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Wie falsche geldpolitische Dogmen direkt in die nächste Krise führen
Das erklärte und prioritäre Ziel der meisten Zentralbanken ist die mittelfristige Preisstabilität. Damit unterliegen sie und die Gesetzgeber, welche die Zentralbanken dazu verpflichten, einem fundamentalen Irrtum. Die Geldpolitik generiert so wirtschaftliche Verzerrungen, die in neuen Finanz- und Wirtschaftskrisen enden müssen.
Bild: „Nicht jeder ist bereit, für das gleiche Produkt gleich viel zu bezahlen“ (Shutterstock)
Die Gesetzgeber der meisten Staaten sind sich einig: Vorrangiges Ziel der Zentralbank ist die Gewährleistung der Preisstabilität. Doch das Anstreben dieses Ziels macht weder Sinn, noch ist es praktikabel.
Wie entsteht ein Preis?
Wichtig, um den Irrsinn des Preisstabilität-Dogmas zu erkennen, ist das Wissen, dass es keinen objektiv feststellbaren Wert eines Gutes gibt. Er kann nicht – wie dies David Ricardo, Adam Smith oder Karl Marx behauptet haben – durch die zur Produktion aufgewandte Arbeit objektiv bestimmt werden. Wäre dies der Fall, würden die Menschen eine Flasche Wasser, für deren Produktion ein Produzent 20 Tage aufwendete, 20 Mal höher bewerten, als eine Flasche, die in nur einem Tag fertiggestellt wurde. Das macht offensichtlich keinen Sinn.
Der Österreichische Ökonom Carl Menger kam in seiner Wertlehre vielmehr zum Schluss, dass der Wert eines Gutes subjektiv ist und von individuellen Einschätzungen und Zielsetzungen abhängig ist. Was für die Menschen von Wert ist, entscheiden sie selbst. «Jeder Wert ist ein Phänomen der subjektiven Bewertung» (Roland Baader). Wenn jemand drei Tage durstend durch die Wüste irrt und dann auf einen Getränkeverkäufer trifft, wäre er wahrscheinlich bereit einen sehr hohen Preis für eine Flasche Wasser zu bezahlen, da diese ihn vor dem Verdursten rettet (hoher Grenznutzen). Für eine zweite Flasche Wasser wäre er wegen des abnehmenden Grenznutzens nicht bereit, gleich viel zu zahlen und für die dritte noch weniger als für die zweite. Dieses Beispiel zeigt, dass selbst der gleiche Mensch je nach Situation und Zeitpunkt demselben Gut einen unterschiedlichen Wert zumisst. Die Subjektivität des Wertes ist eine der tiefsten Quellen allen Reichtums und Fortschritts. Denn wenn jedermann jedes Gut zu jedem gegebenen Zeitpunkt gleich wertschätzen würde, käme es nicht zum Tausch – und damit auch nicht zur Arbeitsteilung, der Hauptantriebskraft allen Fortschritts.
Unsinnige Preis-Stabilisierung
Der Preis ist letztlich das Ergebnis des Zusammentreffens der individuellen Wertschätzungen von Anbietern und Nachfragern. Da aufgezeigt wurde, dass diese Wertschätzung und damit auch die Preise, die sich ergeben, schwanken können, ist nicht einzusehen, weshalb die Stabilisierung von Preisen ein anzustrebendes Ziel der Zentralbanken sein soll.
Preise erfüllen die wichtige Funktion der gesamtwirtschaftlichen Koordination. In sozialistischen Systemen fehlt ein solcher Mechanismus, weil dort das freie Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage unterbunden wird und durch zentrale Planwirtschaft ersetzt wird. Demzufolge kommt es dort auch ständig zum sogenannten Warteschlangen-Phänomen: Wenn der zentralplanerische Anbieter der Preis von Reis beispielsweise zu tief ansetzt, werden die Verkäufer weniger Reis anbieten (da es sich für einige Anbieter nicht mehr lohnt), während die Konsumenten ganz vorne in der Warteschlange Hamsterkäufe tätigen. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und das gesamtwirtschaftliche Angebot werden bei Preismanipulationen durch staatliche Eingriffe nicht aufeinander abgestimmt und es kommt zu leeren Regalen. Ähnliche Folgen (die sich vor allem in Wirtschaftskrisen manifestieren) ergeben sich aus der Manipulation der Zinsen (also dem Preis für ausgeliehenes Geld) durch die Zentralbanken, die durch eine optimale zentrale Steuerung dieser Zinsen die Stabilität des Preisniveaus zu erreichen versucht.
