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Silber
(Argentum; frz. argent; engl. silver). Wie das
Gold ist auch das S. seit den ältesten Zeiten bekannt und hochgeschätzt und teilt mit jenem das Amt, der Wertmesser
aller Dinge zu sein. Es bildet das Kleinmaß und überbietet in seiner Anwendung hierzu wie zu andern
Zwecken das
Gold ebenso wie in der größern Häufigkeit des Vorkommens. Man hat angenommen, daß die auf der
Erde vorhandene
Silbermenge etwa das Fünfzehnfache von der des
Goldes betragen möchte; die gegenseitige Würdigung der beiden Metalle
ist merkwürdig genug seit langen Zeiten im ganzen die nämliche geblieben, sodaß immer das
Gold annähernd 17mal mehr wert
war als das S. Es ist dieses letztere Metall in feiner Verteilung noch weit verbreiteter als das erste, denn es sind selbst
alle Meere schwach
silberhaltig, und von manchen Gebirgs- und Höhenzügen gilt das nämliche; nur läßt
sich dem S. wegen seines geringern Wertes nicht so weit nachgehen als dem
Golde.
Dennoch stammt das meiste des jetzt in Europa gewonnenen S. aus den winzigen Anteilen, welche in
Schwefel-,
Blei- und Kupfererzen
stecken, sodaß also die meisten
Silberhütten zugleich
Blei- oder Kupferhütten sind. Die eigentlichen
reichern
Silbererze sind in Europa schon stark abgebaut und der Ertrag ist nirgends mehr so bedeutend wie in frühern Zeiten.
Im Altertum gewannen selbst die Griechen
Gold und S. im eigenen Lande. Die große
Silberkammer war aber damals die spanische
Halbinsel.
Von dort holten Phönizier, Karthager und Römer durch lange Zeiten ungeheure Mengen des Edelmetalles
und trieben in die Pyrenäen großartige, jetzt mit Wasser gefüllte Stollen. Auch die Araber sollen dort noch viel S. gegraben
haben; der spanische Bergbau kam erst mit der Entdeckung des
silberreichen Amerika gänzlich zum Erliegen. Die jetzige Silberausbeute
in Spanien ist gegen früher unbedeutend; das meiste wird noch gewonnen bei Gelegenheit der Bleigewinnung
aus Bleiglanz, von dessen kleinem
Silbergehalt die Alten keine Ahnung haben mochten. Im Mittelalter waren österreichische
Gruben Hauptquellen des Metallreichtumes.
Die berühmten Werke von Schemnitz und Kremnitz (Gold) sollen schon über 1000 Jahre im Betriebe sein und sind es mit mäßigem Erfolge noch jetzt, ebenso das ehemals berühmte Joachimsthal in Böhmen, etwa seit dem 10. Jahrhundert bekannt. Ferner sind noch zu nennen: Przibram, welches 1874 20351 kg S. lieferte, Kuttenberg und Abertham in Böhmen, einige anderweite Fundorte in Ungarn, im Banat, in Siebenbürgen;
mit kleinen Quantitäten Tirol, Steiermark, Oberösterreich, Militärgrenze.
Das sächsische Erzgebirge (Gegend von Freiberg und Annaberg) ergab 1874 20592,7 kg; der Ertrag sinkt aber
allmählich. Weiterhin liefert der
Harz (Klausthal, Rammeisberg bei Goslar, Andreasberg) Erträge, wenn auch klein im Verhältnis
zu frühern Zeiten; so 1876 Rammeisberg 4965,4 kg; der Oberharz 24882,61 kg, teilweise aus angekauften Erzen. Zu
erwähnen ist hier auch
der Kupferschieferbau im Mansfeldischen. Die
Silberausbeute vom ganzen Deutschland wurde im Jahre 1875 zu 300000
kg geschätzt.
Schweden mit seinen ehemals fabelhaft reichen
Silberwerken zu Kongsberg in Norwegen schreibt man noch 10000 kg zu, Frankreich 3000 kg;
die spanischen Erträge der Jetztzeit kennt man nicht genau. Einen ziemlich regelmäßigen Ertrag hat
das erzreiche Großbritannien aus seinen
silberhaltigen Bleierzen (1874 etwa 50000 Unzen zu 0,0283 kg).
