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Das Kernkraftwerk Beznau beherrscht nicht nur ein 10‘000-jährliches Hochwasser, sondern auch die zusätzliche Verklausung – die mögliche Verstopfung– einer Brücke oder eines Wehres und verfügt über Sicherheitsmargen. Dies zeigen die Technischen Berichte der Axpo zur maximalen Überflutungshöhe der Beznau-Insel, die das ENSI 2014 geprüft hat und nun öffentlich zugänglich macht.
Im Rahmen des EU-Stresstests hatte das ENSI gefordert, dass auslegungsüberschreitende Szenarien wie die vollständige Verklausung einer Brücke oder eines Wehres auf mögliche so genannte Cliff-Edge-Effekte untersucht werden. Dabei handelt es sich um eine sprunghafte Verschlechterung des Anlagenzustandes durch eine geringe Änderung von Anlagen- oder Einwirkungsparametern.
Im November 2014 ist es im Rahmen letzter Abklärungen zu diesen Sensitivitätsstudien zum Schluss gekommen, dass alle Schweizer Kernkraftwerke ausreichend gegen die Gefahr der Verklausung und deren Einfluss auf die Überflutung einer naheliegenden Anlage geschützt sind.
Im Gegensatz zu früheren Modellierungen wird bei den vorliegenden Berechnungen nicht nur der Effekt der Wassermassen und der Verklausung berücksichtigt, sondern auch der Einfluss des Feststofftransportes, also das Mittragen von Schlamm, Sand, Kiesel, Steinen und Geröll. Die gekoppelte Modellierung mit Einbezug von Feststofftransport entspricht dem Stand von Wissenschaft und Technik. Die Annahme einer abdeckenden Korngrösse von 18 Millimetern wurde vom ENSI akzeptiert.
Das Fazit der Modellierung ist, dass die Situation durch den Einbezug des Feststofftransports nicht verschärft wurde. Bei beiden vom ENSI geforderten Szenarien liegt die modellierte Überflutungshöhe nicht über der ursprünglichen Auslegungshöhe von 1,65 Metern. Das sichere Abfahren der Anlage ist deshalb bei beiden modellierten Szenarien möglich.
ENSI verlangte Modellierungen zu Hochwasser und Verklausung
Bereits kurz nach dem Reaktorunglück in Fukushima mussten alle Schweizer Kernkraftwerke erneut nachweisen, dass sie in der Lage sind, ein 10‘000-jährliches Hochwasser zu beherrschen. Das ENSI kam im September 2011 zum Schluss, dass die Kernkraftwerke in der Schweiz über einen guten Schutz verfügen. Es forderte jedoch weitere Analysen, insbesondere zum Thema Verklausung.
Sicherheitsmargen in Beznau erhöht
Das ENSI hat die Betreiber nach dem Reaktorunfall in Fukushima zudem aufgefordert, die Sicherheitsmargen gegen eine externe Überflutung zu überprüfen. 2015 verlangte die Aufsichtsbehörde Massnahmen zur weiteren Erhöhung der Sicherheitmargen. Die Überprüfung des Kernkraftwerks Beznau hatte gezeigt, dass durch eine Verbesserung der Dichtheit des Notstandsbrunnens die Sicherheitsmarge deutlich verbessert werden kann. Das ENSI forderte deshalb, dass das Kernkraftwerk Beznau bis Ende September 2015 die Entlüftungsleitungen und den Mannlochdeckel des Notstandbrunnens ertüchtigt.
Diese Massnahmen wurden zwischenzeitlich umgesetzt. Dadurch stieg die Sicherheitsmarge des Kernkraftwerks Beznau gegen eine externe Überflutung auf 6,15 Meter, was einer Überflutung des Kraftwerksgeländes von 7,00 Metern entspricht. Das ENSI überprüft zurzeit, ob weitere Massnahmen sinnvoll sind, um den Schutz der herkömmlichen Sicherheitssysteme gegen eine externe Überflutung weiter zu verbessern.
Projekt zur Neubestimmung der Hochwassergefährdung
Seit 2013 läuft zudem das Projekt EXAR unter der Leitung des Bundesamts für Umwelt BAFU, welches eine Neubestimmung der Hochwassergefährdung durch die Aare zum Ziel hat. Ausgehend davon werden die Schweizer Kernkraftwerke die Risiken für ihre jeweilige Anlage neu beurteilen müssen.