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Russische
[* 2]
Kunst. Bis vor kurzem galt es als ausgemacht, daß die slawische und vor allem die
Russische Kunst nur
eine Fortentwicklung oder gar eine willkürliche Verstümmelung der
Byzantinischen Kunst (s. d.) sei; doch kann es nach neuern
Forschungen keinem Zweifel mehr unterliegen, daß in den russ.
Kunstformen nicht bloß byzant.
Elemente, sondern auch aus dem klassischen
Altertum überlieferte griechische sowie asiatische, indische, turanische und iranische
(persische), besonders letztere, zu unterscheiden seien. Die Originalität der russ.
Kunstformen besteht in der Verschmelzung aller dieser Elemente. (Hierzu die
Tafeln:
Russische Kunst
I-III. - Taf. I:
Bildnerei.
Taf. II:
Baukunst.
[* 3] Taf. III: Malerei.)
Der erste Zeitraum umfaßt die Anfänge der
Russische Kunst durch
Aufnahme aller der erwähnten
Kunstelemente und durch ihre Verschmelzung.
In diesen Zeitraum fallen sowohl die ältesten, noch ganz barbarischen
Kunstprodukte der Scythen und
Sarmaten, als auch alle diejenigen
Denkmäler slaw. und russ.
Kunstthätigkeit, welche bis zum 11. Jahrh.
unter dem Einfluß der erwähnten fremden
Kunstelemente stehen. Diesen Zeitraum könnte man den kurhanischen nennen, weil
die
Kunstprodukte desselben fast ausschließlich aus Kurhanen, d. h. Gräbern,
stammen.
Die monumentalen Überreste dieses ältesten Zeitraums slaw.
Kunst bedecken den
Süden
Rußlands ziemlich dicht,
im SO. vom
Kaukasus beginnend, im NW.
bis in die Gegenden von
Tschernigow und Kiew
[* 4] reichend. Man hat bei den reichen Funden, welche die
Ausgrabungen dieser Grabstätten besonders in den letzten Jahrzehnten zu
Tage gefördert haben, hauptsächlich
zwei große
Klassen von
Kunstprodukten zu unterscheiden: solche, die von einer hohen Kultur zeugen und meist griech.
Ursprungs sind, und solche, die sich als das Werk einer niedern, vielfach noch barbarischen Kulturstufe darstellen.
Die letztern sind wohl durchgängig als selbständige
Kunstprodukte der Scythen, Sarmaten oder
Slawen
anzusehen, während die erstern zur griech.
Archäologie gehören, aber dadurch von besonderm Interesse sind, daß sie vielfach
das Leben, die
Sitten, die Kleidung und
Industrie jener barbarischen
Völker zum Gegenstand haben. In letzterer
Beziehung sind
die bosporischen
Altertümer, die in der Umgegend von
Kertsch schon seit 1835 gefunden wurden, ganz besonders
lehrreich. So ist z. B. auf der Halbinsel
Taman in dem größern der beiden Kurhanen, die als
«Zwillinge» bezeichnet werden, 1869 ein
prächtiger goldener Frauenkopfschmuck, eine Art Diadem, im schönen griech.
Stil aus dem 4. Jahrh.
v. Chr. ausgegraben worden,
auf dessen dünnen Platten
[* 1]
Figuren befestigt sind, die den Kampf scyth.
Barbaren mit Greifen darstellen. Ein anderer großer und reicher Kurhan, der Czertomlitzkische bei Nikopol, am rechten
Ufer des untern
Dnjepr, der einen ganzen Gräberkomplex umfaßt und auch einem barbarischen Fürsten gewidmet war, enthält
unter vielen barbarischen Werken auch Gegenstände von feinster griech.
Arbeit. Sie bieten eine Fülle von Material, das
direkt sowohl über die Lebensart als die Geschmacksrichtung und die
Kunstthätigkeit der alten
Slawen aufklärt.
Den prächtigsten Fund dieses Grabes und bis heute mit den schönsten Schmuck des so überaus reichen Museums der Eremitage in Petersburg [* 5] bildet eine silberne Vase in Form einer Amphora, [* 6] die wahrscheinlich als Kumysbehälter benutzt war. Ihre Ornamente [* 7] bilden eine Apotheose des Pferdes und schildern in charakteristischen Darstellungen das Verhältnis der alten Slawen zu diesem Tiere. In den Gräbern finden sich auch viele andere Gegenstände, so Schwerter [* 8] mit verzierten Griffen, Messer, [* 9] Pferdegeschirre u. s. w. Auch hier sind neben griech. Formen orientalische, besonders pers. Motive sichtbar, die von direktem asiat. Einfluß zeugen.
