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Hochsensibilität. Ein Begriff, den man immer häufiger hört oder liest. Diverse Zeitschriften berichten darüber oder man hört es im Fernsehen. Was was genau ist Hochsensibilität? Was bedeutet es hochsensibel zu sein? In diesem Beitrag möchte ich auf diese Fragen in Kürze eingehen.
Was ist Hochsensibilität?
Der Begriff geht auf die Psychologin Dr. Elaine Aron zurück. Sie beschreibt Hochsensibilität als eine Tendenz Informationen tiefer und sensibler zu verarbeiten. Das bedeutet, dass Betroffene stärker auf Reize reagieren oder sich häufig von diesen überflutet fühlen (z. B. von Düften, Geräuschen oder aber auch sozialen Reizen). Sie empfinden durch die sensiblere Reizverarbeitung oftmals mehr Stress und versuchen diese, wenn möglich, zu vermeiden. Zudem sind Betroffene sensibler für Veränderungen (d. h. bemerken diese oftmals schneller als andere) und haben ein Gespür für das Subtile. Ebenso reagieren Hochsensible vielfach mit stärkeren Gefühlen auf positive und negative Erfahrungen; und fühlen sich dadurch immer wieder von ihren Gefühlen überwältigt. Ein weiteres Merkmal ist, dass sie sich sehr gut in andere hineinversetzen können und überaus empathisch sind.¹
Hochsensibilität ist eine normale Persönlichkeitseigenschaft und wurde laut Elaine Aron bei 15-20% Personen in der Bevölkerung festgestellt. Es ist ein Wesenszug und keine Diagnose.
Sie ist keine neue Entdeckung, scheint aber häufig missverstanden worden zu sein. Da Hochsensible erst einmal beobachten, bevor sie sich in neue Situationen begeben, werden sie häufig "schüchtern" genannt. Aber Schüchternheit ist erlernt, nicht angeboren. Tatsächlich sind 30% der Hochsensiblen extrovertiert, obwohl diese Persönlichkeitseigenschaft oftmals als Introvertiertheit falsch beschrieben wird. Auch wurde sie als "Gehemmtheit", "Ängstlichkeit" oder "Neurotizismus" definiert. Manche Hochsensible verhalten sich auf diese Art und Weise, aber dieses Verhalten ist nicht angeboren und nicht die Grundeigenschaft von Hochsensbilität (Dr. Elaine Aron).
Natürlich gibt es nicht nur hochsensible und unsensible Menschen. Es gibt nicht nur das Schwarz oder Weiss. Es befindet sich ein ganzes Spektrum an "Graustufen" dazwischen. Dies bedeutet lediglich, dass manche Menschen Reize sensibler verarbeiten oder mit stärkeren Gefühlen auf Erfahrungen reagieren - nicht mehr, nicht weniger. Es macht keinen besseren oder schlechteren Menschen aus einem.
Kann man Hochsensibilität messen?
Dr. Elaine Aron hat zur Messung der Hochsensibilität einen Fragebogen entwickelt. Den originalen Test auf Englisch finden Sie hier. Eine angepasste deutsche Version gibt es hier. Elaine Aron weist jedoch auf Ihrer Homepage darauf hin, dass kein psychologischer Test so genau misst, dass jemand sein ganzes Leben auf dieses Ergebnis basieren soll. Dieser Aussage kann ich mich ebenfalls anschliessen. Testergebnisse aus Fragebögen können Hinweise geben, bilden jedoch noch kein ganzheitliches Bild ab.
Hochsensibilität wirft in der Psychologie jedoch einige Fragen auf. Es bestehen Diskussionen, ob hochsensible Eigenschaften schon mit bestehenden erforschten Konzepten wie Persönlichkeitseigenschaften erklärt werden können oder ob Hochsensibilität etwas eigenständiges ist. Da Hochsensibilität noch zu wenig erforscht ist, bleiben diese Fragen weiterhin offen. Die Forschung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird diesbezüglich wahrscheinlich einige Klarheit bringen können.
Falls Sie das Gefühl haben hochsensibel zu sein und sich im Umgang damit Unterstützung wünschen, zögern Sie nicht mich zu kontaktieren.