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Biografie
Falco-Biografie: Sex, Drugs und Rock′n′Roll im Designer-Anzug
Falco kam am 19. Februar 1957 in Wien als Johann Hölzel zur Welt. Bereits seine Geburt war außergewöhnlich: Er war der einzige Überlebende von Drillingen, die seine Mutter Maria Hölzel erwartet hatte. Nach einem Leben zwischen den Extremen starb der Ausnahmesänger, der als erster deutschsprachiger Rapper gilt, am 6. Februar 1998 bei einem Autounfall.
Früh übt sich: Falcos Kindheit und Jugend
Der kleine Johann „Hans″ Hölzel bekam bereits im Alter von vier Jahren sein erstes Klavier geschenkt. Die Wiener Musikakademie, bei der er ein Jahr später vorspielte, stellte ein absolutes Gehör fest. Hans verließ später im Alter von 16 Jahren das Gymnasium. Daraufhin überredete seine Mutter ihn zu einer Lehre als Bürokaufmann. Diese brach er bald wieder ab und meldete sich ein Jahr später zum Präsenzdienst des österreichischen Bundesheers, jedoch nicht, ohne vorher seine erste Band, Umspannwerk, gegründet zu haben. Während seiner Zeit im Bundesheer lernte er Bassgitarre zu spielen.
Drei Semester lang studierte Hölzel am Wiener Jazz-Konservatorium. Im Wesentlichen tat er das seiner Mutter zuliebe, lernte dabei jedoch auch theoretische Grundlagen, die ihm in seiner späteren Musikkarriere nützlich werden sollten.
Erste Schritte auf dem Weg zum Weltruhm: Hölzels Zeit in Berlin
In den späten 1970er Jahren begann eine neue Ära in der Musikszene. Der Punk begann von Großbritannien aus seinen Siegeszug in Europa und die britische Musiklegende David Bowie verwirklichte in West-Berlin seine „Berlin-Trilogie″, bestehend aus den Alben „Low″, „Heroes″ und „Lodger″. Der junge Hans Hölzel fühlte sich von dieser flirrenden Umbruchphase magisch angezogen und ging für fast ein Jahr nach Berlin – in der Hoffnung, seinem Idol David Bowie über den Weg zu laufen. Er versuchte sich als Jazz-Rocker und tingelte mit wechselnden Berliner Bands durch die Clubs der geteilten Stadt. Wirklich heimisch fühlte er sich in Berlin jedoch nie.
Zurück in Wien: Die Hallucination Company und Drahdiwaberl
Der Musiker Ludwig „Wickerl″ Adam gründete 1977 das Erste Wiener Musiktheater, das sich später Hallucination Company nannte. Er entdeckte Hans Hölzel als Straßenmusiker in Mödling bei Wien und erkannte dessen Talent. Als Bassist trat Hölzel der Band bei und blieb dort bis 1979. Die Hallucination Company sah sich selbst zwar als „Blödelbigband″, doch Adam arbeitete mit großer Akribie und Präzision – Eigenschaften, die dem Perfektionisten Hölzel imponierten.
Während der Tour der Hallucination Company 1978 wurde aus Johann „Hans″ Hölzel schließlich Falco. Er hatte den ostdeutschen Skispringer Falko Weißpflog im Fernsehen gesehen und war von dessen Leistung tief beeindruckt. Das „k″ im Vornamen ersetzte er durch ein „c″, weil das internationaler wirkte, und so entstand sein Pseudonym, mit dem er in den 1980er Jahren seinen rasanten Aufstieg in die Charts erleben sollte. Er kultivierte von nun an zudem einen Stil, der sich deutlich von seinen Bandkollegen abhob. Während die anderen mit langen Haaren und zerrissener Kleidung auftraten, kleidete sich Falco im Designer-Anzug, kämmte die kurzen Haare streng nach hinten und verbarg seine Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille.
Falco fiel dem Gründer der politischen Anarcho-Band „Drahdiwaberl“, Stefan Weber, auf. Dieser lud den Bassisten ein, in der Band zu spielen. Das tat Falco auch, nicht jedoch, ohne seine Designer-Anzüge mit durchsichtigen Plastikmänteln während der Auftritte vor den ausufernden Chaos-Exzessen seiner Kollegen zu schützen. Gleichzeitig trat er erstmals auch als Sänger in Erscheinung, in der Coverband Spinning Wheel. 1980 schrieb er den Song „Ganz Wien″ über die Drogenszene seiner Heimatstadt. Daraus wurde ein Underground-Hit, aber der Rundfunk boykottierte das umstrittene Werk.
