Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03656.jsonl.gz/1471

Hanf in der Papierindustrie
Vor etwa 2000 Jahren wurde Hanfpapier von den Chinesen erfunden. Damals waren Hanftextilien die wichtigste Quelle für das Papier. Bis 1883 wurden zwischen 75 bis 90 Prozent des weltweit produzierten Papiers aus Hanffasern hergestellt. Hanf war der Grundstoff von Büchern, Bibeln, Landkarten, Papiergeld, Wertpapieren und Zeitungen. In diesem Zusammenhang ereignete sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein makaberer Zwischenfall: Damals kaufte ein britischer Papierhersteller die Sträflingskleidung aus den Konzentrationslagern, soweit sie aus Hanf bestand.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde dann die Papierproduktion aus Holz immer billiger und das Hanfpapier wurde immer mehr vom Papier aus Holz abgelöst.
Heute ist der Marktanteil der Papierproduktion am Hanffasermarkt 70- 80 Prozent. Trotzdem kann man fast nirgendwo Schreibpapier aus Hanf im Laden kaufen. Der Grund ist dieser: Nur ein kleiner Anteil der Hanffasern für den Zellstoffbereich wird frei gehandelt, der größte Teil fließt in integrierte Prozessketten vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Die so entstehenden Spezialzellstoffe werden zu Zigarettenpapier, Banknoten, technischen Filtern und Hygieneprodukten verarbeitet.
Nur wenige Hölzer haben einen höheren Zellulosegehalt als Hanf (beispielsweise Buchen- oder Fichtenholz). Hanfpapier hält sehr lange und ist auch im feuchten Zustand vergleichsweise reißfest. Bei der Herstellung ist der Einsatz von Chemikalien, aufgrund des sehr geringen Gehaltes von Lignin, geringer als bei der Holzpapierproduktion. Hanf liefert als einjährige Pflanze auf derselben Fläche nicht nur 4- 5 mal soviel Papier wie Wald, wegen der hohen Reißfestigkeit der Hanffaser kann dieses Papier auch öfter recycelt werden als Holzpapier.
Trotz aller Vorzüge hat Hanf an der Gesamtpapierproduktion einen verschwindend geringen Anteil. Der Grund ist der zurzeit noch deutlich höhere Preis von Hanf im Vergleich zu z.B. Fichtenholz. Die Preislücke wird sich aber durch wachsendes Umweltbewusstsein der Konsumenten und technische Fortschritte bei der Papierproduktion in den nächsten Jahren kontinuierlich schließen und Papier aus Hanf wird zu alter Wichtigkeit zurückfinden.
Hanf in der Automobilindustrie
Zurzeit wird Hanf beim Automobilbau im Wesentlichen für Formpressteile verwendet. Tür- und Kofferraumauskleidungen, Armaturenbretter, die oft in Spritzgussverfahren hergestellten Teile erschließen immer neue Bereiche. Da die europäische Hanfwirtschaft nur über vergleichsweise geringe Produktionskapazitäten verfügt, konnte der Bedarf der Automobilindustrie bisher nicht durch Hanf gedeckt werden. Allein bei den derzeit möglichen 5 bis 10 kg Naturfasern pro Automobil ergibt sich, bei 16 Mio. produzierten Fahrzeugen in Westeuropa, ein Marktpotenzial von 80.000 - 160.000 t/Jahr an Naturfasern nur für Formpressteile.
Unter den Naturfasern empfiehlt sich der Hanf. Hersteller und Verbraucher ziehen ihren Nutzen aus seiner natürlichen Fungizität (Abwehr von Schädlingen) und der relativ schlechten Entflammbarkeit. Da bei Formpressteilen aus Hanf die Kanten der Bruchstellen nicht scharf sind, ist die Schnittverletzungsgefahr bei Unfällen deutlich niedriger. Ihr Gewicht ist geringer als das der Formpressteile aus Holzfasern. Es ist leichter, komplexe Bauelemente in einem Arbeitsgang zu erzeugen, was die Produktionskosten senkt.
Hanfanbau trägt so zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilbauer und damit zum Erhalt der Arbeitsplätze in der mitarbeiterreichsten Branche Deutschlands bei.
