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Auf ein sehr trockenes Frühjahr folgt in der Regel ein langer und heisser Sommer. Das zeigen die Klimadaten aus den letzten 1000 Jahren.
Weil in den Monaten April und Mai dieses Jahr äusserst wenig Regen fiel und die Temperaturen überdurchschnittlich hoch waren, befürchtet der emeritierte Professor für Klimageschichte der Universität Bern, Christian Pfister, dass dieser Sommer so heiss und trocken werden könnte, wie seit fast 500 Jahren, genauer seit dem Jahr 1540 keiner mehr: «Am härtesten getroffen wurde damals Norditalien, wie heute, daneben das östliche Frankreich, Süddeutschland und das Schweizer Mittelland. Viele Chronisten verfolgten die Trockenheit mit Sorge.»
Im Elsass fiel 1540 während elf Monaten kein Tropfen Regen.
Von Mitte Juni bis Mitte August habe im Jahr 1540 ein sogenanntes Omega-Hoch den Durchzug von Störungen über Zentraleuropa blockiert, erklärt Pfister: «Im Elsass fiel während dieser Zeit kein Tropfen Regen. Die Temperaturen kletterten möglicherweise über 40 Grad. Risse von über 30 Zentimetern klafften in den Böden.»
Ein trockener Ausreisser in einer Abkühlungsphase
ETH-Professorin und Klimaforscherin Sonia Seneviratne beschäftigt sich seit Jahren mit den Faktoren, die zu Hitzewellen und Dürren führen. Sie meint, es sei zwar noch zu früh, um zu sagen, wie der ganze Sommer 2022 enden werde, aber: «Die Messungen des Bundes zeigen, dass wir im Moment sehr trockene Bedingungen haben. Solche Bedingungen haben wir durchschnittlich alle 20 Jahre. Es ist sehr trocken, aber es ist zu früh, um zu sagen, wie es sich weiterentwickelt.» 1540 war es rund elf Monate trocken.
Wenn es so lange wenig regnen würde, hätten wir viel ausgeprägtere Auswirkungen als 1540.
So weit seien wir heute noch lange nicht, betont Seneviratne. Sie ergänzt aber: «Wenn es so lange wenig regnen würde, hätten wir viel ausgeprägtere Auswirkungen als 1540. Wir haben höhere Temperaturen und mehr Strahlung im System. Das heisst, wir hätten noch höherer Temperaturen und mehr Trockenheit.»
Wasserverbrauch viel höher
Dass wir heute verletzlicher sind für Klimaextreme als vor 500 Jahren, glaubt auch Pfister: Es leben rund zehnmal mehr Menschen in unserem Land als damals. «Die Gletscher als Wasserspeicher sind auf einen Bruchteil zusammengeschmolzen. Wir sind abhängig von Lebens- und Futtermittelimporten. Unser Trink- und Brauchwasserbedarf liegt um ein Vielfaches höher als 1540.»
Die Behörden müssten dringend ihre Szenarien anpassen und auch den Worst-Case mit einer mit 1540 vergleichbaren Dürreperiode in ihrer Planung berücksichtigen, betont er: «Ich hoffe, dass meine Befürchtungen nicht eintreten. Aber ich nehme an, dass aufgrund der fortschreitenden Erwärmung mit einem Worst-Case-Ereignis in den nächsten Jahren zu rechnen ist.»
Gleichzeitig müsse die Staatengemeinschaft und mit ihr die Schweiz rasch viel energischer die Treibhausgas-Emissionen senken, ergänzt Seneviratne, die auch an den letzten Berichten des Weltklimarats der UNO mitgearbeitet hat: «Wenn wir wollen, dass der globale Temperaturanstieg sich bei 1.5 Grad stabilisiert, müssen wir die CO₂-Emissionen bis 2030 halbieren. Man müsste spätestens 2025 eine Abnahme der CO₂-Emissionen haben.»
Schaffen wir das nicht, werden sich die Temperaturen weiter erhöhen und Trockenphasen werden intensiver und häufiger, stellt die ETH-Professorin fest.
Weil 1540 fast ganz Europa von Dürre und Hitze betroffen war, sei der damalige Sommer noch gravierender gewesen als der Hitzesommer 2003. Allerdings war 1540 ein Ausreisser in einer Phase, in der das Klima eigentlich kühler wurde. Die Winter waren damals deutlich kälter als heute.
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