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Abstract:
Ausgangslage
In der ersten Hälfte des zweiten Jahrtausends v. Chr. ist im zentralen Alpenraum – vor allem im Kanton Graubünden – ein markanter Anstieg alpiner (Siedlungs-)Fundstellen zu verzeichnen. Der damit verbundene Bevölkerungszuwachs ist beim derzeitigen Quellen- und Forschungsstand nur durch Zuwanderung aus den umliegenden Alpenvorländern zu erklären.
Forschungsstand
In den 1940er Jahren kam erstmals die These einer eigenständigen, bronzezeitlichen alpinen Kulturgruppe auf, die sich im Fundmaterial (vor allem in Form und Verzierung der Gefässkeramik) mehr oder weniger deutlich von südlich und nördlich der Alpen ansässigen Kulturgruppen unterscheiden soll (Burkart 1946). Diese These wurde schliesslich in den 1970er und 1980er Jahren mit den Begriffen "bündnerische Bronzezeit" bzw. "inneralpine Bronzezeitkultur" umschrieben. Zum ungefähren Verbreitungsgebiet dieser "alpinen Sonderkultur" werden der Kanton Graubünden (ohne Misox, Bergell und Puschlav, aber inklusive Engadin), das Vinschgau und möglicherweise das St. Galler Rheintal sowie Teile Nord- und Südtirols gerechnet (Rageth 1986).
Fragestellungen und Ziele
Im Rahmen dieser Lizentiatsarbeit wird nun folgenden Fragen genauer nachgegangen: Woher erfolgte der mutmassliche Bevölkerungszustrom während der Frühbronzezeit? Welchen kulturellen Einflüssen unterlag die alpine Bevölkerung bis in die Spätbronzezeit (Stichwort "kulturelle Identität") und kommt es diesbezüglich im Laufe der Zeit zu Verlagerungen von Schwerpunkten? Existiert tatsächlich eine mehr oder weniger scharfe kulturelle Grenze zwischen dem Gebiet der "inneralpinen Bronzezeitkultur" und dem Alpenvorland (insbesondere dem östlichen Schweizer Mittelland bzw. dem St. Galler bzw. Liechtensteinischen Rheintal)?
Anhand einer quantitativen Analyse von Keramik- und Bronzefunden (klassifiziert nach Form und Verzierung) aus Siedlungen, Gräbern und Depots der Kantone Graubünden und Tessin, des Urner Reusstals, sowie des St. Galler und Liechtensteinischen Rheintals sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb des Arbeitsgebiets sowie Strömungen und Einflüsse aus den umliegenden Regionen erfasst und unter Berücksichtigung der Diskussion um Archäologie und soziale Identitäten bewertet werden.
Literatur
Burmeister, St.; Müller-Scheessel, N. (Hrsg.) (2006): Soziale Gruppen – kulturelle Grenzen. Die Interpretation sozialer Identitäten in der Prähistorischen Archäologie. Tübinger Archäologische Taschenbücher 5. Münster.
Della Casa, Ph. (2000): Eckdaten der prähistorischen Besiedlung der Alpen, mit Augenmerk auf das Misox und die Zentral- und Südalpen. In: I Leponti tra mito e realtà, 79-92. Locarno.
Wyss, R. (1991): Die frühe Besiedlung der Alpen aus archäologischer Sicht. In: Siedlungsforschung 8, 69-86. Bonn.