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Anhand von Fossilien und heute lebenden Schildkröten konnten Wissenschaftler rekonstruieren, wie sich der charakteristische Panzer im Laufe der Evolution entwickelt hat. Eine der ersten grösseren Veränderungen auf dem Weg zu dem Schutzschild waren breiter werdende Rippen, die schliesslich zum Panzer zusammenwuchsen.
Ein internationales Forscherteam um Torsten Scheyer von der Universität Zürich berichtet nun im Fachjournal "Current Biology", dass sich die Rippen nicht zu Schutzzwecken verbreiterten, sondern damit die Tiere besser graben konnten. Zu diesem Schluss kommen sie anhand von Überresten der ältesten Ur-Schildkröte Eunotosaurus africanus, die nur einen partiellen Panzer besass, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte.
Diese Urzeit-Schildkröte lebte vor rund 260 Millionen Jahren im heutigen Karoo-Becken in Südafrika. Mehrere Exemplare wurden von den Studienautoren Roger Smith und Bruce Rubidge von der Witwatersrand Universität in Johannesburg gefunden. Das wichtigste Fossil von Eunotosaurus aber entdeckte ein einheimischer Achtjähriger auf der Farm seines Vaters.
Dieses Exemplar misst etwa 15 Zentimeter und besteht aus einem gut erhaltenen Skelett mit vollständig erhaltenen Vorder- und Hinterbeinen, wie die Uni Zürich schrieb. Die Endfingerglieder der Vorderbeine sind deutlich verbreitert und spatenförmig, was darauf hin deutet, dass das Tier damit grub.
Die verbreiterten Rippen machten den Brustkorb starr, so dass diese "Proto-Schale" Eunotosaurus vermutlich als Widerlager für die grabenden Vorderbeine diente. Deshalb gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die frühesten Formen des Panzers nicht zum Schutz dienten.
"Die Proto-Schale erlaubte es damals den Tieren, sich in den Boden einzugraben und in unterirdischen Behausungen den unwirtlichen Umweltbedingungen Südafrikas zu trotzen", liess sich Scheyer in der Mitteilung zitieren.
Rippen stützen den Körper bei der Fortbewegung und spielen eine tragende Rolle bei der Belüftung der Lungen. Wegen ihrer zentralen Funktion sehen Rippen bei den meisten Tieren, von den Dinosauriern bis hin zum Menschen, sehr ähnlich aus.
Die Schildkröten sind eine Ausnahme: Die stark abgewandelten Rippen bilden einen Grossteil der Panzerschale, machen den Oberkörper dadurch unbeweglicher, verkürzen die Schrittlänge und schränken die Atmung ein. Im Laufe der Schildkröten-Evolution überwogen aber offensichtlich die Vorteile - fürs Graben und als Schutz vor Fressfeinden - diese Nachteile.
(SDA)