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Von stark frequentierten Verkehrswegen können bei Regenwetter beträchtliche Schmutzstofffrachten in das Grundwasser oder die Oberflächengewässer gelangen. Die Beseitigung dieses Abwassers ist gesetzlich geregelt.
Verschmutztes Abwasser ist laut Gewässerschutzgesetz zu behandeln, nicht verschmutztes wenn immer möglich zu versickern. Bei Verkehrswegen und -flächen stellt sich die Frage, wann abfliessendes Niederschlagswasser als verschmutzt gilt und wie es sich beseitigen lässt.
Die Qualität des abfliessenden Niederschlagswassers von Verkehrsflächen - dazu zählen Strassen, Wege und befahrene Plätze, aber auch Bahntrassees, Flugpisten und Rollwege - wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu zählen:
- Verkehrsdichte
- klimatische Verhältnisse
- Topographie
- Beschaffenheit des Zielgewässers (Vorfluter)
Als erste Vollzugshilfe auf diesem Gebiet, hat das BAFU 2002 die Wegleitung «Gewässerschutz bei der Entwässerung von Verkehrswegen» veröffentlicht. Nach über 10 Jahren Erfahrung mit dieser Wegleitung hat sich ein gewisser Anpassungsbedarf gezeigt. Für den Vollzug des Gewässerschutzgesetzes sind im Prinzip die Kantone zuständig. Bei Bundesaufgaben wie bei den Nationalstrassen und den Eisenbahnanlagen jedoch sind die entsprechenden Bundesstellen verantwortlich. Aus diesem Grund wurden die neue Richtlinien in diesen Bereichen vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) und vom Bundesamt für Verkehr (BAV) zusammen mit dem BAFU erarbeitet.
Es ist geplant, die übrigen Bereiche der BAFU Wegleitung «Gewässerschutz bei der Entwässerung von Verkehrswegen» in die neue harmonisierte Richtlinie des VSA zu integrieren, die den zeitgemässen Umgang mit Regenwasser regeln soll.
Entwässerung von Strassen
Das Abwasser von stark befahrenen Strassen ist durch Schadstoffe aus Brems-, Reifen- und Fahrbahnabrieb belastet. Zum Schutz der Gewässer ist eine sorgfältige Beseitigung dieses Abwassers nötig. Wo es das Trassee und die Bodeneigenschaft erlauben, ist eine Entwässerung mit Versickerung über die Böschung die beste Lösung. Dies sowohl aus Sicht von Umwelt, Raumplanung und Wirtschaftlichkeit. Ist eine Versickerung nicht möglich, braucht es für die belasteten Strassenabwässer geeignete Strassenabwasserbehandlungsanlagen (SABA).
Da solche Anlagen oft ausserhalb des Trassees gebaut werden, geraten sie in Konflikt mit anderen Interessen. Die Richtlinie «Strassenabwasserbehandlung an Nationalstrassen» des Bundesamts für Strassen (ASTRA) zeigt unter anderem den optimalen Planungsprozess beim Bau von SABA auf. Sie stützt sich dabei auf die BAFU-Publikation «Gewässerschutz bei Entwässerung von Verkehrswegen». Die Richtlinie soll eine einheitliche Praxis fördern. Sie präzisiert die Anforderungen an Retention, Behandlung und Versickern des Strassenabwassers sowie das Vorgehen zur Verhältnismässigkeitsbeurteilung, und sie stellt die heute bekannten Behandlungsverfahren dar.
Entwässerung von Bahnlinien
Eine kontrollierte Entwässerung der Bahnanlagen ist aus Sicherheitsgründen notwendig. Das dabei anfallende Abwasser muss unter Berücksichtigung der Schutzziele für Gewässer und Böden beseitigt werden. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) und das BAFU haben neue Beurteilungskriterien für die Klassierung der Belastung von Gleisabwasser definiert. Bei dieser Gelegenheit wurde eine spezifische Richtlinie zur Entwässerung von Fahrbahnen der Eisenbahn erarbeitet und mit Vorgaben für die Entwässerung anderer Bahnanlagen ergänzt.
Die Verwendung von Schmiermitteln und Herbiziden schafft auch seitens der Eisenbahn ein gewisses Gefährdungspotential für die Gewässer. Eine kontrollierte Entwässerung der Bahnanlagen ist aber auch aus Sicherheitsgründen notwendig. Das dabei anfallende Abwasser muss unter Berücksichtigung der Schutzziele für Gewässer und Böden beseitigt werden. Das BAFU und das Bundesamt für Verkehr (BAV) haben in einer Richtlinie neue Beurteilungskriterien für die Klassifizierung der Belastung von Gleisabwasser definiert. Bei der Prüfung von Vorhaben zur Erneuerung, Änderung und Verlegung von Gleisanlagen stellt sich die Frage, ob das Projekt eine wesentliche Änderung darstellt. Das BAFU und das BAV haben in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „Gewässerschutz" eine Vollzugshilfe verfasst, die den Vollzugsbehörden entsprechende Beurteilungskriterien liefert.
Das BAFU-Projekt „Gewässerschutz an Bahnanlagen" hat Schadstoffe im Gleisabwasser untersucht. Die Untersuchungen haben unter anderem gezeigt, dass die Belastung des Gleisabwassers in der Regel deutlich geringer ist als bei Haupt- und Nationalstrassen.
Anwendungsorientierte Forschung
Der Schweizerische Verband der Strassen und Verkehrsfachleute (VSS) befasst sich mit Forschung und Normierung im Strassen- und Verkehrswesen. Die vom VSS in Auftrag gegebene Forschung dient der Entwicklung und Erweiterung von anwendungsorientiertem Fachwissen im Strassen- und Verkehrswesen. Der VSS hat diverse Publikationen zu Entwässerung von Strassen, Flugplätzen, Parkplätzen veröffentlicht.
Weiterführende Informationen
Dokumente
Untersuchung von Gleisabwasser: (PDF, 1 MB, 01.02.2012)Schlussbericht – Orientierende Beprobung, Abflusscharakterisierung und Messkampagne an ausgewählten Standorten. BMG 2011.
Letzte Änderung 26.10.2018