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Kleinhüningen (Basel) und Huningue (Département Haut-Rhin) im Dreiländereck
Es gibt einige Schweizer Grenzorte, die denselben Namen tragen wie die ausländische Ortschaft, die unmittelbar jenseits der Landesgrenze liegt. Auf einer Spurensuche wollte Forum Z. wissen, was den Basler Stadtteil Kleinhüningen mit dem elsässischen Huningue verbindet.
11.02.2019, Roman Dörr, Zollexperte, Zollstelle Pratteln
Auf einer Uferzunge, die in den Rhein hinausgeht, ragt ein pfeilförmiges Monument in den Himmel, dessen Flügel in drei Richtungen zeigen. Wir befinden uns am «Dreiländereck», wo die Grenzen Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz zusammenlaufen. Hier fliesst der Rhein, Basel hinter sich lassend, nach Norden. An seinem rechten Ufer steht das Basler Stadtquartier Kleinhüningen. Gegenüber liegt Huningue, Hüningen, das zum französischen Département Haut-Rhin, Région Grand Est, gehört.
Blick in die Geschichte
Der Rhein war für Hüningen und Kleinhüningen schon immer eine natürliche und eine kulturelle Grenze, die es zu überwinden galt. Die nachfolgende Zeittafel zeigt, dass die Geschichte – trotz zahlreicher Berührungspunkte - nicht gleichförmig verlief.
2200-800 v. Chr. Beide Orte sind bereits zur Bronzezeit besiedelt. Die Bewohner leben von Ackerbau und Fischerei.
828 n. Chr. Erste urkundliche Erwähnung Hüningens als Schenkung an das Kloster St. Gallen.
Mittelalter. Hüningen wird habsburgisch. Erste Bootsverbindung von Kleinhüningen nach Hüningen.
1385. Die Markgrafschaft Baden und Basel teilen sich die Rechte über Kleinhüningen.
1521-1623. Die Habsburger verpfänden Hüningen an Basel.
1640. Markgraf Friederich V. von Baden verkauft der Stadt Basel seinen Kleinhüninger Anteil.
1648. Durch den Westfälischen Frieden geht das Elsass an Frankreich, der Rhein wird zur Landesgrenze.
1680-1691. Vauban baut die französische Grenzfestung Hüningen, die auch Basel bedroht. Abbruch «Grosshüningens» und Umsiedlung der Bewohner.
1736/37. Politische Krise zwischen Frankreich und Basel wegen des «Lachsfangstreits» unter Kleinhüninger, Hüninger und Basler Fischern an der Wiesemündung.
1784–1833. Bau des Rhein-Rhône Kanals und des Hüninger Kanals als französische Verbindung zwischen Nordsee und Mittelmeer.
1815. Alliierte Truppen belagern die Festung Huningue, die nach der Kapitulation geschleift wird. Um eine erneute Bedrohung auszuschliessen, zahlt Basel an den Abbruch.
1860. Beginn der Industrialisierung Kleinhüningens durch die Niederlassung chemischer Fabriken und des Grossgewerbes.
1870. Im Deutsch-Französischen Krieg erobern deutsche Truppen das Elsass, Hüningen wird deutsch.
1908. Eingemeindung Kleinhüningens als nördlichstes Basler Stadtquartier.
1910. Basel betreibt eine grenzüberschreitende Tramlinie nach Hüningen, die bis 1961 besteht.
1918. Nach dem 1. Weltkrieg geht das Elsass zurück an Frankreich.
1922. Eröffnung des Rheinhafens Kleinhüningen, Erweiterung von 1937 bis 1940.
1940. Das Dritte Reich besetzt Frankreich.
1945. Die französische Armee befreit Hüningen.
1950-1970. Die alten Häuser Kleinhüningens weichen dem Ausbau der Hafeninfrastruktur und Neubauten. Die Basler Chemie expandiert in die Stadt Hüningen.
1962. Eröffnung des Rheinseitenkanals und Stilllegung des Hüninger Kanals.
1979/2008. Einweihung der Palmrain- und der Dreiländerbrücke zwischen Huningue und Weil am Rhein.
2015. Verlängerung der Tramlinie 8 von Kleinhüningen nach Weil am Rhein.
2016. Eröffnung des grenzüberschreitenden Rheinuferwegs Basel-Huningue.
2018. Kleinhüningen ist ein dichtbebautes Mischquartier, in dem 2‘700 Personen leben. Die Stadt Hüningen hat 7‘900 Einwohner, von denen rund ein Fünftel zur Arbeit in die Region Basel pendeln.
Grenzwache und Zoll in Kleinhüningen…
Der erste Zollposten in Kleinhüningen wurde 1848 eröffnet und fertigte den Grenz- und Textilveredlungsverkehr von und nach Weil-Friedlingen ab. 1908 nahm die neue Nebenzollstelle mit Grenzwachtposten an der Hiltalingerstrasse den Betrieb auf. Diese behandelte nicht nur den Güterverkehr der Strasse, sondern von 1922 bis 1933 auch jenen des Rheinhafens.
