Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03537.jsonl.gz/2636

| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Fünftes Buch
I. Kapitel
6.
1. Wer sollte nun so gottlos sein, daß er Gott nicht glauben oder von Gott die Beweise verlangen wollte wie von Menschen? Ferner gibt es Fragen, zu deren Beantwortung nur Sinneswahrnehmung nötig ist, z.B. wenn jemand fragt, ob das Feuer warm oder ob der Schnee weiß ist, ferner Fragen, die nur Mahnung und Zurechtweisung verdienen, wie Aristoteles sagt, z.B. jene Frage, ob man die Eltern ehren solle. Manche verdienen auch Strafe, z.B. wenn man Beweise dafür verlangt, daß es eine Vorsehung gibt.1
2. Gibt es also eine Vorsehung, so ist es sündhaft zu glauben, daß die ganze Weissagung und der in dem Erlöser sich vollziehende Heilsplan nicht der Vorsehung gemäß zustande gekommen sei, und vielleicht ist es gar nicht nötig, zu versuchen, dies zu beweisen, da die göttliche Vorsehung [S. 122] offenbar ist aus dem Anblick aller sichtbaren Dinge, der kunstvollen und weisen Werke, und dessen, was teils der Ordnung nach entsteht, teils der Ordnung nach offenbar wird.
3. Der uns aber Sein und Leben geschenkt hat, der hat uns auch die Vernunft geschenkt, da er wollte, daß wir vernunftgemäß zugleich und gut leben. Denn die Vernunft des Vaters des Alls ist nicht die in Worten sich äußernde Rede, sondern ganz offenkundige Weisheit und Güte Gottes und andererseits allesvermögende und wahrhaft göttliche Macht, deren Betrachtung auch denen, die nicht bekennen, nicht unzugänglich ist, der Wille des Allmächtigen.2
1: Vgl. Aristoteles, Topic. 1,11 p. 105 a 3-9.
2: Vgl. Paid. III 98,1; Strom. V 54,4.