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Sie kennen alle das Idiotikon. Es handelt sich um das Wörterbuch der Schweizer Dialekte, das die Etymologie schweizerdeutscher Begriffe der Öffentlichkeit zugänglich macht. Lange fragten wir uns, ob es wohl ein Pendant gäbe für den französischen Teil der Schweiz. Die Antwort ist «ja», doch das Wörterbuch ist erst bis zum Buchstaben F fertiggestellt und bis die Dialektforscher beim Z ankommen, dürfte es wohl noch 48 Jahre dauern. Wenn man bedenkt, dass das Werk 1899 begonnen wurde, ergibt das eine beträchtliche Zeitspanne von 163 Jahren. Die NZZ widmete dem «Glossaire des patois de la Suisse romande» vor kurzem einen Artikel, in dem die Geschichte und die Ursprünge dieses Werkes genauer beschrieben wurden.
Le Patois
Das Wörterbuch beschäftigt sich nicht – wie man auf den ersten Blick meinen könnte – mit dem Französischen, sondern mit den galloromanischen Dialekten, die in der Romandie bis weit ins 18. Jahrhundert gesprochen wurden. Die Schweizer Elite in den Städten begann jedoch schon früh, die französische «Hochsprache» zu schreiben und auch zu sprechen, die Dialekte wurden verdrängt und als Patois bezeichnet, was so viel wie Pfote (patte) bedeutet und auf eine grobe Bauernsprache verwies. Die französischen Dialekte gerieten immer mehr unter Druck, nach der französischen Revolution wurden sie gar bekämpft: Sie galten als Relikte des Feudalismus. Heute gibt es nur noch einen Ort in der Schweiz, an dem manchmal Patois gesprochen wird, er befindet sich in Evolène im Kanton Wallis.
Die Geschichte dahinter
Zu einer Zeit, als die Heimatschutz-Idee aufkam und ein Linguist Gedanken dazu äusserte, dass in Zürich bald nur noch Hochdeutsch gesprochen würde, war es nicht unbedingt verwunderlich, wenn man Dialekte als Teile der Identität konservieren wollte. Der Linguist Louis Gauchat lancierte das Projekt nach dem Vorbild des Idiotikons und hatte die Absicht, die Spuren dieser Dialekte zu erhalten, da man sich sorgte, das Patois würde untergehen. So begannen zwischen 1900 und 1911 grosse dialektologische Untersuchungen, 1924 wurde der erste Band veröffentlicht und seither arbeitet man in Neuenburg mit grosser Sorgfalt weiter. Gemäss Anton Näf vom Patois-Projekt soll 2017 der Buchstabe G abgeschlossen und somit die Hälfte erreicht sein, denn im französischen Wortschatz entsprächen die Anfangsbuchstaben A-G einem grösseren Prozentsatz als im Deutschen. Im Jahre 2026 soll das gesamte Glossaire dann fertig sein.
Wir wünschen viel Erfolg und Durchaltewillen.