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A. ist eine geburtsständ. definierte, sozial und ökonom. heterogene Oberschicht (Feudalgesellschaft, Ständische Gesellschaft, Vasallität). Beim hohen A. (Hochfreie, Edelfreie, nobiles) handelt es sich um eine durch freie Geburt und allodiale Autonomie herausgehobene Elite mit selbstständigen oder vom Kg. abgeleiteten Herrschaftsrechten über Land und Leute (Allod, Lehen). Ständ. klar geschieden vom hohen A. ist der im 13. Jh. entstandene Ritteradel (Niederadel, milites), der auf versch. Wurzeln zurückgeht, überwiegend aber aus der in Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdienst beschäftigten Ministerialität weltl. oder kirchl. Herrschaftsträger hervorgegangen ist.
Vom 6. Jh. an verschmolz der reichsröm. Senatorenadel mit den Führungsgruppen der einwandernden germ. Völker. Die frühen Hzg. der Alemannen waren eher Amtsträger der prädominierenden fränk. Kg. als Stammesherzöge. Die geopolit. Randlage des Raums der heutigen Schweiz hatte indes zur Folge, dass die fränk. Herrschaft auch mit der Einführung der karoling. Grafschaftsverfassung keine tiefgreifende Wirkung ausübte. Infolge der fakt. Schwäche des sich im 10. Jh. konstituierenden Herzogtums Schwaben kam es dann im HochMA überall zur Festigung von Adelsherrschaften, die einen Landesausbau durch Rodung, Burgenbau (Burgen und Schlösser) und innere Herrschaftsverdichtung betrieben. Ein neues, agnat., d.h. die lineare männl. Stammfolge betonendes Geschlechterbewusstsein löste in dieser Zeit einen lockeren, kognat. orientierten Zusammenhalt innerhalb von Clans ab. Quellenmässig fassbar ist im 11. und frühen 12. Jh. weiterhin nur der hohe A., der auf der Basis von grund- und gerichtsherrl. Rechten ein überregionales Beziehungsnetz bildete: die Hunfride, Gerolde, Nellenburger, Lenzburger, Habsburger, Kyburger, Homberger, Frohburger und andere als unterscheidbare Adelsgruppen, von denen sich allerdings der später bekannte Hochadel nicht im Sinne einer kontinuierl. agnat. Nachfolge ableiten lässt.
Während des Investiturstreits erwarb der in unserem Raum päpstl. gesinnte Hochadel grössere Selbstständigkeit gegenüber dem dt. Kg. Die Zähringer erreichten in der Auseinandersetzung mit den Staufern um die Herzogswürde das Rektorat über Hochburgund und beerbten 1173 die Gf. von Lenzburg. Als Erben der Zähringer profitierten nach 1218 v.a. die Gf. von Kyburg, hatten sich aber bis zu ihrem Aussterben 1264 des Einflusses der Gf. von Savoyen und von Habsburg zu erwehren. Im 13. Jh. stellten die Hochfreien und Gf., Letztere urspr. Amtsinhaber als Vertreter königl. Gewalt, einen relativ geschlossenen Kreis dar. Bis in die 2. Hälfte des 13. Jh. war die Adelsstruktur im Gebiet der deutschspr. Schweiz bezügl. Herrschaftsausbau relativ rückständig: Eine verglichen mit anderen Gebieten hohe Zahl von Edelfreien hatte sich halten können, da der Territorialisierungsprozess infolge des Aussterbens der Lenzburger, Zähringer und Kyburger diskontinuierl. verlief. Der Aufstieg zu einem landesfürstl. Geschlecht gelang nur -- und relativ spät -- den Gf. von Habsburg. Nachdem sie bereits zu den Gewinnern im lenzburg. und im zähring. Erbgang gehört hatten, unterstützte die Wahl Rudolfs I. zum dt. Kg. 1273 die habsburg. Hausmachtpolitik noch zusätzlich. Allerdings hat man sich die Entwicklung der habsburg. Vorherrschaft nicht linear vorzustellen. Daneben sind vom 12. Jh. an kleinere edelfreie Geschlechter fassbar wie die Gf. von Rapperswil, Toggenburg, Aarberg, Buchegg und Sax, die Frh. von Brandis, Eschenbach, Vaz und Tarasp.
