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Verheerende Überschwemmungen, wilde Stürme, eine wütende Klimajugend – wir befinden uns mitten im Zeitalter der Klimaerwärmung.
Passenderweise wurden heute drei Forscher mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass wir das Klima unserer Erde besser verstehen.
Die Botschaft der Nobelpreis-Jury war dabei deutlich: «Die in diesem Jahr ausgezeichneten Entdeckungen zeigen, dass unser Wissen über das Klima auf einer soliden wissenschaftlichen Grundlage beruht».
Chaotisches Wetter, komplexes Klima
Der deutsche Klimaforscher Klaus Hasselmann erhält den Nobelpreis, weil er zeigen konnte, warum Klimamodelle zuverlässig sein können, obwohl das Wetter wechselhaft und chaotisch ist. Land, Wasser, Luft, der Mensch - alles hat einen Einfluss.
Klaus Hasselmann
Klimaforscher und Meteorologe
Jahrgang 1931, gründete das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und leitete es 24 Jahre lang. Der Hamburger konnte mit seiner Forschung belegen, dass die Klimaerwärmung vor allem auf das menschliche Handeln zurückzuführen ist.
«Klaus Hasselmann war ein echter Pionier», sagt Ulrike Lohmann, Klimaforscherin an der ETH Zürich. Sie bezeichnet Hasselmann als eine der smartesten Personen, die sie je getroffen hat. «Er hatte sich überlegt: Wie kann ich ein Klimamodell so zerlegen, das ich messen kann, was natürlich und was menschengemacht ist?»
Wetter versus Klima
Wetter ist das, was wir täglich erleben: Sonne, Wolken, Regen, Schnee, Wind, Wärme, Kälte und wie die Wetterelemente alle heissen. Sie finden zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort statt.
Das Wetter über einen längeren Zeitraum nennt man Klima; demnach das durchschnittliche Wetter über mehrere Jahrzehnte. Die Weltorganisation für Meteorologie spricht ab einer 30-jährigen Periode von Klima.
Den menschlichen Einfluss bewiesen
Der Meteorologe fand jene Signale im Computermodell, die natürliche Phänomene und menschliche Aktivitäten im Klima hinterlassen. Auf Basis dieser Signale konnte bewiesen werden, dass der Temperaturanstieg in der Atmosphäre auf den Menschen zurückzuführen ist.
Der deutsche Physiker Hasselmann teilt sich die eine Hälfte des Preises mit Syukuro Manabe.
Syukuro Manabe
Meteorologe und Klimatologe
Jahrgang 1931, forscht an der Princeton Universität (New Jersey, USA) über atmosphärische und ozeanische Wissenschaften. Der Japaner begann in den frühen 1960er Jahren mit einer Langzeitforschung zur Erderwärmung. Als einer der ersten stellte er die Klimaerwärmung über Computersimulationen dar.
Vater der Klimamodellierung
Der amerikanisch-japanische Meteorologe gilt als Pionier bei der Verwendung von Computern zur Erstellung von komplexen Klima-Simulationen. «Er war der erste, der ein Klimamodell gebaut hat, sozusagen der Vater der Klimamodellierung», so Klimaforscherin Lohmann.
Keep it simple
Die Arbeit des Meteorologen Manabe ist kennzeichnend für den Umgang mit komplexen Systemen. Sein Motto: Keep it simple. «Mit der Komplexität der Natur können wir niemals mithalten», zitiert die Nobelpreis-Jury den Forscher.
Syukuro Manabes Simulierungen zeigten, dass ein erhöhter Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre zu einem Anstieg der Temperaturen an der Erdoberfläche führen. Mit dieser Arbeit legte er den Grundstein für heutige Klimamodelle.
Er entdeckte verborgene Muster
Die andere Hälfte des Preises ging an den italienischen Physiker Giorgio Parisi. Er deckte verborgene Muster in vermeintlich ungeordneten, komplexen Materialien auf, zum Beispiel in winzigen Magneten.
Giorgio Parisi
Physiker
Jahrgang 1948, forscht an der Universität La Sapienza in Rom zu Quantentheorien. In seiner Laufbahn arbeitete er hauptsächlich im Bereich der theoretischen Physik, sein Hauptforschungsgebiet liegt im Bereich der Elementarteilchen.
Das ist unter anderem bedeutend für die Neurowissenschaften oder das maschinelle Lernen. Aber eben auch für Klima und Wetter.
Im traditionellen Telefonat mit der Jury nach der Preisverleihung, fand der 73-jährige Parisi deutliche Worte zur Klimaerwärmung: «Es ist klar, dass wir für künftige Generationen jetzt sehr schnell handeln müssen».
Vor 100 Jahren wurde Einstein zum Nobelpreisträger
Er gehört zu den populärsten deutschen Nobelpreisträgern: Albert Einstein. Vor genau 100 Jahren, 1921, wurde dem Physiker der Nobelpreis zugesprochen. Einstein konnte mit der Lichtquantenhypothese belegen, dass Licht aus Portionen von Energie besteht.
Die Nobelpreis-Jury ehrte ihn «für seine Verdienste um die theoretische Physik und besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts». Seine heute viel bekanntere Relativitätstheorie war damals noch nicht ausreichend belegt.