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Karibenblässhuhn
Fulica caribaea
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Das Karibenblässhuhn (Fulica caribaea) gehört zur Familie der Rallen (Rallidae), der artenreichsten der zwölf Familien, aus denen sich die Ordnung der Kranichvögel (Gruiformes) zusammensetzt. Obschon viele Rallenarten, darunter die Blässhühner, die Teichhühner und die Sumpfhühner, im Deutschen als «Hühner» bezeichnet werden, sind sie mit den Mitgliedern der Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) nicht näher verwandt.
Innerhalb der Gattung der Blässhühner (Fulica) werden heute elf Arten unterschieden. Die meisten von ihnen, acht an der Zahl, sind in Südamerika heimisch, weshalb anzunehmen ist, dass sich die Gattung einst auf diesem Halbkontinent herausgebildet hatte. Die am weitesten verbreitete Blässhuhnart ist allerdings das in der Alten Welt heimische «eigentliche» Blässhuhn (Fulica atra), welches als Brutvogel in grossen Bereichen Europas, Afrikas, Asiens und Australiens vorkommt und kürzlich sogar Neuseeland erreicht hat. Im deutschen Sprachraum ist es je nach Region unter sehr verschiedenen Namen bekannt, darunter Wasserhuhn, Rohrhuhn, Duckente, Belche, Blesse, Hurbel, Lietze, Zappe, Watertütje und Taucherli.
Eine separate Art?
Wie alle Blässhühner ist das Karibenblässhuhn ein mittelgrosser Wasservogel mit auffälligem, weissem Schild vor der Stirn, der namengebenden «Blesse». Die erwachsenen Individuen erreichen im Allgemeinen eine Länge von 33 bis 38 Zentimetern, eine Spannweite von 60 bis 70 Zentimetern und ein Gewicht von 500 bis 800 Gramm. Das Gefieder ist am ganzen Körper samtig grauschwarz, abgesehen von ein wenig Weiss im Randbereich der Unterschwanzdecken. Der Schnabel ist weiss, mit einem rotbraunen Band in der Nähe der Spitze. Der Stirnschild ist ebenfalls weiss, manchmal leicht gelblich getönt. Die Flügel sind verhältnismässig kurz und stark abgerundet, was typisch für eher schwache Flieger ist. Hingegen sind die gelbgrünen Beine kräftig ausgebildet, was für gute Fussgänger kennzeichnend ist. Die Zehen sind einerseits sehr lang und gut geeignet für die Fortbewegung auf sumpfigem Untergrund. Andererseits weisen sie je drei Schwimmlappen auf und erlauben dadurch ein kraftvolles Schwimmen.
Anhand der Grösse und der Färbung des Stirnschilds wird das Karibenblässhuhn vom nah verwandten, auf dem nordamerikanischen Festland weit verbreiteten Amerikanischen Blässhuhn (Fulica americana) unterschieden. Während der Stirnschild beim Karibenblässhuhn bis hinauf zum Scheitel reicht, erstreckt er sich beim Amerikanischen Blässhuhn nur etwa bis auf die Höhe der Augen oder leicht darüber. Und während sich beim Amerikanischen Blässhuhn eine mehr oder weniger deutliche rotbraune «Schwiele» oben am Schild findet, fehlt eine solche beim Karibenblässhuhn.
«Im Allgemeinen» muss man anfügen. Denn bei zahlreichen Amerikanischen Blässhühnern ist ein erheblich grösserer Schild vorhanden als üblich, und nicht selten fehlt eine rotbraune Schwiele, während sich andererseits bei nicht wenigen Karibenblässhühnern eine rotbraune Färbung im oberen Bereich des Schilds findet. Die Artabgrenzung ist mit anderen Worten «unscharf», und entsprechend schwierig gestaltet sich die Unterscheidung der beiden Arten dort, wo sie nebeneinander vorkommen - was im Winter, wenn die Blässhühner aus Nordamerika eingetroffen sind, auf vielen Karibikinseln der Fall ist. Manche Fachleute vertreten aus diesem und weiteren Gründen die Ansicht, dass es sich beim Karibenblässhuhn gar nicht um eine separate Art handelt, sondern bloss um eine regionale Unterart des Amerikanischen Blässhuhns. Wir wollen uns hier nicht in den «Streit der Gelehrten» vertiefen, sondern folgen der gegenwärtig allgemein anerkannten Meinung, wonach die beiden Blässhühner zwei separate Arten darstellen.
