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29.08.2018
Sprache ist erstaunlich wandlungsfähig. «Toll» oder «geil» sind schöne Beispiele, dass sich Bedeutungen verschieben können - zum Guten oder zum Schlechten. Eine interessante Umwertung erfuhr auch das Verb «weismachen».
Als ich in München studierte, begegneten mir Menschen aus aller Welt. Mit mir in den Hörsälen sassen zum Beispiel eine Israelin, einige Südamerikaner, viele Osteuropäer und tatsächlich auch Chinesinnen, die während der Vorlesungen ständig in ihren dicken Wörterbüchern blätterten (ja, das war zu einer Zeit, als das Internet noch nicht allgegenwärtig war).
Mit Sprachhürden hatten aber nicht nur die Chinesinnen zu kämpfen. Ich erinnere mich besonders an einen Georgier, er hiess Wassili und war ziemlich schlau. Einmal fragte er mich nach der Wendung «jemandem etwas weismachen». Das bedeute ja, jemanden etwas glauben zu machen – was denn Weiss damit zu tun habe.
Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass er meinte, die Wendung komme von der Farbe Weiss. Dabei lag seine Frage auf der Hand, die deutsche Sprache ist schliesslich ausgesprochen farbenfroh: Man macht blau, sieht rot oder gar schwarz, blickt durch die rosarote Brille und trägt dazu eine weisse Weste …
Wenn wir jemandem etwas weismachen, dann machen wir ihn aber nicht weiss, sondern eigentlich weise. Interessant ist, dass der ursprünglich positive Sinn des Wortes «weismachen» im 16. Jahrhundert ins Negative kippte: Aus «jemanden belehren» wurde «jemanden täuschen» – die Wahrheit, die es zu vermitteln galt, verwandelte sich in eine Lüge. Da soll uns noch jemand weismachen, Alternative Facts seien eine Erfindung unserer Zeit.