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DMZ – KOLUMNE ¦ Alon Renner ¦
Herzlich willkommen zum zweiten Teil meiner Kolumne über «den Club der 27 und was dies mit Malerei zu tun hat » Wer den ersten Teil verpasst hat, kann ihn hier gerne nachlesen: https://bit.ly/3BW85fB
Was bis anhin geschah: Ihr lernt den Club der 27 kennen und stellt fest, dass ihm mit Jean-Michel Basquiat auch ein berühmter Maler angehört, dessen Bedeutung und Ausstrahlungskraft für die jüngere Geschichte der Kunst, für das Selbstverständnis des Schwarzen Amerikas und für die Entwicklung von Hiphop nicht genügend betont werden kann. Und dessen Gemälde «Skull», auf Deutsch Schädel, 2017 für unglaubliche 110 Millionen US Dollar bei Christies versteigert wurde.
Ihr erfährt viel über seine Kindheit, über die Trennung seiner Eltern und warum er im Alter von 17 Jahren für immer von Zuhause weglief...
Fortan lebte er in den Strassen von New York. Und schlief bei Freunden, in Hauseingängen und in verlassenen Wohnungen. Die Stadt, wie wir sie heute kennen, hat nichts mit dem New York der siebziger Jahre zu tun. Damals war sie völlig heruntergekommen, voller Obdachlosen, Prostituierten und Junkies. Am Times Square reihte sich ein Sexshop neben den anderen und davor standen die Zuhälter um die Kundschaft in die Geschäfte zu locken.
Wer genügend Geld hatte, war längst aus der Stadt geflohen. An fast jeder Ecke stand ein Drogendealer. Und die Strassenzüge, der Broadway und die Avenues nahmen sich aus wie die Tentakel eines von Schlamm übersäten Ungeheuers.
Basquiat schlug sich mehr schlecht als recht als malender Clochard durch. Sagte ich malender Clochard? Nun... In den siebziger Jahren entstand Graffiti. Und zu Graffiti gehört auch das Hinterlassen einer Signatur, dem sogenannten Tag. Was aber, wenn das Graffiti kein Bild darstellt, sondern eine geschriebene Botschaft? Eine Message, eine Nachricht, ein mitunter zynischer Kommentar zum aktuellen Zeitgeschehen? Wenn also die Verbreitung, das Gesehen werden, die territoriale Eroberung der urbanen Landschaft via Text und nicht via Bild geschieht?
Dann sprechen wir von Samo. Samo - geschrieben mit einem Copyright Symbol am Ende des Buchstaben O - war der Tag, der Ende der siebziger Jahre plötzlich unter hunderten, wenn nicht tausenden von an Wänden gesprayten Sprüchen und Zitaten auftauchte. Plötzlich war Manhattan voll davon. Überall waren sie. An Gebäuden an Bushaltestellen, in Aufzügen, in öffentlichen Toiletten und auf den Wagons des D-Trains. Und die ganze Stadt fragte sich: Wer zum Teufel ist Samo?
Samo, eine Abkürzung für «Same Old Shit» war das Kunstprojekt von Jean-Michel und Al Diaz. Und die erste Arbeit, mit der der junge Basquiat für Aufmerksamkeit sorgte. Bald schon sollte Jean-Michel durch die Strassen ziehen und «Samo is dead» verkünden. Selbstverständlich in frischer Farbe auf öffentlichem Grund. Um sich dann mit Haut und Haar der Malerei zu verschreiben...
In nur drei Jahren schaffte er es vom Penner zum Star der New Yorker Kunstszene.
Ein fulminanter Aufstieg. Insbesondere auch, wenn man bedenkt, dass es sich bei Basquiat um einen jungen schwarzen Mann handelte. Einem Vertreter desjenigen Teiles der Bevölkerung, der höchstens im Sport und in der Musik zu Ehren kam. Aber bestimmt nicht bei den hohen Künsten...
