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Ästung,
Aufastung, in der Forstwirtschaft die Entnahme von Ästen stehender Bäume. Jenachdem bereits abgestorbene, trockne oder noch lebende, grüne Äste entfernt werden, unterscheidet man Trocken- und Grünästung. Erstere erfolgt nur zum Zwecke der Erziehung astreinen, technisch besonders brauchbaren Holzes. Denn da infolge Lichtmangels und ungenügender Ernährung, namentlich im geschlossenen Bestand, die untern Äste der Bäume allmählich absterben und abbrechen, so bleiben in der Regel mehr oder weniger lange Stummel am Baumschaft, die von den sich alljährlich am Schaft neu bildenden Jahresringen allmählich in den Holzkörper eingeschlossen werden und, wenn sie faul sind, oft die Fäulnis in das Innere des Baums übertragen, ehe dieser die Astwunde durch Überwallung zu umschließen vermag.
Abgestorbene, aber nicht faule, sondern mit Harz durchdrungene Stummel schließt der wachsende Holzkörper zwar allmählich ohne Fäulnis ein, sie fallen jedoch oft aus den geschnittenen Brettern heraus, wodurch der Wert feinerer Schnittwaren wesentlich beeinträchtigt wird. Soll die Trockenästung ihren Zweck erfüllen, so muß sie bereits an jungen Bäumen vorgenommen und der Schnitt mit der Säge [* 2] dicht am Baumschaft ausgeführt werden. Die Grünästung kann außer der Erziehung astreinen Holzes die Zuführung von mehr Licht [* 3] zum Unterwuchs bezwecken.
Fast immer hat sie einen vermindernden Einfluß auf den Massenzuwachs des Baums, um so stärker, je mehr Äste man auf einmal entfernt. Um die Überwallung der Schnittwunde zu fördern, muß der Schnitt ebenfalls dicht am Schaft geführt und sehr vorsichtig dabei verfahren werden, damit die Rinde an letzterm nicht einreiße. Stärkere Äste schneidet man am besten erst etwas entfernt vom Schaft unter Belassung eines Stummels ab, den man dann durch einen zweiten schnitt entfernt.
Die Schnittwunde ist sofort mit Steinkohlenteer zu überstreichen, um das Vertrocknen des bloßgelegten Holzkörpers und die dadurch bedingte Entstehung von Rissen auf der Wundfläche sowie das Eindringen parasitischer Pilze [* 4] zu verhindern. Die Überwallung der Wunde erfolgt durch unter der Rinde hervortretendes Cambium am meisten von den Seiten und von oben. Die sich allmählich bildende Überwallungsschicht verwächst nicht mit der Wundfläche, sondern überdeckt dieselbe nur mechanisch.
Die beste Zeit für die
Ästung ist der Herbst und Vorwinter, erstens, weil ein erfolgreiches
Teeren, d. h. das Eindringen des
Teeres in das Holz,
[* 5] nur dann möglich ist, wenn der Holzkörper verhältnismäßig wasserarm ist; zweitens, weil sich
zur Zeit der Vegetationsruhe die Rinde nicht leicht vom Holzkörper trennt, eine solche
Trennung aber,
die im
Frühjahr beim
Abschneiden eines
Astes, selbst wenn dieser zuerst von unten angeschnitten wird, namentlich leicht am
untern Wundrande entsteht, die
Bildung des Überwallungsringes verhindert oder verlangsamt.
Erfolgt die
Ästung nur zum Zwecke der Pflege eines Unterwuchses, z.B. des Unterholzes im Mittelwalde,
so ist es zweckmäßig, bei breitkronigen
Laubhölzern sehr starke
Äste nur zu kürzen, d.h. unter Belassung eines Aststummels
abzuschneiden, letzterer muß aber groß genug sein, um sich lebend erhalten zu können. Die Entnahme oder das Einstutzen
von
Ästen beim Versetzen stärkerer
Pflanzen, um deren Astmasse mit der durch das
Ausheben bedeutend verminderten
Wurzelmasse in richtiges Verhältnis zu setzen, beißt
Beschneiden. So sagt man auch, wenn man der
Krone jüngerer
Laubhölzer
durch Einstutzen der
Äste eine zweckmäßige, pyramidale Form geben will, oder wenn man Zwieselbildungen oder andere, eine
gute Schaftform einst hindernde
Äste von jungen
Bäumen abschneidet.