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Das Alentejo hat die Form einer weiten Ebene mit langgezogenen Hügeln, hier und dort besetzt mit Oliven- und Korkeichenwäldern und dazwischen ein Haus. Monte oder Herdade werden im Alentejo die Landgüter genannt, die meist auf den kleinen Anhöhen gebaut sind. Oft handelt es sich dabei um ein einstöckiges, weissgestrichenes Wohngebäude mit einem Hof in der Mitte, umgeben von Wirtschaftsgebäuden, Ställen und einem Geflügelhof. Im Garten wird eigenes Gemüse gezogen, einige alte Bäume spenden Schatten. Diese Bauweise schützt Mensch und Tier am besten vor den extrem hohen Sommertemperaturen.
Das Klima charakterisiert sich durch äusserst heisse und trockene Frühlinge und Sommer. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 15,5°C mit einem durchschnittlichen Maximum von 20,5°C – 21°C (absolutes Maximum 42,1°C) und einem durchschnittlichem Minimum von 11°C – 11,5°C (absolutes Minimum 5°C). Vor allem im Quartal, das der Ernte vorangeht, ist sie sehr hoch und trägt zur perfekten Reifung der Trauben bei. Die Bedingungen sind ausserordentlich vorteilhaft für die Synthese und Ansammlung der Zucker und die Konzentration von Farbpigmenten in den Traubenhäuten. Der Regen konzentriert sich auf die Wintermonate.
Weide- und Brachland bedecken etwa zwei Drittel der nutzbaren Agrarfläche, und Getreide ist vorherrschend bei der zeitlich beschränkten Nutzung. Die Dauerkulturen bestehen hauptsächlich aus Olivenbäumen, gefolgt von Rebstöcken. Obwohl die dem Rebbau gewidmete Fläche verhältnismässig klein ist im Vergleich mit anderen Region und der nationalen Gesamtfläche, ist er wirtschaftlich sehr wichtig und die Haupteinkommensquelle für die lokalen Weinbauern. Der Boden des Rebbaugebietes besteht ursprünglich aus Granit, stellenweise mit Schiefer und Quarz versetzt, und in der Region um Borba und Moura dominiert der Kalk. Allgemein sind die Böden nur mittel oder wenig fruchtbar.
PORTALEGRE
Vom Klima und vom landschaftlichen Profil her unterscheidet sich dieser Bezirk ziemlich von den anderen Weinregionen des Alentejo; die Hügelkette von São Mamede, die Wälder und die Landwirtschaft sorgen für ein spezifisches und für die Reben günstiges Mikroklima. Den Namen „Portalegre“ tragen Rot- und Weissweine aus Reblagen, die hauptsächlich auf Granitböden wachsen, obwohl zur Appellation auch mehrere Flecken mit Schiefer- und Quarzitböden gehören. Rotweine herrschen vor.
BORBA (ESTREMOZ)
Die Weinbauregion von Borba ist ein grosses, von Nordwest nach Südost verlaufendes Gebiet, ausgehend nordöstlich von Estremoz durch Orada, Vila Viçosa, Alandroal und Rio de Moinhos. Berühmt ist die Region auch für ihre Marmorbrüche, deren Steine früher für Lagares verwendet wurden. Vorherrschender Untergrund ist kristalliner Kalk, dazu gibt es mehrere Flecken aus rötlichem Schiefer.
REGUENGOS
Diese Weinbauregion basiert vor allem auf Granitböden, obwohl einige Abschnitte aus Schiefer oder “rañas” bestehen. Das Klima ist kontinental mit kalten, trockenen Wintern und Sommern mit sehr hohen Durchschnittstemperaturen. Die Sonnenscheindauer beträgt über 3000 Stunden pro Jahr. Der Boden und die klimatischen Bedingungen ergeben zusammen mit den verwendeten Sorten charakteristische Qualitätsweine.
