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Nr. 1011
Oberhalb von Adelboden, an der Grenze der Dauersiedlungen, liess sich 1698 der Bergbauer Thomas Gyger «Als Er 77 Jahr alt Wahr und Sein Weib 71 zelt ...» von Zimmermann Jakob Pieren dieses Vielzweckhaus erbauen. So besagt die Inschrift auf der Hauptfassade.
Das in Blockbauweise erstellte Gebäude enthält unter dem gleichen Dach Wohnteil, Stall und Heuraum. Die Aufteilung des Innenraumes ist für das Frutigland typisch und ermöglicht es, in den schneereichen Wintern das Vieh sicher zu versorgen. Die Schauseite des breiten Giebeldachhauses blickt talwärts. Die Hanglage wird ausgenützt, indem man an der vorderen Giebelwand ebenerdig in Stall und Keller, an der Traufseite dagegen über eine kurze Treppe ins Wohngeschoss treten kann.
Ein schwach geneigtes Dach überdeckt den Blockbau. Die vierkantigen, mit dem Beil zugerichteten Balken überkreuzen sich an den Enden und bilden ein festes Gehäuse. Nur im Wirtschaftsteil sind die liegenden Balken teilweise in Ständer eingenutet. Das Rafendach ist mit Legschindeln bedeckt; andere Häuser in Adelboden waren mit Schieferplatten und Schindeln gemischt eingedeckt. An der vordersten Dachrafe sind Äste – «Gretzeni» – befestigt. Sie sollen den Wind brechen und vielleicht auch böse Geister und Unheil davon abhalten, in dieses Haus einzudringen.
Im Untergeschoss fällt der niedrige Kuhstall auf. In der Landschaft Frutigen züchtete man noch im 18. Jahrhundert eine Rinderrasse, deren durchschnittliche Risthöhe nicht mehr als 120 Zentimeter betrug. Die übrigen Räume im Erdgeschoss dienten in erster Linie als Keller, wobei der giebelseitige Raum nicht selten eine Werkstatt enthielt. Hier ist eine kleine Werkstätte zur Herstellung von Spanschachteln eingerichtet.
Von der Laube tritt man direkt in die Küche. In der Ecke gegen die Stube steht eine gemauerte Feuerstelle, auf der das offene Feuer brennt. Küchenwände und Kamin sind aus Holz. Von der Küche aus heizt man auch den gemauerten Trittofen in der Stube. Hier und in der Nebenstube schlief der grössere Teil der Familie. Um tagsüber Platz zu sparen, verwendete man Schiebebetten. Neben der Küche befindet sich eine kleine Speisekammer, die der Aufbewahrung von Milch diente. Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem schmalen, von der Küche zum Heuraum führenden Gang. Dort steht ein zur tragbaren Toilette umgestalteter Melkeimer, der mindestens einmal am Tag auf den Mist entleert wurde. Sinnigerweise wurde diese Örtlichkeit «Schissgang» genannt.
Die Kammern im Obergeschoss sind von der Küche aus über eine steile Treppe erreichbar. Im Dachraum wird der konische Bretterkamin sichtbar. Über dem Stall lagerte man das Heu bis hin-auf zu den Dachrafen. Um es leichter einbringen zu können, ist auf der Rückseite des Dachraums ein grosses Tor vorhanden. In Bündeln trug man das Heu die steile Leiter empor.
Hinter dem Haus befindet sich die Rekonstruktion eines Siedherds für Blacken (Nr. 1013). Die «Blacken» genannten Alpenampfer (Rumex alpinus) wurden als Schweinefutter eingekocht und vergleichbar mit dem modernen Silofutter in Trögen aufbewahrt. Das Pultdach des Herdes weist Schindeln und Schieferplatten auf.