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Dennis Gärtner
Auf Antrag der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät verleiht die Universität Zürich einen Jahrespreis an Dennis Gärtner für seine Dissertation «Essays in Industrial Organization and Mechanism Design»
Die Dissertation «Essays in Industrial Organization and Mechanism Design» behandelt drei weitgehend eigenständige Themenkomplexe aus den Bereichen der Industriellen Organisation und der Regulierung.
DieKapitel 1 setzt sich mit der Frage auseinander, wie sich die Regulierung von Firmen auf deren Innovationsaktivitäten auswirkt. Der Untersuchung wird die übliche Annahme zugrundegelegt, dass eine regulierte Firma besser über ihre eigenen technologischen Möglichkeiten informiert ist als der Regulator. Während statische Aspekte dieser Regulierungsproblematik bereits gründlich erforscht sind, ist noch wenig über dynamische Auswirkungen, insbesondere auf Innovationsraten, bekannt. Dahingehend untersucht Kapitel 1 eine Situation, in welcher die Technologie der regulierten Firma dynamische Lerneffekte aufweist, so dass eine Steigerung der Produktionsmenge in einer Periode die Produktionskosten der nächsten Periode senkt – eine Innovationsart welche in einer Vielzahl regulierter Industrien empirisch belegt ist. Gegenüber der Regulierungsbehörde wird Firmen dementsprechend ein Informationsvorsprung nicht nur hinsichtlich ihrer absoluten Effizienz, sondern auch hinsichtlich ihrer Lernfähigkeit unterstellt. Die Arbeit zeigt auf, wie diese beiden Bestandteile privater Information eine optimale Regulierung treiben: Weisen absolut effizientere Firmen tendenziell auch höhere Lernraten auf, so wird eine optimale Regulierungspraxis ineffizient wenig Innovation mit sich bringen. Sind demgegenüber absolut ineffizientere Firmen lernfähiger, so beinhaltet eine optimale Regulierung ein inneffizient hohes Mass an Innovation. Gegenüber der bestehenden Literatur, welche generell den handelshemmenden Charakter privater Information unterstreicht, stellt speziell dieser letzte Punkt eine entscheidende Einsicht dar.
Kapitel 2 untersucht den Einfluss privater Information in Fusionsverhandlungen. Motiviert wird diese Untersuchung durch die Vielzahl von Fällen, in welchen Firmenzusammenschlüsse im Nachhinein von mindestens einer Partei bereut werden. Unterstellt wird daher eine Situation, in welcher zwei potentielle Fusionspartner jeweils private Information über die Aussichten einer fusionierten Firma wie auch über die Aussichten der Firmen im Alleingang besitzen. Aufgabe der Fusionsverhandlung – modelliert als «Fusions-Mechanismus» – ist es, diese verteilte Information zu sammeln um zu einer Fusionsentscheidung zu gelangen, welche im Nachhinein von keiner Partei bereut wird. Die Analyse zeigt, dass dies nur dann möglich ist, wenn die private Information lediglich die Aussichten der fusionierten Firma, nicht aber die Aussichten der Firmen im Alleingang betrifft. In allen anderen Fällen ist es unmöglich, die Fusionsverhandlungen derart auszugestalten, dass keine Partei den Ausgang bereut – Parteien werden also stets einen Anreiz haben, wertvolle Information voreinander zu verbergen.
Kapitel 3 setzt sich schliesslich empirisch mit einem weiteren sylisierten Fakt betreffend Unternehmensfusionen auseinander: dem Auftreten von «Fusionswellen». Obwohl die neuere Literatur zahlreiche theoretische Erklärungen zum Auftreten von Fusionen in «Wellen» anbietet, basiert diese Diskussion bislang weitgehendst auf einer sehr groben ad-hoc Beobachtungen solcher Wellen in historischen Zeitreihen. Ausgehend von diesen Beobachtungen wird in Kapitel 3 ein ökonometrisches Modell formuliert, welches Fusionswellen durch Markovsche Parameterwechsel generiert. Anschliessende Schätzungen zeigen, dass ein solches Modell sowohl in US-amerikanischen wie auch in britischen Fusionszeitreihen klare Wellen zu identifizieren vermag. Etwas überraschend identifiziert dieser Ansatz allerdings in den US-Daten keine Fusionswelle in den 80er Jahren. Während der vermeintliche Widerspruch dieses Resultats zu herkömmlichen Meinungen in der spezifischen ökonometrischen Operationalisierung einer «Welle» begründet sein mag, wird der Gegensatz zu früheren empirischen Studien ausführlich auf die Verwendung neuerer Schätzmethoden zurückgeführt.