Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03657.jsonl.gz/2050

Links zu den einzelnen Themen:
zwischen Konzertbühne und Tonstudio
Red Rose Speedway ist ein Konzeptalbum
die Überbleibsel aus den früheren Sessions
die Non Album Singles 1972/1973
Henry Solo auf «My Love»
das urspüngliche Doppelalbum
Rezeption und Statistik
«Red Rose Speedway» sollte ursprünglich Ende 1972 oder Anfang 1973 als Doppelalbum erscheinen und ist in mehrer Hinsicht ein typisches McCartney-Album. So zeigt das auf elf Songs reduzierte finale Album die ganze Bandbreite von Paul McCartney als Songschreiber, die vom Rocksong über die Klavier-Ballade, den experimentellen Song bis zum Klassiker alles enthält. Trotz dieser Mischung könnte es heute nicht mehr in dieser Form erscheinen. Während den Aufnahmen haben die Wings vier Singles veröffentlicht, die allesamt nicht auf dem Album enthalten sind. Das war in den Sechziger und frühen Siebzigerjahren Usus. Heute werden Singles in der Regel aus den Alben ausgekoppelt und nicht separat veröffentlicht.
«Red Rose Speedway» ist ein Konzeptalbum
Auch wenn «Red Rose Speedway» nicht zu den klassischen Konzeptalben wie «Sgt Pepper» von den Beatles, «The Wall» von Pink Floyd oder «Tommy» von den Who gezählt wird, ist es eines. So erzählt Paul: «‹Red Rose Speedway› war der Liveakt. Ich meine damit, dass das Album okay ist. Es hat seine Momente, aber die grösste Wirkung hat die Band, wenn man sie persönlich hört.» Das dem Album zugrunde liegende Konzept ist ein Konzert. So ist das in das Klappcover eingeheftete zwölfseitige Booklet als Program bezeichnet. Inhaltlich und gestalterisch ist es dem Programm der «Wings Over Europe Tour» von Sommer 1972 nachempfunden. Darin waren die «Songs you might hear» aufgeführt und wo sie erhältlich waren, wenn sie denn schon aufgenommen waren.
Das Artwork des Doppelabums wurde beibehalten und so erschien «Red Rose Speedway» in einem Klappcover.
Auf dem Titelbild des Booklets ist ein Livefoto der Band und die Songs des Albums sind aufgeführt. Diese fehlen auf dem Backcover. Dafür ist dort ein Foto von einem Strauss Rosen, der auf einem Teppich bei einem Mikrofonständer liegt, abgebildet. Zum ersten Mal wird die Adresse des Wings Fan-Clubs aufgeführt. Und in Braille-Schrift ist «We love you baby» gestanzt, eine Botschaft an McCartneys Familienfreund Steve Wonder. Nach dem Livekonzept betrachtet sind die ersten acht Songs das reguläre Konzertprogramm und das Medley am Schluss bildet dann die Zugaben. Illustriert ist das Booklet unter anderem mit Livefotos von den 72er-Konzerten.
zwischen Konzertbühne und Tonstudio
Nach der Veröffentlichung von «Wild Life» im Dezember 1971 entschied sich Paul, die Wings mit Henry McCullough als zweiten Gitarristen zu verstärken. Der Nordire McCullough war 1969 zu Joe Cockers Grease Band gestossen und hat während Cockers legendärem Auftritt beim Woodstock Festival gespielt. 1970 hat er zu den Instrumentalisten von Andrew Lloyd Weber und Tim Rices Rockoper «Jesus Christ Superstar» gehört.
Pauls Beweggründe für die Erweiterung der Wings waren mannigfaltig, so wollte mit der Band durchstarten, also weitere Songs einspielen und wieder auf Tour gehen. Tom Doyle vermutet in seiner Biografie «Man On The Run», dass sich McCartney angesichts der Glamrock-Welle nach seinen ersten LoFi- und streckenweise folkigen Alben einen härteren, zeitgenössischeren Sound geben wollte. Es ist aber nicht von von der Hand zu weisen, dass Linda McCartney Anfang 1972 als Pianistin noch nicht bühnenreif gewesen war und man ihren Part so gut es ging, doppeln musste. Dies machte einen zweiten Gitarristen nötig, wenn die Multiinstrumentalisten McCartney oder Denny Laine am Klavier spielten. Paul ist auch nach Lindas Tod 1998 dem Quintett treu geblieben.
