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Mähnenrobbe
Otaria flavescens
© 2012 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Artwork © Owen Bell
Die Mähnenrobbe (Otaria flavescens; vormals Otaria byronia) gehört zur Familie der Ohrenrobben (Otariidae), welche insgesamt 15 Arten umfasst. Zusammen mit 19 Arten von Hundsrobben in der Familie Phocidae und dem Walross (Odobenus romarus) in der Familie Odobenidae bilden sie innerhalb der Ordnung der Raubtiere (Carnivora) die Sippe der Robbenartigen (Pinnipedia). Alle Robbenartigen sind perfekt an die Beutejagd im Meer angepasst. Insbesondere haben sie zu Flossen umgewandelte Gliedmassen. Auf dieses Merkmal bezieht sich der Sippenname: Pinnipedia stammt von den beiden lateinischen Wörtern pinna (Feder, Flügel, Flosse) und pes (Fuss), bedeutet also «Flossenfüsser».
Otterartige Vorfahren
Dass die Robbenartigen von landlebenden Säugetieren abstammen, ist von alters her unbestritten. Da sich die Ohrenrobben in körperbaulicher Hinsicht aber erheblich von den Hundsrobben unterscheiden, wurde lange Zeit vermutet, dass sie aus verschiedenen Vorfahren hervorgegangen sein könnten, nämlich die Ohrenrobben vor ungefähr 25 Millionen Jahren aus bärenartigen Tieren und die Hundsrobben separat vor etwa 15 Millionen Jahren aus otterartigen. Heute wissen wir, dass diese Einschätzung falsch war: Alle Robben gehen auf dieselben Vorfahren zurück. Molekulargenetische Untersuchungen haben nämlich eindeutig ergeben, dass die Ohrenrobben und die Hundsrobben einander verwandtschaftlich näher stehen als irgend einer anderen Raubtiersippe. Seit neustem ist sogar bekannt, dass es sich bei diesen Vorfahren um otterartige Wesen gehandelt haben dürfte.
Bis vor kurzem stammten die ältesten bekannten Fossilfunde von robbenartigen Tieren aus den beiden an den Pazifik grenzenden US-Bundesstaaten Oregon und Kalifornien und waren 22 bis 24 Millionen Jahre alt. Diese Geschöpfe, welche der Gattung Enaliarctos zugeordnet wurden, hatten bereits flossenartige Gliedmassen und sahen den heutigen Ohrenrobben ähnlich. Sie waren Küstenbewohner, welche ihre Beute im Meer fingen, aber gewöhnlich an Land zurückkehrten, um sie zu verzehren. Beim Schwimmen setzten sie ihre Vorder- als auch ihre Hintergliedmassen ein - dies im Gegensatz zu den meisten heutigen Robben: Während die Hundsrobben vor allem ihre Hintergliedmassen als Antriebsorgan gebrauchen, verwenden die Ohrenrobben hauptsächlich die vorderen. Einzig das Walross benutzt heute noch alle vier Gliedmassen, um sich durch das Wasser zu bewegen.
2007 wurde nun auf Devon Island ganz im Norden Kanadas ein andersartiges Robbenfossil entdeckt und 2009 wissenschaftlich beschrieben. Dieses Geschöpf, das auf den Namen Puijila darwini getauft wurde, erinnert in seinem Körperbau stark an einen grossen Otter und ist nicht stärker als ein solcher an das Leben am und im Wasser angepasst. Gewisse Schädelmerkmale und das Gebiss zeigen aber klar, dass es zu den Vorfahren der Robbenartigen zu rechnen ist. Interessanterweise scheint es wie die meisten heutigen Otter im Bereich von Seen und Flüssen auf die Jagd gegangen zu sein.
Puijila darwini lebte vor 21 bis 24 Millionen Jahren und war somit ein Zeitgenosse der robbenähnlicheren Enaliarctos-Geschöpfe. Darum kommt es als direkter Vorfahr der heutigen Robben nicht in Frage. Es weist aber darauf hin, dass otterartige Wesen an der Wurzel der heutigen Robben gestanden und dass sie den Wandel vom Leben an Land zum Leben am und im Meer via Süssgewässer vorgenommen haben dürften.
Der löwenähnlichste Seelöwe
Die Familie der Ohrenrobben setzt sich aus 9 Seebären und 6 Seelöwen zusammen. Letztere werden zwar fünf verschiedenen Gattungen zugeordnet, bilden aber hinsichtlich ihrer Erscheinung wie auch ihrer Lebensweise eine recht einheitliche Sippe.
