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Infektionskrankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind, nennt man Zoonosen. So vielfältig wie die Verläufe und Symptome der Erkrankungen sind, sind auch die Übertragungswege. Auch bei COVID-19 handelt es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um eine Zoonose.
Infektionskrankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind, nennt man Zoonosen. So vielfältig wie die Verläufe und Symptome der Erkrankungen sind, sind auch die Übertragungswege. Der direkte Kontakt mit einem infizierten Tier, der Konsum kontaminierter Lebensmittel (z.B. Milch, Eier, Fleisch) oder der Stich von einer den Erreger tragenden Zecke oder Mücke können zu einer Infektion beim Menschen führen.
Hotspots für Zoonosen gibt es weltweit. Entwicklungsländer sind besonders betroffen, da enge Platzverhältnisse, mangelnde Hygiene und eine weniger modernisierte medizinische Versorgung den Ausbruch und eine schnelle Ausbreitung von Krankheiten fördern können. Aber auch Ernährungsgewohnheiten, die Frischmärkte oder Massentierhaltung bedingen, können den Ausbruch einer Zoonose begünstigen, ebenso wie das Eindringen in natürliche Lebensräume von Tieren.
Der Ursprung von Zoonosen
Forscher vermuten, dass Zoonosen schon seit früher Menschheitsgeschichte stetige Begleiter unserer Art waren. Der schleichende Wechsel von der Jagd- und Sammelkultur zum sesshaften Lebensstil mit Ackerbau und Viehzucht bewirkte ein vermehrtes Auftreten von Zoonosen. Vermutlich waren der nun nahe Kontakt zu Haus- und Nutztieren sowie das Zusammenleben einer grösseren Anzahl Menschen die Hauptgründe dafür. Handel und Kolonialisierung trugen die Erreger auch in weiter entfernte Gebiete.
Ein besseres Verständnis dafür, wie Krankheiten entstehen, die Entwicklung von Impfungen und Antibiotika und eine stark verbesserte medizinische Versorgung tragen seit dem letzten Jahrhundert dazu bei, Zoonosen teilweise einzudämmen.
Beispiele von Zoonosen
Die erste schriftlich festgehaltene Referenz einer von einem Tier stammenden Erkrankung findet sich in einem babylonischen Codex aus dem 18. Jahrhundert v. Chr. In diesem werden «wilde Hunde» beschrieben, wobei es sich vermutlich um Tiere handelt, die an Tollwut leiden. Über die Jahrhunderte zeichneten Mediziner Dutzende von Epidemien auf, die grösstenteils in Europa ausgebrochen sind. Dies ist weniger auf die europäische Kultur und Lebensweise zurückzuführen, sondern vielmehr auf die damals noch fehlenden Aufzeichnungen solcher Vorkommnisse in anderen Regionen der Welt.
Zwischen 1346 und 1352 wütete die Pest zum zweiten Mal – das erste Mal war zwischen 541 und 546 – in Asien und Europa. Ein Viertel der gesamten europäischen Bevölkerung kam um. Eine Ansteckung erfolgte vorwiegend durch Flöhe, die das Pestbakterium von infizierten Ratten auf den Menschen übertrugen. Allerdings wurde der Erreger auch bei zwischenmenschlichem Kontakt zum Beispiel durch Tröpfcheninfektion weitergegeben.
Kurz nach dem ersten Weltkrieg brach in Europa die sogenannte Spanische Grippe aus, an der zwischen 1918 und 1920 weltweit mehr Menschen als an direkten Kriegsfolgen starben. Der Ursprung des Erregers ist nicht genau bekannt, aber es wird vermutet, dass es sich um ein vogelstämmiges Influenzavirus handelte. Der Name Spanische Grippe ist irreführend, denn als Herkunft des Virus werden die USA vermutet. Spanien berichtete aber als erster Staat über das wirkliche Ausmass der Seuche, während viele andere Länder zu Kriegszeiten nicht transparent kommunizierten, um der Moral der Bevölkerung und Soldaten nicht weiter zuzusetzen.
