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Pirmin Willi
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 4. Oktober 1928
Priesterweihe: 3. Juli 1932
Primiz: 10. Juli 1932
Lehrer an der Stiftsschule: 1933–1934, 1938–1940
Lehrer im Kloster Disentis: 1935–1938, 1940–1947
Lehrer im Kloster Muri-Gries: 1947–1960
Lehrer der Fratres: 1960–1965?
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Anton Willi und der Karolina Grünenfelder.
Lebensbeschreibung[1]
P. Pirmin wurde am 2. Januar 1905 in Wangs im St. Galler Oberland geboren. Seine Eltern hiessen Anton Willi und Karolina Grünenfelder und stammten beide aus alteingesessenen Bauerngeschlechtern. P. Pirmin hinterliess eine Predigtskizze, in der er den Geist seiner Familie an den Beispielen ihrer Vergangenheit schildert: Eines dieser Beispiele betrifft P. Pirmin selbst. Seine Eltern waren vor seiner Geburt in grosser Sorge. Man verzweifelte vor Angst um das Kind. Doch die Mutter setzte ihr ganzes Vertrauen auf Gott und Maria.
P. Pirmin erhielt in der Taufe den Namen des Bauernpatrons, des heiligen Wendelin. Bücher zogen ihn schon früh in ihren Bann und er wurde ein ausgezeichneter Schüler. Aus eigenem Antrieb setzte er sich hinter die Französischgrammatik. In Disentis begeisterte er sich für die lateinische und griechische Sprache und hatte in diesen Fächern ausgezeichnete Noten. Da die Klosterschule damals noch kein Lyzeum besass, siedelte Wendelin Willi zum Studium der Philosophie nach Engelberg über. Sein Wunsch, in Disentis einzutreten, ging wegen des schweren Gehörleidens, das er als Knabe durch einen Unfall sich zugezogen hatte, nicht in Erfüllung. So begann er in Engelberg im Herbst 1927 das Noviziat und legte am 4. Oktober 1928 Profess ab. Dabei bekam er den Namen Pirmin, der ihn immer an den geistigen Vater seiner Heimat und an die Abtei Pfäfers, den geistlichen und kulturellen Mittelpunkt des St. Galler Oberlandes, erinnern sollte.
Fr. Pirmin widmete sich zunächst den philosophischen und theologischen Studien in Engelberg. Dann wurde er 1930 nach Sant' Anselmo in Rom gesandt. Am 3. Juli 1932 empfing er am Grab des heiligen Benedikt auf Monte Cassino die Priesterweihe und durfte am 10. Juli in Engelberg primizieren. In den Schuljahren 1932/33 und 1934/35 war er wieder in Rom, wo er seine theologischen Studien vorläufig mit dem Lizentiat abschloss. Seine begonnene Dissertation machte er nie fertig. P. Pirmin unterrichtete in der Folgezeit die klösterliche Jugend im Verständnis der Heiligen Schrift, 1933/34 und 1938 bis 1940 im Kloster, vor allem aber im Kloster Disentis (1935 bis 1938 und 1940 bis 1947) und in Gries (1948 bis 1960). Dort waltete er auch mit Liebe als Gastpater. Im Herbst 1960 kehrte er endgültig nach Engelberg zurück. Hier erklärte er den Novizen die Hymnen des Breviers, wirkte mit Würde als zweiter Gastpater und erteilte Privatunterricht, sogar in Romantsch und Spanisch.
P. Pirmin war eine einmalige Erscheinung. Schon sein Äusseres, sein langsam wippender Schritt, der eines eigenartigen Schwunges nicht entbehrte, war unverwechselbar. Als Novize hätte er zwar auf Wunsch von P. Prior Eugen eine elegantere Gangart einstudieren sollen, aber es war vergeblich. Er behielt seinen "Tramp". Man erkannte ihn von ferne. P. Pirmin war ein froher Mensch; fröhliche Dinge behagten ihm hundertmal besser als düstere, und er war dankbar dafür. Eine wahre Springflut von Gelächter stieg auf, wenn ein köstlicher Ausdruck ihn überraschte.
