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Die Saison 2019/20 begann in Norwegen in Lillehammer, wo ich zusammen mit dem Stützpunkt Oberhof das erste Training hatte. Danach folgten diverse Lehrgänge: In Oberhof, Altenberg, Königssee, Sigulda und nochmals in Lillehammer. Es war ein guter Start unter guten Bedingungen. In Lillehammer bauten wir zuletzt noch neue Kufen für meinen Schlitten, die wir zuerst eigentlich erst später einsetzen wollten - dann entschieden wir uns aber dafür, dass ich doch schon ab sofort damit fahren sollte. Ich hatte Zeit für fünf Trainingsläufe damit, bevor es auch schon Zeit für den ersten Weltcup war. Insgesamt hatte ich vor dieser Saison so viele Läufe und Trainings absolviert wie noch nie, also wäre das eigentlich ein idealer Start in die Saison gewesen.
Am ersten Weltcup in Innsbruck lief es aber nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Im Training fuhr ich zwar gut und da ich für dieses Rennen zum ersten Mal in meiner Karriere in der Gesetztenliste war, hätte ich eigentlich entspannt an das Rennen herangehen können. Im Gesetztentraining - das letzte Training vor dem Rennen - fuhr ich noch die sechstbeste Zeit. Das Rennen selbst war allerdings eine Enttäuschung. Das Wetter war schwierig, aber ich machte auch in beiden Läufen Fehler und wurde nur 21. Wahrscheinlich erwartete ich zu viel von, weil ich wusste, was hätte drinliegen können, und verlor die Nerven.
Mit diesem denkbar schlechten Start ging es dann bereits weiter nach Übersee, wo die erste Station Lake Placid war. Ich war in dieser Saison erst zum dritten Mal dort, aber ich mag die Bahn sehr gerne. Im Training hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mit der Bahn “mitkomme”, und fuhr auch entsprechend gute Zeiten. Das Eis war immer schnell, auch im Gesetztentraining, wo ich den 6. Rang erreichte. Dieses Mal konnte ich im Rennen meine Nerven behalten, was umso wichtiger ist, weil Lake Placid eine schwierige Bahn ist und man nur hochkonzentriert zwei gute Läufe ins Ziel bringen kann. Nach dem ersten Lauf war ich 6. und konnte damit entspannt an den zweiten Lauf herangehen, in dem ich diesen Rang halten konnte - ein doppelt schönes Ergebnis, weil ich mich damit auch für das Sprint Rennen qualifizieren konnte. Der Sprint am Sonntag war schwierig, weil direkt vor mir Andrea Vötter stürzte und ich lange warten musste, bis die Bahn wieder freigegeben wurde. In solchen Situationen ist es immer schwierig, die Konzentration zu halten. Der obere Teil der Bahn gelang mir dann auch nicht so gut, aber ich konnte trotzdem den sehr guten 7. Rang herausfahren.
Der nächste Stopp war Whistler in Kanada, wo in der nächsten Saison die Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Diese Bahn ist nicht wirklich meine Sache, was ich im Training schnell bemerken musste. Kurve 9 wollte mir einfach nicht gelingen, was mir auch im Rennen zum Verhängnis wurde. Der 13. Rang war zwar kein schlechtes Ergebnis, aber nach dem 6. Rang der Vorwoche fühlte sich das fast wie eine Enttäuschung an. Ich konnte mich aber trotzdem wieder für den Sprint qualifizieren, wo ich wiederum Probleme hatte und nochmals den 13. Rang erreichte. Das war nicht ganz, was ich mir erhofft hatte, und ich war froh, dass es jetzt wieder zurück nach Europa gehen würde.
Vor Weihnachten reiste ich nochmals zum Training nach Oberhof. Nach einer kurzen Weihnachtspause zu Hause ging es bereits wieder nach Oberhof und nach Neujahr dann auch schon zum Training nach Königssee.
Der erste Weltcup im neuen Jahr fand in Altenberg statt, wo wir die ganze Woche schlechtes Wetter hatten. Die Bahn war schon im Training langsam und ich fand mich nicht richtig damit zurecht. Im Rennen erwischte ich in beiden Läufen das Starteck und wäre fast gestürzt. Weil Altenberg im oberen Bahnbereich flach ist, sind Fehler in diesem Teil besonders fatal. Somit erreichte ich hier nur den 17. Rang, was kein guter Start in die zweite Weltcuphälfte war.
Diese schlechte Ausgangslage folgte mir leider auch nach Lillehammer und ich hatte das Gefühl, dass ich etwas aus dem Rhythmus gekommen war. Obwohl ich vor dem Saisonstart zweimal dort trainiert hatte, fiel mir die Bahn schwer. Dass dieses Rennen zugleich als Europameisterschaften zählen würde, brachte zusätzlich noch mehr Druck in die Situation. Im Rennen machte ich in beiden Läufen Fehler im oberen Teil und in den Kurven 13/14 und erreichte nur den 13. Rang, den 12. in den Europameisterschaften. Das war umso enttäuschender, da ich letztes Jahr EM 8. wurde und ich doch vor der Saison zweimal in Lillehammer trainiert hatte.