Influenzaviren wie jenes, das die echte Grippe auslöst, sorgen immer wieder für mehr oder weniger ausgedehnte Krankheitsausbrüche bei Tieren und Menschen. Die Vogelgrippe (H5N1), die 2005–2006 in Europa kursierte, verbreitet sich vorwiegend von Vogel zu Vogel, was zu umfänglichen Massnahmen wie vorbeugenden Tötungen oder Handelsbeschränkungen führte. Das Risiko, als Mensch von einem Vogel angesteckt zu werden, wird als gering eingestuft, eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht abschliessend erwiesen worden. In den Jahren 2009 und 2010 trat die umgangssprachlich als Schweinegrippe benannte Erkrankung (H1N1v) global auf. Der Erreger entstand vermutlich in Schweinen in Mexiko. Obwohl die Ansteckung von Mensch zu Mensch stattfand, wurden deutlich weniger Todesfälle verzeichnet als bei anderen, saisonalen Influenza-Varianten.
Gelbfieber wird durch ein Virus verursacht und hatte über die Jahrhunderte mehrere Ausbrüche zu verzeichnen. Es wird durch den Stich von Mücken übertragen, als Wirte gelten Primaten und Stechmücken. Gelbfieber kommt nur in bestimmten Gebieten Afrikas und Südamerikas vor. Seit den 1930er Jahren existiert eine sehr wirksame Impfung gegen den Erreger.
Ebola gehört zu den gefährlichsten Zoonosen mit einer Mortalität von 20–90% je nach Erregervariante. 2014 gab es einen erneuten Ausbruch im westafrikanischen Raum, der bis heute nicht vollständig eingedämmt ist. Weitere Informationen zu Ebola findest du im Artikel "Das Ebolavirus".
Auch bei AIDS, das vom HI-Virus ausgelöst wird, handelt es sich um eine Zoonose. Es wird vermutet, dass ein in Affen vorkommendes Virus auf Schimpansen und dann auf den Menschen übersprang, wo es in die AIDS verursachende Variante mutierte. Obwohl es heutzutage gute Medikamente zur Bekämpfung des Virus gibt, ist noch immer keine vollständige Heilung möglich, unter anderem aufgrund der hohen Mutationsrate des Virus. Weitere Informationen zu AIDS findest du im Artikel "Was ist AIDS?"
Viele Zoonosen, die in subtropischen oder tropischen Gebieten vorkommen, wie Denguefieber, Zikafieber und Malaria, werden vor allem über Mücken übertragen. Das erschwert die Eindämmung dieser Infektionskrankheiten erheblich. Besonders über Flugreisen können Mücken, die den Erreger tragen, auch andere Kontinente erreichen und den Erreger weltweit verbreiten.
Die wirksamste Schutzmassnahme gegen diese Erkrankungen ist die Vorbeugung gegen Insektenstiche, zum Beispiel mittels Mosikitonetzen, geeigneter Kleidung oder Insektenschutzmitteln. Zum Teil wird das Einnehmen einer prophylaktischen Medikation während eines Aufenthalts in einem Risikogebiet empfohlen.
In der Schweiz eher relevant sind die Lyme Borreliose, die durch Bakterien hervorgerufen wird, sowie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Viruserkrankung. Diese beiden schwerwiegenden Erkrankungen werden durch Zecken übertragen und sind somit nicht leicht zu verhindern, da Zecken dank ihrer Grösse selbst durch kleinste Lücken in der Kleidung schlüpfen und an unsere Haut gelangen können. Während eine Borreliose im Anfangsstadium relativ einfach mit Antibiotika zu behandeln ist, gibt es gegen die FSME keine Therapie; es besteht allerdings eine Impfung. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt diese Impfung Menschen, die sich in Risikogebieten Zecken aussetzen; zurzeit betrifft das die gesamte Schweiz ausser den Kantonen Tessin und Genf.
Die in der Schweiz am häufigsten gemeldeten Zoonosen sind allerdings Infektionen mit Campylobacter oder Salmonellen. Eine gute Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln und mit Tieren ist auch hierzulande unerlässlich, um solchen Infektionen vorzubeugen.
Ein Mund-Nasen-Schutz, auch einfach „Maske“ genannt, wird als Folge der Coronavirus-Pandemie auch hierzulande immer öfter getragen. Im öffentlichen Verkehr sind Masken ab dem 6. Juli 2020 schweizweit obligatorisch. Woraus bestehen eigentlich die verschiedenen Maskentypen, und wie unterscheiden sie sich?