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Übersicht
Was ist die Altersvorsorge?
Wozu braucht es die Altersvorsorge?
Normalerweise wird man in der Schweiz mit 65 Jahren (Männer) beziehungsweise 64 Jahren (Frauen) pensioniert. Wer pensioniert wird, geht in den Ruhestand. Diese Personen erhalten also keinen Lohn mehr. Damit sie nach der Pensionierung doch noch Geld zum Leben haben, gibt es die Altersvorsorge.
Aufbau Altersvorsorge
In der Schweiz ist die Altersvorsorge in drei Teile aufgeteilt. Diese Teile nennt man Säulen. Man spricht darum bei der Schweizer Altersvorsorge vom «3-Säulen-Prinzip».
Die AHV ist dafür da, dass Pensionierte im Ruhestand die minimalen Lebenskosten bezahlen kann. Die Pensionskasse (2. Säule) ist zur Erhaltung des gewohnten Lebensstandards da, während die private Altersvorsorge (3. Säule) dafür Sorge trägt, dass Pensionierte im Ruhestand zusätzliche Kosten bezahlen können.
Erste Säule
Die erste Säule ist die AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung). Die AHV ist obligatorisch: Wer einen Lohn erhält, muss einen Teil des Lohnes (4.2%) in die AHV einbezahlen (AHV-Beitrag).
Der AHV-Beitrag wird je zur Hälfte vom/von der ArbeitnehmerIn und dem/der ArbeitgeberIn bezahlt. Sobald man pensioniert ist, erhält man von der AHV jeden Monat eine Rente.
Die Höhe der Rente hängt davon ab, wie viel man in seinem Leben durchschnittlich verdient hast. Es gibt jedoch eine minimale sowie eine maximale AHV-Rente. 2019 beträgt die minimale Rente 1185 Franken und die maximale Rente 2370 Franken im Monat.
Zweite Säule
Die zweite Säule bilden die Pensionskassen (auch BVG = berufliche Vorsorge genannt). In die Pensionskasse musst man erst ab einem bestimmten Jahreseinkommen einzahlen (2019: 21'330.-). Wer diese Lohnstufe erreicht, bezahlt als ArbeitnehmerIn, mit dem ArbeitgeberIn, wie bei der AHV, je einen Teil des Lohnes in die Pensionskasse ein (Pensionskassen-Beitrag).
Nach der Pensionierung kannst man sich entscheiden, wie das Geld von der Pensionskasse ausbezahlt werden soll. Es gibt folgende Möglichkeiten wie das Geld erhalten werden kann:
- Als regelmässige Rente im Ruhestand
- Ausbezahlen des ganzen gesparten Geldes auf einmal (Kapitalbezug)
- Einen Teil des Geldes als Rente und einen Teil des Geldes als Kapitalbezug
Dritte Säule
Die dritte Säule nennt man Selbstvorsorge und ist im Gegensatz zur ersten und zweiten Säule freiwillig. Dabei kann zwischen der gebundenen Selbstvorsorge (3a) und der freien Selbstvorsorge (3b) unterschieden werden.
- 3b: Die freie Selbstvorsorge ist das normale Sparen, z. B. auf einem Sparkonto.
- 3a: Für die gebundene Selbstvorsorge dagegen kann man ein spezielles Konto eröffnen. Für das Geld auf diesem Konto müssen keine Steuern bezahlt werden, bekommt es aber grundsätzlich erst wieder kurz vor der Pensionierung zurück. Weil das Geld von den Steuern abgezogen werden kann, können so Steuern gespart werden. Es gibt aber einen Maximalbetrag (6 786 Franken) der einbezahlt werden darf.
Wie wird die Altersvorsorge finanziert?
Finanzierung 1. Säule (AHV)
Bildquelle: Bundesamt für Sozialversicherungen
Die AHV wird durch das sogenannte Umlageverfahren finanziert: Das bedeutet, dass die aktuellen Ausgaben durch die aktuellen Einnahmen finanziert werden. Die heutigen Renten der Pensionierten werden also durch die heutigen AHV-Beiträge der ArbeitnehmerInnen bezahlt.
Finanzierung 2. Säule (Pensionskasse)
Bildquelle: Bundesamt für Sozialversicherungen
Finanziert wird die Pensionskasse durch das sogenannte Kapitaldeckungsverfahren. Das ist das Gegenteil des Umlageverfahrens. Die Pensionskasse kann man sich wie ein Bankkonto vorstellen: Die eigenen Pensionskassen-Beiträge werden auf dieses Konto einbezahlt.
Wird jemand pensioniert, dann wird dessen eigene Rente oder dessen eigener Kapitalbezug von diesem Konto bezahlt. Das Geld, das nach der Pensionierung von der Pensionskasse ausbezahlt wird, ist also das eigene, angesparte Geld. Daher gibt es anders als bei der AHV auch keine minimale oder maximale Rente. Die Höhe hängt grundsätzlich davon ab, wie viel selber in die Pensionskasse einbezahlt wurde. Das Guthaben kann aber nicht „aufgebraucht“ werden. Wer länger lebt als der Durchschnitt, bekommt mehr ausbezahlt als man einbezahlt hat. Wie viel Geld monatlich ausbezahlt wird ist gesetzlich durch den sogenannten Mindestumwandlungssatz (heute 6.8%) vorgegeben. Ein Umwandlungssatz rechnet das angesparte Guthaben in eine monatliche Rente für die verbleibende Lebenserwartung um.
