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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Zweite Rede
13.
Wenn sie nun glauben, daß der Heiland, ehe er Mensch wurde und den Kreuzestod erlitt, nicht Herr und König war, sondern erst damals Herr zu sein anfing, so mögen sie erkennen, daß sie offen wieder dem Samosatener nachsprechen. Wenn er aber, wie wir im Vorausgegangenen gesehen und gesagt haben, ewiger Herr und König ist, da ja Abraham ihn als Herrn anbetet, und Moses sagt: "Und der Herr ließ über Sodoma und Gomorrha Schwefel und Feuer vom Herrn aus dem Himmel regnen"1 , und da David singt: "Es sprach der Herr zu meinem Herrn, setze Dich zu meiner Rechten"2 und: "Dein Thron, o Gott, steht in Ewigkeit, ein Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter Deines Reiches"3, und: "Dein Reich ist ein Reich für alle Ewigkeit"4 , so war er offenbar, auch ehe er Mensch wurde, ewiger König und Herr als das Bild und Wort des Vaters. Wenn aber das Wort ewiger Herr und König ist, so hat wieder offenbar Petrus das Gemachtwerden nicht von der Substanz des Sohnes, sondern von seiner Herrschaft über uns ausgesagt, die damals begann, als er Mensch und mit der Erlösung aller am Kreuze aller Herr und König geworden ist. Wenn sie aber deswegen, weil geschrieben steht: "Er hat [ihn] gemacht" herumstreiten und den Ausdruck "er hat [ihn] gemacht" nicht mit dem andern "er gab [ihm] Zeugnis" gleichbedeutend finden wollen, sei es, weil sie es nicht verstehen oder wegen ihrer christusfeindlichen Richtung, so sollen sie vernehmen, [S. 137] daß auch so die Worte des Petrus einen richtigen Sinn ergeben. Denn der, welcher über irgendwelch' andere Herr wird, bringt die unter seine Herrschaft, die bereits existieren. Wenn aber der Herr aller Schöpfer und ewiger König ist, damals aber, als er Mensch geworden ist, auch uns erworben hat, so ist auch danach wieder klar, daß das Wort des Petrus auch so nicht die Substanz des Wortes als gemacht bezeichnet, sondern die nachgefolgte Unterwerfung aller und des Erlösers Herrschaft über alle; und das ist doch dem oben Gesagten ähnlich. Wie wir nämlich dort die Worte: "Werde mir zu einem schirmenden Gott"5 und: "Es wurde der Herr eine Zuflucht dem Armen"6 anführten, und die Ausführung ergab, daß diese Gott nicht als entstanden /beweisen, sondern auf die einem jeden von Gott gespendete Wohltat hinweisen, so hat auch das Wort des Petrus denselben Sinn.
1: Gen. 19,24.
2: Ps. 109,1.
3: Ps. 44,7.
4: Ps. 144,13.
5: Ps. 30,3.
6: Ps. 9,10.