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"Bericht über meine Besprechung vom 9.7.1945 mit Detektiv Schellenberg..." BAR 7160-07 (-) 1968/54 1069
Information Independent Commission of Experts Switzerland-Second World War (ICE) (UEK)
Info UEK/CIE/ICE ( deutsch français italiano english): ________________________
Bericht über meine Besprechung vom 9.7.1945 mit Detektiv Schellenberg vom Kommando der Stadtpolizeit inZürich und mit X, Funktionär der Schweiz. Bodenkreditanstalt, Zürich (Streng vertraulich)
Schulthess
2 X macht die SVSt auf eine grosse Wolframtransaktion aufmerksam, die von der SVSt nicht hatte bewilligt werden müssen (die anderen Geschäfte der SBKA seien der SVSt bekannt, weill sie die Bewilligung dazu erteilt habe). Damit hätten 2 bis 3 Millionen Sperrmarkt zu vortrefflichen Konditionen deblockiert werden können. "Bei dieser Operation sei die S.B.K.A. und Schulthess speziell, grosse Risiken gelaufen; denn die Vermittlung eines derartigen grossen Postens von Wolfram nach Deutschland während der Kriegszeit hätte, sofern die Alliierten davon Kenntnis erhalten hätten, unfehlbar die Versetzung der S.B.K.A. und ihres Direktors auf die schwarze Liste zur Folge gehabt. Bei der Durchführung dieses Geschäftes haben hauptsächlich Oeding, Siedersleben und Rauch eine grosse Rolle gespielt. Auch Eidenschink sei stark beteiligt gewesen" Von der SVSt wird X befragt, womit die deutschen Herren bezahlt worden seien, X sagt, dass sie mit deutschen Sperrmark bezahlt worden seien, als der Befragende aber darauf hinweist, dass sich die deutschen Herren damit wohl nicht zufrieden gegeben hätten sagt X: "dass man natürlich nicht anders konnte, als den massgebend beteiligten Herren auch Schweizerfranken in der Schweiz zur Verfügung zu stellen. In diesem Zusammenhang müssten unsere Revisoren doe Verwaltungsratsprotokolle der letzten 10 Jahre und sämtliche Protokolle der Unterkommissionen der Bankbehörden zur Einsicht verlangen. Aus diesen Protokollen werde einwandfrei hervorgehen, dass die Bank beispielsweise an Regierungsrat Oeding Fr. 400.000.- für seine Bemühungen um das Zustandekommen der Sperrmarkoperationen in freien Franken zur Verfügun ggestellt worden seien. Auch Thierfelder habe einen Betrag von Fr. 120.000.- bis 200.000.- in gleicher Weise erhalten. Ich fragte X, ob er sic hnicht bewusst sei, dass es sich um clearingpflichtige Gelder handle, worauf er mir mitteilte, dass er damit nicht zu tun gehabt habe; denn die entsprechenden Weisungen seien von der Direktion erteilt worden. Es scheine ihm aber, dass auch er, sofern die SVST diesbezüglich Schwierigkeiten bereite, mitverantwortlich gemacht werde." 3 "Der S.B.K.A. ist am 28. September 35 auf Gesuch hin die generelle Bewilligung erteilt worden, Anwaltskosten im Zusammenhang mit der Erhaltung und Verwertung von gesperrten deutschen Guthaben aus diesen Sperrkonti zu zahlen, mit der Auflage, vierteljährlich eine Abrechnung der ab Sperrkonto vergenommenen Zahlungen zu erstellen, und unter Ziffer 5 dieser Genehmigung wurde folgendes vorgeschrieben: 'Ein allfälliger nicht zur Finanzierung aus Sperrkonto-Beständen zugelassener Teilbetrag der Aufwendungen muss via Clearing nach Deutschland überwiesen werden'. Daraus geht nun mit aller Deutlichkeit hervor, dass die Mittel, welche die S.B.K.A. den beteiligten deutschen Herren in freien Franken in der Schweiz für ihre Bemühungen zur Verfügung gestellt hat, der Einzahlungspflicht an die Schweiz. Nationalbank auf Sammelkonto