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ToxoplasmoseInhaltsverzeichnis
Autor: Dr. med. Martin Stocker
Version: 01/13
In der Vergangenheit wurde versucht, eine konnatalen Toxoplasmoseinfektion mittels Screening während der Schwangerschaft zu erfassen und deren Folgen mittels Therapie während der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr zu bekämpfen. Das Toxoplasmose-Screening hat häufig viele Fragen und Unsicherheiten bei allen Beteiligten ausgelöst. Im Rahmen einer europäischen Initiative (EUROTOXO) wurden mehrere tausend Publikationen betreffend Toxoplasmose beurteilt und zusammengefasst und es wurde erkannt, dass mittels Screening und entsprechender Behandlung während der Schwangerschaft die vertikale Transmission nicht verringert werden kann. Aus diesem Grund wurde eine schweizerische Konsensusgruppe mit Mitgliedern aus diversen Fachbereichen gebildet (Swiss Working Group on Congenital Toxoplasmosis) und neue, nationale Empfehlungen erarbeitet (1,2).
Aufgrund der seit Jahren durchgeführten Überwachungsprogramme in Basel und Lausanne schätzt man, dass in der Schweiz ca. 130 Schwangere eine akute Toxoplasmoseinfektion durchmachen. 32 Neugeborene/Jahr werden mit einer kongenitalen Toxoplasmose geboren und davon sind 4-5 Kinder/Jahr symptomatisch.
Aufgrund der Erkenntnisse von EUROTOXO wird in der Schweiz ein generelles Toxoplasmose-Screening während der Schwangerschaft nicht mehr empfohlen. Ebenfalls wird ein generelles Screening der Neugeborenen aus dem Nabelschnurblut oder im Rahmen des Guthrietestes nicht empfohlen. Ein gewisses Wirkpotential wurde einzig der primären Prävention zugeschrieben. Aus diesem Grunde wird in Zukunft die Information von Schwangeren und der Öffentlichkeit betreffend Toxoplasmose verstärkt (Merkblatt BAG). Um die Auswirkungen dieser neuen Strategie zu überwachen, werden die seit mehreren Jahren durchgeführten Überwachungsprogramme in Basel und Lausanne weitergeführt.
Kinder mit Verdacht auf eine symptomatische Toxoplasmoseinfektion sollen weiterhin abgeklärt und möglichst im Rahmen einer Studie behandelt werden. Entsprechende internationale Behandlungsstudien sind momentan in Vorbereitung. Ebenfalls ist die Aufnahme in das SPSU-Überwachungsprogramm geplant.
Obwohl offiziell nicht mehr vorgesehen, wird es auch in Zukunft Situationen geben, in welchen eine Serokonversion während der Schwangerschaft nachgewiesen wurde, im Nabelschnurblut Antikörper bestimmt wurden oder Toxoplasmose mittels PCR gefunden wurde. Für solche Situationen muss eine pragmatische Lösung betreffend weiterem Procedere gefunden werden. Das nachfolgende Schema basiert auf den Empfehlungen der pädiatrischen Infektiologie des Inselspitales Bern.
Quellen:
- Swiss Working Group on congenital Toxoplasmosis. Toxoplasmosis during pregnancy and infancy. A new approach for Switzerland. Swiss Med Wkly 2008;138(Suppl168):1-8 (PDF)
- Schweizerische Arbeitsgruppe für kongenitale Toxoplasose. Verzicht auf das Toxoplasmose-Screening in der Schwangerschaft. Eine kurze Begründung. Schweiz Med Forum 2009;9(5):105-106 (PDF)