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Vor wenigen Wochen haben wir im BrasilienPortal über die schlimmste Wasserknappheit in der brasilianischen Südostregion seit achtzig Jahren berichtet, von der besonders der Bundesstaat São Paulo, seit Anfang 2014, betroffen ist. Und dieser Wassermangel dauert auch in diesem Jahr 2015 immer noch an, weil es – so die offizielle Begründung – in der betroffenen Region zu wenig geregnet hat.
Dank seiner immensen territorialen Ausdehnung verfügt Brasilien über zwölf (12) grosse hydrografische Becken – so die Auskunft des “Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística (IBGE)“, verantwortlich für die ambientale Planung der Regierung – und damit verfügt dieses Land über einen der grössten Wasservorräte unseres Planeten. Für die vernünftige Verteilung und Nutzung des Wassers ist als oberste Regierungsbehörde der “Conselho Nacional de Recursos Hídricos (CNRH)“ verantwortlich, und damit scheint institutionell eigentlich alles in bester Ordnung zu sein. Aber wie steht es mit der Organisation?
Ein brasilianischer Experte für hydrische Ressourcen bringt es auf den Punkt: “Während der Regenperioden leiden wir unter Überschwemmungen, und während der Trockenheit unter fehlendem Wasser – alles eine Frage kompetenter Planung und Organisation“.
Nun, die tatsächlichen Gründe für die mangelnde Wasserversorgung im Südosten Brasiliens sind in unserem Report “Die Wasserkrise in Brasilien dauert auch 2015 weiter an“ ausführlich dargestellt. Mit dieser Reportage möchten wir unsere Leser – sozusagen als Gegendarstellung – über die enormen natürlichen Wasservorräte informieren, die den Brasilianern im Fall von “kompetenter Planung und Organisation“ zur Verfügung stehen!
Die mutmassliche Wasserknappheit in verschiedenen Regionen Brasiliens
Die wasserreichste Region unseres Planeten
Amazonien ist weltweit bekannt durch seinen Wasserreichtum und die unvergleichliche Anzahl seiner verschiedenen Ökosysteme – mit Regenwäldern auf dem Festland, überschwemmtem Regenwald der Várzeas und Igapós, der offenen Savannen und der Cerrados. Das Gebiet beherbergt ausserdem eine Unzahl an Flora- und Faunaspezies: 1,5 Millionen katalogisierter Pflanzen; 3.000 Arten von Fischen; 950 Vogelarten und, darüber hinaus, Insekten, Reptilien, Amphibien und Säugetiere.
Die hydrografische Region Amazoniens wird vom Becken des Amazonasstroms geformt, der das nationale Territorium durchquert, von den hydrografischen Becken der Flüsse auf der Insel Marajó, sowie der hydrografischen Becken der Flüsse im Bundestaat Amapá, die in den Nordatlantik münden. Eine Gesamtfläche von 3.869.953 Quadratkilometer.
Die Bevölkerung der hydrografischen Amazonasregion belief sich 2014 auf rund 10.500.000 Einwohner – das entspricht 5,1% der Landesbevölkerung – und die demografische Dichte beträgt dort nur 2,51 Bewohner pro Quadratkilometer. Die Hauptstädte Manaus, Rio Branco, Porto Velho, Boa Vista und Macapá, sowie die Distrikte (Munizipien) von Santarém (Bundesstaat Pará) und Sinop (Mato Grosso) sind urbane Zentren mit der grössten Besucherfrequenz unter den 304 Distrikten (Munizipien) der hydrografischen Region Amazonien.
Das hydrografische Becken des Amazonasstroms wird vom flächenmässig ausgedehntesten hydrografischen Netz unseres Planeten gebildet, es erstreckt sich über eine Gesamtfläche von zirka 6.110.000 km2 – von seinen Quellen, in den peruanischen Anden, bis zu seiner Mündung in den Atlantischen Ozean (in der Nordregion Brasiliens). Dieses kontinentale Becken erstreckt sich über verschiedene Länder Südamerikas: Brasilien (63%) – Peru (17%) – Bolivien (11%) – Kolumbien (5,8%) – Ecuador (2,2%) – Venezuela (0,7%) und Guyana (0,2%).
