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Das Schlucken unterliegt genauso wie alle andern Körperfunktionen einem natürlichen Alterungsprozess. Die damit verbunden Veränderungen führen dazu, dass
Schluckstörungen mit zunehmendem Alter wahrscheinlicher werden. Der Fachbegriff für Schluckstörungen im Alter ist Presbyphagie. Es wird unterschieden zwischen primärer und sekundärer Presbyphagie.
Sie bezeichnet all jene Veränderungen des Schluckaktes, die sich natürlicherweise mit dem Alter einstellen. Sie können in der Regel gut kompensiert werden und führen nicht zu ernsthaften Schluckstörungen. Sie verringern jedoch die „Reserven“, die jüngere Menschen beim Schlucken haben. So können ältere Menschen vielleicht ein Glas Wasser nicht mehr so schnell in einem Zug austrinken, sie müssen bei Gesprächen während des Essens aufpassen, dass sie sich nicht verschlucken, dass keine Speiseteile aus dem Mund fallen oder sie müssen vermehrt nachschlucken, weil Nahrungsreste im Hals zurückbleiben.
Im Alter treten vermehrt Krankheiten auf, die Schluckstörungen verursachen können. Auch Medikamente können als Nebenwirkungen Schluckstörungen verursachen (vergleiche Artikel von Marliani, 2014). Bei der sekundären Presbyphagie kumulieren sich damit normale altersbedingte Veränderungen mit Krankheiten und/ oder Medikamentennebenwirkungen und können so zu ernsthaften Schluckstörungen führen.
Tertiäre Presbyphagie:
Teilweise wird in der Literatur auch von tertiärer Presbyphagie gesprochen. Damit sind die psychologischen und sozialen Bedingungen gemeint, die im Alter eine Schluckproblematik auslösen oder verstärken können. Beispielsweise vernachlässigen ältere Menschen das Essen, weil sie alleine sind, oder sie bekunden zunehmend Mühe, den täglichen Einkauf zu planen und durchzuführen oder die Mahlzeiten zuzubereiten. Die Ernährung kann damit leiden, mangelhaft und/oder unausgeglichen werden und damit wiederum gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Da die Bevölkerung immer älter wird, steigt die Zahl der Menschen mit Schluckstörungen infolge der primären und ganz besonders der sekundären Presbyphagie deutlich an.
Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, steigt ebenfalls mit zunehmendem Alter an. In der Schweiz sind pro Jahr insgesamt ca. 13‘000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen, die Mehrzahl davon sind ältere Menschen. Ungefähr 50% aller Schlaganfallpatienten und -patientinnen haben zu Beginn Schluckstörungen, 25% leiden über längere Zeit darunter.
Mit der Veränderung der Altersstruktur unserer Bevölkerung nehmen auch die Demenzen zu. Die bekannteste und häufigste Demenzform ist die Alzheimer-Demenz. In der Schweiz sind aktuell an die 110‘000 Menschen von Demenz betroffen. Die Zahl steigt nach Angaben der Schweizerischen Alzheimervereinigung (www.alz.ch) bis ins Jahr 2020 auf 150‘000, bis ins Jahr 2050 auf 300‘000. Auch bei Demenzen, ganz besonders im mittleren und späteren Stadium, treten Schluckstörungen häufig auf. In einer Arbeit von Eggenberger und Nelms (2004) wird die Wahrscheinlichkeit einer Schluckstörung bei PatientInnen mit fortgeschrittener Demenz mit bis zu 70% angegeben. Die Datenlage ist aber zu dieser Fragestellung noch relativ schmal.
Die Therapie der Dysphagie bei Demenzen stellt für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung dar. Da demente Menschen kaum selber auf ihre Schluckbeschwerden hinweisen können, sind sie darauf angewiesen, dass die Dysphagie von den Betreuenden wahrgenommen und ernst genommen wird. Die Gefahr ist besonders bei von Demenz betroffenen Menschen gross, dass Schluckstörungen zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität führen oder ernsthaft lebensbedrohlich werden.
weiterführende Literatur finden Sie hier...