Die Mähnenrobbe gehört zu den Seelöwen. Oft wird sie als die löwenähnlichste der sechs Seelöwenarten bezeichnet, weil die Männchen wie bei den Löwen eine ausgeprägte Mähne haben, daher ja auch der deutsche Artname. Den Weibchen fehlt eine solche. Wie bei allen Ohrenrobben ist der Geschlechtsdimorphismus, das heisst die Zweigestaltigkeit der Männchen und der Weibchen, auch hinsichtlich der Körpergrösse stark ausgeprägt: Die Männchen können eine Kopfrumpflänge von bis zu 260 Zentimetern und ein Gewicht von bis über 300 Kilogramm erreichen, die Weibchen hingegen eine Länge von «nur» etwa 200 Zentimetern und ein Gewicht um 140 Kilogramm. Die Fellfärbung ist bei beiden Geschlechtern ziemlich variabel, von dunkelbraun bis goldgelb.
Das Vorkommen der Mähnenrobbe erstreckt sich entlang der Küsten Südamerikas und umfasst zahlreiche regionale Inseln, darunter die Falklandinseln. Im Westen kommt die Art mehr oder weniger kontinuierlich vom nördlichen Peru südwärts bis zur Südspitze des Halbkontinents vor, im Osten von da nordwärts bis zum südlichen Brasilien. Geburts- und Paarungsstrände finden sich in Brasilien allerdings keine; die als Naturschutzgebiet ausgewiesene Isla de Lobos vor der Küste Uruguays ist die nördlichste Fortpflanzungsstätte der Mähnenrobben an Südamerikas Ostküste.
Die Mähnenrobben unternehmen zwar keine gezielten saisonalen Wanderungen, können aber ausserhalb der Fortpflanzungszeit teils weit umherstreifen. Allerdings halten sie sich fast immer in küstennahen Gewässern über dem zur Festlandmasse gehörenden Kontinentalsockel («Schelf») auf und begeben sich nur selten in küstenferne, mehr als 200 Meter tiefe Meeresbereiche.
Keine wählerischen Esser
Wie alle Seelöwen «fliegen» die Mähnenrobben mit weit ausgreifenden, simultanen Schlägen der Vordergliedmassen durch das Wasser, vergleichbar mit Pinguinen. Und wie bei jenen spielen die Hintergliedmassen beim schnellen Schwimmen kaum eine Rolle, werden aber beim engräumigen Manövrieren, bei geringem Tempo, als Steuerruder eingesetzt.
An Land sind die Mähnenrobben wie alle Seelöwen recht gut zu Fuss, denn im Gegensatz zu den Hundsrobben können sie ihren Körper vom Boden abheben und sich auf allen vier Gliedmassen fortbewegen, müssen also nicht wie jene auf dem Bauch «robben». Die Männchen vermögen dank dieser Fähigkeit beispielsweise überraschend schnell über den Strand zu galoppieren, wenn es gilt, einen Rivalen aus dem Revier zu vertreiben.
Bei der Zusammenstellung ihrer Kost richten sich die Mähnenrobben stark nach dem lokalen und saisonalen Angebot. Sie sind also keineswegs wählerisch, sondern verzehren so ziemlich alles, was sie erhaschen können, von wirbellosen Kleintieren am Meeresboden über freischwimmende Fische aller Art bis hin zu Pinguinen und den Jungtieren anderer Robbenarten im unmittelbaren Küstenbereich. Bei einer in Patagonien durchgeführten Studie, bei welcher der Mageninhalt tot aufgefundener Tiere untersucht wurde, konnten 41 verschiedene Beutetierarten identifiziert werden, darunter verschiedene Fische, Tintenfische (Kraken, Kalmare), Krebstiere (Krabben, Langusten), Weichtiere (Schnecken), Schwämme (Porifera), Borstenwürmer (Polychaeta) und Manteltiere (Tunicata).
Interessanterweise hatten die weiblichen Individuen vor allem Tierarten erbeutet, welche in untiefen Küstengewässern vorkommen, während den Männchen hauptsächlich Beutetierarten zum Opfer gefallen waren, welche in küstenferneren, tiefgründigeren Meeresbereichen leben. Männchen und Weibchen scheinen also unterschiedliche Nahrungsnischen zu nutzen und so den Nahrungswettstreit innerhalb der Art gering zu halten.
Aufgrund von Studien, bei welchen einzelne Tiere mit Satellitentelemetriesendern ausgestattet wurden, wissen wir, dass die weiblichen Individuen bis in Tiefen von 175 Metern abtauchen und bis 7,5 Minuten unter Wasser bleiben können, dass aber die Tauchtiefe im Allgemeinen weniger als 60 Meter und die Tauchdauer gewöhnlich um 3 Minuten beträgt. Die Strecken, die sie dabei zurücklegen, wurden nicht untersucht. Bei den Männchen wurde aber festgestellt, dass sie anlässlich ihrer oft mehrtägigen Ausflüge täglich bis etwa 100 Kilometer zurücklegen und dass sie sich die meiste Zeit in 50 bis 100 Meter tiefem Wasser umherbewegen.
