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Der wichtigste Moment
Es waren einmal drei Brüder, die sich darüber stritten, was der wichtigste Moment im Leben eines Menschen sei. Der erste meinte, dass es die Geburt sein müsste, denn schliesslich gäbe es ohne diesen Moment gar kein Leben. Der zweite meinte, dass es der Tod sein müsste, denn in diesem Moment entschiede sich erst endgültig, ob es ein gutes Leben gewesen ist. Der dritte schliesslich sagte, der wichtigste Moment sei die Geburt des ersten Kindes, denn da würde entschieden, dass die Familie weiterlebt.
Und so stritten die Brüder eine Weile und konnten sich nicht einigen. Schliesslich entschlossen sie sich, einen neutralen Richter über diese Frage entscheiden zu lassen und sie einigten sich auch schnell auf einen weisen alten Mann, der gar nicht weit vom Haus der Brüder einsam in einer Hütte auf einem Berg lebte.
Sie machten sich auf den Weg zu diesem alten Mann und trugen ihm ihre Frage nach dem wichtigsten Moment im Leben eines Menschen vor. Der alte Mann sah, dass die Brüder ernsthaft bemüht waren, diese Frage zu klären und sagte: "Ich will euch helfen. Aber ich werde nur diese eine Frage beantworten und danach lasst mich bitte in Ruhe und geht wieder." Die Brüder versprachen es ihm. "Gut", sagte der alte Mann. Es gibt eine eindeutige Antwort auf die Frage, was der wichtigste Moment im Leben eines Menschen ist. Diese Antwort lautet:
Der wichtigste Moment ist... JETZT."
Die Regeln des Menschseins
Du hast einen Körper erhalten. Gleichgültig ob Du ihn magst oder nicht, er wird für die Zeit Deines Lebens Dir gehören.
Du wirst Lektionen lernen. Du bist an einer informellen Ganztagsschule eingeschrieben, die man "Leben" nennt. Du wirst an jedem Tag in dieser Schule Gelegenheit haben, Lektionen zu lernen. Es kann sein, dass Du die Lektionen magst, oder dass Du sie für dumm oder überflüssig hältst.
Es gibt keine Fehler, nur Lektionen. Wachstum erfolgt durch einen Prozess von Versuch und Irrtum, durch Ausprobieren. Die fehlgeschlagenen Versuche, sind genauso Teil des Prozesses, wie der Versuch, der zu einem erfolgreichen Ende führt.
Manche Lektionen werden wiederholt. Eine Lektion wird Dir so lange in den verschiedensten Formen präsentiert werden, bis Du sie gelernt hast. Wenn Du sie gelernt hast, kannst Du zur nächsten Lektion übergehen.
Das Lernen hört niemals auf. Jeder Teil Deines Lebens enthält Lektionen. So lange Du lebst, gibt es Lektionen zu lernen.
"Da drüben" ist es nicht besser als "Hier". Immer wenn Dein "Da Drüben" zu einem "Hier" geworden ist, wirst Du einfach nur ein weiteres "Da drüben" finden, das wieder besser aussieht, als das "Hier".
Die anderen sind nur Spiegel Deiner selbst. Du kannst bei einem anderen Menschen nur das mögen oder nicht mögen, was Du an Dir selbst magst oder nicht magst.
Jeder ist seines Glückes Schmied. Was Du aus Deinem Leben machst und wie Du Dich entscheidest, ist Deine Sache. Du hast alle Werkzeuge und alle Quellen, die Du brauchst. Was Du damit machst, liegt bei Dir.
Die Antworten auf die Fragen des Lebens findest Du in Dir. Alles, was Du brauchst, ist sehen, hören und vertrauen.
Glück oder Unglück
Ein alter Mann und sein Sohn bestellten gemeinsam ihren kleinen Hof. Sie hatten nur ein Pferd, das den Pflug zog. Eines Tages lief das Pferd fort.
„Wie schrecklich", sagten die Nachbarn, „welch ein Unglück."
„Wer weiss", erwiderte der alte Bauer, „ob Glück oder Unglück?"
Eine Woche später kehrte das Pferd aus den Bergen zurück,
es brachte fünf wilde Pferde mit in den Stall.
„Wie wunderbar", sagten die Nachbarn, „welch ein Glück."
„Glück oder Unglück? Wer weiss", sagte der Alte.
Am nächsten Morgen wollte der Sohn eines der wilden Pferde
zähmen.
Er stürzte und brach sich ein Bein.
„Wie schrecklich. Welch ein Unglück!"
„Glück? Unglück?"
Die Soldaten kamen ins Dorf und holten alle jungen Männer in den Krieg. Den Sohn des Bauern konnten sie nicht brauchen, darum blieb er als einziger verschont.
