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Die Sternwarte der Kantonsschule Frauenfeld
Zur Geschichte der Sternwarte
Die Sternwarte der 'Kanti' verdankt ihre Existenz Dr. Emil Leutenegger (1894 - 1978) , der ab 1918 als Lehrer für "Mathematik und mathematische Geographie" wirkte. Nach enttäuschenden Versuchen, auf dem Türmli der Kantonsschule (einer Holzkonstruktion) Himmelsbeobachtungen mit einem kleinen transportablen Fernrohr zu machen, beantragte er 1927 erfolgreich einen Kredit von 5'000 Franken zur Anschaffung eines grösseren Teleskops, welches er in einem Schuppen mit Schiebedach fest aufstellen wollte. Anlässlich einer Ehemaligenversammlung wurde Ende 1928 die Idee vorgebracht, auch bei ehemaligen Schülern zu diesem Zweck Geld zu sammeln. Die Sammlung ergab dann innert wenigen Wochen die unglaubliche Summe von ca. 18'000 Franken - zuviel für das geplante Projekt, aber zuwenig für eine richtige Sternwarte! Die Gemeinde Frauenfeld und der Kanton Thurgau lösten dann dieses Problem, indem sie schnell weitere 19'000 Franken beisteuerten. Dazu kamen noch 7'000 Franken von der Höppli-Stiftung. Damit konnte nun eine veritable Sternwarte gebaut und mit einem Zeiss-Refraktor und einigem Zubehör ausgerüstet werden. In einem Anhang zum Jahresbericht der Schule von 1930 gibt E. Leutenegger einen ausführlichen Bericht zu Finanzierung, Planung, Bau und Einweihung der Sternwarte. Die Einweihung erfolgte bereits am 9. Januar 1930, sie fiel aber eher kurz aus, weil der Himmel bedeckt war. Die Feier fand dann in einer gemütlichen Zusammenkunft im Hotel "Bahnhof" ihren Abschluss.
Diese Sterwarte wurde 1964 (?) für den Bau der Turnhallen sorgfältig demontiert. Kuppel und Instrument wurden über der Hauswart-Wohnung der neuen Turnhallen wieder montiert. Dort dreht sich also heute noch die ursprüngliche Kuppel von 1929, und dieser Kuppelraum beherbergt heute noch den ehrwürdigen und optisch tadellosen Zeiss-Refraktor aus derselben Zeit.
Die Instrumente
Die Sternwarte besitzt zwei Fernrohre. Im Kuppelraum fest montiert steht ein Zeiss-Refraktor mit einer Öffnung von 15 cm und einer Brennweite von 2250 mm. Dann gibt es noch ein transportables Schmidt-Cassegrain-Teleskop der Firma Meade mit einer Öffnung von 30.5 cm und einer Brennweite von 3000 mm. Dank der Anfertigung von wenigen Zwischenringen lässt sich das umfangreiche Zubehör an Okularen, motorischen Fokussierhilfen, Zenithspiegeln usw. an beiden Teleskopen verwenden. Mit beiden Teleskopen kann auch die Sonne beobachtet werden, indem eine Folie vor das Objektiv montiert wird, welche nur 1/10'000 des Sonnenlichts durchlässt und den Rest reflektiert. Beim Zeiss-Refraktor kann das Bild der Sonne via Okularprojektion auch auf ein weisses Blatt geworfen werden, wo es dann von mehreren Personen gleichzeitig betrachtet werden kann. Auf diese Weise haben wir die partielle Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 und den Venustransit vom 8. Juni 2004 sehr schön beobachten können.
Die nötigen Zwischenringe etc. sind vorhanden, um eine Digitalkamera oder eine Webcam an jedes der beiden Teleskope anschliessen zu können. Mithilfe des transportablen Teleskops sind auch schon verschiedene Matura-Arbeiten entstanden.
Lohnende Objekte am stark lichtverschmutzten Himmel über Frauenfeld sind sicher Sonne, Mond und die Planeten. Viele Beobachter erschrecken fast, wenn sie die Mondgebirge entlang der Schattengrenze das este Mal in starker Vergrösserung zu sehen bekommen. Saturn und Jupiter entzücken auch immer wieder, auch wenn man im Internet natürlich weitaus schönere Bilder findet. Es fehlt dort eben der live-Aspekt! Weitere Objekte sind Doppelsterne, Kugelsternhaufen oder zB. der Orion-Nebel. In sehr guten Nächten lassen sich auch feinere Objekte wie etwa der Ringnebel in der Leier klar erkennen. Das transportable Teleskop ist sehr geeignet für eine Studienwoche an einem höher gelegenen, dunklen Ort. Ich habe gute Erinnerungen an den Himmel über dem Hörnli und über Ladir. In anderen Studienwochen war der Himmel durchwegs bedeckt, und ich habe die meiste Zeit in der Grossküche verbracht ...
Die folgenden Bilder sollen einen kleinen Eindruck vermitteln und vielleicht Ihr Interesse an einem Besuch in der Sternwarte wecken !