Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/86329

<h2>SubmittedText<h2><p>Die im Juni 2007 von der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) publizierte Studie "Pegasos" über die "Neubestimmung der Erdbebengefährdung an den Kernkraftwerkstandorten in der Schweiz" wirft einige Fragen auf, um deren Beantwortung ich den Bundesrat bitte:</p><p>1. Die von "Pegasos" festgestellte "Bandbreite der Unsicherheiten" ist laut HSK "recht gross", könne aber durch weitere Untersuchungen verkleinert werden. Sind diese Untersuchungen in Angriff genommen worden, und wenn ja, durch wen?</p><p>2. Eine zentrale Erkenntnis von "Pegasos" heisst: "Die Gefährdung durch diese starken und damit sehr seltenen Erdbeben kann nur mit grosser Unsicherheit ermittelt werden." Teilt der Bundesrat die Schlussfolgerung aus diesem Befund, dass niemand weiss, ob die schweizerischen AKW einem starken Erdbeben standhalten würden?</p><p>3. Die von der HSK festgestellte "grosse Unsicherheit" ist darauf zurückzuführen, dass "für starke Erdbeben in der Schweiz und den angrenzenden Gebieten kaum direkt verwendbare Messungen vorliegen." Wie gedenkt er diese für die Gefährlichkeit von AKW bedeutende Wissenslücke zu füllen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Diese Untersuchungen (Nachfolgeprojekt Pegasos) haben bereits begonnen. Swissnuclear, die Fachgruppe Kernenergie der Swisselectric, welche sich aus Vertretern der schweizerischen Stromverbundunternehmen zusammensetzt, hat dazu ein internationales Team von Experten beauftragt. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um die gleichen Experten, welche schon die Pegasos-Studie durchgeführt haben. Die HSK begleitet und überprüft die einzelnen Arbeitsschritte.</p><p>2. Mit Gefährdung ist in der Studie die Erdbebenhäufigkeit gemeint. Die Studie behandelt nicht die Erdbebenfestigkeit der Kernkraftwerke (KKW), sondern die Bestimmung der Auftretenshäufigkeit der jeweiligen Erdbebenbeschleunigungen an den Standorten der KKW.</p><p>Die schweizerischen Kernkraftwerke sind so geplant und gebaut, dass sie auch starken Erdbeben standhalten können, und gehören zu den erdbebensichersten Bauten der Schweiz. Die Unsicherheiten werden bei den Auslegungsanforderungen und bei der Risikoanalyse berücksichtigt. Die vorliegenden Risikoanalysen zeigen, dass alle Kernkraftwerke ein deutlich kleineres Risiko aufweisen als der von der IAEA (Internationale Atomenergie-Agentur) für bestehende Anlagen empfohlene Wert.</p><p>3. In der Schweiz und in den angrenzenden Gebieten sind vor allem deshalb wenig Messdaten aus starken Erdbeben vorhanden, weil die seismische Aktivität dieser Gebiete im internationalen Vergleich mässig ist.</p><p>Die Charakteristiken von starken Erdbeben kennt man von Beobachtungen in anderen Ländern. In den letzten Jahren wurden hierzu auf internationaler Ebene umfassendere Datensätze gesammelt. Eine weitere Quelle von Informationen zu starken Erdbeben liefert die sogenannte Paläoseismik. Dabei werden Spuren von Erdbeben, welche in den vergangenen Jahrtausenden aufgetreten sind, erforscht. Neue Erkenntnisse aus diesen beiden Informationsquellen (Daten von ausländischen Erdbeben, Paläoseismik) werden in das Nachfolgeprojekt Pegasos einfliessen, um die Unsicherheiten für die Beschreibung starker Erdbeben weiter zu reduzieren.</p>  Antwort des Bundesrates.