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Er stand mit einem Pappbecher in der Hand vor dem Seitenausgang des Londoner Bahnhofs St. Pancras, durch den ich wegen Bauarbeiten musste. Seine Kleider waren keinen Rappen mehr wert, die Haare hingen ihm wie Lametta vom Kopf. Weil ich den Weg zu meinem Ziel nicht kannte und niemand anderes da war, fragte ich ihn nach dem Weg.
Ein Leuchten ging über sein abgelöschtes Gesicht. Sonst warf man ihm bestenfalls mit herablassender Zuwendung ein Geldstück zu. Doch nun wurde er, der Bettler, die Randfigur, der Taugenichts, um Hilfe gebeten. Für einmal waren die Rollen vertauscht: Ich war der Bittsteller, er der Gebende. Er hätte mir wohl den Weg bis ans Ende der Welt gezeigt.
Die Bibel erzählt die Geschichte von Jesus, der mit zwei Fischen und fünf Broten Tausende Menschen satt machte. Nichts ist so klein, dass es nicht grosse Wirkung entfalten kann. Niemand ist zu arm, als dass er oder sie nicht etwas zu geben hätte. Niemand ist zu jung und niemand zu alt, niemand zu krank und niemand zu schwach, um zu ermutigen, Freude zu bereiten, zu trösten, zu helfen.
Der Welt fehlt es nicht an Starken, Reichen, Klugen, die sich nach oben ellbögeln. Doch es fehlt an Menschen, die in aller Bescheidenheit das Wenige beitragen, das sie haben. Menschen, die fröhlich ihre Schwachheit und ihre Unsicherheit beisteuern. Und es fehlt am Glauben, dass sich das Wenige multipliziert und die Welt verändert.
Thomas Uhland, Kommunikation Kath. Kirche Region Bern