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2. Ankauf / 5. Rang
Selektiver Wettbewerb, Olten, 2021
Weyell Zipse mit Truwant + Rodet + und August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten
Mit dem Umzug des heutigen Kunstmuseums Olten in das benachbarte Schulgebäude und der geplanten Erweiterung auf dem Platz der Begegnung scheinen Zielkonflikte vorprogrammiert: Kann auch nur annähernd die grosszügige und einladende Qualität des jetzigen Museums mit seiner vollverglasten Front zur Kirchgasse wieder erreicht werden? Wie wird der barrierefreie Zugang von der Kirchgasse gestaltet, ohne als technisch notwendiges, additives Objekt zu erscheinen? Wie sind die Interessen des Denkmalschutzes vereinbar mit einem signifikanten Anbau auf der Hofseite? Ist es wirklich ein Mehrwert, den Aussenraum des Platzes der Begegnung zu verkleinern, zu Gunsten von mehr Ausstellungsfläche? Sind nicht auch die Bäume, die für eine solche Erweiterung gefällt werden müssten, Teil der gewachsenen Stadt, die es zu erhalten gilt? Sollte man nicht versuchen so wenig wie möglich zu bauen, anstatt die maximale Ausnutzung anzustreben, um einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu führen?
Das vorliegende Projekt wagt die These, dass eine Rochade der in der Auslobung festgesetzten Rahmenbedingungen und Nutzungsverteilungen zu einem grösseren Gewinn an Qualitäten für das Kunstmuseum und den Stadtraum Oltens führen kann. Im Fokus stehen dabei ein einladender und aneigenbarer Charakter der öffentlichen Aussenräume, sowie des Museums selbst, um die Altstadt als lebendiges Zentrum für die Bevölkerung Oltens zu gestalten.
Nutzungsrochade
Das ehemalige Schulgebäude der Kirchgasse 10 wird wie vorgesehen umgebaut und als Kunstmuseum genutzt. Die Erweiterung wird nicht an der Nordfassade der Kirchgasse 10, sondern auf dem Perimeter der Kirchgasse 8 erstellt. Dies ermöglicht auch den Erhalt der drei hochgewachsenen historischen Bäume, die dem Platz der Begegnung einen eigenen Charakter und Atmosphäre verleihen.
Das Gebäude der Kirchgasse 8 wird hälftig vertikal geteilt, als Wiederherstellung der historischen Parzellierung und ursprünglichen Teilung des Gebäudes, die sich in den Untergeschoss-Grundrissen und in der rückseitigen Fassade noch nachvollziehen lässt. Die eine Hälfte wird wie im Wettbewerbsprogramm vorgesehen für Wohnungen, Gewerbe und Büroflächen genutzt. Die andere Hälfte der Kirchgasse 8 wird für die Erweiterung des Museums genutzt – als Ersatzneubau innerhalb des alten Volumens, und einer baulichen Erweiterung auf der Hofseite. Dadurch wird nach wie vor eine klare Nutzungstrennung zwischen Museum und Wohn- / Gewerbegebäude ermöglicht.
Stadt & Natur
Die neue städtebauliche Figur schafft eine räumliche Klärung zwischen dem Platz der Begegnung und dem angrenzenden Munzingerplatz. Sie ergänzt die durch Anbauten stark fragmentierte Blockfigur um die Kirchgasse 8 und 6 und verleiht dem heute als Rückseite gelesenen räumlichen Abschluss zum Munzigerplatz ein neues Gesicht. Dies stärkt den Munzigerplatz und fördert seine zukünftige Entwicklung hin zu einem urbanen multifunktional genutzten Stadtraum. Gleichzeitig entsteht durch den Erweiterungsbau eine klare Fassung des Platz der Begegnung der damit in seiner Eigenständgikeit gestärkt und zukünftig auch vermehrt durch die Museumsnutzungen bespielt werden kann.
Spielen, Sitzen, Beobachten, Kontemplation: Der Platz der Begegnung wird als grüner, ökologisch wertvoller und öffentlich nutzbarer Stadtraum interpretiert, der einen Übergang zwischen den kleinteiligen, historischen Gärten der Wangener Vorstadt und dem offenen, urbanen Munzigerplatz herstellt.Die drei grossen Bestandesbäume können durch die Positionierung des Neubaus erhalten bleiben. Sie bilden die Basis für die Weiterentwicklung dieses auch für das Mikroklima und die Biodiversität wertvollen städtischen Erholungsraums.
Ausstellungsatmosphären
Das Projekt lebt von dem Bestreben, die Qualitäten der Räumlichkeiten der Kirchgasse 10 für die zukünftige Nutzung des Kunstmuseums zu erhalten. Diese sind geprägt durch den Charakter der Nutzung eines ehemaligen Schulgebäudes, und dem Aussenbezug eines jeden Raums mit hohem Fensteranteil und damit Tageslicht. Durch die Verschiebung der Erweiterung in den Kirchgassen 8 Perimeter kann auch für die Räume auf der Nordseite dieser Zustand beibehalten werden. Der Charakter der kleinteiligen Raumabfolge wird ebenso beibehalten, und nur partiell im Erdgeschoss mit neuen Unterteilungen ergänzt. Im Gegensatz zu den charaktervollen kleinteiligen Räumen mit eingeschränkter Flexibilität bezüglich Lichtsituationen und Hängeflächen im Altbau, wird der Neubau als neutraler Raum mit maximaler Flexibilität und grosszügigen 6 Metern Raumhöhe im 1. Obergeschoss ausgebildet. Altbau und Neubau ergänzen sich gegenseitig, und ermöglichen auch in diesem vergleichsweise kleinen Museum eine Vielzahl an Atmosphären und Ausstellungsmöglichkeiten.
Raum für Möglichkeiten
Im Ergeschoss befindet sich der flexibel nutzbare Ausstellungsraum mit Verantstaltungsinfrastruktur, der verschiedenartig bespielt werden kann – als Vortragsraum, Performance Space, klassischem Ausstellungsraum, Erweiterung des Foyers oder Eventraum mit Möglichkeit zur Öffnung zum Aussenraum.
Der grosse Ausstellungraum im Obergeschoss bietet mit ca. 190m2 eine völlig neue Dimension für das Kunstmuseum Olten. Eine technische Besonderheit zeichnet die Fassade auf Innen- und Aussenseite im Norden und Süden aus: Hinter der raumhohen Verglasung befinden sich bewegliche Schiebewände, durch die verschiedenartigste Lichtsituationen erzeugt werden können. Ein Mechanismus mit Gegengewichten erlaubt auf einfache Art, die Fassade komplett zu schliessen oder halb zu öffnen, wahlweise im oberen oder unteren Bereich. Aussenliegend ist ein ähnlicher Mechanismus mit Lochblech vorgesehen, der eine semitransparente Lichtsituation im Innenraum herstellt, und im Süden als Sonnenschutz dient. Die Kombination aus beiden Systemen führt zu einer Vielzahl an Zuständen – Tageslicht, Blackbox, oder diffusem Licht – die kuratorisch eine maximale Flexibilität garantieren. Als Besucher wird man jedes Mal von neuem überrascht, wie sich der Bezug von Ausstellungsraum zu Stadtraum wandelt.