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Jahrgang 45
Regie: Jürgen Böttcher
Darst.: Monika Hildebrand, Rolf Römer, Paul Eichbaum, Holger Mahlich, Gesine Rosenberg, Walter Stolp, Werner Kanitz, Ingo Koster, Anita Okon u.a.
Der 23-jährige Automechaniker Al und die Krankenschwester Li haben sich in ihrer Ehe auseinandergelebt. Al will die Scheidung, weil er sich in seinem Freiheitsdrang eingeengt fühlt. Als die Scheidungsanwälte dem Paar Bedenkzeit geben, zieht Al aus der gemeinsamen Wohnung in Ostberlin aus. Er hängt in einer Musikkneipe herum, trifft Freunde, geht zu einer Ex-Freundin und installiert sich dann bei seiner Mutter. Doch er kann Li nicht vergessen, zumal ihm seine Freunde versichern, eine Frau wie Li werde er nie mehr finden. Regisseur und Drehbuchautor Jürgen Böttcher drehte seinen einzigen Spielfilm im August 1966, also über ein halbes Jahr nach dem berüchtigten 11. Plenum des ZK der SED. Als der Film Ende September in einer Rohschnittfassung Kadern des Kulturministeriums gezeigt wurde, reagierten diese entsetzt: «Da der Film vorgibt, einen Ausschnitt aus unseren gesellschaftlichen Verhältnissen zu reflektieren, wird er zutiefst unwahr und führt zu Aussagen, die gegen die sozialistische Gesellschaft gerichtet sind», schrieb einer der Funktionäre – worauf das Filmmaterial beschlagnahmt und eingelagert wurde. «Die haben den am meisten gehasst, der gar nicht politisch daherkam; mein Film war ja gar kein politischer Angriff, an meinem Film haben sie die Freiheit gehasst, haben sie diese Art von Erotik gehasst, so wie die Kirche, die merkt, dass jemand auf eine andere Art gläubig ist und ihren Altar nicht braucht», erklärte Böttcher an der Berlinale 1990, wo der Rohschnitt erstmals öffentlich gezeigt wurde. Für das Festival Locarno im gleichen Jahr wurde der Film dann nachsynchronisiert. «‹Jahrgang 45› ist anders als alle anderen DDR-Filme jener Epoche, moderner, eine filmische Entdeckung. (…) Wenn der junge Arbeiter Al mit dem Motorrad durchs Quartier fährt, wirkt er wie ein kleiner James Dean vom Prenzlauer Berg. Der Film wirkt glaubwürdig, weil so etwas wie Wirklichkeit ungefiltert durchkommt; (…) er hat die Frische und Lebensfreude von Godard, und er erinnert an den ‹jungen deutschen Film› auf der anderen Seite der Mauer.» Miklós Gimes, Das Magazin