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Juni 2023
Lac Léman – DS Guillaume Tell
Wie schon oft in der Schweiz, und das gilt bis heute, geht die Initiative für den Fortschritt durch Ausländer aus. Der amerikanische Konsul in Frankreich, Edward Church, besucht 1822 den Lac Léman und ist sehr erstaunt, dass wohl «…durch einen bizarren und fast undenkbaren Zufall auf diesem wunderschönen See kein einziges Dampfschiff verkehrt». Church ersucht die Kantone Genf und Waadt sogleich um eine Konzession und bestellt bei der Firma Mauriac in Bordeaux eine hölzerne Schiffschale und in England eine Maschine samt Kessel.
Foto: Kolorierte Ansichtskarte der «Guillaume Tell».
Am Mittwoch, 28. Mai läuft das erste maschinengetriebene Schiff der Schweiz von Stapel. Es erhält den Namen des Schweizer Nationalhelden Guillaume Tell («Wilhelm Tell»). Begleitet von unbeschreiblichem Jubel unternimmt es am 18. Juni seine Jungfernfahrt. Ein Augenzeuge berichtet: «Alles eilte herbei und bezeugte durch Geschrei und tausende Demonstrationen seine Überraschung; wenig fehlte, so hätte man über Hexerei gezetert. Manche glaubten, der Teufel einzig könne diese wunderbare Maschine treiben… Man sah auch Schiffer, wie sie dem ‚Wilhelm Tell‘ mit Rudern folgen wollten; aber schon in zwei Minuten liess er sie weit hinter sich».
Foto: Fotografien gab es damals nicht: hier ein Stahlstich des ersten Schweizer Dampfers.
Das Schiff hat eine Länge von ca. 25 Meter und eine Breite von ca. 8 Meter. Die stehende Ein-Zylinder-Niederdruckmaschine (mit Zahnradgetriebe) leistet 12 PSnom. Der Dampfer wird anfangs auf der Strecke von Genf nach Ouchy (Lausanne) eingesetzt und verkürzt so die ehemals einen Tag dauernde Reise auf viereinhalb Stunden. Die «Guillaume Tell» ist bis 1838 im Einsatz.
Foto: Zu Ehren des ersten Schweizer Dampfschiffes gab die Schweizer Post eine Briefmarke mit dem Nennwert von CHF 1.10 (A-Post) heraus.