Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03196.jsonl.gz/766

Die M39/LTM-Objektive für die Zorki-Kameras
Eine Kamera ist nur so gut, wie das vorgeschraubte Objektiv. Und gerade russische Objektive hatten zu ihrer Zeit einen recht guten Ruf, besonders optisch und von ihrem Preis her, auch wenn die Verarbeitungsqualität nicht immer mit westlichen Marken mithalten konnte, damals. Zuerst finden hier eine Übersicht aller hier beschriebenen Objektive gefolgt von den Modelldetails und mehr zu russischen Objektiven. Am Schuss runden noch Verweise auf weitere Informationen diese Dokumentation ab.
Übersicht
Übernommen von den frühen Schraubleicas (Leica I, II und III) wurde das Schraubgewinde für Objektive mit 39mm Durchmesser, bekannt als M39-Gewinde, mit einer Gewindesteigung von fast einem Millimeter (genau 0.977mm). Ebenso wurde das Auflagemass, also der Abstand zwischen Filmebene und Objektivgewinde, von Leica übernommen. Es beträgt genau 28.8mm und weicht damit beispielsweise vom Schraubanschluss der Zenit-Objektive ZM39 ab, welche zwar auch ein passendes M39-Gewinde, aber ein Auflagemass von 45.5mm verwenden. Alle Masse für Durchmesser und Auflagemass dürften auf englische Normen zurückgehen und ursprünglich in Zoll-Massen angegeben worden sein. Das M39-Gewinde der Zorkis, FEDs und Leicas wird auch als "LTM" bezeichnet, was für Leica Thread Mount steht. Gelegentlich ist mir aber auch schon die Bezeichnung "LSM" (Leica Screw Mount) begegnet.
Ein paar populäre Objektive, welche oft mit Zorkis ausgeliefert oder verwendet wurden, habe ich oben abgebildet (von links nach rechts): Orion 15, Jupiter 12 (mit Rückdeckel), Industar 22, Industar 50, Jupiter 8, Jupiter 9 und Jupiter 11.
Objektive in dieser Dokumentation
Wählen Sie hier ein Objektiv von KMZ, um detailierte Informationen dazu erhältlich zu machen:
Technische Zusammenfassung
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die technischen Daten der weiter unten im Detail beschriebenen Objektive:
Beim ersten Baujahr ist das Jahr gemeint, in welchem das entsprechende Objektiv erstmals von KMZ produziert worden ist. Im Gegensatz zu den Zorki-Kameras, welche alle bei KMZ gefertigt wurden, kommen die zugehörigen Objektive später auch von Zulieferern wie LZOS (Lytkarino Optical Glass Factory, mit KMZ assoziiert), KOMZ (Kazan Optical-Mechanical Factory) oder ZOMZ (Zagorsky Optical-Mechanical Factory, ebenfalls mit KMZ assoziiert). FED-Objektive wurden demgegenüber nie zusammen mit Zorkis ausgeliefert, auch nicht in den Anfängen, wie oft spekuliert wird.
Die oben genannte "Auflösung" meint das Auflösungsvermögen der Objektive in Linien pro Millimeter, jeweils im Zentrum und am Rand.
Alle Daten stammen von den entsprechend bezeichneten Objektiven und nicht von deren Vorgängern (zB. "SK" oder "BK"), bei denen es sich um deutsche Linsen oder Baugruppen von Zeiss in russischen Fassungen handelt. Die russischen Objektive (Orion, Industar und Jupiter) wurden beim Staatlichen Optischen Institut (GOI) in Leningrad neu gerechnet und auf in der Sowjetunion verfügbare Glassorten abgestimmt.
Objektive im Detail
Die folgenden Abschnitte beschreiben die oben genannten Objektive im Detail. Hinweis: Alle Linsenschnitte und Konstruktionszeichnungen in den folgenden Beschreibungen stammen von der Internet-Seite von KMZ. Bei allen Linsenschnitten und Konstruktionszeichnungen ist die Frontlinse links und rechts würde die Kamera angeschlossen. Die Blende wird in den Linsenschnitten durch zwei kleine vertikale Linien oberhalb und unterhalb des Strahlengangs symbolisiert.
Orion 15 (28mm/6.0)
Entwickelt wurde der Urvater des Orion 15, das Topogon, von Dr. Robert Richter bei Carl Zeiss Jena im Jahr 1933. Bereits 1936 erschienen in Russland ähnliche Objektive mit den Namen Leear 6 und Russar 1 für die Luftbildfotografie, die auf einer Rechnung des sowjetischen Mathematikers Michael Michaelovitch Rusinov aus dem Jahr 1934 basierten. Ab 1938 wurden eine Vielzahl von Topogon-Varianten bei Zeiss gefertigt, unter anderem auch mit Contax/Kiev-Anschluss. 1950 wurde das Orion 15 bei KMZ entwickelt und ging 1955 in Produktion, die ab 1964/1965 von ZOMZ übernommen worden ist.
Die Konstruktion des Topogon und damit auch des Orion 15 ist durchaus aussergewöhnlich, besteht sie doch primär aus zwei stark gewölben und zwei kleineren, ebenfalls gewölbten Linsen, die symmetrisch angeordnet sind; es handelt sich um die Urform des sogenannten Doppel-Gauss-Objektivs. Einen detailierten Aufsatz von Lucio Lepri zu diesen frühen Weitwinkelkonstruktionen in italienischer Sprache finden Sie hier.
Das oben abgebildete Orion 15 von KMZ stammt aus dem Jahr 1960 und ist für sein Alter in recht gutem Zustand.
