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Über die Wirkungsweise eines Long Range Acoustic Device (LRAD) habe ich bereits im Mai 2007 berichtet: hochfrequente, akustische Signale (hörbarer schriller Ton) im Bereich von 2100-3100 Hertz mit einem maximalen Schalldruckpegel von etwa 150 dB führen im Nahbereich zu einem starken Schmerzreiz. Nicht ganz unproblematisch: je nach Nähe zum Emitter und Dauer des schrillen Tons sind bleibende Hörschäden möglich.
For use by security personnel other than hailing and warning, an evaluation in the context of police law and human rights is needed. […] In the warning mode the LRAD produces sound pressure levels which are dangerous to hearing if unprotected target subjects are exposed longer than certain durations: a few seconds to 50 m distance, 1.5 minutes at 100 m. Below about 5 m any exposure can produce permanent hearing damage. — Jürgen Altmann, “Millimetre Waves, Lasers, Acoustics for Non-Lethal Weapons? Physics Analyses and Inferences“, Technische Universität Dortmund, 2008, S.52.
Sogar Carl Gruenler, damaliger Vize-Präsident der Abteilung “Military and Government Operations” bei der Firma American Technology Corporation gab zu, dass beim Einsatz permanente Gehörschäden möglich seien, wenn jemand längere Zeit dem akustischen Signal ausgesetzt wäre. Zum Einsatz kamen diese Systeme schwergewichtig auf zivilen und militärischen Schiffen zur Vertreibung von Piraten, was man sicherlich noch als verhältnismässig bezeichnen kann. Da beispielsweise die Polizei in Boston sowie New York solche Systeme angeschafft hatten, liegt die Vermutung nahe, dass sie bei gewalttätigen Demonstrationen eingesetzt werden könnten. Wenn wir den Einsatz anderer non-letaler Waffen bei gewalttätigen Demonstrationen berücksichtigen (Tränengas, Gummigeschosse usw.) kann der Einsatz des LRAD mit gewissen Sicherheitsvorkehrungen (klare Einsatzgrundsätze) auch noch als verhältnismässig betrachtet werden. Bereits 2004 hatte die Polizei in New York das LRAD bei den Protesten zum Republican National Convention im Jahre 2004 vor Ort, setzte es jedoch nicht ein (Quelle: Jürgen Altmann, “Millimetre Waves, Lasers, Acoustics for Non-Lethal Weapons? Physics Analyses and Inferences“, Technische Universität Dortmund, 2008, S. 46). Das LRAD wurde somit das erste Mal innerhalb der USA gegen Demonstranten während des G 20 – Gipfels in Pittsburgh eingesetzt. Diverse Videoaufnahmen und Berichterstattungen im Internet lassen darauf schliessen, dass zum Zeitpunkt des Einsatzes die Demonstration friedlich verlief, was die Verhältnissmässigkeit des Einsatzes (gilt übrigens auch für den Einsatz des Tränengases) anzweifeln lässt. William P. Quigley, Direktor des Gillis Long Poverty Law Center an der Loyola University New Orleans College of Law und verantwortlich für rechtliche Fragen beim Center for Constitutional Rights war vor Ort und beschreibt den Einsatz der “Soundkanone”:
I was in a group of people that were coming down a hill, and all of a sudden the police backed up this huge black truck. And on the back of the truck was a great big black device. We didn’t know what it was. And they said, “You either leave, or we’re not responsible for any injuries that occur to you at this point.” And that truck then started a very high—for lack of a better term, it was like a chirping noise, but it was at an extreme volume and in a piercing sound that really made you try to hide. — William P. Quigley in einem Interview auf Democracy Now!, 02.10.2009.
Auch in Honduras scheint das LRAD zum Einsatz gekommen zu sein (siehe Bild oben rechts): seit der vertriebene Präsident Honduras Manuel Zelaya am Montag, 21. September 2009 verdeckt zurückkehrte und sich in der brasilianischen Botschaft verschanzte, wird diese anscheinend mit einem LRAD terrorisiert (vgl. Harald Neuber, “Armee in Honduras setzt Schallkanonen ein“, Telepolis, 24.09.2009 und David Hambling, “Sonic Warfare Erupts in Pittsburgh, Honduras“, Danger Room, 25.09.2009).
Weitere Informationen
Sharon Weinberger, “‘Device’ or Acoustic Weapon? (Updated)“, Danger Room, 23.05.2007.
Bildverzeichnis
Oben rechts: Members of the Honduran army and police agents prepare a speaker system in front of the Brazilian Embassy in Tegucigalpa on September 22, 2009.