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Replik
Wir danken den Autoren für den Leserbrief [1] zum Artikel über die perioperative Antibiotikaprophylaxe bei elektiver Gelenkprothesenimplantation [2].
Wir stimmen den Autoren zu, dass die Anamnese bezüglich früherer Exposition respektive Beta-Lactam-Allergie bei den betroffenen Personen häufignegativ ist. Das bedeutet aber nicht, dass die Anamnese wertlos ist. Wie die Autoren des Leserbriefes korrekt ausführen, wird man bei der Anamnese häufig mit eher fragwürdigen «Penicillinallergien» konfrontiert, die sich nicht als Allergien herausstellen. Und genau deshalb sollte die Anamnese durchgeführt werden. Wie bereits im Artikel erwähnt [2], sollten Situationen vermieden werden, bei denen man unmittelbar nach Spitaleintritt für diese elektiven Eingriffe (oder gar erst vor Schnitt) erfährt, dass eine mögliche Penicillinallergie im Raum steht. Der von uns vorgeschlagene Ansatz kann helfen, den unnötigen Einsatz von Alternativsubstanzen zu reduzieren.
Ebenso stimmen wir den Autoren zu, dass eine unauffällige Anamnese eine allfällige perioperative Anaphylaxie nicht ausschliesst. Pichler und Hausmann stören sich an der Empfehlung in der Fussnote von Tabelle 1b – «Cefazolin oder Cefuroxim kann als Bolus (Infusionsdauer 3–5 min) oder über eine Infusionsdauer von 30 min verabreicht werden» –, konkret: an der Option einer Bolusgabe. Zweifelsohne ist die Bolusgabe eine unnatürliche Verabreichungsart einer körperfremden Substanz. Pichler und Hausmann verweisen auf das Risiko einer massiven Histaminfreisetzung mit fulminant einsetzenden Symptomen und empfehlen eine langsamere oder stufenweise Verabreichung der perioperativen Antibiotikaprophylaxe, um dieses Risiko zu reduzieren. Inzidenzschätzungen zur perioperativen Hypersensitivitätsreaktion wurden von ihnen genannt; circa 45–60% von diesen werden auf Antibiotika zurückgeführt [3, 4]. Gemäss einer kürzlich veröffentlichen Studie wird in etwa ¾ dieser Fälle die perioperative Reaktion auf Cefazolin zurückgeführt [4]. Es ist uns unbekannt, in wie viel Prozent der perioperativen allergischen Reaktionen eine 3- bis 5-minütige oder eine 30-minütige Kurzinfusion verabreicht wurde. Wir kennen keine Inzidenzzahlen zu perioperativer massiver Histaminfreisetzung aufgrund von – als Bolus verabreichter – Antibiotikaprophylaxe mit Cefazolin oder Cefuroxim. Die perioperativen Anaphylaxien in der Schweiz zentral zu erfassen und genau zu analysieren würde helfen, diese Datenlücke zu schliessen. Studien, welche die Bolusgabe mit der 30-minutigen Kurzinfusion verglichen, berichteten über gleich häufige Raten von Phlebitis und anderen Nebenwirkungen [5]. Die intravenöse Gabe von Cefazolin oder Cefuroxim über 3–5 Minuten in der empfohlenen Dosis ist sowohl von Swissmedic als auch von ausländischen Gesundheitsbehörden (zum Beispiel der «European Medicines Agency» [EMA] oder der «U.S. Food and Drug Administration» [FDA]) zugelassen. Aufgrund dieser Argumente und Literaturquellen [6] ist es aus unserer Sicht nicht falsch, eine 3- bis 5-minütige Kurzinfusion als Option der Verabreichungsform im Konsensdokument aufzulisten.
Wir wertschätzen die Kommentare im Leserbrief und die klinisch-allergologische Erfahrung der Kollegen. Neben der hier geführten Diskussion liefern sie (indirekt) ein weiteres Argument für eine Einzeldosisgabe, da das Risiko einer massiven Histaminfreisetzung bei Weglassen der zweiten und dritten Dosis auch reduziert wird.
Prof. Dr. med. Parham Sendi, Bern,
im Namen der Autorinnen und Autoren
PS hat deklariert, Zuschüsse von der Velux Stiftung und T3 Pharma sowie Honorare im Rahmen des AnaesthDay (Swiss Medical Network) erhalten zu haben.
Kopfbild: © Thomas Gowanlock | Dreamstime.com