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Roger Federer bietet sich in diesem Sommer die Chance, nach fast fünf Jahren wieder die Spitze der Weltrangliste zu übernehmen. In Montreal spricht er darüber, wie viel ihm das bedeuten würde.
Es ist eine Qual der Wahl, die selbst Roger Federer vor Probleme stellt. Was wäre ihm lieber: Nochmals die Nummer 1 der Welt zu werden oder mit dem US Open nach Australien und Wimbledon in diesem Jahr noch ein drittes Grand-Slam-Turnier zu gewinnen? Federers Antwort darauf kommt zögernd: «Es ist unmöglich, da zu wählen.» Anderseits: «Mit 36 Jahren die Nummer 1 zu sein, wäre schon sehr speziell. Und ich habe ja schon zwei Grand Slams gewonnen, Vielleicht also lieber die Nummer 1.» Zum Schluss kommt dann aber doch: «Ich weiss es nicht.»
Es ist ja sowieso nicht so, dass er sich das einfach aussuchen könnte. Erst einmal muss er diese Woche in Montreal, nächste Woche in Cincinnati und schliesslich am US Open mehr Punkte holen als Rafael Nadal, der zunächst die besseren Karten hat. Der Spanier kann den wegen Hüftproblemen pausierenden Andy Murray an der Spitze der Weltrangliste ablösen, wenn er in Kanada mindestens die Halbfinals erreicht. «Der Fokus wird also diese Woche mehr bei Rafa liegen. Aber die Nummer 1 scheint für mich nicht so weit weg.»
Die Aussicht, die älteste Nummer 1 der Tennisgeschichte zu werden, war für Federer aber nicht der entscheidende Faktor bei seinem für manche etwas überraschenden Entscheid, nicht erst in Cincinnati auf die Tour zurückzukehren. «Als ich nach den Ferien wieder mit dem Training begann, fühlte ich mich physisch und spielerisch fit», erklärte er. «Und ich habe ja im letzten Jahr genügend trainiert. Da wollte ich lieber die Form nützen und mehr Matches spielen statt noch mehr zu trainieren.»
Dass er seit 2011 nicht mehr in Montreal spielte und das Turnier noch nie gewonnen hat, wenn es in der Metropole Québecs stattfand, steigert die Lust auf einen Sieg noch mehr. Er wird am Mittwoch, einen Tag nach seinem 36. Geburtstag, gegen einen der beiden Kanadier Vasek Pospisil oder Peter Polansky starten.
Vor allem aber hat Federer beste Erinnerungen an die Stadt. Vor acht Jahren unternahm er die erste Reise mit seinen wenige Wochen zuvor geborenen Zwillingsmädchen Charlene und Myla just nach Montreal. Diesmal weilt er allerdings ohne Familie in Kanada. Er kann sich also voll auf das Erreichen des nächsten Traums konzentrieren. In einer Saison die sowieso schon «ein kompletter Traum» sei - selbst, wenn er nichts mehr gewinnen würde. (sda)