Um die Einheit der Band zu formen, lud Paul seine Musiker Denny Laine, Henry McCullough und Denny Seiwell zu sich auf seine Farm in Schottland ein, wo sie mit ihren Familien leben konnten. Dabei zog es Denny Laine vor, in einem Zigeunerwohnwagen zu leben. Im Februar 1972 absolvierten die Wings eine elf Konzerte dauernde Tour an Englands Universitäten. Danach gingen sie im März ein erstes Mal ins Studio. Wann immer es der Zeitplan ermöglichte, war die Band bis im Oktober im Studio. Unterbrochen wurden die Aufnahmen im Juli und August während der «Wings Over Europe Tour», die am 21. und 22. Juli in Zürich und Montreux Station machte.
die Überbleibsel aus den früheren Sessions
Für die am 20. März beginnenden Aufnahmen in den Londoner Olympic Studios konnte McCartney Glyn Johns als Produzenten gewinnen. Jones war in den chaotischen Tagen der «Get-Back-Sesions» der Beatles beauftragt worden, ein Album aus den Aufnahmen zusammenzustellen, sein Vorschlag war aber nie berücksichtigt worden. In der Zwischenzeit hatte er u.a. Led Zeppelin, die Rolling Stones und die Faces produziert.
Der Tourbus der Wings, unterwegs nach Oslo, im Sommer 1972. Er war mit einer kompletten Küche ausgestattet, Seine Höchstgeschwindigkeit betrug 38 Meilen die Stunde, was den Musikern ein gemütliches Abhängen auf dem Oberdeck ermöglicht hatte. – Foto: Tony Wilson.
Paul wollte die Wings als eine demokratische Band organisiert haben, und bat Johns zu Beginn der Aufnahmen, ihn nicht als Mr. McCartney, sondern bloss als den Bassisten der Band zu behandeln – was dieser in der Folge auch tat. Allerdings funktionierte dieses Konzept nicht, bei angebrachter Kritik reagierte der Bandbassist dann doch als Ex-Beatle McCartney, dem man Respekt zu zollen hatte. Jedoch war Johns, der die grössten Streitereien der Beatles miterlebt hatte, wohl von der familiären Atmosphäre überfordert. Nachdem man sich die Aufnahmen der Universitätstour angehört hatte und Verbesserungspotenzial im Zusammenspiel entdeckt hatte, gestalteten sich die meisten Tage zu oft langen Jamsessions und dem Spielen von Rockstandards aus den fünfziger Jahren. Dazu wurde eine Flasche Wein oder Whisky getrunken und – wenn Pauls Kinder nicht dabei waren – auch kräftig gekifft.
Für Glyn Johns entsprach dies einem Hippiehappening und keinen ernsthaften Aufnahmen, weshalb er das Tonband die meiste Zeit nicht zu den Jamsessions laufen liess. Er hatte seine Füsse auf dem Mischpult hochgelagert und eine Zeitung oder ein Buch gelesen. Am 17. April eskalierte die Situation. Zunächst stellten ihn Denny Laine und Henry McCullough zur Rede, weshalb er ihre Jamsessions nicht aufnehme. Johns antwortete, dass ihre Musik, bloss weil sie mit einem Beatle spielen würden, noch lange kein Geniestreich wäre, sogar eher im Gegenteil scheisse. Schliesslich stiess Paul zur Diskussion und man diskutierte im Halbkreis weiter und kam zum Schluss, dass man sich trennen sollte. Glyn Johns ärgert sich gemäss McCartneybiographen noch heute über die Sessionsund hat nicht mehr für Paul gearbeitet. Dennoch gehörte 2012/2013 sein Sohn Ethan zu den vier Produzenten von «NEW».
In dem guten Monat mit Glyn Johns wurden zunächst ältere, unvollendete Songs aus den «RAM»- und «Wild Life»-Sessions bearbeitet. Zunächst geprüft und schlussendlich für gut befunden wurde «Get On The Right Thing», der älteste Song auf dem Album, der von den frühesten Aufnahmen zu «RAM» übrig geblieben war. Neben Paul und Linda McCartney und Schlagzeuger Denny Seiwell ist nur noch Gitarrist David Spinozza zu hören. Spinozza war im Oktober 1970 angeheuert worden, konnte aber aus terminlichen Gründen nicht die ganzen «RAM»-Sessions über bleiben. Sein Nachfolger wurde Hugh McCracken. Er spielt auf dem Basistrack von «Little Lamb Dragonfly» die Gitarre. Für «Wild Life» haben die Wings den Song überarbeitet und seine definitive Form mit Denny Laine, der die erste Strophe singt, eingespielt. Mit Glyn Johns wurden noch zusätzliche Overdubs aufgenommen, bei denen Henry McCullough nicht mitgewirkt hat.
