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ZUM TOD DES DEUTSCHEN FILMEMACHERS KLAUS LEMKE
09.07.2022 Der am 13. Oktober 1940 in Landsberg an der Warthe geborene deutsche Filmregisseur und Drehbuchautor Klaus Lemke (Bild) ist am 7. Juli 2022 in München gestorben. Lemkes erster Langfilm "48 Stunden bis Acapulco" machte ihn 1967 bekannt. Sein Durchbruch gelang in den 1970er-Jahren mit Filmen wie "Rocker" und "Amore", der 1979 den Adolf-Grimme-Preis in Silber zugesprochen bekam. In den 1990er-Jahren versuchte er mit Filmen wie "Die Ratte" an seine Erfolge anzuknüpfen. Erst nach der Jahrtausendwende wurde Klaus Lemke wieder gewürdigt: 2009 erhielt er den Norddeutschen Filmpreis für "Dancing with Devils", 2010 folgte der Münchner Filmpreis für seinen Film "Schmutziger Süden". 2011 feierte der Film "3 Kreuze für einen Bestseller" auf der Viennale in Wien und den Hofer Filmtagen Premiere. 2011 drehte Lemke seinen ersten Film in Berlin – "Berlin für Helden". (*)
Bild: Klaus Lemke, 2011 - Foto: © Klaus Lemke, https://www.filmportal.de/person/klaus-lemke_8e82555424b341ceb37fdea0ff361652
"Augentier" und großer Erotomane
Der Regisseur Klaus Lemke gehörte in den 1960er-Jahren zur ersten Riege des Deutschen Autorenfilms. Nun ist der Kiezkönig des Deutschen Films im Alter von 81 Jahren in München gestorben, wie der BR aus dem Freundeskreis des Filmemachers erfuhr.
Knut Cordsen
Mach’s gut, Cowboy!
Lemke, der Regie-Rebell, die Schwabinger Legende, der Straßen-Cowboy und selbst ernannte "Bad Boy" des deutschen Films, ist im Alter von 81 Jahren gestorben – einen Tag, nachdem das Bayerische Fernsehen seinen jüngsten Film "Champagner für die Augen – Gift für den Rest" als TV-Premiere gezeigt hat. Die Dokumentation ist eine Liebeserklärung des Filmemachers ans München der Siebzigerjahre – jene Dekade, in der Lemke seinen späteren Ruf als Kult-Regisseur begründete.
Michael Schleicher
Jäger des flüchtigen Zaubers
Klaus Lemke, der entschlossenste Träumer des deutschen Films, ist tot. Der Schwabinger Kämpfer für ein Kino ohne Drehbuch und Förderung schuf Meisterwerke wie "Rocker" und "Sylvie“.
Tobias Kniebe
Der grosse Anarchist der deutschen Filmbranche
Klaus Lemke hatte seinen ganz eigenen Stil. Er drehte mit Minibudgets und Laiendarstellern, ohne Drehbuch und hasste das mit öffentlichem Geld oder von öffentlich-rechtlichen Sendern finanzierte "Staatskino" und brachte große Roadmovies und Filme hervor, die ob ihres Flairs und ihrer selbstverständlichen Milieuschilderung großen Anklang fanden.
Ein lässig Aufrechter
Sein größter Feind war das "Staatskino". Bis zuletzt polemisierte der Regisseur Klaus Lemke gegen die hiesige Filmförderung, die für ihn gleichbedeutend war mit institutionalisierter Ödnis. Was für einen Gutteil der auf diesem Weg entstandenen Kinofilme auch zutreffen dürfte. Lemke hingegen produzierte lieber für das Fernsehen oder gleich komplett unabhängig. "Non-Government-Movies", hieß das bei ihm.
Tim Caspar Boehme
Seine Stars fand er auf der Strasse
Kaum zu glauben, dass dieser Klaus Lemke seine Mitmenschen nun nicht mehr mit seinen starken Meinungen nerven und mit seinen eigenwilligen, aus der Hüfte geschossenen Filmen verzaubern wird. Am Donnerstag verstarb der am 13. Oktober 1940 in Landsberg/Warthe geborene “König von Schwabing” im Alter von 81 Jahren überraschend nach kurzer Krankheit. Gedreht hatte er bis zuletzt.
Andreas Busche
Kino kommt von Küssen
Lemkes Spiel mit der Coolness war so überzeugend, weil er selbst der Coolste war. Der deutsche Film hat seinen unabhängigsten Geist verloren.
Daniel Kothenschulte
Minimales Budget, große Wirkung
Er entdeckte Stars auf der Straße wie Cleo Kretschmer, Dolly Dollar oder Iris Berben: Klaus Lemke drehte authentische Spielfilme am Subventionssystem vorbei.
feb
Er bleibt uns
Der Regisseur Klaus Lemke hat eine solitäre Werkkette erschaffen: jeder Film dem anderen ähnlich und doch jedes Mal neu, eine Serie von Lemke-Lebensmomenten.
Dominik Graf
Die Deutsche Filmakademie verneigt sich vor diesem großen Filmemacher
Er hat Schauspieler erfunden, die keine waren, allen voran den Großpathetiker Paul Lys, "der in seiner Genialität wie die Rocker provozierend reden konnte" (Lemke), oder wie die Bombe Cleo Kretschmer, oder den sanften Hallodri Wolfgang Fierek, und wie in den letzten Jahren noch gut ein halbes Dutzend andere. Eben nicht von der Schauspielschule sondern am liebsten gleich Stars von der Straße. "Seit 'Rocker' nehme ich Leute in den Hauptrollen, von denen ich das Gefühl habe, daß sie stärker sind als ich." Vor allem Frauen.
Dominik Graf
Seine Arbeiten polarisierten und provozierten
Radikal lenkte Klaus Lemke den Blick auf soziale Schwachstellen. Ende Juni war er noch beim Filmfest München aufgetreten - körperlich schon sichtlich angeschlagen. Er könne nicht mehr gut laufen, sagte er damals und hielt ein Schild hoch: "Kunst kommt von küssen".
Klaus Lemke weckte bei den Deutschen die Lust auf bayrisches Lokalkolorit
Der Filmregisseur und Drehbuchautor Klaus Lemke läutete in den 1970ern eine TV-Ära anhaltender Begeisterung für das Bajuwarische ein. Aus Laien formte er Stars und schrieb Fernsehgeschichte.
Jürg Zbinden
Videos:
Klaus Lemke - Filmemacher - Menschen in München
Filmmakers Live | Klaus Lemke
Klaus Lemke: Filmgespräch zu AMORE (BRD 1978) und HENKER TOM (BRD 1966)
Interview mit Klaus Lemke im Prince Charles Berlin 2012
Rocker 1972 beste Szene (Klaus Lemke)
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