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Chilchzimmer

Im Dialekt dieser Gegend heisst "Chilch" Kirche und "Zimmer" weist auf
das Gebiet hin, in dem Holz geschlagen wurde. Man verwendete es für den
Bau eines Klosters, das im Tal oberhalb von Langenbruck errichtet wurde.
Weil diesem Kloster ,"Schönthal" genannt, mehr und mehr Land vermacht
wurde, baute das Kloster eine Reihe von Gehöften. Eines davon hiess "Kilchzimmer",
denn es lag an dem Ort, wo die Bäume für den Klosterbau gefällt worden
waren. Zum ersten Mal wird "Kilchzimmer" in einem Dokument von 1491
erwähnt. Der Hof wurde zu diesem Zeitpunkt an einen Pächter namens Uli
Moser übergeben.

Wie aus der Jahreszahl hervorgeht, die man auf einem der Balken lesen
kann, stammt das Hauptgebäude in Kilchzimmer aus dem Jahr 1571. Das
Kloster Schönthal gehörte zunächst Benediktinermönchen. Wie so manches
Kloster des Mittelalters war es vielen Wechselfällen unterworfen;
während eines gewissen Zeitraums diente es als Nonnenkloster. Im Jahr
1525, während der Bauernkriege in Deutschland, stürmten die Pächter das
Kloster und verbrannten die Urkunden. Die Mönche ergriffen die Flucht.
In dieser Zeit schickte die Stadt Basel Vögte, welche die Bauernhöfe
verwalten sollten. Ein paar Jahre später, nach der Reformation, wurde Kilchzimmer zusammen mit einigen anderen Gehöften, an das "Bürgerspital"
in Basel verkauft. Aus den folgenden 250 Jahren gibt es leider keine
Niederschriften aus diesem Raum.

In der Zeit der französischen Revolutionskriege wurden die Einwohner
Zeugen von der überstürzten Flucht des letzten Vogtes, der der örtlicher
Stellvertreter der aristokratischen Stadtväter von Basel war. Als später
französische Truppen durch das Tal marschierten, jubelte ihnen das
Landvolk zu. Zu ihrer Enttäuschung hielt Napoleon jedoch gerade in
diesem Augenblick ein Schläfchen und bemerkte ihren Beifall nicht.

Schon vor diesem Ereignis hatte in Kilchzimmer eine bemerkenswerte
Veränderung stattgefunden. Das Mode-Schlagwort in ganz Europa war zu
dieser Zeit "zurück zur Natur" und als Resultat schwärmten Touristen
jeder Art in das Tal von Langenbruck, um nach unberührter Natur
Ausschau zu halten.
Der einst so einsam und stille Bauernhof Kilchzimmer wurde zu einem
belebten Gasthof am Wege. Eine energische alte Jungfer mit dem Namen
Renggli war als Wirtin nicht nur für ihre gute Küche bekannt, sondern
auch für ihr strenges Unterbinden jeglicher Betrunkenheit.

Während des 19. Jahrhunderts hatte Kilchzimmer verschiedene Besitzer.
Einmal versuchte Karl Stückelberger, Pfarrer von Langenbruck, genügend
Geld aufzubringen, um das Anwesen bei einer Versteigerung zu erwerben.
Er hatte den Plan, ein christliches Erholungsheim daraus zu machen. Zwar
scheiterte der Versuch; die Gebäude wurden von einem Makler gekauft,
schliesslich aber ging Kilchzimmer in den Besitz von einem Herrn Sarasin
über, der es dem Diakonissenhaus in Riehen anbot. Sein Anerbieten wurde
mit Begeisterung aufgenommen. Mit Hilfe von Spenden anderer Freunde
wurde das Haus instandgesetzt.

Am 26. April 1896 zogen die ersten Diakonissen ein, um den ehemaligen
Gasthof in ein gemütliches Heim für erholungsbedürftige Schwestern und
zahlende Gäste umzuwandeln. Ihre Leiterin war Schwester Wilhelmine, die
sich als grossartige Hausmutter erwies. Nach fünf Jahren konnte das Haus
50 Betten aufweisen.
Gut acht Jahre später ging die Leitung an zwei Diakonissen über, die
fast ein viertel Jahrhundert zusammenarbeiteten. Sie sorgten für
schattige Bänke,
eine kleine Hütte und Lesestoff. Eine von ihnen war
nicht nur für das Kochen von Spezialitäten berühmt, sondern sie hielt
auch Hühner und Schweine. Eigenhändig zementierte sie sogar einen
Ententeich.

Der erste Weltkrieg brachte viel Extraarbeit und zusätzliche
Schwierigkeiten, aber er führte auch zu einer Verbesserung: In
Kilchzimmer waren während der Wintermonate Soldaten stationiert. Da kam
den Schwestern der Gedanke, dass das Haus nicht nur im Sommer, sondern
auch während der Wintermonate Gäste aufnehmen könnte. Kilchzimmer erwies
sich als wunderbarer Winter-Ferienort, besonders nachdem für die
"Patienten" über dem erweiterten Speiseraum eine Halle gebaut worden
war.

