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Weihe und Amt in der katholischen Kirche
Wer über Weihe in der katholischen Kirche redet, muss unweigerlich auch über die Frage des Amtsverständnisses nachdenken, weil von da her wesentliche Elemente der praktischen Ausgestaltung der Weihe, wie aber auch der zu Grunde liegenden dogmatischen Sichtweise der Weihe zu verstehen sind. Bevor wir uns also mit dem Thema der dreistufigen Weihe selber befassen, seien hier einige wesentliche Punkte des katholischen Amtsverständnisses skizziert, danach soll etwas zur Priesterweihe und den damit verbundenen Aufträgen und Vollmachten gesagt werden und schliesslich kurz eine Überlegung zur priesterlichen Figur gezeichnet werden.
1. Einige grundlegende Bemerkungen zum Amts- und Weiheverständnis
Die katholische Sichtweise kennt das Amt in seiner dreistufigen Ausgestaltung, Diakonat, Presbyterat (Priesteramt) und Episkopat (Bischofsamt) als von Christus eingesetzt und seiner Kirche als solches anvertraut und in alle Epochen hinein je neu wieder übergeben.
Zuerst sei kurz ein Blick auf die biblische Grundlegung geworfen und zwar verkürzend auf das Neue Testament (NT). Im Neuen Testament werden immer wieder folgende Stellen als Referenzpunkte herbeigezogen:
- Das Amt der Zwölf als Apostel (Mk, 3,14) und deren Einsetzung begründen das Recht und die Vollmacht die Kirche zu leiten und in ihr die Ordnung zu wahren (vgl. Mt 18.18).
- Das apostolische Amt verleiht ebenfalls das Recht die Kirche zu repräsentieren (vgl. Mt 19,28).
- Zusammen mit dem Apostelamt werden ja im NT auch verschiedene andere Dienste genannt, die hier aber bereits inhaltlich unterschieden werden, da diese Dienste zwar durch einen Amtsträger geleistet werden können, aber nicht müssen.
- Die Ausgestaltung einer reichen Vielfalt von Ämtern und Diensten erfolgt bereits in der Urkirche (vgl. Apostelgeschichte und Paulusbriefe).
- Die Beauftragung und Einsetzung erfolgt nach 1 Kor 12, 6.28 durch Gott, nach Mt. 26,28, 1 Kor 12,5, Gal 1,1 und Eph 4,11 durch Christus und nach Apg 20,28 und 1 Kor 12,4 durch den Geist oder den in der Kirche wirksamen Geist (Apg 13,2 / 20,28).
- Die Kirche bestätigt die Wirkung des Geistes durch ihre Wahl (Apg 6,3).
- Durch Handauflegung und bittendes Gebet wird das Amt weitergegeben und so neue Amtsträger gewonnen. Dadurch werden Geist und Vollmacht vermittelt und die legitime Nachfolge verbürgt. Dies ist wichtig, weil letztlich alle legitime Sendung auf Gott zurückgeht (Lk 4,18; Jo 5,36; 1 Kor 3,23).
- Die Einheit des Amtes gründet in der Sendung des einen Christus von dem die verschiedenen Ämter der biblischen Tradition zugleich ausgesagt werden (Apostel Hebr 3,1; Prophet Jo 6,14; Lehrer Mt 23,8, Führer Mt 2,6, Hirt Jo 10,11, Diakon Mk 10,45 , Priester Hebr 3,1, Bischof 1 Petr 2,25).
- Einige dieser Ämter und Dienstbezeichnungen treten mit der Entwicklung des altkirchlichen Lebens zurück (Prophet), andere werden in die offizielle Ämterbezeichnung der Kirche eingehen (Diakon, Presbyter, Episkopus).
- Die genannten Einsichten werden unhinterfragt übernommen in der Übergangsphase - nach Beendigung der Offenbarung - in die junge Kirche, es sei an die Apostolischen Väter wie Ignatius von Antiochien und Clemens von Rom erinnert.
Zu dieser biblischen Grundlage gehört nun auch ein kurzer Blick auf das Amt im Verständnis der katholischen Tradition:
- Christentum und Christenheit leiten sich historisch und systematisch von der Person und dem Wirken Christi ab.
