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Die Frankenstärke hat im vergangen Jahr die Erholungstendenzen in der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) vollständig zum Erliegen gebracht. Die Bestellungseingänge lagen 2011 trotz eines sehr guten ersten Quartals knapp unter den Vorjahreswerten (-0,5%). Im vierten Quartal erlitt die Branche bei den Auftragseingängen gar einen Einbruch (-18,6%). Allerdings kommt hier ein starker Basiseffekt zum Tragen, weil das Vorjahresquartal überdurchschnittlich gut ausfiel. Trotz der hohen Bestellungseingänge Ende 2010 und Anfang 2011 stiegen die Umsätze der Branche im vergangenen Jahr nur moderat (+2,1%). Von Oktober bis Dezember 2011 resultierte gar ein Umsatzrückgang von 2,5%.
Analog zum Umsatz verlief die Exportentwicklung. Insgesamt stiegen die Exporte 2011 um 1,4%, wobei das letzte Quartal 2011 im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Minus von 4,1% verzeichnete. Für das moderate Exportwachstum waren die Märkte in Asien (+6,0%) und Amerika (+4,7%) verantwortlich. Die Ausfuhren in die EU, dem wichtigsten Absatzmarkt, reduzierten sich dagegen um 1,3%.
MEM-Industrie zehrt von der Substanz
Diese Zahlen sind keine Überraschung. Sie widerspiegeln die Entwicklungstendenzen des vergangenen Jahres. Seit dem Einbruch nach 2008 hat die Umsatzentwicklung in der MEM-Industrie stagniert. Die Umsätze liegen im Schnitt rund 25% unter dem Vorkrisenniveau. Die Frankenstärke verunmöglichte ein Wachstum und sie zwang viele Unternehmen zu massiven Preiszugeständnissen, um überhaupt noch Aufträge gewinnen zu können. Allein im Jahr 2011 gingen die Exportpreise um hohe 4,1% zurück, was sich direkt und negativ auf die Margen ausgewirkt hat. Über ein Drittel der Unternehmen der MEM-Industrie sind dadurch in die operative Verlustzone geraten. Viele Firmen leben zurzeit von der Substanz und kämpfen um ihr Überleben.
Rahmenbedingungen beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit
Die Unternehmen haben auf die Frankenstärke rasch reagiert und auf betrieblicher Ebene schon früh Gegenmassnahmen eingeleitet. Sie sind jedoch zunehmend gezwungen, auch harte und unpopuläre Massnahmen umzusetzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zurück zu gewinnen. Es ist nun auch an der Politik, Einfluss auf die Rahmenbedingungen der Exportwirtschaft zu nehmen, damit sich deren internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern kann. Die Vorzeichen sind zurzeit ungünstig:
- Betrachtet man die Entwicklung der Lohnstückkosten, so hat die Schweiz gegenüber wichtigen Konkurrenten wie z.B. Deutschland seit dem Jahr 2000 deutlich an Wettbewerbsfähigkeit eingebüsst. Weltweit weist die Schweiz in der Industrie die zweithöchsten Arbeitskosten auf. Insofern steht die Ferieninitiative, welche bei Annahme die Arbeitskosten weiter erhöhen würde, völlig quer in der Landschaft. Für die Exportwirtschaft und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze ist es sehr wichtig, dass das Volk am 11. März 2012 die Ferieninitiative ablehnt.
- Gemäss dem Anfang Februar 2012 veröffentlichten «Innovation Union Scoreboard» der EU-Kommission ist die Schweiz das vierte Jahr in Folge das innovativste Land Europas. Die Schweiz schafft es jedoch nicht, ihr Innovationspotenzial optimal auszuschöpfen. Im Rahmen der Sonder-massnahmen gegen die Frankenstärke hat der Bund 2011 das Budget für die Innovationsförderung der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) um 100 Millionen Franken erhöht. Die Unternehmen haben darauf zusammen mit Hochschulen 1’064 Fördergesuche eingereicht. Bis Ende Dezember 2011 beurteilte die KTI 545 Gesuche, wovon 246 bewilligt wurden. Damit war der Zusatzkredit ausgeschöpft. Die verbleibenden 519 Gesuche wurden unbehandelt an die Gesuchsteller zurück geschickt. Wertvolles Innovationspotenzial ging damit verloren.
Mehr Mittel für die Innovationsförderung notwendig
Die Schweizer Industrie muss heute neben Effizienzsteigerung und Automatisierung primär auf Innovationen setzen, damit sie international erfolgreich sein kann. Die Voraussetzungen sind hervorragend und die Ideen liegen auf dem Präsentierteller. Aber es mangelt an der Umsetzungskraft. Im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportindustrie und deren Arbeitsplätze muss die Schweiz das bestehende Innovationspotenzial konsequent nutzen. Es gilt, die umsetzungsnahe, subsidiäre Entwicklungsförderung massiv zu stärken. Swissmem stellt daher folgende Forderungen:
- Das KTI-Budget 2012 muss um 50 bis 100 Millionen Franken aufgestockt werden, damit alle förderungswürdigen Projekte, die 2011 unbehandelt blieben, realisiert werden können.
- Im jährlichen Grundbudget der KTI müssen künftig stets mindestens 150 Millionen Franken pro Jahr allein für Projekte zur Verfügung stehen.
- Die KTI benötigt eine neue Organisationsform, die mehr Flexibilität bietet und eine langfristig angelegte, nachhaltige Innovationsförderung ermöglicht.
Aussichten 2012
Das schwierige wirtschaftliche Umfeld bleibt vorerst bestehen. Solange die Staaten der Eurozone keinen glaubwürdigen Weg aus der Schuldenkrise finden, dürfte es kaum zu einer spürbaren Abschwächung des Schweizer Frankens kommen. Somit wird der Frankenkurs 2012 wohl nur wenig über 1.20 verharren, was gegenüber 2011 für viele Unternehmen zu weiteren Margeneinbussen führen wird. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft in der EU, dem Hauptabsatzmarkt der Schweizer MEM-Branche, stagniert oder gar leicht rückläufig ist. Diese beiden Faktoren werden die MEM-Industrie 2012 belasten. Gemäss der jüngsten Swissmem-Umfrage geht eine deutliche Mehrheit der Unternehmen davon aus, dass sie in 2012 kein Wachstum generieren können.
Zürich, 23. Februar 2012
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Ivo Zimmermann, Leiter Kommunikation
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