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Medizin bei Rollpower
|30.12.1999 Was sind Interferone?

Multiple Sklerose entsteht sehr-wahrscheinlich durch eine "Entgleisung" des Immunsystems, die wir bis heute nicht ursächlich behandeln können.
Dennoch nutzen die meisten therapeutischen Ansätze die natürlichen Mechanismen des Immunsystems, um die Entstehung der entzündlichen Plaques der Multiplen Sklerose zu unterdrücken bzw. zu hemmen. Das Immunsystem des Menschen besteht aus vier verschiedenen Teilsystemen, die alle eine bestimmt Aufgabe erfüllen.
Die zelluläre Abwehr teilt sich in die
Die humorale Abwehr beinhaltet die
Das Komplementsystem besteht aus Proteinen, die im Serum oder auf Zelloberflächen vorkommen und als zusammenwirkendes System in den Organismus eingedrungene Fremdstoffe inaktivieren können. Bei dieser Abwehr können Antikörper beteiligt sein oder auch nicht. Das Komplementsystem verstärkt oder ergänzt die jeweilige Wirkung von Antikörpern.
Die unspezifische humorale Abwehr des Komplementsystems wird durch Lysozym und Zytokine durchgeführt. Lysozym bewirkt bei bestimmten Bakterien eine Auflösung der Wandstrukturen und verhindert so eine bakterielle Infektion. Sie sind z. B. in der Tränenflüssigkeit enthalten. Zytokine koordinieren als chemische Botenstoffe die Zusammenarbeit von Antikörpern und T-Zellen. Das Interferon ist ein solches Zytokin.
Interferone sind Botenstoffe, die bei der unspezifischen humoralen Immunabwehr eine Rolle spielen. Interferon wird häufig mit IFN abgekürzt. Es gibt Alpha-, Beta- und Gamma- Interferone, die jeweils eine spezifische Wirkung haben und ihrerseits auch noch weiter untergliedert sein können. Interferone wirken:
Für die Behandlung von Multipler Sklerose sind besonders die gentechnisch hergestellten Interferone, Interferon beta 1b und Interferon beta 1a, von besonderer Bedeutung. Als Medikamente wirken sie entzündungshemmend, indem sie:
Das hat auf die Entwicklung der Multiplen Sklerose folgende Wirkung:
Interferon beta ist eine körpereigene Substanz, die eine wichtige Rolle bei Entzündungen spielt. Für den Einsatz als Arzneimittel wird Interferon beta gentechnologisch hergestellt. Das eine Mittel wird in Kolibakterien (Interferon beta-1b, Betaferon®), das andere in Hamstereizellen (Interferon beta-1a; Rebif®, Avonex®) erzeugt.
Die Beta-Interferone wirken verändernd auf das Immunsystem und entzündungshemmend. Interferon beta ist ein "Gegenspieler" des Gamma-Interferons, welches das Entzündungsgeschehen verstärkt. Interferon beta-1b wird in Dosierungen von 8 Millionen Einheiten jeden zweiten Tag subkutan gespritzt. Interferon beta-1a wird in einer Dosierung von 6 Millionen Einheiten drei mal wöchentlich ebenfalls unter die Haut (Rebif®) oder in derselben Dosierung (6 Millionen Einheiten) einmal wöchentlich in den Muskel gespritzt (Avonex®). Die subkutane Injektion kann der Patient nach entsprechender Anleitung selbst durchführen. Dabei ist wichtig, dass er sich ganz genau an die Regeln der in der Gebrauchsanleitung beschriebenen Spritztechnik hält.
Hier noch einmal die für die schubförmige MS zugelassenen Beta-Interferone im Überblick:
Wahrenzeichen, Dosis, Spritzintervall, Spritztechnik
Betaferon®, 8 Millionen Einheiten, jeden 2. Tag, unter die Haut
Rebif®, 6 Millionen Einheiten, 3 x pro Woche, unter die Haut
Avonex®, 6 Millionen Einheiten, 1 x pro Woche, in den Muskel
Es gibt Hinweise darauf, dass die Wirkung von Beta-Interferonen dosisabhängig ist.
Zur besseren Verträglichkeit sollten folgende praktische Tips bei der subkutanen Injektionsform berücksichtigt werden: Abendliche Injektion, langsame Dosissteigerung über 3-4 Injektionen, Wechseln der Kanüle nach Aufziehen der Substanz, Kühlen der Einstichstelle vor und nach Injektion, bevorzugter Injektionsort: seitlicher Oberschenkel (Einstichstelle häufig wechseln).
Mögliche Nebenwirkungen unter Interferon können sein:
Je länger die Behandlung mit Interferon durchgeführt wird, desto besser wird sie vertragen. Die Therapie mit Interferon beta darf nicht unterbrochen werden. Bei Auftreten neuer Schübe sollte unter fortlaufender Interferon-beta-Therapie zusätzlich Cortison verabreicht werden.
Unter Interferon-beta-Therapie muss bei PatientInnen eine sichere Verhütung gewährleistet sein. Falls doch eine Schwangerschaft eintritt, kann es zum Abstossen des Embryos (Abort) kommen. Der Abort kann durch Interferon beta ausgelöst werden.
Allerdings liegen auch schon Ergebnisse von Frauen vor, die aus verschiedenen Gründen über mehrere Schwangerschaftswochen Interferon beta erhalten hatten. Bei den Kindern lag die Missbildungsrate nicht höher als bei anderen PatientInnen. Interferon beta sollte 3 Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Tritt unter der Therapie eine Schwangerschaft ein, so muss die Schwangerschaft nicht abgebrochen werden.
Bei einigen PatientInnen treten unter Interferon beta nach etwa einem Jahr Behandlungsdauer sogenannte neutralisierende Antikörper auf, die den schubsenkenden Effekt vermindern können. Die genaue Bedeutung von neutralisierenden Antikörpern für den Behandlungserfolg ist aber bisher nicht vollständig geklärt. Antikörper gegen Interferon können auch nur vorübergehend auftreten. Grundsätzlich ist eine Behandlung mit Interferon beta eine Langzeitbehandlung und wird so lange durchgeführt, wie der Patient von ihr profitiert. Das klinische Befinden des einzelnen Patienten ist wichtig, wenn man über die Fortsetzung bzw. den Abbruch der Interferon-Therapie entscheidet.
Interferon beta-1b (Betaferon®) ist als erstes Medikament inzwischen auch für die sekundär progrediente MS zugelassen worden. Bei dieser Form der MS wird eine fortschreitende Verschlechterung beobachtet, nachdem die Krankheit zunächst schubförmig verlaufen ist. Mit Interferon beta-1b können die fortschreitende Verschlechterung gebremst und die Gehfähigkeit länger erhalten werden.
Bei der primär chronisch-progredienten MS kommen Medikamente zur Anwendung, die in der Behandlung von Tumorerkrankungen eingesetzt werden, z.B. Cyclophosphamid und Methotrexat (MTX). Bei diesen Medikamenten ist noch nicht endgültig geklärt, wie gut letztlich der Verlauf beeinflusst wird.
Quelle:
Ulrich Schäfer, Sigrid Poser, "Multiple Sklerose, ein Leitfaden für Betroffene", 6. aktualisierte Auflage, Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin - Wien, 1999.
|30.12.1999 Verlaufsformen von Multipler Sklerose

