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Internierung italienischer und österreichischer Soldaten in der Schweiz im Jahre 1859 — ein geschichtliches Ereignis ohne postalischen Beleg ?
Allgemein gilt der deutsch-französische Krieg 1870/71 als der erste Krieg, in welchem Truppen eines kriegführenden Staates in einem neutralen Land interniert wurden. Das Schicksal der BourbakiArmee, welche im Februar 1871 in lamentablem Zustand die Schweizergrenze bei Les Verrieres überschritt, dürfte jedem historisch interessierten Leser bekannt sein. Philatelistisch hat dieses Ereignis seine Spuren hinterlassen: die lilafarbene "Gratis-" Etiquette hat als Portofreiheitsmarke No. l ihren Eingang in die Kataloge gefunden, und Belege mit dieser Vignette sind nicht nur bei den Spezialisten gesucht, sondern obendrein auch noch teuer.
Der Krieg 1870/71 ist aber nicht der erste Krieg, in welchem Soldaten zu Internierten wurden. Tatsächlich ist es nämlich so, dass bereits 12 Jahre vorher, nämlich im österreichisch-italienischen Krieg 1859 fremde Soldaten in die Schweiz gelangten und hier entwaffnet und interniert wurden.
Anfangs Juni 1859 traten 7 Soldaten des Garibaldischen Korps auf Schweizergebiet über und wurden unverzüglich nach Luzern geschafft, nachdem sie auf Ehrenwort erklärt hatten, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Sie brachen alle ihr Ehrenwort und verschwanden noch im Juni wieder nach Italien.
Etwas anders verhielt es sich mit der österreichischen Besatzung der Festung Laveno am Langensee, welche vom Rest der Truppe abgeschnitten war und bei Nacht und Nebel auf 3 Dampfschiffen nach Magadino flüchtete, wo sie am Morgen des 9. Juni eintraf. Dort wurden die 650 Mann vom eidgenössischen Obersten Huber - Saladin in Empfang genommen, entwaffnet und interniert, nachdem der kommandierende österreichische Major ein Papier unterzeichnet hatte, welches mehr einer Kapitulationsurkunde eines Festungskommandanten glich als dem Begehren, in die Schweiz aufgenommen zu werden. Die Mannschaft wurde unverzüglich über Bellinzona und Chur in die Deutschschweiz verbracht, wo ihnen in Zürich die Kaserne, in Lenzburg das Schloss, sowie in Neu St. Johann das Kloster als Aufenthaltsort zugewiesen wurde.
Nachdem die österreichische Regierung die Zusicherung gegeben hatte, die Internierten nicht mehr im damals herrschenden Krieg als Soldaten einzusetzen, Hess man sie schweizerseits über Bregenz in ihre Heimat ausreisen. Es handelte sich noch um 637 Mann, nachdem bereits auf dem Weg nach Chur 13 Mann "sich von der Truppe entfernt hatten".
Abklärungen sowohl im Archiv der PTT als auch im Bundesarchiv ergaben keinerlei Hinweise darauf, dass die Internierten für ihren knapp 3 Wochen betragenden Aufenthalt in der Schweiz irgendwelche Portovergünstigungen besassen. Gleichwohl wäre es interessant, von dieser ersten Internierung in der Kriegsgeschichte einen postalischen Beleg zu finden. Zu achten wäre also auf Korrespondenz nach Österreich, aufgegeben an ungefähr folgenden Daten von folgenden Orten:
- 9. Juni 1859 : Magadino und Umgebung
- 10. Juni 1859 : Bellinzona
- ca. 12. Juni 1859 : Chur
- ab 13./H.Juni : Zürich, Lenzburg,
- bis 29. Juni 1859 : Neu St. Johann
Wie bereits weiter oben erwähnt, befanden sich auch einige Italiener der Garibaldischen Armee in der Schweiz, und zwar in Luzern. Hier wäre auf Daten des Monats Juni zu achten.
Sollte einer der Leser einen solchen Beleg finden, welcher eindeutig von einem Internierten stammt, so wäre der Verfasser für die Überlassung einer Photokopie sehr dankbar.
© Schweizerische Vereinigung für Postgeschichte / SVPg