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Unterwegs mit
Edward - 2

von Kevin Egan
Der tägliche Spaziergang - bei jedem Wetter
Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, als wir damals im Februar in Nord-London unsere ersten 5 cm Schnee hatten! Edward liebt Eis und Schnee und sobald wir an jenem Tag die Haustür öffneten, um uns auf unseren Morgenspaziergang zu begeben, pflügte er mit seiner Schnauze kleine Schneehaufen entlang des Gartenpfads.
Zu seinem winterlichen Morgenprogramm gehört auch sich auf der vereisten Strasse und dem Fussweg auf dem Rücken zu wälzen. Es ist ein merkwürdiges Schauspiel, das ein rigoroses sich Strecken, Drehen und Zappeln kombiniert (wie Harry Houdini, wenn er versuchte, sich aus einem geschlossenen und versiegelten Sack zu befreien), begleitet von Grunzen, Prusten, Keuchen und einer Reihe verschiedener Quietschtöne, die vermutlich nur Corgis hervorbringen können. Am Ende der Show steht er auf, sieht sich um und schüttelt sich gründlich. Ich bin sicher, ihr habt das alles schon gesehen - zuerst bewegen sich Kopf und Ohren in raschem Tempo von links nach rechts, dann pflanzt sich die Bewegung fort zum Körper und endet schliesslich mit Rutenschlenkern.
Bei starkem Wind geschieht jedoch etwas mit Edwards Verhalten. Er kann den Wind hören, während er noch im Haus ist, und lässt uns unzweideutig wissen, dass wir die Türe öffnen sollen, damit er hinaus kann, um alles zu inspizieren. Hochstimmung bei starkem Wind könnte man sagen. Eine Nachbarin meinte, dass es nicht so ungewöhnlich sei, weil ihre Pferde ausgelassen werden, wenn der Luftdruck fällt und der Wind stärker wird. Edward nimmt dann jeweils eine merkwürdige Haltung ein: den Kopf nach oben gerichtet und mit der Nase zuckend - scheint er ganz aufgeladen zu sein.
Nach einem guten langen Spaziergang schlendert er bei unserer Heimkehr jeweils in die Küche, hält einen Augenblick inne und dreht seinen Kopf seitwärts zu mir und ich - sein gehorsamer Diener - bereite ihm sein Futter zu. Ich nenne ihn sogar "Sir" oder Lord Pembroke, wie wenn ich sein Butler wäre. Was ich wahrscheinlich auch bin!
Futter... ja, klar!
An einem Samstagabend gönnen wir uns ab und zu ein Take Away-Mahl, das wir von zuhause aus bestellen. Edward ist mittlerweile mit der Routine vertraut, und bereitet sich entsprechend vor. Phase 1: Der Gang zur Küchenschublade voller Take Away Menus. Es versteht sich von selbst, dass wenn einer von uns aufsteht und sich zur Küche begibt, er scharf verfolgt wird, obwohl Verfolgung nicht ganz der passende Ausdruck sein dürfte - eher ist er fast Teil eines deiner Beine, wenn du die Schublade öffnest. Wenn er merkt, dass der Gang zur Küche keine Belohnung auslöst, folgt er dir immer noch auf den Fersen, wenn du für die nächste Phase zum Wohnzimmer zurückkehrst. Phase 2: der Telefonanruf zum Take Away Restaurant. [Wir sind mittlerweile überzeugt, dass er nach so manchen dieser Telefongespräche weiss, ob wir Huhn mit Curry oder ein chinesisches Nudelgericht mit Huhn bestellt haben!] Danach folgt eine kleine Pause, während wir auf Phase 3 warten: Lass uns hoffen, dass der Kurier, der unser Gericht liefert, keine Angst vor Corgis hat...
Während der dritten Phase wird Edward immer unruhiger. Er beginnt uns abwechselnd mit den Augen zu fixieren, dann trippelt er den Gang hinunter und nimmt seinen Kommandoposten bei der Haustüre ein. Obwohl er [auf Grund der einbruchsicheren Mattglasscheibe neben der Türe] keine klare Sicht hat, starrt er trotzdem hindurch, seine Sinne in äusserster Alarmbereitschaft, damit ihm ja kein noch so schwaches Geräusch, ein Geruch oder eine Bewegung entgeht.