Den schlagendsten
Beweis dieses Einflusses sowie überhaupt eine
Ausbeute barbarischer
Kunstprodukte boten die
Ausgrabungen
des Alexandropolschen Kurhans im Jekaterinoslawschen
Kreise,
[* 10] 60-70 Werst vom
Dnjepr entfernt, dann des Heremesowschen Kurhans, 50 Werst
südöstlich vom vorhergehenden, des Krasnokutschen, zwischen Jekaterinoslaw und Nikopol, ebenfalls im
Thale des
Dnjepr, und
schließlich des Zimbalowschen im Melitopolschen
Kreise des
Taurischen Gouvernements, in der Nähe des Asowschen
Meers.
Die meisten Gegenstände dieser Fürstengräber sind rohe barbarische Arbeiten, aber in den Ornamenten dieser Gegenstände findet man neben den persisch stilisierten Greifen, neben dem Lebensbaum und der Lotosblume eine absonderliche Verwertung der Pferdeköpfe mit langgedehnten, schlangenartig ineinander gewundenen Leibern, Menschenkörper mit Kleidern und Beinen, die in gewundene Schlangen- und andere Tierornamente auslaufen und sich als Anfänge origineller Kunstformen darstellen. Welchen Völkerstämmen auch die ¶
mehr
Verfertiger aller dieser Gegenstände angehörten, so viel ist sicher, daß der alte Slawe und speciell Russe sich ihre Geschmacksrichtung
aneignete und daß in jenen Gegenständen schon alle die erwähnten Elemente der spätern
Russische Kunst enthalten
sind.
Zweiter Zeitraum. Mit den ersten Anfängen des russ. Staatswesens in der zweiten Hälfte des 9. Jahrh.
und ganz besonders mit der Annahme des Christentums durch die Großfürstin Olga 955 und ihren Sohn Wladimir 988 tritt die in
Russische Kunst
ein neues Stadium; sie schafft eine Reihe großartiger Bauwerke, besonders Kirchen, die wohl neue und zwar byzant. Elemente
an den Tag legen, aber in der Ausbildung dieser Elemente und insbesondere in ihrem ornamentalen Schmuck
die natürliche Fortentwicklung der vorhergehenden Kunstäußerungen bilden.
Das älteste, zum Teil erhaltene Denkmal dieses Zeitraums ist die 1037 vom Großfürsten Jaroslaw in Kiew zum Andenken an seinen Sieg über die Petschenegen errichtete Sophienkathedrale. Sie soll durch byzant. Meister nach dem Muster der Sophienkirche in Konstantinopel [* 12] erbaut worden sein. Aus ältester Zeit stammen jedoch nur ihre mit Mosaikbildern und Fresken bedeckten Altarwände, aus neun Apsiden bestehend. Welcher Art die ursprüngliche Anlage dieses Baues war, und besonders welchen Charakter die Kuppel oder die Kuppeln hatten, ist heute nicht mehr zu ermitteln.
Der gegenwärtige Bau stammt meist aus dem 17. Jahrh. und trägt den ausgebildeten russ. Stil dieser Zeit an sich. Den bedeutendsten Kunstschmuck dieser Kirche bildet das kolossale Mosaikbild der segnenden Mutter Gottes. Sowohl der reiche Goldgrund als die langgestreckten Formen der Gestalt und Kleidung, die Arme und Hände und schließlich der steife, aber würdevolle und erhabene Ausdruck des Gesichts zeugen von byzant. Abkunft dieses ältesten Bildes auf russ. Boden. Im 11. Jahrh. wurden in Kiew noch andere Bauten errichtet, wie das älteste Kloster Rußlands, die Kiewo-Peschtscherskaja Lawra, das Michaelskloster u. s. w.; aber ihr gegenwärtiger Zustand hat nichts mehr gemein mit den ursprünglichen Bauten, die diesen Namen trugen, und giebt daher keinen Begriff von den ersten Versuchen der Russen, sich den byzant.
Stil in selbständiger Weise anzueignen. Dasselbe bezieht sich zum größten Teil auf die Bauten Nowgorods. Zu den wichtigsten erhaltenen Denkmälern selbständiger Umgestaltung des byzant. Stils in Rußland gehören die Kirchen in Wladimir und in dessen Umgegend. Sie entstanden hier, seit der Großfürst von Susdal, Andreas Bogolubski, die Hauptstadt von Kiew nach Wladimir verlegte (1169), und nachdem auch die kiewschen Metropoliten ihren Sitz in dieser neuen Hauptstadt nahmen.
