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Chemie | Biochemie | Medizin
Erika Stocker, 2001 | Neudorf, LU
Mastitis ist eine bedeutsame und häufig vorkommende Euterkrankheit bei Milchkühen. In der Galtzeit, der Phase zwischen den Laktationen, können Neuinfektionen entstehen, als auch bestehende Mastitiden ausheilen. Trockenstellpräparate, wie Zitzenversiegler und/oder Antibiotika, werden eingesetzt, um die Mastitisrate zu senken. In der Arbeit wurde untersucht, welchen Einfluss die verschiedenen Trockenstellmethoden auf die somatischen Zellzahlen und das Erregervorkommen in der Milch direkt nach dem Kalben (p. p. 1) und drei Wochen später (p. p. 2) haben. Milchproben von Kühen ohne Trockenstellschutz (N), mit Zitzenversiegler (Z), Antibiotika (A) sowie Antibiotika und Zitzenversiegler kombiniert (A + Z) wurden verglichen. Kühe ohne intramammäre Antibiotikabehandlung wiesen deutlich höhere Zellzahlen und mehr Mastitiden auf als solche mit Antibiotika im Euter. S. uberis war der Erreger, der zu beiden Zeitpunkten am häufigsten vorkam. Zudem konnte die Erregerkombination von Staphylokokken und S. uberis vermehrt bei Kühen mit Antibiotika beobachtet werden (p. p. 1).
Fragestellung
(I) Wie beeinflusst die Trockenstellmethode die somatische Zellzahl im Kolostrum (p. p. 1.) und in der Milch p. p. 2? (II) Welche möglichen Mastitiserreger können aus der Milch isoliert werden? (III + IV) Gibt es Unterschiede zwischen den Trockenstellgruppen und wie häufig kommt der Erreger S. uberis vor?
Methodik
Es wurden Milchproben von 67 Kühen aus 10 Landwirtschaftsbetrieben auf die Zellzahlhöhe und das Erregervorkommen untersucht. Die Zellzahl wurde mit dem Zellzahlmessgerät „Lactoscan“ ermittelt. Alle Kolostrummilchproben wurden mit Vetorapidplatten auf Erreger untersucht. In der Milch p. p. 2 wurden Erreger nur ausfindig gemacht, wenn es einen Hinweis auf eine Entzündung gab (mehr als 100‘000 Zellen/ml Milch).
Ergebnisse
Die Zellzahlen der vier Trockenstellgruppen unterschieden sich signifikant, wobei Kühe ohne Trockenstellschutz die höchsten Zellzahlen zeigten, gefolgt von Kühen mit Zitzenversiegler und Kühen mit antibiotischer Behandlung (A und A + Z). Bei den Gruppen „N“ und „Z“ gab es keine signifikanten Unterschiede in der Zellzahlhöhe zwischen den Werten vor der Trockenstehzeit und den Werten p. p. 2. Anhand der Mittel- und der Medianwerte konnte aber bei diesen Gruppen (N und Z) ein Trend zum Zellzahlanstieg festgestellt werden. Bei den Gruppen mit Antibiotika waren die Werte p. p. 2 hingegen signifikant tiefer als vor der Trockenstehzeit. Kühe der Gruppe „N“ hatten p. p. 1 am meisten Mastitiden, anschliessend folgten Z, A + Z und A allein. Der Erreger S. uberis war p. p. 1 in ca. 40 % und p. p. 2 in fast 50 % aller Proben vorhanden, wobei er oft in Kombination mit einem anderen Erreger gefunden wurde. P. p. 1 konnte die Erregerkombination S. uberis mit Staphylokokken bei Kühen mit Antibiotikaeinsatz (A, A + Z) deutlich häufiger festgestellt werden (37.5 %) als ohne Antibiotikaeinsatz (N, Z = 14 %).
Diskussion
Antibiotika kann Bakterien abtöten oder sie am Wachstum hemmen. Kühen, bei denen Antibiotika eingesetzt wurde, zeigten daher deutlich tiefere Zellzahlen in der Milch p. p. 1. Der Effekt von Antibiotika wirkte sich p. p. 2 immer noch positiv auf die Zellzahl und Anzahl Mastitiden aus, obwohl die Applikation bereits mehrere Wochen zurück lag und zu diesem Zeitpunkt keine therapeutischen Konzentrationen mehr vorliegen konnten. S. uberis ist ein Umweltkeim, der ins Eutergewebe eindringen, persistieren und bei Stresssituationen Mastitiden auslösen kann. S. uberis wurde auch in dieser Arbeit sehr häufig aus Milch isoliert. Die Identifikation der Erreger mit Vetorapidplatten war zwar einfach und schnell in der Anwendung, die Interpretation der Resultate war aber nicht immer trivial. Enterokokken können auf Vetorapidplatten auch ein ähnliches Wachstumsmuster aufweisen wie die Erregerkombination S. uberis und Staphylokokken.
Schlussfolgerungen
Durch die Arbeit konnte gezeigt werden, dass die Trockenstellmethode bereits die Zellzahlhöhe im Kolostrum massiv beeinflusst. Der Einsatz von Antibiotika wirkte sich positiv auf die Eutergesundheit aus. Beobachtungen in dieser Arbeit weisen darauf hin, dass das Keimvorkommen in der Milch durch den Antibiotikaeinsatz in der Galtzeit beeinflusst werden kann. Antibiotika sollte bei gesunden Herden nur selektiv eingesetzt werden, um mögliche Antibiotikaresistenzen zu minimieren. Auf den Erreger S. uberis muss ein besonderes Augenmerk gelegt werden, da er weit verbreitet und eine erfolgreiche Behandlung schwierig ist.
Würdigung durch die Expertin
Dr. Sybille Schwendener
Zur Vermeidung von Resistenzen sollen Antibiotika in der Nutztierhaltung möglichst zurückhaltend eingesetzt werden, zum Beispiel bei der Trockenstellmethode bei Milchkühen. In ihrer Arbeit untersuchte Erika Stocker die Auswirkungen von antibiotischen und nicht-antibiotischen Trockenstellern auf die Eutergesundheit von Kühen und die Bakterien der Milch. Sie hat sich mit grossem Interesse dem Thema gewidmet, viel Engagement, Ausdauer und Eigeninitiative gezeigt. Ihre Resultate hat sie kritisch interpretiert und ihre Beobachtungen zu den Keimen könnten Ausgangspunkt für weitere Forschung sein.
Prädikat:
sehr gut
Kantonsschule Sursee
Lehrerin: Konstanze Mez