Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/2474

Weltweit gesehen wird 2017 voraussichtlich das drittwärmste Jahr nach 2015 und 2016. Auch in der Schweiz war 2017 sehr warm, aber kein Rekordjahr. Nördlich der Alpen lag die Temperatur seit Januar etwa 1,6 Grad über dem Durchschnitt der klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990. Im Tessin gehört 2017 sogar zu den fünf wärmsten Jahren seit Messbeginn. Dort beträgt der Wärmeüberschuss knapp 2 Grad. Sogar etwas mehr als 2 Grad wärmer als sonst war es im Wallis. Mit 1,3 Grad nimmt sich dagegen der Wärmeüberschuss in den Hochalpen relativ bescheiden aus.
Temperaturslalom
Der Wärmeüberschuss war 2017 allerdings sehr ungleich verteilt. Massgeblichen Anteil hatten vor allem der Frühling und der Sommer. Die Periode März bis Mai war die drittwärmste nach 2011 und 2007 und auch die drei Sommermonate Juni bis August waren die drittwärmsten seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen, dies hinter 2003 und 2015. Aus dieser mehr als sechsmonatigen Wärmeperiode ragten vor allem die Monate März und Juni heraus, mit einem Temperaturüberschuss von teilweise mehr als 4 Grad.
Stellenweise wärmster März
In den Alpen, aber auch auf den Jurahöhen war der März 2017 der wärmste seit Messbeginn, so beispielsweise in Arosa, in Meiringen oder auch in La Chaux-de-Fonds. Im Mittelland war an den meisten Orten der März 1994 noch eine Spur wärmer. Der Juni ging verbreitet der zweitwärmster seit Messbeginn in die Jahrbücher ein. Der «Jahrhundert-Juni» 2003 blieb allerdings unangetastet. Auf der anderen Seite der Skala lagen die Monate Januar und September. Im September lag die Temperatur etwa 0,5 Grad unter der Referenz. Noch stärker tanzte der Januar aus der Reihe. In Zürich lag die Temperatur 2,5 Grad unter dem langjährigen Mittel lag. Es war seit 30 Jahren der kälteste Januar in der Schweiz. Im Vergleich zum Seegfrörni-Januar 1963 war es aber doch mehr als 3 Grad milder, es hat also noch Platz nach unten.
67 Grad Differenz
Die höchste Jahrestemperatur wurde am 3. August in Sitten mit 36,9 Grad gemessen, in Genf gab es am gleichen Tag 36,5 Grad und in Visp 35,5 Grad. Heiss war es aber schon im Juni mit 34,7 Grad an der Aaremündung, und auch im Juli gab es zeitweise Hitze. Am 8. Juli wurden am Flughafen-Zürich 34,0 Grad gemessen. Südlich der Alpen wurde ein Höchstwert von 34,5 Grad in Locarno verzeichnet. Von den absoluten Rekorden mit 41,5 Grad in Grono (August 2003) und 39,7 Grad in Genf (Juli 2015) war man allerdings deutlich entfernt. Den offiziellen Minusrekord stellte 2017 einmal mehr La Brévine, im Neuenburger Jura auf. Dort wurden am Morgen des 6. Januars -29,9 Grad gemessen. Im Flachland wurden die tiefsten Temperaturen in Delsberg mit -17,8 und in Aadorf mit -17,2 Grad verzeichnet. Viel mehr zu reden gab aber strenger Frost im April. Im Mittelland gingen die Temperaturen am 20. April zum Teil auf -4 Grad zurück, am Flughafen Zürich betrug die Temperatur 5 Zentimeter über dem Boden gemessen nur noch -10,6 Grad. Keine Wunder nahmen zahlreiche Kulturen grossen Schaden.
Osten zu nass, Westen zu trocken
Beim Niederschlag gab es im zu Ende gehenden Jahr grosse Unterschiede, je nachdem, ob ein Ort von einem heftigen Gewitter getroffen wurde oder nicht. Generell war es aber im Osten eher zu nass, und anfangs September kam es im Rheintal zu Überschwemmungen. Im Westen und teilweise auch im Nordwesten war es erneut viel zu trocken. In Genf gab es bis jetzt nur knapp 70 Prozent des üblichen Jahresniederschlages, und so wird in Genf das Jahr 2017 wahrscheinlich zu den 10 trockensten gehören. Speziell waren die Verhältnisse auch im Tessin. Obwohl die Niederschläge im Mittel- und Südtessin knapp unterdurchschnittlich waren, gab es dort Extremereignisse. Lugano erlebte den nassesten Juni mit fast 500 Millimetern Regen. Dabei fielen am 25. Juni in der Früh 81,5 Millimeter in einer einzigen Stunde. Sehr nass war es am 31. August auch in Locarno mit 217 Millimetern Regen innerhalb eines Tages.
Ein Rekordschauer
In der Nacht vom 1. auf den 2. August zog eine heftige Gewitterzelle dem Hochrhein entlang. Sie brachte im thurgauischen Eschenz einen neuen 10-Minuten-Rekord-Niederschlag. In dieser Zeit fielen 36,1 Millimeter Regen. Damit wurde der alte Rekord aus dem Jahre 2003 mit 33,6 Millimetern in Locarno übertroffen. In einer ähnlichen Dimension lag auch der Schauer vom 25. Juni mit 33,5 Millimetern in Crana-Torricella. Bei diesen Extremwerten ist aber festzuhalten, dass solche Schauer erst seit dem Umbau des Niederschlagsmessnetzes erfasst werden können. Entsprechend ist auch in den kommenden Jahren mit neuen Rekorden.
Knackt die Sonnenstube den Jahresrekord?
Es geht um Minuten! Bis jetzt war 2003 in Lugano und Locarno das sonnigste Jahr seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Bis jetzt wurde an beiden Station gleich viel Sonnenschein gemessen wie damals. An beiden Orten gab es schon mehr als 300 Stunden zusätzlichen Sonnenschein. Generell war es in der Schweiz sonniger als üblich. Verbreitet wurden 10 bis 30 Prozent mehr Sonnenstunden registriert als in einem Durchschnittsjahr. Am geringsten fiel der Überschuss an Sonnenstunden im Hochgebirge aus. Herausragend bezüglich Sonnenschein war der Monat Oktober. Er sorgte nicht nur in Teilen des Kantons Tessin für Rekordsonnenschein, sondern auch in Genf oder in Güttingen am Bodensee. Sehr sonnig war es auch im Mai. St. Gallen erlebte den viertsonnigsten Mai.