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«Man wird solche Unglücke nie ganz verhindern können»
- Donnerstag, 6. August 2015, 10:52 Uhr
Am Mittwoch ist ein Flüchtlingsboot vor Libyen gekentert, viele Menschen sind ertrunken. Beat Schuler vom UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR beschreibt die schwierige Situation auf See, die sich den Rettern von Frontex und privaten Hilfsorganisationen präsentiert.
SRF News: Was wissen Sie über das Unglück mit dem Flüchtlingsboot, das sich am Mittwoch vor Libyen ereignet hat?
Beat Schuler: Es ist davon auszugehen, dass 600 bis 700 Personen an Bord waren. Davon waren wahrscheinlich mehr als 100 Personen unter Deck eingeklemmt als das Flüchtlingsboot kenterte. Sie konnten nicht gerettet werden, denn das Boot sank sehr schnell.
Das Flüchtlingsboot soll gekentert sein, als sich ein irisches Marineschiff näherte. Ist das plausibel?
Ja. Wenn Rettungsschiffe auftauchen, dann freuen sich die Menschen auf den Flüchtlingsbooten. Da kann es sein, dass sie sich auf dem Boot rasch verlagern und dieses dann kippt. Auf den Rettungsschiffen befindet sich deshalb professionelles Personal, das versucht, schnellstmöglich mit dem Flüchtlingsboot Kontakt aufzunehmen. Dort gibt es allerdings keine ausgebildeten Kapitäne, die die Befehle weitergeben könnten. Da kann auf dem Flüchtlingsboot rasch ein Chaos entstehen, denn die Boote sind stark überfüllt.
Wie schnell können Hilfsschiffe vor Ort sein, wenn ein Flüchtlingsboot einen Notruf absendet?
Die Rettungsschiffe – auch Frontex-Schiffe – sind mittlerweile sehr weit draussen, nahe der libyschen Küste. Sie sind in jenen Küstenabschnitten positioniert, von denen man weiss, dass dort Flüchtlingsboote auftauchen. Es gibt auch Möglichkeiten, diese Gebiete mit Helikoptern und Flugzeugen zu überwachen. So kann ein Rettungsschiff ein in Seenot geratenes Flüchtlingsboot innert rund einer Stunde erreichen.
Das ist zwar schnell, aber oft nicht schnell genug, denn ein solches Flüchtlingsboot kann innert Minuten sinken.
Das ist richtig, und das wird man auch nie ganz verhindern können. Mittlerweile sind zahlreiche Frontex-Schiffe draussen, es gibt auch die Ärzte ohne Grenzen, die ein eigenes Schiff draussen haben sowie eine weitere humanitäre Organisation, MOAS aus Malta, die mit einem grossen Schiff auf See wartet und hilft. Es sind also Hilfsschiffe da, aber man kann das Gebiet nicht flächendeckend absichern, dass gar keine solchen Unglücke mehr passieren.
Allein dieses Jahr kamen bereits mehr als 2000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa ums Leben. Die tödlichste Route ist jene von Libyen nach Italien. Warum?
Es ist leider so, dass die Schlepperorganisationen die Boote völlig überfüllen, zudem sind diese absolut seeuntauglich. Das skrupellose Vorgehen der Schlepper führt zu solchen Unfällen.
Das Gespräch führte Barbara Peter.
Beat Schuler
Der Schweizer arbeitet für das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Rom.
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