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Der Schweizer Fabrizio Bernardi erforscht Tsunamis. Seit fünfzehn Jahren lebt er in Rom und schätzt die Herzlichkeit der Italienerinnen und Italiener. Aber er hat Heimweh, wenn er an die Berge der Schweiz denkt.
"Ich befand mich für eine Hochzeitsfeier an der Amalfiküste. Auf dem Rückweg in die Schweiz legte ich in Rom einen Zwischenstopp ein, um Freunde zu begrüssen, die am Institut für Geophysik arbeiteten. Es sollte bloss ein Abstecher sein, doch am Ende fand ich mich mit einem Vorschlag für eine Forschungszusammenarbeit wieder", erzählt Fabrizio Bernardi.
Das war 2004. Fünfzehn Jahre später ist der ursprünglich auf wenige Monate befristete Vertrag eine Festanstellung, und Bernardi fühlt sich auch als Bürger Roms. "Ich habe zwei Lebensweisen: eine römisch-italienische und eine tessinerisch-schweizerische. Ich schätze die menschlichen Kontakte und Herzlichkeit in Rom, aber ich fühle mich meinem Herkunftsland sehr verbunden".
"Ich schätze die menschlichen Kontakte und Herzlichkeit in Rom, aber ich fühle mich meinem Herkunftsland sehr verbunden"
Fabrizio Bernardi, Schweizer ForscherEnde des Zitats
Erstickt von der deutschschweizerischen Strenge
Fabrizio Bernardi wurde 1973 in Morbio Inferiore geboren, einer Tessiner Gemeinde wenige Kilometer von der italienischen Grenze. Er zog nach Zürich, um an der Universität zu studieren. Nach einem Abstecher an die Fakultät für Geologie – "Steine haben mich immer schon fasziniert" – absolvierte er ein Physikstudium mit dem Schwerpunkt Seismologie.
Am Ende seines Doktorats im Jahr 2004 hatte er das Bedürfnis nach einer Luftveränderung. Zürich sei bedrückend geworden, erzählt er. "Als Tessiner fühlte ich mich von der Deutschschweizer Strenge und dem Formalismus erstickt." An einem gewissen Punkt brauchte ich einen Tapetenwechsel, auch weil mich die Doktorarbeit völlig erschöpft hatte.
Bezeichnend war laut Bernardi der Abschied vom Hausmeister des Zürcher Hauses, in dem er mehrere Jahre gelebt hatte. Trotz der ausgezeichneten Beziehung zwischen den beiden beschränkte sich der Mann auf ein einsilbiges "Auf Wiedersehen". "Ich denke, dass ich vor genau dieser Frostigkeit geflohen bin. Hier in Rom habe ich das Gegenteil gefunden", sagt er.
Mit Erde "spielen"
Bernardi arbeitet dort am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie. Seit einigen Jahren hat er sich auf die Forschung von Tsunamis im Mittelmeerraum spezialisiert, insbesondere auf die Entwicklung von Warnsystemen in Zusammenarbeit mit dem italienischen Zivilschutz.
"Nach dem Tsunami in Südostasien im Jahr 2004 hat das Bewusstsein für dieses Phänomen zugenommen. Wir vergessen jedoch, dass schon ein Tsunami von 30 Zentimetern zu Opfern führen kann", betont er.
Wenn er nicht am Computer klebt, widmet sich der Forscher deutlich weniger wissenschaftlichen Aktivitäten. "Ab und zu muss ich von den Zahlen wegkommen", sagt er.
Neben seiner Leidenschaft für guten Wein – er besuchte eine Sommelierschule in Rom – widmet er sich der Fotografie mit der alten Plattenkamera seines Urgrossvaters und vor allem der Keramik. "Die Hälfte des Wohnzimmers ist zu einer Töpferei geworden. Ich mag es, mit Erde zu 'spielen' und zu experimentieren. Ich wache nachts auf und denke über Formen und Lacke nach."
Ausnahmezustand in Italien, Zukunft in der Schweiz
In der italienischen Hauptstadt lernte er die Freundlichkeit, Leichtigkeit und Echtheit des menschlichen Kontakts schätzen. "Die Römer sind wirklich Menschen des Herzens."
Während er in Rom die Kunst der Improvisation lernte, liess ihn diese Erfahrung aber auch die Schweizer Fähigkeit schätzen, langfristige Projekte zu realisieren. "In Italien lernt man, Notfälle zu bewältigen, in der Schweiz, die Zukunft zu gestalten", sagt er. Und erinnert an den Durchbruch im neuen Basistunnel der Gotthard-Eisenbahn 2010 – ein Jahrhundertprojekt – als wäre es gestern gewesen. "Ich habe mich in meinem Büro eingeschlossen und diesen historischen Moment live im Internet mitverfolgt."
Irgendwo zwischen Nord und Süd
Obwohl er Familie und Freunde nicht so häufig besucht, blieb die Verbindung zur Schweiz und zum Tessin stark. "Ich liebe die Berge und das Alleinsein in der Natur, ohne Schmutz und Lärm." Im Übrigen entdeckte er bei einem Aufenthalt im Heimatland den Wert der Stille wieder. Nicht nur jene auf dem Land, sondern die Stille der Städte. "Du kannst sogar das Geräusch von Schritten hören. Das überrascht mich immer wieder, es wäre in Rom unvorstellbar."
Bernardi sieht sich nicht das ganze Leben in Rom. Ob er aber ins Tessin zurückkehren wird, kann er nicht sagen. Das Heimweh treibt ihn Richtung Norden, aber das Herz und die kalabrische Lebenspartnerin ziehen ihn nach Süden. Einer Sache ist er sich jedoch sicher: Die Auslandserfahrung hat ihn gelehrt, noch mehr zu schätzen, was er (vorerst) hinter sich gelassen hat.
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(Übertragung aus dem Italienischen: Sibilla Bondolfi)