Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03210.jsonl.gz/1914

Der Tote
Eine nicht unbekannte Situation: man erwacht und hat das Gefühl, etwas stimme nicht, sei anders, sei seltsam.
So geht es dem Protagonisten aus Der Tote des lichtensteinischen Autors und Filmemacher Ronnie R. Vogt. Aber was der Protagonist erlebt, ist kein Traum, ist real, es gibt kein Erwachen aus dunkler Phantasiewelt. Sein Zimmergenosse, der über ihm im Etagenbett schläft, ist tot.
«(…) Ein tropfartiges Geräusch störte die Ruhe meines nichtssagenden Traumes (…) Ich hatte keine Brille auf, sah gerade nur die Umrisse des weissen Beckens. Ohne den Kopf zu drehen, griff meine Hand auf das kleine Kästchen, das neben meinem Doppelbett an der Wand angebracht war, und ausser einem alten Büchlein mit Kurzgeschichten, einem halb gegessenen Schokoladenriegel vom Automaten, den ich mir irgendwann in der letzten Nacht geholt hatte, und neben meiner Brille nicht mehr viel Platz für anderes übrig liess. Aber wie bereits in den Nächten zuvor war meine Brille im Verlauf der Nacht ihre eigenen Wege gegangen und irgendwo zwischen den wellenartigen Ausbuchtungen meiner Bettdecke verschwunden.»
Ronnie R. Vogt
(*1994) ist Filmemacher und Autor aus Balzers, Liechtenstein. Während seiner Ausbildung realisierte er neben einigen Kurzfilmen auch einige bisher unveröffentlichte Erzählungen, 2013 bis 2016 drehte er «Reunion Solitaire», einen Experimentalfilm in Spielfilmlänge.
Die Novelle «Der Tote» erschien 2017 als Erstlingswerk im van Eck Verlag, Liechtenstein. 2019 drehte er den Kurzfilm «Heute ist das Morgen von Gestern», welcher 2021 fertiggestellt wurde.
Zurzeit studiert er Informationswissenschaften an der Fachhochschule Chur.