Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03374.jsonl.gz/1939

Geschichte
Beginn des Tourismus
Das Hotel Waldrand ist ein authentischer Zeuge des Hotelbaubooms, der um die Jahrhundertwende von 1900 viele alpine Täler erfasste, darunter auch das Kandertal und seine Seitentäler. Noch in den späten 1880er Jahren fand sich im Kiental kein einziges Hotel, aber 1901 wurde auch das diese Gegend vom Hotelbaufieber erfasst. Christian Bettschen aus Kien eröffnete damals mit der «Blüemlisalp» das erste Gästehaus auf der Griesalp und legte damit den Grundstein für die spätere Hotelanlage. Rund 10 Jahre später beginnt die Geschichte des Hotels Waldrand auf der Pochtenalp. Es ist ein Beispiel für den damals sehr populären Chalet- oder Schweizerhaus-Stil, der sich als Alternative zu den Grandhotels verstand.
Die ersten Gäste des Hotels waren vor allem gutbetuchte Reisende, die sich meist auf abenteuerlichen Wegen und mit Reiseberichten im Gepäck in ferne Weltgegenden aufgemacht hatten. In die Schweiz kam man früher vor allem der Alpen wegen, später dann auch zum Kuren und Erholen. Viele Menschen lebten in Städten und arbeiteten im Industrie- und Dienstleistungssektor. Sie verfügten nicht nur über das Bedürfnis, sondern auch über die Zeit und die Mittel für eine Reise in die Alpen.
Der boomende Tourismus versprach den Feriendestinationen Arbeit und Einkommen. Die Werbung wurde professionalisiert, die alpinen Gegenden wurden zur Gegenwelt der Stadt erklärt. Diese Entwicklungen befeuerten den Hotelbau, und das «Fin de Siècle» bescherte den Leuten ein goldenes Zeitalter, das allerdings durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs gestoppt wurde.
Geschichte des Hotels Waldrand-Pochtenalp
1910 kauften die vier Geschwister Lädrach eine Weide im Kiental: die Pochtenweide. Noch im gleichen Jahr reichten sie bei der Gemeinde ein Baugesuch für eine Hotel-Pension im Chaletstil ein. Im Frühsommer 1911 empfing die «Pension Pochtenfall» die ersten Gäste.Unmittelbar nach der Eröffnung gerieten die Lädrachs in finanzielle Nöte, und ruhigere Zeiten brachen erst 1913 an, als Christian Bettschen die Pension übernahm. In wenigen Jahren liess er die «Pension Pochtenfall» zum «Hotel Waldrand» erweitern, wie wir es heute kennen. Nach Christian Bettschens Tod 1921 übernahm seine Witwe Margaritha den Betrieb auf der Pochtenalp, und mit ihrem zweiten Ehemann, Karl Sommer, führte sie diesen fast ein Vierteljahrhundert lang bis 1939.
Ab 1939 ist das Hotel Waldrand im Besitz der Familie Graber – mittlerweile in der dritten Generation. Seit Mai 2016 ist Bruno Sieber Besitzer des Hotels.
Eigenheiten des Gebäudes
Wer heute das Hotel aufmerksam betrachtet, wird einiges entdecken, das nicht einfach zu erklären ist. Wieso wollen die Pfeiler des Balkons nicht so recht mit der Eingangstür übereinstimmen? Weshalb sind die Zimmer so aussergewöhnlich angeordnet?
Es sind diese Eigenheiten, die dem Gebäude seinen ganz besonderen Charme verleihen. Sie sind weniger das Ergebnis bewusster Planung als einer sich über mehrere Etappen erstreckenden Baugeschichte. Stilistisch orientierte sich das Gebäude am Chaletstil, der damals als «heimeligere» und auch preisgünstigere Variante zu den Grandhotels starke Verbreitung fand. Bereits in dieser ersten Bauetappe wurde dem Hauptgebäude ein Säli angegliedert, ansonsten weist das Gebäude viele Gemeinsamkeiten mit einem Wohnhaus auf.
Unter Christian Bettschen wurde das Gebäude in mehreren Etappen erweitert. Das Dach des Saals wurde zu einer Terrasse umgestaltet. Ansonsten blieb die saalseitige Fassade als einzige bis heute unverändert. Sowohl auf der Eingangs- als auch auf der Talseite erhielt das Gebäude eine Laube. Zudem wurde das Gebäude aufgestockt und hangseitig erweitert.
Das grosse Verdienst der Besitzerfamilie Graber ist, dass sie den Charme des Hauses mehr als ein halbes Jahrhundert bewahrt hat. Kleinere Renovationen wurden mit viel Fingerspitzengefühl ausgeführt, die Zimmer blieben bis hin zur Möblierung intakt.
Das Hotel Waldrand als Filmstar
«Ich bin Ihnen im Wege, Sie sind es mir – gut denn, wir werden den Austrag dieser kleinen Differenz an den gehörigen Ort verlegen.» Mit diesen Worten forderte der Jesuit Naphta im Säli des Hotels Waldrand seinen intellektuellen Gegenspieler Settembrini zum Duell – glücklicherweise nur für die Kamera. Das Hotel Waldrand diente im Winter 1981 als Drehort für die Verfilmung des Romans «Der Zauberberg» von Thomas Mann. 1982 kam die deutsch-französisch-italienische Co-Produktion in die Kinos und als längere, dreiteilige Fassung auch ins Fernsehen.
«Historisches Hotel des Jahres 2016»
Zum 20. Mal hat die Arbeitsgruppe ICOMOS Historische Hotels und Restaurants den Preis für das «Historische Hotel des Jahres» verliehen. Die Preisverleihung fand statt im August 2015 im Hotel Waldhaus, Sils Maria/GR. Der Spezialpreis wurde an das Hotel Waldrand-Pochtenalp im Kiental verliehen.
Mehr dazu erfahren Sie hier.