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dem linken, s. Ufer der Plessur nach W. verlaufende Welsche Dörfli, sowie das 2½ km n. gelegene Masans, das eigene Kirche und Schule hat.
Auf dem bischöflichen Hofe, wo unzweifelhaft die erste römische Anlage der Stadt war, stehen die Domkirche, das bischöfliche Schloss, die Häuser der Domherren und die katholische Schule, etwas weiter oben das Priesterseminar St. Luzius (bis anfangs des 19. Jahrhunderts Prämonstratenserkloster) mit hübscher Kirche; die Gymnasium, Realschule und Lehrerseminar umfassende, von ungefähr 400 Schülern besuchte paritätische Kantonsschule und das 100 Schülern Raum bietende Konvikthaus derselben.
Sehr sehenswert ist vor allem die Domkirche, deren ursprünglicher Bau
Bischof Tello ums Jahr 780 zugeschrieben
wird, unzweifelhaft zum Teil aber bis ins 4. Jahrhundert zurückreicht. Der Ausbau des
Domes ging sehr langsam vor sich; hieraus
erklärt sich die Mischung verschiedener Stilelemente vom byzantinischen bis zum spätgotischen. 1282 wurde die damals noch
mit einem flachen Dache versehene Kirche eingeweiht. In ihrem Innern enthält sie verschiedene Kunstdenkmäler,
Bilder von Dürer, Holbein dem jüngeren, Lukas Kranach, J. Stumm und der in
Chur geborenen Angelika Kaufmann, einen
sehr schönen von J.
Russ in Luzern
in
Holz geschnitzten und von M. Wohlgemut aus Nürnberg bemalten Hochaltar, Sarkophage, Grabmonumente,
Sakramentshäuschen, Reliquienkästchen, Monstranzen, Messgewänder, Paramente und Urkunden aller Art. -
Das in seinem Hauptteil im Barokstil des 18. Jahrhunderts gehaltene bischöfliche Schloss ist ebenfalls ein verschiedenen Zeiten angehörender Bau; im N. lehnt es sich an den römischen Turm Marsöl, in dem sich die Privatkapelle des Bischofs, Archiv und Bibliothek befinden.
In der Stadt selbst, d. h. der ehemals von Mauern und Graben umgebenen Alt-Stadt, die wie die meisten alten Städte noch recht enge Gassen aufweist, sind bemerkenswert die beiden reformierten Kirchen zu St. Martin und zu St. Regula, die zwar keine besonderen Sehenswürdigkeiten bieten, das Rätische Museum mit der sehr sehenswerten Sammlung der historisch-antiquarischen Gesellschaft, den naturhistorischen Sammlungen und der Kantonsbibliothek; das Regierungsgebäude, das Staats- und Bankgebäude, das städtische Rathaus mit der im Stil der spätern Renaissance getäfelten Bürgerratsstube, das neue städtische Schulhaus, die sehr schöne in orientalischem Stil erbaute von Planta'sche Villa, die nunmehr in den Besitz der Rätischen Bahn übergegangen ist und derselben als Verwaltungsgebäude dient, und das Geburtshaus der Malerin Angelika Kaufmann.
Auf dem längst zu einer öffentlichen Anlage umgewandelten alten Friedhof befindet sich das Denkmal des bündnerischen Dichters Johann Gaudenz von Salis-Seewis (geb. † den kleinen Vorplatz vor dem Rätischen Museum ziert das Denkmal des um die Erforschung des Kantons in naturwissenschaftlicher Beziehung sehr verdienten Dr. med. Ed. Killias (1829-1891), und in der Anlage vor dem Regierungsgebäude erhebt sich das Vazeroler Denkmal, ein dreiseitiger Obelisk aus weissem Marmor, zur Erinnerung an das der Ueberlieferung nach (urkundlich jedoch nicht verbürgte) im Jahre 1471 zu Vazerol geschlossene Bündnis der drei rätischen Bünde.
Die in breitem Gürtel von N. nach W. sich um die alte Stadt herumziehende
Neustadt zählt viele freundliche Landhäuser;
aber auch die geräumige und gut eingerichtete
Kaserne, das städtische Krankenhaus, das Kreuzspital, von dem gemeinnützigen
Kapuziner Pater Theodosius Florentini gegründet, befinden sich in dieser Gegend, während ein drittes
Spital,
das «Krankenasyl auf dem
Sand», eine Stiftung des 1881 verstorbenen Bürgermeisters Chr. Bener in
Chur, auf der entgegengesetzten
Seite ö. der Stadt, am Ausgang des Plessurthales, liegt. In etwas weiterer Entfernung, in dem wunderschönen im N. der
Stadt sanft gegen O. ansteigenden Lürlibad, befindet sich die kantonale Irren-
u. Krankenanstalt
Waldhaus,
mit Raum für ca. 250 Kranke; mit derselben verbunden ist die Loë-Anstalt, eine von
Baron Klemens von Loë herrührende Stiftung,
in welcher 20 heilbare körperlich Kranke unentgeltlich Aufnahme finden. In geringer Entfernung von der Anstalt
Waldhaus ist
das bürgerliche Altersasyl, weiter n. das bürgerliche Waisenhaus, während zwei andere Waisenanstalten,
der
«Foral»
u. die
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«Hosangsche Stiftung», im W. der Stadt sich befinden. Reichlich gesorgt
ist für Bildungszwecke; ausser den Primarschulen
u. der schon erwähnten Kantonsschule gibt es in
Chur auch noch eine städtische
Sekundarschule, eine gewerbliche und eine kaufmännische Fortbildungsschule, eine Koch- und Haushaltungsschule, eine Frauenarbeitsschule
und das katholische Töchterinstitut Constantineum.
