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Aus der Geschichte der Chrischona Wila
Vor 200 Jahren boomte im Tösstal die Textilindustrie. Soziale Not war die Kehrseite dieser Entwicklung. Um 1850 zog eine Düsseldorfer Diakonisse, überall Jungfer Leumann genannt, zu ihrer Schwester nach Rämismühle. Sie begann den Armen und Kranken zu helfen und gründetet eine Sonntagschule. Auf ihre Initiative hin konnten ab 1867 in einem Fabriksaal der Spinnerei Winkler evangelische Versammlungen abgehalten werden. Diese wurden von verschiedenen Predigern und Missionaren aus der umliegenden Region geleitetet. Ab 1877 fanden die Treffen in einem kleinen Saal im Haus «Bethesda» statt, das ebenfalls der Familie Winkler gehörte.
Kirchengründung und Kapellenbau
1881 wurde eine «Freie Evangelische Gemeinschaft» gegründet, und bald zog als erster Prediger Theodor Schinzel nach Rämismühle. Die kleine Gemeinde wuchs, und als es die Gelegenheit gab, kaufte sie das Haus «Bethesda» und das Nachbarsgrundstück. Es dauerte nicht lange, da wurde der Saal im «Bethesda» zu eng. An Ostern 1884 fasste die Gemeinschaft den Beschluss, eine Kapelle zu bauen. Bereits im September wurde Kapelle an der heutigen Mühlestrasse 10 fertiggestellt. Am 5. Oktober fand das Einweihungsfest statt. In der Chronik wurde vermerkt, dass bei der Einweihung bereits die Hälfte der Baukosten von Fr. 40’000 bezahlt waren.
Das Aufblühen der Gemeindearbeit
In dieser Zeit gab es ein grosses Bedürfnis nach christlicher Gemeinschaft und Glaubenslehre. Ausgehend von Rämismühle wurden von 1881 bis 1886 an vielen weiteren Orten Sonntagschulen gegründet und Hausversammlungen und Bibelstunden abgehalten. Talaufwärts in Wila, im Gosswil und in Dillhaus, talabwärts in Kollbrunn und Seen. Später kamen auch Wildberg, Theilingen und Madetswil dazu. Diese riesige Arbeit konnte der Prediger von Rämismühle aus nur dank der Mitarbeit von vielen Gemeindemitgliedern bewältigen.
Anschluss ans Chrischona-Werk
Schinzel hatte seine Ausbildung am Predigerseminar auf St. Chrischona bei Basel absolviert, heute Theologisches Seminr St. Chrischona. Er setzte sich im Lauf der Jahre dafür ein, dass die Gemeindschaft von Rämismühle sich dem Gemeindeverband der Pilgermission St. Chrischona, heute Verein Chrischona Schweiz anschliessen sollte. Diese Entscheidung fiel im Frühling 1887. Seit dem Beitritt zu Chrischona arbeiteten 16 verschiedene Prediger in Rämismühle. Immer wieder wurden die Schwerpunkte der Gemeindearbeit – und auch die Gebäude – den aktuellen Bedürfnissen angepasst.
Mobilität ermöglicht die zentrale Gemeinde
Die Mobilität führte in den Siebziger- und Achtzigerjahren dazu, dass sich das Gemeindeleben stärker auf die Gottesdienste und Anlässe in Rämismühle konzentrierte. Die Aussenstationen wurden nach und nach aufgegeben. In Rämismühle gab es während des Gottesdienstes Kinderhüeti, Sonntagschule und Bibelunterricht. Jungschar, Teenagerclub und Jugendgruppe fanden ebenfalls dort statt. Die Gemeinde erlebte einen Aufschwung. Bis zu 120 Gottesdienstbesucher und 40 Kinder trafen sich zu den Anlässen am Sonntag.
Umzug nach Wila
In den letzten Jahren wurde spürbar, dass die bald 130-jährige Kapelle ohne Wasseranschluss und sanitäre Anlagen den heutigen Bedürfnissen und Vorschriften nicht mehr genügt. Weil auf dem eigenen Grundstück in Rämismühle keine Erweiterungen möglich waren, beschloss die Gemeinde im Sommer 2010 nach einem neuen Standort zu suchen. Fündig wurde sie schlussendlich in Wila, wo die Schreinerei Furrer AG im Obergeschoss einer Gewerbehalle einen grossen Saal eingebaut hatte. Im November 2011 konnte ein mehrjähriger Mietvertrag abgeschlossen werden. Nachdem der Saal den Bedürfnissen der Gemeindearbeit angepasst wurde, konnte Ende Februar 2012 der Umzug nach Wila stattfinden.