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Basel (?), um 1720/25
Ölmalerei auf Leinwand
H. 90,6 cm, B. 73,8 cm
Inv. 1991.156.
Legat Pfarrer Dr. h.c. Wilhelm Bernoulli-Preiswerk, Greifensee.
Daniel Bernoulli (1700–1782) wurde in Groningen, wo sein Vater Johann I. Bernoulli (Kat. 92) seit 1695 lehrte, geboren. Noch als Kind kam er mit seiner Familie nach Basel, als der Vater 1705 auf den Mathematik-Lehrstuhl berufen wurde. Daniel Bernoulli studierte zunächst Medizin in Basel, Heidelberg und Strassburg. Nachdem seine Bemühungen um einen Lehrstuhl an der Universität Basel ohne Erfolg geblieben waren, wandte er sich 1723 zur Weiterbildung nach Venedig und Padua. Er trat mehr und mehr als Naturwissenschaftler und Mathematiker hervor und wurde 1725 mit seinem Bruder Nicolaus (1695–1726) an die neuerrichtete St. Petersburger Akademie der Wissenschaften berufen. Hydrodynamik, Wahrscheinlichkeitsrechnung, Schwingungs- und Reibungsprobleme, Akustik, Dynamik starrer Körper und die Neigung der Planetenbahnen waren seine Forschungsgebiete. 1733 kehrte er nach Basel zurück, erst auf den Lehrstuhl für Anatomie und Botanik, ab 1743 für Physiologie, ab 1750 für Physik.
Trotz mehrerer Rufe nach Berlin und St. Petersburg verliess er Basel nicht mehr. Neben seiner wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung ist das 1738 erstmals formulierte Bernoullische Strömungsgesetz heute noch Grundlage für Berechnungen auf dem Gebiet der Hydro- und Aerodynamik.
Das Porträt, das ihn als jungen Mann zeigt, entstand wohl in seinen bewegten Jahren zwischen 1720 und 1725, vermutlich als Werk eines französischen Künstlers.
Es könnte daher in Basel, Venedig oder St. Petersburg angefertigt worden sein. Vorstellbar ist aber auch, dass es anlässlich seines Weggangs nach St. Petersburg zur Erinnerung für die Familie gemalt wurde. Es zeigt ihn im Profil stehend, den Kopf über seine rechte Schulter dem Betrachter zugewendet. Diese Drehung und der dynamisch fallende Mantel geben dem Bild Tiefe und Bewegung. Die zurückgenommenen Farben, die Schlichtheit der Kleidung und der Verzicht auf Attribute verleihen dem Porträt eine elegante Zurückhaltung, in der es sich von dem standesbewussten Bildnis des Vaters unterscheidet. Doch der direkte, feste Blick und die lang herabfallende Lockenpracht künden von Selbstbewusstsein und (vorerst noch zurückgehaltenem) Geltungsanspruch.