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Erklärungen zu den Gefahrenstellen
Allgemeines
Bei der Ausarbeitung des Lawinenbulletins werden jeweils zusätzlich zur Gefahrenstufe die als kritisch erachteten Geländeteile erwähnt. Beispiel: „Gefahrenstellen befinden sich vor allem an Triebschneehängen der Expositionen West über Nord bis Südost oberhalb von etwa 2000 m“.
Hangneigung
Die meisten Skifahrerlawinen ereignen sich bei Hangneigungen zwischen 35 und 40 Grad. Vor allem bei der Gefahrenstufe gross und sehr gross können vereinzelt Lawinen auch aus Gebieten mit einer Hangneigung von weniger als 30 Grad anreissen.
Es ist naturbedingt, dass nicht von den exakten Werten (z.B. steiler als 35°) ausgegangen werden kann, sondern dass diese als Richtwerte gelten und Übergangsbereiche beachtet werden müssen.
Hangexposition
Ein Nordhang fällt nach Norden ab. Stehen wir auf einem Berggipfel und blicken nach Norden (mittags mit der Sonne im Rücken), so liegt der Nordhang direkt vor und unter uns. Im Hochwinter liegen steilere Nordhänge über lange Zeit im Gebirgsschatten und erhalten deshalb keine direkte Sonneneinstrahlung. Setzung und Verfestigung schreiten hier üblicherweise nur langsam voran.
Höhenlage
Angaben über die besonders kritischen Höhenlagen erfolgen üblicherweise in Schritten von 200 m. Für trockene Lawinen wird meist die Meereshöhe angegeben, oberhalb der sie auftreten können. Bei nassen Lawinen wird die Meereshöhe erwähnt unterhalb welcher sie vorwiegend auftreten können. Formulierungen mit Höhenlagenbereichen, wie etwa „zwischen 2500 m und 3000 m“, werden eher selten verwendet.
Auch die Waldgrenze wird als Referenz verwendet. Gemeint ist der Übergangsbereich vom windberuhigten Waldbestand zum offenen, windbeeinflussten, alpinen Gelände. Die Waldgrenze liegt am Übergang von mittleren zu hohen Lagen. Im zentralen Wallis und im Engadin liegt sie bei etwa 2200 m, inneralpin bei etwa 2000 m und in den Voralpen bei etwa 1800 m.
Weitere Begriffe zur Beschreibung besonders kritischer Geländeteile
Im Zusammenhang mit der Bildung von frischem Triebschnee (während aktueller Verfrachtungsperiode) wird oft auch der Begriff „Triebschneehänge“ verwendet. Gemeint sind damit Steilhänge, in denen frischer Triebschnee abgelagert wird, der besonders kritisch ist (vgl. oben). Meist auch im Zusammenhang mit Triebschneeansammlungen kommt der Begriff „Rinnen und Mulden“ oder „Kammlagen“ im Lawinenbulletin vor. Wenn „Rinnen und Mulden“ oder „Kammlagen“ ausgeschieden werden, dann beschränken sich die Gefahrenstellen meist auf diese Geländeformen und sind daher dort relativ gut lokalisierbar und eher kleinräumig.
Anwendung im Lawinenbulletin
Bezüglich der Verbreitung der Gefahrenstellen lässt sich folgende Reihenfolge ableiten:
Wird beim Gebrauch der Begriffe „Triebschneehänge“ oder „Rinnen und Mulden / Kammlagen“ keine Hangsteilheit angegeben, so ist generell von „steilen“ „Triebschneehängen“ oder „steilen“ „Rinnen und Mulden / Kammlagen“ auszugehen. Ansonsten wird die Steilheit dem verwendeten Begriff vorangestellt, wie z.B. „sehr steile Triebschneehänge“.
Grafische Darstellung in der Gefahrenkarte zum Lawinenbulletin
In der Gefahrenkarte können die besonders kritischen Geländeteile grafisch dargestellt werden:
Die schwarz eingefärbten Bereiche gelten dabei als besonders kritisch. Neben stehendes Beispiel bedeutet folgendes: „Die Gefahrenstellen befinden sich vor allem an den Expositionen West über Nord bis Nordost oberhalb von etwa 2600 m“.
Interpretation
An den als Gefahrenstellen beschriebenen Geländeteilen ist die Lawinensituation am kritischsten. An den übrigen Stellen ist die Lawinengefahr meist tiefer, wobei im Lawinenbulletin keine detaillierte Aussage darüber gemacht werden kann, wie viel tiefer die Gefahr dort im Detail ist. Zwischen zwei Gebieten unterschiedlicher Gefahrenstufe sowie am Rand der bezeichneten Expositionen und Höhenlagen liegen keine klar definierbaren Grenzen, sondern es sind immer Grenzbereiche und Übergangszonen unterschiedlicher Ausdehnung vorhanden, die weder klar dem günstigen noch klar dem ungünstigen Bereich zugeordnet werden können und deshalb vorsichtig zu beurteilen sind. Bei den Gebietsgrenzen unterschiedlicher Gefahrenstufen ist von Übergangszonen einiger Kilometer auszugehen (vgl. Abbildung unten). Es müssen hier beide Einschätzungen in die Beurteilung eingeschlossen werden. Bei den Expositionen muss ein Übergangsbereich von etwa plus/minus einem 16tel-Kreissegment berücksichtigt werden (vgl. Abbildung b), bei den Höhenlagen von plus/minus 200 m (vgl. Abbildung c). Bei diesen Angaben handelt es sich um Richtwerte (Grössenordnungen) und nicht um exakt zu wertende Angaben. „Übergangsbereich“ ist so zu verstehen, dass dort sowohl die günstigere als auch die ungünstigere Beurteilung gelten kann.
Abbildungen a bis c: Es sind sowohl bei der Gefahrenstufe, der Exposition und Höhenlage Übergangsbereiche zu beachten.