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Er war gewillt, das auszuloten, was ihn reizte und zugleich forderte. Ab 2005 leitete er bis 2015 das Regionalorchester «con brio». Und so «nebenbei» war er musikalischer Leiter des katholischen Kirchenchors Walenstadt und Mitbegründer und Trompeter bei der überregional immer bekannter werdenden Philharmonic Brass Zürich – Generell 5. Während des Absolvierens der Militärmusik-RS konnte er seine Spieltechnik perfektionieren und das Repertoire in willkommener Art erweitern.
Sein «musikalischer Rucksack» war recht voll, als er an der damaligen Musikhochschule Zürich Trompete und im Nebenfach Klavier studierte, dies ab 2000 bis 2004 und sich in den darauf folgenden zwei Jahren mit Orchesterdirektion auseinandersetzte. Ab 2008 schlossen Orchester- und Operndirektion mit erfolgreichem Master-Abschluss an, dies an der Musikhochschule Luzern bei Ralf Weikert.
Und mit dem Wechsel in die USA ergab sich wiederum Neues, dem sich Mathias Elmer mit hoher Kompetenz stellte, sich bewährte und in «musikalischem Neuland» – das es nicht so ganz war – Fuss fasste. Seit 2014 ist dem so. Er doktorierte an der University of Memphis im Bereich der Orchesterdirektion, amtete dann während einem Jahr interimistisch als Orchesterdirigent, was in der englischen Sprache als Director of Orchestral Activities bezeichnet ist. Es kam die Professur an der University of Memphis und ab 2018 während zwei Jahren am Connecticut College in New London dazu. Seit Herbst des vergangenen Jahres hat er eine Professur an der Virginia Tech in Blacksburg inne und ist für das universitätseigene Sinfonieorchester als Director of Orchestral Activities zuständig. Zudem führt er mit seinem besten Kollegen, Dr. Kevin Sütterlin, mit der Sinfonietta Memphis ein eigenes Orchester, mit dem pro Jahr zwei bis vier Konzerte angeboten werden.
So ist er im Bereich der klassischen Musik und den oft angebotenen Standardwerken und den damit untrennbar verbundenen Komponisten wie Mozart, Haydn, Beethoven bis hin zu Dvorak, Mahler, Schostakowitsch, Tschaikowsky und Strawinsky stark beheimatet. Seit seinen «aktiven Amerikajahren» – wie Mathias Elmer in Beantwortung einer von vielen Fragen ausführt – befasst er sich auch verständlich intensiv mit Komponisten, deren Schaffen zu wenig bekannt ist und deren Werke zu selten aufgeführt werden. Mathias Elmer erwähnt beispielsweise Samuel Coleridge Taylor, Florence Price, Joseph Bologne und Zeitgenossen aus den USA.
Sich aber «lediglich» mit Klassischem zu befassen, ist für ihn zu einseitig. Zu seinem Auseinandersetzen gehören Volksmusik und Jazz unabdingbar.
Dass er sich so intensiv mit Musik befasst, dass dieses intensive Auseinandersetzen mit lange Geplantem zu tun hat, ist mit Wünschen und Erwartungen seiner Jugendzeit verbunden. Eine Lehre bei der Therma in Schwanden und ein Zwischenjahr als Schreiner und Lagerist waren so etwas wie hinderlich «Kunstpausen» auf dem Weg in die heute dominierende und ihn erfüllende Musikwelt.
Sich über Jahre erstreckende, wegweisende Bekanntschaften aus den Studienjahren und während anderen Zeitspannen in neueren Funktionen (Juror bei Zürcher Kantonalmusikfest, freie Assistenzstelle verbunden mit dem Doktorat) führten zu seinem recht raschen Wechsel nach Memphis. Es sei ein Entscheid gewesen, so Mathias Elmer, den er gar nie bereut habe.
