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Keine Pfanne zum Kochen
2010 wurde in einer grossangelegten Aktion eine für die spätkeltische Siedlung Basel-Gasfabrik einmalige Deponierung als 9 Tonnen schwerer Block geborgen und in eine direkt neben dem Ausgrabungsareal liegende Halle transportiert. Hier konnten unter geringerem Zeitdruck ein grosser Teil des überaus vielfältigen Fundensembles, das neben vielen kleineren Objekten zahlreiche Keramik-, Metall- und Holzgefässe enthält, einzeln oder als kleiner Block geborgen werden. Der restliche Teil der Deponierung soll unter den optimalen Bedingungen des im Frühjahr 2019 eingerichteten neuen Konservierungslabors der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt freigelegt werden.
In den letzten Jahren konnten mehrere der Blöcke und einzelne Objekte bereits bearbeitet und konserviert werden. Neben Messern, einer Bügelschere und diversen anderen kleineren Metallgegenständen gibt es auch besonders wertvolle und für die Siedlung einmalige Objekte, wie etwa eine erst kürzlich vollständig freigelegte, sogenannte «Aylesford-Pfanne» – bisher das einzige Gefäss dieser Art, das im Gebiet der Schweiz nördlich der Alpen gefunden wurde. Namensgebend für bronzene Griffschalen dieses Typs ist eine kleine südenglische Ortschaft, bei der bereits im 19. Jahrhundert in einem Grabbefund eine solche Pfanne zusammen mit weiteren Objekten entdeckt wurde. Solche Griffschalen gehören normalerweise zur «italischen Importware», d. h. sie wurden in Italien hergestellt und ungefähr ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. nach Gallien und in den nordalpinen Raum exportiert. Sie sind hier häufig Bestandteil von reich ausgestatteten Gräbern. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass einzelne dieser Gefässe auch in Gallien oder dem nordalpinen Raum hergestellt worden sein könnten. Um festzustellen, ob das möglicherweise auch für «unsere» Pfanne gilt, braucht es jedoch noch genauere Untersuchungen.
Trotz der ihrer Form geschuldeten Bezeichnung geht man nicht davon aus, dass sie im Alltag zum Zubereiten von Speisen benutzt wurden – dafür dürften sie viel zu wertvoll gewesen sein. In Italien dienten sie im Zusammenhang mit der Handwaschung bei Banketten, dem sogenannten Symposium, zum Auffangen des Wassers. Ob mit dem Import der Gefässe auch die entsprechenden Sitten übernommen wurden, lässt sich allerdings nicht nachweisen. Es scheint aber doch wahrscheinlich, dass sie auch im keltischen Kulturraum im Zusammenhang mit zeremoniellen Handlungen u. ä. zum Einsatz kamen.
Mehr Informationen zur aussergewöhnlichen Deponierung finden Sie hier.
Details
- Objekt: Griffschale aus Buntmetall
- Datierung: Spätlatènezeit, ca. 150–80 v. Chr.
- Fundort: Basel-Gafabrik, Rheinhafen St. Johann