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Bürstenmacher/in
Der Bürstenmacher* stellt Bürsten, Pinsel und Besen her. Als Rohmaterialien verwendet er Haare, Borsten und Fasern, heute häufig auch Kunstfasern, sowie Holz als Träger. In das Trägerholzstück werden Löcher gebohrt. Die Haare, Borsten oder Fasern werden gereinigt, sortiert, mit der Stockschere auf die gewünschte Länge zugeschnitten und zur Richtung mehrmals durch den sogenannten Überziehkamm gezogen. Nun folgt der wichtigste Arbeitsschritt des Bürstenmachers: das Einziehen der Haare, Borsten oder Fasern in das Trägerholz. Die Materialien werden büschelweise mit einem Draht oder starken Faden in die Löcher gezogen und befestigt. Hierbei sind Präzision und Geschicklichkeit erforderlich. Eine verbreitete alternative Methode war früher auch das Pechen. Dabei wurden die Büschel mit einem Ende in flüssiges Pech getaucht und in die Löcher eingedreht. Das fertige Produkt wird in der Bankschere nachgeschnitten, noch Überstehendes wird abschliessend mit der Handschere gestutzt.
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Aus den tierischen Rohmaterialien erwuchs dem Bürstenmacher früher eine ernste gesundheitliche Gefahr: Borsten und Haare konnten Träger von Milzbranderregern sein. Die Keime konnten über kleinste Hautverletzungen in die Blutbahn des Handwerkers eintreten und die gefährliche, oft tödliche Krankheit auslösen. Um einer Infektion vorzubeugen, wurden Borsten und Haare in Kaliumpermanganat gekocht.
Geschichte
Bürsten und Pinsel wurden bereits im alten China, in Ägypten und im Rom der Antike verwendet. Im Mittelalter war das Bürstenmacherhandwerk im deutschsprachigen Raum zünftig organisiert, Zentrum des Handwerks war Nürnberg. Deutsche Bürsten waren weithin begehrt und wurden auch in ferne Länder exportiert. Die Rohmaterialien mussten umgekehrt vielfach importiert werden. So erhielt man zum Beispiel die längsten und qualitativ besten Borsten von Schweinen aus kalten Regionen, Hauptlieferanten waren Polen und Russland. Haare dagegen waren meist lokal erhältlich; verwendet wurden die Haare von Pferden, Ziegen, Dachsen und Eichhörnchen. Im 19. Jahrhundert brachte die einsetzende Industrialisierung dem Bürstenmachergewerbe durch die vor allem in Maschinen- und Textilindustrie gesteigerte Nachfrage nach Bürsten einen Aufschwung und eine starke Ausbreitung auch in ländliche Regionen. Im Gegensatz zum städtischen, zünftig organisierten Handwerk waren die Bürstenmacher auf dem Land meist Heimarbeiter. Arbeitsteilung zwischen den Familienmitgliedern machte die ländlichen Hausindustrien schnell enorm konkurrenzfähig. Eine starke Entwicklung erlebte auf diese Weise zum Beispiel der Schwarzwald. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Bürstenfabriken, in denen bereits viele Arbeitsschritte maschinell ausgeführt wurden. Die übrigen Schritte erfolgten weiterhin in Heimarbeit; als gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber das Einstanzen entwickelt wurde, war der ganze Herstellungsprozess vollständig automatisiert. Die Heimarbeit verschwand.
In der Schweiz war die Bürstenmacherei bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nicht sonderlich stark vertreten; das Land war zur Deckung seines Bedarfes an Bürstenwaren auf ausländische Importe angewiesen. In den 1860er und 1870er Jahren kam es schliesslich auch hier zu Gründungen von Bürsten- und Pinselfabriken. Ein Grossteil der Gründer dieser Unternehmen bestand aus Bürstenmachern, die aus dem Schwarzwald in die Schweiz eingewandert waren und hier den Grundstock für die schweizerische Bürsten- und Pinselindustrie gelegt hatten. Bereits um 1900 war die Schweiz zur Selbstversorgerin in Bürstenwaren geworden.
Heute hat die maschinelle Herstellung die Handarbeit beinahe vollständig verdrängt. Auf handgefertigte Produkte spezialisiert sind beinahe nur noch Behindertenheime und -werkstätten.
* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet.
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Literatur
Hugger Paul: Der Bürstenmacher, in: Hugger Paul (Hg.): Altes Handwerk, Heft 32, Basel 1972.
Bauer Michaele: Bürstenbinder, in: Reith Reinhold (Hg.): Das alte Handwerk. Von Bader bis Zinngiesser, München 2008, S. 58-60.
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