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Wir haben uns 3 Tage frei genommen und die Ortschaften Santu Lussurgiu, Bosa und Alghero besucht resp. erkundet.
Santa Lussurggiu
Diese Ortschaft liegt ca. 40 Minuten nördlich von uns, etwas versteckt in den Bergen. Am Südosthang des Montiferru, in 500 m Höhe, eingebettet in ein Schauspiel vulkanischen Ortschaft und geschützt von üppigen Wäldern, wird ein kostbarer Schatz, unzählige Wasserquellen, gehütet. Santu Lussurgiu ist ein mittelalterlicher Ort mit 2400 Einwohnern auf halbem Weg zwischen Oristano und Bosa, dessen Name auf den Soldaten und Heiligen Lussorio zurückgeht, der hier vor seinem Märtyrertod gepredigt hat (303 n.Chr.). In der Zeit zwischen 19. und 20.Jh. war dieser Ort ein berühmtes Kulturzentrum, Sommerresidenz von Adeligen und Literaten sowie antifeudale Hochburg. Heute sind die Beherbergungs- und Gastronomiestrukturen Ziel zahlreicher Touristen, auf die die Altstadt, die Kultur und Wanderungen besonders anziehend wirken. Die Route geht von den (einst) sieben Wasserquellen (mit niedrigem Mineralgehalt) von San Leonardo di Siete Fuentes weg, einem „Geisterort“ aus dem 12.Jh., der aber seit dem 16.Jh. „lebt“. Eingebettet in den Wald von San Leonardo ist heute nur noch die romanische Kirche zu sehen. Die Villa erlebte bis zur Eroberung durch die Aragons eine Blütezeit und zerfiel in der Folge nach und nach. Umgekehrt vergrößerte sich Santu Lussurgiu, das sich um die Kirche Santa Croce entwickelt hatte, die ursprünglich dem Heiligen Lussorio (1185) geweiht war, wuchs hingegen. Während die schöne Kirche Santa Maria degli Angeli 1473 von den Observanten in spätgotischem Stil gemeinsam mit einem Kloster, dem einstigen kulturellen „Antrieb“, errichtet wurde. In der Kirche wird eine Holzmadonna mit Kind (aus dem 16.Jh.) aufbewahrt.
Das Gebiet war bereits in der Jungsteinzeit bewohnt, was durch die Domus de Janas von Matziscula und Mandra ‘e caddos belegt wird. Auf nuraghische Epoche gehen das Dorf von Monte Agudu, einige Gigantengräber und zahlreiche Nuraghen zurück, von denen einige sogar sehr gut erhalten sind. Die Überreste der Villae di Santa Ittoria, Camputzola und Banzos weisen auf den Durchzug der Römer hin.
Kulinarisch (wie auch zum Übernachten) empfiehlt sich das Ristorante Antica Dimora del Gruccione. Der Innenhof in den alten Mauern ist wunderschön geschmückt, die Küche arbeitet nur mit lokalen Produkten und die Weinkarte enthält viele Entdeckungen. Schon allein der Besuch dieses Lokals ist eine Reise wert!
Bosa
Die kleine Stadt liegt direkt am Meer, wunderschön eingebettet zwischen den umliegenden Bergen.
Der Fluss Temo hat sich hier sein Mündungstal gegraben und fließt ein paar Kilometer unterhalb von Bosa ins Meer. Bosa ist die einzige Stadt auf Sardinien, die direkt an einem Fluss errichtet wurde.
An den Hängen der Umgebung wird viel Wein angebaut, auch sonst wird auf Grund des hiesigen Wasserreichtums viel Landwirtschaft betrieben.
Schon zur Zeit der Nuragher war die Gegend bewohnt. Später siedelten sich hier Phönizier und Römer an. Die heutige Stadt begann erst zu wachsen, als die genuesische Festung errichtet wurde.
Diese Festung aus dem 12. Jahrhundert steht heute als Ruine immer noch auf dem Hausberg von Bosa.
Das malerische historische Zentrum von Bosa ist einzigartig und im Vergleich zu anderen Städten wie Alghero oder Sassari noch relativ ruhig.