Hanf in der Baubranche
Wer heutzutage baut hat die Wahl zwischen unzähligen Produkten aus unterschiedlichsten Materialien. Aber nur ein Produkt hat von der EU das Prädikat "Naturplus" verliehen bekommen - Thermohanf. Mehr noch: die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe des Bundeslandwirtschaftsministeriums fördert jeden Kubikmeter Hanfdämmung mit bis zu 35,- Euro. Da kommt bei Neubau oder Modernisierung viel Geld zusammen.
Hanf ist aus der Baubranche nicht mehr wegzudenken. Schon früh schätzten die Menschen die hohe Reißfestigkeit seiner Faser und die geringe Feuchtigkeitsaufnahme der Schäben. Aus den Fasern wird eine Vielzahl von Dämmstoffen gefertigt. Die Schäben können als Schüttdämmung verwendet oder bei der Produktion von Leichtbauplatten eingesetzt werden. Durch den Zusatz von Hanffasern kann zudem die Festigkeit von Beton erhöht werden - ein Verfahren, das schon bei mittelalterlichen Lehmbauten verwendet wurde. Aus Hanffasern gefertigte "verdichtete Baudämmplatten" bieten Schall- und Trittschutz ohne Schädlingsbefall.
Zusätzliche Pluspunkte: Bei der Herstellung dieser Produkte aus Hanf wird nur wenig Energie benötigt. Aus der Nutzpflanze gefertigte Baustoffe können ohne Probleme für die Umwelt entsorgt werden, da sie deutlich weniger Schadstoffe enthalten, als vergleichbare Produkte ohne Hanfanteil.
Im Jahr 2001 gingen ca. 6,5% der Hanffasern und 8% der Hanfschäben in die Bauindustrie. Dies erscheint wenig, aber alle Fachinstitute sehen im Baubereich ein großes Wachstumspotenzial für Hanfanwendungen. Sinkende Produktionskosten und steigendes Know-how der Produzenten garantieren demnach auch weiterhin Wachstumsraten, die weit über dem Marktdurchschnitt liegen.
Die neueste Innovation ist die Formpressung eines Gemischs aus Hanfschäben und Bindemitteln auf Kalkbasis. Dabei entstehen je nach Form und Druck Baustoffe, die an Holzbalken und Gasbetonsteine erinnern. Ergänzt mit einer atmungsaktiven und feuchtigkeitsabweisenden Hanffaserisolierung ist es nun möglich Häuser zu errichten, die zu mehr als 90% aus Hanf bestehen. Theoretisch könnte man sein neues Haus auf dem eigenen Feld wachsen lassen.
Ein weiterer Vorteil ist das Gewicht der Hanfbacksteine von nur 150kg/ mł. Sie sind damit wesentlich leichter als herkömmliche.
Hanf in der Textilindustrie
"Die feinste flächsene Leinwand wird niemals der aus solchem Hanf gemachten Leinwand gleichkommen. Und diese wird wenigstens dreimal so lange halten als jene."
Textilien und Seile aus Hanf kennen die Menschen seit Jahrtausenden. Bereits 2800 v. Chr. stellten die Chinesen Seile aus ihm her. Hanffasern sind nicht nur viel reißfester und haltbarer als Baumwolle, sie sind auch weicher. Hanffasern wurden deshalb nicht nur für unverwüstliche Seile oder Segel eingesetzt, sie waren auch der bevorzugte Stoff für hautfreundliche Unterwäsche, Bettwäsche und alle auf der Haut getragene Bekleidung. Nicht nur in der Reißfestigkeit, auch in der Nassfestigkeit ist Hanf die Naturfaser Nr. 1. Dies bewegte Levi Strauss dazu Hanfstoff für seine als Jeans bekannt gewordenen Goldwäscherhosen zu wählen. Erst cottonisierte Baumwolle konnte Hanf und Flachs als Hauptkleidungsstoffe ablösen.
Weil weder beim Anbau noch bei der Ernte und Verarbeitung schädliche Chemikalien eingesetzt werden müssen, kommen Hanf-Textilien giftfrei auf die Haut. Das macht Bekleidung aus Hanf auch für Allergiker empfehlenswert.
Seit Mitte der 90er Jahre wird an der Wiedereinführung von Hanf im Bekleidungssektor gearbeitet. Dabei wird aber nicht an die traditionelle Langfasertextilie gedacht, die ja bereits wieder am Markt eingeführt ist.
