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Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Isola Bella nichts mehr als ein trockener Felsen und es war ungefähr um 1630 als ihn der Graf Carlo Borromeo auszuebnen begann, möglicherweise erst nach dem Tod von Angelo Crivelli, der die ersten Pläne für die Bauten erstellte. Die Insel wurde in der Folge nach der Frau des Besitzers - Isola Isabella - benannt. Carlo starb, bevor die Arbeiten einigermassen vortgeschritten waren; sein Sohn Vitaliano, der neben vielen anderen Skulpteuren und Künstlern Francesco Castelli und Carlo Fontana als Baumeister engagierte, führte die Arbeiten weiter. Es gelang allerdings nicht, das Haus in nützlicher Zeit fertig zu stellen, erst in der Mitte dieses Jahrhunderts wurde der Bau nach den ursprünglichen Plänen beendet. Der Garten hingegen erlebte seine Vollendung bereits 1670. Die 40 Jahre Bauzeit für die Anlage begründen sich in der Komplexheit der Aufgabe. Die 10 Terrassen des Gartens mit total gegen 70 m Höhe über dem See formen das Heck der schiffartigen Komposition. Ein Stich von Dal Re aus dem frühen 18. Jh. zeigt die Konturen des hochbauartigen Gartenentwurfes noch unverschleiert an. Grosse Bäume, überwuchernde Bepflanzungen, Schlingpflanzen, welche die Mauern der Terrassen in tiefes, die Architektur verwischendes Grün tauchen, überziehen dem Ensemble einen schleierartigen Tüllmantel. Auf Dal Re's Stich sind die einzigen Bäume auf der Nordostseite der Insel gesetzt, um so die asymmetrische Lage der Villa im Verhältnis zum Garten zu vertuschen, dessen Haupteingang in der Mitte des Gartens auf das Gartentheater hinführt. Vom Schloss aus erreicht man diesen Zugang nur durch über einen schmalen Hof, welcher den langen Südflügel des Hauses mit der Hauptterrasse des Gartens verbindet. In der Zeit der Entwicklung des Ensembles ging nichts über die Symmetrie und es wurden alle Kniffe herangezogen, um diese nicht zu zerstören. Ein Zugang zum Garten nicht über die Mittelachse wäre undenkbar gewesen, selbst wenn er sich in diesem Falle aus kompositorischen Gründen beinahe aufgedrängt hätte.
In direktem Kontrast zu diesem ingenieusen Arrangement, es ist bemerkenswert, dass das andere alte italienische Prinzip der zunehmend dichteren Bepflanzung je weiter sich der Garten vom Haus absetzt, scheint hier völlig preisgegeben zu werden. Die ganze Insel scheint in ein sorgfältiges Broderieparterre umgewandelt worden zu sein.
Betreten wir dann nach den langen Wegen durch den Bauch des Schlosses mit seinen Grotten durch eben jenen schattigen kleinen Hof den Garten, den wir allerdings erst über eine ziemlich schmale Treppe erreichen, eröffnet sich die ganze Pracht. Unter dem riesigen Kampferbaum stehend eröffnet sich vor uns das phantatische barocke Theater. Wir sind von ihm nur durch eine breite Wege- und Rasenfläche getrennt, auf denen weisse Pfauen majestätisch einherschreiten, der Pracht bewusst, die sie hier hüten. Die vielen Obelisken, tanzenden und beinahe fliegenden Statuen, welche das Theater verzieren, geben ihm eine grossartige Leichtigkeit. Und wie dem noch nachgeholfen werden müsste, wird das ganze von einem Pegasus bekrönt. Grotten mit Wasserspielen gestalten die Fassade, die fast ein Halbrund bildet. Und im Gegensatz zu vielen anderen vergleichbaren Objekten kann dieses Theater bestiegen werden und von der dort oben gelegenen Plattform hat man einen phantastischen Rundblick über die Insel und vor allem über den See. Die einzelnen Terrassen, die bis zum See hinunter führen, sind zum Teil schmäler, zum Teil breiter ausgebildet. Rosenbeete, Schlingrosen aber auch Orangen- und Zitronenspaliere. Selbst Gewürze sind zu finden oder waren es zumindest früher. Man hatte in der Entstehungszeit durchaus Sinn für das Praktische, Zitrusfrüchte frisch ab Baum gehörte im Schloss nun mal zum Standard. Und wenn man wie hier in diesem milden Klima nicht mal Glashäuser für die Überwinterung benötigte, war dies erst recht angezeigt.