Sie finden sich am häufigsten in England, dann folgen abnehmend Wales, Insel Man, Irland, Schottland. Nach einer, in Muspratts
Chemie enthaltenen Zusammenstellung betrug 1874 die
Silberproduktion der verschiednen europäischen Staaten für
Österreich 38496 kg, Deutschland 154079 kg, England 15838 kg, Schweden 700 kg, Norwegen 3500 kg, Rußland 11799 kg, Frankreich 34000 kg
(?), Spanien 33000 kg, Italien 3400 kg. Von den Erträgen Asiens ist kaum etwas bekannt; namentlich
kennt man nicht die Produktion
Chinas und Japans, welche an
Gold wie an S. beträchtlich sein soll. Im
Süden wird in Ava, Malakka, Borneo, Sumatra neben einigem
Gold nur unbedeutend S. gefunden; nur Annam oder Tonquin haben
mehr S. als
Gold. - Das reichste
Silberland ist Amerika.
Dort bergen die Anden in ihrer ganzen Ausdehnung Schätze, die trotz der Milliarden, die seit dem Einfall
der Spanier von dort weggeschleppt wurden, noch auf viele Jahrhunderte vorhalten können, um so mehr als auch dort, wie überall,
die reichen Funde selten sind und man im allgemeinen nur arme Erze, aber ganze Gebirge voll, zur Verfügung hat. Die alten
reichen Schatzkammern, die sprüchwörtlich gewordnen Werke von Potosi in Bolivien, Cerro de Pasco in
Peru u. a. sind allerdings ausgeräumt und es läßt sich nicht mehr aus dem Vollen schneiden.
Eine gesteigerte und nachhaltige Produktion ist hervorgerufen worden durch das Eintreten vieler englischer und andrer fremder
Gesellschaften mit bessern Betriebsmitteln. Mexiko steht an der
Spitze aller S. produzierenden Länder,
dann folgen Peru, Chili, Bolivia. Hierzu kommen weiter noch die
Silberschätze Kaliforniens. - Das S. kommt unter mancherlei
Verhältnissen in der Erdrinde vor, teils gediegen, teils verschiedentlich vererzt.
Das gediegene S. wird in den meisten eigentlichen
Silberbergwerken gleichsam als Ausputz gefunden, bildet aber nur einen
sehr geringen Teil der Ausbeute. Es erscheint, meist in Klüften von festem Gestein, grau oder gelb angelaufen,
in Form von
Draht, Gewürzel, Moos, in dünnen
Blechen und in selteneren Fällen in dickern Platten oder Klumpen von ein oder
mehreren Kilo Gewicht. Manchmal bestehen die
Silbererze, wenigstens in Amerika, auch aus Gestein, in welchem gediegenes S.
in sehr kleinen Partikeln eingesprengt ist. Öfter enthält das gediegene S.
Antimon,
Kupfer oder
Arsenik; etwas
Gold ist meistens
vorhanden, und in dem neuen Silberdistrikt von Kalifornien (Nevada) begegnen sich
Gold und S. dergestalt, daß zuweilen natürliche
Legierungen von gleichviel
Gold und S. vorkommen. Auf dem harzer Werke
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Andreasberg bildet Antimonsilber das hauptsächlichste Erz; der Antimongehalt beträgt 23%. Die große Neigung des S. zum Schwefel führt dasselbe am häufigsten, mit diesem und in dessen Gesellschaft mit andern geringeren Metallen zusammen. Von bergmännischer Bedeutung sind folgende Schwefelverbindungen des S.; Silberglanz, ziemlich reines Schwefelsilber aus 86½% S. und 13½ Schwefel; kommt mehr oder weniger auf fast allen Silbergruben vor, in großen reinen Stücken namentlich zu Feiberg ^[richtig: Freiberg], Johanngeorgenstadt, Joachimsthal, hat die Formen des gediegenen S., Metallglanz und die völlige Geschmeidigkeit, sodaß es sich wie Silber prägen läßt. Es existieren davon Joachimsthaler und sächsische Schaumünzen.
Von gleicher Wichtigkeit für Sachsen, Böhmen, Ungarn u. a. ist das Sprödglaserz oder Schwarzgültigerz, aus S., Antimon und Schwefel bestehend, und das Rotgültigerz (Silberblende) in zwei Varietäten: dunkles aus S., Antimon und Schwefel, und lichtes aus S., Arsenik und Schwefel bestehend. Fahlerze heißen Verbindungen einer Mehrzahl von Schwefelmetallen; sie enthalten neben S. gewöhnlich noch Kupfer, Eisen und Zink. Erze, in welchen das Kupfer den Hauptstamm bildet, können neben andern Metallen (Blei, Antimon, Arsenik) Spuren von S., aber auch bis zu 30 und mehr Prozent desselben enthalten.
