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Gibt es auf dieser verdorbenen Welt noch einen Fussballprofi, dem das Geld egal ist? Der aus freien Stücken nicht dort anheuert, wo er am meisten verdienen könnte? Wohl kaum. Doch wer sucht, wird in Luzern fündig. Hier gibt es tatsächlich noch ein solch rares Exemplar.
Natürlich spielt Tomi Juric auch beim FC Luzern nicht für ein Butterbrot. Aber hätte er es gewollt, würde der 26-jährige Australier nun in Schanghai spielen und dabei in drei Jahren sechs Millionen Franken verdienen – netto.
Auch hätte er sich im Winter dem englischen Zweitligisten Reading anschliessen können und würde dort ungleich mehr einstreichen als in Luzern. «Das Problem ist: Wenn ich so viel verdiene, dass ich nach Vertragsablauf ausgesorgt habe, dann kann dies meine Motivation negativ beeinflussen», hat er in einem früheren Interview erklärt.
Nun sitzt dieser Tomi Juric im Bauch der Swissporarena an einem Tisch und erzählt aus seinem Fussballer-Leben − und wie er sich dieses vorstellt. «Das Zitat stimmt. Ich hätte in China eine Menge verdient, aber mir ist die Karriereplanung wichtiger als das schnelle Geld», sagt Juric.
«Wenn der richtige Moment gekommen ist, werde ich noch immer sehr viel verdienen können.» Ein Kollege aus dem australischen Nationalteam habe ihm nichts Gutes über den Fussball in China erzählt.
Dass er in Schanghai so begehrt war, hatte mit seinen grossen Auftritten in wichtigen Wettbewerben zu tun. 2014 hatte er mit seinem Tor gegen Hilal aus Ryad die asiatische Champions League zugunsten der Western Sydney Wanderers entschieden, ein paar Monate später den 2:1-Siegtreffer Australiens im Final der Asienmeisterschaft gegen Südkorea vorbereitet. Wie er dabei zwei Gegenspieler vernaschte war schlicht phänomenal. «Ich weiss noch heute nicht, wie ich das gemacht habe», schmunzelt Juric.
Vor ein paar Tagen ist er 26 Jahre alt geworden und wohl selten so stark aufgetreten wie in diesen Monaten. Im Juni hatte er im Qualifikationsspiel gegen Saudiarabien zwei Tore zum 3:2-Sieg beigesteuert und die WM-Hoffnungen der Socceroos am Leben erhalten.
Beim Confedcup in Russland schoss er gegen Deutschland ein Tor, stand in jedem Spiel in der Startformation und genoss danach in Kroatien seine zehntägige Sommerpause. «Wenn ich in Kroatien bin, fühle ich mich als Australier. Wenn ich in Sydney bin, als Kroate«, sagt der Doppelbürger.
Kaum zurück in Luzern, setzte der Kopfballspezialist das Toreschiessen fort. In der Europa-League-Qualifikation schoss er beim 2:1 gegen Osijek beide Tore, sodass dessen Trainer orakelte, Juric werde nicht mehr lange hier spielen. Im Startspiel in der Super League gegen Lugano avancierte er erneut zum Matchwinner. In den Medien halten sich die Gerüchte, Stuttgart und Freiburg würden um ihn buhlen.
«Man sollte nicht alles glauben, was man liest», sagt Juric, der im vergangenen Sommer Kerkrade verlassen hatte, weil der Kunstrasen seinen Gelenken nicht guttat. «Es stimmt zwar, dass ich in Form und im Prinzip bereit für die Bundesliga oder die Premier League bin. Aber es ist keine Floskel, wenn ich sage, dass es mir in Luzern mit diesem Team Spass macht.» Es sei natürlich schön zu spüren, wie wichtig er für das Team sei. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Partie gegen Basel meine letzte im Luzerner Trikot ist», sagt Juric.
Sportchef Remo Meyer sagt: «Es liegt keine Offerte für Juric vor. Er ist wichtig für uns. Wir wollen sportlichen Erfolg haben. Ein Abgang ist kein Thema.» Aber Meyer ist schon zu lange im Geschäft, um nicht zu wissen, dass morgen schon alles ganz anders aussehen kann. Juric freut sich auf den Auftritt im St.-Jakob-Park: «Wenn wir so spielen wie gegen Osijek und Lugano, dann liegt selbst in Basel etwas drin.»