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Mit der Unbeschwertheit war es danach vorbei
Erfahrungsberichte Sandra Beyeler war 24, als sie den Befund «Morbus Bechterew», eine Wirbelsäulenerkrankung, erhielt.
Die gelegentlichen Rückenschmerzen bemerkte sie zwar, mass diesen aber keine grosse Bedeutung bei. Sie machte Sport, fühlte sich eigentlich fit und dachte, das könne auch eine andere Ursache haben.
«Die Unbeschwertheit des Studentenlebens hätte wohl noch lange weitergehen können, bis zu diesem Tag, als ich die Diagnose erhielt», blickt Sandra Beyeler zurück.
Er gehe davon aus, dass sie an Morbus Bechterew erkrankt sei, habe ihr der Arzt gesagt. Sie müsse nun vieles in ihrem Leben ändern. «Aber wollte ich das überhaupt? Ich war Mitte 20, wollte zelten oder reiten gehen», sagt Sandra Beyeler.
Sollte sie das jetzt alles über den Haufen werfen? Nein, habe sie sich gesagt.
«Nicht aufgeben wurde zu meinem festen Lebensmotto.» Sie reite nach wie vor leidenschaftlich gerne, gehe regelmässig ins Fitnessstudio und versuche generell, sich von ihrer Krankheit nicht das Leben bestimmen zu lassen.
Zahlreiche Therapiemöglichkeiten
Morbus Bechterew ist im Kern eine Wirbelsäulenerkrankung. Sie fängt häufig mit Entzündungen in den Kreuz-Darmbein-Gelenken an.
Von hier aus können die Entzündungen auf die ganze Wirbelsäule übergreifen und lösen Verknöcherungen aus, welche die Wirbelsäule versteifen.
Im Weiteren kann die Krankheit sehr unterschiedlich verlaufen. Die Rückenschmerzen können sich von der Lendengegend bis in die Brust- und Halswirbelsäule ausbreiten.
Zusätzlich können sich grössere Gelenke wie Schultern, Ellbogen, Hüfte und Knie, Sehnenansätze und die Regenbogenhaut des Auges entzünden.
Generell verläuft die Erkrankung schleichend über Jahre und Jahrzehnte, wobei sich Entzündungsphasen mit mehr oder weniger beschwerdefreien Zeiten abwechseln.
Morbus Bechterew gilt bis heute als unheilbar. «Umso wichtiger ist es, das breite Spektrum der therapeutischen Möglichkeiten und Massnahmen auszuschöpfen», betont Sandra Beyeler.
Um die Beweglichkeit zu erhalten und das Einsetzen der Versteifung hinauszuzögern, können sich Betroffene nicht allein auf Medikamente verlassen.
Ebenso wichtig ist die gezielte Bewegungstherapie mit spezifischen Bechterew-Übungen, welche die Betroffenen möglichst jeden Tag ausführen sollten.
Positive Einstellung
Sie habe vielleicht nicht jeden Tag die Kraft, mit ihrer Krankheit entsprechend umzugehen, aber den Willen dazu, sagt Sandra Beyeler. «Den Willen nämlich, mein Leben so zu gestalten, wie ich das möchte – und nicht unter der Diktatur der Krankheit einzubrechen.»
Was ihr meistens auch gelinge. Ihr Vater habe auf die Diagnose schockiert reagiert. «Er sagte mir häufig, ich würde das Ganze zu locker nehmen.
Vermutlich hat er damit sogar recht, aber im Moment muss ich das, so glaube ich, locker sehen, um überhaupt irgendwie damit umgehen zu können.»
Jeder Patient habe seine eigene Methode, mit einer Krankheit umzugehen, ist die heute 27-Jährige überzeugt. «Meine ist es, alles so weiterlaufen zu lassen wie bisher. Sofern das möglich ist.»
Es gebe Momente, die alles andere als toll seien, sagt Sandra Beyeler. «Da fühle ich mich manchmal wie 85, nicht wie 27.» Die Stühle an der Uni seien nach spätestens 30 Minuten eine Qual für sie.
Es gebe aber auch viele schöne Momente. Auch wenn sie ihre Krankheit so locker wie möglich nehme, sei ihr bewusst, dass sich alles schnell ändern könne.
«Ich hoffe darauf, dass mir dann meine positive Einstellung und mein Umfeld helfen werden, auch das zu meistern.»