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Natur-Wissen als Zeit-Wissen: Diskussionen um den europäischen Klimawandel im 19. Jahrhundert
Das Ende der Kleinen Eiszeit (ca. 1300-1850) impliziert, dass auch das 19. Jahrhundert mit steigenden Temperaturen und damit verbundenen Problemen zu kämpfen hatte. In den daraus resultierenden Diskussionen sind Zeitvorstellungen in drei verschiedenen Dimensionen zentral: Zeitungsartikel greifen erstens auf existierendes Wissen zurück. Dabei handelt es sich um aus der Vergangenheit abgeleitete Modelle von Klimaperioden. Sie reichen bis ins Mittelalter zurück und werden an der Gegenwartsnatur validiert. Das hat die Funktion, Klima beschreibbar zu machen und entwirft die Natur als messbare, kontrollierbare Grösse. Zweitens wird der Ist-Zustand des Klimas beschrieben (Gegenwart). Weil sich das Klima im Wandel befindet, wird diese Beschreibung als komplizierte Aufgabe erlebt, die neue Formen der transnationalen Zusammenarbeit nötig macht. Die Erfassung der Klimagegenwart zielt auf die Rationalisierung der Natur. Drittens spielen Projektionen in die Zukunft eine Rolle. Die Autor_innen entwerfen Szenarien, wie die klimaveränderte Erde aussehen könnte, und kalkulieren die Folgen aktueller Naturmanipulationen. Das dient dazu, wünschenswerte Zukünfte zu entwerfen und so beeinflussen zu können. Die Natur wird dabei als (teilweise) durch Menschen formbare Entität wahrgenommen. Der Vortrag beschreibt diese Zeitschichten der Klimadiskussion des 19. Jahrhunderts in europäischen Zeitungen.