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Erst letzte Woche meldeten Wetterstationen Rekordtemperaturen aus der Arktis und Antarktis. Wie jetzt durch Satellitenaufnahmen bekannt wurde, kollabierte in der Ostantarktis erstmals ein komplettes Eisschelf — und zwar kurz bevor die antarktische Hitzewelle die Region erreichte. Das Conger-Eisschelf ist mit seiner Fläche von 1.200 Quadratkilometern zwar um einiges kleiner als beispielsweise das Larsen-B-Eisschelf, das Anfang 2002 im Weddellmeer abbrach, aber Wissenschaftler sind überrascht, dass der Kollaps in der als noch recht klimastabil geltenden Ostantarktis so schnell geschah.
Das Conger-Eisschelf in Wilkes-Land, das in etwa die Größe Roms hatte, ist Satellitendaten zufolge um den 15. März innerhalb weniger Tage vollständig zusammengebrochen, wie Wissenschaftler am Freitag mitteilten. Die Rekordtemperaturen während der Hitzewelle, die die Region überrollte, wurden erst drei Tage später gemessen (wir berichteten). Die Satellitendaten der Copernicus Sentinel-1 Mission zeigten, dass die Bewegung des Schelfeises zwischen dem 5. und 7. März begann, so Peter Neff, Glaziologe und Assistenz-Forschungsprofessor an der University of Minnesota. Der resultierende Eisberg wurde C-38 genannt und ist mittlerweile in zwei Teile, C-38A und C-38B, zerbrochen.
Bis Anfang 2020 habe das Conger-Eisschelf nur allmählich an Größe verloren, wie Dr. Catherine Colello Walker, Erd- und Planetenforscherin bei der Nasa und der Woods Hole Oceanographic Institution gegenüber dem Guardian erklärt. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sei jedoch bereits etwa die Hälfte des Eisschelfs verloren gegangen. «Es wird wahrscheinlich keine großen Auswirkungen haben, aber es ist ein Zeichen für das, was kommen könnte», so Walker. Der hinter dem Conger-Eisschelf liegende Gletscher ist vergleichsweise klein, sodass die Auswirkungen auf den Meeresspiegel gering sein dürften.
Noch müssen Wissenschaftler untersuchen, ob der Zusammenbruch des Eisschelfs mit der aktuellen Hitzewelle zusammenhängt. Laut Professor Andrew Mackintosh, Leiter der School of Earth, Atmosphere and Environment an der Monash University, habe der Ozean das Conger-Eisschelf erheblich von unten geschmolzen, was den Zusammenbruch begünstigt haben könnte. «Der Zusammenbruch selbst könnte durch das Schmelzen der Oberfläche infolge der extrem warmen Temperaturen, die in dieser Region kürzlich gemessen wurden, ausgelöst worden sein. Wir brauchen mehr Beweise, um diesen Kollaps mit der jüngsten Erwärmung in Verbindung zu bringen», so Mackintosh.
Professor Matt King, der das australische Centre for Excellence in Antarctic Science leitet, sagte: «Die Geschwindigkeit des Abbruchs des Conger-Eisschelfs erinnert uns daran, dass sich die Dinge schnell ändern können. Unsere Kohlenstoffemissionen werden sich auf die Antarktis auswirken und die Antarktis wird auf den Rest der Weltküsten zurückkommen, und das möglicherweise schneller als wir denken.»
Julia Hager, PolarJournal