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Woher stammt der Begriff «Dolmetschen»?
Der Begriff «Dolmetschen» wurde aus dem Türkischen «dilmaç» hergeleitet und bezeichnet «Vermittler zwischen zwei Parteien, die unterschiedliche Sprachen sprechen». Der Begriff wurde aus dem Slawischen «tolmáč» ins Deutsche übernommen und hat heute folgende Bedeutung: «Einen gesprochenen Text für jemanden mündlich übersetzen» (Duden 2023).
In der englischen Sprache wird «Dolmetschen» mit dem Wort «interpreting» übersetzt. Dieser Begriff stammt nicht aus dem Türkischen sondern aus dem polysemantischen lateinischen Wort «interpretari», das sowohl «den Mittler machen», also «dolmetschen» als auch «etwas deuten, auslegen», also «interpretieren» bedeutet.
Auf dem ersten Blick stellt sich doch die Frage, ob Dolmetscher:innen während ihrer Tätigkeit nun interpretieren statt «nur» zu dolmetschen. Was genau bedeutet es zu dolmetschen und was ist die tatsächliche Rolle einer dolmetschenden Person?
Die akademische Definition des Begriffs «Dolmetschen»
Das Dolmetschen unterscheidet sich in vielerlei Hinsichten vom Übersetzen. Die unterschiedlichen Hauptkriterien umfassen nicht, ob der Text mündlich oder schriftlich transformiert wird (wie die meisten denken) sondern ob der Ausgangstext wiederholbar und der Zieltext korrigierbar ist.
Die moderneste Definition des Dolmetschens stammt von Otto Kade, deutscher Philolog und Linguist des 20. Jahrhunderts und der erste Verfechter des Oberbegriffs «Translation». Er definierte das Dolmetschen als «die Translation eines einmalig (in der Regel mündlich) dargebotenen Textes der Ausgangssprache in einen nur bedingt kontrollierbaren und infolge Zeitmangels kaum korrigierbaren Text der Zielsprache».
Diese Definition verdeutlicht, dass Dolmetschen ein komplexer Prozess ist: Dolmetscher:innen müssen eine exakte und volle Sinneswiedergabe des Ausgangstextes mithilfe richtig gewählter Wörter in die passende grammatikalische und stilistische Form in die Zielsprache übertragen. Sie müssen aber auch wichtige nonverbale Aspekte der Konversation berücksichtigen und kulturelle Merkmale zwischen den beteiligten Parteien abklären. Das alles müssen sie unter ständigem Zeitdruck erledigen und darauf achten, dass das Gespräch reibungslos verlaufen soll.
Die Rolle qualifizierter Dolmetscher:innen
Beim Dolmetschen reicht es nicht, beide Sprachen fliessend zu beherrschen. Freund:innen und Verwandte, die die Komplexität des Dolmetschprozesses nicht verstehen und die noch dazu emotional im Gespräch involviert sind, könnten eher kontraproduktiv statt hilfreich sein. Dolmetscher:innen sind nicht nur Sprachkanäle, die einen Text neutral und präzise wiedergeben, sondern auch Kommunikations- und Kulturexpert:innen, die die Kommunikation erleichtern und die beteiligten Parteien einander näher bringen, indem sie kulturelle und nonverbale Unterschiede berücksichtigen und entsprechend damit umgehen. Professionalisierte Dolmetscher:innen sind interkulturelle und intersprachige Brückenbauende, die die kulturelle und sprachliche Verständigung aller Parteien gewährleisten.