Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03223.jsonl.gz/439

Seit Monaten versucht Sika, Teile seines Geschäftes mit Beton-Zusatzstoffen zu verkaufen. Nun ist ein Deal zustande gekommen: Der britische Chemiekonzern Ineos des Milliardärs Jim Ratcliffe übernimmt die Sparte für geschätzt 750 Millionen Franken.
Sie umfasst die Aktivitäten in den USA, Kanada, Europa und Grossbritannien sowie die gesamten Unternehmensbereiche in Australien und Neuseeland. Letztes Jahr betrug der Umsatz 920 Millionen Franken, etwa 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der Sparte aktiv.
Jim Ratcliffe ist ein in der Schweiz bekannter Mann – schliesslich residierte der britische Milliardär früher in Rolle am Genfersee und steckte Millionen von Franken in den Schweizer Sport: Er ist Besitzer des Fussballclubs FC Lausanne-Sport und finanzierte zeitweise den Lausanne Hockey Club.
Die Clubs sind Teil des kleinen Sportimperiums welches sich Ratcliffe leistet – auch der FC Nizza gehört ihm, und er war an einem Engagement bei Manchester United und Chelsea interessiert. Zudem ist Ratcliffe auch Mäzen im Segel-, Radsport und der Formel 1.
Weibeln für den Brexit
Sein Vermögen von über 20 Milliarden Dolllar (2020, laut Bloomberg) machte er mit seinem Petrochemiekonzern Ineos. Seine geschäftlichen Interessen reichen aber über Chemie hinaus – so baut er ein Nachfolgemodell des legendären Autos Land Rover Defender.
Ratcliffe, 1952 in Manchester geboren, ist in Grossbritannien eine umstrittene Figur – auch weil er in seiner Heimat kaum Steuern bezahlt und derzeit im Steuerparadies Monaco lebt. Daneben machte er sich für den EU-Austritt Grossbritanniens stark und setzte sich für die kontroverse Fracking-Ölförderung in Grossbritannien ein.
(mbü)
Auf Druck der Wettbewerbsbehörden
Der Verkauf dieser Geschäftsaktivitäten war nötig geworden, damit Sika wie 2021 angekündigt die deutsche MBCC Group von BASF kaufen kann. Die britische Wettbewerbsbehörden hatten sich gegen die Übernahme gestellt, weil sie den Wettbewerb mit chemischen Zusatzstoffen bedroht sehen. Es geht um Substanzen, die Beton zugesetzt werden, um seine Eigenschaften zu verändern, im Branchenjargon: Admixture.
Ineos setzte sich gegen verschiedene andere Bieter durch, unter anderen interessierten sich die Beteiligungsgesellschaften Cinven, CVC Capital Partners und Clayton, Dubilier & Rice für die Geschäftsaktivitäten, wie die Agentur Bloomberg von informierten Personen erfahren hat.
(mbü/bloomberg/reuters)