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Das Gebiss ist bei Narwalen zurückgebildet und beschränkt sich auf zwei Eckzähne im Oberkiefer. Bei männlichen Tieren wächst der linke dieser Eckzähne spiralförmig durch die Oberlippe hindurch und entwickelt sich zu einem Stosszahn, der bis zu 2,6 Meter lang werden kann. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass auch der rechte Eckzahn heraus wächst. Der Wal hat dann zwei Stosszähne, die allerdings kürzer ausfallen. Welche Funktion die Stosszähne für die Tiere haben, war lange unklar und wurde kontrovers diskutiert. Anerkannt sind heute zwei Erklärungen. Sie dienen als Dominanzmerkmal der männlichen Tiere, um sich gegen Rivalen durchzusetzen und als Sinnesorgan.
Seit einigen Jahren untersucht Dr. Martin Nweeia von der Harvard School für Zahnmedizin zusammen mit anderen Forschern die Funktion der Narwalzähne. Die These der Forscher, dass die Zähne den Tieren als sensibles Sinnesorgan dienen, konnte nun erhärtet werden. Frühere Untersuchungen hatten bereits ergeben, dass die Stosszähne, anders als bei Zähnen von Säugetieren üblich, keinen Zahnschmelz haben, der den Zahn nach aussen hin schützt. Nun konnte gezeigt werden, dass die äussere Schicht, das Zahnzement, porös ist und dass die inneren Schichten von mikroskopisch kleinen Röhren durchzogen sind, die zum Zentrum des Zahns führen. Das Material des Zahns ist also starr aber durchlässig. Den inneren Kern des Zahns bildet die Pulpa. Dort konnten die Forscher Nervenenden ausmachen, die mit dem Gehirn des Wals verbunden sind. Aufgrund dieser Struktur ist der Zahn sensibel für Veränderungen in seiner Umgebung, wie z.B. Veränderungen der Temperatur, des Salzgehalts im Wasser oder anderer chemischer Parameter. In Versuchen konnte gezeigt werden, dass sich die Herzfrequenz des Wals veränderte, wenn der Stosszahn unterschiedlichen Salzgehalten im Wasser ausgesetzt war.
Die Forscher um Dr. Nweeia interessiert nun die Frage, ob es sich bei dieser einzigartigen Fähigkeit, den Zahn als sensibles Sinnesorgan zu verwenden, um eine evolutionäre Weiterentwicklung handelt oder um ein Überbleibsel aus einer früheren Entwicklungsstufe.
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