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PD Dr. Emilie Kempin-Spyri (1853 – 1901)
Emilie Kempin-Spyri war die Nichte von Johanna Spyri, die mit dem Roman «Heidi» berühmt wurde. Sie war bereits 32 Jahre alt und Mutter dreier Kinder, als sie 1885 an der Universität Zürich als erste Schweizerin ein Jura-Studium begann. 1887 promovierte sie als erste Schweizer Juristin. In ihrem Beruf war sie nicht tätig, denn sowohl das Anwaltspatent als auch die Zulassung als Privatdozentin wurden ihr aufgrund ihres Geschlechts verweigert. Sie wanderte deshalb mit ihrer Familie nach New York aus, wo sie eine Rechtsschule für Frauen gründete und die Zulassung von Frauen zum Rechtsstudium und zur Advokatur bewirkte.
PD Dr. Emilie Kempin-Spyri (1853 – 1901)
1891 kehrte sie aus familiären Gründen in
die Schweiz zurück und wurde nun doch noch als erste Privatdozentin an
der Universität Zürich zugelassen. Daneben arbeitete sie als
selbstständige Rechtsberaterin, erteilte Rechtsunterricht für Laien und
verfasste zahlreiche Aufsätze und Schriften. Ausserdem gründete sie die
Zeitschrift «Frauenrecht» und den Frauenrechtsschutzverein. In ihrer
zehnjährigen Schaffenszeit setzte sie sich wissenschaftlich und
rechtspolitisch mit der Emanzipationsfrage auseinander; die Stellung der
Frau betrachtete sie als gesellschaftlichen Notstand. Unter anderem
dank ihrem Einsatz liess der Kanton Zürich ab 1898 auch Frauen zur
Advokatur zu. Ihr selber – zeitlebens in finanzieller Bedrängnis –
nützte das leider nichts mehr. Sie starb 1901 mit 48 Jahren einsam und
verarmt in der damaligen Basler Irrenanstalt Friedmatt.
Durch den 1991 erschienenen Roman «Die Wachsflügelfrau» von Eveline Hasler wurde das Schicksal Emilie Kempin-Spyris einem breiten Publikum bekannt. 1994 publizierte die Juristin Marianne Delfosse die erste wissenschaftliche Untersuchung über sie. 2004 wurde Kempin-Spyri für ihre Leistungen im Kampf für die Gleichberechtigung von der Gesellschaft zu Fraumünster geehrt.