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Bertold Brecht
Das Brot des Volkes (1953)
Die Gerechtigkeit ist das Brot des Volkes.
Es ist manchmal reichlich, es ist manchmal karg.
Es schmeckt manchmal gut, es schmeckt manchmal schlecht.
Wenn das Brot karg ist, herrscht Hunger.
Wenn das Brot schlecht ist, herrscht Unzufriedenheit.
Weg mit der schlechten Gerechtigkeit!
Der lieblos gebackenen, der kenntnislos gekneteten!
Der Gerechtigkeit ohne Würze, deren Kruste grau ist!
Der altbackenen Gerechtigkeit, die zu spät kommt!
Wenn das Brot gut und reichlich ist
Kann der Rest der Mahlzeit verziehen werden.
Nicht alles kann es gieich in Fülle geben.
Vom Brot der Gerechtigkeit genährt
Kann die Arbeit geieistet werden
Von der die Fülle kommt.
Wie das tägliche Brot nötig ist
Ist die tägliche Gerechtigkeit nötig.
Ja sie ist nötig mehrmais am Tage.
Von früh bis spät, bei der Arbeit, beim Vergnügen.
Bei der Arbeit, die ein Vergnügen ist.
In den harten Zeiten und in den fröhlichen
Braucht das Volk das reichliche, bekömmliche
Tägliche Brot der Gerechtigkeit.
Da also das Brot der Gerechtigkeit so wichtig ist
Wer, Freunde, soll es backen?
Wer bäckt das andere Brot?
So wie das andere Brot
Muss das Brot der Gerechtigkeit
Vom Volk gebacken werden.
Reichlich, bekömmlich, täglich.
|Bertold Brecht

Das Brot des Volkes
In: Gedichte 5, Surkamp Verlag, Frankfurt a. M. (1993), S. 269