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Um den aktuellen gesamtgesellschaftlichen und auf das Bildungssystem bezogenen Entwicklungen Rechnung zu tragen, wurden die Pädagogischen Rekrutenprüfungen einer Reform unterzogen. Ziel dieser Reform war es u. a., diese Institution durch Einrichtung einer systematischen Feedbackstruktur so zu nutzen, dass sie einen Beitrag zur wirkungsorientierten Optimierung des schweizerischen Bildungssystems zu leisten vermag. In diesem Kontext steht das vorliegende Projekt, welches als Modul "Überfachliche Kompetenzen" die Evaluation der Wirkungen des gesamtschweizerischen bzw. der kantonalen Bildungssysteme vervollständigen soll.
"Überfachliche Kompetenzen", oft mit (über-) grossen Erwartungen als "Schlüsselqualifikationen" bezeichnet, werden im Rahmen dieses Projektes als Fähigkeiten, Einstellungen und Werthaltungen gefasst, deren Relevanz sich aus ihrer funktionalen Bedeutung für das Individuum, sein soziales Nahfeld und die Gesellschaft ergibt. Ziel des Projektes war die Entwicklung eines standardisierten schriftlichen Instrumentariums zur Erfassung ausgewählter "überfachlicher Kompetenzen". Hierbei stellten sich zwei Probleme: Zum einen sind wünschenswerte Wirkungen von Bildungssystemen unausweichlich normativ geprägt. Auch eine funktionalistische Perspektive bedarf der Bezugnahme auf Kriterien, die letztlich immer wertbezogen sind. Selbst wenn eine - noch nicht existierende - elaborierte wissenschaftliche Rahmentheorie eine überzeugende struktur- und funktionsbezogene Modellvorstellung "überfachlicher Kompetenzen" leisten könnte, vermag sie die letztlich bildungstheoretische Frage der Bewertung der Wünschbarkeit dieser Kompetenzen nicht zu umgehen. Das zweite Problem war methodischer Art, zumal gerade in den Bereichen komplexer handlungsbezogener Kompetenzen mit sozialem Bezug ("soziale Kompetenzen") noch keine hinreichend objektiven, validen und reliablen (schriftlichen) psychologischen Testverfahren bestanden.
Diese Probleme wurden im Rahmen des vorliegenden Projekts wie folgt angegangen: Die Zieldimensionen des Indikatorensystems wurden aus einer inhaltsanalytischen Auswertung der Zielsetzungen in den Leitbildern der kantonalen Lehrpläne für die Volksschule, der im Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) formulierten Ziele und der in den eidgenössischen Berufsausbildungsreglementen festgehaltenen Kompetenzen abgeleitet. Der hieraus resultierende Katalog von Zielen überfachlicher Art wurde im Rahmen eines zweiten Arbeitsschrittes unter Berücksichtigung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes in den fokussierten Themenbereichen als Grundlage für die Auswahl verfügbarer, sowie die Entwicklung neuer Befragungsinstrumente (Skalen) genommen. Auf methodischer Ebene wurde - mit weniger Ausnahmen im Bereich umwelt- und politikbezogener Kenntnisse - explizit davon Abstand genommen, Kompetenz aus in konkreten Situationen hervorgebrachter Performanz abzuleiten. Stattdessen sollte auf der Basis eines transaktionalen Modells menschlicher Entwicklung und unter Rückgriff auf die über eine reine Handlungstheorie hinausreichende Selbsttheorie nach Epstein ein auf verschiedene Voraussetzungsdimensionen von Handlungsfähigkeit und Verantwortungsübernahmebereitschaft bezogenenes Instrumentarium entwickelt werden, welches die ausgewählten "überfachlichen Kompetenzen" (mit Ausnahme der erwähnten Wissenstests) über Selbstbeschreibungen erschliesst. Die so gebildeten Indikatoren erlauben deshalb Aussagen zu den prinzipiell latent bleibenden Kompetenzen, weil sie als selbstbezogene Kognitionen nicht nur subjektive Schätzer für die latenten Kompetenzen sind, sondern weil sie darüber hinaus Attributionen, Motivationen und Handlungsstrategien beeinflussen und damit künftige Performanz mitbestimmen.
Mittels zweier empirischer Voruntersuchungen wurden die Indikatoren auf ihre teststatistische Güte hin überprüft und optimiert. Das revidierte Instrumentarium wurde im Rahmen des ersten Hauptlaufes der neuen Pädagogischen Rekruten- und Jugendbefragungen in den Jahren 2000/2001 erstmals auf nationaler Ebene eingesetzt.