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Die Erwärmung der Meere kann die toxische Algenblüte und das Auftreten von Choleraepidemien begünstigen, während der verstärkte Abfluss die Abwassersysteme überfordert und Krankheitserreger in die Wasserversorgungssysteme spült.
Mit Blick auf ausgewählte Gesundheitsanliegen schätzte die WHO, dass rund 150 000 Todesfälle im Jahr 2000 dem Klimawandel zuzuschreiben waren (der Zeitraum 1961-1990 wurde als Referenzzeitraum zugrunde gelegt). Von den klimaabhängigen Gesundheitsrisiken am stärksten betroffen sind in der Regel Entwicklungsländer, kleine Inselstaaten und Gesellschaften, die historisch nicht an wärmere Temperaturen angepasst sind. Bewährte und kosteneffiziente Interventionen können die Bevölkerungen vor klimatischen Risken schützen, aber sie müssen verstärkt sowie räumlich und zeitlich gezielter eingesetzt werden. Die effiziente Nutzung von Klimainformationen kann dabei einen wertvollen Beitrag leisten. Eine engere Zusammenarbeit zwischen meteorologischen Fachstellen und öffentlichen Gesundheitsdiensten gibt Gemeinwesen und Gesundheits- und Humanitärorganisationen Instrumente an die Hand, mit denen erhöhte Risiken erkannt, Präventivmassnahmen getroffen und wirksame Reaktionen geplant werden können.
Klimainformationen im Kampf gegen Malaria
Botsuana setzt auf eine innovative Waffe im Kampf gegen Malaria. Dabei handelt es sich weder um ein neues Medikament noch um Moskitonetze, sondern um Klimainformationen, genauer gesagt um ein Frühwarnsystem, das saisonale Niederschlagsvorhersagen mit Bevölkerungsdaten und Informationen zum Gesundheitsmonitoring kombiniert. Dank dem Einsatz saisonaler Niederschlagsprognosen können Warnungen über eine bevorstehende Malariaepidemie heute 4 Monate früher erfolgen als zuvor.
Klimainformationen zum Schutz von Menschenleben
Das Malariafrühwarnsystem ist nur eine von zahlreichen gemeinsamen Initiativen, die Klimavorhersagen und -informationen in Entscheidungsprozesse der öffentlichen Gesundheitswesen integrieren. Im Folgenden werden weitere kürzlich abgeschlossene und laufende Projekte genannt, die sich auf den Zusammenhang zwischen Gesundheit, Hitzewellen und Luftqualität konzentrieren:
• Sogenannte Malaria Outlook Forums stellen den Dialog zwischen Gesundheits-, Wetter- und Klimaexperten sicher, um die Entwicklung integrierter Produkte zur Malariaprävention im südlichen Afrika voranzutreiben. Zu den Partnern gehören unter anderen die WMO, nationale meteorologische und hydrologische Dienste, das Southern African Development Community’s Drought Monitoring Centre in Botsuana und das Malariafrühwarnprogramm.
• In Äthiopien unternehmen das Gesundheitsministerium und der nationale meteorologische Dienst gemeinsame Anstrengungen, um das regionale Klima im Hinblick auf eine Unterstützung der Malariaüberwachung und -frühwarnung zu beobachten. Das dem Gesundheitsministerium angegliederte nationale Malariakontrollteam vertreibt monatlich ein Bulletin mit Klimakarten. Zudem werden die Karten auf der Webseite von RANET (Radio and Internet for the Communication of Hydrometeorological and Climate-Related Information) veröffentlicht, das Zugang zu Klima- und Wetterdaten für ländliche Regionen in Afrika und im Südpazifik bereitstellt. Ziel des gemeinsamen Projekts ist es, die Planung der Malariakontrolle, die Verteilung von Medikamenten und die Kontrolle der Moskitopopulationen zu unterstützen sowie das öffentliche Problembewusstsein zu fördern.
• Im Jahr 2007 untersuchte das indonesische Amt für Meteorologie, Klima und Geophysik (Indonesian Agency for Meteorology, Climatology and Geophysics, BMKG) in Zusammenarbeit mit dem lokalen Gesundheitsamt in Jakarta den Zusammenhang zwischen Klima und Dengue-Fieber. Damit sollten die Lokalbehörden in ihren Massnahmen zur Senkung des Krankheitsrisikos unterstützt werden.
