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Weltpostverein.
Die Bestimmungen für den internationalen Postverkehr waren ehemals durch zahlreiche Einzelverträge zwischen den verschiedenen Ländern geregelt, welche ein buntes Gemisch der mannigfaltigsten Tarif- und Verkehrspolitik darstellten. Nachdem durch Rowland Hills Postreform die belebende Wirkung einer billigen Einheitsbrieftaxe auf den Gesamtverkehr an einem Beispiel dargethan war, machte sich in den Postverträgen der neuern Zeit ein freierer Geist geltend, welcher den Postverkehr von territorialen Sonderbestrebungen zu befreien suchte.
Den unermüdlichen Bestrebungen der deutschen Postverwaltung und ihres Leiters, des Staatssekretärs Stephan, gelang endlich 1874 die Verwirklichung des Gedankens, die Gesamtheit der Kulturvölker zu einer vertragsmäßigen Regelung des Postverkehrs auf Grundlage einer allgemeinen völkerrechtlichen Einigung zu verbinden. Auf Betreiben Deutschlands [* 2] trat 1874 ein internationaler Postkongreß in Bern [* 3] zusammen, dessen Ergebnis der allgemeine Postvereinsvertrag vom war.
Durch diesen Vertrag ist für das Postwesen ein völkerrechtlicher Verband [* 4] geschaffen worden, wie er auf keinem andern Zweig des internationalen Völkerlebens besteht; derselbe behandelt das Gesamtgebiet der vertragschließenden Staaten als ein einziges Postgebiet, innerhalb dessen nicht nur vollste Freiheit des internationalen Verkehrs gewährleistet, sondern auch die gleichmäßige Behandlung aller Sendungen der Hauptsache nach sichergestellt wurde.
Das Werk des
Berner
Vertrags ist seitdem durch weitere internationale Postverträge weiter ausgebaut und befestigt worden.
Durch eine
Konferenz 1876 wurden
Bedingungen für den
Beitritt aller überseeischen
Länder festgestellt.
Ein
Kongreß zu
Paris
[* 5] 1878 beseitigte die noch vorhandenen Ungleichheiten der Portotaxen im
Verkehr der kontinentalen
Länder
unter sich einerseits und mit den überseeischen
Ländern anderseits und schuf den allgemeinen Postverein zu einem »
Weltpostverein« um;
ferner zog derselbe
¶
mehr
den Austausch der Wertbriefe und Postanweisungen mit in den Bereich der internationalen Einigung. Nachdem eine neue Konferenz
zu Paris 1880 auf Antrag Deutschlands endlich auch kleinere Pakete bis zum Gewicht von 3 kg im internationalen Postverkehr zuließ,
wurde durch die Lissaboner Konferenz 1885 der internationale Paketpostdienst weiter verbreitet und verallgemeinert;
auch wurde durch dieselbe Konferenz der Postauftragsdienst im internationalen Verkehr eingeführt. Die weitere Fortbildung
der Einrichtungen des
Weltpostvereins ist internationalen Kongressen vorbehalten, welche von 5 zu 5 Jahren stattfinden sollen.
Weiteres s. Post und Postkongreß.