Anmassung von Wissen
Friedrich August von Hayek befasste sich unter anderem mit der Frage, ob eine Institution wie die Zentralbank überhaupt über das notwendige Wissen verfügen kann, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um dieses Ziel der Preisstabilität zu erreichen. Was die Monetaristen rund um Milton Friedman bejahen, verneinte Hayek klar. Die Monetaristen sind der Ansicht, dass die Geldmenge mit dem Wachstum der Gütermenge Schritt halten muss, um das Preisniveau stabil zu halten. Diese Denkweise geht davon aus, dass die Zentralbank eine Art Überinstitution ist, die im Besitz von allem relevanten Wissen ist, das es zur Bestimmung der optimalen Geldmenge braucht. Die Antwort auf die Frage, wie eine Zentralbank in der Lage sein soll, das Wissen sämtlicher Menschen bei sich zu sammeln und auszuwerten, bevor sich deren Handlungen auf dem Markt manifestieren, bleiben sie schuldig. Es ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit.
Eines ist klar: Die Behauptung, eine Zentralbank wisse genau, welches Zinsniveau das richtige für die Wirtschaft ist, ist falsch. Trotzdem legitimieren sich die Zentralbanken primär mit der unsinnigen Argumentation, sie würden mit der richtigen Geldpolitik für die «Preisstabilität» sorgen. Diese Fokussierung auf das Preisniveau führt aber zu Problemen.
Irrtum der Mainstreamökonomie
Offensichtlich wird ein Anstieg der Geldnachfrage bei gleichzeitiger Bereitstellung von zusätzlichem Geld für die Wirtschaft sich kaum auf einen Preisindex auswirken. Aufgrund dieser Tatsache kommen manche Makroökonomen zu dem Schluss, zusätzliches Geld wirke sich nicht störend aus, sondern befriedige nur eine zusätzliche Nachfrage nach Geld. Die relative Konstanz des Preisniveaus zeige, dass nicht zu viel Geld geschöpft wurde und somit auch keine wirtschaftlichen Ungleichgewichte entstanden.
Dies ist eine gefährliche Fehlinterpretation. Der statistische Durchschnitt aller Preise ändert sich womöglich kaum, wenn frisches Geld in eine Volkswirtschaft gepumpt wird, aber das heisst nicht, dass die Liquiditätsspritze keine Preisverzerrung auslöst und dass es daher auch zu keiner Fehlallokation von Kapital kommt. Definitionsgemäss kann ein Durchschnitt von Preisen keine Veränderungen der relativen Preise widerspiegeln, aber es passiert gerade durch die Verzerrung der relativen Preise, dass eine Injektion von neuem Geld zu Fehlallokationen von Kapital führt.
Österreichische Schule
Da sich viele Ökonomen am Preisstabilitätsdogma der Monetaristen orientieren, erkennen sie auch nicht, wenn sich aufgrund von verfälschten Preissignalen und der dadurch ausgelösten Fehlallokation von Kapital eine Krise anbahnt. Das ist einer der Gründe, weshalb die Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie bezüglich Vorhersage von Krisen ihren Konkurrenten von anderen ökonomischen Schulen oftmals einen Schritt voraus waren.
Ein wesentlicher Punkt, den jene Exponenten vernachlässigen, die sich lediglich auf die Preisstabilität konzentrieren, ist jener der Definition der Preisstabilität. Gemeint ist damit oftmals nur die Stabilität von Konsumentenpreisen, während die Vermögenspreise aussen vor gelassen werden. Dies ist ein folgenreicher Fehler, wenn man die wahren Auswirkungen einer Geldmengenausweitung erfassen will.
Diesem fehlgeleiteten geldpolitischen Dogma entspringt auch die Abneigung gegen den Goldstandard (da dann die Geldmenge nicht mehr beliebig vermehrt und dadurch die «Preisstabilität» nicht mehr gewährleistet werden kann) und gegen einen freien Währungswettbewerb unter privaten Anbietern («Wer garantiert dann noch die Preisstabilität?»). Aus diesem Grund gilt es, mit falschen Glaubenssätzen aufzuräumen, um den Weg zu Wohlstand und Freiheit ohne ständig wiederkehrende Finanz- und Wirtschaftskrisen zu ebnen.
Goldstück
Der Newsletter «Goldstück» wird herausgegeben vom Komitee «Ja zur Goldinitiative – Rettet unser Schweizer Gold», Postfach 23, 8416 Flaach
Autor der heutigen Ausgabe:
Olivier Kessler