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von Dr. med. Diana Mattiello
Dr. med. Diana Mattiello, Leitende Ärztin der Chirurgischen Klinik, erläutert anhand von Patientenaussagen den aktuellen medizinischen Stand und beantwortet die gängigsten Fragen.
"Die Krampfadern? Ach, die habe ich schon lange. Meine Frau meint, solange ich keine Beschwerden habe, müsse ich nichts unternehmen."
Viele Patienten gehen erst zum Arzt, wenn bereits eine Problematik wie eine Venenentzündung, eine Thrombose, eine Lungenembolie oder eine bereits chronische Situation mit offenen Beinen aufgetreten ist. Diese Komplikationen sollten unter allen Umständen vermieden und daher frühzeitig ein Spezialist aufgesucht werden.
"Krampfadern liegen bei uns in der Familie."
Tatsächlich ist es so, dass in über 70 Prozent der Fälle eine familiäre Belastung vorbesteht, hauptsächlich mütterlicherseits. Weitere mögliche Faktoren für die Entwicklung von Krampfadern sind beispielsweise das Alter, weibliches Geschlecht, mehrfache Schwangerschaften sowie langjährige Tätigkeiten im Stehen.
"Was sind eigentlich Krampfadern?"
Die Venen sind dafür zuständig, dass das Blut aus den Extremitäten (Arme und Beine) zurück zum Herzen transportiert wird. Damit das Blut, wenn wir stehen, nicht zurückfliesst, haben die Venen entsprechende Klappen. Kommt es zu einer Entzündung dieser Venenklappen oder zu einer Schwäche der Venenwände, schliessen die Klappen nicht mehr richtig und das Blut strömt zurück in die Füsse. Durch den so entstandenen Überdruck in den Venen entstehen Krampfadern.
Oft wird daher als erste Massnahme eine Therapie mit Kompressionsstrümpfen empfohlen, welche den Druck am Unterschenkel erhöhen, sodass das Blut besser abfliesst. Durch den nicht selten über mehrere Jahre vorhandenen Überdruck im Gewebe können sich Blutfarbstoffablagerungen bilden, was schliesslich zu den typischen Braunverfärbungen der Unterschenkel führt, die Anzeichen eines chronischen Venenleidens sind.
Auch bei der Behandlung von Krampfadern gibt es einen stetigen Fortschritt. So wurden in den vergangenen 20 Jahren Techniken entwickelt, die eine immer individuellere Therapie der Patienten erlauben und immer weniger invasiv sind.
Am Anfang einer jeden Therapie stehen die klinische Untersuchung und eine Duplexsonografie der Venen (Ultraschall) als Grundlage für die Diagnose. So prüfen wir, welche Venen betroffen beziehungsweise "insuffizient" sind.
Insgesamt gibt es pro Bein zwei sogenannte Stammvenen. Die "Vena saphena magna" (vorne), welche vom Innenknöchel bis zur Leiste geht und die "Vena saphena parva" (hinten), welche vom Aussenknöchel in die Kniekehle zieht. Beide Venen münden dort in das tiefe Venensystem. Oft liegt bei sichtbaren Krampfadern am Bein ein Problem im Bereich dieser beiden Venen vor.
"Heute lassen sich Krampfadern einfach veröden. Dann ist eine grosse Operation für mich ja überflüssig."
Leider nicht in jedem Fall: Handelt es sich lediglich um Besenreiser, sogenannte feine Äderchen (< 1 mm) in der Haut, ist dies eine rein kosmetische Behandlung, welche von der Krankenkasse nicht übernommen wird. Dabei wird mit einer kleinen Spritze eine Flüssigkeit in die Äderchen gespritzt, und diese werden so verödet.
Die sogenannten retikulären Venen (bis 3 mm) sind ebenfalls Äderchen in der Haut und haben keinen Krankheitswert. Die gut sichtbaren Krampfadern (Varizen) liegen hingegen meist in den Seiten ästen der Stammvenen. Liegt diesen Varizen kein Leiden der Stammvenen zugrunde, können diese ohne Narkose mit einem direkt in die Vene gespritzten Schaum verödet werden (Schaum sklerosierung). Sind es sehr viele und grosse Krampfadern, ist es empfehlenswert, diese in einer kurzen Narkose "herauszuhäkeln". Dabei werden kleine Stiche von ein bis zwei Millimetern Länge gemacht und die krankhafte Vene wird mit einem speziellen Häklein herausgezogen.
"Meine Mutter hat auch die Krampfadern operieren lassen. Sie hatte grosse Schmerzen und verlor viel Blut, war vier Tage im Spital und musste sechs Wochen Stützstrümpfe tragen."
Solche Szenarien gehören Gott sei Dank der Vergangenheit an. Besteht das Pro blem im Bereich der Stammvenen, so müssen in erster Linie diese entweder entfernt oder verschlossen werden, damit das Blut wieder über dichte Venen abfliessen kann.
In den letzten Jahren wurden viele neue Verfahren entwickelt, die sogenannt "minimalinvasiv" sind. So gibt es zum Beispiel einen speziellen Leim, der direkt in die Vene gespritzt oder einen Schaum, der bei kleineren Krampfadern verwendet wird. Studien haben jedoch gezeigt, dass sich bei diesen Behandlungen die Venen öfters wieder öffnen.
Die anderen minimalinvasiven The rapien, wie Laser- oder Radiowellen, arbeiten mit Hitze. Diese meist ambulant durchgeführten Eingriffe unter Lokalanästhesie sind sehr schmerzarm und hinterlassen nur kleinste Narben. Aber auch diesen Methoden sind Grenzen gesetzt.
Ist beispielsweise eine Vene wie ein Kor kenzieher verdreht, hat sie einen zu grossen Durchmesser oder liegt sie direkt unter der Haut, eignen sich diese Techniken nicht immer. Deshalb ist individuell zu entscheiden, ob eine minimalinvasive Therapie oder doch ein operativer Eingriff infrage kommt.
Auch dieser Bereich hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und die Operationen können meist ambulant durchgeführt werden. Die Schnitte in der Leistengegend sind mit zirka zwei Zentimetern in der Regel klein und kosmetisch unproblematisch. Die anschliessende Behandlung mit Stützstrümpfen, welche auch in Baumwolle und verschiedenen Farben erhältlich sind, dauert heutzutage nur noch drei Wochen.
"Was kann ich machen, wenn die Krampfadern wieder kommen?"
Die sogenannte Varikose ist eine chronische Erkrankung. Es kann also durchaus vorkommen, dass wieder Krampfadern entstehen, entweder an einer neuen Stelle (Fortschreiten der Erkrankung) oder in einer bereits operierten Region (Rezidiv).
In diesem Fall gilt ebenfalls der individuelle Therapieansatz: Abhängig davon, welche Vene betroffen ist, welche Hautveränderungen bereits vorhanden sind, welche Behandlung bereits stattgefunden hat, wird entschieden, welche Methode aktuell für den Patienten die beste ist.