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Titel:
Von Rechen- und Gabelmachern
Thema: Wirtschaft
Datum: 08.03.1919
Masse: 44.5 x 34.5 cm
Standort: Privatbesitz Ernst Graf, Heiden
Urheber/-in: Verband der Rechen- und Gabelmacher
Beschreibung:
Im Frühjahr 1919 wurde der durch den Vorstand des Verbandes der Rechen- und Gabelmacher vom Appenzeller Hinterland und Umgebung ausgehandelte Preistarif für neue Gerätschaften, Reparatur- und Anstellarbeiten öffentlich bekannt gemacht. 17 namentlich genannte Verbandsmitglieder verbürgten sich dafür „nicht unter diesen Preisen zu arbeiten“.
Die Mehrzahl der unterzeichnenden Rechenmacher stammte aus beiden Appenzell. Doch vereinzelte Verbandsmitglieder waren auch im Kanton St. Gallen wohnhaft. Laut Preistarif waren die von ihnen produzierten landwirtschaftlichen Gerätschaften vorwiegend aus Holz gefertigt. Das angebotene Sortiment an Rechen und Gabeln war beachtlich.
Geschichte:
Die nach Ende des Ersten Weltkriegs einsetzende Wirtschaftsflaute und ansteigende Arbeitslosigkeit gab in unterschiedlichen Branchen Anlass zur Festsetzung von Fixpreisen und Mindest-Löhnen. Wohl nach dem Vorbild der 1919 verfügten Mindest-Stichpreise und Mindest-Stundenlöhne in der wichtigen Stickereiindustrie versuchten auch die unter starkem Konkurrenzdruck leidenden ländlichen Rechen- und Gabelmacher gegenseitig verbindliche Vereinbarungen zu treffen. Dabei mag allein schon der Umstand erstaunen, dass diese traditionellen Holzhandwerker in einem eigenständigen regionalen Berufsverband organisiert waren. Weitere Dokumente zu diesem Verband der Rechen- und Gabelmacher, der damals wohl auch bereits in hartem Wettbewerb zu industriell gefertigten Massenprodukten stand, haben sich indessen nicht überliefert. Überhaupt ist diese Berufsgruppe schlecht fassbar und nur wenige Mosaikstücke erinnern daran. In der Rückschau auf seine Kindheit schreibt der im Appenzeller Vorderland aufgewachsene Volksschriftsteller Jakob Bodenmann über den im Heidler Stapfen wohnhaften Johannes Würzer (1858-1917): "Dem Sternen zunächst wohnte der Rechen- und Gabelmacher Würzer, und ich sah ihm manche Stunde bei seinen Hantierungen zu, besonders das Biegen der Gabelzinken fand ich immer sehenswert". Dessen Sohn Johannes Würzer (1888-1935) trat dann zunächst in die väterlichen Fussstapfen und scheint als einer der Gewerbetreibenden im gedruckten Preistarif von 1919 auf.
Autor: Peter Witschi, Herisau
Literatur:
Hartmann, Jakob: Das Vorspiel des Lebens - Geschichte einer Kindheit. Weinfelden 1923.
Schläpfer, Walter: Wirtschaftsgeschichte des Kantons Appenzell Ausserrhoden bis 1939. Herisau 1984.
StAAR, Familienregister Heiden, Band 3, Nr. 207 und Band 4, Nr. 696.
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