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Vor genau 80 Jahren, am 20. Februar1941, orientierte «Herr Regierungsrat Dr. H. Hefti […] den Regierungsrat über Besprechungen mit der Gruppe Glärnisch betr. Organisation des Sanitätsdienstes für Militär und Zivilbevölkerung im Kriegsfalle. Dabei wurde auch gewünscht, dass der Regierungsrat eine Sitzverlegung im Kriegsfalle ins Auge fassen sollte, weil Glarus unter Umständen Kampfgebiet sei. […] Für eine evtl. Unterbringung der Regierungskanzlei sind in Linthal Räumlichkeiten gemietet».
Bedrohung ...
Solche Vorsichtsmassnahmen fielen in eine für die Schweiz kritische Phase des Zweiten Weltkriegs, als die furchteinflössende Militärmaschinerie Nazideutschlands Ressourcen für die Einnahme der Schweiz verfügbar hatte. Frankreich war bereits überrollt und der Russlandfeldzug war erst in Planung. Die Schweiz hatte im Gefolge des Frankreichfeldzugs nicht etwa eine Truppenverstärkung, sondern eine Teildemobilmachung angeordnet und geheim einen allfälligen Rückzug ins Réduit beschlossen. Deutschland sollte nicht provoziert werden. Deutschland wurden im Krieg Zugtransporte durch die Schweiz erlaubt, Schweizer Waffenschmieden belieferten den Nachbarn mit Kriegsmaterial und Schweizer Banken versorgten ihn mit dort dringlich benötigten Devisen, gegen geraubtes Gold.
... und wie die Schweiz damit umging
Wegen der Kompromisse zugunsten Deutschlands sowie auch wegen der frühen geheimen militärischen Absprachen mit Frankreich war die Neutralität der Schweiz eine fragliche Behauptung. Solche seit dem Bergier-Bericht zur Kenntnis genommene Fakten fasst eine Dokumentation des TV-Senders ARTE zusammen. Zu sehen ist ein Beitrag zur Schweiz im Zweiten Weltkrieg.
Filmmaterial aus dem Glarnerland
Dabei verwendet der Beitrag «Die Schweiz im Visier: Bewaffnete Neutralität» zahlreiche historische Filmsequenzen des Glarner Fotografen Hans Jakob Schönwetter. In der ARTE-Reihe, welche geschichtsträchtige Personen und Ereignisse wie etwa Mao oder Hiroshima in den Fokus nimmt, findet der Glarner Filmer damit nachträglich ein internationales Publikum. Filmsequenzen mit Titeln wie «3. Aktivdienst Engadin (Nr. 115)», «Abschied am Bahnhof Bat. III (Nr. 142)», «Glarnertage an der Landesausstellung 1939 (Nr. 185)» werden als Primeurs mit teils schon verwendetem Material aus anderen Archiven im In- und Ausland kombiniert. Dabei dienen die Szenen von Schönwetter der Darstellung von fast vergnüglichen Militärübungen und eines von direkten Kriegshandlungen verschonten Alltagslebens.
Die Dokumentarfilmemacher in Paris sind via Onlineportal «Memobase» auf das noch unverwendete Filmmaterial aus Glarus gestossen. Die originalen rund 800 Schönwetter-Filmsequenzen auf 156 Filmrollen mit 68 Stunden Abspieldauer befinden sich im Landesarchiv des Kantons Glarus und stehen online im Archivinformationssystem zum Abspielen zur Verfügung.
Aktivdienst hautnah
Der 53-minütige Beitrag mit den verwendeten Glarner Sequenzen ist bei ARTE oder auf Youtube abrufbar. Verschiedene Sequenzen von Schönwetter befinden sich an etlichen Stellen im Dokumentarfilm. Es handelt sich nicht nur um Szenen aus dem Glarnerland, weil Filmer Hans Jakob Schönwetter die Bolex-Kamera auch bei seinem eigenen Aktivdienst und auch schon beim Besuch der Landesausstellung 1939 bei sich hatte. Szenen vom einleitend erwähnten geplanten Réduit der Regierungskanzlei in Linthal sind allerdings nicht verfügbar.