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Weine der Rhône entlang
Aus Weinbruderschaft
Die 800 Kilometer lange Rhône zählt neben der Donau, Douro, Garonne, Loire, Mosel und dem Rhein zu den bedeutendsten Weinflüssen der Welt. Der Fluss entspringt am Furka-Pass als Gletscherbach des Rôhnegletschers, durchfließt das Wallis und den Genfersee, überquert die französische Grenze, wendet sich ab Lyon nach Süden und mündet südlich von Arles-sur-Rhône in das Mittelmeer. Geläufig sind der Rhone entlang die Schweizer Weissweine aus der Chasselas Traube wie Fendant, Epesses, Aigle etc. und die Rotweine aus dem Pinot noir. Vielfach wird auch assembliert in diesen Weinbaugebieten. Der bekannteste Vertreter ist der Dôle.
Blicken wir über die Grenze nach Frankreich, kennen wir einige Weinanbaugebiete mehr als in der Schweiz. Die Côtes du Rhône erstreckt sich von Lyon bis nach Avignon und ist unterteilt in die nördliche und südliche Zone. In der nördlichen Zone sind vor allem die weissen Rebsorten wie Marsanne, Viognier und Rousanne bekannt. Syrah ist die Hauptrebsorte bei den Rotweinen, welche vorwiegend alleine gekeltert wird. Ihnen als Weinfreund sind sicher die Weine aus Crozes-Hermitage, St. Joseph, Cornas, Côte Rotie und Hermitage ein Begriff. Die Rotweine aus der südlichen Zone, welche aus den Rebsorten Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault und Carignan werden vorwiegend als assemblierte Weine gekeltert. Weissweine aus dieser Zone werden aus den Rebsorten Picpoul, Bourboulenc und Clairette erzeugt. Aus der südlichen Zone sind aber auch die Roséweine bekannt: Tavel, Lirac, Chusclan, Laudun und Saint- Gervais. Die bekanntesten Weinanbaugebiete sind Ventoux, Côtes du Rhône, Vacqueyras, Gigondas, Châteauneuf du Pape etc.
An dieser Degustation werden wir Ihnen aus der Schweiz weniger bekannte Weissweine und bekannte traditionelle Rotweine aus dem Côtes du Rhône präsentieren.
In eigener Sache
Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde Die wunderbare Reise an den Murten- und Bielersee, war ein super Erlebnis und wird den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Denn alles hat an diesem Samstag gepasst. Das wunderbare sonnige Wetter, der klimatisierte grosszügige Bus, die herrlichen Weinproben, das Essen im „Bädli“, die „jungfräuliche Schifffahrt“ gepaart mit einer tadellosen Organisation.
Weinfreunde geniessen nicht nur in den Ferien ab und zu ein Glas guten Weines. Alleine oder in Gesellschaft ist die sehr grosse Vielfallt der weltweiten Weine, wenn das Weinglas, aus welchem wir den edlen Rebensaft trinken, dem Wein angepasst ist. Der Genuss der vielfältigen Aromen erhöht sich mit einem guten Weinglas. Nach diesen Kriterien haben wir unser aktuelles Degustationsglas ausgesucht. Wir bieten Ihnen die einmalige Gelegenheit, unsere 3 Degustationsgläser (Spiegelau Vino Grande, Nr. 451 00 03) in der Schachtel zum Preis von nur CHF 20.—. Abgenutzte oder beschädigte Schachteln ersetzen wir Ihnen gratis. Diese Aktion gilt für die nächsten zwei Anlässe vom 20. September und 24. Oktober 2012.
Und nun zu unserem nächsten Anlass „Weine der Rhône entlang“. Die Rhône fliesst durch vielfältige Weinbaugebiete und entsprechend verschieden sind auch die Weine. Wir laden Sie herzlich ein am Donnerstag, 20. September 2012 mit uns zusammen, Weine aus diesen Weinbaugebieten zu verkosten. Melden Sie sich bitte bis Freitag, 14. September 2012 für diesen interessanten Anlass mit beiliegender Anmeldekarte an. Der geplante „Öffentliche Anlass“ vom Mittwoch 17. Oktober 2012 muss um eine Woche verschoben werden und findet neu am Mittwoch 24. Oktober 2012 im Hotel Zofingen statt.