Falcos Solokarriere im Aufschwung: „Der Kommissar″
Bei einem Drahdiwaberl-Konzert wurde der Wiener Plattenproduzent Markus Spiegel auf Falco aufmerksam. Er schloss mit ihm einen Vertrag über drei Solo-Platten ab und machte ihn mit dem Soundmixer und Musikproduzenten Robert Ponger bekannt. Er spielte dem Sänger ein Musikstück vor, das er eigentlich für jemand anders komponiert hatte, und Falco schrieb dazu einen Text. Das war die Geburtsstunde des Hits „Der Kommissar″. Mit Robert Ponger produzierte Falco sein erstes Album „Einzelhaft″ und 1984 sein zweites Album „Junge Roemer″. Es gilt heutzutage als sein bestes Werk, doch der kommerzielle Erfolg blieb aus.
„Rock Me Amadeus″: Falco auf dem Zenit seines Ruhms
Falco verließ Ponger und wechselte zu Rob und Ferdi Bolland, einem niederländischen Produzenten-Duo. Inspiriert von dem Film „Amadeus″ des Regisseurs Milos Forman schrieb er den Song „Rock Me Amadeus″ und eroberte damit die internationale Musikwelt im Sturm. Anfang 1986 stieg der Hit in die Top Ten der US-amerikanischen Billboard-Charts ein und am 20. März 1986 erklomm er sogar Platz 1. Dort hielt sich der Superhit drei Wochen lang – etwas, das noch nie zuvor und nie wieder danach einem deutschsprachigen Lied gelungen war.
Skandal um „Jeanny″ und erste Rückschläge
Mit dem Song „Jeanny″ provozierte Falco Mitte der 1980er Jahre einen der größten Skandale in der Geschichte der deutschsprachigen Popmusik. Der vieldeutige Text wurde von Kritikern als Verherrlichung einer Vergewaltigung interpretiert, obwohl davon nicht explizit die Rede ist. Viele Sendeanstalten boykottierten das Lied daraufhin.
Ende 1986 führte seine Welttournee Falco bis nach Japan. Auftritte in den USA Anfang 1987 kamen jedoch nicht zustande, da der Sänger unter Heimweh litt. Er gab seine Weltstar-Ambitionen auf und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.
Privat lief es bei Falco überhaupt nicht rund. Seine Ehe mit Isabella Vitkovic dauerte nur zehn Monate, das 1986 geborene Mädchen Katharina Bianca erwies sich später als Tochter eines anderen Mannes. Drogen, Alkohol und Medikamente vermochten Falcos Selbstzweifel und Depressionen nicht zu lindern.
Comeback mit dem Album „Nachtflug″ und Stilwechsel
1992 veröffentlichte Falco in Zusammenarbeit mit den Gebrüdern Bolland das Album „Nachtflug″. Die erste Singleauskopplung „Titanic″ bescherte dem Sänger den ersten Erfolg seit dem Skandal um „Jeanny″. Gleichzeitig ist „Nachtflug″ das letzte Studioalbum, das Falco zu seinen Lebzeiten veröffentlichte.
1995 vollzog der Sänger einen Stilwechsel mit der Techno-Version eines alten Berliner Schlagers „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da″. Ein Jahr später versuchte Falco sich mit der Dance-Nummer „Naked″, die in Österreich zwar Erfolg hatte, in Deutschland aber floppte.
Falcos Management übernahm 1997 Claudia Wohlfromm, die mit ihm sein letztes, erst postum veröffentlichtes Album „Out of the Dark″ produzierte. Sie verpasste ihm außerdem einen neuen Look mit blondierten Haaren und Lederjacke.
Tragischer Unfalltod mit 40 Jahren
Johann „Hans″ Hölzel hatte 1996 die Dominikanische Republik zu seiner Wahlheimat erkoren. Dort wohnte er mit einem Freund, Hans Reinisch, zusammen. Dieser berichtet, dass sich der Sänger wohl in eine junge Frau verliebt hatte, doch ihr Vater hatte etwas gegen die Beziehung einzuwenden. Falco soll daraufhin, nachdem er zwei Jahre lang clean gewesen sei, rückfällig geworden sein. Am 6. Februar 1998 fuhr Falco mit seinem Geländewagen von einem Parkplatz in Puerto Plata ab. Ein Reisebus konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen – Falco war auf der Stelle tot. 1,5 Promille Alkohol, Spuren von Kokain und Marihuana fand die Polizei später in seinem Blut.
Fazit
Mit Falcos tödlichem Autounfall im Februar 1998 verlor die deutschsprachige Musikwelt eines ihrer größten Talente. Bis dahin hatte der Sänger ein wildes Leben wie im Rausch geführt, inklusive Drogen, Alkohol, Liebesqualen und seelischen Problemen. Was bleibt sind seine revolutionären Hits wie „Der Kommissar″ oder „Rock Me Amadeus″. Am 19. Februar 2017 hätte Falco seinen 60. Geburtstag gefeiert.