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Basel, um 1770/80
Ölmalerei auf Leinwand
H. 41,5 cm, B. 31,5 cm
Inv. 1913.80.
Barfüssig und in zerrissenen Kleidern, mit verschränkten Armen und trotzigem Ausdruck im seitwärts gewandten Gesicht steht ein junger Mann vor einem Uniformierten.
Dieser trägt eine Uniform mit Dreispitz, dazu Gewehr, Stock und Brustschild mit dem Baselstab. Das Machtgefälle zwischen den Beteiligten ist offensichtlich.
Der Ordnungshüter überprüft konzentriert ein Dokument, mit dem sich der junge Mann ausgewiesen hat. Auch wenn der Text nicht zu entziffern ist, so ist der offizielle Charakter des Papiers durch einen Aufdruck oder Stempel in der linken oberen Ecke offensichtlich. Vermutlich handelt es sich um einen Pass, der Angaben zur Identität des Halters, zu Ziel, Länge und Zweck der Reise enthält. Doch das gilt es genau zu prüfen, das Misstrauen besteht weiter, die Spannung zwischen den beiden auch.
Der Uniformierte ist ein Harschier, Mitglied einer 1744 gegründeten, kleinen Abteilung der Stadtsoldaten, auf der Landschaft eingesetzt «aus Landes-Vätterlicher Vorsorge für die allgemeine Sicherheit, und zu Abtreibung alles gefährlichen und verdächtigen fremden Strolchen- Gesindes», wie es in dem 1763 verfassten Reglement heisst.
Sofern sie Verdächtige anträfen, sollten sie «solche examinieren, die Pässe einsehen», dabei aber «weder allzuhart gegen wahrhaft armen Leuthen, noch allzumitleidig gegen Landfahrendem Strolchen-Gesind seyn».
Im Hintergrund, in der Bildmitte, klein, aber in hellem Licht stehend, sieht man die Basler Richtstätte, die zu jener Zeit «auf» dem Gellert lag. Der Galgen bestand aus drei Säulen, die durch Balken verbunden wurden. So konnte man die Mitglieder grösserer Banden gleichzeitig hinrichten. In dieser herausgehobenen Platzierung im Bild ist er wohl als deutliche Mahnung und als Hinweis auf die Gerichtshoheit zu verstehen.