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Seit letzten Herbst ist das ehemalige königliche Postschiff St. Helena wieder auf See im Rahmen der elektrischen Rennserie Extreme E. Im Moment liegt sie im Hafen von Dakar, wo das zweite Rennen der Extreme E-Serie stattfindet.
Bei dieser Rennserie geht es nicht nur darum, wer der oder die Schnellste ist, sondern die Organisatoren wollen mit der Rennserie auf ökologische Probleme aufmerksam machen. So gibt es ein vielfältiges Rahmenprogramm im Zusammenhang mit dem Rennen, wo man lokal versucht, ökologische Verbesserungen herbeizuführen. In Senegal ist das z.B. durch die Pflanzung von einer Million Mangroven sowie der Herstellung von Backsteinen aus Plastikabfällen, die möglicherweise sonst im Meer landen würden.
Wer sehen möchte, wie die ehemalige RMS St. Helena heute aussieht, hier ist der Link zur Extreme-e-Website: St. Helena
Jedes Jahr am 21. Mai wird auf St. Helena der Entdeckung der Insel durch den portugiesischen Admiral Joao da Nova am 21. Mai 1502 gedacht, sozusagen die Saint-Variante unseres 1. Augusts. Während an den meisten Orten der Welt strenge Regeln für Festivitäten gelten, geht das Leben auf St. Helena seinen normalen Gang und man kann feiern ohne Maske und ohne Social Distancing. Das einzige was fehlt sind die Touristen, die wohl - speziell dieses Jahr - gerne unbeschwert mitfeiern würden mit den Einheimischen, die bereits zu 95% (!) durchgeimpft sind. Es ist zu hoffen, dass die Regierung von St. Helena für vollständig geimpfte Touristen bald wieder ein Besuch dieser wunderbaren Insel ohne Quarantäne-Einschränkungen ermöglichen wird und es wieder Flugverbindungen gibt, die von Besuchern auch sinnvoll für die Hin- und Rückreise genutzt werden können.
Nach fünf Jahren wurde am 7. Februar 2021 wieder eine Volkszählung auf St. Helena durchgeführt. Die erste Volkszählung nach der Eröffnung des Flughafens ergab, dass die Einwohnerzahl der Insel stabil ist aber wie in vielen entwickelten Ländern älter wird.
Am Abend des 7. Februars 2021 waren 4'439 Einwohner als auf St. Helena wohnhaft registriert (2016: 4'534 Einwohner). Von den 4'439 Einwohnern waren 4'114 Einwohner "Saints". Davon waren rund ein Viertel über 65 Jahre (plus 18 %). Das Durchschnittsalter stieg in den letzten fünf Jahren von 44,2 auf 46,9 Jahre (Schweiz: 42,7 Jahre). Neben der längeren Lebenserwartung kämen auch viele ältere "Saints", die in jüngeren Jahren in Übersee gearbeitet haben, auf die Insel zurück.
Interessant ist auch die langfristige Entwicklung wie in der untenstehenden Grafik verdeutlicht: Während die Altersgruppe 15 - 64 Jahre auf einem ähnlichen Niveau ist wie vor 50 Jahren, ist die Kategorie der Kinder in den letzten Jahrzehnten dramatisch gefallen. Alle Details der Volkszählung finden Sie hier
Am Abend des 5. Mai wurde auch auf St. Helena dem 200. Todestages des ehemaligen französischen Kaisers Napoleon gedacht. Aufgrund der Pandemie und dem faktischen Einreiseverbot für Touristen wurde der einst als Grossanlass angedachte Event in ganz unkaiserlich bescheidenen Rahmen durchgeführt. Selbst der Wettergott fand das ein bisschen zum Heulen. Auf untenstehendem Video können Sie sich die Zeremonie bei Longwood House anschauen. Die ersten 40 Minuten zeigen nur die Ankunft der Gäste. Ab Minute 40 jedoch schöne Bilder von The Briars, Napoleons erste Zwischenstation auf St. Helena, während er auf die Fertigstellung von Longwood House wartete, und Longwood House selber. Die eigentliche Zeremonie beginnt bei Minute 55.
Von Impfskepsis keine Spur: Auf der im Südatlantik gelegenen Insel Ascension haben bereits 98% der impfberechtigten Erwachsenen ihre erste Dosis vom COVID-19-Impfstoff AstraZeneca erhalten. Die Strategie war dabei - gleich wie in Grossbrittannien - möglichst schnell allen Impfwilligen eine erste Dosis spritzen zu können. Von den bis Ende März 2021 verabreichten 801 Dosen waren 798 Erstimpfungen und nur 3 Zweitimpfungen. Die Zweitimpfungen werden nun vorbereitet und spätestens drei Monate nach der Erstimpfung sollen dann alle zweimal geimpft sein.
Reich zu werden im finanziellen Sinne auf St. Helena ist schwierig. Aber im Leben gibt es ja - zum Glück - noch andere Werte, die einem reich beschenken können. Zurück zum Finanziellen: Auf St. Helena liegt der Medianlohn bei umgerechnet CHF 11'000.--. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt dieser Wert bei CHF 78'000.--. Wenn man bedenkt, dass die Lebenshaltungskosten für die vielen, teuer importierten Güter des täglichen Bedarfs nicht so günstig sind wie in anderen Ländern mit ähnlichem Einkommensniveau, ist es schnell ersichtlich, dass im Geldbeutel nicht immer sehr viel übrig bleibt. Möchte jemand mit dem Medianlohn von St. Helena den Charterflug St. Helena - London - St. Helena buchen, so kostet ihm/ihr das gut 22 % eines Jahreslohnes. Umgerechnet auf den Schweizer Lohn, müssten wir CHF 17'500.-- für diesen Flug bezahlen. Wer würde (und könnte) das in der Schweiz bezahlen?
