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Die Wirkung von langsamer Atmung bei einer mittelschweren COVID-19-Pneumonie (Newsletter HeartMath, 22. Oktober 2022)
Das Coronavirus und die damit zusammenhängende Erkrankung namens SARS-CoV-2 beschäftigt nach wie vor Politik, Medien und Gesundheitswesen. Bei der Suche nach kostengünstigen Therapiemöglichkeiten, die breit zugänglich sind und global verbreitet werden könnten, haben sich Forscher der Universitätsklinik Ulm mit langsamer, geführter Atmung beschäftigt. Denn man weiss schon sehr lange um den Zusammenhang zwischen Entzündungen und der Aktivität des Nervus Vagus, die durch gezielte Atemtechniken verbessert werden kann.
„Ein charakteristisches Problem bei der Coronavirus-Krankheit 2019 (COVID-19) ist die übermässige Erhöhung von entzündungsfördern-
den Zytokinen, wie Interleukin-6 (IL-6) und C-reaktivem Protein (CRP), die mit einem schlechteren klinischen Verlauf einhergehen. (…) neben Medikamenten gibt es eine klinisch relevante, nicht-pharmazeutische Möglichkeit, die Entzündung durch Vagusnervstimulation (VNS) zu reduzieren. Letztere ist über den cholinergen, entzündungshemmenden Reflex an der Regulierung der Immunantwort beteiligt.“
Die Studie
46 Patienten zwischen 23 und 83 Jahren (57 Jahre ± 13 Jahre) mit einer bestätigten Infektion mit SARS-CoV-2 und einer mittelschweren COVID-19-Pneumonie (Hauptdiagnose) wurden per Zufallsverfahren in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Die Patienten in der Interventionsgruppe wurden gebeten, dreimal täglich eine 20-minütige Atemübung zu machen, mit 6 Atemzügen pro Minute und einem Verhältnis von Einatmung zu Ausatmung von 4:6 Sekunden. [Die verlängerte Ausatmung gegenüber der „klassischen Kohärenzatmung“, bei der genauso lange ein- wie ausgeatmet wird, aktiviert vermehrt den Vagus-Nerv]. Die Kontrollgruppe erhielt eine Standardbehandlung.
Obwohl bei den Ausgangsvariablen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe festgestellt wurden, waren klinisch relevante Unterschiede erkennbar. Die Patienten in der Interventionsgruppe waren älter (M=58,8 ± 13,2 vs. M=54,3 ± 13,4), hatten mehr relevante Komorbiditäten (N= 18, 78% vs. N=12, 52%) und eine höhere Anzahl von COVID-19- und Pneumonie-assoziierten Medikamenten während des Krankenhausaufenthalts (M=2,8 ± 1,0 vs. M=2,3 ± 1,3).
Ergebnis
Die statistische Analyse der Messergebnisse zeigt einen signifikant niedrigeren Verlauf von IL-6 in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Und das und ohne relevante Nebenwirkungen. Eine explorative Analyse, bei der der Medianwert der Übungszeit zur Vorhersage des IL-6-Wertes am nächsten Morgen herangezogen wurde, ergab eine Dosis-Wirkungs-Beziehung mit positiven Auswirkungen einer Übungszeit von mehr als 45 Minuten pro Tag. Auf deutsch: viel hilft viel. Die genauen Ergebnisse können im Artikel nachgelesen werden (s. unten).
Quelle: A randomized clinical trial to stimulate the cholinergic anti-inflammatory pathway in patients with moderate COVID-19-pneumonia using a slow-paced breathing technique: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fimmu.2022.928979/full
Hilfe bei Long-Covid Syndrom
Atemprobleme, Müdigkeit oder Schmerzen - durch eine Corona-Infektion können Menschen von diversen Nachwirkungen betroffen sein.
