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Trauma ist eine normale Reaktion auf ein unnormales Erlebnis, es ist keine Krankheit sondern eine Tatsache im Leben. Mögliche Symptome sind Schutzmechanismen, die nach einem überwältigenden Ereignis weiter im Körper aktiv bleiben.
Während der Organismus weiterhin versucht die Balance aufrecht zu erhalten, können körperliche und psychische Beschwerden auch Tage, Monate oder Jahre später nach dem ursprünglichen traumatisierenden Ereignis auftreten. Dies oft ohne offensichtliche physiologische oder psychologische Ursache.
Verkehrsunfälle, Stürze, Operationen, schwere Krankheiten, Verletzungen, der Verlust eines nahen Menschen, Vernachlässigung in der Kindheit oder pränatale Bedrohung im Mutterleib können genauso traumatisierend sein wie Krieg, Naturkatastrophen oder sexualisierte Gewalt. Scheinbar gewöhnliche Erlebnisse wie medizinische Behandlungen, ein Hundebiss, ein Sturz beim Spielen, die Scheidung der Eltern oder das Mitansehen von Gewalt in den Medien, können ebenfalls zu Traumatisierungen führen. Leider werden diese "harmlosen" Erfahrungen zumeist als normale Ereignisse abgetan und die Möglichkeit einer Traumatisierung erst gar nicht in Betracht gezogen. Im SE ist die Reaktion der Person auf ein Erlebnis ausschlaggebend und nicht das Erlebnis selbst.
Dies bedeutet, dass jeweils individuell überprüft werden muss, ob steckengebliebene Abwehrreaktionen auf ein belastendes Ereignis im Nervensystem blockiert sind.
Nach einer traumatischen Erfahrung können unerklärliche psychische und körperliche Symptome entstehen. Diese können sehr verwirrend sein und machen Angst. Es kann gut sein, dass sie sich erst Jahre später als Überaktivität, Suchtverhalten, unkontrollierbare Wutausbrüche, Ängste, Panikattacken, Depression, Gefühle von Entfremdung, Konzentrationsstörungen, Dissoziation, Bindungsunfähigkeit, Schlafstörungen, Erschöpfung, chronische Schmerzen, Fibromyalgie, Migräne, Nacken- und Rückenprobleme, Probleme mit dem Immunsystem oder Burnout zeigen. Die Liste möglicher Symptome, die aus einer oder mehreren traumatisierenden Erfahrungen ihren Ursprung haben ist lang.
Diese posttraumatischen Symptome sind der Versuch des Nervensystems, irgendwie mit dieser überschüssigen Energie umzugehen und in Richtung eines optimierten Zustandes zu gelangen. Die Bedrohung existiert jedoch weiterhin im Körper und das Überlebenssystem springt automatisch an, auch wenn im Hier und Jetzt keine Gefahr mehr besteht.
Somatic Experiencing (SE) ist eine körperorientierte Methode zur Überwindung von Schocktrauma und zur Behandlung früher Bindungs- und Entwicklungstraumata.
SE wurde vom Biophysiker und Psychologen Dr. Peter A. Levine in über 45-jähriger Forschungs- und praktischer klinischer Arbeit entwickelt. Seine Erkenntnisse beruhen auf Verhaltensbeobachtungen aus der Tierwelt.
Die biologische Reaktion auf lebensbedrohliche Situationen beinhaltet drei Möglichkeiten: Flucht, Kampf und Erstarrung (Totstell-Reflex).
Säugetiere sind in der Lage, die im Überlebenskampf mobilisierte Stress-Energie wieder abzubauen. Auch das Nervensystem des Menschen ist mit diesen Regulationsmechanismen ausgestattet, doch wird die Funktionsfähigkeit dieses instinktgeleiteten Verhaltens häufig durch den rationalen Teil unseres Gehirns (Neokortex) gehemmt oder sogar ausser Kraft gesetzt.
Im SE geht es darum, die Verbindung zu sich selbst und zum eigenen Körper wieder herzustellen. Durch das Erfahren der inneren Sicherheit und Selbstregulationsfähigkeit wird das Vertrauen in den Körper gestärkt, da nach einem Trauma der Körper als Gefahr wahrgenommen werden kann. Der Körper produziert Symptome die unerklärlich sind und das Leben einschränken. Daher ist die Aufklärung der Auswirkung von Trauma auf den Organismus ein wichtiger Bestandteil der SE Einzelsitzungen. Sie hilft zu verstehen, wie bestimmte Symptome mit erlebten Traumatisierungen zusammenhängen.
Mit SE wird das Trauma körperlich, geistig und emotional neu verhandelt. Dabei verändert sich nach und nach das Körpergefühl hin zu mehr Sicherheit und Präsenz. Diese natürliche Wachsamkeit im Körper wirkt sich auf Gedanken, Gefühle, Emotionen und Überzeugungen aus.
Ein Trauma ist verarbeitet und integriert, wenn man daran denken und darüber sprechen kann, ohne dass das Nervensystem in Stress gerät. Es wird zu einer Erfahrung, die nicht länger das Leben bestimmt.
Mit SE ist es möglich ohne explizite Erinnerung zu arbeiten, wenn z.B. ein Thema zu belastend erscheint oder Ereignisse nicht erinnert werden können. SE orientiert sich im Hier und Jetzt, an aktuellen Gefühlen, Körperempfindungen und allfälligen nicht vollendeten Verteidigungs-reaktionen. Durch die gespeicherten Informationen im Nervensystem erinnert sich der Körper.