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Walter Furrers Werk weist eine bemerkenswerte Bandbreite auf: Liederzyklen, a cappella-Chöre, geistliche Musik, je zwei Bühnen- und Radioopern, Orchesterwerke sowie zahlreiche Hörspiel- und Bühnenmusiken.
Alle seine Kompositionen zeichnen sich durch Einfallsreichtum sowie durch absolute Eigenständigkeit aus. Dabei sind sie, bei aller Modernität, stets eingängig, nie repetitiv und, insbesondere was die Orchesterwerke betrifft, von grosser klangmalerischer Qualität. Schon in seiner Frühzeit hielt er sich an den selbstgeprägten Grundsatz: "Nie sollte eine Musik dem Publikum gegenüber einer Erläuterung oder gar einer Analyse bedürfen."
Es wird Zeit, dieses Werk, das einen wesentlichen Beitrag zum schweizerischen Musikschaffen des 20. Jahrhunderts darstellt, wieder erklingen zu lassen.
Hier ist ein Schatz zu heben!
Das „Scherzo drolatique“ ist eine Konzertbearbeitung (für großes Orchester) der Balletteinlagen aus dem 4. Bild der Oper "Zwerg Nase" von Walter Furrer.
Komponiert in den Jahren 1949 bis 1952.
Es spielt das Radioorchester Beromünster unter der Leitung von Walter Furrer. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1960.
Mit drei Werken nimmt sie einen mengenmäßig bescheidenen, aber dennoch signifikanten Platz ein. Immer, wenn der Komponist emotional besonders stark betroffen war, griff er unweigerlich zu diesem Medium. Das war 1967 der Fall, als Israel während des Sechs-Tage-Krieges an drei Fronten erfolgreich um seine Weiterexistenz kämpfte. Wie viele andere Schweizer war Walter Furrer damals von der Wehrhaftigkeit des kleinen Volkes zutiefst beeindruckt. Und so entstand der „Psalm 142 für Sopran und Orgel“.
In einem anderen Sinne emotional wirkte der qualvolle frühe Tod eines Familienmitglieds 1968, dem die Komposition des „Psalm 102 und 27 für Alt, Oboe und Orgel“ folgte.
Und drittens ist das Orgelwerk „Le chiese di Assisi. Nove visioni musicali per organo“ von 1973 zu nennen. Es basiert auf einem spirituellen Architekturerlebnis, das sich durch mehrere Besuche in der Franziskus-Stadt immer stärker herausgebildet hatte. Der 2016 verstorbene Organist Heinz-Roland Schneeberger hatte es 1973 in der Cathédrale de Lausanne aus der Taufe gehoben und auch in den folgenden Jahren des 20. Jahrhunderts immer wieder – als Ganzes oder teilweise – in der Schweiz, in Belgien sowie in den USA gespielt.
Am 22. November 2020 habe ich diese drei Werke in der Antoniuskirche Basel, deren Orgel 2018 vollständig revidiert worden ist, vom Tonstudio Gerald Hahnefeld aufzeichnen lassen. Die Ausführenden: Chelsea Zurflüh (Sopran), Barbara Hensinger (Alt), Matthias Arter (Oboe) und Matthias Wamser (Orgel). Letzterer hat die „Chiese“ im 21. Jahrhundert bereits zweimal gespielt, nämlich am 13. Oktober 2019 innerhalb des Orgelkonzerts „Auf dem Weg zu Franz von Assisi“ in der Basler Antoniuskirche sowie am 9. Juli 2020 in der Johanniskirche in Walter Furrers Geburtsstadt Plauen, im Rahmens des dortigen Orgelsommers.
Beatrice Wolf-Furrer
Eigentlich waren die beiden letzten Konzerte der Saison 2019/2020 mit Vokalzyklen von Walter Furrer (s. Homepage www.walter-furrer.ch/konzerte) für den 22. März (Langenthal, Hotel „Bären“) und den 26. Mai (Bern, Warlomont-Anger-Saal des Konsi Bern) anberaumt.
