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Ich bin dem Zürcher Talent-Tauschnetz give&get beigetreten. Das posaune ich auf Twitter heraus und so ergibt sich der folgende Dialog mit Gitte von der Himbeerwerft:
Ich bin einem Talent-Tauschnetz beigetreten. Werde berichten!
— Frau Momo (@frau_momo) 20. Januar 2016
@frau_momo jetzt hab ich kurz gedacht, da werden Talente getauscht, also so richtig! 🙂
— Gitte Härter (@Himbeerwerft) 20. Januar 2016
@Himbeerwerft Und wenn es so wäre … was würdest du in den Ring werfen? Auf welches Talent wärest du aus?
— Frau Momo (@frau_momo) 20. Januar 2016
@frau_momo Das wollte ich beantworten, aber es ist zu komplex, besonders das Hergeben. Wollen wir nachdenken + drüber bloggen?
— Gitte Härter (@Himbeerwerft) 20. Januar 2016
Also denke ich nach.
Zunächst gilt es der Aufgabe eine Struktur zu verleihen. Während eines Frühstücks überlege ich mir die folgenden Fragen:
- Was ist ein Talent?
- Habe ich ein Talent?
- Wie fühlt es sich an, mit diesem Talent zu leben?
- Wie wäre mein Leben ohne dieses Talent?
- Welches Talent würde ich gerne haben?
- Wie wäre mein Leben mit diesem (neuen) Talent?
- Fazit: Würde ich mein Talent tauschen – in echt und für immer?
1. Was ist ein Talent?
Wikipedia spricht von einer überdurchschnittlichen Begabung beziehungsweise von einer besonderen Leistungsvoraussetzung einer Person auf einem bestimmten Gebiet.
Oh je. Da fängt das Dilemma an. Wie kann ich mich bitteschön hinstellen und behaupten, ich verfüge über eine überdurchschnittliche Fähigkeit? Vor allem: Dazu müsste ich wissen, wie der Durchschnitt aussieht.
Also mache ich einen Kunstgriff: Als Talent sei hier eine Fähigkeit beschrieben, die es mir ermöglicht, mit verhältnismäßig großer Leichtigkeit eine bestimmte Leistung auf einen bestimmten Gebiet zu erbringen.
2. Habe ich ein Talent?
Ich habe mehre Talente. *freu*
In diesem Beitrag will ich exemplarisch eine Begabung von mir heraus greifen: Ich kann gut strukturieren. Und ich mache es gerne. Gib mir einen Kübel unsortierter Informationen und ich bringe sie in eine Struktur. Gib mir ein großes Knäuel Chaos und ich drösel es geduldig und mit Freude auf – und bringe zusätzlich noch System in das Ganze.
Im Alltag schreibe ich alle Einfälle zunächst in mein Superbuch, um sie dann später in Texte, To-Do-Listen und dergleichen zu überführen. In neuen Situationen halte ich mich zurück, verschaffe mir einen Überblick. Eine Aufgabe, die ich bearbeite, ist optimaler Weise eingebettet in einen größeren, für mich erkennbaren und nachvollziehbaren Rahmen. Ich halte mich gerne an Abläufe und erlerne sie schnell. Bei vielen Dingen halte ich automatisch und parallel zum Geschehen nach zugrundeliegenden Mustern Ausschau. Die Farbnäpfe im Malatelier sortiere ich farblich.
3. Wie fühlt es sich an, mit diesem Talent zu leben?
Meine Fähigkeit zu strukturieren fühlt sich wie eine natürliche Kompetenz an. Über das, was ich tue, muss ich nicht groß nachdenken, es fällt mir leicht. (Was ein Lernpotential nicht ausschließt).
Da ist gleichzeitig eine andere Qualität. Komplexität zu reduzieren ist ein Weg, um mit meiner Hochsensibilität umzugehen. Da ich die ganzen Informationen, die auf mich einströmen, nicht hinreichend filtern kann, kanalisiere und sortiere ich sie. Damit versuche ich „Herrin der Lage“ zu sein in einer Welt, die sich mir als chaotisch und unübersichtlich präsentiert. In einigen Situationen klappt das hervorragend, in anderen Situationen hänge ich mich an der Reizüberflutung auf. Ich merke, dass ich deshalb an dieser Fähigkeit festhalte – weil sie wichtig für mich ist.
