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Statt einer durchgängig digitalen, Tape-freien Produktion hat die BBC nun einen Haufen unbrauchbare Soft- und Hardware.
Teure Fehlschläge bei grossen IT-Projekten im öffentlichen Bereich gibt es nicht nur in der Schweiz. Die BBC hat gerade den endgültigen Abbruch seiner 2008 gestarteten "Digital Media Initiative" (DMI) bekannt gegeben. Ausserdem wurde der zuständige Cheftechnologe der staatlichen britischen Fernsehanstalt, John Linkwood, zumindest vorläufig suspendiert.
Mit dem Projekt hat die BBC beinahe 100 Millionen Pfund beziehungsweise beim gegenwärtigen Kurs über 140 Millionen Franken in den Sand gesetzt. Bereits im letzten Oktober wurde das Projekt vorläufig gestoppt und eine Untersuchung über seinen Stand angeordnet. Wie Tony Hall, der erst im letzten November den Posten des BBC-Generaldirektors übernahm, nun klagte, sei damit bereits ein immenser Betrag an Geldern von Gebührenzahlern verschwendet worden. Er habe keine Rechtfertigung gesehen, damit fortzufahren.
Durch das DMI-Projekt wollte die BBC voll durchgängige, "Tape-freie" Prozesse zur Erstellung, Bearbeitung und Archivierung von digitalen Inhalten schaffen. Es umfasste unter anderem die Entwicklung von neuen Produktionstools für Desktops und neue Speichersysteme für die digitalen Inhalte, inklusive aller Zwischenschritte und Produktionsreports. Die Idee war unter anderem, den BBC-Mitarbeitenden zu ermöglichen, von Desktops aus auf alle Phasen einer Produktion zugreifen und daran arbeiten zu können. Ein weiterer Teil des Projekts war die Erarbeitung einer Datenbank, die es Mitarbeitenden ermöglichen sollte, von überall her das riesige BBC-Archiv zu durchsuchen.
Fünf Jahre Probleme
Gemäss einem vom BBC-Betriebschef Dominic Coles verfassten Beitrag im offiziellen BBC-Blog
war das Projekt schon von Beginn an problematisch. Einige Teilservices seien eingeführt worden, hätten aber immer wieder einen grossen Aufwand für nachträgliche Änderungen verursacht. Ausserdem seien mittlerweile standardisierte Tools erhältlich, welche die gleichen Funktionen böten, wie die von der BBC versuchten Eigenentwicklungen.
Laut Coles erhielt anfänglich Siemens den Auftrag zur Durchführung des Projekts. Später sei es aber "in gegenseitigem Einvernehmen" von der BBC zurückgenommen und im eigenen Haus weitergeführt worden. Den genauen Schaden, der durch den Projektabbruch entstehe, beziffert Coles auf 98,4 Millionen Pfund. Der Betrag sei so hoch, weil der grösste Teil der entwickelten Soft- und Hardware nur brauchbar gewesen wäre, wenn das Gesamtprojekt fertig gestellt worden wäre.
Disziplinarische Massnahmen
Coles verspricht - wie nach solchen Fehlschlägen üblich - dass man in Zukunft solche IT-Projekte besser steuern und überwachen wolle, um die Risiken besser im Zaum zu halten. Bei Projekten, die nicht die gewünschten Resultate bringen, wolle man wesentlich schneller reagieren als bisher. Zudem soll nun noch eine umfassende Untersuchung darüber angestossen werden, was bei der Digital Media Initiative genau schief gelaufen sei. zudem werde man, falls angebracht, fehlbare Personen auch disziplinarisch bestrafen. (hjm)