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Statistisch gesehen, erlebt jeder Baum zwei Mal in seinem Leben einen besonders starken Sturm. Ein durchschnittlicher Baum im Siedlungsraum wird zwischen 80 und 100 Jahre alt. Ein Sturmtief mit Stärken bis zu 150 km/h im Flachland fegt statistisch gesehen alle 44 Jahre über die Schweiz. Alle zwei Jahre wird an der Mess-Station Zürich-Fluntern eine Böe von 125 km/h gemessen (Studie zu extremen Windgeschwindigkeiten Meteo Schweiz).
Auf das Lebensalter eines Baumes bezogen, muss dieser also ungefähr zwei Mal in seinem Leben einem besonders starken Sturm standhalten. Die Rückversicherung SwissRe kommt in einer Studie von 2006 zu dem Schluss, dass aufgrund der Klimaerwärmung Winterstürme in Europa zunehmen werden. Welche Merkmale geben uns also Auskunft darüber, wie «sturmresistent» der Baum im Garten ist?
Body-Mass-Index von Bäumen entscheidend. «Der Schlankheitsgrad von Bäumen, auch Body-Mass-Index (BMI) genannt, ist ein Mass für die Bruchsicherheit des Stammes», erklärt der unabhängige Baumexperte. Er wird berechnet, indem die Baumhöhe durch den Stammdurchmesser 1.30m über Boden dividiert wird (sogenannter Brusthöhendurchmesser oder BHD). Formel: Baumhöhe(m)/BHD(m)=BMI. Wenn das Ergebnis grösser als 50 ist, nimmt das Bruchrisiko und damit die Gefahr für Menschen und die Umwelt massiv zu. Je höher der BMI, umso geringer der Brusthöhendurchmesser im Verhältnis zur Baumhöhe. Matthias Brunner: «Veranschaulichen kann man sich das anhand eines Weinkorkzapfens. Dieser hat verglichen mit einem Streichholz einen tiefen BMI – das Streichholz dagegen einen hohen BMI; es bricht viel leichter als der Korkzapfen.»
Das Bauchgefühl, sich bei Stürmen eher vor grossen, dicken Bäumen zu fürchten, täuscht. Denn eigentlich sind diese viel sicherer als dünne, hohe Bäume, die tendenziell viel schneller brechen. Die Gesundheit spielt hier allerdings auch eine Rolle: Ein kranker Baum kann trotz tiefem Body-Mass-Index schneller brechen als ein junger gesunder mit hohem BMI. Weiterhin fliessen die Baumart, das Alter, das Baumkronenvolumen und der Standort des Baumes, seine Exposition hinsichtlich «Wind und Wetter» in die Beurteilung ein, ob ein Baum erhöht gefährdet ist oder nicht.
Einfluss von Witterungsbedingungen auf Verhalten der Bäume bei Sturm.
Starkregen vor Sturm begünstigt sogenannte Windwürfe
Stürme werden oft begleitet von starken, lang anhaltenden Niederschlägen. Sind die Böden bei Sturm wassergesättigt, haben die Baumwurzeln im aufgeweichten Erdreich nicht mehr den gleichen Halt, denn die feinen Bodenpartikel gleiten aufeinander ab. Das Risiko von sogenannten Windwürfen – der Baum stürzt mit dem Wurzelteller – ist stark erhöht.
Trockene Witterung oder Temperaturen unter Null begünstigen Stammbrüche
In trockenen Böden können sich die Wurzeln gut verankern. Kommt es hier zu einem Sturm sind Stammbrüche eine häufige Folge.
Durchwurzelbarkeit des Bodens ist wichtig
Im Siedlungsgebiet, wo sichere Bäume lebenswichtig sind, wachsen Bäume oft in einer künstlichen Umgebung. Aufgeschüttete Böden, Pflanztröge, zu geringe Platzverhältnisse für Wurzeln, Pilze und Bodenverdichtung wirken sich hier deshalb viel negativer auf die Sturmfestigkeit aus, als der Wurzeltyp einer Baumart. Matthias Brunner erläutert: «Auch Föhren, die zu den Pfahlwurzlern gehören, also grundsätzlich in die Tiefe wachsen, wachsen flachgründig, wenn sie auf einer Tiefgarage stehen. Es ist also gerade im Siedlungsraum, beispielsweise bei Neubauten wichtig darauf zu achten, dass optimale Bedingungen bei der Anpflanzung von Bäumen gegeben sind.»
(Beispiele: Pfahlwurzler: Tanne, Föhre, Eiche. Herzwurzler: Linde, Buche. Flachwurzler:
Fichte)
Körpersprache der Bäume: Defektsymptome erkennen
Es gibt Anzeichen in der Körpersprache der Bäume, die eindeutige Hinweise auf das
mögliche Versagen bei zukünftigen Stürmen liefern:
Regelmässige Sicherheitschecks sind wichtig
Mattias Brunner rät: «Die Sicherheit der Bäume im Siedlungsraum sollte regelmässig geprüft werden. Dazu reicht grundsätzlich eine optische Untersuchung durch einen Baumexperten. Im Verdachtsfall kann eine messtechnische Untersuchung (z.B. Ultraschall) bei optisch erkannten Schwachstellen Zweifel erhärten oder entkräften, indem die Holzqualität unter der Rinde sichtbar gemacht werden kann. Fachmännisch beurteilte Bäume, die wirklich gefährlich sind, sollte man fällen.»
Denn obwohl ein Baumeigentümer normalerweise nicht gegenüber Sach- und Personenschäden an Dritten, die im Sturm durch seine Bäume zu Schaden kommen, haftet, gilt dies nicht, wenn das Versagen des Baumes vorhersehbar gewesen war und der Eigentümer nichts dagegen unternommen hatte.
Bilder: zvg und Silvia Kranz