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Schimpansen treffen sich zum Saufgelage
Mit zu Schwämmen umfunktionierten Blättern trinken die Primaten bis zu drei Liter pro Trinkgelage - dies belegen Beobachtungen des Teams um Kimberley Hockings vom anthropologischen Forschungszentrum (CRIA) in Lissabon. Danach zeigten die Primaten Anzeichen eines Rausches oder legten sich sogleich schlafen, berichten die Forscher im Fachjournal «Open Science» der britischen Royal Society.
Evolutionärer Vorteil
Es war bereits bekannt, dass Affen in Gefangenschaft Alkohol konsumieren, wenn sie können, schreiben die Autoren. Die eingeschleppten Westlichen Grünmeerkatzen auf der Karibikinsel St. Kitts sind bekannt dafür, die Cocktails der Touristen zu klauen. Doch bei wilden Affen habe es bisher keine gesicherten Hinweise zum Alkoholkonsum gegeben.
Allerdings wiesen genetische Studie darauf hin, dass schon beim vor Millionen von Jahren lebenden gemeinsamen Vorfahren von Primaten und Menschen eine Erbgutveränderung auftrat, mit welcher der Körper Alkohol 40-mal besser abbauen konnte. Alkohol entsteht oft in überreifen Früchten - die Fähigkeit, ihn zu verdauen, könnte für Früchte verzehrende Tiere einen evolutionären Vorteil darstellen.
Bis zu 7 Prozent Alkohol
In Boussou in Guinea sammeln die Menschen Saft von Palmen, indem sie ihn in Plastikbehältern unter der Baumkrone auffangen. Die darin enthaltenen Zucker fermentieren leicht, und der Saft enthält im Schnitt etwa 3 Volumenprozent Alkohol, maximal 6,9 Volumenprozent. Diesen trinken die Menschen ohne weitere Bearbeitung.
Wenn ihnen die Schimpansen nicht zuvorkommen: Hockings und ihre Kollegen filmten zwischen 1995 und 2012 wilde Schimpansen dabei, wie sie sich an diesen Behältern gütlich taten. Bis zu 10-mal pro Minute tauchten die Tiere ihre zerkauten Blattschwämme in den Saft und nahmen dabei im Schnitt einen Liter dieses «Palmweins» zu sich.
Die Gelage dauerten zwischen einer und 30 Minuten, und die Primaten tranken entweder allein oder in der Gruppe. Die Schimpansen in Boussou trinken fermentierten Palmsaft selten, aber regelmässig, lautet das Fazit der Wissenschaftler.
«Anzeichen von Trunkenheit»
«Manche Tiere konsumierten beträchtliche Mengen Alkohol und zeigten Anzeichen von Trunkenheit», schreiben sie. Ob die Schimpansen auch alkoholsüchtig werden können, ist unbekannt. Ausserdem wären entsprechende Daten von Gorillas und Bonobos hilfreich, um herauszufinden, welche von ihren nahen Verwandten ebenfalls Alkohol verdauen können, meinen die Wissenschaftler weiter.