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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2004 von Peter Ziegler / Regula Wyss
EIN EXKLUSIVER LESEZIRKEL
Kompensation einer mangelhaften Schulbildung, Lese- und Bildungshunger, aber auch das Bedürfnis, mit Gleichgesinnten die brennenden Zeitfragen sowie die politische und wirtschaftliche Zurücksetzung der Landbevölkerung gegenüber der Stadt Zürich zu diskutieren, bewogen zwölf Männer und sechs Frauen aus der Wädenswiler Oberschicht, am 10. Oktober 1790 im Gasthof Krone eine Lesegesellschaft zu gründen.
Die neue Lesegesellschaft war anfänglich eine exklusive Genossenschaft. Deren Mitglieder hatten Anteil am Gesellschaftsvermögen und am Bücherbestand. Die Mitgliedschaft konnte auf Familienangehörige übertragen und auch vererbt werden. Die an der Gründungsversammlung genehmigten Statuten gewährten Männern und Frauen, Einheimischen und Fremden gleiches Mitspracherecht, wenn über die Anschaffung von Büchern beschlossen wurde. Wer sich verheiratete oder ein Amt übernahm, hatte der Lesegesellschaft – auch dies gemäss Statuten – ein Buch zu schenken.
ERÖFFNUNG EINER LEIHBIBLIOTHEK
Die Lesegesellschaft Wädenswil wurde 1790 mit dem Ziel gegründet, Lesestoff zu beschaffen, den die Mitglieder frei von aller behördlichen und pfarrherrlichen Bevormundung auswählen und erwerben wollten, um darüber in ihren Monatsversammlungen in der «Krone», dem gesellschaftlichen Zentrum, zu diskutieren. Damit stand der Lesekreis vor der Aufgabe, aus dem Nichts eine Bibliothek zu schaffen. Der Wädenswiler Landschreiber Konrad Keller (1741–1802), der sich neben seinen Geschäften als Beamter der Landvogtei auch als Literat betätigte, unterstützte die Bestrebungen der lesefreudigen Männer und Frauen und schenkte aus seiner Bibliothek einen Grundstock von 15 Büchern.
Die 15 Bände, die er abtrat, waren mehrheitlich Werke, die geistig einer Epoche angehörten, die man bereits die gute alte Zeit nennen konnte. Um das Bedürfnis nach zeitpolitischer und unterhaltender Literatur zu befriedigen, erwarb die Gesellschaft ab 1791 aus den Mitgliederbeiträgen zahlreiche Neuerscheinungen ausländischer und schweizerischer Verlage und setzte sie unter den Mitgliedern in Umlauf. Darunter befanden sich auch zwei Frauenzeitschriften: den Leipziger «Frauen-Almanach zum Nutzen und Vergnügen» sowie «Die Einsiedlerin aus den Alpen».
1792 gab die Lesegesellschaft beim Wädenswiler Kupferstecher Heinrich Brupbacher ein Ex-Libris in Auftrag, mit dem der rasch wachsende Bücherbestand fortan gekennzeichnet wurde.
Das erste Ex-Libris der Lesegesellschaft Wädenswil. Kupferstich von Heinrich Brupbacher aus dem Jahre 1792.
BIBLIOTHEK-STANDORTE
Eine Bibliothekskommission schlug den Gesellschaftern periodisch Neuerscheinungen zur Anschaffung vor. Hatten die Mitglieder zugestimmt, kaufte der Bibliothekar die Bücher und setzte sie in einer Bücherschachtel in Zirkulation. Die Lesefrist betrug zwei Wochen. Wenn die Bücher zurückkamen, wurden sie in die Leihbibliothek eingereiht. Diese war bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Wohnhaus des Bibliothekars untergebracht und wechselte bei Neuwahlen den Standort.
Von 1791 bis 1821 befand sie sich bei Geometer Rudolf Diezinger in der «Eintracht», von 1821 bis 1828 bei Caspar Blattmann «auf dem Platz», von 1828 bis 1836 bei Karl Theiler im «Freihof» und von 1836 bis 1864 bei Oberst Diezinger in der «Eintracht». Da der Bücherbestand stets gewachsen war, fand die Bibliothek in der Privatwohnung des Bibliothekars mit der Zeit keinen Platz mehr. 1864 mietete die Lesegesellschaft daher ein Bücherzimmer im «Freihof», 1875 bezog man den Turnkeller im 1868 eingeweihten Sekundarschulhaus bei der Kirche, und 1891 dislozierte die Bibliothek ins bisherige «Kleinkinderschulzimmer» im Erdgeschoss des Alten Eidmattschulhauses. Ein erhöhter Jahresbeitrag der Sparkasse half die Kosten für die neu angeschafften Schränke und für den Umzug decken. In diesem Raum, dem späteren Hort- und Abstimmungslokal, blieb die Bibliothek der Lesegesellschaft bis 1964.
