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Eine Onlinepetition fordert als Antwort auf die jüngste Flüchtlingskatastrophe die Rega auf, selbst Helikopter ans Mittelmeer zu schicken. Doch die sieht sich nicht kompetent genug.
Die Schlagzeilen vom Wochenende schockten viele. Zum wiederholten Mal ertranken hunderte Flüchtlinge auf dem Weg ins sichere Europa. Beim jüngsten Fall vor Lampedusa sollen über 800 Flüchtlinge ihren Tod auf hoher See gefunden haben. Vermutet wird, dass sich das Unglück durch die Hilfe eines zur Nothilfe geschickten portugiesischen Tankers verschlimmerte.
So auch der Campaigner Daniel Graf. In einer Onlinepetition fordert er die schweizerische Rega auf, sie solle einen Helikopter ans Mittelmeer schicken und die Rettungsdienste vor Ort unterstützten. «Die Schweiz hat keine Rettungsschiffe, aber Helikopter», erklärt Graf in seiner Petition. «Die Rega hat durch ihre Stiftungsurkunde die Pflicht, Menschen in Not zu helfen.»
Die Rega reagiert auf Anfrage von watson mit einer klaren Ablehnung. Aufgabe der Rega sei es, mit den 17 Helikoptern die Luftrettung und den drei Ambulanzjets die Rückführung «verletzter und erkrankter Schweizer in die Heimat» sicher zu stellen. Andere humanitäre Einsätze «wie im vorliegenden Fall zu Gunsten von Flüchtlingen» würden jedoch ausserhalb des Kompetenzbereichs der Rega liegen.
Als Gründe nennt die Rega einerseits die fehlende Ausbildung der Mitarbeiter für derartige Missionen, andererseits seien die Rettungshelikopter dafür «absolut ungeeignet, nicht adäquat ausgerüstet und entsprechend auch nicht zugelassen». «So verfügen die Rega-Helikopter beispielsweise nicht über die nötige Reichweite für Einsätze über dem offenen Meer», erklärt die Rega gegenüber watson.
Der Initiant der Petition, Daniel Graf, zeigt sich enttäuscht über die Antwort. «Niemand erwartet, dass die Rega gleich auf offener See Einsätze fliegt.» Wenn die Rega Hilfe bieten will, dann werde sie auch ihren Teil an einer Flüchtlingsrettungs-Mission finden können. «Zudem sehe ich nicht den Unterschied zwischen der Nothilfe für Flüchtlinge am Strand und den Bergsteigern oder Skifahrern im Gebirge», erklärt Graf weiter und stellt die Frage: «Auf wen, wenn nicht auf die Rega und andere europäische Luftrettungs-Organisationen, sollen und können die Flüchtlinge hoffen?»
Die Hoffnung in Europa dürften zumindest Befürworter einer gesamt-europäischen Flüchtlingspolitik nicht mehr haben. Vorreiter in der Rettung von Flüchtlingen in Seenot war die im Oktober 2013 beschlossene italienische Operation «Mare Nostrum». Mit einem Budget von neun Millionen Euro retteten sie innert wenigen Monaten über 140'000 Flüchtlinge. Die Kosten, die Italien damals alleine trug, waren für den krisengeplagten Staat eine schwere Last. Kritiker forderten regelmässig Unterstützung seitens der EU.
Die EU kam im August 2014 den Kritikern entgegen. Im November 2014 wurde die europäische «Triton»-Operation eingeführt und ersetzte damit die italienische «Mare Nostrum»-Operation. Triton brachte weitreichende Änderungen mit sich: So war die Hauptaufgabe nicht mehr die Seenotrettung, sondern die Sicherung der EU-Aussengrenze vor «illegaler Einwanderung». Ihr Einsatz wurde im wesentlichen auf den küstennahen Bereich beschränkt und hatte ein Drittel weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als «Mare Nostrum».
Für Daniel Graf, Initiant der Rega-Petition, war diese Entwicklung der europäischen Flüchtlingspolitik «das Todesurteil für viele Bootsflüchtlinge». «Gerade deshalb wäre ein Rega-Helikopter als Sofortmassnahme das symbolische Versprechen, dass mehr Hilfe unterwegs ist und wir nicht mehr wegschauen», so Graf auf der Petitionsseite.