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Stern von Bethlehem oder Bethlehem-Stern aus astronomischer Sicht
(mit Animation/Kurz-Video zur dreifachen Jupiter/Saturn-Konjunktion)
Die plausibelste unter vielen astronomischen Theorien zum Bethlehemstern geht auf Johannes Kepler zurück:
Vorgaben
In der Bibel ist von geschichtlich bekannten Personen die Rede: dem König Herodes, dem römischen Kaiser Augustus, Quirinus, dem Statthalter... Von ihnen wissen Historiker durch andere Quellen, wann sie gelebt haben und wann sie gestorben sind. Das engt die Zeit der Geburt Jesu auf ein schmales Fenster von nur knapp vier Jahren zwischen etwa 7 vor Chr. bis 4 vor Chr. ein.
Die dreifache Planetenkonjunktion im Sternbild der Fische zu jener Zeit ist mathematisch leicht nachprüfbar (am bequemsten mit einem PC-Astronomie-Programm, siehe unten).
Doch zuerst: Wie wurde ein Komet mit Schweif zum Weihnachtsstern?

Giotto di Bondone um 1305

Beispiel: Komet Neowise am 20. Juli 2020 ab Flums/Tannenboden
|Unter dem Eindruck der Wiederkehr des Halley'schen Kometen im Jahr 1301 malte der florentinische Künstler Giotto di Bondone um 1305 die Anbetung Jesu durch die drei Weisen aus dem Morgenland, wobei er den Stern von Bethlehem deutlich als Kometen gestaltete (siehe Bild links). Giottos Darstellung förderte die falsche Auffassung, es sei der Halley'sche Komet gewesen.|
Heute kann man zurückrechnen und so zeigen, dass kein (bekannter) Komet zum entsprechenden damaligen Zeitpunkt sichtbar war (ausser gemäss einer chinesischen Quelle, was aber wieder zu Problemen führt). Rein hypothetisch wäre der einmalige Besuch eines Kometen - der nicht unbedingt zu unserem Sonnensystem gehören müsste - möglich.
Johannes Kepler: Der Stern von Bethlehem war eine besondere Planeten-Konstellation
(Ergänzt um ein Zodiac-Licht durch Konradin Ferrari dŽOchieppo)
Bild links: Die Keplersche Konjunktion von Jupiter und Saturn auf einer Weihnachtskarte
Der Erste, der diese Theorie vertrat - im Jahre 1606 - war der grosse deutsche Astronom Johannes Kepler: Der Stern von Bethlehem war eine sehr seltene zeitlich kurz aufeinanderfolgende dreifache Begegnung der hellen Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild 'Fische'.
Johannes Kepler war der erste, der Planetenbewegungen exakt berechnen konnte und dies auch für lange Zeiträume. Er war Astronom, Mathematiker und Theologe. Am Weihnachtsmorgen 1603 beobachtete er von seinem Fenster in Prag aus eine ganz besondere Planetenkonstellation: Jupiter und Saturn in einer Konjunktion, in Begleitung einer (zufälligen) Supernova (letztere hat aus heutiger Sicht natürlich nichts mit den Planeten Jupiter und Saturn zu tun). Durch die Erscheinung kam Kepler auf die Idee, dass der berühmte Stern von Bethlehem möglicherweise gar kein Stern war, sondern etwas mit Planeten zu tun hatte. Kepler rechnete nun die Planetenverläufe zurück und kam dabei zum erstaunlichen Ergebnis, dass sich zur Zeit der Geburt Christi eine dreifache Planetenkonjunktion abgespielt haben musste und zwar zwischen Jupiter und Saturn. Das kann heute auf jedem PC mit einem Astronomieprogramm nachgeprüft werden, siehe weiter unten.
Der Stern von Bethlehem war aber auch ein Stern von Babylon:
Dieser 'Stern' hatte für Babylon (die Weisen/Astronomen aus dem Morgenland) und für die Bibel eine Bedeutung, kurz gesagt:
Wenn sich der Planet Jupiter (symbolisierte den 'Königsstern') drei Mal mit dem Planeten Saturn symbolisierte das jüdische Volke) trifft, dazu noch im Sternbild der Fische (symbolisierte das Land Judäa [Israel]), dann konnte das für die drei Weisen aus dem Morgenland nur eines bedeuten: Ein neuer König der Juden musste geboren werden.
Gestützt wird diese Theorie von Kepler durch sensationelle archäologische Funde: Auf mehreren in Babylon ausgegrabenen Tontafeln (heute im Britischen Museum in London mit den Nummern BM 34659, 34614 und 35429 und im Vorderasiatischen Museum Berlin [Bild links]) entdeckten Forscher eine in Keilschrift festgehaltene Beschreibung babylonischer Astronomen für genau diese dreimonatige Dreifach-Konjunktion. Sie sagten in vorchristlicher Zeit unseren 'Stern' voraus. Was wir heute im Nachhinein berechnen können, steht dort in Keilschrift fein säuberlich aufgelistet, sinngemäss: Im Jahr 7 vor Christus werden drei Begegnungen von Jupiter und Saturn (Dreier-Konjunktion) stattfinden und zwar jeweils im Sternbild 'Fische'. Für Sternkundige (Weisen) war dies ein klares Zeichen, für Herodes als nicht Sternkundigen eher nicht und daher liess er sich von den 'Sternkundigen' aufklären, nachdem er von den Berichten der hergereisten Magiern gehört hatte, denn er war 'sehr erschrocken' [Matthäus].
Folgendes Kurzvideo mit einem PC-Himmelsmechanik-Programm (Stellarium) erstellt, zeigt im Zeitraffer (3 Monate auf 1 Minute 'gepresst') diesen 3-monatigen Planeten-Verlauf vor dem Fixsternhimmel. Man lasse sich nicht durch 'vorbei huschende' Objekte stören: Es sind Sonne, Mond, andere Planeten, alles mit Zeitraffer (dies hat mit der hier sinnvoll gewählten Fixierung des Fixsternhimmels bei den Programm-Einstellungs-Optionen zu tun):
- Im griechischen Urtext ist die Rede von einem Einzelstern [griech. Aster] und nicht einem Gestirn (2 und mehr Sterne) [griech. Astron]. Möglicherweise ist der griechische Text aber schon eine 'grosszügige' Übersetzung aus dem Aramäischen. Nach heutigen Erkenntnissen ist es unwahrscheinlich, dass der Verfasser des Evangeliums - oder auch ein allfälliger Uebersetzer - über genügend astronomische Kenntnisse verfügte, um den sprachlichen Unterschied zu berücksichtigen. Auch heute noch gilt ja: 'Was am Himmel leuchtet ist ein Stern'. So sind 'Morgenstern' und 'Abendstern' ja auch keine Sterne, sondern in diesem Fall ein Planet (Venus)!
- Der 'Bethlehemstern' kommt nur im Matthäus-Evangelium vor, warum nicht bei den anderen Evangelisten? Dazu müssen wir wissen, dass eine 'christliche Kirche' nicht unmittelbar nach Christi Tod entstand. Es waren viel mehr geografisch verstreute christliche Gruppen, die die Ereignisse zunächst nur mündlich überlieferten. Erst nach einigen Jahrzehnten wurde die Geschichte von den Evangelisten an geografisch verschiedenen Orten schriftlich festgehalten. Das musste zwangsläufig zu inhaltlichen Unterschieden führen. Im Weiteren wurden diese Planetenkonjunktionen von 'gewöhnliche Menschen' wohl gar nicht speziell beachtet, ausser von den sternkundigen Astronomen (unter anderen den sog. 'Magiern' aus dem Morgenland). Matthäus war wohl kein Astronom, aber er könnte einem Sternkundigen begegnet sein, der ihm diese ganze Planeten-Sache darlegte. Dies hätte Matthäus wohl massiv beeindruckt und eigentlich zwangsläufig veranlasst, diese spezielle Himmelerscheinung in sein Evangelium einzuordnen.
Ein anderer Erklärungsansatz für den 'Bethlehem Stern' für Leute, die eine transzendente Erklärung bevorzugenIn historisch-kritischen Bibelerläuterungen (Exegese) wird ein Stern meist als mythologisches oder symbolisches Verkündigungsmotiv ohne 'real-physischen' Hintergrund aufgefasst. So könnte hier der Stern als Symbol der Erkenntnis des wahren Retters (Jesus) gegenüber dem Hochmut des eigenmächtigen Gewaltherrschers (Herodes) gesehen werden. Der Rückbezug auf biblische Verheissungen (hier: Mose) ist für den Evangelisten Matthäus typisch. 4. Mose 24,17ff: 'Es wird ein Stern aus Jakob [12 Stämme Israels] aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen'.
Das beschriebene Erscheinen eines Sterns muss also nicht unbedingt mit einem 'realen' Ereignis zusammen hängen. Denkbar ist natürlich auch beides zusammen.

