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Vorbemerkung des Herausgebers
Herr Peltier hat in der Nr. 262 des Ambigú, der in London erscheint, eine Zusammenfassung des Tableau physique des régions équinoxiales [Naturgemälde der Tropenländer] des berühmten Humboldt veröffentlicht. Gegenstand dieses Werkes sind unsere Angelegenheiten, sind wir selbst. Das Interesse ist groß, vor allem da noch viele Jahre vergehen werden, bis wir das Original lesen können. Wir hoffen, daß unsere Abonnenten mit Freude die Einschätzungen über unsere Länder, über unsere Produkte und über unsere Kultur, zu denen dieser Reisende gelangt ist, zur Kenntnis nehmen werden.
Die Zusammenfassung von Herrn Peltier ist ziemlich lang und paßt nicht in den Raum, der für Abhandlungen im Semanario vorgesehen ist. Wir haben sie daher in zwei Teile geteilt: der erste umfaßt den Zeitraum von Humboldts Abreise aus Frankreich bis zu seiner Ankunft in Lima, der zweite reicht von dem Aufenthalt in der peruanischen Hauptstadt bis zu seiner Rückkehr nach Europa.
Wir haben einige Bemerkungen und Beobachtungen hinzugefügt, die von unseren Reisen in die Provinz Quito stammen. Sie würden nirgendwohin besser passen als zu denen von Humboldt. Die englischen Maße und die Grade des Thermometers von Fahrenheit haben wir in Burgos-Ellen [varas de Burgos] und Grad auf dem hundertteiligen Thermometer umgerechnet, das heute benutzt wird und die Berechnungen erleichtert.
Naturgemälde der Tropenländer
(Auszug Nr. 1)
Kein Name ist unter den Gelehrten, die sich mit den Wissenschaften der Physik und der Geographie beschäftigen, berühmter als der von Humboldt. Der Besuch dieses aufgeklärten Reisenden in den Regionen der Neuen Welt, die zwischen den Wendekreisen liegen, hat sich als so wertvoll und nachhaltig erwiesen wie bei keinem seiner Vorgänger. Nur wenige haben wie er jene Qualitäten vereinigt, wie sie für solch schwierige Unterfangen nötig sind. Als gelehrter Physiker und profunder Chemiker, durchdrungen von dem brennenden Wunsch, Entdeckungen zu machen, mit allen Mitteln ausgestattet, um dieses edle Streben zu befriedigen und seinen Namen durch die nützlichsten und großzügigsten Unternehmungen berühmt zu machen, hat er sich mit seinen Forschungen allen Gebieten der Ordnung der Natur wie der Gesellschaft gewidmet. Die Vielzahl von erstaunlichen Proben, die er genommen hat, und die großartigen Sammlungen, die er zusammengetragen hat, um dem Fortschritt der Wissenschaften zu dienen, übertreffen alle Ergebnisse, die andere erreichten, welche den gleichen Weg eingeschlagen haben. Humboldt hat neues Licht auf die Geschichte unserer Spezies geworfen, die Grenzen der mathematischen Geographie erweitert und den Schätzen der Botanik, der Zoologie und der Mineralogie unzählige neue Objekte hinzugefügt. Diese kostbaren neuen Funde, nach den Gebieten klassifiziert, in die sie gehören, sollen der Öffentlichkeit in einem Werk von luxuriöser typographischer und bildlicher Ausstattung präsentiert werden. Aber die Ungeduld des Autors eilt dem langsamen Vorankommen des Graveurs und des Druckers voraus. Einige Fragmente aus diesem großen Werk sind schon erschienen, jedoch ohne Ordnung und ohne die Beziehungen deutlich zu machen, die zwischen den Teilen bestehen. Man hat noch nicht einmal begonnen, den Reisebericht zu drucken, der fünf Quart-Bände umfassen wird. Es hat drei Jahre gedauert, um allein das zu vollenden, was wir vor uns haben, und vielleicht braucht es noch einmal so lange, den Rest zu publizieren.
