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Autenheimer, Friedrich, 1821-1895, Gründer Technikum Winterthur
Die Gründung des Technikums Winterthur geht auf das Jahr 1874. Autenheimer war Ingenieur und Gründer, Mathematiklehrer und erster Direktor des Technikums. Er forderte 1866 in vier Artikeln im Berner Bund ein Technikum für die Schweiz. Autenheimer war der festen Überzeugung, dass eine Schule für technische Kader notwendig sei, um den Mangel an fähigen Berufsleuten zu beheben.
Friedrich Autenheimer ist am 8. Dezember 1821 im aargauischen Stilli auf die Welt gekommen. Er besuchte das Lehrerseminar Küsnacht (ZH) und wirkte anschliessend von 1841bis 1844 als Sekundarlehrer in Flaach. Er nahm dann ein Ingenieurstudium an der Polytechnischen Schule in Karlsruhe auf. Dieses brach er 1847/48 wegen seines politischen Engagements ab. Er war dann in der Maschinenfabrik Bernoulli in Immendingen (D) tätig.
Ab 1850 wurde er Lehrer an der Gewerbeschule Winterthur und ab 1853 Lehrer und 1858-66 Rektor an der Gewerbeschule Basel. 1852 verheirate er sich mit Bertha Jäggli aus Winterthur. Sie war Tochter des Kaufmanns Heinrich Jäggli-Sulzberger.
Ab 1857 übernahm er die Funktion eines kantonalen Kontrolleurs von Dampfmaschinen und Transmissionen. 1864 bis 1874 war er Mitglied des Grossenrates des Kantons Basel-Stadt. 1869 war er Mitbegründer und Kontrollingenieur des Basler und des Schweiz.
Vereins von Dampfkesselbesitzern. Ab 1866 wurde er zum Vorkämpfer für ein Technikum für mittleres Kader durch einen Artikel im „Bund“. Der Rektor der städtischen Schulen in Winterthur, Johann Jakob Dändliker, setzte sich für den Technikumsplan ein. In der Folge beschloss die Gemeindeversammlung von Winterthur 1872 die Gründung eines Technikums.
In einer Volksabstimmung für die Gründung eines Technikums am 18. Mai 1873 bestätigten die Stimmberechtigten Winterthurs diesen Beschluss mit 25'732 Ja zu 12825 Nein.
Friedrich Autenheimer wurde als Lehrer 1874-1893 und bis 1881 als erster Direktor des kantonalen Technikums nach Winterthur berufen.
Das Technikum Winterthur war dem schöpferischen Geist von Friedrich Autenheimer zu verdanken. Mit seiner ausserordentlichen Schaffenskraft hat er eine visionäre Idee verwirklicht und einen neuen Schultyp geschaffen.
Das Technikum entwickelte sich wunschgemäss. Einzig Disziplinarfälle beschäftigten den Direktor und die Aufsichtskommission. Winterthur kannte in jenen Jahren noch keine Polizeistunde, worauf etliche zechende Studenten für Ärger und Unmut sorgten. Es folgten zunehmende Meinungsverschiedenheiten zwischen dem unparteiischen Autenheimer und Konventmitgliedern. Eine gleichzeitig polizeiliche Ermittlung gegen einen angestellten Lehrer führte im März 1881 zum Rücktritt des ersten Direktors.
Das Technikum war 1874 mit 5 Schulen gestartet. So hiessen die verschiedenen Abteilungen bis weit ins letzte Jahrhundert. Nämlich die Schule für Bautechniker, Maschinentechniker, ferner die Handelsschule, Kunstschule sowie die Geometerschule.
Das Rückgrat bildete seit der Gründung des Technikums die Schule für Maschinentechnik. Bereits 1875 entstand die Schule für Chemiker, welche bis zum ersten Weltkrieg den höchsten Anteil ausländischer Schüler verzeichnete. 1886 entstand die Schule für Elektrotechniker.
Als nimmermüder Macher wirkte Autenheimer als Mitinitiator und Präsident des Schweiz. Gewerbevereins (1880-1882, Vorort Winterthur) und des Zürcher Handwerks- und Gewerbevereins (1882-85), als Experte an den Weltausstellungen in Wien 1873, Paris 1878 und 1889. Auch als Verfasser von wissenschaftlichen Arbeiten und Lehrmitteln war Autenheimer wesentlich daran beteiligt, die durch die technische Entwicklung gestiegenen Anforderungen an Ausbildung und Gewerbe zu bewältigen.
Auch begab er sich wieder auf das politische Parkett. Er war ab 1883 Zürcher Kantonsrat. Autenheimer verstarb am 6. Juni 1895 in Winterthur