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Vom weisen und gottgefälligen Leben, das ist: Von der Unterscheidung der wahrhaften und der falschen Tugend
"Es gibt gewisse Fehler, welche vielfältig die Gestalt der Tugenden annehmen, um, obgleich sie wahre Fehler sind, für Tugenden gehalten zu werden.
So hält man die Strenge für Gerechtigkeit; die Bitterkeit des Gemüts für Ernsthaftigkeit; die Geschwätzigkeit für Beredsamkeit; die Ausgelassenheit wird oft für geistliche Gemütsfreude gehalten (...) Ein mutwilliger Ankläger oder Tadler will ein Eiferer für die Gerechtigkeit, ein anderer, der alles hingehen lässt, will geduldig, und wieder ein anderer, der nicht Mut genug zum Ahnden und Bestrafen hat, will sanftmütig, gütig, oder friedfertig sein, und so von ähnlichen Fällen. Gleichwie aber mit falschen Münzen kein Gut erkauft werden kann, ebensowenig kann man mit falschen Tugenden zum Besitz des Himmels gelangen."
Albertus Magnus
In diesem tiefgehenden Werk des bekannten weisen Bischofs Albertus von Regensburg, wird in ungemeiner Scharfsichtigkeit die wahrhafte von der heuchlerichen Tugend geschieden und gezeigt, wie der aufrichtig Suchende, ein Gott wohlgefälliges Leben führen kann - ein Meisterwerk der Charakterkunde.
Conrad Eibisch (Hrsg.)
Albertus Magnus