Die klaren, beinahe abstrahierend-kargen Linien des Dal Re - Stiches kontrastieren eigenartig zum üppigen, farbigen Bild, in dem sich die Isola jetzt und wohl nicht erst seit heute präsentiert. Ist Dal Re in klassisch-italienischen Renaissance stecken geblieben? Auf seinem Stich stimmen auch die Proportionen nicht ganz. Die ganze Anlage ist viel länger dargestellt als sie eigentlich ist und dadurch wirken Schloss und Pyramide seltsam flach. Eine gewollte Verzerrung? Immerhin gehen die Entstehungszeit und auch die ersten Entwürfe in die dreissiger Jahre des 17. Jh zurück und damals ist von Barock noch weit und breit nichts zu sehen. Vaux-le-Vicomte und Le Nôtre existierten noch nicht, geschweige denn die Üppigkeit eines deutschen Barockes. Womit man wieder bei der Frage angelangt ist, ob es halt dann doch die Italiener waren, welche diese neue Kunstrichtung vorschlugen. Fast wäre man geneigt dazu, dies zu bejaen und so hätten die Franzosen wiederum nur abgeguckt. Festhalten kann man immerhin, dass mit dieser borromäischen Insel die langsam ins Steife abgesunkene Renaissancekunst eine neue Frische, Lebensfreude und gewaltige Lebendigkeit in die Baukunst geworfen wurde.
Vor uns haben wir im wesentlichen einen botanischen Garten - hingezaubert auf eine wundervoll gelegene kleine Insel. Seit 1500 ist sie im Besitze der Familie Borromeo. Aus dem nackten Felsen der Eiszeit wurde eine Insel, die den verschiedensten Veränderungen unterlag: anfangs Obstgarten, später Olivenhain, dann Anbaugebiet für Zitrusgewächse bis hin zum heutigen botanischen Garten nach englischem Vorbild, der Anfang des 19. Jh. angelegt wurde. Die Insel ist nicht nur wegen ihrer herrlichen Azaleenblüte im Monat Mai bekannt, sondern auch wegen den seltenen Pflanzen, die aus den verschiedensten Breitengraden stammen. Dank des besonders milden Klimas konnte sich hier eine aussergewöhnliche und anderen Orten selten anzutreffende Flora ansiedeln: nebeneinander wachser hier Ahorne, Bananenbäume, Kamelien, Eukalypten, Palmen usw.
Soweit die Beschreibung aus dem Prospekt des Gartens, gegen die eigentlich nichts einzuwenden ist. Der Palazzo stammt aus dem 16. Jh. Die Architektur wird Tibaldi zugeschrieben, der einen einfach und streng gegliederten, schnörkellosen, dreigeschossigen Spätrenaissancebau hinstellt. Zur schmalen Seeseite hin nimmt eine langgezogene, schmale Terrasse mit mächtigen Palmen und Broderien den Raum bis zur Futtermauer ein, die direkt zum See hinunter führt. Lediglich ein schmales, begehbares Band trennt den Fuss vom See.
Der Raum vor dem Kastell ist einem Kiesplatz gewidmet, in dessen Mitte sich in einem Rasenstück eine riesige Zypresse befindet. Die Asymetrie des Baues wird betont durch eine prächtige, zweigeschossige Loggia, wie sie für die Villenarchitektur der Renaissance typisch war. Von hier aus führt die einzige Wegachse quer durch die Insel. Rechts davon befindet sich eher der bewaldete Teil, links die offeneren Flächen. Durch romantisch-verschlungene, schattige Pfade gelangt man immer wieder in recht hübsche, manchmal bambusbestandene Gartenräume, meist jeder einem anderen Vegetations- und Klimabereich gewidmtet, entdeckt Ausblicke und Strukturen, welche den Garten zu gliedern versuchen.
