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neuer, zeitgemässer Sound
das Video
«My Carnival», ein Wings-Schatz als B-Seite
die Versionen
Rezeption und Statistik
Bei den Abbey Road Studios fahren u.a. Prinz Charles und Sherlock Holmes vor. Im Studio entledigen sie sich ihrer Masken, Dan Aykroyd, Chevy Chase und Paul McCartney kommen darunter zum Vorschein. So beginnt der von John Landis gedrehte Videoclip zur Single «Spies Like Us». Sie ist der Titelsong zu Landis gleichnamiger Agentenkomödie, in der Dan Aykroyd und Chevy Chase zwei inkompetente Spione spielen, die für die CIA in Pakistan eine Mission erfüllen sollen. In der letzten Strophe nimmt Paul auf diesen Plot Bezug: «We get there by hook or by crook / We don't do a thing by the book / Never needed special clothes / How we did it no one know / I guess we must have had what it took.»
Für «Spies Like Us» unterbrach Paul die Arbeiten an seinem Album «Press To Play», das im Folgejahr erscheinen sollte. «Das gute daran war, dass sie den Song am liebsten schon gestern hätten haben wollen. Es war eine plötzliche Herausforderung, die zwischen die Aufnahmearbeiten geschoben wurde», erzählt Paul.
neuer, zeitgemässer Sound
Nach dem künstlerischen und kommerziellen Flop des Filmes «Give My Regards To Broad Street» (1984), tastete sich McCartney an Klang der 80er-Jahre mit ihren Synthesizern und dem in den Vordergrund gemischten Schlagzeug heran. Für das entstehende Album «Press To Play» engagierte Paul Hugh Padgham als Produzenten. Dessen mit Phil Collins entwickelte gated reverb Sound, bei dem das Schlagzeug zum dominierenden Instrument wird, prägte den Klang der 80er-Jahre.
Paul im Video zu «Spies Like Us». – Foto: Screenshot
Neben Hugh Padgham spielte Paul 1984/1985 auch einige Songs mit Phil Ramone ein. Mit Ramone als Produzenten, hatten Paul und Linda im Herbst 1970 die Aufnahmen zu «RAM» begonnen. Für «Spies Like Us» engagierte er Phil Ramone als Co-Produzenten. Die Single ist die erste Hörprobe eines moderner klingenden McCartneys, der mit jungen, erfolgreichen Produzenten arbeitet. Ein Rezept, das er seither verfolgt. Das Demo, das Paul 1995 in der vierten «Oobu Joobu» Sendung spielte, zeigt, dass das markante Schlagzeug bereits von Anfang an zum Song gehört hat, doch anstelle der Rockgitarre ist ein Reggae-Klavier zu hören. Trotz der modernen Produktionsweise ist «Spies Like Us» schlussendlich ein Uptempo Rocksong gworden, bei dem man das Produktionsjahrzehnt hört, der aber gut reift.
Aufgenommen wurde «Spies Like Us» in Pauls neuem, eigenen Studio Hog Hill Mill in Sussex. Bis auf den von Eddie Rayner gespielten Synthesizer spielte Paul alle Instrumente selber. Die Backvocals sangen Paul und Linda McCartney, Eric Stewart, Ruby James und Kate Robbins. Am besten gefiel allen Mitwirkenden Pauls Schlagzeug-Beat, den dieser bereits auf dem Demo eingespielt hatte. Zudem zeigt Paul in der Coda, dass er guter Rock-Leadgitarrist wäre, wenn er mehr auf Soli setzen würde. Beim Abspann des Kinofilms wurde zunächst die Coda gespielt, bevor der eigentliche Song begann.
das Video
Das Video wurde am 9. Oktober 1985 in den Abbey Road Studios gedreht. Die BBC strahlte aus rechtlichen Gründen das Video von «Spies Like Us» nicht aus. Gemäss dem damaligen britischen Arbeitsgesetz war es Nicht-Musikern verboten, in Videoclips mitzuwirken. Neben Sequenzen aus dem Spielfilm sind Chevy Chase und Dan Aykroyd zu sehen, wie sie Gitarre und Keyboard spielen und mit Paul eine Menge Spass im Studio haben. Beide sind auch professionelle Musiker.
Abbey Road anno 1985 ist zugleich das parodierte «Band On The Run» Cover. – Screenshot aus dem Videoclip zu «Spies Like Us».
Die Schlussszene spielt scherzhaft auf Pauls Vergangenheit an und parodiert zugleich das Cover von «Abbey Road» und «Band On The Run». «Als ich zuerst davon hörte, dachte ich, dass die Leute ‹Skarileg!› rufen würden. Aber dann sagte ich mir: ‹Ich liebe die Beatles, was soll daran falsch sein?›» erzählt Paul. Und zu John Landis sagte er: «Okay, wenn du vorhast, eine Parodie auf das Albumcover zu machen, müsstet du noch ein paar kleie Insiderjokes reinbringen.»