Zu bedenken ist beim Einsatz dieses Objektivs, dass der Sucher lediglich den Blickwinkel eines Normalobjektivs mit 50mm und damit eine kleinere Fläche abdeckt, als auf dem Film abgebildet wird. Verwenden Sie deshalb einen auf den Zubehörschuh aufsteckbaren Sucher, um das volle Bildfeld überblicken zu können.
Jupiter 12 (35mm/2.8)
Das Jupiter 12 ist ein Nachbau des Zeiss Biogon 35mm/2.8, das 1935 von Ludwig Bertele bei Zeiss Ikon Dresden entwickelt wurde. Aus zugelieferten deutschen Linsengruppen fertigte KMZ etwa ab 1948 selbstgefasste BK 35mm/2.8, wobei BK für "Biogon Krasnogorsk" steht. Diese Weitwinkelobjektive wurden für die FED-Zorki mit M39/LTM-Schraubgewinde und für Contax/Kiev mit externem Bajonett gefertigt. Ab 1949 wurden die BK 35mm/2.8-Objektive auch mit der Beschriftung "Zorki" verfügbar, für beide genannten Anschlüsse.
Aus dem BK 35/2.8 wurde das neu gerechnete Jupiter 12 abgeleitet. Es war recht populär und wurde von KMZ etwa ab 1950, nach 1952 mit geändertem Blendenring, bis 1960 produziert. Danach stellte LZOS das Jupiter 12 her. Es wurde bis Ende der Sechzigerjahre in Chrom und ab ca. 1970 für die Zorki 4K als Jupiter 12M in Schwarz gefertigt.
Etwas fummelig ist die Blendeneinstellung, die vorne am Objektiv an einem etwas versenkten Ring vorgenommen werden muss.
Besonders empfindlich ist das Jupiter 12 an seiner Rückseite, wo ein grosser Glaskörper ins Kameragehäuse hineinragt und die Filmebene fast zu berühren scheint; es ist tatsächlich kaum Platz zwischen Verschluss und der Rücklinse des Objektivs! Diese Rücklinse ist übrigens auch das grösste und schwerste Bestandteil dieses Objektivs, wie man am Linsenschnitt gut erkennen kann.
Wie auch beim Orion ist ein aufsteckbarer Sucher nötig, um das komplette Bildfeld einsehen zu können.
Die oben abgebildete Konstruktionszeichnung beinhaltet übrigens ausnahmsweise auch den vergleichsweise grossen Rückdeckel, der die rückseitige Linse schützt.
Obiges Jupiter 12 ist recht jung, es wurde im Jahr 1974 von LZOS (Lytkarino Optical Glass Factory) hergestellt. Auf dem ersten Bild musste ich das Objektiv übrigens umdrehen, wegen dem grossen, überstehenden Glaskörper der hintersten Linse.
Industar 22 (50mm/3.5)
Der Name Tessar, auf dessen Konstruktion sowohl das Industar 22 als auch das Industar 50 basieren, wurde von Dr. Paul Rudolph bei Carl Zeiss Jena bereits im Jahr 1902 in Deutschland zum Patent angemeldet (Patent DE 142 294). Durch verbesserte Rechnungen konnte bis in die Dreissigerjahre die Lichtstärke der Konstruktionen von anfänglich 6.3 auf 2.8 gesteigert werden. Im Laufe der Zeit verwendeten viele namhafte Hersteller die Tessare als Vorbild für eigene Weiterentwicklungen und so wurden insgesamt weit über 100 Millionen Objektive mit dieser Konstruktion weltweit hergestellt.
Die ersten Tessar-Varianten in Russland wurden von FED wahrscheinlich schon im Jahr 1934 für die frühen FED 1-Messsucherkameras verwendet. Entwickelt und gebaut worden sind diese wohl bei VOOMP unter Mithilfe von GOI. Das Industar 10 entstand während dem Krieg, im Juli 1941 bei GOI, und wurden fortan mit vielen Kameras von FED ausgeliefert. Es folgten ab 1947/1948 die von KMZ hergestellten Industar 22, die 1953 von den Industar 50 abgelöst wurden.
Die Tessar-Konstruktionen zeichnen sich besonders durch ihre Schärfeleistung bei auch sonst geringen Objektivfehlern aus. Im Gegensatz zu den Angaben verschiedener Quellen sind die Industar 22 und 50 keine Kopien des Leitz Elmar, sondern Kopien des Zeiss Tessar in einer vom Leitz Elmar kopierten Objektivfassung. Der Unterschied zwischen Elmar und Tessar/Industar ist, dass bei letzteren die Blende zwischen der konkaven Mittellinse und der verkitteten Hinterlinse liegt, beim Elmar hingegen direkt hinter der Frontlinse.
Das Industar 22 ist das Standardobjektiv der frühen Zorkis. Es handelt sich um eine versenkbare Konstruktion, welche ausgefahren durch eine Drehung im Uhrzeigersinn (von vorne gesehen) arretiert werden kann. Ein ebenfalls arretierbarer Griff ermöglicht die einfache Fokussierung. Die Blendenverstellung erfolgt über einen Ring an der Front des Objektivs.
Obige Bilder zeigen vier verschiedene frühe Versionen des Industar 22: "Moskau" (1948, unvergütet, altes KMZ-Logo) für FED-Zorki, "Zorki" (1950, kein Hersteller-Logo!) für Zorki 1b, frühes Modell (1952, Seriennummer auf der Rückseite) für Zorki 1c und späteres Modell (1953, Seriennummer auf der Front) für Zorki 1c oder 1d. Es sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass es eine Vielzahl von leicht unterschiedlichen Varianten dieser Objektive gibt, die sich nur im Detail unterscheiden. Die frühesten Industar 22 ("Moskau"-Varianten von 1948) sollen gar von FED stammen, sagen jedenfalls Gerüchte, die ich jedoch nicht bestätigen kann, auch wenn die Erfahrungen von FED bis 1941 zurück reichen, was den Objektivbau dieser Gattung betrifft (Industar 10).
