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Zürcher Alt-Regierungsrat Alfred Gilgen verstorbenSchreiben Sie einen Kommentar
Gilgen gehörte von 1971 bis 1995 dem Regierungsrat des Kantons Zürich an. In den 24 Jahren war er stets Chef des Erziehungswesens (heute Bildungsdirektion) - dies ist ein Rekord. Während seiner langen Amtszeit habe Gilgen das Bildungswesen massgeblich mitgeprägt, teilte der Zürcher Regierungsrat am Dienstagabend mit.
Seine politische Heimat war lange Zeit der Landesring der Unabhängigen (LdU), von dem er sich jedoch später zunehmend distanzierte. Zuletzt sass er als Parteiloser im Regierungsrat.
Am unbeirrbaren und bisweilen forschen Regierungsmann schieden sich die Geister: Während der Jugendunruhen anfangs der 1980er-Jahre als «Linkenfresser» verschrien, wurde er später vom konservativ-autoritären Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis (VPM) als «Wegbereiter linksextremer Unterwanderung des Schulwesens» kritisiert.
Landesweite Aufmerksamkeit erregte Gilgen in den 1970er- und 1980er-Jahren mit seiner harten Personal- und Kulturpolitik gegenüber linken Lehrern und Kunstschaffenden. Er verwies zum Beispiel Dienstverweigerer aus dem Schulddienst. Und er war treibende Kraft bei der Verweigerung von Kulturpreisen, etwa an den Kabarettisten Franz Hohler oder den Filmemacher Alexander J. Seiler.
In den 1990er-Jahren wollte der langjährige Zürcher Bildungsminister dagegen jeden Einfluss des reaktionären VPM auf das Zürcher Schulwesen verhindern. Seine konsequente Haltung brachte ihm gegen Ende seiner Regierungszeit auch den Respekt von Links ein.
Mit seiner eigenen Partei verkrachte sich Gilgen. 1990 verliess er den LdU, weil er dessen prononciert grünen Kurs nicht mehr mittragen wollte.
Wesentliche Entwicklungen während Gilgens Regierungszeit waren in der Volksschule die Einführung des Französischunterrichts an der Primarschule oder die ersten Versuche mit der gegliederten Sekundarschule. Aufgegleist wurden in der Ära Gilgen auch die Einführung der Fünftagewoche an der Volksschule und die Verkürzung der Mittelschuldauer.
Ausserdem war Gilgen massgeblich an der Erneuerung der Universität Zürich beteiligt. Er begleitete namentlich den räumlichen Ausbau und die Teilverlegung der Uni auf den Milchbuck.
In die letzte Amtsdauer Gilgens fiel die Kantonalisierung des Zürcher Opernhauses, was der Stadt Zürich eine wesentliche finanzielle Entlastung brachte.
Gilgen wurde 1930 in Zürich geboren. Mit 28 Jahren trat der Arzt in den LdU ein. Bereits ein Jahr später wurde er in den Kantonsrat gewählt. Abgesehen von einem studienbedingten zweijährigen Unterbruch gehörte Gilgen bis zu seiner Wahl in den Regierungsrat dem Kantonalparlament an.
Im Amtsjahr 1969/70 präsidierte er den Kantonsrat. Im Militär bekleidete Gilgen den Rang eines Obersten im Generalstab. Vor seinem Wechseln in die Berufspolitik war er Oberassistent und Dozent am Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie an der ETH Zürich.
Nach der Pensionierung verschwand Gilgen nicht von der Bildfläche. Er war Verwaltungsratspräsident der Nordostschweizerischen Kraftwerke und Verwaltungsrat der Ems-Chemie Holding AG.
1996 präsidierte er ein Komitee zur Rettung des überschuldeten Bernhard-Theaters in Zürich. Und 2003 war er ironischerweise mit einer witzigen Rede präsent, als Ernst Buschor, sein Nachfolger in der Bildungsdirektion, seinen Abschied vom Regierungsrat feierte.
Der Zürcher Regierungsrat verliere mit Alfred Gilgen einen geschätzten ehemaligen Kollegen, hielt die Regierung am Dienstag fest. Gilgen habe sich stets mit Überzeugung und Toleranz für das Wohl des Kantons und der Schweiz eingesetzt.