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Gewerkschaftskreise protestierten umgehend nach dem Bekanntwerden gegen die neuen Pläne: Die Stilllegung von beinahe der Hälfte der Stromerzeugungskapazität - Schweden produziert 44% seines Stroms nuklear - sei unakzeptabel, koste Stellen, führe zu Energiepreiserhöhungen und schädige die energieintensive Industrie des Landes.
In Schweden steht der Ausstieg seit 1980 auf dem politischen Fahrplan. Nach einer konsultativen Volksabstimmung, die in der Folge des Three-Mile-Island-Unfalls durchgeführt worden war, beschloss das Parlament, dass keine neuen KKW mehr geplant, die bestehenden oder im Bau befindlichen aber bis ans Ende ihrer technischen Lebensdauer genutzt werden sollen. Das Parlament gab diese mit 25 Jahren an - die von der Industrie damals kalkulierte Abschreibungsdauer für thermische Anlagen. Die zwei noch im Bau stehenden Anlagen sollten 1985 ans Netz gehen, was bedeutete, dass nach Rechnung der Politiker der endgültige Ausstieg aus der Kernenergie auf das Jahr 2010 festgesetzt werden konnte.
Als erstes Bauernopfer dieser Politik und Konzession an Dänemark wurde das KKW Barsebäck-1 - es ist von Kopenhagen aus sichtbar - am 30. November 1999 abgeschaltet. Um die Versorgungslücke zu schliessen, importiert Schweden seither vermehrt dänischen Kohlestrom. Die vorzeitige Stilllegung des zweiten Barsebäck-Blocks knüpften Regierung und Parlament an Umweltauflagen: Der fehlende Strom muss eingespart oder mit nichtfossilen Quellen produziert werden. Angesichts der energiepolitischen Realitäten wurde es in der Folge still um Barsebäck-2 und den Ausstiegstermin 2010.
Interessanterweise findet die antinukleare Regierungspolitik in der Öffentlichkeit kaum Unterstützung. In Meinungsumfragen sprechen sich seit Jahren konstant rund 80% der Bevölkerung für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke aus, und sowohl die schwedische Wirtschaft als auch Gewerkschaftskreise fordern die Beibehaltung oder gar den Ausbau der Kernenergie, um den zukünftigen Strombedarf zu decken und dem CO2-Problem entgegenzutreten.
Quelle
M.S. nach NucNet, 19. März 2002