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Das musst du wissen
- In Dinosauriergesellschaften mit Fleischfressern gab es kaum mittelgrosse Arten.
- Wie eine neue Studie zeigt, passten die Nachkommen riesiger fleischfressender Dinosaurier genau in diese Lücke.
- Möglicherweise haben sie kleinere, konkurrenzierende Arten verdrängt und so die Artenvielfalt reduziert.
Die meisten heute lebenden Tiergruppen haben viele kleine, etwas weniger mittelgrosse und noch weniger grosse Arten. Ganz anders bei den ausgestorbenen Dinosauriern, insbesondere bei den Fleischfressern: Hier fanden sich viele Arten, die nicht grösser waren als heutige Hühner. Und auch viele riesige Arten, wie etwa Tyrannosaurier, die bis zu acht Tonnen wogen. Mittelgrosse Arten waren jedoch selten. Nun haben amerikanische Forschende eine mögliche Erklärung für diese Lücke gefunden: Jugendliche Megatherapoden –zu denen auch der Tyrannosaurus Rex gehört – könnten diese ökologische Nische besetzt haben. Diese Ergebnisse wurden im Fachmagazin Science veröffentlicht.
Science-Check ✓Studie: The influence of juvenile dinosaurs on community structure and diversityKommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDer Datensatz ist sehr umfangreich und beinhaltet alle bekannten Wirbeltierarten und -gattungen, die vor 200 bis vor 65 Millionen Jahren lebten. Anschliessend wurden die Arten in lokale Gruppen zusammengefasst, die zeitlich oder räumlich wahrscheinlich zusammen vorkamen. Dies basiert auf verschiedenen Annahmen, zum Beispiel, dass der Lebensraum mit zunehmender Grösse zunahm. Die Dinosauriergesellschaften könnten aber auch anders ausgesehen haben. Für die Gewichtsangaben der Arten und Gattungen stützen sich die Forschenden auf Angaben aus der Literatur. Dabei handelt es sich jedoch auch nur um Schätzungen.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Peer-reviewed, Verteilung der Körpergrösse und Masse von 43 Dinosauriergemeinschaften mit insgesamt 557 Arten untersucht.Studien-Art: Beobachtungsstudie.Geldgeber: keine Angaben.Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Warum ist das interessant? Dinosaurier legten Eier und damit kamen die gerade geschlüpften Jungtiere zwangsläufig klein zur Welt. Ein Baby Tyrannosaurus Rex, zum Beispiel, war nur so gross wie eine Katze. Als Erwachsene waren sie hingegen etwa so gross wie ein Stadtbus. Um diese Grösse zu erreichen und genug Nahrung zu bekommen, so vermuteten Forschende, mussten sie sowohl ihr Jagdverhalten als auch ihre Beutetiere während des Wachstums anpassen. Wie sich das auf die Lebensgemeinschaft ausgewirkt haben könnte, war bisher aber weitgehend unbekannt.
Die erstaunliche Abwesenheit. In ihrer Studie analysierten die amerikanischen Paläoökologen Daten aus sieben Kontinenten, die 136 Millionen Jahre paläolithischen Lebens durch mehr als 550 Arten repräsentieren. Daraus bildeten sie 43 Dinosauriergemeinschaften von Arten, die zusammengelebt hatten. Dabei sahen sie: Egal wo auf der Welt, von der Cedar Mountain Formation in den Vereinigten Staaten bis zur Barun Goyot Formation in der südlichen Mongolei: mittelgrosse Fleischfresser, so zwischen 100 und 1000 Kilogramm, waren selten.
Platz für die Jungen. Die Wissenschaftler wollten nun die Idee testen, dass Dinosaurier die Rolle mehrerer Arten übernehmen könnten und so die Anzahl der tatsächlichen Arten, die in einer Gemeinschaft koexistieren könnten, einschränken. Dafür haben sie Wachstumsraten in ihre Analyse einbezogen, um den Anteil der Jugendlichen in jeder Gemeinschaft zu schätzen.
