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JA!rgon Nr. 1/2016
Als das Zieglerspital Ende August seine letzten Patient_innen entliess um den Standort als Spital aufzugeben, eröffnete sich eine Möglichkeit für es neues Asylzentrum in der Stadt Bern. Schon lange vor der Schliessung bestand die Idee aus dem Spital ein Asylzentrum zu machen, im Dezember sind dann die ersten Asylsuchenden in das Durchgangszentrum im Zieglerspital eingezogen. Von Lisa Kast
Es ist eng, es gibt strickte Ausgangszeiten, keine Möglichkeit sich sinnvoll zu beschäftigen, eine schlechte Infrastruktur und man lebt die ganze Zeit in der Ungewissheit darüber ob man wieder in seine Heimat zurückkehren muss, aus der man geflüchtet ist.
Diese Mischung aus Ungewissheit, Unterbeschäftigung und Unfreiheit kann einen Menschen mit der Zeit kaputt machen. In der Zivilschutzanlage beim Hochfeld wurde ein Asylzentrum betrieben, in welchem genau diese unmenschlichen Zustände herrschten.
210 Asylgesuche erhält der Kanton Bern jeden Monat. Aus Platzmangel werden oft nur die unterirdischen Zivilschutzkeller für Asylsuchende zur Verfügung gestellt.
In Bern eröffnet sich mit der Schliessung des Zieglerspitals die Möglichkeit, ein oberirdisches Asylzentrum einzurichten. Im Moment wird im Zieglerpital ein temporäres, von der Heilsarmee betreutes Durchgangszentrum geführt. Ab dem Sommer 2016 soll ein Bundeszentrum im Zieglerspital eingerichtet werden. Bis im Jahr 2023 werden auf dem Areal voraussichtlich neue Wohnungen gebaut werden.
Durchgangszentren werden vom Kanton organisiert. Die Bedingungen in den Durchgangszentren sind oft besser als in den Bundesasylzentren, welche vom Bund organisiert werden. Die Bundesasylzentren sind grösser. Die Betreuung ist streng, reglementiert und unpersönlich. Es wird keine Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse der Asylsuchenden genommen. In den Bundeszentren gibt es eine strenge Hausordnung, die Regeln beinhaltet, welche nicht immer nachvollziehbar sind. So dürfen sich die Bewohner_innen unter der Woche nur zwischen 9.00 und 17.00 ausserhalb des Areals aufhalten. Und es gibt ein Verbot für Handys und Fotoapparate.
Aus Protest gegen den unmenschlichen Umgang mit Asylsuchenden in den Bundesasylzentren, besetzte eine Gruppe von linken Aktivist_innen im Dezember das Zieglerspital. Man begrüsst, dass die unmenschlichen unterirdischen Anlagen geschlossen werden, jedoch wird die Idee eines Bundesasylzentrums abgelehnt. Die Besetzer_innen forderten, dass die zukünftigen Bewohner_innen selbstständiger und selbstbestimmter Leben können.
Mit der Möglichkeit im Zieglerspital ein Asylzentrum zu eröffnen, bietet sich eine gute Möglichkeit die Lebensqualität von Flüchtlingen in Bern etwas zu verbessern. Es ist dabei aber wichtig, dass die Bewohner_innen selbstständig handeln können und die Möglichkeit haben einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen, wie etwa Deutsch zu lernen oder zu arbeiten. Damit dieser Ort menschenfreundlich wird, muss auch auf individuelle Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen, Familien, Männer und Frauen eingegangen werden. All diese Dinge und noch viel mehr sind wichtig, um den Leuten einen guten Start für die Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Asylsuchende müssen auch die Möglichkeit haben sich zu organisieren, um möglichst nicht abhängig gemacht zu werden, sondern selbstständig handeln zu können.
Eine Motion der Fraktion GB/JA!, die im Januar eingereicht wurde, beinhaltet wichtige Punkte zur Verbesserung der Umstände in Asylzentren in der Stadt Bern. Ein alljährliches Monitoring aller Asylzentren der Stadt Bern soll sicherstellen, dass folgende Punkte auch eingehalten werden:
• Die Bewohner_innen der Asylheime sollen genügend Privatsphäre und die Möglichkeit haben selbst zu kochen.
• Es darf nur noch oberirdische Unterkünfte geben.
• Die Einrichtung der Unterkünfte soll kindergerecht und geschlechtergerecht gestaltet sein.
• Qualifizierte Mitarbeiter_innen, welche sensibilisiert und geschult werden, genügend Beschäftigungs- und Bildungsangebote, eine gute medizinische Versorgung sollen gewährleistet sein.
• Eine Beschwerdestelle soll geschaffen werden, an die sich die Asylsuchenden wenden können, wenn es Probleme mit Asylverfahren, Betreuung oder Unterbringung geben sollte. Die Stelle muss die Informationen vertraulich behandeln, prüfen und für eine Verbesserung sorgen.
• Zivilgesellschaftliche AkteurInnen sollen Zutritt zu den Unterkünften erhalten.
• Die Mängel welche durch das jährliche Monitoring entdeckt worden sind, sollen von den entsprechenden kantonalen und nationalen Stellen verbessert werden.
Mit dem zweiten Punkt der obigen Aufzählung ist klar, dass die Asylunterkunft im Hochfeld geschlossen werden muss.
Es wird höchste Zeit, dass die Situation in Asylunterkünften, den oben genannten Punkten entsprechend verbessert wird. Und dass im Zieglerspital auf diese Punkte Rücksicht genommen werden wird.