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Zoodirektor Olivier Pagan bittet ins Innere des Vivarium, um seine Sicht der Dinge zu schildern. «Schauen Sie in dieses Becken. Hier sehen sie sofort den Feuerfisch. Und wenn sie etwas warten, entdecken sie plötzlich einen Steinfisch, der aussieht wie das Riff, in dem er sich versteckt.» Für Pagan ist dieses intensive Schauen der grosse Vorteil eines jeden Zoos gegenüber Tierfilmen, Computeranimationen auf dem Tablet oder Smartphone. Diese könnten nie diese Einsichten gewähren, wie ein Zoo, der Lebensrealitäten der Tiere in Ausschnitten zeige.
Jeder Zoo betreibe zudem Aufklärungsarbeit. Gerade Kinder könnten sehr betroffen reagieren, wenn sie begriffen, dass diese oder jene Tierart, die sie gerade anschauten, vom Aussterben bedroht sei, sagt Pagan. Auch bei Erwachsenen sei dieser Effekt zu beobachten. Das könnte Motivation sein, das eigene Umweltverhalten zu hinterfragen.
Das geplante Ozeanium bei der Heuwaage stösst aber gerade bei Tierschützern auf heftige Ablehnung. Die Stiftung des Tierschützers Franz Jäger hat eben in diesen Tagen Inserate geschaltet, in denen scharf gegen das Ozeanium geschossen wird.
Seine Tochter Vera Weber sagt, ein Ozeanium mit all den eingesperrten Tieren sei ein veraltetes Konzept. Besser wäre es, ein Ozeanium zu bauen, in dem die komplexen Zusammenhänge der Ozeane mit Computeranimationen dargestellt werden. Zudem würden 80 Prozent der Tiere für die Zoos auf dem Transportweg sterben. Olivier Pagan kontert: Die Ozeane seien durch Überfischung, wegen des Klimawandels und des Plastikmülls bedroht und nicht wegen der Zoos.
Tierethische Bedenken
Markus Wild, Ethik- und Philosophieprofessor an der Universität Basel, hinterfragt den Weiterbildungseffekt der Zoos ganz generell. Es gebe keine Untersuchung, die einwandfrei belege, dass die Leute nach einem Zoobesuch wirklich aufgeklärter nach Hause gingen. Er wirft den Zoos vielmehr vor, reine Eventveranstaltungen zu sein ohne nachhaltigen Effekt auf die Besucherinnen und Besucher. Eine Studie aus London bei 3'000 Schülern habe gezeigt, dass nur ein Drittel mit mehr Wissen nach Hause gegangen sei.
Kritik am Besucheraufkommen
Grossrat Thomas Grossenbacher (Grüne) ist aus Tierschutzgründen gegen das Ozeanium. Aber auch wegen des Mehrverkehrs: Das Ozeanium zieht nach Schätzungen des Zoos eine halbe Million bis 800'000 Besucher an pro Jahr. Bis heute habe der Zoo noch keinen Plan vorgelegt, wie er verhindern wolle, dass all diese Besucher mit dem Auto nach Basel kämen, sagt Grossenbacher. Auch die Bewohner des nahen Bachletten- und Holbeinquartier befürchteten eine Zunahme des Suchverkehrs an besucherreichen Tagen.
Zoodirektor Olivier Pagan versucht zu beruhigen: Der Zoo habe die Auflage dafür zu sorgen, dass 270'000 Besucher pro Jahr mit dem Zug nach Basel kämen. Man sei deshalb daran, Kombibilette für Eintritt und Zug zu entwickeln. Für jene, die trotzdem mit dem Auto kämen, gebe es die Möglichkeit, die Parkings Elisabethen und Steinen zu nutzen, die gerade an den Wochenenden untergenutzt seien. Zudem gebe es beim Erdbeergraben ein neues Parkhaus.
Das Projekt
Das Ozeanium soll bei der Heuwaage gebaut werden, dort, wo die Tramschlaufe heute noch ist. Geplant ist ein mit Lehm beschichteter Bau, der drei Untergeschosse, ein Erd- und drei Obergeschosse aufweist und in dem 30 Becken mit einer Grösse von bis zu acht Meter Höhe Platz finden. Die Kosten werden auf 100 Millionen Franken veranschlagt. Der Zoo will den Bau komplett mit Spenden finanzieren. Bis heute hat er Spendenzusagen von 60 Millionen Franken erhalten.
Politischer Entscheid
Der Grosse Rat muss den sogenannten Bebauungsplan absegnen und ein paar weitere Bestimmungen. Ausser dem Grünen Bündnis ist keine Fraktion gegen das Projekt. Einzelne Tierschützer quer durch alle Parteien dürften das Projekt ebenfalls ablehnen. Es gilt allerdings als gesichert, dass das Geschäft im Parlament durchkommt.
Die Stiftung von Franz Weber hat jetzt schon angekündigt, gegen den Grossratsbeschluss das Referendum zu ergreifen. Damit hat das Volk das letzte Wort.
(SRF1, Regionaljournal Basel, 17:30 Uhr)