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Salvador Sobral gewann den 62. Eurovision Song Contest (ESC) im International Exhibition Centre in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Nächstes Jahr macht der ESC damit voraussichtlich in Lissabon halt. Sobral widmete den Sieg der «echten Musik». Diese habe nichts mit Show zu tun.
Altmodisch, simpel und sentimental
Sobrals «Amar Pelos Dois» (Lieben für zwei) ist ein Jazz-Walzer im Stile der 50er-Jahre, in dem ein Mann eine Frau fragt, ob sie sich nicht vorstellen könnte, zu ihm zurückzukehren? Falls nicht, dann werde er eben für zwei lieben. Das Lied ist altmodisch, simpel, sentimental und wird vom «Hipster» Sobral mit viel Gefühl vorgetragen.
Es geht das Gerücht, dass Sobral, der aus einer alten Adelsfamilie stammt, unter seinem voluminösen Hemd eine lebenserhaltende Apparatur trägt, weil er auf ein Spenderherz wartet. Die ersten ESC-Proben bestritt er aus gesundheitlichen Gründen nicht selber, seine Schwester Luisa, die das Lied komponiert hat, vertrat ihn. Über seinen Gesundheitszustand sagt er nur soviel: «Das geht keinen etwas an».
«Celebrate Diversity» in Kiew
«Celebrate Diversity» lautete das Motto des ESC in Kiew. Tatsächlich hoben sich einige Songs aus dem üblichen Einheitsbrei ab. Der Beitrag Italiens galt bei den Wettbüros im Vorfeld als Favorit. «Occidentali's Karma» von Francesco Gabbani zitiert Heraklit, Shakespeare, Marx und Erich Fromm. Der Sänger wurde von einem tanzenden Gorilla unterstützt.
Der Text bezieht sich auch auf Desmond Morris' Bestseller «Der nackte Affe» (1967), in dem der Mensch als haarloser Primat qualifiziert wird. Morris persönlich sagte in Interviews, ausser von John Lennon und Bob Dylan habe er noch nie so einen intelligenten Songtext gehört wie «Occidentali's Karma».
Jahr der ganz Jungen
Peinliche oder abwegige Vorstellungen wie in anderen Jahren hatte die Ausgabe 2017 nicht zu bieten. Eher auf der skurrilen Seite war allenfalls der Kroate Jacques Houdek mit seinem zweistimmig vorgetragenen Lied «My Friend».
2017 war am ESC auch das Jahr der ganz Jungen. Gleich drei 17-Jährige standen im Final: der Australier Isaiah - der erste Aborigine in der Geschichte des ESC - die Belgierin Blanche und der Bulgare Kristian Kostov. Am besten von ihnen schnitt Kostov mit dem zweiten Platz ab.
Schweiz im Halbfinal draussen
Der Schweizer Beitrag Timebelle - die Rumänin Miruna Manescu, ihr Landsmann Emanuel Daniel Andriescu und der Schweizer Samuel Forster – waren schon im Halbfinal am 11. Mai im zweiten Halbfinal ausgeschieden. Dies trotz Unterstützung bei vielen Fans aus Rumänien und aus Aserbaidschan, wo man das Lied «Apollo» aus dem dortigen Vorentscheid 2016 kannte.
(gku mit Material von sda)