Humboldt wurde in Preußen geboren, wo er weitläufige Besitzungen hat, deren Erträge er für die Entdeckungen einsetzte, die für die Wissenschaft und für die Menschheit so nützlich sind. Mit 21 Jahren begann er seine Reisen durch Europa, mit 27 hatte er bereits Deutschland, Polen, Frankreich, die Schweiz, einen Teil Englands, Italien, Ungarn und Spanien bereist. 1784 nach Paris zurückgekehrt, wurde er von den Direktoren des Muséum d’Histoire Naturelle eingeladen, Kapitän Baudin auf seiner Reise um die Welt zu begleiten. Doch dieses Projekt wurde aufgegeben, wegen der neuen Streitigkeiten mit Österreich.
Humboldt dachte daraufhin ernsthaft daran, einen schon viel früher gehegten Plan in die Tat umzusetzen und als Philosoph den Orient zu besuchen. Er hatte vor, sich einer Expedition anzuschließen, die nach Ägypten aufgebrochen war; von dort aus wollte er nach Arabien weiterreisen, den Persischen Golf überqueren und die englischen Kolonien in Indien bereisen. Aber nach der Schlacht am Nil wurde die Situation Frankreichs täglich schwieriger. Die berberischen Machthaber erklärten ihm den Krieg, und die Seefahrt auf dem Mittelmeer wurde sehr gefährlich. Humboldt verbrachte zwei Monate in Marseille, in der Hoffnung, einen Platz an Bord einer schwedischen Fregatte zu bekommen, die nach Algier fahren sollte zu einem Konsul dieses Landes. Seine Geduld verließ ihn jedoch, und er plante, nach Spanien zurückzukehren in dem Glauben, dort die Möglichkeit für eine baldige Reise in die Berberei zu finden. Er führte eine bedeutende Sammlung von physikalischen und astronomischen Instrumenten mit sich, die er in England und Frankreich erworben hatte.
Doch schon bald eröffnete sich ihm eine größere Perspektive. Nachdem er einige Monate in Madrid verbracht hatte, erhielt er vom Hof das überaus ehrenvolle und großzügige Angebot, die spanischen Kolonien in der Neuen Welt zu bereisen. Sofort rief er aus Paris seinen Freund Bonpland herbei, der unermüdlich auf dem Weg zu Entdeckungen ist und über profundes Wissen in der Botanik und der Zoologie verfügt. Unverzüglich schifften sie sich in La Coruña ein, und nach einem Aufenthalt auf den Kanarischen Inseln, wo sie den Pico de Teyde bestiegen, um seinen Krater zu besuchen, setzten sie ihre Reise fort und erreichten im Juli Cumaná in Südamerika. Bis zum Ende des Jahres bereisten sie die Küste von Paria, die Missionen der Chaimas, die Provinzen Neu-Andalusien, Neu-Barcelona, Venezuela sowie Spanisch-Guayana. Von Caracas aus drangen Humboldt und Bonpland im Jahr 1800 in die wunderbaren Täler von Aragua vor, besuchten den großen See von Valereya, dessen Anblick die Reisenden an den Genfer See erinnerte, freilich geschmückt von jener üppigen Vegetation der tropischen Länder. Auf Cura, einer der kleinen Inseln dieses Sees, entdeckten sie, daß dort eine Art der Solomens angebaut wird, die gesunde und schmackhafte Früchte hervorbringt. Anschließend durchquerten sie die berühmten Llanos, diese große Zahl von aufeinanderfolgenden Steppen, 200 Meilen weit über unfruchtbares Gebiet, in dem es keine Quelle und keinen Bach gibt und das nur von trockenen Gräsern bewachsen ist. Viele Tage reisten sie durch diese Ödnis, ohne auch nur einen einzigen Strauch oder eine Hütte zu sehen, und ertrugen Temperaturen von 43,3 bis 46,1 Grad auf dem hundertteiligen Thermometer. Von San Fernando am Ufer des Río Apure aus fuhren sie bei 7 Grad nördlicher Breite in den Orinoco ein; auf seinem breiten Flußbett passierten sie die Wasserfälle von Marpurés und Aturés, fuhren bis zur Einmündung des Río Guaviare und von da aus die kleinen Flüsse Atabapo, Jaumine und Temi hinauf. Von den Missionen von Sarita aus erreichten sie auf dem Landweg die Quellen des berühmten Río Negro, wo sie etwa 30 Indianer fanden, welche die Kanus durch den Wald zur Anlegestelle von Pemichin transportierten. Dann fuhren unsere Reisenden den Río Negro bis zum Fort San Carlos hinab. Von hier aus kehrten sie über den Casiquiare zum Orinoco zurück und von dort zur Mission von Esmeraldas. Die Guaycos und die verstreuten Indianerstämme, auf die sie trafen, hinderten sie daran, die Quellen des Orinoco zu erreichen. Diese Guaycos haben eine helle Hautfarbe, sind von kleinem Wuchs und von blutrünstiger und kriegerischer Wesensart. Die Fahrt diesen Fluß hinunter war mühselig und unangenehm. Tagsüber litten sie unter dem Mangel an Proviant und nachts unter den unablässigen Regenfluten. Gezwungen, in den Wäldern Schutz und wenigstens ein kümmerliches Mahl zu suchen, fanden sie nichts als Wolken von Insekten. Sie wagten es nicht einmal, im Wasser Erleichterung zu suchen, denn überall lauerten die Krokodile, um sie zu verschlingen. Nachdem sie so vielen Gefahren, so vielen Leiden und den von den brennenden Sonnenstrahlen hervorgebrachten todbringenden Dünsten entronnen waren, kehrten sie über die Llanos de Cari und die Mission der Cariben nach Cumaná zurück. Die Cariben sind eine Rasse, die vielleicht den Patagoniern am nächsten kommt, der riesenhaftesten und stärksten Rasse der bekannten Welt.
Nach einigen Tagen, die sie brauchten, um neue Kräfte zu schöpfen, schifften sich die Reisenden zur Insel Kuba ein und erlebten bei dieser Überfahrt alle Gefahren und Schrecken eines Schiffbruchs. Sie blieben dort drei Monate. Humboldt bestimmte den Längengrad von Havanna und brachte den Zuckerrohrbauern bei, wie sie wirksamere Öfen bauen konnten, um die Produktion zu verbessern. Humboldt plante als nächstes, nach Veracruz zu fahren und von dort aus über México und Acapulco auf die Philippinen zu reisen, mit dem Ziel, wenn möglich über Bombay und Aleppo nach Konstantinopel zu gelangen. Aber ein falsches Gerücht über die Abreise von Kapitän Baudin zwang ihn, seine Route zu ändern, und er schickte, um jede Gefahr zu vermeiden, seine Sammlungen und seine Manuskripte direkt nach Europa. Im März 1801 heuerte er ein kleines Schiff und segelte nach Cartagena. Doch durch die andauernde Flaute und Gegenströmungen wurden sie zu lange auf dem Meer festgehalten. Die Jahreszeit war auch schon zu weit fortgeschritten, als daß sie noch nach Panama und von dort aus nach Guayaquil oder Lima hätten reisen können, wo sie den französischen Seefahrer zu treffen gehofft hatten. Dieser Plan wurde aufgegeben, und da Humboldt gern den berühmten amerikanischen Naturforscher Mutis kennenlernen und seine herausragende Sammlung in Augenschein nehmen wollte, beschloß er, sich zu dessen Wohnort zu begeben. Unsere Reisenden durchquerten die Wälder von Turbaco und fuhren auf dem schönen Río Magdalena bis Villa de Honda; von dort setzten sie ihre Reise durch die Wälder von Melastoma- und Chinarindenbäumen fort, bis sie nach Santafé de Bogota, der Hauptstadt des Königreichs Neu-Granada, kamen. Diese Stadt liegt am Fuß von zwei Bergen in einer schönen Ebene auf einer Höhe von 3.143 kastilischen Ellen über dem Meeresspiegel. Diese Gegend scheint die Natur gemacht zu haben, um dem Geschmack zu schmeicheln und die Phantasie anzuregen. Die Bergwerke von Mariquita, von Santa Ana, von Zipaquira etc. liegen in der Nähe; die natürliche Brücke von Icononso, die aus drei Felsbrocken besteht, die bei einem Erdbeben dorthin stürzten, ist sehr bemerkenswert. Der prächtige Wasserfall von Tequendáma, der über 212 Ellen in die Tiefe stürzt, bietet eines der großartigsten Naturschauspiele.