Die Küche des Alentejo ist nahrhaft. Eine mögliche Mahlzeit: junger, grobkörniger Schafkäse mit Salz, frischgemahlenem Pfeffer und Olivenöl, getrockneter Pata-negra-Schinken mit hausgemachtem Brot, Brotsuppe mit Oregano, Tomaten und Beldroegas, dazu im Sud hartgekochte Eier und gedünsteten Fisch, dann fettes Schweinefleisch mit Kartoffeln. Eine lokale Spezialität ist auch der „miga“ ein schwerer Brotbrei, der als Beilage gereicht wird.
Die alte Provinz Beira Litoral, zu der die DOC Bairrada gehört, umfasst die tiefliegenden Ländereien zwischen dem Atlantik und den Bergen im Osten. Sie sind von den Unterläufen des Vouga, Lis und Mondego durchzogen, entlang der vielen kleineren Wasserläufe wachsen hoher Schilf und Eukalyptusbäume. In der Gegend um Aveiro liegen die grossen Reiskulturen, auf den Dünen wachsen Pinien. Im fruchtbaren Landesinnern werden auf kleinen Parzellen Mais, Weizen und Oliven gezogen.
Das Beira Alta ist die bergreichste Region Portugals, die Landschaft eine Folge fruchtbarer Talsenken und schroffer Felsmassiven. Die gewaltigsten sind die Serra de Estrela, ein sechzig Kilometer langer und dreissig Kilometer breiter Gebirgszug, und die weiter südlich parallel verlaufende Serra de Lousã.
Ihre Hänge sind dicht bewaldet, die Spitzen zuweilen mit Felsblöcken bedeckt, aber meistens weiden auf den grasigen Höhen Schafherden, vom Schäfer und seinen „serra de estrela“ behütet. So heisst die hiesige Hunderasse, die, den massigen Körper mit langem, schwarz-braunen Fell bedeckt, es auch mit einem Raubtier aufzunehmen vermag.
Die Region, oft von Waldbränden heimgesucht, ist schön, sie wirkt alt, als sei sie schon immer dagewesen. Die Landstrassen sind gesäumt von Mauern aus dem Granit, aus dem auch der Boden besteht. Dahinter Obstbäume und kleine Gärten, in denen vereinzelt der Stein durchbricht, ein paar Bäume. Eine Schafherde überquert die schmale, gewundene Strasse. Das Dão ist reizvoll mit dem Grau der Felsen, der auch für den Häuserbau verwendet wird, und das Grün der üppigen Vegetation – Grün in allen Schattierungen.
Die Reben reichen bis auf 800 m, die besten Weine stammen jedoch aus den tieferen Lagen zwischen 400 und 500 m. Am meisten wächst in der Umgebung von Nelas, Mangualde und Penalva do Castelo. Die Comissão Vitivinicola Regional do Dão, für die Kontrolle zuständig, residiert im Zentrum der Region, in Viseu. Die Organisationsversuche der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts haben den Kooperativen im Dão eine dominierende Position verschafft. Als einzige durften sie den Bauern die Trauben abnehmen, Ziel war, die vielen kleinen Landbesitzer unter einem Dach, dem der Genossenschaft, zu vereinigen. Mit dem Beitritt zur EG wurde die Gleichberechtigung eingeführt, heutzutage darf aufkaufen, wer will. Immer noch läuft ein guter Teil der Produktion über die Genossenschaften. Das dürfte auch in Zukunft so sein: die Mehrheit der Lieferanten sind Kleinbauern, die zuwenig Reben und Mittel für eine eigene Kellerei haben.
Seit der Registrierung der Rebberge im Jahre 1989 wurden der DOC in sechs Monaten 1500 ha Fläche entzogen. Seit Mitte 1997 werden die Weine einer Qualitätskontrolle unterworfen, deren Ergebnis die Herkunftsbezeichnung „Dão“ verbieten kann. Diese Massnahmen müssen die Genossenschaften ob ihres Gewichtes stärker betreffen. In den letzten Jahren haben vermehrt einzelne Winzer, die das Potential ihrer Rebstöcke erkannt haben, in neue Kellereien investiert und sich selbständig gemacht.
