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entwickeln (so Eubuleus, Klymenos,
Agamemnon,
Aigeus, Erechtheus, Kallisto,
Iphigeneia).
Ihnen begegnen von der andern Seite
durch den Totenkult zu göttlichen Ehren gelangte und dadurch zu Heroen (s. d.)
gewordene
Menschen. Auch die histor.
Erinnerungen der
Völker finden in den frühesten
Zeiten einen sagenhaften
Ausdruck und verwachsen
so mit den religiösenMythen, in deren Umbildungen sich zum
Teil selbst die Geschichte der
Stämme widerspiegelt,
insofern Sagen von Streitigkeiten und Kämpfen oder von Wanderungen von
Göttern oftmals nur die Spiegelbilder der Geschichte
der sie verehrenden
Stämme und Völkerschaften sind, eine Seite der Mythenbildung, welche nach dem Vorgange Ottfried
Müllers
in neuerer Zeit besonders H. D.
Müller zum Gegenstand seiner Forschungen gemacht hat. (S. auch
Zwölf Götter.)
Die
Quellen der Griechische Mythologie sind die
Schrift- und Kunstwerke der Alten in dem
Umfang, daß kaum ein Schriftsteller und nur eine kleine
Minderzahl von Kunstwerken davon auszunehmen sind. Von den litterar.
Quellen sind am wichtigsten die Dichter,
voran
Homer und Hesiod, dann die
Logographen, ferner die
Mythographen, welche schon im
Altertum Mythensammlungen verfaßten,
von denen freilich neben Resten aus den ältern namentlich nur zwei spätere:
Apollodorus in griech. und
Hyginus in lat.
Sprache,
[* 3] vollständiger erhalten sind, endlich Geographen und Periegeten. Von den Kunstwerken sind für die Mythologie
neben den erhaltenen
Statuen, Reliefs, Wandgemälden und Mosaiken namentlich die
Vasen- und Münzbilder eine reich fließende
Quelle,
[* 4] während die geschnittenen
Steine bei der großen Menge von Fälschungen mit besonderer Vorsicht zu benutzen sind.
Schon im
Altertum und ebenso seit dem Wiedererwachen der Wissenschaften haben die Rätsel der Mythologie
(s.
Mythus und Mythologie) immer neue Forscher zu Deutungsversuchen gereizt. Hier sollen nur die Werke verzeichnet werden,
welche in neuerer Zeit die Kenntnis der Griechische Mythologie wesentlich gefördert haben.
Da von dem an Vollständigkeit des zusammengebrachten
Stoffs alle andern mytholog. Werke übertreffenden
Ausführlichen Lexikon der griech. und röm. Mythologie (mit vielen
Abbildungen), das von W. H. Roscher im
Verein mit einer größern Anzahl von Mitarbeitern herausgegeben wird, bis jetzt nur
der erste die
Buchstaben A bis H enthaltende
Band
[* 5] (Lpz. 1884-90) und
die erste Hälfte des zweiten (Iu.
K, 1891-93) erschienen ist, so ist einstweilen
Jacobis Handwörterbuch der griech. und röm. Mythologie (2
Bde., Coburg
[* 6] 1830-35) wegen der Sammlung des litterar.
Materials immer noch unentbehrlich, als systematisches Handbuch aber ist an erster
Stelle Prellers Griechische Mythologie (2 Bde.,
Lpz. 1854; 3. Aufl. von Plew, Berl. 1872-75;
von der durch Robert bearbeiteten 4. Aufl. ist 1887
die erste Hälfte des ersten
Bandes erschienen) zu
nennen. Außerdem sind hervorzuheben: Creuzer,
Symbolik und Mythologie der alten
Völker (3. Aufl., 4 Bde., Darmst.
1836-43);
J. H.
Voß, Antisymbolik (2 Bde., Stuttg.
1824-26);
C. O.
Müller, Prolegomena zu einer wissenschaftlichen Mythologie (Gött. 1825);
Preuner, Jahresbericht über die griech. und röm. Mythologie
aus den J. 1873-75 und 1876-85 in
Bursians «Jahresberichten über die Fortschritte der klassischen Altertumswissenschaft»,
Bd. 4, S. 1-144 und Supplementband 1886 fg.
(Berlin);
[* 12]
Fr.