Deutschland der Deutschen Verrechnungskasse entzogen worden sind." X hat der SVSt auch mitgeteilt, dass von Siedersleben, Firma Otto Wolff, 300 der SBKA geschickt worden seien, der Informant X haben dann Schulhtess geraten sie wegen der Eigentumsvermerke mit Bleistift und Tinte wieder zurückzuschicken: "X habe übrigens als Gewährsmann des Armeekommandos diese Meldung nur erstattet, um die Machenschaften Siederslebens den schweizerischen Behörden zur Kenntnis zu bringen. X ist auch der Mann, der dem Armeekommando die Transaktion Eidenschink/Friedrich von der Memphis zur Kenntnis gebracht hat. Er ist auch der Bankfachmann, der darauf hingewiesen hat, dass diese Operation das Musterbeispiel dafür sei, wie man einen Strohmann vorschiebe, nachdem es doch sicher keinen einzigen Bankfachmann gebe, der ein Objekt, wie die Zigarettenfabrik Memphis, lediglich gegen dien Anzahlung von Fr. 10.000.- mit Abzahlung in Jahresraten, ohne irgendwelche Garantieleistung oder Sicherstellung, zu solchen Bedingungen verkaufe." Auch die Chade-Aktien habe Siedersleben geschickt, ein Teil davon sei verkauft worden und der Erlös an die Firma Otto Wolff gegangen."X erklärte mir, dass die Bodenkreditanstalt gegegnwärtig in grosse Schwierigkeiten wegen diesen Chade-Aktien geraten sei, indem die verschiedenen Käufer, welche anscheinend die Aktien durch die Bank Friedrich erworben haben, ohne das Affidavit keine Zinsen erhalten können. Er hätte sich täglich mit solchen Fällen herumzuschlagen. [...] Auch diese Transaktion mit den Chade-Aktien dürfte, sofern sie den Alliierten zur Kenntnis gelangt, dazu beitragen, dass Schulthess und die Bodenkreditanstalt auf die schwarze Liste kommen." 4 "Nachdem X gewissermassen warm geworden war, erzählte er mir, dass es sich beim Gauführer Schulthess um einen sehr misstrauischen und vorsichtigen Bankfachmann handle. Er sei rücksichtslos und gewalttätig und stelle Anforderungen an das Personal, speziell an die höheren Beamten, die manchmal übertrieben seien. X steht in einem engen freundschaftlichen Verhältnis zu Vice-Direktor Rudolf von Schulthess, Schwager von Direktor Willi Schulthess und Sohn des gegenwärtigen Vice-Präsidenten Dr. Rudolf v. Schulthess-Rechberg." Angeblich hat v. Schulthess dem X erzählt, dass Blass Willi Schulthess ins Gebet genommen habe, um zu wissen ob bei der SBKA gegenüber den Behörden alles seine Rechtmässigkeit habe."Diese zur Rechenschaftsziehung des Verw.Rats-Präs. dürfte, wie ich [Befrager] inzwischen von Herrn Dir. Reinhardt von der Finanzverwaltung efahren habe, damit in Zusammenhang stehen, dass Herr Dir. Reinhardt Generaldirektor Blass gegenüber schon eine leichte Andeutung in der Richtung der bei uns vorliegenden Berichte gemacht hat. [...] Dir. Reinhardt wäre uns daher zu Dank verpflichtet, wenn er von uns über den Ausgang einer eventuell stattfindenden Revision unterrichtet würde." Oeding
Schulthess sei Oeding, meint X, gänzlich ausgeliefert. Die Vergütungen an Oeding seien an Frick auf ein Konto bei der SKA überwiesen worden. In dem Check über sFr. 400.000.- sei Oeding nicht einmal erwähnt, das Geld wurde anschliessend in die Firma "Dufourstr. 51 G.m.b.H." gesteckt. "Nachdem in der Dufourstr. 51 G.m.b.H. auch die Immobilien A.G. in Zürich mit Fr. 18'000.- mitbeteiligt ist, darf ohne weiteres angenommen werden, dass auch letztere Oeding gehört." Weil Schulthess die Sache nicht mehr ganz geheuer gewesen sei, wurde "im Anschluss an die grosse Konferenz, die seinerzeit bei der Bodenkreditanstalt mit Eidentschink, Thierfelder, Möhring, Konsul Schmid und Siedersleben stattfand" dafür gesort, dass die Gesellschaft Dufourstr. gelöscht werde (Die Löschung erfolgte am 12.4. 