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2} Pfb. pro Fußpfund (8k pro Meterkilogramm) mechanischer Wirkung, bei schweren Hämnern bis 400 Ctr. und entsprechendem Şube ein solches von 3 Pfd. (9,6 pro Meterkilogramm) und bei dem neu projectirten 2500 Gentner-Hammer, welchem ein Hub bon 12 Fuß (3",76) zugedacht sein soll, ein solches von 3f Pfb. (106,6 prp Meterkilogramm) an.
Der zweite Theil des Vortrages des Hrn. Daelen behandelte
eine neue Doppelroftfeuerung und lautet, wie folgt:
In der neuen Walzwerkøanlage zu Hoerde habe ich an den Schweißöfen, Taf. x, einen combinirten Roft angewendet, welcher, soweit die ersten Versuche cin Urtheil gestatten, sehr gute Resultate giebt.
Der gußeiserne Rost A nimmt zuerst das Brennmaterial auf, und da auf ihm die Verbrennung keine sehr lebhafte ist, weil die Roststäbe ziemlid) bicht nebeneinander liegen, und derselbe keinen Unterwind erhält, so gelangt ein großer Theil der sich entwickelnben Gase unverbrannt über den idhmiedeeisernen Roft B, wo dann unter hinreichender Luftzuführung eine lebhafte Flamme erzeugt wird.
Nachdem die Rohlen von dem Rofte A auf den Roft B heruntergestoßen sind, haben dieselben die leicht flüchtigen Rohlenwasserstoffgase zum größten Theile abgegeben und ihre backende Eigenschaft verloren, weshalb dieselben dem hier zugeführten gepreßten Unterwinde*) leichten Durchzug gestatten und in schnelle Verbrennung gerathen. Durch die Deffnung C wird der Brennftoff aufgegeben, während die Deffnung D nur dazu dient, auf dem Roste B ftochen zu können. Die Afde, welche von dein Roste A fällt, wird durch die Deffnung E in den Aschenraum F hinabgestoßen, von wo sie mit der übrigen Asche durch den Aschencanal fortgeschafft wird; die Klappe G verhindert den Zutritt des
erwinder unter den Roft A, während derselbe burd bent Canal HH unter den Rost B gelangt. Vermittelft einer hier angebrachten Droffelklappe wird der Unterwind so regulirt, daß die Pressung über dem Roste B nicht so groß wird, daß dem Nofte A aller Zug genommen würde."
Bei der hierauf folgenden Discussion wurde allgemein anerkannt, daß der vorbeschriebene Doppelrost die Nachtheile des Treppenrostes vermeide, ohne den Vortheilen des leşteren etwas nadyzugeben, da er ebenso leicht zu handhaben, als gut zu conserviren fci.
Hr. Winger theilte dei dieser Gelegenheit eine Anordnung von drei aufeinander folgenden Rosten mit, welche den Zweck habe, verschiedenartige Kohlen, die fid) in directem Gemenge nicht mit Vortheil anwenden lassen, gemeinsam zur Verwendung zu bringen. Diese Feuerung besteht aus drei hintereinander liegenden getrennten Rosten, welde über eine gemeinschaftliche Feuerbrücke arbeiten und mit je ciner darunter liegenden Thüre zur Regulirung des Luftzutrittes versehen sind. Auf dem von der gemeinsdhaftlichen Feuerbrücke am entferntesten liegenden Roste kommen Fettfohlen zur Verwendung, während der mittlere Roft mit einer mageren Anthracittohle von Piesbergen, die Redner als ziemlich
feuerfest" bezeichnet und die fich zum Alleinverbrauch gar nicht eignet, und der vordere Roft mit Cinders beschickt wird. Eine in dieser Weise construirte Feuerung befinde fich auf der GeorgeMarienhütte bei Osnabrück seit längerer Zeit in Thätigkeit und liefere entschieden günstige Resultate.
in dritten heile feines Vortrages behandelte Hr. Daelen den Betrieb von schweren Walzwerfen durch Zwillingsmaschinen ohne Anwendung von Schwungmaffen.
Ueber Walzwerksmaschinen ohne Schwungrad.
Unter den Hüttenleuten findet man die Meinung verbreitet, daß zu einer Walzenstraße und namentlich zum Blechwalzen an der Maschine ein sehr schweres Schwungrad erforderlich sei; besonders in England fteht man diese Walzen mit ganz enorm schweren Schwungrädern versehen. Versuche neuerer Zeit haben hinlänglich bewiesen, daß so schwere Schwungräber nicht allein nicht erforderlich *), sondern auch noch in doppelter Hinsicht schädlich find.
Erstens absorbirt ein Schwungrad bedeutende Kraft, welche fich im Verhältnisse seines Gewichtes steigert, und zweitens ist es das Schwungrad, welches die große Koften verursachenden Brüche an Walzen, Ruppeln, Spindeln .. herbeiführt,
Aus meinen Erfahrungen in dieser Beziehung, welche mich zu dieser Ueberzeugung gebracht haben, will ich nur einen eclatanten Fall anführen.
