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© 1992 Markus Kappeler
Falklandinseln
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)
Als «ein wellenförmiges Land von desolatem und elendem Aussehen» bezeichnete Charles Darwin die Falklandinseln, die er im März 1833 auf seiner fünfjährigen Reise um die Welt besuchte. «Ein wildes Land mit rauhem Klima» finden auch die vorwiegend schottischstämmigen Briten, welche heute die Falklandinseln bewohnen. Nur 1300 Kilometer von der Antarktis entfernt ist der Boden moorig feucht und verwittert - kein Boden, der sich beackern liesse. Felsblöcke ragen überall aus der dünnen olivgrünen Grasflur hervor. Und Bäume oder Sträucher können sich kaum halten, denn dazu peitscht der Wind zu stark über die flachen Hänge.
Und dennoch lieben die Falkländer und Falkländerinnen ihr unwirtliches Land. Dass sie hier das ganze Jahr über dicke Pullover, Ölzeug und Gummistiefel tragen müssen, stört sie nicht. Denn wenn man das Land besser kennt, hat es erstens einen eigenen Charme. Und zweitens findet man hier, was überall sonst auf der Welt rar geworden ist: ein Leben, in welchem Zeit kaum eine Rolle spielt, und eine Gemeinschaft von Leuten, die friedlich miteinander leben, weil sie ihre Kräfte für eine wilde Heimat brauchen, nicht für Missgunst und Intrigen.
Eines verbindet die Falkländer im übrigen ganz besonders: Nichts kann ihre tiefe Verbundenheit mit dem 13 000 Kilometer entfernten Grossbritannien erschüttern. Auch nicht das nahe Argentinien, das seit bald zwei Jahrhunderten um den Besitz des windigen Archipels kämpft. Auf den Falklandinseln halten zweitausend britische Patrioten den «Union Jack» höher als so mancher Bewohner des Mutterlands selbst.
Ozeanisch subpolare Verhältnisse
Die Falklandinseln bestehen aus den beiden Hauptinseln West-Falkland und Ost-Falkland sowie rund 200 Nebeninseln und Eilanden. Sie liegen im südlichen Atlantik, ungefähr 500 Kilometer östlich der Südspitze Südamerikas, und sind mit einer Gesamtfläche von 12 173 Quadratkilometern rund dreimal kleiner als die Schweiz. Nur etwa 150 Meter ragt der Archipel mit seiner fjordartig ausgefransten Küste im Durchschnitt aus dem Meer auf. Zwischen niedrigen Gebirgsketten - mit dem Mount Adam (705 m) auf West-Falkland und dem Mount Usborne (681 m) auf Ost-Falkland als den höchsten Gipfeln - breiten sich gewellte Ebenen mit teils bescheidenen Wasserläufen, teils grösseren Sümpfen aus.
Die klimatischen Verhältnisse auf den Falklandinseln müsste man als «ozeanisch subpolar» bezeichnen, denn sie spiegeln die geografische Breite einerseits und den Einfluss des Meers andererseits wider. So beträgt die mittlere Temperatur im wärmsten Monat des Jahrs (Dezember) lediglich 10°C, im kältesten Monat (Juli) aber auch bloss 3°C. Charakteristisch - und für den Aussenstehenden überraschend - sind denn auch die weitgehend schnee- und frostfreien Winter. Die Niederschläge sind nicht besonders reichlich und betragen zwischen 600 und 700 Millimetern im Jahr. Sie verteilen sich aber auf alle Jahreszeiten ziemlich gleichmässig, weshalb der Archipel fast das ganze Jahr über in einen kalten Nieselregenschleier gehüllt ist. Wirklich hei tere Tage sind auf den Falklandinseln selten.