Futtersuche an Land und im Wasser
Das Karibenblässhuhn ist ausschliesslich in der Karibik beheimatet, und zwar vom Süden der Bahamas über die drei Grossen Antillen Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico sowie die Jungferninseln und die Kleinen Antillen südwärts bis zum nördlichen Venezuela. Innerhalb dieses Areals kommt es an vielen Orten nur in sehr dünnen Beständen vor oder fehlt ganz. Ein permanenter Brutvogel scheint es nur auf den 13 Inseln Hispaniola, Jamaika, Puerto Rico, St. Croix, St. Martin, Antigua, Barbuda, Guadeloupe, Martinique, Barbados, Bonaire, Curaçao und Aruba zu sein, das heisst nur in 10 von insgesamt 21 Ländern innerhalb seines Verbreitungsgebiets.
Wie alle Blässhühner ist das Karibenblässhuhn ein eher schwerfälliger Flieger, der sich im Allgemeinen ungern in die Luft erhebt - und wenn doch, dann stets mit langem «Anlauf» übers Wasser. Beim Fliegen streckt es den Kopf weit nach vorn und die grossen Beine über den Schwanz hinaus nach hinten. Dessen ungeachtet sind manche Blässhühner saisonale Langstreckenzieher, wobei sie ihre weiten Reisen stets nachts unternehmen. Zu diesen gehören auch - wie bereits angetönt - diejenigen Bestände des Amerikanischen Blässhuhns, welche im mittleren und nördlichen Nordamerika brüten und dann für den Winter nach Süden in die Region des Golfs von Mexiko und der Karibik ziehen.
Das Karibenblässhuhn scheint hingegen ein sesshafter Vogel zu sein, der seinem Heimatgewässer das ganze Jahr über treu bleibt. Dabei handelt es sich gewöhnlich um einen Süsswassersee, einen Teich oder einen Sumpf, selten auch um eine brackige Küstenlagune.
Wovon sich das Karibenblässhuhn ernährt, ist nicht untersucht. Vermutlich setzt sich aber seine Kost wie bei seinen nahen Verwandten, dem Amerikanischen Blässhuhn und dem «eigentlichen» Blässhuhn, vor allem aus einem breiten Spektrum pflanzlicher Stoffe zusammen, umfasst aber wohl wie bei diesen in geringen Mengen auch Kleintiere aller Art, insbesondere Insekten und deren Larven, Würmer, Schnecken und Kaulquappen, und mitunter sogar kleine Frösche und Fischchen.
Seine Nahrung stellt sich das Karibenblässhuhn wie alle Blässhühner sowohl an Land wie im Wasser zusammen. Und ebenfalls wie alle Blässhühner, jedoch im Unterschied zu vielen anderen Rallenarten, führt es kein verborgenes Leben in der dichten Ufervegetation, sondern geht einerseits gern auf offenen Grasflächen am Gewässerrand auf Weidegang und schwimmt andererseits gern auf der offenen Wasserfläche, weit entfernt von jeder Deckungsmöglichkeit. Dort bringt es sich vor etwaigen gefiederten Fressfeinden durch schnelles Abtauchen in Sicherheit. Auch beim Nahrungserwerb taucht es oft zum Gewässergrund hinunter und bleibt dabei gewöhnlich bis etwa 15 Sekunden lang unter Wasser. Eingeleitet wird das Tauchen jeweils mit einem charakteristischen Kopfsprung.
5 bis 9 Eier je Gelege
Über die Gesellschaftsstruktur des Karibenblässhuhns ist ebenfalls wenig bekannt. Wie bei der Kost dürfte aber auch diesbezüglich eine grosse Ähnlichkeit zu den beiden besser bekannten Vettern bestehen. Sowohl beim Amerikanischen als auch beim «eigentlichen» Blässhuhn errichten die Paare während der Brutsaison ein kleines Territorium, in welchem sie keine fremden Artgenossen dulden. Beide Partner beteiligen sich an der Verteidigung des Territoriums gegen Eindringlinge. Ausserhalb der Fortpflanzungszeit sind sie hingegen gesellig und bilden mit ihresgleichen teils grosse Verbände. Letzteres scheint tatsächlich auch für das Karibenblässhuhn zu gelten, denn beispielsweise auf den Niederländischen Antillen wurden schon Verbände von mehr als 800 Individuen beobachtet.
