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Da die hebräische Schrift nur mit Konsonanten auskommt, wurde nachträglich ein Vokalsystem entwickelt, um die Aussprache zu sicheren. Das fand ca. vom 8. bis ins 10. Jahrhundert statt und wurde durch die Masoreten umgesetzt. Das heißt, dass die Vokale a,e,i,o und u mit einem Punktesystem in den Text eingetragen wurde. Allein die "Leshilfe (matres lectionis)" wurde teilweise von den inspirierten Verfassern geschrieben und später auch noch mit dem masoretischen System ergänzt, aber im althebräischen wurde diese Lesehilfe nicht angewandt.
Die Vokale entsprechen den deutschen und haben auch unterschiedliche Längen. Zusätzlich gibt es im Hebräischen auch reduzierte Vokale, die es im Deutschen nicht gibt, z. B. chataph.
Eine Sonderposition nimmt das "schwa" ein. Es beschreibt die Vokallosigkeit, bzw. die Reduktion der Vokale zu einem flüchtigen Laut. Auch die Endsilben im Deutschen wurden zu "schwa" enttont. Zum Beispiel wurde das Althochdeutsche "Noti" zum heutigen Wort "Nöte".
Vokale sind Laute, bei denen die Luft aus den Lungen ungehindert durch den Mundraum entweichen kann. Allein durch die Zungenlage entsteht der Selbstlaut. In der Regel wird zuerst der Konsonant und danach der Vokal ausgesprochen.
Eine traurige Geschichte ist in Richter 12 zu lesen, doch sehen wir darin auch die unterschiedliche Aussprache in den verschiedenen Stämmen Israels, die sogar als Erkennungsmerkmal diente:
Ri 12,5–6
Und Gilead nahm Ephraim die Furten des Jordan. Und es geschah, wenn ein Flüchtling von Ephraim sprach: Laß mich hinübergehen! So sprachen die Männer von Gilead zu ihm: Bist du ein Ephraimiter?
Und sagte er: Nein! so sprachen sie zu ihm: Sage doch: Schibboleth! Und sagte er: Sibboleth, und brachte es nicht fertig, richtig zu sprechen, dann ergriffen sie ihn und schlachteten ihn an den Furten des Jordan. Und es fielen in jener Zeit von Ephraim zweiundvierzigtausend.
Zwar liegt hier der Unterschied im Konsonant (vgl. שִׁבֹּ֜לֶת mit סִבֹּ֗לֶת), aber das Beispiel zeigt uns die unterschiedlichen Aussprachen und das kurz nach der Wüstenwanderung.
Da das Vokalsystem erst viel später dazu kam, können wir nie ganz sicher sagen, ob z.B. Jeremia, das, was er Baruk einst diktierte, auch so aussprach, wie wir das heute mithilfe des masoretischen Vokalsystems aussprechen.
Jer 36,4:
Und Jeremia rief Baruk, den Sohn Nerijas; und Baruk schrieb aus dem Munde Jeremias auf eine Buchrolle alle die Worte Jehovas, welche er zu ihm geredet hatte.
Jer 36,4:
וַיִּקְרָא יִרְמְיָהוּ אֶת־בָּרוּךְ בֶּן־נֵרִיָּה וַיִּכְתֹּב בָּרוּךְ מִפִּי יִרְמְיָהוּ אֵת כָּל־דִּבְרֵי יְהוָה אֲשֶׁר־דִּבֶּר אֵלָיו עַל־מְגִלַּת־סֵפֶר׃
Daher können wir auch viel entspannter an die Aussprache treten und dürfen uns nicht allzu sehr auf die Vokale verlassen. Die Lesehilfe (mater lectiones), die für die Erkenntlichkeit der langen Vokale hinzugefügt wurde, ist noch etwas früher hinzugekommen als das masoretische System, welches auch die kürzer ausgesprochenen Vokale ersichtlich macht.
Oder warum wurde Petrus als Galiläer erkannt, als er den Herrn Jesu verleugnete?
Mat 26,73
Kurz nachher aber traten die Dastehenden herzu und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig, auch du bist einer von ihnen, denn auch deine Sprache macht dich offenbar.
Als Vollvokale gelten אֹ ,אִ ,אֶ ,אֵ ,אַ ,אָ ,אָ und אֻ(qamäz, qamäz chatuph, patach,sere, seggol, chiriq, choläm und qubbuts) [anm. א ist ein Platzhalter].
Zu den Vollvokalen gehört auch das Schuruq: וּ.
