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Herausgegeben von Johannes Hoffmeister. Hamburg: Felix Meiner, 1. Auflage 1953; 3., durchgesehene Auflage 1969. (= Philosophische Bibliothek 236) Das Buch stammt aus einer Zeit, als man seine Klassiker noch in Leinen mit Fadenheftung und farbigem Oberschnitt gebunden hat, als aber ein Lesebändchen noch nicht als nec plus ultra der Buchausstattung galt.
Wer sich erhofft, aus Hegels Briefwechsel Informationen zu Genese seiner Philosophie zu ziehen, wird im zweiten ebenso wie im ersten Band enttäuscht. Obwohl in den Jahren 1813-1822 zum Beispiel die Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften entstand, erfahren wir in den Briefen nur andeutungsweise von deren Inhalt.
Zu Beginn der von diesem Band abgedeckten Zeit treffen wir Hegel noch als Rektor seines Gymnasiums in Nürnberg an. Zunehmend aber wünscht er sich eine Professur an einer Universität. Die bildungspolitischen Querelen zwischen Protestanten und Katholiken im Königreich Bayern sind unterdessen das Hautpthema der Briefe (vor allen an ihn – er selber empfindet das offenbar als wenig interessant). Er ist auch der Meinung, dass sein zur Zeit als ausserordentlicher Professor an der Universität Jena noch unsicherer Vortrag vor Publikum durch die jahrelange Übung vor Gymnasialklassen gewonnen hat. Mit andern Worten: Er fühlt sich nun reif. Das drückt sich vor allem in vorsichtigem Abtasten bei Freunden aus. Da ist in Erlangen eine Professur für Philologie und weitere Gebiete, die er faute de mieux annehmen würde. Auch wenn er sich in das Thema zuerst einarbeiten müsste – Hauptsache weg vom Gymnasium. Der Rest würde sich ergeben.
Dann stirbt 1814 Fichte in Berlin, was zu Rochaden auf den philosophischen Lehrstühlen in Deutschland führt, und somit u.a. dazu, dass an der Universität Heidelberg ein solcher Lehrstuhl frei wird. Hegel signalisiert Berlin wie Heidelberg sein Interesse. Die Heidelberger sind schneller. Kurz nachdem er ihnen zugesagt hat, erreicht ihn der Ruf nach Berlin, und – der nach Erlangen. Beiden sagt er mit dem Hinweis ab, dass er nach schon erfolgter Zusage die Heidelberger nicht einfach sitzen lassen könne. Erlangen sucht in der Folge eine andere Lösung. In Berlin bleibt der Lehrstuhl Fichtes unbesetzt. Die Preussen lassen in der Folge nicht locker und schon 1818, also nach 2 Jahren Heidelberg für Hegel, 4 Jahren unbesetztem Lehrstuhl in Berlin, wechselt Hegel in den Norden.
Er kommt dabei allerdings erst einmal in ein Wespennest. Zwar sein Kollege im philosophischen Lehrgebiet, Solger, empfängt ihn freundlich – war er es doch vor allem, der wünschte, Hegel würde nach Berlin kommen. Aber, so jedenfalls die Darstellung des Herausgebers Hoffmeister in den Anmerkungen, der amtierende Rektor, Schleiermacher, versucht mit allen Tricks eine Berufung zu verhindern, fürchtet er doch den Einfluss Hegels, der sich in kürzester Zeit zu einer ‘philosophischen Grossmacht’ entwickelt hat. Doch Schleiermacher – immer in der Darstellung Hoffmeisters – manövriert sich mit einem allzu subtilen Schachzug selber ins Abseits (wie schön man doch Schach und Fussball in einer Metapher zusammenwerfen kann…).
Schon ein Jahr nach Amtsantritt in Berlin ist auch politisch der Teufel los. In Mannheim wird August von Kotzebue vom Burschenschafter Karl Ludwig Sand ermordet, was zu den eiligst herbeigeführten und ratifizierten Karlsbader Beschlüssen führt, die u.a. auch stark in die Freiheiten und Organisation der Universitäten eingreifen. Und Hegel, der eigentlich nur Philosophie lehren möchte, mitten drin.
Neben diesen amtlich-beruflichen Sorgen und Themen stehen natürlich auch private. Krankheiten in der Familie (vor allem Frau Hegel neigte dazu, immer wieder recht schwer zu erkranken), der Tod einer Tochter kurz nach der Geburt und Probleme mit dem illegitimen Sohn Ludwig werden mal diskutiert, mal auch als Entschuldigung vorgebracht für eine späte Antwort. Denn Hegel ist ein säumiger Briefschreiber. Er kann nach eigenen Angaben nur schreiben, wenn er den Kopf absolut leer hatte dafür. Und das ist bei allem, was sich da so ereignet, nur selten der Fall. So blieben angefangene Briefe auch schon mal ein halbes Jahr oder länger liegen.
Summa summarum finden wir sehr viel Tagesgeschehen in den Briefen, sehr wenig Philosophie. Ein auf Französisch geschriebener Brief an Victor Cousin ist belanglosen Inhalts. Schelling wird zwar gegenüber Dritten immer noch als Freund bezeichnet; Briefe von oder an ihn gibt es in den Jahren 1813-1822 keine. Dafür wechselt er etliche Briefe mit Goethe. Thema ist dabei immer Goethes Farbenlehre, für die auch Hegel eintritt. (Er kreiert für den Geheimrat sogar das Wort entoptisch, das dieser dankbar in sein Werk aufnimmt.) Auch der Kunstsammler und -historiker Sulpiz Boisserée tritt in Hegels Bekanntenkreis, ohne dass hier Briefe von Bedeutung gewechselt würden. Rund 500 Seiten vor allem privaten Hegels also.