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(pi) Die alarmierenden Zahlen zuerst: Es kann bis zu 450 Jahre dauern, bis sich Plastiktüten in der Natur zersetzen. Und: In den riesigen Plastikmüllteppichen der Ozeane sterben jährlich hunderttausende Vögel und Meeressäuger, weil sie entweder am Plastik ersticken oder sich darin tödlich verheddern.
Das EU-Parlament möchte deshalb der Plastikschwemme einen Riegel vorschieben. Bis Ende des Jahres 2019 sollen EU-weit nur noch halb so viel leichte Kunststofftragetaschen verwendet werden wie im Jahr 2010; bis 2025 nur noch ein Fünftel. Auf die Jahresstückzahl übertragen bedeutet das eine Reduzierung von heute 200 auf 90 und dann noch 40 Tüten pro Person.
Für die Erfüllung dieser Vorgabe ist jedes EU-Land selbst verantwortlich. In vielen Ländern auch ausserhalb der EU wird über die Mehrfachverwendung von Plastiktüten als Lösung diskutiert. Es hapert aber noch an der Umsetzung. Die Ausnahme bildet ein kleines schweizerisches Dorf, in dem der Ingenieur und Erfinder Lars Rominger wohnt.
Der Tüftler hat zwei umweltfreundliche Varianten an «Säckli» entwickelt: zum einen eine biologisch abbaubare Plastiktüte («Green Bag»); zum anderen eine besonders stabile und langlebige mit dem Namen «Unbreakable Bag». Dazu sagt Lars Rominger: «Die von uns eingesetzte RomoMax-Polymerfaser weist im Gegensatz zu konventionellen Polymerfasern signifikant weniger Viskose und dafür mehr elastische Anteile auf. Dadurch ist sie statischer, tragfähiger und verhindert das Kriechen der Fasern bei langzeitiger extrem starker Beanspruchung.»
Mit in die Überlegungen eingeflossen ist der Grundsatz der Brownschen Molekularbewegung: Dieser besagt, dass alle sich selbst überlassenen Systeme spontan versuchen, bei konstantem Druck und Volumen einen Gleichgewichtszustand geringster freier Energie zu erreichen. Dies geschieht durch Verringerung der inneren Energie durch Ordnungserhöhung sowie durch Erhöhung der Entropie durch Ordnungsverringerung.
Bei der «Unbreakable Bag» wurden diese beiden diametral entgegenlaufenden Triebkräfte mit Reckung und Scherung der Moleküle sowie durch bewusste Steuerung der Erstarrungsbedingungen gelenkt. Infolge molekularer Neubildung und Umlagerung entstanden kristalline Überstrukturen, sogenannte Schaschlik- und Fibrillen-Strukturen, die laut Rominger zu einer erheblichen Steigerung von Festigkeit, Steifigkeit und Abriebfestigkeit führen.
Selbst wenn Herstellungsaufwand und Wert der Rominger-Tüten höher als bei konventionellen Plastiktüten sind, wiegen positive Eigenschaften wie die Kompostierbarkeit und die vergleichsweise niedrige Umweltbelastung dies auf. Im Lauf der Zeit gleichen sich die Kosten wieder an, da die «Unbreakable Bag» nahezu unbegrenzt wiederverwendet werden kann.
Die RomoMax-Polymerfaser ist überall dort einsetzbar, wo Hochleistungskunststoffe nicht mehr genügen – vor allem wegen ihrer Kriechneigung/Retardation bei Krafteinwirkung über die Zeit. Unter anderem wird sie in der Automobilindustrie eingesetzt. Darüber hinaus hat Rominger einen besonders belastbaren Büstenhalter für Frauen mit grosser Oberweite entwickelt. Dieser besteht aus teilkristallinen Thermoplasten und thermoplastischen Elastomeren. Dadurch ist er statischer, tragfreundlicher und leiert im Lauf der Zeit nicht aus.
Ein weiterer Vorteil: Aufgrund der höheren Molekularmasse bleibt die RomoMax-Polymerfaser beim Waschen auch bei höheren Temperaturen mehr oder weniger intakt. Eine Spaltung der chemischen Verbindung durch Wasser ist ausgeschlossen.
Rominger Kunststofftechnik GmbH
6313 Edlibach, Tel. 041 756 03 15
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