Nach Pellegrini (Tibaldi) folgen andere Baumeister, wie Crivelli, der 30 Jahre späterdie Führung der Arbeiten auf der Isola Bella übernimmt. Im Jahre 1978 ist der Palazzo für Besichtigungen freigegeben worden; interessant ist die epochengetreue Wiederherstellung der Räumlichkeiten und die Sammlung von Livreen, Puppen und Porzellan. Sehenswert und sehr heiter ist auch die Ausstellung der Marionettentheater aus dem 18. und 19. Jh. Unter anderem kann hier ein feuerspeiender Drache besichtigt werden, leider nicht in Betrieb.
Das letzte grosse Werk, die Grabkapelle, wird 1858 begonnen. Mit einfachen Formen und dem einzigen Zusatz von Terrakotta gemäss einem neo-bramantischen oder neo-byzantinischen Stil wird sie unter der Leitung des Architekten Vanini beendet. Für Baumliebhaber ist die Insel ein Leckerbissen sondergleichen, ebenso für Vogelliebhaber, tummeln sich doch neben einer Papageienkolonie unzählige bunte Federtiere auf der Insel.
So hübsch wie die Eckdaten dieses Gartens sind, so hübsch ist er auch selbst. Man streitet sich um das genaue Datum seiner Geburt, oder besser gesagt, seiner Zeugung. Vielleicht war es 1930 als Captain Antonio Neil McEacharn, Gesandter der englischen Königin mit dem Zug von Venedig nach London nach Hause fuhr, unterwegs die Zeitung las und auf das Verkaufsangebot der dieser Liegenschaft stiess. Kurzerhand stieg er in Verbania aus, begab sich nach Pallanza, sah sich das ca. 20 ha grosse Grundstück mit seinem mächtigen Baumbestand und der Villa aus dem Jahre 1875 an, zückte den Geldbeutel und kaufte es. Oder so ähnlich hat sich die Geschichte abgespielt. Der Schotte McEacharn war nicht der einzige, der sich nach dem sonnigen Süden sehnte und sich hier niederliess. Noch heute sind vor allem in der Toskana etliche Engländer in wunderschönen Villen ansässig - glücklicherweise ist man versucht zu sagen, pflegen sie doch Haus und Garten zumeist aufs vorzüglichste und sind offen für interessierte Besucher.
Er entdeckte sofort die Möglichkeiten des Geländes, das sich vom Ufer des Lago Maggiores sanft hinanzog und vor dem Hintergrund der Alpen endete. McEacharn, der ein erfahrener und kenntnisreicher Gärtner war, hatte schon lange den geheimen Wunsch gehabt, sich in einem milderen Klima einen Park anzulegen. Die Anlage am See hatte auch den Vorzug, über genügend Wasser zu verfügen.
Zunächst musste eine ganz neue Landschaft geschaffen werden, und so gestaltete er das gesamte Gelände um und gab ihm die jetzigen weichen Formen. In den Wald schlug er grössere Schneisen und Räume und begann in englischer Manier der dreissiger Jahre Terrassen und Blumengärten anzulegen. Von besonderer Pracht und auch Raffinesse ist der blühende Wassergarten, wo über einen Wassertreppe in wunderhübschen Wasservorhängen das Wasser hinunterfällt und über alles eine Klangsynphonie verströmt. Zuunterst dieses trotzdem recht flachen Gartenteils befindet sich ein grosses, rechteckiges Becken, dessen vier Ecken blaue Seerosen zieren (Nymphaea grandiflora). Ein weiterer sehr hübscher, architekonischer Teil ist der englische Staudengarten, der als Umgebung des kleinen Mausoleums von McEacharn angelegt wurde. Die Cherubsfontäne schliesst dieses Border auf der anderen Seite ab. Und sehr eindrücklich ist auch der Lotusteich, wo hunderte dieser wunderschönen Pflanzen stehen.
