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Gemeinsames EPTA*-Projekt «Genetically modified plants and foods»
Einführung
Was sind gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel?
Die ersten gentechnisch veränderten Organismen wurden in den siebziger Jahren erzeugt. In den letzten drei Jahrzehnten wurden grosse Fortschritte im Bereich der modernen Biotechnologien erzielt. Im Jahr 2005 betrug die für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVP) bzw. transgener Pflanzen verwendete Fläche weltweit schätzungsweise ca. 90 Millionen Hektar. GVP wurden in 17 Ländern angebaut. Führend sind die USA mit 49.8 Millionen Hektar (55 % der weltweiten Gesamtfläche). Die wichtigsten GVP waren Sojabohnen mit 54.4 Millionen Hektar (60 % der weltweiten GVP-Anbaufläche). In Europa hingegen spielt der Anbau von GVP eine sehr geringe Rolle. 1999 beschloss die Europäischen Union ein de facto-Moratorium für GVP, das bis 2004 galt.
Chancen und Risiken im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmitteln
Die Biotechnologie, insbesondere die Gentechnik, ist eine der umstrittensten modernen Technologien. Einerseits gilt sie als entscheidender Faktor für eine Steigerung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, andererseits ruft sie Bedenken hinsichtlich Gesundheit, Sicherheit und Umweltauswirkungen hervor.
Die neue europäische Richtlinie über die absichtliche Freisetzung (2001/18/EG) und die nachfolgenden EU-Verordnungen führten neue Rahmenbedingungen für gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel in der EU ein, darunter die Betonung des Vorsorgeprinzips, eine verstärkte Risikobewertung, ein Zeitlimit für Bewilligungen, die Einführung von Nachkontrollen und ein verändertes Kennzeichnungssystem.
Gleichzeitig entsteht eine neue Generation von GVP, die die Grundlage für Arzneimittel, Industriechemikalien und andere Produkte bilden. Diese Entwicklung wirft neue Fragen bezüglich der Risikobewertung und Reglementierung auf und verleiht der Diskussion über die Vor- und Nachteile dieser GVP neue Brisanz.
Warum ein EPTA-Projekt über gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel?
Viele Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union und der Schweiz stehen gentechnisch veränderten Lebensmitteln ablehnend oder skeptisch gegenüber. In den letzten fünfzehn Jahren wurden in vielen europäischen Ländern hitzige Debatten über gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebensmittel geführt. Diese Diskussionen haben gemeinsame Züge, lassen aber auch landesspezifische Entwicklungen erkennen.
Zahlreiche Projekte europäischer Institutionen zur Technologiefolgenabschätzung (TA) haben diese Diskussionen analysiert und zu ihnen beigetragen. Sie verwendeten dabei unterschiedliche Ansätze wie z.B. Konsenskonferenzen oder wissenschaftliche Beurteilungen. Auch für das Netzwerk der europäischen Institutionen für Technologiefolgen-Abschätzung (EPTA Network) sind gentechnisch veränderte Sämereien und Lebensmittel ein wichtiges Thema.
Zielsetzungen der Studie
Ziel des Projekts ist es, Informationen zu folgenden Punkten zu liefern:
- Welchen Herausforderungen wird das europäische Rechtssystem in den kommenden Jahren gegenüberstehen?
- Was werden die Themen künftiger öffentlicher Debatten sein?
- Mit welchen Methoden kann die Technologiefolgenabschätzung zukünftige Fragen behandeln?
Das Projekt konzentriert sich auf gentechnisch veränderte Pflanzen und ihre Verwendung als Lebens- und Futtermittel, es beschäftigt sich aber auch mit neuen Anwendungen wie z.B. Arzneimitteln oder Industrieprodukten auf Pflanzenbasis. Gentechnisch veränderte Tiere werden nicht behandelt.
