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Informationen zu St. Maria Müstair / CH
Der älteste Wallfahrtsort der Schweiz. Hier liess Karl der Grosse im Jahr 800, nach seiner Krönung zum Kaiser durch den hl. Papst Leo III., als Dank für seine unfallfreie Überquerung der gefährlichen Alpen, eine Marienkapelle erbauen. In der Legende wird überliefert, dass der Frankenkönig Karl der Grosse persönlich ein Männerkloster in Müstair gestigftet habe. Er wollte damit das Christentum in seinem Reich stärken, eine Herberge an den Passweg schaffen und für das Bistum Chur einen Verwaltungssitz einrichten. Die Bauzeit um 775 passt gut in die Phase, als Karl das Kloster als Stützpunkt für seine Expansionspolitik nach Osten benötigte. Dank den archäologischen Untersuchungen der letzten 35 Jahre gehört Müstair zu den bekanntesten karolingischen Klöstern. Die Kirche entstand im Nordosten eines grossen Klostervierecks mit Bischofsresidenz, Gästeflügel sowie Arbeits- und Wohnmarkt der Mönche. Kurz vor 800 wurde die Klosterkirche mit einem Freskenzyklus ausgeschmückt, der die Heilsgeschichte in Form eines lückenlosen Bildteppichs über alle Wände ausbreitete. Dieser einmalige Bilderschatz erhebt Müstair zum UNESCO-Welterbe.
Um 960 liess Bischof Hartpert von Chur den sogenannten Plantaturm als Wohn-und Wehrturm errichten. Wiederum war es die Passpolitik, diesmal unter Kaiser Otto I., die in Müstair ein bedeutendes Bauwerk in Form einer der ältesten mitteralterlichen Burgen entstehen liess, das auch Schutz bot gegen die gefürchteten Überfälle von Sarazenen und ungarischen Reiterhorden. Um 1035 wurde der karolingische Nordtrakt durch eine elegante, frühromanische Bischofsresidenz ersetzt, die Bischof Egino 1163 dem neu angesiedelten Frauenkonvent schenkte. Das bisherige Atrium wurde zum Kreuzgang und damit zum neuen Zentrum der Klosteranlage. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde das Kloster wie eine Stadt mit Mauern geschützt. Die Äbtissinnen Angelina Planta (reg. 1478-1509) und Barbara von Castelmur (reg. 1510-1533) sahen sich nach der Brandschatzung im Schwabenkrieg von 1499 zwischen den Bündnern und Tirolern gezwungen, grosse Teile des Klosters neu aufzubauen. Diese Arbeiten haben den spätmittelalterlichen Charakter des Klosters bis heute geprägt. In der Zeit der Gegenreformation und des Barocks ist es glücklicherweise nie zu einer Gesamterneuerung wie in anderen europäischen Klöstern gekommen. Hingegen entstanden repräsentive Stuben mit qualitätsvollen Interieurs. 1799 besetzten napoleonische Truppen das Kloster, und in der nachfolgenden Helvetik wurde die Abtei zu einem Priorat deklassiert. In einer vitalen Phase zwischen 1878 und 1904 wurden der Mitteltrakt erneuert, die Kirche restauriert, neue Zellen und Schulräume gebaut. Mehr als 1200 wechselvolle Jahre haben dieses benediktinische Kloster geprägt. Die Stiftung Pro Kloster St. Johann versucht mit Spenden die bauliche Zukunft des Klosters und damit auch das spirituelle Weiterleben sicherstellen.