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| Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 49. Des Pachomius Krankheit und Tod. Wahl des Petronius zum Nachfolger.
Als nun Pachomius die Gewißheit erhalten hatte, daß er sein Talent nicht verborgen, sondern diese und noch mehr andere vollkommene Männer zum Herrn vorausgesandt habe, da feierte er ein Fest aus Freude über die von ihm aufgerichteten Zelte des Heilandes, in denen die Versammlung dieser heiligen Männer wohnte. Nach dem heiligen und verehrungswürdigen Osterfeste wurde endlich auch er, nachdem viele Brüder auf ausgezeichnete Weise vollendet hatten, krank, und es diente ihm Theodorus, dessen wir oft Erwähnung taten. Er wurde am Körper überaus mager, sein Antlitz aber blieb voll Glanz, so daß er dadurch das reine Gewissen der Seele denen anzeigte, die ihn anblickten.
Zwei Tage vor seiner Vollendung rief er seine ganze göttliche Schar zusammen und sprach zu ihnen: "Meine Brüder, ich gehe den Weg der Väter; denn ich sehe, [S. 897] daß mich der Herr ruft. Ihr aber erinnert euch der Mahnungen, die ihr immer von mir gehört habt. Seid nüchtern in allem; keine Gemeinschaft soll bestehen zwischen euch und der Ketzerei des Origenes, Meletius, Arius oder der übrigen Christusräuber, oder auch anderer, die ich euch bezeichnet habe. Außerdem sollt ihr eifrig darauf bedacht sein, mit solchen zu verkehren, die eurer Seele nützen können. Ich gebe nunmehr meine letzten Bestimmungen, und der Augenblick meiner Auflösung steht bevor. Wählet auch noch, solange ich lebe, einen Mann, der imstande ist, euch nach Gott zu leiten. Ich allerdings sehe dafür keinen geeigneteren als den Petronius.1 Doch es ist eure Sache, das Nützliche zu wählen."
Sie folgten dem Rat des Vaters, denn jener war stark im Glauben, demütig in seinem Wesen. Pachomius betete über ihn, da auch er kränklich war - er befand sich im sogenannten Kloster Chenoboskia -, und übergab ihm, obwohl er abwesend war, die Brüderschaft in Christo. Er schickte nach ihm, damit er komme, bezeichnete sich mit dem Kreuze, erwartete voll Heiterkeit den zu ihm abgesandten Engel und gab seine heilige Seele auf am vierzehnten Tage des Monats Mai. Seine Schüler nahmen den Leichnam, richteten ihn reinlich zur Bestattung her, wachten am nächsten Tage und begruben ihn am folgenden auf dem Berge.
Die aber, welche zu Petronius abgesandt waren, geleiteten ihn her, als er noch krank war; er leitete wenige Tage die Brüderschaft und starb in Frieden, indem er als Nachfolger einen gerechten und gotthebenden Mann zurückließ, mit Namen Orsisius.2
1: Vgl. S. 84 f [862 f.].
2: Vgl. S. 85 [863].