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Sieger kommunizieren stark!
Playoffs: - Dieses Wort wollte ich bei meiner Saisonprognose (siehe FANTIGER Nr. 120) im Zusammenhang mit den SCL Tigers nicht verwenden. Mehr noch: Ich entschied mich, eine Aussage unseres Erfolgs-Coaches John Fust, welche er bei unserem Vorsaison-Interview gemacht hatte, nicht zu bringen.
Die Vergangenheit lehrt uns, mit Aussagen vorsichtig zu sein. Allzu leicht werden Zielsetzungen verwechselt mit der Garantie, diese Ziele zu erreichen. In Langnau ging man vor einigen Jahren dazu über, sich nur noch «realistische» Ziele zu setzen. Zumindest wagte sich im Emmental niemand mehr, etwas anderes als Ziel zu kommunizieren als das, was die Allgemeinheit für «realistisch» hielt. Und nun sprang auch ich temporär auf diesen Zug und verschwieg eine bemerkenswerte Aussage von John Fust. Dieser sagte nämlich im FANTIGER-Interview wortwörtlich: «Wir können auch in Langnau nicht erwarten, dass wir gleich im ersten Jahr Meister werden. Wir sind froh, wenn wir die Playoffs erreichen. Mit Arbeit, Kampf und Siegeswillen werden wir in einigen Jahren deutlich weiter vorne in der Tabelle stehen.»
Ich dachte mir: Den Satz mit den Playoffs darf ich nicht bringen. Allenfalls wird dies wieder mit einem Versprechen oder einer Garantie verwechselt. Und dann geht es wieder los an den Stammtischen und in den Pinboards rund um die SCL Tigers. Deshalb schwächte ich die Aussage ab und strich den Satz mit den Playoff heraus. Die harmlose Version lautete: «Wir können auch in Langnau nicht erwarten, dass wir gleich im ersten Jahr Meister werden. Aber ich hoffe, dass wir mit Arbeit, Kampf und Siegeswillen in einigen Jahren deutlich weiter vorne in der Tabelle stehen werden.»
Ich habe die Aussage von John Fust zensiert, und damit aus der Aussage eines Siegers das Sprüchlein eines Verlierers gemacht. Denn nur Verlierer setzen sich «realistische» Ziele, und «hoffen», diese zu erreichen. Sieger setzen sich hohe Ziele und kümmern sich nicht um das Geschwätz der Stammtischbrüder und die Reaktionen in den Internet-Foren, wenn ein Ziel einmal verfehlt, und deshalb um ein Jahr verschoben werden muss.
John Fust ist angetreten, um mit den SCL Tigers die Playoffs zu erreichen. Langnau ist erst die zweite Station in Fusts Coaching-Karriere. Aber bereits jetzt zeichnet sich ab, dass Langnaus neuer General an der Bande einer der Grossen seiner Gilde werden könnte. Selbstverständlich weiss er um die Limiten seines Teams. Und sicher kennt er die Prognosen und deren Erklärungen der Experten. Aber er kennt auch die Stärken seiner Mannschaft. Er verfügt mit Benjamin Conz über einen der stärksten Hüter der Liga (bereits fünf Shotouts !!). Er lehrte die Tiger die defensive Disziplin. Die Emmentaler lassen unter Fust kaum mehr Schüsse aus dem Slot zu. Fusts taktische Ausrichtung ist trotzdem offensiv. Denn besser defensiv spielen heisst für Fust, das Spiel in die offensive Zone zu verlagern.
In Langnau ist man zurzeit daran, hohe Ziele zu verwirklichen, und sich nicht nur an der «Realität» zu messen. Peter Jakob und seine Verwaltungsräte sind zusammen mit Geschäftsführer Reudi Zesiger angetreten, um etwas «Unrealistisches» zu realisieren. Nämlich die SCL Tigers wieder auf Kurs zu bringen und die Ilfishalle zu sanieren. Auch sie zeigen, wie man aus wenig viel macht. Sie holten mit John Fust einen Coach, der diese Philosophie perfekt in sein Team hinein trägt. «Wir müssen lernen, wie man gewinnt, und wie man zu Siegern wird», erklärte Fust beispielsweise nach dem gewonnenen Heimspiel gegen den EHC Biel.
Aktuell haben sich die SCL Tigers aus 16 Spielen 27 Punkte gutschreiben lassen. 18 Punkte mehr als letzte Saison zum gleichen Zeitpunkt. Dem Team ist das Selbstvertrauen deutlich anzumerken. Noch nie vorher wurden die sogenannten «Pflichtaufgaben» so pflichtbewusst erledigt als bisher in der aktuellen Saison. Von sechs Spielen gegen die letztjährigen Playout-Mitstreiter gewannen die Tiger deren fünf und erzielten dabei 15 Punkte bei einem Torverhältnis von 18:7! Auch der zu diesem Zeitpunkt überraschende 3:0 Sieg über das bisher bescheidene Genf-Servette erweist sich als perfekt erledigte Pflichtaufgabe. Dazu nahmen die Langnauer dem HC Lugano vier und Fribourg Gottéron drei Punkte ab. Zumindest Lugano wird in dieser Saison um die Playoff-Quali deutlich härter kämpfen müssen, als dies die Experten voraus sahen. Dass auch Highligts im bereich des Möglichen sind, sehen wir am Auswärtssieg gegen den SCB, welchen die Tiger erstmals seit Jahren (!!!) nicht mit einer darauf folgenden Niederlagenserie bezahlen mussten.
John Fust ist angetreten, um die Playoffs zu erreichen. Er wagte es, in Langnau das Wort Playoffs in den Mund zu nehmen. Dass der Schreiberling den Mut nicht hatte, dieses Wort in die Welt hinaus zu tragen, dafür kann Fust nichts. Das Versäumnis ist mit diesem Blog ausgeräumt.