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Liebe Kandidatinnen und Kandidaten,
Zuerst möchte ich sagen, dass sich alle von Ihnen durch die Nomination zu diesem Preis gewürdigt, gesehen und anerkannt fühlen dürfen, denn von den etwa 70 eingegangenen Vorschlägen hat die Redaktion des Beobachters der Jury nach sorgfältigen Recherchen noch 6 Kandidaturen zur Beurteilung vorgelegt. Wir danken also allen von Ihnen für die Zivilcourage, die Sie an den Tag gelegt haben und die nicht selbstverständlich ist.
Die Jury hat sich zu allen Ihren Geschichten eine Meinung gebildet und hat beschlossen, den «Prix Courage» des Jahres 2005 an Frau Lea Saskia Laasner zu vergeben.
Sie musste soviel Mut mobilisieren, wie die meisten von uns in einem ganzen Leben nicht brauchen. Als erst zwölfjähriges Mädchen wurde sie von ihrer Familie in eine Sekte mitgenommen und musste dort ihre Identität und ihre familiäre Geborgenheit aufgeben zugunsten eines Gruppenlebens, dessen esoterische Ziele ihm in keiner Weise einsichtig waren. Die Gruppe unterstand dem absolutistischen Regime eines Gurus, der keinen Widerspruch duldete und der nicht zögerte, das schutzlose Mädchen jahrelang zu missbrauchen. Wir können uns wohl kaum vorstellen, wieviel es braucht, um sich als junger Mensch aus solchen Strukturen zu lösen und die Flucht von einer abgelegenen Farm in Mittelamerika zu riskieren.
Frau Laasner ist dies gelungen, und dann traf sie einen nächsten ungewöhnlichen Entscheid. Beim Versuch, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und als Warnung und Hoffnung für andere Menschen aufzuschreiben und zu veröffentlichen, entschied sie sich, sich nicht hinter einem Pseudonym zu verstecken, sondern mit ihrem eigenen Namen und mit ihrer Person zu ihrer Geschichte zu stehen, die eine Geschichte voller Demütigungen und voller Ratlosigkeit ist, aber auch eine Geschichte eines Menschen, der alles versucht, um mit aufrechtem Gang durchs Leben zu gehen.
Dafür danken wir Frau Lea Saskia Laasner und verleihen ihr den «Prix Courage» des Jahres 2005.
Laudatio von Jury-Präsident Franz Hohler