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1981 veröffentlichte Martin Cruz Smith mit Gorky Park den ersten von nunmehr acht Romanen um den russischen Polizisten Arkadi Renko, und obwohl die Verfilmung gleichen Titels nicht lange auf sich warten liess, blieb sie die bislang einzige Leinwandadaption aus dieser Reihe. William Hurt gibt als Protagonist einen recht überzeugenden Russen ab, und die übrige Darstellerriege ist mit Lee Marvin, Brian Dennehy und Ian Bannen auch nicht von schlechten Eltern.
James Horner gab nach seinem fulminanten Durchbruch mit Star Trek II ‒ The Wrath of Khan so richtig Vollgas und etablierte sich 1983 mit unterschiedlichen Arbeiten wie Something Wicked This Way Comes, Krull, Brainstorm, Uncommon Valor und eben Gorky Park endgültig als ebenso wandlungsfähiger wie ernst zu nehmender, neuer und gefragter Stern am Filmmusik-Himmel.
Der Score erschien zum Filmstart nicht nur bei diversen Labeln auf LP, sondern wurde von Varèse Sarabande auch mit einer frühen CD-Veröffentlichung bedacht. Vor zwei Jahren dann kam eine remasterte und mittlerweile vergriffene Scheibe von Kritzerland auf den Markt, die jedoch nicht expandiert war, sondern lediglich die selben Tracks zweimal präsentierte, und zwar einmal in der Albumpräsentation und einmal in der Filmreihenfolge.
Da ich die Kritzerland-CD nicht kenne, vermag ich nicht zu beurteilen, wie gross die klanglichen Unterschiede zur nun erschienenen Intrada-Edition sind, aber vergleicht man diese mit der Varèse-CD, dann hat sich da schon einiges getan, der Klang ist eindeutig transparenter und nuancierter. Oder ‒ wenn man nach James Horner geht, der 1984 äusserte, er sei mehr an Orchesterfarben als an Melodien interessiert ‒ dann leuchten die Farben dieses Scores mehr denn je.
Dank dessen können jetzt wirklich alle kleinen Feinheiten dieses Scores genossen werden. Dies gilt insbesondere für die urbanen Verfolgungs- und Actionstücke ‒ typisch für den Horner jener Zeit, man denke an 48 Hrs. oder Commando ‒ in denen zwischen tiefem Blech, Elektronik und Perkussion sehr viel abgeht, beispielsweise mit Zimbel, Akkordeon, Balaleikas und Mandolinen, die für ein wenig Lokalkolorit besorgt sind. Des weiteren profitieren Arpeggios von Harfe und Vibrafon im Pianissimo-Bereich und die Synthesizer ‒ unter ihnen der Blaster Beam ‒ die sich nun so richtig durchzusetzen vermögen, eindeutig vom optimierten Klangbild .
Nebst kurzen, aus dramaturgischen Gründen erklingenden Ausschnitten aus Der Schwanensee und Ouvertüre 1812 von Peter Tschaikowsky kommt auch in Horners schwermütigen Themen für Renko und Irina die russische Seele zum Vorschein, und diese Themen bilden einen ausgleichenden Kontrast zu Hektik und Suspense. Insgesamt gelingt dem Komponisten ein schöner Mix aus Orchester und Elektronik, der sowohl der explosiven Spannung der Story als auch der winterlichen Stimmung Helsinkis, das als Double für Moskau diente, Rechnung trägt.
Mit dieser CD bekommt man erstmals alles Material, das James Horner für Gorky Park aufgenommen hat. Das bedeutet zwar unter anderem den kompletten Score in der Filmversion, wobei sich aber aus nicht näher genannten Gründen diverse Film- und Albumversionen sowie die bisher unveröffentlichten Cues auf das Hauptprogramm und die Extras verteilen (in den Extras finden sich zudem auch alle Tracks, die Tschaikowsky enthalten, nochmals ohne die entsprechenden Inserts), was ein wenig Zeit zur Umprogrammierung beansprucht, wenn man sich denn die chronologisch korrekte, komplette Filmversion anhören möchte.
In dieser Form beträgt die Laufzeit des Scores etwa 54 Minuten, wobei die mehrheitlich kurzen, neuen Tracks meist aus der Spannungsecke kommen, es gibt aber auch noch etwas zusätzliche Romantik sowie mit Stockholm Salted Peanutseinen Cue mit entspannter Cocktailpiano-Musik. Nichts elementar Wichtiges eigentlich, das man auf dem alten Album vermisst hätte, aber zusammen mit dem tollen Klang ergibt dies dann doch ein attraktives Gesamtpaket, das sich in der Sammlung sowohl der alten wie auch der jüngeren Horner-Fans gut macht.