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Ruedi Isler stellte seinen Werdegang und die Bezüge zum Glarnerland in willkommener Kürze vor. Irgendwo zwischen Zürich und Winterthur sei er aufgewachsen. Dem Spiel auf der Geige und dem Unterrichten von Schülern habe er sich recht bald zugewendet, nachdem er die Ausbildung am Seminar Unterstrass abgebrochen hatte. Er wechselte dann an die zürcherische Musikakademie, schloss dort die Ausbildung als diplomierter Geigenlehrer ab und liess sich von Amos Segesser in die sehr fordernde Kunst des Geigenbaus einführen. Im ungefähr gleichen Zeitraum lernte er Johannes Kobelt kennen und verlegte seinen Wohnsitz im Jahre 1972 nach Obstalden. Sein erstes Geigenbauatelier richtete er drei Jahre später unweit der Stadtkirche in Glarus ein. 1990 erfolgte die Eröffnung einer heute noch bestehenden Werkstatt in Zürich. An seinem Wohnsitz in Ennenda betätige er sich nur, wenn es absolut notwendig oder ein ganz besonderer Arbeitsgang zu erledigen sei.
Und so behutsam und umfassend wie die verschiedenen Arbeitsgänge beim Entstehungsprozess zu erledigen sind, wies Ruedi Isler auf eine Vielfalt an gar Unbekanntem hin. Beispielsweise, dass für den Bau einer Geige rund 200 Arbeitsstunden aufzuwenden seien, dass die fertige Geige einige wenige 100 Gramm wiege, wie klein die eingesetzten Werkzeuge seien, nach welchen Kriterien die Wahl des richtigen Holzes erfolgt, wie die einzelnen Teile zusammengeleimt werden, dass Schmirgelpapier einfach gar nie verwendet werde, dass jede Geige für den jeweiligen Besitzer eine zuweilen enorm grosse Bedeutung habe.
Wenn Liebe im Spiel sei, mache sich zuweilen auch Eifersucht breit, so der Referent. Dem Banker, dem hochbegabten Musiker, dem Physiker oder dem Museumswärter bedeute die Geige nie das Gleiche. Er wandte sich dann mit Bezug auf das vor rund 100 Jahren erschienene Lexikon für Geigen- und Lautenmacher Geschichtlichem zu. Um 1500 ist die Geige offensichtlich in Oberitalien entstanden. Aus dem Jahre 1530 existiert das Bild einer Geige spielenden Familie. Und seit 500 Jahren, so der kenntnisreich Referierende, habe sich an Form und Aufbau dieses Instruments, das je nach Herkunft zum Teil Hunderttausende von Franken Wert hat, rein gar nichts geändert, was doch überzeugender Beweis für die Vollkommenheit ist. So vieles hat sich im Laufe der Geschichte geändert, Architektur, Physik, Ernährungsgewohnheiten und anderes fanden Erwähnung.
Bei der Geige ist alles gleich geblieben. Ruedi Isler zeigte mit Einbezügen von Kreis, Diagonale, Quadrat und Abmessungen in Bildform die Ausgestaltung des Klangkörpers, wies auf eingesetzte Werkzeuge und die Leimtechnik hin. Er referierte kenntnisreich und einfühlend.
Die Decke der Geige sei immer aus dem Holz der Fichte, der Rest ist aus Ahorn gefertigt. Diese Fichten wachsen an ganz speziellen Orten auf einer ungefähren Höhe von 1500 Metern. Es sei ein besonders tönendes Holz, das man gründlich prüfe und beispielsweise und messe, wie sich der Schall vorwärtsbewege. Das verarbeitete Holz wird ausschliesslich mit Naturharz lackiert. Ruedi Isler zeigte mit Klangbeispielen, welche Qualitäten erwartet werden, wie mit den kleinen, daumennagelgrossen Hobeln gearbeitet wird.
Eine spezielle Geschichte ergab sich in Zusammenhang mit einem eigentlich unscheinbaren Stück Holz, das im Lehm konserviert war, keinen Schaden nahm und aus dem Jahre 510 v. Chr. stammt. Fachleute fanden nach langem Abklären heraus, dass der Baum damals bereits 160 Jahre alt war. Dass daraus eine gar kostbare, heute noch bespielte Geige entstand, war allen klar.
Ruedi Isler wusste packend zu erzählen, über Hölzer, die aus fliessendem oder stehendem Wasser stammen, die ganz verschieden schnell wachsen, an denen gigantische Naturkatastrophen oder der Ort des Wachsens und Werden in einer Waldung eine Rolle spielt.
Geigenbauer seien wahre Traditionalisten, die nach stets gleichem Muster tätig sind, denen Restaurationen ganz viel bedeuten. Der Beruf des Geigenbauers ist begehrt, anerkannt. An der Geigenbauschule in Brienz stehen zehn Ausbildungsplätze für die vierjährige Ausbildung zur Verfügung, Bewerber habe es in stets genügender Zahl. Schweizweit gibt es rund 100 Werkstätten. Ruedi Isler sprach klar über Erwartungen, Durchhaltewillen, forschende Neugierde, Musikalität und individuelle Begabung in diesem Beruf.
Einige Fragen gab es dann zu beantworten. Es drehte sich um den Preis und den Wert des Instruments, um Holzqualität, um die Exklusivität einer Geige, Marktstrategien, Tricksereien bei Bau und Restauration, Testmethoden und anderes.
Paul Aebli, Präsident des Seniorenverbandes, dankte mit verdienter Anerkennung und wies auf Kommendes hin. Auf der Homepage www.glarnersenioren.ch ist vieles erwähnt, was von Interesse ist.