Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/3916

Der knapp 60-jährige Schweizer Auswanderer Martin Buser ist eine Ikone als Schlittenhundeführer in Alaska.
Der gebürtige Winterthurer mit US-Pass beendete am Freitag Schweizer Zeit das längste und prestigeträchtigste Schlittenhunderennen der Welt im Bereich der Top 30 im Feld der 67 gestarteten Teams. Doch vor allem finishte er das Iditarod zum 33. Mal in Folge und zum 35. Mal insgesamt.
Beides sind Rekordmarken für das Iditarod, das heuer erstmals vom Norweger Joar Leifseth Ulsom gewonnen wurde. Exakt neun Tage und zwölf Stunden nach dem Start in Willow und damit gut eineinhalb Tage vor Buser erreichte der 31-jährige Schlittenhundeführer mit acht Vierbeinern das rund 1800 Kilometer entfernte Ziel Nome, eine ehemalige Goldgräber-Hochburg am Beringmeer.
Ulsom ist erst der dritte nicht in den USA geborene Musher, der das Rennen gewann – nach seinem Landsmann Robert Sorlie (2005) und dem vierfachen Champion Martin Buser. Bei der 46. Ausgabe des Iditarod befand sich Buser bis zur 24-Stunden-Pflichtrast auf Tuchfühlung mit der Spitze im 4. Rang.
Buser gewann das Iditarod 1992, 1994, 1997 und 2002 (in damaliger Rekordzeit, die neun Jahre hielt) und war unter anderem dreimal Zweiter. Er ist zudem der erste Musher, der das Iditarod in weniger als elf Tagen zurücklegte.
Der Schweizer Auswanderer lebt seit 1979 in Alaska. Seit 2002 ist der in Big Lake beheimatete Buser amerikanisch-schweizerischer Doppelbürger. Einer seiner beiden Söhne (Rohn) absolvierte das Iditarod bereits dreimal.
Martin Buser selbst ist seit letztem April in Alaskas Ruhmeshalle des Schlittenhundesports verewigt. Ausserhalb der Saison verdient er sein Geld unter anderem als Motivations-Speaker. Aus der Schweiz vermisst Buser in Alaska beispielsweise den Gruyère-Käse, wie er gegenüber der Nachrichtenagentur sda festhielt.
Dopingskandal erschütterte Iditarod
Die 46. Iditarod-Austragung wurde derweil von einem Dopingskandal überschattet, der unter anderem zum Absprung eines Hauptsponsors und der Reduktion des Preisgeldes führte (u.a. nur noch 50’000 Dollar Siegprämie). Im letzten Oktober hatten die Rennverantwortlichen veröffentlicht, dass bei vier Iditarod-Hunden des vierfachen Champions Dallas Seavey (31) ein verbotenes Schmerzmittel festgestellt worden war.
Doch die Verantwortlichen konnten nicht nachweisen, ob der frühere Ringer auch tatsächlich das Mittel verabreicht hatte. Dallas Seavey, der im Vorjahr das Rennen als Zweiter hinter seinem zum vierten Mal triumphierenden Vater Mitch (in diesem Jahr 3.) beendete, bestritt die Verabreichung vehement.
Wegen des Handlings um die positiven Dopingresultate und der öffentlichen Vorverurteilung verzichtete Dallas Seavey freiwillig auf eine Teilnahme. Dallas Seavey geht bei den positiven Dopingproben von einem «Sabotageakt» von Tierschützern aus.
Fakt ist, dass das Iditarod wegen Todesfällen von Vierbeinern schon lange ein Dorn im Auge der Tierschützer ist. «Weltweit sterben zigmal mehr Hunde wegen Vernachlässigung und Mangel an Bewegung. Und niemand beschwert sich», sagt dazu Iditarod-Rekordsieger Rick Swenson (5 Triumphe).
Lachs-Suppe gegen Energieverschleiss
Das Iditarod findet in Erinnerung an eine Schlittenhunde-Expedition 1925 statt, bei der Impfstoffe nach Nome gebracht wurden, um einen Diphtherie-Ausbruch zu stoppen. Das Schlittenhunderennen ist ein substanzzehrender Wettkampf durch rauhe Natur: Die Teams werden bei klirrender Kälte beispielsweise mit Schneewirbelstürmen (heuer mit rund 90 Stundenkilometern zwischen den Checkpoints Iditarod und Shageluk) oder brüchigem Eis bei Gewässer-Überquerungen konfrontiert. Von besonderem Wert sind da Leithunde, die keine Angst vor endlos scheinenden Flächen haben.
Ein Iditarod-Vierbeiner verbrennt an Renntagen bis zu 15’000 Kalorien; das ist ein bedeutend höherer Energieverschleiss, als ein Radrennfahrer in einer Pyrenäen-Etappe der Tour de France verzeichnet. Mit fettreicher Fischsuppe (Lachs) und anderen Köstlichkeiten werden die Energiespeicher der Vierbeiner unterwegs wieder gefüllt.
Die besten Iditarod-Musher haben mindestens 60 Huskies in ihren Kennels, maximal 16 dürfen am Start in Anchorage eingespannt werden; die teilnehmenden Vierbeiner werden Gesundheitstests und Dopinguntersuchungen unterzogen. Unterwegs reduziert sich ein Team laufend, aus taktischen oder gesundheitlichen Gründen werden an den Checkpoints Teammitglieder den Veterinären überlassen oder von diesen aus dem Rennen genommen.