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Guadalajara – Besuch in der Stadt des Tequilas und des Mariachi
Guadalajara ist nicht nur die zweitgrösste Stadt Mexikos, sondern zugleich auch die zweite, inoffizielle Hauptstadt. Im Nordwesten Zentralmexikos bildet die 1,5-Millionen-Metropole ein bedeutendes kulturelles Zentrum, das viel zur mexikanischen Identität beigetragen hat.
Guadalajara ist Ursprungsort und Zentrum der Mariachi-Kultur, berühmt für seine Küche, seine Theaterkultur und sein pulsierendes Nachtleben. Ausserdem liegt die Stadt im Herzen der mexikanischen Tequila-Region. Im nahegelegenen Ort Tequila produzieren die weltbesten Brennereien bis heute im traditionellen Verfahren den echten mexikanischen Tequila.
Viele Reisende verzichten auf einen Besuch in Guadalajara und verbringen ihre Zeit lieber in Mexikos malerischen Kolonialstädten. Der Charme der Millionenmetropole Guadalajara eröffnet sich erst auf den zweiten Blick: sei es beim Besuch der unzähligen kulturellen Veranstaltungen und Stadtfeste oder beim Rundgang durch die unterschiedlichen Stadtteile, die alle mit ihrem ganz eigenen Charakter überraschen.
Koloniale Hauptstadt und Zentrum mexikanischer Kultur
Die Stadt Guadalajara hat nicht nur die Kultur, sondern auch die Geschichte Mexikos entscheidend geprägt. Ab 1559 war Guadalajara Hauptstadt des Neuen Königreichs Galizien, das den nordwestlichen Teil des heutigen Zentralmexikos umfasste. Als Zentrum dieser reichen Region mit ihren unermesslichen Silbervorkommen entwickelte sich Guadalajara schnell zu einem bedeutenden kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum. Ab 1560 war die Stadt Sitz des höchsten Gerichts der spanischen Krone im heutigen Nordmexiko.
Im mexikanischen Unabhängigkeitskrieg diente Guadalajara Miguel Hidalgo als Rückzugsort, dem wichtigsten Helden der mexikanischen Unabhängigkeit. Der katholische Geistliche, der 1810 mit dem „Schrei von Dolores“ den mexikanischen Unabhängigkeitskrieg auslöste, wurde allerdings 1811 in Guadalajara von den Anhängern der spanischen Krone besiegt.
Seit der Unabhängigkeit Mexikos ist Guadalajara Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Jalisco. Trotz der Wirren des 19. Jahrhunderts, das durch gewalttätige Auseinandersetzungen geprägt war und schliesslich in der Mexikanischen Revolution endete, verzeichnete die Stadt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Seit dieser Zeit zählt Guadalajara zu Mexikos führenden Industrie- und Technologiezentren.
Zugleich bildete sich in und um Guadalajara eine ländliche Kultur aus, die die charakteristische mexikanische Cowboy-Kultur wesentlich geprägt hat. Teil dieser Kultur ist auch die Tradition des Mariachi, bis heute ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität von Guadalajara, Jalisco und ganz Mexiko.
Zeugnisse mexikanischer Geschichte in Guadalajaras Altstadt
Guadalajaras Altstadt wurde wie viele koloniale Planstädte am Reissbrett entworfen. Parallel verlaufende Strassenzüge erleichtern die Orientierung, während begrünte Stadtplätze vor den Kirchen und öffentlichen Gebäuden zum Verweilen einladen. Mittelpunkt der Altstadt ist die Plaza de Armas mit der Kathedrale und dem Regierungspalast aus dem Jahr 1751.
Der Regierungspalast von Guadalajara war in der Vergangenheit immer wieder Sitz von Aufstandsbewegungen und Gegenregierungen, angefangen vom Revolutionshelden Miguel Hidalgo bis hin zum späteren mexikanischen Präsidenten Benito Juárez. Im Treppenaufgang zeichnet eine Wandmalerei von José Clemente Orozco den Unabhängigkeitskampf von Miguel Hidalgo nach.
Die Kathedrale von Guadalajara wurde ab dem Jahr 1561 errichtet, nachdem die Stadt zur Hauptstadt des Neuen Königreichs Galizien und zeitgleich zum Bischofssitz erklärt worden war. Der Renaissance-Bau mit seinen neugotischen Türmen zählt zu den Wahrzeichen der Stadt. Erwähnenswert ist vor allem der Chorstuhl, der mit einem Alter von mehr als 450 Jahren zu den ältesten weltweit zählt.
Aus kultureller Sicht nimmt vor allem das Stadttheater Teatro Degollado eine herausragende Stellung ein. Das neoklassische Gebäude aus dem 19. Jahrhundert steht unweit der Kathedrale an der Plaza de la Liberación. Die Fassade mit ihrem dreieckigen Giebel und ihren korinthischen Säulen macht das Theater ebenso wie die Deckenmalereien im Inneren zu einem besonderen architektonischen Schmuckstück.
Mariachi und volkstümliche Kultur in Guadalajara
Die Mariachi-Musik zählt zu den prägendsten Elementen mexikanischer Kultur und Identität. Der Begriff Mariachi bezeichnet im eigentlichen Sinne nicht den Musikstil, sondern die Gruppe, die in traditioneller Kleidung auf Hochzeiten, Taufen und zu vielen anderen Anlässen spielt. Die Kleidung der Mariachi-Gruppen mit dem charakteristischen breiten Sombrero ist der traditionellen Kleidung des Charro nachempfunden, des mexikanischen Cowboys in der stilisierten Form des 19. Jahrhunderts.
In Guadalajara bildet die Plaza de los Mariachis den Mittelpunkt der örtlichen Mariachi-Kultur. Hier spielen die Gruppen nicht nur für die Besucher der umliegenden Bars und Restaurants; auch für nächtliche Serenatas oder Familienfeiern werden die Gruppen hier ausgesucht.
Einen Eindruck von den Traditionen Guadalajaras bieten auch die Vororte Tlaquepaque und Tonalá, die ursprünglich eigenständige Städte waren und sich bis heute den Charakter kolonialer Dörfer bewahrt haben. Beide Vororte sind für ihr malerisches Stadtbild und die vielen kunsthandwerklichen Läden bekannt.
Unterwegs im Land des Tequilas
Rund 60 km nordwestlich von Guadalajara liegt der kleine Ort Tequila mitten im Herzen der mexikanischen Tequila-Region. Nur in fünf mexikanischen Bundesstaaten wird die blaue Agave angebaut, aus der der Tequila mit geschützter Herkunftsbezeichnung hergestellt wird, und das Dorf Tequila bildet den Mittelpunkt dieser Region. In und um den Ort haben die weltbesten Destillerien ihren Sitz, darunter José Cuervo, Tequila Sauza und Herradura.
Neben dem Tequila-Museum kann in Tequila auch die Destillerie José Cuervo auf einem geführten Rundgang besichtigt werden. Viele Reisende besuchen den Ort mit dem Tequila-Zug von Guadalajara aus. Auch ein Besuch der umliegenden Agavenfelder kann von vielen Destillerien und Tour-Anbietern organisiert werden.
Oberstes Bild: Kathedrale und Musikpavillon an der Plaza de Armas (© Esparta Palma / Wikimedia / CC)