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Besondere Orte: Pöstler baut sich Palast
Wer einen Garten besitzt, kann sich einen eigenen Palast bauen. Das zeigt ein denkmalgeschütztes Bauwerk in Frankreich bei Hauterives, der Palais Idéal. Ferdinand Cheval – ein einfacher Pöstler – errichtete sich in seinem Garten kurzerhand eine eigene Fantasiewelt aus Steinen.
Der Postbote Ferdinand Cheval kam 1836 in Charmes zur Welt, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hauterives in Frankreich. Da seine Familie sehr arm war, fand sein Arbeiterleben bereits in jungen Jahren seinen Anfang. Er machte eine Lehre als Bäcker und zog sich dann einige Jahre zurück, um einen Job zu suchen. Nach seiner Rückkehr ins Heimatdorf wurde er schliesslich Postbote.
Nach der Erzählung und gefundenen Briefen war Cheval im April 1879 auf einer seiner Routen unterwegs, als er über einen äusserst merkwürdigen Stein stolperte. Als er ihn sich näher ansah, bemerkte er, dass der Stein nicht allein war. Tausende solcher Kiesel waren am Boden verteilt und erweckten in ihm einen seltsamen Traum. Schliesslich wickelte er den bizarren Stein in sein Taschentuch und nahm ihn mit nach Hause. Er versprach sich selbst, seine freie Zeit zu nutzen, um die zahlreichen Steine zu horten.
Von da an zog er immer öfters los, um weitere Steine zu sammeln. Im eigenen Garten baute er sich eine Art Grube und begann mit Hilfe von Zement und den Steinen Fantasiewesen und Tiere zu formen. Der Pöstler kreierte sogar einen Wasserfall aus Steinen, für den er nach eigenen Worten ganze zwei Jahre brauchte.
Nachdem er einen zweiten Wasserfall und eine kleine Höhle errichtet hatte, nahm sein Steinpalast langsam Form an. Er errichtete Wände und Inneneinrichtungen, weitere Höhlen und Türme. Cheval liess seiner Fantasie freien Lauf und fügte weitere Gebäude hinzu: einen Hindu-Tempel, eine Moschee und sogar ein Pharaonen-Grab. Jede Errichtung wird dabei von verschiedenen Tierwesen bewacht; von Bären, Boas, Krokodilen, Löwen, Elefanten und vielen mehr. Zudem schmücken die Aussenfassaden des Palais Idéal – wie das Bauwerk später heissen sollte – drei Riesen und zwei Mumien.
Das Bauwerk ist einzigartig und inspiriert unzählige Künstler aus aller Welt. Gebaut wurde das Ganze völlig unabhängig von jeder künstlerischen Entwicklung und ohne architektonische Regeln. Der Palais Idéal wird noch heute von Surrealisten bewundert und gilt als Aussenseiter-Kunstwerk. Im Jahr 1969 wurde das Bauwerk schliesslich von André Malraux, dem damaligen französischen Minister für kulturelle Angelegenheiten, als historisches Denkmal unter naiver Kunst deklariert.
Chevals letzter Wunsch war es, in dem eigens gebauten Pharaonen-Grab beerdigt zu werden. Er verstarb 1924. (pb)
Serie „Besondere Orte“
Mit der Serie «Besondere Orte» stellen wir in loser Folge spektakuläre oder besonders bemerkenswerte Plätze und Bauten auf der ganzen Welt vor.