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FC Basel
FC Sion
FC Basel - FC Sion 1:3 (1:1)
Datum: 02.08.1997, 19:30 Uhr - Wettbewerb: NLA Qualifikationsrunde 1997/98 - 6. Runde
Stadion: St. Jakob (Basel) - Zuschauer: 12'000
Schiedsrichter: Carlo Bertolini
Tore: 3. Camadini 0:1. 41. Giallanza 1:1. 64. Camadini 1:2. 80. Tholot 1:3.
Gelbe Karte: 23. Sas (Foul), 61. Hartmann (Reklamieren), 68. Zambaz (Foul).
FC Basel: Huber; Sas (79. Dobrovoljski); Ceccaroni, Kreuzer; Barberis, Hartmann, Frick, Zuffi, Salvi (62. La Placa); Giallanza, Gaudino (85. Schmidiger).
FC Sion: Borer; Milton; Wolf, Quentin; Zambaz (78. Grichting), Eydelie, Camadini (82. Murray), Lonfat, Lengen (85. Hodel); Tholot, Grassi.
Bemerkungen: FC Basel ohne Knup, Tabakovic, Konde, Disseris, Hasler und Henry (alle verletzt); FC Sion ohne Gaspoz, Biaggi, Chassot, Veiga, Sylvestre, Assis und Vanetta (alle verletzt). - Nationalcoach Rolf Fringer sowie Ex-FCB-Trainer Claude Andrey auf der Tribüne. - 36. Hartmann trifft die Querlatte. Gaudino nach einer Viertelstunde wieder hinter den Spitzen, Frick im Sturm; La Placa nach seiner Einwechslung (62.) im Sturm, Frick anstelle Salvis im linken Mittelfeld; FCB nach der Auswechslung Sas' (79.)ohne Libero.
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FC Basel: Parallelen im Stillstand
Der FC Basel erzielte bei der 1:3 (1:1)-Niederlage gegen den FC Sion sein erstes Saisontor aus dem Spiel heraus. Bei den Gegentreffern traten gegen die konternden Walliser altbekannte Probleme zutage.
Basel. Die Parallelen zu den bisherigen Saisonspielen waren nicht zu verkennen. Jörg Berger, der Trainer, sprach vom «grossen Aufwand und der geringen Effektivität», haderte damit, dass sein Team das «hart erarbeitete 1:1 mit einem zu leichtsinnigen Abwehrverhalten kaputtgemacht» hätte.
Dass der FC Sion sein Glück im Konterspiel suchen würde, diese Erkenntnis hatte man beim FC Basel schon vor dem Spiel gewonnen. Allein fehlte im Spiel die Cleverness und die Geduld, sich auf die fast schon provozierend passive Spielweise des Gegners einzustellen. Schon nach drei Minuten schaffte der FCB dem Gegner die Voraussetzungen, sich im weiteren Verlauf der Partie so verhalten zu können, wie er sich dies gewünscht hatte. Gaudino wurde am Strafraum des FC Sion gefoult, ein Pfiff blieb aus, und 15 Sekunden später musste FCB-Goalie Stefan Huber ein erstes Mal den Ball aus dem Netz holen. Marco Grassi war nach dem schnell eingeleiteten Konter der Walliser auf der linken Flanke von Massimo Ceccaroni zu wenig konsequent gestört worden, in der Mitte kam Daniel Salvi gegen Pascal Camadini, den Sittener Neuzugang aus Bastia, einen Schritt zu spät - und schon stand es 0:1.
Camadini wurden in seinem ersten Einsatz in der Schweiz weitgehende Freiheiten gewährt, sowohl innerhalb seines Teams wie auch von seiten des FC Basel. Es war nicht der erste offensive Mittelfeldspieler, der von der mangelhaften Zuordnung im Basler Defensivgefüge profitieren durfte. Schon Stefan Rehn und Blaise Piffaretti - im Wechselspiel - in Lausanne, Sébastien Fournier vom Servette FC oder Bruno Sutter vom FC Zürich am letzten Samstag genossen im Zentrum ihr Wirken im überlassenen Raum. Zuständig für diese Spieler wäre eigentlich Jürgen Hartmann, der aber trotz enormem Laufpensum mit der Arbeit kaum nachkommt. «Der muss stets von Mann zu Mann hüpfen», versucht Oliver Kreuzer den Kollegen zu entschuldigen.
Das defensive Mittelfeld ist die Achillesferse des Basler Spiels - dort werden die Konter beschleunigt, um den Abwehrspielern in den direkten Zweikämpfen kaum mehr eine Möglichkeit zu lassen, ihre Gegenspieler zu bremsen. Dort werden die Spiele verloren, auch jetzt, da die Offensive der Basler so langsam in Schwung kommt.
