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Steven Spielbergs erstes Projekt nach JAWS war der Science Fiction, oder wie gerne auch genannt Science Fact Film CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND. Produziert vom damals heissesten Produzentenpaar Hollywoods, Julia und Michael Phillips (TAXI DRIVER, THE STING), entstand ein persönlicher, von Vilmos Zsigmond fantastisch fotografierter (einzelne Szenen von Douglas RAIDERS OF THE LOST ARK Slocombe und Allen Daviau, mit dem Spielberg mehrere Filme drehte), mit atemberaubenden Effekten ausgestatteter Spielberg Film, angeführt von Richard Dreyfuss in einer seiner besten Rollen (und damals tief in seiner Drogenkrise steckend) als Roy Neary, der seine Visionen nicht mehr aus dem Kopf bekommt und dafür sogar die Zukunft seiner Familie opfert.
Die gewaltige Produktion kostete satte 20 Millionen Dollar, kein Zuckerschlecken, schon gar nicht 1977. Doch wenn dabei ein solches Werk herauskommt wie CE3K, wer fragt nach dem Preisschild? Es entstanden riesige Bauten (in einem Flugzeughangar in Mobile, Alabama), wundervoll leuchtende UFOs – es fällt einem hier tatsächlich schwer dieses Kürzel zu gebrauchen – man denke nur an das Mutterschiff, ausserdem arbeitete Spielberg mit Carlo Rambaldi zusammen, mit dem er später, optisch erfolgreicher, einen knuddeligen Ausserirdischen zum Leben erwecken sollte. Von diesen Superlativen abgesehen ist der Film auch inhaltlich ein Gewinn, durch und durch fein gespielt (Bob Balaban, Melinda Dillon, Teri Garr und der kleine Cary Guffey) und an bemerkenswerten Locations gedreht.
Etwas rätselhaft bleibt die Tatsache der drei Jahre später als SPECIAL EDITION betitelten Version und diese abermals in die Kinos zu bringen. Sie zeigte neue Aufnahmen vom Inneren des Mutterschiffs, was in dieser Art nicht so gut ankam, ausserdem wurde beispielsweise die tolle Gobiszene eingefügt ebenso wie die packende Szene von Roys Zusammenbruch in der Dusche. Andere Alltagsszenen wurden gestrichen, zum Beispiel die gelungene in der Roy den Garten verunstaltet und Erde, Pflanzen und weiteresMaterial in ein Zimmer schmeisst um dort „seinen Berg“ zu bauen. Die SPECIAL EDITION war vielleicht sowas wie der erste „Director’s Cut“ überhaupt – Spielberg erachtete damals, so liess er verlauten, die 1977er Version als lediglich „work in progress“ und erhielt ein Budget von 1.5 Mio.$ um seine Vision zu finalisieren. Dennoch erschien 1998 eine weitere Version, die nun aber wirklich die endgültige sein soll. Es handelt sich im Grossen und Ganzen um die Original Version mit einigen zusätzlichen Szenen der Special Edition. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?
Aber um doch noch zum Thema zu kommen: Nach JAWS wieder dabei war John Williams, der im selben Jahr ausserdem jenen „kleinen“ Film namens STAR WARS vertonte. STAR WARS und CLOSE ENCOUNTERS könnten musikalisch nicht unterschiedlicher sein, zwei für den Komponisten grosse Projekte, umso bemerkenswerter was Williams für beide Filme erschuf. Der Eine ein grosses romantisches Spacemärchen mit dem Kampf Gut gegen Böse, der Andere ein Film auf verschiedenen Ebenen spielend, teils einen dokumentarischen Touch erhaltend (die Szenen mit François Truffaut zB.) und von der Konversation und dem in Kontakt treten mit Ausserirdischen erzählend mit Musik als universeller Sprache. Ein ambitionierter Versuch, nicht zuletzt für Williams, dessen Versuche in die Hunderten gingen, ehe sich Regisseur und Komponist auf das inzwischen wohl weltbekannte Fünf-Noten-Signet einigten, das auch Bestandteil des Scores werden sollte. Bis dahin aber vergehen einige Filmminuten, in denen man zwischen grosser Verwunderung, Neugier („Roy’s First Encounter“, „Watching the Skies“), Schrecken („Barry’s Kidnapping“) und blassem Erstaunen („The Mothership“, „Resolution and End Title“ ) hin und her geworfen wird. Williams‘ Musik ist ambitioniert, avantgardistisch, da alle 12 Töne bedienend, hier spannend und insgesamt so komplex und anforderungsreich wie der Film selbst. Es verwundert nicht, dass diese Komposition bei vielen Fans (mittleren Alters…) des Komponisten mitunter ganz weit oben rangiert und überraschte damals wie heute nicht, sie zusammen mit dem späteren Gewinner STAR WARS auf der Oscarliste 1978 zu sehen.
Fast wie beim Film selber gibt es auch zur Musik mannigfaltige Ausführungen. Da wäre einmal die 1977er LP von Arista, die später mit dem gleichen Programm auch auf CD erschien. Daneben wurden viele Konzertversionen (Williams hatte CLOSE ENCOUNTERS lange in seinem Konzertprogramm) unterschiedlicher Suiten (auch „The Conversation“ findet sich darunter) veröffentlicht und wie es sich gehörte in jener Zeit natürlich auch eine Discoversion der fünf Töne, ja, tatsächlich. Schliesslich gab es gleiches auch zu STAR WARS – heute kaum vorstellbar oder wer kann sich eine R’n’B Version von Kylo Rens Motiv vorstellen?
1998 folgte Arista schliesslich dem Wunsch vieler Filmmusikliebhaber, parallel zur neu erscheinenden Filmversion, doch endlich der Komposition auch auf Tonträger gerecht zu werden. 77 grandiose Minuten, fast 40 Minuten mehr Musik also, produziert von Mike Mattesino, der nun, beinahe auf den Punkt 20 Jahre später, diese Doppel-CD gemeinsam mit La-La Land gestaltet hat. Das besondere hier dürfte sein, dass CD 1 so in etwa das Programm bildet, wie es Williams einst geplant hatte als Doppel-LP herauszubringen, während CD 2 abermals neues Hörmaterial, alternates und sogar die Schnipsel liefert, die zum Fernsehprogramm, welches die Familie Neary konsumierte, geschrieben wurden. Williams komponierte in der Tat eigene Musik für die Szenen von THE TEN COMMANDMENTS.
Und damit abschliessend zur stets wieder auftauchenden Gretchenfrage bei solchen Veröffentlichungen: Soll man sich denn, wenn man doch schon hat? Ich könnte jetzt als Antwort einfach die fünf Töne von mir geben… ach ja, und als abschliessende Bewertung bleibt hier nichts anderes übrig als, richtig, fünf Scheiben!
Phil, 1.2.2018
CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND 40th Anniversary Remastered Edition John Williams La-La Land Records CD 1: 78 Min. / 23 Tracks CD 2: 74 Min. / 31 Tracks