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(DMe) Das Wort «Aufklärung» meint eine geistesgeschichtliche Bewegung im ausgehenden 17. Jh., welche das Denken und die Vernunft ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte. Der Mensch sollte nicht mehr auf die Vergangenheit und auf alte überlieferte Dogmen und Ideologien achten, sondern auf die Zukunft setzen, und diese frei von Vorurteilen und mit ganzer Kraft gestalten. Mit der Aufklärung ist auch eine Hinwendung zur Naturwissenschaft und ein starker Fortschrittsglauben verbunden. Die Bewegung hatte in England ihren Ursprung (Hobbes, Bacon), verbreitete sich im 18. Jh. über Frankreich (Voltaire, Rousseau) über ganz Europa und wirkt in vielen Bereichen bis heute nach.
Einen Höhepunkt erlebte die Aufklärung durch Immanuel Kant (1724–1804). Er bezeichnete 1784 die Aufklärung als «Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit». Die Aufklärung wollte durch die konsequente Anwendung des Verstands den Menschen in die Mündigkeit führen, ihn aus dem Dunkel ins Licht bringen. Sie wird deshalb auch als «les lumières» (frz. «die Lichter») oder «enlightenment» (engl. «Erleuchtung») bezeichnet.
Als so genannte «liberale Theologie» hielten die Gedanken der Aufklärer auch in der Theologie und in der Kirche Einzug. Es wurde Kritik geäussert an den Bekenntnissen der Alten Kirche und jenen der Reformation, an der Lehre der Trinität (Dreieinheit Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist), an der göttlichen Inspiration der Bibel und an der Göttlichkeit Jesu. Diese Ansichten provozierten eine sehr starke Reaktion von den Konservativen, die an den von den Reformatoren überlieferten Glaubensinhalten festhalten wollten. Es kam zu grossen Konflikten: So wurden in Bern vom Rat mehrfach Schriften mit einem aufklärerisch-liberalen Inhalt verboten oder zensuriert, in Basel musste ein Professor seinen Stuhl räumen, da er Zweifel am damals vorliegenden Urtext des Neuen Testaments äusserte (Johann Wettstein), in Zürich wurde ein liberaler Theologe unter grossem öffentlichen Aufruhr kurz nach seiner Berufung wieder vertrieben (Friedrich Strauss). In Bern war es im 18. Jh. vor allem Berchtold Haller (1708–1777), der den christlichen Glauben gegen die Aufklärung zu verteidigen versuchte, gerade auch unter Einbezug der Vernunft. Ähnlich hielt es auch Johann Stapfer, der als Nachfolger von Samuel Lutz von 1750 bis zu seinem Tod 1775 in Oberdiessbach als Pfarrer und Autor wirkte. Für ihn war nicht nur die Vernunft, sondern auch die göttliche Oﬀenbarung wichtig.
Insgesamt konnte sich in der Berner Kirche die Aufklärung nicht voll und ganz durchsetzen, die neuen Ideen hinterliessen aber Spuren. Oft blieb Altes und Neues unversöhnt nebeneinander stehen. Dies trat besonders nach der Französischen Revolution und den politischen und gesellschaftlichen Wirren im 19. Jh. zu Tage. Die Berufung des Theologen Eduard Zeller auf einen theologischen Lehrstuhl in Bern – er vertrat einen modern-aufklärerischen Glauben – wurde 1847 vom Grossen Rat in Bern erst nach 14-stündiger Beratung bestätigt.In der Folge kam es im 19. Jh. zur theologischen Parteienbildung. Auf der einen Seite standen die liberalen Theologen, die «Radikalen», die auf das «Wissen» pochten und von der Aufklärung beeinflusst waren, auf der anderen Seite die Konservativen, «Gläubigen», die sich an die traditionellen Formen des Christentums hielten. Diese beiden Lager wirken bis heute in der Theologie fort, wenn auch in den letzten Jahrzehnten deutlich weniger ausgeprägt. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen lohnt es sich auch in der Kirche, vermehrt das Gemeinsame zu suchen und zu pflegen.