Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03463.jsonl.gz/542

LoginUm einige der Funktionen unserer Website zu nutzen, musst du dich anmelden.
Mehr erfahren
Seit über neunzig Jahren existiert die SUB. In dieser Zeit hat sich viel verändert: Die Studierendenzahlen sind stark gestiegen und der Frauenanteil erhöhte sich. Die SUB wuchs, sie änderte ihre Struktur und ihre politischen Positionen. Sie eröffnete neue Dienstleistungen und schloss veraltete, sie passte das Kulturangebot veränderten Bedürfnissen an. Der sich wandelnde Zeitgeiste prägte Eigenheiten und manchmal Irrtümer. Mehrfach war gar ihr Bestand gefährdet. Und dennoch: Auch wenn sich seit 1926 viel geändert hat, die SUB ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil des Unilebens und eine Hilfe für die Studierenden.
Vorgängerorganisationen im 19. Jahrhundert
Bei Gründung der Universität Bern 1834 existierte kein allgemeiner Zusammenschluss aller Studenten (Frauen studierten an der Universität Bern erst ab 1870). Die bedeutendsten studentischen Organisationen des 19. Jahrhunderts waren die verschiedenen Studentenverbindungen, die sich untereinander heftige (und teils handgreiflich ausgetragene) Auseinandersetzungen lieferten. Am einflussreichsten waren dabei die liberal-konservative Zofingia und die ursprünglich radikal-demokratische Helvetia.
Eine erste allgemeine Studierendenvereinigung war der 1858 gegründete (privatrechtliche) Verein "Academia". Deren Aktivitäten erschöpften sich allerdings im Wesentlichen darin, die studentische Krankenkasse zu verwalten und bei universitären Feierlichkeiten das Zeremoniell der verschiedenen Studentenverbindungen zu koordinieren. Ende des 19. Jahrhunderts geriet die Academia in eine Krise: Die katholische Studentenverbindung trennte sich 1889 von der Academia, nachdem die Studentenversammlung beschlossen hatte, dass die Studentenkrankenkasse auch die Behandlungskosten für Geschlechtskrankheiten übernehmen sollte. Die Krankasse wurde anschliessend von der Universität übernommen. Untergehen sollte die Academia dann am Konflikt zwischen den Verbindungen und den nicht verbindungsmässig organisierten Studierenden (damals als "Wilde" oder "Freistudenten" bezeichnet). Letztere waren aufgrund der Statuten in den Organen der Academia stark untervertreten. Nachdem diese Auseinandersetzungen zu einem offenen Tumult am dies academicus geführt hatten, löste sich die Academia 1898 auf.
Die Gründung der SUB
Verschiedene Versuche eine erneute Gesamtorganisation der Studierenden zu schaffen (1904, 1910, 1919) scheiterten in den Folgejahren an den Streitigkeiten zwischen den (einen Machtverlust fürchtenden) Verbindungen einerseits, anderseits den freistudentischen Organisationen sowie den ersten Fachschaften, welche ab Beginn der 1910er-Jahre gegründet wurden.
Erst durch Vermittlung des damaligen Rektors, des Staatsrechtsprofessors Walther Burckhardt, gelang es schliesslich einen von beiden Seiten akzeptablen Kompromiss zu finden. Am 9. April 1925 erfolgte die offizielle Gründung mit der Genehmigung der ersten SUB-Statuten durch die Erziehungsdirektion. Als oberstes Organ wurde eine von Fakultätsversammlungen gewählte Delegiertenversammlung eingesetzt, die sich mindestens einmal im Semester treffen sollte. Mit dem Tagesgeschäft war ein ehrenamtlicher Vorstand unter einem/einer PräsidentIn beauftragt. Den Verbindungen blieb die zeremonielle „Repräsentation der Studentenschaft gegen aussen“ vorbehalten, zudem durften sie einen Vertreter mit beratender Stimme im SUB-Vorstand stellen. Unabhängig von den formellen Regeln behielten die Verbindungen in den ersten Jahrzehnten der SUB eine starke Stellung und stellten die meisten SUB-Präsidenten.
