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Musiktheater in sechs Szenen von Manfred Trojahn (*1949)
Text vom Komponisten. Schweizerische Erstaufführung
Orest ist ein Spross des antiken Geschlechts der Atriden, das sich über Generationen hinweg in einen Teufelskreis von Verbrechen und Rache verstrickt hat. In seinem radikalen, 1908 uraufgeführten Einakter Elektra schilderte Richard Strauss, wie sich Orest für die Ermordung seines Vaters Agamemnon rächt, indem er seine Mutter Klytämnestra und deren Liebhaber Ägisth tötet.Hundert Jahre später widmete sich der deutsche Komponist Manfred Trojahn der Fortsetzung dieser Geschichte: Anders als seine fanatisierte Schwester Elektra, die Gerechtigkeit um jeden Preis fordert, hadert Orest nach seiner grausamen Tat mit dem Schicksal. Er fühlt sich schuldig, obwohl er den Mordauftrag vom Gott Apollo erhielt und diesem blind Folge leistete. An Orest zeigt sich auf exemplarische Weise der Konflikt zwischen Fremd- und Selbstbestimmung, was ihn nicht nur für die Freiheitsphilosophie des 20. Jahrhunderts, sondern bis in die heutige Zeit zu einer politisch und psychologisch brisanten Figur macht. Am Ende von Trojahns Oper verweigert sich Orest dem Kreislauf des Mordens. Er begreift, dass er mit seiner Schuld leben muss, um den Zwängen der Familie zu entfliehen. Es ist die Liebe, die ihn zu dieser Erkenntnis führt. Mit seiner brennend intensiven und dichten Klangwelt gelingt es dem Komponisten Manfred Trojahn, den Zuschauer ganz nah an den Wahnsinn zu führen, der sich in Orests Kopf abspielt. Die erste Aufführung seiner Oper in Amsterdam wurde von der Opernwelt zur «Uraufführung des Jahres 2012» gewählt. Mit Hans Neuenfels inszeniert ein Grossmeister seines Fachs zum ersten Mal im Opernhaus Zürich. Für die Hauptpartie konnten wir den Bariton Georg Nigl gewinnen, den die Opernwelt zum «Sänger des Jahres 2015» kürte.