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Die Aushandlung der Macht an den Rändern der Imperien, 1756-1815
Donnerstag, 9. Juni
11:15 bis 12:45 Uhr
Raum 3059
Seit einigen Jahren ist das Zeitalter der Revolutionen wieder verstärkt in den Fokus der historischen Forschung gerückt, die sich dem Thema aus einer globalhistorischen Perspektive anzunähern versucht. Tatsächlich handelte es sich bereits beim Siebenjährigen Krieg und dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg um weitgehend global ausgetragene Konflikte. Spätestens die Kriege der Französischen Revolution und Napoleons waren Weltkriege im eigentlichen Sinn zwischen Frankreich und Grossbritannien sowie deren Verbündeten in Asien und den Amerikas. Insbesondere die damaligen Epizentren der Weltwirtschaft, Nordamerika, die Karibik und Indien, standen im Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen den beiden Grossmächten.
Es vermag deshalb nicht zu erstaunen, dass die europäischen Mächte die Unterstützung lokaler Machthaber und Eliten suchten, die sich meist aber nur durch geschickte Diplomatie gewinnen liessen. Hinzu kommt, dass diese lokalen Machthaber und Eliten eigene Ziele verfolgten, die meist wenig mit den europäischen Kriegsanstrengungen zu tun hatten und letztere oft gar konterkarierten. An den Rändern der Imperien wurden die Machtprojektionen und Herrschaftsansprüche der europäischen Staaten deshalb oft durch lokale Interessen und Machtstrukturen gebrochen. Um Kooperationsverhältnisse zwischen lokalen und metropolitanen Machthabern herzustellen, bedurfte es komplexen Aushandlungsprozessen. Dabei kam den europäischen Abgesandten vor Ort eine entscheidende Rolle zu. Sie schmiedeten Bündnisse mit lokalen Machthabern und stachen europäische Konkurrenten vor Ort aus. Diese Intermediäre blickten oft auf eine lange Karriere im Dienste des Imperiums zurück und waren Schlüsselfiguren von Globalisierungsprozessen und imperialen Expansionsprozessen.
Dem bürokratischen Zugriff weitgehend entzogen, dienten sie aber oftmals nicht nur ihrem Auftraggeber und der ‚Nation‘, sondern waren in der Regel auch von persönlichen und lokalen Interessen geleitet. Ausserdem mussten sie sich den lokalen politischen und kulturellen Normen anpassen – beispielsweise dem Hofzeremoniell von indischen Fürstenhöfen. Die tatsächliche Machtausübung und die Machtansprüche europäischer Staaten an der imperialen Peripherie wurden deshalb wesentlich durch diese komplexen Aushandlungsprozesse geformt.
Das vorgeschlagene Panel nähert sich also dem Thema Machtausübung in europäischen Imperien nicht von einer staatlich-zentrierten Perspektive von oben an. Vielmehr werden die lokalen Akteure und Bedingungen vor Ort ins Zentrum gerückt und die transkulturellen Dimensionen der ausgehandelten Formen der Macht an imperialen Randzonen analysiert. Diese Perspektive erlaubt es schliesslich, den eurozentrischen Blick auf die Krisen am Ende des 18. Jahrhunderts aufzubrechen und das Zeitalter der Revolutionen global zu denken.