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Nach der Völkerschlacht von Leipzig im Oktober 1813 näherten sich die Alliierten im Dezember (Preussen, Russland, Österreich) der Grenze Frankreichs, Um rasch den Rhein zu überschreiten, beschloss ihre Führung, die Schweizer Brücken zwischen Schaffhausen und Basel zu nutzen, Die Schweiz war nicht in der Lage, diese Verletzung ihrer Neutralität zu verhindern – zu schwach waren ihre Grenztruppen. Der Kommandant der eidgenössischen Truppen, Oberst von Herrenschwand, hatte keine andere Wahl, als sich dem Druck der verbündeten Mächte zu beu- gen und den Durchmarsch zu gestatten, Am 21 . Dezember begann der Einmarsch der alliierten Truppen, während die Schweizer Grenztruppen auf den Heiligen Abend aus dem Dienst entlassen wurden, Allein Basel musste in der ersten Nacht über 18 000 Mann Quartier bieten, derweil Zehntausende weiter Richtung Hauenstein oder Elsass zogen. Der mehrtägige Durchmarsch kostete die Stadt über 600 000 Verpflegungstage. Überall verlangten ausgehungerte Soldaten nach Unterkunft und Essen, und als sie gegangen waren, hatten sie Flecktyphus eingeschleppt. Gerade die Soldaten des Zaren Alexander 1. wurden von vielen Schweizern mit grosser Neugier beobachtet.
Unser russischer Grenadier hat es sich für eine Marschpause im Heu bequem gemacht. Seine Uniform entspricht weitgehend der Ordonnanz von 1812. Er kann sich glücklich schätzen, einen der grauen Wintermäntel, Modell 1811 mit farbigem Kragen, zu besitzen, viele russische Soldaten trugen nur ihren Frack als Oberbekleidung in jenen kalten Tagen. Am linken Arm erkennt man die weisse Armbinde als gemeinsames Erkennungszeichen der Alliierten, eingeführt, nachdem ein Kosake einen englischen Offizier verwundete, den er für einen Franzosen hielt. Die tellerförmige Feldmütze hat die Police-Mütze nach französischem Vorbild abgelöst. Am Holzpfosten hat der Grenadier seinen Tschako der Ordonnanz 1812 aufgehängt, der bei den Russen «Kiwer» genannt wurde. Die russische Armee pflegte die Eigenheit, selbst im harten Feldeinsatz die volle Ziergarnitur auf dern Tschako zu tragen, inklusive der weissen Kordeln und des sehr hohen schmalen Wollbusches (Abzeichen der Elitekompanien). Im Winter trugen die Soldaten über den weissen Tuchhosen schwarze Gamaschen als zusätzlichen Beinschutz. An den weissen Bandeliers hängen das Seitengewehr und die Munitionstasche Modell 1808. Der Tornister mit aufgeschnalltem Essgeschirr wurde mit einem zusätzlichen Querriemen über die Brust fixiert. Die wichtigsten Kleinigkeiten befinden sich in dem weissen Leinenbrotbeutel unter seinem Gewehrkolben. Um 1812 gab es in der russischen Armee Gewehre mit zwölf verschiedenen Kalibern. Vielfach waren die ausgegebenen Waffen von miserabler Qualität, dies galt auch für die abgebildete Tula-Muskete. Die Manufakturen Tula und Sestrovetsk stellten damals pro Jahr zwischen 150 000 und 170 000 Musketen her.
Roger Rebmann – Rost und Grünspan