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Immer noch gibt es viele Beruf, die eher von Männern oder auch nur von Frauen dominiert wird. Ob dies an den Vorurteilen liegt oder mit der Geschichte der Menschheit zu tun hat, lassen wir offen. Wir haben mit einer erfolgreichen Anwältin geredet und mehr über die Arbeit und Ausbildung der ersten weiblichen und selbstständigen Anwältin in Winterthur erfahren.
Die 68-jährige Esther Lange Naef lebt seit ihrer Kindheit in Winterthur, Schweiz. Sie arbeitet seit 33 Jahren als selbstständige Anwältin. Nach ihrer Matura machte sie eine Ausbildung zur Primarlehrerin. Da ihr der Beruf gefiel, sie jedoch nicht bis ins hohe Alter als Lehrerin arbeiten wollte, begann sie ein Jura Studium und machte gleichzeitig das Doktorat. Nach ihrer Zeit an der Universität Zürich, erwarb sie das Anwaltspatent und eröffnete ihr Anwaltsbüro in Winterthur. In Winterthur war sie zu dieser Zeit die allererste weibliche Anwältin, welche selbstständig arbeitete und setzte damit einen Trend.
Normalerweise bin ich um 8.30 Uhr, circa im Büro. Entweder gibt es im Büro zu tun, z. B. Plädoyer schreiben, Rechnungen schreiben, Rechtsfragen abklären, Besprechungen halten, oder ich gehe an eine Verhandlung an s Gericht. Diese dauern meistens einen halben Tag.
Ich biete keine Expertise an. Ich suche alles, was für den Beschuldigten sprechen könnte, spreche mit dem Beschuldigten, erläutere ihm das Verfahren, gebe ihm über die rechtliche Situation Auskunft etc.
Wirkliches Equipment ist bei einer Verhandlung nicht am wichtigsten. Am wichtigsten sind gute Aktenkenntnis und Engagement.
Das ist eine schwierige Frage. Das Strafgesetz in der Schweiz finde ich ein gutes Gesetz. Problematisch ist, dass das Verfahren oft zu lange dauert, d. h. dass ein Beschuldigter und auch das Opfer oft sehr lange warten muss, bis ein Gerichtsurteil rechtskräftig ist.
Wird ein Opfer vertreten, ist dafür zu sorgen, dass ihm die Rechte, die das Opferhilfegesetz in der Schweiz festlegt, auch gegeben werden, z. B. dass ihm eine Genugtuungssumme bezahlt wird, dass das weibliche Opfer bei Sexualdelikten nur von weiblichen Personen befragt wird und nicht mit dem Täter in einem Raum zusammen sein muss etc. Wenn ich das Gefühl habe, dass das Opfer eine Therapie braucht, empfehle ich allenfalls eine Therapeutin, einen Therapeuten.
‘Ich arbeite gerne allein als Anwältin, weil ich nicht gerne Energie und Zeit verliere mit Diskussionen über Fragen, die ich gerne selber schnell entscheide.’- Diese Worte von Esther Lange Naef passen genau zu der erfahrenen Anwältin und zu ihrem Arbeitsstil. Dank ihrer eigenen Motivation und ihrem Engagement, setzt sie alles in die Zukunft ihrer Klienten und berät und vertritt sie in den unterschiedlichen Belangen. Wir danken der Winterthurer Anwältin für das ausführliche Gespräch und wünschen ihr alles Gute!