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Der Futterverzehr von Ziegen ist vielerorts eine grosse Unbekannte, für eine korrekte Rationsberechnung aber unabdingbar. Schätzformeln gibt es einige, diese stammen unter anderem aus der Schweiz, aus Deutschland, Frankreich, oder Holland. Welche dieser Formeln den Trockensubstanzverzehr von Ziegen am besten schätzt, war der Kern der hier vorgestellten Arbeit.
Der Versuch
Mit einem Fütterungsversuch auf einem Praxisbetrieb wurde der Verzehr von 58 laktierenden Ziegen der Rassen Gämsfarbige Gebirgsziege und Saanen untersucht. Vorgängig wurden Raufutteranalysen des während des Versuchs gefütterten Dürrfutters gemacht. Die Futterreste, die während des Versuchs in der Krippe zurückblieben, wurden analysiert. So konnten der Einfluss des selektiven Fressverhaltens und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Nährstoffgehalte des aufgenommenen Futters bestimmt werden. Da bei allen Formeln zur Schätzung des Verzehrs das Lebendgewicht eine wesentliche Rolle spielt, wurde vor Versuchsbeginn jede Ziege gewogen. Das durchschnittliche Lebendgewicht der Erstlaktierenden betrug 44 kg, das der Mehrlaktierenden 65 kg. Insgesamt wurden drei Versuchsgruppen gebildet. Eine Erstlaktierendengruppe mit 10 Tieren, eine Produktionsgruppe, bestehend aus 44 mehrlaktierenden Ziegen, und eine Kontrollgruppe, bestehend aus 4 Ziegen, welche bezüglich Milchleistung und Gewicht den Herdendurchschnitt repräsentierten.
Fütterung und Verzehrerhebung
Die Ration bestand aus strukturiertem Emd und einem Startphasenfutter für Ziegen. Jedes Tier erhielt täglich 800 g Startphasenfutter und Dürrfutter ad libitum. Während sieben Tagen wurde für jede Gruppe zweimal täglich das Emd gewogen. Dabei wurde eine Menge von 20 Prozent über dem geschätzten Verzehr vorgelegt, um sicherzugehen, dass die Ziegen genug fressen können. Das Kraftfutter wurde auf vier Mahlzeiten pro Tag aufgeteilt und ebenfalls abgewogen. Mit der gezielt höheren Emd-Vorlage wurde das selektive Fressverhalten gefördert, um einen maximalen TS-Verzehr zu erzielen. Die Krippenreste wurden täglich zurückgewogen. Die erhobenen Daten zeigen bei der Produktions- und der Kontrollgruppe einen täglichen TS-Verzehr von insgesamt 2,37 kg (Tagesmilchleistung von 3,4 kg Milch) beziehungsweise 2,46 kg (Tagesmilchleistung von 3,1 kg Milch). Die Erstlaktierenden hatten einen Verzehr von 2 kg TS bei einer Milchleistung von 2,5 kg (siehe Grafik 1). Die Erhebungen zeigen, dass die Erstlaktierenden trotz 20 kg tieferem Lebendgewicht und 0,9 kg geringerer Milchleistung nur rund 15 Prozent weniger Futter aufnehmen.
Welche Formel passt?
Mit den gewonnenen Daten konnte nun überprüft werden, welche Schätzformel dem effektiven TS-Verzehr am nächsten kommt. Die Formel der Agroscope (CH) und diejenige von Kessler (DE) sind relativ ähnlich, wobei die Formel nach Kessler die Milchleistung stärker gewichtet als das Lebendgewicht. Bei der Formel vom INRA (FR) wird bei der Verzehrsschätzung auch der Anteil an Kraftfutter in der Gesamtration miteinbezogen. Bei der Formel vom CVB (NL) wird der Verzehr als Prozentsatz des Lebendgewichts im Bereich von 4 bis 5 Prozent angegeben. Für den vorliegenden Vergleich wurde mit 4, 4,5 und 5 Prozent des Lebendgewichts gerechnet. Wie sich gezeigt hat, schätzen besonders die Formeln von Agroscope und INRA den Verzehr am genausten (siehe Grafik 2). Ebenfalls auffällig war, dass bei den mehrlaktierenden Gruppen der geschätzte Verzehr mit 4 Prozent des Lebendgewichts etwas überschätzt wird. Bei den Erstlaktierenden wird er jedoch unterschätzt. Hier sind 4,5 Prozent des Lebendgewichts genauer. Was mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass der Verzehr für die Erst- und Mehrlaktierenden separat geschätzt werden muss.
Selektive Futteraufnahme
Der Einfluss der selektiven Futteraufnahme war nur gering. In der Literatur wird von höheren Nährstoffgehalten von bis zu zwölf Prozent gesprochen. Die Futterpläne des Versuchs wurden einmal mit den Nährstoffgehalten aus der Raufutteranalyse berechnet und einmal unter Einbezug der selektiven Futteraufnahme. Das bedeutet, es wurde anhand der Raufutter- und Krippenrestanalyse berechnet, welche Nährstoffgehalte das effektiv aufgenommene Futter hat. Hier zeigt sich bezüglich des Milchproduktionspotenzials nur ein geringfügiger Einfluss von 0,6 bis 5,6 Prozent je nach Gruppe und Nährstoffen. Dies hat vermutlich damit zu tun, dass den Ziegen lediglich ein Raufutter zur Verfügung gestellt wurde. Bei mehreren Raufuttern oder einer Mischra tion kann davon ausgegangen werden, dass dieser Effekt klarer ausgefallen wäre.