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Benedict Cumberbach wird neben Will Smith als Favorit für den Oscar als «Bester Hauptdarsteller» gehandelt. Im Westerndrama «The Power of the Dog» zeigt er sich als sadistischer Cowboy Phil Burbank von einer ganz neuen (schauspielerischen) Seite: Er spielt einen ungewaschenen und enigmatischen Mann, der in den 1920er-Jahren als unbarmherziger Lord über die Cowboys auf seiner Familien-Ranch in Montana herrscht. Er mobbt seinen jüngeren Bruder George (Jesse Plemons) und dessen neue Frau Rose (Kirsten Dunst). Sowohl Plemons als auch Dunst, die im wahren Leben ebenfalls ein Paar sind, wurden für ihre Nebenrollen für einen Oscar nominiert. Besonders grausam behandelt Phil allerdings seinen Stiefneffen Peter (Kodi Smit-McPhee), der dem Alpha-Männchen nicht maskulin genug daherkommt.
Als er mit dem Rollenstudium für «The Power of the Dog» begann, hatte der 45-jährige Cumberbatch gerade den letzten «Avengers»-Film als Dr. Strange abgedreht. Gegenüber streaming.ch verriet er, wie gross die Herausforderung für ihn war: «Ich hatte noch nie zwei Filmrollen hintereinander, die so unterschiedlich waren. Aber es war fantastisch. Ich sah das als Privileg!» Cumberbatch wundert es nicht, dass so viele Kritiker und Zuschauer von «The Power of the Dog» begeistert sind. Denn für ihn ist es kein abstrakter Western, sondern ein Drama, mit dem sich viele heutzutage identifizieren können: «Der Film lehrt, wie sehr du dich im Leben verrennen kannst, wenn deine wahre Identität nicht akzeptiert oder auch nur toleriert wird. Wie toxisch deine Männlichkeit werden kann, nur weil du nicht der sein darfst, der du wirklich bist!»
Für seine Rolle versuchte er ganz in die Haut von Phil zu schlüpfen. Cumberbatch reiste nach Montana und lebte für ein paar Wochen unter Viehtreibern auf einer echten Ranch: «Ich wollte die Welt, das Wetter, das Terrain, die Tiere und das Leben eines Ranchers selbst erfahren.» Er lernte reiten und «wurde ziemlich gut darin, Vieh zu treiben». Eine Erfahrung, die bei ihm einen tiefen Eindruck hinterlassen hat: «Ich liebe es, mit Tieren zu arbeiten. Und wann bekommt man im 21. Jahrhundert noch die Chance, einmal Viehtreiber zu sein?» Viel schwerer fiel es ihm hingegen, Banjo spielen zu lernen: «Ein Instrument zu beherrschen kannst du nicht faken. Ich kann inzwischen zwar etwas spielen, aber es war wirklich hart.»
Bei den Dreharbeiten in Neuseeland blieb Cumberbatch seiner Rolle treu, auch wenn die Kameras nicht rollten: «Ich bin mit Jesse Plemons an einem freien Tag wandern gewesen. Leider haben wir uns verirrt. Aber es war grossartig, weil wir beide es geschafft haben, die ganze Zeit Phil und George zu bleiben.» Weniger happy waren die Kollegen von Cumberbatch allerdings mit dem Geruch, der von ihm ausging. Denn ganz in Phil-Manier hatte der Star die erste Woche am Set nicht geduscht: «Ich war eine wandelnde biologische Gefährdung für meine Umgebung.» Der Vorteil: Kein Crew-Mitglied kam ihm zu nah und fragte nach einem Selfie, wie Cumberbatch im Nachhinein lachend erzählte.
Die Regisseurin Jane Campion konnte ihren Star dann aber doch noch überzeugen, seine Körperhygiene nicht mehr zu vernachlässigen. Allerdings bestand der Schauspieler darauf, dass man wenigstens seine Kostüme während der Dreharbeiten nicht reinigt: «Sie haben die Klamotten ab und zu mal mit Alkohol abgesprüht, damit sich keine Läuse einnisten.» Trotz all der Widrigkeiten war es für Cumberbatch emotional sehr schwer, sich nach Drehschluss von Phil wieder in Benedict zu verwandeln: «Ich habe ihm nachgetrauert!»
Seine Oscar-Nominierung hatte der Brite, der mit seiner Frau und Kindern in Los Angeles lebt, glatt verschlafen. Denn Cumberbatch vergass nicht nur, seinen Wecker auf 5 Uhr zu stellen, er hatte auch sein Mobiltelefon ausgestellt – und wurde dann von einer Nachrichtenflut überrollt, als er es wieder anstellte.
Netflix | Westerndrama
Mit: Benedict Cumberbatch, Jesse Plemons, Kirsten Dunst u.a.
AUS 2022, seit 1. Dezember 2021