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Der Kompass narrte den Piloten
Der Pilot verlor auf einem Überführungsflug die Orientierung und landete in Emmen.
Am 21. September 1942 landete kurz vor Mittag in Emmen ein italienischer Jäger des Typs Fiat G.50bis A.S. mit der Kennummer MM 6158. Der Pilot, der 42jährige Maresciallo (Feldweibel) Alfredo Porta war auf einem Überführungsflug von Turin nach Ghedi. Über den Wolken hätte er wegen einer Kompassfehlanzeige die Orientierung verloren. Nach einem längeren Irrflug erhielt er über Luzern wieder Bodensicht, worauf er sich wegen Benzinmangel für eine Landung entschloss.Im Frühherbst 1942 war die Schweiz vollständig von den Achsenmächten umgeben. Die Luftraumverletzungen hielten sich jedoch in Grenzen, so registrierte der Meldedienst lediglich 34 Überflüge. Kurz vor Mittag wurde das Bodenpersonal von Emmen durch Motorengeräusche in Aufregung versetzt. Wenig später setzte ein dunkelgrün und braun gefleckter Jäger zur Landung an, dessen Kennzeichen schon von weitem verrieten, dass es sich kaum um ein Flugzeug der Fliegertruppe handeln konnte.
Der Pilot, Maresciallo 1. Klasse Alfredo Porta, war um 10.45 Uhr zusammen mit weiteren Piloten in Turin gestartet, um auf einem 200 km langen Flug fünf fabrikneue Fiat G.50bis vom Herstellerwerk nach Ghedi, einem Flugplatz südöstlich von Brescia zu überführen. Die ihm anvertraute Fiat G.50bis A.S. mit der Nummer MM 6158 wurde am 17. Dezember 1941 von der italienischen Luftwaffe abgenommen und hatte seither erst vier Kontrollflüge absolviert. In Ghedi wären die Flugzeuge einer Schuleinheit zugewiesen worden.Schon kurz nach dem Start verlor Maresciallo Alfredo Porta den Kontakt mit seinen Kameraden. Eine geschlossene Wolkendecke hielt sich hartnäckig über Norditalien und dem Tessin. Porta war also auf die Instrumente angewiesen, und glaubte ihnen vertrauen zu können. Bereits nach etwa 70 Minuten stand die Benzinuhr auf Null. Nun wurde es ernst und Porta musste eine Landemöglichkeit suchen. Qualvolle Minuten später entdeckte er zwischen den Wolkenfetzen eine Stadt am See und unweit davon ein Flugfeld. Der erfahrene Pilot entdeckte bereits vor der Landung, dass es sich um einen Schweizer Flugplatz handeln musste, denn die Kennzeichen der parkierten Flugzeuge wiesen darauf hin. Er tippte auf Lugano, denn er konnte ja nicht wissen, dass sein Kompass falsch anzeigte. Um 11.55 Uhr setzte Alfredo Porta auf der regennassen Landebahn von Emmen auf.
Wie die Techniker des F+W Emmen feststellten zeigte der Kompass je nach Fluglage eine Abweichung von bis zu 75 Grad des tatsächlichen Kurses an. Dazu gaukelte die Televel-Benzinuhr markant weniger Treibstoff vor, als in Wirklichkeit noch in den Tanks vorhanden war. Die Tanks enthielten nach der Landung immer noch 156 Liter Treibstoff. Die in Emmen internierte Fiat G.50bis A. S. war das erste während des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz gelandete italienische Flugzeug. Der Jäger verblieb nach eingehenden Untersuchungen bis zum Kriegsende in Halle II des Flugplatzes Emmen. Der vor seiner Internierung in Brescia wohnhafte Alfredo Porta wurde nach der Befragung durch den Nachrichtendienst zusammen mit den beiden deutschen Fliegern Heinrich Jakob Scharf und Martin Villing in Neuchatel einquartiert. Villing und Scharf mussten ihre Messerschmitt Bf 109 am 25. Juli 1942 in Bern-Belp notlanden, nachdem ihnen der Treibstoff ausgegangen war. Die drei internierten wurden gegen die ebenfalls in Bern notgelandete Besatzung einer britischen Mosquito ausgetauscht und konnten die Schweiz am 21. Dezember 1942 verlassen, nachdem feststand, dass die Briten über Frankreich und Spanien England wohlbehalten erreicht hatten.
|Ereignissdatum||21.9.1942|
|Ereignisszeit||11.55|
|Ort||Emmen|
|Kanton||LU|
|Ereignis||Landung|
|Nation||Italien|
|Flugzeugart||Jäger|
|Flugzeugtyp||Fiat G.50|
|Flugzeugbezeichnung||Fiat G.50 bis A.S.|
|Einteilung||59 Gruppo Intercettori|
|Basis||Turin (I)|
|Auftrag||Überführungsflug|
|Einsatzziel||Brescia (I)|
|Rückkehr||Verbleib in der Schweiz|
|Werknummer||MM 6158|
|CH Archiv Nr.||I001|
|Besatzung||Pilot: Alfredo Porta, Maresciallo, konnte die Schweiz wieder verlassen|
|Quelle||Fremde Flugzeuge in der Schweiz|
|Autor||Theo Wilhelm|