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Oristano-Alghero
30.06.2017 Oristano-Alghero
Der Himmel ist mit dunklen Regenwolken bedeck. Früh verlasse ich das angenehme B&B in Oristano. Es tröpfelt bereits. Das erste Stück muss ich verbotenerweise auf die Autobahn, denn die andere Ausfahrt aus der Stadt kann ich nicht finden. Ich gelange nach Zeddiani, wo mir eine hübsche Wandmalerei auffällt. Die Weiterfahrt auf Nebenstrassen braucht viel Zeit und Nerven. Die Strassen sind teilweise so schlecht, dass sie nur noch aus Löchern bestehen, wie in der Ukraine oder in Bulgarien. Endlich komme ich im Nuraghe Losa bei Abbasanta an. Durch den Torturm betritt man das mit einer Mauer umgebene Gelände. Der Nuraghe selbst ist recht klein, weist aber ein paar Innenräume und insbesondere einen schneckenförmigen Gang nach oben auf. Kurz vor Macomer, in Borore, besuche ich die Tomba di Giganti erst fahre ich glatt daran vorbei. Erst ein Einheimischer kann mir zeigen, wo sie sind, hinter einer Mauer verborgen und ohne jedes Hinweisschild. Es fallen ein paar sehr exakt geschnittene Steine auf, der Rest ist fast bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Was so 3‘000-3‘500 Jährchen den Sachen anhaben können! In Macomer muss ich erst den Supermarkt suchen, der so schlecht angeschrieben ist, dass man es nur von der Gegenrichtung aus sehen kann. Viel Zeit und viele Kilometer gehen drauf. Nachdem ich mir ein Mittagessen eingekauft habe, mache ich mich auf den Weg nach Tamuli, das westlich und oberhalb von Macomer liegt. Dort besuche ich der Reihe nach die Tomba di Gigante "C" (fast völlig zerstört, nur noch ein Steinhaufen), die Tomba di Gigante "B" (etwas besser erhalten), die am besten erhaltene Tomba di Gigante "A" mit den daneben aufgestellten Baetyls (möglicherweise Frauendarstellungen, denn sie haben „Brüste“), sowie den miserabel erhaltenen und für den Zugang gesperrten Nuraghe. Vor dem Nuraghe stehen, was sonst noch nirgends zu sehen war, einige Steinhütten mit Steindächern, die nach wie vor intakt sind. Möglicherweise waren es Ställe, denn für Menschen sind sie zu niedrig. Beim Herausgehen fällt mir noch einmal der schön gearbeitete Schlüsselstein von Grab A auf. Auf dem Parkplatz verzehre ich mein mitgebrachtes Mittagessen. Auf der Autobahn, die ab hier nicht mehr für 125er Scooter gesperrt ist, erreiche ich den Nuraghe Santu Antine bei Torralba. Dieser Nuraghe schlägt alles, was ich bisher gesehen habe. Im Innern hat es riesige, hohe Räume. Auf der ersten und der zweiten Ebene hat es je einen gedeckten Rundgang, in der zweiten Ebene ist das Dach allerdings eingestürzt. Eine spiralförmige Treppe führt bis ganz nach oben. Leider hat es in der Zwischenzeit zu regnen begonnen. Ein Anruf in der Unterkunft scheitert, das Handy der Zimmerwirtin ist aus. Ich ziehe das Regenzeug an und fahre weiter nach Alghero. Schon bald muss ich nochmals anhalten und auch die Regenhandschuhe und Gamaschen anziehen, denn der Regen wird immer stärker. Tatsächlich wird er zum tosenden Gewitterregen. Ich fahre deshalb ganz langsam. Bei Ittiri folge ich einem Wegweiser „Alghero“. Das hätte ich besser nicht getan, denn es gibt keine weiteren Wegweiser nach Alghero, so dass ich trotz dem strömenden Regen versuchen muss, meinem Handy, das sich bei Regen absolut nicht bedienen lassen will (der Touchscreen beginnt zu spinnen), eine Ortung abzulocken. Schliesslich gelingt mir das nach längerem Probieren. Ich bin tatsächlich falsch. Ich fahre zurück und finde nun ein Schild, das aus der anderen Richtung gar nicht erkennbar war. So finde ich nach sechs Kilometern Umweg doch noch die Strasse nach Alghero. In Alghero tanke ich auf und benutze das Dach der Tankstelle, um das Handy abzutrocknen und ihm einen Ortung zu meiner Unterkunft abzuringen. Schliesslich gelingt auch das und ich fahre los. Nach kurzer Zeit habe ich meine Unterkunft „Casa Francesca“ gefunden. Doch es gibt kein Schild und niemand ist da. Verzweifelt versuche ich der Zimmerwirtin zu telefonieren, doch ihr Telefon ist immer noch abgeschaltet. Endlich ruft die Zimmerwirtin zurück und verspricht, vorbeizukommen. Ich warte im strömenden Regen. Nach einiger Zeit taucht sie tatsächlich auf. Sie musste extra von der Arbeit weg. Rasch übergibt sie mir das Zimmer und geht wieder zur Arbeit zurück. Ich ziehe die nassen Sachen aus, lege sie zum Trocknen aus. Die Kleider unter dem Regenzeug sind glücklicherweise trocken geblieben. Der Regen hat nun aufgehört. Ich laufe in die Stadt, vorbei am Sulis tower und dem Torre di San Giovanni zur Chiesa e Monastero San Francesco. Ich besichtige die Kirche, die nach einem Einsturz auf billigst (romanische Bögen statt gotischer) instandgestellt worden ist sowie den Kreuzgang des Klosters. Hier mache ich für drei Euro einen Aufstieg zum Kirchenturm (Campanile). Wir müssen sogar Bauhelme anziehen dafür. Oben sind die Kirchenglocken, doch die Aussicht zwischen den Glocken hindurch ist nicht gut, der Turm ist nicht hoch genug. Ein Windstoss bläst meinen Helm fort, fast wäre er vom Kirchturm heruntergefallen, was nicht gut gewesen wäre. An der Chiesa del Rosario (Museo Diocesano d'Arte Sacra) vorbei laufe ich zur prächtigen und imposanten Cattedrale di Santa Maria. In jeder Seitenkapelle steht ein strahlend schöner Altar, während der aktive Altar aus weissem Marmor alles noch überglänzt. Schliesslich laufe ich noch zur Uferbastion Marco Polo, von der aus man eine heute etwas getrübte Aussicht auf Capo Caccia hat. Am Torre di San Giacomo laufe ich noch zu einem Supermarkt, wo ich mir ein Abendessen kaufe.