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1. Alëute.
2. Kolosche.
3, 4. Eskimo (Frau und Mann).
5. Kowitschin (Vancouver).
6. Krähenindianer.
7. Blackfeed-Indianer.
8. Odschibwä.
9, 10. Pah Utha (Mann und Frau).
11. Schoschone.
12. Dakota.
13. Pahni.
14. Mandaner.
15. Apatsche.
16. Pueblo.
17. Mexikanischer Indianer.
18. Maypure vom Orinoko.
19. Omagua aus Westbrasilien.
20, 21. Botokuden (Mann und Frau).
22, 23. Tikuna (Mann und Frau).
24. Miranha (Frau).
25. Peruaner vom Cerro de Pasco.
26. Peruanischer Kreole von Chiloe.
27. Quichua.
28. Abiponer.
29. Moxos-Indianer aus Bolivia. [* 2]
30. Pehueltsche.
31. Patagonier.
32. Araukaner.
33. Feuerländer (Peschäräh).
Zum Artikel »Amerika«. ¶
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710 qkm Fläche 1 km Küste. Die Küste Nordamerikas ist demnach weit mehr gegliedert als die Südamerikas, namentlich an der Europa [* 4] zugewendeten Seite. Hier liegen von N. nach S. die großen Halbinseln Boothia Felix, Melville, Labrador, Neuschottland, Maryland-Delaware, Florida und Yucatan. An der Westküste liegen die Halbinsel Alaska, die der Tschugatschen, die Halbinsel zwischen dem Stillen Ozean und dem Admiralitätskanal und Kalifornien. Südamerika [* 5] hat nur in seinem unwirtlichen Süden einige ganz unbedeutende Halbinseln, so daß es an Geschlossenheit mit Afrika [* 6] zu vergleichen ist.
Nordamerika [* 7] bietet auch eine weit größere Zahl von Küsteneinschnitten, Meerbusen und Meerengen als Südamerika, von denen freilich viele für den Weltverkehr ohne Bedeutung sind. Die wichtigsten sind: im N. der große Boothiagolf mit der Committeebai, die große Hudsonsbai;
an der Ostküste der 820 km lange St. Lorenzbusen, die durch die Halbinsel Neuschottland gebildete Fundybai, die Massachusettsbai, der Long Island-Sund, die Delaware- und Chesapeakebai, der Albemarlesund, der Pamlicosund mit der Raleighbai.
Das zwischen dem Südkap und der Halbinsel Florida und dem Kap Paria in Südamerika sich öffnende amerikanische Mittelmeer besteht aus zwei Teilen, von denen der nördliche der Golf von Mexiko, [* 8] der zweite zwischen den Großen Antillen und dem Kontinent von Südamerika das Antillenmeer (oder das Karibische Meer) heißt. Untergeordnete Glieder [* 9] des Golfs von Mexiko sind die Appalacheebai an der Küste von Florida und die Campechebai. Durch den Floridakanal, zwischen Florida, Cuba und den Bahamainseln, gelangt man aus dem Golf von Mexiko in den Atlantischen Ozean, während durch den Kanal [* 10] von Yucatan, zwischen der Halbinsel Yucatan und Cuba, der Golf von Mexiko mit dem Karibischen Meer in Verbindung steht, das im W. mit der Hondurasbai endet.
Untergeordnete Teile des Antillenmeers sind der Golf von Darien oder Uraba, der Golf und die Laguna de Maracaybo und der zwischen der Insel Trinidad und dem Festland liegende Golf von Paria. In Südamerika, zwischen dessen Südspitze und dem Feuerland die Magelhaensstraße in den Stillen Ozean führt, finden sich bedeutende Küsteneinschnitte sonst nur an den wie beim Amazonenstrom [* 11] und La Plata trichterförmig erweiterten Flußmündungen und an den zerrissenen Fjordküsten Patagoniens und Südchiles.
Nahe dem Äquator öffnet sich auf der Südhemisphäre die Bucht von Guayaquil, im N. der Golf von Panama, [* 12] dem sich zwischen Niederkalifornien und dem Festland der tief eingeschnittene Golf von Kalifornien (Mar Vermejo, Rotes oder Purpurmeer) anschließt. Während dann die Westküste der Vereinigten Staaten [* 13] außer der Bai von San Francisco keine ausgedehntern Buchten aufzuweisen hat, beginnt bei Kap Flattery und der Juan de Fuca-Straße die außerordentlich zerrissene und vielfach gegliederte Fjordküste Nordwestamerikas, die sich bis nach Alaska und zum Beringsmeer hin erstreckt.
Die Fjordbildungen sind auf scharf begrenzte Räume eingeschränkt. Der Schauplatz der nordwestlichen Durchfahrt besteht fast nur aus Straßen, Meerengen, Sunden und Fjorden; auch Labrador fehlen an der Nordküste die Fjorde nicht, wenn es auch, verglichen mit dem gegenüberliegenden Grönland, arm daran ist. An den atlantischen Küsten treffen wir scharf gezeichnete Zerklüftungen in Neufundland, schwächer angedeutet bei Neuschottland, bis die letzten Bildungen an der Küste des Staats Maine endigen.
