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Titel
Niederländisches
Festungssystem. Ⅰ. Landbefestigungen. Die Befestigungen, hinter denen die mobile
Armee einen feindlichen
Angriff abwehren soll, sind durch Gesetz vom neu ausgebaut. Der Anfang wurde mit der scharf
nach O. gerichteten Hauptlinie der
«Neuen
Holländischen Wasserlinien» gemacht. Ein deutscher
Angriff sollte hier in
Verbindung
mit
Inundationen den ersten
Widerstand finden, nachdem man von einer früher beabsichtigt gewesenen Sperrfortslinie Abstand
genommen hatte.
Die eigentliche Verteidigungskraft dieser Neuen Holländischen Wasserlinie beruht auf den vor der Front herzurichtenden Überschwemmungen. Wenn auch sämtliche durch diese führenden Zugänge und Défilés von Befestigungswerken, die seit 1874 in modernem Sinne verbessert, zum Teil auch neu gebaut wurden, gesperrt erscheinen, so kann doch die ganze etwa 9 deutsche Meilen weit ausgedehnte, zu weiter Auseinanderziehung der Verteidigungstruppen nötigende Frontlinie bei der durchaus nicht verbürgten absoluten Sicherheit des vollen Funktionierens der Überschwemmung und bei den eine vollständige Umwälzung des Festungsbaues bewirkenden Erfindungen der Brisanzgeschosse nicht für uneinnehmbar gelten. Was im besondern die für den Kriegsfall beabsichtigten Unterwassersetzungen betrifft, so begünstigt sie die Geländebeschaffenheit zwischen Zuidersee und Lek, insofern sie von W. nach O. ansteigend den Feind hindert, das Wasser abzulassen. ¶
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Die einem feindlichen Angriff besonders ausgesetzten schwachen Punkte im SO. und O. von Utrecht
[* 3] hat man durch einen Fortgürtel
zu verstärken gesucht. Zwischen Lek und Zuidersee sollen die Inundationen bei günstigstem Wasserstand 4‒5 Tage, beim ungünstigsten
12‒13 Tage erfordern, südlich der Waal bei mittlerm Wasserstand der Maas innerhalb 5‒6 Tagen immer
ausführbar sein. Für den Fall nun, daß die Überschwemmungsvorrichtungen nicht tadellos funktionieren sollten, oder daß
die Hauptstellung aus sonst einem Grunde auf die Dauer nicht zu halten ist, besteht die Absicht, in dem «Reduit von Amsterdam»,
[* 4] das die ganze
niederländ. Armee in sich aufzunehmen vermag, sich bis aufs äußerste zu verteidigen.
Diese letzte Zuflucht des konzentrierten Verteidigungssystems mit seinen auf 14‒20 km vorgeschobenen Forts, ringsum mit
Inundationen versehen, wird zwar mit großer Energie im Bau gefördert, doch haben sich so viele Schwierigkeiten, namentlich
in der Überwindung des unsichern Baugrundes eingestellt, daß die Arbeiten nicht mit der gehofften Beschleunigung vorschreiten
und wohl das Ende des Jahrhunderts erst die Vollendung sehen wird.
II. Küstenbefestigungen. Die Anfang der achtziger Jahre in Angriff genommenen gepanzerten Küstenbefestigungen sind zwar in Bezug auf Panzerung und Armierung nach modernen Grundsätzen hergestellt, entsprechen aber schon nicht mehr den neuesten Anforderungen der Deckungen gegen Brisanzgeschoße.
Von
Niederländisches angefangen sind es zur Verteidigung des Zuidersees,
Kanal- und Flußzugänge folgende:
1) An der Helder-Einfahrt in den Zuidersee Fort op de Harssens auf einer Sandbank mit 2 Kuppeltürmen zu je zwei 30,5 cm-Geschützen.
2) Am Eingang des Nordseekanals als Zugang zu Amsterdam von der Seeseite Panzerfort Ijmuiden mit Frontpanzerbatterie von fünf 24 cm-Geschützen und einem gegen Kehle, Kanal [* 5] und südl. Ufer gerichteten Panzerturm mit zwei 15 cm-Geschützen, sowie einer freistehenden gepanzerten Infanteriegalerie.
3) An der Maas-Einfahrt die Nieuwe Maasmond-Befestigung mit 2 Panzerkuppeln zu je zwei 24 cm-Geschützen und 1 zu zwei 15 cm-Geschützen. Die ganze Länge des aus 23 Stützpunkten bestehenden Gürtels von Edam bis Muiden beträgt (in den Fortsintervallen gemessen) 95 km, die längs der Küstenfront (in der Luftlinie) Muiden-Edam 20 km; zusammen giebt das also 115 km befestigte Linie. Nach Osten ist vor die Hafeneinfahrt das Fort Pampus (12 km vom Mittelpunkt) vorgeschoben, ein gegen Brisanzgranaten gesichertes Werk mit 4 schweren gepanzerten Geschützen (24 cm, in Kuppeln); zu seiner Unterstützung liegt am nördl. Ufer die Panzerbatterie Durgerdam mit 3, und am südl. Ufer Diemerdam mit 4 schweren Geschützen.