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Seit dem 21. Juni 2011 liegt Santa Lemusa nicht mehr in der Karibik, sondern auf 44º N / 33º W mitten im Atlantischen Ozean. Wie es dazu kommen konnte, erfahren Sie auf diesen Seiten.
Die Medien auf Santa Lemusa sind sich einig, dass die Verschiebung der Insel auf ein «exorbitantes Versagen der politischen Behörden» («Leko») zurückzuführen sei. Sie vermuten «Korruption bis in die höchsten Kreise» («Gazette de Port-Louis») und rechnen mit «kaum absehbaren Folgen für die Zukunft der Insel» (Anat).
Wann aber fingen die Dinge an, sich ungünstig zu entwickeln? War es schon als Agent Hektor Maille in Dakar ein Attentat auf den Präsidenten Senegals verhinderte? Oder erst als er sich in den Ruinen von Angkor Watt verlor? Warum half es nichts, dass er in Australien 12 Arbeiten herakleischen Zuschnitts mit Bravour bewältigte? Und wieso brachte nicht einmal eine Reise zum Kap Horn die nötigen Antworten? Fragen über Fragen – vielleicht der richtige Moment, auf die magische Kraft einer Austerngabel zu vertrauen.
Prolog. Auf einer Höhe von 35'800 km über dem atlantischen Ozean, auf 66º west, rast eine schimmernde Trommel mit der Erde durch Zeit und Raum. Sie gleicht einem silbernen Insekt, dessen Flügel im Sonnenlicht blitzen und gleissen. Getarnt als Wettersatellit, birgt das metallene Tier in seinem Innern ein Geheimnis, das der Menschheit Segen sein könnte – oder aber Fluch.
Episode 1: Der Auftrag – Santa Lemusa. Jenadi Koslow, ein ursprünglich aus Russland stammender Physiker, wird von der kriminellen Organisation eines gewissen Dr. Hing aus seinem Haus in Bitasyon Francelle entführt. Hektor Maille, der beste Mann des lemusischen Geheimdienstes, erhält den Auftrag, den Professor zu finden und ihn aus den Klauen von Hing zu befreien. Die Operation mit dem Codenamen «Mission Kaki» läuft an - doch zuvor gönnt sich Maille noch ein paar Kutteln.
Episode 2: Geheimer Dienst im Senegal. Geführt von einem Funksignal aus der Armanduhr des entführten Physikers landet Hektor Maille im Senegal. Seine Suche führt ihn zunächst auf die Insel Gorée, wo er tief in die Vergangenheit eintaucht. Er begegnet Agent Roff, dem ausserordentlich gut getarnten Mann des «Büros» in Dakar. Auf seinen Rat hin sucht er auch in den Sümpfen nördlich der Stadt nach einer Spur des Professors – und erlebt eine unheimliche Begegnung.
Episode 3: Ballade in Moskau. Maille fährt nach Moskau, um dort Anna Schukowa zu suchen, die frühere Assistentin von Professor Koslow. Alle Hinweise führen zunächst in die Irre – erst der Koch Ruslan Rachmaninow bringt den Agenten schliesslich auf die richtige Spur. Bei der Begegnung mit Schukowa erfährt Maille nicht nur Neues über den Professor und die Forschungen der ORM – es kommen ihm auch Dinge über seine Heimat zu Ohren, die er nie für möglich gehalten hätte.
Episode 4: Mauerspiele in Peking. Auf den Spuren von Dr. Hing fährt Hektor Maille nach Peking. Er verfolgt einen Agenten des berüchtigten «Büro 106» und liefert sich einen dramatischen Kampf auf der Chinesischen Mauer. Die Suche nach Informationen führt den Agenten aus Santa Lemusa in den Sommerpalast, in den Tempel von Konfuzius, hinaus zum Flughafen, in das Restaurant von Ren Zilin und in Pekings Altes Observatorium. Eine Reise, die viel Verwirrendes ans Tageslicht bringt.
Episode 5: Seerosengrüsse aus Schweden. Der Archipelago vor Stockholms Küste ist das Ziel von Hektor Maille in Schweden. Auf der Insel Möja muss der Agent tief in süsslich duftende Gewässer eintauchen und allerlei Wasserpflanzen umrunden. Auf Bullerö wird der Spion aus Santa Lemusa von seiner Wirtin heftig gerügt und bei der Begegnung mit einem schwedischen Backofenklassiker wird er duftechnisch in seine karibische Heimat zurück geschleudert.
