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Motorleistung und Leichtigkeit des Chassis: das sind die Geheimnisse eines Autos, das auf der Piste flog.
Als sich Lancia zwischen dem Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre bei den Wettkämpfen der Langstrecken-Weltmeisterschaft ins Zeug legte, wurde ein neues Kapitel ihrer bedeutsamen Sportgeschichte geschrieben.
Den Anfang machte der Lancia Beta Montecarlo Turbo, ein sowohl aus aerodynamischer als auch ästhetischer Hinsicht vortreffliches Auto, das große Erfolge erntete und bei der Markenweltmeisterschaft 1979 den Konstrukteur-Meistertitel in der Klasse bis 2 Liter davontrug. In den beiden Folgeausgaben der Meisterschaften 1980 und 1981 dominierte in seiner Klasse weiter der Montecarlo Turbo, der außerdem den Weltmeistertitel in der Absolutwertung gewann.
Aufgrund der 1982 von der FIA geforderten Änderung des Reglements, die die neue Klasse der C-Gruppe begründete, nahm Lancia das Projekt eines neuen Sportwagens in Angriff, der es mit der Konkurrenz bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft aufnehmen sollte. Es entstand der LC1, ein offener Sport-Prototyp mit dem Motor des Montecarlo Turbo, der in nur 4 Exemplaren gebaut wurde und sich durch die unvergessliche Martini Racing-Livree auszeichnete. Der LC1 - die Abkürzung steht für den ersten, für die C-Gruppe gebauten Lancia - eroberte bei acht in der Saison ausgetragenen Wettkämpfen drei Pole-Positions und konnte es sogar mit den Porsche 956 Fahrzeugen aufnehmen, obwohl diese über 200 PS mehr entwickelten.
Und genau um diese Leistungsdifferenz auszugleichen, arbeitete Lancia gemeinsam mit Ferrari ein neues Projekt aus. So entstand 1983 der Lancia LC2, ein Auto mit gewundenen und windschnittigen Linien, das im Gegensatz zum LC1 eine geschlossene Karosserie hatte. Der Zweisitzer-Berlinetta hatte einen Achtzylinder-V-Motor mit Bankwinkel 90°, 2,6 Liter, 4 Ventile pro Zylinder; Lieferant war das Unternehmen des „Cavallino Rampante“ (dt. aufbäumendes Pferdchen und Emblem der Marke Ferrari). Die beeindruckende Leistung des V8-Motors, den die Techniker von Abarth ausgearbeitet und zusammengebaut hatten, erreichte 700 PS bei 9000 U/min mit einer Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h. Der Lancia LC2 bot wirklich ungeheuerliche Leistungen, die es mit denen seiner Meisterschaftskonkurrenten aufnehmen konnten.
Der Motor wurde auf einem Fahrgestell installiert, das aus Avional, einer Leichtlegierung aus Aluminium und Kupfer, bestand und eine wabenförmige Struktur und Rippen aus Magnesium hatte. Die Sicherheitszelle bestand aus einem Überrollbügel aus Titan und Paneelen aus Inconel (einer Superlegierung auf Nickel-Chrom-Basis), die Karosserie aus den Verbundstoffen Carbonfaser und Kevlar. Sowohl der Fahrgestellbau als auch die Karosserie waren das Werk des Ingenieurs Gian Paolo Dallara, der auch zu den Entwürfen des Beta Montecalo Turbo und Spider LC1 beigetragen hatte. Das Gesamtgewicht variierte zwischen 810 und 850 kg. Der Lancia LC2 war außergewöhnlich leicht und die kultige Livree wieder weiß mit blau-rot gestreiften Flanken des Sponsors Martini. Insgesamt wurden 5 Exemplare gebaut.
Während der Meisterschaft trug sich ein Kampf zwischen David und Goliath aus, bei dem drei Lancias LC2 (zwei offizielle und ein privater) gegen 20-30 siegeshungrige deutsche Fahrzeuge antraten. Und siehe da:
Die Lancias LC2 erreichten ganze 13 Pole Positions und stellten damit die hervorragenden Leistungen des Fahrzeugs unter Beweis; sie erzielten aber auch drei Siege, mit denen die von Lancia mit einem limitierten Budget errungenen Anstrengungen königlich belohnt wurden. 1983 siegten die Lancias LC2 dank dem Team Teo Fabi-Hans Hayer beim 1000-km-Rennen von Imola. In den Folgejahren behaupteten sich dann die italienischen Rennfahrer: beim 1000-km-Rennen von Kyalami in Südafrika saß Riccardo Patrese neben Alessandro Nannini am Steuer, während beim 1000-km-Rennen von Spa in Belgien Mauro Baldi und Riccardo Patrese mit dem LC2 triumphierten. 1985 wurde der Hubraum des Motors auf 3 Liter erhöht und das Fahrzeug erreichte eine Leistung von 720 PS: während der Proben zum 24-Stunden-Rennens von Le Mans gelang dem LC2 auf gerader Strecke die Höchstgeschwindigkeit von 398 km/h. Am Ende der Sportsaison entschied Lancia, die Wettkämpfe der Langstrecken-Weltmeisterschaft aufzugeben, um sich ganz auf die Rallyes zu konzentrieren. Ein Exemplar des LC2 wanderte direkt in die historische Sammlung des Turiner Autohauses. Aber das Fahrzeug blieb aufgrund seiner Eleganz und Aktualität der Linien sowie der Rarität der Exemplare und des erhabenen Triebwerks fest in der Erinnerung seiner Fans verankert. Das Exemplar aus dem Besitz von FCA Heritage wird derzeit im Bereich Records & Races des Heritage HUB am Mirafiori ausgestellt.