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1958 kaufte Alfred Vogel in Tarapoto im Norden Perus eine 72 Hektar grosse Farm, um heilkräftige Kräuter, allen voran die Chanca Pietra, anzubauen. Zusammen mit Vertretern der indigenen Bevölkerung baute er ein Haus und pflanzte neben der Chanca Pietra Zuckerrohr, Kaffee, Bananen, Yucca, Papaya sowie Trauben an. Zum Erstaunen der Indios legte er selbst Hand an, arbeitete barfuss, in kurzen Hosen und mit breitkrempigem Hut. "Ein Paradies", wie sich Alfred Vogel später erinnerte.
Undatierte Aufnahme von Alfred Vogel, vermutlich in Südamerika auf einer Plantage.
In Lima hatte er bei einem Besuch mit Ärzten und Professoren der Universität über den Wert der Kräuterheilkunde gesprochen. Alfred Vogel war der Ansicht, dass der Erfolg und die gute Forschungsarbeit der Phytotherapie in Europa auch der Heilkunde und Pflanzenmedizin der Inkas zugutekommen sollte. Mit der „Bioforce Südamerika“ wollte er dazu beitragen, diesen (nach Gold) zweiten Schatz des Landes näher wissenschaftlich zu untersuchen. Zwar ist daraus nichts geworden, und auch seine Farm musste er bald wieder aufgeben. Geblieben ist die Erkenntnis, dass es noch mehr Forschungsanstrengungen bedarf, um die Wirkung von Heilpflanzen zu untersuchen und nutzbar zu machen.
Nicht Phyllanthus niruri, aber eine verwandte Art: Phyllanthus urinaria.
1958 auf seiner ersten Reise im Amazonasgebiet auf dem Fluss Marañón begegnete ihm ein Mann, der ihm die Chanca Piedra (Phyllanthus niruri L.) vorstellte. Die indigene Bevölkerung nutzte die Pflanze gegen Nierensteine, bei Harnwegserkrankungen, Diabetes, Gallensteinen, Herpes und Gonorrhoe. Die oberirdischen Pflanzenteile enthalten Phenolcarbonsäuren, Gerbstoffe, Lignane, Triterpene und Alkaloide, wie Securinol A und B. Alfred Vogel fotografierte die Pflanze und sorgte nachträglich für deren Anbau auf seiner Farm in Tarapoto. Bisher können jedoch nur Studien an Tieren die Wirksamkeit der Pflanze belegen.
"Urwald gerodet und Bananen gesetzt, Mais und Maniok gepflanzt. Ausserdem: Karotten, allerlei Gewürze, wunderbare Trauben, Brotfrucht, Papaya, Chiramaya, Avocados, Acerola-Kirschen, Zuckerrohr, Kaffee, Yucca. Kultivierung der Heilpflanze Chanca Piedra", schreibt er 1958.
"1959 trank ich einmal ahnungslos bei Indianern einen Tee, der Cocablätter enthielt. Dieser unfreiwillige Trank gab mir eine gewisse Vorstellung vom Land närrischer Fantasien“, so berichtet Alfred Vogel. Und tatsächlich ist der Tee aus Kokablättern, Mate de Coca, in Peru und anderen Andenregionen ein beliebtes Getränk. Entweder werden abgepackte Teebeutel (enthalten sind ca. 1 g getrocknete Cocablätter) oder lose Cocablätter verwendet. Die Wirkung ist ähnlich der von starkem Schwarztee oder Kaffee, der Geschmack erinnert an herben Grüntee. Die indigene Bevölkerung kaute die Blätter, allerdings mit dem Zusatz von Kalk, der das enthaltene Alkaloid Kokain in ein nicht süchtig machendes Alkaloid umwandelte.
Das im Hochland, im Amazonasgebiet und an der Küste gedeihende, minzig-herb schmeckende Kraut Huacatay (auch Mexikanische Gewürztagetes genannt) aus der Gattung der Tagetes wird häufig zum Würzen von Suppen, Eintöpfen und Saucen, z.B. Ocopa, verwendet. rockene Blätter verlieren fast vollständig ihr charakteristisches Aroma. Es ist, wie auch Koriander, eines der zentralen Kräuter der peruanischen Küche.
Huacaty wirkt krampflösend, verdauungsfördernd, schweiss- und harntreibend, abführend und magenstärkend. Traditionell wird es bei Gastritis bei Verdauungsstörungen und Würmern verwendet. Äusserlich bei Hämorrhoiden und Hautinfektionen.
