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Die Postmoderne steht für das Überbrücken von High und Low Art.1 Populäre Musik wird stets auf der Seite der Low Arts verortet, zusammen mit Comics, Werbung, Karikatur, Graffiti, Design. Daher wurde Populäre Musik im akademischen Diskurs erst mit dem Aufkommen der Postmoderne zum Gegenstand der Kunstgeschichte.2 Populäre Musik ist entweder kein Thema oder es wird Thema einer postmodernen Kunst(kritik).
In der Tat ist Populäre Musik und die Inszenierung von Popstars wie David Bowie, Grace Jones, Madonna, Talking Heads/David Byrne als postmoderne Kunst salonfähig geworden. Die V&A Ausstellung «Postmodernism: Style and Subversion 1970 – 1990» hatte diesbezüglich keine Berührungsängste und die Popexponate machten die Ausstellung für viele Besucher/-innen attraktiv.
Bleibt die Frage: Was ist mit der Präpunkmusik? Ist diese Musik kein Gegenstand postmoderner Erörterungen? Weil sie von der Epoche her nicht passt? Oder von der Ästhetik her? In den 60er-Jahren ging es los mit Tonbandmontagen (Beatles, Zappa) und mit Parodien (Zappa, 10CC, Monty Python). Diese Phänomene konstituieren eine Vorgeschichte der Postmoderne, sind aber für das Verständnis von Rockmusik vor Punk eher peripher. Rockmusik mit ihrem Authentizitätsanspruch ist aus der Sicht postmoderner Musiker/-innen lächerlich unreflektiert und untheoretisch. Die kulturelle Transformation 3, die mit der Postmoderne einsetzte, kann am besten bei Postpunk-Musiker/-innen verortet werden. Damit ist die Popouläre Musik nicht per se postmodern, sondern die Postmoderne setz auch bei ihr im Lauf der 70er-Jahre des 20′. Jahrhunderts als Transformation und kulturelle Verschiebung ein.
Ist die Postmoderne eine Epoche? Mit der Postmoderne kam Kritik an der Moderne auf, dass diese totalitär sei und ausgrenzend. Die Postmoderne war relativistisch und wenn sie den Relativismus auf sich selbst anwendet, kommt heraus, dass sie keinen Anspruch auf die Epoche haben kann, denn das wäre selbst totalitär und ausgrenzend. Die Postmoderne findet nach der Moderne statt, insofern ist sie aber Epoche. Die Kritik, die sie an der Moderne übt, verfährt allerdings anders als die Kritik, die die Moderne praktiziert hat. Exemplarisch für das Verfahren von postmoderner Kritik ist der Philosoph Jacques Derrida, dessen Dekonstruktion die den Strukturen der modernen Philosophie affirmativ folgt, bis sie sich selbst widerlegen. Für ihn gibt es kein Ausserhalb des Textes, keine Intentionalität, keine Präsenz wie er es nennt, die logisch vor dem Text kommt. Kritik ist so Arbeit am klassischen Text, Kritik ist das Verfassen eines Kommentars.
Postpunkmusiker kritisierten die ältere Generation, die Hippies (mit Ausnahmen), sie lachten sie aus. Sie wurden dafür und ihre Haltung auch kräftig verhauen.4 Ist Postmoderne eine Charakterisierung / Etikettierung einer Generation?
Diskutiert wird der Begriff der Postmoderne wieder in «Retromania» von Simon Reynolds. Die Frage stellt sich, ob die Postmoderne durch eine Postpostmoderne abgelöst wird, durch eine Epoche, die noch immer postmodern ist (wie die Postmoderne noch immer modern war?) aber durch eine Qualität ergänzt wird, die durch das Internet mit seiner Ästhetik des Klick-Moments gegeben ist.5
Notes:
A. Huyssen, Mapping the Postmodern, New German Critique, No. 33, Modernity and Postmodernity (Autumn, 1984), pp. 5-52, p. 23 ↩
Populäre Musik wird ausserdem noch Thema einer Analyse der Alltagskultur in der Inlandethnologie, der Ethnologie der Alltagskultur, den Cultural Studies. ↩
Huyssen thematisiert die Postmoderne als «cultural transformation in Western societies» (A. Huyssen, 1984, p. 8) ↩
Was haben Billie Joe Armstrong, seines Zeichens Frontmann der Punk-Band Greenday und die Jazz Lady Norah Jones gemeinsam? Dieses ungewöhnliche Duo hat ein Cover-Album der Everly Brothers aufgenommen und zu aller Überraschung bilden die Schöne und das Biest ein gutes Gesangsduo.
