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Tortuguero, 23. bis 24. August 2007
Um 6.30 wurden wir im Hotel mit einem Shuttle abgeholt. Wir fuhren durch einen Nationalpark, der bekannt ist für seinen Nebelwald. Die Temperatur an diesem Ort beträgt den Tag durch ca. 22 Grad. In der Nacht kühlt es ab auf ca. 8 Grad. Um sich zu schützen, machen die Pflanzen das gleiche wie die Menschen, sie kühlen sich selber ab, d.h. sie beginnen zu schwitzen. Dadurch entsteht dieser Nebel, der praktisch permanent über dem Wald liegt. Sieht sehr schön aus und hat was Mystisches. Dort wächst auch ein Busch mit sehr grossen Blättern, der wird von den Ticos (Abkürzung für Costa Ricaner, so wie Nico für die Nicaraguaner) “the poor man’s umbrella” (des armen Mannes Regenschirm) genannt, weil es früher von den Einheimischen als Regenschirm benutzt wurde.
Vor diesem Wald fuhren wir durch den längsten und gleichzeitig kürzesten, weil einzigen Tunnel in ganz Costa Rica, er wurde unter einem erloschenen Vulkan hindurchgebaut. Nach dem Regenwald ging’s ins Flachland, in die Provinz Limon runter. Dort wurde es sofort wieder wärmer. Freddy, unser Guide, zeigte uns einen Vulkan in der Ferne, über dem ein paar Rauchwölkchen hingen. Der Vulkan war seit ca. einer halben Million Jahren nicht mehr tätig und ist nun seit ca. 2 1/2 Monaten wieder aktiv. Den Ticos gefällt das nicht besonders. Sie befürchten einen Ausbruch. Das hätte gewaltige Auswirkungen auf die karibische Seite Costa Ricas. Eine Holländerin wollte einen Witz machen und sagte, sie würde den Vulkan jetzt gleich gerne explodieren sehen. Das fand Freddy nicht so lustig, obwohl er selber auch ein paar Witze auf Lager hatte. Er hat uns während der Fahrt gut unterhalten und uns viele Sachen erklärt. Kurz vor Guapiles mussten wir kurz halten, weil Freddy seiner Frau Geld bringen wollte. Sie wartete da am Strassenrand mit dem kleinen Söhnchen Steven, das Freddy uns im Shuttle ganz stolz herumzeigte. Während der ganzen Fahrt im Flachland sahen wir riesige Kaffee-, Ananas- und Bananenplantagen. RIESIG!
Bei einer Bananenplantage hielten wir an und konnten dem Arbeitsprozess von Beginn bis zum Verpacken zuschauen. Es war eine Delmonte Plantage. Auf Costa Rica gibt es die drei grossen Bananenproduzenten: Delmonte, Chiquita und Dole. Auch Max Havelaar, respektive Fairtrade ist hier aktiv.
Nach ca. 2 1/2 Stunden kamen wir am Hafen an und stiegen auf ein Boot um. Die Bootsfahrt dauerte ca. 1 1/2 Stunden und war sehr schön. Wir fuhren durch eine Art Mini-Amazonas. Ein breiter Fluss, auf beiden Seiten grüner Dschungel. Auf dieser ersten Fahrt sahen wir bereits viele Vögel. Auf späteren Bootsfahrten durch Seitenkanäle sahen wir Kaimane, Krokodile, Spider Monkeys, Howler Monkeys, Weissgesichtaffen und Tucans
Mit dem Boot fuhren wir gleich zu unserer Unterkunft, die Monkeys Lodge. Wir waren angenehm überrascht. Die Lodge liegt gleich am Fluss und doch mitten im Dschungel. Sie ist sehr schön angelegt, mit breiten Wegen und vielen Pflanzen. Am Abend sahen wir hauptsächlich Frösche, Kröten, Spinnen mit sehr grossen Spinnennetzen und auch einen Kaiman und Termiten. War total interesannt, dort herumzulaufen.
Am Nachmittag gingen wir in die Stadt und ins Museum. Das Museum ist nicht besonders gross, zeigt aber einen informativen Film über die “Green Sea Turtle”, die grüne Meeresschildkröte. Und hauptsächlich wegen dieser Schildkröte sind wir ja auch hergekommen. Der Tortuguero Nationalpark ist der grösste Nistplatz der grünen Meeresschildkröte in der westlichen Hemisphäre. In der Zeit von Juli bis Oktober kann man die Schildkröte beobachten, wie sie aus dem Meer kriecht, um im Sand ihre Eier abzulegen. Die grünen Meeresschildkröten sind ca. 1m bis 1.20m lang und wiegen ca. 120 Kilo. Also ziemlich grosse Exemplare.
