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Am 9. Juni 1999 haben wir den zweiten meisterlosen Spielabend versucht (siehe RollenspieleOhneMeister). Das ganze Spiel dauerte etwa drei Stunden. Ich hatte mich seit dem letzten Mal etwa eine halbe Stunde Gedanken über meinen Charakter gemacht. Neu spielte diesmal ein vierter Kollege mit: Mircea.
Als ich mich vorbereitete, entschloss ich mich, meinen Charakter Gen stärker zu machen: Die Schule des Grünen Drachens meines Meisters Sun-Tsu ist eine taoistische Schule welche die irrelevanz der zehntausend Dinge leert und durch mentale Disziplin und nicht-denken den Raum unwesentlich macht: Raumverdichtung für Schutzschilder, Raumverdünnung für Vakuumlanzen und Teleportation ist die Magie, welche meinem Gen zur Verfügung steht. Im Gegenzug ist Gen mausarm und legt auf die zehntausend Dinge keinen Wert. Er hat weder Freunde noch Bekannte, weil er dies alles unwesentlich findet. Selbst zu seinem Meister pflegt er eine Hass-Liebe, da Sun-Tsu Gen genauso oft reizt wie er ihm hilft.
Die Geschichte fährt dort fort, wo wir am letzten Abend aufhörten: Wir befinden uns auf dem Mond, wo uns Darius auffordert, den Gottkaiser von Go zur Zusammenarbeit zu bewegen, auf dass er den Zwist zwischen den Goldenen Drachen beende die Sonnenkrieger wieder als Berater akzeptiere und die Bannkreise des Ki wieder aufstellen lasse.
Respektvoll fragen wir, wie wir auf den Mond gekommen sind und wie wir zum Gottkaiser gelangen sollen. Darius antwortet, dass durch unsere Tat – der Mord des goldenen Drachen Nibur – das kosmische Gleichgewicht gestört ist. Durch diese böse Tat wurden wir auf den Mond geschleudert, und nur für die Wiedergutmachung werden wir wieder ins Zentrum der Welt, in die Stadt des Gottkaisers geschickt um unseren Auftrag zu erfüllen.
Wir willigen ein und werden von drei engelhaften Sonnenritter durch den Tao-Tunnel von Ni zu Oase Li-Dao gebracht. Vor uns die Oase, am rechten Ufer das Dorf mit den weiss gekalkten Häusern, am Horizont die Kristall- und Elfenbeintürme von Go. Gen (gespielt von Alex) erkennt das Dorf und das Gasthaus zum Himmlischen Frieden Ni-Lin, weil er früher mit seinem Meister Sun-Tsu mit den Karavanen von Baan nach Zuum und zurück reiste.
Im Gasthaus erzählt ein wundersamer Gaukler namens Ahira (gespielt von Mircea) von Wälder, dreihundert Tagesreisen im Süden (Gen glaubt an keine Ansammlung von mehr als drei Bäumen), indem haarige Affen Menschen entführen. Wärend dieser Geschichte kann Semirs Sohn (gespielt von Chris) beobachten, wie ein Zuhörer vom Gaukler beklaut wird.
Semirs Sohn spendiert Gen und Babal (gespielt von Zeno) je ein Glas Wasser und fängt mit seinen neu entdeckten Fähigkeiten an zu spielen: kleine Finger umspielen seine Finger. Plötzlich knallt ein riesiger Blitz hervor. Die Zeltwand des Gasthauses zerreist und hinter der verängstigten Menge erscheint eine dunkle Dämonengestalt, welche auf Semirs Sohn zugeht und spricht: Was ist Dein Wunsch, Meister?
Semirs Sohn ist verwirrt. Die Gäste in Panik, Gen hinter einem magischen Schutzschild verschwunden. Er fragt den Dämon nach seinem eigenen Namen. Der Dämon erwiedert: Du bist mein Meister Kann, der 17. Deiner Art. Semirs Sohn, neu als Namen Meister Kann, verlangt, dass wir, Kann, Gen und Babal, auf den Elfenbeinturm des Gottkaisers teleportiert werden. Dies wird gewährt. Wärend der Teleportation verabschiedet sich der Dämon mit den Worten: Du schuldest mir ein Ritual des roten Ling.
Als wir mit einem Blitz auf den Elfenbeinturm niederfahren, wird der Gaukler Ahira mitteleportiert, da er gerade dabei war, Babals Geldbeutel zu klauen. Nach einiger Diskussion wenden wir uns dem Turm zu: Wir befinden uns auf der obersten Terasse; durch die milchige Aussenwand sehen wir einen Gang, in dem kleine Männchen hin und her wandeln, sowie Kugeln, welche durch den Gang schweben.
