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Es gehört ja gegenwärtig zum guten Ton, zwei Kerzen für die Geiseln in Libyen anzuzünden. Ich finde diese Geste auch wirklich schön, aber es erinnert mich an eine kleine Anekdote aus meinem Leben.
Vor ungefähr zwanzig Jahren waren im Libanon Leute des IKRK gekidnappt worden, was meine Mutter dazu veranlasste, eine Kerze auf dem Balkon anzuzünden. Es war ebenfalls in der Vorweihnachtszeit und eines Tages, als sich jemand für einen Besuch anmeldete, bereitete meine Mutter ein Tiramisu vor und stellte es auf den Balkon um es kühlzuhalten. So stand also dieses Tiramisu einträchtig neben der Kerze für die Geiseln im Libanon. Es war eine Kerze, wie man sie am 1. August anzündet, in einer roten Plastikschale. In der darauffolgenden Nacht kam ein Sturm auf und meine Mutter, besorgt um das Tiramisu, suchte sich einen Gegenstand, um das wertvolle Dessert zudecken zu können. Sie kramte also in meinem Zimmer herum und fand einen grossen Kartonumschlag, den sie – ohne vorher einen Blick hinein zu werfen – auf das Tiramisu legte.
Logisch fing der Karton Feuer. Logisch brannte der Karton und mit ihm der halbe Balkon ab. Logisch war es Glück im Unglück, dass sonst nichts passiert ist, allerdings wurde meine ziemlich religiöse Mutter schon etwas bleich, als ich ihr sagte, dass sich mein Konfirmationsspruch in diesem Umschlag befand.
Sie beichtete die Geschichte kurz darauf dem Pfarrer, der selbstverständlich versprach, ein neues Bild mit Spruch zu fertigen, dafür müsse er einfach wissen, um welchen Spruch es sich gehandelt habe.
Jawohl. Danke. Mist..!
Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr erinnern, wie die Geschichte weiterging. Ich habe auch keine Ahnung, ob ich diesen Spruch wieder/noch habe. Aber ich bin auf jeden Fall vorsichtig mit Kerzen für Geiseln.