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Umwandlungssatz – was ist das überhaupt?
Der Umwandlungssatz ist ein festgelegter Prozentsatz, mit dem das angesparte Altersguthaben inkl. Zinsen in eine jährliche Altersrente umgerechnet wird.
Eigentlich ganz einfach. Doch ein genauer Blick zeigt, dass es im Detail etwas komplexer wird.
Dazu ein kleines Gedankenexperiment:
Peter ist 65 Jahre alt und hat seinen wohlverdienten Ruhestand erreicht. Er ist seit mehr als 25 Jahren mit der immer noch attraktiven 53-jährigen Andrea verheiratet. Sie haben zwei Kinder, den 21-jährigen Michael und die 14-jährige Vanessa. Peter hat während seinen Arbeitsjahren ein PK-Altersguthaben von 400'000.– Franken angespart. Er erhält nun ab sofort seine verdiente Altersrente. Und weil Vanessa noch nicht volljährig ist, bekommt Peter zusätzlich zur Altersrente eine Kinderrente für seine Tochter ausbezahlt.
Rechnen wir mit dem gesetzlich festgelegten Mindest-Umwandlungssatz von 6.8%, erhält Peter eine jährliche Rente von 27'200.–. Seine Tochter erhält eine Kinderrente in der Höhe von 20% der Altersrente ihres Vater, was in unserem Beispiel 5'440.– sind. Diese erhält sie bis zur Volljährigkeit, somit die nächsten fünf Jahre.
Peter ist ein sehr sportlicher Mann, ernährt sich gesund und wird stolze 85 Jahre alt. Ab diesem Zeitpunkt erhält seine jüngere Frau Andrea eine Ehegattenrente in der Höhe von 60% der Altersrente von Peter. Andrea ist bei bester Gesundheit und lebt noch weitere 14 Jahre, bis sie im Alter von 87 Jahren ebenfalls verstirbt.
Was heisst das nun für die Pensionskasse? Während 20 Jahren wurde die Altersrente von Peter, während fünf Jahren die Kinderrente von Vanessa und während 14 Jahren die Ehegattenrente von Andrea ausbezahlt. Das ergibt eine Gesamtsumme von knapp 800'000.– Franken. Somit hat die Pensionskasse rund 400'000.– mehr bezahlt, als Peter während seinen Arbeitsjahren angespart hat. Das fehlende Kapital muss die Pensionskasse in Form von Renditen am Kapitalmarkt erwirtschaften. Jetzt könnte man sagen, dass sie im Endeffekt 34 Jahre Zeit hatte, um die 400'000.– zu generieren. Das ist aber nicht ganz korrekt, denn das anzulegende Kapital sinkt mit jeder Rentenauszahlung.
Gehen wir von einer aktuell hohen Rendite von 2% aus, ist das Altersguthaben von Peter inkl. Renditeerträgen nach etwas mehr als 16 Jahren aufgebraucht. Es bräuchte eine Rendite von ca. 3.9%, um die Rente von Peter und die Kinderrente von Vanessa zu sichern. Die 14 Jahre Ehegattenrente von Andrea sind da aber noch nicht beachtet.
Wie wird die Höhe des Umwandlungssatzes bestimmt?
Der gesetzlich definierte Umwandlungssatz hängt von zwei Grössen ab. Einerseits ist dies die durchschnittliche Lebenserwartung und andererseits die zukünftige Kapitalrendite.
Der erste Faktor lässt sich ganz einfach definieren.
Die Lebenserwartung bei Männern liegt aktuell bei 85 Jahren und bei Frauen bei 87.7 Jahren.
Was zusätzlich beachtet werden muss, dass die Kinderrenten nach dem der Pensionierung stark zugenommen haben, also Eltern sind im Schnitt bei Geburten wesentlich älter als bei Einführung des BVG 1985. Neue Formen des Zusammenlebens beeinflussen die Anzahl Hinterlassenenrenten nach Pensionierungsalter. Dies können sein, Witwerrenten, Partnerrenten und Renten für gleichgeschlechtliche Paare.
Die zukünftigen Kapitalerträge sind der zweite wichtige Faktor.
Zahlt die Pensionskasse 27'200.– Franken im ersten Jahr aus, legt sie die restlichen 372'800.– weiterhin an der Börse an und ist stets bemüht, Gewinne damit zu erzielen.
Diese Renditen sind jedoch nicht planbar und fallen von Jahr zu Jahr unterschiedlich aus. Das Gesetz schreibt aber vor, dass die jährliche Rente bei Pensionierung definiert und lebenslang garantiert werden muss. Die Pensionskasse trifft folglich eine Annahme über die erwartete Kapitalrendite der kommenden Jahre. Diese Annahme wird als technischer Zins bezeichnet und wird zum dem gesetzlichen Umwandlungssatz dazugerechnet.
