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ist in den Tiefebenen im W. und im O. überaus heiß, dabei vorherrschend feucht und ungesund, auf den Hochebenen auffallend gleichmäßig (die Temperatur schwankt in Quito nur zwischen 6 und 22° C. Wärme [* 2] bei einer mittlern Temperatur von 15° C.), daher sehr angenehm, ein fortdauerndes Frühlingsklima, aber der häufigen Temperaturwechsel halber nicht so gesund, wie man glauben sollte. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Jahreszeiten, [* 3] den Sommer (Verano) vom Juni bis November, die Trockenzeit, in der auf den Hochebenen schönes Wetter [* 4] herrscht, aber auch die Winde [* 5] am heftigsten wehen, und den Winter vom Dezember bis Mai, die Regenzeit, in der die Temperatur am höchsten ist.
In der Tiefebene des Westens ist die Hitze groß, die Nächte aber sind kühl. Der Regenfall ist dort bedeutender, während es auf den feuchtheißen Ebenen des Innern fast täglich regnet. Auf den Hochebenen sind Rheumatismus, gastrische und Unterleibskrankheiten sowie katarrhalische Affektionen am häufigsten, während die Tiefländer an Fieber leiden. Mit dem Klima [* 6] hängen die Vegetationsverhältnisse eng zusammen. In den tief gelegenen Ebenen bedingt die große Feuchtigkeit das Bestehen der dichten Urwälder, in denen die Palmen, [* 7] Cykadeen etc. vorherrschen, und die auch in den Gebirgsabhängen hoch hinaufreichen, übrigens durch kostbare Produkte des Pflanzenreichs höchst ausgezeichnet sind.
Die Hochebenen des Innern sind dagegen arm an Wald, zum Teil ganz baumlos; die höher an den Bergen [* 8] gelegenen sogen. Paramos (zwischen 4000 und 5000 m) tragen nur noch Gräser [* 9] und niedrige Gebüsche, überwiegend von Ericeen, und dienen einzig zur Viehzucht. [* 10] Die Wälder sind reich an kostbaren Produkten und zeichnen sich namentlich durch die edlen Arten des Fieberrindenbaums aus (s. Cinchona). Sie liefern ferner noch Kautschuk, Sassaparille, Harze, Wachs (von der Myrica cerifera), Kaneel, Taqua- ^[richtig: Tagua-] oder Elfenbeinnüsse.
Die
Fauna ist reich; Mammalien gibt es allerdings nicht viele
(Rehe,
Tapire,
Warzenschweine,
Affen
[* 11] etc.), dagegen um so mehr
Vögel,
[* 12] deren
Paradies
Ecuador
[* 13] ist, und unter denen der
Kondor, obschon hier nicht so häufig wie in
Peru, der wilde
Truthahn, zahllose
Papageien,
Kolibris
[* 14] der mannigfachsten Art, einige hübsche
Singvögel,
Fasanen,
Drosseln,
Schnepfen etc. hervorzuheben
sind. An
Fischen sind die
Flüsse
[* 15] sehr reich, und an den Meeresküsten sind
Hummern,
Krabben,
Austern,
Muscheln
[* 16] in
Menge
vorhanden. Auch
Reptilien sind häufig, besonders in den Tiefebenen, und vor allem
Schlangen
[* 17]
(Boa constrictor,
Klapperschlange).
Insekten
[* 18] finden sich ebenfalls in großer
Fülle und sind zum Teil
(Moskitos,
Spinnen,
[* 19]
Skorpione etc.) sehr lästig.
[Bevölkerung.]
Konsul Church nimmt an, daß unter der Bevölkerung 100,000 reine Weiße, 600,000 reine Indianer und 300,000 Mischlinge sind, eingerechnet die wenig zahlreichen Neger und Mulatten. Die Weißen sind die Hauptgrundbesitzer und Kaufleute. Sie sind höflich und gastfrei, geistig begabt und mutig, aber ohne Ausdauer und männliche Kraft [* 20] und verschwenderisch. Sie leben außer um Guayaquil fast nur noch auf den Hochebenen. Die Mischlinge gelten für grausam und verkommen.
