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Das Urteil der Geschworenen im Patentstreit zwischen Apple und Samsung wurde überraschend schnell gefällt: Nach nur 22 Stunden Beratung sprachen sie sich zu Gunsten von Apple aus.
Manuel Ilagan, ein Geschworener, erzählte gegenüber dem «Wall Street Journal», was hinter den Kulissen bei der Entscheidfindung der Geschworenen vorging. Ein Hauptgrund für Ilagan, der in seinem beruflichen Alltag für einen Platinenhersteller im Marketing tätig ist, sei das speditive Vorgehen gewesen: «Wir wollten uns nicht verzetteln.» Dabei habe es eine ganze Menge von «verzwickten Fragen» gegeben, an denen sich die Geschworenen beinahe die Zähne ausgebissen hätten, wird Ilagan zitiert. Ansonsten sei die Urteilsfindung erstaunlich glatt und schnell über die Bühne gegangen.
Sechs von sieben Patenten verletzt
Und das Resultat hat es in sich: So habe laut der Jury Samsung sechs von sieben strittigen Apple-Patenten verletzt - dagegen habe Apple gegen nicht ein einziges Samsung-Patent verstossen. Das Verdikt: Apple hätte dadurch einen Schaden von 1,05 Milliarden Dollar erlitten, den Samsung nun bezahlen muss. Das Unternehmen aus Südkorea will dagegen natürlich in Berufung gehen.
Von diesen «verzwickten Fragen» dürfte es in der Tat eine ganze Menge gegeben haben. Um zu ihrem Urteil zu gelangen, mussten die Geschworenen 300 Felder ausfüllen und zwei Grundsatzfragen beantworten: Haben 38 Samsung-Geräte sieben Apple-Patente verletzt? Und wie viele Samsung-Patente haben Apples Geräte iPhone, iPad und iPod Touch im Gegenzug gebrochen?
Um sich in der Komplexität des Falles nicht zu verlieren, hätten sich die Juroren strikt an ein System gehalten: sich nicht ablenken lassen, ausschweifendes Gerede sofort unterbinden sowie nur über den Fall und nichts anderes sprechen. So hätten sie sich durch den ganzen Fragekatalog durchgearbeitet. Für Aarti Mathur, ein Juror, der früher als Buchhalter für IT-Startups gearbeitet hat, sei das Ganze «eine wunderbare Erfahrung» gewesen.
Was ist eine «Basisstation»?
In gewissen Fragen dauerte es offenbar aber etwas länger, bis sich die Juroren einigen konnten - so etwa in Bezug auf die allgemeine Aufmachung eines Smartphones oder in Verbindung mit der Fotogalerie bei einem Patent, das Samsung hält. Grund: Ilagan war einer der wenigen Juroren, die in der Technologiebranche arbeiten. Er sei bei diesen und ähnlichen Fragen mit seiner Erfahrung in der Mobilfunkindustrie eingesprungen und hätte, so der Bericht, Begriffe wie zum Beispiel «Basisstation» erklären müssen.
Beobachter hatten lange daran gezweifelt, dass ein Geschworenengericht einen solch komplizierten Fall überhaupt beurteilen und lösen könne. Um so mehr vor dem Hintergrund, dass sich unter den Juroren - sieben Männer und zwei Frauen - neben den erwähnten zwei Personen mit Berufen im Technologieumfeld fast nur solche befanden, die doch etwas weiter von der Materie entfernt waren: so etwa ein Radrennfahrer, ein Ingenieur und ein Sozialarbeiter.
(rcv/vst)