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Alex Wilson sprintet über 200 Meter zu EM-Bronze
Er hat geliefert! «Schnurri» Alex Wilson holt an den Europameisterschaften in Berlin mit neuem Schweizer Rekord über 200 Meter die Bronzemedaille.
Als Alex Wilson zum «SRF»-Interview vor die Kamera tritt, weiss er nicht so recht, ob er sich nun freuen oder ärgern soll. «Es ist etwas bitter», sagt er – wie immer mit einem Lachen auf den Lippen. «Ich hatte das Ziel, eine Medaille zu holen. Das habe ich geschafft. Aber ich habe Gold verloren.»
EM-Gold über 200 Meter holte sich der Türke Ramil Guliyev, der mit 19,76 Sekunden das Rennen klar dominierte. Verloren hat Wilson, der seinen Schweizer Rekord von 20,14 Sekunden um einen Zehntel auf 20,04 verbessert, eher die Silbermedaille. Diese varpasst der gebürtige Jamaikaner nur, weil er bei der Ziellinie die Brust weiter hinten hat als der Brite Nethaneel Mitchell-Blake, der am Ende nur wenige Tausendstel schneller ist als Wilson.
Dennoch kann sich der Schweizer über seine Medaille freuen. «Die Leute haben gesagt, ich sei ein Schnurri. Aber was wollen sie jetzt noch sagen? Ich habe eine Medaille nach Hause gebracht», sagt er. «Es ist mega geil!»
Wilson gewinnt als dritter Schweizer eine EM-Medaille über 200 m. 1969 in Athen hatte Philippe Clerc Gold gewonnen, 1978 in Prag lief Peter Muster zu Bronze.
Wechsel 2016 als entscheidendes Puzzleteil
Das entscheidende Puzzleteil für den Erfolg im Olympiastadion war der im Herbst 2016 vollzogene Wechsel in die Londoner Gruppe von Lloyd Cowan und Clarence Callender. In der englischen Hauptstadt lernte Wilson, an die Grenzen zu gehen. Er war es sich nicht gewohnt, dermassen hart zu arbeiten. Manchmal machte er an einem Tag mehr Sprints als zuvor in einer ganzen Woche. Das Trainingsprogramm beinhaltet auch Dauerläufe über fünf Kilometer oder Yoga. Ausserdem gehört ein Ernährungsberater zum Staff. Wilson, der das Leben gerne geniesst, musste einige Kilogramm abnehmen. Immer wieder fragte er sich, ob sich die ganze Quälerei lohnt.
Doch er blieb dran, auch weil sich die Erfolge rasch einstellten. Ende Mai 2017 gelang ihm in Weinheim mit 10,11 Sekunden der noch heute gültige Schweizer Rekord über 100 m. Am gleichen Tag erzielte er mit 20,37 Sekunden über 200 m ebenfalls eine nationale Bestmarke. Danach ging es aber bergab. Am wichtigsten Wettkampf der Saison, den Weltmeisterschaften in London, überzeugte er einmal mehr nicht.
Der Plan war aber ohnehin auf zwei Jahre ausgerichtet. Und tatsächlich ist in diesem Jahr ein anderer Alex Wilson zu sehen, insbesondere über 200 m, also jener Disziplin, auf die das Hauptaugenmerk gelegt wurde. Die 20,04 Sekunden waren Wilsons fünfter Schweizer Rekord über die halbe Bahnrunde 2018, das unterstreicht, mit welcher Konstanz er mittlerweile läuft.
Wilson, der seit 2010 den roten Pass besitzt, hat keinen einfachen Weg hinter sich. Mit 15 Jahren zog er aus Jamaika in die Schweiz, da seine Mutter einen Schweizer geheiratet hatte. Er sprach kein Wort Deutsch, hatte Mühe mit der hiesigen Kultur und verspürte grosses Heimweh. Als er damals im Dezember ankam, sah er zum ersten Mal Schnee. Sehr hilfreich war, dass eine Lehrerin sein grosses Sprinttalent erkannte und ihn zu den Old Boys Basel ins Training schickte. Die Leichtathletik gab Wilson Halt. Und nun hat sich die ganze Schinderei ausbezahlt.Zurück zur Startseite