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Der diesjährige Weltmalariatag steht im Zeichen der grossen Fortschritte im Kampf gegen Malaria mit mehr als 7 Millionen geretteten Leben und über 1 Milliarde verhinderter Fälle in den letzten zwei Jahrzehnten. Zugleich bedroht COVID-19 diesen Fortschritt und sofortiges Handeln ist entscheidend, um Leben zu retten. Ein Modell rechnet aufgrund von Covid-19 mit 105‘000 zusätzlichen Malaria-Todesfällen vorwiegend von Kindern.
Bufende Nezehozi und ihre Tochter waren beide an Malaria erkrankt. Ihr Heimatdorf Nyalugusha in der Demokratischen Republik Kongo litt unter einer starken Welle von Malariainfektionen. Dank internationalem Engagement wurde die Sterberate deutlich reduziert. (Foto: Anna Surinyach für Swiss Malaria Group)
Derzeitige Investitionen zur Bekämpfung von Malaria retten pro Jahr über 600’000 Leben und beugen 100 Millionen Fälle vor. Die durch Covid-19 bedingte Überlastung der Gesundheitssysteme birgt die Gefahr eines massiven Anstiegs der Malaria-Infektionen und -Todesfälle. Dies war bereits während des Ebola Ausbruchs von 2014-2016 in Westafrika zu beobachten, bei dem die Mortalität bei vorherrschenden Krankheiten rasant anstieg: Malaria um 50%, HIV um 15%, Tuberkulose um 60% und die Mütterliche Mortalität um 75%.
105‘000 zusätzliche Malaria-Todesfälle
Pro Jahr sterben gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 400‘000 Menschen an Malaria. Dieses Jahr kommt es aufgrund der Covid-19 Situation laut Modellberechnungen des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) zu zusätzlich 105‘000 Malaria-Todesfällen, grösstenteils von Kindern. Diese markante Zunahme der Todesfälle basiert erstens auf der fehlenden Massenverteilung von Insektizid-behandelten Mückennetzen während eines Jahres und zweitens der Annahme von 50% weniger Zugang zu kompetenter Behandlung durch Schliessung von Gesundheitszentren und Spitälern. Diese beiden Faktoren zusammen führen zu weltweit 16% mehr Malaria-Infektionen und 26% mehr Todesfällen.
Malaria-Ausbruch unter Covid-Lockdown in Zimbabwe
Bereits diese Woche kommt es in Zimbabwe zu einem neuen Malaria-Ausbruch mit bisher 131 Toten und 135,585 Fällen. Experten erwarten einen weiteren Anstieg und rechnen mit einer hohen Dunkelziffer aufgrund des durch den Lockdown beschränkten Zugangs zu Spitälern. Ein erneuter weltweiter Anstieg von Malaria ist zu verhindern. Dafür müssen Massnahmen um COVID-19 einzudämmen, Hand in Hand gehen mit der Rettung von Menschenleben vor Malaria.
Die WHO warnt davor, lebensrettende Massnahmen wie die Malaria-Prävention in der jetzigen Corona-Krise einzuschränken. (Foto: Laura McCarty für Swiss Malaria Group)
Unterbrechungen in den Lieferketten für Malariamedikamente
Weltweite Massnahmen gegen COVID-19 sind nötig, um Gesundheitssysteme zu schützen und ihr Funktionieren für die Bevölkerung zu gewährleisten. Gleichzeitig dürfen diese Massnahmen den Zugang zu lebensrettender Prävention, -Diagnose und -Behandlung von grossen Krankheiten wie HIV und Malaria nicht einschränken sowie den über die Jahre gewonnenen Fortschritt verlangsamen. Bereits berichtete die WHO über Unterbrechungen in den Lieferketten für wichtige Medizinalprodukte wie zum Beispiel langlebige Mückennetze zur Malaria-Prävention, Schnelldiagnosetests und Medikamente, die auf die Lockdowns und die Aussetzung des Imports und Exports von Waren als Reaktion auf Covid-19 zurückzuführen sind. Die Swiss Malaria Group fordert deshalb gemeinsam mit den international vereinigten Akteuren der RBM Partnership to End Malaria:
- Wir müssen das Leben der Verwundbarsten schützen – insbesondere das von schwangeren Frauen und Kindern unter 5 Jahren in Malaria-betroffenen Ländern, lebensrettende Werkzeuge zur Bekämpfung von Malaria bereitstellen und den Zugang zu Behandlung sichern.
- Hierfür müssen wir die jährliche Finanzierungslücke von 2 Milliarden US-Dollar für Malaria schließen.
- Stärkere Gesundheitssysteme sind unsere erste Abwehrlinie im Kampf gegen bisherige und aufkommende Krankheiten.
- Wir müssen in die Entwicklung und den Ausbau innovativer Instrumente und Technologien investieren, die uns helfen, Malaria und andere tödliche Krankheiten zu kontern.
Schweizer Engagement zentral
Professor Christian Lengeler, Präsident der Swiss Malaria Group und Malaria-Experte am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH), fügt hinzu: «Eine wichtige Lektion, aus dieser aussergewöhnlichen Situation ist, dass bereits vorherrschende Krankheiten nicht plötzlich weg sind, wenn eine neue Seuche ausbricht oder an den Landesgrenzen Halt machen. Nur wenn wir zusammenarbeiten, gelingt es uns Malaria zurückzudrängen und neue Bedrohungen für die globale öffentliche Gesundheit wie COVID-19 zu überwinden».
Die Schweiz als Sitz grosser Pharmaunternehmen, international tätiger Nichtregierungsorganisationen und einer starken akademischen Forschung, spielt mit ihrer Kombination von Wissen und Schlüsselakteuren eine entscheidende Rolle für die globale Gesundheit und eine malariafreie Welt.
Christian Frutiger, Vizedirektor und Leiter des Direktionsbereichs Globale Zusammenarbeit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA bestätigt: «Die Schweiz und die internationale Staatengemeinschaft sind jetzt besonders gefordert die erreichten Fortschritte im Kampf gegen Malaria aufrechtzuerhalten und den globalen Verpflichtungen nachzukommen». Den Einsatz der DEZA sichert er dafür zu und bekräftigt: «Die DEZA kann mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung helfen Leben zu retten, belastbare Gesundheitssysteme aufzubauen und eine Zukunft ohne Malaria zu schaffen, in der niemand zurückgelassen wird».
Infografik: Wieso Engagement gegen Malaria jetzt wichtig ist (Quelle: Swiss Malaria Group)
Die Swiss Malaria Group bringt Forschungsinstitutionen, öffentliche Einrichtungen, die Privatindustrie und die Zivilgesellschaft zusammen, um Malaria erfolgreich zu bekämpfen. Gemeinsames Ziel ist es, das Schweizer Engagement in der Malariabekämpfung zu erhalten und zu stärken.
Mehr Infos: https://www.swissmalariagroup.ch/en/
Mitgliederorganisationen: https://www.swissmalariagroup.ch/de/ueber-uns/mitglieder/