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Wie gross sind die Brände wirklich? Seit Anfang Jahr wurden rund 40'000 Brände im brasilianischen Amazonasgebiet gezählt. Anfang August waren es rund 4000, in den letzten Tagen 2500. Sie haben also etwas abgenommen.
2018 waren es deutlich weniger Brände im Zeitraum von Januar bis August. Allerdings gab es bereits schlimmere Perioden, besonders die Jahre 2003 bis 2005, in denen auch die Abholzung viel stärker war als in den letzten Jahren.
Wie lassen sich die Brände messen? Brasilien überwacht die Brände mit Satelliten. Auch europäische und amerikanische Satelliten sind im Einsatz. Sie können auch kleinere Feuer erkennen, bei denen die Flammenfront 30 Meter lang ist.
Manche Satelliten messen auch die Intensität der Feuer oder wie viel CO2 in der Region entsteht. Dies lässt auf den Schweregrad der Brände schliessen – ob zum Beispiel nur die Stoppeln auf einem Feld abgefackelt werden oder ob ein ganzer Wald verbrennt.
Ein gefährlicher Typ von Waldbrand lässt sich von Satelliten aus allerdings nicht erkennen: wenn allein das Unterholz im Regenwald brennt. Dabei können aber die Urwaldriesen, die oft eine dünne Rinde haben, schwer geschädigt werden, und der Wald stirbt in der Folge später ab.
Wie geht es mit den Bränden weiter? Laut Experten können Löschflugzeuge allein die grossen Brände nicht löschen. Es braucht die Hilfe von starken Niederschlägen. Solche sind für die nächsten zwei Wochen nicht prognostiziert. Die Regenzeit wird erst ab Ende September langsam einsetzen.
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat es während der nächsten 60 Tage per Dekret verboten, neue Brände zu legen. Ob das Wirkung zeigen wird, ist offen.
Wie stark sind die Auswirkungen aufs Klima? Wenn Pflanzen verbrennen, entsteht das Treibhausgas CO2. Dieses Jahr haben die Brände im Amazonas über 220 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt – über viermal mehr als die Schweiz pro Jahr gesamthaft an CO2 ausstösst. Würde der ganze Amazonaswald abbrennen, entstünden etwa 90 Milliarden Tonnen CO2.
Der Amazonas-Regenwald hat auch eine wichtige Funktion für das Klima des südamerikanischen Kontinents: Er ist eine Art Umwälzpumpe für Feuchtigkeit. Seine Bäume nehmen Unmengen von Wasser aus den Böden auf und verdunsten es wieder über die Blätter.
In der Folge entstehen Wolken und Regen – nicht nur über dem Amazonas selbst, sondern auch in weiter entfernten Regionen. Zum Beispiel im landwirtschaftlich wichtigen Gebiet von Südbrasilien, Paraguay und Nordargentinien.
Was müsste geschehen, um den Amazonas zu retten? Die Regierung Bolsonaro müsste ihren Kurs der landwirtschaftlichen Expansion im Amazonas um 180 Grad kehren und jene Rezepte anwenden, die vor 15 Jahren die starke Abholzung um 80 Prozent reduzierten: Die Schutzgesetze müssten konsequent durchgesetzt werden, illegale Brände und Abholzung mit empfindlichen Bussen bestraft werden.
Bisher gibt es keine Anzeichen dafür. Bolsonaro hatte zum Beispiel das Budget der Umweltbehörde für die Bekämpfung von Bränden um 23 Prozent gekürzt. Ob internationaler Druck etwas bewirkt, ist unklar. Er könnte sogar kontraproduktiv sein, weil viele Brasilianer finden, niemand habe ihnen beim Amazonas reinzureden.
Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Wissenschaftsmagazin, 31.8.2019, 7:06 Uhr