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Rezension
Jacobe hat Glück im Unglück: Ihre ganze Familie wurde von der Pest dahingerafft, sie aber wächst beim Bibliotheksdiener der berühmten Palatina in Heidelberg auf und darf Lesen und Schreiben lernen, Latein und Griechisch. Bis Graf Tilly, Heerführer der katholischen Liga, 1622 die protestantische Stadt erobert: Jacobe wird vergewaltigt. Von diesem Tag an verkleidet sie sich als Junge, um Arbeit zu finden. Ihre Bildung öffnet ihr viele Türen, und so dient sie schon bald dem jesuitischen Gelehrten Leone Allacci, der die wertvolle Bibliothek im Auftrag des Papstes nach Rom schaffen soll. Mit einer Karawane von 200 Maultieren überquerte der historisch verbürgte Allacci die Alpen. Seine Abhandlung «De graecorum hodie quorundam opinationibus» gehört zu den ersten Studien über Vampire und Vampirismus überhaupt.
Katja Behrens, bekannt für ihre Jugendbücher, die sich mit jüdischer Geschichte auseinandersetzen, stellt Allacci ins Zentrum ihres neuen Romans, und erzählt die Geschichte des Büchertransports als genau und kompetent recherchierten historischen Roman. Vampire, Zauberer und Kräuterhexen galten in der frühen Neuzeit höchstens gelehrten Protestanten als fantastische Figuren; für Jacobe und Allaci sind Vampirbisse so real wie Stigmata und die Wunderkraft der Reliquien.
«Der Raub des Bücherschatzes» ist ein ebenso lehrreiches wie religionskritisches Buch. Dass es manchmal, wenn es um Jacobes Liebes- und Lebensträume geht, etwas rührselig anmutet und dass die vielen Shakespeare-Zitate oft mehr Pathos verströmen als zum Verständnis der frühneuzeitlichen Geistesgeschichte beizutragen, verzeiht man dem packenden Roman mit etwas Zähneknirschen.
Christine Lötscher, Buch & Maus Heft 1/2012, S. 34