„Glück oder Unglück"
Neid, Wut und Hass
Ein alter Meister hatte sich entschieden, nicht mehr zu kämpfen. Trotzdem wurde er von einem jungen Krieger herausgefordert. Der Meister saß nur da und reagierte nicht. Daraufhin versuchte der
Krieger, ihn zu provozieren. Er beleidigte ihn und seine Vorfahren aufs Heftigste. Geduldig ertrug der Meister die Beschimpfungen; schließlich entfernte sich der junge Krieger frustriert. Die Schüler
des Meisters konnten nicht verstehen, dass er sich nicht gewehrt hatte; sie schämten sich seiner sogar. Daraufhin fragte der Meister: "Wenn euch jemand ein Geschenk machen will, und ihr nehmt es
nicht an, wem gehört es dann?"
Die Schüler antworteten: "Natürlich immer noch demjenigen, der es verschenken wollte."
Der Meister fuhr fort: So ist es auch mit Neid, Wut und Hass. Wenn wir sie nicht annehmen, bleiben sie bei dem anderen."
Achte auf Deine Gedanken,
denn sie werden Deine Worte,
achte auf Deine Worte,
denn sie werden Deine Taten,
achte auf Deine Taten,
denn sie werden Deine Gewohnheiten,
achte auf Deine Gewohnheiten,
denn sie werden Dein Schicksal.
Zwei Engel
Zwei reisende Engel machten halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen. Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, "warum", antwortete der ältere Engel:
"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
In der nächsten Nacht rasteten die beiden Engel im Haus eines sehr armen aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nach dem kargen Mahl gingen die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut
schliefen. Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem
Feld.
Der jüngere Engel wurde wütend und frage den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können? "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm," meinte er anklagend. "Die zweite Familie hatte wenig, und du ließest die Kuh sterben."
"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen",
sagte der ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, daß Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er es nicht finden konnte. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen.
"Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."
Habe Vertrauen und verlasse dich darauf, dass jedes Ergebnis zu deinem Vorteil ist.
Du magst es erst bemerken, nachdem einige Zeit vergangen ist....
Wissen
Ein Professor wanderte weit in die Berge, um einen berühmten Zen-Mönch zu besuchen. Als der Professor ihn gefunden hatte, stellte er sich höflich vor, nannte alle seine akademischen Titel und bat
um Belehrung.
„Möchten Sie Tee?" fragte der Mönch.
„Ja, gern", sagte der Professor.
Der Alte Mönch schenkte Tee ein. Die Tasse war voll, aber der Mönch schenkte weiter ein, bis der Tee überfloss und über den Tisch auf den Boden tropfte.
„Genug!" rief der Professor. „Sehen Sie nicht, dass die Tasse schon voll ist? Es geht nichts mehr hinein."
Der Mönch antwortete: „Genau wie diese Tasse sind auch Sie voll von Ihrem Wissen und Ihren Vorurteilen. Um Neues zu lernen, müssen Sie erst Ihre Tasse leeren."
Verrückt
Es war einmal ein König, der lebte in seinem Schloss auf einem hohen Berg, von wo er sein ganzes Land überblickte. Der König war sehr beliebt bei seinem Volk. Jeden Tag
brachten ihm die Leute aus der Stadt schöne Geschenke, und der Geburtstag des Königs wurde im ganzen Land gefeiert. Die Leute liebten den König, denn er war weise und gerecht.
Eines Tages geschah ein Unglück. Alle Brunnen im Lande wurden vergiftet, und alle -Mann, Frau und Kind- wurden verrückt. Nur der König, der auf seinem Berg einen eigenen Brunnen besass, blieb verschont.
Bald danach fingen die verrückten Leute im ganzen Land an zu tuscheln: „Wie seltsam ist doch unser König. Er ist überhaupt nicht mehr weise, er ist gar nicht mehr gerecht."
Manche behaupteten sogar, der König sei verrückt geworden. Vorbei war es mit seiner Beliebtheit, und niemand brachte ihm mehr Geschenke.
Natürlich feierte auch niemand mehr seinen Geburtstag.
Der einsame König, hoch droben auf seinem Berg, blieb ganz allein. Er langweilte sich, darum beschloss er eines Tages, von seinem Berg herabzusteigen und in die Stadt zu gehen. Es war furchtbar heiss an diesem Tag, darum trank der König einen tüchtigen Schluck aus dem Brunnen am Marktplatz.
An diesem Abend feierte die ganze Stadt ein grosses Fest. „Unser geliebter König hat endlich seinen Verstand wiedergefunden", jubelten die Leute.
Meditation
Ein Schüler der Meditation sass in tiefem Schweigen mit einer Gruppe von übenden zusammen. Erschreckt durch eine Vision von Blut, Tod und Dämonen, stand er auf, ging zum
Lehrer und flüsterte: „Roshi, ich hatte ebene eine furchtbare Vision."
„Lass sie los", sagte der Lehrer.
