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Der menschliche Fuss wird im Laufe des Lebens breiter. Die Mittelfussknochen spreizen sich auseinander, die Bänder zwischen den Mittelfussknochen lockern aus, das Quergewölbe des Fusses senkt sich ab. Sehr häufig weicht als Folge dieser Veränderungen der erste Mittelfussknochen nach innen ab. Die langen Strecker- und Beugesehnen der Grosszehe üben nun einen seitlichen Zug auf die Grosszehe aus, welche sukzessive nach aussen abzuweichen beginnt. Ein Hallux valgus ist die Folge. Das Köpfchen des ersten Mittelfussknochens steht nach innen hervor und drückt in geschlossenen Schuhen. Haut und Schleimbeutel über dem Hallux valgus verdicken und entzünden sich. An der Fusshohle ziehen die kurze Beuge- und die Adduktorensehne der Grosszehe die Sesambeinchen nach aussen. Diese liegen nun nicht mehr zentriert mittig unter dem Grosszehengrundgelenk.
Abbildung: Hallux valgus (Ansicht von oben)
Durch eine Aufspreizung zwischen den Mittelfussknochen der Grosszehe und der zweiten Zehe verlagert sich der Sehnenzug auf die Grosszehe und die typische Hallux valgus Fehlstellung entsteht. Das Mittelfussköpfchen der Grosszehengrundgelenkes steht innenseitig über. Geschlossene Schuhe beginnen zu drücken und zu schmerzen. Die Haut über dem Knochenhöcker rötet sich und es kann sich eine Schleim-beutelentzündung ausbilden.
Versuche, den Hallux valgus durch reine Weichteiloperationen an Gelenkkapsel und Sehnen zu korrigierten, versagen langfristig. Die Kräfte bei Laufen und Gehen, welche auf die Weichteile einwirken, sind viel zu gross, so dass die Weichteile mit der Zeit nach der Operation wieder auslockern. Durchgesetzt haben sich daher Operationen, welche den Hallux valgus über den Knochen korrigieren. Ziel dieser Operationen ist es, die Mitte des knöchernen Grosszehengrundgelenkes wieder korrekt gegenüber den Zugkräften der Sehnen zu re-zentrieren.
Hierfür stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung. Die beiden häufigsten werden in den Abbildungen unten dargestellt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl der individuell richtigen Operationstechnik ist unter anderem die Ausprägung des Abspreizwinkels (sogenannter Intermetatarsale-Winkel) zwischen dem ersten und zweiten Mittelfussknochen.
Milder und mittelschwerer Hallux valgus
Ist der Intermetatarsale-Winkel klein oder moderat, genügt eine Verschiebung des Mittelfussköpfchens der Grosszehe nach lateral zurück in die korrekte Position. Hierbei wird ein L-förmiger Säge-schnitt (sogenannte Chevron-Osteotomie) durchgeführt und das Mittelfussköpfchen wird zusammen mit der Grosszehe nach aussen (lateral) zwischen die Sehnen verschoben. Innenseitig überstehender Knochen nach Verschiebung des Mittelfussköpfchens wird abgetragen, damit dieser nicht übersteht und unter der Haut stört. Die Stabilisierung der Osteotomie erfolgt mit Schrauben. Häufig verwenden wir hierbei sich selbstauflösende Magnesiumschrauben.
Abbildung: Operation bei mildem und mittelschwerem
Hallux valgus (Ansicht von oben)
Über einen seitlichen Hautschnitt wird das Grosszehengrundgelenk eröffnet und das Mittelfussköpfchen der Grosszehe wird über einen speziellen Sägeschnitt (siehe seitliche Abbildung) nach aussen (lateral) verschoben, damit die Sehnen der Grosszehe wieder zentriert über das Gelenk verlaufen und sich die Hebelkräfte, welche auf die Grosszehe einwirken, neutralisieren. Hierdurch stellt sich die Grosszehe wieder gerade in ihrem Grundgelenk ein. Nach der Verschiebung innenseitig noch überstehende Knochenreste werden entfernt..
Abbildung: Operation bei mildem und mittelschwerem Hallux valgus (seitliche Ansicht)
Zur Verbesserung der Stabilität wird ein L-förmiger Sägeschnitt durchgeführt (Chevron-Osteotomie). Die Fixation der Knochenoperation erfolgt mit ein bis zwei Schrauben. Die Verwendung von bioresorbierbaren Magnesiumschrauben ist möglich..
Schwerer Hallux valgus
Ist der Intermetatarsale-Winkel gross, erfolgt die Korrektur nahe der Fusswurzel, indem der gesamte erste Mittelfussknochen in die korrekte Ausrichtung zurückgeschwenkt wird (Lapidus Operation). Da bei der abgebildeten Technik das erste Mittelfussgelenk knöchern stabilisiert werden muss, resultiert eine etwas längere Teilbelastungsperiode postoperativ, um Hebelkräfte auf die Arthrodese so lange zu reduzieren, bis das stabilisierte Fusswurzelgelenk verheilt ist. Um das ehemalige Gelenk zu stabilisieren werden bei uns standardmässig zwei gekreuzte Schrauben verwendet, gelegentlich zusätzlich eine Metallklammer oder eine Platte mit Schrauben. Alternative Operationstechniken, welche das Mittelfussgelenk des Grosszehenstrahls nicht fixieren, sind möglich und werden bei uns ebenfalls durchgeführt. Die Stabilisierung ist gerade bei schweren Hallux valgus Formen vorteilhaft und gleichzeitig bestehende Drehfehler können korrigiert werden.
