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Ein Währungshüter, der einst die Politik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zur Bekämpfung des starken Franken mit ausgearbeitet hatte, stellt die langfristige Zukunftsfähigkeit des Ansatzes infrage.
Die Strategie der Zentralbank, am Devisenmarkt einzugreifen, um stärker negative Zinssätze zu vermeiden, könne nicht als eine tragfähige Langfrist-Politik angesehen werden, schrieb der ehemalige SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine in einem Arbeitspapier. Dieses wurde von der Paris School of Economics veröffentlicht, deren Verwaltungsrat er leitet.
"Die SNB ist bereits die Zentralbank mit der grössten Bilanz im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt", erklärte er. "Man kann sich schwer vorstellen, dass sie in den nächsten zehn Jahren weiter im gleichen Tempo wachsen wird."
Die Zinssätze können dagegen weiter gesenkt werden, solange die SNB Massnahmen ergreift, um zu verhindern, dass Banken Bargeld horten, argumentiert Danthine, und greift damit einen Vorschlag des Internationalen Währungsfonds auf. Die in Washington ansässige Institution hatte im vergangenen Jahr angeregt, dass die Schweizer die sporadischen Interventionen stoppen und die Zinsen in einem "moderaten" Umfang senken.
Zinsdifferenz gegenüber Eurozone entscheidend
Die SNB hatte über Jahre hinweg unterm Strich hunderte von Milliarden ausgegeben, um die Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro auszubremsen. Zwischen 2011 und 2015 nutzte sie sogar einen Deckel. Seither versucht sie, eine Zinsdifferenz gegenüber der Eurozone über eine 0,75-Prozent-Gebühr auf Sichteinlagen und über gelegentliche Interventionen aufrechtzuerhalten.
SNB-Präsident Thomas Jordan bekräftigte erst im Juni die Zwei-Säulen-Politik. Er sagte, die Zentralbank verfüge über genügend Spielraum für die Bilanz und für eine Senkung der Zinsen weiter unter null, falls das notwendig sein sollte.
"Um weiter in den negativen Bereich vorzudringen, muss die Versuchung, Papierwährung auf Bankenniveau zu horten, abgestellt werden", schrieb Danthine, der sich wenige Monate nach Einführung der neuen Strategie von der SNB zurückgezogen hatte.
Danthine bestätigte per E-Mail gegenüber Bloomberg, dass das Arbeitspapier von ihm geschrieben wurde. Ein Sprecher der SNB lehnte eine Stellungnahme ab.
Um ein solches Horten zu verhindern, könnte die SNB eine Gebühr auf Bargeldabhebungen bei der Zentralbank erheben - unter Berücksichtigung der Tiefe der negativen Zinsen und möglicherweise auch der Dauer der Politik. Wenn das alles als ausreichende Abschreckung ausgearbeitet werde, dann würde die Gebühr "in der Praxis niemals erhoben werden", schrieb Danthine.
Freibetrag erhöhen?
Als zweites Element könnte die SNB ihren Freibetrag auf die Sichteinlagen erhöhen - derzeit das Zwanzigfache der Mindestreserven einer Bank. Das würde die Lasten der Finanzinstitute "ungefähr unverändert" belassen und dafür sorgen, dass die allgemeine Öffentlichkeit weiterhin von der Gebühr verschont wird, erklärte Danthine.
Das Papier ist auf April 2017 datiert, als der Franken noch stärker als 1,09 je Euro war. Er hat sich inzwischen abgeschwächt, angesichts besserer wirtschaftlicher Perspektiven für die Eurozone. Vergangene Woche durchbrach der Franken die Marke von 1,15 je Euro, wie Daten von Bloomberg zeigen. Eine schwächere Währung sollte die Inflation der Schweiz antreiben und damit die Notwendigkeit einer weiteren Lockerung der SNB-Geldpolitik verringern.
Einige Experten, unter anderem Harvard-Professor Kenneth Rogoff, hatten vorgeschlagen, dass Gesellschaften auf Bargeld verzichten. Ein solcher Schritte würde es viel schwerer machen, negative Zinsen zu vermeiden. Danthine zufolge zeigen die Erfahrungen in der Schweiz, dass ein solcher Ansatz "demokratisch undurchführbar" wäre.
"Negative Nominalzinsen sind so unpopulär, dass eine demokratische Mehrheit für gesetzliche Massnahmen, die es erlauben würden, eine Person auf der Strasse direkt negativen Zinssätzen auszusetzen, nicht erreichbar ist", sagte er und verwies dabei auf das schweizerische System der direkten Demokratie.
(Bloomberg)