Die schattigen und oft sehr engen Gassen laden auch in der heißen Jahreszeit zu einem Spaziergang ein.
Die wichtigste Straße der Altstadt ist der Corso Vittorio Emanuele, der noch ein historisches Granitpflaster hat. An den Seiten stehen hohe alte Palazzi mit teilweise prächtigen Fassaden, an denen eiserne Balkone hängen.
Am Ende des Corso steht die Cattedrale dell’Immacolata, die im 16. Jahrhundert erbaut und im 19. Jahrhundert rekonstruiert wurde. Dadurch mischen sich barocke und klassizistische Stilformen. Im Inneren ist sie mit herrlichen Deckengemälden, Altären und Schnitzereien geschmückt.
Der Temo bestimmt das Bild am Rand des centro storico. Eine solche Uferpromenade finden Sie auf Sardinien kein zweites Mal.
Eine Palmenallee zieht sich am Fluss entlang, am Ufer sind die blauen Fischerboote festgemacht. Wären die Autos nicht, würde man sich einige hundert Jahre zurückgesetzt fühlen.
Der Temo ist der einzige Fluss der Insel, der zumindest auf ein paar Kilometer Länge schiffbar ist.
Die alte Steinbrücke “Ponte Vecchio” überspannt den Fluss. Sie war lange Zeit die einzige Verbindung zwischen den beiden Ufern.
Ausflugsboote bieten unterhalb der Brücke Touren an der Altstadt entlang und den Temo hinauf zur Kirche San Pietro.
Am anderen Ufer, direkt gegenüber der Palmenpromenade stehen noch die Gebäude einer alten Gerberei.
Wegen des ganzjährig reichlich verfügbaren Wassers entwickelte sich Bosa zum Zentrum der sardischen Leder- und Fellverarbeitung.
Die Felle und das Leder waren ehemals ein wichtiger Exportartikel.
Während des 2. Weltkrieges gab es einen letzten Aufschwung. Die Gerbereien von Bosa gehörten zu den wenigen, die die Qualitätsansprüche des Militärs erfüllten.
Das traditionelle Gerbereihandwerk konnte ab den 1960er Jahren nicht mehr mit der Industrialisierung und der Konkurrenz aus Fernost Schritt halten. So musste auch die letzte ansässige Firma schließen.
Vor einigen Jahren begann man, die noch stehenden Gebäude zu restaurieren, um sie vor dem drohenden Verfall zu bewahren. Heute beherbergen sie Restaurants, ein Museum und Wohnhäuser.
Alghero
Alghero liegt an der Nordwestküste von Sardinien auf einer kleinen Landzunge und ist an drei Seiten von Wasser umgeben. Ein internationaler Flughafen verbindet den Ort ganzjährig mit vielen Städte in ganz Europa.
Alghero kann wie viele Orte Sardiniens auf eine bewegte und wechselhafte Geschichte zurückblicken. Im 11. Jahrhundert befreiten die genuesischen Doria die Stadt aus den Händen sarazenischer Piraten. Die Stadt wurde mit starken Festungsanlagen geschützt, da auch Pisa gern in den Ort einmarschiert wäre. Noch heute können die Fundamente der alten Stadtmauern besichtigt werden. Im 14. Jahrhundert machten die Spanier die Stadt zum Hauptstützpunkt des Hauses Aragon auf Sardinien. 200 Jahre lang konnten sich die Spanier durch ständigen Ausbau und Verbesserungen der Festungsanlagen halten. Erst 1720 fiel Alghero an Savoyen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Hafenstadt wegen ihrer günstigen Lage von den Alliierten bombardiert, die Schäden sind noch heute sichtbar. Der spanische Charakter der Stadt hat sich bis heute gehalten. Da die meisten Bewohner katalanischer Abstammung sind, steht Paella an vorderster Stelle der Speisekarte und manche Straßennamen sind zweisprachig ausgeschildert.
