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Auf den folgenden Seiten werden verschiedene Indikatoren zum Arbeitsmarktaustritt präsentiert. Die Indikatoren stammen aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) und wurden nach einem Arbeitsmarktansatz erstellt. Das heisst, sie basieren hauptsächlich auf dem Arbeitsmarktstatus und nicht auf den Leistungen der Altersvorsorge.
Indikatoren:
Erwerbsquote und Erwerbsstatus der 50- bis 74-Jährigen
Durchschnittliches Alter beim Austritt aus dem Arbeitsmarkt
Frühpensionierungsquote (Arbeitsmarktansatz)
Anzahl Personen ab 65 Jahren je 100 Erwerbspersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren
Erwerbsquote und Erwerbsstatus der 50- bis 74-Jährigen
Die Erwerbsquote (Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung) ab 50 Jahren nimmt mit dem Alter ab. Während von den 57-Jährigen (d.h. ein Jahr vor dem Mindestalter für den Bezug einer Rente aus der 2. Säule) in der Periode 2015-2017 noch 91% der Männer und 81% der Frauen auf dem Arbeitsmarkt aktiv waren, sank die Erwerbsquote bei den 64-jährigen Männern auf 52% und bei den 63-jährigen Frauen auf 46%. Mit 65 Jahren waren noch 33% der Männer und mit 64 Jahren noch 28% der Frauen aktiv. 74-Jährige beteiligten sich ebenfalls teilweise noch am Erwerbsleben (14% der Männer; 6% der Frauen).
Innerhalb der letzten 20 Jahre hat insbesondere die Erwerbsquote der 50- bis 74-jährigen Frauen zugenommen. Die starke Zunahme der Erwerbsquote der 62- und 63-jährigen Frauen hängt unter anderem mit der zweifachen Erhöhung des ordentlichen (gesetzlichen) Rentenalters der Frauen in den Jahren 2001 und 2005 zusammen.
In Vollzeitäquivalenten (VZÄ)* ausgedrückt sind grosse geschlechterspezifische Differenzen zu beobachten: die Werte der Frauen belaufen sich aufgrund der stärker verbreiteten Teilzeiterwerbstätigkeit auf tieferem Niveau als jene der Männer, und dies insbesondere bis zum ordentlichen (gesetzlichen) Rentenalter (rund 30 Prozentpunkte Differenz).
Die Vollzeitäquivalente (VZÄ) werden definiert als das Total der in der Schweizer Wirtschaft tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden dividiert durch die durchschnittlich auf einer Vollzeitstelle gearbeiteten Stunden. Gelegentlich können sich Erwerbsquoten von über 100% ergeben: dies tritt dann ein, wenn eine bestimmte Gruppe einen sehr hohen Anteil an Erwerbspersonen aufweist und gleichzeitig die Anzahl tatsächliche Arbeitsstunden über dem Durchschnittswert der Vollzeiterwerbstätigen liegt.
Neben der Entwicklung der Erwerbsquote nach Geschlecht ist auch der Verlauf des Erwerbsstatus vor und nach dem ordentlichen (gesetzlichen) Rentenalter von Interesse: Der Anteil der Arbeitnehmenden (an der Gesamtbevölkerung) ab 60 Jahren sinkt stark, während der Rückgang der Selbstständigenquote zwischen 60 und 65 Jahren viel schwächer ausfällt. Ab 65 Jahren verläuft die Entwicklung praktisch parallel.
Durchschnittliches Alter beim Austritt aus dem Arbeitsmarkt
Mit dem Indikator «durchschnittliches Alter beim Austritt aus dem Arbeitsmarkt» kann der Moment des Austritts aus dem Arbeitsmarkt am Ende der beruflichen Laufbahn in Form einer Kennzahl dargestellt werden.
Der Indikator wird anhand des gewichteten mittleren Alters beim Austritt aus dem Erwerbsleben der Personen von 58 bis 75 Jahren berechnet*.
Als aus dem Arbeitsmarkt austretende Personen gelten alle Personen, deren Status zwischen zwei SAKE-Interviews von Erwerbsperson zu Nichterwerbsperson gewechselt hat.
Bei der Berechnung dieses Indikators spielt der Rentenbezug der drei Säulen der Altersvorsorge keine Rolle. Es handelt sich somit vielmehr um einen «Arbeitsmarktansatz» und nicht um einen «Altersvorsorgeansatz».
Arbeitsmarktaustritte finden in jedem Alter statt, allerdings ist ab 58 Jahren eine Zunahme an Austritten zu beobachten. Dies deckt sich mit dem Mindestalter für den Bezug einer Rente aus der 2. Säule. Die obere Altersgrenze von 75 Jahren wurde gewählt, weil der Anteil der Erwerbstätigen nach 75 Jahren sehr klein ist.
