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"Wir haben bislang vom ontologischen Naturalismus gesprochen. Auf dessen Grundlage werden jedoch häufig weitergehende Naturalismen formuliert und vertreten. Diese sind zwar mit dem ontologischen Naturalismus vereinbar, aber insofern von ihm unabhängig, als sie alle falsch sein könnten, ohne ihn zu widerlegen. Solche anderen Naturalismen wären unter anderem:
- der logische Naturalismus, wonach logische Gesetze nichts anderes als Denkgesetze sind und damit letztlich psychologische oder gar neurobiologische Gesetze;
- der erkenntnistheoretische Naturalismus, demzufolge Erkenntnisprozesse von Organismen und damit Erkenntnisse allgemein als rein wissenschaftliche Probleme aufzufassen sind und somit letztlich ohne Zuhilfenahme einer philosophischen Erkenntnistheorie behandelt werden können;
- der ethische Naturalismus, nach dem Werte und Normen in der Natur vorgegeben sind oder aus ihr abgeleitet werden können;
- der soziale oder sozialwissenschaftliche Naturalismus, demzufolge Kultur und Gesellschaft keine eigenständigen (emergenten) Eigenschaften besitzen, so auf Natur reduzierbar und womöglich allein mit naturwissenschaftlichen Methoden verstehbar sind.
Viele Philosophen (einschließlich uns selbst) halten einige oder alle diese Naturalismen für falsch (Wendel 1990; Bunge 1998). Lesen wir also irgendwo, der Naturalismus sei unhaltbar oder widerlegt, sollten wir genauer hinschauen, um welchen Naturalismus es sich handelt, denn oft ist dies nur aus dem Kontext ersichtlich. Jedenfalls ist meistens nicht der ontologische Naturalismus gemeint."
Bunge 2004, S. 13.