Der Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, auch bei einem Menschen sind die Symptome nicht immer gleich.
Das Phenomen der individuellen Symptomatologie liegt in der Tatsache begründet, dass die Multiple Sklerose in Schüben verläuft. Während eines akuten Schubes entwickeln sich oft Symptome, die sich in der Regenerationsphase zurückbilden. Diese Form der Multiplen Sklerose wird schubförmig remittierend genannt. Häufigkeit und Schwere der Schübe sind sehr unterschiedlich. Auch, welche Symptome bleiben und sich nicht zurückbilden, lässt sich nicht vorhersagen. Es ist daher kaum möglich, eine genaue Vorhersage über den Verlauf der schubförmig remittierende Multiplen Sklerose zu machen. Diese Unvorhersagbarkeit ist für die meisten Betroffenen eine schwere Belastung.
Über kürzere oder längere Zeit geht die schubförmig remittierende Verlaufsform häufig in die sekundär progredienten Form der Multiplen Sklerose über. In diesem Fall verläuft die Krankheit in Schüben. Aber auch zwischen den Schüben verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Betroffenen stetig. Die Schübe treten dann immer seltener oder auch gar nicht mehr auf.
In einigen Fällen verläuft die Multiple Sklerose gutartig. Nach den Schüben erfolgt eine vollständige Rückbildung. Auch bei einer nur teilweisen Rückbildung sind die Folgen oft relativ gering. Das zeigt, dass Multiple Sklerose nicht zwangsläufig schwere Schäden zur Folge hat. Allerdings kommt es in einzelnen Fällen, insgesamt ca. 5 - 10 Prozent der Erkrankungen, in wenigen Jahren zu schweren Behinderungen.
Es gibt auch eine Form der Erkrankung, bei der die Symptome sich nicht in Schüben entwickeln. Sie schreitet langsam, aber unaufhaltsam voran, deshalb wird diese Form der Multiplen Sklerose als chronisch progredient bezeichnet. Sie ist eher selten.
Quelle:
30.12.1999 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!
|30.12.1999 Epidemiologie von Multipler Sklerose

Multiple Sklerose ist eine sehr häufige neurologische Erkrankung. Die Zahlen über die Häufigkeit sind, je nach Untersuchung, sehr unterschiedlich. In der Schweiz sind davon 8 bis 10 000 betroffen.
Häufigkeit und Alter
Bei der Verteilung der Erkrankungen nach Altersgruppen zeigt sich, dass rund der Hälfte aller Betroffenen vor dem 30. Lebensjahr an Multipler Sklerose erkranken. 25 Prozent der Erkrankungen beginnen zwischen dem 30. und 40 Lebensjahr. Die restlichen 25 Prozent der Erkrankungen stellen sich zwischen dem 40. Und 55. Lebensjahr ein.
Multiple Sklerose kann familiär gehäuft auftreten. Eine Erbkrankheit, bei der der Ausbruch der Erkrankung als zwangsläufige Folge angesehen werden muss, ist Multiple Sklerose jedoch nicht. Allerdings steigt das Risiko einer Erkrankung um ungefähr das 15-fache an, wenn in der nächsten Verwandtschaft ein Krankheitsfall vorkommt. Aber selbst dann ist das Risiko mit 1-2 Prozent immer noch als eher gering anzusehen. Für die Annahme, dass Multiple Sklerose ansteckend sein könnte, gibt es keinerlei Beweise.
Geschlechtliche Unterschiede
Frauen sind zweimal häufiger von Multipler Sklerose betroffen als Männer. Warum das so ist, ist bis heute nicht geklärt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit der Ursache von Multipler Sklerose, die bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Eine Beteiligung des Immunsystems an der Erkrankung wird vermutet. Auch bei anderen Erkrankungen, bei denen eine Störung des Immunsystem eine Rolle spielt, sind Frauen häufiger betroffen. Insgesamt konnte dieser geschlechtliche Unterschied aber nur bei Erkrankungen festgestellt werden, die vor dem 40. Lebensjahr begannen. Bei späteren Erkrankungen ist die Verteilung bei den Geschlechtern ungefähr gleich
Geographische Unterschiede
Ein deutlicher Unterschied ist bei der geographischen Verteilung der Multiple Sklerose Erkrankungen festzustellen. Multiple Sklerose tritt vorwiegend in gemässigten Klimazonen auf und ist besonders häufig zwischen dem 40. und 60. Breitengrad in der nördlichen Hemisphäre zu finden.
Tropische und subtropische Regionen sind kaum betroffen. In Äquatornähe oder in Japan kommt Multiple Sklerose vergleichsweise selten vor, während Skandinavien besonders häufig betroffen ist.
Quelle:
30.12.1999 -- medpoint.ch -- The Portalsite of the Swiss Health community!
|16.12.1999 Neuer Test weist früh auf Läsionen im Gehirn hin

Cleveland (run). Mit der Diagnose einer schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose beginnt für die meisten Patienten eine ungewisse Zukunft. Etwa die Hälfte von ihnen wird einen sekundärprogredienten Krankheitsverlauf entwickeln. Bei wem das der Fall ist, und wann diese Verschlimmerung eintritt, ist jedoch ungewiß. Amerikanische Neurologen haben nun eine neue Testmethode entwickelt, die frühzeitig auf Läsionen im Gehirn hinweist. Solche Läsionen korrelieren mit einem Fortschreiten der Erkrankung.
Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, daß sich durch eine Therapie mit ß-Interferon (IFN)-1a die Progression der Gehirnatrophie deutlich bremsen läßt.
Daten von 140 Patienten wurden ausgewertet
Die US-Forscher haben in ihrer Untersuchung die kernspintomographischen Daten von insgesamt 140 MS-Patienten in einem frühen Krankheitsstadium ausgewertet, die an einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit ß-IFN-1a (Avonex(R)) teilgenommen haben.
Die Patienten wurden dabei zwei Jahre lang entweder einmal wöchentlich mit sechs Millionen Einheiten ß-IFN behandelt, oder sie erhielten Placebo.
In dieser Zeit wurden zudem zur Kontrolle regelmäßig kernspintomographische Aufnahmen (MRT) gemacht.
Um genauere Aussagen über die destruktiven Prozesse im Gehirn zu erhalten, verwendeten die Neurologen eine spezielle Technik für die Analyse der Aufnahmen.
Aus den MRT-Daten wird dabei die Brain Parenchymal Fraction (BPF) berechnet.
BPF ist definiert als das Verhältnis des Volumens an parenchymalem Gehirngewebe zum Gesamtvolumen des Gehirns.
Das heißt: Je niedriger die Werte, desto ausgeprägter ist die Atrophie. Die BPF-Werte der MS-Patienten wurden dann sowohl untereinander als auch mit denen von gesunden Kontrollpersonen verglichen.
Zunächst zwischen Placebo und Verum kein Unterschied
Zu Beginn der Untersuchung war der BPF-Wert bei den MS-Patienten bereits deutlich geringer - mehr als fünf Standardabweichungen - als bei den gesunden Probanden. Und das, obwohl die Patienten nur einen geringen Behinderungsgrad von im Mittel 2,4 nach dem EDS-Score aufwiesen. Zwischen Placebo- und Verumgruppe bestand kein Unterschied.
Im zweiten Therapiejahr traten Effekte auf
Im Verlauf der Studie stellten die Neurologen dann eine progressive Verschlechterung der BPF bei den Patienten der Placebogruppe im Vergleich zu den Kontrollpersonen fest.
Bei den mit ß-IFN-1a behandelten Patienten habe es im ersten Jahr eine ähnliche Verschlechterung des BPF gegeben, berichten die Forscher (Neurology 53, 1999, 1698). Im zweiten Behandlungsjahr hätten jedoch die BPF-Werte in der Verumgruppe deutlich weniger abgenommen als in der Placebogruppe: Die Differenz bei der Atrophierate zwischen Verum und Placebo habe 55 Prozent betragen.
Als Erklärung für den erst im zweiten Jahr offensichtlichen Effekt führen die Wissenschaftler an, daß die therapeutischen Effekte des IFNß-1a des ersten Therapiejahres sich erst im zweiten auswirken. Nach Ansicht der Forscher hat die BPF-Messung zwei entscheidende Vorteile bei der Verlaufskontrolle Gehirnatrophie.
Zum einen sei die Schwankungsbreite gering, da die individuelle Gehirngröße berücksichtigt werde. Zum anderen besitze der BPF-Wert eine hohe Reproduktivität. Daher beurteilen die Wissenschaftler BPF als einen hoffnungsvollen neuen Marker für die destruktiven pathologischen Prozesse bei MS-Patienten.
Somit könnte auch bei klinisch nur wenig auffälligen Patienten die Krankheitsaktivität zuverlässig und frühzeitig nachgewiesen werden. Denn inzwischen sei bekannt, daß EDSS und klinische Schübe nur wenige konkrete Aussagen über den Stand des destruktiven Prozesses im Nervengewebe zulassen, so die US-Wissenschaftler.
Ob die Gehirnatrophie tatsächlich langfristige Hinweise auf den Krankheitsverlauf gibt, welche klinische Bedeutung Veränderungen im BPF-Wert haben und welchen Einfluß dabei therapeutische Interventionen haben, sollte nach Auffassung der Neurologen nun in weiteren prospektiven Studien untersucht werden.
Quelle:
16.12.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|27.10.1999 Was ist dran an der Hypothese vom Schwermetall?

