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Editorial
Als ich in den USA ankam, erhielt ich viele Ratschläge, darunter auch diesen, der sich als sehr weise erwies: «Versuchen Sie nicht, die amerikanische Politik kennen zu lernen, indem Sie in Washington anfangen. Fahren Sie zuerst in den Bundesstaaten herum. Beenden Sie Ihren Aufenthalt in der Hauptstadt. Nur dann werden Sie den Mechanismus der Macht ohne allzu grosse Schwierigkeiten begreifen.»
So beginnt La machine sur les genoux, das erste Buch von Bertil Galland (Cahiers de la Renaissance vaudoise, 1960), das in einer Reihe von Reportagen über die USA «am Ende der Herrschaft Eisenhowers» berichtet, wie es im Untertitel heisst.
Bertil Galland (Foto Keystone-SDA) wurde dieses Jahr 90 Jahre alt. Die Dokumentarfilmer Frédéric Gonseth und Catherine Azad haben mit ihrem Film La Saga Bertil Galland eine grossartige Hommage an diese Persönlichkeit des Journalismus und des literarischen Verlagswesens in der Westschweiz geschaffen. Der Film kam im Herbst in die Kinos, wurde am 31. Oktober auf RTS2 ausgestrahlt und kann dort nach wie vor geschaut werden.
Im 92 Minuten dauernden Film wird ein in jeder Hinsicht aussergewöhnlicher Weg erzählt. Der des Verlegers natürlich, ohne den die Westschweizer Literatur nicht das wäre, was sie ist: Maurice Chappaz, Corina Bille, Jacques Chessex, Nicolas Bouvier, Anne-Lise Grobéty, Alice Rivaz, Alexandre Voisard, um nur einige zu nennen, die Galland verlegt hat. Ganz zu schweigen von den deutschsprachigen Autoren, die Galland in der Westschweiz bekannt gemacht hat: Muschg, Frisch, Hugo Loetscher, Ludwig Hohl und viele andere.
Aber La Saga Bertil Galland erinnert auch in brillanter Weise an den Weg des Journalisten, dessen Chroniken und Reportagen, ob lokal oder aus der Ferne, Generationen von Leserinnen und Lesern von 24 heures, dann von L’Hebdo und Le Nouveau Quotidien geprägt haben.
Bertil Galland reiste in das vom Krieg zerrüttete Vietnam, nach Kambodscha, dem dieses noch bevorstand, und in das von der Kulturrevolution verwüstete China. Aber wir sahen ihn auch bei der Arbeit an der Kreuzung «des Figuiers», wo er das Geheimnis der vielen Unfälle, die sich dort ereigneten, lüftete, eine Episode, von der er heute lachend erzählt…
Das Leben von Bertil Galland lädt dazu ein, die Beziehung – und die Grenze… – zwischen Journalismus und Literatur zu hinterfragen. Sie waren bei ihm so eng miteinander verbunden waren, dass er schliesslich seinen Verlag schloss, weil er seine Freiheit als Journalist behalten wollte. Er weigerte sich, ein kommerzieller Verleger zu werden, um seinem nach wie vor starken Appetit auf Literatur und Poesie andere Formen zu geben.
Der ihm gewidmete Film lässt uns die gemeinsame Quelle von Bertil Gallands doppelter Karriere als Journalist und Verleger verstehen: dieselbe Leidenschaft, dieselbe Ambition, der französischsprachigen Schweiz eine Stimme zu geben, einen Beitrag zu ihrer Kulturgeschichte im weitesten Sinne zu leisten, den Frauen und Männern, die dort leben, zu ermöglichen, aus ihrer eigenen sozialen, historischen und politischen Realität heraus und in völliger Offenheit gegenüber der Welt zu lesen, zu denken und zu schreiben. Mit Bertil Galland bekam der Journalismus also seine eigentliche Bedeutung. Es sei dem Autor dieser Zeilen, der das Abenteuer Le Nouveau Quotidien schon in jungen Jahren an der Seite dieses hoch angesehenen Älteren erlebt hat, erlaubt, ihm dafür zu danken.
Denis Masmejan, Generalsekretär von RSF Schweiz