Viel interessanter für den Standort Deutschland ist die Herstellung sog. "cottonisierter Hanffasern". Hierunter versteht man eine Hanffaser, die mit Hilfe modernster chemisch-physikalischer Verfahren verfeinert wurde und in ihren technischen Eigenschaften der dominierenden Baumwollfaser so weit gleicht, dass sie auf den hochproduktiven Baumwollspinnmaschinen verarbeitet werden kann. Der Schweizer Forscherin Marianne Leupin ist es gelungen Hanf auf solchen Rotorspinnern zu verarbeiten und so Garn mit einem Gewicht von nur 50tex zu erzeugen. Das bedeutet, dass 1 Kilometer dieses Garns lediglich 50 Gramm wiegt und damit z.B. für Jeans schon wieder zu fein ist. Für Jeansstoff benötigt man Garne mit rund 100tex.
Seine Vorteile gegenüber der Baumwolle kann Hanf erst ausspielen, wenn bei Hanf dieselbe Produktivität (und damit vor allem Energieeinsatz pro Kleidungsstück) wie bei Baumwolle erzielt werden kann. Bis dahin werden qualitätsbewusste Kunden für den höheren Tragekomfort und die ökologischen Vorteile von Hanftextilien tiefer in Tasche greifen müssen.
Hanf in der Lebensmittelbranche
Über viele Jahrhunderte hinweg war der Hanf als Grundnahrungsmittel fester Bestandteil der Ernährung in vielen Regionen, bei vielen Völkern der Erde. Sein guter Nährwert machte ihn zu DER Pflanze in Zeiten von Hungersnöten: So konnte beispielsweise die Bevölkerung Australiens im 19. Jahrhundert zwei lang andauernde Hungerkatastrophen überleben, indem sie sich von Hanfsamen und -blättern ernährte.
Lebensmittel aus und mit Hanf kann man grob in drei Kategorien unterteilen. Zunächst sind da die Lebensmittel, die essentielle Öle aus Hanf (z.B. Aromastoffe aus den Blättern) zur Geschmacks- und Geruchsverbesserung beinhalten. Unter ihnen finden sich viele Hanf-Getränke.
Eine zweite Gruppe von Lebensmittel verwenden die Samen der Hanfpflanze. Sie finden roh oder geröstet Verwendung. Speisehanfsamen können in ungeschälter und geschälter Form verzehrt werden. Ein ungeschälter Hanfsamen besitzt aufgrund der spröden Schale einen knackigen Kaueindruck (Biss). Bei manchen Lebensmitteln kann diese Eigenschaft als unangenehm empfunden werden, weshalb eine Schälung zweckmäßig ist, zumal die Schale leicht vermahlen und in zerkleinerter Form als Ballaststoffanreicherung verschiedenen Produkten zugeführt werden kann. Geschälter Hanfsamen besteht aus einem weichen Kern, der beim Kauen leicht zerfällt. Bei Gebäcken entfalten geschälte Hanfsamen ihr arteigenes, nussartiges, herbwürziges Aroma und runden den Gesamtgeschmack ab.
Zusammensetzung von SpeiseölenDie dritte Gruppe Hanflebensmittel entstehen unter Verwendung des aus den Samen gepressten Hanföls. Hanföl ist besonders reich an den für den menschlichen Organismus lebenswichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (ca. 90%). Hier sind besonders die essenziellen Fettsäuren Linolsäure (50-70%) und Alpha- Linolensäure (15-25%) hervorzuheben. Der Clou ist die extrem seltene Gamma- Linolensäure. Wertvoll ist auch die Eigenschaft des Hanföls bei Temperaturen bis -15 °C flüssig zu bleiben. Damit eignet es sich hervorragend zur Herstellung von Margarine.
Der Lebensmittelbereich ist ein kleiner Nischenmarkt, hat aber überdurchschnittliches Wachstum. Die Ausweitung des Marktes hängt vor allem von geeigneten Marketingaktivitäten ab, die qualitative Eignung von Hanfsamen bzw. -öl steht außer Frage.
Hanf in der Landwirtschaft
Natürlich ist Hanf für die Landwirtschaft in erster Linie als Feldfrucht interessant. Durch den Anbau von Hanfpflanzen konnten in den frühen 90er Jahren viele Bauern ihre Höfe vor dem Ruin retten. Obwohl der Anbau von Hanf von der EU gefördert wird, krankt die deutsche Hanfwirtschaft an den relativ hohen Kosten einheimischer Landwirtschaftsprodukte. Deshalb weichen Erst- und Weiterverarbeiter zunehmend auf Hanf aus "billigeren Ländern" in Osteuropa oder Asien aus.
