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Teuflischer Pakt
Igor Strawinsky hatte eben innerhalb kurzer Zeit seine drei berühmten russischen Ballette «Der Feuervogel», «Petruschka» und «Le Sacre du printemps» geschrieben, als er sich zu Beginn des Ersten Weltkrieges gezwungen sah, in die Schweiz zu emigrieren. Das Jahr 1917 brachte ihm dann neben persönlichen Schicksalsschlägen auch finanzielle Sorgen, denn als Folge der russischen Oktober-Revolution blieben Einnahmen aus, die er jeweils aus Russland erhielt. So sah er sich gezwungen, mit einem neuen Projekt die Existenz seiner Familie zu sichern. Im Gedankenaustausch mit dem Schweizer Schriftsteller Ferdinand Ramuz, den er in Morges kennengelernt hatte, entstand die Idee einer Musiktheaterproduktion, die mit möglichst geringen Mitteln verwirklicht und als Wanderbühne an verschiedenen Orten gezeigt werden sollte. In Werner Reinhart aus Winterthur fanden die beiden einen Mäzen, und so machte sich Ramuz an die Bearbeitung des russischen Märchens vom Soldaten und dem Teufel, einer Legende aus altrussischen Märchensammlungen. Die Uraufführung fand im September 1918 in Lausanne unter der Leitung von Ernest Ansermet statt.
Das Stück erzählt von einem Soldaten, der Urlaub hat und heimwärts wandert. Als er am Ufer eines Baches einen Halt macht und auf seiner Geige zu spielen beginnt, erscheint der Teufel im Gewand eines alten Mannes. Der Teufel schlägt ihm ein Tauschgeschäft vor: der Teufel möchte die Geige, und der Soldat soll dafür ein Zauberbuch erhalten, das Reichtum verspricht. Der Soldat wird reich, doch der Wohlstand macht ihn nicht glücklich. Er möchte in sein früheres Leben zurückkehren, und während eines Kartenspiels gelingt es ihm, dem Teufel die Geige zu entreissen. Er findet das Glück wieder, indem er mit seiner Musik eine kranke Prinzessin heilt. Sie wird zu seiner Frau, denn der Vater hatte sie demjenigen Manne versprochen, der sie heilen kann. Doch der Teufel warnt den Soldaten davor, in sein Heimatdorf zurückzukehren. Nach einiger Zeit bittet die Prinzessin den Soldaten, seinen Heimatdorf kennenlernen zu dürfen. Die beiden machen sich auf den Weg. Doch wie der Soldat die Grenze des Dorfes überschreiten, taucht der Teufel auf, entreisst ihm die Geige und treibt ihn triumphierend in die Hölle.
Im Zentrum von Strawinskys Komposition steht die Geige, die die äussere Handlung mitbestimmt und auch das subjektive Empfinden des Soldaten ausdrückt. Marschrhythmen charakterisieren den unheilvollen Plan des Teufels. Das Stück umfasst elf Nummern, darunter einen Choral, ein «kleines Konzert», einen furiosen «Teufelstanz» und drei Tanzminiaturen der Prinzessin, die einen argentinischen Tango, einen Englischen Walzer und einen afroamerikanischen Ragtime stilisieren.
Wie so oft in Strawinskys Werken ist das rhythmische Element stark ausgeprägt. Ein «Kleiner Choral» für die Bläser mit cantus firmus-Melodie in der Posaunenstimme führt nach einem Couplet des Teufels zum «Grossen Choral», der wie in einem mittelalterlichen Bittgebet von Rezitativen des Teufels unterbrochen wird. Diese Rezitative münden in einen Triumphmarsch, der auf gespenstische Weise die teuflische Freude darüber ausdrückt, dass die Seele des Soldaten der Hölle verfallen ist.
Rolf Grolimund
von Igor Strawinskys (1882–1971)
musikalisches Bühnenwerk für Sprecher und Kammerensemble Libretto von Charles Ferdinand Ramuz nach der Märchensammlung von Alexander Afanasjew
(Deutsche Fassung von Hans Reinhart)
In Kooperation mit dem Festival Musikdorf Ernen und Stiftung Schloss Leuk.
künstler
Dani Mangisch, Sprecher
Michel Briand, Darsteller Tanz
Arata Yumi, Violine
Miroslav Petrov, Trompete
David Dias da Silva, Klarinette
Frederic Belli, Posaune
Carlos Tarancón, Fagott
Arnulf Ballhorn, Kontrabass
Andrey Doynikov, Percussion