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Marcel Egli, Ihre Forschungsprojekte finden in der Schwerelosigkeit statt. Warum?
Astronauten auf Weltraumflügen leiden beispielsweise an Muskelschwund. Die zellulären Prozesse, die dafür verantwortlich sind, ähneln denjenigen bei altersbedingter Muskelschwäche. Wir verstehen jedoch noch zu wenig, wie das genau abläuft. An unserem Kompetenzzentrum versuchen wir, über verschiedene Experimente die Prozesse nachzuvollziehen. Die Resultate nützen bei der Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten.
Können Sie für die Experimente auch die Internationale Raumstation (ISS) nutzen?
Die meisten unserer Experimente finden im Labor statt, wo wir Schwerelosigkeit simulieren. Gewisse Tests geben wir Piloten der Schweizer Luftwaffe mit, die mit dem F5 -Tiger bis zu 50 Sekunden lang Schwerelosigkeit erzeugen können. Für Langzeituntersuchungen bewerben wir uns tatsächlich bei der European Space Agency (ESA), um sie auf der ISS durchzuführen. Das Auswahlverfahren ist überaus streng, und falls das Experiment ausgewählt wird, dauern die Vorbereitungen oft Jahre und beinhalten auch den Bau der Experimentapparaturen. Wir haben es jedoch schon mehrmals geschafft und planen unser nächstes Experiment auf der ISS für 2018.
Was werden Sie untersuchen?
Wie Hefepilze auf Schwerelosigkeit reagieren. Sie sind zwar eine sehr einfache Lebensform, ihre Reaktionen erlauben uns aber Rückschlüsse auf höher entwickelte Zellen, beispielsweise menschliche.
Wie binden Sie die Studierenden in die Tätigkeit des Kompetenzzentrums ein?
Als Leiter ist es meine Aufgabe, Forschung und Lehre zu verknüpfen. Bachelor- und Master-Studierende sowie Doktoranden aus verschiedenen Fachbereichen wie beispielsweise Maschinentechnik, Elektrotechnik oder Biologie bearbeiten in diversen Forschungsprojekten Teilaspekte oder engagieren sich in studentischen Projekten, wie beispielsweise «Rexus».
Worum geht es in dem Projekt?
«Rexus» ist eine studentische Forschungsrakete und wird 2016 in den Weltraum geschossen. Studierende aus ganz Europa bewerben sich um einen Platz für ihr Experiment in der Rakete. Dass unser Team den Platz für sein Biologie-Experiment von der ESA bekommen hat, ist einfach fantastisch. Es musste sich gegen viele Mitbewerber durchsetzen.
Sie sind Biologe und Mediziner. Wie wichtig ist es für Ihre Forschung, verschiedene Wissensfelder miteinander zu verknüpfen?
Immens wichtig. Biomedizinische Forschung vereint immer das Wissen verschiedener Disziplinen, anders könnten wir den Geheimnissen nicht auf die Spur kommen. Es braucht dafür – um nur einige zu nennen – Biologen, Ärzte, Techniker, Chemiker, Piloten und Astronauten.
Interview: Sarah Nigg