Aber dann schlug Corona zu, und aus war‘s mit beiden Daten! Es gab vielerlei neue im September und Oktober, die reihum abgesagt wurden. Ich kämpfte wie eine Löwin (obwohl ich nur eine Wölfin bin), und so konnte ich das Konzert am 1. November in Langenthal und am 5. Dezember in Bern schließlich doch präsentieren – vor einem jeweils winzigen, aber erlesenen Publikum: Berufsmusiker, darunter ein Organist, zwei Pianistinnen, eine Sängerin, der Intendant eines namhaften Orchesters, ein Arzt (für alle Fälle) – alle maskiert, wie vorgeschrieben, und weit auseinandersitzend. Ein beinahe unheimlicher, in jedem Fall grotesker Anblick – und wie erfreulich dann der herzliche Applaus für die junge Künstlercrew (Chelsea Zurflüh, Sopran, Benjamin Widmer, Bariton, Tomasz Domanski, Klavier), die ihre schwierige Darbietung genauso künstlerisch hochstehend „ablieferte“, wie wenn sie es vor einem großen Publikum getan hätte. Kompliment!
Beatrice Wolf-Furrer
Was für eine Freude, als ich im Brief des Organisten Matthias Wamser vom 18. Mai die Sätze las: „Das lange Warten hat sich gelohnt. Herr Brosig hat grünes Licht gegeben.“ Damit stand fest, dass das von langer Hand geplante Konzert am 9. Juli in der St. Johanniskirche Plauen, in dem Walters Furrers 1973 entstandenes Werk „Le chiese di Assisi, nove visioni musicali per organo“ interpretiert werden sollte, trotz der Corona-Krise tatsächlich stattfinden würde: eine Hommage für den Komponisten, der am 28. Juli 1902 in Plauen geboren wurde.
Aber der Reihe nach. Bereits am 13. Oktober 2019 hatte Matthias Wamser die „Chiese“ in das Konzert „Orgelmusik auf dem Weg zu Franz von Assisi“ in der Antoniuskirche Basel, deren Titularorganist er ist, eingebaut. Umgeben von Werken César Francks, Charles Tournemires, Franz Liszts und Hermann Suters, wurde dieses Spätwerk 46 Jahre nach der Uraufführung zu neuem Leben erweckt, wobei der Organist von dessen Hauptmerkmal – Walter Furrer hat darin seine ganz persönlichen Eindrücke der neun Kirchen auskomponiert – besonders angenehm berührt war. Schon im Sommer 2019 nahm er mit Heiko Brosig, dem Kantor der St. Johanniskirche Plauen, Kontakt auf, und so kam es zum Beschluss, die „Chiese“ im Rahmen des von Herrn Brosig seit Jahren organisierten Plauener Orgelsommers am Donnerstag, 9. Juli 2020, Beginn 12.05, aufzuführen.
Das Konzert, das mit einer Toccata von J. S. Bach begann, die zu den „Chiese“ überleitete, war ein wirklicher Erfolg. In einem kleinen Programmheft waren Walter Furrers Texte zu den neun Kirchen abgedruckt; sie wurden von den Zuhörern während der Darbietung aufmerksam gelesen, so dass ein echtes Verständnis dieser Orgelvisionen des 20. Jahrhundert möglich wurde. Die schlichte und zugleich majestätische St. Johanniskirche gab dazu einen wunderbar stimmigen Rahmen ab.
Ich danke Herrn Brosig für die umsichtige Organisation sowie für die einleitenden Worte und Herrn Wamser für die meisterliche Interpretation. Dieser Anlass war ein weiterer wichtiger Schritt bei der Wiederbelebung eines zu Unrecht vergessenen Komponisten.
