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«Im Nebel» in revidierter Fassung
Der G.-Henle-Verlag legt seiner Neuausgabe von Janáčeks kleinem Klavierzyklus die Fassung von 1924 zugrunde.
Der im Frühjahr 1912 vollendete Klavierzyklus Im Nebel (V mlhách) ist das letzte grössere Klavierwerk Janáčeks und wohl auch jenes, in dem der Einfluss des musikalischen Impressionismus am deutlichsten spürbar wird. Wenige Wochen zuvor jedenfalls hörte der Komponist in einem Rezital die Pianistin Maria Dvořáková mit Debussys Reflets dans l’eau. Ist es ein Zufall, dass dieselbe Pianistin Ende 1914 auch die erfolgreiche Erstaufführung von Janáčeks neuem Klavierzyklus spielte?
Nachdem das Werk für einige Zeit vom Podium verschwunden gewesen war, setzte sich der Pianist Václav Štěpán intensiv damit auseinander und regte Janáček im Rahmen einer Neuausgabe zu einigen Änderungen und Ergänzungen an. Auf dieser revidierten Fassung basiert die neue Ausgabe des G.-Henle-Verlags, welche von Jiří Zahrádka betreut wurde. Dabei wurden ein paar notationstechnische Inkonsequenzen behutsam angeglichen, und das Notenbild so übersichtlich wie möglich gehalten – wie man das von Henle gewohnt ist. Vor allem scheint nun die Quellenlage am Ende des dritten Stückes geklärt: Hier konkurrierten bislang mehrere Versionen ad libitum um die Gunst der Interpreten. Zur Übersichtlichkeit tragen auch die Fingersätze von Dénes Várjon bei. Sie ergänzen auf sinnvolle Weise jene der revidierten Ausgabe von 1924.
Wie man dem lesenswerten Vorwort von Jiří Zahrádka entnehmen kann, sollte ursprünglich Ludvík Kundera, ein Schüler Janáčeks und Vater des bekannten Romanciers Milan Kundera, die Uraufführung übernehmen. Dessen berühmtester Roman Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins wurde Ende der Achtzigerjahre von Philip Kaufman kongenial verfilmt. Passt es da nicht wunderbar, dass gerade in diesem Film eine Passage aus „Im Nebel“ die musikalische Hauptrolle spielt?
Leoš Janáček: Im Nebel (V mlhách), Urtext hg. von Jiří Zahrádka, Fingersatz Dénes Várjon, HN 1247, € 12.50,
G. Henle, in Zusammenarbeit mit Universal Edition, München 2017