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Instrument
Im Westen ist die Balalaika vor allem als charakteristisches Instrument der russischen Volksmusik bekannt, in Russland gilt sie darüber hinaus als vollwertiges Instrument der E-Musik, das, ähnlich wie die Gitarre, auch an Hochschulen studiert werden kann.
Die Balalaika hat drei Saiten und einen dreieckigen Resonanzkörper mit kleinem Schallloch. Die moderne Balalaika gibt es in sechs Stimmlagen: Piccolo, Prima, Sekunda, Alt, Bass und Kontrabass. Das Soloinstrument ist die Balalaika Prima. Die Saiten sind bei ihr (sowie bei der Balalaika Piccolo) gemischt aus Nylon (früher aus Darm) und Stahl, bei den grösseren aus Stahl und umwickelten Stahl.
Geschichte
Obwohl die Balalaika in Russland als Nationalinstrument Nr. 1 gilt, weiss man über ihre Geschichte wenig. Die erste Überlieferung stammt aus dem Jahre 1688. In einem alten Dokument der Zarengarde steht, dass zwei Bauern verhaftet wurden, weil sie über Gardisten öffentlich schimpften. Laut dem Bericht sollen die zwei Bauern dabei Balalaika gespielt haben.
Die eigenartige Form der Balalaika führt man auf das Verbot der Domra zurück. Die Domra ist ein Saiteninstrument mit rundem Resonanzkörper. Sie war ein beliebtes Instrument auf dem russischen Land, besonders bei den Skomorochi, einer Art Gaukler, die den Zar, die russische Kirche und die Gesellschaft aufs Korn nahmen. Aus diesem Grund war das Domraspiel 1648 und nochmals 1657 verboten worden. Es wurde befohlen alle „Teufelsgefässe” mit Saiten und rundem Körper in ganz Moskau einzusammeln und zu verbrennen.
Um der Verfolgung zu entkommen und trotzdem auf das beliebte Instrument nicht zu verzichten, erfanden russische Bauern eine Domra mit dreieckigem Resonanzkörper und nannten sie „Balalaika”.
Das nächste wichtige Kapitel schrieb kein Bauer sondern ein Adliger Ende des 19. Jh. Zu dieser Zeit war die Balalaika aber fast in Vergessenheit geraten. So hat Wassilij Andrejew, der zu einem alten russischen Adelsgeschlecht gehörte, von der Existenz der Balalaika bis 1880 gar nicht gewusst.
Eines Tages hörte der junge Aristokrat, wie ein Bauer ein dreieckiges Saiteninstrument spielte. Andrejew war sehr erstaunt, dass man aus diesem kleinen seltsamen Instrument mit nur drei Saiten so viel herausholen konnte. Er kaufte sich das Instrument und nahm bei Bauer Antip einige Lektionen. Langsam entstand die Idee, die aristokratische Petersburger Gesellschaft, in der alles Volkstümliche gerade sehr Mode war, mit Balalaika zu überraschen.
Dafür wollte Andrejew aber die einfache Balalaika von Antip mit gerade 5 Bünden vorerst modifizieren. Er wollte nicht weniger als das alte russische Instrument neu erfinden.
Es erwies sich aber als ein sehr schwieriges Unterfangen, einen Geigenbauer zu finden, der bereit wäre, an einem Volksinstrument zu arbeiten. Glück hatte Andrejew schliesslich bei Fjodor Passerbskij, einem Geigenbauer in St. Petersburg, der für Andrejew die erste Konzertbalalaika angefertigt hat.
Am 23. Dezember 1886 präsentierte Wassilij Andrejew den erstaunten Petersburger Musikliebhabern die neue Balalaika. Der Auftritt im Saal der Adelsversammlung war ein Erfolg. Andrejew wurde über Nacht bekannt. Bald hatte er zahlreiche Schüler. 1887 kam der erste Balalaika-Kurs heraus.
Der nächste wichtige Schritt für die Entwicklung des Instrumentes war die Gründung des ersten Balalaika-Orchesters. Möglich wurde es aber erst, nachdem Andrejew zusammen mit Passerbskij Balalaikas in weiteren Stimmlagen entworfen hatte. So entstanden die Piccolo-Balalaika, die Alt-Balalaika und die Bass-Balalaika. Das Soloinstrument bekam den Namen „Balalaika Prima”.
Nach dem ersten Konzert des kleinen Orchesters in Petersburg wurde Andrejew in der Presse mit lobenden Kritiken überhäuft. 1889 trat der neue Petersburger Star mit seinem Orchester bereits an der Weltausstellung in Paris. Der Siegeszug der neuen Balalaika war nicht mehr aufzuhalten.