Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03207.jsonl.gz/515

Cannabiskonsum bei Jugendlichen – eher förderlich oder eher hinderlich für die seelische Entwicklung?
Cannabispflanze, allgemein:
Die Cannabispflanze gehört zur botanischen Gattung der Hanfgewächse mit psychoaktiven Wirkstoffen. Die stärkste Wirksubstanz ist Tetrahydrocannabinol (THC).
In Deutschland und vielen anderen westlichen Industrienationen hat sich Cannabis seit den 1970er Jahren nach Alkohol zu der am häufigsten konsumierten Rauschdroge entwickelt.
Für den europäischen Markt gilt Marokko als Hauptanbaugebiet. Etwas 70 – 80 Prozent des in Europa gehandelten Cannabis stammen aus dem nordafrikanischen Land. In den letzten Jahren gewinnt der Cannabisanbau, z.B. in sogenannten Indoor-Anlagen, in europäischen Ländern aber zunehmend an Bedeutung. Dabei erzielt man teilweise einen höheren Ernteertrag. Und der THC-Gehalt der Indoor-Pflanzen ist höher.
Das heisst, dass der THC – Gehalt des Cannabis unterschiedlich hoch ist und somit kann auch die psychoaktive Wirkung recht unterschiedlich sein. Berichten zufolge sei generell der Wirkstoffgehalt von Marihuana in den letzten
Jahren um ein Vielfaches gestiegen. Cannabis wird meist in Form von Marihuana (getrocknete Blüten und Blätter der Cannabispflanze) oder Haschisch (aus dem Harz der Blütenstände), selten als Haschischöl (konzentrierter Auszug des Cannbis-Harzes) konsumiert.
Die häufigste Konsumform ist das Rauchen von Joints (umgangssprachlich „kiffen“). Dabei wird das zerbröselte Haschisch oder Marihuana meist mit Tabak vermengt und zu einer Zigarette gedreht. Cannabis kann auch in Pfeifen konsumiert oder in Keksen verbacken gegessen werden.
Wirkung auf die Entwicklung des Jugendlichen:
Voss-Jeske, Psychiater, Psychotherapeut, Leiter der Einrichtung „Come In“ (stationäre Dreogentherapie-Einrichtung): „Der Reiz für den Konsum von Cannabis bei Jugendlichen ist der Aspekt, dass das Leben nicht mehr so dramatisch aussieht, wenn sie kiffen. Sie halten Situationen besser aus, die sie sonst schwer ertragen; etwa wenn es in der Familie oder im Freundeskreis grosse Schwierigkeiten gibt oder sie unter schulischem Druck stehen. Über diesen Lernprozess rutschen sie in den regelmässigen Konsum. Dann denken sie irgendwann schon bei geringen Unpässlichkeiten daran, erst mal einen Joint zu rauchen. Nach und nach wird es zur Gewohnheit, täglich oder mehrmals zu kiffen, um unangenehme Gefühle nicht zu spüren. Manche haben zudem psychische Probleme, Ängste oder depressive Verstimmungen. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass sie durch Kiffen vorübergehend besser werden.“