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Schon als kleiner jüdischer Junge im nazibesetzten Paris versucht sich Lucien Ginsburg (Kacey Mottet Klein) als Verführer schöner Frauen. Und schon damals fängt er mit dem Rauchen an. Sein Vater (Razvan Vasilescu) drängt ihn zum Klavierspielen, Lucien aber widmet sich lieber seinen Fantasien und der Malerei. Seine Zeichnungen nackter Frauenkörper inklusive Schambehaarung erfreuen sich bei den Mitschülern grosser Beliebtheit.
Auch noch Jahre später, als es auf die Dreissig zugeht, übt Lucien (Eric Elsomino) seine Arbeit als Barpianist vor allem aus, um die Leinwände für seine Malerei zu finanzieren. Angetrieben jedoch vom Zuspruch seiner eigenen dunklen Seite - "La Geule", die Visage, genannt - komponiert er seine ersten Chansons, trennt sich von seiner Ehefrau, ändert seinen Namen zu Serge Gainsbourg und wird zum angesagtesten Sänger Frankreichs.
Nun, da Serges Charme von der erotisierenden Wirkung des Berühmtseins unterstützt wird, stehen die Frauen Schlange, um unter seine Bettdecke zu schlüpfen. Nach Affairen mit Brigitte Bardot (Laetitia Casta) und vielen anderen Schönheiten glaubt er, in der Engländerin Jane Birkin (Lucy Gordon) seine Frau fürs Leben gefunden zu haben. Mit ihr zeugt er zwei Kinder und singt seinen grössten Hit "Je t'aime... moi non plus" - doch sein Hunger nach Leben und Liebe treibt ihn weiter und weiter und weiter.
"I got 99 problems, but a bitch ain't one." Diesen Satz des Rappers Jay-Z wäre dem feinfühligen Poeten Serge Gainsbourg wohl nie im Leben über die Lippen gekommen (ausser, wenn er gerade stockbesoffen war - was durchaus vorkam). Und auch wenn: Auf Französisch kann man ja die übelsten Obszönitäten aussprechen und es klingt immer noch nach Liebesgeflüster bei Kerzenschein. Wie auch immer: Serge Gainsbourgs Biographie ist ein Liebesfilm, in dem Gainsbourg die männliche Hauptrolle spielt, während die Frauen ständig wechseln.
Serge Gainsbourg, vie héroique ist fantastisch. So wird Serge von seinem surrealen Doppelgänger "La Geule", den er als Kind erfindet, durch sein Leben begleitet und von ihm ermuntert, zu rauchen, zu vögeln und ohne Rücksicht auf Verluste den Erfolg zu suchen. Wunderbar auch der überdimensionale, kartoffelartige Judenkopf, der einem Propagandaplakat der Nazis entspringt und dem jungen Gainsbourg durch die nebligen Pariser Strassen folgt. Solche Szenen machen Serge Gainsbourg, vie héroique zusammen mit den warmen, mysteriösen Bildern zu einem poetischen Märchen für Erwachsene. Mit viel Liebe. Viel Sex. Und noch mehr Musik.
Der Komponist Olivier Daviaud hat Songs von Serge Gainsbourg neu interpretiert und mit eigener und fremder Musik angereichert. Der Soundtrack begleitet den Film, umschmiegt ihn, drängt sich manchmal in den Mittelpunkt und bewegt sich entsprechend Gainsbourgs musikalischer und persönlicher Entwicklung von klassischem Chanson immer mehr in Richtung Glamour und Rockmusik. Die Schauspieler machen allesamt einen soliden Job. Entscheidend natürlich die Leistung von Eric Elmosnino, der Gainsbourg mit zurückhaltender Coolness verkörpert und ihn langsam zu einem versoffenen, egozentrischen Arschloch werden lässt, das sich in seinem Weltschmerz suhlt und dabei doch immernoch Sympathien weckt.
Fazit: Serge Gainsbourg, vie héroique beschränkt sich nicht darauf, das Leben des Chansoniers Serge Gainsbourg nachzuerzählen. Der Film will selbst ein Kunstwerk sein, eines, das dem Porträtierten gerecht wird. Et voilà: Es ist gelungen! Dank diesem Film will ich wieder Französisch lernen.