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Sehr geehrter Herr Dr. Stutz. Ihr Artikel über Ihre Mutter trifft mich, oder besser gesagt, trifft ins Schwarze. Theoretisch gehe ich als 85-jährige Frau zweimal wöchentlich ins Fitnesscenter und mache Kraft- und Ausdauertraining. Theoretisch heisst, ich muss mich jedes Mal motivieren, um zu gehen, aber nach dem Training fühle ich mich stark und unternehmungsfreudig.
Also, es gibt gar nichts anderes. Wir Alten brauchen jemanden, der uns Tag für Tag sanft auffordert, die Übungen zu machen und auch dabeisteht, sonst wird das nichts. Hat Ihre Mutter niemanden in der Nähe, der das übernehmen würde?
Vor Jahren habe ich täglich ehrenamtlich eine alte Frau betreut, die auf der Schwelle zur Demenz stand. Ich machte mit ihr jeden Abend vor dem Nachtessen Dehn- und Kraftübungen, forderte sie auf, auf den Teppich zu liegen, sich zu drehen und das Telefon zu erreichen. Wir lösten Kreuzworträtsel und ich erzählte ihr jeden Tag einen Witz. Wenn sie lachte, gab es am nächsten Tag einen neuen. Wenn nicht, erzählte ich ihn nochmals, und das, bis sie ihn verstand. Ich bat sie auch immer wieder, mir etwas aus ihrer Kindheit und Jugend zu berichten. Ob Sie es glauben oder nicht, der Hausarzt war erstaunt, dass ihr Gedächtnis besser wurde.