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Alle Schülerinnen und Schüler an Schweizer Gymnasien müssen in den letzten beiden Schuljahren eine grössere Projektarbeit planen, schriftlich kommentieren und mündlich präsentieren. Zwingender Bestandteil sind jedoch immer eine schriftliche Dokumentation sowie eine mündliche Präsentation vor den bewertenden Lehrpersonen oder auch einem grösseren Publikum. Wir haben in unserem Leitfaden einige Tipps zum Schreiben der Maturaarbeit zusammengefasst.
1 Allgemeines zur Maturaarbeit
1.1 Was ist die Maturaarbeit?
Alle Schülerinnen und Schüler an Schweizer Gymnasien müssen in den letzten beiden Schuljahren eine grössere Projektarbeit planen, schriftlich kommentieren und mündlich präsentieren. Nach der abschliessenden Bewertung dieser drei Arbeitsschritte erscheinen der Titel des Projekts sowie die Gesamtnote im Maturitätszeugnis.
Die Spannbreite von Projekten kann dabei von schriftlichen Untersuchungen über die Organisation von Ausstellungen, Konzertabenden etc. bis hin zu künstlerischen Werken oder handwerklichen Produkten reichen. Zwingender Bestandteil sind jedoch immer eine schriftliche Dokumentation sowie eine mündliche Präsentation vor den bewertenden Lehrpersonen oder auch einem grösseren Publikum.
1.2 Wie ist die Maturaarbeit geregelt?
Genaue Regelungen hinsichtlich Themenwahl, Umfang und Form der Arbeit, der Präsentation sowie Abgabefristen werden kantonal oder auch von den Schulen individuell festgelegt. So kann z.B. am Gymnasium Leonhard (Kanton Basel-Stadt) das Thema der Maturaarbeit auch ausserhalb der Unterrichtsfächer gewählt und extern betreut werden, während in den Kantonen Wallis und Fribourg von den Gymnasien jeweils bestimmte Themenbereiche vorgegeben werden.
Schülerinnen und Schüler, deren Schule nicht zur selbstständigen Durchführung einer Maturitätsprüfung berechtigt ist und die sich daher zur externen, eidgenössisch organisierten „Schweizerischen Maturitätsprüfung“ anmelden müssen (z.B. Erwachsene, die an einer privaten Schule die Matura auf dem 2. Bildungsweg nachholen wollen), dürfen bei der Anmeldung als Maturaarbeit zwingend nur eine schriftliche Untersuchung zu einem frei wählbaren Thema im Umfang von 13-15 Seiten abgeben.
2 Tipps zum Verfassen einer schriftlichen Maturaarbeit
2.1 Was muss ich beim Verfassen einer schriftlichen Arbeit beachten?
Eine schriftliche Arbeit muss folgende Kriterien erfüllen:
Eine spezifische, eingegrenzte Fragestellung: Anstatt z.B. eine Maturaarbeit über „Die Geschichte der Schweiz“ schreiben zu wollen, sollte man sich genau überlegen, welche Epoche, welches Ereignis oder welche Person untersucht werden sollen. Eine spezifische Fragestellung wäre etwa: „Die Debatte um das Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg am Beispiel des Schulbuches Hinschauen und Nachfragen“.
Die Offenlegung aller verwendeten Quellen – seien dies wissenschaftliche Bücher und Aufsätze, Zeitungsartikel oder Internetquellen, in Fussnoten und am Ende der Arbeit in einem Literaturverzeichnis.
Eine klarer Aufbau und eine neutrale, lesbare Sprache: Das Ziel der Maturaarbeit ist es, dem Leser zu vermitteln, anhand welcher Materialien und Gedankenschritte der Verfasser zu einem bestimmten Ergebnis gelangt ist. Eine möglichst ausgefallene oder kunstreiche Sprache ist nicht das Ziel einer schriftlichen Arbeit.
2.2 Wie plane ich meine Arbeit?
Die Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit lässt sich grob in vier Phasen einteilen:
Vor dem Beginn einer schriftlichen Arbeit sollte zur späteren Orientierung ein Grobkonzept (Umfang: 1 DIN A4-Seite) angefertigt werden. Nachfolgend ein Beispiel aus der Wegleitung der Kantonsschule Küsnacht (PDF-Datei unter http://www.kantonsschulekuesnacht.ch/index.php?id=86 (4.2.14)):
2.3 Wo finde ich Literatur für meine Maturaarbeit?
Wer erst eine grobe Vorstellung von seinem Thema hat und sich rasch einen Überblick über die verfügbare Literatur verschaffen möchte, kann sich mit den spezialisierten Suchmaschinen Google Scholar (scholar.google.ch, wissenschaftliche Artikel) und Google Books (books.google.ch, Bücher) nicht nur effizient auf die Bibliotheksrecherche vorbereiten, sondern findet dabei auch teilweise sehr ausführliche Leseproben und ganze Werke.
Die Suchergebnisse von Google Scholar bieten zudem die Möglichkeit, den Bestand von Büchern und Artikeln sofort im Onlinekatalog www.swissbib.ch zu überprüfen. Dieser Katalog durchforstet mit einer einzigen Suchanfrage alle online erfassten Bibliotheksbestände der Schweizer Universitäten, Fachhochschulen, Forschungsanstalten sowie der Nationalbibliothek.
Am schnellsten findet man aktuelle Literatur auch zu spezifischeren Fragestellungen mit dem sogenannten „Schneeballsystem“: Wenn man einmal ein aktuelles Buch oder einen Artikel zu einem Thema gefunden hat, kann man sich mit dessen Literaturverzeichnis rasch neue Bücher und Aufsätze erschliessen.
2.4 Wie mache ich mir gute Notizen?
Damit die während der Lektüre gemachten Notizen beim Verfassen der Arbeit möglichst hilfreich sind, sollten folgende Punkte beachtet werden:
Für jedes Buch ein neues Notizblatt anlegen – ein einzelnes Dokument für alle Notizen wird schnell unübersichtlich (elektronisch z.B. mit der Software Evernote, www.evernote.com)
Nicht ausschliesslich Stichworte, sondern die wichtigsten Gedankengänge und Argumente des gelesenen Buches mit der genauen Seitenzahl vollständig notieren!
Einzelne Sätze und längere Passagen, die man in der Arbeit wörtlich zitieren möchte, mit Anführungszeichen als Zitate kennzeichnen
2.5 Wie gliedere ich meine Maturaarbeit?
Wie jede wissenschaftliche Arbeit muss eine Maturaarbeit grundsätzlich folgende Teile enthalten:
Titelblatt: Hier werden der vollständige Name des Verfassers, Titel und evtl. Untertitel der Arbeit, die Namen des Betreuers und des Koreferenten, die Schule sowie das Abgabedatum genannt.
Inhaltsverzeichnis: Als einer der wichtigsten Teile der Arbeit ermöglicht ein detailliertes Verzeichnis sämtlicher Kapitel der Arbeit dem Leser eine rasche Orientierung über Inhalt und Ablauf der Arbeit.
Einleitung: Hier werden in knapper Form die Fragestellung und das Ziel der Arbeit, die Motivation des Verfassers, sowie die wichtigste Literatur zum Thema vorgestellt.
Hauptteil: Das eigentliche Herzstück der Arbeit – hier stellt der Verfasser in mehreren Schritten dar, anhand welcher Materialien und Argumente er zu seinen Schlüssen kommt.
Fazit/Zusammenfassung: Hier werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit nochmals zusammengefasst und ein Fazit gezogen. Wichtig: Eine wissenschaftliche Arbeit kann niemals „endgültige“ Antworten finden – „keine Antwort ist auch eine Antwort“.
Literaturverzeichnis: Ein alphabetisch geordnetes Verzeichnis aller benutzten Bücher, Internetressourcen, Zeitungsartikel, Medien etc.
2.6 Was muss ich bei der Formatierung berücksichtigen?
Auch hier gibt es bei der genauen Ausgestaltung eine gewisse Freiheit. Grundsätzlich gilt, dass man eine „neutrale“ Schrift (z.B. Arial oder Times New Roman), eine Schriftgrösse von 12 pt und einen Zeilenabstand zwischen 1-1,5 wählen sollte. Für die Fussnoten empfiehlt sich eine etwas kleinere Schriftgrösse (10 pt).
