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Postbureau, Telegraph. Telephon; Postwagen nach
Yverdon,
Échallens,
Arnex, Station
Croy und weiter nach
Romainmôtier und
Vaulion,
nach
Ballaigues und
Vallorbe, nach
Baulmes. Die Gemeinde liegt zum grössten Teil in der
Ebene der Orbesümpfe, zieht sich auf 5 km
dem die
Ebene im W. begrenzenden Gehänge entlang und umfasst auch noch einen Teil der Plateaulandschaft
weiter westlich. Zusammen mit einer Anzahl von Einzelsiedelungen und der Strafkolonie: 276
Häuser, 2080 Ew., wovon 168 Reformierte, 197 Katholiken
und 15 Andere;
1784 Ew. französischer, 185 deutscher und 109 italienischer Zunge.
Stadt allein: 235
Häuser, 1736 Ew. 1860:
1859, 1880: 1873 und 1888: 1929 Ew. Die während der vergangenen 40 Jahre nur schwache Vermehrung der
Bevölkerungsziffer zeigt jetzt dank der Entwicklung der industriellen Tätigkeit ein rascheres
Anwachsen. Reformierte Kirchgemeinde
zusammen mit der Gemeinde
Montcherand.
Die Stadt liegt auf einer von der Orbe auf drei
Seiten umflossenen Halbinsel, die sich nach S. zum letzten
Engpass des Flusses vor seinem Eintritt in die
Ebene absenkt. Die Oberstadt im N. gruppierte sich einst um ein altes
Schloss,
an dessen Stelle sich jetzt eine mit
Bäumen bepflanzte grosse Terrasse befindet, die eine weite Aussicht auf die
Ebene der
Orbe, einen Teil des
Jura und des
Jorat und auf die
Alpen bietet.
Schloss und Stadt waren mit Befestigungsanlagen
umgeben, von denen sich einige Reste bis auf heute erhalten haben.
Etwas ö. vor der Stadt liegt der Vorort
Les Granges mit einer grossen Schokoladefabrik. Von den in Orbe einst vorhandenen
sieben Kirchen oder
Kapellen hat sich nur die grosse Liebfrauenkirche
(Notre Dame) erhalten, die jetzt
reformierte Pfarrkirche ist. Sie steht an der Stelle einer anscheinend im
Lauf des 11. Jahrhunderts in der Oberstadt erbauten
Kapelle, an die im S. ein
Hospiz sich anschloss, während sich gegen N. eine den Namen Poteylar tragende und noch heute vorhandene
Türe öffnete.
Nachdem diese der h.
Jungfrau geweihte
Kapelle durch eine grosse Feuersbrunst 1407 zerstört worden war, erbaute man ein geräumigeres
Gotteshaus, indem man in einem der Mauertürme, der fortan als Glockenturm diente, ein Gewölbe ausbrach und daran beiderseits
die Seitenschiffe anbaute. Diese Kirche wurde während der Belagerung des
Schlosses 1475 beschädigt,
während eine Feuersbrunst 1688 Glockenturm und Dachstuhl zerstörte. Ihr Aeusseres zeigt keine besonderen Sehenswürdigkeiten;
das Innere bildet eine schöne Folge von Gewölben, die mit unechtem Marmor mehr oder weniger glücklich ausgelegt worden
sind, und birgt eine 1875 eingeweihte Büste des Reformators Viret.
Die Kirche hat eines der schönsten Geläute der
Schweiz. Neben der Kirche
steht die
Tour des Prisons oder
(ihrer Form wegen so genannte)
TourRonde und etwas davon entfernt mitten im östl. Abschnitt der Promenade die
TourCarrée.
Jene bildete einst den Haupteingang des
Schlosses und beherrschte die ganze Stadt, diese (vielleicht der ehemalige Bergfried)
stand in der nö.
Ecke der Umfassungsmauer des
Schlosses, das mit seinen Türmen,
Höfen, Mauern, Wällen
und Gräben eine für ihre Zeit sehr starke Anlage war.
Urkundliche Nachrichten über diese Burg fehlen vor der Mitte des 9. Jahrhunderts, wenn auch eine Ueberlieferung ihre Gründung
einem Edeln des transjuranischen Reiches Burgund (dem Patrizier Vandelin zu Beginn des 7. Jahrhunderts)
zuschreibt. Nachdem sie zu wiederholten Malen, so besonders um die Mitte des 13. Jahrhunderts unter den
Herren von
Montfaucon,
umgebaut und restauriert worden, kam sie zur Zeit der Burgunderkriege trotz tapferer Verteidigung 1475 in die Hände der
Eidgenossen, die sie mit einer Besatzung belegten.