Profil in den Anfangsjahren
In Anfangsjahren stand für die SUB klar die Erbringungen von praktischen Dienstleistungen an Studierende im Vordergrund. Seit Beginn ein Schwerpunkt war dabei die Unterstützung finanziell schlechter gestellter KommilitonInnen. Bereits 1927 wurde ein „Amt für Studentenhilfe“ mit eigener Darlehenskasse gegründet, aus dem im Laufe der Zeit der heutige Sozialfonds entstand. Früh schon betätigte sich die SUB auch als Arbeitsvermittlerin, wobei in den 1930er-Jahren SUB-Vorstände noch persönlich die Berner Sportgeschäfte besuchten und nachfragten, ob diese in den Semesterferien nicht einen Studenten anstellen möchten. Auch der heutige Unisport geht auf SUB-Projekte der Zwischenkriegszeit zurück. Kulturell betätigte sich die SUB etwa durch die Organisation eines „Sommernachtsfests“ auf dem Gurten. Ab 1932 gab die SUB mit dem „Berner Student“ eine eigene Zeitung heraus.
Auch gegen Aussen machte sich die SUB vorwiegend für praktische Anliegen stark. Unter Anderem ihren Bemühungen war es zu verdanken, dass 1942 endlich eine erste Mensa eröffnet werden konnte. Um politische Mitwirkung kümmerte sich die SUB hingegen in jener Zeit wenig: Die Studiengestaltung wurde höchstens auf Fachschaftsebene thematisiert, allgemeine Bildungspolitik so gut wie gar nicht. Die meisten SUB-Aktive jener Zeit waren bürgerlich eingestellt, die SUB legt jedoch grossen Wert darauf, "politisch neutral" zu sein. Immerhin engagierte sich die SUB ab und zu in gesellschaftlich-gemeinnützigen Fragen, so organisierte sie schon 1926 eine "Aktion gegen die Schnapsgefahr im Volke". National gehörte die SUB seit ihrer Gründung (und bis heute) dem Verband Schweizer Studierendschaften VSS an.
Obwohl die nationalsozialistischen Fronten in den 30er Jahren an der Universität Bern einigen Anhang hatten, gelang es ihnen nie, grösseren Einfluss auf die SUB zu erhalten. Vielmehr unterstützte die SUB vor und während dem Zweiten Weltkrieg aktiv die "geistige Landesverteidigung", welche sich mittels Stärkung der Schweizerischen Identität insbesondere vom nationalsozialistischen Deutschland abgrenzen wollte, sowie die bewaffnete Landesverteidigung.
Ruhige Nachkriegszeit
In der Nachkriegszeit veränderte sich die SUB vorerst nur behutsam. Die Dienstleistungen wurden um eine Wohnungsvermittlung erweitert und der Film-Club gegründet. Typisch für Studierendenorganisationen dieser Epoche war das rege Interesse an internationalen Kontakten. Die SUB unterhielt zu diesem Zweck ein eigenes Auslandsamt, welches über Reise- und Austauschmöglichkeiten informierte und den Kontakt zu den in Bern anwesenden Austauschstudierenden förderte.
Stark beschäftigte die SUB die Lage in den kommunistischen Diktaturen Osteuropas. In Resolutionen und Meinungsäusserungen verurteilte sie regelmässig Repressionen gegen dortige Studierende und AkademikerInnen. Insbesondere der Ungarnaufstand 1956 löste intensive Aktivitäten aus, die von Demonstrationen bis zu Kleidersammlungen reichten. Die SUB schuf gar einen eigenen Fonds für bedürftige Flüchtlingsstudierende, der später in den allgemeinen Sozialfonds integriert wurde.
Organisatorisch wurde 1948 die (bis heute bestehende) Möglichkeit eingeführt, in besonderen Fällen eine Generalversammlung aller SUB-Mitglieder einzuberufen. Die Revision des Bernischen Universitätsgesetztes 1954 verankerte die obligatorische Mitgliedschaft in der SUB rechtlich. 1955 präsidierte mit der Jus-Studentin Veronika Schneeberger erstmals eine Frau die SUB.