Am 1. April 2021 (kein Aprilscherz) wurden die Einreisebestimmungen für St. Helena gelockert. Neu dürfen Touristen wieder einreisen. Allerdings bleibt die 14-Tage-Quarantänefrist weiterhin bestehen. Die ersten Besucher, die von diesen Lockerungen profitieren sind die Mannschaften von einigen Jachten, die St. Helena bereits anlaufen und so der lokalen Tourismuswirtschaft einen Hauch von Leben einflössen können.
Die Tourismusbranche wird aber auch in den nächsten Monaten kaum überlastet sein. Ein Charterflug von London nach St. Helena findet im Mai statt und ein weiterer ist für Juni und August geplant. Die Flüge werden jeweils mit maximal 96 Passagieren gefüllt.
Die Aufnahme planmässiger Flugverbindungen ab Südafrika ist weiterhin ungewiss, da (unter anderem) auch England weiterhin Einreisebeschränkungen für Südafrikareisende aufrecht erhält.
Auf St. Helena wird - wieder einmal - gross geplant. Paul O'Sullivan, ein in Südafrika lebender Geschäftsmann, kaufte 2018 und 2019 die schon seit längerem für ein Grossprojekt vorgesehenen 65 Hektaren Land westlich von St. Pauls. Geplant sind ein Hotel, 150 Ferienhäuser plus ein - gemäss Investor - Weltklasse 18-Loch Golfplatz. Die Baueingabe wird auf St. Helena diesen Frühling von den Behörden diskutiert. Eine öffentliche Veranstaltung über dieses seit dem Bau des Flughafens mit Abstand grössten Projekt auf St. Helena stiess auf eher bescheidenes Interesse, wie man der Wochenzeitung St. Helena Independent entnehmen kann. Gerade mal zwei Personen erschienen zu dieser Veranstaltung.
Der Plan ist, das Areal in Etappen zu bebauen. Die Ferienhäuser sind in 11 Zonen eingeteilt und je nach Verkaufserfolg, wird eine Etappe nach der anderen gebaut. Das ist ein ähnliches System wie der ägyptische Investor Samih Sawiris für sein Andermatt Swiss Alps Resort in die Tat umsetzte. Auf St. Helena wurde oft schon gross geplant. Meistens lösten sich die Projekte dann in Luft aus. Mal schauen, wie sich das "Trade Winds Golf Resort and Hotel"-Projekt entwickelt. Für den Tourismus auf St. Helena wäre es auf jeden Fall ein Gewinn.
Manchmal sind schon kleine Schritte zurück in die Post-Pandemiezeit ein Lichtblick. Die Inseln Ascension und St. Helena - beide bisher COVID-19-frei - einigten sich ab dem Mai-Flug auf einen Reisekorridor. So müssen "Lokalpassagiere" zwischen Ascension und St. Helena unter bestimmten Bedinungen nicht mehr in die ansonsten weiterhin gültige vierzehntägige Quarantäne. Für Reisende von England ändert sich vorerst nichts. Da ist weiterhin die Selbstisolation/Quarantäne vorgeschrieben.
Eine der Eckpfeiler in der wirtschaftlichen Entwicklungsstrategie ist die Fischerei. Die Regierung von St. Helena unternimmt nun mit der südafrikanischen PQ Trading als Investor einen neuen Anlauf, St. Helena Tunafischfang in einem umweltverträglichen aber kommerziell interessanten Umfang wieder zu reaktivieren. Dazu hat die Regierung von St. Helena £ 500'000.-- für die Modernisierung der Fischverarbeitungsfabrik in Ruperts Valley gesprochen. Das auch in der Hoffnung, dass die monatlichen Kosten von £ 20'000.-- für die im Moment von der lokalen Regierung betriebene Fischverarbeitungsfabrik anschliessend wegfallen. Während einige lokale Fischer als Aktionäre bei der von PQ Trading kontrollierten Saints Tuna Corporation Ltd. mitmachen, zögern andere noch, da gemäss einem Bericht im St. Helena Independent anscheinend doch noch viele Fragen offen sind. Es wird spannend sein zu erfahren, wie sich dieser neue Versuch entwickelt.
Eine Regierung auf einer Insel wie St. Helena muss sich aber auch mit profaneren Themen auseinandersetzen wie der Verfügbarkeit von Eiern auf St. Helena. Gem. dem lokalen Umweltamt fällt die lokale Eierproduktion aufgrund der Altersstruktur der Hühner und Schwierigkeiten bei der Futtermittelbeschaffung. Die beiden grossen Handelshäuser der Insel, Thorpes & Sons wie auch Solomon & Company, müssen Eier importieren lassen. Der Versuch, einen Tag alte Küken mit dem Charterflug von Ende Februar einfliegen zu lassen scheiterte am Flugzeugtyp Boeing 757. Der Temperartur im Frachtraum lässt sich nicht so regulieren, dass darin junge Küken transportiert werden können.
Keine Lust auf grosse Politik sondern lieber entspannt selber fischen. Bei einer Auszeit auf St. Helena hat man genügend Zeit dazu, zum Reisevorschlag geht es hier.

Author
Urs Steiner
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