- Analog dazu leitet sich auch das kirchliche Amt vom Amt, der Sendung Christi her.
- In der Absicht der Weitergabe seines Auftrages gibt Christus seinen Aposteln seine Sendung an die Kirche weiter; sie "verwalten" von nun an als seine Gesandten seinen Auftrag und geben diesen ihrerseits wiederum durch die Weihe ihrer Nachfolger weiter. Dieses Prinzip, das als etwas zugleich zum einen "historisch Materielles" verstanden wird, in Bezug auf den Ritus der heiligen Weihe, die Handauflegung und das Gebet über konkrete Menschen (also aus Fleisch und Blut) wie aber auch zum andern als etwas mystisch Pneumatisches, wird sehr deutlich fassbar in der Abgrenzung des jungen Christentums gegenüber der Gnosis, am Schönsten etwa bei Irenäus von Lyon. Dieser Doppelcharakter von historisch Fassbarem und mystisch - Pneumatischem ist mit ein Grund, warum in der weiteren Ausformung der Sakramentengeschichte, die Weihe - also die Einsetzung in ein solches Amt, auch heute in der katholischen Kirche als Sakrament (Heiliges Zeichen) verstanden wird.
- Mit dem Tod von Jesus und seinen Aposteln erlöscht von daher das "Amt" Christi nicht, weil dieses durch die Sendung und die mystische Übertragung kontinuierlich weitergereicht wird. In der altkirchlichen Zeit gibt es vielerlei Zeugen dafür.
- Die Unterscheidung von geweihten Amtsträgern, die eben durch die mystische Übertragung im Sakrament der Weihe in spezieller Weise Anteil haben an der Sendung Christi, von jenen, die durch die Taufe eingegliedert werden in den Leib Christi scheint mir von daher zweifach begründet zu sein: Und zwar erstens im speziellen Auftrag an die Geweihten, die kraft ihres mystisch übertragenen Amtes eine geschenkte Gabe des Amtes erhalten haben und zweitens mit den im konkreten Leben verbundenen Aufgaben der Austeilung der Heiligen Geheimnisse in den Sakramenten.
- Diese letzte Feststellung gehört zu den typisch katholischen Traditionselementen (wie sie übrigens auch in den Orthodoxen Kirchen gelebt werden), die in der ökumenischen Diskussion mit den von der Reformation geprägten Kirchen immer wieder zu reden geben und für Missverständnisse sorgen.
- Die weitere Auffächerung des einen Amtes in das Amt der Leitung (munus gubernandi), das Amt des Lehrens (munus docendi) und des Amtes der Heiligung (munus sanctificandi), in das Amt des Priesters, des Königs und des Propheten, ist ebenso tief in der katholischen Tradition verwurzelt - aber nicht strukturell entfaltet - genauso wie die Einsicht, dass auf grund des genannten Amts-ursprunges nicht jeder und jede Gläubige die gleichen Kompetenzen in der Verwaltung des Wortes Gottes und der Sakramente besitzen (vgl. Marsilius v. Padua, 1. Laterankonzil, Tridentinum).
2. Einige wesentliche Elemente der Weihepraxis in der katholischen Kirche
Aufgrund der bereits gemachten Aussagen zum Amtsverständnis sind gewisse Aussagen zur "Weihe" nun besser verständlich.
Die Weihe, die auch nach dem lateinischen Wort "Ordo" genannt (in der reformierten Kirche "Ordination") wird, orientiert sich am einen Priesteramt Christi, das sich, wie wir schon sahen, in der katholischen Kirche (wie auch bei den Orthodoxen) dreistufig konkretisiert: im Diakonenamt, im Priesteramt und im Bischofsamt.
