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Reinhart-Schwarzenbach, Georg, 1877-1955
Georg Reinhart war der langjährige und umsichtige Patron des Unternehmens „Gebrüder Volkart AG“ in dritter Generation. Der sozial denkende Patron war zugleich ein grosser Künstlerförderer und Kunstsammler.
Georg Reinhart ist am 10. Januar 1877 in Winterthur als Sohn des Theodor und der Lilly Reinhart-Volkart zur Welt gekommen. Er hatte drei Brüder Hans, Werner, Oskar und eine Schwester, Emma. Ab 1896 machte er in der väterlichen Handelsfirma Gebr. Volkart eine kaufmännische Ausbildung mit Aufenthalten in England und längeren Reisen in die USA, nach Indien und in den Fernen Osten. Von 1904 bis 1952 war er Geschäftsteilhaber und führender Geschäftleiter. Sein Sinn für Gerechtigkeit und seine menschlich-soziale Einstellung charakterisiert ihn. Das Wohlergehen des Personales, das Anbieten von guten Arbeitsbedingungen lag ihm am Herzen. So war es für ihn klar für seine Leute eine Pensionskasse zu gründen. Als er am 29. Juli 1955 verstarb, trauerten seine Familie und die ganze Belegschaft um einen feinfühligen edlen Mensch und um einen gütigen Prinzipal, der stets ein vorbildlicher Arbeitgeber gewesen war.
Georg Reinhart war aber der Muse ebenfalls sehr zu getan. Selber zeichnete und malte er gerne und gut. Eine Weile stand für ihn sogar zur Debatte sich ganz der Kunst hinzuwenden. Er blieb aber schliesslich bei seinen Leisten und wurde, als Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit, Förderer, Kunstsammler und Mäzen. Bei seiner Sammlertätigkeit war es ihm wichtig, mit den Künstlern Kontakt zu haben und diesen zu pflegen. Reinhart förderte Kulturschaffende wie Hermann Haller, Ludwig Kirchner, Frans Masereel, Niklaus Stoecklin, Karl Geiser, Giovanni Mardersteig und Hermann Hesse. Er regte die Ausstellung Ernst Ludwig Kirchners von 1924 im Kunstmuseum Winterthur an. Rainer Maria Rilke kommentierte Reinharts Kohlezeichnungen. Neben Werken befreundeter Künstler sammelte er französische Malerei und ostasiatische Kunst. Teile von Reinharts Sammlung befinden sich in den Kunstmuseen von Winterthur und Basel sowie im Museum Rietberg in Zürich. Von1907 bis 1939 war er Vizepräsident des Kunstvereins Winterthur und von 1933 bis 1950 Präsident des Galerievereins gewesen.
Zitate aus Reden anlässlich der Erinnerungsfeier nach dem Tode von Georg Reinhart:
Max Weber, Mitarbeiter:
„Eines der schönsten sozialen Werke, an dessen Einrichtung und Dotierung Herr Georg Reinhartr massgebend beteiligt war, ist die Pensionskasse der Angestellten.“
„Er wusste, dass das Benzin (es betraf die Zeit während des 2. Weltkrieges) für dringendere Zwecke gespart werden musste, und wollte nicht besser behandelt werden als andere. So kam es, dass er während der ganzen Rationierungsperiode, Sommer und Winterthur, den langen Weg zwischen Tössertobel und Geschäft viermal am Tag zu Fuss zurücklegte.“
„ Für alle von uns, welche die Ehre und das Glück gehabt haben, lange Jahre unter der umsichtigen Leitung des Herrn Georg Reinhart in unserer Firma mitzuwirken, war er und wird es immer bleiben: das Beispiel eines feinfühligen, edlen Menschen, eines gütigen Prinzipals und eines vorbildlichen Arbeitgebers.“
Hermann Hubacher, Freund:
„....was sich als roter Faden durch sein ganzes Leben zieht, ich meine sein Verhältnis zu den bildenden Künsten. Georg Reinhart hat schon als Knabe viel gezeichnet und nahm noch Unterricht bei den Malern E. G. Rüegg und Würtenberger, als er bereits in wichtiger Stellung der Firma war. Es kam zu einer spannungsvollen Zeit, und ein Konflikt konnte kaum ausbleiben. Er überlegte ernsthaft, ob er nicht umsatteln, den Kaufmannberuf an den Nagel hängen, und nur noch der Kunst leben sollte. „Zweifel, wie weit mein Talent reiche, so schrieb der Vierzigjährige, und die Stimme der Pflicht, gegen Vater und Brüder, die auf meine Mitarbeit rechneten, erschwerten meinen Entschluss“. Er hat den Gewissenskonflikt mutig überstanden und blieb was er früher war, ein leidenschaftlicher Liebhaber der schönen Künste, der mit ausgesprochenem Talent selber malte und bald zeichnete, bald modelliert, nicht nur die Mussestunden, sondern auch viele Ferientage mit ernster künstlerischen Arbeit zubrachte.“
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