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Starkes Schwitzen (Axilläre und palmo-plantare Hyperhidrosis)
Als Hyperhidrosis wird eine übermässige Schweissproduktion bezeichnet. Schwitzen ist eine lebenswichtige Funktion für unseren Organismus. Es dient der Regulation der Körpertemperatur und kühlt nicht nur die Haut, sondern auch das Innere des Körpers ab. Ca. 1–2 % der Bevölkerung leidet unter der Krankheit Hyperhidrosis, bei der der Körper unabhängig von Wärme oder Kälte, Tages- oder Jahreszeit übermässig und unkontrollierbar viel Schweiss produziert. Der menschliche Schweiss besteht zu 99 % aus Wasser und beinhaltet zudem verschiedene Elektrolyte (Natrium, Chlorid, Kalium), Proteine und Kohlenhydrate.
Histologisch gesehen sind Schweissdrüsen am Übergang von Lederhaut (Dermis) und Unterhaut-Fettgewebe (Tela subcutanea) lokalisiert.
Örtlich begrenzt tritt die Hyperhidrosis hauptsächlich zu 60 % an den Handflächen (Schweisshände) oder Fusssohlen und zu 40 % in den Achselhöhlen auf.
Man unterscheidet drei verschiedene Schweregrade der Hyperhidrosis, wobei an schwerer Hyperhidrosis (Stufe III) etwa ein Prozent der schweizer Bevölkerung leidet.
Ein ungutes Gefühl: in der Öffentlichkeit zu schwitzen
Durch starkes Schwitzen verursachte «tellergrosse» nasse Flecken an den Kleidern können für Berufstätige, die einer breiten Öffentlichkeit ausgesetzt sind, wie z. B. Lehrer oder Piloten, aber auch im sozialen Austausch eine grosse Belastung sein. Starker Schweissgeruch wird keineswegs durch die Schweissbildung selbst ausgelöst, sondern durch Bakterien und Pilze. Gerade unter den Achselhöhlen sitzen viele Bakterien, die durch einen bakteriellen Zersetzungsprozess aus geruchsneutralem Schweiss einen starken, unangenehmen Schweissgeruch erzeugen.
Starkes Schwitzen ist behandelbar
Als erste Therapie-Option ist die lokale Injektion mit Botulinum-Toxin A, oder im Volksmund «Botox», zu nennen. Hierbei wird mit sehr feinen Nadeln Botox in die Haut der Achselhöhlen, Fusssohlen oder Handflächen gespritzt. Botox blockiert hierbei die Nervenstimulation der Schweissdrüsen, indem ein Botenstoff (Acetylcholin) gehemmt wird. Mit wenigen Stichen an lokalisierten Stellen ist diese Methode sehr sanft und reduziert das Schwitzen für einen langen Zeitraum von 5 – 6 Monaten und muss somit nur zweimal im Jahr wiederholt werden. Der Eingriff kann ambulant erfolgen, dauert im Durchschnitt 20 Minuten und verursacht keine Narben. Bei fachgerechter Anwendung sind keine grossen Komplikationen zu erwarten. Wirkungseintritt nach circa einer Woche. Da der Wirkstoff für diese Indikation nicht in der obligatorischen Medikamentenliste geführt wird, werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht übernommen, sodass die Patienten meist Selbstzahler sind.
Lediglich fünf Prozent der Bevölkerung sprechen auf die Behandlung mit Botox nicht an, da sie Antikörper gegen das Toxin besitzen, sodass als Therapie zweiter Wahl die Absaugung und Ausschabung der Schweissdrüsen (Liposuction Kürettage) zu sehen ist. An den Achselhöhlen werden die Schweissdrüsen mit einer feinen Kanüle abgesaugt und im zweiten Durchgang mit einer Art scharfem Löffel unter der Hautoberfläche abgeschabt. Dabei werden auch die Nervenausläufer, die die Schweissdrüsen versorgen, durchtrennt. Bei diesem Eingriff werden etwa 60- 90 Prozent der Schweissdrüsen entfernt. Die Schweissdrüsen, welche nicht entfernt werden konnten, reagieren in einigen Fällen mit Hyperaktivität. Ebenfalls ist in der Literatur eine Rezidivrate von bis zu 25 % beschrieben. Da bei diesem ambulanten Eingriff nur sehr kleine Einschnitte unter lokaler Betäubung oder Vollnarkose gemacht werden, gibt es keine entstellenden Narben. Die Wundheilung ist in zwei Wochen abgeschlossen. Die Operationsrisiken sind bei dieser Behandlungsmethode gering höherer, als bei der Botox-Injektion. Die Perspektive auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist hier etwas höher.
Bei der lokalen Schweissdrüsenexzision wird das betroffene Hautareal mitsamt den Schweissdrüsen entfernt. Neben dem höheren Blutungsrisiko und Infektionsrisiko treten hier häufig Wundheilungsstörungen auf und die Narbenbildung kann die Beweglichkeit der betroffenen Körperstellen beeinträchtigen, es resultieren grössere sichtbare Narben. Hinzu ist das Ausschneiden des kompletten schwitzenden Areals oft nicht möglich. Aus diesen Gründen ist diese Therapieform als letzte Option zu sehen und sollte nur bei rezidivierenden Infekten oder auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten gewählt werden.
Zusammenfassend sollten als erstes immer nebenwirkungsarme Therapieformen, wie die lokale Injektion von Botulinum Toxin A, ausgeschöpft werden, bevor sich der Patient einem grösseren operativen Eingriff und den damit verbundenen höheren Risiken aussetzt.