Freudenstadt (frk). Möglicherweise beeinflussen exogene Noxen die Erstmanifestation und den Krankheitsverlauf einer Multiplen Sklerose. Patienten mit MS berichten häufig, daß sich die ersten Symptome nach der Sanierung ihrer Amalgamfüllungen ereignet hatten, einer Situation, bei der der Organismus verstärkt mit freigesetztem Quecksilber konfrontiert wird.
In einer kleinen Studie mit 43 MS-Patienten hat Professor Erich Schmauch aus Schwendi an seiner Klinik untersucht, ob es Anhaltspunkte für einen solchen Zusammenhang gibt, wie er beim 97. Kongreß ärztlicher Naturheilverfahren in Freudenstadt/Schwarzwald berichtet hat.
Bei laborchemischen Untersuchungen des Vollbluts der Patienten zeigte sich, daß zwar nicht bei allen, wohl aber in der Untergruppe mit primär chronisch progressivem MS-Verlauf erhöhte Quecksilberspiegel im Vollblut nachweisbar waren. In dieser Gruppe war auch die Zahl der Amalgamsanierungen zum Untersuchungszeitpunkt häufiger als bei den übrigen MS-Kranken und bei den Gesunden. Wegen der geringen Fallzahlen von fünf Patienten mit progressivem Verlauf waren die Ergebnisse aber nicht signifikant.
Wie Mauch bei dem von dem Unternehmen Biosyn unterstützten Symposium "Umweltmedizin quo vadis?" erläutert hat, bestand die Kontrollgruppe aus 22 Gesunden, meist Angestellte seiner Klinik. Keine Unterschiede bei Gesunden und Kranken gab es bei den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, Rauchen und Genuß von Meeresfrüchten oder Innereien. Zahl und Fläche der Amalgamfüllungen war in der Kontrollgruppe der Gesunden höher als bei den Kranken. Die Blutspiegel der Glutathionperoxidase, von Selen, Zink und Quecksilber im Vollblut zwischen allen MS-Patienten und Gesunden waren nicht signifikant unterschiedlich.
Nur in der Untergruppe der MS-Patienten mit primär chronisch progressiver MS hatten sich die im Schnitt höchsten Quecksilberspiegel im Vollblut mit einem Wert von durchschnittlich 0,96 Mikrogramm pro Liter ergeben. Die Gesunden hatten Werte von 0,49 und die Patienten mit schubförmiger MS 0,35 Mikrogramm pro Liter Vollblut. Auch hatten die Patienten mit primär chronisch progressivem Verlauf die niedrigsten Spiegel von Selen und Kupfer, sagte Mauch.
Quelle:
27.10.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|05.10.1999 Chlamydien-These fesselt Neurologen

Für eine der spannendsten Veranstaltungen beim 72. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, der jetzt in Magdeburg stattgefunden hat, war der Saal viel zu klein. Etliche Neurologen mußten stehen oder auf dem Boden sitzen.
Alle waren gekommen wegen der Diskussion über eine ungewöhnliche und überaus fesselnde These: Die Multiple Sklerose ist eine Infektionskrankheit, Ursache ist der Atemwegskeim Chlamydia pneumoniae. Er wird seit einiger Zeit auch als Ursache der Atherosklerose diskutiert.
Angestoßen hat die Diskussion in Deutschland weder im Fall der MS ein Neurologe, noch im Fall der Atherosklerose ein Gefäßspezialist oder Kardiologe. In beiden Fällen macht sich der Infektiologe Professor Wolfgang Stille vom Frankfurter Universitätsklinikum für das Thema stark. Stille rief dann auch beim Symposium in Magdeburg seine Kollegen, die MS-Patienten behandeln, auf: "Warten Sie nicht auf die serologische Klärung. Wir behandeln bei Tuberkulose ja auch nicht nach den Serum-Werten". Dies war seine provokative Antwort auf die Frage an die Referenten: Würden Sie bei MS antibiotisch behandeln?
Daten allerdings, die ein solches Vorgehen stützen könnten und über die in Magedeburg diskutiert worden ist, wollen nicht recht zusammenpassen. Da sind die Resultate der Untersuchungen von Dr. Subramaniam Sriram von der Vanderbilt-Universität in Nashville im US-Staat Tennessee, die er kürzlich in den "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht und in Magdeburg diskutiert hat: bei MS-Patienten hat er häufig Chlamydien im Liquor nachgewiesen.
An der Universität Heidelberg sind diese Ergebnisse bei deutschen Patienten nicht bestätigt worden. Privat-Dozent Dr. Armin Grau war die Ernüchterung deutlich anzumerken. Sriram glaubt noch nicht alles verloren: "Kritisch ist die Aufarbeitung der Liquor-Proben, dies muß absolut standardisiert sein". Klärung wird jedoch eine Therapiestudie bringen müssen: Helfen MS-Patienten Antibiotika? Stille will es wissen. In Magdeburg hieß es, er werde eine Studie zur Therapie von MS-Patienten mit Roxithromycin leiten. Zu dieser Substanz hat er einmal gesagt: Sie ist gegen Chlamydien zugelassen und in der Zulassung steht nicht, wo die Chlamydien im Körper sein müssen.
Quelle:
05.10.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|04.10.1999 Konsens liefert klare Anleitung, wie bei MS zu behandeln ist

Magdeburg (Rö). Bei schubförmiger Multipler Sklerose (MS) sollte heute eine immunmodulatorische Therapie die Basisbehandlung sein. Grundlage ist dabei die Anwendung von Beta-Interferonen.
Das Ergebnis eines internationalen Konsensus zur MS-Therapie hat Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg bei einem Satellitensymposium des Unternehmens Biogen zum 72. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Magdeburg diskutiert.
Nach diesem Konsensus sollte eine Therapie mit einem Beta-Interferon-Präparat dann gemacht werden, wenn beim schubförmigen Verlauf der MS in zwei Jahren mindestens zwei Schübe aufgetreten sind. Wesentlich ist dabei, daß die Diagnose möglichst frühzeitig gestellt wird, denn die entzündlichen Vorgänge der Erkrankung sind gerade in der Frühphase stark ausgeprägt.
In mehreren Studien mit unterschiedlichen Interferonpräparaten sind positive Ergebnisse erzielt worden. Dies gilt für die Schubfrequenzen, den Symptomenscores sowie die im Kernspintomogramm nachgewiesene Entzündungsaktivität. Alle drei Beta-Interferone können daher zur Basistherapie bei schubförmiger MS angewandt werden.
Weniger geklärt ist die Situation bei einem Versagen der Primärtherapie und bei sekundär chronisch progredientem Verlauf der Erkrankung.
Bei Versagen der primären Therapie wird derzeit untersucht, ob eine Erhöhung der Interferondosis Erfolg bringt. Eine weitere Möglichkeit ist die Umstellung auf andere immunsuppressive Maßnahmen.
Bei der Basistherapie kommen als Alternative zu Beta-Interferon Azathioprin, Copaxone oder Immunglobuline in Frage. Bei sekundärem Therapieversagen und Krankheitsprogression kann auf Mitoxantron und Cyclophosphamid gewechselt werden.
Bei sekundär progredienter MS wird Interferon beta-1a (Avonex(R)) derzeit in einer Phase-III-Studie geprüft. Gespritzt werden zwölf Millionen Internationale Einheiten einmal wöchentlich intramuskulär.
Quelle:
04.10.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|28.09.1999 Interferon Beta 1a verzögert neuropsychologische Störungen

