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Da in Japan Anstand und Höflichkeit eine zentrale Rolle spielen, möchte ich versuchen dieses Thema hier ein bisschen genauer zu erörtern. Wie man mit Mitmenschen umgeht hängt ja grossenteils mit der Beziehung zu diesen und dem Status zusammen. Ich habe eigentlich sprachlich stets die "Semi-formale Variante" verwendet, bzw. die ersten Formen, die man in der Schule lernt (das hat glaubich einen bestimmten Namen, den weiss ich aber nicht) bei meinen Versuchen mit Japanern zu sprechen. Aber das sprachenspezifische ist ja nur ein kleiner Teil dieses grossen Themas.
Ich fange mal an ein paar Alltagssituationen aufzulisten und wenn ich die Musse dazu habe, schreibe ich gleich noch ein klein wenig etwas dazu. Ihr seid natürlich herzlich eingeladen die Liste zu erweitern und Korrekturen anzubringen.
Verbeugen
Anstatt einem Händedruck verbeugt man sich bekanntlich in Japan voreinander. Es gibt unterschiedliche Grade einer Verbeugung.
Informal: Beim Vorbeigehen oder zur Begrüssung von Arbeitskollegen, neigt man seinen Oberkörper vom Gesäss aus in einem ca. 15° Winkel kurz nach vorne.
Standard Verbeugung: In Geschäften grüssen die Mitarbeiter ihre Kunden mit einer Verbeugung von 30°, dies sollte man zum Beispiel auch wenn man jemanden besucht. Männer sollten dabei ihre Händen mit geschlossenen Fingern (aber offenen Händen) auf der Seite am Körper haben, Frauen sollten die Hände überkreuzt vorne am Körper haben.
Formale Verbeugung: Bei Zeremonien oder wenn man sich entschuldigt, verbeugt man sich in einem 45° Winkel. Man sollte dabei dem Gegenüber nicht in die Augen schauen.
Essen
So ist es verpöhnt, seine Stäbchen in den Reis zu stecken, wenn man gerade eine Pause macht. Dies wird nämlich in Japan gleichgesetzt mit einem Totenritual, wenn ein Familienangehöriger stirbt. Ebenso sollte man die Stäbchen nich so legen, dass die Spitze auf eine Person zeigt.
Was das Essen ansicht angeht: Nie Sushi-Reis in Sojasauce tunken... Wenn überhaupt, soll man kurz das Sushi drehen, so dass der Fisch in Soja dippt. Die Sushimeister haben es am liebsten, wenn man die Speise so geniesst, wie angerichtet. Im Generellen sollte man eigentlich keine Anpassungen am Essen vornehmen. Dies könnten die Köche so interpretieren, als sei ihre Arbeit nicht gut genug. (von Mangofan)
Visitenkarten austauschen / Geschenke und Geld geben / annehmen
Wenn man die Visitenkarten nacheinander abgibt, sollte man die Karte mit beiden Händen geben und auch mit beiden Händen in Empfang nehmen. Normalerweise übergibt der Gast seine Karte zuerst.
Wenn man gleichzeitig die Visitenkarten tauscht, sollte man seine Visitenkarte mit der rechten Hand auf den Kartenhalter des Empfängers legen.
Die Karte sollte stets so gehalten werden, dass der Text zum Empfänger gerichtet ist. Wenn man die Karte empfangen hat sollte man sie gleich genau durchlesen. Bei Meetings sollte die Karte nach dem Austausch gut sichtbar auf dem Tisch gelegt und erst eingepackt werden wenn das Meeting vorbei ist.
Betreten eines Hauses oder einer Wohnung
In Japanischen Häusern ist der Eingangsbereich klar vom eigentlichen Wohnbereich abgegrenzt und ist etwas tiefer. Der Gastgeber heisst den Gast willkommen: "Irashai" und sagt Bittesehr (komm herein): "Douzo". Der Gast entschuldigt sich: "Shitsurei shimasu", zieht im Eingangsbereich die Schuhe ab und betritt die Wohnung. Häufig bekommt man dann noch Haussschuhe angeboten, die aber natürlich nur drinnen getragen werden dürfen. Üblicherweise übergibt man dann ein kleines Gastgeschenk (Omiyage).
Achtung: Für die Veranda und vorallem für die Toilette gibt es häufig separate Pantoffeln!
Abfall
Die Schweiz ist ja auch ein eher sauberes Land was den Müll auf dem Boden angeht, aber in Japan fällt es noch viel mehr auf. Lustigerweise gibt es in Japan verglichen mit der Schweiz viel weniger öffentliche Abfallkübel. Aber trotzdem sieht man viel weniger Abfall auf dem Boden - das liegt daran, dass man in Japan seinen Müll von unterwegs nachhause nimmt und dort entsorgt.
Wir sind uns ja Abfalltrennung gewohnt in der Schweiz. In Japan wird dies noch in grösserem Masse umgesetzt und während man hier seinen Abfall nicht zwingend trennen muss, ist es dort standard und gibt gar keine Möglichkeit es nicht zu tun. Petflaschen werden getrennt von den Deckeln, bei Aludosen wird der Verschluss getrennt entsorgt von der Dose und überhaupt werden die verschiedenen Metalldosen getrennt voneinander entsorgt. Als mir in Japan die Entsorgungsstelle meines Wohnblocks gezeigt wurde staunte ich nicht schlecht, wie säuberlich die ca. 7 verschiedenen Materialarten getrennt wurden.
Futon / Schlafen
Natürlich gibt es in manchen Haushälten und in den meisten moderneren Hotels normale, bzw. westliche Betten. Wie ihr als Otaku aber sicher wisst, wird in traditionelleren Häusern und Ryokans auf Futons geschlafen. Ich finde das Prinzip super, da man ja tagsüber viel Platz spart. Denn der Futon wird ja erst am Abend aus dem Schrank geholt und am Morgen wieder dort versorgt. Es ist zwar am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, immer vom Boden aufzustehen, wenn man sich normale Betten auf einem hohen Bettrahmen gewohnt ist. Da ich aber gerne harte Matratzen habe, schlief ich auf den Futons immer sehr gut und hatte keinerlei Beschwerden mit dem Rücken.
Putzen / Wäsche waschen
Die Japaner sind ja bekanntermassen sehr reinlich und es wird grossen Wert auf Sauberkeit und somit auch Reinigung gelegt. Die Kinder lernen schon früh in der Schule ein Gefühl für das Putzen, denn es gibt dort keine Putzkräfte - die Kinder machen es selber!
Was mich am Anfang sehr irritiert hat, ist dass meine japanischen Mitbewohner JEDEN TAG Wäsche gewaschen haben.
Links gehen, links fahren
Respekt und Privilegien für Senioren
Benutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel