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Michèle Morgan im Alter von 96 gestorben
Das Kompliment, das ihr der ruppige Jean Gabin in „Quai des brumes“ (Hafen im Nebel, 1938) machte: „T'as des beaux yeux.“, hat Kinogeschichte geschrieben.
Die Szene aus Michel Carnés „Hafen im Nebel“ geht um die Welt. Die 1920 im Pariser Nobelvorort Neuilly als Simone Roussel geborene Französin ist, kaum vor die Kamera getreten, auch schon ein Star. Zumal in der Rolle der kühlen Schönen sollte sie fortan Furore machen.
Die Flucht vor den Nazis führt sie nach Hollywood. Mit Humphrey Bogart steht sie in „Fahrkarte nach Marseille“ vor der Kamera, mit Frank Sinatra in „High and Higher“. Und vermutlich wäre die als Ikone des französischen Kinos Gefeierte auch in „Casablanca“ die Frau an Bogarts Seite geworden – die Warner Brothers machen da nicht mit. Die Französin steckt es weg, wie auf der Leinwand Liebesleid: im festen Glauben, dass hinter der nächsten Ecke neues Glück winkt, dass im Leben Verführung, Verliebtheit, Verletzung einander ablösen.
1946 kehrt Morgan, mittlerweile amerikanische Staatsbürgerin, nach Frankreich zurück. In Jean Delannoys „Und es ward Licht“ überzeugt die Blonde als blinde Pastorentochter, die wieder sehen lernt, ohne dass dies der Liebe zu ihrem Stiefvater freilich zu einem Happyend verhilft. Die Jury des in jenem Jahr erstmals stattfindenden Filmfestivals von Cannes zeichnet Morgan als beste Darstellerin aus. In der Folgezeit avanciert sie zur beliebtesten französischen Schauspielerin schlechthin. Und auch wenn sie später in den Schatten anderer Filmgrößen wie Cathérine Deneuve geraten sollte: Die 1992 für ihr Lebenswerk mit dem César, auf Hollywoods Walk of Fame mit einem Stern geehrte Michèle Morgan zählt zu den Großen des französischen Kinos.
Während sich Carnés „Hafen im Nebel“ und Gabins Huldigung an Morgans Augen indes tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben haben, beginnt die Erinnerung an mehr als 60 andere Filme mit ihr zu verblassen. „Ich hätte es lieber, man würde weniger über meine Augen reden und mehr über diese oder jene Szene, in der ich gut gespielt habe“, sagte sie in einem ihrer letzten Interviews. Am Dienstag ist Michèle Morgan unweit von Paris im Alter von 96 Jahren gestorben.
Quelle: http://www.fr-online.de/film/nachruf-mi ... 29586.html
Nun haben sich diese Augen für immer geschlossen!
Dabei waren die Augen längst nicht das einzige Spielfeld ihres Ausdrucks. Sie bewegte sich mit einer Mischung aus Unschuld und Welterfahrenheit, ihr Körperspiel war zugleich robust und grazil; und ihre Stimme betörend. Aber auch der Titel ihrer Autobiographie verrät, wie sehr sie sich ihrer Legende verpflichtet fühlt: „Avec ces yeux-là“.
Quelle: https://www.welt.de/kultur/article16048 ... oedin.html
LG lionne