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Beim«Snow Cruiser» handelte es sich um ein riesiges Schneemobil, das gebaut wurde, um die Antarktis zu erforschen. Der sollte dabei nicht nur als Transportmittel fungieren, sondern als mobile Forschungsstation mit im Fahrzeug selbst befindlichen Wohn- und Arbeitsbereichen für seine Besatzung. Auf dem Dach des «Snow Cruiser» war ein Flugzeug befestigt, das bei Bedarf von dort aus gestartet werden konnte. Das Projekt wurde von Dr. Thomas C. Poulter und Admiral Richard Evelyn Byrd geleitet und scheiterte kläglich. Der «Snow Cruiser» war im praktischen Anwendungsfall nicht in der Lage, selbst kleinste Erhebungen zu überwinden. Man war im Vorfeld schlicht nicht vorbereitet die Witterungsverhältnisse der Antarktis in den USA zu simulieren. Der «Snow Cruiser» wurde letztendlich aufgegeben.
Entstehungsgeschichte
Am 29. April 1939 zeigten Poulter und die «Research Foundation» des Armor Institute of Technology den Beamten in Washington die Pläne. Die «Research Foundation» würde die Kosten finanzieren, den Bau überwachen und das Fahrzeug an den «United States Antarctic Service» verleihen. Die Arbeiten begannen am 8. August 1939 und dauerten 11 Wochen. Am 24. Oktober 1939 wurde das Fahrzeug zum ersten Mal bei der Pullman Company südlich von Chicago gestartet und begann die 1.640 km lange Fahrt zur Boston Army Werft. Während der Fahrt führte ein beschädigtes Lenksystem dazu, dass das Fahrzeug von einer kleinen Brücke auf dem Lincoln Highway in einen Bach fuhr und dort drei Tage festsass. Nachdem es in Boston angekommen war, reiste es am 15. November 1939 mit dem Schiff «North Star» in die Antarktis.
Am 12. Januar 1940 erreichte die «North Star» die amerikanische Forschungsstation «Little America» an der Bay of Whales. Zum Entladen des Fahrzeugs musste eine Rampe aus Holz gebaut werden. Die Besatzung jubelte, als Poulter das Fahrzeug von der Rampe fuhr. Das Gewicht des «Show Cruise» wurde unterschätzt. Die Rampe stand der Last nicht stand, so dass es zum Einbrechen eines der Räder durch die Rampe kam. Der Jubel verstummte, als sich das Fahrzeug nicht durch Schnee und Eis bewegten liess. Die glatten, profillosen Reifen hatten keinen Gripp und drehten durch.
Eine weitere an das Fahrzeug gestellten Anforderung war, dass bis zu fünf Meter breite Gletscherspalten überquert werden sollten. Der «Snow Cruiser» erfüllte jedoch auch diese Anforderungen nicht, sank im Schnee ein und hatte selbst bei kleinsten Steigungen Anfahrtsprobleme. Selbst nach einigen Änderungen am Fahrzeug konnten keine Verbesserungen der Fahrleistungen erzielt werden. Die Besatzung brachte die beiden Reserveräder an den Vorderrädern des Fahrzeugs an und montierte Ketten an den Hinterrädern. Diese Änderung konnte jedoch den Traktionsmangel nicht beheben. Die Besatzung stellte später fest, dass die Reifen beim Rückwärtsfahren mehr Traktion erzeugten. Die längste Fahrt war 148 km lang. Die ganze Distanz wurde rückwärts gefahren.
Am 24. Januar 1940 kehrte Poulter in die USA zurück und überließ F. Alton Wade die Leitung einer Teilbesatzung. Daraufhin wurde der «Snow Cruiser» zur stationären Einrichtung umfunktioniert. Die Wissenschaftler führten seismologische Experimente, Messungen der kosmischen Strahlung und Proben von Eiskernen durch, während sie im schnee- und holzbedeckten Schneekreuzer lebten. Die Finanzierung für das Projekt wurde abgebrochen, da der Schwerpunkt in den Vereinigten Staaten zum Zweiten Weltkrieg wurde. Daraufhin wurde das Projekt aufgegeben und der «Snow Cruiser» kurzerhand in der Antarktis zurückgelassen.
Wiederentdeckung und endgültiges Schicksal
Während der Operation Highjump Ende 1946 fand ein Expeditionsteam das Fahrzeug und stellte fest, dass es nur Luft in den Reifen und etwas Wartung benötigte, um wieder einsatzbereit zu sein. Im Jahr 1958 entdeckte eine internationale Expedition den Schneekreuzer mit einer Planierraupe. Es war von mehreren Metern Schnee bedeckt, aber ein langer Bambusstab markierte seine Position. Sie konnten den «Snow Cruiser» bis zum Boden der Räder ausgraben und die Schneefallmenge seit der Aufgabe genau messen. Im Inneren war das Fahrzeug genauso, wie die Besatzung es verlassen hatte, mit überall verstreuten Papieren, Zeitschriften und Zigaretten.
Spätere Expeditionen meldeten keine Spur des Fahrzeugs. Obwohl es einige unbegründete Spekulationen gab, dass der «Snow Cruiser» während des Kalten Krieges von der Sowjetunion übernommen wurde. Bald 80 Jahre später ist die Welt immer noch unsicher, wo sich der «Snow Cruiser» befindet – er könnte irgendwo unter einer Eisdecke vergraben bleiben oder mit einer Eisscholle abgebrochen sein und schließlich auf den Grund des Ozeans liegen.
Sowjetisches Schleppfahrzeug
Mit der «Charkowtschanka» nutzte die sowjetische Antarktisforschung seit den 1950er Jahren ein dem «Snow Cruiser» insofern ähnliches Fahrzeug, als es sich ebenfalls um ein für Langstreckentransporte in der Antarktis geeignetes Gefährt handelte, bei dem Wohn- und Arbeitsräume in das Fahrzeug integriert waren. Im Unterschied zum «Snow Cruiser» war die «Charkowtschanka» jedoch ein deutlich kleineres Kettenfahrzeug, das auf der Grundlage eines erprobten Serienfahrzeuges entwickelt worden war.
Quelle: www.antarktis.ch