Das beste derartige Erz ist der Kupfersilberglanz (Kupfersilber und Schwefelsilber) mit zuweilen mehr als der Hälfte des Edelmetalles. Hierzu kommen noch die Bleiglanze (Schwefelblei) mit ihrem kleinen Silbergehalt, die aber durch ihr häufiges Vorkommen in Summa doch auch etwas abwerfen und für Europa, wie gesagt, die wichtigste Silberquelle ausmachen. Natürliches Chlorsilber (Hornsilber) ist in Europa eine Seltenheit, von ansehnlichem Belang aber für die Silbergewinnung in Sibirien, Mexiko, Chili und Peru. - Die meisten Silbererze sind arm und bestehen aus Gebirgsarten, in denen eines oder verschiedne der genannten Erze in kleinen Portionen eingesprengt sind. In Mexiko bestehen die Erzgänge meistens aus Quarz, in welchem die Erze augenförmig verteilt sind. Man gewinnt dort aus diesen Erzen von ¼-1%, durchschnittlich ½% Metall. Es gibt aber auch Gruben, die drei- und mehrprozentige Erze ergeben. Diese Gänge sind meistens sehr mächtig, d. h. breit, und gehen selten unter 0,9 m herab; es gibt aber viele, die bedeutend größer sind, bis 25, 30 m, einer selbst 60 m. -
Je nach Beschaffenheit der Erze und örtlichen Umständen schlägt man zum Ausbringen des Metalles verschiedne Wege ein, entweder feurige, durch Schmelzprozesse, oder kalte und nasse. Dieses letztere Mittel, die nasse Extraktion, ist in neurer Zeit in Europa vorherrschend geworden und hat hier die noch zu erwähnende Amalgamation verdrängt. Die Gewinnung der kleinen Silberanteile aus geschwefelten Kupfer- und Bleierzen ist in den Art. „Blei“ und „Kupfer“ bereits berührt worden.
Die Bleiglanze werden wie gewöhnlich auf Blei verschmolzen, in welchem dann auch der Silberanteil enthalten ist. Durch die Treibarbeit, wobei die ganze Bleimenge durch einen Feuerluftstrom wieder geschmolzen und zu abfließender Glätte oxidiert wird, erhält man das S. als kleinen, auf dem Treibherde, verbleibenden Rückstand. Auf Kupferhütten bildet das Blei das Fördermittel zum Ausbringen von S. aus dem Schwarzkupfer. Man schmilzt letzteres mit einer größern Menge Blei zusammen, gießt aus der Legierung Scheiben und setzt diese zwischen glühenden Kohlen einer Hitze aus, welche das Blei und mit ihm das S. wieder ausfließen macht.
Dieses Verfahren heißt Aussaigern; das erhaltene silberhaltige Blei unterliegt dann natürlich ebenfalls der Treibarbeit. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß auch bei direktem Verschmelzen von Silbererzen mit Blei oder bleireichen Substanzen eine Bleisilberlegierung das Resultat sein wird. Man findet dies Verfahren in Mexiko und schon die alten Mexikaner betrieben es als das einzige ihnen bekannte; es ist aber nur auf besonders reiche Erze anwendbar. In einem und demselben kleinen Ofen werden mit Erzen und Bleiglanz erst die Röstung, dann die Schmelzung, dann das Abtreiben vorgenommen und zwar auf gut Glück, denn die Leute arbeiten bei völligem Mangel an hüttenmännischen Kenntnissen höchst unsicher.
Für die ärmeren Erze dient dort die Amalgamation, das Verfahren, bei welchem das Quecksilber das Beförderungsmittel ist. Es geschieht diese Arbeit meist noch in der Weise wie sie vor 300 Jahren eingeführt wurde, in freien Haufen; nur in wenigen größern Werken treibt man die neuere Amalgamation in Fässern. Man pocht die Erze und mahlt sie mit etwas Wasser zwischen Steinen auf Maultiermühlen fein. Der Schlamm wird auf gepflasterten Plätzen in Haufen gesetzt und unter Umschaufeln und Eintreiben von Maultieren mit einer Partie Seesalz gemengt.
