Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03510.jsonl.gz/1112

Buchrezensionen
Die Familiengeschichte der Schweizerin Emma Olivares mit chilenischen Wurzeln führt uns von der armseligen Psychiatrie am Bodensee bis in die Wüste Chiles, in der auf brutalste Weise Salpeter gewonnen wurde.
Bild: Die Hafenstadt Valparaiso in Chile. / Lewak (PD)
Mit achtzehn verlässt der abenteuerlustige Enrique seine gewohnte Umgebung und macht sich auf in ein mysteriöses Salpeterwerk in der chilenischen Atacamawüste, das auf keiner Karte verzeichnet ist: die Flor de nieve, Edelweiss.
Dort setzt er sich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ein. Da er sein Wort gegeben hat, niemandem zu verraten, wo dieses liegt, meldet er sich jahrelang nicht bei seiner Familie. Seine Eltern und die Patentante entscheiden sich voller Sorge, nach ihm zu suchen.
In der Schweiz wird Margrit 1940 in die Psychiatrie gebracht mit der Diagnose paranoide Schizophrenie. Ohne einen jungen Arzt und seine Frau wäre sie dort für immer in einem Dämmerzustand versunken. Aber die beiden sind davon überzeugt, dass Margrits Äusserungen, ihre Wut und auch die Stimmen, die sie hört, eine Bedeutung haben.
Als sie das letzte Puzzle ihres Traumas entdecken, können die Geschichten von Enrique und Margrit zusammenfinden.
Emma Olivares wurde 1968 in Winterthur, Schweiz, geboren. Ihre Mutter war Chilenin, ihr Vater Schweizer. Sie hat einen starken Bezug zu Lateinamerika.
Nach einer kaufmännischen Lehre studierte sie Französische und Englische Literatur und Linguistik. Zweieinhalb Jahre arbeitete sie in der Kommunikationsabteilung einer kolumbianischen Menschenrechtsorganisation in Bogotá. Ihre Schreibleidenschaft führte sie zum Journalismus und schliesslich zur Schriftstellerei.
Dies ist ihr erster Roman. Zu ihren literarischen Vorbildern gehören Isabel Allende und Almudena Grandes.
Emma Olivares: Chile-Salpeter und Edelweiss. Edition Contra-Bass, 2020. 352 Seiten. ca. 22.00 SFr, ISBN 978-3-943446-51-7