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Elisabeth Kopp, die 1984 als erste Frau den Sprung in die Schweizer Regierung schaffte, feiert am heutigen Freitag ihren 80. Geburtstag. Ihre Karriere im Bundesrat fand jedoch ein abruptes Ende: Auf massiven öffentlichen Druck musste Kopp Anfang 1989 zurücktreten, und zwar wegen eines Skandals, in den ihr Ehemann Hans W. Kopp verwickelt war. Dennoch ebnete die Zürcherin den Weg für eine ganze Generation von Frauen in die Politik.
Am 7. Dezember 1983, 12 Jahre nachdem die Schweizerinnen auf nationaler Ebene endlich das Stimm- und Wahlrecht erhalten hatten, versuchten die Sozialdemokraten erstmals die Türe des Bundesrats für eine Frau zu öffnen. Sie schlugen die Zürcherin Lilian Uchtenhagen als Nachfolgerin für Willy Ritschard vor. Die rechte Parlamentsmehrheit zog ihr jedoch den Parteikollegen Otto Stich vor. Diese Nicht-Wahl führte zu einer heftigen Debatte über die Beteiligung von Frauen in der Regierung.
Weniger als ein Jahr später, am 2. Oktober 1984, gelang es Elisabeth Kopp, einer anderen Zürcherin, diese Tradition zu durchbrechen: Als erste Frau wurde sie in den Bundesrat gewählt.
Die freisinnige Politikerin übernahm das Justiz- und Polizeidepartement. Zu den wichtigsten Dossiers ihrer Amtszeit gehörte das Asyldossier. Auch gleiche Rechte von Mann und Frau waren ihr stets ein Anliegen. Mit Erfolg brachte sie auch ein partnerschaftliches Eherecht durch.
Ein Anruf zu viel
Die politische Karriere der FDP-Bundesrätin knickte im Herbst 1988 allerdings ein. Plötzlich stand sie im Mittelpunkt eines der grössten Politskandale des Landes, weil sie aus ihrem Büro ihren Mann angerufen und ihm nahegelegt hatte, aus dem Verwaltungsrat einer Firma zurückzutreten, die der Geldwäscherei verdächtigt wurde.
Am 12. Januar 1989 trat sie unter massivem öffentlichen Druck mit sofortiger Wirkung zurück. Im November 1989 kam eine parlamentarische Untersuchungskommission zum Schluss, dass Elisabeth Kopp gegen das Amtsgeheimnis verstossen habe und ihre Demission daher unausweichlich gewesen sei. Ein Jahr später wird die ehemalige Bundesrätin von diesem Vorwurf jedoch freigesprochen.
Elisabeth Kopp kehrt in den Jahren darauf ab und zu in die Öffentlichkeit zurück, etwa mit Auftritten an Konferenzen und mit ihrem Einsatz zugunsten eines Beitritts der Schweiz zur UNO (2002), für eine Mutterschaftsversicherung (2004) oder auch gegen die Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP) zur Ausschaffung krimineller Ausländer.
Frauenmehrheit von kurzer Dauer
Erst 1993 wurde eine weitere Frau in den Bundesrat gewählt, nämlich die Sozialdemokratin Ruth Dreifuss. Dann folgten Ruth Metzler (1999), Micheline Calmy-Rey (2002), Doris Leuthard (2006) und Eveline Widmer-Schlumpf (2007) ins Kollegialgremium.
Mit der Wahl von Simonetta Sommaruga am 22. September 2010 gab es zum ersten Mal in der Geschichte der Schweiz eine Frauenmehrheit im Bundesrat – wie Finnland, Norwegen, Spanien und die Kapverden, die als ein paar der wenigen Länder eine solche schon kannten.
Allerdings dauerte diese Mehrheit nur kurz: Auf den Rücktritt von Micheline Calmy-Rey 2011 folgte Parteikollege Alain Berset – und damit war diese Phase vorbei. 2015 wurde Eveline Widmer-Schlumpf durch Ueli Maurer ersetzt. Heute sind nur noch zwei Frauen im Bundesrat: Doris Leuthard, die Amtsälteste und Bundespräsidentin 2017, sowie Justizministerin Simonetta Sommaruga.
(Übertragung aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein)