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Die Alpinen Ski-Weltmeisterschaften finden im "Nobelort" St. Moritz statt, und zu einem Nobelort gehört auch eine Nobelherberge.Dieser Inhalt wurde am 10. Februar 2003 - 17:33 publiziert
Im Gespräch mit Urs Maurer erzählt der Manager des legendären Badrutt's Palace, was unter "nobel" zu verstehen ist.
Das Badrutt's Palace in St. Moritz gehört zu den führenden Hotels der Welt. Es ist nach wie vor im Besitz der Familie Badrutt, das Management des Hotels wurde allerdings der amerikanischen Rosewood Hotels & Resorts übergeben. General Manager des Hotels ist Roland Fasel.
swissinfo: Roland Fasel, wir sitzen hier im Nobelhotel Badrutt's Palace im Nobelort St. Moritz. Was bedeutet für Sie eigentlich das Adjektiv "nobel"?
Roland Fasel: Der Ausdruck kommt aus eher vergangenen Zeiten. Ein Nobelort definiert sich über seine Infrastruktur. Hier in St. Moritz geht das von den Skipisten über die Restauration und die Einkaufsmöglichkeiten. Und es muss eine Fünf-Sterne-Plus-Hotellerie vorhanden sein. "Nobel" ist im oberen Gesellschafts-Bereich angesiedelt.
swissinfo: So gesehen sind Sie Manager eines Nobelhotels?
R.F.: Ich sage lieber, ich bin im Ultra-Luxus-Gewerbe tätig. Das ist hier im Palace der Fall.
swissinfo: Das Hotel hier ist ja auch eine Legende. Was macht den Unterschied zwischen einem legendären Luxushotel und einem Erstklass-Hotel aus?
R.F.: Ein Erstklass-Hotel können Sie heute bauen, sofern genügend Kapital vorhanden ist. Das wird ja auch viel gemacht. Eine Legende entwickelt sich über die Jahre hinweg.
Das Badrutt's Palace ist 106 Jahre alt: Den legendären Namen haben in erster Linie die Badrutt's geschaffen. Das waren echte Pioniere. Sie waren die ersten, die ein Palace bauten. Sie waren die ersten, welche eine Tennishalle im Hotel hatten, sie bauten den ersten Night-Club. Damals waren das Risiken.
Dann erst wurden sie zum Treffpunkt von Hollywood und der Aristokratie. Namen, die dazu gehörten, waren Charlie Chaplin, die Fairchilds oder Marlene Dietrich.
Heute verkehren zum Beispiel George Clooney und Claudia Schiffer im Palace.
swissinfo: Hat sich da im Laufe der Jahre nichts geändert? Kommen die Reichen und Wichtigen noch, bauen die nicht ihre eigenen Häuser oder mieten Appartements?
R.F.: Sie kommen schon, wenn das Angebot stimmt. Im Unkreis des Hotels haben Nobelmarken ihre Geschäfte eröffnet. Das hätten die nicht getan, wenn im Palace nicht Gäste logierten, welche die Mittel haben, um da einzukaufen.
swissinfo: Reiche Leute, tolle Autos und sündhaft teure Suiten. Aber damit ein solches Haus über hundert Jahre "funktioniert", braucht es doch gerade heute, wo die Konkurrenz in diesem Segment immer grösser wird, besondere Anstrengungen?
R.F.: Hotelgewerbe ist heute Business. Die Konkurrenz ist global. Wenn Sie ein solches Hotel übernehmen, dann müssen Sie zuerst weltweit schauen, was im Bereich "Fünf-Sterne-Plus" vorhanden ist.
Dann gilt es die Balance zu finden: Modernisieren ohne die Tradition zu verlieren. Oder anders gesagt: Wir mussten eine Vision entwickeln und sie umsetzen.
swissinfo: Das heisst konkret?
R.F.: Das Hotel hatte sicher in jüngerer Zeit etwas mehr Mühe, seinen Weg zu finden. Deshalb hat sich die Besitzerfamilie auch entschlossen, das Management einer Verwaltungsfirma zu übergeben. Konkret haben wir das Hotel dem Ultraluxus-Segment angepasst. Von 230 Zimmer haben wir 140 renoviert. Für bislang 26 Mio. Franken.
Wir bauen vermehrt Suiten, das ist gefragt. Dann haben wir eine Beauty-Bar, einen Health-Club und ein Kinderparadies von 200 Quadratmetern geschaffen.
Wir sind ein Hotel mit einem Local Access Network, wir sind ISO zertifiziert. Nur wenige Hotels in der Schweiz haben dieses Qualitätssiegel. Dank Rosewood haben wir zudem eine weltweite Verkaufsstruktur. Wichtig ist auch das Controlling, das reicht bei uns von Einkauf bis Reinigung. Wir wollen ja mit dem Hotel auch Geld verdienen.
swissinfo: Nun findet in St. Moritz die Ski-WM statt. Hätten Sie nicht lieber die Polo-Weltmeisterschaften?
R.F.: Nein, für St. Moritz ist die Ski-Weltmeisterschaft das Beste, was uns geschehen konnte. Zuerst wird die Destination St. Moritz weltweit bekannt gemacht. Erst dann entscheidet sich ein neuer Gast, ob er ins Palace oder zur Konkurrenz gehen will.
Die Infrastruktur in Bahnen, Lifte und Schneekanonen hätten wir ohne WM noch lange nicht gekriegt. Dazu kommt die weltweite Präsenz während zweier Wochen, das könnte man gar nicht bezahlen. Ich bin froh über die Ski-WM.
swissinfo: Dann gehören Sie nicht zu denjenigen, die sich beklagen, weil während der WM die illustren Gäste wegbleiben?
R.F.: Klar bleiben die zum Teil weg. Aber das darf man doch nicht so kurzfristig sehen. Ich bin bereit, für zwei Wochen Einbussen zu erleiden, wenn ich sehe, was uns dieser Anlass langfristig bringt.
swissinfo-Interview, Urs Maurer, St. Moritz
In Kürze
Roland Fasel wurde 1961 in Bern geboren. Seine Jugend "verbrachte" er bereits im Gastgewerbe. Sein Vater führte das bekannte Restaurant "Taverne" in Tafers im Kanton Freiburg.
Sein Weg zum General Manger eines der berühmtesten Hotels der Welt führte über eine Kochlehre, dann Handelsschule und anschliessend die Hotelfachschule in Lausanne. Es folgte 1985 eine Management-Ausbildung in Boston, USA.
Von 1991 bis 1999 leitete Fasel in Asien führende Hotels. Er schloss in Singapur die Management-Ausbildung MBE (Master of Business Administration) ab.
Seit September 1999 führt Roland Fasel das Badrutts-Palace in St. Moritz.
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