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Grouchy
(spr. gruschi), Emanuel, Graf von, Marschall von Frankreich, geb. zu Paris, [* 2] betrat in seinem 14. Jahr die kriegerische Laufbahn und war in seinem 19. bereits Kapitän bei der königlichen Leibgarde. Beim Ausbruch der Revolution schloß er sich der liberalen Partei an, befehligte 1793 die Kavallerie der Alpenarmee, wurde 1795 Divisionsgeneral und Chef des Generalstabs bei der Westarmee, kommandierte 1798 unter Joubert in Piemont, schlug dann den General Bellegarde bei Tortona, ward aber bei Novi schwer verwundet und gefangen.
Nach seiner Befreiung (1799) befehligte er anfangs in Graubünden, ging dann zu Moreaus Armee in Deutschland [* 3] und hatte entscheidenden Anteil an der Schlacht bei Hohenlinden. Auch den Feldzügen von 1806 und 1807 wohnte er mit Auszeichnung bei, begab sich 1808 auf kurze Zeit nach Spanien [* 4] und kommandierte in dem Feldzug von 1809 bei Wagram [* 5] die gesamte Reiterei mit solcher Geschicklichkeit, daß ihn Napoleon I. zum Großoffizier des Reichs und Generalobersten der Jäger ernannte. 1812 führte er erst ein Hauptkorps der Reiterei, sodann das aus Offizieren zu Napoleons persönlichem Schutz gebildete Bataillon sacré, nahm aber 1813 seine Entlassung, als ihm der Kaiser seine Bitte um das Kommando eines Armeekorps abschlug.
Als die Alliierten 1814 den Rhein überschritten hatten, erhielt er den Oberbefehl über die Kavallerie, focht rühmlich bei La Rothière, Troyes, Joinvilliers etc. und ward bei Craonne schwer verwundet. Bei der ersten Restauration wurde er verbannt, aber schon im Januar 1815 wieder zurückberufen. Als Napoleon von der Insel Elba zurückkehrte, trat er sogleich zu ihm über, schlug im Süden mehrere königliche Truppenkorps unter dem Herzog von Angoulême und wurde dafür zum Marschall und Befehlshaber der gesamten Kavallerie der Hauptarmee ernannt.
Nach der
Schlacht bei
Ligny erhielt
er den Befehl, mit 35,000 Mann und 100
Kanonen die preußische
Armee zu
verfolgen. Am 18. Juni stieß er bei
Wavre auf das preußische
Korps v.
Thielmann, das er, dem ausdrücklichen Befehl des
Kaisers
buchstäblich folgend, angriff. Daß er nicht auf den Kanonendonner von
Waterloo,
[* 6] wie seine
Generale rieten,
Napoleon dorthin zu
Hilfe eilte, machte ihm dieser zum schweren Vorwurf und schob ihm ungerechterweise die
Schuld an der
Niederlage
zu. Von
Wavre zog
Grouchy sich auf
Namur
[* 7] zurück.
Nach der Abdankung des Kaisers proklamierte er Napoleon II., versuchte als Oberbefehlshaber sämtlicher Armeekorps die Alliierten vergebens von Paris abzuhalten und trat dann den Marsch nach Paris an. Nach der Einnahme der Hauptstadt ging er als Verbannter nach Nordamerika, [* 8] erhielt aber 1819 die Erlaubnis zur Rückkehr. Nach der Julirevolution trat er als Deputierter in die Kammer, ward 1831 als Marschall bestätigt, 1832 zum Pair erhoben und starb in St.-Etienne.
Vgl. die von seinem Enkel herausgegebenen
»Mémoires du maréchal de
Grouchy« (Par. 1873 bis 1874, 5 Bde.).