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Geschichte
Urwild und Alemannen
Bis ins 14. Jahrhundert war der Ortsname Sattel nicht bekannt; so stützt sich die Geschichte Sattels bis ins 14. Jahrhundert vor allem auf die Geschichte der Gemeinde Steinen. Die Alemannen sollen im 8. Jahrhundert von Steinen her aufwärts in das Hochtal von Sattel gezogen sein, wo sie an der oberen und unteren Seilegg, der Eumatt und der Altstatt die ersten damaligen Kulturstätten begründeten. Liegenschaftsnamen wie „Schlag“ und „Schwändeli“ in Sattel weisen auf gerodete Waldungen hin. An das Vorhandensein von Urwild erinnern uns Namen wie Bärensyten auf Obhäg und Bärenfang in Sattel, die bis heute erhalten geblieben sind.
Hörige - Freie
Seit 843 gehörte das Gebiet des alten Landes Schwyz zum Zürichgau und stand unter der Herrschaft der Grafen von Rätien. Diesen Gau erbten 1069 die Grafen von Lenzburg. In den Jahren 1172/73 erhoben die Habsburger ihre Macht in den Höfen von Schwyz und Steinen. Erst um 1269 konnten sich die Kirchgenossen von Steinen von den grundherrlichen Rechten der Grafen von Habsburg loskaufen. Damit wurden die Hörigen des Hofes Steinen frei.
Der Ortsname „Sattel“
Nach der Schlacht am Morgarten um 1315, welche auf Sattler Boden und im Grenzgebiet zum Kanton Zug stattfand, gewannen die Verkehrswege über den Sattel gewaltig an Bedeutung. Sattel verdankt seine Entstehung der günstigen Verkehrslage: wo der von Aegeri kommende Weg in die aus dem Schwyzertal nach der Altmatt und dem Zürichsee führende Strasse einmündet, schlossen sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf dem sattelförmigen Ausläufer des Morgartens mehrere Häuser zu einem Weiler zusammen. Dieser Lage verdankt Sattel auch seinen Namen. Die Bezeichnung „am Sattel“ ist im Jahre 1269 erstmals urkundlich feststellbar.
Die erste Kirche
Die heute den Apostelfürsten St. Peter und Paul geweihte Kirche am Sattel gehörte anfänglich zur Pfarrei Steinen. Alter Überlieferungen zufolge wurde hier zur Erinnerung an den am Morgarten erfochtenen Sieg eine erste Kirche gebaut; urkundlich wird sie als Filialkirche von Steinen 1349 erwähnt. Bei der Renovation 2001/2002 stiess man auf die Spuren einer romanischen Kirche aus der Zeit von 1150. Um 1350 wurde eine Kaplanei gestiftet, deren Kollaturrecht (das Recht zur Verleihung eines Kirchenamtes) die Familie Reding besass, bis sie es 1448 an die Kirchengenossen abtrat. Heute steht von der 1647 erbauten Kirche noch der nördliche Teil und die ehemalige Sakristei, welche früher der Chor war. Auf der gleichen Achse folgte 1717 ein Neubau und 1776-79 die Verlängerung. 1941/42 machte das Anwachsen der Bevölkerung nochmals eine Verlängerung notwendig. Eine weitere Innenrenovation erfolgte 1948-1951, während das Äussere 1956 einer Renovation, in deren Zusammenhang auch die Turmspitze umgestaltet wurde, unterzogen wurde. In den Jahren 2001/02 wurde die Kirche einer Gesamtrestauration unterzogen, dank der das kulturell bedeutungsvolle Bauwerk wieder im ursprünglichen Glanz erstrahlt. Seit 1980 wurde die Friedhofanlage in mehreren Etappen erweitert (Abschluss der letzten Etappe 1998) und genügt nun sowohl räumlich wie betrieblich den modernen Anforderungen einer würdigen Ruhestätte für die verstorbenen Einwohnerinnen und Einwohner.
