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Zeichnen Sie einen Kreis mit Durchmesser 10 cm. Überlegen Sie sich, wie lange der Umfang im Verhältnis zum Durchmesser ist. Dazu können Sie ein Stück Faden der Länge 10 cm abschneiden und schauen, wie oft dieser auf dem Kreisumfang abgetragen werden kann. Handgelenk mal Pi wird das etwa dreimal möglich sein. Doch genau?
Vor dieser Frage standen Sie und ich in jungen Jahren in der Schule. Bisher war die Mathematik immer schön aufgegangen und es gab meist sehr schöne Zahlen, die man am Schluss doppelt unterstreichen konnte. Aufgrund meiner bisherigen Erfahrung mit der Schulmathematik musste es ein einfacher Bruch sein, mit dem man angeben konnte, wie oft man den Durchmesser auf die Kreislinie legen konnte. Der Lehrer sagte uns dann, es gebe keinen Bruch, mit dem man dieses Verhältnis beschreiben könne. Das durfte einfach nicht sein, dachte ich. Der Lehrer hatte sicher etwas falsch verstanden oder die hatten einfach noch nicht alles ausprobiert – ich würde das schon schaffen.
Ich war mit meinem Unbehagen über Pi in sehr guter Gesellschaft: 1897 debattierte nämlich das Parlament des US-Bundesstaates Indiana allen Ernstes, wie mit der Kreiszahl Pi, diesem mathematischen Ungeheuer mit unendlich vielen Stellen nach dem Komma, umzugehen sei. Pi sollte per Gesetz als 3,2 festgelegt werden, so die Vorlage.
Das könnte Ihrer Meinung nach heute nicht mehr passieren und schon gar nicht in der Schweiz? Unvorstellbar zum Beispiel, dass die Schweizer Politik per Gesetz entscheiden würde, wie viel Prozent der in der zweiten Säule angesparten Vorsorgegelder Herr und Frau Schweizer nach der Pensionierung jedes Jahr erhalten sollen – unabhängig von der Lebenserwartung und damit gegen jede Mathematik? Dieser sogenannte Umwandlungssatz von 6,8 Prozent steht aber in der Tat in einer Verordnung. Dumm nur, dass die Leute sich nicht daran halten, sondern immer älter werden. Sollen sich doch gefälligst die Gesetze der Mathematik anpassen oder jemand dafür sorgen, dass die Leute nicht immer länger leben.