Hanf hat einen hohen Vorfruchtwert. Das heißt er bereitet den Boden gut auf den Anbau anspruchsvollerer Feldfrüchte vor. So sorgt er für eine gute Unkrautfreiheit und Bodengare. Aufgrund der ausgeprägten Konkurrenzkraft des Hanfes sind normalerweise keine Unkrautbekämpfungsmaßnahmen notwendig. Auch Schädlings- und Pilzbehandlungen können bei Hanf sehr sparsam erfolgen bzw. sind gar nicht nötig.
Für die Viehzüchter ist Hanf zweierlei interessant. Zunächst die Nutzung von Hanf als tierisches "Lebensmittel". Presskuchen, die Reste der Hanfsamen nach der Ölgewinnung, sind z.B. erfolgreich als Kraftfutter für Schweine eingeführt. Ganze Hanfsamen findet man in fast jedem Vogelfutter. Dies führte dazu, dass nach dem Verbot von zum illegalen Anbau bestimmten Hanfsamen in Deutschland (1998) viele Samenhändler ihre Ware als Spezial- oder Kraftfutter für Vögel anboten.
Die Schäben, die bei der Faserproduktion als Reststoff anfallen, sind eine ebenso beliebte, wie geeignete Tiereinstreu. Ob für Pferde oder Tauben, gepresst als Katzenstreu oder locker als Ersatz für Sägespäne, Hanfschäben glänzen durch ihre hohe Feuchtigkeitsaufnahme, Schädlingsresistenz und gute Kompostierbarkeit. Weiterer Vorteil: Hanfeinstreu kommt nahezu frei von Giften ins Haus, weil schon beim Anbau viel weniger "gespritzt" werden muss.
Über diese Anwendungsgebiete hinaus existieren vielfältige Nischenmärkte. So werden z.B. in Gefangenschaft lebenden Vögeln Hanffasern als Nistmaterial angeboten.
Hanf in der Medizin
Hanf ist nicht nur eine der vielseitigsten Kulturpflanzen, dank seiner Cannabinoide sind auch die Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis in der Medizin überaus vielfältig.
a) Einführung, Übersicht
Die medizinische Verwendung der Pflanze Hanf ist mindestens 4500 Jahre alt. Die alten Chinesen nutzen Hanf u. a. gegen Malaria, Rheuma und bei Entzündungen. Der Leibarzt des römischen Kaisers Nero verordnete Hanf als Schmerz- und Beruhigungsmittel. Hildegard von Bingen (1098-1179), Martin Luther (1483-1546), die englische Königin Viktoria (1819-1901) - die Liste der Medizinalhanf- Konsumenten ließe sich endlos fortsetzen. Obwohl Hanf noch 1937 bei über 100 Krankheitsbildern verschrieben wurde, strich man ihn 1941 von der Medikamentenliste. Die medizinische Verwendung von Cannabis verschwand in den Kriegsjahren fast völlig, die Forschung an einer der ältesten Medizinalpflanzen des Menschen wurde im Hintergrund aber fortgesetzt.
Die moderne Cannabis-Forschung beginnt mit der Isolierung des wichtigsten psychotropen Wirkstoffes Delta-9-THC im Jahre 1964 durch Forscher der Universität von Jerusalem. THC wirkt muskelentspannend, anti-epileptisch, stimmungsaufhellend, brechreizhemmend, appetitsteigernd, leicht verstopfend, augeninnendrucksenkend, bronchienerweiternd, beruhigend, schmerzhemmend, schlaffördernd, juckreizstillend, entzündungshemmend, antibiotisch, gefäßerweiternd, gerinnungshemmend und fiebersenkend. In den vergangenen Jahrzehnten sind über 60 Cannabinoide isoliert und beschrieben worden. Längst sind nicht alle ihrer Wirkungen erforscht, doch scheint das medizinische Potential von Hanf größer als bisher angenommen.
