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Die ägyptische Bevölkerung hat die umstrittene Verfassung inoffiziellen Zahlen zufolge angenommen. Kommt Ägypten denn jetzt zur Ruhe?
Astrid Frefel: Das ist nicht anzunehmen. Die Stimmung ist doch sehr angeheizt. Und die Opposition hat schon angekündigt, dass sie wegen der Unregelmässigkeiten bei den Wahlen vor Gericht ziehen wird.
Es ist auch mit weiteren Demonstrationen zu rechnen. Gestern hat bereits ein Oppositioneller gesagt, auf dem Tahrir-Platz herrsche nur die Ruhe vor dem Sturm.
Die Opposition zweifelt also das Resultat an und kämpft weiter. Aber es war ja eine Zweidrittelsmehrheit. Muss die Opposition nicht anerkennen, dass ihr Rückhalt im Volk nicht so gross zu sein scheint, wie sie sich das erhoffen würde?
Doch, die Opposition hatte das selber anerkannt. Sie hat auch eigene Umfragen durchgeführt und gesehen, dass die Mehrheit steht. Sie kann auch zur Kenntnis nehmen, dass die Muslimbrüder etwa 20 Prozent weniger Stimmen gemacht haben als bei den Präsidentschaftswahlen. Darum würde es für sie wahrscheinlich Sinn machen, sich jetzt auf die Wahlen zu konzentrieren. Die sollen nämlich in zwei Monaten stattfinden.
Und geht Mursi gestärkt in diese Wahlen wegen des Abstimmungsresultats oder ist doch die Opposition überlegen?
Wenn man den langfristigen Trend beobachtet, das heisst alle Abstimmungen seit der Revolution, kann man sehen, dass die Muslimbrüder und die Islamisten insgesamt jedes Mal weniger Stimmen gemacht haben. Das bedeutet, sie sind eigentlich auf einem Abwärtstrend, und das ist doch ein Hoffnungsschimmer für die Opposition.
Wenn sie sich jetzt geschlossen auf ein Programm einigen und geschlossen diesen Wahlgang in Angriff nehmen, könnten sie besser abschneiden als das letzte Mal. (basn;coro)