Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03574.jsonl.gz/1654

Sign 0’ the Times - Lucio Fontana, Hermann Goepfert, Jef Verheyen
Sign 0’ the Times - Lucio Fontana, Hermann Goepfert, Jef Verheyen
Die Galerie Dierking stellt am Zürcher Paradeplatz in der Ausstellung „Sign 0’ the Times“ ausgewählte Werke von Lucio Fontana, Hermann Goepfert und Jef Verheyen vor und beleuchtet die einzigartige Zusammenarbeit der drei ZERO-Künstler.
In den 1960er-Jahren war die ZERO-Bewegung europaweit spürbar. Unabhängig voneinander hatten die Künstler Lucio Fontana in Italien, Hermann Goepfert in Deutschland und Jef Verheyen in Belgien begonnen, Monochromie als neue Bildidee und den Einsatz von realen Elementen, vor allem von Licht und Bewegung, als bildnerische Materialien zu postulieren. Einig in dem Gedanken, Herkömmliches abzulösen und sich zukunftsorientierten Utopien hinzuwenden, begannen die Avantgardisten, sich zu vernetzen und gemeinsam auszustellen. Der intensive künstlerische Austausch von Goepfert, Fontana und Verheyen mündete 1963 in der ausgestellten Gemeinschaftsarbeit, die die drei Künstler gemeinsam konzipierten.
Ohne Zweifel zählt das Gemeinschaftswerk „o.T.“ von Jef Verheyen, Lucio Fontana und Hermann Goepfert aus dem Jahr 1963 zu den kunsthistorisch bedeutendsten Arbeiten der Nachkriegszeit. Handelt es sich doch um eines der wenigen Gemeinschaftswerke von mehreren Künstlern unterschiedlicher Nationen nach 1945, das darüber hinaus signifikante ästhetische Prinzipien bedeutender Künstlerpersönlichkeiten vereint. Ästhetische Prinzipien, Vorstellungen und Ideale der Interaktion dreier ZERO-Künstler finden in diesem Werk ihren Höhepunkt.
Hatte Lucio Fontana eine katalysierende Funktion für die jüngeren Künstler Jef Verheyen und Hermann Goepfert, war er gleichzeitig empfänglich für Anregungen der beiden. Verheyen besuchte Fontana zum ersten Mal in Herbst 1957. Über 40 Briefe von 1959 bis 1968 an Verheyen belegen die Freundschaft. Goepfert besuchte Fontana gemeinsam mit Verheyen wiederholt in seinem Mailänder Atelier Anfang der 1960er-Jahre. Persönlich holte Goepfert 1965 Fontana in Mailand zu gemeinsamen Ausstellungen mit Jef Verheyen in Berlin (Galerie Christian Chruxin – situation 60) und Frankfurt-Niederursel (Galerie Dorothea Löhr) ab. In der Berliner Ausstellung wurde das Gemeinschaftswerk von 1963 ausgestellt, das im Entstehungsjahr in der Frankfurter Galerie d zum ersten Mal in der Schau „achrom 2“ präsentiert wurde.
Lucio Fontana (1899-1968)
Der in Argentinien geborene und schließlich in Mailand lebende Lucio Fontana verfolgte in seinem Werk die grundlegende Idee einer Erneuerung der Kunst durch die Verschmelzung von Architektur, Malerei und Skulptur. Er war einer der experimentierfreudigsten und innovativsten Künstler des 20. Jahrhunderts, der die traditionelle Malerei überwinden wollte und mit seiner neuen Raumkunst großen Einfluss bis heute ausübt. 1949 entstanden die ersten perforierten Leinwände und rund ein Jahrzehnt später begann Lucio Fontana, meist monochrome Leinwände mit Messerschnitte aufzubrechen. Dabei war es Fontanas Intention, den realen und den imaginierten Raum zu vereinen. Im ausgestellten Werk „Concetto Spaziale (62 0 34)“, 1962 markiert ein Loch im oberen Bildviertel die rechteckigen blaue Leinwand. Weist das ausgestellte Bildwerk im leuchtenden Farbton Parallelen zum Gemeinschaftswerk auf, zeugt die Art der Ausführung von Reduktion und Unmittelbarkeit. Die singuläre Perforierung in die Bildfläche verdichtet Fontanas Intention, in die Materie der geschlossenen Form einzudringen, um das Körperhafte der Leinwand sinnlich erfahrbar zu machen. Er verwandelt die Bildfläche in ein Relief, so dass diese zum räumlichen Element wird, in dem sich ein neuer, imaginärer Raum öffnen kann. In diesem Sinn kennzeichnet „Concetto Spaziale (62 0 34)“, 1962 auf ein Neues die eindringliche und klare Qualität der Werke von Lucio Fontana.
Hermann Goepfert (1926-1982)
Der in Frankfurt am Main lebende Hermann Goepfert hatte in den 1950er-Jahren begonnen, seine Bildwerke in der Farbe zu reduzieren und schließlich rein weiße Bildgründe zu erstellen, die kleine Erhebungen hatten, um das reale Licht als Reflektion abzubilden. Diese plastischen Malstrukturen ersetzte er in Folge durch Metalleinschübe und tauschte später auch die Leinwand gegen Metall aus. Seine kinetischen Aluminiumreflektoren wie „DO III“, 1964 sollten das Raumlicht auffangen und abbilden. Dabei galt sein Hauptaugenmerk dem Gebilde vor der Rückwand, das, an Spiralfedern aufgehängt, durch Luftströmungen ins Wippen gerät und dadurch wechselnde Reflektionen erzeugt. „Licht ist Form“, lautete das Credo von Goepfert, der die ästhetische Qualität des Lichtes durch vorgeformte Instrumente sichtbar machen wollte. Es war vor allem das natürliche Licht, das er darzustellen versuchte. Der „Aluminiumreflektor DO III“, 1964 war 1964 auf der documenta ausgestellt. In der Sektion „Licht und Bewegung“ mit Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker stellte Goepfert ebenfalls sein „Optophonium“ aus. Die Künstler widmen ihren Raum Lucio Fontana.
Jef Verheyen (1932-1984)
Der Belgier Jef Verheyen gehörte zu den bedeutendsten Malern im Umfeld der Gruppe ZERO. Entstanden zu Beginn schlichte monochrome Gemälde in Schwarz und Weiß, wandte sich Verheyen schließlich aufwendigeren Varianten aus Licht und Farbe zu. Dafür entwickelte er eine besondere Lasurtechnik, die durch das Übereinanderlegen von extrem dünnen, durchscheinenden Farbschichten nuancierte Farbverläufe und Farbabstufungen erzeugt. Die ausgestellten Malereien „aus den frühen 1960er Jahren verdeutlichen sein Bestreben, nur die Farben selbst darzustellen. Auch hier vermied Verheyen jeglichen Pinselduktus, um als Akteur in den Hintergrund zu treten und Raum für die reine Wirkung der Farben zu schaffen. Erst bei näherem Hinsehen werden die Farbverläufe sichtbar. Dabei stellt sich fast eine immaterielle Wirkung der Farben ein. Den Prozess des Sehens setzte der Künstler mit dem Fühlen gleich, das Sehen sei »Fühlen mit den Augen«.