Aufgrund einer auf der US-Jungferninsel St. Croix durchgeführten ornithologischen Studie wissen wir immerhin über das Brutverhalten des Karibenblässhuhns einigermassen Bescheid. Das Nest wird vom Männchen und vom Weibchen gemeinsam gebaut. Für den Unterbau werden gewöhnlich Zweige zusammengesucht, für die tiefe, schüsselförmige Nestmulde weichere Pflanzenstoffe aller Art. Das Nest befindet sich im Allgemeinen gut versteckt in der dichten Ufervegetation unmittelbar am Gewässerrand, nicht selten aber auch etwas weiter vom Ufer entfernt auf einem im Wasser liegenden Baumstamm und dergleichen.
Das Gelege besteht meistens aus 5 bis 9 Eiern. Diese sind auf hellem Grund graubraun gesprenkelt und werden von beiden Altvögeln während rund drei Wochen bebrütet. Nach dem Schlüpfen tragen die Jungvögel ein grauschwarzes Daunenkleid, haben jedoch ein orangefarbenes Halsband, einen nackten rosaroten Scheitel und einen roten Schnabel. Sie verlassen das Nest schon am Tag des Schlüpfens und folgen, schwimmend wie laufend, ihren Eltern nach, die ihnen emsig Futter vorhalten. Für die Nacht kehren sie jeweils wieder zu ihrem Nest zurück und werden dort von den Eltern beschützt. Im Alter von etwa einem Monat beginnen sie, selbst nach Futter zu suchen und dabei auch kleine Tauchgänge zu unternehmen. Im Alter von etwa zwei Monaten können sie sich selbstständig ernähren.
Auf den US-Jungferninseln wurde festgestellt, dass der Bruterfolg der Karibenblässhühner zum Zeitpunkt des Schlüpfens noch recht gross war: Aus etwa 65 Prozent aller gelegten Eier schlüpften Jungvögel. Einen Monat später war der Bruterfolg jedoch auf rund 40 Prozent gesunken, und einen weiteren Monat später, beim Erreichen der Selbstständigkeit, auf etwa 25 Prozent. Die hohe Sterblichkeit der jungen Karibenblässhühner wurde vor allem durch Ratten und Reiher verursacht.
Als Braten geschätzt
Das Karibenblässhuhn wird von der Weltnaturschutzunion (IUCN) seit dem Jahr 2000 als «Nahezu Gefährdet» eingestuft. Begründet wird diese Einstufung damit, dass die Bestände aufgrund der Bejagung für den Verzehr und der Trockenlegung von Feuchtgebieten zwecks Gewinnung von Pflanz- oder Bauland im ganzen Verbreitungsgebiet rückläufig sind. In einer 2008 erschienenen wissenschaftlichen Erhebung der Bestandssituation des Karibenblässhuhns wird nun vorgeschlagen, die Art in die Kategorie «Verletzlich» hochzustufen, weil erschwerend hinzukommt, dass sie bis heute im ganzen Verbreitungsgebiet praktisch keinen gesetzlichen Schutz geniesst. Letzteres ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Karibenblässhuhn lange Zeit als regionaler Bestand des Amerikanischen Blässhuhns betrachtet wurde, welches in grosser Zahl in der Karibik überwintert und wegen seiner Häufigkeit keines Schutzes bedarf.
Die Fläche des gesamten Lebensraums, der dem Karibenblässhuhn derzeit zur Verfügung steht, wird auf lediglich rund 1000 Quadratkilometer geschätzt. Diese Fläche ist auf viele Dutzend kleine bis kleinste Feuchtgebiete verteilt, darunter auch künstlich angelegte Weiher auf Golfplätzen. Nur 15 Gebiete sind grösser als 10 Quadratkilometer, und als Schutzgebiete ausgewiesen sind lediglich 11. Vor allem in den ungeschützten Gebieten, teils aber selbst in den Schutzgebieten, unterliegen die Karibenblässhühner diversen menschgemachten Schadfaktoren und sind in ihrem örtlichen Fortbestand gefährdet. Die Hauptgefahren lauten Lebensraumverlust durch Entwässerung, Erschliessung und Gewässerverschmutzung sowie Tod durch Jäger, Eiersammler und eingeschleppte Raubsäuger, darunter Katzen, Hunde, Mungos und Ratten.
