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Zwischen dem täglichen Konsum von Cannabis und dem Risiko, eine Psychose zu entwickeln, besteht ein deutlicher Zusammenhang. Das gilt vor allem dann, wenn die Cannabis-Droge viel Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) enthält. Zu diesem Schluss kommt eine Fall-Kontroll-Studie aus elf Regionen in England, Frankreich, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Spanien und Brasilien, die im Fachjournal »The Lancet Psychiatry« publiziert wurde (DOI: 10.1016/S2215-0366(19)30048-3).
In Städten wie Amsterdam und London, in denen Cannabis mit ho- hem THC-Gehalt relativ gut erhältlich ist, habe ein signifikanter Anteil der Neudiagnosen von Psychosen mit dem täglichen Gebrauch von hoch potentem Cannabis in Verbindung gestanden, schreiben die Wissenschaftler um Dr. Marta Di Forti vom King’s College in London. Die Forscher stellten fest, dass in London drei von zehn Psychotikern täglich Cannabis konsumiert hatten, in Amsterdam traf dies sogar auf jeden zweiten zu.
Studienleiterin Marta Di Forti schreibt:
»Unsere Ergebnisse stimmen mit denen vorheriger Studien überein, wonach der Gebrauch von Cannabis mit THC-Konzentrationen über 10 Prozent mehr schädliche Effekte auf die geistige Gesundheit hat als der Gebrauch schwächerer Sorten.«
Ihr Team habe zum ersten Mal nun auch zeigen können, wie Cannabiskonsum die Inzidenz psychiatrischer Erkrankungen auf Bevölkerungsebene beeinflusse.
Für ihre Studie untersuchten die Forscher, wie viele Erstfälle von Psychosen überhaupt zwischen 2010 und 2015 aufgetreten waren. Danach verglich das Team die Anamnese von 901 Patienten mit den Risikofaktoren von 1237 Kontrollpersonen. Dabei zeigte sich, dass beinahe jeder dritte Patient mit Neudiagnose Psychose (29,5 Prozent) täglich Cannabis konsumiert, im Gegensatz zu 6,8 Prozent in der Vergleichsgruppe. Auch hatten 37,1 Prozent der Psychose-Patienten schon einmal Cannabis mit hohem THC-Gehalt genommen, im Vergleich zu 19,4 Prozent in der Vergleichsgruppe.
Die Wissenschaftler zogen aus ihren Berechnungen den Schluss, dass tägliche Cannabis-Nutzer ein dreifach erhöhtes Risiko für eine erstmalige psychotische Episode hatten im Vergleich zu Personen, die noch nie Cannabis probiert hatten. Bei täglichem Konsum von hochpotentem Cannabis steigerte sich das Risiko sogar um das Fünffache. Die Forscher schätzen, dass im durchschnittlich jeder fünfte Psychose-Fall an den Studienorten mit täglichem Cannabiskonsum assoziiert war.
In Amsterdam sind nach Angaben der Wissenschaftler Cannabissorten mit einem THC-Gehalt von bis zu 67 Prozent erhältlich. Wäre nur Cannabis mit einem Gehalt von weniger als 10 Prozent verfügbar, könnte die Psychose-Inzidenz in Amsterdam von gegenwärtig 37,9 Fällen pro 100 000 Personenjahre auf 18,8 sinken, erklären die Forscher. In London, wo die am häufigsten auf der Straße verkaufte Cannabis-Sorte durchschnittlich 14 Prozent THC enthalte, könnte die Rate von gegenwärtig 45,7 auf 31,9 pro 100 000 Personenjahre sinken.
Quelle:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/fileadmin/jahrgangspdf/2019/PZ_13_2019.pdf
Kommentar & Ergänzung:
Schon seit längerem verdichten sich die Hinweise darauf, dass die hochgezüchteten THC-Gehalte in vielen Cannabissorten ein Problem darstellen. Diese Studie verstärkt solche Befürchtungen.
Als weiteres Risiko gilt früh einsetzender Cannabiskonsum bei Jugendlichen. Siehe dazu:
Trotz diverser Risiken bei Missbrauch ist Cannabis bei verschiedenen Krankheiten eine ernstzunehmende Arzneipflanze mit Potenzial, zum Beispiel zur Linderung von Spastik bei MS-Kranken oder bei Übelkeit und Appetitlosigkeit als Begleiterscheinung von Krebstherapien.
Mehr dazu im Heilpflanzen-Infoportal: