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Der Untere Grindelwaldgletscher drang während seiner zahlreichen Vorstossphasen innerhalb der Nacheiszeit (letzte 11‘700 Jahre) tief in die Nadelwaldstufe vor, drückte zahlreiche Bäume um und deckte sie mit Moränenmaterial zu, so auch in den Ufermoränen der Stieregg und am Zäsenberg. Während der heute noch andauernden Schwundphase kamen und kommen immer wieder Reste von solchen Bäumen (Stämme, Wurzelstöcke sowie Stamm- und Wurzelteile) zum Vorschein. Stellenweise sind diese sogenannt fossilen Bäume oder fossilen Hölzer noch am ursprünglichen Wuchsort und können hunderte bis tausende von Jahren alt sein.
Vermutlich bei der Stieregg sind bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts solche fossilen Bäume entdeckt worden. Damals war der Untere Grindelwaldgletscher etwas kleiner als während eines Hochstandes. Knapp zweihundert Jahre später, im Jahr 1947, als der Untere Grindelwaldgletscher bereits stark am schwinden war, entdeckte der Grindelwalder Pfarrer Nil einen Baumstamm, der vor rund 700 Jahren starb und auf einen spätmittelalterlichen Gletschervorstoss hinweist. Im Jahr 1973 fand der französische Historiker und Klimaforscher Le Roy Ladurie im Raum Stieregg, Challi und Zäsenberg weitere Bäume, die aus der Zeit des Früh- bis ins Spätmittelalter datieren. Er spricht in diesem Zusammenhang vom «Fossilen Wald in Grindelwald». Mehrere Bäume konnten zwischen 1986 und 2011 in den Ufermoränen Stieregg und Zäsenberg vom Geografen und Gletscherforscher Hanspeter Holzhauser geborgen und mit der Radiokarbonmethode oder Jahrringanalyse (Dendrochronologie) datiert werden. Oftmals war auch der Boden, auf dem die Bäume wuchsen, erhalten geblieben. Die ältesten Bäume datieren aus der Bronzezeit. Die Untersuchungen der Baumarten ergab, dass früher im Raum Stieregg und Zäsenberg mindestens drei Baumarten heimisch waren: die Rottanne, die Arve (Zirbelkiefer) und der Bergahorn. Die Bäume wurden zwischen 70 und rund 380 Jahre alt.
Die Stieregg und der Zäsenberg sind heute ohne nennenswerten Baumwuchs, obwohl bezüglich Höhenlage und klimatischen Bedingungen gute Voraussetzungen gegeben sind. Sehr wahrscheinlich hat der Mensch bereits im Spätmittelalter begonnen, die Hänge bei der Stieregg und am Zäsenberg alpwirtschaftlich zu nutzen, wahrscheinlich als Weideflächen für Schafe und Ziegen. Damit verschwanden auch die Bäume. Die fossilen Bäume sind somit Zeugen aus einer Zeit, in der der Mensch noch nicht oder nur sehr wenig in diese Landschaft imRaum Stieregg-Zäsenberg eingegriffen hat.