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Unter dem Begriff Teilzug werden ganz verschiedene Erscheinungen zusammengefasst
Bei vielen Kurzstreckenziehern räumen die im Norden beheimateten Populationen im Winter das Brutgebiet vollständig und ziehen nach Südeuropa, während mitteleuropäische Vögel teils ziehen, teils Standvögel sind und südeuropäische Artgenossen im Brutgebiet überwintern. Beispiele dafür sind Rotkehlchen und Buchfink. Es können im Winterquartier somit verschiedene Populationen zusammen überwintern, oder die nördlichen Artgenossen überfliegen die Winterquartiere der südlichen Populationen.
Bei vielen Teilziehern überwintert der Grossteil der Altvögel im Brutgebiet, während die Jungvögel meist nach Süden ziehen (z.B. Amsel).
Bei Grossvögeln, die frühestens am Ende des 2. Lebensjahres brüten, können die Jungvögel die Zeit bis zur Brutreife im Winterquartier oder südlich des Brutgebietes verbringen (z.B. Fischadler, Weissstorch).
Bei manchen Arten sind in derselben Population Zug- und Standvögel vorhanden. Wie in den letzten Jahren nachgewiesen wurde, können sogar in derselben Brut ein Teil der Geschwister Zugvögel, der andere Teil Standvögel sein (z.B. Amsel, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen), wenn die Eltern entsprechend verschiedenes Erbgut an ihre Nachkommen weitergegeben haben.
Das Teilzugverhalten, so kompliziert es uns im einzelnen auch erscheint, kann folgendermassen verstanden werden: Wenn ein strenger Winter vielen der im Brutgebiet verbleibenden Individuen das Leben kostet, sind die ziehenden Artgenossen im Vorteil. Wenn der Winter mild ist, überleben die Standvögel besser und haben bei Ankunft der Zugvögel die besten Territorien schon besetzt; in diesem Fall sind die Standvögel im Vorteil. Mit dem Teilzugverhalten reagieren die Vögel somit nicht nur auf die jahreszeitlich wechselnden Lebensbedingungen, wie die typischen Zugvögel, sondern auch auf die von Jahr zu Jahr unterschiedlichen Überwinterungsbedingungen - eine ganz erstaunliche und fein differenzierte Anpassung an die wechselnden Bedingungen in den gemässigten Klimazonen.