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In einem Naturschutzgebiet am Zusammenfluss von Limmat und Aare im Kanton Aargau gibt es ein Amphibiengewässer, das auch als Rückzugs- und Brutplatz von Wasservögeln benutzt wird. Die Wasserfläche ist gesäumt von einem Gürtel aus Weidenbüschen, Schilf, Seggen und anderen wasserliebenden Pflanzen. Aus der dichten Vegetation dringen leise piepsende Laute. Es sind die Kontaktrufe von Teichhuhn-Küken.
Insgesamt sechs der kleinen schwarzen Daunenbällchen mit den auffällig farbigen Köpfen werden von zwei Altvögeln – ihren Eltern – behütet. Die Kleinen sind erst vor wenigen Tagen aus dem Ei geschlüpft, doch als echte Nestflüchter sind sie bereits sehr aktiv. Manchmal schwimmen sie hinter den Eltern her und betteln sie um Futter an, das sie von ihrem Schnabel picken.
Manchmal suchen die Küken am Teichrand bereits selbstständig nach etwas Fressbarem. Dazwischen schwimmt eines mutig allein mitten über die Wasseroberfläche, um eine neue Ecke des Teiches, ihres Lebensraumes, zu erkunden. Mit ihren piepsenden Rufen bleiben die Jungen dabei stets in Kontakt mit den Eltern.
Teichhühner pflegen ein harmonisches Familienleben und sind sehr fürsorgliche Vogeleltern. Das beginnt schon mit der Balz im Frühjahr. Hierbei schwimmt das Männchen auf das Weibchen zu und taucht den Schnabel pickend ins Wasser. Wenn das Weibchen interessiert ist, imitiert es den Partner und beide schwimmen leise rufend nebeneinander her. So finden sich die Paare für eine Brutsaison; das Weibchen wählt den Partner aus, wobei korpulente Männchen mit grösserem Fettvorrat den schmächtigen vorgezogen werden – sie haben bessere Eigenschaften, um die lange Brutsaison durchzustehen. Manche Paare bleiben aber auch über mehrere Jahre zusammen.
Teichhühner brüten oft zwei- bis dreimal im Jahr, die Brutsaison dauert dann bis in den August. Die beiden Partner teilen sich dabei die „Arbeit“. Das Männchen sucht Nistmaterial, das Weibchen verbaut dieses zu einer Nestmulde in der Ufer¬vegetation. Beide Partner bebrüten abwechselnd die Eier und auch die Betreuung der geschlüpften Küken teilen sie sich. Da Teichhühner mehrere Generationen pro Jahr aufziehen, kommt es auch vor, dass die älteren Geschwister bei der Fütterung und Bewachung der Küken von späteren Bruten mithelfen.
So harmonisch sie sich im Familienverband verhalten, so aggressiv können sie gegen Eindringlinge in ihr Brutrevier sein, sei es gegen Artgenossen oder andere Tiere. Dabei greifen sie auch viel grössere Feinde an. Das ist auch notwendig, denn schnell ist eines der Küken von einem jagenden Reiher verschluckt und von einem Fuchs oder Wiesel, wenn es sich zu weit ans trockene Land wagt.
Die Teichhuhn-Küken werden nach dem Schlüpfen von den Eltern noch rund 25 Tage gefüttert, nach 10 Tagen sind sie aber in der Lage, selber Futter zu suchen. Nach etwa sieben Wochen sind sie ganz selbstständig. In dieser Zeit legen sie nicht nur an Grösse zu, sondern auch ihr Federkleid - und damit ihr Aussehen - verändert sich.
Unterschiedliche Federkleider
Schauen wir uns die Entwicklung eines Teichhuhns vom Küken bis zum Erwachsenen etwas genauer an:
In den ersten Tagen haben die Küken ein schwarzes Daunenkleid. Die Kopfoberseite ist fast nackt, der Schnabel ist – wie bei den Eltern – rot gefärbt mit gelber Spitze.
Im fortgeschrittenen „Kindesalter“ bilden sich Federn aus und die Farbe wechselt auf braun. Die Farbe des Schnabels verblasst.
Als ausgewachsener Vogel trägt das Teichhuhn zuerst ein mehrheitlich bräunliches Jugendkleid. Es zeigen sich aber schon die Merkmale des adulten Vogels, nämliche die weisse Flankenlinie, der weisse Unterschwanz, die gelbgrünen Füsse und das rote Auge. Der Schnabel ist mattgrün.
Erst als adulter Vogel erhalten beide den knallroten Schnabel mit gelber Spitze sowie eine rote Stirnplatte. Brust und Hals verfärben sich metallisch grau. Männchen und Weibchen unterscheiden sich nicht.
Teichhühner gehören nicht zu den elegantesten Wasservögeln, sie wirken oft etwas dicklich und plump. Dennoch sind sie sehr schnell, wenn es darum geht, sich in der Ufervegetation vor Feinden zu verstecken. Mit ihren krallenbewehrten langen Füssen können sie gut in der Ufervegetation und sogar auf Bäume klettern.
Grosse Verwandtschaft
Völlig falsch wäre es, das Teichhuhn als „dummes Huhn“ zu bezeichnen, denn im Gegensatz etwa zum Alpenschneehuhn, zum Rebhuhn oder zu den gezüchteten Haushühnerrassen sind Teichhühner gar keine Hühner, sondern sie gehören zur Familie der Rallen. Seltsamerweise werden aber die meisten Rallen als „Hühner“ bezeichnet. Das kommt daher, weil sie ihren Kopf oft ruckartig vor- und zurückbewegen, wie das die Hühner tun.
Weltweit gibt es ca. 150 Rallenarten, in Europa brüten neun Arten. Die meisten Rallen leben, wie das Teichhuhn, im oder am Wasser. Oft brüten sie in der Ufervegetation von Seen, langsam fliessenden Flüssen oder Teichen.
Auf der folgenden Collage sind vier nahe Verwandte des Teichhuhns abgebildet, zwei grössere und zwei kleinere Arten. Die Vögel sind im richtigen Grössenverhältnis dargestellt, was zeigt, dass die Rallen recht unterschiedlich in der Grösse sind.
Das Purpurhuhn (Körperlänge 60 cm) ist blau-violett gefärbt und hat einen mächtigen, roten Schnabel. Es brütet vor allem im Mittelmeerraum.
Das Blässhuhn (42 cm) gehört bei uns zu den bekanntesten und häufigsten Wasservögeln (siehe auch Lernheft Blässhuhn…). Ausserhalb der Brutzeit und im Winter sammeln sich Blässhühner oft zu grossen Verbänden von mehreren tausend Vögeln und bilden so „schwarze Teppiche“ auf Seen.
Das Teichhuhn (33 cm)
Die Wasserralle (25 cm) brütet in ganz Europa, lebt aber sehr versteckt und macht sich meist nur durch ihren Ruf bemerkbar, der wie das Quietschen eines Ferkels tönt.
Das Zwergsumpfhuhn (18 cm) kommt vor allem in Asien vor, brütet nur an wenigen Orten in Europa und ist auch als Zugvogel selten zu sehen.
Alle Rallen sind sehr ruffreudig und zeichnen sich durch ein vielfältiges Stimmenrepertoire aus. Es sind häufig schnarrende oder knarrende Laute, auch einsilbige Explosivlaute kommen vor. Da sich die Rallen oft in der Ufervegetation verstecken, ist ihre Anwesenheit nur aufgrund ihrer Rufe festzustellen. Meistens unterscheiden sich die Rufe, je nach Situation, in der sie ausgestossen werden und drücken so Warnung, Angst oder Kontaktaufnahme mit Artgenossen aus. Die Küken nehmen so bereits im Ei Kontakt zu ihren Eltern auf.
Die ausführliche Dokumentation zum heutigen Vogel des Monats für den Unterricht finden Sie hier: archive Teichhuhn (2.12 MB) .
Ich danke Edith und Beni Herzog herzlich für die interessanten Informationen und die wunderbaren Fotos sowie die Audio-Aufnahmen. Auf ihrer Webseite benifotos.ch sind die Bilder grösser und noch prächtiger zu sehen.
Zielgruppe: 4.- 6. Klasse
Bezug Lehrplan 21: NMG 2.1 NMG 2.3 NMG 2.4 NMG.2.