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Sprache
[* 3] und Litteratur. Die Goten (s. d.) sind einer der begabtesten Volksstämme
unter allen
Germanen gewesen.
Schon in vorchristl. Zeit, als das
Volk noch an der untern Weichsel saß,
empfingen sie Anregungen von seiten der griech. Kultur. Führte doch eine uralte Handelsstraße
vom
SchwarzenMeer an die Weichsel. An den
Höfen der Vornehmen gab es berufsmäßige Sänger, Rhapsoden, die Lieder aus der
heimischen Geschichte und Sage vortrugen. Die got. Könige pflegten die Sangeskunst.
Der wesentlichste
Bestandteil der ostgot.
Heldensage wurde Gemeingut aller
Germanen; von den Königen Widigauja (Wittich), Ermanrik
(Ermenrich) und
Theoderich (Dietrich von Bern)
[* 4] erzählt noch das deutsche Volksepos des 13. Jahrh.
Von der got. Litteratur ist, von kleinern Fragmenten abgesehen, nur ein
Teil (meist
Neues Testament) der Bibelübersetzung
erhalten. Dieses Meisterwerk stammt von dem ersten got.
Bischof Wulfila
(Ulfilas, s. d.); andere haben sein Werk fortgesetzt.
Diese got.
Bibel
[* 5] galt in dem Ostgotischen
Reiche in
Italien;
[* 6] die erhaltenen Handschriften sind hier geschrieben worden. Wulfila
gab zugleich seinem
Volke eine eigene, auf der
Griechischen beruhende
Schrift (s.
Gotische Schrift).
Die selbständige
Entwicklung einer nationalen got. Litteratur zeigen auch die auf uns gekommenen Fragmente
einer Erklärung des Johannesevangeliums, die man jetzt Skeireins (spr. Skīrīns) nennt. Auch
die Fragmente eines got.
Kalenders und got. Namensunterschriften unter
Urkunden sind als Bildungssymptom wichtig sowie für
die Zuversichtlichkeit und Selbständigkeit, mit der die Goten ihre
Sprache zur Litteratursprache machten;
die andern
Germanen ließen von Notaren lateinisch unterschreiben.
Ausgaben der Bibelübersetzung und der kleinern Fragmente
besonders von: von der
Gabelentz und Löbe,
Ulfilas (3 Bde., mit
Grammatik und Wörterbuch, Lpz. 1843-46), E.
Bernhardt (in der
«Germanistischen Handbibliothek», Bd.
3,
Halle 1875; kleine
Ausgabe mit Wörterbuch, Bd. 3 der «Sammlung
germanistischer Hilfsmittel», ebd. 1884), und
Stamm (in 8. Aufl. hg. von M. Heyne, Paderb. 1885).
Die got.
Sprache ist vornehmlich bekannt aus der Bibelübersetzung, die als das älteste zusammenhängende german.
Sprachdenkmal von ungemeiner Wichtigkeit ist. Die got.
Sprache ist eine Mundart derjenigen Gruppe german.
Sprachen, die als
ostgermanische bezeichnet wird (s.
Ostgermanen). Die
Sprache ist mit dem
Volk seit der Mitte des 6. Jahrh. n. Chr. ausgestorben.
Nur in der Krim
[* 7] erhielt der versprengte Rest der Krimgoten oder Tetraritischen Goten (s.
Ostgoten) seine
Sprache noch bis ins 16. Jahrh.
hinein. -
Gottheit. Im Wesen des
Menschen liegt das Bedürfnis begründet, bei Lebensereignissen, die ihm auf unumgängliche
Weise seine kreatürliche Abhängigkeit zum
Bewußtsein bringen, Äußerungen einer unüberwindlichen, über alles
Endliche
erhabenen Macht zu sehen, und zu dieser letztern ein geistiges Verhältnis zu suchen, indem er durch
ihre rückhaltlose
Anerkennung zu dauernder innerer
Freiheit und Ruhe sich erhebt. Der Naturmensch ahnt in den Mächten des
Naturlebens, von denen er umgeben ist, ein in denselben nur erscheinendes
Geistiges, das er nach dem
Maße seiner eigenen geistigen
Entwicklung mit gewissen, der
Analogie des Menschengeistes entnommenen Eigenschaften ausstattet. (S.
Anthropomorphismus.)
Mit dem fortschreitenden Selbst- und Weltbewußtsein des
Menschen gewinnt der
Glaube an diese höhere Macht immer reichern
und tiefern
Inhalt, und die ursprüngliche
Scheu vor dem geheimnisvoll waltenden Leben in der Natur wird zum Gottesglauben.
Der Ursprung des
Glaubens an Gott ist daher weder eine bewußte
Reflexion
[* 12] noch eine willkürliche Satzung,
sondern der notwendige Drang des menschlichen
Geistes überhaupt, das im
Endlichen sich offenbarende
Unendliche anzuerkennen,
zu wahren und mit ihm Gemeinschaft zu suchen, um in dieser Gemeinschaft seiner eigenen Unendlichkeit inne zu werden. Der
Fortschritt vom sinnlich-natürlichen zum vernünftig-sittlichen Leben giebt diesem Drange seine nähere
Bestimmtheit, der frommen
Erhebung ihre konkrete Gestalt und ihren lebendigen
Inhalt.
Macht, Intelligenz und Wille sind in den verschiedensten Formen der religiösen
Vorstellung die Grundzüge des Gottesbegriffs.
Mit der
Entwicklung des religiösen
Bewußtseins als solchen darf die der religiösen
Vorstellung oder des theoretischen Gottesbewußtseins
nicht verwechselt werden, obwohl beide aufs engste zusammenhängen. Der religiöse Gehalt des Gottesglaubens kann auf sehr
verschiedenen
Stufen der religiösen
Vorstellung der nämliche sein.
Das Göttliche ist für das fromme Gefühl eins und dasselbe, möge die
Vorstellung es nun in eine Vielheit von Einzelwesen
zersplittern oder zur Erkenntnis der Einheit G.s fortgeschritten sein, möge sie dasselbe in der Form
eines persönlichen Wesens oder als unpersönliche Macht, Weisheit und Güte auffassen. Die
Andacht vereint, was die
Vorstellung
trennt. Aber da das Gottesbewußtsein, obwohl im Innern des
Menschen begründet, immer von außen her angeregt wird, so geht
die Gottesvorstellung des
Menschen zunächst von der Form der äußerlichen Einzelheit aus. Zunächst
sind es einzelne besonders mächtige Eindrücke des äußern Lebens, an denen dem
Menschen die
Ahnung eines Göttlichen erwacht,
aber noch malt die ungeordnete
Phantasie die
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