Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03550.jsonl.gz/342

Hier geht es zum ersten Teil der Besprechung.
Genuine progress in Christianity did not rest on the fresh experiences of each generation of believers alone, though Hodge in his piety left considerable room for the role of experience. Piety must rest on something firm. (5149-5151)
Innerkonfessionelle Kontroversen
Durch seine ausgedehnte, jahrzehntelange publizistische Tätigkeit, vor allem die theologischen Zeitschriften, nahm Hodge zu vielen kircheninternen Themen Stellung: Presbyterianische Politik in Opposition zur evangelischen Ökumene; Verteidigung der traditionellen reformierten Theologie; Widerstand gegen die theologische Basis und die Methoden der „Second Great Awakening“; die Begrenzung der Rolle von NGO (voluntary societies) für den Dienst innerhalb der Kirchen; Mittelposition in den Kontroversen zur Sklaverei (2265-2268).
Seine Auseinandersetzung mit der Erweckungsbewegung verdienen einige gesonderte Worte. Hodge gelang es – wenn auch nicht immer mit derselben Ausgewogenheit -, sich auf eine gesunde Weise mit seinem geistlichen Erbe auseinanderzusetzen. Er anerkannte Gutes, ohne blind für Auswüchse zu werden. Seine Optik hat sich in vorgerücktem Alter auch verändert. Als er seine Abhandlung über die Geschichte des Prebyterianismus schrieb (1839-1840), äusserte er sich in manchen Aspekten kritischer als er es als frischer Abgänger des theologischen Seminars getan hatte (3436-3438). Ein grosser Anteil der erlebten Emotionen entstammte seiner Einschätzung nach nicht der göttlichen Wahrheit, sondern der eigenen Imagination oder mentalen Bildern (3457-3459). Bis ans Lebensende gab Hodge jedoch nie den emotionalen, subjektiven Strang des Glaubens preis. Er kombinierte diesen vielmehr mit den unverzichtbaren kognitiven Dimensionen (3538-3540). Was der Geist als wahr empfängt (nämlich die Lehre bzw. die Propositionen) korreliert mit dem, was das Herz empfindet bzw. erlebt (3828-3829).
Hodge machte es sich seit seinem Europaaufenthalt zur Angewohnheit, alle wichtigen theologischen Publikationen aus Europa zu lesen und sie kritisch zu kommentieren. Dabei ist wichtig zu wissen, dass er von allen möglichen wissenschaftlichen Arbeiten und Erkenntnissen zu profitieren trachtete, egal aus welcher theologischen Ecke sie kamen (2050). Hodge war bestrebt, klare Messkriterien für die Rechtgläubigkeit von Inhalten hochzuhalten. Er orientierte sich am Westminster Katechismus. Die Interpretation von Römer 5,12-19 (Originalsünde) diente ihm gewissermassen als Litmustest für die Orthodoxie nach den Westminster Standards (2400).
Von Interesse war für mich weiter die Begründung der Kindertaufe. Kinder gehören zur sichtbaren Kirche. Bekenntnis und Schrift bestätigen, dass sie zur Bundesgemeinschaft gehören und darum getauft werden sollen. Wer nicht getauft wurde (was damals auf gegen die Hälfte aller in presbyterianischen Gemeinden geborenen Kinder zutraf), ging des Segens der Nahrung (nurture) und der Disziplinierung (discipline) verlustig. Die Gemeinde stellt die Erfüllung des abrahamitischen Bundes dar. Deshalb löst die Taufe die Beschneidung als Zeichen der Bundeszugehörigkeit ab. Wer dazugehörte, wurde in einem jahrelangen Prozess in der Schrift und im Bekenntnis unterwiesen. Das hob sich stark von der pietistischen stand alone-Bekehrungserfahrung ab (die ihrerseits oft von Zaudern und Zögern gefolgt ist, weil die Qualität von eigenen Erleben abhängt).
Hodge focht auch Kontroversen mit Vertretern der eigenen Denomination wie Philipp Schaff (1819-1893), dem Kirchenhistoriker, oder J. H. Thornwell (1812-1869), dem Führer der südlichen Presbyterianer aus. Je näher die Positionen waren, umso erhitzter verliefen die Diskussionen. Eine erwähnenswerte Debatte (mit Thornwell) spielte sich über den Rolle und Stellenwert von parakirchlichen Institutionen ab. Während Hodge bereits bei früherer Gelegenheit die Unabhängigkeit solcher Organisationen kritisiert hatte, wehrte er sich auf der anderen Seite ebenso sehr dagegen, diese abzuschaffen bzw. aufzulösen. Er befand sie als zielführend, solange sie der Kontrolle der Presbyterien bzw. der Synode unterstellt waren.
