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Während Präsidentschaftskandidat Mitt Romney um den richtigen Umgang mit dem von Wirbelsturm «Sandy» verursachten Leid ringt, sitzt Janet Weir Creighton in ihrem Büro im Osten des US-Bundesstaats Ohio und sprüht vor Zuversicht.
Creighton ist Republikanerin, genauso wie Romney, eine resolute Frau mit markanter Brille und grauer Kurzhaarfrisur. Der Wahlkampf laufe hervorragend, sagt die Lokalpolitikerin. «Wir haben einen Enthusiasmus, den hat es vor vier Jahren so nicht gegeben.»
Die Verwüstungen, die «Sandy» über die US-Ostküste gebracht hat, beherrschen die Aufmerksamkeit der Medien. Experten spekulieren darüber, ob Präsident Barack Obama sich als Krisenmanager der Nation einen Vorteil verschaffen kann und ob Romney angesichts der Katastrophe den richtigen Ton treffen wird.
Entschieden wird die Wahl am kommenden Dienstag aber wohl in Gegenden wie Stark County in Ohio, fernab der zerstörten Landstriche.
Im komplizierten US-Wahlsystem, in dem es auf die Wahlmänner aus den einzelnen Bundesstaaten ankommt, ist Ohio der Schlüssel zum Sieg. Noch nie hat ein Republikaner die Präsidentschaftswahl ohne Mehrheit in Ohio gewonnen. Der letzte Demokrat, der ohne den Staat im Mittleren Westen ins Weisse Haus einzog, war John F. Kennedy im Jahr 1960. Umfragen sehen Obama, der hier 2008 klar gegen den Republikaner John McCain siegte, nur hauchdünn vor Romney.
Mini-USA
Ohio sei so etwas wie eine Miniaturausgabe der USA, sagt Politikprofessor Eric Matthews vom Notre Dame College in Cleveland. Der Bundesstaat mit seinen gut elf Millionen Einwohnern habe mehrere städtische Zentren, dazu Vororte und ländliche Gegenden.
Wirtschaftlich hänge Ohio von einem Mix aus Industrie, Dienstleistungssektor und Agrarwirtschaft ab. «Diese Aufteilung ist ziemlich repräsentativ für die Vereinigten Staaten», sagt Matthews.
Stark County ist mit 375'000 Einwohnern der siebtgrösste Verwaltungsbezirk Ohios und so etwas wie das Epizentrum dieses Swing States. «Wir sind eine einzigartige Mischung von städtischen und ländlichen Strukturen», sagt Creighton, die der County-Regierung angehört.
«So wie wir abstimmen, stimmen Ohio und die Nation ab.» Tatsächlich lagen die Wähler in Stark County in den vergangenen drei Jahrzehnten jedes Mal richtig, mit Ausnahme der Wahl 2004 - damals stimmten sie gegen Präsident George W. Bush und für den am Ende unterlegenen Herausforderer John Kerry.
Motivierte Republikane
Der Grund für Creightons Optimismus sind freiwillige Helfer wie Mike Garcar. Fünf Mal pro Woche kommt der Student in Romneys Wahlkampfbüro in der Stadt Canton, die Republikaner sprechen selbstbewusst vom «Victory Center», dem Zentrum für den Sieg. «Ich glaube, dass ein schmalerer Staat und ein freier Markt unser Land zurück zum Wohlstand führen können», begründet er sein Engagement für Romney.
Garcar setzt sich stundenlang ins Call Center und telefoniert Wählerlisten ab, manchmal geht er auch von Haustür zu Haustür. «Wir kontaktieren in der Schlussphase zielgerichtet die eingetragenen Republikaner, um sicherzustellen, dass sie wählen gehen», sagt Mike.
Der junge Mann in Stoffhose und Hemd glaubt fest an einen Romney-Sieg. «Unsere Basis ist hochmotiviert, der Enthusiasmus bei den Demokraten ist im Vergleich zu vor vier Jahren dagegen gesunken.»
Die meisten wissen wie sie wählen
Randy Gonzalez sieht das ganz anders. «Für uns sind hunderte Anhänger im Einsatz», sagt der Parteivorsitzende der Demokraten in Stark County. Drei Wahlkampfbüros unterhält Obamas Kampagne in der Gegend für das «ground game», den Nahkampf um die Wählerstimmen. Neben Studenten gehen dabei vor allem Rentner auf Stimmenjagd. «Die haben die grösste Flexibilität», sagt Gonzalez.
Brittany Becker gehört zu Obamas Nahkämpfern in Stark County. «Die meisten Leute haben mittlerweile einfach die Nase voll von den Anrufen», räumt die Studentin ein, die eine blaue Strähne in ihren dunkelblonden Haaren trägt.
Der überwiegenden Teil der Wähler wisse ohnehin schon, für wen er am 6. November stimmen werde. «Wir müssen jetzt unsere Anhänger an die Urnen bekommen», sagt sie. «Nur darum geht es.»
(rcv/sda)