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französisch
Valais, italienisch Vallese. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft; in der offiziellen
Reihenfolge der Kantone deren zwanzigster. Eintritt in den
Bund 1814.
1. Name; Lage; Grösse; Grenzen.
Der Name Wallis
leitet sich vom latein. Ausdruck vallis poenina = poeninisches Thal her, womit die
Römer nach
dem Passübergang des Jupiter Poeninus
(GrosserSt. Bernhard) das zum
Genfersee ausmündende Alpenthal der
Rhone belegten. Die
mittelalterlichen Namensformen sind Vallesia, Vallesium.
Die Gesamtfläche des Kantons umfasst 5224,49 km2, wovon mehr als die Hälfte (54,9%) unproduktiver Boden ist. An Umfang
steht der Kanton Wallis
einzig hinter Graubünden
und Bern
zurück. Hinsichtlich des Prozentsatzes an unproduktivem Boden reiht er
sich gleich nach Uri
als zweiter ein.
Das Wallis
nimmt den höchsten Abschnitt der Alpenkette ein und besteht aus dem oberhalb des
Genfersees gelegenen Teil
des
Rhonethales. Dieses Thal setzt sich aus zwei fast rechtwinklig zueinander stehenden Stücken zusammen: einem Längsthal
oberhalb
Martinach und einem Querthal unterhalb dieses
Ortes bis zum
Genfersee. Zu beiden
Seiten des
Rhonethales erhebt sich das
Gebirge weit über die Grenzen des ewigen
Schnees und wird seinerseits wieder durchquert von mehr oder
weniger tiefen Seitenthälern.
Vom
Rhonegletscher, also vom
Ursprung der
Rhone an, ist so das Wallis
zwischen zwei Bergketten eingeschlossen, deren nördliche man
die Berneralpen, deren südliche die Walliseralpen nennt. Letztere liegen zwar eigentlich zum grössten Teil in Italien,
während dagegen die Bezeichnung Berneralpen volle Berechtigung besitzt, da nur ihre steile S.-Flanke
dem Wallis
angehört. Auffallend ist der Kontrast zwischen den beiden
Seiten des
Rhonethales: im N. sehr steile Gehänge, in welche
sich kurze, enge und schluchtartige
Thäler einschneiden, im S. dagegen tiefe und 20-30 km lange Thalfurchen, deren mehrere
sich durch oft flache
Sohle auszeichnen.
Die S.-Flanke desWallis
ist so im Durchschnitt dreimal so breit wie die N.-Flanke, obwohl die
Höhe der einschliessenden
Ketten zu beiden
Seiten ungefähr die selbe ist. Diese Disposition bedingt die auffallende Asymmetrie des
Rhonethales. Da der
geologische Bau der beiden Thalseiten sehr verschieden ist, erscheint es leicht, die Ursachen des Kontrastes zu erfassen,
der sowohl in den petrographischen Unterschieden als der Anordnung und Lagerung der Gesteine beruht.
Die N.- und NW.-Flanke des
Rhonethales zeigt von
Martinach an aufwärts fast ohne Ausnahme Kalksedimente, welche einzig von
den kristallinen Gesteinen des Aarmassives unterbrochen werden. Auf der
S.-Seite dagegen sind die Nebenthäler in abwechselnde
Zonen von kristallinen Gesteinen und kalkigen oder schiefrigen Sedimenten eingesenkt. Die bestimmenden
Züge in den Oberflächenformen werden hier also durch die Art der Gesteine bedingt, aus welchen die Erosion des fliessenden
Wassers die Thalrinnen herauswusch. Ebenso sind die Einzelheiten in der Form der hohen
Kämme durch die petrographische und
stratigraphische Natur ihrer Gesteine einerseits, sowie durch die Tätigkeit von Erosion und Verwitterung
andrerseits zu erklären.