Basel (sim) Die bei Patienten mit Multipler Sklerose häufige Beeinträchtigung neuropsychologischer Funktionen kann durch Behandlung mit Interferon-Beta-1a verlangsamt werden. Das hat die Auswertung der Daten einer Phase-III-Studie mit 264 Patienten ergeben, die an der relapsierenden Form der Krankheit litten, betonte Professor Frederick Munschauer auf dem Kongress ectrims/actrims 99.
Neuropsychologische Dysfunktionen ließen sich bei etwa 45 bis 65 Prozent aller MS-Kranken beobachten, sagte der Neurologe am Buffalo General Hospital in New York bei einem von dem Unternehmen Biogen unterstützen Symposium. Betroffen seien unter anderem Exekutivfunktionen wie Planung und Strategiebildung, die Aufmerksamkeit, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung sowie die räumlich-visuelle Wahrnehmung. Das Sprachvermögen und das Kurzzeitgedächtnis bleiben dagegen nach Angaben von Munschauer in der Regel verschont. Die neuropsychologischen Dysfunktionen könnten mitunter das erste Anzeichen für die Erkrankung sein, sie seien aber weder mit der Schwere der physischen Behinderung korreliert, noch mit der Dauer des Leidens.
Hierbei habe eine zweijährige Phase-III-Studie mit Interferon-Beta-1a belegt, daß ein Immunmodulator die neuropsychologischen Dysfunktionen verlangsamen könne, erinnerte Munschauer. Von den insgesamt 264 Patienten war lediglich bei einem Drittel kein Defekt nachzuweisen, bei zwölf Prozent fanden sich Beeinträchtigungen der Exekutivfunktionen, 27 Prozent wiesen Defizite im räumlich-visuellen Bereich auf, 25 Prozent hatten mehrere neuropsychologische Störungen.
Patienten, die Interferon-Beta-1a erhalten hatten, waren zum Abschluß dieser Studie in den Bereichen Informationsverarbeitung und Gedächtnis sowie Exekutivfunktionen und räumlich-visuelle Leistungen signifikant besser gewesen als Studienteilnehmer, die Placebo bekommen hatten. Im Paced Auditory Serial Addition Test (PASAT), der als besonders empfindlicher Indikator für die kognitiven Leistungen MS-Kranker gilt, hatte sich unter dem Verum im Vergleich zu Placebo die Wahrscheinlichkeit für eine anhaltende Verschlechterung ebenfalls signifikant reduziert. "Dies ist ein zusätzlicher Grund für eine Therapie mit Interferon-Beta-1a bei MS-Kranken", sagte Munschauer.
Quelle:
28.09.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|25.08.1999 Nur vier von zehn MS Kranken leben ohne Schmerzen

Wien (frk). Noch Anfang der 80er Jahre wurde in Medizin-Lehrbüchern im Abschnitt über Multiple Sklerose Schmerz nicht erwähnt. Dabei haben mehr als die Hälfte der Patienten Schmerzen als konstitutives Symptom - jedoch individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Daran hat Professor Jorgen Boivie aus Linkoping in Schweden auf einer Veranstaltung über "Schmerz bei neurologischen Erkrankungen" auf dem neunten Weltkongreß über Schmerz erinnert. Etwa zehn Prozent der MS-Patienten haben sogar als erstes Symptom einen zentralen Schmerz, meist an den Beinen. Auch die Schmerzqualität ist sehr unterschiedlich. Die Empfindungen reichen von brennenden Schmerzen über Druckschmerzen bis zu den typischen Schmerzen einer Trigeminusneuralgie.
In einer Untersuchung mit 243 MS-Patienten hat der schwedische Neurologe die Häufigkeiten für die verschiedenen Schmerzlokalisationen ermittelt. In seiner Studiengruppe hatten insgesamt 59 Prozent der Patienten irgendeinen Schmerz, 41 Prozent waren schmerzfrei. Von denjenigen mit zentralen Schmerzen waren bei 90 Prozent die Beine, bei 36 Prozent die Arme und bei 22 Prozent der Körperstamm betroffen. Fünf Prozent hatten eine Trigeminusneuralgie. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Schmerzdauer war ebenfalls unterschiedlich: Einige Patienten hatten nur im akuten Schub Schmerzen, andere während einiger Stunden des Tages oder tagelang.
Aus einer Therapiestudie mit 21 MS-Patienten ließ sich keine eindeutige Empfehlung für eine Behandlung herleiten. Bei zehn Patienten kam es aber zu einer Schmerzreduktion von mehr als 50 Prozent nach der Behandlung mit dem Antidepressivum Amitriptylin. Einige Patienten profitierten von einer intravenösen Therapie mit Morphin. "Wenn die Patienten bei geringen Dosierungen Non-Responder waren, hat auch die Dosiserhöhung keinen weiteren Vorteil gebracht", so Boivie. Unter den übrigen Patienten waren auch solche, die durch Antiepileptika oder Lokalanästhetika eine Linderung ihrer MS-induzierten Schmerzen erfuhren.
Quelle:
25.08.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|25.06.1999 Auch bei sekundär progredienter MS ist Interferon-beta-1a wirksam

SPECTRIMS-Studie in Deutschland vorgestellt / 618 Patienten / Schubrate stark vermindert
München (cod). "Wir haben die Ergebnisse der Studie dringend erwartet!" Dr. Ralf Karl Gold von der Universität Würzburg spricht von der SPECTRIMS-Studie zur Therapie mit Interferon-beta-1a bei Patienten, die sekundär progrediente Multiple Sklerose haben. Die Studie ist jetzt erstmals in Deutschland vorgestellt worden. Sie hat ergeben, daß die Hochdosistherapie Schubrate und -schwere stark verringert.
IFN-beta-1a (Rebif(R)) des Unternehmens Serono ist in der EU nur für die Therapie bei schubförmiger MS zugelassen. Bei einer Pressekonferenz in München hat Dr. Hans-Joachim Obert von dem Unternehmen zur "Ärzte Zeitung" gesagt, daß die Firma nun auch die EU-Zulassung für die sekundär progrediente MS beantragen werde.
618 Patienten wurden in die SPECTRIMS (Secondary Progressive Efficacy Clinical Trial of Recombinant Interferon-beta-1a in MS)-Studie aufgenommen, an der sich Australien, Kanada und sieben europäische Länder beteiligten. Die Kranken waren im Mittel 43 Jahre alt, hatten seit 13 Jahren MS, vor etwa vier Jahren war die Krankheit in die progrediente Form übergegangen. 63 Prozent waren Frauen.
Ein Drittel der Patienten spritzte sich drei Jahre lang dreimal wöchentlich 22 µg des Wirkstoffs der Firma unter die Haut, ein Drittel 44 µg, die übrigen Placebo. Die 44 Mikrogramm-Dosis ist in Deutschland erst seit drei Wochen auf dem Markt. In erster Linie wurde geprüft, ob die Therapie die fortschreitende Behinderung der Patienten aufhält.
In der Hochdosisgruppe war das im ersten Jahr deutlich so, nach drei Jahren war das Ergebnis aber nur bei den Frauen signifikant. Hochsignifikant in beiden Wirkstoffgruppen verringerte sich die Schubrate, um jeweils 31 Prozent, berichtete Gold bei der Konferenz, die von der Firma ausgerichtet wurde. In der 44-µg- Gruppe wurden schwere Schübe viel seltener. Fast 500 Tage vergingen im Mittel in dieser Gruppe bis zum ersten Schub im Vergleich zu 281 Tagen in der Placebogruppe. Fazit von Gold: Bei sekundär progredienter MS sollten 44 µg gespritzt werden.
Quelle:
25.06.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|10.06.1999 Von Beta Interferon 1 alpha profitieren Frauen besonders