Rhododendren, Azaleen, amerikanische und chinesische Hartriegel, Magnolien und Chaenomeles erfreuen im Frühling das Auge.
Dieser zu Beginn des 20. Jh. angelegten Garten zeigt aus klassischen Gärten abgeleitete Strukturelemente. Die Villa und der englische Park waren früher Bestandteil des Taranto-Gartens. Die Anlage ist teils ein romantischer viktorianischer Park, teils ein ‚Renaissancegarten',andere Quellen sprechen von lombardischem Barock, interpretiert in der Zeit Eduards VII. mit Statuen aus dem 18. Jahrhundert. Es soll sich hier auch noch ein Swiss-Chalet befunden haben im Besitz der Familie Brown, der die gesamte Anlage gehörte. Noch entzieht es sich meiner Kenntnis, ob auch die Villa aus dieser Zeit stammt, vermutlich ist sie aber wesentlich älter.
Unterhalb der Westfassade der Villa erstrecken sich sechs Terrassen, teils mit sehr hübschen Broderien und Blumenrabatten versehen. Mit dem Haus sind sie durch Treppen mit Balustraden verbunden: Nischen sind mit Kieselmosaiken, Delphinen und Muschelsitzen verziert. Die zweite Terrasse bildet gleichzeitig die Decke eines darunterliegenden Wintergartens mit Bach und gewölbter Grotte, in dem Farne, Orchideen und subtropische Pflanzen wachsen. Diesem Wintergarten vorgelagert erhebt sich in einem elegant geschwungenen Bassin ein wuchtiges Pferdegespann, Hermes in seinem Wagen ziehend.
Der steile Abhang hinter der Villa fällt zu einer halbkreisförmigen Mauer mit Nischen für Statuen ab; möglicherweise ist diese Anlage vom nymphaeum der Villa Aldobrandini inspiriert. Man mag sich fragen, welches die Beweggründe sind, anfang dieses Jahrhunderts einen Barockgarten anzulegen. Ist es die Verspieltheit, welche es den Besitzern angetan hat, das borromäische Vorbild in der Nähe, eine gewisse Hilflosigkeit der damaligen Architekturszene? Noch sind Neuschwanstein oder das portugiesische Pena nicht lange her, dieser Geist der künstlerischen Rückwärtsorientiertheit noch allgegenwärtig. Auch Kaiser Wilhelm II. ist im Elsass diesem Historismus an der Hohkönigsburg verfallen, vielleicht wegen mangelnden Alternativen. Die künstlerische Moderne finden im Kleinen erst in Frankreich statt und auch da fast nur in der Malerei.
"Wir Silvio und Sofia della Valle di Casanova
hier, wo uns die Kindheit vereinte
schufen aus einem gemeinsamen Jugendtraum diesen Garten,
in der frühen Jugend erdacht, verwirklicht vom glücklichen Paar."