401 Minuten benötigte diese, um nun - in der 41. Minute gegen den FC Sion - ihr erstes Tor dieser Saison aus dem Spiel heraus zu erzielen. Dario Zuffi, der einzige Basler in Topform, übernahm den Ball an der Mittellinie, liess vier Gegenspieler stehen, passte fein und präzise in den Lauf von Gaetano Giallanza, der mit einem leichten Heber Goalie Fabrice Borer überwand.
Das erste Basler Tor hätte freilich schon früher fallen müssen. Den schönsten Angriff des Spiels, als Gaudino in der 16. Minute eine Giallanza-Flanke in den Lauf von Daniel Salvi köpfte, hätte dieser aus acht Metern, freistehend vor Borer, verwerten müssen. «Ich wollte unbedingt ruhig bleiben und den Ball vielleicht zu locker einschieben. Es gibt keine Entschuldigung, eine solche Chance muss ich ganz einfach nutzen», wusste Salvi.
Zu diesem Zeitpunkt war Maurizio Gaudino, eigentlich als zweite Sturmspitze neben Gaetano Giallanza nominiert, bereits wieder auf seine angestammte Position hinter den beiden Stürmern zurückgekehrt, Mario Frick übernahm des Deutschen (kurzen) Part an vorderster Stelle. Gaudino genoss fortan wie gewohnt freie Hand, bewegte sich auf dem ganzen Feld, war hingegen von defensiven Aufgaben befreit - eine Rolle, die - gerade angesichts der defensiven Probleme beim FCB - durchaus einmal hinterfragt werden darf. Wenn einem Spieler von der Kreativität eines Gaudino die taktischen Fesseln nicht zu eng angelegt werden, hat das durchaus seinen vernünftigen Hintergrund, doch darf dann nach vorne mehr herausschauen.
Der FC Basel war gegen den FC Sion mehrheitlich im Ballbesitz, er liess das von den Wallisern, die keinerlei Forechecking oder Pressing betrieben, kaum umstrittene Objekt gut in den eigenen Reihen zirkulieren. Allein, bis auf einen Lattenschuss Jürgen Hartmanns (36.) und einem Distanzschuss Zuffis blieben Tormöglichkeiten aus.
Der FCB blieb auch nach der Pause spielbestimmend. Man hatte tatsächlich den Eindruck, es könnte an diesem Abend etwas Zählbares herausschauen. «Ich hatte in dieser Phase ein sehr sicheres Gefühl, doch dann kam wieder ein Blackout und wir bauten den Gegner wieder auf.» Der Aussetzer, den Oliver Kreuzer beschreibt, warf «den FC Basel von der Bahn», wie es später Jörg Berger kommentieren sollte. Johann Lonfat durfte sich am linken Strafraumeck in Position stellen, passte den Ball zu Camadini, der sich - wieder einmal - hinter Jürgen Hartmann Raum verschafft hatte und so ungehindert zum 1:2 einschieben konnte.
Kurz zuvor war auf der linken Aussenbahn Daniel Salvi - von Wadenkrämpfen geplagt - durch Jean-Pierre La Placa ersetzt worden. La Placa ging in die Sturmspitze, Mario Frick rückte ins linke Mittelfeld zurück. Und - ohne dem Liechtensteiner die alleinige Verantwortung zuschieben zu wollen - ebendort fand Camadini die Lücke, um sich zum Torschuss in Position zu laufen. Ein weiteres Problem des FC Basel: kaum eine Auswechslung geht ohne zusätzliche Umstellungen innerhalb der Mannschaft vonstatten - Folgen des qualitativ dünnen Kaders (vgl. Bericht Seite 32) und gleichzeitig kaum ein Beitrag zur Stabilisierung der Mannschaft.
Die Reaktion des FC Basel auf den neuerlichen Rückstand fiel wenig verheissungsvoll aus. Die Überzeugung, dass ein Spieler noch mit letzter Konsequenz an den Ausgleich glaubte, konnte man nicht gewinnen. Gaudino sprach später im Fernsehen von «Resignation», und er lag nicht weit daneben. Sie muss auch ihn selbst erfasst haben, denn ein Fehlpass, wie er ihm im Vorfeld zum 1:3 unterlief, hat im Repertoire des Deutschen Seltenheitswert. Camadini bedankte sich und schickte seinen französischen Landsmann Didier Tholot, der Massimo Ceccaroni an diesem Abend mehr Probleme bereitete, als diesem lieb sein durfte, auf die Reise zum dritten Walliser Treffer.
FCB-Trainer Jörg Berger hatte 90 Sekunden zuvor die letzte Absicherung, Libero Sas, aufgegeben und ihn durch einen dritten Angreifer (Dobrovoljski) ersetzt. Ein hohes Risiko, das sich - auch dies eine Parallele - nicht auszahlen sollte. Daniel Schaub
Quelle: Basler Zeitung vom 04.08.1997