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Wer den Titel des heutigen Wetterfrosch-Beitrags liest, könnte sich denken, dass das doch dasselbe ist. Der «Pärisou» ist der Regenschirm der «Seisler Bevölkerung» und der «Parapluie» der Regenschirm für die französischsprachigen Freiburger auf der anderen Seite der Saane. Ein «Päripluie» wäre noch eine Neuerfindung und würde den Röstigraben überbrücken …!
Schutz vor Sonne oder Regen?
Etwas vertiefter und genauer betrachtet sind der Pärisou und der Parapluie in ihrer Bedeutung aber völlig verschieden. Die Bezeichnung «Pärisou» kommt von Parasol und meint damit «para il sole», «schütze mich vor der Sonne». Sinngemäss bedeutet dann der Ausdruck «Parapluie», «schütze mich vor dem Regen». In unserer deutschen Sprache reden wir vom Sonnen- oder Regenschirm. Das Wort «Schirm» stammt offenbar vom althochdeutschen Wort «Scirm» ab und das heisst auch «Schutz».
Schon 2000 vor Christus
Wer war denn nun der Ersterfundene, der Pärisou oder der Parapluie? Schaut man sich die Geschichte dieser Schutz-Gegenstände genauer an, dann wird klar, dass der Sonnenschirm (Parasol) lange vor dem Regenschirm (Parapluie) bekannt war. Schon in der chinesischen Hochkultur 2000 vor Christus kann der Parasol nachgewiesen werden. Von China aus gelangte er 1200 vor Christus in den Vorderen Orient zu den Ägyptern, Babyloniern und Assyrern.
In diesen Gebieten gibt es wenige Niederschläge pro Jahr, dafür viele Sonnenstunden. So nimmt man an, dass dieser geniale Gegenstand in erster Linie als Sonnenschutz diente.
Symbol des Wohlergehens
Bei den alten Ägyptern war der Schirm etwas Königliches. Es gibt in frühen ägyptischen Schriften sogar eine eigene Hieroglyphe, ein heiliges Schriftzeichen, für den Schirm. Dieses Schriftzeichen symbolisierte für den jeweiligen Herrscher Souveränität und Autorität. Der Schirm galt für die Ägypter selber und später auch für die Griechen als Symbol der Fruchtbarkeit und des Wohlergehens. Bei einem Hochzeitspaar verdeckte man die Köpfe mit einem Parasol und damit war sich das Paar der Fruchtbarkeitssymbolik bewusst.
Später bei den Römern war der Schirm sehr verpönt. Mit diesem Gegenstand und seiner Symbolik konnten sie gar nichts anfangen. Ein Jüngling mit einem offenen Sonnenschirm verärgerte seine Umgebung. Er selbst wurde sofort als Weichling bezeichnet.
Die römischen Damen hingegen durften ihre Parasols bereits bunt färben und bei Wagenrennen so einsetzen, dass man sofort merkte, welche Mannschaft sie unterstützten.
Spielball des Machthabers
Dem römischen Kaiser Caligula (12 bis 41 nach Christus) wurde nachgesagt, ein brutaler und krankhafter Tyrann gewesen zu sein. Seine Wagenrennen in der grossen Arena waren der starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Caligula veranlasste, dass die ganze Arena mit einem Riesenschirm überdacht wurde. Das Volk war aber eher gelangweilt und konnte dem Spektakel nichts Positives abgewinnen. Das ärgerte den Kaiser so nachhaltig, dass er die ganzen Stoffbahnen entfernen liess, und die Zuschauer, seine undankbaren Untertanen, mussten in der sengenden Hitze ausharren.
Nach alten orientalischen Überlieferungen steckten in einem einfachen Schirm allerlei geheimnisvolle Kräfte. Im 4. Jahrhundert nach Christus erinnerte sich auch Papst Silvester I. an solche Traditionen. Er liess sich nämlich vom römisch-byzantinischen Kaiser Konstantin I. einen braun-weiss-gestreiften Schirm überreichen. Diese Geste von einem weltlichen an einen kirchlichen Regenten war ein Zeichen für die Übergabe von Macht und Herrschaft. Konstantin verlegte nämlich 330 nach Christus seinen Kaisersitz von Rom nach Byzanz, dem späteren Konstantinopel und heutigen Istanbul.
Ein Schirm als Königsmacher
Der Schirm als Zeichen von Macht und Herrschaft diente im Jahre 1211 nach Christus auch einem burmesischen König zur Bestimmung seiner Nachfolge auf den Thron. Er hatte fünf Söhne, und alle waren offensichtlich gleichwertige Kandidaten für das Königsamt. Sie mussten sich vor ihm kreisförmig aufstellen. Er hielt dann seinen schneeweissen Schirm in der Mitte des Kreises hoch und liess ihn fallen. Der Schirm zeigte auf Prinz Oksana, und der ging in die Geschichte ein, als «der König, dem der Schirm zum Thron verhalf».
Ein weisser Parasol wurde nur einem Monarchen zugestanden. Wenn ein Untertan es gewagt hätte, mit einem weissen Schirm, dem Herrschaftssymbol im asiatischen Raum, herumzulaufen, wäre das in der damaligen Zeit einem Hochverrat gleichgekommen. Man hätte den betreffenden Untertan sofort zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Der «menschliche» Schirm
Geschichten um die Verwendung des Schirms in Afrika könnten hingegen «Gänsehaut» verursachen. Der Parasol, als Schutzdach, kam angeblich im 8. Jahrhundert nach Christus durch moslemische Seefahrer nach Afrika. Der englische Forscher J. A. Skertchley wurde im 17. Jahrhundert in Dahomey in West-Afrika auf seinen Forschungsreisen mit einem «Jaw Umbrella» konfrontiert. «Jaw» bedeutet «Kiefer» und «Umbrella» der «Schirm» oder der «Schatten». Der schwarze Herrscher wollte mit seiner Macht beeindrucken und liess an der Kuppel seines grossen Schirmes vierundachtzig menschliche Kieferknochen anheften. Auf der Spitze des Schirms war, quasi als Krönung des Ganzen, ein Totenschädel von einem getöteten Feind aufgesetzt. Wurde nun der Schirm geschlossen, dann klapperten die Kiefer hörbar und jeder Forscher oder weisshäutige Reisende bekam selbst in der Tropenhitze Gänsehaut.
Nun könnten wir uns fragen, was denn der Schirm in Europa für eine Bedeutung hatte. Dazu dann im nächsten Wetterfrosch-Beitrag mehr. Dieser erscheint am Mittwoch, 30. Oktober.
Mario Slongo ist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Weitere Beiträge unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».