Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03293.jsonl.gz/2709

Der Fussball am Samstag vor dem Wochenendhaus der Magalhães hatte irgendwann einmal nur so zum Spass angefangen, sozusagen um den Appetit vor dem Mittagessen anzuregen. Die Frauen planschten im Pool herum, während ihre Männer auf einem improvisierten Fussballfeld herum tobten, das nicht einmal ein Tor hatte. Drei, manchmal Vier auf jeder Seite. Zur Essenszeit hörte man damit auf. Schliesslich war auch der Fussball kein Thema zwischen den versammelten Paaren.
Mit der Zeit begann die Gruppe der zu den Samstagsessen Eingeladenen grösser zu werden, und das Fussballspiel ebenfalls. Magalhães erweiterte die Grasfläche und stellte Tore auf. Bald hatten sie zwei gegnerische Teams zusammen, und die brauchten ein Trikot, ein Wappen und eine Fahne. Trotzdem hat die Marta erst gemerkt, dass die ganze Sache jetzt ernst geworden war, als sie versuchte, eine Partie zu unterbrechen, weil das Essen auf dem Tisch stand und kalt wurde. Ihr Mann, der Sales, hat sie vom Feld gescheucht – In der folgenden Woche reichte sie die Scheidung ein, obwohl der Sales steif und fest dabei blieb, er habe nicht versucht, sie mit einem Fusstritt vom Feld zu befördern – obwohl irritiert durch ihr Eingreifen, als sein Team im Begriff war, zu verlieren.
Dann war die Reihe an Silvinha, die während des Samstagessens ihren Protest anmeldete. Der Fussball würde ihre eheliche Gemeinschaft kaputt machen – die ihre und die von Aderbal, ihrem Mann. Immer am Freitag wolle er überhaupt nichts mehr tun – ginge früh zu Bett, um für das Spiel am nächsten Morgen fit zu sein. Und dann am Samstag, nach dem Spiel, täten ihm alle Knochen weh, er könne sich kaum noch rühren und hätte ebenfalls nicht die geringste Lust noch irgend etwas zu unternehmen. Sie gingen nicht mehr ins Theater, nicht mehr ins Kino und auch nicht mehr in ein Restaurant. Verschiedene andere Frauen stimmten Silvinhas Protest zu. Die Männer schwiegen. Und die von Aderbals Team schauten stolz zu ihm auf. Da sass jemand mit der richtigen Einstellung zur relativen Bedeutung der Dinge im Leben eines Mannes. Am nächsten Samstag erschien Aderbal ohne Silvinha.
Das dritte Problem war die Frau von Magalhães selbst, Dona Clodete. Eines schönen Samstags beobachtete sie plötzlich, wie eine Bande halbnackter, schwarzer Lausbuben über den Rasen stürmte und sich in ihren Pool stürzte wo sie – nein, sie war eigentlich keine Rassistin, aber das war denn doch zuviel – noch nie zuvor war irgendwer mit dunkler Haut in ihrem Pool herum geschwommen – es sei denn, gebräunt vom Sonnenöl. Eine Invasion! Sie wollte gerade die Polizei rufen, als Magalhães erschien und ihr erklärte, dass diese Jungs die Söhne von Gideon seien, dem Wächter seiner Firma, den er eingeladen habe, um sein Team zu verstärken. Sie solle sich dran gewöhnen, von nun an würden Gideon und seine Jungs jeden Samstag mit ihnen essen. Er brauche den Gideon als Mittelstürmer. Dona Clodete, die Frau von Magalhães, reichte ebenfalls die Scheidung ein.
Heute sind es vier Teams mit je sieben Spielern, die sich nicht enden wollende Partien und Cups um jeden erdenklichen Preis liefern – derzeit ist es der „Patricia Pllar Cup“ (nach dem bekannten TV–Star) – und meistens vergessen sie das Mittagessen. In einer Art Schuppen, am Rand des Pools, hat Magalhães seine „Federação“ (die Spielaufsicht) installiert, hier ist auch der Sitz der „Liga dos Sábados“ (des Samstags–Clubs) – und hier prangen zwei grosse Painele: am ersten, mit den „Campiões“, sind Fotos der Gewinner–Teams verschiedener Partien angepinnt, das andere zeigt die Fotos der „Caídas“, der Gefallenen, Frauen, die nicht durchgehalten haben. Es sind jetzt zwölf. Das zwölfte Foto, erst kürzlich angepinnt, ist von Laurita, der Frau von Marco Antônio, der Sturmspitze aus dem Sales–Team. Die Laurita hat sich wacker gehalten, dann aber die Scheidung eingereicht, nachdem sie Marco Antônio dabei erwischt hatte, wie er im Wohnzimmer ihres Appartements seinen Team–Kollegen eine bestimmte Balltaktik erklärte und dazu ihre Porzellan–Miniaturen benutzte.
Es gibt noch ein drittes Painel mit dem Titel „die „Frouxos“ (die Verweichlichten) – man hat es so genannt, weil „Verräter“ allen zu stark erschien. An ihm hängen die Fotos von Olimar und Galvão, die dem Druck ihrer Frauen nicht standhielten und ihre Teams verliessen! Der Galvão noch mit dem gravierenden Zusatz, seine Entscheidung aufzuhören erst am Vorabend ihres „Playboy–Cups“ bekannt gegeben zu haben.