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Herkunft und Geschichte
Wir Kanarienvögel stammen ursprünglich vom Kanarengirlitz ab doch wir wurden im Laufe der letzten etwa 500 Jahren sogenannt „domestiziert“. Das spiegelt sich auch in unserem wissenschaftlichen Namen, da wurde nämlich „Serinus canaria“, der Name des Kanarengirlitz, extra für uns mit „forma domestica“ ergänzt zu „Serinus canaria forma domestica“. Wir gehören zur Familie der Finken und sind damit Singvögel.
Kanarengirlitze sind auf den kanarischen Inseln, Madeira und den Azoren zu Hause.
Unsere Geschichte beginnt mit der Eroberung der kanarischen Inseln 1496 durch die Spanier. Die spanischen Seefahrer brachten danach Kanarengirlitze mit nach Spanien. Sie nannten sie auch „Zuckervögelchen“ weil sie so gerne Süsses hatten. In Spanien erfreuten sich die munteren Tiere dank ihrem Gesang rasch grosser Beliebtheit. Sie zu halten galt sogar als Zeichen von Luxus und Weltgewandtheit. Durch die grosse Nachfrage stieg natürlich auch der Preis. Grund genug für spanische Mönche mit den Tieren eine Zucht zu beginnen. Vor allem Cádiz verzeichnete grosse Erfolge damit. Um ihr Monopol zu bewahren wurden nur männliche Tiere verkauft, doch schon 1550 gelang es den Italienern, Weibchen in ihren Besitz zu bekommen und eine eigene Zucht zu beginnen. Damit war das spanische Monopol gebrochen.
Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wurden nur Gesangskanarien gezüchtet. Es wurden sogar Nachtigallen eingesetzt als Vorsänger für die jungen Kanarienhähne.
Danach wurde bei der Zucht mehr Wert auf Farbe und Form (Positur) gelegt. So zum Beispiel in England und Frankreich. Die Franzosen legten dabei hauptsächlich Wert auf Farbe, die Engländern versuchten das Gefieder zu verändern. So züchteten sie Hauben-Kanarienvögel und auch Frisé- und Positurkanarienvögel. Auch im Tirol wurde die schon ab etwa 1600 Kanarienvögel nachgezüchtet, hier vor allem reinweisse und reingelbe. Diese wurden durch eine eigens dafür gegründete Gesellschaft in ganz Europa verkauft. Rote und rötliche Kanarien entstanden durch Kreuzungen mit Kapuzenzeisigen.
Die Blütezeit der Zucht war das 18.Jahrhundert. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts wanderten viele Tiroler Bergleute aufgrund höherer Löhne in die Harz aus und begannen dort mit der Kanarienvogelzucht. Daraus entstand der heute noch bekannte „Harzer Roller“. Bei ihm konzentrierte man sich wieder auf den Gesang. Der Export weitete sich nun bis in die USA aus und der „Harzer Roller“ wurde zum Exportschlager. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts wurden über eine Million dieser Tiere in die USA exportiert. Diese Zucht war für die Bergleute eine wichtige Lebensgrundlage, doch die Vögel wurden auch noch zu einem ganz anderen Zweck gehalten. Kanarien wurden auch mit an die Arbeitsplätze „unter Tag“ genommen wurden. Dies wohl weniger um die Bergleute mit Gesang zu erfreuen sondern vor allem weil Kanarien ganz besonders rasch auf erhöhte Kohlenmonoxid-Werte in der Luft reagieren. Damit haben vermutlich etliche Kanarien mit ihrem Leben das Leben von Bergleuten gerettet.
Futter
In der Voliere bekommen wir Kanarien Körnerfutter, aber auch Gemüse und Obst.
Grösse, Form
Durch die intensive Zucht gibt es Kanarien in vielerlei Formen und Grössen. Die bekannteste Farbe ich sicherlich das Kanariengelb.
Gesangs und Farbkanarien sind etwa 14 cm gross, doch Positurkanarien gibt es von 11-23 cm Länge.
Gesang
Kanarienvögel sind in der Lage einen Gesang richtiggehend zu erlernen. Sie können auch Tonfolgen von anderen Vögeln und sogar Fremdgeräusche nachahmen. Talentierte Gesangskanarien werden sogar in speziellen Singschulen ausgebildet.
Haltung
Kanarienvögel sind keine ausgesprochenen Schwarmvögel wie zum Beispiel Wellensittiche. Daher kann man oft lesen, dass man einen Kanarienvogel einzeln halten soll, damit er singt. In Tat und Wahrheit singt ein Kanarienhahn aber vor allem um den Weibchen zu imponieren. Er geht in der Regel auch eine innige Beziehung mit seiner Partnerin ein und wird sie auch weiterhin mit seinem Gesang beglücken. Also auch hier, bitte nicht in Einzelhaft halten, was im übrigen gemäss Tierschutzgesetz sowieso verboten ist.
Kanarien werden meist nicht sehr zahm und es braucht viel Geduld und einen liebevollen Umgang mit den Tieren bis sie sich freiwillig auf Hand oder Schulter setzen.
Text und Fotos: P. und R. Gantenbein