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Alles scheint momentan ein wenig absurd. Wie immer aber hilft uns ein Blick in die Vergangenheit, unsere jetzige Situation etwas einzuordnen. Und jap, die Weltgeschichte hat wesentlich Skurrileres als eine globale Quarantäne zu bieten.
Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Schön. Stell dir vor, der Krieg ist vorbei und keiner sagt's dir. Weniger schön. Während Ersteres wohl in der Geschichte der Menschheit niemals Realität werden dürfte, ist Letzteres bereits passiert.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der japanische Soldat Hiroo Onoda damit beauftragt, feindliche Hafeneinrichtungen und Landebahnen zu sabotieren. Der auf Guerillakriegsführung spezialisierte Onoda nahm sich dies zu Herzen und versteckte sich im Dschungel.
Jegliche Nachrichten des Kriegsendes hielt er für gegnerische Propaganda. Sein Befehl lautete, bis auf Weiteres die Stellung zu halten und zu kämpfen. Das Kriegsende akzeptierte er schliesslich erst, als sein damaliger Kommandant die Reise in den Dschungel antrat, um ihm das Ende seines Einsatzes persönlich zu bestätigen.
Seine Loyalität hatte denn auch unschöne Auswirkungen: Onoda tötete nach Kriegsende noch 30 Inselbewohner, die er fälschlicherweise für Kriegsgegner gehalten hatte.
Die Flagge der USA veränderte sich im Laufe der Zeit immer wieder. Dies hat vor allem damit zu tun, dass in der Geschichte der jungen Nation kontinuierlich neue Staaten gegründet wurden, welche durch die Sterne repräsentiert werden.
Die heutige, normierte Version der US-amerikanischen Nationalflagge wurde von Robert G. Heft gestaltet. Zum Zeitpunkt des Designs war Heft gerade mal 17 Jahre alt und konzipierte dieses im Rahmen eines Schulprojekts.
Da Heft die Anerkennung der zukünftigen Bundesstaaten Alaska und Hawaii antizipierte, gestaltete er die Flagge bereits mit 50 Sternen, obwohl die USA zu der Zeit de facto aus lediglich 48 Staaten bestand. Aufgrund dieses vermeintlichen Fehlers erhielt er von seinem Lehrer Stanley Pratt die Note B-.
Als im Zuge der Erweiterung der USA um zwei Staaten dann Flaggen-Designs aus dem ganzen Land ans Weisse Haus geschickt wurden und Hefts Interpretation aus zirka 1'500 Vorschlägen zum Gewinner gekürt wurde, änderte Pratt die Note seines Schülers rückwirkend zu einem A.
Ob Papst Gregor IX. ein Hundefreund war, ist nicht überliefert. Klar ist hingegen, dass er kein Katzenliebhaber war.
Papst Gregor IX. brachte Katzen nämlich mit Teufelsanbetung in Verbindung, weshalb er sie grossflächig ausrotten liess – gut und gerne auch mal mittels zeremoniellen Katzenverbrennungen bei Festen. Im päpstlichen Schreiben «Vox in Rama» von 1233 wurden schwarze Katzen als «satanisch» bezeichnet.
Andere Geistliche vermuteten, dass der Atem der Katze die Pest verbreitet, was im Rückblick natürlich falscher nicht sein könnte. Denn durch die Katzenausrottung im grossen Stil florierte die Rattenpopulation sondergleichen, was die Pestausbreitung im Umkehrschluss begünstigte. Dies ist natürlich wissenschaftlich schwer zu untermauern, der Schluss jedoch liegt nahe.
(... oder zumindest deren PR-Beauftragte.) Heutzutage gilt es als bewiesen, dass in der Sowjetunion Bilder mit in Ungnade gefallenen Weggenossen regelmässig retuschiert wurden. Generell waren visuelle Manipulationen im 19. und 20. Jahrhundert weiter verbreitet, als man vermuten würde. Insbesondere auch im Dritten Reich.
In Anbetracht des Umstands, dass wohl kaum einer der Beteiligten über Photoshop verfügte, sind die Retuschen ziemlich beeindruckend.
Gemäss den Daten des International Cement Review hat China zwischen 2011 und 2013 rund 6,6 Gigatonnen Zement verbaut. Da Gigatonnen für den Normalbürger eine relativ schwer einzuordnende Masseinheit ist, soll hier ein Vergleich mit einer anderen globalen Supermacht etwas Licht ins Dunkle bringen.
Das Land des grossen Traums hat gemäss derselben Daten gerade mal 4,5 Gigatonnen verbaut – und zwar zwischen 1901 und 2000. Obwohl die Aussagekraft des Vergleichs sicherlich angezweifelt werden kann, so ist die Vorstellung dennoch beinahe lächerlich, dass China in drei Jahren beinahe anderthalbmal so viel Zement verbaut hat als die Industriemacht USA im 20. Jahrhundert ...
