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Ein Wissenschafter-Team, in dem sich auch ein Forscher der Universität Zürich befindet, hat die Struktur der Milchstrasse enthüllt, mit Infrarot-Technologie.
Die Forscher konnten eine komplette Karte der Spiralarme aus Sternen, Gasnebel und Staubwolken der Galaxie zu erstellen. Dieser wissenschaftliche Durchbruch könnte andere Wissenschafter bei ihrer Forschung nach dunkler Materie unterstützen.
Bis heute konnte sich das Zentrum der Milchstrasse vor Beobachtung weitgehend verbergen, da es von Staubwolken verdeckt wird. Dank der Verwendung von Infrarotlicht, das mithilfe von Satelliten gebündelt wurde, konnte das Team dieses Hindernis nun umgehen.
Damit konnte das Team die genaue Sternverteilung erkennen und die Gasströme berechnen. Daraus erstellte sie eine vollständiges Karte der Spiralarme. Zwei dieser Arme erstrecken sich vom Zentrum der Galaxie und teilen sich später in vier Spiralarme, die sich bis zum Rand der Milchstrasse erstrecken.
Die Sterne in der Milchstrasse sind wie eine Scheibe verteilt. In deren Zentrum befindet sich eine balkenförmige Verdichtung.
Die Wissenschafter können nun auch erklären, weshalb einer der äusseren Arme vom "normalen" Verlauf einer Spiralgalaxie abweicht: Verantwortlich ist die Anziehungskraft der zentralen Balkenstruktur.
Das Modell zeigt auch, dass der Kern der Galaxie symmetrischer ist, als bisher angenommen.
Jagd auf Dunkle Materie
Der Astrophysiker Peter Englmaier vom Institut für Theoretische Physik der Universität Zürich gehört mit Martin Pohl von der Universität Iowa und Nicolai Bissantz von der Ruhr Universität Bochum zu den Chefarchitekten dieses Aufzeichnungsprozesses.
Das Team ist im Kontakt mit Forschern aus Frankreich, welche die neue Karte benutzen, um der Zusammensetzung der mysteriösen unsichtbaren dunklen Materie auf die Spur zu kommen.
"Man ist der Ansicht, dass Dunkle Materie Gammastrahlen aussendet, wenn sie zerfällt. Wissenschafter versuchen, Dunkle Materie in der Milchstrasse durch die Beobachtung der Verteilung von Gammastrahlen aufzuspüren", erklärt Englmaier gegenüber swissinfo.
"Die Forscher können unsere Karte verwenden, um aufzuzeigen, was aus Dunkler Materie produziert wird."
Die Milchstrasse, die auch unser Solarsystem beherbergt, ist die beststudierte Galaxie im Universum, denn die anderen sind zu weit entfernt, um sie präzise beobachten zu können.
Die Wissenschafter sind der Ansicht, dass das Studium unserer Galaxie helfen könnte, auch die anderen zu interpretieren.
Auf Kollisionskurs
Eine andere Studie des Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik zeigt zudem, dass die Milchstrasse 15% grösser ist und 50% mehr Masse beinhalteten könnte, als bisher angenommen.
Die Forscher konnten eine dreidimensionale Karte erstellen durch die Berechnung der Position von Sternen an verschiedenen Punkten in der Erdumlaufbahn der Sonne.
Erde und Sonne rasen nach ihren Untersuchungen mit knapp einer Million Kilometer pro Stunde um das Zentrum unserer Heimatgalaxie. Dies ist rund 160'000 Stundenkilometer schneller, als bisher angenommen. Eine Konsequenz davon könnte sein, dass unsere Milchstrasse schneller, als erwartet in die benachbarte Andromeda-Galaxie stürzen könnte.
Zur unmittelbaren Sorge gibt es trotzdem keinen Anlass. Diese Kollision wird sich frühestens in zwei, drei Milliarden Jahren ereignen.
swissinfo, Matthew Allen, Zürich
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)
Die Milchstrasse
Die Milchstrasse ist eine von Milliarden anderen Galaxien im Universum. Sie enthält unser eigenes Sonnensystem.
Der Grossteil der Sterne innerhalb der Galaxis ist fast gleichmässig auf die so genannte galaktische Scheibe verteilt. Zur Scheibe gehören auch die charakteristischen Spiralarme.
Im Zentrum der Milchstrasse hat man eine starke Radioquelle entdeckt, die aus einem kleinen Gebiet strahlt. Daraus folgt nach den bekannten physikalischen Gesetzen, dass sich in diesem Bereich ein supermassives Scharzes Loch befinden muss.
Unser Sonnensystem mit Erde und Sonne befindet sich auf dem Orion-Arm der Galaxie. Die Sonne ist rund 25'000 Lichtjahre von galaktischen Zentrum entfernt.
Die Milchstrasse ist eine Spiralgalaxie neben der Andromeda-Galaxie.
Jahr der Astronomie
Mehr als 130 Länder zelebrieren 2009 als Internationales Jahr der Astronomie. Das von der Internationalen Astronomischen Union und der Unesco lancierte Jahr soll den Menschen die Gelegenheit geben, einen tieferen Einblick in die Astronomie zu gewinnen.
400 Jahre vorher haben Galileo Galilei und andere Gelehrte erstmals ein Teleskop für astronomische Beobachtungen eingesetzt. Johannes Kepler legte mit seinem Werk "Astronomia Nova" die Grundlagen zum Verständnis der physikalischen Gesetzmässigkeiten, welchen die Himmelskörper gehorchen.
Hauptziele des Internationalen Jahres der Astronomie:
1. Verbesserung der wissenschaftlichen Allgemeinbildung
2. Förderung des Zugangs zu neuen astronomischen Erkenntnissen
3. Unterstützung astronomischer Aktivitäten in Entwicklungsländern
4. Förderung neuer Netzwerke zur astronomischen Öffentlichkeitsarbeit
5. Erhaltung und Schutz des Naturdenkmals Nachthimmel und der natürlichen nächtlichen Umwelt.