Was die hydrischen Ressourcen betrifft, so beträgt der durchschnittliche Anteil des Amazonasbeckens, im brasilianischen Territorium, zirka 132.145 Kubikmeter pro Sekunde (73,6% des gesamten Wasseraufkommens im Land). Zusätzlich beträgt das Wasservolumen aus Nachbarländern, die in die Region Amazoniens münden, zirka 76.000 Kubikmeter pro Sekunde. Der grösste Wasserverbrauch in dieser Region betrifft die Becken der Flüsse Tapajós, Madeira und Negro – das Wasser wird für den humanen Verbrauch und das Tränken von Vieh benutzt und repräsentiert 33% und 32% des Gesamtverbrauchs der Region, der sich bei 78,8 Kubikmeter/Sekunde bewegt. Insgesamt ist der Verbrauch, im Vergleich mit dem Wasserangebot in jedem der genannten Becken, unbedeutend.
Die Agrar-Potenz am Rio Tocantins
Die hydrografische Region zwischen den Flüssen Tocantins und Araguaia ist ein ideales Gebiet für bewässerte Pflanzungen – ganz besonders für Fruchtkulturen, für Reis und andere Saaten (Mais und Soja). Gegenwärtig beträgt die dort benötigte Wassermenge 62% des gesamten Wasserverbrauchs dieser Region und konzentriert sich auf das Becken des Rio Araguaia, wo das Wasser für die Reispflanzungen gebraucht wird. Das zu bewässernde Areal (durch Überschwemmung und andere Methoden) wird auf 230.197 Hektar geschätzt.
Die gesamte hydrografische Region Tocantins-Araguaia erstreckt sich über eine Fläche von 918.822 km2 (11% des nationalen Territoriums) und tangiert die Bundesstaaten Goiás (21%), Tocantins (30%), Pará (30%), Maranhão (4%), Mato Grosso (15%) und den Regierungs-Distrikt Brasília (0,1%). Seine Konfiguration ist ausgerichtet in Süd-Nordrichtung, sie folgt den bedeutendsten Wasserläufen, den Flüssen Tocantins und Araguaia, die sich im nördlichen Abschnitt der Region vereinen – ab diesem Zusammenfluss heisst der Strom nur noch Rio Tocantins und mündet in die Bucht der Marajó-Insel (im Bundesstaat Pará).
Im Jahr 2014 lebten zirka 8,8 Millionen Menschen in dieser hydrografischen Region (4,5% der nationalen Bevölkerung), davon 76% in Städten. Die demografische Dichte betrug 9,3 Einwohner pro Quadratkilometer, bedeutend weniger als die allgemeinen demografische Dichte des Landes (22,4 pro km2).
Die hydrografische Region Tocantins-Araguaia teilt sich in die Biome Amazonas-Regenwald – im Norden und Nordwesten – und Cerrado auf den übrigen Flächen. Die Waldzerstörung der Region nahm ab der 1970er Jahre zu, mit dem Bau der Fernstrasse Brasília-Belém, der Konstruktion des Wasserkraftwerks von Tucuruí und der Ausdehnung landwirtschaftlicher Aktivitäten und der Mineralien-Ausbeutung. Gegenwärtig geschieht die Waldvernichtung in erster Linie durch die Holzverarbeitungsindustrien in den Bundesstaaten Pará und Maranhão.
Was den Index der Wasserkanalisation betrifft, so hat der “Censo Demográfico do IBGE“ (2010) ermittelt, dass die Wasserversorgung ganz unterschiedliche Werte aufweist: zwischen 1,2% in Waldgebieten des Araguaia (Pará) und 100% in Novo Alegre (Tocantins), Divinópolis do Goiás (Goiás) und Araguainha (Mato Grosso). Der regionale Durchschnitt der Bevölkerung mit Abwasseranschluss liegt bei nur 18%, und von dem gesammelten Abwasser werden lediglich 6% behandelt (gereinigt).
Ein niedriger Abwasserausstoss trägt zur Sauberkeit der Flüsse bei
Die Basis der hydrografischen Region des okzidentalen Nordost-Atlantiks befindet sich im Bundesstaat Maranhão, und ein kleiner orientaler Teil davon im Bundesstaat Pará. Seine Fläche beträgt 274.301 Quadratkilometer, etwa 3,2% der Gesamtfläche Brasiliens, davon gehören zirka 9% zum Bundesstaat Pará und die übrigen 91% zum Bundesstaat Maranhão. Die Gesamtbevölkerung der Region betrug im Jahr 2014 ca. 6,8 Millionen Einwohner, was rund 3,3% der Bevölkerung Brasiliens entspricht – 61% davon leben in den Städten.