Eine weniger verbreitete Variante des Industar 22 von 1951 ist nicht versenkbar. Es gibt davon zwei Versionen, eine mit schwarzer und eine mit chromfarbiger ("weisser") Front, von denen es gemäss Princelle jeweils nur rund 2000 Exemplare gegeben haben soll. Zumindest die Version mit schwarzer Front ist aber nicht ganz so selten, meinen Beobachtungen nach. Zu den Bildern: Links und Mitte: Feststehendes Industar 22 mit schwarzer Front von KMZ, 1951, rechts: Feststehendes Industar 22 mit weisser Front von KMZ, 1950.
Industar 50 (50mm/3.5)
Ein weiteres Standardobjektiv, welches mit vielen Zorkis ab ca. 1953 ausgeliefert wurde, ist das Industar 50. Einige frühe Serien des Industar 50 sind noch versenkbar und sehen dem Industar 22 zum Verwechseln ähnlich. Verbreitet ist aber die feststehende Bauform in Alu, später auch in Schwarz. Das Industar 50 wurde etwa ab 1960 auch bei LZOS und KOMZ gefertigt.
Das hier abgebildete Industar 50 aus dem Jahr 1958 ist in nicht mehr sehr schön, zudem ist der Blendenmechanismus defekt. Nur die Linsen selber sind noch einigermassen brauchbar. Leider sind Objektive in solch schlechter Verfassung nicht selten und sie lassen sich auch kaum mehr in einen besseren Zustand bringen, da das Aluminium des Gehäuses bereits stark angegriffen ist.
Dieses schwarze Industar 50 wurde 1971 bei KMZ gefertigt und mit späten Zorki 4 ausgeliefert. Die Seriennummer dieser Modelle befindet sich wie zu dieser Zeit üblich nicht mehr an der Front des Objektivs, sondern ist unten am Tubus angebracht.
Jupiter 8 (50mm/2.0)
Der Markenname Sonnar geht auf ein Objektiv von Contessa-Nettel zurück, das 1924 erschienen ist. Bereits zwei Jahre später wurde diese Firma in Zeiss Ikon integriert, wo ab 1930 verschiedene Objektive mit der Bezeichnung Sonnar gebaut wurden, unter anderem für die Kleinbildkamera Contax. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sonnar-Konstruktion von vielen Herstellern in Japan und Russland übernommen und weiterentwickelt.
Das Sonnar ist ein Triplet mit der klassischen Linsenfolge Sammellinse - Zerstreuungslinse - Sammellinse, wobei die Zerstreuungslinse meist als dicker konvexkonkaver Meniskus ausgebildet ist und oft aus zwei oder drei Einzellinsen verkittet ist. Auch die sammelnde Hinterlinse ist in der Regel aus zwei Linsen verkittet. Generell hatte das Sonnar drei wesentliche Vorteile: 1. Das Sonnar ist gedrungener als ein Doppel-Gauss-Objektiv gleicher Spezifikation; 2. Es bietet viele Möglichkeiten der Fehlerkorrektur durch Einführung von Kittgliedern, je nach verlangter Lichtstärke und gewünschtem Grad der Fehlerkorrektur; 3. Da das Sonnar nur sechs Glas-Luft-Flächen besitzt, hatte es vor Einführung der Vergütung 1936 eine merklich höhere Lichtdurchlässigkeit und größere Reflexfreiheit als alle anderen vergleichbaren Konstruktionen. Alle bei KMZ hergestellten Sonnare waren allerdings bereits vergütet.
KMZ stellte zwischen 1947 und 1949 mit von Zeiss Jena zugelieferten Linsengruppen die Vorgänger des Jupiter 8 mit der Bezeichnung SK 50mm/2.0 her, wobei SK für "Sonnar Krasnogorsk" steht. Oft wird SK auch als ZK bezeichnet, da "Sonnar" im russischen Sprachraum als "Zonnar" geschrieben wird. Frühe SK-Objektive gab es auch in einer seltenen, versenkbaren Variante, wie die weiter unten gezeigten Planskizzen von KMZ belegen. Erst ab 1950 wurden die Jupiter 8 nach einer, auf die in der UdSSR vorhandenen Glassorten abgestimmte Neuberechnung bei KMZ gefertigt, bis weit in die Neuzigerjahre hinein.
Das lichtstarke Standardobjektiv Jupiter 8, welches vielfach bei späteren Zorki-Modellen zum Einsatz kam, besitzt in den frühen Versionen (bis etwa 1955) einen Hebel zur vereinfachten Fokussierung. Während die frühen Modelle des Jupiter 8 in lackiertem Aluminium gehalten waren, sind die späteren Versionen - etwa ab 1976 - nun schwarz mit weisser Beschriftung gefertigt worden. Letztere gibt es wiederum in zwei Ausführungen, mit kyrillischer oder mit lateinischer Beschriftung. Die lateinisch beschrifteten Modelle besitzen meist auch einen Vermerk à la "Made in USSR".
Hier ein Bild mit verschiedenen Versionen des Jupiter 8 und seinem Vorgänger: SK 50mm/2.0 "Zorki" von 1950, Jupiter 8 50mm/2.0 von 1954, Jupiter 8 50mm/2.0 von 1961 und Jupiter 8 50mm/2.0 in schwarz von 1973, alle von KMZ.
