Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/1221

Geschichte des Geldes aus der (hierin noch sehr schwach entwickelten) Wikipedia:
Begehrte Güter wie Getreide, Muscheln, Kaurischnecken, Silber oder Gold wurden in der Vergangenheit als Zwischentauschmittel eingesetzt, hatten also eine Geldfunktion. Waren solche Güter allgemein geschätzt und in beschränkter aber ausreichender Menge verfügbar und nicht verderblich, konnten sie zu allgemein akzeptierten Tausch- und Zahlungsmitteln werden. Man spricht hier von Warengeld. Das Warengeld bestand entweder aus Naturgegenständen (Naturalgeld), Schmuckstücken (Schmuckgeld) oder allgemeinen Gebrauchs- und Nutzgegenständen sowie Nutztieren.
Im Mittelalter gab es insbesondere im slawischen und skandinavischen Ostseeraum ausgeprägte Gewichtsgeldwirtschaften. Das Kennzeichen des Gewichtsgeldes ist es, nicht nach Anzahl oder Nennwert getauscht zu werden, sondern nach Gewicht. Insbesondere Silber und andere Metalle dienten als Gewichtsgeld. Dabei wurden oft nach Gewichtsbedarf zerteilte Barren, Schmuckstücke oder auswärtige Münzen eingesetzt. Auch die Münzen wurden hier allein nach Gewicht gehandelt. Käufer und Verkäufer bestimmten das maßgebliche Gewicht durch Doppelwägung (Görmer 2006, 165).
Als weitere Form des Geldes entstand Kreditgeld, bei dem eine Forderung gegenüber einem Schuldner dazu genutzt wird, um Waren und Dienstleistungen zu bezahlen. Heutiges, von Geschäfts- und Zentralbanken geschaffenes Geld ist Kreditgeld und stellt eine Forderung gegenüber der jeweiligen Bank dar.
Unter dem Goldstandard des Deutschen Kaiserreiches war die Währungseinheit Goldmark dadurch definiert, dass 2790 Goldmark dem Wert von einem Kilogramm Feingold entsprachen.
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten in vielen Ländern Währungsstandards, die den Geldwert in den verwendeten Währungseinheiten als Wert einer feststehenden Menge des Edelmetalls Gold oder Silber definierten. Dies war häufig mit der Prägung und dem Umlauf von Kurantmünzen verbunden. Andere Zahlungsmittel wurden in der Regel vom jeweiligen Emittenten auf Verlangen in Kurantmünzen getauscht, deren Edelmetallmenge dem Nennwert der eingetauschten Zahlungsmittel entsprach.
In den meisten Ländern dominierten zunächst Silberstandards. Preise wurden in den jeweiligen, durch Silbermengen definierten Währungseinheiten angegeben. Im täglichen Zahlungsverkehr fanden sowohl Silberkurantmünzen als auch Scheidemünzen Verwendung. Während dieser Zeit umlaufende Goldmünzen hatten einen Kurs zum Silberkurantgeld, der auf den Kurszetteln der Börsenplätze ablesbar war. Goldmünzen hatten im Binnenland die Funktion von „Sondergeld“ bei der Bezahlung „höchstwertiger“ Güter und dienten als Handelsmünzen zur Bezahlung von Handelspartnern aus dem Ausland.
Die meisten Industriestaaten wechselten im 19. Jahrhundert zu einem Goldstandard. In Deutschland waren Banknoten zum Teil durch Gold, zum Teil durch gute Handelswechsel mit einer Fälligkeit von höchstens drei Monaten gedeckt. Banknoten der Reichsbank, Reichskassenscheine und Scheidemünzen wurden auf Verlangen bei den Reichsbank(haupt)kassen in Währungsgoldmünzen eingetauscht. Deutsche Privatbanken mit eigener Notenemission tauschten ebenfalls auf Verlangen von ihnen in Umlauf gebrachte Banknoten in Goldmünzen. Auf Grund der vor dem Ersten Weltkrieg herrschenden stabilen Währungsverhältnisse bestanden in Deutschland im täglichen Geldverkehr keine Kursunterschiede zwischen Gold-, Papier, Scheide- und Buchgeld. Auch war diese Zeit durch weitgehend stabile Wechselkurse zwischen den Goldstandardländern geprägt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verzichteten die meisten Staaten auf einen Währungsstandard. An die Stelle eines solchen Standards traten geldpolitische Maßnahmen der Zentralbanken, die eine Preisniveaustabilität sicherstellen sollten und sollen.
Geschichten schreibe ich oft auf eine "kopernikanische Wende" hin, indem ich einen spezifischen Moment einer dort geteilten Entwicklung beobachte. "Wenn ich beispielsweise von der Entwicklung des Menschen spreche, unterscheide ich in diesem Sinne eine naturhistorische Entwicklung innerhalb des Tierreiches, die mit dem Auftreten des Menschen abgeschlossen ist, und eine sozialhistorisch Entwicklung des Menschen, die mit dem Auftreten des Menschen beginnt und in welcher sich nicht mehr der Mensch, sondern dessen Lebensverhältnisse als Kultur entwickeln. Menschen kann ich beispielsweise - wenn mir das gefällt - als toolmaking animals sehen. Dann beobachte ich im Tierreich eine Entwicklung hin zur Verwendung von Objekten, welche am Schluss den Menschen als Herstellenden hervorbringt, und eine zweite Entwicklung, in welcher sich die Menschen dadurch entwickeln, dass sie ihre Werkzeuge entwickeln.
Die Autopoiese des Geldes durchläuft evolutionstheoretisch eine Entwicklung verschiedener Wertformen, welche eigentliches Geld als Scheidegeld hervorbringt, und eine daran anschliessende Entwicklung des Geldes als Entwicklung gesellschaftlicher Praxis, in welcher Geld verschiedene Formen annimmt. Bevor Geld als Geld erscheint, erscheint es in Form von Kurantmünzen quasi als Proto-Geld, wie etwa Australopithecinen oder Neandertaler im Tier-Mensch-Übergangsfeld rückblickend als Proto-Menschen gesehen werden können. Das Präfix „Proto“ verwende ich in diesem Sinnen für „eigentlich noch nicht“. Und in diesem Sinne kann ich sagen, dass Kurantgeld existiert, aber eben nicht als eigentliches Geld." (Todesco: Geld, S.41)
Getauscht wurde lange bevor es Geld gab. Frühe Formen von Geld gab es aber sich in der griechischen Kultur, wo Plato und Aristoteles (wie immer auch) verschiedene Auffassungen von "Geld" vertreten haben, ohne dass sie auch nur die geringste Ahnung davon gehabt haben, was heute als Geld bezeichnet wird. Aristoteles meinte, das Geld um seiner selbst Willen gesammelt werde, was er (der Polis gegenüber) für nicht sinnvoll und deshalb für unmoralisch hielt und als Chrematistik bezeichnete. Er meinte, dass Geld der Polis dienen sollte, also gerade nicht, dass die Polis das Geld ermöglichen, durchsetzen und bewachen sollte.
Eigentlich oder entwickeltes Geld entstand in der als Merkantilismus bezeichneten Zeit, in welcher sich staatlich-stabile Nationen hervorgebracht haben, deren Zweck die Organisation von Geld war. In der "Geschichte" geht es um den Übergang von Räuberbanden oder Raubrittern zu Armeen, die einen Staat repräsentieren und deren "Sold"-aten vom Staat bezahlt werden, während Räuber vom geteilten Raubgut lebten.
Die Soldaten (oder Söldner als eigentliche Übergangsform) wurden mit Kurantgeld bezahlt, was auch die Projektion zu griechischen und römischen Kriegern anschliessen lässt. Die Soldaten brachten das Kurantgeld ins das Volk, das sie selbst waren, und via Steuern schloss sich der Kreislauf des kuranten Geldes, dass immer erobertes, also erräubertes Metall war, das durch Prägung gekennzeichnet wurde. Die Soldaten stehen im Sold, nicht im Lohn. Sie schaffen keinen Wert, von welchem sie bezahlt werden, sie erobern den Wert, der sie bezahlt - im Kriegsfall oft durch Vernichtung von Werten, die sie nicht erobern können.
