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Am Rand eines bewaldeten Bachtobels östlich des Baldeggersees erheben sich oberhalb des Dorfes Lieli die imposanten Überreste einer feste. Diese bildete das Zentrum einer kleinen Rodungsherrschaft, die von den Grafen von Kyburg einem lokalen Ministerialengeschlecht verliehen worden war. Dieses nannte sich fortan „von Lieli“. Die heute sichtbaren Reste der Burg bestehen aus einem mächtigen Bergfried und einem Bering mit angelehnten Gebäuden wie Palas und Nebenbauten. Die Anlage weist einen völlig unsymmetrischen, neuneckigen Grundriss auf. Diese unregelmässige Grundform trug der feste den volkstümlichen Namen „Nünegg“ ein. Die Burg scheint in einer einzigen Bauetappe entstanden zu sein. Das Mauerwerk lässt sich in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren. Ob die Anlage jedoch zu diesem Zeitpunkt neu gegründet oder durch einen Neubau am gleichen Ort abgelöst worden ist, müsste noch mit archäologischen Sondierungen abgeklärt werden. In der Südostecke der Anlage befindet sich der unregelmässig viereckige Bergfried, der auf zwei Seiten mit den Mauern des Berings verbunden ist. Das Mauerwerk ist etwa 2 Meter dick, jenes der übrigen Baukörper ungefähr 1.5 Meter. Gegen Süden war die Burg von einem tiefen Graben geschützt, der das Steinmaterial für den Bau der feste geliefert hatte. Eine Toranlage mit Fallgitter erschwerte den Feinden den Zugang in die Burg.
Die Herren von Lieli, Ministerialen des Hauses Kyburg, erscheinen in den Urkunden mit den Brüdern Walther und Werner de Liela erstmals im Jahr 1223. Ihre Eltern hatten dem Johanniterhaus Hohenrain verschiedene Schenkungen zukommen lassen, die 1230 bestätigt wurden. Der erwähnte Walther trat um 1256 in den Orden ein und starb bereits sechs Jahre später als Johanniter auf Hohenrain. Sein gleichnamiger Sohn folgte dem Beispiel des Vaters, wurde er doch gar Komtur zu Hitzkirch. Nach dem Aussterben der Kyburger und der Übernahme der kyburgischen Güter durch das Haus Habsburg traten die Herren von Lieli in die Gefolgschaft von Habsburg-Österreich. Gegen 1400 starb das Geschlecht der Lieli aus. Die Burg war bereits vorher durch die Heirat der Anna von Lieli mit Henman von Grünenberg an die Grünenberger gelangt. Durch Elisabeth von Lieli gelangten dann Burg und Herrschaft Lieli an den habsburgischen Ministerialen Rudolf von Schönau, genannt Hürus.
Dieser kämpfte im Sempacherkrieg, dem langwierigen Kleinkrieg des österreichischen Adels gegen die Eidgenossen, auf der Seite seines Dienstherrn. Im Frühjahr 1386 führten die Luzerner mit den Eidgenossen einen Vergeltungsschlag und verwüsteten die österreichischen gebiete im Aargau. Dabei wurde auch die Feste Lieli erobert und verbrannt. Der Besitzer, Rudolf von Schönau, fiel kurz darauf in der Schlacht bei Sempach. Die zerstörte Burganlage wurde nicht mehr aufgebaut. Durch Erbfall ging sie wieder an die Grünenberger zurück. 1431 verkaufte Wilhelm von Grünenberg den Burgstall und die dazu gehörenden Güter zu Lieli an die Eigentümer von Schloss Heidegg, welche das Besitztum mit der Herrschaft Heidegg vereinigten. Bereits im 19. Jahrhundert gehörte die Ruine dem Kanton Luzern, der sie in den dreissiger Jahren gründlich restaurieren liess.
Bibliographie