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Pharma-Industrie soll Opferentschädigungen im Thurgau mitbezahlenSchreiben Sie einen Kommentar
Betroffene von Medikamententests sollen eine Entschädigung von je 25'000 Franken erhalten, wie es im Entwurf des kantonalen Gesetzes über den Solidaritätsbeitrag für Betroffene von Medikamententests steht. Der Kanton Thurgau übernehme in der Frage der finanziellen Wiedergutmachung eine Pionierrolle in der Schweiz, schrieb er in der Mitteilung vom Freitag.
In der psychiatrischen Klinik Münsterlingen TG wurden zwischen 1940 und 1980 nicht zugelassene Medikamente an unwissende Patientinnen und Patienten verabreicht. Verantwortlich dafür war der Psychiater Roland Kuhn, der als Entdecker des ersten Antidepressivums gilt. Eine vom Kanton Thurgau in Auftrag gegebene wissenschaftliche Aufarbeitung legte 2021 die enorme Dimension dieser Medikamententests offen.
Schätzungen gehen von bis zu 500 heute noch lebenden Betroffenen aus. Anspruchsberechtigt sind Personen, die in Akten oder Dokumenten in Zusammenhang mit Medikamentenversuchen mit Testpräparaten erwähnt werden, nicht aber allfällige Erben.
Der Kanton Thurgau hat Verhandlungen mit der Pharmaindustrie aufgenommen. Er erwarte von ihr eine finanzielle Beteiligung im gleichen Umfang, wie sie der Kanton leiste, hiess es in der Mitteilung. Besonders die Basler Pharmaindustrie habe laut dem dem wissenschaftlichen Bericht von Roland Kuhns Medikamententests profitiert.
Eine der Schwierigkeiten sei, dass es die Firmen, die damals an den Medikamentenversuchen beteiligt waren, heute so nicht mehr gebe, hatte der Thurgau Gesundheitsdirektor Urs Martin (SVP) im April 2023 im Kantonsparlament erklärt. Dieses überwies damals eine Motion von SP und Grünen, die eine kantonale Entschädigungsregelung für die Opfer der Medikamententests verlangte.