Beim Bau des neuen Blechwalzwerfes, welches der Hr. Commer: zienrath Borsig in Biskupiß in Oberschleften errichten läßt, war die Frage aufgeworfen, welches die beste Einrichtung zum Vors und Rückwärtswalzen sei, und fam man zu dem Schlusse, daß e8 am besten sein müsse, ohne Anwendung von Zahnrädern die Dampfmaschine selbst umzusteuern. Um fidy hierüber Gewißheit zu vers schaffen, wurde von einer Zwilling&maschine, welche in Moabit ein Bandagenwalzwerk treibt, das Schwungrad abgenommen. Nachdein darauf durch Gegengewichte auf der Welle die Kurbeln und Pleuelstangen gehörig contrebalancirt waren, ergab sich folgendes Resultat:
Die Maschine arbeitete bei constantem Druce auf den Stahls reifen gleichmäßig und ruhig; man konnte den Gang bis auf 25 Touren verlangsamen, wohingegen mit dem Schwungrade 35 bie 40 gebraucht wurden. Der Dampfverbrauch war geringer, denn die Abnahme der Spannung im Refsel betrug jeßt beim Auswalzen eines Reifenß nur 2 Pfb. (0$,15 pro Quadratcentimtr.), hingegen früher 6 bis 7 Pfb. (05,44 bis 04,51 pro Quadratcentimtr.).
Es konnte daher nicht fehlen, daß fich eine bedeutende Ersparniß an Brennmaterial ergab.
Hoffentlich wird dieser Fortschritt in Zukunft bei allen Walzwerken benußt werden, und damit der große Uebelfland des Brechens der Walzen 2c. und des Kraftverlustes durch die Schwungråber beseitigt werden."
Bei der auch diesem Vortrage gefolgten Discusfton äußerte fich von keiner Seite ein Bedenken gegen das vorgetragene neue Syftem; vielmehr wurden die hervorgehobenen Vortheile der neuen Einrichtung: 1) Ermöglidyung des Vor- und Zurüchwalzens in der ein
fachsten Weise durch Umsteuerung der Maschinen; 2) Kraft- resp. Dampfersparniß durch Beseitigung des
Schwungrabes und möglichste Verringerung der nuss
losen Hübe; 3) ruhigeres Arbeiten und Verringerung der Brüche von
Walzen, Kuppelungen 2. allseitig anerkannt, und war man gespannt darauf, das Resultat der ferneren Versuche zu erfahren.
Hierauf wurden mehrere Notizen über vorgenommene Verdampfungsversuche mit Gußfta hlfefseln berlesen, welche Þr. Studenholz eingesendet hatte, und die bereits S. 207 d. Bd. d. 3. ausführlich mitgetheilt worden sind. Hr. Studenholz hatte ferner eine detaillirte Bearbeitung weiterer umfangreicher Versuche in derselben Bezichung für das Vereinsjournal zugesagt.
*) Ueber die Anwendung des Unterwindes f. BD. VIII, S. 249 und Bd. X, S. 527 0. 3.
D. Red. (?)
*) Bergl. die bezüglichen Ausführungen des Hrn. C. sayfer 0.3. BD. III, S. 198, rechte Spalte, Anmerkung.
D. Reb. (2.)
Der dritte Gegenstand der Tagesordnung gab einen Vortrag des Hrn. Þundt über die Berg- und Hüttenindustrie des Siegener Landes, welcher Vortrag bereits S. 261 0. BD. D. 3. abgedruckt ist. Die Versammlung folgte dem interessanten Vors trage des Hrn. Bergmeifter Hundt mit ungetheilter Aufmerksamkeit, und wurde dem Vortragenden auf Anregung des Vorsigenden der Dank der Anwesenden unter Acclamation votirt.
An diesen Vortrag knüpfte fich eine längere Discussion über die im Siegerlande bestehenden gewerkschaftlichen Einrichtungen, welde Legteren (soweit fte die Hütten- und Kammerordnung anbelangten) namentlich von den anwesenden Einheimischen als einer durchgreifenden Reform bedürftig bezeichnet wurden, während andererseite verschiedene Resultate sowohl des Bohofen- als auch des Pubbel- und Walzwerkbetriebes alle Anerkennung fanden.
Im Uebergange zum vierten Punkte der Tagesordnung: Drganisation der Vorbereitungsanstalten zum Besuche polytech:
nischer gochschulen *) wurde anerkannt, daß dieser Gegenstand fich zur Besprechung in einer so zahlreichen Versammlung kaum eigne. G8 wurde daher eine Commission, bestehend aus den HHrn. R. Peter8, Måurer und Helmholt, mit dem Mandate gewählt, die vorliegende Frage einer weiteren Bearbeitung zu unterziehen und das Resultat der nächsten Versammlung vorzulegen.
Wir lassen nachstehend den von dieser Commission später erstatteten Bericht folgen:
,88 wurde zunächst anerkannt, daß diejenigen jungen Leute, welche durch Besuch einer technisden Hochschule fich die Laufbahn für höhere tedynische Stellungen im Staats- oder Privatdienste eröffnen wollen, einerseits genügende Vorkenntnisse in den technis fchen Disciplinen (Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen), andererseits einen nicht geringen Grad von allgemeiner Bildung beim Eintritte in eine polytechnische Schule aufzuweisen haben müssen. Er würden also die für Lestere vorbereitenben Mittelschulen eine geeignete Vorbildung nach beiden Richtungen (tedynischen Vorkenntnissen und allge: meiner Bildung) zu erzielen haben.
