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Tief im Zentralmassiv liegt Samoëns. Ein grösseres Dorf mit einer langen Geschichte, glücklichen Bewohnern und beeindruckenden Bergen. Im Frühling und im Herbst kehrt etwas Ruhe ein. Die Wintersportler und Sommergäste sind wieder weg beziehungsweise noch nicht da. Für den Rest des Jahres ist Samoëns ein belebter und dennoch entspannender Ferienort, der seinen Charakter als uriges Bergstädtchen atmet. Seit dem Mittelalter nennen sich die Bewohner von Samoëns Septimontains und Septimontaines: «Die mit den sieben Bergen». Der Name reicht auf das Jahr 1167 zurück, als sie sich das Recht erkämpften, ihre Tiere jeden Sommer auf die sieben Almen der Berge Cuidex, Vigny, Folly, Oddaz, Bostan, Chardonnière, Freterolles und La Vullie treiben zu dürfen. Das bedeutete für die Bauern Planungssicherheit und Prosperität. Zur Erinnerung pflanzten sie 1438 am alten Marktplatz eine Linde, die heute, fast 600?Jahre später, ein stattlicher Baum ist.
Der Stein von Samoëns
Bis heute sind die Bürger Samoëns ihrer Stadt mit Stolz und in vollem Selbstverständnis verbunden. Der Brunnen, den die Bürgerschaft aus der eigenen Tasche bezahlte, zeugt davon ebenso wie die offene Markthalle am alten Marktplatz, die auf Säulen aus Kalkstein ruht. Der Kalkstein bestimmt den Charakter von Samoëns. Die Häuser in dem Giffre-Tal, das vor Tausenden Jahren von einem Gletscher geformt wurde, sind aus Stein. Einzig die Aufbauten der Bauernhäuser, in denen Stroh gelagert wird, bestehen aus Holz. Das Meergestein prägt auch die schroffen Gebirgsstücke, an denen die Erdschichten sichtbar sind. Fünf Steinbrüche hatte das Tal, in denen die Steinmetze aus Samoëns ihren Stein bezogen. In den Sommermonaten gingen die Steinmetze auf Arbeitsreise und verbreiteten in Frankreich und Europa ihren Ruf als Meister ihres Handwerks und sprachen Mourmé, ihre eigene Sprache. In Samoëns gründeten sie 1659 «frahans», eine Steinmetz-Brüderschaft, die sich guten Taten verschriebHeute erhält die Société des Maçons das kulturelle Erbe und lädt Bildhauer ein, deren Arbeiten in der Stadt verteilt stehen.
La Yaÿsinia
Marie-Louise Ja hat das Dorf fast ebenso sehr geprägt, wie es die Steinmetze über Jahrhunderte taten. Die Septimontaine zog es in jungen Jahren nach Paris und in die Ehe mit Ernest Cognacq, der eines der ersten Kaufhäuser der Hauptstadt mit Erfolg führte. Als die Ehe kinderlos blieb, beschlossen beide, der Heimatstadt von Marie-Louise etwas zurückzugeben. Am Dorfhang, an dem Marie-Louise als Kind Ziegen hütete, liess sie den Jardin La Yaÿsinia anlegen. Über 5?000??Pflanzensorten aus der ganzen Welt begeistern Botaniker und bieten Spaziergängern und Flaneuren einen einmaligen Rückzugsort inmitten des Dorfes. Christian Chauplannaz führt seit über 30?Jahren den Garten, der zum Muséum national d’Histoire naturelle in Paris gehört: Er pflanzt in dem halb künstlich gestalteten Hang Pflanzen aus dem Himalaya, den USA oder China, steht in Kontakt mit 50??anderen wissenschaftlichen Gärten und erzählt. Anschliessend lockt Thierry Froissard mit dem besten Eis Frankreichs in sein Café A la Jaÿsinia. Der Patissier hat vor fast 20?Jahren die Bergwelt als neue Heimat gewählt und versorgt heute die Menschen aus und in Samoëns mit seinem Eis, seinen Sorbets und den kleinen süssen Teilchen.
Ein Bergdorf, das vom Tourismus lebt, kann noch so schön sein, wenn es nicht auch die passenden Berge hätte – und Samoëns hat von ihnen reichlich. Im Winter schliesst eine Gondel Samoëns an das Skigebiet Samoëns-Sixt-Le Grand-Massivmit seinen 265?km Pisten an. Im Sommer bieten die Alpen um Samoëns ein vielfältiges und abwechslungsreiches Wandergebiet mit 600?km Wegen und ein fast ebenso grosses separates Netz an Mountainbike-Tracks und Downhill-Strecken. Die 28?Freeride- und Downhill-Trails machen 188?km Strecke. Die Bergwelt flimmert vielfältig zwischen den sanften mit Gras bewachsenen Hängen, den schroffen Klippen, an denen man die Erdgeschichte ablesen kann und die zum Klettern einladen, und den zum Teil schneebedeckten Gipfeln. Nach einem Aufstieg reicht der Blick bis auf die Schweizer Berge und den majestätischen Mont Blanc, der nur ein Tal weiter liegt. Für Abwechslung sorgt auch die Giffre, die auch für Familien kleine Wildwasserrafting-Abenteuer zu bieten hat. Flussaufwärts liegt wenige Kilometer weiter das Naturschutzgebiet von Sixt-Fer-à-Cheval, und für einen Tagesausflug liegen Genf und Chamonix nicht weit. Für Höhlenenthusiasten gilt es die Bernard-Höhle zu erkunden. Und wer den Mut hat, kann mit den heimischen Bartgeiern fliegen: Samoëns ist ein wunderschönes Paragliding-Gebiet.