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Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule (Zervikale Diskushernie)
Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule ist eine häufige Erkrankung im mittleren Lebensabschnitt, tritt jedoch bei Menschen jeden Lebensalters auf. Er kann durch fortschreitende degenerative Prozesse aber auch durch einen Unfall (sogenannte traumatische Diskushernie) entstehen.
Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Material des weichen Kerns (Nucleus pulposus) durch den harten Faserring (Anulus fibrosus) und drückt auf die Nervenwurzeln der Halswirbelsäule oder aber das Rückenmark. Die dabei provozierte Reizung lässt unterschiedliche Beschwerden auftreten.
Symptome
Meist wird als eines der ersten Symptome ein Schmerz beschrieben, der in einen Arm, die Hand oder in einen oder mehrere Finger zieht. Dies wäre meist ein Nervenschmerz. Schmerzen im Nacken-Schulterbereich können hinzukommen, diese sind häufig durch Gelenksabnutzungen (Arthrosen) verursacht. Diese Beschwerden können sehr oft durch konservative Behandlungsstrategien wie zum Beispiel vorübergehende Schmerzmittelbehandlung, physikalische bzw. physiotherapeutische Behandlungen oder aber auch gezielte Spritzen (Injektionen/Infiltrationen) erfolgreich behandelt werden.
Es treten aber auch Gefühlsstörungen oder Lähmungen auf. Diese weisen in der Regel auf den Ort des Bandscheibenvorfalles hin. Sehr häufig ist beispielsweise ein Schmerz, der einseitig bis in den Daumen zieht. Der Schmerz kann begleitet sein von Ameisenlaufen (Parästhesien), Gefühlsverlust oder merkwürdigen Symptomen wie Brennen oder übermässiges Schmerzempfinden. Eine zusätzliche Lähmung würde dann in der Regel nicht den ganzen Arm betreffen, vielmehr wäre in diesem Fall eine Schwäche der Armbeugung im Ellenbogen typisch.
Die Symptome wie Lähmung oder Gefühlsverlust sollten Sie veranlassen, um ärztlichen Rat nachzusuchen; insbesondere dann, wenn die Symptome stark ausgeprägt sind, besteht dringlicher Abklärungsbedarf.
Bei der Abklärung wird in erster Linie eine Beurteilung der Symptome durch Befragung über den Verlauf der Beschwerden und eine körperliche Untersuchung zur Beurteilung von allfälligen Schwächen oder Gefühlsstörungen durchgeführt. Im Weiteren werden dann bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie oder die für die Suche nach Bandscheibenschäden bzw. Vorfällen sehr exakte Kernspintomographie (MRI/MRT) erfolgen.
Die gemeinsame Beurteilung der Bilder und der Symptome führt in den meisten Fällen zu einer Diagnose. Teilweise sind die Beschwerden oder aber auch die Bilder nicht ganz klar – dann müssen weiterführende Abklärungen wie beispielsweise eine neurologische Beurteilung mit Messung der Nerven durch einen Fachspezialisten für Nervenerkrankungen erfolgen.
Therapie
Bei gestellter Diagnose erfolgt in der Regel die konservative Behandlung, abgesehen von schweren Fällen wie starke Lähmungen oder deutlicher Einengung des Wirbelkanals mit Störungen des Gangbildes, der Blasen- Mastdarm- und/oder Sexualfunktion.
Bei diesen schweren Fällen wird ein operatives Verfahren rasch möglichst empfohlen. Ansonsten wird eine Operation empfohlen, wenn die Schmerzen über längere Zeit nicht mit Therapien und/oder Medikamenten behandelbar sind, oder wenn leichte Lähmungserscheinungen und/oder Gefühlsstörungen zunehmend sind.
Gründe für ein operatives Verfahren sind im Besonderen:
- Erfolglose konservative (nicht operative) Therapie
- Genaue Ursache der Schmerzen bekannt
- Unkontrollierbare Schmerzen mit einer hierdurch verminderten Lebensqualität
- Zunehmende Schädigung des Rückenmarkes
- Zunehmende Schädigung der Nervenbündel
Das Ziel einer Operation ist zum einen die Schmerzlinderung, Schutz des Rückenmarkes und der Nerven und somit ein Verhindern von Lähmungen. Weitere Gründe sind, die Stabilität der Wirbelsäule wiederherzustellen oder eine Korrektur der Haltungsinsuffizienz durchzuführen.
Es werden im Grundsatz 3 Operationsmöglichkeiten unterschieden:
- Einfache Entfernung des Vorfalles (von vorne oder hinten)
- Entfernung des Vorfalles und Versteifung
- Dynamische Stabilisation durch Prothesen
Die Resultate bei Bandscheibenoperationen dürfen durchweg als gut bezeichnet werden: Eine einfache Bandscheibenentfernung zeigt mit 70-96 % Erfolgsrate - eine Bandscheibenentfernung und Stabilisierung mit 75-92 % positiven Ergebnissen - aber auch eine Bandscheibenprothese bei 75-95% der Behandelten eine deutlicher Verbesserung bis Verschwinden der Symptome nach der Operation.
Fallbeispiel: 54-jähriger Informatiker
Akute „Nackenkehre“ seit Dezember, Armschmerzen links seit März, Ameisenlaufen und Taubheit im Zeigefinger erstmalig im April. Ein Kraftverlust im Unterarm und in den Finger links tritt im Mai auf.
Die Ruhigstellung und Medikamente sind ungenügend, der Patient ist seit mehreren Monaten arbeitsunfähig.
Die bildgebende Untersuchung zeigt einen Vorfall C5/6 links – passend zum beschriebenen Beschwerdebild.
Bei zunehmender Schwäche und gleichbleibenden Schmerzen wurde dem Patienten die Operation empfohlen. Es wurde bald darauf eine Entlastungsoperation der Bandscheibe in Verbindung mit einer Bandschreibenprothese durchgeführt. Der Patient war 3 Monate nach Operation beschwerdefrei, die Kraft bildete sich vollständig zurück.