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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VII.
25.
Die ganze Welt und die Oberwelt war vollendet und nichts mangelhaft; die dritte Sohnschaft aber, die zum Wohltatenspenden und Wohltatenempfangen im Samen zurückgelassen worden war, war in der Samenfülle noch übrig, und doch sollte auch sie geoffenbart und nach oben gebracht werden über den dazwischenliegenden Geist zur leichten und nachahmbaren Sohnschaft und zum Nichtseienden, wie geschrieben steht: „Und die Schöpfung selbst stöhnt und kreißt in der Erwartung der Offenbarung der Söhne Gottes“1. Die Söhne sind wir, die geistigen, sagt er, die wir hier gelassen sind, um die Seelen zu leiten, zu formen, zurechtzurichten und zur Vollendung zu bringen, deren Natur es ist, in dieser Entfernung zu bleiben, „Bis zu Moses von Adam an herrschte die Sünde“2, steht geschrieben; es herrschte nämlich der große Archon, der bis an das [S. 206] Firmament grenzte und meinte, er sei der einzige Gott und über ihm sei nichts; alles ward nämlich durch ein geheimes Schweigen behütet. Das ist das Geheimnis, das den früheren Geschlechtern nicht bekannt ward3; es war ja in jenen Zeiten der große Archon, die Achtzahl, scheinbar König und Herr. Die Siebenzahl war aber auch König und Herr in diesem Umkreis; die Achtzahl ist unaussprechlich, die Siebenzahl kann man aussprechen. Der Archon der Siebenzahl ist's, der zu Moses sprach: „Ich bin der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, und den Namen Gottes habe ich ihnen nicht kund getan“4 — so soll nach ihnen geschrieben stehen —, d. h. (den Namen) des unaussprechlichen Gottes, der Achtzahl, des Archon. Alle Propheten vor dem Erlöser haben ihre Offenbarung von jenem. Als wir, die Söhne Gottes, geoffenbart werden sollten, um derentwillen die Schöpfung seufzt und kreißt in Erwartung der Offenbarung, kam das Evangelium in die Welt und durchschritt jede Herrschaft und jede Macht und jede Gewalt und jeden Namen, der genannt wird. Es kam wirklich, obwohl nichts von oben herabkam und obwohl die selige Sohnschaft vom unfaßbaren und seligen, nichtseienden Gotte nicht schied. Sondern wie das indische Naphta aus weiter Entfernung das Feuer an sich zieht, so dringen von unten aus dem gestaltlosen Haufen die Kräfte hinauf bis zur Sohnschaft. Der Sohn des großen Archon, der Achtzahl, zieht und nimmt nach Jägerart die Gedanken der seligen Sohnschaft hinter dem Zwischenraum an sich, wie das indische Naphta. Die Kraft, die mitten im Heiligen Geist an den Grenzen der Sohnschaft sich befindet, teilt dem Sohn des großen Archon die fließenden und wallenden Gedanken der Sohnschaft mit.
1: Röm. 8, 19. 22.
2: Röm. 5, 13. 14.
3: Vgl. Eph. 3, 3—5; Kol. 1, 26. 27.
4: Exod. 6, 2. 3.