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Unter Computerspielsucht versteht man die Abhängigkeit von Computerspielen oder «Games». Seit 2019 wird sie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell als Krankheit aufgeführt.
Warum auch Computerspiele abhängig machen können
Computerspiele lösen im Hirn ähnliche Veränderungen aus wie Drogen oder Alkohol. Durch die Ausschüttung von sogenannten Botenstoffen kommt es zu starken Belohnungs- und Glücksgefühlen. Sie wecken den Drang zur Wiederholung. Es besteht die Gefahr, dass andere Lebensbereiche vernachlässigt werden.
Dies kann auch bei Tätigkeiten wie Kaufen, Sex, Arbeiten, Essen oder Glücksspielen vorkommen. Man spricht daher von «nicht stoffgebundenen Abhängigkeiten» oder «Verhaltenssüchten».
«Mediensucht» ist ein Überbegriff für Abhängigkeiten von elektronischen Geräten und ihren Anwendungen: Youtube, Chat, Social Media, TV, Games. Häufig werden auch Begriffe wie «Internetsucht» oder «Onlinesucht» genannt. Diese umfassen alle Tätigkeiten, die über das Internet zugänglich sind. Zum Beispiel auch Shoppen und Pornovideokonsum.
Daran erkennst du, ob dein Gamen zum Problem werden könnte
- Dein Handeln und Denken ist auf das Gamen fixiert, andere Dinge langweilen dich.
- Du vernachlässigst deine Kontakte ausserhalb des Internets.
- Du verharmlost das Ausmass deines Gamens vor dir und anderen.
- Die Zeit, die du fürs Gamen aufwendest, nimmt immer mehr zu.
- Wenn es dir nicht möglich ist zu spielen, wirst du nervös und aggressiv.
- Du nutzt Computerspiele, um negative Gefühle zu verdrängen oder dich vom Stress abzulenken.
- Du spielst weiter, obwohl du bereits negative Folgen spürst.
- Du schläfst schlecht und wenig, ernährst dich ungesund.
- Deine Leistungen und Motivation in der Schule oder an der Arbeit nehmen ab.
Je mehr von diesen Punkten zutreffen, umso problematischer ist dein Gamen.
Tipps
So kannst du eine Sucht verhindern oder davon wegkommen
- Notiere, wann und was du spielst.
- Lege eine Limite fest, wieviel du pro Tag spielen möchtest. Stelle den Wecker. Belohne dich, wenn du dich daran hältst.
- Lege dein Handy in der gamefreien Zeit weg und lass die elektronischen Geräte ausser Sicht- und Reichweite.
- Mache einen Wochenplan, wann du gamen und wann du andere Dinge machen willst.
- Erledige zuerst die täglichen Verpflichtungen (Hausaufgaben, Haushalt).
- Schaue, dass du genug Zeit zum Schlafen und Essen hast.
- Plane im Voraus, was du machst, wenn du nicht gamest.
- Mache das, was dir früher Freude gemacht hat.
- Überlege dir, was dir im Leben wichtig ist und welche Bedürfnisse zu kurz kommen.
- Mache Sport, bewege dich in der Natur, triff deine Freunde, rede mit den Menschen vor Ort.
- Spiele nur dann, wenn du dich gut fühlst.
- Informiere dein Umfeld, wenn du deinen Game-Konsum einschränken willst.
- Rede mit dir vertrauten Menschen (Eltern, andere Verwandte, Bekannte, ältere Geschwister, Freunde), wenn du nicht alleine zurechtkommst.
- Vor allem am Anfang kann es hilfreich sein, den Zugang zum Gamen einzuschränken, indem du eine Sperre einrichtest, das Internet abschaltest oder das Gerät kurzfristig jemandem abgibst.
- Zögere nicht, Hilfe bei einer Fachperson zu holen.
Empfehlungen für Angehörige
Reden Sie mit der betroffenen Person
Suchen Sie das Gespräch in einem ruhigen Moment. Schildern Sie Ihre Beobachtungen. Machen Sie keine Vorwürfe. Äussern Sie Ihre Bedenken und Sorgen. Bieten Sie Unterstützung an. Geben Sie nicht auf, wenn das Gespräch keine Fortschritte bringt, sondern nehmen Sie das Thema zu einem späteren, günstigen Zeitpunkt wieder auf.
Treffen Sie Abmachungen
Überlegen Sie sich, wo Sie selber vom Game-Verhalten der Person negativ betroffen sind – in Ihrer Rolle als Partner/Partnerin oder als erziehungsberechtigte Person. Treffen Sie verbindliche Abmachungen, wie zum Beispiel gemeinsame Essenszeiten.
Sorgen Sie für sich selbst
Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse. Reden Sie über Ihre Sorgen mit Menschen, denen Sie vertrauen. Vermeiden Sie, die Verantwortung oder die Kontrolle für das Spielverhalten der Person zu übernehmen (Ausnahme: bei Kindern).
Wenden Sie sich an eine Beratungsstelle
Nehmen Sie selber mit einer Beratungsstelle Kontakt auf. Machen Sie der betroffenen Person das Angebot, mitzukommen.
Empfehlungen für Eltern
Ein vollständiges Verbot ist weder realistisch noch sinnvoll. Vielmehr ist es wichtig, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, die nötige Medienkompetenz zu erwerben.
Zeigen Sie Interesse
Fragen Sie Ihr Kind regelmässig, welche Spiele es spielt. Zeigen sie Interesse, was es sonst noch im Internet macht und was die Faszination daran ist. Lassen Sie sich das Spiel erklären. Spielen Sie auch mal mit. Zeigen Sie Verständnis für seine Vorlieben.
Handeln Sie Regeln aus
Erstellen Sie mit Ihrem Kind einen verbindlichen Zeitplan, wann es spielen kann. Fixieren Sie auch die Zeiten für andere Aktivitäten wie schulische oder familiäre Pflichten, Treffen mit Freunden, Sport und Hobbys.
Experten (www.jugendundmedien.ch) empfehlen folgende Richtzeiten pro Tag für die gesamte Mediennutzung (inkl. Fernsehen):
• 3 bis 7 Jahre: 30 Minuten
• 8 bis 9 Jahre: 45 Minuten
• 10 bis 11 Jahre: 60 Minuten
• 12 bis 13 Jahre: 75 Minuten
Die «3–6–9–12 Faustregel» von Prof. Serge Tisseron besagt: kein Fernsehen vor 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6 Jahren, Internet nach 9 Jahren und Soziale Netzwerke nach 12 Jahren.
Seien Sie Vorbild
Das Vorbild der Eltern hat einen grossen Einfluss auf die Medienkompetenz der Kinder. Ihre Forderung nach Begrenzung des Gameverhaltens wirkt nur glaubwürdig, wenn Sie auch selber nicht dauernd aufs Handy starren. Und warum sollte sich Ihr Kind mit Freunden treffen oder sich an der frischen Luft bewegen, wenn Sie das auch nicht tun?
Werden Sie Experte
Informieren Sie sich über die Spiele, Ihre Altersbegrenzungen sowie die technischen Möglichkeiten von Kindersicherungen, Sperren oder Begrenzung der Bildschirmzeit.