Mit lieben Grüssen Für den Stubenrat: Alex Haller, Stubenmeister
Rückblick
BEITRÄGE:
Text: Ueli Aebi, Magister Vini und Ehrenmitglied der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen
Fotos: Edi Meyer, Kannenmeister, Magister Vini und Ehrenmitglied der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen
Eine Wiederentdeckung, speziell hinsichtlich der französischen Weine. Und als Nebeneffekt ein Gefühl dafür, wie stark sich die Weinwirtschaft und die Konsumentenbedürfnisse – eigene eingeschlossen - innerhalb der letzten Jahrzehnte gewandelt haben.
Wir kamen uns richtig erwachsen vor, damals in den 60er Jahren: wir schlürften kennerhaft Weine. Oft war es Rosé d’Anjou. Ein leicht süsses Gesöff. Und seeeehr preiswert. Woher der Wein kam, hat uns nicht wirklich interessiert. Wichtiger war, unsere jeweilige Flamme mit überzeugender „Kennerschaft“ zu beeindrucken. So bin ich schon sehr früh unbewusst mit Rhône-Weinen in Kontakt gekommen. Allerdings nicht gerade mit Spitzenqualitäten. Die hätten wir auch gar nicht als solche wahrgenommen. Das hat sich dann einige Jahre später grundlegend geändert: ich hatte beruflich öfter in der Gegend von Cavaillon zu tun. Damit kam ich in den Genuss unzähliger, wirklich guter Côtes du Rhône Weine. Allerdings wurden auch meine Gourmet-Kenntnisse in den Grundfesten erschüttert. Speziell die Regel „Weissweine zu weissem Fleisch – Rotweine zu rotem Fleisch“. Wir assen nämlich - als Beispiel - „Coq au Gigondas“. Gockel im Rotweinsud! Und was tranken wir dazu? Natürlich roten Gigondas. Absolut schockierend. Dabei hat das Zeug phantastisch gemundet! Mein Glaube an eiserne (Wein-) Regeln ist seither im Eimer…..
Nun entspringt die Rhône ja nicht in Frankreich, sondern im Wallis. Auch wenn in Frankreich viel grössere Rebflächen gepflegt werden: unsere Rhône-Weine dürfen sich zeigen. Fendant, Dôle, Pinot Noir und Gamay im Wallis, Salvagnin und Chasselas aus der Waadt und die ganze Palette der Genfer Weine sind aus unserer Weinkultur nicht wegzudenken. Nicht zu vergessen die grosse Auswahl an Spezialitäten. Das war auch damals schon so: Im Rückblick haben wir vor allem Weine aus dem Wallis und der Romandie genossen. Denn: Ostschweizer galten als „saures Zeug“. Gute Bordeaux, Burgunder und Champagner waren (schon damals) teuer. Die übrigen Weingebiete Frankreichs – man glaubt das heute kaum – waren bei uns noch weitgehend ohne Bedeutung. Italien? Im besten Fall mal ein Chianti aus einer strohummantelten Grossflasche. Oder ein Kalterersee („Rentnerschoppen“) aus dem Südtirol. Im Übrigen herrschte die Meinung vor, dass in Italien ja sowieso nur gepanscht wird (?!). Andere Länder oder gar Ueberseegebiete: noch kein ernsthaftes Thema. Dafür war Algerien als Weinlieferant ein Begriff (!). So darf man füglich behaupten: Französische Rhôneweine haben in der Schweiz eine sehr lange Tradition. Sie hatten ehemals eine hohe Reputation. Heute sind sie mengenmässig wohl unter „ferner liefen“ einzustufen. Ein guter Grund, das Thema mit einer Degustation wieder einmal aufzugreifen.
Alex Haller – seines Zeichens Stubenmeister (Präsident) der Weinbruderschaft St. Martin zu Zofingen – amtete als gewiefter und kompetenter Referent. Er traf eine kluge Entscheidung für die Serie der Schweizer Rhône-Weine: Bekanntes (also Chasselas, Pinot Noir, Salvagnin und Co) hat er weggelassen und dafür einige weisse Spezialitäten vorgestellt. So kamen die Teilnehmer in den Genuss eines Heida und eines Petite Arvine aus dem Wallis. Ein (sehr eigenwilliger) Gewürztraminer aus der Waadt und ein Aligoté aus dem Kanton Genf haben die Lust auf weitere Entdeckungen geweckt: es gibt ja entlang der (Schweizer) Rhône eine ganze Anzahl weiterer roter und weisser Spezialitäten!
