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Der äthiopische Schwimmer Robel Kiros Habte ist zurzeit in aller Munde. Wieso? Weil er über 100 m mit Abstand der Langsamste war. Soll man das feiern?
«Dabei sein ist alles» hat sich heutzutage als olympisches Motto etabliert. Das ist schön und gibt den Spielen einen fröhlichen und ungezwungenen Touch. Doch der eigentliche olympische Gedanke ist ein ganz anderer, er steht im direkten Widerspruch dazu: «Gewinnen ist alles.»
In der Antike, bei den originalen Olympischen Spielen in Griechenland, wurden die Sieger in ihrer Heimat jeweils als Helden empfangen und wie Götter verehrt und gefeiert. Wer die Heimreise von den Wettkämpfen jedoch ohne Lorbeerkranz antreten musste, der wurde bei seiner Ankunft höchstens verspottet.
Und auch Pierre de Coubertin, der Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit wählte nicht zufällig «citius, altius fortius» (lat.: schneller, höher, stärker) als das offizielle olympische Motto.
Nun aber wurde Robel Habte ein olympischer Held – ohne gewonnen zu haben, ohne schneller, weiter oder stärker geschwommen zu haben als die Konkurrenz. Im Gegenteil: Der 24-jährige Äthiopier wurde über die 100 m Crawl 59. von 59 Schwimmern, mit Abstand Letzter.
Robel blieb in 1:04.95 als einziger Athlet über einer Minute und musste sich wegen seines nur ansatzweise austrainierten Körpers (1.76 m/81 kg) den Übernamen «Robel the Whale» (Robel der Wal) gefallen lassen. Man munkelt auch, dass seine Olympiateilnahme in direktem Zusammenhang mit der Tatsache steht, dass sein Vater der Präsident des äthiopischen Schwimmverbands ist.
Trotzdem wurde Habte vom Publikum in der Schwimmarena von Rio frenetisch gefeiert. Erinnerungen an «Eric the Eel» (Eric der Aal) kommen auf. Eric Moussambani aus Äquatorialguinea benötigte bei den Sommerspielen 2000 in Sydney gar 1:52.72 für dieselbe Distanz, wurde aber ebenfalls von den Zuschauern gefeiert und ging dadurch als olympischer Held in die Geschichte ein.
Habte selbst schätzte sich glücklich: «Ich bin so happy, weil das mein erster olympischer Wettbewerb ist», sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Für ihn spiele es keine Rolle, welchen Platz er nun belege.
Seine Pläne seien andere gewesen: «Ich wollte etwas anderes machen für mein Land. Jeden Tag, wenn du aufwachst in Äthiopien, rennst du. Du schwimmst nicht. Aber ich wollte nicht rennen, ich wollte Schwimmer werden.»
Im Internet entstand ein kleiner Hype um den Afrikaner. Grösstenteils wird Habte gefeiert für seine Leistung, seinen Mut auch ohne jegliche Chancen auf Erfolg die Herausforderung anzunehmen. Aber es gibt natürlich auch das andere Lager, welches sich ob der läppischen Performance aufregt oder das Bäuchlein des Athleten belächelt.
Habte deutete indes an, dass dies wohl sein einziger olympischer Auftritt bleiben wird. Er plane nicht, noch einmal bei Sommerspielen anzutreten, denn er sei jetzt ja für immer ein Olympiateilnehmer. Dabei sein ist eben alles. (drd)