Das seit Jahren sehr tiefe Zinsniveau trifft die Pensionskassen sehr hart, denn die Zinseinnahmen für ihre Obligationen sind homöopathisch klein. Dies führt in der Folge zu einem tieferen Umwandlungssatz.
Gesetzlich festgelegt – der Mindestumwandlungssatz
Mit einem Umwandlungssatz wird also das angesparte Alterskapital in eine lebenslange Altersrente umgewandelt. Der populärste Wert – der auch im Vorfeld der abgelehnten Vorsorgereform 2020 heftig debattiert wurde – ist der sogenannte Mindestumwandlungssatz. Er wurde 1985 bei Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die obligatorische berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) festgelegt und liegt aktuell bei 6,8 % (Stand 2021).
Beispiel
|Alterskapital||Umwandlungssatz||Jahresrente|
|400'000 CHF||6,8 %||27'200 CHF|
Umwandlungssätze im Überobligatorium fallen
Der gesetzliche Umwandlungssatz gilt nur für ein Einkommen bis zu
86'040.– Franken jährlich. Bis zu diesem Salär muss die Pensionskasse den gesetzlichen Umwandlungssatz garantieren. Für Einkommen über dieser Grenze beginnt der freiwillige Teil, das sogenannte Überobligatorium. Hier kann jede Pensionskasse den Umwandlungssatz niedriger ansetzen. Und genau das haben die meisten Vorsorgeeinrichtungen getan. Oder besser gesagt – sie mussten es tun. Zum Teil bereits bis unter 5 %. Auf jeden Fall so tief, dass sie damit die Leistungen aus dem Obligatorium querfinanzieren können.
Versicherter-/ Koordinierter Lohn ab 2021
Obligatorisch versichert ist der Jahreslohn zwischen CHF 25'095.– und
CHF 86'040.– . Dieser sogenannte koordinierte oder versicherten Lohn beträgt im Maximum CHF 60'945.– .
Was wäre ein realistischer Umwandlungssatz?
Hohe Lebenserwartung, geringe Renditen – immer weniger Vermögen muss immer länger reichen. Unter diesen Umständen ist der BVG-Umwandlungssatz von 6,8 % viel zu hoch. Ein Beispiel, das den heutigen Verhältnissen entspricht, könnte in etwa folgendermassen aussehen: Ein Mann, der mit 65 in den Ruhestand geht, wird statistisch gesehen noch weitere 20 Jahre leben. Bei einer geschätzten Rendite von 2 % jährlich ergibt sich ein Umwandlungssatz von 4.8 %.
Alarmierende Konsequenzen durch die Umverteilung
Trotz unrealistischer Höhe hat das Stimmvolk die Vorlage zur Altersvorsorge 2020 und somit eine Senkung des Umwandlungssatzes abgelehnt. Dies führt zu einem Dilemma. Das Altersguthaben einer versicherten Person reicht zwar nicht aus, um die Rente zu finanzieren. Die Vorsorgeeinrichtung muss sie aber garantieren und somit auszahlen. Dies hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass beträchtliche Mittel von den aktiven Versicherten zu den Rentnerinnen und Rentnern transferiert wurden. Mit den rekordtiefen Zinsen an den Kapitalmärkten hat sich die Situation weiter verschärft und es kann nicht mit einer raschen Erholung gerechnet werden.
Geld wird in zwei Richtungen umverteilt
Von Jung zu Alt: Die grösste Umverteilung findet von den aktiven Versicherten zu den Pensionierten statt. Pensionskassen müssen Erträge auf den Guthaben der Aktiven abzwacken, um die Renten der Pensionierten zu subventionieren. Denn gemessen an der Lebenserwartung und der Anlagerendite ist ein grosser Teil der ausbezahlten Renten zu hoch.
Von oben nach unten: Auch im überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge werden Anlageerträge abgezweigt, um damit die Leistungen im Obligatorium zu finanzieren. Das führt zu einem Abbau der Leistungen im Überobligatorium. Dieser Abbau betrifft alle, die bessere Leistungen haben als gesetzlich vorgesehen.
Fazit
Sie sehen, das «Geschäftsmodell» einer Pensionskasse ist mit Risiken verbunden, die schnell sehr teuer werden können. Und in diesem Zusammenhang ist die Diskussion um einen passenden Umwandlungssatz absolut zeitgemäss. Dieser wird durch zahlreiche Faktoren wie Lebenserwartung, Lebenssituation und die erwartete Rendite beeinflusst. Das seit Jahren sehr tiefe Zinsniveau trifft die Pensionskassen sehr hart. Die Zinserträge für ihre Obligationen sind homöopathisch klein und zwingen Pensionskasse dazu, mehr Risiko am Kapitalmarkt einzugehen.