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1940
Menschenrecht
"Blick in die Zukunft" hiess es zum Jahresanfang. Karl Meier / Rolf entwickelte die Idee von gebildeten Abonnenten, die einen Kreis kulturinteressierter Kameraden formen und so zahlreich werden sollten, dass sich seine Vision einer qualitativ hochstehenden Zeitschrift verwirklichen liesse. Nicht unbeteiligt an diesen Gedanken und vor allem am elitären Sprachstil war der neue Mitarbeiter Eugen Laubacher / Charles Welti.
Homoerotische Gedichte, Ausschnitte aus anerkannt guter Literatur, ein Essay über den Irrtum des Apostels Paulus und eine in der gegenwärtigen Zeit spielende Erzählung Karl Meiers zeigten auf, was unter den neuen Kriterien zu verstehen sei und wie sie die Redaktion umsetzen will.
Zu Beginn der Schlacht um Frankreich schilderte Karl Meier die militärische und allgemeine Lage unter dem Titel "Bereitschaft".
Leser verlangten nach mehr "nackten" Illustrationen, was die Redaktion veranlasste, über einen "Bilderdienst" all jenen "einwandfreie" Akt-Fotos zuzustellen, die dafür extra bezahlen würden, sozusagen per Zusatz-Abonnement. Das so eingenommene Geld würde wohl für ein paar normale Illustrationen im Heft reichen, war die zweite Überlegung.
Zugleich führte Karl Meier regelmässige Besprechungen von Büchern und Gemälden/Skulpturen ein unter dem Titel "Das künstlerische Werk". Diese - seine - Rubrik blieb bis zum Ende des Kreis 1967 bestehen. Er begann auch mit einer Serie von wirklich guten, packenden Kurzgeschichten in Mundart, die er als deren Autor bis 1942 fortführte. Sie sind sehr lange die einzige homoerotische Literatur in Schweizer Dialekt geblieben.
Zur Prostitution, ein "dunklen Blatt", äusserte sich Karl Meier / Rolf in den Ausgaben vom Oktober und November in verständnisvollem Ton und zeigte sich als Humanist und Christenmensch zugleich.
Ein neues Lokal für den "Lesezirkel 'Veritas' " war gegen Jahresende gefunden und konnte eingeweiht werden. Dort sollte auch eine frohe Osterfeier im Frühling 1941 stattfinden. Man war also wieder gefestigter und konnte auf diesem Weg weitergehen.
Ernst Ostertag, September 2010