Dão ist eine Gegend für Rotweine und die Idee, wie die sein sollen, tief verwurzelt. Am Anfang sind die mit den Stielen vergorenen Weine hart und streng, aber sie haben ein gutes Alterungspotential. Durch moderne Vinifikationsmethoden gelangen vermehrt kraftvolle und fruchtige Weine auf den Markt, reinsortige Touriga Nacionals und andere, die durch den Ausbau in neuen Eichenfässern nicht nur gehaltvoll, sondern auch früher trinkreif sind.
Ein guter Dão ist herrlich. Dichte Frucht und Röstaromen bestimmen das eigene Bouquet. Der Körper ist jung noch schlank und scharf, starke Säure und adstringierender Gerbstoff zeigen das Alterungspotential. Ältere Jahrgänge stützen sich auf die kräftige Säure und feinkörnigen Gerbstoff, sie entwickeln reife Weichsel- und Fruchtaromen neben einer erstaunlichen Eleganz.
Die Region Douro ist nicht nur eine der ältesten – die Appellation für Portwein wurde 1756 deklariert –, sondern auch eine der schönsten Weinregionen der Welt. Von den Hügelkuppen bietet sich ein weiter Blick über den Fluss auf die schmalen Terrassen und die weissen, in die Hänge eingebetteten Weingüter. Die Schönheit dieser Sicht ist atemberaubend, neben dem Duft von Blumen und wilden Kräutern, dem Geruch des Bodens ist es vor allem: das Licht. Dieses klare, hellblaue, durchsichtige Licht verleiht dem Tal seine Magie und lässt die Konturen weitentfernter Hügelketten scharf hervortreten.
Die Reben des Douro wachsen scheinbar auf Schieferhalden, ihre Wurzeln dringen in die Risse der dicken Gesteinsschichten, bis sie in der Tiefe auf Nahrung stossen. Dort, wo Erde liegt, ist sie fruchtbar und wird sorgsam für Gemüsegärten, Oliven- und Orangenbäume genutzt. Die alten Steinmauern halten dem Druck von oben nicht immer stand: durch starke Regenfälle staut sich das Wasser im Erdreich am Fuss der einzelnen Terrassen und bringt sie ins Rutschen.
Das Baixo Corgo im Westen der Appellation und die hohe Lagen gelten als weniger vorteilhaft für Portwein, dafür um so mehr für Rotwein. In den höheren Lagen geht der Schieferboden in Granit über, und die an der Grenze des Douro liegenden Quintas sind niedriger eingestuft als die im Zentrum. Im gemässigten, kühleren und feuchteren Teil des Douro sind die Voraussetzungen für weiche, finessenreiche Tischweine besser als in der stechenden Hitze des Douro Superior.
Douro steht für Portwein, und Portwein unterliegt strengen Regeln. Die Produktionsmenge wird jedes Jahr neu bestimmt und den Quintas gemäss ihrer Klassierung zugeteilt. Der nicht unerhebliche Rest der Ernte wurde schon immer trocken vergärt – die Douro-Tafelweine sind keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, bis Anfang des 18. Jahrhunderts waren Douroweine trocken. Erst vor relativ kurzer Zeit erhielten sie die allgemeine Aufmerksamkeit und 1979 den DOC-Status. Die Portweinhäuser haben das Potential der Region für sich entdeckt und erzeugen auf ihren Quintas neben dem Port vermehrt auch Tafelweine.
Für Port- und Tafelweine werden die gleichen autochthonen Sorten verwendet, importierte Sorten sind für die Herstellung von DOC-Weinen nicht zugelassen. Daraus hat sich bei den roten eine Spitzengruppe herausgebildet: Touriga Nacional, kleinbeerig, dunkel, tanninreich, mit hochkonzentrierten Aromen, aber mit 500 g pro Stock tief im Ertrag. Touriga Franca, fein und duftig. Die würzige Tinta Cão. Tinta Barroca, genügsam, mit gutem Ertrag. Tinta Roriz, die spanische Tempranillo, bringt dem Wein die nötige Finesse und die tiefdunkle Farbe.
