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"Wundern Sie sich nicht, dass ich gläubig bin - aber ein Künstler, der es nicht ist, bringt nicht solches zustande." So schrieb Antonín Dvořák am 17. Juni 1887 über die D-Dur-Messe. Mit diesen Worten zeigte er dem Auftraggeber, dem Bauunternehmer Josef Hlavka, die Vollendung des Werks an, woran er seit Ende März gearbeitet hatte. Hlavka hatte die Messe für die Einweihung der Kapelle seines Schlosses Luzany in Südwestböhmen bestellt, wo sie am 11.September unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt wurde und zwar in der ursprünglichen Fassung für kleinen Chor, Tutti-Chor und Orgel.
1892 instrumentierte Dvořák die Orgelpartitur für Orchester und be-setzte die Partien des kleinen Chores mit einem Soloquartett. Die ur-sprünglich zum liturgischen Gebrauch bestimmte Messevertonung wurde dadurch immer öfter konzertant aufgeführt.
Die Messe ist ein Meisterwerk spätromantischer geistlicher katholi-scher Kirchenmusik mit einer Überfülle an melodischer und harmoni-scher Erfindungskraft. Die Sprache seiner Messe ist von einer den je-weiligen Ausdrucks- oder Symbolgehalt des liturgischen Textes direkt spiegelnden farbigen Bildhaftigkeit.
Elemente böhmischer Volksmusik sind in den Eckteilen des Credo un-verkennbar: der Chor wiederholt ritornellartig den jeweils von einer Solistin vorgesungenen Textvers. Seinen Ursprung hat dies gleicher-weise im folkloristischen Tanzlied wie in der gregorianischen Litanei.
Der in Dreiklängen aufsteigende D-Dur-Jubel des Gloria ist so unmittelbar in seiner Wirkung wie die flehentlichen Steigerungen des Kyrie.
Die Biblischen Lieder op. 99 sind der nationalistischen musikalischen Romantik des ausgehenden 19. Jahrhunderts zuzuordnen. Dvořák hat sie 1894 während seiner Zeit als Direktor des National Conservatory for Music in New York komponiert.
Während seines Aufenthaltes in New York (1892-1895) erhielt die geistliche Musik für Dvořák wieder eine existentielle Bedeutung, da er 1894 in eine materielle und psychische Krise geriet und Trost im Psalter suchte: Die zehn Biblischen Lieder op. 99 für eine Singstimme und Klavier entstanden, von denen der Komponist die ersten fünf kurz darauf auch für Singstimme und Orchester bearbeitet hat.
In Dvořáks Werken kommen Heimatliebe, Naturverbundenheit, tiefe Religiosität, aber ebenso berauschende Lebensfreude zum Ausdruck.