Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03543.jsonl.gz/1870

Täglich ein Liter Speichel, zwei Liter Magensaft, zehntausend Liter Luft: Ein stinknormaler Schweizer zu sein, macht ganz schön Arbeit.
Die Statistik sagt: Der Schweizer besteht zu 60 Prozent aus Wasser und nur zu 40 Prozent aus fester Substanz. Bei der Schweizerin liegt der Wassergehalt niedriger, der Fettanteil höher, der Rundungen wegen. Bei Männern wie Frauen sorgen 400 Muskeln dafür, dass sich die 215 Knochen des Skeletts in Bewegung versetzen. Die Muskelarbeit wiederum wird von hauchdünnen Nervenfasern gesteuert, die den Körper auf einer Gesamtlänge von 400 000 Kilometern durchziehen - das entspricht der Strecke von der Erde zum Mond.
Das Wunderwerk des menschlichen Leibes wiegt beim Schweizer 76,7 Kilogramm, misst 1,76 Meter und lebt 77,8 Jahre lang. Die Schweizerin dagegen ist 62,7 Kilo schwer, 1,64 gross und kann mit 83 Lebensjahren rechnen. Allerdings verschlafen die Schweizer fast einen Drittel ihrer Zeit, nämlich rund sieben Stunden pro Tag.
Indes: Auch ein durchschnittliches Leben ist noch längst nicht bequem. Zumindest biologisch betrachtet, kommt es einer wahren Sisyphusarbeit gleich, als Mensch im Bereich des Normalen zu bleiben. Denn ständig verliert der Organismus Wärme und verbraucht Kalorien, der Blutdruck darf nicht zu tief und nicht zu hoch sein, das Herz weder zu langsam noch zu schnell schlagen. Zahlreiche physiologische Steuermechanismen müssen daher dafür sorgen, dass der Körper einen regelrechten Betrieb aufrechterhält. Homöostase nennen Mediziner diese Normkonstanz.
Ein Hauptproblem dabei ist der Nahrungsnachschub.
So verzehrt ein typischer Europäer während seiner Lebenszeit 3 Rinder, 10 Schweine, je 2 Kälber und Schafe, einige 100 Hühner, etwa 2000 Fische, 10 000 Eier, 1000 Kilo Käse, 100 Säcke Kartoffeln, 5000 Brote und 6000 Stück Butter.
Um sich diese Kost einzuverleiben, schluckt ein Mensch beim Essen 200-mal jeden Tag. Zunächst wird die Nahrung eingespeichelt. Einen Liter Speichel, in dem bereits antibakterielle und Verdauungsenzyme enthalten sind, sondern die Speicheldrüsen eines Erwachsenen täglich ab.
Zum Vergleich: Bei heureicher Fütterung produziert ein Rind 150 Liter Speichel pro Tag.
Ist der Kauvorgang beendet, wandern die Speisen die Speiseröhre hinab. Ein fester Bissen braucht immerhin zehn Sekunden, bis er im Magen ankommt. Dort sowie im anschliessenden Dünndarm verweilt die Nahrung jeweils einige Stunden, im Dickdarm bei faserarmer Kost manchmal einige Tage, im Mastdarm, dem letzten Darmabschnitt vor dem After, dagegen nur wenige Sekunden. Damit die Nahrung bei ihrer Passage auch tatsächlich verdaut wird, bilden Magen und Darm jeden Tag einen ganzen Eimer voll Verdauungssaft. Besonders wichtig sind die zwei Liter Magensekret, der halbe Liter Galle und die anderthalb Liter des enzymreichen Bauchspeichels, der die Nährstoffe in seine Einzelbestandteile aufspaltet.
Ähnlich ausgetüftelt wie die Verdauung der Speisen ist ihre Verwertung im Körper. So fordert jedes Organ für seinen Normbetrieb einen bestimmten Anteil der Nahrungsenergie. Insgesamt verbraucht ein Mensch bei typischer Bürotätigkeit so viel Energie wie eine Glühbirne, nämlich rund 100 Watt. Dabei entfallen allerdings nur 20 Watt auf die Leistung des Gehirns, dagegen 25 Watt auf die Arbeit der Muskeln und noch einmal so viel auf die Leber - sie ist mit einer durchschnittlichen Temperatur von 41,3 Grad das wärmste und biochemisch aktivste Organ.
Unter den übrigen Organen besitzen vor allem die Nieren und das Herz eine energieintensive Funktion. So verfeuert das Herz, schon wenn man ruhig sitzt, einen Zehntel der gesamten Nahrungskalorien. Jeden Tag schlägt es im Schnitt 100 000-mal und pumpt dabei 7000 Liter Blut in den Körperkreislauf. Damit das Blut ausreichend mit Sauerstoff gesättigt bleibt, atmet ein Erwachsener täglich 10 000 Liter Luft ein und wieder aus.
Doch ist es nicht allein der Bedarf an Nahrungsenergie, der den Menschen zwingt zu essen. Vielmehr braucht der Organismus auch neue Baustoffe, um seine ständigen Gewebeverluste auszugleichen.
Anders ausgedrückt: Das Leben bringt einen gewissen Körperabrieb mit sich. So verliert der durchschnittliche Schweizer täglich 90 Haare, einen halben Liter Schweiss sowie zehn Gramm Hautschuppen. Tatsächlich wird die oberste Schicht der Haut innerhalb von nur vier Wochen komplett durch nachwachsende Zellen ersetzt.
Noch schneller vollzieht sich der Mauserungsprozess an der Schleimhaut des Dünndarms: Sie erneuert sich alle zwei Tage. Das abgestossene Gewebe wird dann gemeinsam mit Darmbakterien und Nahrungsresten über den Stuhl ausgeschieden, wobei die tägliche Stuhlmenge bei ausgewogener europäischer Kost im Mittel 124 Gramm beträgt. Hinzu kommen noch 600 Milliliter Darmgase. Über den Tag verteilt, stösst sie der Durchschnittserwachsene in 15 Portionen à 40 Milliliter aus - das entspricht jeweils einem doppelten Whisky.