Magdeburg (hae). Rekombinantes Beta-Interferon-1-alpha bremst bei sekundär-chronisch progredienter Multipler Sklerose (MS) Häufigkeit und Schwere der Krankheitsschübe und vermindert die Zunahme kernspintomographisch nachweisbarer Hirnläsionen. Außerdem werden damit weniger Steroide benötigt.
Auf diese Ergebnisse der multizentrischen SPECTRIMS-Studie (Secondary Progressive Efficacy Clinical Trial of Recombinant Interferon-beta-1-alpha in MS) in sieben europäischen Ländern, Australien und Kanada hat Privatdozent Ralf Gold aus Würzburg bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Magdeburg erneut hingewiesen. Damit habe sich die Wirksamkeit von Beta-Interferon auch bei dieser MS-Form bestätigt, sagte er bei der Diskussion der Studiendaten.
Die 618 Patienten im Alter zwischen 18 und 55 Jahren, davon zwei Drittel Frauen, waren im Mittel seit 13 Jahren erkrankt und seit vier Jahren in der chronisch-progredienten Phase. Sie bekamen über drei Jahre randomisiert und doppelblind IFN beta-1-alpha (Rebif(R)) dreimal wöchentlich in der Dosis von jeweils 22 oder 44 mg oder Placebo subkutan injiziert. Für die Subgruppe der weiblichen Patienten wurde unter der höheren Dosis die Progression signifikant um ein Jahr vermindert, gemessen mit der Enhanced-Disability Status-Skala (EDSS), berichtete Gold bei einem Satellitensymposium des Unternehmens Serono. In der Gesamtpopulation wurden alle sekundären Endpunkte unter der 44-µg-Dosis im Vergleich zu Placebo signifikant positiv beeinflußt. So waren die mittlere Schubrate um 30 Prozent, die Schubschwere und die Zeitdauer bis zum ersten Schub reduziert. Die Verum-Patienten benötigten weniger Steroide als die der Placebogruppe. Zudem stagnierten Größe und Umfang der kernspintomographisch bestimmten Läsionen über drei Jahre in der Hochdosisgruppe, nahmen aber unter Placebo um zehn Prozent zu. Abgesehen von den bekannten grippeähnlichen Symptomen traten keine unerwarteten, gravierenden unerwünschten Wirkungen auf. Warum in der Gesamtgruppe die Hemmung der Progression nicht direkt signifikant war - dies gelang erst nach einer Kovarianzanalyse - und warum die Frauen besser abschnitten, ist für den Neurologen nicht direkt erklärbar. Er wies darauf hin, daß im Vergleich zur europäischen Betaferon-Studie die Erkrankung bei den SPECTRIMS-Patienten deutlich stärker fortgeschritten war. Der chronisch-progrediente Verlauf bestand hier zwei Jahre länger, die Patienten hatten mit 5,4 einen höheren mittleren Basiswert auf der nichtlinearen EDS-Skala und zu einem geringeren Anteil Schübe.
Quelle:
10.06.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|06.05.1999 Neuer Test zum Verlauf und zur Prognose bei Multipler Sklerose

Toronto. Wie stark eine Multiple Sklerose (MS) ausgeprägt und wie der Verlauf beim Patienten zu beurteilen ist, läßt sich oft nur schwer abschätzen. Wer sich bei der Beantwortung dieser Fragen auf standardisierte Meß-Parameter zur Beurteilung stützen möchte wie die Expanded Disability Status Scale (EDSS), hat ein vergleichsweise aufwendiges Prozedere vor sich, welches zudem störanfällig für einen Wechsel des Untersuchers und damit kaum delegierbar ist. Ein neues "Meßinstrument", der Funktionale Composite Index (FCI), ist bei der Jahrestagung der American Academy of Neurology vorgestellt worden und könnte künftig eine Beurteilung des Krankheitszustandes von MS-Patienten erleichtern.
FCI erfaßt Funktionsfähigkeit der Gliedmaßen und Kognition
"Die EDSS hat den Vorteil, daß sie sehr gängig ist und jeder Arzt weltweit eine Vorstellung davon hat, wie stark behindert und in seiner Gehfähigkeit eingeschränkt ein Patient bei einem EDSS-Wert von 4,5 zum Beispiel ist", sagte Professor Jeffrey A. Cohen vom Mellen Center der Cleveland Clinic in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio. "Der Nachteil ist, daß das wichtigste Standbein der EDSS die Beurteilung der Gehfähigkeit ist. Parameter wie kognitive Leistungen oder die Funktionsfähigkeit der oberen Extremitäten werden kaum berücksichtigt, das ist ein Manko", so Cohen zur "Ärzte Zeitung" während des Treffens der American Academy of Neurology in Toronto in Kanada.
Der Funktionale Composite Index, den Cohen und seine Mitarbeiter derzeit in einer multizentrischen Phase-III-Untersuchung zur Interferon-Wirkung auf den Verlauf der sekundär-progredienten Multiplen Sklerose erproben, erfaßt die Funktionsfähigkeit der unteren und oberen Gliedmaßen sowie die Kognition. Für jeden Bereich gibt es einen Test. Um die Gehfähigkeit zu beurteilen, stoppt der Untersucher die Zeit, in der der Patient so schnell wie möglich 7,2 Meter läuft, entsprechend 25 Schritten.
Im Steckbrett-Test wird die Koordinationsfähigkeit der Hände geprüft: Der Patient muß neun kubusförmige Hölzchen in genau passende Öffnungen stecken, zweimal mit der dominanten Hand und zweimal mit der anderen. Die Konzentrationsfähigkeit wird mit einem Zahlenadditionstest gemessen. Im Abstand von fünf Sekunden spielt der Untersucher Zahlen von einem Tonband ab, die der Patient zu der Summe aus den zuvor genannten Zahlen addieren muß.
Test soll um Untersuchung der Sehfähigkeit ergänzt werden
"Diesen Test mögen die Patienten am wenigsten, weil sie das Gefühl haben, dabei werde auch ihre Intelligenz getestet", sagt Cohen, "aber er ist sehr aussagekräftig, vor allem, wenn eine Gewöhnungsphase beim Patienten überwunden ist."
Der FCI-Test dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Die Variabilität zwischen Tests zu verschiedenen Zeitpunkten durch dieselbe Person, aber auch zwischen verschiedenen Untersuchern ist nach Aussage von Cohen gering, wenn die Untersucher den Test drei- bis viermal gemacht haben. Aus den Daten der drei Parameter wird der sogenannte Z-Score errechnet, ein Maß für die Standardabweichung, mit der sich der individuelle Wert von einer Vergleichsgruppe unterscheidet, im Fall der aktuellen Studie von Menschen mit sekundär-progredienter Multipler Sklerose ähnlichen Alters. Auf diese Weise bekommt der Arzt Anhaltspunkte, wie der Krankheitszustand seines Patienten in Relation zu einer großen Population vergleichbar Betroffener zu bewerten ist.
"Bei Voruntersuchungen der Patienten für die Studie haben wir festgestellt, daß der FCI in der Tendenz mit dem Ergebnis der EDSS korreliert", berichtete Cohen, "aber er ist einfacher und schneller zu machen. In naher Zukunft wird er die Anwendung der EDSS nicht völlig ersetzen können. Aber wir glauben, daß er Vorteile für die t und für eine Beurteilung der Therapieeffekte in klinischen Studien."
Die Forscher erwägen außerdem, wie der Neurologe gesagt hat, den FCI um eine vierte Untersuchung zu ergänzen, in der die Sehfähigkeit getestet wird. Einen Schwachpunkt sieht Cohen auch darin, den Gehstrecke-Zeit-Test zu bewerten, wenn der Patient die Gehhilfe wechselt.
Professor Rudolf Janzen, der im Nordwestkrankenhaus in Frankfurt/ Main die Abteilung für Neurologie leitet, könnte sich eine Anwendung des FCI in der Praxis so vorstellen, daß der Arzt in größeren Abständen, zum Beispiel einem halben Jahr, die EDSS bestimmt und in der Zwischenzeit den Zustand des Patienten mit Hilfe des FCI verfolgt. "Den Verlauf einer MS über längere Zeit einzuschätzen und die richtige Therapieentscheidung zu treffen, ist immer noch eine große Schwierigkeit", so Janzen zur "Ärzte Zeitung". "Ich könnte mir vorstellen, daß uns künftig zudem neue Anwendungsvarianten der Kernspintomographie dabei helfen wie die Volumenmessungen des Hirnparenchyms in Kombination mit den im MRT sichtbaren Läsionen sowie immunologische Parameter."
Das Ausmaß der Atrophie des Hirngewebes korreliert Ergebnissen neuer Studien zufolge vermutlich mit der Prognose der MS, und die Bestimmung des Volumens der Parenchymfraktion könnte helfen, um die Aggressivität der Krankheit einzuschätzen (wir berichteten bereits).
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06.05.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|06.05.1999 Konsensusempfehlung soll Versorgung von MS Kranken verbessern

