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Rías-Hüpfen in Galicien
Dem Atlantik ausgesetzt, ist Galicien zuweilen eine raue Ecke. Doch seine Rías – tief ins Land eindringende Meeresbuchten – machen den Nordwesten Spaniens gleichzeitig zu einem der attraktivsten Segelreviere Europas.
Die Nacht war ruhig, die See flach. Der Sonnenaufgang wird vom Dunst verschluckt. Seit ein paar Stunden läuft der Motor. Immer wieder tauchen Delfine aus der grauen See auf, spielen in der Bugwelle und verschwinden wieder. Die berüchtigte Biskaya ist zahm wie ein Dorfteich. Vor zwei Tagen bin ich mit «Blue Alligator», meiner Victoria 34, von der .le d’Yeu vor der Küste des Departements Vendée mit Kurs Südwest aufgebrochen. Am Morgen des dritten Tages nun, nach etwas über 250 Meilen, zeichnet sich vor mir eine Küste ab, die dunkel und bedrohlich wirkt. Berge, so hoch wie der Himmel, scheinen direkt aus dem Meer aufzusteigen, eine solide Mauer, die dem Segler wenig Einladendes zu bieten scheint. Das also ist Galicien, die nordwestliche Ecke Spaniens. Doch auf der Karte sieht die Küste anders aus. Sie ist gekerbt von tiefen, fjordähnlichen Einschnitten. Diese heissen R.as und bieten Schutz vor dem Atlantik, der ungebremst gegen die Felsen brandet. Eine der R.as an der Nordküste ist nach der Ortschaft Viveiro benannt, die tief im Innern der Bucht liegt. Sie weist neben einem Fischereihafen auch eine Marina auf – und verspricht damit, nach drei Nächten mit Schlaf im Halbstundentakt, mal wieder richtig ausruhen zu können. Ich erkenne die Einfahrt jedoch erst, als sich ein Fischerboot zwischen den Klippen hervorschiebt. Ich halte drauf zu und laufe wenig später in ein vollkommen geschütztes Fahrwasser zwischen steil aufragenden Flanken ein. Grüne Wiesen schimmern zwischen dunklen Wäldern. Verstreut stehen Chalets in den Hängen. Es ist, als wäre ich auf einem Schweizer See unterwegs.