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Dr. Kostov, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe des See Spitals, zum Thema Gebärmutterhalskrebs.
Stimmt es, dass der Gebärmutterhalskrebs durch das humane Papilloma-Virus (HPV), welches auch für Genitalwarzen verantwortlich ist, entsteht?
Für die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen humanen Papillomaviren und der Entstehung des Zervixkarzinoms erhielt Herald zur Hausen vom deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg den Nobelpreis für Medizin im Jahre 2008. Es sind mehr als 70 HPV Typen bisher identifiziert worden, davon sind nur knapp 30 für Infektionen der Anogenitalregion relevant. Dabei gibt es einige Typen, die ein niedriges onkogenes Risiko haben (zum Beispiel HPV 6, 11, 42, 43, 44) und mit Genitalwarzen assoziiert werden. Dazu kommt die Gruppe mit hohem onkogenen Risiko (HPV 16, 18, 31, 45), welche schwergradige PAP Veränderungen und Zervixkarzinom verursachen können. Das heisst, dass nur bestimmte HPV-Typen, die als «High-risk Viren» bezeichnet werden, an der Entstehung einer Dysplasie und letzten Endes des Zervixkarzinom beteiligt sind.
Wie steckt man sich mit dem Virus an?
Humane Papillomaviren werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. Weitere Risikofaktoren, sich mit HPV zu infizieren, sind Zahl der Sexualpartner, früher Beginn der Sexualaktivität, sexuelle übertragbare Erkrankungen in der Vorgeschichte und Nikotinabusus.
Besteht bei jeder HPV-Virusinfektion die Gefahr von Gebärmutterhalskrebs?
Frauen mit einem positiven HPV-high-Risk-Befund sind allein aufgrund dieser Diagnose keinesfalls als «krank» zu betrachten. Es ist nur ein Indikator, der die Notwendigkeit regelmässiger Krebsvorsorgeuntersuchungen unterstreicht. Nur ein kleiner Prozentsatz der Patientinnen mit positivem HPV-high-Risk Testergebnis wird jemals eine Zervixdysplasie entwickeln.
Welche Möglichkeiten gibt es, um sich vor einer Ansteckung zu schützen?
Man sollte, wie bei jeder Geschlechtskrankheit, als Verhütungsmittel die sogenannte «Barrieren-Methoden» während des Geschlechtsverkehr anwenden. Es wird empfohlen, Kondome zu nutzen, damit kein direkter Kontakt zustande kommt.
Wann ist es sinnvoll, sich impfen zu lassen?
Eine Impfung ist am sinnvollsten, bevor man überhaupt in Kontakt mit dem HPV Virus gekommen ist, da keine therapeutischen Effekte nach der Impfung nachgewiesen sind. Bisher gab es zwei verschiedene Impfstoffe gegen HPV: beide schützen vor den beiden HPV-Typen, die am häufigsten Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsarten auslösen können (16 und 18). Einer der Impfstoffe schützt zusätzlich vor zwei weiteren Typen (6 und 11), die Genitalwarzen verursachen. Seit kurzem gibt es einen neuen nonavalenten Impfstoff, der zusätzlich zu den bisherigen vier HPV-Typen, vor fünf weiteren krebsauslösenden HPV-Typen schützt (HPV-31, -33, -45, -52, -58). Am sinnvollsten ist eine Impfung vor Beginn der sexuellen Aktivität und somit vor einer Infektion mit HPV-Viren. Für einen optimalen Schutz sind vor dem 15. Geburtstag zwei Injektionen im Abstand von sechs Monaten notwendig und ab dem 15. Geburtstag drei Injektionen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten.
Welche Nebenwirkungen kann die Impfung auslösen?
Unerwünschte Nebenwirkungen sind mild und kommen vorwiegend lokal an der Einstichstelle vor, wie lokale Rötungen, Pruritus und lokale Schmerzen. Allgemeine Symptomen wie Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit und Müdigkeit sind auch möglich. Der aktuelle Bericht des Global Advisory Committee (GACVS) der WHO zur Impfstoffsicherheit berichtet, dass die HPV-Impfung als sehr sicher eingestuft wird und kein kausaler Zusammenhang, insbesondere mit dem Guillain-Barré-Syndrom, gefunden werden konnte.
Was sind die ersten Anzeichen einer Gebärmutterhalskrebs-Erkrankung?
Patientinnen mit intraepithelialer Neoplasie des Muttermundes haben normalerweise keine Symptomen. Auch bei invasiven Zervixkarzinomen können Krankheitsanzeichen später auftreten. Typisch sind Blutungsstörungen, wie verlängerte und häufigere vaginale Blutungen, Blutung nach Geschlechtsverkehr oder nach der Menopause sowie veränderter Ausfluss (ausgeprägte blutig, fleischwasserfarben, oft unangenehm riechend). Schmerzen stellen sich typischerweise erst bei sehr vorangeschrittener Erkrankung ein.
Wie wird der Gebärmutterhalskrebs richtig behandelt?
Das kommt auf das Stadium der Neoplasie an. Leichtgradige intraepitheliale Neoplasien bilden sich häufig spontan zurück und können deswegen beobachtet werden. Schwergradige Neoplasien werden normalerweise operativ saniert, mittels Teil-Entfernung des Gebärmutterhalses. Beim invasiv Zervixkarzinom stehen operative Verfahren und die Strahlentherapie zur Verfügung. Eine erfolgreiche Sanierung ist in den frühen Stadien möglich.
Wie hoch ist die Chance einer vollständigen Heilung des Krebses?
Das hängt vom Schweregrad der Veränderung ab. Bei CIN I und II kann zunächst gewartet werden, da in etwa der Hälfte der Fälle mir eine spontane Rückbildung der Läsionen zu rechnen ist. Bei Anhalten des Befundes ist eine Operation diskutierbar. Bei CIN III sollte ein operativer Eingriff durchgeführt werden, was auch bei Frühstadien möglich ist. Mit Vorangeschrittene Stadien mit Befalle der Lymphknoten ist eine vollständigen Heilung des Krebses, auch mit radikale Operation und Radiotherapie, nicht immer erreichbar.
Die jährliche Kontrolle durch den Gynäkologen – wie wichtig ist sie?
Die gynäkologische Untersuchung ist extrem wichtig! Die einzige wirksame Massnahme zur Vermeidung von invasiven Zervixkarzinom ist genau die regelmässige Vorsorgeuntersuchung, besonders die Entnahme von zytologischen Abstrichen und die Kolposkopie – wenn indiziert.
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