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Roger Köppels Wechsel in die Politik ist nachvollziehbar. Als Journalist ist er Mainstream geworden.
Winston Churchill war Journalist, ein äusserst erfolgreicher übrigens. Seine Reportagen aus dem Burenkrieg waren auf der britischen Insel Kult. Georges Clemencau war Journalist. Der Mann, der Frankreich durch den Ersten Weltkrieg führte und danach wegen seiner unerbittlichen Härte gegenüber Deutschland berüchtigt wurde, verdiente seinen Lebensunterhalt in der Presse.
Theodore Roosevelt war Journalist, und ja, auch Karl Marx. Mit Reportagen für US-Zeitungen konnte sich der bärtige Revolutionär seinen bieder-bürgerlichen Lebenswandel gerade so knapp finanzieren.
Jetzt will also auch der Journalist Roger Köppel Politiker werden. Er wird sich kaum in die Reihe der oben genannten Koryphäen einreihen können. Das liegt an den Umständen. Journalismus hat schon bessere Tage gesehen. In der Schweiz gab es Zeiten, in denen man Chefredaktor einer Regionalzeitung, Parlamentarier und ein hoch geachteter Mann sein konnte. Frauen gab es damals noch nicht, die hatten noch nicht einmal das Stimmrecht.
Heute ist das schwierig geworden. Der moderne Forums-Journalismus steht gerne über den Dingen. Wer in einer Partei Karriere machen will, kann eine Karriere in den Medien vergessen. Ausser er geht zur «Weltwoche». Sie ist eine Ausnahme geworden, aber keine rühmliche: Als inoffizielles Organ der SVP ist sie bemüht, das amerikanische Vorbild Fox-News den eidgenössischen Verhältnissen anzupassen. Journalistisch lässt sich mit diesem Konzept kein Blumentopf gewinnen, selbst wenn man Chefredaktor ist.
Roger Köppel hat als Sportjournalist bei der NZZ begonnen, wurde dann bald der Hoffnungsträger im Kulturteil des de Weck'schen «Tages Anzeiger» und hauchte schliesslich dem «Magazin» neues Leben ein. Damals war er auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Er war kein Linker – er pflegte sich als «Ledergerber-Sozialdemokrat» zu bezeichnen –, aber er liebte schon damals die Provokation. Sie war jedoch nicht platt, sondern oft überraschend. So schilderte Köppel wortreich und witzig seine Liebe zum «Scheissfilm» oder zu Gentech.
Der Wechsel zur «Weltwoche» war abrupt, der Kurswechsel in Köppels Schaffen noch abrupter. Das einst linksliberale Blatt in Zeitungsformat wurde ein rechtsnationales Magazin. Allein diese Tatsache machte die WeWo anfänglich zur Sensation. Rechts und intellektuell, diese Mischung war neu für die Nachkriegsgeneration.
Es folgte ein Intermezzo an der Spitze der «Welt» in Berlin – die Darstellungen darüber variieren, um es milde auszudrücken –, dann kehrte Köppel zur WeWo zurück und wurde Chef und Verleger in Personalunion.
Köppel scheint nun alles erreicht zu haben: Er ist wohlhabend, im rechtskonservativen Establishment bestens vernetzt und Mitglied einer Zunft. Er hat ein Haus an der Goldküste und Frau und Kinder. Zudem hat er nationale Prominenz erreicht, und wenn die ARD einen hässlichen Schweizer braucht, sitzt Köppel in der ersten Reihe.
Journalistisch hingegen ist Köppel zur austauschbaren Grösse geworden. Rechtskonservativ ist Mainstream geworden. Linke Journalisten gibt es bald nur noch in den Köpfen der SVP – oder im Altersheim. Auch inhaltlich ist Köppel seine Nähe zu Christoph Blocher schlecht bekommen. Die Parolen der beiden sind so austauschbar, es interessiert höchstens, wer was zuerst gesagt hat. Aufmerksamkeit erregt Köppel heute eigentlich nur noch, wenn er über Frauen schreibt. Dann allerdings ist die Komik eher unfreiwilliger Natur.
So gesehen ist es nur logisch, dass er zu neuen Ufern aufbricht. Wie Blocher hat Köppel einen «Auftrag»: Er muss die Schweiz aus den Klauen der EU befreien und Unternehmer vor Staat und Sozialisten schützen. Wie schrecklich langweilig.