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(Linnaeus, 1758)
- DE: Nachtigall-Grashüpfer
- EN: Bow-winged Grasshopper
- FR: Le Criquet mélodieux
- Syn.: Gomphocerus arvalis Burmeister, 1838 | Gryllus aureolus Zetterstedt, 1821 | Gryllus aurorus Zetterstedt, 1821 | Stenobothrus (Stauroderus) biguttulus collinus Obenberger, 1926 | Gryllus lunulatus Scopoli, 1763 | Glyptobothrus hirtus mongolicus Steinmann, 1967 | Gryllus mutabilis Panzer, 1804 | Stenobothrus variabilis nigrinus Ivanov, 1888 | Gryllus notatus Thunberg, 1815 | Chorthippus variabilis Fieber, 1852
Morphologie
Chorthippus biguttulus ist die namensgebende Art und ein typischer Vertreter der Chorthippus-biguttulus-Gruppe. Die Grundfarbe von Chorthippus biguttulus ist sehr variabel, die meisten Individuen sind grau bis braun. Vor allem in regenreichen Jahren treten vermehrt grüne Tiere auf. Im Ausnahmefall sind Teile von Kopf und Halsschild violett bis rötlich. Das Hinterleibsende der Männchen ist oft orange. Die hellen Halsschild-Seitenkiele sind mässig bis stark einwärts gebogen und meist dunkel gesäumt. Die Flügel erreichen bei beiden Geschlechtern die Hinterknie oder überragen sie um 1-3 mm. Im Medialfeld sind häufig unregelmässige, dunkle Flecken vorhanden. Das helle Stigma setzt sich von den bräunlichen Flügeln deutlich ab. Bei den Weibchen verläuft am unteren Rand der Flügel oft ein heller Längsstreifen. Bei den Männchen sind Costal- und Subcostalfeld im Vorderflügel erweitert. Im letzten Drittel trifft die Subcostalader auf den Flügelrand, wobei sich der Flügel an dieser Stelle abrupt verschmälert. Der stark geschwungene Flügelunterrand gibt ihm die typische Form, die Chorthippus biguttulus von Chorthippus brunneus und Chorthippus mollis unterscheidet. Das Subcostalfeld ist in der Flügelmitte am breitesten und wird erst am Ende schmaler. Die Hinterknie sind höchstens leicht angebräunt. Die Hinterschienen sind gelblich bis orange oder rot. Anhand von weiblichen Individuen ist Chorthippus biguttulus nicht immer sicher bestimmbar und das Auftreten von männlichen Tieren kann die Bestimmung erleichtern.
Gesang
Der Gesang von Chorthippus biguttulus ist das einfachste und sicherste Bestimmungsmerkmal. Der mässig laute Spontangesang von Chorthippus biguttulus besteht aus einer Serie von meist 2-3 anschwellenden, schwirrenden Strophen. Die maximale Lautstärke wird manchmal erst kurz vor Schluss der Strophe erreicht. Die erste Strophe ist mit 2-6 s die längste, ihr Crescendo ist langsamer. Die folgenden dauern 1,5-2,5 s, die Pausen dazwischen sind länger, die einzelnen Verse, ca. 10-20 pro s, grenzen sich kaum voneinander ab. An manchen Orten im Graubünden hängen die Männchen den Strophen einige stotternde Verse an. Beim Wechselgesang fällt das benachbarte Tier oft in die letzte Strophe des ersten. Beim Werbegesang werden bis zu 15 leise Strophen vorgetragen, die allmählich lauter werden und in Strophen von der Art des Spontangesangs übergehen. Sie sind kürzer als die erste Strophe des Spontangesangs und folgen sich zu Beginn ohne Pause. Danach werden kurze, raschelnde Strophen eingestreut, bei denen die Beine weit nach oben bewegt werden.
Spontangesang von Chorthippus biguttulus bestehend aus drei Versen - CH, BE, Wasen, 25 °C, sonnig.
Spontangesang von Chorthippus biguttulus bestehend aus drei Versen - DE, Bayern, Gungolding, 25 °C, sonnig.
Werbegesang von Chorthippus biguttulus - IT, Venetien, Mt. Baldo, 20 °C.
