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Ein Effekt von Stargardt ist, dass durch dass „Mit-beiden-Augen-daneben-schauen“ manchmal nicht so klar ist, wen oder was ich jetzt grad fixiere. Wenn ich etwas oder jemanden betrachten will, muss ich mit beiden Augen gezielt daneben schauen, um etwas zu erkennen. Würde ich den Gegenstand des Interesses gerade anschauen, ist er komplett weg und ich sehe gar nichts.
Bei Dingen ist das weniger problematisch, bei Menschen führt es manchmal zu Verwirrung. Wenn ich beispielsweise jemandem etwas mitteilen will und ihn so fixiere, dass ich sein Gesicht erkennen kann, kommt es vor, das stattdessen die Person daneben reagiert, weil mein Blick mehr in ihre Richtung wies. Oder dass die Frage zurück kommt:
- Meinst du mich?
Deshalb bemühe ich mich, immer den Namen der Person zu nennen, mit der ich sprechen will (vorausgesetzt dass ich ihn kenne). Der Effekt tritt auch in umgekehrter Richtung auf. Es kommt öfters vor, dass ich mit einer Gruppe von Leuten zusammen bin und wir über irgendetwas sprechen. Dann stellt mir jemand eine Frage oder macht eine Bemerkung, auf die ich reagieren soll - aber es kommt keine Antwort von mir. Ich warte nämlich erst mal ab, ob nicht mein Sitznachbar gemeint war. Insbesondere dann, wenn ich nicht aus dem Zusammenhang zweifelsfrei schliessen kann, dass die Bemerkung mir gegolten hat. Ich habe zwar erkannt, dass der Sprecher in meine Richtung schaut, kann aber eben nicht im Sicherheit sagen, ob nun ich oder einer meiner Nachbarn angeblickt wurde.
Und manchmal vergesse ich, dass ich eigentlich woanders hinschaue, wenn ich etwas betrachte. So sass ich mal im Zug und habe mir die Landschaft vor dem Fenster angesehen. Ich habe dabei die flache Horizontlinie fixiert und verfolgte, wie sie sich an mir vorüber bewegte, sich mit den sanften Hügeln hob und senkte, über ein fernes Gebäude oder einen Baum hüpfte oder von einem Objekt unmittelbar an der Bahnlinie kurz unterbrochen wurde. Da fiel mir auf, wie ein Mitreisender, der mir genau gegenüber auch am Fenster sass, langsam unruhig wurde. Ich schaute ihn an und sah, wie sich sein erstaunter Blick beruhigte und er sich wieder entspannt zurück lehnte. Mir wurde klar, dass ich ihn minutenlang direkt und unbewegt angestarrt habe, während ich eigentlich dem Spiel der Horizontlinie gefolgt bin. Verständlicherweise wurde er da ein wenig unruhig ob so einem unhöflichen Benehmen. Erst als ich meinen Blick von ihm abwandte, hat sich die Situation für ihn wieder entspannt. Von meiner Warte aus habe ich ihn aber da erst richtig angesehen.