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Von Fianarantsoa nach Manakara
Bericht in einem Reisebuch aus dem Jahr 1968
Linie F.C.E.: 163,3 km; dreimal wöchentlich mit einem Triebwagen (Diesel-Draisine) mit Anhänger in 4 bis 4,5 Stunden; Liegestühle und Bar.
Die Idee einer Eisenbahnlinie von Fianarantsoa an die Ostküste entstand schon Ende des 19. Jh. Mit dem Bau wurde aber erst 1926 begonnen. Wegen grosser Schwierigkeiten bei der Ausführung wurde die Linie dann erst im April 1936 in Betrieb genommen. Das Gelände ist sehr kupiert und die zu überwindenden Rampen für eine Eisenbahn sehr steil (stärkste Steigung beträgt 35 ‰). Vom Meer her steigt das Trassee über 163 km auf 1100 m nach Fianarantsoa. Diese Strecke ist somit viel kürzer als die Linie von Tamatave nach Tananarive.
Von Fianarantsoa aus verlaufen die Eisenbahnlinie und die Strasse nach Tananarive nebeneinander, durchqueren die Industriezone und die nördlichen Vororte der Stadt. Der Matsiatra, ein Fluss, dessen Wasser nach Westen in den Kanal von Mosambik fliesst, wird bei km 8 von einem schönen 172 m langen gemischten Eisenbahn- und Strassenbauwerk überquert. Links kann man den heiligen Hügel von Vohimasina und die Residenz der ehemaligen Könige der Betsileo erkennen, und stromaufwärts eine wichtige Fleischkonservenfabrik.
Von Fianarantsoa nach Manakara
Am Ausgang des Bahnhofs von Forgeot trennt sich die Bahnlinie von der Strasse nach Tananarive, beschreibt eine ausgedehnte Kurve, vorbei an der Wohnsiedlung der Eisenbahner und zieht sich ostwärts durch sanfte Hügel und Reisfelder. Beim P.K. 14.5 gibt es eine fakultative Haltestelle bei Mahatsinjony, wo an gewissen Tagen der grösste Viehmarkt in der Region stattfindet.
Nach dem Zwischenstopp von Sahambavy, das der madagassischen Tannin-Kompanie dient, entdeckt der Reisende zu seiner Rechten ein herrliches Gewässer, das vom Betsileo-Yachtclub geschaffen wurde und an dessen Ufer hübsche Villen liegen. Eine monotone Landschaft, durchsetzt mit Mimosensträucher, setzt sich dann bis zur Wasserscheide, die im Waldgebietes von Ampitambe liegt fort, wo bei P.K. 27 die Quelle des Faraony liegt.
Das Gelände wird immer eintöniger und kurz darauf wird die Waldstation Ampamaherana in ihrer hübschen Umgebung erreicht.
Nach der Rangierstation Ranomena, P.K. 38,5, einem Dorf, das für seine Flusskrebse bekannt ist, endet das Betsileo-Land, das wir seit Fianarantsoa durchquert haben. Die Eisenbahn beginnt nun den grossen Abstieg mit einem Gefälle von 35 ‰. Links sieht man den grossen Felsen von Tsitondroina, auf den die Bauern nicht mit dem Finger zu zeigen dürfen, um nicht „den Zorn der Götter und die Dürre“ anzuziehen.
Von Fianarantsoa nach Manakara
Nach der Durchquerung des Tatamaly-Gebietes taucht die Bahn ein in den längsten Tunnel der Strecke mit 1072 m und passiert dann eine Felsterrasse, von wo aus man eine der schönsten Landschaften Madagaskars bewundern kann: rechts ragen steile Felsen in den Himmel, von denen Bäche herunterfliessen und links dehnt sich eine chaotische hügelige Weite aus, so weit das Auge reicht. Während fast einer Stunde zieht nun diese einzigartige Landschaft an Ihren Augen vorbei. Die Bahn schmiegt sich mit vielen Kurven und auch 27 Tunnels dem Relief der Landschaft an.
Beim P.K. 45 erreicht man Andrambovato. Von der Spitze des imposanten Felsens über dem Dorf, kann man an einem klaren Tag das Meer sehen. Beim P.K. 48 überspannt eine Stahlbetonbrücke direkt unterhalb der wunderschönen Mandriampotsy-Fälle den Fluss. Die Eisenbahn klammert sich dann noch weiter an den Rand der Klippe, mit Tunnels, Gräben, Stützmauern, und Aquädukten inmitten einer sehr dichten Vegetation.
