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Ein kleiner Laden gibt Hoffnung
REHASWiSS-Projektbesuche in Kerala, im Januar 2015
Anlässlich unserer Reise nach Südindien hatten meine Schwägerin und ich Gelegenheit, zwei Projekte von REHASWiSS vor Ort kennenzulernen. Unter der Leitung von Joseph Aerthott besuchten wir zwei Familien in der Nähe von Kottayam. Die Umgebung von Kottayam ist geprägt vom Grün der tropischen Bäume, es ist eine Region mit ländlichem Charakter. Beide Familien, die wir besuchten, wohnen je in einem eigenen, einfachen Haus, umgeben von einigen Nachbarhäusern und einer vielfältigen Vegetation mit Palmen, Gemüse- und Früchtepflanzungen. Bei den Besuchen begleiteten uns Marykutti Mathey von CHASS, dem Sozialdienst der katholischen Kirche, einer Partnerorganisation von REHASWiSS sowie Gigi, Mitarbeiterin bei ASHA-Talentförderung. Sie stellt den Kontakt zu den behinderten Projektbeteiligten sicher und macht Hausbesuche. Zu den Rahmenbedingungen gehörte, dass wir den beiden Projektbeteiligten, die wir besuchen durften, und die bereit waren, uns ihre Türen zu öffnen, auch eine persönliche Spende überreichen.
Besuch beim Ladenbesitzer Sherif
Sherif ist Inhaber eines kleinen Quartierladens. Bei unserer Ankunft werden wir schon erwartet von Sherif, seiner Frau Sheeja und dem Sohn. Sherif ist mit zwei Jahren an Polio erkrankt und deshalb gehbehindert.
Er hat keine Schule besucht und kann nicht lesen und schreiben. Mit der Hilfe seiner Frau kann er trotzdem einen Quartierladen führen. Anfangs war der Laden sehr klein. Dann konnte Sherif mit einem Mikrokredit von 10‘000 Rupien dank REHASWiSS den Laden erweitern. Seither kann er mehr Einnahmen generieren, und den Mikrokredit konnte er bereits zurückzahlen. Sherif bekommt zudem eine kleine Invalidenrente von 500 Rupien pro Monat. (Zum Vergleich: Ein Hilfsarbeiter verdient 700 Rupien pro Tag).
Die Tageseinnahmen des Ladens betragen durchschnittlich 250 Rupien. Dank dem Umstand, dass Sherif und seine Familie teilweise Selbsternährer sind, kommen sie über die Runden. Das Grundstück und das Haus mit zwei Zimmern gehören ihnen. Was noch fehlt ist eine eigene Toilette. Zurzeit kann die Familie diejenige im Haus des Bruders von Sherif benutzen, der gerade nebenan wohnt.
Für den gehbehinderten Sherif ist dieser Umstand eine zusätzliche Belastung. Doch bevor ein Ausbau des Hauses drin liegt, müssen noch 45‘000 Rupien Schulden für Darlehen vom Hausbau zurückbezahlt werden. Diese Darlehen mit reduziertem Zins haben sie beim Frauenverein von Kerala und beim indischen Staat erhalten. Sherif und Sheeja sind stolz auf ihre Kinder, welche gut in der Schule sind. Beide haben Stipendien resp. Schulgelderlasse erhalten. Sie besuchen, wie viele andere Kinder in Kerala, private oder halbprivate Schulen. Für den 13-jährigen Sohn müssen sie nur die Hälfte des Schulgeldes bezahlen und für die 18-jährige Tochter, welche das 11. Schuljahr besucht, nur die Schulbücher. Sherif besucht die lokale Selbsthilfegruppe von CHASS, welche allen behinderten Personen, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, offen steht. Die fünf Gruppenmitglieder treffen sich einmal wöchentlich zum Austausch über soziale und Alltagsfragen. Sie erhalten da u.a. auch Informationen zu Darlehensmöglichkeiten. Dies im Hinblick auf nachhaltige Investitionen, um ihre Lebenssituation zu verbessern.
Vergleich Bolivien – Kerala
Unsere Wahrnehmung der Realitäten vor Ort und Eindrücke bei diesen Besuchen sind geprägt von unserem eigenen Erfahrungshintergrund. Meine bolivianische Schwägerin ist Sozialarbeiterin an einer Schule für behinderte Kinder in El Alto – La Paz.
Wir kamen deshalb nicht umhin, einen Vergleich mit den Realitäten in Bolivien zu ziehen. Meine Schwägerin arbeitet mit sehr armen Familien, welchen es oft an elementarsten Dingen fehlt.
Die Lebenssituationen der beiden Familien, die wir in Kerala besucht haben, sind vergleichsweise stabil, trotz der Behinderung eines oder beider Elternteile. Sie haben einen bescheidenen Lebensstandard, können aber in Würde und selbstbestimmt leben.
REHASWiSS unterstützt die behinderten Personen und ihre Familien so, dass sie aus ihren eigenen Ressourcen etwas machen können, dass sie selber zur Verbesserung ihres Lebensstandards beitragen können. Dies ist sehr sinnvoll. Dies zu sehen, macht Freude und ist eine Ermutigung, weiter auf diese partnerschaftliche Weise Solidarität mit behinderten Menschen zu üben.