Maiskolben von den heimischen Äckern schmückten bis zuletzt seine Zelle und er kannte die Flurnamen seiner Heimat. Zahlreich sind die Artikel heimatgeschichtlichen Inhalts, die er in der Presse des St. Galler Oberlandes erscheinen liess. Seine letzte grosse Arbeit galt der Pfarrgeschichte von Mels. Vor allem in den Sprachen und in der Sprachgeschichte kannte er sich aus. Er verfasste für festliche Anlässe wie Primizen, Jubiläen und Namenstage lateinische und griechische Gedichte.
Die heilige Messe feierte er sehr langsam und andächtig. Oft sah man ihn auch während des Tages hinter dem Chorvorhang in Anbetung. Er brauchte dazu kein Büchlein, sondern fand von sich aus die richtigen Worte. Eine Brissago oder ein hochgradiger Schnaps gehörten zu seinen Freuden. Nach seinen eigenen Worten machte ihm sein Gehörleiden schwer zu schaffen. Gerade in gesellschaftlicher Hinsicht fühlte er sich dadurch sehr behindert. Er verstand es nicht, seine Talente zu organisieren, und litt an einer gewissen Kompliziertheit.
Im Sommer 1965 nahm P. Pirmin an der 1200-Jahr-Feier von Mels teil, guter Dinge wie immer. Nach aussen schien er für jedermann kerngesund, seine vollblütige Gesichtsfarbe galt dem Laien als Beweis besonders kraftvollen Lebens. Dem war aber leider nicht so. Das Auge des befreundeten Arztes sah tiefer. P. Pirmin musste sich zu seiner Überraschung untersuchen und in der Klinik St. Anna in Luzern beobachten lassen. Er brauchte einige Kraft, um sich wieder auffangen zu können. Stets blieb er voll Lebensmut und Hoffnung, obwohl er ja auch selber feststellen musste, wie er trotz aller Pflege beständig abnahm. Wer Pater Pirmin früher kannte, musste erschrecken, wenn er ihn jetzt sah. Ungeachtet seiner immer grösser werdenden Müdigkeit verrichtete P. Pirmin seine täglichen Aufgaben, so gut er konnte. Tag für Tag machte er den Gang ins Bürgerheim, um den alten Leuten das heilige Opfer zu feiern, bis zum verhängnisvollen Sturz am 3. Juni, der sein schweres Leiden, Leberkrebs, mit voller Wucht durchbrechen liess. Nach seinem Sturz sah er ein, dass seines Bleibens auf Erden nicht mehr lange war, und er sagte ganz offen und selbstverständlich, dass er nun sterben müsse. Mit grosser Geduld trug er seine Leiden. Der pflegende Krankenbruder stellt ihm das Zeugnis aus: "Noch selten hatte ich einen so geduldigen Patienten." Wenn man P. Pirmin in den letzten Tagen besuchte, konnte er kaum mehr sprechen, so schwach war er; aber man sah seine dankbare Freude. Mit grosser Anstrengung hob er jeweilen seine Rechte, um Abschied zu winken, eine Geste, die für ihn charakteristisch war. Am Vortag seines Todes besuchte ihn noch der Pfarrer seiner Heimatgemeinde und gab ihm Grüsse von Verwandten und Bekannten mit. Als am 23. Juni 1966 die Glocken das Konventamt einläuteten, schied P. Pirmin ganz ruhig aus dem Leben.
Werke
- Von den Ursprüngen und Schicksalen des Kirchspieles Meis, in: Geschichte der Gemeinde Meis (Hg. Paul Good). Meis 1973, 25-142.
Professnummer
- Nr. 752
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 52, 1965/66, S. 113-117, übernommen.
Bibliographie
- Nachruf P. Pirmin Willi, in: Titlisgrüsse 52, 1965/66, S. 113-117.