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Christlich Essenische Kirche (CEK)
Die Christlich Essenische Kirche ist eine esoterische Gemeinschaft, die sich auf die Essener-Legende nach dem damaligen französischen Esoterik-Paar Anne Givaudan und Daniel Merois bezieht, publiziert im Jahr 1984 im Werk «De mémoire d’Essénien» (deutsch: «Die Essener-Erinnerungen»). Die Essener gelten nach dieser Legende als grösste spirituelle Gemeinschaft der Jahrhunderte vor Christi Geburt. Die Essener hätten esoterische Lehren gelebt und in einer Schule auf dem Berg Karmel vermittelt. Auch Jesus und seine Jünger seien Teil der Essener gewesen. Die Christlich Essenische Kirche sieht sich in der Tradition dieser Essener, auch wenn ihr Leiter zugibt, dass die historischen Wissenschaften die geschilderte Sicht der Essener nicht bestätigen.
Christlich nennt sich die Christlich Essenische Kirche, weil sie Rituale und Formen aus der katholischen Tradition übernommen hat. Die Gemeinschaft versteht sich als interreligiös. Die Bibel wird in Form eines abgeänderten, angeblich ursprünglichen Johannes-Evangeliums gepflegt.
Gründer der Christlich Essenischen Kirche ist Franz Eberhard Eckard Strohm. F. E. Eckard Strohm wurde am 10. Juni 1950 geboren und ist katholisch aufgewachsen. Beruflich war er als Industriekaufmann tätig.
Über Strohms spirituellen Werdegang sind im Laufe der Jahre zahlreiche, z.T. legendär wirkende, z.T. auch zueinander spannungsvoll scheinende Angaben publiziert worden, so will Eckard Strohm gemäss seiner persönlichen Website «seit dem zehnten Lebensjahr»«heilend tätig» gewesen sein. Weiter heisst es dort: «Im Alter von 16 Jahren erwarb er auf dem Shaolin Kloster in China seinen Meistertitel in Kung-Fu. Während seines Aufenthaltes dort entwickelte er das Heilsystem „Aktive Geistheilung“ und kreierte auch das Wort Geistheilung, welches heute oft benutzt wird ohne dessen Entstehungsgeschichte zu kennen.» (Das Wort «Geistheilung» ist allerdings älter, so ist es schon im Jahr 1960 belegt als Titel einer im Bauer Verlag erschienenen Übersetzung des Werks «Spirit Healing» des englischen Geistheilers Harry Edwards). Auf einer anderen Website ist die Rede davon, dass Eckhard Strohm im Jahr 1966, also ebenfalls mit 16 Jahren, in ein Kloster mit Namen «Tai Montis» in Taiwan eingetreten sei.
Zu seinen Aktivitäten im Alter von 16 Jahren berichtet Eckard Strohm auf seiner Website noch weiteres: «Bereits mit 16 Jahren absolvierte er eine Ausbildung zum Hypnosetherapeuten und entwickelte daraus eine besonders effektive Form der Hypnosetherapie, die heute weltweit an Therapeuten weitergegeben wird.» Wesentlich später, im Jahr 2020, hat Eckard Strohm tatsächlich zur Hypnotherapie publiziert, unter den Titel «Schattenjäger – Mit Hypnosetherapie zur Problemlösung», herausgegeben unter dem Autorennamen «Sir F.E. Eckard Prinz von Strohm».
Über die folgenden Jahre in Eckard Strohms Biographie ist zu erfahren: «Er lernte bei den Maori in Neuseeland, bei Schamanen in Afrika und den Aborigines in Australien und wurde Schamanenhäuptling der Sioux Indianer in USA.»
https://eckardstrohm.eu/biographie-2.shtml
Im Jahr 1981 will Eckard Strohm die Weihe eines katholischen Exorzisten erhalten haben, ein Jahr später, 1982, soll Eckard Strohm Ehrenmitglied des ansonsten unbekannten Ordens «Antiquus Mysticus Ordo Defensor Hominum» geworden sein und dort den Titel «Magus» bekommen haben, was Grossmeister bedeute.
