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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Schweiz verfügt im europäischen Vergleich über ein sehr gutes Berufsbildungssystem und daher auch über eine verhältnismässig tiefe Jugendarbeitslosigkeitsquote. Das Anerkennungsregime für Diplome im Rahmen des Bologna-Systems zwingt uns jedoch zunehmend, die Ausbildung für diverse Berufe auf die akademische Stufe anzuheben. Ähnliche Probleme werden auch in Deutschland und Österreich, wo die Berufsbildung ebenfalls einen hohen Stellenwert geniesst, verzeichnet. Aus diesem Grund ist es angezeigt, im deutschsprachigen europäischen Raum die Zusammenarbeit zu stärken, um die Berufsbildung gezielt zu fördern und die gegenseitige Anerkennung der Berufsabschlüsse zu erwirken. Im gleichen Zug sollte die Berufsbildung in allen EU-Staaten an Bedeutung gewinnen, um sowohl auf die Bedürfnisse der Auszubildenden als auch auf diejenigen der Arbeitsmärkte einzugehen.</p><p>Vor diesem Hintergrund wird der Bundesrat gebeten, sich folgender Fragestellungen anzunehmen:</p><p>1. Auf welche Weise will er eine Stärkung der Anerkennung der Berufsmatura erzielen?</p><p>2. Was gedenkt er zu unternehmen, damit die Anerkennung der Schweizer Berufsdiplome im Ausland (und dabei insbesondere im EU-Raum) verbessert wird?</p><p>3. Wo sieht er konkrete Möglichkeiten, um auf EU-Ministerebene aktiv an der Ausgestaltung der gegenseitigen Anerkennung der Berufsbildung teilhaben zu können?</p><p>4. Erachtet er es als sinnvoll, mit den Ländern Deutschland und Österreich eine Allianz zu bilden und gemeinsam mit diesen (ebenfalls der Berufsbildungstradition verpflichteten) Nachbarstaaten auf eine gezielte Förderung der Berufsbildung im EU-Raum hinzuwirken? Wäre in diesem Zusammenhang auch ein spezielles Anerkennungssystem für Berufsdiplome im deutschsprachigen EU-Raum anzustreben?</p><p>5. Erachtet er den sich zurzeit in der EU in Entwicklung befindenden Kopenhagen-Prozess (Qualifikationssystem, welches auf die Berufsbildung in der EU angewendet werden soll) als eine Chance oder eher als eine Gefahr für die Stellung der Berufsbildung in der Schweiz? Auf welche Weise gedenkt der Bundesrat die allfälligen Chancen wahrzunehmen und die potenziellen Gefahren abzuwenden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Auf internationaler Ebene laufen verschiedene Initiativen zur Stärkung und Verbesserung der Berufsbildung; insbesondere im Rahmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und in der Europäischen Union (EU). Ihnen ist gemeinsam, dass sie die nationalen Berufsbildungssysteme vergleichbar machen wollen, ohne sie einzuebnen. Der Bundesrat erachtet die internationalen Entwicklungen als Chance für die Berufsbildung insgesamt und für die Qualitätssicherung unseres Systems. Zu den in der Interpellation aufgeführten Fragen nimmt er wie folgt Stellung:</p><p>1. Berufsmaturität</p><p>Die schweizerische Berufsmaturität beruht auf den beiden Pfeilern "berufliches Fähigkeitszeugnis" und "erweiterte Allgemeinbildung". Beides zusammen gewährleistet den prüfungsfreien Zugang zu den Fachhochschulen. Mit der im sogenannten "Kopenhagen-Prozess" der EU angestrebten internationalen Vergleichbarkeit beruflicher Qualifikationen mittels ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training) wird auch unsere Berufsmatura gestärkt.</p><p>Der Zugang zu den Fachhochschulen ist seit 2001 mit Deutschland vertraglich geregelt. In den übrigen Ländern mit Studiengängen im Fachhochschulbereich ist der Zugang schweizerischer Berufsmaturandinnen und -maturanden nur individuell möglich. Der Bund wird im Rahmen der internationalen Kontakte versuchen, auch mit anderen Ländern eine generelle Regelung zu erreichen.</p><p>2./3. Anerkennung der Berufsdiplome und Teilhabe auf EU-Ministerebene</p><p>Die schweizerische Berufsbildung hat international einen sehr guten Namen. Dennoch ist die offizielle Anerkennung von Berufsdiplomen - mit Ausnahme der Anerkennung von Schweizer Abschlüssen im Hinblick auf die Ausübung eines reglementierten Berufes in der EU - international nicht gewährleistet. Einen Schritt zur Verbesserung der Situation wird der Bundesrat mit der Verabschiedung der Botschaft zur Beteiligung der Schweiz an den Programmen der EU in den Bereichen Bildung, Berufsbildung und Jugend in den Jahren 2008-2013 unternehmen. Dank der Assoziierung an die europäischen Programme zum lebenslangen Lernen könnte die Schweiz am Kopenhagen-Prozess gleichberechtigt teilnehmen.</p><p>Der Kopenhagen-Prozess ist als Grundlage für die künftige gegenseitige Anerkennung der Bildungsabschlüsse und deren Vergleichbarkeit wegweisend. Zentrales Element ist dabei der europäische Qualifikationsrahmen (European Qualifications Framework, EQF). Dieser dient dazu, die nationalen Qualifikationsrahmen (National Qualifications Framework) der EU-Mitgliedländer und der assoziierten Staaten zu akkreditieren und miteinander in Bezug zu setzen.</p><p>4. Allianz mit Deutschland und Österreich</p><p>Im Sommer und im Dezember 2006 haben Gespräche zwischen den Vertretern der Länder stattgefunden, die ein Interesse an einer Stärkung der dualen Berufsbildung im Rahmen internationaler Bildungsaktivitäten haben. Die Schweiz war ebenfalls beteiligt. Zu den interessierten Ländern zählen nicht nur Deutschland und Österreich. Auch Dänemark, Holland, Finnland und osteuropäische Ländern zeigen ein hohes Interesse an solchen beruflichen Qualifikationen. Eine Beschränkung auf die beiden Nachbarländer, die dem schweizerischen Berufsbildungssystem am nächsten stehen, würde erneut zu Insellösungen führen. Dies wäre im internationalen Kontext ebenso wenig zielführend wie ein spezifisches Anerkennungssystem der deutschsprachigen Länder.</p><p>5. Kopenhagen-Prozess</p><p>Der Bundesrat erachtet den Kopenhagen-Prozess nicht als Gefahr, sondern ausgesprochen als Chance für die schweizerische Berufsbildung. Dieser unterstützt die stufengerechte Anerkennung aller Bildungsabschlüsse, der beruflichen und der akademischen Bildung, ohne eine Vereinheitlichung der nationalen Bildungssysteme vorauszusetzen. Die Ziele des Kopenhagen-Prozesses stimmen mit den Zielen des Bundesgesetzes über die Berufsbildung (SR 412.10) überein: Durchlässigkeit, Mobilität und Transparenz sowie partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Organisationen der Arbeitswelt und den staatlichen Bildungsdepartementen. </p><p>Die Orientierung des EQF an den beruflichen Kompetenzen wertet die Praxis auf. Dies führt gegenüber den meist an schulischen Bildungsgängen ausgerichteten europäischen Systemen zu einer Aufwertung der dualen Berufsbildung. Durch den Kopenhagen-Prozess wird die schweizerische Berufsbildung nicht verändert. Er trägt vielmehr dazu bei, die Stärken unserer dualen Berufsbildung international besser darzustellen und ihr Anerkennung zu verschaffen.</p>  Antwort des Bundesrates.