Die therapeutischen Möglichkeiten bei Patienten mit Multipler Sklerose haben sich gerade in den vergangenen Jahren durch neue immunmodulatorische Substanzen deutlich verbessert. Studien lieferten gute Belege für einen therapeutischen Nutzen vor allem bei Patienten mit schubförmigem Verlauf und in Ansätzen auch für Patienten mit sekundär progredientem Verlauf. Aber: "Beim Verordnungsverhalten der niedergelassenen Kollegen hat sich das leider noch nicht weitreichend durchgesetzt", beklagt Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Neurologischen Universitätsklinik in Würzburg. "Wir haben eine deutliche Unterversorgung!" Außer Unsicherheiten zur Wirksamkeit einer Therapie und zur Auswahl der geeigneten Substanz gelten die Einschränkungen der Praxisbudgets und die Furcht vor Regreßforderungen als Ursachen des bislang unzureichenden Verordnungsverhaltens.
Wenige MS-Kranke erhalten eine Immunmodulation
So gibt es in Deutschland derzeit etwa 120 000 MS-Patienten, davon 72 000 mit einem schubförmigen Verlauf. Aber nur 8500 von 43 000 mit schubförmig remittierender MS und 2000 von 29 000 mit sekundär progredienter MS werden nach vorsichtigen Schätzungen tatsächlich immunmodulatorisch behandelt.
Diese Erkenntnis war dann auch die Basis dafür, ein neues, vor allem im deutschsprachigen Raum erstmals einheitliches Konsensus-Statement zu erarbeiten, berichtete der Wissenschaftler auf einer Pressekonferenz der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in Frankfurt. MS-Experten aus Österreich, der Schweiz und aus Deutschland haben darin die verschiedenen immunmodulatorischen Behandlungsmöglichkeiten bewertet und ein Stufentherapie-Schema aufgestellt. Die praxisnahen Bewertungen und Empfehlungen sollen nun, so hoffen die MS-Experten, vor allem niedergelassenen Kollegen die Entscheidung für eine immunmodulatorische Therapie erleichtern.
"Anders als bei den bisherigen Empfehlungen, wurden nicht nur die Substanzen mit der höchstmöglichen Sicherheit berücksichtigt. Wir haben jetzt eine vergleichende Beurteilung der verschiedenen immunmodulatorischen Wirkstoffe versucht", erläuterte Professor Klaus V. Toyka aus Würzburg, Vorsitzender des Ärztlichen Beirates der DMSG.
Allen derzeit zur Therapie angewandten Substanzen ist im wesentlichen gemeinsam, daß sie prophylaktisch wirken. Sie verzögern oder idealerweise verhindern sogar eine weitere Schädigung der Nervenbahnen. Eine Reparatur manifester Schäden ist nicht möglich.
Die Bewertung der einzelnen immunmodulatorischen Wirkstoffe bildet auch die Grundlage für das Stufentherapie-Schema. "Darin ist erstmals eine Basistherapie definiert worden und die Option zur Therapie-Eskalation genannt worden", berichtete Rieckmann. Nach dem Schema gilt die hochdosierte Kortikosteroid-Stoßtherapie als wesentliche Standardmaßnahme bei einem akuten Schub. Als Basistherapie werden vorrangig die Beta-Interferone (IFN) genannt, die möglichst frühzeitig nach der Diagnosestellung angewandt werden sollten. Dabei gebe es keine grundsätzlichen qualitativen Unterschiede der immunmodulatorischen Effekte von IFN Beta-1a und -1b, so die MS-Experten. Sie empfehlen jedoch, bei nicht tolerablen Nebenwirkungen eines s.c.-Präparates auf eine andere Applikationsform oder alternative Substanz umzustellen und bei primärem Therapieversagen auf ein Präparat mit höherer Applikationsfrequenz. Außerdem weisen sie darauf hin, daß aufgrund der positiven Studienergebnisse mit IFN Beta-1b bei sekundär progredienter MS ein Abbrechen der Therapie allein beim Übergang von der schubförmigen in die progrediente Form nicht indiziert sei.
Alternativ kommen bei Patienten mit schubförmig remittierender MS Glatiramer-Acetat (Copolymer-1), das demnächst zugelassen werden zugelassenen Substanzen Azathioprin und Immunglobuline in Frage. "Ist aber bislang ein Patient etwa auf Azathioprin gut eingestellt, sollte kein Wechsel erfolgen. Es gelte dann das Prinzip: Never change a winning horse!", betonte Toyka.
Für Wirkstoffe wie Cladribin, Cyclosporin A, Linomid, 15-Desoxy-spergualin, orales Myelin, Enzyme oder Phosphodiesterasehemmer gibt es nach Ansicht der Wissenschaftler keine hinreichend positiven Ergebnisse, die eine Anwendung bei MS-Patienten rechtfertigen.
Es gibt unterschiedlich aktive Phasen der Erkrankung
Bei sekundärem Therapieversagen und Krankheitsprogression kann zunächst auf Mitoxantron oder dann eventuell auf Cyclophosphamid zurückgegriffen werden. Stabilisiert sich die Erkrankung über mindestens ein halbes Jahr, kann die Umstellung auf ein Präparat der Basistherapie erwogen werden. "Es gibt zwar noch keine Studien zur Eskalation und späteren Rückführung auf eine Basistherapie, aber einige gut dokumentierte Einzelfallberichte", so Rieckmann. "Wir gehen daher davon aus, daß es unterschiedlich aktive Phasen der Erkrankung gibt, die unter Umständen dann auch kurzfristig stärkere therapeutische Maßnahmen erfordern." Neu ist in den Konsensus-Empfehlungen auch, daß bestimmte praktische Aspekte etwa "Was ist ein Therapieversagen" definiert worden seien. Die genauen Empfehlungen sind auch vor kurzem in "Der Nervenarzt" (4, 1999, 371) veröffentlicht worden. Das Konzept soll in regelmäßigen Abständen aktualisiert und modifiziert werden.
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06.05.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|30.04.1999 Empfehlungen zur Behandlung bei MS

Frankfurt (run). Erstmals haben Experten für Multiple Sklerose aus Österreich, der Schweiz und aus Deutschland einheitliche Konsensus-Empfehlungen zur immunmodulatorischen Therapie bei dieser degenerativen Erkrankung erarbeit. Kernstück ist dabei ein Stufenschema. Darin ist erstmals eine Basistherapie definiert und die Option zur Therapie-Eskalation genannt worden.
Dies ist nach Ansicht von Privatdozent Dr. Peter Rieckmann aus Würzburg ein wesentlicher Punkt der Konsensus-Empfehlungen, wie er auf einer Pressekonferenz der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in Frankfurt am Main betont hat. Nach dem Schema gilt die hochdosierte Kortikosteroid-Pulstherapie als die Maßnahme zur Schubtherapie. Als Basistherapie werden vorrangig die Beta-Interferone genannt, die möglichst früh nach der Diagnose angewandt werden sollten. Alternativ kommen auch die noch nicht spezifisch für die MS-Therapie zugelassenen Substanzen Glatiramer-Acetat, Azathioprin und Immunglobuline in Frage. Bei Krankheitsprogression kann zunächst auf Mitoxantron oder dann eventuell auf Cyclophosphamid zurückgegriffen werden. Stabilisiert sich die Erkrankung über mindestens ein halbes Jahr, kann die Umstellung auf ein Präparat der Basistherapie erwogen werden.
"Anders als bei bisherigen Empfehlungen wurden nicht nur die Substanzen mit höchstmöglichst gesicherter Wirksamkeit berücksichtigt. Wir haben jetzt die vergleichende Beurteilung aller Möglichkeiten versucht, die sich gerade in den vergangenen vier Jahren ergeben haben", erläuterte Professor Klaus V. Toyka aus Würzburg. Da nicht für alle Substanzen eine gleich gute Datenlage vorhanden sei, habe man die Wirkstoffe - je nachdem, wie gut ihre Wirksamkeit gesichert ist - in drei Stufen klassifiziert. Daraus seien möglichst praxisnahe Empfehlungen entstanden, so der Vorsitzende des Ärztlichen Beirates der DMSG. Die genauen Empfehlungen sind jetzt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Der Nervenarzt" (4, 1999, 371) veröffentlicht worden.
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30.04.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|30.03.1999 Nutzen von Immunglobulinen wird in europäischer Studie geprüft

