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Natals Herausforderung für die WM 2014
In erster Linie zerbricht man sich den Kopf darüber, wie das Stadion nach der „Copa 2014“ unterhalten werden soll!
Besucher aus allen Ecken der Welt kommen nach Natal um „die sauberste Luft Amerikas“ zu atmen, den grössten Caju-Baum der Welt zu bestaunen und mehr als zwanzig paradiesische Strände kennenzulernen, mit weissen Sanddünen und einem sauberen, ruhigen Meer. Natal ist als „Sonnenstadt“ bekannt – die Sonne scheint hier im Durchschnitt an 320 Tagen im Jahr – und präsentiert aus seiner Geschichte die Wesenszüge holländischer und portugiesischer Vergangenheit.
Die Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte wurde am 25. Dezember 1599 von Manuel de Mascarenhas Homem gegründet, dem damaligen „Capitão-mor “ von Pernambuco. Aber die eigentliche Geschichte der Stadt begann bereits 1598, mit dem Bau des Forts „Reis Magos“ durch die Portugiesen.
Natal hat heute die grösste Bevölkerungsdichte des Bundesstaates und liegt auf einer Art natürlichem Dreieck mit dem Scheitel gen Norden – auf der einen Seite begrenzt vom Rio Potengi und auf der andern vom Atlantischen Ozean. Man kann die Stadt zu Land, aus der Luft und auch zu Wasser erreichen – der Hafen empfängt nationale und internationale Kreuzfahrer während der Hochsaison.
Projektiert als Modell einer Partnerschaft zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren, wird das neue Stadion „Arena das Dunas“ auf 300 Millionen Reais Baukosten geschätzt. Es dürfte bis zum ersten Semester 2013 fertig sein, damit man die Partien des „Confederation-Cups“ im zweiten Semester wahrnehmen kann. Nach der „Copa 2014“ dann, wird es sich weisen, ob sich dieser Neubau als Flop erweisen – oder wie man hier sagt: in „einen weissen Elefanten“ verwandeln wird.
Die grosse Herausforderung besteht darin, eine wirtschaftliche Form der Wartung des neuen Stadions zu finden – es darf nicht nur von den Einnahmen für Fussballspiele abhängen, sondern braucht weitere Einnahmequellen, wie zum Beispiel Musik-Shows und andere kulturelle Events! Schon vor Durchführung seiner Konstruktion sollte man zwei Ziele ins Auge fassen: das sportliche (fussballerische) und die Promovierung eines permanenten Touristenstroms nach 2014. Wollte man die Investition allein mit Einnahmen aus dem Fussball ausgleichen, wäre eine substanzielle Aufstockung der Zuschauer und der Eintrittspreise notwendig. Tatsächlich sieht man eine bedeutende Herausforderung auch darin, den Fussball in Rio Grande do Norte weiter zu entwickeln, sodass mindestens zwei seiner Teams die Elite Brasiliens erreichen (Serie A) und dort auch verbleiben – ausserdem peilt man die Teilnahme an der südamerikanischen „Copa dos Libertadores“ an.
Das sportliche Potential der Stadt Natal ist unstet. Sie hatte bereits einmal einen Repräsentanten in der Elite des „Brasileirão“ im Jahr 2007, das „América-Team“, aber es hat nicht einmal eine Saison überstanden. Die derzeitigen Konditionen sind schwach – zwei Teams spielen in der Serie B des „Brasileirão“. Aber nicht einmal die erreichten die Endausscheidungen des „Estadual 2009“, ein staatlicher Wettkampf, der zwischen zwei Teams des Interiors ausgetragen wurde und nur wenige Zuschauer und entsprechend geringe Einnahmen hatte. Im Jahr 2007 dagegen, zum Spiel América gegen Flamengo, innerhalb des „Brasileirão“, kamen 32.000 zahlende Zuschauer – es wurden 517.000 R$ eingenommen, bei einem mittleren Eintrittspreis von R$ 16,00 und 32.200 verkauften Karten. Mit anderen Worten: volles Haus! Gegen die „Cornthians“ aus São Paulo waren es 17.000 zahlende Zuschauer – Einnahmen R$ 265.000 bei einem mittleren Eintrittspreis von R$15,00. Die Zahlen beweisen die Existenz eines gewissen Potentials, für den Fall dass die Lokal-Teams innerhalb des nationalen Fussballs gut positioniert sind!
Die Copa 2014 rechtfertigt Investitionen zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur – einerseits, um den Aufenthalt des Business-Touristen in der Hauptstadt zu verlängern und andererseits, um ihn zu animieren, bei nächster Gelegenheit wiederzukommen. Von 2002 bis 2007 hat sich der Touristenstrom in Natal bereits verdoppelt, aus 1.423.886 Besuchern wurden 2.096.322! Die internationalen Flüge verdreifachten sich – 2002 waren es 5 Flüge pro Woche, sie erhöhten sich auf 23 aus Argentinien, 14 aus Portugal, 10 aus Spanien, 3 aus Italien und weitere Flüge aus Holland, Deutschland, der Schweiz, England, Norwegen, Dänemark und Finnland. 1.400 Charterflüge im Jahr 2006.
