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Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI greift das Thema des vorsätzlichen Flugzeugabsturzes neu auf. Unter Berücksichtigung der technischen Entwicklungen der letzten Jahre werden die Untersuchungen aus dem Jahr 2003 aktualisiert.
Seit Erstellung des Berichtes „Stellungnahme der HSK zur Sicherheit der schweizerischen Kernkraftwerke bei einem vorsätzlichen Flugzeugabsturz“ vor zehn Jahren sind neue schwerere Flugzeugtypen wie beispielsweise der Airbus A380 in Betrieb genommen worden und wurde die Navigationstechnik der Flugzeuge weiterentwickelt. Gleichzeitig wurden Massnahmen gegen Flugzeugentführungen – sogenannte RENEGADE-Massnahmen – ergriffen und der Bereich Accident Management bei den Kernkraftwerken ausgebaut.
Parallel dazu beteiligt sich das ENSI an verschiedenen Forschungsprojekten, die im Zusammenhang mit dem Thema Flugzeugabsturz und extremen mechanischen Belastungen stehen. Darunter befinden sich etwa die Projekte OECD IRIS_2010 und IMPACT II/III zum Thema Tragwerksverhalten von Stahlbetonwänden bei Anpralllasten mit hohen Geschwindigkeiten. Ziel der Projekte ist, anhand der Ergebnisse von Beschussversuchen sowohl vereinfachte empirische als auch komplexe dreidimensionale und nichtlineare Berechnungsmethoden zu testen und zu verbessern. In der Regel werden die Berechnungen vor Bekanntgabe der Versuchsresultate durchgeführt.
Arbeiten zur Aktualisierung im vergangenen Jahr initiiert
Wie im Gesetz vorgeschrieben, werden Sicherheitsanalysen regelmässig aktualisiert. Entsprechend hat das ENSI die Arbeiten zur Aktualisierung des Berichts zu den vorsätzlichen Flugzeugabstürzen aus dem Jahr 2003 initiiert. Das ENSI berücksichtigt dabei neue Erkenntnisse, insbesondere ausländischer Aufsichtsbehörden.
Das ENSI hat die Betreiber aufgefordert, anhand von Versuchen in einem Simulator die bisher angenommenen Grenzanfluggeschwindigkeiten für automatische sowie für Piloten-gesteuerte gezielte Anflüge von Grossraumflugzeugen auf Kernkraftwerke erneut zu überprüfen. Dabei wird auch geprüft, welche Anflugrouten und Anfluggeschwindigkeiten auf das Werk unter Berücksichtigung der topographischen Randbedingungen und der bestehenden Lufthindernissen möglich sind.
Gestützt auf die neuen Untersuchungsergebnisse wird das ENSI anschliessend prüfen, ob zur Erhöhung des Schutzgrades weitere Massnahmen notwendig sind. Dazu zählen beispielsweise bauliche Massnahmen.
Stellungnahme nach 9/11
Das ENSI hatte den Bericht „Stellungnahme der HSK zur Sicherheit der schweizerischen Kernkraftwerke bei einem vorsätzlichen Flugzeugabsturz“ im Nachgang zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA erarbeitet. Darin wurde die damals in der Öffentlichkeit und auch in Fachkreisen diskutierte Frage beantwortet, ob Attentäter eine entführte Linienmaschine gezielt auf eine Kernkraftwerkanlage abstürzen lassen könnten. Die Analyse wurde mit aktuellen Methoden, Modellen und Datenmaterial durchgeführt.
Es wurden alle weltweit eingesetzten Verkehrsflugzeugtypen, deren Triebwerke, Treibstoffmengen, unterschiedliche Geschwindigkeiten und weitere Anflugbedingungen berücksichtigt. Zudem wurde postuliert, dass ein Absturz eines Verkehrsflugzeuges vorsätzlich stattfindet. In Flugsimulatoren mussten erfahrene schweizerische Linienpiloten simulierte Anflüge auf Kernkraftwerke ausführen.
Hoher Schutzgrad
Der im April 2003 vorgestellte Bericht enthält qualitative Angaben. Die quantitativen Ergebnisse der Untersuchungen sind aus verständlichen Gründen geheim. Das Fazit des Berichts: Die Analysen haben bei den schweizerischen Kernkraftwerken einen hohen Schutzgrad bei einem vorsätzlichen Flugzeugabsturz aufgezeigt.