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In der Schweiz verwenden die Menschen 45 % ihrer Zeit dafür, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Der Rest der Zeit, 55 %, werden zur Erledigung unbezahlter Arbeit verwendet.
Ein grosser Teil der unbezahlten Arbeiten sind Haus-, Familien, und Betreuungsarbeiten (Care) für andere und für sich selbst. Diese Arbeiten sind wesentlich für das Wohlergehen des Einzelnen und den Wohlstand der Gesellschaft als Ganzes. In einem System der sozialen Sicherung, das hauptsächlich auf Erwerbsarbeit baut, werden jedoch die Bedingungen für Sorgearbeitende selbst und auch für die Menschen, die auf Sorgearbeit anderer für sich angewiesen sind, immer prekärer. Zudem grenzt das aktuelle Sozialsystem viele Frauen aus und benachteiligt sie auf dem Arbeitsmarkt.
Weibliche Wirklichkeit
Dass Frauen als Mütter, Ehefrauen, Töchter, Nachbarinnen usw. unbezahlt arbeiten, wird seit jeher für selbstverständlich gehalten und heisst nicht Arbeit. Wir tun, was wir tun, ohne Anreize, weil es sinnvoll ist; so sinnvoll, dass ohne diese Arbeit “Wirtschaft” gar nicht möglich wäre.
Weibliche Logik
Der grösste und wichtigste Wirtschaftsfaktor ist die unbezahlte und Freiwilligenarbeit. Diese für die Gesellschaft erbrachte Leistung heisst nicht Arbeit und ist nicht Wirtschaft im heutigen Verständnis, wird nicht bezahlt und ist nicht versichert. Das scheint eine Logik zu sein, die Frauen nicht nachvollziehen können.
Weibliche Vernunft
Wenn ökonomisches Handeln für die Nebenwirkungen von Gewinnmaximierung (Rücksichtslosigkeit gegenüber Natur und Menschen) keine Verantwortung zu übernehmen braucht, und wenn so eine Minderheit immer reicher und die Mehrheit immer ärmer wird, finden Frauen dies gefährlich und deshalb zutiefst unvernünftig.
Weibliche Solidarität
Frauen mit ihren unterschiedlichen Biografien, Erfahrungen, Hoffnungen und Ängsten, abhängig oder unabhängig, arm, reich, mit oder ohne Erwerbseinkommen, mit oder ohne Kinder, mit oder ohne Partner, praktisch tätig oder akademisch, halten zusammen in ihrem Anliegen, echte Wahlfreiheit zu ermöglichen – für alle Bürger in der Schweiz: Männer wie Frauen.
Ohne Frauen ist kein Staat zu machen
Frauen bilden die Mehrheit der Bevölkerung. Sie können Einfluss nehmen. Sie allein könnten das Grundeinkommen einführen, wenn sie sich miteinander und solidarisch für eine gute Zukunft einsetzen.
Wenn die Unterschriften für diese Volksinitiative zusammenkommen, wird eine breite Debatte darüber stattfinden.
Redet doch mal über das, was uns alle unbedingt angeht, statt über Geld.Dr. Ina Praetorius, Publizistin & Theologin