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Idee
Vom Metronom bis hin zum fertigen Track - diesen Prozess wollte ich dokumentieren. Ich habe schon einige Nachmittage und Abende bei meinem Cousin Colin, aka Cilon, in seinem Dachstock-Studio verbracht und mir seinen ganzen Produktionsprozess erklären lassen. Vom Kick zum Snare zum Bass zur Gitarre, Synthesizer, Vocals ect. ect. Colin produziert seine Tracks stets in einem ähnlichen Schema, er lässt sich von Samples inspirieren oder hat eine eigene Melodie, an welcher er so lange herumschraubt, bis sie tatsächlich umgesetzt werden kann. Meiner Meinung nach ein sehr spannender und eindrücklicher Prozess. Diesen Prozess wollte ich in einem One Take verfilmen, um die einzelnen Schritte aufzuzeigen.
Inspiration
Ähnlich wie bei der YouTube Web Serie „Against the Clock“ in welcher Produzenten zehn Minuten Zeit bekommen, um einen Track zu produzieren, wollte ich Colin die Zeit geben, die er braucht, um alles in einem Sitting zu produzieren - damit ich dies dann in einem Take filmen konnte. Dabei geht es in erster Linie um die Melodie, welche mit mehreren Instrumenten so produziert wird, dass ein Beat entsteht. Gewisse Producer schaffen es, einen fix fertigen Beat zu erstellen, gewisse nur zu einem Teil. Ich wollte, dass Colin in einer so kurzen Zeit wie möglich, so nah wie möglich an das fertig Produkt herankommen kann.
Planung der Produktion
Zuerst musste ich Colin meine Idee näherbringen und im Gespräch mit ihm überhaupt herausfinden, was überhaupt für ihn in einem One Take möglich ist. Wir schauten uns verschiedenste Projekte und deren Produktionsschritte an und versuchten dann Elemente eines fertigen Tracks so auseinander zu nehmen, dass Colin eine ähnliche Version produzieren konnte. Da der grösste Teil der Produktion wohl der Feinschliff der einzelnen Audiospuren, das Mixen und Mastern ist, beschlossen wir, gewisse bereits vorbereitete Presets von ihm zu verwenden und dann beispielsweise die eingespielte Gitarre auf ein akzeptables digitales Sound Niveau zu bekommen, ohne mehrere Stunden daran zu schleifen. Die gleiche Ansatzweise verfolgten wir bei den Vocals, welche ebenfalls ein enorm intensives Nachbearbeiten mit sich bringen. Wir planten die Produktion Schritt für Schritt durch und kamen zu einem Ablauf der folgendermassen aussah:
Kick, Snare 1, Snare 2, Hi Hat 1, Hi Hat 2, Bass 1, Bass 2, Gitarre, Synt 1, Synt 2, Synt 3,
Vocals 1,Vocals2, Vocals 3
Colin plante noch einen Refrain, der auch im fix fertigen Track zu hören ist. Da dieser aber eine noch zeitintensivere, umfangreichere Nachbearbeitung benötigte, entschieden wir uns diesen nicht im Projekt One Take einzufügen, sondern lediglich dem Final Track hinzuzufügen.
Filmen währen der Produktion
Ich filmte die Action mit der Canon 70D, welche ich auf den Ronin Stabilisator montiert habe, um so möglichst lange und ohne grosses Wackeln den fortlaufenden Prozess filmen zu können. Das Audio wurde mit einem Audio Recorder aufgenommen und als Back-up das Rode VideoMic auf die Canon montiert. Nach mehreren Testläufen brauchten wir dann drei ganze Durchläufe, bis jede Aufnahme des Audio Layers und der gesamte Ablauf aufeinander abgestimmt waren.
Post Production
In der Post Produktion wollte ich zwei Videos erstellen. Das erste eine auf knapp sechs Minuten gekürzte, schnell getaktete Version und das zweite in der vollständige Länge.
Um das Projekt vorstellen zu können, kreierte ich eine Wordpress Seite auf der beide Videos, ein "About Colin" und der komplett abgemischte fertige Track zu sehen und zu hören sind.
Schwierigkeiten
Die Planung der Produktion des Tracks zeigten mir, dass die Umsetzung meiner Idee in der Realität viel schwieriger sein wird, als ich mir das ursprünglich vorstellte. Einerseits mussten wir einen Mittelweg mit den Presets finden, um Gitarrenspuren und Vocals so schnell wie möglich zu bearbeiten, damit die Produktion überhaupt in einem realistischen Zeitrahmen lag. Anderseits versuchten wir eine möglichst gute Audio Qualität aufzunehmen. Wir versuchten deshalb das interne Audio Signal aufzunehmen und das externe. Das interne nahm jedoch nicht die Tastengeräusche des Keyboards auf, die das ganz so echt, so real machen. Darüber hinaus waren die fertigen Audiospuren fast zu gut, um sie als live Produktion Audiospur zu verwenden, deshalb beschloss ich, nur das Audio des Recorders zu nutzen, welches mir ein befriedigendes Resultat gab. Zusätzlich stabilisierte das Rig mein Bild zwar enorm, jedoch war die Kamera mit dem Rig so schwer, dass ich die 20 Minuten fast nicht durchgestanden habe. Die Atmosphäre im Dachstock war sehr entspannt und gleichzeitig völlig angespannt, da Colin eine Meisterleistung innerhalb kürzester Zeit durchführen musste. Colins Stimmbänder wurden vor jedem Durchlauf wieder eingesungen, damit er nach 15 Minuten reiner Musikproduktion mit seinen fast schon wieder kalt gewordenen Stimmbänder die Töne so gut wie möglich treffen konnte. Das Produzieren eines fehlerlosen One Take Tracks war unter Zeitdruck schwieriger als gedacht.
Fazit
Das Projekt mit meinem Cousin hat mir enorm Spass gemacht und mir die Welt der Musikproduktion noch ein Stück nähergebracht. Allerdings war es nicht so einfach wie vorgestellt, den Track in einer so kurzen Zeit von Grund auf zu produzieren. Deshalb mussten wir ein paar Tricks anwenden. Alles in allem finde ich den Track mehr als nur gelungen und die Prozess-Darstellung mittels Video zeigt auf, was Cilon alles in seinen Track hineinsteckt und was für einzelnen Schritte nötig sind. Auf der Website wollte ich noch ein kleines add-on platzieren, um aus den einzelnen Audio-Layer eine Mediathek zu erstellen, welche der User selbständig bedienen kann, um dann wie Colin selbst, das Lied Kick für Kick, Snare für Snare, selber zusammenzubauen. Allerdings fand ich kein geeignetes Plug-In und auch meine beschränkten JavaScript Kenntnisse konnten mir leider nicht weiterhelfen. Es ist möglich, dass ich parallel zu Cilons Album Release im Herbst einen weiteren One Take produzieren werde, vielleicht sogar auch ein Musik Video mit ihm.