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Wer verunfallt, hat Glück im Unglück. Noch schlechter wäre eine Krankheit. Dies zumindest aus versicherungstechnischen Überlegungen, denn das Unfallversicherungsgesetz (UVG) gewährt weit grosszügigere Leistungen als das Krankenversicherungsgesetz (KVG).
Nun gibt es Ereignisse, die jeder Mensch mit einer durchschnittlichen Bildung als einen Unfall bezeichnen würde. Nur der auf Sozialversicherungen spezialisierte Jurist wird behaupten, es sei eine Krankheit.
Beim Volleyball voll auf den Rücken gefallen – seither arbeitsunfähig. Unfall oder Krankheit? Natürlich Unfall, würden wir sagen. Falsch. Das UVG zahlte nichts, weil die Landung in überstreckter Rückenlage nach Auffassung des Versicherungsgerichts im Volleyball häufig vorkommt.
Eine Reiterin erleidet ein Schleudertrauma, ohne vom Pferd zu fallen. Es passierte, als ihr Pferd vom Galopp in den Schritt wechselte. Unfall oder Krankheit? Natürlich Unfall. Falsch. Der Wechsel vom Galopp in den Schritt sei ein gewöhnlicher Vorgang, heisst es im Gerichtsurteil. Ein Unfall wäre es gewesen, wenn das Pferd mit den Vorderbeinen eingeknickt wäre.
Bei einem selbst gebackenen, nicht entsteinten Kirschenkuchen auf einen Stein gebissen – Zahn weg: Unfall oder Krankheit? Natürlich Unfall. Wieder falsch. Ein Unfall wäre es gewesen, wenn sich der Stein in einem angeblich entsteinten Kuchen befunden hätte.
Der Jiu-Jitsu-Kämpfer verstaucht sich beim Training einen Halswirbel. Unfall oder Krankheit? Bingo. Wieder kein Unfall. Beim Bodenkampf sei keine unkoordinierte Bewegung zu beobachten gewesen, befanden die Richter. Ein Unfall wäre es gewesen, wenn der Bewegungsablauf durch etwas Programmwidriges gestört worden wäre.
Was ist denn überhaupt ein Unfall? Das UVG gibt hier eine glasklare Antwort: «die plötzliche, nicht beabsichtigte, schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen und physischen Gesundheit oder Tod zur Folge hat». So der Gesetzestext.
Begriffen? Nein? Das macht nichts. Ich kapiers auch nicht.
Erschienen in der BZ am 21. April 2009