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Mann und Frau in einem Körper
“XXY” von Lucia Puenzo
XXY bezeichnet eine ungewöhnliche Chromosomen-Kombination, die weder weiblich XX noch männlich XY ist, sondern keines von beidem – oder eben beides. Alex, ein fünfzehnjähriger Teenager, der mit seiner Familie in einer abgelegenen Gegend von Uruguay lebt, entstand aus einer solchen XXY Kombination, und muss sich mit der Frage befassen, welchem Geschlecht er/sie zugehören will. Ein eindrücklicher, unprätentiöser Film über sexuelle Identitätsfindung und Anderssein.
Von Lukas Hunziker.
Von ihren Eltern wird Alex bis zu ihren fünfzehnten Lebensjahr als Mädchen betrachtet, da ihre weiblichen Gesichtszüge und ihr Busen das einzige sind, was die Leute aus ihrem Umfeld als Geschlechtsmerkmale wahrnehmen. Doch die seltene Chromosomen-Kombination XXY weist auf einen männlichen Identitätstypus hin, und nur so verhindern allein Medikamente, dass Alex sich nicht weiter als Mann entwickelt. Während ihre Mutter Alex gerne operieren lassen möchte, damit sie ihre weibliche Identität behalten kann, will ihr Vater die Entscheidung Alex überlassen. Als ein Chirurg, seine Frau und ihr Sohn Alvaro die Familie besuchen, um Alex’ Situation zu beurteilen, überstürzen sich die Ereignisse. Alex, die auf der Suche nach einer sexuellen Identität ist, versucht Alvaro, der sie für ein Mädchen hält, zu verführen – und dies hat Folgen.
Mann, Frau, oder etwas anderes?
Regisseurin Lucia Puenzo nähert sich in “XXY” einem Thema, das noch immer tabuisiert ist: der Intersexualität. Vor einem herrlichen landschaftlichen Hintergrund erzählt der Film die Geschichte eines Teenagers, der sich für normal hält und nicht sieht, warum er sich für das eine oder andere Geschlecht entscheiden soll – Alex weiss noch nicht einmal, ob sie auf Frauen oder Männer steht. Während der Chirurg zu einer Operation drängt, möchte der Vater nur, dass Alex der Mensch sein kann, der sie sein will. Andererseits sieht auch er ein, dass die Leute des Küstenstädtchens früher oder später sowieso hinter Alex’ Geheimnis kommen werden, und dass eine Entscheidung, Alex als Jungen oder als Mädchen zu sehen, die Dinge einfacher machen könnten.
“XXY” stellt nachdenkliche Fragen, indem er traditionelle Geschlechterideen hinterfragt. Muss man Mann oder Frau sein? Gibt es ein drittes Geschlecht? Ist ein aus einem XXY-Chromosom entstandener Mensch weder Frau noch Mann? Ist er beides? Ist er eine Abnormalität? Wird das Geschlecht lediglich durch unsere Geschlechtsorgane bestimmt? Doch nicht nur thematisch mag “XXY” zu überzeugen, auch die filmische Umsetzung ist brillant gelungen. In kalten, mal beklemmenden, mal befreienden Bildern und mit einer schlicht fantastischen Hauptdarstellerin (gespielt wird Alex von Inés Efron, einem Mädchen) erzählt der Film eine Geschichte, die so noch nie im Kino zu sehen war.
Ausstattung
Das zwar nur 12minütige aber enorm dichte und auf das Wesentliche konzentrierte ‘Making of’ lässt praktisch das gesamte Team zu Wort kommen, gibt Einblicke in die schwierigen Szenen und lässt einen Inés Efron bewundern, die eine wahrlich anspruchsvolle Rolle eindrücklich gemeistert hat.
Ab dem 23. Oktober 2008 im Handel.
Originaltitel: XXY (Argentinien 2007)
Regie: Lucia Puenzo
Darsteller: Ricardo Darin, Inés Efron, Valeria Bertuccelli
Genre: Drama
Dauer: 87 Minuten
Bildformat: 1.85:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Spanisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Französisch
Audio: Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Bonusmaterial: Making of, Fotogalerie, Trailer
Vertrieb: Impuls