Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03323.jsonl.gz/274

Es war einmal ein Märchenstück, das hiess Der Drache und handelt vom Schrecken der Diktatur, verkörpert durch einen furchtbaren Drachen. Aufgeführt wurde es 1965 in Ostberlin im Glanze des Deutschen Theaters, des ersten Staatstheaters der DDR. Warum durfte das Antidiktaturstück hier gespielt werden? Warum wurde es nicht sofort verboten von jenem Staat, der sich darin kritisiert sehen konnte? Was sich hinter dem Eisernen Vorhang abspielte, erscheint als ein Rätsel und als ein irritierendes Zwischenspiel zwischen Akteuren des Staats und demjenigen des Theaters.
Die vorliegende politische Aufführungsgeschichte rekonstruiert die politischen Hintergründe, die für das Entstehen und Bestehen dieses Schauspiels bedeutsam waren. Die Inszenierung wurde zur berühmtesten Theaterproduktion der DDR und hielt sich sechzehn Jahre auf der Bühne. Ihre Geschichte widerspiegelt das Verhältnis der DDR zu einem Stoff, der für sie ebenso zentral wie ambivalent war.
´Ein Staat spiegelt sich in einer Theaterinszenierung. Nur selten gelingt es Historikern und Theaterhistorikern, anhand eines Einzelfalls eine solche Breite von gesellschaftlichen Bezügen herzustellen und ein politisches System so wirksam zu durchleuchten, wie es in dieser Dissertation geschieht.´
Prof. Andreas Kotte, Direktor des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Bern
Portrait
Christian Mächler
ist Theaterwissenschaftler. Er forscht als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule der Künste in Bern und lehrt an verschiedenen Universitäten.