Als sich diese einige Monate später zum Abzug genötigt sah, legte sie Feuer an das Bollwerk, von dem einzig die Mauern
erhalten blieben, die dann 1835 bei der Anlage der jetzigen Terrasse noch vollends abgetragen worden sind. Eine sehr bemerkenswerte
Baute ist die das tiefe
Tobel der Orbe s. der Stadt in einem einzigen
Bogen überspannende gemauerte
Brücke,
die zu den kühnsten, grössten und schönsten des Kantons gezählt wird. Sie verdankt ihre Entstehung der Anregung des Bürgermeisters
Carrard und wurde nach den
Plänen des Architekten Perregaux 1826 im Bau begonnen und 1830 vollendet; sie ist 83,25 m lang,
7,95 m breit und 30 In hoch.
Unterhalb davon befindet sich eine alte
Steinbrücke, zu deren Bau ein Einsiedler
Girard Borrellier seine Ersparnisse hergegeben
haben soll und die dann 1424 auf Kosten der Stadt vollendet worden ist. Eine dritte
Brücke bei
Les Granges stammt aus neuester
Zeit. Sekundarschulen, Gymnasium, Industrieschule, höhere Töchterschule. Ein schönes neues Schulhaus 1904 eröffnet.
Die auf
Grund von Schenkungen von Privatleuten 1842 gegründete öffentliche Bibliothek zählt heute 3500 Bände.
Die einstigen Hospizien und klösterlichen Krankenanstalten ersetzt ein Krankenhaus, das 1876 eingeweiht wurde und zu dessen
Bau ein Bürger von Orbe, G. de Thienne, die Mittel testamentarisch vergabt hatte. Einige Jahre später
hat man am Ufer der Orbe 1,5 km nö. der Stadt eine Strafkolonie eingerichtet, die auch entlassene Sträflinge aufnimmt;
seit der Vollendung der Entwässerungsarbeiten in den
Sümpfen der Orbe beschäftigen sich die Insassen der Anstalt, deren
Grundbesitz 1904 beträchtlich vergrössert worden ist, mit Landwirtschaft.
Die seit langen Jahren am Ufer der Orbe stehenden
Mühlen sind vor kurzem vergrössert und umgebaut worden
und erfreuen sich einer beträchtlich anwachsenden Bedeutung. Eine Gerberei und eine Bierbrauerei. Die in
Les Granges am rechten
Ufer des Flusses neu erstellte Schokoladefabrik beschäftigt zahlreiche Arbeiter und entwickelt sich rasch. Die Orbe mit
der Bahnstation
Chavornay verbindende Strassenbahn war die erste elektrische Normalspurbahn der
Schweiz
und überschreitet die Orbe auf dem
Grand Pont, in dessen Mauerwerk eigens zu diesem Zweck ein
Durchgang geöffnet werden musste.
Die Kraft erhält sie von einem an der Orbe am Ende ihres langen Schluchtenlaufes 1 km nw. der Stadt erstellten
Elektrizitätswerk, das durch einen 10 m hohen Staudamm aus Mauerwerk einen Fall von 11 m erzielt und eine Kraft von 260 PS
liefert und ferner noch Licht an die Stadt
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mehr
und Kraft an die Schokoladefabrik und mehrere andere Betriebe abgibt. Bahn und Kraftwerk wurden 1892 im Bau begonnen und
im April 1894 dem Betrieb übergeben. Ein grosser Teil der Bevölkerung beschäftigt sich mit Landwirtschaft und insbesondere
mit Weinbau. Die Rotweine von Orbe erfreuen sich eines verdienten guten Rufes.
Zahlreiche Funde bezeugen, dass zwischen der heutigen Stadt und dem Dorf Valeyres sous Rances an der diese
Gegend durchziehenden Römerstrasse Lousonna (Lausanne)-Eburodunum (Yverdon) eine Römerstadt Urba gestanden hat, die dann
ohne Zweifel zur Zeit der Barbareneinfälle zerstört worden ist. Im Mittelalter bezeichnete man mit dem Namen Urba einen
Ort, der nach dem Geschichtsschreiber F. de Gingins zwischen 563 und 596 vom König Guntram gegründet
worden sein soll.