Ab dem Jahr 1986 habe sich Eckard Strohm «auf Anraten der Engel» ausschliesslich dem Heilen gewidmet und habe «als erster Lehrer hierfür in der Neuzeit die Kommunikation mit Engeln» unterrichtet.
Im Jahr 1987 sei Eckard Strohm der Erzengel Uriel erschienen, und habe ihm gestattet, in der Akasha-Chronik zu lesen, dem universellen Wissensspeicher der theosophischen Lehre.
Im Jahr 1988 publizierte Eckard Strohm sein erstes Buch unter dem Titel: «Die Engel von Atlantis». Ebenfalls 1988 oder erst 1989 – die Angaben unterschiedlicher Websites divergieren – gründete Eckard Strohm die Organisation «Essenia – Gemeinschaft der Engel», als deren Grossmeister er heute firmiert. Seit dem Jahr 1990 bietet «Essenia» eine Schulung in «Essenischer Meisterschaft» an. Der zu «Essenia» gehörende «Licht-Verlag» gab 1994 und 1995 die Zeitschrift «Chrystall» heraus, in der u.a. im September 1994 ein «Interview mit Jesus» publiziert wurde, welches eine esoterische Sicht von Jesus verbreitet, wie sie heute auch von der CEK vertreten wird: Verheiratet mit Maria Magdalena, zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, kein Tod am Kreuz, Einssein mit dem Vater so, wie jeder Mensch mit Gott eins ist. Sitz der «Essenia» ist die Burg Raiffershardt oder Reifershard, eine um 1900 erbaute bürgerliche Villa in Windeck bei Bonn.
Im Jahr 1991 begründete Eckard Strohm die «Reiki Association International RAI», welche eine Reiki-Ausbildung anbietet, aber von anderen Richtungen des Reiki nicht anerkannt wird.
Marienerscheinungen im Jahr 1996, welche Eckard Strohm und Personen in seinem Umfeld erfahren haben, führten zur Gründung der «Gnadenstätte der Mutter Gottes von Burg Raiffershard» im Jahr 1997.
Im Jahr 1999 tritt Eckard Strohm als Leiter der «Christlich Essenischen Kirche» auf, unter dem Titel «Primash PAX Immanuel II.» Eigentliche Funktionsbezeichnung ist «PAX», ausgesprochen «Pax», das offenbar als Ersatz für «Papst» verwendet wird. Die Indexzahl «II.» führt Eckard Strohm aus Respekt vor Jesus, der in der Bibel als «Immanuel» bezeichnet wird. Weshalb der übliche Titel «Primas» mit einem zusätzlichen «h» versehen wurde, bleibt hingegen unklar. Als Anrede wird, wie ansonsten beim Papst und beim Dalai Lama üblich, «Seine Heiligkeit» verwendet.
In den 2000er Jahren bezeichnete sich Eckard Strohm auf der Website der «Christlich Essenischen Kirche» als «Doktor der Theologie, Doktor der Metaphysik» ohne Nennung der Herkunft dieser Titel. Weiters wurde behauptet, dass Eckard Strohm der Titel eines «SIR» verliehen worden sei.
Wie Eckard Strohm selbst gibt sich die «Christlich Essenische Kirche» eine Vorgeschichte, die legendär wirkt. Die «Christlich Essenische Kirche» gehe, so berichtet Eckard Strohm, auf Anfänge im Jahr 1948 zurück, als sich Vertretende verschiedener Religionen um den Vater von Eckard Strohm versammelt hätten, um im essenischen Sinn Wissen auszutauschen und Rituale zu feiern. Eckard Strohm selbst sei schon im zarten Alter von fünf Jahren in diesen Kreis aufgenommen und als vollwertiges Mitglied akzeptiert worden. An Eckard Strohms 21. Geburtstag, am 10 Juni 1971, sei aus dieser Gruppe die «Christlich Essenische Kirche» gegründet worden, allerdings als Verein, der nirgendwo eingetragen worden sei. Das Datum sei so gewählt worden, dass Eckard Strohm gerade erwachsen gewesen sei und damit Gründungsmitglied sein konnte.