Obschon ein grosser Mangel an Informationen über die Ökologie und das Verhalten des Karibenblässhuhns besteht, ist offensichtlich, dass das Überleben der grauschwarzen Ralle von der Verbesserung des Schutzes sowohl des Vogels selbst als auch seines Lebensraums abhängt. Es müssen also einerseits spezifische Jagdschutzgesetze erlassen werden, und es muss der Vollzug derselben gewährleistet werden. Andererseits müssen weitere Brutgebiete als Schutzgebiete ausgewiesen werden, und es muss die Überwachung derselben sichergestellt werden.
Einen Lichtblick stellt immerhin der Umstand dar, dass mehrere Inseln, auf denen das Karibenblässhuhn brütet, nämlich Hispaniola, Jamaika, Puerto Rico, Antigua und Barbuda, am «West Indian Duck and Wetlands Conservation Project» teilnehmen. Dieses Projekt wurde 1997 gestartet und ist bemüht, dem Niedergang der gefährdeten Kuba-Pfeifgans (Dendrocygna arborea) - welche ihrem Namen zum Trotz nicht allein auf Kuba vorkommt - entgegenzuwirken. Wichtig für das Karibenblässhuhn ist in diesem Zusammenhang, dass die Kuba-Pfeifgans ebenfalls eine Feuchtgebietsbewohnerin ist und dass im Rahmen des genannten Projekts vor allem versucht wird, endlich dem Verlust von Feuchtgebieten im karibischen Raum Einhalt zu gebieten. Das Karibenblässhuhn sollte eigentlich von diesen Bemühungen profitieren können. Wichtig ist aber überdies, dass es gelingt, auch seine direkte Verfolgung einzudämmen.
Legenden
Das Karibenblässhuhn (Fulica caribaea) ist ein Mitglied der Familie der Rallen (Rallidae). Die erwachsenen Individuen erreichen im Allgemeinen eine Länge von 33 bis 38 Zentimetern, eine Spannweite von 60 bis 70 Zentimetern und ein Gewicht von 500 bis 800 Gramm. Die Männchen sind im Durchschnitt etwas grösser als die Weibchen und haben einen grösseren weissen Stirnschild.
Das Verbreitungsgebiet des Karibenblässhuhns erstreckt sich über weite Bereiche der Karibik, von den südlichen Bahamas im Norden bis zum nördlichen Venezuela im Süden. Ein permanenter Brutvogel scheint es innerhalb dieses weiten Areals allerdings nur auf 13 Inseln zu sein. Wie alle Blässhühner ist das Karibenblässhuhn zwar ein kräftiger Schwimmer und Taucher sowie ein guter Fussgänger, jedoch ein schwerfälliger Flieger, der sich nur ungern in die Luft erhebt - und wenn doch, dann stets mit langem «Anlauf» über die Wasseroberfläche.
Soweit wir wissen, errichten die Karibenblässhuhn-Paare jeweils während der Brutsaison am Rand ihres Heimatgewässers ein kleines Territorium, aus welchem sie alle fremden Artgenossen nach Kräften fernhalten. Beide Partner beteiligen sich an der Abwehr von Eindringlingen. Das Nest bauen sie meistens gut versteckt in der dichten Ufervegetation unmittelbar am Gewässerrand.
Die jungen Karibenblässhühner tragen nach dem Schlüpfen ein Kleid aus grauschwarzen Daunen mit gelben Spitzen, haben ein oranges Halsband, einen nackten rosafarbenen Scheitel und einen roten Schnabel. Ein Stirnschild ist noch nicht ausgebildet. Sie können vom ersten Tag an Schwimmen und Laufen, müssen aber von den Eltern rund zwei Monate lang mit Futter versorgt werden, bevor sie sich selbstständig ernähren können.
Die Fläche des gesamten Lebensraums, der dem Karibenblässhuhn derzeit zur Verfügung steht, wird auf lediglich rund 1000 Quadratkilometer geschätzt. Diese Fläche ist auf viele Dutzend kleine bis kleinste Stillgewässer und Feuchtgebiete verteilt. Da diese karibikweit Stück für Stück entwässert, erschlossen und/ oder verschmutzt werden, schrumpft das Lebensraumangebot für das Karibenblässhuhn ständig. Da es überdies für den Verzehr bejagt wird, sind seine Bestände seit Jahren rückläufig.
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