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Auf dem Grund der zehn Stauseen in der Umgebung vom AKW Fukushima I sammelt sich immer mehr radioaktives Cäsium. Beim Ogaki-Stausee wurde der Mainichi-Zeitung zufolge im November 2015 mit 107’000 Becquerel pro Kilogramm der zweithöchste Wert seit dem Atomunfall gemessen. Das Cäsium, das damals in grosser Menge in den Wäldern gelangt hat, fliesst im Lauf der Zeit in die Flüsse und reichert sich auf dem Grund des Sees an. Die gesamte Radioaktivität vom Grund der Ogaki-Stausee wird rund 8 Billion Becquerel geschätzt (Dez. 2013). Der Wert im Wasser beträgt allerdings 1 bis 2 Becquerel pro Liter, weil die starke Strahlung des tiefen Seebereichs vermutlich durch das Wasser abgeschirmt wird. Die Strahlendosis in der Luft um die Seen beträgt max. 2 mSv/h.
Für das Umweltministerium besteht hier kein Bedarf an Sanierung. „Würde der See wegen eines Wassermangels austrocknen, müssen wir nur Massnahmen dazu ergreifen, dass niemand sich an den See nähert“, erklärt ein zuständiger Beamter des Ministeriums. „Bei einer Dekontaminierung hingegen, wie könnte eine Ersatz-Wasserquelle während der Arbeit sichergestellt werden? Beim gegenwärtigen Zustand wären Auswirkungen grösser, wenn man sie dekontaminieren würde.“
Das Wasser des Ogaki-Stausees wurde früher für die Landwirtschaft benützt. Das Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und Fischereiwesen will vor der erneuten Benutzung des Seewassers die Gesamtmenge des Cäsiums und die Sicherheit des Wassers überprüfen. Die Produkte aus der Landwirtschaft und Fischerei von der Präfektur Fukushima werden erst auf den Markt verschickt, nachdem versichert wurde, dass dabei der Grenzwert nicht überschritten wird.
Unter Bewohnern herrschen kritische Stimmen. „Auf die Frage, was bei einem Staudammbruch passieren würde, haben sie keine Antwort“, sagt ein Beamter von der Gemeinde Namie-Machi, die im nächsten Frühling einen Teil der Sperrzone aufheben will. Ein Gemüsebauer empört sich, „Die Regierung betont nur, dass es sicher sei. Ich vermisse von ihr die Bereitschaft, durchgreifende Massnahmen nachzuprüfen. Unter diesen Umständen können wir uns in unserer Heimat nicht sicher fühlen und der Wiederaufbau der Landwirtschaft wird auch schwierig zu gestalten.“
Auch Speziallisten schlagen Alarm. Die Forschungsgruppe von Seiji Hayashi an National Institut for Environmental Sutdies ist der Meinung, dass das Cäsium, das an Erde und Schlamm absorbiert worden ist, je nach Umstände sich ins Wasser lösen kann. Die Gruppe hat festgestellt, dass die Cäsiumkonzentration des Wassers im Tiefbereich im Sommer, in dem Mikroben aktiver werden und die Ammoniakmenge im Wasser zunimmt, 1,5 Mal höher als diejenige der Wasseroberfläche ist. Es ist zu vermuten; Cäsium löst sich ins Wasser, weil die Erde das Ammonium-Ion stärker als Cäsium absorbiert. „Es ist nicht auszuschliessen, dass sich die Umwelt wegen der veränderten Wasserqualität durch Abwasser der zurückgekehrten Bewohner im Oberlaufgebiet etwa zugunsten von Auflösung des Cäsiums verändern würde“, erklärt Hayashi.
Unter Experten gibt es aber auch Stimmen, die das Nichtstun der Regierung unterstützen. Die Meinung spalten sich auch hier.