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19.05.09 EGCG verringert Übertragungsrate des HI-Virus beim Geschlechtsverkehr
Epigallocatechin-3-gallat schützt vor HIV-Übertragung aus Samen
Forscher entdeckten, dass der Wirkstoff aus Grünem Tee die Infektiosität von HIV-1 im Laborexperiment drastisch senkt
Ilona Hauber und ihre Kollegen vom Heinrich-Pette-Institut in Hamburg postulieren, dass dieser Hemmstoff, wenn er in konzentrierter Form in mikrobiziden Vaginalcremes enthalten ist, vor der sexuellen Übertragung von HIV schützen könnte.
Abb. 1: Das Polyphenol Epigallocatechin-3-gallat (EGCG), das bis zu 30% der Trockenmasse von grünem Tee ausmacht
Ulmer Wissenschaftler hatten vor 2 Jahren erkannt, dass im menschlichen Samen feinste Fäden, so genannte amyloide Fibrillen, enthalten sind, die mit HIV und der Zelloberfläche wechselwirken. Dies geschieht, in dem sich HIV in das Proteinnetz der Fibrillen einlagert, dadurch nah an die Zelloberflächen gelangt und so eine effektive Infektion von Zellen ermöglicht wird. Die Fibrillen heißen abgekürzt SEVI (Semen-derived Enhancer of Viral Infection) und sind Abbauprodukte eines Proteins, das in hohen Mengen im Samen enthalten ist. Mit Hilfe von SEVI erhöht sich die Infektiosität von HIV drastisch. Ein Hemmstoff, der SEVI im Samen abbaut und unschädlich macht, könnte somit auch die Ansteckung mit HIV bei der sexuellen Übertragung verringern, so war die Idee der Hamburger Forscher.
Hauber wurde hellhörig, als sie Studien über einen Wirkstoff im Grünen Tee las, der Proteinablagerungen und feinste Fibrillen in Blutgefäßen abbauen kann. "Wir testeten diesen Wirkstoff in hochreiner und konzentrierter Form an Zellen in Anwesenheit von SEVI und stellten fest, dass die Infektion von Zellen mit HIV-1 dramatisch sank", erklärt Hauber. Das Catechin EGCG, so heißt der Wirkstoff im Grünen Tee, verhindert die Bildung der Fibrillen und baut diese auch innerhalb mehrerer Stunden ab. Mit dem Elektronenmikroskop konnten die Hamburger Kollegen am Heinrich-Pette-Institut diese dynamischen Prozesse verfolgen.
Hauber warnt jedoch vor falschen Vorstellungen: "Es nutzt nichts, große Mengen an Grünem Tee zu trinken und dann zu glauben, damit sei man vor HIV geschützt! Der Wirkstoff EGCG muss in höherer Konzentration mit Samen in Berührung kommen, und das ist als Wirkstoff in Vaginalcremes vermutlich am besten zu erreichen. Wir hoffen, dass sich so vielleicht verbesserte Cremes entwickeln lassen, die auch für den afrikanischen Markt als kostengünstige Prophylaxe geeignet wären!"
Diskussion
Die Kreativität der Forscher ist hervorhebenswert, da sie ein bekanntes Wirkprinzip - nämlich die Verhinderung von Aggregation von bestimmten Proteinen (z.B. auch Substanz EGCG in grünem Tee verhindert tödliche Plaquebildung bei Parkinson und Alzheimer im Reagenzglas im Labor) auf ein neues Wirkziel hin getestet haben und mit Erfolg belohnt wurden. Das zeigt, dass ein Studium der generellen Nachrichtenlage neue Ideen hervorbringen kann und der Blick über den Tellerrand durchaus lohnenswert ist.
Es bleibt natürlich abzuwarten, ob aus anfänglichen Erfolgen "im Reagenzglas" auch eine konkrete Anwendung resultiert.
Quelle:
The main green tea polyphenol epigallocatechin-3-gallate counteracts semen-mediated enhancement of HIV-infection
I. Hauber, et. al., PNAS 2009, DOI: 10.1073/pnas.0811827106
Bitte zitieren Sie die Seite wie folgt:
EGCG verringert Übertragungsrate des HI-Virus beim
Geschlechtsverkehr
(URL: http://www.organische-chemie.ch/chemie/2009mai/egcg.shtm)
Externe Informationen zum Thema:
Strukturen weiterer Tee-Inhaltsstoffe im Überblick
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