Ein paar Tage später beglückten ihn phantastische erotische Phantasien, Einsichten in den Sinn des Lebens, mit Engeln und kosmischer Pracht - die Wunder der Welt.
„Lass sie los", sage der Lehrer, der mit seinem Stock hinter ihn getreten war und ihm einen Schlag versetzte.
Der Schmerz des Todes
„Ich halte es nicht aus. Dieser Schmerz!" sagte die Frau zu ihrer Schwester.
„Schwester, hast du um deinen Sohn getrauert, bevor er geboren war?"
„Nein, natürlich nicht", sagte die unglückliche Frau.
„Also, dann brauchst du auch jetzt nicht um ihn zu trauern. Er ist nur dorthin zurückgekehrt, wo sein Ursprung liegt, wo er zu Hause war, bevor er zur Welt kam.
Bleib in der Gegenwart
Zwei Mönche, der eine bejahrt, der andere noch ganz jung, wanderten im Regenwald einen schlammigen Pfad entlang. Sie waren auf dem Heimweg zu ihrem Kloster. Da begegneten
sie einer schönen Frau, die hilflos am Ufer eines reissenden Flusses stand.
Der alte Mönch, der die Not der Frau erkannte, hob sie auf seine starken Arme und trug sie hinüber. Sie lächelte und schlang ihre Arme um seinen Hals, bis er sie am anderen Ufer sanft absetzte. Mit einer anmutigen Verbeugung dankte sie ihm, und die Mönche setzten schweigend ihren Weg fort.
Nicht weit von der Klosterpforte, konnte der junge Mönch nicht mehr an sich halten: „Wie konntest du nur eine schöne Frau in die Arme nehmen? So etwas ziemt sich nicht für einen Mönch!"
Der alte Mönch sah seinen Gefährten an und sagte: „Ich habe sie dort zurückgelassen. Trägst du sie immer noch?"
Mahatma Gandhi
Eine Mutter brachte ihren kleinen Sohn zu Mahatma Gandhi. „Bitte, Mahatma", flehte sie. „Sage meinem Sohn, er soll aufhören, Zucker zu essen."
Der Mahatma besann sich und sagte: „Gute Frau, komm in zwei Wochen wieder mit deinem Sohn."
Verwirrt bedankte sih die Frau und sagte, sie wurde tun, wie ihr geheissen.
Nach zwei Wochen kam sie wieder mit ihrem Sohn. Gandhi schaute dem Kleinen fest in die Augen und sagte: „Hör auf, Zucker zu essen."
Dankbar, aber ziemlich verwundert, frage die Frau den Mahatma: „Warum sollte ich zwei Wochen warten? Damals hättest du ihm dasselbe sagen können.
„Vor zwei Wochen", antwortete Gandhi, „habe ich selbst noch Zucker gegessen."
Erleuchtung
Milarepa hatte überall nach Erleuchtung gesucht, aber nirgends eine Antwort gefunden, bis er eines Tages einen alten Mann langsam einen Bergpfad herabsteigen sah, der einen schweren Sack auf der
Schulter trug. Milarepa wusste augenblicklich, dass dieser alte Mann das Geheimnis kannte, nach dem er so viele Jahre verzweifelt gesucht hatte.
„Alter, sage mir bitte, was du weisst. Was ist Erleuchtung?"
Der alte Mann sah ihn lächelnd an, dann liess er seine schwere Last von der Schulter gleiten und richtete sich auf.
„Ja ich sehe!" rief Milarepa. „Meinen ewigen Dank! Aber bitte erlaube mir noch eine Frage: Was kommt nach der Erleuchtung?"
Abermals lächelte der alte Mann, bückte sich und hob seinen schweren Sack wieder auf. Er legte ihn sich auf die Schulter, rückte die Last zurecht und ging seines Weges.
Illusion / Wirklichkeit
Es war einmal ein Volk von Menschen, die verbrachten ihr ganzes Leben in einer Höhle der Illusionen. Nach vielen Generationen glaubten alle daran, dass ihre eigenen, an die Höhlenwände geworfenen
Schatten das Wesen der Wirklichkeit wären. Nur die Sagen des Volkes und seine religiösen Überlieferungen berichteten von einer anderen, helleren Möglichkeit. Fasziniert vom Spiel der Schatten,
gewöhnten sie sich an ihre dunkle Wirklichkeit und blieben in ihr gefangen.
„Und doch gab es immer wieder Menschen, glückliche Ausnahmen, die dem Schicksal dieser Gefangenen in der Höhle zu entrinnen wussten. Sie begannen zu zweifeln und wurden des Schattenspiels überdrüssig. Schatten konnten sie nicht mehr ausfüllen, ganz gleich wie hoch sie sein mochten. Diese Menschen begaben sich auf die Suche nach dem Licht. Einige Glückliche fanden Lehrer, die sie vorbereiteten und aus dem Reich der Illusionen empor führten - ans Licht der Sonne."