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Das Starbucks Café an der Ecke 103 Street / Broadway ist mein bisheriger Lieblings-Zufluchtsort in New York City. Es ist gemütlich hier, kühl und die Roadmovie-Musik im Hintergrund ist eine gute Einstimmung auf meine bevorstehende Reise. Die grossen Fensterfronten, vor denen ich hier sitze, geben den Blick frei auf das alltägliche Treiben im nördlichen Midtown, wo ich seit fast einer Woche „zu Hause“ bin.
Weniger gemütlich als Midtown empfand ich den Wall Street District, durch den ich vor rund zwei Tagen spaziert bin. Es ist beunruhigend, vor der New Yorker Börse zu stehen, umgeben von riesigen, steinernen Säulenhallen, Wolkenkratzern und Bürogebäuden. Ich habe mich gefragt, ob es sinnvoll ist, Orte wie diesen zu schaffen, an denen über den Erfolg, aber auch über das klägliche Scheitern von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt entschieden wird. Die Entscheidungsträger sieht man nicht, wenn man wie ich am Nachmittag durch die Gegend schlendert. Erst am Abend, nach Börsenschluss, strömen sie aus den steinernen Festungen, schnappen sich einen Protein-Shake an einem der Strassenstände, setzen sich in ihre gepanzerten Karrossen und lassen sich nach Hause in ihre Stadtrand-Villen chauffieren. So mindestens stelle ich mir das vor.
Ungemütlich ist auch die Gegend rund um Ground Zero. Der Ort, an dem vor knapp 9 Jahren irgend jemand ein riesiges Loch in die New Yorker Skyline und die amerikanische Seele riss, ist ordentlich aufgeräumt. Das touristische Treiben rund herum ist störend, denkt man daran, wie viele Menschen hier ums Leben kamen. Ein aufdringlicher Verkäufer drückte mir einen Bildband über 9/11 in die Hand und meinte, 5$ seien ein guter Preis dafür. Ich schaute den Bildband durch und fragte ihn, ob er mir etwas über die Geschichte des „Falling Man“ erzählen könne. Er verstand nicht, was ich meinte. Ich gab ihm den Bildband zurück.
Ein spannendes Quartier ist das SoHo (SOuth of HOuston Street). Hier findet man die typischen eisernen Treppen, die an den Aussenwänden der Wohnhäuser kleben und auf die man über herunterhängende Leitern klettern könnte. Via SoHo spazierte ich zusammen mit Lex und seiner Freundin durch Little Italy (von Italien merkt man nichts) und Chinatown (von China schon). Die rund 200’000 New Yorker Chinesen haben es sich hier gemütlich eingerichtet. Chinesische Giebeldächer, Zeitungsstände mit chinesischen Magazinen, China-Restaurants und die neueste Mode aus Shanghai; das alles wirkt wie ein Kulturschock, ist aber dank seiner Emsigkeit und Buntheit ein spannender Anblick.
In allen Quartieren und vor allem in den New Yorker Metros fallen einem die Bemühungen der hiesigen Behörden auf, die in Form von teils recht originellen Plakatkampagnen versuchen, den Menschen einen umweltbewussten Lebensstil aufzuschwatzen. Eigentlich ein vorbildliches Engagement, das in seiner Umsetzung aber mancherorts scheitert. Dazu ein Beispiel von gestern Abend: nach einem Drink in einem Irish Pub in der Nähe des Times Square spazierte ich spätabends in Richtung meines Hostels. An mir vorbei brausten rund zehn Polizei-Einsatzwagen des NYPD. Rund 100 Meter weiter der Strasse entlang traf ich wieder auf den Polizeitross, der ein Auto mit zwei übergewichtigen jungen Typen drin am Weiterfahren hinderte und sie lauthals zum Aussteigen aufforderte. Ich setzte mich in sicherer Distanz hin, um ein bisschen zuzuschauen. Schliesslich darf ich das als Tourist! Die beiden Dicken stiegen aus dem Wagen, wurden in Handschellen gelegt und diskutierten kurz mit den Polizisten. Danach liess einer der NYPD-Herren den Fahrer los. Dieser bückte sich (mit den Handschellen) zu seinem Wagen runter, nahm eine braune Papiertüte vom Fahrersitz, zog einen Trinkbecher daraus hervor, nahm ein paar Zips und schmiss danach beides auf die Strasse, vor den Augen der umherstehenden Polizei. Keine Reaktion. Die beiden Dicken wurden abgeführt, ihr Wagen von einem Polizisten weggebracht, der Tross fuhr Richtung Uptown davon. Was zurückblieb war einzig die braune Papiertüte und der Trinkbecher. Ich hätte erwartet, dass die Polizei etwas mehr auf das Engagement der Behörden für ein erhöhtes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung geben würde. Offensichtlich ist der gap zwischen dem suggerierten Umweltbewusstsein in Form von Plakatkampagnen und der Papiertüten-Realität aber noch recht gross.
Zu den Six Pix: 1) Die Brooklyn Bridge, 2) Manhattan im Abendlicht, 3) das klaffende Nichts beim Ground Zero, 4) auf der Staten Island Ferry, 5) die Flaggenfront der New Yorker Boerse, 6) der abendliche Times Square.