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Mit einer vertieften Befassung mit der Fechtkunst aus Spätmittelalter und (deutscher) Renaissance kommt man fast zwingend in Kontakt mit allgemein “mediävistischem” Material (oder wo nicht “mediävistisch” doch mit der Geisteswelt der wilden Zeit vor, während und nach der Reformation).
Dies beginnt bei der Sprache, unsere Fechtbücher umfassen die gesamte Zeitspanne der Entwicklung von (spätem) Mittelhochdeutsch zu Frühneuhochdeutsch, eine nb. von der Germanistik etwas stiefmütterlich behandelte Zeit, da sie kaum “interessante” Schriftsteller hat (schnell: Nenne mir einen deutschen Dichter aus dem 15. Jh.) Nicht einmal eine richtige Sprachstufe bekommt die Zeit zwischen Manessehandschrift und Luther, im Niemandsland zwischen Mittel- und Frühneuhochdeutsch.
Aber das ist vielleicht nur angebracht, die Zeit von, sagen wir, 1348 bis 1492 war abenteuerlich und entzieht sich wohl jeder “Periodisierung”: die Pest, der Hundertjährige Krieg, die Türken, die Reconquista, Gegenpäpste, Buchdruck, Hexenhammer, Neue Welt; Petrarca, Boccaccio, Jeanne d’Arc, Jan Hus und Kaiser Maximilian… und hierzulande der Aufstieg der Eidgenossenschaft von einem Klub renitenter Ritter, Bürger und Bauern zur Regionalmacht, an der Burgund zerschellte. Aber das sind Eckdaten und Schlaglichter; der Zeitgeist der Epoche ist glänzend beschrieben in Huizingas Herbst des Mittelalters.
Die Inhalte der Fechthandschriften geben oft Einblicke in andere Interessen, in die Geistes- und Lebenswelt der damaligen Fechter. Das beginnt bei der “Namenmagie”, die den Ausgang eines Duells beeinflussen soll, allerlei Renaissance-Gelehrsamkeit von Alchimie, Astrologie und Magie über Medizin bis zu technologischen Themen wie Feuerwerk und Schiesspulver, Eisenhärten, Geheimtinte, Taucheranzug, usw.; geprägt von der Aufbruchstimmung und can-do-Attitüde der Renaissance kommen daneben die klassischen Gebiete wie die Freien Künste oder Theologie eher etwas zu kurz, die Verfasser hatten eindeutig mehr Interesse an einem Zauberspruch als an einem ontologischen Gottesbeweis. Völlige Okkultisten waren sie aber auch nicht durchwegs, und man findet schon so etwas wie Volksfrömmigkeit, namentlich in den Gebeten, wenn es an einen ernsten Kampf geht.