Long-Covid benötigt einen langen Atem, und die Atemtherapie kann helfen, mit den physischen und psychischen Begleiterscheinungen besser umzugehen. Mit gezielten Übungen und Atembehandlungen und der achtsamen Wahrnehmung der Atembewegung kann der Schmerzwahrnehmung positiv entgegengewirkt werden.
Zur freien Atmung ist die Gesundheit und Kräftigung der Lunge entscheidend - und hier setzt die Atemtherapie an
Es gibt Erhebungen in der Schweiz, nach denen mehr als 100'000 Menschen Long-Covid Beschwerden zeigen. Menschen, die einen schweren Krankheitsverlauf hatten, sind vorwiegend betroffen.
Besonders anfällig zeigen sich die Atemwege, das Herz-Kreislauf-System, der Muskelapparat, das Nervensystem und entsprechend ebenfalls der Stoffwechsel. Vielfach äussert sich dies in Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Atembeschwerden - wobei letzteres sehr beängstigend sein kann. Es scheint, als spiele der Körper noch längere Zeit nach der "Genesung" verrückt. Ebenfalls festgestellt wurde seitens Wissenschaftlern und Medizinern, dass einige Genesene im folgenden Symptome psychischer Störungen zeigen und häufiger als Nichtinfizierte an Depression erkranken.
Eventuelle Langzeitschäden könnten frühzeitig und präventiv durch geeignete Therapien verhindert werden. Leider sind die Therapiemöglichkeiten gegen Long-Covid bis heute noch unzureichend.
Die Atemtherapie zählt zu den ältesten therapeutischen Verfahren und reicht über mehrere Tausend Jahre zurück. Bereits damals wusste man um die einzigartige Kraft der Atmung, die autonom funktioniert - so, wie das Herz - jedoch willentlich beeinflussbar ist und mit allen Vorgängen im Organismus verbunden ist.
Die heutige Form der Atemtherapie ist eine vollumfängliche und ganzheitliche Begleitung des Menschen. Das begleitende therapeutische Gespräch ist genauso wichtig wie hilfreiche Atemübungen. Hierbei kann ich als Therapeutin individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse der Klient:innen eingehen.
Die einfachen und sehr wirksamen Atemübungen können auch alleine zuhause durchgeführt werden und helfen dabei, den eigenen Atem kennen- und schätzen zu lernen. Sehr bald ist der Mensch in der Lage, seinen Atem gezielt einzusetzen, um ruhiger und gelassener zu werden. Hierbei wird nicht nur die Widerstandskraft gestärkt, sondern auch das Selbstbewusstsein sowie das Vertrauen in die eigene Atmung.
Die Behandlung auf der Liege kann helfen, die Atmung freier fliessen zu lassen und in eine Wohlspannung zu kommen. Diese Erfahrung hilft dabei, sich der eigenen Atmung mehr und mehr bewusst zu werden, sie wiederzufinden, ihr zu vertrauen, und eine wohltuende Entspannung zu spüren.
Atem- und Bewegungsübungen als weiteres Instrument der Atemtherapie helfen zudem das Lungen- und Herz-Kreislauf-System zu regulieren. Wichtig ist hierbei die Rolle des Zwerchfells - diese grosse Muskel-/Sehnenplatte trennt den oberen vom unteren Brustkorb und ist der grösste und gleichzeitig wichtigste Atemmuskel. An ihm ist der Herzbeutel befestigt, der jeder Auf- und Ab-Bewegung des Zwerchfells folgt.
Hier kommt nun noch die Buteyko-Atemmethode ins Spiel, die mit der Wissenschaft des ruhigeren, sanfteren und weniger Atmens, Ruhe in das Nervensystem und demnach auch in die Herzbewegung bringt (siehe auch mein Angebot zu Buteyko).
Viele hilfreiche Informationen finden Sie ebenfalls auf der von Experten erstellten Webseite:
Altea wird von einem interdisziplinären Team bestehend aus Personen der Bereiche Medizin, Therapie, Kommunikation, Design und Recht betreut.