* EPTA = European Parliamentary Technology Assessment Network
Resultate
Ergebnisse der Studie
Die bestehenden Regulierungen für gentechnisch veränderte Pflanzen und Nahrungsmittel in Europa sind gemäss Schlussbericht nicht in jeder Hinsicht gewappnet auf künftige Herausforderungen. Insgesamt wurden fünf Schlüsselbereiche mit möglichen Problemen für die GVO-Regulierung in den nächsten Jahren sowie eine Reihe daraus resultierender möglicher Aufgaben für TA erkannt.
Empfehlungen
- Die Zukunft gentechnisch veränderter Pflanzen und Nahrungsmittel hängt davon ab, wie die europäische Landwirtschaft angesichts unterschiedlicher und immer wieder konfligierender Nachhaltigkeitsziele weiter gestaltet wird. Ein breiter gesellschaftlicher Dialog über die Gestaltung einer nachhaltigen europäischen Landwirtschaft im globalen Kontext erscheint als notwendige Voraussetzung, um die zukünftige Rolle gentechnisch veränderter Pflanzen und Nahrungsmittel näher bestimmen zu können.
- Die Entwicklung neuer Sorten im Rahmen öffentlich finanzierter Forschung könnte einen neuen Schub erhalten. Allerdings wird es nötig sein, nicht nur die technologische Leistungsfähigkeit neuer Entwicklungen zu bewerten, sondern auch deren mögliche Übereinstimmung mit gesamtgesellschaftlichen Zielen im Auge zu behalten, um eine effiziente Verwendung öffentlicher Ressourcen zu gewährleisten.
- Im Bereich der Regulierung könnten die transgenen Non-Food-Pflanzen eine laufende Revision der Rahmenbedingungen erfordern. Dies betrifft sowohl Parameter der Risikobewertung und des Risikomanagements, Aspekte der Ausbreitungskontrolle (Confinement), der Koexistenz und Haftung als auch die Frage einer zukünftigen Nutzenevaluierung.
- Es ist denkbar, aber nicht sicher, dass sich die öffentliche Wahrnehmung ändern wird, sobald gentechnisch veränderte Produkte mit direktem Verbrauchernutzen auf den Markt kommen. Angesichts der vielen Faktoren, welche die öffentliche Meinung beeinflussen – darunter auch ethische Bedenken –, ist bei weitem nicht nur die Verbraucherschutzpolitik von Bedeutung. Vielmehr gehen Einflüsse von der Agrarpolitik bis zur Gentechnikregulierung aus. Debatten und Dialoge über mögliche Nutzen und Probleme sollten möglichst frühzeitig geführt werden, um Enttäuschungen auf verschiedenen Seiten zu vermeiden. Eine Hauptaufgabe bleibt dabei, die Erwartungen an eine umfassende Informationsbereitstellung zu erfüllen.
- Zweifel am Funktionieren der Koexistenzregeln lassen sich zum Teil auf Einzelfragen der Risikobewertung und des Risikomanagements transgener Pflanzen zurückführen; sie können aber auch als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Art der an der Regulierung beteiligten Expertise sowie manche Elemente des Zulassungsverfahrens grundsätzlich infrage gestellt werden. So könnte die Interessenunabhängigkeit der zuständigen Behörden dadurch gestärkt werden, dass ein breiteres Spektrum wissenschaftlicher Meinungen sowie Auffassungen von Interessenvertretern miteinbezogen werden. Als immer wiederkehrendes Problem der Zulassung hat sich die Entflechtung von Wissenschaft und Politik erwiesen. Die Notwendigkeit wissenschaftlicher Evidenz auf der einen und der Freiraum für politische Entscheidungen auf der anderen Seite sind nach wie vor nicht befriedigend gegeneinander abgegrenzt. Wünschenswert wäre etwa ein eindeutig definierter Spielraum für nationale politische Entscheidungen, zum Beispiel bezüglich der Einschränkung oder Förderung der Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen.
