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Schaut man nur auf die Startliste und das Klassement nach Zieleinfahrt, könnte man meinen, dass es ein langweiliges Rennen war. Dass Verstappen wieder einmal alleine seine Runden gedreht hat und bei seinem Heim-Grand-Prix in Zandvoort unbedrängt gewonnen hat. Doch das könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein.
Denn es hätte auch ganz anders kommen können. Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hoffte schon auf einen Doppelsieg. Doch zwei entscheidende Szenen liessen diese Hoffnung schwinden – und der Brite war nicht der Einzige, der von seinem Team enttäuscht war.
Der erste Dämpfer für Mercedes ereignete sich einige Runden nach Rennhälfte, als Yuki Tsunoda im AlphaTauri eine Virtual-Safety-Car-Phase auslöste. Der Japaner hatte nach seinem Boxenstopp beklagt, dass ein Reifen nicht richtig fest sei. Sein Team wies ihn an, das Auto an einem sicheren Ort abzustellen, checkte aber derweil noch die Daten. Diese ergaben, dass es sich nicht um ein falsch montiertes Rad handelte, woraufhin der italienische Rennstall Tsunoda anwies, in die Box zu fahren.
Der 22-Jährige hatte seinen Motor zu dem Zeitpunkt bereits abgestellt und die Gurte gelockert, fuhr dann aber noch einmal los. Beim Stopp bekam er erneut einen Satz frische Reifen, berichtete kurz darauf aber wieder vom selben Problem. «Es fühlte sich an, als würde ich auf der Geraden driften», sagte Tsunoda gemäss Daily Mail nach dem Rennen. Also stellte er seinen Wagen erneut ab und löste so das virtuelle Safety-Car (VSC) aus.
Bei diesem darf nur noch mit begrenzter Geschwindigkeit gefahren werden. Das nutzte der Führende Max Verstappen für seinen zweiten Boxenstopp und anstatt Hamilton und dessen Teamkollegen George Russell jagen zu müssen, blieb er in Führung. Hamilton beklagte: «Das Safety-Car hat uns auflaufen lassen.» Teamchef Toto Wolff pflichtete ihm bei: «Unsere Simulation sagte, dass Max nach dem Stopp acht Sekunden hinter uns wieder auf die Strecke gekommen wäre. Wir hätten eine Chance auf den Sieg gehabt.»
Dass AlphaTauri wie Red Bull dem Österreicher Dietrich Mateschitz gehört, und Verstappen von diesem kuriosen Vorfall profitieren konnte, sorgte bei einigen Formel-1-Fans für einen faden Beigeschmack. Vor allem Mercedes-Fans vermuteten eine Verschwörung. Davon will Wolff nicht sprechen, doch sagte er: «Ich bin sprachlos. Da wird das VSC von einem Auto ausgelöst, das gar nicht mehr da sein sollte. Wenn wir um eine Meisterschaft kämpfen würden, wäre das etwas, was ich genau unter die Lupe nehmen würde.»
Tsunoda wurde für den Vorfall bereits mit einer Strafe belegt. Am nächsten Wochenende wird er in Monza nach dem Qualifying um zehn Plätze zurückversetzt, weil er eine Runde mit nicht ordnungsgemäss angelegten Gurten fuhr.
Für richtig Ärger sorgte beim Briten dann aber erst der Vorfall in Runde 55 von 72. Wegen des Ausfalls von Valtteri Bottas musste das Safety-Car auf die Strecke fahren. Während Verstappen – zu dem Zeitpunkt Führender –, George Russell und Charles Leclerc in die Box fuhren, um frische weiche Reifen zu holen, blieb Hamilton draussen. Der siebenfache Weltmeister war damit an der Spitze, doch das blieb nicht lange so. Als das Rennen fortgesetzt wurde, zog Verstappen sofort wieder vorbei an Hamilton, der auch gegen die Angriffe von Russell und Leclerc keine Chance hatte und am Ende 4. wurde.
«Ich kann nicht fassen, dass ihr mich so verarscht habt», sagte Hamilton am Funk. «Ich kann gar nicht sagen, wie angepisst ich bin.» Er fühlte sich von seinem Team betrogen und um die Chance auf einen Sieg gebracht. Doch Wolff erklärte nach dem Rennen: «Wir sind das Risiko eingegangen, weil Lewis vorne war, und es hat nicht geklappt.» Das habe das Team bereits am Morgen besprochen, dass es bei Siegchancen «echt Risiko gehen» wolle.
Dass sich das nicht ausbezahlt hat, sorgte natürlich für Enttäuschung bei Hamilton, doch nach dem Rennen hat er sich bereits beruhigt. «Was ich gesagt habe, tut mir leid. Das war einfach im Eifer des Gefechts. Ich war mit meinen Gefühlen am Siedepunkt und habe für einen Moment die Beherrschung verloren», sagte er gemäss Motorsport Total. Wolff verstehe das: «Das ist natürlich super frustrierend aus seiner Sicht.» Die Differenzen konnten aber bereits ausdiskutiert werden.
Es ist schon fast nicht mehr überraschend, wenn Ferrari in dieser Saison ein Fehler unterläuft. Am Sonntag setzte die Boxencrew aber noch einmal einen drauf. Beim Boxenstopp von Carlos Sainz waren die Reifen noch nicht bereit. Erst im letzten Moment rannten die Mechaniker mit dem frischen Satz aus der Box. Es gab nur ein Problem: Ein Rad fehlte. So musste der Spanier warten und verlor ordentlich Zeit.
Doch damit nicht genug. Red-Bull-Fahrer Sergio Perez, der zeitgleich in der Boxengasse war, fuhr über den Schlagschrauber, den Ferrari im Weg hatte liegen lassen. Der Mexikaner fluchte über den Funk. Eine Strafe gab es für Ferrari nicht, und auch Perez kam straffrei davon. Perez hätte dafür bestraft werden können, dass er über das Equipment eines anderen Teams gefahren ist, doch aufgrund der kurzen Boxengasse sahen die Stewards davon ab.
Für Suter war es im 146. Weltcup-Rennen der Karriere der fünfte Sieg, der zweite im Super-G nach demjenigen im Februar 2020 in Garmisch-Partenkirchen.