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Bienenfresser (Merops apiaster)
Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Merops apiaster
Klasse: Vögel
Ordnung: Rackenvögel
Familie: Bienenfresser
Länge: 27-29cm
Spannweite: 44-49cm
Gewicht: 45-75g
Verbreitung: Süd- und Südosteuropa, Nordwestafrika, Südwestasien
Brutbestand CH: 100 Paare
Lebensraum: Offene Landschaft
Zugverhalten: Langstreckenzieher
Wie sieht der Bienenfresser aus?
Der Bienenfresser ist mit seiner auffälligen Färbung unverwechselbar. Männchen und Weibchen sind vom Aussehen her nicht unterscheidbar. Der Bauch der Bienenfresser kann je nach Licht einen blauen bis türkisen Farbton annehmen.
Im Flug kann der Bienenfresser anhand der dreieckigen Flügel oder verlängerten mittleren Schwanzfedern bestimmt werden. Allerdings sollte, selbst bei sehr schlechtem Licht, der blau-grünliche Bauch gut beobachtet werden können.
Verwechslungsmöglichkeit
Der Bienenfresser kann mit seinen auffälligen Farben kaum verwechselt werden. Auch im Flug können die Vögel leicht bestimmt werden.
Der Star hat zwar ebenfalls dreieckige Flügel, er hat aber deutlich kürzere, dafür breiter gefächerte Schwanzfedern.
Wo lebt der Bienenfresser?
Der Bienenfresser bewohnt offene Flächen mit wenigen einzelnen Bäumen und Büschen. Er bevorzugt Gebiete mit einem warmen Klima. Seine Bruthöhle gräbt er in Steilwände. Solche Steilwände findet der Bienenfresser z.B. an Flussufern, Steinbrüchen, Erdhügeln oder Kiesgruben. Ich habe selber auch schon Bienenfresser an einem alten Schiessstand beobachten können. Die Bruthöhle haben sie in den steilen Kugelfang gegraben.
Vorkommen in der Schweiz
Der Bienenfresser war früher nur auf dem Frühlingszug als Rarität in der Schweiz zu beobachten. Seit den 90er-Jahren haben aber immer wieder auch Paare in der Schweiz gebrütet. Der erste Brutnachnachweis in der Schweiz gelang 1991 im Wallis. In den letzten 10 Jahren hat der Brutbestand massiv zugenommen und an verschiedenen Orten in der Schweiz wurden kleinere Brutkolonien gegründet. Die grösste Brutkolonie umfasst ungefähr 35 Brutpaare. Insgesamt liegt der Brutbestand bei ungefähr 100 Paaren. Voraussichtlich wird der Brutbestand in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen. Auch im Mittelland wird der Bienenfresser wohl bald Fuss fassen.
Was frisst der Bienenfresser?
Der Bienenfresser ist ein hochspezialisierter Jäger. Er ernährt sich hauptsächlich von Insekten. Bienen gehören zwar auch zum Beuteschema der Bienenfresser, diese machen aber nur einen kleineren Bestandteil der Nahrung aus. So frisst der Bienenfresser vor allem Libellen, Käfer, Falter und Wespen. Um diese zu töten schlägt der Bienenfresser die Insekten gegen die Sitzwarte. Dabei wird der Giftstachel von Bienen und Wespen abgerissen. Die unverdaulichen Teile der Insekten würgt der Vogel hervor. Dieses Hervorwürgen von unverdaulichen Überresten der Nahrung kann bei vielen Jägern beobachtet werden, so z.B. auch beim Eisvogel, bei Eulen und anderen Greifvögeln.
Fortpflanzung
Der Bienenfresser brütet zusammen mit Artgenossen in Kolonien. Statt ein Nest auf einem Baum zu bauen, gräbt sich der farbenfrohe Rackenvogel eine Bruthöhle in eine steile Wand aus Erde oder weichem Sandstein. Das Weibchen legt daraufhin zwischen 6-7 Eier in die Bruthöhle. Nach gut 20 Tagen schlüpfen dann die Jungen, welche von den Elterntieren mit Nahrung versorgt werden. Dabei handelt es sich bei den Jungen um Nesthocker. Das bedeutet, die jungen Bienenfresser verlassen die Bruthöhle erst mit dem Flüggewerden. Die Flugfähigkeit erreichen sie 20-25 Tage nach dem Schlüpfen. Nach dem Verlassen der Bruthöhle werden die Jungen für einige Tage von den Eltern versorgt, dann müssen sie aber selbst mit der Nahrungssuche erfolgreich werden. Im Schnitt zieht ein Brutpaar zwischen 3 bis 5 Junge auf.
Ist der Bienenfresser ein Zugvogel?
Bienenfresser sind Langstreckenzieher. Das heisst, sie überwintern südlich der Sahara. Im Frühling ziehen sie dann zurück in die Brutgebiete. Für die ganze Reise aus dem Überwinterungsgebiet in Südafrika bis in die Brutgebiete braucht der Bienenfresser nur 2-3 Wochen. Mithilfe von Geolokatoren (Kleine Geräte, mit denen man die Zugroute herausfinden kann) wurde letztlich herausgefunden, dass Bienenfresser in Familienverbänden ziehen. Mitte September verlassen die Bienenfresser ihre Brutgebiete schliesslich wieder.
Bienenfresser fotografieren
Ohne Tarnung kommt man leider nicht sehr gut an die Bienenfresser heran. In der Schweiz sind alle Brutplätze geschützt und das Fotografieren wird zusätzlich erschwert. Denn die Sitzwarten befinden sich meist in unmittelbarer Nähe zum Brutplatz. Das Fotografieren der Bienenfresser auf den Sitzwarten ist daher in der Schweiz sehr schwierig. Dies hat aber auch einen guten Grund. Am Brutplatz sind Bienenfresser sehr empfindlich auf Störungen. Schwerwiegende Störungen können dazu führen, dass die Bienenfresser ihre Brut aufgeben.
In Leuk im Wallis wurde aber an die Fotografen gedacht und man kann die schönen Vögel aus einer relativ guten Distanz aus einem Hide fotografieren, ohne diese in irgendeiner Weise zu stören.
Quellen
Die Bestandeszahlen, Länge, Gewicht und Spannweite entsprechen den Daten der Vogelwarte Sempach
Informationen über Verhalten, Verbreitung usw. entsprechen meinen eigenen Beobachtungen und wurden mit Informationen aus folgenden Quellen ergänzt:
Die Vögel der Schweiz (2007) Lionel Maumary et al.
Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016
Der Kosmos Vogelführer (2017) Lars Svensson et al.