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copyright image: Presidency of the Republic of Madagascar
Madagaskar ist mitten in der zweiten Covid-Welle
Seit Anfang März 2021 steigt in Madagaskar die Zahl der neuen Covid-Fälle täglich an. Die Südafrikanischen Mutation 501.V2 und B.1.351b, welche ansteckender und virulenter sind, sind wohl dafür verantwortlich. Laut den Angaben vom Gesundheitsministerium in Madagaskar gab es zwischen dem 1. April und 20. April 2021 täglich mehr als 300 neue Fälle. In diesen drei Wochen wurden 27’050 Tests in ganz Madagaskar durchgeführt. Dies entspricht weniger als 2’000 Test pro Tag, bei über 25 Millionen Einwohner. Davon waren 8’896 positiv, was einer Positivitätsrate von 32,89% entspricht. Über 70% dieser positiven Fälle wurden in der Region Analamanga (nahe der Hauptstadt) registriert.
Das sind die offiziellen Zahlen. Es ist uns jedoch bewusst, dass es viel mehr erkrankte Personen gibt. Denn Patienten, welche die privaten Gesundheitszentren aufsuchten, wurden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Für viele Menschen ist der Zugang zu einem Covid-Test bereits eine Herausforderung. Präventionsmassnahmen und das Behandlungsprotokoll des Gesundheitsministeriums müssen in ganz Madagaskar befolgt werden. Jede Person, die den Verdacht auf das Coronavirus hat und / oder eines der Symptome des Coronavirus zeigt und / oder sich nicht wohl fühlt, muss nach diesem Protokoll behandelt werden.
Trotz dieser aktuell sehr bedrohlichen Situation nehmen viele Madagassen diese Pandemie nicht ernst. Viele denken, dass die Pandemie bereits seit dem Jahr 2020 vorbei ist. Einige glauben, dass das Coronavirus nur reiche Menschen infiziert und die Armen nicht betreffe. Zusätzlich gibt es Menschen, welche davon überzeugt sind, dass das Coronavirus nur von der Regierung erfunden wurde, mit dem Ziel Hilfe aus dem Ausland zu bekommen. Viele Menschen interessiert die Thematik nicht mehr, wodurch sie auch die Abstandsregeln nicht mehr respektieren.
Die Region Analamanga – ein Sonderfall
Für die Region Analamanga, in der die Positivitätsrate sehr hoch ist, wurde ein neues Zentrum zur Behandlung von Covid-19 (CTC-19) eingerichtet. Die Kapazität der öffentlichen Krankenhäuser und Privatkliniken reicht nicht mehr aus, um alle Coronavirus-Patienten zu behandeln. Kliniken können nur noch die Menschen mit besonders schweren Verläufen aufnehmen. Zwischenzeitlich wurden Gymnasien und öffentliche Schulen in Krankenstationen umgewandelt, um die moderaten Formen von Covid-19 zu behandeln. Es gab auch Hotels, die in Krankenhäuser umgewandelt wurden und für diejenigen bestimmt waren, welche etwa 25 CHF pro Tag zahlen konnten. Medikamente, welche im Behandlungsprotokoll des Gesundheitsministeriums enthalten sind, sind für die Patienten in solchen Behandlungszentren kostenlos.
Eine der grössten Herausforderung – im Kampf gegen Covid-19 in Madagaskar – ist der Mangel an medizinischem und paramedizinischem Personal. Denn die Ärzteschaft und das Pflegepersonal, welches normalerweise in den Spitälern arbeitet wurde auf die verschiedenen Behandlungszentren und Hotels aufgeteilt. Zusätzlich haben sich bereits viele Personen aus dem medizinischen Bereich angesteckt und leiden selbst unter Covid-19.
Auswirkungen des Coronavirus auf unsere Arbeit
Das Coronavirus hat einen grossen Einfluss auf unsere Arbeit hier bei AiNA soa. Alle Einsätze in der Region und Erste-Hilfe-Schulungen, die wir im April durchführen wollten, mussten wir absagen. Die Grenze zu der Region Analamanga ist geschlossen und alle Reisen ausserhalb von Antananarivo sind verboten. Auch die Einreise nach Antananarivo von Menschen welche an der Küste leben ist verboten. Trotz allem geht das Leben innerhalb von Antananarivo weiter. Wir arbeiten weiter, lassen jedoch noch mehr Vorsicht walten als bisher.
Aktuell sind unsere Hauptaktivitäten, welche mit dem Gesundheitsministerium verknüpft sind, pausiert. Dies wird wohl so lange andauern, bis sich die Coronavirus-Situation in Madagaskar verbessert hat. Denn alle Aktivitäten, welche nicht mit dem Coronavirus zusammenhängen, haben für die Regierung keine Priorität. Deshalb konzentrieren wir uns nun mehr auf die Entwicklung verschiedener Lehrmittel. Zusätzlich wirft die aktuelle Situation jedoch auch Fragen auf: Wie geht es in unserem Arbeitsalltag weiter? Sollten wir Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Erwägung ziehen?
Fazit
Der Kampf gegen die zweite Welle des Coronavirus hat für Madagaskar gerade erst begonnen. Es wurden bereits Anstrengungen von der Regierung unternommen, die aber noch nicht ausreichend sind. Jede Art von Hilfe ist für Madagaskar willkommen, um diese Pandemie besser bewältigen zu können.
Im Vergleich zu dem, was letztes Jahr um diese Zeit passiert ist, wäre es vielleicht besser, wieder einen Lockdown anzuordnen, Insbesondere für die Region Analamanga. Die Krise, welche daraus resultieren würde, ist jedoch sehr beängstigend. Viele Menschen oder Unternehmen konnten sich bisher noch nicht vom letztjährigen Lockdown erholen. Die meisten Menschen in Madagaskar sind Tag für Tag auf der Suche nach dem, was sie essen können. Dies macht die Entscheidung für einen totale Lockdown sehr schwierig. Die Regierung und die Bevölkerung haben Angst vor einer solchen Entscheidung. Es ist wichtig, dass alle ihre Verantwortung übernehmen, sonst bleiben wir in einem endlosen Teufelskreis gefangen.
Wie alle Menschen rund um den Globus hoffen auch wir, dass die Pandemie abflachen darf und wir bald wieder ein Licht am Ende des Horizonts sehen können. Herzlichen Dank, dass Sie uns unterstützen und unsere Arbeit weiter mittragen.