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Die Duden-Redaktion hat kürzlich entschieden, im Online-Duden das generische Maskulinum, das Frauen mit meint und damit sprachlich unsichtbar macht, abzuschaffen. Das hat vor allem in Deutschland heftige Reaktionen ausgelöst. Befürworter des generischen Maskulinums behaupten, das grammatische Geschlecht (Genus) habe mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) nichts zu tun. Dieses Argument widerlegten neulich die renommierten Linguistinnen Gabriele Diewald und Damaris Nübling in der «Neuen Zürcher Zeitung».
«Die» Tante und «das» Weib
Bei Personenbezeichnungen sei der Zusammenhang zwischen Genus und Sexus am engsten, schreiben die Sprachwissenschaftlerinnen. So heisse es «die» Tante und «der» Onkel. Auch die Bezeichnungen «das» Weib und «das» Mädchen haben viel mit dem biologischen Geschlecht zu tun. Denn mit dem Neutrum bezeichne man Frauen, die entweder unreif oder unverheiratet sind (Mädchen, Fräulein), ihre Rolle nicht erfüllen (Weib) oder versagen (das Merkel). Die enge Verbindung von Genus und Sexus bei Personenbezeichnungen belege, dass männliche Bezeichnungen wie «Arbeiter» und «Leser» eine männliche Vorstellung auslösen. Dieser Zusammenhang sei wissenschaftlich längst erwiesen.
Die Biene heisst Maja, nicht Ernst
Sogar bei den Bezeichnungen für Tiere könne es einen Zusammenhang zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht geben, schreiben die Sprachwissenschaftlerinnen. In Kinderbüchern beispielsweise erhalten fast alle Tiere bei der Personifizierung Namen aufgrund des grammatischen Geschlechtes. «Die» Biene heisst Maja und «der» Fuchs «Herr Fuchs».
Grammatisch männlichen Tieren wie dem Elefanten und dem Löwen ordne man keine weiblichen Eigenschaften und Aktivitäten zu. im Unterschied zu grammatisch weiblichen Tieren wie Katze oder Giraffe bekommen Elefanten und Löwen keine Jungen und säugen auch keine. Grammatisch männliche Tiere werden in ein Femininum umformuliert um zu gebären: Ein Junges bekommt die Löwin, die Elefantenkuh, die Hündin. «Wäre jedoch, wie so oft behauptet, Genus von Sexus komplett unabhängig, müsste auch ein Hund oder ein Elefant trächtig sein oder Junge säugen können – genauso wie eine Katze oder eine Giraffe.»
Auch Objekte wie Flüsse und Gestirne personifiziere man meist aufgrund des grammatischen Geschlechts, schreiben die Sprachwissenschaftlerinnen: Den Rhein nenne man «Vater» Rhein, die Mosel, «Mutter» Mosel. «Die» Sonne sei stets eine Frau, «der» Mond ein Mann. In romanischen Sprachen sei es umgekehrt, die Person entspreche aber ebenfalls dem grammatischen Geschlecht.
Es geht um mehr als um Formulierungen
Die Kritik an geschlechtergerechter Sprache ist oft pauschal und herablassend. So beklagte kürzlich Martin Ebel, pensionierter Literaturchef des «Tages-Anzeiger», zum wiederholten Mal in einem langen Kommentar, «Genderdeutsch» setze sich überall durch, «bald sicher auch in dieser Zeitung». Weil Gleichstellung mühsame politische Arbeit sei, setzten «viele» lieber bei der Sprache an, unterstellte Ebel. Doch eine bessere Welt lasse sich nicht durch «Benennungszauber» schaffen. Wissenschaftliche Studien, die einen Zusammenhang zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht belegen, disqualifizierte er pauschal als empirisch und methodisch «dürftigst». Welche Studien er meinte, schrieb Ebel allerdings nicht.
Das Beispiel zeigt: Es scheint um mehr zu gehen als nur um Formulierungen. Die feministische Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch bezeichnete das generische Maskulinum einst als «gigantische Werbemaschinerie» für den Mann: «Mit fast jedem Satz, in dem von Personen die Rede ist, erzeugt sie die Vorstellung einer männlichen Person. Wenn Sie es nicht glauben, fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
keine