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SOS-Kinderdorf spricht mit der Psychologin Oksana über die verheerenden Auswirkungen von Krieg auf den emotionalen und geistigen Zustand von Kindern und Jugendlichen.
Oksana ist seit vielen Jahren als Psychologin im SOS-Kinderdorf Browary tätig und arbeitet direkt mit den Pflegefamilien, die im SOS-Kinderdorf Brovary in der Region Kiew geblieben sind, und aus der Ferne mit den Pflegefamilien, die nach Truskavets im Westen der Ukraine umgezogen sind. Nach der erfolgreichen Evakuierung einer Gruppe von Pflegefamilien aus Browary nach Polen am 1. März erreichte SOS-Kinderdorf Oksana am Telefon, um über den Krieg und dessen Auswirkung auf Kinder und Jugendliche zu sprechen.
«Im Moment verstecke ich mich in einem Keller. Raketen fliegen über uns hinweg. Ich bin hier mit meinen Kindern: Der Kleine ist vier Jahre alt, mein älterer Sohn ist zwölf. Ursprünglich waren unsere Pflegefamilien ein wenig getrennt, und das Bild und die Erfahrungen in Browary und Truskavets sind entsprechend sehr unterschiedlich.
Alle SOS-Eltern haben mir berichtet, dass die Kinder anfingen, viele Süssigkeiten zu essen. Alle haben das bemerkt. Dann begannen einige Kinder mit Einnässen, Angstzuständen und Erbrechen. Die Kinder fingen an, unterschiedliche körperliche Reaktionen zu zeigen. Ein Junge, so seine Pflegemutter, zog sich an, ohne dass ihn jemand dazu aufforderte, und stand einfach mit Stiefeln bekleidet da. Er wartete darauf, dass er irgendwo hinlaufen musste.
Für die Kinder, die im SOS-Kinderdorf untergebracht waren und Gott sei Dank heute abgereist sind, war die Situation sehr beängstigend, da sie die Explosionen mehrfach gehört haben. Alle Kinder, die in Browary geblieben sind, hatten Angst. Man muss kein Experte sein, um in die Augen von Kindern und Erwachsenen zu sehen und zu verstehen, wie sie sich fühlen.
Für die Erwachsenen war es sehr schwer. Sie haben natürlich auch die Angst, die Leere und die Verzweiflung der Kinder gespürt. Die Pflegeeltern fühlten sich verantwortlich und meinten, sie hätten nicht das Recht, den Kindern Angst zu machen. Das ist die grosse Belastung für die Eltern.
Ich habe mit den Kindern Gespräche geführt, Atemübungen gemacht, verschiedene Spiele und Übungen angewandt, und dann haben wir uns mit dem Gefühl der Angst auseinandergesetzt. Ich habe sie nicht in das Gefühl hineingeführt, sondern es wie ein Spiel gestaltet und sie gebeten, zu beschreiben, was sie vor, während und nach der Angst gefühlt haben, sodass jedes Kind zu Wort kommen konnte.
Zuerst waren sie etwas verschlossen, aber dann öffneten sie sich und jedes Kind begann über die eigenen Ängste zu sprechen – wie sie die Explosionen erlebten und wie besorgt sie darüber waren, wie sehr sie Angst hatten, sich gegenseitig oder ihre Pflegeeltern zu verlieren, dass sie körperlich verletzt und behindert werden könnten, wenn sie zufällig unter den Trümmern waren. Es gab viele Ängste… Die Kinder redeten und redeten und redeten.
Die Kinder sind sehr verängstigt. Ein Junge geht einfach nicht ohne seine SOS-Mutter auf die Toilette, obwohl er schon im pubertären Alter ist. Er zieht es vor, nachts zu warten und geduldig zu sein und nicht auf die Toilette zu gehen, weil er Angst hat. Sie schliefen viele Nächte auf Matratzen im Erdgeschoss. Er blieb einfach an seiner SOS-Mutter hängen.
Die kleinen Kinder… Nun, natürlich überträgt sich der emotionale Zustand der Eltern oder Betreuer auf sie, denn es bestehen ja bereits Bindungen zwischen ihnen. Es ist wirklich gut, dass die SOS-Familien heute aus Browary evakuiert wurden.»