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Frauenrechte endlich ebenso ernst nehmen
Oliver Bierhoff, Direktor des «Deutschen Fussball-Bundes» (DFB), sagte in diesem Frühjahr, dass das WM-Gastgeberland Katar ein «Treiber von Entwicklungen» und ein «wichtiger Partner Deutschlands in der arabischen Welt» sei. «Die Dinge sind nicht so toll, aber die WM kann helfen», sagte er damals dem «Spiegel». Er meinte nicht etwa die praktisch inexistenten Frauenrechte, sondern die skandalösen Arbeitsbedingungen unter denen Arbeitsmigranten die Stadien bauten.
«Wie konnte die Fifa die WM diesem Land geben?»
Heute fragt Bierhoff: «Wie konnte die Fifa die WM diesem Land geben?» Ins Grübeln gebracht hat ihn nicht etwa die Diskriminierung der Frauen, sondern die Verfolgung von Schwulen. Bierhoff kritisierte im «Spiegel», dass der Fussball-Weltverband (Fifa) in erster Linie auf Stadien und Kommerz schaue und nicht auf «Aspekte wie Menschenrechte oder andere gesellschaftliche Themen». Der DFB müsse sich für eine Änderung der Vergabekriterien stark machen, damit «die nächste Vergabe nur noch an Länder erfolgt, in der solche Dinge nicht passieren».
Kommerz wichtiger als Frauenrechte
Man kann dem DFB nur viel Erfolg wünschen. Denn der Kommerz war der Fifa noch immer wichtiger als die Menschenrechte, insbesondere als gleiche Rechte der Frauen. So schreibt der Weltverband zwar allen Bewerbern für eine WM-Endrunde vor, die Förderung von Mädchen- und Frauenfussball nachzuweisen. Doch das ist eine Feigenblatt-Vorschrift, wie das Beispiel Katar zeigt. Das Emirat gründete vor dem Vergabe-Entscheid der Fifa rasch eine Nationalmannschaft der Frauen. Anderthalb Monate, nachdem diese 2010 ihr erstes Länderspiel bestritten hatte, erhielt Katar die Zusage für die Männer-WM 2022. Seither hat das Frauen-Nationalteam kaum Spiele bestritten und ist deshalb auf der Weltrangliste der Fifa bis heute nicht einmal klassiert.
Frauen haben Status von Minderjährigen
Wenn Bierhoff und die Fifa die Diskriminierung von Frauen ernst nehmen würden, dürfte die WM nicht in Katar stattfinden. Denn im Emirat sorgt ein System der männlichen Vormundschaft dafür, dass Frauen in vielen Bereichen den Status von Minderjährigen haben. Ohne Erlaubnis eines männlichen Vormunds ist es Frauen beispielsweise untersagt, einen Vertrag zu unterzeichnen oder zu verreisen. Bierhoff hätte seine Frage schon bei der Vergabe vor über zehn Jahren stellen müssen: «Wie konnte die Fifa die WM diesem Land geben?»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Die Autorin ist Herausgeberin und Redaktorin des Online-Magazins «FrauenSicht».
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.