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Andy Fraser (1952 - 2015)
Der lange Weg zu sich
Der Bassist Andy Fraser der britischen Band Free ist am 16. März gestorben. Er wurde leider nur 63 Jahre alt. Der Autor von Frees Superhit All Right Now hat der Welt mehr hinterlassen, als mit seinem Namen allgemein assoziiert wird. Sein gefühlvolles Bassspiel ist trug ebenso viel zur Charakteristik des Bandsounds bei wie Paul Kossoffs Bluesgitarre oder Simon Kirkes Schlagzeug. Einer der besten britischen Bassisten der Blues-Rock-Ära, ist Fraser am ehesten zu vergleichen mit Jack Bruce. Von den Gründungsmitgliedern von Free war Fraser mit lediglich 15 Jahren der jüngste, und seine Zeit mit dieser Band sollte der Höhepunkt seiner Karriere bleiben. Der weitere musikalische Erfolg blieb ihm verwehrt und seine persönliche Leidensgeschichte mit lange geheim gehaltener Homosexualität und einer Erkrankung an Krebs und HIV liessen wenig Raum für kreatives Schaffen.
Die Band Free steht für den grenzenlos kreativen Bluesrock der 1960er und 70er Jahre. Obwohl nur von kurzer Lebensdauer entwickelte die Band die musikalische Sprache von John Mayall (für den Fraser vor Free gespielt hatte) und Cream weiter und schlug eine Brücke zu dem, was später Hard Rock werden sollte. Dafür war vor allem Gitarrist Paul Kossoff verantwortlich und Sänger Paul Rodgers, eine der besten Rockstimmen überhaupt. Andy Fraser, der ursprünglich Klavier und Gitarre gespielt hatte, wurde Bassist und seine komplexen Bassläufe erinnern mehr an Jazz-Grooves denn an Power-Rock.
Andy Fraser schrieb gemeinsam mit Rodgers den grössten Hit der Band All Right Now, aber auf allen Alben und in jedem Song ist sein Bass prägend, so etwa auf Fire and Water oder auf Albert Kings The Hunter auf Free Live! Oder aber auf dem bis heute höchst hörenswerten Album Free.
Fraser verliess Free ein Jahr vor dessen Ende und er versuchte sich danach als Bandleader verschiedener Formationen wie der Band Sharks mit Sänger Snips, Gitarrist Chris Spedding und Schlagzeuger Marty Simon. Fraser ging auch hier nach dem ersten Album First Water von 1973 weiter. Die Andy Fraser Band war ein Trio mit Schlagzeuger Kim Turner und Nick Judd an den Keyboards. Diese Band veröffentlichte zwei Alben mit mässigem Erfolg.
1975 siedelte er nach Kalifornien um und arbeitete als Produzent und Songschreiber. Er schrieb fürRobert Palmerden 1978er Hit Every Kinda People. 1994 folgte ein einmaliger Auftritt mit Paul Rodgers beim «Woodstock II»-Festival und 2008 schrieb und performte Fraser den Song Obama (Yes We Can)zur Unterstützung der Wahl des späteren US-Präsidenten.
Sein Privatleben war geprägt von seiner Existenz «in the closet», also als verdeckt lebender Homosexueller. Fraser lebte seit den 1980er Jahren sein Schwulsein aus, aber er hatte dennoch eine Familie und versuchte sich erfolglos als heterosexueller Ehemann. Erst 2005 hatte er sein Coming-Out mit dem Album Naked … and Finally Free. Seit den 1980er Jahren war er zudem mit HIV infiziert und er hatte ausserdem Krebs, der in zahlreichen Behandlungen bekämpft wurde, Fraser aber zusätzlich Kräfte raubte.
Andy Fraser, der auf den Bildern der Free-Zeit stets etwas verloren aussieht, war lange Zeit mit sich selbst nicht im Reinen, mit dem Leben als Rockstar und mit seiner angeblichen Verantwortung am Tod Kossoffs, wegen dem dessen Vater ihn nicht an der Beerdigung seines ehemaligen Bandkollegen haben wollte.
Bleibt zu hoffen, dass Andy Fraser, dessen Basslinien so lyrisch, so schwingend und treibend waren, luftig und dennoch ein klares harmonisches Grundgerüst legend, nun endlich frei sei und dass sein grösster Hit jetzt auch auf seine Existenz zutrifft: «All Right Now!»