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«Pakka»: Warum entsteht dieses Projekt gerade in dieser Region Kolumbiens?
Ueli: «Kardianuts» befindet sich in einer «vergessenen» Ecke von Kolumbien. Der Staat ist kaum präsent, die Armut und Arbeitslosigkeit hoch. Zudem gibt es eine indigene Bevölkerungsgruppe, die komplett vernachlässigt wurde. Im Zuge der politischen Unruhen in Venezuela hat sich die Lage zusätzlich verschärft. Es geht also darum neue Wege zu finden um in dieser strukturschwachen, von Armut geprägten Region wirtschaftliche Impulse zu geben. Wir sind überzeugt, dass «Kardianuts» mit einem Projekt dieser Art einen enorm hohen Impact erzielen kann.
«Pakka»: Warum ist gerade der Anbau von Cashews für diese Gegend interessant?
Ueli: Es gibt verschiedene Faktoren, die dafür sprechen in Kolumbien Cashews anzupflanzen. Erstens sind die natürlichen Begebenheiten für den Cashewanbau ziemlich gut. Die Böden sind sandig-lehmig und daher für andere Agrarprodukte unattraktiv. Der Cashewbaum jedoch ist sehr anspruchslos, ein Vorteil für diese Art von Boden. Zudem wurde die von uns verwendete Sorte speziell für diese Klimazone im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt. Wasser ist ebenfalls kein Problem, es regnet in dieser Gegend relativ viel. Gleichzeitig ist die Sonneneinstrahlung ideal. Vergessen sollte man auch nicht, dass die Cashewpflanze ursprünglich aus Südamerika stammt, also «native» ist. Auch deshalb gehen wir davon aus, dass der Anbau mit den richtigen Sorten und einer guten Pflege gute Erträge bringen wird. Dass bisher noch niemand in grössere Pflanzungen investiert hat, ist eigentlich nur mit der politischen Situation [siehe Infobox] zu erklären.
Zweitens erlaubt der relativ hohe Cashew-Preis eine gute Wertschöpfung vor Ort, vorausgesetzt man verfügt über das Investitionskapital, um in die nachgelagerte Verarbeitung zu investieren. Und drittens haben wir mit den USA einen sehr starken Markt vor der Haustür. Von den 175’000 Tonnen Cashewkernen, welche die Amerikaner im 2018 konsumiert haben, kommen rund 150’000 Tonnen aus Vietnam, Indien und Afrika. Diese im sehr viel näher gelegenen Kolumbien zu produzieren, macht einfach mehr Sinn.
Die Voraussetzungen für den Aufbau einer Cashew-Produktion sind also vielversprechend und somit auch die Chance, der Region über extensive Landwirtschaft wirtschaftliche Entwicklung zu bringen.
«Pakka»: Welches sind die grössten Herausforderungen für «Kardianuts»?
Ueli: Die Logistikkosten sind insgesamt sehr hoch in Kolumbien, ein Umstand der die wirtschaftliche Entwicklung generell hemmt. Daher planen wir die Produkte von «Kardianuts» per Schiffstransport über den Orinoco-Fluss durch Venezuela an die Atlantikküste zu befördern [siehe Infobox]. So können wir die Exportkosten tief halten. Solange sich die Lage in Venezuela aber nicht stabilisiert, ist ein Transport über den Orinoco-Fluss keine Option. Wir hoffen also, dass es in Venezuela in den nächsten 3-4 Jahren zu einem Systemwechsel kommt. Müssten wir über Land exportieren, hätte dies einen starken Einfluss auf die Marge.
Ein grosses Thema ist zudem der Bio-Dünger um die Böden aufzubessern. Wie wir diesen herstellen, bzw. beschaffen, ist noch nicht geklärt. Auch der Bau der Verarbeitungsfabrik wird eine grosse Herausforderung. Insbesondere deshalb, weil es keine stabile Stromversorgung gibt.
Eine grosse Herausforderung in solch ländlichen, abgelegen Gebieten ist schliesslich auch immer qualifiziertes Personal zu finden. Dank der Zusammenarbeit mit Juan Pablo, der neben seinem Engagement bei «Kardianuts» in der Holzproduktion tätig ist, konnten wir ein bestehendes Team von qualifizierten und motivierten Personen übernehmen. Das ist enorm wichtig und eine grosse Freude.