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"Nachrangige Anleihen sind deutlich unterbewertet"
Im Interview beurteilt Paul Gurzal, Head of Credit bei La Française AM, den Einfluss der Krisenstaaten Türkei und Italien auf den Bankensektor und erklärt, wieso nachrangige Anleihen von den Krisen unbeeindruckt bleiben.
26.09.2018, 09:25 Uhr
Redaktion: ase
Wie beurteilen Sie die Lage der Banken allgemein?
Paul Gurzal: Der aktuelle Trend für die Banken ist erfreulich, die Risiken gehen stark zurück. Die Quartalszahlen waren ingesamt positiv. Die Bonität der Banken bleibt solide im Hinblick auf die regulatorischen Anforderungen.
Die Reduktion der notleidenden Kredite in den Bilanzen ist positiv für die Kreditqualität der Banken aus den Peripherieländern. Wir haben einen starken Rückgang der notleidenden Kredite im Tier 2 Segment spanischer und italienischer Banken festgestellt, mit einer Beschleunigung der Veräusserungen von notleidenden Krediten.
Schätzen Sie die Situation angesichts der türkischen Krise als prekär ein?
Die Auswirkung der türkischen Krise auf die Fundamentaldaten der Banken ist weniger ausgeprägt, als zunächst angenommen. Nach unserem Dafürhalten wird das Exposure von Banken gegenüber der Türkei kein Risiko für ihr Kreditprofil darstellen. Wir schätzen, dass im Falle eines kompletten Wertverfalls ihrer türkischen Filialen das Eigenkapital der Banken den regulatorischen Anforderungen weiterhin entsprechen wird.
Auch Italien steckt momentan in den Fängen einer Krise. Welche Entwicklungen sehen Sie dort?
Italienische Banken und Versicherungen halten lokale Anleihen der öffentlichen Haushalte, die sie finanziell von der Entwicklung der öffentlichen Einrichtungen abhängig macht. Die Volatilität der italienischen Staatsschulden ist kein Problem für die Banken, wenn man, wie wir, davon ausgeht, dass die Staatsschulden nicht restrukturiert werden.
In der Tat ist ein wesentlicher Teil der gehaltenen öffentlichen Anleihen nicht bewertet. Die Bonität italienischer Banken wie UniCredit und Intesa Saopaolo könnte unserer Ansicht nach die Verluste aus der Volatilität von italienischen Staatsanleihen (BTPs) verkraften, ohne dabei ihre Einhaltung regulatorischer Auflagen seitens der EZB oder die Zinszahlungen auf Additional-Tier-1-CoCo-Anleihen in Frage zu stellen.
Welche Auswirkungen hatten die türkische und die italienische Krise auf das Segment der nachrangigen Anleihen?
Zeitgleich mit der Schwäche des Sektors durch die makroökonomischen und politischen Geschehnisse haben einige wichtige Fonds dieser Anlageklasse seit sechs Monaten Mittelabflüsse erlitten. Dies hat automatisch Verkaufsdruck erzeugt, insbesondere auf die CoCos und die Legacy Tier 1 Bonds. Diese Abflüsse haben sich über den Sommer verstärkt; in einem Zeitraum, in dem die Liquidität gering ist. Wir sind der Überzeugung, dass eine Positionierung im liquiden Teil des Segments mit einer sektoriellen Diversifizierung über Banken, Versicherungen und Nicht-Finanz-Emittenten von grosser Bedeutung ist.
Ist die Anlageklasse Ihrer Ansicht nach als attraktiv einzustufen?
Im Segment der festverzinslichen Anlagen, glauben wir, dass nachrangige Anleihen weiterhin sehr attraktiv sind. Die Ausweitung der Spreads war wesentlich grösser für nachrangige Anleihen als für hochverzinsliche Anleihen. Nachrangige Anleihen von Banken und Versicherungen sind bei Emittenten mit gutem Rating heute deutlich unterbewertet.
Die Liquidität hat sich in den letzten Wochen stark verbessert. Der Appetit der Investoren für CoCos spiegelt sich in den jüngsten Emissionen von Rabobank, Crédit Suisse oder Bankia wider, welche stark überzeichnet waren. Dies zeigt, dass das Vertrauen in die Anlageklasse zurückgekehrt ist.
Im Zusammenhang mit der ersten Zinserhöhung der EZB, die nicht vor Oktober nächsten Jahres stattfinden sollte, bleibt diese Anlageklasse für Investoren auf Renditesuche weiterhin attraktiv. Eine Rendite von 4% in Euro kann erwartet werden.
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