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«Página Siete» ist eine regierungskritische Zeitung, hat es deshalb nicht immer einfach und wird manchmal diskriminiert. Bei einem Interviewtermin lässt der Finanzminister die Chefredaktoren zwei Stunden warten. Das Interview wird aber schliesslich doch noch ein Erfolg und der Finanzminister beantwortet alle – auch die kritischen – Fragen. Ausserdem stellt sich heraus, dass er genau im Bild ist über die Berichterstattung der Zeitung. Die journalistische Arbeit macht sich bezahlt. «Página Siete» kann jetzt einen Erfolg in eigener Sache feiern.
Der junge Journalist Pablo Peralta erhält den nationalen Journalistenpreis 2013. Dieser «Premio Prensa» wird vom Journalistenverband in La Paz vergeben. Peralta ist gerade einmal 26 Jahre alt. Die Auszeichnung erhält er für seine Reportage über die gewaltsame Intervention der Polizei gegen Indios in der Provinz Chapare im tropischen Tiefland. Die Indios marschierten nach La Paz, um gegen den geplanten Bau einer Strasse mitten durch das indigene Territorium und Nationalpark Isidoro Sécure (TIPNIS) zu demonstrieren. Die Indios befürchteten durch einen erleichterten Zugang zu diesem Naturschutzgebiet eine Abholzung des Regenwaldes und den illegalen Anbau von Koka verbunden mit Drogenhandel. Der Strassenbau wurde schliesslich gestoppt. Der Artikel ist eine Analyse der Intervention zwei Jahre nach dem Ereignis und ist im September 2013 in einer Spezialausgabe erschienen. Damit habe er nicht gerechnet, meint Pablo sichtlich erfreut. Ausserdem ist das Team von «Página Siete» für die Verteidigung der freien Meinungsäusserung ausgezeichnet worden. «Después de golpes, el premio», meint der Informationschef amüsiert. Auf all die Angriffe folge jetzt die Auszeichnung. Es ist das erste Mal seit der Gründung der Zeitung im Jahr 2010, dass das Medium einen so bedeutenden Preis erhält.
Bolivianer sollen doppeltes Weihnachtsgeld erhalten
Das Thema, das seit ein paar Tagen die Zeitungen füllt und Grund ist für die «marchas», die Demonstrationen und gesperrten Strassen, ist das von der Regierung kürzlich aus dem Hut gezauberte Gesetz über den «doble aguinaldo». Die Regierung hat am 20. November beschlossen, dass die Arbeitnehmer des öffentlichen und des privaten Sektors ein zweites Weihnachtsgeld erhalten sollen. Gemäss diesem neuen Gesetz soll das zweite Weihnachtsgeld ausbezahlt werden, wenn die jährliche Zunahme des BIP mehr als 4,5 Prozent beträgt. Dieses Jahr rechnet die Regierung mit einem Wachstum von 6,5 Prozent. Private Unternehmen klagen jetzt, dass ihnen so kurzfristig die liquiden Mittel fehlen würden. Mit der Regierung wurde deshalb eine Fristverlängerung bis Ende Februar ausgehandelt, um das zweite «Weihnachtsgeld» zu bezahlen. Im öffentlichen Sektor profitieren Spezialisten, die mehr verdienen als Präsident Evo Morales (2400 Franken) nicht vom doppelten Weihnachtsgeld und im privaten Sektor haben Personen, die einen hohen Posten besetzen, z.B. Direktoren, ebenfalls keinen Anspruch darauf. Der Finanzminister erklärt im Sonntagsinterview mit «Página Siete», dass es sich nicht um eine Wahlstrategie handle, um die Stimmen der Arbeiter zu gewinnen, sondern um ein Instrument der Verteilung des Einkommens zur Ankurbelung der inländischen Nachfrage. Fakt ist aber, dass nach Bekanntwerden des neuen Gesetzes hunderte Arbeiter mit Transparenten wie «Gracias Evo», «Evo por siempre» oder «Adelante Comandante Evo» auf die Strassen gingen, um sich bei Präsident Morales für das zusätzliche Einkommen zu bedanken.
Die Rentner hingegen fühlen sich diskriminiert und gehen auf die Strasse. Sie verlangen ebenfalls eine Kompensation. Evo Morales hat aber erklärt, dass er das Land nicht verschulden werde, um die Rentner zu bezahlen. Die Auszahlung würde knapp 160 Millionen Franken betragen. Die Rentner haben für Montag eine weitere Demonstration und Strassenblockaden angesagt. Mal schauen, wie ich zur Arbeit komme.
Tango in La Paz
Im Magazin «Miradas», das die Sonntagsausgabe von «Página Siete» begleitet, erscheint meine Reportage über die Geschichte und die aktuelle Szene des Tango in La Paz. Ich bin überrascht und freue mich darüber, dass mein Artikel die Titelgeschichte des Magazins ist. Ich habe selbst begonnen, Tango zu tanzen in der Schweiz. Meine Vorfreude darauf, diese Leidenschaft hier weiter auszuleben, wurde von meiner argentinischen Tanzlehrerin allerdings gedämpft. Sie meinte, Tango sei in Bolivien nicht sehr verbreitet. Das Thema gefällt dem Ressortleiter und so mache ich mich auf die Suche nach den Tangotänzern in der Regierungsstadt. Wie so oft hier, sind Internetrecherchen nicht sehr ergiebig. Es sind die direkten Kontakte, die mich weiterbringen. Ich besuche einen Tango-Kurs, führe Interviews mit den Tanzlehrern und den Kursteilnehmern und besuche eine Milonga mit Live-Band im Casa Argentina. Für die Fotos kann ich einen Fotografen buchen. Für mich ist das ungewohnt, da ich bei unserer Lokalzeitung im Fricktal die Fotos selbst schiesse. Wegen der bolivianischen Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit, die ich hier erfahren habe, stelle ich mehrmals sicher, dass Fotograf und Akteure auch zum besagten Fototermin erscheinen. Und es klappt. Mit leichten Verspätungen. Obwohl der Tango im Nachbarland Boliviens seinen Ursprung hat, ist er hier lange nicht so populär wie in Argentinien. Trotzdem wird in La Paz mehr Tango getanzt, als es auf den ersten Blick scheint und das Hotel und Kulturzentrum Torino, eines der ältesten Gebäude in La Paz (erbaut 1917) hat eine lange Tradition im Unterrichten und der Diffusion des Tango.