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Untere Rheingasse 13: Handwerkerhaus ohne Handwerker
Das viergeschossige Gebäude Untere Rheingasse 13 steht nahe der Mittleren Brücke am Kleinbasler Rheinufer und ist der Schutzzone zugewiesen. Bis zum Umbau zu einem Gastronomiebetrieb und dem Einbau von Wohneinheiten war es eines der letzten historischen Beispiele in Kleinbasel für die Kombination von Wohn- und Arbeitswelt. Vor dem Umbau dokumentierte die Kantonale Denkmalpflege das Innere der Liegenschaft und unternahm baugeschichtliche Untersuchungen.
Handwerkerhaus über Jahrhunderte
Das Haus gehört zu einer Häusergruppe, deren Kern vor allem in den Brandmauern noch spätmittelalterlichen Ursprungs ist. Neben einigen erhaltenen Elementen aus dem 18. Jh. stammte der Innenausbau – wie bei den meisten Handwerkerhäusern in Basel – grösstenteils aus der zweiten Hälfte des 19. und den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. Im Erdgeschoss befand sich während über 600 Jahren eine Werkstatt, zuletzt die Kunstschmiede von Bernard Pivot.
1305 findet die Liegenschaft in den historischen Hausakten zum erstenmal Erwähnung. Sie war im 15. Jh. dem nahegelegenen Kloster Klingental zinspflichtig. Die zwischen Unterer Rheingasse und Rhein gelegenen Parzellen waren von der Unteren Rheingasse her erschlossen.
Die Gebäuderückseiten standen unmittelbar an den Kiesbänken des Rheinufers, zumal die Rheinpromenade erst ab 1861 aufgeschüttet wurde. Seit dem 15. Jh. lebten und arbeiteten in dem viergeschossigen Haus Wagner, Kupferschmiede, Schneider und Schlosser.
Aufschlussreiche Brandmauer
Bei den Untersuchungen fanden sich im Boden Strukturen von mittelalterlichen Vorgängerbauten, die allerdings mit dem bestehenden Gebäude in keinem konstruktiven Zusammenhang stehen. In der rheinseitigen Aussenmauer kamen im Erdgeschoss Mauerteile zum Vorschein, die von den anstossenden Brandmauern verdeckt waren. Vermutlich handelt es sich um Reste der aus dem 13. Jh. stammenden Stadtmauer, die Kleinbasel zum Rhein hin abschirmte.
Das älteste nachweisbare Gebäude aus Stein im untersuchten Bereich konnte in der Brandmauer zwischen den Häusern Nr. 13 und Nr. 11 entdeckt werden. Unter Verputzschichten wurde eine vom Erd- bis zum Dachgeschoss reichende Giebelmauer mit asymmetrischer Dachlinie freigelegt. Die kleinteilige Mauer mit regelmässig verlegten Backsteinreihen stammt aus der 2. Hälfte des 14. Jh.; sie ist nur halb so tief wie das bestehende Gebäude und war wohl ursprünglich der nördliche Abschluss von Haus Nr. 11. An diese Giebelmauer wurde in kurzen zeitlichen Abständen um 1400 das Haus Untere Rheingasse 13 angebaut. In einem zweiten Schritt wurden Mauerzüge errichtet, die an der nördlichen Brandmauer samt der dazugehörenden Dachlinie bis zum Firstpunkt erfasst werden konnten. Dieses Gebäude erstreckte sich bereits bis zur Unteren Rheingasse, war mit drei Geschossen allerdings noch bedeutend niedriger als heute. Die heutige Firsthöhe liegt einige Meter höher und wurde mit einer Aufstockung 1416 erreicht. Die Datierung konnte anhand der letzten verbliebenen Balken des Dachstuhls dendrochronologisch ermittelt werden.
Die heutige Gestalt
450 Jahre später wurde das Dach 1877 einseitig angehoben, um Platz für ein 4. Geschoss mit zwei Zimmern zu erhalten. Nach erfolgter Aufschüttung der Rheinpromenade (Unterer Rheinweg) konnte zur gleichen Zeit auch die Werkstatt unterhalb der Laube vergrössert und mit einem Materialhof versehen werden. Treppenhaus, hölzerner Licht- und Lüftungsschacht sowie Abortkammern an der Südbrandmauer zeugten von einem einfachen Lebensstil.
Nach dem 2008 erfolgten Abbruch dieser Binnenstrukturen und mit dem Einbau eines Lifts verblieben von der historischen Ausstattung die filigrane Treppe sowie teilweise zersägte Balken und zwei Zimmer aus dem 18. Jh. Der Hof wurde als Erweiterung der Restaurantfläche in eine Sonnenterrasse umgebaut.
Text, Foto und Zeichnungen: Stephan Tramèr