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von Josua Schmeitzky, MSc
Was empfinden Sie, wenn Sie einem Kleinkind oder Welpen in die Augen schauen? Verspüren Sie auch ein Gefühl von Wohlwollen und den Drang zur Fürsorge? Schon Charles Darwin meinte, dass Kleinkinder etwas an sich haben, das Erwachsene zur Fürsorge verleitet. Dieses “Etwas” bezeichnen wir auch als Niedlichkeit. Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen empfinden Gesichter mit einer grossen runden Stirn, grossen tief sitzenden Augen und einem kleinen Kinn als niedlich. Dieses so genannte Kindchenschema trifft vor allem auf das Erscheinungsbild von Kleinkindern und jungen Säugetieren zu. Da wir in unseren ersten Lebensjahren komplett auf die Fürsorge anderer angewiesen sind, haben sich in unserer Evolution dieses Kindchenschema und die dazugehörende fürsorgliche Reaktion herausgebildet.
Dass unsere Emotionen und unser Verhalten durch die Wahrnehmung von niedlichen Kindern und Tieren beeinflusst werden, ist allgemein bekannt. So lächeln die meisten von uns beim Anblick eines Kleinkindes. Wie sich Niedlichkeit auf die Fürsorge auswirkt, wollten Wissenschaftler der Universität Virginia genauer untersuchen. Insbesondere wurde untersucht, ob Niedlichkeit neben der positiven Veränderung unserer Emotionen auch einen direkten Effekt auf unser Verhalten hat. Da die Fürsorge von Kleinkindern ein hohes Mass an Vorsicht voraussetzt, wollten die Wissenschaftler untersuchen, ob die Wahrnehmung von Niedlichkeit einen Einfluss auf unsere Feinmotorik hat. Hierzu führten sie eine Studie durch, in der sie einer Gruppe Fotos von niedlichen Katzen und Hunden zeigten. Eine zweite Gruppe sah Fotos von weniger niedlichen Katzen und Hunden. Vor und nachdem den Probanden die Fotos wurden, mussten die Probanden eine Feinmotorikaufgabe bewältigen. Nur bei der Gruppe, welche die niedlichen Katzen und Hunde sah, verbesserte sich die Feinmotorik.
Da Frauen im gebärfähigen Alter generell stärker auf Niedlichkeit reagieren als Männer, wurde auch noch auf Geschlechtsunterschiede hin geprüft. Den Resultaten zufolge scheint es jedoch keinen Unterschied hinsichtlich der Verbesserung der Feinmotorik zwischen Männern und Frauen zu geben.
Diese Veränderung der Feinmotorik bestätigt die Annahme, dass Niedlichkeit unseren Beschützerinstinkt weckt. Zudem weist dieser Befund darauf hin, dass Niedlichkeit nicht nur unsere Bereitschaft zur Fürsorge weckt, sondern auch unsere Fähigkeit zur adäquaten Fürsorge beeinflusst. Offen bleibt jedoch, ob dies nur ein Effekt von kurzer Dauer ist oder ob es sich hierbei um einen längerfristigen Effekt handelt. Verliert etwa die Niedlichkeit ihre Wirkung auf unsere Feinmotorik, wenn wir uns den ganzen Tag mit einem Haufen von süssen Welpen abgeben? Überdies stellt sich die Frage, ob wir unsere Feinmotorik mithilfe von niedlichen Dingen gezielt verbessern können. Den Resultaten dieser Studie zufolge lohnt es sich ja vielleicht, beim Malen ein niedliches Haustier um sich zu haben.
Quellen:
Sherman, G. D., Haidt, J., & Coan, J. A. (2009). Viewing cute images increases behavioral carefulness. Emotion, 9, 282–286.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
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