Gen öffnet die Türe und reiht sich in die Menge der herumwandernder Männchen ein. Die Anderen folgen nach und nach. Als wir das Zentrum des Turmes erreichen, sehen wir eine grosse Spirale, welche sich der Wand entlang in die Höhe windet. Grosse, verzierte Säulen stützen die Konstruktion. In Tücher gewickelte Menschen berühren Spirale und Säulen an gewissen Stellen und murmeln unverständliche Worte. Eine Person wendet an uns und fragt nach unserem Begehr.
Wir erklären, dass wir zum Gottkaiser wollen. Erst als Babal zu erkennen gibt, dass er ein Karma Schwert trägt, welches hier im Elfenbeinturm zu leuchten begonnen hat, lässt uns der Wachmeister der 10. Stufe zu einer Audienz vor. Ein Portal öffnet sich in einer Säule, wir treten durch und betreten die Audienzhalle des Gottkaisers: eine grosse, kreisrunde Halle mit blauem Licht erfüllt, kühler Nebel wallt, blaue Lichtstrahlen zeichen ein leuchtendes, hellblaues Pentagram auf den Boden, kleine dunkelblaue Gnome stehen herum, in der Mitte ein Thron. Auf dem Thron sitzt ein kleines Kind, dessen Gesicht manchmal auch das Gesicht eines alten Mannes und manchmal der Kopf eines weissen Drachen zu sein scheint.
Babal erkennt im Gottkaiser eine Reinkarnation seines Vaters. Der Gottkaiser ermahnt Babal, sich der Verantwortung eines Trägers von einem der 17 Karma Schwerter würdig zu erweisen. Als der Gottkaiser vom Tod Niburs erfährt, ist er besorgt. Fünf Berater lösen sich aus der Wand und versammeln sich umd den Gottkaiser. Sie beraten unter sich: Wer ersetzt Nibur im Rat der Sieben Wächter des Pfirsichblütenhimmels? Will Azur (den wir eigentlich als Hohepriester David vom Azuro Tempel kannten) den Gottkaiser angreifen? Azur war vor dreihundert Jahren Mitglied im Konzil der Vier, welche die rote Sonne von Suur stürzten. Vielleicht wollte Darius den Gottkaiser einfach gegen den goldenen Drachen Azur hetzten? Sollte ein Mensch zu einem Drachen gemacht werden und Nibur ersetzen? Der Vorschlag wurde gemacht, die Täter – also die Gruppe – auf die Probe zu stellen. Nur wer weise und reinen Herzens sei, könne Niburs Platz einnehmen. Es wird beschlossen die Gruppe dem Ritual des weissen Ling zu unterwerfen. Dies bedingt die Öffnung des weissen Lotus’. Die Gruppe wird zur Wiedergutmachung auf die Suche nach dem weissen Lotus geschickt.
Nachdem Gen, Babal und Ahira den Audienz-Saal verlassen haben, fragt Kann den Gottkaiser, ob dieser ihm sagen könne, was es mit seinen Kräften auf sich habe, und ob der Gottkaiser ihn nicht von der Schuld gegenüber dem Dämon der Blitze befreien könne. Der Gottkaiser antwortet, dass niemand eines anderen Karma auf sich nehmen könne. Der Pakt sei geschlossen und nur eine Versiegelung der magischen Kräfte könne dies in zukunft verhindern. Dannach zeigt der Gottkaiser die Position der 31 wirklichen Magier der Welt. Kann ist nun einer davon. Kann beschliesst, die Versiegelung abzulehnen, weil er die Schuld gegenüber dem Dämon lieber im Vollbesitz seiner Kräfte begleichen wolle.
Ahira schlägt vor, die Kaktusblütenfrau Indra zu suchen, welche sich 150 Tagesreisen im Süden befindet. Diese wisse alles über Pflanzen und Blüten, und somit kenne sie sicherlich auch den Weissen Lotus. Wir willigen ein und suchen in der Unterstadt von Go den Weisen Shamir wieder auf.
Kann leidet sichtlich unter seiner neugewonnenen Macht und wirkt bleich und eingefallen. Als er Shamir erblickt wird er zornig: Seit Generationen verfolgte unsere Familie das Ziel, einen Magier hervorzubringen, und Du warst unser getreuer Gehilfe. Kein einziges Mal warntest Du uns allerdings vor der grauenhaften Last, welche auf jedem Magier lastet! Hierauf hat Shamir keine richtige Antwort. Im Gegenteil, zuerst will er uns weder sagen wo sich der weisse Lotus befindet. Erst als Kann ihn unter Druck setzt, willigt er ein, uns zu Indra zu schicken. In seinem Hinterraum öffnet er ein Portal in eine heisse Wüstenlandschaft. Trotz starkem Misstrauen folgen auch Ahira und Gen den anderen beiden: Kann, der zornig vorausgeeilt war, und Babal, der ihm nachgesprungen war.
