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Die "Zinskommission" (Bank) Leu
In ihrem geographischen Aufbau sind die Handelsbeziehungen Zürichs vom ausgehenden 16. bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts gleichgeblieben. Die Rohseide wurde in Oberitalien und Lyon, die Wolle in Lyon und später auch etwa in Leipzig, die Baumwolle anfänglich in Venedig und Lyon, seit etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts aber vor allem in Livorno, Genua, Marseille, Bordeaux und Nantes eingekauft.
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Doch mit der Thronbesteigung Ludwigs XVI. und dern Amtsantritt Turgots als Finanzminister im Jahre 1774 schienen sich die Horizonte wieder aufzuhellen, und zudem wurde 1777 das französische Bündnis erneuert. So wagte sich Zürich fortan in immer höherem Maße an französische Titel. Seit 1780 betrugen die französischen Anlagen von Leu & Co. stets etwas über 1 Million R. Während österreichische Anleihen anfänglich nur zögernd erworben wurden, stiegen sie dann von 236000 R. im Jahre 1772 auf nahezu 400000 R. im Jahre 1775 und nach der Französischen Revolution auf gegen 600000 R. Zu diesen großen Hauptposten kamen im Laufe der Zeit zwei sächsische Anleihen und verschiedene dänische und schwedische Werte.
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Völlig neuartig für Zürich im 18. Jahrhundert waren die Anleihen der Zinskommission nach Mittel- und Nordamerika sowie die allmählich an Bedeutung zunehmenden Kredite an auswärtige Kaufleute - alles Geschäfte, die das Seckelamt überhaupt nicht tätigte.
Die Verbindung nach Mittelamerika vermittelte der Basler Reinhard Iselin (1715-1781), der in jungen Jahren nach Dänemark gekommen war und dort als Kaufmann bis zum Finanzberater des Königs und zum großen Kolonialunternehmer aufstieg. Wenn er jeweils Basel besuchte, pflegte er auch in Zürich seine Aufwartungen zu machen. Auf Iselins Anregung hin erwarb Leu & Co. neben dänischen und schwedischen Anleihen und einigen Aktien der Bank in Kopenhagen 1767 auch Aktien der von Iselin geleiteten dänisch-ostasiatischen Kompagnie, ja bewilligte einer privaten dänischen Firma einen Kredit von 20000 Talern (40000 R.) gegen Verpfandung von Grundschuldenverschreibungen auf Plantagen in Ste-Croix, der damals dänischen Jungferninsel. Zu jener Zeit betrieb einer der ersten Zürcher Überseer, Salomon Kitt, auf der Jungferninsel St. Thomas ebenfalls mit der Hilfe Iselins den Export von Zürcher Seide nach Mittelamerika, möglicherweise ein Geschäft mit stark schmugglerischem Beigeschmack, das allerdings bald wieder aus den Akten verschwand.
[Hans Conrad Peyer, Von Handel und Bank im alten Zürich, Zürich 1968, S. 141]