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3. Mose 19 liest sich wie eine kleine Ethik des Alltags. Die Aufzählung wirkt ungeordnet: Familiäre und gottesdienstliche Anordnungen wechseln sich ab mit Anweisungen, wie sich ein Israelit gegenüber Armen, Fremden und Behinderten zu verhalten habe. Der Schlüsselsatz ist Vers 2: “Ihr sollt heilig sein, denn ich, euer Gott, bin heilig.”
In heutigem Deutsch würde ich diesen Satz so formulieren: “Lebt so, wie es mir gefällt. Richtet euren Lebensstil nach meinem Wesen und Charakter aus.” Das heisst: In 3. Mose 19 erfahren wir manches über Gottes Wesen. Wir lernen, wie wir ein Leben führen können, das ihm gefällt. Wir lernen etwas über seine Prioritäten kennen. Gottes Volk sollte im Alltag Gottes Heiligkeit widerspiegeln: In den familiären Beziehungen, im Gottesdienst, untereinander und besonders auch gegenüber Benachteiligten – Ausländern, Witwen, Behinderten. Dies wäre sichtbarer Ausdruck ihrer Zugehörigkeit und würde sie von anderen Völkern differenzieren.
In den Köpfen der Israeliten lebten damals die Bilder, die sie aus Ägypten mitgenommen hatten. So hatten sie sich ein goldenes Opferkalb gebaut und beteten es als ihren Gott an (siehe 2. Mose 32). Gott tolerierte die verzerrten Gottesbilder der umliegenden Völker nicht. Er wollte darstellen, wie er ist und wie er angebetet werden will. „Ihr sollt nicht tun, was man im Land Ägypten tut, wo ihr gewohnt habt, und ihr sollt nicht tun, was man im Land Kanaan tut, wohin ich euch bringe. Und ihr sollt nicht nach ihren Satzungen leben.“ (3. Mose 18,3)