Lebenserwartung rund 20 Jahre
An den meisten Küstenabschnitten Südamerikas beginnt die Fortpflanzungssaison der Mähnenrobben im Laufe des Dezembers. Die Männchen treffen jeweils ein bis zwei Wochen vor den Weibchen an den Geburts- und Paarungsstränden ein. Um Mitte Januar sind ihre Bestände an Land am höchsten, diejenigen der Weibchen gegen Ende Januar.
Zwei bis drei Tage nach ihrer Ankunft an der Fortpflanzungsstätte bringen die Weibchen ein einzelnes Junges zur Welt, das im Jahr zuvor gezeugt wurde. Die Tragzeit dauert also nahezu ein Jahr. Nur sechs Tage später sind die Weibchen bereits wieder paarungsbereit - und darauf haben die Männchen gewartet. Sie haben nämlich schon vor der Ankunft der Weibchen den Strand in Territorien unterteilt und in der Folge ihr Revier mitsamt den eingetroffenen Weibchen unerbittlich gegen ihre Rivalen verteidigt. Nun haben sie das Vorrecht zur Paarung mit den anwesenden Weibchen. Kein Wunder verlassen sie freiwillig ihr einmal erobertes Grundstück während Wochen nicht, auch nicht zur Nahrungsaufnahme.
Die Weibchen hingegen lassen wenige Tage nach der Paarung den Strand und ihr Junges erstmals hinter sich, um im Meer auf Beuteerwerb zu gehen und sich von den Strapazen der letzten Tage zu erholen. Der Ausflug ins Meer dauert gewöhnlich zwei bis drei Tage. Danach kehren die Weibchen wieder für ein paar Tage zu ihren Jungen an Land zurück, bevor sie erneut ins Meer eintauchen. Dieses abwechslungsweise Säugen des Jungen an Land und Auffrischen der Kräfte im Meer hält etwa neun Monate an. Dann erst werden die Jungen entwöhnt und lösen sich von ihren Müttern.
Im Alter von ungefähr einem Monat wagen sich die jungen Mähnenrobben erstmals ins Wasser und können sofort leidlich schwimmen und tauchen. Bald beginnen sie, Jagd auf kleine Meerestiere zu machen, werden aber trotzdem noch monatelang von ihrer Mutter mit hochwertiger Milch versorgt. Die Weibchen werden im Alter von etwa vier Jahren geschlechtsreif, die Männchen mit fünf bis sechs Jahren. Bei den Männchen dauert es allerdings noch geraume Zeit, bis sie ein Territorium für sich beanspruchen und sich am Fortpflanzungsgeschehen beteiligen können. Die Lebenserwartung liegt bei ungefähr 20 Jahren.
Bestandsschwund bei den Falklandinseln
Die Grösse des Mähnenrobben-Weltbestands wird gegenwärtig auf über 250 000 Individuen geschätzt. Die Art wird darum von der Weltnaturschutzunion (IUCN) nicht als gefährdet eingestuft. Mancherorts schwinden die Bestände allerdings, weshalb eine baldige Einstufung in die Kategorie «Potenziell Gefährdet» sehr wahrscheinlich ist. Besonders stark zurückgegangen ist in den letzten Jahrzehnten der Bestand bei den Falklandinseln. Wurde er in den 1960er-Jahren noch auf 30 000 Individuen geschätzt, fiel die Zahl in den 1980er-Jahren auf unter 15 000 und in den 1990er-Jahren auf möglicherweise nur noch 3000. Gegenwärtig wird der Mähnenrobbenbestand im Bereich des Archipels auf etwa 6000 Individuen geschätzt. Die genauen Ursachen für den Bestandsschwund der Mähnenrobben im Bereich der Falklandinseln sind nicht geklärt. Er dürfte aber zweifellos auf vom Menschen ausgehende Schadfaktoren zurückzuführen sein.