Die botanischen Gegebenheiten spiegeln wiederum die klimatischen Verhältnisse wider: Weite Bereiche der Falklandinseln sind mit einer heideartigen Vegetation bedeckt, welche hauptsächlich aus niedrigwüchsigen Gräsern und Zwergsträuchern besteht. 163 einheimische Pflanzen haben die Botaniker bislang aufgelistet, von denen die meisten südamerikanischen Ursprungs sind. Insgesamt ist es eine ziemlich unauffällige Pflanzendecke. Bäume fehlten ursprünglich vollständig und wachsen heute einzig im gepflegten Garten des Gouverneurs in Port Stanley. Und der bei weitem augenfälligste Strauch ist der ebenfalls eingeführte Stechginster, welcher vielerorts dornige Hecken bildet.
Islas Malvinas oder Falklandinseln?
Auf französisch heisst der windige Archipel im Südatlantik «Iles Malouines», auf englisch «Falkland Islands», auf argentinisch «Islas Malvinas» und auf deutsch entweder «Falklandinseln» oder «Malwinen». Die Begriffsverwirrung kommt daher, dass die Besitzansprüche auf den Archipel ziemlich diffus sind: Die Briten besitzen ihn, die Argentinier erheben Anspruch darauf, und den Franzosen gehörte er einst.
Doch der Reihe nach: Entdeckt wurde die südatlantische Inselgruppe 1592 vom englischen Seefahrer John Davis. Auf den Seekarten erschien sie in der Folge unter der Bezeichnung «Southern Islands». Ein knappes Jahrhundert später, 1690, besuchte der englische Kapitän John Strong den Archipel. Er segelte zwischen den beiden Hauptinseln hindurch und gab dem schiffbaren Kanal zu Ehren des britischen Marineschatzmeisters, Viscount Falkland, den Namen «Falkland-Sund». Ein weiteres Dreivierteljahrhundert blieben die südatlantischen Inseln, die nun allgemein als «Falkland Inseln» bezeichnet wurden, unbeachtet. Was sich aber dann innerhalb weniger Jahre in diesem entlegenen Winkel der Erde abspielte, ist für uns moderne, im Zeitalter der unbegrenzten elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten lebenden Menschen schlicht unvorstellbar und gemahnt an die Dramaturgie eines drittklassigen Schauspiels:
1. Szene:
Im Dezember 1763 verliess Kapitän Louis Antoine de Bougainville Frankreich und landete im April 1764 im Berkeley-Sund auf Ost-Falkland. Dort entstiegen seinem Schiff mehrere Dutzend siedlungswillige Franzosen, nahmen den Archipel im Namen Frankreichs in Besitz, tauften ihn nach ihrer nordfranzösischen Heimatstadt St-Malo «Iles Malouines» und machten sich daran, eine Siedlung namens Port Louis zu errichten. Als Gouverneur wurde ein Monsieur de Nerville ernannt.
2. Szene:
In Unkenntnis der französischen Siedlerexpedition segelte im September 1764 der britische Kapitän John Byron von England in Richtung Falklandinseln und erreichte im Januar 1765 Saunders Island bei West-Falkland. Er nahm die Inselgruppe für die englische Krone in Besitz, nannte den Hafen Port Egmont und fuhr weiter.
3. Szene:
Als Byron bereits unterwegs gewesen war, hatte ein Gerücht England erreicht, wonach die Franzosen die Falklandinseln in Besitz genommen hätten. Um sich ebenfalls zumindest einen Teil des Archipels zu sichern, verliess im September 1765 der britische Kapitän John McBride England und erreichte im Januar 1766 Port Egmont, wo er eine kleine Siedlung errichten liess und die Inseln ein zweites Mal für Grossbritannien in Besitz nahm. Franzosen traf er keine an.
4. Szene:
Im Oktober 1766 verkaufte Frankreich seine Isles Malouines an Spanien, das sie seinem Idiom entsprechend in «Islas Malvinas» umtaufte. Doch davon erfuhr Gouverneur de Nerville in Port Louis vorerst nichts.
5. Szene:
Im Dezember 1766 entdeckte McBride die französische Siedlung bei Port Louis und gab de Nerville Grossbritanniens Anspruch auf den Archipel bekannt. Dieser wies den Anspruch strikt zurück, worauf McBride nach England zurücksegelte, um der Krone die Nachricht von der Pattsituation zu überbringen und Rat zu holen.