Nach einigen Tagen werden ebenso gründlich Gemenge von Kupfervitriol oder geröstetem Kupferkies und geröstetem Schwefeleisen eingearbeitet und wird immer für Feuchthaltung der Haufen gesorgt. Sonnenhitze, Luft und Feuchtigkeit bewirken nun in der Masse chemische Umsetzungen, welche zur Folge haben, daß alles Silber der Erze, welches nicht von Natur schon Chlorsilber ist, also Schwefelverbindungen und gediegene Partikelchen des Silbers, ebenfalls in Chlorsilber verwandelt werden.
Man beginnt dann mit dem Einarbeiten von Quecksilber in die Haufen, was periodisch bis zur Reife der Dinge fortgesetzt wird. Das Quecksilber bringt eine neue Reaktion hervor: ein Teil desselben zerlegt das Chlorsilber und bildet mit dem Chlor desselben Chlorquecksilber;
ein andrer Teil nimmt das hierdurch metallisch gewordene S. auf und bildet mit ihm das gesuchte Amalgam, das nach dem Ausschlämmen der ganzen Masse mit vielem Wasser in Kufen als breiiger Bodensatz zurückbleibt.
Dieser wird in Destillierkolben oder Retorten gebracht, das Quecksilber durch Hitze abgetrieben und in kaltem Wasser wieder aufgefangen; der Rückstand ist ein sehr poröser Silberkuchen, sog. Tellersilber. Der Amalgamationsprozess dauert je nach der Witterung 14 Tage bis 4 Wochen. Man verwendet viermal soviel Quecksilber als man S. vermutet, ¶
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erhält aber nur ¾ davon zurück; das übrige geht als lösliches Chlorquecksilber im Wasser fort. In Europa wurde das Amalgamierverfahren bedeutend verbessert, namentlich in Freiberg. Die Erze werden dabei mit Kochsalz geröstet, aufs Feinste gepulvert und gesiebt, dann mit Wasser und zerstückeltem Schmiedeeisen in Tonnen gegeben, welche durch Maschinenkraft getrieben umlaufen. Nach ein paar Stunden wird das nötige Quecksilber zu- und die Drehung noch etwa 20 Stunden fortgesetzt, worauf das gebildete Amalgam ausgewaschen wird.
Hier wurde also durch das Rösten mit Kochsalz das S. ebenfalls, nebst den fremden Metallen der Erze, in Chlormetalle verwandelt; das metallische Eisen bewirkt die Zersetzung der wässerigen Lösungen derselben, indem es mit dem Chlor sich verbindet und die Metalle dem Quecksilber überläßt. Der starke Quecksilberverlust des alten Verfahrens ist hierdurch bis auf eine Kleinigkeit beseitigt. Man amalgamierte in Freiberg Silbererze, die nur 0,2% S. enthalten; bei ärmern lohnt es nicht die Kosten.
Aber auch dieses bessere Verfahren hat sich bei uns überlebt und der vorteilhaftern Methode der nassen Extraktion Platz gemacht. Man röstet die Erze wie vorher mit Kochsalz und erzeugt Chlorsilber; dieses aber wird mit einer dasselbe lösenden Flüssigkeit direkt ausgelaugt. Solche lösende Mittel sind Kochsalz und unterschwefligsaures Natron, von welchen das letztere als vorteilhafter jetzt den Vorzug hat. Die leichte Löslichkeit des Chlorsilbers in diesem Salze wird also nicht nur vom Photographen, sondern auch auf Silberhütten praktisch verwendet. Um das S. aus der Lauge abzuscheiden, versetzt man dieselbe mit Lösung von Natronschwefelleber; der dabei entstehende schwarze Niederschlag ist Schwefelsilber, woraus durch Glühen mit Ätzkalk und Kohle das metallische S. freigemacht wird. -
Was die Entsilberung des aus Bleiglanz gewonnenen Bleies betrifft, so geschieht dieselbe wie gesagt durch Treibarbeit; es ist aber auch hierbei in neurer Zeit eine wesentliche Verbesserung allgemein eingeführt worden, welche die Sache sehr abkürzt und noch andre Vorteile gewährt. Dies Verfahren heißt das Pattinsonieren, weil es auf der Beobachtung des Engländers Pattinson beruht, daß in einer geschmolzenen Masse silberhaltigen Bleies sich zunächst Kristalle von fast reinem Blei ausscheiden und niederfallen, wenn sie beim langsamen Abkühlen dem Erstarrungspunkte näher kommt, sodaß also hierdurch eine Trennung in silberreiches und beinahe völlig entsilbertes Blei möglich ist.
