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Papierschöpfer/in
Papierschöpfer[1] stellten bis ins 19. Jahrhundert aus Lumpen und Textilabfällen ein Produkt her, welches höchst bedeutende gesellschaftliche Auswirkungen hatte. Kein anderes handwerkliches Erzeugnis konnte den Erwerb von Schreib- und Lesekompetenz und den Prozess der Literarisierung in dem Ausmass begünstigen wie das Papier.
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Die Technik der Papiermacherei, die ihren Ursprung in China hat, soll im 11. Jahrhundert über den arabisch-islamischen Kulturraum nach Spanien und Italien gelangt sein und sich allmählich über ganz Europa verbreitet haben. Die europäische Papiermacherei unterschied sich allerdings über Jahrhunderte hinweg kaum von der asiatischen. Der Herstellungsprozess war in zahlreiche Arbeitsschritte aufgeteilt und die Arbeit des Papierschöpfers stellte einen Tätigkeitsbereich in diesem Herstellungsprozess dar, der unteranderem darin bestand, die gesammelten Lumpen zu sortieren, grob zu reinigen, klein zu schneiden, zu waschen und während zwei bis drei Wochen unter Beigabe von Kalk anfaulen zu lassen, damit diese im Anschluss daran mithilfe des Stampfgeschirrs vollkommen zerfasert werden konnten. Die auf diese Weise gewonnene Menge an Fasern (auch Ganzzeug genannt) beförderte man daraufhin in eine Bütte, worin die Papierbögen geschöpft (Tätigkeitsbereich des Papierschöpfers), zwischen Filzen abgelegt und in Nasspressen entwässert wurden. Ein weiterer Arbeitsschritt, welcher zumeist von Frauen durchgeführt wurde, bestand darin die Bögen auf Pferdehaarseilen zum Trocknen aufzuhängen. Das Aussortieren, Verpacken und Glätten gehörte ebenfalls dem Tätigkeitsbereich der Frauen zu. Das Leimen, welches insbesondere bei Schreibpapier vorgenommen wurde, stellte einen weiteren Arbeitsschritt dar, der nicht mit weniger Mühsal verbunden war. Es ist daher nicht weiter erstaunlich, dass neben Unfällen auch Krankheiten wie Milzbrand und Rheuma in der Papiermacherei auftraten. Mit dem Einzug technischer Innovationen konnte im Verlaufe der Zeit diesen Schwierigkeiten insofern entgegengewirkt werden, als dass man sich beispielsweise bereits im 13. Jahrhundert zur Rohstoffbereitung der Wasserkraft bediente. Im 17. Jahrhundert wurde auch die Bütte optimiert, indem diese nunmehr neben einer eigenen Wasserzuleitung und einem Ofen mit Rauchabzug auch noch einen quer über die Bütte geführtes Ablagebrett (Steg) und mit der Bütte verbundene Stühle verfügte.
Der Einfluss weiterer technischer Innovationen führte mit der Zeit nicht nur zum Einsatz anderer Rohstoffe wie Altpapier und Holz, sondern auch zur Änderung der Berufsbezeichnung. Papier wird gegenwärtig von Papiertechnologen und Papiertechnologinnen hergestellt, die sich insbesondere mit der Steuerung der computerisierten Maschinen, der Produktionsüberwachung, der Qualitätskontrolle und der Anlagenwartung beschäftigen.
[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Text nur die männliche Form verwendet
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Literatur
Palla Rudi: Verschwundene Arbeit. Das Buch der untergegangenen Berufe, Frankfurt am Main 2010, S. 162-167.
Reith Reinhold: Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 176-182.
Sauer Christine: Handwerk im Mittelalter, Darmstadt 2012, S. 133-145.
www.berufsberatung.ch → Eintrag Papiertechnologe/-login EFZ, https://berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=3002, abgerufen am 20.07.2017.
www.berufskunde.ch → Eintrag Papiertechnologe/in EFZ,
https://www.berufskunde.com/chd/ausbildungsberufe-a-bis-z/papiertechnologe, abgerufen am 20.07.2017.
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