Die Soldaten begründen den Adel im noch nicht stabilen Staat, dem sie ein Gebiet mit Grund und Boden gewähren, das davor keinen Eigentümer hat. Die Räuber und ihre Führer eroberten Mobilien, die Soldaten Immobilien. Der Adel ist eine Funktion des Soldes. Der Adel verkauft Grund und Boden an die Geldbanken (Fugger, Medicis, ..). Das bezeichnet K. Marx als ursprüngliche Akkumulation. Landläufig wird diese Geschichte umgekehrt erzählt: Am Anfang waren Adelige, die waren naturwüchsig sehr reich, verloren aber durch ihre Verschwendung ihren Reichtum an die sparsamen Bürger, bei denen sie sich verschuldeten. Das ist die vermeintliche Dekadenz des Adels.
Vom Adel gekaufte Rechte sind legitim, weil sie durch Soldaten geschützt sind. Das macht das Geld und schliesslich den Herausgeber des Geldes legitim. In der Übergangszeit hat der Adel eine gewisse Autonomie erreicht, mit welcher er Grund und Boden auch mehrfach verkaufen und so viel Geldwert vernichten konnte. Die merkantilistische Etablierung des Geldes führte aber sehr rasch dazu, dass der Adel selbst zu Geld kommen musste, weil er unbrauchbar wurde.
Die französiche Revolution wird in der Geschichte als Ereignis gefeiert. Sie beruht auf einem Prozess der Nationalisierung, der in Nordamerika durch die vereinigten Staaten ohne Revolution hervorgebracht wurde. In der Nation sind die Bürger autonom. Die Inversion ist der Führer der Nation.
In der Nation ist Geld geregelt und braucht deshalb keinerlei Kuranz mehr. Die Sold-Münzen, die im Volk zirkuliren, werden zu Geld. Anstelle der Soldaten treten die Lohnarbeiter, die in der Nation in ihren Lohn in Form von Geld bezahlt bekommen. Dieser Prozess wird von Zeit zu Zeit atavistisch durch Kriege unterbrochen, die ich als Neuregelungen des Geldes begreife. Ein drastisches Beispiel - das in der zweiten Hälfte mit "Nationalismus" explizit auf den Ausdruck Nation verweist - sind die beiden Kriege, die das deutsche Kapital unter Hollweg und Hitler entfachte, die von Hyperinflationen und anschliessenden Neuregelungen der Währung in Form des Dawes-Plan (1924) und der Reform von Reichsmark zu Deutschen Mark (1948, Marshallplan).
In der kuranten Zeit des Geldes im 16. Jhds wurden die Münzen oft ausgewechselt, vor allem aber wurde fast gleichzeitig mit dem Geld auch der Wechsel auf Geld eingeführt, weil Münzen nur aufwendig transportiert werden konnten. Vor allem wurden Anleihen des Adels gekauft, die dazuführten, dass die Reiche immer wieder bankrott machten. Sobald also Geld existierte, existierte auch alles, was wir heute Finanzkrise(n) nennen.
Reflexion einer Zurückprojektion
Es gibt ein paar historische Ereignisse, die die Geldgeschichte der Zeit des eigentlichen Geldes bestimmen, und ein paar projizierte Ereignisse, die in die Vorzeit des Geldes fallen. Man kann - narrativ - alles in einer Geschichte erzählen:

Vor- und Uebergangszeit
Jahrtausende vor Christus
Jahrhunderte vor Christus: erste Münzen
1. Jahrhundert: kaiserliches Geld
4. Jahrundert: kein Reich, kein Münzgeld
8. Jahrhundert: Denar als gemeinsame Münze
9. Jahrhundert: viele verschiedene Pfennige
10. Jahrhundert: Wechsel als erstes "Papiergeld"
11. Jahrhundert

Geldzeit
15. Jahrhundert: Europa bekommt Papiergeld
18. Jahrhundert: Die Geldmenge übersteigt die Münzmenge
1867: Gold wird internationaler Währungsstandard
1876: erster bargeldloser Zahlungsverkehr in Deutschland
1923: Inflation
1950: Erste universelle Kreditkarte
1990: ec-Karten
1995: Geld im Internet (Onlinebanking)
1996: Geldkarte - die elektronische Geldbörse
2000: Das Internet boomt
2002: der Euro
Links:
Bankgesetz der Schweiz (auf www.admin.ch)
Die Datender Revisionen sprechen die Geschichte der Beschleunigung []