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Zuerst schnitzte Antonio Vitali (1909–2008) Holzspielsachen für seine eigenen Kinder, dann machte sich der gelernte Bildhauer selbständig und stellte stark vereinfachte formschöne Tierformen in seiner eigenen Werkstatt her. Sie wurden international vertrieben und hoben sich durch ihre Einfachheit und skulpturale Qualität von den handelsüblichen Spielwaren ab.
Nach seiner Ausbildung als Bildhauer in Zürich und Paris wurde Antonio Vitali mit 23 Jahren Vater und kurz nach der Geburt seines zweiten Kindes Witwer. In den Krisenjahren hatte er sich als Fotoreporter durchgeschlagen, doch nun kam der Krieg. Vitali leistete Aktivdienst, heiratete erneut und hatte 1942 vier Kinder. Weil das Geld immer knapp war, schreinerte er für sie Möbel und schnitzte einfache Holztiere. Er beobachtete, wie Kinder spielten, und stellte fest, dass sie keine naturalistischen Abbilder der Natur brauchten, sondern auch in zufällig geformten Holzabschnitten Tiere oder Gegenstände sahen. Diese Erfahrung sowie Rudolf Steiners Anthroposophie bekräftigten ihn auf seinem Weg zur formalen Abstraktion. 1944 machte er sich selbständig und eröffnete eine eigene Werkstatt. 1951 stellte Johannes Itten im Kunstgewerbemuseum Zürich Vitali-Spielzeuge aus. Max Bill beschrieb sie 1952 in seinem Buch Form: «Dieses Kinderspielzeug, ein junges Reh, ist in seiner Linienführung eine vollkommene Kleinplastik. Die Holzmaserung unterstreicht den Ausdruck. Die Formen sind nicht nur von ästhetischem Standpunkt aus richtig, sondern nehmen Rücksicht auf die Kinderhand.» Vitali-Spielzeug wurde auch in den USA bekannt. Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, versuchte Vitali, Schnitzmaschinen einzusetzen. Doch so einfach die plastischen Formen auch erscheinen mögen, sie liessen sich in dieser hohen Qualität nicht maschinell herstellen und mussten einzeln von Hand und mit bildhauerischem Können geschliffen werden. (Renate Menzi)