Episode 6: Auf Kohlwegen durch Korea. Im Süden von Korea sucht Maille nach Tatjana, der Tochter von Koslow, die sich in einen Kimchi-Fabrikanten verliebt hat. In der Gegend von Gwangju führen ihn seine Recherchen ebenso auf Märkte wie in ein buddhistisches Kloster. In Mokpo lernt er viel über Fisch und fährt schliesslich mit der Fähre auf die Insel Hongdo, wo er Mister Lee kennnlernt – und nebst einigen Antworten vor allem auch ein paar neue Fragen findet.
Episode 7: Im Fieber durch die Emirate. Das Funksignal aus der Uhr von Professor Koslow wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten geortet. Mit grippeschwerem Kopf fliegt Maille an den Golf, wo er die Agentin Enigma trifft – oder sie vielmehr ihn. Er lernt allerlei Tiere kennen, verwöhnt sich mit «Kabab Laham», «Jareesh» und «Foul», wird mit neuester Technologie ausgestattet und bricht schliesslich mit dem Auto in die Wüste auf, wo es zu einer Art Showdown kommt.
Episode 8: Schweigen in Bangkok. Jelena Jansson, die schwedisch-russische Assistentin von Professor Koslow, hat sich nach Bangkok abgesetzt. Maille fliegt hin und versucht herauszufinden, wovor sich die junge Frau fürchtet. Jansson erweist sich jedoch als ausserordentlich schweigsam. Maille übt sich in Geduld und vertreibt sich die Zeit mit Lun in der Küche von Raina und Gobli, zwei Ex-Agenten des lemusischen Geheimdienstes.
Episode 9: Quer durch Indochina. Geführt von Aral, dem V-Mann des lemusischen Geheimdienstes in den Reihen des verbrecherischen Dr. Hing, reist Maille quer durch Indochina. Er macht Bekanntschaft mit der kambodschanischen Nacht und verliert sich in den Ruinen von Angkor Wat. Mit Bus, Fahrrad, Schiff und Flugzeug gelangt er von Siem Reap über Phnom Penh schliesslich nach Ho Chi Minh City.
Episode 10: Kirschblütenschwindel in Tokio. Bevor Hektor Maille seine Arbeit in Japan aufnehmen kann, muss er ein paar kleine Identitätsprobleme und ein grosses Thunfischrätsel lösen. Doch auch unter den blühenden Kirschbäumen von Tokio bleibt er dem entführten Professor auf der Spur. Weder schreckt er vor Kellern zurück, durch die mit wilder Gischt das Meerwasser tobt, noch wirft ihn die japanische Lyrik aus der Bahn.
Episode 11: Zwölf Arbeiten in Australien. Erste Verhandlungen zwischen der Regierung von Santa Lemusa und den Entführern von Professor Koslow sind gescheitert - die Gemüter erregt. Um den guten Willen seines Landes zu beweisen, muss Maille in Australien zwölf schwierige Aufgaben bewältigen und reist dafür von Sydney über Alice Springs bis nach Darwin im Northern Territory.
Episode 12: Sprachlos in Syrien. Auch ein Geheimagent hat mal genug. Noch in Australien erfährt Hektor Maille, dass er nicht wie erwartet nach Santa Lemusa zurück beordert wird, sondern nach Syrien reisen muss. Als er die neuen Befehle erhält, verschlägt es ihm die Sprache – und also reist er ohne Text von Qala'at al-Hosn über Homs und Palmyra zurück nach Damaskus. Ohne Text? Nicht unbedingt – denn vielleicht leihen Sie dem Agenten ja ihre Stimme, eine Idee, einen Moment ihrer Zeit…
Episode 13: Doppeltes Spiel in Feuerland. Die Zeichen von V-Mann Aral lotsen Hektor Maille in das südlichste Patagonien, wo er sich durch den fueginischen Urwald hangeln muss, zu Gletschern hochsteigt und im Schlauchboot über den Beagle-Kanal rast. Am Ende der Welt soll er seine Kleider wechseln, in El Calafate setzt er sich Dinosauriern und den Gefahren einer Erdbeertorte aus – um sich schliesslich am Lago Argentino in einer seltsamen Spiegelung zu erleben.
