Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03382.jsonl.gz/1232

Die Geschichte des Watchman (Nandri Watchman) ist in den Zeitungen publiziert worden. In der Zwischenzeit hat er eine Uniform erhalten, was nun sein ganzer Stolz ist. Gestern, 15. November 2008, durfte ich am Telefon mit Elsbeth miterleben, wie der Watchman zu einem Besuch gekommen ist. Sie hat gesehen, wie er, mit einer Wolldecke um Kopf und Schultern geschlungen, den Weg zur Schule hinauf kam. Elsbeth sagte, er komme bestimmt wegen seinem Husten und will Sirup, ich könne gleich mithören. Sie hat ihn begrüsst – habe ich richtig gehört, auf Tamil? – und ihn gebeten Platz zu nehmen, sie hat in Englisch und wie ich vermute mit Gesten, ihm versucht beizubringen, Sirup und anschliessend Wasser zu trinken. Nach einer Weile hat sich der Watchman wieder verabschiedet.
Elsbeth hat mir dann verschiedene Eigenheiten erklärt. Wenn er Sirup nimmt, so kann er den Löffel nicht in den Mund nehmen, das ist unhygienisch und man kann ja alles Mögliche kriegen davon. Deshalb hält er seinen Kopf in den Nacken und Elsbeth leert den Löffel in seinen Mund, exakt darauf achtend, nicht den Mund zu berühren. Wasser vom Schulhaus kann er danach nicht trinken, da es viel zu sauber ist und man sich sicher erkältet davon. (hmm.. hat er nicht soeben nach Hustensirup verlangt?)
Alles was neu ist wird in Vellimalai mit grosser Skepsis entgegen genommen. Im Haus der Lehrer und des Watchman hätte es eine primitive Küche. Die wollen sie aber nicht benützen, sie haben sich lieber neben dem Haus eine Feuerstelle eingerichtet, auf der Essen gekocht wird.
Die meisten Einwohner von Vellimalai kochen sehr einfach. Meist wird am Morgen eine grosse Menge Reis gekocht und Sambar. Sambar ist eine Art dünne Sauce, die Gemüse und Kräuter enthält. In Vellimalai wird Sambar aus Wasser, Chili, das sie selber anbauen und Salz gemacht. Ab und zu hat es noch Tomaten im Sambar. Im Vergleich zum Unterland wird in Vellimalai sehr karg gegessen und Abwechslung gibt es fast nie. Noch schwieriger macht es die enorme Preissteigerung von allem. Tomaten zum Beispiel sind innert eines halben Jahres doppelt so teuer, ebenso das Essen im Restaurant. Es ist nun nicht so, dass sie früher anders gegessen hätten als heute, aber ein Fortschritt in der Ernährung wird mit der Preissteigerung von Beginn weg erschwert.