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Nahrungsergänzungsmittel sind ein Millionengeschäft: Proteinpulver für mehr Muskeln, Vitamin-Präparate für das allgemeine Wohlbefinden, Omega-3-Kapseln, um den Fettbedarf zu decken, Koffeintabletten für sofortige Energie, probiotische Milchdrinks für eine gesunde Darmflora, Grünteekapseln, um Fett zu verbrennen. Die Liste auf dem Markt zu findenden Supplementen kennt kein Ende.
Besonders in der Fitnessszene werden Supplemente mit falschen Versprechungen hoch angepriesen. Obwohl manchen Nahrungsergänzungsmitteln keine Wirkung nachgewiesen werden kann, kann die Einnahme von entsprechenden Präparaten Sinn machen, vorausgesetzt man glaubt daran…
Mit falschen anabolen Steroiden zu mehr Kraft
In einer Studie zu „Athletischer Performance“ im Jahr 1972 wurde die Performance von 15 Athleten während einer Trainingsdauer von insgesamt 11 Wochen beobachtet und protokolliert. Sämtliche Teilnehmer hatten mindestens zwei Jahre Trainingserfahrung im Kraftsport und ihnen wurde mitgeteilt, dass denjenigen, welche sich in den ersten sieben Wochen am meisten steigern können, Dianabol verabreicht wird (Dianabol ist ein Steroid mit kraftsteigender und muskelaufbauender Wirkung).
Nach den ersten sieben Wochen selektierten die Wissenschaftler im Zufallsprinzip 6 Athleten als Gewinner und verabreichten ihnen das versprochene Dianabol. Die Athleten wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Pillen in Wirklichkeit keine anabolen Steroide sind.
Die Ergebnisse am Ende der 11-wöchigen Studie verblüffen: Beim Abschlusstest wurden sämtliche persönlichen Rekorde gebrochen. Die Athleten konnten während den ersten sieben Wochen bzw. vor der Einnahme der Placebo-Pillen, ihr Hebegewicht bei Squats im Durchschnitt um 2.6kg steigern. Nach der Einnahme von „falschen anabolischen Steroiden“ wurde eine durchschnittliche Gewichtssteigerung bei Squats von 18.9 Kilogramm erreicht, was eine sieben Mal höhere Leistung in fast der Hälfte der Zeit entspricht. Der gleiche oder ähnliche Effekt konnte bei den beiden anderen getesteten Übungen (Bench Press und Military Press) festgestellt werden.
Die Athleten glaubten an die Wirkung der verabreichten Substanz, erwarteten eine Kraftsteigerung und der Glaube alleine liess sie stärker und kräftiger werden.
Placebo – die Kraft des positiven Denkens
Die beschriebene Studie ist nicht die Einzige dieser Art. Im Jahr 1999 zum Beispiel verabreichte der Arzt eines französischen Sprinters (Radfahrer) Pillen und teilte ihm mit, es sei eine Performance steigernde Substanz. Seine Performance steigerte sich am Renntag, an welchem die Pillen verabreicht wurden, massiv und verdankte der ‚magischen Pille‘ seine Bestleistung. In Wahrheit bestand die Pille jedoch aus nichts anderem als Zucker.
Ich möchte euch in keinem Fall dazu animieren, irgendwelche Supplemente zu kaufen (schliesslich habe ich auch nichts davon) und zudem bin ich der Meinung, dass viele als ‚Wundermittel‘ angepriesene Supplemente in der Realität Null Wirkung haben oder gar gesundheitliche Schäden verursachen können. Der Kauf eines Kilogramms Mehl oder Salz ist manchmal die bessere Investition.
Wer allerdings positive Erfahrungen mit einem bestimmten Produkt gemacht hat und sich mit einem bestimmten Nahrungsergänzungsmittel besser fühlt, soll das Produkt weiterhin verwenden und sich die Wirkung von Bekannten und Verwandten nicht ausreden lassen.
Ich persönliche supplementiere zurzeit Protein (Dymatize ISO 100), BCAAs (Scivation Xtend BCAAs) sowie Kreatin (MyProtein Creapure Creatine Monohydrate) und bin sehr zufrieden damit. Oftmals teste ich neue Produkte welchen ich gegenüber skeptisch bin, doch meist bleibt eine positive Auswirkung erwartungsgemäss aus. Genau wie beim positiven Denken wirkt sich eben auch eine negative Einstellung auf unser Leben aus…
Quelle:“Anabolic Steroids: The Physiological Effects of Placebos” by G. Ariel and W. Saville. Medicine and Science in Sports (1972)