Trotz der noch andauernden Regenzeit machten sich Humboldt und Bonpland im September 1801 auf den Weg nach Quito. Sie überquerten die Anden von Quindío, die nichts anderes sind als eine Kette von Bergen, die zum Teil mit Schnee bedeckt sind, wo man aber Storaxbäume, Passionsblumen (Passifloren) und Bambus (Guadua) im Überfluß findet. Dreizehn Tage lang mußten sie durch sumpfiges Gelände wandern, ohne einen begangenen Weg zu finden. Nachdem sie kurz Cartago im wunderbaren Cauca-Tal gestreift hatten, gelangten sie in die Nähe der Region Chocó, wo sie auf ihrem Weg Kegel aus Basalt, Grünstein und fossilem Holz fanden. Von Buga aus wandten sie sich nach Popayán, Bischofssitz und Hauptstadt der Provinz gleichen Namens. Popayán ist anmutig und malerisch am Fuß eines Porphyrgebirges gelegen, in der Nähe der Vulkane Puracé und Zotara, wo eine angenehme Temperatur herrscht. Von hier aus reisten sie weiter durch die Schluchten von Almaguer, um das tödliche Patia-Tal zu umgehen, nach der Stadt Pasto, in einer schönen Ebene gelegen und in unmittelbarer Nachbarschaft eines Vulkans, den manchmal Schnee bedeckt. Dann überquerten sie den Guaytara auf einer Brücke über einem Abgrund, mehr als eine halbe Meile tief, die an einem der vielfältigsten und großartigsten Orte in diesem Gebirge liegt. Im Anschluß reisten sie über eine fruchtbare Hochebene, auf der europäisches Getreide angebaut wird, obwohl sie auf einer Höhe von 3.395 Ellen über dem Meeresspiegel liegt, und gelangten nach Pueblo de Tulcan, in der Nähe einer Inka-Festung und am Berg Rumi-chaca gelegen. Von hier stiegen sie ins Chota-Tal ab, das zwei Meilen lang und eine Meile tief ist, und ins Tal von Guayllabamba, eine halbe Meile tief, wo sie in beiden Tälern unter der unerträglichen Hitze litten, bis sie schließlich im Januar 1802 in der berühmten Stadt Quito ankamen. Hier konnten sie nach all den Anstrengungen aufatmen, Gastfreundschaft und Vertrauen inmitten der großartigsten Erzeugnisse der Natur genießen.
Sie blieben acht Monate in der Provinz Quito, unternahmen Exkursionen zu den Vulkanen in der Nähe und zu den höchsten Gipfeln der Anden. Nach drei verschiedenen Versuchen gelangte Humboldt zweimal unter Lebensgefahr auf den Gipfel des Vulkans Pichincha, wobei er die notwendigen physikalischen Instrumente bis auf eine Höhe von 5.718 Ellen über dem Meeresspiegel mit sich führte. Er besuchte auch sogleich den Porphyrberg Antisana, dessen Krater, umgeben vom ewigen Schnee, auf einer Höhe von 7.117 Ellen über dem Meeresspiegel liegt.
Es war in dieser Zeit, als sich unsere Reisenden, begleitet vom Sohn des Marquez de Selva-Alegre (D. Carlos Montufar), der aus Liebe zur Wissenschaft seit ihrer Ankunft in Quito nicht von ihrer Seite gewichen war, zu einem schwierigeren Unterfangen entschlossen. Um die Mitte des Sommers machten sie sich auf zum Vulkan Tunguragua und zum schneebedeckten Chimborazo. Sie kamen an den traurigen Ruinen von Riobamba und anderen Ortschaften vorbei, die am 7. Februar 1797 von einem Erdbeben zerstört worden waren, bei dem 40.000 Menschen ums Leben kamen. Nachdem sie eine Gruppe großartiger Porphyrsäulen passiert hatten, überquerten sie den Puela auf einer Seilbrücke und erstiegen die Höhe von Chuchilla und Guandisava, eine Kette von kalzinierten Felsen, die vor dem schrecklichen Erdbeben von einem dichten Wald aus duftenden Zedern bewachsen gewesen waren. Von hier aus berechneten sie, daß der Tunguragua sich auf eine Höhe von 5.022 Ellen über dem Meeresspiegel erhebt. Unter unglaublichen Anstrengungen stiegen sie schließlich an der Ostflanke des Chimborazo empor und stellten ihre Instrumente auf dem schmalen Grat eines Porphyrfelsens auf, der aus der riesigen, von undurchdringlichem Schnee bedeckten Fläche herausragte. Ein 500 Fuß breiter Felsen verhinderte ihr Weiterkommen. Die Dichte der Luft hatte sich um die Hälfte verringert. Sie spürten durchdringende Kälte, es war schwer zu atmen, und ihre Augen, ihr Zahnfleisch und ihre Lippen bluteten. Sie befanden sich hier auf dem höchsten Punkt, auf dem je ein Sterblicher gewesen war. Die Höhe betrug 7.114 Ellen, das ist 1.264 Ellen höher als der Punkt, den La Condamine 1745 erreicht hatte. Durch eine geometrische Operation stellten sie fest, daß der Gipfel des Chimborazo noch 780 Ellen von dem Punkt entfernt war, an dem sie sich befanden.