Und nun ist Musik zentraler Lebensmittelpunkt an der Virginia Tech. Er hat eine feste Anstellung und einen auf sechs Jahre befristeten Vertrag, das nennt sich «tenure track». Wenn alles so abläuft, wie es für Mathias Elmer vorgegeben ist, erhält er eine Lebensstelle; etwas was ihm sicher alle wünschen, die um seine fundierte und engagierte Arbeit wissen und davon profitieren. Sein Alltag ist mit dem Weitergeben von Musikgeschichte und Theorie und der Leitung des 80 Personen zählenden Orchesters und Forschungsarbeiten mehr als ausgefüllt. Es kommen dienstgebundene Arbeiten dazu. Mathias Elmer weiss sich akzeptiert. Er lebt seit sieben Jahren in den USA und hat, darüber zeigt er sich sehr glücklich, nie gross gegen Widerstände ankämpfen müssen. Er fühlt sich gut integriert und unternimmt Ausflüge – wenn Ausspannen notwendig wird. Es sei fast wie im Glarnerland, man erhole sich in der weiten Natur bestens, so seine Zusammenfassung dieses Aspekts.
«Sein» Orchester wurde 1971 gegründet; sein heute im Ruhestand lebender Vorgänger leitete es während bemerkenswert langen 45 Jahren. Einiges habe er mit seiner Übernahme neu aufgegleist, das Repertoire nach eigenen Vorstellungen «umgekrempelt», unbekannte Kompositionen eingeübt und zu Gehör gebracht und den interessierten Konzertbesuchern die willkommene Gelegenheit geboten, sich mit verschiedensten, auch neuen und unbekannten Werken auseinanderzusetzen.
Regelmässiges und intensives Üben, Selbststudium, verschiedene Unterrichtsformen und die Bekanntgabe von Werken oder Teilen davon kommuniziert Mathias Elmer regelmässig. Er weiss durchaus, dass er viel fordert, dass er pingelig genau plant, dass er zu Gesprächen mit Ratsuchenden immer bereit ist. Es konnte ein Klima gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung in guter Weise aufgebaut werden.
Mathias Elmer ist einer, der dazulernt, sich mit Neuerungen und Änderungen wünschbar intensiv auseinandersetzt, forscht, hinterfragt, ausprobiert, neugierig sein will, am Ausdrucks- und Interpretationsreichtum rumfeilt.
Die Corona-Zeit hat ihn stark betroffen gemacht und hat zu Zäsuren geführt. Die Arbeit der Berufsorchester wurde über anderthalb Jahre hinweg gestrichen und ist zum Teil immer noch stillgelegt. Im Universitätsbereich war es besser, auf so viel galt es Rücksicht zu nehmen, sich Unerwartetem zu stellen. Übungszeiten wurden reduziert. Instrumente und die eigene Person galt es zu schützen.
Nun hat sich doch einiges gebessert, ist wieder willkommener Alltag geworden. Mathias Elmer fand Zeit, wieder mal in die Schweiz, in Ehemaliges zurückzukehren, zu verweilen und vielleicht in einem seiner grossen Träume hängen zu bleiben; so, dass vielleicht irgendwann einmal eine Reise mit seinem Orchester zu uns möglich wird und zu zeigen, wie unsere Kultur strukturiert ist, wie er sein Interpretieren und Anleiten weitergibt.
Und wie Kontakte zwischen Publikum und Orchester auf gute Art verbessert werden können, umschreibt er in erfrischend offener Art. Er erwähnt öffentliche Proben, die Einladung ans Publikum, sich ins Orchester reinzubegeben, Informationen zu Werken zu vermitteln.
Sich mit Kritischem auseinanderzusetzen, Unsachliches von Berechtigtem zu trennen, in der einstigen «Normalität» wieder Fuss zu fassen, Kontakte mit der «alten Heimat» so intensiv als immer möglich zu pflegen sind Punkte, die Mathias Elmer in seinem Ausführen erwähnt, die ihm bleibend wichtig sind. Und der im Jahre 2018 verliehene glarnerische Kultur-Förderpreis – eine mehr als verdiente Ehrung – wird ihn an längst Vergangenes und doch innerlich Präsentes erinnern.