Davon sind qamäz, seggol, choläm, chiriq und Schuruq Langvokale. (Siehe auch unter maters lectiones)
Wie in der Einleitung angedeutet, nimmt das Schwa eine besondere Stellung ein. Es tritt in Kombination mit einem Vollvokal auf, wird einmal flüchtig und das andere Mal gar nicht ausgesprochen, dabei sieht das Symbol genau gleich aus. Mit der Zeit und Übung merkt man aber schnell, wann das Schwa gesprochen wird und wann nicht.
Das Symbol der Reduktionsvokale ist eine Kombination aus dem Symbol eines Vollvokals und einem Schwa. Der "Schwalaut" geht dabei in die Richtung des Vollvokallauts, der mit dem Schwa kombiniert ist. Die Aussprache ein flüchtig oder reduziert ausgesprochener Vokal.
Als Reduktionsvokale gelten אֱ ,אֲ und אֳ(chataph patach, chataph seggol, chataph qamäz) [anm. א ist ein Platzhalter]. Diese Reihe aus drei Reduktionsvokale werden schwa compositum genannt.
Das Schwa mobile sieht bei Aleph so aus אְ und wird gelesen. Ein Schwa mobile ist es nur dann, wenn eine der folgenden Regeln zutrifft:
Wenn das Schwa...
Das Schwa quiescens (quiet leise) sieht bei Aleph so aus אְ und wird nicht gelesen. Ein Schwa quiescens ist es nur dann, wenn eine der folgenden Regel zutrifft:
Wenn das Schwa ...
Wann ein Schwa gesprochen wird oder nicht, ergibt sich durch die Erfahrung. Doch ist letztlich die Art, wie und wann das Schwa gesprochen wird, heute nicht bekannt, da niemand aus dieser Zeit, in der die Sprache noch lebte, überlebt hat.
Lange Vokale sind oft mit einem Hilfsbuchstaben versehen, die nicht als Konsonanten ausgesprochen werden. Es ist eine Lesehilfe, die auf Lateinisch maters lectionis gennant wird. Sobald eine solche Lesehilfe zum Einsatz kommt, wird von einer Plene-Schreibweise gesprochen, fehlt sie bei den langen Vokalen, dann ist es eine Defektiv-Schreibweise. Ob in einem Text die Langvokalen in plene oder defektiv geschrieben wurde, unterscheidet sich allein in der Orthografie, aber nicht in der Aussprache.
Nachfolgendes Schema zeigt, wie eindrücklich das Vokalsystem erdacht wurde. Aber zunächst einige Erklärungen: Das Trapez zeigt die Zungenlage im Mund. Dabei ist der Querschnitt so, dass sich die Nase links und das Halszäpfchen rechts befindet. Die Laute, die mit Punkten gekennzeichnet sind, befinden sich eher höher und vorne als diejenigen mit Strichen, bei denen sich die Zungenspitze tief und hinten befindet. In der Mitte der Grafik, dort, wo der „Schwa“-Laut erzeugt wird, ist unsere Zunge in der „Ruheposition“. Um einen der Vokallaute zu erzeugen, wird die Luft aus der Lunge nicht aufgehalten, sondern entweicht ungehindert durch den Mundraum. Allein durch die Lage der Zunge, Kiefer und Mundöffnung wird der Schall erzeugt. Am besten überprüft ihr das bei euch selbst, indem ihr zwischen „i“ und „u“ oder „e“ und „o“ wechselt und dabei auf die Zungenlage achtet. Die sprachlichen Laute flachen sich gerade dort ab, bei denen der Lagenwechsel anstrengend ist.
|Vokallaut||Matres lectionis||Masoretenzeichen||Name||Dauer||Klang|
|a||ה||ָ||qamäz bzw. qamäz heh||lang||Pfad|
|ohne||ַ||patach||kurz||Papa|
|ohne||ֲ||chataph patach||punktiert/flüchtig||Spatz|
|e||י||ֵ||sere bzw. sere yod oder sere magnum||lang||See|
|ohne||ֶ||seggol||kurz||Bett|
|ohne||ֱ||chataph seggol||punktiert/flüchtig||setzen|
|i||י||ִ||chiriq bzw. chiriq yod oder chiriq magnum||lang||siegen|
|o||ו||ֹ||choläm bzw. choläm waw oder choläm magnum||lang||Sohle|
|ohne||ָ||qamäz chatuph||kurz||offen|
|ohne||ֳ||chataph qamäz||punktiert/flüchtig||locken|
|u||ו||וּ||schuruq |
(nur der Vokal wird gesprochen)
|lang||Schule|
|ohne||ֻ||qubbuts||lang||Schule|
|schwa mobile||ohne||ְ||schwa||reduziert (schwa quiescens bleibt stimmlos)||wiese|
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