Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03232.jsonl.gz/2707

«Liebes Arschloch, ich hoffe, deine Kinder werden von einem Lastwagen überfahren.»
Mit dieser Beleidigung beginnt der rege Mail-Austausch zwischen Oscar, einem etablierten Autor, und Rebecca, einer etwas in die Jahre gekommenen Schauspielerin. Vorher beschimpfte Oscar auf Instagram Rebeccas Äusseres aufs Gröbste. Daraufhin meldet sie sich per Mail bei ihm und eine über 300 Seiten lange Konversation startet.
Es stellt sich heraus, dass sich die Zwei aus ihrer Kindheit kennen und sie mehr Gemeinsamkeiten haben, als sie zu Beginn vielleicht vermutet haben. Ihre Freundschaft, die nur in ihren langen Mails existiert, beginnt langsam, aber stetig zu wachsen. Dank der Anonymität, die Sie hinter ihren Endgeräten geniessen, können Rebecca und Oscar ihr Innenleben ungefiltert miteinander teilen. Beide kämpfen mit Drogen, dem Altwerden, neuen feministischen Ansichten und obendrauf noch dem Coronavirus, das Paris lahmlegt. Unterbrochen werden die Mails nur von ein paar Blogeinträgen einer jungen Feministin, mit der sich Oscar in einem #MeToo-Konflikt befindet. Sie fühlte sich von ihm belästigt und verarbeitet diese Erfahrung in ihrem Blog.
Virginie Despentes erzählt von drei Figuren, die die Welt nicht unterschiedlicher wahrnehmen könnten und lässt so beinahe alle wichtigen Themen unserer Zeit einfliessen. Sie rechnet aber auch auf ihre brutal klare Art mit allen Protagonist:innen in diesem Buch ab. So, dass am Schluss alle als Arschloch dastehen, die man aber wegen ihrer entwaffnenden Menschlichkeit trotzdem sehr liebgewinnt.
Dshamilja Walde