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Nach einer ersten Meinungsumfrage zur beruflichen Erstausbildung im 2017 stellte das Cedefop in der zweiten Umfrage die berufliche und allgemeine Weiterbildung ins Zentrum. Befragt wurden Personen über 25 Jahren in der EU, Island und Norwegen. Die Schweiz war in der Umfrage nicht einbezogen.
Die Umfrage vermittelt den Eindruck, dass Weiterbildung für die erwachsene Bevölkerung einen hohen Stellenwert besitzt. Über alle Länder hinweg sagten 88% der befragten Erwerbstätigen, ihre berufliche Tätigkeit würde es erfordern, dass sie ihre Kompetenzen stets auf dem aktuellen Stand halten. Dabei war ungefähr jeder Vierte der Ansicht, ihm würden fachliche oder allgemeine Kompetenzen für die Ausführung seiner Tätigkeit fehlen. Rund die Hälfte der Befragten war überdies der Ansicht, Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung würden zum Abbau von Arbeitslosigkeit beitragen. In Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit – wie Italien oder Griechenland – fand diese Sicht allerdings geringere Zustimmung.
Die Mehrheit der Befragten (60%) beurteilten auch die Qualität der Weiterbildung in ihrem Land als gut, fast ein Viertel (24%) als schlecht. Positiv eingeschätzt wird hingegen in den meisten Ländern die Verfügbarkeit von Informationen zu Weiterbildungsangeboten.
Während also 96% der Befragten Weiterbildung für wichtig halten und die Mehrheit von ihnen ein positives Bild der Weiterbildung in ihrem Land zeichnet, liegen die Beteiligungsquoten an Weiterbildung bekanntlich deutlich tiefer. Den Hauptgrund für die Nicht-Teilnahme findet die Cedefop-Umfrage im fehlenden Bedarf: In 22 von 30 erfassten Ländern ist «kein Bedarf» der Hauptgrund für den Verzicht auf Weiterbildung. Hier sehen die Cedefop-Forscher Handlungsbedarf:
„Während Massnahmen zur Förderung der Teilnahme an Erwachsenenbildung und beruflicher Weiterbildung unterstützt werden, gibt es keine Massnahme, die konkret auf den für die Nichtteilnahme genannten Hauptgrund, nämlich ‘kein Bedarf’, ausgerichtet ist. Und dies, obwohl fast neun von zehn Umfrageteilnehmern, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, sagten, es sei für ihre Tätigkeit erforderlich, dass sie ihre Kompetenzen auf dem neuesten Stand hielten, und rund ein Viertel angab, es fehlten ihnen bestimmte fachliche oder allgemeine Kompetenzen, um ihre Aufgaben anforderungsgemäss erfüllen zu können.» (Cedefop Kurzbericht, S. 4)
Weiter hält das Cedefop fest, dass die Corona-Pandemie die Bedeutung der Berufs- und Weiterbildung für die wirtschaftliche Entwicklung deutlich gemacht habe. Hätten bereits vor der Krise 45% der Erwachsenen über geringe oder veraltete Qualifikationen verfügt, so würde es mit der Pandemie noch dringlicher, die Teilnahmequoten zu erhöhen. Die Studie schliesst mit Empfehlungen und Anregungen für die Entwicklung der Weiterbildungssysteme. Dabei bilde das positive Bild, das die Befragten von der Weiterbildung zeigen, politischen Entscheidungsträgern «eine solide Basis, um den Ausbau der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung voranzutreiben und sie als Standard-Bildungsweg zu etablieren, der allen Erwachsenen offensteht.“ (Cedefop, Kurzbericht S. 5)
Cedefop (2021): Europäer halten viel von Erwachsenenbildung und beruflicher Weiterbildung