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Diese Bestimmungen bestehen in verschiedenen Sammlungen, am vollständigsten von Rhallis und Pitles im
«Syntagma»
(Athen
[* 5] 1852–59),
auch im «Pedalion» von 1800 (fehlerhafte
Ausgabe, letzte korrekte
AusgabeAthen 1887), und haben
denselben Wert für die Griechische Kirche wie die symbolischen
Bücher für die abendländischen.
Alle spätern Lehrbildungen, wenn sie
auch von
Patriarchen sanktioniert sind, gelten erst in zweiter Linie. Doch hat die Griechische Kirche später
manche Neubildungen in der
Lehre von der römisch-katholischen herübergenommen, z. B. die von den sieben
Sakramenten.
Die innere
Entwicklung der Griechische Kirche ist bis 1453 nicht viel fortgeschritten. Dieses frühzeitige Erstarren des
Dogmas erklärt sich aus der
Stellung der Griechische Kirche als der byzant. Staatskirche. Als solche hatte sie die
Aufgabe, die namentlich seit Justinian unausgesetzt in das byzant. Reichsgebiet vordringenden barbarischen Völkermassen
zu nationalisieren. Es fehlte ihr daher an
Trieb, sich im Innern fortzubilden; sie bedurfte vielmehr eines festen Dogmas,
um sich zu halten und die
Heiden zu erziehen.
Die zweite
Periode der Griechische Kirche beginnt 1453 und ist noch nicht abgeschlossen, da die Griechen eifrig eine Nationalkirche
innerhalb der Grenzen
[* 10] des alten
ByzantinischenReichs erstreben. Von
Griechenland
[* 11] wurde die Geisteskultur nach
Italien
[* 12] verpflanzt
(s.
Humanismus). Die höhern Schulen gingen ein, eine einzige nur wurde im Anschluß an das
Patriarchat
in
Konstantinopel neu gegründet. Im übrigen
Reich kannte man nur in
Verbindung mit größern
Kirchen Schulen, in denen Chorknaben
mit dem für die
Kirche Nötigen vertraut gemacht wurden. Die Kenntnis des Hochgriechischen beschränkte sich daher auf kleine
Kreise
[* 13] von Kirchenfürsten und Gelehrten, das
Volk verlor, namentlich in den entferntern
Provinzen, selbst
die Volkssprache, das Vulgärgriechisch, sodaß im 18. Jahrh. für die griech.
ChristenKleinasiens die Erbauungsbücher in türk.
Sprache mit griech.
Buchstaben gedruckt werden mußten. Die Gesamtzahl der
bis 1600 gedruckten griech.
Kirchenbücher beträgt
¶
mehr
etwa 30, von 1600 bis 1700 etwa 120, von 1700 bis 1821 etwa 400. Das einzige griech. Erbauungsbuch
des Volks war der «Thesaurus» des Damaskinos, das einzige Geschichtswerk der «Chronograph» des Dorotheos von Monemvasia. Zwar
garantierte Sultan Mohammed II. der Griechische Kirche ihre volle Existenz, und der Patriarch Gennadios II. (s. d.)
durfte ihm ein Glaubensbekenntnis überreichen, das jedoch für die Kirche keine Bedeutung gewann. Mit der Zeit aber wurden
die Patriarchen Werkzeuge
[* 15] der Sultane, die Geistlichkeit sank durch Simonie und Unwissenheit, viele Kirchen wurden (gleich der
Sophienkirche) Moscheen, aus polit.
Gründen traten manche Vornehme, namentlich in den Balkanprovinzen, zum Islam über; doch hat die Griechische Kirche auch
Märtyrer aufzuweisen, die meist als Knaben von den Türken zum Islam gezwungen, hernach ihren Rücktritt zur Mutterkirche mit
dem Tode bezahlten. Dennoch blieb die Griechische Kirche unter teilweise tüchtigen Patriarchen allen Unionsversuchen, sowohl den von der
luth. Kirche unter dem PatriarchenJeremias II. (um 1580) und der reformierten unter Cyrillus Lukaris (s. d.),
als den von den Jesuiten mit Unterstützung von übergetretenen Griechen, wie LeonAllatios (s. d.), angestrebten abgeneigt.
