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Die humanitäre Lage in der Ukraine verschlechtert sich täglich. Unter äusserst schwierigen Bedingungen hilft die ukrainische Caritas, indem sie mit Unterstützung von Caritas Schweiz Hunderttausende von Menschen mit Nahrungsmitteln, Wasser und Hygieneartikeln versorgt. Und wenn sie keine andere Wahl haben, als zu gehen, kommen die ukrainischen Flüchtlinge erschöpft an den Grenzübergängen an. Auch hier bietet ihnen die Caritas direkte und sofortige Hilfe an, in Polen sowie in Rumänien, Moldawien und der Slowakei.
Sie wollen so schnell wie möglich nach Hause zurückkehren, wenn der Krieg vorbei ist. Aber wer kann schon das Ende der Kämpfe vorhersagen? Die ukrainischen Flüchtlinge, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, lassen alles hinter sich. Zehn Millionen Menschen mussten bereits ihr Zuhause in der Ukraine verlassen und fliehen. Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Strom werden knapp und die Versorgung der Bevölkerung wird immer schwieriger. Der Krieg treibt die Ukraine in eine humanitäre Katastrophe, die sich täglich verschlimmert.
Hilfe in der Ukraine unter schwierigsten Bedingungen
Seit Beginn des Krieges hat die Caritas Ukraine mehr als 350 000 Menschen im ganzen Land mit Nahrungsmitteln, Wasser und Hygieneartikeln unterstützt. Täglich finden über 2500 intern Vertriebene einen Platz zum Übernachten in den zahlreichen provisorischen Unterkünften der Caritas.
Rund 1000 Caritas-Mitarbeiter leisten diese Hilfe. Unzählige Freiwillige haben sich gemeldet, um Mahlzeiten zu verteilen, Fahrdienste zu übernehmen und vor Ort zu helfen. Vor allem Frauen und Kinder erhalten wichtige Unterstützung. Aufgrund des Krieges muss die humanitäre Arbeit an manchen Orten zeitweise unterbrochen werden, um die Sicherheit der Mitarbeiter und der Begünstigten zu gewährleisten.
Darüber hinaus werden Warentransporte von Polen in die Ukraine organisiert. Der Bedarf wird von der Caritas in der Ukraine, die ebenfalls Lastwagen schickt, klar kommuniziert. Lebensmittel, Kleider und andere eingekaufte Waren werden in den Südosten des Landes, nahe der Grenze, transportiert. Dort werden die Waren mit Hilfe von Freiwilligen auf ukrainische Lastwagen umgeladen. Mehr als 40 LKW-Ladungen wurden bereits in die Ukraine geliefert. Die Fahrer haben eine Ausnahmegenehmigung, ihr Land zu verlassen, um humanitäre Transporte durchzuführen. Zurück in der Ukraine werden die Waren auf kleinere Kleintransporter umgeladen und verteilt.
Hilfe in Polen für immer mehr Flüchtlinge
Der Krieg hat eine Massenflucht ausgelöst. Mehr als 4 Millionen Menschen haben bereits die Grenzen überschritten, um in die Nachbarländer zu flüchten, mehr als 2,3 Millionen von ihnen sind in Polen angekommen.
Dank der engen Partnerschaft von Caritas Schweiz mit Caritas Polen kann die Unterstützung aus der Schweiz schnell und gezielt eingesetzt werden: Caritas Polen hat über 10 000 Mitarbeitende und verfügt über ein grosses Netzwerk. So leistet sie in ihren «Zelten der Hoffnung» direkt an den acht Grenzübergängen Erste Hilfe für die Flüchtlinge. Dann gibt es die Aufnahmezentren, in denen die Neuankömmlinge sich ausruhen und die Nacht in einer ruhigeren Umgebung verbringen können. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Freiwilligen verteilt die Caritas warme Mahlzeiten, Wasser, Hygieneartikel und Medikamente an die Flüchtlinge. Ausserdem werden ihnen Kommunikationsmittel zur Verfügung gestellt. Die Flüchtlinge erhalten Informationen darüber, was sie als Nächstes tun können und welche Schritte sie unternehmen müssen. In den kommenden Wochen wird die polnische Caritas mit Unterstützung der Glückskette 5600 besonders bedürftige Menschen mit Geld unterstützen, damit sie ihre dringendsten Bedürfnisse oder Kosten für die Weiterreise decken können.
