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Johann Jacob Spreng d.Ä.
Basel, wohl 1709
Kupferstich, Brokatpapier
H. 18,5–19 cm, B. 26,6–27,2 cm
Inv. 1893.87.
Inv. 1874.61.1.–2.
Höfliche Briefe in schöner Form
«Der Lehr=begihrigen lieben Jugend zu Nutz» hat, wie es im Titel heisst, der Basler Schreibmeister Johann Jacob Spreng eine Sammlung von Schreibvorlagen herausgegeben. Das in Brokatpapier gebundene, zwanzig Tafeln umfassende Werk enthält Buchstabentabellen der unterschiedlichen gebräuchlichen Schriftarten: deutsche und lateinische Kursivschrift, Kanzlei- und Frakturschrift und kalligraphisch ausgezierte Grossbuchstaben, die in charakteristischen Textbeispielen angewendet werden. Vorherrschend ist die deutsche Current- (Schreib-)schrift, in der auch die sechs Formbriefe aus dem familiären Kontext geschrieben sind. In ihnen wird deutlich, dass dieses Buch auch dem Aneignen eines höflichen und den Normen entsprechenden Briefstils diente. Kindliche Dankbarkeit gegenüber den Eltern und Gott sowie förmlich geäusserte Gesundheitswünsche sind feste Bestandteile der abgedruckten Formbriefe. Höfliche Neujahrsbotschaften oder die Nachricht von der sicheren Ankunft am Reiseziel stellen Inhalte dar, die den Bedürfnissen der Heranwachsenden entsprachen.
Für moralisierende Sinnsprüche wählte man Fraktur- oder Kanzleischrift mit ihrem stärker repräsentativen Charakter und kalligraphischer Ausschmückung.
Die später so wichtig werdenden lateinischen Schriften finden sich nur auf drei Tafeln und ausschliesslich im Zusammenhang lateinischer Texte. Insgesamt ist in diesem Werk die kalligraphische Ausschmückung der Buchstaben recht zurückhaltend; praktische Überlegungen stehen im Vordergrund.
Johann Jakob Spreng leitete von 1692 an fünfzig Jahre den Schreibunterricht in der Schreib- und Rechenschule am Basler Gymnasium, die eine Ausbildung ohne Latein vorsah und eine Vorgängerin der 1817 gegründeten Realschule war. Eigenständiges Schreiben und Formulieren, Lesen nicht nur von gedruckten, sondern auch von geschriebenen Texten und die vier Grundrechenarten gehörten zu den Lernzielen. Von seinem Unterricht profitierten «sonderlich die Handwerksleut, die in Ausfertigung ihrer Conti Herrn Sprengen Hand meistens nachmachen», wie es in einer Quelle von 1719 heisst. Sein Ruhm und die Wirkung seiner Schreibvorlagen hielten in Basel lange an: Eines der drei Exemplare in der Sammlung des Museums trägt eine Besitzerinschrift aus dem Jahre 1771.