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Das im 13. Jahrhundert zusammengestellte Kartular (Bezeichnung für eine Urkundensammlung) der Kathedrale von Lausanne enthält einen Vermerk, der für die Geschichte von Payerne sehr wichtig ist. Dort heisst es, dass der damals in Avenches lebende Bischof Marius auf seinen Ländereien eine Villa (Hauptbestandteil eines Landguts) und eine Kirche (oder Kapelle) erbaut, die er am 24. Juni 587 der Gottesmutter Maria weiht. Aufgrund des Adjektivs paterniaca in Verbindung mit dem Begriff Villa können wir Payerne als den Ort dieser Bauten identifizieren (siehe vorhergehende Folge). Marius, auch bekannt unter seinem französierten Namen Maire, ist berühmt als Verfasser einer Geschichtschronik, die von den Ereignissen seiner Zeit berichtet. Er wurde nach seinem Tod heiliggesprochen, und vielleicht geht auch die Verlegung des Bischofssitzes nach Lausanne auf ihn zurück.
Möglicherweise liess Marius das bereits vorhandene antike Gebäude nur umgestalten oder restaurieren. Denn die Ausgrabungen im Jahr 2015 haben erstmals nachgewiesen, dass das Bauwerk aus der Römerzeit noch existierte und dass es zu Beginn des Mittelalters umgebaut worden war, mindestens bis zum 7. Jahrhundert.
Was die Kirche betrifft, so befand sich diese sehr wahrscheinlich an der Stelle der heutigen Pfarrkirche, die nach der Reformation zu einem protestantischen Gotteshaus wurde. In den 1990er Jahren entdeckte man in deren Untergrund die Überreste älterer Bauten, für die jedoch keine Datierung möglich ist.
Auch unter der heutigen Abteikirche wurden die Spuren einer älteren Kirche zutage gefördert. Aber diese stammt aus dem späten 8. oder aus dem 9. Jahrhundert; sie kann also logischerweise nicht die Kirche von Marius sein. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Kirchengebäude, das zu einer ersten Glaubensgemeinschaft gehörte, über deren Ursprünge und insbesondere ihre Gründer nichts bekannt ist.
Der Längsraum dieser Kirche wurde durch Pfeiler in drei Schiffe unterteilt. Nach Norden befand sich ein Anbau. Vor ihrer Fassade wurden nacheinander mindestens zwei Annexbauten hinzugefügt. Diese Teile bilden den Kirchenkomplex, wie er zur Zeit von Königin Bertha und ihrer Tochter, der Kaiserin Adelheid, im 10. Jahrhundert bestand. Er wird ab dem 11. Jahrhundert durch die Anlage ersetzt, die heute noch in Teilen sichtbar ist.
Auf dem Besucherrundgang siehst du Nachbildungen der verschiedenen Bauwerke, die hier vor der Abteikirche standen. In der Nähe findest du den Karton dieses Hinweises.
© Architectura Virtualis / Marc Grellert, Egon Heller