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Portugal ist ein uraltes Weinland, das jede Voraussetzung für grosse Weine erfüllt: verschiedene Klimazonen für jede Art von Wein, fruchtbare Böden und eine unglaubliche Vielfalt an Traubensorten. Eine der bekanntesten Region Portugals und gleichzeitig die älteste Appellation überhaupt ist das Dourotal. Im Nordosten des Landes gelegen und durch den Douro mit der Hafenstadt Porto verbunden, ist die Region durch ein Produkt bekannt geworden, das den Namen Portugals wie wohl kein anderes geprägt hat: den Portwein.
Am Ende des 15. Jh. war Lissabon ein Zentrum des Welthandels, die grossen Seefahrer spannten ein Handelsnetz nach Afrika, Indien und Brasilien. Damals vernachlässigte England Portugals Weine zugunsten der französischen, bis wegen der Rivalitäten mit Frankreich dessen Weine in England erst ganz verboten und dann die Einfuhr mit hohen Zöllen belegt wurden. Erst im letzten Drittel des 17. Jh. konsiderierten die englischen Händler Portugal wieder als Lieferanten. Zuerst suchten sie im Minho, wo im feucht-warmen Klima billiger, aber schlechter Wein wuchs, der nicht einmal die Kanalüberquerung überstand. Im Douro fanden sie dunkle, starke Weine, die für den Transport mit Brandy stabilisiert wurden.
1703 wurde der Vertrag von Methuen unterzeichnet, der Portugal bis 1860 Zollvorteile in England und England Privilegien im portugiesischen Textilhandel verschaffte. Anfang des 18. Jh. etablierten sich die ersten Portweinhändler im Norden Portugals. Die grosse Nachfrage verursachte einen massiven Qualitätssturz, und um das Vertrauen wieder herzustellen, gründete der Marquês de Pombal 1756 die Companhia Geral dos Vinhos do Alto Douro, die die Qualität und Preise der Portweine wieder stabilisierte. Die besten Weine waren dem Export vorbehalten, der Marquês unterschied devisenfreundlich zwischen guter Exportware und billigem Konsumwein für die Einheimischen.
Zu den ersten Massnahmen der Companhia zählte die Abgrenzung des Produktionsgebietes, was das Douro zur ältesten Appellation der Welt macht. Die Rebberge wurden erfasst, um Betrug zu verhindern und die Herkunft zu garantieren. Ebenfalls in den Händen der Companhia lag der Verkauf von Brandy für den Port und das brasilianische Handelsmonopol. Nach Pombals Sturz wurden diese Kontrollmechanismen hinfällig, die Exportmengen verdoppelten sich.
MEHLTAU UND PHYLLOXERA
Mehltau trat 1848 erstmals im Douro auf, verwüstete die Region zwischen 1851 und 1856 und reduzierte den Ertrag auf die Hälfte der in den 40er Jahren eingebrachten Ernten. Schliesslich wurde die Krankheit unter Kontrolle gebracht und die Rebberge neu gepflanzt. Als die Produktion ihren vormaligen Stand erreicht hatte, trat 1868 die Phylloxera und verbreitete sich während der folgenden zehn Jahre in ganz Portugal. Dieser Wiederaufbau gestaltete sich mühsamer, da die Regierung den Import amerikanischer Rebstöcke blockierte und sie fälschlicherweise als Krankheitsursache bezeichnete. Erst ab 1883 war ihre Verwendung erlaubt, und der Bestand erholte sich bis zur Jahrhundertwende auf das Niveau der Zeit vor der Phylloxera. Trotz niedriger vorhandener Mengen liessen sich in dieser Zeit etwa zwanzig Portweinhändler nieder.
DIE POLITIK GREIFT EIN
1933 wurde das Casa do Douro für „Disziplin und Schutz der Produktion“ gegründet, gleichzeitig mit dem Instituto do Vinho do Porto und der Port Wine Shippers‘ Guild, heute die Port Wine Shippers Association, deren Aktivitäten vom Portweininstitut koordiniert wurden. Das IVP überwachte die Qualität der Portweine und kontrollierte die Menge der Weine, die auf den Markt kommen sollen. Das „Gesetz des Drittels“ beschränkt die Verkaufsmenge ab Lager, um die verfügbare Menge niedrig und die Preise hoch zu halten. Das Portweininstitut ist auch für den Markenschutz und die weltweite Vermarktung zuständig.
Auch im Douro wird ein grosser Teil der Trauben von den rund 30’000 Winzern mit sehr kleinen Landflächen bezogen. Die von Salazar eingesetzten Genossenschaften überdauerten die Revolution von 1974. 1986 entstand die Vereinigung der Produzenten und Selbstabfüller, dies geschah gleichzeitig mit dem Fall des Monopols der Portweinhäuser. Es verbot vormals den Produzenten die Direktvermarktung ab Quinta ohne Einschaltung eines Zwischenhändlers. Und obwohl sich der Verkauf für viele kleine Produzenten ohne herausragendes Produkt als schwierig erweist, ist der Markt dadurch offener geworden. Miguel Champalimaud, der wesentlich dazu beigetragen hat, das Monopol abzuschaffen, fordert mit anderen die Abschaffung des „Gesetz des Drittels“, die Liberalisierung der Produktion und die endgültige Einführung des freien Marktes.
Seit dem 1. Januar 2004 ist eine neue offizielle Organisation für die Zertifizierung und Kontrolle der Tafel- und Süssweine (Portweine) der Region Douro zuständig, das IVDP (Instituto dos Vinhos do Douro e Porto). Diese neue Behörde hat die Aufgaben des jetzt aufgelösten IVP (Instituto do Vinho do Porto) und diejenigen des CD (Casa do Douro) übernommen.