Die 60er-Jahre: Aufbruch zur politischen SUB
Die 1960er-Jahre sind ein zentraler Wendepunkte in der Geschichte (auch) der SUB und der Universität Bern. Die Studierendenzahlen stiegen innerhalb eines Jahrzehnts um mehr als das Doppelte von 2'500 auf 5'500 Studierende. Die SUB reagierte einerseits mit einer Professionalisierung der Dienstleistungen: Die Arbeits- und Wohnungsvermittlung wurde reorganisiert, ein eigene Papeterie eröffnet (Ende 80er-Jahre wieder eingestellt). 1964 wurde erstmals eine festbeschäftigte Sekretärin angestellt.
Anderseits veränderte sich das politische und persönliche Profil der SUB merklich. Immer stärker prägten linksliberale Studierende die Organisationen. Die SUB äusserte sich aktiv zu den Debatten um Hochschulreformen und in ihren Publikationen tauchte die Forderung nach universitärer Mitbestimmung auf. Verschiedene neugegründete linkspolitische Gruppen belebten die Universität und begannen teilweise auch an der organisierten Studierendenpolitik mitzuwirken. Entsprechend der neuen Orientierung wurde 1966 die "politische Neutralität" in den SUB-Statuten durch eine flexiblere "parteipolitische Unabhängigkeit" ersetzt.
Diese Statutenrevision von 1966 war insbesondere für die interne Organisation wegweisend. Sie ersetzte die Delegiertenversammlung durch einen gewählten StudentInnenrat und führte Initiativen und Referenden ein. Der Vorstand wurde von zwölf auf fünf (später sieben) Mitglieder verkleinert und jeweils als Gesamtheit mit einem zum Voraus veröffentlichten "Regierungsprogramm" gewählt. Das SUB-Präsidium reduzierte sich auf eine symbolische Rolle und wurde dann 1977 ganz abgeschafft. Der StudentInnenrat bestand ursprünglich aus 80 im Majorzverfahren gewählten Mitgliedern. Ab 1972 wurde die Hälfte der Mitglieder im Listenproporz gewählt, die andere Hälfte von Fachschaften delegiert. Eine Initiative führte schliesslich 1976 das heutige System mit 40 Mitgliedern und reiner Proporzwahl ein.
Wilde 70er-Jahre
1972 gewannen explizite Linke erstmals eine Mehrheit im StudentInnenrat und bildeten einen linken Vorstand, welcher sich zu einem neomarxistischen Programm bekannte. Spätestens von da an verstand sich die SUB klar als inneruniversitäre Opposition. Auch die Fachschaften wurden inzwischen von linksorientierten Studierenden geprägt, die sich kritisch mit ihren jeweiligen Fachinhalten auseinandersetzen und studiengangspezifische Reformen diskutierten. Die Post-68er-Kutur äusserte sich auch in neuen Formen studentischen Aktivismus: Demonstrationen, Besetzungen, Streiks, Basis-Seminare, Petitionen und Flugblattverteilaktionen, sei es mit oder ohne SUB-Unterstützung, wurden zu einem wiederkehrenden Bestandteil des Unilebens.
Zentraler Streitpunkt der 70er-Jahre war die studentische Mitbestimmung in universitären Gremien. Die SUB forderte seit 1969 Drittelparität mit gleichmässiger Vertretung der ProfessorInnen, des Mittelbaus und der Studierenden. Universität und Fakultäten führten die Mitbestimmung aber nur zögerlich ein und versuchten sie möglichst einzuschränken. Berufungskommissionen für Dozierende blieben häufig ganz ausgenommen. Manchmal wurde versucht, bereits bestehende Mitwirkungsrechte wieder einzuschränken, so etwa durch die rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Fakultät 1979 an einer unter Polizeischutz durchgeführten Fakultätssitzung. Erst 1997 wurde die Vertretung der Studierenden in allen Gremien (wenn auch in bescheidenem Umfang) definitiv gesetzlich verankert.
