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»Ich habe eigentlich mein ganzes Leben im Exil verbracht, bin immer ein Exilant gewesen. Mit zwei Jahren verließ ich Kolumbien und lebte in Brüssel und Paris, mein Vater war Diplomat; ich war schon fast erwachsen, als ich nach Kolumbien zurückkam. Nach den ersten Jobs in Kolumbien begann ich durch Lateinamerika zu reisen; außerdem kehrte ich viele Male nach Europa zurück. Seit 1956 lebe ich in Mexiko; von hier aus unternehme ich weiterhin zahlreiche Reisen. Jedes Jahr fahre ich nach Spanien, ich bin mit einer Spanierin verheiratet, einer Katalanin, um genau zu sein, reisen gehört da sozusagen zu den aus meinem Leben nicht wegzudenkenden Bedingungen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, wenn ich mein ganzes Leben in Bogotá zugebracht hätte, hätte ich geschrieben? Was hätte ich geschrieben? Keine Ahnung, wirklich schwer zu sagen. Es wäre ein wenig leichtfertig, zu behaupten, dass dieses Exilantendasein, dieses dauernde Umherreisen, meiner Dichtung förderlich ist, jedenfalls reise ich bis heute ständig.
Ich arbeite für einen Filmvertrieb, amerikanische Filme, zu meinem Reisegebiet gehört ein Großteil von Lateinamerika, ich lebe gewissermaßen an Bord eines Flugzeugs, aber ob das gut für mich oder für meine Dichtung ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall habe ich durch mein Dasein als Reisender viel freie Zeit, Zeit zu schreiben, auf den Flughäfen, an Bord der Flugzeuge, in Hotels, es ist mir selbstverständlich, in den verschiedensten Ländern zu schreiben, immer als Reisender. Schauen Sie, hier habe ich Briefpapier von Hotels aus Tegucigalpa, Santiago de Chile, Sao Paulo, Bogotá, Brüssel, Los Angeles, New York, Puerto Rico, darauf schreibe ich meine Gedichte. Ich bin es gewohnt, in den verschiedensten Klimazonen an meinen Gedichten zu arbeiten und dabei ständig den Ort zu wechseln. Ich überlasse es den Kritikern, festzustellen, inwieweit dies auf meine Dichtung abfärbt, ich selbst kann das nicht beurteilen, das ist auch nicht meine Aufgabe, aber es wäre interessant, wenn irgendein Kritiker sich eines Tages mit meiner Dichtung beschäftigen und die Spuren suchen würde, die mein vieles Herumreisen darin hinterlassen hat.«
»Politik war nie meine Sache; ich habe nie gewählt, und das letzte Ereignis auf dem Felde der Politik, das mich zutiefst beschäftigte und mich auf reine, aufrichtige Weise umtrieb, war die Eroberung Konstantinopels durch die Türken am 29. Mai 1453. Auch muss ich erkennen, dass ich den Gang des Salierkönigs Heinrich IV. nach Canossa immer noch nicht überwunden habe, als er sich im Januar 1077 dem Papst Gregor VII. zu Füßen warf – diese Reise hatte allzu unselige Konsequenzen für das Abendland. Sie sehen also, ich bin ein Anhänger des Heiligen Römischen Reiches, ein Monarchist und Legitimist.«