Dunkel sind sie, die Douro-Roten. Im Barrique ausgebaute Weine besitzen ein intensives Bouquet mit reichen Gewürzaromen, aber auch animalischer Herbheit. Sie brauchen Zeit, um sich zu öffnen, sowohl in der Flasche wie im Glas. Der Körper hat kräftig Gerbstoff und Säure, ist gut strukturiert und entwickelt mit der Zeit eine feine, an Cassis und Brombeeren erinnernde Frucht.
Auch weisse Sorten werden kultiviert, wenn auch nicht im gleichen Masse wie die roten. Aus Malvasia, Viosinho, Gouveio, Roupeiro und Rabigato entstehen kräftige Weissweine mit solider Säurestruktur, die auch ohne Ausbau im Eichenfass den Mund zu füllen vermögen. Aus der Moscatel Galego wird um das Städtchen Favaios der Moscatel Douro gekeltert, ein süsser, aufgespriteter Weisswein von tiefgelber Farbe, etwas leichter als die Moscatels von Setubal, aber ebenfalls von grossem Reiz.
Das Leben ist hart für die Erntearbeiter. Die alten, schmalen Terrassen erlauben keine Mechanisierung, während der Lese tragen sie die vollen Körbe in grosser Hitze hinauf oder hinunter zur nächsten Strasse. Durch die EU ist seither viel Geld ins Land geflossen, das in die Rebberge und in moderne Kellereien investiert wurde. Rostfreie Stahltanks und Autovinifikatoren ersetzten an manchen Orten die alten Lagares, und die neuangelegten "patamares", breite Terrassen, können maschinell bearbeitet werden. Mit den Tafelweinen hat auch die Verwendung von neuen Barriques, meist französischer Herkunft, zugenommen, sie geben diesen kraftvollen, langlebigen Weinen den letzten Schliff.
Die Appellation Setúbal liegt auf der gleichnamigen Halbinsel südlich von Lissabon und umfasst die Landkreise von Setúbal und Palmela nebst weiteren Gemeinden. Die Region im Südwesten wird von der Serra da Arrábida beherrscht, einer wilden und zerklüfteten Hochebene, deren Klippen senkrecht ins Meer stürzen. Die niedrigeren Ausläufer mit östlicher und westlicher Exposition sind von zahlreichen Tälern durchschnitten. Im Südosten liegt das Land flach ausgestreckt da und reicht beinahe zur Sado-Ebene. Ebenso wie Form variert der Boden: Kiessand, Lehm und Kalk prägen den hiesigen Wein.
Auf der fruchtbaren, sandigen Ebene östlich von Palmela wachsen hauptsächlich einheimische Sorten für trockene Rot- und Weissweine. Aus der Umgebung von Algeruz kommen die Trauben für Fonsecas "Periquita", mit seinem Ursprung im 19. Jahrhundert eine der ältesten Marken des Landes. Vor allem José Maria da Fonseca bewahrt erfolgreich den regionalen Stil, aber mit eigener Handschrift. Periquita, die bekannteste rote Rebe der Region, auch Castelão Francês genannt, ergibt Weine, die gut altern und ein charakteristisches Aroma entwickeln. Bacalhôa Vinhos arbeitet seit den siebziger Jahren vermehrt mit importierten Sorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay, die in neuer Eiche ausgebaut werden. Die Firma hat sich vor allem mit dem "Quinta de Bacalhôa", einer Assemblage aus Cabernet und Merlot, einen guten Namen gemacht. Sie erzeugt unter anderen süsse Moscatels, für deren Produktion sie zusammen mit Fonseca fast das Monopol besitzt.
Das Klima ist mittelmeerähnliche, und wie überall, hat das Mikroklima grossen Einfluss: während des letzten Reifungsstadiums der Trauben kommt vom Tejo-Becken nächtliche Feuchtigkeit. Sie spielt eine wichtige Rolle, da es im Sommer selten regnet und den Pflanzen auf diese Weise Wasser zugeführt wird. Die Temperaturen schwanken nur gering.
