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In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts war die Melioration der Linthebene als Projekt gegen die Arbeitslosigkeit gedacht. Verwirklicht wurden die Massnahmen zur Bodenverbesserung aber erst in der Zeit des Zweiten Weltkrieges im Rahmen der sogenannten Anbauschlacht. Eine Wanderausstellung in der MPS Buttikon greift diese Thematik auf.
Bei der Umwandlung von Rietland in Kulturland spielte die Linthregion eine besondere Rolle, wurde sie doch damals vom Bundesrat als die «grösste Ebene unseres Landes» bezeichnet. Das Meliorationsge biet wurde mit Drainagen entwässert. Aneinandergereiht ergäbe das Röhrennetz eine Leitung von mehr als 2000 km Länge, was der Distanz zwischen der March und Moskau entspricht.
Eine Landschaft wird umgepflügt
«Linthebene – eine Landschaft wird umgepflügt (1941-1964): Melioration, Mobilisation, Migration – Zum Andenken an den Beginn der Meliorationsarbeiten vor 70 Jahren». So lautet der Titel der Wanderausstellung, die im Schulhaus Hügelacher MPS Buttikon zu sehen ist. Integriert in die Schau mit 35 Tafeln sind die Filme «Das industrielle Pflanzwerk in der Linthebene», und die «Glarner Industrie-Pflanzwerke», gedreht während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Wanderausstellung konzipierte der Kunst- und Regionalhistoriker Stefan Paradowski aus Glarus. Nach dem Ersten Weltkrieg riefen Arbeitslosigkeit und Lebensmittelknappheit nach Erschliessung von neuem Kulturland und lenkten die Aufmerksamkeit auf die brach liegenden versumpften Böden im Linthgebiet. 1921 lag ein erstes Projekt vor. Das Vorhaben enthielt mit der Gewässerkorrektion, der Entwässerung, der Güterzusammenlegung und der Besiedelung schon fast alle Massnahmen, die aber erst später, nämlich in den 40er-Jahren, mit dem «Plan Wahlen » umgesetzt wurden. Mit dem staatlich gelenkten Programm zur Förderung des innerschweizerischen Lebensmittelanbaus (1940-1945), der sogenannten Anbauschlacht, konnte der nationale Selbstversorgungsgrad von 52 auf 70 Prozent gesteigert werden.
Postulat fordert Melioration
1936 reichte Nationalrat Erhard Ruoss (1901-1958), Schübelbach, ein Postulat mit der Frage an den Bundesrat ein, ob nicht das Meliorationsprojekt aus dem Jahr 1921 verwirklicht werden könnte. Die Kolonisation der Linthebene sollte Beschäftigung für 600 Mann auf drei bis vier Jahre und Ansiedlungsmögichkeit für über 100 Familien bieten. Anfang 1939, vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, erliess die Bundesversammlung das «Bundesgesetz über die Melioration der Linthebene». Unter der Federführung des Kriegsernährungsamtes wurden dann die Ziele des Anbauplans zur Erhöhung der Eigenproduktion definiert. Diese beinhalteten die Ausweitung des Ackerbaus, Reduzierung der Viehzucht und Rationierung der Lebensmittel. Infolge der Aufgebote für den Aktivdienst ergab sich anfänglich starker Mangel an Arbeitskräften. So kamen in der Linthebene 70 Angestellte im Monatslohn, Landdienstpflichtige, Taglöhner, Frauen, Kinder (jeweils im Herbst) und 100 bis 150 Internierte aus dem «Polenlager» in Reichenburg zum Einsatz. Der Anbau setzte 1942 ein. Die Schweizerische Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft SVIL hat sich um diese Arbeit verdient gemacht, hat sie doch das industrielle Pflanzwerk organisiert. Melioration und Anbau erfolgten in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die Besiedelung kam danach.
Linthebene als Teil des Réduits
Die Melioration der Linthebene entsprach einem Entsumpfungsprogramm. Gleichzeitig wurde ein Versumpfungsprogramm verfolgt. Die Linthstellung war Teil des von General Henri Guisan befohlenen Réduits. Zu den Befestigungsmassnahmen gehörte die Unterwassersetzung der Linthebene als Barriere für einen Angreifer aus Norden im Kriegsfall.
Vernissage
Fr, 11.11.2011
19 Uhr
Ort
Schulhaus Hügelacher MPS Buttikon
Öffnungszeiten
Sa/So 12./13.11.
Sa/So 19./20.11.
jeweils 10 bis 15 Uhr
March-Anzeiger und Höfner Volksblatt
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kategorie
- Brauchtum / Feste
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/uDPm8W