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Freihandel
Razeen Sally plädiert für unilaterale Liberalisierungen
Artikel vom 1. Juli 2008
Der Wirtschaftswissenschaftler Razeen Sally ist ein weltweit
Reisender in Sachen Freihandel. In seinem Werk Trade Policy, New Century
legt er in gedrängter Form seine Sicht der aktuellen Lage und der daraus
folgenden Lehren für die Zukunft dar. Auch wenn es ihm um die grossen Trends
geht, so hätte er doch Ländern wie Australien, Neuseeland, Irland, Estland,
China und Hong Kong Platz für konkrete Erfolgsgeschichten
von Firmen oder Sektoren durch Freihandel einräumen sollen. Dennoch
überzeugt sein Buch durch seine klare, konzise Sprache sowie den
didaktischen Aufbau.
Sally fordert ein Umdenken. Der Freihandel kann nicht mehr durch supranationale
Institutionen vorwärtsgebracht werden, sondern muss erneut, wie im klassischen
Liberalismus, als Teil der binnenorientierten (domestic) liberalen politischen Agenda
betrachtet werden. Die stärker politisierte WTO ist im Gegensatz zur
Vorgängerorganisation GATT ineffizient geworden und soll sich mehr um die
Implementierung von Freihandelsregeln als um radikale Liberalisierungen kümmern.
Der Westen soll Ursprungs- und Anti-Dumping-Regeln vereinfachen und
transparenter gestalten. Protektionismus als unprobates Mittel der
Wirtschaftspolitik bleibt ein brisantes Thema, nicht zuletzt im Agrarsektor.
Die
radikalen, weltweiten Veränderungen durch die Globalisierung könnten zu einem
Rückschlag (backlash) gegen den Freihandel führen, urteilt Sally. Im
Umwelt-Protektionismus und in internationalen "Standards" sowie
"Harmonisierungsbestrebungen" sieht er kommende Gefahren.
Ärmeren Ländern empfiehlt er, Zölle und Quoten im Handel gerade auch unter
ihresgleichen zu senken.
Den präferentiellen Handelsabkommen (PTAs), wie sie
sich gerade in Asien wie Buschfeuer verbreiten, steht er ablehnend gegenüber, da
sie zumeist hinter WTO-Bestimmungen zurückbleiben und untaugliche Instrumente
mit politischer Motivation darstellen. Sally hat starke Argumente für
unilaterale Liberalisierungen, die insbesondere in Asien - China als leuchtendes
Beispiel - die grössten Fortschritte bei der Integration dieser Länder in die
Weltwirtschaft gebracht haben. Bilaterale Abkommen führen zu einem schwer
durchschaubaren Dschungel an Sonderregelungen, die den Handel schlussendlich
nicht substantiell vereinfachen, sondern oft Partikularinteressen dienen und
weitergehende Liberalisierungen verhindern.
Den Bucheinband ziert übrigens ein Foto einer jener seltenen Demonstrationen
für freien Handel. "Trade Not Aid" steht auf einem der Plakate, die
Demonstranten emporhalten. Entwicklungshilfe ist zumeist kontraproduktiv. Für
das Aid Business, die um die Welt jettenden Konferenzteilnehmer, die
vorgeben, im Namen der Armen und Unterdrückten zu sprechen, hat der Autor einige
harte Worte bereit. Er verweist auf Fareed Zakaria, der festhielt, dass der
Einbezug von demokratischem Input, von "mehr Demokratie" in
Handelsverhandlungen der WTO zu Abkommen führen würde, die mit Ausnahmen und
Vorbehalten durchsetzt wären und die politisch mächtige Interessengruppen
schützen würden.
Den USA billigt Sally abschliessend auch in Zukunft die Führungsrolle als
Supermacht zu. Die Amerikaner sollten eine konstruktive Führungsrolle bei der
Liberalisierung in Asien spielen. Allerdings geht der Autor nicht detailliert
auf Chinas kommunistische Führung ein, der dabei eine Schlüsselrolle zukommt.
Freihandel ist sicher die bessere Lösung als Protektionismus gegenüber China (engage
instead of contain). Sally betont, dass sich China stärker als jedes andere
Land der WTO gegenüber verpflichtet habe, allerdings quasi als Krönung eigener
vorangegangener unilateraler Liberalisierungen. Doch damit können die Probleme
nicht vom Tisch gewischt werden, die ein Einparteienstaat, ein Regime, das sich
nie von Mao distanziert hat und ein Militär, das ein Staat im Staat mir riesiger
wirtschaftlicher Macht ist, für die politische und wirtschaftliche Zukunft nicht
nur Asiens darstellen.
Sallys Plädoyer für den Freihandel und unilaterale Liberalisierungen sollte für
alle, nicht zuletzt Politiker in Helvetistan, Pflichtlektüre
sein, denn Freihandel fördert die Freiheit, Prosperität, Sicherheit und den
Frieden in der ganzen Welt. Schon die wirtschaftsliberalen Klassiker wussten,
dass die internationale Arbeitsteilung, mit der Konzentrierung von Ressourcen
auf die komparativen Vorteile eines Landes, zu mehr Wohlstand für alle führt.
Dem Autor geht es allerdings nicht um den Freihandel allein. Der Schlüssel liege in der
Interaktion mit handels- und marktfreundlicher Politik und Institutionen im
Inland:
Freihandel nach aussen und Laissez-Faire
nach innen sind komplementär. Nicht global, sondern national governance
ist das Stichwort. Zum ersten Mal in der Geschichte liege die beste Hoffnung für den Freihandel in Asien. Einen Peel,
Gladstone, Cobden, einen Cordell Hull oder Ludwig Erhard sucht Razeen Sally allerdings
im 21. Jahrhundert noch immer
erfolglos.
Razeen Sally: Trade Policy, New Century. The WTO, FTAs and Asia Rising.
Foreword by Guy de Jonquières. iea, Hobart Paper 163, London, 2008, 229 S.
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Razeen Sally: Trade Policy, New
Century. The WTO, FTAs and Asia Rising. Foreword by Guy de Jonquières.
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