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Eigentlich haben wir keine Probleme, uns in Kanada zu verständigen. Wir sprechen beide, unterschiedlich gut zwar, Englisch und Französisch. Aber eben, das Eigentlich beinhaltet ja schon unsere Stolpersteine. Es beginnt in Vancouver in der Bahn vom Fluhafen in die Stadt. Christoph wird auf seinen Swiss-Trac angesprochen. Ich strenge mich an und verstehe das meiste. Das kanadische Englisch unterscheidet sich in der Aussprache recht deutlich vom amerikanischen oder britischen Englisch. Beim Personal im Hotel gehts weiter. Alles Anstrengen und genauestes Zuhören nützen uns nicht viel. Das Sprechtempo ist sehr hoch und der Slang so ausgeprägt, dass wir die jeweilige Person ziemlich ratlos ansehen. Bei einer langsameren Wiederholung haben wir zumindest eine Chance, den Zusammenhang zu verstehen.
Je weiter wir nach Osten reisen, desto schwerer verständlich wird das Englisch der Kanadier. Einen Höhepunkt erleben wir an der Rezeption unseres Hotels in Calgary: wir fragen, wo wir den Swiss-Trac deponieren dürften. Der junge Mann lehnt sich mit schräger Kopfhaltung über die Frontdesk und meint: I don‘t understand your accent. What did you say? Seine Antwort verstehen wir dann auch erst bei der dritten Wiederholung…
In Montreal versuche ich es mit meinen Französischkenntnissen. Zu verstehen scheinen mich die angesprochenen Menschen, es fragt jedenfalls niemand nach, wenn ich etwas sage. Wie es uns mit dem kanadischen Französisch ergeht? Kennt Ihr den Film Bienvenue chez les Ch‘tis? Genau so sind wir am Rätseln, was unser Gegenüber uns mitteilen möchte. Doch, doch, ab und zu verstehen wir. Ein Kellner fragt Christoph höflich: Vous-avez besoin de la [schais]? Nach kurzem Überlegen kommt bei mir die Erkenntnis: er meinte la chaise. Oh, das kann ja heiter werden!
Einmal fragen wir nach dem Weg. Die Antwort, wie wir sie verstehen: Chez le vingt août à gauche. Wir suchen nach einem Schild eines Restaurants mit dem Namen vingt août. Beim Schild der Kaffee-Kette Van Houtte schauen wir uns an und lachen los. Willkommen bei den frankophonen Kanadiern!
Mit der Zeit, vermutlich nach viel Zeit, kann man sich sicherlich an die kanadische Aussprache gewöhnen. Doch soviel Zeit ist uns in Montreal nicht vergönnt. Zum Schluss unseres Besuches erhasche ich aber noch ein Kompliment. In einer Kleiderboutique fragt mich die Verkäuferin, ob ich eine Kundenkarte habe oder eine wolle. Ich verneine und sage ich sei nicht von hier. Sie erstaunt: Ah, vous n‘ êtes pas de Montréal? Ob sich wohl mein Französisch dem kanadischen angenähert hat? Um dies zu erörtern, bleibt keine Zeit. Wir nehmen am selben Nachmittag den Zug nach Ottawa. Da wird mehrheitlich Englisch gesprochen, kanadisches Englisch wohlgemerkt!