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Theologische Fakultät
Die Theologische Fakultät der Universität Basel ist mit deren Entstehungsgeschichte auf besondere Weise verbunden. Bereits während des Basler Konzils bestand seit dem Jahre 1432 eine Konzilsuniversität, deren tragende Säule die theologische Ausbildung war und die als Vorläufer der heutigen Universität Basel angesehen werden kann. Bei der Eröffnung der neugegründeten Universität im Jahre 1460 verzeichnet die Theologische Fakultät die meisten Studierenden. Als die Existenz der Universität in den Umbrüchen der Reformationszeit gefährdet schien, setzte sich der Basler Reformator Johannes Oekolampad, der als Professor an der Theologischen Fakultät lehrte, für ein Weiterbestehen der Universität ein und trug damit wesentlich zu ihrer weiteren positiven Entwicklung bei.
Johannes Oekolampad
(Bild: wikimedia)
Pluralistische Theologie in reformierter Tradition
Im reformiert geprägten Basel war es selbstverständlich, dass auch die Theologische Fakultät fest in der reformierten Tradition verankert war. Die Fakultät hat jedoch dadurch ihr Profil gewonnen, dass sie sich stets für einen theologischen Pluralismus reformierter Prägung eingesetzt hat und dies auch in ihrer Berufungspolitik zum Ausdruck kam. So war ihr an einer Balance zwischen eher konservativ-traditionellen und reformorientiert-liberalen Positionen gelegen. Immer wieder hat die Theologische Fakultät auch Persönlichkeiten berufen, die nicht den wissenschaftlichen Mainstream ihres Faches repräsentierten und auch solche. die an anderen Universitäten aus wissenschaftlichen und oder politische Gründen unerwünscht waren.
So konnte im Jahre 1822 Wilhelm Martin Leberecht de Wette, der aus politischen Gründen vom preussischen König von seinem Lehrstuhl an der Berliner Universität entfernt wurde, für eine Professur in Basel gewonnen werden. Er setzte sich für eine freie kritische Erforschung der christlichen Traditionsbildung ein und stand der Universität insgesamt fünfmal als Rektor vor.
In gleicher Weise setzte sich Franz Overbeck, der 1870 auf eine Professur für Neues Testament und Alte Kirchengeschichte berufen wurde und der mit Friedrich Nietzsche eng befreundet war, für eine konsequent historisch-kulturwissenschaftliche Interpretation des Christentums ein.
Wilhelm Leberecht de Wette Franz Overbeck
(Bilder: wikimedia)
Als Karl Barth im Jahre 1935 vom nationalsozialistischen Regime in Deutschland die Lehrerlaubnis entzogen bekam, kehrte er als Professor in seine Geburtstadt Basel zurück. Seine Theologie hat im 20. Jahrhundert eine weltweite Wirkung erzielt und bewog nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Personen aus dem europäischen und nichteuropäischen Ausland, in Basel Theologie zu studieren.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts hat die Theologische Fakultät dieser Balance von Traditionsorientierung und wissenschaftlicher Innovation dadurch Ausdruck verliehen, dass sie der damals höchst kontrovers diskutierten Feministischen Theologie einen prominenten Platz in ihrem Lehrangebot einräumte.
Sie hat zwei prominente feministische Theologinnen zu Gastprofessuren eingeladen: Dorothee Sölle, der in Deutschland ein theologischer Lehrstuhl verwehrt wurde und die am Union Theological Seminary in New York lehrte, und Elisabeth Schüssler-Forienza von der Harvard University in Massachusetts. Im Jahre 1998 verlieh die Theologische Fakultät die Würde einer Ehrendoktorin der Theologie an die prominente Schweizer Feministische Theologin Marga Bührig.
Dorothee Sölle
Neue Herausforderungen und Veränderungen
Gegenwärtig steht die Theologische Fakultät vor den wohl grössten inhaltlichen und strukturellen Herausforderungen und Veränderungen seit den Umbrüchen des Reformationszeitalters. Die demokratischen Gesellschaften Europas wandeln sich von einem gemässigten alteuropäischen Pluralismus hin zu einem forcierten kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Pluralismus. Diese Entwicklung ist in sich ambivalent. Sie bringt sowohl Potentiale der Bereicherung an kulturellen und weltanschaulichen Perspektiven und Orientierungsmöglichkeiten, birgt aber zugleich ein unübersehbares Konfliktpotential in sich. Die Ereignisse des 11. September 2001 und ihre Folgen zeigen uns eine Welt, in der kulturelle und religiöse Traditionen konfliktuös aufeinander treffen. Gleichwohl gibt es in einer globalisierten Welt kein Zurück hin zu geschlossenen kulturellen und religiösen Inseln, wie dies etwa alle Formen eines religiösen oder politischen Fundamentalismus anstreben. Die Alternative dazu heisst: Der kulturelle, weltanschauliche und religiöse Pluralismus unserer Gegenwart muss bewusst gestaltet werden, um sein Gefahrenpotential zu mindern und die Chancen, die in diesem Pluralismus begründet liegen, auf best mögliche Weise zu gestalten.
Die Theologische Fakultät siedelt sich bewusst im Kontext dieser Herausforderung an. Sie begreift sich als Institution wissenschaftlicher Reflexion auf Religion. Dabei bleibt sie sich ihrer reformierten Tradition bewusst und öffnet sich zugleich für den weiteren Horizont eines kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Pluralismus. Deshalb ist eine der beiden Professuren des Zentrums für Jüdische Studien in der Theologischen Fakultät angesiedelt. Zudem hat die Theologische Fakultät in eigener Initiative die freiwerdende Professur für Neues Testament und Kirchengeschichte, die einst Franz Overbeck innehatte, in eine Professur für Religionswissenschaft umgewandelt. Je eine Professur für Neues Testament und Kirchengeschichte wird es weiterhin an der theologischen Fakultät geben Diese Entwicklungen erfordern auch strukturelle Veränderungen. Die Theologische Fakultät wird sich – zum erstenmal in ihrer Geschichte – in Departmente gliedern. Sie wird in Zukunft aus einem Departement Theologie und in einem Department Religionswissenschaft bestehen. Dem Departement Theologie werden die Professuren für Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Systematische Theologie / Dogmatik, Systematische Theologie /Ethik, Praktische Theologie sowie die Professur für Ökumene- und Missionswissenschaft und kulturelle Gegenwartfragen angehören. Dem Departement Religionswissenschaft, das zusammen mit der Philosophisch-Historischen Fakultät betrieben wird, gehören zunächst die Professuren für Religionswissenschaft, für Religionsgeschichte und Literatur des Judentums sowie die Professur für Islamwissenschaft an. Beide Departmente sollen nicht nebeneinander bestehen, sondern in Forschung und Lehre synergetisch zusammenarbeiten.