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MOZARTURI für (improvisierende) Bassklarinette und Streichorchester, 2005
22:00′
tgm 47.253
Auftrag des Collegium Musicum Uri
Uraufführung: 31. März 2006, Altdorf (Martin Schlumpf, Collegium Musicum Uri, Renaldo Battaglia)
Hörbeispiel
Werkkommentar MOZARTURI
Mozart, der faszinierende Imrovisator am Klavier (der ganze Kadenzen in eigenen Klavierkonzerten „aus dem Stegreif“ spielt) und Mozart, der geniale Komponist: Diese zwei Facetten des Musikmachens, die im 18. Jahrhundert noch tägliches Brot eines Musikers waren, heute jedoch als weitgehend getrennte Disziplinen existieren, sollen in MOZARTURI in ein vielfältiges Wechselspiel miteinander treten. Eingerahmt von einer ouvertürenartigen Eröffnung (an die Anfangstakte der „Don Giovanni“-Ouvertüre angelehnt) und einem Schlussteil, der auf dem gleichen Material beruht, folgen sich sechs Abschnitte, die kurz protokolliert, folgendes Gesicht haben.
1) Modale Solo-Improvisation in zwei Schüben über grossflächig angelegten Jazzakkord-Strukturen mit Taktartenwechsel (binär – ternär).
2) Ausgehend von einer Kombination des Coltrane-Standards „Giant Steps“ mit Elementen aus der Ouvertüre von Mozarts „Le Nozze di Figaro“ kommt es zu einer Improvisation über die Harmonien von „Giant Steps“, die in einer grossen Steigerung zu einem wilden Höhepunkt geführt werden.
3) Ein sehr ruhiger „langsamer Satz“ ohne Soloinstrument stellt das energetische Gleichgewicht zum Vorangegangenen wieder her: alle Orchesterstimmen spielen je in ihren eigenen Tempi, womit sich eine komplexe Tempopolyphonie entwickelt, die wiederum eine Steigerung zum nächsten Abschnitt erfährt.
4) Wieder taucht Don Giovanni auf, hier nun „abgebogen“ in Figuren, die zu einem Improvisationsteil führen, der aus phrygischem Tonmaterial in spanische Flamenco-Anklänge hineinführt, die sich Schritt für Schritt wieder auflösen.
5) In einem zweiten tempopolyphonen Abschnitt realisiert das Orchester ein Accelerando in Stufen, wobei der Solist quasi das Signal zur nächsthöheren Stufe gibt.
6) Zum letzten Mal, hier aber nur noch im harmonischen Bereich, taucht der Beginn der „Don Giovanni“-Ouvertüre auf: es folgt ein tempopolyphoner Schlussprozess der Auflösung, mit einem frei sich darin bewegenden Solisten.