Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03585.jsonl.gz/2277

Bisher umfasst die James-Bond-Reihe 25 Filme und erstreckt sich seit 1962 über die letzten fünf Jahrzehnte. Mit jedem Wechsel des Schauspielers in der Rolle des britischen Geheimagenten 007 veränderte sich auch der Charakter der Figur und schliesslich jener der Filme selbst.
Bis auf wenige Ausnahmen, wie in On Her Majesty’s Secret Service (1969), in dem Bond – erstaunlich genug – heiratet, und seine Frau sogleich ermordet wird, oder in Licence to Kill (1989), als er den brutalen Mord an seinem besten Freund Felix Leiter und dessen frisch angetrauter Frau rächt, erlaubt Bond den Zuschauer*innen nur selten einen direkten Einblick in sein Gefühlsleben. Über sein Weltbild oder, besser gesagt, das des typischen Briten, wie es anzunehmen ist, erfährt man hingegen entschieden mehr.
Dies nicht immer zwangsläufig aus Bonds Mund selbst, sondern geradezu systematisch durch ihn umgebende andere Akteur*innen. Er ist nun mal eine eher glatte Figur, soll die Befehle seiner Vorgesetzten ausführen und nicht selber denken – was ihm einige seiner Opponent*innen mehrfach vorwerfen. Natürlicherweise ist es M, der oder die die politischen Zusammenhänge herstellt. Darüber hinaus spricht auffällig oft der an sich meist prolligere US-Amerikaner in der Geschichte die problematischsten Dinge aus. Diese Konstellation widerspiegelt zum Einen den konstanten unterschwelligen Antagonismus zwischen den Vertreter*innen beider Nationen, wobei die Briten mal mehr, mal weniger süffisant mit den Einwohner*innen ihrer ehemaligen Kolonie umgehen. Zum Anderen könnte es auch so gedeutet werden, dass den Autor*innen der Mut gefehlt hat, die entscheidenden Meinungen von Bond selbst äussern zu lassen.
Möchte man die Filme der Reihe bezüglich ihrer politischen Position analysieren und darin insbesondere Einflüsse von kolonialistisch geprägtem Gedankengut auf der Bild- und Textebene ausmachen, so empfiehlt sich eine Konzentration auf die Titel, die bis Ende der Achtzigerjahre entstanden. Mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle hat sich der actionistische Aspekt der Filme intensiviert, und ab GoldenEye (1995) war kaum mehr Raum für intellektuelle Diskurse vorhanden. Dies deckt sich im Übrigen mit der Zeit, in der sich die Briten aus fast allen ehemaligen Kolonien, wovon Hongkong bis 1997 die letzte war, (natürlich nicht freiwillig) zurückzogen. Der Niedergang Grossbritanniens als Weltmacht setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein und war in den Sechzigerjahren in Afrika und der Karibik in vollem Gange.
Den vollständigen Artikel gibt es in der Nr. 5/21 nachzulesen.
Gefällt dir Filmbulletin? Unser Onlineauftritt ist bis jetzt kostenlos für alle verfügbar. Das ist nicht selbstverständlich. Deine Spende hilft uns, egal ob gross oder klein!