Um 1900 fand der «Bücheraustausch» jeden Samstag von 12.30 bis 13.30 Uhr statt. 1913 übernahm der Gemeinderat die Kosten für die Installation des elektrischen Lichts im Bibliothekraum. Fortan öffnete der Bibliothekar jeden Freitag von 18 bis 20 Uhr die seit 1932 bis zur Decke reichenden Schränke im Hortlokal und gab Bücher heraus. Ältere Exemplare trugen eine gestempelte Nummer auf dem Rückenschild; neuere waren einheitlich in Packpapier eingebunden und zusätzlich mit einem Grossbuchstaben versehen, welcher die Sachgruppe bezeichnete.
Das Hortlokal im Eidmattschulhaus I in den 1940er-Jahren. Im Hintergrund die Wandkästen mit der Bibliothek der Lesegesellschaft.
EIN BREITES ANGEBOT
Das Angebot an Lesestoff war breit gefächert. Um 1850 umfasste es die folgenden 13 Sachgruppen:
A. Philosophie und Philologie B. Mathematik, Physik
C. Ökonomie, Technik
D. Geschichte, Geographie, Reisen
E. Die Schweiz betreffende Schriften
F. Lebensbeschreibungen
G. Poesie, Ästhetik, Schöne Künste
H. Statistik, Finanzen, Polizeiwissenschaft
I. Moralische Erziehungsschriften K. Theatralische Schriften
L. Romane und Unterhaltungsbücher M. Vermischt Schriften N. Journale, Almanache, Taschenbücher
«Auf dem Gebiet der Belletristik werden heute eine Unmasse von geistlosen und unmoralischen Büchern angeboten.» So 1859 die Klage an einer Sitzung der Lesegesellschaft. Es sei darum doppelt wichtig, dass die Bücherkommission die anzuschaffenden Schriften sorgfältig prüfe. Dass man mit der Zeit ging, zeigt die Anschaffung von Werken damals berühmter Autoren. Die Gesellschaft kaufte zum Beispiel folgende Bücher: Henri Dunant, «Eine Erinnerung an Solferino» (1863), Gottfried Keller, «Die Leute von Seldwyla» sowie «Sieben Legenden» (1878); Gottfried Keller, «Der Grüne Heinrich» (1879), Henry Morton Stanley, «Durch den dunklen Erdteil» (1880), Conrad Ferdinand Meyer, «Huttens letzte Tage» (1881), Conrad Ferdinand Meyer, «Leiden eines Knaben» (1884) und «Engelberg» (1887).
Seit 1886 liess die Lesegesellschaft periodisch Gesamt- und Supplementskataloge drucken. Da sie keine verstaubten Bestände hüten wollte, schied die Bücherkommission vorgängig defekte und veraltete Werke aus und brachte sie an den Mitgliederversammlungen auf die Auktion. Aus dem Erlös schaffte man neue Bücher an, so 1893 Ludwig Albert Ganghofers «Klosterjäger», 1905 die Werke von Gorkij und die «Budenbrooks» von Thomas Mann, 1906 die Neuerscheinung «Der Wetterwart» von J. C. Heer, 1908 bis 1913 neue Werke von Hermann Hesse, Alfred Huggenberger, Isabelle Kaiser, Carl Spitteler, Ernst Zahn und Johannes Jegerlehner. Der Katalog von 1903 führt auch über dreissig Bücher aus der französischen Literatur an, darunter Werke von Balzac, Daudet, Flaubert, Maupassant, Rousseau, Stendhal und Emile Zola.
Bis 1965 setzte die Lesegesellschaft Bücherschachteln in Umlauf.
BÜCHERSCHACHTELN
Mitglieder der Lesegesellschaft hatten das Recht, Bücher aus der Leihbibliotek zu beziehen. Diese stand gegen eine Gebühr auch Nichtmitgliedern offen. Wer Neuerscheinungen schneller lesen wollte, konnte die Bücherschachtel abonnieren, was 1853 beispielsweise pro Jahr drei Franken kostete. Der von der Lesegesellschaft beauftragte «Bücherauswechsler» überbrachte den Abonnenten jede Woche ein Buch und tauschte dieses nach 14 Tagen gegen ein anderes aus. 1871 dehnte man die Lesedauer auf drei Wochen aus und lieferte gleichzeitig zwei Bände. Später waren die Mitglieder verpflichtet, die Schachtel nach abgelaufener Lesezeit selber dem nächsten Abonnenten weiterzugeben. 1946 bezogen 48 Mitglieder die Bücherschachtel. Seit dem Geschäftsjahr 1955/56 übernahm die Post die Spedition an die zuletzt 172 Kunden. 1965 schaffte die Lesegesellschaft die Bücherschachteln ab.
