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Er ist erst 22-jährig, spielt in der NHL aber schon eine tragende Rolle in den Playoffs. Jake Guentzel ist der auffälligste Rookie bei den Pittsburgh Penguins und hat dies unter anderem seiner Geschichte mit Phil Kessel zu verdanken.
Kennst du den aktuellen Toptorschützen in den NHL-Playoffs? Es ist nicht Sidney Crosby. Auch nicht Jewgeni Malkin, Connor McDavid, Roman Josi oder Ryan Getzlaf. Nein, mit aktuell zehn Treffern in den diesjährigen Playoffs ist Pittsburghs Rookie Jake Guentzel der beste Torschütze der Liga.
Jake Guentzel? Der 22-jährige Amerikaner spielt aktuell seine erste Saison in der NHL und schlägt gleich voll ein. In 40 Spielen in der Regular Season kommt er auf 33 Punkte (16 Tore, 17 Assists). In den Playoffs legt er nochmals eine Schippe drauf. Mit zehn Toren und sieben Assists in 20 Spielen ist er der sechstbeste Playoff-Skorer der Liga und – wie schon erwähnt – der beste Torschütze.
Seine Affinität zum Hockey ist familiär bedingt. Als Jake noch klein war, «chneblete» er immer gemeinsam mit seinen beiden älteren Brüdern Ryan und Gabe – obwohl sechs, respektive acht Jahre Altersunterschied bestanden. Von da an war er mit dem Hockeyvirus infiziert. Ryan trat 2013 zurück und trainiert in einer amerikanischen Highschool. Gabe spielt mittlerweile in der DEL bei den Augsburg Panther – Jake hat den Sprung in die beste Liga der Welt geschafft.
Sein Vater, Mike Guentzel, war selbst Eishockeyspieler bei den Minnesota Golden Gophers, dem Universitätsteam von Minnesota. Während Jakes Kindheit war er Assistenztrainer ebendieses Teams und sein jüngster Sohn verbrachte jede freie Minute in der Eishalle. «Ich machte alle möglichen Aufgaben, nur um in der Nähe dieser Jungs zu sein und alles aufzusaugen», schreibt der heute 22-Jährige später in der Players Tribune.
Als Jake elf Jahre alt war, wechselte ein gewisser Phil Kessel, schon damals ein grosses Versprechen für die Zukunft, zu den Gophers. Guentzel erinnert sich: «Er hatte diese ansteckende Energie, jedes mal wenn er auf dem Eis stand. Er liebte es einfach Hockey zu spielen. Und genau so ging es mir auch.»
Wenig später, in einem Training der Gophers, kam ein Spieler zu Guentzel und sagte, dass Kessel einen «stick boy» benötige. Ein «stick boy» (Stock-Junge) ist verantwortlich für die Stöcke eines Spielers. Man steht hinter der Ersatzbank und muss sofort ein neues Arbeitsgerät bereit halten, falls der Stock des Spielers bricht. «Man muss dabei schnell und effizient sein und seinen Spieler in- und auswendig kennen», erklärt Guentzel. So wurden der heutige Rookie und Star Kessel erstmals in ihrem Leben ein Team.
Elf Jahre später sehen sie sich wieder – bei den Pittsburgh Penguins. Guentzel ist nach eineinhalb Saisons in der AHL erstmals für die ganz grosse Bühne aufgeboten worden. «Als ich meine Mutter anrief, hielt sie es für einen Witz. Ich musste ihr erklären: ‹Nein Mom, es stimmt wirklich›.»
In der Kabine wird er von Kessel empfangen. «Er hatte ein leichtes Grinsen auf dem Gesicht und sagte sofort: ‹Hey Junge, wir sind wieder gemeinsam am Start›», erzählt Guentzel In diesem Moment habe der Amerikaner erst realisiert, dass er bei seinem NHL-Debüt gleich an der Seite von Kessel und Malkin auflaufen werde.
Es wird ein Debüt, wie es ihm nur wenige zugetraut hätten. Im Spiel gegen die New York Rangers trifft er gleich zwei Mal. Mit 1,78 Metern und 76 Kilo ist Guentzel eher klein und schmächtig für einen NHL-Spieler. «Aber er hat eine hohe Hockey-Intelligenz und einen Riecher für freie Räume», sagt Sidney Crosby. Indem er seine Gegner durch Cleverness überlistet und nicht versucht, sie zu überpowern, hat er sich trotz anfänglichen Bedenken seitens von Experten in der NHL etabliert.
Nach seinem Debüt kommt der Amerikaner bei den Penguins regelmässig zum Einsatz. Mal an der Seite von Crosby, mal an der Seite von «Jugendfreund» Phil Kessel. Dass er auch in den Playoffs viel Eiszeit bekommt, liegt auch an den verletzungsbedingten Ausfällen bei Pittsburgh. Doch Guentzel rechtfertigt das Vertrauen mit seiner Torproduktion.
Auch im ersten Spiel des Stanley-Cup-Finals gegen Nashville spielt der 22-Jährige eine tragende Rolle. Nachdem die Predators einen 0:3-Rückstand aufgeholt haben, bricht Guentzel Roman Josi und dessen Team mit dem 4:3 spät im dritten Drittel das Genick.
Es gibt Leute, die den Rookie bereits als Anwärter auf die Conn-Smythe-Trophy handeln, die Auszeichnung für den wertvollsten Spieler der Playoffs. Wenn Guentzel so weiterspielt, besteht tatsächlich die Chance, dass er nach der Saison diese Trophäe in der Hand hält.