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Es war einmal … Die Geschichte von Guido Fluri, 56, und Tânia Fluri-Simão, 44, ist zwar kein Märchen, klingt aber wie eins. Und wie in jedem Märchen gibt es auch hier ein Schloss – es steht in Portugals Süden. «Herzlich willkommen», sagt der Unternehmer, als er die Pforte seines Anwesens im Ferienparadies Vilamoura öffnet.
Das Palácio do Sol ist ein herrschaftliches Gebäude aus den 1990er-Jahren, es steht in einer üppigen subtropischen Parkanlage. 1500 Quadratmeter Wohnfläche, 25 Zimmer. Eine Bibliothek, ein Fitnessraum, ein Pool mit Haus. Die Räume sind hoch, die Böden aus weissem Marmor. Das Domizil des Unternehmers aus Hertenstein LU ist eines der grössten privaten Häuser in der Algarve.
«Hier ist der Grund, warum sich meine Frau in dieses Haus verliebt hat», sagt Fluri und führt in das Atrium hinter dem Eingangsbereich. Er dreht sich um und zeigt zum ersten Stock hinauf: «Ein kleiner Balkon vor dem Schlafzimmer – wie bei einer Prinzessin.» Tânia Fluri-Simão kommt und sagt: «Ich finde das so romantisch. Davon träumte ich schon als kleines Mädchen.»
Dass dieser Traum jemals wahr werden würde, hätten in ihren Kindertagen weder sie noch ihr Mann geglaubt. Guido Fluri hatte keinen einfachen Start ins Leben. Seine Mutter war 17 Jahre alt, als er zur Welt kam, der Vater verheiratet mit einer anderen Frau. Ihn lernte Fluri nie kennen. Die Mutter erkrankte nach seiner Geburt an Schizophrenie. «Wir konnten kaum die Rechnungen zahlen, im Dorfladen musste ich die Einkäufe oft anschreiben lassen.» Er wuchs abwechselnd bei der Mutter, in Kinderheimen oder bei den Grosseltern auf.
Tânia Fluri-Simão kam mehr als 1500 Kilometer entfernt zwischen Porto und Lissabon auf die Welt. Ihr Leben in Alvoco da Serra war bescheiden, der Vater ist Steinmetz, die Mutter Hausfrau. «Für mich war die schönste Zeit immer der Sommer», sagt sie. Diesen verbrachte sie als Mädchen bei der Tante in der Algarve. Die Region ist so etwas wie das Tessin Portugals. «Das ganze Jahr über wartete ich nur darauf, dass ich zu meiner Tante durfte. Ich hatte Freunde in der Algarve, mit ihnen verbrachte ich ganze Tage und Nächte am Strand. Dieser Ort war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens.»
Das Paar sitzt auf dem weissen Sofa im Wohnzimmer. Es macht hier eben eine Woche Ferien mit Samuel, 20, und Luisa, 14, zwei von Guido Fluris drei Kindern aus erster Ehe. Die Familie verbringt im Schnitt vier Wochen im Jahr in der Algarve. Der Unternehmer kannte die Region im Süden von Portugal nicht, bevor er mit der promovierten Ökonomin der HSG zusammenkam. «Als wir frisch verliebt waren, wollten wir Ferien mit seinen Kindern machen», erzählt sie. «Ich schlug ihnen meine Heimat Portugal vor. Es gefiel ihnen gut», sagt sie. Die Familie kam im Jahr darauf wieder. «Dann hörte ich, dass dieser Palazzo zum Verkauf steht», sagt Fluri. Er schaute sich das Haus zuerst alleine an, dann nochmals mit seiner Liebsten und seinen Kindern. «Meine Frau war Feuer und Flamme. Sie sagte: ‹Ach, wenn ich das Geld hätte, würde ich das Haus sofort kaufen.› Als Märchenhaus hat sie es bezeichnet. Am nächsten Tag habe ich heimlich den Kaufvertrag unterschrieben», sagt Fluri. «Man soll einer Frau ihre Träume erfüllen, so heisst es doch?», fragt er. «Klar, das Haus gefällt mir super gut», sagt sie. «Aber ich sehe es auch als ein Bekenntnis. Nicht nur für mich, sondern auch für mein Land.» Zu Beginn der Beziehung plante Guido Fluri, ein Ferienhaus auf Mallorca zu kaufen. «Die Tatsache, dass er doch hier eins gekauft hat, bedeutet mir viel. Wir wohnen das ganze Jahr in der Schweiz. Wenn wir dann die Ferien in meinem Land verbringen dürfen, finde ich das sehr schön.»
In der Villa hat das Ehepaar im ersten Stock eine Suite mit Kamin, Bad und zwei begehbaren Ankleidezimmern – eins für sie, das andere für ihn. «Hier können wir uns zurückziehen», sagt Guido Fluri. Manchmal reisen sie im Winter für ein verlängertes Wochenende nach Portugal. «Dann feuern wir den Kamin an und bleiben den ganzen Tag lang alleine in dieser Suite. Weg von allem, das tut uns gut, das brauchen wir.»
Die Eltern von Tânia Fluri-Simão, Antonio, 72, und María, 73, leben inzwischen auch hier in der Villa. Antonio hat auf dem Balkon ein Teleskop installiert, María sorgt dafür, dass alles rundläuft. «Ich habe hier ein echtes Zuhause gefunden», sagt Guido Fluri. «Ich darf im Kreis meiner Familie einfach nur sein.»
Viele der Zimmer sind noch nicht fertig eingerichtet – so viele Räume brauchen auch viel Zeit. «Aber wenn die Familie von Tânia kommt, wird es schnell voll. Wir hatten auch schon 60 Gäste hier. Wir sitzen dann draussen auf der Terrasse und grillieren. Es gibt oft Muscheln, Meeresfrüchte und frische Fische.»
Hier in ihrem Märchenschloss feierte das Paar auch seine Hochzeit – oder besser gesagt den zweiten Teil des Fests. Die Trauung fand vormittags zu Hause in Hertenstein LU am Vierwaldstättersee statt. Danach flog das Paar mit den engsten Verwandten und Freun- den nach Vilamoura, wo die Familie aus Portugal bereits vor den Toren der Villa auf sie wartete. Das Fest im Park des Anwesens dauerte bis tief in die Nacht hinein. «Es war der schönste Tag meines Lebens», sagt Tânia. «Eine Hochzeit wie im Märchen.»
Er fing klein an und wurde zum Multimillionär. Mit seiner Stiftung kämpft Unternehmer Guido Fluri für Kinder, Kranke und Kriegsflüchtlinge.
In der Schule ist Guido Fluri ein Einzelgänger mit schlechten Noten, die Lehre als Spengler bricht er ab und arbeitet als Tankwart. Mit 20 Jahren spart er 5000 Franken und kauft damit und mit einem Bankkredit ein Grundstück. Darauf baut er mit Fremdkapital ein Haus, das er kurze Zeit später mit Gewinn verkauft. Der Grundstein für seinen beruflichen Aufstieg ist gelegt. Heute ist seine GF Group Holding AG mehrere Hundert Millionen Franken wert. Ein Drittel des Gewinns fliesst in wohltätige Projekte. Seine Stiftung setzt sich unter anderem für Menschen mit Schizophrenie und für die Hirntumorforschung ein. Zudem macht sie sich im Kampf gegen Gewalt an Kindern stark. Schweizweit bekannt wird Fluri als Vater der Wiedergutmachungsinitiative für Verdingkinder. Anfang 2022 chartert er ein Flugzeug und holt ukrainische Frauen und Kinder in die Schweiz.