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Tonübungen
Bei den Tonübungen stehen die Technik der Klangerzeugung und die musikalische Gestalt des Klanges im Mittelpunkt.
Inhaltsverzeichnis
Verbindung von sensomotorischer, taktiler und auditiver Wahrnehmung
Tonübungen dienen dazu, die spieltechnischen Mechanismen der Klangerzeugung und die damit verknüpften individuellen Klangvorstellungen zu entwickeln und in gegenseitiger Wechselwirkung zu verfeinern. Durch den Fokus auf ausschliesslich klangliche Aspekte treten weitere musikalische und instrumentaltechnische Parameter in den Hintergrund.
Ziel der Tonübungen
Die Reduktion der Aufmerksamkeit auf eine kleinere Anzahl instrumentaltechnischer und musikalischer Aufgaben verfolgt das Ziel, die Fähigkeiten der Tonproduktion zu vertiefen und schliesslich zu automatisieren.
- Differenzierte Zuordnung auditiv wahrnehmbarer Klangereignisse zu den damit verbundenen physiologisch-spieltechnischen Bewegungen und Spielpositionen
- Präzise Kontrolle über das klangliche Ereignis durch Kenntnis der zugrunde liegenden spieltechnischen Voraussetzungen
- Direkte Verbindung sensomotorischer und taktiler Empfindungen mit der auditiven Wahrnehmung des eigenen Klanges
Musikalische Zielsetzungen
Tonübungen dienen dazu, sich die musikalischen Parameter eines zu produzierenden klanglichen Ereignisses vor dessen Erklingen genau vorzustellen und dann das realisierte Resultat damit zu vergleichen bzw. mit der eigenen Vorstellung in Einklang zu bringen. Diese Übungen dienen der Pflege, Kontrolle und Verfeinerung folgender musikalischen Parameter:
- Unabhängigkeit von Artikulation, Intonation und Klangfarbe
- Differenzierungen der Artikulation
- Dynamische Schattierungen, Stufen und Entwicklungen und Tonführung
- Intonation
- Stabilität der Intonation bei unterschiedlichen dynamischen Stufen
- Harmonisch– funktionale Intonation (z.B. tiefe Durterzen, hohe Mollterzen)
Zielsetzungen der Körperarbeit
Bei den Tonübungen definiert sich die Körperarbeit durch das Training spezifischer Musizierbewegungen und Spielhaltung, allgemeine Körperhaltungen. Dies betrifft folgende Bereiche:
- Spielhaltung, allgemeine Körperhaltung
- Ansatz, Ansatzformung
- Atemstütze
- Ausformung der Mundhöhle
- Haltearbeit des Instrumentes
- Zungenform- und Bewegung
Mit wachsender Kontrolle der Bewegungsabläufe und Muskelspannungen in diesen Bereichen und mit zunehmender Fähigkeit zu entsprechender Koordination lassen sich die zuvor gefassten musikalischen Zielsetzungen umsetzen.
Tonübungen in der Unterrichtsliteratur
Tonübungen bzw. die Reduktion spieltechnischer Apekte auf auf die Tonproduktion finden sich bereits in den ersten Unterrichtswerken für Klarinette. So empfiehlt Amand Vanderhagen [1] nur langsame Stücke zu spielen, bis die Tonbildung gefestigt ist. Jean-Xavier Lefèvre[2] lässt seine Schüler zu Beginn des Studiums nur ausgehaltene Töne spielen. In jüngerer Zeit widmen sich z.B. Eva Wasserman-Margolis in ihrem Band Time for tone [3] oder Reiner Wehle in seinem ersten Band der Clarinet fundamentals [4] dem Thema der Tonbildung mit einer ausgehnten Sammlung von Tonbüngen.
Einzelnachweise
- Amand Vanderhagen: Méthode Nouvelle et Raisonnée pour la clarinette. Boyer, Paris, 1785
- Jean-Xavier Lefèvre: Méthode de clarinette adoptée par le conservatoire pour servir à l’étude dans cet établissement. Naderman, Paris 1802. Bayerische Staatsbibliothekdigital
- Eva Wasserman-Margolis: Time for tone: exercises to develop or enhance your clarinet tone. OR-TAV Music Publications, Israel 1997
- Reiner Wehle: Clarinet Fundamentals, Vol.1. Klangübungen und Artikulation. Schott. Mainz, New York, 2007