Externe Kontroversen
Sein Europaaufenthalt hatten Charles‘ Sensorium für die schleichende Verschiebung innerhalb der Theologie geschärft. Wo immer sich lebendige Frömmigkeit fanden, wurden die Lehren von Fall, Verdorbenheit, Wiedergeburt, Versöhnung und die Gottheit Christi hoch gehalten. Nie habe er einen Einzelnen gefunden, der über einen Geist der Frömmigkeit verfügte und gleichzeitig diese Lehren ablehnte (2055-2057). Den verheerenden Siegeszug der höheren Kritik an der Bibel bewahrte Hodge sorgfältig im Auge. Nicht nur Schleiermacher, den er selbst predigt gehört hatte (sein Urteil lautete im übrigen, dass der Gehalt seiner Aussagen so vage gewesen seien, dass er nicht verstanden hätte, worauf er hinauswollte), sondern auch bei seinem Freund Neander musste er pantheistische Tendenzen feststellen.
Interessant ist seine Position zur Sklaverei: Er plädierte weder zur sofortigen Abschaffung noch für die Beibehaltung des Status quo. Viel mehr versprach er sich von einer Bildungsoffensive, ebenso von fundierter biblischer Belehrung. In seinen späteren Jahren musste Hodge während dem Bürgerkrieg mit den Südstaaten (1861-1865) eine zweite, im Gegensatz zur ersten erlebten Trennung von 1837 von ihm nicht mitgetragene Spaltung der eigenen Denomination erleben. Er sprach sich dagegen aus, dass die Sklavenfrage (ebenso wenig wie die Frage, ob Christen Alkohol konsumieren dürfen) verbindlich kirchlich geregelt werden dürfen.
Hodge machte sich auch stark für die Verknüpfung des christlichen Glaubens mit der Ausbildung. Natürlich ging er dabei von privat geführten christlichen Schulen aus. Mit grosser Sorge und Bedauern stellte er fest, dass die gesamte Bildung immer mehr in die Hände des säkularen Staates überging (4004-4006). Die Erziehung im Glauben auf das Erwachsenenleben zu verschieben stand dem Hauptziel des Menschen, nämlich Gott zu verherrlichen und sich an ihm zu freuen, entgegen.
Hodge befand sich im permanenten Dialog mit den neusten Ergebnissen der Forschung. Er war immer sehr interessiert an wissenschaftlichen Methoden und Errungenschaften, dies jedoch konsequent unter der Annahme, dass die Wissenschaft nie die Grundannahme der Kompatibilität zum christlichen Glauben aufgeben sollte (3661-3663). Er war sich sehr wohl bewusst, dass die wissenschaftliche Methode sehr schnell ihre Grenze überschritt und auf die dahinter liegende Weltanschauung übergriff (5291-5292).
Auch mit der katholischen Kirche setzte sich Hodge sorgfältig auseinander. Er fand – wie in anderen Fragen auch – zu erstaunlichen Einsichten und Ergebnissen. Ebenso wie er die katholische Taufe mit dem Argument, dass es auf die Handlung an sich und nicht auf den Handelnden (= Amtsperson) ankomme, anerkannte, lehnte er ein Beobachtungsmandat beim ersten Vatikanischen Konzil 1869 ab. Es würde für Presbyterianer unmöglich sein, an einem Treffen teilzunehmen, für deren Lehre bzw. Beschlüsse die eigenen Väter verurteilt worden waren (Hodge bezog sich auf das Trienter Konzil, 4257-4258).
Fazit
Hodge beeindruckte mich durch sein Bestreben ausgewogen zu bleiben. Ein letztes Beispiel: Er trauerte 1849 über den herben Verlust durch den Tod seiner Frau. Er fand darüber zu folgender Erkenntnis (welche ich auf englisch wiedergebe): „Pious sorrow, that is sorrow mingled with pious feeling, with resignation, confidence in God, hope in his mercy and love, is [in] every way healthful to the soul; while melancholy is irreligious, and is a cancer to true peace and spiritual health. The great means of having our sorrow kept pure is to keep near to God, to feel assured of his love, that he orders all things well, and will make even our afflictions work out for us a far more exceeding and an eternal weight of glory.” (3720-3724)
Was steht mir von Hodge bevor zu lesen? Auf meinem Kindle „lagern“ seit längerem die drei Bände seines wichtigsten Werkes, der Systematischen Theologie (erstanden für 3 Euro). Zweitens interessieren mich seine Predigten. Ausserdem freue ich mich auf seine für Laien und ein interkonfessionelles Publikum geschriebene Einführung in den Glauben, „The Way of Life“. Logos bietet sein Gesamtwerk (14‘000 Seiten) für 150 Dollar an.