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Das «th» richtig auszusprechen ist eine Knacknuss beim Englischlernen. Eine Berner Forscherin hat untersucht, wie Schülerinnen und Schüler aus Thun und Gstaad mit dem speziellen Laut umgehen. Und entdeckte dabei vielfältige Strategien, mit Konsequenzen für den Unterricht.
Bisher ging man davon aus, dass das Schweizerdeutsche zu den sogenannten *s-Sprachen gehört: Wer Schweizerdeutsch als Muttersprache spricht, ersetzt demnach «th»-Laute wie im Englischen hauptsächlich durch «s». Der Fall liegt aber komplizierter, wie Christine Gräppi von der Universität Bern im Zuge ihrer Doktorarbeit festgestellt hat.
Gräppi liess 45 Schülerinnen und Schüler aus Thun und Gstaad englische Texte vorlesen und nahm sie dabei mit hochempflindlichen Mikrofonen auf, wie die Uni Bern am Mittwoch mitteilte. Die Texte enthielten «th»-Laute in 60 verschiedenen Wörtern - darunter solche mit stimmhaftem «th» wie in «weather» und «brother», und solche mit stimmlosem «th» wie in «three» und «both». Die Aufnahmen analysierte Gräppi mithilfe eines Computerprogramms.
Dabei stellte sich heraus, dass die Schülerinnen und Schüler das «th» bei weitem nicht immer durch «s» ersetzten. Bei stimmhaftem «th» sprachen sie dieses vermehrt als «d» aus, also beispielsweise «weader» statt «weather». Bei Wörtern wie «thanks» und «nothing» erwischte zwar die Mehrheit den richtigen «th»-Laut. Etwas weniger als die Hälfte ersetzte das «th» jedoch durch andere Laute wie «f», «s» oder «t», zum Beispiel «fanks», sanks« oder »tanks« statt »thanks".
«Es scheint, als ob jeder Schüler und jede Schülerin unterschiedliche Strategien verwendet, das ‘th’ auszusprechen», sagte Adrian Leemann von der Uni Bern, der Gräppis Doktorarbeit betreut. «Einige sagten konsequent ‘d’, andere wechselten ab zwischen ‘d’ und ‘f’, noch andere verwendeten unterschiedliche ‘th’ Laute je nach Wort.»
Das würde bedeuten, dass der Englischunterricht individueller auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler eingehen müsste. Womöglich seien neue Ausspracheübungen für Schweizer Lernende nötig, schrieb die Uni Bern.
Zudem liefert die Studie Hinweise, dass das Schweizerdeutsche eventuell doch keine *s-Sprache sein könnte. «Die Breite von Lauten, die Schülerinnen und Schüler verwendeten, um den ‘th’-Laut zu ersetzen, finden sich auch in Studien bei Sprechenden von *t-Sprachen wie Holländisch», so Gräppi gemäss der Mitteilung. Von den Ergebnissen berichteten sie und Leemann kürzlich an einer Konferenz in Melbourne.
Leemann untersucht zudem mit Kolleginnen und Kollegen die Veränderungen schweizerdeutscher Dialekte während der letzten 70 Jahre. Das Projekt mit finanzieller Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds sei auf fünf Jahre angelegt, schrieb die Uni Bern.
Aus früheren Untersuchungen mit Daten aus der eigens entwickelten «Dialäkt App» stellten Leemann und sein Forschungsteam fest, dass sich Dialekte aus den grossen Städten auszubreiten scheinen. Berner Varianten wie «Miuch» und Zwöuf« kommen demnach vermehrt auch Richtung Oberland und in der Zentralschweiz vor, wie Leemann in einem Interview in »uniaktuell" der Uni Bern erklärte. Grund dafür ist demnach, dass Menschen für die Arbeit in die grösseren Städte pendeln und sich den dortigen Sprechgewohnheiten anpassen.
Zudem könne man vermehrt Einflüsse des Hochdeutschen feststellen, so Leemann. Vor allem Jugendliche verwenden mehr Begriffe wie «Pfütze» oder «Kartoffle» statt «Glungge» oder «Härdöpfu». (sda)
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