Der dritte Song aus den «RAM»-Sessions, der Album-Opener «Big Barn Bed», wurde stark überarbeitet und fertiggestellt. Eine frühe Version ist als akkustisches Snippet am Ende der Reprise von «Ram On» zu hören, als Paul die Zeilen «Who’s that coming round that corner? Who’s that coming round that bend?» singt, ehe «RAM» mit «The Back Seat Of My Car» endet. Vom urpsrünglichen folkigen Charakter des Songs ist in der endgültigen Version nichts mehr übrig geblieben, die Wings haben dem Song ein Bluesrock Arrangement verpasst, auf dem sich die Gitarristen Laine und McCullogh im Ramen der Begleitung austoben dürfen.
Ferner wurden «My Love», «One More Kiss», «Single Pigeon», «When The Night», «Loup (1st Indian On The Moon)» und die vier Songs des Medleys: «Hold Me Thight», «Lazy Dynamite», «Hands Of Love» und «Power Cut» eingespielt.
die Non-Album Singles von 1972/1973
Nicht zu den Songs von «Red Rose Speedway» kann die Single «Give Ireland Back To The Irish» gezählt werden, die erste Aufnahmen mit Henry McCullough, denn der Song wurde schon drei Wochen nach den Aufnahme, mitten während der Universtiäts-Tour der Wings, veröffentlicht. Als Startpunkt gelten die Sessions mit Glyn Johns Mary Had A Little Lamb Hi Hi Hi/C Moon, Live And Let Die für James Bond Seaside Woman
Das demokratische Bandprinzip hatte Paul 1976 bei «Wings At The Speed Of Sound» nochmals angewendet, damals war er aber der Produzent des Albums.
Henry's Solo auf My Love
Henry bittet Paul um das Solo von My Love.
das ursprüngliche Doppelalbum
Es waren Paul Berater, die ihn überzeugten, «Red Rose Speedway» als Doppelalbum zu veröffentlichen. Auch wenn die Songs darauf zu einem Grossteil dem Liveset der Wings entsprochen haben. «Doppelalben sind in der Regel schwierig durchzuziehen. Nur wenn du jede Menge von Topmaterial hast, ist es der richtige Weg», erinnerte sich McCartney Tom Doyle gegenüber. Es fällt auf, dass auf der ursprünglichen Version keiner der Songs des Medleys, das das Album schlussendlich beschliesst, vorgesehen war. Und abgesehen von «My Love» war auch keine der im Jahr 1972 und im Frühjahr 1973 veröffentlichten Singles enthalten.
Von Acetat-Pressungen vom 13. Dezember 1972 ist die Tracklist des Originalalbums enthalten (blau hervorgehoben sind die wegen der Kürzung weggefallenen Songs):
Seite 1
Big Barn Bed
My Love
When The Night
Single Pigeon
Seite 2
Tragedy
Mama's Little Girl
Loup (1st Indian On The Moon)
I Would Only Smile
Seite 3
Country Dreamer
Night Out
One More Kiss
Jazz Street
Seite 4
I Lie Around
Little Lamb Dragonfly
Get On The Right Thing
1882 (live)
The Mess I’m In (Live At The Hague)
Von den weggefallenen Songs wurden fünf für spätere Aufnahmen verwendet. Die Liveaufnahme von «The Mess» wurde bereits im Màrz 1973 als B-Seite von My Love verwendet. «I Lie Around» war die Flipseite von «Live And Let Die» im Juni und «Country Dreamer» im Oktober von «Helen Wheels». «I Lie Around» ist der erste Song von den Wings, bei dem nicht Paul die Leadvocals singt. Die erssten beiden Strophen singt Denny Laine, Paul die dritte. «Country Dreamer» erinnert mit seinem pastoralen Thema an «RAM», worin der Erzähler mit seiner liebsten in einer Wiese liegen, in einem Fluss waten und auf einem Hügel sitzen. «I Would Only Smile» veröffentlichte Denny Laine 1980 auf seinem Album «Japanese Tears» und «Mama’s Little Girls» verwendete Paul 1990 als B-Seite der Single «Put It There».
Weiterer Hinweis darauf, dass das Artwork von «Red Rose Speedway» nach der Redkuktion kaum angepasst wurde, im Booklet hat es neben der Illustration von «Power Cut» eine Collage zu Lindas «Seaside Woman».
Da «Red Rose Speedway» noch nicht im Rahmen der Archive Collection wiederveröffentlicht worden ist, sind «Tragedy», die Wings-Version von «I Would Only Smile», «Night Out», «Jazz Street» und sowohl die Studio- als auch die Liveversion von «Best Friend» und «1882» unveröffentlicht. «1882» ist eine Rocknummer, die Paul 1970 geschrieben hat. Ebenso «Best Friend», wo Paul im Refrain Elvis Presleys Gesang imitiert.