6. Szene:
Zu dieser Zeit war bereits eine kleine französisch-spanische Flotte nach den Falklandinseln unterwegs, um Port Louis offiziell an Spanien zu übergeben. Sie erreichten die Inselgruppe im März 1767, und im April wurde de Nerville durch den Spanier Felipe Ruiz Puente abgelöst, der Port Louis in Port Soledad umtaufte.
7. Szene:
Davon wussten wiederum die Engländer in Port Egmont auf West Falkland nichts, und als sie im September 1769 ein spanisches Segelschiff im Bereich der Inselgruppe entdeckten, forderten sie es ultimativ auf, die «britische» Inselgruppe sofort zu verlassen. Gleichfalls, sollen die Spanier darauf geantwortet haben, und nun waren sie es, die angesichts der Pattsituation Hilfe vom Mutterland anforderten.
8. Szene:
Spanien reagierte umgehend, entsandte eine Kriegsflotte mit 1600 Soldaten nach dem fernen Archipel, und diese zwangen im Juni 1770 die Engländer dazu, Port Egmont zu verlassen und nach England zurückzukehren.
9.Szene:
Beinahe hätte dies einen Krieg zwischen Grossbritannien und Spanien ausgelöst. Die beiden Seemächte trafen sich aber auf diplomatischer Ebene, und im Frühjahr 1771 wurde ein Vergleich unterschrieben, wonach England Anspruch auf West-Falkland und Spanien auf Ost-Falkland habe. Im Oktober 1771 liessen sich die Engländer wieder in Port Egmont nieder.
10. Szene:
1774 verliessen die Briten spontan - aus bis heute ungeklärten Gründen - Port Egmont und liessen die Spanier allein auf den Falklandinseln zurück. 1806 taten die Spanier eigenartigerweise dasselbe.
Schluss des 1. Akts; 25jährige Pause; Vorhang auf für den 2. Akt:
1. Szene:
1816 war aus der spanischen Südamerika-Kolonie La Plata die unabhängige Republik Argentinien entstanden, und diese hatte die spanischen Rechte auf die Islas Malvinas geerbt. Doch erst im September 1831 dachte das junge Argentinien daran, diese Rechte geltend zu machen. Es nahm die Inselgruppe offiziell in Besitz, baute Port Soledad wieder auf, vertrieb einige nordamerikanische Robbenfänger, die sich inzwischen dort niedergelassen hatten, und setzte einen Gouverneur ein.
2. Szene:
Auf diese Nachricht hin erschienen im Dezember 1832 auch die Briten wieder: Kapitän Onslow landete bei Port Egmont und baute die Siedlung wieder auf. Dann segelte er in den Berkeley Sund und setzte den argentinischen Gouverneur Jose Maria Pinedo davon in Kenntnis, dass Grossbritannien die Oberhoheit über die Inseln beanspruche. Und nun geschah etwas Überraschendes: Pinedo räumte unverzüglich das Feld und segelte nach Buenos Aires zurück. Möglicherweise hatte es ihm persönlich auf dem feuchtkalten Archipel nicht gefallen und er war somit glücklich über diese Entwicklung. Auf jeden Fall übernahmen nun die Briten die Verwaltung des gesamten Archipels. 1845 erklärten sie Port Stanley auf Ost-Falkland zur Hauptstadt der Falklandinseln. Und dabei ist es bis heute geblieben.
Der Krieg war ein Konflikt
Noch zweimal hätte beinahe ein Handwechsel auf den Falklandinseln stattgefunden. Das erste Mal geschah dies zu Beginn des Ersten Weltkriegs, als Deutschland versuchte, die damals strategisch wichtige Marinebasis und Radiostation der Briten einzunehmen. In der Seeschlacht vom 8. Dezember 1914 vermochte jedoch die britische Kriegsflotte das anrückende deutsche Kreuzergeschwader unter Vizeadmiral Graf Spee zu vernichten und bewahrte damit die Falklandinseln vor der Besetzung. Der 8. Dezember ist seither eine Art «Nationalfeiertag» auf den Falklandinseln, der mit Festreden und gewöhnlich viel Whisky begangen wird.
