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Die «Variationen über Volksweisen», op. 107, nehmen in Ludwig van Beethovens Werk eine Sonderstellung ein. Genauer gesagt: eine Randstellung. Im Jahr seines 250. Geburtstags – und in Zeiten der Quarantäne, in denen viele von uns vor allem zu Hause sitzen – haben wir fünf Stücke aus dieser Reihe ausgewählt, um Ihnen täglich einen eher unbekannten Beethoven zu Gehör zu bringen.
Am Klavier hören Sie Tomas Bächli, an der Flöte Barbara Tacke-Laepple. Für Aufnahme und Mastering ist Dietrich Petzold verantwortlich.
Von Tomas Bächli, 06.04.2020
Das hat mit ihrer Entstehungsgeschichte zu tun – und mit dem lange vorherrschenden Beethoven-Bild. Der Verkauf von Noten war eine zentrale Einnahmequelle im Musikbusiness des 19. Jahrhunderts. Eine übliche Vermarktungsstrategie der Verleger war es, Volkslieder aus aller Welt zu publizieren und dabei bekannte Komponisten für Variationen über die Lieder anzufragen. So entstanden Beethovens Variationen op. 105 und op. 107: Auftragswerke, die er aber immerhin mit einer Opuszahl versah.
Die Musikwelt hat die Spätwerke von Beethoven (ab Opuszahl 100) lange Zeit mit einem Heiligenschein versehen: entrückt, esoterisch, schwer zu verstehen. Dass sich Beethoven auch in dieser Lebensphase mit Geldverdienen beschäftigen musste, stört dieses Bild, darum wurden diese Werke als Gelegenheitsarbeiten gering geschätzt. Doch Beethoven war in diesen Variationen auf dem Weg zu seinem Spätstil. Die Musik, die auf einfachen Volksliedern basiert, kippt immer wieder ins Experimentelle.
Diese Werke sind für Klavier mit begleitender Flöte geschrieben, eine Besetzung, die damals üblich war, heute aber ausgestorben ist. Die Flöte – eigentlich ein Melodieinstrument – sorgt vor allem für Sound, nur selten und in ausgewählten Momenten greift sie ins musikalische Geschehen ein.
Für den heutigen Konzertbetrieb ist das ein Hindernis. Gibt ein Pianist einen Klavierabend, will er sein Honorar nicht mit einer Flöte teilen, gibt ein Flötist ein Rezital, will er nicht im Hintergrund bleiben. Allerdings: Nur die wahre Virtuosin schafft es, auch mit wenigen Tönen Präsenz zu zeigen.