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Überblick: Was ist eine Aortenruptur?
Bei einer Aortenruptur zerreisst die Gefässwand der Hauptschlagader – der Aorta. Dies bringt Betroffene in einen lebensgefährlichen Zustand. Ärztliches Personal muss den Aortenriss möglichst sofort erkennen und behandeln, sonst droht der schnelle Tod. Eine Aortenruptur macht sich durch einen plötzlichen, sehr heftigen Schmerz in der Region von Brust, Oberbauch oder Rücken bemerkbar. Manche betroffenen Personen verlieren das Bewusstsein und werden ohnmächtig. Ärztinnen und Ärzte müssen den Riss in der Aorta sofort im Rahmen einer Operation oder Intervention verschliessen, sonst sind die Überlebenschancen aufgrund der oft massiven Blutungen gering.
Eine Aortenruptur ist ein echter Notfall, bei dem Sie sofort unter 144 die Notärztin oder den Notarzt rufen müssen. Schon ein kleiner Riss kann schnell zu erheblichen inneren Blutungen führen. Einen vollständigen Abriss der Aorta überleben Patientinnen oder Patienten normalerweise nicht.
Die Ursachen sind entweder bestehende Erkrankungen der Aorta wie eine Aufspaltung der Gefässwand (Aortendissektion) oder eine Aussackung der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) – diese kann platzen. Auch ein stumpfes Trauma kann zu einer Aortenruptur führen, etwa wenn der Brustkorb bei einem Autounfall mit hoher Geschwindigkeit auf eine harte Fläche aufprallt.
Anatomischer Aufbau der Aortenwand und segmentale Abschnitte der Aorta
Die Aorta (Hauptschlagader) ist die zentrale und grösste Arterie des Körpers, die von der linken Herzkammer in einem Bogen durch den Brustkorb zieht. Sie besitzt drei Wandschichten:
- Innere Schicht (Intima) mit Gefässzellen
- Mittlere Schicht (Media oder Tunica media) mit Muskelzellen
- Äussere Schicht (Adventitia oder Tunica externa) mit Bindegewebe
Die Aorta besitzt viele Abzweigungen in verschiedenste Körperregionen und versorgt sie mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen: Kopf, Arme, Bauchraum (dort zweigt sie sich in die Beckengefässe auf), Leber, Milz, Darm und Nieren. So können Erkrankungen der Aorta die Funktion vieler Organe entscheidend beeinträchtigen.
Grob lässt sich die Aorta in folgende Abschnitte gliedern:
- Aorta ascendens: Der aufsteigende Abschnitt der Aorta, der von der linken Herzkammer ausgeht. Der Beginn liegt innerhalb des Herzbeutels. Zwei davon abgehende Äste versorgen den Herzmuskel.
- Aortenbogen (Arcus aortae): Der zweite Abschnitt beginnt an der Stelle, an der die Aorta durch den Herzbeutel hindurchtritt. Die Aorta macht einen Bogen nach oben und nach schräg links hinten. Drei abgehende Äste versorgen die Arme, den Kopf und Hals.
- Aorta descendens: Der absteigende Ast der Hauptschlagader durchzieht zunächst den Brustraum (Brustaorta, versorgt zum Beispiel Lunge, Brustwand), tritt dann durch das Zwerchfell hindurch und erreicht schliesslich den Bauchraum (Bauchaorta, versorgt die Bauchorgane). Am Ende verzweigt sich die Aorta in die beiden Beckenarterien, die mit ihren Ästen wiederum das Becken und die Beine mit Blut versorgen.
Man unterscheidet zwei verschiedene Ursachen der Aortenruptur: Bestehende Erkrankungen der Hauptschlagader und Traumata, etwa durch einen Unfall.
Aortenruptur: Ursachen sind Erkrankungen oder Verletzungen
Spontane Aortenruptur: Erkrankungen der Hauptschlagader als Ursachen
Verantwortlich für die Aortenruptur sind oft degenerative Veränderungen der Gefässwand. So „verschleissen“ die Gefässe mit zunehmenden Lebensjahren – Gefässverkalkung oder Arteriosklerose nennen Fachleute diesen Prozess. Dieser kann in einer Aortendissektion münden, bei der sich die drei Wandschichten der Aorta aufspalten und dort Einblutungen entstehen. Das Blut fliesst normalerweise nur entlang der innersten Gefässschicht. Aufgrund der Aufspaltung gelangt es auch zwischen die mittlere und äussere Gefässschicht. Die Einblutungen schwächen die Struktur der Gefässwand, sie dehnt sich aus und kann schliesslich reissen. Oft ist die Brustaorta betroffen.
