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Jazzsängerinnen, die sich selbst am Klavier begleiten, gab und gibt es einige, zum Beispiel Nina Simone, Shirley Horn, Karrin Allyson, Dena DeRose, Diana Krall und eben Blossom Dearie.
Diese hervorragende Pianistin mit der mädchenhaften Stimme, die der Jazzkritiker Leonard Feather als «chic, sleek and squeeky-clean, a voice in a million» beschrieb, verdient einen würdigenden «Oldies but Goodies»-Artikel.
Margarethe Blossom Dearie wurde am 28. April 1924 in East Durham in der Nähe von Albany (NY) geboren. Der Vater hatte schottisch-irische Wurzeln, die Mutter stammte aus Norwegen.
Nach der High School zog sie nach New York City, um eine musikalische Laufbahn einzuschlagen. Sie sang in verschiedenen Vokalgruppen, u. a. bei den Blue Flames, die zu Woody Hermans Orchester gehörten.
1952 zog sie nach Paris und gründete die Blue Stars, eine Gesangsgruppe, aus der später die Swingle Singers entstanden. Die Blue Stars landeten mit der französischen Version von «Lullaby of Birdland», arrangiert von Michel Legrand, einen Hit.
1957 kehrte Blossom Dearie in die USA zurück, wo sie bei Verve Records während der folgenden sechs Jahre als Solosängerin und Pianistin sechs Alben aufnahm, meist in kleinen Formationen. 1964 produzierte Capitol Records «May I come in», das einzige Album mit einem grossen Orchester.
1966 trat sie zum ersten Mal in Ronnie Scott’s Club in London auf. Sie liebte England, war regelmässig mit Dudley Moore in englischen TV-Shows zu sehen und produzierte für Fontana Records (Philips) vier Alben, u. a. von einem ihrer Auftritte 1966 in Ronnie Scott’s.
Ihre aussergewöhnliche Stimme ist auch in diversen Filmen zu hören. Und dank ihren Jahren in Paris singt sie immer wieder Lieder auf Französisch oder flicht zumindest eine französische Strophe ein.
Bis 2006, also über 60 Jahre lang, war sie aktiv im Musikbusiness. Sie verstarb im Februar 2009 in NYC 84-jährig.
«Blossom Dearie»
Das nach ihr betitelte Album entstand mehrheitlich 1959 (ein paar Stücke waren drei Jahre zuvor aufgenommen worden) und präsentiert – nicht zuletzt dank der Unterstützung von Herb Ellis (Gitarre), Ray Brown (Bass) und Jo Jones (Drums) – Blossom Dearies herrliches Jazzpiano, die perfekte Begleitung ihres Gesangs und ihre überzeugenden Soli.
Natürlich ist ihre Stimme nicht jedermanns Sache, doch wenn man sich etwas eingehört und ihre intelligente Art, die Songtexte als Geschichten zu erzählen, entdeckt hat, will man immer mehr. Und es gibt unglaublich viele Alben, Kompilationen, Zusammengeklautes und sogenannt «digital Restauriertes» von Blossom Dearie. Leider wenig durchwegs Gutes.
Da die Originalbänder dieses Albums in Mono aufgezeichnet wurden, ist (zum Glück) auch die digital überarbeitete HiDef-Version monaural. Auf der in den 90er-Jahren erschienenen CD, auf deren Rückseite in den Liner Notes die Präsenz von Herb Ellis schlicht unterdrückt wurde, sind noch drei weitere Stücke angehängt, die auf der LP nicht veröffentlicht worden waren und die auch auf der hier besprochenen Hi-Res-Audio-Version nicht zu finden sind. Schade, denn «They Say it’s Spring» ist hervorragend, und «Blossom’s Blues» ist enorm unterhaltsam. Nur «Johnny One Note» muss man nicht nachtrauern.
Ausser den drei Stücken mit den unsäglichen Chorarrangements («Comment allez vous», der französischen Version von «It Might as Well Be Spring» und «Tout Doucement»), die für mich trotz Dearies lobenswertem Einsatz höchstens Zeitdokumente darstellen, sollte dieses Oldie-Album bekannter sein, sollten diese Blossom-Dearie-Interpretationen nicht nur von Kritikern mit höchstem Lob versehen werden, sondern, wie Scott Yanow schreibt, den perfekten Einstieg in die musikalische Welt von Blossom Dearie bilden.
Wer diese Monoaufnahmen ohne die verstaubten Chorstücke, dafür mit allen zusätzlichen Highlights der Verve-Jahre mit Ray Brown (b), Jo Jones oder Ed Thigpen (dm), Herb Ellis, Mundell Lowe oder Kenny Burrell (g) in normaler CD-Qualität (44.1/16) geniessen will, dem sei die Kompilation «Verve Jazz Masters 51» empfohlen, die mir sowohl klanglich als auch musikalisch einheitlicher erscheint, auch wenn sie nicht offiziell remastered wurde, und mit 16 Stücken – 15 davon im Quartett – mehr zu bieten hat.