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Timea Bacsinszky steht am French Open zum zweiten Mal nach 2015 im Halbfinal. In einer von Wind und Regen beeinträchtigten Partie gewann sie gegen die Französin Kristina Mladenovic 6:4, 6:4. Es war ein Sieg des Willens und der taktischen Reife.
Orkanartiger Wind, wasserfallartige Regengüsse, ein bisschen Sonnenschein und eine Französin vor eigenem Publikum: Timea Bacsinszky trotzte am Dienstag in Paris allen Widerständen und feierte ihren wohl grössten Sieg.
Zweimal wurde die Partie der als Nummer 30 gesetzten Waadtländerin gegen die 17 Plätze vor ihr klassierte Kristina Mladenovic wegen Regens unterbrochen, beide Male, als sie die Oberhand hatte. Sie liess sich jedoch durch nichts davon abhalten, beim «Turnier meines Herzens» zum zweiten Mal nach 2015 die Halbfinals zu erreichen.
Beim Stand von 1:1 und Breakball für Bacsinszky im zweiten Satz musste das Spiel während dreiviertel Stunden ein erstes Mal unterbrochen werden. Bei 4:3 und eigenem Aufschlag für Bacsinszky ein zweites Mal für eine knappe halbe Stunde. Sie ging mit den äusserst schwierigen Bedingungen bei vor allem im ersten Abschnitt sehr starkem und ständig wechselndem Wind viel besser um als die Französin, die in diesem Jahr ihr erstes Turnier gewann und im Jahresranking Platz 5 belegt.
Nachdem sie während des gesamten ersten Satzes nie im Rückstand gelegen hatte, musste Bacsinszky die heikelste Phase nach dem ersten Unterbruch überstehen. Mladenovic wehrte den Breakball gleich nach Wiederbeginn ab und ging sogar 3:1 in Führung. Die Vaudoise konterte aber, indem sie 12 der nächsten 15 Punkte für sich entschied. Bei 4:3 wurde sie erneut vom Regen gebremst, jedoch nicht gestoppt. Nach der zweiten Pause gewann Bacsinszky ihre beiden Aufschlagspiele und nach 1:49 Stunden mit ihrem ersten Matchball auch die Partie. Dank ihrer guten defensiven Qualitäten verleitete sie Mladenovic zu einem Volleyfehler am Netz.
«Das war heute unglaublich schwierig», erklärte die strahlende Bacsinszky im Platzinterview. «Wir hatten einen Orkan, Sandsturm, Sonne und fast schon Schnee in einem Tag.» Sie habe aber die Konzentration sehr gut behalten können. Die vielen Unterbrechungen sorgten zusätzlich dafür, dass das gefürchtete, weil oft sehr einseitige Pariser Publikum nie zum entscheidenden Faktor wurde.
Später gab sie zu, «überrascht von mir selber» zu sein. Sie wisse auch nicht genau, warum. «Aber in Paris spürte ich schon immer diese Magie.» Sie habe vor einigen Wochen in Biel bei vier Grad trainiert, insofern hätten sie die Verhältnisse nicht allzu sehr schockiert. «Keiner mag es, mit Wind zu spielen, aber ich habe versucht, mich nicht zu ärgern.» Tatsächlich zeigte sie eine enorme mentale Stärke im Umgang mit den äusseren Bedingungen und mit dem Publikum. «Ab und zu habe ich das Brüllen der Zuschauer gehört und gespürt. Aber ich wusste, sie sind nicht gegen mich, sondern für die Gegnerin.»
Im Halbfinal trifft Bacsinszky am Donnerstag, ihrem 28. Geburtstag, auf die ungesetzte Lettin Jelena Ostapenko, die am gleichen Tag 20-jährig wird und nur die Nummer 47 der Welt ist. 2015 hatte die Lausannerin den Halbfinal in drei Sätzen gegen die nachmalige Siegerin Serena Williams verloren, die, im Rückstand liegend, den «sterbenden Schwan» mimte. Diesmal wird Bacsinszky die Favoritin sein.
Unterschätzen wird sie die Lettin nicht, gegen die sie noch nie gespielt, mit der sie aber letztes Jahr in Wuhan das Doppel absolvierte. «Sie verdient es, im Halbfinal zu stehen und spielt im Moment sicher extrem gut.» Sie werde versuchen, ihre acht Jahre mehr an Erfahrung in die Waagschale zu werfen. «Ich denke, es wir emotional einfacher als vor zwei Jahren, da ich die Situation schon einmal erlebt habe.» (sda)