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Student Nelson Paco Chipana berichtet in seinem monatlichen Blog-Beitrag, wie die Peruaner die Fussball-Weltmeisterschaft erlebt haben, und wie wichtig Fussball in seinem Land ist.
Vor 36 Jahren – meine Schwester und ich waren noch nicht einmal geboren – 1984 also nahm die Peruanische Fussball-Nationalmannschaft an den Weltmeisterschafen in Spanien teil. Niemand hätte gedacht, dass 36 Jahre vergehen müssen, bis mein Land wieder einmal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen würde. Eigentlich schaue ich selbst nicht viel Fussball, aber allein die Tatsache, nach 36 langen Jahren wieder einen Platz an einer Weltmeisterschaft gewonnen zu haben, war schon sehr speziell. Sowohl ich als auch meine Schwester haben früher lieber Fussball gespielt, als die Spiele im TV anzusehen. Aber seit wir gesehen haben, wie unsere Equipe bei der Copa América 2016 dritte wurde und begann, die Qualifikationsspiele zu gewinnen, hat das unsere Aufmerksamkeit angezogen. Ohne dass wir es merkten, warteten wir ungeduldig vor einem Fernseher darauf, dass Peru spielte. Ich erinnere mich gut an etwas Ironisches, das alle Reporter immer wieder erwähnt haben: Ausgerechnet Ricardo Gareca, der argentinische Spieler, der Peru mit einem Tor aus dem Rennen um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1989 in Mexiko schoss, hat unsere Nationalmannschaft 2018 als Trainer an die Weltmeisterschaft geführt. Gareca ist sehr beliebt in unserem Land, da er uns nach 36 Jahren wieder Freude gebracht hat.
Peru und die Fussballweltmeisterschaft
Ich erinnere mich, dass wir in der Tabelle für die WM-Qualifikation unseres Kontinentes den fünften Platz belegt haben. Das hat uns nicht direkt an die WM nach Russland gebracht, wir mussten in zwei Spielen gegen Neuseeland um die Qualifikation spielen. Auswärts spielten wir 0:0, im Estadio Nacional Perú konnten wir 2:0 gewinnen und so den Fluch von 36 Jahren ohne Weltmeisterschaft brechen. Der Tag darauf, der 16. November 2017, wurde zu Feiertag im ganzen Land ausgerufen. Auch während der WM hatten die meisten öffentlichen und privaten Institutionen in unserem Land nicht offen in den Stunden, in denen Peru spielte. Das zeigt, wie wichtig dieser Sport ist für die Peruaner. Ich persönlich kenne niemanden, der nicht Fussball spielen kann oder nicht Bescheid weiss über diesen Sport. Jedes Spiel des peruanischen Teams war gleichbedeutend mit einer Zeit der Vereinigung und des Teilens unter allen Peruanern. Die Spiele hatten oft höhere Priorität als die Themen bei der Arbeit. Die grosse Mehrheit der Peruaner hat WM-Alben gekauft und gefüllt. Peruanische Spieler einkleben zu können, war für alle sehr aufregend.
Wie man in Peru Fussball spielt
Viele Peruaner sind nach Russland gereist, um das Team spielen zu sehen. Über das Fernsehen konnte man beobachten, wie viele geweint haben, als wir Australien besiegt haben. Das war unser erster Sieg an einer Weltmeisterschaft! Unsere „Selección“ hat sich definitiv verbessert, das hat viele Peruaner inspiriert, Fussball zu spielen. Fussballspiele unter Freunden oder in der Familie nennen wir hier in Peru „Las Pichangas“ oder „futsal“. Die „Pichangas“ spielt man meistens auf Kunstrasenplätzen. Die Miete dafür beträgt 45 Soles (ca 15 Franken) pro Stunde am Tag und 70 Soles (ca 23 Franken) pro Stunde am Abend. Aber wir haben auch Fussballfelder auf Steinboden.
Die wichtigste Sportart: Fussball!
Diese Fussballfelder gibt es fast überall hier in Arequipa wie auch in Juliaca. Es wäre seltsam, wenn es nicht in den meisten Bezirken meines Landes so wäre. Das beantwortet die Frage, welche Sportart in unserem Land die wichtigste ist: Fussball! Aber es ist auch erwähnenswert, dass wir in unserem Land erfolgreiche Leichtathleten wie beispielsweise Inés Melchor und Gladys Tejeda haben. Beide haben schon mehrere Gold- und Silbermedaillen gewonnen, zuletzt gewann Inés Melchor Gold über 10’000 Meter bei den Südamerika-Spielen 2018.
Nelson Paco Chipana und seine Schwester Margot werden von der Stiftung Conrado Kretz finanziell unterstützt, damit sie ein Studium abschliessen können. Nelson berichtet monatlich darüber, welche Themen in Peru gerade aktuell sind und was ihn und seine Schwester beschäftigt.