Back, Jahresbericht über die Griechische Mythologie der J. 1886-90,
Bd. 26 (ebd.);
Philosophie (HellenischePhilosophie). Die
Philosophie des
Abendlandes hat in
Griechenland
[* 18] nicht bloß ihre
Wiege, sondern die Anfänge, die sie dort genommen, sind bestimmend geblieben für ihre ganze fernere
Entwicklung. Der
Einfluß der auf die wissenschaftliche Gedankenbildung der Neuzeit ist ein kaum zu ermessender. Entstanden ist sie nicht
ohne beträchtliche Einwirkungen der ältern Kulturvölker des
Orients. Aber schon früh tritt sie ihnen in scharf ausgeprägter
Eigenart gegenüber.
Den Grundcharakter der kurz zusammenzufassen ist nicht leicht. Ein unverkennbarer Grundzug ist die
früh erlangte Unabhängigkeit des
Denkens, die
Freiheit namentlich von der
Fessel einer überlieferten
Religion, die,
Hand
[* 19] in
Hand mit der bürgerlichen
Freiheit, so früh und allgemein wohl nirgends wie in
Griechenland errungen wurde. Zeller bezeichnet
als charakteristisch für die alte
Philosophie: vorschnelle Verallgemeinerung, einseitige Dialektik. Allerdings leidet
das Mittelalter an denselben
Fehlern, und die Neuzeit hat sie keineswegs
¶
mehr
überwunden. Aber doch ist das ein nationaler Zug
der daß sie ganz auf Rede und Gegenrede (dem dialegesthai) beruht, daher
in begrifflicher Entgegensetzung, in Bejahung und Verneinung, sich fortbewegt. Die hochentwickelte Öffentlichkeit des antiken
Lebens, der Einfluß der gerichtlichen Rede und Gegenrede, der polit. Debatte, kurz die ganze so rege
Gemeinsamkeit des Daseins spiegelt sich auch in der deutlich ab. In der ältern Zeit sind die Philosophen fast durchweg
Staatsmänner; die Sophisten sind öffentliche Redner und Lehrer der Staatskunst; auf das öffentliche Leben beziehen sie die
ganze Aufgabe der Philosophie.
Ein Sokrates nötigt zur Unterredung den Handwerker in der Werkstatt, den gebildeten jungen Athener auf dem
Übungsplatz oder beim Gelage, den erfahrenen Greis bei der Festfeier; er ist überhaupt immer auf der Straße, er hat keine
Zeit ein anderes Geschäft zu treiben als das eine, die Menschen auszuforschen; er kommt kaum aus den Mauern der Stadt
heraus, die Felder und Bäume, sagt er, wollen mich nichts lehren, wohl aber die Menschen. Von Plato stammt die dialogische
Darstellung in der Des Aristoteles zur Veröffentlichung verfaßte Werke waren Dialoge, Ciceros philos.
Gespräche ahmen den Charakter der Aristotelischen nach; fast kein Philosoph des 4. Jahrh. (d. h. der Blütezeit),
der sich dieser Form der Darstellung nicht bedient hätte. Sie bleibt aber auch auf die Folgezeit nicht ohne Nachwirkung.
«Logik» oder «Dialektik» (von logos Rede, dialektos Unterredung)
bleiben Grunddisciplinen. Und von der Eigentümlichkeit der griech. Sprache bleibt die bis zuletzt abhängig; die Scholastik
des Mittelalters war in der Scheidung des Sprachlichen vom Gedanklichen weiter als das gesamte Altertum.
Spitzfindigkeit gab es in der Philosophie aller Zeiten, aber die Subtilität der Griechen ist in eigentümlicher Art bedingt
durch ihre Sprache, die an Ausdrucksfähigkeit für feinste begriffliche Unterschiede wohl jeder andern überlegen ist. Nicht
bedeutungslos war auch, daß es kleine Gemeinwesen waren, in denen jener lebendige Geist der Öffentlichkeit
sich ausbildete; der polit. Blick reichte über die Küstenländer des östl. Mittelmeers
[* 21] kaum hinaus, selbst der geogr.
Gesichtskreis war nicht viel weiter, und so auch die kosmologischen Vorstellungen eng begrenzt; die Erde lag fest in der Mitte
der Welt, Sonne
[* 22] und Gestirne, belebte göttliche Wesen, umkreisten sie in nicht unmeßbar groß gedachten
Entfernungen; die Idee des Unendlichen taucht wohl auf, ein Aristarch von Samos faßt den Gedanken der Erdbewegung, aber der
Gegensatz des Unendlichen gegen das Endliche wird in seiner ganzen Wucht nicht empfunden, wie er den Modernen seit Kopernikus
zum Bewußtsein kam. Der Mensch bleibt der Mittelpunkt der Philosophie; die Grenzen
[* 23] der Menschheit überfliegen zu wollen liegt
dem Denken der Alten fern; und so, in dieser erkannten und innegehaltenen Begrenzung, konnte sie zu jener unbefangenen Ruhe
und Harmonie sich vollenden, die aus den Charakteren und Lebensanschauungen der Alten nicht minder als
aus ihren Bau- und Bildwerken uns entgegentritt.
