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Die bislang durchgeführten Auswertungen des vorliegenden Forschungsprojekts fokussieren auf unterschiedliche Themen. Sie beziehen sich auf (1) kantonale Unterschiede im Übertrittsverfahren, (2) die Beurteilung des Übertritts, (3) die Bedingungen von Selektionsentscheidungen, sowie (4) die Leistungsentwicklung und (5) die Veränderung des akademischen Selbstkonzepts bei verschiedenen Übertrittszeitpunkten:
(1) Nicht nur das Übertrittsverfahren und die Übertrittskriterien unterscheiden sich zwischen den untersuchten Kantone, auch die Übertrittschancen auf ein Schulniveau mit hohen Ansprüchen. Während die Kantone AG und BL über einen vergleichsweise hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern im Schulniveau mit hohen Ansprüchen verfügen besucht ein grosser Teil der Schülerinnen und Schüler im Kanton Bern das Schulniveau mit Grundansprüchen. Durch diesen vergleichsweise grossen Anteil an Realschülerinnen und -Schülern im Kanton Bern werden ihnen vergleichsweise weniger stark negative Eigenschaften zugeschrieben (Labels). Entsprechend besitzen die Realschülerinnen und -Schüler im Kanton Bern vergleichsweise bessere Chancen im Lehrstellenmarkt als in anderen Kantonen.
(2) Die stärker ausgeprägte Elternmitwirkung in den Kantonen Bern und Luzern führt nicht zu einer im Vergleich höheren Akzeptanz des Übertrittsentscheides seitens der Eltern. Der Übertritt wird ihnen als stärker belastend wahrgenommen. Im Gegensatz dazu wird das Aargauer Übertrittsverfahren bei Eltern und Lehrpersonen vergleichsweise positiver bewertet (hohe Akzeptanz, hohe Transparenzeinschätzung und geringe Belastung der Eltern). Die Zuverlässigkeit des Selektionsentscheids wird von den Eltern im Allgemei-nen nach dem Übertritt kritischer beurteilt als noch vor dem Übertritt.
Schülerinnen und Schüler sind nach dem Übertritt zuversichtlicher sich sozial und leistungsbezogen integrieren zu können als sie dies vor dem Übertritt erwartet hatten.
(3) Selektionsentscheide werden durch schichtabhängige Eltern- und Lehrpersonenerwartungen früh vorbereitet und entsprechend umgesetzt. Schulniveauerwartungen von Lehrpersonen zwei Jahre vor dem Übertritt stimmen zu 72%, jene von Eltern zu 62% mit den tatsächlichen Entscheiden überein. Erwartungswidrige Zuweisungen können durch die Schulnoten, die Motivation der Schülerinnen und Schüler und die gegenseitige Abstimmung von Eltern- und Lehrpersonenerwartungen erklärt werden. Die Eltern- und Lehrpersonenerwartungen sind durch den sozialen Hintergrund (SÖS, Bildungsnähe), das Geschlecht, den sozialen Status in der Klasse und die Prüfungsangst des Kindes verzerrt. Diese Erwartungen sind nur teilweise reflektiert und leistungsbasiert. Die resul-tierende Chancenungleichheit basiert somit nicht auf bewussten Entscheidungen, son-dern auf impliziten, verzerrten Erwartungen. Folglich begünstigen Selektionsverfahren, die dem "Bauchurteil" hohes Gewicht geben, Chancenungleichheit.
(4) Der Übertrittszeitpunkt beeinflusst die durchschnittlichen Leistungen von der 5. zur 7. Klasse nicht. Er ist jedoch für die Leistungsentwicklung von der 5. zur 6. Klasse relevant. Schülerinnen und Schüler befinden sich in dieser Zeit in Abhängigkeit des Übertrittszeitpunktes in unterschiedlichen Lernmilieus. Der Leistungszuwachs fällt im selektionsvorbereitenden Lernmilieu (Beurteilungsphase) grösser aus als im transitorischen Lernmilieu (Zeit kurz vor und nach dem Schulwechsel). Dieser Effekt der Lernmilieus wird im Fach Mathematik vollständig durch Eltern- und Lehrpersonenerwartungen mediiert. Es zeigt sich damit einmal mehr, dass die Erwartungen von Eltern und Lehrpersonen die Schülerleistungen stark beeinflussen. Wenn Eltern und Lehrpersonen von Kindern gute Leistungen erwarten wirkt sich dies leistungssteigernd aus. Diese Erwartungen sind nur teilweise reflektiert und unterliegen gegebenenfalls Vorurteilen, die gut reflektiert werden sollten.
(5) Bei der Einschätzung der eigenen schulischen Fähigkeiten (akademisches Fähigkeitsselbstkonzept) spielen sich komplexe Vergleichsprozesse ab (vgl. Fischteicheffekt). Aktuelle und nur unter bestimmten Bedingungen auch vorausgegangene Leistung beeinflussen sie positiv, Klassenleistung negativ. Bleibt die Bezugsgruppe stabil, beeinflussen auch vergangene Leistungen das akademische Fähigkeitsselbstkonzept. Findet jedoch ein Übertritt und damit verbunden ein Klassenwechsel statt, sind vorausgegangenen Leistungen nicht mehr relevant. Die neue Situation nach dem Übertritt erfordert eine Neuorientierung der Schülerinnen und Schüler in der neu zusammengesetzten Schulklasse. Die Bedeutung der sozialen Vergleiche mit der Bezugsgruppe für das akademische Fähigkeitsselbstkonzept nimmt deshalb nach dem Übertritt zu.