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Es bewegt sich etwas in der Schweizer Animationsszene. Gerade befinden sich mehrere Langfilmprojekte in der Entwicklung oder sind schon in Produktion. Anja Kofmel arbeitet an der Adaptation von Paul Austers Roman «Timbuktu», in der sie 2D-Animation mit Super 8-Filmmaterial vermischen will, Isabelle Favez bereitet mit «Rouxelle et les pirates» eine Kindergeschichte vor, Sam und Fred Guillaume haben für «L’hiver de loup» eine Drehbuchförderung erhalten, Marcel Barellis «Mary Anning» befindet sich bereits in der Herstellung, genauso wie Claude Barras’ «Sauvages!».
Auch im Serienformat passieren interessante Dinge. Am Serienfestival in Basel zeigte Uri W. Urech seine experimentelle Serie «Quitt», in der Schaufensterpuppen die Protagonisten sind und mittels Stop-Motion-Technik animiert wurden. Dschoint Ventschr entwickelt gemeinsam mit Nadadsy Film für ein junges Publikum «Nussbaumbande», Claude Barras spannt mit Diane Agatha Schaefer für «Caca Boudin» zusammen, und das YK Animationsstudio in Bern bemüht sich um die Finanzierung von «Bloodmountain», eine Serie, die sich an Erwachsene richten soll.
Am Set von «Sauvages!» bekommt man einen Eindruck davon, welches Ausmass ein solches Projekt annehmen kann. In einer stillgelegten Fabrikhalle sind siebzehn Filmsets aufgebaut, über zweihundert Mitarbeiter sind damit beschäftigt, eine perfektionistische Vision der Figuren-Stop-Motion-Animation umzusetzen. Die dafür veranschlagten 13 Millionen Franken wirken vor diesem Hintergrund nicht mehr besonders viel. Das sind sie auch nicht, wenn man die Budgets ähnlicher ausländischer Produktionen heranzieht.
Das teuerste ist die menschliche Ressource. In der Schweiz sind die Löhne hoch. Was man aber nicht einer KI überlassen will, muss eine Fachkraft übernehmen. Hat es einen Sinn, sich in der Schweiz zu einer ausbilden zu lassen, wenn verschiedene Arbeitsprozesse aktuell ins Ausland ausgelagert werden? Ist es richtig, dass Fördergelder, die über Steuereinnahmen generiert werden, langfristig im Ausland ausgegeben werden? Es würde sich doch vielmehr anbieten, dieses Geld in den eigenen Nachwuchs und in die zunehmende Qualifizierung der eigenen Arbeitskräfte zu investieren, um sie langfristig gegenüber den ausländischen konkurrenzfähig zu machen.
Einen Teil der Verantwortung übernehmen die Studios selbst. Die grösseren wie Nadasdy Film und Asako Film, unterstützt von Dschoint Ventschr, bemühen sich um einen Wissensaustausch und um die Ausbildung am Projekt, doch es braucht die Unterstützung auf übergeordneter Ebene. Das Problem beschränkt sich nicht nur auf den Animationsbereich, und einige Initiativen, die in der Richtung sensibilisieren sollen, sind in der Branche bereits in Gang. Will letztere in den Chancen und Herausforderungen der Filmindustrie weltweit mithalten können, ist ein engeres Zusammenrücken und der Ausbau der eigenen Kompetenzen nötig.
Teresa Vena
Co-Chefredaktorin Deutschschweiz