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Ein König hatte eine Prinzessin. Niemand konnte sie zum Lachen bringen. Da liess er bekanntmachen: «Wer meine Tochter zum Lachen bringt, der soll sie zur Frau haben.»
Diese Botschaft klang manchem sehr verführerisch, und schon am nächsten Tage wimmelte es im Schloss von Männern aller Art. Aber alles war umsonst. Macht, was ihr wollt, die Prinzessin zog nicht einmal die Lippen kraus. Jene Bekanntmachung drang indessen immer weiter, zuletzt gelangte sie auch in eine ärmliche Hütte, wo ein armer Greis mit seinem einzigen Sohn wohnte.
Der Greis sagte: «Lieber Sohn, dir war von jeher das Glück hold, geh und versuche, die Prinzessin zum Lachen zu bringen.»
«Väterchen, wenn du es sagst, so geh ich auf der Stelle.»
Der Jüngling nahm seinen Lederranzen und machte sich auf den Weg.
Unterwegs stiess er an einen Krebs. Der Krebs bat ihn: «Lieber Junge, zertritt mich nicht; wirf mich lieber in deinen Ranzen, vielleicht kann ich dir noch einmal aus der Not helfen.»
Der Jüngling folgte dem Rat und zog weiter.
Nach einer Weile sah er eine Ratte. Die Ratte bat: «Lieber Junge, schlage mich nicht, wirf mich lieber in deinen Ranzen, vielleicht kann ich dir noch einmal aus der Not helfen.»
Der Jüngling folgte dem Rat.
Nach einer Weile entdeckte er einen Mistkäfer. Der Mistkäfer bat: «Lieber Junge, zertritt mich nicht! Wirf mich lieber in deinen Ranzen, vielleicht kann ich dir noch einmal aus der Not helfen.» Der Jüngling befolgte den Rat.
Am nächsten Tag, gegen Abend, erreichte er mit seinen drei Gefährten das Königsschloss und meldete, er sei gekommen, die Prinzessin zum Lachen zu bringen.
Der König sagte: «Sehr gut, aber erst leg deinen Ranzen ab und nimm einen Abendimbiss.»
«Einen Imbiss nehmen, das kann ich, aber von meinem Ranzen mag ich mich nicht trennen, erwiderte der Jüngling und setzte sich an den Tisch neben die Prinzessin.
Zum Abendessen gab es gekochte Erbsen. Alle assen ganz leise. Plötzlich witterte die Ratte im Ranzen Erbsen und fing an, sich zu lecken: tjip, tjip! Als der Krebs das hörte, wurde er auch unruhig, er schlug mit seinem Schwanz an den eingetrockneten Ranzen: Jjip, Ijip! Und der Mistkäfer will auch nicht länger warten: bei ihm geht es nur so: bim bam, bim bam. Die Prinzessin fragte: «Wer treibt denn da unter dem Tisch solche Possen?
«Ach, sagte der Jüngling, «die Erbsen können sich in meinem Bauch nicht vertragen und fangen an, sich zu prügeln.»
Da brach die Prinzessin in ein helles Gelächter aus, und der König erhob sich sogleich und sagte: «Dir gehört sie, du bist mein Schwiegersohn.»
Aber am anderen Ende des Tisches sass ein fremder Königssohn, der war auch gekommen, um die Prinzessin zum Lachen zu bringen. Den wurmte es nun gar sehr, dass der Sohn des Armen die Prinzessin bekommen hatte.
Nach dem Abendessen gab der König seinem Schwiegersohn feine Kleider, die sollte er am nächsten Tage anlegen. Der fremde Königssohn aber versprach einem Diener viel Geld, wenn er dem Armen in der Nacht die feinen Kleider stibitze. Er wollte dann insgeheim die Kleider anziehen und sich für den Schwiegersohn des Königs ausgeben. Um die Zeit des ersten Schlummers machte sich der Diener ans Werk die Kleider zu stehlen. Aber kaum hatte er die Tür ein klein wenig geöffner, da flog ihm der Mistkäfer bim! ins Auge. In seinem Schmerz griff er nach seinem Auge, liess die Tür unverschlossen und machte schleunigst, dass er davonkam. Bei der zweiten Tür wollte sich der Diener eines Besseren besinnen, da flog ihm der Mistkäfer bam! ins andere Auge. Der Diener liess vor Schmerz auch diese Tür offen und verschwand. Jetzt war für die Ratte und den Krebs der Augenblick gekommen: der schurkische Königssohn war eingeschlafen, beide Türen standen offen, jetzt konnten sie es ihm heimzahlen. Die Ratte machte sich daran, die Kleider des Spitzbuben in Fetzen zu zernagen und der Krebs, die Fetzen hinaus zuziehen. So arbeiteten sie bis Tagesanbruch und bis dem Königssohn nur noch ein heiles Hemd geblieben war.
Am Morgen gab es dann kurzen Prozess: Der Königssohn zog wie ein begossener Pudel ab, und der Sohn des Armen wurde des Königs Schwiegersohn.
Er lud auch seinen alten Vater in Schloss und lebte mit seiner Frau in Glück und Wonne.
Aus: Karl Rauch, Märchen aus Finnland und dem Baltikum.
Foto Mistkäfer von Pixabay von Jasmin777
Wie wunderbar, dass es in diesem Märchen Tiere sind, welche sonst eher unbeachtet werden, die dem jungen Mann zum Glück verhelfen. Tiere, welche selten als "Lieblingstiere" genannt werden. Und doch wäre es dem jungen Mann der Geschichte schlimm ergangen, hätte er nicht auf sie gehört und ihnen vertraut. Nur dank ihnen wurde er königlich. Dank seines guten Herzens.
Diese Geschichte eignet sich dazu:
-einander versuchen zum Lachen zu bringen
- für die Käfer im Wald Futterstellen bauen
- Kleider zu nähen oder zu flicken