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Schweizer sind offenbar weniger prüde als das Klischee vermuten liesse. Dies hat die Schweizer Künstlerin Milo Moiré mit einer Kunstaktion „the script system“ bewiesen. Sie liess eine hübsche Frau in Düsseldorf splitternackt mit der Strassenbahn fahren. Dabei hatte sie die Kleidungsstücke, die sie normalerweise tragen würde einfach auf den Körper geschrieben.
Wie sich zeigte sind aber auch die Deutschen erstaunlich tolerant. Sie reagierten bemerkenswert gelassen auf die Kunstaktion. Vielleicht waren sie auch einfach nur vom Kameramann eingeschüchtert. Wie auch immer, in den USA wäre die Frau wahrscheinlich relativ rasch verhaftet und weggesperrt worden. Was in Saudi-Arabien und ähnlichen Ländern mit der Frau geschehen wäre, wollen wir wahrscheinlich besser gar nicht wissen.
Möglicherweise liegt die gelassene Reaktion in Deutschland auch an der langen FKK-Tradition des Landes. In weiten Teilen Europas war Nacktbaden bis ins 18. Jahrhundert verbreitet. Erst danach begann die Tabuisierung von Nacktheit in der Öffentlichkeit. Doch diese setzte sich in den nördlichen Ländern Europas und vor allem in Skandinavien nie richtig durch. Seither gab und gibt es immer wieder Bestrebungen die im 19. Jahrhundert eingeführte Tabuisierung von Nacktheit in der Öffentlichkeit aufzuheben.
1898 wurde im deutschen Essen der erste FKK-Verein gegründet. Um 1900 kam das damals sogenannte schwedische Baden dann auch im Raum Berlin und an der Nord- und Ostsee auf. Mittlerweile können Urlauber auch problemlos in den katholischen und orthodoxen Ländern Südeuropas nackt baden.
Auch ich hätte kein Problem mit Nacktheit in der Öffentlichkeit sofern die Leute beim Fahren in der Strassenbahn aus hygienischen Gründen ein Handtuch benützen würden.