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Bahnradsport

Bahn-WM: Bötticher Weltmeister im Sprint, Deutschland mit Bronze bei französischem Madison-Sieg
|24.02.2013|

BAHN-WM 2013 IN MINSK (Männer) | BAHN-WM 2013 IN MINSK (Frauen)

Autor: Felix Griep (Werfel)
Minsk, 24.02.2013 – Wie an jedem der vier vorangegangenen Tage gab es auch am Sonntag zum Abschluss der Bahnradsport-Weltmeisterschaft in Minsk Edelmetall für den Bund Deutscher Radfahrer. Stefan Bötticher sorgte mit seinem Sieg im Sprint-Finale gegen Denis Dmitriev für das dritte Gold; Henning Bommel und Theo Reinhardt besorgten danach als Dritte im Madison hinter den siegreichen Franzosen Vivien Brisse/Morgan Kneisky die insgesamt achte Medaille. Summen, welche Deutschland seit dem Jahr 2000 nicht mehr erreicht hatte. Es hätte sogar noch erfolgreicher ausgehen können, wäre Kristina Vogel im Endlauf des Keirin nicht gestürzt. Rebecca James gewann und wurde mit ihrer vierten Medaille zur besten Athletin in Weißrussland. Sarah Hammer holte im Omnium wie die Britin einen zweiten Titel.
Omnium Frauen:
Hammer gelingt Revanche an Trott für knappe Olympia-Niederlage
Das Omnium der Frauen ist eine junge Disziplin, erste Weltmeisterin wurde 2009 die Australiern Josephine Tomic. Danach gewann zwei Jahre in Folge die Kanadierin Tara Whitten und zuletzt 2012 Laura Trott, die in London zudem Olympiasiegerin wurde. Die Britin trat zur Titelverteidigung an und belegte zum Auftakt am Samstag Platz drei im 250 Meter Zeitfahren, in dem Annette Edmondson die Schnellste war. Die Australierin belegte in der zweiten Disziplin, dem Punkterennen, nur Platz acht und auch Trott erlebte einen Rückschlag, wurde nur Zehnte. Mit dem Sieg im Ausscheidungsfahren konnte sie den ersten Wettkampftag zumindest mit einem Erfolg abschließen. Als Gesamtdritte lag Trott fünf Punkte hinter der Führenden Sarah Hammer, die nach ihrem fünften WM-Titel in der Einzelverfolgung eine weitere Goldmedaille anpeilte. Edmondson lag sechs Punkte hinter der US-Amerikanerin, deren erste Verfolgerin mit nur zwei Punkten Abstand die Polin Katarzyna Pawlowska war, die gemeinsam mit Edmondson in der Ausscheidung gestürzt war. In ihrer Spezialdisziplin, der Einzelverfolgung, brillierte Hammer zum Beginn des Sonntags und baute ihre Führung weiter aus. Im Anschluss an das von der Belgierin Els Belmans gewonnene Scratch war Hammer der Gesamtsieg bei sechs Punkten Vorsprung auf Trott schon so gut wie sicher. Im 500 Meter Zeitfahren, gewonnen von der Kanadierin Gillian Carleton, reichte der US-Amerikanerin der sechste Platz, um mit 20 Punkten nach Silber 2011, Bronze 2012 und der schmerzlichen Ein-Punkt-Niederlage bei den Olympischen Spielen ihren ersten Omnium-Titel einzufahren. Trott (24 Punkte) wurde Zweite, Edmondson (26) holte Bronze vor Pawlowska (32). Lisa Brennauer, die Gesamtsiebte wurde, hatte ihren Moment im Rampenlicht im Punkterennen, welches die Deutsche für sich entschied.
