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| Theodoret von Cyrus († 466) - Kirchengeschichte (Historia ecclesiastica)

Zweites Buch [337—361]
27. Die Synode zu Seleucia in Isaurien1
Einige Zeit später gab Konstantius auf die Mahnung der Ankläger des Eudoxius hin den Befehl, daß die Synode zu Seleucia gehalten werden solle. Es ist dieses eine Stadt in Isaurien, am Meere gelegen, die erste unter den Städten jenes Landes. In dieser sollten nach kaiserlicher Anordnung die Bischöfe des Morgenlandes sowie auch die aus Pontus und Kleinasien sich versammeln. Um diese Zeit war in Cäsarea, der Metropole Palästinas, Acacius Bischof, der Nachfolger des Eusebius. Dieser Acacius war zwar von der Synode von Sardika abgesetzt worden2, er hatte aber unter Mißachtung einer so großen Zahl von Bischöfen das gegen ihn ausgesprochene Urteil nicht angenommen. Zu Jerusalem hatte nach jenem Makarius, den ich schon öfter erwähnt habe, Maximus den Vorsitz übernommen, ein Mann, der sich in den Kämpfen für den [S. 153] christlichen Glauben besonders ausgezeichnet hatte. Er war nämlich des rechten Auges beraubt und an der rechten Kniekehle gelähmt worden. Als dieser zum unvergänglichen Leben hinübergegangen war, wurde Cyrillus zur bischöflichen Würde erhoben, ein eifriger Verteidiger der apostolischen Lehre3. Diese stritten nun miteinander um den Vorrang und fügten dadurch dem allgemeinen Wohl sehr großen Schaden zu. Acacius setzte nämlich auf einige geringfügige Ursachen hin den Cyrillus ab und vertrieb ihn aus Jerusalem. Cyrillus aber ging an Antiochien vorbei, weil er sah, daß es seines Hirten beraubt sei4, und kam nach Tarsus, wo er bei dem bewunderungswürdigen Silvanus Aufenthalt nahm; dieser war nämlich damals Bischof jener Kirche. Auf die Kunde hiervon schrieb Acacius an Silvanus und teilte ihm die Absetzung des Cyrillus mit. Derselbe hinderte jedoch den Cyrillus nicht an den kirchlichen Verrichtungen, teils aus Hochachtung für Cyrillus, teils aus Scheu vor dem Volke, das dem Unterrichte des Cyrillus mit größter Freude lauschte. Als man nun in Seleucia zusammengekommen war, hielt Cyrillus Gemeinschaft mit den Anhängern des Basilius, Eustathius und Silvanus und den [S. 154] übrigen Mitgliedern der Synode. Auch Acacius kam zu den versammelten Bischöfen — es waren ihrer hundertfünfzig — und erklärte, er werde nicht eher mit ihnen an den Beratungen teilnehmen, als bis Cyrillus von der Versammlung ausgeschlossen werde, da derselbe der bischöflichen Würde verlustig gegangen sei. Da flehten einige aus Sorge um die Erhaltung des Friedens den Cyrillus an, er möge sich doch entfernen, wobei sie ihm versprachen, nach der Entscheidung über die Glaubenslehre auch seine Angelegenheit prüfen zu wollen. Da dieser aber nicht nachgab, so verließ Acacius die Versammlung, schloß sich an Eudoxius an, zerstreute seine Bedenken, flößte ihm Mut ein und versprach ihm, sein Verteidiger und Mitkämpfer zu werden. Er hielt ihn auch ab, die Synode zu besuchen, begab sich vielmehr mit ihm nach Konstantinopel5.
1: Vgl. oben II, 18 S. 134 A. I und II, 25 S. 151 A. 1.
2: Vgl. das Synodalschreiben oben II, 8 S. 106 f.
3: Der hl. Cyrillus, 347—386 Bischof von Jerusalem, scheint durch arianischen Einfluß als vermeintlicher Freund des Arianismus zur bischöflichen Würde gelangt zu sein. Er lehrte aber in seinen bald nach seiner Erhebung gehaltenen Katechesen ganz orthodox im Sinne des Nizänums, wenn er auch das nizänische Wort ὁμοούσιος [homoousios] in denselben niemals gebraucht, wahrscheinlich weil er in dem vielumstrittenen Ausdruck eine Begünstigung des Sabellianismus erblickte. Doch findet sich das nizänische Stichwort in dem Briefe an den Kaiser Konstantius über die am 7. Mai 351 zu Jerusalem beobachtete Kreuzeserscheinung. Persönliche Streitigkeiten mit dem Erzbischof Acacius von Cäsarea über die Tragweite des can. 7 von Nizäa bildeten die Einleitung zu heftigen und unablässigen Verfolgungen von Seiten der Arianer, Verfolgungen, die dem mutigen und standhaften Verteidiger des nizänischen Glaubens galten. Vgl. Bardenhewer, Gesch. d. altkirchlichen Literatur, III (1912), 273 ff. 280 ff.
4: Der Patriarch von Antiochien wäre sonst die zuständige Stelle gewesen, an welche Cyrillus gegen das Absetzungsurteil seines Metropoliten Acacius von Cäsarea hätte appellieren können.
5: Die Synode von Seleucia hielt im ganzen vier Sitzungen. Bemerkenswert ist, daß Acacius sich hier von der anhomöischen Partei trennte, indem er in der dritten Sitzung ein Symbolum einreichte, das nicht nur die Ausdrücke ὁμοούσιος [homoousios] und ὁμοιούσιος, [homoiousios] sondern auch die Bezeichnung ἀνόμοιος [anomoios]verurteilte und nur eine Ähnlichkeit im allgemeinen zugab. Nach Hilarius von Poitiers hätte die neue acacianische Partei nur eine Ähnlichkeit dem Willen, nicht aber der Wesenheit nach angenommen. Im übrigen verlief die Synode resultatlos. Schließlich wurden einem kaiserlichen Befehl gemäß zehn Deputierte gewählt, die sich an den kaiserlichen Hof nach Konstantinopel begaben und dort gezwungen wurden, die Formel von Nice zu unterzeichnen. Hefele, CG I ², 712 ff. Vgl. dazu oben S. 134 Anm. 1.