Mayschoß (ts). In der Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Seit einigen wenigen Jahren gibt es Medikamente, mit denen die Pathogenese der entzündlichen Erkrankung günstig beeinflußt werden kann. Zu diesen Medikamenten gehören außer den Beta-Interferonen und dem Copaxone die Immunglobuline.
Experimentelle Studien haben ergeben, daß mit Immunglobulinen zum einen die entzündliche Aktivität gehemmt und zum anderen die Heilung des geschädigten Myelins gefördert werden kann, wie Professor Otto-R. Hommes vom Multiple Sklerose Zentrum in Nijmegen in den Niederlanden auf dem 23. Presseseminar des Unternehmens Bayer in Mayschoß berichtet hat.
Der therapeutische Nutzen der Immunglobuline ist in mehreren klinischen Studien belegt worden. So habe eine Placebo-kontrollierte Studie mit 148 Patienten mit schubförmig remittierender MS in einer Behandlungszeit von im Mittel fast zwei Jahren ergeben, daß die Langzeit-Therapie mit intravenös appliziertem Immunglobulin vor akuten Schüben der Erkrankung schützt und die Erkrankungsprogression bremst. So betrug die Schubrate pro Jahr und Patient in der Verum-Gruppe 0,52 und in der Placebo-Gruppe dagegen 1,26.
Eine weitere Placebo-kontrollierte Studie bei 18 Patienten mit schubförmig remittierender MS und einer Beobachtungsdauer von 15 Monaten habe ergeben, daß die Therapie mit intravenös verabreichtem Immunglobulin die Zahl neuer MS-Läsionen im Kontrastmittel-Kernspintomogramm signifikant vermindert. So betrug die Zahl neuer Läsionen in der Verum-Gruppe im Mittel 0,4, in der Placebo-Gruppe 0,9.
Wie Hommes weiter berichtet hat, läuft seit August 1997 mit Unterstützung des Unternehmens Bayer eine europäische Studie bei Patienten mit sekundär progressiver Multipler Sklerose. Primärer Endpunkt der Studie ist der Anteil der Patienten, die sich während der Studiendauer in der Behinderungsskala (EDSS = Expanded Disability Status Scale) um einen Punkt verschlechtern. An der Studie in 31 Zentren in neun europäischen Ländern und Kanada nehmen 318 Patienten mit einem Behinderungsgrad nach der EDSS von drei bis 6,5 teil. Die Patienten sind 18 bis 55 Jahre alt. Die Studiendauer soll 30 Monate betragen.
Erwartet wird, daß der primäre Endpunkt in der Placebo-Gruppe bei 45 Prozent der Patienten eintritt, in der Verum-Gruppe dagegen bei 27 Prozent, was einer relativen Reduktion von 40 Prozent entsprechen würde. Zur europäischen Studie gehören mehrere Forschungsprojekte, etwa zur Kernspintomographie und zu Wachstumsfaktoren. Eine der Fragestellungen ist nach Aussage von Hommes zum Beispiel, ob Immunglobuline nicht nur im Experiment, sondern auch bei MS-Kranken die Remyelinisierung fördern.
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30.03.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|29.03.1999 Aus Budget-Angst betonen Ärzte Therapierisiken

Behandlung MS-Kranker mit innovativen Präparaten immer erfolgreicher / Mehr Aufgaben für niedergelassene Neurologen
Mayschoß (ts). Mit der Krankheit Multiple Sklerose (MS) assoziieren viele Menschen, auch manche Ärzte, noch immer eine schlechte Perspektive der Patienten, etwa eine frühe Abhängigkeit vom Rollstuhl. Die Prognose der Erkrankten ist jedoch nicht mehr so negativ. Finanzielle Gründe erschweren allerdings die ambulante Versorgung der Patienten mit innovativen Präparaten.
Rollstuhl-abhängig werden 15 Prozent der MS-Kranken. Nach 20 Jahren Krankheit sind noch 30 Prozent der Patienten erwerbstätig, die Rate benigner Verläufe beträgt 25 bis 42 Prozent, hat Dr. Wolfgang-Gerhard Elias, niedergelassener Neurologe in Hamburg, auf dem 23. Bayer-Presseseminar in Mayschoß berichtet.
Zunehmende Bedeutung für die Versorgung MS-Kranker haben niedergelassene Neurologen gewonnen, sagte Elias, der etwa 300 MS-Patienten betreut. So ist heute fast die gesamte Diagnostik ambulant möglich. Ein Grund ist auch, daß es nach Jahren rein symptomatischer Therapien seit einiger Zeit mit Interferonen, Immunglobulinen und Glatirameracetat Medikamente gibt, die die MS-Pathogenese beeinflussen können.
In der ambulanten Versorgung mit innovativen Medikamenten stellt sich nach Aussage von Elias aber zunehmend das Problem, daß die Therapie-Kosten die Arzneimittelbudgets sprengen. Die Verunsicherung der Kollegen, ob die Kosten innovativer Therapien von den Kassen noch übernommen werden, sei so groß, daß im Gespräch mit Kranken mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen so sehr betont würden, daß die Patienten die Therapie ablehnten.
Die Vorstellung, mit Ausgrenzung sogenannter umstrittener Arzneimittel, etwa durch eine Positivliste, mehr finanzielle Mittel für Innovationen zu haben, hält Elias für Wunschdenken. Als Lösung sieht er, Innovationen aus dem allgemeinen Budget auszuklammern und für sie Extra-Budgets zu schaffen. Für nötig hält er zudem, die Preise der innovativen Präparate zu senken. Nur so werde es möglich sein, Kranke mit kombinierten Innovationen zu behandeln.
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29.03.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|16.03.1999 Mit Beta-IFN kommen viele MS-Kranke länger ohne Rollstuhl aus

