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Sehen wir von paläolithischen Felszeichnungen und von den fernöstlichen Kulturen ab, ist Ägypten das erste Volk, das schriftliche Zeugnisse hinterlassen hat. Die Hieroglyphenschrift ist um 3’100 v. Chr. erfunden worden und bald zu einem komplexen Schriftsystem aus Begriffen, Silben und Konsonanten ausgebaut worden. Hieroglyphen sind, wie der griechische Begriff „hieros“ (= heilig) und "glypheïn" (= einmeisseln) zeigt, heilige Zeichen, geschaffen, um in Stein verewigt zu werden. Dabei sind Hieroglyphen einerseits Bildzeichen, die bezeichnen, was sie abbilden, andererseits lässen sich mit ihnen einzelne Laute nachbilden (Lautzeichen) oder Bedeutungen festlegen (Determinanten). Ein Schreiber hat eine lange Lehrzeit von 20 Jahren, bevor er sich an das Einmeisseln der heiligen Zeichen bei einem Grabmal, eines Tempels oder einer Siegesstele wagen darf. Mit der Zeit wird die Schrift – in einer vereinfachten Form (Hieratisch) – auch zu einer „Volksschrift“ (Demotisch) für den täglichen Bedarf.
Mit dem Aufkommen des Interesses für den Orient seit dem 18. Jahrhundert wächst der Wunsch, die alten Schriften zu entziffern. Die Hieroglyphen gelten aber lange als unenzifferbar. Während des Ägyptenfeldzugs 1799 unter Napoleon Bonaparte wird bei der Stadt Rosette (Raschid) eine um das Jahr 196 v. Chr. beschriftete Basaltplatte ausgegraben (nebenstehend im Negativ), die in der Hieroglyphenschrift, in Demotisch und in Griechisch den Pharao Ptolemaios V. und seine Frau Kleopatra verherrlicht. Diese Platte bildet den Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen. Dem Franzosen Jean-François Champollion kommt das unbestreitbare Verdienst zu, das komplizierte Schriftsystem der Hieroglyphen vor den britischen Mitkonkurrenten geknackt zu haben. Als er 1832 stirbt, ist sein Werk noch nicht ganz vollendet. Der Stein ist heute im Besitz des Britischen Museums in London.
Im Mai 1821 arbeitet Champollion an den Kartuschen der Kleopatra (Bild rechts oben) und des Ptolemäus aus dem Stein von Rosette. An ihnen wird ihm plötzlich das Wesen der altägyptischen Schreibweise klar. Und da er Koptisch gelernt hat, eine dem Altägyptisch verwandte, heute noch gesprochene Sprache, erkennt er schliesslich den Zusammenhang zwischen den Bildzeichen und den damit verbundenen gesprochenen Lauten.
Champollion ist ein spektakulärer Durchbruch gelungen. Ihm wird
klar, dass einzelne Zeichen eine genau definierte Bedeu¬tun¬g ha¬ben (Ideogram¬me = Sinnzeichen), also Bildzei-chen im reinsten Sinne sind. Daneben können ein¬zelne Bild¬zei¬chen aber auch einen bestimm¬ten Laut¬wert an-neh¬men (Phono¬gramme) oder einfach als Ergänzung zu beste¬henden Lauten dienen, um deren Be¬deu¬tung klar zu ma¬chen (Determina¬tiven). Damit hat er den Schlüssel zur Hieroglyphen¬schrift - wie die chinesische Schrift eine nichtalphabeti¬sche Schrift - gefunden.
Leider setzt ein Schlaganfall einer vielversprechenden wissenschaftlichen Karriere ein Ende. Champollion stirbt im Alter von nur 41 Jahren. Er ruht auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris, dem grössten Friedhof von Paris und einem der bekanntesten Friedhöfe der Welt.
Schreiben auf Papyrus
In Ägypten wird um 3'000 v.Chr. das Papier erfunden. Stängel von Papyrusstauden, die einen dreieckigen Querschnitt haben und bis zu 6 m hoch werden können, werden in dünne Streifen geschnitten, aufeinandergelegt und in einer Kalklösung gepresst. Papier ist viel handlicher als Steinplatten oder Tontafeln. Um besser auf Papyrus schreiben zu können, wird die Hieroglyphenschrift vereinfacht (Hieratisch). Daraus entwickelt sich später die „Volksschrift“ (Demotisch).
Der Schreiber verwendet schwarze und rote Tinte. Die Holzplatte mit den Farbpasten, einer Auswahl von Binsen und einem Wassernapf bildet die Schreibunterlage. Die Binse selbst ist ein Schreibgerät, dessen Ende zugespitzt und zu einem Pinsel zerkaut wird. In spätptolemäischer Zeit löst die griechische Rohrfeder die Binse ab. Die schwarze Tusche besteht aus Russ, vermischt mit einer Gummi-arabicum-Lösung, die rote Tusche dagegen aus der Verbindung von rotem Ocker mit einer Gummilösung.
Die Schreiber bewahren ihre Schreibutensilien in einem Holzkasten oder in einem Beutel auf.
Der Stein von Rosette (Negativ)
Aufgaben und Recherchen
Das Junge Museum in Speyer hat im Internet ein Alphabet veröffentlicht, das vom Museumspädagogischen Dienst des Römer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim entwickelt worden ist. Versuche mittels dieses Alphabets deinen Namen zu schreiben. Achte darauf, dass es neben der Abfolge der Zeichen auch eine "schöne" Anordnung der Zeichen braucht.
Die Namen der Pharaonen stehen in Kartuschen. Der Name beginnt immer auf der dem Balken gegenüber liegenden Seite. Dabei kann die Kartusche senkrecht oder waagrecht stehen. Bei waagrechter Stellung kann der Name links oder rechts beginnen. Kommen Tiere im Namen vor, blickten sie immer in Richtung des Namenanfangs. Neben der zeichenfolge kommt es auch auf eine schöne Anordnung der Zeichen an!
Deine Kartusche:
Zeichen deines Namens:
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Gestalte mit deiner Kartusche ein Portfolioblatt unter den Titel: "Die ägyptische Schrift".
Portfolioaufgabe
Beschreibe kurz Herkunft und Bedeutung deines Namens. Dann bezeichnest du die Quelle deiner Information zur Umschrift deines Namens und zeichnest deine Kartusche ins Reine. Dein ägyptischer Name setzt sich aus folgenden lateinischen Lettern (das sind die Buchstaben, wie wir sie schreiben) zusammen.
z.B.
Hier nimmst du deinen Namen auseinander und weisest linear (ein Zeichen hinter dem anderen) den einzelnen Buchstaben die Hieroglyphen zu. Dann gestaltest du deine Kartusche, indem du die einzelnen Hieroglyphen (gezeichnet!) schön anordnest. Achte darauf, dass die Buchstabenfolge trotzdem erhalten bleibt und passe die Grösse deiner Zeichen der Grösse der Kartusche an (am Schluss soll sie sauber gefüllt sein!)!