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Campari Z wurde im vergangenen Jahr mit Elian Baumann zum Shooting-Star. Doch der Weg war ein steiniger, den das Pferd dank seiner heutigen Besitzerin Riccarda Wenger meisterte.
Die Geburt von Campari Z stand unter keinem guten Stern. Es gab Probleme: Das Fohlen bekam die wichtige Biestmilch nicht und musste für zwei Wochen ins Tierspital. Später war die Idee, dass Campari Z bei der Züchterfamilie Vanderwaeren der Nachfolger seiner Mutter werden soll als Hobby-Springpferd von Tochter Kim. Die Familie entschied sich deshalb, das Jungpferd in Beritt zu geben. Campari Z war sehr schwer zu reiten, zeigte aber eindrückliche Freisprünge. Doch er liess sich kaum verladen und galt vor allem im Parcours als unreitbar. Die Züchterfamilie gab Campari Z zu fünf verschiedenen Ausbildnern. Seine heutige Besitzerin Riccarda Wenger erzählt: «Es konnte sich niemand erklären, was der Auslöser für die Probleme war. Er wurde von Tierärzten untersucht, und die Bereiter probierten mit verschiedenen Herangehensweisen, die Probleme zu lösen. Ohne Erfolg.»
Erste Begegnung
Als Campari Z siebenjährig war, gab die Züchterfamilie auf und verkaufte ihn an einen Schweizer Händler. Dieser veräusserte ihn an den Betreiber des Stalles, in dem Riccarda Wenger ihr damaliges Reitpferd eingestallt hatte. Sie blickt zurück: «Mir gefiel er sofort. Doch es funktionierte auch mit der dortigen Reiterin nicht. Man sah zwar, dass er Springen konnte, aber er war oft unkontrollierbar oder blockierte. Manchmal sprang er nicht einmal über Cavaletti.» Aber sie habe ihn einmal ausgeritten, als niemand Zeit hatte. Und da habe sich gezeigt, dass er im Gelände brav und entspannt ging.
Da der Besitzer keinen geeigneten Reiter hatte, jedoch durchaus das Potenzial in ihm sah, gab er Campari Z nach nur zwei Wochen nach Italien zu einem Profispringreiter. Wiederum ohne Erfolg. Riccarda Wenger erinnert sich: «Der Italiener meinte nach nur zwei Tagen, es mache keinen Sinn, Campari Z werde es niemals lernen. Darum wollte man ihn in Italien verkaufen. Doch niemand interessierte sich für den komplizierten Kerl.» Also machte sich der Besitzer im März 2015 auf, Campari Z in Italien abzuholen, um ihn in der Schweiz zu verkaufen, und Wenger begleitete ihn. Sie schmunzelt: «Schon auf dem Rückweg habe ich entschieden, ihn zu kaufen. Ich hatte Mitleid, weil ihn keiner mochte und ihm niemand eine Chance gab.»
Lichtblicke
Zurück in der Schweiz zeigte sich, dass es viel Geduld brauchte. Riccarda Wenger erzählt: «Campari Z war gebrochen, hatte kein Selbstvertrauen und erwartete ständig negative Reaktionen vom Reiter.» So ritt sie ihn vier Monate lang täglich aus. «Zwischendurch ging ich mit ihm auf den Sandplatz, wenn er aber nervös wurde, gingen wir wieder am langen Zügel in den Wald.» Manchmal habe sie die Geduld beinahe verloren, doch das Gefühl, dass in dem Pferd mehr stecke, habe sie immer wieder ermutigt.
Campari Z bekam Vertrauen und liess sich - neben den Ausritten und Einheiten an der Longe - auf kurze Springtrainings ein. Riccarda Wenger dazu: «Er war aber zu stark für mich. An schlechten Tagen versuchte er nach jedem Sprung durchzubrennen. Trotzdem ritt ich mit ihm einen regionalen Concours und erkannte sein Springvermögen. Erstaunlicherweise war er auswärts entspannter und einfacher zu reiten als daheim.» So entschloss sie sich, für Campari Z einen Reiter zu finden, der ihn fördern konnte. Die Wahl fiel schlussendlich auf Elian Baumann, den sie schon lange kannte und der damals Bereiter bei Pius Schwizer war. «Ich habe Elians Weg verfolgt und mochte seine gefühlvolle Reitweise», so die Besitzerin. Baumann sagte zu, den starken Braunen einmal zu reiten. Lachend erinnert er sich: «Ich kam mir vor wie ein Hampelmann. Er war unrittig, und ich brachte ihn kaum über zwei Cavaletti. Aus Goodwill ritt ich ihn ein paar Mal und teilte dann Riccarda mit, dass es nichts bringe, Zeit und Geld in dieses Pferd zu stecken.» Die liess das aber nicht gelten. Da sich Elian zu der Zeit selbstständig machte, willigte er schliesslich ein, Campari Z weiter zu reiten.
