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von Niklas Lang v/o Kavalier im Namen der Aktivitas
Die Gründung des KTV Concordia führt uns in den Herbst des Jahres 1868 zurück, genauer gesagt zum 8. November. Die fünf Kantonsschüler Adolf Zürcher, Johann Pfister, Johann Keller, Wilhelm Neuweiler und August Koch gründen den KTV Concordia wie wir ihn heute kennen. Soviel sollte uns allen (noch) bekannt sein, sollte auch die Brandfuxen- respektive Burschenprüfung vielleicht doch schon eine Weile zurückliegen. Doch was war zuvor? Bekanntlich begann man schon vor dem Jahre 1868 (15 Jahre nach der Eröffnung der Kantonsschule in Frauenfeld) mit Turnen und Prosten auf höchstem Niveau.
Die Existenz eines „alten Turnvereins“, dessen Gründungsdatum leider nicht genau bekannt ist, lässt sich einerseits in den ersten Zeilen des ersten Protokolls des KTV Concordia aus dem Jahre 1872 in folgendem Wortlaut bestätigen:
„Als im Frühling des Jahres der Schwanengesang der „Concordia“ verklungen, tauchte sie am 8. November des gleichen Jahres wieder am Horizonte des Kantonsschulhimmels auf, um von Neuem ihren Segen und ihre Wohltaten den Jüngern der edlen Turnkunst zu spenden…“
Andererseits weist auch ein Protokoll des Schulkonvents aus dem Jahre 1857 auf einen Vorläufer der Concordia hin, der möglicherweise gar den gleichen Namen trug, was jedoch nicht wörtlich erwähnt wird. Dem besagten Protokoll ist der Beschluss zu entnehmen, dass der Lehrerkonvent den bestehenden Verein auflösen würde, sollte er sich nicht den „ernsten Vorstellungen“ des Konvents fügen. Ausschlaggebend zu diesem Ratschluss waren Exzesse auf der Turnfahrt kurz zuvor, namentlich das Rauchen (auch heute sind diesen Exzessen auf dem Schulareal durch klar gekennzeichnete Raucherzonen Grenzen gesetzt). Den wichtigsten Nachweis brachte jedoch Rektor Friedrich Mann in seiner 1868 bei H. Huber in Frauenfeld veröffentlichten Redesammlung mit dem sinnigen Titel „Schulreden“. Darin zu finden: Eine Rede aus dem Jahre 1862, wo er mit den folgenden Zeilen die Existenz des Turnvereins endgültig bestätigte:
„Wie das bürgerliche Leben, so hat auch unsere Schule freie Vereinigungen Einzelner zu einem gemeinsamen Zwecke aufzuweisen; an der oberen Abteilung bestehen und gedeihen Vereine. In einem derselben stählt Ihr in jugendlichem Spiele den Körper, im andern pflegt Ihr den das Gemüt veredelnden Gesang.“
Weitergehend lobte Rektor Mann die Verdienste dieses ersten Turnvereins, der anscheinend (zumindest zeitweise) unter der Lehrerschaft vollste Anerkennung genossen zu haben scheint. Nun da wir wissen, dass schon vor dem offiziellen Gründungsdatum des KTV Concordia ein Turnverein an der Kantonsschule existierte, doch stellt sich nun die Frage, wie es um diesen geschah? Diese Frage lässt sich ziemlich einfach beantworten: Die Mitglieder des Vereins hielten sich nicht an die vom Konvent auferlegte Regelung, worauf dieser seinem Drohwort Folge leistete und den Verein 1858 suspendierte. Nur gerade vier Jahre später, nämlich 1862 gedieh an der Kantonsschule ein neuer Turnverein. Doch auch dieses Datum gilt nicht als Gründungsdatum des KTV Concordia, was aber womöglich auch damit zusammenhängt, dass die Thurgovia im selben Jahre ihre erste Schaffung fand. Die Antwort auf die Frage, weshalb sich auch der zweite Turnverein nicht etablieren konnte, finden wir ebenfalls in einem der ersten Protokolle des KTV Concordia:
„Ein bedauernswerter Unfall, namlich ein Armbruch eines Mitgliedes (Roth) beim Turnen am Pferd, sowie ähnliche kurz vorhergegangene kleinere Unfälle waren die Ursache des Hinschiedes der Concordia.“
Ungeschickt ausgeführte Turnübungen waren also der Grund für die Auflösung des zweiten Turnvereins vor dem KTV Concordia. Ähnlich erging es auch der Thurgovia, welche wenig später ebenfalls vom Konvent aufgelöst wurde, jedoch aus völlig anderen Gründen (was durchaus Sinn ergibt, da sich noch nie ein Thurgler grossem sportlichem Talent erfreute).
