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Die Bruderschaft vom guten Tode
So ist uns zum Beispiel bekannt, daß der heilige Papst Pius V. nach dem Sieg der christlichen Flotte bei Lepanto die folgende Anrufung in der Lauretanischen Litanei einfließen ließ: Hilfe der Christen, bitte für uns!
Viele wissen um die marianischen Erscheinungsorte wie Lourdes und Fatima. Weniger bekannt dürfte es sein, daß die 18. Marienerscheinung in Lourdes am Karmelfest (16. Juli 1858) stattfand. Ebenso erschien die Muttergottes in Fatima in der Kleidung als Karmelkönigin. Es war mir ein großes Anliegen, daß die Muttergottes vom Karmel auch im besonderen in der Loretokapelle von Biberegg verherrlicht wird. Eine briefliche Anfrage im bischöflichen Ordinariat Chur erfreute uns gar sehr: Ab sofort dürfen wir im täglichen Singen (oder Abbeten) der Lauretanischen Litanei die Anrufungen anfügen:
REGINA CARMELI, ORA PRO NOBIS! KÖNIGIN DES KARMELS, BITTE FÜR UNS!
MATER ET DECOR SANCTI SCAPULARIS, ORA PRO NOBIS! MUTTER UND ZIERDE DES HEILIGEN SKAPULIERS, BITTE FÜR UNS!
Wir danken im besonderen unserem Diözesanbischof für diese Erlaubnis. Wer nun denken möchte, daß diese beiden Anrufungen etwas fremdartig in der Lauretanischen Litanei wirken mögen, dem sei in Erinnerung gebracht, daß genau diese beiden Anrufungen der Einsiedler Tradition entsprechen. In einem Einsiedler Gebetbuch, das um die Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen war, finden wir nämlich die Lauretanischen Litanei genau in diesem Gewand der Anrufungen. Somit singen wir in der Loretokapelle von Biberegg die Lauretanische Litanei so, wie man sie um 1850 in Einsiedeln gesungen hat.
Papst Franziskus hat nun eine Erweiterung der Lauretanischen Litanei gemacht. Neu werden die folgenden drei Anrufungen eingefügt: «Mater misericordiæ» (MUTTER DER BARMHERZIGKEIT), «Mater spei» (MUTTER DER HOFFNUNG) und «Solacium migrantium» (TROST DER FLIEHENDEN oder AUSWANDERER).
Die erste Anrufung erfolgt nach «Mater Ecclesiæ», die zweite nach «Mater divinæ gratiæ» und die dritte nach «Refugium peccatorum».
Die beiden ersten neuen Anrufungen sind sehr alt und gehen auf den seligen Hermann von Reichenau (1013–1054) zurück. Für die dritte Anrufung werden wir in den Titel vergeben in der marianischen Verehrung. Wir dürfen Maria aber sehr wohl als «Migrantin» verehren, wenn wir die Flucht nach Ägypten in Betracht ziehen. Zwar sind es einfach Privatoffenbarungen, die uns die Tragweite dieser Reise vor Augen führen. Doch darf davon ausgegangen werden – in Hinblick heutiger Migranten – dass diese Flucht mit enormen Gefahren und einem psychischen Stress verbunden waren.
Unterzeichnet wurde dieses Rundschreiben (Litteræ circulares) der drei neuen Anrufungen durch den Kardinalpräfekt Robert Sarah und den Sekretär der Gottesdienstkongregation, Kurienerzbischof Arthur Roche.
Das Datum der Unterzeichnenden ist der 6. Juni 2020.
Freitag, 26. Juni 2020