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Praxisbeispiel Galerie am Splügenpass GR
IVS-Objekt GR 17.2.4 im IVS-GIS
Kunststrasse von Splügen zum Splügenpass mit Galerie ganz links (Foto: A. Hegland, ViaStoria)
Galerie am Splügenpass von innen (Foto: F. Bieri, Basler & Hofmann)
Galerie am Splügenpass von der Sommerstrasse her betrachtet (Foto: H. P. Kistler, ASTRA)
Das Nordportal der Galerie nach erfolgter Instandstellung (Foto: Conzett Bronzini Gartmann)
IVS-Objekt: GR 17.2.4
Bedeutung nach NHG: national, mit viel Substanz
Das Objekt im IVS-GIS ansehen.
In engen Serpentinen zieht sich die heutige Passstrasse zum Splügenpass empor. Knapp unterhalb der Passhöhe befindet sich ein besonderes Bauwerk, ein historisches Kleinod: die 312 m lange Splügengalerie, eine Art gemauerter Tunnel mit Fenstern. Die Galerie wurde 1843 gebaut, um die Passstrasse bei Schneeverwehungen freihalten zu können und sie vor Lawinen zu schützen. Bis in die 1950er Jahre benutzte der Passverkehr, zuletzt auch das Automobil, das ästhetische Rundtonnengewölbe. Weil es in der Galerie mit zunehmendem Verkehr eng wurde und der Winterbetrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden musste, wurde eine neue Strasse unmittelbar ausserhalb der Galerie angelegt. Die Lawinengalerie blieb als einmaliges Zeugnis historischer Strassenbaukunst erhalten. Die detaillierte Geschichte des Weges kann im IVS-Streckenbeschrieb GR 17.2.4 nachgelesen werden.
Die Wände der Galerie sind zweischalig, das Gewölbe einschalig aufgebaut. Die Mauern sind nur sparsam vermörtelt; Teile der bergseitigen, nicht sichtbaren Schale wurden in Trockenmauerbauweise erstellt. An der Gewölbeoberseite wurden Reste von Gussasphalt gefunden, die eine historische Abdichtung des Gewölbes vermuten lassen, während die bergseitigen Mauern keine Abdichtung aufwiesen. Das bergseitige Oberflächenwasser wurde in Entwässerungsbauwerken gefasst und unter der Galerie durchgeleitet; das Sicker- und Hangwasser konnte durch Entwässerungsöffnungen in der Mauer abfliessen. Im Laufe der Zeit verstopften die Entwässerungsbauwerke und die Gewölbeabdichtung wurde undicht. Eindringendes Wasser und Frost setzten dem Mauerwerk zu, so dass es zu Auswölbungen und schliesslich im Jahr 2000 zum Einsturz eines Gewölbeteils kam.
In den Jahren 2006 bis 2011 wurde das nördlichste Teilstück der Galerie auf einer Länge von rund 60 m instandgestellt und für eine künftige Nutzung als Ausstellungsraum vorbereitet. Auf der restlichen Länge wurden das Gewölbe im Bereich der Einsturzstelle wiederhergestellt, die Mauern baulich gesichert und neu verfugt, die Entwässerungsbauwerke instandgestellt und die Abdichtung erneuert. [Denkmalpflege des Kantons Graubünden 2011]
Ausführung: 2006–2011
Instandstellungskosten: 2‘015‘000.–
Wiederherstellung des eingestürzten Gewölbes
Das eingestürzte Gewölbe vor der Instandstellung (Foto: F. Bieri, Basler & Hofmann)
Aufmauern der Rückmauer (Foto: Conzett Bronzini Gartmann)
Das Nordportal der Galerie nach erfolgter Instandstellung (Foto: Conzett Bronzini Gartmann)
Allgemein wurden am Mauerwerk die Fugen von zersetzten Mörtelresten gereinigt und neu verfugt. Im Bereich der Einsturzstelle wurde ein Lehrgerüst aufgebaut und das Gewölbe mit vorhandenem Steinmaterial wieder hergestellt. Auf den Einsatz von materialtechnologisch heiklem Beton oder Spritzbeton konnte weitgehend verzichtet werden. Einzig im südlichen Bereich der Galerie mussten grössere Löcher in der bergseitigen Schale mit Beton stabilisiert werden. [Conzett Bronzini Gartmann AG 2001 und Denkmalpflege des Kantons Graubünden 2011]
Entwässerung
Blick in einen hangseitigen Entwässerungsschacht (Foto: F. Bieri, Basler & Hofmann)
Zum Verlegen der Sickerleitung wurde der hangseitige Mauerfuss freigelegt (Foto: Conzett Bronzini Gartmann)
Sickerleitung zwischen Hang und Mauer (Foto: Conzett Bronzini Gartmann)
Die bestehenden Entwässerungsbauwerke wurden gereinigt und repariert. Die Galerie wurde bergseits komplett freigelegt, so dass zwischen dem Mauer- und dem Hangfuss eine Sickerleitung verlegt werden konnte, die sich in die bestehenden Entwässerungsbauwerke entleert. [Denkmalpflege des Kantons Graubünden 2011]
Abdichtung
Aus bauphysikalischen Gründen wurde für das Gewölbe im umfassend instandgestellten, 60 Meter langen Nordabschnitt eine Lehmabdichtung mit Opalit gewählt. Opalit (Opalinuston in Pulverform) quillt unter dem Einfluss von Feuchtigkeit zu einer weitgehend wasserdichten Masse auf. Im Gegensatz zu einer Abdichtung mit Naturasphalt oder mit einer Folie ist Opalit nicht absolut dicht. Das ist als Vorteil zu betrachten und führt zu einer Verlängerung der Lebensdauer, da der Ton einen guten Feuchteausgleich gewährleistet (Diffusionsoffenheit). Dadurch wird sowohl ein extremes Austrocknen des Gewölbekerns wie auch ein Feuchtestau – beispielsweise aufgrund von Kondensation unter der Abdichtung – vermieden.
Auf den restlichen 252 Metern der Galerie mit reduzierten Anforderungen erfolgte die Abdichtung mittels einer Bitumenbeschichtung. [Conzett Bronzini Gartmann AG 2001 und Denkmalpflege des Kantons Graubünden 2011]
Grenzen der Übertragbarkeit
Das Objekt stammt aus dem Jahre 1843 und weist für die Epoche und den Standort typische Baumerkmale auf. Beim Übertragen der Baumethoden auf andere Projekte ist stets dem regionalen und historischen Kontext Rechnung zu tragen.
Kontaktadressen
- Projektierung und Bauleitung: Conzett Bronzini Gartmann AG, Patrick Gartmann und Marcus Schmid
Bahnhofstrasse 3, 7000 Chur, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
- Ausführung: Luzi Bau AG, Valentin Luzi, Hauptstrasse 1A, 7432 Zillis, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
- IVS-Fachstelle des Kantons Graubünden: siehe Adressliste
Quellen
- Conzett Bronzini Gartmann AG, 2001: Galerie am Splügenpass. Eine Beurteilung im Auftrag des Vereins für Bündner Kulturforschung und des Bündner Heimatschutzes. Chur.
- Denkmalpflege des Kantons Graubünden, 2011: Die Galerie am Splügenpass. Begleitbroschüre zur Ausstellung beim Nordportal der Splügengalerie. Chur.