschye; 1359: Oschie.