Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/1541

Das Signalement: Kostümiert in silbrig glitzerndem Midi-Kleid, vorne geschlitzt, dazu assortierte, an Moonboots gemahnende Silberstiefelchen. Oben eine Art Löwenmähne (Tina Turner). Joan Wasser kommt von der Klassik her (Violine), wechselte dann in Bandzusammenhängen ins eher punkige Fach, um unter ihrem Nom de plume Joan As A Policewoman einem ureigenen «American Soul» zu frönen. Die Bio verzeichnet Kollaborationen mit Namen wie Antony Hegarty und Rufus Wainwright (der übrigens nach Konzertende in der Halle ertönt). Ja, und bis zu dessen tragischem Unfalltod war Joan die letzten beiden Jahre bis 1997 liiert mit dem unvergesslichen Jeff Buckley. Ihr eigenes Tun hat sie bisher auf zwei Alben demonstriert. Nun aber covert sie auch (auf – dritter – Platte, die bereits ausverkauft ist; man kann «Cover» nachbestellen/downloaden).
Die Musik also, das Konzert. Wenn sie auftritt, nennt sich die Künstlerin Joan As A Policewoman. (Bzw.: Die Band heisst eigentlich so – «Wir sind Joan As A Policewoman.») Live tut sie das bei ihrem aktuellen Cover-Programm zusammen mit Timo Ellis, der am Schlagzeug sitzen kann, Gitarre und Bass spielt, zweite Stimme singt oder auch die Bariton-Ukulele bedient.
Und dann das Tape. Zweimal lernen wir im Konzert, was das englische Wort heissen kann. «Band» nämlich, eines, das Joan sich von der Bühne herab wünscht, um die beiden unsteten Träger ihres Kleids zu fixieren (Isolierband). Und dann die Samples, die analogen. Wenn da jeweils Sounds mitlaufen, kommen sie aus einem Old-School-Tape-Deck, zu deutsch: aus einem Kassettentonbandgerät. Vielleicht vergleichend auf ihr leicht futuristisches Outfit anspielend, scherzte Joan dazu: «Besser als die Zukunft: Es ist Vergangenheit.»
Das Konzert-Repertoire ist ein munteres Originale-Raten. Joan ist natürlich fern davon, da irgendwelche treuen Versionen abzuspulen. Sie eignet sich das Fremdmaterial vielmehr an, verschleppt, verzögert, verziert, reduziert und intensiviert. Und: Welche Stimme! Und es reicht, von den «Samples» einmal abgesehen, wenig, um viel zu erreichen. Klavier/Drums, zwei Gitarren, Klavier/Bass. Ein Klavier/eine Stimme. Gegen Schluss schön anschaulich, wie bei ihr das Covern funktioniert: Von den noisigen Postrockern Sonic Youth kommt «Sacred Trickster» (geschrieben von Kim Gordon), nur gerade zu Handclapping, etwas Bassdrum und von Hand gespieltem Snare quasi-a-cappella gesungen. Am Anfang: «Das nächste Stück ist vom Album ‹The Idiot› von James Osterberg.» Aha. Es war «Baby» von Iggy Pop (der ja bürgerlich Osterberg heisst). Dazu gibts Sachen von Freddie Mercury und Public Enemy oder gar, man höre und staune, Britney Spears. Guten Grund hat sie: «Das Stück brachte mich zum Weinen, jetzt tut es dies nicht mehr: Ich singe es.»
So wird gecovert von der sympathisch auftretenden Vokalistin, dass es eine Freude ist. Nicht ohne dass in den Reigen von adaptierten Lieblingssongs eine paar brandneue eigene Nummern eingestreut werden. Während dieser Text geschrieben wurde, nicht ohne Verweise auf die Beatles und Leonard Cohen einzustreuen (wo?).