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Walliser Fussballgott
Willy Jäggi, Umberto Barberis, Alain Sutter: Der Schweizer Fussball brachte Helden und Antihelden hervor. Doch keiner war erfolgreicher als Sepp Blatter.
Fussballgeschichte ist Migrationsgeschichte. Englische Internatsschüler brachten das Spiel Mitte des 19. Jahrhunderts in die Romandie. Ausländer und Studenten verbreiteten es in der übrigen Schweiz und Schweizer Auswanderer waren massgeblich an der Gründung von Clubs in Barcelona, Marseille, Bologna, Mailand oder Bari beteiligt. Um die Jahrhundertwende wurde ein Schweizerischer Verband gegründet und wenig später ein internationaler: die FIFA.
Es entstanden erste Stadien und eine Liga, das Spiel wurde zum Geschäft und einzelne Akteure konnten davon leben. Dem stellte sich der Schweizer Verband 1941 entgegen; er verbot den Professionalismus und sanktionierte Berufsspieler bis Mitte der 1950er-Jahre. Dann erst kommerzialisierte sich der Sport. Wichtigster Treiber dafür war das Fernsehen: mehr Zuschauer, mehr Werbung, mehr Geld führten den Fussball in neue Sphären.
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass bei der FIFA ausgerechnet ein PR-Profi Karriere machte. Sepp Blatter hatte den Walliser Verkehrs- und den Eishockeyverband geleitet und die Öffentlichkeitsabteilung der Uhrenfirma Longines dirigiert, bevor er 1975 auf Initiative von Freunden bei Adidas zur FIFA kam. Blatter diente dem Verband in diversen Positionen, avancierte zur Nummer zwei hinter João Havelange und löste diesen 1998 an der Spitze ab.
Nebst kleineren Regeländerungen betrieb Blatter primär die Globalisierung des Spiels. Dessen wichtigstes Turnier – die Weltmeisterschaft – war bislang ein europäisch-südamerikanisches Kräftemessen gewesen, erst 1994 hatte es erstmals ausserhalb der beiden Kontinente stattgefunden (in den USA). Unter Blatters Leitung wurde die WM nach Südafrika, Südkorea/Japan, Russland und Katar vergeben. Das brachte der FIFA neue Märkte, Milliarden zusätzlicher Einnahmen und Sepp Blatter harsche Kritik europäischer Fans.
Der quasi-religiöse Furor mancher Supporter passte hervorragend zu Blatters missionarischem Eifer. Der Papst der steuerbefreiten Fussballkirche erklärte sein Geschäft zum Friedensstifter, Völkerverbinder, Heilsbringer für die Welt. Womöglich war es diese verklärte Sicht, die Blatter blind machte für Korruption, Menschenrechtsverletzungen und andere Ungeheuerlichkeiten rund um seinen Sport. Eine Blindheit, die ihn 2015 zu Fall brachte. Dass sich an der Fussballkirche dadurch etwas ändert, ist nicht ausgeschlossen. Wunder gehören im Fussball schliesslich dazu.