Die Gegend war bereits für ihre süssen, gespriteten Muskateller bekannt, als José Maria da Fonseca 1834 seine Firma in Azeitão, am Fusse der Serra da Arrábida, gründete. 1860 wurde Moscatel de Setúbal in drei Kontinente expediert, im 20. Jahrhundert ist die Bedeutung des Moscatel zugunster roter und weisser Tafelweine zurückgegangen.
Moscatel de Setúbal ist der dritte in der Gruppe der grossen Süssweine Portugals. Wie Portwein und Madeira ist er ein "vinho generoso", aufgespritet mit hochprozentigem Branntwein, um die Gärung zu unterbrechen. Durch den hohen Gehalt an Restzucker bleibt ein starker, süsser Wein, dessen Qualitäten am besten nach langer Reifezeit zum Ausdruck kommen. Die Moscatel d'Alexandria gedeiht im warmen Klima gut und entwickelt trotz der hohen Erträge einen erstaunlichen Zuckergehalt. Für ihn am besten geeignet sind die nach Norden ausgerichteten Ton-Kalk-Böden der Serra da Arrábida.
1907 wurde die Gegend um Setúbal zur Região Demarcada für Muskateller erklärt. Die Herstellung verläuft heute noch gemäss alter Tradition. Nach dem Gärungsunterbruch erhält der Wein durch die fünfmonatige Mazeration sein intensives Aroma und die dunkel-goldene Farbe. Anschliessend wird er gepresst und in grossen Eichenfässern gelagert, in denen durch die Verdunstung die Konzentration zunimmt. Junger Moscatel kommt erstmals als fünf- bis sechsjähriger Jahrgangswein auf den Markt.
Das Bouquet eines jungen Moscatel de Setúbal springt förmlich entgegen, es ist frisch und lebendig und erinnert mit dem trocken-würzigen Duft an Bitterorangen. Im Hintergrund spielt die Süsse von dunklem Honig und bildet einen Gegensatz zum herben Geruch von Harz und frischem Gras. Der Körper ist süss wie dunkles Karamel und scharf wie Pfeffer. Feurig und herb-süss, hat er den intensiven Geschmack getrockneter Muskatellertrauben, ein Aroma, das sich mit zunehmendem Alter des Weines in den Körper einbindet. Er verfügt über kräftige Säure und endet mit einem rosinenartigen Abgang. Ein Teil des jungen Weines wird zurückbehalten und in 600-Liter-Fässern aufbewahrt, bis er nach zwanzig Jahren, mittlerweilen dunkelbraun und von öliger Konsistenz, abgefüllt wird.
Die Halbinsel von Setúbal ist sanft touristisch erschlossen, der Badeort Sesimbra ist bei Einheimischen und Fremden als Sommerfrische gleichermassen beliebt. Das ausgeglichene Klima und die reizvolle Landschaft lockten den Lissaboner Adel, der hier im 16., 17. und 18. Jahrhundert seine Paläste und Landhäuser bauen liess. Mittlerweilen hat sich Lissabon über den Tejo gestreckt, und seine Vororte kriechen entlang der Schnellstrasse immer weiter nach Süden. In Vila Nogueira da Azeitão sind immer noch die schönen alten Firmengebäude von José Maria da Fonseca zu besichtigen.
Nördlich von Lissabon besteht die Landschaft aus lieblichen Hügeln, sie ist fruchtbar und dicht besiedelt. Dass die grösste weinproduzierende Region auf nationaler Ebene während Jahren nur einfache Massenweine hervorgebracht, hat ihr Image nachhaltig geprägt. Die Konsumenten mit Qualitätsweinen zu überzeugen, war der einzige Weg, um diesen Ruf zu widerlegen.
