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Wie der Ukraine-Krieg eine weltweite Weizenkrise hervorruft und drei Wege, sie zu lösen.
Nahrungsmittelmärkte sind wenig elastisch. Das gilt sowohl für die Nachfrage als auch fürs Angebot. Der Mensch muss essen, Verzicht ist ist nicht möglich. Und beim Angebot ist der Spielraum wegen der langen Produktionszyklen ebenfalls gering. Beides schränkt die Möglichkeiten ein, die drohenden Nahrungsmittelausfälle aus der Ukraine und Russland zu kompensieren.
Eine schnelle und sehr wirksame Lösung wäre, die staatlichen Getreidelager zu öffnen. In einigen Ländern wie Deutschland gibt es solche zwar kaum noch, das Land hat nach dem Ende des Kalten Krieges auch hier kräftig abgebaut. Doch viele Länder, darunter auch die Schweiz, halten bei essenziellen Nahrungsmitteln strategische Reserven für den Krisenfall. «Wir sind der Meinung, dass grosse Länder wie Kanada, die USA oder Brasilien Teile ihrer Pflichtlager frei geben sollten, um die Krise zu entschärfen», sagt Patrik Berlinger von der Hilfsorganisation Helvetas.
Eine Öffnung der Lager würde das Problem, zumindest kurzfristig, auf einen Schlag lösen. Der Spielraum ist gewaltig. Mehr als 800 Millionen Tonnen Getreide sollen weltweit in staatlichen Lagern liegen. So genau weiss das keiner, in vielen Ländern ist die Lagerhaltung ein gut gehütetes Geheimnis.
Allein beim Weizen gehen die FAO und das amerikanische Landwirtschaftsministerium von 290 Millionen Tonnen aus, China nicht mit eingerechnet. Das ist ein Vielfaches der knapp 40 Millionen Weizen, die Russland 2021 exportierte oder der gut 55 Millionen Tonnen, die Russland und die Ukraine im gleichen Erntejahr zusammen exportieren.
Fraglich ist, ob der chinesische Präsident Xi Jinping die Schleusen öffnet. Wahrscheinlicher ist, dass China strategisch agiert und die Reserven dazu nutzt, notleidende Staaten mit Getreide zu beliefern und sie damit enger an sich zu binden und den eigenen Einflussbereich, etwa in Afrika, auszuweiten und die geopolitischen Karten neu zu mischen. Diese Form der «Entwicklungshilfe chinesischer Art» sei nicht neu, bestätigt Rudloff.
Der Westen müsse sich darum schleunigst überlegen, wie er mit Ländern umgehe, die auf der Suche nach Getreide sind. Sonst drohe China die Lücke zu füllen. Rudloff plädiert dafür, das Gespräch mit China zu suchen und die Möglichkeit einer strategischen Partnerschaft auszuloten. «Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass der Westen im Rahmen der humanitären Hilfe die Transportkapazitäten zur Verfügung stellt und China das Getreide.»