Weit reicher an derartigen Erscheinungen sind am Westrand Nordamerikas die britischen und vormals russischen Küsten. Von der Vancouverinsel gegen S. aber bespült das Stille Meer sowohl in Nord- als in Südamerika festgeschlossene und unbenagte Küsten, bis wir uns Patagonien nähern, wo die Zerklüftung der Küsten in zahllose Straßen, Engen, Sunde, Schluchten, in Inseln, Felsenzungen, Hörner, Klippen [* 14] und Schären wieder hervortritt (Peschel, »Neue Probleme«). Wie überall, so ist also auch in Amerika das Auftreten dieser »Meeresschluchten« an höhere Breiten, jenseit des 40. Parallelkreises, gebunden; ihr Vorkommen fällt in das Gebiet der Regen zu allen Jahreszeiten [* 15] bei niedrigen Temperaturen, Verhältnisse, welche für die Bildung der Fjorde von fundamentalem Einfluß sind.
Inseln. Die Inseln des Erdteils zerfallen ihrer Lage nach in sechs Gruppen.
1) Der Arktische Archipel repräsentiert eine umfangreiche Gruppe zahlreicher Inseln, von denen Baffinsland, Cumberland, Prince William-Land, Cockburninsel etc., Norddevon, die Parryinseln, Banksland, Prinz Albert- und Victorialand sowie King William-Land die bekanntesten sind. Durch eine Menge von Straßen, Sunden und Kanälen voneinander getrennt, werden sie durch die Davisstraße, die Baffinsbai, den Smithsund und den Kennedykanal von dem wahrscheinlich aus mehreren Inseln bestehenden Grönland geschieden. Das Areal des Archipels wird auf 1,300,000, dasjenige von Grönland auf 2,170,000 qkm geschätzt.
2) Die zweite Inselgruppe ist dem St. Lorenzgolf vorgelagert und besteht aus der Insel Neufundland, an deren Außenseite sich die ihrer Untiefen und Eisberge wegen gefürchtete Bank von Neufundland anlagert, ferner aus der Prinz Edward-Insel, der Insel Cape Breton und der Insel Anticosti, letztere nach Peschel eine uralte Inselbildung.
3) Der dritte Archipel: Westindien [* 16] oder die Antillen, begreift die Bahama- oder Lukayischen Inseln, die Großen und Kleinen Antillen und die an der Nordküste Südamerikas zerstreut liegenden Inseln, zusammen etwa 4440 QM. groß. Die Bahamainseln sind Bauten riffbildender Korallen, [* 17] die Kleinen Antillen dagegen repräsentieren eine Reihe vulkanischer Inseln. Unter ihnen sind die wichtigsten: Barbados, Dominica, St. Thomas, letztere besonders als Station der großen Dampferlinien.
Die vier Großen Antillen sind: Cuba, Haïti, [* 18] Puerto Rico und Jamaica, welche, in westöstlicher Richtung sich erstreckend, mit der Halbinsel Yucatan den Golf von Mexiko vom Karibischen Meer scheiden, während die Bahamainseln und die Kette der Kleinen Antillen das amerikanische Mittelmeer vom Atlantischen Ozean abtrennen. Der Küste Venezuelas vorgelagert sind: Trinidad, Margarita, Curassao u. a. Weiter im S. liegen vor der Mündung des Amazonas die Inseln Marajo und Caviana, gegenüber der Ostspitze des Kontinents Fernando do Noronha.
4) Der südamerikanische Archipel umfaßt das Feuerland (Tierra del Fuego) im S. der Magelhaensstraße, das aus sieben größern und zahlreichen kleinern Inseln besteht, die Patagonischen Inseln, längs der Westküste von Patagonien zwischen dem westlichen Ende der Magelhaensstraße und dem Kap Tres Montes.
5) Die fünfte Inselgruppe liegt vor der Nordwestküste Nordamerikas, und zwar bildet sie zwei Archipele, den von Vancouver oder Quadra und den der vulkanischen Alëuten, die sich von dem westlichen Ende der Halbinsel Alaska in südwestlicher Richtung bis in die Nähe der asiatischen Halbinsel ¶
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Kamtschatka hinziehen und das Beringsmeer von dem Stillen Ozean trennen.
6) Unter der sechsten Gruppe vereinen wir alle die in weiterer Entfernung vom Festland vielfach bereits »ozeanischen« Inseln und die Gruppe der Bermudas, wichtig als nördlichst gelegene Korallenbildungen im Atlantischen Ozean; ferner die Falklandinseln im O. der Magelhaensstraße, die der chilenischen Küste gegenüberliegenden Inseln Juan Fernandez, San Ambrosio und San Felix, die unter dem Äquator liegende vulkanische Gruppe der Galapagos- (oder Schildkröten-) Inseln, endlich die ebenfalls vulkanische Gruppe der Revilla-Gigedoinseln, denen sich nach N. zu noch einige isolierte Inseln (Guadalupeinseln) anschließen, die zu dem kleinen vor Santa Barbara in Kalifornien gelegenen Archipel überführen.
Bodengestaltung.
