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Im Sommer 1822 unternahm das Berliner Ehepaar Abraham und Lea Mendelssohn mit seinen Kindern Fanny (16), Felix (13), Rebecka (11) und Paul (9) eine ausgedehnte Schweiz-Reise über Schaffhausen, Thurgau, Zürich, Luzern, Thun, Bern bis nach Lausanne und Genf. Neun Jahre später, im Sommer 1831 bereiste der 21jährige Felix Mendelssohn, der mittlerweile ein europaweit bekannter Pianist und Komponist war, die Schweiz, von Italien kommend, allein und zu Fuss in entgegengesetzter Richtung über Vevey, Grindelwald, Luzern nach St. Gallen. Die Mendelssohns waren leidenschaftliche Briefeschreiber. Von der ersten Reise berichtet Fanny laufend ihrer vier Jahre älteren Cousine Marianne und neun Jahre später schreibt Felix an die daheimgebliebene Schwester Fanny, eine ebenfalls sehr talentierte Pianistin und Komponistin.
MUSIK
Lara Stanić (*1973)
«funny mendelssohn trip»
für zwei Mobiltelefone und Klavier (2022, UA)
Fanny Mendelssohn (1805–1847)
Allegretto (1846) Ꚛ
Fanny Mendelssohn
Allegretto grazioso (1844) Ꚛ
Fanny Mendelssohn
«Lied» – 3. Satz aus dem Klaviertrio d-Moll op. 11 (1847)
Fanny Mendelssohn
Walzer (1823) Ꚛ
Felix Mendelssohn (1809–1847)
Klaviertrio d-Moll op. 49 (1839)
- Molto allegro ed agitato
- Andante con moto tranquillo
- Scherzo: Leggiero e vivace
- Finale: Allegro assai appassionato
Cristina Janett (*1986)
«Tschlin» per Fanny C. e Felix J. (2022, UA)
TEXTE
Fanny Mendelssohn (1805–1847)
Briefe (1822) an ihre Cousine
Marianne Mendelssohn (1799–1880)
MIT
Flurina Sarott – Violine
Cristina Janett – Violoncello
Simone Keller – Klavier
Philip Bartels – Sprecher, Arrangements ( Ꚛ )
Biographien der Beteiligten:
Die Geigerin Flurina Sarott schloss 2013 mit Auszeichnung den Master of Arts in Music Performance an der Hochschule der Künste Bern bei Monika Urbaniak ab.
2015 schloss sie den Master of Arts in Music Pedagogy bei Nora Chastain an der Zürcher Hochschule der Künste ebenfalls mit Auszeichnung ab. In der Spielzeit 2015–2016 absolvierte Flurina Sarott das Orchester-Praktikum im Tonhalle Orchester Zürich und ist seitdem regelmässig als Zuzügerin angefragt. Als freischaffende Violinistin konzertiert sie unter anderen mit dem Salonorchester St. Moritz und der Camerata Pontresina. Sie spielt regelmässig Duo-Rezitale, ist seit 2015 festes Mitglied des Thurgauer Trio Arsis, seit 2016 Mitglied der CHAARTS (CHAMBER AARTISTS) und seit 2020 Mitglied der Kammerphilharmonie Graubünden.
Flurina Sarott ist Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe und wurde u.a. 2010 mit dem Förderpreis der Lukas-Emch Stiftung und 2012 mit dem Stipendium der Friedl Wald Stiftung ausgezeichnet.
Seit 2014 ist sie Violinlehrerin an der Musikschule in Weinfelden und seit 2015 Vikarin an der Musikschule Konservatorium Zürich.
Cristina Janett studierte an der Hochschule der Künste Bern in der Violoncelloklasse von Conradin Brotbek, wo sie im Sommer 2010 den Master in Musikpädagogik mit Auszeichnung erhielt. Anschliessend setzte sie ihre Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste mit Vertiefung für Neue Musik bei Martina Schucan und Barockcellounterricht bei Martin Zeller fort und schloss ihr Studium 2012 mit dem Master Performance ab. Sie besuchte Meisterkurse für Violoncello und Kammermusik bei Denis Severin, Barbara Doll und Susanne Frank (Carmina Quartett).
Cristina Janett war Mitglied des Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchesters und spielt heute in verschiedenen Kammermusik-Ensembles – unter anderem in der Formation für neue Schweizer Volksmusik «C’est si B.O.N.» und bei «Ils Fränzlis da Tschlin», mit denen sie 2019 den Schweizer Musikpreis entgegennehmen durfte. 2020 wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie mit dem Thurgauer Kulturpreis ausgezeichnet.
