Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03114.jsonl.gz/172

In den Monaten vor der ersten Lagebeurteilung des Jahres 2009 hatte die Wirtschaftsaktivität in den USA und in Europa massiv nachgelassen. Die Krise, die von den Finanzmärkten ausgegangen war, übertrug sich auf die übrige Wirtschaft und war in der gesamten Weltwirtschaft zu spüren. Dementsprechend korrigierte die Nationalbank ihre Wachstumsprognosen für die grossen Volkswirtschaften deutlich nach unten, insbesondere diejenige für die USA (2009: –1,8%; 2010: 1,9%) und für Europa (2009: –1,1%; 2010: 0,5%).
In der Schweiz war das BIP im vierten Quartal 2008 auf annualisierter Basis um 1,2% gesunken. Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung im März stand die Wirtschaft im Banne der Krise, hatte doch der Einbruch der globalen Nachfrage die schweizerischen Exporte schwer getroffen. Darüber hinaus stieg die Arbeitslosigkeit stetig, was die Gefahr einer Abflachung beim privaten Konsum mit sich brachte. Die Nationalbank revidierte daher ihre Prognosen nach unten und rechnete für 2009 mit einem BIP-Rückgang von –2,5% bis – 3%.
Zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung verzeichneten die Geldaggregate M1 und M2 relativ hohe Wachstumsraten, während M3 nur moderat zunahm. Die Notenbankgeldmenge ihrerseits hatte sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Diese Entwicklung widerspiegelte den massiven Anstieg der Nachfrage nach Liquidität seitens der Banken.
Das Kreditvolumen wuchs seit Anfang Jahr verlangsamt. Dies galt allerdings nicht für die Hypothekarkredite, deren Wachstum seit Herbst 2008 zunahm und im Januar 3,8% erreichte. Insgesamt präsentierte sich damit die Situation am schweizerischen Kreditmarkt besser als im Ausland.
Der Wert des Frankens hatte sich seit dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise im August 2007 spürbar erhöht. Nach der Lagebeurteilung vom Dezember 2008 verstärkte sich dieser Trend, was bis zum Zeitpunkt der Lagebeurteilung vom März zu einer unwillkommenen Straffung der monetären Bedingungen geführt hatte.
Die Inflation fiel bis Februar 2009 auf 0,2%, nachdem sie im Juli 2008 einen Spitzenwert von 3,1% erreicht hatte. Dieser rasche Teuerungsrückgang war vor allem auf den Zerfall des Erdölpreises und die Aufwertung des Frankens zurückzuführen. Die Nationalbank rechnete damit, dass die Inflationsrate im weiteren Verlauf des Jahres in den negativen Bereich fallen würde.
Angesichts dieser Gefahr beschloss die Nationalbank, die Zinsen weiter absinken zu lassen, und verschmälerte das Zielband für den Dreimonats-Libor auf 0,0%–0,75%. Sie strebte dabei den unteren Bereich des Zielbands an, d. h. einen Libor von etwa 0,25%. Sie entschied zudem, die Liquidität mit Hilfe langfristiger Repo-Geschäfte, des Erwerbs von Frankenobligationen privater inländischer Schuldner und des Kaufs von Fremdwährungen am Devisenmarkt massiv zu erhöhen, um eine erneute Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro zu verhindern und die Finanzierungsbedingungen zu verbessern.
Ab dem Herbst 2008 schloss die Nationalbank zudem mit mehreren Ländern Euro-Franken-Swapabkommen ab, um die Refinanzierung der Banken, die in den betreffenden Ländern Frankenkredite gewährt hatten, zu erleichtern. Mit dieser Massnahme konnte die Nationalbank dem Anstieg des Libors entgegenwirken, der sich aus der zusätzlichen Nachfrage nach Franken aus dem Ausland ergab.
Die zum Zeitpunkt des geldpolitischen Entscheids veröffentlichte Inflationsprognose beruhte auf einem Dreimonats-Libor von 0,25%. Für das Jahr 2009 wurde eine negative Inflation erwartet, teilweise als Folge des durch die sinkenden Erdölpreise verursachten Basiseffekts. Die für 2010 und 2011 prognostizierte Teuerung blieb aufgrund der schwachen Konjunkturentwicklung tief, obwohl die Zinssätze niedrig waren. Am Ende des Prognosehorizonts erhöhte sich die Inflation leicht. Dies deutete darauf hin, dass mit einem Libor von 0,25% die mittel- und langfristige Preisstabilität nicht gewährleistet sein würde.