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Ruth Erat
Moosbrand
Suhrkamp Verlag, 1999
Aus: Ruth Erat. Moosbrand. Suhrkamp Verlag, 1999
An Föhntagen sassen Meret und Raimond am Steintisch: Vor Meret steht Wasser mit Wein, vor dem Vater ein Henkelglas voll Bier, ein Mass. Sie essen Schwartenmagen, Presskopf, Senf. Sie lachen.
An einem Frühjahrsföhntag war Meret triumphierend ins Mädchenzimmer gekommen, schmutzig, in einer Rauch- und Schnapswolke, mit aufgerissenen Augen: Armgard, ich war dabei! Sie bekommen eine Schnapsflasche! Sie bekommen Wuhr-mann-Stumpen oder Villiger oder Rössli, was sie wollen, sie sagen, im Wasser bleibt das Fleisch an den Knochen. Man muss Schnaps saufen, um das auszuhalten. An den Knochen, die nach oben kommen, hängen Fleischfetzen. Es ist, weil die Leichen im Wasser liegen. Sie sagen, man muss bei Hochwasser mit der Axt den Sargdeckel einschlagen. Dann ersaufen die Leichen im eigenen Grab. Meret liegt eine halbe Stunde im Bad. Armgard steht daneben. Um Meret das Wasser. Aus Merets Augen fliesst unablässig Wasser. Meret ist stumm. Meret hat die Augen aufgerissen. Da rinnt Wasser. Meret wird Wasser. Armgard sieht Meret Wasser werden.