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Die Forschenden um die Sozialwissenschaftlerin Katja Rost von der Uni Zürich führten mit 420 Probandinnen und Probanden ein aussergewöhnliches Experiment durch: Sie liessen 70 Gruppen von jeweils drei Männern und Frauen eine einfache Rechenaufgabe lösen, wobei sie für jede richtige Antwort Geld gewannen.
In der ersten Runde erhielten alle sechs Gruppenmitglieder Geld für die richtige Lösung. In der zweiten Runde erhielten in einigen Gruppen nur derjenige Teilnehmende das Geld, der die meisten richtigen Antworten hatte. In anderen Gruppen wurde der Gewinner oder die Gewinnerin per Losverfahren aus den drei Teilnehmenden mit den höchsten Punktzahlen ausgewählt.
In der letzten Runde durften die Probanden auswählen, nach welchen Regeln sie spielen möchten. Dabei zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit bei Frauen dreimal so hoch war, nach den riskanteren Regeln zu spielen, wenn sie zuvor in der Losgruppe waren. Demnach liessen sich die Unterschiede im Wettbewerbsverhalten zwischen Frauen und Männer aushebeln.
Frühere Studien wiesen bereits darauf hin, dass Frauen in Führungspositionen unter anderem deshalb unterrepräsentiert sind, weil sie sich selbst bei besserer Qualifikation seltener als Männer um eine Stelle bewerben. Ebenfalls treten Frauen im Durchschnitt nur etwa halb so oft wie Männer in Wettbewerbe oder Turniere ein, in denen nur eine Person siegt. Wer aber nicht am Wettbewerb teilnimmt, kann nicht gewinnen.
Das Los entscheiden zu lassen, nachdem zuerst eine Handvoll geeignete Kandidaten ausgewählt wurden, könnte gemäss den Forschenden mehr Frauen dazu bringen, sich um einen Chefposten zu bewerben.
https://advances.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/sciadv.abb2142
(sda)