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Patenschaften und Spenden für Kinder in Bolivien
Obgleich Bolivien heute eine gewisse wirtschaftliche Stabilität erreicht hat, zählt es zu den ärmsten Ländern Südamerikas. Von den rund zehn Millionen Einwohnern Boliviens gehören weit mehr als die Hälfte indigenen Volksgruppen an. Wir von Plan International setzen uns in Bolivien unter anderem dafür ein, dass Kinder indigener Völker ihre Rechte wahrnehmen können. Helfen auch Sie mit einer Spende!
Ein Überblick
Bolivien wird von zwei großen Ketten der Anden durchzogen, welche das zentrale Hochland, das Altiplano, umschließen. In diesem auf einer Höhe von 3.000 bis 4.000 Metern liegenden Gebiet leben rund 80 Prozent der Bevölkerung. Im Osten finden sich die weniger dicht besiedelten „Llanos“-Ebenen, die sowohl von trockenen, heißen Savannen als auch vom tropischen Regenwald des Amazonas geprägt sind. Von den rund zehn Millionen Einwohnern Boliviens gehört ein großer Anteil indigenen Volksgruppen an.
Im 15. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Bolivien Teil des Inka-Reiches, welches sich von Ecuador über Peru bis nach Chile und Argentinien erstreckte. Im 16. Jahrhundert eroberten die Spanier das Gebiet. Heute zählt Bolivien zu den ärmsten Ländern Südamerikas.
Zur Situation heute
1985 fanden die ersten freien Wahlen statt. Die Massenproteste gegen die Privatisierung der Erdgas- und Erdölindustrie zwangen Carlos Mesa 2005 zum Rücktritt. Seit Januar 2006 ist Evo Morales Ayma der erste indigene Präsident des Landes. Er setzte sich für eine stärkere staatliche Kontrolle des Wirtschaftssektors ein. Trotz des wirtschaftlichen Wachstums der letzten Jahre ist ein großer Teil der Bevölkerung nach wie vor von Armut betroffen und die sozialen Probleme des Landes sind gravierend.
Plan International in Bolivien
Wir arbeiten seit 1969 in Bolivien in überwiegend ländlichen Programmgebieten. Im Jahr 2017 erreichte Plan International mit seiner Arbeit das Umfeld von über 42.000 Patenkindern und ihren Familien.
Arbeitsansatz von Plan International
Unser Arbeitsansatz, die kindorientierte Gemeindeentwicklung, beruht auf den Grundrechten von Kindern: das Recht auf Leben, Entwicklung, Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte Gemeindeentwicklung bedeutet mit und für Kinder zu arbeiten. Mädchen und Jungen, Jugendliche, ihre Familien und Gemeinden sind an der Planung und Durchführung von Programmen und Projekten beteiligt, um ihre eigene Entwicklung voranzubringen. Die Gemeinde trägt Verantwortung für die Programme, damit deren Nachhaltigkeit gesichert wird, auch nachdem wir unsere Arbeit in diesem Gebiet beendet haben. Von zentraler Bedeutung ist es daher, Verhaltensveränderungen zu bewirken, um bessere Lebensbedingungen zu erreichen. Wir stärken die Kompetenzen von Gemeindemitgliedern, damit sie sich den gemeinsamen Herausforderungen stellen können. Dies trägt dazu bei, strukturelle Kinderarmut zu beseitigen.
Da der Staat eine wichtige Rolle bei der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechte spielt, arbeitet Plan International mit Regierungsstellen zusammen und unterstützt sie darin, ihre Verpflichtung gegenüber den Gemeindemitgliedern wahrzunehmen und vorhandene Gesetze und Vorgaben umzusetzen. Gleichzeitig informieren wir die Menschen in den Gemeinden über ihre Rechte und bestärken sie darin, diese einzufordern. Wir setzen uns besonders für ausgegrenzte und benachteiligte Kinder ein, damit sie ihre Rechte wahrnehmen und den Kreislauf von Diskriminierung, gesellschaftlicher Nichtteilhabe und Kinderarmut durchbrechen können.
Herausforderung: Mangelnde Versorgung und Förderung in der frühen Kindheit
Trotz erreichter Fortschritte in den vergangenen zehn Jahren ist die Kinder- und Müttersterblichkeit in der Region nach wie vor hoch. Nur wenige Gesundheitseinrichtungen verfügen über die notwendige Ausstattung und ausgebildetes Personal, um Neugeborene und medizinische Notfälle bei der Geburt zu versorgen.
Viele Mädchen und Jungen sind nicht ihrem Alter entsprechend entwickelt; eine wesentliche Ursache hierfür ist chronische Unterernährung. Der Anteil der Kinder, die zur Vorschule oder in den Kindergarten gehen, ist gering. Zudem sind viele Eltern nicht ausreichend über frühkindliche Erziehung informiert.
Plan-Programm: „Förderung von Kleinkindern“
Im Mittelpunkt des Programms stehen die Fürsorge, die Betreuung und der Schutz von Kindern unter fünf Jahren, um sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Wir unterstützen Schulungen für medizinisches Personal und die Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen, um die Angebote zur Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe zu verbessern, besonders für den Fall von Komplikationen bei der Entbindung.