Erstes Oberhaupt der «Christlich Essenischen Kirche» sei bis zu seinem Tod im Jahr 1974 Eckard Strohms Vater unter dem Namen «PAX Borromäus I.» gewesen, nach seinem Tod hätte «PAX Johannes I.» die Leitung übernommen und diese bis 1999 innegehabt. «Nach Rücksprache mit den Engeln und geführt durch den Heiligen Geist» sei am 21. Oktober 1999 von der «Internationalen Bischofskonferenz IBK» der CEK Eckard Strohm als neuer Leiter erwählt und am 21. November 1999 als «PAX Immanuel II.» geweiht geworden.
Mitglied der CEK sei auch der katalanische katholische Theologe und Religionsphilosoph Raimon Panikkar (1918-2010) gewesen, was aber erst seit dessen Tod öffentlich gemacht werden dürfe.
Objektive Beweise für eine Existenz der Christlich Essenischen Kirche vor 1999 liegen Relinfo ebensowenig vor wie Belege für ein Mittun von Raimon Panikkar.
Unter der Leitung von PAX Immanuel II. habe die Internationale Bischofskonferenz IBK der CEK noch im Jahr 1999 beschlossen, «das öffentliche Wirken zu beginnen und ihre starke Nähe zur römisch katholischen Kirche beizubehalten, da beide Kirchen aus der gleichen Wurzel, den Essenern, stammen». Zudem habe PAX Immanuel II. in der CEK verschiedene Ämter eingeführt, u.a. diejenige des Kardinals und des Nuntius.
Im Dezember 2003 wurde «Das vollkommene Evangelium nach Johannes» publiziert, eine von Eckard Strohm korrigierte, angeblich ursprüngliche Form des Johannes-Evangeliums.
Im Jahr 2005 wurde die «Academie für Theologie und Religionslehre» zur Ausbildung der Priester und Bischöfe der CEK gestartet.
Ebenfalls im Jahr 2005 wurde der Marienorden «Orden der Königin des Himmels» begründet, der organisatorisch von der CEK unabhängig ist und von Mechthild Strohm, der Frau von Eckard Strohm, mit dem Titel «Erzäbtissin» geleitet wird.
Im Jahr 2006 wurde der «Ordo Templi Christi Esseniorum O.T.C.H.E.» begründet, der sich in der Tradition der Templer sieht und humanitäre Ziele verfolgt.
Während die CEK bis 2020 durch liberale Positionen auffiel, indem sie Frauen für alle Ämter ordinierte und gleichgeschlechtliche Paare traute, ist seit der Corona-Krise eine Hinwendung zu Verschwörungstheorien zu beobachten, so traten Mitglieder der CEK und des O.T.C.H.E. in vollem Ornat an Corona-Demonstrationen auf, und in einer Video-Botschaft vom 29. Juli 2021 warnte PAX Immanuel II. die Politiker in recht schrillen Tönen vor der Einrichtung einer «Neuen Weltordnung» und drohte den Anwendern von Gentechnik – gemeint vermutlich die Corona-Impfung – Gottes Strafe an.
In der Schweiz ist die CEK schon seit Beginn der 2000er Jahre tätig, gelangte aber über eine Handvoll Mitglieder nie hinaus. Zurzeit zählt die Schweiz zwei Erzdiözesen der CEK, aber nur eine Gemeinde, gemeinsam geleitet von den beiden Erzbischöfen.
Die Christlich Essenische Kirche vertritt einen esoterischen Glauben mit pantheistischer Christologie, theosophischer Reinkarnationslehre und gnostischen Zügen.
Deutlich werden diese Ansätze etwa in den «Fünf Prinzipien Gottes», welche die Funktion eines Glaubensbekenntnisses einnehmen:
«Wir verstehen Liebe als die stärkste Kraft im Universum und als letztlich den einzigen Weg, ein Teil des Christus zu sein, Vollkommenheit zu erlangen und zu Gott zurückzukehren.
Im Glauben erlangen wir das Verständnis dafür, dass wir leben, um zu lernen und uns weiterzuentwickeln und dass wir daher bereits unser Einverständnis zu allen unseren selbstgewählten Lernprozessen gegeben haben.
