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Das Columbus-Wissenschaftslabor für den Weltraum ist am Sonntag auf die Reise gegangen, vorerst per Flugzeug von Deutschland nach den USA. Am Labor sind auch Schweizer Firmen beteiligt.
Die Station, die in zehn Jahren für mehr als 1,5 Mrd. Franken gebaut worden war, soll 2007 an die Internationale Raumstation (ISS) andocken.
Die 13 Tonnen schwere Columbus wurde von der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA) konstruiert. Ursprünglich hätte das Labor schon im Oktober 2004 in den Weltraum geschossen werden sollen. Weil die Raumfähre Columbia aber vor drei Jahren bei der Rückkehr in die Erdatmosphäre aufgrund eines Defektes im Hitzeschild verglüht war, kam es zu dieser grossen Verzögerung.
Für André Balogh, Direktor des International Space Science Institute (ISSI) in Bern, hängt das Schicksal der Columbus-Mission denn auch stark vom weiteren Verlauf des amerikanischen Shuttle-Programmes ab.
Ernsthafte Zweifel
"Wie es momentan aussieht, sollte Columbus in eineinhalb Jahren abheben. Ausschlaggebend ist der Erfolg der nächsten Shuttle-Flüge", sagte Balogh gegenüber swissinfo.
"Es gibt aber auch ernste Befürchtungen, dass Columbus die Internationale Raumstation nie erreichen wird, falls neuerliche Probleme auftreten."
Das wäre für die beteiligten Wissenschafter ein Desaster. Sie haben Jahre in die Entwicklung des Moduls investiert, das knapp sieben Meter lang ist und im Durchmesser 4,5 Meter misst. Mit ihm sollen dereinst Forscher und Astronauten im Weltraum Experimente über die Schwerelosigkeit durchführen.
In den zehn Jahren seiner geplanten Betriebsdauer sollen so hunderte von Versuchen in zahlreichen Disziplinen vorgenommen werden, hofft die Herstellerin ESA.
Zehn Labors
Columbus besteht primär aus zehn unabhängigen Laborzellen, jede etwa so gross wie eine Telefonkabine. Sie verfügen alle über eigene Energie- und Kühlungssysteme und sind per Video und Datenübertragung mit Forschungszentren auf der Erde verbunden.
Eines dieser Forschungszentren ist das Biolab. Es ist für die Schweiz von besonderer Bedeutung, da die Daten der Weltraum-Experimente in Köln und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETH) ausgewertet werden. Genauer genommen von Wissenschaftern der Space Biology Group an der ETH.
Gebanntes Warten
Die beteiligten Wissenschafter seien in grösster Sorge, wann endlich die Station ihre Reise in den Weltraum antreten könne, so André Balogh, der das ESA-Projekt seit seinen Anfängen in den 1980er-Jahren begleitet.
"Die Experimente können nirgends sonst als in der ISS durchgeführt werden, da sie einer langen Phase der Schwerelosigkeit bedürfen."
Grosse Hoffnungen würden in einige biologische Versuche gesetzt, so beispielsweise in denjenigen über das Wachstum von Proteinkristallen oder Tests mit Flüssigkeiten.
Weitere Schweizer Beteiligte
Insgesamt waren rund 40 Firmen aus zehn europäischen Ländern an der Entwicklung von Columbus beteiligt. Darunter auch einige aus der Schweiz.
So wird Columbus Taupunkt-Fühler zur Messung der Feuchtigkeit mitführen. Die Sensoren stammen von der Firma Meteolabor aus Wetzikon bei Zürich.
Die Firma Alcatel, ebenfalls aus Zürich, konstruierte ein Stromversorgungs-System, das die Aggregate aus verschiedenen Energiequellen speist und die Stromversorgung kontrolliert.
Mecanex aus Nyon am Genfersee schliesslich steuerte hochpräzise Gelenke bei, mit denen der über elf Meter lange so genannte Europäische Roboter Arm der ISS bewegt werden kann.
swissinfo, Adam Beaumont
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)
In Kürze
Mit einem Tag Verspätung hat das Weltraumlabor Columbus am Sonntag im Bauch einer Airbus-Transportmaschine vom Typ Beluga den Hafen von Bremen in Deutschland Richtung USA verlassen.
Laut der Europäischen Weltraumagentur (ESA) bietet eine Atmosphäre praktisch ohne Schwerkraft ideale Bedingungen für medizinische Versuche und die Entwicklung von Hochleistungs-Materialien.
Das Mitgliedsland Schweiz beteiligte sich 2003 mit 138 Mio. Franken an der ESA. Rund 50 Schweizer Firmen sind in der Weltraum-Industrie tätig.
Das diesjährige Budget der ESA beträgt mehr als 4,5 Mrd. Franken.