Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03395.jsonl.gz/2282

| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Elftes Buch
8. Gott ist Vater in zweifachem Sinn.
In ihren falschgläubigen Lehren pflegen die Irrlehrer nämlich auch noch dieses Herrenwortes sich zu bedienen: „Ich steige hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater und zu meinem Gott und zu eurem Gott.”1 Deswegen, weil sein Vater auch ihr Vater und sein Gott auch ihr Gott ist, soll er nicht göttliches Wesen besitzen, da er doch dies bekennt, Gott sei für die übrigen Vater wie für ihn, wodurch das Vorrecht der Gemeinschaft des Wesens und der Geburt aufgehoben werde, durch die er einerseits als Gott geboren wurde und anderseits Sohn ist.
Sie mögen sich aber auch an jenes Apostelwort halten: „Wenn er aber gesagt hat, alles sei ihm unterworfen, so doch nicht derjenige, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm unterworfen ist, dann wird auch er selbst demjenigen unterworfen sein, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles sei in allem.”2 Weil man nämlich jene Unterwerfung als Bezeugung für ein schwaches Wesen betrachtet, soll derjenige nicht die Kraft des väterlichen Wesens besitzen, den die wesensmäßige [S. 237] Schwachheit der Macht des mächtigeren Wesens unterworfen hat.
Mögen sie dies aber immerhin sozusagen als ihre festeste unerstürmbare Verteidigung für ihre ganze falschgläubige Lehre betrachten, um die Wahrheit der Geburt zunichte zu machen: daß nämlich, weil er vermöge seiner Unterworfenheit nicht Gott ist und er (Christus) wegen der Gemeinschaftlichkeit des Vater- und Gottseins für ihn und für uns in der Gemeinschaft der Geschöpflichkeit besteht, daß er also eher ein Geschöpf Gottes als ein Sohn sei! Denn ein Geschöpf gewinne sein Dasein aus dem Nichts, ein Sohn besitze aber einen wesensmäßigen (wesensgleichen?) Urheber der Geburt.
1: Joh. 20, 17.
2: 1 Kor. 15, 26―28.