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Medienbericht von der Sitzung der ausserordentlichen Synode der Reformierten Landeskirche Aargau am 27. Mai 09 in Aarau
«Sicher kein Prunkbau»
118 der 180 Synodalen der
Reformierten Landeskirche Aargau kamen am Mittwochabend zur
ausserordentlichen Synodesitzung in den Grossratssaal in Aarau. Zwei
Stunden und ca. 25 Wortmeldungen später hatten sie das einzige
Traktandum, eine Interpellation zum geplanten Büroneubau der
Landeskirche im Stritengässli in Aarau, erschöpfend diskutiert.
Synodepräsident Daniel Hehl schloss die Sitzung mit der Feststellung,
dass die Interpellation damit als beantwortet gelte. Die meisten
Votanten hatten sich mit den Antworten des Kirchenrates sehr zufrieden
gezeigt, gleichzeitig aber auch die Bedeutung der ausführlichen
Informationen betont.
Nachdem Daniel Hehl zum Anfang sieben neue Synodale in Pflicht genommen hatte, erklärte er zunächst die Spielregeln für die Behandlung der Interpellation und erweiterte die Redezeit für die einleitenden Voten auf 20 Minuten. Die Interpellation «Haus am Stritengässli» war bereits im Februar von Pfr. David Lentzsch, Synodaler aus Seengen, und 28 Mitunterzeichnenden eingereicht worden. Die Synodalen hatten 41 Fragen an den Kirchenrat gerichtet zu den sechs Themenbereichen «zum Kirchenbild», «zur Liegenschaft an der Augustin-Keller-Strasse», «zum Haus der Kirche am Stritengässli», «zur Rolle der Pensionskasse» sowie «Fragen finanzieller Natur». Da der Kirchenrat die 41 Fragen der Interpellation bereits im Vorfeld schriftlich zuhanden der Synodalen beantwortet hatte, mussten an der Sitzung selbst die meisten Fragen nicht mehr im Detail besprochen werden. Viele Wortmeldungen betonten dann auch, dass der Kirchenrat die Fragen gründlich und überzeugend beantwortet habe, so dass manche Sprechenden Zweifel an der Notwendigkeit einer ausserordentlichen Synodesitzung äusserten. Andere wiederum betonten das Recht, angesichts der vielen, bis vor Kurzem noch offenen Fragen alle demokratischen Mittel eines reformierten Kirchenparlaments einsetzen zu dürfen.
Diese Meinung vertrat als erster Redner auch der Interpellant David Lentzsch, Seengen, der zur Begründung der Interpellation auf die Geburtsgeschichte Jesu zurückgriff und die Synode, die doch eigentlich der «Vater» des Neubaus der Landeskirche sein sollte, mit dem Joseph im Matthäusevangelium verglich, der auch nicht so recht wusste, «wie er zu dem Kind seiner Verlobten Maria kam». Es sei in der Synode zwar immer wieder mit Bildern und einzelnen Zahlen die Idee eines Büroneubaus der Landeskirche vorgestellt worden, aber ohne expliziten Auftrag der Synode. Und als die Schwangerschaft dann immer deutlicher wurde, sei für ihn die Notwendigkeit einer ausführlichen Aussprache über alle offenen Fragen unausweichlich geworden, da dieses neue «Kind» der Landeskirche auch zusätzliche Kosten verursache.
Kirchenratspräsidentin Claudia Bandixen wies in ihrer Antwort auf den grundsätzlichen Charakter einiger Fragen in der Interpellation hin, auf die der Kirchenrat mit grundsätzlichen Überlegungen zur Aufgabe und Zukunft der Aargauer Landeskirche in seinen schriftlichen Ausführungen geantwortet habe. Claudia Bandixen begrüsste die umfassenden Fragen der Interpellation und die dazugehörenden Zweifel als sehr hilfreich. Sie ging dann vor allem auf eine der grundsätzliche Fragen ein: «Sollte, statt in den Ausbau der Verwaltung und der zentralen Dienste, nicht eher in die Lebendigkeit und den Erhalt der Kirchgemeinden investiert werden? Sollte sich die Landeskirche nicht mit dem Dienst an den Kirchgemeinden bescheiden, statt zur Herrin über sie zu werden?» Anhand einer Grafik über die unterschiedlichen Leistungen und Tätigkeiten der Landeskirchlichen Dienste, erläuterte sie, dass der Hauptteil der Arbeit im Dienst der Kirchgemeinden geschehe und weniger als ein Drittel kantonale Verwaltungsaufgaben betreffe. Und überhaupt sei, so Bandixen, «ein hierarchisches Kirchenverständnis, wie es in dieser Frage angesprochen wird, unserem reformierten Denken fremd».
