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Johann Coaz (1822-1918)
Johann Coaz ( 1822-1918 ) Johann Wilhelm Fortunat Coaz, wie sein verurkundeter Name lautet, wurde am 31. Mai 1822 in Antwerpen geboren, wo sein Vater Johann Coaz ( 1770-1855 ) in holländischen Diensten stand ( von wo dieser 1825 als Major in seine Heimat zurückkehrte, 1830 in Chur das Amt eines Kantons-kriegskommissars übernahm und daselbst 1855 in seinem 85. Altersjahr starb. Seine Mutter Salome war eine geb. Kohl von Rogister von Chur, sie starb 1871 im Alter von 80 Jahren ). Johann Coaz - wie er sich nannte und schrieb - besuchte die Schulen in Chur und bestand auf dem damaligen Stadtforstamt und kantonalen Forstinspektorat eine forstliche Lehrpraxis, um dann an der Forstakademie in Tharand Forstwirtschaft zu studieren ( die schweizerische Forstschule wurde erst 1848 als Abteilung des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich gegründet ). Anschliessend beschäftigte er sich mit Vermessungs- und Forsteinrichtungsarbeiten in Sachsen, um dann 1843 wieder in der Heimat tätig zu sein. Sieben Jahrzehnte lang stand er hier im Dienst der Öffentlichkeit: von 1844-1851 als Topograph im bündnerischen Hochgebirge, wobei er zehn topographische Blätter der Gebiete von Davos und des Ober- und Unterengadins kartierte; 1845 ( während des Sonderbundskrieges ) war er Sekretär von General Dufour; 1851-1873 stand er als Kantonsforstinspektor an der Spitze des bündnerischen Forstwesens, amtierte von 1873 bis 1875 als Kantonsoberförster St. Gallens und von 1875 bis 1914, also volle vier Jahrzehnte, als eidgenössischer Oberforstinspektor im Dienst der gesamten Schweiz.
Die Leistungen, die aus seiner praktischen Betätigung und seinen zahlreichen, z.T. umfangreichen Veröffentlichungen resultierten, konnte nur ein Naturwissenschafter und Ingenieur vollbringen, der mit ganzer Tatkraft und auch als feinfühlender Mensch in der ihm zugewiesenen oder von ihm übernommenen Arbeit stand. Prof. Carl Schröter sagt in seiner Schrift über Coaz ( Oberforstinspektor Dr. Johann Coaz, ein Nachruf, Zürich 1919 ), dass er ein hervorragender Topograph gewesen sei, als der er schwierigste Hochgebirgstouren in den Bündner Bergen durchführte und mit seinen Gehilfen eine Reihe von Erstbesteigungen verbuchen konnte: Hochducan und Flüela-Weisshorn ( 1845 ), Piz Kesch-Westspitze, Piz Lischana, Piz J. Jon ( 1846 ), Piz délias Calderas-Err ( 1847 ), Piz Quadervals und Piz Fier ( 1848 ), Piz Mondin, Gemsbleispitz, Krone, Piz Faschaba, Augstenberg ( 1849 ), Piz Corvatsch, Piz Güz, Piz Led, Chapütschin, Piz Misaun, Piz Tschierva, Piz d' Esen, Piz Albris, Munt Pers, Piz Bernina ( 1858 ), Piz Umbrail ( 1865 ?) und Piz Sursura ( 1870 ?). Und man beachte: als 78jähriger bestieg er am 13.September 1900 zur Erinnerung an die Berninabesteigung den Weissmies, in seinem 80. Lebensjahr durchstreifte er mit Professor Carl Schröter vom 10.17. Juli 1902 das Scarltal und den Nationalpark, als 90jähriger nahm er an der Einweihung der Silvrettahütte teil, und in seinem 95. Altersjahr unternahm er mit Schröter von Igis aus einen vierstündigen Marsch in die Waldungen von Marschlins. Seine Rüstigkeit pflegte Coaz mit dem Hinweis zu erklären, « er habe mit 40 Jahren einen Typhus durchgemacht, der ihn so verjüngte, dass er seither frisch zu zählen begonnen habe ». Aus jener Zeit der Tätigkeit als Topograph stammen auch die zahlreichen landeskundlichen Publikationen über: Fextal, Rosegtal, Scarltal, Saastal, das Stätzerhorn, die Höhlen der Sulzfluh, die Nolla, das Silvrettagebirge und viele andereTälerund Gipfel. Im « Jahrbuch » des SAC sind mehrere Aufsätze aus seiner Feder erschienen. Johann Coaz war Alpinist und Gebirgsforscher. Die Sektionen Rätia, Bernina und Bern ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitglied, und an der Abgeordnetenversammlung 1901 in Vevey wurde er mit Ingenieur Xaver Imfeid und Prof. Dr. F.A. Forel zum Ehrenmitglied des Gesamt-SAC ernannt.
In seinem eigentlichen Berufe als Forstmann hat er Bahnbrechendes und Bleibendes geschaffen. Nicht nur in seiner engem Heimat Graubünden und in St. Gallen, sondern ganz besonders als eidgenössischer Oberforstinspektor hatte er grösste Verdienste, sowohl auf dem Gebiet der Gesetzgebung, durch die für unser ganzes Land eine gesicherte Schutzwaldwirtschaft verankert wurde, sondern auch in der Förderung der Waldvermessung, der Inventarisation der Wälder, des Wald-wegbaues, des Lawinen- und Wildbachverbaues sowie der Fischerei und des Jagd- und Vogel-schutzes. Und neben all diesen « amtlichen Arbeiten » hatte Johann Coaz stets Zeit, um auch wissenschaftlichen Problemen und Veröffentlichungen sich zu widmen, so auf dem Gebiet der Botanik. Er besass ein grosses gesamtschweizerisches Herbarium ( heute im Botanischen Museum der ETH in Zürich aufbewahrt ). Seiner Anregung und besondern Mitarbeit haben wir das grosszügige Werk über « die Verbreitung der wildwachsenden Holzarten in der Schweiz » zu verdanken und das « Baumalbum der Schweiz ». 1881 erschien sein umfassendes Werk über « die Lawinen der Schweizeralpen », das noch heute, trotzdem es in vielen Dingen überholt ist, seinen vollen Wert besitzt. 1910 folgte die Arbeit über « Statistik und Verbau der Lawinen der Schweizeralpen », mit einer Lawinenkarte der Schweiz 1:250 000 ( Original 1:100 000 ). Noch viele weitere Arbeiten führte er aus, die seinen Namen in der Wissenschaft in aller Zukunft festhalten. Seine Publikationen zählen 107 Nummern. Die Universität Bern verlieh ihm für sein Wirken den Doktortitel ehrenhalber, und zahlreich sind die naturwissenschaftlichen Gesellschaften und forstlichen Vereinigungen, die ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Die Unsumme von Arbeit konnte Dr. Johann Coaz nicht zuletzt deshalb bewältigen, weil ihm seine Gattin, geb. Pauline Lüscher, von Haldenstein, eine feingebildete Frau ( verehelicht 1852 ), tatkräftig zur Seite stand.
Carl Schröter schliesst seinen Lebensabriss über Coaz mit folgenden Worten: « Soweit unsere Wälder rauschen, soweit die grünen Pioniere die Höhen erklimmen, soweit unsere Älpler vor Wildbach- und Lawinengefahr geborgen wurden, wird der Name Coaz stets in dankbarer Verehrung genannt werden. »Max Oechslin