Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03461.jsonl.gz/2202

Die Bochselnacht soll auf die Pest von 1629 zurückgehen, als sich einige Jugendlich in Todesangst betranken und wohl durch die desinfizierende Wirkung des Alkohols überlebten.
Als Dank gedachten sie Bacchus, dem Gott des Weines, mit einer jährlichen Bacchus- oder eben Bochselnacht.
Es gibt verschiedene Thesen über den Ursprung der Bochselnacht. Die wahrscheinlichste und älteste ist diese aus der Weinfelder Chronik von J.U.Keller aus dem Jahre 1864:
"Seit dem Jahr 1629 hat sich hierorts folgende Sage erhalten:
Als zu jenem Zeitpunkte der schwarze Tod seine schreckliche Geissel besonders in der östlichen Schweiz so schonungslos schwang, verliessen die Jünglinge und Männer des Dorfes Weinfelden die Arbeit und zogen den Trinkgelagen nach, um die Furcht vor dem Tode zu verscheuchen. Unter dieser Gesellschaft hiess es: «Nun lasset uns essen und trinken und fröhlich sein, denn morgen sterben wir!»
Und siehe, diese lustigen Zecher blieben gesund und wohl am Leben. Das Entrinnen vor dem Tode schrieben sie vorzüglich dem Genusse des Weines zu. Daher hielten sie dann alljährlich in der Mitte des Christmonats dem Bacchus, dem Gott des Weines, zu Ehren ein Bacchusfest, auch Bochselfest genannt.
Um den Tod, der einst so schrecklich gewütet, auch dem jüngeren Geschlechte zu versinnlichen, höhlten sie Rüben und Kürbisse aus, schnitten Augen, Nase und Mund mit scharfen Zähnen in dieselben und stellten Lichter darein. Diese von innen erleuchteten Gewächse glichen furchtbaren Totenköpfen, welche sie ihres wüsten Aussehens wegen auch Bochseltiere nannten, und bei Nacht des erwähnten Bacchus- oder Bochselfestes lärmend durch die Gassen des Dorfes trugen."
Ein Artikel aus Watson:
"Die Krankheit tritt in verschiedenen Formen auf, die alle zum Tod führen können: Die Beulenpest wird durch einen Floh verbreitet und äussert sich unter anderem in der Schwellung von Lymphknoten. Die Lungenpest gelangt über die Atemluft von Mensch zu Mensch."
Gut möglich also, dass der Alkohol bei der Lungenpest seine desinfizierende Wirkung gezeigt hatte.
Allerdings ist es wahrscheinlich, dass sich dieser Brauch mit bereits existierenden Traditionen vermischt hat, seien es germanische Totenrituale, mittelalterliche donnerstägliche Bettelumzüge oder lautstarkes Vertreiben gefürchteter böser Geister. "Bochseln" bedeutet ursprünglich denn auch rumpeln, klopfen oder lärmen.
Für den Bochselnacht-Umzug verarbeiten die Schüler und Schülerinnen der ersten sieben Klassen rund 5'000 kg Runkelrüben zu den "Bochseltieren" (also Räbeliechtli), die in einem langen Umzug durch Weinfelden getragen werden. Die 2. Sek gestaltet aufwändige und oft kunstvolle Laternen.
Der Start dieses Umzuges ist immer beim Pestalozzi-Schulhaus:
Nach dem Umzug führen die Schüler und Schülerinnen der 3. Sek ein Theaterstück auf. Dieses Jahr war es die Schülerschaft des Pestalozzischulhauses mit dem Märchen "der Zauberer von Oz", unter der Regie von Reto Meier: