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Kouprey
Bos sauveli
© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)
Der Kouprey (Bos sauveli) aus der Sippe der Wildrinder wurde erst 1937 entdeckt und ist damit eines der letzten Grosssäugetiere, die der westlichen Wissenschaft bekannt wurden.
Kouprey-Bullen sind schwarz oder sehr dunkelbraun gefärbt. Sie weisen eine Schulterhöhe von 170 bis 190 Zentimetern und ein Gewicht von 700 bis 900 Kilogramm auf. Die erwachsenen Kühe haben ein überwiegend hellgraues Fell und sind deutlich kleiner und leichter als die Männchen. Im Unterschied zu den Weibchen besitzen die Männchen ferner eine ausgeprägte Wamme, welche von der Kehle bis zur Brustmitte reicht, und ihre Hörner sind mit einer Länge von bis zu 80 Zentimetern beträchtlich imposanter als die
der Weibchen.
Eine Eigentümlichkeit des männlichen Kouprey ist im übrigen ein merkwürdiger Hornfaserkranz unterhalb der Hornspitzen. Es sind Reste der Jugendhornscheide, die im vierten Lebensjahr von dem darunter heranwachsenden Dauerhorn durchstossen wird. Diese Erscheinung findet sich zwar bei sämtlichen horntragenden Huftieren, doch werden die Hornfasern stets abgewetzt. Nur beim Kouprey bleiben sie zeitlebens erhalten.
Die Heimat der Koupreys ist das zentrale Indochina. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf ein zusammenhängendes Gebiet beiderseits des Mekongflusses im nordöstlichen Kambodscha, im südlichen Laos, im westlichen Vietnam und im östlichen Thailand. Als Lebensraum bevorzugen die grossen Wildrinder Grasländer, welche reichlich mit Dickichten und unterholzreichen Waldungen durchsetzt sind. In den frühen Morgenstunden äsen die Tiere im offenen Weideland. Dann ziehen sie sich während der mittäglichen Hitze zum Wiederkäuen in den Schatten und Schutz des dichteren Waldes zurück. Erst am späten Nachmittag kommen sie wieder hervor und sind dann oft bis spät in der Nacht rege. Mit Vorliebe ernähren sie sich von jungen Gräsern und Kräutern, nehmen aber auch Blätter und Triebe von Bäumen und Sträuchern.
Ausserhalb der Brunftzeit streifen die Koupreys in Weibchen-Jungen-Gruppen einerseits und Junggesellentrupps andererseits umher, wobei alte Bullen oft auch als Einzelgänger leben. Die Paarungszeit fällt in die Monate April und Mai. Dann folgen die Bullen beharrlich den Weibchen-Jungen-Gruppen nach und versuchen die brünftigen Weibchen zu decken. Die Kälber kommen nach einer Tragzeit von etwa neun Monaten zumeist im Januar zur Welt. Die hochträchtigen Weibchen sondern sich jeweils vorübergehend von ihrer Herde ab und schliessen sich mit ihren Jungen erst nach etwa einem Monat derselben wieder an.
Während die domestizierten Rinderformen heute zu Hunderttausenden im Dienst des Menschen stehen, werden die Bestände ihrer wildlebenden Verwandten immer weiter zurückgedrängt. Das gilt auch für den Kouprey: Er ist heute vom Aussterben bedroht.
Seit jeher scheint der Kouprey ein recht seltener Hornträger gewesen zu sein. Wahrscheinlich umfasste der Artbestand in unserem Jahrhundert nie mehr als 2000 Individuen. Aufgrund der Kriegswirren, welche Indochina jahrzehntelang erschütterten und während derer sämtliche Wildtiere unter massivem Jagddruck standen, nahmen die Bestände des Wildrinds jedoch weiter ab und verschwanden mancherorts sogar vollständig. Die letzten verstreuten Restbestände leben jetzt hauptsächlich noch in Kambodscha, und zwar im Preah-Vihea-Reservat, welches an der Grenze zu Thailand liegt, sowie in der bewaldeten Hügelzone entlang der Grenze zu Vietnam und Laos.
Erfreulicherweise haben 1986 Kambodscha, Laos und Vietnam ein Abkommen zur gemeinsamen Erhaltung des Kouprey unterzeichnet. Geplant ist unter anderem ein grenzüberschreitendes Reservat im Dreiländereck Kambodscha/Laos/Vietnam. Im übrigen verwendet vor allem die Regierung Kambodschas heute beachtliche Kräfte darauf, ein Netzwerk von Naturschutzgebieten im Land aufzubauen. Damit will sie nicht allein dem bedrängten Kouprey, sondern mit ihm noch vielen weiteren faszinierenden Lebewesen des indochinesischen Subkontinents eine bleibende Heimat schaffen.
Der WWF hat ein Langzeitprogramm zum Schutz des Kouprey ausgearbeitet, welches fachliche und finanzielle Hilfe bei der Errichtung von Kouprey-Reservaten sowie ein Zuchtprojekt in Gefangenschaft vorsieht. Die verantwortlichen Kreise sind sich bewusst, dass ein solches Zuchtprojekt zwar zur Erhaltung dieses bedrohten Wildrinds beitragen mag, dass aber in erster Linie versucht werden muss, den Tieren das Überleben in ihren natürlichen Lebensräumen zu ermöglichen.
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