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Letztes Jahr in Paris, am Pont des Arts (deutsch Brücke der Künste), fand ich etwas ungewöhnliches. Auf der Brücke wimmelte alles von Vorhängeschlössern, die an der Reflexion der Sonne golden geworden sind. Man erklärte mir, dass in der Stadt des Lichts, aber auch der Liebe, Tausende liebender Paare aus der ganzen Welt jedes Jahr genau an diesen Ort kommen, um ihre Liebe zu verschließen, und den Schlüssel in die Seine zu werfen.
Die Vorhängeschlösser kann man in einem nahegelegenen Geschäft oder bei Verkäufern in der Nähe der Brücke in verschiedenen Größen und Farben kaufen. Natürlich zusammen mit dem Schlüssel. Meine Aufmerksamkeit wurde auf einem Drei-Schlüssel-Vorhängeschlöss gerichtet, so dass ich sehr schnell in schlechtem Englisch die Anweisungen bekam, wie man es benutzt. Die ungeschriebene Regel ist, dass wenn ich den Vorhängeschloss an das Brückengelender abschließe, einen Schlüssel in den Fluss werfe, „damit ihn das Wasser zum tiefen Meer bringe und niemand diese Beziehung mehr zerbrechen könne“, und dass die anderen zwei als zusätzliche Versicherung, mein Mann und ich behalten. Lächelnd stimmten wir diesem ungewöhnlichen Ritual zu. Der freundliche Verkäufer gab uns einen Filzstift, um unsere Namen auf den gekauften Vorhängeschloss zu schreiben.
Später an diesem Tag, als wir ins Hotel zurückkamen, wahrscheinlich immer noch unter dem Eindruck, warf ich einen kurzen Blick durch das Schlüsselloch von Google und “beriet” mich über dieses Phänomen. Ich fand einen Text über dieselbe Sitte in Köln. Es handelt sich um eine Hohenzollern-Eisenbahnbrücke, die auch noch „Love locks“ genannt wird. Im Text wird angegeben, dass das der Vorläuferland dieses romantischen Aktes in der Tat Italien und nicht Frankreich ist. Mit dem Wunsch, dass ihre Liebe niemals aufhört, schlossen die jungen aber auch die etwas älteren Italiäner die Vorhängeschlösser an den Zaun ab und warfen den Schlüssel in den Fluss.
Durch diese tat verpflichteten sie sich zur “ewigen Liebe”. Solch ein Liebesrezept schrieben von den Italienern zuerst die Franzosen und dann die Deutschen ab, so dass wahrscheinlich auf all diesen Brücken die Zahl der Vorhängeschlösser heute eindrucksvoll ist. Ich habe auch einige Einschätzungen gelesen, dass es auf der Brücke der Künste in Paris mehr als zwei Tonnen gibt. Mein Mann und ich haben heute die Brücke zusätzlich überlastet, dachte ich mir.
Ich glaube nicht an Magie und bin nicht abergläubisch, aber es war mir nach diesem ungewöhnlichen Ereignis in Paris doch warm ums Herz. Irgendwie fühlte ich mich gelassen. Ich werde dieses irrationale Gefühl meiner unverbesserlichen romantischen Seele zuschreiben.