Die Pianistin Simone Keller (*1980) absolvierte ihre Ausbildung in der Konzertklasse von Hans-Jürg Strub und der Liedklasse von Daniel Fueter an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie pflegt als Solistin und Kammermusikerin ein sehr breites Repertoire in der klassischen und modernen Musik bis hin zu experimentellen und interdisziplinären Formaten, eigenen Konzepten und Vermittlungsprojekten und übt eine intensive Konzerttätigkeit in der Schweiz und in vielen anderen Ländern in Europa, den USA und Asien aus. Als Gast spielte Simone Keller regelmässig beim Musikkollegium Winterthur, der Südwestdeutschen Philharmonie und dem Collegium Novum Zürich und wurde unter anderem vom Ensemble Contrechamps Genf, dem Glassfarm Ensemble New York oder dem Hong Kong New Music Ensemble eingeladen, wo sie mit Dirigenten wie Peter Rundel, Jac van Steen, Jonathan Stockhammer, Pablo Heras-Casado, Peter Ruzicka, Peter Hirsch, Heinz Holliger oder Johannes Kalitzke arbeitete.
2016 wurde Simone Keller für mehrere Monate in die Cité Internationale des Arts nach Paris eingeladen und lebte 2018 ein halbes Jahr in einer Künstlerresidenz in Belgrad. 2017 durfte sie mit dem Center for Computer Research in Music and Acoustics an der Stanford University in Kalifornien zusammenarbeiten und erhielt 2019 erneut Einladungen von der Columbia University und der Manhattan School of Music in New York sowie der Brown University in Providence/Boston.
2019 erhielt Simone Keller zwei Preise der Internationalen Bodenseekonferenz und wurde im selben Jahr von Classical:NEXT für den internationalen Innovation Award nominiert. 2021 wurde sie mit dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis ausgezeichnet und 2022 durfte sie sowohl den Thurgauer Kulturpreis als auch den Schweizer Musikpreis entgegennehmen.
Philip Bartels wurde 1978 in Ostberlin geboren und lebt seit 2002 in der Schweiz, wo er an der Hochschule für Musik und Theater Zürich Regie, Komposition für Bühne und Film und Chorleitung studierte.
Seine Inszenierungen im Bereich des Musik- und Sprechtheaters wurden unter anderem an den Stadttheatern Biel/Solothurn und St. Gallen, dem Zürcher sogar Theater, der Basler Gare du Nord oder dem Südpol Luzern gezeigt. Neben seiner Tätigkeit als Regisseur komponiert und arrangiert Philip Bartels für verschiedenste Formationen und leitet zusammen mit der Pianistin Simone Keller das Künstler-Kollektiv ox&öl, das Projekte im experimentellen Musiktheaterbereich konzipiert und durchführt, bei denen Inklusion und Diversität selbstverständlicher Bestandteil der künstlerischen Praxis sind.
Als Mitglied des Kukuruz Quartett spielte Philip Bartels beispielsweise bei der documenta 14 und den Wiener Festwochen, stand in Ruedi Häusermanns Inszenierung «piano forte» im Zürcher Schauspielhaus auf der Bühne und ist auf der CD «piano interpretations» mit Musik von Julius Eastman zu hören, die bei Intakt Records erschienen ist und international mehrfach ausgezeichnet wurde.
Die Komponistin und Performance- und Medienkünstlerin Lara Stanić (*1973) aus Belgrad studierte Querflöte an der Musikhochschule Zürich und erlangte das Konzertdiplom an der Hochschule Musik und Theater in Bern/Biel. Anschliessend erwarb sie ein offenes Musikdiplom mit dem Schwerpunkt «Neues Musiktheater und Performance» sowie das Diplom «Musik und Medienkunst» an der Hochschule der Künste Bern. In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sich Lara Stanić mit elektronischen und digitalen Medien. Sie entwickelt eigene Performances, Klanginstallationen, Radiosendungen und Videoarbeiten. Die Verbindung von elektronischen und digitalen Medien mit dem Körper des Musikers sowie die Konzertsituation als solche sind häufige Themen in ihrer Arbeit. Ausserdem experimentiert sie mit Elektronik und versucht dabei, der Technik eine verspielte und poetische Wirkung abzugewinnen. In den vergangenen Jahren war sie unter anderem bei Festivals wie Sonoambiente Berlin, den Donaueschinger Musiktagen, «Der Schall» in Basel, dem Musikfestival in Bern oder dem Tonkünstlerfest in Zürich vertreten. An der Hochschule der Künste in Bern ist sie als Gastdozentin im Modul «Performing New Technologies» im Bereich der Forschung tätig. 2019 wurde sie von der Stadt Zürich mit dem Kompositions-Werkjahr ausgezeichnet.