Kirchenrat Hans Rösch, verantwortlich für die Finanzen der Landeskirche, erläuterte die Berechnung der finanziellen Mehrbelastung durch die neuen Arbeitsplätze von 100 000 bis 125 000 Franken im Jahr. Er ist überzeugt, dass die Partnerschaft mit der Bauherrin Fretz AG und der landeskirchlichen Pensionskasse als Investorin eine besondere Chance darstelle, die zum Vorteil aller Beteiligten genutzt werden sollte. Er versprach, dass bei der Planung gespart werde, wo es sinnvoll und möglich sei. Es gehe hier «nicht um einen Prunkbau sondern um einen Zweckbau» – eine Einschätzung die im Blick auf manche beeindruckenden Pfarrhäuser im Kanton auch von der Synodalen Doris Lüscher Müller, Uerkheim, geteilt wurde.
Kirchenrätin Myriam Heidelberger Kaufmann vervollständigte als Mitglied der Verwaltungskommission der Pensionskasse schliesslich die Antwort des Kirchenrates mit der überzeugenden Darlegung, warum die Pensionskasse das geplante Bürogebäude als willkommene Immobilieninvestition und sichere Rendite betrachte.
Nachdem der Interpellant David Lentzsch in seiner Replik die Notwendigkeit einer weiteren Aussprache zur Interpellation begründet hatte, stimmte die Synode mit 71 zu 43 Stimmen für die offene Aussprache. In der nun folgenden Diskussion sprach zunächst Jürg Hochuli für die Geschäftsprüfungskommission und legte die einhellige Position der GPK dar: Sie war schon sehr früh und immer wieder über die Versuche des Kirchenrates, eine Lösung für die Arbeitsplatzsituation zu finden, informiert worden. Sie schätze die offene und transparente Information des Kirchenrates und stehe einstimmig hinter dem Projekt Stritengässli. Hochuli bemängelte allerdings, dass im Vorfeld keiner der Interpellanten bei der GPK nachgefragt habe. Stil und Tonalität einiger Fragen in der Interpellation, die mit Unterstellungen operieren würden, entsprächen zudem nicht dem von der GPK bevorzugten Umgangston.
In der Aussprache tauchten dann noch ein paar weitere Detailfragen zum Neubau, zu Büroflächen pro Arbeitsplatz, dem möglichen Bezugsdatum, hängigen Einsprachen gegen das Baugesuch oder der Verkehrs- und Parkplatzsituation im Stritengässli auf. Sie konnten von Claudia Bandixen und Hans Rösch durchwegs beantwortet werden. Spannend wurde es noch einmal, als die u.a. von Aarauern und einigen Pfarrern ins Spiel gebrachte Alternative eines Pavillons für zwölf Arbeitsplätze im Park hinter dem Bullingerhaus am Stadtbach diskutiert wurde. Da diese Alternative aufgrund der nötigen Tiefgarage sehr teuer und wegen des beliebten Parks wohl auch umstritten sein würde, lehnt sie der Kirchenrat aufgrund einer Expertise ab. Auch die Synodale Barbara Fischer erklärte als Präsidentin der Kirchgemeinde Aarau, dass die Kirchenpflege inzwischen das Projekt im Stritengässli unterstütze – in der Hoffnung, dass auch die neue Mieterin in der Augustin-Keller-Strasse das Bullingerhaus rege nutzen werde.
So blieb nach gewalteter Diskussion von zwei Stunden der Eindruck, den unter anderen Dora Vögele, Umiken, oder Daniel Bosshard, Aarburg, zum Ausdruck brachten: Der Kirchenrat habe auf alle Fragen gründlich und überzeugend antworten können, aber die detaillierten Informationen seien notwendig, die Aussprache hilfreich gewesen. Die Abstimmung über die Grundsatzfrage, ob sich die Landeskirchlichen Dienste im Büroneubau am Stritengässli einmieten dürfen, die wird allerdings erst an der ordentlichen Synode am 10. Juni in Menziken stattfinden – dann mit mindestens einem Drittel mehr anwesenden Synodalen.
Meldung verfasst von: ria / Frank Worbs.
Aufgeschaltet am 28. Mai 2009
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