Neben hochschulpolitischen Forderungen im engeren Sinn sorgten immer wieder auch die Berufung, Nicht-Berufung oder Absetzung bestimmter Dozierender für Proteste, besonders wenn sie aus politischen Motiven erfolgten (z.B. bei Jean Ziegler, Hans-Heinrich Holtz oder Kurt Marti). Nicht selten lösten (repressive) Reaktionen der Universität eine weitere Eskalation aus. Am spektakulärsten waren insofern die Ereignisse 1974: Die Polizei beendete eine Besetzung des soziologischen Instituts und verhaftete die BesetzerInnen. Die dagegen gerichtete Protestversammlung wurde ihrerseits von 50 Polizeigrenadieren aufgelöst; worauf die SUB eine öffentliche Demonstration durchführte, wegen derer u.A. der SUB-Präsident für ein Jahr von der Universität relegiert wurde.
Auch in der institutionellen Politik zeigten die Studierenden vermehrt Präsenz. Abgesehen von der Mitbestimmungsfrage kämpfte die SUB auch gegen erste Numerus-Clausus-Pläne, für einen erleichterten Zugang auf dem Zweiten Bildungsweg oder ein besser ausgebautes Stipendienwesen. Um ihren Forderungen nach grundsätzlicher Hochschulreform Nachdruck zu verleihen, lancierte die SUB ihre erste und bisher einzige kantonale Volksinitiative "Uni für alle, Initiative für eine demokratische Hochschulbildung", die 1982 aber vom bernischen Stimmvolk abgelehnt wurde.
Im Dienstleistungsbereich gründete die SUB 1975 zusammen mit der Fachschaft Jus den Rechtshilfedienst (RHD) und initiierte ein Jahr später die Studentische Buchgenossenschaft (Bugeno). Beide Institutionen bestehen bis heute (der RHD seit 2015 als Rechtsberatungsdienst). Bereits ab 1971 gab die SUB die "WoKa" heraus, einen Wochenkalender mit Veranstaltungsankündigungen und hochschulpolitischen Kurzhinweisen. Sie erschien bis zur Zusammenlegung mit dem Unikum 1997.
Externe und interne Konflikte der 80er
Wenig überraschend führte der links-oppositionelle Kurs zur Diskussion um die rechtliche Stellung der Studierendenschaften. An den Universitäten Basel und Zürich wurden die Schwesterorganisationen der SUB sogar ganz aufgelöst (und erst 1995 resp. 2012 wieder eingeführt). Der SUB selbst war bereits 1973 die Finanzautonomie entzogen worden. Die Mitgliederbeiträge flossen nun in eine "Kasse für studentische Zwecke", welche von der Unileitung verwaltet wurde. Die SUB musste für die Verwendung deren Mittel jeweils ein Gesuch stellen. 1982 erklärte das Verwaltungsgericht das System der Kasse für rechtswidrig. Daraufhin setzte der Regierungsrat obligatorische Beiträge für die "Kernaufgaben" der SUB fest, während kulturelle und politische Aktivitäten nur durch freiwillige Beiträge finanziert werden durften. Dies führte zu erheblichen Finanzschwierigkeiten. Ab 1985 untersagte die Erziehungsdirektion der SUB zudem, den VSS-Mitgliederbeitrag zu zahlen.
Auch innerhalb der SUB wurden Konflikte manchmal rau ausgetragen. Die Mehrheit im StudentInnenrat bildete eine "linke Koalition" aus links-politischen Gruppen (teils mit Parteien verbunden, teils nicht) und Fachschaftslisten. Dabei überwogen in den 70er-Jahren tendenziell die politischen Gruppen, in den 80ern die Fachschaften. Die Koalition war (locker) organisiert und traf sich jeweils einen Tag vor den SR-Sitzungen zur Vorbesprechung der Traktanden. Wichtigste bürgerliche Kraft war der Verein "Spektrum" (existierend bis 1991). Nicht lange halten konnten sich weit rechts stehende Gruppierungen wie die "Gruppe Unabhängiger Studenten" oder die "Wehrhaften Berner Studenten". Die bürgerlichen Parteien politisierten als Opposition mittels direktdemokratischer Instrumente, aber auch indem sie regelmässig Rekurse und Aufsichtsbeschwerde gegen SUB-Beschlüsse einreichten.
Internen Kämpfen zum Opfer fiel zu Beginn der 80er-Jahre die Zeitung "Berner Student". Die Redaktion stand links vom SUB-Vorstand und attackierte diesen manchmal aggressiv. Nachdem die Studierenden eine bürgerliche Initiative knapp angenommen hatten, musste die Redaktion parteipolitisch proportional zusammengesetzt werden. Dies führte dazu, dass die linke Redaktionsmehrheit regelmässig Beiträge der bürgerlichen RedakteurInnen nicht akzeptierte, während letztere Redaktionsbeschlüsse mit Rekursen blockierten, so dass die Redaktion nur noch beschränkt funktionsfähig war und im Zuge der Finanzprobleme schliesslich aufgehoben wurde.
Sukzessive lösen konnte die SUB diese Probleme Ende der 80er-Jahre. Eine Gesetzesänderung verankerte 1989 Kultur und Dienstleistungen sowie die VSS-Mitgliedschaft, so dass die obligatorischen Beiträge wieder dafür verwendet werden konnten. Die Höhe des Semesterbeitrags wurde nach einigen Diskussionen 1991 auf 21 Franken festgelegt (diese Zahl gilt heute noch). Die totalrevidierten Statuten von 1990 führten die Einzelwahl der Vorstandsmitglieder ein und lockerten damit das Regierungs-Oppositions-Modell in rechtlicher Hinsicht. Mit dem "unikum" wurde nach mehreren Provisorien ein langfristig bestehendes Publikationsorgan geschaffen.
Eine Konstante dieser Jahrzehnte waren Konflikte, wozu sich die SUB neben standespolitischen Fragen wie Studiengestaltung und Stipendienwesen sonst noch äussern dürfe. In den frühen 70er-Jahren beanspruchte die SUB explizit ein "allgemeinpolitisches Mandat". Später drehte sich die Diskussion um die Definition der "studentischen Interessen". Der SUB-Vorstand verstand den Begriff breit und zählt dazu auch die Einführung des Zivildienstes, genügend Jugendkulturräume (Reitschule und Zaffaraya) oder die Rechte von (jungen) Arbeitslosen (zuletzt Referendumsunterstützung 2002). Angeheizt wurden entsprechende Diskussionen dadurch, dass die Legislativen gelegentlich allgemeinpolitische Resolutionen fassten, in den 80er-Jahren etwa zu Asylfragen (GV-Resolution gegen Ausschaffung von TamilInnen) und zur Energiepolitik.
90er-Jahre: Neues SUB-Häuschen, Kampf für Gleichstellung und gegen Sparmassnahmen
Unter den Dienstleistungen hatte die Wohn- und Stellenvermittlung seit den 60er-Jahren stark an Bedeutung geworden, da immer mehr Studierende auswärts wohnten und auf eine Stelle angewiesen waren. Im SUB-Sekretariat herrschte ein stetiger Strom von Besuchenden, nicht nur von Studierenden, sondern auch von Wohnungssuchenden aller Art, was die SUB in ein Dilemma brachte zwischen sozialen Anspruch und der Notwendigkeit, sich auf ihre Mitglieder zu konzentrieren. Örtlich konnte die SUB 1993 das heutige SUB-Häuschen beziehen, ein denkmalgeschütztes ehemaliges Betriebsgebäude der Schokoladenfabrik Tobler, das in den 80er-Jahren vorübergehend von Autonomen besetzt gewesen war.
