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Das "Bloch"
Am Blochtag wird ein Baumstamm, Bloch genannt, in einem Umzug durch die Gegend gezogen. Solche Umzüge gab es früher in verschiedenen Regionen Europas. In der Schweiz wird der Brauch heute nur noch im Appenzeller Hinterland ausgeübt. Erste Quellen von in dieser Gegend durchgeführten Blochumzügen finden sich im 19. Jahrhundert.
Kernpunkt des Blochs scheint aus heutiger Sicht die vom Waldbesitzer aus Dankbarkeit seinen Arbeitern geschenkte Tanne zu sein. Doch dürfte der Umzug mit Feuer, Lärm, Gesang, Sprüchen und diversen Figuren, wie die Geld fordernden «Bajassen», seinen Ursprung in den Fasnachtsbräuchen der alemannischen Alpenkultur haben. Darauf wies bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts die noch überwiegend fasnächtliche Kostümierung. Die heutige Kleidung spiegelt verschiedene Berufsgattungen des Waldes und des sennischen Brauchtums.
Das Urnäscher Bloch früher: eine erste schriftliche Quelle von 1810 berichtet über Blochumzüge im Appenzeller Hinterland. Im späteren 19. Jahrhundert sind solche Umzüge für Urnäsch und Herisau belegt. Erste bildliche Darstellungen zeigen das Urnäscher Bloch von 1889. Damals fand der Brauch unregelmässig am Blochmontag, am Montag nach Aschermittwoch, statt. Gezogen wurde das Bloch vom Rossfall über die Furt zur Zürchersmühle und für die Versteigerung zurück zum Dorfplatz.
Seit wann das Bloch im Zweijahresrhythmus abgehalten wird und wann es auf den Fasnachtsmontag verlegt wurde, ist nicht feststellbar. Letzteres dürfte zwischen 1897 und 1914 gewesen sein.
Während den beiden Weltkriegen fanden keine Umzüge statt. Als die Herisauer nach dem Ersten Weltkrieg ihren Umzug nicht mehr durchführten, zogen die Urnäscher nach Herisau, um ihren Stamm dort unter den Hammer zu bringen.
Das Urnäscher Bloch heute: die Urnäscher Blochgesellschaft organisiert den Umzug im Zweijahresrhythmus am Fasnachtsmontag. Traditionell wird ein fünf oder sechs Meter langer Tannenstamm, das Bloch, auf einem sorgfältig geschmückten Wagen von Urnäsch nach Hundwil, Stein und über Waldstatt zurück nach Urnäsch gezogen.
Kässelibuben im Clownkostüm mit Sammelbüchsen laufen dem Umzug voraus. An dessen Spitze reiten Herolde in historischen Kostümen. Das Bloch wird von paarweise gehenden Männern gezogen. Ihre Kleidung stellt mit Wald und Holz zusammenhängende Berufe wie Holzer, Zimmerleute, aber auch Landwirte dar. Ein Wilderer führt an der Kette einen, mit den Zuschauern Schabernack treibenden, Bären.
Vorne auf dem Bloch steht ein Fuhrmann mit langer Peitsche. In der Mitte sitzen Stegreifmelodien spielende Musikanten. Hinter einem am Stammende befestigten Ofen hockt rittlings ein Schmied. Mit dem Hammer klopft er auf einen Amboss und lässt den Ofen qualmen. Von Zeit zu Zeit wirft er einen krachenden Schwärmer in die Luft.
Neben dem Wagen marschiert der, für das Bremsen und die Sicherheit verantwortliche, Wagenführer. Am Schluss des Umzuges reitet der Förster mit umgehängter Kluppe, ein Messinstrument für Rundholz.
Am frühen Nachmittag fährt ein Empfangskomitee mit Ross und Wagen dem Blochzug entgegen und begleitet ihn zum Dorfplatz. Dort wird das Bloch versteigert. Anschliessend trifft man sich zu einem fröhlichen fasnächtlichen Abend in den Gaststätten von Urnäsch.
Urnäscher Goofe Bloch: im Jahre 2022 wurde das Urnäscher Goofe Bloch gegründet. Dieses findet jährlich am Samstag vor dem Fasnachtsmontag statt. Rund 70 Mädchen und Knaben nehmen daran teil. Anders als bei den anderen Blochumzügen dürfen beim Goofe Bloch auch Mädchen mitmachen.
Weitere Blochumzüge im Appenzeller Hinterland: neben Urnäsch wird das Bloch im Appenzeller Hinterland aktuell an vier weiteren Orten durchgeführt und findet, anders als in Urnäsch, am Blochmontag, d.h. einen Tag nach Funkensonntag, am Montag nach Aschermittwoch, statt.
Schriftlich belegt sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Bubenbloch von Hundwil und das von Stein. Eine Wiederbelebung der Blochumzüge erfahren 1961 das Bubenbloch in Schwellbrunn und 2012 das Erwachsenenbloch in Herisau.