Die Region präsentiert ein durchschnittliches Wasseraufkommen von 2.608 m3/s – oder 1% des Landes. Die Becken der Flüsse Mearim und Itapecuru sind die grössten, mit 101.061 km2 und 54.908 km2 – und dort konzentriert sich auch der grösste Wasserverbrauch pro Kubikmeter.
Den bedeutendsten Wasserkonsum in dieser Region beanspruchen die Menschen – etwa 45% vom Gesamt. Dann kommt der Konsum der Tiere – mit 18% vom Gesamt – und schliesslich der Verbrauch für die Bewässerung der Pflanzungen – mit 15%.
Die wichtigsten Ökosysteme der Region sind Äquatorialer Regenwald, Restingas, Übergangswald, stationärer, decidualer Wald. Die signifikanteren ambientalen Zerstörungen durch die humane Besetzung werden zur Zeit in der Übergangszone zum tropischen Regenwald beobachtet. In einem grossen Teil des Küstenbeckens, im okzidentalen Nordosten, werden ungeeignete Agrarpraktiken angewandt, die erosive Prozesse auslösen, einer Versalzung Vorschub leisten und, in einigen Fällen, Gebiete in Wüsten verwandeln.
Die Region steht, hinsichtlich der Wasserqualität der Flüsse, noch vor keinen grossen Problemen. Das verdankt man, vor allem, den noch wenigen urbanen Lokalitäten, von geringer bis mittlerer Grösse, und den noch unbedeutenden Industriegebieten. Jedoch in der metropolitanen Region von Sâo Luis, und in einigen urbanen Niederlassungen an Flüssen, verursacht die Verschmutzung des Wassers, durch Einleitung von Abwasser ohne Behandlung, Verluste und verbietet eine weitere Nutzung.
Wassermangel – eines der Probleme für eine wirtschaftliche Entwicklung
Nach dem Becken des Rio São Francisco, ist die hydrografische Region des Rio Parnaíba hinsichtlich Wasserversorgung die zweitwichtigste Region des brasilianischen Nordostens. Ihr hydrografischer Bereich ist der ausgedehnteste unter den 25 Becken des Nordostens und umfasst den Bundesstaat Piauí, sowie Teile der Bundesstaaten Maranhão und Ceará. Jedoch präsentiert die Region grosse interregionale Unterschiede, sowohl in Bezug auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, als auch hinsichtlich des verfügbaren Wasserhaushalts.
Dieser Wassermangel wird bereits in der Geschichte als eines der Hauptmotive für die geringe wirtschaftliche und soziale Entwicklung genannt. Indessen präsentiert der Grundwasserspiegel der Region das grösste hydrische Potenzial der Nordostregion und könnte, wenn er auf erhaltende Art und Weise angezapft würde, hinsichtlich einer möglichen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, einen grossen Unterschied zu den anderen Gebieten des Nordostens machen.
Die Region erstreckt sich über ein Gebiet von 333.056 km2 – sie entspricht damit 3,9% des nationalen Territoriums, und sie bewässert fast den gesamten Bundesstaat Piauí (99%) und einen Teil von Maranhão (19%) und Ceará (10%). Der Rio Parnaíba hat eine Länge von 1.400 Kilometern, und die meisten seiner Zuflüsse, die unterhalb der Hauptstadt Teresina in ihn münden, führen beständig Wasser, gespeist von Niederschlägen und unterirdischen Quellen. Die bedeutendsten Nebenflüsse des Rio Parnaíba sind: Rio Balsas, im Bundesstaat Maranhão – Rio Poti und Rio Portinho, deren Quellen sich im Bundesstaat Ceará befinden – und die Flüsse Canindé, Piauí, Uruçui-Preto, Gurgueéia und Longa, alle in Piauí.
