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«Es war mir eine Ehre, dem Bundesrat dienen zu dürfen.» Mit diesen Worten beendet Daniel Koch seine Karriere auf dem nationalen Parkett an der Pressekonferenz vom 27. Mai 2020. Zwischen Januar und Mai 2020 arbeitete mein Freund Daniel unermüdlich im Dienste unseres Landes. Aktiv an allen Fronten und präsent an allen Pressekonferenzen des Bundesrats sowie an weiteren 21 Presse-Informationen. Immer ruhig, gelassen, pädagogisch, transparent, beruhigend, ganz ohne Demagogie, manchmal mit einem ganz eigenen Humor. So wird er uns in Erinnerung bleiben. Viele danken ihm für seinen Einsatz, viele werden es noch lange tun.
Ich kenne Daniel seit vielen Jahren. Daher erstaunte mich seine korrekte Haltung in der Bewältigung der Covid-19-Krise nicht. Dieser Mann war dank seiner Natur, seiner Güte, seiner Offenheit und Intelligenz sowie seiner Erfahrungen für eine Aufgabe wie diese geschaffen.
1983 arbeitet Daniel Koch als frisch diplomierter Arzt in einer Klinik in Peru, in Coina, 2000 Meter über Meer in einem Tal der Anden. Er wird dort Chefarzt und ist weniger als ein Jahr später der einzige Mediziner. Die Senderisten, Guerilleros der kommunistischen Organisation «Leuchtender Pfad», bedrohen die Sicherheit der Region.
Getrieben vom Drang, anderen zu helfen, engagiert sich Koch 1988 beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Seine Einsätze führen ihn in die Anden, zu den eingeborenen Asháninkas im Regenwald Perus, in den Bürgerkrieg San Salvadors und nach Haiti, einem von Diktatoren und Putschen verwüsteten Land. In Uganda kämpft er gegen die Unterernährung in den Gefängnissen. Und 1993, kurz vor Beginn des Völkermords an den Tutsi, leistet er im Norden von Kigali in Ruanda humanitäre Hilfe in Flüchtlingscamps.
Als medizinischer Koordinator am Sitz des IKRK in Genf erhält er 1997 die Verantwortung für medizinische Programme in Afrika und nimmt weiterhin Einsätze im Feld wahr: Untersuchung von Kriegsverletzten in Kongo-Brazzaville, Evakuierung von Verletzten im von Bürgerkrieg und Dürre geplagten Somalia, Evaluation der medizinischen Einrichtungen in Sierra Leone, das ebenfalls in einem schrecklichen Bürgerkrieg lag. Im Jahr 2000 hat Daniel in Sierra Leone denn auch ersten Kontakt mit dem Lassafieber. Eine Erfahrung, die er später in der Bekämpfung des Ebolavirus nutzen kann.
Zwischen 2002 und 2012 dient Daniel Koch unserem Land im Bundesamt für Gesundheit. 2003 sieht er sich mit der ersten Pandemie des 21. Jahrhunderts konfrontiert: SARS-CoV, das Coronavirus, das für schlimme virale Lungenentzündungen verantwortlich ist und so zu schwerem akutem Atemwegssyndrom führen kann – mit einer Sterblichkeitsrate von zehn Prozent. Das Virus sorgt für viele Schwererkrankte und Tote in China, Hongkong, Taiwan, Vietnam, Singapur und Toronto, während der Ursprung des Erregers in der chinesischen Provinz Guangdong liegt. Obwohl in der Schweiz keine Infektionen auftauchen, verbietet Daniel Koch ab dem 3. April 2003 Ausstellern, an der berühmten Uhrenmesse Baselworld teilzunehmen, falls sie aus einem von der Epidemie betroffenen Land kommen. Es folgen heftige Reaktionen aus dem wirtschaftlichen und diplomatischen Umfeld.
Am Abend des 18. November 2014 erhält Daniel Koch einen Anruf von John Ryan, dem Chef der Europäischen Generaldirektion für Gesundheit. Er fragt, ob die Schweiz bereit wäre, einen kubanischen Arzt aufzunehmen, der sich bei seiner Arbeit mit dem Ebolavirus infiziert hat, das in 60 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod führt. Daniel wendet sich an unsere Teams am Genfer Universitätsspital. Zwei Tage später, eine halbe Stunde vor Mitternacht, landet der Ambulanzjet am Flughafen Cointrin und der Patient auf der Intensivstation. Unter Einhaltung aller Vorsichtsmassnahmen wird Dr. Felix Baez geheilt, sodass er am 6. Dezember in sein Land zurückkehren kann. Kein einziger Angestellter im Spital hat sich angesteckt. Alle werden sich noch lange an diese hoch emotionalen Momente erinnern.
Das ist es, was Menschen wie Daniel antreibt: Patienten und Individuen schützen, ihre Rechte respektieren und Leben retten. Die Essenz dieses wunderbaren Berufes!
Merci, Daniel, für all die Jahre im Dienste anderer. Diese Hommage gehört dir, du hast sie redlich verdient.
Von Didier Pittet
Didier Pittet, 63
Chefarzt Infektionsprävention und -kontrolle, Direktor des WHO-Kooperationszentrums für Pflegesicherheit am Universitätsspital Genf.