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|Kommt der Crash?||
05.09.2020 23:01:00

Buffett-Indikator markiert neuen Höchststand: Alarmbereitschaft am US-Aktienmarkt
• Buffett-Indikator für USA mit neuem Allzeithoch, auch weltweit Überbewertung
• Aussagekraft des Buffet-Indikators womöglich gesunken
Während die Wirtschaftsleistung der USA im zweiten Quartal 2020 infolge der Corona-Krise massiv eingebrochen ist, schwingt sich der US-Aktienmarkt zu immer neuen Höhen auf. Doch das sollte unter Anlegern nicht nur für Begeisterung sorgen, sondern auch die Alarmglocken läuten lassen, denn ein wichtiger Indikator signalisiert aufgrund dieser Diskrepanz eine extreme Überbewertung am Aktienmarkt.
Buffett-Indikator für US-Aktien höher als bei jeder Blase zuvor
Der Buffett-Indikator, der seit einem Interview mit "Forbes" im Jahr 2001 nach der Investmentlegende Warren Buffett benannt ist, vergleicht den Aktienmarkt eines Landes mit der Wirtschaftsleistung der gleichen Region, um so zu ermitteln, ob der Markt überbewertet oder unterbewertet ist. Das Orakel von Omaha bezeichnete den Indikator gegenüber dem US-Magazin als "womöglich das beste Einzelinstrument, um zu messen, wo die Bewertungen an irgendeinem gegebenen Zeitpunkt stehen" und machte die Kennzahl somit schlagartig berühmt.
Der Indikator zeigt laut Buffett "den Marktwert aller öffentlich gehandelten Aktien als Prozentsatz der Wirtschaft des Landes - also als Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts", indem der Gesamtwert aller Aktien in einem Markt durch das BIP geteilt wird. Für die USA bedeutet das beispielsweise, dass die Marktkapitalisierung des Wilshire 5000 Total Market Index als Mass für den US-Gesamtmarkt herangezogen und durch das US-Bruttoinlandsprodukt geteilt wird. Liegt das Ergebnis unter 100 Prozent ist der Aktienmarkt unterbewertet - wobei die Unterbewertung grösser ist, je tiefer der Buffett-Indikator steht. Bei einem Wert über 100 Prozent gilt der Markt als überbewertet.
Während das US-BIP im zweiten Quartal 2020 laut offiziellen Daten der US-Regierung bei 19,4 Billionen US-Dollar lag, betrug die Wilshire-Marktkapitalisierung des US-Marktes zum Ende des zweiten Quartals rund 35,5 Billionen US-Dollar. Aktuell beläuft sie sich auf gut 36 Billionen US-Dollar. Der Buffett-Indikator für die USA liegt daher auf einem neuen Allzeithoch bei mehr als 180 Prozent - zeigt also eine extreme Überbewertung an, die mit der fortgesetzten Rekordjagd an den US-Börsen noch zunehmen wird.
Im Interview mit "Forbes" sagte Warren Buffett 2001, dass es "ein sehr starkes Warnsignal" hätte sein sollen, dass der Indikator vor dem Platzen der Dotcom-Blase auf ein Rekordhoch gestiegen ist. Doch nicht einmal damals lag der Indikator so hoch wie heute: Der Rekordstand des Buffett-Indikators betrug im Jahr 2000 vor dem Platzen der Dotcom-Blase laut "Benzinga" lediglich 139,5 Prozent. Historisch gesehen bewegte er sich laut Daten der Nachrichtenseite im Schnitt zwischen 93 Prozent und 114 Prozent - also deutlich unter seinem heutigen Niveau.
Aktienmarkt auch weltweit überteuert
Doch nicht nur für die USA lässt der Buffett-Indikator die Alarmglocken schrillen. Die Kennzahl lässt sich für jedes Land berechnen - und ebenso für die gesamte Welt. Auch hier zeigt er an, dass beim Investieren womöglich Vorsicht geboten ist. Denn wie der "WELT"-Journalist Holger Zschäpitz Anfang August auf Twitter hervorhob, bewegt sich der Buffett-Indikator weltweit gesehen zum ersten Mal seit Anfang 2018 oberhalb der Marke von 100 Prozent und signalisiert somit eine Überbewertung.
Global stock mkts have hit another milestone. All stocks now worth more than 100% of global GDP for the 1st time since 2018, pointing to stretched valuations. For Warren Buffett, a Market Cap to GDP Ratio >100% means stocks in bubble territory. pic.twitter.com/EqPi8A9Tkc- Holger Zschaepitz (@Schuldensuehner) August 9, 2020
Aussagekraft des Buffett-Indikators: Kommt jetzt der Börsencrash?
Doch auch, wenn Warren Buffett in der Vergangenheit einen hohen Wert des Indikators als starkes Warnzeichen für die Börsen bezeichnete, muss das nicht heissen, dass es mit den Aktienkursen in naher Zukunft zwingend bergab geht. Buffett selbst sagte bereits 2001 gegenüber "Forbes", dass die Kennzahl auch gewisse Grenzen habe, und Jonathan Weber von "Cash Flow Kingdom" wirft in einem Gastbeitrag für "SeekingAlpha" die Frage auf, ob der Buffett-Indikator womöglich in den vergangenen Jahren seine Nützlichkeit verloren hat, da sich die Welt inzwischen geändert hat. So weist er beispielsweise darauf hin, dass im US-BIP keine Gewinne und Erträge berücksichtigt werden, die amerikanische Firmen im Ausland erzielen. Diese wirken sich jedoch sehr wohl auf die Unternehmensbilanz und somit auch auf den Aktienkurs aus. Da US-amerikanische Firmen mittlerweile mehr Gewinne im Ausland erwirtschaften würden als früher, führe das auch zu einer - gerechtfertigt - höheren Bewertung des US-Aktienmarktes im Verhältnis zum US-BIP.
Ein weiteres Argument dafür, dass der Buffett-Indikator momentan womöglich eine geringere Aussagekraft besitzt als sonst, liefert die Corona-Krise. Denn laut Jonathan Weber und weiteren Experten ist vor allem der BIP-Einbruch infolge des Lockdowns für den hohen Wert des Indikators verantwortlich. Doch dieser sei allen Prognosen zufolge nur vorübergehend und die US-Wirtschaft werde sich in nicht allzu ferner Zukunft wieder vollständig von dem Einbruch erholt haben, so Weber auf "SeekingAlpha". Und wenn sich die US-Wirtschaft wieder erholt und das BIP steigt, sinkt im Gegenzug der Buffett-Indikator - ein in etwa gleichbleibendes Niveau des Wilshire 5000 Index vorausgesetzt.
Tatsächlich könnte es ein Problem sein, dass aktuelle Bewertungen des Aktienmarktes mit den BIP-Daten des vergangenen Quartals verglichen werden. Möglicherweise liegt das US-BIP aktuell bereits wieder auf einem etwas höheren Niveau und der Markt ist doch nicht so massiv überbewertet, wie es der Buffett-Indikator momentan angibt. Generell überbewertet dürfte der US-Aktienmarkt aber dennoch sein. Anleger sollten das und die damit verbundenen Risiken im Kopf behalten, auch wenn der Indikator wohl kein Zeichen für einen bevorstehenden Ausverkauf an den Börsen darstellt, rät "Benzinga".
Redaktion finanzen.ch
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