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Anstatt die bisherige Karriere von Marcus Rashford zu beschreiben, könnte man genauso gut die letzten anderthalb Wochen als perfekt passendes Sinnbild nehmen.
Am Freitag der vergangenen Woche verpasste er das Training von Manchester United. Noch am selben Tag wurde berichtet, dass er am Vortag in der nordirischen Hauptstadt Belfast beim Feiern gesichtet worden war. Der offizielle Grund für seine Abwesenheit im Training war eine Krankheit. Englischen Medien zufolge dürfte es sich jedoch eher um einen Kater gehandelt haben.
Eine Begleiterin bei Rashfords Belfast-Party sagte gegenüber The Sun, dass sich der Fussballer «auf einer Mission, sich zu betrinken», befunden habe. Der 26-Jährige habe so tief ins Glas geschaut, dass sie ihn nachts um 3 Uhr gar ins Bett heben musste, wo er in seinen Kleidern eingeschlafen sei. Die Begleiterin zeigte sich nicht überrascht davon, dass es Rashford am nächsten Morgen nicht zum Training schaffte.
In der Folge wurde er für das FA-Cup-Spiel bei Viertligist Newport nicht berücksichtigt. Auch hier wurde eine Krankheit als Grund angeführt, doch teilte Manchester United am Montag mit, die Sache intern geregelt zu haben. Rashford habe «die Verantwortung für seine Handlungen» übernommen und der Fall sei «abgeschlossen», wie Trainer Erik ten Hag sagte.
Als Rashford dann am letzten Donnerstag in Wolverhampton wieder in der Startaufstellung stand, ging es keine fünf Minuten, bis er die Red Devils in Führung schoss. Am Ende wurde zwar der 18-jährige Kobbie Mainoo mit seinem 4:3-Siegtor in der 97. Minute zum Helden, doch hatte auch Rashford wieder einmal gezeigt, wie er auf Rückschläge reagieren kann.
Immer wieder wechseln sich bei dem in Manchester geborenen Fussball-Star Hochs und Tiefs ab. Auf eine gute Saison folgt eine nicht so gute, auf eine hervorragende eine miserable. Dem United-Eigengewächs fehlt die Konstanz. In der laufenden Saison wird das einmal mehr eindeutig.
Noch 2022/23 brillierte er mit 30 Toren und 11 Assists in 56 Spielen. Er galt als Hoffnungsträger und sollte ManUnited nach Platz 3 in der Premier League noch weiter nach vorne führen. Deshalb wurde ihm im Sommer ein neuer Vertrag angeboten, der bis 2028 gültig ist und ihm jährlich rund 18 Millionen Euro einbringt. Damit ist er einer der Topverdiener beim englischen Rekordmeister.
Doch in den letzten Monaten folgte der erneute Absturz – wie bei seinem Klub. Das Tor in Wolverhampton war erst sein fünftes im 27. Saisonspiel, dazu kommen sechs Assists. Von den Leistungen der Vorsaison ist Rashford aber noch weit entfernt. Auch deshalb stehen die «Red Devils» nur auf Platz 7 und sind in der Champions League als Gruppenletzte hinter Bayern, Kopenhagen und Galatasaray ausgeschieden.
Es verhält sich hier etwas wie bei der Huhn-Ei-Thematik. Ist Rashford nun so schlecht, weil das Team insgesamt nicht funktioniert, oder ist es umgekehrt? Wahrscheinlich bedingen sich die beiden Tatsachen gegenseitig, doch wäre es gerade an den Leistungsträgern, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Dafür kassieren sie schliesslich ihre Top-Saläre.
Aus diesem Grund musste sich Rashford von einigen Vereins-Legenden deutliche Kritik anhören. So sagte Paul Scholes nach einer 0:1-Niederlage seines Ex-Teams in Newcastle: «Weshalb ist er überrascht über die Auswechslung? Weshalb glaubt er, dass er noch auf dem Feld sein sollte? Er hat dem Team mehr geschadet als geholfen.» Roy Keane schlug bereits mehrfach in dieselbe Kerbe. Besonders die Körpersprache und die in seinen Augen fehlende Einsatzbereitschaft Rashfords stiessen dem einstigen Raubein sauer auf.
Dass der 59-fache Nationalspieler ausgerechnet in den Monaten so stark nachlässt, nachdem er seine Unterschrift unter einen Fünfjahresvertrag gesetzt hat, lässt Vermutungen aufkommen. Fehlt ihm der Hunger, nun da er bis 2028 über 91 Millionen Euro verdienen wird? Lässt er es jetzt im Training und auch in Spielen etwas schleifen, weil er ausgesorgt hat? Dass Rashford inzwischen bereits zum zweiten Mal in dieser Saison beim Feiern erwischt wurde, spricht in diesen Punkten nicht gerade für ihn.
Nach der 0:3-Niederlage im Manchester-Derby besuchte der Flügelspieler im letzten November einen Nachtklub. Dabei scheint Rashford ansonsten nicht der «typische» Fussballer zu sein. Den 26-Jährigen beschäftigen auch Themen neben seinem Sport. So setzte er sich während Corona für arme Kinder in Grossbritannien ein.
Regelmässig nutzt er sein Vermögen und seine Reichweite für wohltätige Zwecke. Aufgrund «seiner kontinuierlichen Wohltätigkeitsarbeit und seinem Kampf gegen Kinderarmut abseits des Platzes sowie seiner herausragenden sportlichen Leistungen auf dem Spielfeld» wurde ihm im Oktober 2021 von der Universität Manchester die Ehrendoktorwürde verliehen. Auch deshalb ist er nicht nur bei Fussballfans beliebt.
Als Sportler steht Marcus Rashford nun aber am Scheideweg. «Das ist inakzeptabel», sagte ten Hag nach dem Ausflug nach der Derby-Pleite öffentlich. Dieses Mal hielt der Niederländer seine Kritik zwar intern, doch kann sich Rashford weitere Negativ-Schlagzeilen wohl trotzdem nicht erlauben. Dies würde ihm vermutlich auch dabei helfen, die Leistungen der Vorsaison permanent abrufen zu können. Nur so könnte er sich definitiv als einer der Besten in seinem Sport etablieren.
Und das erwartet nicht nur sein Trainer. Davon träumen auch die Fans im «Theatre of Dreams», wo Manchester United heute Sonntag (15 Uhr) West Ham empfangen wird.