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Verschwörungstheoretiker, Goldhändler und Zentralbanken: Sie alle beobachten genau, ob die Schweizer Stimmberechtigten am 30. November – entgegen den Wünschen des politischen und finanziellen Establishments der Schweiz – Gold als Handelsgut und Währungsstütze einen Schub verleihen werden.
Die Abstimmung, die dazu führen könnte, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) gezwungen wird, ihre Goldreserven zu erhöhen, ist international zu einem grösseren Gesprächsthema geworden, wobei teilweise Vergleiche mit der Unabhängigkeitsabstimmung in Schottland gezogen werden.
Vorkämpfer der Initiative sind einige führende Mitglieder der rechts-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), stramme Kritiker der Schweizerischen Nationalbank, die, so behaupten sie, Teil eines der "grössten Schwindels unsere Zeit" sei – dem Drucken von Geld, womit Bürger heimlich beraubt würden.
Derweil bleibt der Goldpreis ausserordentlich volatil: Im September 2011 war die Feinunze auf ein Allzeithoch von 1900 Dollar angestiegen, heute wird Gold nahe einem Vierjahrestief von etwa 1150 Dollar gehandelt.
Nach Angaben von Bloomberg prognostizierte die Bank of America, ein Ja bei der Abstimmung könnte dazu führen, dass der Preis pro Unze Gold auf mehr als 1350 Dollar klettern könnte, ein Anstieg um rund 18%, weil die SNB innerhalb von fünf Jahren etwa 1500 Tonnen Gold kaufen müsste, um der Verfassungsänderung nachzukommen.
"Gesunde Debatte"
In einem Interview mit Kitko News erklärte der ehemalige US-Senator und Ex-Präsidentschaftskandidat Ron Paul, ein starker Befürworter von Gold gestützten Währungen, die Schweiz habe eine "gesunde Debatte" zur Rolle ihrer Nationalbank angestossen.
Die Abstimmung sei ein "weiterer Schritt in Richtung des Nachweises, dass die Zeit von Papiergeld, Fiat-Geld, Geld, das von Politikern aus dem Nichts heraus geschaffen wird, um einen überbordenden Staat [big government] zu subventionieren und um Schulden zu monetarisieren, zu Ende gehen wird."
In einem Beitrag für DailyReckoning.com, der Flaggschiff-Site für Contrarian-Investment-Analysen, für die Paul regelmässig schreibt, verwies er auf die symbolische Bedeutung der Schweizer Abstimmung für deren Fans in den Vereinigten Staaten.
"Genau wie die USA und die EU wird die Schweiz auf Bundesebene von einer Gruppe von Eliten regiert, die sich mehr um ihren eigenen Status, ihr Wohlergehen und internationalen Ruf kümmern, als um das Wohl des Landes. Das Gold-Referendum wird, geht es erfolgreich aus, ein Schlag ins Gesicht dieser Eliten sein."
"Unmittelbare Bedrohung"
Die Finanzkommentatorin Miranda Maxwell äusserte sich in einem Beitrag für das australische Magazin Business Spectator ebenfalls in einem bewundernden Ton und erklärte, die Initiative habe "mindestens so viel zu sagen über finanzielle Unabhängigkeit, Demokratie und wirtschaftliche Sicherheit" wie das gescheiterte Unabhängigkeits-Referendum in Schottland im September.
"Wenn die Schweizer es schaffen, ihre Währung mit einer solideren Basis zu unterlegen, wird die grosse Frage sein, ob andere Nationen nachziehen werden", erklärte Maxwell.
Die Financial Times betrachtete die Initiative "Rettet unser Schweizer Gold" mit einem kritischeren Blick und zeigte Sympathien für die Position der SNB.
"Für die Nationalbank sind die angepeilten Massnahmen aber nicht nur ein Anachronismus, sie stellen eine unmittelbare Bedrohung dar." Nach Ansicht der Financial Times würden die neuen Verfassungsvorgaben die Handlungsfähigkeit der SNB einschränken, den im September 2011 beschlossenen Franken-Mindestkurs von 1,2 gegenüber dem Euro zu halten.
Die Europäische Union ist die grösste Handelspartnerin der Schweiz, was den Wechselkurs-"Sockel" sehr wichtig macht, wie Ursina Kubli von der Bank Sarasin erklärt.
"Er garantiert, dass alle Exporte in die Eurozone im Moment nicht mit einem Währungsrisiko rechnen müssen. Keine Bewegung bedeutet volle Sicherheit, und das ist in beide Richtungen ein wichtiger positiver Aspekt", erklärte Kubli gegenüber swissinfo.ch.