Das durchschnittliche Alter beim Austritt aus dem Arbeitsmarkt lag 2018 bei 65,5 Jahren. Dies entspricht einem der höchsten Werte seit Beginn der 90er Jahre, wobei der tiefste Wert im Jahr 2006 zu verzeichnen ist (64,3 Jahre). Das unterschiedliche ordentliche (gesetzliche) Rentenalter zwischen Männern und Frauen zeigt sich in diesem Indikator: Männer verlassen den Arbeitsmarkt im Schnitt etwas später als Frauen (im Durchschnitt der letzten 5 Jahre: 0,9 Jahre später). Das durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter variiert auch je nach Erwerbsstatus, Nationalität, Wirtschaftsbranche und ausgeübtem Beruf: Selbstständigerwerbende, Schweizer und Erwerbstätige in der Land- und Forstwirtschaft bleiben überdurchschnittlich lange auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Demgegenüber treten Erwerbspersonen aus den Wirtschaftsabschnitten «Kredit- und Versicherungsgewerbe» sowie «Verkehr und Lagerei» deutlich früher aus dem Arbeitsmarkt aus.
Beim oben präsentierten Indikator reicht eine Arbeitsstunde pro Woche, um auf dem Arbeitsmarkt als aktiv zu gelten (internationale Definition gemäss Internationalem Arbeitsamt (ILO)). Allerdings reduziert ein bedeutender Anteil der Personen im untersuchten Alter in einem ersten Schritt den Beschäftigungsgrad, bevor sie ganz inaktiv werden: wenn ein Rückgang des Beschäftigungsgrads auf unter 20% respektive unter 50% neben der Aufgabe der Erwerbstätigkeit bereits als Rückzug aus dem Arbeitsmarkt gezählt wird, kommt das durchschnittliche Austrittsalter entsprechend etwas tiefer zu liegen.
Berechnet werden zwei alternative Masse:
Tatsächliche Arbeitsmarktaustritte plus Erwerbstätige, die ihren Beschäftigungsgrad innerhalb eines Jahres von 20% oder mehr auf weniger als 20% reduziert haben
Tatsächliche Arbeitsmarktaustritte plus Erwerbstätige, die ihren Beschäftigungsgrad innerhalb eines Jahres von 50% oder mehr auf weniger als 50% reduziert haben
Internationaler Vergleich
Die OECD publiziert einen Indikator zum «average effective age of retirement». Dieser Indikator wird ebenfalls nach dem «Arbeitsmarktansatz» berechnet und beruht auf den Labour Force Surveys (was auf internationalem Niveau der SAKE entspricht), ansonsten unterscheidet sich die Berechnungsmethode allerdings deutlich. Der von der OECD berechnete Indikator bietet den Vorteil internationaler Vergleiche, er ist jedoch aufgrund der Benutzung von 5-Jahres-Altersklassen im 5-jährigen Rhythmus weniger präzis*.
Die Berechnung der OECD basiert auf Erwerbsquoten von 5-Jahres-Altersklassen im 5-jährigen Rhythmus anhand von unabhängigen Stichproben (keine Längsschnittsanalysen von Personen). Ein Rückgang von Erwerbsquoten, zum Beispiel zwischen den Erwerbsquoten der 50- bis 54-Jährigen im Jahr 2009 und jenen der 55- bis 59-Jährigen im Jahr 2014, wird als Folge der Austritte aus dem Arbeitsmarkt betrachtet. Dieser Rückgang wird mit dem mittleren Alter der Altersklassen gewichtet (z.B. Rückgang zwischen 50 bis 54 Jahren und 55 bis 59 Jahren => 55 Jahre).
Frühpensionierungsquote (Arbeitsmarktansatz)
Als Frühpensionierte gelten in Bezug auf diesen Indikator Personen, die folgende drei Kriterien erfüllen:
Sie haben das ordentliche (gesetzliche) Rentenalter noch nicht erreicht.
Sie waren mindestens bis zum vollendeten 50. Altersjahr erwerbstätig, üben aber keine Erwerbstätigkeit mehr aus*.
Sie geben als Grund für die Nichterwerbstätigkeit Pensionierung/Ruhestand, Invalidität oder Gesundheit an.
Personen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sei dies auch nur während einer Stunde pro Woche, werden in der Analyse nicht zu den Frühpensionierten gezählt. Sie gehören zu den Erwerbstätigen (gemäss Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamts und EUROSTAT-Normen).
Der Leistungsbezug aus den drei Säulen der Altersvorsorge spielt bei der Berechnung dieses Indikators keine Rolle. Personen, die nach einer Frühpensionierung wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen haben, zählen nicht zu den Frühpensionierten. Für diesen Indikator wird somit ein Arbeitsmarktansatz und kein Altersvorsorgeansatz verwendet. Die Frühpensionierungsquote wird berechnet, indem die Anzahl der Frühpensionierten durch die Anzahl Personen geteilt wird, die mindestens bis zum vollendeten 50. Altersjahr erwerbstätig waren.