Die Indianer gehören meist zum Stamm der Quito und sprechen einen Dialekt der Quichuasprache. Sie sind genügsam und gelehrig, aber dabei abergläubisch und infolge des lange auf ihnen lastenden Druckes aller männlichen Tugenden bar. Die ihnen gewährte Gleichheit vor dem Gesetz besteht nur dem Namen nach, denn in der That sind sie fast alle Hörige, die von den Grundbesitzern gewissenlos ausgebeutet werden. Die wilden Indianer bewohnen die östlichen Tiefebenen (s. Oriente). Die bekanntesten Stämme unter ihnen sind die kriegerischen Zívaro und die Záparo. Für Volksbildung ist noch wenig geschehen. Allerdings findet man in Quito eine Universität und eine Gewerbeschule und in elf der größern Städte »Colegios«, aber 1878 konnten von der ganzen Bevölkerung [* 21] doch nur 75,000 oder 8 Proz. lesen und schreiben.
[Erwerbszweige.]
Fast einzige Erwerbsquelle der Bevölkerung bildet der Landbau. Im Tiefland des Westens und in den Flußthälern des Ostens gedeihen Kakao, Zuckerrohr, Reis, Kaffee, Bananen etc., während auf den Hochebenen alle Getreidearten und die Gewächse der gemäßigten Zone fortkommen. Indes ist die Entwickelung von Mais, Weizen, Hafer [* 22] und Gerste [* 23] nicht so kräftig wie in den nördlichern Gegenden, und den Gemüsen fehlt es an Wohlgeschmack, was man der gleichmäßigen Wärme zuschreibt.
Die Viehzucht ist namentlich auf dem Hochland von Bedeutung, wo auch die Käsebereitung in größere Maßstab [* 24] betrieben wird. Der Bergbau [* 25] ist ganz unbedeutend, doch wird etwas Waschgold gesammelt, und die Goldgruben bei Zaruma werden von einer englischen Gesellschaft ausgebeutet. Auch die Industrie steht auf sehr niedriger Stufe und beschränkt sich fast nur auf Herstellung gröberer Zeuge aus Wolle und Baumwolle [* 26] und aus Flechtarbeiten, wie Panamahüte, Hängematten aus Palmstroh oder aus Pita (Agavefasern) etc. Der Handel steht zu den großen Hilfsquellen des Landes in keinem Verhältnis, was namentlich dem Mangel an guten Verkehrswegen zuzuschreiben ist.
Allerdings verbindet jetzt eine 122 km lange Eisenbahn den Haupthafen Guayaquil mit dem auf der Hochebene gelegenen Sibombe; auch wird der Fluß Guayaquil (mit seinem Nebenfluß Daule) von 14 Dampfern befahren, und die großen Flüsse des Ostens (wie der Napo) eignen sich gleichfalls zur Dampfschiffahrt. Im allgemeinen geschieht der Warentransport auf den Rücken von Maultieren und gelegentlich von Ochsen, Eseln und Lamas. Selbst die alte Camina real, welche den Staat 650 km lang von N. nach S. durchschneidet, ist für Fuhrwerk nicht passierbar.
Ein
Telegraph
[* 27] verbindet seit 1884
Quito mit
Guayaquil, von wo eine schon 1882 vollendete
Linie nach Ballenita und von dort per
Kabel über den
Isthmus von
Tehuantepec nach
New York führt und dadurch
Ecuador mit der
Außenwelt in
Verbindung
setzt. Die Ausfuhr hatte 1884 einen Wert von 5,915,052
Pesos und bestand vornehmlich aus Kakao (3,782,112
Pesos),
Kautschuk
(199,742
Pesos), Silbermünzen (859,807
Pesos),
Kaffee (173,948
Pesos),
Fieberrinde (267,643
Pesos), Strohhüten (296,328
Pesos),
Häuten (164,366
Pesos),
Sassaparille, Bambusrohr, Brettern,
Früchten etc. Die Einfuhr besteht vorwiegend
aus
Baumwoll- und Wollwaren,
Wein,
Mehl
[* 28] und den verschiedensten Manufakturwaren und kommt hauptsächlich aus
England, während
Spanien
[* 29] den größten Teil des Kakao bezieht.
Münzeinheit ist (seit 1884) der Sucré = 5 Frank. Die französischen Maße und Gewichte wurden bereits 1856 eingeführt.
[Staatliche Verhältnisse.]
