Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/1383

Im 19. Jahrhundert wurde das Telefon in verschiedenen Formen von verschiedenen Erfindern erfunden und weiterentwickelt. Das Patent für das erste Telefon erhielt der amerikanische Taubstummenlehrer Alexander Graham Bell im Jahre 1876. Er hatte das Telefonmodell von Philipp Reis vereinfacht und verbreitete dieses nun in die ganze westliche Welt.
In den Anfängen des Telefons, gab es noch keine Telefonnummern. Wenn man jemanden anrufen wollte, rief man zuerst automatisch die Telefonzentrale an. Dort arbeiteten Telefonistinnen, welche sich mit freundlicher Stimme meldeten: „Was beliebt?“. Darauf sagte man, mit welcher Person man telefonieren möchte und das „Fräulein vom Amt“ verband die beiden Gesprächspartner miteinander. Von daher kommt auch die Parole: „Ich bin falsch verbunden“, welche heute genau genommen falsch ist, weil man heute selbst Telefonnummern wählt und nicht mehr von Telefonistinnen verbunden wird.
Telefonistin war ein typischer Frauenberuf. „Wegen ihren schönen sanften Stimmen“, war die Begründung der damaligen Gesellschaft. Der eigentliche Grund war jedoch ein anderer: Frauen waren billige Arbeitskräfte. Telefonistinnen wurden sehr schlecht bezahlt und hatten kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Wenn sie heirateten, mussten sie ihren Beruf aufgeben. Hinter den sanften, netten Stimmen steckten also oft arme, gestresste junge Frauen.
Je mehr Leute sich ein Telefon anschafften, desto stressiger wurde der Beruf der Telefonistin. In den 1920er Jahren hatten so viele Leute ein Telefon, dass es für die Telefonistinnen zu umständlich wurde, alle Anrufe von Hand zu verbinden und so wurde das Verbinden nach und nach automatisiert. Die Leute bekamen individuelle Telefonnummern und konnten sich direkt, ohne Telefonistin, anrufen.
Zum Beruf der Telefonistinnen haben wir eine Bildserie gezeichnet. Sie behandelt die Spannung zwischen den Vorstellungen und Erwartungen der Gesellschaft an die Telefonistinnen und deren realen Leben.
„Sanft wie eine Taube, klug wie eine Schlange und verschwiegen wie ein Grab“, dies waren die Anforderungen an ein gutes „Fräulein vom Amt“.
Heute können wir so schnell und unkompliziert jemanden anrufen oder eine Nachricht schicken. Uns ist manchmal gar nicht mehr bewusst wie umständlich das früher ablief und wie hart Menschen, vor allem die Telefonistinnen, dafür arbeiten mussten.