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Fünf Nerds, die die Welt verändert haben
Douglas Adams soll einmal gesagt haben: „A nerd is a person who uses the telephone to talk to other people about telephones“. Eine schöne Definition. Insbesondere, weil es auch Nerds waren, die das Telefon erfunden haben. Man könnte auch sagen: Nerds machen die Welt ein bisschen besser, indem sie Dinge erkennen, erfinden oder ersinnen, auf die vor ihnen niemand gekommen ist. Ohne die gefeierten Fachidioten (wie sie DER SPIEGEL so schön nannte), deren Gattung viel länger existiert als das Wort dafür, wären die Physik, das Programmieren, das Gaming, die Musik und die Literatur heute nicht, was sie sind. Hier sind fünf Beispiele dafür.
1. Archimedes
Der griechische Mathematiker, Ingenieur und Physiker berechnete die Archimedes-Konstante (Vorläufer der Zahl Pi) und entdeckte die Hebelgesetze. Außerdem formulierte er das Archimedische Prinzip, nachdem der statische Auftrieb eines Körpers in einem Medium genauso groß ist wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums. Der Historiker Plutarch schrieb, dass Archimedes „im Banne einer ihm wesenseigenen, stets in ihm wirksamen Verzauberung sogar das Essen vergaß, jede Körperpflege unterließ, und – wenn er mit Gewalt dazu gebracht wurde, (...) geometrische Figuren auf die Kohlenbecken malte und, wenn sein Körper gesalbt war, mit Fingern Linien darauf zog, ganz erfüllt von einem reinen Entzücken und wahrhaft von seiner Muse besessen“. Seine Nerdigkeit hat ihn, der Legende nach, auch das Leben gekostet: Als er einmal völlig in ein mathematisches Problem versunken geometrische Formen in den Sand zeichnete, näherte sich ihm ein Soldat. „Noli turbare circulos meos!“, soll Archimedes ihn angeblafft haben (Latein für „Störe meine Kreise nicht!“), woraufhin der Soldat ihn erschlug.
2. Ada Lovelace
Die Britin war gleich zweierlei, was Frauen zu ihrer (viktorianischen) Zeit nicht zu sein hatten: Mathematikerin und neugierig. Letzteres wegen ihrer Mutter, die ihr eine umfassende Ausbildung ermöglichte und ihr eigenes großes Interesse an den Naturwissenschaften an die Tochter weitergab. Ada unterstützte den Mathematikprofessor Charles Babbage bei der Arbeit an dessen Analytical Engine, einer mechanischen Rechenmaschine für allgemeine Anwendungen (die leider nur ein Entwurf blieb). 1942 übersetzte sie eine Beschreibung der Maschine eines anderen Mathematikers ins Englische und kommentierte sie dabei ausführlich. Am Ende war ihre Fassung dreimal so lang wie der ursprüngliche Text und enthielt einen Plan zur Berechnung von Bernoulli-Zahlen mit Hilfe dieser Maschine. Fast 100 Jahre bevor Konrad Zuse die erste programmierbare Rechenmaschine konstruierte, schrieb sie so das erste Computerprogramm der Welt. In den 70ern wurde die erste standardisierte Hochsprache nach ihr benannt (ADA). Das blockchain-basierte Netzwerk Carando benannte 2017 seine erste Anwendung, eine Kryptowährung, ebenfalls nach ihr.
3. Ralph H. Baer
Der Deutsch-Amerikaner erfand die erste Spielkonsole für den Heimgebrauch. Aufgewachsen im pfälzischen Pirmasens, flüchtete er 1938 mit seiner jüdischen Familie in die USA und absolvierte eine Ausbildung zum Fernsehtechniker. Anschließend war er für einen US-Milltitärzulieferer tätig; entwickelte u.a. Geräte zur Überwachung des Funkverkehrs während des Kalten Krieges. 1966 kam ihm die Idee, TV-Geräte auf eine neue Art nutzbar zu machen: interaktiv. Mit Hilfe seiner Kollegen William L. Harrison und William T. Rusch baute er insgesamt sieben Prototypen eines Gerätes, das sie einfach „brown box“ nannten. In eine rechteckige Holzkiste wurden Dioden, Transistoren und Widerstände verbaut, diese an einen Fernseher angeschlossen, auf dem eine mit einem Spielfeld bedruckte Folie befestigt wurde. Streng genommen war seine Erfindung also kein Videospiel, sondern ein Brettspiel mit Konsolenhilfe. Die Firma Magnavox sicherte sich schließlich die Rechte und brachte die Konsole unter dem Namen „Magnavox Odyssey“ 1972 auf dem Markt (für 100 USD).
4. Daphne Oram
Die Engländerin arbeitete in den 40er Jahren als Tontechnikerin bei der BBC. Nebenbei widmete sie sich der Erzeugung von Klängen ohne Musikinstrumente. Nach Dienstschluss suchte sie sich verschiedene Geräte, vor allen Tonbandgeräte, in den leeren BBC-Studios zusammen und experimentierte damit. Sie zeichnete verschiedene Klänge auf und verfremdete sie, z.B. durch Filter, Echo, Rückwärtsabspielen oder Loopen. So erstellte sie sich eine Klang-Bibliothek und konstruierte damit ganze Stücke. Später richtete sie sich ein eigenes Studio in Kent ein, das Oramics Institute for Electronic Composition. Dort entwickelte sie mit der Oramics-Technik ein System zur grafischen Klangerzeugung. 35-mm-Filmstreifen wurden von Hand mit Symbolen bemalt, die musikalische Parameter wie Rhythmus und Tonhöhe definierten. Anschließend wurden die Streifen in eine Maschine eingelesen, die sie auf fotoelektrischem Weg in Klänge umwandete. Diese Kompositionsmaschine gilt als das erste von einer Frau konstruierte elektronische Musikinstrument. Und Oram bis heute als Pionierin der elektronischen Musik.
5. George R.R. Martin
Mit seinem Epos „Game of Thrones“ wurde der amerikanische Autor weltberühmt. Schon als Teenager schrieb er Grusel- und Monstergeschichten, die er in der Nachbarschaft verkaufte, was wütende Anrufe aufgebrachter Eltern zur Folge hatte. Mit 23 absolvierte er seinen Master in Journalismus, veröffentlichte weitere Geschichten und bekam für „A Song for Lya“ seinen ersten Science Fiction Achievement Award (kurz: Hugo Award). In den späten 1980er Jahren schrieb er Drehbücher für die legendäre US-Serie „Twilight Zone“ und sammelte Erfahrungen als TV-Produzent. 1996 erschien „A Song of Ice and Fire“, der GOT-Grundstein, der heute aus sieben Romanen besteht. Der US-Fernsehsender HBO verfilmte die Buchreihe schließlich; der Rest ist (TV-)Geschichte. Was Martins Stil so besonders macht, sind zum einen extrem komplexe Handlungsstränge mit ambivalenten Figuren, die fast nie nur gut oder nur böse sind. Zum anderen bricht er gerne mit Konventionen und lässt seine Hauptfiguren sterben – oft überraschend und ohne Vorwarnung. Überraschend ist auch, dass Martin seit 1987 mit dem Textverarbeitungsprogramm WordStar 4.0 schreibt - auf einem DOS-Computer. „Wozu brauche ich 75 Schriftarten?“, sagte er Conan O’Brien in einem Interview dazu. „Ein Text muss ordentlich aussehen und gut lesbar sein“.
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