Der Weg zu innerer Reinheit führt über das Verständnis für alle anderen Menschen.
Nur durch absolutes Vertrauen zu Gott können wir selbst so sein, wie wir wirklich sind: Teile Gottes.
In der Akzeptanz erkennen wir, dass wir alle gleich sind, alle den gleichen Ursprung in Gott haben.»
Die CEK bezieht sich auf die Essener-Legende nach dem damaligen französischen Esoterik-Paar Anne Givaudan und Daniel Merois, publiziert im Jahr 1984 im Werk «De mémoire d’Essénien» (deutsch: «Die Essener-Erinnerungen»). Die Essener gelten nach dieser Legende als grösste spirituelle Gemeinschaft der Jahrhunderte vor Christi Geburt, die esoterische Lehren gelebt und in einer Schule auf dem Berg Karmel vermittelt hätte. Auch Jesus und seine Jünger seien Teil der Essener gewesen.
Die CEK versteht sich als interreligiös, so meint PAX Immanuel II. in einer Videobotschaft zum (offiziell) 50-jährigen Bestehen der CEK im Juni 2021, dass Vertretende aller Religionen an Gottesdiensten der CEK ihre Gebete sprechen könnten: «Aber das Essenische bleibt als Mittelpunkt».
Die Bibel wird in Form eines von Eckard Strohm korrigierten, angeblich «ursprünglichen» Johannes-Evangeliums verwendet. Hier sind die Essener in den Text eingetragen worden, so lautet z.B. Joh 1,6: «Es trat ein Mensch auf, der als ein Vertreter Gottes ausgesandt war, sein Name war Johannes und er war ein Meister der Essener, die sich selbst Kinder des Lichtes nannten und der erste der Christuspersönlichkeiten.»
Die Christlich Essenische Kirche trifft sich zu Gottesdiensten, die in der Form katholischen Feiern nachgestaltet sind. An die Stelle des Abendmahls tritt das «Liebesmahl», welches die Liebe Gottes vermitteln soll.
Eine wichtige Rolle spielen die Weihen der Amtsträger.
An der Spitze der Christlich Essenischen Kirche CEK steht der «PAX», ausgesprochen «Pax», der nach Aussage von PAX Immanuel II. anlässlich des (offiziell) 50-jährigen Bestehens der CEK im Juni 2021 in Zukunft auch eine Frau sein könnte. Zurzeit hat Eckard Strohm als PAX Immanuel II. dieses Amt inne. Die korrekte Anrede des «PAX» lautet wie beim Papst und beim Dalai Lama «Seine Heiligkeit».
Unter dem PAX steht als Stellvertretung die Nuntia oder der Nuntius, angesprochen mit «Eminenz».
Der Titel Kardinalin oder Kardinal geht an enge Mitarbeitende des PAX.
Die Landeserzbischöfinnen und Landeserzbischöfe leiten die CEK in einem bestimmten Land.
Die Erzbischöfinnen und Erzbischöfe stehen einem grösseren Gebiet vor.
Die Bischöfinnen und Bischöfe leiten die Priesterinnen und Priester an.
«Monsignoras» und «Monsignores» sind zum Priestertum Geweihte, die mit den Bischöfinnen und Bischöfen eng zusammenarbeiten.
Priesterin oder Priester kann jeder Mensch werden.
Mitglieder der CEK sind nur die Amtsträger.
Die Christlich Essenische Kirche ist nach eigenen Angaben in 30 Ländern vertreten.
In der Schweiz bestehen zurzeit zwei Erzdiözesen, das Erzbistum Ostschweiz, geleitet von Kardinal Landeserzbischof Martina Brägger, und das Erzbistum West-Mittelschweiz, geleitet von Kardinal Dr. Richard Brägger, aber nur eine Gemeinde, der Heilig Geist Gemeinde in Dübendorf, geleitet von Martina Brägger, Kardinal, Landeserzbischof, Erzbischof des Erzbistums Ostschweiz, und von Dr. Richard Brägger, Kardinal (Erzbischof, Monsignore, Metropolit von Basel).