LESEMAPPEN
Mit der Lese- oder Zeitschriftenmappe bot die Lesegesellschaft ihren Mitgliedern gegen eine jährliche Abonnementgebühr einen weiteren Service. Analog den Bücherschachteln zirkulierte bei den Interessenten eine grosse Kartonmappe mit verschiedensten Zeitschriften. Schon 1791 waren zwei Frauenzeitschriften in Umlauf: der Leipziger «Frauen-Almanach zum Nutzen und Vergnügen» sowie «Die Einsiedlerin aus den Alpen». Im Jahre 1920 klagten viele Abonnenten, sie hätten zur Weitergabe der Mappe grosse Distanzen zurückzulegen. Statt der bisherigen drei wurden darum vier Zustellkreise geschaffen und 1929 nach weiteren Reklamationen deren sechs. 1934 bestellte der Bibliothekar verschiedene deutsche Zeitschriften ab, da man sich mit der Gleichschaltung durch das nationalsozialistische Deutschland nicht abfinden wollte. Als Ersatz abonnierte die Lesegesellschaft eine schweizerische und zwei italienische Zeitschriften. 1946 waren 40 Familien auf die Zeitschriftenmappen abonniert. Zu Beginn der 1950er Jahre nahm die Abonnentenzahl trotz verbessertem Verträgerdienst dauernd ab. Viele Leser waren unzufrieden. Sie erhielten die Zeitschriften mit grosser Verspätung. Diese waren dann zerlesen und oft schmutzig und zudem nicht mehr aktuell. Der Lesegesellschaft aber verursachten die Abonnementpreise hohe Kosten. Im Geschäftsjahr 1955/56 wurde die Spedition der Lesemappen daher eingestellt.
BÜCHERBESTÄNDE UND LESERSTATISTIK
Die Jahresberichte der Lesegesellschaft enthalten bisweilen Angaben über die Zahl der Mitglieder, der angeschafften und der ausgeliehenen Bücher. Bei der Gründung im Jahre 1790 zählte die Lesegesellschaft 18 Mitglieder. Bis 1928 erhöhte sich der Bestand auf 104.
1821 umfasste die Bibliothek 520 Werke. Bis 1903 wuchs sie auf 2461 Bände an. Um die Bibliothek für Nichtmitglieder der Gesellschaft attraktiver zu machen, senkte man 1901 den Preis des Jahresabonnements von drei auf zwei Franken. Dennoch zählte die Bibliothek im Jahre 1905 erst 70 Abonnenten. 1915 bezogen 16 Mitglieder und 146 Abonnenten insgesamt 4566 Bibliothekbücher. 1925 wurden rund 3100 Bände ausgeliehen; 1946 lasen 106 Personen total 2479 Bücher.
Die Bibliothek der Lesegesellschaft fristete ein eher bescheidenes Dasein. Oft standen Aufwand und Ertrag in einem schlechten Verhältnis. 1922 stellte man fest, dass Bibliothek, Bücher und Zeitschriften jährlich mehr Geld verschlangen als die Mitgliederbeiträge ausmachten. Man überlegte sich gar die Aufhebung. Dass es nicht so weit kam, hatte man der finanziellen Hilfe des Industriellen Heinrich Blattmann-Ziegler zu verdanken.
ERÖFFNUNG DER BIBLIOTHEK EIDMATT
Das Jahr 1961 brachte eine wesentliche Neuerung: die Umstellung auf eine Freihandbibliothek. Ein vervielfältigter Katalog erklärte eingangs deren Organisation: «Die Ausgabe der Bücher des vorliegenden Katalogs erfolgt nicht mehr nach ihren Katalognummern. Die Bücher liegen in der Bibliothek offen auf. Sie bedienen sich selber. Zur besseren Orientierung tragen die Bücher auf ihrem Rücken ein farbiges Schildchen. Die Farben bedeuten: Rot, Belletristik; Gelb, Land- und Völkerkunde; Blau, Geschichte; Grün, Naturwissenschaften; Schwarz, Philosophisches; Weiss, Biographien; Gold, Kunst; K, Kriminalroman.» Längst war es im Hortzimmer des Alten Eidmattschulhauses eng geworden. Die Bibliothek brauchte dringend ein grösseres Lokal. Ein einstöckiger Anbau an die Turnhalle Eidmatt I war die ideale Lösung. Am 22. April 1964 konnte hier die moderne Freihandbibliothek eingeweiht werden. Sie umfasste 2351 Bücher für Erwachsene, im hellen, freundlichen Raum übersichtlich aufgestellt. Die Benützer mussten jetzt nicht mehr zwingend Mitglied der Lesegesellschaft sein; die Bibliothek Eidmatt stand allen Interessierten offen. Als Bibliothekar amtete Lehrer Hans Scheidegger; die Lehrerin Marianne Sieber wurde Hilfsbibliothekarin und war Ansprechperson für Frauen, die ein «schönes» Buch wollten.