Nach dem Abendessen in der Monkey Lodge mussten wir um halb acht bereit sein, um mit einem lokalen Führer auf die zweistündige Tour zu gehen. Leider hatten wir etwas Verspätung, weil ein Tourist sein Nationalparkticket nicht mehr finden konnte. Er musste aber eines haben, sonst wäre er nicht in den Park hineingekommen. Die Ticos sind ja sehr nett und hilfsbereit und rannten herum, bis sie eines fanden, das er benutzen konnte. Die Regeln für den Park sind sehr strikt, keine Kamera, keine Taschenlampe, keine Handies, gar nichts darf man mitnehmen, bzw. am Strand benutzen. Man muss die Anweisungen des Guides befolgen, sonst verliert dieser für eine bestimmte Zeit seine Lizenz. Darum sind die Guides sehr darauf bedacht, dass allen die Regeln klar sind.
Und dann ging es los. Wir waren im Sektor fünf am Strand eingeteilt und wanderten etwa 20 Minuten durch den Dschungel, bis wir am Strand ankamen. Kaum waren wir aus dem Gebüsch heraus und standen am Strand, sahen wir schon eine Schildkröte, die sich dort einen Nistplatz suchte, wo der Strand langsam in den Dschungel übergeht. Leider sah sie uns auch, respektive unsere Bewegungen, was sie dazu veranlasste, den Platz zu verlassen und wieder ins Meer zurück zu kriechen.
Da wir sofort stillstanden und sie keine Bewegung mehr sah, war sie beruhigt und kehrte wieder um. Von da an hiess es, sich sehr vorsichtig zu bewegen. Reden durften wir, da sie ausserhalb des Wassers sehr schlecht hört, aber dafür hat sie sehr scharfe Augen. Sobald die Schildkröte aber am Eierlegen ist, fällt sie in eine Art Trance und lässt sich gut beobachten. In jedem Sektor hat es mindestens einen Ranger, der die Schildkröten beobachtet. Wir konnten somit einfach warten, bis er winkte, wenn es etwas zu sehen gab. Wir sahen, wie eine Schildkröte vom Meer her zu einem von ihr ausgesuchten Platz kroch und wie einige Schildkröten nach getaner Arbeit wieder ins Meer krochen. Und auch, wie eine Schildkröte ein tiefes Loch gräbt und dann ihre Eier hineinplumpsen lässt. Die Eier sind ganz weich, damit sie nicht zerbrechen beim runterplumpsen. Die untersten Eier sind befruchtet, die obersten unbefruchtet. Das macht die Schildkröte absichtlich, weil Koyoten und andere Tiere nachher versuchen, die Eier zu fressen. Die unbefruchteten schmecken scheusslich für die Tiere und darum verschwinden sie wieder und lassen die befruchteten unberührt. Nachdem alle Eier draussen respektive drin waren, fing die Schildkröte an, das Loch wieder zuzubuddeln. Erst mit den Hinterbeinen, dann mit den Vorderbeinen. Und wenn das Loch richtig zu ist, kriecht die Schildkröte ins Meer, schaut sich nicht mehr um und kommt in zwei bis drei Jahren wieder an den gleichen Strand zum Eierlegen zurück. Das ganze Prozedere dauert ca. zwei Stunden und ist harte Arbeit für die Schildkrötendamen. Das Männchen wartet derweil im Wasser, bis die Dame seines Herzens wieder kommt.
Das war ein wunderbares und sehr eindrückliches Erlebnis!
In unserer Unterkunft zurück, waren alle müde und gingen bald schlafen. Unsere Gruppe ist kunterbunt gemischt mit Spaniern, Holländern, Amerikanern, Italienern und wir. Schweizer haben wir noch nicht viele getroffen. Ein Traveler aus Mallorca arbeitet ab und zu für seine Firma in San José und nutzt jede Gelegenheit, um dabei reisen zu gehen. San José mag er nicht, wie übrigens ziemlich alle, die wir bisher getroffen haben. Der Mallorcaner hat erzählt, er hätte auf der Strasse mit dem Handy telefoniert und plötzlich eine Pistole im Gesicht gehabt und das Handy abgeben müssen. Er war ziemlich traumatisiert und wir haben auch leer geschluckt. Schliesslich sind wir gestern mit Laptop und Rucksack durch halb San José marschiert, um sie im Hostel zu deponieren. Aber vom Rest von Costa Rica war der Mallorcaner absolut begeistert. Und wir freuen uns auch sehr darauf, noch mehr zu sehen. Vier Wochen haben wir Zeit, Costa Rica zu entdecken.
