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Vor zwei Jahren wurde der Adidas-Zulieferer PT Kizone abrupt geschlossen. Nun erhalten die 2800 Textilarbeiterinnen und -arbeiter eine Abfindung. Wie hoch die Abfindung genau sein wird, ist nicht bekannt, da Stillschweigen vereinbart wurde. Gewerkschaften hatten die Auszahlung von 1,8 Millionen US-Dollar (1,5 Millionen Euro, 1,8 Millionen Franken) verlangt. Sie handeln nun die Auszahlungsmodalitäten mit Adidas aus.
«Wir haben gewonnen», freut sich die Kampagne für Saubere Kleidung. Sie hat mit öffentlichen Aktionen und Online-Protesten zum Erfolg der Auseinandersetzung beigetragen. Adidas hatte über hundert Millionen Dollar für das Hauptsponsoring der Olympischen und der Paralympischen Spiele in London 2012 ausgegeben. Gleichzeitig behauptete Adidas, die ausstehenden 1,8 Millionen Dollar nicht zahlen zu können, die es seinen Arbeiterinnen schuldete, die nur 60 US-Cents pro Stunde für die Produktion von Adidas-Produkten erhielten (weniger als 50 Cent/60 Rappen).
Aus Protest: US-Sportler kündigten Verträge mit Adidas
Die indonesische Fabrik PT Kizone wurde abrupt geschlossen, nachdem der Eigentümer geflohen war. Die Arbeiterinnen standen von einem Tag auf den anderen auf der Strasse. In der Fabrik wurden während vieler Jahre für Adidas und den Konkurrenten Nike unter anderem Schuhe gefertigt – zuletzt vor allem für Nike. Nike hat den Arbeiterinnen eine Abfindung bezahlt. Doch Adidas argumentierte, zum Zeitpunkt der Schliessung nicht mehr Kunde der Fabrik gewesen zu sein. Nach Protesten offerierte Adidas für rund eine halbe Million Dollar Essensgutscheine und andere Hilfe. Die Gutscheine wären nur in einem einzigen Supermarkt gültig gewesen, erklärte das «Inkota Netzwerk» und kritisierte die Offerte als «Almosen».
Die Protestwelle war in den USA am stärksten. Über ein halbes Dutzend US-Universitäten hatten ihre Lizenz- und Lieferverträge mit dem deutschen Konzern für ihre Sportmannschaften gekündigt, um gegen das Verhalten von Adidas zu protestieren. Dies berichtete capital.de. Schliesslich gab Adidas im Frühling bekannt, den entlassenen Beschäftigten eine Abfindung zu zahlen. In einer Mitteilung forderte der Konzern «industrieweite Massnahmen zur Bekämpfung unethischer Fabrikschliessungen», also ein Branchenbündnis, um ein Rettungsnetz neben staatlichen Sicherungen zu schaffen.
Nach Fabrikeinsturz: Grosse Kleiderketten in der Pflicht
In Bangladesch sind im Frühling über 1100 Textilarbeiterinnen bei einem Fabrikeinsturz ums Leben gekommen. Knapp 70 internationale Textilhandelsunternehmen haben sich nun erstmals verpflichtet, die Sicherheit in Kleiderfabriken durch unabhängige Kontrolleure überprüfen und Mängel auf ihre Kosten beheben zu lassen. Unterschrieben haben das Abkommen unter anderen Benetton, C&A, Calvin Klein, Esprit, G-Star, H&M, Helly Hansen, Hess Natur, Inditex (u.a. Zara), Kik, Mango, Metro, Tailly Weijl, Tchibo, Tommy Hilfiger, Aldi, Lidl und Rewe. Nicht unterzeichnet haben grosse US-Textilunternehmen wie Gap und Walmart. Sie begründen dies mit eigenen unternehmensinternen Selbstverpflichtungen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine