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Zuhause ist Andsnes in der Hafenstadt Bergen in Westnorwegen. Damit er dort mehr Zeit mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern verbringen kann, reduziert der 44-Jährige die Anzahl seiner Konzerte ein wenig und strafft seine Tour-Pläne. Und er sucht auch immer wieder die stillen Momente in der Natur. Im Winter ist er ein begeisterter Langläufer – vor Sportverletzungen fürchtet er sich nicht.
Im Sommer zieht es ihn und seine Familie jeweils für ein paar Wochen nach Nordnorwegen zum fischen und wandern. Für Andsnes sind solche Pausen eine Art Reinigungsprozess, danach hört er die Musik anders: intensiver und neugieriger. Seine Bedenken, dass die Finger durch solche Unterbrechungen der Übungsroutine träge werden könnten, die sind verflogen. Musiker brauchen Ferien, findet er.
Von der Romantik zur Klassik
Auch beeinflusst durch seinen tschechischen Lehrer Jiri Hlinka bevorzugte Andsnes in früheren Jahren die Klavierwerke der Romantik. Die «offensichtlicheren grossen Gefühle» dieser Stücke, so sagt er, sprachen ihn direkter an. Erst nach und nach fand er den Zugang zur Wiener Klassik. Zuerst zu Joseph Haydn, dessen Musik er als «sehr irdisch» beschreibt. Dann zu Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven.
Seit 2012 beschäftigte sich Andsnes schliesslich vor allem mit den fünf Klavierkonzerten und mit der Chorfantasie von Beethoven. Der Norweger spielt darin den Solopart und dirigiert auch gleichzeitig das Mahler Chamber Orchestra. «The Beethoven Journey» heisst dieses Projekt; Andsnes und das Orchester haben es in zahlreichen Konzerten weltweit präsentiert und als Gesamtaufnahme vorgelegt.«Feel the Music»
Gleichzeitig zu diesem Beethoven-Projekt lancierte das Mahler Chamber Orchestra ein weiteres, mit gehörlosen Kindern und Jugendlichen. Ihnen soll in Workshops, Proben- und Konzertbesuchen ein Zugang zur Musik geboten werden. Die Idee ist zwar nicht neu, das Ergebnis und die offensichtliche Begeisterung der Kinder für die Musik sind jedoch beeindruckend.
In einer Probe etwa nehmen sie mitten im Orchester Platz, sie sitzen ganz nahe bei den Musizierenden. Andsnes stellt den Kindern die verschiedenen Instrumente vor, während eine Dolmetscherin in Gebärdensprache übersetzt. Anschliessend spielen die verschiedenen Instrumentengruppen kürzere oder längere Ausschnitte aus den Beethoven-Konzerten, und aus den Reaktionen der Jungen wird deutlich, dass sie die Musik fühlen. Ein Mädchen erzählt, dass sie «ein Kribbeln» gespürt habe; ein Junge ist begeistert von der Stretta des c-Moll-Konzerts, er findet sie «cool». Zum Schluss dürfen sich die Kinder auch selbst vor das Orchester stellen und dirigieren.
Neue Pläne
Konkrete Projekte für die Zukunft verrät Leif Ove Andsnes noch nicht, er freut sich aber darauf, nach Abschluss seiner «Beethoven Journey» im Juli 2015 wieder ganz viel Verschiedenes spielen zu können. Aber eine Idee hat er schon: Er möchte mehr französische Musik spielen, insbesondere Musik von Claude Debussy.