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Emmy Ball-Hennings, Schriftstellerin und Kabarettistin
1885-1948, geboren in Flensburg, gestorben in Sorengo
1885-1948, geboren in Flensburg, gestorben in Sorengo
Tochter eines Taklers. Volksschule in Flensburg, anschliessend Tätigkeit als Dienstmädchen. 1903 Heirat mit einem Laienschauspieler, Arbeit bei einer Wandertheatertruppe, die gemeinsame Tochter wuchs bei ihren Grosseltern in Flensburg auf, Scheidung 1904. Ab 1910 verkehrte sie im Berliner „Café Grössenwahnsinn“, lernte dort Else Lasker-Schüler und andere kennen. Umzug nach München, wo sie sich bald in der Bohème bewegte. Erich Mühsam schrieb in sein Tagebuch: „Das arme Mädchen kriegt viel zu wenig Schlaf. Alle wollen mit ihr schlafen, und da sie sehr gefällig ist, kommt sie nie zur Ruhe“. Emmy konsumierte Äther und Morphium. 1914 unterzog sie sich im Gefängnis, sie sass wegen Beischlafsdiebstahls, einer Entziehungskur. Bekanntschaft mit Hugo Ball, mit dem sie 1915 in die Schweiz emigrierte. In Zürich Gründung des „Cabaret Voltaire“ und damit des Dadaismus zusammen mit Hugo Ball, Sophie Täuber, Hans Arp, Tristan Tzara, Richard Hülsenbeck und Marcel Janco. „Emmy Hennings wurde die Seele des Cabarets, ihre Couplets retteten uns vor dem Hungertode“, schrieb Richard Hülsenbeck. Als Kassiererin des Cabarets machte sie Bekanntschaft mit Friedrich Glauser. 1920 Heirat mit Hugo Ball, Umzug nach Agnuzzo unterhalb von Montagnola. 1926 Umzug nach Sorengo. Enge Freundschaft mit Hermann Hesse, mit dem sie ihr Leben lang in Kontakt war und von ihm finanziell unterstützt wurde: Hermann Hesse, Briefwechsel 1921-1927 mit Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings. Irene Stratenwerth in der Berliner Zeitung: „Wer war Emmy Hennings? Fotos aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zeigen sie als schwärmerisch naive, als frivol posierende oder als abgemagerte und verhärmte junge Frau. Ihre Tagebücher, Romane, Gedichte und Briefe erzählen vom Leben als Tingel-Tangel-Girl, als Dichterin, Prostituierte, Drogensüchtige und überzeugte Katholikin. Für Erich Mühsam war sie Objekt sexueller Begierde, für Johannes R. Becher die heissblütig verehrte Geliebte, für Hermann Hesse eine respektierte Kollegin. Die Texte und Dokumente über das Leben der Emmy Hennings ergeben einen facettenreichen Bilderbogen der Sozial- und Sittengeschichte der frühen Berliner und Münchner Bohème. Die Rätsel, die eine der schillernsten Frauenfiguren der Moderne aufgibt, lösen sie nicht.“ Emmy starb an den Folgen einer Lungenentzündung. In ihrem letzten, an Ninon Hesse gerichteten Brief aus der Clinica Sant’Anna in Sorengo schrieb Emmy: „Mir tut nichts weh. Allerdings sind die Agoniezustände, einfach Schwäche, schwer erträglich, und alles kommt mir wie weiche hinschwindende Watte vor, das lässt sich ja nicht lesen. Sagen Sie’s niemandem und Ihr sollt nicht traurig um mich sein, sonst wär’s ja auch noch trauriger für mich und so halt ...“. Sie wurde im Grab ihres Mannes Hugo auf dem Friedhof Sant'Abbondio in Gentilino bestattet.