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Tunesien gilt als eines der fortschrittlichsten muslimischen Länder, was die Rechte von Frauen betrifft. Jetzt hat der Maghreb-Staat einen weiteren Schritt zur Gleichberechtigung unternommen. Wie ein Sprecher des tunesischen Präsidenten letzte Woche verkündete, ist es Frauen erlaubt, auch Nicht-Muslime zu heiraten. Bisher mussten Nicht-Muslime, die eine Muslimin heiraten wollten, zum Islam konvertieren. «Jetzt haben Frauen die Freiheit, ihren Ehemann selbst auszuwählen», so der Sprecher.
Präsident Beji Caid Essebsi hatte die Gesetzesänderung bereits letzten Monat am National Woman's Day angekündigt, das Gesetz galt als unvereinbar mit der Verfassung, die sich das Land nach dem arabischen Frühling 2014 zugelegt hatte. Die Regelung gilt ab sofort.
Im Juli kassierte das Parlament bereits ein Gesetz, dass Vergewaltigern vor Strafverfolgung schützte, wenn sie ihr Opfer heirateten. Entsprechende Gesetzesänderungen erfolgten auch im Libanon und in Jordanien.
Trotz den jüngsten Erfolgen ist es noch ein langer Weg bis zur rechtlichen und sozialen Gleichstellung von Mann und Frau in Tunesien. Gemäss Zahlen der Tunisian Association of Democratic Women werden fast 70 Prozent der Frauen misshandelt. Auch beim Erbschaftsgesetz besteht noch Nachholbedarf: Die aktuelle Gesetzeslage bevorteilt bei der Erbschaftsregelung männliche gegenüber weiblichen Nachkommen.