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Folsäuremangel
Folsäuremangel ist eine Mangelerkrankung, die entweder durch andere Erkrankungen, zu geringe Folsäure-Zufuhr oder durch einen erhöhten Bedarf am Vitamin Folsäure verursacht wird, beispielsweise in der Schwangerschaft. Hier erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung von Folsäuremangel.
Folsäuremangel ist eine Unterversorgung mit Folsäure, einem wasserlöslichen Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Es wird mitunter auch als Vitamin B9, Vitamin B11, Folat, Pteroylglutamat oder Pteroylglutaminsäure bezeichnet. Folsäure ist an einer ganzen Reihe von wichtigen Stoffwechsel- und Wachstumsprozessen beteiligt. Ohne ausreichend Folsäure drohen Schäden bei der Entwicklung von Blut, Zellen und der DNA, der Erbsubstanz. Deshalb wirkt sich ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft besonders schwer aus. Eine gefürchtete Folge des Folsäuremangels ist der offene Rücken (Spina bifada), eine andere die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte.
Da Folsäure eine zentrale Rolle bei der Blutbildung spielt, führt anhaltender Folsäuremangel zu Blutarmut (Anämie).
Erhöhter Folsäurebedarf in der Schwangerschaft
Normalerweise beträgt der Tagesbedarf an Folsäure bei einem erwachsenen Menschen etwa 0,1 mg pro Tag. Mit einer frischen abwechslungsreichen Ernährung ist dieser Bedarf in der Regel zu decken. Schwangere aber haben einen doppelt so hohen Bedarf an Folsäure. Insbesondere bei einseitiger Ernährung (beispielsweise viel Fast Food) entsteht ein Folsäuremangel mit den möglichen schwerwiegenden Folgen für den Embryo. Frauen mit Kinderwunsch sollten möglichst schon während der Planung einer Schwangerschaft mit einem Frauenarzt über eine eventuell notwendige Folsäuresubstitution sprechen.
Als typische Symptome des Folsäuremangels sind in aller Regel die Folgen von Blutarmut zu erkennen. Hier ist an erster Stelle eine auffallende Blässe zu nennen. Äußerlich sichtbar sind ferner Veränderungen der Zunge, die gerötet und entzündet erscheint (Glossitis). Folsäuremangel und Blutarmut gehen mit allgemeinen Leistungseinbußen wie Erschöpfung, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten einher.
In schweren Fällen verursacht der Folsäuremangel Herzrhythmusstörungen und Atemnot. Beides ist darauf zurückzuführen, dass wegen des Mangels an roten Blutkörperchen nicht mehr ausreichend Sauerstoff in den Körper gelangt.
Bei einem Mangel an Blutplättchen erhöht sich die Blutungsneigung. In der Folge kommt es zu Schleimhautblutungen, punktförmigen Einblutungen in der Haut und vermehrten Blutergüssen. Ein Mangel an weißen Blutkörperchen äußert sich vornehmlich in einer erhöhten Infektanfälligkeit.
Blutarmut (Anämie), siehe auch Vitamin B12-Mangel (denn Folsäuremangel und Vitamin B 12-Mangel treten mitunter gemeinsam auf).
- Appetitmangel und Gewichtsverlust
- je nach Zellmangel Herz- und Atembeschwerden, erhöhte Blutungsneigung und Abwehrschwäche
- in der Schwangerschaft: Fehlgeburt oder Fehlbildungen des Embryos (z. B. Neuralrohrdefekte wie offener Rücken).
In den meisten Fällen wird Folsäuremangel durch eine einseitige Ernährung oder Alkoholmissbrauch verursacht. Chronische Lebererkrankungen wie Leberzirrhose und schwere Verdauungsstörungen wie bei einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder auch eine Schilddrüsenüberfunktion, sind weitere Ursachen von Folsäuremangel. Auch die Einnahme der Antibabypille sowie von Krebs-Medikamenten oder des Rheuma-Medikaments Methotrexat kann für einen Folsäuremangel verantwortlich sein. Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen bedingen ebenfalls häufig einen Folsäuremangel.
- Alkoholmissbrauch
- chronische Lebererkrankungen
- schwere Verdauungsstörungen
- einseitige Ernährung
- Schwangerschaft (wegen des erhöhten Bedarfs)
- Einnahme bestimmter Medikamente (u.a. Antibabypille sowie Krebs- und Rheumamittel).
Um bösartige Tumoren zu therapieren, wird mitunter ein Folsäuremangel herbeigeführt. Dafür werden sogenannte Folsäure-Antagonisten eingesetzt. Diese Medikamente heben die Wirkung von Folsäure auf. Der Krebs kann ohne Folsäure keine Erbsubstanz bilden und somit auch keine neuen Tumorzellen produzieren - so die Überlegung, die dieser Behandlungsform zugrunde liegt. Leider gelingt diese Therapie nicht immer wie erhofft.
Die Therapie von Folsäuremangel ist bei gesunden, nicht schwangeren Menschen in der Regel mit einer Ernährungsumstellung schon geleistet. Bei Kranken oder Schwangeren kann es sinnvoll sein, Folsäure in Medikamentenform oder Nahrungergänzungsmittel zu ergänzen.
Frische Lebensmittel, vor allem grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Weizenprodukte und Milch sowie Milchprodukte, enthalten Folsäure. Auch Eigelb und Leber enthalten viel von dem lebenswichtigen B-Vitamin.
Kochen zerstört Folsäure
Folsäure hat eine besondere Eigenschaft, sie reagiert empfindlich auf Hitze: Etwa 90 Prozent der in Lebensmitteln enthaltenen Folsäure wird beim Kochen zerstört. Wenn Sie sich also beispielsweise durch Milchprodukte mit Folsäure versorgen wollen, sollte das kein Milchreis sein, für den die Milch aufgekocht wurde. Besser sind hier beispielsweise das klassische Glas Milch sowie Frischkäse oder Joghurt. Für den Fall einer Milchzuckerunverträglichkeit bleiben vor allem die Blattgemüse wie Spinat, Hülsenfrüchte und Weizenprodukte als Folsäure-Quelle.
Folsäure aus der Apotheke
Bei einem erhöhten Bedarf in der Schwangerschaft oder bei Folsäure-Verwertungsstörungen sind sich die Experten einig, Folsäure über Tabletten oder Infusionen als Nahrungsergänzung zuzuführen. Sogar die Stiftung Warentest rät zur medikamentösen Vorsorge, um einen Folsäuremangel zu vermeiden: "Wer nicht genügend Folsäure mit der Nahrung aufnimmt, kann zur Ergänzung eine Pille einnehmen. Geeignet sind Präparate, die die empfohlene tägliche Zufuhrgrenze von 400 Mikrogramm einhalten".
Folsäure für Schwangere
Grundsätzlich sollten Sie – vor allem gilt das aber für Schwangere - die Einnahme von Folsäure mit Ihrem Arzt abstimmen. Eine Überdosierung hat mitunter unangenehme Folgen wie Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Übelkeit. In Absprache mit Ihrem Arzt können Sie auch gleich abstimmen, ob die Folsäure mit anderen Vitaminen wie B 12 kombiniert werden sollte.
Menschen, die Medikamente gegen Anfallsleiden wie Epilepsie einnehmen, sollten eine Folsäurebehandlung grundsätzlich mit einem Arzt besprechen. Anderenfalls kann es sein, dass Folsäure die Wirkung der krampfhemmenden Wirkstoffe verringert. Als Folge treten vermehrt oder gehäuft Krämpfe auf.