Wir erschienen in einer heissen Wüste vor einem lose im Wind flatternden Zelt. Darin die Statue einer Frau, die ihre Hände gen Himmel reicht. Ahira klärt uns auf: Indra erscheint jedem Besucher so, wie es seinen momentanen Vorstellungen entspricht. Zudem, meint Ahira, kommuniziere Indra mit den Besuchern via Visionen.
Gen berührt die Statue und erfährt eine Vision: Sein ganzes Leben breitet sich vor ihm aus, mitsamt allen Entscheidungen, welche er auf seinem Weg getroffen hat. Bei jeder Entscheidung zeigt die Vision allerdings die Alternative, welche Gen nicht erlebt hat: All die nicht erlebten Siege und Niederlagen, all die verpassten Gelegenheiten. Eine Szene fällt besonders ins Auge; dort hatte Gen auf der Reise nach Zuum mit seinem Meister Sun-Tsu einen Regenbogenturm in der Wüste gesehen. In einem Anfall von Leichtsinn hatte Gen sich mittels Flicker-Teleportation hingeschickt. Am Reflektionszirkel des Turmes brach sich der Teleportationszauber und Gen hatte sich damals eine grosse Wunde an der linken Seite geholt. In der Vision näherte Gen sich allerdings diesem Turm voller Bescheidenheit und Demut, ruhig und gelassen. Er wurde von weiss gekleideten Frauen empfangen, bewirtet und schliesslich in ihre Gemeinschaft aufgenommen.
Ahira berührte ebenfalls die Statue und erfuhr folgende Vision: Er war ein Prinz, lebte in Prunk und Luxus, jeder Wunsch wurde ihm von den Lippen abgelesen.
Weder Kann noch Babal wollten die Statue berühren.
Nun rätselten wir um die Bedeutung der beiden Visionen. Die Zeit verging und die Sonne wanderte über den Himmel. Plötzlich rief Kann: Ich habs! und ward glücklich. Uns wollte er des Rätsels Lösung nicht sagen. Kurz darauf erblühte ein Lotus in den Händen der Statue Indras und das Zelt ging in die Audienzhalle des Gottkaisers über. Der Gottkaiser lächelte Kann an, die fünf Berater näherten sich und nickten. Bist Du bereit? fragte der Gottkaiser. Kann nickte: Ja, ich habe den weissen Lotus gefunden: Nur wer seine Bestimmung erreicht und damit glücklich ist, ist wahrhaftig reinen Herzens. Der Gottkaiser nickte und hauchte Kann an. Dieser, eingetaucht in das blaue Licht und den wallenden Nebel, verschmolz langsam mit dem Bild eines Drachens. Die sechs restlichen Drachenwächter des Pfirsichblütenhimmels erschienen und nickten Kann wohlwollend zu.
Langsam verblasste die Vision und liess uns, Gen, Ahira und Babal, alleine in der Wüste zurück.
Diesmal war das Ende der Geschichte passend, obwohl wir keine besondere Regelung beschlossen hatten. Das lange Rätseln um die Lösung, sowie der uns bekannte Beschluss der Berater des Gottkaisers (die Prüfung durch das Ritual des weissen Ling) erleichterten den Beschluss im Zelt Indras, an dieser Stelle ein Ende zu machen.
Zwei Dinge waren sehr erstaunlich:
Zu den Gründen, warum wir uns nicht auf ein Ende festlegen wollten:
Ausleben der Rollen
Da wir mehr Dialoge ausspielten, war das Rollen-spielen viel befriedigender als das letzte Mal (OhneMeisterTagEins). Gelegenheiten boten sich im Gasthaus zum Himmlischen Frieden Ni-Lin, auf der Terrasse des Elfenbeinturmes, im Zelt von Indra.
Das wir den wichtigen Dialog unter den Beratern des Gottkaisers auch ausgespielt haben, war ein grosser Pluspunkt. So erarbeiteten wir uns selber ein Ziel für das Spiel (zur Zeit nicht unbedingt für den Abend) und klärten unsere Vorstellungen über die wichtigen Personen und ihre geschichtliche Bedeutung. Wir führten sogar noch einige neue Parteien in der Politik von Go ein: Den Pfirsichblütenhimmel, das Konzil der Vier, die 31 schwarzen Magier.