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Sri Aurobindo Gesellschaft
Sri Aurobindo Ghosh (1872–1950) wird in Indien einerseits zu den Helden des Nationalismus gerechnet, anderseits gilt er als einer der grossen indischen Denker dieses Jahrhunderts. Nach der klassisch-westlichen Bildung, die ihm in jungen Jahren auf Schulen in England zuteil wurde, entdeckte er nach seiner Rückkehr nach Indien die indische Kultur. Westlichen und östlichen Geist in einer neuen Synthese zu vereinen war seither ein Hauptanliegen seines philosophischen und mystischen Erkenntnisweges. Bevor er allerdings zu seinem Integralen Yoga fand, schloss er sich der indischen Unabhängigkeitsbewegung an.
Im Gefängnis hatte Aurobindo ein mystisches Erlebnis, welches ihn grundlegend veränderte und das später zur Entwicklung des Integralen Yogas und zur Gründung seines Ashrams im südindischen Pondicherry führte. Das damals noch französische Pondicherry wählte er als Ort seines Wirkens, weil er dort vor weiteren Nachstellungen der englischen Kolonialbehörden sicher war. Zu den Besonderheiten seines spirituellen Weges gehörte in den letzten Jahren seines Lebens das jahrelange Schweigen. Nur noch schweigend zeigte er sich seinen immer zahlreicheren Schülern. Was er zu sagen hatte, sagten sein Schweigen, seine Schriften und die Worte seiner Gefährtin, Mira Alfassa, der «Mutter» (1878–1973), einer Französin mit jüdisch-arabischen Vorfahren, die nach seinem Tod die Leitung des grossen Ashrams übernahm. Sie wird als Frau mit paranormalen Fähigkeiten geschildert.
Um die Ideen Aurobindos in die gesellschaftliche Praxis umzusetzen, wurde 1968 Auroville/Indien als Siedlung für die Zukunft und Ort der spirituellen Kraft gegründet. Über Streitigkeiten nach dem Tod der «Mutter» kam es zur Abspaltung von Auroville International als selbständiger Organisation.
Auch im deutschsprachigen Europa haben sich Anhängerkreise gebildet. 1963 ist in Karlsruhe von Heinz Kappes (gest. 1988) die deutsche Sri Aurobindo Gesellschaft gegründet worden.
Durch seine Bücher finden die Gedanken Sri Aurobindos weiterhin Verbreitung.
Aurobindo hat neben der Seelenwanderung und andern indischen Anschauungen auch westliche und christliche Gedanken aufgegriffen. Sein «Integraler Yoga» ist für ihn ein Weg, auf dem sich der Mensch einerseits durch eigenes Bemühen, andrerseits durch das Erleben der göttlichen Gnade über sich selbst erheben und zum Göttlichen finden kann. Bildlich gesprochen findet der Mensch, der sich zu Gott erhebt, den Gott, der sich zu ihm niederbeugt. Die Religionen sind zu überwinden. An ihrer Statt stehen die Menschen, die vom Übermenschlichen, vom Göttlichen, berührt sind.
In der Schweiz finden sich zahlreiche Leserinnen und Leser von Aurobindos Schriften.