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Gleich die erste Station, ein gemütlich eingerichteter Kinosaal, zieht Besucher in die Welt Charlie Chaplins. Über die Leinwand flimmert ein dokumentarischer Film, der uns in die Zeit der Industrialisierung mitnimmt, als die Strassen staubig und viele Leute arm waren.
Damals, 1889, wurde Charlie Chaplin in London geboren. Er verbrachte seine Kindheit in grosser Armut. Schon früh stand er auf der Bühne – und sein Talent als Komiker und Pantomime wurde prompt erkannt. Auf einer USA-Tournee fiel er Filmproduzenten auf, die ihn 1913 nach Hollywood holten.
Im Dokumentarfilm erklärt Charlie Chaplin, wie er seine ersten Stummfilme drehte: Nur mit einer Idee im Kopf – alles weitere entwickelte sich am Set. Er erfand die Figur mit dem unverkennbaren Schnurrbart, den zu grossen Schuhen und Hosen, mit dem Stock und der Melone – sie sollte die Filmgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägen.
Entdeckungsreise zu den Filmsets
Nun hebt sich die Leinwand, und unter ihr hindurch darf man eintreten in ein gigantisches nachgebautes Hollywoodstudio auf einer Fläche von gut 1500 Quadratmetern – die Entdeckungsreise zu den Filmsets von Charlie Chaplins grössten Erfolgen beginnt. Geführt werden wir von Museumsdesigner Yves Durand, der «Chaplin's World» konzipierte.
Zuerst machen wir Halt im «Circus». «Der Zirkus spielte eine wichtige Rolle in Chaplins Werken», sagt Durand. Allerdings sei Chaplin weit mehr als ein Clown gewesen. Er äusserte sich auch zeitkritisch. Als Künstler oder Komiker könne man nicht ignorieren, was rund herum geschehe, war er überzeugt. In seinem Film «Modern Times» etwa kritisiert Chaplin die Industrialisierung und den Kapitalismus; und «The Great Dictator» ist eine Parodie auf Adolf Hitler. Daraufhin wurde Charlie Chaplin vorgeworfen Kommunist zu sein, was er allerdings verneinte.
Emotionale Begegnung mit Chaplin
Nach einer Europareise wurde Charlie Chaplin die Einreise in die USA verweigert. Darum zog er damals in die Schweiz – mit seiner vierten Frau Ouna, mit der er acht Kinder hatte. Ab 1952 lebte die Grossfamilie im «Manoir de Ban» oberhalb von Vevey. Dieses Herrenhaus ist die zweite wichtige Station beim Besuch von Charlie Chaplins Welt. Yves Durand verspricht eine noch emotionalere Begegnung mit Chaplin: Wir lernen den Menschen hinter dem Künstler besser kennen.
Michael Chaplin, ein Sohn Charlie Chaplins, empfängt uns. Als Präsident der Museumsstiftung hat er mit seinen Geschwistern eng beim Umbau des ehmaligen Elternhauses mitgeholfen und ist zufrieden mit dem Resultat: «Es ist mir eine grosse Freude, die Umsetzung des Projekts zu sehen, das so lange gedauert hat und mehrere Mal kurz vor dem Abgrund stand.»
Ein Einzelgänger, der seinem Herzen folgte
Tatsächlich, in diesem zweiten Museumsteil wird Charlie Chaplin spürbarer. Wir bekommen einen Einblick in sein Privatleben, in die Bibliothek, den Musiksalon, das Esszimmer und das Schlafzimmer, wo er 1977 verstarb. Viel Persönliches ist ausgestellt: Photos, Möbel und Manuskripte. Charlie Chaplin war Humanist, Pazifist, Optimist, aber nicht in erster Linie ein politischer Mensch, sagt sein Sohn Michael und fügt an: «Er hat von sich selbst gesagt, er sei ein Einzelgänger; er folgte seinem Herzen und war immer in Bewegung.»
Genau so sei auch das Museum konzipiert: Alles andere als statisch. Vielmehr heisst Charlie Chaplin uns willkommen in seinem Haus, in seinem Garten, in seinen Filmen.