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| Basilius von Cäsarea († 379) - Homilien über das Hexaemeron (Homiliae in Hexaemeron)

Erste Homilie
8.
„Im Anfange schuf Gott den Himmel und die Erde.” Die Erforschung des Wesens der einzelnen Dinge, der intelligiblen wie der sinnenfälligen, würde zu einer langen und weitschweifigen Auseinandersetzung führen, so daß wir auf die Behandlung dieser Frage mehr Worte verwenden müßten als auf alle übrigen, die im einzelnen besprochen werden sollen. Zudem dürfte es auch nicht sonderlich zur Erbauung der Gläubigen dienen, sich dabei aufzuhalten. In der Frage nach der Wesenheit des Himmels können wir uns begnügen mit den Aussprüchen des Isaias, der uns in schlichten Worten eine hinlängliche Kenntnis von dessen Natur beibrachte, wenn er sagte: „Der den Himmel wie Rauch bildete1”, d. h. der zur Bildung des Himmels einen dünnen, nicht einen festen oder dichten Stoff nahm. Auch hinsichtlich der Gestalt des Himmels genügt uns das, was er in einem Lobpreis auf Gott sagt: „Der den Himmel wie ein Gewölbe aufstellte2.”
Ganz so sollen wir aber auch von der Erde denken und nicht lange nachgrübeln, worin denn eigentlich ihre Wesenheit bestehe, nicht mit der Untersuchung über das Substrat selbst uns grübelnd abmühen, auch nicht irgendeine Natur suchen wollen, die ohne Beschaffenheit und, an sich betrachtet, ohne Eigenschaft ist. Vielmehr sollen wir wissen, daß alles, was an ihr wahrgenommen wird, mit Rücksicht auf ihr Dasein angeordnet ist und zur Vollendung ihres Wesens dient. Denn, versuchst du es, ihre Eigenschaften bis auf die letzte wegzudemonstrieren, dann wirst du am Ende auf nichts kommen. Nimmst du die Schwärze, Kälte, Schwere, Dichtigkeit, ihre auf den Geschmack sich beziehenden Eigenschaften weg oder andere, die etwa sonst noch an ihr wahrgenommen werden, so wird kein Substrat mehr [S. 20] da sein3. Das also heiße ich dich übergehen und nicht einmal darnach fragen, auf welcher Grundlage sie stehe. Eine solche Untersuchung wird nur verwirren, da das Vernünfteln doch zu keinem sichern Ergebnis führt. Denn sagst du, die Luft sei für die Erdfläche die Unterlage4, so wirst du nicht begreifen, wie die weiche und absolut leere Luft ein solches Gewicht aushält und nicht vielmehr überallhin sich zerteilt, der auf ihr liegenden Last ausweicht und immer über die sie zusammenpressende sich ergießt. Nimmst du aber das Wasser als die Unterlage der Erde an5, so wirst du auch in diesem Falle fragen, warum der schwere und dichte Körper nicht durch das Wasser dringe, sondern diese weit schwerere Last von der schwächeren Natur gehalten und getragen werde. Zudem mußt du auch für das Wasser selbst eine Unterlage suchen, und da wirst du wieder im Unklaren sein, auf welcher festen und tragfähigen Stütze der letzte Untergrund ruht.
1: Jes 51,6
2: Jes 40,22
3: vgl. Arist., Meteor. VII,3
4: so ähnlich Anaximenes, Anaxagoras und Demokrit; vgl. Arist. de coelo II,13,16
5: wie etwa Thales; vgl. Arist. 1.c. II, 13,18