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Im Rahmen der Migrationspartnerschaft mit Nigeria entstehen nicht nur Fernsehserien, um Nigerianer von der Reise nach Europa abzuhalten. Auch Polizisten tauschen sich aus, um den Drogenhandel in der Schweiz zu bekämpfen. (Archivbild)
Keystone/ENNIO LEANZA(sda-ats)
Mit einer TV-Serie will das Staatssekretariat für Migration Nigerianer davon abhalten, in die Schweiz zu reisen. Die Filmcrew kommt aus Nigeria, das Geld für das Projekt aus der Schweiz. Es ist eines von zahlreichen Sensibilisierungsprojekten.
Vor mittlerweile zehn Jahren wurde beispielsweise in Kamerun eine Informationskampagne in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) umgesetzt. Noch heute ist ein Kurzfilm auf YouTube zu sehen. Es zeigt einen jungen Afrikaner in einer Telefonzelle. Es regnet.
Er wohne gut, habe sich an der Uni eingetragen, erzählt er seinem Vater am anderen Ende der Leitung. Die eingeblendeten Bilder zeigen ihn jedoch beim Betteln, als Obdachlosen und auf der Flucht vor der Polizei. "Don't believe everything you hear" - "Glaube nicht alles, was du hörst", heisst es zum Schluss. Die Schweiz hat die Radio- und TV-Spots und Veranstaltungen mit 155'000 US-Dollar unterstützt, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Anfrage erklärt.
Im Kosovo klärt die Schweiz seit 2014 die Bevölkerung via Radio, Social Media, Printmedien und Fernsehen über die Schengenvisumspolitik und die Folgen des Missbrauchs von Schengenvisa für Asylzwecke auf.
Das Projekt steht im Zusammenhang mit dem Visabefreiungsprozess zwischen der Europäischen Union und dem Kosovo und kostet 240'000 Franken. Es ist ein Anschlussprojekt an eine Informationskampagne gegen irreguläre Migration des kosovarischen Ministeriums für europäische Integration.
Rückkehrer und Medienschaffende
Zur Wiedereingliederung von Personen, die schon einmal auf illegalen Wegen nach Europa zu gelangen versuchten, wurde 2014 in Marokko das Projekt "Pateras de la Vida" entwickelt. Die zum Projekt gehörende Sensibilisierungskampagne wurde gemäss SEM in Schulen durchgeführt. Das SEM beziffert die Kosten auf 110'000 Franken.
In Tunesien unterstützte das SEM 2013 im Rahmen des Projektes Panos Medienschaffende, die in ihren Arbeiten die irreguläre Migration aus Nordafrika thematisieren. Unter anderem entstand der Film "460" von Abdgellatif Garrouri und das Theaterstück "Harak Yetmanna". Die Kosten: 80'000 Franken.
Viel Geld floss 2009 in die Demokratische Republik Kongo: Für 492'000 US-Dollar entstand das "Maison des Congolais de l'Etranger et des Migrants". Es informiert über Alternativen zur irregulären Migration und wurde von einer Informationskampagne via Radio, TV und Theater begleitet.
Nollywood soll Augen öffnen
Und vor gut zehn Jahren führte das SEM zusammen mit der IOM in Nigeria schon einmal eine Informationskampagne im Umfang von 150'000 US-Dollar durch - allerdings nur in drei Bundesstaaten.
Nun wird mit grösserer Kelle angerührt. Die 13-teilige TV-Serie mit dem Arbeitstitel "Missing Steps" wird mit 450'000 US-Dollar unterstützt. Die Idee dafür kam aus Nigeria selbst, konkret von der nigerianischen Migrationsbehörde. Sie entstand im Rahmen der Migrationspartnerschaft, die die Schweiz im Februar 2011 mit Nigeria abgeschlossen hat.
Diese sieht neben der Unterstützung der freiwilligen Rückkehr von Nigerianerinnen und Nigerianern auch Berufsbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit in Nigeria tätigen Schweizer Firmen vor. Zur Bekämpfung des Drogenhandels in der Schweiz wurde weiter eine Polizeikooperation aufgebaut. Die konkreten Projekte erarbeiten jeweils Experten aus beiden Ländern gemeinsam.
2013 wurde die Idee für die TV-Serie in die Runde geworfen. Jetzt - vier Jahre später - ist die nigerianische Filmcrew in der Schweiz an den Dreharbeiten. In Zusammenarbeit mit der Filmindustrie Nigerias und der IOM will das SEM eine grosse Breitenwirkung erreichen.
Es gehe nicht um Abschreckung, sondern um die Vermittlung objektiver Information, erklärte SEM-Sprecher Lukas Rieder gegenüber der Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens SRF. Man habe festgestellt, dass fehlende oder falsche Informationen eines der Hauptprobleme seien, die zu irregulärer Migration führen.
Man könne dem mit staatlichen Informationskampagnen oder amtlichen Verlautbarungen entgegenwirken. "Aber wir haben uns dafür entschieden, die grosse Reichweite der Nollywood-Filme zu nutzen und so ein möglichst grosses Publikum zu erreichen", erklärte Rieder weiter. Gemäss der UNESCO hat die nigerianische Filmindustrie die USA überholt und ist nach Indien die zweitgrösste Filmnation.
Fluchtursachen bekämpfen
Bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe steht man dem Projekt kritisch gegenüber. Man dürfe sich nicht der Illusion hingeben, dass ein Film Menschen von der Flucht abhalte, sagte Mediensprecher Stefan Frey auf Anfrage. Sensibilisierungskampagnen nützten nur, wenn sie in eine Gesamtstrategie eingebettet seien.
"Dazu gehört die Bekämpfung der Fluchtursachen. Etwa auf diplomatischer Ebene, indem die Menschenrechtssituation verbessert wird. Aber auch auf wirtschaftlicher Ebene, denn noch fliesst das Geld aus der nigerianischen Erdölproduktion nicht zum Volk", sagte Frey. Die Situation sei komplexer, als dass man mit einem Film allein Migration verhindern könne.
SDA-ATS