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Konjunkturindikatoren: Die Beschäftigungsstatistik
Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführte Beschäftigungsstatistik (Besta) beruht auf einer konjunkturbasierten Befragung, die vierteljährlich bei den Betrieben und Unternehmen des sekundären und tertiären Sektors stattfindet. Ziel der Statistik ist es, die Lage und die Entwicklung der Beschäftigung in der Schweiz zu beschreiben. Die Besta deckt vier Themen ab: Beschäftigte, offene Stellen, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung und voraussichtliche Beschäftigungsentwicklung. 15% der Betriebe in der Schweiz (mit 60% der Beschäftigten) füllen zur Datenerhebung einen kurzen Fragebogen aus. Mit einer Rücklaufquote von rund 90% und einem Variationskoeffizienten von 0,2% für die Gesamtbeschäftigung stellt die Erhebung den zahlreichen Nutzern zuverlässige Ergebnisse auf Stufe Wirtschaftsabteilungen und Grossregionen bereit, die nach verschiedenen Kriterien aufgeschlüsselt sind.
Die Anfänge der Besta
Die 1921 geschaffene und 1924 als Quartalserhebung eingeführte Beschäftigungsstatistik Vgl. Die Volkswirtschaft 1969/5, S. 236-243 gehört – zusammen mit der Arbeitslosenstatistik – zu den ältesten schweizerischen Konjunkturbefragungen im Bereich Arbeitsmarkt. Die Besta beschränkte sich anfänglich auf die Baubranche und die wichtigsten Industriezweige und umfasste 1924 rund 1300 Unternehmen mit 180000 Beschäftigten. Vgl. Sozialstatistische Mitteilungen, veröffentlicht vom Eidgenössischen Arbeitsamt, 1925, S. 15-25. Damals wurden die Daten durch die Arbeitgeberverbände und via direkte Befragung der Betriebe erhoben. Die ursprünglich vom Eidgenössischen Arbeitsamt (heute: Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco) durchgeführte Befragung wurde schrittweise auf die übrigen Wirtschaftszweige ausgedehnt: 1939 auf den gesamten sekundären Sektor, 1961 auf den gesamten tertiären Sektor und 1981 auf die Detailstufe der einzelnen Wirtschaftszweige des tertiären Sektors.
Verlegung ins BFS 1989
1989 wurde die Befragung zum Bundesamt für Statistik (BFS) verlegt und umfassend revidiert. Seither wird sie anhand von Zufallsstichproben durchgeführt und statt in Form eines Indexes in absoluten Werten veröffentlicht. Die Umrechnung der früheren Daten ermöglichte es, lange Zeitreihen zu bilden. Vgl. Die Volkswirtschaft 2000/3, S. 58-63. Die Statistik erfuhr seither noch einige geringfügige Änderungen: 1992 kam eine Frage zu den offenen Stellen hinzu; 2004 folgten Anpassungen bei den seit 1924 unveränderten qualitativen Fragen. Auch die Definitionen wurden im Laufe der Zeit schrittweise so angepasst, dass unter einer Stelle bzw. einer beschäftigten Person dasselbe verstanden wird wie in den jeweiligen Betriebszählungen (BZ).