8. November 1868: Der Kantonsschulturnverein Concordia wird gegründet. Immer mehr nimmt der Verein Struktur an, immer mehr wird er zu dem, was er heute ist. 1874 die erste Kneipe, 1878 das Schaffen der Biergemeinden durch Unterteilung in Burschen und Fuxen, 1887 die Gründung der ersten Bierfamilie (Loch). Dies nur ein paar wenige Anekdoten zur Entwicklung des KTV Concordia. Ein weiteres Ereignis von Bedeutung ereignete sich jedoch noch vor der ersten Kneipe, nämlich im Jahre 1872. So wurde am 1. November in Frauenfeld, veranstaltet durch den Männerturnverein, ein Ostschweizer Turnfest durchgeführt. Für die noch junge Concordia die erste Möglichkeit, ihre Turnkünste öffentlich zu präsentieren. Hauptattraktion dieses Schauspiels war ein „Kriegstanz“, aufgeführt von der Concordia (wie gerne wir alle diesen wohl heute sehen würden…). Das Turnen an jenem Tage sollte um 12 Uhr beginnen. Was glaubt ihr nun doch, wie man den Morgen verbracht hat? Vielleicht mit einer kalten Dusche? Oder mit eifrigem Üben (wie es sich heute gehört), mit Dehnen und Atemübungen? Weit gefehlt! Liest man nämlich das Protokoll von jenem Turnfest, so ist diesem folgender Satz zu entnehmen:
„Da das eigentliche Fest erst um 12 Uhr beginnen sollte, so wurden zuerst noch die Bacchus- und Gambrinustempel heimgesucht, um den Frauenfelder Bierstoff zu kosten oder die Kehle vorläufig einzuweichen.“
Jedoch muss hier angemerkt werden, dass die Concordianer sich schon zu dieser Zeit nebst der eisernen Stärke am Becher auch turnerisch höchst potent zeigten. So wurden beim ersten kantonalen Preisturnfest in Bischofszell (1874) neun von zehn Concordianern mit Preisen gekrönt. Eine Glanzleistung, welche vermutlich ausschlaggebend zum Beitritt in den kantonalen Turnverband war. Der Konvent bewilligte das Gesuch und der KTV Concordia staubte die darauffolgenden 40 Jahre an jedem kantonalen Turnfest zwischen drei und siebzehn Einzelpreise ab.
Seit nun doch schon einigen Jahren nahm die Concordia nicht mehr an einem Turnfest teil – die Generation 06 nahm zuletzt sowohl am kantonalen Turnfest 2006 (Weinfelden), als auch am nationalen Turnfest 2007 (Frauenfeld) teil. Doch dieses Jahr wird die Aktivitas nach (zu) langer Absenz wieder ins Geschehen eingreifen, Ende des August an den Bielersee reisen und ihr Können in der Leichtathletik unter Beweis stellen. Passend zum 150-jährigen Jubiläum des KTV Concordia wird 2018 das nächste kantonale Turnfest im Thurgau ausgetragen, wo alles daran gesetzt wird, an die sportlichen Leistungen der „Ur-Concordianer“ anzuknüpfen.