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Die Renovationsarbeiten aus Sicht der Architekten
In den letzten Jahren verschlechterte sich der allgemeine Zustand der Fassadenoberfläche an der Kirche laufend. Über eine Periode von einigen Jahren verfolgten wir mit unserem Planungsteam speziell stark verwitterte Stellen und analysierten dabei eine Hauptursache: Bei der Renovation vor 30 Jahren wurde dem technischen Witterungsschutz wenig bis keine Beachtung geschenkt: Tropfkanten, Überstände und witterungsbeständige Oberflächen fehlten.
Einer zweiten Analyse unterzogen wir die früheren Steinrenovationen. Die laufend vorgenommenen Reprofilierungen und Antragungen am Rorschacher Sandstein wurden mit mineralischem Reprofiliermörtel ausgeführt. Dabei wurden nur einige wenige Flankenschäden an angrenzenden Steinen festgestellt.
Unsere Konzentration galt nun einerseits der Verbesserung des technischen Witterungsschutzes bei allen Sandsteinelementen, andererseits musste die Frage der architektonischen Aussensanierung geklärt werden.
Die Kirche wies im ursprünglichen Zustand klassische neugotische Architekturelemente auf. In einer ersten Phase wurden die Rekonstruktionen der neugotischen Fialen, dekoriert mit den seitlichen Krabben, und der vor etwa 30 Jahren entfernten Seitengiebel des Schiffes mit den Kreuzblumen geprüft. Aus Kostengründen wurde diese Ausführungsvariante an der Kirchengemeindeversammlung im Dezember 2000 abgelehnt. Angenommen wurde unser Vorschlag der Basissanierung, mit dem Ziel: Die nächsten 30 bis 40 Jahre soll die Kirche aussen schadlos überstehen.
Sanierungskonzept
Für die stark verwitterte Sandstein-Oberfläche entwickelten wir die Idee, eine sandsteinähnliche «Kappe» zu giessen und diese, angepasst an jeden Pfeiler, auf die vorhandenen Steine aufzusetzen, zu hinterlüften und damit gleichzeitig zwei Probleme zu lösen: Verbesserung des technischen Witterungsschutzes durch die Ausbildung von Auskragungen und Tropfkanten, Erhalt einer witterungsbeständigen Oberfläche.
In einer Versuchsphase von drei Jahren prüften wir verschiedene Materialzusammensetzungen und Oberflächen-Finishs, bis wir die Lösung hatten: Die Abdeckhauben in einer Materialstärke von 20 bis 30 mm aus Compac-Force-Sandsteinen werden dauerelastisch auf den Kaffgesimsen der Strebenpfeiler verklebt. Spezielle Bindefugen verhindern das neuerliche Eindringen von Wasser an liegenden Stellen.
Bauausführung
In einem ersten Schritt wurde der alte Verputz vollständig entfernt. Das darunter liegende Mauerwerk wies viele unkorrekt ausgeführte Flickstellen auf. Die deshalb notwendige Sanierung gehörte zu den Überraschungen. Eine grössere unvorhergesehene Überraschung trat bei der Turmsanierung auf: Der Kirchturm wurde als Zweischalenkonstruktion ausgeführt. Bei den Besichtigungen nach der Einrüstung stellten wir fest, dass sich die beiden Schalen voneinander lösten und dringendster Handlungsbedarf bestand. Der beigezogene Bauingenieur Frei vom Büro Bürgin, Eggli und Partner entwickelte eine Lösung des örtlichen Verklebens der beiden Schalen zur Stabilisierung und Fixierung der bestehenden Konstruktion.
Als der Putz entfernt war, zeigte sich zudem, dass die Witterungsschäden an den Naturstein-Bauteilen viel grösser waren, als bei der Erfassung des Schadenbildes vor mehreren Jahren vermutet. Für die Restaurierung der Sandsteine wurden alle intakten Profile und bereits ausgeführte Reprofilierungen belassen. Die defekten Stellen wurden anschliessend positionsweise erfasst. Aufgrund der Methode «Design to cost» konnten wir der Baukommission Vorschläge unterbreiten, in welcher Bearbeitungstiefe und zu welchem Preis die Regiepositionen ausgeführt werden könnten und was das zu erwartende Resultat sein würde.
Neben den äusserst anspruchsvollen Natursteinarbeiten mit Reprofilierungen und Anfertigen der Schablonen der neuen Abdeckungen erfolgten die Verputzarbeiten der Mauerfläche. Dazu wählten wir ein durchgängiges System von der Haftbrücke bis zum Anstrich, um eine Garantiezeit von zehn Jahren zu erhalten.
Nach Abschluss der Fassadenarbeiten konnte die gesamte Umgebung der Kirche neu gestaltet werden. Das Hauptaugenmerk galt den Fussgängern. Mit einem nun ebenen Asphaltbelag, neuen seitlichen Weggeländern, zusätzlichen Beleuchtungen und einer massiv ausgelichteten Grünanlage präsentiert sich die Kirche St. Maria nun in neuem Glanz.
Für die anspruchsvolle Aufgabe, die wir in einer kollegialen und unkomplizierten Zusammenarbeit mit der Baukommission realisieren durften, danken wir bestens. Unterstützt wurden wir dabei von den
am Bau tätigen Firmen - insbesondere der Firma Wurster AG, Steinmetzbetrieb in Thal, und des Teams Giovanni Russo, Andelfingen - mit ihrer professionellen Arbeit.
Quelle: Schaffhauser Nachrichten, 22. Juni 2002 von Felix Aries
(Sanierungskonzept) und Christian Bächtold (Projektleitung)