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Vergangenen Montag erklang in Nussbaumen ein Stück englischer Weihnachtstradition: Der English Carol Choir lud unter der Leitung seines Dirigenten Georg Masanz zum jährlichen Christmas Carol Service. Wer ein gemeinsames Singen von Adventsliedern oder ein Konzert erwartete, merkte rasch, dass es sich beim Carol Service um einen eigentlichen Gottesdienst handelt, geleitet von Reverend Jackie Sellin der anglikanischen Kirche St. Andrew’s in Zürich.
Die traditionellen britischen Carol Services finden in den Wochen vor Weihnachten überall in Grossbritannien und Irland statt. Sie gehören auch zum Alltag von Schulen, welche mehrheitlich an dieser Tradition festhalten. Bei dieser Art des Gottesdienstes wechseln sich das Vorlesen der sogenannten «Lessons» mit dem Singen von Christmas Carols ab. Die «Lessons» sind Passagen aus der Bibel und erzählen die Weihnachtsgeschichte. Die Carols werden je nach Programm vom Chor allein oder zusammen mit der Gemeinde gesungen, wobei nahezu immer das Lied «Once in Royal David’s City» den Anfang macht.
Ein Chor mit langer Tradition
Der English Carol Choir bestreitet den Carol Service in Nussbaumen seit fast vierzig Jahren. Damals gab es einen Aufruf in der Zeitung der «English Clubs», um Sängerinnen und Sänger für einen Chor für englische Weihnachtslieder zu finden. Mit zwölf musikbegeisterten Frauen und Männern fand 1983 der erste «Christmas Carol Service» in der reformierten Kirche Nussbaumen statt. Heute hat sich die Zahl der Sängerinnen und Sänger verdreifacht. Geprobt wird immer von September bis Dezember; der English Carol Choir ist somit ein Projektchor, welcher während des restlichen Jahres keine Proben oder Konzerte hat.
Seit 2015 führt Georg Masanz den Chor. Er ist Organist und hat den Chor bereits zuvor regelmässig mit der Orgel begleitet. Im diesjährigen Programm hat er auch einige Stücke arrangiert, darunter das Stück «Of the Father’s Love Begotten». Für dieses Musikstück gibt es – nebst der ursprünglichen Fassung aus dem 16. Jahrhundert – nur einige «langweilige» Arrangements aus dem 19. Jahrhundert, wie Georg Masanz sagt. Daher entschied er sich, einen mehrstimmigen Chorsatz im Stil von Guillaume Dufay aus dem 15. Jahrhundert zu schreiben. Begleitet wurde das Stück von einer sogenannten «Shrutibox», einem Instrument, das ursprünglich aus Indien stammt und nur die sogenannten Haltetöne («Borduntöne») spielt. Die Kombination von Bordun und Gesang ist eine einfache Art der Mehrstimmigkeit, die auch der schottische Dudelsack mit seinen zwei Bordunpfeifen und einer Melodiepfeife nutzt.
Neue Kontakte knüpfen
«Das Singen im English Carol Choir bietet vielen englischsprachigen Mitgliedern die Möglichkeit, eine Tradition weiterzuführen, mit welcher sie selbst aufgewachsen sind», führt die Präsidentin des Chors, Kate Bärlocher, aus. Schon von Kindheit an ist der Besuch eines Christmas Carol Service in Grossbritannien und Irland ein fester Bestandteil und oft lieb gewonnenes Ritual in der vorweihnachtlichen Zeit. Für andere Chormitglieder war die erste Teilnahme an einem Carol Service beziehungsweise den Chorproben auch eine Möglichkeit, nach einem Umzug in der neuen Umgebung Kontakte zu knüpfen.
Der Chor vereinigt verschiedene Nationen. Es gibt Sänger und Sängerinnen aus der Schweiz, aus Grossbritannien, Skandinavien, Neuseeland, Griechenland, Südafrika und den USA, wobei sich dies natürlich immer wieder ändert. Die gemeinsame Leidenschaft für die traditionellen englischen Carols verbindet über die (Sprach-)Grenzen hinweg – auch wenn es durchaus zu Diskussionen über den «richtigen» Liedtext zwischen den Amerikanern und den Briten kommen kann, wie Kate Bärlocher schmunzelnd erwähnt.
Im Anschluss an den Gottesdienst wurden Glühwein und traditionelle englische Mince Pies offeriert, welche die Mitglieder des Chors gebacken haben. Da bleibt nur zu sagen: We wish you a merry Christmas and a happy new year.
Nähere Informationen zum English Carol Choir erhält man per E-Mail an <email-pii>.