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(Amygdalae,
Tonsillae), bei den
Säugetieren zwei zur
Kategorie der sogen. geschlossenen
Lymphdrüsen (s. d.) gehörige
Organe im hintern Teil der Mundhöhle.
[* 2] Sie ragen mit ihrer freien
Fläche in diese hervor und füllen den dreieckigen
Raum aus,
welchen die vom weichen
Gaumen herabsteigenden
Gaumenbogen mit dem seitlichen Teil der Zungenwurzel bilden.
Sie sind im allgemeinen mandelförmig, beim
Menschen 14
mm lang, 9
mm breit und bestehen aus 10-20 größern Lymphfollikeln
und einer Anzahl kleinerer
Drüsen, welche durch Falten der Mundschleimhaut voneinander getrennt sind.
Früher wurden sie als
Schleimdrüsen angesehen, sie lassen aber Lymphzellen massenhaft aus sich heraus
in den
Mund gelangen, zu welchem
Zweck, ist allerdings noch unbekannt. Die Mandeln sind bei dem Neugebornen noch nicht vorhanden.
In den ersten Lebensmonaten fangen sie erst an, sich zu entwickeln, und erreichen ungefähr im dritten Lebensjahr relativ
ihre volle
Größe. Sie sind häufigen
Entzündungen unterworfen (s.
Bräune), schwellen dabei an und bleiben,
wenn diese
Prozesse häufig wiederkehren, zuweilen dauernd vergrößert und derb; sie enthalten dann kleine abgestorbene Gewebspfröpfe,
welche der
Zersetzung anheimfallen und sehr übeln
Geruch aus dem
Mund veranlassen.
Mitunter werden kleine Eiterherde eingedickt, verkalken und bilden die
Mandelsteine; dieselben haben meist die
Größe eines
Hanfkorns, gelangen von Zeit zu Zeit unter Schlingbewegungen in die Mundhöhle und werden oft für
Stücke
kariöser
Zähne
[* 3] gehalten. Sie sind gesundheitlich völlig bedeutungslos, bei den lästigen Schwellungen der ist aber rechtzeitige
Abtragung mit dem
Messer
[* 4] um so mehr angezeigt, als diese
Operation trotz des oft beträchtlichen Blutverlustes beinahe schmerzlos
und bei kunstgerechter Ausführung ganz gefahrlos ist.
(lat. Amygdalae, engl. Almonds, frz.
Amandes, holl. Amandels). Die Früchte des Mandelbaumes, AmygdalusL., und zwar des gemeinen
oder echten Mandelbaumes, A. communisL., welcher 5-10 m hoch wird und nur da im Freien gezogen werden kann, wo Weinklima
und besonders Schutz gegen rauhe Nord- und Ostwinde gegeben ist, in Asien, in den Mittelmeerländern,
in Deutschland südlich der Mainlinie, an der Elbe bei Dresden, besonders aber im Rheinthal, an der Bergstraße und in der
Pfalz.
Die schön rötlichen Blüten erscheinen mit am frühesten, die Reifezeit ist im August und September. Die Zwerg- oder Strauchmandel,
A. nanaL., ist eine Zierpflanze und gedeiht noch bis Livland, ihre Früchte sind ungenießbar, werden
aber in Rußland anstatt der bittern Mandeln verwertet. Die M. haben eine hartfleischige, aufspringende Fruchtschale und
glatten, kleinlöcherigen Stein;
kultiviert werden besonders die Abarten mit sehr zerbrechlicher Schale, Krach- oder Knackmandel,
A. fragilis Fl.;
man hält Syrien für die Heimat des Mandelbaumes, welcher wild die bittern (A. amarae),
kultiviert die süßen M. (A. dulces) trägt;
bei vernachlässigter Zucht und ebenso bei aus Samen von süßen M. gezogenen
Pflanzen kann wieder die bittere Frucht entstehen.
Die süßen M. enthalten über 50% fettes Öl, bis 6% Traubenzucker, 3% Gummi, 24% Eiweißkörper (viel
Legumin und das dem M. eigentümliche Emulsin), 5% Salze, besonders Phosphate von Kalk, Kali, Magnesia;
sie schmecken süß,
schleimig, angenehm ölig und am feinsten in geschältem Zustand nach Entfernung der gelbbraunen, sehr gerbstoffreichen Haut.
In den bittern M. findet sich noch Amygdalin;
für den Menschen ist der Gehalt von Blausäure meist nicht gefährlich, kleinere
Tiere, z. B. Papageien, werden aber dadurch getötet.
Die Verwendung der M. findet sich zu Dessertfrucht, zu Backwerk und
verschiednen Speisen, z. B. Kompots, zu Konditorwaren, zur Gewinnung des Bittermandelöls und Bittermandelwassers,
zur Darstellung von Mandelöl und Mandelmilch, zu Parfümerien. Der zerstoßene Preßrückstand gibt die Mandelkleie. Die jungen
grünen Mandeln macht man mit den Schalen in Zucker ein; die reifen Früchte genießt man frisch oder getrocknet, manche Sorten
nur, der Nachreife wegen, getrocknet. Im Handel unterscheidet man verschiedne Sorten, je nach Form der
Kerne, Dicke der Schale und Erzeugungsart; die besten kommen aus Spanien und Italien, besonders Sizilien, die geringsten
aus Nordafrika.
