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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Viertes Buch
VIII. Kapitel
59.
1. Es ist aber offenbar nicht so, daß hinsichtlich des Menschseins das Weib eine andere Natur hätte als der Mann; vielmehr haben beide die gleiche Natur, also auch die gleiche Tugend.1
2. Wenn aber die Tugend des Mannes doch wohl in Sittsamkeit und Gerechtigkeit und in den übrigen nach allgemeiner Anschauung damit zusammengehörenden Eigenschaften besteht, geziemt es sich da wohl für den Mann allein, tugendhaft zu sein, für das Weib aber zuchtlos und ungerecht? Es ist aber auch unschicklich, einen solchen Gedanken auch nur auszusprechen.
3. Auf Sittsamkeit und Gerechtigkeit und auf jegliche andere Tugend sollen also in gleicher Weise bedacht sein Weib und Mann, Freier und Sklave, da es so eingerichtet ist, daß zu der gleichen Natur auch ein und dieselbe Tugend gehört. Damit behaupten wir nun nicht, daß ein weibliches Wesen die [S. 46] gleiche Natur wie das männliche habe, insoweit es weiblich ist. Denn es geziemt sich durchaus, daß beide ein unterscheidendes Merkmal an sich tragen, dessentwegen das eine weiblich, das andere männlich geworden ist.
5. Darum sagen wir, daß Schwangerwerden und Gebären eine Eigentümlichkeit der Frau ist, insofern sie ein Weib, nicht insofern sie ein Mensch ist. Wenn es aber gar keinen Unterschied zwischen Mann und Weib gäbe, so würden beide dasselbe tun und erleiden.2
1: Chrysippos Fr. mor. 254 v. Arnim.
2: Vgl. Paid. III 19,2, wo Handeln und Leiden als die für Mann und Weib kennzeichnenden Merkmale genannt sind.