Nicht auf die Shortlist des Albums haben es weitere Songs aus dem Liveset von 1972 geschafft: Henry McCulloughs «Henry’s Blues», den er singt und bei dem er die Slidegitarre spielt. Linda McCartneys Komposition «Seaside Woman», eine Reggae-inspirierte Nummer, die sie im Urlaub in Jamaika geschrieben hatte, wurde 1977 unter dem Pseudonym Susy And The Red Stripes veröffentlicht. Ebenso unberücksichtig blieb auch eine Live-Version von «Soily», die Albumpremiere beschloss 1976 das Livealbum «Wings Over America».
«Best Friend» wurde sowohl als Studio- als auch als Liveversion abgemischt, beide sind bis heute unveröffentlicht. Wie auch die Studioversion von «The Mess».
Gänzllich unveröffentlicht, also auch nie live gespielt ist «Thank You Darling», ein Duett von Paul und Linda McCartney. Zumindest die Songs aus dem Liveset sind auf Livebootlegs wie «Got Any Toothpricks» oder «Wings Over Switzerland» mit dem Konzert von Montreux vom 21. Juli 1972, aber auch auf YouTube zu hören. Ein Teil der Studiosongs, wie «Tragedy» oder «Night Out» waren auf einer Version des mehrfach gestoppten Album « Hot Hitz & Cold Cutz» Albums vorgesehen und sind ebenfalls auf YouTube oder den entsprechenden Bootlegs nachzuhören.
Tourplakat der UK-Tour der Wings vom 11. Mai bis 10. Juli 1973, die 19 Konzerte beinhaltet hat. «Das Ziel war, einfach eine Band zu haben, rein und einfach», sagt McCartney über die Tour.
Rezeption und Statistik
Lenny Kaye vom Rolling Stone bezeichnet «Red Rose Speedway» trotz den erwarteten und dennoch fehlenden Hits als das ermutigendste Album McCartneys seit dem Ende der Beatles. Er riet ihm zu einer US-Tour, um sein Publikum direkt zu erreichen. Thomas Erlewine von allmusic.com verlieh dem Album vier von fünf Sternen.
«Red Rose Speedway» wurde in Kanada mit Platin und in England und den USA mit Gold ausgezeichnet. Das Album erreichte in den amerikanischen Billboard Charts die Spitzenposition. Weitere Spitzenklassierungen gab es in Spanien und Australien. in Kanada, Dänemark, Italien und Schweden erreichte das Album Rang 2, den 3. Rang vermeldete Wallonien in Belgien, Nowergen Rang 4. Mit dem 5. Platz kletterte «Red Rose Speedway» in den offiziellen englischen Charts noch knapp in die Top 5 (wobei es im New Musical Express auf Rang 4 kam). Diese knapp verpasst hat das Album in Holland mit Rang 6, die letzte Topten-Klassierung vermeldete Frankreich mit Rang 9. In Japan erreichte «Red Rose Speedway» den 13. Platz.
«My Love» ist ein Klassiker in McCartneys Katalog und gehört zu seinen Millionensellern. In den USA erreichte die Single die Chartspitze, in Norwegen Platz 7 und in den offiziellen englischen Charts auf Rang 9 (Platz 7. im New Musical Express). In Holland klassierte sich die Single auf dem 12. Platz, in den flämischen Charts in Belgien kam sie auf Rang 17. In Deutschland auf Platz 43. In der Schweiz konnten sich weder das Album noch die Single klassieren.
Paul McCartney bei einem Konzert 1972 mit seinem Rickenbacher Bass, den er 1967 für «Hello Goodbye» brauchte und mit dem er 1987 auf dem Cover von «All The Best!» posierte. – Foto: Jack Kay, Hulton Archive, Getty Images.

Tracklist
Originalalbum 1973
Big Barn Bed
My Love
Get On The Right Thing
One More Kiss
Little Lamb Dragonfly
Single Pigeon
When The Night
Loup (1st Indian On The Moon)
Medley:
Hold Me Thight / Lazy Dynamite / Hands Of Love / Power Cut
CD Erstveröffentlichung
Bonus Tracks (1987)
I Lie Around
Country Dreamer
The Mess (Live At The Hague)
Paul McCartney Collection
Bonus Tracks (1993)
C Moon
Hi Hi Hi
The Mess (Live At The Hague)
I Lie Around
Single 1973
My Love
My Love
The Mess (Live At The Hague)
weitere Covers
Spanien (oben) und Deutschland unten.
Promotion 1973
Collage aus dem LP-Booklet von und für «Red Rose Speedway» (oben) und ein von Selbstbewusstsein strotzendes Inserat für «My Love» (Mitte) und das Inserat für das Album (unten). Alle aus dem Billboard Magazin, 1973.
Und noch ein Badge für «Red Rose Speedway»:
alternatives Cover: