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Die «Komplexe Traumafolgestörung» bezeichnet Folgen nach schwerer und repetitiver Traumatisierung und Vernachlässigung während der Kindheit und Jugend, welche durch die Diagnose der Posttraumatischen Belastungsstörung unzureichend abgebildet werden. Das Konzept wurde in den 1990er Jahren von einer Arbeitsgruppe um Judith Herman und Bessel van der Kolk beschrieben und in Feldstudien erforscht. Das DSM-5 kommt dieser Entwicklung nach, indem die PTBS nun weniger eng gefasst ist und auch einen dissoziativen Subtyp umfasst. In der kommenden ICD-11 wird voraussichtlich die neue Diagnose der Komplexen PTBS enthalten sein.
Das Zusammenwirken von Bindungsstörungen, anhaltender Vernachlässigung und/ oder wiederholter Traumatisierung führt oft zu schwerwiegenden Störungen der psychischen Entwicklung und der Persönlichkeitsstruktur. Verarbeitung und Integration des traumatischen Erlebens finden unzureichend statt. Daraus resultiert eine Vielzahl von Problemen, wie Schwierigkeiten in der Affekt- und Selbstregulation, mangelnde Fähigkeit zur Selbstfürsorge, selbstdestruktives Verhalten, schwere Beziehungsstörungen, dissoziative psychische und somatoforme Symptome sowie veränderte Werte und Lebenseinstellungen.
Die Behandlung basiert auf dem durch Janet Ende des vorletzten Jahrhunderts vorgeschlagenen und durch die moderne Traumatherapie weiterentwickelten Phasen-Modell (Putnam, Hart, Kolk, Nijenhuis, Wöller, Huber u.a.): 1. Stabilisierung und Strukturaufbau, 2. Dosierte Trauma-Exposition und -Bearbeitung, 3. Integration der Persönlichkeit und Rehabilitation. Das Modell wird ergänzt durch Konzepte der strukturellen Dissoziation (Nijenhuis u.a.), der Bindungsforschung (Bowlby u.a.) und der Mentalisierung (Fonagy u.a.).