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Mehrlingsgeburten sind beim Rind eher selten. Die Häufigkeiten bewegen sich je nach Population im Bereich von 1 bis 5 %. Bei den Landwirten sind Mehrlingsgeburten eher unerwünscht, da häufig negativen Nebeneffekte auf die Gesundheit und Leistung der Mütter zu beobachten sind. Dennoch aber haben die Züchter bis heute keine Möglichkeit das Merkmal in ihren Selektionsentscheidungen zu berücksichtigen, da bisher keine Zuchtwerte für dieses Merkmal geschätzt werden.
Die Arbeit von Sarah Widmer hatte einerseits das Ziel der Durchführung einer deskriptiven Statistik in drei Schweizer Rinderpopulationen. Andererseits sollten genetische Parameter geschätzt werden.
Analysiert wurden die Populationen Brown Swiss, Holstein und Limousin. Die beiden Vertreter der Milchviehpopulationen verzeichnen mit rund 4% höhere Inzidenzen für Mehrlingsgeburten als die Fleischrasse Limousin (~ 2%). Auffallend war ausserdem ein Zusammenhang zum Alter der Mütter bei Brown Swiss und Holstein: mit steigender Laktationsnummer nimmt das Risiko für Mehrlingsgeburten zu (vgl. Abb. 1). Dieser Trend wurde bei Limousin nicht beobachtet.
Abbildung 1: Mehrlingsgeburtenrate in Abhängigkeit der Laktationsnummer für die Rassen Brown Swiss, Red Holstein und Limousin.
Des Weiteren konnte ein signifikanter saisonaler Effekt beobachtet werden, da in den Sommermonaten häufiger Mehrlingsgeburten zu beobachten sind. Dieser Effekt wurde sowohl bei Limousin als auch bei den Milchviehpopulationen festgestellt (Abb. 2).
Abbildung 2: Mehrlingsgeburtenrate in Abhängigkeit der Laktationsnummer für die Rassen Brown Swiss, Red Holstein und Limousin.
Gesextes Sperma hat in den letzten Jahren in der Rinderzucht Einzug gehalten. Mit gesextem Sperma reduziert sich die Häufigkeit von Mehrlingsgeburten verglichen mit konventionellem Sperma. Hinzu kommt ein signifikanter Effekt von der Anzahl der Besamung auf das Auftreten von Mehrlingsgeburten. Obwohl der Effekt der Anzahl Besamungen gering ist, könnte er trotzdem mit therapeutischen Massnahmen im Fruchtbarkeitsbereich durch den Veterinär zu tun haben.
Phänotypisch konnten wir in den letzten Jahren keinen starken Trend beobachten. Ein leicht positiver Trend konnte bei Limousin beobachtet werden, Holstein verzeichnet eher einen leicht negativen Trend (Abb. 3).
Abbildung 3: Phänotypischer Trend der Mehrlingsgeburtenrate
Die Varianzkomponenten wurden mit dem Software Paket VCE (Groeneveld et al 2010) geschätzt. Um die Laufzeit und die Grösse des vollen Datensatzes zu reduzieren wurden Stichproben auf Herdenniveau gezogen. Mehrlingsgeburten (direkt und maternal) wurden bi-variat modelliert. Die meisten Zwillinge sind zweieiig beim Rind, es ovulieren also mehrere Oozyten. Dieser Zusammenhang wird in dem zufälligen maternalen Effekt berücksichtigt. Als fixe Effekte wurden Saison, Laktationsnummer, Spemasexing und Anzahl Besamungen berücksichtigt. Zufällige Effekte waren der Herden-Jahreseffekt, sowie der Tier- und maternale Effekt. Des Weiteren wurden unkorrelierte Herdenjahreseffekte angenommen. Die Varianz-Kovarianz Matrix zwischen dem direkten und maternalen Effekt wurde als proportional zur Verwandtschaftsmatrix angenommen.
Allgemein kann gesagt werden, dass die geschätzten genetischen Varianzen eher klein waren. Darüber hinaus waren die Varianzen für das maternale Merkmal grösser als für das direkte Merkmal. Die Erblichkeit für das direkte Merkmal lag im Bereich von 8 bis 22%. Doppelt so hoch lag die geschätzte Erblichkeit für die maternale Komponente (18 – 40%). Die Heritabilitäten für die beiden Milchviehpopulationen Brown-Swiss und Holstein waren höher als jene von Limousin. Das direkte Merkmal scheint negativ mit dem maternalen Merkmal korreliert zu sein.
Alle Ergebnisse sind in der unten gezeigten Tabelle zusammengefasst. Sofern vorhanden, stimmen diese Ergebnisse von den Schweizer Populationen gut mit anderen internationalen Studien überein. Diese Übereinstimmung steigert die Vertrauenswürdigkeit der hier gezeigten Resultate. Diese bilden eine wertvolle Grundlage für weitere Analysen und für die Bereitstellung von geschätzten Zuchtwerten als Selektionswerkzeuge für die Züchter. Eine vertiefte Auswertung inklusive Zuchtwertschätzung ist in den kommenden Monaten geplant.
Resultate der Varianzkomponentenschätzung
|Datensatz||Varianzkomponenten||Korrelation Tier-Mutter||Erblichkeit|
|Tier||Mutter||Herde*Jahr||Rest||direkt||maternal|
|BV||*||0.0120||0.0240||0.0015||0.0428||-0.0053||0.17||0.35|
|RH||*||0.0141||0.0262||0.0010||0.0380||-0.0074||0.22||0.41|
|LI||0.0027||0.0060||0.0010||0.0229||0.0003||0.08||0.18|
(* Mittelwert aus 10 zufälligen Stichproben)
References
Groeneveld, Eildert, Milena Kovac, and Norbert Mielenz. 2010. “VCE User’s Guide and Reference Manual Version 6.0.”