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Theorien der aktuellen Raumforschung
Lexikon der Raumphilosophie
Auch in der deutschsprachigen Philosophie scheint es einen "Spatial Turn" oder zumindest eine Hinwendung zum Raum zu geben.
Dabei sollen Diskurse zur Räumlichkeit eine Gesamtsicht und einen Blick aus der Perspektive des Raums ermöglichen, so wie dies infolge des Linguistic Turn auch mit Sprache geschieht. Das Buch soll nicht nur ein rein philosophisches Lexikon sein, sondern hat einen interdisziplinären Anspruch. Dementsprechend sind viele Beiträge von Soziologen, Geographen, Medien- und anderen Kulturwissenschaftlern im Lexikon versammelt.
Die etwa 700 Lemmata sind kurz gehalten, meist zwischen einer halben und ganzen Seite des großformatigen Buches, und von hoher Informationsdichte. Sie bieten meist gute, prägnante Definitionen und Zusammenfassungen. Oft sind die Beiträge aber sehr abstrakt und ohne spezifisches Vorwissen und Kenntnis des wissenschaftlichen Fachjargons eigentlich nicht verständlich. Manchmal scheinen die Sichtweisen auf die Begriffe etwas einseitig, beispielsweise wenn es zum Lemma Peripherie heißt, dass Zentrum und Peripherie keine geographischen Kategorien mehr seien, "sondern zunehmend Metaphern für soziale Verhältnisse" (S. 302). Welchen Begriff von Geographie hat die Autorin hier angelegt? Überdies spielen ihr zufolge Standortfragen keine Rolle mehr - es darf daran gezweifelt werden, ob sich die Berliner Architektin nicht hauptsächlich in Großstädten aufhält...Skepsis ist also angebracht. Theoretische Konstrukte nehmen nahezu das ganze Buch für sich in Anspruch, wobei die Auswahl der Lemmata beliebig erscheint, wenn "Fort-Da" und "Ironie" einen eigenen Eintrag haben, Ruralität oder ländlicher Raum jedoch nicht.
Noch vor dem Vorwort befindet sich das Autorenverzeichnis, das ohne weitere Informationen zu den Autoren deren Namen und ihre jeweiligen Beiträge auflistet. Eine nach Lemmata geordnete Übersicht der Artikel ist jedoch nicht enthalten. Wem das in dieser Form etwas bringt, sei mal dahingestellt. Trotzdem kann das Lexikon auch für Kulturgeographen eine nützliche Ergänzung bieten, die jedoch kein geographisches Lexikon ersetzt.