Bereits um 1200 begann die Zahl der Hochfreien-Geschlechter zurückzugehen, ein Prozess, der sich um 1280 beschleunigte. Gegen 1300 geriet die Gruppe der Hochfreien wirtschaftl. und polit. in eine Krise, was zum sozialen Abstieg nach rascher Liquidation des Besitzes führte. Dies wiederum hatte den Verlust des spezif. ständ. Sozialprestiges (soziales Aussterben), z.T. auch das biolog. Aussterben eines grossen Teils des hochfreien A.s bis zur Mitte des 14. Jh. zur Folge. Die Umgestaltung des A.s im SpätMA ist ein allg. europ. Phänomen. Die Adelskrise -- die nicht mehr allein durch biologist. Argumente (Aussterben im Mannesstamm, Pest, Tod auf dem Schlachtfeld, hohe Zölibatsquote) oder durch vermehrte, nicht kompensierbare Erbteilung nach der Aufgabe der Gesamthand im 13. Jh. erklärt wird -- muss als Teil der strukturellen Krise des Spätmittelalters verstanden werden: Der A. verlor bei stagnierenden Einkünften seine wirtschaftl. Ordnungsfunktion bezügl. der bäuerl. Produktion (Grundherrschaft) und erlitt gleichzeitig eine polit. Entfunktionalisierung durch die sich formierende habsburg. Landesherrschaft, die bereits um 1270 eine konkurrenzlose Stellung erreicht hatte, später durch die sich ausbildende Eidgenossenschaft. Eine Anpassung durch den Eintritt in den landesherrl. Dienst wurde durch die Konkurrenz des Ritteradels und das ständ. Wertesystem (Rittertum) fast verunmöglicht. Einige wenige Ausnahmen für eine gegenläufige Entwicklung innerhalb des hochfreien A.s in Richtung eigenständiger Territorialisierung im 14. und 15. Jh. waren in der deutschspr. Schweiz die Gf. von Toggenburg -- eine der dominierenden Dynastien in der Ostschweiz --, die Frh. von Thierstein und von Falkenstein.
Für den Ritteradel spielte gegen 1400 die Herrschaftsnähe zur habsburg. Landesherrschaft -- mit den Möglichkeiten zur Pfandschafts-, Lehens- und Ämterübernahme -- in zunehmendem Masse eine wichtige Rolle als Mittel des Überlebens oder sogar Aufstiegs (z.B. Ritteradlige von Hallwyl, Werdenberg, Landenberg). Dabei war v.a. der Erwerb von Pfandbesitz wichtig. Der hauptsächl. aus der Spitzenschicht des Ritteradels stammende sog. Landesadel hatte mit der alten Ministerialität die Dienstfunktion, aber nicht mehr die persönl. Bindung gemeinsam. Über die Entwicklung eigenständiger ritteradliger Organisationsformen ausserhalb des habsburg. Kreises ist fast nichts bekannt. Ein breites Mittelfeld, das teilweise auch von der Landesherrschaft abhängig war, unterschied sich kaum noch von der bürgerl. und bäuerl. Oberschicht. Andere Namen verschwinden aus den Quellen.
Im frühen 14. Jh. vermehrten sich die Beziehungen des A.s zur Stadt. Unter den stadtsässigen Rittergeschlechtern grösserer Kommunen setzte um 1300 ein sozialer Differenzierungsprozess ein: Neue Erwerbsmöglichkeiten in den Städten und im Solddienst führten in einzelnen Fällen zur Integration in die neuen kommunalen Führungsgruppen. Bereits nach 1350 ist beim Ritteradel zudem vielfach ein polit. Lavieren zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern zu beobachten. Die einseitige Abhängigkeit von Habsburg führte nach dem Sempacherkrieg zum Niedergang bestimmter Geschlechter: Die allmähl. zurückweichende Ordnungsmacht Habsburg, die nicht in der Lage war, für Ruhe und Schutz zu sorgen, wurde durch einzelne eidg. Stadt- und Länderorte abgelöst. Dieser Vorgang dauerte bis in die 2. Hälfte des 15. Jh. Einzelnen Fam. gelang die Integration in die neuen eidg. Führungsgruppen. Andere wanderten unter dem eidg. Druck in den süddt. Raum ab.
Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen
In burgund. und merowing. Zeit (5.-7. Jh.) wurden die meisten hohen kirchl. Würdenträger, wie z.B. Marius, Bf. von Lausanne, oder Germanus, der Gründer von Moutier-Grandval, als Adlige bezeichnet. Zum A. zählten auch hohe weltl. Amtsinhaber, wie etwa Chramnelenus, der dem pagus Ultrajoranus (dem westl. Teil des schweiz. Mittellandes) vorstand, das Kloster Romainmôtier neu aufbaute und das Kloster Baulmes gründete. Sie entstammten einem A., in welchem die galloröm. und germ. Elemente kaum zu trennen sind, auch wenn Letztere dominiert zu haben scheinen. Unmittelbar aus dem hohen moral. Prestige, das Inhabern wichtigster weltl. oder kirchl. Funktionen zugebilligt wurde, dürfte sich der A. als Geburtsstand abgeleitet haben. Kann zwischen der spätröm. Aristokratie und dem merowing. A. noch eine gewisse Kontinuität nachgewiesen werden, so lässt die dünne Überlieferung aus karoling. Zeit kaum gültige Schlüsse über genealog. Verbindungen zu den führenden Persönlichkeiten (Gf. und andere principes) aus dem Umfeld der Kg. von Hochburgund (888-1032) zu. Ebenso problemat. ist es, ungeachtet des Einfallsreichtums gewisser Historiker, diese Führungsgruppen wiederum mit den herrschenden Fam. des HochMA in Verbindung zu bringen, mit Ausnahme vielleicht mögl. Vorfahren der Gf. von Genf. Die Westschweiz als Machtzentrum des Zweiten Königreichs Burgund erlebte in dieser Zeit keine Entfaltung von Dynastenfam. mit Hegemonialansprüchen. Die Bf. von Lausanne, Sitten und Basel, die von Regalien profitierten, welche ihnen Kg. Rudolf III. von Burgund verliehen hatte, verhinderten vermutlich nachhaltig die Ausbildung einer westschweiz. Dynastie, welche den A. zum eigenen Vorteil gefolgschaftsmässig hätte strukturieren können.
Nach dem Ende des Zweiten Burgund. Königreichs entwickelte der A. eine Dynamik, die auf Kosten der kirchl. Institutionen ging. Deren Überlieferung erlaubt eine mal besser, mal schlechter gesicherte Rekonstruktion der genealog. Zusammenhänge und der territorialen Verankerung des Westschweizer A.s im 11. und 12. Jh. Wie andernorts stützte sich die Adelsmacht auf die Gerichtsherrschaft, die Kontrolle über Kirchen, eine ritterständ. Gefolgschaft sowie den Besitz befestigter Zentren. Neben den Gf. von Neuenburg und Greyerz zählten die de Blonay im Chablais, die de Mont und de Cossonay in der Waadt, die de Corbières im Saanetal, die von Oltigen und die de Glâne im burgund.-alemann. Grenzgebiet, die von Grandson am Fusse des Jura und die von Hasenburg im Fürstbistum Basel zu den Grossen. Vom 13. Jh. an traten diese Geschlechter, meist gegen finanzielles Entgegenkommen, in die Gefolgschaft der grossen, von aussen wirkenden Mächte ein, die sich in entscheidender Weise in der Westschweiz festsetzten: die Fürstbf. von Basel im Norden, die de Chalon und de Montfaucon im Jurabogen, die Savoyer in der Waadt und im Chablais. Wirtschaftl. Gründe vermögen diese Unterordnung der Hochfreien teilweise zu erklären. In derselben Zeit setzten brillante Karrieren niederadliger Ministerialenfam. in der Verwaltung, in militär. oder kirchl. Diensten ein, z.B. der de Billens als Vasallen des Hauses Savoyen. Im 13. und 14. Jh. erweiterte sich der Horizont mancher Angehöriger des westschweiz. A.s: Im Gefolge der Savoyer gelangten zahlreiche Waadtländer (u.a. de Bonvillars, de Champvent, de Mont) an den engl. Hof und begründeten zuweilen gar einen engl. Zweig (von Grandson). Die Gf. von Neuenburg kämpften in Italien im Dienste der Visconti, und mehrere Geschlechter (von Greyerz, von Grandson, von Neuenburg-Nidau) waren in versch. Schlachten des Hundertjährigen Kriegs vertreten, meist auf der Seite der Franzosen. Im 15. Jh. erfuhr der A. der Westschweiz eine grundlegende Umgestaltung: Zahlreiche grosse Fam. (de Cossonay, von Grandson, von Montagny) verschwanden zugunsten von Geschlechtern aus Savoyen (Champion), dem Genevois (de Menthon, Lullin, de Viry) oder dem Aostatal (de Challant). Andere gingen in kognat. Folge über Frauen in oberdt. Adelsfam. auf, so das Haus Neuenburg in den Häusern Freiburg und später Hochberg.
