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In der Rekrutenschule wollte man mich zum Weitermachen motivieren. Ich sagte unter der Bedingung zu, dass ich zum Abverdienen in eine Sommer-Rekrutenschule eingeteilt werde. Die Winter-RS in Biere VD, dem beinahe kältesten Ort der Schweiz, ist extrem hart. Den Kälterekord in der Schweiz hat zwar die Gemeinde La Brévine im Vallée de Joux, nicht weit von Biere entfernt, mit 48,1 Grad Minus. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass wir Motorfahrer am Unimog (Bild oben links) die Seitenfenster nicht einsetzen durften. Heizung hatte die fahrende Seifenkiste sowieso keine. Ich merkte, dass ein Versprechen bei den Militärköpfen etwa so viel bedeutet wie unter den grossen Militärgiganten ein Friedensabkommen. Zudem muss man so einem „Bedingungen stellenden“ Schnösel zeigen, wie der Hase läuft. So bekam ich das Aufgebot für die Unteroffiziersschule natürlich - Sie ahnen es schon - für eine Winter-RS. Ein Freund, mit dem ich im Diana Quintett spielte, hatte einen Freund in der „Guggenmusig“ Solothurn, der im Militär etwas zu sagen hatte und ich wurde vom Weitermachen befreit. Korruption ist dann gut, wenn sie mir hilft!
Nach drei WK’s ist es wieder Winteranfang, als ich erneut in einen WK einrücken sollte. Mir grauste davor, bei Wind, Regen und Schnee im offenen Jeep herumzugondeln und Stunden lang in der Kälte auf meinen Offizier zu warten bis dieser von einem Rapport zurückommt. So geschehen in meinem letzten WK. Ich chauffierte meinen Kadi auf eine Alp. Etwa 200 Meter vor der Alphütte, sagte er zu mir: "Tarnen Sie das Fahrzeug hier und warten Sie dann auf mich". Eine Stunde, zwei Stunden - ich weiss nicht mehr wie lange, jedoch wurde es schon langsam dunkel. Nun kommt die Situation, in die ich schon oft in meinem Leben graten bin. Das Abwägen zwischen Vernunft und Befehlsverweigerung.
Ich ging zu Fuss zur Alphütte und erfuhr dort, dass mein Kadi dort übernachte. Ich fand auf einer Heubühne einen Platz zum Schlafen. Ein Stock tiefer, also unter uns Schlafenden, sassen ein paar Kameraden beim Jassen. Ich war halb eingedöst, als ich plötzlich ein Knarren von Holz hörte und es dauerte einen Moment bis ich begriff, was da passierte. Die Balken brachen unter der Überlast und die ganze Bühne stürzte wie in Zeitlupe unter Getöse ein. Noch während dem Sturz kletterte ich aufwärts an den Rand der Bühne wie alle anderen auch und es wurde glücklicherweise niemand verletzt. Die Kartenspieler waren inzwischen längst schlafen gegangen. So war niemand mehr unter der Bühne zur Zeit des Einsturzes.
Am Morgen frühstückte ich und ging dann zu meinem Jeep zurück, wo sich mein Offizier etwas später einfand und wir fuhren los. Während der Fahrt erwähnte ich, es wäre nicht schlecht gewesen, wenn er mich von seinem Vorhaben, hier zu übernachten, informiert hätte. Er meinte lächelnd: Na, Sie haben hoffentlich trotzdem gut geschlafen. Ich hasse das Militär im Allgemeinen und arrogante Offiziere im Besonderen. Ich finde also im Briefkasten mein Aufgebot für den nächsten WK. Ein Blick zum Fenster hinaus zeigte mir leichtes Schneerieseln. Ein bissiger Wind und grauer Himmel lassen nichts Gutes erahnen. So ging ich zu einem Arzt in Solothurn – er hiess Dr. Kottmann - von dem es sich herumgesprochen hatte, dass er eine ähnliche Einstellung zu der grünen Institution hatte wie ich. Ich sagte zu ihm: „Herr Doktor, ich habe immer starkes Magenbrennen, oft Rückenschmerzen und ich hatte schon mal einen Nierenstein. Was können Sie daraus machen?“ Er lächelte und sagte: "Allerhand".
So rückte ich im AMP Burgdorf ein um einen Jeep zu fassen. Da hiess es: "Leute mit Krankenbescheinigung" vortreten. Ich komme zum Truppenarzt, der mein Zeugnis durchliest und meine Röntgenbilder kurz am Fenster gegen das Tageslicht hält. Er schüttelt den Kopf und brummt: "Ich sehe da überhaupt nichts, aber die Sache ist mir zu riskant. Gehen Sie nach Hause". Später musste ich vor UC in Olten antreten. Da passierte das Gleiche. Nach der Untersuchung musste ich im Korridor auf den Bescheid warten. Ein Offizier kam und sagte zu mir: "Sie sind Dienstfrei! Ist es nicht traurig, dass ein so junger Mann schon so ein Wrack ist, gleich mit drei Leiden!" Es tönte nach Tragik und Mitleid, aber ich sah in seinem Lächeln, dass er mich durchschaut hatte. Lange Jahre passierte nichts mehr, ausser dass ich natürlich jährlich die gesalzene Rechnung für den Militärpflichtersatz serviert bekam.
Eines Tages erhielt ich ein Aufgebot für den Zivilschutz. Vermutlich hatte doch noch jemand gemerkt, dass da noch einer ein Potential darstellte um aufgeboten zu werden. HRJ