Abbildung: Lapidus Operation
Minimalinvasive Hallux valgus Operation
Die minimalinvasive Operation des Hallux valgus stellt eine sehr gute alternative Operationstechnik bei den mittelschwerden und schweren Hallux valgus Fehlstellungen dar. Hierbei wird die knöcherne Korrektur unter Röntgenkontrolle indirekt mit speziellen Knochenfräsen über kleinste Hautschnitte durchgeführt. Die Fehlstellung des ersten Mittelfussköpfchen kann mit dieser Technik sehr stark korrigiert werden, so dass auch schwere Hallux valgus Formen damit behandelt werden können. Die Osteotomie muss hierbei jedoch mit zwei langen Titan-Schrauben stabilisiert werden. Eine Versorgung mit bioresorbierbaren Magnesiumschrauben ist derzeit noch nicht möglich. Die Abbildung unten zeigt die Technik der minimalinvasiven Hallux valgus Korrektur, welche bei uns in der Klinik Impuls angeboten wird.
Drei wesentliche Vorteile der minimalinvasiven Hallux valgus Operation sind für Sie als Patientin/Patient:
- kleine, kaum sichtbare Narben
- weniger Kapselsteife, da das Grosszehengrundgelenk in den meisten Fällen bei der minimalinvasiven Technik nicht eröffnet werden muss.
- Patientin, die in der minimalinvasiven Technik operiert worden sind, berichten häufig über weniger Schmerzen nach der Operation.
Akin Osteomie
Beim Hallux valgus besteht häufig zusätzlich eine knöcherne Fehlstellung der Grosszehe selbst (Hallux valgus intraphalangeus). In diesen Fällen wird zusätzlich zu einer der obigen Operationsmethoden eine weitere kleine knöcherne Korrektur an der Basis der Grosszehe durchgeführt, um die Zehe selbst auch zu begradigen. Die Osteotomie wird mit einer Schraube (z.B. bioresorbierbare Magnesiumschraube oder einer Klammer stabilisiert).
Abbildung: Minimalinvasive Hallux Operation und Akin Osteotomie
Die Hallux valgus Operation führen wir als eine der wenigen Kliniken im Kanton auch zunehmend
minimalinvasiv durch. Hierbei genügen kleinste Hautschnitte (dargestellt durch die kleinen Ovale), über welche der Knochen ähnlich der Chevron-Osteotomie durchgesägt und maximal weit nach aussen verschoben wird. Ebenfalls über kleinste Hautschnitte werden die zur Fixation erforderlichen Schrauben eingebracht.
In vielen Fällen weist die Grosszehe selber eine Krümmung nach aussen auf, was die Hallux valgus Fehlstellung im Grosszehengrundgelenk verstärkt. In diesen Fällen wird eine zusätzliche knöcherne Korrektur an der Grosszehe durchgeführt (Akin Osteotomie), um die Grosszehe selbst zu begradigen. Die Fixation erfolgt mit Schrauben oder Klammern. Diese Osteotomie kann offen oder ebenfalls minimalinvasiv (in der Mehrheit der Fälle) erfolgen.
Nachbehandlung nach Hallux valgus Operation
Die Nachbehandlung erfolgt in den meisten Fällen in einer Spezialsandale mit steifer Sohle (Verbandsschuh), mit welcher der Patient relativ rasch nach der Operation wieder voll belasten darf. Zur Unterstützung werden Unterarmgehstützen abgegeben. Nach 6 Wochen kann allmählich von der post OP Sandale in einen bequemen Alltagsschuh gewechselt werden. Wichtig ist hierbei, dass der Schuh eine eher steife Sohle, idealerweise mit einer Abrollunterstützung, aufweist.
Bei den aufwändigeren Operationen, bei welchen die Fehlstellung der Grosszehe im Bereich des Mittelfusses korrigiert wird (z.B. Operationsverfahren nach Lapidus), bedarf es teilweise einer vorrübergehenden Teilbelastung für 6 Wochen und anstelle der Spezialsandale wird eine knöchelübergreifende Unterschenkel Fuss Orthese (Vacopedes, Walker) zur sicheren Entlastung des operierten Fusses getragen.
Zu beachten ist, dass es, wie bei jeder Fussoperation, zu einer Schwellneigung kommen kann, welche zumeist peu à peu erst langsam und über mehrere Monate abklingt (1 Monat pro Lebensjahrzent!). Dies führt dazu, dass man gelegentlich nach 6 Wochen nicht gleich in seine normalen Alltagsschuhe passt und für die ersten Monate nach der Operation ein paar übergrosse Ersatzschuhe angeschafft werden müssen. Geeignet sind hierfür nicht all zu teure Trekkingschuhe oder Runningschuhe aus dem Sportgeschäft.
Je nach Beruf und Aktivitätsgrad muss mit ca. 3 Monaten gerechnet werden, bis die meisten Berufs- und Alltagsaktivitäten wieder vollumfänglich aufgenommen werden können. Bis zur Vollständigen Abschwellung und Normalisierung (Endergebnis) dauert es zumeist ca. 1 Jahr. Gelegentlich muss in den ersten Monaten nach der Operation auch viel Zeit darauf verwendet werden durch Dehnübungen an der operierten Zehe, die normale Beweglichkeit wiederherzustellen, da die operierten Gelenke meist zu einer gewissen Einsteifung neigen.
In diesen Punkten zeigt die minimalinvasive Operationstechnik, auf welche wir seit 2018 spezialisiert sind, Vorteile. Wir beobachten bei unseren Patientinnen und Patienten, welche mit der minimalinvasiven Technik am Hallux valgus operiert worden sind eine Tendenz zu weniger postoperativen Schmerzen, einer besseren Gelenkbeweglichkeit und einer etwas rascheren Rückkehr in Arbeit und Sport.
Wenden Sie sich an uns, wenn Sie Fragen zu den operativen Möglichkeiten beim Krankheitsbild des Hallux valgus haben.