Im Zeitraum 2015–2017 belief sich die Frühpensionierungsquote ein Jahr vor dem ordentlichen (gesetzlichen) Rentenalter bei den Männern auf 40,2% (mit 64 Jahren) und bei den Frauen auf 34,9% (mit 63 Jahren). Diese Quoten sind verglichen mit dem Zeitraum 2006–2009 rückläufig (Männer mit 64 Jahren: 47,1%; Frauen mit 63 Jahren: 43,2%).
Im Zeitraum 2010–2017 waren Selbstständigerwerbende ein Jahr vor dem ordentlichen Rentenalter dreimal weniger häufig in Frühpension (14,2%) als Arbeitnehmende (42,7%). Grosse Unterschiede sind auch zwischen den Wirtschaftszweigen festzustellen. Am höchsten ist die Frühpensionierungsquote in den Wirtschaftsabschnitten «Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen» sowie «Verkehr und Lagerei», am tiefsten in den Wirtschaftsabschnitten «Land- und Forstwirtschaft» sowie «Kunst, Unterhaltung, private Haushalte, sonstige Dienstleistungen».
Verwandte Themen
Dieser Indikator ergänzt zwei Indikatoren der Altersvorsorge aus dem Modul «Soziale Sicherheit» der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung. Der Nenner wird gleich definiert wie bei den beiden anderen Indikatoren, der Zähler unterscheidet sich jedoch wie folgt:
Frühpensionierungsquote – Selbstdeklaration: Die berücksichtigten Personen haben angegeben, dass sie sich frühzeitig pensionieren liessen. Dabei handelt es sich um eine subjektive Beurteilung, unabhängig von einem Leistungsbezug oder der Ausübung einer Erwerbstätigkeit.
Frühpensionierungsquote – Leistungsbezug: Nur der Bezug einer Altersleistung aus mindestens einer der drei Säulen ist massgebend für die Kategorisierung als frühpensionierte Person. Diese Definition ist unabhängig vom Arbeitsmarktstatus.
Anzahl Personen ab 65 Jahren je 100 Erwerbspersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren
Anhand des Indikators «Anzahl Personen ab 65 Jahren pro 100 Erwerbspersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren» kann geschätzt werden, wie gross die Belastung der Erwerbsbevölkerung durch die betagte Bevölkerung ist und wie sich diese im Zeitverlauf entwickelt.
2018 entfielen auf 100 Erwerbspersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren 34,8 Personen ab 65 Jahren. In den vergangenen zehn Jahren führte die demografische Alterung trotz der zunehmenden Arbeitsmarktbeteiligung zu einem raschen Anstieg dieses Verhältnisses (+12%). 2008 kamen lediglich 31,1 Personen ab 65 Jahren auf 100 Erwerbspersonen im Alter von 20 bis 64 Jahren. Gegenüber 1991 (28,2) stieg das Verhältnis sogar um 23%.
Wird die Anzahl der Erwerbspersonen von 20 bis 64 Jahren in Vollzeitäquivalenten* umgewandelt, lag das Verhältnis im Jahr 2018 bei 40,3.
Die Alterung der Bevölkerung und die Veränderung in der Altersstruktur gewinnen in den nächsten Jahrzehnten an Bedeutung. Die demografische Entwicklung wird durch drei Faktoren geprägt: tiefe Fruchtbarkeit, steigende Lebenserwartung und Immigration von jungen Personen. Link zum Indikator der Bevölkerungsalterung
Die Indikatoren zur Altersvorsorge geben einen Überblick über die Situation der älteren Bevölkerung in der Schweiz. Neben der Gestaltung des Übergangs in die Pensionierung und der finanziellen Situation von Rentnerinnen und Rentnern, werden auch Aspekte zu Wohnformen, Gesundheit, Einkommen und sozialer Integration dieser Bevölkerungsgruppe erfasst. Link zum Indikatorensystem der Altersvorsorge
Die Neurentenstatistik (NRS) ist eine Vollerhebung, die beschreibt, wie viele Personen aus dem Schweizer Vorsorgesystem neu eine Altersrente erhalten oder einen Kapitalbezug tätigen. Die Daten liegen zu allen drei Säulen vor. Die Statistik erfasst neben der Anzahl der neuen Bezügerinnen und Bezüger auch die Höhe der betreffenden Auszahlungen. Link zur Neurentenstatistik
Entwicklung, Vollzeit und Teilzeit, Beruf, Arbeitsbedingungen, Berufliche Mobilität, Schweizer/innen und Ausländer/innen, Grenzgänger/innen, Erwerbstätigkeit und Ruhestand, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Gesundheit und Arbeit