Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03589.jsonl.gz/2720

Auf meinem Foto sieht man eine kleine, einsame Pflanze, die neben einer trockenen Baumwurzel steht. Ich nenne sie «Klein und Allein», denn es gibt nichts um sie herum. Ausser Zigarettenstummel und Kies. Keine andere Pflanze, keine Blume. Die einsame Pflanze sieht traurig aus, weil es regnet. Sie wächst in einer Vertiefung. Zwischen zwei Platten. In einer Art Vorhangschiene.
Was man auf meinem Gedankenfoto nicht sieht, ist das Drumherum. Im Drumherum sieht man Gebäude, Gegenstände, Vögel, Bänke, Autos. Und nur ein paar Schritte weiter eine Art Moos.
Ein Vogel fliegt in einen Mauerspalt im Haus. Züge rattern in meinem Rücken vorbei, kommen an oder fahren ab. Das hört sich sehr unterschiedlich an. Vom Brunnen, der eigentlich eine nachgemachte Pfütze ist, schwappt immer wieder Wasserplätschern herüber. Es riecht nach Essen und Benzin. Über mir Wolken.
In der Nacht verwaist der Platz. Die Bänke, die Büros, die Restaurants. Stelle ich mir so vor.
Es würden Lampen leuchten, über der Bar die Lichterkette, der Himmel wäre schwarz und alles würde still sein, denn die Vögel schliefen. Man würde die Strasse nebenan nicht riechen. Keine Autos hören auf dem Asphalt, es würde keine Ampeln geben, die von Rot auf Grün schalten.