Die Mähnenrobben wurden schon früh durch die indianischen Ureinwohner Südamerikas ihres Fleischs, ihrer Haut und ihres Unterhautfetts wegen bejagt. Diese Nutzung geschah aber stets mit einfachen Mitteln und hatte darum keinen merklichen Einfluss auf die Bestände. Dies änderte sich, als nordamerikanische und europäische Robbenjäger im 19. Jahrhunderts begannen, die Mähnenrobben in industriellem Ausmass auszubeuten. Unbarmherzig wurden sie an ihren traditionellen Lagerplätzen abgeschlachtet - bis ihre Bestände schliesslich dermassen ausgedünnt waren, dass der Fang sich nicht mehr lohnte und aufgegeben werden musste. Der Artbestand war von ursprünglich mehreren Millionen Individuen auf ein paar wenige zehntausend gefallen.
Heute stehen die Mähnenrobben in den meisten ihrer Heimatländer unter gesetzlichem Schutz, und ihre Bestände haben sich ein Stück weit erholen können. Weiterhin werden aber zahlreiche Individuen von Fischern abgeschossen, weil sie die Robben als Nahrungswettstreiter betrachten. Auch verenden viele Mähnenrobben als Beifang in Fischernetzen. Die allgemeine Übernutzung der Fisch- und Tintenfischbestände in den Küstengewässern Südamerikas und damit der Nahrungsgrundlage der Mähnenrobben beeinträchtigt die Bestände ebenfalls. Zu schaffen macht den Mähnenrobben auf der pazifischen Seite Südamerikas ferner das gehäuft und verstärkt auftretende El-Niño-Phänomen, das von zusammenbrechenden Fischbeständen begleitet wird. Und nicht zuletzt setzt die Verschmutzung der Meere mit Chemikalien und Schwermetallen der Gesundheit der Mähnenrobben zu, wie in Argentinien nachgewiesen werden konnte. Es gilt darum, die Bestandsentwicklung dieser eindrucksvollen Wasserraubtiere aufmerksam zu beobachten.
Legenden
Die Mähnenrobbe (Otaria flavescens) gehört innerhalb der Familie der Ohrenrobben (Otariidae) zur sechs Arten umfassenden Gruppe der Seelöwen. Sie wird oft als die löwenähnlichste Seelöwenart bezeichnet, weil die Männchen wie bei den Löwen eine ausgeprägte Mähne haben - daher ja auch der deutsche Artname. Die Männchen sind ferner erheblich grösser als die Weibchen: Sie können eine Kopfrumpflänge von bis zu 260 Zentimetern und ein Gewicht von bis über 300 Kilogramm erreichen, die Weibchen hingegen eine Länge von «nur» etwa 200 Zentimetern und ein Gewicht um 140 Kilogramm.
Das Vorkommen der Mähnenrobbe erstreckt sich entlang der Küsten Südamerikas und umfasst auch zahlreiche Inseln in der Region, darunter die Falklandinseln. Im Westen kommt die Art vom nördlichen Peru südwärts bis zur Südspitze des Halbkontinents vor, im Osten von da nordwärts bis zum südlichen Brasilien. Das Bild zeigt einen Geburts- und Paarungsstrand von Mähnenrobben - sowie Nistplatz von Felsenscharben (Phalacrocorax magellanicus) - an der Atlantikküste, und zwar bei Punta Loma in der Nähe der Stadt Puerto Madryn im südlichen Argentinien.
Wie alle Seelöwen «fliegen» die Mähnenrobben gewöhnlich mit weit ausgreifenden, simultanen Schlägen der Vordergliedmassen durch das Wasser und setzen die Hintergliedmassen nur beim engräumigen Manövrieren als Steuerruder ein. Bei der Zusammenstellung ihrer Kost sind sie nicht wählerisch, sondern richten sich einfach nach dem lokalen und saisonalen Angebot. Das Beutetierspektrum reicht von Krabben und anderen wirbellosen Tieren über Fische aller Art bis hin zu Pinguinen und den Jungtieren anderer Robbenarten.
Die jungen Mähnenrobben kommen nach einer Tragzeit von nahezu zwölf Monaten als Einzelkinder zur Welt und tragen anfangs ein schwarzes Babyfell. Dieses wechseln sie im Alter von etwa zwei Monaten gegen ein dunkelbraunes Jugendkleid. Schon früh beginnen sie, Jagd auf kleine Meerestiere zu machen, doch werden sie noch bis im Alter von etwa neun Monaten von ihrer Mutter mit Milch versorgt.
Das Bild dieses «einsamen» Mähnenrobbenmännchens wurde an der Küste von Kidney Island ganz im Osten der Falklandinseln aufgenommen. Es versinnbildlicht, dass der Bestand der Mähnenrobben von rund 30 000 Individuen in den 1960er-Jahren auf gegenwärtig etwa 6000 Individuen geschwunden ist, obschon der Robbenfang damals vollständig eingestellt worden war. Die genauen Ursachen für den Bestandsrückgang sind nicht geklärt.
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