Als diese wichtigen Beobachtungen abgeschlossen waren, stiegen unsere Reisenden wieder in die Zone der Vegetation ab und durchwanderten die Kette der Anden, gefolgt von 20 Maultieren, die ihr Gepäck und ihre Sammlungen trugen. Sie gingen durch die Ebene von Teocaxas, drangen bis Sitzan vor und durchquerten die gefährliche Wüste von Azuay. Auf dem Weg nach Cuenca sahen sie die Ruinen der Inka-Paläste und andere Monumente, Zeugen der großen Vergangenheit Perus. Sie setzten ihren Weg in Richtung Cumbe fort, das in der Nähe des großen Paramo de Sarar liegt, wo Melastoma und Embotrium in einer Höhe von 4.380 Ellen wachsen. Sie gelangten zu dem schönen Wasserfall von Uduchapa und stiegen eine halbe Meile auf dem fast senkrecht abfallenden Weg ab. Sie durchquerten das Zaragurutal, eine der schönsten Landschaften der Anden, und kamen schließlich nach Loja, einer Stadt, die berühmt ist für ihren Handel mit Chinarinde. Die Bäume, die diese hervorbringen, wachsen auf Bergrücken bis zu einer Höhe von 5.474 Ellen über dem Meeresspiegel und bei einer Temperatur von 15 bis 21 Grad auf dem hundertteiligen Thermometer. Sie setzten ihre Reise fort und kamen durch einige Dörfer der Eingeborenen, umgeben von Wäldern aus Cherimoyas und wilden Limonenbäumen und in der Nähe der Ruinen von peruanischen Palästen, die überall verstreut zu finden waren. Sie stiegen hinab in das Bett des Lutaco in einem langgestreckten Tal mit einer Tiefe von 1.533 Ellen. Sie kamen an Zuckerrohrpflanzungen vorbei, durchquerten den Wald von Chusucanas, in dem sich riesige Ruinen von Bädern der Inkas befinden, und passierten die große Straße, die diese Fürsten in einer Höhe von zwei Meilen über dem Meeresspiegel über die Anden hatten bauen lassen. Sie gelangten nach San Felipe und retteten mit knapper Not ihre Instrumente und ihre Sammlungen, denn sie brauchten drei Tage, um eine Furt des Río Guacabamba zu durchqueren. Nach einem steilen, fast senkrechten Abstieg von einer Meile im Schatten eines Limonenwaldes kamen sie zu einem Indianerdorf, wo sie sich auf dem Río Chayma einschifften und so in die Provinz Jaen und zu den Wasserfällen von Reutema gelangten, die am linken Ufer des Amazonas liegen, nur 450 Ellen über dem Meeresspiegel.
Humboldt und seine Gefährten schifften sich auf diesem großen Fluß ein und fuhren zum Wasserfall von Tomependa. Hier wandten sie sich nach Südosten und besuchten die berühmten Bergwerke von Chota, die auf der Kordillere liegen, kamen nach Caxabamba, auf einer 996 Ellen hoch gelegenen Ebene, wo Gerste üppig gedeiht. Anschließend stiegen sie am westlichen Abhang der Kordillere ab, erblickten mit Freude den Pazifischen Ozean, reisten im Oktober an seinen kargen und unfruchtbaren Ufern entlang, bei einer Lufttemperatur von 16,1 Grad und einer Wassertemperatur von 21 Grad auf dem hundertteiligen Thermometer, und gelangten schließlich nach Lima, der Hauptstadt Perus.
Hier verweilte Humboldt einige Zeit und genoß die Lebhaftigkeit und Intelligenz der Einwohner. In Callao hatte Humboldt das Glück, den Austritt des Merkurs bei seinem Durchgang vor der Sonne zu beobachten.
(Wird fortgesetzt.)
Naturgemälde der Tropenländer