Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03174.jsonl.gz/2006

Für eine Forschungsarbeit über Büchel wurde in Muotathal recherchiert. Die CD «Büchelbox» mit Notenheft entstand.
Zwei junge Musiker machten sich auf die Suche nach der Geschichte des Büchels. Immer wieder war dabei Muotathal für sie ein bedeutender Ort. «Muotathal hat eine grosse Büchelbläsertradition », weiss denn auch Peter Betschart vom Muotathaler Verein «Giigäbank», der sich für den Erhalt des Brauchtums einsetzt. Balthasar Streiff, Trompeter, Alphorn- und Büchelbläser, sowie Yannick Wey, Musikwissenschaftler und Trompeter, sind auf ihn zugegangen, um historische und aktuelle Einblicke zu erhalten. Der Verein «Giigäbank» fand die Untersuchungen von Streiff und Wey derart interessant und in seinem Sinne, dass er die Forschungsarbeit über Büchel finanziell unterstützt hat.
Bau orientierte sich vermutlich an Trompete
«Insbesondere im Muotathal wurde der Büchelbau ohne Unterbrüche gepflegt », heisst es in der Forschungsarbeit von Balthasar Streiff und Yannick Wey. Der Ursprung des Büchels könne jedoch nicht eindeutig geklärt werden. Seine Formgebung lege nahe, dass sich der Bau des Instruments an der Trompete orientierte. «Der Name Büchel verweist auf eine Anlehnung an das lateinische Wort bucina, welches die lange gewundene römische Militärtrompete bezeichnet», schreiben Streiff und Wey. Die ältesten Büchel, welche heute noch erhalten sind, stammen aus dem 19. Jahrhundert, wobei exakte Datierungen nicht möglich seien. Einzelne Exemplare von Holztrompeten aus Deutschland oder Österreich, welche der Form des Büchels entsprechen, werden auf das 16. Jahrhundert datiert. Ausführliche Recherchen in Form von Transkriptionen, Tonaufnahmen und Gesprächen führten zu einer faszinierenden Sammlung von Stücken für Büchel aus mehr als drei Jahrhunderten. Diese führt durch diverse stilistische Ausprägungen, von traditionellen Muotataler Melodien über Stücke ähnlicher Holztrompeten aus Österreich, Ungarn und Deutschland bis hin zu Neukompositionen, und soll auch zum Nach- und Mitspielen animieren. So wurden Stücke von Alois (Wisi) Bucher, Alfred Schelbert, Franz Gwerder, Thomas Imhof und Anton Büeler niedergeschrieben und teilweise mit zweiten Stimmen erweitert. 47 Melodien für Büchel können mit der Forschungsarbeit von Balthasar Streiff und Yannick Wey nachgespielt werden. Das Büchelspiel sei allerdings alles andere als einfach. «Wir haben schon mehrmals Büchelworkshops durchgeführt », sagt Peter Betschart vom Verein «Giigäbank». Die Blastechnik sei zwar vergleichbar mit jener des Alphorns, es sei jedoch ein anderer Druckaufbau nötig. «Das Büchelspiel ist deswegen eher eine Randsportart», meint Betschart. Es sei ein Soloinstrument, das in einem pulsierenden Stil gespielt werde.
Fortsetzung geplant
BüchelBox bedeutete ein Sammelbecken, sowohl Recherche, Vermittlung als auch Spielen von Büchelmusik. Eine Fortsetzung der ersten Publikationen ist in Arbeit. Den zwei Musikern ist es wichtig, dass das Büchelspiel nicht ausstirbt. «Wir wollen das Büchelspiel am Leben erhalten, wir wollen, dass es vital bleibt. Dazu muss Altes in Aktuelles einbezogen werden», sagt Streiff. Zurzeit erlebt auch der Büchelbau in Muotathal denn auch eine Phase der Innovation. Heinz Brandenberger entwickelte einen Prototyp eines dreifach gefalteten Büchels mittels 3-D-Druck. «Das Resultat kann sich in Bezug auf Klang und Intonation mit handgefertigten, hölzernen Exemplaren vergleichen lassen», wie es in der Forschungsarbeit heisst.
Bote der Urschweiz / Nicole Auf der Maur
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Musik
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/BHJLr2