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Unheilbar neugierig
Zum Tod von Francis Travis
Ursprünglich stammte er aus den USA, in Detroit wurde er am 9. Juli 1921 geboren, aber früh schon assimilierte er sich in der Schweiz und nahm auch die hiesige Staatsbürgerschaft an. Francis Travis kam nach ersten Studien 1948 nach Zürich, um bei Paul Hindemith an der Universität zu promovieren – über Verdi; ausserdem wurde er Privatschüler bei Hermann Scherchen und später dessen Assistent – eine zutiefst prägende Schule, wie er später erzählte. Von dort her war auch sein Repertoire als Dirigent offen, das vom frühen Barock bis in die Avantgarde reichte. Mit hohem Engagement hat sich Francis Travis immer wieder für neue Musik, auch aus der Schweiz, eingesetzt. Es sollen insgesamt mehrere hundert Uraufführungen gewesen sein. Zwölf Jahre lang leitete er die Schweizer Sektion der IGNM als Präsident. Mehrmals trat er bei Tonkünstlerfesten auf.
Seit Beginn seiner Dirigentenlaufbahn 1953 war er vor allem freiberuflich tätig und dirigierte Ensembles und Orchester rund um die Welt. Mit Siegfried Palm gründete er die auf Neues spezialisierten Hamburger Kammersolisten. Erst spät übernahm er feste Posten, so als Chefdirigent an den Theatern Basel (1962-64) und Trier. An der Hochschule für Musik in Freiburg lehrte er als Professor für Orchesterdirigieren. Schon mit Scherchen hatte er im Tessin gearbeitet, am Elektronischen Studio von Gravesano, 1957 trat er bei Radio Lugano auf, später leitete Travis dort die Abteilung für Vokalmusik bzw. den Coro della Svizzera Italiana (1981-89). Vor allem fühlte er sich dem fernen Osten verbunden. 1967 engagierte er sich vehement für den koreanischen Komponisten Isang Yun, als dieser vom südkoreanischen Geheimdienst aus Deutschland entführt und verurteilt wurde. In den 90er Jahren wirkte Travis als Dirigent und Lehrer in Tokio. Bis in die letzten Jahre erarbeitete er sich Unbekanntes. «Ich bin unheilbar neugierig!» sagte er einmal im Gespräch mit Rolf Urs Ringger. Am 28. April ist Francis Travis mit knapp 96 Jahren in München gestorben.