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Würde Dänemarks bekanntester Dichter und Schriftsteller Hans-Christian Andersen ein Eishockeymärchen schreiben, wäre es das Märchen der dänischen U20-Nationalmannschaft. Bis 2002 pendelte das dänische Junioren-Nationalteam zwischen der Weltmeisterschafts- B und C-Klasse hin und her. Dabei waren die Auftritte Dänemarks in der zweiten Klasse noch seltener, zwischen 1986 und 2002 wurde in fünf B-Weltmeisterschaften der Ligaerhalt nur drei Mal geschafft. Vor 14 Jahren verloren die Dänen das Division II-WM-Spiel (die frühere C-Gruppe) um Platz drei gegen Litauen, ehe sie erst ein Jahr später zusammen mit Japan, Lettland und Kroatien den Aufstieg in die Division I (B-Gruppe) realisieren konnten. Schlüsselspieler der letzten «C-Mannschaft» von 2002 war ein gewisser Frans Nielsen, späterer Teamkollege von Mark Streit und Nino Niederreiter bei den New York Islanders, wo er heute zu den wichtigsten Spielern gehört.
Toronto und Montreal
An der U20-Weltmeisterschaft in Toronto in Montreal bestreiten die Dänen, nach 2008 und 2012 erst ihre dritte A-WM. Am 30. Dezember 2014, gelingt den Dänen in ihrem 16. Spiel im Oberhaus der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz. Dänemark holt aber bereits gegen Russland (2:3 nP) und Tschechien (3:4 nV) je einen Punkt und verliert nur gegen WM-Topfavorit Schweden nach 60 Minuten (1:5). Durch den sensationellen Erfolg gegen die Schweiz bestreitet die Mannschaft von Headcoach Olaf Eller, der Vater von Lars (Montreal Canadiens) und Mads Eller (im U20-Team), ihren ersten Viertelfinal der Geschichte gegen den haushohen Favoriten und Gastgeber Kanada.
Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv
Wer sind diese dänischen Helden? Sechs Akteure spielen in den nordamerikanischen Juniorenligen OHL, QMJHL und WHL, einer in der North-American-Hockey-League (NAHL) und vier in Schweden. Die zwei absoluten Schlüsselspieler unter dem starken Kollektiv sind Oliver Björkstrand, Nikolaj Ehlers und Torhüter Georg Sørensen. Björkstrand kommt aus einer amerikanischen Eishockeyfamilie, sein Vater Todd siedelte 1988 von den USA nach Dänemark über und absolvierte 14 Saisons beim dänischen Spitzenclub Herning IK, wo er später auch als Headcoach tätig war. 1989 gewann der Amerikaner mit den US-Selects den Spengler Cup. Ebenfalls beim Spengler Cup spielte Olivers Bruder Patrick, bei Medvescak Zagreb. Oliver spielt seit 2012 bei den Portland Winterhawks, dem ehemaligen Team von Nino Niederreiter und Sven Bärtschi, in der Western-Hockey-League und wurde 2013 als Nr. 89 von den Columbus Blue Jackets gedrafted. An der U20-WM erzielte er in vier Spielen bereits vier Tore und ist in den Top Ten der Skorerliste.
Ehlers, ähnlich wie Björkstrand
Wie Björkstrand stammt auch Nikolaj Ehlers aus einer Hockeyfamilie. Vater Heinz ist Trainer beim HC Lausanne und ist seit einem kurzen Gastspiel 1993/94 als Spieler und seit 2007 als Trainer in der Schweiz (beides beim EHC Biel) bekannt. Durch Vaters Engagement bei Biel durchlief Nikolaj zwischen 2007 und 2013 sämtliche Juniorenstufen beim EHC Biel und debütierte in der Saison 2012/13 als 16-Jähriger in der NLA. Im Sommer 2013 wechselte Ehlers Junior ebenfalls nach Nordamerika zu den Halifax Mooseheads (mit Timo Meier) in die Quebec-Major-Junior-Hockey-League.
Im 16. Spiel gelingt Dänemark der erste Sieg nach einem 4:3-Penaltykrimi gegen die Schweiz.
In seiner ersten Saison schlug Ehlers in Halifax ein wie eine Bombe und holte zehn Auszeichnungen, darunter die «Mike-Bossy-Trophy» für den Spieler dem die besten Chancen eingeräumt werden für eine erfolgreiche Karriere in der National-Hockey-League, dazu wurde er «Rookie-of-the-Year» der QMJHL und der gesamten Canadian-Hockey-League (CHL), welche alle drei Ligen OHL, WHL und QMJHL umfasst. Komplettiert wurde Ehlers erfolgreichste Saison der Karriere beim Draft 2014, als Nr. 9 der Winnipeg Jets. Ehlers Cousin Alexander True, dessen Vater Søren True 1993/94 zwei Spiele für Thurgau absolvierte, steht ebenfalls im WM-Kader der U20.
Erfolgreichste Entwicklung der letzten 20 Jahre
Zurück zu Dänemark. Keine andere Eishockey-Nation hat sich in den letzten zwanzig Jahren so gut entwickelt wie die Nordländer. Die A-Nationalmannschaft spielte 1991 ebenfalls noch in der drittklassigen WM C-Gruppe, ist seit 2002 A-klassig und hat sich unter der Weltelite etabliert. Die U20 steht heute erstmals in einem WM-Viertelfinal und die U18 strebt im April 2015 die Rückkehr ins Oberhaus an. Auch wenn das dänische Eishockey-Märchen heute gegen Kanada vorübergehend zu Ende gehen sollte, besser hätte es auch Hans-Christian Andersen nicht schreiben können.