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Kapitel 34: Klare Nächte
»Dann lasst uns mal essen«, sagte Janet und sprang auf die Füße. »Aidan, zu Tisch!«
»Ich helfe dir«, sagte Sebastian und folgte Janet in die Küche, nicht ohne ihr einen kleinen Klaps auf den Hintern zu geben, was Janet kindlich kichern ließ.
Aidan kam zu Tisch und setzte sich neben Glenna.
»Tut mir leid, dass ich frech war«, sagte er gerade hinaus, auch wenn er etwas beschämt den Kopf senkte.
Glenna blickte ihn verwirrt an.
»Wie?«
»Ich durfte nicht sagen, dass Papa wieder hier ist. Mum hat es mir verboten.«
Glenna erinnerte sich an das Gespräch mit ihm, als sie seinen Vater beschuldigt hatte, böse Absichten zu haben.
Kein Wunder hatte der Junge das nicht sonderlich gut weggesteckt.
Sie legte die Hand auf seinen Arm und lächelte ihn an.
»Vergeben und vergessen, mein Junge. Du hattest gute Gründe dafür.«
Als Janet und Sebastian das Essen servierten, war das Thema gegessen und sie verbrachten einen gemütlichen Abend miteinander.
Glenna genoss die entspannte Gesellschaft und musste zugeben, dass die beiden ein reizendes Paar abgaben. Sie wirkten tatsächlich wie frisch verliebt und selbst Aidan freute sich über jede Liebesbekundung und Zärtlichkeit der beiden. Schon bald käme er wohl in ein Alter, wo er davon nichts mehr wissen wollte.
Trotzdem saß ein schwerer Klumpen in Glennas Magen und dieser hatte nichts mit den etwas zu salzigen Penne zu tun.
Dieser William Judge hatte nichts Gutes im Schilde geführt. Wer trug schon ein Messer bei sich und hatte keinen Skrupel, es tatsächlich gegen eine alte Dame einzusetzen?
Glenna wollte daran glauben, dass sie das Unheil, das Aidan gedroht hatte, abgewendet hatte, auch wenn sie nicht verstand, wo die Bedrohung wirklich hergekommen war.
Auf die Frage würde sie mit großer Wahrscheinlichkeit nie eine Antwort erfahren. Vielleicht war er tatsächlich ein Perversling, der früher einmal hier gelebt hatte. Oder hatte Glenna sein Gesicht womöglich sogar von einem Fahndungsfoto wiedererkannt? Glenna nahm sich vor, später die Zeitungen der letzten paar Wochen zu studieren, die sie noch nicht entsorgt hatte.
Nach dem Nachtisch warf Sebastian einen Blick aus dem Fenster und seufzte.
»Die Nacht ist so klar.«
Janet trat neben ihn und lächelte. »Früher haben wir immer Spaziergänge gemacht nach dem Abendessen.«
Sebastian nickte und wirkte etwas betrübt.
»Warum denn früher?«, fragte Glenna.
Das Paar sah sich etwas unsicher an.
»Ich müsst ja nicht quer durch das Dorf laufen, wenn ihr nicht wollt. Ihr seid so nah an den Feldern.«
»Das stimmt«, sagte Janet versonnen. »Dort draußen ist zwar noch das ganze Chaos des Festgeländes, aber es ist bestimmt ruhig.«
»Außerdem hast du gesagt, du weißt, wo all der restliche Alkohol versteckt ist, nicht wahr?«, fragte Sebastian verschwörerisch und Janet lachte hell.
»Erstens ist ›versteckt‹ ein etwas zu großes Wort, immerhin lagert er immer noch in den Kühlschränken im großen Zelt, und zweitens ist der nicht für dich, mein Lieber. Der wird morgen vom Händler abgeholt.« Sie wandte sich an Aidan. »Was meinst du, Aidan? Wärst du bei einem Spaziergang dabei?«
»Ja!«, sagte der Junge sofort und war mit einem Satz im Eingangsbereich, um seine Schuhe anzuziehen.
Janet strahlte und Glenna konnte sich nicht dagegen wehren, dass es ihr das Herz erwärmte, diese junge Familie vereint zu sehen. Janet leuchtete förmlich von innen und Glenna fragte sich, wie ihr bisher entgangen war, dass sie wieder über beide Ohren verliebt war.
»Kommst du mit?«, fragte Janet Glenna, doch sie hob abwehrend die Hand.
»Wenn es euch nichts ausmacht, bleibe ich hier und mache die Küche.«
Janet lachte. »Du wirst dich unterstehen!«
Doch Glenna hob nur tadelnd den Finger und blickte sie ernst an.
»So spricht man nicht mit dem Alter, junge Dame. Ihr geht jetzt schön los und genießt den Abend. Ich schenk mir noch ein Gläschen Wein ein, damit dort nichts übrigbleibt, und mache mir einen gemütlichen Abend in eurer Küche. Ich dulde keine Widerreden.«
Janet trat auf sie zu, umfasste ihre Finger und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
»Danke Glenna«, sagte sie mit wässrigen Augen. »Für alles.«
»Papperlapapp«, sagte sie, musste aber lächeln. »Nun raus mit euch, ihr Turteltauben.«
Vorschau auf das Kapitel „Leere Gläser“ von nächster Woche: