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Hyeon Chung bestätigte den Sieg gegen Novak Djokovic und trifft in den Halbfinals der Australian Open auf Roger Federer. Der erst 21-jährige Südkoreaner ist der Erste aus seinem Land, der in einem Grand-Slam-Halbfinal steht. Mit den englischen Interviews dagegen hapert es noch.
Immer wieder wanderte sein Blick hilfesuchend zur Seite. Dorthin, wo sein Trainer Neville Goodwin stand, ein Südafrikaner und damit englischer Muttersprache. So stilsicher Chung zuvor in den Viertelfinals gegen den fast noch überraschenderen Amerikaner Tennys Sandgren (26) gewirkt hatte, so verloren schien er zuweilen, als er danach sich und seinen Erfolg erklären sollte.
Seine Antworten waren kurz und beim Versuch, die Welt des 21-Jährigen zu verstehen, wenig hilfreich. Auch der sonst so gewitzte Jim Courier biss sich an dieser Aufgabe die Zähne aus.
Also überliess er dem Koreaner nach dessen Halbfinal-Einzug auf dem Platz wieder kurzerhand das Mikrofon, damit dieser seine Landsleute in der Muttersprache grüssen konnte. Mutter Kim formte auf der Tribüne mit den Händen ein Herz.
Es war so etwas wie der emotionale Höhepunkt des Nachmittags. Und das Publikum tobte. Nun ist es nicht so, dass Chung wortkarg wäre. Auf Koreanisch fühlt er sich wohler. Sein Englisch ist schlicht zu bescheiden. «I working on that, the interview first! I studying interview», sagte er darauf angesprochen – und falsch.
Doch viel wichtiger ist, was Chung bei den Australian Open auf dem Platz zeigt: Es erinnert in vielerlei Hinsicht an Novak Djokovic, den serbischen Rekordsieger bei diesem Turnier, den er in den Achtelfinals in drei Sätzen ausgeschaltet hatte. Zuvor schon hatte er mit Alexander Zverev (20) einen Anwärter auf den Titel bezwungen. Zverev sagte danach: «Das Ranking lügt.»
Chung wird derzeit auf Rang 58 geführt. Sein bisher grösster Erfolg war der Sieg im sogenannten Baby-Masters im November, dem Jahresfinal der besten acht Spieler unter 21 Jahren. An den vier Grand-Slam-Turnieren war Chung bisher nie über die dritte Runde hinausgekommen.
Sein Spiel lebt weniger von spektakulären Schlägen als von Athletik, Präzision und Laufstärke. Wie Novak Djokovic, der sein Vorbild ist, zermürbt Chung seine Gegner mit seiner penetranten Unerbittlichkeit. «Er war wie eine Wand», sagte der Serbe.
Am Montag zeigte Chung, dass er sich von der Grundlinie schon jetzt ähnlich gut verteidigt. Es war beeindruckend, wie viele Bälle er noch erreichte. Und vor allem, was er aus diesen Bällen machte. Lobende Worte fand auch Roger Federer, der sein nächster Gegner ist. «Es erinnert mich an Novak, wie er in der Defensive spielt. Das ist schon beeindruckend», sagte Federer, der am Freitag erstmals auf Chung trifft.
Mit der Brille, dem wuscheligen Haar, der Zahnspange und dem vernarbten Gesicht wirkt Chung nicht wie das Aushängeschild einer neuen Generation. Dabei ist er der grösste Hoffnungsträger von allen; grösser als Zverev, grösser als Kyrgios. Denn Asien ist der wichtigste Wachstumsmarkt. Ein Blick auf Chungs Sponsoren bestätigt das: IMG, Samsung, Rado, Yonex – es sind alles Marken mit Weltruf.
Auch sie haben erkannt, wie gross das Potenzial Chungs ist – auf dem Platz, aber eben auch daneben. Vielleicht wollen sie etwas aus ihm machen, das er gar nicht sein will. Bisher mied Chung Twitter. Gestern eröffnete er – oder das Management – ein Profil. Er selber macht nicht den Eindruck, viel über diese Dinge nachdenken zu wollen, und sagt: «Ich will einfach nur Tennis spielen.»