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Dioxin und andere Gifte in Nahrungsmitteln
Der Dioxinskandal in Belgien verunsicherte einmal mehr die Konsumenten tierischer Nahrungsmittel.
Tierische Fette, die an diverse Futtermittelfabrikanten in Belgien und den umliegenden Ländern geliefert wurden, enthielten eine viel zu grosse Menge an Dioxin (das Gift ist vor allem durch den Chemieunfall in Seveso bekannt geworden).
Das beanstandete Hühnerfutter in Belgien enthielt 0,8 Mikrogramm Dioxin. Dies scheint auf den ersten Blick wenig. Wenn man aber weiss, dass Klärschlamm schon ab einem Dioxingehalt von 0,1 Mikrogramm (zumindest in Deutschland) als Sondermüll entsorgt werden muss, ist dies sehr bedenklich.
Das Dioxin ist im Wasser unlöslich. Es löst sich allerdings sehr gut in Fetten. Deshalb wird es im Körper der Tiere (und des Menschen) vor allem im Fettgewebe eingelagert. Abgesehen von einer einmaligen Überdosis ist Dioxin durch seine Langzeitwirkung sehr gefährlich. Es kann über Jahre hinweg im Körper angesammelt werden. Deshalb sollte man jede Aufnahme so gut wie möglich vermeiden.
|95% der Aufnahme des Pestizids DDT erfolgt durch den Konsum von Fleisch und Milchprodukten.[5]|
Nach dem Dioxinschock wurden endlich umfangreichere Untersuchungen verschiedener Nahrungsmittel unternommen. Das Resultat in Deutschland: Es wurde nebst Dioxin auch PCB in Eiern, Hühner-, Rinder- und Schweinefleisch, in Mayonnaisen und Eiernudeln gefunden.
Auch das Gift PCB (Polychlorierte Biphenyle) reichert sich im Laufe des Lebens im Körper der Tiere und danach auch im Körper des Menschen an. Dies ist der Grund, weshalb die Belastung mit diesen Giften im direkten Zusammenhang mit dem Konsum tierischer Produkte steht. Je weniger tierische Produkte ein Mensch in seinem Leben konsumiert hat, desto weniger dieser Gifte hat er in seinen Körper angereichert (dies gilt übrigens auch für Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium etc. und viele andere giftige Substanzen).[1] Je weiter am Ende man sich in der Nahrungskette befindet, desto mehr Giftstoffe nimmt man auf. Der einfachste Weg die Aufnahme der Giftstoffe zu reduzieren ist demnach, die Nahrungskette zu verkürzen, indem man pflanzliche Nahrung bevorzugt. Anstatt also das Getreide zuerst an Tiere zu verfüttern und dann die Tiere oder ihre Produkte zu konsumieren, sollte man besser das Getreide direkt konsumieren. Egal wie stark das Getreide belastet ist, man erhält dadurch auf jeden Fall eine viel geringere Menge an Schadstoffen.
Diese Erkenntnis ist übrigens nicht neu. Schon zu Beginn der 80er Jahre wusste man, dass Fleisch 14 mal mehr Pestizide als pflanzliche Nahrungsmittel enthält. Bei den Milchprodukten beläuft sich die Konzentration auf das fünfeinhalbfache.[2]
Am direktesten sieht man dies, wenn man die Kontaminierung der Muttermilch verschiedener Mütter miteinander vergleicht. Da die Milch Fette enthält, die aus dem Körperfett der Mutter aufgebaut werden, wird ein grosser Teil der Giftstoffe, welche die Mutter während ihres bisherigen Lebens aufgenommen hat, ihrem Kind über die Milch weiter gegeben.
Es erstaunt deshalb nicht, dass eine wissenschaftliche Studie feststellte, dass sogar die am stärksten mit Schadstoffen belastete Milch der untersuchten vegetarischen Mütter immer noch viel geringer belastet war, als die beste Muttermilch aller nicht vegetarisch lebenden Mütter. Im Schnitt lagen die Vergiftungen der Milch von vegan lebenden Müttern 35 mal tiefer als diejenige des Durchschnitts.[3]
All dies wurde ohne irgend einen Dioxinskandal vor fast 20 Jahren festgestellt. Der neuste Skandal ist also nur die Spitze des Eisberges. All die Schadstoffe aus verseuchtem Futtermittel und die Folgen der intensiven Landwirtschaft sind in diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt!
Am Beispiel des Giftes PCB zeigt dies auch der Lebensmittelchemiker, Wissenschaftsjournalist und Dozent Udo Pollmer in seinem Buch «Iss und stirb. Chemie in unserer Nahrung»[4]:
«Beim Übergang vom Boden zur Pflanze reichert sich das PCB um das 50fache an. In der Muttermilch und im menschlichen [Knochen-]Mark beträgt seine Konzentration dann das 25’000fache des Ausgangsgehalts im Boden. Die Kieler Bundesanstalt für Milchforschung errechnete überschlagsmässig, dass die Bundesbürger jährlich allein über Milch und Milchprodukte mehr als 100 Kilogramm PCB verzehren.»
Auch hier sieht man wieder, dass mit jedem Zwischenschritt in der Nahrungskette das Gift weiter konzentriert wird. Dies mag auch ein Grund sein, weshalb der Mensch vor allem Tiere verspeist, welche selbst rein vegetarisch leben. Bei einer der wenigen Ausnahmen von dieser Regel sieht man diesen Vorteil deutlich: Die Fische, welche meist von anderen kleineren Tieren leben, enthalten oft sehr hohe Schwermetallkonzentrationen.
Egal welche schädlichen Substanzen man betrachtet, immer erhält man dasselbe Resultat: Je weniger tierische Nahrung konsumiert wird, desto weniger Giftstoffe nimmt man über die Nahrung auf. Da es bei vielen dieser Gifte auf den Fettgehalt der Nahrungsmittel ankommt, sind gerade bestimmte Milchprodukte (Butter, Rahm) besonders davon betroffen. Kein Wunder also, dass die belgischen Behörden nach Bekanntwerden des Dioxinskandals nicht nur alle kritischen Eier und Fleischprodukte vom Markt zurückzogen, sondern auch Milchprodukte (insbesondere die Butter).
Fussnoten:
- Lewis Regenstein: How to Survive in America the Poisoned, Acropolis Books, 1982, Seite 103
- Environmental Quality – 1975, the Sixth Annual Report of the Council on Environmental Quality, Washington D.C., Dec. 1975, Seite 375.
- New England Journal of Medicine, 26. März1981
- Udo Pollmer und Eva Kapfelsperger: Iss und stirb. Chemie in unserer Nahrung. Rowohlt Taschenbuch, 1992; in Bruker: Der Murks mit der Milch, S. 171
- John Robbins: Ernährung für ein neues Jahrtausend, H. Nietsch-Verlag, 2. Auflage 1996, S. 324
Weitere Infos:
- Infos zum Dioxinskandal von der Schweizer Regierung
- Dioxine / PCB: Zu 92% in tierischen Produkten, Vegi-Info 2009/4
- Die Muttermilch von Vegetarierinnen ist gesünder, Vegi-Info 2005/3