Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03094.jsonl.gz/2173

Ein Hit musste her
«The Hidden Fortress» ist einer der früheren Filme Kurosawas. Damals befand er sich noch in einer Art Versuchsphase.
Die beiden Vorgängerfilme fanden nicht das Publikum, das er sich wünschte. Sie waren an den Kinokassen nur mittelmässig erfolgreich. Gemessen wurde er an seinen Meisterwerken «Die sieben Samurai» («Shichinin no Samurai») aus dem Jahr 1954 und «Einmal wirklich leben» («Ikiru», 1952).
Kurosawa stand unter Druck: «Dieses Mal soll es ein hundertprozentiger Unterhaltungsfilm werden», so der Altmeister in einem Interview.
Das Vorhaben gelang. Der Film wurde ein grosser Erfolg an den Kinokassen und ermöglichte es ihm, seine eigene Produktionsfirma zu gründen.
Unterhund-Perspektive
Akira Kurosawa gelang ein Schelmenstück. Nach der Niederlage Japans und der Besetzung des Landes durch die Allierten erlangten Filmschaffende wieder vermehrte künstlerische Freiheiten.
Gefordert waren jedoch «demokratiefördernde Botschaften», welche durch die Filme an die breite Bevölkerung gelangen sollten. Bedingungen, die wie geschaffen waren für «The Hidden Fortress». Ganz basisdemokratisch wird der Film aus der Perspektive von zwei armseligen Bauerntölpel erzählt.
Die erlauchte Prinzessin ist auf deren Hilfe angewiesen, um ihr bedrohtes Reich erhalten zu können. Das ganze würzte der Regisseur mit Humor bis hin zum Slapstick und mit fein ziselierten Spitzen gegen die damals populären, heldenhaften Samurai-Filme.
Leichtes Naserümpfen
«The Hidden Fortress» ist vordergründig eine rasant inszenierte, leichtfüssige Action-Parodie, die dem Zuschauer kaum Zeit lässt, auch die hintergründigen Qualitäten zu erkennen. Angefangen bei den durchwegs überzeugenden Schauspielern.
Kurosawa arbeitete auch hier mit einem seiner liebsten Akteure zusammen: Toshiro Mifune, der später über Hollywood zu Weltruhm gelangte.
Filmkritiker sahen zu seiner Zeit einen zwar gelungenen Kurosawa-Film, rümpften aber ob der etwas gefälligen Form auch die Nasen. Ein Preisregen blieb aus. 1959 erhielt er in Berlin den Silbernen Bären für die beste Regie, ausserdem gab es einen Preis der internationalen Filmkritiker-Vereinigung FIPRESCI.
Modernste Technik
Mit «The Hidden Fortress» schlug Akira Kurosawa neue Wege ein. Inhaltlich liess er seine in den Vorgängerfilmen zunehmend düstere Erzählperspektive hinter sich. Formal setzte er erstmals das Breitbildformat ein, das erst kurz zuvor erfunden worden war und auch in Japan an Popularität gewann.
Durch den Einsatz des Weitwinkel-Objektivs gelangen Kurosawa fantastische Bilder, die bis heute Bestand haben und dem Film ein noch immer gültiges, modernes Erscheinungsbild verleihen.
Der Regisseur verstand es, die neue Technik maximal auszunutzen. Dies zeigt sich etwa an den imposanten Kampfszenen, den imposanten Landschafts-Aufnahmen und an der Ästhetik der langen Tele-Aufnahmen.
«Star Wars» und andere Einflüsse
Fast 20 Jahre nach «The Hidden Fortress» zeigte sich Akira Kurosawas Einfluss auf die westliche Filmindustrie.
1977 schuf der junge US-Regisseur George Lucas seine «Star Wars»-Reihe und gab unumwunden zu, durch Kurosawa zu der Geschichte inspiriert worden zu sein: «Bei «Hidden Fortress» blieb mir haften, dass die Geschichte aus der Perspektive von zwei Aussenseitern erzählt wurde. So wollte ich meine «Star Wars»-Story erzählen», sagte Lucas später in einem Interview.
Bei ihm sollten das die beiden Droiden D2-D2 und C3PO sein. Dass in der Geschichte nebenbei eine Prinzessin, Kampfszenen mit langen Spiessen und wilde Verfolgungsjagden vorkamen, mag zufällig sein.
Noch viele andere westliche Regisseure waren und sind von Kurosawa beeinflusst und beeindruckt. Darunter Oliver Stone, Steven Spielberg oder Francis Ford Coppola, mit denen Kurosawa auch Freundschaften verband.
Spiegelung der US-Gesellschaft
Akira Kurosawa mag in Japan in gewissen Kreisen als «zu westlich» gegolten haben. In der übrigen Filmwelt ist er zu einer Ikone aufgestiegen. 1965 wählte ihn die American Academy of Arts and Sciences in ihre Vereinigung.
Sein Film «Die sieben Samurai» wurde allein in den USA sechsmal neu verfilmt. Gerade dort wurde er für seine grossen Kampf- und Schlachtengemälde («Ran», «Kagemusha») verehrt.
Das Aufbegehren gegen Autoritäten und Traditionen sind häufig Thema in Kurosawas Filmen, was dem amerikanischen Do-it-yourself-Geist ebenfalls entsprochen haben dürfte. Kurosawas künstlerische Auflehnung gegen japanische Werte wie Selbstaufopferung und Obrigkeitsgläubigkeit brachte ihm weltweite Anerkennung und Bewunderung ein.