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PFAS sind Chemikalien, die Menschen krank machen können. Eine Karte, die SRF mit anderen Medien ausgearbeitet hat, zeigt nun, wie verbreitet PFAS-Rückstände in Wasser und Böden in ganz Europa sind.
Was sind PFAS? PFAS steht für «Per- und polyfluorierte Alkyl-Substanzen» und ist ein Überbegriff für eine Gruppe chemischer Stoffe (PFBA, PFHxS, PFOS, PFOA, PFNA etc). PFAS werden seit den 1940er Jahren eingesetzt und sind in vielen Industriebereichen beliebt, weil sie etwa wasser- und fettabweisend sowie temperaturbeständig sind.
So ist die Karte zu verstehen
- Welche Standorte sind eingezeichnet? Journalisten und Journalistinnen aus ganz Europa haben im Rahmen des «Forever Pollution Project» PFAS-Messdaten aus über 100 verschiedenen Quellen zusammengetragen. Standorte mit einem Wert von über 10 Nanogramm pro Kilogramm wurden in die Karte eingetragen. Der Messwert zeigt nicht die Konzentration eines PFAS-Stoffes, sondern die Summe aller PFAS-Substanzen an einem Standort.
- Wasser oder Boden? Aufgeführt sind Messungen im Wasser sowie im Boden. Die Messdaten sind nicht direkt vergleichbar, da ein Kilogramm Trockensubstanz andere Konzentrationen aufweist als ein Liter Flüssigkeit.
- Was bedeuten die Messwerte? Die Schweiz kennt für einen Teil der PFAS-Substanzen einen Trinkwasser-Höchstwert von 300 ng/L (für PFOS, PFHxS) resp. 500 ng/L (für PFOA), nicht jedoch für die übrigen. Zum Vergleich: Auf EU-Ebene ist ein Vorschlag hängig, sämtliche PFAS-Substanzen im Trinkwasser mit einem Grenzwert von 100 ng/L (Summe einer Untergruppe von etwa 20 PFAS) resp. 500 ng/L (Summe aller PFAS) zu regulieren. Einzelne Länder haben bereits einen deutlich strengeren Grenzwert, so etwa Dänemark mit 2 ng/L (Summe von vier PFAS).
PFAS sind entsprechend in Feuerlöschschäumen zu finden und werden bei der Herstellung von Bratpfannen, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika, Textilien für Möbel und Outdoor-Kleidung, oder Fotografien und Verchromungen verwendet.
Wie gefährlich sind PFAS? Wer eine Regenjacke trägt oder eine Bratpfanne normal benutzt, hat nichts zu befürchten. Problematisch für den Menschen sind aber PFAS-Rückstände, die bei der Herstellung von Produkten wie Bratpfannen entstehen und via Wasser oder Böden in die Nahrungskette gelangen. Die Europäische Umweltagentur geht bei grossen PFAS-Belastungen etwa von einem erhöhten Risiko für Leberschäden, Nieren- und Hodenkrebs, Schilddrüsenerkrankungen sowie Entwicklungsschäden bei ungeborenen Kindern aus (siehe ausführlich hier).
Ein weiteres Problem: PFAS sind sehr stabil, das heisst, sie bauen sich nicht selber ab und bleiben in der Umwelt. Diese Eigenschaft hat ihnen den Übernamen «forever chemicals» beschert.
Was zeigt die Karte? Das Verdienst des «Forever Pollution Project» ist eine Karte, die erstmals zeigt, dass PFAS europaweit in Böden und Gewässern vorkommen und an gewissen Standorten hohe Konzentrationen vorherrschen.
In der Schweiz sind PFAS schon seit einigen Jahren bekannt. Im Januar wurden Daten aus einer umfassenden Bodenstudie der ZHAW und des Bundesamts für Umwelt öffentlich, die PFAS schweizweit nachweisen konnte. Messungen zu PFAS im Trink- und Grundwasser laufen derzeit.
SRF als Teil des «Forever Pollution Project»
Die Europakarte wurde vom «Forever Pollution Project» entwickelt. Federführend waren Le Monde (Frankreich), NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung (Deutschland), RADAR Magazine und Le Scienze (Italien), The Investigative Desk und NRC (Niederlande) sowie das Netzwerk «Arena for Journalism in Europe». SRF ist Teil des «Forever Pollution Project».
Was ist bislang passiert? In Europa ist das Thema PFAS angekommen. PFOS, ein besonders schädlicher Stoff aus der Gruppe der PFAS, ist seit einigen Jahren verboten. Derzeit ist auf EU-Ebene ein Vorschlag hängig, der PFAS umfassend verbieten will.
PFAS und Klagen wegen möglicher Schäden beschäftigen aber auch die Gerichte. Der bekannteste Fall wurde 2019 verfilmt: «Dark Waters» erzählt die Geschichte jenes Anwaltes, der die erste PFOA-Verschmutzung in der Nähe eines Teflonwerks von DuPont in West Virginia aufdeckte. Aus den Prozessunterlagen ging hervor, dass DuPont bereits 1961 wusste, dass PFOA giftig ist.
Kanton Wallis reagiert
Der Kanton Wallis verbietet per sofort das Fischen im Stockalperkanal bis auf weiteres. Bereits gefangene und eingefrorene Fische sollten nicht gegessen werden. Untersuchungen des Grundwassers und gefangener Forellen haben gezeigt, dass die PFAS-Konzentration in einigen Fällen über dem erlaubten Höchstgehalt der Verordnung der Europäischen Kommission liegen, heisst es in einer Mitteilung des Kantons. Die Schweiz habe bislang keinen Grenzwert für PFAS festgelegt, dennoch verbiete man nun den Fang und Verzehr der Fische aus dem Stockalperkanal vorsorglich. Untersuchungen des Wassers, der Böden und Pflanzen sollen weitergeführt und die Verschmutzungsquellen saniert werden. Die PFAS-Belastung stammt von den Geländen der ehemaligen Raffinerie Collombey und des Chemiestandortes Monthey – dort wurde Feuerlöschschaum mit PFAS eingesetzt.
Was kommt auf Europa zu? Die Sanierung der mit PFAS belasteten Standorte kann kostspielig sein. In der Schweiz wurden bereits erste PFAS-belastete Standorte saniert, so u.a. im Wallis oder im Thurgau. Eine umfassende Sanierung aller Orte ist in der Schweiz aber noch ausstehend.
Daneben kommen auf die verschiedenen Länder mit PFAS-Belastungen möglicherweise auch hohe Gesundheitskosten zu. Studien gehen von jährlichen Ausgaben in Europa von bis zu 84 Milliarden Euro aufgrund von PFAS-Schäden aus.
SRF berichtet vertiefend zu den PFAS in der Schweiz
- im Radio SRF2 Kultur, Wissenschaftsmagazin: am Samstag, 25.2., 12:40 Uhr oder als Podcast
- im Fernsehen SRF1, Kassensturz: am Dienstag, 28.2., 21:05 Uhr