Mit Lobbymaßnahmen fordern wir die lokalen Behörden auf, Angebote zur frühkindlichen Erziehung zu schaffen und die notwendigen Mittel bereitzustellen. Zudem unterstützen wir Gemeindeprogramme zur Früherziehung, zum Beispiel durch die Schaffung und Instandhaltung von Einrichtungen, in denen die Kinder spielen und lernen und die Eltern an Erziehungskursen teilnehmen können. Ehrenamtliche besuchen die Familien zu Hause und informieren Eltern über Erziehungsthemen. Wir stärken Hygienekomitees, die in den Gemeinden Aufklärungskampagnen durchführen, um gute hygienische Verhältnisse zu gewährleisten.
In einer Pilotinitiative entwickelt Plan International Maßnahmen zur Inklusion von Kindern mit Behinderung. Ehrenamtliche lernen, Behinderungen früh zu erkennen und die Kinder an geeignete Hilfs- und Rehabilitationsangebote in den Gemeinden zu verweisen. In Not- und Katastrophensituationen unterstützen wir die Gemeinden und die Behörden bei der Einrichtung von Kinderschutzzonen, in denen Mädchen und Jungen spielen, lernen und das Erlebte verarbeiten können.
Herausforderung: Mangelnde Aufklärung und frühe Schwangerschaften
Die Zahl früher und ungewollter Schwangerschaften nimmt in Bolivien zu. Jugendliche wissen wenig über sexuelle Rechte und reproduktive Gesundheit. Von ihren Familien und Gemeinden erhalten sie kaum Unterstützung und Rat zu diesem Thema.
Plan-Programm: „Sexuelle und reproduktive Rechte“
Ziel des Programms ist, dass Jugendliche besseren Zugang zu Informationen und Gesundheitsleistungen haben, um ihre sexuellen und reproduktiven Rechte wahrnehmen zu können. Wir treten bei den Behörden dafür ein, dass sie Programme zur sexuellen Aufklärung, reproduktiven Gesundheit und Prävention von Teenager-Schwangerschaften einführen. Zudem unterstützen wir die Entwicklung kulturell angepasster Leitfäden zur Sexualerziehung, die sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule genutzt werden können. Lehrkräfte und Schulleitungen werden darin geschult, Sexualkunde in den Lehrplan der Klassen eins bis zwölf zu integrieren und dabei die neuen Leitfäden einzusetzen.
Wir stärken Mädchen und junge Frauen und fördern neue männliche Rollenbilder. Darüber hinaus unterstützt Plan International Maßnahmen zur Vermeidung früher Schwangerschaften, geschlechtsspezifischer Gewalt und sexuell übertragbarer Krankheiten. Durch Schulungen für Gesundheitspersonal und die Bereitstellung von Ausstattung sorgen wir dafür, dass jugendgerechte Angebote zur sexuellen Gesundheit Teil der medizinischen Grundversorgung werden. Außerdem arbeiten wir mit zivilen Organisationen und Frauenverbänden zusammen, damit sie sich ebenfalls für dieses Thema engagieren. Eltern und Gemeindevorstände lernen, wie sie die Mädchen und Jungen besser beraten und die Qualität der Aufklärungs- und Gesundheitsprogramme zu sexuellen Rechten überwachen können. Auch Jugendgruppen werden einbezogen und geschult, um ihr Wissen anschließend an Gleichaltrige weitergeben zu können. Jugendnetzwerke auf lokaler und nationaler Ebene machen sich mit Lobbymaßnahmen für ihre sexuellen Rechte stark.
Herausforderung: Mangelnde Vorschulerziehung und Sekundarschulbildung
Laut des neuen Bildungsgesetzes ist der Schulbesuch kostenfrei und es besteht Schulpflicht von der Vorschule bis zur weiterführenden Schule. Fast alle Kinder besuchen eine Grundschule, an den Vor- und Sekundarschulen sind die Schulbesuchsraten jedoch deutlich niedriger. Die Bildungsqualität gibt in allen Schulformen Anlass zur Sorge. Vielen Eltern ist die Bedeutung einer Vorschulbildung nicht bewusst. Auf dem Land fehlt es an Vor- und Sekundarschulen und an ausgebildeten Lehrkräften. Der Lehrplan ist nicht an den lokalen Kontext und den Bedarf der indigenen Bevölkerung angepasst. Gewalt und Mobbing sind insbesondere an weiterführenden Schulen verbreitet. Zudem müssen viele Mädchen bei der Hausarbeit helfen und werden beim Schulbesuch gegenüber den Jungen benachteiligt.