Weil die Zollstelle an der Hiltalingerstrasse eine starke Zunahme der Einfuhren aus dem Weiler Hafen verzeichnete, wurde sie in den 1960er-Jahren zum Hauptzollamt Basel-Hiltalingerstrasse, einer schweizerisch-deutschen Gemeinschaftszollanlage, ausgebaut.
Mit der Eröffnung der Gemeinschaftszollanlage Basel/Weil am Rhein-Autobahn 1980 und der Sperrung der Hiltalingerbrücke für Lastwagen verlor das Strassenzollamt an der Hiltalingerstrasse an Bedeutung. Heute werden dort vor allem Pendlerinnen und Pendler sowie Reisende abgefertigt.
Zur Abfertigung der Handelswaren im Rheinhafen Kleinhüningen nahm das Zollamt Rheinhafen-Kleinhüningen 1933 den Betrieb auf. In den 1990er Jahren wurden die Dienststellen der Häfen Kleinhüningen, St. Johann, Birsfelden und Au zur Zollstelle Rheinhäfen Basel zusammengeschlossen und 2005 in die neue Zollstelle Basel-Dreirosen integriert. Seit der Reorganisation der Handelswarenabfertigung auf dem Platz Basel im Jahr 2011 ist das Zollinspektorat Basel St. Jakob für den Schiffsverkehr zuständig. «Unsere Dienstabteilung Rheinhäfen umfasst die Häfen Kleinhüningen, Birsfelden sowie den Auhafen Muttenz. Sie fertigt Handelswaren ab, welche aus aller Welt auf dem Wasserweg in die Schweiz gelangen», erklärt Abteilungsleiter Patrik Ackermann. «Das Warenspektrum ist sehr breit. Importiert werden unter anderem grosse Mengen Mineralölprodukte, Getreide, Metalle und Schüttgüter. Die eingeführten Brenn- und Treibstoffe machen rund die Hälfte des angelieferten Gewichts aus. Markant ist auch der Anteil Abfall von zirka einem Drittel des Exportvolumens.»
Auch die Grenzwache ist im Rheinhafen präsent. Sie fertigt unter anderem den internationalen Schiffsreiseverkehr ab. Sie überwacht mit dem Patrouillenboot den schweizerischen Abschnitt des Rheins und beteiligt sich am internationalen Rheinrettungsverbund.
…und an der Hüningerstrasse
Mitte 19. Jahrhundert wurde im St. Johann Quartier der «alte» Zoll an der Strassenkreuzung Elsässerstrasse-Hüningerstrasse erbaut. 1905 nahm das Zollamt Basel-Hüningerstrasse den Betrieb auf. Hier teilten sich Zoll und Grenzwache über Jahrzehnte die Einfuhrabfertigung von Früchten und Gemüsen. 1939 zog die Grenzwache ins SBB-Verwaltungsgebäude im Rheinhafen St. Johann. Von dort aus überwachte sie den Grenzabschnitt, der sich bis gegen Allschwil erstreckte.
Nach 1945 fertigte die Zollstelle den Pendlerverkehr und Massengüter im Vereinfachten Verfahren ab. Wegen des Baus eines Campus der Basler Chemie ab 2010 wurde der Grenzübergang verlegt.
Zusammenleben im Dreiland
Basel und Hüningen pflegen schon lange gesellschaftliche und wirtschaftliche Beziehungen, die nach dem 2. Weltkrieg stetig ausgebaut wurden. Heute bringen sich Basel und das Elsass gemeinsam mit den badischen Nachbarn im Oberrheinrat und im Wirtschaftsnetzwerk RegioTriRhena ein.
Doch was wirkt gegenseitig anziehend? Beide Orte liegen zwar vis-à-vis, doch wer auf die andere Seite des Rheins will, macht einen Umweg über die Weiler oder Basler Brücken.
In Hüningen gibt es einiges zu entdecken: Die Plätze, Promenaden und das Rheinufer laden zum Verweilen ein. Sportbegeisterte hingegen raften im «Parc des eaux vives». Verschiedene Lehrpfade vermitteln Geschichte und Kultur am Dreiländereck.
In Hüningen ist Basels Kultur- und Freizeitangebot beliebt. Mehr noch ist es Arbeitsort mit guten Verdienstmöglichkeiten. Auch Kleinhüningen ist einen Besuch wert: Neben dem Hafen und dem Rheinschifffahrtsmuseum empfiehlt sich ein Rundgang durch das «Dorf».
Die Politik hat Pläne zur Weiterentwicklung Kleinhüningens, etwa den Bau eines trinationalen Hafens in Weil, eine Brücke nach Huningue oder «Rheinhattan», ein neues Quartier im Rhein. Was wirklich realisiert werden kann, zeigt die Zukunft. Für Kleinhüningen zählt, dass es lebenswert bleibt.