Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03423.jsonl.gz/2186

PEREGRINA ensemble
Musik aus polnischen und deutschen Klarissenklöstern des 13. und 14. Jahrhunderts
28. August 2022, 17 Uhr
Muzeum Susch, Auditorium
Video Courtesy: Ensemble Peregrina
Programm: FILIA PRAECLARA
Zwei bedeutende Gestalten des Mittelalters prägen das Programm Filia praeclara: die heilige Klara von Assisi (1194-1253), die zusammen mit dem heiligen Franziskus den Klarissenorden gegründet hatte, sowie Kinga von Ungarn (um 1224 – 1292, 1999 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen). Sie war die Gemahlin Herzog Boleslaws V. (genannt Pudicus, der Keusche), und unter ihrer Herrschaft erlebte Polen eine kulturelle Blütezeit mit bedeutenden Kulturzentren von grosser Ausstrahlung und äusserst produktiven Skriptorien. Aus dieser Zeit datieren nicht nur die ältesten polyphonen Mess-Sätze Polens, sondern auch eine von Kinga mitgebrachte Kopie des berühmten französischen Magnus Liber (mit prächtiger polyphoner Musik der Notre Dame-Schule). Noch heute sind Fragmente von Kingas Exemplar des Magnus Liber
im südpolnischen Kloster Stary Sącz, dessen Leitung sie nach dem Tod ihres Mannes übernommen hatte, erhalten.
So bildet die Musik aus polnischen und deutschen Klarissenklöstern des 13. und 14. Jhs, die ein faszinierendes und bisher kaum erschlossenes Erbe hinterlassen haben, einen Schwerpunkt des Programms. Das ensemble Peregrina lässt die vielschichtige Geistes- und Klanglandschaft der polnischen Klarissenklöster – wie etwa Stary Sącz – auf subtile Weise aufleben: Mit musikalischen Unikaten und damit wohl überwiegend Eigenproduktionen dieser Klöster, mit kunstvollen mehrstimmigen Gesängen aus den Fragmenten von Kingas Magnus Liber, die für dieses Programm sorgfältig rekonstruiert wurden, und zur Abrundung des Programms mit einstimmigen Sequenzen für die Patronin des Ordens, die heilige Klara und weiteren liturgischen Gesängen aus dem Umfeld der Klarissen.
Video credits: TVP Kultura, Domówka z Dwójką
Das lateinische Adjektiv CLARUS, CLARA bedeutet nicht nur klar, sondern ebenso leuchtend, erlaucht, rein, oder für akustische Phänomene hell, also ein heller Klang, der laut und deutlich ist, oder in Bezug auf den Verstand ein klarer Verstand, der etwas deutlich und verständlich ausdrückt, oder in übertragenem Sinn, also etwa in Bezug auf den Charakter oder die gesellschaftliche Stellung glänzend, hervorstechend, ruhmvoll, berühmt.
Davon werden eine Menge weiterer Wörter mit der gleichen Bedeutungsvielfalt abgeleitet, etwa PRAECLARA (überaus klar, durch und durch klar etc.), CLARITAS (die Klarheit etc.), CLARESCERE (klar werden, hell werden, aufleuchten etc.) oder CLARE, das in mittellateinischer Orthographie zugleich Adverb (auf klare Art und Weise etc.) und Genitiv des Namens Klara ist, was zusätzliches Potenzial für Wortspiele bildet.
In den Dichtungen zu Klara ist das Licht und Helligkeit sowie die Metaphorik der Himmelskörper ein immer wiederkehrender Topos, wie etwa in der Sequenz Gaude celi ierarchia, wo es in der 4. Strophe heisst: „Du bist wahrlich ein überaus hell leuchtender Stern, der der Sonne [Christus] nur wenig nachsteht“. In der Sequenz und in dem Rondellus Clara Dei famula sind unter den vielen Anspielungen auf Klaras Vita besonders der paupertatis titulum (das von Papst Innozenz III. verliehene Armutsprivileg) und die Nachfolge Christi in Marias Spuren hervorzuheben.
Bei den Klarissen finden sich auch Stücke auf andere Heilige, wie z.B. den Evangelisten Johannes – bildlich dargestellt als schöner Jüngling mit stark weiblichen Zügen –, der im 14. Jahrhundert insbesondere in Frauenorden mit zuweilen an erotische Ekstase grenzender Inbrunst verehrt wurde. Ein Beispiel hierfür ist die Motette Manere/MANERE, mit vielschichtigen Anspielungen auf ein Graduale für den Evangelisten Johannes, das seinerseits auf einem Zitat aus dem Johannesevangelium beruht. Serena virginum/MANERE ist eine Conductus-Motette über den gleichen Tenor, diesmal allerdings mit einem marianischen Text. Die Anspielungen auf die klugen Jungfrauen in der Conductus-Motette Ad veniam perveniam, die mit vollen Ölgefässen die Ankunft des Bräutigams erwarten, über den Tenor TAMQUAM: „SO, WIE [ein Bräutigam, tritt der Herr aus dem Brautgemach hervor], gehören zur gängigen Klara-Symbolik.
Neben dem Benedicamus Domino, geben auch die Alleluia mit ihren Versen ein lebendiges Bild der liturgischen Feiern dieses Ordens. Die erste ist explizit für Klara und spielt in ihrem Vers O virgo clarens mit der Bedeutungsvielfalt des Wortfeldes clara, claritas etc., während das zweite, wie der Beginn des Verses Ave benedicta Maria deutlich macht, für die Gottesmutter ist. Zu der bemerkenswertesten Rarität dieses Programms gehört nur in Stary Sącz überlieferter Conductus Omnia beneficia.
ensemble Peregrina
- Agnieszka Budzińska-Bennett, Gesang, Sinfonia, Leitung
- Lorenza Donadini, Gesang
- Hanna Järveläinen, Gesang
- Grace Newcombe, Gesang
TICKETS:
CHF 25,00 (Konzert/ normal)
CHF 15,00 (Konzert/ ermäßigt)
Kombi-Tickets:
CHF 37,00 (Eintritt Muzeum Susch + Konzert/ normal)
CHF 23,00 (Eintritt Muzeum Susch + Konzert/ ermäßigt)
Sie können die Tickets an der Rezeption des Muzeum Susch während der Öffnungszeiten kaufen oder hier online reservieren.