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Lerne, dich beim mehrstimmigen Singen zu orientieren, aus dem Gefühl heraus Harmonie zu finden und spüren und so immer bewusster Akkorde zu erkennen bzw. aufzubauen.
Stimmen, die auf verschiedenen Tönen zusammen klingen, ergeben eine bestimmte Wirkung. Diese kann harmonisch oder auf interessante Weise reibend bis eben „zu schräg“ sein. Wie die Wirkung ist, hängt davon ab, in welchem Abstand die Töne zueinander stehen (dieser in Halbtönen zählbarer Abstand zwischen zwei Tönen wird „Intervall“ genannt) . In einem Satz mit 3 Stimmen, stehen diese 3 Töne in einem gewissen tonalen Abständen zueinander und ergeben entsprechende Akkorde. Werden die Abstände (also die Intervalle) verändert, verändert sich auch der Akkord und die Wirkung.
In diesem Beispiel singen die 1. und 2. Stimme eine grosse Terz (Abstand: 2 Ganztöne), eine kleine Terz (Abstand: 1.5 Ganztöne) oder eine Quarte (Abstand: 2.5 Ganztöne). Du musst für diese Übung weder Intervalle noch Akkorde bereits kennen. (Natürlich darfst du aber deine Kenntnis nutzen, wenn du sie bereits hast.) Trainiere erst einmal deine Wahrnehmung von grundsätzlichen Abständen und ihre Wirkungsweisen. Singe jeweils zum präsentierten 2-stimmigen Satz verschiedene Töne als 3. Stimme dazu und erleben die Wirkung. Wechsle den Ton, den du singst jeweils einen Ton höher oder tiefer und erlebe, wie sich dadurch die Wirkung ändert. Mit welchen Tönen bringst du Reibung, welche Töne klingen sehr harmonisch?
In Lerninsel 4 wirst du dich intensiv mit den Akkorden (Aufbau, Variationen und Tensions) befassen. Je sicherer du dir mit den Intervallen und verschiedenen Akkord-Varianten bist, je mehr wirst du nicht nur spüren, welche Töne passen, sondern auch genau wissen, welche funktionalen Töne du singst. Im ersten Beispiel aus der Übung sind dies bspw.: die 1. Stimme singt den Grundton, die 2. Stimme singt die grosse Terz darüber und schliesslich singt die 3. Stimme erst die Quinte, die grosse Sekunde, die Quarte, die grosse Sexte und zum Schluss die grosse Septime.
Wird dir selbst, mehr und mehr bewusst, welche funktionalen Töne du singst und repetiere dann selbstständig mutigere Stimmführungen mit Spannungstönen bzw. so genannten «Tensions» (sus2, sus4, 6, 7, etc.).
Zum freieren Üben dieser Vorgehensweise, schnapp dir 2 (oder mehrere) weitere Sänger:innen und übe den harmonischen Aufbau a cappella!
Hinweis: Bei allfälligen Schwierigkeiten siehe Problemkatalog und Lösungsansätze (Modul 2, Seite 89 - 113).
In dieser Übersicht erhältst du interessanten Input und Inspiration über die häufigsten Probleme und Herausforderungen, wie du diese erkennst und welche Lösungsansätze du in Betracht ziehen könntest.