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Zum ersten Mal seit 100 Jahren nimmt der Hunger weltweit zu
Im Jahr 2016 stieg die Zahl der Menschen, die weltweit an Unterernährung litten, auf 815 Millionen an. Gegenüber dem Jahr zuvor ist das eine Zunahme um 38 Millionen. Laut einem neuen Bericht von fünf UN- und Hilfsorganisationen, der am Freitag von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAOUN) veröffentlicht wurde, war dies der erste derartige Anstieg innerhalb eines Jahres seit einem Jahrhundert.
Die Entwicklung von Wissenschaft und Technologie und ihre Verbreitung in der ganzen Welt in Form der gesteigerten Nahrungsmittelproduktion hatten es über ein Jahrhundert lang ermöglicht, die Zahl der Menschen, die an Hunger und Unterernährung leiden, zu verringern. Im Jahr 2016 hat die Welt mehr als genügend Nahrungsmittel produziert, um jedem menschlichen Wesen auf dem Planeten eine angemessene und gesunde Ernährung zur Verfügung zu stellen.
Doch diese Errungenschaften werden in wachsendem Maße durch Kriege und die Auswirkungen des Klimawandels konterkariert, so der UN-Bericht. Ein weiterer Faktor, über den der UN-Bericht aber weitgehend schweigt, ist die wachsende wirtschaftliche Ungleichheit. Sie hat zur Folge, dass es sowohl in relativ reichen wie auch in armen Ländern viele Menschen gibt, die zu arm sind, um Lebensmittel zu kaufen, die im Überfluss vorhanden sind.
Die fünf an der Studie beteiligten UN-Organisationen sind die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, die Weltgesundheitsorganisation, der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung, das Welternährungsprogramm und die UNICEF. So wie bei solchen Berichten typisch, bedient man sich einer bewusst zurückhalten Ausdrucksweise und einer vorsichtigen Haltung, selbst wenn es um Sachverhalte geht, die man nur als soziale Katastrophe beschreiben kann.
So galten im Jahr 2016 schätzungsweise 155 Millionen Kinder unter fünf Jahren als „verkümmert“, das heißt zu klein für ihr Alter, weil ihre körperliche Entwicklung aufgrund von Nahrungsmangel deutlich zurückgeblieben war. Etwa 52 Millionen Kinder galten als unterernährt, also nicht schwer genug für ihre Größe. Ein Drittel der Bevölkerung in Ostafrika und ein Fünftel der Bevölkerung des gesamten Kontinents waren unterernährt. In Asien waren 12 Prozent der Bevölkerung unterernährt, vor allem in Süd- und Südostasien.
Der Bericht warnt, dass der wichtige Fortschritt, der bei der Reduzierung der weltweiten Unterernährung – im Jahr 2000 waren noch 900 Millionen Menschen betroffen – erzielt wurde, jetzt in Gefahr ist, in sein Gegenteil verkehrt zu werden. Allein im letzten Jahr erreichte die chronische Unternährung weltweit ein „extremes Ausmaß“. Im Südsudan wurde im Februar eine Hungersnot ausgerufen. Auch der Jemen, Nordost-Nigeria und Somalia bewegen sich am Rande einer Hungersnot.
Die Zahl der chronisch unterernährten Menschen stieg 2016 auf 815 Millionen. Das ist mehr als die Bevölkerung des gesamten europäischen Kontinents. Davon leben 60 Prozent, 489 Millionen Menschen, in Ländern, in denen Krieg oder Bürgerkrieg herrscht.