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Der Blick rechnete im Nachgang zur Abstimmung vom 24.9.2017 über die Altersvorsorge 2020 vor, welcher Betrag den Frauen angeblich entgangen wäre, wenn das ordentliche Rentenalter von derzeit 64 Jahren auf 65 angehoben worden wäre („Die Frauen profitieren auch ohne Rentenreform“).
Der Autor geht von der durchschnittlichen AHV-Rente der Frauen in Höhe von monatlich 1’867 Franken aus, multipliziert diesen Betrag mit 12 und behauptet dann, das Ergebnis sei der Betrag, der den Frauen bei Annahme der Reform entgangen wäre (22’404 Franken).
Was bei dieser Betrachtung vergessen geht, ist die Tatsache, dass bei einer Annahme der Reform die Möglichkeit bestanden hätte, die Rente zum Beispiel mit 64 Jahren um ein Jahr vorzubeziehen und dabei die Kürzung geringer als heute ausgefallen wäre.
Das Bundesamt für Sozialversicherungen hatte eine Broschüre zur Reform der Altersvorsorge 2020 veröffentlicht. Darin war eine Tabelle mit einer Gegenüberstellung der Kürzungssätze bei Vorbezug der AHV-Rente enthalten (Seite 24):
Daraus ist ersichtlich, dass bei einem Vorbezug mit 64 die Rente auf 95.9% gekürzt worden wäre. Zu den 1’867 Franken Monatsrente wären aber noch die berühmt-berüchtigten 70 Franken der Reform dazu gekommen, was eine ungekürzte Rente von 1’937 Franken ergeben hätte. Bei einem Rentenbezug mit 64 wäre diese Rente lebenslang auf 1’857.55 Franken gekürzt worden. Das macht pro Monat Fr. 9.45 (0.5%) weniger. Bei einer Bezugsdauer von 20 Jahren macht das 2’268 Franken.
Auch dieser Betrag ist nicht einfach nichts. Aber er ist rund ein Zehntel dessen, was der Autor des Blick-Artikels als angebliche Einbusse herleitet.
Man hätte übrigens mit der Reform der Altersvorsorge 2020 den Vorbezug der AHV-Rente auf jeden Monatsersten abrufen können. Nach geltendem Recht kann man die AHV-Rente nur um genau ein oder zwei Jahre vorbeziehen. Ein Teilbezug, wie er neu mit der Reform vorgesehen war, ist heute ebenfalls nicht möglich.
Was man auch sagen kann, ist, dass die die 70 Franken Rentenerhöhung nun vom Tisch sind. SVP+FDP+CVP werden nun dafür sorgen, dass bei der nächsten Abstimmung zwar wiederum eine Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65 drin sein wird, aber ohne die 70 Franken. Das macht dann eben bei einer Bezugsdauer von 20 Jahren 16’800 Franken. Dieser Betrag ist nun vom Tisch.
Man rechne, was besser gewesen wäre.
Absurderweise sinkt nun am 1.1.2018 die Mehrwertsteuer von 8% auf 7.7%. Obwohl das Geld dringend für die AHV benötigt worden wäre. Die FDP hat meines Erachtens nun ein tolles Eigengoal geschossen. Das Rentenalter der Frauen bleibt nun bei 64. Gemäss einer Nachbefragung der Tamedia haben 58% der Frauen die Reform abgelehnt – trotz der 70 Franken. Wie die FDP nun die Frauen ohne die 70 Franken Kompensation überzeugen will, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Ich bin gespannt auf das neue Zückerli der FDP. Die Ansicht der diversen FDP-Exponenten, das Rentenalter 65 für Frauen sei unbestritten, teile ich nicht.
Ich wünsche dann viel Spass beim nächsten Versuch. Die FDP ist ja in den letzten 22 Jahren mit Reformen der Altersvorsorge nicht besonders erfolgreich gewesen. Nun hat sie – ausser dem kühnen Abschuss der 70 Franken – immer noch nichts erreicht. Die SP hat im direkten Vergleich wesentlich besser abgeschnitten.
Pensionskassen können übrigens schon heute Rentenalter 65 für Frauen festlegen.