Episode 14: Stillstand am Südpol. Im endlosen Eis der Antarktis findet Hektor Maille seine Aufgabe nicht. Das stille Weiss wirft ihn ganz auf sich selbst, seine eigene Mechanik und ihre Tücken zurück – ähnlich wie das gewisse Kunstwerke tun, was beim besten Agenten des lemusischen Geheimdienstes spontan ein tiefes Unbehagen provoziert. Ein Grund mehr, sich wie auf einer Reise in die Unterwelt zu fühlen.
Episode 15: Träumen im Kongo. In Kinshasa leidet Hektor Maille an seiner Unfähigkeit, eine eigene Sprache für sein Dasein an diesem Ort mit seiner fiesen Geschichte zu finden. Also beschliesst er, dass die einzige eigene Wirklichkeit, die etwas mit dieser Realität zu tun haben könnte, nur die des Traumes sein kann. Zugleich merkt er, dass sein Aufenthalt in der Demokratischen Republik Kongo auf kuriose Weise zur Verbildlichung des «Kongo ABC's» von Love H Kiri wird.
Episode 16: Mischmasch in Jerusalem. Während seiner Recherchen in Jerusalem drängt sich Hektor Maille der Gedanke auf, dass er für Höheres bestimmt sein könnte als für Arbeit im Dienste des Deuxième Bureau. Auf der Suche nach Wahrheit umschleicht er die Grabeskirche, legt seine Hand auf die Klagemauer, schreitet die Via Dolorosa ab, wird von Licht der Heiligen Lemusa berührt, umrundet den Felsendom und streift durch den Garten, in dem Jesus auferstanden sein soll.
Episode 17: Wortreich Wilder Westen. Auf seiner Reise von Denver nach Los Angeles sieht sich Hektor Maille in eine Vielzahl heroischer Erzählungen verstrickt, die sich wie Projektionen vor seine eigene Geschichte blenden. – Und während der Agent ganz mit seinem Heldentum in diesen Zwischenrealitäten beschäftigt ist, sind wir – quasi unter dem Strich – einen Tag lang mit seiner Köchin Odette auf Santa Lemusa unterwegs.
Episode 18: Auf der Gewürzspur in Maharashtra. Anlässlich seiner Recherchen in Indien werden Hektor Maille die Ingredienzien einer Gewürzmischung zugespielt, in der er seine ganze «Mission» wiederfindet – erinnert doch jede Zutat dieses «Maille-Masala» an eine bestimmte Szene aus einer der 20 Episoden. Für die Nase funktioniert diese Gewürzmischung wie ein Verzeichnis aus olfaktorischen Hyperlinks, von dem aus man sich direkt an die verschiedensten Orte der Welt beamen, in verschiedene Momente der Geschichte verlinken kann.
Episode 19: Mit der Austerngabel durch Paris. Endlich in Paris, der Hauptstadt einer Art von Verfressenheit, wie sie Hektor Maille gefällt. Die beste Gelegenheit, eine Zukunft als Fernsehkoch ins Auge zu fassen, aus der Spitze einer Austerngabel eine Welt zu gebären und schliesslich, nach einem letzten Blick zurück auf 19 abenteuerliche Episoden, in sich selbst zu verschwinden.
Episode 20: Anderswo. Allen Anstrengungen zum Trotz gelingt es Hektor Maille nicht, das Schicksal von Santa Lemusa abzuwenden. Am 23. Juni 2011, in den frühen Abendstunden, wird die Insel entmaterialisiert und nimmt im selben Moment gut 4000 Kilometer weiter nordöstlich wieder Gestalt an – vom Rand der Karibik mitten in den Atlantik hinein, von etwa 14°N / 58°W auf 44°N / 33°W. Zwar findet und befreit der Agent schliesslich den Professor, auf dessen Spuren er viele tausend Meilen kreuz und quer durch den Luftraum des Planeten geflogen ist – die Heimat aber, die er nach so langer Zeit endlich wieder findet, seine Wirklichkeit ist nun anderswo.
Epilog. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass der Schnittpunkt der neuen Koordinaten von Santa Lemusa (44°N / 33°W) genau im Haus von Hektor Maille in Senpuav liegt – genauer noch in seiner Küche, mitten im Gaskreuz des Herdes, über dem er seine Ragouts und Suppen zu köcheln pflegt. Auch hat es natürlich seinen Grund, dass bei Rückkehr des Agenten auf ebendiesem Herd ein Topf mit Sorpotel steht.