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Am Schwangerschafts-Juckreiz sind nicht nur die Hormone schuld, sondern auch die Überdehnung der Haut, besonders in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft. Ausserdem wird die Haut durch die vermehrte Schweissbildung in den grossen Hautfalten gereizt, zum Beispiel unter den grösser gewordenen Brüsten oder in der Leistengegend. Trockene Haut ist besonders stark betroffen. Viele Schwangere bemerken auch, dass ihre Handflächen und Fusssohlen gerötet sind, brennen und jucken.
Tipps bei juckender und gereizter Haut
Tragen Sie bequeme, weiche und luftige Kleidung, möglichst aus Baumwolle. Wolle und Synthetik sind ungünstig.
Beim Wäschewaschen sollten Sie auf Weichspüler verzichten. Weichspüler können die Haut reizen und eine Allergie auslösen.
Ernähren Sie sich fettarm, würzen Sie nur wenig.
Trinken Sie Tee aus Schafgarbe, Tausendgüldenkraut oder Pfefferminze, aber nur lauwarm.
Vermeiden Sie alles, was die Haut austrocknet, wie trockene Luft und Hitze (z.B. Sauna).
Pflegen Sie die trockene Haut mit mildem Mandelöl, Jojobaöl oder Vitamin-E-reichem Weizenkeimöl.
Schwimmen tut der gereizten Haut gut.
Verwenden Sie keine Seife, denn sie trocknet die Haut aus. Nehmen Sie eine Zeitlang nur klares Wasser zum Waschen. Ein Kompromiss sind milde, nichtalkalische Seifen und rückfettende Waschsyndets.
Benutzen Sie einen Badezusatz mit Meersalz, Kieselerde, Natron, Maisstärke, Molke oder Kleie oder ein spezielles Ölbad.
Duschen und baden Sie nur lauwarm und höchstens 20 Minuten lang.
Reiben Sie sich nach dem Duschen mit einem in Apfelessig getränkten Waschlappen ab, brausen Sie sich dann entweder kurz ab oder - wenn es nicht brennt - lassen Sie den Essig auf der Haut.
Cremen Sie sich nach dem Waschen sorgfältig mit einer harnstoffhaltigen Emulsion (Urea) ein.
Vermeiden Sie Bürstenmassagen, auch wenn dies für kurze Zeit Erleichterung bringt. Danach ist der Juckreiz umso stärker. Das gilt auch für das Abtrocknen mit dem Handtuch: Nur behutsam trocken tupfen.
Manchmal hilft eine Tannin- oder Ichthyol-Lotion oder Menthol-Salbe aus der Apotheke.
Linderung bei juckenden Brustwarzen bringen auch feuchte Umschläge, z.B. mit kaltem Schwarztee. Alkoholumschläge sind jedoch zu vermeiden.
Antihistamin-Gels (z.B. Dimetinden, Clemastin) können den Juckreiz lindern, aber auch eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen.
Sind diese Massnahmen nicht erfolgreich, kann auch eine vom Arzt oder von der Ärztin verschriebene mittelstarke Corticosteroid-Creme aufgetragen werden. In sehr schweren Fällen muss Cortison eventuell auch in Tablettenform gegeben werden. Kortison hilft meist sehr rasch und gut, erhöht allerdings leider die Wahrscheinlichkeit, Schwangerschaftsstreifen zu entwickeln.
Was kann sonst noch hinter dem Juckreiz stecken?
Bei anhaltendem und grossflächigem Juckreiz mit Ausschlag und Wundsein sollten Sie auf jeden Fall Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin informieren. Dann kann es sich auch um eine Allergie handeln.
Möglicherweise liegt aber auch ein schwangerschaftsbedingter Gallenstau (Schwangerschaftscholestase) vor. Das ist eine seltene, aber schwere Leberfunktionsstörung, die nicht nur vorzeitige Wehen auslösen kann, sondern auch wegen der damit verbundenen Gerinnungsstörung das Risiko von starken Blutungen unter der Geburt vergrössert. Ob diese Komplikation vorliegt, lässt sich leicht anhand eines Bluttests feststellen. Eventuell wird Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin dann gegen den Juckreiz das Medikament Cholestyramin verschreiben.
Ist der Juckreiz auf den Scheidenbereich begrenzt, könnte beispielsweise eine Candida-Infektion (Scheidenpilz, Soor), eine bakterielle Vaginose oder eine Trichomonaden-Infektion dahinter stecken. Sie sollten dies Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin mitteilen, damit gezielt behandelt werden kann.
Zeigen sich auf der Haut juckende Quaddeln, Papeln oder Bläschen, leiden Sie wahrscheinlich an einer Schwangerschaftsdermatose. Unter entsprechender Behandlung (antihistaminhaltige Salbe oder mittelstarke Kortison-Creme) heilt sie schnell ab. Eine weitere Therapiemöglichkeit besteht in der Bestrahlung mit UV-B-Licht und Vitamin-K-Spritzen.