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Warum müssen Güter in Containern, aber auch Stahl-Coils oder Personenwagen aus dem Fernen Osten, über Nordeuropa nach Mittel- und Südeuropa transportiert werden, wenn es doch einen viel kürzeren Weg gibt? In Zeiten der Hochkonjunktur sind die Häfen in Nordeuropa wie etwa Rotterdam, Amsterdam, aber auch Hamburg, zeitweise massiv überlastet. Container türmen sich in diesen Häfen mehrfach übereinander - und entsprechend länger und auch teurer sind die Umschlagszeiten. Heute werden Container aus dem Fernen Osten, die in nordeuropäischen Häfen ankommen, auf der Strasse oder der Schiene bis zu 2000 Kilometer Richtung Süden transportiert. Aus logistischer wie aus ökologischer Sicht ist dies ein unrationelles Verfahren.
Doch es gibt durchaus Alternativen: Zum Beispiel die Route von Süden her, konkret Transporte von Mittelmeer-Häfen in Richtung Mitteleuropa. Von den italienischen Häfen La Spezia, Genua sowie Savona und Vado Ligure aus können Container aus Asien auf wesentlich kürzerem Weg zum Zielort in Mitteleuropa befördert werden. Dies ist ein Vorteil, den die italienischen Häfen schrittweise ausnutzen wollen. Zum einen sind dies beispielsweise der Hafen Savona und der benachbarte Hafen Vado Ligure, die in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurden. Mit Stolz stellt Cristoforo Canavese, Präsident der Hafenverwaltung (Autorità Portuale di Savona) fest, dass der Hafen Savona sowie der benachbarte Hafen Vado Ligure in den vergangenen Jahren die jährliche Umschlagsleistung erheblich gesteigert haben. Wurden 1998 noch 14495 Container (TEU) umgeschlagen, so sind es heute rund 250 000. Ein Vergleich zeigt, wie stark sich Savona/Vado Ligure entwickelt hat: Der Hafen ist 21-mal kleiner als derjenige von Genua, erarbeitet aber bereits ein Drittel des Umsatzes, den Genua jährlich realisiert.
Savona/Vado ist heute der grösste Hafen für den Umschlag von Früchten - insbesondere Bananen - und Gemüse im Mittelmeer. Die ankommenden Container und Paletten aus Transportschiffen mit Früchten und Gemüse werden auf dem kürzesten Weg direkt in die Lagerhäuser im Hafen weitergeleitet und danach nach ganz Europa verteilt. Canavese weist auch mit Nachdruck darauf hin, dass dank der motivierten Belegschaft in den Häfen Savona und Vado Ligure seit fünf Jahren keine Streiks stattgefunden haben.
Wie flexibel die Hafenbehörden in Savona auf Kundenwünsche reagieren, zeigt das Beispiel der Stadler-Züge. Der Schweizer Bahnhersteller Stadler lieferte insgesamt 98 fertige Züge via Savona nach Algier. Dazu wurden spezielle Schiffe mit Schienen versehen, auf denen die Züge en bloc nach Algier transportiert wurden.
Eine weitere Spezialität des Hafens Savona ist der Umschlag neuer Personenwagen aus Asien. Rund 250 000 PW werden jährlich in Savona ausgeladen und in den Terminal von Gavio weiterbefördert. Dort besteht bereits ein Container-Terminal.
Neuer Container-Terminal
Der Hafen von Savona verfügt heute über eine Wassertiefe von über 14,5 Meter, dies erlaubt Schiffen mit bis zu 5000 Containern die Einfahrt. Vorgesehen ist allerdings eine tiefgreifende Veränderung: Nämlich der Bau eines neuen Container-Terminal für Schiffe bis 10 000 Container und einem Tiefgang bis 20,5 Meter. Gebaut wird dieser Terminal von der Firma Maersk; ab 2012/2013 sollen dort Schiffe von Maersk und MSC entladen werden können.
Damit die ankommenden Container möglichst rasch entladen und weitertransportiert werden können, entsteht zurzeit in Rivalta, etwa 87 Kilometer von Savona entfernt, die Citta della Logistica, ein Güterumschlagszentrum mit insgesamt 600 000 beziehungsweise 450 000 Quadratmeter Lagerfläche. Errichtet und weiter ausgebaut werden die Umschlagsanlagen in Rivalta von der Firma Gavio, einem Konglomerat unterschiedlichster Firmen. Gavio ist nach Benetton der zweitgrösste private Autobahnbetreiber in Italien. Zum Konzern gehört auch das Bauunternehmen Impregilo Group, der weltgrösste Ersteller von Staudämmen. Gavio, ein Familienunternehmen, zählt zudem zu den grössten Lagerhausbetreibern in Italien und verfügt über eine Flotte von 1800 Lastwagen.
Deutlich kürzerer Transportweg
Von Savona/Vado, aber auch von La Spezia und Genua aus gelangen die ankommenden Güter wie Container und Personenwagen auf dem Schienenweg oder per Lastwagen nach Rivalta, wo sie dem Bestimmungsort entsprechend sortiert und verladen werden. Von Rivalta aus, wo mittlerweile vier Geleise zur Verfügung stehen, die von zwei mächtigen Portalkranen bedient werden, können Blockzüge nach Norditalien und damit auch nach der Schweiz und Deutschland gefahren werden. Dies entspricht einer deutlichen Verkürzung der Transportstrecke im Vergleich zur Route über die nordeuropäischen Häfen.
Auch für Schweizer Industrie- und Handelsunternehmen kann die Strecke von Savona/Vado via Rivalta auf dem Schienenweg in die Schweiz durchaus eine interessante Alternative darstellen. Voraussetzung ist allerdings, dass die italienischen Bahnen ihre Transportqualität weiter steigern. Nur dann, wenn die Güter zuverlässig und zeitlich optimal befördert werden, ist der Weg von Süden nach Mitteleuropa attraktiv. Einige Schweizer Unternehmen haben denn auch schon Interesse an einer solchen Verbindung gezeigt. Nun gilt es, attraktive Verbindungen anzubieten, die neben der verkürzten Transportzeit auch preislich interessant sein müssen.
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