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Die Schweiz wie die Ajoie? Eine Parallele ist nicht zu übersehen: 2021 ist der HC Ajoie durch die pandemiebedingte Aufstockung unverhofft in unsere höchste Liga aufgestiegen. 2022 ist die Schweiz durch die weltpolitische Lage (Russland vom Eishockey ausgeschlossen) endlich in die Euro Hockey Tour, sozusagen die höchste Liga der europäischen Nationalteams, aufgenommen worden.
Ajoie und das Nationalteam stehen nun in zu grossen Schuhen. In der Qualifikation haben die Jurassier diese Saison 32 von 42 Partien verloren. Die Konkurrenz ist einfach zu stark. Fortschritte sind mit dem Tropfenzähler möglich. Die wirtschaftlichen, geografischen und sonstigen Voraussetzungen machen es beinahe unmöglich, über den letzten oder allenfalls zweitletzten Platz in der National League hinauszukommen.
Die Schweiz ist inzwischen in der Euro Hockey Tour das Ajoie des europäischen Hockeys geworden. Mit einem Nationalteam, das unter günstigen Umständen gut genug ist für den WM-Final. Die Konkurrenz ist nicht so übermächtig wie die Gegner von Ajoie in der National League. Die Schweiz müsste eigentlich mindestens das Ambri oder Davos der Euro Hockey Tour sein. Aber davon ist unser Nationalteam weit entfernt: 9 Partien, 9 Niederlagen, die zwei letzten gegen Schweden (2:5) und Tschechien (3:5) sind gar blamabler Natur. Ajoie ist bissiger und motivierter.
Nach 9 von 12 Partien der Euro Hockey Tour (die drei letzten folgen unmittelbar vor der WM im April) ist der Zeitpunkt für eine Standortbestimmung gekommen. Wenn neun Partien hintereinander verloren gehen, dann stimmt etwas nicht mehr.
Bei der Euro Hockey Tour experimentieren Tschechien, Schweden und Finnland und treten nicht mit den bestmöglichen Teams an. «Vollgas» geben sie in der Regel nur beim Turnier im eigenen Land. Patrick Fischer kann auch nicht immer die bestmögliche Mannschaft nominieren. Aber immer noch eine, die gut genug ist, um nicht neunmal hintereinander zu verlieren.
Die Tschechen, Finnen und Schweden haben über Jahrzehnte eine Leistungskultur aufgebaut und Titel und Medaillen gewonnen. Die Länderspiele während der Saison haben für sie nicht mehr die gleiche Wichtigkeit wie für die Schweizer, die sich jahrelang vergeblich um die Teilnahme an der Euro Hockey Tour bemüht haben. Nun sind sie endlich dabei. Also müssten sie die Motiviertesten, Bissigsten, Ehrgeizigsten bei diesem Wettbewerb sein. Aber sie sind es immer weniger. Letzte Saison hatten sie wenigstens noch 2 der ersten 9 Spiele gewonnen.
Jede einzelne der 9 Niederlagen auf der aktuellen Euro Hockey Tour lässt sich fachlich wohlfeil begründen. Hier ein Fehlpass, dort ein Stellungsfehler oder ein unaufmerksamer Goalie, mal sind es dramatische, mal ruhmlose bis blamable Niederlagen wie am Samstag mit 2:5 gegen Schweden und am Sonntag mit 3:5 gegen Tschechien. Wie wir es auch drehen und wenden: Am Ende bleibt nur ein Urteil: ungenügend.
Mit Niederlagen gegen Tschechien, Finnland und Schweden müssen die Schweizer rechnen. Aber die Niederlagen dürfen nicht zur Gewohnheit werden. Verlieren kann zu einer Gewohnheit werden, die in entscheidenden Momenten Niederlagen mitverursacht. Genauso wie Siegen eine Gewohnheit wird, die über schwierige Situationen hinweghilft.
Die enttäuschenden bis miserablen Resultate beim europäischen Wettbewerb schaden der Leistungskultur. Die drei letzten WM-Viertelfinalniederlagen (zweimal gegen Deutschland, einmal gegen die USA) waren vermeidbar. Ist es Zufall, dass dann, wenn es drauf ankommt – im WM-Viertelfinal –, die Schweizer inzwischen notorisch Spiele verlieren, die sie eigentlich gewinnen könnten, ja müssten? Vielleicht. Aber wahrscheinlich eben nicht.
Alle Partien der Euro Hockey Tour werden vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen. Aber es geht nicht nur um das öffentliche Ansehen, um die Eitelkeit. Viel wichtiger: Jeder Trainer hat auf seinem Glaubwürdigkeitskonto eine Anzahl Niederlagen zugute. Zu viele Niederlagen schaden der Autorität von Nationaltrainer Patrick Fischer. Erst recht, wenn sie zur Gewohnheit werden wie diese Saison.
Es gibt trotzdem noch keinen Grund, das Kind mit dem Bade auszuschütten und die Nationaltrainerfrage zu stellen. Aber wenn die Schweizer bei der WM in Prag im Mai im Viertelfinal wieder auf ähnliche Art und Weise scheitern sollten wie 2021, 2022 und 2023, dann ist auch die Niederlagen-Serie in der Euro Hockey Tour in die Schlussanalyse einzubeziehen.
Mit dem Risiko, dass nicht nur Nörgler, Polemiker, Nostalgiker und Romantiker fragen, ob Sportdirektor Lars Weibel und sein Nationaltrainer Patrick Fischer für die WM 2026 in Zürich und Fribourg die richtigen Männer sind. Vor der WM 1998 ist Simon Schenk, damals eher noch populärer als heute Patrick Fischer, aus einem laufenden Vertrag gefeuert und durch Ralph Krueger ersetzt worden. Die Schweiz erreichte sensationell den WM-Halbfinal.
Palisades Tahoe. Kein Name mit besonders grossem Klang. Aber der Ort in Kalifornien heisst auch erst seit 2021 so. Und sein alter Name ist in der Wintersport-Welt durchaus bekannt. Schliesslich richtete Squaw Valley 1960 die Olympischen Spiele aus.