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Drama
China/I 2006
Alternative Titel Kan shang qu hen mei; 看上去很美
Regie Zhang
Yuan
Drehbuch Zhang Yuan, Ning Dai nach dem Roman von Wang Shuo
Produktion Zhang Yuan, Marco Müller, Allen Chang, Li Bolun
Darsteller Dong Bowen, Ning Yuanyuan, Chen Manyuan, Zhao Rui, Li Xiaofeng, Chen Li, Zhang Weihua
Länge 88 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 6
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
© Text Marco,
molodezhnaja 3.6.07
© Bilder Eureka!, Screenshots molodezhnaja
STORY
China 1949: Weil seine Eltern kaum zuhause sind, wird der kleine Fang Qiangqiang (Dong Bowen) in einen Internats-Kindergarten gebracht, wo ein paar Dutzend 4- und 5-jährige Kinder daheim sind. Unter dem strengen Regime von Miss Li (Zhao Rui) und der jüngeren Miss Tang (Li Xiaofeng) werden die Kleinen zu guten Staatsbürgern getrimmt, bekommen für jede gemeisterte Prüfung oder Routine einen roten Stern als Belohnung. Qiang würde auch gerne eine Belohnung haben, doch er ist zu rebellisch: Er macht nachts ins Bett, weiss nicht, wie er sich an- und ausziehen soll und wagt sich etwas zu nahe an die Schwestern Yang Nanyan (Ning Yuanyuan) und Yang Beiyan (Chen Manyuan) heran. Schon bald haben die Leiterinnen das Gefühl, sie würden den Buben nie unter Kontrolle bekommen.
REVIEW
Der Sechstgenerations-Regisseur Zhang Yuan ("East Palace West Palace") gehörte zum Beginn seiner Karriere zu den kritischsten und bei der chinesischen Führung unbeliebtesten Filmemachern. Mittlerweile ist er gut etabliert, seine kritischen Spitzen sind etwas sanfter geworden. Davon zeugt auch "Little Red Flowers", der zwar Systemkritik birgt, aber diese relativ harmlos vorträgt. Die Kritik bleibt auch etwas oberflächlich und handelt vom Konflikt zwischen Individualismus und Gleichmacherei. Diesen Punkt prügelt Zhang den Zuschauern gleich mehrfach unsubtil ein, doch er funktioniert als Thema ganz gut, zumal er unter so kleinen Kindern stattfindet und daher den Anstrich einer Parabel bekommt.
Der Individualist ist natürlich der kleine Qiangqiang. Von Anfang an steht er quer zu den Regeln in der Anstalt, hat Mühe sich einzufügen.Das Regime in dem Kindergarten ist denn auch sofort als grotesk und konformistisch erkennbar: Am Morgen wird in Reih und Glied abgekackt, am Abend wird kurz der Hintern gewaschen, antraben zum Pfeifton der Kindergrätnerinnen. Doch all das spielt 1949 in einem noch kommunistisch sehr enthusiastischen China und weil nur wenige Kindergärtnerinnen anwesend sind, braucht es auch eine gewisses Regelwerk mit starren Strukturen. Manche Elemente der gleichmachenden Erziehung dürften sogar uns nicht fremd sein, schliesslich war auf dem Schulweg auch Marschieren in Zweierreihe angesagt - jedenfalls bei uns in der Primarschule der 80er. Aber Zhang inszeniert das alles so, dass man, wenn man all diese Regeln und Abläufe zusammen nimmt, umgehend das Gefühl bekommt, die Kinder werden gehirngewaschen und zwanghaft eingegliedert in die Konformität. Getrimmt, um als Zahnrad im kommunistischen Getriebe zu funktionieren.
Umso griffiger und publikumsfreundlicher soll daher der passive Widerstand von Qiangqiang sein, mit dem wir uns identifizieren - und tatsächlich amüsiert er und regt zum Denken an. Zhang zeichnet interessanterweise seine kleine Hauptfigur gar nicht so sympathisch. Der Bengel wird im Verlauf des Films sehr destruktiv, ja sogar brutal. Das schwächt die Anteilnahme von Seite des Publikums gehörig ab, schadet aber der Botschaft nicht, denn auch ein unangepasstes und wildes Kind hat das Recht auf seine Individualität. Es lässt sich darüber streiten, wie stark man den Jungen einbinden soll und wie man pädagogisch mit ihm umgehen soll, doch auf alle Fälle ist Zhangs Vision deutlich.
Inszenatorisch ist "Little Red Flowers" durchaus vorbildlich: Die Kinderschauspieler wirken natürlich und unverkrampft, auch in den vielen Nacktszenen und (fast zu forcierten) vorsexuellen Annäherungen. Die Bildsprache ist edel, die Musik gefällt und das Erzähltempo ist geschmeidig. Zhang, unter anderem mit Marco Müller, dem ehemaligen Festivalsleiter von Locarno und heutigen Leiter des Festivals in Venedig, als Produzent im Rücken, hat die Ressourcen und das Talent - das Resultat schmeichelt Augen und Hirn. Mehr Biss hätte gut getan, mehr Mut zum Risiko auch. Und ich bin auch einige Zeit nach Anschauen des Films noch unsicher, ob mir das abrupte Ende wirklich gefallen hat. Doch "Little Red Flowers" ist auf alle Fälle eine sehenswerte Parabel mit süssen Kinderdarstellern, inszeniert von einem interessanten Filmemacher.
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Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln.
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