Um ihn zu überzeugen, dass das Pferd mehr könne, als es im Training zeige, schlug Riccarda Wenger vor, an einem Turnier zu starten. Allerdings glaubte ihr Elian Baumann nicht, dass Campari Z auswärts rittiger sei als daheim und hatte Angst, seinen Ruf zu ruinieren. Trotzdem liess er sich im Sommer 2016 überzeugen, mit ihm in Root (LU) über 1,25 m zu starten. Und siehe da, die beiden zeigten gleich eine erste Nullrunde, wenn auch mit Zeitüberschreitung. Baumann dazu: «Ich war überrascht, dass das Pferd tatsächlich viel besser war, als ich glaubte, und war bereit, ihm eine Chance zu geben.» Am Anfang blieben Spitzenplätze aus, weil Besitzerin und Reiter entschieden, die Runden ruhig anzugehen und Zeitfehler in Kauf zu nehmen. Das zahlte sich aus, denn schon bald startete Campari Z über 1,45 m, klassierte sich auf Anhieb und gewann ein Jahr später den ersten Grand Prix in Lignières (NE) über 1,55 m.
Träume werden wahr
Riccarda Wenger erinnert sich: «Ich hatte grosse Freude an den Erfolgen, habe aber nichts forciert. Elian hat mich davor gewarnt, dass es bei einem so schwierigen Pferd plötzlich Rückschritte geben könne. Diese blieben aber aus.» Damals lud sie Videos von Campari Z auf Youtube. Diese wurden von der Züchterfamilie gefunden. Kim Vanderwaeren hatte regelmässig im Internet nach ihrem einstigen Fohlen gesucht und die Filme gefunden. «Kim schrieb mich an und erzählte mir die Geschichte meines Pferdes. Seither sind wir in Kontakt. Die Familie hat sich sogar ein Wohnmobil gekauft und reist als Fans an viele Turniere, bei denen Elian und Campari Z im Einsatz sind.»
Campari Z machte weiter Fortschritte, dem speziellen Training blieb das Team treu. «Ich gehe bis heute fast täglich mit ihm ins Gelände. Dort arbeite ich ihn auch leicht dressurmässig und trabe oft bergauf. Dazu longiere ich ihn, und einmal pro Woche bringe ich ihn zu Elian», so die Besitzerin. Zudem entschied sie sich Anfang 2018, den Stall zu wechseln, damit Campari Z eine Auslaufbox bekam. Dies habe ihn nochmals ruhiger werden lassen. 2018 war dann auch das Jahr, in dem Elian Baumann spürte, dass die Reise mit Campari Z international erfolgreich werden könnte. So absolvierte er mit ihm Turniere in Italien und bekam eine Startmöglichkeit am 4*-Turnier in Crans-Montana (VS), wo die beiden eine Prüfung der grossen Tour über 1,50 m gewonnen haben. Dadurch wurde der damalige Equipenchef Andy Kistler auf das Paar aufmerksam und bot es für die Morocco Royal Tour auf. In Rabat absolvierten Elian Baumann und Campari Z ihren ersten Nationenpreis mit einmal vier und einmal null Strafpunkten und durften gleich mit der Equipe den ersten Sieg feiern.
Shooting-Star
2019 war ein weiteres Erfolgsjahr für das Team. Elian Baumann wurde in das Elitekader aufgenommen, durfte mit Campari Z erneut an der Morocco Royal Tour teilnehmen und wurde mit ihm unter anderem Dritter beim Grand Prix auf 5*-Niveau in Ascona (TI). Und dann kam Corona. Wenger führt aus: «Die Saison begann spät, und es fanden nur wenige Turniere statt. Campari Z kam nicht auf Touren, weil ihm der Turnierrhythmus fehlte. Die Saison war ein bisschen zum Abhaken.» Umso steiler ging es 2021 wieder bergauf. Das Paar Campari Z/Elian Baumann gewann den nationalen GP in Aarberg (BE) und belegte am CSIO St. Gallen im GP den sensationellen 6. Platz inmitten der Weltelite. Es folgte der Nationenpreis-Sieg in La Baule, der Sieg beim GP von Gorla Minore und als Krönung das Aufgebot für die EM in Riesenbeck. Riccarda Wenger dazu: «Wir haben in den Jahren davor gewitzelt, dass wir mit Campari Z einmal an einem Grossanlass teilnehmen werden. Dass es wahr geworden ist, ist ein Traum. Wir haben vieles richtig gemacht, hatten aber auch Glück.»
Der Rest ist Geschichte. Elian Baumann und Campari Z durften in Riesenbeck den Europameistertitel mit der Mannschaft feiern und wurden zu Shooting-Stars. Campari Z bekam nun eine Pause bis zu den Heimturnieren in Genf und Basel. Auf Zukunftswünsche angesprochen, sagen Riccarda Wenger und Elian Baumann: «Campari Z muss uns nichts mehr beweisen, aber wir träumen von der Qualifikation für Olympia 2024 in Paris. Danach wäre unser Star siebzehnjährig und dürfte in Pension gehen.»
Barbara Würmli