Von Norwegen ging es weiter nach Lettland, wo ich in Sigulda zum ersten Mal in dieser Saison wieder im Nationencup mitfahren musste. Das war natürlich frustrierend, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass mir das Rennen gut getan hat: Ich wurde 2., was mein Selbstvertrauen wieder stärkte, und es ist immer gut, die Erfahrung aus einem zusätzlichen Rennen mitnehmen zu können. Im ersten Lauf des Rennens hatte ich Wetterpech; im zweiten Lauf war ich dann nochmals wesentlich schneller, was zeigte, was in Sigulda möglich wäre. Mit dem 14. Rang holte ich mir nochmals die Sprint Qualifikation und hatte somit für den Sprint eine gute Startnummer, mit der ich auf den sehr guten 7. Rang fuhr. Insgesamt war das wieder ein besseres Rennwochenende, an dem klar wurde, was ich in Sigulda erreichen könnte.
Die nächste Station war Oberhof, was ja quasi meine Heimbahn ist, da ich im Stützpunkt Oberhof integriert bin. Das Training lief sehr gut und die viele Erfahrung, die ich auf dieser Bahn schon sammeln konnte, zahlte sich aus. Ich gewann den Nationencup am Freitag, was mir nochmals einen grossen Schub an Selbstvertrauen gab. Im Rennen habe ich leider in beiden Läufen kleine Fehler gemacht, aber im zweiten Lauf fuhr ich die fünftbeste Laufzeit und erreichte insgesamt den 8. Rang. Das zeigt, dass zwar mehr drin gelegen wäre, aber ich war mit dieser Platzierung trotzdem sehr zufrieden.
Das nächste Ziel war Sochi in Russland, wo die Weltmeisterschaften ausgetragen wurden. Die Anreise war wie schon letztes Jahr sehr abenteuerlich, weil ein Teil der Schlitten - darunter auch meiner - erst drei Tage zu spät ankam. Das Training konnten wir aber zum Glück aufholen, aber ich absolvierte insgesamt in der WM Woche sehr viele Läufe und begann zu merken, dass ich müde wurde. Das machte sich beim Rennen bemerkbar, aber ich konnte mein WM Ziel von Top 15 Platzierungen trotzdem erfüllen: Die Sprint Qualifikation und mit dem 13. und 14. Rang an der WM und der Sprint WM. Bei der U23 WM wurde ich dieses Jahr nur 5., was schade war, aber das Feld der Fahrerinnen hat sich auf diese Saison stark verjüngt und die Konkurrenz ist stärker geworden.
Winterberg war keine einfache Woche. Die Bahn war in extrem schlechtem Zustand, es gab Stürze und Trainings wurden abgebrochen. Die FIL jedoch war der Meinung, dass die Bahn fahrbar sei und das Rennen wie geplant stattfinden würde. Einzelne Sportler und ganze Teams zogen sich aus dem Wettkampf zurück. Die Lage verunsicherte mich stark und ich musste im Training den ersten Sturz in dieser Saison wegstecken - das war nicht einfach. Auf Anraten meiner Trainer fuhr ich das Rennen trotzdem mit, aber ich konnte keine gute Leistung abrufen. Das Drama rund um das Rennen kostete mich meine Konzentration und ich wurde in einem stark gekürzten Feld - nur 18 statt der üblichen 28 Starterinnen - nur 11. Das war enttäuschend und frustrierend zugleich: Wir Athleten fühlten uns von der FIL nicht ernst genommen und das Rennen hinterliess einen schlechten Nachgeschmack.
Die letzte Station in der Weltcup Tour war Königssee, wo es im Training sehr gut lief. Ich fühlte mich wohl auf der Bahn und hatte das Ziel, mir im Gesamtweltcup noch den 10. Rang zu ergattern. Leider kam es aber nicht so wie geplant: Ich stürzte im ersten Lauf, weil ich zu früh aus dem Kreisel heraus fuhr und dann im Labyrinth in die Bande prallte. Bis zur letzten Zwischenzeit vor meinem Sturz hatte ich die zehntbeste Laufzeit, was den Sturz umso frustrierender machte - ein Top 10 Platz wäre in diesem Rennen durchaus möglich gewesen. So verpasste ich dann auch den angepeilten 10. Rang im Gesamtweltcup knapp und musste mich mit dem 11. Rang zufrieden geben. Das war nicht der Abschluss für diese Saison, den ich mir gewünscht hatte.
Zum Abschluss der Saison reiste ich mit einigen Freunden nach St. Moritz, wo wir noch einige Tage entspanntes “Ausfahren” machten. Das half mir, mich nach dem enttäuschenden Saisonabschluss wieder etwas zu entspannen. Eine zusätzlich noch geplante Trainingswoche in Sigulda wurde wegen des Coronavirus abgesagt.
Rückblickend kann ich sagen, dass es keine einfache Saison war. Ich habe mich zwar überall gesteigert, aber habe nirgends das Maximum herausholen können und habe viele Fehler gemacht, die mir nicht hätten passieren dürfen. Es gab aber auch Aufsteller, vor allem die beiden guten Platzierungen in Lake Placid. Für nächste Saison habe ich aber definitiv noch Luft nach oben, vor allem am Start, der nach wie vor meine Schwachstelle geblieben ist.
Ich wünsche euch allen auch gute Gesundheit und viel Kraft in dieser schwierigen Zeit. Ich möchte euch herzlich für eure Unterstützung danken und freue mich schon jetzt auf die nächste Saison!
Eure NatalieZurück zur Übersicht