Politisch waren die 1990er (und frühen 2000er-Jahre) vom Kampf gegen verschiedene hochschulpolitische Verschlechterungen geprägt, welche der Kanton infolge seiner damaligen Finanzprobleme und des aufkommenden neoliberalen Zeitgeistes ergriff. So wehrte sich die SUB gegen verschiedene Sparpakete, in denen die Universität teils massive finanzielle Einschnitte zu bewältigen hatte, gegen Studiengebührenerhöhungen und gegen den Abbau im Stipendienwesen. Gegen die Einführung des Numerus Clausus in Medizin ergriff die SUB das Referendum und führte 1996 einen intensiven kantonalen Abstimmungskampf. Mit der Unigesetzrevision desselben Jahres konnten Studierende neu aus der SUB austreten, wovon allerdings jeweils nur sehr wenige Gebrauch machen.
Die Gleichstellung von Frauen und Männern war ab Mitte der 80er-Jahre zu einem zentralen SUB-Thema geworden, wie sich emblematisch an der Umbenennung von "Studentenschaft" zu "StudentInnenschaft" zeigte. Im Jahre 1987 schuf der SUB-Vorstand ein eigenes Ressort "Frauen" (heute Gleichstellung). Die Frauenquote für SR und Vorstand wurde 1992 eingeführt. Ab 1989 gab es jährlich einen Frauenaktionstag oder eine Frauenaktionswoche. In den 90er-Jahren veranstaltete die SUB Frauen-Selbstverteidigungskurse. Seit 2000 organisiert sie mit der Abteilung für Gleichstellung "womentoring", ein Mentoringprogramm für an einem Doktorat interessierte Studentinnen. Daneben führte (und führt) die SUB eine Vielzahl von Einzelveranstaltungen zur Gleichstellung durch, kämpft(e) für Verbesserungen innerhalb der Universität (namentlich für mehr ProfesorInnen und weniger Sexismus) und versucht selbst gendergerecht zu funktionieren.
In StudentInnenrat und Vorstand dominierte auch in den 90er-Jahren die (nicht mehr in einer förmlichen Koalition organisierte) Linke. Wichtigste Gruppierungen waren die links-alternative Aktionsgruppe Kritische Union (AKU), die feministische Liste "Frauen machen Politik" sowie (auf bürgerlicher Seite) die "Cash Flow Party", die als Nachfolgerin des Spektrums v.a. durch aggressive Wahlkämpfe auffiel. Die Fachschaftslisten verloren hingegen stetig an Bedeutung. Seit 1995 wird der StudentInnenrat nur noch jedes zweite Jahr gewählt (vorher alljährlich). Mit Nachwuchssorgen konfrontiert wurde die SUB um die Jahrtausendwende: Weil weniger Studierende kandidierten als Sitze zu vergeben waren, wurde der StudentInnenrat 1999 still gewählt (das bisher einzige Mal in der SUB-Geschichte). Als Reaktion darauf lancierte die SUB eine Mobilisierungskampagne, kontaktierte studentische Gruppierungen und Jungparteien und konnte so eine neue Generation StudierendenpolitikerInnen gewinnen.
Bologna und Internet-Zeitalter: Die 2000er
Das wichtigste politische Thema der 2000er-Jahre war die Bologna-Reform mit der grössten Veränderung der Studienstruktur in der Geschichte der Universität Bern. In einer Vielzahl von Stellungnahmen, Diskussionen, lauten Protesten, aber auch Arbeitsgruppensitzungen und persönlichen Gesprächen protestierte die SUB gegen Verschulung des Studiums, kritisierte bürokratische und unnötige "Bologna-Umsetzungs"-Reformen und diskutierte über gesellschaftliche Zusammenhänge der Reform. Immerhin gelang es dem VSS auf nationaler Ebene durchzusetzen, dass der Master als Regelabschluss definiert wurde. Die Abschaffung von Medienwissenschaften (2005) und Soziologie (2009) sorgten für viel Unruhe und heftige Proteste sowohl der SUB als auch der betroffenen Studierenden und ihrer Fachschaften.
