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Ballade
Als man noch sang…, als singen auch Erwachsenen noch ein natürliches Bedürfnis war wie heute das Wischen auf unterdimensionierten Taschenbildschirmen, lebte die Ballade in den Wäldern der Gesellschaft wie eine Nymphe oder ein Frosch. Diese Gedichtform stammt jedoch im Gegensatz zu vielen andern nicht aus dem Süden, sondern dem harten, unerbittlichen und strengen Norden (Folkeviser hiess sie damals), wurde dann aber von den Romanen vergalantiert und geregelt. In der Hochzeit der Balladenkunst, dem späten 18. Jahrhundert, zwischen der Aufklärung und der Klassik, in der Empfindsamkeit und im Sturm und Drang, erblühten Balladen verschiedenster und fremdester Gestalt, von der froschgleichen Geister- und Gruselballade im Stile von August Bürgers ‹Lenore› bis zu Schillers schon nymphenhaft-ausgeglichenen Ballade ‹Der Handschuh›. Auch in der Spätzeit, im Biedermeier des 19. Jahrhunderts, schufen Meister wie Fontane, Meyer oder die Droste-Hülshoff schwermütige, schwerblütige Lieder voll Weh, Ach und Liebestod. Heute (über-) lebt die Ballade in der Country- und Popmusik weiter, wie etwa die koreanische Jazzsängerin Youn Sun Nah mit ihrer Version der Gruselballade ‹Ghost Riders in the Sky› beweist.
Die Form der Ballade blieb sich durch die Zeiten hindurch meist gleich: mehrere acht bis zehnzeilige Strophen, die mit einer meist vierzeiligen Abschluss-Strophe, dem ‹Envoi› (Geleit), abgeschlossen werden konnten. OF