Seit dem 10. März 2017 kann medizinisches Cannabis gegen verschiedene Erkrankungen verordnet werden. Entweder auf Privatrezept oder in “schwerwiegenden” und schulmedizinisch austherapierten Fällen auch auf Kosten der Krankenkassen. Das bis dahin praktizierte System, bei welchem Patienten Ausnahmegenehmigungen für ihre selbst zu zahlende Behandlung mit medizinischem Cannabis beantragen mussten, lief nach der Einführung des Gesetzes aus. Da im Gesetzestext die Verordnung von medizinischem Cannabis nicht auf spezifische Erkrankungen beschränkt ist, kann Medizinalhanf für eine Vielzahl von Erkrankungen verordnet werden, je nach ärztlicher Entscheidung. Mit dem „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ wurden diverse Änderungen in der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) sowie im 5. Sozialgesetzbuch (SGB V) beschlossen. Nun darf zu medizinischen Zwecken angebautes Cannabis wie andere Betäubungsmittel verschrieben werden, wenn eine positive medizinische Wirkung nicht abwegig erscheint. Medizinische Cannabisblüten sind als verkehrs- und verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel eingestuft. Weitere Infos und die meistgestellten Fragen und Antworten rund um die Situation von Cannabis als Medizin in Deutschland findet ihr in unserem FAQ.
b) Wie Hanf hilft- Wem Hanf helfen kann
Aufgrund seines vielfältigen Wirkungsspektrums sind auch die Diagnosen bei denen Hanfkonsum als Therapie in Frage kommt weit gefächert:
Krebs- und Aids-Patientinnen hilft Hanf gegen Übelkeit und Erbrechen, die oft als Nebenwirkung der Chemotherapie entstehen. Zudem steigert Hanf den Appetit und bremst so die krankheitstypische Auszehrung der Patienten.
Spastiker ziehen ihren Nutzen aus den antiepileptischen Eigenschaften der Hanfharze, auch beim Tourette- Syndrom und ähnlichen Erkrankungen werden die positiven Therapieergebnisse auf diese Wirkung von THC zurückgeführt.
Patienten mit Glaukom (grüner Star) hilft Hanf indem es den Augeninnendruck senkt. Vielfach wird eine drohende Erblindung dadurch verzögert oder gar verhindert.
THC lindert asthmatische Krämpfe indem es die Bronchien erweitert. Dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften unterstützt Hanf die Heilung von Lungenentzündung und anderen Atemwegskrankheiten. Allerdings steht das Rauchen von Hanf unter dem Verdacht das Risiko von Krebserkrankungen zu steigern. Die Verwendung eines Vaporizers (Dampf- Inhalators) beseitigt diese Gefahr jedoch fast vollständig.
Einige der ältesten Anwendungen von Hanf als Medizin vertrauen auf seine schmerzlindernden Effekte. Hanf wirkt auch in geringen Dosen sehr gut bei neuropathischen Schmerzen wie Migräne, Arthritis, Menstruationsschmerzen oder degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates.
Die stimmungsaufhellende Wirkung von Hanf verhalf ihm zu einem festen Platz im Therapiespektrum bei reaktiver und neurotischer Depression.
Darüber hinaus berichten Patienten von positiven Effekten bei so unterschiedlichen Erkrankungen wie Allergien, Juckreiz, Schluckauf, Tinnitus oder Darmreizungen.
Allen Anwendungsgebieten gemein sind die geringen Nebenwirkungen. So ist in der Regel lediglich eine geringe Gewichtszunahme oder Stimmungsaufhellung zu befürchten.
Hanf als Genussmittel
Seit mindestens 10.000 Jahren kennen und nutzen die Menschen Hanf. Schon früh bemerkten sie, dass sie nach dem Verzehr seiner Blüten auf merkwürdige Weise ausgelassen und entspannter wurden. Bis heute konsumieren Millionen Menschen in aller Welt Hanf als Genussmittel.
a) Einführung, Übersicht
Der Gebrauch von Cannabis als Genussmittel gehört zu den ältesten Rauscherfahrungen der Menschheit. Heute schätzt man die Zahl der gelegentlichen Cannabiskonsumenten allein in Deutschland auf mindestens drei Millionen. Cannabis ist die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegalisierte Droge. Gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfreut sie sich wachsender Beliebtheit.
Dabei existiert seit Mitte des letzten Jahrhunderts ein nahezu weltweites Verbot von Hanf als Rauschmittel. Im Namen des von den USA ausgerufenen "War on Drugs" werden Cannabiskonsumenten in aller Welt verfolgt, eingesperrt, ihrer Existenz beraubt, ja sogar getötet. Trotz Millionen friedlicher Cannabiskonsumenten entbrannte ein erbitterter Kampf gegen diese vergleichsweise harmlose Droge.
