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Eyram Fiagbedzi
Die Eʋe (ausgesprochen “Ewe”) leben im Südosten Ghanas in der Volta region. Als nördliche Eʋedomeawo bezeichnet man die kulturellen Gruppen Asogli, Adaklu, Awudome, Gbi, und Akpini. Zu den südlichen Anlo gehören Avenor, Tonu (Tongu), Bator, und Mafi. Alle Gruppen der Eʋe haben reiche Tanz- und Trommel Traditionen.
Die Adeʋu („Jäger-Trommeln“) Musik der Eʋedomeawo ist ein Kriegs- und Jagdtanz der in der Vergangenheit anlässlich der Rückkehr der Jäger von einer erfolgreichen Expedition gespielt wurde. Im Tanz kommt die Dankbarkeit der Jäger gegenüber den Göttern zum Ausdruck, die sie vor den wilden Tieren beschützt haben, von denen man wusste, dass sie angsteinflössende Geister waren die sich den Jägern entgegenstellen konnten. Die Jäger stellten im Tanz die Begegnungen und Schwierigkeiten dar, die sie während der Expedition erlebt hatten. Heute wird Adeʋu nicht mehr nur von Männern, sondern auch von Musiker*innen und Tänzer*innen zu Anlässen wie Audienzen bei traditionellen Autoritäten, der Inauguration eines Chiefs oder bei traditionellen Festivitäten aufgeführt.
- Weiterlesen: Eʋe Unterhaltungsmusik im Wandel der Zeit
Viele Musikstile sind zwar von männlichen Trommlern dominiert, doch bei vielen Aufführungen spielen Frauen Idiophone wie Glocken und singen, so zum Beispiel bei Akaye und Egbanegba Musik der Eʋedomeawo.
Auch bei den Musikstilen Agbadza und der Begräbnismusik Atibladekame der südlichen Anlo spielen Frauen Idiophone, singen und tanzen zur Trommelbegleitung der Männer. Heute gibt es auch einige weibliche Meistertrommlerinnen in den Ensembles, was zu Diskussionen der sich wandelnden Geschlechterrollen in der Gesellschaft und in der Trommelmusik führt.
Das Wort ʋu (Trommel) bezeichnet generell alle Perkussionsinstrumente der Eʋe. Die Trommelmusik gilt als Archiv und als Form der Vermittlung kulturellen Wissens und kultureller Werte. Die Texte, die Trommler auf ihren Instrumenten spielen beinhalten Sprichwörter, Verhaltensgrundsätze und Preisgesänge an Städte, Würdenträger. Durch Teilnahme an Trommelaufführungen lernt die jüngere Generation die Geschichte und die Biographien und Eigenschaften wichtiger Würdenträger ihrer Gemeinschaften und Städte. Trommelmusik vollzieht so die historische, gesellschaftliche und politische Struktur der Eʋe Gemeinschaften nach.
Die komplexen rhythmischen Strukturen der Eʋe basieren in der Regel auf Ʋugbe Trommeltexten. Diese Texte dienen auch als Merkhilfe mit deren Hilfe Trommler die rhythmischen Formen lernen, die sie in einem Ensemble spielen. Bei Proben oder auch während Aufführungen können Trommler auch spontan solche rhythmischen Sätze kreieren, auf die dann die anderen Trommler reagieren.
Solche Trommeltexte können alberne Kommentare sein wie…
Zekpe doɖa, na bɔbɔ viɖe
Recke deinen Hintern und beuge dich vornüber
Mieva ɖo za, za, za, mieva ɖo!
Wir sind zahlreich erschienen, wir sind da!
