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In Afrika wilde Tiere zu beobachten, ist ein Traum, den manche träumen – mit Vorliebe im bequemen Fernsehsessel, während im Vorabendprogramm ein Tierfilm läuft. Für Sandra Ramsauer ist dieser Traum hingegen Wirklichkeit: Im Rahmen ihrer Doktorarbeit am Zoologischen Institut der Universität Zürich beobachtet sie seit dem Herbst 2002 das Verhalten von Löwen, der einzigen sozial lebenden Grosskatzenart. Dazu verbringt Ramsauer jedes Jahr acht Monate in Botswana, im Tierreservat «Khutse» am Südrand der Kalahari-Wüste. Dort untersucht sie in der Savanne, wie die Raubkatzen miteinander kommunizieren.
«In dieser Gegend sind die Tiere nur selten im Rudel anzutreffen. Sie leben über 90 Prozent der Zeit aufgeteilt in Kleingruppen oder alleine», sagt Ramsauer. Die Ursache dafür ist wahrscheinlich, dass die aus knapp 20 Tieren bestehenden Rudel jeweils über ein Revier von 800 Quadratkilometer verfügen. «Es dauerte ein Jahr, bis ich zum ersten Mal alle Tiere zusammen angetroffen hatte», so die Biologin. «An anderen Orten ist das Revier eines Löwenrudels rund zwanzig mal kleiner. In Khutse ist jedoch die Beutedichte relativ gering.»
Um zu prüfen, wie sich die mehrheitlich getrennt lebenden Tiere trotzdem verständigen, spielt Ramsauer ihnen Aufnahmen mit Rufen von Löwen aus dem eigenen sowie fremden Rudeln vor und versucht so, Reaktionen zu provozieren. Beim Aufspüren der Tiere wird sie von einem eingeborenen Spurenleser sowie einem Übersetzer unterstützt.
Wie die Löwen auf die Playbacks reagieren, wird Ramsauer erst im Laufe dieses Jahres herausfinden. Sie wird dann in Zürich die Daten der GPS-Halsbänder auswerten, die die Position der Tiere aufzeichnen. Aus ihren Beobachtungen vermutet Ramsauer jedoch jetzt schon, dass die Tiere sich zur Stelle hinbewegen, wo das Playback abgespielt wurde. Bereits feststellen konnte sie, dass die maximale Rufdistanz der Löwen acht Kilometer beträgt. Zum Vergleich: Ein Mensch hört das Löwengebrüll nur 3,5 Kilometer weit.
Ein Löwenrudel besteht jeweils aus rund fünf Weibchen mit ihrem Nachwuchs, die das Revier gegen Eindringlinge verteidigen. Die Männchen im Rudel sind jeweils eingewandert und bleiben für zwei bis drei Jahre. Sie verteidigen die Weibchen gegen Konkurrenten und nicht das Revier. Ramsauer hat sich bei ihren Arbeiten vor allem auf die Reaktion von Löwenweibchen auf Eindringlinge konzentriert. «Was Männchen tun, ist vorhersehbar und sagt nichts über die Kommunikation im Rudel aus. Die kommen immer zum Ort, wo ein Löwengebrüll ertönt», erklärt Ramsauer. Wenn ein Konkurrent brüllt, will das Männchen ihn vertreiben; ist es ein Weibchen, rennt das Löwenmännchen hin, um es zu begatten.
Raubkatzen zu beobachten, ist beschwerlicher, als man vom Fernsehsessel aus wahrhaben will. Da die Löwen wegen der Hitze nur in der Nacht aktiv sind, muss Ramsauer die Playback-Experimente jeweils kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang durchführen.
Auch das als Stützpunkt dienende Zeltcamp in der Steppe fordert Entbehrungen. «Am Morgen können wir jeweils die Spuren der nächtlichen Besucher sehen, darunter auch Löwen», sagt Ramsauer. Diese fliehen zwar normalerweise vor Menschen – nicht jedoch, wenn sie überrascht werden. Deshalb heisst es nachts: drinnen bleiben.
«Als ich Ende der 90er Jahre zum ersten Mal freilebende Löwen sah, war ich wahnsinnig fasziniert», erzählt Ramsauer. Sie setzte alles dran, über diese Tiere bei Prof. Barbara König eine Doktorarbeit schreiben zu können. Doch die Finanzierung ihres Projekts war nie einfach. Zwar übernimmt die Abteilung Verhaltensbiologie des Zoologischen Instituts gewisse Kosten, das meiste Geld stammt jedoch von Dritten.
Bevor Ramsauer in diesem Jahr die Unterstützung des Forschungskredits erhielt, musste sie neben ihren Forschungsarbeiten immer wieder bei Privaten, Stiftungen, Naturschutzorganisationen und anderen um Sponsorengelder bitten. Vor allem am Anfang des Projekts, als sie noch keine Erfolge vorweisen konnte, war dies schwierig. Mit den Geldern des Forschungskredits ist nun wenigstens im laufenden Jahr für das Salär gesorgt. «Ich war sehr erleichtert, als ich von der Zusage erfuhr. Die freigewordene Zeit kann ich nun für die Auswertung der gesammelten Daten gut gebrauchen», freut sich die Biologin.