Von der Spitze des Hügels Castagnola in Verbania Pallanza vom Park der Villa San Remigio aus überschaut man im weiten Rund die herrlichen Gewässer des Verbano. Auch heute noch,, wenn man durch die Gärten geht, ist es leicht sich vorzustellen, welch überwältigendes Staunen 1858 die drei jungen Mädchen erfasst haben muß, als sich vor ihren Augen dieses Panorama ausbreitete, nach dem sie sich, auf den noch unwegsamen, mit Wiesen, Weinbergen und Wald bedeckten Hügel gewagt hatten. Katharina, Eleonora und Ester, den Töchtern es britischen Diplomaten Peter Browne, der sich damals in Pallanza auf der Durchreise aufhielt, gefiel der Ort ihrer Entdeckung so sehr, daß es ihnen nicht schwer fiel, auch den Vater mit ihrer Begeisterung anzustecken und ihn zu überreden an dieser Stelle einen Familiensitz zu errichten. So kam es, daß Felder und Esskastanienwald einem Garten Platz machten. Es wurden Straßen, Stützmauern und ein Chalet im schweizerischen Stil gebaut. Einige Jahre später, genau hier verliebten sich in einander und in diesen Ort der Marchese Silvio della Valle di Casanova und Sofia Browne, Vetter und Cousine, beide Enkel von Peter Browne und spätere Erben dieses Familienbesitzes. Silvio, geboren 1861 in Turin, war Sohn des aus Neapel stammenden Marchese Frederico della Valle di Casanova und der Ester Browne. Sofia, 1860 in Dublin geboren, war die Tochter von Dionigi Pietro Browne und Emilia Beauchamp. (Dionigo Pietro Browne war Sohn des Peter Browne und Bruder der Ester Browne). Sofia und Silvio heirateten im Jahr 1896. Er war Musiker und Dichter, sie eine leidenschaftliche Malerin. Sie verwirklichten ihren gemeinsamen Jugendtraum, indem sie das alte Chalet in eine Villa verwandelten und mit empfindsamem Geschick den Park gestalteten, so daß er Abbild und Zufluchtsort ihrer Sehnsüchte wurde. Um die, im lombardisch barocken Stil erbaute Villa entstanden dort, wo ursprünglich steile Abhänge und schroffe Felsen waren, weitläufige Terrassengärten. In angemessener Entfernung ließ man Platz für Wiesen, die von majestätischen exotischen Pflanzen umsäumt wurden. Der Wald, obwohl in seiner natürlichen Form belassen, wurde mit botanischen Seltenheiten angereichert. Schon durch ihre Lage auf einer Halbinsel, die sich in den See erstreckt, und die besondere Gestaltung, wechselt die Atmosphäre der Gärten auf besondere Weise je nach Tages- und Jahreszeit. Der Zauber, der den Besuch durch diesen Garten begleitet, ist vor allem dieser Wechsel der Atmosphäre, der entweder sanft ineinander übergeht, oder einen manchmal auch ganz plötzlich umfängt. Jeder einzelne in sich ausgeprägte Teil geht geschickt in den anderen über, um zusammen eine harmonische Einheit zu bilden. Eingesäumte, breite und schmale Wege, Freitreppen und enge Durchgänge geleiten zu den verschiedensten Plätzen und führen in versteckte Winkel, um dann plötzlich an diversen Stellen wieder den Durchblick auf das herrliche Panorama des Sees freizugeben.
Eine
Vielzahl von Eindrücken und Empfindungen werden im Besucher auf seinem Weg durch
diese Gärten hervorgerufen. San Remigio ist vielleicht eher ein Ort zum "Erleben"
als zum Besuchen. Hier wurde teilweise mit der Natur modelliert. Sie wurde in
strenge geometrische Formen gezwungen, um dann an anderer Stelle wieder völlig
frei gelassen, sich spontan entfalten und ausdrücken zu können. Menschliche
Gefühle sind auf jeden Fall die wahren Hauptdarsteller dieses Garten. Formen,
Vegetation, Farben und selbst Gerüche sind Werkzeuge des Ausdrucks, so wie die
Öl- und Temperafarben für Sofias Bilder oder Worte und Noten für Silvio.
Die einzelnen Gärten sind wie Strophen eines Gedichtes, die nur zusammen
ein wirklich Ganzes ergeben. An jeder Stelle des Gartens erfährt man unterschiedliche
Gefühle, die sich in der Atmosphäre ausdrücken: Der "Garten
der Wehmut" steht in völligem Gegensatz zu den Farben und bewegten
Formen des 'Gartens der Freude "; man gelangt an den Ort, der den verstreichenden
Stunden gewidmet ist, während man vom "Garten der Erinnerungen"
in den "Garten der Seufzer" gelangt. Ein Kontrast zu der Weite der
Flächen im englischen Stil bilden Stellen wie der "hortus conclusus",
wo die Atmosphäre stiller Sammlung, durch innere Geschlossenheit hervorgerufen
wird, doch auch durch die Nähe der kleinen romanischen Kirche San Remigio,
die dem Park den Namen gab, entsteht. Jeder Winkel regt die Phantasie durch
neue überraschende Bilder an. Man fühlt sich durch eine Putte beobachtet,
die durch die Zweige einer Rosenhecke lugt. Am Waldrand überrascht in einer
kleinen Grotte die Statue des Gottes Pan, der zwischen Farnen musiziert. Ganz
plötzlich steht man dann am Eingang einer enormen Galerie, deren Arkaden
sich gegen den Wald hin öffnen und zwischen Zweigen und Stämmen hindurch
immer wieder den Blick auf das Blau des Sees freigeben. Von dort aus über
eine enge Treppe hinaufsteigend, steht man plötzlich auf dem von der Sonne
überfluteten Platz mit seinen imposanten alten Bäumen vor der Villa.
