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Mit der Metro fahre ich zur Station Circo Massimo. Dieser wird jetzt vom Morgenlicht beleuchtet, weshalb ich ein gutes Foto machen kann. Ich überquere den Circo Massimo und laufe zur Kirche S. Maria in Cosmedin, welche aber noch geschlossen ist. Auf der Piazza della Bocca della Verita stehen zwei kleine, gut erhaltene Tempelchen, welche aber nicht betreten werden können. Mein nächster Besuch gilt der Isola Tiberina und dem Ponte Fabricio. Ich überquere den Tiber und laufe über den Ponto Palatino zurück zur Chiesa S. Maria in Cosmedin, welche jetzt geöffnet ist. Die Kirche wurde in ein römisches Gebäude eingebaut und viele Teile stammen davon. Im Eingang der Kirche befindet sich der „Bocca della Verita“, eine runde Steinplatte in Form eines Gesichts mit einer Mundöffnung, in die man der Legende nach seine Hand hielt, um die Wahrheit zu sagen, ansonsten die Hand abgebissen wurde. Wahrscheinlich war es aber ein Gullideckel. Ich gelange nun zur Area Sacra di S. Omobono, von der nicht mehr viel zu erkennen ist. Nur noch ein Trümmerfeld. Sehr gut erhalten, weil seit eh und je genutzt, ist das Teatro di Marcello. Oberhalb der Ränge des römischen Theaters sieht man die Fensterscheiben von Wohnungen. Daneben steht der Portico di Ottavia. Nun gelange ich zur grossen Synagoge. Blöd, dass ich so lange beim Teatro Marcello verweilt habe, denn die 10-Uhr-Tour habe ich soeben verpasst und für die spätere reicht mir die Zeit nicht mehr. So laufe ich über die Ponte Garibaldi nach Trastevere, wo ich erst die Basilica di San Crisogono besuche. Die Decke ist sehr prunkvoll, der Rest eher beschieden. Eine halblebensgrosse, naive Statue von San Crisogono steht neben dem Altar. Eine Seitenkapelle ist der Beata Anna Maria Taigi gewidmet. Unklar ist, ob es deren Mumie oder nur eine Wachsfigur ist, die in dem Glassarg liegt. Nun besuche ich die Basilica di Santa Maria in Trastevere. Auch hier gibt es eine prunkvolle Kassettendecke. Beim Weiterlaufen fallen mir zwei schöne Fiat-Oldtimer, die zu einem Restaurant gehören, auf. Nun sollte ich dringend zu den nicht allzu nahen Musei Vaticani gelangen. Und heute bin ich nicht gut zu Fuss. Ich entscheide mich für Tram und Bahn. Kein guter Entscheid, das Tram schafft nicht einmal Schrittgeschwindigkeit. Endlich kommt es am Bahnhof Trastevere an, immerhin finde ich sofort einen Zug nach Porta Pietro, und der Zug ist schnell. Von dort muss ich dann allerdings doch noch sehr weit laufen, bis ich am Eingang der Museen auf der anderen Seite des Vatikans bin. Es wäre doch effizienter gewesen, den riesigen Umweg über Termini zu machen. In der Schlange für den Billettumtausch muss ich ewig warten, weil eine Reiseführerin ein kompliziertes Geschäft erledigt. Endlich kann ich rein. Alles ist neu, nichts ist so wie beim Letztenmal. Mit einer Rolltreppe (ich nehme den Fussaufstieg mit einer Ausstellung von historischen Schiffen) gelangt man von der Biglietteria zum Eingang der Ausstellungen. Ich schnappe mir einen Plan, doch der hilft nicht weiter, so lasse ich mich vom ungeheuren Strom der Besucher treiben. So gelange ich zum Museo Gregoriano Egizio, welches erstklassige Exponate ägyptischer Kunst hat. Sogar eine Mumie wird