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Patrick Williams ist mir das erste Mal als Komponist von vier 70er und weiteren 5 Folgen von 1989 – 1992 der populären Peter Falk-Serie Columbo aufgefallen. Als Pat Williams hat er zuvor schon beinahe 100 Folgen von Streets of San Francisco, sogar noch mehr der Mary Tyler Moore Show und viele Episoden von Lou Grant vertont. Williams (der übrigens mit John Williams nur den Nachnamen gemein hat) war und ist also vor allem im Fernsehbereich tätig. Seine Ausflüge ins Filmbusiness sind eher selten und fanden mehrheitlich in den 70er Jahren statt (u.a. Butch and Sundance: The Early Days, Evel Knievel). Mit zu seinen bekanntesten Filmarbeiten dürften der herrliche Steve Martin-Klamauk All of Me, Robert Zemeckis’ Used Cars, Swing Shift mit Goldie Hawn und Kurt Russell und Cubagehören.
Cuba von Richard Lester erzählt von einem englischen Ex-Söldner, der die Truppen des korrupten Machthabers Batista zu Beginn der Revolution auf Kuba ausbilden soll. Neben Sean Connery sind u.a. Brooke Adams, Chris Sarandon und Denholm Elliot zu sehen.
Die Musik hat ein perkussiv-kubanisches Flair ohne allerdings in Karibikfeeling à la Ferienassoziationen zu verfallen. Viel mehr verströmt der Score ab dem ersten Stück (Cuba) schon eine unterschwellig ungute Atmosphäre. Dieses Stück ist massgebend für die folgenden Spanungsstücke (zB. Truck Drive/Julio Runs for It), die hauptsächlich von Perkussion geleitet und mit Streichern sowie einer befremdlich wirkenden Stimme angereichert worden sind. Wortlosen Gesang verwendet Williams in Alex Remembers auch für sein Liebesthema, von dem First Sight die instrumentale Version ist; hier wird das hübsche, verführerisch gestaltete Thema von einer Gitarre vorgetragen. In The Reunion fügt er diese beiden zusammen und in I Adord It/Beach Talk/I Knew You Would lässt er das Thema in einer popig-peppigeren Variante erklingen. Es findet in The Parting und End Titles seine ausführliche orchestrale Version.
Interessant ist Ambush, der mit dem Fagott/Bassklarinetten ostinato durchaus etwas von der bekannten JFK Spannungsmusik seines berühmteren Namensvetters hat. Mehr Pfeffer legt Williams in Skinner’s Escape und in I May Kill Him, wo nebst dem bekannten perkussiven Muster die Streicher und Bläser eindeutig kräftiger zur Geltung kommen.
Etwas für „lounge cue Fans“ ist der abschliessende Bonustrack Poolside Chat für den Williams „A Certain Smile“ von Sammy Fain adaptiert.
Cuba lebt also von diesen beiden Hauptelementen, dem schönen Liebesthema und dem Spannungsgeflecht. Die CD ist durchaus für ein paar gelungene Hördurchgänge gut. Ein feiner erster Einblick in das Schaffen eines Komponisten, den man diskografiemässig bisher noch nicht im Regal zu stehen hatte.
Ein klares Minus gibt es bei der Präsentation. Der Booklettext von Bruce Kimmel ist in seiner gestrafften Form doch etwas vage und lieblos, auf die Musik wird kaum eingegangen. Ausserdem fehlen mir so einige Hintergrundinfos, die zu einem solchen Release halt einfach gehören. Dennoch sind weitere Patrick Williams Veröffentlichungen, ob bei Kritzerland oder nicht, natürlich sehr willkommen – insbesondere seine Columbo Musiken wären reizvoll.
Phil, 19.4.2010
CUBA Patrick Williams Kritzerland KR20015-2 36:58 Min. / 15 Tracks