Schon 1129 wurden hier die Georgs- und 1160 die Verklärungskirche errichtet, doch bieten sie heute wenig Bemerkenswertes. Dagegen haben eine kunsthistor. Bedeutung sowohl die in der Nähe von Bogoljubow im Wladimirschen Gouvernement erbaute Pokrowsche Kirche aus der Mitte des 12. Jahrh., als auch die Kathedrale des heil. Demetrius in Wladimir vom Ende desselben Jahrhunderts (s. Taf. II, [* 11] Fig. 1). Neben der byzant. Anlage des Grundplans zeichnen sich diese Bauten durch eine originelle, sonst im byzant.
Stil nicht übliche Ornamentation der äußern Wände aus. Besonders charakteristisch ist in dieser Beziehung die letztgenannte Kirche. Jede ihrer vier Wände ist von oben bis unten durch leichte, dünne Säulen [* 13] in drei Teile geteilt, welche oben in Halbkreise auslaufen. Jeder dieser langgestreckten Teile zerfällt wiederum in eine obere und eine untere Hälfte infolge eines Karnieses, der sich zwischen den leichten Hauptsäulen hinzieht und durch eine Reihe zarter, durch Bogen [* 14] verbundener, auf Tragsteinen ruhender und im obern Viertel der untern Wandhälfte sich hinziehender kleiner Säulen gestützt wird.
Unter der Linie dieser Säulen befindet sich im mittlern Teil der vordern Hauptwand die Eingangsthür, die durch auf leichten Säulen ruhende Bogen geschmückt wird. Von beiden Seiten sind in den andern untern Teilen kleine schmale Fenster angebracht. In den drei Teilen der obern Hälfte aller vier Wandseiten sieht man ebenfalls drei schmale, langgedehnte Fenster. Ferner bedeckte man an den äußern Wänden die großen freien Flächen, die in jedem Teile die Fenster umgeben, mit Basreliefs, die zusammen ein ebenso leichtes als phantastisches Ornament der Wände bilden. Es besteht aus einer eigentümlichen Verflechtung gewundener Pflanzen mit Blumen und Blättern, menschlichen [* 11] Figuren und Tieren, darunter Löwen, [* 15] Kentauren, Hirsche, [* 16] Vögel, [* 17] Greife u. s. w. Vergleicht man diese Ornamentik mit den oben erwähnten Verzierungen an barbarischen Arbeiten, die in den Gräbern Südrußlands gefunden wurden, so kann man ihre typische Übereinstimmung nicht bezweifeln.
Dieser Stil unterliegt jedoch sehr bald in Moskau [* 18] einer eigentümlichen Fortentwicklung, die zugleich eine weitere Umgestaltung des byzant. Stils nach sich zieht. Die ältesten Bauten Moskaus fallen in das 14. Jahrh., wo Moskau durch den Großfürsten Iwan Danilowitsch von Wladimir zur Hauptstadt erhoben und Sitz eines Metropoliten wurde (1328). Doch ist aus jener Zeit wenig erhalten. Im Kirchenbau wurde die ursprüngliche Centralkuppel von vier kleinern Kuppeln umgeben, welche die vier Evangelisten, die sich um Christus scharen, darstellen sollten.
Ferner erhielten sie schon im 14. Jahrh. eine zwiebelartige, bauschige Form und wurden auf einen cylindrischen Unterbau aufgesetzt. Dieser Moskauer Stil verbreitete sich seit dem 15. Jahrh. über die meisten russ. Städte mit Einschluß von Kiew und Nowgorod, und wurde später, ungefähr seit der Mitte des 17. Jahrh., mustergültig für ganz Rußland, unter Vernachlässigung der Entwicklung, welcher dieser Stil noch im Laufe des 16. Jahrh. unterlag. In diesem Moskauer Stil wurden die Hauptkirchen Moskaus im 14. und 15. Jahrh. errichtet. So besonders die Kirchen des Kreml (s. Taf. II, [* 11] Fig. 8): die Maria-Himmelfahrts-Kathedrale, in der die Kaiserkrönungen stattfinden, die Erzengel-Michael-Kathedrale und viele andere.
