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Marc Rosset, Turnierdirektor der Geneva Open, freut sich über die Teilnahme von Stan Wawrinka in Genf und verrät, wieso er Roger Federer in Rom vom Platz «geschleift» hätte.
Marc Rosset, wie gross ist die Freude darüber, Stan Wawrinka in Genf spielen zu sehen?
Natürlich freuen wir uns sehr. Hier war er in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Und wenn es in Genf gut lief, spielte er oft auch bei den French Open gut. Ich kann ihm in diesem Jahr nur die gleiche Erfahrung wünschen. Ich hoffe, Stan wird hier gut spielen, sein Selbstvertrauen aufbauen und in guter Form in Paris ankommen.
Wie bewerten Sie Stan Wawrinkas Niveau auf Sand, wenige Tage vor Beginn der French Open?
Er spielt sehr gut. Ich habe seine Spiele in Madrid und Rom gesehen. Gegen Nishikori spielte er toll, sehr solide und spielte auch die Rückhand longline. Typisch Stan, wie bei seiner Bestform vor ein paar Jahren. Gegen Nadal in der Night Session war es dann ein seltsames Spiel, bei dem er nicht wirklich präsent wirkte. In Italien gewann er den ersten Satz gegen Goffin, bevor er seltsamerweise den Faden verlor. Das Wichtigste für ihn war, nach der Verletzung zurück auf die Tour zu kommen und wieder anzutreten. Dadurch, dass Stan nun wieder zu den Top 32 gehört, ist er bei den Grand Slams gesetzt. Das war zum Beispiel in Australien nicht der Fall. Das ist sehr wichtig, um eine komplizierte erste Runde zu vermeiden, ATP-Punkte zu sammeln und in die vorderen Pltze der Rangliste zurückzukehren. Bei Roland Garros wird er damit in den ersten beiden Runden schwierige Gegner vermeiden können ... Und wenn Stan anfängt, drei oder vier Spiele bei Grand-Slam-Turnieren zu gewinnen, wird er für alle gefährlich.
Wie bewerten Sie die Rückkehr von Roger Federer auf Sand?
Ich finde das wunderbar. Wir reden immer noch von einem Kerl, der seit zwei Jahren nicht mehr auf Sand gespielt hat. Er kommt zurück und erreicht zwei Viertelfinals bei Masters-1000-Turnieren. Viele Spieler würden sich freuen, solche Ergebnisse zu erzielen. Es ist klar, dass diese Leistungen im Vergleich zu seinen anderen Erfolgen nur eine Randnotiz sind. Sie beweisen aber auch seine phänomenale Anpassungsfähigkeit an verschiedene Unterlagen. Ich glaube, er ist bereit für Roland Garros. Ob er die French Open gewinnen kann? Bei Spielern wie Nadal, Djokovic oder Thiem ist es kompliziert. Auf Sand sind sie heute vielleicht besser. Aber die Schwierigkeit von Sand ist, dass er lebendig ist. Es ist möglich, auch bei Regen zu spielen. Unter diesen Bedingungen wird der Sand schwer, was Nadal nicht passt, da es seinen Spin verlangsamt. Die Oberfläche ist daher je nach Wetterlage unterschiedlich. Deshalb ist Sand eine Falle. Wenn das Wetter in Paris gut wird und die Bedingungen schnell werden, dann wäre es für Federer von Vorteil.
Sind Sie besorgt über Federers Forfait in Rom?
Nein, er könnte nur irgendwo ein kleines Ziehen gespürt haben. Das Verletzungsrisiko ist am grössten, wenn man müde ist. Roger versucht bei der Turnierplanung darauf zu achten, so wettbewerbsfähig wie möglich zu sein, hat aber auch stets im Hinterkopf, so lange wie möglich zu spielen. Falls es also ein Risiko gegeben hätte, wäre ich der Erste gewesen, der ihn an den Haaren vom Platz geschleift hätte (lacht)! Aber wenn er wie diese Saison auf Sand antritt, geht es vor allem darum, eine lange Pause zu vermeiden. Letztes Jahr in Wimbledon fehlte Federer nach einer dreimonatigen Pause gegen seine härtesten Gegner ein wenig das Tempo und die Matchpraxis. So spielt er jetzt nicht unbedingt auf Sand, um gleich alle Turniere zu gewinnen, sondern um sich mit Spielern wie Thiem messen zu können. Dadurch kann er sein Niveau verbessern, die French Open spielen und sich dann auf Wimbledon vorbereiten.
In dieser Sandplatzsaison gab es mit Fognini, Djokovic, Thiem, Tsitsipas und Nadal verschiedene Turniersieger. Was halten Sie davon?
Es ist cool, auch wenn Nadal natürlich Top-Favorit für Roland Garros bleibt. Er hat so viele Male in Paris gewonnen und jetzt noch auf beeindruckende Art in Rom triumphiert ... In den früheren Jahren gewann Rafa fast alles und vernichtete dabei alle seine Gegner. In dieser Saison konnte er sich wegen seiner Verletzung etwas weniger vorbereiten. Allerdings hat er im Verlauf der letzten Wochen an Stärke gewonnen. Die French Open beginnen mit mehreren Turniersiegern, wie mit Tsitsipas, der grosse Erfolge feiern konnte ... Es ist also schöner, wenn ein Grand Slam auf diese Weise startet als mit einem Kerl, der alle abgezockt hat. Es scheint offener zu sein, auch wenn Nadal schwer zu schlagen sein wird.
Wenn Nadal Ihr Favorit ist, welche Rolle können die beiden besten Schweizer spielen?
Federer kann mit seiner Platzierung und seinem Spielniveau die zweite Woche erreichen. Ich würde mir auch wünschen, dass Wawrinka mehrere Runden übersteht. Natürlich hängt auch alles vom Tableau ab, aber er hat in Madrid bewiesen, dass er keine Angst haben sollte. Noch weniger auf Sand und über fünf Sätze.