Sattel wird selbständig
Schon 1394 entsprach das Vierwaldstätter-Kapitel dem Begehren der Kapellgenossen von Sattel, von Steinen losgetrennt zu werden. Erst 1598 wurde diese Loslösung auch vom Bischof von Konstanz anerkannt. Damals verlegte man die südwestliche Grenzlinie an die untere Seilegg, so dass die Boltern - heute Ecce Homo genannt - Steinen zugeteilt wurde. Erst nach einem siebenjährigen Grenzstreit wurde die Boltern im Jahre 1665 endgültig den Sattlern zugeteilt. Im Jahre 1776 wurden die Grenzen der heutigen Gemeinde Sattel definitiv festgelegt, nachdem Rothenthurm eine eigene Pfarrei geworden war. Der zweite Waffengang auf Sattler Boden fand im Mai 1798 statt. 10’000 Franzosen rückten durchs Aegerital auf Morgarten-Sattel zu. Aber sie wurden zurückgedrängt und bis nach Aegeri zurückgeworfen. Nach zwei Niederlagen der Franzosen unterlagen die Eidgenossen schlussendlich der Übermacht. Die napoleonische „Vermittlerakte“ von Bonaparte vom 19. Februar 1803 liess den Kanton Schwyz fast im alten Rahmen wiedererstehen.
Neue Aufgaben
Dank weitsichtigen Behörden und mutigen Stimmbürgern konnte Sattel die sehr grossen Infrastruktur- und Planungsaufgaben der modernen Zeit stetig und sehr gut lösen. 1961 wurde ein neues, zweckmässiges Schulhaus gebaut. 1982-84 hat man die Schulanlage erweitert. Sie hat sich zum intensiv genutzten Zentrum für die vielfältigen Vereinsaktivitäten entwickelt. 1963 erhielt man ein generelles Kanalisationsprojekt, das bis 1971 weitgehend verwirklicht werden konnte. Seit 1975 besitzt Sattel eine gültige Zonenplanung mit Baureglement, die laufend an die neuen Bedürfnisse angepasst werden. 1976 wurde die Wasserversorgung so weit als nötig erstellt. Ebenfalls wurde die Abwasserreinigungsanlage in Betrieb genommen. Zwischen 1978 und 2014 wurde das alte Schulhaus als Gemeindehaus genutzt, bevor die Gemeindeverwaltung 2014 ins Zentrum, auf die Kronenmatt zog. 1991 wurden das Zivilschutz- und Feuerwehrgebäude „Kreisel“, 1994 die ALST „Stuckli Park“ (Militär- und Lagerunterkunft) erstellt. 1997/98 wurde die Schulanlage Eggeli erneuert und so erweitert, dass alle Primarklassen und der Kindergarten doppelt geführt werden können. 1999/2000 enstanden am Dorfplatz in einem modernen Holzbau („Ilge“) Alters- und Familienwohnungen, Räumlichkeiten für die SPITEX, den Kulturgüterschutz, sowie ein vielseitig benutzbarer und gut eingerichteter Raum für öffentliche und private Zwecke, das Forum Ilge. Die Verabschiedung der Erschliessungsplanung im Sommer 2000 schaffte die Voraussetzung für die bauliche Entwicklung in den 1997 neu eingezonten Bauzonen „Rösslimatt“ und „Feldmoos“.
Das Ortswappen
Das Sattler Wappen tauchte im Jahre 1809 erstmals auf. Seither führte nämlich die Gemeinde Sattel den „Ross-Sattel“ in einem Siegel. Auf Drängen des Kantons stimmt der Gemeinderat 1949 einem anderen Wappen zu, das eine silberne Morgartenhippe auf blauem Grund zeigte. 1952 entschied die Gemeindeversammlung, das alte Wappen mit dem Ross-Sattel wieder einzuführen. Daraufhin wurde das Wappen von 1809 heraldisch bereinigt und man legte die Farben fest. Im Juni 1969 stimmte der Gemeinderat dem Wappen in seiner heutigen Form und seinen Farben zu: „Auf rotem Grund ein schwarzer Pferdesattel mit goldener Decke und weissem Steigbügel und Gurte.“