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Die meisten Städte in Afrika wurden im Zuge der Kolonialisierung gebaut und sind noch heute geprägt von kolonialen Verwaltungs- oder Dienstleistungszentren nach europäischem Vorbild. Die Städte haben nur wenig gemein mit der Kultur des Kontinents. Zentral für die afrikanische Stadt ist der Markt als Treffpunkt, als Ort des Handels. Ohnehin leben die meisten Völker in Dorfgemeinschaften und nicht in eigentlichen Städten. So war die Ländereinteilung durch die Kolonialmächte (Berliner Kongokonferenz 1884/85) folgenreich, da sie über die Köpfe der afrikanischen Bevölkerung hinweg erfolgte. Stammesland wurde nicht selten durch die willkürliche Grenzziehung durchschnitten. Dies zeigt, wie verheerend der Einfluss von Machtstaaten war; und bis heute bleibt. Nicht zuletzt wurde damit auch eine bedürfnisgerechte Stadtentwicklung behindert.
Landflucht in Afrika
Die Landflucht ist eines der Hauptprobleme Afrikas. Überbevölkerung, unklare Landrechte und zunehmend der Klimawandel treiben immer mehr Menschen in die Städte. Als erste Station bleibt meist nur der Slum. Städte wachsen ungeordnet und in rasendem Tempo. Wohl gibt es politische Anstrengungen, um die prekären Verhältnisse in den Armenvierteln zu verbessern. Doch es ist ein Wettlauf mit dem ständigen Strom von neuen Zuwanderern.
AgroCity Vision
Es gibt verschiedene internationale Projekte, um die menschenunwürdigen Zustände in Städten, insbesondere in Afrika zu lindern. Vielversprechend ist ein Ansatz von Al Imfeld (1935 -2017; Betlehem Missionar, Afrikaexperte und Journalist). Er war davon überzeugt, dass Afrika seine eigene Stadt erst erfinden muss. Dabei hatte er die Menschen südlich der Sahara, die Bantuvölker, im Blick. Durch seine vielen Reisen und zahlreichen Begegnungen in diesem Gebiet kannte er die Gewohnheiten und die Kultur dieser Menschen. Auf diesem Wissen aufbauend, formulierte er Grundsätze für eine afrikagerechte Stadt. Für ihn war klar, dass die Landwirtschaft in die Stadt der Zukunft einbezogen werden muss; nicht nur im Sinne des urban gardenings, sondern auch des urban farmings. Denn die Bantu-Gemeinschaften sind seit je her agrarisch geprägt. Die AgroCity ist deshalb auch eine Ökostadt. Grünräume müssen von vornherein mit eingeplant werden, insbesondere bewirtschaft- und beweidbare Flächen. Bäume und Hecken sind zu pflanzen als Windschutz, für Früchte und als Lebensraum für Tiere. Zu diesem Stadtmodell gehört auch die Mobilität: Die Stadt ist grundsätzlich autofrei. In Ausnahmefällen sind nur Fahrzeuge ohne fossile Brennstoffe zugelassen. Die Energienutzung von Sonne, Wind und Biomasse gehört zur Selbstverständlichkeit. Imfeld schwebten Kreisläufe vor: beim Abwasser und beim Abfall.
Dem Visionär war es ein grosses Anliegen, von Anfang an alle Ansässigen des Projektortes in die Umsetzung einzubeziehen, ohne Ansehen der Religion und Volkszugehörigkeit. Eine Durchmischung war sein Ziel. Für die Planung und den Aufbau sollen Bäuerinnen, Universitätsprofessoren, Architektinnen, Stadtplaner und weitere Fachleute (etwa für Energie und Abwasser) zusammen das Projekt begleiten und realisieren. Vor allem müssen die künftigen Bewohner eigenständig ihre Stadt formen können. Jeder und jede soll sich am Aufbau beteiligen.
Pilotprojekt Bushiri in Tansania, District Pangani
Für die Umsetzung der Vision von Al Imfeld wurde 2018 der Verein ACA AgroCity Association mit Sitz in der Schweiz gegründet. Hauptziel ist, die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung zu verbessern und die Landflucht abzuschwächen. Gleichzeitig kann auch die Migration in die Industrieländer an Attraktivität verlieren, wenn ein gutes Leben in einer AgroCity ermöglicht wird. Dazu gehören auch städtische Angebote wie Schulen, Märkte und Einrichtungen für Kultur und Unterhaltung.
Für das Pilotprojekt in Tansania entstand die lokale Genossenschaft BAC Bushiri AgroCity Cooperative Ltd, die sich ausnahmslos aus Einheimischen zusammensetzt. Sie unterstützt und begleitet die Umsetzung, die Federführung bleibt aber bei der ACA.
Ein 4 km2 grosses, fruchtbares Landstück konnte bereits gesichert werden. Chinesische Investoren hatten ebenfalls Interesse bekundet, diesen Landstrich für den Maniokanbau zu erwerben. Das AgroCity Projekt wurde aber bevorzugt. Mit der konkreten Planung wurde bereits begonnen und Kontakte zu verschiedenen Institutionen geknüpft, wie beispielsweise zur Secondary School von Bushiri. Und sofort setzte sich die praktische Umsetzung in Gange. Zurzeit warten 1000 Zedern auf Regen, um dann gepflanzt zu werden. Es ist vorgesehen, dass ab 2020 die ersten Bewohnerinnen und Bewohner aufgenommen werden können.