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Die Bürgerrechts-Gesetzgebung der Schweiz hat sich in den vergangen 20 Jahren vor allem in einem Punkt stark verändert: Anders als früher verliert eine Schweizerin bei der Heirat mit einem Ausländer seit 1992 ihr Bürgerrecht nicht mehr.
Es gibt drei Wege, Bürger oder Bürgerin zu werden: Durch Geburt (Abstammung), Adoption oder Einbürgerung.
Die Schweiz erlaubt zudem die doppelte Nationalität ohne Einschränkung. Ob jemand bei der Einbürgerung in der Schweiz seine/ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben muss, hängt nur von dem jeweiligen zweiten Staat ab.
Kein "Jus soli"
Anders als klassische Einwanderungsländer wie die USA oder Australien erwirbt ein Kind, das in der Schweiz geboren wird, nicht automatisch die Schweizer Nationalität.
Der Prozess der Einbürgerung ist grundsätzlich mit einem langwierigen Verfahren verbunden. Der Erwerb des Schweizer Bürgerrechts führt dazu, dass Rechte und Pflichten übernommen werden (zum Beispiel Stimm- und Wahlrecht, Militärdienstpflicht).
Ein Kind hat von Geburt an das Schweizer Bürgerrecht, wenn seine Eltern verheiratet und der Vater oder die Mutter Schweizer Bürger oder Bürgerin ist. Dasselbe gilt für das Kind einer Schweizer Mutter, die mit dem Vater nicht verheiratet ist. Auch das Kind eines nicht verheirateten Schweizer Vaters und einer ausländischen Mutter erhält das Schweizer Bürgerrecht, wenn der Vater die Vaterschaft anerkennt, bevor das Kind volljährig wird.
Zudem erhalten Kinder, die adoptiert werden, das Schweizer Bürgerrecht, wenn die Mutter oder der Vater die Schweizer Staatsangehörigkeit besitzt und das Kind zum Zeitpunkt der Adoption nicht volljährig ist.
Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Website des Staatssekretariats für Migrationexterner Link.
Reguläres Einbürgerungsverfahren
Ausländerinnen und Ausländer ohne direkte Blutsverwandschaft durch Geburt oder Heirat müssen während mindestens zwölf Jahren andauernd in der Schweiz gelebt haben, bevor sie einen Antrag auf Einbürgerung stellen können (Die im Alter zwischen zehn und zwanzig in der Schweiz verbrachten Jahre zählen doppelt).
Wer sich einbürgern lassen will, muss gut integriert sein, die Verhältnisse und Traditionen des Landes kennen, einen guten Leumund haben und darf für die innere oder äussere Sicherheit des Landes keine Gefahr darstellen.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, gibt das Bundesamt für Migration "grünes Licht" für den Einbürgerungsprozess. Dies allein bedeutet allerdings noch nicht, dass der Antragssteller oder die Antragstellerin das Bürgerrecht auf sicher erhalten wird.
Als nächste Stufe folgen Kantone und Gemeinden, die ihre eigenen Vorgaben haben. So kann ein Kanton beispielsweise verlangen, dass die Person, die einen Antrag stellt, mindestens zwei Jahre im Kanton gelebt hat, während es in einem anderen Kanton zehn Jahre sein können.
Den endgültigen Entscheid über ein Einbürgerungsgesuch trifft die Wohngemeinde. In grösseren Gemeinden entscheidet in der Regel eine entsprechende Kommission, in kleineren Orten meist die Gemeindeversammlung der Stimmberechtigten. Die Gebühren für eine Einbürgerung unterscheiden sich ebenfalls von Gemeinde zu Gemeinde.
Eine von der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei lancierte Initiative, die verlangt hatte, dass Einbürgerungs-Entscheide in Zukunft an der Urne gefällt werden müssten, war 2008 in einer Volksabstimmung abgelehnt worden.
Ein neues Gesetz, das die Aufenthaltszeit von 12 auf 10 Jahre reduziert, wurde im Juni 2014 vom Parlament angenommen und wird Anfang 2018 in Kraft tretenexterner Link. Dieses sieht vor, dass Personen eingebürgert werden können, die über eine Niederlassungsbewilligung verfügen, seit mindestens zehn Jahren in der Schweiz leben und hier integriert sind. Als integriert gilt, wer Sprachkenntnisse in einer Landessprache ausweist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie die Werte der Bundesverfassung beachtet, am Wirtschaftsleben oder am Erwerb von Bildung teilnimmt und sich um die Integration seiner Familie kümmert. Zudem dürfen während der letzten drei Jahre vor dem Antrag und während des Antrags keine Beiträge aus der Sozialhilfe bezogen worden sein.
