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Fortifikation Hauenstein
1914 -1918
Die Fortifikation Hauenstein war wichtige Verteidigungslinie während des Ersten Weltkriegs. Die heute noch sichtbaren Spuren und Relikte der Verteidigungsanlagen sollen als Mahnmal bewahrt werden.
Die Fortifikation Hauenstein war eine 48 Kilometer lange Kette von Verteidigungsanlagen in der Nordwestschweiz während des Ersten Weltkriegs. Sie befand sich auf den Jurahöhen des Hauensteins, wo die Kantone Basel-Landschaft und Solothurn aufeinandertreffen. Die Fortifikation Hauenstein war neben der Fortifikation Murten und der Fortifikation Bellinzona die wichtigste Verteidigungslinie der Schweizer Armee. Sie bildete einen halbkreisförmigen Brückenkopf nördlich von Olten und sollte unter anderem so das schweizerische Mittelland gegen einen Angriff aus Nordwesten sichern.
Zu Kampfhandlungen kam es bei der Fortifikation Hauenstein allerdings nie – ganz im Gegensatz zur in Sichtweite liegenden Frontlinie auf dem Vogesenkamm, wo in den blutigen und verlustreichen Kämpfen schliesslich alleine am Lingekopf und am Hartmannswillerkopf 47’000 französische und deutsche Soldaten den Tod fanden. Die ersten Kämpfe im Elsass waren auch der Auslöser, weshalb General Ulrich Wille bereits am 11. August 1914 eine Konzentration der Schweizer Truppen im Jura anordnete. Die französische Armee hatte seit 4. August 1914 den Befehl, ins Elsass, das seit der Annexion von 1871 zum Deutschen Kaiserreich gehörte, vorzustossen und die Täler und wichtigsten Städte zu erobern.
Die Fortifikation Hauenstein hinterlässt bis heute noch sichtbare Spuren und Relikte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Sie sollen eine anschauliche Auseinandersetzung mit der Geschichte ermöglichen, sie sollen das historische Bewusstsein schärfen und uns vor Augen führen, dass Sicherheit und Selbstbestimmung nichts Selbstverständliches sind.
Fortifikationen sind militärische Befestigungsanlagen. Diese sollen die Verteidigung erleichtern und das Vordringen eines Gegners bremsen. Sie ist an einen Ort gebunden, sie unterstützt somit die Abwehr eines feindlichen Angriffs.
Die Fortifikation Hauenstein oder der «Brückenkopf Olten», wie die Fortifikation auch genannt wird, hatte zwei Aufgaben zu erfüllen: Sie musste verhindern, dass eine feindliche Armee ins Mittelland vordringen konnte und sie schützte den Eisenbahnknotenpunkt Olten und alle Brücken bis und mit Aarburg.
Sie schuf auch die Voraussetzung für einen offensiven Stoss der Schweizer Armee, oder ihrer Verbündeten, in den Jura oder ins Mittelland gegen einen Angreifer.
Nach der Wahl zum Generalstabschef der Schweizer Armee nahm Theophil Sprecher von Bernegg 1906 aufgrund zunehmender Spannungen in Europa eine Beurteilung der Bedrohungslage für die Schweiz vor. Sprecher vermutete, Deutschland würde von sich aus verzichten, schweizerisches Gebiet zu verletzen, während Frankreich im Kriegsfall mit Deutschland die Schweiz durchqueren könnte, um die unbefestigte deutsche Südfront anzugreifen.
Aufgrund dieser Analyse erarbeiteten Ingenieuroffiziere detaillierte Pläne für die Schlüsselräume West (Sperrstellung Fortifikation Murten) und Nord (Brückenkopf Olten mit der Fortifikation Hauenstein). Diese Pläne waren bis zum Kriegsbeginn im August 1914 bereit.
Demnach musste die Fortifikation Hauenstein einen Brückenkopf gegen Norden bilden, um die Stadt Olten und die umliegenden Brücken (Nord-Süd-Bedrohung) zu schützen. Zudem diente die Fortifikation als Eckpfeiler Nord der Armeestellung Hauenstein-Napf, quer durch das Mittelland (Ost-West-Bedrohung).
