Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03466.jsonl.gz/455

Kolumne zum Donnerstag: Worte des Jahres
In der Kolumne zum Donnerstag berichten Exponenten der Branche über das, was sie bewegt. Heute beschäftigt sich Fabio Rea, Geschäftsleiter der Schweizerischen Zentrale Fenster und Fassaden (SZFF), mit der Klimadebatte.
Schreibmaschine, Schmuckbild.
Neulich in Zürich auf dem Weg zu einer der gefühlt hundert Sitzungen in diesem Jahr sass ich im Tram. An der nächsten Station stieg eine junge Dame mit einem etwas gesetzteren Herrn ein, von dem ich später kombinierte, dass es ein naher Verwandter sein musste. Sie setzten sich auf die Sitzreihe vor mir, worauf ich unfreiwillig Zeuge ihres Gesprächs wurde.
Während die junge Dame sich besorgt über den Klimawandel äusserte und meinte, wie wichtig es sei, dass endlich etwas dagegen unternommen werde, erwiderte der «Alte», dann müsste man als erste Massnahme gleich alle Handys abgeben und so weiter und so fort. Ich entnahm seinen Äusserungen und seiner Mimik etwas Herablassendes.
Es ging lange so weiter, auch als ich Stationen später ausstieg. Ich habe keine Ahnung, wie das Gespräch ausging. Aber für einmal wäre ich gerne eine Fliege gewesen, die diskret und in sicherer Distanz das Gespräch zwischen den beiden weiterverfolgt hätte.
Ein paar Tage später erkor die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften das Wort des Jahres 2019 in der Deutschschweiz, nämlich «Klimajugend», wie ich einem Zeitungsartikel entnahm. Die Jugendlichen rufen in ernster Besorgnis auf, endlich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Und sie hätten Biss, Schlagkraft und Ausdauer wie Greta Thunberg.
Wissen Sie, wer auf Rang zwei landete? Der «OK Boomer» aus der Spezies der Babyboomer-Generation, der heute 55- bis 75-Jährigen. Er, so war zu lesen, äussert sich herablassend über die Meinung einer jüngeren Person. Angeblich ist dieses Wort anlässlich einer Klimadebatte entstanden, wo ein Babyboomer eine junge Rednerin unterbrach, die mit «OK Boomer» quittierte.
Wie auch immer – während dem Lesen des Artikels kamen mir die beiden im Tram in den Sinn. Generationenkonflikte sind so uralt wie die Menschheit selbst, und ohne dieses Spannungsfeld wären wir heute vermutlich nicht so weit fortgeschritten in unserer Evolution. Gut, rüttelt uns die Jugend auf, das hilft uns zu entstauben (Smile).
Haben Sie angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung ein schlechtes Gewissen beim Fliegen? Die Diagnose könnte «Flugscham» lauten, das Wort, das dieses Jahr Rang drei belegt.