Dieses seltene SK 50mm/2.0 von 1950 ist mit dem kyrillischen Schriftzug "Zorki" versehen, der übrigens auch bei Varianten dieser Objektive mit Kiev-Bajonett zur Verwendung kam:
Oben eine Gegenüberstellung des SK 50mm/2.0 "Zorki" von 1950 und dem Jupiter 8 50mm/2.0 von 1961, beide bei KMZ hergestellt oder zumindest gefasst.
Das oben gezeigte Jupiter 8 stammt aus dem Jahr 1958 und ist mechanisch und optisch in gutem Zustand. Dem Gehäuse ist der Gebrauch aber anzusehen, was nach fünfzig Jahren ja auch nicht weiter verwunderlich ist.
Bei obiger Skizze fällt auf, dass die Gehäuseform der ganz frühen SK 50mm/2.0 noch eine etwas andere Form besass, als deren Nachfolger. Diese Varianten sind nur sehr schwer zu finden.
Das abschliessend gezeigte schwarze Jupiter 8 stammt aus dem Jahr 1986 und wurde ebenfalls von KMZ hergestellt. Es handelt sich dabei wohl um Baureihen, die nachproduziert wurden, denn die letzte dazu passende Kamera, die Zorki 4K, lief bereits 1978 aus.
Jupiter 3 (50mm/1.5)
Wie auch das Jupiter 8 basiert das Jupiter 3 auf einer Sonnar-Konstruktion von 1936. Um bei gleicher Fehlerkorrektur eine Blende lichtstärker zu sein als das Jupiter 8 benötigt das Jupiter 3 eine aus drei Linsen verkittete hintere Gruppe.
Erste Exemplare mit aus Jena zugelieferten Linsengruppen wurden bereits 1948 von KMZ gefasst und unter der Bezeichnung SK 50mm/1.5 (für "Sonnar Krasnogorsk", graviert in kyrillischer Schrift "3K") vertrieben. Es wurden Objektive mit M39/LTM-Gewinde für die FED-Zorki und mit dem internen Contax/Kiev-Bajonett hergestellt. Zwischen 1948 und 1950 wurden diese Objektive auch mit der Zusatzbezeichnung "Zorki" geliefert.
Ab 1951 wurde die Bezeichnung Jupiter 3 für eine neu berechnete Konstruktion von KMZ eingeführt. 1954 erfolgte eine Neuberechnung durch M.D. Malzew unter Berücksichtigung neuer Glassorten. 1955 wurden erste Jupiter 3 mit dieser geänderten Rechnung ausgeliefert und die Produktion ab 1956 bei ZOMZ weitergeführt.
Ein seltenes SK 50mm/1.5 aus dem ersten Produktionsjahr 1948, welches noch ein Innenleben von Zeiss besitzt und über ein altes, nur bis 1949 gebräuchliches KMZ-Logo verfügt:
Der Vergleich zwischen dem SK 50mm/1.5 von 1948 und dem Jupiter 3 von 1956 zeigt den äusserlich sehr ähnlichen Aufbau, der sich lediglich durch den Blendenring des SK mit zwei gegenüberliegenden "Ohren" unterscheidet. Daneben sehen Sie beide Objektive mit offener Blende.
Jupiter 9 (85mm/2.0)
Eine weitere Sonnar-Kontruktion ist das Jupiter 9, weitere Informationen zur Herkunft der Sonnare von Zeiss finden Sie beim Jupiter 8. Der Vorgänger des Jupiter 9 wurde ab 1948 unter dem Namen SK 85mm/2.0 (SK="Sonnar Krasnogorsk") mit zugelieferten Linsengruppen bei KMZ montiert. Wohl ab 1949 wurden die SK 85mm/2.0 auch mit der Bezeichnung "Zorki" ausgeliefert. Ab 1951 wurde der Name Jupiter 9 für eine neuberechnete Konstruktion verwendet. Ab etwa 1957 wurde das Jupiter 9 auch bei Arsenal und 1960 bei LZOS produziert.
Das Jupiter 9 ist ein lichtstarkes kurzes Teleobjektiv, das mit seinen 85mm als ideal für die Portrait-Fotografie gilt. Wegen seinem vergleichsweise komplizierten Aufbau kann es nicht so einfach gewartet werden, wie die anderen hier aufgeführten Objektive. Deshalb sind viele Jupiter 9 in schlechtem Zustand oder wegen unsachgemässen Reparaturversuchen schlicht defekt. Auch dieses Objektiv wurde anfänglich in lackiertem Aluminium und später - nach 1970 - in schwarz produziert.
Dieses wuchtige, lichtstarke Jupiter 9 wurde im Jahr 1958 hergestellt und ist in erstaunlich gutem Zustand. Allerdings leidet es schon ein wenig unter einer speziell bei diesen Objektiven verbreiteten "Krankheit", es zeigt eine leichte Gelbfärbung, ähnlich einem sehr hellen Gelbfilter. In der Literatur wird berichtet, dass manche Glasarten radioaktiv strahlen würden (Gammastrahlung) und sich deshalb im Lauf von Jahrzehnten gelb verfärben würden. Nach Messungen des Radiologen Dr. M. Mladek strahlen aber alle Sonnare bzw Jupitertypen nicht nennenwert, es muss also eine andere Erklärung geben. Er vermutet als Ursache für die Gelbfärbung die Alterung des Kanadabalsams der vier Kittflächen des Objektivs.
Um den gegenüber dem Sucher verminderten Ausschnitt des Jupiter 9 besser abschätzen zu können, ist ein aufsteckbarer Sucher empfohlen.
