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Zyklen und Bedeutung des Lärchenwicklers
Der Graue Lärchenwickler (Zeiraphera griseana [Hübner]) ist ein kleiner Nachtfalter, der durch seine regelmässigen und grossflächigen Befälle von Lärchenwäldern im Engadin und anderen inneralpinen Tälern Europas internationale Berühmtheit erlangt hat. Während die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit jeweils auf die regionalen Befallsjahre beschränkt bleibt, ist dieser Kleinschmetterling in der Wissenschaft zu einem der bekanntesten Beispiele von zyklischen Populationsschwankungen geworden.
Die erste Erwähnung einer damals in der Schweiz noch unbekannten «Krankheit», die grossflächig ganze Lärchenwälder gelbbraun verfärbte, stammt von 1820 aus Ardon im Wallis (Coaz 1894). Mitte des 20. Jahrhunderts, als nach dem Zweiten Weltkrieg der Tourismus in der Schweiz langsam wieder in Schwung kam, war wiederum eine Gradation des Lärchenwicklers im Gange. Die Tourismusbranche des Engadins drängte auf eine Behandlung der unschön aussehenden Wälder mit dem damals neuen, als Wundermittel betrachteten Insektizid DDT. Dieses Begehren setzte 1948 eine über sechs Jahrzehnte dauernde Langzeitstudie in Gang. Im Verlaufe der Untersuchungen veränderte sich der Lärchenwickler in der öffentlichen und wissenschaftlichen Wahrnehmung vom Schädling zum Lebensraumgestalter und faszinierenden Studienobjekt.