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Das Lernen der Sprache beginnt bereits vor der Geburt mit dem Einsetzen des Hörvermögens. Wenn dann der Säugling auf die Welt kommt, beginnt ein rasanter Lernverlauf, den man auch im Bereich der Sprache und Kommunikation gut beobachten kann. Es ist erstaunlich, wie viel bereits ein Säugling aufnimmt.
Damit ein Kind die Sprache lernen kann, ist ein Gegenüber notwendig, das mit ihm kommuniziert. Denn Sprache kann nur über Kommunikation gelernt werden. Für Eltern ist es aber manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, mit einem Säugling zu sprechen, der sich selbst noch nicht mit Worten äussert. Dennoch kommunizieren auch bereits ganz kleine Säuglinge mit ihrer Mimik / Gestik und Lauten / Schreien. Und sie sind sehr interessiert an einem Gegenüber, das sich mit ihm unterhält.
Gerne gebe ich ein paar wichtige, nicht abschliessende Inputs zur Sprachförderung bei Säuglingen.
Grundsätze
- Sprechen Sie in der Sprache mit dem Säugling, in der Sie am sichersten sind, auch wenn dies nicht Deutsch ist. Ein Kind braucht eine gut gelernte „Muttersprache“, damit es weitere Sprachen lernen kann.
- Die Aufmerksamkeitsspanne von Säuglingen ist noch nicht sehr lang. Wenn ein Kind Anzeichen von Müdigkeit oder Überreizung zeigt (Kopf wegdrehen, gähnen, quengelig werden usw.), sollten Sie dem Kind eine Pause gönnen.
- Sprachverstehen kommt vor dem Sprechen. D. h. Kinder verstehen die Sprache früher, als sie selbst beginnen zu sprechen.
- Nur Kinder, die ein gutes Hörvermögen haben, können auch eine Sprache lernen.
Konkrete Sprachförderung bei Säuglingen
- Handlungen moderieren: Erzählen Sie dem Säugling einfach, was sie gerade machen oder was sie beobachten beim Säugling (z. B. „Ich trage dich jetzt zum Wickeltisch und dann werde ich dir eine frische Windel anziehen“).
- An Kinder gerichtete Sprache: Säuglinge interessieren sich mehr für höhere Tonlagen und wenn man langsam und deutlich spricht und dabei die Mimik verstärkt. Sie können dann das Gesagte besser aufnehmen.
- Einfache, kurze Sätze: Damit das Kind überhaupt die Möglichkeit hat, zu erfassen, was man äussert, ist es wichtig, in kurzen, einfachen Sätzen zu sprechen.
- Visualisierung: Alles, was der Säugling neben der Sprache auch sehen oder mit einer Handlung verknüpft ist, hilft zusätzlich, Sprache besser aufnehmen und verstehen zu können. Z. B. gemeinsam ein Bilderbuch anschauen und auf Dinge zeigen und sie dazu benennen, oder bei einer Handlung wie z. B. einen Ball rollen, direkt darüber sprechen („oh toll, der Ball rollt zu mir. Ich rolle den Ball wieder zu dir zurück.“).
- Kommunikation des Kindes spiegeln: Wenn Sie nachmachen, was der Säugling gerade macht, z. B. Gesichtsausdrücke oder nachsprechen, was er brabbelt, weckt dies das Interesse des Säuglings sehr und es beginnt so zu verstehen, dass die Umwelt daran interessiert ist, dass der Säugling sich äussert.
- Sichtfeld: Säuglinge im ersten Jahr sind darauf angewiesen, dass man nahe an sie herankommt, da das Sehvermögen noch nicht komplett ausgebildet ist.
- Digitale Medien (Smartphone, Tablet, TV): Diese eigenen sich nicht für Säuglinge und Kleinstkinder zur Sprachförderung und werden nicht empfohlen. Die Bildfolge ist oft zu schnell, um sie aufnehmen zu können und Kommunikation findet nur einseitig statt. Säuglinge sind aber auf ein Gegenüber angewiesen, das reagiert und sie spiegelt.
Ich wünsche viel Spass beim Entdecken der Sprache mit Ihren Kleinsten!
Quellen:
- Kannengieser, S. et al. (2020). Nashorner haben ein Horn. Hannover: Klett, Kallmeyer
- Siegler, R. et al. (2008). Entwicklungspsychologie im Kindes- und Jugendalter. Heidelberg: Spektrum akademischer Verlag.
- Broschüre: Sprich mit mir und hör mir zu! (2010)
- https://disg.lu.ch/-/media/DISG/Dokumente/Themen/Kind_Jugend_Familie/Publikationen/Sprich_mit_mir_und_hoer_mir_zu/sprich_mit_mir_kt_lu_deutsch.pdf?la=de-CH
Bei Fragen oder Anregungen dürfen Sie gerne per Mail auf mich zukommen.
small Foot AG - Die Kinderkrippe / Pädagogische Leitung
April 2023
Lea Catenazzi
Fachpsychologin für Kinder und Jugendliche FSP