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Konfidentiell.
Luzern 27 Decembre 1875.
Verehrtester Herr Präsident!
Wenn ich mir erlaube Ihre kostbare Zeit durch diese Zeilen in Anspruch zu nehmen, so geschieht es, weil es eine Angelegenheit betrifft, die mir sehr am Herzen liegt. –
Am 13 Novembre abhin hat die Direktion das Reglement betreffend die Organisation des Expropriationswesens erlassen. In Ausführung desselben sind bereits einige einleitende Schritte gethan und mehrere der periodisch in Funktion trettenden Abtheilungskomissäre ernannt worden. Es erübrigt noch die Bestellung des Expropriationsbüreau, ganz besonders die Ernennung eines tüchtigen Chefs für die Leitung desselben. –
Ich setze voraus, daß es nicht in der Absicht der Direktion liegen werde die Bauten gleichzeitig auf der ganzen Linie in Angriff zu nehmen, immerhin werden dieselben auch auf den letzten Strecken mit dem Frühjahr 1878 beginnen müssen, wenn das ganze Netz bis Ende 1880 vollendet sein soll. –
Will man aber Verzögerungen im Fortgang der Bauten in Folge rückständiger Expropriationen vermeiden und die Letztern mit Vortheil für die Gesellschaft besorgen, so ist es unter obiger Voraussetzung nothwendig die Expropriationen auf der ganzen Linie in den zwei nächsten Jahren 1876 & 1877 durchzuführen.|
Für diesen Zeitraum wird die Aufgabe des Expropriationsbüreau's eine sehr umfangreiche und verantwortungsvolle sein, Sie werden daher begreifen, daß ich wünschen muß, die Leitung desselben einem Manne zu übertragen, zu dessen Ehrenhaftigkeit und Tüchtigkeit ich volles Vertrauen habe. –
Als Solchen habe ich der Direktion Herrn Hallauer bish. Chefkomissär im Kanton Tessin vorgeschlagen und ich möchte Sie, verehrtester Herr Präsident, dringend bitten diese Wahl nicht zu beanstanden.
Der Kostenpunkt kann kaum in Betracht fallen, denn nach 2 höchstens 2½ Jahren wird die Hauptaufgabe des Expropriationsbüreau erledigt sein & eine Reorganisation desselben im Sinne der Vereinfachung erfolgen. –
Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Voreinschatzungen mit großer Sorgfalt gemacht werden, sonst fehlen dem Expropriationsbüreau & dem Departement jede Kontrolle gegenüber den Abtheilungskomissären sowie jeder zuverläßige Maßstab für die Beurtheilung der Verträge und der andern Entscheide. – Es ist meine vollendete Überzeugung, daß die sorgfältigen Voreinschatzungen des H: Hallauer unserer Gesellschaft im Tessin 2–300,000 Franken erspart haben, denn diesen sachkundigen Vorarbeiten ist es wesentlich zu verdanken, daß Trog den ganz ungewöhnlichen Schwierigkeiten, welche im Tessin den Expropriationen entgegenstanden, die gütlichen Erwerbungen zu sehr billigen & die gerichtlichen Erwerbungen zu | ganz annehmbaren Preisen gemacht werden konnten. –
Die Mitglieder der eidg. Schatzungskomission und der bundesgerichtl. Instruktionskomission werden übereinstimmend bezeugen, daß ihnen das Komissariat jeweilen auf dem wirthschaftlichen Gebiet alle nur wünschbaren Aufschlüsse gegeben hat und zwar aus guten zuverläßigen Quellen, was im Tessin ungleich größere Schwierigkeiten bietet als in geordneten Gemeinwesen diesseits den Alpen. – Ich habe im landwirthschaftlichen Taxationswesen auch vielseitige Erfahrungen gemacht, aber ich gestehe gerne, daß mich H. Hallauer auf diesem Gebieth an nüchterner Auffassung und Beurtheilung der concreten Verhältnisse weit übertrifft. – Dazu kommt daß er nun die landw. und güterrechtlichen Verhältnisse im Tessin kennt wie kein Andrer, so daß er allein in der Lage ist die dortigen Abtheilungskomissäre mit voller Sachkenntniß zu kontrolliren. Er kennt auch die landwirth. Verhältnisse diesseits den Alpen wie Wenige. Er ist bei allem dem ein Ehrenmann und dem Unternehmen der Gotthardbahn treu ergeben. – Nach meiner Überzeugung kann es unmöglich im Intresse der Gesellschaft liegen in diesem Augenblick eine so bewährte Kraft bei Seite zu setzen. –
Ich verhehle Ihnen nicht, daß ich eine Übergehung desselben als ein schweres Unrecht empfinden würde, das mein Vertrauen tief erschüttern müßte. – Ich habe Ihnen seiner Zeit das Versprechen gegeben mich in schwierigen Lagen vertrauensvoll direkt an Sie zu wenden, ich thue es im vorliegenden Fall um ein Unrecht gegen einen Freund abzuwenden, und bitte Sie mir deßhalb nicht zu zürnen. –
Genehmigen Sie die Versicherung meiner aufrichtigsten Hochschätzung
Weber