Die Weinregion Lisboa bedeckt das gleiche Gebiet, das bis 2009 als Estremadura bekannt war, wobei der alte Name ausserhalb der Weinwirtschaft weiterhin für diese historische Provinz gebraucht wird. Die Umbenennung in Lisboa soll der Verwechslung mit der spanischen Weinregion Extramadura vorbeugen und der weltweit bekannte Name der portugiesischen Hauptstadt Lisboa/Lissabon als Zugpferd dienen. Die Region ist als „Vinho Regional“ klassiert, und während die VR Beiras und Alentejo flächenmässig an der Spitze stehen, produziert Lisboa am meisten Wein. Die VR, unterteilt in neun Subregionen, erstreckt sich von Lissabon aus der Küste entlang nach Norden fast bis zur DOC Bairrada.
Alenquer DOC
Sie liegt in einem nördlichen Tal im Distrikt Lissabon.
Arruda DOC
Die Region ist hauptsächlich für die Produktion von Rotweinen bekannt.
Bucelas DOC
Die Region südlich der Arruda DOC hat einen guten Ruf für ihre kühl gegärten Weissweine, die Reben wachsen vor allem auf Lehmboden. Nördlich der Hauptstadt Lissabon gelegen, hat die städtische Ausdehnung im zwanzigsten Jahrhundert zu einer drastischen Reduzierung der Rebfläche geführt. Zu den wichtigsten Rebsorten von Bucelas gehören die Arinto und die Esgana Cão. Sie haben den Vorteil, im warmen, sub-mediterranen Klima nahe der portugiesischen Küste einen hohen Säuregehalt zu bewahren. Die lokalen Weinmacher experimentieren mit verschiedenen Vinifikationstechniken, eingeschlossen Spätlese und traditionelle Schaumweine.
Carcavelos DOC
Diese Region zentriert sich um die Gemeinde Carcavelos, schliesst aber auch Landflächen in der Nähe von Cascais und Oeiras ein. Sie liegt am südlichsten Ende der Estremadura und besitzt eine bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Weintradition. Carcavelos war im 19. Jahrhundert eine prosperierende Gegend, und ihre aufgespriteten Weine hatten Weltruf. In der Moderne wurde die Appellation durch die städtebauliche Entwicklung von Lissabon und der nahen Küstenstadt Estoril fast gänzlich zerstört.
Colares DOC
Die Weinregion umgibt das gleichnamige Städtchen entlang der südwestlichen Atlantikküste, wo Sanddünen die Reblagen vor den starken Meerwinden schützen. Der Sandboden hält die Reblaus in Schach, und die ungepfropften Ramisco-Rebstöcke von Colares gehören zu den ältesten in ganz Portugal. Die Weine sind tiefgefärbt und verfügen in jungen Jahren über adstringierende Tannine.
Óbidos DOC
Die Region liegt um das Städtchen Óbidos DOC produziert sowohl Weiss- wie auch Rotweine. Die Weissweine werden traditionell für Destillate verwendet.
Torres Vedras DOC
Die Region um das Städtchen Torres Vedras erhielt den DOC-Status, nachdem es als Indicação de Proveniência Regulamentada (IPR) seine Qualitäten bewiesen hatte. Die hohen Traubenerträge dieser Region wurden in der Vergangenheit von Grosshändlern für die Herstellung günstiger Vinho da Mesa benutzt.
Encostas d’Aire DOC
Die DOC liegt auf den Kalksteinhügeln, die sich am nördlichen Ende der VR Lisboa bis in die südwestliche Ecke der Region Beiras ausbreiten. Ursprünglich eine IPR, wurde sie 2005 mit Einschluss der damaligen IPR Alcobaça zur DOC erhoben. Trotz des ähnlichen Namens unterscheidet sich die Encostas d’Aire DOC dezidiert von der früheren Encostas da Nave IPR in der nördlichen Hälfte des Beiras, die heute zur Távora-Varosa DOC gehört.
Cartaxo IPR
Die Cartaxo IPR um die Stadt Cartaxo überschneidet die VR Lisboa und Ribatejo und wurde 2003 zu einer der sechs Subregionen der Ribatejo. Der Name darf immer noch zusammen mit dem von Ribatejo als Ribatejo-Cartaxo verwendet werden. Die Gegend ist für einfache, fruchtige Rot- und Weissweine bekannt.