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Es war eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte: Mit der Ammoniaksynthese konnten die unerschöpflichen Stickstoffreserven der Luft nutzbar gemacht werden. Nie zuvor hatte der Mensch so massiv in einen natürlichen Stoffkreislauf eingegriffen. Synthetisches Ammoniak veränderte den Krieg, die Industrie, den Charakter der Landwirtschaft und die Umwelt.

Am 14. September 1909 meldeten Fritz Haber und Carl Bosch beim deutschen Reichspatentamt ein Verfahren an, mit dem sich in industriellem Massstab der Gestank ungepflegter Pissoirs reproduzieren liess. Es sollte sich als eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheit herausstellen. Fritz Haber war es gelungen, Ammoniak (NH3) künstlich herzustellen – ein ätzendes, giftiges und stark übel riechendes Gas, das in der Natur beim Abbau von Harnstoff entsteht. Zusammen mit Carl Bosch entwickelte er die Ammoniaksynthese zu einem Industrieverfahren weiter, ohne das der erste Weltkrieg anders verlaufen und die Bevölkerung im 20. Jahrhundert nicht in dem bekannten Ausmaß explodiert wäre. Die Welt im frühen 21. Jahrhundert sähe der Welt des frühen 20. Jahrhunderts sehr viel ähnlicher, gäbe es kein synthetisches Ammoniak.
2/12/2009
Interview mit David Sarasin – «WOZ Die Wochenzeitung» sowie «Telepolis» vom 12. Februar 2009
Unter den unzähligen Büchern, die im «Darwinjahr» 2009 erscheinen, gehört «Darwin und Foucault» des Historikers Philipp Sarasin* zweifellos zu den originellsten. Im Vorwort nennt es Sarasin ein «Experiment», zwei der «aggresivsten ‹Säuren› der Theoriebildung in eine Schale zu giessen». Für Sarasin stammt Michel Foucault, wie es auf dem Klappentext heißt, «von Darwin ab». Weder Darwin noch Foucault hätten zwischen Natur und Kultur eine scharfe Grenze gezogen – und so liegt denn die ironische Pointe des Buchs darin, dass Sarasin Foucault gegen die (foucaultianischen) KulturalistInnen liest, für die alle Realitäten letztlich nur Zeichen und Diskurse sind, und Darwin gegen die (darwinistischen) BiologistInnen, die glauben, der Mensch lasse sich allein aus der Biologie respektive der Evolution heraus verstehen. Das wird etwa dort besonders lustvoll, wo Sarasin dem Turbo-Darwinisten und missionarischen Atheisten Richard Dawkins nachweist, dass er in seinem Weltbild eigentlich nicht auf einen Gott verzichten könne …
1/13/2005
Interview mit Gerd Grasshoff über Alfred Einstein – «WOZ Die Wochenzeitung» vom 13. Januar 2005
Gerd Grasshoff ist Professor für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte an der Universität Bern und präsidiert das Exekutivkomitee «Forum Einstein 2005 Bern». Zusammen mit Ann M. Hentschel hat er «Albert Einstein. Jene glücklichen Berner Jahre» sowie den Führer zum Einstein-Pfad Bern herausgegeben.
Das Jahr 1846 gilt als das Geburtsjahr der schmerzfreien Operation, und schon bald nach dem «Durchbruch» in den USA operierten auch Chirurgen in Europa mithilfe von Schwefeläther schmerzfrei – Schweizer Ärzte gehörten zu den ersten.
Allerdings sieht bei näherer Betrachtung alles etwas anders aus: Es gab selbstverständlich eine Vorgeschichte, und es gab schon vor 1846 Chirurgen, die schmerzfrei operierten. Als die Anästhesie Ende 1846 dann «offiziell» wurde, war der Jubel in den Medien groß – aber keineswegs war es so, dass ab sofort kein Operationspatient mehr Schmerzen leiden musste (und wollte!).
Die Geschichte der Anästhesie in der Schweiz zeigt einerseits große regionale Unterschiede. Sie zeigt andererseits, wie auch die Geschichte der Anästhesie eine Geschichte widerstrebender Interessen ist. Und einige Quellen korrigieren das Bild der einhelligen Begeisterung über die neue Errungenschaft.
Meine Lizenziatsarbeit entstand bei Jakob Tanner an der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftswissenschaft der Universität Zürich.
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Autor
Marcel Hänggi
Themen
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