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Unser Münsterorganist Daniel Glaus ist einer der fleissigsten Predigtgänger.
Er spielt in den gottesdienstlichen Feiern des Berner
Münsters die Orgel. Mit seiner Stelle ist eine
Dozentur an der Hochschule der Künste Bern verbunden.
Im Sommerhalbjahr organisiert er die traditionellen
Abendmusiken und konzertiert auch sonst im In- und Ausland.
Für die Zeit vor der Reformation sind im Münster
zwei grosse sowie drei kleine Orgeln bezeugt. Die beiden
grossen Orgeln, sogenannte Schwalbennestorgeln, hingen
an der Nordwand des Mittelschiffes und des Chors; vermauerte
Öffnungen lassen ihre Standorte noch heute erkennen.
In der Reformation wurden alle Orgeln aus dem Münster entfernt. Musik ist Kunst und hatte deshalb nach der Anschauung von Huldrych Zwingli innerhalb des Gottesdienstes nichts zu suchen. Der Zürcher Reformator griff vor allem auch die Orgelmusik an: «Die Orgel ist des Teufels Dudelsack, womit er den Ernst der Betrachtungen in Schlummer wiegt».
(aus: Machs na, ein Führer durchs Berner Münster, von Christoph Schläppi und Bernard Schlup)
1729 wurde das Berner Münster wieder mit einer
Orgel ausgestattet. Nachdem bei den vorbereitenden Arbeiten
der Orgelmacher H. Silbermann beigezogen worden war,
erbaute Gottlieb Leuw aus Bremgarten AG diese „Grosse
Orgel“. Ihre ursprünglich 38 Register wurden
in einem ersten Umbau bereits 1748-1752 von Victor Ferdinand
Bossart auf 43 ausgebaut. Ein weiterer grundlegender
Umbau 1845-1849 durch Friedrich Hans aus Winterthur
ergänzte das Instrument auf 55 Register. Seither
erfolgten verschiedene Renovationen und Umbauten. Der
geschnitzte Schmuck des Orgelprospekts stammt im Wesentlichen
von Johann Jakob Langhans (Orgelfront) und Michael Langhans
(Bekrönung um 1730) sowie von Johan August Nahl
dem Älteren (Zierwerk, um 1750). Mit der Grossen
Orgel hielt die Formensprache des Barock im Münster
Einzug.
Mit dem im Jahr 2000 restaurierten Instrument und dem barocken Prospekt von Viktor Ferdinand Bossart besitzt die Münstergemeinde eine Orgel, deren Qualität über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Details siehe hier.
1982 wurde an der Südwand des Chors eine neue Schwalbennestorgel
eingeweiht. An diesem Ort hatte sich um 1450 die erste
Münsterorgel befunden. Sie war aber bereits um
1500 durch ein grösseres Instrument an der gegenüberliegenden
Chorwand ersetzt worden; der Zugang ist im Mauerwerk
noch sichtbar.
Die heutige Orgel konnte aufgrund von Spuren ihrer Vorgängerin am Bau in Grösse, Gestalt und zahlreichen Einzelheiten nachempfunden werden. Ihr Tonumfang wurde genüber dem mittelalterlichen Vorbild auf 14 Register erweitert. So ist es möglich, auf ihr die Musik aus der Zeit etwa bis zur Entstehung der Grossen Orgel im frühen 18. Jh. zu spielen.
(aus: Machs na, ein Führer durchs Berner Münster, von Christoph Schläppi und Bernard Schlup)
CDs der Schwalbennestorgel sind an der Infostelle des Berner Münsters erhältlich.
Ingenieurskunst, Instrumentenbau und Musikgeschichte haben zusammen den Orgelbau revolutioniert. Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Organist und Komponist Daniel Glaus setzte dazu im Herzen der Orgel an: beim Wind. Wo früher der statische Orgelwind gleichsam das unverrückbare Prinzip der Kirchenmusik repräsentierte, ermöglicht heute der flexible Wind klangliche Möglichkeiten, die selbst die kühnsten Erwartungen übertreffen. Heute stehen im Münster 3 Prototypen (Bild links: Protyp II).
Das zweisprachige Buch «Frischer Wind – Fresh Wind» über den Forschungsprozess, mit Texten, Bildern, Interviews und CD, ist an der Infostelle erhältlich.