Der Entwurf des Geniechefs der Armee vom August 1914 sah zur nachhaltigen Verteidigung für die Fortifikation Hauenstein 30 Infanterie-Bataillone und 4 bis 5 Fussbatterien, sowie 18 bis 24 Feldbatterien mit total 96 bis 128 Geschützen, vor. Für drei Kilometer Frontlänge war je ein Infanterieregiment vorgesehen. Die gesamte Besatzung sollte 45’000 Mann umfassen.
Im Baselbiet und im Kanton Solothurn. Die 48 Kilometer lange Front lag mehrheitlich auf den Jurahöhen, im Gebiet der beiden Jurapässe Unterer Hauenstein, Oberer Hauenstein und acht weiteren Jura-Übergängen. 66 Schützengräben bildeten – von der Aare bei Obergösgen ausgehend – eine halbkreisförmige Linie um den Eisenbahnknotenpunkt Olten bis an die Aare bei Boningen.
Im Schutze der Fortifikation lagen somit auch die wichtigen Eisenbahnlinien und Strassen Basel-Luzern, Zürich-Bern-Genf und Neuenburg-Lausanne.
Der 48 Kilometer lange Frontverlauf der Fortifikation Hauenstein:
Boningen – Kappel – Hägendorf – Allerheiligenberg – Gwidemfluh – Düreggsattel – Chilchzimmersattel – Schattenberg – Spitzenflüeli – Schellenberg – Lauchfluh – Unter Lind – Wallburgstüel – Wengen – Eptingen – Walten – Läufelfingen – Hupp – Wisenberg – Bad Ramsach – Geisshörnli – Blattenrain – Isenfluh – Burgflue – Dottenberg – Lostorf – Eihübel – Obergösgen
Die Feuerlinie mit Verbindungsgräben war, wie erwähnt, über 28 Kilometer lang.
Nach der allgemeinen Mobilmachung vom 3. August 1914 begannen Tausende Wehrmänner und Zivilangestellte, darunter viele Italiener, auf Basis der vorbereiteten Pläne im 24-Stunden-Betrieb mit dem Bau der Fortifikation. Es wurde rund um die Uhr im Dreischichtenbetrieb gearbeitet, wobei eine Schicht acht Stunden – plus Hin- und Rückweg, meist zu Fuss – dauerte.
26 Kilometer Militärstrassen entstanden. Die wichtigsten dieser Versorgungsstrassen liegen am Wisenberg: Ramsach-Wisenberg, Winznau-Froburg; am Belchen: Nord- und Südstrasse, zudem Wangen-Rumpel, Trimbach-Froburg, Ifenthal-Kallhöhe.
Für alle Bauobjekte leisteten Soldaten und Zivilisten zwei Millionen Arbeitsstunden. Für diese Bauarbeiten standen 14’000 Mann und 1’100 Pferde im Einsatz.
Erstellt wurden bis 1918 ca. fünfhundert Tief- und Hochbauten für Scheinwerferpositionen, Kommandoposten, Telefonleitungen, Munitionslager, Geniedepots, Reservoirs und Wasserleitungen, Unterkünfte sowie Stallungen und Depots für alle notwendigen Güter. Auch die Zerstörung aller Oltner Brücken und der beiden Hauenstein-Eisenbahntunnel war bald vorbereitet.
Den Aussichtspunkt Belchenflue sprengte man in die heutige Form. So wurde aus der schroffen Klippe ein Beobachtungsposten, Tag und Nacht besetzt.
Ab August bis Mitte November 1914 waren die Infanteriewerke, die Fuss- und Feldbatteriestellungen feldmässig ausgebaut, drei Gruppenstützpunkte vollendet und gefechtsbereit. Bis im August 1917 wurden alle wichtigen Arbeiten, inklusive 39 Kasematten (Bunker), abgeschlossen.
Die Feuerlinie mit Verbindungsgräben war mehr als 28 Kilometer lang. Es gab offene und gedeckte Stellungen für 126 Geschütze (1918 erreichte man eine Dichte von 62 Geschützstellungen, Batterien). Acht Telefonzentralen sorgten für die nötige Kommunikation.
Für die 50’000 im Verteidigungsraum wohnenden Zivilpersonen wurden Evakuationspläne erstellt.
Ungefähr zwei Drittel der Armeeangehörigen leisteten zwischen 1914 und 1918 im Hauenstein-Gebiet Dienst. Noch heute zeugen die Kantonswappen entlang der Belchen-Südstrasse davon.
Für den Fall eines Angriffs waren 45’000 Mann Besatzung und 6’500 Pferde vorgesehen.