Ab dem Jahr 1996 verfügte die SUB über eine eigene (ursprünglich sehr bescheidene) Homepage, die später in mehreren Schritten ausgebaut wurde. Ab 2000 wurden Wohn- und Stellenvermittlung sukzessive auf ein elektronisches System umgestellt (Stellenmail 2001, Direktzugriff 2006). Auch im veränderten Umfeld konnten sich die Angebote gut halten und die SUB ist heute Marktführerin bei der Studijobvermittlung in Bern. Wichtigste neue Dienstleistung der 2000er-Jahre waren die freien Eintritte für Kulturveranstaltungen, welche ab 2002 systematisch aufgebaut wurden.
Im StudentInnenrat war dieses Jahrzehnt die Blütezeit des Sozialdemokratischen Forums (SF), das konstant über 10 SR-Mitglieder sowie zahlreiche VorständInnen stellte. Zusammen mit kleinen alternativen Gruppen bildete es eine vergleichsweise knappe linke SR-Mehrheit. Bürgerlicherseits waren die (von der heutigen Nationalrätin Christa Markwalder gegründeten) Jungfreisinnigen wichtigste politische Kraft. Anders als die bürgerlichen Parteien vorangegangener Jahrzehnte waren die Jungfreisinnigen auch mit eigenen Mitgliedern im SUB-Vorstand vertreten. Gewählt wird der StudentInnenrat seit 2005 elektronisch.
Der massive Abbau der Stipendien (Im Kanton Bern Halbierung des ausbezahlten Betrags innerhalb von 20 Jahren trotz massiv steigender Studierendenzahlen) bewegte den VSS dazu, 2010 zu diesem Thema eine Volksinitiative zu lancieren. Zwei Jahre später konnte sie mit 120'000 Unterschriften eingereicht werden. Die SUB selbst sammelte mehrmals wöchentlich, so dass am Ende ein Viertel der Unterschriften alleine aus dem Kanton Bern kam. Auch im Abstimmungskampf 2015 engagierte sich die SUB. Obwohl die Initiative schliesslich abgelehnt wurde, schuf sie ein breiteres Bewusstsein für die Problematik und konnte den weiteren Abbau bremsen.
Die jüngste Geschichte
In Schwierigkeiten mit der Kantonspolitik geriet die SUB (wieder einmal) Ende der 2000er-Jahre. Die Unterstützung einer GsoA-Initiative gegen den Kauf neuer Kampfjets (aus Angst um die Auswirkungen auf die Bildungsfinanzen) erregte den Grossen Rat derart, dass er 2009 die automatische Mitgliedschaft abschaffen wollte. Mit der Kampagne "Ja zur SUB!" und namentlich dank der Fürsprache der Universitätsleitung gelang es schliesslich, das Kantonsparlament umzustimmen und die Abschaffung zu verhindern, allerdings wurden die zulässigen politischen Äusserungen noch einmal eingeschränkt.
Diese Beinahe-Abschaffung löste eine Kultur ausgeprägter politischer Vorsicht aus und trug mit dazu bei, dass in der ersten Hälfte der 2010er-Jahre (neben der Stipendieninitiative) die Reorganisation von Dienstleistungen und Kultur im Vordergrund stand. Die Organisation des Unifests wurde (nach einem grösseren Verlust 2010) enger in die SUB integriert und personell verstetigt. Das mit sinkenden Werbeeinahmen kämpfende unikum wurde 2014 nach heftigen Diskussionen eingestellt, ein Jahr später erschien die erste Ausgabe der unabhängigen "Bärner Studizytig", welche von der SUB im Rahmen eines Leistungsvertrages finanziell unterstützt wird. Auf die Gründung einer Bar verzichtete die SUB dagegen.
Im StudentInnenrat haben die linken Parteien seit 2011 keine eigene Mehrheit, können sich aber meist auf die Unterstützung einzelner Mitteparteien verlassen, wobei namentlich die Unisektion der Grünliberalen bedeutend ist. Im Vorstand hingegen dominieren nach vor linke Mitglieder. Ob sich mit dem Erfolg der Liste "Wirtschaftswissenschaften im Rat" bei den SR-Wahlen von 2015 eine Renaissance der Fachschaftslisten abzeichnet, muss sich noch weisen.