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Hans Hilfiker, 1901 in Zürich geboren, studierte nach einer Feinmechanikerlehre Elektrotechnik an der ETH Zürich. Im Dienste der Albiswerke war er von 1929 bis 1931 am Aufbau des internationalen Telefonnetzes in Argentinien beteiligt. Zurück in der Schweiz entwarf er für die SBB auch einen Umladekran und Perrondächer. Als Direktor bei der Therma AG (1958–1968) entwickelte er eine neue modulare Systemküche, die zur Schweizer Küchennorm führte, ab 1970 unterrichtete er am Technikum Windisch. Erst spät wurde Hilfiker als Designer anerkannt; er starb 1993 in Gordevio. Ob gross oder wie hier im Taschenformat, die Schweizer Bahnhofsuhr mit ihrem roten Sekundenzeiger ist eine Designikone.
von Gabrielle Boller
Es gibt Dinge, die sind so alltäglich und vertraut, dass man sie sich gar nicht mehr wegdenken kann – und auch nie auf die Idee käme, dass sie nicht schon immer irgendwie existiert hätten. In diese Kategorie des Immer-schon-da-Gewesenen gehört fast exemplarisch die Schweizer Bahnhofsuhr. Doch, auch wenn man das gerne glauben möchte, dieses heute im digitalen Allerlei schon fast archaische Stück Zeitanzeige ist nicht etwa in einer Art organischem Wachstum aus den Strukturen des Bahnhofperrons einst einfach hervorgegangen, es wurde, wie jedes durchdachte Element des öffentlichen Raums, entworfen, und zwar in den 1940er-Jahren vom Elektroingenieur Hans Hilfiker. Der wollte damals keineswegs ein Stück Designgeschichte schreiben, sondern hatte als Leiter der Dienste für ortsfeste elektrische und mechanische Anlagen der Bauabteilung III der SBB den Auftrag, die Bahnhofsuhren untereinander zu vernetzen. Die Koordination der Uhren nach einem zentralen Signal wurde zu jener Zeit, als die Elektrolokomotiven die alten Dampfloks ablösten, zu einer Voraussetzung für den reibungslosen Zugverkehr – die Zeit konnte bei den schnelleren Verbindungen nicht an jedem Bahnhof abweichend gemessen werden. Hilfiker gestaltete für die Uhren auch ein einfaches, kreisrundes Zifferblatt – fette schwarze und kürzere, etwas feinere Striche markieren die Minutenskala, zwei dicke Balken fungieren als Stunden- und Minutenzeiger. Das unverwechselbare Markenzeichen der Uhr ist jedoch der rote Sekundenzeiger mit der scheibenförmigen Spitze, der unweigerlich an die Kelle des Stationsvorstands erinnert, mit der früher das Signal zur Abfahrt der Züge gegeben wurde.
Auf der Zwölf bleibt der Zeiger kurz stehen, legt, wie der gestresste Bahreisende, der gerade mal wieder in letzter Sekunde seinen Zug erreicht hat, eine kleine Verschnaufpause ein. Der berühmte Minutensprung des Sekundenzeigers war damals technisch bedingt: Weil die Zentraluhr nur Minutenimpulse aussandte, erhielt der Sekundenzeiger einen eigenen kleinen Elektromotor, und da der nicht überall synchron lief, wurde der Sekundenzeiger etwas beschleunigt – auf der Zwölf schaltete dann der Impuls des Minutenzeigers wieder alle gleich. Man merkt, hier war ein findiger Ingenieur am Werk, dem nichts zu schwer war, und der ganz nebenbei auch noch das wohl weltweit meistkopierte Zifferblatt geschaffen hat – als 2012 die Bahnhofsuhr plötzlich auf dem neuen iPad erschien, einigten sich Apple und SBB nachträglich und schlossen eine Lizenzvereinbarung in unbekannter Höhe ab. Die grossen Bahnhofsuhren werden heute noch von Moser-Baer in Sumiswald hergestellt, doch richtigen Kultstatus erreichte die Uhr erst, seit es sie auch fürs Handgelenk gibt – als Armbanduhr von Mondaine gemahnt das zeitlose Design seit 1986 auch im Taschenformat an eine der Schweizer Lieblingstugenden, an die Pünktlichkeit, und hat es, zur Designikone aufgestiegen, selbst in die Sammlung des Museum of Modern Art in New York geschafft.