Beatrice Wolf-Furrer
Am Sonntag, 8. Dezember 2019, Beginn 17 Uhr, gibt das Liedduo „Skaluk“ in der Aula der Musikschule Langenthal ein mit Spannung erwartetes Konzert. Hinter dem klangvollen Namen des Duos stehen die beiden bekannten jungen Künstlerinnen Fabienne M. Skarpetowski, Sopran (www.skarpetowski.com), und Johanna M. Kulke, Klavier (www.johannakulke.com). Sie interpretieren Lieder von Benjamin Britten, William Bolcom, Charles Ives und –, in der Mitte des Konzerts platziert, von Walter Furrer! Und zwar den Zyklus “Sieben Lieder für Sopran und Klavier“ nach Texten von Theodor Storm und Walther von der Vogelweide, der bereits in den beiden von mir verantworteten Vokalkonzerten von 2017/18 und 2019/20 figuriert und den ich anlässlich dieses Konzerts kurz kommentieren werde. Ich danke Frau Skarpetowski und Frau Kulke für diese großartige Initiative, mit der sie sich aktiv am Walter-Furrer-Revival beteiligen.
Beatrice Wolf-Furrer
Am 6. Juni 2019, 17.30 Uhr, lud die Burgerbibliothek Bern, die Walter Furrers Nachlass seit 2012 verwaltet, im Hallersaal zu einer Soirée ein, die man auch als „Hommage à Walter Furrer“ bezeichnen könnte. Die gut besuchte Veranstaltung – auch die Berner Professorinnen Cristina Urchueguia (Musikwissenschaft) und Barbara Mahlmann-Bauer (Germanistik) waren anwesend – fand lebhaften Anklang, auch bei dem Teil des Publikums, dem das Schaffen dieses zu Lebzeiten zu wenig beachteten Schweizer Komponisten nicht näher bekannt war. Nach einem Grußwort der Leiterin der Burgerbibliothek, Frau Dr. Claudia Engler, fasste die Tochter des Komponisten, Beatrice Wolf-Furrer, die bisherige Erfolgsgeschichte des „Förderverein(s) Komponist Walter Furrer“ zusammen, wobei sie insbesondere auf das an „Highlights“ reiche Jahr 2018 hinwies:
Am 17. Und 18. März führte die Zürcher Sing-Akademie in Bern und Zürich das Werk „Drei religiöse Chöre aus Faust I“ auf.
Am 19./20. Juni wurde bei SRF 2 eine Werkauswahl aufgezeichnet, die CD kam, zusammen mit „Walter Furrer, ein zu Unrecht vergessener Schweizer Komponist. Biografischer Abriss von Beatrice Wolf-Furrer“, im Herbst bei Müller & Schade AG heraus.
Ende August legte Tamara Ackermann an der Uni Basel die Masterarbeit „Vision – die Kompositionsvorstellungen des Schweizerischen Arbeitersängerverbands am Beispiel der Arbeiterlieder von Walter Furrer (1902-1978)“ vor.
Am 10. und 12. Oktober brachte die Vogtland Philharmonie in Reichenbach und Greiz (Deutschland) das Orchesterwerk „Scherzo drolatique“ als Eröffnung eines Sinfoniekonzerts.
Am 10. Oktober erklang in der Schwartzschen Villa in Berlin-Steglitz das Vokalkonzert, das bereits 2017 dreimal in der Schweiz und einmal in Plauen aufgeführt worden war (Einzelheiten zu den Konzerten siehe hier).
Anschließend erklangen zwei Musikbeispiele und fasste Tamara Ackermann den Inhalt ihrer Masterarbeit zusammen. Krönender Abschluss: Andreas Barblan erläuterte in unterhaltsamer Weise eine Auswahl von Archivalien. Beim Apéro bot sich Gelegenheit zu weiterführenden interessanten Gesprächen.
