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Da die Wahl zum Präsidenten in den USA nicht direkt über Wählerstimmen, sondern über die Wahlmänner der 50 Bundesstaaten erfolgt, ist die Mehrheit in den sogenannten «Swing States» entscheidend. Als «Swing States» werden jene Staaten bezeichnet, in denen sowohl die Republikaner als auch die Demokraten gute Chancen auf einen Sieg haben. Biden liegt auch in diesen Staaten knapp vorne. Ein weiterer entscheidender Faktor für die zukünftige Präsidentschaft ist die gleichzeitig stattfindende Senatswahl. Hier haben sich die Chancen für die Demokraten, sich die Mehrheit zurückzuholen, wieder verbessert.
US-Präsident Bill Clinton prägte einmal den Spruch: «It's the economy, stupid!». Mit anderen Worten: Die Verfassung der Wirtschaft entscheide letztlich darüber, wer Präsident wird. Demgegenüber steht dieses Jahr das Management der Corona-Pandemie. Die grosse Frage im November wird sein, was den Amerikanern wichtiger ist – der Umgang mit der Pandemie oder die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Während eine positive Entwicklung der Konjunktur so kurz vor den Wahlen die Wiederwahlchancen von Donald Trump erhöhen dürfte, steht dieser in Bezug auf das Krisenmanagement im Rahmen der Corona-Krise scharf in der Kritik der Bevölkerung.
Unsicherheiten überschatten die Wahl
Überschattet wird die Wahl von heftigen Manipulationsvorwürfen seitens Donald Trump gegenüber den Demokraten. Es wird befürchtet, dass eine mögliche, knappe Wahlniederlage von Donald Trump nicht akzeptiert werden würde. Alles andere als ein klarer Sieg der einen oder anderen Partei am Wahltag dürfte für hohe Unsicherheit sorgen. Mit dem Tod von Ruth Bader Ginsburg ist eine weitere Unsicherheit in den Wahlkampf gekommen. Donald Trump möchten die Vakanz am Supreme Court noch vor dem Wahltermin mit seiner Kandidatin Amy Coney Barrett besetzen und so die konservative Mehrheit im Supreme Court noch weiter ausbauen. Dies könnte bei einem knappen Wahlausgang zu einem entscheidenden Faktor werden.
Die Rolle der anstehenden TV-Debatten
Vor den US-Wahlen finden traditionell moderierte TV-Debatten zwischen den Präsidentschaftskandidaten statt. Die erste fand am Dienstag, 29. September in Cleveland, Ohio statt. Ordnungsgemäss werden während jeweils 15 Minuten verschiedene Themen diskutiert, zu welchen die Kandidaten Fragen des Moderators beantworten. Zentrale Themen der Debatte waren die Besetzung des Richterpostens im Supreme Court, die Corona-Pandemie, die Wirtschaft, die sozialen Unruhen im eigenen Land, der Wahlprozess sowie die Leistungsausweise der beiden Kandidaten. Es war aber Abend voller persönlicher Angriffe und wenig politischem Inhalt. Ein Sieger ging aus der Debatte nicht hervor. Laut Umfragen kam die Debatte bei den Zuschauern nicht gut an. Ob mit solchen Auftritten zusätzliche Wählerstimmen gewonnen werden können, wird sich zeigen. Die nächsten TV-Duelle sind für den 7., 15. respektive den 22. Oktober angesetzt.
US-Wahlen und Kapitalmärkte
Ob die Präsidentschaftswahlen angesichts der Börsenweisheit «Politische Börsen haben kurze Beine» für die Aktienmärkte überhaupt relevant sind, lässt sich nicht abschliessend beurteilen. Wir möchten hier an die Erwartungen betreffend der letzten Wahl erinnern. Im Vorfeld waren sich alle einig, dass Trump keine Chance haben wird. Und falls Trump doch gewählt werden würde, war man sich einig, dass die Aktienmärkte stark korrigieren werden. Schlussendlich kam doch alles anders.
Die Wahlprogramme der beiden Kandidaten könnten in ihren Ausprägungen unterschiedlicher nicht sein. Joe Biden steht in seinem Wahlprogramm hauptsächlich für folgende Positionen: höhere Steuern, Massnahmen gegen den Klimawandel, Ausweitung des staatlichen Gesundheitswesens, mehr Regulierung und eine Verdoppelung des Mindestlohnes.
Höhere Unternehmenssteuern würden die Gewinn der Unternehmen und somit die Aktienmärkte in einer ersten Phase belasten. Im Endeffekt werden jedoch sowohl die Demokraten als auch die Republikaner eine wirtschaftsfreundliche Politik verfolgen.
Daniel Lüchinger, Leiter Research & Anlagetechnik
Fazit und Handlungsempfehlung
Es ist mit einem engen Ausgang der Wahl zu rechnen. Kurzfristig wird insbesondere ein knappes Wahlergebnis für Unsicherheit an den Kapitalmärkten auch über den Wahltermin vom 3. November 2020 hinaus sorgen. Mittel- bis langfristig gehen wir aber nicht davon aus, dass sich die Aktienmärkte stark unterschiedlich entwickeln werden, da sowohl die Demokraten als auch die Republikaner eine wirtschaftsfreundliche Politik verfolgen.
Die Graubündner Kantonalbank ist in Aktien aktuell neutral positioniert. Wir empfehlen Anlegerinnen und Anlegern eine Investition in ein breit diversifiziertes Portfolio mit einer langfristige Anlagestrategie entsprechend dem individuellen Risikoprofil zur verfolgen. Die bevorstehenden US-Wahlen sollten die Allokation im Portfolio nicht vollständig bestimmen. Anlegerinnen und Anleger können ihre Portfolios durch Beimischung von Anlageopportunitäten auf die möglichen Szenarien ausrichten.