Am nächsten Morgen ging es nach dem ausgiebigen Frühstücksbuffet auf Bootstour in die Kanäle. Die Fahrt haben wir sehr genossen. Am Nachmittag suchten wir noch Krokodile und fanden auch eines – zwar nur kleines. Nachdem wir in Bolivien bereits ziemlich viele und grosse Kroks gesehen hatte, die einfach auf der Sandbank rumlagen, war der Aha-Effekt allerdings nicht mehr so gross.
Am Nachmittag machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach San José.
Tortuguero ist so ziemlich der einzige Park in Costa Rica, der nur per Flugzeug oder per Boot erreichbar ist. So fuhren wir also zuerst wieder mit dem Boot und wechselten nachher auf das Shuttle. Um 19.00 Uhr kamen wir in San José an. Die letzte halbe Stunde unterhielt uns Thomas, der Tourguide, mit seinen Lebensweisheiten, leider nur in Spanisch, sodass wir nicht ganz alles verstanden. Thomas verkörpert so richtig den Geist von Costa Rica, das „pura vida“, easy going, viel lachen, nicht alles so tierisch ernst nehmen. Wir glauben aber auch, dass die Guides sehr viel Erfahrung mit Touristen haben. Neben dem lässigen Stil sind sie Profis und wissen sehr gut, wie sie mit Touristen umgehen müssen.
In San José wurden wir beim Hostel Pangea abgesetzt, das gemäss Thomas hier offenbar „der Bunker“ genannt wird. Ja super, steigen wir jetzt in einem Bunker ab? Der erste Eindruck war wirklich so. Die Reception sehr dunkel und unser Zimmer ziemlich basic. Dabei ist das Hostel Pangea im Lonely Planet als „Authors Choice“ aufgeführt. Dies hat leider auch zur Folge, dass dort alle hingehen (wir ja auch:-))), und deshalb ist das ganze Hostel wie ein Ameisenhaufen mit langen Wartezeiten an der Reception und an den Internetstationen. Wir findens also nicht so top und es wäre sicher nicht unsere erste Wahl.
(Room with a view ;-) – unsere Aussicht im Pangea..)
Nun waren wir aber hier und machten, was vermutlich die meisten hier tun: Schnell in San José absteigen und von hier wieder eine Tour organisieren. Dies ist fast unumgänglich, da San José in der Mitte von Costa Rica liegt und somit ein Verkehrsknotenpunkt für Busse und andere Transporte ist. Wir wollen eine Rückkehr nach San José vor unserem Weiterflug nach Neuseeland in vier Wochen möglichst vermeiden und gehen darum individuell auf Tour.
Nach dem Auspacken suchten wir was zu essen. Da wir uns hier noch nicht so auskannten, gingen wir gleich in das Restaurant gleich nebendran. Vermeintlich Restaurant…es war wohl eher eine Kontaktbar mit älteren Amis und jüngeren Ticas. Sextourismus wird in Costa Rica offenbar immer mehr zu einem Problem. Die Regierung beobachtet das ganze aber offenbar. Hoffentlich wird dem ein Riegel geschoben, bevor es zu einem so grossen Problem wie in Thailand wird.
Nach dem Frühstück suchten wir am nächsten Morgen die Busstation, um nach „La Fortuna“ im Norden zu kommen. Die Busstationen in San José sind etwas verwirrend und man erkennt nicht gleiche alle als solche. Wir liefen ein Weilchen und kamen durchs Rotlichtviertel (T wurde doch tatsächlich von einer Dame angesprochen, obwohl R dabei war :-). Das wollten wir ja eigentlich nicht, aber davon stand auch nichts im Stadtplan. Nach einigem Fragen und Suchen fanden wir die Busstation und kauften ein Ticket für morgen nach La Fortuna.
Danach suchten wir eine Tasche oder einen Sack, worin wir unsere Sachen versorgen können, die wir nicht mit auf unsere Tour mitnehmen wollen. Eine Tasche fanden wir keine, darum haben wir uns riesige „all purpose bags“ (eigentlich grosse Abfallsäcke) und Klebeband gekauft. Morgen wird alles verschnürt und im Gepäckraum hier im Hostel deponiert.
Dann mussten wir wieder einmal Geld abheben. Danach laufen wir einfach immer mit unschuldigen Gesichtern rum, damit keiner merkt, dass wir viel Geld auf uns tragen. Anschliessend gönnten wir uns ein feines Mittagessen mit Kartoffelstock und Shrimps als Vorspeise, mmmhhh, und Seabass und Shrimps mit Knoblauch. Yummie, sehr lecker. Die Köchin würden wir grad mit nach Hause nehmen.
Danach hiess es, Föteli sortieren, Text fürs Traveldiary schreiben und alles um- und einpacken. Und schon wars wieder Abend. Morgen gehen wir auf unsere Rundreise und freuen uns schon sehr darauf…