Das Aortenaneurysma ist die häufigste Ursache der Aortenruptur. Dabei besitzt die Hauptschlagader Aussackungen, meistens im Bereich der Bauchschlagader, die im Verlauf der Zeit grösser werden und schliesslich platzen können. Es kommt schnell zu inneren Blutungen, die wiederum lebensbedrohlich sind.
Traumatische Aortenruptur: Massive Verletzungen als Ursachen
Daneben kennt man die traumatische Aortenruptur. Wenn extreme Kräfte auf die Aorta einwirken, kann sie reissen. Oft geschieht dies bei einem Unfall mit dem Auto, Motorrad, dem Flugzeug oder bei der Kollision eines Autos mit einem Fussgänger. Dabei prallt der Brustkorb oft mit hoher Geschwindigkeit auf. Auch bei einem Sturz aus grosser Höhe wirken beim Aufprall enorme Kräfte auf den Körper ein. In der Regel nimmt dabei nicht nur die Aorta Schaden, sondern auch andere Organe werden verletzt. Man spricht dann von einem Polytrauma.
Wenn alle drei Wandschichten der Hauptschlagader einreissen, liegt eine komplette oder freie Aortenruptur vor. Diese überlebt ein Mensch nicht, weil das Blut ungehindert in den Brust- oder Bauchraum fliessen kann – man verblutet. Bei einer gedeckten Ruptur bleibt die äussere Schicht – die Adventitia – noch intakt. Das Blut sickert nur leicht in den Brust- oder Bauchraum und es bildet sich ein Bluterguss (Hämatom). Wenn man sofort operiert, können Betroffene überleben.
Symptome: Aortenruptur verursacht heftigen Schmerz
Die Symptome einer Aortenruptur sind plötzliche heftige Schmerzen in der Brust- oder Bauchregion. Der Schmerz ist so massiv, dass viele ihn als „Vernichtungsschmerz“ beschreiben. Er kann zudem in andere Körperbereiche ausstrahlen, etwa in den Rücken, die Schulter oder Leistenregion. Dazu kommen weitere Symptome wie:
- Schnelles Absinken von Blutdruck und Puls aufgrund der massiven Blutungen in den Brust- oder Bauchraum (Schockzustand)
- Schneller Herzschlag (Tachykardie)
- Atemnot (Dyspnoe)
- Schmerzen in anderen Bereichen des Körpers, wenn der Bluterguss auf benachbarte Organe drückt, etwa im Bauchraum
- Neurologische Störungen: Verlust der Sensibilität oder Lähmungserscheinungen – der Bluterguss drückt auf die Nerven
- Kreislaufprobleme bis zum Kreislaufkollaps
- Bewusstlosigkeit und Ohnmacht – das Gehirn wird nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt.
Auch andere Organe nehmen Schaden, wenn die Blutversorgung des Körpers zusammenbricht. Die Aortenruptur, zum Beispiel bei bekanntem Aortenaneurysma, ist ein absoluter Notfall, bei dem Sie sofort die Notärztin oder den Notarzt verständigen müssen. Eine schnelle Diagnose und Behandlung sind wichtig, um die Überlebenschancen zu verbessern.
Aortenruptur: Diagnose bei uns
Wichtig ist es, dass Notärztinnen und Notärzte die Aortenruptur möglichst schnell diagnostizieren und behandeln – sonst ist die Prognose ungünstig. Man untersucht die Patientin oder den Patienten körperlich und fragt ihn nach seinen Beschwerden, sofern er ansprechbar ist. Einen ersten Hinweis auf die Diagnose Aortenruptur geben die plötzlichen, äusserst heftigen Schmerzen in der Region von Brust oder Bauch. Weitere Informationen sind:
- Blutdruckunterschiede zwischen den Armen und Beinen beziehungsweise zwischen beiden Armen
- Blasse Haut, meist untere Extremität wegen der mangelnden Durchblutung
- Abgeschwächte Atemgeräusche
- Bewusstlosigkeit
Erhärtet sich der Verdacht auf eine Aortenruptur, wenden wir rasch bildgebende Verfahren an:
- Computertomografie (CT)
- Optional Ultraschalluntersuchung (Sonografie)
Aortenruptur – verschiedene Schweregrade
Wir stufen den Aortenriss in verschiedene Schweregrade ein. Davon hängen auch die Behandlungsstrategie sowie die Prognose ab:
- Grad 1: Nur die innerste Schichte (Intima) ist zerrrissen.
