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Seit der Besprechung des Sammelbands „Krisis und Gnade“ durch Ron Kubsch, der Studien aus den Jahren von 1986 bis 2010 vereint, sind einige Jahre ins Land gegangen. Im Gegensatz zu anderen Theologen, über die sich definitiv der Staub der Jahre legt, erlebt Barth gerade in konservativeren Kreisen innerhalb der angelsächsischen Welt Auftrieb.
Der 2017 erschienene Sammelband „Engagig with Barth“ stellt ein neues und nach dem „Endorsement“ von David F. Wells sehr ergiebiges Werk evangelikaler Theologen aus dem englischen Sprachraum dar. Ich habe einige Aussagen zu ihrem Verhältnis zu Barth zusammengetragen.
(aus dem Vorwort von Carl R. Trueman)
- In GB und in den USA gibt es eine Tradition, Barth in einer möglichst evangelikalen und orthodoxen Weise zu lesen.
- Cornelius van Tils Kritik setzte sich in anglo-amerikanischen Kreisen nicht durch.
- Trotz positiver Aufnahme waren und bleiben breite Bedenken zu Barths Theologie (Trueman nennt: einen schlüpfrigen Begriff Historie/Geschichte; eine radikale christologische Rekonstruktion des Konzepts der Offenbarung; Umfang und Komplexität der Kirchlichen Dogmatik, die gegen die Kohärenz und Einheitlichkeit seines Werks spricht; das fehlende Aufhalten der inhaltlichen und zahlenmässigen Erosion innerhalb der protestantischen Kirchen Europas).
- Trueman berichtet von einer Unterhaltung mit einem atheistischen und einem barthianischen Theologen; für den Barthianer spielte im Gegensatz zu den anderen beiden die Historizität der Auferstehung keine Rolle!
- Barth ist dort am hilfreichsten, wo ihm widersprochen werden muss.
- Es gilt der Versuchung zu widerstehen, gegen Barth durchzustarten und ihn zu karikieren.
(aus der Einleitung der beiden Editoren)
- Die Renaissance der internationalen Barth-Forschung bietet sowohl Gelegenheiten, aber auch Herausforderungen.
- Barth spricht die Sprache der reformierten Bekenntnisse; er gedachte die theologische Aufgabe zurück in den Kreis der Glaubenden zurückzubringen; er wandte sich leidenschaftlich gegen die liberale Theologie des 19. Jahrhunderts und wertschätzte die Bibel als göttliche Ansprache an die Menschheit wieder zu; er brachte der christlichen Lehre wieder Aufmerksamkeit entgegen.
- Es gibt viele Studien, welche den Reichtum und die Breite von Barths Werk beleuchten; die kritischen Studien bewegen sich hingegen eher auf dünnem Eis.
- In mancherlei Hinsicht steht Barth auf den Schultern seiner nach-kantianischen Vorgänger. Wo Barth irrt, hat dies gravierende Auswirkungen theologischer und pastoraler Art.
(aus dem resümierenden Aufsatz von Michael Horton)
- Bei allen Differenzen zu Barth bleibt, dass er mit Gott beginnt – einem grossen Gott, unter dessen Beurteilung jedermann steht.
- Der amerikanische Evangelikalismus war sich nie einig darüber, ob man Barth begrüssen oder ihm widerstehen sollte.
- Es gab manche Verallgemeinerungen und Karikaturen.
- Barth hatte zumindest den Anspruch, das Evangelium gegen die modernen Denkkategorien zu schützen. Dazu zählt seine resolute Verteidigung der Gotteslehre, der menschlichen Sündhaftigkeit, der Person und dem Werk von Christus und der monergistischen Aktivität Gottes in Erwählung, Erlösung, Rechtfertigung, Heiligung und Verherrlichung von Sündern.
- Horton hofft auf genügend historische Distanz, um aufmerksam und kritisch dem Denker zuzuhören, ohne ihn zu dämonisieren.
Ich stimme Trueman zu, der für eine gesündere Theologie anstelle von Barth Herman Bavinck empfiehlt.