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Peter Wehrli, Psychologe und Geschäftsleiter vom ZSL, ist Rollstuhlfahrer und Vater zweier erwachsener Kinder. Er lebte 15 Jahre in Israel und ist seit 1987 wieder in der Schweiz. Peter Wehrli hat das ZSL gegründet.
Peter: Als ich in Israel lebte war ich acht Jahre lang klinischer Psychologe in einer Klinik der Kibbuz- Bewegung. Ich war Chefpsychologe vom Programm «Reintegration von chronisch psychisch Kranken». Zurück in der Schweiz wurde ich für weitere acht Jahre von einer Hi-TechFirma im Medizinrobotik-Bereich als technischer Redaktor angestellt. Nebenamtlich war ich im Schulgemeinderat der Primarschule Jona und Bezirkspräsident vom Landesring, einer grün-linken Oppositionspartei in St. Gallen, die es heute nicht mehr gibt.
Peter: In Israel habe ich die Erfahrung gemacht, dass Behinderte mit einem aktiven politischen Kampf sehr viel erreichen können. In der Schweiz habe ich keine politische Organisation gefunden, die radikal genug ist. 1994 habe ich an einem ASKIO (heute AGILE)-Kongress in Nottwil, bei Luzern, Ottmar Miles Paul von der deutschen SL-Bewegung kennen gelernt. Wir sind in Kontakt geblieben. Als ich entdeckte, dass die Schweizerische Vereinigung der Gelähmten (ASPr/SVG) 100'000CHF für die Förderung von Selbstbestimmtem Leben auf einem Konto liegen hatte, habe ich mein Projekt für die Gründung eines Zentrums für Selbstbestimmtes Leben eingereicht. Ich wurde von der Vereinigung eingestellt, um das Projekt zu führen. Im Frühling 1996 gründete ich mit einem dutzend Freundinnen und Freunden aus der aktiven Behindertenszene, darunter vor allem auch Kat Kanka das ZSL Schweiz. Da ein Grossteil der Gründungsmitglieder auch in anderen Organisationen sehr aktiv und daher chronisch überlastet war, schrumpfte die Zahl der freiwilligen Mitarbeiter schnell. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Besetzung sich weitgehend geändert hat, aber dass die Mitarbeiter meist mehrere Jahre bleiben.
Peter: In einem Satz gesagt: Die totale Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Darunter verstehe ich den Abbau von Zugangsbarrieren zum öffentlichen Raum («Gleichstellung»), Einführung der Persönlichen Assistenz und Subjektfinanzierung als grundsätzliches Modelle vom integrierten Leben mit Behinderung und die direkte Mitsprache der Behinderten als BürgerInnen in allen Bereichen, die für sie von Belang sind.
Peter: Grundsätzlich Nein. Das ZSL versucht zwar die Problematik des Einzelnen zu erkennen, aber bemüht sich dann, den damit zusammenhängenden politischen Hintergrund zu erkennen und so zu verändern, dass allen Behinderten in der gleichen Situation geholfen ist. Die einzige Individualhilfe, die wir anbieten ist Peer Counseling, einem Gespräch von Kollege zu Kollege sozusagen, wo es uns vor allem darum geht, die eigenen Kompetenzen der Betroffenen zu entdecken und sie in ihren eigenen Entscheiden zu unterstützen.
Peter: Ich bin Geschäftsleiter, muss also dafür sorgen, dass der "Laden läuft" und bin verantwortlich für die die Kommunikation gegen aussen. Ich schreibe Artikel und gebe in verschiedenen Berufsschulen und Fachhochschulen Kurse über Persönliche Assistenz, Selbstbestimmtes Leben, Ethik und Behinderung und verschiedensten politischen Themen, die gerade aktuell sind. Als Vertreter des ZSL arbeite ich in mehreren politischen und Forschungsgremien mit.
Peter: Ich werde jeden Tag diskriminiert. Z.B. wenn ich in einen Laden will der für Rollis nicht zugänglich ist, den öffentlichen Verkehr nicht nutzen kann oder wenn ein Politiker für das Wohlbefinden der Behinderten etwas entscheidet ohne Behinderte überhaupt zu fragen.
Peter: Selbstbestimmtes Leben ist eine Philosophie, die Menschen mit Behinderung dabei unterstützt Verantwortung für die Gestaltung ihres Lebens selber zu übernehmen. Sie gibt uns die Kraft zurück, die man uns – oft seit frühster Kindheit – abgesprochen hat.
Interview von Petra Johnsson und Marly Diallo