München (ikr). Die Therapiemöglichkeiten für Patienten mit Multipler Sklerose (MS) haben sich in den vergangenen Jahren verbessert. Wesentlich dazu beigetragen hat die Entwicklung von Immunmodulatoren, mit denen sich zum Beispiel die MS-Schubrate deutlich verringern läßt. Bislang erhalten jedoch noch viel zu wenige der Patienten, die für eine solche Behandlung in Frage kommen, eine immunmodulierende Therapie, wie eine Befragung von Ärzten jetzt ergeben hat.
Darauf hat Thomas Hein vom Unternehmen Schering hingewiesen. In Deutschland sind derzeit etwa 120 000 Personen an MS erkrankt. Davon kommen 40 000 bis 70 000 für eine Behandlung mit Immunmodulatoren in Frage, wie Hein bei einer von dem Unternehmen veranstalteten Pressekonferenz in München gesagt hat. Herausgenommen seien hier bereits Patienten mit Kontraindikationen, Compliance-Problemen oder prinzipiellen Vorbehalten gegen die Therapie. In Wirklichkeit würden derzeit aber nur etwa 10 000 mit einem Immunmodulator behandelt.
Auch wenn eine solche Therapie relativ teuer sei - so entstehen mit einem Beta-Interferon jährlich Kosten von etwa 30 000 DM -, sollte sie aufgrund der günstigen Studienergebnisse den MS-Patienten, die sie benötigen, nicht vorenthalten werden. Darüber waren sich die bei der Münchner Konferenz anwesenden Neurologen einig. Zur Behandlung von Patienten mit schubförmiger MS sind mittlerweile drei Beta-Interferone erhältlich: das Interferon ß-1b (Betaferon(R)) und die beiden Interferon ß-1a-Präparate Avonex(R) und Rebif(R). Mit allen drei Präparaten läßt sich die Schubrate um etwa ein Drittel verringern.
Für das Interferon ß-1b hat sich die Indikation im Januar dieses Jahres erweitert. Es hat die EU-Zulassung zur Behandlung von Patienten mit sekundär progredienter MS erhalten (wir berichteten). Das ist nach Angaben von Dr. Ernst Walther vom Klinikum Großhadern in München ein großer Fortschritt, da bei etwa 80 Prozent der Patienten, die eine schubförmige MS haben, die Erkrankung irgendwann einen progredienten Verlauf nimmt, also die Schwere der Erkrankung stetig zunimmt.
"Wir können die MS-Kranken zwar immer noch nicht heilen, aber wir können die Krankheit für sie erträglicher machen", sagte der Münchner Neurologe. Den Ausschlag für die Zulassung des Interferon ß-1b bei sekundär progredienter MS hat eine Studie gegeben, die im November vergangenen Jahres im "Lancet" (352, 1998, 1491) publiziert worden ist (wir berichteten).
Demnach läßt sich mit einer solchen Behandlung die Progression der Erkrankung signifikant verzögern. So war bei den Studienteilnehmern, die zwei bis drei Jahre lang Interferon ß-1b erhalten hatten, eine Progression der MS erst neun bis zwölf Monate später festzustellen als bei den Teilnehmern, die Placebo bekommen hatten, wie Walther berichet hat.
Therapieeffekt unabhängig von Schwere der Krankheit
Dieser Therapieeffekt sei unabhängig von der Schwere der Erkrankung gewesen und auch unabhängig davon, ob die Patienten in den zwei Jahren vor oder während der Therapie Krankheitsschübe hatten. Der Anteil der Patienten mit beständiger Symptomverschlechterung war in der Verumgruppe um nahezu 22 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe. So brauchten am Ende der Studie 25 Prozent der mit Placebo, aber nur 17 Prozent der mit Beta-Interferon behandelten Patienten einen Rollstuhl.
Zur Erinnerung: In der Studie sind 700 Kranke mit sekundär progredienter MS und einem Behinderungsgrad zwischen 3,0 und 6,5 auf der zehn Punkte umfassenden EDS-Skala (Expanded Disability Status-Skala) aufgenommen worden.
Alle Patienten hatten in den zwei Jahren vor Studienbeginn mindestens zwei Schübe gehabt, oder es hatte sich in diesem Zeitraum der Behinderungsgrad um mindestens einen Punkt auf der lsverteilung mit subkutanen Injektionen von acht Millionen Internationalen Einheiten IFN ß-1b jeden zweiten Tag oder mit Placebo.
Welche Alternativen in Frage kommen
Aufgrund der guten Resultate in der Verum-Gruppe bei der Zwischenauswertung wurde die Studie vorzeitig abgebrochen. Bestätigt wurde der günstige Effekt der Behandlung, was die Krankheitsprogression betrifft, auch durch die Schubrate oder die kernspintomographischen Befunde.
MS-Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich seit dem Frühjahr 1998 immer wieder zusammengesetzt, um die derzeit verfügbaren medikamentösen Therapieoptionen bei MS zu bewerten. Über die wesentlichen Ergebnisse hat Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Universitätsklinik in Würzburg berichtet. Demnach bleiben für die MS-Schubtherapie Kortikoide weiterhin Standard. Im Zentrum der Basistherapie zur Prophylaxe von Schüben oder MS-assoziierten Defiziten stehe aufgrund der bereits umfangreichen günstigen Studiendaten das Beta-Interferon. Als Alternative kommen nach Aussage von Rieckmann Azathioprin, Glatirameracetat (Copolymer 1) und Immunglobuline (IVIg) in Frage. Bei Patienten, die weder mit Beta-Interferon noch mit einem der zuvor genannten Präparate zurechtkommen oder die damit nicht ausreichend behandelt sind, sei im Sinne einer Eskalationstherapie die Anwendung von Mitoxantron oder Cyclophosphamid zu erwägen.
Wann spricht der Kranke auf die Arznei an?
Bei MS-Patienten ist die Basistherapie zur Prophylaxe von Schüben oder MS-assoziierten Defiziten über einen längeren Zeitraum vorzunehmen, empfehlen Neurologen. Doch wie läßt sich erkennen, ob die Patienten auf ein Medikament ausreichend ansprechen? "Wenn sich innerhalb eines Jahres die Schubrate nicht verringert oder gar zunimmt, dann ist das ein Hinweis darauf, daß die Therapie wahrscheinlich nicht ausreichend effektiv ist", sagte Privatdozent Dr. Peter Rieckmann von der Universitätsklinik in Würzburg zur "Ärzte Zeitung". Einen solchen Patienten solle man kernspintomographisch untersuchen, um zu sehen, ob der Befund die klinische Situation widerspiegelt. Rieckmann: "Haben auch die MS-Herde im Gehirn zugenommen oder hat sich der Zustand des Patienten nach der EDS-Skala nicht verbessert oder gar verschlechtert, ist anzunehmen, daß der Patient nicht ausreichend auf die Therapie anspricht." Wichtig sei, die Patienten nach Therapiebeginn alle drei oder wenigstens alle sechs Monate einzubestellen. Nur so habe der Patient die Möglichkeit, intensiv mit dem Arzt über die Therapie zu sprechen. Zudem könnten Komplikationen früh erkannt werden.
Wie lange sollte die Basistherapie bei MS fortgesetzt werden? Wann ein Auslaßversuch sinnvoll erscheint, sollte immer individuell je nach Krankheitsverlauf entschieden werden, meint Rieckmann.
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16.03.99 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit
|18.01.1999 Interferon ß bremst MS-Progredienz unabhängig vom Krankheitsstadium

Neu-Isenburg (mal). Bei sekundär progredienter Multipler Sklerose (MS) kann eine Behandlung mit Interferon ß-1b die Progression der Krankheit signifikant verzögern. Der Therapieeffekt ist dabei nicht nur unabhängig von der Schwere der Erkrankung. Sondern von der Therapie profitieren die MS-Kranken auch unabhängig vom Auftreten von Schüben in den zwei Jahren vor oder während der Therapie.
Wird Interferon ß-1b zwei bis drei Jahre lang eingenommen, ist eine Progression der MS erst neun bis zwölf Monate später festzustellen als mit Placebo, hat eine europäische Studie zum Effekt von Interferon ß-1b (IFN ß-1b) bei sekundär progredienter MS ergeben. Die Studie, deren Resultate wie berichtet erstmals im vergangenen Jahr bei einem Neurologen-Kongreß in Nizza vorgestellt worden sind, ist jetzt auch im "Lancet" veröffentlicht (352, 1998, 1491).
In die Untersuchung sind über 700 Kranke mit sekundär progredienter MS und einem Behinderungsgrad zwischen 3,0 und 6,5 auf der zehn Punkte umfassenden EDS-Skala (Expanded Disability Status-Skala) aufgenommen worden. Alle Patienten hatten in den zwei Jahren vor Studienbeginn mindestens zwei Krankheitsschübe gehabt oder es hatte sich in diesem Zeitraum der Behinderungsgrad um mindestens einen Punkt auf der EDSS verschlechtert.
Die Behandlung erfolgte nach einer Zufallsverteilung mit subkutanen Injektionen von acht Millionen Internationalen Einheiten IFN ß-1b jeden zweiten Tag oder mit Placebo. Bewertet wurde primär die Zeit bis zur Verschlechterung der Behinderung um einen EDSS-Punkt oder um einen halben Skalenpunkt, wenn die EDSS-Ausgangswerte bei 6,0 oder bei 6,5 lagen. Aufgrund der guten Resultate in der Verum-Gruppe bei einer Zwischenauswertung wurde die Studie vorzeitig abgebrochen.
Bei der Auswertung fand sich eine solche Verschlechterung bei 50 Prozent der Patienten mit Placebo, aber nur bei 39 Prozent der Patienten mit IFN ß-1b-Therapie. Für die Zeit bis zur Progression des Behinderungsgrades ergab sich ein signifikanter Unterschied zugunsten der Verumgruppe. Der Therapieeffekt war unabhängig vom EDSS-Ausgangswert oder von der Tatsache, ob MS-Schübe auftraten oder nicht. Bestätigt wurden auch der positive Effekt von IFN ß-1b etwa auf Schubrate oder Läsionen im NMR.
Wie Dr. Donald E. Goodkin von der Universität von San Francisco im US-Staat Kalifornien in einem Kommentar zur Studie schreibt, wird derzeit in einer nordamerikanischen Studie geprüft, inwieweit der progressionsverzögernde Effekt von IFN ß-1b dosisabhängig ist. Nach Angaben des Unternehmens Schering, das das IFN ß-1b-Präparat Betaferon(R) bereits für Patienten mit schubförmiger MS anbietet, läuft bei der EU-Kommission das Verfahren zur Indikationserweiterung für das IFN-Mittel.
Quelle:
18.01.1999 -- Ärzte Zeitung Online - die einzige Tageszeitung zur Gesundheit