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Agrarsektor 28.10.2005 21:15

Wie bereits in dem Artikel "Wird der Irak geteilt" dargelegt, ermöglicht ein auf Druck der Agroindustrie von der Besatzungsmacht USA erlassene und - für niemand nachvollziehbar - vom irakischen Parlament Anfang März ratifizierte Gesetz, das den Gebrauch des eigenen irakischen Saatguts de facto für illegal erklärt, das ungehinderte Eindringen von Konzernen wie Monsanto, Bayer resp. Syngenta in den Irak. In dem nunmehr gültigen irakischen Patentgesetz zum Schutz neuer Pflanzensorten, nämlich des geschützten Saatguts der genannten Firmen, werden den Bauern drakonische Strafen für die Verletzung des Nachbauverbotes der eigenen Saatsorten, dem Handel und der Aufbewahrung geschützter Pflanzensorten angedroht. Wie mit dieser preisgegebenen Nation verfahren wird, ist von seltener Perversität, wird das neue Gesetz doch als notwendiger Schritt bezeichnet, um die Versorgung des Iraks mit hochwertigem Getreide zu sichern, als ob dies mit den bislang angebauten Sorten nicht möglich wäre. Der freie Austausch von Saatgut unter Bauern sowie das Aufbewahren eines Teils der Ernte zur Wiederaussaat ist bis heute die Grundlage der kleinbäuerlichen Landwirtschaft im Irak.
Weltweit befinden sich noch 75% des Saatguts in den Händen der Bauern und sind damit der Manipulation und der Kontrolle der multinationalen Agrokonzerne entzogen. Das soll sich ganz offenbar ändern und der zerstörte Irak scheint hier das erste Opfer zu sein, um die totale Abhängigkeit eines Landes vom gentechnisch veränderten Saatgut zu erzwingen. Wenn man nun die endlosen Anklagen, die wir zum Beispiel von Jean Ziegler und der UNO vernehmen - wozu auch die soeben von Bundespräsident Samuel Schmid wegen des Hungers und der Armut auf dieser Welt ausgesprochenen Forderungen gehören - diesem brutalen, aller Eigenverwaltung eines Landes Hohn sprechenden Eingriff gegenüberstellt, so wird wohl niemand den Mut haben zu erklären, dass mit einer Massnahme wie die im Irak angeordnete, Hunger und Armut reduziert würden. Ganz im Gegenteil: sinkt der Ernteertrag oder fallen die Marktpreise, so haben die Kleinbauern vermutlich k e i n Geld, um neues Saatgut zu kaufen. Auch auf diese Weise lässt sich ein Land noch weiter zerstören. Wieso lassen es die UNO oder Jean Ziegler zu, dass eine derart abartige Verordnung Eingang in die Gesetzgebung des Iraks findet ? Dafür wären sie doch zuständig, sie stehen doch an der Spitze. Mit was kann sich der Milliarden von Steuergeldern verschlingende Moloch UNO, eine Institution, die nachweislich weder Kriege noch die zahlreichen verheerenden Eingriffe des Internationalen Währungsfonds in der Dritten Welt verhindert hat, überhaupt noch legitimieren ? Tariq Ali bezeichnet die UNO in seinem Buch ‘Bush in Babylon. Die Re-Kolonisierung des Iraks’ als einen Anachronismus, denn seit Ende des Kalten Krieges sei sie ¸¸kaum mehr als ein willfähriger Handlanger der amerikanischen Politik."
Zu diesem Thema gehört der diesbezüglich Klartext sprechende, in Zeit-Fragen erschienene Artikel von F. William Engdahl, Die Saat der Zerstörung - Geopolitik mit genetisch veränderten Nahrungsmitteln, den wir auf unsere homepage genommen haben.