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bole", Merk- und Wahrzeichen, welche eine große Rolle in der altchristlichen Kunst spielen. Die «Gleichnisse», in welchen die Lehren des Evangeliums ausgesprochen sind, wurden in der Formensprache wiedergegeben. Christus nannte sich den «guten Hirten», das «Opferlamm», welches die Sünden der Welt trägt, den «Säemann»; die Apostel bezeichnet er als «Menschenfischer» u. s. w.
Das alte und neue Testament - ersteres namentlich in den Psalmen, letzteres in den Parabeln - enthalten eine Fülle solcher Gleichnisse und Schlagworte, die sich gegenständlich darstellen ließen, und der christliche Geist erfand immer noch neue dazu. Tiere, Pflanzen, Geräte u. s. w. wurden zu solchen «Symbolen», die einen religiösen Gedanken ausdrückten.
Es würde zu weit führen, eine erschöpfende Aufzählung dieser «Symbole» zu geben, nur einige der wichtigsten seien erwähnt. Dazu gehören das Lamm und der Hirt, die Taube, der Fisch (- dessen griechische Bezeichnung Ichthys auch noch zu einer besonderen Deutung Anlaß gab: Jesus Christus, Theou Yios, Soter, d. h. Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser -), der Hahn, der Pfau, (wohl richtiger Phönix, der unsterbliche Vogel), der Weinstock, die Palme, die Lilie, der Kelch, das Schiff u. a. Dazu kamen noch das «A und O» (Alpha und Omega, der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets, Anfang und Ende) und das Handzeichen Christi (Monogramm), gebildet aus den griechischen Buchstaben Ch und R in der Form der Fig. 216.
Erzählende Darstellungen. Diesen Wahr- und Merkzeichen begegnen wir schon in den Katakomben, und auch in der späteren Zeit werden sie in ausgedehntem Maße verwendet, obwohl da - seit dem 5. Jahrhundert - die erzählenden Darstellungen in den Vordergrund treten. Anfänglich hatten auch diese die Aufgabe, nicht so sehr die wirklichen Ereignisse bildlich wiederzugeben, sondern die «Gleichnisse» in ausführlicherer Weise, durch eine Reihe von Bildern, zu verdeutlichen, waren also auch von «symbolischer» Art, und drückten nur «Gedanken» aus. - Erst später gab man die biblischen Erzählungen als wirkliche Geschehnisse inhaltsgetreu wieder, und zwar sowohl jene des alten wie des neuen Testamentes. Hierbei wählte man vor allem solche Vorgänge, welchen ein höherer Sinn, eine tiefere religiöse Bedeutung unterlegt werden konnte, insbesondere Beziehungen auf das ewige Leben und die Auferstehung der Menschen.
Darstellung des Heilands. Die Persönlichkeit des Heilands selbst darzustellen wurde in der ersten Zeit vermieden, um jeden Anklang an den «Götzendienst» zu ver-
^[Abb.: Fig. 211. Altchristlicher Sarkophag.
Rom, Museum des Lateran.] ¶
meiden; man begnügte sich mit «symbolischen» Andeutungen (als «guter Hirt»),
und auch in den erzählenden Bildwerken kommen bis zum 5. Jahrhundert Hauptvorgänge aus dem Leben Christi, wie die Kreuzigung, gar nicht zur Verwertung. - Am frühesten erscheinen Darstellungen aus der Kindheit des Erlösers; daneben auch Maria und die Apostel (und Propheten). Mit der festeren Begründung des Christentums verlor sich diese Scheu und man wagte sich an die bildliche Wiedergabe der Persönlichkeit des Heilands und der Leidensgeschichte. In den ältesten Bildern erscheint Christus in schöner Jünglingsgestalt, bartlos und mit gelocktem Haar, später wird er bärtig, mit langem Haar und männlich ernsten Gesichtszügen abgebildet. Es wirkte da noch der Schönheitssinn der Antike nach. Darum ging man auch nur zögernd an die Darstellung der Kreuzigung, zumal man sich vor der Wiedergabe des nackten Körpers noch scheute.
Weltliche Bilder. Die altchristliche Kunst war so ausschließlich auf das Religiöse und Uebersinnliche gerichtet, daß Bilder aus dem irdischen Leben fast gar nicht vorkommen, und selbst die wenigen dieser Art haben eine Beziehung zu der Religion. Die Wiedergabe von Märtyrerscenen unterblieb wohl aus den gleichen Gründen, aus welchen die Kreuzigung nicht beliebt war; wobei wohl stark der Umstand ins Gewicht fiel, daß man nicht die künstlerische Kraft besaß, solchen Vorgängen das Abstoßende zu benehmen und ihnen eine innere Schönheit zu verleihen. Es fehlten hierzu die Vorbilder aus der Antike, die für alle anderen Gestaltungen sich fanden.
Beibehaltung der antiken Formen. Darin liegt ja das entscheidende Merkmal der altchristlichen Kunst, daß sie auf dem Gebiete der Malerei und Bildnerei für den neuen Gedankenkreis keine neuen entsprechenden Formen finden konnte, sondern mit jenen der Antike sich behalf, was zu manchen seltsamen Erscheinungen und Widersprüchen führte. Nur in der Baukunst sehen wir auch eine selbständige, dem christlichen Geiste und dem neuen Zwecke angepaßte Form in der Basilika aufkommen.
In der Uebereinstimmung von Inhalt und Form liegt aber das Wesen der wahren Kunst und in diesem Sinne ist die altchristliche daher eine Uebergangsstufe und Vorläufer einer neuen Entwicklung, welche nach dem Verfall der Antike auf vielfach neuen Grundlagen zu selbständiger Eigenart gelangte.
Kleinkunst. Es soll noch in Kürze der Kleinkunst dieser Zeit gedacht werden. Die besten Leistungen derselben sind die Elfenbeinschnitzereien, von denen ich bereits gesprochen habe; sonst sind nur bemerkenswert die sogenannten «Goldgläser», deren Herstellungsweise von einer eigentümlichen Kunstfertigkeit zeugt. Bei diesen Gläsern wurde auf dem Grunde eine Zeichnung mit Goldblättchen ausgelegt und eine zweite flüssige Glasschicht darüber
^[Abb.: Fig. 242. Geschnitztes Elfenbeingefäß.
Berlin, Museum.] ¶