Neben diesem Moskauer Stil wirkte jedoch der orient. Einfluß fort und bot der Phantasie der Architekten ein reiches Feld, besonders durch Vermehrung der Zahl der Kuppeln und ihre vielartige Gestaltung, ferner durch Anbauten von Glockentürmen und Vorhallen, die wiederum durch phantastische Oberbauten in der Art ind. Pagoden u. s. w. geschmückt wurden. Ein charakteristisches Bild dieser phantastischen Bauthätigkeit bietet die zum Andenken an die Eroberung von Kasan [* 19] (1552) von Iwan IV. dem Schrecklichen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. erbaute Basiliuskathedrale in Moskau (s. Taf. II, [* 11] Fig. 7). Es ist dies eine Verschmelzung der verschiedensten Bau- und Ornamentmotive des Orients und Occidents, des ind., pers., byzant., roman. Stils. Keine der dreizehn Kuppeln und Türme dieser Kirche gleicht der andern; jede erhebt sich eigenartig neben ¶
mehr
der andern, dennoch bilden sie alle zusammen ein Ganzes, das trotz seiner Eigentümlichkeit und Willkür einzig in seiner Art dasteht. In diesem phantastischen Stile zeichnet sich noch die 1628 erbaute Kirche der Grusinischen Mutter Gottes in Moskau sowie die um dieselbe Zeit errichtete Blagowjeschtschenskij-Kathedrale in Kasan aus. Daß bei den meisten Bauten ausländische, insbesondere byzant., ital. und deutsche Meister mitgewirkt haben, ist nicht zu bezweifeln; daß es aber schon in den frühesten Zeiten tüchtige einheimische Architekten gab, davon zeugt der Umstand, daß der Gesandte Ludwigs des Heiligen beim Hofe des mongol. Chan im 13. Jahrh. aus Rußland berufene Baumeister vorfand; auch betonen alte Chroniken vielfach, daß verschiedene Bauten, z. B. die in Wladimir, durch einheimische Kräfte ausgeführt wurden.
Ferner zeugen von der selbständigen Kunstthätigkeit der Russen in der angedeuteten Richtung zahlreiche Miniaturen und Ornamente in Handschriften aus dem 11. und 12. Jahrh.; ferner Kirchengeräte, Kelche, Kreuze, Weihrauchbehälter u. s. w. Nur die Malerei, die in diesem zweiten Zeitraume fast ausschließlich auf Erzeugung des Kirchenschmucks und insbesondere der Heiligenbilder beschränkt war, behielt den steifen byzant. Charakter bei, und zwar deswegen, weil die traditionellen Typen der Heiligen kanonisch wurden und jede Abweichung von denselben vom 15. Jahrh. an bis heute untersagt ist. Dennoch hat sich der Schmuck der vor dem Altar [* 21] aufgerichteten Wand, des sog. Ikonostas, ebenfalls in der angegebenen originellen Richtung entwickelt.
Dritter Zeitraum. Mit der Erhebung des Hauses Romanow auf den russ. Thron [* 22] (1613) kommt Rußland in immer nähere Beziehung zu dem westl. Europa [* 23] und tritt endlich durch Peter d. Gr. gegen Ende des 17. Jahrh. völlig in die Reihe der europ. Staaten. Der bisherige byzant. und asiat. Einfluß macht nun auf allen Gebieten der geistigen und materiellen Entwicklung dem westeuropäischen Platz. Dieser Wechsel äußert sich zunächst in der Baukunst während der letzten zwei Jahrhunderte. So verbindet die um 1680 von Peter I. in Moskau errichtete Kirche des heil. Nikolaus (genannt beim «Großen Kreuz») [* 24] in fast komischer Weise die Renaissanceanlage und den äußern Rokokoschmuck mit den obligaten fünf Zwiebelkuppeln, die über dem flachen ital. Dache des hohen Baues ganz unmotiviert hervorragen.
