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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Jungfrauen (De virginibus ad Marcellinam sororem libri tres)

Zweites Buch.
V. Kapitel. Größeres Lob als den Pythagoreern Damon und Pythias gebührt der antiochenischen Märtyr-Jungfrau und deren Befreier [34—35]. Die Ohnmacht der Götzen gegen frevle Entehrung durch Menschenhand und -wort [36— 37]; die Macht des strafenden und erbarmenden Gottes gegenüber dem ruchlosen, bezw. reuigen Sünder [38].
36.
Und weil wir einmal jener Begebenheit Erwähnung getan, mag billig beigefügt werden, was (jener Tyrann) von seinen Göttern hielt. Ihr mögt deren Ohnmacht um so tiefer einschätzen, wenn ihre eigenen Anhänger sie verhöhnen. Als er nämlich einmal in den Tempel des Jupiter gekommen war, gab er den Befehl, von dessen Bild den goldenen Mantel, mit dem es bekleidet war, abzunehmen und ihm einen wollenen umzuhängen, weil ein goldener, wie er bemerkte, im Winter kalt, im Sommer schwer sei. So höhnisch dachte er [S. 362] von seinem Gott, daß er glaubte, er könne weder Last noch Kälte ertragen. Ebenso befahl er, als er einmal des goldenen Bartes des Äskulap gewahr wurde, denselben zu beseitigen, indem er sich auf das Unschickliche ausredete, wenn der Sohn einen Bart trage, der Vater (Apollo) nicht. Desgleichen nahm er den Götzen die goldenen Opferschalen weg, die sie hielten, und bemerkte dazu, er müsse doch das entgegennehmen, was die Götter ihm darreichten; denn das wünschen sich die Leute, daß sie von den Göttern Gutes empfangen. Nichts besser aber denn Gold. Ist es jedoch schlecht, dürfen es Götter nicht besitzen; ist es gut, sollen es lieber Menschen haben, die es zu nutzen verstehen.