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Im November 1817 übernahm Karl Freiherr von Stein zum Altenstein (1770–1840) in Berlin das preussische Kultusministerium. Als ambitionierter Verehrer Goethes versammelte er Gleichgesinnte um sich und berief schon zu Beginn seiner Amtszeit mit dem Physiker Thomas Johann Seebeck (1770–1831) und dem Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831) zwei Wissenschaftler nach Berlin, die bereits durch ihr Eintreten für Goethes „Farbenlehre“ in Erscheinung getreten waren. Während Seebecks Einfluss auf die physikalische Optik seiner Zeit beschränkt blieb, verhalf Hegel der „Farbenlehre“ in weiteren Kreisen zu grossem Ansehen. Er behandelte sie nicht nur in seinen Lehrveranstaltungen an der Berliner Universität als wichtiges Element im System seiner Naturphilosophie, sondern gab auch den Anstoss zu Experimentalvorlesungen über die „Farbenlehre“, die von einem seiner Mitarbeiter mit Unterstützung des Ministeriums über mehr als zehn Jahre regelmässig gehalten wurden. Das Ministerium förderte fähige Nachwuchswissenschaftler wie die Mediziner Jan Evangelista Purkyne (1787–1869) und Johannes Müller (1801–1858), die in ihren Pionierarbeiten zur Sinnesphysiologie Goethes Ideen schöpferisch umsetzten. Und es stattete den Künstler Joseph Raabe (1780-1849) mit den erforderlichen Mitteln aus, um in Absprache mit Goethe auf einer Reise nach Italien farbtreue Kopien von Bildern als Musterbeispiele für Goethes Ansichten zum Kolorit in der Malerei anzufertigen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts werden die zu diesen und weiteren zugehörigen Vorgängen erhaltenen Dokumente gesammelt, editorisch bearbeitet und ausgewertet. So entsteht ein Überblick über die komplexen Zusammenhänge, die beteiligten Personen und über die Wirksamkeit ausserhalb von Berlin, unter Berücksichtigung der Resonanz, die eine solche Förderung seines Werks „Zur Farbenlehre“ bei Goethe und in seinem Kreis hervorrief.
Die in dem Projekt zusammengeführten amtlichen und privaten Quellen werden nicht nur erstmals einen geschlossenen Eindruck des vielgestaltigen Einflusses von Goethes „Farbenlehre“ auf Naturwissenschaften, Philosophie und bildende Kunst vermitteln, sondern ihre Auswertung wird auch ein neues Licht auf die Bedeutung Goethes für die preussische Kulturpolitik im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts und auf das gesellschaftliche Leben in Preussens Hauptstadt Berlin werfen. Ausserdem leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Goethe-Forschung.