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No Intenso Agora
Regie: João Moreira Salles
Im letztjährigen Berlinale-Programmtext ist zu lesen: «1966 nahm die Mutter des Regisseurs auf einer Kulturreise durch China ihre Eindrücke von Land und Leuten auf Film auf – 40 Jahre später entdeckte ihr Sohn das Material. Die Bilder der begeisterten Bildungstouristin kommentiert er mit Eindrücken des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia, der ebenfalls durch China reiste und die maoistische Politik genau beobachtete. Die Reise seiner Mutter im ersten Jahr der Kulturrevolution ist zugleich der Ausgangspunkt, von dem aus sich João Moreira Salles anderen in der Phase des Umbruchs befindlichen Gesellschaften annähert. Anhand überlieferter Bilddokumente seziert und analysiert er den brasilianischen Militärputsch 1964, das Ende des Prager Frühlings im August 1968 und immer wieder die Unruhen des Pariser Mai, die mit dem ‹Star der Revolte›, Daniel Cohn-Bendit, einen Mittler zwischen Paris und Berlin besassen. Eine essayistische und zugleich persönliche Annäherung an die parallelen Geschichten der Revolutionen in Prag, Frankreich und Brasilien und an deren Scheitern. Amateuraufnahmen und archiviertes Filmmaterial werden nebeneinandergestellt, so gelingt es, Beziehungen zwischen den Bildquellen und dem politischen Kontext aufzuzeigen.» João Moreira Salles, der Bruder von Walter Salles, der mit «Central do Brasil» 1998 den Goldenen Bären gewann, geht den grossen Veränderungen der 1960er-Jahre nach. Der Filmessay des brasilianischen Regisseurs ist eine intensive und melancholische Reflexion über das, was wir auf Bildern sehen und das, was dahinter verborgen ist. Das private Material der Mutter unterzieht der Sohn einer Neubetrachtung; er kombiniert sie mit zeitgleich entstandenen, meist privaten Filmausschnitten und montiert eine filmische Analyse dieser bewegten Jahre. Die Filmrollen, die er in Prager Archiven fand, trugen keine Namen, sondern nur Nummern, da angesichts der anrollenden Sowjetpanzer die Dokumentation der Ereignisse bereits gefährlich erschien. Salles äusserst poetische Reflexion entdeckt vor allem die Trauer nach einer kurzen Phase intensiven Glücks und zieht ein melancholisches Resümee der revolutionären Ereignisse.