Wir wissen schon lange im Voraus, wann die Speisen kommen auf Grund des gewaltigen Corgi Alarms, der ihre Ankunft meldet. Das Gebell ist durchdringend mit kaum einem Atemzug zwischen den Ausbrüchen. Er wirft sich pausenlos mit den Vorderpfoten gegen die Türe und versucht mit der Nase die Klappe des Tür-Briefeinwurfs aufzustossen [unsere Theorie ist, dass er vielleicht glaubt, das Essen könnte auf diesem Weg in Haus gelangen, und er will ja nichts verpassen!]
Einmal, als wir die Türe öffneten, stand ein verdutzter Bursche davor. Die üblichen Kuriere haben sich längst an den Tumult gewöhnt. Als er auf Edward hinunter schaute, den ich am Halsband hielt, fragte er "ist das der EINZIGE Hund, den Sie im Haus haben? on draussen tönte es, wie wenn Sie ein ganzes Rudel hielten!"
Und natürlich, die unvermeidliche Auseinandersetzung zwischen Hund und Postbote
Mit der täglichen Herausforderung bei der Postzustellung hat unser lokaler Postbote Ray in den letzten Jahren gelernt zurechtzukommen. Mit Herausforderung meine ich Edwards Anstrengungen, die Zustellung der Post in intaktem Zustand zu verhindern. Es handelt sich dabei um einen Willenskampf zwischen Corgi und Postangestelltem. Wahrscheinlich ist alles mein Fehler, denn als Edward ein Welpe war und zur Haustüre rannte, wenn die Post kam, knuddelte ich ihn jeweils und lobte ihn, dass er den Fenster-Briefumschlägen mit Spaminhalt und der Werbung den Garaus machte.
Heute sind wir überzeugt, dass Edward Ray hören kann, wenn er sich mindestens 3 Türen von uns entfernt befindet [oder sind es drei Strassen?!]. Wenn ich also die Morgenpost retten will, muss ich unbedingt zuerst bei der Türe sein. Falls ich es nicht schaffe [und das geschieht in den meisten Fällen], beginnt Edward die Post wie eine Furie zu zerreissen, wobei er charakteristische Bissspuren hinterlässt, welche gemäss Ray auffällig an die Wunden erinnern, die ein Weisser Hai verursachen könnte. Jetzt haben der Briefträger und ich eine Vereinbarung.
Er sortiert unsere Post nach verschiedenen Kategorien. Zuerst die "weisse Post", d.h. Briefe in weissen Umschlägen, die wichtig aussehen und Lohnabrechnungen und - wenn ich Glück habe - vielleicht Karten für einen Test-Match im Lord's (Cricket Stadion in London) enthalten. Die zweite Kategorie besteht aus Zeitschriften und Paketen und schliesslich gibt es noch die Werbung. Falls es sich um eine grössere Menge Post handelt, klopft er jeweils an die Türe, was Edward in Raserei versetzt. Schnell leine ich ihn an und halte ihn zurück, während ich ganz vorsichtig die Türe öffne. Darauf lässt unser Haus-Corgi seine Wachhund-Stimme erschallen, die von mittlerem Bariton bis zum hohen F-Tenor reicht, und mittlerweile schäumt er vor Aufregung.
Obwohl er selbst keinen Hund besitzt, wiederholt Ray meine "Sitz"-Kommandos bis Edward sich etwas beruhigt hat. Er [der Postbote] übergibt mir die wichtige Post und dann [er verriet mir, dass das sein Lieblingstrick ist] lässt er die Werbung zufällig auf die Fussmatte fallen. Augenblicklich zermalmt Edward die Sammlung an Broschuren, Anzeigen und anderem Müll zu Papierbrei. Er scheint es besonders zu geniessen, Werbung von Virgin Media zu zerstören, indem er sie mit einer Pfote zu Boden drückt und mit den Zähnen grosse Stücke von den Rändern reisst. Leider geht Ray bald in Pension und wir werden sehen, wie sein Nachfolger die Situation meistert - und wie viel Corgi-Training er braucht! Mit den berühmten letzten Worten von Captain Titus Oates (britischer Polarforscher) ..."es könnte etwas länger dauern!"
Unterwegs mit Edward - Die erste Geschichte!
Aus Our Corgi World - Summer 2015.
Übersetzung: ANo mit freundlicher Genehmigung.