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Was für viele normal ist, ist für sie anders. Banchu, Hava und Jeannine – alle drei haben eine Einschränkung, die ihren Alltag und ihr Uni-Leben anders aussehen lässt, als das von anderen Studierenden der Universität Basel.
Banchu aus Ittingen mit äthiopischen Wurzeln hat eine starke Sehbehinderung, welche Optikusatrophie genannt wird. Übersetzt bedeutet das so viel wie «das Absterben von Sehnervenzellen». Der Grund für ihre Erkrankung sei nicht ganz klar, so die 24-jährige. Auch Jeannine ist aufgrund einer ähnlichen Erkrankung sehbehindert. Hava dagegen hat eine ganz andere Beeinträchtigung. Sie erlitt im Alter von 22 Jahren einen Hirnschlag und verfiel in ein komplettes Locked-In-Syndrom. Daraus ergab sich, dass sie unter anderem geh-und sprechbehindert ist.
Ich wollte wissen, wie es ist, mit einer Einschränkung an der Universität zu studieren, welche Hürden es gibt und welche Hilfsmittel gebraucht werden.
Wie sieht dein Uni-Alltag aus und welche Hilfsmittel brauchst du?
Banchu besitzt noch ein peripheres Sehvermögen und kann sich deshalb ohne Hilfsmittel fortbewegen. Ihre wichtigste Stütze ist ihr Laptop, der mit verschiedenen Softwares ausgestattet ist. «Ich habe eine Software, mit der ich den Bildschirm stark vergrössern kann. Den brauche ich aber eher, um kleine Abschnitte zu lesen oder im Internet zu surfen», erklärt Banchu. Aber wenn sie Lehrbücher oder Gesetze lesen muss, ist es für sie zu anstrengend, alles zu vergrössern. «Deswegen arbeite ich mehrheitlich auditiv, ich habe also noch eine zweite Software. Wie eine Art Screen-reader liest diese mir alles auf meinem Bildschirm vor.»
Auch Jeannine arbeitet mit Softwares, die ihr beim Lesen der Texte und beim Bewältigen der Prüfungen helfen. Zudem benutzt sie im Alltag einen Langstock: «Dieser soll vor allem andere Leute darüber informieren, dass mein Sehvermögen eingeschränkt ist. Denn sich bewegende Sachen sehe ich nur, wenn sie gerade vor mir sind. Dann ist es aber meistens schon zu spät.» Aufgrund des Röhrenblicks, den die 31-Jährige hat, ist es für sie schwierig, einen Platz in den grossen Hörsälen zu finden. «Ich müsste jeden einzelnen Platz anschauen, um zu wissen, wo ich mich hinsetzen kann», erklärt Jeannine.
Hava benötigt ebenfalls ein Hilfsmittel. Sie benutzt einen Sprachcomputer und hat eine Assistenz, welche sie zu den verschiedenen Räumen bringt, ihr den Arbeitsplatz einrichtet und sie in den Pausen begleitet. Manchmal hat sie mit Vorurteilen zu kämpfen: «Wenn man mich noch nicht kennt, unterschätzt man mich im Alltag aufgrund meiner Mehrfachbehinderung oft.»
Welche positiven Erfahrungen hast du gemacht?
Für Jeannine war es der Wechsel von ihrem ersten Studienfach Psychologie zur Kulturanthropologie und Deutschen Philologie: «In den kleinen Seminaren wurde ich viel mehr wahrgenommen, da man sich untereinander kennt. Dort findet zusätzlich der direkte Austausch statt.» Ins Schwärmen kommt die Luzernerin aber vor allem, als sie von ihrer Reise nach Spanien erzählt. «Das coolste Erlebnis war eine zehntägige Exkursion nach Spanien. Mich musste immer jemand führen – toll war aber, dass ich dafür niemanden fragen musste. Meine Kommilitonen und Kommilitoninnen führten mich ganz selbstverständlich.»
Auch Banchu empfindet die Universität als eine sehr aufgeschlossene Institution. In Zusammenhang mit ihrer Sehbehinderung hat sie nur Positives erlebt. Denn bevor sie sich für ihr Studium an der Juristischen Fakultät entschied, wollte sie Sport-und Bewegungswissenschaften studieren und wurde dabei tatkräftig vom Dekan der Fakultät unterstützt. Den Sporttest bestand die 24-jährige dann knapp nicht, wurde aber in die Warteliste eingetragen. «Im Nachhinein hat sich dann herausgestellt, dass ich sogar noch nachgerückt wäre. Da ich aber für jede Ballsportart einen Ausgleich hätte erarbeiten müssen, wäre mir das auf Dauer zu mühsam geworden. Sport mache ich aber nach wie vor leidenschaftlich gerne neben dem Studium», erzählt die Jus-Studentin.
Gibt es auch schwierige Situationen?
Da die Universität sehr anonym ist, war es für Banchu anfangs schwierig, den Kontakt zu ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen aufzubauen. Dass die Sehbehinderung ihr den Kontaktaufbau erschwerte, erklärt sich die Jus-Studentin so: «Von aussen merkt man, dass mit meinen Augen etwas nicht stimmt. Ich bewege mich aber sehr selbstsicher, zielstrebig und ohne Hilfsmittel. Man sieht dann nicht, was effektiv das Problem ist. Auch ist der erste Kontakt meistens ein Augenkontakt. Der fällt bei mir weg.» Banchu hat einen Wunsch: «Ich fände es toll, wenn mich meine Mitstudierenden mehr ansprechen würden und es mehr sozialen Austausch gäbe.»
Für Jeannine war der Anfang ebenfalls nicht immer leicht: «Mit dem Semesterstart fängt das jedes Mal wieder von Neuem an. Wenn ich den Vorlesungssaal suche und nicht weiss, ob ich schlussendlich im Richtigen bin. Das ist immer wieder eine Herausforderung für mich.»
Auch für Hava ist es manchmal schwierig: «Wenn beispielsweise einzelne Personen auf mich zukommen und sagen: Mit Behinderung studieren? Mach doch etwas Anderes! Zum Glück kommt das aber nicht so oft vor», versichert sie.
Anderen Studierenden mit einer Behinderung würden alle drei einen wichtigen Tipp mitgeben: Das Wichtigste sei, sich bei der Stelle «Studieren ohne Barriere» zu melden. Mit ihnen bespricht man, was die Probleme sein könnten und erarbeitet dann einen Nachteilsausgleich. Dieser ist sehr wichtig, denn sie werden von den jeweiligen Studiendekanaten verlangt, damit man während den Prüfungen eine Zeitverlängerung bekommt oder andere Hilfsmittel benutzen darf. Jeannine ergänzt noch mit einem weiteren Tipp: «Es ist sehr wichtig, offen zu kommunizieren und über die eigenen Bedürfnisse und Einschränkungen zu sprechen.»