4. Wie wäre mein Leben ohne dieses Talent?
In jedem Fall chaotischer und – von meinem Standpunkt aus – viel unübersichtlicher. Ob mein Leben objektiv unübersichtlicher wäre, das überlasse ich jetzt den Super-Denkern unter euch.
Im Alltag würde ich das tun, was mir gerade in den Sinn kommt. Vermutlich würde ich mich mehr auf intuitive Weise auf Situationen einlassen – ohne diese Systematisierungs- und Sortierungsgedanken, die bei mir stets parallel im Hinterkopf mitlaufen.
Ich wäre „Lost in Moment“.
Ich hätte, zurückblickend gesehen, bestimmte Aufgaben nicht bewältigt. Ich denke dabei an bestimmte Datenauswertungen in Excel, für die ich verantwortlich war. An andere Aufgaben wäre ich mit einer anderen Herangehensweise heran gegangen – ohne sagen zu können, ob ich sie damit besser oder schlechter gelöst hätte.
Die Antworten hauen mich gerade um. Ich merke, wie tief ich mit meinem Können identifiziert bin. Stelle fest, dass mir ein anderes In-der-Welt-sein entgeht, das sich im Gedankenexperiment interessant anfühlt.
5. Welches Talent würde ich gerne haben?
Ich würde gerne Bildhauen können. Das ist eine immense Herausforderung, aus einem Klumpen Stein oder einem Stück Holz eine Skulptur heraus zu arbeiten. Es braucht jede Menge handwerkliches Geschick, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Mut – denn was man einmal abschlägt oder abfeilt hat, ist ab.
6. Wie wäre mein Leben mit diesem (neuen) Talent?
Hm. Gesegnet mit einem besseren räumlichen Vorstellungsvermögen könnte ich besser einparken. Meine Einkaufstaschen & Koffer würde ich geschickter packen (Ich hätte allerdings weder Einkaufsliste noch Packliste für den Koffer). Und mit handwerklichen Geschick würde ich Heimwerker-Tätigkeiten für meine Wohnung nicht mehr vor mir herschieben. (Meine Räume wären dann vermutlich aber nicht mehr so aufgeräumt und übersichtlich).
Vor allem würde ich Skulpturen herstellen! Skulpturen aus Holz, die man gerne anfasst, über die man gerne mit den Händen drüber gleitet. Die eine Freude für’s Auge sind. Stunden, ach was, Tage in meinem Atelier verbringen und mich körperlich verausgaben.
7. Fazit: Würde ich mein Talent tauschen – in echt und für immer?
Puh.
Ich bin verblüfft, wie eng ein besonderes Können mit Identität zusammen hängt. Eigentlich klar – ich hatte mir vor diesem Blogbeitrag keine großen Gedanken darum gemacht. Ich bin die, die voll gut …. kann. Und ich bin die, die nicht gut … kann. Unsere Begabung machen wir oft zum Beruf oder zum professionellen Hobby.
Aber dieses „Ich kann gut dies & das“ ist immer eine Geschichte, eine Story über sich selbst, die man mit sich herum trägt und wiederholt präsentiert. Das impliziert Einschränkungen.
Ich hätte gerne eine kurze, klar begrenzte Schnupperzeit in Sachen „Talenttausch“.
Mich reizt es, ganz andere Erfahrungen zu machen und zu schauen, was diese mit mir und meinem Leben machen. Auf der anderen Seite frage ich mich, wie ich dann mit meiner Hochsensibilität umgehe, ob mich die Komplexität einer Situation nicht umhauen würde.
Ich habe mein Strukturierungs-Talent jetzt exemplarisch heraus gegriffen. Ich frage mich, ob Begabungen generell eine so wichtige Funktion im Leben einnehmen, dass wir an ihnen auch festhalten.
Ich nehme dieses kleine Denk-Experiment als Anreiz, mich mehr im Modelling zu probieren. Grundlage des Modellierens ist die Fähigkeit, sich möglichst präzise in die subjektive Erlebenswelt des anderen Menschen hineinversetzen zu können. Das kann man auch mit Talenten machen. Wie ist es, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen zu haben? Wie fühlt es sich an, große Skulpturen zu schaffen? Dabei gewinnt man Informationen, die relevant sind, um zu verstehen, wie der andere sein inneres Erleben organisiert und aufrecht erhält.
Und dies ist der Beitrag von Gitte: Talent tauschen