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Armeefahrzeuge schaffen durch Boden- verdichtung neue Tümpel
Frische Panzerspuren,
die bald besiedelt werden.
Die oben genannten Arten sind angewiesen auf reich strukturierte Landschaften mit Pionierstandorten. Diese waren früher beispielsweise an Flussauen zu finden, die heute durch die Gewässerkorrektionen weitgehend verschwunden sind.
Waffenplätze bieten oftmals ähnliche Bedingungen wie die Auen. Mit dem Unterschied, dass nicht das Hochwasser neue Tümpel schafft sondern die Militärfahrzeuge aufgrund ihrer Aktivitäten. So finden sich auf Panzerübungsgelände Standorte mit keiner oder wenig Vegetation dort, wo die Panzer durchfahren. In dadurch entstandenen Löchern sammelt sich Regenwasser, es entstehen kahle Tümpel, die von der Gelbbauchunke und Kreuzkröte bevorzugt werden. Die Fahrzeuge verdichten den Boden, was ihn zusätzlich undurchlässiger macht.

Natürlich werden immer wieder Tiere überfahren oder Tümpel beim durchfahren
entleert. Die Tiere zeigen sich aber erstaunlich robust. Die Erwachsenen können
sich meist wieder aus dem Schlamm befreien, und
die Quappen finden sich oft mit dem Wasser wieder in neuen Tümpeln. Einzelne
Tiere werden dabei aber auch getötet.
Sofern die Nutzung des Geländes sich auf ein grösseres Gebiet verteilt und die Ruhephasen in den einzelnen Tümpeln genug lang sind, ist das Durchfahren für die Tümpelbewohner nur ein kleines Problem. In Pfützen auf viel befahrenen Strassen und Wegen haben aber die Tiere keine Überlebenschance.
Auch im natürlichen Umfeld lauern Gefahren wie Überschwemmungen, die die Tiere wegspülen oder die Tümpel trocknen aus. Auf solche Massenvernichtungen sind die Tiere angepasst. Sie laichen in verschiedenen Tümpeln und ihre Laichperiode ist zeitlich über mehrere Monate gestreckt.
Zudem wären überhaupt keine Tiere vorhanden, wenn die Panzer nicht fahren
würden, da diese die Lebensgrundlage erst schaffen. Es ist ferner sogar so, dass eine
der stärksten Gelbbauchunkenpopulationen der Schweiz sich auf dem grössten Schweizer Waffenplatz befindet.
Wesentlich ist die Intensität der Nutzung, sie darf nicht zu gross, aber auch nicht zu gering sein. Dies zeigt gut ein Vergleich des Wpl Thun und Kloten-Bülach:
In Thun ist die Nutzung primär auf Pisten konzentriert. Dort entstehen dann auch viele Tümpel, die für die Unken sehr geeignet wären, da sie aufwirbelbares Bodensubstrat und keine Vegetation enthalten. Jedoch ist die Störung viel zu gross, so dass die Unke diese Tümpel meidet. Neben den Pisten ist die Landschaft beinahe unberührt. Das führt aber auch dazu, dass sie verbuscht und Tümpel verlanden und somit nicht mehr geeignet für die Pionierarten sind. In Thun hilft also ein Panzer höchstens dann, wenn er mal ein wenig vom Weg abkommt, sofern das nicht zu oft geschieht. Um für diese Arten geeignete Lebensräume zu schaffen sind grössere Anstrengungen und regelmässige Pflegemassnahmen nötig. Obwohl einzelne ausgeführt wurden, ist die Unke auf dem Wpl eine sehr bedrohte Art. Nach einer Bestandesaufnahme der Gelbbauchunken auf dem Wpl Areal im Jahre 2005 wurden mehrere Massnahmen beschlossen wie die Schaffung neuer Tümpel, der Umlegung von Pisten etc. Jedoch hapert es an der Umsetzung und nur wenige Projekte wurden realisiert.
Der Waffenplatz Thun als vielfältiger Lebensraum verschiedenster Tier- und Pflanzenarten
Auf dem Wpl Kloten-Bülach ist die Situation ganz anders. An Tagen mit günstiger Witterung begegnet man Dutzenden von Unken; in fast jeder Pfütze sitzen mehrere Exemplare. Dies liegt an dem grossen Angebot geeigneter Tümpel. Im Gegensatz zu Thun wird auf diesem Wpl das ganze Gelände quer durch befahren. Somit verteilt sich die Nutzung auf ein grosses Gebiet und sie ist auch nicht so intensiv wie auf der Thuner Allmend. Wenn ein Panzer eine neue Spur in den Boden fährt entstehen dort wunderbare Unkentümpel, die auch nicht so schnell wieder befahren werden. Viele dieser Tümpel bewachsen und verlanden dann mit der Zeit, ehe sie wieder durchfahren werden. So entsteht ein wunderbares Mosaik an Tümpeln in verschiedenen Stadien, die auch gut miteinander vernetzt sind, im Gegensatz zu Thun wo die Standorte oft weit auseinander liegen, so dass die Unken meist neu gestaltete Tümpel nicht finden können. So fühlt sich bei Kloten nicht nur die Unke oder Kreuzkröte wohl. Nebst anderen Amphibienarten beherbergt der Wpl auch eine sehr grosse Population an Wasserfröschen, die im Sommer mit den Jets, die über das Gelände donnern, um die Wette "lärmen". Pflegemassnahmen sind hier nur wenige nötig.
Der Waffenplatz Kloten-Bülach nach Regen und einer Phase mässiger Aktivität mit Militärfahrzeugen
Waffenplatz Kloten-Bülach nach einer Phase geringer Aktivität und längerer Trockenheit. Das Land wächst wieder zu.
Schliesslich liegt es auch in der Verantwortung des Wpl Benützers, Rücksicht zu walten und nicht absichtlich während der Laichperiode durch die Tümpel zu fahren, auch wenn viele dies ganz lustig finden. Allerdings kennt wohl kaum ein Panzerfahrer, welche Tiere einen Waffenplatz besiedeln und was er da gerade überfährt.
Das Militär nimmt oftmals Rücksicht auf die Tiere. So wurden einst während der Laichperiode Schonzeiten eingeführt, wo die Plätze nicht oder nur reduziert genutzt werden. Allerdings ist mit der Restrukturierung der Armee zur Armee XXI der Druck auf die Natur grösser geworden, da nun auch während der Laichzeit der Unken und Kreuzkröten Rekrutenschulen stattfinden und die Plätze vermehrt genutzt werden.
Schützenswerte Gebiete innerhalb eines Wpl wie z.B. ein dauerhafter Tümpel oder eine Gebüschgruppe werden ausgezont und müssen von der Truppe gemieden werden. Diese sind mit blauen Stagen markiert. Auf dem Wpl Thun wurden auch schon Tümpel mit grossem Kaulquappenbesatz abgetrennt und für die Truppe gesperrt.
Im weiteren werden oftmals Ausgleichsmassnahmen getroffen oder die Benutzung eines Platzes wird für die Bedingungen der Amphibien optimiert, wie im folgenden Beispiel gezeigt.
|Wie das Zusammenspiel von Militär mit den Amphibien funktioniert, soll am Übungsgelände für Baumaschinen beim Waffenplatz Lauffohr bei Brugg zeigen [1]. Das nebenstehende Bild zeigt die Ausgangslage im Frühjahr 1995. Im betreffenden Gebiet quakten in diesem Jahr noch 30 Laubfroschmännchen. Der noch "gute" Laubfroschlebensraum (1) war nur noch klein, während andere Teile stark verbuscht (2) waren und sich für den Laubfrosch nur bedingt eigneten. An den stets am gleichen Ort liegenden Ausbildungsplatz (3) schlossen sich Fahrpisten, zugewachsene Tümpel und Gebüsch (4) an.||