Klima und Freizeitmöglichkeiten in Alghero
Sardinien ist ein beliebtes Reiseziel für Segler, Wind- und Kitesurfer, da das ganze Jahr über verschiedene Winde wehen. Für Touristen, die etwas von der Insel sehen möchte, sind die Monate von April bis Juni sowie der September und der Oktober zu empfehlen. In dieser Zeit ist es tagsüber meist warm, aber nicht zu heiß und die Insel zeigt alle ihre Farben in voller Pracht. Wohlhabende Italiener überwintern wegen des milden Klimas gern in ihrem Ferienhaus in Alghero. Als Urlauber findet man komfortable Ferienhäuser für den Strandurlaub mit der Familie. Der traditionsreichste Badeort Sardiniens ist auch wegen seines Korallenvorkommens weit über die Insel hinaus bekannt und ist zu jeder Jahreszeit eine sehr lebendige Stadt. Im Januar und Februar enden z. B. Wettkämpfe im Unterwasserfischen mit einer Seeigel-Kirmes. Bei den Osterzeremonien gibt es mittelalterliche Prozessionen zu bewundern. Im Sommer finden viele Musikkonzerte und Festzüge statt und es gibt zahlreiche Boots-, Kunst- und Handwerksausstellungen. Auch Silvester finden viele Live-Veranstaltungen statt.
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Sehenswürdigkeiten in Alghero
Die Altstadt von Alghero, die auf einem Felsvorsprung liegt, ist von dicken Mauern und sehenswerten Wachtürmen umgeben. Der Stadtkern ist nicht groß. Er bietet jedoch zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Die meisten Straßen innerhalb der Stadtmauer sind für den Autoverkehr gesperrt. Die oft engen, schattigen Gassen sind ideal zum gemütlichen Rundgang. Kein anderer Ort Sardiniens hat so viele Cafés, Restaurants, Hotels, Souvenir- und Korallenschmuckläden. Im Sommer pulsiert hier das Leben in der Altstadt zwischen den schönen Palästen, den eindrucksvollen Kirchen und den lebendigen Piazzen. Im Zentrum selbst empfiehlt sich der Besuch einiger schöner Kirchen und Paläste. Wenn Sie in der Umgebung baden wollen, bietet sich vor allem der feinsandige weiße Strand im Norden von Alghero an, der bis Fertilia reicht. Südlich der Stadt erstreckt sich eine eindrucksvolle Felsküste in Richtung Bosa eine der schönsten Panoramastrecken von Sardinien. Hier findet man immer wieder kleine Bademöglichkeiten. Empfehlenswert ist ein Ausflug zur Neptunsgrotte nahe dem Capo Caccia.
Gastronomie und Unterhaltung
In Alghero finden Artischocken, Tomaten, Spanferkel („porceddu“) und Ziegenkäse angemessenen Platz in den lokalen Rezepten, die alle sehr einfach zuzubereitet sind. Die Einwohner lieben Gerichte mit Hummer. Jedes Jahr zwischen Mai und Juni findet eine gastronomische Veranstaltung mit dem Titel „L’Aragosta nella cucina algherese“ („Hummer in der Küche von Alghero“) statt. Bei dieser Veranstaltung verwandeln verschiedenen Restaurants die Stadt in ein riesiges Meeresrestaurant und bieten Menüs auf Langustenbasis zu günstigen Preisen an. Die Auswahl an traditionellen, sardischen Süßspeisen variiert von „gueffos, aus Mandelteig bis hin zu den sogenannten „seadas“, bei denen es sich um mit Pecorino (Schafskäse) gefüllte Teigtaschen handelt, die in Öl frittiert, heiß serviert und mit Honig begossen werden. Bei den lokalen Weinen sind als Weißwein der duftreiche Vermentino di Gallura zu empfehlen, bei den Rotweinen ein Cannonau. Ausklingen lassen kann man den Abend in der Maracaibo Cocktailbar in der Via Lido.
Nach 3 ereignisreichen und kulinarisch hochstehenden Tagen fahren wir wieder glücklich nach Hause mit der Gewissheit, dass wir diese 3 Ortschaften nicht das letzte Mal besucht haben.