Eine vom 13. Jh. an zunehmende Vielfalt der Quellen erlaubt es, das adlige Selbstverständnis besser zu ergründen. Der erbl. Charakter des Adelsrangs wird von der Zeit um 1200 an auch in der Verbreitung des Begriffs Junker (für den noch nicht zum Ritter geschlagenen Sohn eines Adligen) fassbar. Der Adlige kennzeichnete sich v.a. durch seine Lebensführung (Besitz einer Burg, eines Turms, eines festen Hauses, eines Streitrosses); er unterhielt oft bevorzugte Beziehungen zu einem Kloster, als dessen Stifter er sich gerne darstellte, und er verlangte Steuerprivilegien für sich. In der 1. Hälfte des 13. Jh. erfolgte im Erbrecht der Wechsel von der Gesamthand zur Realteilung, was zu Verzweigungen und Mitherrschaften führte. Gleichzeitig festigte sich ein strukturiertes herald. System (einfarbige Wappenschilder, Beizeichen) mit erbweise weitergegebenen Wappen. Dagegen scheint der westschweiz. A. kein spezif. Erbrecht entwickelt zu haben. Die ältesten Rechtskodifizierungen aus dem 15. Jh. zeigen den A. als in die Ständeversammlung der Waadt (Etats de Vaud) integrierten Stand. Erst aus dieser Zeit stammen auch die ersten kaiserl. oder fürstl. Adelsbriefe. Obwohl Teil des Reichsadels, orientierte sich der A. der Westschweiz in kultureller Hinsicht an Frankreich. Allerdings schweigen die erzählenden und literar. Quellen mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. den Werken des ritterl. Poeten Otto III. von Grandson, zu diesem Thema.
Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / AZ
Die Informationen über den ma. A. in der ital. Schweiz sind dürftig und lückenhaft. Die Quellen sind mit Vorsicht zu interpretieren, da ihre Terminologie dazu verleitet, manche Fam. nicht zum A. zu zählen, deren soziale Merkmale und Machtstellung im SpätMA durchaus an eine höhere Stellung in früheren Zeiten denken lassen. Zahlreiche dieser Fam. scheinen vom FrühMA an im Tessin ansässig gewesen zu sein und eine erwiesene oder mutmassl. langobard. Abstammung zu haben. Aus Mendrisio, urspr. einer langobard. Niederlassung, stammt die für adlig gehaltene Fam. Torriani, von der sich der Zweig der Bosia abspaltete. Die polit. und soziale Bedeutung der Torriani überstieg die anderer ländl. Adelsgeschlechter (z.B. aus Coldrerio, Morbio, Novazzano und Melano) beträchtl., von denen die meisten im 12. und 13. Jh. von der Kommune Como (I) gezwungen wurden, in der Stadt Wohnsitz zu nehmen. Auch andere bedeutende Fam. in der Region Lugano waren den Torriani unterlegen. Wahrsch. langobard. Ursprungs waren auch die Capitanei von Sessa im Malcantone, die einige Exponenten des mailänd. A.s zu den ihren zählten. Zum A. comaskischer Herkunft gehörten einige in der Region Lugano ansässige Geschlechter, in erster Linie die Rusca (mit Zweigen in Bironico, Bedano, Magliaso, Bedigliora, Comano und Tesserete). Einige ihrer Vertreter wurden im 15. Jh. Lehensträger der Hzg. von Mailand und erhielten den Grafentitel von Lugano und der Luganeser Täler. Auch die adligen Fam. Quadrio und Canonica in der Capriasca hatten ihren Ursprung in Como.
Der am besten dokumentierte Adelsverband im Tessin ist derjenige der Capitanei di Locarno mit seiner bekannten Verwandtschaft (Orelli, Magoria, Rastelli, Duni und Muralto/von Muralt). Dieses wahrsch. auch von Langobarden abstammende Geschlecht aus Besozzo (Varese, I) setzte sich um 1000 im wichtigsten Ort am Langensee fest und verzweigte sich später an strateg. günstige Orte entlang der Route zum Lukmanierpass (Sementina, Gnosca, Biasca, Bleniotal). Im 13. Jh. beteiligte sich mit Simone Orelli ein Vertreter des Locarneser Adels aktiv an den Kämpfen zwischen Mailand, Como und dem Reich um die Vorherrschaft im Tessin und half den Visconti von Mailand, die Macht zu erlangen. Im Bleniotal und in der Leventina gehörten die herrschenden Geschlechter wahrsch. dem lokalen Kleinadel an, zumindest scheinen sie ihre Ursprünge in das FrühMA zurückgeführt zu haben. Die weit verzweigte Fam. da Torre im Bleniotal spielte im 12. Jh. eine wichtige Rolle im Kampf zwischen dem Reich und der Mailänder Kirche. In der Leventina und in der Riviera könnten Fam., die den Namen ihrer wichtigsten Residenz (Giornico, Lodrino) angenommen hatten, in kleinerem Rahmen ein vergleichbares polit. Gewicht gehabt haben.
