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«Dem Menschen sind in seiner Vorstellung keine Grenzen
gesetzt ausser denen, die er sich selbst setzt!»
Richard F. Estermann
Anfang der 80er- Jahre hatte ich das Privileg, den deutschen Arzt und Abenteurer Dr. med. Hannes Lindemann persönlich kennen zu lernen. Ich erinnere mich an einen sehr einfachen, bescheidenen, aber hochgebildeten und weitgereisten Mann. Weltbekannt wurde Lindemann, als er 1955 als erster Mensch überhaupt, allein in einem primitiven Einbaum in 72 Tagen den Atlantik überquerte. Ein Jahr später schaffte er es nochmals in einem Faltboot und beschrieb die Erlebnisse in seinem Buch: „Allein über den Ozean“. Grundlage für diese und andere sensationellen Erfolge war eine intensive, mentale Vorbereitung auf das Abenteuer. Dazu verwendete er auf der Überfahrt spezielle Suggestionen und arbeitete mit Autogenem Training, als dessen Pionier er bis heute gilt. Dank seiner grossen Popularität half er der Methode definitiv zum Durchbruch. Das Ziel von Dr. Lindemann war immer, an die physische und psychische Grenze des Machbaren zu gehen.
In unseren Gesprächen betonte Dr. Lindemann immer wieder die ungeheure Macht unserer Gedanken und Vorstellungen und er erzählte mir folgende Geschichte, die sich in Deutschland tatsächlich zugetragen hat: Ein Mann war mit Reinigungsarbeiten an einem Eisenbahn- Kühlwaggon beschäftigt. Nachdem er aussen seine Arbeit erledigt hatte begann er, auch das Innere des Waggons zu reinigen. Aus unerfindlichen Gründen ging dabei plötzlich die Türe ins Schloss und der Mann war «gefangen!» Damals, muss man wissen, konnte man die Türen dieser Waggons von innen nicht öffnen! Der Eingeschlossene glaubte nun, dass er in diesem Kühlwaggon erfrieren werde und stellte sich das in seiner Phantasie lebhaft vor. Tatsächlich starb der Mann innert kurzer Zeit. Doch eine nachträgliche, technische Untersuchung des Falles ergab, dass das Kühlaggregat gar nicht eingeschaltet war! Trotzdem starb der Mann aufgrund seiner intensiven Vorstellung des Erfrierens!
Was können wir daraus lernen? Viele Menschen glauben, mit einem „starken Willen“ könnten sie alles erreichen. Das ist eine grosse Fehleinschätzung. Versuchen wir einmal, willentlich einzuschlafen oder mit dem Velo auf einem schmalen Streifen zu fahren: Je mehr wir uns anstrengen diese Ziele zu erreichen, desto schneller kommen wir davon weg. „Ich setze meine ganze Willenskraft ein“ ist oft fehl am Platz, denn wenn Wille und Vorstellung einander gegenüberstehen, siegt IMMER die Vorstellung!
Jede bildhafte Vorstellung hat die Tendenz, sich zu verwirklichen. Je intensiver, je emotionsgeladener und je öfter wir uns etwas vorstellen, desto schneller wird sich das „Gewünschte“ verwirklichen! Positiv oder negativ je nachdem, in welche Richtung unsere Vorstellung geht! In diesem Zusammenhang müssen wir den tragischen Tod des Mannes sehen, der den Waggon reinigte! Und darum ist es so wichtig, nur positive Gedanken und Vorstellungen zuzulassen. Denn wie sagte Napoleon: „Die Vorstellung regiert die Welt – nicht der Wille!“