Jupiter 11 (135mm/4.0)
Auch beim Jupiter 11 handelt es sich um einen Sonnar-Typ, allerdings mit einer für Teleobjektive ausreichenden, vereinfachten Konstruktion aus nur vier Linsen in drei Gruppen. Weitere Details zur Sonnar-Konstruktion finden Sie beim Jupiter 8. Die frühesten Exemplare des Jupiter 11 trugen die Bezeichnung SK 135mm/4.0 (SK="Sonnar Krasnogorsk"), später auch in Verbindung mit der Bezeichnung "Zorki", wobei die Linsengruppen noch von Zeiss zugeliefert wurden. Ab 1950 übernahm KMZ nach einer Neuberechnung die Produktion und die Bezeichnung Jupiter 11, 1957 begann auch Arsenal eine Variante mit eingebauter Sonnenblende zu produzieren, KOMZ etwa ab 1960, und 1975 in schwarz. Dieses Objektiv wurde in verschiedenen Varianten für M39/LTM- und M42-Gewinde sowie für das Contax/Kiev-Bajonett hergestellt.
Wie die die folgende Konstruktionszeichnung eines SK 135mm/4.0 von 1949 im Vergleich mit dem weiter unten fotografisch abgebildeten Jupiter 8 von 1971 zeigt, wurde das Aussehen der Fassung gelegentlich leicht verändert, die Funktion und die Linsenanordnung blieben jedoch weitgehend unverändert:
Das schlanke und doch recht lange Teleobjektiv Jupiter 11 ist vergleichsweise weit verbreitet und wird gerne angeboten. Offensichtlich ist für die Zorki-Messsucherkameras die Brennweite doch etwas gar lang, so dass dem Einsatz gewisse Grenzen gesetzt sind. Eine schwarze Variante dieses Objektivs von KMZ ist mir bisher noch nicht begegnet, es gibt sie aber mit Sicherheit von KOMZ.
Das oben abgebildete Jupiter 11 stammt aus dem Jahr 1971 und ist in gutem Zustand. Beim Hersteller handelt es sich um KOMZ (Kazan Optical-Mechanical Factory).
Die Brennweite von 135mm umfasst im normalen Sucher nur einen kleinen Teil im Zentrum. Deshalb ist beim Einsatz des Jupiter 11 ein externer, aufsteckbarer Sucher dringend angeraten.
Mehr zu russischen Objektiven
Hier erhalten Sie einige weitergehende Informationen zu russischen Objektiven, namentlich zu solchen aus Krasnogorsk:
Herkunft von Konstruktionen und Linsengruppen
Alle hier gezeigten Konstruktionen der populärsten Objektive von KMZ stammen von Zeiss, was aber keinesfalls heissen will, dass in der damaligen Sowjetunion nicht bereits vor dem "Grossen Vaterländischen Krieg" (Zweiter Weltkrieg) eine optische Industrie angesiedelt gewesen wäre und dass dort nicht auch erfolgreiche Objektive konstruiert worden sind.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden verschiedene optische Komponenten, Kamerateile und Werkzeugmaschinen als Reparationen in die Sowjetunion verbracht, zB. zu Arsenal nach Kiev in der Ukraine, wo aus Contax-Kameras von Zeiss Nachbauten mit der Bezeichnung Kiev entstanden, oder eben auch besonders Linsengruppen von Carl Zeiss Jena, die nach Krasnogorsk in die Nähe von Moskau zu KMZ kamen. Daraus entstanden die berühmten BK- und SK- bzw. ZK-Objektive ("Biogon Krasnogorsk" und "Sonnar Krasnogorsk" bzw. "Zonnar Krasnogorsk"), wie sie ab 1948 für Zorki- und Kiev-Kameras verfügbar wurden. Erst nachdem diese Bestände aufgebraucht waren, zT. erst nach 1954, wurden Linsen aus eigener Produktion und nach neuer Rechnung weiterverwendet.
Objektiv-Bezeichnungen
Nachdem anfänglich - sprich ab 1948 - die meisten Objektive unter der Bezeichnung "SK" bzw. "BK" vermarktet wurden, führte man bereits ein Jahr später die Bezeichnung "Zorki" ein, ein Name, der ebenfalls für die Messsucherkameras Zorki aus demselben Haus (KMZ) verwendet wurde. Das war wohl im Jahr 1949 und dauerte bis 1950, immer in Verbindung mit "SK" oder "BK" und einer entsprechenden Erweiterung, die das Objektiv genau spezifizierte.
Ebenfalls ab 1948 (oder zum Teil schon 1947) kam der Markenname "Industar" für das damals bereits verfügbare Industar 22 zum Einsatz, einer sehr populäre Tessar-Konstruktion, mit der ua. schon die frühen FED-Zorki ausgerüstet wurden. Der Name Industar war aber keine Erfindung von KMZ, sondern wurde von FED in der Ukraine bereits während dem Zweiten Weltkrieg verwendet, zB. bei dem damals populären Industar 10 50mm/3.5.
Ab 1950 etwa wurden statt BK und SK durchgehend nur noch die russischen Markennamen "Jupiter" mit einem numerischen Postfix verwendet, also zB. Jupiter 12 statt BK 35mm/2.8, Jupiter 8 statt SK 50mm/2.0, Jupiter 3 statt SK 50mm/1.5, Jupiter 9 statt SK 85mm/2.0 oder Jupiter 11 statt SK 135mm/4.0. Es handelt sich dabei durchgehend um Neurechnungen, die auf die in der damaligen Sowjetunion verfügbaren Glassorten abgestimmt waren.
