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Gefangen im 'thäiländischen Wegefeuer'
Das Schicksal eines entwurzelten Thais
Wie ist es möglich, sich nach 30 Jahren in einer fremden Gesellschaft zurechtzufinden, nachdem der Großteil des Lebens in der Schweiz verbracht wurde? Können Sie sich vorstellen, von heute auf morgen in einem Land fernab der Heimat mit 100 Dollar zurechtkommen zu müssen? Das Schicksal des 30-jährigen Thais Aek zeigt, was es bedeutet, sich im vermeintlichen Urlaubsparadies Thailand von heute auf morgen zurechtfinden zu müssen. Der junge Thai wurde im Jahr 2008 aus der Schweiz aufgrund zahlreicher Verstöße für 5 Jahre des Landes verwiesen. Ohne jegliche kulturelle Verwurzelung geschweige denn Vorbereitung fand er sich im 'thailändischen Wegefeuer' wieder...
In einer fremden Welt den Lebensalltag meistern - ohne jede Vorbereitungszeit
Die thailändische Lebensart war Aek bis dato nicht gewohnt. Obwohl er in Thailand geboren wurde, hat ihn seine Mutter im Alter von 5 Jahren in die Schweiz gebracht, wo eine 'neue' Familie auf ihn wartete. Im Kanton Appenzell war er bis zum Jahre 2008 Mitglied einer Patchworkfamilie, bis er aufgrund wiederholter Verletzungen des Ausländergesetzes des Landes verwiesen wurde, als er seine Aufenthaltsgenehmigung erneuern lassen wollte. Schnell fand er sich im Gefängnis wieder, kurz darauf sollte Thailand zwangsweise für 5 Jahre seine neue Heimat werden. Ohne seine Familie und Freunde zu benachrichtigen und mit nur 100 Dollar Starthilfe in der Tasche, begann für Aek eine Reise ins Ungewisse. 5 Jahre Landesverweis sorgten dafür, dass er in Thailand wieder bei null anfangen musste.
Aek konnte eine für thailändische Verhältnisse gute Arbeitsstelle und einen recht großzügigen Arbeitgeber finden. In einer Autowaschanlage unweit seines Wohnortes verdient er für 9 Stunden Arbeit 280 Baht am Tag (dies entspricht 8 Franken). Er arbeitet an 6 Tagen in der Woche und im Krankheitsfall bekommt er kein Gehalt bezahlt, auch die Krankenversicherung ist mit europäischen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Aeks Glück ist, dass sein Arbeitgeber einen Teil der Miete für seinen Wohnraum übernimmt, den er sich übrigens mit Arbeitskollegen aus Kambodscha und Burma teilt. Ohne die Hilfe seines Arbeitsgebers wüsste Aek nicht, wie er in Thailand überleben sollte.
Aek betont, dass er nicht kriminell sei, er habe nur alle Aufforderungen der Behörden nicht immer umgehend befolgt. Schon in der Patchworkfamilie war es während seiner Kindheit immer wieder aufgrund seiner rebellischer Art und der konservativen Mentalität im Osten der Schweiz zu Problemen gekommen. Schließlich schickten ihn seine Stiefeltern in ein Heim für schwer erziehbare Kinder. Diese Trennung von seinen Zieheltern sowie der Tod seines Stiefbruders sorgten für einen tiefen Einschnitt im Leben des jungen Thai. Nach der Schulausbildung blieb er ohne Arbeit, er wurde zu einer Art Wandernomade und fand bei Freunden Unterkunft. 2008 gipfelte diese Entwicklung schließlich in seiner Abschiebung nach Thailand für 5 Jahre. Mit Handschellen wurde er in ein Flugzeug gebracht und ohne Rückflugticket nach Bangkok geflogen. In Bangkok angenommen stand er vor dem nichts: Er musste sich mit 100 Dollar 'Starthilfe' in einer Kultur zurechtfinden, die ihm fremd war. Schließlich war er es nicht gewohnt, auf die thailändische Art zu leben, zu stark waren die Prägungen der Erziehung in der Schweiz. Seine Rettung war eine entfernte Verwandte in der Nähe des Flughafens, bei der Aek die erste Zeit leben konnte.
Thailand - Wegefeuer im Urlaubsparadies?
Vielen Europäern ist Thailand nur als Urlaubsparadies mit herrlichen Stränden ein Begriff. Was auf den ersten Blick als zweite Chance im Urlaubsparadies für Aek aussah, entpuppte sich für ihn als eher als 'Wegefeuer im Urlaubsparadies'. Der junge Thai will in die Schweiz zurückkehren, um seine Familie und Freunde wiederzusehen. Im September 2013 wird seine 'Strafe' beendet sein. Das Leben in einer kulturell völlig anders geprägten Welt ist extrem schwierig, auch wenn Aek eigentlich aus dieser Kultur stammt. Doch in der Schweiz hat er ein anderes Leben mit anderen Werten geführt. Erst in der vermeintlich ausweglosen Situation hat Aek begriffen, dass er in der Schweiz eine zweite Chance haben kann, die er nutzen möchte. Er schließt aber auch nicht aus, irgendwann einmal freiwillig (!) wieder nach Thailand zurückzukommen, um ein Haus zu bauen.
Thailand ist bekannt für seine Traumstrände, eine herrlich exotische Natur, die imposanten religiösen Kultstätten und die boomende Metropole Bangkok, doch das ist nur das touristische Bild, das auf das Schicksal des jungen Aek keineswegs zutrifft. Sie möchten sich ein eigenes Bild über die Kultur und die Mentalität neben den touristischen Schönheiten in Thailand machen? Dann sei Ihnen ein All Inclusive Urlaub mit Neckermann Reisen empfohlen. Tauchen Sie in eine fremde, aber dennoch faszinierende Welt ein und machen Sie sich selbst ein Bild vom 'thailändischen Wegefeuer'.
Quelle: www.swissinfo.ch
pb
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