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Folsäuremangel
Das B-Vitamin Folsäure wird schon gleich nach der Befruchtung bei der Einnistung der Eizelle gebraucht. Die Zellneubildung läuft ab jetzt auf Hochtouren. Für Aufbau und Reparatur der Nukleinsäuren, also der Erbinformation, ist ein ausreichend hoher Folsäurespiegel im Blut der werdenden Mutter sehr wichtig ist. Frauen mit niedrigem Folsäurespiegel haben häufiger Fehlgeburten. Folsäure fördert ausserdem die Bildung der roten und weissen Blutkörperchen und den Aufbau des Knochengerüsts und der inneren Organe.
Folsäure wird beim Kind aber vor allem für die gesunde Entwicklung des Gehirns, des Rückenmarks und der Wirbelsäule benötigt. Diese Organe des Zentralen Nervensystems entstehen in den ersten Wochen der Embryonalentwicklung (zwischen dem 23. und 28. Tag nach der Befruchtung) aus dem sogenannten Neuralrohr. Folsäuremangel kann zu einem fehlerhaften Verschluss des Neuralrohrs führen, wie z.B. bei der Spina bifida, dem offenen Rücken oder Rückenmarksbruch. Andere Fachbegriffe für verschiedene Neuralrohrdefekte sind (Myelo-)Meningozele, Enzephalozele und Anenzephalie. Diese Fehlbildungen sind im weiteren Verlauf der Schwangerschaft nicht mehr zu reparieren. Unterschiedlich schwere Behinderungen, v.a. in Form von Lähmungen, können die Folge sein, abhängig davon, welche Teile der Wirbelsäule betroffen sind und wie gross der Defekt ist. Spaltbildungen im Gesichtsbereich, z.B. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, und angeborene Herzfehler kommen unter Vitaminmangel ebenfalls häufiger vor. Da Folsäure eine wichtige Rolle in der frühen Hirnentwicklung spielt, erstaunt es nicht, dass in einer norwegischen Studie die Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft Folsäure einnahmen, deutlich seltener Sprachentwicklungsstörungen zeigten.
Interview
Erich P. Meyer: Folsäure - wichtig in jeder Lebenslage
In der Schweiz kommt eines von 1000 bis 3000 Neugeborenen mit einem Neuralrohrdefekt auf die Welt. Fachleute meinen, dass mindestens die Hälfte dieser Kinder mit der entsprechenden Folsäure-Prophylaxe gesund geboren werden könnte. Allerdings kann das alles nicht allein durch Folsäure-reiche Ernährung gelingen. Empfohlen wird vom BAG die Zufuhr von etwa 0,4 mg Folsäure pro Tag, beginnend einen Monat vor der Zeugung und mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Die Folsäure kann als Einzelvitamin oder in Verbindung mit anderen Vitaminen und Mineralstoffen in einem speziell für die Schwangerschaft bestimmten Präparat eingenommen werden. Besonders gut verwertbar ist die wichtigste biologisch aktive Folatform Metafolin.
Übrigens tut auch der werdenden Mutter eine erhöhte Folsäurezufuhr gut - und dies durchaus auch noch nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel: Folsäure kann eine Blutarmut (Anämie) vermeiden und langfristig das Risiko für Darmkrebs und Bluthochdruck senken.
Beachtet werden sollte bei der Dosierung, dass bestimmte Medikamente die Folsäureaufnahme hemmen. Dazu gehören Trimethoprim (in Kombination mit Sulfamethoxazol ein beliebtes Antibiotikum), Sulfasalazin (ein entzündungshemmendes Mittel bei der Behandlung von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) und das Immunsuppressivum Methotrexat (ursprünglich ein Zytostatikum, das zunehmend bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird), ausserdem Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenytoin, Lamotrigin, Primidon, Valproinsäure oder Phenobarbital sowie der Lipidsenker Cholestyramin.
Video
Interview mit Prof. Dr. Berthlod Koletzko zum Thema Folsäure:
Newsticker
Folsäure bringt’s | 30.11.2017
Ein Mangel an Folsäure in der Frühschwangerschaft ist eine häufige Ursache von Neuralrohrdefekten wie Spina bifida (offener Rücken) und Anenzephalie. Unterschiedlich schwere Behinderungen, v.a. in Form von Lähmungen, können die Folge sein, abhängig davon, welche Teile der Wirbelsäule betroffen sind und wie gross der Defekt ist. In den USA werden Getreideprodukte seit Mitte 1996 deshalb mit Folsäure angereichert, seit 1998 besteht eine gesetzliche Verpflichtung: 100 Gramm Mehl enthalten 140µg Folsäure. Schon nach wenigen Jahren kam es zu einem Rückgang der Neuralrohrdefekte um etwa 30 Prozent, bzw. jährlich 1.300 Neuralrohrdefekte weniger. In der Schweiz ist die Folsäure-Anreicherung in bestimmten Lebensmitteln noch nicht obligatorisch.
Newsticker
Folsäuremangel bei Vätern? Frauen, die schwanger werden wollen, wird empfohlen, Folsäure einzunehmen, um das Risiko für Fehlbildungen wie Spina bifida beim Nachwuchs zu senken. Männern mit Kinderwunsch sollten dasselbe tun, um die Qualität der Spermien zu verbessern. Das legt zumindest der Tierversuch mit Mäusen nahe. Fehlt es an dem Vitamin, verändert sich die Markierung des Erbguts in den Spermien an einigen Stellen und damit die Aktivität von Genen. Der Mäusenachwuchs der Väter, die wenig Folsäure bekommen hatten, kam deutlich häufiger mit Fehlbildungen zur Welt. Folsäure kommt z.B. in Hefe, Weizenkeimen, grünem Blattgemüse, Fleisch und Fisch vor. (swissmom Newsticker, 23.12.13)
Letzte Aktualisierung : 07-10-19, BH