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Tagesbericht vom 29.07.2010
So angenehm es im Guesthouse Oasis und in der Grossstadt Ulaan Baatar auch war; wir genissen wieder die Freiheit in der unendlichen Weite der mongolischen Steppe. In der Nacht hat es etwas geregnet. Beim Frühstück um 10:00 Uhr scheint die Sonne, das Thermometer zeigt bereits 28° Celsius, und das auf 1350 müm!
Wir bewegen uns mit durchschnittlich 75 Kilometer pro Stunde auf einer guten, geteerten Strasse ostwärts Richtung Öndörkhaan. Das Gebiet ist kaum besiedelt. Der Verkehr ist gering. Anscheinend wird diese Strecke von den Tourunternehmen in Ulaan Baatar nicht angeboten. Uns ist das egal. Wir folgen mit Sir James den Spuren Chinggis Khaans.
Öndörkhaan liegt in der Provinz (im 'Aimak') 'Khentii'. Dieser Aimak gilt als Chinggis Khaan Territorium. In dieser Gegend soll er aufgewachsen sein und in späteren Jahren begonnen haben, sein Weltreich zu errichten. In Öndörkhaan weist ein weiteres Monument auf diesen grossen Krieger hin, auf den die Mongolen so stolz sind.
Auf dem weiteren Weg zur Chinggis Khaan Mauer, Richtung Novorlin, gibt es nur noch Pisten. Wir kommen dementsprechend langsam voran. Je nach Bodenbeschaffenheit fühlen wir uns wie in einer Sänfte getragen, oder auf und ab und hin und her geschleudert, wie in einem Schüttelbecher - und das alles bei klassischer Musik! Herrlich oder scheusslich!
18:45 Uhr: Ich glaube, Bobo fährt mit mir bis ans Ende der Welt.
Nach jeder Ebene kommt ein Hügel, danach wieder eine Ebene ... und wieder ein Hügel ... und ... Stunde um Stunde vergeht und keine Mauer ist in Sicht!
Warum nur haben die Nachfahren von Chinggis Khaan (diese und nicht Chinggis selbst haben die Mauer erbaut. Das habe ich inzwischen gelesen) die Mauer so weit weg von Ulaan Baatar gebaut. Für uns wäre es angenehmer, die Grenze des alten Reichs der Mongolen wäre näher bei der heutigen Hauptstadt verlaufen! Um 19:00 Uhr, in einer der Ebenen, sieht Bobo ein, dass wir heute die Mauer nicht mehr erreichen werden. Ich verspreche ihm an Position Nord 48° 07' 24.9'' und Ost 111° 36' 26.7'' früher aufzustehen, damit wir zumindest morgen unser für heute angepeiltes Tagesziel erreichen.
Den Tag lassen wir bei einem herrlichen Sonnenuntergang mit einem Fondue Bourginon ausklingen. Möglich wird dieses delikate Essen dank dem Rindsfilet, das wir in Ulaan Baatar gefunden und den Holzstäbchen, die wir in weiser Voraussicht aus der Schweiz mitgenommen haben.
Mit einem sms teilt uns unser Mandarin Lehrer Yang aus der Schweiz mit, dass er morgen nach Shanghai fliegen wird. Wer weiss, vielleicht werden wir ihn in China treffen. Der Mobilfunk hat sich in der Mongolei gut etabliert. Zwar bewegen wir uns nicht jeden Tag in Gegenden mit Mobilfunkempfang. Dies hängt mit der Bevölkerungsdichte zusammen. Die meisten Siedlungen sind an das Mobilfunknetz angeschlossen. So treffen wir in den abgelegensten Dörfern auf Einheimische mit dem Handy am Ohr.