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Luftaufnahmen von Beroldingen und Seelisberg
Am alten Saumweg von Seelisberg nach Bauen gelegen, blickt das malerische Schlösschen Beroldingen weit hinunter ins Urnerland bis zum Hauptort Altdorf.
Der dreigeschossige Steinbau mit Walmdach beschreibt als Grundriss ein Rechteck von zwölf auf acht Meter. Der Eingang liegt auf der Ostseite. Auf dieser Seite wurden die Mauern leicht vorgezogen, so dass sie einen guten Windschutz boten. Die Fassaden sind in Stein ausgeführt, lediglich die Wand des zweiten Obergeschosses in der Ostseite besteht aus Holz und Schindeln. Die Fenster sind unregelmässig angeordnet. Auf der Westseite – gegen den Hang zu – wurden lediglich zwei kleine Fenster ausgebrochen.
Die Schlosskapelle, mit verschindeltem Dachreiter an der Südseite, wurde von Ritter Josua von Beroldingen angebaut und 1546 eingeweiht, zur Erinnerung an seine Pilgerfahrt nach Jerusalem, wo er den Ritterschlag erhalten hatte. Ein spätgotisches Fenster dieses Baus ist noch erhalten. Der kostbare, zierliche gotische Flügelalter mit Renaissance-Dekor in der Kapelle ist von Ritter Johann Konrad von Beroldingen (1558-1658), Stammvater der Tessiner Linie, gestiftet worden. 1716 wurde die Kapelle erweitert und die Empore mit dem Schlösschen verbunden. Den Chorbogen zieren zwei spätgotische Plastiken, welche die Heiligen Laurentius und Thomas darstellen.
Die Aussicht vom Schloss auf die Strasse zum Gotthard
Im Hauptzimmer des zweiten Obergeschosses steht noch heute ein weiss-blauer Kachelofen von Meister Johann Jost Nigg, Hafner in Gersau, datiert von 1783.
Wann genau das Schlösschen inmitten der beroldingischen Stammgüter erbaut worden ist, kann nicht schlüssig beantwortet werden. Es ist immerhin möglich, das Josua zu beginn des 16. Jahrhunderts ein bereits bestehendes Gebäude mit mittelalterlichem Kern zum jetzigen Schlösschen ausgebaut hat. Es diente dann sicherlich eine Zeitlang der reichen Urner Aristokratenfamilie als Wohn- und Stammsitz
Die Beroldingen tauchen in der schriftlichen Überlieferung erstmals im Jahre 1257 beim Streit zwischen den urnerischen Izzeli und Gruoba auf. In dieser Sippenfehde nahm Kuno von Beroldingen für die Izzeli Partei. Ungefähr zwanzig Jahre später finden wir die Beroldingen als Gotteshausleute des Fraumünsters von Zürich. Mit Heinrich von Beroldingen aber gelange das Geschlecht zur vollen Blüte: als erster der Familie wurde er Landammann und vertrat somit die auch ennetbirgische Politik von Uri. Auf den Eidgenössischen Tagsatzungen sicherte er die Interessen seines Standes; 1437 vermittelte er im toggenburgischen Erbschaftsstreit, und 1444 besiegelte er im Alten Zürichkrieg nach der Schlacht von St. Jakob an der Birs den Frieden mit dem französischen Dauphin. Heinrichs Enkel Andreas, um 1450 geboren, führte die Politik seines Grossvaters weiter. Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Einnahme der Festung und Stadt Bellinzona. Mit der Übernahme dieses strategisch wichtigen Ortes gelangte der Gotthardweg von Flüelen bis Bellinzona fest in die Hand der Eidgenossen.
Ritter Josua von Beroldingen (1495-1563), Sohn des Andreas, focht in der Schlacht von Marignano mit und unterschrieb für das Land Uri 1529 den Ersten Kappeler Landfrieden. Wie schon sein Vater Andreas wurde auch er vom Papst ausgezeichnet. Paul III schlug ihn 1518 in der Sixtinischen Kapelle zum römischen Ritter. Bald bekleidete er den rang des ersten obersten der päpstlichen Garde in Bologna. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erbaute er sich das Schlösschen Beroldingen, wohl als sichtbares Zeichen seiner Macht und seines hohen Ansehens. Von seinen zehn Kindern wurde Laurenz der Stammvater der älteren Urner Linie. Johann Peregrin, ein anderer Sohn Johanns, begründete den thurgauischen, später deutsch-österreichischen Familienzweig.
Der Sohn Sebastian erhob 1598 die Familiengüter zum heute noch bestehenden Fideikommiss. Dies hatte zur Folge, dass die ehemaligen beroldingischen Güter niemals verkauft oder verpfändet werden durften. Aus dem Ertrag der verwalteten Güter ist ein bestimmter Zins der beroldingischen Pfründe sowie ein festgesetzter Betrag an die armen des Standes Uri auszurichten. Im Lauf der Zeit hat sich das Geschlecht weit zerstreut; Vertreter der Familie leben in Deutschland, Österreich und Spanien. In Uri selbst ist das Geschlecht ausgestorben. Nach dem Aussterben der Familie im Kanton Uri übernahm die Familie Schmid ab Uri in Altdorf die Verwaltung der Stiftung. Ein Teil des Ertrages der Fideikommissgüter wird als Stipendien an Urner Studenten ausgerichtet. Ein anderer Teil dient der Instandstellung und Rennovation des Schlösschens. Das Gebäude wird seit vielen Jahren verpachtet. Die Kapelle des Schlösschens kann besichtigt werden.
Bibliographie