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(Kt. Graubünden,
Bez. Bernina).
2330 m. Alpenübergang mit prachtvoller Kunststrasse; führt von Samaden und Pontresina nach Puschlav
und Tirano. Die Strasse ist 56 km lang (Samaden-Passhöhe 21 km, Passhöhe-Puschlav 17 km, Puschlav-Tirano 18 km) und 4,2
m breit; ihre maximale Steigung beträgt 9%. Sie ist im Sommer und Winter dem Verkehre geöffnet. Von Samaden-Tirano rechnet
man 8½, von Tirano-Samaden 9¾ Stunden Wagenfahrt. Die Strasse, von der einige Bruchstücke schon seit 1843 vorhanden waren,
ist 1864 und 1865 mit einem Kostenaufwand von 920500 Fr. erbaut worden. Im Sommer ist der Verkehr auf
ein ihr
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recht lebhafter: 1880 beförderte die Post 4061 Reisende und 1890 deren 4712;
dazu kommen die sehr zahlreichen Fussgänger.
Im Winter beleben die Strasse die zahlreichen Weinfuhren aus dem Veltlin nach dem Engadin.
Ausserordentlich reich ist die
Berninastrasse an prachtvollen Landschaftsbildern und besonders an grossartigen Ausblicken auf Hochgebirge und Gletscher.
Schon in Pontresina taucht der Blick in das dunkelbewaldete und von blitzenden Gletschern und Schneespitzen
abgeschlossene Rosegthal; 4-5 km weiter, bei Montebello, zeigt sich durch Lücken im schönen Lärchen- und Arvenwald der
von einem wundervollen Bergkranz eingerahmte Morteratschgletscher in seiner ganzen Länge.
Diese Stelle kann getrost mit den berühmtesten Aussichten der Alpenstrassen rivalisieren, wie z. B.
dem Abstieg von der Furka nach Gletsch oder dem Stilfserjoch von der Ferdinands- zur Franzenshöhe. Neue Herrlichkeiten bietet
dem Auge die Passhöhe mit ihren Seen und dem Absturz des Cambrenagletschers. Die schmale Landenge zwischen dem Lago Nero (2222
m) und dem Lago Bianco (2229 m) bildet die Wasserscheide zwischen dem Inn (Lago Nero) und der Adda (Lago Bianco).
Nahe dem Lago Bianco liegt das zu einem Gasthause umgewandelte Hospiz.
Kurz darauf öffnet sich das von hohen Ketten eingeengte Puschlav, in das die Strasse mit mannigfaltigen Windungen und durch
zwei lange Felsgallerien führend allmählich absteigt. Bei Pisciadella enden die Schlingen, bei San Carlo
tritt man ins schöne und fruchtbare Puschlav ein. Vom Hospiz aus, oder schon vorher, führt für Fussgänger ein kürzerer
direkter Fussweg, der noch schönere Fernsichten zeigt, über die Alpweiden Grüm und Cavaglia zu Thale. Im durchschnittlich
noch 1000 m hoch gelegenen Thale von Puschlav erinnern Klima, Pflanzenwelt, die Bewohner und ihre Sitten
und Gebräuche schon an Italien.
Einer der Hauptreize des Thales ist der von einem prähistorischen Bergsturze aufgestaute Puschlaversee; an seinem obern Ende
liegen die Bäder von Le Prese, am untern Ende auf einem Schuttkegel die kleine Kirche von Meschino in herrlicher,
das ganze Thal überschauender Lage. Thalabwärts wird der Hang steiler, hohe Felswände fassen die Strasse ein, und unterhalb
Brusio führt eine enge Schlucht mitten in italienische Landschaft. Bei Campocologno überschreitet die Strasse die Landesgrenze,
um bei Madonna di Tirano in das Gebiet der mit Weinreben und
Fruchtbäumen reich bestandenen Hügel des
Veltlins einzutreten. Keine andere Alpenstrasse bietet auf einer so geringen Längenerstreckung einen so vollständigen Wechsel
der verschiedensten Landschaften und Klimaregionen.