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CoVac-1: Covid-Impfschutz ohne Antikörper
Menschen mit angeborenen oder erworbenen B-Zell-Defekten sprechen unzureichend auf die derzeit zugelassenen COVID-19-Impfstoffe an. Eine vielversprechende Option ist CoVac-1, ein experimenteller Impfstoff, der eine T-Zell-Antwort gegen verschiedene Virusstrukturen stimuliert.
Patienten, die keine Antikörper bilden können, sind besonders durch COVID-19 gefährdet und sprechen meist unzureichend auf Impfstoffe an.
In dieser Population erprobten deutsche Forscher einen peptidbasierten T-Zell-Aktivator: CoVac-1.
Dieser Impfstoff zielt darauf ab, eine zelluläre Immunantwort gegen SARS-CoV-2 zu stimulieren, während die zugelassenen Impfstoffe hauptsächlich auf eine humorale Immunität abzielen.
86 Prozent sprachen auf CoVac-1 an
In die Phase-I/II-Studie wurden 54 Patienten mit angeborenen oder erworbenen B-Zell-Defizienzen eingeschlossen. In den meisten Fällen war die Immunschwäche auf eine hämatologische Krebserkrankung und/oder eine B-Zell-depletierende Therapie zurückzuführen.
Die Teilnehmer erhielten jeweils eine subkutane Dosis des Impfstoffs. Nach vier Wochen konnte bei 86 Prozent der Teilnehmer eine spezifische T-Zell-Antwort gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden. Diese richtet sich gegen mehrere Viruspeptide (median 4 der 6 im Impfstoff enthaltenen Epitope). Die Wirksamkeit des Impfstoffs sollte durch die kursierenden Omikron-Varianten nicht beeinträchtigt werden, so die Forscher.
Die beobachtete zelluläre Immunantwort war stärker als die Abwehrreaktion von B-Zell-defizienten Patienten nach einer mRNA-Impfung, die sich gegen das Spike-Protein richtet. Sie war auch stärker als die T-Zell-Reaktion von Personen mit intaktem Immunsystem, die eine milde oder asymptomatische COVID-19-Erkrankung durchgemacht hatten.
In dieser Gruppe sprachen Geimpfte mit erworbenen B-Zell-Defekten mit höherer Wahrscheinlichkeit auf den Impfstoff an als diejenigen mit angeborenen Immunschwächen (87 % vs. 75 %). Es ergab ausserdem keinen Unterschied im Ansprechen, ob die Patienten mit Krebserkrankungen während der Studie eine Behandlung erhielten, die sich gegen CD20 richtete.
Niemand brach die Teilnahme an der Studie ab
Es gab keine Abbrüche der Studienteilnahme aufgrund unerwünschter Ereignisse und es traten keine schwerwiegenden impfstoffbezogenen Nebenwirkungen oder Komplikationen vom Grad 4 auf. In 87 Prozent der Fälle waren die lokalen Beschwerden mild (Grad 2 oder weniger). Wie erwartet entwickelten 94 Prozent der Geimpften ein Granulom in der Nähe der Injektionsstelle. 11 Prozent berichteten von einem Grad-3-lokalen Erythem, vier Prozent von einer inguinalen Lymphadenopathie und zwei Prozent von einer Hautulzeration.
Systemische Nebenwirkungen, die erfasst wurden, traten bei 26 Prozent der Teilnehmer auf (93 % davon Grad 1). Das häufigste Symptom war vorübergehende Erschöpfung (insgesamt 17 %). Es traten keine systemisch-entzündlichen Reaktionen auf. Bis zum Tag 56 erkrankten zwei Geimpfte an COVID-19, in beiden Fällen verlief die Infektion mild.
CoVac-1 ruft wirksame zelluläre Immunantwort hervor
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass CoVac-1 auch in dieser stark immunkompromittierten Population nach einer einzelnen Injektion eine wirksame zelluläre Immunantwort hervorruft. Sie weisen darauf hin, dass die Hälfte der Patienten neben dem B-Zell-Defekt auch eine niedrige Anzahl von T-Zellen im peripheren Blut aufwies.
Das schlechtere Ansprechen von Menschen mit angeborener Immunschwäche könnte darauf zurückzuführen sein, dass zusätzlich T-Zell-Defekte vorliegen. Die Untersuchung umfasste jedoch zu wenige Patienten dieser Gruppe, um definitive Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Forscher sind der Meinung, dass die beobachtete Wirksamkeit und Verträglichkeit des Impfstoffs eine Phase-III-Studie rechtfertigen.
Wer nahm teil?
- 54 Personen mit B-Zell-Defekten
- medianes Alter 61,8 Jahre (37–90)
- 28 % Frauen
- 83 % hatten ein zugelassenes COVID-19-Vakzin erhalten
Klinik
- 7 % angeborene Immundefekte
- 93 % erworbener B-Zell-Mangel (CLL 30 %, Mantelzelllymphom 24 %, Follikuläres Lymphom 20 %, DLBCL 9 %)