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Die europäische Kolonialherrschaft hat sich auf sehr unterschiedliche Weise in Asien durchgesetzt. Überall stand sie in einem komplexen Wechselspiel von exogenem Einfluss und indigenem Widerstand, reichte von weitgehender Nichteinmischung (wie in Japan und Thailand) bis zum Versuch einer konsequenten kolonial-adminstrativen Durchdringung (wie auf den Philippinen und in Teilen Indiens). Die Betrachtung der verschiedenen Ausprägungen kolonialer Macht und ihrer Alternativen nicht zuletzt auch vor der Formierungsepoche stabiler Kolonialverhältnisse stellt einen außergewöhnlichen Aktualitätsbezug her. Die ideologischen Grundlagen westlicher Kolonialherrschaft sind seit Edward W. Saids Buch Orientalism (1978) zum Gegenstand einer regen postkolonialen Forschung geworden. Die Kritik richtet sich einerseits gegen die vermeintliche Unfähigkeit des Westens, fremde Kulturen unverzerrt wahrzunehmen, weil der offene Blick auf aussereuropäische Gesellschaften durch koloniale und imperiale Interessen verstellt sei. Andererseits geht es im Postkolonialismus darum, die berechtigte Forderung nach einer Rekonstruktion der Geschichte der „Anderen“ einzulösen, d.h., gegen die Tendenz eurozentrischer master narratives zu den Stimmen der Kolonisierten zurückzufinden. Es werden verschiedene Ansätze und theoretische Positionen dieser Denkrichtung vorgestellt und kritisch diskutiert.
Bildnachweis: Joshua Reynolds, George Clive and his Family with an Indian Maid (1765), Öl auf Leinwand (140 × 171 cm), Staatliche Museen, München.