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Keine Herzschläge mehr
«Mein Baby kehrte von den Toten zurück»
Die Mutter hatte sich schon damit abgefunden, dass ihr Kind die Geburt nicht überlebt hatte. Doch dann änderte sich die Situation von einem Moment zum nächsten.
Die Geburt eines Kindes ist für jede Mutter ein magischer Moment: Das glaubte Samantha Pothecary (25), als sie und ihr Ehemann Matt (29) erfuhren, dass sie Eltern werden. Nie hätte die Britin gedacht, dass sie dabei die schlimmsten Augenblicke ihres Lebens durchleiden würde.
Das Paar war vier Jahre zusammen, als Samantha im Januar 2012 die Nachricht erhielt, dass sie schwanger sei. «Ein Ultraschall in der 20. Woche ergab, dass ich einen Buben erwartete», erinnert sich Samantha. Nach dieser Nachricht wählte das überglückliche Paar bereits den Namen aus: Das Baby sollte Archie heissen. Die Schwangerschaft verlief normal, es waren nie Komplikationen festzustellen.
Doch dann, im August 2012, war die Fruchtblase fünf Tage nach dem errechneten Termin zwar geplatzt, die Geburt verzögerte sich jedoch. «Die Ärzte befürchteten eine Infektion und entschlossen sich zu einem Kaiserschnitt», erzählt Samantha. «Obwohl das nicht die Geburt war, die ich mir vorgestellt hatte, blieb ich voller Optimismus.»
Vor dem Eingriff hörte die Chirurgin noch einmal die Herztöne des Babys ab. «Plötzlich verfinsterte sich ihre Miene, und gefühlte Sekunden später eilten andere Ärzte an mein Bett und schauten sich betroffen an.» Einer der Ärzte wandte sich schliesslich an Samantha. «Es tut uns leid, Ihnen sagen zu müssen, dass wir keine Herzschläge mehr feststellen können. Ihr Baby ist gestorben, wir brechen den Kaiserschnitt ab. Er würde Sie unnötigen Risiken aussetzen.» Samantha fühlte sich wie gelähmt. «Mein Herz schmerzte, ich bekam kaum noch Luft.» Es sei so irreal gewesen: «Noch Sekunden zuvor war mein Kind kerngesund gewesen. Und jetzt sollte es tot sein? Das wollte ich nicht glauben!»
Sie bekam sehr viele Schmerzmedikamente verabreicht, während die Ärztin das Kind «natürlich» auf die Welt holte. «Ich erhaschte einen Blick auf ihn und verspürte ein überwältigendes Gefühl von Liebe. Er sah so süss aus. Der Verlust wurde mir erst da richtig bewusst.»
Doch dann, als eine Krankenschwester Archie in ein Tuch hüllte, machte er einen Atemzug. «Er war kaum hörbar, ich dachte erst, ich hätte mich getäuscht.» Doch dann sah Samantha, wie sich der Blick der Schwester erhellte und sie plötzlich schrie: «Das Baby lebt!» Kurze Zeit später ertönte ein Alarm, mehrere Ärzte und Schwestern eilten in den Kreisssaal. «Archie wurde an Maschinen angeschlossen und schrie daraufhin erstmals. Die Erleichterung in diesem Augenblick war überwältigend. Irgendwie hatte mein Baby überlebt.»
Das Trauma der vorangegangenen 24 Stunden war in Sekunden verschwunden, Archie wurde seiner Mama in die Arme gelegt. «Glücksgefühle durchströmten mich, nie zuvor hatte ich mich besser gefühlt.» Die Ärzte hatten keine Erklärung, was genau passiert war.
Schon eine Woche später durften Mutter und Kind das Spital verlassen. Später verklagten die Eltern die Klinik wegen der Fehldiagnose. Mehr als eine Entschuldigung bekamen sie aber nicht. «Das ist uns heute auch nicht mehr wichtig», sagt Samantha. Archie ist mittlerweile vier Jahre alt, geht in eine Spielgruppe und entwickelt sich prächtig. «Er möchte einmal Arzt werden. Wo auch immer das Leben ihn hinführen wird, es macht mich glücklich. Er ist und bleibt für mich ein Wunder», sagt die Mutter dankbar.