gezeigt. Es gibt die Rekonstruktion des Serapeums der Villa Hadrians in Tivoli, denn die ägyptischen Gottheiten schafften es auch bis nach Rom. Auffallend ist die Statue von Osiris-Antinous, welche römische und nicht ägyptische Gesichtszüge hat. Die Statue des Nils (nicht Nils Holgersson, sondern der Fluss) ist dann klar römische und nicht mehr ägyptische Kunst. Es gibt verwitterte und gut erhaltene Statuten der löwengesichtigen Göttin Sekhmet, und dann geht es immer mehr in die griechisch-römische Kunst hinein: Statue des Apoxyomenos, römische Sarkophage im perfekten Erhaltungszustand. Im Cortile Ottagono sind rundum Meisterstücke römischer Kunst ausgestellt, insbesondere auch die berühmteste Statue des Vatikans, diejenige des Lakoons, wie er und seine Söhne von der Seeschlange erwürgt werden. La Sala delle Muse fällt vor Allem durch ihre Deckenmalereien auf. Die Kuppel der Sala Rotonda ist derjenigen des Pantheons nachempfunden. Eindrücklich ist die Sala a Croce Greca, wo links und rechts zwei riesige Sarkophage aus perfekt bearbeitetem rotem Porphyr stehen. Der linke soll derjenige der Sankt Helena sein. Die Galleria dei Candelabri hat Deckengemälde vom Feinsten und ist mit Marmorstatuen regelrecht vollgestopft, unter Anderem auch mit derjenigen der vielbrüstigen Venus von Ephesos. Die Galleria degli Arazzi hat weniger farbige Deckengemälde, dafür sind links und rechts unbezahlbare Gobelins aufgehängt, die man mangels Zeit und aufgrund des Drucks der Besucher von hinten gar nicht richtig studieren kann. Die Galleria delle Carte Geografiche ist mit Landkarten bemalt, vornehmlich von Italien. Heutigen Standards würden sie nicht mehr standhalten. Aber damals waren sie wohl erstklassig. Die farbenfrohen, golddominierten Deckengemälde gehen fast ein wenig unter. In der Sala Sobieski, dem polnischen König Jan III Sobieski gewidmet, gibt es eine riesige Wandmalerei von ihm auf dem Schlachtfelde. Die Sala dell’Immacolata ist relativ neu, es gibt einen eigenartigen Kasten in der Mitte des Saales und Wandmalereien zu Ehren der unbefleckten Empfängnis. Nun gelange ich zu den berühmten Stanze di Raffello. Leider kann man den hervorragenden Wand- und Deckenmalereien gar nicht Genüge tun, denn es ist hier ein Gedränge und man wird einfach durchgeschoben. Ich beginne mit der Sala di Costantino, dann die Stanza di Eliodoro, die Stanza della Segnatura, die Stanza dell’Incendio di Borgo. Dazwischen kommt die Cappella di Urbano VIII, dann die Appartamento Borgia. Hier beginnt die Ausstellung moderner (sakraler) Kunst. Natürlich ist alles, was Rang und Namen hat, vertreten: Henri Matisse, Ernst Barlach, James Ensor, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Otto Dix, Max Ernst, Paul Klee, Lyonel Feininger, Emil Nolde, Marc Chagall, Giorgio Morandi, Giorgio de Chirico, Pablo Picasso, Diego Rivera, Fernando Botero, Max Weber. Von letzterem ein Bild dreier Juden beim Beten, und das im Vatikan! In der Sixtinischen Kapelle herrscht das übliche Gedränge und die Wärter rufen ständige „Silenzio!