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Das traditionelle Bettagskonzert fand am 18. September um 17.15 Uhr in der Zuzger Kirche statt. Die künstlerische Leiterin der Reihe, Isabel Schau (Violine), spielte gemeinsam mit dem deutschen Cembalisten Thomas Leininger (Orgel & Cembalo) und dem katalanischen Cellisten Bruno Hurtado Gosalves drei Violinsonaten von Johann Wilhelm Hertel (1727-1789) (Eintritt frei, Ausgangskollekte).
Johann Wilhelm Hertel (1727-1789) entstammte einer Eisenacher Musikerfamilie. Er war Violinschüler des berühmten böhmischen Violinvirtuosen Franz Benda in Berlin, bevor er Konzertmeister und Hof- und Capell-Compositeur in Mecklenburg-Schwerin wurde. Die Besonderheit seiner Violinsonaten ist, dass von Hertels Hand Skizzen zu Verzierungen von etwa 2/3 der Sonaten existieren. Diese Art Verzierungen sind vor allem von Bendas Violinsonaten bekannt. Im Gegensatz zu anderen Quellen für verzierte Sonaten des 18. Jahrhunderts verzieren sowohl Benda als auch Hertel nicht nur die langsamen Sätze, sondern auch die schnellen. So bietet sich hier jeweils eine 2. Fassung an für die Wiederholung. Genau in dieser Gestalt haben die Musiker drei der verzierten Sonaten Hertels zu Gehör gebracht. (Avisiert ist übrigens für 2017 die Einspielung einer CD).
Um in Zuzgen auch die wunderbare historische Orgel von J.B. Hug zum Zuge kommen zu lassen, erklangen zwischen den Violinsonaten Orgelwerke von Justin Heinrich Knecht (1752-1817), und zwar Cantabile und Rondo G-Dur sowie Cantabile c-moll und Thema mit 4 Veränderungen in C-Dur.
Die Musiker:
Der deutsche Cembalist, Organist und Komponist Thomas Leininger ist ein international gefragter Generalbass-Spieler, Komponist einer Kinderoper (Händelfestspiele Karlsruhe), diverser Auftragswerke, Vervollständigung historischer Opernfragmente (z.B. Vivaldis Moctezuma). Lehrtätigkeit u.a. an der Scola Cantorum Basiliensis.
Bruno Hurtado Gosalvez wurde 1988 in Barcelona geboren und begann seine musikalische Ausbildung im Alter von sieben Jahren. Violoncello- und Viola da Gamba-Studium in Barcelona, Zürich und Trossingen. Er ist Stipendiat der Pau Casals Stiftung und der Generalitat de Catalunya sowie Mitglied des Barockensembles Les Eléments.
Die deutsche Geigerin Isabel Schau lebt in Hellikon. Musikstudium in Hannover und Düsseldorf, als ehemalige Geigerin bei der Musica Antiqua Köln und als Kammermusikerin, Konzertmeisterin und Solistin rege internationale Konzert- und Unterrichtstätigkeit.
Schau Isabel Konzert Zuzgen
Foto: Bircher, Peter
Konzertkritik:
Peter Bircher schrieb im „Fricktal-Info“ (Bild der Woche Nr. 39): „Die Violinsonaten 1, 3 & 4 von Johann Wilhelm Hertel (1727 -1789) wurden aufgeführt. Thomas Leininger am Cembalo – zwischendurch auch an der historischen Orgel – welcher u.a. eine Lehrtätigkeit an der Scola Cantorum Basiliensis ausübt – und der Spanier Bruno Hurtado Gosalvez am Violoncello wirkten mit.
Eine Besonderheit von Hertel sind die sog. „verzierten Sonaten“, welche im 18. Jahrhundert Bedeutung erlangten. Nicht nur die langsamen Sätze wurden verziert, sondern auch die schnellen. So bietet sich hier jeweils eine 2. Fassung an für die Wiederholung.
Die Dominanz des Violine-Vortrages kam nun in der räumlich und akustisch hervorragend geeigneten St.-Georgs-Kirche in Zuzgen in allen Spielarten voll zur Geltung. Das beachtliche musikalische Können der ehemaligen Geigerin bei der Musica Antiqua in Köln und die breite Erfahrung als Kammer-musikerin, Konzertmeisterin und Solistin zeigte sich in allen Feinheiten der Darbietungen. Frau Isabel Schau wird im nächsten Frühjahr mit Musik von Johann Sebastian Bach (1685-1750) zur Passionszeit zu hören sein. Es ist erfreulich und ein „Kulturgewinn für diese Region“, dass diese Konzertreihe für Alte Musik weitergeführt wird.“