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Hybridorgel differenziert betrachten
Zum Artikel «Noch verpönt, aber schon im Trend: die Hybridkirchenorgel» («Kirche heute» 39–40/2020, Seite 3)
Als Organist freue ich mich, dem Thema «Orgel» in einem ganzseitigen Artikel zu begegnen. Die seit den 1960er-Jahren bekannte Idee einer Hybridorgel (als Verbindung von Orgelregistern und elektronischen Klangkomponenten) verlangt jedoch eine differenzierte Betrachtung: Beim Spiel auf den erwähnten Orgeln in Kloten und Däniken zeigt es sich, dass Orgelregister die elektronisch wiedergegebenen Klänge gut integrieren können, so dass bei vorsichtiger Auswahl überzeugende Klangfarben zustande kommen. Sobald elektronische Klänge im Vordergrund stehen, gewissermassen «den Ton angeben», zeigen sich die Nachteile der Klangabstrahlung über Lautsprecher, die trotz des manchmal aufwendigen Samplings originaler Orgelklänge auch bei rein elektronischen Instrumenten störend auffallen. Es kommt also darauf an, dass ein in sich geschlossener Bestand an Orgelregistern vorhanden ist und dass ein Konzept entwickelt wird, in dem die Erweiterung durch elektronische Komponenten mit grosser Vorsicht erfolgt. Die im Artikel ebenfalls erwähnte Orgel in Zürich-Oberstrass ist eine elektronische Orgel, an die man vorhandene Register als kleine Chororgel angeschlossen hat; sie hat mit einer Hybridorgel nichts zu tun. Dem Vernehmen nach haben die elektronischen «Register» dort bald eine Ermüdung bewirkt. Viele im Artikel genannte «Gadgets» (verschiedene Speichermöglichkeiten, Midi-Ausgang, «Geheimfach» usw.) sind an jedem neuen elektronischen Orgelspieltisch zu haben, sie sind keine Merkmale der Hybridorgel.
Matthias Wamser, D-Rheinfelden