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Wie viele Kinder sind schon gestorben, bevor sie ihr ganzes Potential ausleben konnten! Von einem solchen Fall erzählt Steven Millhauser in seinem Roman Das kurze Leben des Edwin Mullhouse.
Am 1. August 1954, seinem elften Geburtstag, stirbt Edwin Mullhouse. Die Vereinigten Staaten von Amerika verlieren (auch wenn sie das möglicherweise gar nicht wissen) ihren bedeutendsten Schriftsteller. Deshalb beschliesst Jeffrey Cartwright, die Lebensgeschichte seines Busenfreundes Edwin für die Nachwelt festzuhalten. Edwin Abraham Mullhouse wird am 1. August 1943 in Newfield im Bundesstaat Connecticut geboren. Er ist das erste Kind eines Englisch-Professors und kommt später in den Genuss einer kleinen Schwester namens Karen. Am 9. August 1943 begegnet er zum ersten Mal dem einige Monate älteren Jeffrey Cartwright. Bereits als Säugling liefert das Genie in spe erste Proben seiner Begabung, nämlich durch komplizierte Rülpser und exquisite Pupser und insbesondere durch bemerkenswerte Speichelabsonderung (was seine spätere sprachliche Entwicklung zweifellos ungemein beeinflusst). Später entwickelt sich Edwin zu einer eigenartigen, seltsam widersprüchlichen Persönlichkeit; Selber mit hintergründigem Witz begabt, aber ohne jedes Verständnis für den Humor anderer… Jeder Veränderung abgeneigt, aber doch fähig, sich nötigenfalls an alles zu gewöhnen… Und sein unergründlicher Charakter wird es auch sein, der dazu führt, dass er genau an seinem elften Geburtstag und genau zu seiner Geburtszeit (nämlich um 1.06 Uhr) auf dramatische Weise stirbt.
Mit gnadenloser Detailversessenheit berichtet Jeffrey von jeder Kleinigkeit im Leben seines genialen Freundes, von den ersten Gehversuchen über die insgesamt zwei Wochen in Miss Herseys Kindergarten bis zu Edwins erstem (und letztem) Schwarm – und lässt dabei auch seine Fantasie nicht zu kurz kommen.