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Globen

Ein Erd- und ein Himmelsglobus präsentieren die Welt im 18. Jahrhundert. Ihre Herkunft bleibt aber ungewiss.
Die Globen im Nidwaldner Museum
Es sind zwei Trouvaillen, angefertigt 1726. Eine Vignette am Erdglobus verrät, dass er vom Globenhersteller Johann Philipp Andreae in Nürnberg hergestellt wurde. Die Zeit hat leider ihre Spuren hinterlassen: Der Himmelsglobus erinnert in seiner Form zwar an einen Globus, die aufgedruckte Karte fehlt aber. So kann sein Herstellungsjahr auch nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wurden die beiden Globen aber gleichzeitig geschaffen. Der Erdglobus hingegen ist in einem besseren Zustand, die Kartenteile sind grösstenteils erhalten.
Der Globenhersteller Andreae
Bei Andreaes war die Globenherstellung Familientradition: Johann Phillips Vater entwickelte sogar eine Methode um das Sternbild massstabgetreuer auf die Kugel abbilden zu können. Auch Johann Philipp Andreae war ein begabter Handwerker. Turbulenzen in seinem Leben und wenig Geschäftsgeschick bereiteten ihm aber Schwierigkeiten. 1732, also nur wenige Jahre nach der Erstellung der besagten beiden Globen, veröffentlichte er mehrere Schmähschriften über den Nürnberger Rat. Die Folge war die Verurteilung zu einer lebenslangen Kerkerstrafe. Er konnte aber flüchten und liess sich danach in Schwabach, Bayern nieder. Kurz darauf gründete er eine neue Firma, eine «Fabrik für Leonische Gold- und Silberwaren» und eine Globuswerkstätte.
Die Auftragslage war gut, dennoch musste er bald Konkurs anmelden. In verschiedenen zeitgenössischen Schriften wurde vor Johann Philipp Andreae gewarnt. Auf keinen Fall solle man eine Vorauszahlung für einen Globus leisten, das Geld sei für immer verloren.
Das Weltbild im 18. Jahrhundert
Auf dem Erdglobus ist die Welt des 18. Jahrhunderts abgebildet. Die Entdeckungsfahrten hatten innerhalb weniger Jahrhunderte das Bild der Menschen von der Erde grundlegend verändert. Anfangs 18. Jahrhundert war die Erde grösstenteils entdeckt, unbekannte Flecken gab es immer weniger. Über die genauen Ausmasse der einzelnen Kontinente war man sich aber lange noch nicht sicher. Der Mythos eines riesigen «Südlandes» in der Südsee existierte noch. Oft waren auch nur die Umrisse der Kontinente bekannt, das Landesinnere Afrikas galt beispielsweise als unbesiedelt.
Ein Himmelsglobus sagt auch viel über das Weltbild dieser Zeit aus. So dachte man bis Ende des 17. Jahrhunderts, dass die Sterne an einer Schale, die die Erde umspannt, kleben. Man stellte sich die Sterne unbeweglich vor.
Wie kamen die beiden Globen nach Nidwalden?
Wie die beiden Globen nach Nidwalden kamen, ist nicht bekannt. Falls sie bereits im 18. Jahrhundert den Weg nach Nidwalden gefunden haben, kommen als Besitzer nur wenige Personen oder Institutionen in Frage. Die Anschaffung eines Globus war kostspielig. Die richtige Handhabung dieses Gerätes erforderte eine gewisse Bildung. Klöster waren oft Orte der Bildung und der wissenschaftlichen Forschung. Es ist denkbar, dass die Globen durch die Kapuziner nach Nidwalden gekommen sind. Als Besitzer dieses Statussymbols können aber auch wohlhabende Familien oder einflussreiche, gebildete Einzelpersonen in Frage kommen.
Es ist jedoch auch möglich, dass die Globen erst im 19. oder 20. Jahrhundert, sei es durch einen Sammler bzw. durch Erbschaft oder Schenkung nach Nidwalden gekommen sind.
Der Globus erzählt uns zwar Geschichten über die Welt im 18. Jahrhundert. Aber über seinen Weg von Deutschland in die Schweiz und über seine Geschichte zwischen 1726 und seinem Auffinden im Nidwaldner Museum im Jahr 2001 kann nur gerätselt werden.
(Bildlegende)
Erd- und Himmelsglobus von Johann, Philipp Andreae, 1726 aus der Sammlung des Nidwaldner Museums.