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Das Dylan-Poster von Milton Glaser (geb. 1929) schmückte in den späten 1960er-Jahren weltweit Studentenbuden und Plattenläden. Als Beilage fand es sich in der Plattenhülle zu Dylans 1967 erschienenem Album Bob Dylan’s Greatest Hits. Während Dylan diese Platte hasste und sich im Anschluss von Columbia Records trennte, setzt Glasers Plakat seine Karriere in Museumssammlungen fort.
Das feine und gleichzeitig markante Profil des rätselhaften Musikers und Lyrikers Dylan ist nur silhouettenhaft erfasst. Das Schwarz des Gesichts setzt sich ab von der buntfarbigen Haarpracht. Durch den leicht gesenkten Kopf wirkt Dylan, der schon damals ein Star war, selbstversunken und weltabgewandt. Milton Glaser inspirierte sich für seine Plakatikone an einem Scherenschnittselbstporträt von Marcel Duchamp (1887–1968), der in jenen Jahren neben ihm im gleichen New Yorker Gebäude ein Atelier besass. Für die fröhliche Farbigkeit des Haares, das im Kontrast zum Gesicht steht, fand er in der dekorativen islamischen Kunst Vorbilder. Zu seiner Babyteeth-Typografie schliesslich, die in diesem Plakat vielleicht ihren prominentesten Einsatz findet, regte ihn ein mexikanisches Schild an. Diese ganz unterschiedlichen, intuitiv verbundenen Einflüsse sind charakteristisch für Glasers Grafikdesign, das von spielerischer Leichtigkeit lebt sowie die visuelle Abwechslung und den poetischen Witz liebt. Glaser und seine Mitstreiter im New Yorker Push Pin-Studio votierten damit gegen die objektive Strenge des Swiss Style, der damals auch die USA dominierte. Nicht zuletzt Zitate von Glasers Plakat zeugen davon, dass dieses sich in das kollektive Bildgedächtnis eingeschrieben hat. So machte sich André Broussard (geb. 1984) das Vorbild zu eigen: Für eine Unterstützungskampagne zugunsten von Bernie Sanders’ (geb. 1941) Präsidentschaftskandidatur in Lafayette, Louisiana, lehnte er sich an Glasers Plakat an. (Bettina Richter)