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- Don-Alvin Adegeest |
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Die Laufstegsaison hat begonnen, und die New Yorker Modewoche ist in vollem Gange. Doch fehlen auch in dieser Saison einige feste Größen auf dem Programm, sodass sich die Frage stellt: Ist eine Modenschau noch zeitgemäß?
Bemerkenswert ist dabei die Abwesenheit von Ralph Lauren in dieser Saison, der weder auf dem offiziellen Programm steht noch anderswo eine Laufsteg-Show zu veranstalten scheint. Fest in die Wurzeln der amerikanischen Mode eingebettet, bleibt Lauren als Marke ein zentraler Bestandteil von dieser. Seine Abwesenheit auf der NYFW stellt die Relevanz der Präsentationen an der Ostküste in Frage, wenn viele US-Marken nach Paris, Los Angeles, oder in die sozialen Medien abwandern, um ihre Kollektionen zu präsentieren.
Der New Yorker Schauenkalender ist auffallend lückenhaft, es fehlen wichtige Designer wie Tom Ford, der derzeitige Vorsitzende des CFDA, der sich dafür entschieden hat, in Los Angeles zu zeigen, und Tommy Hilfiger, der seine Kollektion in London präsentieren wird. Hilfiger setzt auf eine globale Tour de Force, bei der er seine Mode in verschiedenen Städten inszeniert und ist nicht mehr Bestandteil der New Yorker Modewoche. Maria Cornejo, die chilenische Designerin, die mit ihren Kollektionen eine frische Brise inmitten einer trägen Modewoche ist, hat ihre Show abgesagt. Ebenso wie St. John und Jeremy Scott.
Während der New Yorker Schauenplan viele seiner üblichen Designer wie Proenza Schouler, The Row, Carolina Herrera, Brandon Maxwell, Tibi und Michael Kors beibehalten hat, sind es „die wirtschaftlichen, kulturellen und technologischen Bedingungen, die die Zelte im Bryant Park zu einem pulsierenden Zentrum der US-Mode gemacht haben, die es heute nicht mehr gibt“, schrieb jüngstens Vogue Business. Die amerikanische Mode ist heute viel mehr als New York und seine Laufstege.
Einkäufer nehmen nicht mehr an Schauen teil
In New York, wie auch in Paris und London, sind die Einkäufer bei den Präsentationen weitgehend abwesend. Stattdessen besuchen sie die Showrooms und die Orte, an denen Designer und Großhandelsagenturen ihre Kollektionen präsentieren, um sie zu sehen und zu kaufen. Instagram und andere Mode-Apps übertragen Laufstege per Livestream, so dass die Notwendigkeit, die Shows persönlich zu sehen und die Entscheidungen vor Ort zu fällen, nicht mehr gegeben ist.
Das Kerngeschäft des Einkaufs findet außerhalb der Modewoche statt
Im Zeitalter des See-now-buy-now haben viele Kaufhäuser und Boutiquen ein größeres Budget für die Pre-Collectiones, die zwischen November und Januar verkauft und Monate vor dem Erscheinen der Hauptsaison im Herbst an die Geschäfte geliefert werden. Die Laufstegsaison mag den sichtbaren Trend und die allgemeine Richtung vorgeben, aber für viele Käufer findet das Kerngeschäft Mode bereits Wochen vorher statt.
Die Modewoche scheint sich zu einem überholten Handelsevent für eine Branche entwickelt zu haben, die sich längst weiterentwickelt hat. Für aufstrebende Designer und Start-ups gibt es eine Vielzahl von kostengünstigeren Möglichkeiten, eine Marke zu vermarkten, dazu gehören keine Laufsteg-Präsentationen. Laut Vogue Business „ist der Monat der Reise zu weltweiten Modewochen nicht nachhaltig, und New York hat die schwächste Position unter den Big Four."
Eine Laufsteg-Show schlägt leicht mit über 200.000 US-Dollar zu Buche, aber der Ertrag auf das Investment ist schwer zu quantifizieren. Bloomberg sagte in einem vor genau zwei Jahren veröffentlichten Artikel, dass die Mode einfach ihre Anziehungskraft verloren hat und die Amerikaner immer weniger für Kleidung ausgeben. Warum ein Vermögen für ein Designerkleid ausgeben, wenn man für die gleichen Kosten ein Wochenende im Ausland verbringen kann?
Gestorben und wiederauferstanden
Die Modewoche wurde schon unzählige Male für tot, im Sterben liegend und wiederauferstanden erklärt. Ihre Sinnhaftigkeit wurde entweder bekräftigt oder ihr abgesprochen, je nachdem, wen man fragt. Sicher ist, dass der traditionelle Modezyklus im digitalen Zeitalter der Unmittelbarkeit nicht mehr existiert. Die Idee, Wintermäntel im Hochsommer und Riemchensandalen im eiskalten Februar zu kaufen, ist nur ein Beispiel für ein verzerrtes System.
Die New Yorker Modewoche ist eher eine Marketingübung für Marken, die sich die Kosten dafür leisten können. Das mediale Aufsehen steigert die Verkäufe über die Bekleidung hinaus, Parfüm- und Accessoiresverkäufe profitieren davon, oder es lockt Partnerschaften mit anderen Unternehmen an, die eine Laufsteg-Show als Maßstab für Erfolg ansehen.
Einerseits fühlen sich die Laufstege bei den Modewochen für die Designer oft wie öffentliche Enthüllungen an, die den Höhepunkt ihrer Arbeit markieren, die in eine Kollektion eingeflossen ist. Andererseits andere ist der Laufsteg heute nicht mehr das einzige Medium, auf sich Modelabel sehen lassen können.
Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ
Bilder: Sankuanz AW20/21, Catwalkimages