“, „No photos please“, (keine Fotos bitte). Ich mache keine Fotos, es gibt bereits genug davon auf dem Internet. Weiter geht es zur Sala degli Indirizzi, und zur Sala delle Nozze Aldobrandine, in der römische Wandmalereien ausgestellt sind, und das grösste davon heisst eben „die Hochzeit von Aldobrandine“. Es ist erstaunlich, wie gut diese Bilder die 2000 Jahre überstanden haben. Das Museo Cristiano wird auch vom Vatikan selbst als „Kuriositätenkabinett“ bezeichnet, es birgt christliche Gegenstände aus 2000 Jahren. Für mich kommt jetzt der interessanteste Teil, nämlich „Il Padiglione delle Carrozze“. Es werden die Staatskutschen des Papstes gezeigt, alles Berlinas und Landauer, ein Modell der ersten Lokomotive, die in den Vatikan gekommen ist, sowie der Automobil-Fuhrpark der Päpste. So gibt es einen Citroen Lictoria C6 (1930) mit Vergoldungen statt Chrom, einen etwas schlichteren Graham Paige 837 (1929), einen Mercedes-Benz 300 SEL (1966), einen Mercedes Benz 460 Nürnberg (1930), einen weissen Fiat 1107 Nuova Campagnola (1980), einen sonderangefertigten Lancia Thesis 841 Jubilee (1999), einen Mercedes-Benz 600, das Papamobil Mercedes-Benz 230 GE (1990) und dessen Vorgänger Landrover Santana 109 III Series (1983), sowie einen VW Käfer, der dem Papst 2003 von Volkswagen Mexico geschenkt wurde. Ich esse in der einzigen offenen Cafeteria (die anderen sind wegen Corona geschlossen) eine erstaunlich preiswerte Pizza, dann laufe ich durch den für uns Besucher zugänglichen Teil des Vatikanischen Gartens und besuche das Ethnologische Museum, das Stammeskunst aus Afrika, Asien und Australien zeigt. Ich gehe davon aus, dass die Vatikanischen Museen wie alle anderen ethnologischen Museen Angst haben müssen, dass die entsprechenden Exponate zurückverlangt werden. Wohl wurde alles dem Papst geschenkt. Jetzt besuche ich die Pinakothek. Sie ist ausschliesslich mit sehr guten Werken ausgestattet, so z.B. Giotto die Bondone, Stefaneschi Tryptichon (14. Jhdt), Melozzo degli Ambrosi, musizierende Engel (15. Jhdt), oder Carlo Crivelli, Pieta (1488-89). In einem dunklen Saal sind Gobelins sowie Werke von Raffael, z.B. Krönung der Jungfrau (1504) oder Transfiguration (1518-20) ausgestellt, dezent beleuchtet. Besser geht es nicht. Ein fast nur einfarbiges Gemälde von Leonardo da Vinci zeigt San Gerolamo (1482). Ein Gemälde von Raffaello Sanzio, Giulio Romano und Il Fattore zeigt die Krönung der Jungfrau (1505-1525). Von Giovan Lorenzo Bernini gibt es ein Modell aus Stroh und Lehm für Engel (1673-74), die nachher in Bronze gegossen wurden; von Caravaggio Jesu Grablegung (1600-1604), von Guido Reni, die Kreuzigung von St. Peter. Das letzte Museum, das Museo Gregoriano Profano, ist leider bereits am Schliessen. Ich kann noch ein paar Seitenwände von frühchristlichen Sarkophagen bewundern, dann werden die Gänge abgeschlossen und ich nehme das als Zeichen, dass ich gehen sollte. Mit der U-Bahn fahre ich nach Termini. Dort esse ich nochmals beim KFC (Risikominimierung) und laufe dann zu meiner Unterkunft. Gewaltig böse werde ich, als ich merke, dass mein Töffli von seinem Parkplatz weggezerrt und aufs Trottoir geschleift wurde, um Platz für ein anderes Töffli zu machen. Dabei wurde mein Kettenschloss stark beschädigt und ob die Gabel noch intakt ist, nachdem das Scheibenbremsschloss drangeknallt ist, mag ich bezweifeln. Leider bin ich nicht versichert, weshalb es keinen Sinn macht, das der Polizei zu melden.