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Warum das südostasiatische Land zwei Bezeichnungen kennt und welche man verwenden sollte. Ein Beitrag über einen weitverbreiteten Irrglauben.
Die häufigste Frage, die mir Freundinnen und Freunde von zu Hause stellen – neben derjenigen, ob ich immer noch am Leben bin – ist diejenige, ob man denn nun eigentlich Myanmar oder Burma sagt. Unter TouristInnen herrscht oft die falsche Vorstellung, dass Burma der alte Kolonialname des Landes ist und Myanmar die neue, unabhängige Bezeichnung.
Zwar stimmt es, dass die Briten die ehemalige Kolonie Burma nannten, dies ist jedoch auf die phonetische Bezeichnung «Bama» zurückzuführen, wie die Einheimischen das Land bereits vorher nannten. Von dem leiteten die Briten dann das Wort Burma ab.
Burma wurde somit zur vorherrschenden Bezeichnung im angelsächsischen Sprachraum und auch von Skandinavien, der Schweiz und Ungarn verwendet. Der Ausdruck Birma wurde vorwiegend im romanischen Sprachraum verwendet und war bis Ende der 1980er Jahre auch in Deutschland am geläufigsten. Birmanie wiederum ist die französische Bezeichnung.
Namenswechsel als Neuanfang
Seit 1989 nennt sich das Land nun Union Myanmar. Die Namensänderung wurde von der Militärjunta beschlossen, die damit die Zäsur zur Kolonialzeit unterstreichen wollte, was wiederum die neue Führung legitimieren sollte. Die Stadt Rangun wurde in Yangon umbenannt und auch zahlreiche andere Ortsbezeichnungen wurden geändert – Maymyo wurde Pyin Oo Lwin, Ayeyarwady wurde Irrawaddy, Moulmein wurde Mawlamyine.
Ein weiteres Argument des Militärs war, dass der Begriff Myanmar alle Ethnien im Lande einschliessen würde, nicht nur ethnische Burmesen. Doch: Myanmar und Burma waren und sind hier Synonyme. Auch wenn in lateinischer Schrift die Begriffe völlig anders aussehen, so werden sie im burmesischen Sprachgebrauch fast genau gleich ausgesprochen. Somit ist es falsch, dass mit der Bezeichnung Myanmar alle Ethnien und mit der Bezeichnung Burma nur die ethnischen Ethnien gemeint sind-
Eine Kontextfrage
Die demokratische Opposition, und mit ihr San Aung Suu Kyi, sagten am Anfang, sie würden die Bezeichnung Myanmar aus Gründen der Missbilligung des Regimes nicht verwenden. Inzwischen hat sich ihre Haltung diesbezüglich jedoch geändert, natürlich insbesondere seit San Aung Suu Kyi de facto Staatschefin ist. In einer Rede vor Diplomaten 2016 sagte sie denn auch, es spiele keine Rolle, welche Bezeichnung man verwenden würde.
Auch sonst trifft man im Land immer wieder beide Bezeichnungen an, das fängt bereits am Flughafen an, wo man in Yangon willkommen geheissen wird, doch das Gepäck laut Etikett nach RGN (Rangun) geflogen ist. Anthropologe Gustaaf Houtman stellte Folgendes fest: Würden die Einheimischen formell von ihrem Land sprechen, verwendeten sie Myanmar. Sei der Kontext aber eher informell, dann würden sie Burma benutzen.
Keine einheitliche Handhabung
Die UNO und zahlreiche Staaten wie etwa Frankreich oder Japan nahmen die neue Namensgebung Myanmar an, so auch die Schweiz. Die USA, Australien und viele andere Staaten und NGOs hielten dagegen als Zeichen ihrer Ablehnung des Militärregimes am Namen Burma fest.
Nicht nur bei den Staaten, auch bei den Medien ist die Handhabung unterschiedlich. Bei den Deutschschweizer Medien verwenden die meisten, wie etwa NZZ, Tagesanzeiger oder SRF die Bezeichnung Burma. Die Aargauer Zeitung, Watson und Blick hingegen verwenden Myanmar. Bei den Westschweizer Medien wie RTS oder Le Temps ist ebenfalls Burma – beziehungsweise die französische Variante Birmanie – üblich. Die New York Times wiederum verwendet Myanmar. Die Washington Post verwendet oft beide Bezeichnungen, «Myanmar – auch bekannt als Burma». The Guardian verwendet inzwischen auch Myanmar. Beim Frontier wird übrigens auch Myanmar verwendet.
Freie Wahl
Lange Rede, kurzer Sinn: Man sollte sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, sondern kann beide Bezeichnungen benützen. Auch Burmesen (und nicht etwa Myanmaraner…) verwenden beide Begriffe – wählen sie einen, so hat das selten mit einer politischen Haltung zu tun. Wer hier reist, wird deshalb beide Bezeichnungen hören und nicht korrigiert werden – höchstens von jungen, besserwisserischen Backpackers aus Europa, die sich wohl kaum mit der Geschichte des Landes auseinandergesetzt haben dürften.