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Ryf ist als weltbeste Mittel- und Langdistanz-Triathletin die grosse Zugnummer am Ironman Switzerland – noch vor Rekordsieger Ronnie Schildknecht. Zu bewältigen sind 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen. Zum 20-Jahre-Jubiläum führt die Marathon-Laufstrecke über vier Runden erstmals durch die Zürcher Bahnhofstrasse.
Die Aufgabe von Ryf wegen Unterkühlung an der Ironman-EM in Frankfurt vor drei Wochen spielte den Zürcher Veranstaltern in die Karten. Denn dadurch ist Ryf selbst als Ironman-Weltmeisterin gezwungen, einen “offiziellen” Ironman (Challenge Roth zählt nicht dazu) bis Ende August zu beenden, um im Oktober überhaupt ihren Titel an der Ironman-WM auf Hawaii verteidigen zu dürfen. So wollen es sie seit einigen Jahren für die Profis geltenden Regeln.
Dass Ryf zwei Ironman innerhalb einer Woche bestreitet, kommt im Profi-Spitzenbereich selten bis gar nicht vor. Ryf: “Wenn ich es überlebe, macht es mich stärker.” Zwei oder drei Wochen gelten als Mindest-Wettkampfpause, mit der man so etwas wie eine Superkompensation erreichen kann. Doch Ryf ist keine “normale” Weltklasse-Athletin. Zumal sie in Zürich ohne Druck startet. Sie muss den Wettkampf lediglich innerhalb der Zeitlimite von 17 Stunden beenden. Ob es Ryfs Ehrgeiz allerdings zulassen wird, den Marathon schonungshalber nur zu spazieren (wie es schon andere Ironman-Weltmeister wegen dieser seltsamen Regel getan haben), ist eine andere Frage.
Vor zwei Jahren hatte sich in Zürich der unaufhaltsame Aufstieg von Ryf angekündigt. Sie verblüffte damals nicht in erster Linie mit ihrem Sieg bei ihrem Ironman-Debüt, sondern dadurch, dass sie am Vortag noch gleichenorts über die olympische Distanz triumphiert hatte. Dabei stillte Ryf damals ihren Appetit zwischen den beiden Wettkämpfen mit Bratwurst, Pizza, Pasta und etwas Schokolade, aber auch Glace. Im Langdistanz-Wettkampf wollte Ryf schon in der ersten von zwei Radrunden aufgeben, weil sie Magenkrämpfe beklagte. Doch je länger das Rennen dauerte, umso besser fand sich Ryf zurecht. Sie siegte am Ende souverän.
Statt nach jenem Wochenende ausgebrannt zu sein, eilte die U23-Weltmeisterin und Olympia-Siebte von 2008 weiter von Sieg zu Sieg (u.a. Ironman Kopenhagen und 70.3-WM in Kanada). Einzig bei ihrem Ironman-WM-Debüt auf Hawaii musst sie sich mit Rang 2 begnügen.
Genau wie 2014 in Zürich wird Ryf wieder unter anderen auf Natascha Badmann treffen, die damals in ihrem 48. Lebensjahr mit Rang 2 imponiert hatte. Die sechsfache Ironman-Weltmeisterin will in ihrem 50. Altersjahr nochmals in Zürich imponieren, nachdem Verletzungen und anderes Unvorhergesehenes (u.a. Opfer eines Raubüberfalls in Nizza) ihre Saisonplanung durcheinandergebracht hat. Badmann startet immer noch im Profilager, “weil ich keiner Athletin meiner Altersklasse einen Blumenstrauss wegnehmen will.” Zu den Mitfavoritinnen zählt auch die wie Ryf von Brett Sutton trainierte Waadtländerin Emma Bilham, die in diesem Jahr als Ironman-Debütantin in Nizza mit Rang 2 glänzte.
Bei den Männern benötigt der achtfache Ironman-Switzerland-Gewinner Schildknecht (36) nach einer bislang durchwachsenen Saison (Ränge 9 und 7 an den afrikanischen beziehungsweise südamerikanischen Ironman-Meisterschaften) noch eine Spitzenklassierung, um sich auch in diesem Jahr das Ticket für die Ironman-WM vom 8. Oktober auf Hawaii zu sichern.
Schildknecht trifft auf Schweizer Konkurrenten wie den Vorjahres-Zweiten Jan van Berkel und Manuel Küng, nicht aber auf Trainingspartner Ruedi Wild, der bereits und erstmals für die Ironman-WM qualifiziert ist. Timo Bracht ist der prominenteste ausländische Teilnehmer. Der mittlerweile 40-jährige Deutsche gewann neun Ironman-Titel (einen weniger als Schildknecht), darunter in den Jahren 2007 und 2009 die Ironman-EM in Frankfurt und erreichte auf Hawaii schon mehrfach die Top 10.
Zürich. Ironman Switzerland vom Sonntag (3,8 km Schwimmen/180 km Radfahren/42,195 km Laufen). Start ab 6.40 Uhr. – Samstag. Diverse Rennen über kürzere Distanzen (u.a. mit Nicola Spirig).
(SDA)