Zudem sollte man darauf achten, den Text durch sinnvolle Absätze zu gliedern und möglichst leserfreundlich zu gestalten. „Bunte“ oder ausgefallene Schriftarten machen einen unseriösen Eindruck. Eine zu kleine Schriftgrösse, wenige Absätze und ein unübersichtliches, „vollgestopftes“ Layout schrecken den Leser ebenfalls ab.
2.7 Wie zitiere ich richtig?
Sämtliche Gedanken, Formulierungen, Texte, Daten oder Grafiken, die von anderen 1:1 oder sinngemäss übernommen werden, müssen in der Maturaarbeit gezeichnet werden. Dies erfolgt mittels einem Verweis auf der jeweiligen Seite (Fussnote) , der wiederum auf ein Dokument im Literaturverzeichnis verweist.
Wer fremdes Material ohne Quellenangabe in seine Arbeit übernimmt (Plagiat), kann von den Maturitätsprüfungen ausgeschlossen werden. Alle Schülerinnen und Schüler müssen bei der Abgabe ihrer Maturaarbeit schriftlich versichern, alle Zitate in ihrer Arbeit als solche gekennzeichnet zu haben.
Wo in der Maturaarbeit fremde Texte und sonstige Materialien sinngemäss oder wörtlich zitiert werden, muss dies in einer Fussnote mit den folgenden Angaben belegt werden:
Name des Autors
Erscheinungsjahr
Seite, auf der sich der zitierte Satz, Abschnitt etc. befindet
Ein Beispiel: Burckhardt 2006: 240
In einer Fussnote genügen diese abgekürzten Angaben. Die vollständigen Informationen zu der Quelle müssen erst im Literaturverzeichnis aufgeführt werden.
2.8 Wie erstelle ich ein Literaturverzeichnis?
Das Literaturverzeichnis listet sämtliche in der Arbeit verwendeten und zitierten Bücher, Aufsätze, Artikel etc. auf. Am besten ordnet man das Verzeichnis alphabetisch nach den Nachnamen der Autoren. Bei verschiedenen Arten von Literatur müssen unterschiedliche Informationen angegeben werden.
Bücher von einem oder mehreren Autoren: Autor(-en), Titel (kursiv), Erscheinungsort- und Jahr:
Maissen, Thomas: Verweigerte Erinnerung. Nachrichtenlose Vermögen und Schweizer Weltkriegsdebatte 1989-2004, Zürich 2005.
Artikel und Aufsätze in Zeitschriften: Autor(-en), Titel des Beitrages (in Anführungszeichen), Titel der Zeitschrift, Bandnummer und Jahr, in welchem der Artikel erschienen ist, Seitenzahlen des Artikels:
Sablonier, Roger: „1315 – ein weiteres Gründungsjahr der Eidgenossenschaft. Der Bundesbrief von 1315“, in: Der Geschichtsfreund 160, 2007, S. 11-24.
Internetquellen: Nach Möglichkeit Autor und Jahr, Link und Datum des letzten Aufrufs:
Hofmann, Heinz: „Ein Sieg im Zeichen des Kreuzes. Kaiser Konstantin und die Schlacht an der Milvischen Brücke“ (NZZ online, 27. Oktober 2012).
Link: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur-und-kunst/kaiser-konstantin-und-die-schlacht-an-der-m... (letzter Aufruf am 30.1.2014).
3 Weiterführende Materialien
Eidgenössische Verordnung zur Anerkennung kantonaler Maturitätsausweise (MAV):
http://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19950018/index.html
Knappe und übersichtliche Zusammenstellung praktischer Tipps zum Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten in Schule und Studium (auch als E-Book verfügbar):
Niederhauser, Jürg: Die schriftliche Arbeit – kurz gefasst. Eine Anleitung zum Schreiben von Belegarbeiten in Schule und Studium, Mannheim 2006.