Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/137220

<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Teilt er die Ansicht, dass es Ausbildungswilligen ermöglicht werden muss, ihre Berufsausbildung in Teilzeit absolvieren zu können?</p><p>2. Sind allenfalls sogar bereits Bestrebungen im Gange, und wenn ja, welche?</p><p>3. Welche Voraussetzungen oder Rahmenbedingungen müssten nach Ansicht des Bundesrates gegeben sein, damit solche in Teilzeit absolvierte Berufsausbildungen anerkannt werden (Verlängerung der Gesamtausbildungszeit)?</p><p>4. Wie können bei einer solchen Ausbildung die bereits erworbenen Arbeits- und Lebenserfahrungen validiert werden (validation des acquis de l'expérience)?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Möglichkeit für Erwachsene, einen Berufsabschluss nachzuholen oder erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten anrechnen zu lassen, nimmt an Bedeutung zu, dies nicht zuletzt angesichts steigender Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und zunehmend heterogener Bildungslaufbahnen.</p><p>Erwachsene ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss sind weniger gut in den Arbeitsmarkt integriert als solche mit abgeschlossener Ausbildung auf Sekundarstufe II oder Tertiärstufe. Gemäss Berufseinstiegsbarometer 2012, das im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) durch die Universität Zürich erhoben wurde, lag die Arbeitslosenquote von 26- bis 54-Jährigen ohne nachobligatorische Ausbildung im langjährigen Mittel (2004-2012) 2,6-mal höher als bei gleichaltrigen Fachkräften.</p><p>Zu den einzelnen Fragen:</p><p>1.-3. Die Nach- und Höherqualifizierung sowie die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wichtige Anliegen des Bundesrates. Dies unterstreichen insbesondere die Fachkräfteinitiative des Eidgenössischen Departementes für Wirtschaft, Bildung und Forschung sowie das Nationale Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut des Eidgenössischen Departementes des Innern mit entsprechenden Handlungsfeldern.</p><p>Das Berufsbildungsgesetz (BBG; SR 412.10) lässt unterschiedlichste Wege für Erwachsene zur Erlangung eines Berufsabschlusses zu. Derzeit haben sich vier Wege etabliert: die reguläre und die verkürzte berufliche Grundbildung, der direkte Zugang zum Qualifikationsverfahren sowie die Validierung von Bildungsleistungen. Im Rahmen dieser Bildungswege steht es den Kantonen frei, Teilzeit-Bildungsangebote zu ermöglichen.</p><p>In einer Bestandsaufnahme erfasst das SBFI derzeit alle erwachsenengerechten Angebote der Kantone im Bereich Berufsbildung. Aufgrund dieser Auslegeordnung wird das SBFI zusammen mit den Verbundpartnern den Bedarf für eine Ausweitung der verschiedenen Angebote (auch der Teilzeitausbildungen) prüfen.</p><p>4. Die Förderung der Durchlässigkeit gehört zu den Grundsätzen des BBG. So hält Artikel 9 Absatz 2 BBG fest, dass ausserhalb üblicher Bildungsgänge erworbene Kompetenzen (Praxiserfahrung, Fach- und Allgemeinwissen) angemessen anzurechnen sind. Dies gilt - abgesehen von der regulären beruflichen Grundbildung - für alle obengenannten Wege zur Erlangung eines Berufsabschlusses für Erwachsene. Kantonale Beratungsstellen bieten Unterstützung bei der Zusammenstellung von Qualifikationsnachweisen, die für die Anrechnung erbracht werden müssen.</p>  Antwort des Bundesrates.