Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03138.jsonl.gz/2041

Der Begnadigungsausschuss des US-Bundesstaates Georgia hat am 20. September entschieden, das Begnadigungsgesuch von Troy Davis abzulehnen. Damit könnte der Gefangene bereits am 21. September hingerichtet werden. Amnesty International kritisiert diese Entscheidung und fordert die US-Behörden auf, die Hinrichtung zu stoppen.
«Die Vorstellung, dass mit Troy Davis ein Unschuldiger hingerichtet werden könnte, ist unerträglich», sagt Patrick Walder, Todesstrafe-Experte bei Amnesty International Schweiz. «Da weiterhin Zweifel an seiner Schuld bestehen, muss diese Hinrichtung gestoppt werden.»
Der Begnadigungsausschuss von Georgia hat laut Amnesty International seine eigenen Massstäbe verletzt. Im Jahr 2007 stellte der Ausschuss fest, dass die Vollstreckung eines Todesurteils ausgesetzt werden muss, falls auch nur geringste Zweifel an der Schuld des Gefangenen bestehen.
Auch Schweizer PolitikerInnen sehen die Gefahr eines tödlichen Fehlers. «Es gibt genügend Beweise, dass die Anwendung der Todesstrafe nicht unfehlbar ist», schreiben die ParlamentarierInnen Dick Marty, Carlo Sommaruga, Josef Lang und Anne Seydoux-Christe. In ihrem Brief an die US-Behörden verlangen sie die Begnadigung von Troy Davis.
Der Fall Troy Davis
Troy Davis wurde 1991 für schuldig befunden, zwei Jahre zuvor in Savannah im Bundesstaat Georgia den Polizisten Mark Allen MacPhail ermordet zu haben. Unmittelbare Beweise für seine Täterschaft wurden nicht ermittelt. Die Mordwaffe ist bis heute nicht aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft stützte das Verfahren gegen Troy Davis weitgehend auf die Aussagen von Zeugen.
Seit Ende des Prozesses haben sieben der neun Hauptbelastungszeugen ihre damaligen Aussagen zurückgezogen oder abgeändert. Einige von ihnen geben an, seinerzeit von der Polizei unter Druck gesetzt worden zu sein. Auch nach einer neuen Beweisanhörung im Jahr 2010, die vom Obersten Gerichtshof der USA angeordnet wurde, bestehen weiterhin Zweifel an der Schuld des Gefangenen.
Troy Davis ist bereits zum vierten Mal in nur vier Jahren mit einem Hinrichtungsdatum konfrontiert. Im Jahr 2007 blieben Troy Davis weniger als 24 Stunden bis zur Hinrichtung, als der Begnadigungsausschuss einen Aufschub erwirkte. Seitdem gab es zwei weitere Hinrichtungstermine im Jahr 2008, die später ausgesetzt wurden.
Stoppt die Hinrichtung!
Nach Ablehnung der Begnadigung lancierte Amnesty USA eine neue Online-Petition, die den Bezirksstaatsanwalt Larry Chisolm auffordert, den Hinrichtungsbefehl zurückzuziehen. Unterschreiben Sie die Petition (Englisch).