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Vielleicht haben Sie den Beitrag im Tagesanzeiger-Datenblog oder andernorts in der Presse bzw. online gesehen: Ich habe in meiner Funktion als Visiting Researcher mit Kollegen am Oxford Internet Institute kürzlich zwei Karten zum globalen Internetzugang publiziert:
Mehr zum Thema der Karten können Sie in den folgenden zwei Blogbeiträgen (in Englisch) oder beim Tagesanzeiger lesen:
- Geonet Blog: The World Online
- Geonet Blog: Changing Internet Access
- Tagesanzeiger-Datenblog: Wie das Internet die Welt erobert
Hier möchte ich etwas mehr auf die Art der Visualisierung eingehen. Die Karten oben verzerren die Fläche jedes Landes so, dass sie proportional zur Anzahl Personen mit Internetzugang wird. Die Karten enthalten im südlichen Atlantik eine kleine unverzerrte Referenzkarte, welche es noch deutlicher macht, wie sehr zum Beispiel Europa online über- und Afrika unterrepräsentiert ist.
Es handelt es sich bei diesem Kartentyp um sogenannte Kartenanamorphosen oder -anamorphoten bzw. – einfacher in Englisch – um Cartograms. In diesem Fall sind es hexagonal cartograms, das heisst jedes Land ist aus einer Zahl kleiner Hexagone als Bausteine zusammengesetzt. Ich habe das Vorgehen hierzu schon andernorts detailliert erläutert, mittlerweile habe ich aber noch einige Optimierungen des Vorgehens umgesetzt. Um die Verzerrungen der Formen der Länder möglichst gering zu halten, ist einiges an Handarbeit erforderlich, die einem auch die gängigen Kartogramm-Algorithmen nicht abnehmen können.
Viele Personen fühlen sich von solchen Darstellungen unmittelbar angesprochen. Sie können bisweilen ziemlich plakativ wirken, etwa wenn die zugrundeliegende Grösse sehr ungleich verteilt ist. Ein Nachteil von solchen Darstellungen ist sicherlich, dass die Einschätzung von relativen Grössen keine genaue Einordnung erlaubt. Beispielsweise wäre zwar nicht unmöglich, aber sehr schwierig zu sagen, wieviele Menschen in Japan online sind oder – in dieser Darstellung der Schweizer Kantone und Städte – wieviele Personen im Kanton Graubünden leben. In beiden Fällen ist dies aber auch ganz klar nicht eines meiner Ziele.
Die automatisch berechenbaren Verzerrungen der Länder in den Darstellungen oben habe ich mit einer spezialisierten Software erstellt. Für die Umlegung auf die Hexagone, die Minimierung der Verzerrungen, das manuelle (!) Setzen der Labels und das gesamte endgültige Layout habe ich ArcGIS verwendet. Die fertigen Karten, so finde ich, sehen aber nicht mehr nach Standard-„GIS-Karten“ aus.
Mit diesem Post möchte ich dazu aufrufen, (geo)graphische Konventionen und ‚best practices‘ auch mal zu hinterfragen. Vielleicht lässt sich etwas besser als mit einer Choroplethen- oder Symbolkarte, womöglich noch mit einer Standardlegende, visualisieren. „Besser“ kann hier etwa heissen,
- dass ein Fakt exakter kommuniziert werden kann oder
- dass eine Darstellung Interesse weckt beim Publikum oder
- dass eine Darstellung zu weiteren Fragen anregt oder
- dass eine Darstellung ausgewählte Punkte vielleicht nicht exakt aber in ihren grossen Linien aufsehenerregend vermittelt.