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Die effektive Reproduktionszahl Re gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Im Folgenden geben wir ein tägliches Update für die effektive Reproduktionszahl Re in der Schweiz.
Einschätzung der momentanen epidemiologischen Lage
Die effektive Reproduktionszahl Re war Anfang März zwischen 2-3, was Schätzungen für andere Länder entspricht. Re ist Mitte März unter den kritischen Schwellenwert von 1 gefallen. Das Re ist ab der zweiten Mai-Woche wieder angestiegen. Mitte Juni wurde ein Höchststand des Re mit einem Wert von 1.4-1.9 erreicht. Im Juli wurde ein weiterer, jedoch tieferer, Höchststand erreicht. Diese Höchststände sind auf das Infektionsgeschehen in verschiedenen schweizer Regionen zurückzuführen. Momentan ist das Re tiefer. Der geschätzte Median des Re war jedoch im Juni und Juli meist über 1 und Re war in dieser Zeit nie signifikant unter 1. Daher bleibt die Situation besorgniserregend.
Re Werte über 1 im Juni und Juli können nicht durch den Anstieg der Anzahl durchgeführter Tests oder durch falsch positive Test-Resultate erklärt werden. Im Juni ist die Anzahl der wöchentlichen Tests in der Tat stark angestiegen. Wenn man statistisch für den Anstieg in der Anzahl Tests korrigiert liegt der Schätzwert von Re von Mitte Juni bis Mitte Juli meist signifikant über 1. Dieses Resultat spiegelt den beobachteten Anstieg der Test-Positivität wieder. Die Spezifität der PCR-Tests ist sehr hoch, wodurch es zu praktisch keinen falsch positiven Resultaten kommt welche den Schätzwert beeinflussen könnten.
Erweiterte Möglichkeiten zur epidemiologischen Lagebeurteilung finden sie hier. Dort finden Sie unter anderem die Schätzung von Re für einzelne Kantone, Regionen und verschiedene europäische Ländern. Zudem zeigen wir Abschätzungen zur Änderung von Re nach Einführung oder Lockerung von Massnahmen. Des Weiteren zeigen wir den aus den täglichen Fallzahlen errechneten Verlauf der Neuinfektionen. Die Schätzung von Re basiert auf diesem Verlauf der Neuinfektionen. Die Resultate für Re stellen wir als .csv Datei zur Verfügung.
Methoden
Das publizierte Re für einen bestimmten Tag ist ein Mittelwert über die letzten 3 Tage. Wir publizieren den geschätzten Median zusammen mit dem 95% Unsicherheitsintervall. Die Methode zur Schätzung von Re ist hier erklärt. Eine Erweiterung der Methode erlaubt uns die Infektionszeitpunkte anhand den Daten mithilfe einer sogenannten Dekonvolution genauer zu bestimmen. Diese Herangehensweise wird für COVID-19 in zwei Manuskripten (Practical considerations for measuring the effective reproductive number, Rt und A pitfall in estimating the effective reproductive number Rt for COVID-19) diskutiert. Die Dekonvolution erlaubt Abnahmen und Steigungen des Re schneller zu detektieren. Die Resultate basierend auf Daten vom 26.6.2020 mit der ursprünglichen Methode können hier angeschaut werden.
Die Schätzung von Re basiert von nun an ausschliesslich auf Daten vom BAG. Diese Änderung war erforderlich, da die bisher analysierten Daten von openZH in letzter Zeit mit abnehmender Häufigkeit aktualisiert wurden.
Das BAG kommuniziert täglich die Anzahl der eingegangenen Fälle der letzten 24 Stunden. Die Fälle stamen typischerweise von Fall-Bestätigungen der letzten drei Tage. Zur Schätzung von Re analysieren wir nun die Anzahl der Fall-Bestätigungen pro Tag und ignorieren die letzten zwei Tage. Daher weichen Zahlen unseres Dashboards und die Zahlen der BAG-Berichte leicht voneinander ab.
Generell basiert unsere Einschätzung der momentanen epidemiologischen Lage auf einer Reihe von Methoden, siehe Appendix A in Policy Brief «Effect of Measures». Die verschiedenen Schätzungen können im Detail voneinander abweichen, stimmen aber im Trend überein.