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Covid-Impfung: Die Risikoreduktion kann absolut oder relativ sein
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Covid-Impfung: Die Risikoreduktion kann absolut oder relativ sein
Der Wert der absoluten Risikoreduktion (ARR) für den Covid-Impfstoff von Pfizer / Biontech liegt tatsächlich bei 0,8 Prozent. Die ist insofern verwirrend, als einerseits im Facebook-Post nicht angegeben ist, dass es sich hier um den ARR handelt. Anderseits wird üblicherweise – wie zum Beispiel in der Impfkampagne – die relative Risikoreduktion für die Darstellung der Wirksamkeit verwendet.
Das Covid-Vakzin von Pfizer / Biontech wird von Gesundheitsbehörden als sicher und wirksam deklariert. Zudem werden Sicherheit und Wirksamkeit laufend überwacht.
Absolute Risikoreduktion (ARR) versus relative Risikoreduktion (RRR)
In einem Kommentar im Fachmagazin «The Lancet» vom April 2021 wird die absolute Risikoreduktion (ARR) des Covid-Impfstoffs von Pfizer / Biontech mit 0,84 Prozent ausgewiesen. Diese wird im Facebook-Post gerundet wiedergegeben – allerdings ohne den Hinweis darauf, dass es sich hierbei um die ARR handelt und nicht um die üblicherweise verwendete relative Risikoreduktion (RRR). Dieser wird zum Beispiel in der Impfkampagne benützt. Die RRR für den Impfstoff von Pfizer / Biontech wird im «Lancet»-Kommentar mit 95 Prozent angegeben.
ARR-Werte sind häufig sehr niedrig, RRR-Werte hingegen recht hoch – obwohl sie von identischen Zahlen ausgehen. Wo liegt also der Unterschied?
- Bei der relativen Risikoreduktion (RRR) wird das Erkrankungsrisiko einer mit einem bestimmten Vakzin oder Medikament behandelten Gruppe in Beziehung gesetzt zum Erkrankungsrisiko einer anderen Gruppe, die ohne dieses Vakzin oder Medikament auskommen musste. Eine RRR von 95 Prozent bei einem Impfstoff bedeutet demzufolge, dass die Wahrscheinlichkeit zu erkranken für geimpfte Personen um 95 Prozent niedriger ist als für Ungeimpfte.
- Die absolute Risikoreduktion (ARR) gibt in Prozentpunkten an, wie sich das Risiko in Bezug auf alle Untersuchten verringert.
Ein Beispiel: In einer Gruppe von 100 Ungeimpften infizieren sich durchschnittlich zwei Personen mit einer Krankheit. Das sind zwei Prozent. In einer Testgruppe von 100 Geimpften infiziert sich nur eine Person, also ein Prozent.
Das Erkrankungsrisiko liegt bei den Ungeimpften bei 2 Prozent und bei den Geimpften bei 1 Prozent. Die ARR beträgt also genau 1 Prozent (2 Prozent minus 1 Prozent). Ganz anders sieht die RRR aus: Die Verringerung von zwei Personen auf eine Person bedeutet nämlich eine Reduzierung um 50 Prozent. (Detailliertere Erläuterungen hier)
Beide Werte sind folglich korrekt. Es muss aber jeweils klargestellt werden, welcher Wert verwendet wird. Im Marketing von Medikamenten wird meist mit der RRR gearbeitet. Wie der Kommentar in «The Lancet» kritisiert, wird durch das Weglassen der ARR die Berichterstattung verzerrt. Schon 2005 beanstandeten Fachleute in einem Artikel im «Deutschen Ärzteblatt» die alleinige Angabe der RRR zur Wirksamkeit eines Medikaments. Die in Basel beheimatete Open-Access-Plattform MDPI kritisiert in einem Artikel von Medicina dieses Vorgehen der Hersteller ebenfalls, weil es die Interpretation der Zahlen erschwere.
Die ausschliessliche Verwendung der ARR ist jedoch genauso irreführend – vor allem, wenn wie im Facebook-Post nicht angegeben wird, um welchen Wert es sich handelt.
Wirksamkeit der Covid-Vakzine
Studien belegen, dass der Covid-19-Impfstoff vor schweren oder gar tödlichen Verläufen schützt, wenn auch nicht zu 100 Prozent. Impfstoffe der Hersteller Pfizer / Biontech und Astrazeneca wirken auch bei einer Infektion der Delta-Variante – selbst wenn die Impfwirksamkeit geringer ist als bei der Alpha-Variante.
Bevor die WHO und andere nationale Aufsichtsbehörden Impfstoffe zulassen, werden sie in mehreren klinischen Studienphasen getestet. Nur wenn sie den Anforderungen an Sicherheit und Wirksamkeit entsprechen, werden die Impfstoffe zugelassen. Am 19. Dezember 2020 hat das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic die Zulassung für den Covid-Impfstoff von Pfizer / Biontech erteilt. Mitte Januar 2021 wurde der zweite Covid-Impfstoff in der Schweiz des Herstellers Moderna zugelassen. Swissmedic meldete Mitte August 2021, das Nutzen-Risiko-Verhältnis der verwendeten Impfstoffe bleibe positiv.
Facebook-Post:
(archiviert: https://archive.ph/wFPsr)
Facebook-Post, Mai 2021:
(archiviert: https://archive.ph/mpsCe)
The Lancet: Meinungsbeitrag:
Deutsches Ärzteblatt: Wie Statistiken täuschen können:
(archiviert: https://archive.ph/uaXSu)
Medicina: Kommentar:
(archiviert: http://dpaq.de/XGRVS)
Biochemia: Erläuterung Kalkulation:
NetDoktor: Bedeutung 95% Wirksamkeit:
(archiviert: https://archive.ph/IjVMO)
The New England Journal for Medicine: Zur Wirksamkeit der Covid-19-Impfung, 15.04.2021:
DOI: 10.1056/NEJMoa2101765
Studie zur Wirksamkeit der Covid-Impfstoffe gegen Mutationen:
(archiviert: https://archive.ph/ejE6U)
Klinische Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe:
Infovac: Einwicklungsstadien Impfstoff:
(archiviert: https://archive.ph/MvCgK)
Swissmedic:
_Medienmitteilung Zulassung für Covid-Impfstoff von Pfizer / Biontech, 19.12.2020:
(archiviert: https://archive.ph/D3BQF)
_Medienmitteilung Zulassung für Covid-Impfstoff von Moderna, 12.01.2021:
(archiviert: https://archive.ph/jDAuM)
_Update zur Sicherheit der Covid-Impfstoffe, 13.08.2021:
(archiviert: https://archive.ph/X0ERt)
Kontakt Faktencheck-Team: <email-pii>