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Die Makroökonomie befasst sich mit den grossen Aggregaten einer Volkswirtschaft. Das BIP, die Inflationsrate, die Arbeitslosenrate oder die Zinsen sind dabei ebenso wichtig, wie auch demografische Merkmale einer Volkswirtschaft wie beispielsweise die Gesamtbevölkerung oder deren Wachstum.
Makroökonomie als Aggregation mikroökonomischer Vorgänge
Im Artikel zur Mikroökonomie wird gezeigt, wie sich das Verhalten einzelner Individuen oder Unternehmen auf einzelnen Märkten (Gütermärkte, Dienstleistungsmärkte, Arbeitsmarkt) auswirkt. Die Summe dieser Märkte bildet schliesslich die gesamte Volkwirtschaft, mit deren Daten sich die Makroökonomie auseinandersetzt. Oft geschieht sie Aggregation (recht oberflächlich) mittels Summen oder Durchschnittswerten. So ist beispielsweise die Inflationsrate nichts anderes, als die gewichtete durchschnittliche Preissteigerungsrate eines definierten Warenkorbes. Gewisse mikroökonomische Entscheidungen fliessen auch in mehrere makroökonomische Variablen ein. Ein Entscheid für Arbeit und gegen Freizeit schlägt sich beispielsweise in der Arbeits-Statistik ebenso nieder, wie im BIP, da durch diese zusätzliche Arbeit (hoffentlich) ein Mehrwert geschaffen wird.
Makroökonomische Modelle
Um die verschiedenen Messgrössen der Makroökonomie und deren Zusammenhänge zu verstehen, hilft es, sich makroökonomischer Modelle zu bedienen. Ein sehr einfaches solche Modell besteht lediglich aus Haushalten, welche Arbeit leisten, andere Produktionsfaktoren zur Verfügung stellen und Güter konsumieren, und Unternehmen, welche Arbeiter einstellen, andere Produktionsfaktoren nutzen und Güter produzieren. Bei den weiteren Produktionsfaktoren nebst Arbeit handelt es sich um Boden und Kapital (Realkapital und Finanzkapital). Das Modell geht also von der Annahme aus, dass sich sämtliche Produktionsfaktoren in den Händen der Haushalte oder Individuen befinden und die Unternehmen diese entgeltlich verwenden. Für die zur Verfügung gestellte Arbeitskraft, Boden und Kapital erhalten die Haushalte von den Unternehmen Lohn, sowie ein Nutzungsentgelt, welches beispielsweise in Form von Zinsen oder Dividenden ausgestaltet sein kann. Andererseits stellen die Unternehmen mit Hilfe all dieser Produktionsfaktoren Güter und Dienstleistungen her, welche die Haushalte dann gegen Entgelt nutzen – sie konsumieren diese Güter und Dienstleistungen.
Mit diesem einfachen Modell lassen sich bereits Preise für Güter, Dienstleistungen, Arbeit, Kapital und Boden herleiten. Allerdings ist es doch sehr simpel ausgestaltet und lässt sich erweitern. Eine erste Erweiterung ist die Einbindungen das Staats in das Modell:
Sowohl Unternehmen als auch Haushalte zahlen Steuern an den Staat. Damit kann mit diesem Modell diese weitere wichtige Variable beschrieben werden. Die Transferzahlungen, welche Haushalte erhalten sind beispielsweise Staatliche Rentenzahlungen oder Sozialleistungen. Bei den Unternehmen kommen Transferzahlungen in der Regel in form von Subventionen oder Förderbeiträgen an. Der Einfachheit halber wird in der grafischen Darstellung unterschlagen, dass der Staat natürlich auch als Arbeitgeber und Konsument auftritt. Er stellt Individuen an (und Zahlt dafür Lohn) und er Erwirbt Güter und Dienstleistungen entgeltlich. Ausserdem kann er sich von den Haushalten Boden und Kapital leihen, wofür er Miete, Zinsen und Dividenden entrichtet.
Bisher handelt es sich noch um eine isolierte Volkswirtschaft ohne Kontakt zum Ausland. Dies wird in nächsten Erweiterungsschritt geändert:
Das Ausland fungiert als Handelspartner für Haushalte und Unternehmen. Somit werden mit diesem Modell auch Wechselkurse und Zinsdifferenzen erklärbar. Es existieren Varianten dieses Modells, in welchen Haushalte nur importieren und nicht exportieren können – schliesslich produzieren sie ja nichts. Diese Einschränkung scheint aber spätestens seit der Verbreitung von Internethandelsplattformen nicht mehr zeitgemäss. Die grafische Darstellung des Modells unterschlägt, dass auch der Staat mit dem Ausland handeln kann und dass auch der Kapitalmarkt zwischen den Ländern geöffnet werden kann. Im Vollausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen zwei Ländern sind die Märkte für Kapital, Güter, Dienstleistungen und Arbeit für das jeweils andere Land offen.
