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Bild
Titel:
Windturbine für die Wasserversorgung auf dem Gäbris
Thema: Land
Datum: --.--.1921
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, KB-010948
Urheber/-in: Korporation Hackbühl
Beschreibung:
Die Postkarte zeigt die Windturbine direkt vor dem Säntis-Massiv.
Zwei weitere Abbildungen zeigen zum einen die Windturbine vor dem Nebelmeer im Rheintal und den Vorarlberger Alpen (KB-010927), und zum anderen die Errichtung der Windturbine 1921; man sieht im Vordergrund das extra hierfür bearbeitete Terrain sowie die Betonsockel des Masts (KB-015029).
Geschichte:
Im Frühjahr 1921 liess die Korporation Hackbühl am westlichen Hang der Liegenschaft Haseltanne als Notstandsarbeit ein neues Reservoir für die Wasserversorgung des Gasthauses auf dem Gäbris bauen. Über elektrischen Strom verfügte die Gegend beim Gäbris damals noch nicht. Die Korporation entschloss sich deshalb von den Vereinigten Windturbinenwerken in Dresden-Niedersedlitz, Deutschland, eine Herkules Stahlwindturbine mit Turm anzuschaffen. Die Windturbine wandelte die kinetische Energie des Windes in elektrische Energie um und konnte sie so in das örtliche Stromnetz einspeisen. Der Preis der Windturbine betrug 29 000 Mark oder 2600 Schweizer Franken. Mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Anlage wurde der Mechaniker Emil Walser aus Bühler beauftragt, der die Anlage bereits Ende August 1921 in Betrieb setzen konnte. Das Windrad befand sich bis 1946 am Waldrand an einem Hang auf der Haseltanne, Gais. Es bestand aus einem Stahlgerüst mit einem drehbar angebrachten Rotor mit horizontaler Drehachse am Turmende. An der Rückseite des Windrades war eine grössere Windfahne angebracht, welche die Rotorachse in Windrichtung stellte. Der Föhnsturm vom 4. und 5. Februar 1946 zerstörte die Anlage vollständig, worauf diese entfernt wurde.
Die Informationen zu diesem Zeitzeugnis stammen von Karl Rechsteiner aus Gais.
Autorin: Nina Sonderegger, Speicher
Chronologie:
Die Gemeinde Gais verfügte ab 1900 über elektrisches Licht.
Schon im Jahre 1899 war die Installation von elektrischen Beleuchtungsmassnahmen in den öffentlichen Gebäuden der Gemeinde Gais angeordnet worden. Neben dem Waisen-, Armen-, Dorfschul- und Gemeindehaus, den Spitzenhäusern Dorf, Kehr und Zweibrücken sowie im
Wachtlokal wurden auch im evangelischen Pfarrhaus die Arbeiten durchgeführt.
Aufgrund der hohen Nachfrage nach Anschlüssen musste schon 1907 in Zweibrücken eine zweite Hochspannungsstation für Gais erstellt werden.
Bis in die 1950er Jahre wurde Gais mit der elektrischen Energie von der Zentrale Kubel bei St.Gallen versorgt. Danach bezog Gais die elektrische Energie von anderen Orten, vor allem aber aus Gais selbst.
Die Versorgung durch Windkraftwerke in Gais fand 1921 mit der Windturbine auf dem Gäbris und mit dem Turbinenhaus von 1922/23 beim "Bad Weissbach" ihren Anfang. Mehrere Interessenten aus dem Bezirk Steinleuten verpflichteten sich für zehn Jahre zum Bezug von elektrischer Energie aus dem Turbinenhaus.
Zu den grossen Errungenschaften der mit elektrischen Energie betriebenen Bauwerke im Appenzellerland im 19. Jh. und dem frühen 20. Jh. gehören 1886 die Strecke Urnäsch-Appenzell und 1890 die Strecke St.Gallen-Gais. 1903 wurde die Bahnverbindung St.Gallen-Trogen in Betrieb genommen.
Mit dem Bestreben nach alternativen Möglichkeiten der Energieversorgung in den 1990er Jahren erlebten die Windkraftwerke in Gais eine Renaissance. Auf Initiative von der "IG Wind Trogen" und der "Appenzellischen Vereinigung zur Förderung umweltfreundlicher Energien" wurde 1994 die erste Windkraftanlage der Ostschweiz auf dem Kürstein erbaut.
Literatur:
Bischofberger, Hermann: 130 Jahre Appenzeller Bahnen. Betriebsaufnahme am 12. April 1875 auf der Strecke Winkeln-Herisau. In: Appenzeller Volksfreund 9. Juli 2005, S. 5.
Rechsteiner, Karl und Achilles Weishaupt: Geschichte der Gemeinde Gais. Gais 2002, S.325ff.
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