Ständige Wechsel von Licht und Schatten, Eindrücke, die in Kontrast
zu einander stehen, folgen einer dem andern. Jeder Jahreszeit sind verschiedene
Blumen und Blüten vorbehalten, die eine immer neue Palette von Farben ergeben,
gedämpA oder kräftig, je nach dem gewünschten Effekt und der
Bedeutung, die die Schöpfer des Gartens jedem dieser Orte geben wollten.
Den Hintergrund für Farbflecken bilden unterschiedliche Grüntöne
und verschiedene Pflanzenformen, deren Folge nur dem Anschein nach zufällig
ist. Exotische Pflanzen vermischen sich mit einheimischen Gewächsen, Hecken,
durch ständiges Beschneiden in Formen gehalten, erheben sich vor dem Hintergrund
natürlich wachsender Sträucher. Auch im Waldgelände fehlt es
nicht an Überraschungen, vor allem trift man immer wieder auf seltene Pflanzen,
große wie kleine. Die Lesart des Parks der Villa San Remigio ist durchaus
nicht leicht, noch kann er einfach irgendwelchen klassischen Regeln der Architektur
zugeordnet werden. Der Garten ist Frucht des vielseitigen Geschmacks englisch
- italienischer Herkunft, der Kreativität so wie der persönlichen
Gefühle seiner Schöpfer, denen es gelungen ist, sich durch ihn auf
ganz unnachahmliche Weise auszudrücken.
Silvio und Sofia beendeten den Bau ihres Gartens, der eine Fläche von acht Hektar bedeckt im Jahr 1916, und gleich danach öffneten sie ihn dem Publikum. Der Garten, gepflegt von dreißig Gärtnern konnte gegen Bezahlung und zu festgesetzten Besuchszeiten besichtigt werden. Die Einnahmen flossen wohltätigen Zwecken zu. Der Park blieb bis 1929, dem Jahr in dem SiIvio an einem Infarkt starb, fürs Publikum geöffnet Villa San Remiggio und sein Garten blieben immer im Besitz der gleichen Familie bis zum Jahr 1977, in dem die Countessa Ester della Valle Bonacossa, Tochter von Silvio und Sofia alles der Region Piemont überließ. In der Villa sind zur Zeit die Büros der Provinz Verbano Cusio Ossola untergebracht. Die Pflege des Parks untersteht der Forstbehörde der Region.
Man mag dem urprünglichen Park mit seinen ruhigen, weiten Flächen nachtrauern, dieser grossen, englischen Landschaft, die sich nahe Stresa knapp oberhalb des Sees emporschwingt. Die Bäume haben ihre Grossartigkeit eingebüsst, die ruhigen Wiesen ihre Unschuld verloren. Vogelkäfige und Tiergehege überziehen das Gelände, es ist ein Lärm und ein Getue, dass selbst an regnerischen Tagen kaum Zeit und Platz zur Musse bleibt.
