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Die aktuellen milden Temperaturen, kombiniert mit feuchter Witterung, lassen schon bald die Grasfrösche (Rana temporaria) aus ihrer Winterruhe erwachen, um sich der wichtigen Aufgabe der Fortpflanzung zu widmen. Einige haben sich deshalb bereits im Herbst in die Nähe der Laichgewässer begeben und hier an sauerstoffreichen Stellen überwintert. Andere verbrachten die kalte Jahreszeit in frostgeschützten Erdlöchern im Waldboden und wandern nun im Vorfrühling zu ihren angestammten Gewässern. Meistens dorthin, wo sie selber geboren wurden. Das kann ein grosser Weiher, ein kleiner Tümpel, ein Wassergraben, ein träge fliessender Bach oder ein Gartenteich sein, Grasfrösche sind diesbezüglich nicht besonders heikel.
Gewandert wird abends ab ungefähr 19 Uhr, bei Regenwetter und sobald die Temperaturen etwa 5°C erreichen. Sollte es einen Kälteeinbruch geben, wird pausiert, um bei besseren Bedingungen die Mission wieder zielstrebig fortzusetzen. Die Männchen, übrigens kleiner und schmächtiger als die Weibchen, sind früher unterwegs und versammeln sich im Uferbereich des Gewässers, wo sie mit knurrenden Lauten auf die Ankunft ihrer Artgenossinnen warten. Manche Männchen begegnen schon auf der Wanderung einer Auserwählten, umklammern sie mit den Vorderbeinen, an denen sich dazu zur Paarungszeit eigens sogenannte Brunftschwielen entwickeln, und lassen sich von ihr rücklings zur Hochzeit tragen.
Am Laichgewässer herrscht oft ein ziemliches Froschgetümmel und es wird heftig um die eintreffenden Weibchen gebuhlt. Haben sich die Paare gebildet, verbringen sie ein paar Stunden oder Tage in inniger Umklammerung, bis die Weibchen in seichten Uferbereichen den Laich in gallertigen Klumpen absetzen, die gleichzeitig von den Männchen besamt werden. Ist das Ablaichen vollbracht, verschwinden die Grasfrösche in ihre terrestrischen Sommerlebensräume, wo sie Jagd auf allerlei Kleintiere machen (im Gegensatz zu den Wasserfröschen, die sich ganzjährig an und in Gewässern aufhalten).
In den einzelnen Eiern der Laichklumpen geht die Zellteilung rasch vonstatten, bis in wenigen Wochen winzige schwarze Kaulquappen schlüpfen und zu Hunderten oder Tausenden noch ziemlich unbeweglich an den leeren Gallerthüllen hängen. Sie wachsen schnell und beginnen schon bald, ihr Gewässer schwimmend zu erkunden und nach Algenbewuchs abzusuchen. Es ist spannend, die Entwicklung der Froschlarven zu beobachten. Zuerst verlieren sie ihre äusserlichen Kiemenbüschel, dann wachsen ihnen plötzlich Hinterbeine, bald gefolgt vom vorderen Beinpaar. Und zu guter Letzt bildet sich der lange Schwanz zurück, verwandelt sich der Raspelmund in ein Froschmaul, wird von Kiemen- auf Lungenatmung umgestellt und stülpen sich die Augen hervor, bis schliesslich im Frühsommer ein kleines Fröschchen den Sprung aus der Metamorphose in ein neues Leben an Land wagt.
Im Garten können wir den Grasfröschen nebst der Schaffung von Laichgewässern mit reich strukturierten Landlebensräumen helfen. Gebüsche, Ast- und Steinhaufen, sowie dichte Vegetation dienen ihnen als Unterschlupf, auch in Mauslöcher verkriechen sie sich gerne. Durch eine vielfältige Pflanzenwahl und ein bisschen Unordnung in den Beeten kann für ein reiches Angebot an Froschnahrung gesorgt werden. Und sebstverständlich verbietet sich die Verwendung von giftigen Pflanzenschutzmitteln. Ebenfalls sollte auf die Anwendung von Fadenmähern verzichtet werden, schon mancher Frosch wurde damit verstümmelt oder getötet. Lichtschächte und Kellerabgänge können für Amphibien zu Todesfallen werden, lassen sich aber mit einfachen Mitteln entschärfen. Ein feinmaschiges Gitter hindert die Tiere, in den Schacht zu stürzen und ein Brett am Rand der Kellertreppe, erlaubt ihnen den Aufstieg. Den gleichen Zweck erfüllen auch Ziegelsteine oder ähnliches, die am Treppenrand jeweils den Stufenabstand verringern und so ein Herausklettern ermöglichen.
Wer sich Frösche im eigenen Garten wünscht, soll sich in Geduld üben. Passt den Tieren der Lebensraum, finden sie sich von alleine ein. Künstliches Ansiedeln ist nicht erlaubt und birgt Gefahren. So können durch die Entnahme Populationen geschwächt, durch Umsiedeln genetische Anpassungen verwässert oder gar die Chytridiomykose, eine schlimme Pilzerkrankung, die zur Zeit den sowieso schon bedrohten Amphibienbeständen zusetzt, verschleppt werden. Belassen wir es beim Schaffen von Lebensräumen. Davon profitieren auch viele andere Arten!