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Fischbestände werden schon lange überfischt
Der 20 Meter lange Brixham-Trawler war der erste Trawlertyp weltweit und Mitte des 19. Jahrhunderts in der Nordsee verbreitet, wohl auch wegen guter Segeleigenschaften. Man konnte von ihm bis in eine Tiefe von 55–75 Metern fischen; die Grundschleppnetze heutiger Trawler reichen oft bis gegen 1000 Meter tief.
(Foto: Tony Lewis / Wikimedia)
Erholung muss tiefer greifen
Die Ausbeutung von Fischbeständen begann meist lange vor ihrer systematischen Aufzeichnung. Darum ist es schwierig, zu sagen, wie gesund ein Fischbestand im Vergleich zu seiner ursprünglichen Fülle eigentlich ist.
Die englische Meeresbiologin Ruth Helen Thurstan, eine Schülerin von Callum Roberts, hat sich die Mühe gemacht, nach Angaben von Fischern vor Beginn der offiziellen Aufzeichnungen zu forschen. Sie setzte aus historischen Berichten und Interviews von englischen Fischern aus den Jahren 1860 bis 1880 ein Bild zusammen, um festzustellen, welche Veränderungen in den Fischbeständen sie zu ihrer Zeit wahrgenommen hatten.
Aufgrund ihrer Untersuchung kommt Thurstan zum Schluss, dass die Reduktion der britischen Fischbestände schon siebzig Jahre vor Einführung der Fischereistatistik begonnen haben muss. Schon in den 1880er Jahren verlangten einige Eigner von Schleppkuttern, die teils bereits seit Jahrzehnten im Geschäft waren, die zeitweise Schliessung der Fischerei an der Küste, um die Bestände zu schonen.
Quelle: Fishupdate.com
Wissenschaftliche Artikel von Ruth H. Thurstan
Bestanderholung könnte dauern
Bisher geht man davon aus, dass die Dezimierung der Fischbestände mit dem Aufschwung der industriellen Fischerei nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann. Dass es also genügen würde, wenn man den Beständen erlaubt, sich wieder bis auf das Niveau von Anfang der 1950er Jahren zu erholen.
Was aber, wenn sich Ruth Thurstans Befund in weiteren Meeresgegenden bewahrheiten sollte? Dann müsste der Zeitpunkt, zu dem die wirtschaftlich genutzten Fischbestände letztmals ihre natürliche Grösse aufwiesen, um bis zu hundert Jahren zurück datiert werden. Sollen «gesunde Fischbestände» Ziel der Fischereipolitik sein, dann werden die Massnahmen zum Schutz der Fischbestände wohl stärker und länger in die Fischerei eingreifen müssen als bisher angenommen.
Die gute Nachricht dabei ist: Die Fischbestände werden dank angepasster Massnahmen dann wieder so üppig sein, dass der Welthunger nach Fisch wieder aus nachhaltiger Fischerei gedeckt werden kann, ohne Umweg über die Zucht von Fischen.