Dieser König liess auch die quer durch den Jura von Saint Maurice (Agaunum) nach Dijon ziehende Strasse erbauen, an der Urba,
Tabernae oder Tabernis links der Orbe und Tavellis rechts der Orbe standen. Ob Urba (Orbe) nur der zusammenfassende
Name dieser beiden Burgschaften war oder einen an der Stelle des heutigen Ortes auf der Höhe der Halbinsel stehenden dritten
Flecken bezeichnete, ist nicht sicher festgestellt. Urkundlich erscheint die jetzige Stadt zum erstenmal 1049 in einer
Bulle des Papstes Leo IX. als vicus Urbensis. Im 7. Jahrhundert wurde Orbe die Hauptstadt des transjuranischen
Burgund (später Klein Burgund).
Seiner festen Lage an einer bedeutenden Strasse wegen entging der Ort auch während der Sarazeneneinfälle und der zu Beginn
des 8. Jahrhunderts ausbrechenden innern Fehden der völligen Zerstörung. Nach der Teilung des Karolingerreiches hielten
die Herrscher dieser Dynastie in Orbe verschiedene Zusammenkünfte ab, so z. B. 864 Lothar II. mit dem
Kaiser Ludwig II. Von 888 an kam Orbe an die transjuranischen Könige aus dem Geschlecht der Welfen und wurde unter Rudolf
I. von den einbrechenden fremden Horden vielleicht sogar zerstört, da König Rudolf II. nicht in Orbe sondern
in Chavornay residierte.
Das von des letztern Sohn Konrad wieder in Stand gesetzte Schloss Orbe diente nun seinen Nachfolgern als Residenz, und Orbe
ward der Hauptort eines Pagus, der vom Mormont bis zur Landschaft Neuenburg
reichte, im W. vom Jura begrenzt wurde und im O. noch einen
Teil des Jorat umfasste. Unter König Konrad konnten die Sarazenen und Ungarn endgiltig aus dem Land vertrieben
werden. Nach Rudolfs III. Tod (1032) kam das Burgunderreich an das heilige römische Reich deutscher Nation, dessen Kaiser
Heinrich IV. das Gebiet von Orbe 1076 Wilhelm dem Grossen, Grafen von Burgund, verlieh.
Als auch dieses Herrschergeschlecht mit Wilhelm IV. dem Kind 1127 erlosch, fiel Orbe neuerdings an das
Reich zurück, dessen Kaiser Friedrich Barbarossa mit Beatrix, einer Tochter des Grafen Renatus III. von Burgund, vermählt
war und nun die eine Hälfte der Ländereien seiner Frau 1168 an Amadeus II., Herrn von Montfaucon und Grafen von Mömpelgard,
und die andere Hälfte den Pfalzgrafen von Burgund zu Lehen gab. Amadeus III., Sohn von Amadeus II., erwarb dann 1255 auch
diese zweite Hälfte, umgab die Stadt Orbe mit einer Festungsmauer und baute das Schloss zu seiner endgiltigen Gestalt um.
Das HausMontfaucon verblieb bis zum Ende des 14. Jahrhunderts im Besitz der Herrschaft Orbe, worauf diese
nach dem Tod der kinderlosen Jaquette von Grandson, der Witwe Johanns III. von Montfaucon, an die Grafen von Mömpelgard als
die ältere Linie des Geschlechtes überging, deren Haupt damals Graf Johann Philipp war. 1404 erhielt Orbe seinen Freibrief,
dessen Original heute noch im Stadtarchiv vorhanden ist. Zu gleicher Zeit und wenig nachher entstanden
mehrere Kirchen und das St. Klarakloster der einer sehr strengen Regel
unterworfenen Klarissinnen. 1424 fielen Orbe, Échallens
und Montagny le Corbe an Ludwig von Châlons, Fürsten von Orange, einen der mächtigsten Herren seiner Zeit.
Bei ihrem ersten Einbruch in welsches Gebiet zerstörten die Eidgenossen nach der Einnahme des SchlossesGrandson 1475 die Burgen von Montagny le Corbe und Champvent und begannen am 1. Mai mit der Belagerung des Schlosses Orbe, das nach
heldenhafter Verteidigung durch Niklaus von Joux, der hierbei seinen Tod fand, eingenommen wurde. Die Sieger verschonten die
Stadt, die sich ihnen schon vorher ergeben hatte, legten aber im Interesse der Verteidigung die dem Schloss
nahen Bauten in Asche und liessen eine Garnison zurück, die im November des gleichen Jahres den Befehl zum Rückzug erhielt
und nun das Schloss bis auf die nackten Mauern niederbrannte.
Herzog Karl der Kühne zog im Februar 1476 über den Jura und schlug in Orbe, dessen Bewohner ihn als
ihren Befreier gerne aufnahmen, sein Hauptquartier auf, wurde aber bald darauf bei Grandson gründlich geschlagen, worauf
Orbe und sein Gebiet einer Plünderung und Zerstörung nur mit Mühe entgingen. Nach der zweiten Niederlage Karl's bei Murten sprachen die Eidgenossen die Ländereien des Hauses Châlons gegen Entschädigung den Städten Bern
und Freiburg
zu. Orbe und
Échallens wurden zu einer gemeinsamen Landvogtei vereinigt, die abwechselnd von einem Berner und von einem Freiburger Landvogt
regiert wurde, wobei ersterer stets in Échallens zu residieren pflegte.
Der lokalen Verwaltung in Orbe stand ein sog. Rat der Zwölf vor, dessen sehr angesehene Mitglieder den
Patriziergeschlechtern des Ortes entstammen mussten. Kurze Zeit nach dieser Neuordnung brachte die Einführung der Reformation 1531 eine
Zeit der Wirren und Gewaltakte. Die auf Freiburg
sich stützenden Katholiken vertrieben den unter BernsSchutz stehenden Reformator
Farel, woraus trotz Vermittlung beider Stände stets aufs neue Streitigkeiten entstanden. Eine feierliche Abstimmung gab endlich 1554 den
Reformierten die Mehrheit und den Sieg, der dann allerdings noch von der zur Abstimmung nicht zugelassenen katholischen Priesterschaft
angefochten wurde.
Nun hob man sofort den katholischen Gottesdienst auf, entfernte den Bilderschmuck aus den Kirchen, die
mit Ausnahme der Notre Dame abgetragen wurden, und schloss das St. Klarakloster, dessen noch verbliebene Insassen sich 1555 nach
Évian zurückzogen. Das Klostergebäude wurde von der Stadt angekauft und zu ihrem Rathaus umgewandelt. Im Uebrigen begünstigte
der Staat die Stadt Orbe bei der Säkularisierung der Kirchengüter nicht in dem Masse, wie er es anderen
Orten der Gegend gegenüber tat.
Von dieser Zeit an hat dann die kleine Stadt in fortdauerndem Frieden gelebt, der nur 1802 noch einmal gestört zu werden
drohte. Da ein Teil seiner Bewohner der Berner Oberhoheit zugetan war, hatte sich Orbe erst sehr spät
der Revolution von 1798 angeschlossen. Nun verband sich eine Anzahl von Anhängern Berns aus verschiedenen Orten, um im Waadtland
die BernerHerrschaft von neuem einzuführen. Sie sammelten eine unter dem Major Pillichody stehende Truppe von 2000 Mann,
die am in Orbe einzog, um loszuschlagen, sobald ihre Mitverschwornen in Lausanne das Zeichen
dafür geben würden.
Die davon benachrichtigten Patrioten brachten in aller Eile 5000 Mann zusammen, die unter den Befehl eines gewissen Blanchenay
gestellt wurden und sofort in drei Kolonnen von N., O. (Chavornay) und S. her gegen Orbe vorrückten. Pillichody konnte zwar
gegen den Jura hin entweichen, doch erhielt die von S. kommende Kolonne einige Flintenschüsse, die die
Soldaten derart aufbrachten, dass sie die betreffenden Häuser sofort plünderten und das gleiche Schicksal
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mehr
auch allen Häusern der Anhänger Berns angedeihen lassen wollten. Dies wurde nur dadurch verhindert, dass Blanchenay der Stadt
eine Kriegssteuer von 12000 Franken auferlegte.
Orbe ist die Heimat einer Reihe von hervorragenden Männern, von denen folgende zu nennen sind: aus dem 16. Jahrhundert der
Reformator Pierre Viret (1511-1571) und der Chronist Pierre de Pierrefleur; ferner der im 16. und 17. Jahrhundert
lebende Jaques d'Avy, der zum Katholizismus übertrat und es unter dem Namen du Perron bis zum Kardinal brachte; der durch
seine landwirtschaftlichen Schriften bekannt gewordene Pfarrer Jean Bertrand (1708-1777), der Verfasser von Schriften über
Moral und Naturwissenschaften Élie Bertrand (1713-1797), der Rechtsgelehrte B. Carrard († 1730), der
Erfinder der Orthopädie Dr. Jean André Venel (1740-1791) und sein als Historiker bekannter Sohn F. H. Venel (1780-1855),
der Dichter und Schriftsteller Albert Richard, der Maler Arlaud (1773-1845), der Feldmarschall in französischen Diensten L.