Die Verfassung, ursprünglich aus dem Jahr 1830 stammend, aber seitdem (zuletzt 1883) vielfach modifiziert, legt die Exekutive in die Hand [* 30] eines auf vier Jahre gewählten Präsidenten, die gesetzgebende Gewalt in die Hände eines Kongresses, der aus einem Senat und einem Abgeordnetenhaus besteht. Die Senatoren (je zwei für jede Provinz) werden auf vier, die Abgeordneten ¶
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(je einer auf 30,000 Einw.) auf zwei Jahre gewählt. Stimmrecht hat jeder römisch-katholische, des Lesens und Schreibens kundige Bürger. Der Präsident sowohl als der Vizepräsident werden von 900 von den Urwählern gewählten Wahlmännern ernannt. Der Präsident ernennt seine vier Minister, die mit weitern sieben Notabilitäten (einschließlich eines hohen Geistlichen und des Oberrichters) einen Staatsrat bilden, in welchem der Vizepräsident den Vorsitz führt.
Der Präsident hat kein Veto, aber wenn er die Armee auf seiner Seite hat, ist er allmächtig. Adelsvorrechte und die Sklaverei (seit 1852, wo es noch 2484 Sklaven gab) sind abgeschafft, aber die Indianer befinden sich thatsächlich im Zustand von Hörigen. Die einzig geduldete Religion ist die römisch-katholische. An der Spitze der Geistlichkeit stehen der Erzbischof von Quito und sechs Bischöfe. Die richterliche Gewalt üben ein Obergerichtshof in Quito, 4 Obergerichte, 152 Provinzial- und städtische Gerichte und 656 Friedensrichter in den Landgemeinden aus.
Von einer Munizipalverwaltung kann kaum die Rede sein. Die Finanzen sind in traurigem Zustand. Für das Jahr 1885 schätzt man die Einnahmen auf 1,929,690 Sucré, die Ausgaben auf 3,203,445 Sucré. Fast die Hälfte der Einnahmen fließt aus Handelszöllen. Wichtige Einnahmequellen sind ferner das Salzmonopol und der Zehnte (von dem indes zwei Drittel der Kirche überlassen werden). Die Staatsschuld belief sich 1877 auf 16,370,000 Sucré, einschließlich einer 1855 in England gemachten Anleihe von 9,120,000 Sucré, ungerechnet die seit 16 Jahren rückständigen Zinsen. Die innere Schuld ist seitdem um 375,000 Sucré gewachsen. Die bewaffnete Macht soll nach Kongreßbeschluß vom Jahr 1884 aus einem stehenden Heer von 1600 Mann und einer Miliz bestehen. Die Flotte beschränkt sich auf zwei kleine Dampfer.
Das Wappen [* 32] der Republik besteht aus einem ovalen Schild [* 33] mit zwei Feldern, von denen das obere eine Krone, das untere einen Berg nebst einem Fluß mit einem Dampfschiff [* 34] enthält. Die Flagge ist gelb, blau und rot in horizontalen Streifen (s. Tafel »Flaggen [* 35] II«). [* 36]
Geschichte.
Ecuador hatte vor Ankunft der Spanier einen Teil des Inkareichs Peru gebildet und kam mit diesem durch Pizarro 1532 unter spanische
Herrschaft. Von 1548 bis 1710 bildete
Ecuador als Presidencia Quito einen Teil des Vizekönigreichs Peru, dann desjenigen von Santa Fé de Bogotá
(Neugranada), bei welchem es bis zur Losreißung von Spanien blieb. Einzelne Aufstandsversuche fanden schon 1809 und 1811 statt,
wurden aber unterdrückt, und erst die 1820 zu Guayaquil ausgebrochene Revolution führte mit Bolivars Hilfe zum Ziel.
Der Sieg der Generale Santa Cruz und Sucré auf den Andes von Pichincha zwang die Spanier zu einer Kapitulation, die 24. Mai von Don Melchior de Aymeric, dem letzten Präsidenten von Quito, bestätigt, die Aufständischen in den Besitz der ganzen Presidencia brachte. Dieselbe schloß sich sofort den bereits konstituierten Republiken Neugranada und Venezuela an und wurde als Departement del der durch die Konstitution von Cucuta im August 1821 errichteten Zentralrepublik Kolumbien einverleibt.
Da aber
Ecuador stets in die innern Kämpfe und Unruhen der Gesamtrepublik hineingezogen wurde, so erklärte es sich im Mai 1830 auf
dem Kongreß von Riobamba zur unabhängigen Republik unter der Präsidentschaft des Führers der konservativen Partei, Generals
Juan José de Flores. Doch kam dadurch keine Ruhe ins Land,
vielmehr reihte sich seitdem eine Revolution
an die andre, da die Liberalen unter Rocafuerte den Konservativen die Macht zu entreißen suchten. Schon 1834 brach eine Empörung
aus, doch wurde Flores 1835 in seiner Präsidentschaft wieder bestätigt und eine neue Konstitution erlassen,
wonach die Exekutive in die Hand des Präsidenten, die gesetzgebende Gewalt in die eines aus zwei Kammern bestehenden Kongresses
gelegt wurde. Gleich darauf wurde Rocafuerte Präsident, unter dessen verständiger Leitung Gedeihen und Ruhe eintraten. Doch
behielt Flores den Oberbefehl über die Truppen und erhielt auch 1839 wieder die Präsidentschaft.
Ende 1841 kam zwischen
Ecuador und dem Mutterland ein förmlicher Friedens- und Freundschaftsvertrag zu stande, dem der Abschluß
eines auf Gegenseitigkeit der Vorteile begründeten Handels- und Schiffahrtsvertrags folgte. Die proklamierte Konstitution
ließ die bisherige Repräsentativverfassung in ihren wesentlichen Punkten bestehen. 1843 ward General Flores wieder und zwar
bis 1851 zum Präsidenten erwählt. Um fernern Umwälzungen vorzubeugen, suchte er die Regierungsgewalt zu stärken und die
Verfassung demgemäß umzugestalten, mußte aber infolge eines in Guayaquil ausgebrochenen Aufstandes, den Rocafuerte leitete,
und nach mehrmonatlichem Bürgerkrieg durch Vertrag vom mit Beibehaltung seiner Würde als General en chef und
eines Gehalts von 20,000 Dollar außer Land gehen.
Ihm folgte als Präsident nicht Rocafuerte, sondern Vicente Roca, ein Farbiger. Rocafuerte starb 1847 in Lima.
[* 37] Ein im Mai 1846 mit
Neugranada ausgebrochener Krieg ward bereits 29. d. M. durch den Frieden zu Santa Rosa de Carchi beendigt. Verschiedene Versuche
des Generals Flores, mit Hilfe der ihm günstigen Partei in
Ecuador und mit Unterstützung von seiten des Präsidenten
von Neugranada, Mosquera, den er für eine Wiederherstellung des Föderativstaats Kolumbien zu gewinnen suchte, sowie mit spanischem
Geld sich der Regierung wieder zu bemächtigen, schlugen besonders durch Englands und Frankreichs Einmischung fehl.
Als aber im Oktober 1849 der Kongreß zusammentrat, um einen neuen Präsidenten zu wählen, standen die Parteien einander so schroff gegenüber, daß eine mehr als hundertmalige Abstimmung erfolglos blieb, so daß am Ende die vollziehende Gewalt vorläufig auf den Vizepräsidenten Ascasubi überging. Nach längern Parteiumtrieben ward endlich Diego Noboa, der Kandidat der klerikalen Partei, zum Präsidenten erhoben. Dieser verfügte sofort die Zurückrufung der Jesuiten und die Aufnahme aller aus Neugranada flüchtig gewordenen Konservativen, kam aber infolgedessen mit Neugranada in Streit und ward schon im Juli 1851 von dem General Urbina gestürzt. Urbina trat nun als Haupt der demokratischen Partei an die Spitze der Republik, erregte aber dadurch den Grimm der konservativ-klerikalen Partei.
Diese Umstände hielt Flores für günstig, von neuem hervorzutreten. Heimlich hatte er erst in Zentralamerika,
[* 38] dann besonders
in Peru, dessen Regierung sein Projekt begünstigte, Rüstungen
[* 39] gemacht und erschien mit einem Geschwader vor Lumbas
im Golf von Guayaquil, erlitt aber durch Verrat seiner eignen Mannschaften eine Niederlage und rettete sich
mit Mühe nach Peru, welches ihn, um neue Konflikte mit
Ecuador zu vermeiden, sofort auswies. Auf Urbina folgte 1856 in der Präsidentschaft
General Francisco Robles, der durch Gesetz vom das
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