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Martina Wolf wohnt im Emmental, arbeitet Teilzeit als Primarlehrerin und zudem als Pferdetrainerin. Die 41-Jährige ist Mutter zweier Kinder und hat zwei eigene Pferde sowie vier Berittpferde. Für die CRI, also für das Nationalteam, stehen ihr «Spook on Diamond» und
«Spooking Blue Lady» zur Verfügung.
Martina Wolf und «Kapuze».
«Bulletin»: Wie beschreibst du die Stärken, Schwächen und Charaktereigenschaften deines Pferdes?
Martina Wolf: «Spook on Diamond» genannt Kapuze ist das wahrscheinlich beste Pferd, welches ich je geritten habe. Sie ist immer motiviert, ehrlich und bemüht, alles richtig zu machen. Sie ist ruhig, eher etwas von der triebigeren Sorte. Ihre Stärken sind ihr sehr schöner Stil, ihre Zirkel und ihre Konstanz. Sie stoppt sehr gut, mag aber keine allzu tiefen Böden. Im Spin bewegen wir uns im 0- Bereich, manchmal +1/2, aber als Schwäche würde ich das niemals bezeichnen.
Wie sieht ein normales Training bei dir aus, worauf legst du Wert und wie oft trainierst du pro Woche?
Ich achte darauf, dass ich nicht die ganze Zeit an Manövern herumtrainiere, sondern vertiefe die Basis. Mir ist wichtig, dass mein Pferd durchlässig ist, gut von den Beinen weicht und leicht in der Schulter bleibt. Auf der Trabrennbahn trainiere ich vor allem die Kondition, aber auch Tempo und Galoppwechsel. Wenn meine Zeit es zulässt, gehe ich auch mal ausreiten. Ich trainiere viermal die Woche, vor dem Turnier häufiger in der Halle, und dann arbeite ich auch an den Manövern.
Wie kamst du zum Reiten und seit wann betreibst du Reining als deine Favoritendisziplin?
Meine Eltern ermöglichten mir Reitstunden, als ich acht Jahre alt war, und mit elf bekam ich eine Welshponystute. Später wechselte ich zum Westernreiten und bekam die Möglichkeit, auf einem Trainingsbetrieb in den USA zu arbeiten. Reining faszinierte mich von Anfang an, und meine ersten Schritte machte ich mit der Haflingerstute «Shoree». Diese Stute hat mich geprägt und war meine beste Lehrmeisterin. Sie hat mich gelehrt, dass es ein Privileg ist, wenn Pferde für uns in der Arena einfach alles geben. Richtig spezialisiert habe ich mich auf Reining, als ich Kapuze angeritten habe, denn mit ihr war plötzlich alles möglich. Von der Americana-Futurity bis hin zu den ganz grossen Shows. Richtig entfaltet haben wir uns vor ziemlich genau dreieinhalb Jahren, und seither betreibe ich diesen Sport auch semiprofessionell.
Welche Turniere wirst du dieses Jahr bestreiten und welches sind deine gesteckten Ziele für diese Saison?
Sicher die CRI und dann vielleicht noch eine grosse Show im ersten halben Jahr. Ziel wäre es, mich für die EM im August zu qualifizieren. Mit den jungen Pferden mache ich einige «schooling-shows» und nachher die verschiedenen Futuritys.
Welche Eigenschaften muss ein Pferd aufweisen, damit es ein guter Reiner wird, und worauf legst du Wert?
Ich glaube, das Wichtigste ist der Wille des Pferdes, die Freude an diesem Sport, an der Show und eine stabile Basisausbildung. Ob ein Pferd die Erwartungen erfüllt, mit allerbesten körperlichen Voraussetzungen, mit dem besten Pedigree und dann auch ein höheres Level erreicht, das weiss man nie. Ich lege viel Wert darauf, dass die Pferde verstehen, was ich von ihnen will. Dass sie keine Angst bekommen, nicht gestresst sind und dass unser Verhältnis freundschaftlich ist. Vielleicht brauche ich länger mit den jungen Pferden, aber in diesem Fall ist der Weg das Ziel. Die Tatsache, dass sich mein Kaderpferd in seiner doch schon eine Weile dauernden Karriere immer wieder von Neuem freut, zeigt mir, dass ich zumindest für meine Pferde nicht ganz auf dem Holzweg bin.
Was genau fasziniert dich an Reining?
Ich liebe Reining, da es Kontrolle, Finesse, Tempo und Action perfekt miteinander vereint. Es ist für mich eine Disziplin, die sehr viel Selbstkontrolle vom Reiter und eine unheimliche Athletik und Bereitschaft des Pferdes fordert. Und mir gefallen die grossen Shows, das ganze Drumherum, die Stimmung.
Was bedeutete es für dich, im Kader zu sein, und wie siehst du das Potenzial der Schweizer Reiner?
Für mich ist es eine ganz grosse Ehre, die Schweiz an internationalen Anlässen vertreten zu dürfen, und ich habe mich sehr über die Aufnahme ins Elitekader gefreut. Es gibt die ganz grossen Reiningnationen wie Italien, Deutschland oder Österreich. Ich denke, wir haben gute Pferde und Reiter in der Schweiz und können uns schon sehen lassen. Für ganz vordere Plätze wird es aufgrund der unheimlich starken Konkurrenz der oben erwähnten Nationen nicht reichen.
Was hat sich im Reiningsport geändert?
Das Niveau ist in den letzten Jahren extrem gestiegen. Von der früheren Devise «schnell und actionreich» hat sich das ganze als ernst zu nehmende Dressur auf hohem Niveau herauskristallisiert. Die Qualität der Pferde hat sich sehr verbessert. In der Kategorie Open hat man mit einem «gewöhnlichen» Pferd mit soliden Manövern nicht mehr den Hauch einer Chance. Was ich auch feststelle, ist eine Verbesserung der Basis. Wohl gleich geblieben sind die Vorurteile, die in unserem Sport herrschen: wie zum Beispiel, dass man sich vielleicht über die Bedürfnisse des Pferdes hinwegsetze oder mal zu exzessiv trainiere. Obwohl sich meiner Meinung nach vieles in die gute Richtung verändert hat.
Karin Rohrer
Jürgen Seyler
Martina Wolf mit Lil Ruf Big Chex, Besitzer Thom und Sabrina Schneiter.
Martina Wolf mit Spook on Diamond, Besitzer Thom und Sabrina Schneiter.