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Datierung
1973
Bildmasse
135 x 111 cm
Technik/Material
Acryl auf Leinwand
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Stiftung Lis und Roman Clemens
Inv.-Nr.
SK05003
Hommage à l'espace – la vie
Der deutsche Bühnenbildner und Maler Roman Clemens (1910, Dessau, DE – 1992, Zürich, CH) beschäftigte sich sein Leben lang mit dem Raum. An seiner Vita zeigt sich exemplarisch das unter konstruktiv-konkret arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern weit verbreitete Phänomen einer Doppelexistenz, die neben dem Kunstschaffen selbst eine Erwerbstätigkeit als Designer, Architekt, Bühnenbilder, Fotograf oder Typograf –und damit eine permanente Bewegung zwischen Kunst, alltäglicher Warenwelt und Design – einschliesst.
Als Schüler am Bauhaus (1927–1931) während der Lehrtätigkeit von Paul Klee, Wassili Kandinsky und Oskar Schlemmer, wurde Roman Clemens die Theaterarbeit als das «Ineinandergreifen aller Gestaltungsbereiche» vermittelt. Ganz im Gegensatz zu seinen Lehrern, die den Bühnenraum vor allem im Hinblick auf die Bühnenfiguren konzipierten, spielte für Clemens der Raum selbst eine tragende Rolle. Als Bühnenbildner in Dessau (bis 1932) und am Opernhaus Zürich (bis 1943) griff er innovativ in den gegebenen Raum ein und thematisierte als Maler räumliche Dimensionen. Damit erweist er sich als einer der wesentlichen Erneuerer im deutschsprachigen Theater der ersten Jahrhunderthälfte. Die pompöse Theaterkulissenwelt versuchte er mit reduzierten Formulierungen zu klären – im Sinne eines den Bauhaus-Idealen entsprechenden Gesamtkunstwerkes. So gestaltete er die Bühne bald als spannungsreich gegliederten Aktionsraum, bald als einen durch Gross-Dia-Projektionen entgrenzten Raum, und er integrierte Elemente der Bauhaus-Ästhetik sowie neue Lichteffekte. Mit seiner Szenografie zu Alban Bergs «Lulu» und der exemplarischen Lösung zu Jacques Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» (1934) bezeugte er, dass das Bühnenbild mit der Entwicklung der Formensprache in der bildenden Kunst mitzuhalten vermochte. Ab 1945 war er als freischaffender Maler und Architekt in Zürich tätig und überarbeitete ab 1951 zahlreiche frühere, nicht realisierte Entwürfe. Er entwickelte sie zu abstrakten Raumlösungen in der Formensprache des Bauhauses. In den folgenden Jahrzehnten gelangen ihm konkrete und konstruktivistische Formulierungen, die ihn den Zürcher Konkreten zusehends näher brachten. Er gestaltete modulare Ordnungen, Parallelogramme, halbe Kuben und geometrische Körper, deren räumliche Strukturen immer auch auf den Illusionsraum der Bühne anspielen.
1990 zeigte das Kunsthaus Zürich eine Ausstellung mit den zwischen 1970 und 1980 entstandenen Bildern des Künstlers, und in seinem Todesjahr, 1992, wurde die Lis-und-Roman-Clemens-Stiftung zur Förderung, Auszeichnung und Unterstützung junger Bühnenbildner gegründet.
Dominique von Burg