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Das “Open Source Project" www.electricitymap.org visualisiert die Energieflüsse über Landesgrenzen hinweg und zeigt die spezifischen Emissionen der elektrischen Energieerzeugung innerhalb Europas. Die Live-Karte zeigt an, wie viel CO2-Treihausgas bei der Produktion einer Kilowattstunde Strom aktuell anfallen. Daraus lassen sich spannende Erkenntnisse ableiten.
Vor einiger Zeit wurde ich auf eine Internetseite aufmerksam gemacht, die in Realtime die Energieflüsse innerhalb von Europa und weiteren Regionen darstellt.
Diese kurze Vorstellung soll die spannende Möglichkeiten und Informationen der Page erläutern.
Das “Open Source Project” (Software-Code offen zur allgemeinen Nutzung) visualisiert die Energieflüsse über Landesgrenzen und zeigt die spezifischen Emissionen der elektrischen Energieerzeugung innerhalb Europas. Die Live-Karte zeigt an, wie viel CO2-Treihausgas bei der Produktion einer Kilowattstunde Strom aktuell anfallen. Anhand eines Farbcodes wird die Menge vom emittierten Kohlenstoffdioxid je Landesproduktion übersichtlich dargestellt.
Für jede Energiequelle ist ein spezifischer Emissionsfaktor hinterlegt. Je nach Zusammensetzung der jeweiligen Landes-Eigenproduktion und dem zusätzlichen Stromimport wird der aktuelle CO2-Gehalt visualisiert.
Je grüner das Land, je weniger Klimagas wird erzeugt. Dies bedeutet jedoch nicht zwingend eine nachhaltige Produktion durch erneuerbare Energien. Die Atomkraft wird mit geringen Emissionen erzeugt und so sind Länder wie Frankreich, die einen Grossteil ihrer Elektrizität mittels Atomkraftwerken produzieren, stets grün.
Auch in der Schweiz ist der Anteil der Atomproduktion meist gross. Die vermeintlich gut genutzte Wasserkraft trägt eher selten einen wesentlichen Anteil zur Produktion bei. Oftmals wird ein grosser Anteil vom eidgenössischen Energieverbrauch aus dem Ausland bereitgestellt, v.a. französischer Atomstrom und der deutsche Energiemix der schwer belastet ist durch die vielen Kohlekraftwerke.
Der stark volatile Strompreis
Es lassen sich aber auch andere Phänomene auf dem europäischen Strommarkt beobachten. An einem stürmischen Tag in Nordeuropa wird in (Nord-)Deutschland so viel Strom erzeugt, dass die Produzenten Mühe haben, ihn los zu werden. Dabei spielen die Kohlekraftwerke eine wichtige (negative) Rolle, weil diese ihre Produktion kaum flexibel drosseln können. Dementsprechend entsteht ein Stromüberschuss im europäischen Netzverbund und der Strompreis fällt zusammen.
Dieser Printscreen zeigt wie Deutschland seinen Strom in alle umgebenden Länder abgibt. Wegen der Überkapazitäten sinkt der (Grosshandels-)Preis in den Keller. Die deutschen Produzenten bezahlen so im Extremfall die Abnehmer dafür, dass er ihnen Strom abnimmt. Dies führt zu bedenklichen Situationen, in denen die Deutsche Bahn (oder die SBB) im Sommer ihre Weichenheizungen einschaltet, so Strom “vernichtet” und dafür auch noch bezahlt wird.
Diese unwirtschaftlichen Ausnahmesituationen nahmen in den letzten Jahren stets zu. Ein wichtiger Grund dafür ist der massive, eher unkoordinierte und übersubventionierte Ausbau von Wind- und Photovoltaik-Kraftanlagen in Deutschland. Der gleichzeitige Ausbau vom Netz und vor allem der Bau von benötigten Speicherkapazitäten wurden sträflich vernachlässigt. Die Strafe zahlt in erster Linie der deutsche Endverbraucher mit einem Strompreis der gut doppelt so hoch ist wie in Resteuropa. Die Schuld dabei nur auf die Erneuerbaren zu schieben ist jedoch falsch. Problematisch in der stark veränderlichen Stromproduktion der Gegenwart sind vielmehr die unflexiblen und dreckigen Kohlekraftwerke, die zu allem Überfluss politisch auch noch in Schutz genommen werden. Hier ist zu hoffen, dass (insbesondere in Deutschland) bald ein politisches Umdenken stattfindet und die Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden.
Leider ist jedoch auch davon auszugehen, dass Schweizer Energieunternehmen in solchen Situationen liebend gerne dafür bezahlt werden wenn sie Wasser in ihre Stauseen hochpumpen. Bei Flaute können sie ihren “grün-gewaschenen” Strom dann wieder zu guten Marktpreisen verkaufen und so doppelt profitieren. Suspekter weise fehlen oftmals die genauen Produktionsdaten aus der Schweiz.
Aus Europa in die Welt
Zurück zur “Electricitymap”. Was als europäisches Projekt begonnen hat, wird zunehmend stark erweitert. Mittlerweile stellen rund um den Globus diverse Länder und Regionen ihre Energiedaten zur Verfügung.
Als Beispiel der Nordamerikanische Kontinent:
Wenig verwunderlich, dass der Grossteil der USA dank hohem Kohle- und Erdgas-Anteil schlecht abschneidet, vorausgesetzt die Daten sind überhaupt bekannt. Erst wenige Regionen in Amerika befinden sich auf dem Weg in eine saubere Energieversorgung, wie etwa Idaho oder Kalifornien.
Es wäre wünschenswert, wenn sich auf electricitymap.org in den nächsten Jahren die Datenerweiterung fortsetzt und die Homepage baldmöglichst eine globale Informationsquelle für die Nachhaltigkeit der Strom-Erzeugung wird.