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Tim und Struppi haben es in 90 Jahren weit gebraucht – sogar zu einer eigenen Disziplin in der Wissenschaft: «Tintinologie» heisst diese und untersucht die Comics des belgischen Zeichner Hergé. «Tim im Lande der Sowjets», hiess der Erste – die Kritik dazu kam schnell. Der Comic, in dem Tim nach Moskau reist, stellt die Sowjets wie Tiere dar und bediente Klischees über die «Bolschewiken», die als böse und dumm gezeigt wurden.
Hergé distanzierte sich später vom Comic, bezeichnete ihn als «Jugendsünde», und der Comic fungiert seither als «Band 0», wurde also nicht in die offizielle Reihe aufgenommen.
Verkaufsverbot gefordert
Doch auch das erste offizielle Buch stand in der Kritik: «Tim und Struppi im Kongo» stellte die brutale Kolonialherrschaft als positiv für die Ureinwohner dar, der ganze Band dazu sei rassistisch, heisst es. Dem widersprach 2012 ein belgisches Gericht, als ein kongolesischer Staatsbürger ein Verkaufsverbot erzwingen wollte.
«Das Buch ist 1946 erschienen, dort war das kolonialistische Gedankengut noch vorherrschend. Es gibt keine Beweise, dass der Autor Hergé beabsichtig hat, Rassismus zu erzeugen», schreibt die NZZ aus der Antwort des Gerichts. Die Geschichte habe auch keine feindliche, erniedrigende Umgebung erzeugen wollen.
Computerspiele und Kinofilm
Der Erfolg von Tim und Struppi ist dennoch ungebrochen. Neben den 24 Comics gibt es auch Hörspiele, Computerspiele und auch einen Kinofilm.
Viele Vorbilder für Tim?
Tim ist ein makelloser, fast fehlerfreier Charakter – um so spezieller die Figuren neben ihm, wie der schlecht gelaunte Kapitän Haddock oder der schwerhörige Professor Bienlein. Laut Tintinologe Michael Farr gab es viele Vorbilder für die Figuren. «Hergé mag selbst das Vorbild für Tim gewesen sein, aber vom Aussehen her ist es sein Bruder und für die Handlung der französische Journalist Albert Londres», verrät er dem Tagesspiegel.
Auch Kapitän Haddock hatte viel mit dem Zeichner gemeinsam. «Hergé war ein lebenslustiger Mann, der gerne feierte, gut ass und trank. Als er älter wurde, wollte er eine Figur schaffen, die eine menschlichere Seite zeigte», sagt Farr weiter.