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Alessandro Stradella scherte sich wenig um Moralvorstellungen, komponierte ebenso unkonventionelle Musik und fiel wahrscheinlich einem Ehrenmord zum Opfer: ein barockes Leben, so spannend wie ein Krimi.
In Tavernen und Spelunken fühlte sich der Komponist Alessandro Stradella zu Hause. In einem Friseursalon, wo das Glücksspiel florierte und sich Frauen reihenweise verführen liessen, soll er privaten Musikunterricht gegeben haben (Gemälde von Bartolomeo Manfredi, um 1619).
Wo bleibt nur dieser Stradella? In einem Adelspalast im barocken Rom vertreibt sich eine schrille Gesellschaft ungeduldig die Wartezeit. Eine weiss geschminkte Sopranistin mit schwindelerregender Hochsteckfrisur probt eine Kantate. Ein Musiker und ein Literat streiten über den skandalumwitterten Komponisten, der eine neue Arie überbringen soll. Mittendrin zanken sich wild grimassierende Dienstboten, die ihre Herrschaft ungeniert nachäffen und veräppeln. Das Zeitgefühl schwindet, vielleicht vergehen sogar Jahre. Wo aber bleibt Stradella?