Man gebraucht eine Reihe (11) großer eiserner Schmelzkessel, jeder mit besonderer Feuerung. Im mittelsten macht man auf einmal 2500 bis 5000 kg Blei flüssig, läßt langsam abkühlen und schöpft die sich bildenden Kristalle mit siebartigen Schaufeln in den zunächst stehenden Kessel der einen Seite, das flüssig Gebliebene in den nächsten der andern. Während man nun den mittleren Kessel frisch beschickt, verfährt man mit dem Inhalte der beiden andern ganz ebenso; man schmilzt ihn wieder ein und schöpft über, die Kristalle immer nach der einen, das länger flüssig Bleibende nach der andern Seite.
Die Arbeit setzt sich solchergestalt gleichzeitig nach beiden Enden der Reihe fort, sodaß man am einen Ende silberreiches Blei, am andern solches schöpfen kann, das nur noch Spuren von S. enthält. Hieraus entsteht erstlich der Vorteil, daß man gleich eine Partie sehr reines Blei erhält, das als raffiniertes oder doppelt raffiniertes verkäuflich ist, und dann der andre, daß der ganze Silbergehalt nun in einer viel kleinem Bleimasse steckt, deren schließliches Abtreiben daher weit weniger umständlich und kostspielig ist. Um das Abtreiben des silberreichen Bleies zu umgehen, scheidet man wohl auch die beiden Metalle durch Zink.
Blei und Zink legieren sich nicht; werden beide zusammengeschmolzen, so schwimmt letzteres auf ersterm wie Öl auf Wasser. Rührt man aber beide zusammen und war das Blei silberhaltig, so wird das S. vom Zink bis auf ein Minimum auf- und beim ruhigen Stehenlassen, wobei das Zink wieder die oberste Stelle einnimmt, mit nach oben genommen. Die sofort nach dem Erstarren abgehobenen Zinkscheiben werden schließlich aus Retorten destilliert; das Zink geht über und das S. bleibt zurück. -
Alles erschmolzene, durch Amalgamation oder sonst wie gewonnene S. ist noch mit einigen Prozenten fremder Metalle behaftet, deren Wegschaffung die letzte Arbeit, das Feinbrennen ausmacht. Es besteht dasselbe aus einem Umschmelzen unter Zutritt von Gebläseluft auf einem muldenförmigen Herde, dessen Sohle aus einer absorbierenden festgestampften Masse (Knochen- oder ausgelaugte Holzasche, Mergel u. dgl.) besteht. Durch den Sauerstoff der Luft oxydieren die fremden Metalle und werden verschlackt, während das S. hiervon nicht so leicht angegriffen wird.
Nur etwa ¼% der unedlen Metalle bleiben im S. zurück, sowie der ganze etwaige Goldgehalt, der, wenn er bedeutend genug ist, besonders auf dem Wege der Affination abgeschieden wird. Das durch Feinbrennen erhaltene S. bildet das Feinsilber des Handels; wirklich rein ist es nach dem Gesagten jedoch nicht. Ein ganz reines S. wird namentlich zur Darstellung des salpetersauren Silberoxyds (Höllenstein) gebraucht und von den Affinieranstalten (s. bei Gold) geliefert. Außerdem gibt die Verwandlung des S. in Chlorsilber das Mittel an die Hand zur Darstellung reinen S., und es wird dasselbe fortwährend benutzt zu dieser Darstellung, zu Silberproben, zur Wiedergewinnung des S. aus Abgängen.
Wird in eine silberhaltige Lösung (das beste Lösungsmittel für S. ist die Salpetersäure) eine Chlorverbindung gebracht, Salzsäure, Kochsalz u. a., so scheidet sich Chlorsilber als weißer, flockiger Niederschlag aus, der sich durch Schütteln zu einem käseartigen Klumpen vereinigen läßt. Diese Masse, die am Lichte bald dunkel wird und eine Rolle bei der Photographie spielt, ist in Wasser und verdünnten Säuren völlig unlöslich. Man wäscht sie gründlich mit destilliertem Wasser, setzt sie mit solchem an, dem etwas Salzsäure zugemischt ist, und legt blankes Zink oder Eisen hinein, durch welche das Chlorsilber bei Anwendung gelinder Wärme schnell reduziert ¶