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Jean Louis Vignes ist eine weitere Persönlichkei,t die durchaus als Pionier in Sachen kalifornischen Weinbaus bezeichnet werden kann – ja sogar als solcher gelten
muss!
Jean Lois wurde am 9. April 1780 in Béguey/Cadillac, in der Nähe von Bordeaux geboren.
Sein Vater stellte Weinfässer für die Weingüter in der Nachbarschaft her, betrieb eigenen Weinbau, und verarbeitete Weinhefen (das Hefedepot in den Fässern) zu Düngungsmittel.
Der junge Jean-Louis half tatkräftig zu Hause mit und alles entwickelte sich prächtig.
Im Jahre 1802 heiratete Jean-Louis seine grosse Liebe, Jeanne Simon. Als zu Hause der Platz knapp wurde, kaufte Jean Louis ein kleines Gehöft in der Nachbarschaft mit 1,5 Ha Land, Haus, Scheune und drei Fässer Branntwein. Er bezahlte dafür 2100 Franc in harter Währung. Den Kaufvertrag unterzeichnete er mit den drei Punkten der Freimaurer.
Jean Louis war ein geachteter Mann, produzierte weiterhin Fässer, stellte Branntwein her
und kümmerte sich liebevoll um seine Mitmenschen in seinem Dorfe und in der Umgebung.
Auch nahm er die Geschicke seines Dorfes in die Hand und waltete respektvoll und umsichtig. Auch bekleidete er diverse Ämter in seinem Bezirk.
Doch leider zogen alsbald dunkle Wolken am Himmel über Jean-Louis auf. Der Grund war, dass nach der Zeit Napoleon Bonapartes, die Könige in Frankreich (nur für eine kurze Zeit) wieder eingeführt wurden.
Ein ganz Besonderer war König Charles X, eigentlich unfähig für dieses Amt, aber überbordend.
Charles X verteilte die Staatsämter und die lokalen Ämter umgehend wieder an die noble Obrigkeit, jedoch ohne einen finanziellen Ausgleich an die bisherigen Amtsinhaber und die Gemeinden zu tätigen, die ja bis zum Zeitpunkt ihrer Absetzung auch Auslagen hatten. Die kurzerhand suspendierten Amtsinhaber blieben auf ihren Schulden sitzen, denn die Steuern flossen geradewegs wieder in die Kasse des Königs. Jean-Louis Vignes geriet deswegen in arge finanzielle Nöte.
Er beschloss, seinem geliebten Frankreich den Rücken zuzukehren und bestieg am 17. November 1826 ein Schiff, das ihn über Argentinien-Chile-Peru-Mexiko am 6. Juli 1827 nach Honolulu auf Hawaii brachte. Er erwarb ein kleines Stück Land und begann Zuckerrohr anzupflanzen, um Rum herzustellen. Daneben züchtete er Truthähne und hielt ein paar Rinder. Ein Jahr später wurde er als Direktor der Oahu Rhum Company eingesetzt. Doch er hatte die Rechnung nicht mit Reverend Hiram Bingham gemacht. Dieser puristische Mensch überzeugte Queen Kaanumanu, Herrscherin über Oahu, das Destillieren zu verbieten. Im Dezember 1829 wurde die Brennerei geschlossen und die Zuckerrohr Felder vernichtet. Im darauffolgenden Jahr reiste Jean-Louis von Oahu an die Westküste Nordamerikas und landete 26. Juni 1831 in Monterey.
Hier beschaffte er sich die nötigen Papiere der mexikanischen Behörden und begann wiederum mit der Herstellung von Fässern. Noch im selben Jahr aber zog er weiter nach Los
Angeles, wo er 40 ha Land zwischen dem originalen Pueblo und dem Los Angeles River erwerben konnte. Er nannte das Anwesen „El Alisio“ das ist der spanische Name für einen Erlen-Baum, den Jean-Louis an Rande seines neuen Landstückes erblickte. Heute ist dieses Gebiet Down Town Los Angeles.