Ein interessantes Rätsel:
In den Schriften des spanisch-jüdischen Gelehrten und Philosophen Isaac Abrabanel (1437 - 1508) kann man lesen:
Wir streben die Gründung eines jüdischen Staates an und wir werden dies tun, wenn Jupiter und Saturn sich in den Fischen begegnen.
Abrabanel lebte vor Kepler und kannte dessen Theorie natürlich nicht . . .

Und nochmals:
Aber warum berichtet nur Matthäus vom 'Bethlehem-Stern'?
Vieles steht zum Bethlehem-Stern in Büchern und im Internet. Darunter eine interessante 'Sicht der Dinge' und daraus im Folgenden ein kurzer Auszug:
Diesen "Stillstand der Sterne" konnte niemand [direkt] sehen - wegen der Eigendrehung der Erde. Nur die beiden [eng benachbarten] "Sterne" konnte [im Prinzip] jeder sehen und das seltsame Licht [Zodiacallicht am Ende der Wanderschaft der Magoi], das von diesen "Sternen" auszugehen schien und auf Bethlehem zeigte. Das "Stehen-Bleiben" ist eine hochwissenschaftliche Berechnung aus jahrhundertelanger [babylonischer] Beobachtung der "Sterne". Den Stillstand [direkt] sehen konnten [also] weder Matthäus noch die Magoi. Aber letztere wussten um den zweiten Stillstand [bezogen auf den Fixsternhimmel], der durch den Lichtschein, der von diesen Sternen auszugehen schien, noch bestätigt wurde, und um die mathematisch-trigonometrische Einzigartigkeit dieser Nacht. Was wir also in den 12 Versen am Beginn des 2. Kapitels bei Matthäus lesen, muss ihm [als einzigem Evangelisten] deshalb in späteren Jahren - er schrieb sein Evangelium nach meiner [Christoph Wrembek SJ] Forschung zwischen Mitte der 40er und etwa Ende der 50er Jahre in Jerusalem - von einem Sternkundigen zu Ohren gekommen sein. Denn nur sie, die Wissenschaftler, wussten um dies Geheimnis [darum ist ja Herodes durch den Bericht der Sterndeuter auch so erschrocken].
Quelle: Christoph Wrembek SJ: Der Stern von Betlehem Ist das alles wirklich so passiert?
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