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Richtlinien für das Aikido-Üben
- Fülle dich vor der Bewegung mit Ki und dehne dieses Ki durch die ganze Bewegung hindurch aus – bis nach dem Moment, in dem der Uke geworfen wurde oder festgehalten wird. Je mehr Ki während der Technik von beiden Seiten (Tori und Uke) kommt, desto besser und vollständiger wird die Technik. Gemäss O-Sensei wird die Technik durch Ki gebildet.
- Ein grundlegendes aber in Vergessenheit geratenes Prinzip des Übens ist, dass jede Technik vier Mal ohne Unterbruch wiederholt wird, ohne Schritt zurück und ohne die ki-Verbindung zwischen beiden Partnern abreissen zu lassen. Ein wichtiges Ergebnis dieser Art des Übens ist das Entstehen eines Rhythmus’ während den vier Wiederholungen. Es ist ebenfalls entscheidend, dass beide Partner ihre Bewegung vollenden können. Sie sollen nicht gestoppt oder behindert werden, auch dann nicht wenn die Bewegung nicht korrekt ist, oder eine Öffnung (suki) vorhanden ist.
- Sei dir während der Bewegung des Körpers des Partners in gleichen Massen vom Scheitel bis zur Sohle bewusst. Achte darauf, dass du dich nicht nur auf die Hand oder Faust konzentrierst, die angreift oder verteidigt.
- Versuche deine Aufmerksamkeit und das Bewusstsein in dein Hara zu verschieben, so als wenn deine Augen im Hara wären.
- Im Aikido geht es darum, die Illusion der Trennung, die aus dem Gefühl von Begrenztheit und Verletzlichkeit unseres körperlichen Seins herrührt, zu überwinden. Wettkampf und Vergleichen verstärken das Gefühl der Trennung. Aikido ist Verbindung (musubu, tama-no-o, aiki).
- Wir müssen uns der speziellen Konzentration, die jede der drei Phasen einer Technik fordert, bewusst sein: der Beginn, der Mittelteil und der Schluss. Im Allgemeinen entsprechen diese Phasen dem Dreieck, dem Kreis und dem Quadrat.
- Aikido-Techniken sind so ausgestaltet, dass sie nicht verletzen. Atemi sind nicht dafür gedacht, den Partner zu schlagen, wir sollten deshalb keine Angst haben die Techniken mit unser vollen Energie ausführen. Gemäss Hikitsuchi-Sensei wird man in der reinsten Form des Aikido niemals berührt, daher sollten die Übungen kein Kraft- und Stärkevergleich werden. Es gibt kein Gewinnen im Aikido. Der japanische Satz, den O-Sensei in diesem Zusammenhang gebrauchte heisst: Masakatsu (wahrer Sieg) Agatsu (ist Siegen über sich selbst) Katsu-Hayaibi (dies führt dazu, dass wir in einen Zustand ohne Zeit und Raum eintreten können).
- Wir müssen uns erinnern, dass Ai im Wort Aikido Liebe bedeutet; dass Aikido die bedingungslose Liebe, die im ganzen Universum existiert, zum Vorschein bringt und uns in den
Geisteszustand versetzt, den O-Sensei „Das liebevolle Beschützen von allem, was existiert“ (Ban-yu-ai-go) nannte. Dazu gehört das Wissen, dass die Menschheit eine grosse Familie in der noch grösseren Familie der reinen Prinzipien und der Liebe ist, die das Universum sind.
- Wir müssen uns ständig daran erinnern, dass gemäss O-Sensei der Erfolg der Aikido-Technik vom Prinzip saki-no-saki-no-saki herrührt. Auch in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg rief der Tori die Angriffsbewegung des Uke hervor. Er hat nicht abgewartet und auf den Angriff reagiert. Schon vor dem Krieg hat O-Sensei Aikido als Budo der Einheit definiert…
- Aikido ist 50% bun und 50% bu.
- Wir müssen uns stets den Wellenbewegungen in allen Techniken bewusst sein.
Peter Shapiro-Sensei / Mai 2010