- Der zurückliegende WTO*-Konflikt bezeugt die Notwendigkeit, verschiedene internationale Abkommen besser untereinander abzustimmen, damit sich die jeweiligen Zielsetzungen nicht gegenseitig konterkarieren. Dabei muss es nicht ausschließlich um spezielle Fragen des Umgangs mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) gehen, sondern möglicherweise auch um die Integration von Umwelt- und Sozialstandards in die WTO-Regularien. Viele der Probleme auf WTO-Ebene gelten als Resultat unterschiedlicher Interpretation des EU-Regulierungsrahmens durch die einzelnen Mitgliedsstaaten. Mögliche Lösungswege wären eine Stärkung der nationalen Entscheidungsbefugnisse (im Sinne der Subsidiarität) oder aber eine stärkere Harmonisierung unter den Mitgliedsstaaten. Von einer besseren Harmonisierung sowie einer Reform der zuständigen Zulassungsbehörden erwartet eine Reihe der befragten Experten eine Stärkung der Belastbarkeit des EU-Regulierungssystems.
*WTO = World Trade Organization
Vorgehen
Methode
Eine Auswertung vorliegender Berichte von EPTA-Mitgliedern zu verschiedenen Aspekten des Einsatzes gentechnisch veränderter Pflanzen, ihrer Regulierung und den damit verbundenen Problemen ergab eine umfangreiche Liste relevanter Entwicklungen, welche die europäische Gentechnikpolitik in Zukunft auf die Probe stellen könnten. Davon ausgehend wurde ein Fragebogen entwickelt und insgesamt 183 Experten vorgelegt, die in acht Ländern (Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Deutschland, Norwegen, Schweiz, Vereinigtes Königreich) mit der Entwicklung, Bewertung und Regulierung von transgenen Pflanzen befasst sind. Die Antworten der Experten (71 der angeschriebenen füllten den Fragebogen aus) einschließlich ihrer Kommentare wurden dann im Licht der Ergebnisse der vorliegenden einschlägigen Berichte der EPTA-Mitglieder analysiert.
Zeitplan
Start des Projekts: Oktober 2006 | Abschluss: Sommer 2009
Downloads
Kontakte
Projektpartner
- Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag - TAB
- Dänischer Technologierat
- Österreichisches Institut für Technologiefolgen-Abschätzung – ITA
- The British Parliamentary Office of Science and Technology – POST
- Flämisches Institut für Wissenschaft- und Technologiefolge - IST
- Scientific Technology Options Assessment (STOA – European Parliament)
- TA-SWISS Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung
Beteiligte Personen
TA-SWISS Projekt-Betreuer
- Dr. Danielle Bütschi , TA-SWISS, E-mail
Projektkoordinator
- Dr. Rolf Meyer, TAB, E-mail
Projektteam
- Danielle Bütschi, TA-SWISS
- Peter Border, POST
- Jarka Chloupkova, STOA – European Parliament
- Els van den Cruyce, Flämisches Institut für Wissenschaft und Technologie IST
- Soren Gram, Dänischer Technologierat
- Armin Grunwald, TAB
- Rolf Meyer, TAB
- Arnold Sauter, TAB
- Stef Steyaert, Flämisches Institut für Wissenschaft und Technologie IST
- Helge Torgersen, ITA
- Willy Weyns, Flemish Institute for Science and Technology IST
Links
Brunngasse 36
CH-3011 Bern T + 41 31 310 99 60
F + 41 31 310 99 61
<email-pii>
Das Projekt in Kürze
Neue Anwendungen gentechnisch veränderter Pflanzen ausserhalb des Bereichs der Ernährung stehen kurz bevor. Etwa Pflanzen, die medizinische Wirkstoffe produzieren oder solche für die Herstellung von Biotreibstoffen. Die Diskussion von Nutzen und Risiken dürfte sich deshalb wandeln. TA-SWISS beteiligte sich an einer europäischen Review-Studie. Diese zeigt künftige Herausforderungen auf.
Projekt: abgeschlossen (2009)
Produkte: Schlussbericht (englisch) und Zusammenfassung
GV-Pflanzen in der Schweiz, in Europa und weltweit (Factsheet)
Projektleitung: EPTA (European Parliamentary Technology Assessment)