- Grad 2: In der Gefässwand hat sich ein Bluterguss (Hämatom) gebildet.
- Grad 3: Durch die verletzte Gefässwand ist Blut ausgetreten und es hat sich ein Hämatom um das Blutgefäss herum gebildet. Wir sprechen von „falschem Aneurysma“ oder „Pseudoaneurysma“.
- Grad 4: Die Gefässwand ist komplett gerissen.
Aortenruptur: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Die Aortenruptur kann verschiedene Ursachen haben. Oft sind Erkrankungen der Aorta wie Aneurysmen schuld, wenn die Hauptschlagader einreisst. Ein Beispiel ist das Bauchaortenaneurysma, für das es bestimmte Massnahmen zur Früherkennung und Vorbeugung gibt:
- Die Früherkennung eines Bauchaortenaneurysma mittels Ultraschall ist in der Schweiz für Risikopatientinnen und Risikopatienten ab 65 Jahren empfohlen, zum Beispiel für Rauchende. Die Untersuchung müssen Sie jedoch selbst bezahlen.
- Eine Intervention oder Operation kann das Risiko für eine Bauchaortenruptur und die Verblutungsgefahr senken. Bei einer Grösse von mehr als 5.5 Zentimetern bei Männern und 5 Zentimetern bei Frauen steigt das Risiko eines Risses. In der Regel ist das Risiko der drohenden Aortenruptur grösser als die mit der Intervention oder OP verbundenen Risiken und Komplikationen. Es gilt also immer, die Vor- und Nachteile gut mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abzuwägen.
Aortenruptur vorbeugen: Gesunder Lebensstil schützt die Gefässe
Bei einem Aneurysma spielen die Gefässverkalkung (Arteriosklerose) und der Bluthochdruck (Hypertonie) eine besondere Rolle. Durch einen gesunden Lebensstil können Sie beiden bis zu einem gewissen Mass vorbeugen. Einige Tipps:
- Verzichten Sie auf das Rauchen. Und falls Sie rauchen, versuchen Sie einen Rauchstopp. Suchen Sie sich professionelle Unterstützung, wenn Sie es nicht alleine schaffen.
- Eine gesunde Ernährung hilft auch den Gefässen. Essen Sie viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte.
- Bewegen Sie sich ausreichend im Alltag und treiben Sie Sport.
- Trinken Sie möglichst wenig Alkohol. Legen Sie in jeder Woche regelmässige Alkoholpausen ein.
- Sorgen Sie für ein gesundes Körpergewicht. Vermeiden Sie Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). Falls Sie übergewichtig sind, versuchen Sie, einige Kilos abzunehmen. Das beste Rezept dafür ist die Kombination aus gesunder Ernährung und viel Bewegung.
Und schliesslich: Lassen Sie Bluthochdruck und erhöhte Blutfette ausreichend mit Medikamenten behandeln, wenn ein gesunder Lebensstil keinen ausreichenden Erfolg bringt.
Verlauf und Prognose bei Aortenruptur
Die spontane Aortenruptur ist lebensgefährlich und wir müssen sie sofort behandeln. Innere Blutungen in den Bauch- oder Brustraum kosten viele Betroffene das Leben. Der Verlauf und die Prognose hängen auch davon ab, ob die äussere Gefässschicht – die Adventitia – intakt bleibt. Auch der Ort und die Grösse des Risses spielen für die Prognose eine Rolle. Wenn die Notärztin oder der Notarzt die Diagnose schnell stellt und die Behandlung beginnt, haben betroffene Personen eine realistische Überlebenschance. Ein kompletter Abriss der Aorta, bei der alle drei Wandschichten eingerissen sind, führt in der Regel zum sofortigen Tod – Betroffene können diese Verletzung nicht überleben.
Bei einer traumatischen Aortenruptur sind der Verlauf und die Prognose ebenfalls oft ungünstig. Denn oft sind noch weitere Organe durch den Unfall geschädigt. Von der Schwere dieser Begleitverletzungen hängt die Prognose zusätzlich ab. Solche Polytraumata können vielen Verletzten das Leben kosten.
Aortenruptur: Behandlung muss rasch beginnen!
Die Aortenruptur ist immer ein Notfall, den wir intensivmedizinisch behandeln müssen. Rufen Sie umgehend die Notärztin oder den Notarzt! Ziel der Behandlung ist es, die betroffene Person zunächst zu stabilisieren und anschliessend den Riss der Aorta möglichst rasch im Rahmen einer Intervention zu schliessen. Nur so haben Betroffene eine Überlebenschance. Doch viele sterben aufgrund des Aortenrisses. Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.