Wer in diesem Zusammenhang auf Deutsch im katholischen Bereich von "Weihe" (also Übertragung des Amtes) spricht, meint etwa die Priesterweihe oder die "ordinatio" der beiden anderen Weihestufen "Diakonen- oder Bischofs-weihe (als Gesamtes "Ordo" genannt). Aus diesem Grund wird die Amtstübertragung in den reformatorischen Kirchen zu recht "Ordination" genannt. Demgegenüber nennt man die Lebensweihe, also die Hingabe des Lebens an Christus in einem Orden oder durch ein Gelübde "consacratio", die geweihte Heiligung des Lebens (Konsekration) durch das persönliche Engagement, das durch die Kirche bestätigt wird. Wird ein Haus durch Segnung eingeweiht, dann handelt es sich um eine "benedictio" oder eine Einsegnung.
Eine weitere Präzisierung ist sofort zu machen: gegenüber dem eigentlichen geweihten Amt, gibt es natürlich die vielfachen Dienste, die oft Vorstufen zum Amt sein können, dies aber absolut nicht zwingend sein müssen: Etwa der Dienst als Katechet(in), Lektor(in), Pastoralassistent(in), Gemeindeleiter(in) (oder -beauftragte(r) ), diese sind also Dienste aber eindeutig nicht geweihte oder ordinierte Ämter.
Neben den Diensten gibt es im katholischen Raum auch die Orden, deren geweihtes Leben (consacratio) aber einem persönlichen Charisma entspringt, das im Rahmen der anerkannten Orden auch von der Kirche offiziell als solches geschätzt wird (z.B. Jesuiten, Benediktiner(innen), Franziskaner(innen) ...). Die Kirche anerkennt darin das Wirken der Gnade in der persönlichen Berufung eines Menschen etwa zum Charisma der Armut (z.B. bei den Franziskanern).
Kehren wir zurück zur Weihe:
Die drei Stufen des geweihten Amtes kennen auch eine je eigene Weihe, mit ihrem eigenen Ritus, entsprechend den damit verbundenen Beauftragungen. Es sei daran erinnert, dass alle drei Stufen, dem einen als Sakrament verstandenen Priesteramt Jesu angehören.
a.) Die Diakonenweihe: Sie ist die erste Stufe der Weihe und verleiht entsprechend dem Namen "Diakonia" (Dienst), der ja auch in der reformierten Kirche bekannt ist, dem Geweihten Anteil am Amt Christi in Form des "Dienens", im besonderen Auftrag an der Nächstenliebe. Die katholische Kirche kennt seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) zwei Formen des Diakonats: Den sogenannten Durchgangsdiakonat für jene, die nach der Diakonenweihe zu Priestern geweiht werden und den ständigen Diakonat, bei dem jemand verheiratet sein kann, und ein Leben lang Diakon bleibt. Es gibt ständige Diakone, die neben ihrem Amt auch einen anderen Beruf ausüben oder Diakone, die in den Pfarreien hauptamtlich tätig sind. Der Diakon ist neben seinem besonderen Augenmerk auf die karitative Tätigkeit im Sinne der Nächstenliebe besonders zum Dienst am Wort befähigt, er verkündet das Evangelium in der Messe und hält auch die Predigt, wenn kein Priester da ist. Er spendet auch die Taufe, er verheiratet Ehepaare und kann alle übrigen kirchlichen Dienste ausführen, die nicht an einen Weiheauftrag gebunden sind. Bereits diese erste Weihestufe ist wie auch in allen orthodoxen Kirchen den Männern vorbehalten.
