Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03166.jsonl.gz/2849

Betrügerische Orchideen - Nektartäuschblumen
Bericht von Ruedi Peter
Blütenpflanzen und die sie bestäubenden Insekten leben in einer Symbiose, d. h. eine enge
Gemeinschaft, beide ziehen einen Nutzen aus der Verbindung. Die Blütenpflanzen geben den
Bestäubern Nahrung, z. B. Nektar, die Insekten bestäuben die Blütenpflanzen, d. h.
sie tragen den Pollen auf die Narbe. Es ist deshalb erstaunlich, dass es Orchideen gibt, die ihren
Bestäubern nichts geben und trotzdem bestäubt werden. Sie sind so genannte Nektartäuschblumen.
Bei den einheimischen Orchideen sind dies u. a. Vertreter der Gattungen Dactylorhiza (Fingerwurz)
und Orchis (Knabenkraut).
Um zu verstehen, wieso diese Pflanzen trotzdem bestäubt werden, muss man das Verhalten der Bestäuber (Bienen, Hummeln) kennen. Nektartäuschblumen locken die Bestäuber mit Duft, Farbe und Form der Blüten an. Bienen und Hummeln lernen rasch und geben Informationen auch Angehörigen vom gleichen Volk weiter. So werden sie schnell merken, dass diese Blüten keine Belohnung geben. Nektartäuschblumen müssen deshalb früh im Jahr blühen, wenn Bienen und Hummeln noch unerfahren sind und keine schlechten Erfahrung gemacht haben. Deshalb blühen Orchis pallens (Bleiches Knabenkraut), Orchis morio (Kleines Knabenkraut) und Orchis mascula (Mannsknabenkraut) sehr früh im Jahr.
Wir erinnern uns: Orchideen locken die Bestäuber durch Duft, Farbe und Form an. Sie müssen nun etwas davon variieren, um nicht sofort als Betrüger erkannt zu werden. So ist zu verstehen, dass Dactylorhiza sambucina (Holunderfingerwurz) rot und gelb blüht. So wird vermieden, dass die Bestäuber sie als Betrüger sofort erkennen. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Bestäubung und somit Samenbildung wird erhöht.
Literatur
KRILL, MARIE-JEANNE (2007): Betrügerische Orchideen. - Schweizer Nationalfonds-Horizonte März 2007.
REINHARD, H. R., P. GÖLZ, R. PETER, H. WILDERMUTH (1991): Die Orchideen der Schweiz und angrenzender Gebiete. Egg (Schweiz).
Aktualisiert 10. 03. 2009