F. Darbonnier de Dizy († 1780), die Theologen Jean Hollard († 1569) und Jean Mestrezat (1632-1705),
der Naturforscher Louis Agassiz (1807-1873) und Nicolas de Goumoëns, der bei der Belagerung von Antwerpen 1832 den Heldentod
starb.
Die Stadt wurde 1407, bei der Belagerung des Schlosses 1475 und dann wieder 1688 von Feuersbrünsten und 1348, 1349 und 1515 von
der Pest heimgesucht. Nördl. der Stadt hat man zahlreiche Funde von römischen Altertümern gemacht,
von denen einige Mosaiken in Bossaye (an der Strasse nach Yverdon 2 km nördl. von Orbe) aufbewahrt werden, während die bemerkenswerten
Funde westl. der Stadt leider verloren gegangen sind. Am Chemin de l'Étraz (der alten Römerstrasse) ist
ein Gräberfeld aus römischer Zeit aufgedeckt worden, und auf dem Hügel von Châtillon hat man unter einem Steinhaufen einen
bronzenen Krug mit etwa 1200 römischen Münzen gefunden.
Von noch grösserem Einfluss auf die Bildung der Ebene waren aber die Vorgänge während der Eiszeit. So ist sicher festgestellt,
dass ein Arm des diluvialen Rhonegletschers zu wiederholten Malen und je für längere Zeit bis nahe an den Mormont
vorrückte und seine stark schlammhaltigen Schmelzwasser durch die Thalengen von Entreroche und La Sarraz in das damalige Seebecken
entsandte. Die Senke der Marais de l'Orbe ist die unmittelbare Fortsetzung derjenigen des Neuenburgersees, wie sich auch die
diesen letztern beiderseits (besonders aber im SO.) begleitenden Steilufer längs beiden Rändern der Ebene
bis in die Nähe des Mormont ohne Unterbrechung fortsetzen.
Die sie an manchen Stellen überdeckenden Ablagerungen von Moränenschutt beweisen die direkte Mitwirkung des Gletschers bei
der Auffüllungsarbeit dieses oberen Seebeckens. Das Gefälle der Ebene von der Enge von Entreroche in 450 m bis nach Yverdon
in 438 m (Pont de Gleyre) beträgt 12 m, während der vom Nozon durchflossene Arm w. der Colline d'Orny
von der Brücke von Pompaples bis zum Eintritt des Nozon in den Grand Marais sich um 42 m senkt. Doch gehört dieser Abschnitt
des Nozonthales streng genommen nicht mehr zur Ebene der Orbe, da er mit seinem Gefälle von 14‰ (Grand Marais
nur 0,75‰) ein Erosionsthal darstellt.
Die Korrektion der Juragewässer, die das Mittelwasser des Neuenburgersees auf 432,2 m gesenkt hat, hat zugleich auch das
Gefälle der Flussläufe in der Ebene etwas verstärkt, so dass es jetzt 14,8 m oder 0,92‰ beträgt. Als vor der Korrektion
der Mittelwasserstand des Sees in 434,90 m lag, hatten die Wasserläufe der Ebene bei Hochwasser weder genügende Fassungskraft
noch genügendes Gefälle, um das auf einer Einzugsfläche von 586 km2 sich sammelnde und alles der Ebene zustrebende Wasser
in seiner Gesamtheit an den See abzugeben.
Daraus folgte eine periodisch sich wiederholende Ueberschwemmung der tiefern Teile, was das ganze Land
ungesund machte und die bereits für den Anbau gewonnenen Landstücke teilweise entwertete. Zu dieser Zeit waren solchen
Ueberflutungen mehr als 30 km2, d. h. etwa 75% der Gesamtfläche der Ebene unterworfen. Schon früh hatte man erkannt,
dass der einst in die Thièle mündende Buron mit seinen Geschieben das Bett des Hauptflusses allmählig
aufzufüllen drohte und ihn daher schon 1590 durch das neben dem SchlossYverdon vorbeigehende alte Bett der Thièle direkt in den
See abgelenkt. 1773 wollte man dem alten Uebel
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