Ich verwende durchgehend die Bezeichnung "SK" (für "Sonnar Krasnogorsk") für das kyrillische "3K", während in anderen Publikationen auch die Schreibweise "ZK" verwendet wird.
Die von mir in dieser Dokumentation verwendete Notation ist übrigens auch nicht komplett fehlerfrei, da die Bezeichnung von russischen Objektiven meist mit einem Bindestrich zwischen Bezeichnung und Nummer notiert, also zB. "Industar-22" statt dem von mir verwendeten "Industar 22".
Zudem wird üblicherweise die Blende vor der Brennweite genannt, also beispielsweise "4/135" für "135mm/4.0". Man möge mir diese Individualität verzeihen, aber so ganz unbegründet ist diese Notation auch wieder nicht: Richtigerweise müsste die Lichtstärke bzw. das maximale Öffnungsverhältnis in diesem Fall mit "1:4" angegeben werden, wobei "1" in diesem Zusammenhang ja die Brennweite meint, wie die ebenfalls übliche Bezeichnung "f/4" verdeutlicht. Zusammengefasst kann dies natürlich auch als "135mm/4" bezeichnet werden, da "f" ja für die Brennweite, also "135mm" steht. Zudem erlaube ich mir, Lichtstärkenangaben meistens mit einer Dezimalstelle zu notieren, so wird aus "4" eben "4.0".
Bei vielen Objektiven aus dieser Zeit wird die Brennweite in Zentimetern angegeben. Ich verwende trotzdem durchgehend Millimeterangaben, der Einheitlichkeit halber und weil damit auch die Vergleichbarkeit mit heute üblichen Brennweitenangaben gewährleistet ist.
Ebenfalls beachtenswert wäre vielleicht auch das kyrillische Zeichen "П", welches üblicherweise in rot im Zusammenhang mit Objektivbezeichnungen auftaucht. Es meint schlicht, dass das damit markierte Objektiv vergütet wäre. Spätere Objektive sind oft auch mit dem Kürzel "MC" bezeichnet, das auf "Multi-Coating" (mehrfache Vergütung) hinweist. Letzteres kommt bei M39/LTM-Objektiven kaum vor, wobei aber seit 1948 die meisten Zorki-Objektive vergütet waren, abgesehen eben von ganz frühen Industar 22-Versionen (zB. frühe "Moskau"-Varianten).
Die Seriennummern der Objektive wie auch der Kameras deuten bei KMZ oft auf das Baujahr hin, welches in den ersten zwei Stellen kodiert ist. Ausnahmen bilden ganz frühe Objektive vor 1950, Prototypen oder Vorserien. Bei den Zorki-Kameras wurde dieses System demgegenüber erst ab etwa 1954 eingeführt.
Der Hersteller eines Objektivs ist schliesslich immer durch ein Logo erkennbar, das in der Regel gut sichtbar am Frontring prangt. Eine Liste aller bekannten russischen Kamera- und Objektiv-Firmen mit ihren Logos finden Sie hier (russisch).
Produktionszahlen
Im Gegensatz zu den Zorki-Kameras liegen mir keinerlei Produktionszahlen zu den von KMZ produzierten Objektive vor. So können die produzierten Objektive allenfalls anhand der Kameraproduktion geschätzt werden. Dazu kommt, dass KMZ anfänglich nicht nur die eigene Zorki-Linie und später die Spiegelreflexkameras der Marke Zenit mit Objektiven bestückte, sondern zB. auch Arsenal mit für die Kiev-Kameras adaptieren Objektiven belieferte, zumindest bis 1955. In dieser Zeit entstanden dort immerhin rund 30000 Kiev II und III, bei KMZ (ebenfalls bis 1955) um die 900000 Zorki- plus 40000 Zenit-Kameras.
Gerade bei den Standardobjektiven Industar 50 und Jupiter 8 darf von Produktionszahlen von mehreren Millionen ausgegangen werden. Seltene Objektive wie beispielsweise das Russar MR-2 wurden in sehr überschaubaren Mengen produziert, im konkreten Fall wohl deutlich weniger als 10000 Exemplare.
Weitere M39/LTM-Objektive von KMZ
Neben den oben aufgeführten Objektiven hat KMZ noch einige wenige andere M39/LTM-Objektive hergestellt, die zum Teil sehr selten sind. Beispiele dafür sind das Industar 61L 50mm/2.8 (aus den frühen Sechzigerjahren von KMZ, vgl. auch die grosse FED-Produktion dieses Objektivs ab etwa 1963), das Jupiter 17 50mm/2.0 (gem. Princelle nur Prototypen von ca. 1960, aber offenbar bereits 1953 in kleinen Stückzahlen produziert), das Vega 1 50mm/2.8 (ebenfalls ab 1960) oder das nicht ganz so seltene Russar MR-2 20mm/5.6 (1958-1992). Daneben sind noch einige Prototypen bekannt: Das Industar 57 50mm/3.5 (1955), das Orchideja 3 50mm/1.5 (1955) oder das Sputnik 4 20mm/4.5 (ca. 1959).
Passende Objektive anderer Hersteller
Aber auch andere Mütter haben schöne Kinder! Mit dem M39/LTM-Schraubgewinde kompatible Objektive wurden beispielsweise auch von FED in der Ukraine produziert und die sind, mit einigen Einschränkungen allerdings, auch an Zorkis zu verwenden. Es sind dies zB. das Industar 10 50mm/3.5 (einer Leitz Elmar-Kopie mit Zeiss Tessar-Konstruktion) und eine Makro-Version davon, das FED 28mm/4.5, das FED 100m/5.9 bzw. 6.3, das Industar 26M 50mm/2.8 und diverse Varianten des Industar 61 52mm/2.8.
