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Die 2010er-Jahre erleben einen regelrechten Boom der Filme über die Weltraumfahrt. Neben dem Revival von altbewährten Erfolgsrezepten aus dem Science-Fiction-Genre wie der gelungenen Fortsetzung der Star Wars-Reihe und deren Spin-Offs begeben sich viele namhafte Regisseure ins Weltall und entzücken ihr Publikum mit eindrucksvollen Werken. Alfonso Cuaróns Gravity, Christopher Nolans Interstellar oder Ridley Scotts The Martian spielten beispielsweise allesamt wichtige Rollen an den Oscarverleihungen. Der letzte erfolgreiche Film über die Mondlandung liegt jedoch ein paar Jahre weiter zurück. 1995 erschien Ron Howards Apollo 13, welcher von der dritten Raumfahrt-Mission der NASA zum Mond erzählt.
Damien Chazelle wagt sich in First Man nun an das historische Ereignis um die allererste Mondlandung. Und wer soll sich für ein solch ambitioniertes Unterfangen besser eignen als der talentierte junge US-Regisseur, der in Harvard studierte? Für die Besetzung von Neil Armstrong setzt Chazelle auf einen alten Bekannten. Wie bereits in ihrer letzten erfolgreichen Kollaboration La La Land, schlüpft der smarte Ryan Gosling erneut in die Hauptrolle. Zwar muss er diesmal nicht mehr singen, tanzen und Piano spielen, aber bezüglich der Komplexität des Charakters verlangt ihm die Rolle von Armstrong deutlich mehr ab.
Dies liegt vor allem daran, dass Chazelles Film weder ein vollgepacktes Biopic noch einen Thriller oder Actionfilm darstellt. First Man ist ein Drama, welches sich mit dem Lebensabschnitt von Neil Armstrong in den Jahren unmittelbar vor und während seiner Mission zum Mond auseinandersetzt und dabei tief auf die Psyche der Figur eingeht. Gosling spielt einen Mann, der unter enormem Druck steht; einerseits aufgrund der riesigen Verantwortung, die er als Kommandant der Apollo 11 trägt, und andererseits wegen seinen Pflichten als Familienvater, welche er zunehmend vernachlässigt. Claire Foy leistet ebenfalls herausragende Arbeit als verzweifelte Ehefrau, die unerbittlich versucht, ihren Ehemann davon abzuhalten, sich komplett zu isolieren und zu distanzieren.
Auch wenn der Fokus in First Man auf der Psyche des Protagonisten liegt, kommt die Raumfahrt keineswegs zu kurz. Die Trainingseinheiten der NASA sowie die Reisen ins Weltall präsentieren sich als audiovisuelle Wucht mit spannungsgeladenen, nervenzerreissenden Szenen, in welchen es rüttelt, dröhnt, zischt und kracht, was das Zeug hält. Diese Momente erinnern an die intensiven Schlagzeug-Übungen aus Whiplash. Und auch der Soundtrack von Justin Hurwitz, mit dem Chazelle bereits in den Vorgängerwerken zusammenarbeitete, begeistert. Hurwitz schöpft aus dem Vollen und packt klassische romantische Melodien, tickende rhythmische Sounds und Hits aus den Sechzigerjahren mit rein. Fans von La La Land und Kubricks 2001: A Space Odyssey dürfen sich über schöne Referenzen freuen.