Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03230.jsonl.gz/1449

Schwarzes Gold aus dem Reich der Mitte
Bewusster Essen China ist vor allem bekannt für exzellenten Tee. Tatsächlich gewinnt aber der Kaffeeanbau immer mehr an Bedeutung. Besonders in der Region Yunnan entwickelt sich dieser rasant und das Reich der Mitte wird allmählich ein wichtiges Produktionsland für Arabica-Kaffee.
China ist als Kaffeeland noch relativ unbekannt. Völlig zu Unrecht – in der Region Yunnan werden bereits heute jährlich etwa 100000 Tonnen von grünem Kaffee produziert. Das macht rund ein Prozent der gesamten Weltproduktion aus und Yunnan liegt damit auf Platz 14 der grössten Produzenten der Welt (Referenz ICO). “Die Entwicklung in Yunnan schreitet rasant voran. Um 1900 wurde der Kaffeeanbau in Yunnan von französischen Missionaren eingeführt.
Erst 1988 hat man jedoch mit intensiven Kaffee-Entwicklungsprogrammen begonnen. Damals wurde die Produktion auf etwa 500 bis 1000 Tonnen von grünem Kaffee geschätzt”, erklärt der Kaffeeagronom Wouter De Smet. Das Kaffeeanbau-Ziel bis 2020 ist eine jährliche Rohkaffeegewinnung von 240000 Tonnen. "Das Potenzial liegt sogar bei 300000 Tonnen jährlich", weiss De Smet.
Arabica-Kaffee aus Yunnan
Besonders junge Chinesen haben den Kaffee für sich entdeckt
Kaffee wird heute vor allem (98 Prozent) in der Provinz Yunnan, im Südwesten von China, angebaut. Weitere Gebiete befinden sich auf der Insel Hainan sowie in der Provinz Fujian. Mit der bergigen Landschaft und dem milden Klima ist Yunnan bestens geeignet für die Arabica-Kaffee-Produktion. Dabei ist Yunnan traditionell ein Tee-Anbaugebiet und der bekannte 'Pu'er'-Tee hat seinen Ursprung in dieser Region. Fast die Hälfte der Kaffeeproduktion stammt heute aus Pu'er, es wird deshalb auch "Kaffee-Hauptstadt von China" genannt.
Für die Landwirte haben sich durch den Anbau von Kaffee ganz neue Möglichkeiten eröffnet und es ist für sie ein Weg aus der Armut. “Die Landwirte in China sind sehr unternehmerisch und im Kaffeeanbau steckt für sie eine profitable Einnahmequelle. Der Kaffeeanbau ist für die Bauern rentabler als der Anbau von anderen Kulturen wie etwa Zuckerrohr, Mais oder auch Tee“, so De Smet. Gleichzeitig können sie aber weiterhin Tee anpflanzen, da dieser in höheren Lagen als Kaffee wächst. Wouter De Smet steht in engem Kontakt mit den Bauern, die er ausbildet und berät.
Der Agronom und sein Team bieten ihre Hilfe tausenden Dorfbewohnern an. “Wir gehen vor Ort und geben Schulungen sowie technische Unterstützung an Kaffeebauern, vor allem in abgelegenen Gebieten, mit dem Ziel der Verbesserung von Betriebsführung, Ertrag, Qualität und Marktkenntnis”, erklärt Wouter De Smet.
Kaffee bei jungen Menschen immer beliebter
China ist traditionell und historisch zwar eine Teetrinker-Nation, in den letzten Jahren wurde Kaffee aber immer beliebter. “Besonders junge Menschen in den grossen Städten wie Schanghai oder Peking haben das Kaffeetrinken für sich entdeckt.“ So wird der Kaffeeverbrauch in China derzeit zwar nur auf etwa 0,08 kg/Kopf/Jahr (ICO-Referenz) im Vergleich zu 0,95 Jahr/Kopf Tee (FAO-Referenz) geschätzt, doch ist dieser in den letzten zehn Jahren um rund 16 Prozent pro Jahr gewachsen (ICO-Referenz).
“Diese Zunahme könnte deutliche Auswirkungen auf die zukünftige Kaffeeversorgung haben. Denn die Kaffeekultur in China hat ihren Höhepunkt bei Weitem noch nicht erreicht”, sagt De Smet. Ein Grossteil der Yunnan-Kaffeebohnen wird heute ins Ausland exportiert – auch in die Schweiz.
Und wie schmeckt der Kaffee aus Yunnan? "Yunnan erzeugt einen milden Arabica mit einer ausgezeichneten Balance, mittlerer Säure mit einem sauberen süss-fruchtigen Abgang", so Wouter De Smet abschliessend.
5 Facts über China
- Yunnan ist die südwestlichste chinesische Provinz und grenzt an die Staaten Vietnam, Laos und Myanmar/Burma, die chinesischen Provinzen Tibet, Sichuan, Guizhou und Guangxi. Yunnan befindet sich auf dem Yunnan-Guizhou-Plateau zwischen dem 15. Grad nördlicher Breite und dem Wendekreis des Krebses.
- Die Kaffeepflanzungen profitieren von den subtropischen Bedingungen in 800 bis 1800 Meter Höhe. Besonders gute Bedingungen finden die Anpflanzungen in einer Höhe zwischen 1200 und 1600 Meter vor. Die besonderen klimatischen Bedingungen verhindern, dass unerwartete Kälteeinbrüche die Kaffeepflanzungen vernichten, und sind vergleichbar mit den Anbaugebieten Kolumbiens und Indonesiens.
- In China wird immer mehr Kaffee konsumiert. Aber noch immer trinkt ein Chinese im Jahr durchschnittlich nur fünf Tassen Kaffee, während der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch weltweit bei 240 Tassen liegt. Allerdings ist eine immer schneller zunehmende Tendenz des Kaffeekonsums in China bereits festzustellen.
- Den Statistiken der China Coffee Association Beijing (CCAB) zufolge wächst der Kaffeekonsum in China jährlich um 15 Prozent, also um fast das Siebenfache der Weltwachstumsrate. CCAB sieht in China bis 2020 weltweit den attraktivsten Markt für das "schwarze Gold".
- Über 70 Prozent der in der Provinz geernteten Kaffeebohnen werden als Rohstoff nach Europa und Nordamerika exportiert.