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300 Jahre ist es her, seitdem der "Friede von Baden" geschlossen wurde. Ein Dokument, das für die weitere Entwicklung von Europa eine historische Weichenstellung bedeutete. Im September gedenkt der Kanton Aargau und die Stadt Baden diesem grossen Stück Geschichte mit vier Veranstaltungen, u.a. mit einem internationalen Staatsakt, bei dem auch Bundesrätin Evelyne Widmer Schlumpf anwesend sein wird. Im Trafo-Blog erfahren Sie jeden Monat Spannendes und Wissenswertes über dieses geschichtliche Ereignis.
Alles beginnt 1700, als der letzte spanisch-habsburgische König Karl II. kinderlos stirbt und in seinem Testament einen Enkel des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. zum Erben ernennt. Die europäischen Herrscherhäuser fürchten sich vor einer bourbonischen Doppelmonarchie und schliessen sich in der "Grossen Allianz" zusammen. So kämpft Frankreich gegen Österreich, Grossbritannien und die Generalstaaten der Niederlande um die spanische Thonfolge. Es ist ein Krieg über mehr als ein Jahrzehnt mit hohen Verlusten auf allen Seiten.
Auf Friedenskongressen in Utrecht (1713) und Rastatt (1714) werden erstmals die wichtigsten Friedensfragen zwischen den Grossmächten bereinigt. Doch das Heilige Römische Reich ist an diesen Friedensverhandlungen nicht beteiligt und muss die Rastatter Beschlüsse noch formell nachvollziehen. Deshalb entscheidet man sich, in der neutralen Eidgenossenschaft den Frieden zwischen Frankreich und dem Reich feierlich zu bestätigen.
Französische Delegation mit Theatergruppe im Gefolge
Zu den Verhandlungen in Baden treffen sich die Delegationen von Kaiser Karl VI. im Namen des Heiligen Römischen Reichs und des französischen Königs Ludwig XIV. Über 60 Delegationen aus ganz Europa logieren in Baden. Die Verhandlungen dauern fünf Monate und ziehen sich über den ganzen Sommer 1714 hinweg. Dies veranlasst einzelne Vertreter, ihren Aufenthalt für festliche Orgien und ausgelassene Unterhaltung zu nutzen. Ein Handlungsbevollmächtiger aus Frankreich führt z.B. eine ganze Theatergruppe in seinem Gefolge mit, die französische Komödien zeigt.
Am 7. September 1714 ist es dann aber doch soweit: Marschall de Villars und Prinz Eugen von Savoyen unterzeichnen in Baden den letzten der drei Friedensverträge, die den Spanischen Erbfolgekonflikt endlich beenden. Der "Friede von Baden" zieht auch einen Schlussstrich unter den Krieg am Oberrhein und klärt zahlreiche Streitpunkte kleinerer Fürsten- und Herrscherhäuser. Es ist der Startschuss eines machtpolitischen Gleichgewichts der Europäischen Kräfte, gleichzeitig wird damit auch die Tradition der "Guten Dienste" eingeläutet, welche die Schweiz bis heute weltweit im diplomatischen und humanitären Bereich leistet.
Die Gesandten aus ganz Europa reisen wieder ab. Für Baden beginnt aber eine schwierige Zeit, denn die Stadt kämpft mit ökonomischen Problemen, weil als Folge des Zweiten Villmergen-Krieges die Tagsatzung nach Frauenfeld abgewandert war. Baden verabschiedet sich zwischenzeitlich in die Bedeutungslosigkeit. Erst im 19. Jahrhundert sorgen die Bäder und die aufkommenden Industrie für neuen Aufschwung und Wohlstand im Kurort.
Immerhin: der Kongress von 1714 bleibt der Stadt Baden als rauschendes Abschlussfest einer grossen Periode in Erinnerung.
Festprogramm:
Die Veranstaltungen zum "Gedenken 1714" sind öffentlich und kostenlos. Auch am Fest- und Staatsakt vom Samstag, 6. September, in der Badener Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt kann die Bevölkerung teilnehmen. Aufgrund des beschränkten Platzangebots ist für alle Anlässe eine Reservation nötig.
Mehr Infos gibts hier.