Als Reminiszenz an «Abbey Road» überquert nun das Trio den Zebrastreifen, Dan Aykroyd geht barfuss und im Hintergrund sieht man einen weissen VW Käfer mit der Kennzeichen 28 IF stehen, der 1969 ein Teil der Paul-ist-tot-Gerüchte befeuert hatte. Das Setting in der Nacht, das plötzlich aufflammende Scheinwerferlicht und die erschrockenen Gesichter von Paul, Chevy und Dan ist die Reminiszenz an «Band On The Run». Das Video findet sich auf der 2007 erschienenen Videokollektion «The McCartney Years»
«My Carnival», ein Wings-Schatz als B-Seite
Zumindest in der vor iTunes-Ära war jeder Käufer einer Single gespannt, was sich auf der B-Seite befand. Wie bei den Singleauskoppelungen aus den Alben «Tug Of War» und «Pipes Of Peace», verwendete Paul mit «My Carnival» einen unveröffentlichten Song aus den Wings-Zeiten und wird auf dem Cover mit performed by Paul McCartney & Wings ausgewiesen. Aufgenommen wurde «My Carnival» im Januar 1975 während den New Orleans Sessions zu «Venus And Mars». Der Song klingt nach spontaner, swingender Jamsession und Party, die Lyrics unterstreichen dies: «It's my carnival/It's a lovely day/with all you people getting ready to play/I wanna hear you say/ come on down this is my carnival». Neben den Wings spielen George Porter, Benny Spellman und The Meters mit.
die Versionen
«Spies Like Us» erschien als 7“ Single und 12“ Maxi. Auf der Maxi fanden sich vier Remixes, drei von «Spies Like Us» und einer von «My Carnival». Der «Party Mix» wurde von John Potoker abgemischt. Der «Alternative Mix (Known To His Friends As Tom)» wurde von der englischen Synthpop-Gruppe Art Of Noise remixed. Die B-Seite wurde mit der auf 3.56 Minuten gekürzten DJ-Version eröffnet. Gary Langan remixte «My Carnival» zum «Party Mix». In England erschien zudem eine Picture Disc und eine Shape-Picture-Disc, welche schöne und beliebte Sammlerstücke sind. Das Coverfoto hat Linda McCartney aufgenommen, die anderen Bilder stammen von David Morse.
«My Carnival» hätte zunächst Anfang der 80er-Jahre auf dem nie veröffentlichten «Hot Hitz Kold Kutz» Album veröffentlicht werden. Nach der Veröffentlichung als Single-B-Seite erschien der Song 1987 als Bonus Track auf der CD-Version von «Venus And Mars» verwendet, fehlte aber 2007 bei der digitalen Veröffentlichung im iTunes Store. Bei der Wiederveröffentlichung von «Venus And Mars» im Rahmen der Archive Collection 2014 ist neben der Singleversion noch eine frühe Fassung von 1974 («Going Down To New Orleans») und ein Video der Aufnahme des Songs erhältlich.
«Spies Like Us» wurde 1993 als Bonus Track zur Wiederveröffentlichung von «Press To Play» im Rahmen der Paul McCartney Collection erstmals auf CD veröffentlicht. 2007 erschien zunächst auch bei der digitalen Veröffentlichung. Durch den Wechsel McCartneys zu StarCon/Universal wurde 2010 «Press To Play» auf ursprüngliche Vinylveröffentlichung mit nur zehn (gegenüber 13 der CD Erstveröffentlichung 1986 und 15 auf dem Remaster von 1993). Somit ist «Spies Like Us» zurzeit nur als Secondhand Vinyl erhältlich.
Rezeption und Statistik
«Spies Like Us» war die 100. Single von Paul McCartney, die sich in den amerikanischen Billboard Charts platzieren konnte. Sie erreichte dort Platz 7, in den Mainstream Rock-Charts Rang 31. In den Jahresend-Charts 1986 resultierte ein 92. Rang (Billboard). Es ist die letzte von McCartneys, die sich in den amerikanischen Top 10 klassieren konnte. In England erreichte die Single Rang 13, die Maxi Platz 20 (New Musical Express). In Belgien erreichte die Single Rang 26. Sie konnte sich sonst weder in Deutschland, Japan noch der Schweiz platzieren.
Paul McCartney, gesehen nach einem Interview im Herbst 1984 in Los Angeles.

Limited Editions 1985:
Tracklist
Spies Like Us
My Carnival
Maxi Single:
Tracklist
Spies Like Us (Party Mix)
Spies Like Us (Alternative Mix – Known To His Friend As Tom)
Spies Like Us (DJ Mix)
My Carnival (Party Mix)
Die Tracks sind identisch mit den üblichen Versionen. Nachfolgend sind die Vorder- und Rückseite abgebildet.
12" Picture Disc
7" Shape Picture Disc
Werbung 1985:
Backcovers
Backcover der Single (oben) und der Maxisingle (unten).
Die 12 Zoll grosse US-Radio-Promosingle mit dem DJ Mix auf beiden Seiten hat heute einen Sammlerwert von 20£.
Inserat aus dem Billboard Magazin, Oktober 1985.