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Tadeus Reichstein, Biologe und Chemiker, Nobelpreisträger
1897-1996, geboren in Wloclawek, Polen, gestorben in Basel
Reichstein war der älteste von fünf Söhnen einer jüdischen Familie, sein Vater war Isidor Reichstein, seine Mutter Gustava, geborene Brochmann. Nach den grausamen Ausbrüchen antisemitischer Gewalt entschloss sich Vater Isidor, in die Schweiz zu emigrieren. Tadeus wurde auf der Reise durch Deutschland in einem renommierten Internat in Jena zurückgelassen, was für ihn zu einem traumatischen Erlebnis wurde. Nach zwei Jahren, 1907, konnte er zu seiner Familie nach Zürich zurückkehren. 1914 eingebürgert, wurden Reichstein für zwei Jahre zum Aktivdienst im Ersten Weltkrieg aufgeboten. Anschliessend studierte er an der Abteilung Naturwissenschaften der ETH Zürich Chemie, promovierte 1921 und habilitierte 1929. 1927 heiratete er die Holländerin Louise Quarles van Ufford, die als Pensionärin in seinem Elternhaus wohnte, 1933 kam die Tochter Ruth zur Welt. Ebenfalls 1933 fand Reichstein den Weg, um aus Traubenzucker Vitamin C zu gewinnen. Nach Assistenzjahren wurde er an der ETH 1937 zum ausserordentlichen Professor der speziellen organischen und physiologischen Chemie ernannt. 1938 wurde er in Basel Leiter des Pharmazeutischen Instituts der Universität, 1946 Ordinarius für Organische Chemie. Das Institut für Organische Chemie leitete er von 1960-1967. Zusammen mit zwei anderen Forschern erhielt er 1950 den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckungen bei den Hormonen der Nebennierenrinde, ihrer Struktur und ihrer biologischen Wirkungen.
Maggy Quarles van Ufford kam 1918 mit ihren beiden jüngeren Schwestern Louise und Mischa nach Zürich, um den Psychiater C.G. Jung aufzusuchen. Sie hoffte, dass er ihrer Schwester Mischa, die sich in grosser seelischer Not befand, helfen könnte. Die Begegnung mit Jung war für die Künstlerin Maggy prägend. Die Damen wohnten im Haus der Reichsteins, was familiäre Folgen hatte: die Ehe zwischen dem Rechtsanwalt Alexander Reichstein und Maggy 1925 und diejenige von Louise und Tadeus 1927. Die dritte im Bunde, Mischa, heiratete bereits 1919 Ignaz Epper, mit dem sie 1932 nach Ascona zog. Tadeus und Loiuse, familiär und kulturell mit Ascona verbunden, hatten ein Ferienhaus in Agarone. Tadeus Reichstein war unter anderem auch mit Köbi Flach befreundet und übernahm zum Beispiel die Defizitgarantie für das Gastspiel dessen Marionettentheaters in Zürich.
„Reichstein war seiner Zeit auf vielen Gebieten weit voraus. Für ihn war es selbstverständlich, Frauen als Wissenschaftlerinnen und Mitarbeiterinnen völlig vorbehaltlos zu akzeptieren. Seine Leitungsfunktion in Forschung und Administration erfüllte er nicht mit diktatorischer Befehlsgewalt, sondern mit Motivation. Seine Begeisterung für neue Möglichkeiten und Wege, seine Neugier auf die Vorgänge in der Natur, aber auch sein fröhliches Wesen, wirkten ansteckend. Er war nicht nur ein glänzender Lehrer, er war auch als Leiter seines Institutes ein psychologisch geschickter und dennoch immer menschlicher Vorgesetzter.“ Zitat aus www.unigeschichte.unibas.ch.