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Der Tochter aus einfachen Verhältnissen war es nicht ins Stammbuch geschrieben, Karriere zu machen. Trotzdem kam Plautilla Bricci (1616-1705) als Unternehmerin zu Wohlstand und unterhielt eigene Werkstätten. Ihr Schaffen erlaubte ihr den sozialen Aufstieg. Bei Kirchenfürsten und Aristokraten genoss sie hohes Ansehen.
Die Überfliegerin gilt als erste Allround-Künstlerin der Kunstgeschichte. Sie war nämlich Malerin, Stuckfachfrau, Dekorateurin und schliesslich Architektin. Damit trat sie als Erste in ein Handwerk ein, das Frauen im Barock noch verschlossen war.
Trotz ihres Erfolgs geriet die Römerin lange Zeit in Vergessenheit. Das änderte sich erst, als die Schriftstellerin Melania Mazzucco Ende 2019 einen Roman über sie veröffentlichte. Er wurde zum Beststeller. Anlass genug für das römische Palazzo Corsini, Plautillas Leben und Schaffen die erste Ausstellung überhaupt zu widmen.
Wunderheilung durch ein Gemälde
Einen Namen machte sich Bricci bereits als 24-Jährige. Damals schuf sie ein grosses Altarbild, eine Madonna mit Kind. Der frommen Legende nach soll Gott selbst zur Fertigstellung des Werkes beigetragen haben.
Angeblich kam es auch zur Wunderheilung von Menschen, die vor diesem Bild malten. Das legen zumindest zeitgenössische Dokumente nahe, die in der Ausstellung zu sehen sind. All das machte die Künstlerin über Nacht berühmt.
Das sorgte dafür, dass Bricci zahlreiche weitere Aufträge für repräsentative und grossflächige Altarbilder erhielt. Im 17. Jahrhundert war das mehr als ungewöhnlich. Nahmen sich Malerinnen sonst religiöser Sujets an, dann waren das höchstens kleinformatige Andachtsbilder.
Von Kanonen zusammengeschossen
Ihre ersten Entwürfe liess Bricci zwar noch von Männern unterzeichnen. Dazu zählten etwa Grabmäler, Festdekorationen, aber auch Platzgestaltungen, etwa für die Spanische Treppe in Rom, sowie Bauwerke. Doch mit wachsender Anerkennung unterzeichnete sie ihre Entwürfe selbst.
Das bedeutendste Bauwerk war dabei die Villa del Vascello, ein eleganter und prächtiger Barockpalast. Leider existiert er heute nicht mehr. Er wurde in den römischen Revolutionswirren 1849 von Kanonen zusammengeschossen. Heute steht davon noch eine Mauer.
Unbekanntes Privatleben
Die Ausstellung in Rom zeigt Malereien, Zeichnungen, Entwürfe, Briefe und das einzige erhaltene Porträtbild der barocken Allround-Künstlerin. Über ihr Privatleben erfährt man dagegen so gut wie nichts. Das liegt daran, dass kaum etwas darüber bekannt ist.
Gesichert ist, dass Plautilla Bricci nie verheiratet war. Zeitgenössischen Dokumenten zufolge legte sie wahrscheinlich ein Keuschheitsgelübde ab. Das war wohl mit ein Grund, dass ihre kirchlichen Auftraggeber kein Problem mit ihrem Geschlecht hatten.
Als Plautilla mit 90 Jahren im Kloster starb, endete ein einzigartiges barockes Frauenleben. Auf ihrem Totenschein wird von ihrer vielfältigen Karriere jedoch nichts erwähnt. Dort ist sie bloss eine «Plautilla Signora Romana».
Ausstellung «Una revoluzione silenziosa»
Die Ausstellung über Plautilla Bricci kann noch bis im April 2022 im Palazzo Corsini besucht werden. Mehr Informationen hier.