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Lungernsee
(Kt. Obwalden). 657 m. Kleiner See, 2 km lang und im Maximum 1 km breit; im Thal von Lungern zwischen dem Kaiserstuhl und dem Dorf Lungern, am O.-Ufer von der Brünigstrasse und -bahn begleitet. 85 ha gross und im Maximum 33 m tief. War früher doppelt so lang und zog sich bis zur Beatenkapelle in Obsee, welcher Ort also damals an seinem Ufer stand. Die alte Uferterrasse kann heute noch rings um den See verfolgt werden; sie setzt blos an zwei Stellen aus, wo der ehemalige unterseeische Abfall aus nacktem Fels besteht und dazu noch mit Gletscherschliffen bedeckt ist. Der Abfluss des Sees, das Aawasser, geht in einem 1836 vollendeten 340 m langen Stollen durch die Felsenbarre des Kaiserstuhles. Der Bau dieses Stollens hat den Seespiegel seiner Zeit um etwa 35 m gesenkt und dadurch eine Fläche Landes von 170 ha, den heute sogenannten Seeboden, trocken gelegt. Es ist dies der obere Abschnitt des ehemaligen Sees, dessen durch die Geschiebe des Lauibaches, Dundelbaches und Eibaches eingeebnete Sohle ¶
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einst etwa 30 m tief unter dem Wasserspiegel lag. Heute ist dieser Boden vollständig dem Anbau zurückerobert und trägt zahlreiche einzelne Häuser und Häusergruppen. Der Bau des eben genannten Stollens war schon 1790-1799 unter der Leitung von K. Deggeler aus Schaffhausen in Angriff genommen, dann aber aus Mangel an den nötigen Geldmitteln wieder eingestellt worden, bis ihn 1832 eine namentlich auf Anregung von Melchior von Deschwanden in Stans ins Leben gerufene Aktiengesellschaft von neuem in Angriff nahm, und unter der Leitung von Ingenieur Sulzberger aus Frauenfeld energisch fördern liess. Am wurde der Stollen durch eine Mine geöffnet.
Verschiedene Gesellschaften gehen mit dem Gedanken um, die Wasserkraft des fischreichen Sees der Industrie nutzbar zu machen.
Das Gefälle würde bis zum Sarnersee etwa 190 m betragen, wodurch sich eine für mehrere Stunden im Tag ausreichende Kraft
von etwa 1000 PS gewinnen liesse. Das Felsbecken des
Lungernsees liegt gänzlich in Neocom. Nach S. ist
stellenweise auch noch der jurassische Sockel des Brünigpasses entblösst, doch ist das Seeufer auf dieser Seite mit mächtigen
Ablagerungen aus der Glazialzeit und Schuttmassen von Wildbächen umrahmt.
Die Entstehung des Sees ist schwierig zu erklären. Sein Becken ist offenbar ein aufgestautes oder abgedämmtes Stück des ehemaligen Laufes des Aawassers. Man könnte daran denken, dass diese Abdämmung durch die Verstopfung eines einstigen unterirdischen Abflusskanales zwischen Kaiserstuhl und Unteraa erfolgt sei, welchen Kanal dann der Stollen von 1836 wieder teilweise geöffnet hätte. Es ist jedoch eher anzunehmen, dass der See durch einen Bergsturz aufgestaut worden ist.
Man kann heute noch eine beträchtliche Schuttmasse dieser Art, die von den Felsen von Auf der Flüh niedergebrochen ist, am
Seeufer ö. vom Dorf Kaiserstuhl und auf der Felsbarre des Kaiserstuhles selbst beobachten. Tiefer unten hatte einst ein Schuttkegel
des Giswiler Lauibaches einen zweiten See, den sog. Giswilersee, aufgedämmt, der 1761 durch eine durch
die Schwelle von Rudenz gegrabene Oeffnung trocken gelegt worden ist. Vergl. Keller, Ferd. Die Tieferlegung des
Lungernsees.
Zürich
1836.