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Moritz Heidenheim stammte aus einer jüdisch-orthodoxen Familie in Worms und strebte eine Rabbinerkarriere an. Er studierte und promovierte an der Universität Giessen. Kurz danach trat er zum Christentum über. Er verliess Deutschland 1852 und studierte am King's College in London anglikanische Theologie. Nach seiner Ordination wirkte er in einer Kirchgemeinde im Westend. Heidenheims Theologie war geprägt von den Gedanken von Frederik Denison Maurice, dem Begründer des christlichen Sozialismus. Später sah sich Heidenheim als Vermittler zwischen englischer und deutscher Theologie.
Nachdem sich Heidenheim 1862-1864 in Rom dem Handschriftenstudium gewidmet hatte, nahm er die Stelle des anglikanischen Kaplans in Zürich an und wirkte in diesem Amt von 1864 bis 1889. Ebenfalls seit 1864 las Heidenheim als Privatdozent an der Universität Zürich Altes Testament, rabbinische Literatur und semitische Sprachen. Allerdings hatte er kaum Hörer, und die Theologische Fakultät misstraute seiner Wissenschaft und seiner Person. Man argumentierte, er vermische die «eigentümliche rabbinische Methode» mit «moderner Wissenschaft» und habe sein Herkunftsmilieu nicht überwunden.
Heidenheims Leidenschaft galt der Forschung der Samaritaner, einem Volk, das sich in biblischer Zeit vom Volk Israel abgespaltet hatte. Obwohl Heidenheim als erster die Entwicklung der samaritanischen Religion aufgrund ihrer eigenen Schriften darstellte und mit jüdischen, christlichen und islamischen Traditionen verglich, nahmen die Zeitgenossen von seinen Erkenntnissen keine Notiz oder bestritten sie.
Die vorliegende Biographie stellt Heidenheims Lebensfelder in Worms, London und Zürich ausführlich dar. Im Laufe seines Lebens hatte Heidenheim vorwiegend hebräische Bücher und Handschriften gesammelt, die ihm als eigentliche Gelehrtenbibliothek diente. Anhand dieser Bücher, seiner Publikationen und seines privaten Nachlasses wird Moritz Heidenheims Leben erstmals nachgezeichnet. Die vorliegende Darstellung versteht sich als Beitrag zur deutsch-jüdischen Geschichte, zur Theologie- und zur Wissenschaftsgeschichte.