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Im letzten Rennen der nationalen Garmin Bike Marathon Serie in Einsiedeln zeigte ich nochmals eine starke Leistung. Dank einem konstanten Rennen erreichte ich auf der Langdistanz-Strecke in der Tageswertung den 3. Rang hinter Esther Süss und Cornelia Hug. Dank diesem Podestplatz holte ich mir zum Abschluss meiner Karriere erstmals den Gesamtsieg in der Garmin Bike-Marathon Serie über die Langdistanz.
Das Iron Bike Race in Einsiedeln ist traditionell der Saisonabschluss der Bike-Marathon Rennen in der Schweiz. Knapp 1‘600 Bikerinnen und Biker nutzten die perfekten äusseren Bedingungen und nahmen eine der drei angebotenen Strecken (53 km / 77 km / 101 km) unter die Räder. Ich startete als Leaderin der Gesamtwertung in mein letztes Rennen. Nachdem sie in den Jahren 2011, 2012 und 2013 jeweils die Mitteldistanz-Serie für sich entscheiden konnte und in den vergangenen zwei Jahren in der Langdistanz-Serie den zweiten Platz belegte, wollte ich diese Lücke in ihrem Palmarès unbedingt schliessen. Somit ging es für mich darum, auf den für sie letzten 101 Rennkilometern und 3‘600 Höhenmetern noch einmal die maximale Leistung aus sich herauszuholen. Nach den schwierigen letzen Wochen, wusste ich nicht so recht, was mein Körper noch zu leisten vermag. Zudem war es schon ein spezielles Gefühl, nach 18 Jahren das letzte Mal an einer Startlinie zu stehen. Ich versuchte mich, so gut es ging zu konzentrieren und fokussieren.
Der Start gelang mir optimal. Auf den ersten flachen Kilometern konnte ich mich weit vorne im Feld behaupten. Nach acht Kilometern folgte der ersten Anstieg Richtung Etzel. Esther Süss und Cornelia Hug schlugen ein hohes Tempo an, welches ich leider nicht ganz mitgehen konnte. Ich versuchte in der Folge einen eigenen guten Rhythmus zu finden. Meine Beine fühlten sich nicht sehr toll an, aber ich versuchte ruhig zu bleiben, denn das Rennen dauerte noch lange. Erst im Anstieg auf die Sattelegg und später nach Wisstannen konnte ich mein Tempo erhöhen. Auch in den Abfahrten fühlte ich mich immer besser und sicherer. Der Rückstand auf Esther Süss, welche sich nach rund 30 gefahrenen Kilometern von Cornelia Hug absetzte, betrug bei Rennhälfte in Studen knapp 6 Minuten. Ich meinerseits hatte auf die viertplatzierte Janine Schneider aus Deutschland einen Vorsprung von rund 5 Minuten herausgefahren. Florence Darbellay und Andrea Ming folgten knapp dahinter. Aufgrund der sehr guten Resultate in den bisherigen Rennen musste Nadia Walker im Minimum den fünften Platz belegen, um sich den Sieg in der Gesamtwertung zu sichern. Somit war auch im zweiten Streckenabschnitt für die nötige Spannung gesorgt.
Was ich bereits im Anstieg nach Wisstannen ahnte, bestätigte sich im Flachstück von Studen nach Unteriberg – ich verlor Luft aus meinem Vorderreifen. Zuerst wollte ich stoppen und einen Schlauch einlegen, aber dann entschied ich mich zum weiterfahren, denn ich wusste, dass in Oberiberg meine Betreuer mit einem Ersatzrad stehen würden. Ganz einfach war mein Unterfangen nicht, gerade in den Kurven musste ich extrem aufpassen, da ich wirklich nicht mehr viel Luft im Reifen hatte. Irgendwie schaffte ich es dann aber doch bis Oberiberg und dort bekam ich dann das ersehnte „neue“ Vorderrad. Nach dem kurzen Halt folgte der Anstieg zum Haupthindernis des Tages – der „Spirstock“. Leider machten sich bei mir erste Krampferscheinungen bemerkbar und so musste ich das Tempo etwas drosseln. Der Rückstand auf die die vor mir Fahrenden Esther Süss und Cornelia Hug wuchs konstant an. Ich beschränkte mich anschliessend darauf, die hinter mir platzierten Fahrerinnen zu kontrollieren – der Tagessieg lag heute nicht in Reichweite.
Mit der Aussicht auf den Gesamtsieg riskierte ich in der technischen Abfahrt vom Spirstock zur Ibergeregg nichts mehr und fuhr sehr vorsichtig, schliesslich wollte ich nicht nochmals einen Defekt riskieren. Dieselbe Taktik wählte ich dann auch in der Abfahrt zum Brunni. Es ging alles gut, aber es lagen immer noch knapp 20 Kilometer und 400 Höhenmeter, verteilt auf zwei Anstiege vor mir. Es wurde nichts aus meinem Vorsatz „die letzten Rennkilometer meiner Karriere zu geniessen“. Ich musste nochmals extrem auf die Zähne beissen und die letzten „Körner“ aus meinem Körper pressen. Nach 5 Stunden und 28 Minuten war es dann soweit, ich überquerte die Ziellinie in Einsiedeln als umjubelte Drittplatzierte und insbesondere als Gesamtsiegerin der Garmin Bike Marathon Serie.
Mit dem dritten Rang habe ich das Maximum herausgeholt. Ich bin froh, dass mein Körper nach den sehr schwierigen und emotionalen Wochen doch noch so gut „mitgespielt“ hat. Meine zahlreich angereisten Fans liessen es sich nicht nehmen, mich auf der eindrücklichen Zielgerade vor dem Kloster Einsiedeln lautstark zu feiern. Die Zieleinfahrt in Einsiedeln war wunderschön und äusserst emotional. An dieser Stelle möchte ich ihnen ganz herzlich für die Unterstützung und die wunderschönen Transparente bedanken. Ihr wart der echte „Oberhammer“! Ich bin sehr glücklich, dass ich meine Bikekarriere nach 18 Wettkampfjahren auf dem Höhepunkt beenden kann.
In der Tat verlief meine letzte Saison als Rennfahrerin ausgesprochen erfolgreich. Bei 4 der 5 Rennen der Garmin Bike Marathon Serie fuhr ich aufs Podest. Der Gesamtsieg war die logische Konsequenz. Zudem konnte ich weitere 8 Rennen für mich entscheiden. Speziell zu erwähnen ist der fünfte Sieg in Serie beim Bikeklassiker Nendaz – Grimentz inklusive Streckenrekord (erste Frau unter 6 Stunden). Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich der Gewinn der Silbermedaille an der Bike-Marathon Schweizer Meisterschaft in Evoléne. Meine Saisonziele habe ich allesamt erreicht oder gar übertroffen. Nun freue ich mich darauf, nach 18 Jahren Wettkampfsport einen Gang runter zu schalten. Ich bin dankbar für die tolle und lehrreiche Zeit und möchte allen Personen danken, die mich auf diesem erfolgreichen Weg begleitet haben.