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Conestat alfa zur Behandlung von COVID-19
Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann eine so starke Entzündungsreaktion in der Lunge hervorrufen, dass eine mechanische Beatmung erforderlich wird. In diesem Projekt wurde das entzündungshemmende Medikament Conestat alfa bei Patientinnen und Patienten mit Covid-19 untersucht.
Hintergrund
Eine überschiessende Entzündungsreaktion scheint die Hauptursache für das Fortschreiten von Covid-19 bis hin zum Lungenversagen zu sein. Conestat alfa ist eine künstlich hergestellte Form eines Proteins, das natürlicherweise im Blutkreislauf vorkommt und mehrere der Entzündungssysteme blockiert, die an der Covid-19-bedingten überschiessenden Entzündungsreaktion beteiligt sind. Eine Tierstudie mit dem Protein bei Coronaviren hat bereits vielversprechende Ergebnisse erbracht.
Ziel
In der PROTECT-COVID-19-Studie wurde untersucht, ob Conestat alfa bei stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit Covid-19 ein schweres Fortschreiten der Erkrankung und die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung verhindern kann. Neben der Wirksamkeit und Verträglichkeit wurde im Rahmen der Studie auch das Ausmass der Entzündung im Zeitraum von vier Wochen nach der Aufnahme in die Studie untersucht.
Resultate
An dieser internationalen, multizentrischen, randomisierten, offenen Studie nahmen ab August 2020, 84 Teilnehmende mit mittelschwerem bis schwerem Covid-19 in der Schweiz, Brasilien und Mexiko teil. Die Teilnehmenden wurden randomisiert und erhielten entweder eine dreitägige Behandlung mit Conestat alfa zusätzlich zur Standardbehandlung oder die Standardbehandlung allein. Die meisten Patientinnen und Patienten erhielten Dexamethason als Standardbehandlung, gelegentlich wurde Remdesivir eingesetzt. Conestat alfa wurde trotz der Wahl einer höheren als der zugelassenen Tagesdosis gut vertragen, ohne dass es Sicherheitssignale gab. Die Studie wurde im September 2021 vorzeitig abgebrochen, nachdem eine vorab geplante zweite Zwischenanalyse relevante Ungleichgewichte bei den Ausgangswerten in den beiden Behandlungsgruppen (z. B. war der Schweregrad der Erkrankung in der Conestat-alfa-Gruppe bei Studienbeginn höher) und keine Unterschiede beim primären und einem wichtigen sekundären Endpunkt gezeigt hatte. Folglich wurde das ursprüngliche Ziel, 120 Patientinnen und Patienten in die Studie aufzunehmen, als nicht ausreichend erachtet, um angesichts der bei Studienbeginn beobachteten Ungleichgewichte einen Unterschied beim primären Endpunkt nachzuweisen. Weitere Argumente für den Abbruch der Studie waren die Einführung zusätzlicher wirksamer Behandlungen wie monoklonaler Antikörper in der zweiten Jahreshälfte 2021 und die Tatsache, dass die Analyse der Entzündungssysteme darauf hinwies, dass das gewählte Conestat-alfa-Behandlungsschema die Entzündung im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht signifikant reduzieren konnte.
Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Pandemie
Massnahmen, die ein Lungenversagen verhindern, sind wichtig bei der Behandlung von Covid-19. Derzeit haben sich Dexamethason, Tocilizumab und Baricitinib als wirksam bei der Behandlung von mittelschwerem bis schwerem Covid-19 erwiesen und verhindern die Einweisung auf die Intensivstation und die mechanische Beatmung. Die Ergebnisse dieser Studie sprechen nicht für den Einsatz von Conestat alfa, obwohl eine grössere Studie wünschenswert wäre.
Originaltitel
Recombinant human C1 esterase inhibitor (conestat alfa) in the prevention of critical SARS-CoV-2 infection in hospitalized patients with COVID-19: a randomized, parallel-group, openlabel, multi-center exploratory trial.