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Eugen Drewermann zu «Dostojewski und die Macht des Geldes»: (…) «Was Dostojewski wirklich sagen will: Das Geld ist nichts anderes als die Schöpfung umzuschreiben. Da es keinen Erzeuger gibt, musst du dich selber erzeugen. Deshalb ist das Geld der Gott, der Vater im Himmel und auf Erden, den du erfinden musst, den du materialisieren musst, weil du ein Nichts bist. Die Macht des Geldes ist diese Lüge, du könntest etwas werden, das du nicht bist, indem du etwas hast. Aber was bist du für ein Mensch dann, außer einem Betrüger dir selber gegenüber?
Es gibt für Arkadij keine andere Rettung, als dass sein juristischer Vater Makar – in gewissen Sinn sein Adoptivvater – krank zurückkehrt. In der Nähe dieses Mannes beginnt so etwas wie eine seelische Erholung. Makar verkörpert es: „Sorge dich nicht um den morgigen Tag! Hat nicht jeder Tag seine Mühe genug?“ Das soll Jesus gesagt haben laut Matthäus 4 zu allen, die übel daran waren, lauter Habenichtse und arme Leute. Und er hat Ihnen gesagt: „Schaut euch doch um! Hier wachsen die Lilien. Ihr beneidet König Salomo in all seiner Pracht und Herrlichkeit.“ Er hatte, wenn die Bibel historisch glaubwürdig wäre, über neunhundert Frauen und viele tausend Pferde und ganz gewiss prunkvolle Gewänder. Er lebte wie in Tausendundeiner Nacht und das scheint euch groß, weil er so viel Geld hatte, dass er sich alles leisten konnte. Aber Jesus meinte, ihr seid unendlich viel größer – ihr, die vermeintlich armen Leute, wenn ihr es begreift.
Sie erzählen euch, kaum dass ihr fünfzehn Jahre alt seid, ihr müsst für die Zukunft sorgen, und was ihr mit der Rente macht, wenn ihr fünfundsiebzig seid.
Aber so vergeudet ihr euer Leben. So kommt ihr niemals bei euch selber an. Am Ende habt Ihr nie gelebt. Heute zu sein bedeutete so viel Dankbarkeit des Glücks. Die Macht des Geldes gründet sich darin, dass sie einem Menschen verspricht, etwas zu sein, was er nicht ist. Die Macht des Geldes ist gebrochen, wenn wir begreifen, dass wir alles sind, etwas unendlich Kostbares in dieser Welt, etwas buchstäblich Unbezahlbares. Jeder von uns trägt solch ein Dichterwort in sich, eine Art Dostojewski an Sensibilität, an menschlichem Gespür, um aufeinander zuzugehen. Und immer dort, wo nicht Macht, sondern Einheit zum Ziel gesetzt wird, finden Menschen zueinander und verliert der Götze Geld seinen Spielsaal. (…)
Quelle: «Humonde», Zeitschrift für eine humane Welt, Wirtschaft und Medizin
Mehr von Eugen Drewermann über Dostojewski und das Geld in dem Buch “Daß auch der Allerniedrigste mein Bruder sei”, erschienen im Patmos Verlag 2004