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Warum wird geplant gewisse alpine Staudämme zu erhöhen?
Die Erhöhung gewisser Staudämme wird ihre Speicherkapazität erhöhen und dadurch ermöglichen, eine noch wichtigere regulierende Rolle in unserem Stromsystem zu spielen. Sie wird voraussichtlich 2 bis 3 TWh zur saisonalen Speicherung des Stroms beitragen können, um somit unsere winterlichen Importe zu reduzieren bzw. unsere Energieunabhängigkeit deutlich zu erhöhen.
Von den etwa 200 bestehenden Staudämmen in der Schweiz würden sich die zwanzig grössten für eine Erhöhung eignen. Eine moderate Erhöhung von 10 bis 15% ihrer ursprünglichen Höhe würde die Steigerung ihrer Wasserspeicherkapazität um etwa 700 Millionen Kubikmeter ermöglichen.
Mit der Klimaerwärmung beschleunigt sich das Abschmelzen unserer Gletscher, wodurch eine steigende Wassermenge in unsere alpinen Speicherseen fliesst. Anstatt es für eine spätere Turbinierung (=Stromerzeugung) speichern zu können, müssen mehrere unserer Staudämme dieses blaue Gold im Sommer aufgrund ihres zu kleinen Stauvolumens abfliessen lassen. Eine Erhöhung der Staudämme würde ermöglichen, dieses zusätzliche Wasser zu nutzen. Wenn ein Staudamm voll ist, muss er turbinieren, weil er sonst überläuft. Im Sommer übersteigt aber die Strommenge, die unsere Staudämme zwingend produzieren müssen, um nicht überzulaufen, oft unseren Verbrauch und muss exportiert werden – oft zu schlechten Preisen und ausserhalb der Spitzenverbrauchszeiten. Der Durchbruch der Wind- und v. a. der Solarenergie wird die im Sommer produzierte Strommenge noch erhöhen und so den Unterschied zwischen Verbrauch und Produktion noch verstärken. Durch eine Erhöhung der Speicherkapazität unserer alpinen Seen könnte die Wasserkrafterzeugung besser an die Wind- und Sonneneinstrahlungsbedingungen angepasst werden. Anstatt Wasser zu Solarstrom- Produktionsspitzen zu turbinieren, könnte es für eine spätere Stromerzeugung gespeichert werden. Und wenn wirklich zu viel Solar- und Windstrom produziert wird, könnte es mithilfe der Pumpspeicherung gespeichert werden [→ F73].
Schliesslich könnte all das Wasser, das wir im Sommer nicht turbinieren müssten, bis zum folgenden Winter gespeichert werden, wenn unser Energieverbrauch ein Maximum erreicht. Das ist das Prinzip der saisonalen Speicherung [→ F75]. Diese saisonale Speicherung könnte unsere winterliche Wasserkraftproduktion um 5 bis 8% (2 bis 3 TWh) erhöhen und damit unseren Importbedarf verringern [→ F66].
Die Erhöhung unserer alpinen Staudämme ist in jeder Hinsicht eine interessante Option, weil sie die Flexibilität der Wasserkraftproduktion in einem sehr volatilen Strommarkt beträchtlich steigern und mittels der saisonalen Speicherung zur Erhöhung unserer Energieunabhängigkeit beitragen würde. Leider sind diese Projekte aufgrund der aktuell sehr niedrigen Strompreise nicht rentabel [→ F70].
Quellen
- Schleiss (2007)
- Schleiss, A. (2007). l’hydraulique suisse: Un grand potentiel de croissance par l’augmentation de la puissance. Bulletin SEV/AES, 2. 24–29.
- Schleiss (2012)
- Schleiss, A. (2012). Talsperrenerhöhungen in der schweiz: energiewirtschaftliche bedeutung und randbedingungen. Wasser Energie Luft, 104(ARTICLE). 199–203.
- Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) (2007)
- Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) (2007). Plan de route: Energies renouvelables Suisse - Une analyse visant la valorisation des potentiels d’ici 2050.