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Burnout: Erkennen und vermeiden
Burnout oder Depression? Vielfach wird angemerkt, Burnout höre sich einfach besser an als Depression, Erschöpfungssyndrom oder Anpassungsstörung. Deshalb werde es mittlerweile für fast jede Art psychischer Erkrankung verwendet.
Tatsache ist, dass es mehrere Störungsbilder gibt, die von Burnout nur schwer abzugrenzen sind. Wie unterscheidet sich beispielsweise ein Burnout von einer Depression?
Als Faustregel gilt, dass Burnout meist arbeitsbezogen ist, sich also ein ursächlicher Zusammenhang mit einem übermässigen Energieverbrauch herstellen lässt. Währenddessen durchdringt eine Depression alle Bereiche des Lebens ohne einen bestimmten Ursprung haben zu müssen.
Die Depression kann aber auch eine wahrscheinliche Folge eines fortgeschrittenen, nicht behandelten Burnouts sein, weil Probleme in einem Lebensbereich im Laufe eines Burnouts auf andere übergreifen. Sobald also depressive Symptome zu einem Burnout hinzukommen, ist es kein Burnout im eigentlichen Sinne mehr, sondern eine Depression.
Unbehandelt kann ein Burnout zu ernsthaften Erkrankungen wie eben einer Depression, aber auch zu Schmerzen ohne eigentliche körperliche Ursache führen.
Das Ende eines Entwicklungsprozesses
So wie eine Depression eine mögliche Entwicklungsstufe eines Burnouts sein kann, kommt auch das Burnout selbst nicht von heute auf morgen. Es tritt zwar plötzlich auf - eine vollkommene Leere, die totale Erschöpfung, nichts geht mehr.
Das Burnout ist aber nur das Ende eines langen Entwicklungsprozesses. Die Vorstufen sind zum Beispiel eine gesteigerte Arbeitsaktivität bei verminderter Leistungsfähigkeit, Rastlosigkeit, das Gefühl, nie Zeit zu haben, die Vernachlässigung eigener Bedürfnisse, Versagensängste, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, ein gesteigertes Aggressionspotenzial, bis hin zu Symptomen wie Herzstörungen, hohem Blutdruck, Kopfschmerzen oder Tinnitus.
Werden diese Warnsignale ignoriert und ist das Burnout schliesslich da, ist eine Heilung ohne therapeutische Hilfe, begleitet von Konsequenzen im arbeitstechnischen und im privaten Umfeld kaum zu erreichen. Die nachfolgend aufgeführten, präventiven Punkte mögen für eine kurze Zeit eine leichte Entspannung der Situation bringen, langfristig sind sie aber wenig Erfolg versprechend.
Es ist allerdings ein Prozess, den viele Betroffene durchlaufen müssen, bis sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und sich eingestehen, dass eine ernsthafte Krankheit vorliegt. Denn das Eingeständnis, seine persönlichen Grenzen erreicht zu haben, ist immer auch verbunden mit dem Zwang, sein Leben ändern zu müssen und möglicherweise einer ungewissen Zukunft entgegenzublicken. Diese Konsequenzen müssen von den Betroffenen zuerst akzeptiert werden können.
Rechtzeitig Gegensteuer geben
Die beste Therapie ist also, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Warnsignale des Körpers sollten wahrgenommen und rechtzeitig Gegensteuer gegeben werden.
Die Möglichkeiten dazu sind so vielfältig wie Symptome der Krankheit, im Mittelpunkt stehen der Stressabbau einerseits und der Umgang mit der Zeit und der Entspannung andererseits:
- Regelmässige Überprüfung der eigenen, beruflichen und privaten Zielsetzungen
- Arbeits- und Privatleben trennen. Arbeitszeit ist Arbeitszeit, Freizeit ist Freizeit
- Diese Freizeit nicht überfrachten. Einfach mal nichts tun
- Die Stille geniessen und sich einer meditativen und/oder kontemplativen Lebensweise gegenüber öffnen
- Soziale Kontakte pflegen
- Frische Luft, sportliche Aktivitäten
- Genügend Schlaf
- Gesunde Ernährung
- Den Umgang mit Suchtmitteln wie Alkohol oder Nikotin im Griff haben
Arbeitgeber müssen Sozialverantwortung wahrnehmen
Die veränderte Arbeitswelt fordert aber nicht nur die Arbeitnehmer, auch Arbeitgeber müssen sich ihrer Sozialverantwortung bewusst sein. Dabei kann es aber nicht darum gehen, die Arbeitnehmer mit einem Abo fürs Fitnessstudio in die Pflicht nehmen, etwas für seine Gesundheit zu tun.
Gefordert ist ein echtes Gesundheitsmanagement. Über alle Bereiche und Unternehmensgrössen hinweg kann dieses nur erfolgreich sein, wenn es in die Gesamtorganisation eingebettet und im Führungsverhalten des Managements verankert ist.
Das betriebliche Gesundheitsmanagement muss zum Ziel haben, die Gesundheit der Mitarbeitenden und des Unternehmens zu erhalten oder zu verbessern, womit nicht nur Absenzzeiten verringert werden können, sondern auch eine Wertschätzung gegenüber den Arbeitnehmern ausgedrückt wird.
Um erfolgreich zu sein, benötigt jedes Unternehmen gesunde, engagierte und qualifizierte Mitarbeiter. Für diese sind nicht nur die physische und psychische Gesundheit wichtig, sondern auch Aspekte wie Motivation, Arbeitszufriedenheit und Betriebsklima.
Text: P. Gunti – 03/2011
Bild: pixelio.de