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Lectio XVII
Was wir heute als Naturwissenschaft bezeichnen, hat seinen Ursprung im 6. Jahrhundert vor Christus, als sich die ersten griechischen Philosophen Gedanken machten zum Wesen der Welt. Vor allem die Himmelskörper faszinierten sie, und sie versuchten zu ergründen, auf welchen Bahnen sie sich bewegten. War die Sonne ein grosses Feuer, wie einige dachten, oder doch ein mächtiger Gott, der seinen Sonnenwagen jeden Tag über den Himmel lenkte? Wie konnte es geschehen, dass der Mond manchmal die Sonne verschluckte und sich mitten am Tag eine unheimliche Dunkelheit auf die Erde senkte?
Schon früh erkannten die Menschen, dass die Gestirne festen Gesetzen gehorchen; die Harmonie, die sie am Himmel beobachteten, beeindruckte sie tief. Deshalb nannten die Griechen das Weltall «Kosmos», was «Ordnung», aber auch «Schmuck» bedeutet.
Noch vor den Griechen erforschten die Ägypter und Babylonier die Bewegungen der Sterne; so fanden sie zum Beispiel heraus, in welchen Intervallen Sonnenfinsternisse wiederkehrten. Mit diesem Wissen sei es Thales von Milet gelungen, die Sonnenfinsternis des Jahres 585 v. Chr. vorherzusagen.
Wie sie weit weg, schwerelos am samtenen Himmel funkelten, erschienen die Sterne den Menschen als etwas Göttliches; sie glaubten, dass ihre wechselnden Konstellationen eine Bedeutung hatten und dass sie das Schicksal eines Menschen oder eines ganzen Volkes bestimmten. Sterndeuter spezialisierten sich darauf, Horoskope zu erstellen und zu deuten. Die Menschen fragten sie auch nach dem besten Zeitpunkt, ein Geschäft abzuschliessen oder eine Reise zu unternehmen.