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Harry Schraemli
Heinrich Chira Schraemli (1904–1995) wurde im Jahre 1918 in eine kombinierte Koch- und Kellnerlehre in Trier gesteckt — was nicht unbedingt den Neigungen des Vierzehnjährigen entsprach.
Koch und Kellner
Sein beruflicher Werdegang führte ihn von Deutschland in die Schweiz, nach Grossbritannien, nach Frankreich und Italien. In Holland arbeitete Harry Schraemli als Barkeeper.
1926 war er der jüngste Oberkellner im Basler Hotel St. Gotthard, ein Jahr später der jüngste Maître d’Hotel der Schweiz und 1928 schliesslich der jüngste Hoteldirektor des Landes. Ab 1929 begann Harry Schraemli regelmässig in Fachzeitschriften zu veröffentlichen.
Barkeeper und Lehrer
Harr Schraemlis Interesse galt der „Mixologie“ – die Kunst der Zubereitung von Cocktails. An der Hotelfachschule Luzern organisierte er den ersten seiner Barkurse, die für die folgenden zwanzig Jahre ausgebucht waren. 1931 gab Harry Schraemli im Auftrag der Union Helvetia, Luzern das erste wirklich schweizerische Lehrbuch heraus – Neuzeitliches Mixen – und schuf damit die Grundlage für die erfolgreiche Entwicklung des Schweizerischen Bargewerbes.
Autor und Forscher
Harry Schraemli war Redaktionsmitglied der Fachzeitschriften Hotellerie, Der Gong und Grill. Er arbeitete für die Neue Zürcher Zeitung NZZ und gründete 1956 die Gildenzeitung Schweizer Gastronom, als deren Redaktor er bis 1981 tätig war. Die von ihm publizierten Artikel und Bücher festigten seinen Ruf als Autor sowie als Fachmann und so folgte er dem Ruf der UNO, für die er von 1962–1972 als Experte für Hotellerie und Gastronomie die Welt bereiste.
Harry Schraemlis berühmtestes Werk ist vielleicht Das grosse Lehrbuch der Bar, dessen Erstauflage 1943 erschien. Die prägnant und praxisgerecht dargebotene Übersicht der Barkunde bietet Barkeepern, Barmeistern und Barmanagern den unverzichtbaren fachlichen Background. Vervollständigt wird die Publikation mit mehr als 160 Rezepten aus allen Getränkegruppen.
Von Lucullus zu Escoffier ist ein weiteres bekanntes Werk von Harry Schraemli. 1949 erschienen handelt es sich um ein „Schlemmerbuch für kluge Frauen und gescheite Männer“. In rund 30 hochinteressanten und amüsant geschriebenen Kapiteln erzählt der Autor von Leben, Laufbahn und Leistungen der berühmtesten Köche und Feinschmecker der Weltgeschichte, von seltsamen Gastmählern, seltsamen Leckerbissen und von vielen anderen gastronomischen Köstlichkeiten und Kuriositäten. Aber nicht nur Speisen, sondern auch Staatsmänner, Komponisten und Künstlerinnen von Weltruf finden anekdotische Erwähnung. Und es versteht sich von selbst: Das Werk enthält viele Anregungen für Küche und Tafel und eine Menge Rezepte aus alter und neuer Zeit.
Gründer des Schweizerischen Gastronomiemuseums
Bereits in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts hatte Harry Schraemli eine grosse Sammlung gastronomischer Literatur aufgebaut. Über die Jahre wurde diese mehrfach einem interessierten Publikum vorgestellt, 1971 und 1972 dann bei Sotheby’s London versteigert.
1975 gründete der „Cocktail-König“ mit Gesinnungsfreunden das Schweizerische Kochkunstarchiv SKKA als eigentliches Studienzentrum für die Schweizer Gastronomie, das dank Harry Schraemli rasch über einen wachsenden Bestand internationaler Literatur aus den Bereichen Gastronomie und Hotellerie verfügen konnte. 1985 wurde diese Sammlung als Einlage an die neu gegründete Stiftung Schweizerisches Gastronomie-Museum Thun übergeben. 1988 öffnete das Schweizerische Gastronomiemuseum in Schloss Schadau seine Tore.
Harry Schraemlis Leben und Arbeit wurden 1994 im Rahmen einer Sonderausstellung gewürdigt und gefeiert. Ein Jahr später verstarb er an seinem Wohnort in Hergiswil. Im Schweizerischen Gastronomiemuseum Thun, im Harry-Schramli-Kabinett, können Sie über sein altes Transistorradio eines der letzten mit ihm geführten Interviews mithören.