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Siedlungen wachsen weiter auf Kosten der Landwirtschaftsflächen
Die Siedlungsfläche im westlichen Drittel der Schweiz hat innert 33 Jahren um 31 Prozent zugenommen. Dies entspricht rund 1'041 ha oder über 1400 Fussballfeldern pro Jahr. Ihr Anteil an der Gesamtfläche stieg damit von 8,6 auf 11,3 Prozent. Das Siedlungswachstum ging hauptsächlich auf Kosten der Landwirtschaftsflächen, welche innert 33 Jahren um 5,9 Prozent oder pro Jahr um durchschnittlich 1'100 ha abgenommen hat. Dies geht aus den neuen Resultaten der Arealstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.
Die gegenwärtig laufende vierte Erhebung der Arealstatistik ist für 31,1 Prozent der Gesamtfläche der Schweiz bereits abgeschlossen. Es handelt sich dabei um die Kantone Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Waadt, Neuenburg, Genf und Jura mit ihren jeweils angrenzenden Gebieten. Sie erlaubt erstmals statistisch gesicherte Aussagen zum Wandel der Bodennutzung in den westlichen Landesteilen über drei Zeitintervalle mit einer Gesamtdauer von 33 Jahren (1982-1994, 1994-2006 und 2006-2015).
Siedlungswachstum schwächt sich ab
Zwischen 1982 und 1994 betrug die Ausdehnung der Siedlungsfläche 1,1 Prozent pro Jahr, von 1994 bis 2006 waren es 0,8 und von 2006 bis 2015 noch 0,7 Prozent. In den einzelnen Kantonen verlief die Entwicklung ähnlich. Eine Ausnahme bildete der Kanton Freiburg, wo das Wachstum der Siedlungsflächen von anfänglich 1,6 Prozent pro Jahr auf 1,1 abnahm, aber im dritten Intervall mit 1,2 Prozent wieder leicht anstieg. Absolut gesehen waren es im ersten Intervall 164 ha pro Jahr, im zweiten 136 ha und im dritten 170 ha.
Am stärksten abgenommen hat das Wachstum im Kanton Jura, nämlich von 1,8 im ersten, über 1,1 im zweiten zu 0,75 Prozent pro Jahr im dritten Zeitintervall. Im Kanton Basel-Stadt konnte sich die Siedlungsfläche in den 33 Jahren nicht mehr ausdehnen. Der Kanton Genf wies im dritten Zeitintervall mit 0,36 Prozent pro Jahr das zweitkleinste Siedlungswachstum auf. In der ersten Periode war die Rate noch doppelt so gross.
Auch in den Kantonen Basel-Landschaft (0,43% pro Jahr) und Neuchâtel (0,50% pro Jahr) lagen die Wachstumsraten im dritten Intervall deutlich tiefer als in den früheren Perioden. Während sich das Wachstum der Siedlungsflächen insgesamt über drei Zeitintervalle betrachtet verlangsamt hat, wuchs das Industrie- und Gewerbeareal im dritten Intervall mit jährlich 0,9 Prozent wieder schneller als im zweiten (0,7%).
Veränderung der landwirtschaftlichen Nutzungen
Das Wachstum der Siedlungen ging hauptsächlich auf Kosten der Landwirtschaftsflächen, welche pro Jahr um durchschnittlich 1'100 ha abgenommen haben. Innert 33 Jahren ging sie um 5,9 Prozent zurück, was der eineinhalbfachen Grösse des Neuenburgersees entspricht. Ihr Anteil an der Gesamtfläche des westlichen Drittels der Schweiz sank damit von 48 auf 45 Prozent.
In der Periode 1982-1994 betrug der Rückgang der Landwirtschaftsflächen 1361 ha pro Jahr, in der zweiten 837 ha und in der letzten wiederum 1'103 ha pro Jahr, was die Entwicklung bei den Siedlungsflächen wiederspiegelt.
Mehr Heimweiden, weniger Ackerland
Innerhalb der Landwirtschaftsflächen hat sich der Verlust des Ackerlandes vom ersten zum zweiten Intervall verdreifacht (439 auf 1'305 ha pro Jahr) und geht im dritten Intervall mit 1100 ha pro Jahr leicht abgeschwächt weiter. Umgekehrt haben die Heimweiden bedeutend zugenommen, im zweiten Intervall um 1'294 und im dritten um 795 ha pro Jahr. Dies wiederspiegelt die Extensivierung der Landwirtschaft im Dauersiedlungsgebiet, etwa als Folge neuer Vorschriften zur naturnahen Viehhaltung betreffend Auslauf und Weidegang, des Trends zur Mutterkuhhaltung und der wirtschaftlich attraktiven Pferdehaltung.
Verlangsamter Rückgang des Hochstammobstes
Die Abnahme der für Obst-, Reb- und Gartenbau genutzten Flächen war in der dritten Periode weniger ausgeprägt (0,85% pro Jahr verglichen mit 1,3% pro Jahr in der zweiten, bzw. 1,2% pro Jahr in der ersten Periode). Massgeblich dafür sind die Feldobstflächen, die im dritten Intervall nur noch um 167 ha pro Jahr kleiner geworden sind, verglichen mit 323 ha bzw. 456 ha pro Jahr in den Vorperioden. Diese Trendabschwächung ist vor allem auf die Bundesbeiträge für Hochstammobstbäume zurückzuführen, die seit 1993 im Rahmen des ökologischen Ausgleichs ausgerichtet werden.