Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03117.jsonl.gz/956

Die einstmals sehr häufigen Fledermäuse wurden durch den Einsatz von Pestiziden stark dezimiert. Vor rund 20 Jahren startete aus diesem Grund ein Nationales Schutz- und Monitoringprogramm der Grossen und Kleinen Hufeisennase. Der Bestand der Tiere erholt sich langsam, doch müssen sie weiterhin geschützt werden.
Text von Manuela Manni Joss, Stiftung Fledermausschutz
Von unseren einheimischen Fledermausarten sind die Grosse und Kleine Hufeisennase wahrscheinlich diejenigen mit dem auffälligsten Erscheinungsbild: Die charakteristischen, hufeisenförmigen Hautbildungen im Bereich der Nase dienen dazu, die durch die Nase ausgestossenen Ortungsrufe zu bündeln, ähnlich wie ein Megafon. Beide Arten gehören zu den gebäudebewohnenden Fledermausarten und fühlen sich im Sommerhalbjahr in warmen, ungestörten Dachstöcken wohl. Dort ziehen die Weibchen jeden Sommer ihre Jungtiere auf.
Die Kleine Hufeisennase, welche zu den kleinsten einheimischen Fledermausarten gehört, ist in der Schweiz stark gefährdet (EN). Die einstmals sehr häufige und weit verbreitete Art wurde durch den Einsatz von Pestiziden stark dezimiert. Heute steht sie v.a. durch einen Mangel an Quartieren, Renovationen und Lichtverschmutzung unter Druck. Es gibt in der Schweiz noch rund 80 Wochenstubenkolonien mit einem Gesamtbestand von rund 5’300 Tieren. Der Grossteil davon lebt am Alpenrand in drei grösseren, teilweise voneinander isolierten Populationen in den Kantonen Bern, Obwalden und Graubünden. Im Mittelland und im Tessin ist die Art vollständig verschwunden.
Neben der Kleinen Hufeisennase kommt in der Schweiz auch die sehr seltene Grosse Hufeisennase vor (vom Aussterben bedroht CR). Sie war bei uns vor über 100 Jahren noch weit verbreitet, doch ihre Bestände wurden ebenfalls durch Renovationen, Quartiermangel und der Beeinträchtigung ihrer Lebensräume und dem Einsatz von Pestiziden sehr stark dezimiert. Heute beträgt der Bestand in der Schweiz nur noch weniger als 250 Tiere. Die Grosse Hufeisennase zählt somit zu den seltensten einheimischen Säugetierarten.
Um diese beiden Fledermausarten und insbesondere auch ihre Wochenstubenquartiere zu schützen, wurde vor rund 20 Jahren ein Nationales Schutz- und Monitoringprogramm der Grossen und Kleinen Hufeisennase entwickelt. Dabei werden die Kolonien jährlich kontrolliert und die maximale Anzahl adulter Tiere erfasst.
In der östlichen Landeshälfte (19 Kantone) deuten die aktuellen Zähldaten bei beiden Arten auf eine positive Gesamtentwicklung hin. In den rund 50 Wochenstubenkolonien der Kleinen Hufeisennase konnten 2020 insgesamt über 3’100 erwachsene Tiere gezählt werden, über 500 Individuen mehr als noch im vorhergehenden Jahr. In den letzten 10 Jahren hat sich der Bestand trotz teilweise grosser Schwankungen positiv entwickelt, was auf eine langsame Erholung der Restpopulationen hindeutet.
Mit einem Zählergebnis von knapp 200 Tieren weist die Populationsentwicklung der Grossen Hufeisennasen in der östlichen Landeshälfte einen erfreulichen positiven Trend auf. In den zwei Wochenstuben wurden insgesamt knapp 200 Tiere festgestellt. Im Kanton Graubünden befindet sich mit knapp 190 Grossen Hufeisennasen die grösste Kolonie der Schweiz. Die zweite Wochenstuben in der östlichen Landehälfte befindet sich im Kanton Aargau und zählt lediglich rund 10 Individuen.
Um sicher zu stellen, dass sich die Bestände der Grossen und Kleinen Hufeisennasen weiterhin positiv entwickeln, müssen die verbleibenden Wochenstubenkolonien erhalten und die Jagdlebensräume sowie die Flugkorridore (nachtdunkle Strukturkorridore vom Quartier in den Jagdlebensraum) geschützt werden. Aus diesen Gründen soll das Schutz- und Monitoringprogramm für diese beiden seltenen Fledermausarten auf jeden Fall auch in Zukunft fortgesetzt.