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Geschliffene
Im Nachruf auf die Dokumentarfilmerin Jacqueline Veuve (WOZ Nr. 17/13) wurden naturgemäss einige ihrer Filme genannt, darunter das aus dem Jahr 1989 stammende Werk «Marcellin Babey, tourneur sur bois»; in Klammern war zudem die den offiziellen Unterlagen entnommene deutsche Übersetzung des Titels zu lesen: «Marcellin Babey, Dreher». Ein handwerklich beschlagener Kollege hat uns nun darauf aufmerksam gemacht, dass es sich beim Dreher um einen Metallbearbeiter handelt, der «tourneur sur bois» aber ein Drechsler ist. Selbst wenn es sich beim Letzteren um eine aussterbende Gattung handelt, ist der Unterschied nicht zu leugnen, und Genauigkeit ist gefordert – wie immer auch beim Drechseln von Formulierungen.
Jürg Fischer
Deplatzierte
«Nicht nur die Kanalinseln Isle of Man, Guernsey und Jersey hätten einem automatischen Datenaustausch zugestimmt, auch die Inseln in der Karibik, die unter britischem Einfluss stehen, verkündete Osborne.» Als wir diese Worte im «Tages-Anzeiger» lasen, merkten wir sofort: Die Isle of Man liegt nicht im Kanal, sondern in der Irischen See.
Um aber ganz sichergehen zu können, schlugen wir in Wikipedia nach und entdeckten andere, ungeahnte geografische Zusammenhänge: «Durch ihre Lage hat sie ein feuchtes, gemässigtes Klima mit milden Wintern und kühlen Sommern, damit ist sie schneeärmer als Helgoland.» Was dabei verschwiegen wird: Die Sonne versinkt auf Man weniger oft rot im Meer als auf Capri, und es werden weniger Zigarren gerollt als auf Kuba.
Jürg Fischer
Irrgläubige
Am 1. Mai verknurrte der «Tages-Anzeiger» für einmal den Sektenspezialisten Hugo Stamm zur Berichterstattung vor Ort, wohl in der Annahme, dass dessen Scharfblick keine LinkssektiererInnen verborgen blieben. Obwohl Stamms Text verriet, dass er den Tag der Arbeit lieber in Musse verbracht hätte, erfüllte er seinen Auftrag: «Für mehr Farbe sorgten die auffällig vielen Frauen, die teilweise schon ihre Babys mit Kinderwagen an das Ritual zum Tag der Arbeit gewöhnten.» Die Milchfläschchen der «beinharten Kommunisten»-Babys verdanken ihre schöne Farbe übrigens dem Zusatz von Randensaft.
Karin Hoffsten
Lebensfrohe
Die «Surseer Woche» hatte Erfreuliches vom Sempacher See zu berichte: «Die Asylbewerber haben in den ersten drei Monaten keine einzige Straftat begangen und respektieren die definierten Sperrzonen.» Dafür sollen die Asylbewerber im Sommer in die Badi dürfen – natürlich «nur mit Aufsichtspersonal und im Rahmen sportlicher Betätigung», damit der Besuch von «den anderen Badegästen nicht als Provokation missinterpretiert wird». Wir empfehlen, die Zonen mit Stacheldraht abzutrennen; sollte es dennoch zu Provokationen kommen, sind nach Bedarf noch Piranhas auszusetzen. Dank hohen Unterhaltungswerts für die anderen Badegäste wird der örtliche Verkehrsverein die Kosten gern zulasten des Budgets «Sun und Fun» übernehmen.
Karin Hoffsten
Verkürzte
Das Zürcher Theater Neumarkt kündigt für Ende Mai die Veranstaltung «Daniel Cohn-Bendit im Gespräch mit Peter Scheider» an. Da sich an den Beiträgen des Letztgenannten immer wieder die Geister scheiden, soll Psychoanalytiker Schneider beschlossen haben, endgültig aufs n zu verzichten.
Karin Hoffsten