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Der Wohlstand liegt in der Familie. Schon Lemanns Vater hatte ein goldenes Händchen fürs Geschäft. Der Spross einer Käsehändler-Dynastie aus dem Emmental war in den 1930er Jahren nach Brasilien ausgewandert und hatte dort mit dem Kakaoanbau viel Geld verdient.
Sohn Jorge Paulo wollte zunächst Tennisprofi werden. Fünfmal war Lemann brasilianischer Meister, einmal hatte er gar einen Auftritt in Wimbledon. Und im Davis Cup spielte er sowohl für Brasilien als auch für die Schweiz. Zuletzt entschied sich der junge Lemann aber für ein Wirtschaftsstudium in Harvard.
Das Risiko sei Teil des Lebens, aber man müsse es auch mögen; sonst bleibe man in der grossen Masse stecken, also in der Mittelmässigkeit. Diese Lebensweisheit gab Jorge Paulo Lemann neulich brasilianischen Betriebswirtschaftlern mit auf den Weg. Der hagere Brasilienschweizer mit rund 25 Milliarden Franken Vermögen ist eigentlich kein Mann der grossen Worte. Er ist eher der Typ stiller Schaffer.
Erfolgreich in einer fremden Branche
In den siebziger Jahren gründete er in Sao Paulo seine eigene Bank und testete seine Risikofreudigkeit im Investment Banking. Auch damit hatte er Erfolg. Trotzdem geriet die Bank Garantia später in Schieflage, und Lemann verkaufte sie der Credit Suisse. Das war eine Ausnahme in der Lemann-Karriere, in der er sonst alles vergoldet hat, was er angefasst hat.
Schon als Bankier habe er die brasilianische Warenhauskette Lojas Americanas übernommen, sagte Lehmann den jungen Betriebswirtschaftlern. Es sei ihm darum gegangen, sich zu beweisen, dass er ein Geschäft mit 16‘000 Angestellten führen könne, in einer Branche, von der er gar nichts verstehe. Das Risiko zahlte sich nicht nur in Form von Geld aus. Es war für Lemann ein Schlüsselerlebnis, sich in Branchen zu begeben, in denen er fremd war. Es war der Beginn einer Bilderbuchkarriere.
Einstieg in den Biermarkt
Erst kaufte er den brasilianischen Brauereikonzern Brahma und fusionierte ihn später mit dem Konkurrenten Antartica. Danach holte er belgische Bierbrauer als Partner ins Boot. Zusammen legten sie 54 Milliarden Dollar für den US-Brauer Anheuser Busch auf den Tisch. Seither ist Lemann der grösste Bierbrauer der Welt.
Dazu kaufte sich der Brasilienschweizer noch die Fast-Food-Kette Burger King und über seine Beteiligungsfirma 3G den Ketchup-Hersteller Heinz, dies mit dem amerikanischen Grossinvestor Warren Buffet als Partner. Gemeinsam schlucken sie jetzt noch Kraft Foods, einen weiteren US-Nahrungsmittelriesen mit einem Marktwert von 36 Milliarden Dollar.
Umzug an den Zürichsee
Viel Geld zu haben und zu wissen, wie man es vermehrt, das hat auch seine Schattenseiten. 1999 versuchten Unbekannte in Sao Paulo, die Kinder von Jorge Paulo Lemann zu entführen. Das Unterfangen scheiterte, aber der schwerreiche Mann zog die Konsequenzen daraus. Er verlegte seinen Wohnsitz an den Zürichsee und lebt seither in Rapperswil-Jona.