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Die Rollen im Achtelfinal am Sonntagabend (18.00 Uhr) in Florenz sind klar verteilt. Während für die Niederländerinnen das Überstehen der Gruppenphase ein absolutes Muss war, kann das Weiterkommen der Schweizerinnen als Coup gewertet werden. Entsprechend gross war die Freude im Schweizer Lager. «Wir sind extrem glücklich, dass wir das grosse Ziel, das wir uns gesetzt haben, auch erreicht haben», sagt Maja Storck. «Wenn wir zurückschauen, haben wir Enormes geleistet. Darauf können wir stolz sein.»
Noch vor einem Jahr standen die Schweizer Volleyballerinnen mit leeren Händen da. Sie scheiterten in der Qualifikation und verpassten ihre dritte aufeinanderfolgende Teilnahme an einer EM-Endrunde. Erst durch den Ausschluss von Russland wegen des Ukraine-Kriegs wendete sich für die Schweizerinnen das Blatt; sie rückten ins 24 Nationen umfassende Teilnehmerfeld nach. Ohne Druck und als Aussenseiter reisten sie nach Italien, um dort mit Siegen gegen die höher eingestuften Rumäninnen und Kroatinnen erstmals überhaupt die K.o.-Phase an einem Grossanlass zu überstehen.
Europäisches Schwergewicht
Nun wartet in den Achtelfinals mit den Niederlanden ein scheinbar übermächtiger Gegner auf die Schweizerinnen. «Oranje» zählt zu den Schwergewichten im europäischen Frauen-Volleyball, wurde 1995 Europameister und belegte bei den kontinentalen Titelkämpfen nach zwei Final-Teilnahmen (2015 und (2017) zuletzt die Ränge 4 und 5.
Auch an dieser EM wussten die vom Deutschen Felix Koslowski gecoachten Niederländerinnen, die sich noch im Rennen um ein Olympia-Ticket für Paris 2024 befinden, bislang zu überzeugen. Sie haben die Gruppenphase in Tallinn mit dem Punktemaximum abgeschlossen und bloss gegen das zweitplatzierte Frankreich einen Satz abgegeben. Dabei konnte es sich Koslowski sogar leisten, im dritten und fünften Spiel seine Starspielerin Nika Daalderop zu schonen.
Die Niederländerinnen zeichnet ihre Breite im Kader aus. Das macht sie unberechenbar und ermöglicht es, die Einsätze auf mehrere Schultern zu verteilen. Während sie ihre Aufstellung an dieser EM von Spiel zu Spiel änderten, liefen die Schweizerinnen praktisch immer in der gleichen Formation auf. Mit fünf Partien innert acht Tagen geht das durchaus an die Substanz. Da kamen die drei spielfreien Tage bis zum Achtelfinal gerade recht.
Mentale Stärke bewiesen
Nach dem verletzungsbedingten Ausfall der Libera Fabiana Mottis, die im dritten Gruppenspiel einen Achillessehnenriss erlitten hatte, war das Schweizer Team besonders gefordert. Die Schweizer Nationaltrainerin Lauren Bertolacci zeigte sich dann auch stolz, mit welcher «mentalen Stärke die Girls darauf reagiert haben».
Für das Spiel gegen die Niederländerinnen warnt die Australierin vor dem gegnerischen Angriff. «Sie haben sehr gute Mittelangreiferinnen und werden sicher versuchen, ein schnelles Spiel aufzuziehen.» Das Rezept? «Wir wollen mit verschiedenen Service-Varianten versuchen, sie ein wenig aus dem System zu locken», so Bertolacci, die ausserdem konstatierte, dass ihr Team im letzten Spiel gegen Bulgarien «grosse Probleme bei der Annahme» bekundete. «Da müssen wir uns unbedingt steigern.»
Nichts zu verlieren
Einen Vorteil sieht Maja Storck in der Rolle des klaren Aussenseiters: «Ich glaube, sie unterschätzen uns vielleicht ein bisschen.» Dass es gegen die Niederländerinnen erneut einen grossen Kraftakt braucht, ist sich die Schweizer Topskorerin bewusst. «Wir müssen unseren besten Volleyball abrufen, damit wir sie fordern können. Doch das Schöne ist: Wir haben nichts zu verlieren.»