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Nachruf – In seinem Kreuzlinger Heim an der Steinbruchstrasse verstarb am letzten Montag, 27. November, der ehemalige Stickereizeichner und Journalist Arnold Rüesch. (Barbara N. Grauwiler)
Der zierliche Mann mit dem grauen Bärtchen, dem schicken Béret und den munter blitzenden Augen ist vielen bekannt als interessierter Besucher kultureller Anlässe, der diese kompetent mit Wort und Bild für die Zeitungen schilderte. «Noldi» – wie ihn seine Freunde und er sich selber nannte – wird als geselliger Mensch, der vor allem in Kreuzlingen und Konstanz gerne auf einen Schwatz und ein Glas Roten einkehrte, in lebhafter Erinnerung bleiben. Seine mehrheitlich autodidaktisch erworbenen Kenntnisse um Musik, Malerei und Soziales liessen ihn zum vielbeschäftigten Teilnehmer und Berichterstatter von Veranstaltungen werden. Und er engagierte sich auch bis ins hohe Alter im Sportverein, im Chor und bei Kulturveranstaltern wie dem Museum Rosenegg in Kreuzlingen. Auf der offenen Bühne in Konstanz oder bei privaten Festen durfte man sich darüber freuen, wenn er munter ein Gedicht rezitierte oder gar zur Gitarre griff und «Lumpeliedli» zum Besten gab.
Arnold Rüesch wurde am 8. August 1936 in Rorschach (SG) in eine Arbeiterfamilie geboren. Da wuchs er mit den zwei älteren Schwestern Ony und Lina und mit dem um zwei Jahre jüngeren Bruder Bruno auf. In Rorschach besuchte er auch die Primar- und die Sekundarschule und bezeichnete seine Jugend zeitlebens trotz der eher ärmlichen Verhältnisse und der Einschränkungen durch den Zweiten Weltkrieg als glücklich.
Nach der Schulentlassung im Frühjahr 1952 trat Rüesch bei «Forster Willy &Co» in St. Gallen in die dreijährige Lehre als Technischer Stickereizeichner ein, die er 1955 mit Bestnote abschloss. Über 15 Jahre arbeitete Arnold Rüesch auf seinem Beruf, trug zum knappen Familieneinkommen bei, übernahm beruflich auch Leitungsaufgaben und widmete sich mit Ideenreichtum und Genauigkeit der Aufgabe, modische Kreativität und technische Machbarkeit der Stickerei zu vereinen. Ab Januar 1969 bildete sich Rüesch weiter und unterrichtete zusätzlich nebenamtlich als Fachlehrer an der «Textil- und Modeschule». Die Tätigkeit gefiel ihm so gut, dass er sich um den Eintritt in einen Umschulungskurs zum Primarlehrer bewarb. Von über hundert Bewerbern überstand er als einer von 25 die zweitägige Aufnahmeprüfung. Als 36-Jähriger trat Arnold Rüesch 1972 ins Lehrerseminar Kreuzlingen ein und schloss im Herbst 1974 mit Erfolg die zweijährige Ausbildung ab.
Auch privat waren diese Jahre von viel Neuem geprägt. 1966 heirateten Arnold Rüesch und Nelly Comolli, bald darauf erblickten Tochter Ursula und in den folgenden Jahren Silvia und Barbara das Licht der Welt. 1972 erfolgte der Umzug nach Kreuzlingen.
Ab 1974 wirkte Arnold Rüesch 14 Jahre lang als Primarlehrer der Mittelstufe – zu Beginn mit 33 Schülerinnen und Schülern in Götighofen TG. In seinen Aufzeichnungen erinnerte sich Rüesch: «Es war eine wohl anforderungsvolle doch auch fruchtbare Zeit an diesem noch recht heilen, ländlichen Ort.» Wegen der zu grossen Distanz zu andern Schulen der Region besuchten sogar die beiden Töchter die Mittelstufe bei ihm.
Zu Rüeschs liebsten Hobbys wie Zeichnen, Fotografieren, Musik und der Tätigkeit als zeitweiliger Leiter der beiden Dorfchöre gesellte sich ab 1980 die freie Mitarbeit bei verschiedenen Thurgauer Zeitungen, vor allem der «Schweiz. Bodenseezeitung», seinen vielfältigen Interessen entsprechend in verschiedenen Bereichen – ab wirkte Arnold Rüesch 1988 vollamtlich bei der «Davoser Zeitung» als Redaktor. Ein guter Kontakt zu seiner Familie, insbesondere zu den heranwachsenden Töchtern, blieb ihm auch nach der Scheidung stets wichtig. So war er während sieben Jahren, nämlich bis Herbst 1995, in vielfältiger Tätigkeit Vollzeit-Journalist aktiv.
Im Mai 1994 lernte Rüesch in Davos die Reisekauffrau Gerti Press-Ohl kennen und lieben. 1995 zogen sie gemeinsam in den Thurgau an den Bodensee nach Altnau und später nach Kreuzlingen, wo sie 1998 heirateten und bis zur einvernehmlichen Trennung 2006 zusammen lebten.
Arnold Rüesch arbeitete teilzeitlich als Selbständiger in seinem früheren Zeichnerberuf und blieb auch später im vorzeitigen Ruhestand an der Steinbruchstrasse in Kreuzlingen, wo sich viele gerne an seine freundliche und lebhafte Teilnahme bei kulturellen und geselligen Anlässen erinnern, kreativ tätig.
Am Freitag, 8. Dezember, um 10.30 Uhr wird Arnold Rüesch nach der Abdankung in der Kirche Bernrain auf dem dortigen Friedhof seine Ruhe finden. Dies ist ganz nach seinem Wunsch nicht nur dank der schönen Aussicht auf sein geliebtes Konstanz, sondern auch wegen der Legende vom vorwitzigen Knaben Schappeler, der dem Jesus am dortigen Wunderkreuz die Nase putzte, die Arnold Rüesch gern schelmisch zitierte.