1945). Aktiven und Passiven seien an die Betag übergegangen. Die Dufourstr. wurde von Beamten der SBKA verwaltet. Bei der Löschung habe Frick eine Quittung mit dem Vermekr "zu Handen von Regierungsrat Oeding" der SBKA übergeben. Die SBKA wies die Quittung zurück. "Damit kann also formell der Bodenkreditanstalt nicht nachgewiesen werden, dass das Unternehmen Oeding gehört hatte." Die Betag A.G. und die Odrag A.G. gehören beide Oeding. "X macht mich darauf aufmerksam, dass die Sache so raffiniert getarnt sei, dass ma nauf dem üblichen Weg von Revisionen nicht hinter die Schiebung gelangen könne. Es sei Rechstanwalt Dr. Willi Frick zuzuschreiben, dass diese Tarnungen so raffiniert durchgeführt werden, denn er sei ein grosser Spezialist auf diesem Gebiete." X sagt, Frick sei auch Vermögensverwalter von Herrmann, Schmid, Rauch und Thierfelder. 5 Es soll versucht werden, von Oeding, der in Konstanz immernoch auf seine Einreise in die Schweiz wartet, alle Schiebungen in die Schweiz heruazubekommen und alle Tarnungen. 6 "Um das erforderliche Resultat bei Oeding zu erzielen, müsste man ihm androhen, dass ihn die schweizerischen Behörden der ersten französischen Armee als Kriegsverbrecher ausliefern werden, nachem uns bekannt ist, dass Oeding Vertrauensmann Goerings und seiner Clique gewesen ist.[...] X warnt uns allerdings, dass die Einvernahme Oedings absolut geheim stattfinden müsse; denn Oeding unterhalte gegenwärtig einen intensiven illegalen Nachrichtenverkehr mit Schulthess und Frick durch Vermittlung eines Vertrauensmannes, der ständig Nachrichten von Konstanz nach Kreuzlingen über einen Ausläufer der Schweizerischen Kreditanstalt überbringe." Die Verrechnungsstelle hat Verbindungen mit der Bundesanwaltschaft (Kommissar Maurer) und mit Major Hausamann der im Auftrag des Armeekommandos, Oeding unter Bedeckung in die Schweiz bringen könnte.
Siedersleben
6 Vermutlich seien die Vermögensverschiebungen von Siedersleben nicht über Frick sondern über die Rodopia S.A. in Genf gelaufen. X glaubt, dass die Rodopia grosse deutsche Vermögenswerte verwaltet. "In einem Bericht des Armeekommandos vom 31.3.45 an Dir. Reinhardt war davon die Rede, dass Siedersleben 11,5 Millionen Schweizerfranken in die Schweiz verschoben habe. Diese Behauptung stammt von unserem Gewährsmanne X und stimmt. Auf Befragen von Schulthess habe X jedoch davon abgeraten, diesen Betrag vei der B.K.A. unterzubringen, da es zu gefährlich sei, solche Gelder zu verwalten. Schulthess habe daher Weisung erteilt, den Betrag wieder nach Spanien zurückgehen zu lassen; der Bank können somit in diesem Zusammenhang keine Vorwürfe gemacht werden. von Hand: Aber die Alliierten werden sich über diese Meldung freuen.
7 Bei der SBKA gibt es keine Nummernkonti, was Schulthess zwar hatte einführen wollen, wogegen sich X aber gewehrt hatte. Was übrige deutsche Gelder in der Schweiz betrifft, weist X darauf hin, "dass im allgemeinen duetsche Kapitalien durch Vermittlung der S.B.K.A. in schweizerischen Liegenschaften investiert worden sei". (Göhner, Weideli). X weiss, dass Thierfelder zur Zeit im Dolder sei, Siedersleben nicht in der Schweiz, Herrmann in Vaduz (wartet auf sein Einbürgerungsgesuch), Rauchs Aufenthalt ist nicht bekannt; Möhring sei in Berlin, Consul Schmid im Hotel Baur au Lac.