Das Ergebnis: Die Jungtiere von vier Allosaurier- und sechs Tyrannosaurier-Arten brachten schätzungsweise wohl mindestens sechzig Prozent der erwachsenen Biomasse auf die Waage. Bei fünf Arten lag der Wert noch höher. Diese Jungtieren hatten einen hohen Nahrungsbedarf. Genug, um die ökologische Nische der mittelgrossen Fleischfresser zu besetzen und so die Diversifizierung dieser Gruppe zu verhindern.
Katlin Schroeder, Studentin am Biologielabor der University of New Mexico und Erstautorin dieser Studie, sagte in einer Mitteilung:
«Dinosaurier-Gemeinschaften waren wie Einkaufszentren an einem Samstagnachmittag, voll mit Teenagern. Sie machten einen grossen Teil der Individuen einer Art aus und hatten einen realen Einfluss auf die verfügbaren Ressourcen in den Gemeinschaften.»
Expertenmeinung. Stephen Brusatte, Paläontologe der Universität Edinburgh in Schottland, sagt:
«Es ist eine elegante Studie, die mit Zahlen aufzeigt, was wir schon lange vermutet haben: Die grössten fleischfressenden Dinosaurier besetzten sukzessive verschiedene Nischen in der Nahrungskette, vom winzigen Schlüpfling bis zum busgrossen Erwachsenen. Dies scheint ein konsistenter und sehr realer Trend bei Dinosauriern zu sein, besonders in der Kreidezeit, gegen Ende ihrer Herrschaft.»
Der Spezialist fügt hinzu:
«Es gab nur wenige Arten von fleischfressenden Dinosauriern mit mittlerer Erwachsenengrösse, weil die Jungtiere, Jugendlichen und Subadulten der grossen Dinosaurier diese Nischen besetzten. Dies ist eine ökologische Struktur, die sich sehr von dem unterscheidet, was wir heute über Säugetiere wissen. Dass die meisten Säugetiere Lebewesen zur Welt bringen, während die Dinosaurier Eier legen, ist wahrscheinlich das Entscheidende.»
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Diesen Eindruck bestätigt auch Mike Benton von der University of Bristol:
«Es ist grossartig, dass sie eine Idee aufgegriffen haben, die lange nur ein vager Vorschlag war. Ihre Daten unterstützen die Idee, dass Baby-Dinosaurier beim Schlüpfen so klein waren, dass sie wahrscheinlich ein unabhängiges Leben führen und sich von den riesigen Erwachsenen fernhalten mussten. Ihre Hypothese über die Rolle von Jugendlichen ist neu. Es bestätigt, was schon früher gezeigt wurde, dass sich die Tyrannosaurus Rex und verwandte Arten sehr schnell entwickeln mussten, weshalb so wenige mittelgrosse Individuen gefunden wurden.»
Was sind die weiteren Schritte? Die Forscher werden nun überprüfen, ob ihre neue Hypothese nicht durch andere Mechanismen erklärt werden kann, wie zum Beispiel durch einen Fehler im Fossilbericht. Stephen Brusatte identifiziert eine mögliche Verzerrung:
«Wir verzeichnen viele Fossilien von kleinen Säugetieren, aber das liegt auch daran, dass ihre Zähne sich gut erhalten. Ihre Komplexität ermöglicht es uns, Säugetierarten aus einfachen Fragmenten zu identifizieren. Dies ist bei Dinosauriern jedoch nicht der Fall. Dies könnte einige der Ergebnisse dieser Studie beeinflussen, ohne die Hauptaussage über die Diskrepanz der verschiedenen Körpergrössen der fleischfressenden Dinosaurier in Frage zu stellen.»
Einen anderen Lösungsansatz schlägt der Wirbeltierpaläontologe Mike Benton vor:
«Indem wir die funktionellen Eigenschaften des Schädels und des Kiefers von Säuglingen im Vergleich zu Erwachsenen aus mechanischer Sicht vergleichen, könnten wir sehen, wann es eine Veränderung in der Ernährung gab.»