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Weg-Wort vom 5. Januar 2020
Vor vielen Jahren kehrte einer unserer Studienfreunde aus den Weihnachtsferien bei seiner Familie in Brasilien mit drei reifen Mangos im Gepäck zurück ins Studentenheim.
«Ai! Mein Opa hat sie mir am Flughafen noch in die Hand gedrückt», sagte er entnervt. «Ich hatte schon meinen riesigen Koffer, mein Handgepäck und dann mussten auch noch diese drei Dinger mit. Ich habe sie nur mitgenommen, weil mein Opa sonst traurig gewesen wäre. Wir müssen sie sofort essen, sonst werden sie schlecht».
Wir haben uns mit ihm in der Wohnküche um unseren großen Tisch gesetzt und er hat die Mangos aufgeschnitten. Die Früchte aus dem brasilianischen Sommer und aus dem Garten des Opas waren unvergleichlich gut. Unser Freund wurde versöhnlicher mit seinem Opa und versprach ihm zu schreiben, dass wir begeistert waren.
Bevor mein Freund die Mangokerne im Kompost entsorgen konnte, nahm ich einen beiseite und legte ihn in einen Blumentopf mit leicht feuchter Erde. Wieder kam von unserem Freund das leicht kritische, portugiesische «Ai!» «Was machst du da? Hier ist es viel zu kalt».
Ich stellte den Topf mit dem Mangokern auf das Fensterbrett am Südfenster über der Heizung. Jeden Tag sorgte ich dafür, dass die Erde leicht feucht blieb. Es wurde Februar, es wurde März und April. Mein Freund sagte: «Ai! Jetzt werfe ich das Zeug in den Kompost.»
Ich habe in meinem Leben meinen Gefühlen und meinen Fähigkeiten oft zu wenig vertraut. Hier blieb ich beharrlich. Im Mai schob sich ein Spross durch die Erde. Über die zwei Jahre, die ich dort noch gewohnt habe, wuchs «Opas Mango», wie wir sie nannten, zu einem kleinen Bäumchen heran.
Wenn der Freund und ich uns sehen, reden wir manchmal von der Mango, die gegen so viel Widerstand gewachsen ist. Ai!