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Fall 1: Ein Pferd mit Nasenbluten
Eingesandt wurden 3 kleine, während einer Rhinoskopie entnommene Gewebeproben bestehend aus beige-braunem, brüchigem Gewebe. Die Proben stammten von einem älteren Lusitano-Wallach, der seit einiger Zeit Nasenbluten zeigte. In der Rhinoskopie konnte im Bereich des Ethmoids eine relativ gut begrenzte Schleimhautveränderung mit erhabener, aufgerauter, silbergrauer Oberfläche festgestellt werden (eingekreist), welche bei Probenentnahme stark blutete.
Histologisch stellten sich die Proben als zugebildetes Granulationsgewebe (1) mit ulzerierter und mit serozellulärem Exsudat und Blut bedeckter Oberfläche (2) dar. Ganz oberflächlich liegt eine Schicht aus basophilen bis eosinophilen, länglichen Strukturen (3).
In der grösseren Vergrösserung erkennt man, dass es sich bei diesen oberflächlichen Strukturen um bis zu 25 um lange, sich selten verzweigende, septierte Pilzhyphen mit unterschiedlichem Durchmesser handelt. Einzelne Hyphen sind braun pigmentiert (Pfeilspitzen). Ausserdem sind einige Fruchtkörper sichtbar (Pfeile).
In der Grocott-Versilberung lassen sich die schwarz gefärbten Pilzhyphen und Fruchtkörper (Pfeile) am besten erkennen, da sie sich mit dieser Spezialfärbung besser vom grün gefärbten Gewebe abheben. Diese Färbung ist insbesondere dann angezeigt, wenn nur wenige Pilzstrukturen im Gewebe vorhanden sind.
Diagnose: Nasale Mykose mit pigmentierten Pilzhyphen (Phäohyphomykose)
Kommentar: Eine sichere Bestimmung der Pilzart ist bei hyphenbildenden Pilzen histologisch nicht möglich; dafür ist eine Pilzkultur nötig, welche aber nur mit nativem Probenmaterial gemacht werden kann. Da hier einige pigmentierte Hyphen vorhanden waren, handelt es sich um eine Phäohyphomykose. In unseren Breitengraden sind Infektionen mit pigmentierten Hyphenpilzen meist durch die fakultativ pathogenen, saprophytisch lebenden Alternaria sp. oder Curvularia sp. verursacht. Der typische Erreger der Luftsackmykose des Pferdes und der nasalen Mykose bei Hund und Katze ist Aspergillus sp.. Die makroskopischen Befunde und die sehr oberflächlich liegende Pilzschicht ("Luftmyzel") würden in diesem Fall zu einer Aspergillose passen. Jedoch haben die meisten Aspergillus-Arten unpigmentierte, parallelwandige, 3-5 um breite Hyphen, was hier nicht vollständig zutrifft. In der Literatur sind bei nasalen Mykosen Mischinfektionen mit verschiedenen Pilzspezies beschrieben, was hier wahrscheinlich auch der Fall ist. Da in diesen Biopsien histologisch auch wenig pflanzliches Material nachweisbar war (nicht auf den Fotos), ist die sehr lokale nasale Pilzinfektion sehr wahrscheinlich auf die Aspiration und mukosale Einspiessung von totem, pilzbesiedeltem Pflanzenmaterial zurückzuführen.
Wichtig zu wissen: Gerade bei Aspergillosen sind die Pilzhyphen meist sehr oberflächlich und können bei der endoskopischen Probenentnahme vom darunterliegenden Gewebe wegfallen. Häufig besteht dann das entnommene Material nur noch aus fibrinös-eitrigem Exsudat und Granulationsgewebe ohne erkennbare Pilzstrukturen. Aus diesem Grund empfiehlt Vetscope Pathologie unbedingt die Einsendung von mehreren Gewebeproben, sowohl von oberflächlichem diphteroidem Material als auch von tieferem Gewebe. Für eine zusätzliche Pilzkultur wird Nativmaterial in sterilem NaCl zur Einsendung empfohlen.
Literatur:
- Jubb, Kennedy and Palmer's Pathology of Domestic Animals, 6th ed.
- Nivrutti More, et al., Vet Pathol 2019: Mycotic Rhinits and Sinusitis in Florida Horses.