Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/216157

<h2>SubmittedText<h2><p>Der ehemalige Zürcher Kantonsarzt bestätigte gemäss Tages Anzeiger vom 17. September 2020 im Sommer 2019 für den Bezirk Andelfingen ein erhöhtes Hirntumorrisiko für Kinder. Diese Zahlen wurden der Öffentlichkeit bislang vorenthalten. Der Forderung von Betroffenen für eine wissenschaftliche Untersuchung wurde nicht nachgekommen. Einer Studie des Berner Institut für -Sozial- und Präventivmedizin vom Frühling 2020 bestätigte, dass sowohl im Berner Seeland als auch im Zürcher Weinland für Kinder ein erhöhtes Hirntumorrisiko besteht. Die Forschenden vermuten einen Zusammenhang mit krebserregenden Pestiziden in Grundwasser, in der Nahrung oder in der Luft. Auch Landwirtinnen und Landwirte kommen in starkem Mass mit Pestiziden in Kontakt. </p><p>In Frankreich ist der Zusammenhang zwischen der Parkinsonkrankheit und der Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft anerkannt. Die französischen Landwirte haben erwirkt, dass Parkinson als Berufskrankheit anerkannt ist. Auch in Deutschland wird geprüft, ob Parkinson bei Landwirtinnen und Landwirten als Berufskrankheit anerkannt wird. </p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Kann der Bundesrat die obengenannten Fakten bestätigen und mit Zahlen belegen?</p><p>2. Offenbar hatte der Kanton Zürich Kenntnis über ein regional erhöhtes Krebsrisiko bei Kindern, informierte aber die Öffentlichkeit nicht. Hat der Bundesrat Kenntnis über erhöhte Krankheitsrisiken der Bevölkerung und ist er bereit die Öffentlichkeit darüber zu informieren?</p><p>3. Ist der Bundesrat bereit die Informationen der kantonalen Gesundheitsbehörden zu sammeln, auszuwerten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen?</p><p>4. In der Schweiz besteht seit dem 1. Januar 2020 ein nationales Krebsregister. Wann sind die ersten Auswertungen zu erwarten? Kann anhand dieses Registers ein Zusammenhang zur Pestizidexposition untersucht werden? Wenn nein, ist der Bundesrat bereit eine entsprechende Studie in Auftrag zu geben? </p><p>5. Sind in der Schweiz Zusammenhänge zwischen Parkinsonkrankheiten und Pestizidanwendungen bekannt?</p><p>6. Gibt es in der Schweiz ein Monitoring zur Parkinsonkrankheit mit Bezug zur Pestizidexposition? Wenn nein, ist der Bundesrat bereit ein Monitoring aufzubauen?</p><p>7. Ist der Bundesrat bereit eine Datenbasis zur Untersuchung von Berufskrankheiten bei Landwirtinnen und Landwirten zu erstellen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p><b>1. </b>Dem Bundesrat sind die Ergebnisse der durch die Universität Bern durchgeführten Studie bekannt. Die Forscher legten in ihrer Publikation dar, dass sie die Erhöhung der Hirntumor-Rate in den zwei genannten Gebieten nicht erklären können. Ein möglicher Einfluss von Pflanzenschutzmittel konnte nicht untersucht werden, da die dazu benötigten Datengrundlagen fehlen. Dem Bundesrat liegen keine Zahlen vor, die über die publizierten Ergebnisse vom Frühling 2020 hinausgehen (vgl. auch die Antwort auf die Frage 5).</p><p><b>2. und 3. </b>Der Bund analysiert die nationalen Daten zu Krebserkrankungen und veröffentlicht diese regelmässig. Gemäss Bundesgesetz über die Registrierung von Krebserkrankungen vom 18. März 2016 (KRG; SR 818.33) sowie der Verordnung über die Registrierung von Krebserkrankungen vom 11. April 2018 (KRV; SR 818.331) erstellt der Bund aus den kantonal registrierten Daten zu Krebserkrankungen jährlich ein Krebsmonitoring, alle fünf Jahre einen Krebsbericht und regelmässig einen Gesundheitsbericht zu Krebserkrankungen in der Schweiz. Dabei werden wo sinnvoll regionale Unterschiede und zeitliche Entwicklungen dargestellt. Die registrierten Daten stehen auch der Forschung zur Verfügung. </p><p>Für die Abklärung regionaler Häufung von Krebserkrankungen und allfälliger Belastungsquellen von Chemikalien (Altlasten, Bodenbelastungen, Verunreinigungen Gewässer oder Luft etc.) sind die kantonalen Behörden zuständig. Der Bund ist für die Abklärungen im Bereich des Strahlenschutzes zuständig. Die Information über die Ergebnisse der Abklärungen ist Sache der zuständigen Behörden.</p><p><b>4. </b>Es liegen heute schon Daten zu Krebserkrankungen in der Schweiz aus den vergangenen Jahren vor. Durch das Inkrafttreten des KRG und der KRV sollen die Krebserkrankungen vollzähliger und in einer besseren Datenqualität erfasst werden. Wie oben bereits erwähnt publiziert das Bundesamt für Statistik bereits heute das jährliche Krebsmonitoring und alle fünf Jahre einen Nationalen Krebsbericht. Zudem veröffentlicht jedes kantonale Krebsregister und das Kinderkrebsregister bereits seit Längerem jeweils einen Jahresbericht. </p><p>Anhand der heute zu meldenden und zu registrierenden Daten zu Krebserkrankungen kann ein möglicher Zusammenhang mit der Pestizidexposition nicht untersucht werden. Die 2020 gestartete Schweizer Gesundheitsstudie (www.schweizer-gesundheitsstudie.ch) hat jedoch zum Ziel, den Einfluss von Umwelt, Chemikalien und Lebensstil auf die Gesundheit und die häufigsten Volkskrankheiten zu untersuchen. Erste Ergebnisse der Pilotphase werden 2022 erwartet.</p><p><b>5.</b> Das Institut für Arbeit und Gesundheit der Universität Lausanne hat im Auftrag des seco eine internationale Literaturstudie durchgeführt, in der die aktuell vorhandenen epidemiologischen Daten über die gesundheitlichen Auswirkungen der beruflichen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft zusammengefasst wurden. Grundsätzlich zeigt sich, dass der allgemeine Gesundheitszustand der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung besser ist und insgesamt z.B. auch eine niedrigere Krebsinzidenz aufweist. Die Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass gewisse Krebsarten und neurodegenerative Krankheiten wie z.B. Parkinson in der Landwirtschaft im Vergleich zu anderen Berufsgruppen tendenziell häufiger vorkommen. </p><p><b>6. und 7.</b> Ein Monitoring zur Parkinsonkrankheit mit Bezug zur Pestizidexposition existiert in der Schweiz aktuell nicht. Im Rahmen des Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln hat das seco eine Studie in Auftrag gegeben, welche bestehende Systeme zur Beobachtung von längerfristigen und chronischen Effekten von Pflanzenschutzmitteln in ausgewählten Ländern untersucht. Die Studie wird Vorschläge für Instrumente machen, wie auf der Grundlage bestehender Datenbestände chronische Wirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Gesundheit von Landwirtinnen und Landwirten in der Schweiz überwacht werden könnten. Ein solches Monitoring beruht auf zwei Typen von Datenquellen sowie deren Verknüpfung: einerseits Daten zur Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und andererseits Register zu Krankheiten, die auf eine Pflanzenschutzmittel-Exposition zurückzuführen sind. Zurzeit sind diese beiden Datentypen lückenhaft und Verbindungen zwischen den beiden Aspekten werden nicht gemacht.  </p>  Antwort des Bundesrates.