In seiner vertikalen Gliederung, seinen Reliefverhältnissen, zeigt Amerika, im allgemeinen betrachtet, eine große Einfachheit, welche der mannigfachen Gestaltungsweise der Oberfläche der östlichen Kontinente scharf entgegengesetzt ist. Während in diesen kein Teil dem andern ähnlich ist, begegnen wir dort demselben klar hervortretenden Grundplan im Aufbau der südlichen wie der nördlichen Erdhälfte: ein Hochgebirge, die Kordilleren, das in beiden dem Westrand entlang läuft und sie gewissermaßen verknüpft;
weite Ebenen im O. vorgelagert und vom Atlantischen Ozean durch Gebirge mittlerer Höhe geschieden;
in der Mitte der beiden Erdhälften endlich eine Reihe quer verlaufender Gebirgszüge in Guayana, Venezuela [* 20] und auf den Großen Antillen, das sind die großen Züge, gleichsam das Gerüst des Westkontinents, deren Wiederkehr im N. und S. die Mannigfaltigkeit der äußern wie innern Gliederung ausschließt, wie wir sie in der Alten Welt finden. Am ausgeprägtesten tritt diese Einfachheit des Bodenreliefs von Amerika im südlichen Teil Nordamerikas hervor.
Die Oberflächengestaltung des Gebiets der Vereinigten Staaten ist bestimmt durch die zwei großen Gebirgsketten, welche dasselbe dem Stillen und dem Atlantischen Meer entlang durchziehen, und durch die vorwiegend flache Beschaffenheit des weiten Landes, welches zwischen diesen gelegen ist. Eine Senkung des nordamerikanischen Kontinents um nur 300 m würde das Eismeer in der Linie der Großen Seen in Verbindung setzen mit dem Golf von Mexiko, und eine Senkung von nicht ganz 200 m mehr würde das ganze Festland in zwei ungleiche, scharf voneinander geschiedene Hälften zerlegen.
Den Kern der größern würden die Kordilleren des Westens bilden, den der kleinern die Alleghanies, namentlich mit ihren südlichen und mittlere Teilen. Faßt man nur diese großen Züge ins Auge, [* 21] so sind in diesem umfangreichen Gebiet drei große Regionen zu unterscheiden: die Gebirgsmasse der Kordilleren im W., das Kettengebirge des Alleghanysystems im O. und dazwischen das Flach- und Hügelland, welches sie verbindet und gleichsam wie ein weites Thalbecken zwischen die östlich. und westlich umrandenden Gebirge eingesenkt erscheint (Ratzel).
Ähnlich, wenn auch nicht ganz so einfach, zeigt sich die Oberflächengliederung Südamerikas. Auch hier lagern sich ausgedehnte Ebenen und Flachländer zwischen die westlichen Kordilleren und die atlantischen Küstengebirge, und nur dadurch wird das Verhältnis einigermaßen komplizierter, daß diese letztern weniger regelmäßig gestaltet sind als die Kettensysteme der Alleghanies in Nordamerika, und daß die Ebenen des Innern an mehreren Stellen, wie namentlich im nördlichen Brasilien, [* 22] offen bis an den Atlantischen Ozean herantreten, während jenes nordamerikanische Küstengebirge die Ebenen des Innern scharf gegen den Ozean abschließt.
Charakteristisch für die Oberflächengestaltung Amerikas ist ferner der Umstand, daß die verschiedenen Bodenformen daselbst nicht, wie in der Alten Welt, im allgemeinen von N. nach S., sondern in oft westlicher Richtung nebeneinander liegen. Dadurch aber ist bedingt, daß, wie Ratzel hervorhebt, jene scharfen Sonderungen des Nordens und Südens, welche in der Alten Welt so häufig und überall so fruchtbar an bewegenden und belebenden Kontrasten sind, in Amerika fehlen, wo die Sonderung östlicher von westlichen Gebieten viel mehr in den Vordergrund tritt. Man vergleiche die scharfen Kontraste, wie sie in Klima, [* 23] Vegetation und Tierwelt in Asien [* 24] zwischen dem Eismeer und dem Indischen Ozean zusammengedrängt sind, mit den allmählichen. Übergängen, die in Nordamerika unmerklich von einer noch kältern Eismeerküste nach der nicht minder warmen See des Mexikanischen Golfs hinabführen, und man wird die Wirkungen eines so großen Unterschieds der Oberflächengliederung sofort erkennen.
Seinen Hauptcharakterzug erhält das Relief des amerikanischen Kontinents aufgeprägt durch sein Hauptgebirgssystem, die Kordilleren. Dieser ungeheure Längengebirgszug, der längste auf der ganzen Erde, durchzieht Amerika mit wenigen Unterbrechungen vom Kap Froward bis zu den arktischen Küsten. Der gesamte Zug hat eine Länge von fast 15,000 km oder über 130 Breitengraden und bedeckt einen Raum von beinahe 1,633,000 qkm (220,000 QM.). Die Breite [* 25] der Andes in Südamerika verhält sich zu ihrer Länge wie 1:60, in Nordamerika wie 1:50. Aber die bis auf die neuere Zeit vielfach noch festgehaltene Vorstellung von einem zusammenhängenden meridionalen Hauptgebirge, von einer einzigen großen Kordillere, welche in mehreren nebeneinander streichenden Zügen den ganzen Erdteil in ununterbrochener Geschlossenheit durchziehe, wird durch die neuern Forschungen widerlegt.
