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Brahmaputra – Aus der Schlucht in die Ebene (2/3)
- Sonntag, 10. Februar 2019, 16:09 Uhr
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Erste Ausstrahlung:
- Sonntag, 10. Februar 2019, 16:09 Uhr, SRF 1
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Wiederholung:
- Samstag, 16. Februar 2019, 12:03 Uhr, SRF 1
Der alljährliche Wechsel zwischen der Dürre des Winter- und den Fluten des Sommermonsuns zwingt alles Leben entlang dem mittleren Brahmaputra in einen Rhythmus der Extreme, zwischen Verdursten und Ertrinken.
Der Oberlauf des Brahmaputra, der Yarlung-Tsangpo, fliesst von seinem Ursprung auf 5'200 Metern Höhe, unmittelbar an der chinesisch-nepalesischen Grenze, 1'700 Kilometer westwärts, bis der 7'000 Meter hohe Namche Bharwa ihn in eine riesige Schleife zwingt und dann in die tiefste und längste Schlucht der Welt. Das grosse Schluchtensystem des Yarlung-Tsangpo ist weit mächtiger als etwa der Grand Canyon. Seit 50 Millionen Jahren fressen sich die hier konzentrierten Wasser- und Sedimentmassen mit gewaltiger Energie immer tiefer in das rasch aufsteigende jüngste Gestein des Planeten.
Unter schneebedeckten Gipfeln stehen im Mai ganze Rhododendronwälder in prachtvoller Blüte. Die tief eingeschnittenen Täler haben, in Kombination mit rasch wechselnden Klimazonen von 200 bis 5500 Metern Seehöhe, dem extremen Hangprofil und den überlappenden grossen Ökozonen Süd- und Südostasiens entlang der Basis des Himalaya, eine kaleidoskopartige Fülle ökologischer Nischen geschaffen – und damit einen der wichtigsten Hotspots der Biodiversität auf unserem Planeten.
Die Bewohner des untersten Abschnitts der grossen Schlucht nennen den Fluss Siang. An seinen steilen Ufern haben sie Reisterrassen angelegt, aber sie nutzen auch Wildfrüchte, befischen die Seitentäler der grossen Schlucht und jagen.
Nach dem grossen Durchbruch durch den Himalaya wendet sich der Fluss ostwärts, wird träge und verliert sich über lange Strecken in den gewaltigen Schottermassen, die er aus Tibet herabgespült hat. Mit jedem Zufluss wächst diese Sedimentfracht und bildet ein in der winterlichen Trockensaison viele Kilometer breites Schotterbett, das während des Sommermonsuns unter ebenso gewaltigen Wasserfluten verschwindet und sich Richtung Meer in Bewegung setzt.
Einst war die gesamte subtropische Aulandschaft entlang des Brahmaputras Lebensraum von Elefanten, Nashörnern, etlichen Primatenarten und vieler Wasservögel. Heute überlebt diese eindrucksvolle Fauna nur noch in geschützten Gebieten wie Kaziranga, während endlose Teeplantagen das Landschaftsbild des Brahmaputrabeckens von Assam dominieren.
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