Ebenso schwer wie der allgemeine Charakter der läßt sich der Charakter ihrer einzelnen Perioden kennzeichnen. Die Periodenteilung
selbst ist schwierig. Schon die Philosophie der Eleaten bezeichnet einen Wendepunkt. Doch pflegt man erst bei den Sophisten oder
bei Sokrates einen
schärfern Einschnitt zu machen. Gewiß zeugt das Auftreten der Sophisten (s. d.) von
einer tiefen Gärung im Denken der Griechen, in der das Alte sich aufzulösen scheint, Neues nach Gestaltung ringt.
Aber schwer ist es dennoch, mit einem Worte zu sagen, worin eigentlich das Neue bestand. Es ist nicht unrichtig, daß
schon die Sophisten, in entscheidender Weise aber Sokrates die Forschung von der Natur auf den Menschen lenkten; doch gilt das
nur mit Einschränkungen: weder waren der vorsophistischen Zeit die Probleme der Erkenntnistheorie und Ethik ganz unbekannt,
noch haben die Nachfolger des Sokrates es aufgegeben, das Ganze der Natur in den Bereich ihrer Untersuchung
zu ziehen.
Immerhin kann man, wie es meist geschieht, die vorsokratische Philosophie, die Philosophie von Sokrates bis (einschließlich)
Aristoteles und die nacharistotelische als leidlich in sich abgeschlossene Perioden betrachten. Mit Aristoteles schließt die
schöpferische, zugleich die reinhellenische Entwicklung der alten Philosophie ab. Man darf darum, was auf
Aristoteles folgt, nicht ohne weiteres als Verfall betrachten. Man arbeitet seitdem mit überkommenem Material, schafft aber
daraus neue systematische Einheiten; namentlich wird das Verhältnis zwischen Philosophie und Leben ein anderes. Auch bedeutet
der Verfall des reinen Hellenentums eine Erweiterung des Horizonts, eine Überwindung nationaler Schranken; noch im Neuplatonismus
sehen wir ein philos. System mit sehr eigenartigen Zügen, wenn auch weitgehender Verarbeitung des ganzen
überkommenen Gedankenstoffes, auftreten, das freilich am wenigsten von allen Systemen des Altertums ein national-hellenisches
war.
Es ist der naturgemäße, kindliche Anfang des Philosophierens, daß man sich von dem Ganzen der Welt ein einheitliches Bild
zu entwerfen sucht, und zwar wird dieser Versuch ganz dogmatisch gewagt, d. h.
ohne vorher zu entscheiden, ob unser Erkenntnisvermögen einer solchen Aufgabe gewachsen ist. Das ist denn auch das Vorgehen
der ältesten Richtung der der sog. Ionischen Naturphilosophie. Schon weit weniger naiv ist die Eleatische und die Herakliteische
Philosophie.
Indem die Eleaten die sinnliche Erfahrung verwarfen und ihre Lehre
[* 24] vom Einen Seienden aus lauter reinen
Begriffen aufbauten, war der ursprüngliche Dualismus der Erkenntniskräfte erkannt und damit die Frage nach dem wahren
Quell der Erkenntnis aufgeworfen. Aber auch die entgegengesetzte LehreHeraklits, obwohl der ältern ion. Richtung näher stehend,
blieb doch nicht ohne Empfindung jenes Gegensatzes; gerade indem sie ein identisch beharrendes Sein verwarf,
ein im ewigen Gegensatze lebendiges Werden behauptete, mußte sie das Bewußtsein jenes Dualismus rege erhalten.
Daneben steht die Pythagoreische Philosophie, die, gegründet auf der Überzeugung von dem Erkenntniswert der Mathematik,
von einer neuen Seite auf das Erkenntnisproblem hinwies. Empedokles, Anaxagoras und die Atomisten ringen
mit der Aufgabe, den großen Gegensatz der Seins- und Werdenslehre durch neue Konstruktionen, die zugleich den Erfahrungsthatsachen
und den begrifflichen Forderungen genügen sollten, zu überwinden; das atomistische System entbehrt dabei nicht einer durchdachten
erkenntnistheoretischen Begründung. Andererseits übt in der Sophistik jener selbe, bis dahin unaufgelöste
Grundgegensatz seine zersetzende Wirkung. Protagoras¶