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Zoë Jenny
Geboren 1974 in Basel, lebt in London. (2011)
Werke (Auswahl)
The Sky is Changing.
Legend Press, 2010
Das Portrait.
Suhrkamp Verlag, 2007
Das Blütenstaubzimmer.
Frankfurter Verlagsanstalt, 1997
The Sky is Changing
Legend Press, 2010
London: Einige Menschen um die dreissig treffen sich zu einer Geburtstagsfeier. Alles scheint normal. Aber nach den Bombenanschlägen vom Juli ist die Stadt in grosser Spannung – und auch nach zwei Jahren Bemühung erwarten Claire und Anthony noch immer kein Kind. Ihr Ehemann ist besorgt, weil Claire sich immer stärker zu einem jungen Mädchen hingezogen fühlt, zu Nora, der sie das Schwimmen beibringt. Claire fühlt, wie ihr Leben allmählich ausser Kontrolle gerät. Sie rekonstruiert den Weg, den sie zurückgelegt hat, seit ein Unfall in Berlin ihrer vielversprechenden Karriere als Ballettänzerin ein Ende setzte. Inzwischen schütteln die ersten Vorboten der Finanzkrise die Märkte und Anthony muss seine ethischen Grundsätze als Finanzberater hinterfragen, denn ihre sichere Existenz ist bedroht.
Aus: Zoë Jenny. The Sky is Changing. Legend Press, 2010
She could see other people with flowers now, even someone carrying a giant teddy bear under his arm. A large crowd had gathered just a few metre to the right of the Kings Cross station entrance. There was a little square behind some railings with a tree in the middle, at night a seedy place where drug dealers and prostitutes would hang out.
Yet now there were dozens of people creating a temporary memorial and Anthony and Claire joined the queue, waiting for their turn. A security guard made sure that not everyone went in at once. Policemen were protecting the site, ready with batons and guns. Most people just laid down their flowers and left but some were kneeling in front of a photograph or wreath, praying.
Sa, 19.05.07, 14:00
Sa, 19.05.07, 17:00
Das Blütenstaubzimmer
Frankfurter Verlagsanstalt, 1997
Aus: Zoë Jenny. Das Blütenstaubzimmer. Frankfurter Verlagsanstalt, 1997
Wir müssen nie mehr hinausgehen, sagte ich, wir haben alles hier, die Sonne und die Berge, die Seen und die Täler. Ich ging in die Küche und in mein Zimmer und zog auch dort die Vorhänge zu. Von meinem Fenster aus sah ich die Kinder der Nachbarschaft, wie sie auf den Knien am Boden herumrutschten und bunte Glaskugeln in die Vertiefung des gusseisernen Schachtdeckels rollten. Spiel mit ihnen, hatte Vater immer gesagt, wenn ich auf dem Wäschetrockner sitzend ganze Tage in der Waschküche verbrachte und zuschaute, wie das Papier von den Druckwalzen eingesogen und unten frisch bedruckt wieder ausgespuckt wurde. Aber ich bin nicht zu ihnen hinausgegangen, sondern habe sie vom Fenster meines Zimmers aus beobachtet. Die Mädchen kicherten schadenfroh, wenn ein Junge nicht richtig zielte, und die Glaskugel auf die Strasse rollte und zwischen einem Abflussgitter hinunterfiel. Zur Strafe wurden die Mädchen auf den Rücken gelegt, und die Jungen spuckten ihnen der Reihe nach von oben ins Gesicht. Wenn es regnete, verschwanden sie alle zusammen durch die dicke Glastür ins gegenüberliegende Haus. Die graue Fassade wurde vom Regen fast schwarz. Die erleuchteten Fenster darin waren wie friedliche kleine Inseln. Erst dann wäre ich gerne bei ihnen gewesen und beneidete sie, in einem dieser Lichter zu sein.