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Die 46. Auflage der Copa América, dem ältesten Turnier im internationalen Fussball, beginnt am Freitagabend, wenn Gastgeber Brasilien in São Paulo gegen Bolivien spielt. Am Wettbewerb nehmen mit Katar und Japan auch zwei Länder teil, die eine lange Reise auf sich genommen haben.
Mit den beiden Gastmannschaften sind insgesamt zwölf Länder am Turnier vertreten. Die Teams sind dabei auf drei Gruppen verteilt. Mathematisch sinnvoller wäre natürlich ein Teilnehmerfeld von 16 Mannschaften, was nach anfänglichen Überlegungen (zurecht) verworfen wurde: In Europa fanden die Nations League und die EM-Qualifikation statt, in Nord-, Mittelamerika und der Karibik kämpft man am 15. Juni um den Gold Cup und am 21. Juni startet der Afrika-Cup. Ganze sechs Teams aus Asien einzuladen machte deshalb wenig Sinn.
Der südamerikanische Fussballverband CONMEBOL hat nur zehn Mitglieder und begrüsst deshalb seit 1993 zwei Gäste. Die Gastmannschaften haben also inzwischen bei der Copa América Tradition. Mit der Erweiterung hat sich aber das Turnier der Gefahr ausgesetzt, dass der südamerikanische Meister von einem anderen Kontinent kommt. Immerhin ist dieses Szenario bis jetzt noch nie eingetroffen.
Verwässerung des Traditionsturniers
So sind die Gäste in der Regel willkommene Lückenbüsser, die bestenfalls noch mit ihrem Fernsehgeld und einigen Zuschauern das Turnier finanziell alimentieren, ehe sie frühzeitig ausscheiden (sollen). Doch einige Male sind einige Gastteams über sich hinausgewachsen und überstanden nicht nur die Gruppenphase, sondern gaben auch in der K.o.-Phase eine gute Figur ab, wie «The Guardian» auflistet: Mexiko – nicht nur geografisch, sondern auch sportlich ein sinnvoller Gast – kam 1993 bis ins Finale, ehe Argentiniens Gabriel «Batigol» Batistuta ihren Vormarsch mit seinen beiden Treffern bremste und die Träume platzen liess (1:2). 2001 war in Kolumbien im Final Endstation, drei Mal wurde «El Tri» Dritter.
In den letzten Jahren führten Terminkollisionen zwischen Gold Cup und Copa América dazu, dass Mexiko jeweils mit zwei unterschiedlichen Teams an beiden Wettbwerben antrat. Der Gold Cup geniesst aber auch in diesem Jahr wieder Priorität. Zum ersten Mal seit der ersten Einladung 1993 lässt Mexiko heuer die Copa América sogar komplett sausen.
Die USA, welche 1993 bei ihrem Debüt gleich in den Halbfinal vorstiessen, waren zu Beginn ein häufiger Gast, ehe sie dann wegen Terminkollisionen mit der immer wichtiger werdenden MLS dem Turnier fernblieben. Erst 2007 nahmen die Nordamerikaner wieder teil, zerissen aber keine grosse Stricke und blieben seither der Copa fern.
Oft sahen die Gastmannschaften das Turnier halt einfach als gute Gelegenheit, um Testspiele auf hohem Niveau bestreiten zu können. So konnten zwar viele Jugendspieler wertvolle Erfahrungen sammeln, aber der sportliche Wert sank zwangsläufig und der Ruf des historischen Turniers musste leiden. Als Lösung bietet sich wohl nur ein Verzicht auf Gastteams oder die Verschmelzung mit CONCACAF zu einem panamerikanischen Turnier, damit das Prestige wieder zunimmt.
Überrascht Katar auch in Südamerika?
Immerhin dürften die diesjährigen Gäste kein Fallobst sein. Katar und Japan haben im Februar das Finale des Asien-Pokals erreicht. Für den späteren Sieger Katar bietet die Copa América die bislang grösste Bühne seiner nicht allzu üppigen Fussballgeschichte. Erstmals misst sich der WM-Gastgeber mit den ganz Grossen der Welt. «Gegen so starke Teams zu spielen, ist für uns eine historische Chance», sagte Stürmerstar Almoez Ali Abdulla, der Torschützenkönig bei der Asien-Meisterschaft.
Auf dem Weg zum sensationellen Titel schlug der Aussenseiter die international renommierten Teams aus Südkorea und eben Japan. Dem ausserhalb Katars bis dahin fast unbekannten spanischen Trainer Félix Sánchez ist es gelungen, eine viel versprechende Mannschaft aufzubauen. Viele Spieler stammen aus der Aspire Academy, Katars nationalem Ausbildungszentrum.
Ein Testspiel gegen Brasilien ging zuletzt zwar mit 0:2 verloren. Coach Sánchez nimmt die Copa América aber sehr ernst. Katar will bei dem Turnier mehr sein als ein freundlicher Gast und Punktelieferant. «Wir haben grosses Vertrauen in uns als Spieler», sagte Almoez Ali. Nichtsdestotrotz wäre bereits ein Erreichen der K.o.-Phase ein grosser Erfolg.