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In diesem vierten Beitrag zu den Berichten des Altertumsforschers Albert Jahn stossen wir tiefer ins östliche Berner Oberland vor, nach Meiringen und zur Grimsel. Er erzählt von Ortsnamen, die von Zwergensiedlungen herrühren sollen, angeblich keltischem «Stein-Schnitzwerk» auf der Alp Aegerstein bei Guttannen und von den Grenzgebieten der Helvetier und Räter. Auch hier der Hinweis: Ich habe die Textstellen direkt aus dem Dokument kopiert und nicht korrigiert. Das heisst: Es hat viele Schreibfehler.
Das Zwirgi, das heißt: die hohe und rauhe Thalwand, an welcher, westlich von Meyringen, der Weg nach Rosenlaui und nach der Scheideck hinanführt, ist nach den Zwergen der primitiv keltischen Mythologie des Oberlands um so eher benannt worden, da er in der Volkssprache Twirgi, Dwirgi — offenbar vom nordischen Dwerg, das ist: Zwerg — heißt. Eine bei gleichnamigen Häusern oben am Abhang befindliche felsige Wegverengung, jenseits welcher der nach Rosenlaui führende Weg sich scheinbar verliert, heißt vorzugsweise das Zwirgi und scheint, wie es auch bei andern ähnlichen Lokalitäten der Fall gewesen, als Aufenthalt der Zwerge gegolten zu haben.
Als ein Aufenthalt der Zwerge gilt eine äußerst merkwürdige Höhle, welche im Gentelthal an einem Grat liegt, der sich vom Hasliberg nach Engstlen hinzieht; sie trägt den seltsamen Namen Ben egardenhöhle. Im Gadmenthal selbst finden wir in der Bäuert Nessenthal und zwar an der Sustenstraße wieder ein Twirgi, das heißt: ein Stelldichein von Zwergen. Es ist dieß auch hier eine felsige Wegvcrengung, welche aufwärts scheinbar ohne Fortsetzung ausläuft.
Der benachbarte Galen- stock scheint seinen Namen als Grenzgebirge zwischen Nhätien und dem von den Galliern oder Kelten bewohnten Hochgebirge bekommen zu haben und insofern ein Andenken an kelto- helvetische Berganwohner zu erhalten, die vorzüglich an der Geschenenalp, im angrenzenden Urnerland, gewohnt haben dürften, welche noch setzt viele Winterwohnungen mit einer Kirche hat und im Namen der berühmten Krystallhöhle Sandbalm theilweise einen keltischen Nachklang bewahrt. Dagegen ist die Furka als ein zwischen den anstoßenden Gebirgsstöcken eingesenkter Bergpaß von den Römern benannt worden, welchen derselbe die nächste Verbindung zwischen Rhätien (Realp — Kaetious Jlyos?) und dem Oberwallis öffnete, wozu, seit Anfang des dritten Jahrhunderts, auch ein Paß über den Simplon hinzukam.
Spuren keltisch-helvetischer Ansiedlung finden wir aber nicht bloß auf den das Thal von Guttannen östlich begrenzenden Berghöhen. Das Thal selbst weist solche sowohl in der Sage auf, als auch, wenigstens an Einem Orte, in Alterthumsresten. Vorerst kehrt nämlich bei Guttannen selbst die Zwergen- sage wieder, welche sich hier vorzüglich an die ostwärts vom Dorfe in der Furrenfluh befindliche Zwergenhöhle anknüpft. Die Zwerge erscheinen hier wieder als Wesen, welche, den Guten hold, ihren Viehstand fördern und ihnen Geschenke bringen , die nicht ausgehen; dagegen fliehen sie die Ruchlosen und bringen ihnen Unsegen. Ein Zusatz in der Sage dichtet ihnen Kinderraub und Mädchenverführung an — Wirkliche *) Hieraus und aus Demjenigen, was von ihrem Verkehr mit den Menschen in der Sage vorkommt, wollte man herausklügeln, diese Berggeister seien troglodytische Urbewohner von kretinischer Art gewesen, welche die ersten germanischen Anbauer schon vorgefunden hatten.
Nlterthumsspuren zeigen sich in der Gegend des Oertchens Aegerstein, welches, eine alte Zollstatt mit zwei bis drei Häusern, zwischen Guttannen und dem Dörfchen Im Boden, rechts an der Grimselstraße liegt. Obschon diese Gegend sehr wilde Umgebungen hat, so liegt sie doch ganz sicher in der hiesigen Thalweite und zeichnet sich durch freundliche Lage und Zahmheit aus. Noch werden hier Bienen gezogen; hin und wieder erscheinen kleine Getreidefelder, und allerlei Feldfrüchte werden angebaut. In dem üppigen Mattland liegen hier und da zerstreut gewaltige Felsblöcke, von denen der größte, der sogenannte Aegerstein, dem dabei liegenden Oertchen den Namen geliehen hat. In dem oberhalb desselben, rechts von der Saumstraße am Fußweg gelegenen Wäldchen, wo die letzten schönen und hochstämmigen Buchen an einem Büchlein stehen, sind nun unverkennbare Spuren uralten Menschenwerkes in rohem Gemäuer sichtbar, welches aus großen Feldsteinen ohne Mörtel aufgeschichtet ist und ganz abweichend von den Weideneinfristungen der Alpen verschiedene, zum Theil längliche, zum Theil runde Unterabtheilungen aufseist. In diesen wohnungsartigen Räumen, die übrigens durch herabgestürzte Steine mehrentheils verunstaltet sind, findet man keltisches Steinbild-Schnitzwerk, und innerhalb eines mit Moos dichtbewachsenen Mauervorsprunges, der gegen Aegerstein hin liegt, erhob man 1845 einen steinernen Streitkeil, welcher in gleiche Unterlage hat, so gcricthc man mit dieser Annahme in Gefahr, die Urbewohncr eines großen Theils unsers Kantons in Krctinen verwandelt zu sehen. Wir verweisen in Betreff der Deutung dieser aus dem keltischen Glauben Herstammenden Sage auf das hierüber im Obigen mehrfach Bemerkte, und wir finden in dem Umstand, daß derselbe hier so stark hervortritt, einen Beweis von dem einstigen Vorhandensein einer keltischen Thalbevölkerung. Der anderswo bei uns nicht vorkommende Zug in der Sage, wonach die Zwerge der weiblichen Keuschheit gefährlich sein sollen, erklärt sich aus derjenigen Ausbildung oder vielmehr Vorbildung des keltischen Zwergenglaubens, wonach es gewisse Kobolde gab (Vll8ii, nach römischer Benennnng), welche den Mädchen nachstelle» sollten.