-> Zum Resultat Omnium Frauen
Sprint Männer:
Bötticher holt erstes deutsches Einzel-Gold im Sprint seit René Wolff 2005
Weil nach Olympischen Spielen viele Topfahrer erst einmal eine Auszeit nehmen, oder gar zurücktreten, ist in Minsk nicht die gesamte Weltelite versammelt. Eine Disziplin, in der man dies besonders merkte, war der Sprint der Männer, in dem von den Halbfinalisten der großen Turniere des vergangenen Jahres einzig Olympiasieger und Vize-Weltmeister Jason Kenny am Start war. Der Brite belegte, einen Tag nach seinem Keirin-Sieg nur Platz sieben in der Qualifikation und landete damit hinter allen drei deutschen Startern. Robert Förstemann, Maximilian Levy und Stefan Bötticher wurden Zweiter, Vierter und Sechster, Schnellster war der Franzose François Pervis. Für Förstemann kam schon in der ersten K.o.-Runde, dem Sechzehntelfinale, das überraschende Aus gegen den Briten Matthew Crampton. Levy kam immerhin bis ins Viertelfinale, wo er am Russen Denis Dmitriev scheiterte und letztlich Sechster wurde. Auch bei Bötticher lief nicht alles nach Plan. Seinen ersten britischen Gegner, den gebürtigen Deutschen Philip Hindes, konnte er noch aus dem Weg räumen, zog aber im Achtelfinale mit minimalem Rückstand den Kürzeren gegen Kenny. Über einen Hoffnungslauf hielt er sich im Turnier und stand nach kräftezehrenden drei Läufen gegen Simon van Velthooven aus Neuseeland im Halbfinale. Dort traf er nach der Nachtruhe am Sonntavormittag auf van Velthoovens Landsmann Sam Webster, der eine Runde zuvor Kenny besiegt hatte. Trotz einer Niederlage im ersten Lauf schaffte Bötticher den Finaleinzug. Dort traf der Quali-Sechste unerwartet nicht auf Pervis, denn der verlor sein Halbfinale in ebenfalls drei Läufen gegen Levy-Besieger Dmitriev, den Quali-Fünften. Der Kampf um die Medaillen verlief dann ziemlich eindeutig, Zeitfahr-Weltmeister Pervis machte im kleinen Finale kurzen Prozess mit Webster und Bötticher konnte zweimal, wenn auch relativ knapp, an Dmitriev vorbeisprinten, den er jeweils geschickt in die führende Position gedrängt hatte.
-> Zum Resultat Sprint Männer
Madison Männer:
Franzosen Brisse/Kneisky siegen vor Mitausreißern Spanien und Deutschland
Ein ganz besonderer Höhepunkt jeder Bahn-WM ist das Madison, in dem 17 Zweier-Teams zum 200-Runden-Rennen antraten. Mit dabei auch Paare aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Henning Bommel/Theo Reinhardt, Andreas Graf/Andreas Müller und Silvan Dillier/Tristan Marguet. Für großes Aufsehen sorgten zu Beginn die Russen. Evgeny Kovalev attackierte sofort nach dem Startschuss und als er per Schleudergriff an seinen Bruder Ivan übergeben wollte, stürzte dieser bei der unsauberen Ausführung des Wechselmanövers. Die erste richtige Flucht initiierten die Ukrainer Roman Lutsyshyn/Mykhaylo Radionov, die nach Siegen an den ersten beiden Sprintwertungen lange Zeit die Führung innehatten. Ihr gemeinsames Unternehmen mit den Kasachen Artyom Zakharov/Dias Omirzakov, dem sich mit etwas Verspätung die Mexikaner José Infante/Diego Yepez anschlossen, war aber nicht von Erfolg gekrönt. Als sie nach gut 40 Runden eingeholt wurden, verlor Kenny de Ketele hinter einem der Kasachen die Kontrolle über seine Rennmaschine und stürzte im Salto über den Lenker. Mit zerrissener Hose stieg er zurück aufs Rad und wurde an den nächsten beiden Sprints jeweils Zweiter. Damit waren der erfahrene Sixdays-Profi und sein Partner Gijs van Hoecke – die Weltmeister von Melbourne 2012 – wieder gut dabei. Nach einer ruhigeren Phase, die bis zur Mitte des Rennens andauerte, nahm das deutsche Duo die Fäden in die Hand, attackierte mehrmals und setzte sich schließlich gemeinsam mit den Schweizern ab. Das Feld zog sich bei der Verfolgung zeitweise sehr in die Länge und die Franzosen Vivien Brisse/Morgan Kneisky holten die Spitzenreiter ein. Doch bald darauf lief alles zusammen.
Dann waren es die Spanier David Muntaner/Albert Torres, welche den nächsten Angriff starteten. 67 Runden vor Schluss war das der vorentscheidende Moment. Bommel/Reinhardt setzten geistesgegenwärtig nach und erwischten den Zug mit Destination Medaille. Auf diesen sprangen 20 Runden später auch die Franzosen auf, mit deren Hilfe es gelang, aus einer halben Runde Vorsprung einen Rundengewinn zu machen. Dieser wurde an der vorletzten Sprintwertung realisiert, wo Brisse/Kneisky den WM-Titel bereits sicherstellten. Bei sechs Punkten Vorsprung und nur noch maximal fünf zu vergebenden Punkten im Ziel waren sie nicht mehr einzuholen. Ein letzter verzweifelter Fluchtversuch der Schweizer konnte nichts mehr bewirken. Mit 18 Punkten holten Kneisky, der 2010 mit Christophe Riblon den Silberrang belegte, und Brisse Gold. Zweite wurden mit 15 Zählern die Spanier, die den Zielsprint gewannen und damit die Deutschen (13 Punkte) auf Platz drei verdrängten. Für den Rest waren mit einer Runde Rückstand die Medaillen außer Reichweite, die Schweizer wurden Siebte und die Österreicher, die sich ebenfalls streckenweise sehr aktiv zeigten, Neunte. Dazwischen lagen die Vorjahressieger de Ketele/van Hoecke aus Belgien auf Rang acht.
-> Zum Resultat Madison Männer
Keirin Frauen:
James erringt vierte Medaille bei dieser WM – Vogel stürzt im Finale
Ähnlich wie im Madison-Rennen ereigneten sich auch beim Keirin der Frauen Stürze, besonders betroffen waren davon die beiden deutschen Starterinnen. Miriam Welte schied gleich in der 1. Runde ohne eigenes Verschulden aus. Shuang Guo, die tags zuvor bei ihrem vierten Platz im Sprint schon eine Warnung ausgesprochen bekam, brachte die Australierin Stephanie Morton zu Fall und Welte konnte nicht mehr ausweichen. Die Chinesin wurde daraufhin disqualifiziert. Für Kristina Vogel lief es besser, sie gewann ihren ersten Lauf und setzte sich ebenso in der 2. Runde sicher durch, woraufhin sie das Finale erreichte. Dort traf die Teamsprint-Weltmeisterin auf drei weitere Fahrerinnen, die in Minsk bereits Medaillen gewonnen hatten: die Britin Rebecca James, sowie Jinjie Gong und Wai Sze Lee aus China und Hongkong. Der Kubanerin Lisandra Rodriguez und der Kolumbianerin Juliana Gaviria bot sich bei der letzten Entscheidung der WM die Chance, erstmals an einer Siegerehrung teilzunehmen. Guerra gelang dies, knapp hinter Gong kam sie als Dritte ins Ziel. Souveräne Siegerin wurde James, deren Bilanz bei der Weltmeisterschaft 2013 besser ausfällt als die jeder anderen Frau und jedes Mannes. Die 21-jährige Waliserin wurde erst Dritte in Teamsprint und 500 Meter Zeitfahren, bevor sie im Sprint und Keirin zweimal Gold eroberte. Während die Siegerin nach der Überquerung der Ziellinie jubelte, erhob sich Vogel enttäuscht vom Boden der Bahn. Im Kampf um die Positionen auf der Gegengeraden war sie in eine gefährliche Situation geraten, wurde eingangs der letzten Kurve soweit nach innen gedrückt, dass sie auf die „Côte d’azur“, den blauen Streifen, der eigentlich als Ausrollzone dient, geriet, wo sie zu Fall kam.
-> Zum Resultat Keirin Frauen
Medaillenspiegel: Deutschland mit bester Bilanz seit 13 Jahren
Vogels Missgeschick im Keirin war der etwas traurige Abschluss einer für Deutschland sonst herausragenden Weltmeisterschaft. Im Teamsprint holten sowohl die Frauen als auch die Männer Gold und Bötticher sorgte heute für den dritten WM-Sieg. Das ist, ebenso wie die Gesamtzahl von achtmal Edelmetall das beste BDR-Ergebnis seit Ewigkeiten. Im Jahr 2000 hatte es zehn Medaillen (4-5-1) gegeben, seitdem nie mehr als sechs und maximal zwei Siege pro Austragung. Im Medaillenspiegel belegt man damit den zweiten Platz hinter Großbritannien (5-2-2), die ebenso erfolgreich in die neue Olympiade starteten. Shootingstar bei den Briten war natürlich Rebecca James, die mit vier Medaillen bei einer Austragung zu den erfolgreichsten Fahrerinnen der WM-Geschichte gehört. Eine solche Ausbeute konnten nur wenige andere erreichen, zuletzt Anna Meares im vergangenen Jahr und davor 2010 Simona Krupeckaite.
-> Zum Medaillenspiegel

|24.02.2013|
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