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Er ist einer der wenigen CH-Regisseure, die international erfolgreich waren: «Monster’s Ball», «Finding Neverland», «Ein Quantum Trost». Zuvorkommend und ohne Allüren redet Marc Forster über seinen neuen Film.
«A Man Called Otto» ist Ihr erstes Remake. Warum braucht es ein Remake des schwedischen Films?
Ich habe zuerst das Buch gelesen und fand, dass die Hauptfigur etwas von Shakespeare hat. Sie ist so universell, dass es sich lohnt, die Geschichte einem grösseren Publikum zu öffnen. Den Film könnte man ja auch in der Schweiz drehen, mit Otto als Bünzli. Vor vier Jahren hat sich dann auch Tom Hanks für ein Remake interessiert.
Aus Ove ist Otto geworden. Warum ein deutscher Name?
Nun, Tom Hanks meinte, Ove fühle sich für ihn nicht richtig an, aber er könne einen Otto spielen.
Dann war Tom Hanks von Anfang an mit dabei?
Ja, er hat den Film mitproduziert.
Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
Super. Die beste Erfahrung mit einem Star, die ich je hatte. Er kommt morgens um 8 Uhr aufs Set, sitzt ruhig auf einem Stuhl und wartet, bis er dran ist. Er meditiert auch oft. Ich habe ihn nie schlecht gelaunt oder unfreundlich erlebt.
Von Halle Berry über Dustin Hoffman bis Brad Pitt – Sie haben mit sehr vielen Stars gedreht. Gab es auch einen besonders mühsamen?
Ja, bei einem eher kleineren Film, ich nenne aber keinen Namen.
Wie haben Sie die Covid-Zeit durchlebt?
Es war paradoxerweise die aktivste Phase in meinem Leben. Ich habe zwei Filme hintereinander gedreht. «Otto» in Pittsburgh und «White Bird» mit Helen Mirren in Prag, der aber erst nächstes Jahr erscheint. Es war nicht einfach auf dem Set: Wir wurden fast jeden Tag getestet und trugen konstant Masken.
Was sagen Sie als ehemaliger Bond-Regisseur zu seinem radikalen Abgang?
Ich bin ein Bondfan und hätte es lieber gehabt, er hätte weitergelebt. Ich verstehe aber, dass die Reise von Daniel Craig als 007 auf diese Art konsequent beendet wird.
Gibt es eine Zukunft für James Bond? Oder wird er gar weiblich?
Auf jeden Fall hat Bond Zukunft, aber wohl eher als Mann. Es braucht schon eine gewisse Treue zur Vorlage von Ian Fleming.
Diversität wird in Hollywood heutzutage grossgeschrieben – Segen oder Fluch?
Die Studios wollen das. Ich sehe die Vielfalt auch positiv, weil sich die Welt verändert hat. Es gibt heute so viele Probleme, der Ukraine-Krieg, der Klimawandel etc., dass wir gemeinsam etwas tun müssen. Und gerade in den USA ist die Polarisierung so gross, dass wir wieder miteinander reden sollten. Diversität ist ein Teil davon. Das muss aber organisch sein und nicht forciert.
Wo leben Sie zurzeit? Man hörte, Sie hätten Ihr Haus in Santa Monica verkauft.
Ich wollte es verkaufen, es ist aus den 30er-Jahren, vom Architekten Richard Neutra. Doch ich bekam nicht den richtigen Preis. Also habe ich es behalten. Je älter ich werde, desto weniger möchte ich besitzen. Es ist besser, einfach zu leben. Man braucht das ganze Zeug ja nicht.
Sie haben mal gesagt: Ich lebe meinen Traum. Stimmt das noch nach all den Jahren?
Ja, ich habe immer noch die Passion zum Filmemachen, zum Geschichtenerzählen. Das Business hat sich geändert, etwa mit dem Aufkommen des Streaming – aber Filme bleiben zum Glück populär.
Sie haben Stars wie Halle Berry zum Oscar geführt, aber selbst noch keinen erhalten. Träumen Sie davon?
Früher hatte ich schon den Traum von einem Oscar, aber heute haben die Awardshows an Gewicht verloren. Für mich ist es wichtiger, dass mein neuer Film gut läuft.