Eugenios Bulgaris (s. d.) bildete ein neues Theologengeschlecht,
das von Katheder und Kanzel das Volk belehrte. Die Namen seiner Zeitgenossen und Nachfolger Daponte, Nicephorus, Theotokis, Nikodemus
von Naxos, Konstantios I., Konstantinos Ökonomos, Gregorios V. sind wie der des Bulgaris über Griechenland hinaus bekannt
geworden. Die Folge des griech. Freiheitskampfes und der damit verbundenen allgemeinen Nationalitätsbestrebungen
war die Loslösung der Kirche von Hellas von der allgemeinen anatolischen (1833). Seit 1872 hat auch die KircheBulgariens wieder
ihre Selbständigkeit errungen. Sie steht seitdem unter einem Exarchen. Ihr folgte die Kirche von Serbien
[* 18] 1878 und Rumänien 1885.
Der größte Gehalt eines Erzbischofs (Ephesus u. a.) beträgt 1000 Pfd.
Die niedere Geistlichkeit ist schlecht besoldet und meist nur auf Accidenzien angewiesen. Den ökumenischen Patriarchen von
Konstantinopel umgiebt eine permanente Synode von 12 Metropoliten. Sie wacht über die Aufrechterhaltung
der kirchlichen Gesetze, besetzt die erzbischöfl. Stühle, regiert das Klosterwesen, die Akademien (s. Chalki) und
giebt durch
die Druckerei des Patriarchats die für die Geistlichkeit und Laien notwendigen kirchlichen Werke heraus, die früher lediglich
(jetzt nur noch zum Teil) in Venedig
[* 19] erschienen. Die Synode ist überhaupt die Spitze der anatolischen Kirche.
Unter der Synode steht der Gemischte Rat (Mikton Symbulion), bestehend aus 4 Metropoliten der Synode und 8 Laien. Er leitet
das Schulwesen, die zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten u. s. w.
Die Taufe wird durch dreimaliges Eintauchen des ganzen Körpers ins Wasser vollzogen und mit ihr gleich das Chrisma (Firmung)
verbunden. BeimAbendmahl gebraucht sie gesäuertes Brot
[* 21] und mit Wasser vermischten Wein. AllenKommunikanten,
auch den Kindern, wird das Brot gebrochen in einem mit dem Weine gefüllten Löffel gereicht. Die Transsubstantiation und das
Meßopfer wird gelehrt, aber nicht die Anbetung der Hostie. Sie gestattet allen Geistlichen, mit Ausnahme der Klostergeistlichen
und der aus diesen zu wählenden höhern Geistlichkeit bis zum Bischof herab, die Ehe mit einer Jungfrau,
untersagt dagegen die Ehe mit einer Witwe sowie eine zweite Ehe, weshalb der verwitwete Geistliche in der Regel als Hieromonachos
(s. d.) in ein Kloster geht.
Die Ehe der Laien löst sich im Falle des Ehebruchs. Hinsichtlich der Ehe in verbotenen Graden der Verwandtschaft, besonders
der geistlichen Verwandtschaft zwischen Paten und Gevattern, ist sie sehr streng; eine vierte Ehe ist selbst
den Laien nicht gestattet. Im Gegensatz zur kath. Kirche läßt sie mit dem heiligen Öle
[* 22] nicht nur Sterbende, sondern auch
Kranke salben, und verwirft das Fegefeuer samt der Lehre von den überschüssigen Verdiensten der Heiligen, den
Indulgenzen und dem Ablaß.
Der tägliche Gottesdienst besteht, abgesehen von den Klöstern, im täglichen Abhalten des Orthros (s. d.), der Meßliturgie,
von den Griechen schlechthin Liturgie genannt, und dem Hesperinos (s. d.).
Jede Gemeinde hat einen Sängerchor, der die gottesdienstlichen Lieder nach den alten orient. Kirchenweisen singt; Orgeln
kennt die Griechische Kirche nicht, auch duldet sie keinen mehrstimmigen Gesang. Alle Kultusformen sind reich an Symbolen. Der Kultus selbst
gilt nach altgriech. Auffassung als die Aufführung eines geistlichen Schauspiels zur Ehre Gottes. Als
Kirchensprache gilt bei den Griechen das Altgriechisch, wie es in der Zeit der
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