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SUFISMUS
Was ist Sufismus?
Sufismus bezeichnet den mystischen Weg des Islams. Der Name «Sufi» soll entweder auf das wollene Kleid zurückgehen, das die ersten Sufis getragen haben (arabischsuf = Wolle) oder rein bedeuten. Rein meint in diesem Zusammenhang gereinigt von Unkenntnis.
Die Anhänger des Sufismus sehen ihre Lehre nicht als ein spirituelles Produkt der islamischen Religion. Der Sufismus offenbart lediglich die innere Wahrheit des Islam. Die Lehre des Sufismus zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Aus der Sicht der Sufis ist und war diese zu jeder Zeit und in jeder Kultur in verschiedenen Aspekten allgegenwärtig. So gibt es sowohl streng religiöse sunnitische oder schiitische Muslime, als auch universalistische Sufis, für die der Islam nur eine unter vielen Religionen ist. Allerdings zählt sich die Mehrheit der Sufis zum Islam.
Es gibt Sufis, die beweisen wollen, dass der Sufismus in allen drei monotheistischen Religionen schon seit über 2500 Jahren praktiziert würde. (1)
Tariqat, der Sufi-Orden
Schon in früher Zeit gab es einzelne Muslime, die auf mystischem Weg die Vereinigung mit Gott suchten. Mit der Zeit entstanden Orden, die verschiedene Meditationstechniken entwickelten. Allen ist gemeinsam, dass sie davon ausgehen, dass sich der Mensch auf einer Reise befindet, deren Ziel das Aufgehen in Gott ist. (2)
«Die meisten Sufi-Pfade offerieren Schülern eine fortschreitende Entschleierung des Herzensauges, was durch die Übung des Dhikr, die Erinnerung an Allah, erreicht wird. Diese spirituellen Übungen können verschiedene der Heiligen Namen des Herrn und andere spirituell wirksame Formeln enthalten. Einige von ihnen beinhalten Praktiken, die geeignet sind, die Grenze der weltlichen Wahrnehmung aufzubrechen und den Übenden in einen Zustand andersartigen Bewusstseins zu versetzen.» (3) .
Ein Orden oder Tariqat - Weg, Pfad - wird von einem Scheich oder Murschid geleitet, der seine Anhänger und Anhängerinnen (Murid = Strebender) auf ihrem mystischen Weg anleitet. Das Verhältnis zum Scheich kann locker sein.
Zusätzlich zu den fünf Säulen pflegen die Sufis weitere individuelle und Gemeinschaftsgebete zu verrichten oder sich in Klausuren zurückzuziehen. Die wichtigste Form der Meditation ist der Zikr (oder Dhikr geschrieben), bei dem die schönsten Namen Gottes und heilige Formeln während längerer Zeit wiederholt werden. Zum Beispiel: La Ilaha Ill Allah, (Kein Gott ausser DEM Gott), Astaghfir Ullah (Ich bitte 'Allah um Verzeihung).
Jeder Orden hat eigene Techniken, die sich von Orden zu Orden mehr oder weniger stark unterscheiden. Während die einen bei ihren Zusammenkünften still im Kreis sitzen und jeder für sich die Gebete oder Formeln nur innerlich spricht, pflegen andere diese laut und oft mit Körperbewegungen unterstützt zu wiederholen. Manchmal kommen Atemübungen dazu. Im Extremfall «tanzen» Sufis, wie zum Beispiel die «Wirbelnden Derwische».
Manche Muslime sehen bei Sufis eine Tendenz, ausserislamische Elemente aufzunehmen. Deshalb werden sie oft argwöhnisch beobachtet.
Manche Sufi-Orden erreichten einen grossen Einfluss auf die Gesellschaft und die Politik. Dies war einer der Gründe, warum die Tariqat in der Türkei verboten wurden. Deshalb treten türkische Sufis kaum öffentlich in Erscheinung.
Die meisten Sufi-Gruppen wirken im Verborgenen. Sie missionieren kaum und laden höchstens Aussenstehende gelegentlich zu einem Vortrag ihres Scheichs ein. So zum Beispiel der Sufi-Orden der Naqsbandiyya, der von Scheikh Nazim geleitet wird.
Dschalal ad-Din Rumi, der geistige Vater des Mevlevi-Ordens
Der persische Mystiker Dschalal ad-Din Rumi (1207-1273) lebte lange in Konya (heutige Türkei). Auf ihn geht der bekannteste Tariqat zurück. Der Mevlevi-Orden (oder Mewlewiyye / Maulawiyya) ist im Westen wohl der bekannteste.
Eine besonders spektakuläre Form ihrer Dhikr-Übungen hat ihr in Europa den Namen «Tanzende Derwische» eingebracht. Dabei drehen sich die Sufis zu Musik um ihren rechten Fuss, bewegen sich aber zugleich in einem Kreis vorwärts.
Dieser Drehtanz ist aber einiges mehr als die Touristenattraktion, als die er in der Türkei erlebt wird. In der Türkei gab es bis zum Jahre 1925 die sogenannten Dergâhs wo die Aspiranten zu Derwischen ausgebildet wurden. Kemal Atatürk hat diese verboten und die Ausbildungen und Treffen fanden seitdem im privaten Kreis statt, so auch in der Schweiz und in Deutschland. Erst in den letzten Jahren wurden die Gesetze in der Türkei gelockert, so dass sich der Orden langsam auch wieder öffentlich zeigen durfte.
Heute organisiert die «International Mevlânâ Foundation» mit Sitz in Istanbul weltweit die Bemühungen dieser alten mystischen Richtung. In Zürich wirkt die «Internationale Mevlana Stiftung Schweiz».
Dass der Umgang mit dem Sufismus in der Türkei unverkrampfter geworden ist, zeigt auch der Film «Takva» von Özer Kiziltan, der in der Schweiz vom Schweizer Kinofilmverleih Cineworx in die Kinos gebracht wird.
Aus dem Sufismus entstandene Bewegungen
Es haben sich aus dem Sufismus einzelne Bewegungen entwickelt, die sich selber als universalistisch verstehen oder nicht mehr als islamisch gelten. So zum Beispiel die «Sufi-Bewegung» und der «Sufi-Orden», die auf Hazrat Inayat Khan (1882-1927), respektive auf Pir Vilayat Inayat Khan zurückgehen und die von Reshad Feild begründete
«Lebende Schule» («Chalice»).
Anmerkungen
1.: Die Sufis in der Bibel. Wahrer der Orthodoxie (von Stefan Makowski)
2.: Kleines Wörterbuch des Islam. S. 157
3.: 'Abdullâh ad-Daghistani: Der Naqschibandi-Weg. Ein Führungsbuch für die geistige Entwicklung Mit einer Einleitung und Kommentaren von Scheich Nazim. Bonndorf 1995. S. 9
Literatur
- Lexikon des Islam. Geschichte, Ideen, Gestalten. CD. Berlin 2004. Digitale Bibliothek Band 47. Stichworte: Mewlewiyye/Maulawiyya; Mystik.
- Annemarie Schimmel: Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus. Köln 1985.
- Tor Andrae: Islamische Mystiker. Stuttgart. 1960. Urban Bücher.
Weitere Links
Sufismus, aus Wikipedia
Sufiportal.de
Sufismus – die islamische Mystik. Islam weichgespült? (von Inga Gebauer)
[int.Nr.: i111]
Aktualisiert: 10.12.2008
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