Der Pfarrer des Ortes
nutzte in den folgenden Jahrzehnten jede Gelegenheit, um das
Erholungsheim zu verbessern. So konnte eine alte Scheune abgerissen und
eine Anzahl hübscher Räume für Schwestern dafür errichtet werden. Auch
wurden eine Zentralheizung und eine Entwässerungsanlage zusammen mit
einer Pumpe für die Wasserversorgung in Waschküche und Küche
installiert.
Während des zweiten Weltkriegs fanden bis zu 130 Personen Unterkunft in
Kilchzimmer. Zu Weihnachten und zum Geburtstag von General Guisan
pflegte die Hausmutter für alle ein grosses Fest zu veranstalten.
Zusätzlich fanden politische Flüchtlinge und andere heimatlose Menschen
Wohnung in Kilchzimmer, darunter ein Bürgermeister aus Deutschland mit
seiner Frau, die im Exil lebten.
Während der ganzen Zeit tat die Hausmutter ihr Bestes für das geistliche
und das leibliche Wohl ihrer Gäste. Sie sorgte für Gebetstreffen,
Bibelstudien und persönliche Seelsorge. Dabei wurde sie von den Pfarrern
unterstützt, die ihre Ferien in dem Heim verbrachten. So manch ein Gast
erinnert sich voller Dankbarkeit, wie sein Glaube in diesem christlichen
Haus gestärkt und erneuert wurde.
Schliessich aber war das Diakonissenmutterhaus aus verschiedenen Gründen
gezwungen, diesen Zweig der Arbeit aufzugeben.
1971 ging das Gebäude an die KEB (Kinder-Evangelisations-Bewegung
Europa)

Kloster Schönthal

Das Kloster Schönthal ist
eine der ältesten Klosteranlagen in der Region Basel, das im 12.
Jahrhundert von den Frohburgern gestiftete Marienkloster. Möglicherweise
hat sich in der Nähe des zu gründenden Klosters bereits eine
Marienkapelle befunden. Für zwei Jahrhunderte beherbergt das Kloster
Benediktinerinnen, welche wechselvolle Zeiten, geprägt von Armut und
Reichtum, erleben. Im 15. Jahrhundert wird das Kloster Schönthal zu
einem Wallfahrtsort, bis es dann im Zuge der Reformation aufgehoben
wird. Die Anlage wird in der Folge als Sennhof genutzt und in der Kirche
eine Ziegelei mit Brennofen eingebaut. Die "Schöntaler Ziegel" bedecken
noch heute manches Dach in der Region Langenbruck. Seit dem 19.
Jahrhundert ist das Kloster in Privatbesitz und seit 1967 steht die
Anlage unter kantonalem Denkmalschutz. Aus der wechselvollen Geschichte
ist eine stark umgebaute Klosterkirche mit Malereifragmenten und
fehlendem Ostabschluss zurück geblieben; ebenso das ehemalige
Konventgebäude mit geschnitzter Holzdecke sowie der Gutshof Vorderes
Schöntal, der anstelle der Klostergebäude südlich an den Kreuzgang
anschliesst.

Die gewachsene Baumgruppe in der schönen Berglandschaft hat immer wieder
kunstsinnige Menschen angezogen. So hat auch der bekannte Kunstmaler
Niklaus Stoecklin 1927 das Kloster mit Weiheranlage und "Ankenballe"
gemalt.

Wieder ein Ort der Stille und der Kontemplation
Trotz der Profanisierung der Klosteranlage und der einschneidenden
Baumassnahmen belebt die besondere spirituelle Qualität und die
Schönheit der einstmaligen Gesamtanlage auch den heutigen Besucher.
Angeregt durch diese Ausstrahlung entwickelte der heutige Eigentümer
sein Konzept für Sculpture
at Schönthal. Die ehemalige Klosterkirche
soll wieder zu einem Ort der Stille und der Kontemplation werden. In
Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege sind die nachträglichen
Einbauten im Erdgeschoss des Kirchenschiffes weitgehend entfernt und die
Treppenanlage im Chorbereich in einer modernen Form wieder hergestellt
worden. Der Ostabschluss, wo heute die drei karolingischen Apsiden
fehlen, wird mit einer Glastüre geöffnet. Dadurch beleuchtet das von
Osten einfallende, wechselnde Tageslicht den Kirchenraum, was den
sakralen Charakter des ehemaligen Kirchenraumes verstärkt. Die Wände
sind in traditioneller Weise mit Sumpfkalk neu verputzt worden; die
Wandmalereien, teilweise von Bretterwänden verdeckt, wurden gereinigt
und können nun besichtigt werden. Der neugewonnene Kirchenraum dient als
Ausstellungsraum. Die Umgestaltung im Kircheninnern hat auch
Auswirkungen auf die Umgebung. Das Hauptportal mit den schönen,
eigentümlichen Skulpturen wird wieder als Haupteingang benutzt. Der
Vorplatz ist neu gestaltet und der Strassenverlauf ist zusammen mit dem
Tiefbauamt zugunsten der Gesamtanlage neu ausgerichtet worden. Der
Innenhof, resp. der ehemalige Kreuzgang auf der Südseite ist für die
Besinnung oder als Treffpunkt ebenfalls freigeräumt und neu gemergelt
worden.

Ein Kunstzentrum für zeitgenössische Skulptur

Von der Nordseite des Klosters gelangt man über einen wieder geöffneten
mittelalterlichen Weg zum neu eingerichteten Skulpturenpark. Bereits
bestehende Werke wie auch solche, die eigens für diesen besonderen Ort
von Künstlern geschaffen wurden, treten mit der Landschaft und dem
Besucher in ein anregendes Gespräch. Der Umgang mit und das Eingehen auf
die Natur ist eines der Hauptkriterien für die Auswahl der Künstler.
Schönthal will eine vertiefte Beschäftigung mit der zeitgenössischen
Skulptur anregen ohne grossen Kunsttourismus.
Die Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 10.00 bis 12.00 und 14.00 bis
18.00 Uhr; Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr