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Die Credit Suisse gerät in weitere Bedrängnis. Der Vorsitzende des „Committee on Banking, Housind, and Urban Affairs“ hat am Mittwoch der CS einen Fragenkatalog rund um den 4,4-Milliarden-Verlust mit dem Hedgefund Archegos geschickt.
Der Ausschuss gehört zum amerikanischen Senat und wird von Sherrod Brown, einem Demokraten aus Ohio, präsidiert. Sein Schreiben mit zehn Fragen ging an Crystal Lalime, Rechtschefin der Credit Suisse Securities (USA) mit Sitz in New York.
„I am troubled, but not surprised, by the news reports that Archegos entered into risky derivatives transactions facilitated by major investment banks, resulting in panicked selling of stocks worth tens of billions of dollars and those banks collectively losing nearly $10 billion“, beginnt Brown seinen Brief, und verweist auf „similar failures in the past“ wie den Kollaps des Hedgefunds LTCM.
Vor zwei Jahrzehnten war die frisch fusionierte UBS unter die Räder geraten, ihr Präsident Mathis Cabiallavetta musste den Hut nehmen – und feierte dann weit oben bei Marsh ein Comeback, dem globalen Versicherungsbroker, welcher der CS im Greensill-Skandal die Versicherung organisierte.
Noch bleibe einiges im Dunkeln, schreibt Banken-Senator Brown, „but the massive transactions, and losses, raise several questions regarding Credit Suisse’s relationship with Archegos and the treatment of so-called ‚family offices,‘ Mr. Hwang’s history, and the transactions that have been mentioned in news reports“.
Bill Hwang war vor dem Aufstieg mit seinem Archegos-Fund vor 9 Jahren zu einer Busse über 44 Millionen Dollar verurteilt worden – wegen Insiderhandels.
„So that I may better understand the circumstances of the Archegos transactions and Credit Suisse’s involvement, please respond to the following by April 22, 2021“, fährt Senator Brown fort. Das sind 8 Tage vor der Generalversammlung der Credit Suisse, an welcher der Schweizer Urs Rohner nach 10 Jahren das Kommando als Präsident dem Portugiesen Antonio Horta-Osorio übergibt.
Die Fragen zielen auf Risk und Compliance bei der Credit Suisse. Sie rücken jenen Bereich ins Zentrum, der bei jeder Bank hohe Aufmerksamkeit geniesst und entscheidend dafür ist, dass die Banken nicht in Schieflage geraten – was für die Bürger und deren Regierung zu Grosskrisen führen kann.
„Please outline the know your customer (KYC) review and client onboarding process for family offices, including any consideration given to whether the family office is subject to regulatory registration or reporting“, lautet Frage 1 des Senators. Sprich: Warum wurde der gebüsste Bill Hwang überhaupt grosser Kunde bei der CS.
Weiter geht es mit Fragen, ob Family Offices spezielle Services und Vorzüge durch das Prime Brokerage, welches nach dem Milliardenverlust mit einem einzigen Kunden bei der CS auf dem Prüfstand gelandet ist, geniessen würden, welche anderen Kunden nicht angeboten würden.
Frage 3: „With respect to family offices, describe any periodic reviews of client details and KYC information, privileges, and market activity your firm conducts, including their frequency“. Know Your Customer, kurz KYC, meint hier: Hat die CS Bill Hwang, dem sie offenbar 10 Milliarden Kredite gewährt hatte, korrekt unter die Lupe genommen und danach ständig überwacht?
Es folgt der Teil zur Vergangenheit von Hwang. „Please explain the client onboarding process, including any supervisor or risk committee approvals, for Archegos, identifying when it became a client, and the consideration of the 2012 agreement to criminal wire fraud by Tiger Asia Management LLC, Mr. Hwang’s prior firm, and his and Tiger Asia Management’s settlement of civil fraud charges related to allegations of insider trading and manipulation that led to a $44 million penalty and an industry bar“.
Wie konnte es sein, dass der Koreaner nach seiner Strafe überhaupt ein wichtiger Kunde bei der CS geworden war, so der Hintergrund. Das Gleiche müssen sich die übrigen Prime Brokers vorwerfen lassen.
Besonders heiss wird es für die CS bei Fragen 7 und 8, mit denen der Senats-Ausschuss auf den Margin-Call bei Archegos zielt, der am 25. und 26. März zu Milliarden-Verkäufen von Aktienblöcken führte, welche die Banken als Sicherheit für Kredite gehalten hatten.
„To address news reports regarding the Archegos margin call, please explain Credit Suisse’s participation in, or consideration of, any coordination with other banks to sell, or to refrain from selling, stocks related to Archegos transactions“, wollen die Senatoren wissen.
Dahinter stecken Berichte, wonach Goldman Sachs, Morgan Stanley, Credit Suisse und die japanische Nomura sowie mögliche weitere Prime Brokers von Archegos am Donnerstag, 25. März, versucht hatten, einen geordneten Ausverkauf der hinterlegten Aktien durchzuführen.
Dies scheiterte, worauf am Freitag die Kurse einiger Aktien um die Hälfte zusammenkrachten und Schockwellen durch die Märkte gingen.
Die involvierten Banken hatten offenbar die US-Behörden nicht ins Bild über ihre Absprachen gesetzt. Nun zitieren diese die Banken zu sich.
Was habt Ihr Euch nur gedacht bei dieser Übung, so die erzürnten Chefs von Fed&Co. Für die CS ist der Ärger der US-Autoritäten besonders bitter. Bei ihr kommt dieser zu den Verlusten hinzu, während Goldman Sachs und Morgan Stanley ohne Blessuren aus dem Krimi herauskamen.
Eine CS-Sprecherin sagte, die Bank würde den Brief des US-Senatsausschusses nicht kommentieren.