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Das langsame Sterben der Kleinmeister
Die Kleinmeister hatten ein entscheidendes Handicap. Sie konnten nicht so günstig arbeiten wie die wenigen grossen, bereits etablierten Kollegen. Letztere verfügten über eine ausgefeilte Infrastruktur mit Werkstätten und Reservematerial und beschafften die Futtervorräte dann, wenn sie am günstigsten waren, was Einsparungen bis zu 20 Prozent ermöglichte.
Die stärksten Konkurrenten waren Mehrspartenbetriebe. Sie waren zum Beispiel in der Lage, die geforderten Reservepferde aus dem Gesamtbestand zu entnehmen und «vorzutraben». Der daraus entstehende Kostenvorteil war beträchtlich, denn ein unbeschäftigtes Pferd verursachte tägliche Futter- und Pflegekosten von rund 2.50 Franken, was in etwa dem Taglohn eines Stallknechtes entsprach.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg verschwand der letzte «kleine» Droschkenhalter - nicht zuletzt wegen der Konkurrenz durch die «Automobildroschke», die im August 1908 durch die «Basler Droschkenanstalt Settelen» und die «Allgemeine Droschkenanstalt Gebr. Keller» eingeführt wurde. 1914 hielten diese beiden grossen Droschkenanstalten die verbliebenen 63 «Gespanndroschken»-Konzessionen. Diese Vormachtstellung verdankten sie nicht nur der schieren Grösse. Es war vielmehr ihre Strategie, die Mehrheit ihrer Standplätze in der Stadt und nicht bei den Bahnhöfen - wie ihre Konkurrenten - zu konzentrierten. Damit gelang es ihnen, einen festen Kundenstamm, v. a. auch für die rentableren Luxusfuhrwerke, aufzubauen.
Die Anfänge der beiden «Platzhirsche» konnten nicht unterschiedlicher sein. Settelen übernahm 1892 nach mehreren Handwechseln den 1853 mit einem Aktienkapital von 140'000 Franken gegründeten Grossbetrieb «Basler Droschkenanstalt». Die Familie Keller hingegen bewies, dass auch ein kleiner Droschkenhalter eine Chance hatte. Rudolf Keller-Weber (1822*) kam 1846 mit zwei Pferden und Geschirr von Thayngen (SH) nach Basel und offerierte die Bespannung von Fuhrwerken, u. a. für die sog. Beiwagen der Post, für die Überbrückung der Eisenbahnlücke zwischen Haltingen und Basel von 1851 bis 1855. Quasi als Ersatz erwarb er 1855 vier Droschkenkonzessionen. Dazu erweiterte er das Geschäft in kleinen, eher vorsichtigen Schritten. 1894 übergab er sein Lebenswerk seinen drei ältesten Söhnen. Die bestens ausgebildeten Jungunternehmer verstärkten den Droschkenbetrieb und erweiterten die Firma rasch zu einem Mehrspartenbetrieb.