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Berner Grossrätin SVP 1974 – 1978
«Ob Frau oder Mann – alle sollen doch frei wählen können, ob sie in Haushalt und Familie oder im Berufsleben aktiv sein wollen. Ich hätte mir nicht vorstellen können, ein Leben lang Hausfrau zu sein – obschon ich dies als Mutter von vier Kindern 25 Jahre lang war.»
5.1.2015, Der Bund, S.19
Ruth Geiser-Im Obersteg (1921 – 2014), später Ruth Im Obersteg Geiser, wird 1974 als eine der zehn ersten Frauen in den bernischen Grossen Rat gewählt, dem sie bis 1978 angehört. Bereits ab 1971 politisiert sie als erste Gemeinderätin der Stadt Bern und ist schweizweit die erste städtische Baudirektorin. Da die SVP die Politikerin 1976 nicht mehr für die Wahlen nominiert, kandidiert Ruth Im Obersteg im Alleingang und wird als Parteilose wiedergewählt. Sie bleibt bis 1984 Gemeinderätin der Stadt Bern.
Nach der Wahl zur Grossrätin wird Ruth Im Obersteg Mitglied der ständigen Verkehrskommission. Als Vizepräsidentin sitzt sie der Kommission für die Gesetzesänderung über die Niederlassung und den Aufenthalt von Schweizer Bürgern vor. Zudem wirkt sie als Mitglied in der vorberatenden Kommission für das Gesetz über die Verbesserung des Wohnungsangebotes. Ab 1980 präsidiert Ruth Im Obersteg die Kunstmuseumsdirektion.
Vor ihrer Wahl in den Grossen Rat kämpft Ruth Im Obersteg aktiv für das Frauenstimmrecht. Sie gründet die bernische Frauengruppe der Bauern- Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) und setzt sich im Frauenstimmrechtsverein Bern für die politische Mitsprache von Frauen ein. Ab 1968 präsidiert Ruth Im Obersteg den bernischen Frauenstimmrechtsverein und ist Vizepräsidentin des Schweizerischen Verbandes für das Frauenstimmrecht. Auch im Grossen Rat führt sie ihren Einsatz für Frauenanliegen fort. Nach der Änderung des Eherechts von 1988 ändert sie ihren Namen von Ruth Geiser-Im Obersteg zu Ruth Im Obersteg Geiser.
Nebst ihren politischen Mandaten engagiert sich Ruth Im Obersteg in verschiedenen Stiftungen und als Präsidentin der Berner Künstlerinnen.
Ruth Im Obersteg ist in Zweisimmen geboren und wächst in Bern auf. Sie ist die ältere Schwester von Agnes Sauser-Im Obersteg. Sie studiert Volkswirtschaft und schliesst das Studium mit Lizentiat ab. Im gleichen Jahr wird sie als Handelslehrerin diplomiert. Ihre Lehrtätigkeit legt sie nach der Heirat nieder und zieht ihre vier Kinder gross. Die politische Karriere startet sie nach der Familienzeit. Das politische Geschehen interessiert Ruth Im Obersteg bis ins hohe Alter.