Plan-Programm: „Qualitative Bildung“
Mit diesem Programm fördern wir den Zugang zu Vor- und Sekundarschulangeboten. Gemeinsam mit der zivilen Gesellschaft fordern wir die Regierung auf, mehr Gelder in diese beiden Schulformen zu investieren. Plan International unterstützt Schulungen für Bezirks- und Bildungsbehörden, um deren Kompetenzen in der Planung und Organisation von Bildungsangeboten zu stärken. Schwerpunkte sind dabei die Themen Gleichberechtigung der Geschlechter, Inklusion, Relevanz des Lehrplans im kulturellen Kontext sowie Gewaltprävention. Bildungsräte der indigenen Bevölkerung werden ebenfalls bei der Entwicklung und Umsetzung regionaler Lehrpläne und Leitfäden für die Bildung an Vor- und Sekundarschulen unterstützt.
Wir stärken lokale Regierungsvertreter und Katastrophenschutz-Einrichtungen, damit sie das Recht der Kinder auf Bildung auch in Katastrophen- und Notsituationen garantieren können. Des Weiteren wollen wir erreichen, dass Lehrkräfte, Eltern und Vertreter der Schülerschaft sich als Schulräte engagieren, damit sie sich an der Leitung der Schulen und an Lobbymaßnahmen beteiligen können. Plan International organisiert Bildungsmaßnahmen für arbeitende Jugendliche und Aufklärungsmaßnahmen für Eltern, um das Risiko von Schulabbrüchen zu senken und die Abschlussraten an weiterführenden Schulen zu erhöhen.
Herausforderung: Zunehmende Gewalt gegen Kinder und junge Frauen
Sexualisierte Gewalt, Kindesmisshandlung und Vernachlässigung sind weitverbreitet. In der bolivianischen Gesellschaft wird Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Erziehung weithin akzeptiert. Vielen Menschen ist das Recht auf Schutz vor allen Formen von Gewalt und Vernachlässigung nicht bewusst. Selbst die lokalen Regierungsbehörden sind nicht ausreichend sensibilisiert. Infolgedessen fehlt es an politischem Engagement, Programme zum Schutz von Kindern und Jugendlichen umzusetzen.
Plan-Programm: „Schutz von Kindern“
Wir befähigen Kinder und Jugendliche, sich selbst zu schützen, und verbessern die Kinderschutzmechanismen in den Gemeinden. Mit Lobbymaßnahmen machen wir uns bei der Regierung und den lokalen Behörden dafür stark, dass sie Kinderschutzmechanismen einführen und ein entsprechendes Budget zur Verfügung stellen. Verantwortliche Institutionen und Gemeindevereine erhalten Schulungen zu Themen wie Gewaltprävention. Sie lernen, Fälle von Gewalt zu erkennen und bei den zuständigen Behörden zu melden. Kinder und Jugendliche werden in die Lage versetzt, sich vor Gewalt, einschließlich sexualisierter Gewalt, zu schützen. Zusätzlich werden Kinder und Jugendliche sowie lokale Behörden über Katastrophenvorsoge und den Schutz vor Gewalt in Notsituationen informiert.
Herausforderung: Mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche
In den Plan-Projektgebieten sind über die Hälfte der 15- bis 24-Jährigen unterbeschäftigt oder arbeitslos. Besonders prekär ist die Situation für junge Frauen. Laut des Jugendgesetzes von 2013 sollen lokale Regierungen den Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche fördern, allerdings haben bisher erst wenige Bezirke entsprechende Strategien entwickelt und Mittel bereitgestellt. Es fehlt an Berufsbildungsangeboten und Zugang zu Krediten. Hinzu kommt, dass sich der Klimawandel und mangelhafte Bewässerung negativ auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken.
Plan-Programm: „Wirtschaftliche Sicherheit für Jugendliche“
Ziel des Programms ist, dass Jugendliche, vor allem junge Frauen, besseren Zugang zu Berufsbildungsangeboten sowie Unterstützung für den Einstieg in den Arbeitsmarkt oder für die Gründung eines eigenen Gewerbes erhalten. Wir bauen Bündnisse mit Lokalregierungen und Unternehmen auf, damit sie Jugendlichen den Beginn des Erwerbslebens erleichtern. Die lokalen Regierungen und Arbeitgeber werden für ihre Verantwortung im Bereich der Jugendbeschäftigung und der Chancengleichheit junger Frauen und Männer sensibilisiert. Familien, Gemeinde- und Produzentenorganisationen erfahren mehr über die Möglichkeiten, junge Menschen in die landwirtschaftliche Produktion einzubeziehen.
Außerdem lernen sie umweltfreundliche und nachhaltige Anbaumethoden kennen, die die Anpassung an den Klimawandel fördern, beispielsweise durch Anlagen zum Auffangen von Regenwasser für die Bewässerung. Zusammen mit Partnerinstitutionen helfen wir Jugendlichen, technische und berufsbildende Kurse zu besuchen. Wir stellen Verbindungen zu Unternehmen her, damit die Jugendlichen Praktika absolvieren können. Darüber hinaus helfen wir den jungen Leuten, Zugang zu Startkapital zu erhalten, um sich selbstständig zu machen. Plan International unterstützt Lobbymaßnahmen, mit denen sich Jugendorganisationen bei den Lokalregierungen dafür einsetzen, dass mehr Mittel für die Förderung der Jugendbeschäftigung bereitgestellt werden.