Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03291.jsonl.gz/2701

Kocabiyikyan [ Kokabikian ]
Mein Name stammt aus Armenien und als Kind war mir nicht bewusst, dass mein Name anders ist als der von meinen «Gspänli». Bevor ich in der Schule jeweils aufgerufen wurde, kam eine lange Pause und alle wussten, dass ich damit gemeint war. Heute ist es nicht anders. Ich nehme es mit viel Humor und empfinde meinen Namen auch als Eisbrecher. Ich habe schon viele nette Gespräche über meine Herkunft geführt. Ich schmunzle fast täglich über die Frau Kocowekian, Kocabikli, Kobajan usw. Ich habe auch bereits viele lustige Esels brücken gehört: Koco hat einen Bikini an. Das Anderssein kann man auch positiv nutzen.
Schela Kocabiyikyan, Volkswirtschaftsdepartement
Srdjan [ Srdschan ]
Strijan, Srotan, Srdan, Srtschan … Die Liste könnte ich unendlich weiterspinnen. Meinen Namen habe ich in allen möglichen Varianten schon gehört, am seltensten aber in der richtigen. Ich nehme es gelassen, wenn die Leute meinen Namen nicht richtig lesen können. Es ist aber mit etwas Willen und Übung möglich, diesen richtig auszusprechen. Das bezeugen erfreulicherweise zahlreiche Personen in meinem Umfeld. Ich empfehle gerne die italienische Version meines Namens «Sergio» als Eselsbrücke. Srđan, welches die eigentlich richtige Schreibweise wäre, tönt wie Sergio, einfach ohne «e» und am Ende «an» (statt «o»). Ich bin zuversichtlich, dass Namen wie meiner in Zukunft ähnlich bekannt und üblich sein werden wie viele italienische Namen in der Deutschschweiz auch.
Srdjan Dragojevic-Fehr, Departement des Innern
Kordzumdieke [ Kordzumdiike ]
Mein Nachname Kordzumdieke, ein westfälischer Name, heisst übersetzt Konrad zum Deiche. In einem Restaurant hatte ich einmal ein spezielles Erlebnis. Der Restaurantbesitzer wusste vieles aus meiner Kindheit, obwohl ich ihn nicht kannte. Er war ein Schulkollege meines Bruders, deshalb « erkannte» er mich bei der Reservation sofort. Die Eselsbrücken von Bekannten zu meinem Namen sind «kurz & dick» oder «kurz um die Ecke». Nicht witzig fand es meine Mutter, wenn Freunde meines Bruders nach «Kötzli» oder «Kotzi» fragten. «Wohnt hier nicht und tschüss», das war ihre Reaktion. Ich bin es gewohnt, den Namen zu buchstabieren. Das ging mir so in Fleisch und Blut über, dass ich den originellen Namen auch nach der Heirat behielt.
Gabriele Kordzumdieke, Gesundheitsdepartement
Matus Hrusovsky [ Matusch Ruschofski ]
Mir gefällt mein Name. Auf Deutsch übersetzt heisse ich Matthias Birner. Meine Freunde in der Slowakei haben mir darum den Spitznamen «Birne» gegeben. Ich bekomme oft Komplimente für meinen Vornamen. Bei Reservationen benutze ich meistens nur den Vornamen, das ist einfacher für alle. Den Nachnamen können die meisten Leute nicht richtig aussprechen, darum verzichten sie ganz und sagen «Herr Matus». Oder wir bleiben gleich beim Du. Den Nachnamen muss ich oft buchstabieren und die Leute wissen nicht, welches mein Vorname beziehungsweise der Nachname ist. Das alles ist für mich kein Problem, ich finde es eher lustig.
Matus Hrusovsky, Bildungsdepartement
Chompel [ Tschömbe ]
Ich wurde schon Tschämbi, Jumbo oder Schompel genannt. Klar haderte ich da als junger Mensch ab und zu mit meinem Vornamen. In der Schule führte die verquerte Aussprache von Lehrer*innen immer wieder zu Gelächter in der Klasse. Im Alltag benutze ich kleine Eselsleitern: Aktuell funktioniert es mit dem Instrument Djembé ziemlich gut: «Wie Djembé, aber mit ö». Die korrekte Aussprache von Namen – auch wenn nicht immer einfach – hat für mich mit einer respektvollen Haltung gegenüber anderen zu tun. Es ist wichtig, dies anderen auch zurückzuspiegeln. Letztens verabschiedete sich ein älterer Mann bei mir mit dem Satz «Du bisch de mit dem komische Name.» Daraufhin antwortete ich: «Nei, nöd komisch, eifach andersch.»
Chompel Balok, Departement des Innern