Unermessliche polnische Solidarität
Das polnische Sozialsystem wurde und wird von der grossen Zahl an Flüchtlingen stark gefordert. «Die Solidarität in der polnischen Bevölkerung und der Zivilgesellschaft ist beeindruckend», stellt Gerhard Schaumberger, Delegierter der Caritas Schweiz für die humanitäre Hilfe in Polen, fest. Selbst auf den Autobahnraststätten im Hinterland werden überall kostenlose Mahlzeiten für ukrainische Flüchtlinge angeboten. Die Inflation macht sich jedoch auch stark bemerkbar, sowohl bei den Lebensmitteln als auch auf dem Wohnungsmarkt. Die Hauptstadt Warschau, die ursprünglich 1,7 Millionen Einwohner hatte, wuchs um etwa 300 000 Flüchtlinge an. Da die meisten von ihnen Frauen und Kinder sind, ist die Belastung für die Kindergärten und das Bildungssystem hoch.
«Ich finde es besonders schlimm, dass viele Familien auseinandergerissen werden und mehrheitlich alte Menschen, Frauen und Kinder hier ankommen», fügt Gerhard Schaumberger hinzu. «Ich hoffe, dass die Solidarität in der Schweiz und im restlichen Europa andauern wird, denn das ohnehin nicht sehr wohlhabende Polen wird diese Krise nur schwer alleine meistern können»
Hilfe in Moldawien, Rumänien und der Slowakei
Jeden Tag verlassen Zehntausende von Menschen die Ukraine. «Das ist natürlich eine enorme Herausforderung für die Länder, die sie aufnehmen», betont Gerhard Schaumberger. So sind auch bereits mehr als 380 000 Menschen aus der Ukraine in Moldawien eingetroffen. Caritas Moldawien hilft den Flüchtlingen, sicher von der Grenze zu den Unterkünften zu gelangen. Sie organisiert zusätzliche Unterbringungsplätze und bietet den Ankömmlingen warme Mahlzeiten, Wasser, Hygienematerial und psychologische Unterstützung. Von diesem Projekt, das von Caritas Schweiz mitfinanziert wird, profitieren rund 10 000 Flüchtlinge.
Über 600 000 Menschen sind bereits aus der Ukraine nach Rumänien geflohen. Hier bietet Caritas in zwölf Zentren Unterkünfte für die Schutzsuchenden an, zurzeit sind weitere Zentren im Aufbau. Das von Caritas Schweiz unterstützte Projekt organisiert die Versorgung von 12 000 Flüchtenden mit warmen Mahlzeiten und Hygienematerial und bietet in den Zentren psychologische Unterstützung sowie Rechtsberatung an. An der Grenze im Norden werden Transporte von dringend benötigten Gütern, wie Medikamenten, Decken und haltbaren Nahrungsmitteln, in die Westukraine organisiert. Caritas Schweiz unterstützt auch die Nothilfe der Caritas Slowakei.
Der Bedarf wird auch in den kommenden Monaten immens sein und noch über Jahre hinweg bestehen bleiben. Caritas Schweiz plant deshalb ein langfristiges Engagement in der Ukraine und in den Nachbarländern.
Bild oben: In Palanca überqueren Tausende von Flüchtlingen aus der Ukraine die Grenze. Freiwillige Helfende aus Moldawien tun ihr Möglichstes, um die Ankommenden mit dem Nötigsten zu versorgen. (c) Marijn Fidder/Caritas International
Bild Mitte: Mit Informationen und Lebensmitteln versorgen Freiwillige Helfer die Flüchtlinge, die in Przemysl ankommen und an verschiedene Orte weiterreisen. (c) Philipp Spalek/Caritas Deutschland
Bild unten: Die Turnhalle der Grundschule wird als Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine genutzt. (c) Philipp Spalek/Caritas Deutschland