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Cannabisprodukte (Gras, Haschisch, Blütenstaub, Öle etc.) werden aus der Hanfpflanze gewonnen. Die wichtigsten Wirkstoffe sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). THC ist dabei für die Mehrzahl der psychoaktiven Effekte verantwortlich, während CBD beruhigend, neuroprotektiv, krampflösend und rauschdämpfend wirkt. Cannabinoid-Rezeptor-Agonisten(Cannabimimetika), die auch als synthetische Cannabinoide bezeichnet werden, ähneln in ihrer Wirkung der von THC. Cannabimimetika ahmen somit die Wirkung von THC nach. Diese Substanzen docken an den gleichen Stellen im Gehirn an wie THC, jedoch mit bis zu mehr als 100 Mal stärkerer Bindung, was zu einer deutlich intensiveren Wirkung führt.
Neben den bekannten Nebenwirkungen von Cannabis bedeutet das seit Anfang 2020 Vorkommen von synthetischen Cannabinoiden für alle Konsumierenden ein schwer abschätzbares zusätzliches Gesundheitsrisiko. Häufig zeigten sich unmittelbar nach dem Konsum körperliche Symptome, die von Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, Herzrasen, Schwindel und motorischen Schwierigkeiten bis hin zu Lähmungserscheinungen oder Bewusstlosigkeit reichen. Letzteres birgt die Gefahr von Unfällen, zum Beispiel durch Stürzen. Als unerwünschte psychische Nebenwirkungen werden Panikattacken, Halluzinationen oder dissoziative Empfindungen genannt.
Für «normales» Cannabis gilt: Je höher der THC-Gehalt, umso grösser die Gefahr von unerwünschten Wirkungen. Bei hochdosiertem Cannabis (hoher Anteil THC) können Kreislaufprobleme bis hin zum Kreislaufkollaps oder auch Angst, Panik und Paranoia auftreten. Beim Verzehr von Cannabisprodukten («Edibles») ist die Dosierung noch schwieriger abzuschätzen, wodurch die Risiken und Nebenwirkungen unberechenbar sind.
Viele der im ersten Halbjahr 2022 vom DIZ analysierten Cannabisproben (hauptsächlich THC-haltige Cannabisblüten) verfügen über ein sehr unausgeglichenes THC-CBD-Verhältnis. Die meisten dieser Proben enthielten kaum oder nur Spuren des Wirkstoffs CBD, der rauschdämpfend und neuroprotektiv (nerven- und gehirnzellenschützend) wirkt. Diese Cannabisprodukte stellen daher ein größeres Gesundheitsrisiko dar, als solche mit CBD. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Cannabisprodukte mit einem unausgeglichenen THC-CBD-Verhältnis (hoher THC-Gehalt und tiefer CBD-Gehalt) ein höheres Risiko für das Entstehen von Psychosen darstellen.
Von Januar bis Juni 2022 wurden im Drogeninformationszentrum (DIZ) in Zürich insgesamt 210 Cannabisproben zur Analyse abgegeben. Bei 140 Proben handelte es sich um Cannabis-Blüten, bei 57 Proben um Haschisch und bei 13 Proben um andere Cannabisprodukte wie Öle, Liquids, Edibles und Dabs.
150 dieser Proben wurden ohne einen Verdacht auf synthetische Cannbinoide abgegeben. Sie wurden von den Konsumierenden zur Analyse gebracht, da diese Informationen über die Zusammensetzung der Substanzen und den damit verbundenen Risiken suchten. Bei 2 dieser Proben wurden wider Erwarten synthetische Cannabinoide festgestellt. Bei den restlichen 60 Proben hatten die Konsumierenden aufgrund konkreter negativer Erfahrungen den Verdacht, dass ihre Substanz mit synthetischen Cannabinoiden versetzt worden war. Bei insgesamt nur 2 dieser Verdachtsfälle konnten tatsächlich synthetische Cannabinoide nachgewiesen werden.
191 Proben wurden im ersten Halbjahr 2022 im Cannabis Drug Checking auf ihren THC- und CBD-Gehalt analysiert. Bei 19 zusätzlich abgegebenen Proben konnte lediglich bestimmt werden, ob die Blüte oder das Haschisch mit synthetischen Cannabinoiden behandelt wurde.
