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Dem Film, so der Autor, liegt eine wahre Begebenheit zugrunde: In einer ärmlichen Pariser Dachwohnung starb ein alter Maler, umgeben von weissen Leinwänden. Der Kunsthändler, der sich um ihn „kümmerte“, versuchte, ihn bis zum letzten Atemzug zum Malen zu forcieren. Er selber wohnte einige Stockwerke tiefer in einem luxuriösen Appartement, das gefüllt war mit Bildern des Malers. Maillard verlegte die Handlung in ein verlassenes Landhaus bei Le Havre. Die Protagonisten sind ein Kunsthändler und seine zwei Brüder, die einen alten Maler gefangen halten und ihn mit Überredungskunst, sanfter und brutaler Gewalt zu einem letzten Gemälde zwingen wollen. Eines Tages taucht eine allen unbekannte jüngere Frau auf, die den Künstler sucht und ebenfalls zur Gefangenen wird. In einer der letzten Sequenzen des Films stellt sich heraus, dass es sich um die Tochter des Malers handelt... In dem huis-clos geht es dem Regisseur um die „Gifte“, die sich langsam in die wechselseitigen Beziehungen dieser Menschen einschleichen und in den Verhalten und Aktionen ihre Wirkung zeitigen; um Unterdrückung und Abhängigkeit, Selbstunterwerfung und Resignation, aber auch um die Wiedergewinnung auch der Erinnerung als Möglichkeit zu persönlicher Freiheit und damit des aktiven Weiterlebens. Die Geschichte ist als Parabel zu verstehen, der Künstler kann als exemplarische Figur dieser existentiellen Situation und Fragestellungen begriffen werden, die Anlage der Handlung — die drei Brüder, die Vater-Tochter-Beziehung, das verwunschene Haus in der Einöde und ähnliches mehr — ist der Märchenwelt entlehnt. So wird denn auch vieles symbolhaft eingesetzt: der Goldfisch, der in seiner gläsernen Welt gefangen ist, die zu Beginn des Films zerbricht und an dessen Ende wieder intakt ist, das Meer, an dessen Ufer ein Fluchtversuch scheitert — und man weiss zuguterletzt nicht, ob alles nur ein traumatisches Hirngespinst des in eine Krise geratenen Malers war.
Die Grunddisposition dieses Films, die Ambiguität der Charaktere und ihrer Verhalten, die Stimmungen im Haus und in der Natur sind spannend, im Ansatz optisch intensiv umgesetzt und ebenso im Ansatz durch die Schauspieler präzis entwickelt — doch eben nur im Ansatz. Denn dramaturgisch zerfällt der Film zunehmend: leere Bewegungen beginnen die Spannung aufzulösen, die Handlung wird zerredet, Mysteriöses durch Selbstzweckhaft eingesetztes Unverständliches ersetzt, Psychologisches wird demonstrativ — und als die Frau ihr biografisches Geheimnis dem Zuschauer preisgibt, wird offensichtlich, dass es Maillard nicht gelang, das Unaussprechbare und die Vielschichtigkeit dieser Lebenssituation filmisch zu vermitteln.
Campo Europa (1984), Maillards vor Poisons letzter Film, verstörte einen grossen Teil des Publikums und der Kritik durch seine Hermetik — der Regisseur hat dieses Echo aufgenommen und in Poisons versucht, dem Publikum immer wieder auf den Sprung zu helfen. Das hat dem Film geschadet.
Bemerkenswert ist, dass Maillard über Campo Europa in Kontakt kam mit Raoul Ruiz und Poisons nur realisiert werden konnte, dank der Coproduktion mit dem von Ruiz gegründeten Maison de la culture du Havre.