Auch wenn M39/LTM durchaus darauf hindeutet, dass an diesem Anschluss Leica-Objektive mit Schraubgewinde funktionieren, stimmt das offenbar nur bedingt. Selbstverständlich ist der Anschluss selber und das Auflagemass kompatibel, ebenso bringt ein Leica-Objektiv an einer russischen Messsucherkamera bei Fokussierung auf Unendlich die erwartete Leistung. Darunter aber soll es zu Problemen kommen, wie Dante Stella in seinem Aufsatz "Faraway, yet so close" beschreibt.
Ein gewissermassen "historischer Irrtum" ist auch die Gewindesteigung, die bei russischen Objektiven für frühe FED-Kameras 1 Millimeter betrug. Die Originale von Leica besitzen aber eine Gewindesteigung von nur 0.977mm, was 1/26 Zoll entspricht. Demselben Irrtum unterlag nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan auch die Firma Canon bei frühen Modellen ihrer Messsucherkameras (vgl. Wikipedia-Eintrag zum M39-Schraubgewinde).
Bei den ganz frühen, vor den Zweiten Weltkrieg gebauten FED-Objektiven, die hier nun schon mehrfach angesprochen wurden, handelt es sich übrigens nicht um Industar 10-Typen. Es ist wahrscheinlich, dass diese namenlosen FED-Objektive etwa ab 1932 von der experimentellen optischen Fabrik der Gesellschaft der Vereinten Optischen Industrie (VOOMP) und des Staatlichen Optischen Instituts (GOI), beide in Leningrad, konstruiert wurden. Weitere Informationen dazu finden Sie von Oscar Fricke auf www.fedka.com.
Zudem sei bemerkt, dass frühe FED-Objektive individuell an ein Gehäuse angepasst werden musste, sprich das individuelle Auflagemass der Kamera wurde objektivseitig entsprechend korrigiert, damit beides zusammenpasst. Selbiges machte auch Leica bis etwa 1931, bei FED dauerte es noch ein paar Jahre länger. Typisch für diese Anpassungsarbeiten ist ein später wieder verschlossenes Loch in der Kamerarückseite, durch das das Auflagemass genau kontrolliert und justiert werden konnte.
Zubehör zu Objektiven
Zu jedem Objektiv sollte sowohl ein Front- als auch ein Rückdeckel vorhanden sein. Wundersamerweise scheinen sich besonders letztere in der Praxis oft verflüchtigt zu haben. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nicht sicher weiss, ob solche Rückdeckel mit den bereits mit Objektiven ausgelieferten Kameras überhaupt geliefert wurden, wie es heute die Regel ist. So besitze ich beispielsweise keinen einzigen Kamerafrontdeckel zu einer M39/LTM-Kamera und nur ganz wenige Rückdeckel für Objektive.
Ein anderes bei russischen Objektiven übliches Zubehör ist die typischerweise schwarze Bakelitdose mit schraubbarem Deckel und Herstellerlogo darauf. Diese Dosen waren nicht nur für Objektive gängig, sondern auch für andere gängige optische Zubehörteile, wie beispielsweise die Aufstecksucher.
Selbstverständlich gehören auch aufschraubbare Filter in die Kategorie der sinnvollen Zubehörteile zu Objektiven, zumindest wenn es um die Belichtung von Schwarzweissfilmen geht. Ein Gelbfilter ist dabei wohl die beste Waffe gegen Kontrastarmut, die meisten anderen Filter können sowieso nur mit viel Erfahrung und unter grösserem Lichtverlust verwendet werden.
Sehr nützlich sind zudem aufsteckbare Sucher für Brennweiten, die vom Standard von 50mm abweichen. Es gibt individuelle Sucher für alle gängigen Objektive mit den typischen Brennweiten von 28mm, 35mm, 85mm und 135mm, einem Russar MR-2 sollte zudem ein Spezialsucher mit einer Brennweite von 20mm beiliegen. Alternativ kann aber auch ein Universalsucher eingesetzt werden, der meist über die fünf gängigsten Brennweiten verfügt: 28mm, 35mm, 50mm, 85mm und 135mm.
Objektivwechsel
Da es sich bei LTM (Leica Threat Mount) um ein Schaubgewinde ohne spezielle Einrastfunktion handelt, ist das Wechseln von Objektiven vergleichsweise einfach. Prinzipbedingt hat das Schraubgewinde aber auch den Nachteil, dass die Markierung der Entfernungseinstellung selten genau oben am Objektiv zu liegen kommt. Dies hat in der Regel jedoch keinen Einfluss auf die Funktion.
Zum Wechseln schrauben Sie das Objektiv gegen den Uhrzeigersinn von der Kamera los. Um ein Objektiv an die Kamera zu schrauben, gehen Sie umgekehrt vor. Drehen Sie dazu die Entfernungseinstellung am Objektiv in die Position mit minimal möglichem Objektabstand (Naheinstellgrenze), um das Objektiv leichter ins Gewinde der Kamera einschrauben zu können. Achten Sie besonders darauf, das Objektiv beim Einschrauben in die Kamera nicht zu verkanten und wenden Sie in keinem Fall Gewalt an, um das Gewinde und den Abnehmer des Entfernungsmessers nicht zu beschädigen.