Die Gesamtbevölkerung der Region, im Jahr 2014, betrug rund 4,5 Millionen Personen, von denen 35% sich im Hinterland (Interior) aufhalten. Die demografische Dichte liegt bei 12,5 Personen pro Quadratkilometer, mit Schwerpunkt auf die hydrografische Einheit von Poti, wo sich die Hauptstadt des Bundesstaates Piauí befindet, mit einem Urbanisations-Index von 92%.
Der Prozentsatz der mit Wasser versorgten Bevölkerung betrug im Jahr 2014 durchschnittlich 91%, vergleichbar mit dem nationalen Durchschnitt. Dagegen ist die Situation kritisch, wenn man die Abwasserregulierung betrachtet, die nur etwa 10% der Bevölkerung versorgt – weit unter dem nationalen Durchschnitt, der bei 62% liegt.
Die hydrografische Region des orientalen Nordost-Atlantiks hat eine einzigartige Bedeutung hinsichtlich ihrer urbanen Besetzung, weil sie den Wasserbedarf von fünf bedeutenden Hauptstädten des brasilianischen Nordostens deckt – metropolitane Gebiete, Dutzende grosse urbane Zentren und einen signifikanten Industriekomplex. In diesem Szenario gewinnen auch mehr als ein Dutzend kleiner Meeresbuchten eine besondere Bedeutung, in denen verschiedene Flüsse münden.
Die Region hat eine Fläche von 286.802 km2, das entspricht 3,3% des brasilianischen Territoriums. Eine Bevölkerung von mehr als 24 Millionen Menschen bewohnen diese Becken (2014), was zirka 12,6% der Bevölkerung des Landes entspricht – 80% (19,7 Millionen Personen) dieses Kontingents leben in den Städten und dem metropolitanen Umfeld von Recife, Fortaleza, Maceió, Natal und João Pessoa, ausserdem in grösseren Städten wie Caruaru, Mossoró und Campina Grande, unter anderen.
Die Landbevölkerung betrug 4,9 Millionen im Jahr 2014 – in der Gesamtregion gibt es 739 Distrikte (Munizipien), das sind 16% des Landes. Die Aufteilung des hydrografischen Beckens ist wie folgt: Piauí (1,0%), Ceará (46%), Rio Grande do Norte (19%), Paraíba (20%), Pernambuco (10%), Alagoas (5%).
Die Region präsentiert Fragmente der Biomen Atlantischer Regenwald, Caatinga, eine kleine Cerrado-Fläche, sowie Küsten- und Insel-Biome. In diesem hydrografischen Becken kann man eine der grössten Missbräuche der nativen Vegetation beobachten: Die Caatinga wurde von den Viehzüchtern zerstört, die in den Sertão eingefallen sind – die “Zona da Mata“ (Waldzone) wurde abgeholzt, um auf ihr Zuckerrohr zu pflanzen. Immer noch ist die Holzausbeutung eine der Aktivitäten, von der die Natur am meisten geschädigt wird.
In verschiedenen Gebieten der Küstenbecken, die an die hydrografische Region des Rio São Francisco angrenzen, herrscht eine periodisch auftretende, lang andauernde Trockenheit.
Wasser, das für die Entwicklung von 521 Distrikten (Munizipien) benötigt wird
Von fundamentaler Bedeutung durch das in Brasiliens halbtrockenen Gebiete transportierte Wasservolumen, ist die hydrografische Region des Rio São Francisco – 521 Distrikte werden vom Becken dieses Flusses mit Wasser versorgt, in den Bundesstaaten Bahia, Minas Gerais, Pernambuco, Alagoas, Sergipe und Goiás, ausserdem der Regierungsdistrikt Brasília. Der Rio São Francisco hat eine Länge von 2.700 Kilometern, seine Quellen liegen in der Serra do Canastra, im Bundesstaat Minas Gerais, er fliesst von Süd nach Nord durch die Bundesstaaten Bahia und Pernambuco, ändert dann seine Richtung gegen Südosten und erreicht den Atlantischen Ozean an der Grenze zwischen Alagoas und Sergipe. Wegen seiner Länge und den unterschiedlichen Landschaften, die er durchquert, hat man die Region unterteilt in Oberer, Mittlerer und Unterer São Francisco.