Weitere Informationen zum Thema Einbürgerung finden Sie auf der Website des Staatssekretariats für Migrationexterner Link.
Erleichterte Einbürgerung
Ausländische Staatsangehörige, die mit einem Schweizer oder einer Schweizerin verheiratet sind, oder Kinder mit einem Schweizer Elternteil, die das Schweizer Bürgerrecht noch nicht haben, können unter bestimmten Voraussetzungen von der erleichterten Einbürgerung profitieren.
Wer auf diesem Weg eingebürgert werden will, muss in die Schweizer Verhältnisse integriert sein, die Schweizer Rechtsordnung beachten und darf die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz nicht gefährden. Den Entscheid fällt in diesem Fall der Bund allein. Der Kanton wird vorher angehört und hat wie die Gemeinde ein Beschwerderecht.
Die erleichterte Einbürgerung können zum Beispiel ausländische Ehepartner von Schweizerinnen oder Schweizern beantragen, die seit einem Jahr in der Schweiz wohnen, seit mindestens drei Jahren verheiratet sind und insgesamt mindestens fünf Jahre in der Schweiz gelebt haben. Auch wer "eng" mit der Schweiz verbunden ist, aber im Ausland lebt, kann die erleichterte Einbürgerung beantragen. In diesem Fall muss das Paar aber seit mindestens sechs Jahren verheiratet sein.
Kinder unter 22 Jahren, die nicht zusammen mit den Eltern eingebürgert wurden, können ebenfalls eine erleichterte Einbürgerung beantragen, falls sie mindestens fünf Jahre in der Schweiz gelebt haben, wovon ein Jahr direkt vor dem Einreichen des Gesuchs sein muss.
Auch ausserhalb der Ehe geborene Kinder von Schweizer Vätern können die erleichterte Einbürgerung beantragen. Bei "enger Verbundenheit" mit der Schweiz kann das Gesuch auch noch nach dem 22. Altersjahr gestellt werden.
Im Februar 2017 stimmte das Schweizer Stimmvolk dafür, die erleichterte Einbürgerung auf Einwanderer der dritten Generation auszudehnen. Eine ausländische Person dritter Generation darf ein Gesuch nur bis zu ihrem 25. Geburtstag einreichen. Sie muss in der Schweiz geboren und im Besitz einer Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) sowie während mindestens fünf Jahren hier zur Schule gegangen sein.
Weitere Informationen zum Thema erleichterte Einbürgerung finden Sie auf der Website des Staatssekretariats für Migrationexterner Link.
Wiedereinbürgerung
Personen, die das Schweizer Bürgerrecht verloren haben, können sich wieder einbürgern lassen. Meistens handelt es sich dabei um ausländische Ehepartner oder Ehepartnerinnen von Schweizer Staatsangehörigen und ausländische Kinder, die das Bürgerrecht durch Heirat, Verwirkung oder Entlassung aus dem Bürgerrecht verloren haben.
Zum Beispiel kann eine ehemalige Schweizerin, die das Bürgerrecht verloren hatte, als ihr Ehemann seine Schweizer Staatsangehörigkeit vor dem 1. Januar 2006 (als die revidierte Bürgerrechts-Gesetzgebung in Kraft getreten war) aufgegeben hatte, sich wieder einbürgern lassen. Wenn die Frau enge Beziehungen zur Schweiz hat, kann sie einen Antrag auf Wiedereinbürgerung stellen. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie ursprünglich durch Abstammung, Adoption oder Heirat Schweizerin geworden war.
Wie bei der erleichterten Einbürgerung ist der Bund für den Entscheid zuständig. Kanton und Gemeinde haben aber ein Anhörungs- und Beschwerderecht. Die Voraussetzungen zur Wiedereinbürgerung sind ähnlich wie bei den anderen Formen der Einbürgerung: Verbundenheit mit der Schweiz, gut integriert, guter Leumund, keine Gefährdung der inneren und äusseren Sicherheit. Je nachdem können weitere Voraussetzungen wie Alter oder Wohnort eine Rolle spielen.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Website des Staatssekretariats für Migrationexterner Link.
Auch das Schweizer Portal ch.chexterner Link oder das Behördenportal "Die Schweiz entdecken"externer Link bieten Informationen zur Einbürgerung.
swissinfo.ch