Wer mag es den Verwaltern und Besitzer dieser grossen Gärten verargen, dass sich in eine gewöhnliche Landschaft niemand mehr verirren will, der Besucher von heute verlangt nach Unterhaltung und Aktion. Die wird einem hier wahrlich geboten, das bunte Federvieh erfreut einen in den herrlichsten Farben und man wähnt sich bald einmal in die Savanne, an Salzseen oder in den Urwald versetzt. Nicht verschwunden sind glücklicherweise die herrlichen Ausblicke über den Lago Maggiore, der hübsche und grosse Rosengarten, formal angelegt (möglicherweise ein Überbleibsel aus längst verflossenen Zeiten) und mit wunderhübschen Durchblicken versehen. Im 19. Jh. ergänzte Duca Vallombrosa die Pflanzungen und legte den Park im naturalistischen Stil an. Eine grosse Anzahl exotischer Bäume, Tulpenbäume, Sumpfzypressen, Amberbäume und Redwoods wachsen in Hainen zusammen, in denen sich auch schattenverträglichere Gehölze wie Kamelien, Blumenhartriegel und japanische Ahorne wohl fühlen.
Im Frühling muss es herrlich sein, durch diese blühenden Wälder zu wandeln.
Prächtig kündigt sich dieser Sitz im engen Tal durch seine breite und grosszügige Auffahrtsallee an. Um 1500 hat sich hier Giroldino Della Porta ein Stück Land gekauft und darauf ein Landhaus gebaut. Noch sind einzelne Teile dieses Gebäudes ablesbar, das in der Folge nach und nach zu einer stattlichen Villa rustica (Sommerhaus mit ausgebautem Wirtschaftsteil) ausgebaut wurde. Seidenraupenzucht und Weinbau waren die hauptsächlichen Wirtschaftsbereiche. Die luftigen Kellerräume sind noch zu sehen, in denen die Raupen gezüchtet wurden und auch eine grosse Traubenpresse zeugt von der Weinproduktion.
Die wichtigsten, heute sichtbaren Änderungen fanden ende des 17. und anfangs des 18. Jh. statt. Sie wurden iniziiert von Gian Agelo III della Porta, der viel in Italien und auch im Ausland herumreiste und einen reichen Schatz an Ideen zurück brachte. Auf ihn ist die heutige Gesamtkonzeption zurückzuführen, er hat die axiale Ausrichtung von Garten und Gebäude vorgenommen, die gewaltige Treppenanlage mit den vier Terrassen und das dahinter liegende Rasentheater geschaffen. Den Abschluss dieser Anlage bildet hinter dem grossen Brunnen, der wie ein Abschussstein im Theater wirkt, eine unendlich lange Himmelstreppe, begleitet ursprünglich von schmalen Zypressen. Wenden wir uns kurz diesem Kleinod, dem szenisch meisterhaft plazierten Brunnen zu.
Spannungsgeladen schliesst er den kompakten Teil der Gartenalage ab, wirkt am oberen Ende der grossen schiefen Ebene des Rasentheaters wie ein königlicher Thron. Perspektivisch genial stellt er den Abschluss der breiten Freitreppe dar, obwohl dazwischen eine grosse Wiese liegt. Sehr klassisch mutet er an mit seiner breitgezogenen Balustrade und den beidseitigen Treppenläufe, den dorischen Säulen und den beiseitig abgesetzten Statuen. Pellegatta hiess der Architekt des Brunnens, der möglicherweise auch für die gesamte Anlage verantwortlich zeigte.
Ein sehr hübsches Detail stellt auch die Querachse dar, die eigentlich auf das Zentrum des Hauptgebäudes ausgerichtet ist. Da die Gartenanlage aber sozusagen um 90o abgedreht ist, entsteht dieser Sonderfall. Die Axe nimmt ihren Anfang in einem kleinen Hof, dessen Wand mit Spielereien von Apollo und Daphne freskiert ist, durchquert den Ehrenhof und anschliessend den grossen Salon, erreicht das Hauptparterre des Gartens, wo sie die Hauptachse kreuzt, eilt durch ein elegantes Gittertor, das von den vier Jahreszeiten umgeben ist, gelangt in eine schattige Eicheallee, um endlich in einem einem sehr hüschen, imposanten und szenografisch verzierten (Apollo und die Musen) Pavillon zu enden. Ein tromple l'oeil ähnliches Monstergemälde bildet den eigentlichen Abschluss.