b.) Die Priesterweihe: Die zweite Weihestufe fügt der Diakonenweihe die Befähigung und den Auftrag hinzu, in der Seelsorge für die erweiterte Austeilung der Sakramente zuständig zu sein: Der Priester feiert die Eucharistie (Hl. Messe), er spendet die Krankensalbung, er spendet das Sakrament der Busse und Versöhnung (Beichte), er tauft, verheiratet und in spezieller Beauftragung des Bischofs, kann er auch firmen (allerdings mit dem vom Bischof dafür geweihten Öl). Allein das Sakrament des "Ordo", der Weihe, ist dem Bischof vorbehalten, wie auch die Weihe der Hl. Öle (für Krankensalbung, Taufe, Weihe und Firmung). Geschichtlich hat sich nämlich das Amt des Priesters in der altkirchlichen Zeit als "Amt der rechten Hand des Bischofs" entwickelt, insofern als Priester dorthin geschickt wurden, wohin der Bischof nicht selber gehen konnte. In der katholischen Kirche ist das Priestertum mit dem Zölibat verbunden, der ja in der Öffentlichkeit unserer Breiten immer wieder als Grund für den Mangel an Priestern angesehen wird und als unverständliches Relikt aus der Vergangenheit belächelt wird. Dass mit dem Zölibat aber auch wesentliche Elemente der persönlichen Freiheit, der Verfügbarkeit und der charismatischen Begabung im Sinne der evangelischen Räte verbunden sind, vergisst man zumeist. Dass die Kirche damit auch Zeittrends widerstehen kann und wenn sie dies gut lebt auch selber zum Zeichen der genannten inneren Freiheit werden kann, wird ebenso vergessen über den billigen Skandalgeschichten fehlbarer Priester. Dies sei hier explizit betont, um einmal für alle jene Priester zu sprechen, die den Zölibat freiwillig und aus grossherzigem Entschluss gewählt haben und die damit verbundene Freiheit und Verfügbarkeit als ein grosses Geschenk betrachten. Der Priester ist auch heute, trotz aller Kritik in der Öffentlichkeit und auch seitens einiger Mitarbeiter(-innen) in der eigenen Kirche konstitutiv nicht aus der katholischen Kirche wegzudenken.
c.) Die Bischofsweihe: Diese dritte Weihestufe ist ebenfalls nicht eine "andere" Weihe als jene des Priesters und des Diakons, sie umfasst aber die Fülle des Weihesakramentes, insofern als sie dem Empfänger die Fülle der mit dem Weihesakrament verbundenen Gnadengaben gibt, nämlich auch jene der Befähigung und des Auftrages zur Ordination. Der Bischof spendet also alle Sakramente. Hier denkt die katholische Kirche, wie übrigens auch die orthodoxe, sehr direkt und traditionsverbunden mit den Schriften des NT, dass das Gebet und die Handauflegung der noch von Christus selbst beauftragten Apostel an ihre Nachfolger und dieser wiederum an ihre Nachfolger diesen Auftrag und die Sendung Christi im Amt des Geweihten (Ordinierten) sozusagen "materiell" weitergibt, also in der Übertragung des Geistes auf alle weiteren Geweihten. Diese kontinuierliche Weitergabe des Amtes wird "apostolische Sukzession" genannt. Der Bischof hat dazu die Bevollmächtigung und den Auftrag der Kirche. Hinzuzufügen ist, dass der Bischof kraft seines Amtes auch alle Grundaufträge des Amtes in sich vereinigt: Den Auftrag das Volk Gottes zu heiligen, den Auftrag zu lehren und den Auftrag zu leiten. Von daher werden sehr hohe Anforderungen an unsere Bischöfe gestellt, die ohne das Wirken der Gnade Gottes hoffnungslos überfordert wären.
Noch eine wichtige Bemerkung zum Abschluss dieses Themas:
Es geht dabei um die Rolle des Volkes Gottes und der Gemeinschaft der Gläubigen: Sie werden gemerkt haben, dass darüber bis jetzt nicht gehandelt wurde. Selbstverständlich gehört zur kirchenrechtlichen Gültigkeit und dem segensreichen Wirken des Ordinierten auch ein Konsens des Volkes und der Ausbildungsleiter: So werden sowohl vor der Diakonenweihe wie auch vor der Priesterweihe, die Verantwortlichen in der Weiheliturgie ausdrücklich gefragt, ob die Ausbildner, das Volk Gottes, das jemanden während der Praktika kennen lernen kann, den Kandidaten für geeignet halten. Im Notfall kann also noch hier die Notbremse gezogen werden, wenn jemand als ungeeignet erscheint, aus welchen Gründen auch immer. Andererseits wird vor der Weihe eines Bischofs doch ein sorgfältiges Dossier hergestellt, das zu beurteilen hilft, ob ein Kandidat geeignet ist oder nicht. Dabei werden explizit auch Laien miteinbezogen. Dazu betonen auch bei der Bischofsweihe die anwesenden mehreren Bischöfe, dass die Weihe in Einheit und im Einverständnis mit der ganzen Kirche, der Hierarchie und des Volkes Gottes, geschieht.
