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Folgende Baumgrössentypen gibt es:
- Arabian (ARAB) kann je nach Hersteller mit viel Widerristfreiheit aber auch ein recht breiter Baum sein
- Quarter Horse (QH) meist mittlere Breite und ziemliche gerade Bars
- Half Quarter Horse (HQH) meist mittlere Breite
- Semi Quarter Horse (SQH) ein eher schmaler Baum für schmalere Typen mit steiler Schulter
- Semi Full Quarter Horse (SFQH) eine Mischung aus Semi und Full Quarter Baum
- Full Quarter Horse (FQH) ein eher breiter Baum für kräftige Pferdetypen mit normaler Schulter
- Extra Full Quarter Horse (XFQH) ein Baum für sehr breite Pferdetypen
Warum der "Concha- Abstand" als Mass überhaupt nicht aussagekräftig ist:
Der Abstand zwischen den vorderen Conchas wird sehr oft als Massangabe herangezogen um einen passenden Sattel zu finden. Dabei ist es den Sattlern und Herstellern völlig freigestellt, in welcher Höhe sie diese Conchas positionieren. Meistens jedoch befinden sie sich am Baumende. Misst man nun den Abstand zwischen den beiden vorderen Conchas, hat man die sogenannte Gulletweite ermittelt. Diese Gulletweite sagt aber gar nichts über die so wichtige Winkelung der Bars, den Twist und den Rock aus. Das Messen des Concho- Abstandes ist aus meiner Sicht somit absolut nicht zu gebrauchen um eine korrekte Sattelpassform zu bestimmen.
Der traditionelle Westernsattelbaum ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt: den Bars (Trachten) rechts und links, der Fork als Verbindung vorn (Gabelung, Vorderzwiesel) mit Horn und dem Cantle als hintere Verbindung (Hinterzwiesel).
Die Bars haben dem Rückenverlauf des Pferdes entsprechend eine Biegung (der Rock). Diese Biegung sollte so stark sein, dass die Bars im vorderen Bereich die Schulterfreiheit und im hinteren Bereich die erforderliche Lendenwirbelfreiheit bieten. Da der Pferderücken hinter dem Schulterblatt steiler gewinkelt ist als im hinteren Verlauf der Rippenwölbung, ergibt sich in der Ausformung der Bars eine Drehung (der Twist). Die Ausformung der Wölbung und Drehung der Bars entscheidet über den gewünschten Tragekomfort sowie die Schulter- und Lendenwirbelfreiheit. Bei breiten Pferden stehen die Bars weiter auseinander und müssen flacher gewinkelt sein. Bei schmalen Pferden stehen sie näher zueinander und sollten steiler gewinkelt sein.
Gerade die sehr wichtige Winkelung der Bars wird bei Westernsattelbäumen nicht definiert oder angegeben. Dies erschwert die Auswahl eines passenden Sattels sehr. Die Gulletweite, also der Abstand der Bars zueinander, ergibt die eigentliche Weite des Sattelbaums. Massangaben wie zB. SQH, FQH... sind nicht genormt und bilden somit nur einen sehr groben Anhaltspunkt, wie weit die Bars im vorderen Bereich auseinanderliegen.
Beim typischen Abstandmessen der vorderen Conchas wird die ungefähre Gulletweite ermittelt.
Die drei Zeichnungen auf der linken Seite, zeigen verschiedene Baumbreiten (Gulletweite), aber mit der gleichen Winkelung der
Bars.
Die drei Zeichnungen auf der rechten Seite, zeigen die gleiche Baumgrösse (Gulletweite), mit verschieden gewinkelten Bars.
Die Gulletweite sagt also nichts über die so wichtige Winkelung der Bars aus.
Die Bars sollen das Gewicht des Reiters gleichmässig auf dem Pferderücken verteilen. Je mehr Auflagefläche sie haben, desto besser. Die Bars dürfen allerdings nicht auf Höhe der Lendenwirbelsäule zu liegen kommen, da diese kein Gewicht tragen darf. Ebenso dürfen die Bars nicht auf Knochenvorsprüngen liegen, das heisst, sie dürfen weder die Dornfortsätze der Wirbelsäule belasten, noch auf dem Schulterblatt zu liegen kommen.
