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Da gab es einmal den Einzelkampf, die Tjost, Mann gegen Mann
, die dem eigentlichen Turnier vorangehen konnte. "Wa nu, wa nu, wa ein Ritter, der Tjostierens gehrt. Der soll kommen hera her!
" rief der Knappe des Herausforderers. Wenn ein Ritter annahm, dann steckten die Knappen rasch eine Kampfbahn ab, die Zuschauer bildeten einen, grossen Kreis, die Gegner stiegen zu Pferd und rannten mit eingelegten Lanzen gegeneinander an. Jeder versuchte dabei, den anderen mit einem kräftigen Stoss aus dem Sattel zu heben. Zwei Stossarten waren dabei üblich, "unter das Kinn" und "zu den vier Nägeln". Der erste, schwierige Stoss traf den Kämpfer an der Kehle und betäubte ihn so, dass er den Halt im Sattel verlor und rückwärts über die Kruppe des Rosses zu Boden stürzte. Der zweite, leichtere, richtete sich genau gegen den mit Nägeln beschlagenen Schildbuckel. Zwar zersplitterte in einem solchen Fall zumeist die Lanze, aber der gewaltige Stoss warf auch hier den Gegner aus dem Sattel. Es galt aber als unschicklich, ihn dabei nun zu überrennen. Der Reiter musste sein Ross so in der Gewalt haben, dass er es nach dem Stich noch zur Seite lenken konnte. Oft rannten die Kämpfer vergeblich gegeneinander an, sassen fest im Sattel und zersplitterten höchstens die Speere. Danach ertönte der Ruf. "Spera, herre, Spera, Sper
", und mit neuen Lanzen begann ein neuer Anlauf.
Ulrich von Lichtenstein hat am 1. Mai 1224 dreissig Speere verstochen und am nächsten Tag gegen sechs Gegner nochmals fünfundzwanzig. Immerhin warf der "tapfere" Mann in vier Wochen, in denen er dreihundert Speere verstach, nur sechs Ritter vorn Pferd! Von Gahmuret heisst es im "Parzival", dass er an einem halben Tag hundert Speere verbrauchte. Dass es bei einer Tjost nicht allein um die Ehre ging, wie uns die Dichter so schön erzählen möchten, sondern wahrscheinlich auch die Preise eine gewisse Rolle spielten, beweist wiederum der schon erwähnte Ulrich von Lichtenstein, der jedem Gegner einen goldenen Fingerring verhiess, dem aber, der ihn aus dem Sattel heben könne, alle Rosse, die er mit sich führte.