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60 Jahre keuchten die Züge über den Schwenkelberg
Ist eine Bahnlinie, die am 1. Oktober 1877 in Betrieb genommen und 1937 mangels Passagieren stillgelegt wurde, ein Jubiläum wert? Ja, denn die so genannte Schipkapass-Bahn verkörpert ein Kapitel Schweizer Eisenbahngeschichte.
Die Bahn, die vor 65 Jahren mangels Reisenden aus dem Kursbuch verschwand, verband Bülach mit der Bäderstadt Baden. Dass sie je gebaut wurde, hat mehr mit Politik als mit Vernunft zu tun. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kämpften verschiedene Bahnbetreiber und Komitees um Konzessionen und Linienführungen und als Folge davon natürlich auch gegeneinander. Dass die Verbindung des Zürcher Unterlands mit Baden überhaupt zustande kam, war das Resultat einer solchen Auseinandersetzung. Am 25. Oktober 1870 erteilte der Kanton Zürich dem projektierenden Winterthurer Komitee die Konzession für die Rheintalbahn, der Verbindung zwischen Winterthur und Waldshut. Bald darauf forderte die Tösstalbahn als Bestandteil des Winterthurer Eisenbahnprogramms von 1871 eine Konzession für die Linie Winterthur–Bülach–Baden –Lenzburg–Aarau. Mit dem Bau dieser Bahn wurde vor allem ein Ziel verfolgt: Man wollte ein vom Wirtschaftszentrum Zürich und der Nordostbahn (NOB) unabhängiges Eisenbahnnetz. Demokratische Konkurrenz aus Winterthur sollte das liberale Zürich bekämpfen, und die spätere vom Volk getragene Nationalbahn (S.N.B.) sollte die von Finanzkreisen abhängige, allmächtige NOB in die Knie zwingen. Konzession mit Auflagen Die Bahn von Winterthur nach Baden musste auf die NOB wie ein rotes Tuch wirken. Sie bedeutete nämlich gegenüber der Hauptlinie Winterthur– Zürich–Baden eine Verkürzung um acht Kilometer. Das wäre für die NOB nicht weiter schlimm gewesen, hätte das Eisenbahngesetz von 1872 nicht zwingend vorgeschrieben, dass der Güterverkehr über die kürzeste Strecke geleitet werden musste. Im Klartext bedeutete dies, dass die NOB Gefahr lief, den beträchtlichen Güterverkehr zwischen allen westlich von Baden liegenden Stationen und der Westschweiz zu verlieren. Wollte die NOB dies verhindern, musste sie die kürzeste Linie Winterthur–Baden über Bülach selber bauen. Das tat sie denn auch. Die Konzession für das Teilstück Winterthur– Bülach der Waldshuterbahn besass sie bereits. Der Bund erteilte die Konzession Niederglatt–Baden mit der Auflage, dass drei Zugpaare verkehren mussten und legte auch gleich die Tarife fest: 10 Rappen/km für die 1. Klasse, 7 Rappen für die 2. Klasse und 5 Rappen für die 3. Klasse. Der Konzessionserteilung war ein Streit vorausgegangen, der als «Dettenbergkrieg» für Schlagzeilen sorgte. Der Kampf um die Linienführung wurde schliesslich vom Bundesrat entschieden, statt die Wagenbreche wurde der Dettenberg durchstossen. Erklärtes Ziel der NOB war es, eine Linie für den durchgehenden Güterverkehr zu bauen. Schon damals war nämlich klar, dass eine Rendite ohne Durchgangsverkehr nie erreicht werden konnte.
Uebersichtskarte der Bahnlinie Bülach - Baden