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Sie baten Besucher eines Festivals, in ein spezielles Pissoir zu pinkeln, wie Wasserexperte Arne Verliefde von der Universität Gent am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa erklärte. Die Wissenschaftler testeten dabei ein Verfahren, um Düngerstoffe und Trinkwasser aus Urin zu filtern. Hauptziel des Projektes ist es, billigen Dünger für Entwicklungsländer herzustellen.
Unter dem Motto "Pinkeln für die Wissenschaft" hatten die Wissenschaftler rund 1000 Liter Urin gesammelt. Daraus waren mit einer speziellen Anlage Stickstoff, Kalium und Phosphor gefiltert und rund 950 Liter Trinkwasser gewonnen worden. Nach der Prüfung durch staatliche Labore soll das Wasser zum Brauen eines Spezialbieres genutzt werden.
Das Pinkel-Bier soll Vorurteile überwinden, sagte Verliefde. "Ich weiss, dass viele das eklig finden." Dabei sind doch gerade die Belgier für ihre Bier-Tradition bekannt - und jetzt ein Bier aus Urin? "Hier machen wir Witze, dass die Niederländer das schon seit Jahrhunderten tun", sagte Verliefde.
Trinkwasser aus Urin sei aber geschmacksneutral und schadstofffrei. Gemeinsam mit der Genter Stadtbrauerei "De Wilde Brouwers" (Die wilden Brauer) haben die Forscher bereits aus geklärtem Abwasser Bier gebraut. "Das ist ein leckeres Bierchen", sagt der Wasserexperte.
Das Filterverfahren der Belgier soll in Entwicklungsländern eingesetzt werden. "Bauern dort haben oft keinen Zugang zu billigem Dünger", erklärte Verliefde. Aus 1000 Liter Urin könne man genug Dünger gewinnen, um 135 Kilogramm Mais zu produzieren. Um schnell eine grosse Menge Urin zu sammeln, sollten die Anlagen auf Festivals, bei Fussballspielen oder an Flughäfen aufgestellt werden.
An sich ist es technisch schon länger möglich, aus Urin Trinkwasser zu gewinnen, um beispielsweise Astronauten auf einer Raumstation zu versorgen.
(SDA)