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| Cölestinus I., Papa 422-432 - Briefe

Briefe
10. Bruchstück der Rede des P. Coelestinus gegen die Häresie des Nestorius auf der röm. Synode
Text.
1. Ich erinnere mich, daß Ambrosius seligen Andenkens am Feste der Geburt unseres Herrn Jesus Christus das ganze Volk einstimmig Gott also lobsingen ließ: „Komm, Erlöser der Völker, zeige die Geburt der Jungfrau; staunen soll die ganze Welt; solche eine Geburt geziemet Gott.“ Sagte er etwa: „Solch' eine Geburt geziemt einem Menschen"? Daher stimmt der Sinn unseres Bruders Cyrillus, wenn er Maria Gottesgebärerin nennte ganz mit den Worten überein: Solch' eine Geburt geziemet Gott. Die Jungfrau hat Gott aus ihrem Schooße geboren, durch die Macht Desjenigen, welcher voll der Allmacht ist.
2. Hilarius, ein scharfer Denker, schreibt an den Kaiser Constantius über die Menschwerdung des Herrn [S. 418] also:1 „Der Sohn Gottes ist, obwohl er Mensch geworden ist, (doch) Gott." Und umgekehrt sagt er abermals. „Gott ist Menschensohn geworden (denn der Mensch ward Gott, nicht (aber) ist Gott ein Mensch geworden), und der Menschensohn ist der Sohn Gottes geworden.2 Denn die [S. 419] Größe des Herrn überwand die Geringfügigkeit der Knechtsgestalt, so daß die Knechtsgestalt selbst, welche er annahm, aufhörte, eine Knechtsgestalt zu sein, durch den Herrn, welcher sie annahm. Denn wenn die, welche von Natur nicht Kinder Gottes sind, durch ihn zu Kindern Gottes werden, um wie viel mehr hat er selbst, der von Natur Sohn Gottes ist, den, mit welchem er durch seinen Willen im Schooße der Jungfrau empfangen und geboren wurde, so zu Gott erhöht, daß „in seinem Namen sich alle Kniee beugen, Derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind und alle Zungen bekennen, daß der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist."" 3
3. Ebenso sagt mein Vorgänger Damasus im Briefe an Paulinus, den Bischof der Kirche von Antiochia, unter anderem: „Wir belegen mit dem Banne Diejenigen, welche zwei Söhne Gottes lehren, den einen, welcher vom Vater von Ewigkeit her gezeugt ist, und den andern, welcher seit der Fleischesannahme aus der Jungfrau geboren ist."4 Ferner sagt derselbe Damasus apostolischen Andenkens im zweiten Schreiben an Paulinus: „Wir belegen mit dem Banne Diejenigen, welche im Erlöser zwei Söhne bekennen, einen vor der Menschwerdung und den andern nach der Fleischesannahme aus der Jungfrau, und nicht bekennen, daß derselbe Sohn Gottes sowohl vorher als nachher Christus, der Herr, der Sohn Gottes sei, welcher aus der Jungfrau geboren wurde."5 [S. 420]
1: Diese Worte gehören nach der Mauriner Ausgabe der Werke des hl. Hilarius von Poitiers (S. 1215) zu jenem Theile des 1. Buches an Constantius, welcher offenbar lückenhaft ist; unser Fragment ist in der genannten Ausgabe p. 1367.
2: Hiezu bemerken die Mauriner a. a. O. p. LVIII. n .190: „Wie ist das zu verstehen: Der Mensch wurde Gott? Ganz ebenso, wie es heißt: Das Wort wurde Fleisch. Denn sowie das Wort Fleisch geworden ist, da die Herrlichkeit des Wortes innerhalb der Niedrigkeit des Fleisches verborgen war, so auch wurde der Mensch Gott, da die Niedrigkeit des menschlichen Fleisches innerhalb der Herrlichkeit des Wortes verborgen wurde. Allerdings fehlt es nicht an Solchen, welche die nächstfolgenden Worte des Hilarius auf die erste Annahme des sterblichen Fleisches beziehen und rneinen, es sei hiemit der Grund angegeben, weßhalb die menschliche Natur Christi der eigenen Person ermangelte. Allein wer könnte ihnen Dieß einräumen? Wird ja dort nicht gesagt, daß der Knechtsgestalt die Person fehle, sondern daß die Gestalt selbst aufgehört habe, eine knechtliche zu sein. Aber es war auch der (Hilarius nemlich), welcher (in Ps. 143 n. 10) sagte, daß Christus bei der Annahme des sterblichen Fleisches „ganz in Knechtsgestalt gewesen“, weil nemlich nach der Entäusserung der Gewalt Gottes nur die Knechtsgestalt zu existieren schien, weit entfernt zu behaupten, daß seine Knechtsgestalt damals aufhörte, eine knechtliche zu sein.“ — Auf p.1367 n. 6. aber geben sie folgende Erklärung: „Man möchte Iieber lesend „„Nicht ist Gott Menschensohn geworden . . . . . , sondern der Menschensohn ist u. s. w.““ Es liegt aIso hier tieferer Sinn verborgen. Da nemlich Hilarius einen dreifachen Stand in Christus unterscheidet, den ersten vor der Fleischesannahme, den zweiten im sterblichen Fleische, den letzten nach seiner Auferstehung, bekennt er ihn demnach im 2. Stande bald als Gott bald als Mensch so, daß er sagt, im 3. Stande sei der Mensch in Gott übergegangen in dem schon öfter erklärten Sinne. Daher scheint die ganze angeführte Stelle den verherrlichten Stand Christi zu betreffen, auf welchen sich auch das unten folgende Zeugniß des Apostels bezieht.
3: Philipp. 2. 10 u. 11.
4: Briefe der Päpste II. S. 295 im 6. Briefe des P. Damasus.
5: S. ebend. II. p. 292 im 5. Briefe desselben Papstes.