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Die Schweizerische Nationalbank hat den Leitzins am Donnerstag wieder erhöht. Er beträgt nun 0.5 Prozent. Damit will die Nationalbank die Inflation bekämpfen. Fabio Canetg ist Ökonom und hostet den Geldcast von Swissinfo. Er sagt, was die SNB kann und was nicht.
Fabio Canetg
Journalist
Canetg hat an der Universität Bern und an der Toulouse School of Economics zum Thema Geldpolitik doktoriert. Heute ist er Dozent MAS an der Universität Bern. Als Journalist arbeitet er für die SRF Arena, das Republik Magazin und swissinfo.ch. Er moderiert den Geldpolitik-Podcast «Geldcast».
SRF News: Welche Auswirkungen haben höhere Zinsen?
Fabio Canetg: Höhere Zinsen wirken über verschiedene Kanäle auf die Wirtschaft ein. Theoretisch kann man sich den Konsum ansehen. Wenn Sie plötzlich höhere Zinsen auf Ihrem Bankkonto bekommen, dann wird es weniger attraktiv etwas zu kaufen.
Wenn Sie plötzlich höhere Zinsen auf Ihrem Bankkonto bekommen, dann wird es weniger attraktiv etwas zu kaufen.
Es dämpft die Wirtschaft ein bisschen. Es gibt weniger Leute, die dann einen neuen Fernseher oder ein neues Auto kaufen. Das ist das eine. Das andere ist eine unmittelbare Wirkung auf die Hypotheken, auf die Zinsen, die wir bezahlen, wenn wir einen Kredit aufnehmen, um ein Haus zu bauen. Und wenn diese Zinsen nach oben gehen, dann wird es teurer, ein Eigenheim zu bauen.
Was für Auswirkungen hat der höhere Leitzins auf den Schweizer Franken?
Er macht den Schweizer Franken attraktiv als Anlagewährung. Das heisst, mehrere Leute kaufen Schweizer Franken, das macht ihn teurer. Im Umkehrschluss heisst das, dass der Euro günstiger wird. Zumindest in der Theorie ist das so. Das bedeutet für uns, dass alles, was wir aus dem Euroraum kaufen, zum Beispiel Gas, günstiger wird. Das heisst, der Gaspreis, der geht zwar hinauf, aber die Währung, die wir brauchen, um das Gas zu kaufen, in diesem Fall der Euro, wird günstiger.
Wie schnell wirkt der höhere Leitzins auf die Preisstabilität?
Milton Friedman, ein verstorbener Nobelpreisträger, hat dazu gesagt, dass diese Wirkung variable Verzögerungen hat. In der empirischen Forschung spricht man da von einem bis zwei Jahren, bis das vollständig auf die Wirtschaft und auf die Inflation durchschlägt. In der Schweiz geht es vielleicht ein bisschen schneller, weil wir diesen Effekt über den Wechselkurs haben. Aber tatsächlich weiss niemand so genau, wann das wirkt.
Neben der Zinspolitik der Nationalbank gibt es auch diverse externe Faktoren, die Einfluss auf die Inflation haben. Diese kann die Nationalbank nicht beeinflussen. Welche Faktoren sind da besonders wichtig?
Da kommen mir als Erstes die Energiepreise in den Sinn. Die Gaspreise, die unmittelbar den Strompreis beeinflussen, die sind in den letzten Monaten, auch wegen des russischen Krieges in der Ukraine, durch die Decke gegangen. Doch die Nationalbank kann nicht mehr Gas nach Europa oder in die Schweiz schaffen. Zusätzlich ist die Lage bei den Lieferketten immer noch angespannt. Das sind Nachwirkungen der Pandemie. Auch dieses Problem kann die Nationalbank nicht lösen. Sie kann nicht dafür sorgen, dass Autos schneller in die Schweiz kommen, dass das alles wieder rund läuft. Grosse Teile der Inflation kann sie tatsächlich nicht direkt beeinflussen, auch nicht mit höheren Zinsen.
Ob in der Breite bald wieder positive Zinsen auf den Bankkonten bezahlt werden, das ist noch nicht so klar.
Die Ära der negativen Zinsen in der Schweiz ist zu Ende. Werden die Menschen das in naher Zukunft auf dem Bankkonto und damit dem Portemonnaie spüren?
Ja, wir spüren erstmal die Auswirkungen der Inflation in unserem Portemonnaie. Alles wird teurer. Wenn wir Geld auf dem Bankkonto liegen lassen, ist es am Ende weniger wert, weil wir dafür weniger kaufen können. Und ja, die Negativzinsen, die sind vorbei. Reiche Kunden, haben jetzt auch wieder Nullzinsen. Verschiedene Banken haben angekündigt, Negativzinsen aufzuheben. Ob aber in der Breite schon bald wieder positive Zinsen bezahlt werden auf den Bankkonten, das ist noch nicht ganz so klar.
Das Gespräch führte Nicolà Bär.