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Beate Bruns setzt sich kritisch mit dem Begriff „Wissen managen“ auseinander. Ihre Kritik kommt für einmal aus einem anderen Blickwinkel als üblich: Beate Bruns kritisiert nicht die Verwendung des Begriffs Wissensmanagement, der so wie er oft verwendet wird, besser Informationsmanagement heissen würde (siehe z.B. meine Kommentare zu Artikeln von Wilson, Miller oder Roell).
Über den Umweg einer Betrachtung zum Wahrheitsgehalt von Wissen und der praktischen Nichtexistenz von Wissen in unserem (beruflichen) Alltag kommt Beate Bruns zu einer Definition des Wissensmanagements, als Prozess, der in Richtung Wissen führt.
Meiner Ansicht nach ist die Einführung des (im Artikel nicht näher definierten) Wahrheitsbegriffs nicht notwendig. Wenn wir Wissen und Wahrheit konstruktivistisch betrachten, kommen wir direkt zu einem Wissensbegriff, wie ihn Beate Bruns am Ende als „managebar“ präsentiert.
Gerade wenn wir Wissen als Produkt von aufgenommenen Informationen und Erfahrungen, kombiniert mit Ansichten und Überzeugungen, eingebettet in Situationen und anderen Kontextbezug auffassen, oder mit den Worten von Beate Bruns „wir uns bewusst werden, dass
- das, was wir vorläufig „Wissen“ nennen, fragil und veränderlich ist;
- einigermaßen valides Wissen aus einem vielschichtigen und langwierigen Erkenntnis- und Bewertungsprozess hervorgeht und immer wieder neu diesem Prozess unterworfen wird;
- Wissen kontextgebunden ist.“
kommen wir zu einem Wissensmanagement, das sich den Aufbau von möglichst validem Wissen zum Ziel hat.
Beate Bruns sieht in der Unsicherheit des Wissens eine grosse Chance für das Teilen von Wissen, was bekanntlich einen der Knackpunkte des Wissensmanagements darstellt. Noch einmal ein Zitat: „Wie bringe ich mich selbst und die Führungskräfte, Mitarbeiter und Kollegen in meiner Organisation dazu, Wissen zu teilen? Mein eigenes Wissen betrachte ich fortan nicht mehr als statisch, fixiert oder unantastbar, sondern als veränderbar, beweglich, vorläufig und möglicherweise nur relativ gültig. Als Folge davon laufe ich bei Veröffentlichung und Weitergabe dieses Wissens weniger Gefahr, etwas zu verlieren oder preiszugeben; sehe vielmehr die Option, in diesem Prozess mein eigenes Nicht-Wissen überhaupt erst in Wissen zu verwandeln.“
Daraus leitet sie ab, was wir für das Wissensmanagement brauchen: (Zitat)
„Dafür brauchen wir Modelle und Werkzeuge, die
- zulassen, dass wir „Wissens“-Bestände schnell und flexibel erneuern,
- verschiedene Stufen des „Wissens“ unterscheiden,
- verschiedene Sichten und Kontexte abbilden,
- den Transferfehlschluss vermeiden und die
- es uns ermöglichen, die Qualität des „Wissens“ in Hinsicht auf Sachgehalt, Träger-/Produzentenkompetenz und Übertragbarkeit zu beurteilen.“