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«Die Maskenbestände sind knapp», meldete der Koordinierte Sanitätsdienst an einer Task Force-Sitzung am 2. März. Die Armee versuchte darum, 50 Millionen Hygienemasken bei einem Hersteller in Ägypten zu kaufen. Die Armeeapotheke bestätigt, dass der Handel Mitte März abgebrochen werden musste, weil der Hersteller nicht beweisen konnte, dass er die Masken in Kairo wirklich an Lager hatte.
Mehr Erfolg hatte das Schweizerische Rote Kreuz SRK: Es kaufte zur gleichen Zeit 20 Millionen Hygienemasken in China für den Bund. Während das VBS erst Mitte Mai etablierte Kontakte zu zwei chinesischen Maskenproduzenten hatte, habe das SRK auf das weltweite Netzwerk des Roten Kreuzes zurückgreifen können. SRK-Logistiker Thomas Büeler: «Es sind zwei Welten. Wir haben viel weniger Stellen, die bei einem Kauf mitentscheiden müssen.»
SRK-Masken statt VBS-Masken
Die sogenannten «VBS-Masken», die an den Detailhandel gingen, sind in Wahrheit SRK-Masken. Zum Leidwesen der Logistiker beim Roten Kreuz verpasste Bundesrätin Viola Amherd an der Pressekonferenz vom 22. April, als sie von der Beschaffung für den Detailhandel sprach, das SRK zu erwähnen. Letzte Woche kritisierte der «Kassensturz» die falsche Deklaration dieser Masken. Diese passierte beim VBS. Zur kritisierten Qualität der Masken schreibt das SRK: «Die Masken sind zweimal in China und danach in der Schweiz im Labor Spiez getestet worden. Für den Schutz der Bevölkerung galten sie als einwandfrei».
Zwei Angebote für Atemschutzmasken verfielen
Logistiker Thomas Büeler wollte auch Atemschutzmasken für Spitäler beschaffen. Zwei Mal habe er dem Bund dafür Angebote unterbreitet: Am 16. März für zwei Millionen Atemschutzmasken und am 26. März für 18 Millionen. Weil diese Masken teuer sind, brauchte er eine Vorauszahlung des Bundes. Am 16. März fehlte die rechtliche Grundlage dafür.
Die Covid-Verordnung und der Auftrag für die Beschaffung wurde erst mit dem Bundesratsbeschluss vom 21. März 2020 erteilt. Zum zweiten verpassten Angebot von 18 Millionen Atemschutzmasken schreibt die Armeeapotheke: «Das VBS konnte die Anzahlung nicht leisten, da die Finanzmittel noch nicht bereitstanden.»
Konkret: Der gesprochene Kredit war noch nicht in der Kasse der Beschaffer. Die Armeeapotheke hält fest, dass man später eine neue Bestellung über 10 Millionen Atemschutzmasken des gleichen Händlers via SRK platziert habe. Diese Masken hätten jedoch nicht aus dem Herstellerland exportiert werden können.
SRK-Masken halb so teuer wie Emix-Masken
Das SRK sagt, man beschaffe Masken zum Selbstkostenpreis, also ohne Gewinn. Für die Atemschutzmasken hätte das SRK im März 4.20 Franken verrechnet, sagt Thomas Büeler. Bekannt ist, dass der Bund eine halbe Million Atemschutzmasken bei der Firma Emix Trading kaufte.
Dahinter stehen zwei Jungunternehmer, die gemäss eigenen Angaben, einen Umsatz von rund zwei Milliarden Franken mit dem Verkauf von Schutzmasken im EU-Raum generierten. DOK-Recherchen zeigen: Das Kantonsspital Glarus zahlte Ende Februar 7.90 pro Atemschutzmaske von Emix.
Man habe den Stückpreis von 8.95 heruntergehandelt, sagt das Spital. Gemäss Angaben des VBS zahlte auch der Bund rund 8.90 pro Atemschutzmaske. Emix lieferte die Masken dem Bund zwischen 18. März und 9. April.
«Exorbitante Marktpreise»
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat Ende Juni gegenüber der Sonntagszeitung festgehalten, der Stückpreis der Emix-Masken sei hoch im Vergleich zu anderen Käufen der Armeeapotheke. Die EFK schreibt von «exorbitanten Marktpreisen», die auf dem Höhepunkt des weltweiten Mangels an Masken im März und anfangs April verlangt wurden.
Hat der Bund also zu viel bezahlt, weil er zwei Maskenangebote des SRK verpasste? Nein, schreibt die Armeeapotheke. Die Firma Emix sei zu Beginn der Krise die einzige Firma gewesen, die Atemschutzmasken wirklich liefern konnte.