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Passend zu den XXIII. Olympischen Spielen in Südkorea blenden wir 80 Jahre zurück: Am 20. April 1938, an Hitlers Geburtstag, wird in Berlin Leni Riefenstahls Olympia uraufgeführt, der wohl umstrittenste Film, der je in Deutschland entstanden ist. So sehr Riefenstahls Dokumentation zunächst gefeiert wird, auch international, so sehr gerät der Film 1945 in Misskredit, obwohl er überraschend fair ist zu ausländischen Athleten, unparteiischer jedenfalls als viele Sportreporter heutzutage. Diese «Hymne an den Körper» setzt nicht nur den Massstab für den Dokumentarfilm, sondern genauso für die Sportfotografie sowie die moderne Werbeästhetik. Angesichts der Bedrohung durch das erstarkende Nazi-Deutschland wird Sergej Eisenstein beauftragt, einen historischen Propagandafilm zur Stärkung von Patriotismus und Solidarität zu drehen. Mit seinem Epos über den russischen Nationalhelden Alexander Newski gelingt dem Regisseur ein überwältigender Erfolg im In- und Ausland. Einen Höhepunkt bildet die wuchtige «Schlacht auf dem Eis» – perfekt werden hier die eindrucksvollen Bilder und die epochale Filmmusik von Sergej Prokofjew miteinander vermischt. Die poetische Logik des Alptraums mit dem Witz einer intelligenten Komödie zu kreuzen – das schafft Alfred Hitchcock in seinen besten Werken, und dazu zählt auch The Lady Vanishes, in dem eine ältere Dame aus ihrem Zugabteil verschwindet. Der Film entwickelt sich in den USA zum Kassenschlager und ebnet Hitchcock den Weg nach Hollywood. Ebendort gelingt Frank Capra im selben Jahr mit You Can’t Take It with You eine der berühmtesten amerikanischen Komödien überhaupt, während Michael Curtiz mit Angels with Dirty Faces eines der überzeugendsten Werke des amerikanischen Gangsterfilms hervorbringt, das den gesellschaftlichen Hintergrund des Verbrechertums und die Faszination der Kriminalität als Ventil für soziale Frustrationen deutlich herausarbeitet. In Frankreich inszeniert Marcel Carné derweil in Hôtel du Nord einen Mikrokosmos von Paris – seine hervorragenden Schauspieler und die grandiosen Kulissen machen dieses Liebesdrama, ein bedeutendes Werk des poetischen Realismus, unvergesslich.
Weitere wichtige Filme von 1938: A Christmas Carol Edwin L. Marin, GB Bluebeard’s Eighth Wife Ernst Lubitsch, USA Bringing Up Baby Howard Hawks, USA Die blinden Masseure und die Frau Hiroshi Shimizu, J Füsilier Wipf Leopold Lindtberg, CH Holiday George Cukor, USA Jezebel William Wyler, USA La bête humaine Jean Renoir, F La femme du boulanger Marcel Pagnol, F La Marseillaise Jean Renoir, F Le quai des brumes Marcel Carné, F Pygmalion Anthony Asquith, GB Quadrille Sacha Guitry, F Sweethearts W.S. van Dyke, USA Tanz auf dem Vulkan Hans Steinhoff, D The Adventures of Robin Hood Michael Curtiz, USA The Dawn Patrol Edmund Goulding, USA You and Me Fritz Lang, USA
Tanja Hanhart
Im Kalenderjahr 2018 führen Mitarbeitende, Studierende und Gäste des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich einzelne Filme der Reihe «Das erste Jahrhundert des Films» ein. Neben dem filmhistorischen Kontext werden in den Einführungen formale und thematische Aspekte der Jahrhundertfilme genauer betrachtet.