Bei der Discussion über die Frage, durch welche Mittelschulen diesem Programme am besten entsprochen würde, beschränkten wir uns auf Erörterung der uns genauer bekannten Verhältnisse der preußischen Lehranstalten (Gymnasten, Realschulen und Provinzial-Gewerbeschulen) und Famen nach eingehender Discussion zu folgenden Schlüssen:
Nur bei den Realschulen I. Ordnung vermochten wir, in Uebereinstimmung mit den Ansichten des Prof. Grashof (Prins cipien der Organisation polytechnischer Schulen, 1865, S. 12) **) eine, wenn auch nicht allseitig vollkommene, so doch annähernd richtige Combination der Pflege technischer und allgemeiner Rennt nisse, und dadurch eine principiell ziedmäßige Vorbildung für den Unterricht auf technischen Hochschulen zu erkennen. Es wurde jedoch hervorgehoben, daß auch hier der Unterricht in Mathematif, Naturwissenschaften und namentlich im Zeichnen noch viel zu wünschen übrig laffe, und daß eine bessere Vertretung dieser Fächer an den preußischen Realschulen unbedingt nöthig sei, um dem von uns erörterten Zwecke zu entsprechen.
Eine Aenderung hierin würde Schwierigkeiten in zwei Richa tungen begegnen, indem einerseits die Schüler der Realschulen nach deren jeßigem Programme nidt Zeit genug für eingehende Behandlung der technischen Disciplinen übrig behalten; und anderers feite weil an diesen Lehranstalten meistens die geeigneten Lehrkräfte
zu einer ben Bedürfnissen der angehenden Technifer entsprechenden Behandlung der Naturwissenschaften, der Mathematik und des Beidynens fehlen. In ersterer Beziehung wurde anerkannt, daß eine gesteigerte Vertretung der technischen Wissenschaften und des Beichnend ohne übermäßige Anstrengung der Schüler nur dann möglich sein würde, wenn aus dem jeßigen Programme der Reals schulen ein oder mehrere Lehrobjecte wegfielen: Eine Reduction des Unterrichte8 in Geschichte, Geographie und neueren Sprachen dürfte jedoch durchaus nicht zu empfehlen sein, da die Wichtigkeit dieser allgemein bildenden Lehrgegenstände für jede böbere Lebensftellung und besonders auch für das Ingenieurfach nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Es würde nur übrig bleiben, durch namhafte Beschränkung des Unterrichtes in der lateinischen Sprache und gänzlichen Wegfall desselben in der obersten Claffe die zur besseren Vertretung der technischen Disciplinen erforderliche Zeit zu gewinnen.
E8 wurde nicht verkannt, daß die Behandlung der lateinifchen Sprache ein vorzügliches Mittel zur Ausbildung eines logischen Denken und zum systematischen Studium der neueren Sprachen fei; es erschien jedoch selbst bei voller Würdigung dieser Momente nöthig, auf deren günstigen Einfluß ganz oder theilweise zu verzichten, um die disponible Zeit beffer zur technischen Vors bildung auszunußen, wobei hervorgehoben wurde, daß für die anerkannten Vorzüge der lateinischen Sprache größtentheile Ersat geboten werden könnte, da in nicht minderem Grade ein geeigneter Unterricht in der Mathematik zur Ausbildung eines logischen Denkens und die Behandlung der deutschen, französischen und engs lischen Grammatik zur Erzielung einer wahren sprachlichen Bils dung auch ohne die höhere Pflege des Lateins ausgenugt werden könnte.
Es erschien uns sehr wichtig, daß ein derartiges Programm auf Mittelschulen mit Rüdficht auf die Bedürfnisse der Technik mehrfach praktisch erprobt werden möchte, und erblichen wir einen wichtigen Fortschritt in biefer Beziehung in der Organisation der Gewerbeschule in Barmen, welche durch Director Dr. 3 e bine nach jenen Principien neu durchgeführt ist *). Es würde durch eine eingehende Erörterung in competenten Kreifen zu entscheiden sein, ob neben den Realschulen eine neue Art von Mittelschulen, der Zehme'schen Gewerbeschule entsprechend, für die Bedürfnisse der angehenden Techniker allgemein zu errichten wäre, oder ob die jeßigen Realschulen durch Mobification ihres Programmes in oben bezeichneter Richtung mit gänzlichem oder theilweisem Wegfalle des lateinischen Unterrichtes und besserer Berücksichtigung der technischen Disciplinen zu modificiren wären. Vielleicht ließe sich schon durch Hinzufügung von einigen oberen Parallelclaffen zu den Realschulen mit Ausschluß des lateinischen Unterrichtes dem Bedürfnisse einer besseren Vorbildung für den technischen Beruf genügen.
Die zweite oben hervorgehobene Sawierigkeit, welche fich einer geeigneten Vertretung der technischen Disciplinen an den preußischen Realschulen entgegenstellt, wurde darin gefunden, daß die Dort wirkenden Lehrer der Naturwissenschaften und Mathematik ihre Ausbildung auf Universitäten und nicht auf polytechnischen Schulen erhalten, also mit den Bedürfnissen der Technik nicht genug vertraut sind. && wurde bemerkt, daß der Unterrichtegang ein ganz anderer, namentlich für die oberen Classen, werden könnte, wenn die Schüler, welche zum Studium der Technik übergehen wollen, von Lehrern angeleitet werden, welche die Bedürfnisse jener Richtung genau Fennen gelernt haben und nicht von rein theoretis iden Gefichtepunkten auêgehen. Dem Polytechnicum in Zürich ift in, richtiger Würdigung diefel Umftandes eine eigene Ah
*) Vergi. über dieselbe Frage Bd. X, S. 298 und 535; Bd. XI, S. 127, 187 und 233 d. 3. **) Bb. VIII, S. 595 6. 3.
D. Red. (l.)
*) Vergl. über diese Schule Bb. VIII, S. 636 und Bd. XI, S. 237 dieser Zeitschrift
D. Red. (2.)
theilung zur Bildung von Fachlehrern in mathematischer und naturwissenschaftlicher Richtung“ hinzugefügt worden, und dürfte es nicht zweifelhaft sein, daß auch in Preußen bessere Erfolge für unsere Zwecke erzielt würden, wenn in gleicher Weise die Lehrer jener Fächer für Realschulen nicht mehr auf Universitäten, sondern auf polytechnischen Schulen ihre Ausbildung erhielten.
Die sehr mangelhafte Vertretung des Unterrichte8 im Zeichnen wurde endlich als ein Hauptnachtheil der preußis ichen Realschulen erkannt. Derselbe ruht meistens in Händen von Külfelehrern, Malern 2c., welche die Bedürfnisse der Technik durchaus nicht kennen. Eine Heranziehung geeigneter, auf polytechnischen Schulen gebildeter Lehrkräfte, Vermehrung der Stundenzahl des Unterrichtes, und besondere Berücksichtigung des Maschinenzeichnens erschienen dringend nöthig für die Bedürfnisse der angehenden Techniker.
Außer den Realschulen fommen in Preußen die Gymnaften und die Provinzialgeiverbeschulen in Betracht zur Vorbereitung für höhere Studien.
Die Gymnasien erzielen zivar eine umfassende allgemeine Bildung, leisten jedoch so wenig in Mathematik, Naturwissenschaften und Zeichnen, daß fie nicht als geeignete Vorbereitungsanstalten für technische Studien bezeichnet werden können.
Die Provinzialgewerbeschulen im Gegentheile bieten Vortreffliches in den technischen Disciplinen, find aber dadurch, daß sie die allgemeine Bildung fast gar nicht pflegen, ebenso wenig geeignet, ohne Weiteres zum Studium an technischen Hochschulen vorzubereiten.
Dagegen dürfte es fid für einen jungen Mann, welcher durch Rückfichten auf Zeit und Geld nicht beengt ist, wohl empfehlen, zunächst durch Besudy eines Gymnasiums, etwa bis zur Abfclbirung der Secunda die Grundlage zu seiner allgemeinen Bildung zu legen und dann eine zweiclassige Provinzialgewerbeschule turchzumachen, um dort in den technischen Disciplinen sich zum Studium auf technischen Hochschulen borzubereiten. Die Dispensirung vom Griechischen und dafür Einschaltung des Englischen sowie verstärkter Unterricht im Französischen müssen dann aber als nothwendig erscheinen. Eine derartige Reform deg Gymnaftalprogrammes für überhaupt diejenigen Schüler, welche später nicht die akademische Carrière ergreifen, ist bekanntlich schon lange, jedoch ohne Erfolg, anzubahnen versucht worden.
Allein auch hiermit find manche Nachtheile verbunden, welche daraus entspringen, daß die Provinzialgewerbeschulen zum großen Theile von solchen Schülern besucht werden, welche bei einem geringen Grade allgemeiner Bildung nur dort ihre Ausbildung für mittlere Sphären des gewerblichen Berufe8, Werfineister 2. suchen, und daß es dann in obigem Falle, wie Grashof a. a. D. S. 11*) richtig bemerkt, auf den vom Gymnasium kommenden jungen Mann, dessen Geift durch humanistische Studien cinen vors geschrittenen Grab der Reife erlangt hat, nur deprimirend wirken kann, wenn er zeitweise fich unter Mitschüler verseßt sieht, welche, der Mehrzahl nach auf einer niederen Stufe allgemeiner Bildung stehend, ein ganz anderes, niederes Lebensziel verfolgen".
Es würde die Frage aufzuwerfen sein, ob nicht durch Reors ganisation der Provinzialgewerbeschulen diesem Uebelftante abgeholfen werden könnte.
Ohne Zweifel haben dieselben fegensreich für die Industrie gewirkt; allein die hervorgehobene mangelnde Pflege allgemeiner Bildung hat sich bei den von ihnen vorbereiteten und auf technis Ichen Hochschulen weiter ausgebildeten Technikern häufig sehr nach theilig geltend gemacht.