Objektivpflege
Viele, gerade russische Objektive, kommen "verputzt" daher. Das meint, dass die Frontlinsen oft mehr oder weniger fein verkratzt sind. Das lässt sich kaum reparieren, es stört allerdings die Bildqualität (je nach gewählter Blende zumindest) kaum, ausser dass diese Objektive etwas streulichtanfälliger werden. Heute reicht ein gutes Mikrofasertuch, um die meisten Verschmutzungen effizient zu beseitigen.
Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass die frühen Vergütungen, wie sie kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verwendet wurden, vergleichsweise weich sind und durch tüchtiges Reiben durchaus weggeputzt werden können. Auch waren manche Glassorten nicht ganz so resistent gegen mechanische Beschädigungen. Es sei deshalb angeraten, nur sehr vorsichtig mit so alten Objektiven umzugehen.
Objektivreparatur
Ein grosses Problem bei alten Objektiven sind einerseits die drehbaren Ringe für die Fokussierung und die Blendenverstellung, andererseits die Blenden selber. Die übliche Ursache für Schwergängigkeiten aller Art ist Schmutz und/oder eingetrocknetes Fett. Eine ausgiebige Reinigung ist nach dem Zerlegen des Objektivs meist gut möglich, wobei das falsche Fett oder Öl mehr Schaden anrichten kann, besonders längerfristig.
Sollten sich auf den Glasflächen Flecken oder ein rauchiger Beschlag zeigen, ist das ein deutliches Zeichen für einen Pilzbefall. Trotz allen Tipps und Tricks dazu lassen sich solche Schäden kaum mehr beheben, greifen diese Pilze doch gerne auch die Oberflächen der Linsen an und zerstören sie. Langsam zwar, aber immerhin. Es wird zudem berichtet, dass solche "Erkrankungen" ansteckend wären und deshalb wird geraten, befallene Objektive zu entsorgen. Bei seltenen Objektiven mag es Methoden geben, sie vom Pilzbefall zu befreien und sie dadurch zu retten, aber für ein Durchschnittsobjektiv lohnt dieser Aufwand in aller Regel kaum. Empfohlene Methoden wären die Bestrahlung mit UV-Licht (nicht Sonnenlicht!), Karboldämpfe oder eine Ammoniak abspaltende Desinfektionslösung soll den Pilzen nicht gut bekommen, aber in erster Linie muss der Pilz mechanisch entfernt werden. Dass dazu die Linsen ausgebaut werden müssen, liegt auf der Hand, und das braucht durchaus einiges an Geschick und Fachwissen.
Für die gebräuchlichen Objektive aus dem oben aufgeführten Sortiment ist es wohl kaum sinnvoll, eine Reparatur durch einen Fachmann durchführen zu lassen. Wer aber Spass daran findet, selber Hand anzulegen, darf durchaus mal versuchen, so ein Objektiv zu zerlegen. Sollte die Aktion nicht von Erfolg gekrönt sein, kann Ersatz in der Regel recht einfach und zu erträglichen Preisen beschafft werden.
Kauf eines russischen Objektivs
Auf einschlägigen Auktionsplattformen werden ständig russische Objektive jeder Art angeboten, die Beschaffung ist meist recht kostengünstig möglich, von etwas spezielleren Modellen vielleicht einmal abgesehen.
Diesen Weg kann ich aber leider wenig empfehlen, da ein einzeln angebotenes Objektiv immer zu teuer ist. Deshalb rate ich eher dazu, gleich nach einer Kamera mit dem gewünschten Objektiv zu suchen und beides zusammen zu erwerben. Das dürfte günstiger sein, besonders wenn man den Erlös des wiederverkauften Gehäuses gegenrechnet.
Sollten Sie ein eher seltenes Objektiv kaufen wollen, müssen Sie heute je nach Zustand bereits ganz schön tief in die Tasche greifen. Ein paar Beispiele dafür (Stand Mitte 2008):
Die genannten Preise verstehen sich ohne Porto und beim Zustand B (ggf. B+), für neuwertige Exemplare wird noch deutlich mehr fällig, ebenso bei kompletter Lieferung (alle Deckel, passende Dose, OVP, Papiere).
Im Vergleich mit den Preisen für originale Leica-Objektive sind alle russischen M39/LTM-Objektive natürlich Schnäppchen. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die russischen Kameras im Gegensatz zu den Originalen aus Deutschland. Vielleicht wird sich das eines Tages aber noch ändern, denn ich stelle in den letzten Jahren durchaus einen deutlichen Wertzuwachs von Kameras und Objektiven aus der ehemaligen Sowjetunion fest, andererseits einen Preisverfall für alte Leica-Kameras.
Weitere Informationen
Eigene Angebote in diesem Zusammenhang:
Andere Texte:
Wertvolle Bücher:
Zum Schluss
Ich bin wirklich kein Fachmann, was Objektive und die zugrunde liegenden optischen Gesetze betrifft, ich verwende sie lediglich regelmässig in der Praxis und glaube deshalb durchaus zu wissen, wie wichtig gute Objektive sind. Ich habe hier versucht, möglichst viele Informationen zusammenzutragen und anschaulich aufzubereiten.
Mein Dank geht wie immer an die vielen Autoren, die in Büchern und im Internet ihr Wissen zur Verfügung stellen, ganz besonders hat mir die Internet-Seite der Abteilung Enwicklung und Forschung von KMZ einmal mehr viele auftauchende konkrete Fragen beantworten können, neben einer Reihe von Artikeln und Büchern selbstverständlich, die zum Teil auch oben erwähnt sind. Speziell möchte ich Milos Mladek für seine wie immer wertvollen Hinweise und Hanna Runtemund für das Gegenlesen danken.
02.02.2009, letzter Update: 12.08.2010

 :

|Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 12.08.2010|