Autorin/Autor: Giuseppe Chiesi / GG
Während die frühe Neuzeit in den meisten Ländern Europas ein Zeitalter der Refeudalisierung war und der A. dort in Politik, Gesellschaft und Kultur eine dominierende Rolle spielte, blieb sein Gewicht in der Schweiz marginal. Gleichwohl verschwand der A. nach 1500 nicht ganz. In den Städteorten ging er allerdings meist im Patriziat auf, aus den Länderorten wanderte er oft aus. Er konnte sich v.a. bei den Zugewandten (Fürstbistum Basel, Fürstabtei St. Gallen, Drei Bünde), weniger auch in einigen Untertanengebieten (Aargau, Thurgau, Waadt) halten. Im Wallis gab es nach 1634 jurist. gesehen keinen A. mehr. Im Fürstentum Neuenburg war der alte A. ausgestorben, doch hatte sich als Ersatz ein oligarch. Beamtenadel nach franz. Muster ausgebildet. Einige schweiz. Adelsfam. erwarben Grundbesitz im angrenzenden Ausland und verlegten dann ihren Schwerpunkt dorthin (z.B. von Beroldingen, von Hallwyl, von Roll zu Bernau, von Wessenberg); innerhalb des Reichs wurden sie vielfach bei der Reichsritterschaft immatrikuliert. Der umgekehrte Fall, dass ausländ. Adelsfam. sich in der Schweiz niederliessen, blieb weit seltener (etwa die aus Norditalien zugewanderten von Thurn-Valsassina). Die Heiratskreise waren eng, daher schloss das Konnubium auch Adelsfam. im angrenzenden Ausland (Schwaben, Elsass, Tirol) mit ein. Grundbesitz gehörte konstitutiv zum A., doch reichte das Einkommen aus den vergleichsweise kleinen Herrschaften selten zur standesgemässen Lebensführung und Versorgung aller Kinder aus. Im Wesentlichen bestanden drei Möglichkeiten zu Zusatzeinkommen: 1) fremde Dienste als Offizier, entsprechend dem adligen Lebensideal, 2) geistl. Pfründen in den Domkapiteln von Basel, Konstanz, Chur und Sitten, vereinzelt auch in Nebenstiften, 3) Ämter in der Zentral- (in den geistl. Fürstentümern) und Lokalverwaltung (z.B. in der Waadt).
Die für die frühe Neuzeit typ. Rangerhöhungen finden sich auch bei schweiz. Adelsfam. Sie beschränkten sich aber auf einfache Adelstitel oder blosse Wappenbriefe, häufig auch auf die Erhebung in den Freiherrenrang, wogegen ein Aufstieg zum landsässigen oder gar Reichsgrafen (z.B. von Salis-Zizers 1694, von Beroldingen 1800) selten war. Solche Standeserhöhungen kamen v.a. vom dt. Ks., aber auch von anderen Monarchen (v.a. franz. Kg., Haus Savoyen, preuss. Kg. für Neuenburg). Der Zudrang zu diesen Statussymbolen hielt sich gleichwohl in Grenzen, da sie in den alten Orten oft den Zugang zu wichtigen Ämtern verschlossen. Überhaupt waren diese fortlebenden Reste des schweiz. A.s im Gegensatz zum Ausland alles andere als privilegiert, weder polit., noch sozial, rechtl. oder fiskal. Die Helvetische Republik nivellierte den A. radikal, und im 19. Jh. teilte er das Schicksal der entmachteten Patrizier und Häupter. Nach einer teilweisen fakt. Wiederherstellung ständ. Vorrechte in der Restaurationszeit hoben zuerst die Verfassungen der Regenerationskantone und schliessl. die Bundesverfassung von 1848 in Art. 4 alle früheren Vorrechte der Geburtsstände auf.
Autorin/Autor: Peter Hersche