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Zen
Aus dem Buddhismus des Mahayana, des «grossen Fahrzeugs» heraus und ihm immer noch zugehörig entfaltete sich Zen, nachdem der Inder Bodhidharma 526 n.Chr. nach China gekommen war. In Verbindung mit Impulsen aus der chinesischen taoistischen Mystik – der Vater des Zen ist der indische Buddhismus des grossen Fahrzeugs, die Mutter die taoistische Mystik Chinas – entwickelte sich ein Erleuchtungsweg, der wieder, wie einst der alte Buddhismus, nicht Lehrsätze oder Systeme in den Vordergrund stellte, sondern die eigene mystische Erfahrung. Allerdings ist das Hängen an Konzepten und Lehren in jeder alt gewordenen Religion oft so zäh, dass, wer neue Wege der Mystik bahnen will, zu ausgefallenen Mitteln meditativer Schulung greifen muss. Zen entwickelte schon früh massive, paradoxe Mittel, um den Schüler aus der nur gedachten Erleuchtung und nur konzeptionellen Wahrheit in die selber erlebte Erleuchtung (Satori) und in die wirkliche Wahrheit (die Buddhanatur, die Leere) zu führen.
Im Detail blieb die meditative Schulung im Zen immer umstritten. Die sog. Südschule z.B. betonte – von der chinesischen Mystik angeregt – die Plötzlichkeit der Erleuchtungserfahrung, während die sog. Nordschule auf der Linie des indischen Buddhismus die durch das Sutra-Studium angeleitete allmähliche Erleuchtung lehrte. Die späteren und heute im Westen aktiven Zen-Schulen berufen sich in der Regel auf die Südschule. Verschiedene Schulen des Zen, die sich schon in China entfalteten, griffen nach Japan über. Von Japan aus – neuerdings auch von Korea oder von der koreanischen Gemeinschaft in den USA aus – verbreiteten sie sich in der zweiten Hälfte des 20. Jhdt.s in die ganze erleuchtungshungrige westliche Welt.
Zur Zen-Meditation (unter der Leitung eines Roshi, eines Zen-Meisters) gehören das oft lange, richtige Sitzen zur inneren Sammlung (Zazen), die bewusste Atmung (Tief- und Zwerchfell-Atmung) und die innere Haltung (Nichtdenken). Ziel des Zen ist die unmittelbare Erleuchtung, eine Erfahrung fern von allem Denken, die Aufhebung aller Ichbegriffe und Bindungen und schliesslich die Einheit mit dem All-Einen (Satori). Die beiden Hauptschulen des japanischen Zen – beide mit chinesischen Wurzeln – unterscheiden sich in der unterschiedlichen Anwendung der Meditationshilfen. Soto-Zen, mit seinem berühmtesten Meister Dogen (1200–1253), hält sich ans blosse Zazen. Rinzai-Zen, mit Hakuin als prägnantestem Meister (1686–1769), setzt zusätzlich Koans als Meditationshilfen ein. Koans sind mit diskursivem Denken unlösbare Rätsel, die der Meditierende bedenkt, bis nicht mehr er das Rätsel auflöst, sondern das Rätsel ihn (berühmtes Beispiel: Wie tönt es, wenn man mit einer Hand klatscht?). Als Nebenlinie des Rinzai-Zen wurde als dritte Schule erst im Japan des 17. Jhdt.s Obaku- Zen gegründet.
Zur Verbreitung des Zen im deutschsprachigen Europa – eine offiziöse Liste umfasste 2003 141 Zen-Zentren in Deutschland und je 16 in Österreich und der Schweiz – haben neben den eigentlichen Zen-Meistern auch der Jesuitenpater Hugo M. Enomiya-Lassalle (Japan) und Graf K. Dürckheim (gest. Ende 1988) beigetragen. Hugo M. Enomiya-Lassalle spricht vom Seelengrund als dritter menschlicher Fähigkeit neben Verstand und Wille. Er hat Zen-Kurse auch in katholische Kreise eingeführt. K. Dürckheim schuf in Todtmoos-Rütte (Südschwarzwald) eine «Existentialpsychologische Bildungs- und Begegnungsstätte» mit Zen-Meditationskursen.