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von Christian Auf der Maur
In den schriftlichen Quellen rückt die Strasse ab dem 12. Jh. im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Städte wieder vermehrt in den Fokus. Während im Frühmittelalter v.a. eine fortdauernde Nutzung spätantiker Infrastruktur propagiert wurde, verschleiert sich das Bild in den folgenden Jahrhunderten zunehmend. Dieses Bild kann durch die Archäologie jedoch etwas geschärft werden.
In der unmittelbaren Umgebung der Altstadt von Sursee konnten zwei Strassenzüge über längere Distanz freigelegt werden. Derjenige südlich der Altstadt beim Mülihof verläuft parallel zum Surefluss. Er weist vier Ausbauphasen auf, die ohne Unterbruch ab dem 7. Jh. bis ins 12./13. Jh. reichen. Die erste Phase deutet auf einen Weg hin, der schon ältere Siedlungsreste überdeckt. Nach kurzer Nutzung wird der Weg mit einem breiten Kiesbelag überlagert, was anhand der Funde noch in frühmittelalterliche Zeit fällt. Mit der dritten Phase wird die Strasse ausgebaut, die nun mit grösseren Bruch– und Geröllsteinen befestigt wird und einen Strassengraben führt. Diese Phase fällt vermutlich ins ausgehende Frühmittelalter oder frühe Hochmittelalter. Die Nutzung reicht anhand der Hufeisenfunde bis ins 11. oder 12. Jh. Die letzte Phase weist Erweiterungen und Reparaturen auf. Hufeisen und weitere Funde bezeugen, dass diese Arbeiten im 12. bis 13. Jh. vorgenommen wurden, bis die Strasse aufgelassen wurde.
Letztere beiden Phasen sind zeitgleich mit dem Strassenzug in der nördlichen Altstadt von Sursee, welcher unter dem heutigen St. Urbanhof zum Vorschein kam. Beide weisen ähnliche bautechnische Charakteristika auf, so die Verwendung von Bruch– und Geröllsteinen als Kofferung und ein darüberliegender, teilweise kompakter Kiesbelag. Zudem führen beide Strassen einen seitlich parallel verlaufenden Strassengraben.
Während die Funktion beider Strassen auch im Zusammenhang mit Warentransporte (Karrgeleise) zu sehen ist, zeigt sich ihre Auflassung auf verschiedene Weise. Während die Strasse in der nördlichen Altstadt ab 1256 aufgrund einer frühen raumplanerischen Massnahme im Zusammenhang mit dem Bau der Stadtmauer nur um wenige Meter verlegt wird, wird die Strasse beim Mülihof komplett aufgelassen. Dies geschieht wiederum im Zeitraum der Stadtgründung von Sursee um die Mitte des 13. Jh. Letztere kann wahrscheinlich mit der Mühle Münigen des Klosters Engelberg in Verbindung gebracht werden. Ein Besitzwechsel könnte als Ursprung für die Auflassung in Betracht gezogen werden, der wiederum im Zusammenhang mit der Stadtgründung stehen würde. Eine Bestätigung oder Ablehnung dieser Ansicht wird aber nur durch weitere historisch fundierte Recherchen ermöglicht.
, Christian : Der früh– bis hochmittelalterliche Strassenbau in Sursee. Beispiele von Sursee–Mülihof und St. Urbanhof
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 17. Jahrgang 2012, Heft 3, 149 - 162.