Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03276.jsonl.gz/1164

FM28
Parallelseminar 11
Pharmakologische Behandlung von Dyspnoe bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz – Literaturübersicht
P. Sobanski1, W. Siemens2, G. Becker2 (1Liestal ; 2Freiburg DE)
Hintergrund
Fast 90% der Menschen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz (HI) leiden unter Atemnot bei kleinen Anstrengungen oder in Ruhe (entsprechend Klasse IIIb und IV der New York Heart Association, NYHA), häufig trotz optimaler kardiologischer Therapie. Lässt sich die Dyspnoe durch Korrektur der hämodynamischen Störungen nicht mehr weiter verbessern, besteht eine Indikation für palliative Symptomlinderung. Atemnot wird bei HI-Patienten meistens als Faktor des HI-Schwergrades gesehen, welcher mittels NYHA Klassifikation eingeteilt wird, jedoch nicht als Symptom das Leiden verursacht und behandelt werden sollte. Zusätzlich sind Daten über effektive und sichere Behandlungsmassnahmen bei HI-Patienten sehr limitiert. Aus diesen Gründen bleibt beim grössten Teil der HI-Patienten die Atemnot unbehandelt.
Ziel
Ziel der Arbeit war, die Evidenz für pharmakologische Interventionen zur palliativen Behandlung von Atemnot bei Patienten mit fortgeschrittener HI zu identifizieren.
Methode
Für die Suche wurden die Datenbanken MEDLINE, EMBASE und CENTRAL verwendet (März 2017). Es wurde nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), CTs, Beobachtungsstudien und Fallberichten gesucht. Die Literaturübersicht wurde in Übereinstimmung mit den Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses (PRISMA) Richtlinien durchgeführt. Zudem wurde der Jadad Score erfasst (Werte: 0-5, hohe Werte = gute Studienqualität).
Resultate
Von 1758 Treffern wurden nach dem Titel und Abstract 41 relevante Treffer identifiziert. Die Volltextanalyse liess 12 Publikationen basierend auf 11 Studien in die Analyse final einschliessen.
Vier von 11 (36,3%) waren RCTs mit hohem Jadad-Skore (3, 4, 4 und 5).
Die Ergebnisse der RCTs und der anderen Studientypen waren inkonsistent aber deuteten darauf hin, dass untersuchte Opioide (Diamorphin, Dihydrocodein und Morphin) eine positive Wirkung auf die patienten-berichtete Atemnot und Atemregulation haben könnten.
Aufgrund der kleinen Fallzahlen in den RCTs (n=10-35) und den anderen Studientypen (n < 56) sollten die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden.
Schlussfolgerung
Es bestehen Hinweise, dass zirka 60% der Herzinsuffizienzpatienten durch niedrig dosierte Opioide von einer Atemnotlinderung profitieren können. Die Qualität der Evidenz ist als niedrig einzuschätzen. Größer angelegte RCTs sind nötig, um den Effekt, die benötigte Dosierung und die Sicherheit von Opioiden spezifisch bei Patienten mit fortgeschrittener HIbesser erfassen zu können.