Seine ersten Werke schuf er zunächst als Postkarten, die er auf der Strasse an Passanten verkaufte, und dann auf Fenster und Türen. Fenster und Türen, die er in Bauruinen fand und aus verwaisten Wohnungen entwendete. Denn Leinwände konnte er sich nicht leisten. Auch war die verwendete Farbe Wandfarbe, zum Anstrich von Innenräumen gedacht...
Leinwände bekam Basquiat erst als Hauptdarsteller des Films Downtown 81 zu sehen. Einem Streifen über die vibrierende New Yorker Kunstszene, in dem er sich selber spielte. Die Handlung zeigt einen Tag im Leben des Künstlers. Und hierzu benötigte es Werke. Also stellte man ihm nicht nur Farbe und Leinwände zur Verfügung, er durfte auch im Produktionsbüro übernachten. Eine Laune des Schicksals allerdings wollte, dass der Film erst 1999, 12 Jahre nach dem Tod des Malers, veröffentlicht wurde...
Leinwände in Hülle und Fülle gab es dann auch, als ihn die Galleristin Annina Nosei in ihren Keller sperrte. Zumindest ging dieses Gerücht durch Manhattan. Sie hielte da einen wilden, schwarzen Mann im Keller ihrer Galerie fest, der als eine Art primitives Genie Bilder für sie malen würde. Dabei hatte er eine ziemlich gute Ausbildung genossen. Und von einsperren konnte keine Rede sein. Jean-Michel verfügte über kein Atelier und der Keller der Gallerie war frei. Und auch wenn er Autodidakt war, dies kann man an dieser Stelle nicht genügend betonen, so war sein Kunstverständnis früh gereift. Jean-Michel hat nie eine Kunstschule besucht. Sein Werk aber zeugt von einem sehr reichhaltigen Wissen über sie.
Annina Noseis Geschäftspartner war der heutzutage erfolgreichste Kunsthändler der Welt, Larry Gagosian. Mit ihren Ausstellungen in New York und L.A. katapultierten sie den Künstler in nie geahnte Sphären. Schon die erste Ausstellung in ihrer Galerie war innert Stunden komplett ausverkauft. Die Bilder gingen weg wie warme Semmeln. Für 20 000 US Dollar das Stück. Und musste sich Basquiat am Vorabend der Ausstellung noch zum Abendessen einladen lassen, so schwamm er 24 Stunden später nur so in Geld! Innert kürzester Zeit wurde der kaum 23jährige zum Millionär... Und das Geld brachte er nicht etwa auf die Bank. Er versteckte es unter seinem Kopfkissen, in der Matratze, in Büchern... Fortan bef
anden sich die exklusivsten Leckereien in seinem Kühlschrank. Und Drogen.... Viele Drogen... Exklusive Weine, Marihuana, Kokain und Heroin.
Jean-Michels Technik war eine kauernde. Denn oftmals malte er am Boden, mehrere Leinwände vor sich ausgebreitet. Und dabei wippte und tanzte er um seine Bilder herum. Zu lauter Musik, die ununterbrochen aus seinem Ghettoblaster dröhnte. Hiphop, New Wave aber auch Jazz. Vor allem der Jazz hatte es ihm angetan. Er malte immer mehrere Bilder gleichzeitig. Und liess sich dabei von der gehörten Musik, von Werbung, dem aktuellen Zeitgeschehen und seinen schwarzen Vorbildern inspirieren. Denn die zahlreichen Streifzüge durch die Museen hatten ihm aufgezeigt, wie selten doch schwarze Menschen auf Bildern dargestellt wurden. Und wenn, dann zumeist als Sklaven oder Bedienstete.
Nächste Woche geht sie weiter, meine kleine Geschichte. Versprochen. Und sie wird ganz anders enden als Ihr denkt... Dies sei an dieser Stelle ebenfalls schon versprochen.
Ganz liebe Grüsse
Euer Alon
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