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Grindelwald
|Steinart:|
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Entstehung
Wie alt ist eigentlich der Grindelwalder Marmor? Die Entstehungsgeschichte des Marmors verdeutlicht, dass diese oft gestellte Frage nicht eindeutig beantwortet werden kann. Meint man damit das Alter des ursprünglichen Ausgangsmaterials, dann sind es 50 Millionen Jahre. Versteht man darunter hingegen die Entstehung des heutigen Marmors, dann sind es 15 Millionen Jahre. Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr über die Bildung des Gindelwalder Marmors.
Einzigartigkeit und Vielfalt verdankt der Grindelwalder Marmor einem zufälligen Zusammentreffen von zeitlich weit auseinanderliegenden geologischen Ereignissen, denn die Entstehungsgeschichte spiegelt zum einen die marine Vorgeschichte sowie die Auffaltung der Alpen wieder.
Vor etwa 120 Millionen Jahren, zu Beginn der Kreidezeit, wurden in einem tropischen Ozean die Kalksteine der Marmorbestandteile in geordneten Schichten abgelagert. Das Ausgangsmaterial wurde demnach im Meer gebildet. Ursprungsort war der Nordrand des Ozeans, der rund 200 Mio. Jahre lang den alten europäischen Kontinent überflutet hat. Ungefähr 70 Millionen Jahre später zog sich das Meer vorübergehend zurück. Die Kalksteine wurden freigelegt, worauf ihre obersten Partien infolge Erosion durch fliessendes Wasser verkarsteten – ähnlich wie man es heute im Gebiet der Schrattenfluh beobachten kann. Im Untergrund bildeten sich Karsthöhlen, die zum Teil einstürzten. In das eckige Einsturzmaterial wurden eisenhaltige rote Tone und Sande gespült. Bei erneuter, vielleicht auch nur lokaler Überflutung wurden in flachen Meeresbecken Kalkgerölle verschiedener Herkunft zu Konglomerat-Schichten zusammengeschwemmt. Vor etwa 15 Millionen Jahren zur Miozänzeit im mittleren Tertiär ergriff die Alpenfaltung den Alpennordrand. Das Ausgangsmaterial des Marmors wurde durch die helvetischen Decken überfahren, Kilometer mächtige, verfaltete, von Süden herangeschobene Sedimentmassen. Dabei wurden die Gesteine deformiert: die Konglomerate ausgewalzt, bei siderolithischen Brekzien (Bruchstücke aus dem Karst) das tonige Füllmaterial verschiefert und gleichzeitig die eckigen Komponenten in kleinere Stücke zerlegt. Erhöhte Drucke und Temperaturen bewirkten eine Marmorisierung der Kalke und – durch Stoffwanderungen – ihre Rot- und Gelbfärbung. Im Füllmaterial aus Sand und Ton kam es zu Mineralneubildungen, unter denen besonders der intensiv grüne Chlorit auffällt. Noch später entstanden die hellen Kalzitadern.
Erst in jüngster geologischer Zeit erfolgte die Freilegung der Schichten durch die Abtragung. Massgeblich beteiligt waren dabei die eiszeitlichen Gletscher. Felsstürze vom Wellhorn schufen die Blockmassen, aus denen im 18. Jh. Der Rosenlaui-Marmor gewonnen wurde.
Quelle: myswissalps.ch
Besonderheiten
Welchen aussergewöhnlichen Schatz der Untere Grindelwaldgletscher gleich zweimal freigab
Von Toni P. Labhart, Überarbeitung Managementzentrum
Die Geschichte vom verzauberten Dornröschen, das nach 100 Jahren Schlaf vom Prinzen wach geküsst wird, kennt ein jeder. In abgewandelter Form hat sich Ähnliches in Grindelwald zugetragen. Nur dass hier keine Prinzessin hinter Rosenranken schlummerte, sondern Schätze von aussergewöhnlichem Wert und Schönheit unter dicken Eismassen.
Im 18. Jahrhundert wurden schmale Lagen und Nester von vielfältig ausgebildeten bunten Marmoren am Unteren Grindelwaldgletschter entdeckt. Da der europäische Stadtadel sowie das betuchte Bürgertum des 18. Jahrhunderts versessen darauf waren ihre Wohnungen mit Marmor auszustatten, kam es zu einem regen Abbau des Materials, vor allem weil Farbe und Struktur in idealer Weise dem Geschmack des Spätbarock entsprachen. Ob als Kaminumrahmungen, Säulen oder an reich verzierten Möbelstücken, Marmor tauchte zu dieser Zeit in den unterschiedlichsten Formen auf. Die Werkstatt Funk in Bern ist untrennbar mit dem Grindelwalder Marmor verknüpft. Hier wurde das Material zu ausgesprochenen Luxusartikeln weiterverarbeitet.
Steinbruch
Der Abbau konnte jedoch nur rund 20 Jahre erfolgen, da der Untere Grindelwaldgletscher nach 1760 mit grosser Geschwindigkeit vorstiess und bereits angeschriebene Marmorblöcke unter den Eismassen begrub. Der Bruch scheint 100 Jahre lang völlig in Vergessenheit geraten zu sein. In anderen Worten: er lag in einem tiefen Dornröschen-Schlaf. Jedenfalls war das Staunen gross als der Gletscher bei seinem Rückzug 1865 behauene und beschriftete vom Eis etwas gerundete und geschliffene Marmorblöcke freigab. Der Marmorabbau wurde nach der Wiederentdeckung erneut aufgenommen. Grindelwalder Marmor fand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch beim Bau des Bundeshauses und der Universität von Bern Verwendung. Die Konkurrenz besser erschlossener Steinbrüche im Wallis und im Ausland war für den örtlichen Bergbau schädlicher als der Gletscher: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Abbau endgültig eingestellt. Der Steinbruch ist heute frei zugänglich; er befindet sich beim Restaurant Marmorbruch auf einer Anhöhe über der Mündung der Schlucht des Unteren Grindelwaldgletschers.
Ausserdem können einige der in der Werkstatt Funk entstandenen Objekte in Museen oder öffentlichen Bauten bestaunt werden.
Quelle: www.myswissalps.ch