Das vom Becken des São Francisco bewässerte Gebiet (638.576 km2) erstreckt sich über 8% des nationalen Territoriums, und seine vegetative Decke besteht aus Fragmenten des Cerrado im oberen und mittleren Abschnitt, Caatinga im mittleren und aus Atlantischem Regenwald im Bereich der Quellen des oberen Abschnitts. In seinem Becken konzentriert sich die grösste Menge und Vielfalt an Süsswasserfischen der Nordostregion. Das natürliche Jahresvolumen des Rio São Francisco beträgt durchschnittlich 2.846 Kubikmeter pro Sekunde – jedoch im Verlauf eines Jahres kann es zwischen 1.077 m3/s und 5.290 m3/s schwanken.
Mehr als 14,4 Millionen Menschen – das entspricht 7,5% der brasilianischen Gesamtbevölkerung – bewohnten 2014 diese Region, die meisten davon lebten in der metropolitanen Region von Belo Horizonte (Bundesstaat Minas Gerais). Die Landwirtschaft gehört zu den Aktivitäten von grösster Bedeutung in diesem Gebiet, das von starken sozialen und wirtschaftlichen Kontrasten geprägt ist, einerseits mit Arealen akzentuierten Wohlstandes und dichter Bevölkerungszahl, und andererseits mit einer weit verstreuten Bevölkerung, die am Rande des Existenzminimums vegetiert. Von den 456 Distrikten des hydrografischen Beckens haben lediglich 93 eine geregelte Abwasserbehandlung.
Als Reflex der wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten im hydrografischen Becken, gibt es dringenden Bedarf einer ambientalen Wiederaufbereitung der degradierten Areale, um so die Schäden an den hydrischen Ressourcen zu lindern. Die Region erlebt Extreme an Überschwemmungen und Trockenheit. Die halbtrockene Natur, von der dieses Becken eingenommen wird, ist verwundbar und bringt immer wieder kritische und lange Trockenperioden hervor, die einen Teil der Bevölkerung abwandern lassen. Auf der anderen Seite haben die Bewohner der metropolitanen Region von Belo Horizonte immer wieder mit Überschwemmungen zu kämpfen.
Reich an Naturressourcen, beherbergt das Becken des São Francisco eine Vielfalt an Kulturen, an historischen Lokalitäten, an archäologischen Fundstätten und bedeutenden urbanen Zentren. All das, zusammen mit der Unendlichkeit des zweitgrössten Stroms Brasiliens und seiner herrlichen Landschaften, stellt ein grosses Potenzial dar für die Entwicklung des Tourismus, von dem diese schöne Region bis jetzt noch kaum entdeckt worden ist.
Das genutzte hydrische Potenzial des Beckens beträgt 10.473 Megawatt, produziert vor allem in den Kraftwerken von Três Marias, Queimado, Sobradinho, Itaparica, dem Komplex Paulo Afonso und Xingó. Die Reservatorien Três Marias und Sobradinho regulieren das Wasservolumen des Rio São Francisco. Eine der grössten Herausforderungen ist die Tatsache, dass in diesem hydrografischen Becken alle erdenklichen Arten von Wasserverwendung vorkommen (Begiessen von Pflanzungen, Produktion von Energie, Schiffsverkehr, Versorgung der Haushalte, Fischfang und Ackerbau, touristische Aktivitäten und Freizeitgestaltung), was eine genaue Analyse des Wasserverbrauchs verlangt, damit seine Verwaltung entsprechend geplant werden kann.
Das Anwachsen der Agrikultur, die geplante Wiederbelebung der Schifffahrt, der zunehmende Bedarf an Energie und die Abnahme von Wasser des Beckens durch eine Verlegung, das sind Themen, die zu Konflikten zwischen den einzelnen Sektoren der Wassernutzer führen können. Im Jahr 2005 hat die ANA die Bewilligung für das “Projekt zur Integration des Rio São Francisco (Pisf)“ erteilt, das vorsieht, den Strom in zwei Arme zu unterteilen (eine Nord- und eine Ostachse), um damit die Versorgung der Bundesstaaten Ceará, Rio Grande do Norte, Paraíba und Pernambuco zu ergänzen. Die Umleitung in die Nordachse ist zur Implantierung in Cabrobó (Pernambuco) geplant, und die Ostachse in Floresta (Pernambuco), im Reservatorium des Wasserkraftwerks Itaparica.