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Mythos Eiger
Man darf ohne zu übertreiben behaupten, der 3970 Meter hohe Eiger gehöre zu den berühmtesten Bergen der Welt. Dazu haben ihn die Ereignisse gemacht, die sich an seiner Nordwand abspielten.
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Unter den Talbewohnern und den Pionieren des Alpinismus galt die Besteigung des Eigers lange als unmöglich. Diese Ansicht widerlegte 1858 der Ire Charles Barrington. Die damals schon sehr bekannten Grindelwalder Bergführer Christian Almer und Peter Bohren liessen sich von ihm zu einem Versuch bewegen. Er ging von der Wengernalp aus und führte ohne wesentliche Schwierigkeiten auf den Gipfel und zurück zur Scheidegg. Damit war des Eigers Nimbus der Unbesteigbarkeit völlig undramatisch zerstört.
Jetzt war der Bann gebrochen. In den folgenden Jahrzehnten wurden alle Grate begangen und alle Punkte bestiegen, die als kleinere selbstständige Gipfel gelten können. Was der Eiger bei der Erstbesteigung an Widerstand hatte vermissen lassen, holte er nach, als der Nordost- oder Mittellegigrat, der kühnste der Eigergrate, angegangen wurde. Einen ersten Versuch gab es schon 1874 und dann viele weitere, die alle scheiterten. Erst 1921 glückte dann der Aufstieg der drei Grindelwalder Bergführer Fritz Amatter, Fritz Steuri und Samuel Brawand zusammen mit dem ersten professionellen Bergsteiger Japans, Yuko Maki.
Für die Bergsteigergeneration, die auf die Zeit der alpinen Erschliessung folgte, waren am Eiger noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Den gewaltigen Nordabstürzen der Berner Alpenkette – vom Eiger bis zum Lauterbrunner Breithorn – widmeten sich besonders zwei Männer: der Deutsche Willi Welzenbach und der Schweizer Hans Lauper. Dieser beging 1932 mit Alfred Zürcher und den Führern Alexander Graven und Joseph Knubel den östlichen Teil der Eigernordseite, den heute als Lauperroute bekannten Aufstieg. 1935 setzten dann die Versuche an der eigentlichen Nordwand ein, die für Steinschlag und Wetterumstürze bekannt – und berüchtigt – ist.
Dramatik an der Nordwand
«Wenn die Wand zu machen ist, machen wir sie – oder bleiben drin!» Diese Aussage von Edi Rainer und Willy Angerer bewahrheitete sich auf tragische Weise für die beiden – sie blieben 1936 drin. Dies wurde das wohl meistbeachtete Drama der Eigernordwand. Die Regierung des Kantons Bern erliess drei Tage danach ein Besteigungsverbot und hob es im gleichen Jahr wieder auf. Die alpinen Rettungsstationen wurden aber von ihrer Pflicht entbunden, an der Eigernordwand Hilfe zu leisten.
Die Erstbegehung gelang schliesslich Andreas Heckmair, Ludwig Vörg, Fritz Kasparek und Heinrich Harrer vom 21. bis 24. Juli 1938 – in ursprünglich zwei getrennten Seilschaften, die sich nach einer Lawine, die sie überlebt hatten, zusammenschlossen. 2008 stellte der einheimische Profibergsteiger Ueli Steck einen Speedrekord auf und durchstieg die Wand in 2 Stunden und 47 Minuten.
Chronik der Besteigung des Eigers
|1858||24. Juli 1938 – in ursprünglich zwei getrennten Seilschaften, die sich nach einer Lawine, die sie überlebt hatten, zusammenschlossen. 2008 stellte der einheimische Profibergsteiger Ueli Steck einen Speedrekord auf und durchstieg die Wand in 2 Stunden und 47 Minuten.|
|1864||Erste Frau auf dem Gipfel des Eigers (Lucy Walker)|
|1921||Erstbesteigung des Mittellegigrates (Yuko Maki, Fritz Amatter, Fritz Steuri, Samuel Brawand)|
|1932||Eröffnung der 1700 Meter hohen Lauperroute über die Nord-Ostwand (Hans Lauper, Alfred Zürcher, Alexander Graven, Joseph Knubel)|
|1935||Erster ernsthafter Versuch zur Durchsteigung der Eigernordwand (Max Sedlmayr und Karl Mehringer erfrieren)|
|1936||Die Deutschen Andreas Hinterstoisser und Toni Kurz und die Österreicher Willi Angerer und Edi Rainer steigen am 18. Juli getrennt in die Nordwand ein, schliessen sich später zu einer Seilschaft zusammen. Der Rückzug wegen Unwettern missglückt, drei Bergsteiger sterben am 21. Juli. Am darauffolgenden Tag stirbt auch Toni Kurz, der unerreichbar im Seil hängend vor den Augen der Helfer, die ihn vom Stollenloch aus retten wollen, stirbt.|
|1938||Erste geglückte Durchsteigung der Eigernordwand (Anderl Heckmair, Ludwig Vörg, Fritz Kasparek, Heinrich Harrer)|
|1963||Erste Alleinbegehung der Eigernordwand (Michel Darbellay)|
|2008||Speedrekord für die Durchsteigung der Eigernordwand (Ueli Steck) Besteigung des Eigers via Mittellegigrat (Nordostgrat)|
Das Hotel Victoria-Lauberhorn zeigt den Kinohit «Nordwand» (Regie: Philipp Stölzl), die Verfilmung des Bergsteigerdramas der Vierer-Seilschaft mit Toni Kurz, wöchentlich auf Grossleinwand auf der Hotelveranda.