Muña (Foto: Wikipedia/Alebuhn)
Ebenfalls als Tee genutzt wird Muña, eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Lippenblütler. Alfred Vogel beschrieb sie lediglich als Planta Muña, wobei die Gattung Minthostachys mehrere Arten aufweist. „Bei den alten Inkas diente das Kraut, um vor allem Kartoffeln bis zu drei Jahren haltbar zu machen. Man wendet es natürlich auch als Mittel zum Heilen verschiedener Leiden an, so bei Kopfweh wie auch bei verstimmtem oder vergiftetem Magen“, schrieb er. Tatsächlich wird die Pflanze in der indigenen Medizin der Andenbevölkerung gegen Blähungen und als Aphrodisiakum, aber auch als Gewürz genutzt. Enthalten sind ätherische Öle, die auf ihre Wirksamkeit gegen Atemwegs- und Verdauungsprobleme erforscht wurden. Die antibakteriellen und antimykotischen Eigenschaften erklären die Nutzung als Schädlingsabwehrmittel bei der Lagerung von Kartoffel- und Ocaknollen. Es gibt aber auch Hinweise auf eine geringe, dosisabhängige Toxizität.
In Peru und Guatemala lernte Alfred Vogel die Luffa operculata, die Schwammgurke, kennen. Eine Kürbisart, die als Schlingpflanze in tropischen Gebieten vorkommt. Er habe oft zugeschaut, wie die Indianer sie auf glatten Steinen am Fluss ausklopften, bis das grüne Fleisch ganz weg war. Als Heilmittel wurde die harte Fasersubstanz verwendet. Heute kommt die Schwammgurke hauptsächlich in der Homöopathie und der Kosmetik zur Anwendung.
Erstaunt war Alfred Vogel auch über die Wirkung eines Absuds aus einer Yucca-Art (Yucca schidigera), welche die indigene Bevölkerung bei Arthritis einsetzte. Die aktuelle Studienlage bestätigt diese Einschätzung zum Teil, allerdings fehlt es an klinischen Untersuchungen an Menschen. Nachweislich wirken die Einzelstoffe Saponine und Polyphenole (Resveratrol und Yuccaol) bei Arthritis. Drei weitere Heilpflanzen Perus sind erwähnenswert.
Die Yacon-Wurzel ist ein Grundnahrungsmittel in den Anden und hat einen birnenartigen Geschmack. Sie eignet sich zum Backen, Braten, Grillen und Kochen oder als Rohkost sowie für Mixgetränke. Der Anteil an präbiotischen Ballaststoffen sowie die nicht als Stärke gespeicherten Kohlenhydrate machen sie für eine diabetische Ernährung empfehlenswert. Denn die Kohlenhydrate werden in Form von Fruktanen wie Inulin und Fruktooligosacchariden (FOS) gespeichert. Beide Stoffe fördern günstige Mikrobiota, die kurzkettige Fettsäuren bilden. Darüber hinaus soll die Yacon einen blutzuckersenkenden Effekt haben.
Die auch Uña de Gato (Uncaria tomentosa) genannte Lianen-Art ist im Amazonas-Regenwald von Peru, Bolivien und Brasilien u.a. beheimatet. Sie ist bereits seit den 1990er-Jahren von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Heilpflanze anerkannt. Das vielfältige Wirkungsspektrum der Wurzel reicht von immunstimulierend, antiviral, antibakteriell, pilzhemmend, antiparasitär, entzündungshemmend, schmerzlindernd, mild blutgerinnungshemmend bis zu blutdrucksenkend. Doch auch hier gibt es nur wenige Studien zur pharmakologischen und klinischen Wirksamkeit. Als allgemein anerkannt gilt die entzündungshemmende, aber auch die immunmodulierende Wirkung.
Die süsslich schmeckenden Maca-Knollen (Lepidium meyenii) wie auch das über der Erde wachsende Gemüse können gebacken oder getrocknet und anschliessend gekocht werden. Enthalten sind reichlich Kohlenhydrate, Proteine (insbesondere essentielle Aminosäuren) sowie Kalzium, Zink, Jod, Phosphor und Eisen. Zudem sind Fettsäuren wie Linolen-, Palmitin- und Ölsäure enthalten. Die Maca-Wurzel soll sich positiv auf die körperliche Leistungsfähigkeit, u.a. auch der Fruchtbarkeit und Potenz, sowie die psychische Belastbarkeit auswirken.