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Kennen Sie schon den Begriff «FairWear»? Er ist sozusagen das Pendent von «FairTrade», bezieht sich aber ausschliesslich auf den Bereich der Textilindustrie. Das wurde zum Thema, als REFORMHAUS seine bisherigen Einkaufstaschen ersetzen musste – die neuen Modelle sind nun fair, auch im Sinn der allgemeinen Menschenrechte.
Die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind kein völkerrechtlicher Vertrag, nicht einklagbar, nicht verbindlich, vielmehr ein Ideal. So bleibt es grösstenteils der Bevölkerung selbst überlassen, die Grundsätze zu respektieren und sich um deren Einhaltung zu bemühen. Daher entstanden in den letzten Jahren verschiedene Organisationen, die sich für bestimmte Forderungen einsetzen, insbesondere im Bereich der Textilindustrie.
Schlussendlich sei es dieser Satz von Esthers Mutter gewesen, der sie überzeugte, ausschliesslich ökologische und faire Produkte herzustellen, erzählt George, Mitbegründer von Marzipan-Shirts: Eine Schweizer Firma, die seit 2006 modische FairWear-Textilien herstellt. Das Label FairWear konzentriert sich ausschliesslich auf die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Esther, ebenfalls Mitbegründerin und zuständig für das Design, beschreibt es genauer: «FairWear bedeutet das Verbot von Kinderarbeit, begrenzte und kontrollierte Arbeitszeiten, regelmässige Pausen, Versammlungsfreiheit und die Möglichkeit, Gewerkschaften zu bilden – und schliesslich der für uns bedeutendste Punkt: Arbeiter*innen erhalten nicht nur den Mindestlohn, sondern den Existenzlohn. Für uns zeigte sich die Zusammenarbeit mit diesem Label als der einzig vertretbare Weg.»
Die Produkte der Firma Marzipan-Shirts werden nicht nur unter vorbildlichen Arbeitsbedingungen hergestellt, sie bestehen zudem aus 100 % recycliertem Material. Nämlich werden Bio Baumwoll-verschnitte zerkleinert, wieder in einzelne Fasern aufgelöst und schliesslich mit alten, zerstückelten Plastikflaschen zu Fäden gesponnen, aus welchen dann neue Textilien geschaffen werden. «Der gesamte Herstellungsprozess findet in Indien statt, in einer Vorzeigefabrik», wie George meint, «denn das Abwasser wird zu Trinkwasser gefiltert, die Energie wird aus der Windkraft bezogen, das gesamte Unternehmen ist auf dem ‘Global Organic Textile Standard (GOTS)’. Im Unterschied zu vielen Unternehmen aus Europa, die in Indien zu niedrigen Preisen Stoffballen einkaufen und die Produkte dann in Europa herstellen, findet bei unserem Lieferanten die gesamte Wertschöpfung vor Ort in derselben Firma statt.»
Kurz nachdem Mischa die Geschäftsführung von REFORMHAUS übernahm, mussten die bisherigen Jute-Tragtaschen – notabene produziert in China – ersetzt werden; die Anschaffung neuer, nachhaltiger Taschen drängte sich auf. Anfang Sommer traf sich Dani, der fürs Marketing von REFORMHAUS tätig ist, mit George, um eine mögliche Zusammenarbeit zu besprechen. «Auch intern waren wir sehr schnell überzeugt von den ersten Modellen, von der Qualität der Firma und deren Hintergrund», erzählt Mischa. Grundsätzlich orientiere sich das REFORMHAUS, ähnlich wie die Firma Marzipan-Shirts, am Prinzip Qualität vor Quantität.
Die nächsten Schritte waren dann das spezifische Design, die Farben, die Bedruckung. Schliesslich entstanden zwei verschiedene Taschen, eine blaue und eine naturfarbene; auf der Vorderseite steht in grossen Buchstaben GUTER STOFF. Diese Aussage passe einerseits zur Herstellung der Taschen und andererseits zu dem, was darin getragen werde, findet Mischa. Zu Weihnachten wird es eine spezielle, dritte Variante geben; die Farbgestaltung ist etwas ungewohnt, Ton in Ton – oder wie Dani sagt: «Eigentlich ein eigener Reformhausfarbton».
Bisher seien die beiden Taschen auf ein interessiertes Publikum gestossen, nur der Preis gäbe Anlass zu Diskussionen, resümiert Mischa. Auf die Frage nach dem Grund für den hohen Preis von acht Franken pro Tasche gebe es aber eine ganz einfache, knappe Antwort: FairWear!
Zusammenfassung von Anouk Spahr