Es würde allerdinge, wenn man einen höheren Grab allges meiner Bildung zum Eintritte in diese Schulen verlangen und für dieselben auch noch den Unterricht in Geschichte und neueren Sprachen einführen wollte, der eine Hauptzweck aufgegeben werden müffen, welchen fte jegt im Auge baben: Werkmeister für mittlere Sphären des gewerblichen Berufes auszubilden. Es würden aber wahrscheinlich die jungen Leute, welche eine Ausbildung in legterer Richtung suchen, mit größerem Vortheile die Specialschulen bes nußen, wie Bergschulen, Baugewerkschulen, Webeschulen 2., weldje an mehreren Stellen zur Ausbildung von Steigern, Werfmeistern und Aufsehern mit vortrefflichem Erfolge eingerichtet find und möglichste Specialisirung der Fachvorträge für einen mittleren Standpunkt ohne Rücficht auf allgenreine Bildung zum Programme haben.
Würden also die auf einem nicht genügenden Standpunkte allgemeiner Bildung stehenden jungen Leute auf legtere Schulen übergeben, so könnten die jebigen Provinzialgewerbesdulen in vorzüglicher Weise den Zweck erfüllen, die specifischen Vorbes reitungsanstalten zum Studiunt auf technischen þochfoulen zu werden. Die oben bemerkten Schwierigkeiten in dies ciplinarischer þinsicht ftelen fort, wenn ein gleichmäßiger, Höherer Grab allgemeiner Bildung für den Eintritt verlangt würde: die Gewerbeschulen nahmen bann junge Leute auf, welche burch Besuch einer Realschule oder eines Gymnasiums etwa bis zur Secunda eine nicht geringe allgemeine Bildung fich angeeignet hatten, und würden dieselben dann in den technischen Disciplinen specieller unterrichten und reif zum Befuche der technischen Hochschulen ents lassen.
Die Provinzialgewerbeschulen würden dann wesentlich dieselbe Stellung einnehmen, wie die oberen Parallelclaffen, welche vorhin als wünsden@werthe Ergänzung der preußischen Realschulen bes zeichnet wurden.
Wenn es also für einen jungen Mann, welcher sich dem technifchen Fache zu widmen beabsichtigt, bis zu einem gewiffen Lebeirse alter fast gleichgültig ist, auf welcher Anstalt (Gymnasium oder Realschule) er sich die bis dahin vorwiegend allgemeine Bildung erwerben foll, so tritt dagegen mit dem 15. ober 16. Lebensjahre, in welchem gewöhnlich die Secunda fener Anstalten erreicht ist, die Nothwendigkeit an ihn heran, fich fpecieller ben technischen Disciplinen zuzuwenden. Die jeßt hierfür eigentlich nirgenbe ganz geeignete Weiterbildung würde durch die oben erläuterte Reorgas nisation der Gewerbeschulen oder durch obere technische Classen an den Realschulen zu erzielen sein. Den Gymnaften verbliebe dann in ihren oberen Classen die Vorbildung für gelehrte Fächer (wenn auch die Mediciner besser den für Techniker bezeichneten, auf Pflege der realen Wiffenschaften bafirten Gang einschlagen würden), den Realschulen in ihrer jegigen Einrichtung, ohne technische Dbers claffen, die Ausbildung von Raufleuten, Landwirthen, Forft- und Poftbeamten 2c.
ES fann nicht unsere Aufgabe sein, eingehendere Vorschläge zu den von uns als wünschenswerth bezeichneten Reformen zu machen; wir konnten nur allgemeine Gesichtspunkte hervorheben und faffen diefelben schließlich zu Folgendem zusammen:
1. Für einen jungen Mann, welcher fich zum Studium auf polytechnischen Lehranstalten vorbereiten will, ift zunächst ein möglichst hoher Grad allgemeiner Bildung anzustreben, und fann dieser burd) Besuch einer Realschule ober eines Gym= naffums etwn bis zur Secunda resp. bis zum 15. bis 16. Lebensjahre erzielt werden.
2. Die weitere Vorbereitung muß specieller die realen Disciplinen (Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen) zum Gegenstande haben. Für dieselbe ist gegens wärtig auf ben preußischen Mittelschulen nur ungenügend gesorgt, da bie Gymnasten diese Lehrfächer fast gar nicht, die Realschulen nur mangelhaft pflegen, während auf den Provinzialgewerbeschulen die fehlende Rücftdyt auf allgemeine Bildung bem nach obiger Vorbereitung eintretenden Schüler eine nachtheilige Stellung bes reitet. Ein Besuch der an mehreren polytechnischen Schulen eins gerichteten Vorbereitung&curse kann als zweckmäßige Aushülfe vorläufig betrachtet werden; dody ist ein Wegfallen dieser Curse aus dieciplinarischen Rücksichten wünschenswerth, sobald durch Reors ganisation der Mittelschulen ein geeigneter Bildungsgang auf diesen ermöglicht ist.
*) BD. VIII, S. 595 8. 3.
D. Red. (L.)
3. Eine Reform ist dadurch möglich, daß
cieller Berücksichtigung der technischen Disciplinen und
werden, oder das b) die Provinzialgewerbeschulen so reorganisirt
werden, daß fte diesen Oberclassen der Realschulen ganz entsprechen, und daß zum Eintritte in dieselben ein höherer Grab allgemeiner Bildung als bisher gefordert
wird; oder endlid), daß c) Sdulen eingerichtet werden nach den Principien der von
Director 3 ehme in Barmen neu organisirten Gewerbeschule, um zugleich sowohl in allgemeiner, ald in technischer Beziehung, mit Ausschluß des lateinifchen Unterrichtes, für die technischen Hochschulen borzu
bereiten. 4. Zu einer geeigneten Durchführung obigen Programmes der Real- und Gewerbeschulen ist es nöthig, daß die daran wirkenden Lehrer der Mathematik, der Naturwissenschaften und des Zeichnens ihre Ausbildung vorwiegend auf polytechnischen Schulen erhalten haben.
Wir fügen idyließlich hinzu:
5. Für fast alle technischen Fäder ist es eine nicht genug hervorzuhebende Nothwendigkeit, daß ein etwa zweijähriges Arbeiten in der Praris dem Besude ber technischen Hochschule vorausgeht.
Verhandelt Düsseldorf am 1. December 1866. Dic vom technisden Vereine für Eisenhüttenwesen erwählte
Commiffion : gez. R. Peters. gez. Ed. Mäurer. gez. D. Helm Goly." —
3m weiteren Verlaufe der Jageordnung erhielt der Schriftführer Hr. Elbero das Wort. Derselbe theilte mit, daß der Gesammtertrag der in Circulation gesepten Listen für freiwillige Beiträge zu den Einrichtungskosten eines
hüttenmännischen Laboratoriums *) fidh nunmehr auf 6150 Syir. belaufe. Im Uebrigen fei ein weiteres Fortschreiten in dieser Angelegenheit noch nicht zu berichten. Der Vorstand des zollvereinsländischen Eisenhüttenvercines, welcher im Frühjahre 6. I. beschlossen habe, bei dem gedachten Vereine eine Beisteuer zu einem gemeinsamen Laboratorium von 2500 Thlr. pro Jahr auf 5 Jahre zu beantragen, habe in Folge der damals eingetretenen Kriegscreignisse die statutenmäßige Generalversamms lung nicht einberufen können und vielmehr beschlossen, die Vereinsthätigkeit vorab zu fistiren. Die Wiederaufnahme der Lesteren stehe jedod, in naher Aussicht und init ihr die Einbringung jenes Antrages, vor dessen Erledigung keine weiteren Schritte geschehen könnten.
Die Versammlung sprach sich dafür aus, daß die einzelnen Mitglieder nach Kräften bemüht sein möchten, die zu erwartende Generalversammlung des zollvereinsländisden Eisenhüttenvereines
namentlich von Freunden der Sache recht zahlreich besucht zu sehen, und wurde damit dieser Gegenstand verlassen.
Der Nachmittag nach der Versammlung fand die Mitglieder zu einem heiteren Mahle versammelt, und wurde der Lag in der Heitersten Weise beschlossen.
Von Seiten der geehrten Siegerländer Mitglieder war der Verein auf den folgenden Tag zu einer gemeinsamen Grubenbes fahrung eingeladen worden, zu welcher sich zahlreiche Theilnehmer fanden. Dieselben wurden Morgens nach der Grube „ Eisengeche" bei Eiserfeld befördert, dem Hauptförderpunkte des gewaltigen Gangzuges , eiserner Sug". Eine Anzahl Festgenossen betheiligte fich unter Leitung des Hrn. Ad. Dreßler an der Befahrung der gedachten Grube, der , Perle des Siegerlandes", bei welcher Ges legenheit der Führer sich ebenso wohl als umsichtiger Sachverftändiger, wie auch als freundlicher Wirth zeigte, welcher den Gästen felbft den Aufenthalt unter der Erde in überraschender Weise angenehin zu machen verstand.
Die übrigen Theilnehmer fepten inzwischen ihre Wanderung unter Führung der SHrn. 4. Rreuz und A. Berg bis zur Charlottenhütte fort, einer Hohofenanlage, welche sich durch die foon in den ersten Betriebejahren erzielten hervorragenden pecus niären Resultate cinen Namen gemacht hat. Besondere Aners fennung fand das erblasene Spiegeleisen von sehr dyöner Sertur.
Die Rücfahrt nach Siegen und ein zweites gemeinsames Mahl schloffen diese erste im Siegerlande abgehaltene Generalvers sammlung, an welche fämmtliche Theilnchmer mit größter Befriedigung, aber auch mit dein herzlichsten Danke für die ihnen von den Siegerländer Mitgliedern bereitete ungemein zuvorkommende, wahrhaft freundschaftliche Aufnahme zurückdenken werden.
Der Sdriftführer: duard Elber 8.
=
Aachener Bezirksverein.
(Fortsetzung von Band x, Seite 238.) Sigung vom 23. April 1866 in Station Ejdweiler. Vorsigender: þr. E. Landsberg. Protokollführer: Hr. Wies fenthal.
Discussion über die Zweckmäßigkeit der allgemeinen Einführung be8 Meter maße 8. Sämmtliche Mitglieder waren entschieden für die allgemeine Einführung und bebauerten nur, Daß die Consumenten ben Fabricanten die Sache erschwerten, indem von jener Seite noch nicht dasselbe Interesse an den Tag gelegt werde.
Hierauf jepte der Vorsigende in längerer Rede die bekannten Arbeiten und Erfahrungen des Mühlhauser Vereines zum Baue von Arbeiterwohnungen auseinander, verglid, damit das Statut des Eupener Vereines zu demselben Zwecke und empfahl der Commission zum Baue von Arbeiterwohnungen diese beiden Statute zur Benußung resp. Belehrung.
Sigung vom 12. Juni 1866 in Station Eschweiler. Vorsißender: Hr. E. Landsberg. Protokollführer: Hr. Wies senthal.
Der Verein trat der Ansicht des Hrn. Fuhse bei, daß die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in den Fabriken wohl für den Verein ein interessantes Studium bilden könne, und ernannte cine Commission zur Vorbereitung des Stoffes für eine allgemeine Besprechung.
Hierauf hielt Hr. Nehse einen längeren interessanten Vortrag über die versciedenen Arten der Gasfeuerung, welcher S. 315 6. Bd. dieser Zeitschrift mitgetheilt worden ist.
Versammlung vom 18. Juli 1866.
An diesem Tage bersammelten fidh Nachmittags etwa 25 Mits glieder des Bezirksvereines an der Stolberger Eisenbahnstation.
*) Nayered hierüber Bb. X, S. 291, 315 und 481 6. 3.
D. Red. (X.)
Man bezab fich von da zunächst zu ber benachbarten Hohofenanlage Marie Prudence". Diese bot bas eigenthümliche Interesse eines
Bohofens dar, welcher Jahre lang nur durch die äußerste Anstrengung hatte conservirt werden können, ehe er endlich, fünf Jahre, nachbein man ihn schon allgemein als verloren betrachtet hatte, ausgeblasen werden mußte. Das Rauhgemäuer war allerseits und auf verschie= denen Höhen durchbrochen. Vermittelst dieser Deffnungen waren die vielen Reparaturen ausgeführt worden, welche die Eristenz des Ofens so lange gefristet hatten. In seinem Inneren war der Dfen bis weit unter die Gicht mit Zinfschwamm bedeckt, welcher noch zur nachträglichen Gewinnung dieses für die hiesigen Zinkhütten werthvollen Nebenproductes Veranlassung giebt. Von dem Hohofen gelangte man in einigen Minuten zu den
Berken der Gesellschaft Rhenania. Hr. Hasenclever, Betriebsdirector der Gesellschaft, war so gefällig, bereitwilligst und ausführlichst die Werfe zu zeigen und die darin vorkommenden Operationen zu erklären. Diese Werke Hestehen aus einer chemischen Fabrik, genannt Waldmeisterhütte, und einer Glashütte.
In der chemischen Fabrik wird Sdwefelsäure fabricirt, zu welchem Zwecke 5 Bleikammersysteme in Betrieb sind. Die Schwefelsäure wird theils aus Blende und theils aus Schwefelkies durch Rösten gewonnen und zum kleinen Theile als solche verkauft, meist aber weiter verarbeitet. Die tägliche Production beträgt ca. 250 Ctr. Gine Hauptanwendung der Schwefelsäure find die Zersegung von Kochsalz und die Darstellung von Glaubersalz und Salzsäure. Diese Operation wird in Defen vorgenommen, welche aus einer bleiernen oder eisernen Pfanne und einem Herde bestehen. 690 Þfo. Schwefelsäure wirken auf 580 Pfb. Kochsalz zuerst in der Pfanne ein, bis nach 3 Stunden eine fleife Masse entsteht, welche dann auf dem Herde getrocknet und als fertiges Sulfat oder Glaubersalz ausgezogen wird. Die bei dieser Operation entstehende Salzsäure wird in Bonbonnes und Coksthürmen aufgefangen und zur Chlorkalkfabrication, zur Ertraction der Knochen für Darstellung von Leim und Phosphaten, zur Entwickelung von Kohlensäure für Bicarbonat, zur Chlorbarium- und Schwefelfabris cation benußt. Die Quantitäten diefes Nebenproductes, welches, wofern man es nicht verwendet, für die Nachbarschaft lästig wird, find indessen so groß, daß genannte Fabricationen für die Vers wendung der Salzsäure noch nicht ausreichen, und die Chlorkalffabrik, welche 10 Str. Chlorfalt pro Tag legt liefert, auf 100 Gtr. pro Tag ausgedehnt werden soll. Das in den Bleipfannen dargestellte Glauberfalz wird an die Glashütten verkauft, das andere auf Soba weiter verarbeitet.
Die Soba entsteht durch Zusammenschmelzen von 300 Glauberfalz, 310 Ralfftein und 135 Rohle in einem einfachen Flaninofen. Die geschmolzene Masse hat lavaähnliches Aussehen und enthalt 40 pet. Soba und 60 pCt. in Wasser unlöslicher Bestandtheile. Nachdem durch Auslaugen eine Scheidung dieser beiden Körper ftattgefunden, erhält man das fohlensaure Natron in Form einer Lauge bon 25° B., welche eingebampft wird. Das fich ausscheidende Salz wird getrocknet und gemahlen und kommt ale calcinirte Soba in ben Handel. Auf der Waldmeisterhütte werden 100 Otr. Soba täglich dargestellt. Aus den nach den Auslaugen resultirenten Sobarückständen wird nach einer neuen Methode von Schaffner Schwefel ausgezogen, in Quantitäten von 8 bis 10 Str. pro Lag.
