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Was sind sexuelle Funktionsstörungen?
Von einer sexuellen Dysfunktion oder sexuellen Funktionsstörung (funktionelle Sexualstörung) wird gesprochen, wenn die persönlichen Ansprüche an eine erfüllte Sexualität nicht erreichbar sind und die Person darunter leidet. Diese Definition berücksichtigt neben der Störung der Sexualreaktion (körperliche Reaktion) auch subjektives Erleben sowie gesellschaftliche und kulturelle Vorstellungen von Sexualität.
Man unterscheidet zum einen zwischen primären (lebenslang bestehenden) und sekundären (erworbenen), zum anderen zwischen generalisierten (stets vorhanden) und situativen (nur in bestimmten Situationen auftretenden) sexuellen Dysfunktionen.
Was sind die Ursachen der sexuellen Funktionsstörung?
Sexuelle Funktionsstörungen können eine rein psychische, rein körperliche Ursache haben oder durch sowohl psychische als auch physische Probleme bedingt sein. Letzteres ist insbesondere bei älteren Menschen der Fall.
Bei Frauen und Männern sind psychologische Probleme sehr häufig die Ursache für sexuelle Dysfunktionen: Versagensängste, negative frühere Erfahrungen, Enttäuschung durch den Partner oder Frustration innerhalb der Beziehung, Depressionen oder Ängste und Stress in der Beziehung, Zeitmangel des Paares oder mangelnde Energie durch die Beschäftigung mit Kindern oder Beruf.
Bei den körperlichen Ursachen von sexueller Dysfunktion des Mannes und der Frau muss an folgende Probleme gedacht werden: Hormonelle Störungen, Medikamente, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, neurologische Erkrankung oder Gefässerkrankungen.
Viele Männer sind besorgt wegen ihrer Erektionsstörung und sind in einem Teufelskreis von Versagensangst, Nervosität und unbefriedigendem Geschlechtsverkehr. Oft geht es soweit, dass sexuellen Aktivitäten ausgewichen wird.
Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen
Als erstes muss eine gründliche Sexualanamnese erfolgen und eine korrekte Diagnose gestellt werden, insbesondere körperliche Ursachen müssen ausgeschlossen werden. In den meisten Fällen bestehen gute Chancen, die psychischen sexuellen Funktionsstörungen durch Psychotherapie (als Paar oder Einzeln) zu verbessern oder zu heilen.
Zusätzlich stehen bei den Erektionsstörungen wirksame Medikamente, die sogenannten PDE-5-Hemmer wie Viagra®, zur Verfügung. Bei dem frühzeitigen Samenerguss kann auch ein Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) wie Dapoxetine (Priligy®) oder ein Antidepressivum (SSRI) unterstützend helfen.
Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen (Libidostörungen)
Der Verlust des sexuellen Verlangens ist das Grundproblem und beruht nicht auf anderen sexuellen Problemen. Mangel an sexuellem Verlangen schliesst sexuelle Befriedigung oder Erregung nicht aus, sondern bedeutet, dass sexuelle Aktivitäten seltener initiiert werden.
Sexuelle Aversion
Vorstellung von Sexualverkehr ist mit stark negativen Gefühlen verbunden und erzeugt so viel Furcht oder Angst, dass sexuelle Handlungen vermieden werden.
Mangelnde sexuelle Befriedigung
Sexuelle Reaktionen verlaufen normal, aber der Orgasmus wird ohne entsprechendes Lustgefühl erlebt. Frauen klagen mehr darüber als Männer.
Versagen genitaler Reaktionen
Bei Männern: Erektionsstörungen. Hauptproblem ist die Schwierigkeit, für einen Geschlechtsverkehr die notwendige Erektion zu erlangen oder aufrechtzuerhalten. Wenn die Erektion in bestimmten Situationen normal auftritt, z.B. bei der Masturbation, im Schlaf oder mit einem anderen Partner, dann ist die Ursache psychogen.
Bei Frauen: Mangel oder Ausfall an Scheidenflüssigkeit (Lubrikation). Dies kann psychisch bedingt oder infolge einer örtlichen Erkrankung (z.B. Infektion) oder eines Östrogenmangels (Postmenopause) sein. Frauen klagen selten über einen primärem Mangel an Lubrikation, ausser in der Menopause.
Orgasmusstörungen
Der Orgasmus tritt nicht oder verzögert ein. Ursache ist häufig psychogen oder kann körperlich sein, wobei körperliche Ursachen schwierig auszuschliessen sind. Positive Wirkung einer Psychotherapie möglich. Orgasmusstörungen sind bei Frauen häufiger als bei Männern.
Vorzeitiger Samenerguss oder Ejaculatio praecox
Es handelt sich dabei um die Unfähigkeit, die Ejakulation ausreichend u kontrollieren, so dass der Geschlechtsverkehr für bei Partner unbefriedigend sein kann.
Dysparaeunie
Dysparaeunie bedeutet Schmerzen während des Sexualverkehrs, der sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftritt. Bei körperlichen Ursachen, wie Infektionen oder anderen örtlichem Geschehen sollte die Diagnose anders klassifiziert werden.
Vaginismus
Es handelt sich dabei um eine Verkrampfung (Spasmus) der die Vagina umgebende Beckenbodenmuskulatur, bei der der Eingang zur Vagina verschlossen wird. Das Eindringen des Penis ist unmöglich oder schmerzhaft. Wenn der Vaginismus eine Reaktion auf örtliche Schmerzen ist, sollte diese Diagnose nicht verwendet werden.
Gesteigertes sexuelles Verlangen
Hypersexualität, «Sexsucht», auch Nymphomanie bei der Frau und «Donjuanismus» beim Manne.
Männer und Frauen (meist jüngere) klagen über ein gesteigertes sexuelles Verlangen als eigenständiges Problem. Allerdings ist einzuschränken, dass nur solche Personen als pathologisch eingestuft werden, deren sexuelle Phantasien und Verhaltensweisen so viel Raum einnehmen, dass sie für sonstige, nichtsexuelle Aktivitäten und Pflichten kaum noch Zeit finden; entscheidend ist der mit dem übersteigerten sexuellen Verlangen verbundene Leidensdruck.