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Kōan
Kōans sind zumeist paradoxe Sinnsprüche, die ZEN-Meister vor allem der Rinzai-Schule seit dem zehnten Jahrhundert ihren Schülern zur Lösung aufgeben, um ihnen zu helfen, das dualistische Denken zu überwinden und sie zur Erleuchtung führen sollen. Das Besondere hierbei ist, dass diese Kōans rein intellektuell nicht zu lösen sind und so dem Schüler höchste geistige und körperliche Anstrengung abverlangen. An den Antworten, die der Schüler dem Meister gibt, kann der Meister den Grad der geistigen Reife seines Schützlings erkennen.
Es gibt fünf Klassen von Kōans:
1. Hosshin-Kōans (hosshin: Jap. für Dharmakaya, Trikaya), sind Kōans, die dem Schüler einen Durchbruch zur erwachten Sicht verschaffen und ihm helfen, in der Welt des Wahren-Wesens, der Buddha-Natur (Bussho), heimisch zu werden. In den Hosshin-Kōans geht es um die Welt der „Nicht-Unterschiedenheit“ (nicht anhaften, nicht werten). Hat der Schüler den Einstieg gemeistert, soll er in seiner Entwicklung auf dieser Erfahrungsebene nicht stehen bleiben. Er bekommt dann Kōans aus den nachfolgenden Klassen zur Bearbeitung aufgetragen.
2. Die Kikan-Kōans (kikan: Jap. „Hilfsmittel, Werkzeug“) sollen das Vermögen des Schülers zur Unterscheidung in der Nicht-Unterschiedenheit schulen. Hier wird die Lehre des Nicht-Anhaftens und Nicht-Wertens intensiviert.
3. Bei den Gonsen-Kōans (gonsen: Jap. „Klärung der Worte“) geht es um den jenseits von lexikalischer Definition und begrifflicher „Repräsentation“ liegenden tiefsten Sinn und Gehalt der Aussprüche und Formulierungen der alten Meister. Es geht über die Begrifflichkeit Etymologie hinaus.
4. Die Nanto-Kōans (nanto: Jap. „schwer zu bestehen“) sind Kōans, die besonders schwer zu lösen sind.
5. Hat der Schüler die verschiedenen Kōans der Klassen 1 bis 4 bewältigt, dann wird mit den Go-i-Koans, den Fünf Graden (der Erleuchtung), sein „Wahres“ Begreifen noch einmal gründlich durchleuchtet und auf die Probe gestellt.