Nach Erkenntnissen der NASA – in Zusammenarbeit mit dem INPE (Brasilianisches Institut für Weltraumforschung) – atmet man in Natal „die sauberste Luft Amerikas“ ein. Die Region wurde von der AVIESP (Verein der unabhängigen Reiseagenturen des Bundesstaates São Paulo) als beste Reisedestination Brasiliens im Jahr 2007 gewählt, und Natal als Stadt mit der grössten Zahl an touristischen Betten im Land (zirka 28.000).
Der Bundesstaat Rio Grande do Norte präsentiert sich mit acht überregionalen Bundesstrassen, mit insgesamt 1.350km. Damit besitzt der Bundesstaat das zweitbeste Strassennetz des brasilianischen Nordostens.
Was die städtische Mobilität betrifft, so gibt es da einige spürbare Grenzen. Natal hat ein urbanes Eisenbahn-System, von 38km Länge, elf Haltestellen und einer Kapazität für 4.000 Personen pro Tag. Aber neben der relativ geringen Transportkapazität wird auch die Qualität als unbefriedigend bemängelt.
Eine weitere Herausforderung, der es zu begegnen gilt, ist das Problem des Verkehrsstaus: Gegenwärtig übersteigt die Automobilflotte 260.000 – und weitere 2.500 Autos werden jeden Monat neu zugelassen. Das kollektive Bus-System ist inzwischen veraltet und kann den gegenwärtigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Es liegt der Stadt eine Studie vor, welche eine Restrukturierung des gesamten Bus-Transportsystems vorsieht. Ein anderes kritisches Problem sind die öffentlichen Parkplätze, welche die Strassen gefährlich verengen.
Unter den geplanten Aktionen zur Verbesserung der städtischen Mobilität ist ein Projekt zur Modernisierung und Expansion der städtischen Bahnlinien – desweiteren die Implantierung einer Integrationsachse von der West- zur Südzone – Einführung eines urbanen „Schnelltransport-Systems“ – und nicht zuletzt Verbesserungen der urbanen Infrastruktur jener Städte, welche zur „Metropolitanen Region Natal“ gehören.
Der internationale Airport der Stadt, „Augusto Severo“, befindet sich im Grenzgebiet von Parnamirim, noch innerhalb der metropolitanen Region von Natal. Er präsentiert 6.224m Start- und Landepisten und kann jeweils 25 Flugzeuge abfertigen – aber er ist bereits mit der Abfertigung von jetzigen 2 Millionen Touristen pro Jahr überfordert.
Ein neuer Flughafen befindet sich in der Anfangsphase seiner Konstruktion – der „Aeroporto Internacional da Grande Natal/São Gonçalo do Amarante“ – gelegen im Munizip gleichen Namens, 11km von der Hauptstadt Natal entfernt. Er wurde als intermodaler Airport (Passagiere und Cargo) projektiert, der Komplex bekommt die längste Landepiste des Nordostens und wird voraussichtlich „das grösste Terminal Südamerikas“ werden!
Dieser im Bau befindliche Komplex ist Teil des Programms zur „Beschleunigung des Wachstums“ der brasilianischen Regierung. Als grösster Cargo-Airport Südamerikas, wird man für ihn eine ZPE (Zone zur Abfertigung von Exporten) schaffen – einen Industriedistrikt zur Installation von Unternehmen, welche hauptsächlich Geschäfte mit dem externen Markt tätigen. Und neben der ZPE wird auch eine Freihandelszone (ALC) geschaffen werden.
Natal befindet sich in einer privilegierten Position gegenüber Europa, was der Stadt auch einen touristischen Vorteil beschert. Mit dem neuen Flughafen wird die Stadt die jetzigen Unzulänglichkeiten hinsichtlich eines substanziellen Wachstums des Besucherstroms mit der „Copa“ überwinden. Die Herausforderung ist, den neuen Airport bis 2014 fertig zu bekommen!
Und eine andere grosse Herausforderung Natals – wie bei den meisten brasilianischen Städten – ist eine Behebung der Unzulänglichkeiten in der urbanen Infrastruktur – vor allem unter Berücksichtigung der allgemeinen Mobilität. Und nun die grösste Herausforderung: den Fussball in Rio Grande do Norte wiederbeleben, um zu grösseren Einnahmen zu kommen, welche die Investition in das neue Stadion „Arena das Dunas“ amortisieren und seine Unterhaltung tragen.