1964 bezog die Bibliothek den Anbau an der Turnhalle Eidmatt I.
Die Bibliothek war 1964 während drei Stunden pro Woche geöffnet. Ingesamt wurden damals 3691 Bände ausgeliehen.
NEUE MEDIEN
Seit der Gründung war die Bibliothek der Lesegesellschaft eine Bibliothek für Erwachsene. Dies änderte mit dem Ankauf von 70 Kinderbüchern im Jahre 1965 und dem Erwerb von 200 Jugendbüchern im folgenden Jahr. Der Erfolg der Neuerung wurde bald sichtbar. Bereits 1971 überrundete die Ausleihe an Kinder und Schüler jene an die Erwachsenen. 1987 nahm man neu Comics und Grossdruckbücher ins Angebot auf.
Die Jugendlichen profitierten aber – wie die Erwachsenen – auch von der Anschaffung modernster Medien. Zweihundert Musik- und Hörkassetten bildeten 1980 den Grundstock der neuen Abteilung Kassettothek. 1992 nahm man CDs ins Angebot auf, 1999 Zeitschriften und Videokassetten, im Jahre 2000 die ersten CD-ROMs, und seit 2002 leiht die Bibliothek auch DVDs aus.
Überdies wurde der Buchbestand laufend aufgestockt. 1986 verfügte die Bibliothek über 5399 Bücher für Erwachsene und 2469 Kinder- und Jugendbücher. Im Jahre 2004 sind es 7035 Bücher für Erwachsene, 2201 Jugendbücher, 2044 Kinderbücher und 595 Comics. Dazu kommen gegenwärtig 636 Kassetten, 1021 CDs, 22 Zeitschriften, 468 Videos, 245 CD-ROMs und 355 DVDs. Damit erhöhte sich der Bestand von 8532 Medien im Jahre 1986 auf 14 418 Medien im Jahre 2003.
GESTEIGERTE AUSLEIHE
Die Erweiterung der Bibliothek Eidmatt um verschiedene neue Medien schlug sich bald positiv in den Benutzerzahlen und in der Statistik der Ausleihe nieder. Ein weiterer Anstieg war nach 1986 zu verzeichnen, als die Bibliothek auch für Nichtmitglieder der Lesegesellschaft geöffnet und damit zur eigentlichen Stadtbibliothek wurde. Ein paar Zahlen mögen die Entwicklung beleuchten:
Jahr
Bestand Medien
Ausleihe Medien
1964
2 351
3 691
1974
5 858
10 488
1986
8 532
23 842
1992
12 215
34 885
1998
12 704
47 692
2000
13 046
59 618
2003
14 418
76 688
ORGANISATORISCHE NEUERUNGEN
Das stete Wachstum der Bibliothek und die gesteigerte Nachfrage nach den attraktiven Medien bedingten immer wieder Änderungen in der Organisation. 1973 wurden schwenkbare Gestelle aus Ulmenholz angeschafft und 1979 zwei neue Holzgestelle und ein Karteischrank.
In der Bücherausgabe stellte man 1984 auf das Ticket-System um, und seit der 1986 abgeschlossenen Reorganisation laufen Ausleihe und Katalog über den Computer. Das erste Programm entwickelte der Wädenswiler Max Burnand. Seit 1998 ist das Programm PREWin Medio mit drei Stationen im Einsatz, wovon eine Station für die Kundenabfrage zur Verfügung steht.
Während Jahren amtete eine Bibliothekskommission mit bis zu einem Dutzend Mitgliedern. Diese las Neuerscheinungen und empfahl Bücher und andere Medien zur Anschaffung. 1984 löste sich die Kommission auf; fortan bestimmen Bibliothekarinnen und Kunden den Medieneinkauf.
