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Ein Drittel der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz hat nach eigenen Angaben Diskriminierung oder Gewalt erlebt, meistens aus rassistischen Gründen. Unter Diskriminierung werden Handlungen oder Praktiken verstanden, die Personen aufgrund von Merkmalen wie dem Aussehen, der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder dem Geschlecht benachteiligen, demütigen, bedrohen, oder ungerechtfertigt deren Integrität gefährden. Die Mehrheit der Bevölkerung stuft Rassismus als aktuelles, ernstzunehmendes Problem ein. Das zeigen die Ergebnisse der Erhebung «Zusammenleben in der Schweiz», die vom Bundesamt für Statistik im Auftrag der Fachstelle für Rassismusbekämpfung und dem Staatssekretariat für Migration alle zwei Jahre durchgeführt wird.
Gemäss dieser Erhebung weist der Indikator zur Wahrnehmung von Rassismus als gesellschaftliches Problem im Jahr 2022 einen Wert von 60% auf. Das bedeutet, dass sechs von zehn Personen Rassismus in der Schweiz als ein ernstes Problem betrachten. Rassismus wird demnach als wichtiges soziales Problem betrachtet, dessen Bekämpfung zu einem wichtigen Teil in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt.
Fast 80% der Bevölkerung erklärt sich gemäss der erwähnten Studie bereit, sich persönlich gegen Rassismus zu engagieren durch mindestens eine konkrete Aktion wie die Unterzeichnung einer Petition, die Meldung rassistischer Äusserungen im Internet oder die Teilnahme an einer Demonstration. In konkreten Situationen – «racial profiling», rassistische Handlungen in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Arbeitsort – liegt der Teil der Bevölkerung, der in allen drei Fällen bereit ist einzugreifen, um der betroffenen Person zu helfen, bei 8%. Die Bereitschaft, bei einer rassistischen Handlung einzugreifen, ist somit zehnmal geringer als die Bereitschaft, sich zu engagieren.
Artikel 5 der Maturitätsanerkennungsverordnung (MAV) des Bundes definiert das Bildungsziel für die Maturitätsschulen. Im Absatz 1 dieses Artikels steht unter anderem «… Die Schulen fördern gleichzeitig die Intelligenz, die Willenskraft, die Sensibilität in ethischen und musischen Belangen sowie die physischen Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler.» und wird im Absatz 4 ergänzt mit: «…Sie (die Schülerinnen und Schüler) sind bereit, Verantwortung gegenüber sich selbst, den Mitmenschen, der Gesellschaft und der Natur wahrzunehmen.».
Angesichts dieser Ausgangslage und analog zu Beispielen im Bereich des Suchtverhaltens oder der Gesundheit erachtet die Schulleitung präventive Massnahmen als wichtig und richtig, um Diskriminierungen im Alltag zu verhindern. Der in unseren Werten eingeforderte Respekt vor Personen und unterschiedlichen Meinungen stellt dabei eine weitere Grundlage für die geplante Förderung der Sensibilität im sprachlichen Ausdruck im Zusammenhang mit diskriminierenden oder rassistischen Äusserungen dar. Das hierfür ins Leben gerufene «Jahr der Antidiskriminierung» wird unter anderem auch mit einer Gruppe von aktiven und ehemaligen Schülerinnen und Schülern bestritten, welche sich unter dem Namen «Wir und Jetzt» für diese Themen engagieren.