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Typen schweizerischer Bauart.
Es ist nicht zu verkennen, dass ähnliche klimatische und sonst physikalische Ursachen zu Aehnlichkeiten in der Konstruktion führen mussten. Die Gegenden mit ausgedehntem Getreidebau begünstigen das steile Strohdach, solche mit reichen Wäldern das Schindeldach; der Blockbau ist nur in waldreichen Gegenden denkbar, wo hinwieder die Erfordernisse für den Mauerbau vielfach schwierig zu beschaffen sind. Die strengen Winter des Hochgebirgs zwingen zu besonders starker Dachanlage, zur Erstellung tüchtiger Wände und möglichst kleiner Taglichter.
Zieht man das alles in Betracht, übersieht man ferner auch nicht, dass die Grenzen zwischen den Bauarten keineswegs scharf zu ziehen sind, sondern dass vermittelnde Uebergänge dazwischen treten, und lässt man endlich auch der Individualität der Bauherrn und Baumeister ihr Recht wiederfahren, so bleibt doch noch die Frage offen - deren Lösung freilich noch abzuwarten ist - ob nicht in der Verschiedenheit der Hausanlage ein ethnographisches Kriterium zu finden sei. Es ist dabei auch in Betracht zu ziehen, dass die oben angeführten Haustypen nicht etwa auf das Gebiet der Schweiz beschränkt sind, sondern über dasselbe hinausgreifen und mit den Typen der Nachbarländer zusammenhängen. Das jurassische Haus setzt sich jenseits des Doubs in Frankreich fort, das dreisässige Haus in Solothurn geht über in das Bauernhaus des Grossherzogtums Baden, das thurgauische Haus hat seine Fortsetzung jenseits des Bodensees, das Länderhaus der Schweiz und das des Vorarlberg sind Brüder, und das Engadinerhaus wiederholt sich mit Modifikationen im angrenzenden Tirol.
Eigentümlich aber ist der Schweiz das Zusammentreffen so vieler Bauarten auf so kleinem Gebiete.
Bibliographie:
Gladbach, E. G. Der Schweizer Holzstil in seinen kantonalen und konstruktiven Verschiedenheiten. Zürich 1882 ff. -
Gladbach, E. G. Charakteristische Holzbauten der Schweiz vom 16. bis 19. Jahrhundert. Berlin 1893. - Bauwerke der Schweiz; herausgegeben vom Schweizer. Ingenieur- und Architektenverein. Zürich 1896 ff. -
Fatio, G., und G. Luck. Augen auf! Schweizer Bauart alter und neuer Zeit. Genf 1904. - Hunziker, J. Das Schweizerhaus nach seinen landschaftlichen Formen und seiner geschichtlichen Entwicklung. Aarau 1900 ff. (Bisher erschienen: I. Wallis; II. Tessin; III. Graubünden nebst Sargans, Gaster und Glarus; IV. Der Jura).
[Prof. Jecklin.]
III. Volkstrachten.
Ein sehr interessantes Kapitel in der allgemeinen Kostümkunde bilden die Volkstrachten. Es ist zu bedauern, dass denselben bis in jüngste Zeit keine grosse Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Eine Volkstracht ist eine Kleidung, welche ihre speziell typischen Schnitte, Farben und Bestandteile aufweist, nur in gewissen Bezirken oder Landesteilen vorkommt und dadurch die Träger und Trägerinnen kennzeichnet. Die Volkstrachten haben sich aus den Patriziertrachten des 18. Jahrhunderts entwickelt. Als der pracht- und farbenliebende Hof Frankreichs seine Strahlen weit in die andern Länder hinaus sandte, fanden auch in der Schweiz die höhern Stände keinen Gefallen mehr an den nach steifen, strengen Regeln des 17. Jahrhunderts gemachten Kleidern.
Schon lange waren die Kleider-Mandate als eine lästige Institution empfunden worden. Da sie überdies sehr lax und willkürlich gehandhabt und noch weniger befolgt wurden, liess man sie eingehen. Lustig und frei flatterten die buntblumigen Stoffe herbei, und bauschig, leicht gestalteten sich die Kleider. Auch im Bauern regte sich der Nachahmungstrieb, auch er wollte Farben haben. Er behielt die alten Schnitte und die alten Formen der Patrizier bei und machte sie sich zurecht. Liebevoll behielt er auch noch manches Stück seiner frühern Kleidung unverändert bei; so entstanden die lokalen Trachten, die mancherorts wunderliche Blüten trieben.
Das eine hatten alle Trachten gemeinsam: sie waren farbenreich, was besonders bei den damaligen Hochzeits- und Tauffesten zu schönster Geltung kam.
Leider besitzen wir aus dem Ende des 18. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts nur ganz wenige und unvollständige Aufzeichnungen über die Trachten. Am lehrreichsten und besten sind die Bilder des Malers Freudenberger, der jedoch nur Bern und seine Trachten berücksichtigte, während sich Reinhardt, König und etwas später Ludwig Vogel mit ihren Bildern grosse Verdienste um die Trachtenkunde des ganzen Schweizerlandes erworben haben.
L. Vogel hat in der Blütezeit der Volkstrachten gelebt, und wir verdanken seinen Detailzeichnungen und Skizzen eine Reihe wertvoller Aufschlüsse über Eigentümlichkeiten, die sonst unverständlich wären. Die von ihm mehrmals angebrachte Notiz «Aeltere Tracht» bezeichnet das, was zu seiner Zeit (etwa 1800-1840) schon im Abgang war. Kurz nach ihm beginnt ein Verblassen, Verwelken der Trachten. Die leuchtenden Farben verschwinden, sie machen da und dort dunkeln Platz.
Statt der bunten Bänder werden Silberketten angebracht; der Silberschmuck wird stets reicher, prahlerischer. Aeltere Trachtenstücke werden abgelegt. Modeströmungen lassen sich durch fast alle Trachten hindurch erkennen. Eine ganze Tracht verschwindet: die Guggisberger, die originellste der Schwer. (Das Bild in diesem Lexikon [Band I, S. 212] ist unrichtig, indem der Gürtel zu weit unten sitzt). Andere folgen, z. B. die Hallauer, von der mir im Jahr 1897 ein alter Geistlicher daselbst erzählte, er habe die letzte Trauung im Schappel (Hochzeitskrone) im Jahr 1840 vollzogen.
Wohl erhielt sich im Kanton Schaffhausen eine Tracht, aber eine völlig veränderte, zuerst noch grün in der Farbe, bald aber nur noch schwarz. Als jüngstes Beispiel können wir die Tracht in Appenzell I. R. anführen. Dort, wo das Volk an allem Althergebrachten, so auch an der Tracht, am zähesten festgehalten hat, können wir den Zerfall der Tracht heute verfolgen. Vor nur zwanzig Jahren trug noch jedes weibliche Wesen eine Tracht: die Frauen rote Kappen, die Mädchen sorgfältig gewellte Haare. Jede Frau, auch wenn sie in der armseligsten Hütte wohnte, verwahrte sorgfältig in einer Truhe ihren Sonntagsstaat, bestehend in einem roten Rock, einer farbigen seidenen Schürze und Brüchli. Dabei lagen silberne Ketten, Haften und Anhänger, für die oft der letzte sauer erworbene Rappen ausgegeben worden war. Heute wird der Hochzeitsanzug, den sich die Reichen anschaffen, nur aus schwarzen Stoffen hergestellt. Der kleine weisse ¶
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Typen schweizerischer Bauart.
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Brustfleck, sowie das schwarze Brüchli werden mit Flitterplättchen etwas bestickt. Solch' einer schwarzen Tracht sind besonders junge Leute bald überdrüssig, die abwechslungsreiche Mode gefällt besser und die so viel Geld kostende Tracht wird nicht mehr angeschafft. Die schwarze Tracht ist die letzte Stufe vor dem gänzlichen Abgang. Die bunte «alte» Tracht ist blos Festtracht. Wir haben also in den Volkstrachten eine Erscheinung, die durchaus nicht, wie die allgemeine Auffassung meint, eine Jahrhunderte lang unverändert getragene Kleidung war, sondern eine ziemlich rasch vorüberziehende Mode.
Die Männertrachten zeigten in der ganzen Schweiz eine grosse Uniformität. Nur wenige Gegenden behaupteten eine typische Tracht. Das Hemd hatte schon am Ende des 18. Jahrhunderts seinen Kranzkragen oder «Kröss» verloren und statt dessen ein «Brisli» oder einen hohen Kragen, den «Vatermörder», erhalten. Leinene «gekratzte» (feingefältelte) «Flotter- oder Pluderhosen» wurden vorherrschend. Das waren Abkommen der Landsknechthosen des 16. Jahrhunderts. Sie reichten bis zu den Knien herab und nur knapp über die Hüften herauf.
Ihr Festsitzen war oft mit Schwierigkeiten verbunden, da es damals noch keine Hosenträger gab. Sie besassen auch keine Knöpfe; Bändel oder Schnüre hielten sie zusammen. Das Schweizerische Landesmuseum besitzt aus dem Kanton Bern, wo die Leute bekanntlich meist gross und stattlich sind, Originale solcher Kniehosen, die eine Höhe, resp. eine Länge von nur 60 cm haben. Erst die breiten «Latzhosen» bekamen Knöpfe und waren aus Leder, Samt oder Wollenstoff, allenfalls auch aus Leinen hergestellt.
Rote Westen wurden überall getragen, zuerst lange, dann kurze. Bis heute haben sich die letztern bei den Sennen im Toggenburg und in Appenzell I. R. erhalten. Die «Röcke» erhielten um etwa 1700 die Form mit langen Schössen. Vielfach dienten Metallknöpfe als Verzierung. Vorherrschend waren die Röcke aus grober Leinwand oder Zwilch verfertigt, aber auch in hellerem oder dunklerem Wollenstoff - grau, blau oder rostigrot - beliebt. Sehr oft vertrat der «Lender» die Stelle des Rockes.
Das war eine Art Weste mit oder ohne Aermel. Ein anderes merkwürdiges Kleidungsstück hatte sich im Aargau als Tracht kurze Zeit festgesetzt. L. Vogel bezeichnet es in einer Skizze als «ältere Tracht», Reinhardt bildet es ebenfalls ab, und das Historische Museum in Bern besitzt ein Original, das mit der Jahreszahl 1733 bestickt ist. Diese Form stammt, wie die Flotterhosen, von den Landsknechten her, also aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Der Kittel war aus grober, ungebleichter Leinwand, der Rücken mass nur 16 cm in der Höhe. Die Schuhe, auch die Frauenschuhe, waren ausgeschnitten und hatten auf dem Fussrist einen mit Löchlein verzierten Ueberschlag, die «Lasche», von rotem oder schwarzem Leder. An diese Stelle setzten sich später die Schnallen. Als Kopfbedeckung dienten breitrandige hohe oder kleine flache Filzhüte, später Dreispitze, Zipfelmützen und verschiedene Arten von Kappen.
Leinene Flotterhosen mit angesetzten Strümpfen aus gleichem Stoff, weissleinene «Schossröcke» und rote Westen wurden im Wehnthal am längsten, bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts hinaus getragen. Dieser Anzug war so stabil geblieben, dass er zur typischen Wehnthalertracht geworden ist. Typisch waren auch die Hallauer gekleidet. Sie gingen vorherrschend in schwarzen gekratzten Zwilchhosen und Kittel, dessen Schnitt denjenigen der Pfarrer und Prädikanten aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts nachahmte, wie wir es bei Reinhardt sehen.
Eigentümlich sind die Hosenträger, welche über die Weste lagen. Im Jahr 1854 soll der letzte Mann, der den Pluderhosen treu geblieben, gestorben sein. Während sich die Toggenburger mit einer gestickten roten Weste und einem bunten Strauss am Hut begnügen, kleiden sich die Sennen Innerrodens in einen schmucken Anzug. Ihre Tracht, wenn sie zur Alpfahrt ausziehen, besteht aus einem Hemd, auf dessen Brust weiss gestickte Kühe zu sehen sind, und aus gelben, eng-anschliessenden ledernen Kniehosen, deren Träger mit Kuhfiguren aus blankem Messing verziert sind. Dazu wird ein buntes Tuch umgegürtet. Die Weste ist rotwollen und mit silbernen Knöpfen besetzt. Auf dem Hut befinden sich Blumen und Silberschnalle. Im Ohr hängt das Sennenzeichen, der vergoldete Sennenschöpflöffel, und im Mund steckt die silberbeschlagene Tabakpfeife.
Im Kanton Bern und in Freiburg haben sich allmählich kurze Puffärmel an den Lender der Sennen festgesetzt; dieser selbst ist zu einem schwarzen Samttschoppen geworden. Kniehosen werden keine mehr getragen.
In den Urkantonen und in Glarus bedienen sich auch heute noch die Heuer eines weissen Hemdes, das mit einer Kapuze versehen ist. Sie schützen die Füsse durch sog. «Holzböden», d. h. mit sehr grossen Nägeln besetzte Sandalen aus Holz. Lederriemen dienen zur Befestigung.
In Unterwalden wurden die enganschliessenden «Latzhosen» getragen, ebenfalls sehr kurz. Der breite Latz war auf beiden Seiten bestickt. Die breiten Ledergürtel scheinen mehr als Leibschmuck, als gerade zum Halten der Hosen gedient zu haben, denn gewöhnlich ist das Hemd zwischen beiden handbreit sichtbar. Ob die Männer nur bei gewissen Anlässen, wie das im Lötschenthal vorkommt, Frauenhüte aufsetzten, oder ob das allgemeine Tracht war, ist noch nicht festgestellt. Die heute so beliebten bestickten Blusen sind eine erst seit kurzer Zeit aufgekommene Mode. Dass die Burschen stets ein künstlich gemachtes Edelweiss auf den Hut stecken, ist merkwürdig. Jeder hat doch auf seinen Bergen schon echte gepflückt, die, wenn sie gepresst sind, sich jahrelang halten.
Ueberall trugen die Männer zu den Leichenbegängnissen grosse schwarze Mäntel; auch die Frauen bedienten sich, z. B. in Freiburg, einer eigenen Trauerkleidung, während die Frauen anderwärts nur gewisse Abzeichen trugen, so in Appenzell I. R. die «Stuche», ein langes weisses Tuch, das in die Flügelhaube («Schlappe») eingeheftet wurde und über den Rücken hing.
Im Gegensatz zu der Uebereinstimmung der Männertrachten bieten die ¶