Schon im N. der Provinz Choco (im Staat Cauca in der Republik Neugranada) erleidet zwischen dem 7. und 8.° nördl. Br. sowohl die horizontale als die vertikale Konfiguration Amerikas eine schroffe Umwandlung, insofern der Kontinent, der nördlich vom Äquator noch eine Breite von nahezu 2200 km hat, sich plötzlich zu einem schmalen Isthmus von einer durchschnittlichen Breite von etwa 75 km verengert und an die Stelle eines reichgegliederten, gewaltigen Hochgebirges von meridionaler Hauptrichtung und einer mittlern Kammhöhe von 3000 m ein schmales Mittelgebirge von einer Kammhöhe von 500-600 m tritt.
Die umfassenden Untersuchungen behufs Herstellung eines interozeanischen Kanals haben gezeigt, daß die Wasserscheide zwischen beiden Meeren hier an verschiedenen Stellen unter 300 m, ja selbst unter 100 m herabsinkt. Der Kulminationspunkt der Panamabahn liegt nur 80 m über dem Meer. Jene hypsometrischen Untersuchungen haben die wichtige Thatsache ergeben, daß mit der plötzlichen Verengerung des Kontinents auch überall entsprechende Senkungen seiner Oberfläche zusammentreffen und somit Unterbrechungen des Gebirges in seinem Kettenbau andeuten. Die geognostische Thatsache, daß sowohl in der Landenge von Panama als weiter nördlich in den Einschnürungen von Nicaragua und von Tehuantepec die Kettenform der Höhenzüge verschwindet und durch Hügelgruppen von jüngern vulkanischen Gesteinsarten ersetzt ist, scheint in Verbindung mit dem ¶
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Umstand, daß die gegenwärtige Meeresfauna und die Küstenflora bei den Landengen und Gebirgssenken an beiden Ozeanen der Hauptsache nach durch dieselben Arten repräsentiert werden, die Vermutung zu rechtfertigen, daß jene Lücken im Gebirge einst Meerengen waren, welche das zentralamerikanische Festland in mehrere langgestreckte Inseln teilten und sowohl von Südamerika als von Mexiko trennten. Durch spätere vulkanische Durchbrüche trachyt-doleritischer und basaltischer Gesteine [* 27] mögen dann die ehemaligen Meerengen ausgefüllt worden sein, nachdem die verschiedenen Kordilleren mit ihren granitischen Gesteinen und kristallinischen Schiefern als fertiger Gebirgsbau schon geraume Zeit existiert hatten.
Statt eines einzigen Hauptgebirges sind daher mehrere Gebirgssysteme anzunehmen, die durch Depressionen und Gebirgslücken getrennt sind, wo statt eines Kettengebirges nur Hügelgruppen auftreten. Immerhin aber ist im Auge zu behalten, daß der Zusammenhang indem großen Rahmen des Kordillerensystems nicht aufgehoben wird durch Unterbrechungen der Kontinuität, wie sie an den Isthmen von Panama und Tehuantepec und am untern Colorado und Rio Grande [* 28] eintreten.
Durch seine Kordilleren hat Amerika fast überall dieselbe regelmäßige Gestaltung: im W. einen schmalen Küstensaum, dicht daran die steil aufsteigende mächtige Gebirgskette mit den höchsten Erhebungen des Festlands, gegen O. unabsehbare Ebenen;
durch sie bildet sich überall der überschwengliche Wasserreichtum des Kontinents, sie regeln den Gang [* 29] der Luftströmungen, sind somit die Hauptwasser- und Wetterscheide des Erdteils;
an ihren Gehängen sind die verschiedenen Klimagürtel, die verschiedenen floristischen und faunistischen Zonen übereinander gereiht, auf ihren Plateauhöhen erhalten sich noch die Hauptreste der alten Indianerwelt. (Näheres s. unter Kordilleren.)
Unter den isolierten Gebirgsgruppen Südamerikas ist die Sierra Nevada de Santa Marta (s. d.) an Umfang zwar die kleinste, doch trägt sie die höchsten Gipfel des Kontinents außerhalb des Kordillerensystems und erhebt sich steil und schroff aus den Niederungen des Mündungsgebiets des Magdalenenstroms bis in die Schneeregion. Die Küstenketten von Venezuela hängen mit der Sierra de las Rosas, dem Endglied der östlichen Kette der Andes von Kolumbien, durch 650-800 m hohe Plateaus zusammen und erfüllen das ganze Litorale zwischen dem See von Maracaybo und dem Golf von Paria (s. Venezuela).
Das dritte isolierte Gebirgssystem Südamerikas ist das von Guayana oder die Sierra Parime (s. d.), eine Erhebung von vorwiegend plateauförmigem Charakter, welche sich gleichsam als eine große Gebirgsinsel zwischen dem Meer, dem Orinoko und dem Amazonenstrom ausbreitet. Über einen noch größern Raum breitet sich das vierte isolierte System aus, das Gebirgsland von Brasilien, indem es fast ein Sechstel der Oberfläche des Kontinents einnimmt und das große Dreieck [* 30] zwischen dem Rio de la Plata, dem Amazonenstrom und dem Atlantischen Ozean fast ganz ausfüllt (s. Brasilien).
