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Abraham Marti wurde im Jahr 1718 in Fraubrunnen im Berner Mittelland als Sohn des Hafners Hans Rudolf Marti (1691–1742) und seiner Frau Anna Barbara Reutlinger (1699–1744) geboren. Um 1740/1741 übernahm Marti die elterliche Werkstatt in Fraubrunnen. 1742 und 1744 starben seine Eltern. Nach ihrem Tod kam es 1745 zu einer Erbteilung, in deren Folge Abraham Marti das elterliche Haus mit allen darauf ruhenden Schulden übernahm. Offenbar waren diese jedoch zu gross, sodass er das Haus bereits 1746 an den Metzgermeister Hans Georg Marti (1710–1754) aus Fraubrunnen verkaufte. Zunächst blieb er zur Miete in der Liegenschaft wohnen. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten suchte er sich ein neues Tätigkeitsfeld und Absatzgebiet in einer Region, in der sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts ansonsten keine weiteren Hafner nachweisen lassen. Wohl spätestens 1748/1749 zog das Ehepaar mit seinen drei Töchtern ins Saanenland, wo Marti bis 1757 blieb. Dann verlegte er seine Werkstatt nach Blankenburg um, wo er 1761 und 1763 ein kleines Wohnhaus und ein Werkstattgebäude erwarb. Abraham starb am 18. Juli 1792 im hohen Alter von 74 Jahren in Blankenburg, Gemeinde Zweisimmen.
In Museen und Sammlungen Europas haben sich etwa 250 Keramiken erhalten, die der Produktion von Abraham Marti zugeschrieben werden können. Vier dieser Objekte beherbergt auch die Sammlung des Rittersaalvereins Burgdorf. 54 Objekte tragen Jahreszahlen zwischen 1749 und 1791. Dies entspricht der Blankenburger Produktionsphase von Abraham Marti. Bei den frühesten Stücken sind deutliche Bezüge zum bernischen Mittelland und der Region Fraubrunnen zu erkennen, die Stücke tragen jedoch Beschriftungen, die auf die Familie Raflaub in Saanen verweisen. Grundlage für die Zuweisung von Keramik zur Produktion von Abraham Marti sind vor allem die wenigen mit seinen Initialen versehenen Objekte. Demnach produzierte Abraham Marti Geschirr mit einer weissen Grundengobe und blauem oder polychromem Unterglasur-Pinseldekor. Seine Produktion wird von den typischen, flachen Platten dominiert, die rückseitig normalerweise keine Aufhängeöse tragen. Sie konnten also nur in einem Tellerbord verwahrt werden. Daneben finden sich auch verschiedene Teller. Andere Gefässformen sind ausgesprochen selten überliefert. Unter Abrahams Motiven begegnen sehr oft Darstellungen von Dragonern und anderen Militärs, aber auch weibliche Personen in ländlicher Kleidung fehlen nicht, so auf einem Stück aus dem Rittersaalverein. Bei der vorliegenden Darstellung könnte es sich um eine Magd handeln, die auf dem Kopf einen Früchtekorb zu Markte trägt. Denkbar wäre jedoch auch eine Interpretation als Darstellung der «Fruchtbarkeit». Die zweite Platte zeigt ein flachbodiges Segelschiff auf einem See, der randlich von typischen Felsen und Bäumen begrenzt wird. Tiere spielen ebenfalls eine grosse Rolle im Werk des Hafners. Besonbders eindrucksvoll ist sein Hahn. Es sind diese farbigen, expressiv bemalten Keramiken, die Abraham Marti unter den Töpfern der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Sonderstellung verleihen. Niemand seiner Kollegen malte damals in diesem Stil. Natürlich dürfen auch die Nutztiere der Alpen in seinem Werk nicht fehlen. Schafe und Ziegen finden sich in seinem Werk wiederholte Male.
Meldungen weiterer Marti-Keramiken gerne an Andreas Heege, 079/7027343, E-Mail