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Der heilige Philipp Neri (1515-1595) ist bei vielen als „humorvoller, lustiger Heiliger“ bekannt. Johann Wolfgang Goethe ernannte diesen humoristischen Heiligen als seinen „Lieblingsheiligen“. Philipp Neri machte es sich zur Aufgabe, die Menschen auf humorvolle Art im Glauben zu unterweisen. Verschiedene Anekdoten erzählen von seiner eigenen Art der Glaubenspädagogik.
Zwei dieser vielen Anekdoten seien hier erzählt:
Philipp Neri war ein geschätzter Beichtvater, den auch Adelige immer wieder aufsuchten. Als Contessa Bianchi bekannte, sie habe wiederholt schlecht über andere Menschen gesprochen, trug ihr der weise Beichtvater Folgendes auf: „Zur Busse wirst du dir am Markt ein Huhn besorgen und dann damit zu mir kommen. Unterwegs musst du es so gut rupfen, dass dabei auch nicht eine Feder übrigbleibt.“
Die Contessa führte dies folgsam aus, sehr zum Amüsement der römischen Bevölkerung. Angesichts des gerupften Huhns verlangte Philipp Neri von der stadtbekannten Adeligen jedoch, alle Federn wieder einzusammeln und keine dabei zu vergessen.
Darauf die Contessa bestürzt: „Das ist doch nicht möglich! Der Wind hat die Federn bereits in ganz Rom verweht.“ Daraufhin Philipp: „Daran hättest du vorher denken müssen. So wie du die einmal ausgestreuten Federn nicht mehr aufsammeln kannst, weil der Wind sie verweht hat, so kannst du auch die bösen Worte, die du einmal ausgesprochen hast, nicht wieder zurücknehmen.“
Eine weitere Anekdote rankt sich um den würdigen Kommunionempfang, auf den Philipp Neri besonderen Wert legte. Und wieder war eine römische Adelige im Visier seiner humorvollen Glaubenspädagogik: Die Principessa Camilla Doria-Pamphili hatte die Angewohnheit, unmittelbar nach der Kommunionspendung und noch vor Ende der Messfeier die Kirche zu verlassen.
Der Heilige trug vier Ministranten auf, der Davoneilenden mit je einer brennenden langen Kerze zu folgen. Die verdutzte Principessa fragte nach dem Sinn der ungewöhnlichen Begleitung; die Erklärung lieferte der dazugekommene Philipp mit den Worten: „Principessa haben gerade den Leib Christi empfangen. Noch ist er nicht vergangen. Zu den Vorschriften der Kirche gehört: Das allerheiligste Sakrament muss mit Kerzen begleitet werden, wenn man es über die Strasse trägt. Deshalb schickte ich die Kerzenträger nach.“
Camilla Doria-Pamphili kehrte daraufhin beschämt mit hochrotem Kopf in das Gotteshaus zurück und verliess von da an die Kirche immer erst nach dem Schlusssegen.
(Ausführlich nachzulesen in: Wodrazka, Paul: Jahrbuch 2011, „Humor – Bruder des Glaubens“, Diözese Gurk.)
Martin Luther sagte einmal: „Wo Glaube ist, da ist auch Lachen.“ – Achten wir darauf, dass wir auch in schwierigen Zeiten den Humor nicht verlieren.
Benjamin Meier