Revisionen und Modernisierungsprojekte
Trotz dieser schrittweisen Anpassungen ist die Befragung einfach und nahe bei der ursprünglichen Form geblieben. An den Zielen hat sich nichts geändert. Der Fragebogen besteht nach wie vor aus einer einzigen Seite, was zur hohen Rücklaufquote von rund 90% beiträgt. Hingegen wurde die Stichprobe aufgestockt (62 000 Betriebe und 60% der Beschäftigten), und die Erhebungsmethode wurde mit der Einführung eines Online-Fragebogens (eSurvey) 2003 modernisiert. Zudem wird ein wachsender Anteil der Daten in elektronischer Form eingereicht. Den Rahmen dazu bildet das Projekt Profiling, eine Partnerschaft zwischen dem BFS und den grössten Unternehmen der Schweiz. Heute gelangen deshalb nur noch rund 35% der Daten auf Papier zum BFS. Auch die Schätzmethoden wurden stetig modernisiert: im Jahr 2000 mit der Einführung der individuellen Gewichtung der Beobachtungen Vgl. Die Beschäftigungsstatistik (BESTA): Methodische Grundlagen 2000, BFS, Neuenburg, 2002. sowie 2007 mit der erstmaligen jährlichen Erneuerung von Stichprobe und dessen Rahmen, Statistique de l’emploi, Révision 2007: cadre de sondage et échantillonnage, BFS, Neuenburg 2008 (nur Französisch). mit der entsprechenden Anpassung der veröffentlichten Datenreihen sowie mit aktualisierten Methoden zu Gewichtung, Kalibrierung, Einsetzungen und Umgang mit Ausreissern. Vgl. Statistique de l’emploi, Révision 2007: Méthodes d’estimation, BFS, Neuenburg 2008 (nur Französisch). Ein methodischer Steckbrief fasst die wichtigsten Merkmale der Erhebung und verschiedene qualitative Kriterien zusammen (Rücklaufquote, Variationskoeffizienten der Schätzungen usw.). Die Revision fügt sich in einen grösseren Rahmen ein, der sich am Programm Gesamtsystem der Unternehmensstatistiken (GUS) orientiert. Deren Stossrichtung wird in den kommenden Jahren für die meisten Unternehmensstatistiken wegweisend sein. Die nächsten Revisionsschritte sind für das 2. Quartal 2010 vorgesehen. Sie betreffen die Stichprobenziehung gemäss Noga 2008 und die Anpassung der veröffentlichten Datenreihen an die neuen Referenzwerte der letzten Betriebszählung (BZ2008). Die vollständige Integration der Besta ins neue, harmonisierte System der Unternehmensstatistik ist für 2014-2015 geplant.
Konzepte und Definitionen
Die Besta bezieht sich auf die Betriebe – im Sinne von örtlichen Einheiten aus dem Betriebs- und Unternehmensregister BUR – des sekundären und tertiären Sektors im Schweizer Wirtschaftsgebiet (Inlandkonzept). Nicht berücksichtigt sind Betriebe des primären Sektors (Landwirtschaft, Jagd, Forstwirtschaft, Fischerei und Fischzucht), Betriebe, in denen weniger als 20 Wochenstunden gearbeitet wird und Angestellte von Privathaushalten. Zwecks Einheitlichkeit gelten in der Besta dieselben Definitionen wie im BUR und in der BZ. Der Fragebogen besteht aus vier Fragen, deren Ergebnisse in vier getrennten Statistiken veröffentlicht werden. Kernthema ist die Zahl der Beschäftigten.
Stichprobenrahmen, Stichproben und Berechnungsmethoden
Die Erhebung beruht auf einem Stichprobenrahmen und einer Zufallsstichprobe von Betrieben aus dem BUR. Die Stichprobe ist nach Wirtschaftsabteilungen (Noga 2002), nach Grossregionen und nach Betriebsgrösse (gemessen in Vollzeitäquivalenten) geschichtet. Die Kantone und die grossen Städte können seit 2001 auf Wunsch regionale Stichprobenaufstockungen finanzieren. Das BUR dient als Grundgesamtheit für den Stichproben- und den Hochrechnungsrahmen für die Anzahl Beschäftigter. Dank der jährlichen Erneuerung werden in der Besta auch die Aktualisierungen im BUR sowie die Veränderung der Beschäftigtenzahl infolge von Betriebseröffnungen und -schliessungen berücksichtigt.
Veröffentlichte Informationen und Anwender
Als Konjunkturerhebung beschreibt die Besta vierteljährlich die Beschäftigungsentwicklung im sekundären und tertiären Sektor in Form von Zeitreihen und aufgeschlüsselt nach verschiedenen Kriterien wie Wirtschaftsabteilungen, Grossregionen, Geschlecht, Beschäftigungsgrad, Stellenzahl in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) und saisonbereinigte Reihen. Sie liefert den Index der offenen Stellen sowie Indikatoren zu den Beschäftigungsaussichten und zu den Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung. Die Ergebnisse werden vierteljährlich in einer Medienmitteilung mit dem Titel «Beschäftigungsbarometer» veröffentlicht und in Form von Tabellen bereitgestellt, die im Statistischen Lexikon des BFS abrufbar sind. Die Besta ist zudem eine wichtige Datenquelle für verschiedenste Statistiken. Dazu gehören etwa die Erwerbstätigenstatistik (ETS), die Grenzgängerstatistik (GGS), die Wertschöpfungsstatistik (WS), die Berechnung des vierteljährlichen BIP durch das Seco und des jährlichen BIP durch das BFS. Auch bei der Aktualisierung des BUR wird sie herangezogen. Schliesslich stellt die Besta eine wichtige Informationsquelle für zahlreiche Anwenderinnen und Anwender dar. Dazu gehören das Seco, die Schweizerische Nationalbank, Institute für Konjunkturforschung und -prognosen, verschiedene Berufsverbände und die Allgemeinheit. Die Besta entspricht den internationalen Bestimmungen und liefert Informationen an zentrale Statistikzentren wie Eurostat oder die entsprechenden Abteilungen von IWF und OECD, welche die Daten in ihre Analysen und Publikationen einbeziehen.
