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In der ersten Hälfte der 1990er-Jahre gehörte Laurence Pittet zur jungen Kunstszene der Romandie um John Armleder, Helmut Federle und Olivier Mosset, die mit ihrer Öffnung der geometrischen Abstraktion für Pop, Fluxus, Dada und Alltagskultur eine lebhafte Debatte über die Möglichkeiten konkreter Kunst in Zeiten der Postmoderne anstiessen.
In Lausanne aufgewachsen, studierte Pittet Malerei an der École supérieure des Arts Visuels (ESAV) in Genf, wo sie 1988 ihren Abschluss machte. Schon ihre frühen Arbeiten erzählen von einem starken Interesse an der Aktualisierung der Farbfeldmalerei, deren oft kontrastreiche Gliederung sie in lichten, verschwommenen Linienmustern auflöste. Der dünne, trockene, wolkig ausfransende Farbauftrag verleiht den meist grossformatigen Bildern eine eigentümliche Schwerelosigkeit. Ein schönes Beispiel für diese Engführung von Strenge und Leichtigkeit ist das Bild o.T. (1992) aus der Sammlung der Mobiliar, das sich in fünf gleich breite, vertikale Streifen gliedert. Pittet hat sie allenfalls skizzenhaft aus der Farbe heraus entwickelt, die äusseren in Gelb und Grün sind lediglich angedeutet, Rot und Blau dagegen dichter und flächiger aufgetragen, sodass der weisse Streifen Grund daneben unentschieden zwischen Leerraum und Vollfarbfläche changiert.
In den Jahren 1988, 1989 und 1991 erhielt Pittet das Eidgenössische Kunststipendium. Bis Mitte der 1990er-Jahre stellte sie oft in Non-Profit-Kunsträumen aus – darunter in der 1981 von Silvia Bächli und Eric Hattan gegründeten Filiale Basel und im einflussreichen M/2 in Vevey (1987–1991) von Jean Crotti, Alain Huck, Robert Ireland und Jean-Luc Manz. Überzeugt von der Idee, dass Kunstschaffende unabhängige Plattformen für den Austausch und tragfähige Netzwerke brauchen, eröffnete Pittet neben ihrer künstlerischen Arbeit 1994 schliesslich selbst den viel beachteten Artist-Run Space Low Bet in direkter Nachbarschaft zum Centre d’art contemporain Genève. Bis 1996 zeigte sie dort Ausstellungen und Performances u. a. von Francis Baudevin, Gianni Motti, Stéphan Landry, Yan Duyvendak, Fabrice Gygi, Emmanuelle Antille und Sylvie Fleury.
Pittet, die als Künstlerin und als Ausstellungsmacherin im Genf der 1990er-Jahre gleichermassen präsent war, zog sich in den 2000er-Jahren aus der Kunstszene zurück und hat inzwischen aufgehört zu malen.
Laurence Pittet, 1964 in Lausanne (CHE) geboren, lebt in Genf (CHE)
Tätigkeitsbereich: Malerei