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Dicht an den westlichen Kehren der Zickzackstrasse, welche von Vernayaz aus dem Rhonetal (460 m ü. M.) gegen Salvan (925 m) ansteigt, lagen im Jahr 1892 vier Anthrazitgalerien:
Erste (unterste) Galerie, zirka 40 m über Tal, 40 m lang, im Streichen bergeinwärts gehend, dann verstürzt, Galerierichtung und Schichtstreichen anfänglich N 20−30° E, weiter drinnen N 50° E Schichtfallen sehr steil SE; Flöz höchstens 60 cm mächtig, schlechter, mit Schiefern untermischter Anthrazit.
Etwas Höher: Zweite Galerie, 1892 neu angefahren (Manz), südöstlich der Bachrunse an ungünstiger Stelle, direkt unter der Halde der dritten Galerie. Nur 10 cm Anthrazit links (südlich) neben dem Stollen; Fallen 45° SE.
Zwanzig Meter höher: Dritte Galerie, im gleichen Jahre und durch dieselbe Unternehmung erstellt, auf einem Doppelföz von je 10−15 cm Mächtigkeit mit 80 cm Schieferzwischenlage. Die Anthrazitbändchen sind stark verbogen und pyrithaltig. Das linke (liegende) erweitert sich bei 10 m ab Stollenmundloch lokal zu einer 50 cm dicken „poche“, die jedoch stark mit Schiefern untermischt ist. Das Hangende und Liegende der Flözchen bilden verknitterte Konglomeratbänke, die obern von Druckschieferung spitzwinklig und entgegengesetzt zur (nördlichen) Fallrichtung durchzogen.
Noch höher, etwa bei 800 m ü. M., liegt eine alte (oberste) Vierte Galerie, am linken (westlichen) Bachufer, die eingangs auf taubem Gestein angesetzt, bald zum Flöz einbiegt, das hier 50 cm Mächtigkeit aufweist, jedoch wiederum wohl zur Hälfte mit Schiefer untermischt ist. Fallen 85° N.
Soweit sich damals feststellen ließ, schienen die Galerien 2, 3 und wahrscheinlich 4 auf das gleiche Flöz zu gehen, die unterste dagegen ein besonderes, zum ersten hängendes Flöz einige Meter weiter nördlich anzugreifen.Beim Besuch vom Sommer 1907 fand ich die Galerien nicht mehr zugänglich, ihre einstige Lage nur noch durch kohlige Haldenreste bezeichnet. Dagegen hat der Bau der Martini-Châtelard-Bahn schöne Aufschlüsse in den violettgrauen Karbonatkonglomeraten, die wie Augengneise aussehen, und in den einschließenden Glimmerschiefern geschaffen. Sie streichen N 70° E und fallen bald steil nördlich, bald und meist südlich ein. Eine der Gruben muss im Jahr 1895 durch eine Explosion ausgebrannt sein. Übereinstimmend mit Aussagen meines Führers Gay aus Alesses teilte mir die Bahndirektion der Martinen-Châtelard-Bahn auf Anfrage freundlichst mit, dass sich nach ihren Erkundigungen tatsächlich im Jahr 1895 zwei „explosions de grisou à une semaine d’intervalle (…deux lundis consécutifs)“ ereignet hätten. Bei der ersten habe ein Mann der Belegschaft, bei der zweiten ihrer vier Brandwunden, doch ohne tödlichen Ausgang, erlitten. Angesichts der Gasarmut, aber brecciösen Struktur der Anthrazite, möchte ich aber eher an eine Kohlenstaubentzündung denken, denn an eine richtige Gasexplosion.
Quelle: Wehrli L. (1925), Beiträge zur Geologie der Schweiz, Das produktive Karbon der Schweizeralpen, I Teil, Übersicht und Geschichte des Bergbaues von seinen
Anfängen bis Mitte 1917 mit besonderer Berücksichtigung der Anthrazite des Wallis,
Kümmerly & Frey, Bern
Im Jahr 1917 wurde ein weiterer Stollen I vorgetrieben und nachdem er eine Länge von 7 m erreicht hatte, aufgegeben. Der Stollen II wurde im Jahr 1918 begonnen. Er unterfuhr zu Beginn die Strasse nach Salven. Von diesem Stollen aus sollte das Flöz querschlägig aufgeschlossen werden. Der Querschlag hatte jedoch nur Tonschiefer angefahren, so dass die Arbeiten im Dezember 1918 eingestellt wurden. Die früher erstellten Stollen III (Kote 530), IV (Kote 700), V (Kote 725) und VI (Kote 780), von denen der längste 90 m vorgetrieben wurde, liegen alle auf der rechten Seite der Strasse nach Salven. Sie wurden übereinander im Streichen der Karbonschichten angelegt. Sämtliche vier Stollen hatten das Flöz angefahren, jedoch waren nur in den Stollen IV und V Flözmächtigkeiten konstatiert worden, welche die Möglichkeit eines Abbaues nicht ausschlossen. Bis zum damaligen Zeitpunkt waren keine wesentlichen Kohlenmengen gefördert worden.
Quelle: Fehlmann H. (1919), Der Schweizerische Bergbau während des Weltkrieges, Kümmerly & Frey, Bern
Im Dezember 1940 begann die „Société des mines de Vernayaz“, die 1943 in eine AG umgewandelt wurde, einen neuen Ausbeutungsversuch. Unter teilweiser Benützung früherer Stollen wurden 5 Strecken mit zusammen 596 m Länge im Flöz vorangetrieben, wovon die längste 180 m erreichte. Ferner wurde der erwähnte Basistollen um 80 m verlängert, vermochte aber, weil zu wenig querschlägig geführt, die Flözzone noch immer nicht zu erschliessen.
Die Verteilung der Kohle auf mehrere, durch zerrüttete Schiefer gesonderte unregelmässige Teilflöze, die damit verbundenen Gebrächheit des Gesteins und das Auftreten schlagender Wetter erschwerten Vorrichtung und Abbau in hohem Masse. Nur an wenigen Stellen kam es zu einem flächenhaften Abbau; grössere, kompakte Linsen (Poche) wurden nicht gefunden. Die Kohle war fast durchwegs mit Schiefern durchsetzt und aschenreich. Mit den verfügbaren Mitteln war eine genügende Qualitätsverbesserung des Fördergutes, dessen Achengehalt um 50 % lag, nicht möglich. Die Grube ging daher trotz der nicht ungünstigen Schüttung von 2.8 Tonnen pro m² abgebaute bzw. 0.6 Tonnen pro m² verfitzte Flözfläche bei der Absatzkrise im Jahr 1943 ein.
Quelle: Eidg. Kriegs- Industrie- und Arbeits-Amt (1945), Der Schweizerische Bergbau während des zweiten Weltkrieges, Büro für Bergbau, Bern