Nadzedzi gbla, nadzedzi gbla
Kolo gbogbo ɖewo doafe ne ame
Sich vielen Liebeleien hinzugeben bringt Armut
…oder Verhaltensregeln und Sprichwörter wie…
Ege metua xo na aɖaba o
Der Bart erzählt die Geschichte nicht der Wimper
…oder Presigesänge wie…
Anlo kotsieklolo, naketsi ɖeka no dzome bi nu ame akpe wo ɖu
Anlo, das mysteriöse einzelne Stück Feuerholz, kocht doch Essen und ernährt Tausende
Die Trommeln der Eʋe werden entweder aus einem einzigen Stück Holz gefertigt oder in der Fassbauweise aus einzelnen Holzlamellen und eisernen Reifen zusammengesetzt. Die Trommelfelle sind meist aus der Haut von Ziegen, Kühen oder Antilopen gefertigt. In der Vergangenheit benutzten die südlichen Anlo auch die Haut einer Fuchsart (avugbe) die in den küstennahen Lagunen ihrer Siedlungen vorkam.
Die Namen der Trommeln reflektieren entweder die Materialien, die für ihren Bau verwendet wurden, die Art und Weise wie sie gespielt werden, den Klang den sie erzeugen oder die Position des Musikers und des Instruments im Ensemble. Trommeln wie die Ʋuga (grosse Trommel), Lakleʋu (Leoparden-Trommel), Agblɔʋu („gebogener Schlegel“-Trommel), Ʋukpo (kurze Trommel), Atompani/Atumpani (sprechende Trommel), und Adaʋatram („Ehrfurcht erzeugende Trommel“) werden bei königlichen und traditionellen religiösen Zeremonien auch als Einzelinstrumente gespielt.
Andere Trommeln werden in Ensembles gespielt, zur Unterhaltung oder bei Beerdigungen und Festivitäten. Die grosse Atsimeʋu wird gemeinsam mit den kleineren Trommeln Sogo, Gboba, Kidi und Kaganu gespielt, wobei die Atsimeʋu die Meistertrommel im Ensemble ist. Die sanduhr-förmige Trommel Adondo haben die Eʋe êtwa in den 1940er Jahren von den im Norden Ghanas beheimateten Dagomba übernommen.
Seit den späten 1980er Jahren haben Eʋe Trommeln Einzug in christliche Kirchen gehalten. In Kirchen, in denen Eʋe zahlenmässig vorherrschen, wie die Evangelical Presbyterian Church Ghana (EPCG), die Apostle Revelation Society oder die Römisch-Katholische Kiurche der Voltaregion. In den Gottesdiensten werden Kirchenhymnen, die in Eʋe übersetzte wurden, oder Choralmusik ghanaischer Komponisten von der Kirchengemeinde gesungen und dabei von Trommelrhythmen begleitet. Bei Prozessionen begleitet der Chor seine Gesänge mit bɔbɔɔbɔ-Trommeln.
Bei Vollversammlungen der EPCG werden die Atsimeʋu und begleitende Trommeln wie Kidi und Kagan in einer Prozession vor der Kirche gespielt um den Chor und die Geistlichen in die Kirche zu leiten, damit der Gottesdienst beginnen kann. Der Ruf zum Gebet wird auch auf sprechenden Atumpani-Trommeln gespielt, und der Liturgiker übersetzt was auf den Trommeln gespielt wird. Auf der sanduhr-förmigen Adondo werden Einsätze für den Chor signalisiert. Bei Höhepunkten einer Predigt kann der Trommler bestimmte kurze Rhythmen auf der Adondo spielen auf die die Kirchengemeinde mit einem gemeinsame geklatschten Rhythmus antwortet. Bei manchen Anlässen spielen Trommel-Tanzgruppen Agbadza-, und Akpalu-Musik um den Gottesdienst musikalisch zu bereichern. In vielen Kirchen wird Bɔbɔɔbɔ-Musik gespielt und einige Kirchen haben sogar eigene Bɔbɔɔbɔ-Ensembles ins Leben gerufen. Diese Ensembles repräsentieren die Kirche bei Anlässen wir Hochzeiten oder Geburtstagen von Kirchenmitgliedern oder bei Beerdigungen.
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Header: Foto © Kodzo Davordzi Bannini 2019
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