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Datierung
1964
Objektmasse
72.2 x 52.2 x 12 cm
Technik/Material
Papierkorbinhalt, Acryl auf Holz, Acrylglas, Stahl
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Sammlung Rolf und Friedel Gutmann
Inv.-Nr.
SK08092
Poubelle
Arman (1928, Nizza – 2005, New York) gehörte 1960 zu den Mitbegründern der Nouveaux Réalistes um Yves Klein, die sich von den emotionsgeladenen Malereitendenzen der 1950er-Jahre distanzierten und die Rückkehr zum direkten Realitätsbezug proklamierten. Die Verwendung von Alltagsgegenständen sollte dies gewährleisten, womit wichtige Grundlagen für die spätere Pop Art geschaffen wurden. Ebenso stellen die Aktionen der Gruppe – beispielsweise Armans «Colères», bei denen er Gegenstände vor Publikum zertrümmerte – Vorläufer der Happenings und Environments der 1960er-Jahre dar.
Begonnen hatte Armans Karriere allerdings im klassischen Medium der Malerei – und mit einem Druckfehler: Armand Pierre Fernandez hatte schon Anfang der 1950er-Jahre beschlossen, als Künstler nur unter seinem Vornamen in Erscheinung zu treten. Als dieser bei seiner zweiten Einzelausstellung in Paris 1958 auf der Einladungskarte versehentlich ohne das abschliessende «d» angeführt wurde, machte Arman die Not zur Tugend beziehungsweise die verkürzte Version zu seinem Künstlernamen. Ohne, dass ein direkter Zusammenhang bestünde, fällt dieser Namenswechsel zusammen mit der grundlegenden Neuausrichtung seines Schaffens: Nach Experimenten mit Stempeln und Abdrücken von Gegenständen seit Mitte der 1950er-Jahre verlässt Arman 1959 (bis zu seinem Spätwerk) das zweidimensionale Medium und beginnt, seine bald berühmten «Accumulations» und «Poubelles» zu kreieren. Bei ersteren handelt es sich um eine Vielzahl von gleichen oder ähnlichen Gegenständen – Glühbirnen, Telefonhörer, Gasmasken –, die in unterschiedlichen Behältnissen präsentiert werden. Solche «Ansammlungen» realisierte er auch grossformatig für den öffentlichen Raum, etwa 1982 den spektakulären, 18 Meter hohen Turm aus 59 PKWs und Beton mit dem Titel «Long Term Parking» (Jouy-en-Josas, FR).
Die «Poubelles» genannten Werke, von denen das Museum Haus Konstruktiv eines besitzt, bestehen aus gesammeltem Abfall, der zunächst in Plexiglasboxen, später auch in Polyesterharz gegossen präsentiert wird. Einige «Poubelles» tragen im Titel den Namen befreundeter Künstler, was den Porträtcharakter eines jeden Mülleimers unterstreicht. Beide Werkgruppen beinhalten zudem den kritischen Verweis auf die damals noch relativ junge Massenproduktion und die mit ihr aufkommende Wegwerfmentalität. Armans Selbsternennung zum «Archäologen der Gegenwart» wird vor diesem Hintergrund verständlich.
Deborah Keller