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Die „Direkte Instruktion“ ist eine lehrerzentrierte Unterrichtsmethode zum Erlernen von Fakten- und Grundlagenwissen und zur Ausbildung kognitiver Fähigkeiten. Die Lehrperson steuert und strukturiert den Lernprozess aktiv. Die „Direkte Instruktion“ betont die Grundfertigkeiten und zerlegt sie in kleine Lernschritte. Kinder lernen beispielsweise lesen, indem sie die Aussprache der Buchstaben vor den Buchstabennamen lernen. Sie müssen jede Fertigkeit beherrschen, bevor sie zur nächsten übergehen. Die Lehrer verfolgen den Fortschritt jedes einzelnen Schülers täglich. Sie achten auf sein Verhalten und ermutigen gutes Verhalten. Schlechtes Verhalten ignorieren sie weitgehend, wenn sie es als Ausdruck eines entmutigten Schülers wahrnehmen. Sie gehen davon aus, dass sich schlechtes Verhalten von selbst erledigt, wenn der Schüler Erfolgserlebnisse im Lernen macht.
Über 100’000 Schüler
Die Kinder werden in erster Linie nach ihrem Leistungsniveau und nicht nach ihrem Alter oder anderen Kriterien eingeteilt. Sie können am meisten profitieren, wenn sie eine möglichst homogene Klasse bilden, in der alle in der Lage sind, dem Unterricht zu folgen. Deshalb geht der Unterricht in der Klasse erst weiter, wenn alle den Stoff verstanden haben.
Die Langzeit-Studie „Project Follow Through“ (FT) begann 1968 und endete nach fast 30 Jahren 1995. Mit über 100.000 teilnehmenden Schülern in 180 Schulgemeinden und Kosten von rund einer Milliarde Dollars ist es bis heute das weltweit grösste pädagogisch-wissenschaftliche Experiment.
Die Langzeit-Studie „Project Follow Through“ (FT) begann 1968 und endete nach fast 30 Jahren 1995. Mit über 100.000 teilnehmenden Schülern in 180 Schulgemeinden und Kosten von rund einer Milliarde Dollars ist es bis heute das weltweit grösste pädagogisch-wissenschaftliche Experiment. Das Ziel war, die wirkungsvollsten Methoden zum Unterrichten von unterprivilegierten Kindern zu finden. Dabei sollten die benachteiligten Schüler, die bisher nur das 20. Perzentil (entspricht in etwa unserer Note 2, schwach) erreichten, von dieser Ausgangsgrösse auf das amerikanische Durchschnittsniveau (50. Perzentil, entspricht in etwa unserer Note 4, genügend) gebracht werden.
Die Erziehungswissenschaftler stützten sich auf die pädagogischen Theorien von John Dewey und Jean Piaget, während Engelmann sein Modell in Zusammenarbeit mit Lehrerkollegen entwickelte und auf Erfahrungen aus dem Schulalltag aufbaute.
Das U.S. Department of Education (DOE) finanzierte 22 sehr unterschiedliche Bildungsprogramme in 51 Schulbezirken mit einer überproportionalen Anzahl armer Kinder. Standardisierte Testergebnisse wurden von fast 10.000 Follow-Through-Kindern sowie von Kindern, die nicht am Follow-Through-Programm teilnahmen, gesammelt. Die vom DOE zugelassenen Modelle wurden von Erziehungswissenschaftlern renommierter amerikanischer Universitäten entwickelt. Die einzige Ausnahme war das Modell „Direkte Instruktion“ des Preschool-Lehrers Siegfried Engelmann aus Illinois. Die Erziehungswissenschaftler stützten sich auf die pädagogischen Theorien von John Dewey und Jean Piaget, während Engelmann sein Modell in Zusammenarbeit mit Lehrerkollegen entwickelte und auf Erfahrungen aus dem Schulalltag aufbaute.
