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Wichtiger Impulsgeber
Dieses Buch zeigt den Pianisten Hubert Harry als Lehrer, als Interpreten und Komponisten. Unveröffentlichte Aufnahmen runden das Bild ab.
Hubert Harry (1927–2010) war während vielen Jahrzehnten einer der prägendsten Klavierpädagogen der Schweiz. 1946 aus seiner englischen Heimat nach Luzern gekommen, unterrichtete er bald am dortigen Konservatorium; legendär ist sein Wirken als Lehrer; unzählige Pianisten erhielten von ihm wichtige Impulse. Weniger bekannt ist, dass Hubert Harry, 1950 Preisträger des Conservatoire de Genève, in frühen Jahren als pianistisches Wunderkind galt und der allgemeinen Einschätzung nach am Beginn einer glänzenden internationalen Solistenkarriere stand.
Der vorliegende Band ist gerade deshalb besonders zu begrüssen, weil die Autoren Rudolf Bossard, Roger Taylor und Herausgeberin Heidi Harry solche und andere Hintergründe beleuchten, die einer breiteren Öffentlichkeit bisher nicht oder nur wenig bekannt gewesen sein dürften: die frühen (Studien-)Jahre in Manchester, der Einfluss seiner Lehrerin Hilda Collens und der Klavierschule Tobias Matthays, später auch Clifford Curzons, in der Schweiz dann die Begegnung mit Edwin Fischer, Dinu Lipatti und Paul Baumgartner. Eine kommentierte Chronik der Konzerte, die Hubert Harry bestritt, zeichnet zusammen mit vielen zeitgenössischen Kritiken das Bild eines Interpreten von Weltrang, der trotz seiner intensiven Lehrtätigkeit unverändert höchste Ansprüche ans eigene Konzertieren stellte und vielleicht auch deshalb seine Konzerttätigkeit im Laufe der Zeit stärker zurückstellte. Daneben finden sich auch Beiträge zu Kompositionen Harrys, seinem besonderen Verhältnis zu Steinway-Instrumenten, seinem familiären Umfeld und seiner Diskografie sowie persönliche Erinnerungen.
Eine Vorstellung von Hubert Harrys Unterricht vermitteln die zahlreichen Erinnerungen ehemaliger Studierender, wobei deutlich wird, dass Harry jedem mit grossem Respekt vor der jeweiligen Individualität begegnete und weniger nur die pianistische Konzertreife als Ziel anstrebte, sondern vielmehr die Entfaltung der je eigenen Anlagen.
Die beiliegende Audio-CD enthält grösstenteils unveröffentlichte Aufnahmen, die verschiedene Phasen von Harrys Karriere illustrieren. Besonders eindrücklich sind Ausschnitte eines Rezitals, welches die BBC 1945 mitschnitt. Sie belegen, wie vollendet bereits der Achtzehnjährige zu gestalten wusste (hinreissend virtuos etwa Liszts Mephisto-Walzer).
Besondere Erwähnung verdient schliesslich die aussergewöhnlich sorgfältige und stimmige grafische Gestaltung des Buches (Allan Lawrence Harry), welche die Lektüre umso mehr zu einem Vergnügen macht.
Hubert Harry, Pianist. Fragmente eines Lebens, hg. von Heidi Harry, 248 S., mit zahlr. Abbildungen und Audio-CD, Fr. 79.00, Pro Libro, Luzern 2013, ISBN 978-3-905927-31-3