Der Krieg gegen Drogen hat auch für Nicht-Konsumenten verheerende Folgen. So verschwand in kaum 50 Jahren das vieltausendjährige Wissen um eine der ältesten Kulturpflanzen fast völlig, Kranken wird Linderung ihrer Leiden vorenthalten um sie vor konstruierten Gefahren zu bewahren... Nicht zuletzt wurde eine gewachsene Kultur um Rauschhanf ersetzt durch Verfolgungsdruck, dunkle Hinterzimmer und Schwarzmarkthändler. Diese Politik schadet nicht nur ihren direkten Opfern, sondern allen Menschen!
Nach mehr als einem halben Jahrhundert Prohibitionspropaganda sind Cannabiskonsumenten und deren Angehörige schlechter über die Rauschpflanze Hanf informiert als noch ihre Grosseltern. Dabei ist das Wissen um Wirkungen und Nebenwirkungen von Cannabis die beste Vorbeugung gegen Missbrauch und Sucht.
b) Wirkstoff und Wirkung
Berauschender Hanf hat viele Namen. Cannabiskonsumenten sprechen von Dope, Gras, Ganja, Piece... So verwirrend diese Namensvielfalt für Außenstehende sein mag, letztlich unterscheidet man zwei Erscheinungsformen von Rauschhanf:
Marihuana sind die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze. An Drüsenhaaren auf diesen Blüten sitzt das "Harz" der Pflanze, mit seinen hohen Konzentrationen von THC und CBD. Marihuana ist je nach Qualität, Herkunft und Trocknungsgrad grün bis bräunlich. Marihuana ist eigentlich das spanische Wort für Hanf.
Haschisch ist das gesammelte und meist gepresste Harz der Hanfpflanze. Je nach Qualität und Herstellungsmethode schwankt seine Farbe von hellem grau-braun bis zu mattem schwarz. "Haschisch" ist eigentlich arabisch und bedeutet Kraut. Anders als bei uns bezeichnet man mit Haschisch in den arabischen Ländern bis Heute die gesamte Hanfpflanze, nicht nur das gepresste Harz.
Die berauschende Wirkung von Hanf beruht auf seinen Cannabinoiden. Insbesondere dem THC wird dabei ein Großteil der Effekte zugeschrieben. Marihuana enthält zwischen 3 und 15 Prozent THC. Bei einzelnen Züchtungen wurden auch THC-Werte um die 20% gemessen. Der THC-Gehalt von Haschisch schwankt immens, ist aber in der Regel höher, als der von Marihuana. Zwischen 5% und über 50% wurden gemessen. Durch spezielle Veredelungsverfahren kann man aus Marihuana so genanntes Haschöl gewinnen, welches THC-Konzentrationen von bis zu 90 Prozent haben kann. Je höher die Wirkstoffkonzentration umso schwerer fällt die Dosierung, so das Cannabiskonsumenten in aller Regel Marihuana und Haschisch Haschöl vorziehen.
Rauschhanf wird gewöhnlich geraucht. Die Wirkung setzt bei dieser Konsumform nach ca. 5- 10 Minuten ein und hält je nach Dosis zwei bis vier Stunden an. Cannabis kann aber auch gegessen bzw. getrunken werden. Die Wirkung setzt dabei erst nach 40- 60 Minuten ein und hält bis zu 10 Stunden an. Cannabis wirkt euphorisierend und kann in hohen Dosen Halluzinationen auslösen. Konsumenten berichten von einer Verstärkung von Sinneseindrücken und Empfindungen, während Leistungs- und Konkurrenzdruck an Bedeutung verlieren. Das Zeitgefühl ist unter dem Einfluss der Droge verändert, oft scheint die Zeit langsamer zu vergehen.
c) Nebenwirkung und Gefahren
Wie bei allen Drogen birgt auch der Konsum von Cannabis Risiken. Diese sind jedoch weit weniger umfangreich, als noch vor wenigen Jahren befürchtet.
Reale Risiken des Cannabiskonsums erklären sich überwiegend aus den akuten Wirkungen der Cannabinoide und klingen mit dem Ende des Rauschzustandes schnell ab. In der Medizin werden oft eben diese Effekte für die Therapie genutzt. Konsumenten berichten von folgenden "Nebenwirkungen": gerötete Augen (gesenkter Augeninnendruck), erhöhtes Hungergefühl, Konzentrationsschwierigkeiten, Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses/ Vergesslichkeit, leichte motorische Störungen, Schlafstörungen, Reizüberflutung. Unter Umständen kann es zu so genannten "toxischen Psychosen" kommen. Diese äußern sich z.B. in Gefühlen wie, die Wirkung hört nie wieder auf, alle sprechen über mich/gucken mich an; oft begleitet von Angstzuständen. Auch die Konsumform spielt bei der Risikobewertung eine Rolle, so steht z.B. das Rauchen von Cannabis im Verdacht krebserregend zu sein.
