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«Rap is what we do, hip hop is, how we live» (KRS One)
Hip-Hop ist ein Ausländer – ein Ausländer mit einer ganz eigenen Sprachkultur. Er verkörpert einen Lebensstil, der für einige von uns fremd wirken kann.
Entstanden ist Hip-Hop in den 70er Jahren in New York, im Stadtteil Bronx. Jugendbanden lösten ihre Auseinandersetzungen mit Gewalt. Afrika Bambaataa gründete die Zulu Nation, eine Organisation, die versuchte, Jugendlichen Alternativen zur Gewalt aufzuzeigen. Statt sich gegenseitig zu erschiessen, sollten sie durch Tanzen und gute Reime beweisen, wer der Bessere ist. Ein kreativer Wettbewerb ist so entstanden, welcher sprachlich (Rap), musikalisch (Plattenaufleger), tänzerisch (Breakdance) und künstlerisch (Graffiti) ausgetragen wurde. Man spricht hier von den vier Grundpfeilern des Hip-Hops:
MCing: In Afrika bestand die Tradition der ausgebildeten Sänger, welche von Dorf zu Dorf zogen, die ihre Nachrichten in Form von Gesang weitergaben, welche durch Zwischenrufe der Zuhörenden kommentiert wurden. Dieses Call & Response-Schema diente den Wortgewaltigen als Muster, welches bald rhythmische Reimformen annahm. Die bekannten Sprechgesang-Parts bahnten den Weg für das Freestyle der MCs (Master of Ceremony).
DJing: Plattenspieler wurden durch percussionsmässiges Einsetzen von Scratches (Nadelverschiebung) und Beat-Juggeling (beliebig wiederholbare Breaks) zu einem Musikinstrument. Der DJ konnte durch die doppelte Ausführung spezieller Vinylplatten die Songs ohne Unterbrechung wiederholen.
B-Boying: Der Breakdance steht für die sportliche Seite des Hip-Hop. Jede Form von Kampf wurde als Tanz «getarnt». Ohne Körperkontakt wurde in B-Boying-Battles gegeneinander angetreten.
Writing: Die Botschaften wurden durch Graffiti auf Wände (Privathäuser und antike Gebäude sind Tabu) gesprayt. Auch hier entstand ein Wettbewerb. Ehrenvolle Wettkämpfer zeigen ihren Respekt und vermeiden das Übermalen der fremden Graffiti.
Mit dieser Umgrenzung des Hip-Hops wird ersichtlich, dass hier gewalttätiges Potenzial auf eine erfrischende und kreative Art kanalisiert wurde. Mit der Entstehung von Hip-Hop sahen viele Jugendliche auf einmal wieder Sinn in ihrem Leben. Sie erzählen kreativ von ihrem Leben, von Werten und Gefühlen, von Leiden, Ohnmacht. Die Verständigung auf dieser künstlerischen Ebene führte zu gegenseitigem Respekt und Anerkennung, sodass in der Hip-Hop-Kultur im Jahr 2001 Forderungen in achtzehn Paragraphen formuliert wurden.
«Hip-Hopper sollen die Armut bekämpfen, gegen Ungerechtigkeit sprechen und eine fürsorgliche Gesellschaft und eine friedlichere Welt schaffen. Die Hip-Hop-Kultur unterstützt Dialoge und Handlungen, die die Teilung in der Gesellschaft heilen, die rechtlichen Belange der Menschheit vertreten und den Frieden vorantreiben.» (§ 14) Diese Grundhaltungen, welche Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Wissen, Weisheit und Verständnis beinhalten, sind leider in manchen Rap-Auswüchsen von heute nur schwer zu finden. Umso mehr ist es Aufgabe der kirchlichen Mitarbeitenden, die Schwätzer und Schwafler unter den Rappern von den Philosophen zu trennen.
Hip-Hop ist ein Migrant – die ersten Vertreter und Vertreterinnen, welche Hip-Hop in den deutschen Sprachraum brachten, waren Kinder von Migranten. Die zentralen Themen von «Advanced Chemistry» waren politisch und intellektuell motiviert und drehten sich überwiegend um ihre Identität als Deutsche ausländischer bzw. afrodeutscher Herkunft. Das Album «Esperanto» des Rap-Trios «Freundeskreis » wurde ein Synonym für Hip-Hop als Sprache, beziehungsweise Kultur einer sich international verstehenden Jugend. Der Schweizer Rapper «Greis» hat soeben sein neues Album mit dem Song «Santa Maria» veröffentlicht. Es ist ein tiefgründiger Song über die Träume und Sehnsüchte der Flüchtlinge, die per Schiff übers Mittelmeer nach Europa wollen. Das Album «-ic» von «Milchmaa» beschäftigt sich mit dem Thema Migration.
Hip-Hop bekommt Asyl – ein Hip-Hop-Gottesdienst findet am 29. November in der Marienkirche statt. Die lyrisch begabten Berner wie ND-Light, Teist, best-elle, MC Gringo oder Riggi werden ihre Texte in Form eines Raps zum Besten geben. Der Gottesdienst versucht ernsthaft, jungen Philosophen zum Themenfeld «auf der Flucht» eine Plattform zu bieten. Gespannt kann man darauf sein, wie sie nun ob diesem grossen Thema ihre Gedanken in Tanz, Rap und Sound in die Kirche bringen.
Patrik Böhler
Quellen: Klaus Abbrederis, Junge Kirche Österreich, Arthur Thömmes, Katechetische Blätter 4/2000, Medienmitteilung Hip-Hop Center
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