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Swisscom verkauft ihre deutsche Mobilfunk-Tochter Debitel für knapp 1 Mrd. Franken an eine britische Beteiligungsgesellschaft und muss dabei einen Milliardenverlust einstecken.
Mit der Beteiligung von 93% an Debitel hatte Swisscom in den deutschen UMTS-Markt einsteigen wollen.
Der Betrag von 1 Mrd. Franken liegt weit unter demjenigen, den Swisscom 1999 für die 93%-Beteiligung an Debitel bezahlt hatte: Damals übernahm der Schweizer Telekomkonzern die Mehrheit an der deutschen Debitel für rund 4,3 Mrd Fr. von Daimler-Chrysler und der Metro.
Nach dem Verkauf wird nun die Swisscom noch nicht den gesamten Betrag einnehmen. Sie gewährt dem Käufer, der britischen Investmentgesellschaft Permira, ein Darlehen von 325 Mio. Franken (210 Mio. Euro), wie das Unternehmen in einem Communiqué mitteilt.
Das Darlehen soll verzinst bis in acht Jahren gezahlt werden.
Der Preis war zu hoch
Die Hoffnungen, mit dem deutschen Mobilfunk-Unternehmen einen Fuss in den deutschen UMTS-Markt zu setzen, hatten sich schon bald nach dem Kauf der 93%-Mehrheit zerschlagen.
Swisscom hatte Debitel gekauft, in der Absicht, in Deutschland um die damals vielversprechenden UMTS-Lizenzen mitbieten zu können. Debitel ist ein erfolgreicher Dienste-Anbieter, der selber aber über keine eigene Infrastruktur verfügt.
Nachdem die gebotenen Summen bei der Versteigerung der Lizenzen in schwindelerregende Höhen stiegen, stieg Swisscom bei rund 5 Mrd. Franken aus. Zum Glück, meinen heute die Fachleute.
Bessere Finanzen, aber keine Infrastruktur
Viele der grossen Telekommunikations-Unternehmen sind heute verschuldet, weil sie damals einen masslos überhöhten Preis für die dritte Generation der Mobiltelefon-Lizenzen bezahlt haben.
Für die Schweiz erhielt die Swisscom ihre Lizenz für 50 Mio. Franken; in Deutschland ist sie ausgestiegen. Dadurch sind ihre Finanzen gesünder als die anderer Gesellschaften.
Das Ziel, in Deutschland zu einer eigenen Infrastruktur zu kommen, blieb jedoch unerreicht. Debitel blieb ein Service-Provider, der zwar erfolgreich, aber letztlich zu wenig gewinnbringend arbeiten konnte und auch kaum Steigerungspotenzial aufwies.
Daraufhin hat Swisscom Mobile stattdessen eine Partnerschaft mit Vodafone geschlossen (Vodafone hält heute 25% an Swisscom Mobile).
Für Debitel hat Swisscom somit - aus heutiger Sicht - einen zu hohen Preis bezahlt.
"Debitel ist für uns heute ein rein finanzielles Investment", sagte Swisscom-Chef Jens Alder kürzlich gegenüber den Medien. "Es gibt sehr wenig Synergien zwischen Debitel und der übrigen Swisscom."
Verlust von über 3 Milliarden Franken
Weil die erhofften Synergien ausblieben und Debitel nur wenig Gewinn abwarf, musste Swisscom in den letzten Jahren beträchtliche Wertberichtigungen vornehmen. In den Büchern führte Swisscom die Debitel-Beteiligung noch mit rund 850 Mio. Franken.
Der jetztige Verkauf der Beteiligung zu rund 1 Mrd. Franken bedeutet zwar einen kleinen ausserordentlichen Gewinn von rund 150 Mio. Franken.
Im Gesamten jedoch war das Debitel-Geschäft ein finanzieller Flop: Gegenüber dem Kaufpreis von 4,3 Mrd. Franken. enspricht der jetzige Verkaufspreis einem Verlust von rund 3,3 Mrd.
Serge Rotzler, Finanzanalyst bei der Zürcher Kantonalbank, zeigte sich gegenüber swissinfo nicht überrascht über den Verkauf: "Ich denke, dass Swisscom das Geld besser investieren kann als in Debitel. Im Auge hat Swisscom beispielsweise noch immer den Kauf von Telekom Austria. Wenn nicht, könnte das Geld auch an die eigenen Aktionäe zurück gegeben werden."
In britische Hände
Die Kontrolle bei Debitel mit seinen gut 10 Mio. Kunden und europaweit rund 3100 Angestellten übernimmt eine von der Investmentgruppe Permira beratene Investorengruppe.
Der unter Telco Holding firmierende neue Eigentümer teilte in Stuttgart mit, er übernehme den 93-Prozent-Anteil von Swisscom, 2 Prozent von Electronic Partner, und er wolle auch die übrigen Anteile für 11 Euro je Aktie kaufen.
Die Übernahme steht unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen. Der Vollzug der Transaktion wird Ende Juni erwartet.
swissinfo, Katrin Holenstein
In Kürze
Debitel ist mit gut 10 Mio. Kunden und einem Umsatz von knapp 4,5 Mrd. Fr. (3 Mrd. Euro) der drittgrösste Mobilfunk-Anbieter in Deutschland hinter T-Mobile und Vodafone.
Seit der Übernahme durch Swisscom hat Debitel insgesamt aber lediglich 150 Mio. Fr. an die Muttergesellschaft abgeführt.
Swisscom hat für seine 93%-Beteiligung insgesamt 4.3 Mrd. Fr. bezahlt. Nach Abschreibungen von weit über 3 Mrd. Fr. blieb zuletzt in den Büchern nur noch ein Wert von rund 850 Mio. Fr.