Das ausgeweitete Angebot und der Wunsch nach vermehrten Öffnungszeiten hatten personelle Konsequenzen. Bis 1964 konnte der gesamte Betrieb von einem einzigen Bibliothekar bewältig werden, der ab 1964 für seine grosse Arbeit eine Jahresentschädigung von 600 Franken erhielt. Die Hilfsbibliothekarin bezog 100 Franken Jahreslohn. Auf Lehrer Oskar Schudel sen., der seit 1921 geamtet hatte, folgte von 1956 bis 1959 dessen Sohn Oskar Schudel jun. und von 1959 bis 1966 Lehrer Hans Scheidegger. Nach seinem Rücktritt wurde der Bibliotheksdienst auf zwei Verantwortliche aufgeteilt. Bis 1970 amten Paul Nievergelt und August Landwehr als Bibliothekare, dann August Landwehr und Marianne Sieber, assistiert von Alice Ganz. Auf sie folgten als verantwortliche Leiterinnen Margrit Blattmann (1974–1983), Heidi Caprez (1983–1990) und Rosmarie Schwager (1990–1995). Seit 1995 leitet Regula Wyss die Bibliothek Eidmatt. Den Leiterinnen standen und stehen Bibliothekarinnen zur Seite. Diese leisteten ihren Dienst anfänglich ehrenamtlich; 1976 erhielten sie für die Ausgabezeit erstmals einen Stundenlohn von 10 Franken.
Die Öffnungszeiten der Bibliothek Eidmatt wurden seit 1964 ständig ausgedehnt. 1964 konnte man pro Woche während drei Stunden Bücher beziehen, 1982 während 6½ Stunden. 1986 erweiterte man die Medienausleihe auf 14 Stunden pro Woche, 1989 auf 16 Stunden, 1993 auf 19 Stunden, 1995 auf 21 Stunden. Heute sind es 22 Stunden.
Regula Wyss, seit 1995 Leiterin der Bibliothek Eidmatt.
Reichhaltige Freihandbibliothek Eidmatt.
FINANZEN
Im Jahre 1966 erhob man von Mitgliedern der Lesegesellschaft für die Benützung der Bibliothek einen Jahresbeitrag von 10 Franken, der 1974 auf 15 Franken erhöht wurde. Kinder bezahlten einen bzw. zwei Franken. Wer die Bibliothek benützte, musste nicht mehr Mitglied der Lesegesellschaft werden. Man konnte nun wählen zwischen der Kategorie Mitglied – Lesegesellschaft und Bibliothekskarte – und Benutzer – nur Bezug der billigeren Bibliothekskarte. 1995 verlangte man erstmals für Erwachsene 25 und für Kinder 5 Franken Jahresgebühr. Seit 1999 gelten folgende Ansätze: Erwachsene 35 Franken, Partner/Lehrlinge 20 Franken, Jugendliche 10 Franken.
Die Jahresbeiträge und die Zuschüsse der Lesegesellschaft vermochten den Finanzbedarf für den Medienankauf, die Personalentschädigungen und den Betrieb seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr zu decken. Ab 1985 erhielt die Bibliothek Eidmatt – nun nicht mehr Vereinsbibliothek sondern allen zugängliche Stadtbibliothek – von der Stadt Wädenswil einen jährlichen Betriebskostenbeitrag von 60 000 Franken, der 1995 auf 70 000 Franken angehoben und 2004 auf 85 000 Franken festgesetzt wurde. Äusserlich sichtbar wurde die Veränderung durch den Namenwechsel: Aus der «Öffentlichen Bibliothek der Lesegesellschaft» wurde die «Bibliothek Eidmatt» mit für die Kunden lokalisierbarer Adresse.
Der Katalog ist elektronisch erfasst.
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Mit dem Betriebskostenbeitrag der Stadt Wädenswil trat in finanzieller Hinsicht eine Entlastung ein. Als immer prekärer erwiesen sich indessen die Platzverhältnisse in der Bibliothek. Den Bemühungen, im ehemaligen Gasthof Sonne Raum zu finden, war 1985 kein Erfolg beschieden. Die Hoffnung, im geplanten Gemeindezentrum Rosenhof unterzukommen, zerschlug sich mit dem negativen Ergebnis der Volksabstimmung von 1990. Mit dem Verkauf der Liegenschaft Rosenhof fiel 1993 eine weitere Variante für einen idealeren Bibliothekstandort weg. 1995 prüfte man ergebnislos, ob die Bibliothek im Dachstock des Schulhauses Eidmatt III eingerichtet werden könnte. Hoffentlich gelingt es in absehbarer Zeit, die attraktive Bibliothek im jetzigen Feuerwehrhaus an der Schönenbergstrasse unterzubringen, das nach dem Umzug der Feuerwehr in den Neubau an der Seestrasse für andere Zwecke verfügbar wird.