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Stadt St. Gallen | Textilmuseum | Ideenwettbewerb, Schlussrunde | 2020
SOPRANO schlägt als Erweiterung des Textilmuseums St. Gallen eine steil geneigte Dachform als Abschluss auf dem Palazzo Rosso vor. Zurückhaltend hinter den Dachgesimsen der ehrwürdigen Fassaden des ehemaligen Gewerbemuseums wird das Volumen eingegliedert. Das Projekt schlägt ein sichtbares, die Fassaden elegant erweiterndes und mit einer reduzierten Ordnung versehenes Dach vor.
Mit demselben Respekt gegenüber der 135 Jahre alten Bausubstanz und einer zeitgenössischen Idee von Architektur, zeichnet sich eine grosse Dachlukarne in der Achse der Hauptfassade ab. Sie entsteht durch die exakte Spiegelung der Bestandestreppe der Rückfassade an die Hauptfassade im dritten Obergeschoss. Aussen erhält das Museum dadurch ein Sprachrohr zur Stadt, wobei die Mitte der Strassenfassade und somit der Haupteingang ohne Eingriff am historischen Bau gestärkt wird. Im Innern des Hauses wird dem Besucher mit der Treppenspiegelung der Übergang zu den beiden Sammlungsgeschossen symbolisiert. Dies ermöglicht dem Besucher, während dem Treppenlaufen Teil einer alten, dekorinszenierten sowie einer neuen forminszenierten Zeit der Architektur zu werden. Der helle Treppenraum dient zugleich als Aufenthaltsort mit Aussicht auf den St. Georgen. Die mit einem Fachwerk überspannten stützenlosen Ausstellungsräume sind in den Seitenflügeln eingebettet.
Der Projektvorschlag SOPRANO betrachtet die Hauptfassade an der Vadianstrasse als repräsentativer Zeitzeuge und hat das Ziel, diesen, mit Ausnahme der Erweiterung in der darüber liegenden neu interpretierten Dachebene, nicht zu verändern. Aus diesem Grund wird das Museumscafé im südwestlichen Gebäudeflügel vorgeschlagen. Die Fenster in der Südwest-Fassade werden zu neuen Balkonen geöffnet und das Café somit in den Zwischenraum zum Gebäude Vadianstrasse 6 ausgerichtet. Der Zwischenraum wird dabei als bespielbare Nische in der Stadt verstanden und bringt dem Brunnen sowie dem bestehenden Baum das Stadtvolk zurück. Abgeschlossen wird der Aussenbereich zur Rückseite des Hauses mit einer geschwungenen Treppen-Sitz-Skulptur, die an die Bar des Cafés im Hausinnern führt.
Das Café, wie auch der Haupteingang des Textilmuseums, erhalten mit einem Bodenbelagswechsel in den Strassenraum einen verständlichen Adressat. Eine Bodenwelle und der abgrenzende Poller geben dem Haupteingang des Textilmuseums seine heute fehlende Öffentlichkeit zurück und aktivieren den öffnenden Strassenraum zur Seidenhofstrasse.