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Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist die Zahl der arbeitenden Kinder nicht zurückgegangen, sondern gestiegen. In der Corona-Krise führten wirtschaftliche Schocks und Schulschliessungen dazu, dass bereits arbeitende Kinder potenziell länger oder unter schlechteren Bedingungen arbeiteten, während viele weitere aufgrund von Arbeitsplatz- und Einkommensverlusten bei gefährdeten Familien in die schlimmsten Formen der Kinderarbeit gezwungen wurden. Das Ziel der SDG-Allianz 8.7, Kinderarbeit bis 2025 auszulöschen, rückt damit immer weiter in die Ferne.
Fast jedes zehnte Kind arbeitet
Doch nicht nur die Zahl der arbeitenden Kinder ist gestiegen – die Kinder sind tendenziell jünger und sie sind grösseren Risiken ausgesetzt. Mittlerweile ist mehr als die Hälfte der 160 Millionen arbeitenden Kinder 5 bis 11 Jahre alt. Alarmierend ist der Anstieg der Anzahl Kinder, die besonders gefährliche Tätigkeiten verrichten – sie ist von 2016 bis 2020 von 6.5 auf 79 Millionen gestiegen. Die Arbeit gefährdet die Sicherheit sowie die körperliche und seelische Gesundheit dieser Kinder.
Jedes dritte Kind geht nicht zur Schule
Doch die Kinder sind nicht nur von einem Arbeitsalltag, der körperliche und seelische Langzeitschäden verursachen kann, belastet. Auch ihre Bildung wird beeinträchtigt. Fast 28 Prozent der arbeitenden Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren und 35 Prozent der 12 bis 14-Jährigen gehen nicht zur Schule. All dies schränkt die Zukunftschancen der Kinder ein und führt zu einem Teufelskreis von Armut und Kinderarbeit, der über Generationen anhält. Die Kinder arbeiten in Fabriken, Minen oder in der Landwirtschaft. 70 Prozent der Jungen und Mädchen in Kinderarbeit sind im Agrarsektor tätig, 20 Prozent im Dienstleistungsbereich und zehn Prozent in der Industrie.
Brennpunkt Subsahara-Afrika
Besonders dramatisch war der Zuwachs von Kinderarbeit in den Ländern Afrikas südlich der Sahara. Seit 2016 hat die Region einen Anstieg von 16.6 Millionen Kinder zu verzeichnen. Das ist mehr als die doppelte Zahl des weltweiten Anstiegs in derselben Zeitspanne.
Das verlangt die ILO
Mit der Veröffentlichung des Berichts fordert die ILO die Regierungen und die internationalen Entwicklungsbanken auf, Investitionen in Programme zu priorisieren, die Kinder aus dem Arbeitsleben herausholen und wieder in die Schule bringen können, sowie in Sozialschutzprogramme, die Familien dabei helfen, ihre Kinder nicht arbeiten zu lassen.
Die konkreten Forderungen
- Angemessener sozialer Schutz für alle, einschliesslich eines universellen Kindergeldes.
- Erhöhte Ausgaben für kostenlose und qualitativ gute Schulbildung und die Wiedereinschulung aller Kinder – einschliesslich der Kinder, die vor COVID-19 nicht zur Schule gegangen sind.
- Förderung von menschenwürdiger Arbeit für Erwachsene, damit Familien nicht darauf angewiesen sind, dass Kinder helfen, das Familieneinkommen zu erwirtschaften.
- Ein Ende der schädlichen Geschlechternormen und Diskriminierung, die Kinderarbeit beeinflussen.
- Investitionen in Kinderschutzsysteme, landwirtschaftliche Entwicklung, ländliche öffentliche Dienstleistungen, Infrastruktur und Existenzgrundlagen.
Mehr Infos zu den Projekten von Solidar Suisse gegen Kinderarbeit
ILO-Bericht «Child Labour: Global estimates 2020, trends and the road forward»
Aktionsplattform zum internationalen Jahr für die Abschaffung der Kinderarbeit 2021