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Die Burg Sandegg auf dem markanten Geländesporn hoch über Mannenbach scheint eine der ältesten Burganlagen im Thurgau zu sein, wenn nicht die älteste überhaupt.
In der Zeit nach 700 bewohnte der fränkische Landvogt Sintlaz die Burg Sandegg; ihm gehörte u.a. auch die heutige Insel Reichenau.
Sintlaz schenkte Bischof Pirmin diese Insel, damit dieser dort mit seinen 40 Mönchen das Kloster gründen konnte; dies geschah im Auftrag des obersten fränkischen Verwalters, des Hausmaiers Karl Martell, welcher 724 in Joppilla auch die Schenkungsurkunde ausstellte.
Darin wurden neben den Dörfern des nördlichen Unterseeufers auch Ermatingen der Reichenau zugeteilt, das damit das erste urkundlich erwähnte Dorf im Thurgau wurde.
In der ersten Zeit wurde die Insel Sintlazau genannt, erst später kam der Name "Richen Ow" resp. die "Reiche Au" auf.
Über Jahrhunderte blieb die Burg nun im Besitz des Klosters Reichenau und diente den Äbten als Wohn- oder Erholungssitz sowie als Verhandlungsstätte.
Dieses Gemälde zeigt, wie der Landvogt Sintlaz Bischof Pirmin von der Sandegg aus (ganz oben rechts) über den Untersee auf die Reichenau übersetzt. Alles Ungetier, "ohnmenschliche eggsen und wurmen" werfen sich in den Gnadensee und fliehen nach Allensbach.
Urkundlich nachgewiesen ist das Schloss Sandegg erstmals Mitte des 13. Jahrhunderts als Wohnsitz der Äbte von Reichenau.
Um 1350 musste das verarmte Kloster die Sandegg aber verpfänden; es folgte eine Zeit mit zahlreichen Inhaberwechseln. Dabei lag es in Händen von regionalen Adeligen, meist aber von Konstanzer Patrizierfamilien wie den Muntprat.
Im 16. Jahrhundert zeigte sich das Schloss in einem baufälligen und verwahrlosten Zustand - fortwährend wurde gestritten, ob die Reichenau als Lehensherrin oder der Lehensinhaber für die Reparaturen und Unterhalt aufzukommen hat.
Streitereien wie heute: wer zahlt's, der Mieter oder der Vermieter?
1603 liess zwar der Reichenauer Dietrich Erkenbrecht die dringendsten Renovationsarbeiten vornehmen und den eingefallenen Turm restaurieren, aber erst der Konstanzer Domherr Johann Kröll setzte alles wieder so instand, dass es wie ein "adelich Haus" stolz über den Untersee strahlte.
1671 kam die Sandegg an die Jesuiten aus Konstanz, 1693 dann an das Kloster Muri im Kanton Aargau, das die Sandegg von Klingenberg aus verwaltete.
1807 erwarb es der Landwirt Johann Eigenmann aus Homburg: den Gutsbetrieb behielt er selbst, das Schloss veräusserte er an die Konstanzer Gebrüder Delisle.
Das erste, was diese auf Sandegg vollbrachten, war den Turm einreissen:
Jetzt kommt der Bezug zur napoleonischen Familie:
1817 hatte ja Königin Hortense den Arenenberg erworben. Ihre engste Vertraute und Kammerdienerin war Louise Cochelet, welche das nahe liegende Schloss Sandegg für sich erstand.
Zwei Jahre später verkaufte Johann Eigenmann den Gutsbetrieb an Eugène de Beauharnais, den Bruder von Königin Hortense. In nur zwei Jahren liess dieser in unmittelbarer Nähe der Sandegg das heutige Schloss Eugensberg erbauen.
Und nun schoss Amor seine Pfeile an den Untersee, denn der Besitzer der Fremdenpension Wolfsberg, Charles Parquin (ehemaliger "Haudegen" in der Grande Armée Napoleons und Mitinitiant des historischen Napoleonturms) verliebte sich in Louise Cochelet und heiratete sie 1822.
Finanziell liess sich das aber nicht mehr tragen (die Frau wahrscheinlich schon, aber die Schlösser nicht): Salenstein liess er halb abbrechen, um Unterhaltskosten zu sparen, und die Sandegg verkaufte er an den Zürcher Bankier Konrad Hottinger.
Dieser unterzog es bald einer eingehenden Renovation. Allerdings engagierte er einen übereifrigen Maler für den Schlussanstrich, der die nassen Farben allzu schnell trocknen wollte und den Holzofen so stark einheizte, dass dieser am 3. September 1833 Feuer fing, das Schloss vollständig niederbrannte und der Maler selbst in den Flammen ums Leben kam.
Das Schloss wurde nie mehr aufgebaut - leider.
Der damalige Besitzer des Schlosses Eugensberg, Heinrich von Kiesow, kaufte ein Jahr nach dem Brand die Ruine und liess sie abtragen. Hippolyt Saurer errichtete später an deren Stelle eine Aussichtsplattform.
Diese darf seit 2004 aber nicht mehr betreten werden, da der darunterliegende Gewölbekeller einzustürzen droht.
Ach ja, vielleicht das noch:
Ein geheimnisumwitterter, heute eingebrochener Tunnel soll wenigstens teilweise erhalten sein. Er soll von der Sandegg steil hinunter zur gut 750 m entfernten Kapelle des heutigen Schlosses Louisenberg geführt haben.
Wenn ich das nur als abenteuer- und unternehmungslustiger 14-Jähriger schon gewusst hätte! Dann wären die schulfreien Mittwochnachmittage nicht so langweilig geworden...
Ein Teil des Gewölbekellers ist eingefallen und abgestürzt; die Anlage wird vom Amt für Archäologie nun saniert. Während der Bauzeit ist der Zugang abgesperrt.