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Berner Zeitung, 30. Januar 1998, Adrian Krebs
Nicht verbrennen, rezyklieren
Die Verbrennung oder Deponierung von Abfällen ist nicht zu umgehen. Anhand zweier Vorträge wollte "Pro Regio" allerdings zeigen, dass das Abfallvolumen bereits im Vorfeld reduziert werden kann.
Für Polemik blieb am Mittwoch abend nicht viel Raum. In einer von "Pro Regio", der Vereinigung von KVA-Kritikern, veranstalteten Vortragsreihe wurden zwei "sinnvolle Alternativen zur Kehrichtverbrennung" aufgezeigt.
Fazit: Am Ende der Yerwertungskette werde es immer eine Verbrennung oder eine Deponie geben. Mit vorgängigem Aussortieren und biologischem Abbauen von Störstoffen lasse sich jedoch die zu entsorgende Müllmenge reduzieren.
Nicht alles verbrennen
"Rund 22 Prozent der angelieferten Abfallmenge enthalten Stoffe, die im Verbrennungsprozess nichts verloren haben", mahnt Frank Rindelaub. Zusammen mit Bruno Niedermann stellt er den Anwesenden die Kalte Abfallbehandlung vor. Ein Verfahren, welches die mechanische Aufbereitung (Aussortieren von Störstoffen) und die biologische Behandlung (Vergärung und Kompostierung) von Siedlungsabfällen so verknüpft, dass nur die Hälfte des ursprünglichen Kehrichtvolumens im Ofen oder auf der Deponie landet.
Konkret rechnet Rindelaub bei einem jährlichen Input von 150000 Tonnen mit einer Massenreduktion von 48 Prozent. Bei einem Pilotversuch im deutschen Landkreis Ravensburg erreichte man gar 55 Prozent - allerdings bei erheblich geringerer Kapazität. In der Kostenfrage verweist der Neuenburger lediglich auf eine "Grobdimensionierung". Demnach würden die Investitionskosten einer 150000Tonnen-Anlage rund 90, die jährlichen Behandlungskosten knapp 15 Millionen Franken ausmachen. Auch Urban Rusch von der Poly Recycling AG will die Müllmenge reduzieren. Sein Rezept: die Rezyklierung von Kunststoffen. "95'000" der jährlich insgesamt anfallenden 350'000 Tonnen Kunststoffe könnten so zum vornherein aussortiert werden", stellte Rusch fest. Allerdings sei die Wiederverwertung von Polymeren nicht einfach. So müssten die Kunst stoffe von einer aufbereitbaren Sorte sein (PE, PP, PS, PET), in reiner Form vorliegen, gespült sein und in einer handlichen Abmessung anfallen.
|10.02.1998|