Nach dem Halt auf der Station Madiorano („klares Wasser“) und der Überquerung eines Wildbachs bei P.K. 58 über eine weitere imposante Brücke, klärt sich der Wald auf und die ersten Kaffeeplantagen erscheinen. Nach dem wichtigsten Abstieg der Strecke (Höhenunterschied von 600 m auf 20 km) wird Tolongoina erreicht.
Tolongoina (P.K. 62, 385 m Höhe), ist die “Hauptstadt“ im Herzen des Tanala-Landes. Sie ist ein wichtiges Zentrum der Kaffeeproduktion. Eine Strasse führt von hier nach Norden zum Thermal-Kurort Ranomafana und zu den Namorona-Wasserfällen. Die Hitze wird intensiver und die Bambusse konkurrieren mit den Ravinala (Baum der Reisenden) in der Landschaft. Die Strecke ist noch immer kurvenreich, 13 Tunnel und 7 überdachte Galerien folgen aufeinander. Halt in Amboanjobe, dann in Manampatrana, P.K. 82. Der Ort hat einen grösseren Bahnhof und ist Handelszentrum für Kaffee, Maniok, Honig und Wachs. Von hier aus führt auch eine Strasse in Richtung der reichen Unterpräfektur Fort-Carnot.
Die Eisenbahn zieht sich nun entlang der mit Ravinala bedeckten Hügel bis zum Fluss Ionilahy, der bei P.K. 90 von einem eleganten 137 m langen Stahlbeton-Bauwerk überspannt wird. Am anderen Ufer führt die Eisenbahn zwischen Bergrücken und Tälern vorbei und erreicht Mahabaka, ein Kaffeeproduktionszentrum am Zusammenfluss von Ionilahy und Faraony, der nun zu einem schönen schiffbaren Fluss geworden ist.
Von Fianarantsoa nach Manakara
Die Bahn folgt nun auf einigen Kilometern dem rechten Ufer des Flusses Faraony, bevor die letzte Rampe von Fenomby (107 m Höhe), einem weiteren Kaffeesammelzentrum, beginnt. Die Strecke wird wieder kurvenreich und führt durch bewaldete Hügel und entlang tiefer Täler. Beim P.K. 112 kann man ein Tanala-„Adlernest“ erkennen, das aus etwa dreissig Hütten in einer Reihe besteht.
Der Abstieg wird jetzt etwas sanfter und wir treffen in Sahasinaka (P.K. 118, 25 m.ü.M), einem wichtigen Verwaltungs- und Handelszentrum ein. Der Faraony fliesst nun in Richtung Nordosten, während die Bahn weiter nach Osten fährt, den Ankeba-Pass durch einen 226 m langen Tunnel unterfährt und dann über ein 200 m langes Viadukt aus Natursteinen mit Halbkreisbögen führt.
Von Fianarantsoa nach Manakara
Die Landschaft wird nun deutlich flacher, man passiert beim P.K. 124 den letzten der 56 Tunnel und wir lassen auch Antaka und Dugommier, das Rosenholzland, hinter uns. Bald erreicht man Fichter mit seiner Fischergenossenschaft und die Landschaft wird eintönig. Am Ausgang des Bahnhofs wird der Tourist auf der linken Seite ein grosses Gebäude mit einem vorspringenden Dach bemerken, der Rova des Mpanjaka Antaimoro (Chef) des Ortes. Das Bahntrassee führt nun oft parallel zur Strasse Fianarantsoa-Manakara.
Die Ambila-Sümpfe mit der Station für agronomische Tests und Forschung werden durchquert und der Mananano-Fluss überquert. Dann erscheinen die ersten Dünen und der Ozean ist nicht weit, der Leuchtturm zeigt dies an. Wir überqueren noch das Flugplatzgelände und dann erreichen wir die Endstation von (163,3 km) Manakara.
PRIORI 2020, Quelle: MADAGASCAR. Les guides bleus, Hachette Paris, 1968; Seiten 117 – 119
Bemerkung des Übersetzers: Der Text stammt aus dem Jahr 1968, also kurz nach der Unabhängigkeit von 1960. Der Inhalt ist wohl noch stark von der Kolonialzeit geprägt und seither haben sich auch Ortsnamen geändert oder sie gibt es nicht mehr. (Peter Elliker, 2020)
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