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Sechs Fragen an Regisseur Guillaume Senez„Keeper“ ist Ihr erster Langspielfilm. Wann ist Ihr Wunsch, Filmemacher zu werden, erwacht?
Mit etwa 15 ist mir bewusst geworden, dass ich mir lieber Filme von Mike Leigh oder Abel Ferrara angeschaut habe als Mainstream-Produktionen à la „Jurassic Park“ wie meine Kollegen. Ich erinnere mich, wie uns ein Lehrer fragte, was wir später studieren wollen. Alle meine Freunde waren überzeugt, dass ich eines Tages Filme machen würde. Für mich bestand diesbezüglich damals noch keine Gewissheit, doch später hat sich alles auf recht natürliche Weise in diese Richtung entwickelt. Ich habe in Brüssel eine Filmschule besucht und sie 2001 abgeschlossen. Dann habe ich die drei Kurzfilme „La quadrature du cercle“ (2005), „Dans nos veines“ (2009) und „U.H.T.“ (2012) realisiert.
Warum haben Sie als männliche Hauptfigur von „Keeper“ einen Jungen gewählt, der alles tut, damit seine schwangere Freundin das gemeinsame Kind behält?
In Filmgeschichten über eine Schwangerschaft konzentriert sich das Interesse meistens auf die weibliche Hauptfigur, die sich mit physischen wie psychischen Aspekten konfrontiert sieht. Das, was die männliche Person bei all dem empfindet und spürt, wird im Allgemeinen komplett vernachlässigt. Deshalb wollte ich aus einer männlichen Optik erzählen – oder konkreter: aus einer Position der Machtlosigkeit. Natürlich kann Maxime versuchen, auf Mélanie Einfluss zu nehmen – doch andere Möglichkeiten oder Rechte hat er keine.
Die Eltern des jungen Paares reagieren unterschiedlich. Maximes Mutter ist sofort bereit, ihren Sohn, der Vater werden will, zu unterstützen. Die Mutter von Mélanie sieht das Ganze aufgrund ihrer eigenen Erfahrung als junge Mutter als unentwirrbarer Knoten von Problemen…
Die Idee war, dass alle Nebenfiguren eigene, unterschiedliche Standpunkte haben, um der Geschichte mehr Komplexität und auch mehr Identifikationsmöglichkeiten zu verleihen. Und hier sind es tatsächlich die Mütter, deren Sichtweisen weit auseinanderdriften. Ich habe anlässlich der ersten Vorführungen von „Keeper“ beobachtet, dass die Zuschauer je nach Lebenserfahrung und Sensibilität unterschiedlich reagiert haben: Die einen mochten Maximes Mutter und lehnten Mélanies Mutter ab, bei den anderen war es umgekehrt.
Sie selber ergreifen keine Partei…
Ja, denn es kam für mich nicht in Frage, aus „Keeper“ einen Thesenfilm zu machen, etwa als Plädoyer für oder gegen die Abtreibung oder die Adoption. Mein Ziel ist es, die Dinge zu zeigen, wie sie existieren – was das Publikum daraus macht, steht ihm frei. Als Zuschauer habe ich Filme, die mir um jeden Preis eine Meinung aufdrängen wollen, nie gemocht.
Zeigen Sie Maxime als Jungen, der von einer Profifussballer-Karriere träumt, da sie selber Trainer waren?
Es gibt da tatsächlich einen Zusammenhang. Es war jedoch nicht meine Absicht, die Zuschauer glauben zu machen, dass Maxime Profifussballer werden könnte, sondern dass er darauf hofft. Man muss wissen, dass es von hundert Buben auf höchstem Niveau nur sechs schaffen, Profis zu werden. Ich wollte, dass Maxime, der durch die Perspektive, Vater zu werden, reifer wird, gleichzeitig mit der Enttäuschung konfrontiert wird, seinen Fussballprofi-Traum nicht verwirk-lichen zu können – und das in einem Alter, in dem man enorm viele Idealvorstellungen hat.
Wie haben Sie die optische Atmosphäre des Films kreiert?
Der erfahrene Chefkameramann Denis Jutzeler, der unter anderem oft mit Alain Tanner gearbeitet hat, hat hinsichtlich der Bildgestaltung Bemerkenswertes geleistet. Schon bei unseren ersten Gesprächen habe ich gemerkt, dass wir dieselbe Wellenlänge haben. Ich habe Denis erklärt, wie ich mit meinen Darstellern arbeite – dass ich ihnen viel Raum lassen will, dass die Technik ihnen gewissermassen folgen und keine Einschränkungen mit sich bringen soll. Ich wollte nicht, dass die Form alles andere dominiert. Denis war von dieser Arbeitsweise sofort angetan. Bei den Dreharbeiten hat es so funktioniert, wie ich es mir gewünscht habe.