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Die historische entwicklung der presse
Die erste Zeitung der Welt
Die Entstehung der Presse kann auf den September im Jahr 1605 datiert werden. Zu dieser Zeit entstand die erste Zeitung der Welt mit dem Namen „Relation“. Gegründet wurde sie von Johann Carolus in Strassburg. Der Pfarrerssohn aus Mülbach im elsässischen Münstertal durchlief einen kurzen aber anspruchsvollen Bildungsweg. Nach der Elementarschule setzte er seine Ausbildung unter der Obhut seines Onkels, ein Münsterdiakon, fort. Carolus erlernte daraufhin das Handwerk eines Buchbinders. Die Angehörigen dieses Berufs hatten das Recht, mit ihren gebundenen Büchern Handel zu betreiben. So war die spätere Tätigkeit von Carolus vorgezeichnet. Im Jahr 1599 heiratet er Anna Fröhlich. Durch die Heirat erwirbt er die Bürgerrechte und kann fortan als Unternehmer tätig sein. Obwohl sich Carolus in einer finanziell prekären Lage befindet, da er erst vor kurzem ein Haus kaufte, erwirbt er die bedeutendste und grösste Verlagsdruckerei in Strassburg. Um seine finanzielle Lage zu verbessern, sucht er nach neuen Erlösquellen. Zu Beginn des Jahres 1604 liefert er zunächst handschriftliche „wöchentliche Avisen“ an einen überschaubaren Kreis von „ettlichen Herren“. Im Spätsommer 1605 kommt Carolus die Idee, die Zielgruppe auszuweiten und die Nachrichten aus aller Welt auch der breiteren Masse zu verkaufen. Die Voraussetzung dafür: Grosse Auflagen produzieren, um annehmbare Preise zu ermöglichen. Die handschriftlichen Kopien werden fortan nicht mehr von Hand geschrieben, sondern gedruckt. Drei Jahre entwickelt sich die Zeitung wie erhofft. Doch dann folgt ein Zusammenstoss mit der Obrigkeit. Es ist der erste Zeitungszensurfall der Weltgeschichte.
Der erste Zensurfall
In einer Meldung über das Auftreten einer türkischen Gesandtschaft am Hof Kaiser Rudolfs dem 2. in Prag weist die wöchentlich erscheinende Zeitung „Relation“ auf die finanziellen Probleme des Kaisers hin. Das erregt das Missfallen des Ammeisters Peter Storck: „Der Herr Ammeister zeigt an, das in den gedruckten Zeittungen sich under anderm befindt das der kayserlichen Majestät allerhand zu schimpff und verkleinerung gemeldet.“ Da sich Carolus im folgenden kooperativ und reuig zeigt, darf er die Zeitung weiterführen. Er verpflichtet sich aber, zukünftig solche Meldungen nicht mehr zu veröffentlichen. Dieses Beispiel zeigt, dass bereits bei der ersten Zeitung der Welt Zensur und Selbstzensur ineinander greifen. Am 15. August 1634 stirbt Johann Carolus. Sein Sohn Moritz übernimmt die „Relaton“, die noch bis ins Jahr 1667 nachweisbar ist.
Presse im Ancien Régime
Auch die Zeit vor der Französischen Revolution von 1789 unterlag der Zensur, insbesondere der Vorzensur durch Zensurkommissionen. Zu den Inhalten der Zeitungen dieser Zeit zählen in erster Linie Verlautbarungen von Regierung und Verwaltung. Es gab keine unabhängigen innenpolitische Inhalte, jedoch zahlreiche Berichte aus dem Ausland. Zudem zählten Inserate, aber auch literarische Texte zu den Bestandteilen der damaligen Zeitungen. Beispiele für Zeitungen aus der Schweiz mit diesen Strukturen sind das „Feuille d’Avis“ von Neuenburg und Lausanne (ab 1738), die Montags-Zeitung (Zürich ab 1672) oder die Donnerstags-Nachrichten (Zürich ab 1730).
Pressefreiheit im 19. Jahrhundert und Parteipresse
Im 19. Jahrhundert etablierten sich zunehmend demokratische Strukturen. Weiter wurde in der Schweiz 1848 der Bundesstaat gegründet. Zu dieser Zeit kam die Idee auf, dass die Pressefreiheit eine „dienende Funktion“ erfüllt, weil durch sie die politische Partizipation erhöht wird.
Die Presseerzeugnisse im 19. Jahrhundert waren geprägt durch einen Aussenpluralismus. Das heisst: Alle politischen Parteien gründen ihre eigenen Zeitungen. Innerhalb dieser gibt es praktisch keine Vielfallt, aber das Mediensystem insgesamt bildet alle politischen Meinungen der Parteien ab. Die drei politischen Hauptbewegung dieser Zeit und ihre Presse waren:
- Presse der freisinnigen und liberalen Kräfte (FDP, Liberale, BGB; heute: SVP)
- Presse der katholisch-konservativen Bewegung (CVP, CSP)
- Presse der Arbeiterbewegung (SP)
Diese Parteipresseerzeugnisse werden auch Gesinnungspresse genannt (syn.: Meinungspresse, Parteipresse, parteinahe Presse). Grundlegend ist, dass sich diese Blätter zu einer partei- oder staatspolitischen Gesinnung bekannten. Das Ziel war es, die Welt aus einer bestimmten politischen Sichtweise oder politischer Grundhaltung heraus darzustellen und die eigene politische Position zu propagieren.
Forumspresse im 19./20. Jahrhundert
Am Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen kommerzielle Überlegungen im Pressesektor zu. Die Idee dahinter war, dass der Verkaufspreis durch den hohen Anteil an Werbung gesenkt werden kann. Dafür war auch zentral, dass nicht mehr nur ein bestimmtes Publikum angesprochen werden sollte, sondern, dass die Zeitung durch ein grosses, heterogenes Publikum rezipiert wird. Damit verbunden war, dass die Medienlandschaft nicht mehr durch einen Aussenpluralismus gekennzeichnet war. Fortan herrschte ein Binnenpluralismus innerhalb der Zeitung. Die Inhalte zeichneten sich demnach durch politische Neutralität aus, um dem Leser möglichst verschiedene Meinungen anzubieten.
Verwendete Literatur
Welke, Martin (2013): Darf man so was drucken? Kaum erfunden, schon zensiert: Die Geschichte der ersten Zeitung der Welt. In: http://www.zeit.de/2014/01/zensur-geschichte-zeitung-presse/seite-2http://www.zeit.de/2014/01/zensur-geschichte-zeitung-presse/seite-2 (besucht am 18.04.2016).
Beck, Klaus (2012): Kapitel 3.2. Periodische Presse: Zeitungen und Zeitschfriften. In. Ders.: Das Mediensystem Deutschlands, Springer VS, S. 97-156.
Habermas, Jürgen (1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Mit einem Vorwort zur Neuauflage 1990. (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 891.) Frankfurt a. M.: Suhrkamp. [Original: 1962]
Imhof, Kurt (2006): Mediengesellschaft und Medialisierung. In: M&K - Medien und Kommunikationswissenschaft 54, Heft 2. S. 191-215.