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Durchschnittlich 6,5 Prozent unserer Ozeane sind mit Meereis überzogen. Das macht einen Umfang von über 23 Millionen Quadratkilometern – fast 570 Mal die Fläche der Schweiz. Dabei schwankt das Ausmass der Eisdecke über das Jahr beträchtlich: In der Arktis ist sie im März drei Mal so gross wie im September. In der Antarktis ist es genau umgekehrt, da es im September kalt ist und das Eis im Februar schmilzt. Dann kann die Fläche bis auf einen Siebtel der ursprünglichen Fläche schrumpfen und beträgt noch ca. 2,5 Millionen Quadratkilometer. Um den Nordpol liegen zu Zeiten des Minimums dagegen noch ungefähr 4,3 Millionen Quadratkilometer an Meereis. Doch nicht nur an den Polen gibt es Meereis; teilweise sind auch die Ostsee sowie Küstenteile Skandinaviens, Kanadas und Russlands von Eis bedeckt.
Entscheidende Bedeutung für das Klima
Meereis ist, auch wenn es nicht von Schnee bedeckt ist, sehr hell. Dadurch reflektiert es bis zu 60 Prozent des Sonnenlichts; schneebedecktes Eis sogar bis zu 90 Prozent. Deshalb sorgt das Meereis dafür, dass ein grosser Teil der Sonnenstrahlung wieder zurück ins All gelangt – und die Atmosphäre sich nicht zu sehr erwärmt. Meerwasser dagegen nimmt den grössten Teil der Strahlung auf und erwärmt sich konsequenterweise.
Da das Eis das Wasser vor der Erwärmung schützt, ist die Luft über Eisflächen kälter als über dem offenen Meer. Das verstärkt den Temperaturunterschied zwischen den Tropen und den Polargebieten (auch meridionaler Temperaturgradient genannt). Dieser Kontrast hat Auswirkungen auf die Windverhältnisse rund um den Globus.
Ausserdem beeinflusst das Meereis die Zirkulation im Meer. Um dies zu erklären, muss etwas ausgeholt werden: Meereis enthält viel weniger Salz als Meerwasser; nur fünf im Gegensatz zu knapp 35 Promille. Wenn Salzwasser also gefriert, wird eine grosse Menge Salz abgegeben – die Dichte des Meerwassers wird grösser und in der Folge sinkt es ab. So entstehen Konvektionen und Meeresströmungen, die für die Ozeane bedeutend sind.
Das Meereis als Ökosystem
Die riesigen Eismassen sind nicht etwa unbelebt – sie bilden vielfältige und komplexe Ökosysteme. Am Anfang der Nahrungsketten stehen Algen und Phytoplankton, welche an der Unterseite des Eises leben. Zwischen dem Eis und dem Wasser befinden sich viele Nährstoffe, von denen sie profitieren. Insbesondere begrüssen sie das Salz, das beim Gefrieren des Meerwassers freigesetzt wird. Die Kleinorganismen bilden die Nahrungsgrundlage des Krills – eines garnelenartigen Kleinkrebses, der in den Polarmeeren massenhaft vorkommt. Vom Krill wiederum ernähren sich Pinguine, Robben, Wale, Fische und Seevögel.
Pinguine kommen ausschliesslich auf der Südhalbkugel vor. Fünf der 18 bekannten Pinguinarten leben ausschliesslich auf der Antarktis. Der wohl bekannteste unter ihnen ist der Kaiserpinguin. Dieser ist der grösste Tauchvogel der Welt und der einzige Pinguin, der die Antarktis das ganze Jahr über bewohnt. Die einzigen Säugetiere der Antarktis sind Robben und Wale, darunter auch der Blauwal.
In der Arktis kommt ein weiteres, mächtiges Säugetier hinzu: der Eisbär. Dieser befindet sich zuoberst in der Nahrungskette. Eisbären ernähren sich hauptsächlich von Robben und Walrossen. Daher ist das Meereis für die Tiere unverzichtbar.
Der Einfluss des Klimawandels
Eine direkte Folge der Erderwärmung ist das Schmelzen des Meereises. Damit verbunden ist der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme – es beginnt schon beim Krill. Dieser ist ohnehin durch Befischung gefährdet, denn sie sind beliebt für den Verzehr, Kosmetika oder für medizinische Anwendungen. Ebenfalls leidet der Krill an der Versauerung der Ozeane durch Treibhausgase. Die Auswirkungen könnten bis zur Spitze der Nahrungskette reichen: Forscher befürchten, dass die Eisbär-Population in dreissig Jahren um zwei Drittel geschrumpft sein wird.
Ausserdem beschleunigt das Schmelzen der Eismassen den Klimawandel. Mit dem Meereis fällt die schützende Schicht vor der Sonnenstrahlung weg. Dadurch könnten sich die Ozeane in bisher unbekanntem Masse erwärmen – mit verheerenden Folgen für das globale Klima.
Der Anstieg des Meeresspiegels würde ganze Küstenlinien zerstören. Und die wichtige Funktion des Eises als Antrieb von Meeresströmen fiele weg. Kurz gesagt: Die Erde würde im Chaos versinken; jede Folge würde die Ursache der nächsten sein.
Dies ist zugegeben ein pechschwarzes Szenario. Doch es muss nicht so weit kommen – wenn wir das verbliebene Eis auf der Erde wirksam schützen.