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Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war der Wohnungsmarkt in Bern höchst angespannt. Leere Wohnungen waren rar und Neubauwohnungen infolge steigender Baukosten teuer. Entspannung brachte erst der aufkommende soziale Wohnungsbau durch gemeinnützige Wohnbauträger, die dank Kostenmiete langfristig gesicherten erschwinglichen Wohnraum anbieten konnten.
Vor allem im Westen von Bern, in Bümpliz und Bethlehem, setzte ab Mitte der 50er-Jahre ein eigentlicher Wohnungsbauboom ein. Im Bethlehemacker erstellte die Genossenschaft der Bau- und Holzarbeiter in den Nachkriegsjahren nach dem Vorbild der Gartenstadtbewegung zunächst eine Siedlung mit sehr günstigen Reihen- und Doppelhäusern. Die Erkenntnis, dass Raum eine beschränkte Ressource ist, führte jedoch bald zu einem neuen Denkmuster – weg von kleinteiligen Reihenhaussiedlungen hin zu Wohnblöcken mit Etagenwohnungen und, rund zehn Jahre später, zu Grossüberbauungen mit Hochhäusern und Scheibenhäusern aus vorgefertigten Betonelementen. Der als Grosstafelbau bezeichnete Baustil orientierte sich an Walter Gropius’ und Ernst Mays Idee der Trabantenstadt und an der Vision von Le Corbusiers «vertikaler Stadt», die preisgünstigen Wohnkomfort für die breite Bevölkerung bieten wollte.
Wie bereits die Reihenhaussiedlung Bethlehemacker I wurde von 1968 bis 1974 auch die angrenzende Überbauung Bethlehemacker II durch die Architekten Hans und Gret Reinhard geplant und ausgeführt. Nebst zwei elfgeschossigen Scheibenhäusern und zwei zweiundzwanziggeschossigen Hochhäusern mit niedrigen Zwischenbauten umfasst sie auch ein Geschäftshaus sowie eine drittes, von Willy Althaus geplantes Hochhaus. Bauträger waren die Siedlungsgenossenschaft der Holzarbeiter und Zimmerleute, die Familienbaugenossenschaft (heute FAMBAU), Rosa Messerli sowie die Einwohnergemeinde Bern. Im Folgenden berichten wir über die Sanierung des Scheibenhauses an der Melchiorstrasse, bei der die Wirz Holzbau AG mit umfangreichen Arbeiten betraut ist.