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Siedlungsbild
Kirchdorf ist im Inventar schützenswerter Ortsbilder von nationaler Bedeutung (ISOS) aufgeführt. Dominiert wird das äussere Dorfbild von der leicht erhöht auf einem Hügelsporn am östlichen Siedlungsrand stehenden Kirche, deren schlanker Turm auch das umliegende Gelände des voralpinen Hügellandes beherrscht. Zusammen mit dem Pfarrhaus, dem Korn- und Ofenhaus und dem alten Friedhof bildet die Kirche einen räumlich geschlossen Bezirk mit prächtigem Rundblick. Der graugrüne Sandstein von Kirchenschiff und Glockenturm hebt sich von den weiss verputzten Gebäuden dieser Baugruppe, aber auch von den Fachwerk-, Holz- und Mauerbauten des übrigen Dorfes deutlich ab. Der Kircheneingang wird von der oberen Dorfstrasse, der Kirchgasse, über eine breite Freitreppe erreicht. Östlich des ummauerten Kirchenbezirkes fällt das Terrain steil in die Weiermatt ab und unterstreicht die ortsbildwirksame Lage der Kirche, die den Namen des Dorfes rechtfertigt.
Das alte Dorfgebiet besteht aus einem ursprünglich rein bäuerlichen Haufendorfteil auf einer nach Süden leicht abfallenden Terrasse und einem an der Nordseite anstossenden Strassendorfteil. Der bäuerliche Dorfkern besticht durch seinen meist ursprünglichen Erhaltenszustand, mit gegen Süden hin orientierten Höfen und dazu gehörenden Nebenbauten. Es fehlt auch nicht an intakten Zwischenbereichen mit Zier- und Nutzgärten, Miststöcken, Auffahrten und Brunnen. In diesem Dorfteil befindet sich bezeichnenderweise auch die „Landi“, die Landwirtschaftliche Genossenschaft, die sich als Nutzbau deutlich von den andern Bauten abhebt.
Der Strassendorfteil umfasst mit Ausnahme der Schule sämtliche Bauten des Dorfes mit öffentlicher Funktion. Die bäuerliche Vergangenheit ist in diesem Dorfteil sehr stark zurückgedrängt und teilweise eliminiert. Markante Einzelbauten sind die stolze Käserei und das Gasthaus „Linde“, das in seiner Gesamtheit mit den beiden Linden, den Mäuerchen, der Gartenwirtschaft und dem Wirtshausschild aus dem Dorfbild nicht wegzudenken ist.
Direkt unterhalb des Kirchenbezirkes stehen weitere sehenswerte Bauten, die das Dorfbild prägen. Da sind einmal die stattlichen zweigeschossigen Ständerbauten der Schmiede und des Gasthof „Ochsen“ aus der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts. Während die Schmiede mit ihren typischen Fensterbändern, bei denen die Fenster nur durch schmale Pfosten voneinander getrennt sind, nach den Vorgaben des Heimatschutzes und der Stelle für Dorfkultur fachgerecht restauriert wurde, zeigt der „Ochsen“, bedingt durch wesentliche bauliche Veränderungen, in der Gesamterscheinung den Charakter des beginnenden 19.Jahrhunderts. Oberhalb des Gasthofes steht das „Lehnerhaus“ aus dem Jahre 1761. Es ist das weitaus am reichsten geschmückte und am vollständigsten erhaltene Gebäude aus dieser Zeit. Der obere Teil der Front ist marmoriert und unten an der Ründi sind vielseitige Malereien angebracht. Auch dieses Haus wurde nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten restauriert. Zu dieser Gebäudegruppe gehört noch das „Chefeli“, der aus dem 17.Jahrhundert stammende Käfigturm.