In Zusammenarbeit mit der lokalen Naturschutzorganisation wurde das folgende Projekt ausgearbeitet:
|Der Wald (5) wurde gerodet, um später als Ausbildungsplatz
zu dienen. Jedes Jahr wird ein neuer Abschnitt für die Ausbildung
genutzt, der dann zum Pionierstandort wird und später zum
Laubfroschlebensraum (Bild r. und Tabelle). Dadurch entsteht ein Mosaik von
verschiedenen Lebensräumen. Die natürliche Dynamik einer Flussaue kann
so sehr gut nachgebildet werden.

Zusätzlich hat die Armee 15 ha Wald für ein Renaturierungsprojekt in der näheren Ungebung abgetreten. Dort wurden ein zusätzlicher Seitenarm der Aare und mehrere Tümpel erstellt.

|Jahr||Fläche A||Fläche D||Fläche B||Zusatzfläche||Fläche C|
|1995||Ausbildung||Wald||(Laubfrosch)||nicht bestimmt||Laubfrosch|
|1996||Pionierstandort||Ausbildung||(Laubfrosch)||?||Laubfrosch|
|1997||Laubfrosch||Pionierstandort||Ausbildung||?||Laubfrosch|
|1998||Laubfrosch||Laubfrosch||Pionierstandort||Ausbildung||Laubfrosch|

|Diese Massnahmen zeigten Wirkung; so stieg die Zahl der rufenden Laubfroschmänner im Jahre 1999 auf über 140.||

Quellen:
[1]: Unterlagen Bundesamt für Betriebe des Heeres - Abteilung Infrastruktur und Umwelt, nicht näher bestimmt
[2]: Auenschutzpark Aargau, Ansprache von Landammann Dr. Thomas Pfisterer, Aarau 1999, aus [1]