Natürlich gibt es in den französischen Rhône-Weingebieten auch Weissweine. Bekannt sind aber vor allem die Rotweine. Der Weinbau beginnt unterhalb von Lyon mit der nördlichen Côtes-du-Rhône. In der Region von Hermitage herrscht die Sorte Syrah vor. Genauer: eigentlich gilt diese Region als die Syrah-Gegend schlechthin. Hier wurden in Steillagen schon reinsortige Syrah-Weine kultiviert, lange bevor in der Neuen Welt der Siegeszug der Sorte unter dem Namen Shiraz begann. Die Region heisst auch „Côte Rôti“, was einiges über das Klima aussagt. Für viele Weinliebhaber gilt der dort traditionell gepflegte (heute als altmodisch empfundene) sinnlich-elegante Weinstil nach wie vor als „Messlatte“ für Klasse-Syrah. Allerdings: Solche Weine sind rar geworden. Das zeigten auch die beiden Degustationsproben von St. Joseph und Hermitage. Nicht eigentlich Syrah, sondern eher Shiraz: etwas marmeladig und deutlich Tannin-betont. Was leider oft auf Kosten der Eleganz und der Komplexität geht. Das Resulat: weitgehend austauschbar mit Weinen aus der neuen Welt. Offenbar geht die Rechnung auf: die Weine werden – trotz (oder wegen) der respektablen Preise – gekauft. Die Wein-Designer und -Werber der Massenerzeuger und der internationalen Foodkonzerne arbeiten (weiterhin) sehr erfolgreich am „internationalen Einheitsstil“…...
Die Weine der südlichen Côtes-du-Rhône sind in der Regel Assemblages (Mischungen) aus mehreren Sorten. Insgesamt sind bis zu 13 Rebsorten zugelassen. In der Praxis sind jedoch meist etwa vier bis fünf Sorten beteiligt. Die wichtigste ist Grenache. Ausserdem : Mourvèdre, Picpoul, Vaccarèse, Terret Noir, Counoise…… Die ersten zwei Degustationsmuster : ein Côtes du Ventoux und ein Côtes du Rhône. Beides fruchtige, frische Alltagsweine, die im Sommer zu Grilladen und im Winter zu einem Rindsragout ein hohes Genusspotential versprechen! Ausgezeichnete Vertreter dieser Appellationen mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis. Darauf folgend ein Vacqueras und ein Gigondas. Vollmundige, harmonisch-weiche Vertreter dieser Appellationen, deren respektabler Alkoholgehalt dank der Ausgewogenheit überhaupt nicht störend in Erscheinung trat. Zum Abschluss – natürlich! – ein Châteauneuf du Pape. Ein gutes Beispiel dieser Appellation, speziell auch für Liebhaber tanninbetonter Weine.
Die Rhône-Weine aus der Schweiz haben – primär im Premium-Segment - in der Zwischenzeit eine hohe Reputation und damit auch Kundschaft gefunden. Und natürlich profitieren sie auch vom „Schweizer Heimvorteil“. Côtes du Rhône Weine aus Frankreich sind bei uns zur Zeit definitiv weniger im Trend. Eine grosse Chance für all jene Geniesser beiderlei Geschlechts, die keine „Etikettendrinker“ sind. Wer gute bis sehr gute – notabene noch bezahlbare! – Essensbegleiter sucht, wird in der Côtes du Rhône das Richtige finden!
Ich muss wieder einmal kochen. Coq au Gigondas.
Ueli Aebi
Wer Lust auf eigene Experimente und Entdeckungen hat findet hier die komplette Degustationsliste:
- Heida "Vieilles Vignes", Fernand Cina SA, Salgesch, 2011, Wallis AOC
- Aligoté de Peissy, Cave & Domaine Les Perrières SA, Peissy, 2011, Genf AOC
- Gewürztraminer, Christophe Schenk, Villeneuve (Vinothek Brancaia, Zürich), 2011, Waadt
- Petite Arvine, Réserve des Administrateurs, Cave St-Pierre SA, Chamoson, (Niederhäusern, Zofingen), 2011, Wallis AOC
- St-Joseph AC, E. Guigal, 2009,Bataillard, Rothenburg
- Hermitage, La Sizeranne, M. Chapoutier, 2009, Nauer, Bremgarten
- Côtes du Ventoux, La Vieille Ferme, 2010,Divo, Penthalaz
- Côtes du Rhône AC, E. Guigal, 2009, Bataillard, Rothenburg
- Vacqueyras, Château des Roques, 2009, Eduard Meyer, Reiden
- Gigondas, La Souteyrades Vieilles Vignes, Domaine Saint-Damien, 2009,Divo, Penthalaz
- Châteauneuf du Pape, Solitude, 2009, Riegger, Birrhard
Viel Spass!