Der horizontalen Ausdehnung [* 31] nach nimmt der gebirgige Teil von Südamerika ungefähr 5,616,000 qkm (102,000 QM.) ein, wovon etwa 1,845,000 auf das System der Andes, 6000 auf die Sierra Nevada de Santa Marta, 55,000 auf die Küstenkette von Venezuela, 936,000 auf die Sierra Parime und 2,774,000 auf das Gebirgssystem von Brasilien kommen. Der ganze übrige Teil Südamerikas besteht fast ausschließlich aus weiten, zusammenhängenden Ebenen. In Nordamerika gibt es hauptsächlich nur ein System von Gebirgen im O. des Kontinents, welches von der westlichen Kette durch unermeßliche, von dem Mexikanischen Golf bis an das Polarmeer sich ausdehnende Ebenen getrennt ist und mit dem Namen der Appalachen oder Alleghanies (s. d.) bezeichnet wird. Es erstreckt sich, größtenteils den Charakter eines typischen Kettengebirges an sich tragend, in mehreren Parallelketten bei einer mittlern Breite von 220-260 km in einer Länge von etwa 1700 km, hat aber nur eine mittlere Kammhöhe von 880 m, während die bedeutendsten Gipfel nur wenig über 2000 m ansteigen.
Die Alleghanies fallen gegen W. und O. sanft und mit breiten Vorstufen ab und werden von zahlreichen Querthälern (z. B. dem des Hudson) durchsetzt. Die nördlichste Fortsetzung derselben (nördlich vom Hudson) sind die Neuenglandgebirge, ein Hochland, welches gegen S. zum Meer, gegen N. zum St. Lorenzstrom und gegen O. zum St. Johnsfluß abfällt und von Bergen [* 32] und Bergzügen überragt wird. Dazu gehören die Green Mountains in Vermont und die White Mountains in New Hampshire. Außerdem liegt noch ein wenig bekanntes und rauhes Bergland in der Halbinsel Labrador, dessen felsige Gipfel jedoch keine bedeutende Höhe zu erreichen scheinen.
Als ein isoliertes Gebirgssystem östlich von den Andes ist endlich noch dasjenige anzusehen, welches sich in der Gruppe der Großen Antillen zwischen Nord- und Südamerika erhebt, in seinen niedrigsten Teilen aber vom Meer bedeckt ist. In ihrem östlichen Teil, auf Puerto Rico, sowie im östlichen Teil von Haïti erhebt sich die Bergkette nur zu einer mittlern Höhe von 500 m, in ihrem höchsten Teil aber, der Sierra de Lagunillo auf Puerto Rico, bis zu 1120 m, in dem Bergknoten von Cibao (Pik von Yaque) auf Haïti, bis zu 2955 m, während im westlichen Teil in dem nördlichen Zug die Sierra del Cobre auf Cuba bis 2340 m, in dem südlichen in Jamaica in der Kette der Blue Mountains (von 1520-1980 m Durchschnittshöhe) der Coldridge bis zu 2495 m aufsteigt. Die horizontale Ausdehnung des ganzen gebirgigen Teils von Nordamerika kann auf etwa 8,810,000 qkm (160,000 QM.) angeschlagen werden, wovon etwa 8,259,000 qkm auf das System der nordamerikanischen Kordilleren und 551,000 auf das appalachische System kommen würden. Außerdem sind von dem Flächeninhalt des ganzen Nordamerika für die Hochländer von Labrador und für das arktische Hochland noch etwa 1,377,000 qkm (25,000 QM.) zu rechnen.
Bewässerung.
Östlich von der großen Meridionalgebirgskette breitet sich in derselben Richtung durch den ganzen Kontinent ein System von ausgedehnten Ebenen oder flachen Becken aus, welche alle untereinander zusammenhängen und zwischen den kleinern östlichen Gebirgssystemen an mehreren Stellen bis an den Atlantischen Ozean reichen. In diesen weiten Ebenen gelangt das außerordentlich reiche Netz der Ströme und Seen zu der vollen Entwickelung, die den amerikanischen Kontinent in so vorteilhafter Weise vor andern Erdteilen auszeichnet. »Durch diese reiche Bewässerung wird die in jedem Erdteilinnern vorwaltende Neigung zur Wüstenbildung zurückgedrängt, der Waldwuchs und der Ackerbau begünstigt, die junge Kultur gefördert und der Verkehr erleichtert. Was würde Britisch-Amerika ohne seine Ströme sein! Sie allein ermöglichen den Verkehr in den weiten Regionen des Hudsonsbaigebiets und damit das Vordringen einer auf Jagd und Fischfang ¶
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gegründeten Halbkultur bis in die Länder jenseit des Polarkreises.« Die Wasserscheide zwischen den einzelnen von N. nach S. aufeinander folgenden Becken wird durch Erhebungen des Bodens gebildet, zuweilen so unbedeutenden, daß zur Regenzeit die Gewässer des einen Beckens in die des andern überfließen, ja selbst, wie zwischen dem Becken des Amazonenstroms und dem des Orinoko, eine fortwährende Wasserverbindung durch eine Bifurkation stattfindet. Es sind im ganzen fünf solcher Ebenen oder Becken zu nennen und zwar (von N. nach S.): die Nordhälfte der großen Ebene von Nordamerika, die Becken des Mackenzie-, Nelson- und Missinippiflusses umfassend;
die Südhälfte derselben oder das Becken des Mississippi;
das Becken des untern Orinoko und die Ebenen von Venezuela;
das Becken des Amazonenstroms;
die Ebenen des Rio de la Plata und Patagoniens.
