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Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtete, wurde in der Karasee ein Container mit einem Atomreaktor des U-Bootes K-19 gefunden. Dies sagte der Leiter der zentralen Luftmobilabteilung «Centrospas» Evgeny Lineitsev.
Derzeit befindet sich eine Expedition zur Suche nach versenkten radioaktiven Objekten im Arktischen Ozean. Vertreter der Spezialeinheiten des Ministeriums für Notfallsituationen «Tsentrospas» und «Leader» untersuchen gemeinsam mit Wissenschaftlern des Instituts für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften den Grund der Karasee mit dem ferngesteuerten Roboter «Falcon».
„Das Schiff «Akademik Mstislav Keldysh» erreichte den geplanten Ort und ankerte vor der Abrosimov-Bucht. Im Rahmen der Arbeiten wurde eine Sonarvermessung durchgeführt und der Container mit dem Atomreaktor der K-19 entdeckt“, schrieb Lineytsev auf Facebook.
Experten wollen den Fund untersuchen, Spektralanalysen durchführen und Pflanzenmaterial von der Oberfläche beproben.
Während der Sowjetzeit wurde die Karasee zu einem echten Endlager für radioaktiven „Abfall“. Während die Mentalität zu Sowjetzeiten ‘aus den Augen, aus dem Sinn’ war, schien die Karasee der ideale Entsorgungsplatz.
Über Jahre hinweg wurden hier nukleare Abfälle entsorgt. Darunter befinden sich Teile des Eisbrechers «Lenin», einschließlich seines Atomreaktors, sowie zahlreiche andere Objekte. Gemäss Aufzeichnungen befinden sich mehr als fünfzehn Atomreaktoren in U-Booten, sowie 5 außer Dienst gestellte veraltete Atom-U-Boote in dieser Gegend. Zusätzlich zu den Reaktoren und U-Booten wurden in der Zeit von Ende der 1960er bis Anfang der 1990er Jahre etwa 17’000 Objekte in der Karasee versenkt.
Das Ministerium für Notsituationen erstellt im Auftrag der Regierung ein Verzeichnis solcher Objekte, das jetzt mehr als 24’000 Namen enthält. Dabei handelt es sich um feste radioaktive Abfälle, chemische Giftstoffe und Munition, die sich hauptsächlich in Tiefen von bis zu 500 Metern befinden.
Das Atom-U-Boot K-19 war das erste nuklear angetriebene U-Boot der sowjetischen Marine mit ballistischen Atomwaffen an Bord. Die drei Raketen hatten eine Reichweite von 650 km. Der Stapellauf erfolgte im Oktober 1959. Im November 1960 unterzeichnete die Staatskommission ein Gesetz über den Abschluss der staatlichen Tests und das Atom-U-Boot wurde in Dienst gestellt.
Die Geschichte des U-Bootes K-19 ist dramatisch. Für die Sowjetunion wurde es zum Symbol der Atomkraft, dem wichtigsten Trumpf im Kalten Krieg, und für viele Matrosen, die darauf gedient haben, wurde es zum rücksichtslosen Killer. Die Besatzung des U-Bootes erlebte in verschiedenen Jahren schreckliche Katastrophen – die Gefahr einer Atomexplosion wegen überhitzter Brennstäbe, eine Kollision mit dem amerikanischen U-Boot «USS Gato» und ein Feuer an Bord mit 28 Toten waren nur einige Unregelmässigkeiten. Wegen dieser dramatischen Ereignisse nannten die amerikanischen Filmemacher, welche den Dokumentarfilm über die K-19 drehten, das U-Boot „den Witwenmacher“, und die Matrosen selbst nennen es bis heute „Hiroshima“. Im April 1990 wurde die K-19 aus der Flotte ausgemustert und entsorgt.
Heiner Kubny, PolarJournal