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Palermo ist die unbestrittene Metropole Siziliens. In der Agglomeration im Nordwesten der Insel, in der über 1 Million Menschen leben, laufen die wirtschaftlichen und politischen Fäden der Insel zusammen. Nach wie vor ist Palermo auch die Heimatstadt der Cosa Nostra, der grössten und erfolgreichsten weltweit operierenden Verbrecherorganisation (von der der Tourist allerdings nichts mitbekommt). Vor allem aber ist Palermo die Stadt, in der die bis heute lebendige Geschichte Siziliens nicht nur ihre Spuren, sondern auch unübersehbare Zeugnisse hinterlassen hat. Palermo ist die grosse Schatzkammer Siziliens.
Leute aus Syrien und dem Libanon, das tüchtigste Seefahrervolk der damaligen Zeit, von den Griechen Phönizier genannt, gründeten Palermo 800 Jahre vor Christus. Sie befestigten das von steil abfallenden Felsbergen flankierte Halbrund der Conca d’Oro, der Goldenen Muschel, und schufen sich so einen wichtigen Handelsstützpunkt im Mittelmeer, der Positionen in Nordafrika und auf Sardinien ideal ergänzte. Über 1000 Jahre behaupteten sich die Phönizier in Westsizilien, und es kommt keineswegs von ungefähr, wenn Städte wie Mazara del Vallo, Marsala, Trapani und eben auch Palermo etwas Orientalisches an sich haben.
Es blieb im Übrigen nicht bei den 1000 Jahren. Die Römer, die der Stadt ihren bis heute gültigen Namen (Panormus) gaben, schafften zwar, was den Griechen nicht gelungen war: Sie warfen die Phönizier, die bei ihnen, den Römern, Karthager hiessen, im Jahre 254 nach Christus komplett von der Insel. Doch gut 500 Jahre später kamen sie wieder, diesmal als Araber, als Mohammedaner - und mit allen Errungenschaften eines hochzivilisierten Kulturvolks. Palermo wurde für zwei Jahrhunderte Hauptstadt eines Kalifats und von da an auch Hauptstadt Siziliens. Die roten Kuppeln der Kirchen San Giovanni degli Eremiti unweit des Normannenpalasts und von San Cataldo an der Piazza Bellini erinnern am augenfälligsten daran, dass in Palermo einst über 100 Moscheen und Minarette das Stadtbild prägten. Auf die Araber folgten die Normannen, die Staufer, die Aragonier, Habsburger und schliesslich die Bourbonen, die dafür sorgten, dass man sich in grossen Teilen der Altstadt immer wieder wie in einer alten, zerbröselnden Stadt Spaniens vorkommt.
Der Verfall des historischen Zentrums ist in den vergangenen Jahren gestoppt und teilweise umgedreht worden. Unter Bürgermeister Leoluca Orlando, einem engagierten Mafia-Gegner, der von 1985 bis 2000 an der Spitze der Stadtverwaltung stand, wurde aus Palermo eine Stadt des Aufbruchs: Die Palermitaner machten und machen sich daran, ihre Stadt zurückzugewinnen. Mit grossem Erfolg: Das historische Zentrum belebt sich wieder. Wo man noch vor 10 Jahren dunkle Gassen mied, locken heute schmucke Restaurants und witzige Kneipen, es wird saniert und aufgeräumt, und Kirchen und Paläste, die seit Jahrzehnten geschlossen waren, werden jetzt voller Stolz vorgezeigt.