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In den 1930er Jahren versuchte man überall in Europa, im Regionalverkehr die schwerfälligen Lokzüge durch schnittige Leichtbaufahrzeuge zu ersetzen. Während den Roten Pfeilen der SBB nur eine kurze Einsatzzeit beschieden war, setzte die BLS-Gruppe voll auf Leichtbaufahrzeuge und beschaffte bis 1964 vier Typen von blauen Doppelpfeilen.
BLS und BN erhielten 1938 die baugleichen ABDZe 4/6 731 (BLS) sowie 736 und 737 (BN). Sie stellten technisch einen Quantensprung im Fahrzeugbau für den Regionalverkehr dar und wiesen wesentliche Merkmale des in den 1930er Jahren aufgekommenen Bauhaus-Stils auf: Viel Licht und gute Durchsicht dank viel Glas sowie zweckmässige Anordnung der Inneneinrichtung und der fernbedienten Türen. Der ABDZe 4/6 731 war 1939 an der Landesausstellung in Zürich als Beispiel für innovativen Schweizer Eisenbahn-Fahrzeugbau ausgestellt. Von 1938 bis 1985 prägten die Doppelpfeile auf dem Netz der BN und GBS das Bild der Regionalzüge im Westen und Süden der Stadt Bern (siehe Bild 1).
1984/85 entstanden aus den drei ABDZe 4/6 die BDe 4/6 102 und 103 der Sensetalbahn (STB), siehe Bild 2. Bei den Nummern 731 und 736 wurden Erstklass- und Postabteil entfernt und mit Teilen des Wagens 737 mehr Plätze 2. Klasse eingerichtet. Die Nummer 102 wurde im September 1997 ausrangiert, der Tramverein Bern baute damals wichtige Ersatzteile im Hinblick auf eine museale Erhaltung des Schwesterfahrzeugs 103 aus. Dieser Triebwagen wurde schliesslich 1999 von der STB ausrangiert und dem TVB übergeben.
Als erstes stellte sich die Frage der Remisierung des Fahrzeuges - ein fast 42 m langes Fahrzeug ist sehr schwer unterzubringen. Vorerst war das Fahrzeug in einer gedeckten Halle bei der Station Liebefeld untergebracht. Da diese Halle 2002 einer Überbauung wich, musste der TVB das Fahrzeug wieder auf offenen Standplätzen abstellen. Immer wieder wurde es durch Graffiti verunstaltet. Die Aktivmitglieder des TVB investierten sehr viel Freizeit, um diese zu entfernen. Schliesslich wurde es so stark versprayt, dass eine Entfernung der Graffiti nicht mehr möglich war. Deshalb schliffen wir den Wagenkasten an, um ihn in mehreren Etappen bis im Herbst 2004 im BLS-Originalanstrich blau-crème zu streichen, was dem nach wie vor nicht betriebsfähigen Fahrzeug wieder ein anständiges Aussehen gab (siehe Bild 3). Trotzdem gab es innerhalb des TVB immer wieder Skeptiker, welche die Erhaltung dieses Wagens in Frage stellten.
Erfreulicherweise interessierte sich die BLS-Stiftung plötzlich für den Oldtimer. Zur Beurteilung seines Zustandes überführte ihn die BLS am 1. Dezember 2009 ins Depot Bern Holligen. Im Januar 2010 entfernten TVB-Aktivmitglieder alle seit 1999 im Fahrzeug gelagerten Ersatzteile, und man begann, es zu reinigen. Im Oktober 2011 verkaufte der TVB das Fahrzeug schliesslich an die BLS-Stiftung. Im November 2011 begannen mit Unterstützung von TVB-Mitgliedern die Demontagearbeiten (siehe Bilder 4 bis 6), anschliessend befreite die Firma Benz in Burgdorf das Fahrzeug vom Asbest. Am 28. August 2012 wurde es nach Villeneuve zum Werk von Bombardier überführt (Bilder 7 und 8), wo eine Totalsanierung des Wagenkastens samt Neuanstrich erfolgte. Anschliessend bauten BLS Fachleute mit Begleitung durch die Kulturpflege des Kantons Bern das Fahrzeug zusammen. Am August 2015 konnte die BLS das frisch revidierte Fahrzeug präsentieren (siehe Bilder 9 und 10). Seither steht der Blaue Pfeil für Extrafahren, öffentliche Fahrten und sogar Kurseinsätzen als Regionalzug zwischen Spiez und Interlaken Ost zur Verfügung.
Am 8. Februar 2016 erhielt mit dem Blauen Pfeil erstmals ein
mobiles Kulturgut den Schweizer Denkmalpreis der Konferenz der Schweizer
Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger KSD.
|Inbetriebsetzung||1938|
|Hersteller||SIG, SAAS|
|Tara||80 t|
|Sitzplätze||156|