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Urologie
Behandlungsmöglichkeiten bei Erkrankungen der überaktiven Blase
sowie der Prostata
KRANKHEITSBILD
Symptome des unteren Harntraktes, d.h. Probleme beim Wasserlassen, werden meist bei Männern und Frauen durch eine überaktive Blase (Blasenschwäche oder funktionelle Störung der Blase) und bei Männern zudem sehr häufig durch eine benigne (gutartige) Prostatahyperplasie (BPH), einer gutartigen altersbedingten Vergrösserung der Vorsteherdrüse (Prostata), hervorgerufen.
Eine überaktive Blase ist bei Männern und Frauen sehr weit verbreitet. Fast jeder Fünfte der über 40-Jährigen leidet darunter. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit stark zu.
Zu den Beschwerden können gehören:
- ein häufigeres Wasserlassen (mehr als 8 x pro 24 h)
- Harndrang: oft drängender und plötzlicher Harndrang
- Nykturie: zwei- oder mehrmalige nächtliche Toilettengänge
- Inkontinenz: unwillkürlicher, nicht kontrollierbarer Urinabgang
Diese Symptome können einzeln aber auch zusammen auftreten und schränken den Tagesablauf der Betroffenen stark ein.
Ungefähr 10% aller Männer leiden unter Symptomen des unteren Harntraktes, die durch eine benigne Prostatahyperplasie hervorgerufen werden. Sie ist eine typische altersbedingte Krankheit und nimmt mit zunehmendem Alter stark zu. So sind bereits 24% aller Männer über 80 Jahren davon betroffen.
Diese gutartige Vergrösserung der Prostata entwickelt sich hauptsächlich in der inneren Zone, das heisst in dem Bereich in unmittelbarer Nähe zur Harnröhre. Aus diesem Grund kann es hier zu einer ringförmigen Einengung der Harnröhre und damit zu unterschiedlich ausgeprägten Problemen beim Wasserlassen kommen. Die Symptome umfassen:
- Probleme bei der Speicherung des Urins: ein häufigeres Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen und Harndrang
- Probleme bei der Harnentleerung: schwacher oder unterbrochener Urinstrahl, verzögertes Einsetzen der Blasenentleerung oder Wasserlassen nur unter Anstrengung
- Probleme nach der Harnentleerung: Nachträufeln und das Empfinden, dass noch Urin in der Blase ist
DIAGNOSE
Um das Beschwerdebild genau zu umfassen, ist in erster Linie ein sogenanntes Anamnesegespräch mit dem behandelnden Arzt nötig. In diesem Gespräch wird Ihre Vorgeschichte in Bezug auf Ihre Erkrankung ermittelt und auch oft nach Ihren Trink- und Essgewohnheiten gefragt (häufiger Kaffee- und Teegenuss kann z.B. den Harndrang fördern). Zudem müssen andere ursächliche Krankheiten wie Infektionen, Blasensteine oder ein Tumor ausgeschlossen werden. Es folgen weitergehende Untersuchungen wie z.B. die Urindiagnostik, Harnflussmessung und eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege (Blase, Nieren, Restharnmessung).
In der Regel wird der Betroffene gebeten, ein Miktionstagebuch zu führen. Hierbei werden das Trinkverhalten, sämtliche Toilettenbesuche (Wasserlassen) sowohl tagsüber als auch nachts mit Angabe des Urinvolumens über mehrere Tage protokolliert. Hieraus wird Ihrem Arzt klar ersichtlich, wie viele Toilettenbesuche tatsächlich erfolgten und wie ausgeprägt das Beschwerdebild ist.
Bei Männern ist zudem eine Tastuntersuchung, bzw. Ultraschalluntersuchung der Vorsteherdrüse (Prostata) zu empfehlen, um eine gutartige Vergrösserung der Prostata, die benigne Prostata Hyperplasie (BPH), als Ursache für die Blasenprobleme zu erkennen.