3. Die priesterliche Gestalt und Existenz
Wer an Seelsorge in der katholischen Kirche denkt, wird unweigerlich auf die Figur des Priesters stossen. Sei es in der berühmten Figur des Don Camillo oder aus eigener Bekanntschaft, sei es in Form heiliger Vorbilder wie etwa des hl. Pfarrers von Ars oder in Form tragischer Existenzen, die ihre Berufung im Alkohol oder skandalträchtigen medienwirksamen Exzessen verraten haben. Bereits an dieser Aufzählung merken Sie, dass der Priester das Spiegelbild des Reichtums der Lebensformen und -haltungen des Volkes Gottes ist. Die grundsätzliche Spannung des priesterlichen Lebens besteht im Zusammenkommen von innerweltlichen, welthaften Lebensumständen, die sein Leben wesentlich mitprägen aber auch grundlegend jener jenseits davon liegenden Sinnmitte seiner Lebenspraxis, wie er sie in der Feier der Sakramente, namentlich in der Feier der täglichen Eucharistie erlebt. Es ist die Spannung zugleich hineingenommen zu sein in eine intime Freundschaft mit dem verherrlichten Christus, die sakramental in seiner Weihe besiegelt ist, die ihn täglich auch die Vorläufigkeit unserer irdischen Existenz erfahren lässt und zugleich eingebettet zu sein in die gleichen Erfahrungen seiner Mitmenschen, ihnen in Liebe und Zuneigung verbunden zu sein, auch wenn sie seine Erfahrungen nicht teilen.
Für den Schreiber persönlich ist dies ein grosses Spannungsprinzip, das aber dem Leben auch jene Spannkraft erhält, um mit Jung und Alt entsprechend zu kommunizieren.
An Spannungen fehlt es sodann nicht im Ringen um die Loyalität und Kirchlichkeit mancher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnnen. Dabei stehe aber für alle immer das alte Motto im Zentrum "in sachlichen Fragen Klarheit und in menschlichen Fragen Güte". Wie dem Leser oder der Leserin bekannt sein wird, ringen im Schweizer Katholizismus verschiedene Kirchenbilder mit einander. Doch haben die Priester dabei auch die Aufgabe gemäss ihrer Hirtenaufgabe, ähnlich wie die Bischöfe, nach Einigkeit und Wahrung der Einheit des Geistes zu trachten und dahin zu wirken.
Wenn zum Schluss noch etwas über die priesterliche Identität gesagt sein soll, durchaus so wie sie der Autor im gemeinsamen Leben mit allen Christgläubigen verbunden sieht und wie sie in das katholische Leben eingebettet ist, dann werden Sie vielleicht über die nächste und letzte Bemerkung erstaunt sein: Die Berufung von uns Christen (-innen) allen ist nicht eigentlich das "Amt" sondern die "Heiligkeit".
Was ist damit gemeint? Es ist sicher sinnvoll, das allgemeine Priestertum aller als Berufung aller zur Heiligkeit, also zu Ursprünglichkeit des Planes Gottes mit uns zu verstehen und damit die Gegenüberstellung von Priestern und Laien zu entschärfen, denn wir Priester wie auch alle Christgläubigen sind eigentlich dazu berufen. Darin gibt es keinen Unterschied nach Stand, Alter, Geschlecht oder Herkunft. Das bedeutet klar auch: Nicht das Priestertum ist in der Kirche zum Beispiel eine im Sinne der Gleichberechtigung zu erstrebende Sache, sondern die Heiligung jedes und jeder Einzelnen in jedem Stand und jeder christlichen Konfession.
Damit bleibt zwar die Wertschätzung des Weiheamtes bestehen, aber die einseitige Fixierung mancher Diskussionen darauf als einzig erstrebenswertem Ziel wird etwas realistischer in die Berufung aller zur einen von Christus ausströmenden Heiligkeit gehoben.
Pfr. Dr. Agnell Rickenmann