Die Ergebnisse betreffend THC-Gehalt decken sich ungefähr mit Zahlen anderer Schwarzmarkt-Untersuchungen wie zum Beispiel den Zahlen der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM), die jährlich publiziert werden. Gänzlich neu sind Daten zum CBD-Gehalt in Cannabisproben, da diese in keinem anderen Kontext systematisch erhoben werden. Aus diesem Grund sind diese Daten besonders spannend, da erstmals das schon lange vermutete unausgeglichene THC/CBD-Verhältnis nachgewiesen werden konnte. So verfügen 105 der getesteten Proben über einen CBD-Gehalt, der unter 0.1 %liegt, was auch den tiefen durchschnittlichen CBD-Gehalt erklärt. Im Folgenden werden die THC- und CBD-Werte der im ersten Halbjahr 2022 im DIZ analysierten Blüten- und Haschisch-Proben angegeben. Nicht berücksichtigt wurden dabei alle Proben, die einen CBD-Typ aufwiesen.
- Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt der im DIZ getesteten Cannabisblüten betrug 14.2 % THC. Der Wirkstoffgehalt der analysierten Cannabisblüten variierte dabei mit zwischen 1.2 % und 27.0 % THC stark.
- Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt der im DIZ getesteten Cannabisblüten lag bei 1.6 % CBD. Der Wirkstoffgehalt der analysierten Cannabisblüten variierte stark und lag zwischen 0.0 % und 14.5 % CBD.
- Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt des im DIZ getesteten Haschischs lag bei 24.2 % THC. Der Wirkstoffgehalt des analysierten Haschischs variierte stark und lag zwischen 1.2 % und 41.4 % THC.
- Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt der im DIZ getesteten Haschischs lag bei 4.0 % CBD. Der Wirkstoffgehalt des analysierten Haschischs variierte stark und lag zwischen 0.5 % und 32.5 % CBD.
Aufgrund der geringen Probenzahl von Ölen, Liquids und Edibles wird nicht näher auf diese Proben eingegangen.
Schon länger bekannt ist, dass Cannabisprodukte manchmal zur Gewinnoptimierung (mehr Gewicht) mit unterschiedlichen Stoffen gestreckt werden (bspw. Brix, Blei, Sand usw.). Weiter kann sich aufgrund unsachgemäßer Trocknung/Lagerung Schimmel bilden. Diese Stoffe sind teilweise auf den Blüten optisch erkennbar. Bei Sand bildet sich unten im Aufbewahrungsgefäss manchmal eine gut erkennbare Schicht. Bei Brix kann eine kleine Menge der Blüte verbrannt werden. Mit Brix versetzte Proben verbrennen sehr schlecht, die Asche ist eher hart und fühlt sich beim Verreiben schmierig und ölig an. Weiter werden beim Anbau zur Wachstumsförderung häufig Düngemittel verwendet, die bei unsachgemäßer Handhabung als Rückstände in der Pflanze zurückbleiben. Beim Konsum all dieser Stoffe besteht für die Konsumierenden ein erhöhtes gesundheitsschädigendes Risiko. Mit der Analyse im DIZ lassen sich diese Streckmittel nicht nachweisen. Jedoch sind, abgesehen von Düngerückständen, die meisten Streckmittel relativ einfach von Auge oder über den Geruch feststellbar. Eine detaillierte Liste mit den gängigsten Cannabis-Streckmitteln ist auf der Webseite des deutschen Hanfverbands zu finden.
Bei illegal erworbenen Liquids sind Fälle bekannt, bei denen Verdickungsmittel wie beispielsweise Vitamin-E-Acetat hinzugefügt wurden, die laut einer Studieäusserstgesundheitsschädigend sind und in den USA bereits zu mehreren Todesfällengeführt haben. Bekannt geworden sind diese Fälle unter dem BegriffEVALI (e-cigarette, or vaping, product use associated lung injury). Jedoch sind seit der Publikation dieser Studie keine weiteren Todesfälle mehr gemeldet worden, die mit EVALI in Verbindung gebracht wurden. Trotzdem empfiehlt sich bei illegalen E-Liquids nach Möglichkeit ein Cannabis-Drug-Checking zu nutzen oder, wenn dies nicht möglich ist, vorsichtig anzutesten.
Bei THC und CBD handelt es sichum natürlich in der Cannabispflanze vorkommende Cannabinoide. Seit Anfang 2020wurden im DIZ in Zürich synthetische Cannabinoidedetektiert. Dieses plötzliche und gehäufte Auftreten von solchen Proben lässtvermuten, dass verschiedene HändlerInnen im grossen Stil durch Überproduktionund dem damit verbundenen Preiszerfall preiswert gewordenes, legalesCBD-Cannabis erworben und mit synthetischen Cannabinoiden versetzen haben, umes anschliessendmit hoher Gewinnmarge trügerisch als illegales Cannabis weiterzuverkaufen.
