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Lady Gaga singt die Nationalhymne, die junge Poetin Amanda Gorman trägt Verse vor, eine Kunstinstallation wurde auf der National Mall installiert. Und abends moderiert Schauspieler Tom Hanks eine eineinhalbstündige Spezialsendung mit Auftritten von Bruce Springsteen bis John Legend: Joe Bidens Amtseinführung als 46. Präsident der Vereinigten Staaten wird anders als die von Donald Trump vor vier Jahren. Mehr Kultur, mehr Prominenz.
Das Signal ist deutlich: Joe Biden nimmt die Rolle der Kultur für die Gesellschaft ernst.
Kultur ist Investition
Zum einen hat Biden ganz einfach gerechnet: Der Kultursektor bringt dem amerikanischen Staat jährlich beinahe 880 Milliarden Dollar ein. Der Staat seinerseits gibt für die Kultur lediglich 167 Millionen Dollar aus: 0,004 Prozent des Gesamtbudgets.
Diesen Betrag wollte Donald Trump unbedingt streichen. Allerdings ist er mit jedem seiner Versuche beim Kongress abgeblitzt. Dass es sich bei der Kultur um eine gute Investition handelt, hat wohl erst sein Nachfolger, Joe Biden, eingesehen.
Gibt es bald Konzerte im Weissen Haus?
Biden verfügt selber über kulturelle Interessen. Besonders angetan hat es ihm die irische Lyrik. Sein Stottern soll er überwunden haben, indem er vor dem Spiegel Gedichte von Seamus Heaney und W.B. Yates rezitierte. Die beiden zitiert er noch immer gern.
Die gewählte US-Vizepräsidentin Kamala Harris wiederum ist tanzbegeistert und spielte früher Geige und Waldhorn. Gut möglich also, dass es im Weissen Haus unter Biden – wenn Social-Distancing-Vorschriften es erlauben – wieder zu Konzerten mit Lesungen und Tanzeinlagen kommt.
Hauskonzerte reichen aber nicht aus, um die Kulturlandschaft der USA aufzubauen, die das Coronavirus in Trümmern hinterlässt: Über 60 Prozent von Amerikas Kulturschaffenden sind arbeitslos. Einem Drittel der Museen droht das Aus. Weltbühnen wie die Metropolitan Opera oder die Broadway-Theater rechnen frühstens im Herbst mit einer Wiedereröffnung.
Die Kultur braucht einen «Dr. Fauci»
Als erstes erhofft man sich von Joe Biden einen Dr. Fauci für die Kultur – so hat es die Washington Post formuliert. Gemeint ist damit jemand, der direkt dem Präsidenten unterstellt ist und sich bei ihm für die Anliegen der Kulturbranche Gehör verschaffen kann. So wie es der Immunologe Anthony Fauci seit der Corona-Pandemie ist.
Ausserdem hofft man auf einem Beschäftigungsprogramm für Kulturschaffende. Biden soll in Zusammenarbeit mit privaten Stiftungen und Förderern ein Unterstützungspaket schnüren, das gezielt an kulturelle Institutionen und an die vielen freien Kulturschaffenden adressiert ist.
Biden und Harris setzen auf Hip-Hop
Für die Amtseinführung hat sich das Team um Biden und Harris einer Idee von Barack Obama bedient: eine eigene Playlist.
Die entstandene «Biden+Harris 2021 Inauguration Playlist», Link öffnet in einem neuen Fenster besteht aus 46 verschiedenen Songs.
Trotz Musik von Bruce Springsteen oder Led Zeppelin, wird die Playlist vor allem von Hip-Hop-Künstlerinnen und -Künstlern dominiert. Dazu zählen Kendrick Lamar, Salt'n'Pepa, N.E.R.D oder A Tribe Called Quest.
Bereits vor der Wahl haben die Demokraten mit einem Battlerap-Video von Charlie Clips und DNA, Link öffnet in einem neuen Fenster um Stimmen geworben. Nun scheint Hip-Hop der Soundtrack zur neuen Amtszeit zu sein.
Lady Gaga singt
Dass Joe Biden diese Forderungen erfüllt, ist zumindest nicht völlig illusorisch. Mitglieder des künftigen Biden-Kabinetts haben sich in den vergangenen Monaten wiederholt mit Vertretern von Non-Profitorganisationen getroffen, die sich dieser Art der Aufbauarbeit widmen. Dies wird als gutes Zeichen gewertet.
Aber bis das Geld wirklich fliesst, muss man sich wohl mit Symbolik zufriedengeben: mit Lady Gaga, welche die amerikanische Nationalhymne singt.