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GESCHICHTE DES KAFFEES
Um die entstehen des Kaffees ranken sich viele Mythen. Eine handelt von Hirten, Mönchen und wilden Ziegen.
Begonnen haben soll alles im Hochgebirge des heutigen Äthiopiens. Zu dieser Zeit – es war etwa das 9. Jahrhundert – bestand noch das Königreich Kaffa, worin Hirten über die Wiesen zogen und Bauern ihr Land pflügten.
In dieser Zeit soll ein Hirtenjunge mit Namen Kaldi beobachtet haben, wie seine Ziegen, nachdem sie von einem Baum mit kirschroten Beeren gefressen hatten, die ganze Nacht über wach blieben und herumsprangen. Daraufhin probierte er selbst diese „Früchte“ und war von ihrer Wirkung wach und gestärkt.
Der Schafhirte erzählte diese Geschichte einigen Möchten. Diese, von dem Geschmack angewidert, warfen die bitteren Bohnen umgehend ins Feuer. Daraufhin verbreitete sich ein köstlicher Duft in ihrem Kloster. Die Mönche waren verwundert und machten aus dem Aufguss der nun gerösteten Bohnen ein Getränk. Von nun an half es ihnen, die Nacht über wach zu bleiben, miteinander zu reden und zu beten.
Die Kaffeekultur selbst geht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Damals gelangte der Kaffee aus seiner Heimat Äthiopien nach Arabien. Der neue „Wein des Islams“ begeisterte die arabische Welt durch seine anregende Wirkung, den echter Wein war gläubigen Muslimen verboten. Das Wort Kaffee stammt dann auch vom altarabischen Wort Qawah (das Erregende) ab.
Im 16. Jahrhundert gelangte der Kaffee über Arabien und Mekka nach Kairo und Konstantinopel (heutiges Istanbul). Zu dieser Zeit stand das Osmanische Reich auf seinem Höhepunkt. Somit spielte Kaffee in Arabien, Syrien, Ägypten und im südöstlichen Europa eine zunehmend wichtige Rolle. Da war es dann auch in Damaskus und Aleppo, wo die ersten Kaffeehäuser ihre Tore öffneten.
DER KAFFEE KOMMT INS ALTE EUROPA
Schliesslich erreichte im Jahr 1624 die erste grosse Kaffeeladung Venedig. Die Stadt entwickelte sich rasch zum ersten europäischen Handelsplatz für Kaffee. Das Getränk genoss überall schnell grosse Beliebtheit und Kaffeehäuser schossen wie Pilze aus dem Boden: 1645 der erste Kaffeeausschank in Venedig, 1652 in London, wo es im Jahre 1700 schon an die 3000 Kaffeehäuser gegeben haben soll, und 1672 in Paris.
Als die Türken ihre Belagerung von Wien im Jahr 1683 abbrechen mussten, ließen sie 500 Säcke Kaffee zurück. Ein findiger polnischer Kaufmann eröffnete damit das erste Wiener Kaffeehaus.
Es gelang bereits Ende des 17. Jahrhunderts, Kaffeebäume in Treibhäusern zu züchten. Eine dieser Pflanzen wurde 1714 als Geschenk an Ludwig den XIV. nach Paris übergeben. Kaffee war jedoch zu dieser Zeit ein Luxusartikel. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts etablierte sich jedoch der Kaffeegenuss im Bürgertum, trotz des hohen Preises.
KAFFEE IN UNSERER ZEIT
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Brasilien der grösste Kaffeeproduzent der Welt. Heute kommt fast die gesamte Kaffeeproduktion aus Zentralamerika, Brasilien und den Tropengebieten Südamerikas. Die Kaffeeweltproduktion erreicht rund 150 Millionen Sack pro Jahr, wobei Brasilien mit über 1/3 der Produktion an erster Stelle rangiert.
Das Kaffeerösten im Haushalt wurde endgültig vom industriellen Fertigprodukt abgelöst. 1901 präsentierte der Japaner Dr. Sartori Kato das erste lösliche Kaffeepulver. Die Firma Nestlé legte 1938 den Grundstein für die kommerzielle Vermarktung des löslichen Kaffees (Instantkaffee).
Die Dimensionen des Kaffeeverbrauches spiegeln sich in der Entwicklung des Weltrohkaffeeverbrauches in den letzten 250 Jahren wider: 1750: 600.000 Sack, 1850: 4 Millionen Sack, 1950: 36 Millionen Sack, 1995: 94 Millionen Sack, 2000: 103 Millionen Sack, 2011: 148 Millionen Sack.
Die Nachfrage nach Kaffee machte das Heißgetränk zum zweitwichtigsten Handelsgut nach den Erdölprodukten. Begleitet wurde diese Entwicklung durch Phasen der Überproduktion, von Kaffeeverbrennung, Preiseinbrüchen, Weltwirtschaftskrisen, Konsumrückgängen während der beiden Weltkriege und der Schaffung von Weltkaffee-Abkommen zur Stabilisierung der Kaffeepreise. In Deutschland wurde Kaffee nach dem Ende des II. Weltkrieges zu einem Symbol für Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. Kaffeetrinken hieß, sich wieder etwas leisten zu können.
Heute ist Kaffeetrinken zu einer ganz normalen Tätigkeit geworden und ist doch nicht aus unserem Alltag wegzudenken. Kaffee trinken heisst Geniessen, sich Zeit zu nehmen oder mit Freunden einen Nachmittag bei einer köstlichen Tasse Kaffee zu verbringen.