Im ersten Halbjahr 2022 waren 7 Proben (3.3 %) aller Cannabisproben, die im DIZ zur Analyse abgegeben wurden, mit mindestens einem synthetischen Cannabinoid versetzt. 2 dieser Proben waren mit zwei unterschiedlichen synthetischen Cannabinoiden versetzt. Im zweiten Halbjahr 2021 handelte es sich noch um 22 Proben (13.1 %).
Von den Proben, bei denen bei der Abgabe ein Verdacht auf synthetische Cannabinoide geäussert wurde, enthielten lediglich 2 Proben (3.3 %) tatsächlich solche. Bei den Proben ohne Verdacht wurde jedoch in 5 Fällen (3.3 %) synthetische Cannabinoide nachgewiesen. Folgende synthetischen Cannabinoide wurden im ersten Halbjahr 2022 detektiert: MDMB-4en-PINACA, 4F-MDMB-BICA, 4-F-ABUTINACA und ADB-4en-PINACA.
Die Anzahl positiv auf synthetische Cannabinoide getestete Proben hat im Vergleich zu den beiden letzten Jahren stark abgenommen. Gleichzeitig blieb die Anzahl als Verdachtsfälle abgegebene Proben recht hoch. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass in den letzten beiden Jahren, unter anderem durch schadensmindernde Angebote sowie die Medien, eine breite Aufklärung zum Thema synthetische Cannabinoide und ihre Wirkung stattfand. Der Konsum von hochdosierten Cannabisprodukten in grossen Mengen führt zu unerwünschten Nebenwirkungen, die leicht mit den Effekten von synthetischen Cannabinoiden verwechselt werden können. So werden diese Proben dann mit Verdacht auf synthetische Cannabinoide abgegeben, obwohl es sich um hochdosierte THC-Cannabisprodukte handelt.
Im Anschluss werden die Analyseergebnisse grafisch dargestellt. Grafik 1 zeigt alle analysierten Cannabisproben ohne Verdacht auf synthetische Cannabinoide im 2. Halbjahr 2021 (n=133) und im 1. Halbjahr 2022(n=173):
Grafik 2 zeigt alle Cannabisproben mit Verdacht auf synthetische Cannabinoide im 2.Halbjahr 2021 (n=35) und im 1. Halbjahr 2022 (n=60):
Im ersten Halbjahr 2022 wurden im DIZ bereits sieben Proben mit einem auffallend hohen Delta-8-THC Wert analysiert. Delta-8-THC kommt, wenn überhaupt, nur in sehr geringen Mengen als natürliches Cannabinoid in der Hanfpflanze vor. Da in einigen Proben jedoch eine auffallend hohe Konzentration von Delta-8-THC analysiert wurde, besteht der Verdacht, dass dieses auf nicht natürlichem Wege bzw. nachträglich auf CBD-Blüten aufgetragen wurde. Dieser Verdacht wird durch den gleichzeitig hohen gemessenen CBD-Wertverstärkt.
Delta-8-THC ist ein psychoaktives Cannabinoid, welches eine ähnlich berauschende Wirkung wie das Delta-9-THC (das "klassische" THC) hervorruft, jedoch weniger potent ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Delta-8-THC hauptsächlich ein Nebenprodukt, welches beider chemischen Umwandlung von CBD (Cannabidiol) zu Delta-9-THC entsteht. Diese Umwandlung wird vermutlich dazu genutzt, um aus rauscharmen CBD-Produkte oder reinem CBD Delta-9-THC zu erzeugen. Das daraus entstehende Gemisch aus Delta-8-THC und Delta-9-THC wird danach auf CBD-Produkte aufgetragen, um diese als natürliche und THC-haltige Cannabisprodukte auf dem Schwarzmarkt verkaufen zu können. Es ist nicht auszuschliessen, dass die bei der Umwandlung entstehenden Nebenprodukte toxisch wirken. Da Synthesenebenprodukte durch die Herstellenden oft nicht komplett abgetrennt und so gemeinsam mit Delta-9-THCund Delta-8-THC auf Cannabisprodukten mitkonsumiert werden, wird beim Konsum ein unbekanntes Gesundheitsrisiko eingegangen. Über die Kurz- und Langzeitnebenwirkungen von Delta-8-THC und den von uns analysierten Synthesenebenprodukten sind keine klinischen Studien vorhanden.
CBD verkauft als Phenibut
8.6.2022
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Bern (DIB)
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Synthetische Cannabinoide
28.4.2022
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Zürich (DIZ)
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Synthetische Cannabinoide
7.4.2022
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Zürich (DIZ)
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