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Über 50 Millionen Blitze entladen sich Jahr für Jahr über dem tropischen Land. Sie fordern durchschnittlich einhundert Todesopfer. Traurige Berühmtheit erlangte ein Ereignis Ende 2014, bei dem vier Badegäste am Strand im Bundesstaat São Paulo vom Blitz getroffen und getötet wurden. Sie hatten vor einem Gewitter Schutz unter einem Sonnenschirm gesucht. Weitere vier wurden verletzt.
Betroffen sind ebenso Rinder, die in Brasilien vorwiegend auf riesigen Weideflächen gehalten werden. Tausende von ihnen sterben jährlich durch die elektrischen Entladungen aus der Atmosphäre. Die durch die Blitze hervorgerufenen wirtschaftlichen Schäden werden mit über einer Milliarde Reais (umgerechnet derzeit etwa 250 Millionen Euro) pro Jahr angegeben.
Seit fünf Jahren hat die Gruppe Elat (Atmosphärische Elektrizität) des brasilianischen Raumforschungsinstitut Inpe die Blitzaktivitäten studiert und auf Basis des meteorologischen Systems “Weather Research and Forecasting – WRF“ ein Modell entwickelt, mit dem die Häufung von möglichen Blitzen in den nächsten 24 Stunden ermittelt werden.
Mit dem Vorhersagesystem sollen künftig Unfälle und Todesfälle reduziert werden. Ähnlich wie die Wetterkarten zeigen sie die Regionen Brasiliens, in denen mit einer gehäuften Entladung von atmosphärischer Elektrizität zu rechnen ist. Das System soll dabei eine Zuverlässigkeit von 85 Prozent erreichen, wie es von der Elat heißt.
Laut Inpe könnten 80 Prozent der Unfälle durch das Wetterphänomen vermieden werden. Notwendig sind dazu neben einem effektiven Vorhersagesystem ebenso Aufklärungsaktionen, um die Bevölkerung über das richtige Verhalten bei Gewittern und Blitzen zu informieren.