Das zweite Mal geschah es 1982, als Argentinien seinen Besitzanspruch mit Waffengewalt geltend machte. Am 28. März jenes unheilvollen Jahrs brach die argentinische Kriegsflotte in Richtung Islas Malvinas auf und übernahm dort am 2. April im Handstreich die Herrschaft. Ohne ein vorangehendes Ultimatum oder eine offizielle Kriegserklärung wurde die britische Kolonie eingenommen, weshalb nach internationaler Gepflogenheit vom «Falkland-Konflikt» und nicht vom «Falkland-Krieg» gesprochen wird.
Grossbritannien reagierte unverzüglich. Am 5. April nahm ein umfangreiches Geschwader der königlichen britischen Marine Kurs auf die Falklandinseln, und am 21. Mai begann der Angriff auf die argentinischen Besatzer. Mehr als 10 000 Soldaten auf beiden Seiten lieferten einander heftige Gefechte zu Land und zur See. Besonders erbittert entflammten die Kämpfe um die kleine, zentral gelegene Siedlung Goose Green, und als sie am 28. Mai von den Briten eingenommen werden konnte, da erwies sich dies als Wendepunkt der Kampflhandlungen. Nun fiel eine argentinische Festung nach der anderen, und am 14. Juni eroberten die Briten letztlich auch Port Stanley zurück, worauf sich die Argentinier zur Kapitulation gezwungen sahen. Nach 74tägiger Dauer war der für beide Seiten verlustreiche Falkland-Konflikt zugunsten der Briten entschieden.
Verständlicherwdse herrschte in der Folge zwischen Grossbritannien und Argentinien eine eisige Atmosphäre. Erst 1990 nahmen die beiden Länder wieder zaghafte diplomatische Beziehungen auf, wobei das Thema «Oberhoheit auf den Falklandinseln» sorgsam vermieden wurde. Die Frage nach der Souveränität auf dem Archipel ist also weiterhin hängig - und umso brisanter, als es heute Hinweise auf reiche Erdöl- und Erdgaslagerstätten unter dem Schelf der Inselgruppe gibt. Im Januar 1992 liess Argentinien verlauten, dass es die Falklandinseln noch immer für sich beanspruche, jedoch gewillt sei, im bilateralen Gespräch mit Grossbritannien eine friedliche Lösung zu finden.
Schafe, Tintenfische und Pinguine
Auch ohne Erdölförderung geht es dem britischen Territorium im Südatlantik wirtschaftlich recht gut: Bis zur Eröffnung des Panamakanals im Jahr 1914 war Port Stanley ein bedeutender Reparaturhafen gewesen. Hier bunkerten die Schiffe vor der schwierigen Kap-Hoorn-Umrundung auf dem Weg zu den «Goldländern» der amerikanischen Westküste. Und hier kamen sie oft leck und zerschlagen wieder an. Die diversen Wracks, die noch heute in der Hafenbucht von Port Stanley liegen, sind vielsagende Zeugnisse des ehemals gutgehenden Reparaturgeschäfts auf den Falklandinseln.
Schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war dann auf den Falklandinseln die Schafhaltung zwecks Wollproduktion eingeführt worden. Sie hatte sich rasch zum wichtigsten Wirtschaftszweig des Territoriums entwickelt, denn den aus Schottland eingeführten Corriedale-Schafen wuchs im subpolaren Klima besonders hochwertiges Haar. Den ökonomischen Spitzenplatz nimmt die Wolle heute zwar nicht mehr ein. Aber noch immer beweiden über 600 000 Schafe die dünne Grasflur des Archipels und liefern alljährlich über 2000 Tonnen Wolle bester Qualität. Teilweise wird die Wolle auf dem Archipel selbst zu Pullovern und anderen Exportstrickwaren verarbeitet. Der Grossteil wird jedoch als Schurwolle nach England verschifft und erzielt auf dem Weltmarkt Spitzenpreise.
Einen überraschend wichtigen Stellenwert im Finanzhaushalt der britischen Aussenbesitzung nimmt heute der Verkauf von Falkland-Briefmarken ein, die bei Sammlern auf der ganzen Welt sehr beliebt sind. Erst 1978 war das philatelistische Büro auf dem Archipel eröffnet worden, doch bereits übertreffen die Einkünfte aus dem Briefmarkenverkauf die Einnahmen aus der Wollproduktion.
Neuen Wohlstand bringt den Falklandinseln in jüngster Zeit die Vergabe von Fischfanglizenzen für die «Sperrzone» im Umkreis des Archipels. Siebzig Prozent der Einnahmen stammen heute aus dieser Quelle. Die Inselregierung sah sich 1986 dazu veranlasst, die Überwachung der Fischereiaktivitäten in ihren Gewässern an die Hand zu nehmen, als vor allem Fangschiffe fernöstlicher Nationalität die ehedem reichen Fisch- und Tintenfischgründe zusehends leerfischten. Durch die Festlegung von Fangquoten und die Vergabe von Fanglizenzen soll nun die nachhaltige Bewirtschaftung der marinen Ressourcen erreicht werden.
Nicht zuletzt wird durch diese Massnahmen die Gefahr gebannt, dass den lokalen Meeresvogel- und Robbenkolonien die Nahrungsgrundlage entzogen wird. Dies hätte nämlich ungünstige Auswirkungen auf das Tourismusgeschäft, welches mittlerweile ebenfalls hübsche Gewinne abwirft. Seit die Falklandinseln 1982 überall auf der Welt in den Schlagzeilen standen, hat ein ungeahnter Besucherstrom zu der abgelegenen Inselgruppe eingesetzt. Und da die örtlichen Brutkolonien der Pinguine, Albatrosse und anderen Meeresvögel sowie der See-Elefanten und Mähnenrobben zu den grössten Attraktionen für die Touristen zählen, ist man natürlich bestrebt, deren Fortbestand zu sichern. Dazu gehört neben dem Schutz der Nahrungsgrundlage der Tiere auch der Schutz ihrer Brutplätze, weshalb mehrere Naturreservate eingerichtet wurden. Der Tourismus wird heute auch deshalb von der Inselregierung gefördert, weil er den Inselbewohnern abwechslungsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten im Dienstleistungssektor verschafft, was für die Lebensqualität auf diesem Aussenposten der Zivilisation nicht unwichtig ist.
Gänsebraten bei «Emma's»
Rund die Hälfte der ungefähr 2000 Falkländer und Falkländerinnen wohnen und arbeiten heute in Port Stanley. Die restlichen Bewohner der Inselgruppe leben in gut 30 weit verstreuten, gehöftartigen Ansiedlungen, bei denen es sich hauptsächlich um Schaffarmen mit Nebengebäuden handelt. Ein typisches Beispiel ist die Pebble-Island-Farm auf dem gleichnamigen Inselchen vor der Nordküste von West-Falkland. Nur knapp 30 Einwohner zählt dieses «Dörfchen», dessen Wirtschaftsgrundlage 13 000 Schafe auf 8500 Hektar Weideland bilden. Aber immerhin verfügt es über einen kleinen Laden, der dreimal wöchentlich für ein paar Stunden öffnet, über eine «Einzimmerschule», in der die drei oder vier schulpflichtigen Kinder wochenweise von einer «fliegenden» Lehrerin unterrichtet werden, über eine kleine Werkstatt, in der die Frauen Strickwaren herstellen, und über eine kleine Herberge, welche bis zu 14 Touristen Unterkunft bietet.
60 Kilometer befestigte Strasse gibt es auf den Falklandinseln insgesamt. Darunter fallen einerseits die kurzen, geraden Strassen in Port Stanley, welche jeweils im Nichts enden, und andererseits die Verbindungsstrasse zwischen der Hauptstadt und dem Flugplatz. Weiter kommt man am Boden nur mit vierradgetriebenen Geländewagen oder mit dem Pferd. Unbezahlbare Dienste leisten deshalb jene drei kleinen Flugzeuge des «Falkland Islands Government Air Service», welche taxiartig Flüge zu den diversen Landestreifen des Archipels durchführen. Nur so gelangt der Inseldoktor rechtzeitig zu seinen Patienten, die Lehrerin zu ihren Schülern und die Zeitung («Penguin News»; 14täglich) zu ihren Abonnenten.
Für den inneren Zusammenhalt der falkländischen Siedlergemeinschaft ist im übrigen das Inselradio mit seinen täglichen Lokalnachrichten unentbehrlich. Denn da erfährt man, dass Susan Hughes von der Port Howard-Farm einen Sohn bekommen hat und alle Verwandten und Bekannten grüsst. Dass heute Abend ein deutscher Zoologe im Pfarrhaus einen Diavortrag über das Leben der Königspinguine hält. Dass es bei «Emma's» am Wochenende Gänsebraten mit Röstkartoffeln gibt, wie immer nur mit Voranmeldung. Dass Ronnie Harley seine schwarz-weisse Katze vermisst und sich über Hinweise freuen würde. Dass am letzten Tag des Monats im «Upland Goose» die alljährliche Dart-Meisterschaft stattfindet und um zahlreiches Erscheinen gebeten wird. Usw. usf.
Bildlegenden
Port Stanley, an der Ostküste Ost-Falklands gelegen, ist die Hauptstadt der Falklandinseln. Hier wohnt rund die Hälfte der insgesamt 2000 Falkländer und Falkländerinnen in sauber gestrichenen Holzhäusern mit farbigen Blechdächern. Im Hafenbereich fällt die mächtige Christchurch Cathedral auf. 1892 war diese südlichste Kathedrale der Welt eingeweiht worden.
Die andere Hälfte der Falklandbevölkerung lebt über den ganzen Archipel verstreut in gehöftartigen Ansiedlungen und widmet sich vornehmlich der Schafhaltung beziehungsweise Wollproduktion. Ackerbau ist auf dems üdatlantischen Archipel nur sehr beschränkt möglich: Ausser Gerste und Hafer ertragen nur noch Kartoffeln und einige Rübensorten das rauhe subpolare Klima.
Die Publizität, welche die Falklandinseln 1982 durch den Falkland-Konflikt erhielten, hat einen beachtlichen Touristenstrom zu der abgeschiedenen Inselgruppe ausgelöst. Wer nicht mit dem Flugzeug anreisen und in den kleinen Gästehäusern auf den Inseln übernachten will, kann eine Kabine auf einem der luxuriösen Kreuzfahrtschiffe buchen, welche den Archipel ansteuern (im Bild die «Exploren» bei Carcass Island).
Zu den Brutvögeln der Falklandinseln gehören fünf verschiedene Pinguinarten. Der kleinste, aber dafür häufigste ist der Felsenpinguin. Über 2,5 Millionen Paare, das entspricht der Hälfte der Weltpopulation, brüten auf dem Archipel! Das Bild zeigt eine Brutkolonie des goldschopfigen Pinguins an der malerischen Westküste von New Island.
Die Brutvögel der Falklandinseln sind keineswegs ängstlich, sondern im Gegenteil oft so zahm, dass sie näherkommen, um uns kuriose Zweibeiner genauer zu inspizieren. Besonders dreist ist der Falkland-Karakara aus der Familie der Falken, der seine Nahrung gewöhnlich zu Fuss sucht. Er ist überaus neugierig und stiehlt - zum Beispiel aus unbeaufsichtigten Fototaschen - jeden Gegenstand, den er wegzutragen vermag.
Lange Zeit bildeten die Falklandinseln ein Zentrum der im Südatlantik operierenden Wal- und Robbenfänger. Schon um 1850 waren aber die Wale im Umfeld des Archipels selten geworden, worauf sich die Walfänger auf südlichere Stützpunkte zurückzogen. Weiterhin verfolgt wurden die Seebären (Bild), See-Elefanten und Mähnenrobben. 1951 wurde jedoch auch die Robbenfängerstation bei Port Albemarle auf West-Falkland geschlossen, und die behäbigen Meeressäugetiere konnten erleichtert aufatmen.
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