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Henry Rollins erscheint im Fri-Son mit seiner neuen Band auf der Bühne. Bekleidet nur mit schwarzen Shorts, zeigt er seinen durchtrainierten, muskelgestählten und tätowierten Körper. Er beginnt mit dem ersten Song «Illumination» der neuen CD «Get Some Go Again».
Die Stücke sind purer, harter und relativ konventioneller Rock, mit klaren Abläufen und Einwürfen von Funk und Blues. Animalisch schleicht Rollins während den instrumentalen Passagen über die Bühne. Er lässt protzig seine Muskeln spielen, bis er dann mit schreiendem, etwas monotonem Gesang, unter satten Gitarren und einem hammerharten Schlagzeug, loslegt.
Seine alles wegfegen wollenden Bewegungen wirken in der schlichten Beleuchtung zu einstudiert, routiniert und selbstdarstellend. Oft geht Rollins praktisch nahtlos von einem Song in den nächsten über. Er beendet diese Stücke aber jeweils, indem er dem Publikum kurz den Rücken zuwendet, der eine Tätowierung einer grossen Sonne mit der Überschrift «Search & Destroy» aufweist.
Die Zuschauer – zwischen zwanzig und dreissig, darunter auch einige ältere Hardrocker – wirken im halbgefüllten Fri-Son etwas zurückhaltend. Nur vorne rockt eine Gruppe begeistert mit. Das mag auch daran liegen, dass «Get Some Go Again» erst im Februar herausgekommen ist und die Stücke noch nicht bekannt sind. Zwischendurch schiebt die Band kürzlich geschriebene, noch unveröffentlichte Songs ein. Nach einer Stunde verschwindet die Rollins Band von der Bühne, doch ruft das Publikum die Musiker unter Rufen und Klatschen noch zweimal zurück.
Henry Rollins startete seine Karriere 1981 als Sänger der Hardcore-Legende Black Flag. Nebenbei schrieb er Bücher, die er in seinem eigens gegründeten Verlag 2.13.61 veröffentlichte und die bald eine grosse Nachfrage aufwiesen. Zwei Jahre später begann er mit den «Spoken-Word»-Shows», an denen er Auszüge aus seinen Büchern vorlas oder frei sprach.
Als sich dann Black Flag 1986 auflösten, rief er mit Freunden die Rollins Band ins Leben. Sie feierten mit mehreren Alben wie «Hot Animal Machine», «Doit» und «Turned on» zahlreiche Erfolge.
Ihr letztes Album, bevor sich die Band nach zehn Jahren wegen der unterschiedlichen musikalischen Entwicklung der einzelnen Bandmitglieder endgültig trennte, war das von Jazz angehauchte Hardrock-Album «Come in and Burn». Auch hat Rollins schon in Filmen kleinere Nebenrollen übernommen, wie im Charlie-Sheen-Film «The Chase», in «Heat» mit Al Pacino und in David Lynchs «Lost Highway».
Seine neue Band besteht neben ihm nun aus Jim Wilson (Gitarre), Markus Blake (Bass) und Jason Mackenroth (Schlagzeug), die vorher zu dritt als LA-Hardrock-Band «Mother Superior» nur lokal tätig waren. Für dieses Trio bedeutet die Zusammenarbeit mit Henry Rollins einen grossen Schritt nach vorne, doch ist das neue Werk «Get Some Go Again» vor allem nach Rollins musikalischen Vorstellungen entstanden.