2018, vierzig Jahre nach dem Tod des heute zu Unrecht vergessenen Schweizer Komponisten Walter Furrer, vermittelt die CD "Walter Furrer - Werkauswahl", einen Einblick in drei wesentliche Schaffensbereiche: Liedgesang, Oper und Chorkomposition.
Die CD kostet CHF 20.- und kann direkt bei Frau Beatrice Wolf-Furrer bestellt werden. Tel. +41 (0)62 929 33 43 oder Mail an <email-pii>
Der Schweizer Komponist Walter Furrer (1902-1978)
Der Biografische Abriss ist ein erster Versuch in Buchform, Werk und Leben des zu Unrecht vergessenen Schweizer Komponisten Walter Furrer in ihren wichtigsten Zügen zusammenfassend darzustellen und sie ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
Das Buch kostet CHF 30.- und kann direkt bei Frau Beatrice Wolf-Furrer bestellt werden. Tel. +41 (0)62 929 33 43 oder Mail an <email-pii>
Der Komponist Walter Furrer
«Zu Unrecht vergessen», sei ihr Vater, der Komponist Walter Furrer. Nun legt Beatrice Wolf-Furrer Material vor, das einer Wiederentdeckung den Weg bereiten könnte.
Walter Kläy — «Eines meiner kompositorischen Prinzipien ist, immer für die Instrumente, für die Stimmen, ja, sogar für den Dirigenten zu schreiben. Es ist mir wichtig, dass meine Ausführenden Freude an der Musik haben und nicht in unsinniger Weise überfordert werden. Damit kann ich auch zum Hörer vordringen.» Das sagte Walter Furrer (1902–1978) im September 1970 zu seinem Schaffen. Damals hatte er bereits seine grossen musikdramatischen Werke geschrieben: zwei Opern («Der Faun» und «Zwerg Nase»), zwei gross besetzte Kompositionen fürs Radio: «Der Schimmelreiter» und «Quatembernacht» sowie zwei Ballette. Dazu noch zahlreiche Chöre, Lieder und Liederzyklen sowie Instrumentalwerke wie «Drei Tagebuchskizzen» für grosses Orchester, Kammermusik für Flöte, Oboe und Streichquartett, Musik für Streicher ebenso geistliche Musik. 1957 gründete Furrer den Kammerchor von Radiostudio Bern, der unter seiner Leitung bis 1972 bestand. Als Siebzigjähriger konnte er also auf eine durchaus erfolgreiche Laufbahn zurückblicken. Seine Musik wurde mit Erfolg aufgeführt.
Weshalb also wurde denn Walter Furrer nach seinem Tod 1978 vergessen? Zu Unrecht vergessen, wie seine Tochter Beatrice Wolf-Furrer findet, die 2014 feststellte, dass er im Bewusstsein der Öffentlichkeit nicht mehr präsent sei, «obwohl Walter Furrer einen wesentlichen Beitrag zum schweizerischen Musikschaffen des 20. Jahrhunderts geleistet hat». Die promovierte Literaturwissenschaftlerin recherchierte seither in Bibliotheken, Archiven und Musikerkreisen, gründete in Bern den «Förderverein Komponist Walter Furrer» und legt nun den vorliegenden 70 Seiten umfassenden reich bebilderten biografischen Abriss vor. Auf knappem Raum skizziert sie den Lebensweg ihres Vaters und beleuchtet die wesentlichen Etappen seines Schaffens, ohne zu beschönigen, dass sein schwieriger Charakter ihn schon zu Lebzeiten zum Aussenseiter werden liess. Die Dokumentation könnte einen Anstoss geben, Furrers Werke neu zu entdecken.
Beatrice Wolf-Furrer: Walter Furrer – ein zu Unrecht vergessener Schweizer Komponist. Biografischer Abriss, M & S Nr. 2506, 70 S., Fr. 28.00, Müller & Schade, Bern 2018
Quelle: Schweizer Musikzeitung 11/2019