Chur weist im Verhältnis zu seiner Höhenlage ein ausserordentlich mildes Klima auf; darum gedeihen
denn auch an geschützten Stellen Kastanien und Feigen, und an den sonnigen Halden der
Umgebung reift ein feuriger Wein. Nach
langjährigen Beobachtungen beträgt die mittlere Jahrestemperatur 9,44° C., diejenige des Frühlings 9,36°, diejenige
des Sommers 17,99° und diejenige des Winters 0,68°. Die Niederschlagsmengen sind sehr gering und betragen
im Durchschnitt nur 840 mm per Jahr.
Nebel sind in
Chur ausserordentlich selten; dringen dennoch etwa einmal im Spätherbst solche durch das Rheinthal bis nach
Chur herauf, so verschwinden sie nach sehr wenigen Tagen, oft auch schon nach ein paar Stunden; sehr
oft aber erfreut sich
Chur des schönsten Sonnenscheines und des glanzvollsten Himmels, wenn das Rheinthal von Sargans abwärts
im tiefsten Nebel steckt und in Zürich,
St. Gallen
und andern Städten wochenlang kein Fleckchen blauen Himmels zu sehen ist. - Eine grosse
Annehmlichkeit von
Chur bilden die zahlreichen, stets sehr gut unterhaltenen, prächtigen Waldspaziergänge
in dessen
Umgebung.
Den Naturfreund erfreut eine reiche Flora, die auf kleinem Gebiete neben Vertretern der südlichen Kastanienzone solche der Alpenregion aufweist. Von südlichen Arten nennen wir Coronilla Emerus, Astragalus Monspessulanus, Oxytropis pilosa, Colutea arborescens, Ononis rotundifolia - Alles Papilionaceen, die besonders in den Thalschaften des s. Tirol reichlich entwickelt sind. Noch charakteristischer sind die sonst der Hauptsache nach auf den S.-Fuss der Alpen beschränkten Lappula deflexa, Galium tenerum und G. rubrum, Anemone montana, Tommmasinia verticillaris, Laserpitium Gaudini.
Eine Anzahl von Arten vom sö. Alpenfuss erreichen um
Chur ihren westlichsten Standort, besonders das in der
Schweiz sonst nirgends vorkommende Dorycnium suffruticosum. Für die Umgegend
Churs kennzeichnend sind ferner: Thesium
rostratum, Rhamnus saxatilis, Allium pulchellum, Helianthemum Fumana, Tunica saxifraga, Linaria Cymbalaria, Lappula myosotis,
Anchusa officinalis, Lactuca perennis, Bryonia alba, Centaurea maculosa, Artemisia absinthium, Linosyris vulgaris, Galium
lucidum, Iris germanica, Lilium bulbiferum, Limodorum abortivum, Stupa pennata und St. capillata. Diese
letztern Pflanzen, die auch im Wallis
und anderswo vorkommen, verraten ein bevorzugtes Klima. Es ist unbestreitbar, dass auch
Chur
im Sommer sich der günstigen klimatischen Bedingungen des Graubündner Hochplateaus erfreut. Sehr vollständige Angaben
über die Flora Churs finden sich in der Festschrift: Naturgeschichtl. Beiträge zur Kenntnis der
Umgebungen
von Chur. Chur 1874.
Quellen, die von Parpan und der Lenzerheide 14-19 km weit hergeleitet werden, versehen die Stadt mit vortrefflichem Trinkwasser.
Die Besiedelung der
Umgebung von Chur in vorrömischer Zeit bezeugen die Funde von Gegenständen aus der Bronze- und Eisenzeit,
so z. B. einer Sichel und anderer Bronzeobjekte beim Welschen Dörfli, eines Bronzebeiles beim Lürlibad,
einer Lanzenspitze am Sonnenberg, einer Fibula aus der Eisenzeit, etc.
Der Ursprung der Stadt ist in der vorrömischen, alträtischen Zeit zu suchen. Römische Schriftsteller des 3. und 4. Jahrhunderts nennen die Curia Raetorum als ¶