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Legendäre Perlen: Das Piaggio-Boxer-Töffli
Das Boxer-Töffli – Mitglied einer ganz besonderen Familie
Mofas mit dem Piaggio Logo erfreuen sich bis heute nicht nur in Italien grösster Beliebtheit. Auch in vielen Nachbarländern jenseits des Stiefels beginnen die Augen von Mofa-Fans zu leuchten, wenn irgendwo ein Piaggio-Ciao-, Bravo-, Si- oder Boxer-Töffli um die Ecke biegt. Dabei war es bei der Firmengründung Ende des 19. Jahrhunderts noch gar nicht abzusehen, dass sich das Unternehmen Piaggio im Laufe der Zeit zu dem wahrscheinlich bekanntesten Mofahersteller der Welt entwickeln würde. Begonnen hat 1884 alles mit einem Holzhandel. Weitere Stationen in der Firmengeschichte waren der Schiffbau sowie die Herstellung von Eisenbahnwagen und Flugzeugen. Das Geschäft lief immer besser, weil zu den Kunden auch die italienische Armee gehörte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firma aus dem toskanischen Städtchen Pontedera jedoch untersagt, weiterhin im Bereich der Rüstungsindustrie tätig zu sein. Aus der Not machte die Firmenleitung eine Tugend. Da in allen Teilen des zerstörten Landes ein drastischer Mangel an Fahrzeugen herrschte, verlegte sich das Unternehmen auf die Herstellung von preiswerten Gefährten. So kam es, dass Piaggio in die Zweiradsparte einstieg. Die Entwicklung von Mofas startete dann Mitte der sechziger Jahre, als diese damals neue Fahrzeugklasse immer beliebter wurde. Im Jahr 1967 kam das Modell Ciao auf den Markt.
Mit der neuartigen Mofageneration trafen die Entwickler insbesondere den Nerv Jugendlicher. Das Ciao-Mofa wurde bis 2006 gefertigt und ist damit eines der meist gebauten und beliebtesten Zweiräder überhaupt. Die erste Baureihe des Piaggio-Boxer-Töfflis lief von 1970 – 1972 vom Band. Abgelöst wurde die Reihe von dem Nachfolgemodell, dem Boxer 2. In jener Zeit galt die zweite Baureihe als besonders sicher und modern. Das Boxer-Töffli wurde bis 1978 hergestellt und von dem Töfflimodell Si abgelöst.
Schlank, wendig und elegant
Dass das Modell Piaggio-Boxer heute vergleichsweise selten auf Schweizer Strassen unterwegs ist, lässt sich auch damit erklären, dass der Hobel nur über eine vergleichsweise kurze Zeitspanne produziert wurde. Eine traurige Tatsache, denn bei dieser Rarität handelt es sich um eine ganz besondere Perle. Wer bei dem Namen an einen bulligen Schwergewichtschampion denkt, der irrt natürlich. Denn selbst für Töffliverhältnisse ist das Boxermodell mit seinen circa 50 kg eher ein Fliegengewicht und besticht mit seiner schlanken Silhouette. In dieser Hinsicht braucht dieses Modell den Vergleich mit den anderen sportlichen Mitgliedern der Piaggiofamilie jedenfalls nicht zu scheuen.
Charakteristische Antriebstechnik des Piaggio-Boxer-Töfflis
Wie alle Mofas mit dem legendären Piaggio-Logo ist auch das Boxer-Töffli mit einem 50 Kubikzentimeter Motor ausgestattet. Ein charakteristisches Merkmal der Töfflis aus der Toskana ist der typische Keilriemenantrieb. Diese Art der Kraftübertragung hat den Vorteil, dass sie im Vergleich zur herkömmlichen Antriebskette geräuschärmer ist. Ausserdem ist der Verschleiss beim Keilriemenantrieb geringer, sodass weniger Arbeit bei der Wartung und Pflege des Fahrzeugs anfällt. Ganz ohne Kette kommen jedoch auch die italienischen Mofas nicht aus: Das Starten erfolgt, wie man es gewohnt ist, mittels der Pedale und einer Tretkette.
Kunststofftank und charakteristische Sitzbank
Der offene Einzel-Rahmen ist aus gepressten Blechteilen zusammengeschweisst. Unter der Sitzbank, mit der die Modelle werkseitig ausgestattet wurden, verbirgt sich, im Rahmen eingelassen, ein Kunststofftank – in den 1970er galt dieser als modern. Wer einen kleinen Sattel bevorzugt, benötigt für den Umbau übrigens eine spezielle Halterung. Das Umrüsten von Sitzbank auf einen kleineren Sattel (oder umgekehrt) ist aber kein Problem, da Fachhändler die erforderlichen Ersatzteile und das Zubehör in grosser Auswahl anbieten. Die Gretchenfrage lautet beim Boxer, wie es auch bei den anderen Mofas aus der Toskana der Fall ist, Monogetriebe oder Variomatik? An dieser Stelle gehen die Meinungen bekanntlich auseinander. Mit welcher Technik ein Fahrzeug ausgerüstet ist, lässt sich aber mit geübtem Auge leicht am Seitenblech erkennen. Hat das linke Seitenblech (in Fahrtrichtung gesehen) eine Ausbuchtung, verbirgt sich dort die Variomatik.
Das charmante Fliegengewicht von Piaggio
Während das Modell Ciao auch heute noch häufig auf den Strassen zu bewundern ist, so muss man schon etwas Glück haben, um ein Boxer-Hödi einmal aus der Nähe zu bewundern. Das ist wirklich schade, denn diese Perle ist hat ihren ganz eigenen Charme. Gehörst du zu den Besitzern eines dieser legendären Mofas aus der Toskana oder hast die Gelegenheit eines zu erwerben, dann solltest du alles daran setzen, diesen seltenen 2-Takter fahrbereit und in bestem Zustand zu erhalten. Glücklicherweise ist die Ersatzteilversorgung heute nicht mehr problematisch, sodass sich Restaurationen oder der Erhalt dieser Fahrzeuge mit überschaubarem Aufwand bewerkstelligen lässt.
Bildquellen:
1972 Piaggio-Boxer: Von Lindemann97 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=98549977
Piaggio-Boxer 2: Von Lancissima – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=109744116
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