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Zuletzt unterhielt Jim Jarmusch (Night On Earth, Dead Man) seine Zuschauer mit der Tragikomödie Broken Flowers. Der neue Film des Autorenregisseurs stellt eine Collage aus seinem bisherigen Oeuvre dar. So ähneln z.B. die Statements der Nachrichten-überbringenden Gestalten, die sich rund um Kunst, Kultur und Metaphysik drehen, dem Konzept seines Films Coffee & Cigarettes. Der geheimnisumwobene Protagonist wiederum kann mit dem philosophierenden Samurai-Auftrag- Killer von Jarmuschs Ghost Dog – in dem De Bankolé eine Nebenrolle spielt – verglichen werden. Ausserdem scheint sich (mit der Figur „Der Amerikaner“) Bill Murray endgültig als ein Dauergast der jüngeren Jarmusch-Filme (Coffee & Cigarettes; Broken Flowers) und damit zu einem der Lieblingsschauspieler von Jarmusch etabliert zu haben.
Für Nicht-Jarmusch-Fans könnte es mitunter schwer sein, dem komplexen Film mit seinen verschiedenen Bedeutungsebenen zu folgen. Die Einzelteile des Plots hängen nur lose miteinander in Verbindung. Jedoch eint sie wiederkehrende Handlungsmuster: z.B. bestellt der Protagonist bei den Treffen immer „dos espressos“ – eine der wenigen Worte des Unbekannten. Der New Yorker Kult-Regisseur verzichtet in einzelnen Sequenzen immer wieder auf Dialoge bzw. Erklärungen. Zudem sind die wenigen Monologe der Gesprächspartner des Unbekannten auch noch auf einem hohen Niveau.
Für diejenigen aber, die sich auch sonst nicht mit dem Standard zufrieden geben, besticht der Independent-Streifen beispielsweise durch z.T. überbordende filmgeschichtliche Querverweise oder durch ironische selbstreflexive Betrachtungsweisen: Z.B. erzählt „Die Blondine“ (Tilda Swinton, Burn After Reading) von einem historischen Streifen, in der eine Schauspielerin zum einzigen Mal in ihrer gesamten Karriere mit blonden Haaren auftrat. Kurioserweise ist Swinton selbst ebenfalls zum ersten (und letzten?) Mal blond in einem Film zu sehen.
Die Treffen während der Odyssee des Fremden durch Spanien symbolisieren verschiedene Seelenlandschaften, während die in Isolation durchgeführten Meditationsübungen des unbekannten Gangsters die persönliche Hommage des Indie-Regisseurs an den Buddhismus darstellen. Auf einer weiteren Ebene spielt Jarmusch ausserdem mit der Erwartungshaltung des Zuschauers – so verweigert er explizit die Darstellung von Gewalt, Sex und Handys, was als eine Absage an bzw. eine Persiflage auf den modernen Gangsterfilm gedeutet werden kann. So geschieht der einzige Mord im Film mit Hilfe einer Gitarrensaite, die einer Gitarre eines spanischen Musikers entstammt.
Zusammengefasst ist The Limits Of Control ein vielschichtiger, meditativer Indie-Film über einen Auftragskiller vom Meister des Fachs. Wer für einen trockenen Humor à la Wes Anderson (Die Tiefseetaucher) oder Aki Kaurismäki (Lichter der Vorstadt) gepaart mit der Erzählweise eines Autorenfilmers wie Wim Wenders (Don’t Come Knocking) zu haben ist, gleichzeitig auch nicht vor philosophischen Inhalten zurückschreckt und trotzdem ästhetisch unterhalten werden will ist beim neuesten Streich von Jarmusch bestens aufgehoben.
USA 2009 - 118 min.
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
Darsteller: Isaach De Bankolé, Alex Descas, Jean-François Stévenin
Produktion: Gretchen McGowan, Stacey E. Smith
Musik: Sunn O)))
Kamera: Christopher Doyle
Schnitt: Jay Rabinowitz