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1. Simone Munsch, was bringt eine Mutter dazu, ihr Kind anonym wegzugeben?
Viele junge Frauen, die sich in einer solchen Situation befinden, scheinen nicht in der Lage zu sein, Verantwortung zu übernehmen, über die psychische Reife zu verfügen, eine eigene Identität aufzubauen. Oft sind sie nicht einmal in der Lage, sich für einen Abbruch der Schwangerschaft zu entscheiden oder Hilfe zu suchen.
2. In Wimmis, im Berner Oberland, wurde ein toter Säugling auf einer Abfalldeponie gefunden. Braucht es Babyklappen, um solche Dramen zu verhindern?
Für diese Probleme gibt es leider keine kurzfristigen Lösungen. Es bräuchte eine breite Prävention, damit junge Frauen besser lernen, mit emotional schwierigen Situationen umzugehen. Die Gesellschaft muss zudem begreifen, dass moralische Schuldzuweisungen nichts bringen. Im Gegenteil. Wer ein Kind anonym abgibt, möchte vor allem, dass sein Umfeld nichts vom Nachwuchs erfährt — hat Angst vor den Reaktionen. Solange diese Probleme nicht gelöst sind, sind Babyklappen sinnvoll.
3. Was bedeutet es für eine Frau auf lange Sicht, ihr Kind wegzugeben?
Es ist ein traumatisches Erlebnis. Die meisten Frauen sind lebenslang dadurch belastet und können schwere psychische Probleme entwickeln.
4. Wäre es für die Mutter vielleicht besser, wenn sie sich für eine Adoption ent- schiede, bei welcher der Kontakt zum Kind möglich bleibt?
Man weiss heute, dass es für Menschen in traumatischen Situationen hilfreich ist, möglichst genaue Informationen zu haben und zu begreifen, was passiert ist. Das hilft bei der Verarbeitung. Das würde aber voraussetzen, dass Frauen, die eine solch schwere Entscheidung treffen, nicht mehr stigmatisiert, sondern unterstützt werden.
5. Wie ist das für ein Kind, zu erfahren, dass es von der Mutter weggegeben wurde?
Das ist schwierig. Aber die meisten Kinder haben eine faszinierende Fähigkeit, sich trotzdem normal zu entwickeln. Dazu braucht es aber eine stabile familiäre Umgebung. Wichtig wäre sicher, wenn sie die Chance hätten, sich mit ihrer leiblichen Mutter darüber auseinanderzusetzen.
Der Bericht: Der ganze «20 Minuten»-Artikel vom 21. Februar 2012 zum Thema.
Autor: Andrea Fischer