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Anna-Maria Bauer (1947 – Zürich) – Drei Intarsien
Anna-Maria Bauer (1947 – Zürich) – Drei Intarsien
“Meine Arbeit entsteht aus der Notwendigkeit, meiner Erfahrung von Raum und Zeit Form zu geben. Mein Arbeitsmaterial ist Eisen, 10 Millimeter dicke Eisenplatten, also ein Material, das durch Feuer von seiner Gesteinsherkunft gereinigt wird, und das ich wieder auf die Erde lege, wo es durch Korrosion und durch die nicht steuerbaren Einflüsse der Versamungen und des Pflanzenwachstums wieder erdnah werden soll. Als “Intarsien” verstehe ich sowohl meine skulpturale “Einlegung” auf den Boden wie die vegetativen “Einlegungen” der Natur in den Oeffnungen meines Werks.
Ich suche mit meinen Eisenskulpuren eine Ordnung nachzuvollziehen, die sich nach der Ordnung richtet, die der Natur im geheimen innewohnt. Im Panzer einer Schildkröte zum Beispiel tritt sie zutage; in der Geometrie, die die Vorsokratiker als die höchste Wissenschaft bezeichneten, wird die Gesetzmässigkeit dieser Ordnung errechnet und dargestellt. Raum und Zeit, die zwei Dimensionen, in denen Existenz sich entfalten und gestalten muss, bedürfen dieses Ordnungspanzers, da sie zum Endlosen und Unendlichen tendieren – die grosse existentielle Bedrohung, die Erdverlust und Tod bedeutet.
Ich denke, dass meine “Intarsien” als Weg zu verstehen sind, als eingefassten und zeitlich begrenzten Weg, den man schneller oder langsamer geht, aber nicht wahllos, sondern im Rhythmus der von mir konzipierten und dargestellten Dehnungen und Raffungen. Mit meiner Kunst versuche ich seit bald zehn Jahren, dem Geheimnis der existentiellen Zeit und der existentiellen Formgebung auf die Spur zu kommen und dieses Geheimnis selbst in eine Gestalt zu bannen”.
(Notiert von Maja Wicki)