Ebenso geschieht die Fabrication von Chlorbarium aus Sdwerspath nach einer neuen dem Hrn. Dr. Hafenclever patentirten Methode, unter Anwendung von Chlorcalcium, Kalkstein und Roble. Die Rhenania kann in Folge dessen das Chlorbarium so billig
abgeben, daß fich das Präparat als Mittel gegen Reffelstein *) (bei Speisewasser, weldjes G9p8 enthalt) Eingang verschaffen konnte und in Quantitäten von 500 bis 600 Ctrn. pro Monat vers kauft wird.
In untergeordneten Quantitäten werden noch Wasserglas, Zinks chlorid (zum Imprägniren der Hölzer), Bicarbonat 26. auf der Waldmeisterhütte dargestellt.
In der Glashütte der Gesellschaft Rhenania wird auss Thließlid, Fensterglaß gemacht. Zwei Schmelzöfen sind hierzu im Betriebe und vier Strecköfen. In jedem Schmelzofen stehen zehn Hafen von Feuerfestem Shone, in welchen ein Gemenge von Sand, Glaubersalz, Ralfstein und Kohle geschmolzen wird. Die Schmelzs campagne dauert 24 Stunden, das Ausblasen des Glases in lange Cylinder 10 Stunden. In dieser Zeit werben 6000 Quadratfuß (588 Qðrtmtr.) fertig. Die Cylinder, oben und unten offen und der Länge nach mit einem Spalte versehen, kommen in den Strectofen und werden dort auf einer polirten Chamotteplatte in Tafeln ausgestreckt. Diese Tafeln kommen in die Schneidestube, werden nach den vorliegenden Bestellungen geschnitten und nach der Reina heit des Glases in 4 Sorten reparirt und verpackt.
Man verfügte fich nun zu den auf Münsterbusch bei Stolberg gelegenen Werken der Actiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabri:
cation zu Stolberg und in Westphalen. Die Gesellschaft besigt Werfe bei Ramsbeck in Westphalen (bedeutende Blei- und Zinferzgruben) und eine Bleihütte, ferner bei Dortmund eine vor wenigen Jahren angelegte Zinkhütte. Thre Hauptwerke liegen bei Stolberg und bestehen in der sehr ergiebigen Blei- und Zinkerzgrube zu Diepenlinchen, einer Kohlengrube (Jamesgrube), einer Zinkhütte, einer Bleihütte mit zugehöriger mechanischer Werkstätte. Die Zeit war schon so vorgerückt, daß man an diesem Lage von den bei Stolberg gelegenen Werfen nur die Bleihütte besuchen konnte. Der Vorsigende Hr. E. Landsberg, Betriebedirector dieser Gesellschaft, und Hr. A. Land 8 = berg, Chef der Bleihütte, übernahmen die Führung.
Die Bleihütte der Stolberger Gescudaft bei Stolberg gewinnt die Erze, welche fte verhüttet, zum Theile aus ihren eigenen, in der Nähe gelegenen Gruben; zum Theile bezieht fte dieselben ane der Eifel, von der Mosel, aus dem Districte Bensberg und aus anderen Gegenden Rheinlands und Westphalene. Auch Erze aus ferneren Districten und Ländern kommen zur Verhüttung.
Die Erze find Weißbleierz und Bleiglanz. Beinahe alle Erze sind filberhaltig; der Gehalt an Silber ist aber sehr vero schieden; er variirt von Spuren Silber bis zu 6 Loth pro 100 Pfb. Erz. Das Weißbleierz (fohlensaures Blcioryd) wird direct in Halbhohöfen geschmolzen. Der Bleiglanz (Schwefelblei) wird vors her entschwefelt oder geröstet, und als Vorbereitung zu dieser Ents schwefelung werden die Stückerze, d. 5. diejenigen Erze, welche nicht im Zustande von feinerem Sande oder von Schlamm in die Hütte gelangen, zerkleinert. Das Zerkleinern geschieht bermittelft eines Quetschwerkes. Der Bleiglanz wird in Flammöfen geröstet. Das Röften geschieht auf verschiedene Art, je nachdem die Erze eine Beimischung von Kiefelfäure oder von Ralf baben. Grze, reich an Rieselsäure, werden, nachdem fte theilweise entschwefelt stnb, zu einer Solacke, welche großentheile aus fiefelfauren Bleioryde bes steht, eingeschmolzen; wenn weniger Kieselsäure und mehr Ralk vorhanden sind, so werden die Erze, bevor man sie aus dem Rösta ofen herausnimmt, in der Nähe der Feuerbrücke zusaminengesintert; der geröstete Stoff befteht alábann großentheils aus Bleioryd, schwefelsaurem Bleioryb und noch unzerseßtem Schwefelblei.
*) Bergl. hierüber Bd. VIII, S. 283; Bd. IX, S. 315 und 428 und BD. X, S. 351 0. 3.
D. Red. (2.)