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Eine der Attraktionen an der diesjährigen Paris Air Show in Le Bourget ist der frisch umbenannte SpaceJet von Mitsubishi. Es ist der erste japanische Passagierjet seit der NAMC YS-11 aus den 1960er Jahren – und soll nach der Indienststellung im nächsten Jahr den Markt für Regionalflugzeuge aufmischen.
Der Mitsubishi-Flieger wird in zwei Versionen auf den Markt kommen, eine für 76 Passagiere, die andere für 88 Passagiere. Die Idee: Er ist gemacht für Direktflüge zwischen kleineren Flughäfen. Ein Umstieg in einem grossen Drehkreuz wie Atlanta, Frankfurt, Dubai oder London erübrigt sich damit.
Mitsubishis Wette auf mehr Direktflüge
Mitsubishi sieht im Markt für Regionalflugzeuge grosse Chancen. Weltweit würden Fluggesellschaften in den nächsten zwanzig Jahren 5'100 solcher Jets benötigen, schätzt das Unternehmen. Neben der Eigenentwicklung befindet sich der japanische Industriegigant deshalb in Gesprächen mit Bombardier über einen Kauf des Regional-Jet-Programms der Kanadier.
Wie einst Boeing im Duell mit Airbus, so setzen auch die Japaner darauf, dass mehr Direktflüge das System von Hubs und Zubringerflügen ersetzen sollen. Boeing hatte diese Entwicklung schon in den 1990er Jahren erwartet – und vorausgesagt, dass sich der A380 von Airbus nicht rechnen würde: Das Riesenflugzeug sollte insbesondere mit Flügen zwischen den grossen Drehkreuzen ausgelastet werden. Doch der Markt entwickelte sich in eine andere Richtung.
Viele Airlines bestellten für ihre Langstreckenflüge die kleineren Maschinen Boeing 777 und Boeing 787 «Dreamliner», die sie auch bei weniger frequentierten Direktflügen füllen können. Das grösste Passagierflugzeug der Welt wurde dagegen zum Ladenhüter, Airbus gab Anfang Jahr das vorzeitige Aus des Programms per Ende 2021 bekannt.
Mega-Hubs wie Dubai führen zwar zu einer besseren Auslastung der Flüge von diesen Flughäfen. Doch die Zubringerflüge kosten die Fluggesellschaften viel Geld und auch die Passagiere verlangen zunehmend nach Direktflügen.
Lange Entwicklungszeit
Mitsubishi begann 2008 mit der Entwicklung eines Passagierflugzeugs. Die Luftfahrtabteilung des Konglomerats ist einer der Hauptlieferanten für Boeing und stellt beispielsweise die Flügel der B787 her. Dennoch war das eigene Luftfahrtprogramm von Verzögerungen und hohen Kosten geprägt. Insgesamt investierte Mitsubishi mindestens 2 Milliarden Dollar in die Entwicklung.
Die erste Auslieferung des grösseren Modells M90 ist inzwischen auf 2020 geplant, drei Jahre später soll der kleinere SpaceJet M100 folgen. Ende 2018 hatte Mitsubishi bereits über 200 Bestellungen und rund 200 weitere Optionen in den Auftragsbüchern. In Le Bourget sollen nun weitere dazukommen.
Der neue Name SpaceJet bezieht sich laut Chef-Entwickler Alex Bellamy nicht aufs Weltall, sondern auf die Geräumigkeit der Kabine. Das Flugzeug werde – dank dem geringeren Gewicht und weniger Wartungsaufwand – im Betrieb 10 Prozent billiger als die direkte Konkurrenz sein, schätzt Bellamy.
Bei einem Erfolg ist laut Bellamy ein Ausbau der Reihe auf drei Flugzeugtypen geplant: «Es besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir die Familie mit einem Flugzeug für 100 Passagiere komplettieren werden.» Ohne ein einziges Flugzeug ausgeliefert zu haben, ist Mitsubishi damit zum ernstzunehmenden Player auf dem Markt für Regionalflugzeuge aufgestiegen.