Die Everly Brothers veröffentlichten 1958 ihr Album „Songs Our Daddy Taught Us“ und haben das damalige Folk Revival der frühen sechziger vorweggenommen. Eigentlich ein Album das aus Zufall entstanden ist: Die Everly Brothers waren dem Rock’n’Roll verschrieben und schuldeten ihrer Plattenfirma noch ein letztes Album. Sie beschlossen ein Album nur mit alten Country Songs, die ihr Vater Ike Everly ihnen beigebracht hatte, aufzunehmen. So singen die Everly Brothers für ihren Vater in „That Silver haired daddy of mine“: „ If I could recall the heartaches ,dear old daddy I’ve caused you to bear, if I could erase those lines from your face, and bring back the gold to your hair“. Norah Jones und Billie Joe singen die gleichen Zeilen und versuchen möglichst nahe am Original zu bleiben, nur die Songabfolge wurde geringfügig geändert. Auf „Foreverly“ ertönt ein Klavier und leises Schlagzeug, was den Songs aber doch ihre eigene Färbung verleiht, die beiden Stimmen harmonieren überraschenderweise ausgezeichnet.1
Ein Cover kann sich authentisch anhören; die Flaming Lips haben es mit dem Cover von „The Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd vorgemacht: „Foreverly“ ist kein übliches Cover-Album. Es klingt echt, dank dem ungewöhnlichen Gesangsduo.
STroublemaker01 – Billie Joe Armstrong And Norah Jones – Silver Haired Daddy Of Mine, 14.11.2013, http://www.youtube.com/watch?v=mAlznVCacIg (Abgerufen am 20.03.2014).
Nachdem ihr letztes Album „Warning“ nicht wie gewünscht angekommen war, hatten einige schon damit gerechnet, dass die Band 2004 nicht mehr für ein grossartiges Comeback zu haben war. Doch Green Day schaffte es, dem von vielen erwarteten Niedergang zu trotzen. Das Album ist ein Konzeptalbum oder eine Rockoper, die dem Album „Quadrophenia“ von The Who, nachempfunden ist .1 Das Spezielle an solchen Alben ist, dass sie in nacheinander folgenden Liedern eine Geschichte erzähen, die zumeist von einer fiktiven Person gesungen werden und die Tracks selbst einer chronologischen Reihenfolge entsprechen, wie es im Album hier der Fall ist2
Der fiktive Erzähler des Albums heisst Jimmy und lebt mit seinen Eltern in einer Vorstadt, nennt sich selbst „Jesus of Suburbia“ und vertreibt sich die Zeit auf Parkplätzen von Supermärkten mit Drogen und Hass auf die Politik Amerikas. Schon im ersten Track des Albums „American Idiot“ macht er seine Position klar und sagt, unterlegt mit rasantem Punkrock, „Don’t want to be an American Idiot“. Dieselbe Meinung wiederholt er später in „Holiday“, einem ebenfalls rockigen Track mit eingängigem Refrain. Um den fiktiven Erzähler näher kennezulernen, muss man sich unbedingt „Jesus of Suburbia“ anhören. Der 9-Minuten lange Track ist wie ein Buch in Kapitel unterteilt, und das merkt man auch, denn wenn ein neues Kapitel kommt wechselt die Musik fliessend von rockig und laut zu melodisch und schleppendem Takt, je nachdem, um was es gerade geht, ob um Drogen oder um Liebe, um Hass oder um psychisches Zerbrechen. Der Song wechselt ständig den musikalischen Stil und ergründet so die Vielschichtigkeit von Jimmy.
Nicht vergessen darf man „Boulevard of Broken Dreams“, einen der bislang wohl grössten Hits von Green Day. Die Musik ist rhythmisch, melodisch, rockig und melancholisch zugleich, gepaart mit einem Text über zerbrochene Träume, alles Themen, die zum Erfolg des Tracks beitrugen.