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Beduinen
(arab. Bedawi, »Wüstenbewohner«),
die nomadisierenden Bewohner der Wüstenländer Arabiens, Syriens und Nordafrikas. Sie sind als die ursprünglichen Herren Arabiens zu betrachten und ¶
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haben seit einer langen Reihe von Jahrhunderten ihren eigentümlichen Charakter bewahrt. Ein echter Beduine war der herdenreiche
Ijob (Hiob) im Land Uz (im Norden
[* 3] Arabiens), und das Alte Testament enthält viele Bilder aus dem Leben der
Beduinen. Die Beduinen leben in Zelten
und ziehen mit ihren Herden umher. Sie sind bieder, gastfrei, stolz auf ihre Abkunft, lieben die Freiheit
und Unabhängigkeit mit unzähmbar ausdauerndem Mut und hängen unverbrüchlich treu an der Sitte der Väter; zugleich aber
sind sie rachsüchtig, raublustig, leidenschaftlich, eitel und abergläubisch.
Ihr Hauptsitz und Mittelpunkt in Arabien ist Nedschd, in der nördlichen Hälfte des Landes, ein Plateau von Bergweiden und trocknen Steppen, das Eigentum der ältesten Stämme. Unwirtbare Seeküsten bilden ihre erste, Wüsten und im Notfall verschüttete Wasserquellen ihre zweite Brustwehr. [* 4] Kein großer Strom leitet zu ihnen, keine Waldung verbirgt ihnen feindliche Haufen. Alle Heerstraßen im Norden, alle Pilgerstraßen im Innern Arabiens stehen unter ihrem Gebot; nichts verbirgt ihr Horizont, [* 5] den sie mit scharfen Augen nach allen Seiten hin überschauen.
Diese in jeder Hinsicht unerreichbare Lage, verbunden mit ihrer freien, unabhängigen Stammesverfassung, erklärt sowohl die
äußere Geschichte als den Charakter der
Beduinen. Sie beugten sich nie vor irgend einem Eroberer, und es traf sie kein Sturm barbarischer
Völkerzüge. Sie zerfallen in verschiedene, voneinander unabhängige Stämme, von denen einige sehr zahlreich sind, während
andre, ehemals berühmt und volkreich, jetzt auf einen kleinen Haufen zusammengeschmolzen sind.
Die zahlreichsten sind die Änezen (Anezeh) im Land El Hamad, welche, in beständiger Bewegung, ihre Wanderungen von den Ufern des Euphrat bis über die Syrische Wüste ausdehnen; ferner der Stamm der Beni Harb, der gefürchtetste der südlichen Wüste, der Stamm von Asyr, der Stamm Beni Schammar, während der edelste aller Stämme, die Beni Koreisch, besonders als Freunde Mohammeds ausgezeichnet, sowie die Beni Sad und Beni Kathan sehr zusammengeschmolzen sind. Die an den syrischen Grenzen [* 6] beherrschen die Karawanenstraße von Aleppo und Damaskus bis nach Bagdad und Basra.
Der Hauptschirmvogt der Karawanen ist der Scheich in der Gegend von Aleppo oder Damaskus; unter ihm stehen alle
Beduinen, welche Kamele
[* 7] vermieten. Außer den genannten Stämmen sind bemerkenswert die in Palästina,
[* 8] besonders zwischen Rama und
Jerusalem
[* 9] und am Berg Sinai, welche die Stelle der alten Edomiter, Midianiter und andrer Nachbarvölker der alten Israeliten einnehmen.
In Nordafrika bilden die
Beduinen die fast ausschließliche Bevölkerung
[* 10] von Bengasi, Tripolis und Tunis
[* 11] und einen sehr starken Prozentsatz
der Bevölkerung Algeriens und Marokkos; endlich nehmen sie, rein oder mit Berbern vermischt, als Mauren den
westlichsten Teil der Sahara zwischen Marokko und dem Senegal ein.
Herrschende Religion unter den
Beduinen ist der Mohammedanismus; doch finden sich hier und da auch noch Spuren des alten Feuerdienstes.
Die Regierung der Stämme ist eine rein patriarchalische und ruht nach uraltem Herkommen in den Händen
eines Scheichs, eines der Ältesten des Stammes, von dem sie sich weitervererbt. Das Volk selbst ist fast nur ein Hirtenvolk,
dessen ganzer Reichtum in seinen Herden, besonders Kamelen, auch Schafen, Büffeln, Eseln etc., besteht. Es nährt sich von Milch,
Schaffleisch, Reis, Gerstenbrot, Datteln etc., und seine Lebensweise ist äußerst einfach und mäßig.
Von Gestalt sind die
Beduinen schlank und wohlgebaut und namentlich die Frauen von angenehmer Gesichtsbildung, mit
großen Augen
und etwas adlerartiger Nase.
[* 12] Die Männer gehen stets bewaffnet. Der soziale Zustand ist ein merkwürdiger. Der Beduine hat
nur eine Frau, daneben nicht einmal eine Beischläferin, und er darf sich nur in seinem Volksstamm verheiraten.
Scheidung ist erlaubt, jedoch äußerst selten. Der Beduine ist zugleich Räuber, selbst Mörder, und Gastfreund, ein feilschender
Zänker wegen der Bezahlung für Dienste
[* 13] und ein Muster hochherziger Hingebung für seine Verwandten und die Brüder seines
Stammes. Lesen und Schreiben ist unter den
Beduinen eine seltene Kunst, doch trifft man unter ihnen bisweilen
einen sogen. Gelehrten. Allgemein aber ist die Neigung und die Fähigkeit, Verse zu machen; eine Menge von Gesängen pflanzen
sich von Mund zu Mund fort, und Erzählen von Märchen und Geschichten bildet ihre liebste Unterhaltung.