Die große Ebene Nordamerikas, östlich von den Rocky Mountains, dehnt sich in ihrem westlichen höhern Teil in der Nähe jenes Gebirges, nur lokal von vereinzelten Bergzügen unterbrochen, vom Golf von Mexiko bis zum Eismeer aus, und die Grenze zwischen ihrem nördlichen und südlichen Teil ist hier lediglich durch die Wasserscheide zwischen den Flüssen bezeichnet, welche auf der einen Seite gegen N. und NO. zum Eismeer und zur Hudsonsbai, auf der andern gegen S. durch den Mississippi zum Golf von Mexiko abfließen.
Diese Wasserscheide liegt ungefähr unter 49° nördl. Br. auf einer sich vom Fuß der Rocky Mountains zwischen dem obern Missouri und dem Saskatschawan gegen O. ungefähr bis zum 99.° westl. L. ausbreitenden Hochebene, welche in der Nähe der Rocky Mountains wahrscheinlich noch eine Meereshöhe von 1600 m besitzt, gegen O. aber in den Landhöhen von Minnesota allmählich absinkt. Weiter östlich sind beide Teile der großen nord amerikanischen Ebene durch eine weite, beckenförmige Einsenkung in dem Plateau, in welchem sie im W. ineinander übergehen, geschieden.
Diese Depression [* 34] zieht sich mit ihrem Nordrand von dem nördlichen Ufer des Obern Sees gerade nach O. und schließt sich westlich vom St. Johnssee dem Bergland von Labrador an, die Wasserscheide zwischen dem Becken der Kanadischen Seen und des St. Lorenz und dem südlichen Teil der Hudsonsbai bildend. Der Südrand der Depression beginnt ebenfalls an den Ufern des Obern Sees, zieht sich südwärts hart an den Ufern des Michigansees bis zu dessen südlichstem Winkel [* 35] hin, von da östlich über die Michiganhalbinsel zum südlichsten Punkte des Eriesees, dessen südlichen Gestaden er in geringer Entfernung bis nahe zum 79.° westl. L. folgt, worauf er in östlicher und nordöstlicher Richtung fortzieht, bis er nahe unter 71° westl. L. auf das Gebirge von Neuengland trifft, durch welches hier wie weiter nach N. durch das Bergland von Labrador diese merkwürdige Einsenkung geschlossen wird.
Nahe ihrem südlichen Rand in ihrem tiefsten, stellenweise weit unter den Meeresspiegel hinabreichenden Teil enthält sie die größten Süßwasserseen der Erde, die Kanadischen Seen, die zusammen eine Fläche einnehmen, welche (253,300 qkm) diejenige Großbritanniens übertrifft. Sie liegen in zwei Terrassen übereinander, der Obere See, 186 m, der Michigan- und Huronsee, 180 m, und der Eriesee, 175 m, auf der obern, der Ontariosee, 76 m ü. M., auf der untern.
Alle sind durch schmale Kanäle miteinander verbunden, wovon aber nur der zwischen dem Huron- und Michigansee, die Straße von Michillimakinak, gut schiffbar ist. Der den Obern See mit dem Huron verbindende Kanal hat auf 60 km etwa 10 m Gefälle, in der Mitte aber die Stromschnellen von St. Mary's, welche sich über eine Strecke von etwa 3 km ausdehnen. Die Verbindung zwischen dem Huron- und Eriesee bildet zuerst der Fluß St. Clair, der nur für Boote fahrbar ist, bis zum See St. Clair, darauf der Abfluß desselben, der Detroitfluß.
Der Eriesee steht mit dem Ontariosee durch den Niagarastrom in Verbindung, der 45 km lang ist und ungefähr in der Mitte seines Laufs die berühmten Niagarafälle bildet, in denen sich der Fluß von der obern Terrasse 40 m senkrecht herabstürzt. Obwohl äußerst zahlreiche Flüsse [* 36] sich in diese Seen ergießen, so haben sie doch nur einen Abfluß, durch den St. Lorenz, der dem Ozean nächst dem Amazonenstrom von allen Flüssen der Erde die größte Wassermenge zuführt.
Die Nordhälfte der nordamerikanischen Ebene, die sich im N. der eben bezeichneten Grenzlinie ausbreitet, ist in ihrem südwestlichen Teil am höchsten und sinkt von da an allmählich herab, einerseits gegen O. zum südlichen Teil der Hudsonsbai, anderseits gegen N. zum Eismeer. Die fast nur durch die Richtung der fließenden Gewässer bezeichnete Wasserscheide zieht sich vom Fuß der Rocky Mountains zwischen den Quellen des Saskatschawan- und des Athabascaflusses hin, läuft von dort in nordöstlicher Richtung zum Wollastonsee und darauf nach NNO. zum arktischen Hochland, welches den Winkel zwischen dem nördlichen Teil der Hudsonsbai und dem Arktischen Eismeer ausfüllt.