Die Schönheit des Ortsbildes dieser beiden Dorfteile beruht auf seiner, für ein Bauerndorf seltenen, geschlossenen Form, die sich aus der topografischen Lage ergeben hat, und auf der ruhigen, durch die hohen Dächer der Bauernhäuser geformten äusseren Silhouette. Ursprünglich wurde das Dorf sowohl im Norden wie auch am halbrunden südlichen Rand von Hosteten eingefasst. Durch die Überalterung der Baumbestände und die aufwändige Bewirtschaftung der Hochstammobstbäume hat sich dieser Obstbaumgürtel stark gelichtet oder ist durch Niederstammanlagen ersetzt worden. Mit dem ersten Baureglement wurde ab 1960 der Weg frei für interessiert Bauwillige, welche die Wohnqualität der ländlichen Lage zu schätzen wissen. Die Bautätigkeit wurde mit der geschickten Zonenplanung auf drei Entwicklungsbereiche entlang der Ausfahrtsstrasse nach Noflen, und der Flurwege in Richtung Lehn und „Lindli“ gelenkt, womit der schützenswerte Dorfkern kaum berührt wurde.
Siedlungsentwicklung
Das Ortsbild hat sich erst im Laufe der Zeit zu seiner heutigen Form entwickelt, doch ist anzunehmen, dass schon die ersten alemannischen Höfe und die Kirche sich an der heutigen Stelle befunden haben. Bereits vor der Wende zum 2. Jahrtausend ist die Dreifelderwirtschaft mit ihrem Flurzwang und der Abgrenzung der Wohngebiete eingeführt worden, so dass sich die Lage der Siedlung nicht mehr wesentlich verändern konnte. Im 13. bis 16. Jahrhundert dürften dann in einer späteren Etappe des Siedlungsausbaus die Einzelhöfe ausserhalb des Dorfgebietes entstanden sein, deren Name auf spätere Rodungen hinweist. Noch im 18. Jahrhundert war das Dorf bedeutend lockerer überbaut als heute, da infolge der Dorfrechte nur bauen durfte, wer sich über Landrechte in den Ackerzelgen und den Allmenden ausweisen konnte. Dem Zehntenplan von 1757 kann entnommen werden, dass es zu dieser Zeit nur sechs nichtbäuerliche Bauten gab, nämlich das Pfarrhaus, zwei Patrizier Land-häuser, zwei Wirtschaften und eine Schmiede. Wirtschaften und Schmiede waren mit landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbauten verbunden. Die Bauernhöfe lagen zu ¾ im Dorfteil und nur vereinzelte Rodungshöfe und Eigengüter der Grundherren lagen ausserhalb. Nach der Lockerung des Flurzwangs fand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine grosszügige Aussiedlungsaktion statt. Erst nach 1800 konnten im Dorf die Lücken zwischen den einzelnen Höfen durch kleinere nicht- oder teillandwirtschaftlichen Bauten geschlossen werden. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte das Bauerndorf eine Ausdehnung erreicht, die sich während der folgenden hundert Jahre kaum mehr verändern sollte. Einzig auf der Nordseite der Hauptstrasse kamen ein paar Häuser dazu und verstärkten das Bild des Strassendorfteils. Diese Tatsache erklärt sich durch die Abnahme der Bevölkerungszahl seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hatte die Gemeinde 1850 noch 679 Einwohner gezählt, waren es 1960 nur noch 535. Anschliessend kam es mit der Ausscheidung von Bauzonen bis 1970 zu einem leichten Anstieg der Bevölkerungszahl. Von 1970 bis 1980 erfolgte dann ein richtiger Bauboom, der 40 Häuser mit 46 Wohnungen entstehen liess und der Gemeinde ein Bevölkerungswachstum von 20% bescherte. In den letzten zwanzig Jahren hielt die Bautätigkeit in etwas verlangsamter Form an und brachte in dieser Zeitspanne nochmals eine Zunahme der Bevölkerungszahl von 22%, so dass Kirchdorf im Jahr 2000 auf 826 Einwohner kam. Im Zuge dieser Bautätigkeit veränderte sich schrittweise auch die Bevölkerungsstruktur des ehemaligen Bauerndorfes. Heute können noch 12% der Einwohner zur bäuerlichen Bevölkerung gezählt werden. Hatten einst praktisch alle Werktätigen eine Arbeitsmöglichkeit im eigenen Dorf, fahren heute von den ansässigen, im erwerbsfähigen Alter stehenden Personen von 20 bis 65 Jahren, nahezu die Hälfte täglich auswärts zur Arbeit. Vor dreissig Jahren waren es von 238 Berufstätigen nur gerade 74 Personen, die einer auswärtigen Beschäftigung nachgingen.