Der letzte hier besprochene Ausbau des Modells umfasst das Bankensystem:
Eine Bank fungiert hier als Vermittler von Kapital zwischen Haushalten und Unternehmen (auch Staat und Ausland können eingebunden werden). Die Bank nimmt Spargelder der Haushalte entgegen und gibt sie als Kredite an die Unternehmen oder den Staat weiter. Dafür verlangt sie von den Unternehmen Kreditzinsen und zahlt den Haushalten (in der Regel tiefere) Sparzinsen. Daneben zahlen Banken natürlich auch steuern, interagieren mit dem Ausland und können Transferzahlungen erhalten. Die Ergänzung des Modells um ein Bankensystem führt zwar nicht dazu, weitere Kenngrössen erklären zu können, es wird aber traditionell eingebunden, da die Banken wichtige Volkswirtschaftliche Funktionen erfüllen.
Exkurs: Die Rolle der Banken
Die Banken erfüllen zum Funktionieren einer Volkswirtschaft traditionell drei Transformationsaufgaben bei der Umwandlung von Spargeldern in Kredite:
- Fristentransformation: Häufig kurzfristig angelegte Spargelder werden langfristig ausgeliehen. Wer möchte sein erspartes schon für 10 Jahre binden, nur weil ein Unternehmen einen Kredit für 10 Jahre benötigt?
- Losgrössentransformation: Viele kleine Spareinlagen werden gebündelt und als ein grosser Kredit vergeben. Wer ist schon in der Lage, einem Unternehmen einen Kredit über mehrere Millionen oder gar Milliarden zu geben?
- Risikotransformation: Da die Bank Kredite an viele Unternehmen vergibt, kann sie den Ausfall eines Schuldners verkraften. Anders sieht dies beim Sparer aus, welcher wohl nur an einige wenige Unternehmen Kredite vergeben könnte – wenn überhaupt.
Diese traditionellen Aufgaben werden allerdings je länger je mehr in den Hintergrund gedrückt. Anlagefonds und Internetplattformen (Crowd Lending) können diese Funktionen zumindest teilweise auch übernehmen.
Ein weiteres wichtiges Standbein der Banken ist die Vermögensverwaltung. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag, ist auch diese Aufgabe von Volkswirtschaftlicher Relevanz. Auf der Suche nach möglichst hohen und sicheren Renditen für ihre Kunden steuern die Banken zu einer effizienten Kapitalallokation bei. Wenn Kapital dort eingesetzt wird, wo es am besten rentiert, ist dies auch Volkswirtschaftlich am effizientesten.
Weitere Tätigkeiten der Banken, wie beispielsweise der Eigenhandel, tragen nicht zum funktionieren einer Volkswirtschaft bei.
Verbindung zwischen Mikroökonomie und Makroökonomie
Wie oben beschrieben, erfolgt die Aggregation der mikroökonomischen zu makroökonomischen Daten häufig mittels Summen oder Durchschnittswerten. Damit kann man sich einen schnellen Überblick verschaffen – dagegen ist nichts einzuwenden. Geht es allerdings darum, wirtschaftspolitische Entscheide zu treffen, ist es oftmals hilfreich, die Zusammenhänge zwischen Mikroökonomie und Makroökonomie genauer zu verstehen.
Beispiele dafür gibt es diverse, hier wird eines vorgestellt, welches sich an den Nobelpreis für Ökonomie 2015 (eigenltich “The Sveriges Riksbank Prize in Economic Sciences in Memory of Alfred Nobel”) anlehnt: Angenommen, ein Staat möchte die Wirtschaft ankurbeln, indem er dafür sorgt, dass den Individuen mehr verfügbares Einkommen zur Verfügung steht. Er erhofft sich, dass dieses zusätzliche verfügbare einkommen für Konsum (im Inland) ausgegeben wird und somit das BIP erhöht. Ein staat kann ein höheres verfügbares Einkommen für seine Bürger auf zwei Arten erreichen: tiefere Steuern oder höhere Transferzahlungen. (Beide Varianten sind auf die lange Sicht Nullsummenspiele, weil die zusätzliche Ausgaben oder fehlenden Einnahmen später wieder kompensiert werden müssen. Kurzfristig können aber beide Massnahmen Wirkung entfalten.) Auf den ersten Blick sieht es nun so aus, als ob diese Massnahmen äquivalent wären, also auch dieselben Auswirkungen haben sollen. Den Individuen sollte es egal sein, ob sie einen Franken weniger Steuern bezahlen, oder einen Franken mehr Sozialleistungen erhalten. Was bleibt, ist ein Franken mehr zum ausgeben. Entscheidend ist aber die Beobachtung, dass Menschen mit einem kleineren verfügbaren Einkommen dazu neigen, von zusätzlichem Einkommen einen grösseren Teil auszugeben, als Menschen mit einem ohnehin grösseren verfügbaren Einkommen. Dies leuchtet intuitiv ein, da eine Person mit kleinerem Einkommen sich nicht ohnehin schon alles kaufen kann, was sie möchte. Empirisch ist dieser Sachverhalt auch gut belegt. Wenn man nun berücksichtigt, dass Steuersenkungen eher den besser verdienenden Individuen zugute kommen, und erhöhte Sozialleistungen eher den schlechter verdienenden, wird klar: Über höhere Sozialleistungen lässt sich eine Volkswirtschaft kurzfristig besser ankurbeln, als über tiefere Steuern. In der längeren Frist dreht sich dieser Effekt allerdings um, da durch dieses staatliche Handeln Fehlanreize erzeugt werden.