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Die mangelnden Kapazitäten der EU für die Suche und Rettung von Flüchtingen trugen dazu bei, dass so viele Menschen ums Leben kamen, nachdem vier Schlauchboote mit Flüchtlingen an Bord am 8. und 9. Februar vor Lampedusa in Seenot geraten waren. Zu diesem Schluss kommt Amnesty International nach Gesprächen mit überlebenden Flüchtlingen und mit Angehörigen der Küstenwache.
Als am Sonntag, 8. Februar der Notruf kam, lag das wichtigste Schiff der paneuropäischen Grenzschutz-Operation Triton Hunderte von Seemeilen entfernt zur Reparatur im Dock in Malta. Die grossen Militärschiffe der italienischen Marine, die in der nunmehr ausser Kraft gesetzten Operation Mare Nostrum zum Einsatz gekommen waren, lagen noch weiter weg - auf Sizilien, nicht einsatzfähig.
Ein Flüchtling erzählt
Ibrahim, 24 Jahre, kommt aus Mali. Nebst einem anderen Mann ist er der einzige Überlebende aus einem der vier Anfang Februar gesunkenen Schlauchbote.
«Am Sonntag [gegen Abend] begann unser Boot Luft zu verlieren und sich mit Wasser zu füllen. Jede Welle riss zwei oder drei von uns ins Meer. Die Vorderseite des Bootes hob sich, so dass die Leute hinten weggespült wurden. Dann waren wir noch 30 im Boot. Die eine Seite des Bootes … blieb unter Wasser… [wir hielten uns an einem Tau fest, da] uns das Wasser bis zum Bauch reichte. [Schliesslich] waren nur noch vier von uns übrig. Wir hielten uns weiter fest, die ganze Nacht. Es regnete.
Als die Sonne aufging, rutschten nochmals zwei weg. Im Lauf des Morgens sahen wir einen Helikopter. Im Wasser schwamm ein rotes Hemd; ich schwenkte es, um sie auf uns aufmerksam zu machen. Sie warfen ein kleines aufblasbares Boot ab, aber ich hatte nicht mehr die Energie, es zu erreichen. So blieben wir, wo wir waren, und hielten uns fest. Eine halbe Stunde später kam ein Frachtschiff. Sie warfen uns eine Leine zu, um uns an Bord zu holen. Es war etwa drei Uhr nachmittags [am Montag, 9. Februar]. »
Weitere Aussagen von überlebenden Flüchtlingen und Angehörigen der italienischen Küstenwache finden Sie in der ausführlichen Medienmitteilung auf Englisch.
EU muss Verantwortung übernehmen
Auch über das auf das Unglück folgende Wochenende versuchten wieder Hunderttausende die Flucht über das Mittelmeer. Die italienischen Behörden sowie Handelsschiffe retteten zwischen Freitag, 13. und Sonntag, 15. Februar weitere 2‘800 Menschen von mindestens 18 Bootten, über 2‘200 davon allein am Sonntag. Weitere Hunderttausende werden es auch in den nächsten Monaten versuchen – der Appell an die europäischen Staaten, ihre Kapazitäten für die Suche und Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer aufzustocken, wird umso dringlicher.
Medienmitteilung veröffentlicht: Bern, 16.02.2015
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