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Das heutige Zitat der Woche kommt aus der Filmwelt: John Frankenheimers Klassiker «The Manchurian Candidate» von 1962 ist ein politischer Thriller, der nichts von seiner Wucht und Spannung verloren hat.
Von Daniel Lüthi
Der Koreakrieg (1950-1953) ist in Geschichtsbüchern einer der eher vernachlässigten Konflikte des 20. Jahrhunderts. Im Schatten des Zweiten Weltkriegs stehend und von keiner solchen politisch-gesellschaftlichen Schlagkraft wie der spätere Vietnamkrieg, war er für die USA nach zahlreichen militärischen Erfolgen doch ein erstes Patt auf dem Schlachtfeld. Die Etablierung der beiden Supermächte der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nach 1945 hatte für klare Verhältnisse im Weltgeschehen gesorgt: Es gab uns und den Feind, ein binäres Gleichgewicht des Schreckens, das im Kampf zwischen Nord- und Südkorea und ihren jeweiligen Verbündeten deutlich zu sehen war – oder so könnte man meinen.
Die langsame Aufsplitterung des riesigen sowjetischen Reiches und Aufstände wie der Prager Frühling führten in den 1960er-Jahren zu komplexeren Machtverhältnissen, welche durch die angespannte Situation der DDR und West- wie Ostberlin zusätzlich verstärkt wurden. Bis zum Mauerfall von 1989 und der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 sollte sich noch einiges ändern, doch bereits vor dem Bau der Mauer bröckelte der scheinbar eindeutige Gegensatz zwischen Kapitalismus und Kommunismus an manchen Stellen.
Hier setzt John Frankenheimers Film «The Manchurian Candidate» (dt. «Botschafter der Angst», 1962) an: Während des Koreakriegs gerät eine Gruppe amerikanischer Soldaten in sowjetische Gefangenschaft. Nach ihrer Entlassung und Rückkehr in die Heimat wird Raymond Shaw (Laurence Harvey), einer der Freigelassenen, für seine Tapferkeit ausgezeichnet – sehr zum Wohlwollen seiner politisch aktiven und erzkonservativen Familie. Doch der ebenfalls zurückgekehrte Captain Bennett Marco (Frank Sinatra) hat einen wiederkehrenden Albtraum, in dem Shaw nach einer Gehirnwäsche und Konditionierung durch kommunistische Wissenschaftler ohne Widerstand und Reue einen Freund und Soldaten erwürgt:
Mehr über die Handlung verraten zu wollen, wäre schade – Frankenheimers Verfilmung von Richard Condons Buchvorlage ist auch über fünfzig Jahre nach ihrer Erstausstrahlung so spannend und überraschend wie damals. Beispielhaft für diese kurze Sequenz wie für den ganzen Film ist der geniale wechselwirkende Schnitt zwischen den zwei Perspektiven: Einerseits die Präsentation der konditionierten Soldaten für die koreanisch-sowjetischen Machthaber, andererseits die Illusion der amerikanischen Gefangenen, die diese Machthaber als ältere Damen beim Vortrag über Gartenbau erscheinen lässt. Der Film erschien pikanterweise im Oktober 1962, auf dem Höhepunkt der Kubakrise, und macht deutlich, dass die klaren Fronten zwischen Ost und West weit vor dem Vietnamkrieg untergraben worden waren. Wer Spion, Freund oder Feind ist, bleibt bis zum spektakulären Ende offen.
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