Finanzierung Dritte Säule
Bildquelle: Bundesamt für Sozialversicherungen
Die dritte Säule ist freiwillig. Sie ist dafür da, dass auch neben den ersten beiden obligatorischen Säulen auch privat und freiwillig gespart wird. Auch die dritte Säule ist eine Art Bankkonto: Was darauf einbezahlt wird, kann danach wieder bezogen werden. Anders als die zweite Säule, kann dieses Guthaben aber „aufgebraucht“ werden. Nur was angespart wurde wird ausbezahlt.
Warum braucht es eine Reform?
Reform der AHV
Das Verhältnis der Personen, die AHV-Beiträge bezahlen, zu jenen Personen, die eine AHV-Rente erhalten, hat sich verändert. Die AHV-Beiträge decken heute zu 80% die Renten der Pensionierten ab. Die restlichen 20% werden durch den AHV-Fond des Bundes finanziert. Dies weil bei Einführung der AHV noch 6.6 Erwerbstätige pro pensionierter Person AHV-Beiträge bezahlt haben, heute aber nur noch 3.4 Erwerbstätige. Der Bund geht davon aus, dass das Verhältnis in Zukunft weiter sinken wird.
Zwei verschiedene Entwicklung in der Gesellschaft sind hierfür verantwortlich:
- Einerseits steigt die Lebenserwartung. Menschen in der Schweiz werden immer älter und beziehen darum länger eine Rente.
- Andererseits werden in den nächsten Jahren besonders viele Menschen pensioniert.
Deswegen beziehen immer mehr Personen eine Rente. Aufgrund der Entwicklungen gab es über die Jahre immer wieder Versuche, die Finanzierung der AHV anzupassen. Viele Versuche scheiterten jedoch im Parlament oder wurden vom Volk abgelehnt. Deshalb wird auch heute noch stark über die zukünftige Finanzierung der AHV diskutiert.
Grafik: Ist die grüne Linie unter 0 (also negativ), heisst das, dass die AHV mehr Beiträge ausbezahlt als sie einnimmt. Ist die grüne Linie über 0 (also positiv), heisst das, dass die AHV mehr Beiträge einnimmt als sie ausbezahlt. (Quelle Grafik: Bundesamt für Statistik)
Reform Zweite Säule
Die 2. Säule wird durch das Kapitaldeckungsverfahren finanziert. Wie bereits oben erklärt, kann man sich die Pensionskasse wie ein Bankkonto vorstellen. Die eigenen Pensionskassenbeiträge werden auf dieses Konto einbezahlt und nach der Pensionierung erhält man das Geld von diesem Konto. Das Geld liegt aber nicht einfach nur auf dem Konto – die Pensionskasse versucht den Geldbetrag zu vergrössern. Dafür legt sie das Geld beispielsweise am Finanzmarkt an oder investiert es in Immobilien. Die Pensionskasse versucht also mit dem Geld einen Gewinn zu machen. Diesen Gewinn nennt man Rendite.
In den letzten Jahren sind die Renditen der Pensionskassen aber aus verschiedenen Gründen immer kleiner geworden. Ein Grund dafür ist die schwierige wirtschaftliche Lage. Das Geld, das man auf sein Pensionskassen-Konto einbezahlt, vergrössert sich also weniger stark als früher. Bezieht man von der Pensionskasse aber eine Altersrente, so ist im Gesetz vorgeschrieben, wie hoch die ist.
Auf der anderen Seite leben Menschen heute viel länger als früher. Das Geld muss also länger halten. Eine Senkung der monatlichen Rente ist aber wegen des Mindestumwandlungssatz verboten.
Die Pensionskassen haben also höhere Ausgaben aber geringere Einnahmen als früher. Die 2. Säule muss darum so reformiert werden, dass entweder die Einnahmen grösser werden (z.B. höhere Pensionskassen-Beiträge) oder die Ausgaben kleiner werden (z.B. tiefere Altersrenten).
Wie weiter?
Am 19. Mai 2019 wurde die STAF Vorlage angenommen. Dadurch werden die Unternehmenssteuern in der Schweiz angepasst wodurch die AHV 800 Millionen mehr pro Jahr erhält (mehr zur STAF hier: https://www.easyvote.ch/abstimmungen/staf-vorlage/) . Andererseits steigen die Beiträge für Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen um je 0.15 Prozent. Dies generiert weitere 1.2 Milliarden. Dadurch erhält die AHV gesamthaft 2 Milliarden Franken mehr im Jahr.
Die Diskussionen um die AHV und die Pensionskasse sind dadurch nicht beendet. Es wird diskutiert, ob die Struktur der Altersvorsorge nicht grundsätzlich überdacht werden muss. Weitere bestehende Forderungen sind zum Beispiel die Erhöhung oder Flexibilisierung des Rentenalters. Eine Flexibilisierung des Rentenalters bedeutet, dass das Rentenalter nicht mehr starr ist und die Menschen in verschiedenen Altern in Pension gehen. Das längere Arbeiten soll aber gefördert werden, sodass die Menschen freiwillig erst später in Pension gehen. Dies würde die Ausgaben senken
Bei der Pensionskasse ist eine vorgeschlagene Lösung, dass der Umwandlungssatz gesenkt wird. Dadurch wird die monatliche Rente kleiner, doch dafür reicht das Altersguthaben für eine längere Zeit aus. Eine andere Lösung fordert, dass während der Arbeit grundsätzlich mehr in die zweite Säule einbezahlt wird. Das heisst, dass entweder mehr vom Lohn abgezogen wird oder bereits früher mit dem Einzahlen begonnen wird. Dadurch wird das Altersguthaben erhöht und reicht für eine längere Lebensdauer.