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Wilder Urlaub
Am Abend und bei strömendem Regen mietet Mitrailleur Hermelinger (Robert Troesch) in Zürich ein Zimmer. Es sind die frühen 1940er-Jahre, die Schweizer leisten Aktivdienst. Als Hermelinger wenig später in eine Mansarde eindringt und nach Zivilkleidern sucht, wird er vom Untermieter Fritz Hablützel (Paul Hubschmid) entdeckt und mit gezückter Pistole gestellt. Der überraschte Soldat gesteht, dass er nach einer Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten, Wachtmeister Eppler (Robert Freitag), diesen mit einem Stein tödlich verletzt hat. Eppler, Sohn aus reichem Haus, war ein Schulkollege von Hermelinger und schaffte nur mit dessen Hilfe die Eignungsprüfung fürs Gymnasium. Im Militär aber kehrte er den Vorgesetzten heraus und behandelte seinen alten Gefährten von oben herab. Weil ein Kind im Hause krank ist, wird Hermelinger spätabends zum Arzt geschickt. In einem Restaurant, in dem er etwas isst, offeriert ihm die Serviertochter Emma (Sylva Denzler) ein Bett für die Nacht und wird dann von Hermelingers Albträumen völlig aus der Fassung gebracht. Früh am nächsten Morgen hat sich der Deserteur endgültig zu entscheiden: Fährt er nach Marseille oder kehrt er zu seiner Einheit zurück?
Im Mai 1940 wurde die Schweizer Armee mobil gemacht. Schon im folgenden Jahr schrieb der Zürcher Schriftsteller Kurt Guggenheim («Alles in allem») seinen Kurzroman «Wilder Urlaub», der mit dem Schiller-Preis ausgezeichnet wurde. Er erzählt darin von einem Soldaten, der sich unerlaubt von der Truppe entfernt. Der Zürcher Filmproduzent Lazar Wechsler brachte wiederum zwei Jahre später die kritische Auseinandersetzung mit dem Aktivdienst ins Kino. Als Regisseur zeichnete Franz Schnyder. Der junge Berner hatte bereits «Gilberte de Courgenay» und «Das Gespensterhaus» inszeniert und brannte darauf, zu beweisen, dass er auch profilierter, engagierter und künstlerisch anspruchsvoller sein konnte.
Zwar musste das Drehbuch (Autoren: Richard Schweizer, Guggenheim und Schnyder) wiederholt geändert, die viel diskutierte Vorlage schon in der Vorbereitung entschärft werden. Doch Schnyder führte seine Schauspieler überzeugend und fand zusammen mit Kameramann Emil Berna für die dichte Geschichte ungewöhnliche, packende Bilder. Der Film, der bis auf wenige Szenen den Verlauf einer einzigen Nacht umfasst, brauchte den Vergleich mit teuren internationalen Produktionen nicht zu scheuen. Das wurde von der Kritik auch durchwegs gewürdigt. Der Kinoerfolg dagegen blieb aus. Kritische Blicke auf die Armee waren in den Tagen der Durchhalte-Parolen beim Publikum nicht gefragt. Das Schweizer Fernsehen hat den aussergewöhnlichen Kinoklassiker in Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse und Memoriav sorgfältig restauriert.
Sprachen: Schweizerdeutsch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörbehinderte
Produktion: schwarz/weiss / Jahr: 1943 / Bild: 4:3
Bonus:
- Credits und technische Angaben
- Entstehung des Films
- Das Militär hoffte auf einen Misserfolg
- Fotos vom Dreh
- Pressestimmen
- Bonusfilm: Porträt von Kurt Guggenheim