Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03371.jsonl.gz/2036

DMZ - GESUNDHEIT / WISSEN ¦
Marco Perroulaz ¦
#mittellaendische ¦
Im Herbst 2007 kann man den Deckel nicht mehr länger draufhalten: Die Saane ist vergiftet, das darin sich befindende Leben verseucht und die Fischerei wird zwischen den Staumauern von Rossens und Schiffenen verboten. Bei Proben von Barschen, Hechten, Forellen und Barben stellt der Kantonschemiker nämlich giftige, krebsauslösende organische Chlorverbindungen PCB (polychlorierte Biphenyle) weit über dem erlaubten Grenzwert fest. Die Verseuchung der Fische wird von der stillgelegten Mülldeponie La Pila in Hauterive verursacht. Dort hatte die Stadt Freiburg zwischen 1952 und 1973 eine Deponie betrieben, wo jeglicher in Haushalt, Gewerbe und Industrie anfallender Abfall kostenlos entsorgt werden konnte. Die Freiburger Regierung beschliesst, dass La Pila rasch saniert werden soll. Rasch, das bedeutet in der Regierung wahrscheinlich zwei, drei Jahrzehnte. Und so kommt es, dass bis heute ausser einer Notmassnahme rein gar nichts gemacht wurde. Zur Diskussion stehen unterdessen vier Varianten. Auf die Minimalvariante wolle man verzichten, heisst es von Seiten des Grossen Rates, der in seiner Sitzung vom Donnerstag das Dossier besprochen hat. Festgelegt wurde erst einmal nur die Tendenz. Eine der beiden Varianten zur Teilsanierung soll es sein. Diese sehen einen teilweisen Aushub der Deponie 66’000 m3 (ca. 10 Tonnen PCB) oder 185’000 m3 (ca. 25 Tonnen PCB) bei Kosten von 50 bis 90 Millionen Franken, resp. 110 bis 195 Millionen Franken vor. Der vollständige Aushub von 280‘000 m3 (ca. 31 Tonnen PCB) bei Kosten von 140 bis 250 Millionen Franken ist vom Tisch.
In Voten anlässlich der Sitzung wird abgewiegelt, die «Halbwertszeit» von PCB sei lange nicht so hoch wie etwa diejenige nuklearer Abfälle. Und es wird erläutert, eine Gesamtsanierung wäre zu extrem, es gelte auch, allfällige Kollateralschäden nicht zu vernachlässigen. Soll dies heissen, man hat Angst davor, was noch zum Vorschein kommen könnte?
Mit der Sanierung könne man etwa 2022 beginnen, schreibt das zuständige Amt. Zwar sollte kein PCB mehr ins Wasser gelangen können, doch die Zeitbombe tickt.