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Neben dem Umgang mit meiner Gesundheit und dem Einfluss, den sie auf mein Leben hat, ist mir auch zunehmend bewusst geworden, dass ich Patientin in einem komplexen Gesundheitssystem bin.
Gesundheitssysteme existieren, um Leiden zu bekämpfen. Es geht darum, den Menschen zu helfen, in besserer Gesundheit zu leben, geheilt zu werden oder Leiden gar nicht erst entstehen zu lassen. Auf vielen Ebenen sind enorme Fortschritte erzielt worden, die sich vor allem in der steigenden Lebenserwartung widerspiegeln. Auf dem Weg des medizinischen Fortschritts wurden jedoch schreckliche Fehler gemacht: Mein Grossvater wurde zur Behandlung seiner Spondylarthrose in ein Korsett gesteckt und periodisch auf einem Gestell gedehnt, obwohl er wusste, dass ihm regelmässige sanfte Bewegungen mehr gut taten. Ein Freund in der Schweiz erlitt ein ähnliches Schicksal.
In meiner eigenen Krankengeschichte hätte viel Leid verhindert werden können, wenn man mir aufmerksamer zugehört hätte und mein Wissen und meine Bereitschaft, einen Beitrag zu leisten, als Ressource in meiner Behandlung anerkannt worden wäre.
Nun sind Gesundheitssysteme überall in der Krise, und sie erfüllen ihren Zweck oft nur unzureichend oder ineffizient. Neben Patienten, die nicht die bestmögliche Versorgung erhalten, sind viele Beschäftigte des Gesundheitswesens frustriert über ein System, das nicht die Vision erfüllt, die sie motiviert hat, ihren Beruf auszuüben.
Die Macht in Gesundheitssystemen liegt bei einem kleinen Kreis von Expert*innen auf der Anbieterseite, deren Verständnis darüber, wie es tatsächlich ist, die Leistungen zu nutzen und zu benötigen, oft begrenzt ist. Warum werden nicht die Expert*innen, die die Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen und um die es am meisten geht (die Patient*innen!), konsultiert und stärker in die Lösung der Probleme und die Verbesserung der Leistungen einbezogen?
Ich glaube, dass zur Verbesserung der Gesundheitsdienste den Patient*Innen eine Rolle bei der Heilung gebrochener und kranker Gesundheitssysteme gegeben werden muss, deshalb blogge ich, arbeite und setze mich dafür ein, dieses Ziel zu verfolgen. Ich bin ein kleiner Tropfen in einem riesigen Ozean. Ich beobachte jedoch, dass die Patienten langsam, langsam anfangen, gehört zu werden. Die Ärzt*innen sind in der Regel bereit, auf die Fragen der Patient*innen einzugehen und nehmen sich Zeit, sie zu beantworten. Ausdrücke wie "geteilte Entscheidungsfindung" (shared decision-making) werden bekannt, auch wenn sie noch selten praktiziert werden. Die Behandlung und der Schutz der Teilnehmer*innen an klinischen Studien verbessert sich, und in seltenen Fällen sind Patient*innen sogar an Forschungsprojekten oder am Management beteiligt - der Begriff "Public and Patient Involvement" (PPI) ist geprägt worden.
Es wird nicht leicht sein - es gibt viele gegensätzliche Interessen, und viel Patientenbeteiligung ist immer noch Alibipolitik. Im Altgriechischen gibt es ein Sprichwort:
"Mit Beharrlichkeit höhlt ein Wassertropfen den Stein aus"aus den Fragmenten des Choeriuls von Samos