Die zur Hudsonsbai abfallende Ebene, welche unter 50° nördl. Br. von W. nach O. sich an 2200 km, unter 57° nördl. Br. aber nur etwa noch 740 km weit ausdehnt bei einer größten Breite von nahe an 1480 km, ist im W. eine weite, sandige Prärie, in der Mitte unebenes und felsiges Land voller Seen, im O. niedriges Flachland. Ihre bedeutendsten Flüsse sind der Nelson und der Churchill. Der erstere, in seinem obern Lauf Saskatschewan genannt, entspringt in den Rocky Mountains, fällt in den Winnipegsee, den größten See dieser Ebene, und verläßt diesen unter dem Namen Nelson am Nordwestende, um in die Hudsonsbai zu münden.
Der Churchill oder Missinippi entspringt aus dem Methyesee, nimmt die Gewässer des Deer- und Wollastonsees auf und mündet in dieselbe Bai. Die nördlich zum Eismeer abfallende Ebene, das Becken des Mackenzieflusses, im S. unter 59° nördl. Br. über 750 km breit und von N. nach S. über 1110 km lang, enthält ebenfalls eine große Zahl Seen, worunter der Große Sklaven-, der Große Bären- und der Athabascasee die bedeutendsten sind. Der in seinem südlichen Quellarm, dem Athabasca, aus einem Gebirgssee in den Rocky Mountains entspringende Mackenzie ergießt sich in den Athabascasee, fließt aus diesem unter dem Namen des Sklavenflusses in den Großen Sklavensee und aus diesem endlich als Mackenziefluß gegen NW. in das Nördliche Eismeer.
Die Südhälfte der nordamerikanischen Zentralebene, welche sich zum Mexikanischen Golf hinabsenkt, der Nordhälfte an Größe ungefähr gleich ist und größtenteils aus dem Becken des Mississippi besteht, umfaßt beinahe ein Fünftel des ganzen Flächeninhalts von Nordamerika, und zwar nimmt das Flußgebiet des Mississippi ca. 3,150,000 qkm (57,000 QM.) ein, wird also nur von den Gebieten der beiden südamerikanischen Riesenströme und des Ob, des größten Asiatischen Stroms, übertroffen. Den niedrigsten Teil dieser Ebene bildet das Bett [* 37] des Mississippi, dessen Quellsee nur 512 m ü. M. liegt. Von den Ufern des Mississippi erhebt sich das Land nach W. und O., nach jener Richtung bei einer ¶
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mittlern Breite von ungefähr 740 km bis an den Fuß der Rocky Mountains, nach dieser bei einer Breite im S. von 220-300, im N. von 590-670 km zu den Alleghanies hin. Bei der Höhe der Basis des Felsengebirges, die stellenweise bis über 1500 m hinausgeht, haben wir es im W. des Mississippi vorwiegend mit Hochebenen zu thun, die bei ihrem sehr allmählichen Abfall erst in unmittelbarer Nähe des Stroms zweifellosen Tieflandscharakter annehmen. Im allgemeinen sind Tiefländer im strengen Sinn des Worts im Innern Nordamerikas nur in zurücktretender Ausdehnung vorhanden; die Ebenen sind vielmehr weitaus vorwiegend Hochebenen von zum Teil bedeutender Erhebung.
Auch eine absolute Flachheit und Ebenheit des Terrains findet man fast nur längs der Flußläufe. Vielmehr herrscht in den Prärien, die den größten Teil namentlich des westlichen Innern einnehmen, eine wellige Bodenform vor, welche die Amerikaner treffend mit einer von der Bewegung des Meers hergenommenen Benennung »rolling« bezeichnen. Im S. der Alleghanyberge hängt die Mississippi-Ebene mit der niedrigen atlantischen Küstenebene zusammen, welche sich auf der Ostseite der Alleghanies bis zum Atlantischen Ozean erstreckt und hier ungefähr 275,300 qkm (5000 QM.) groß ist, während das Land südlich von jenem Gebirgszug mit dem Tiefland der Halbinsel Florida gegen 330,400 qkm (6000 QM.) enthält. Nur dieser atlantische Küstensaum von Long Island bis zur Rio Grande-Mündung sowie das eigentliche Mississippithal bis zur Missourimündung aufwärts repräsentieren ein eigentliches und charakteristisches Tiefland.
Die Ebene des Orinoko (s. d.) zerfällt in zwei Teile, einen nördlichen und einen südlichen. Jener begreift die von der Küste des Atlantischen Ozeans an zwischen dem Orinoko und dem Apure im S. und der Küstenkette im N. und NW. bis zum Fuß der östlichen Andes sich hinziehende Ebene von Venezuela, dieser die Ebenen des Meta und des Guaviare. Ihrem Vegetationscharakter nach sind zu unterscheiden bewaldete und steppenartige Ebenen. Letztere, die Llanos (s. d.), im allgemeinen baumlose, nur an den Flußufern von Gebüsch und Baumwuchs bedeckte, fast vollkommen ebene Flächen, erstrecken sich über die ganze nördliche und den westlichen Teil der südlichen Ebene; bewaldet sind die Strecken zu beiden Seiten des Guaviare bis über den untern Lauf des Rio Meta und zum Rio Arauca.