Bedenken
Thomas Flury, Währungsanalyst bei der UBS, erklärte gegenüber swissinfo.ch, internationale Investoren äusserten Bedenken über die Gold-Initiative.
"Wir sehen viele, die fragen: Was wären die Auswirkungen auf den Schweizer Franken? Wird es irgendeine Art Druck geben auf die Schweizerische Nationalbank? Müssen wir etwas befürchten?"
Derweil schlug Mark Gilbert, Kolumnist bei Bloomberg View, in seiner Einschätzung zur Schweizer Gold-Abstimmung einen vorsichtigen Ton an, indem er auch auf die Volatilität des Edelmetalls verwies.
"Zwar hat es von Natur aus etwas Attraktives an sich, wenn eine Bevölkerung etwas dazu sagen kann, wie mit ihren Vermögenswerten umgegangen wird. Die Schweizer müssen aber die wahrscheinlichen Konsequenzen bedenken, die sich ergeben könnten, wenn ein Fünftel ihrer Vermögenswerte in einem Goldtresor weggesperrt wird."
In seinem ersten vollen Interview zum Thema erklärte SNB-Präsident Thomas Jordan am 6. November in der Neuen Zürcher Zeitung, dass die Verknüpfung eines festgelegten Mindestanteils der Goldreserven und ein Verkaufsverbot für dieses Gold, wie es die Initiative verlangt, für die SNB zu Problemen führen würde. Jordan erklärte, es wäre "fatal", wenn die Schweiz ihre Finanzpolitik, einschränken würde, ihre Fähigkeit, auf Veränderungen in den Märkten zu reagieren und die Währungsstabilität des Landes zu erhalten.
Der amerikanische Traum
Im Bewusstsein, dass eine Rückkehr zu einer Gold gestützten Währung oder gar zum Goldstandard für gewisse desillusionierte Amerikaner ein Traum ist, sammelte einer der gewichtigen Schweizer Unterstützer der Initiative, Egon von Greyerz von der Vermögensverwaltungsfirma Matterhorn Asset Management, sogar Spenden in Englisch auf der Website seines Unternehmens. Die Firma ist spezialisiert auf Kauf und Lagerung von physischem Gold und Silber für private Investoren.
Von Greyerz antwortete nicht auf Anfragen von swissinfo.ch zu einem Interview. In einem Interview der französischsprachigen Finanzzeitung L'Agéfi mit von Greyerz im vergangenen Monat war aber klar geworden, wie tief das Misstrauen der Unterstützer der Initiative gegenüber der SBN sitzt.
"Es gab nie eine physische Kontrolle des Goldes, das die SNB behandelt, als ob es ihr Eigentum wäre. Sie behauptet, das Gold sei nicht an andere Parteien für Transaktionen verliehen worden, das gelbe Metall befinde sich weiterhin in einem Lager. Doch der beste Weg, dies zu zeigen, ist, die Reserven in die Schweiz zurückzubringen. Wenn das nicht passiert, könnte man denken, dass das Gold für andere Zwecke genutzt wurde oder sogar, dass es gar nicht existiert", sagte von Greyerz.
"Rettet unser Schweizer Gold"
Die Initiative "Rettet unser Schweizer Gold" wurde von drei Politikern der rechts-nationalen Schweizerischen Volkspartei (SVP) lanciert: Von den beiden Abgeordneten Luzi Stamm und Lukas Reimann sowie dem ehemaligen Parlamentarier Ulrich Schlüer. 2013 wurde das Begehren mit der nötigen Anzahl Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht.
Der Vorstoss hat drei Elemente: Erstens dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) keine ihrer Goldreserven mehr verkaufen. (In den 2000er-Jahren hatte die SNB ihre Goldreserven dramatisch abgebaut.) Zweitens müsste die SNB den Goldanteil an den Währungsreserven innerhalb von fünf Jahren nach Annahme der Initiative auf mindestens 20% erhöhen. Und drittens müsste dieses Gold in der Schweiz aufbewahrt werden, was derzeit nicht der Fall ist. Der Goldanteil der heute in Grossbritannien und Kanada gelagert wird, müsste in die Schweiz zurückgebracht werden.
Zurzeit beträgt der Wert der SNB-Reserven rund 500 Milliarden Franken. Im Fall einer Annahme der Initiative müsste die Nationalbank danach mindestens 100 Milliarden Franken in Gold besitzen. Angesichts der momentanen Goldbestände müsste die SNB Gold im Gegenwert von 65 Milliarden Franken erwerben.
swissinfo.ch