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Fin de chantier: Haus mit zwei Gesichtern
Die Räume des Roten Kreuzes des Kantons Basel-Stadt waren früher auf mehrere Standorte verteilt. Auch dank grosszügiger Spenden konnte das Rote Kreuz eine Liegenschaft direkt hinter dem Bahnhof erwerben.
Die Räume des Roten Kreuzes des Kantons Basel-Stadt waren früher auf mehrere Standorte verteilt. Dies machte die Abläufe ineffizient, und etliches war improvisiert. Auch dank grosszügiger Spenden konnte das Rote Kreuz eine Liegenschaft an der Bruderholzstrasse direkt hinter dem Bahnhof erwerben; weitere Spenden für den Bau sind willkommen. Das Wohnhaus vom Ende des 19. Jahrhunderts musste einem Neubau weichen. Forsberg Architekten entwarfen an seiner Stelle einen Neubau und liessen sich dabei von den «Baumgartner-Häusern» mit einer repräsentativen Stadt- und einer privaten Hofseite inspirieren. Über 300 solcher Mehrfamilienhäuser entwarfen Wilhelm Emil Baumgartner und Hans Hindermann zwischen 1926 und 1935. Sie prägten damit die Stadt bis heute.
Gegen die Strasse zeigt der Neubau denn auch ein markant städtisches Gesicht mit einer von grossformatigen Fenstern perforierten Fassade in den vier Obergeschossen. Hofseitig hingegen tanzt das Haus mit geschwungenen Balkonen aus der Front. Hinter der homogenen Fassade verbergen sich unterschiedliche Nutzungen. Im Erdgeschoss sind der Secondhandshop und die Kleidersammelstelle — mit einem Roten Kreuz als Griff der Klappe — eingerichtet. Im 1. und 2. Obergeschoss Kursräume und im 3. Stock die Verwaltung des Roten Kreuzes Basel-Stadt. Im 4. Stock und im Attikageschoss gibt es vier Wohnungen. Tragend sind die Fassaden und der Kern, ansonsten lassen sich die Geschosse frei einteilen. Dies ermöglicht kleinteiligere Strukturen in den Büro- und Wohngeschossen und grössere Räume für den Laden und die Kursräume.
Beim Bauen für eine Organisation wie das Rote Kreuz spielen die Kosten eine besonders wichtige Rolle, sowohl im Budget als auch im Ausdruck des Gebäudes. Dies entsprach auch der «Strategie der Reduktion», von der sich die Architekten leiten liessen. Sie beschränkten sich auf wenige Formen und Materialien und verliehen dem Haus einen gleichermassen zeitgenössischen wie zeitlosen Ausdruck. Die Strassenfassade erinnert — auch mit dem Schriftzug «Rotkreuzhaus» — an Werke der klassischen Moderne. Der dick auf die Dämmung aufgetragene Kratzputz wird gut altern. Die grossen Schwingflügelfenster lassen sich platzsparend öffnen und lüften die Räume effizient. Die Gestaltung des unterkellerten Hofs übernimmt die Formensprache der ausladenden Balkone. Hier findet in einer Betonnische auch eine aus dem abgebrochenen Altbau gerettete Figur einen neuen Platz.
Geschäftsstelle Rotes Kreuz, 2011
Bruderholzstrasse 20, Basel
– Bauherrschaft: Schweizerisches Rotes Kreuz, Kanton Basel-Stadt
– Architektur: Forsberg Architekten, Basel; Magnus Forsberg und Malin Lindholm
– Auftragsart: Studienauftrag, 2008
– Kosten (BKP 1–9): CHF 6,95 Mio.