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Kanarienvögel brauchen unterschiedlich dicke, federnde Sitzstangen. Sonst bekommen sie Probleme mit den Füssen.
Die schlaue Behandlung
Die Besitzerin eines Kanarienvogels weiss nicht mehr weiter. Wie soll sie den gelben Piepmatz verarzten? Dann hat sie eine raffinierte Idee.
Der Kanarienvogel hatte ein Problem mit seinem linken Fuss. Nervös hüpfte er in seinem kleinen Transportkäfig von Stange zu Stange und belastete dabei nur seinen rechten Fuss.
Er liess immer wieder ein nervöses «Qui» hören. Die Besitzerin erzählte, dass der andere Vogel in Ordnung sei. Ich versuchte, den kleinen Kerl einzufangen. Doch er flatterte im gesamten Käfig herum, sobald ich die Hand hineinstreckte. Zum Glück war es kein Wellensittich, so musste ich keine Angst haben, dass er zubeissen würde. Seine Fussballen waren chronisch entzündet. Am schlimmeren Fuss war die Wunde offen und verschorft, am besseren Fuss sah man bereits eine beginnende Schwellung. Ich versuchte, dem kleinen Kerl noch die Krallen zu schneiden, als er mir entwischte und herumflog. Sofort löschten wir das Licht. Ich war froh, dass es ein trüber, dunkler Tag war. Durch die Lichtziegel kam nur ein Dämmerlicht in den Behandlungsraum. Der Kanarienvogel setzte sich auf den Schrank. Langsam näherte ich mich mit dem Fangnetz. Nach dem dritten Versuch hatte ich ihn endlich im Netz.
«Ich lasse meine Vögel viel fliegen, sie sind fit!», meinte die Besitzerin. Der Kleine erhielt eine Salbe auf seinen Fuss. Dann erklärte ich der Frau das Problem. Seine Füsse vertrugen die ewig gleichen Sitzstangen nicht. Sie musste alle Stangen durch unterschiedlich dicke, federnde Holzstückchen ersetzen. «Ihr Vogel hat sich durch die immer gleiche Belastung eine nur schwer zu heilende Entzündung geholt. Selbst wenn sie verheilt, wird er immer wieder dicke Füsse haben», meinte ich zu der mässigen Prognose. «Auch müssen Sie ihm täglich die Füsse irgendwie desinfizieren und salben.» Die Besitzerin schien verzweifelt. «Wenn Sie bereits beim Fangen aus dem Transportkäfig solche Mühe hatten, wie soll ich ihn dann einfangen – und das täglich?»
Bei der Nachkontrolle zeigte sie mir stolz Fotos auf ihrem Handy. In der Wohnstube neben dem Fenster war sein Lieblingsplatz. Bei jedem Freiflug ersetzte sie während einer Flugrunde schnell sein Sitzhölzchen mit einem mit Lappen umwickelten und in Desinfektionslösung getauchten Stängelchen. Dann, nach der zweiten Flugrunde, wurde das Stängelchen durch ein eingesalbtes ersetzt. Nach der dritten Flugrunde schliesslich durch ein mit einem Baumwolllappen umwickeltes, um Fettspuren in der Wohnung zu vermeiden. Da der kleine Kerl jetzt beide Füsse gut belastete, verzichtete ich darauf, ihn wieder aus dem Käfig zu nehmen.
(Coopzeitung Nr. 11/2014)
Sprechstunde: Fragen Sie Chantal Ritter
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