Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03348.jsonl.gz/384

Über Spinale Muskelatrophie (SMA)
Was ist SMA?
Die spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine seltene, fortschreitende und erblich bedingte Erkrankung, die zu Muskelschwäche und weiteren Einschränkungen in verschiedenen Organsystemen führt bzw. führen kann. Zugrunde liegt ein Fehlen oder eine Veränderung des sogenannten SMN1-Gens im Erbgut. Dieses Gen bildet den Bauplan für ein wichtiges Protein, das «Survival of Motor Neuron» (SMN)-Protein.
Das SMN-Protein wird überall im Körper produziert und in unterschiedlichen Körperzellen gebraucht. Ganz besonders wichtig ist das SMN-Protein jedoch für die Funktion und das Überleben von Motoneuronen, jene Neurone/Nervenzellen, die für die Funktionsfähigkeit der Muskeln wichtig sind. Daher wird es auch als Nervenschutzfaktor bezeichnet.
Neben dem SMN1-Gen haben die meisten Menschen auch das SMN2-Gen, welches auch SMN-Protein bildet (siehe Abbildung unten: Bei einem nicht betroffenen Menschen). Fehlt das SMN1-Gen oder ist es verändert, kann das SMN2-Gen «einspringen» (siehe Abbildung unten: Bei einem Menschen mit SMA). Allerdings bildet das SMN2-Gen überwiegend verkürztes, unvollständiges Protein und nur eine geringe Menge an funktionsfähigem SMN-Protein.
DNA steht für deoxyribonucleic acid, deutsch Desoxyribonukleinsäure – kurz DNS und trägt die Erbinformation bei allen Lebewesen. Die DNA ist in jeder Körperzelle enthalten und liegt im Zelkern.
RNA steht für ribonucleic acid, deutsch Ribonukleinsäure – kurz RNS und spielt eine Schlüsselrolle bei der Proteinherstellung, denn sie liefert die Baunanleitung der Proteine.
Wie kommt es zur Muskelschwäche?
Bei einem SMN-Mangel «erkranken» die Motoneurone und sterben schliesslich ab. Die Muskeln erhalten immer weniger Nervenimpulse und können nicht mehr korrekt funktionieren; sie werden schwächer und bilden sich zurück.
Der SMN-Mangel betrifft den ganzen Körper
SMA wirkt sich nicht nur auf die Skelettmuskulatur aus. Ausser der zunehmend eingeschränkten Mobilität können Menschen mit SMA weitere Begleiterscheinungen oder Komplikationen entwickeln, beispielsweise:
Probleme beim Schlucken und Essen
Schwäche der Atemmuskulatur und Schwierigkeiten beim Abhusten, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Lungenentzündungen und zu weiteren Atemwegsproblemen führen kann
Einfache Atemwegsinfekte können schnell zu Notfallsituationen führen
Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) und Verformungen der Knochen
Hüftinstabilität
Kontrakturen (Versteifung und Bewegungseinschränkung) der Gelenke und Muskeln
Magen-Darm-Probleme: z.B. Reﬂux (Rückﬂuss des säurehaltigen Mageninhalts in die Speiseröhre), Verstopfung durch mangelnde Darmbewegung
Fatigue, erhöhte Ermüdbarkeit
Verminderte Knochendichte, Neigung zu Knochenbrüchen
Unterschiedliche SMA-Formen
Die spinale Muskelatrophie verläuft bei jedem und jeder Betroﬀenen sehr unterschiedlich. Da bei Menschen mit SMA das SMN1-Gen kein SMN-Protein bilden kann, hängt die Menge an SMN-Protein bei ihnen unter anderem auch davon ab, wieviele funktionsfähige Kopien des SMN2-Gens sie aufweisen: Je mehr SMN2-Genkopien SMA-Betroﬀene haben, desto mehr funktionstüchtiges SMN-Protein kann gebildet werden.
Obwohl mit einer höheren Kopienzahl des SMN2-Gens im Allgemeinen die Erkrankung langsamer oder weniger schwer verläuft, wird heutzutage eine Vorhersage des tatsächlichen Schweregrades der SMA rein auf Basis der SMN2-Kopienzahl nicht empfohlen, da es auch bei gleicher Kopienzahl Unterschiede im Schweregrad geben kann.
Die Übergänge zwischen den verschiedenen SMA-Typen (traditionell in Typ 0 – 4 eingeteilt) sind ﬂiessend, und eine Vorhersage des Krankheitsverlaufs (Prognose) ist im Einzelfall allein aus der Typeneinteilung nicht möglich. Einige Betroﬀene zeigen auch Symptome, die zwischen den beschriebenen Typen liegen. Daher wird die Behandlung der SMA-Betroﬀenen an den jeweiligen Funktionsstatus und die Symptome angepasst. Die Einteilung erfolgt also nach den aktuellen, tatsächlichen motorischen Fähigkeiten in Nicht-Sitzende, Sitzende und Gehende.
Die Typen-Klassiﬁzierung basiert auf dem Alter, in dem die Symptome erstmals auftreten, und dem grössten erzielten Meilenstein in der körperlichen Entwicklung.
Die Symptome treten meist vor dem 6.
Lebensmonat auf. Sitzen ist niemals möglich.
Die Symptome treten meist im Alter von 6 bis 18 Monaten auf. Sitzen ist möglich, Stehen ist niemals möglich.
Die Symptome treten in der Regel erstmals nach dem 18. Lebensmonat auf, können aber auch erst im späten Kindesalter oder sogar im frühen Erwachsenenalter in Erscheinung treten. Stehen und Laufen sind möglich.
Dazu kommen zwei weniger häuﬁge SMA-Formen:
- Typ 0 tritt schon bei Babys im Mutterleib auf.
- Typ 4 zeigt in der Regel erst nach dem 35. Lebensjahr erste Symptome.