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Glocken im Birseck und im Laufental
Glocken haben viele Eigenschaften und viele Gesichter – sie sind Klang- und Musikinstrumente, sie sind Handwerkserzeugnisse und Kunstwerke – vor allem: Sie sind als «Glocken der Heimat» Erinnerungsträger. All das trifft ganz selbstverständlich auch für die Glocken des Birsecks und des Laufentals zu, und doch ist ihre Geschichte im Rahmen der Baselbieter Glockenlandschaft einzigartig.
In den Bezirken Liestal, Sissach und Waldenburg sind mehrere Glocken über fünfhundert Jahre alt – Pratteln: die «Ritter-Hans-Bernhard-Glocke» aus dem Jahr 1484; Oltingen: die «Grosse Glocke» aus dem Jahr 1493 –; die meisten alten Glocken des Bezirks Arlesheim wurden in den Jahren 1792 bis 1814 eingeschmolzen. Sowohl das Birseck als auch das Laufental waren damals nach der Auflösung des Fürstbistums Basel von französischen Truppen besetzt und von Paris aus «gelenkt». Und dort forderte am 23. Juli 1793 ein Gesetz im Zeichen der antiklerikalen Politik der Französischen Revolution nachdrücklich dazu auf, das Geläute der Kirchen auf eine einzige Glocke zu reduzieren, und am 3. August sprach ein weiteres Gesetz der Artillerie die Bronze aus den requirierten Glocken zu. «Ecrasez-les, ce sont les langues les plus éloquentes de la religion» (zerschmettert sie [die Glocken], es sind die beredesten Zungen der Religion), hiess es damals im Pariser Gemeinderat.
Im März 1794 erfolgte schliesslich der Beschluss, auch die Glockenseile einzuziehen. Rund 100000 Glocken wurden in der Folge Opfer dieser wütenden Politik, die versuchte, der Glocke ihre religiöse Weihe zu nehmen und ihren Gebrauch einzuschränken. Auch vielen Laufentaler und Birsecker Kirchgemeinden verblieb deshalb nur gerade eine Glocke; sie konnte für das Sturmläuten bei Wasser-, Feuer- und Kriegsalarm eingesetzt werden.
In Arlesheim wurden beispielsweise nicht nur fünf der sechs Glocken vom Turm geworfen, auf Wagen fortgeführt und in Delsberg, dem Hauptort des neuen französischen Departements du Mont Terrible, eingeschmolzen, auch das schöne Gitter zwischen Chor und Schiff wurde weggerissen und zerstört. Nur in Therwil wusste man sich zu wehren; dort gelang es, eine der zum Tode verurteilten Glocken in einem Heustock zu verstecken! Nach 1815 setzte dann sowohl im Laufental wie auch im Birseck eine «Glocken-Renaissance» mit neu gegossenen Glocken ein.
Das Martinsglöcklein warnt
In die Franzosenzeit des Laufentals fällt auch die folgende rührende Geschichte, die sich um das Glöcklein der Laufener Kapelle St. Martin rankt. «Anna Maria Feninger (1797–1827) war die Tochter des Bürgermeisters von Laufen. Sie hatte ihrem Bräutigam, der im Sterben lag, versprochen, nie mehr zu heiraten. Doch es war Krieg, und bei einem Gefecht zwischen den alliierten Mächten und den Franzosen auf dem Burgbergfelsen wurde der österreichische Offizier, Graf von Brat, von einer Kanonenkugel getroffen und in das Haus des Bürgermeisters Feninger gebracht, wo er von der Tochter Anna Maria gepflegt wurde. Er verliebte sich in sie und hielt um ihre Hand an. Gerade, als sie ihr Jawort geben wollte, wurde von unsichtbarer Hand das Martinsglöcklein geläutet. Anna Maria erinnerte sich plötzlich an ihr Treueversprechen und widerstand der Werbung. Sie blieb ledig. Seit der Zeit, so erzählt der Volksmund, wird jedes Versprechen, das man einem Sterbenden gibt, dem unsichtbaren Glöckner anvertraut. Er mahnt die Lebenden durch sein unverhofftes Läuten daran, ihr Wort zu halten.»
Der «Glögglifels» in Nenzlingen
Auch profane Glocken verdienen Beachtung. So erinnert der «Glögglifels» in Nenzlingen daran, dass es in früheren Zeiten eine alte Strassenführung von Aesch nach Nenzlingen ermöglichte, den Zoll im Tal unten zu umfahren. Um illegale Durchfahrten zu verhindern, wurde die Strasse beim «Glögglifelsen» mit einer Türe abgeschlossen. Wer aber eine Sondererlaubnis besass, konnte mit einer am Felsen angebrachten Glocke einen Wächter herbeirufen, der die Durchfahrt frei gab.
Auch unser Karikaturist TRUK hat sich Gedanken zum Thema «Glocken» gemacht.
Text: René Salathé, Fotos: Kurt Hamann