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Herr A. aus Spiez schreibt, Medienberichte über die Beerdigung der Queen hätten ihn «existenziell verunsichert». Da sei berichtet worden, «die sterblichen Überreste» der Queen seien durchs Land gefahren worden. Er frage sich und vor allem die Askforce nun, wie denn diese Überreste «sterblich» sein könnten, nachdem die Queen ja gestorben sei. «Bedeutet dies, dass Überreste von Elisabeth II. noch leben?», und gäbe es, falls diese dann doch stürben, eine königliche Nach-Beerdigung? «Eine noch pompösere als die gehabte?» Nebenbei erschliesse sich ihm auch «der Unterschied zwischen Überresten und normalen Resten» nicht.
Fragen über Fragen, Herr A., fünf insgesamt. Mit den üblichen Bearbeitungsfristen der Askforce würde deren Beantwortung die Lebensdauer der sterblichen Reste womöglich überschreiten, selbst dann, wenn es so unglaublich rasch ginge wie bei der vergleichbar aufwändigen Entwicklung des Covid-Impfstoffes. Dass wir Ihnen heute dennoch bereits eine präzise Replik liefern können, Herr A., ist den enormen personellen und intellektuellen Kapazitäten der seit 1660 bestehenden Royal Society zu verdanken. Auch sie war übrigens an der Impfstoffentwicklung beteiligt! An sie leiteten wir nämlich Ihre Fragen weiter. Mit einer Antwort durften wir rechnen, denn die Royal Society anerkennt nur eine einzige Kongregation neben sich: die Askforce. Cui honorem, honorem. Ehre, wem Ehre gebührt.
Gestern (Sonntag!) Abend überbrachte ein berittener «Royal Herald», direkt aus London kommend, der Askforce den ersehnten Bescheid, verfasst in tadellosem Deutsch und mit Tusche auf Papier der Royal Society. Lesen Sie hier:
«Die sterblichen Überreste sind in Tat und Wahrheit bereits gestorben. Die legendäre britische Höflichkeit – ‹the customary code of polite behaviour› – verbietet es jedoch, eine solch traurige Tatsache beim Namen zu nennen, weshalb weiterhin von sterblichen Überresten die Rede ist. Eine Nach-Beerdigung erübrigt sich daher. Unsterblich sind jedoch jene Überreste der Queen, die unsichtbar in Millionen Herzen erhalten bleiben und Legenden-bildend an nächste Generationen vermittelt werden. Zu den Überresten: Davon wird nur bei königlichen Persönlichkeiten gesprochen, denn sie stehen über allen andern Resten, insbesondere über denen der Untertanen. Falls solche jemals überhaupt erwähnt würden, hiessen sie Unterreste, ‹bottom residues›. Aber auch diesen unschönen Ausdruck verbietet unser ‹customary code›.»
Askforce Nr. 1041
10. Oktober 2022