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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
XV. Kapitel
89.
1. Nun wäre es die nächste Aufgabe, uns gegen die Vorwürfe zu verteidigen, die von Griechen und Juden gegen uns erhoben werden.1 Da aber bei einigen dieser Fragen wie bei den früher behandelten auch die innerhalb der wahren Lehre entstandenen Irrlehren mitbeteiligt sind, so ist es wohl zweckmäßig, zuerst die Hindernisse aus dem Weg zu räumen und dann, wohlvorbereitet für die Lösung jener Fragen, zum nächsten Buch der "Teppiche" weiterzugehen.
2. Das erste nun, was sie gegen uns vorbringen, ist eben die Behauptung, man dürfe wegen der Verschiedenheit der christlichen Richtungen nicht glauben; denn bei wem sei denn auch die Wahrheit, wenn die einen diese, die anderen jene Lehrsätze aufstellen ?2
3. Ihnen erwidern wir: Auch bei euch Juden und bei den Hervorragendsten der griechischen Philosophen sind gar viele Richtungen entstanden, und ihr behauptet doch wohl nicht, daß man Bedenken tragen müsse, Philosophie zu treiben und jüdische Anschauungen zu pflegen, weil die Lehren der bei euch vorhandenen Richtungen im Widerspruch zueinander stehen.
4. Sodann war von dem Herrn prophetisch verkündet worden, daß der Same der Irrlehren in die Wahrheit werde eingestreut werden wie der des Unkrauts unter den Weizen,3 und es ist unmöglich, daß die Weissagung nicht würde erfüllt werden. Und die Ursache davon ist, daß allem Trefflichen Mißdeutung auf dem Fuße folgt.4
1: Vgl. Strom IV 1.
2: Vgl. Sextus Empiricus, Pyrrh. Hyp. I 14; Origines, Gegen Celsus III 12 (Übersetzung Orig. II S. 217 f.).
3: Vgl. Mt 13,25.
4: Der Satz ist wahrscheinlich ein Zitat.