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Kaiserpinguine stehen als Sinnbild für die Antarktis, genauso wie der Eisbär für die Arktis. Die grossen Vögel, die nur rund um den antarktischen Kontinent vorkommen, sind eine echte antarktische Art, die ihre Lebensweise ganz auf die eisigen Bedingungen Antarktikas eingestellt hat. Dadurch sind sie aber nach Expertenmeinung auch sehr stark durch die klimatischen Veränderungen, die mittlerweile auch die südlichste Region erreicht haben, gefährdet. Die USA sind derselben Meinung und haben die ikonischen Vögel unter Schutz gestellt.
Die US-amerikanische Regierung liess letzte Woche vermelden, dass sie Kaiserpinguinen unter den US Endangered Species Act, ein Gesetz zum Schutz bedrohter Arten, stellen würden. Damit erhält der Vogel denselben Status wie der Eisbär in der Arktis und es bedeutet, dass sämtliche Bundesbehörden alles unternehmen müssen, damit die Bedrohungslage für Kaiserpinguine reduziert wird. Ausserdem können nun Schutzstrategien mit internationalen Partnern koordiniert werden und, was noch viel wichtiger ist, können nun staatliche Gelder beantragen, um Schutzprogramme zu initiieren.
Der US Fish and Wildlife Service, der sich in den USA mit dem Thema beschäftigt und die Liste der bedrohten Arten führt, hatte die Empfehlung zum Schutz der Kaiserpinguine ausgesprochen und erklärt, dass die grösste Bedrohung für die Art vom Klimawandel ausgehe. Ihre Empfehlung beruhte, gemäss der Behörde, auf der Durchsicht der existierenden Daten und auf die Petition des Center for Biological Diversity. Dieses Zentrum hatte bereits 2011 die Petition eingereicht, die Kaiserpinguine auf die Liste der Vögel zu setzen, die unter dem Schutz des US Endangered Species Act stehen. «Die Existenz des Pinguins hängt davon ab, ob unsere Regierung jetzt energische Massnahmen ergreift, um die klimawirksamen fossilen Brennstoffe zu reduzieren und irreversible Schäden am Leben auf der Erde zu verhindern», erklärt die Leiterin des Centers, Shaye Wolf, in einem Interview.
Obwohl die Massnahme der US-Regierung, die Kaiserpinguine unter Schutz zu stellen, von vielen Seiten begrüsst wird, sind auch kritische Stimmen laut geworden. Nicht die Massnahme als solches, sondern der US Endangered Species Act als Ganzes wird dabei kritisiert. Eine Studie, die vor einigen Wochen in der Fachzeitschrift PLoS One veröffentlicht worden war, kam zum Schluss, dass das Gesetz nicht wirklich helfe, bedrohte Arten adäquat zu schützen. Nach ihren Untersuchungen hätten sich lediglich 54 Arten, die unter dem seit 1973 existierenden Gesetz unter Schutz stehen, wieder erholt, einige weitere hätten ihren Status verbessern können. Doch insgesamt sei das Gesetz zu träge. «Wir stellen fest, dass geringe Populationsgrössen zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Liste, gepaart mit verzögertem Schutz und unzureichender Finanzierung, eines der weltweit stärksten Gesetze zum Schutz der biologischen Vielfalt weiterhin untergraben», erklären die drei Autoren in ihrer Zusammenfassung.
Vielleicht hilft das Gesetz besser beim Schutz der Kaiserpinguine, deren Populationsgrösse von Experten auf zwischen 625’000 und 650’000 Tiere geschätzt wird und man sehe Kaiserpinguine im Moment nicht als unmittelbar vom Aussterben bedroht an, doch die Erwärmung werde die Tiere an diesen Punkt bringen, erklärt die USFWS. Zumindest bei Eisbären, die seit 2008 durch das Gesetz geschützt sind, hat es nach Ansicht von Experten geholfen, da damit die Rohstoffförderung in der US-Arktis eingedämmt werden konnte. Doch Kaiserpinguine leben eben nicht an der Türschwelle der USA. Um die Tiere in diesem Fall zu schützen, müssen die Massnahmen zum Schutz nicht in der Antarktis, sondern im Rest der Welt vorgenommen werden, auch oder besonders in den USA.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal