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Moral
Von Julia Reimann, Consultant /
Wir haben uns kürzlich in einem Workshop mit dem Thema Moral auseinandergesetzt. Wie ausführlich haben Sie schon einmal über den Moralbegriff nachgedacht? Gibt es überhaupt eine Definition von Moral oder sollte man eher sagen, ein moralisches Verständnis? Ist dieses angeboren oder erlernt? Entsteht es durch Kultur, Ideologien oder soziale Kontrolle oder ist es bei jedem von uns bereits von Natur aus vorhanden?
Sie kennen in diesem Zusammenhang vielleicht spannende Denkexperimente, wie zum Beispiel das «Geiger»-Experiment von Judith J. Thomson: Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Morgens auf und sind mittels Bluttransfusion mit einem bewusstlosen Menschen verbunden, welcher ein weltberühmter Geiger ist und aufgrund einer tödlichen Krankheit dringend Blut benötigt. Im Verlauf erfahren Sie, dass Sie von seinen Freunden gekidnappt worden sind, da Sie die einzig passende Blutgruppe besitzen und der berühmte Geiger sonst nicht überleben kann. Um ihn zu retten, müssten Sie neun Monate an seinen Blutkreislauf angeschlossen bleiben. Trennen Sie die Verbindung, wird er sterben. Diese Art Gedankenexperiment wird zudem spannend, wenn man den Geiger durch andere Personen ersetzt, z.B. Menschen, die uns sehr wichtig sind, oder jene, die wir weniger gern mögen. Oder wenn die neun Monate durch Jahre ersetzt werden.
Wie würden Sie sich entscheiden und warum? Welche Parameter müssten sich ändern, damit Sie Ihre Entscheidung ändern? Was bedeutet Moral in Ihrem Leben und für Sie als Arbeitnehmer und als Führungskraft? Wie gelingt es Ihnen, im Sinne Ihres moralischen Verständnisses zu agieren und Entscheidungen zu treffen? Woher wissen Sie, dass das, was Sie für moralisch halten, der «richtige Weg» ist? Greift Moral nur bei den «großen Fragen des Lebens» (wie die des Geigers) oder können wir sie auch im Kleinen anwenden?
Wir erleben in unserer Arbeit immer wieder, wie sehr eine klare innere Ausrichtung – analog zu einem Kompass – auf dieser Ebene die notwendige Klarheit auf der Business-Ebene komplementiert – wie jene Menschen gute Entscheidungen treffen können, die sich ihrer Werte bewusst sind und entsprechend handeln. Aus unserer Sicht gehört zu moralischem Handeln beispielsweise, jedem Menschen zu jeder Zeit mit einer wertschätzenden und liebevollen Haltung zu begegnen. Diese ist unabhängig von Leistung, Funktion und Verhalten. Denn jeder Mensch besitzt einen Wert, welcher vollkommen entkoppelt ist von seiner Leistung.
An dieser Stelle möchten wir Ihnen ein Buch von Ferdinand von Schirach empfehlen, welches sich in Essays mit dem Thema Moral beschäftigt: «Die Würde des Menschen ist antastbar».
Wir wünschen Ihnen eine spannende Woche voller Denkimpulse und vieler schöner Erlebnisse. Schicken Sie uns gern Ihre Gedanken zu diesem Thema, wenn Sie mögen!
Ihr Manres-Team
Die Manres AG (Zürich) wurde 1990 gegründet und unterstützt Unternehmen bei Business Transformationen. In Deutschland ist Manres in Hamburg und Köln vertreten. Sämtliche Beraterinnen und Berater verfügen über einen qualifizierten Hochschulabschluss in Human- und/oder Wirtschaftswissenschaften.