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The Chronicles of Spellborn: Review
Über drei Jahre ist es her, dass Chronicles of Spellborn mit einer mysteriösen Website angekündigt wurde. Noch viel länger befand sich das Online-Rollenspiel-Projekt in Arbeit und wurde in seiner Entwicklungsphase mehrmals verschoben. Im November letzten Jahres war es dann so weit, der kommerzielle Start des Fantasy-Titels ging vonstatten. Unsere mehrwöchige Testphase zeigt aber leider, dass mehr Feinschliff und Entwicklungszeit keinesfalls geschadet hätten. Auch der grosse Februar-Patch änderte daran wenig. Näheres im folgenden Testbericht.
SplitterweltenDie Erde ist eine Kugel? Nicht für die Bewohner des Deadspell, einer magischen Suppe, in der so genannte Splitter umherschweben. Trotz fehlender Sonne sind diese Splitter reich bevölkert, verfügen über Flora und Fauna sowie über physikalische Gesetze, die den uns bekannten sehr ähnlich sind. Das Ganze wird durch magische Ströme am Himmel ermöglicht, die zeitabhängig für lichtreiche und lichtarme Verhältnisse sorgen, also quasi unsere Tag- und Nachtphasen ersetzen.
Einst waren die Splitter eine einzige prächtige Welt, die von einer mächtigen Rasse namens Vhelgar bewohnt wurde. Wir Menschen dienten den Herrschern als Sklaven, wurden von einer eigens zum Zweck der Überwachung erschaffenen Rasse namens Daevi kontrolliert. Doch die Vhelgar rechneten nicht damit, dass Sklaven und Wächter mit der Zeit sympathisieren und einen Aufstand planen würden. Und so kam es dann zu einem folgenschweren Befreiungsschlag, der mit der Zerstörung eines magischen Artefakts endete, was wiederum eine gigantische, magische Explosion auslöste und das Ende der bekannten Welt einläutete.
Ihr steigt zu einem Zeitpunkt als Daevi oder Mensch in eine der Splitterwelten ein, das Parlament, wo fünf so genannte Hohe Häuser danach streben, die übrigen Splitter zu bereisen, zu erkunden und zu bevölkern. Weil sich aber mittlerweile viele kriminelle Fraktionen und gefährliche Kreaturen in den Wald-, Höhlen-, Sumpf- und Berggebieten tummeln, trauen sich nur die mutigsten und stärksten Helden, auf Erkundungsreise zu gehen. Die Tourismusindustrie hat es im Deadspell jedenfalls nicht gerade leicht, wie ihr euch sicher vorstellen könnt.
Das Wandern ist des Zockers FrustIhr beginnt als Stufe-1-Möchtegern - wahlweise als Kämpfer, Schurke oder Zauberer - im relativ friedfertigen Gebiet Hawksmouth, wo ihr euch erst mal der örtlichen Miliz anschliesst und erste Quests entgegennehmt. Die Aufgabenvielfalt ist recht gross und die Quest-Geber instruieren euch oft auf charmante und humorige Weise. Seien es die Kinder beim Dorf Aldenvault, die sich Gruselgeschichten über nahe liegende Gegenden erzählen und euch um Aufklärung bitten. Oder ein trauriges Mädchen, das seine Stoffpuppe vermisst, die der böse Bruder zerrissen und in der Gegend verstreut hat. Um in der Gunst der örtlichen Miliz aufzusteigen, gilt es auch mal, Wachberichte einzuholen oder Spionagekristalle in der Nähe von Gegnergruppen zu platzieren. Später entscheidet ihr euch für eines der Hohen Häuser und erhaltet so Zugriff auf exklusive Quest-Reihen. In dieser Hinsicht ist also Abwechslung garantiert. Leider laufen sämtliche Dialoge rein textbasiert ab - und nebenbei bemerkt sind sie nicht selten mit zahlreichen Rechtschreibfehlern durchsetzt.
In einem Quest-Log werden sämtliche Haupt- und Nebenmissionen festgehalten, was leider nicht immer gut funktioniert. So sind Zielortangaben oft recht kurz gefasst oder fehlen gänzlich, was leider auch nicht von der Mini- und Vollbildkarte aufgefangen wird. Hier seht ihr nämlich lediglich Zielpersonen, aber keine Zielorte, und das auch nur, wenn ihr euch bereits in unmittelbarer Nähe befindet. Kann man die Zielsucherei meist noch als pfadfinderische Herausforderung ansehen, übertreibt es Spellborn in Sachen Laufwege fürchterlich. Wenn es Kilometergeld gäbe, würdet ihr die monatliche Spielgebühr im Nu wieder einfahren. Schon alleine der regelmässige Gang zum Händler ist eine Tortur, weil selbst wichtigere Ortschaften nicht mit einem Marktplatz versehen wurden. Folglich müsst ihr im schlimmsten Fall mehrere Gebiete zurück ins Stadtzentrum laufen, um dort euer Inventar zu erleichtern.
Ego-Shooter trifft Online-Rollenspiel?Einen etwas anderen Weg als Guild Wars, World of Warcraft und Konsorten geht Chronicles of Spellborn hinsichtlich des Kampfsystems. Im Prinzip steuern sich Kämpfer, Schurke und Zauberer nämlich fast wie in einem Third-Person-Shooter. Anstatt also einen Bären oder ein aggressives Wildschwein totzuklicken, attackiert ihr sie in Echtzeit mit Schwert, Bogen oder Magie und weicht feindlichen Manövern entsprechend aus. Etwas eingeschränkt wird das Echtzeitsystem durch Fertigkeiten, die quasi euer Angriffsarsenal bilden und nach Benutzung mehr oder weniger Zeit zum Aufladen benötigen. Eine schweren Schwerthieb könnt ihr also nicht kontinuierlich ausführen, sondern müsst nach einer Anwendung warten, bis die Fertigkeit wieder bereit ist.

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Daniel Boll