Als Rokokobau ist in Moskau aus derselben Zeit noch besonders die Kirche der Wladimirschen Mutter Gottes beim Nikolschen Thor hervorzuheben. Die Verlegung der Hauptstadt nach Petersburg (1703) hatte eine großartige monumentale Bauthätigkeit in dieser Stadt zur Folge, die über anderthalb Jahrhunderte dauerte und erst in der Vollendung der Isaakskathedrale (1858) ihren Abschluß fand. Sowohl Peter d. Gr. als seine Nachfolger, insbesondere Elisabeth, Katharina II., Alexander I. und Nikolaus I., trugen das Ihrige dazu bei, aus Petersburg eine europ. Hauptstadt in modernem Stil zu machen. Zu den hervorragendsten kirchlichen Bauten, die in diesem Zeitraume errichtet wurden, gehören: das Alexander-Newskij-Kloster (Lawra), 1713 von Tresani erbaut, und die in demselben später (1790) unter Katharina II. von Starow errichtete Dreifaltigkeitskirche, die Peter-Pauls-Kathedrale, 1714-33 erbaut, mit graziösem schlanken Turm [* 25] von Schurawski, die Preobrashenskij-Kathedrale, 1742-54 von Tresin, die Kathedrale des heil. Andreas, neu erbaut 1764, die Kathedrale der Kasanschen Mutter Gottes von Woronichin (1801-11), die imposante Isaakskathedrale, von 1818 bis 1858 erbaut (s. Taf. II, [* 20] Fig. 5). Unter den prächtigen Profanbauten sind besonders hervorzuheben: das Admiralitätsgebäude, 1718 nach Plänen von Peter d. Gr., später vielfach umgebaut, der kaiserl. Winterpalast, nach Plänen des Grafen Rastrelli 1754-64 erbaut und nach dem Brande von 1837 nach denselben Plänen wieder errichtet (s. Taf. II, [* 20] Fig. 2), die Paläste von Zarskoje-Selo und Peterhof, das Anitschkowpalais (s. Taf. II, [* 20] Fig. 3), die Palais der Grafen Woronzow und Stroganow, alle ebenfalls von Rastrelli, die Akademie der Künste, 1764 von Kokorin, die alte Eremitage, 1765 von Delamotte, das Marmorpalais, 1770-83 von demselben, das Taurische Schloß, nach dem Muster des Pantheon von Starow 1783, die Börse, von Thomon 1804-10, der Michaelpalast, von Rossi 1819-24, die neue Eremitage, 1840-52 von Klenze.
Alle diese Bauten haben einen völlig westeurop. Charakter und bilden auf russ. Boden das Widerspiel der jeweiligen, im übrigen Europa herrschenden Kunstrichtungen, also der Renaissance, des Barock- und Rokokostils sowie des erneuerten Klassicismus. Erst in den letzten Jahrzehnten macht sich neben jenen Richtungen die specifisch nationale Richtung auf dem Gebiete der Kunst wieder geltend. Moskau scheint in dieser Richtung wieder die Oberhand gewinnen zu sollen. Hier hat schon Kaiser Nikolaus in seinen Kremlbauten vielfach der nationalen Tradition Rechnung getragen. In wahrhaft großartiger Weise findet aber die Rückkehr zum russ.-nationalen Stil ihren Ausdruck in der Erlöserkirche zu Moskau, 1839-83 erbaut nach den Plänen von Thon (gest. 1881) und Resanow (s. Taf. II, [* 20] Fig. 4), sowie in der Gedächtniskirche bei Borki (s. Taf. II, [* 20] Fig. 6).
Der westeurop. Einfluß führte in den letzten zwei Jahrhunderten auch eine rege Entwicklung der Bildnerei und Malerei in Rußland herbei. Die Bildnerei kam in dem vorhergehenden Zeitraume nicht auf infolge der byzant. Abneigung gegen die plastische Darstellung der Heiligen, während die Malerei auf das religiöse Gebiet eingeschränkt war und hier auch über den byzant. Kanon nicht hinauskam. Erst im 18. Jahrh. wurden in Rußland die ersten, dem Andenken großer Männer gewidmeten öffentlichen Denkmäler aufgestellt. Es war nicht mehr als natürlich und billig, daß zu den ersten Werken dieser Art das Denkmal des großen Reformators Rußlands, Peters I., gehörte.
Noch zu Lebzeiten desselben entwarf der Bildbauer Graf Bartolomeo Rastrelli, der Vater des erwähnten Architekten, ein Modell Peters d. Gr. zu Pferde. [* 26] Es wurde auch später (1747) in Bronze [* 27] ausgeführt, fand aber keinen entsprechenden Platz und befriedigte wegen seiner akademischen Ruhe die Nachfolger Peters nicht. Katharina II. ließ daher durch Falconet Peter auf einem feurigen Rosse einen steilen Berg hinaufsprengend darstellen. Das Reiterstandbild ziert, 1782 in Erz gegossen, bis heute den Petersplatz an der Newa (s. Taf. I, [* 20] Fig. 1). Unter den übrigen Denkmälern Rußlands seien erwähnt: das Minin- und Posharskijdenkmal in Moskau (s. Taf. I, [* 20] Fig. 3), 1818 von Martos (Rektor der Kunstakademie zu Petersburg, gest. 1835);
das Lomonossowdenkmal von demselben;
die Monumente der Generale Kutusow und Barclay de Tolly, nach den Entwürfen von B. Orlowski 1818-36 ausgeführt und vor der Kasanschen Kathedrale in Petersburg ¶