Spanien liefert die Hauptware aus Majorka (mittelgut), Malaga (beste Sorte), selten nach Deutschland kommend, Alicante und
Valencia (groß, voll, eiförmig, braungelb, gelblich bestäubt, sehr weiß und wohlschmeckend), Krachmandeln aus Malaga,
M. aus Oporto etc., Frankreich (via Marseille) liefert süße und bittre Provencer M. (mittlerer
Qualität, kleiner, dünner, länglich, mitteldick), Comtatsche M. (dick, rund, groß, flach, in eirunden Körben, via Avignon
und Marseille), M. von Languedoc, Molarissen und Mollise, oder Sottole, Amandes
aux Dames, A. en coques, A. en coquilles,
A. à craquum, ital. Munderia in scorzu molle, einschalig.
Italiens Hauptausfuhr kommt über Lari, Palermo und Messina, direkt, oder über Venedig; mit süßen, bittern und großen
M. in drei Sorten:
1) Bischellia (Prima), 2) Andrea (Sekunda), 3) gewählte Bari;
von Sizilien 1. Avola (die feinsten), 2. Masculi (die mittleren)
und 3. Palma et Girgenti (die geringste);
ferner diese auch als bittere M. Genua liefert M. ähnlich
denen der Provence;
die appulischen M. sind dick, schwer, rund und heißen auch runde dicke M., die wohlschmeckende Ambrosiamandel
ist lang und dick;
man spricht auch noch von neapolitanischen M. Die Berberischen M., Barbanisse, die
kleinsten und billigsten mit viel Bruch, süße oder bittere, von Nordafrika, gehen meist über London, die bittern auch
über Holland;
man vermischt sie vielfach mit den größeren und besseren Sorten.
Gute M. sollen rein, unversehrt, nicht angefressen, ganz, nicht in Stücken, oder geborsten, süß, von angenehm fettigem,
aber nicht ranzigem Geschmack, hellgelblich, mit glatter Haut ohne Runzeln bedeckt und weiß und hart
im Innern sein; fehlerhaft sind weiße oder schwärzliche Haut, geborstene, zähe, weiche, durch Erhitzung verdorbene, innerlich
gelbliche M. Man verpackt die M. aus Malaga, Valencia, Oporto in Fässern oder Körben, die übrigen in Ballen à 2 Ztr. In
Hamburg rechnet man zwei bis drei Kilo Tara, in London 8⅔% Rabatt, dort für berberische M. bis 15 Pfd.
M. müssen trocken aufbewahrt werden, zeitweise sind sie zu reinigen durch Sieben und Auslesen. Die Preise sind nach Jahrgängen
sehr verschieden. - Zoll: Grüne noch in der äußeren Schale befindliche M. s.
Tarif im Anh. Nr. 25 h 1; getrocknete Knackmandeln und ausgeschälte Nr. 25 h
3; kandierte Nr. 25 p 1.
oder Tonsillen (Tonsillae), zwei ovale drüsige Körper, welche beim Menschen und den Säugetieren im hintern
Teil der Mundhöhle rechts und links zwischen dem vordern und dem hintern Gaumenbogen liegen und beim Schlingen durch ihr abgesondertes
Sekret den Racheneingang schlüpfrig machen. Jede Mandel besteht aus zahlreichen Schleimbälgen oder Follikeln
und faltigen Einstülpungen der Rachenschleimhaut und zeigt an ihrer Oberfläche 12-15 rundliche oder ovale Öffnungen, welche
in taschenartige, von Schleimhaut überkleidete Räume führen. IhrenNamen haben die Tonsillen von ihrer Ähnlichkeit
[* 9] mit der
Schale einer Mandelfrucht. Ihre Funktion ist erst in der letztern Zeit durch die Untersuchungen Stöhrs
bekannt geworden. Danach wandern aus ihnen zeitlebens weiße Blutkörperchen
[* 10] (Leukocyten) durch das sie überziehende Epithel
in die Mundhöhle und werden hier zu Speichelkörperchen.
Die Mandeln erkranken außerordentlich häufig. Die gewöhnlichste dieser Krankheiten ist die Mandelentzündung (Amygdalitis), bekannt
als Mandelbräune, geschwollene Mandeln, die gewöhnlich unter Fiebererscheinungen harmlos verläuft,
bisweilen aber durch Verlegung des Eingangs zum Kehlkopf Erstickungsgefahr bringt oder in Vereiterung der Mandeln (Mandelabsceß)
übergeht. Wiederholte Mandelentzündung führt nicht selten zu einer dauernden Vergrößerung des Organs (Mandelhypertrophie),
das dann auf operativem Wege entfernt werden muß (Tonsillotomie).
Die Mandeln nehmen auch an den meisten Entzündungsvorgängen des Rachens (Angina, Diphtheritis) teil. Die Behandlung
der gewöhnlichen Mandelentzündung besteht in der Anwendung feuchter Umschläge um den Hals; Eispillen, lindernde und desinfizierende
oder adstringierende Gurgelwässer vermindern die Beschwerden und Entzündungserscheinungen meist beträchtlich. Bei chronischen
Mandelentzündungen sind stärkere Adstringentien (Jod-, Höllensteinbepinselungen) bisweilen von Erfolg begleitet. Abscesse
müssen frühzeitig eröffnet werden.