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Während wir uns Gedanken über die Tiere der Arktis in Anbetracht der fortlaufenden Klimaerwärmung machen, gibt es auch aussergewöhnliche Meldungen von «Ausreissern». Eines davon ist ein junges Walross namens Freya. Freya ist schon seit geraumer Zeit unterwegs. Walrosse bevorzugen normalerweise die Arktis, aber Freya zieht es vor, weiter südlich zu leben. Nach ihrer medienwirksamen Passage durch das niederländische Wattenmeer im Oktober 2021 und Ausflüge nach Deutschland, Dänemark und dem Vereinigten Königreich kam sie im Juni in Norwegen an.
Auf der Suche nach Ruheplätzen ist Freya nicht sehr wählerisch. Während das U-Boot der niederländischen Royal Navy für das Walross stabil genug war um sich zu sonnen, verursacht Freyas Angewohnheit auf Schiffen statt auf Eisschollen zu liegen Probleme. Grössere Schäden werden aus Norwegen gemeldet. Die Boote, die Freya bevorzugt, sind meist zu klein. Zahlreiche Boote wurden beschädigt und mehrere sind unter dem 600-700 kg schweren Walross gesunken. Für den „Vandalismus“ sind bereits Versicherungsansprüche geltend gemacht worden.
Walross Freya in Oslo
In den letzten Tagen hat Freya in der norwegischen Hauptstadt Oslo für viel Aufsehen gesorgt. Am Montag blockierte das Walross einen Ruderer, der vergeblich versuchte, das Tier mit einem Gartenschlauch zu verjagen. Am Dienstag kam die örtliche Polizei zum Einsatz. Die Hafenpolizei versuchte, Freya mit einem großen Wasserschlauch von einem Boot zu vertreiben. Schwimmern wird geraten, aus dem Wasser zu gehen, wenn sie Freya sehen. Nicht weil sie aggressiv gegenüber Menschen ist, sondern weil sie vielleicht spielen will und dabei Schwimmer unter Wasser zieht.
Frustrierte Bootsbesitzer machen in lokalen und internationalen Medien deutlich, dass sie sich wünschen, das Tier würde verschwinden. Aber auch für das Wohl des Walrosses selbst wäre es besser, wenn es weiterziehen würde.
In der Zwischenzeit haben Wissenschaftler einen Plan ausgearbeitet, um den Frieden zwischen Walross und Mensch wiederherzustellen. Sie wollen Freya beibringen sich auf eine schwimmende Plattform zu legen die an einem Schiff befestigt ist. Sobald es sich an seinen neuen Platz gewöhnt hat, werden sie das Walross an die nordnorwegische Küste schleppen.
Walross «Stena» sorgt auch in Finnland für Aufsehen
Die finnische Küstenstadt Hamina erhielt ebenfalls einen sehr ungewöhnlichen Besuch von einem Walross. Der Eindringling hat sich an einem Strand zur Ruhe gelegt, bevor er am Freitag von selbst ins Wasser zurückgekehrt ist. Das Walross wurde von Rettungskräften mit Wasser übergossen, um es vor dem Austrocknen zu bewahren. Gefunden wurde das Walross zwischen Ruderbooten entlang der Küste von Salmenvirta. Neben neugierigen Schaulustigen zog das gestrandete Walross auch die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich.
Markus Dernjatin, Kurator des Aquariums Sea Life in Helsinki, sagte, er könne die Nachricht nicht glauben, als er zum ersten Mal von dem gestrandeten Walross hörte und wiederholte damit andere Meinungen von Experten über die äußerst seltene Situation.
Dernjatin sagte, Wildtiere wie Wale und sogar eine Meeresschildkröte seien entlang der finnischen Küste gesichtet worden, aber dies war das erste Mal, dass er von einem Walross in der Gegend hörte.
Er sagte, dass das Tier wahrscheinlich das gleiche sei, das an anderer Stelle an der Ostseeküste gesehen wurde und fügte hinzu, dass es möglich sei, dass das Walross Hunderte von Kilometern geschwommen sei und sich dann verirrt habe.
Walrosse leben normalerweise in extremen nördlichen Gebieten wie dem Arktischen Ozean und der Barentssee.
„Ein Walross wurde im Frühjahr in Irland und vor einer Woche an der Küste Polens gesichtet. Es gibt immer wieder einzelne Tiere, die sich ab und zu verirren. Sie gehen durch die dänische Meerenge. Es sind normalerweise junge Individuen, aber es ist schwierig zu sagen, warum sie abwandern“, sagte Dernjatin.
Trauriger Ausgang
Der Versuch das Walross zu retten schlug fehl. Im Korkeasaari Wildlife Hospital sollte das Walross wieder aufgepäppelt werden. Das geschwächte Tier starb aber während des 130 Kilometer langen Transportes. „Das Walross war bereits tagsüber in einem schlechten Zustand, sehr ruhig, bewegte sich nicht viel und atmete ziemlich schwer“, sagte Nina Trontti, Direktorin für Tierpflege und Naturschutz im Korkeasaari Zoo.
Heiner Kubny, PolarJournal