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Was uns unvorstellbar erscheint – Sabine Kuegler hat es erlebt: Als Tochter deutscher Forscher verbrachte sie ihre Kindheit mitten im Dschungel von West-Papua, bei einer vergessenen Stammesgesellschaft, die noch wie in der Steinzeit lebt. Das kleine Mädchen wächst mitten im Urwald auf und lernt zu jagen, zu klettern und in Flüssen zu schwimmen. Anstatt Pommes isst sie geröstete Insekten, anstatt Kaugummi kaut sie Fledermausflügel. Sie lernt aber auch, wie brutal die Natur sein kann - und sie erlebt, was Krieg und Hass zwischen Menschen bedeuten. Mitten im Urwald lebt ihre Familie mit dem Fayu-Stamm, der für seine Brutalität und kriegerischen Eigenschaften gefürchtet wurde. Erst langsam lernen diese Menschen, zu lieben statt zu hassen, zu vergeben statt zu töten. Mit 17 Jahren geht Sabine Kuegler auf ein Schweizer Internat, um ihren Schulabschluss zu machen - ein katastrophaler Einschnitt für sie, die wie eine Fayu fühlt und handelt. "Angst habe ich erst hier kennengelernt", sagt sie, für die nun alles neu ist - wie man einkauft, wie man Menschen begrüßt, wie man eine Straße überquert. Heute, nach Jahren in Europa, ist ihre Seele gefangen zwischen zwei Kulturen. Sabine Kuegler weiß, dass sie zurückkehren muss – zurück in eine Welt, die für viele nicht mehr existiert.
Interview im Tagesanzeiger vom Freitag 19.11.10