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AMD: Schweres juristisches Geschütz gegen Intel28. Juni 2005 um 14:25
AMD berichtet von der Pistole am Kopf von Michael Cappellas und Intels speziellem Guacamole-Rezept.
AMD berichtet von der Pistole am Kopf von Michael Cappellas und Intels speziellem Guacamole-Rezept.
AMD hat vor einem Gericht in Delaware eine Klage gegen Intel eingereicht. Der Chiphersteller wirft seinem übermächtigen Rivalen darin vor, sein Quasi-Monopol im x86er-Markt mit unrechtmässigen Mitteln aufrecht erhalten zu haben. Intel soll, so AMD, systematisch Kunden davon abgehalten haben, mit AMD Geschäfte zu machen, entweder durch unrechtmässige Anreize oder durch Drohungen und Einschüchterungen.
Diese Monopolstellung, so AMD weiter, nütze Intel aus um überhöhte Gewinne einzufahren, auf Kosten sowohl der Kunden als auch der IT-Industrie selbst, deren Margen unter anderem dadurch "rasierklingendünn" seien.
AMD nennt in seiner Klage 38 Unternehmen, von den grossen Hardwareherstellern wie HP, IBM oder Acer über kleinere Assemblierer, Distributoren bis zu Retailern wie Best Buy, die von solchen Druckversuchen Intels betroffen worden seien. In diesen Prozess könnte deshalb, ähnlich beim Prozess gegen Microsoft wegen Verstössen gegen das Antimonopolgesetz vor einigen Jahren, ein grosser Teil der IT-Industrie verwickelt werden
Die Pistole am Kopf von Michael Capellas
AMD wirft Intel unter anderem konkret vor, Kunden Vergeltungsmassnahmen angedroht zu haben, wenn diese Systeme mit AMD-Chips bauen wollten, speziell wenn es dabei um strategisch wichtige Marktsegmente wie Business-PCs ging. Michael Capellas, damals noch CEO von Compaq, habe zum Beispiel im Jahr 2000 ausgesagt, dass Intel eine Lieferung von wichtigen Server-Chips an Compaq zurückgehalten habe, weil er ein grösseres Volumen von AMD-Chips kaufen wollte. Gegenüber AMD habe er gesagt, man habe ihm die "Pistole an den Kopf gesetzt" und er müsse darum den Kauf von AMD-Chips einstellen.
Zu Avocadobrei geschlagen
Ein weiterer konkreter Fall, den AMD anführt, betrifft Acer. Der damalige Intel-CEO Craig Barrett habe dem Acer-Chef "schwere Konsequenzen" angedroht, weil Acer den Launch von AMDs Athlon 64 als Partner unterstützen wollte. Gleichzeitig sei es dann zu einer "unerklärlichen Verzögerung" bei der Auszahlung von 15 bis 20 Millionen Dollar Marketingunterstützung gekommen, die Intel Acer schuldete. Acer zog sich im September 2003 als Launchpartner des Athlon 64 zurück.
Und Gateway-Manager sollen AMD geflüstert haben, Intel habe sie nur wegen einiger kleinerer Geschäfte mit AMD "zu Guacamole geschlagen". (Guacamole ist ein Brei aus Avocado-Früchten).
Zuckerbrot
Neben der Peitsche, so AMD, habe Intel aber auch mit illegalen Anreizen gearbeitet. Grosse Kunden wie Dell, Sony, Toshiba, Gateway und Hitachi seien durch Spezialpreise, Marketingbeihilfen und schlichten Barzahlungen dazu bewegt worden, Exklusivdeals mit Intel abzuschliessen. Im Fall von Dell und Toshiba, wo grosse Direktzahlungen erfolgt seien, wurde dies auch kürzlich von der japanischen Anti-Monopol-Behörde betätigt.
Im Retail, so AMD weiter, arbeite Intel bei Schlüsselkunden mit sehr hohen Verkaufszielen (bei deren Erreichung höhere Margen oder Marketingbeihilfen anfallen). Diese seien so hoch angesetzt, dass sie die Retailketten dazu verleiten würden, fast nur oder ausschliesslich Intel-PCs zu verkaufen. AMD sei zum Beispiel vom Media Markt gänzlich von den Verkaufsregalen ausgeschlossen worden.
Intel-Partner als Zeugen?
AMD begibt sich mit seiner Klage auf ein heikles Gebiet und könnte es sich durchaus auch mit den eigenen Kunden verderben. So plant der Chiphersteller, per Gerichtsbeschluss die Herausgabe des E-Mail-Verkehrs zwischen Partnern und Intel zu verlangen.
AMD wird seine Anschuldigungen ausserdem mit Zeugenaussagen von Intel-Partnern untermauern müssen. Gemäss AMD hat man die Klage aufgrund von Gesprächen mit Vertretern dieser Unternehmen erarbeitet und AMD-CEO Hector Ruiz zeigte sich zuversichtlich, dass die Betroffenen freiwillig und sogar gerne aussagen würden. Daran kann man allerdings auch Zweifel anbringen. Manche Intel-Partner dürften Bedenken haben, ins Kreuzfeuer zwischen den Chipherstellern zu geraten. Und einige müssten sich dann auch die Frage gefallen lassen, wieso sie sich nicht selbst gegen die von AMD behaupteten Intel-Praktiken gewehrt haben. (Hans Jörg Maron)
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