Die Winkelung der Bars sollte mit der Winkelung der Schulterpartie des Pferdes übereinstimmen, sonst verkanten sich die Bars im Bereich der Pferdeschulter, was neben lokalen Druckschmerzen auch zu einer Bewegungseinschränkung führen kann.
Die Bars sollten in ihrer Form der Biegung des Rückenverlaufs des Pferdes gerecht werden
und im Schulter- und Lendenwirbelbereich freigestellt sein.
Hier ist die Winkelung zu steil.
Hier ist die Winkelung zu flach.
Auch zu wenig Biegung in der Längsachse wirkt sich negativ auf die Passform aus.
Der Sattelbaum drückt in den Schulterbereich und liegt auf dem Widerrist auf. Dieser Baum ist nicht passend.
Der Twist:
Die Winkelung des Pferderückens ist im Bereich der Pferdeschulter zunächst recht steil, je weiter man dem Rücken des Pferdes nach hinten folgt,
desto flacher wird sie.
Der Rock (Schwung):
Kein Pferderücken ist wirklich gerade, sondern neigt zu verschieden ausgeprägten Schwung (gerader Rücken bis Senkrücken), dem sich die Bars ebenfalls anpassen müssen. Die Bars verfügen deshalb über einen Schwung (Rock), eine Biegung über die Längsachse.
Die Sattellage gibt an, wie lang der Baum sein
darf. Der Baum darf nicht auf der Schulter zum liegen kommen, die Knorpel, Knochen, Bänder und Muskeln werden sonst gereizt oder sogar verletzt. Auch ein zuweit vorn gesattelter Sattel drückt
besonders stark am Sattelende in den hinteren Brustwirbelbereich oder in die Lendenwirbel, da der Sattel durch das Auflegen zu weit vorne in Folge nach hinten abkippt und in der Mitte hohl liegt.
Würde der Sattelbaum auf den Schulterblättern liegen, muss das Pferd bei jedem Schritt mit sein Schulterblatt den kompletten Sattel samt Reitergewicht hochheben. Es ist sehr schmerzhaft für das
Pferd, weil es auf seinen Schulterblättern nur wenig "Fleisch" unter der Haut hat.
Ein weiterer Punkt ist, dass ein Pferd +/- 70 % seines Körpergewichtes auf der Vorderhand trägt. Sitzt der Reiter mit seinem Westernsattel auf der Schulter, kommt ein großer Teil von seinem/ihren Körpergewicht auch noch auf die Vorderhand dazu.
Die Skirts, das bewegliche Leder, dürfen über der Schulter und hinter dem 18 Brustwirbel zum liegen kommen. Der Baum, muss hinter der Schulter liegen und schränkt das Pferd nicht in der Bewegung ein, solange eine richtige Passform gegeben ist. Wenn die Bars die richtige Winkelung haben, besteht eine "Freistellung" unter der die Schulter sich frei bewegen kann ohne darauf Gewicht tragen zu müssen. Leider sieht man vermehrt, dass viele Leute die Sättel zu weit vorn Satteln, um einen zu langen oder unpassenden Sattel "schönzureden".
Es gibt über hunderte verschiedene Westernsattelbäume und nicht jeder Hersteller/ Sattler verwendet die gleichen Bäume. Die Bäume und deren Masse sind nicht genormt. Haben Sie also einen Sattel einer Marke der ihrem Pferd gepasst hat und wollen nun nach einem anderen Sattel (einer anderen Marke) Ausschau halten, nützen Ihnen die Baumangaben Ihres vorherigen Sattels meistens nicht viel.
Bitte verlassen Sie sich auch nicht auf Aussagen wie " Der Sattel lag auf einem Freiberger, also passt er allen Freibergern". Die Pferderücken sind so unterschiedlich auch bei Pferden einer Rasse.
Ich empfehle daher ganz klar, holen Sie sich Hilfe bei der Sattelsuche von einer/em Fachfrau/Mann. Sie haben hier selber gesehen, dass zu einer Passformermittlung viel mehr dazu gehört, als nur ein Messen des Concha- Abstandes.
Für Alle die sich noch etwas in die Thematik Westernsattel reinlesen möchten kann ich diese zwei tolle Bücher empfehlen! Bilder und Texte stammen zum Teil aus diesen Büchern.
"Gutes für den Pferderücken" von Christoph Rieser
"Der Westernsattel und seine Anpassung" von Anke Wiedenroth und Detlef Wilhelm
"The Silent Killer" von Jochen Schleese