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Die Sonde «New Horizon» der Nasa schreibt mit ihren Pluto-Bildern gerade Weltraumgeschichte. Das ist nett, aber nicht annähernd so spektakulär wie die gescheiterten Missionen ins All.
Keine Frage, die Erforschung des Weltalls begeistert die Menschen. Und so kennen auch die meisten die Meilensteine der Raumfahrt: Sputnik, der erste Satellit der Welt, der erste Kosmonaut Yuri Gagarin oder die Mondlandung am 19. Juli 1969.
Doch was ist mit den Projekten, die in die Hose gingen? Die zu Beginn vielleicht nach einer guten Idee aussahen, am Ende aber aufgegeben wurden? Werfen wir doch einen Blick zurück auf die besten erfolglosen Weltraummissionen.
Projekt «A119» und der grosse Knall
(Bild: Nils Fisch)
Es war Kalter Krieg und die Amerikaner kämpften mit den Russen um die Vorherrschaft in der Raumfahrt. Bei vielen Projekten ging es mehr oder weniger unverhohlen um die Militarisierung des Weltraums. Ein skurriler Auswuchs dieser Zeit ist das Projekt «A119» der USA.
Die Russen standen mit dem erfolgreichen Flug des Satelliten Sputnik gerade an der Spitze im Rennen ins All. Das gefiel den Amerikanern natürlich gar nicht. Um der roten Bedrohung aus dem Osten zu zeigen, wozu Uncle Sam fähig ist, entwickelte das US-Militär im Jahr 1958 einen Plan. Man wollte eine Atombombe zum Mond schicken und auf der Oberfläche detonieren lassen. Vorzugsweise nicht in einem Krater, sondern auf einer der Ebenen, damit die Explosion auf der Erde sichtbar wäre. Offiziell hatte man dafür einen deutlich nüchterneren Missionszweck angegeben: die Erforschung nuklearer Explosionen im Weltall. Umgesetzt wurde der Plan nie. Das Militär fürchtete einen Imageschaden bei der eigenen Bevölkerung.
«Project West Ford» und die Kupferfäden
Im Mai 1963 transportierte die USA in zwei Frachten insgesamt eine halbe Milliarde knapp zwei Zentimeter lange Kupferfäden ins All. Der Transport lief unter dem Namen «Project West Ford». Zweck dieser Übung war folgender: Die Air Force und das Verteidigungsministerium waren um die Sicherheit der Langstreckenkommunikation der US-Truppen besorgt. Denn hätten die Sowjets einen Anschlag auf die Telefonleitungen unter dem Meeresgrund oder auf die Antennen ihrer Überhorizont-Radaranlagen verübt, wäre dem US-Militär bloss noch der Funk über Radio geblieben. Diese Form der Kommunikation ist allerdings nicht zu hundert Prozent zuverlässig. Heftige Sonnenstürme können die Verbindung stören.
Die naheliegende Lösung: Eine Antenne im Orbit musste her. Diese sollte aus Milliarden kleiner Kupferfäden bestehen, welche die Kommunikation über Funk vor den Auswirkungen der Sonnenstürme schützen würde. Tests hatten gezeigt, dass mithilfe solcher Kupferfäden Radiosignale übertragen werden konnten, selbst wenn Turbulenzen in der Ionosphäre vorherrschten. Allerdings zu einem ziemlich hohen Preis. Die Teilchen waren so leicht, dass sie vom Sonnenwind in Richtung Erde gedrückt wurden. Die «Antenne» im All hätte daher alle paar Jahre erneuert werden müssen – für astronomische Geldsummen. Grund genug für das US-Militär, «Project West Ford» wieder in der Schublade verschwinden zu lassen. Was davon übrig blieb, sind einzig ein paar Milliönchen Kupferfäden unter dem Schnee an unseren Polen.
Projekt «Znamya» und der Sonnenspiegel
Auf den ersten Blick sieht das Projekt «Znamya» nach einem Master-Plan eines James-Bond-Bösewichts aus. Mithilfe einer riesigen, in der Erdumlaufbahn platzierten Spiegelfolie sollten Sonnenstrahlen eingefangen und auf die Erdoberfläche reflektiert werden. Allerdings nicht, um die Menschheit auszulöschen, sondern um die nördlichen Polarregionen während der dunklen Wintermonate zu beleuchten.
Die Forscher der russischen Raumfahrtbehörde versprachen sich davon, während des Polarwinters Solarenergie gewinnen zu können. Ein erster Versuch mit einem 20-Meter-Durchmesser-Segel wurde 1991 erfolgreich durchgeführt. Ein zweiter Versuch mit einem Segel von 25 Metern Durchmesser schlug fehl. Die Folie verhedderte sich beim Auffalten in einer Antenne der Raumstation MIR, von wo aus die Folie losgeschickt wurde. Kurz darauf zerriss sie. Und damit auch der Budgetplan. Ende der Übung.
Der ewige Lift
Seit über 100 Jahren immer wieder auf der Agenda der Weltraumforschung steht dieses Thema: Ein Lift ins Weltall. Eine erste Erwähnung dieser Idee findet sich im Jahr 1895 bei Konstantin Tsiolkovski. Dieser stellte sich zum Lift auch noch einen gut 36’000 Kilometer hohen Turm vor. Die Spitze des Turmes wäre dann auf derselben Höhe wie der geostationäre Orbit und würde mit der Rotationsgeschwindigkeit der Erde dort bleiben. Inspirieren liess sich Tsiolkovski in Paris vom Eiffelturm.
Eine grandiose Idee stirbt nie. Eine absurde offenbar auch nicht. Sogar Google X, Googles Forschungsabteilung, beschäftigte sich inzwischen mit Plänen, einen solchen Lift zu bauen. Und nur, weil auch da das Projekt wieder aufgegeben wurde, heisst das noch lange nicht, dass wir die Hoffnung endgültig aufgeben müssen, irgendwann per Lift ins All zu reisen. Die Firma LiftPort aus den USA hat die Idee wieder aufgegriffen. Sie ist gerade dabei, die Finanzierung für den Bau eines Lifts zum Mond zu klären.