Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03532.jsonl.gz/943

Auf dem Gebiet der heutigen Baustelle für die USZ-Neubauten reiften einst die Trauben, aus denen der Dienstwein der Spitalangestellten gekeltert wurde. Auch der Spitalfriedhof befand sich auf dieser Fläche.
Das Spitalreglement der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hielt fest, dass die männlichen Angestellten «täglich 15 Deciliter» (!) Dienstwein erhielten. Mitarbeiterinnen wurde eine kleinere Ration zugestanden. Fluntern war damals ein Weinbauerndorf und die Zürichberghänge standen voller Reben. «Der Wein für die Mitarbeitenden stammte von den Rebstöcken an der Gloriastrasse, wo heute die beiden Neubauten entstehen», erklärt Lorenzo Käser, Leiter Ressort Lehre in der Direktion Forschung und Lehre des USZ. «Der Alkoholgehalt war aber tiefer als heute», schmunzelt er. Lorenzo Käser ist im Quartierverein Fluntern aktiv und befasst sich in seiner Freizeit seit Jahren mit der Geschichte des USZ. Ein Stadtplan von 1793 zeigt, dass das Landstück um die heutige Baustelle bereits im 18. Jahrhundert dem «Spitalamt» gehörte. «Das Spitalamt kümmerte sich um all jene Leute, die nicht die finanziellen Mittel aufbringen konnten, sich zu Hause behandeln zu lassen», weiss Lorenzo Käser. Finanziert wurde es durch wohltätige Spenden und Legate.
Die erste Wasserspülung Zürichs
1842 baute der Kanton auf der Fluntermer «Platte» das damalige Kantonsspital, wie das USZ damals genannt wurde. Es war das erste Gebäude Zürichs mit Aborten, die eine Wasserspülung hatten. Die «Alte Anatomie» ist heute der letzte Zeuge dieses Baus. Das Gebäude bleibt auch weiterhin erhalten. Oberhalb der Alten Anatomie entstand um 1840 der Spitalfriedhof, wo primär Patientinnen und Patienten ohne Angehörige oder Obdachlose ihre letzte Ruhe fanden. Lorenzo Käser: «Bereits in den 1880er-Jahren war der Spitalfriedhof voll.» 1924 schliesslich wurde im oberen Teil der Baustelle das langgestreckte Gebäude der Dermatologie erbaut.