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Reisediarrhoe: Unkontrollierte Antibiotikaeinnahmen erhöhen Resistenzrisiko
Wen Montezumas Rache auf einer Reise einholt und mit einer Durchfallerkrankung bestraft, sollte nicht unkontrolliert Antibiotika einnehmen, wie Experten nach einer Studie warnen. Die Antibiotikaresistenz der Darmbakterien erhöhe sich dadurch um ein Mehrfaches.

Nicht jeder Durchfall
muss mit Antibiotika
behandelt werden

Finnische Mediziner der Aava-Klinik (Spezialklinik für Reisende und Reisekrankheiten) in Helsinki untersuchten 450 Personen, die sich vor einer Reise nach Ländern ausserhalb Skandinaviens in der Klinik beraten liessen.
Die Studienteilnehmer wurden einerseits über hygienische Massnahmen beraten und zum Gebrauch von Antibiotika befragt. Andererseits wurde eine Stuhlprobe von jedem Teilnehmer untersucht und zwar auf „normale“ Darmkeime (Enterobakterien) und auf ESBL-bildende Darmkeime. Diese Darmkeime haben eine Multiresistenz gegen mehrere Antibiotika entwickelt. Extended-Spectrum-Betalaktamase (ESBL) sind Enzyme, die von verschiedenen Bakterien gebildet werden und die die Wirkung von Antibiotika verhindern oder reduzieren.
5 von 90 Teilnehmern wiesen eine Besiedlung mit Enterobakterien auf, die ESBL gebildet hatten. Das wäre eigentlich noch kein Grund zur Sorge, so die Forscher.
Nach der Reise hingegen, welche die meisten Reisenden in tropische Länder in Afrika (südlich der Sahara) sowie nach Süd- oder Südostasien geführt hatte, fielen die Stuhlproben anders aus: 90 von 450 der Teilnehmer (21%) wiesen multiresistente Enterobakterien auf. Jeder fünfte hatte sich demnach während der Reise mit multiresistenten Darmbakterien infiziert. Im Reiseländervergleich viel auf, dass mehr als ein Drittel der Südostasienreisenden, 24% der Afrika- und 31% der Südasienreisenden solche Keime ins Heimatland mitbrachten.
Die meisten Teilnehmer waren auf ihrer Reise an Durchfall erkrankt. Nach Berechnungen der Forscher verdreifachte eine Reisediarrhoe das Risiko auf eine Infektion mit ESBL-bildenden Darmbakterien. Und: Jeder vierte Durchfall wurde mit Antibiotika therapiert, was das Risiko auf eine Infektion mit ESBL-bildenden Darmbakterien sogar vervierfachte.
Die Infektiologen der Aava-Klinik sind sich bewusst, dass die Auswertung dieser Kohorte zu wenig aussagekräftig für künftige Empfehlungen ist. Dafür müssten noch weitere und grössere Studien erfolgen. Dennoch warnen sie vor dem unkontrollierten Antibiotikakonsum bei Reisedurchfällen. Denn: die meisten Durchfallerkrankungen auch auf Reisen würden ohne antibiotische Behandlung von selbst wieder verschwinden. Meist genügten die üblichen Massnahmen bei Durchfallerkrankungen (Fasten, viel Trinken, etc.) sowie eine Behandlung des Durchfalls mit einem Wirkstoff, der die Darmtätigkeit reduziert (sogenannte Darmperistaltikhemmer).
Vorbeugende und therapeutische Massnahmen bei Reisediarrhoe siehe Fokus Verdauung, Durchfall, Reisedurchfall >>
aerzteblatt.de, cid.oxfordjournals
29.01.2015 - dzu