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Wohnort(e)
Montlingen, Oberriet, SG (1895, 1921, 1924); Eichenwies, Oberriet, SG (1941)

Schatzfund
Grundbesitzer Engelbert Rohner musste - wie viele anderen auch - im 2. Weltkrieg beim Mehranbauprogramm mitmachen.
Dazu musste er im Oktober 1941 ein Stück Wiese umbrechen lassen, um den umgewandelen Boden mit Kartoffeln zu bepflanzen.
Da Engelbert jedoch Schneidermeister war und weder Pferd noch Pflug besass, musste er einen bekannten Bauern mit Pferd und Pflug holen lassen,
der dann eine Wiese pflügte , währenndem Engelbert und sein Sohn Walter Steine aus den Furchen holten.
Als der Pflug Furche um Furche zog, klirrte es plötzlich unter der Pflugschar und und es kamen in der Furche die Scherben
eines zertrümmerten Topfes und eine Menge silberglänzender Münzen zum Vorschein.
Die beiden Rohner warfen die Scherben des zertrümmerten Gefässes in Unkenntnis der Sache in weitem Bogen um sich und hoben die Münzen aus dem Boden.
Sie hatten einen beträchtlichen Fund gemacht und nach Hause getragen.
Der Fund bestand aus 1180, nach einer weiteren Angabe aus rund 1300 römischen Münzen.
Da der junge Walter Rohner schon von Kindheit her an Milchschorf litt, begab er sich wieder zur ärztlichen Behandlung nach St. Gallen
und kam dort in Verbindung mit dem Versicherungsangestellten Viktor Looser-Egli, der in der Paradiesstrasse wohnt. Dies führte dazu,
dass der Fund dem Historischen Museum in St. Gallen gemeldet wurde,
worauf einige Herren dieses Museums sich zur Fundstelle begaben
und mühevoll alle verstreuten Scherben des durch den Pflug zertrümmerten Gefässes so restlos zusammen suchten und fanden,
dass das Gefäss fast vollständig wieder zusammengesetzt werden konnte.
Weiters konnte das Museum in St. Gallen die Münzen in Empfang nehmen,
worüber der Regierungsrat des Kantons St. Gallen am 27. Jänner 1942 unter der Nr. 116 ein Protokoll verfasste
und dem Schneidermeister Engelbert Rohner in Eichenwies übersandte.
Dieses Protokoll hat folgenden Wortlaut:
Das Erziehungsdepartement berichtet: Im Riet zwischen Eichberg und Oberriet sind rund 1300 römische Münzen aus dem 3. Jahrhundert n. Chr.
beim Eggen (in Wirklichkeit nach der Aussage Walter Rohners, beim Pflügen; Anmerkung d. Verf.) gefunden worden.
Gemäss Art. 724 ZGB sind diese als Eigentum des Kantons zu betrachten.
Das referierende Departement hat nun,
gestützt auf die Verordnung vom 21. März 1933 betreffend den Schutz von Naturkörpern und Altertümern im Kanton St. Gallen
mit den interessierten Museen und dem Finder, Engelbert Rohner, Schneider, in Eichenwies, folgendes vereinbart:
1. Je ein Exemplar der verschiedenen Münzen werden mit dem Topf dem Historischen Museum in St. Gallen übergeben;
2. Dubletten gehen an das Rheintalische Museum in Altstätten;
3. Weitere Exemplare werden dem Finder ausgehändigt, der überdies vom Historischen Museum St. Gallen einen Finderlohn von Franken 100.- erhält.
Der Regierungsrat stimmt dieser Regelung zu.
Protokollauszug an die Direktion des Historischen Museums in St. Gallen.
Protokollauszug an den Kustos des Rheintalischen Museums in Altstätten, Herrn Moser in Altstätten.
Protokollauszug an Engelbert Rohner in Eichenwies.
Protokollauszug an das Erziehungsdepartement.
Dem Protokoll gleichlautend: Staatskanzlei des Kantons St. Gallen Der Staatsschreiber: (Unterschrift)
Heute sind in der Münzabteilung des Historischen Museums in St. Gallen 90 Antoniniane aus dem Münzfund von Oberriet ausgestellt
und eine grössere Anzahl weiterer Stücke in Schränken verwahrt.
Im Bezirksmuseum in Altstätten sind ungefähr 200 Münzen des Oberrieter Fundes in einer Vitrine ausgestellt,
während die restlichen Münzen im Sinne des vorangeführten Protokolls an Engelbert Rohner und seinen Sohn zurückgegeben wurden.
Quelle: Unser Rheintal (1964) p. 131-138.