Er fing unverzüglich an, einen Rebberg anzulegen. Die dazu benötigten Stecklinge besorgte er sich bei den Franziskaner Padres, die bei ihrer Mission bereits einen grossen Rebberg bewirtschafteten. Die Resultate waren aber alles andere als zufriedenstellend und so entschloss er sich, Reben aus Frankreich zu importieren. Die Cabernet Franc und die Sauvignon Blanc Reben wurden per Schiff ums Kap Horn befördert, und damit diese bei der langen Überfahrt nicht austrockneten, wurden diese in Moos und Kartoffelschnitze
gebettet.
Jean-Louis Vigne war somit der Allererste, der französische Reben in Kalifornien
pflanze, um daraus Wein zu keltern. Wann der erste Jahrgang aus seinen französischen Traubensorten produziert wurde, kann ich nicht feststellen. Es muss aber spätesten 1837 gewesen sein, da in einem Dokument von 1857 zu lesen ist, dass man 20-jährigen Wein von Jean-Louis Vignes getrunken habe.
Er war auch der erste Winzer, der den Wein lagerte. Normalerweise begann man in dieser Zeit bereits nach der Beendigung der Gärung mit dem Genuss! Eine Art Heurigen Fest in Kalifornien?
Das Holz für seine Fässer stammte von einem Wald in den San Bernardino Mountains,
den er deswegen erworben hat. Seine Winery war sehr erfolgreich und bald wurde der Markt in und um Los Angeles zu klein für seine Produktion von über 1000 Fässern Wein.
Er konnte seine Weine bereits 1840 nach Santa Barbara, Monterey, San Francisco und in den Norden Kaliforniens verkaufen. Selbst im Weissen Haus, wo damals der parteilose Präsident John Tyler wohnte, kostete man von seinen Weinen. Auch in die alte Heimat Frankreich wurden Jean-Louis' Weine verschifft.
Jean- Louis pflanzte Orangen Plantagen, Pfirsich Anlagen, Birnen und Apfelbäume, Feigen und noch vieles mehr. Jean- Louis war wiederum ein höchst geachteter Mann und verkehrte in den besten Kreisen.
Er konnte seine alte Heimat Frankreich und seine Lieben, die er dort zurückgelassen hatte, nie vergessen. So schrieb er im Januar des Jahres 1840 Briefe und forderte seine Familie und Verwandten dazu auf, zu ihm nach los Angeles auszuwandern. 20 seiner engsten Familienmitglieder folgten seinem Wunsch, darunter auch drei seiner fünf Kinder, die ihren Vater seit über 14 Jahren nie mehr gesehen hatten! Seine Frau Jeanne aber verliess Frankreich nie und verstarb 1842 in Béguey, ihrem Heimatort.
Seine Geschäfte florierten und von der damaligen mexikanischen Regierung bekam er die Bodenrechte der Ranchos Temekula und Pauba, die ganz im Süden in der Nähe der Mission San Diego lagen. Die beiden Ranchos zusammen umfassten fast 23'000 ha Land.
Rund um El Alisio entstand mit den Jahren eine kleine französische Kolonie, welche von den
Einwohnern liebevoll «French Town» genannt wurde.
1855 verkaufte Jean-Louis El Alisio an seine zwei eingewanderten Neffen Pierre Sainsevain und Jean-Louis Sainsevain für 40’000 $. Noch nie zuvor wurde im nun bereits jungen Staate Kalifornien eine so hohe Summe für ein Anwesen bezahlt. Die zwei Neffen führten das Lebenswerk von Jean-Louis weiter, expandierten, bauten und verspekulierten sich schliesslich.
Auch nach seinem Rückzug aus dem operativen Geschäftsleben war Jean-Louis weiterhin aktiv und unterstützte die Allgemeinheit. So ermöglichte er den Bau des ersten Spitals in Los Angeles und half auch grosszügig mit beim Bau des ersten öffentlichen Schulhauses.
Jean-Louis verstarb am 17. Januar 1862 im Alter von 82 Jahren.
Die Alisio Street und die Vignes Street in Los Angeles sind Zeugen einer Geschichte eines
Pioniers und Visionärs!