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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

23. Vortrag.
8.
Siehe, wiederum gelangen wir zu den fleischlichen Sinnen, abermals erniedrigen wir uns und steigen zu euch herab, wenn wir übrigens einmal in etwas von euch aufgestiegen waren. Du willst deinem Sohne etwas zeigen, damit er mache, was du machst; du wirst es machen und so zeigen. Was du also machen willst, um es dem Sohne zu zeigen, das machst du gewiß nicht durch den Sohn, sondern du allein machst, was er nach der Fertigstellung sehen soll, um selbst etwas anderes Derartiges auf gleiche Weise zu machen. Das trifft dort nicht zu. Was nimmst du die Zuflucht zu einem Gleichnisse von dir und zerstörst das Gleichnis Gottes in dir? Dort trifft das nicht zu. Mach etwas ausfindig, was du deinem Sohne zeigst, was du machst, bevor du es machst, um, wenn du es gezeigt hast, durch den Sohn das zu machen, was du machst. Schon fällt dir vielleicht etwas ein. Siehe, sagst du, ich gehe damit um, ein Haus zu bauen, und will, daß es durch meinen Sohn gebaut werde; bevor ich es selbst auszuführen anfange, zeige ich meinem Sohne, was ich machen will; und er macht es dann und ich durch ihn, nachdem ich ihm meinen Willen kundgegeben habe. Du bist nun zwar vom ersten Gleichnisse abgekommen, aber doch steckst du noch in einer großen Ungleichheit. Denn siehe, bevor du das Haus baust, zeigst du es deinem Sohne und hältst ihm vor, was du machen willst, damit er auf deine Belehrung hin, bevor du es zur Ausführung bringst, mache, was du gezeigt hast, und du durch ihn. Aber du wirst Worte zu deinem Sohne sprechen, zwischen dir und ihm werden Worte hin- und hergehen; und zwischen dem Zeigenden und Sehenden oder zwischen dem Redenden und Hörenden bewegen sich artikulierte Laute, die nicht das sind, was du bist und nicht das sind, was er ist. Jawohl, diese Laute, die von deinem Munde ausgehen und die Luft in Bewegung setzend das Ohr deines Sohnes berühren und den Gehörsinn anregend deine Gedanken zu seinem Herzen führen, jene Laute also sind nicht dasselbe wie du und nicht [S. 398] dasselbe wie dein Sohn. Ein Zeichen ist von deinem Geiste dem Geiste deines Sohnes gegeben worden, ein Zeichen, das weder dein Geist noch der Geist deines Sohnes ist, sondern etwas anderes. Dürfen wir annehmen, daß der Vater mit dem Sohne so geredet habe? Waren Worte zwischen Gott und dem Sohne? Wie ist das? Oder, da doch, was immer der Vater dem Sohne sagen wollte ― wenn er es durch ein Wort sagen wollte ―, der Sohn selbst das Wort des Vaters ist, sollte etwa der Vater durch ein Wort zum Worte reden? Oder sollten vielleicht, weil der Sohn das große Wort ist, kleinere Worte zwischen Vater und Sohn hin- und hergehen? Sollte ein Schall und gleichsam eine nur eine Zeitlang dauernde und rasch vorübergehende Kreatur aus dem Munde des Vaters hervorgehen und das Ohr des Sohnes erschüttern? Hat etwa Gott einen Leib, daß so etwas gewissermaßen aus seinen Lippen hervorgeht, und hat das Wort leibliche Ohren, in welche der Schall dringt? Halte alles Körperliche ferne, sieh auf die Einfachheit, wenn du einfältig bist. Wie aber wirst du einfältig sein? Wenn du dich nicht in die Welt verwickelst, sondern aus der Welt herauswickelst1; indem du dich nämlich herauswickelst, wirst du einfältig sein. Erkenne, wenn du kannst, was ich sage, oder wenn du nicht kannst, glaube, was du nicht einsiehst. Du redest mit deinem Sohne, du redest durch das Wort; das Wort, das tönt, bist weder du noch dein Sohn.
1: Implicaveris ― explicaveris.