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Es ist wieder einmal Zeit für eines meiner „wahren Märchen“:
Es war einmal vor langer Zeit ein französischer Sattler, der einen Sohn hatte. Eines schönen Tages im Jahre 1812 spielte das damals dreijährige Bübchen in der Sattlerwerkstatt des Vaters – und stach sich dabei versehentlich mit einer Feile ins Auge. Die Wunde entzündete sich, die Entzündung griff auch auf das andere Auge über und führte schliesslich zur vollständigen Erblindung des Kleinen. Weil er aber sehr intelligent und wissbegierig war, durfte er trotzdem die Dorfschule besuchen (was für einen Blinden damals alles andere als selbstverständlich war). 1819 kam er nach Paris in die Blindenschule St Victor. Dort lernte der Sohn des Sattlers aus Coupvray nicht nur sehr gut Klavier spielen, sondern leistete auch etwas, wofür er bis heute weltberühmt ist: Noch als Jugendlicher entwickelte er eine Schrift für Blinde, die man mit den Händen ertasten kann. Später wurde er selber Lehrer in St Victor und nebenberuflich Organist an der Kirche Saint Nicolas-des-Champs (er konnte nämlich nicht nur Klavier und Orgel spielen, sondern erfand auch eine Notenschrift für Blinde).
Dieser bemerkenswerte Mann namens Louis Braille starb 1852 zwei Tage nach seinem 43. Geburtstag an einer Lungenkrankheit, die er sich vermutlich durch seinen jahrelangen Aufenthalt in dem feuchten, schlecht geheizten Blindenheim zugezogen hatte. Die nach ihm benannte Blindenschrift verbreitete sich rasch in aller Herren Länder und wird heute noch weltweit angewandt. Anlässlich seines 100. Todestages wurde Louis (dessen bester Freund übrigens Gabriel hiess) 1952 von seinem Heimatort Coupvray nach Paris umgebettet und dort nach einer Gedenkfeier in der Kathedrale Notre-Dame im Pantheon, Frankreichs berühmter Ruhestätte für besonders prominente Leute, beigesetzt. Was für ihn persönlich ein Unglück war, nämlich jener Unfall in der väterlichen Sattlerwerkstatt, führte letztlich zu einem Glück für unzählige blinde Menschen in aller Welt. Jetzt bei buchplanet.ch: Louis Braille. Ein blinder Junge erfindet die Blindenschrift von Jakob Streit.