Verbreitung
In Mitteleuropa zählt Chorthippus biguttulus zu den häufigsten Arten. Die Verbreitung in Europa reicht von den spanischen Pyrenäen bis Südskandinavien. Sie fehlt auf den Britischen Inseln. Wie weit das Verbreitungsgebiet über den Nordosten Italiens in den Südbalkan reicht, wo die Nominatform durch andere Unterarten abgelöst wird, ist unklar. In der Schweiz und in Deutschland sind alle Landesteile nördlich der Alpen praktisch durchgehend bis gegen 2000 m besiedelt. Die Art fehlt südlich der Alpen und wird dort von der nah verwandten Art Chorthippus eisentrauti abgelöst.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Individuen von Chorthippus biguttulus treten von Ende Juni bis in den November auf.
In milden Wintern und an günstigen Lagen können einzelne Individuen auch noch bis im Februar beobachtet werden. Die Eier werden an trockenen Stellen in den Boden abgelegt. In der Regel schlüpfen die Larven im Folgejahr, allerdings sind auch mehrjährige Zyklen bekannt. Anfang Mai schlüpfen die Larven, die 4 Stadien durchlaufen.
Lebensraum
Die weite Verbreitung sowie die Häufigkeit lassen auf geringe Ansprüche bei der Habitatwahl schliessen. So besiedelt Chorthippus biguttulus auch ein breites Spektrum an Lebensräumen, die wüchsige bis magere Wiesen und Weiden, Brachen, Säume von Äckern und Wegen, Böschungen, Ruderalstandorte und Waldränder umfassen. Im Mittelland werden zusammen mit Chorthippus albomarginatus und Chorthippus parallelus auch Kunstwiesen bewohnt. Nasse Lebensräume werden gemieden. Gemeinsam ist den besiedelten Lebensräumen eine hohe Sonneneinstrahlung.
Gefährdung & Schutz
Aufgrund der Verbreitung, der Häufigkeit und der geringen Habitatansprüche gilt Chorthippus biguttulus als nicht gefährdet.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Chorthippus biguttulus kann nördlich der Alpen mit Chorthippus brunneus und Chorthippus mollis verwechselt werden. Am einfachsten ist die Unterscheidung anhand des Gesangs. Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale liegen bei den Männchen in der Flügelform und -aderung. Chorthippus brunneus hat die schmalsten und längsten Flügel (5x so lang wie breit). Die Flügel reichen typischerweise 3-5 mm über die Hinterknie hinaus. Das Subcostalfeld ist nicht erweitert und wird kontinuierlich breiter. Ab der breitesten Stelle in der Flügelmitte führt der Flügel bei Chorthippus brunneus ohne Beule in das verrundete Ende. Chorthippus brunneus hat zudem einen sehr spitzen Kopfgipfel. Chorthippus mollis hat die kürzesten Flügel, die sehr schmal sind. Sie ragen nur wenig über die Hinterknie hinaus. Das Subcostalfeld ist nicht erweitert und wird kontinuierlich breiter. Zudem fehlt die für Chorthippus biguttulus typische Beule am Flügelunterrand. Chorthippus biguttulus ist schwierig vom nahe verwandten Chorthippus eisentrauti zu unterscheiden. Die Verbreitungsgebiete der beiden Arten schliessen sich weitestgehend aus. In wenigen Gebieten der Alpen, wo die Areale der beiden Arten aufeinander treffen, fanden wir Populationen, deren Männchen morphologisch zwischen den beiden Arten stehen und auch im Gesang 3-5 Strophen pro Serie äusserten. In diesen Fällen ist es unmöglich, die Tiere einer Art zuzuordnen. Das Subcostalfeld eines typischen Individuums von Chorthippus eisentrauti wird bis zum Flügelrand kontinuierlich breiter. Zur sicheren Unterscheidung muss zusätzlich der Gesang herangezogen werden. Die Strophen von Chorthippus eisentrauti klingen etwas heller und sind kürzer. Der Spontangesang besteht typischerweise aus Serien von mehr als 5 ähnlich langen Strophen. Chorthippus biguttulus äussert normalerweise 3 Strophen, wobei die erste deutlich länger ist als die folgenden. Einzelne weibliche Individuen können nicht immer sicher von Chorthippus eisentrauti, Chorthippus mollis oder Chorthippus brunneus unterschieden werden. Die Anwesenheit von singenden Männchen und der Lebensraum helfen aber oft bei der Bestimmung. Die Weibchen von Chorthippus brunneus sind sehr gross und haben lange und schmale Flügel. Die Weibchen von Chorthippus mollis haben schmale und kurze Flügel.