Im England des 19. Jahrhunderts waren die Mundhygienestandards vielerorts desaströs. Die Zahnarztskunst war denn auch noch nicht so weit fortgeschritten, als dass sie Löcher und Entzündungen effizient hätte behandeln könne. Zahnschmerzen hiess beinahe unweigerlich auch Zahnentfernung. Da sich auch die Anästhesie noch eher in den Kinderschuhen befand, war dies eigentlich immer schmerzhaft.
Aus diesen Gründen waren komplette Zahnextraktionen ein sehr verbreitetes und durchaus geschätztes Hochzeitsgeschenk, insbesondere als Geschenk für die werdende Braut. Alle Zähne raus, Zahnprothesen rein. So wurde der Schmerz und das Unbehagen auf einen Zahnarzttermin gebündelt, der Rest des Lebens war dann dafür sorgenfrei, immerhin was die Zähne betraf.
Je nach Zeit und Ort des Eingriffs waren die Zahnprothesen an sich jedoch selbst ... naja ... eher gruselig. Sie wurden, insbesondere in England, nicht selten mit Zähnen von gefallenen Soldaten hergestellt. Gemäss einem BBC-Artikel waren diese Zahnprothesen durchaus beliebt, da sie als bequemer und ästhetisch ansprechender galten als Elfenbein- oder Porzellan-Imitate.
Im 16. und 17. Jahrhundert war der Verzehr von Leichenteilen in Europa besonders bei Adligen, Geistlichen und Wissenschaftlern sehr beliebt. Dies, obwohl der im frisch entdeckten amerikanischen Doppelkontinent angeblich beobachtete Kannibalismus als Akt der Unzivilisiertheit wahrgenommen wurde. Zu diesem Schluss kam das renommierte Wissenschaftsmagazin Smithsonian.
Der noble Kannibalismus war denn auch rein medizinischer Art. Knochen, Gewebe, Blut und Muskeln sollten Beschwerden von Kopfschmerzen bis hin zu Epilepsie lindern. Dafür wurden unter anderem Pharaonengräber oder irische Grabstätten geplündert, weshalb der Kannibalismus für Grabräuber zu einem ertragreichen Geschäft wurde.
Den ausführlichen, wirklich sehr lesenswerten Artikel dazu findest du hier (auf Englisch).
Gut, womöglich ist dies ein wenig überspitzt formuliert, faktisch aber dennoch nicht von der Hand zu weisen. Denn im Jahr 1866 zog eine 80-Mann-starke Truppe aus dem Ländle in den zwischen Österreich und Preussen lodernden Deutschen Krieg.
Die Soldaten aus dem Fürstentum sollten die österreichische Grenze zu Italien verteidigen und standen den feindlichen Truppen schliesslich in Bormio gegenüber. Es kam wider Erwarten nicht zum Gefecht, die 80 Männer wurden anschliessend zurückbeordert und kehrten nach sechs Wochen Kriegseinsatz zurück. Mit 81 Mann.
Beim 81. Mann handelte es sich um einen österreichischen Offizier, der Gefallen an der Ländle-Truppe fand und sich ihnen anschloss. Mit mehr Soldaten zurückkehren als in einen Krieg ausrücken – das ist ganz hohe Kriegskunst ...
Und da man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, hat der Fürst das Liechtensteiner Militär im Anschluss auf diesen Einsatz am 12. Februar 1868 offiziell aufgelöst.
Ein prägender Begriff in der Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts war die weibliche Hysterie. Schnell wurde sie zur praktischen Diagnose für jegliche weibliche Beschwerden, wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit.
Seit Hippokrates sah die Behandlung der Hysterie denn auch immer gleich aus: Es muss eine hysterische Krise herbeigeführt werden – wobei ein gängigerer Begriff dafür weiblicher Orgasmus sein dürfte. Die Ehemänner unterstützten natürlich die Heilung der Hysterie. Befriedigt wurde die Frau in ihren Augen ohnehin nur durch Penetration.
Die klitorale Massage bis zum entladenden Höhepunkt sollte die Beschwerden vorübergehend lindern. Wenig überraschend zeigten im Laufe der Zeit immer mehr Frauen regelmässig hysterische Symptome. Die Ärzte kamen mit dem Stimulieren kaum mehr nach.
Zum Glück entwickelte Joseph Mortimer Granville 1883 einen elektrischen Apparat, der eigentlich für die Massage von verspannten Muskeln gedacht war. Der befriedigenden Ärztegilde war dies piepegal. Sie rissen sich um «Granvilles Hammer» (wie das Gerät anfänglich hiess), um ihre Arbeit effizienter zu gestalten.
Und der Vibrator ward geboren.
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