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Neue Erkenntnisse zu Pfahlbauten in Zürich
Die Pfahlbauten sind am unteren Zürichsee überall gegenwärtig. Zwei neue Monographien der Kantonsarchäologie vermitteln Einblick in die dichte Besiedlung, die es im Seefeld bereits während der Jungsteinzeit gab.
Der Bau des Parkhauses Opéra führte zur umfangreichsten Notgrabung einer Schweizer Pfahlbaufundstelle in den letzten 20 Jahren. Vom April 2010 bis Januar 2011 dokumentierte das Amt für Städtebau der Stadt Zürich eine Fläche von rund 3500 Quadratmetern und barg mehrere Tonnen archäologischer Funde.
Die Auswertungsarbeiten, welche die Kantonsarchäologie in Zusammenarbeit mit der Unterwasserarchäologie und dem Labor für Dendrochronologie der Stadt Zürich durchgeführt hat, sind inzwischen abgeschlossen. Die Resultate werden bis 2017 sukzessive in drei Bänden publiziert.
Der erste Band enthält die Resultate zu den Untersuchungen der Bodenschichten, der Jahrringanalysen (Dendrochronologie) und der geoarchäologischen Disziplinen. Die Ergebnisse erlauben Rückschlüsse auf die einstige Topographie sowie die Bauweise und Raumordnung in acht steinzeitlichen Dörfern, die nacheinander zwischen 3200 und 2700 v.Chr. im Gebiet des heutigen Sechseläutenplatzes standen.
Besiedlungsgeschichte im Zürcher Seefeld verstehen
Eine weitere Monographie befasst sich mit der Fundstelle Zürich-„Mozartstrasse“. Diese wurde bereits in den Jahren 1980/81 im Vorfeld des Baus des Bernhardtheaters gegraben. Da sie unmittelbar benachbart zum Parkhaus Opéra liegt, wurde begleitend zu den Untersuchungen vom Parkhaus Opéra die Dokumentation von Mozartstrasse ebenfalls ausgewertet. Hier wurden die Reste von insgesamt zwölf jungsteinzeitlichen Siedlungsphasen zwischen 3900 und 2500 v.Chr. aufbereitet und vorgelegt.
Beide Werke liefern gute Grundlagen, um die komplexe Besiedlungsgeschichte im Zürcher Seefeld während der Jungsteinzeit besser zu verstehen: Die Siedlungen standen meist nur 10 bis 20 Jahre und wurden danach – oft ganz in der Nähe – wieder neu aufgebaut. Im Laufe der Zeit änderte sich die Dorfstruktur, was darauf hinweist, dass sich auch das gesellschaftliche Zusammenleben änderte.
Das Siedlungsareal war mindestens während dem Sommerhalbjahr überflutet, weshalb die Häuser in allen Siedlungsphasen erhöht gebaut wurden. Dokumentiert sind auch zwei europaweit einzigartige Funde: Dabei handelt es sich um zwei gut 5000 Jahre alte Türen aus Pappel- bzw. Lindenholz aus der Grabung Parkhaus Opéra.
Bestellung
- Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 47 (Zürich/Egg 2015)
Zürich „Mozartstrasse“. Neolithische und bronzezeitliche Ufersiedlungen. Band 5: Die neolithischen Befunde und die Dendroarchäologie Autor/-innen: Renate Ebersbach, Beatrice Ruckstuhl und Niels Bleicher 244 Seiten, 295 Abbildungen, 2 Planbeilagen Preis Fr. 70.–, Einführungspreis bei Bestellung bis 30. Juni 2016 nur Fr. 50.–
Das Buch wird auch als E-Book angeboten (Fr. 30.–). Bezug: Verlagsshop auf fo-publishing.ch
- Monographien der Kantonsarchäologie Zürich 48 (Zürich/Egg 2015)
Zürich-Parkhaus Opéra. Eine neolithische Feuchtbodenfundstelle. Band 1: Befunde, Schichten und Dendroarchäologie. Herausgeber: Niels Bleicher und Christian Harb 270 Seiten, 207 Abbildungen, 36 Tafeln Preis Fr. 70.–, Einführungspreis bei Bestellung bis 30. Juni 2016 nur Fr. 50.–
Das Buch wird auch als E-Book angeboten (Fr. 30.–). Bezug: Verlagsshop auf fo-publishing.ch
Artikel von: Kanton Zürich, Baudirektion
Artikelbild: Links: Situation Grabung Zürich-Parkhaus Opéra (2010/11); rechts: Schichtfolge der Fundstelle Zürich-Mozartstrasse (Grabungssituation 1980/81); © Amt für Städtebau Stadt Zürich, Unterwasserarchäologie und Dendrochronologie