Die Symptome und der Leidensdruck werden hier in der Regel mit dem Internationalen Prostata-Symptomen-Score (IPSS), einem mehrere Fragen umfassender Fragebogen, beurteilt.
BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN
Für die Erkrankung der überaktiven Blase stehen nichtmedikamentöse und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die oft miteinander kombiniert werden. In sehr schwerwiegenden Fällen sind auch operative Eingriffe möglich.
Neben einer Beratung in Bezug auf die Ess- und Trinkgewohnheiten, wie z.B. das Vermeiden des übermässigen Genusses harntreibender Getränke wie z.B. Kaffee oder Tee, wird in der Regel ein Blasen- und Beckenbodentraining empfohlen.
Medikamentös stehen Ihnen verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung – ein Anticholinerikum oder ein Beta-3-Adrenozeptor-Agonist.
Das Anticholinerikum blockiert Rezeptoren im Bereich des Blasenmuskels, so dass sich der Blasenmuskel nicht mehr so kräftig und unwillkürlich zusammenziehen kann. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass durch die Medikamente die Reize aus der Harnblase, welche den Harndrang verursachen, ebenfalls blockiert oder gehemmt werden. Die meisten Patienten verspüren bereits nach den ersten Wochen eine Symptombesserung. Die volle Wirkung wird nach ungefähr 3 Monaten erreicht.
Häufige Nebenwirkungen dieser Wirkstoffgruppe können Mundtrockenheit oder Verstopfung sein.
Der Beta–3-Adrenozeptor-Agonist weist einen anderen Wirkmechanismus auf. Er fördert die Entspannung der Blase während der Füllung, erhöht die Blasenkapazität und das Intervall zwischen den Blasenentleerungen. Die meisten Patienten verspüren bereits nach den ersten Wochen eine Symptombesserung. Die Wirksamkeit tritt im Allgemeinen innerhalb von 8 Wochen ein.
Die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit ist für alle Wirkstoffgruppen durch zahlreiche Studien belegt.
Alle Medikamente müssen langfristig, d.h. über mehrere Monate eingenommen werden, damit sie ihre volle Wirkung entfalten. Die meisten Patienten verspüren bereits nach den ersten Wochen eine Symptombesserung. Die volle Wirkung wird nach ungefähr 3 Monaten erreicht.
Bei Blasenbeschwerden beim Mann, die durch eine benigne Prostatahyperplasie verursacht werden, gibt es verschiedene andere Behandlungsansätze.
Neben einem kontrollierten Abwarten («Watchful Waiting») bei Patienten, die nicht von der Symptomatik stark beeinträchtigt werden, stehen verschiedene medikamentöse Therapieoptionen je nach im Vordergrund stehenden Symptomen und Prostatavergrösserung als auch operative Verfahren zur Verfügung.
Die häufigsten verwendeten Substanzklassen sind zu Beginn pflanzliche Arzneimittel wie Kürbis- oder Sägepalmextrakte, danach Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer. Pflanzliche Arzneimittel werden bevorzugt bei leichten Beschwerden eingesetzt. Die stärker wirksamen Alpha-Blocker führen zu einer Entspannung der Blasenhalsmuskulatur und verbessern so die Beschwerden. Sie wirken schnell und sind gut in klinischen Studien untersucht. Die ebenfalls gut untersuchten β₃-Alpha-Reduktase-Hemmer verkleinern hingegen die Prostatagrösse, wirken jedoch langsamer.
Hat der Patient hauptsächlich Speicherprobleme, d.h. ein häufigeres Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen und Harndrang, so wird bevorzugt ein Anticholinerikum oder ein Beta-₃-Adrenozeptor-Agonist eingesetzt.
Die verschiedenen Wirkstoffgruppen können bei komplexen Beschwerden auch kombiniert werden.
Fragen Sie Ihren Arzt nach der für Sie besten Behandlungsmöglichkeit.
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