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Eineiige Zwillinge sind enger miteinander verbandelt
Ausserdem untersuchten Tancredy und Fraley, welche Rolle weitere potenzielle Bezugspersonen wie Vater, Mutter und Partner im Leben der Teilnehmer spielten. Es zeigte sich, dass die befragten Zwillinge etwas weniger auf den Rückhalt der Eltern, der Freunde und sogar des Partners bauten. Zwillingspaare scheinen aneinander etwas zu finden, was ihnen andere Beziehungen nicht bieten können. Zudem intensiviert sich die Beziehung offenbar mit der Zeit. Ältere Zwillingspaare übernahmen noch häufiger eine echte Bindungsfunktion füreinander als jüngere.
Zwillinge setzen weniger auf den Rückhalt der Eltern und Freunde. Sie scheinen beieinander etwas zu finden, was ihnen andere Beziehungen nicht bieten können.
Die beinahe symbiotische Beziehung mancher Zwillingspaare ist gewiss ein Produkt sowohl der genetischen Ähnlichkeit als auch des umfangreichen gemeinsamen Erfahrungsschatzes. Welcher Faktor entscheidend ist, lässt sich durch den Vergleich von eineiigen und zweieiigen Zwillingen bestimmen. Demnach sind erwachsene eineiige Zwillinge tatsächlich tendenziell enger miteinander verbandelt als zweieiige, wie Franz Neyer, Professor für differenzielle Psychologie an der Universität Jena, 2002 nachwies.
Gene entscheidender als die Umwelt
Evolutionsbiologisch ist das durchaus sinnvoll: Stehen sich eineiige Zwillinge besonders nahe und beschützen einander gegenseitig, sichern sie damit das Fortbestehen der eigenen, identischen Gene. Dabei war die Sicherheit der Bindung bei den monozygoten (eineiigen) Zwillingspaaren nicht davon abhängig, wie häufig sie de facto Kontakt hatten. Bei den dizygoten (zweieiigen) Zwillingspaaren spielte es hingegen sehr wohl eine Rolle, wie oft sie sich sahen. Möglicherweise sei das ein Hinweis darauf, dass die Fähigkeit zu engen Beziehungen einem substanziellen erblichen Einfluss unterliegt, spekuliert der Forscher. Anders gesagt: Bei den eineiigen Zwillingen war der Einfluss von Umwelt und Erfahrungen weniger bedeutsam. Die Bindung von zweieiigen Zwillingen könnte hingegen stärker davon abhängen, wie viel sie tatsächlich in die Beziehung investieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Forscher der University of Illinois fanden in einer Studie heraus, dass Zwillinge nicht nur die wichtigsten Bezugspersonen füreinander sind, sondern Zwillinge sich auch augenscheinlich näherstehen als andere Geschwister.
- Die beinahe symbiotische Beziehung mancher Zwillingspaare ist ein Produkt sowohl der genetischen Ähnlichkeit als auch des umfangreichen gemeinsamen Erfahrungsschatzes. Dabei sind erwachsene eineiige Zwillinge tendenziell enger miteinander verbandelt als zweieiige.
- Laut Untersuchungen haben auch zweieiige Zwillinge eine tiefere Beziehung als Nichtzwillinge – ein möglicher Hinweis darauf, dass das gemeinsame Heranwachsen im gleichen Alter Geschwister enger zusammenschweisst.
- Auch bei Streitigkeiten und Wettbewerb lagen Zwillinge – insbesondere mit dem gleichen Geschlecht – vorne. Sie müssen möglicherweise stärker um die Aufmerksamkeit der Eltern kämpfen als Geschwister verschiedenen Alters, da sie ähnliche Bedürfnisse haben und zudem eher miteinander verglichen werden.