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Anpassung an den Klimawandel wird für immer mehr Menschen zur Notwendigkeit. Besonders in den armen Ländern des globalen Südens fordern steigende Temperaturen und sich verändernde Niederschläge traditionelle Lebensweisen heraus. Wie stellt sich die Caritas Schweiz dieser Herausforderung? Wie kann sie Anpassung gestalten, so dass sie auch unter zukünftigen Klimabedingungen Sinn macht?
Ist der Anbau einer bestimmten Maissorte, den die Bauern im Süden Malis betreiben, trotz der seit Jahrzehnten abnehmenden Niederschläge noch sinnvoll? Werden die Niederschläge weiterhin abnehmen? Falls ja, wann wird es definitiv Zeit, etwas anderes zu tun? Die Antworten auf diese Frage verlangen nach Wissen, zum Beispiel darüber wie viel Wasser der Mais braucht, und darüber, ob dieses Wasser in Zukunft noch als Regen kommen wird.
Vorhersagen sind schwierig
Das zukünftige Klima vorherzusagen ist eine Herkulesaufgabe, der sich Forschungseinrichtungen weltweit verschrieben haben. Mindestens so komplex wie das Klima selbst sind die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Menschheit und Klima. Die Interpretation einer Klimavorhersage ist entsprechend anspruchsvoll und verlangt in der Regel ein Mass an Aufwand, das in typischen Entwicklungsprojekten nicht zu leisten ist. Gleichzeitig kann es sich ernstgemeinte Entwicklungsarbeit nicht leisten, dieser Herausforderung aus dem Weg zu gehen. Caritas Schweiz entwickelt und testet daher einen Ansatz, der die Komplexität des Klimawandels und seiner Auswirkungen praxistauglich zusammenfasst.
Klimakorridore
Feldfrüchte gedeihen innerhalb bestimmter Temperaturbereiche, auch benötigen sie einerseits ein Mindestmass an Wasser, vertragen andererseits nicht beliebig viel davon. Diese Begrenzungen bilden den sogenannten "Klimakorridor", also die Temperatur- und Niederschlagsbandbreite, in welcher die Feldfrucht produktiv sein kann. Klimakorridore bestimmen damit, wo welche Feldfrüchte wachsen können - nämlich dort, wo Temperatur und Niederschlag innerhalb dieser Korridore liegen. Der Klimawandel führt vielerorts, insbesondere in den bereits heute heissen und trockenen Regionen, dazu, dass sich Temperatur und Niederschlag aus den Klimakorridoren hinausbewegen. In der Praxis bedeutet das, dass Feldfrüchte, die bislang einen guten Ertrag bringen, nicht mehr oder nur mit reduziertem Ertrag angebaut werden können. Eine globale Auswertung wissenschaftlicher Studien zeigt, dass diese Prozesse bis zum Ende des Jahrhunderts vorwiegend zu Ertragseinbussen führen, die je nach Feldfrucht und Region bis zu einem totalen Ernteausfall mit all seinen Folgen reichen können.
Wie weit geht die Anpassung?
Mali leidet wie die übrigen Sahel-Länder unter seit Jahrzehnten abnehmenden Niederschlägen. Caritas unterstützt Kleinbauern beispielsweise mit Mais-Sorten, die mit weniger Wasser auskommen, und hilft damit, eine gewisse Anpassung an die zunehmende Trockenheit zu leisten. Der Klimakorridor dieser von der Caritas unterstützten Sorten ist also etwas weiter und Produktion kann trotz geringeren Wasserangebots erfolgreich sein. Vergleicht man die unterschiedlichen Klimakorridore der verschiedenen Maissorten mit heutigen Niederschlägen und den für die Zukunft vorhergesagten, zeigt sich eindeutig, dass bereits in wenigen Jahren nur noch die genügsameren Sorten ausreichend Wasser haben werden. Allerdings bringen diese Sorten deutlich geringere Erträge. Während also grundsätzlich der Anbau von Mais durch Anpassung aufrechterhalten werden kann, können die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels für die Kleinbauern dieser Region nicht gänzlich abgefangen werden.
Klimawandel: Eine von vielen Dimensionen von Entwicklung
Malis Kleinbauern kämpfen nicht nur mit den Auswirkungen des Klimawandels. Ungerechte Marktsysteme, ungeklärte Landbesitzverhältnisse und Zugang zu verschiedensten Ressourcen werden unmittelbarer erlebt und sind häufig die drängenderen Herausforderungen. Die Caritas verfolgt in ihren Projekten daher einen ganzheitlichen Ansatz, der all diese Dimensionen zusammenbringt. Auf diesem Weg ermöglicht die Analyse von Klimakorridoren im heutigen und zukünftigen Klima, verschiedene Optionen daraufhin zu bewerten, ob sie angesichts des Klimawandels sinnvoll sind. Die so gewonnene Perspektive verschafft den Projekten der Caritas eine Nachhaltigkeit, die den Namen verdient.
Bild (ausgetrockneter Boden in Chapai-Nawabganj, Nordwest-Bangladesch): Alexandra Wey