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16 Mai Schicksalsanayse, Grundlagen
Die Schicksalsanalyse ist ein Verbindungsglied zwischen der Psychoanalyse Freuds und der komplexen Psychologie Jungs. Nach der Schicksalsanalyse muss man im Unbewussten entwicklungsgeschichtlich drei Schichten verschiedenen Datums annehmen, und zwar:
- Das historisch jüngste persönliche Unbewusste. In dieser Schicht forscht die Psychoanalyse Freuds nach den individuell verdrängten Sexualansprüchen, welche im frühinfantilen, persönlichen Kampf zwischen Sexualität und Ich unterdrückt und verdrängt wurden.
- Das familiäre Unbewusste, in dem schon bei der Befruchtung, also unpersönlich unterdrückten familiären Ahnenansprüche dynamisch weiterleben und das Schicksal der Person gefährden können. Die Konfrontation mit diesen Ahnenansprüchen – man könnte sagen mit den „Genotypen“ – und die endgültige Aussöhnung der Personen mit den in ihr verborgenen Ahnen, sind die spezielle Aufgabe der Schicksalsanalyse.
- Das kollektive Unbewusste, welches die Summe der Archetypen darstellt und die ganze phylogenetische Erbschaft der Menschheit in Bezug auf die kollektive Formen der Anschauung, Vorstellung, Wahrnehmung und Intuition beinhaltet. Durch das kollektive Unbewusste werden also die Urfomen der menschlichen Erfahrung, Bildung und Kultur erbmässig bestimmt. Die Enthüllung dieser Schicht des Unbewussten ist die spezielle Aufgabe der komplexen Psychologie Jungs, die „Arche-Analyse“ nennen. Sie repräsentiert in der Tiefenpsychologie eigentlich keine Trieb-, sondern eine Kultur-Psychologie.
Die Zwischenrolle der Schicksalsanalyse ergibt sich aus der oben dargestellten Struktur und aus dem historischen Aufbau des Unbewussten von selbst. durchforscht das familiäre Unbewusste. (…) Die Ganzheit des Unbewussten und die Einheit der Tiefenpsychologie werden eben durch dies „familiäre Schicht“ hergestellt und gesichert, denn sie verbindet – wie eine Brücke – die zwei Ufer des Unbewussten.
Quelle: L. Szondi, Schicksalsanalyse, 1948, S. 17
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