Das untere Stück des
Rhonethales zwischen
Martinach und dem
Genfersee ist quer zum Streichen der Falten gerichtet und zeigt
daher beidseitig grössere Aehnlichkeit in der orographischen Gestaltung. Die Nebenthäler sind hier auf beiden
Seiten sehr
steil und kurz, ebenso liegen die wasserscheidenden
Kämme beidseitig in fast gleicher Entfernung von
der Hauptthalrinne.
Bedeutende Anhäufungen von Glazialschutt geben dem untern Teil dieser Gehänge einen weniger wilden
Charakter, welcher mit den kühnen Formen des hohen Gebirgskammes lebhaft kontrastiert. Die Furchen der beiden eben genannten
Wildbäche sind im Mittellauf durch einen Alpweidenrücken mit den zwischen 1200 und 1400 m gelegenen Terrassen Le Pâquier,
Bertse und Mourtey getrennt, während im Unterlauf gegen das Rhonethal hin die Tête d'Ardevaz (1481 m)
neuerdings eine scharfe Scheide bildet.
Der Wildbach Losence zeigt oft plötzlich eintretende Hochwasser. Infolge der leichten Auswaschung der glazialen Ablagerungen
und der Juraschiefer, welche die Gehänge im Mittellauf bilden, verursachte die Losence mehr als einmal schwere Katastrophen,
indem sie entweder Geschiebe- und Schlammmassen, oder dann mächtige Hochwasser mit enormen Felsblöcken
auf ihren Mündungskegel hinauswarf und das Kulturland verwüstete. Eine solche Katastrophe fand in den Jahren 1290 bis 1308 statt,
wo ein ohne Zweifel von einem Erdrutsch herrührender Schlammstrom die ganze Gegend verwüstete und die auf dem Schuttkegel
gelegene Kirche Saint Pierre de Clages zerstörte.
Diese durch die reissenden Bergwasser herabgeschwemmten Erdmassen sollen aus dem Thälchen von Saint André, das sich oberhalb
Le Grugnay öffnet, gekommen sein. Die Erinnerung an dieses Ereignis lebt bei den Bewohnern der Gegend heute noch fort.
Im Januar 1906 bedrohte ein Erdrutsch oben in der Runse des selben WildbachesSaint André die ganze Gegend
von neuem. Glücklicherweise kam aber der Erdrutsch rechtzeitig zum Stehen, so dass sofort vorgenommene Schutzarbeiten ein
weiteres Gleiten des abgelösten Gesteins aufhalten konnten.
Eine besonders schreckliche Katastrophe hat die Losence 1767 hervorgerufen.
Grosse Schutzarbeiten sind jetzt in Ausführung begriffen, um das Bett des Baches zu verbauen und so die
Unterwaschung der Uferböschungen und die daraus sich ergebenden Erdrutsche zu verhindern. Die Thäler der Losence und der
Salence stehen mit dem Thal von Nant über die Frête de Saille (2599 m) in Verbindung.
Das Gebiet zwischen dem Gletscher und dem Pass ist von weiten Karrenfeldern bedeckt. Der Gebirgsstock des
Sublage (2735 m) und des Sérac (2836 m) ist von den Schluchten der Zanfleuronne und des Lex Zuflüssen der Morge, begrenzt. Beide
nähern sich in ihrem obersten Laufabschnitt und sind bloss durch die Combe der GrandesGouilles voneinander geschieden. Diese
letztere hat ihren Namen von mehreren kleinen Seebecken, welche unterirdisch abfliessen. Beherrscht wird dieses Gebiet durch
die im N. aufragenden hohen Felswände des Geltenhorns (3074 m) und des Arpelistocks (3039 m), während ein von letzterm Gipfel
nordwärts ziehender Kamm die Senke des Sanetschpasses nach O. begrenzt. In ihm finden wir das Hundhörnli
(2878 m), Schafhörnli (2686 m) und Spitzhorn (2807 m).
Eine Abzweigung des Wildhorngletschers, der kleine Glacier de Brotset am Weg auf das Wildhorn, fliesst nach der Senke der Luys de Marche
hinunter. Hier beginnt
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