Abhängigkeit* - Im Gegensatz zu vielen Rauschmitteln sind bei Cannabis nur geringe Gewöhnungseffekte und organische Auswirkungen bekannt. Der Konsumverzicht ist deshalb auch nicht von nennenswerten Entzugssymptomen begleitet. Eine körperliche Abhängigkeit vom Wirkstoff THC, existiert nicht! Allerdings geht man heute davon aus, dass bei 1-3 Prozent der Konsumenten eine psychische Abhängigkeit besteht. Das Risiko einer Cannabisabhängigkeit ist umso größer, je früher der erste Konsum erfolgte.
Überdosis - Die Toxizität von Cannabis ist im Vergleich mit anderen Rauschmitteln äußerst gering. Eine letale (tödliche) Dosierung wurde zwar aus dem Tierversuch errechnet, ist aber praktisch nicht zu erreichen. In den mehr als 10.000 Jahren die Menschen dieses Rauschmittel konsumieren, ist noch Niemand an Hanf gestorben.
Viele der "Gefahren" die angeblich von Cannabis ausgehen erwiesen sich bei wissenschaftlicher Überprüfung als Propagandalügen. So gilt Cannabis heute nicht mehr als Einstiegsdroge, es führt weder zu Unfruchtbarkeit, noch verursacht es Hirnschäden. Auch ein von Cannabis begünstigtes Amotivationssyndrom konnte nicht nachgewiesen werden.
* Der Begriff "Sucht" wird im Zusammenhang mit Rauschmitteln im wissenschaftlichen Rahmen nicht mehr verwendet.
d) Warum Legalisieren
Seit 10.000 Jahren nutzen die Menschen Hanf. Dennoch wurde diese alte Kulturpflanze im vergangenen Jahrhundert verboten. Nicht die Forderung nach Legalisierung von Hanf gehört also als außergewöhnliche Idee auf den Prüfstand, sondern das geschichtlich gesehen relativ kurze Experiment "Kriminalisierung".
Das Hanfverbot sollte die Konsumenten vor Gefahren schützen, von denen wir heute wissen, dass sie nicht im behaupteten Umfang bestehen. Cannabiskonsum führt weder zu körperlichen Schäden, noch ist er der Einstieg in eine Suchtmittelkarriere. Noch nie starb ein Mensch an einer Cannabisüberdosis, dennoch werden beinahe täglich Todesurteile oder lebenslange Freiheitsstrafen für den Besitz von Hanf verhängt.
Quasi nebenbei wurde der Menschheit die Nutzung einer der vielseitigsten Nutzpflanzen verboten. Auch nach der Wiederzulassung von "THC-armem" Hanf in der EU bestehen immense Schranken für seine Nutzung. So müssen interessierte Bauern hohe bürokratische Hürden nehmen um eine Anbaugenehmigung zu erhalten. Noch immer ist der Anbau sogar rauschunwirksamer Sorten in vielen Ländern, z.B. der USA, verboten.
Das Hanfverbot behindert die technische Weiterentwicklung von hanfverarbeitenden Maschinen ebenso wie die medizinische Forschung an einer der ältesten Heilpflanzen. Beinahe täglich sterben Menschen, weil ihnen die lebensrettende Medizin Cannabis vorenthalten wird.
Die vollständige Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel ist längst überfällig. In den 70 Jahren Hanfverbot wurde keines der Ziele dieses Gesetzes erreicht!
Heute konsumieren mehr Menschen Cannabis als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt der Geschichte. Cannabis kann von den meisten in ihrem Umfeld problemlos erworben werden. Gerade junge Menschen werden darüber hinaus vom Verbot geradezu zum Konsum verleitet.
Auf der anderen Seite müssen Bauern und Verarbeiter noch immer gegen das Image von Hanf als Killerdroge ankämpfen. Manche innovative Hanfanwendung scheitert bis heute am unmöglichen staatlichen Spagat zwischen Drogenkrieg und Wirtschaftsförderung.
Es ist an uns, den historischen Fehler Hanfverbot zu revidieren - Hanf muss wieder legal werden!