Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03483.jsonl.gz/1027

Scholastik heisst gemeinhin eine Epoche, die vor der Renaissance angesiedelt wird. Thomas von Aquin (1225-1274) - der Scholastiker schlechthin - war Dominikaner und Schüler von Albertus Magnus. Der Name Scholastik ist eine späte Erfindung, die darauf Bezug nimmt, dass die Gelehrten zu Lehrern wurden und Schulen begründeten, noch bevor es Schulen im Sinne der institutionalisierten Volksschule gab. In der Scholastik wurde die Rhetorik
Als Scholastik bezeichne ich das Ende der Protophilosophie (Philosophik). Die Dominikaner (Albertus Magnus, Thomas von Aquin) organisierten das Wissen, das sie durch die Literatur der Araber kennenlernten so, dass es mit ihren Auffassungen des Christentum verträglich schien. Sie lehrten insbesondere die Rhetorik, die Aristoteles zugeschrieben wird. Darin geht es darum, Argumentationen auf bestimmte Art und Weise zu entfalten (Syllogismus, Dialektik). Dazu wurden eigentliche Schulen gegründet, die als Universitäten bezeichnet wurden. Um 1235 lagen die Aristoteleskommentare des Averroes lateinisch vor.
In der scholastischen Rhetorik werden Behauptungen widerlegt, indem sie entweder als unlogisch oder als Ergebnis einer begrifflichen Unklarheit ausgewiesen werden oder indem gezeigt wird, dass sie mit evidenten oder bereits bewiesenen Tatsachen unvereinbar sind. Die Disputation folgt einem festen Schema. Zuerst wurde die Frage vorgelegt, dann die Argumente erst der einen, dann der anderen Seite aufgezählt. Die Argumente waren im Sinne des aristotelischen Syllogismus strukturiert, wobei der Obersatz propositio maior und der Untersatz propositio minor genannt wurde. Dann wurde die Frage im einen oder anderen Sinne entschieden (conclusio oder solutio) und die Begründung für die Entscheidung gegeben. Anschließend folgte die Widerlegung der einzelnen Argumente der unterlegenen Seite. Widerlegt wurde entweder durch Bestreitung einer Prämisse (per interemptionem) oder durch Bestreitung ihrer Anwendbarkeit auf den vorliegenden Fall.
Roger Bacon (1292) kritisierte die Scholastik mit seiner Erfahrungswissenschaft, in welcher er Experimente anstelle von Argumentationen setzte. Theologische und moralische Fragen lassen sich aber nicht gut experimentell untersuchen. R. Bacon musste auch wahnsinnige Formulierungen verwenden. um nicht Opfer der Inquisition zu werden: Die Bibel und die Theologie sind oberste Philosophie, aber sie brauchen die Beiträge der Wissenschaft, worunter er die (Proto-)Mathematik der Griechen verstanden hat. . Mit seinem in die Zukunft weisenden Konzept einer Erfahrungswissenschaft (scientia experimentalis) und einer Fülle kühner, neuartiger Ideen eilte er seinen Zeitgenossen voraus. Er machte sich aber durch seine Neigung zu schroffer, schonungsloser Kritik in weiten Kreisen unbeliebt, und seine Ansätze wurden nicht so aufgegriffen, wie es für eine umfassende Reform der Scholastik erforderlich gewesen wäre. Im Franziskanerorden bildete sich eine Strömung (Franziskanerschule), die zwar die scholastische Methode übernahm, aber den Einfluss des Aristotelismus begrenzen und traditionelle platonisch-augustinische Ideen bewahren wollte, vor allem in der Anthropologie. Führende Vertreter dieser Richtung waren Robert Grosseteste, Alexander von Hales, Bonaventura und schließlich Johannes Duns Scotus († 1308), der Begründer des Scotismus. Franziskaner, insbesondere Scotisten wurden zu den wichtigsten Gegenspielern des Thomismus. Es entstand eine Strömung radikaler Aristoteliker, die den Auffassungen des Aristoteles und des Averroes auch in den Punkten folgte, in denen sie mit der kirchlichen Lehre kaum vereinbar waren (siehe Averroismus). Dies führte wiederholt zu heftigen Reaktionen der kirchlichen Hierarchie, die die Verbreitung solcher Ansichten verbot. Die Averroisten leisteten hartnäckig stillen Widerstand. Wilhelm von Ockham († 1349) wurde zum Vorkämpfer einer revolutionären Auffassung, die vereinzelt schon im 11. Jahrhundert in etwas anderer Form vertreten worden war. Sie radikalisierte die aristotelische Kritik an der Ideenlehre Platons, indem sie den Ideen (Universalien) keinerlei wirkliche Existenz zubilligte (Nominalismus oder nach anderer Terminologie Konzeptualismus). Diese Auffassung war mit der katholischen Trinitätslehre unvereinbar. Der dadurch ausgelöste Universalienstreit zwischen Nominalisten/Konzeptualisten und Universalienrealisten (Platonikern) wurde zu einem Hauptthema der Scholastiker. Zu den führenden Nominalisten/Konzeptualisten zählte Johannes Buridanus. An den Universitäten nannte man später den Nominalismus/Konzeptualismus via moderna im Unterschied zur via antiqua der (teils radikalen, teils gemäßigten) Universalienrealisten. Tatsächlich war der Gegensatz zwischen Nominalisten und Realisten noch weit tiefer als die Gegensätze zwischen Thomisten, Scotisten und anderen nichtnominalistischen Richtungen.
Luther hatte 1517 in seiner lateinischen Disputation Contra scholasticam theologiam die „scholastische Theologie“ bekämpft; er bezeichnete sie als „erlogenes, verfluchtes, teuflisches Geschwätz“.