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Cassandra's Dream: Interview mit Hayley Atwell
Haley Atwell kann sich sehr glücklich schätzen. Frisch aus der Schauspielschule, darf sie schon für Woody Allen vor der Kamera stehen. Heute berühmte Stars wie Sigourney Weaver haben ihre Karriere so begonnen - nicht dass dies etwas zu bedeuten hätte. Die Newcomerin wuchs in West London auf und wollte schon immer Schauspielerin werden. Sie absolvierte die Guildhall School of Drama und hatte bereits Auftritte in mehreren Fernsehprojekten und übernahm auch eine Rolle in einem Pringles-Spot.
Als OutNow.CH sie in Venedig traf, war sie offensichtlich nicht die Hauptattraktion. Ihre männlichen Kollegen Ewan McGregor und Colin Farell übernahmen diese Verantwortung. Nicht zu vergessen der Regisseur von Cassandra's Dream, dem Film weswegen der ganze Zirkus veranstaltet wurde: der grosse Woody Allen.
OutNow.CH (ON): Es gibt nicht viele Schauspielerinnen, die gleich ihren ersten Film mit Woody Allen drehen können. War es auch eine kleine Erleichterung, dass deine Karriere gleich mit einem Knall beginnt?
Hayley Atwell (HA): Ich würde nicht von Erleichterung sprechen. Ich habe die Schauspielschule vor noch nicht allzu langer Zeit beendet. Ich hatte bereits Theater- und Fernseherfahrung, und diesen Weg wollte ich auch weiterbeschreiten. Deshalb kam diese Sache etwas unerwartet. Es war eindrücklich, aber jetzt nicht unbedingt etwas, dass ich angestrebt hätte.
ON: Wie hat sich Woody Allen für dich entschieden?
HA: Ich hörte, dass er nach London kommen würde, um einige junge Frauen zu casten. Er war persönlich aber nicht anwesend, als ich etwas Dialog und meinen Namen in die Kamera sprechen musste. Von der Geschichte und den Figuren wusste ich damals auch noch nicht. Ich lief nach Hause und dachte mir, dass sei ein sehr seltsames Casting gewesen. Später wurde ich dann nach New York geflogen, um mich mit Woody Allen zu treffen. Dieses Gespräch dauerte eine halbe Stunde, und ich habe eigentlich nur über mich sprechen müssen.
ON: Wusstest du dazumal, worum es im Film ging?
HA: Er gab mir das Script und ich durfte es mit ins Hotel nehmen. Aber alles war sehr geheimnisumwittert. Ich musste es bereits am nächsten Tag zurückbringen. So erfuhr ich, dass ich eine nicht besonders nette Figur zu spielen hatte, eher oberflächlich und naiv, welche Verführung als Mittel zum Zweck betreibt, was ich persönlich eher vulgär finde. Es bereitet mir aber Spass, so jemanden zu spielen.
ON: Kanntest du die Namen der anderen Schauspieler für das Projekt?
HA: Erst als ich die Rolle bekam, wurde mir gesagt, dass Ewan McGregor und Colin Farell die Männerrollen übernehmen würden.
ON: Wie verhält sich Woody Allen am Set?
HA: Er ist wirklich lustig - jedoch mit einem eher trockenen Humor. Man braucht ein Weilchen, um sich an seinen Humor zu gewöhnen. Es gehört Mut dazu, über seine Witzchen zu lachen, weil man nicht ganz sicher sein kann, ob es wirklich lustig gemeint war. Gestern hat er hier in Venedig zum Beispiel gleich vor dem unserem grossen Auftritt in der Sala Granda des Palazzo del Cinema nach einem Truthahnsandwich verlangt. Die Security- und Presseagenten wurden urplötzlich nervös. Solche Dinge machen seinen Humor so brillant.
ON: Was kann dir ein Meister wie Woody Allen beibringen?
HA: Er lehrte mich die Stille und wie wichtig Unkompliziertheit ist. Man muss auf die kleinsten Bewegungen acht geben. Es gab da eine Szene, in der er mich über eine ungewohnte Bewegung meines Mundes informierte, welche jeweils die ganze Szene störte.
ON: Ist eine Schauspielerin gehemmter, wenn sie mit jemandem wie Woody Allen arbeitet?
HA: Ja, aber nicht wegen ihm als Person. Es sind sein aussergewöhnlichen Fähigkeiten als Autor und Regisseur, die hemmen. Er ist nahbar und scheu. Das macht es einfacher auf ihn einzugehen. Ich war deshalb nur so lange in Sorge, bis ich ihn besser kannte.
ON: Wie war es, mit Colin und Ewan zu arbeiten?
HA: Grossartig. Sie waren genauso nervös wie ich. Wir wurden aber alle gleich behandelt. Es gab keine Hierarchie. Es war aber nicht die Bohne glamourös.
ON: Hattest du einen Lieblingsfilm von Woody Allen bevor du mit ihm gearbeitet hast?
HA: Ja. Hannah and her Sisters.
ON: Wie stehst du zur Geschichte von Cassandra's Dream?
HA: Sie ist ist rau und freudlos. Sehr ausgeklügelt in Sachen Sprache. Sie zeigt, wie alles ausser Kontrolle gerät, wenn jemand zu ehrgeizig und masslos agiert.
ON: Denkst du nicht auch, das Konzept des Films ist Match Point sehr ähnlich?
ON: Was macht die Arbeit auf der Bühne interessant für dich?
HA: Theater ist roher und direkter. Sie flösst auch mehr Respekt ein. Man fühlt sich ein bisschen wie in einer Kirche. Es hat etwas Heiliges. Mit sehr wenig kann eine Scheinwelt kreiert und ohne Tricks und Spezialeffekte einem Publikum vermittelt werden. Alles liegt in deiner Kraft und anderen Leute, die sich mit dir verbinden.
ON: Es ist wohl dein erster Trip zu einem Festival mit Rotem Teppich usw. Wie fühlt es sich an?
HA: Es ist komplett verrückt. Ich bin hier in Venedig mit meiner besten Freundin, und sie amüsiert sich wohl mehr als ich, weil es für mich halt auch Arbeit bedeutet. Ich muss lernen, wo ich hin muss, was von mir erwartet wird, und wie man sich hier zu verhalten hat. Meine Freundin versteht nichts von der Filmwelt, was grossartig ist, weil es die Sache etwas entmystifiziert. Weder kennt sie Harvey Weinstein, noch weiss sie, was es bedeutet, wenn er neben einem steht. Schliesslich ist der Glanz hier zwar sehr glamourös, aber auch irreal.
Quelle: OutNow.CH