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Wie genau waren die Umfragen für die britischen Parlamentswahlen? Die meisten waren akkurat, wenn man das Kleingedruckte ebenfalls mitgelesen hatte. Auch in der Tendenz lagen die grossen Umfrageinstitute laut einer Aufstellung der Zeitung «The Guardian» richtig. Seit Ende Juli hatten die Tories in diesen Umfragen stets die Nase vorn. Unterschiedlich eingeschätzt wurde hingegen je nach Meinungsumfrage der Abstand der Tories zur Labour Party – und die jetzt realisierten Zugewinne der Konservativen im Vergleich zur letzten Parlamentswahl.
Warum sind Wahlvorhersagen in Grossbritannien schwierig? Das hat mit dem Wahlsystem zu tun. Das Unterhaus wird nach dem relativen Mehrheitswahlrecht gewählt. Bei diesem System zieht nur der Kandidat oder die Kandidatin mit den meisten Stimmen eines Wahlbezirks ins Parlament – alle anderen gehen leer aus («alles oder nichts»). Gibt es in einem Wahlbezirk ein enges Rennen, sind Vorhersagen schwierig – die Zahl der vorhergesagten und der tatsächlich vergebenen Sitze kann deshalb stark variieren.
Wie genau sind Wahlumfragen? Sie sind immer eine Momentaufnahme, das heisst, sie versuchen wiederzugeben, wie die Wahlberechtigten zum Zeitpunkt der Umfrage wählen würden. Das kann sich über die Zeit ändern. Deshalb ist das vorhergesagte Wahlverhalten lediglich eine Annäherung an das tatsächliche Wahlverhalten. Dazu kommt, dass jede Umfrage auch eine Fehlerspanne aufweist. Diese geht beim Lesen von Umfragen aber oft unter.
Haben Wahlumfragen einen Einfluss auf das Ergebnis? Das ist umstritten. Naturgemäss sind es die Verlierer einer Wahl, die die Umfragen am stärksten kritisieren. Wären die Umfragen genauer gewesen, sagen sie dann, hätte man die eigenen Wählerinnen und Wähler noch stärker mobilisieren können.
Sollte man solche Umfragen verbieten? Das wird immer wieder gefordert. Auch in der Schweiz gab es im Parlament schon – erfolglose – Vorstösse, wonach Umfragen zumindest im Vorfeld von Wahlen und Abstimmungen untersagen werden sollen. Zahlreiche Länder kennen Regeln, die verhindern sollen, dass Umfragen das Wahlverhalten im Endspurt noch beeinflussen. In Frankreich gilt ein Publikations-Verbot für die letzten beiden Tage vor der Wahl, in Griechenland beträgt die Zeitspanne sogar 15 Tage. Übrigens: Auch Grossbritannien kennt eine solche Regel. Demnach dürfen am Wahltag selber keine Umfragen mehr veröffentlicht werden.