Die Auswertung der Follow-Through-Daten dauerte neun Jahre. Die Evaluation kostete 30 Millionen Dollar und erfolgte durch zwei unabhängige Institute. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Bei der schulischen Leistung überragten die Kinder, die an der Methode der „Direkten Instruktion“ teilnahmen, ihre Altersgenossen aus den wissenschaftlichen Vergleichsgruppen. Die „Direkte Instruktion“ erreichte als einzige der Methoden, das Ziel, die Leistungen der schwächeren Schüler in allen Fächern (Lesen, Rechnen, Rechtschreibung, Sprache sowie Grundfertigkeiten, kognitive Fähigkeiten und Selbstwertgefühl) sehr nahe an das amerikanische Durchschnittsniveau zu bringen. Spätere Auswertungen von 1.000 Absolventen der „Direkten Instruktion“ zeigten deren Nachhaltigkeit. Sie lagen in der Abschlussklasse der Senior High School (12. Klasse, 17-Jährige) immer noch vor ihren Vergleichskohorten.
Trotz dieses grossartigen Erfolges beendete das amerikanische Bundesaufsichtspanel für „Follow Through“ das „Direkte Instruktions“-Programm und kürzte dessen Budget, während es andere Methoden fortsetzte, die aber zu spektakulären Flops führten. Die Schulpolitiker haben die „Direkte Instruktion“ nie akzeptiert, weil ihnen die Resultate der wissenschaftlichen Evaluation nicht genehm waren.
Trotz dieses Erfolges wird auf andere Methoden gesetzt
Pädagogen, die voller Begeisterung eine der „modernen“ Methoden der Erziehungswissenschaftler (offene Unterrichtsformen, selbstgesteuertes Lernen, Kompetenzorientierung, Konstruktivismus usw.) für ihren Unterricht gewählt hatten, weigerten sich, diese aufzugeben, auch wenn sie wenig wirksam waren. Sie versuchten den Kindern beizubringen, wie man alleine lernt, und wollten so bei ihren Schülern das Selbstwertgefühl erhöhen. Das Resultat war, dass die Schüler in diesen Modellen noch niedrigere Lese- und Mathematikwerte erreichten als die Kontrollgruppen, die nicht im Follow-Through-Programm waren.
Trotzdem verbreiteten sich die gescheiterten Methoden in Amerika „wie das Feuer im Maisstroh“. Das „moderne“ Strohfeuer griff zuerst auf die angelsächsischen Länder über und dann, gefördert von der OECD, auch auf die OECD-Staaten. Ironischerweise lieferte die OECD mit Pisa auch noch das Messinstrument, an dem man ablesen kann, wie es mit den Schulleistungen in den kompetenzorientierten OECD-Staaten bergab geht.
Eine einmalige Chance vertan
Das Projekt „Follow Through“ zeigte, dass die wissenschaftliche Wirkungsforschung, die in neuerer Zeit mit der Meta-Meta-Studie von Hattie eindrücklich bestätigt wurde, und die „moderne“ Praxis im Klassenzimmer einander noch fremd waren. Die Vereinigten Staaten haben damit eine einmalige Chance vertan. Bis beide am gleichen Strick ziehen, werden amerikanische Schulkinder weiterhin eine Ausbildung zweiter Klasse erhalten.
Mangelhafte Bildung lässt nicht nur bildungsferne Bevölkerungsschichten verarmen, sondern auch ganze Länder. Es ist wohl kein Zufall, dass es den asiatischen Pisa-Siegern mit ihrem bewährten Bildungssystem und ihren traditionellen Methoden gelungen ist, in den letzten vier Jahrzehnten über 700 Millionen Menschen aus der Armut zu befreien.
Für die Schweiz müsste das Debakel mit den kompetenzorientierten, wirkungsarmen „Passepartout“-Lehrmitteln ein deutliches Warnsignal sein.
Peter Aebersold
Quellen:
* Billy Tashman: „Direkte Instruktion“: Unser Versagen bei der Umsetzung. New York Newsday, vom 15. November 1994
* Bonnie Grossen, University of Oregon: The Story Behind Project Follow Through
* Siegfried Engelmann: War Against the Schools’ Academic Child Abuse. Halcyon House, Portland 1992
* Gary L. Adams, Siegfried Engelmann: Research on Direct Instruction: 25 Years Beyond DISTAR. Verlag Educational Achievement System, Seattle WA 1996
* Siegfried Engelmann: Teaching needy kids in our backward system: 42 years of trying. Association for Direct Instruction ADI Press, Eugene (Oregon) 2007.
* John Hattie: Teachers Make a Difference, What is the research evidence? University of Auckland 2003 https://research.acer.edu.au/cgi/viewcontent.cgi?article=1003&context=research_conference_2003