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Die sieben Grossregionen der Schweiz: Die Schweiz im europäischen Regionalsystem
Bern, 18.05.1999 - Im Zuge der europäischen Integration, der wirtschaftlichen Konzentrationsprozesse und der Globalisierung hat sich die Schweizer Statistik entschlossen, grossregionale Gebiete zu schaffen, die für Regionalvergleiche im Lande selbst und mit anderen Regionen Europas dienen können. Diese Regionalisierung ist mit der europäischen Statistik abgestimmt. In einem mehrjährigen Prozess, der eine Vernehmlassung bei den Kantonsregierungen einschloss, hat sich eine Gliederung des Landes in sieben Grossregionen ergeben. Dieser Vorschlag hat die öffentliche Diskussion um die Regionenbildung in der Schweiz und ihre Bedeutung für Politik und Wirtschaft stark belebt. Eine im Auftrag der Bundesämter für Statistik (BFS) und Raumplanung (BRP) an der ETH Lausanne verfasste Studie untersucht die Entstehung der Grossregionen und stellt ihre ökonomische und demografische Bedeutung im europäischen Kontext dar.
Räumliche Fragen haben in den vergangenen Jahren einen neuen Stellenwert erhalten. Globalisierung und wirtschaftliche Konzentrationsprozesse haben zu räumlichen Gewichtsverschiebungen geführt: Arbeitsmarktregionen dehnen sich aus, Einzugsgebiete von Zentren beginnen sich zu überschneiden, staatliche und private Organisationen passen ihre regionalen Strukturen veränderten Rahmenbedingungen an. Die Beobachtung und Analyse dieser Entwicklungen ist für die Schweiz für wissenschaftliche, raumplanerische und politische Bedürfnisse von grosser Bedeutung.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) hatte bereits 1989 Vorschläge zur Bildung von Grossregionen für statistisch-vergleichende Zwecke und die Einbettung in die europäische Regionalstatistik NUTS (Nomenclature des unités territoriales statistiques) entwickelt. Diese sahen unter anderem eine Region Alpenschweiz und eine Region Westschweiz vor. 1997 hat das Eidgenössische Departement des Innern den Kantonsregierungen eine veränderte Regionalisierung unterbreitet, die dem Umstand Rechnung trug, dass die fünf Kantone des “Espace Mittelland” eine regionale Einheit zu bilden wünschten. In der von den Kantonen sehr positiv aufgenommenen Vernehmlassung hat sich noch eine letzte räumliche Korrektur ergeben, indem der Kanton Zürich als eigene Grossregionen anerkannt wurde. Ende 1997 ist die Gliederung des Landes in sieben Grossregionen für die Schweizer Statistik verbindlich geworden. 1998 hat Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, diese Raumgliederung als NUTS-II-Äquivalente für ihre Regionalstatistik übernommen (als Entsprechungen etwa zu den französischen oder italienischen Regionen oder den deutschen Regierungsbezirken).
Die sieben Schweizer Grossregionen sind Zusammenzüge von Kantonen, wobei im Falle von Zürich und dem Tessin ein einziger Kanton eine Region bildet. Trotz der institutionell definierten Raumgliederung – einer Grundbedingung der NUTS-Regionalisierung – gehorchen die sieben Gebiete recht gut funktionalen Ansätzen, entsprechen sie doch den Einzugsgebieten der Grosszentren Genf-Lausanne, Bern, Basel und der Tessiner Stadtlandschaft. Im Falle Zürichs bildet das Kerngebiet der Metropole eine Region, umgeben von der Ostschweiz und der Zentralschweiz mit ihren Mittelzentren St. Gallen und Luzern. Die meisten Grossregionen sind zudem auch in grenzüberschreitende Regionalisierungen eingebunden. ¨
Die sieben Grossregionen der Schweiz:
Region - beteiligte Kantone - Einwohner 1996 in 1000 - Fläche km2
1. Région lémanique - VD, VS, GE - 1282 - 8718
2. Espace Mittelland - BE, FR, SO, NE, JU - 1653 - 10062
3. Nordwestschweiz - BS, BL, AG - 980 - 1959
4. Zürich - ZH - 1194 - 1729
5. Ostschweiz - GL, SH, AR, AI, SG, GR, TG - 1037 - 11521
6. Zentralschweiz - LU, UR, SZ, OW, NW, ZG - 659 - 4485
7. Tessin - TI - 301 - 2812
Schweiz (26 Kantone) - 7105 - 41285
Der soeben erschienene Bericht “Die Grossregionen der Schweiz” vertieft die Regionalisierungsfragen und enthält eine Serie internationaler und schweizerischer Karten mit wichtigen Strukturmerkmalen der sieben Regionen. Diese Analysen zeigen relativ geringe demografische und wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Grossregionen auf, was nicht überraschend ist, umfassen doch die Grossregionen sowohl städtische Zentren als auch ihr Umland, sowohl urbane als auch periphere Kantone, so dass sich (im Gegensatz etwa zur Betrachtung nach den 26 Kantonen) die internen Unterschiede ausgleichen. Hingegen manifestieren sich deutliche sprachlich-kulturelle Unterschiede sowie wichtige staats- und finanzpolitische Differenzen etwa bei der Entwicklung der Volkseinkommen oder der Steuerbelastung. Bei diesen Merkmalen ist ein gewisses Ost-West-Gefälle unverkennbar. Die Regionalisierung kann in diesem Sinne der Politik auch als Frühwarnsystem für grossräumige Ungleichheiten und Veränderungen dienen.
Im weiteren enthält der Bericht ein umfangreiches Inventar zu Regionalisierungen in der Schweiz in verschiedenen Bereichen wie Bundesverwaltung, Konkordate und Regionskonferenzen der Kantone, Kirchen, Politik und Medien, wirtschaftliche Organisationen, Verkehr und Kommunikation, Marketing und Grosshandel, Finanzdienstleistungen sowie Sport und Kultur. Diese Übersicht zeigt die historische Entwicklung und räumliche Vielfalt der Gebietsgliederungen in der Schweiz auf.
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Bundesamt für Raumentwicklung ARE
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