• Das Hong Kong Observatory erforschte die Auswirkungen des Klimas auf die Gesundheit in Hongkong (China). Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die Temperaturbelastung und das Auftreten von Infektionen und vektor-assoziierten Erkrankungen. Die Untersuchungsergebnisse bilden die Grundlage für den interdisziplinären Aufbau und Betrieb von gesundheitsorientierten Wetterdiensten und Klimaanalysen. Zudem stellt das Hong Kong Observatory klimatologische Informationen für Mediziner und für Klima- und Gesundheitsstudien in Hongkong bereit.
• Das Sand and Dust Storm Warning Advisory and Assessment System (SDS-WAS) der WMO unterstützt die Prognose von Sand- und Staubstürmen, um allfällig betroffene Bevölkerungsgruppen, namentlich in Afrika, Europa, dem Nahen Osten, Südostasien und dem US-amerikanischen Südwesten, vorzeitig zu warnen. Rund 14 auf die Vorhersage von Staubstürmen spezialisierte Forschungszentren geben tägliche Staub- und Sandsturmprognosen heraus.
• Das 2004 eingerichtete französische Hitze-Gesundheits-Warnsystem löst einen nationalen Aktionsplan aus, sobald die Bevölkerung von einer gefährlichen Hitzewelle bedroht wird. Das nationale Gesundheitsüberwachungsinstitut (Institut de Veille Sanitaire) und Météo France arbeiten Hand in Hand, um Wetter- und Gesundheitsdaten und -prognosen in Echtzeit bereitzustellen und das Gesundheitspersonal und die Bevölkerung darüber aufzuklären, wie die Sicherheit beim Auftreten einer Hitzewelle erhöht werden kann. Die WMO und die WHO entwickeln Hinweise zur Einführung von Frühwarnsystemen zur Überwachung des Zusammenhangs zwischen Hitze und Gesundheit, um ähnliche Initiativen in anderen Teilen der Welt zu unterstützen.
• Die japanische Wetterbehörde (Japan Meteorological Agency, JMA) stellt Frühwarnungen über extreme Temperaturereignisse bereit mit dem Ziel, die Wahrscheinlichkeit signifikanter Hitze- und Kälteextreme eine bis zwei Wochen zuvor vorauszusagen. Anhand dieser Frühwarnungen wird versucht, die Auswirkungen extremer Temperaturen auf die menschliche Gesundheit und auf Sektoren wie beispielsweise die Landwirtschaft und die Energieversorgung zu mildern.
Zahlen und Fakten
• Jedes Jahr sterben rund 900 000 Menschen an Malaria, 80 % von ihnen leben in Subsahara-Afrika. [WHO]
• Schätzungen zufolge werden aufgrund des Klimawandels bis Mitte des kommenden Jahrzehnts über 80 Millionen Menschen mehr Menschen in Afrika als heute dem Malariarisiko ausgesetzt sein. [Britische Regierung]
• Bis zum Jahr 2030 wird in einigen Ländern das Durchfallrisiko aufgrund der Klimaänderungen gegenüber heute um voraussichtlich 10 % steigen. 2002 starben weltweit 2,2 Millionen Menschen an Durchfall. [WHO]
• Ein Temperaturanstieg von 2 bis 3 Grad Celsius erhöht die Anzahl der Menschen, die klimabedingt einem Malariarisiko ausgesetzt sind, um rund 3 bis 5 %; dies entspricht einer Anzahl von mehreren Hundert Millionen Menschen. [The Lancet via WHO]
• Im Jahr 2007 wurden in Italien mehrere Hundert Fälle von Chikungunyafieber gemeldet, das in der Vergangenheit nur sehr vereinzelt auftrat. Die tropische Infektionskrankheit wird von der asiatischen Tigermücke übertragen, die auch Dengue-Fieber und Gelbfieber überträgt. [WHO]
• Für den Zeitraum 1970-1995 ist eine positive Korrelation zwischen der jährlichen Anzahl der Dengue-Fieber-Epidemien im Südpazifik und den vom La-Niña-Phänomen erzeugten wärmeren und feuchteren Wetterbedingungen nachweisbar. [The Lancet via WHO]
• Die europäische Hitzewelle im Jahr 2003 forderte rund 70 000 Opfer auf dem gesamten Kontinent. (WHO)
• In Bulgarien verursachte die Hitzewelle im Jahr 2007 über 1500 Brände in nur 4 Tagen.[WMO]
• Im Jahr 2006 fegte ein Sandsturm über ein Achtel des Gebiets der Volksrepublik China hinweg. [WMO]
• In Kolumbien hat sich die Anzahl der Malariafälle seit 1970 verdoppelt. Ein Zusammenhang mit der Klimaänderung ist nachweisbar. [Weltbank]