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Seit ich dieses Geschäft habe, das Namens Shui Tang heisst, beschäftigt mich eine Frage „Ich bin“ bzw. „Was ist ich bin?“
In unserer Zeit der so genannten demokratischen Epoche, in der Menschen immer mehr mit Norm und Portotyo erfasst werden, ist eine Krise der Identität im Vormarsch. Also, ich bin das, was ich bin. Aber, was ist denn eigentlich das? Weiß Du überhaupt, „wer du bist?“
Als ich am vergangenen Mittwoch in der Schule in Aarau war, sah ich viele jungen noch recht unsichere Gesichter am Teetisch. Sie waren schüchtern. Aber sie waren respektvoll. Sie halfen mir bei der Zusammenarbeit, sie hörten mir zu, sie redeten nicht, wenn ich sprach. Sie rührten ihre Löffeln nicht, bevor ich sie aufforderten. Sie hatten das Bedürfnis nicht, „ICH BIN“ zu leben. Sie waren einfach dabei. Bei der Sache.
Am den gleichen Abend hatte ich eine Grupee von nur Erwachsenen. Sie sprachen, wenn ich auch sprach. Darum sprach ich nur leise, denn ich niemanden etwas zeigen wollte. Wer etwas mehr von Oolong erfahren will muss er selbst darum kümmern. Ich kenne ja alles, was ich sagen wollte. Sie rührten ihre Degustationslöffel bevor ich sie aufforderte. Es gab sehr viele „ICH“. Aber, was ist „ich bin“?
Lange dachte ich, dass ich zeigen sollte, was ich bin. Ich sollte zeigen, dass ich etwas von Tee verstehe und ich Menglin bin. Ich sollte mich manifestieren, was ich alles von Tee erlebe. Ich dachte, „ich bin “ zu leben ist wie eine Art von Identität auszudrücken. Und ich muss meine Identität klar ausdrücken, so dass man mich „richtig“ wahrnehmen kann! Ich muss meine Identität deutlich vermitteln, damit Shui Tang ein Gesicht bekommt.
Was stellen wir uns eigentlich vor, wenn wir das Wort „Ich“ benutzen?
Diese Frage trage ich bei mir herum seit einigen Zeit. Ich beobachte, wenn ich manchmal mit Besucher umgehe, wie ich aufdringlich „Ich bin“ auslebe will und wie mein Gegenüber mir einen Spiegel hinhalte, wie „ich bin“ in seiner Aufdringlichkeit zurück geworfen wird.
Zufällig las ich Ulrichs frühren Texte, als er über das gleiche Thema beschrieb. Er schrieb:
Wir können dieses „Ich bin“, dieses Gefühl der „Anwesenheit“,
dieses „Mu-Shin“ 無心 am besten spüren, wenn
wir morgens aufwachen. Da gibt es diesen winzig kleinen
Moment, wenn unser Bewusstsein noch nicht die
Führung übernommen hat; da können wir unsere bewusste
Anwesenheit, unsere Existenz fühlen. „Ich bin“,
nicht als Individuum, sondern einfach „Anwesenheit“
als solche. Dieses „Ich bin“ bedeutet auch „was ist,
ist“, denn in dem Moment, indem wir mit unserer Umgebung
in Beziehung treten, indem der Gedanke von
einem „Ich“ als getrennte Persönlichkeit auftaucht,
machen wir uns klein und vergessen, dass wir Schöpfer
und Schöpfung gleichzeitig sind.
Ich schaue immer wieder zurück in diese Stunde mit den jungen Menschen in Aarau. Diese jungen Menschen haben mich auf irgendeine Art berührt. Sie haben mir irgendwie gezeigt, dass „ich“ vielleicht eine Art von Trennung ist, eine Trennung von mir selbst und von mir und meiner Umwelt. „Ich bin“ ist in jenem Moment bloss ein Gefühl der Anwesenheit.
Vielleicht ist es der Schlüssel für mich, ich muss nicht als Menglin wahrgenommen werden. Ich bin einfach nur da und mein Leben wird einfacher. Menschen, die mich begegnen müssen gar nicht wissen, was ich bin.