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Die Organisation Uber Drivers Network will mit einer kollaborativen App ein Gegenmodell zum Fahrdienstleister entwickeln. Die Erfolgschancen sind gering.
Sinkende Tarife, miese Arbeitsbedingungen, kaum Rechte – in allen grossen Städten der USA protestieren Uber-Fahrer gegen den Fahrdienstleister. Das Versprechen der Sharing Economy, sie zu einem eigenen Taxiunternehmer mit lukrativen Gewinnspannen zu machen, hat sich in einen Albtraum verwandelt.
Der Arbeitsmarkt, so formulierte Adair Turner, ehemaliger Chef der britischen Finanzregulierungsbehörde FSA und heute Vorsitzender der New Yorker Denkfabrik New Economic Thinking, ähnele einem «feudalen Marktplatz, in dem der Lehnsherr jeden Tag auftauche und sage: Ich nehme dich, dich und dich.»
In Sammelklagen forderten die Uber-Fahrer, als Angestellte statt als selbstständige Unternehmer anerkannt zu werden. Der Fahrdienstleister wollte den Streit in einem Vergleich beenden und in einem ersten Schritt 84 Millionen Dollar an etwa 385’000 Fahrer ausschütten – ein Gericht sagte allerdings: No. Der kalifornische Bezirksrichter Edward Chen entschied am Donnerstag, die Einigung sei weder «fair», noch «ausreichend» oder «angemessen».
Das Ziel der Uber-Fahrer in den USA ist ein Anti-Uber.
Aber Geld allein macht die Fahrer nicht glücklich, ihnen geht dies sowieso nicht weit genug: Die Organisation Uber Drivers Network, eine Art Gewerkschaft, welche die Proteste anführte, will eine Konkurrenz-App zu Uber lancieren, die von und für Fahrer betrieben wird. Eine Art Anti-Uber also.
Das erklärte Ziel ist es, eine kollaborative Plattform aufzubauen, bei dem die Fahrer an den Gewinnen beteiligt werden und die Kommissionen geringer sind. Swift, wie die geplante App heisst, soll wie Uber Fahrgäste über das Internet an Chauffeure vermitteln.
Hinter der Organisation stecken nach eigenen Angaben fast 40’000 Fahrer. Interessierte Fahrer können sich im Internet über eine Website anmelden. «Unsere Motivation ist es, Fahrer zu organisieren und den vielbenötigten Wandel in der Taxi-Industrie herbeizuführen», teilt Uber Drivers Network auf Anfrage mit. Die Gewerkschaft will die Arbeitskraft des Fahrerkollektivs in die Waagschale werfen und den Faktor Arbeit gegenüber Kapital in der Gig Economy stärken. «Ohne die Fahrer ist Uber nur eine App auf dem Smartphone.»
Darin schwingt auch eine Klassenkampfparole mit: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will. Ubers gigantischer Marktwert von 62 Milliarden Dollar speist sich vor allem aus den Fahrdaten, die die Chauffeure generieren, ohne dafür entlohnt zu werden. Das will Uber Drivers Network ändern. «Es ist möglich, Uber mit einem grossen Netzwerk wie unserem zu disruptieren», sagen die Fahrer selbstbewusst.
Aber ist das realistisch? Kann eine App, die täglich zwei Millionen Fahrten auf dem Globus vermittelt, von einer Kooperative attackiert werden?
Der Ingenieur Harry Campbell, der selbst bei Uber und Lyft Taxi fuhr und den Blog «The Rideshare Guy» betreibt, sagt im Gespräch: «Ich denke, ein Kooperationsmodell wäre für die Fahrer am nützlichsten, aber es ist schwer vorstellbar, dass sie mit einem Business wie Uber konkurrieren können. Uber hat die besten Leuten in jedem Feld, vom Ingenieurswesen bis hin zum Marketing und verfügt über Kapitalreserven in Milliardenhöhe.» Viele Fahrer unterschätzten, was es bedeute, ein erfolgreiches Unternehmen am Markt zu führen.
Ubers Marktwert gründet vor allem in seinem Know-how. Ein Algorithmus setzt in Echtzeit je nach Angebot und Nachfrage die Preise und berechnet die Route der Fahrer. Wenn die Fahrer die Preise festsetzen würde, scherzt Campbell, wären sie so hoch, dass keiner mehr mitfahren würde.
Die Daten wären wichtig, aber Uber wird diese nicht herausrücken. Nie.
Der Insider sieht dennoch eine Marktlücke für ein Kooperationsmodell wie Swift: «Eine der grössten Beschwerden über die Jahre von Uber-Kunden war, dass die Qualität der Fahrer abgenommen habe. Es gibt eine hohe Fluktuation in der Branche, weil die Fahrer kaum noch einen Anreiz haben, zu bleiben.»
Eine App wie Swift könnte durch bessere Arbeitsbedingungen und höhere Margen einen solchen Anreiz schaffen, doch dies würde sich in höheren Fahrpreisen niederschlagen. Die Frage sei, ob die Kunden bereit sind, für etwas mehr Komfort und höhere Löhne mehr Geld zu bezahlen. Der Blogger ist da skeptisch.
Eine Alternative wäre, dass Uber seine Fahrer für die Generierung der Daten entlohnt und eine Automatisierungsdividende ausschüttet. Doch auch hier hat Campbell Zweifel: «Uber verfügt über Berge an Daten, aber gemessen an dem, was wir in der Tech-Industrie im Grossen erlebt haben, sehe ich nicht, dass Uber diese Daten mit den Fahrern teilt. Selbst bei der Kooperation mit dem Staat und Regulierungsbehörden rückt Uber diese Daten nicht heraus.»
Wann die Swift-App lanciert wird, ist noch unklar. Doch wenn das Uber Drivers Network eine kritische Masse hinter sich vereint, könnte es Uber einige Marktanteile abringen.
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