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Die Heimstätte-Genossenschaft Niederholz baute zu Beginn der 1920er-Jahre eine der ersten Genossenschaftssiedlungen Riehens.
Die Initiantinnen und Initianten der Heimstätte-Genossenschaft Niederholz waren fast ausnahmslos Mitglieder der Pflanzlandgenossenschaft Horburg. Diese hatten sich während des Ersten Weltkriegs der Idee der Selbstversorgung durch Eigenanbau von Gemüse und Kleintierhaltung verschrieben. Ähnlich wie die etwa zur selben Zeit entstandene Heimstätte-Genossenschaft Gartenfreund wollten sie eine Siedlung nach dem Vorbild der englischen Gartenstadt bauen, bestehend aus Einfamilienhäusern mit grossen Gärten.
Am 7. November 1921 wurde die Genossenschaft offiziell gegründet. Bereits am 4. Dezember 1921 erwarb sie ein rund 40’000 m2 grosses Grundstück in der Nähe des sich gleichzeitig in Planung befindenden Friedhofs am Hörnli. Die Tramstation Niederholz war rund einen Kilometer entfernt und es führte einzig der Bluttrainweg, damals noch ein Feldweg, von der Niederholzstrasse zum Areal der Genossenschaft.
Die Pläne für die 46 Häuser, wovon die meisten als Doppeleinfamilienhäuser gruppiert wurden, stammten vom Basler Architekten Carl Müller-Oberer. Die Bauleitung übernahm der Riehener Architekt Jean Mory. Zwischen Mai 1922 und März 1923 wurden die Häuser an der Schäferstrasse, der Römerfeldstrasse und dem Bluttrainweg gebaut und erschlossen. Die Gesamtkosten des Baus beliefen sich auf 1,2 Millionen Franken. Die Genossenschaft konnte 180’000 Franken aufbringen, Bund und Kantone bewilligten 130’000 Franken als Subvention. Der Restbetrag musste über Darlehen finanziert werden. Die Bauparzellen wurden den Mitgliedern der Genossenschaft per Los zugeteilt und gingen in deren Besitz über. Die zu Hauseigentümerinnen und -eigentümern gewordenen Genossenschaftsmitglieder mussten die Restfinanzierung ihrer Häuser selbst organisieren. Die Genossenschaft wurde am 3. Juni 1933 aufgelöst, nachdem alle Infrastrukturkosten – beispielsweise für den Bau der Strassen oder die Energieversorgung – mit der Gemeinde abgerechnet worden waren.
Diese damals neue Form des Häuserbaus – es entstanden vier Zeilen weitgehend identischer Häuser – kam bei den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern nicht gut an. Hinzu kam, dass es sich bei den Neuzuziehenden vor allem um Handwerker oder Arbeiterinnen aus dem Kleinbasler Horburgquartier handelte. Deshalb nannten die Eingesessenen die neuartigen Genossenschaftssiedlungen Niederholz und Gartenfreund in den 1920er-Jahren ‹Negerdörfli›.
In den folgenden Jahrzehnten wurden an den Häusern und auf den dazugehörigen Grundstücken diverse bauliche Veränderungen vorgenommen. Aus Zweifamilien- wurden Einfamilienhäuser, Anbauten oder Garagen entstanden. In den grosszügigen Gärten wurden teilweise weitere Wohnhäuser erstellt.
Autorin / Autor: Nils Widmer | Zuletzt aktualisiert am 7.1.2023
Faller, Michèle: Gestutzte Hecken und hohe Toleranz. In: Jahrbuch z’Rieche 2016. S. 64–71.
Kaufmann, Gerhard: Die Heimstätte-Genossenschaft Niederholz 1921–1933. In: Jahrbuch z’Rieche 1980. S. 86–100.
Spriessler-Brander, Rolf: Vom Gärtnerei- und Gewerbeviertel zum Wohnquartier. In: Jahrbuch z’Rieche 2016. S. 24–31.
Raith, Michael Oliver: Das Niederholz im Wandel der Zeiten. In: Jahrbuch z’Rieche 2016. S. 14–23.
Schnyder, Arlette: Wohnstadt im dörflichen Kleid. In: Schnyder, Arlette et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 100–125, hier S. 112.