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Mineralwasserkrug
Dieser Steinzeugkrug erzählt von einem heute fast selbstverständlichen Luxus, nämlich Wasser aus fremden Landen zu importieren und hier zu trinken.
Schon sehr lange wird kohlensäurehaltiges Mineralwasser getrunken, früher allerdings ausschliesslich aus medizinischen Gründen in einer Kur. Bereits die alten Römer nannten Stellen, an denen sprudelndes, "tanzendes Wasser" aus der Tiefe an die Oberfläche drang - Aqua Saltare. Aus diesem Saltare wurde im Verlauf der Zeit Saltrissa und dann Selters. Den Begriff Selters kennen wir heute noch.
In Niedersachsen (D) erkannte man im 16. Jahrhundert nach ärztlichen Untersuchungen den monetären Wert des Wassers. Seit damals wurde es in Millionen von Steinzeugkrügen abgefüllt und in die Welt versandt. Eine Brunnenverordnung regelte den Verkauf. Auch mussten alle Krüge ein Siegel mit der Herkunftsbezeichnung tragen. Damit hat sich der Begriff Selters zum Gattungsbegriff für Mineralwasser etabliert, obwohl heute die meisten Wasser weder aus Selters stammen noch kohlensäurehaltig aus dem Boden sprudeln. "Künstliches Mineralwasser" ist nicht mehr und nicht weniger als mit Kohlensäure unter hohem Druck gesättigtes reines Wasser. Dieses Verfahren wurde bereits 1817 von einem deutschen Apotheker entwickelt. Und so verfeinert man auch heute noch die meisten "Mineralwasser".
Die braunen Wasserkrüge stammen alle aus dem Westerwald, genauer aus dem Kannenbäckerland mit seinen reichen Tonvorkommen. Dort wurden diese länglichen, zylindrischen Krüge hergestellt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts trugen sie aber keine Stempel mehr, sondern nur noch Papier-Etiketten. Diese konnten leicht abgelöst und die Krüge wieder mit anderem gefüllt werden. Alle Steinzeugkrüge zeichnen sich durch Lichtundurchlässigkeit, eine besonders lange Kühlwirkung und Säurfestigkeit aus. Nach 1900 wurde Wasser jedoch nur noch in Glasflaschen abgefüllt. Und heute wird es vorwiegend in PET-Flaschen geliefert. Heutige Steinzeugkrüge enthalten alkoholische Erzeugnisse wie den Steinhäger und den berühmten Schötzer "Ur-Met".