X könnte Paul Ebinger oder Adolf Asper sein, (einer der Prokuristen kommt wohl kaum in Frage)
--Brief an Dr. Ed. Reinhardt, Direktor der Eidg. Finanzverwaltung, Bern; von Schweizerische Armee, Armeekommando, Chef des Sicherheitsdienstes Müller, Oberst i. Gst. Datiert A.H.Q. 31.3.45
X weiss: Schulthess arbeite mi Siedersleben ("Erznazi und Grosschieber") und Oeding zusammen. Vor einem ½ Jahr habe Oeding einen Einreiseantrag zurückgezogen, und Schulthess erklärt, "er komme jetzt noch nicht nach Davos, sondern erst dann, wenn es in Deutschland gefärhlich werde, d.h. beim Zusammenbruch des Nazi-Regimes."
Ein weiterer Brief an denselben Empfänger vom selben Absender, der Informationen von demselben Informanten X enthält vom "A.H.Q. 29.3.45"
"Direktor Schulhtess war in den Jahren 1939, 1940 bis zur Invasion extrem prodeutsch eingestellt und deshalb in de Bodenkreditanstalt vom Personal nur der 'Gauführer' genannt. So hat Schulthess im Frühjahr 1943 der Inhaber in des Café Maurer in Zürich erklärt, in 2 Monaten sei der Ostfeldzug fertig und dann werde Deutschland die Schweiz besetzen. Der Krieg sei unvermeidlich. Schulthess soll diese Nachricht damals von BODENSCHATZ gehabt haben. [...] Auch die Geschäfte, die Schulthess für die Bank abschloss, gingen in der Regel von der Voraussetzung aus, dass Deutschland den Krieg gewinne. [...] Schulthess habe im Rausch erklärt, das Aktienpaket der Cigarettenfabrik "Memphis" gehöre Himmler. [...] An der Mitte Februar stattgehabten Sitzung, an der Eidenschink in de Bodenkreditanstalt Teilnahm sei Frick nicht erschienen. An diese Sitzung seien anwesend gewesen: Eidenschink, Schulhtess, Dr. phil. Möhring vom Reichsmarschallamt Goering, Konsul Schmidt (ein intimer Freund von Schulhtess) und endlich Thierfelder. Diese Sitzung sei von so gorsser Wichtigkeit gewesen, dass die Bank an diesem Tage überhaupt nicht gearbeitet habe."
Es liegt zudem ein Dokument vor: Auszug aus dme Brief vom 12.3.45 der Eidg. Finanzverwaltung, Bern
"Von verschiedener Seite wurde uns angedeutet, dass Dr. von Schulthess, Direktor der Schweizerischen Bodenkreditanstalt gegenwärtig Kapitalien in erheblichem Umfange aus Deutschland in die Schweiz verschiebe und zwar von Persönlichkeiten, die im Naziregime eine bedeutende Rolle spielten oder diesem zum mindesten nahestehen."
--"Streng vertraulich. Bericht über unsere Besprechung vom 30.7.1945 mit X, Funktionär der Schweizerischen Bodenkreditanstalt, Zürich."
"Im Anschluss an unsere seinerzeitige Besprechung vom 9. Juli über das Vorgehen bei einer Revision auf der Schweizerischen Bodenkreditanstalt hatte X das Bedürfnis, sich vor seinem Weggang in die Ferien nochmals mit uns über dieses Problem zu unterhalten. In Präzisierung seiner früheren Aussagen wies X darauf hin, dass die 11 Mio. Franken, die seinerzeit von Siedersleben im Jahre 1944 für Rechnung Otto Wolf in Köln aus Spanien in die Schweiz transferiert worden sind, in drei Beträgen in Höhe von 3-4 Mio. Franken der Bodenkreditanstalt entweder bei der Schweizerischen Nationalbank oder aber bei der Schweizerischen Kreditanstalt gutgeschrieben worden sind. [...] Man habe der Schweizerischen Nationalbank oder aber der Schweizerischen Kreditanstalt geschrieben und der spanischen Uebermittlungsstelle telegrapphiert, dass der Betrag nicht akzeptiert und daher der überweisenden Firma wieder zur Verfügung gehalten werde." X gibt weiter Auskunft: Oeding sei Besitzer von Immobilien A.-G. Solum in Zürich, von der Artus A.G. Zürich; der Interverlag in Zürich gehöre K. Herrmann; die Industrie- und Bauwerte A.G. in Zürich sei deutsch beherrscht.