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Es ist März 1476, die Burgunder richten ihre Kanonen in Richtung der Eidgenossen aus, die Sprengladung, die Kugel sowie die Zündschnur sind bereit. «Feuer!», ruft ein Burgunder. Ein Soldat zündet die Lunte an, die Funken bewegen sich Richtung Schwarzpulver und was folgt, ist eine Explosion. Das war die Schlacht bei Grandson. Die Burgunder haben die Schlacht trotz ihrer beeindruckenden Artillerie verloren: «Es ist überliefert, dass die Eidgenossen nach der Schlacht bei Grandson burgundische Kanonen erbeutet haben», sagt Ivan Mariano, Direktor des Museums Murten. Verschiedene Geschütze dieses Beutezugs stehen im Museum an der Ryf in Murten. Die Eidgenossen kämpften damals mit Hellebarden und Spiessen. Auch diese sind zu sehen im Museum.
Das Museum wurde 1839 gegründet. Nicht zuletzt, um die eidgenössische Beute der Burgunderkriege der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie für die nächsten Generationen aufzubewahren. Kanonentypen wie Feldschlangen, Bombarden und weitere Waffen sind im untersten Stockwerk des Museums zu sehen, «die meisten gehörten den Truppen von Karl dem Kühnen, dem Herzog von Burgund», erklärt Mariano.
Geringe Treffsicherheit
«Erste Spuren von Artillerie gehen auf das 12. Jahrhundert zurück», erklärt Mariano. «Doch die Kanonen waren damals nicht präzise.» Sie hätten wohl eher der Abschreckung gedient, «treffsicher waren sie nicht», sagt der Museumsdirektor. Erst im 17. und 18. Jahrhundert hätten die Geschütze der Artillerie ihre Ziele genauer getroffen. Und erst zu dieser Zeit habe die Artillerie deshalb an Schlagkraft und Prestige gewonnen. Die Waffen im Museum aus den Burgunderkriegen sind schwer. «Die grossen Feldschlangen haben die Truppen wohl mit den Pferden transportiert», sagt Mariano. «Oder ein Dutzend Männer haben sie gestossen.»
Das Buch der Feuer
Um die schwere Kugel aus der Kanone zu jagen, brauchten die Soldaten Feuer und Sprengstoff. Mariano verweist auf «Das Buch der Feuer», lateinisch «Liber Ignium». Historiker datieren die Rezeptesammlung eines fiktiven byzantinischen Autors Marcus Graecus für Feuerwerkskörper auf Ende des 12. Jahrhunderts. Die Anleitungen stammen aus unterschiedlichen Epochen, einige gehen bis in die Antike zurück. Es gibt Rezepte für das gefürchtete Griechische Feuer aus Pech, Schwefel, Petroleum, Öl, Salz oder für Schwarzpulver, bestehend aus Salpeter mit Kohle und Schwefel, wie einer französischen Übersetzung des Buches des deutsch-französischen Arztes Ferdinand Höfer (1811–1878) zu entnehmen ist.
Ausstellung: Der Brand und eine Bürgerpflicht
D as Thema Feuer sei eine nähere Betrachtung wert, sagt Museumsdirektor Ivan Mariano, «deshalb widmen wir dem Feuer ab Juni eine eigene Wechselausstellung». Hierbei würden die Brände in Murten thematisiert. «In der Ausstellung werden Ledereimer mit Murtner Familienwappen zu sehen sein.» Der älteste dieser Eimer stamme von 1717. Nach dem Brand im Stedtli von Murten vom April 1416 habe es sofort neue Vorschriften gegeben, erklärt Mariano. «Es war eine Bürgerpflicht, einen solchen Eimer im Haus zu haben.» Der grosse Brand im Murtner Stedtli jährt sich dieses Jahr zum 600. Mal. Neben diesem negativen berge das Element Feuer aber auch positive Aspekte: «Schliesslich gilt die Entdeckung des Feuers als Anfang der Zivilisation», sagt Mariano, «denn die Menschen begannen damit, sich rund um das Feuer zusammenzusetzen.» emu