Grafik 1 «Entwicklung der Gesamtbeschäftigung in der Schweiz, 1961-2009»
Tabelle 1 «Auszug aus dem Beschäftigungsbarometer, 2. Quartal 2009»
Kasten 1: Beschäftigungsstatistik (Besta) – Steckbrief Kurzbeschreibung: Die Besta beruht auf einer repräsentativen Stichprobe von 62’000 Betrieben des sekundären und tertiären Sektors. Ziel der Statistik ist die Produktion von Konjunkturindikatoren, um die Entwicklung der Beschäftigung in der Schweiz zu verfolgen. Zuständige Institution/Sektion: Bundesamt für Statistik (BFS); Sektion Konjunkturerhebungen. Gesetzliche Grundlagen: Verordnung vom 30. Juni 1993. Art der Erhebung: Die Erhebung wird bei einer Zufallsstichprobe von Betrieben (im Sinne von örtlichen Einheiten), die aus dem Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) gezogen werden, vorgenommen. Die Stichprobe ist nach Wirtschaftsabteilungen (Noga), Grossregionen und Betriebsgrösse (gemessen in Vollzeitäquivalenten) geschichtet. Die Daten werden entweder durch einen Papierfragebogen oder elektronisch mittels Internet, E-Mail oder Datenträger eingeholt. Grundgesamtheit und Erhebungseinheiten: Beschäftigte gemäss Inlandkonzept in den Betrieben des sekundären und tertiären Sektors, in denen mindestens 20 Stunden pro Woche gearbeitet wird. Als Beschäftigte gelten alle Personen, die (gegen Entgelt oder unentgeltlich) im Betrieb arbeiten, einschliesslich Inhaber, Geschäftsführende, Lernende, Praktikanten und Aussendienstpersonal. Ausgeklammert werden: Beschäftigte des primären Sektors; ausserbetrieblich Beschäftigte (Angestellte von Privathaushalten, selbständig Erwerbende ohne Betrieb). Erfasste Merkmale:- Beschäftigte nach Geschlecht und drei Beschäftigungsgraden, Vollzeitstellen (mind. 90% der betriebsüblichen Arbeitszeit), Teilzeit I (50% bis 89%), Teilzeit II (weniger als 50%, aber mindestens 6 Stunden pro Woche);- Grenzgänger/innen nach Geschlecht;- Anzahl offener Stellen nach ausgewählten Noga-Wirtschaftsabteilungen und nach Gross-regionen;- Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung nach 4 Ausbildungskategorien, nach Noga-Wirtschaftsabteilungen und nach Grossregionen;- Voraussichtliche Beschäftigungsentwicklung nach Noga-Wirtschaftsabteilungen und nach Grossregionen. Regionalisierungsgrad: Schweiz und Grossregionen. Referenzperiode: Letzter Arbeitstag des jeweiligen Quartals (März, Juni, September, Dezember). Periodizität: Vierteljährlich.Qualität der statistischen Informationen: Variationskoeffizient kleiner als 0,5% für die Gesamtzahl der Beschäftigten (kleiner als 1% nach Wirtschaftssektoren und kleiner als 2% nach Grossregionen und Wirtschaftssektoren). Revisionen: 2000, 2003, 2007, 2010, 2014.
Zitiervorschlag: Francis Saucy (2009). Konjunkturindikatoren: Die Beschäftigungsstatistik. Die Volkswirtschaft, 01. Dezember.