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Wer war der populärste Nationalrat, die populärste Nationalrätin? Eine Frage, die oft anhand der erreichten Stimmenzahlen beantwortet wird – was zu Fehlschlüssen verleitet: Es sind die Kandidierenden der grössten Parteien, die gemäss den Eigenheiten des Proporzsystems auf die höchsten Stimmenzahlen kommen und solche Tabellen anführen. Wer für eine kleine Partei antritt, bleibt in solchen Ranglisten chancenlos. Ein zuverlässigerer Popularitätsmesser als das Stimmentotal sind die Panaschierstimmen (siehe Kasten), wie auch das Beispiel der Nationalratswahlen vom vergangenen Wochenende im Kanton Freiburg zeigt.
Page ist nicht an der Spitze
Gemessen an den Panaschierstimmen, war Jacques Bourgeois (FDP) mit einigem Abstand der populärste Freiburger Kandidat. Er hat auf 1000 Listen 131 Panaschierstimmen geholt, was bedeutet, dass ihn ungefähr jeder achte Wähler, der sich nicht für die FDP entschied, auf seiner Liste panaschierte. Auf Rang 2 mit 110 Stimmen kam Christine Bulliard-Marbach (CVP) vor Valérie Piller Carrard (SP, 94 Stimmen) und Pierre-André Page (SVP, 77 Stimmen). Page hat als Bisheriger der SVP, der wählerstärksten Partei, zwar mit 20 924 Stimmen die höchste Gesamtstimmenzahl erzielt, liegt aber gemessen an den Panaschierstimmen zurück.
Hinter den vier wiedergewählten Nationalräten belegt die nicht gewählte Freisinnige Nadine Gobet mit 74 Stimmen Rang 5. Ihr Ergebnis ist insofern besonders bemerkenswert, als sie von der Wählerschaft der eigenen Partei besser unterstützt wurde als Jacques Bourgeois: Für ihn gab es von den beiden FDP-Listen 9823 Stimmen, für sie 10 546. Demnach verdankt Bourgeois seine Wiederwahl vor allem seinem hervorragenden Resultat bei den Panaschierstimmen. Auf den weiteren Plätzen folgen die wiedergewählte Sozialdemokratin Ursula Schneider Schüttel (71 Stimmen, Rang 6), der neugewählte Grüne Gerhard Andrey (58 Stimmen, Rang 7) und der langjährige SVP-Nationalrat Jean-François Rime (Rang 8, 50 Stimmen), das Opfer des Sitzverlusts seiner Partei. Auf Rang 9 mit 47 Stimmen kommt die neugewählte Marie-France Roth Pasquier (CVP).
Für die Plausibilität dieser Popularitätsrangliste spricht das bunte Gemisch der Parteien: Unter den ersten 20 sind – wie zu erwarten war – alle Gewählten aufgeführt. Die CVP und die Grünen sind je fünfmal, FDP und SP je viermal und die SVP zweimal vertreten. Auffallend ist auch die Platzierung von Benoît Rey: Das Ergebnis seiner Partei, der Christlichsozialen, die mit den Grünen zusammenspannten, war eher mager, gemessen am Total seiner Stimmen käme er erst auf Rang 36. Rey hat aber auf 1000 Listen 28 Panaschierstimmen geholt, was ihn in dieser Tabelle auf Rang 13 führt.
Schliesslich widerspiegelt die Rangliste auch die Frauenwahl: Die Frauen, die neu die Mehrheit der Freiburger Nationalratsdelegation stellen, belegen in der Popularitätsrangliste zwei Spitzenplätze und insgesamt 9 der 20 Ränge.
Rudolf Burger ist Politologe und Journalist.
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Stimmentotal und Panaschierstimmen
Wieso sind Panaschierstimmen ein besserer Popularitätsmassstab als das Stimmentotal? Das Stimmentotal widerspiegelt vor allem die Parteistärken, was Kandidierende grösserer Parteien bevorteilt. Bei den Panaschierstimmen sieht es anders aus, da herrscht Chancengleichheit auch für Kandidierende kleinerer Parteien. Allerdings sind zwei Dinge zu beachten, wenn Panaschierstimmen als Massstab für Popularität verwendet werden. Wenn Parteien mit mehreren Listen antreten, gibt es sogenannte «unechte» Panaschierstimmen. Das sind jene Stimmen, die zwischen den verschiedenen Listen einer Partei ausgetauscht werden, also beispielsweise zwischen der CVP-Hauptliste und den diversen Listen der Jungen CVP. Solche unechten Panaschierstimmen werden nicht berücksichtigt, weil sie beim Auszählen letztlich bei der CVP verbleiben. Das gilt natürlich genauso für die diversen Listen der anderen Parteien. «Echt» sind dagegen die Panaschierstimmen, die zum Beispiel von der CVP-Wählerschaft an Kandidierende der SVP verteilt werden.
Eine rechnerische Korrektur
Beim Vergleich der echten Panaschierstimmen muss eine rechnerische Korrektur gemacht werden, weil kleineren Parteien ein grösseres Potenzial von Lieferanten gegenübersteht: Panaschierstimmen für die CSP/Grünen konnten von 75 117 Listen stammen (Listentotal 87 561 minus 12 444 Listen für die Grünen), Panaschierstimmen für die SVP nur von 71 101 Listen (Listentotal 87 561 minus 16 460 SVP-Listen). Zum Ausgleich wird die Zahl der Panaschierstimmen auf 1000 Stimmen je Liste umgerechnet. Das kann dazu führen, dass Kandidierende trotz höherer Panaschierstimmenzahl hinter anderen platziert werden müssen. In der Tabelle trifft dies beispielsweise für Nadine Gobet und Pierre-André Page zu.