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Das Luzerner Kriminalgericht verurteilt den Hauptangeklagten im HP-Actebis-Skandal zu sechs Jahren (!) Gefängnis. Ein weiterer Angeklagter kommt mit einer bedingten Gefängnisstrafe davon. Urteil noch nicht rechtskräftig.
Das Luzerner Kriminalgericht verurteilt den Hauptangeklagten im HP-Actebis-Skandal
zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Dies, obwohl die Untersuchung gegen den ehemaligen Actebis-Manager sowie drei weitere Angeklagte enorm lange gedauert hat. Denn die Straftaten fanden 2003 und 2004 statt.
Das Gericht sprach den 52-Jährigen ehemaligen Actebis-Kadermann, einst eine bekannte Figur im Schweizer IT-Handel, in einem Dutzend Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, mehrfachen gewerbsmässigen Betruges und mehrfacher Urkundenfälschung. Es liess einige wenige Anklagepunkte fallen, folgte der Anklage aber beim Strafmass.
Der Beschuldigte soll Geld in der Höhe von fast 18 Millionen Franken missbräuchlich auf sein Privatkonto umgeleitet haben und für das Sponsoring eines Hockey-Clubs verwendet haben.
Bei einem ebenfalls angeklagten Buchhalter von Actebis stellt das Kriminalgericht die Erfüllung mehrerer Straftatbestände fest, nämlich der falschen Anschuldigung, des gewerbsmässigen Betrugs und der mehrfachen Urkundenfälschung. Die Schuldfrage wurde vom Gericht noch nicht beurteilt, da zunächst die Schuldfähigkeit des Beschuldigten, eines notorischen Glücksspielers, beurteilt werden soll. Dies hatte die Verteidigung beantragt.
Bedingte Freiheitsstrafen für ehemaligen HP-Mann
Zwei weitere Mitbeschuldigte hatten bei HP gearbeitet. Bei beiden blieb das Gericht unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft: Einer wurde wegen gewerbsmässigen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten bedingt (Staatsanwaltschaft: 20 Monate bedingt) verurteilt, ein zweiter wurde freigesprochen (Staatsanwaltschaft: 14 Monate bedingt).
Missbrauch von "Special Bids"
Im Kern ging es um den Missbrauch von Spezialpreisen für Grossprojekte, so genannten "Special Bids" oder im HP-Compaq-Lingo "OPGs". Man bestellte bei einem Grossprojekt, zum Beispiel der Lieferung von neuen PCs für eine Grossbank, mehr PCs als wirklich gebraucht wurden. So konnte man tausende von PCs zu äusserst tiefen Preisen einkaufen und dann mit extrem hohen Margen weiterverkaufen. Die Schweiz eignete sich für solche kriminelle Deals besonders gut, da es hier besonders viele internationale Konzerne mit riesigen Bestellmengen und sehr unterschiedlichen Bedürfnissen gibt. So sei es halt nicht weiter aufgefallen, wenn ein paar tausend oder hundert PCs mit Tastaturen für arabische Märkte bestellt wurden, die man dann dort mit hohen Gewinnmargen "verhackte," erzählte mir damals ein Insider.
Das Urteil liegt erst im Dispositiv vor. Es ist damit noch nicht begründet und auch noch nicht rechtskräftig. Ausserdem ist gut vorstellbar, dass der Hauptangeklagte angesichts der hohen Haftstrafe und der sehr langen Verfahrensdauer das Urteil vor der nächst höheren Instanz anfechten wird. (Christoph Hugenschmidt / sda)