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Die Zeiten waren aufgekratzt, die Popmusik flirtete mit dem gewalttätigen Image von Jugendgangs. 1964 landeten die Shangri-Las mit «Leader of the Pack» einen Hit, doch der Song wurde von der BBC boykottiert, mutmasslich aus Angst, er könnte zu Gewalt anstiften. Darin besingen sie die Liebe zwischen einem Mädchen und dem Anführer einer Motorradgang als Romeo-und-Julia-Drama, das mit dem Selbstmord des jungen Mannes endet.
Doch so weit musste man damals gar nicht gehen, um das Establishment gegen sich aufzubringen. Ein paar Jahre zuvor veröffentlichte ein US-amerikanischer Gitarrist mit seiner Band ein monotones Instrumentalstück von zweieinhalb Minuten Länge, das nur mit seinem Titel auf die brodelnde gesellschaftliche Stimmung anzuspielen schien. Das Stück landete in den USA vielerorts auf dem Index.
Ein einziges Wort, das ein Stück Musik zu einem popkulturellen Brandsatz machte? Im Kern besteht der Track aus einem Blues Lick, das sich über gerade mal drei Töne zieht, aber was für welche: Gespielt über drei Saiten zugleich, mit einem durch einen absichtlich beschädigten Lautsprecher so stark verzerrten Sound, wie man es selten zuvor gehört hatte, entfaltet es seine rohe Kraft. Die spürten auch ein paar prägende Gitarristen der sechziger Jahre, Jimmy Page, Pete Townshend oder Neil Young, die das Stück nachhaltig prägte. Iggy Pop erzählte einmal, als er dieses als Schüler zum ersten Mal gehört habe, sei er emotional so bewegt gewesen, dass er das Schulhaus sofort habe verlassen müssen. Da habe er beschlossen, eine Musikkarriere zu verfolgen.
Der Gesuchte wurde 1929 in Dunn, North Carolina, geboren, beide Elternteile stammten von den Shawnee ab. Beeinflusst war der Gitarrist, der mit Country begann und sich dann dem Rock ’n’ Roll zuwandte, nicht nur vom Blues, sondern auch von der Musik der Native Americans. Bis heute ist deren Einfluss auf die US-Popmusik unterbelichtet, vielen MusikerInnen stand ihre Herkunft im Weg. Momente des Ruhms erlangte der Gitarrist nur noch als historische Figur, etwa als Grossvater des Grunge. 2005 starb er in Kopenhagen.
Wie heisst der angebliche Erfinder des Powerchords, der im Koreakrieg einen Lungenflügel verlor und sich dann auf die Gitarre konzentrierte, weil er nicht mehr singen konnte?
Wir suchen den Gitarristen Link Wray, der mit seinem Instrumentalstück «Rumble» (Aufruhr, Grollen oder Schlägerei) von 1958 berühmt wurde. Die kraftvolle Betonung des Riffs und der noch ohne Effektgeräte verzerrte Sound machten den prägenden Einfluss des Stücks auf Rock, Punk und Heavy Metal aus.