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Robert Kenner ist passionierter Permafrostforscher. Seit acht Jahren widmet er sich am SLF dem ständig gefrorenen Boden in den Schweizer Alpen – zum Beispiel am Ritigraben in der Nähe von Grächen (VS). Dort hat sich während Jahrtausenden ein Blockgletscher gebildet, ein Gemisch aus Schutt und Eis.
Blockgletscher kriechen langsam talwärts. In den letzten Jahrzehnten sind sie als Folge des Klimawandels jedoch zunehmend schneller geworden. Damit erhöht sich auch die Gefahr von Naturereignissen. Kenner: «Je schneller ein Blockgletscher kriecht, desto eher können Steinschlag oder Murgänge auftreten.»
Saisonale Muster
Mithilfe von Messungen in Bohrlöchern sowie Laserscanner, Luftbildern und GPS fand Kenner am Ritigraben heraus, dass sich der Blockgletscher hauptsächlich in einer Schicht in etwa 20 Metern Tiefe bewegt, dem sogenannten Scherhorizont. Der Blockgletscher ist dabei heute rund viermal schneller als im Jahr 2000 und zeigt ein ausgeprägtes saisonales Bewegungsmuster. Die höchsten Geschwindigkeiten erreicht er jeweils zwischen August und November, anschliessend wird er über den Winter langsamer, bis er mit dem Einsetzen der Schneeschmelze wieder stark beschleunigt. Ausserdem kann sich der Blockgletscher nach starken Regenfällen kurzfristig bis zu 16-mal schneller bewegen als sonst.
Wasser scheint eine wichtige Rolle für die Kriechgeschwindigkeit zu spielen. Kenner: «Wir vermuten, dass Regen und Schmelzwasser heute leichter in den Blockgletscher eindringen als früher, da das Eis infolge des Klimawandels wärmer geworden ist.» Damit verringert sich die Reibung im Scherhorizont und die Kriechgeschwindigkeit nimmt zu. Einige Blockgletscher befördern so deutlich mehr Geröll in steile Rinnen – und erhöhen damit zusätzlich die Gefahr von Steinschlag und Murgängen. (Christine Huovinen, Diagonal 1/18)