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05 Mrz 18
Vanni-Gebiet/Sri Lanka: Militärische Landbesetzungen bedrohen die Existenz der Bevölkerung
Neun Jahre nach Ende des Bürgerkrieges in Sri Lanka verunmöglicht das Militär für viele Tamilinnen und Tamilen in der nördlichen Vanni-Region, dass sie in den Alltag zurückkehren können: So lautet der Befund eines neuen Berichts, den die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und ihre sri-lankische Partnerorganisation National Fisheries Solidarity Movement (NAFSO) heute an einem Side Event am Menschenrechtsrat in Genf veröffentlicht. Die Organisationen fordern, dass das Militär der Bevölkerung uneingeschränkten Zugang zu Land und Wasser ermöglicht, den Menschen die besetzten Gebiete zurückgibt und sich aus wirtschaftlichen Tätigkeiten zurückzieht.
Die GfbV und die NAFSO haben in ihrem neuen Bericht «Sri Lanka: Militärische Landbesetzungen im Vanni-Gebiet» untersucht, welche negativen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Folgen militärische Landbesetzungen für die Bevölkerung haben. Obwohl der Krieg vor neun Jahren beendet wurde, hält das Militär in der Nordprovinz noch immer weite Landstriche unter seiner Kontrolle und nutzt diese unter anderem auch für wirtschaftliche Zwecke. Mit schwerwiegenden Folgen: Unzählige Menschen können bis heute nicht auf ihr angestammtes Land zurückkehren. Viele haben dadurch ihre Existenz als Bauern oder Fischer verloren. Für viele Menschen der Vanni-Region war der direkte Zugang zu Land und Wasser eine entscheidende Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben ohne Hunger. Die Beschneidung dieses Zugangs hat meist die Verarmung der betroffenen Familien zur Folge.
Proteste der Dorfgemeinschaften
Viele Vertriebene leben weiterhin in gemieteten Unterkünften, bei Verwandten oder Freunden. Andere wurden ohne Einverständnis in Regionen umgesiedelt, wo Landwirtschaft und Fischerei kaum möglich sind und wo sie sich als unqualifizierte Tagelöhnerinnen und Tagelöhner verdingen müssen. Einige Dorfgemeinschaften machten 2017 mit monatelangen Protesten auf die Unrechtmässigkeiten dieser Landenteignungen aufmerksam. An gewissen Orten hatten die Proteste Erfolg und besetztes Land wurde zurückgegeben. Jedoch fanden die Bewohnerinnen und Bewohner eine komplett zerstörte Infrastruktur vor und in ländlichen Regionen fehlt es zusätzlich oft an genügend Wasser für die Landwirtschaft. Trotz zahlreicher Versprechen von offizieller Seite warten weiterhin viele Betroffene auf die Freigabe ihres Landes und in zwei Orten dauern die Proteste bis heute an.
Die GfbV und die NAFSO fordern daher die sri-lankische Regierung unter anderem auf:
- die Vanni-Region zu demilitarisieren, indem die Militärpräsenz stark reduziert wird und alle wirtschaftlichen Aktivitäten des Militärs eingestellt werden,
- alle vom Militär besetzten Gebiete ihren ursprünglichen Besitzerinnen und Besitzer zurückzugeben,
- den uneingeschränkten Zugang zu Land und Wasser für die lokalen, tamilischen Gemeinschaften sicherzustellen.