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Wir schreiben das Jahr 1519. Die Erfindung des Buchdrucks ist gerade mal 70 Jahre alt, als der wandernde Druckergeselle Christoph Froschauer aus Bayern nach Zürich kommt. Da die Stadt damals noch keinen gelernten Drucker hat, bürgert der Stadtrat den bayerischen Einwanderer 1519 ein.
Mit seiner Druckerei legt Froschauer den Grundstein für den Erfolg eines Unternehmens, das heute die verschiedenen Facetten des Buchwesens betreibt: Druckerei, Verlagswesen und Buchhandel.
Freundschaft zwischen Drucker und Reformator
Der Historiker Adrian Scherrer, Co-Autor des Buches «500 Jahre Drucken», sieht eine besondere Freundschaft für die Erfolgsgeschichte von Orell Füssli verantwortlich: «Froschauer war befreundet mit dem Zürcher Reformator Huldrych Zwingli und druckte alle seine Schriften, darunter auch die Zürcher Bibel von 1531», sagt Adrian Scherrer.
«Zwingli brauchte einen guten Verleger und Drucker, der für die Verbreitung seiner Schriften sorgen konnte. Und auf der anderen Seite profitierte natürlich auch Froschauer von der Aufmerksamkeit, die die Reformation schuf.»
Würste in der Fastenzeit
Wie eng diese Verbindung zwischen Zwingli und Froschauer war, zeigt eine Anekdote: Im Frühling 1522 servierte Christoph Froschauer seinen Druckergesellen Würste, weil sie Überstunden leisten mussten. Das fiel in die Fastenzeit, ein absolutes Unding zu dieser Zeit. Froschauer musste sich dann vor der Obrigkeit verantworten und Zwingli verteidigte ihn. Das wiederum führte dann zur Zürcher Disputation, die ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Reformation war.
Neben Zwinglis Reformationstexten druckte die Druckerei Froschauer auch Werke von Erasmus von Rotterdam und später auch die Bücher des grossen Naturforschers Konrad Gessner. Mit den verschiedenen Besitzerwechsel änderte sich auch regelmässig der Name des Unternehmens, bis 1770 Rudolf Füssli die Druckerei mit dem Verlag von Hans Konrad von Orelli und Salomon Gessner fusionierte.
Von der Bibel bis zur Banknote
Der Verlag Orell Füssli ging in seiner Geschichte viele Wege: Neben Büchern, Landkarten und Plakaten begann die Druckerei zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Druck von Wertpapieren. Ab der Gründung der Schweizerischen Nationalbank 1907 druckte Orell Füssli dann unsere Schweizer Banknoten – bis heute.
Für den Historiker Adrian Scherrer gibt es in der 500-jährigen Erfolgsgeschichte von Orell Füssli schon seit den Anfängen der Froschauer-Druckerei einen klaren roten Faden. Dieser liegt in den Schlagworten Qualität und Flexibilität: «Schon Christoph Froschauer legte Wert auf gute Qualität und war international vernetzt.»
So besuchte er etwa die Frankfurter Buchmesse, die es damals schon gab, und war gegenüber allen drucktechnischen Neuerungen aufgeschlossen. Scherrer ist sich sicher: «Diese Offenheit und Anpassungsfähigkeit ist der wichtigste Grund, warum das Unternehmen so lange Bestand hat.»