Die Oberfläche der bewaldeten Ebenen ist hier und da etwas hügelig, vornehmlich zwischen dem Guaviare und dem Rio Negro, wo selbst Felsen an 100 m hoch schroff emporragen. Im Durchschnitt liegen diese mit dichtem Urwald bedeckten Ebenen ungefähr 300 m ü. M. Das Becken des Amazonenstroms, das größte des ganzen westlichen Kontinents, hängt mit der Orinokoebene unmittelbar zusammen, wie denn auch der in den Amazonenstrom fallende Rio Negro durch den Cassiquiare in ununterbrochener Verbindung mit dem Orinoko steht. Es zerfällt in zwei Teile, von denen der eine von O. nach W. gerichtet, der andre südlich von diesem zwischen den Andes und dem Brasilischen Gebirgssystem nach S. bis zum Becken des Parana, 20° südl. Br., sich erstreckt.
Jener wird im N. durch den Südabfall des Berglands von Guayana und durch eine unbedeutende Erdanschwellung unter 2-3° nördl. Br. zwischen dem Guaviare und dem Guainia begrenzt, erstreckt sich westlich bis zur Mündung des Rio Huallaga und den Stromschnellen des Pongo von Manseriche und südlich bis zu den Katarakten, welche die südlichen Nebenflüsse des Amazonenstroms bei ihrem Abfluß aus dem höher gelegenen Land bilden. Seine Ausdehnung beträgt zu beiden Seiten des Amazonenstroms von dessen Mündung bis zum Pongo von Manseriche 2970 km bei einer Breite von 660-1300 km. Diese Ebene, die im W. am Fuß der Andes von Loxa nur ungefähr 380, im N. am Fuß der Berge von Guayana nur etwa 300 m ü. M. liegt, wird ihrer ganzen Länge nach von W. nach O. von dem Amazonenstrom (s. d.), dem größten Strom der Erde, durchflossen.
Der zweite, von N. nach S. gerichtete Teil des Beckens des Amazonenstroms begreift den mittlern und obern Teil der Becken der südwärts vom 10.° südl. Br. zwischen den Andes im W. und dem brasilischen Gebirgssystem im O. laufenden Nebenflüsse des Amazonenstroms und wird im S. durch eine in schräger Richtung von den Andes zum brasilischen Gebirgssystem laufende, kaum merkliche wasserscheidende Schwelle, die sich aus niedriger, sumpfiger Ebene erhebt, gegen die Zuflüsse des La Plata begrenzt, so daß eine ziemlich offene Verbindung zwischen dem Becken des Amazonenstroms und demjenigen des Rio de la Plata bestehen bleibt.
Von N., wo er in den von O. nach W. gerichteten Teil des Amazonenbeckens übergeht und nur etwa 260 m ü. M. liegt, steigt er sanft und stufenartig, wie sich aus den Stromschnellen der Flüsse ergibt, nach S. an, durch den gegen O. weit in die Ebene vordringenden Kordillerenzweig von Cochabamba mehr und mehr eingeengt. Der Hauptstrom dieses Beckens, der Rio Madera (s. d.), übertrifft sowohl an Länge des Laufs (3340 km) und Wasserreichtum als an Ausdehnung seines Gebiets die größten Ströme Europas.
Dieser südliche Teil des Amazonenstrombeckens besteht im O. und SO. durchgängig aus feuchtem Wiesen- und Sumpfland, während die übrigen Teile fast durchgängig von den dichtesten Urwäldern, den sogen. Selvas oder Bosques, bedeckt sind, die von den Flüssen periodisch weithin überschwemmt werden. Die Ebene des Rio de la Plata und von Patagonien wird gegen NO. durch das brasilische Gebirgssystem, gegen W. durch die Andes von Bolivia und Chile begrenzt, während sie sich gegen S. östlich von den Andes bis gegen die Südspitze des Erdteils ausdehnt.
Sie bietet hinsichtlich der Gestalt ihrer Oberfläche große Verschiedenheit dar. Ihre nördliche Region wird größtenteils von einem noch sehr wenig bekannten Landstrich, dem Gran Chaco [* 39] (s. d.), eingenommen, worunter man die weite, nördlich bis an die bezeichnete Wasserscheide gegen den Amazonenstrom sich ausdehnende Ebene versteht. Andre Teile der Ebenen des Rio de la Plata-Beckens sind die Ebene von Tucuman im W. des Rio Salado, einer der schönsten und fruchtbarsten Landstriche, dann die Pampas (s. d.), in denen weite Grasfluren mit salzreichen, wüsten Strecken wechseln, welch letztere in den heißen Salzsteppen, Las Salinas, besonders entwickelt sind (s. Argentinische Republik). [* 40]
Die Ebene von Patagonien, welche sich südlich vom Rio Negro zwischen den Andes und dem Atlantischen Ozean ausdehnt und gegen das Innere bis zu etwa 330 m ü. M. ansteigt, hat durchgängig eine felsige, steinige und sterile Oberfläche; nur in den Flußthälern, namentlich des Rio Negro, finden sich kleinere, mit Vegetation bedeckte Strecken (s. Patagonien). Die ungeheuern Ebenen östlich von den Andes zwischen dem Becken des Amazonenstroms und der patagonischen Ebene werden von einem Flußsystem eingenommen, das aus drei Strömen, dem Paraguay, dem Parana und dem ¶