Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/669

Sicher haben Sie die Zisternenwagen beim Bahnhof auch schon bemerkt. Sie stehen aus Sicherheitsgründen meist "eingekerkert" in einem offenen Depot. Es handelt sich um ein Pufferlager der Firma Kolb AG, Hedingen für die Substanz Ethylenoxid (EO). Bei der Erstellung und ersten Bewilligung des Lagers (1992 bis 1994) wurde davon ausgegangen, "dass ein Pufferlager für maximal 3 Bahnkesselwagen vertretbar ist, weil keine Wohnüberbauungen oder Überbauungen mit einer permanent hohen Belegungsdichte im Umkreis von mehr als 100 Meter vorhanden sind."
Ethylenoxid ist ein Gas, schwerer als Luft, sehr giftig, ätzend, leicht entflammbar und explosiv.
Bei der öffentlichen Auflage zur neuen Wohnsiedlung beim Ziegeleiweiher, die sich ja in unmittelbarer Nähe zu diesem Abstellgleis befindet, hat der Vorstand des Umwelt Forums den Kontrollbericht des kantonalen Amtes "AWEL" gelesen und war schockiert:
Die darin besprochene Risikoanalyse bezog sich auf den erwähnten Gewerbebetrieb mit 700 Arbeitsplätzen und nicht auf eine Wohnüberbauung, in welcher sich die Bewohner/innen, auch Kinder, rund um die Uhr und übers Wochenende aufhalten. Zudem wird der Aussenraum viel häufiger und wieder vor allem auch durch Kinder benutzt, und ist nach unserem Dafürhalten nicht mit einem Gewerbebetrieb zu vergleichen.
Die Zisternenwagen sollen sich über einer Wanne befinden und beim Auslaufen des Gases würde dieses über eine Röhre in die Weiher geleitet - und dort alles Leben vernichten. Die Luft in Bodennähe wird bei den Zisternenwagen (sofern sie sich über der Wanne befinden) permanent überwacht. Zudem soll eine Mauer oder ein Wall (1.5 Meter hoch) das Abfliessen des Gases in den Wohnbereich möglichst verhindern, Kellerfenster gegen die Geleise hin wurden für die Überbauung untersagt.
In der Risikoanalyse, wurde das Risiko und die Folgen einer Freisetzung von Ethylenoxid im Rangierbereich und Abstellbereich untersucht. Vor allem bei einer Freisetzung von Ethylenoxid beim Rangieren ist eindrücklich: Ein Lachenbrand könnte entstehen und im ungünstigsten Fall könnten 60 bis 70 Personen betroffen sein; es sei mit 10 Toten zu rechnen. Bei einer Gaswolkenexplosion explodiert die Lache. Im schlimmstmöglichen Fall könnte die Gaswolke durch bodennahe Öffnungen ins Untergeschoss eindringen und dort explodieren. Bei der Annahme, dass sich 15 Personen in der Tiefgarage des damals geplanten Gewerbebetriebes befänden, müsste mit 15 Toten gerechnet werden. Eine toxische Wolke könnte sich bis ca. 120 Meter ausdehnen. Personen im Freien, im Gebäude und im Abstellbereich würden betroffen. Bei 30 betroffenen Personen müsste mit 1 bis 3 Toten gerechnet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der genannten Fälle eintritt, ist äusserst gering, liegt zwischen 8 zu 100 Millionen bis zu 3 zu 10 Billionen.
In der Risikoanalyse wird in der Folge zwar gesagt, dass eine Freisetzung von Ethylenoxid im Rangierbereich nicht ganz ausgeschlossen werden könne, aber mit verschiedenen Massnahmen (Wall oder Wand zu den Gebäuden hin) seien gegen einen Betrieb für gewerbliche oder Dienstleistungszwecke mit bis zu 700 Arbeitsplätzen keine Einwände vorzubringen. Aus diesen Gründen hat der Vorstand des UFW beim kantonalen Amt (Störfallvorsorge) Kontakt aufgenommen und wurde im April 2008 zu einer Sitzung eingeladen.
Folgendes hat sich daraus ergeben:
1. Gemäss Kanton lässt sich die Risikoanalyse sehr wohl auf die Wohn¨berbauung mit 150 Bewohnern übertragen.
2. Es wurde durch uns festgestellt, dass keine Sprinkleranlage existiert. Diese wurde inzwischen installiert. Wasser kann EO binden.
3. Die Mauer, welche verhindern soll, dass allfällig austretendes Gas gegen die Überbauung fliessen könnte, wurde nördlich und südlich verlängert.
4. Die Mauer wurde dann gebaut, doch die ökologisch durchaus sinnvolle Trockenmauer war natürlich gasdurchlässig. Nach unserer Intervention wurde sie mit einem Blech abgedichtet.
5. Eine Information der Anwohner/innen ist nicht vorgesehen, doch die Firma Kolb AG ist bereit, diese zu informieren, falls ein Bedürfnis dazu vorhanden ist.
5. Zuletzt stellten wir auch die Frage nach der Haftung. Hier die Antwort: &"Ihre Frage betreffend Kostendeckung hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Generell kann festgehalten werden, dass das Verursacherprinzip gilt. Beim Transport von gefährlichen Gütern ist dies in der Regel der Versender oder die Transportfirma, beim Lagern von chemischen Gütern kann dies im konkreten Fall die Firma Dr. W. Kolb AG sein. Nach Abklärungen der Dr. W. Kolb AG mit ihrer Hausversicherung ist das nicht kalkulierbare Restrisiko in den bestehenden Policen abgedeckt. Es wird jedoch in jedem Fall durch die Versicherungsgesellschaften eine eingehende Untersuchung auf Rechtsbasis stattfinden.)
Unsere Meinung:
Die Situation hat sich gegenüber den 90-er Jahren wesentlich verändert. Heute befindet sich eine Wohnüberbauung, ein Kinderhort/Jugendhaus, eine Park und Ride Anlage in unmittelbarer Umgebung des Pufferlagers. Zudem fahren die Züge viel häufiger (Viertelstundentakt). Beim Rangieren kann es immer wieder vorkommen, dass für kurze Zeit ein voller Kesselwagen beim Bahnhof steht. Dort aber befindet sich heute eine Unterführung, und dieses Risiko (viele Menschen in der Unterführung) wurde überhaupt nicht einberechnet.