Dieser letzte Gartenteil, ähnlich einem giardino secreto, diente mannigfaltigen, intimeren Theater- und Musikaufführungen und bei Regen ist die grosse Holzhalle von grossem Nutzen. Kurz, wir haben ein wahres Kleinod an Ensemble vor uns. Über die prachtvollen Malereien im Innern des zweigeschossigen Hauses - kürzlich erst mit sehr viel Geschick restauriert - die phantastische, alte Küche, in der man meint, es sei eben erst gekocht worden und die prachtvollen, geschmackvoll hergerichteten Salons, Schlafgemächern und Gallerien wurde noch gar nichts gesagt. Schaut es euch an!
Im Prospekt dieses Gartens lesen wir: Das einzigartige und Sugestive an dieser architektonischen Anlage, ihre überzeugende Originalität, der Jahrhunderte alte Park, die geschmackvolle Einfügung in die heitere beruhigende Landschaft zwischen dem Luganer See und den hohen Bergen, lassen diese Villa zu einem wahren Juwel werden, dem wertvollsten in der ganzen Provinz von Varese. Die Familie Mozzoni, Besitzer verschiedener Ländereien in der Umgebung von Varese, liess um ca. 1400 dieses Haus errichten. Zuerst war die Idee ein Haus zu bauen, das ihnen bei ihren häufigen Besuchen in Bisuschio als Jagdhaus dienen könnte, da es in der Gegend Braunbären und anderes Wild zu jagen gab. Ungefähr um 1500, nach häufigen Verbesserungen und Verschönerungen des Hauses, entschloss sich die Familie in Bisuschio ihren Wohnsitz zu wählen.
Zu einigem Reichtum ist die Familie ursprünglich deshalb gekommen, weil sie den Grafen von Mailand vor dem sicheren Tod retteten. Dieser begab sich in der Gegend auf Bärenjagd. Plötzlich stand der verwundete Bär aber direkt vor ihm und wollte sich auf den Grafen stürzen. Im letzten Augenblick kommt Agostino Mozzoni mit seinem Hund dazu und vertreibt mit couragiertem Auftreten den Bär - er wird in der Folge vom Grafen erlegt - und rettet so dem Grafen das Leben. Dieser erlässt ihm darauf hin die Steuern auf Lebzeiten.
Es war Ascanio Mozzoni, der um 1560 diese Gärten anlegen liess, abgeschaut vielleicht ein wenig bei den Medicis und den päpstlichen Gärten. Die Villa formt ein U und am Ende der beiden langen Flügel schliesst sich ein perfekter Garten alla italiana (was immer das auch heissen will) an. Die Rückseite und die beiden Seiten sind abgeschlossen mit einer hohen, aus porösen Tuffsteinen ausgebildeten Futtermauer. In diese sind Nischen und Grotten eingelassen. Hangseitig vor sehr hübschen Grotten sind zwei grosse Fischteiche angelegt, die an die Villa Castello in Florenz erinnern. Die Mauer erreicht die Höhe des ersten Geschosses und über die in die rückseitige Mauer eingelassene Treppenanlage erreicht man dieses Geschoss. So erscheint der Garten fast als weiteres Wohnzimmer, ein prachtvoller, broderiengeschmückter Aussenraum, ausgeschmückt mit Statuen, Brunnen und Rasenflächen. Vom Garten führen je zwei wunderhübsch ausgemalte Arkaden in die Räume des Erdgeschosses. So entsteht eine sehr elegante Verbindung zwischen Haus und Garten.
Hinter dem Haus erhebt sich axial ausgerichtet eine weitläufige Treppe mit 156 Stufen, die beidseitig von Zypressen gesäumt und am oberen Ende von einem Lusttempelchen gekrönt wird. Die Treppe wird in der Mitte von einem heute leider nicht mehr funktionierenden Wasserlauf geteilt, der belebt von mehreren kleinen Wasserfällen sich in das von zwei Statuen flankierte Löwenbecken ergiesst. Ein weiterer Terrassengarten, wesentlich einfacher und unspektakulär gestaltet, breitet sich auf der anderen Seite der Villa aus. Das Ganze ist von einem grossen Park im englischen Stil umgeben.
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