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Laut Schätzungen von UNICEF stehen Kindern, die in den vergangenen Wochen innerhalb des südlichen Gazastreifens vertrieben wurden, lediglich 1,5 bis zwei Liter Wasser pro Tag zur Verfügung - weit unter dem empfohlenen Mindestbedarf von 15 Litern pro Tag zum Trinken, Kochen und Waschen.
Hunderttausende Binnenvertriebene in Gaza – rund die Hälfte von ihnen Kinder – sind seit Anfang Dezember nach Rafah geflohen. Sie benötigen dringend Nahrungsmittel, Wasser, Unterkünfte, Medikamente und Schutz. Die Wasser- und Sanitärversorgung der Stadt befindet sich angesichts der steigenden Nachfrage in einem äusserst kritischen Zustand. Mindestens die Hälfte der Wasser-, Hygiene und Sanitäreinrichtungen sind aufgrund der Bombardierungen sowie der fehlenden Stromversorgung, des Treibstoffmangels, eingeschränktem Zugang und Schäden an der zivilen Infrastruktur beschädigt oder zerstört.
Die Auswirkungen auf Kinder sind dramatisch, denn sie sind in dieser Situation besonders anfällig für Dehydrierung, Durchfall, Krankheiten und Mangelernährung, was wiederum ihr Überleben gefährdet. Angesichts des Mangels an sicherem Wasser, insbesondere nach den Regenfällen und Überschwemmungen dieser Woche, ist die Gefahr von durch Wasser übertragbaren Krankheiten wie Cholera und chronischer Diarrhöe enorm hoch. Bereits jetzt haben die Behörden fast das 20-fache des monatlichen Durchschnitts der gemeldeten Durchfallfälle bei Kindern unter fünf Jahren registriert. Gleichzeitig leiden immer mehr Kinder unter Krätze, Läusen, Windpocken und Hautausschlägen. Hinzu kommen rund 160 000 Fälle von akuten Atemwegsinfektionen.
«Der Zugang zu ausreichendem sauberem Wasser ist eine Frage von Leben und Tod. Die Kinder in Gaza haben kaum einen Tropfen zu trinken», sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. «Kinder und ihre Familien haben keine andere Wahl als Wasser aus unsicheren Quellen zu nutzen, die stark versalzen oder verschmutzt sind. Ohne sicheres Trinkwasser werden in den kommenden Tagen noch mehr Kinder aufgrund von Unterversorgung und Krankheiten sterben.»
In den Notunterkünften im gesamten Gazastreifen warten lange Schlangen erschöpfte Frauen und Kinder darauf, eine Toilette benutzen zu können. Derzeit gibt es jedoch im Durchschnitt lediglich eine Toilette für 700 Personen. Ohne Toiletten haben Zehntausende Menschen keine andere Wahl, als Eimer zu verwenden oder offene Defäkation. Da noch weniger Duschen zur Verfügung stehen, gibt es kaum Möglichkeiten der persönlichen Hygiene, wovon insbesondere Frauen und Mädchen betroffen sind. Es drohen weitere Krankheitsausbrüche.
Gemeinsam mit seinen Partnern stellt UNICEF Treibstoff für Brunnen, Entsalzungsanlagen, Wassertransporte und die Abfall- und Abwasserentsorgung, abgefülltes Wasser und Wasserbehälter zur Verfügung. Seit Beginn der Krise hat UNICEF mehr als 1,3 Millionen Menschen mit sicherem Trinkwasser versorgt. Darüber hinaus hat UNICEF mehr als 45 000 Wasserkanister, 130 000 Hygienesets sowie Seife bereitgestellt. Rund 189 000 Menschen wurden mit Hygieneartikeln und mehr als 400 000 Menschen mit Hygiene- und Sanitärdiensten erreicht. Während der humanitären Feuerpause hat UNICEF trotz des schwierigen Zugangs auch im nördlichen Gazastreifen 260 000 Liter Wasser und 10 000 Hygienekits zur Verfügung gestellt.
Generatoren für den Betrieb von Wasser- und Abwasseranlagen, Kunststoffrohre, die für kurzfristige Reparaturen benötigt werden, sowie Baumaterial für die Sanitärversorgung stehen am Grenzübergang Rafah bereit, können jedoch aufgrund von Zugangsbeschränkungen für diese Güter nicht in den Gazastreifen gebracht werden. Sie werden dringend benötigt, um die für das Überleben der Menschen und Kinder wichtige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wiederherzustellen.
«Wir tun alles, was wir können, um die Not der Menschen in Gaza zu lindern, aber die Materialien und Hilfsgüter, die wir bisher liefern konnten, reichen bei weitem nicht aus», betont Russell. «Die ständigen Bombardierungen und die Einfuhrbeschränkungen für Materialien und Treibstoff in den Gazastreifen verhindern entscheidende Fortschritte. Die Hilfsgüter werden dringend benötigt, um beschädigte Wassersysteme zu reparieren.»
UNICEF fordert weiterhin einen raschen, sicheren und ungehinderten humanitären Zugang zu Kindern und Familien in Not, ganz gleich, wo sie sich befinden. Dazu gehört auch, dass der Bedarf an Wasser und sanitären Einrichtungen im Gazastreifen gedeckt wird und dass alle Akteure ihrer völkerrechtlichen Verantwortung zum Schutz der Wasser- und Sanitäreinrichtungen und der mit der Wartung und Reparatur dieser Einrichtungen betrauten Mitarbeitenden nachkommen.
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