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(Red.) Wie Afrika von schmutzigen Energieprojekten überschwemmt wird, deckt der neue Bericht «Who is financing fossil fuel expansion in Africa» 1) auf. Aus dem von verschiedenen Nicht-Regierungsorganisationen publizierten Bericht sind die folgenden Auszüge aus dem Kapitel «Introduction» entnommen. Für die Übersetzung auf Deutsch ist Infosperber verantwortlich.
«Afrika befindet sich bereits mitten in einer Klimakrise. Gemeinden, Ökosysteme und Volkswirtschaften erleben immer stärkere Hitzewellen, Dürren, Wirbelstürme und katastrophale Überschwemmungen. Millionen von Menschen am Horn von Afrika leiden unter Hungersnöten. Es wird erwartet, dass bis zum Jahr 2030 bis zu 700 Millionen Afrikaner durch den hohen Wasserstress vertrieben werden. Obwohl Afrika nur für etwa drei Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist, leidet es unverhältnismässig stark unter jedem zusätzlichen Grad der globalen Erwärmung. Afrika ist der klimatisch am stärksten gefährdete Kontinent.»
Die Expansionspläne für die Förderung fossiler Brennstoffe erstrecken sich auf die grosse Mehrzahl aller afrikanischen Staaten:
«In 48 von 55 afrikanischen Ländern erkunden oder erschliessen Öl-, Gas- und Kohleunternehmen neue fossile Reserven, bauen neue Infrastrukturen wie Pipelines oder Flüssigerdgas (LNG)-Terminals oder entwickeln neue Gas- und Kohlekraftwerke. (….)
Die meisten dieser Projekte sind auf den Export ausgerichtet, und ausländische Unternehmen spielen oft eine überragende Rolle. Unternehmen wie das kanadische Unternehmen ReconAfrica, das im empfindlichen Ökosystem des Kavango-Beckens ein Gebiet von über 34’000 Quadratkilometern (85 Prozent der Fläche der Schweiz) für Ölbohrungen erschliesst. Oder Unternehmen wie das französische Unternehmen Total Enérgies, das mehr neue Öl- und Gasvorkommen auf dem Kontinent erschliesst als jedes andere Unternehmen. Untersuchungen von Oil Change International zeigen, dass zwei Drittel der für 2050 prognostizierten neuen Gas- und Ölförderung in Afrika in den Händen ausländischer Konzerne liegen.»
Die Expansionspläne sind nicht nur klimapolitisch bedenklich. Die Vertreterinnen und Vertreter der Nicht-Regierungsorganisationen belegen mit konkreten Beispielen, dass die Förderung fossiler Brennstoffe zu Konflikten führen und Länder wirtschaftlich und ökologisch destabilisieren können:
«Ghana steht aufgrund von <Take-or-pay>-Verträgen, die die Regierung verpflichten, jedes Jahr Hunderte von Millionen Dollar für ungenutztes Gas zu zahlen, am Rande der finanziellen Notlage. In Mosambik haben riesige LNG-Projekte einen Aufstand im Norden des Landes verschärft und werden den 70 Prozent der Bevölkerung, die keinen Zugang zu Elektrizität haben, nichts bringen. In Nigeria haben sechs Jahrzehnte der Förderung fossiler Brennstoffe das Nigerdelta in einen der am stärksten verschmutzten Orte der Welt verwandelt und die Gesundheit und die Lebensgrundlagen der Bevölkerung zerstört, während die Hälfte der nigerianischen Bevölkerung immer noch keinen Zugang zu Elektrizität hat. Der derzeitige Ansturm auf Afrikas Öl und Gas hat nichts mit der Verbesserung des Energiezugangs für Afrikaner zu tun.»
Statt die Förderung fossiler Brennstoffe voranzutreiben, sollte das grosse Potenzial Afrikas für erneuerbare Energien genutzt werden. Es würde sich auch entwicklungsfördernd auswirken:
«Afrika verfügt über 39 Prozent des weltweiten Gesamtpotenzials an erneuerbaren Energien, mehr als jeder andere Kontinent. Während es mit der zentralisierten Infrastruktur für fossile Brennstoffe nicht gelungen ist, fast die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung mit Energie zu versorgen, können Technologien für erneuerbare Energien eine flexible Kombination aus netzbasierten, netzunabhängigen und netznahen Lösungen bieten, um allen Afrikanern den Zugang zu Energie zu ermöglichen.»
In der Medienmitteilung zum Bericht werden die Akteure hinter der Expansion fossiler Brennstoffe genannt. Führend ist der französische Konzern Total Enérgies:
«Der französische Ölmulti fördert bereits 25 Prozent seiner Gesamtproduktion in Afrika und plant, sein afrikanischen Produktions-Portfolio um 2,27 Milliarden Barrel Öläquivalent zu erweitern. Die Förderung und Verbrennung dieser neuen Ressourcen entsprechen dem Dreifachen der jährlichen CO2-Emissionen Frankreichs. Die zweit- und drittgrössten Entwickler in Afrika sind die staatliche algerische Öl- und Gasgesellschaft Sonatrach und der italienische Ölkonzern Eni.»
Als Investoren und Kreditgeber für den forcierten Abbau fossiler Rohstoffe in Afrika spielen die global führenden Vermögensverwaltungskonzerne BlackRock, Vanguard, der norwegische Pensionsfonds, die zwei US-Banken Citigroup und JPMorgan Chase sowie die französische BNP Parisbas eine führende Rolle.
72 Prozent der im Bericht erwähnten Banken seien Mitglieder der «Net Zero Banking Alliance», die sich zum Ziel Netto-Null-Emissionen bis zum Jahre 2050 bekennen. Nicht überraschend merkt dazu der Bericht kritisch an:
«Finanzinstitute, die behaupten, sich für eine Erderwärmung von maximal 1,5 Grad Celsius einzusetzen, müssen aufhören, Kunden zu unterstützen, die uns in Richtung 2,8 Grad Celsius führen.»
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1 Der am Rande der Klimakonferenz in Ägypten publizierte Bericht «Who is Financing Fossil Fuel Expansion in Africa?» wird von mehreren Dutzend Nicht-Regierungsorganisationen mitgetragen, davon die meisten aus verschiedensten afrikanischen Ländern.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.