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Der Hochkamin der ehemaligen Weberei auf dem Töss Areal gehörte bis vor kurzem zum kommunalen Inventar der kunstund kulturhistorischen Objekte. Durch Beschluss des Gemeinderats wurde er nun aus dem Inventar teilweise entlassen.
Der Backsteinkamin auf dem Töss Areal in der Widen darf nach dem Gemeinderatsbeschluss vom 30. Mai abgebrochen werden. Der Hochkamin ist ein historischer Zeuge der Tösstaler Textilindustrie. Das zugehörige Gebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand ursprünglich als Spinnerei, wurde dann später zur Weberei umfunktioniert. Der Kamin gehörte zu den kohlebetriebenen Antriebssystemen der Manufaktur bis zu deren Schliessung im Jahr 1988.
Eigentümerin des Töss Areals ist die Probat Heizungssysteme AG, ein Baumer Familienunternehmen. Auf dem Areal stehen vier Gebäudeeinheiten, wobei das älteste Gebäude eine ehemalige Fabrik aus dem Jahr 1834 ist. Bis 1900 sind zwei weitere Liegenschaften dazugekommen, eine davon die Weberei mit dem Kamin. In den späten 1950er Jahren wurde das Areal mit einem zusätzlichen Lagerhaus auf die dreifache Grösse ausgebaut. Auch heute wird das Gebäude noch als Lager gebraucht. Seit der Schliessung der Weberei ist auf dem Töss Areal einiges geschehen. Die heruntergekommenen Liegenschaften wurden grösstenteils saniert. Bis 2014 war auf dem Areal ein Asylzentrum mit Platz für 130 Asylsuchende. Heute sind die meisten Räume vermietet. Noch ausstehend ist die Sanierung des Lagerhauses. Die Baubewilligung beinhaltet unter anderem 30 bis 40 Parkmöglichkeiten, welche auf 2019 geplant sind, und eine Attikawohnung. Aufgrund fehlender Nachfolge ist das Areal seit längerem zum Verkauf ausgeschrieben. Laut der Eigentümerin sei es von der Grösse her ideal für Handwerksbetriebe. Das ganze Areal könne sehr günstig gekauft werden. Falls das Interesse nur an einem Gebäude bestehen würde, zeige sie sich aber entgegenkommend. Auch für die Attikawohnung könnte Stockwerkeigentum vereinbart werden.
Die kleine Weberei mit dem Hochkamin sei allerdings längerfristig nicht zu erhalten. Sie sei zwar saniert aber in einem sehr schlechten Zustand und könne nur mit einem Ersatzbau gehalten werden. Die heutige Schräglage des rund 30 Meter hohen Kamins ist von Auge erkennbar. Von ihm geht erhebliche Einsturzgefahr aus. «Wir mussten eine Möglichkeit schaffen, dass gegen die Gefahr etwas gemacht werden kann», sagt Paul von Euw, Ressortvorsteher Hochbau und Liegenschaften der Gemeinde Bauma.
Unverhältnismässige Kosten
Ein grober Baumangel ist verantwortlich für den schiefen Kamin. Beim Bau verzichtete man auf Dehnungsfugen und hat die Steigeisen im Innern mit Zement eingemauert. Zement ist weder korrosionshemmend, noch dehnt er sich. «Solange die Kohlenkessel noch liefen, bestand kein Problem», sagt die Eigentümerin. Der Kamin leide aber seit der Ausserbetriebnahme 1988, als die Kohleheizung ausgebaut wurde. Durch den über die Jahre gebildeten Rost verzieht er sich.
Der Kamin war im kommunalen Inventar kunst- und kulturhistorischer Objekte vermerkt. Dadurch galt er zwar nicht als formell geschützt, sämtliche baulichen Massnahmen hätten aber in Absprache mit der Denkmalpflege vorgenommen werden müssen. Die Eigentümerin liess zusammen mit der zuständigen Behörde und einer externen Firma ein Gutachten über den Zustand des Kamins erstellen. Nach gründlicher Prüfung kam man zum Schluss, dass der Kamin durch die möglichen Massnahmen bei einer Sanierung kein Kulturgut mehr wäre, die kulturhistorische Substanz fiele weg. Um den Kamin zu sanieren, hätte er Stein für Stein abgetragen und komplett neu aufgebaut werden müssen. «Die Kosten dafür sind unverhältnismässig», sagt die Probat Heizungssysteme AG. Zu diesem Schluss kam auch die Gemeinde; der Kamin durfte aus dem Inventar entlassen werden. Der Abbruch ist auf nächstes Jahr geplant, im gleichen Zug wie die Erstellung der Parkplätze.