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Adrian Truluck staunte nicht schlecht, als sie am Sonntag in den Himmel blickte. Was sie sah, war ein Kampfjet in ungewohnter Position. «Seht euch den Jet an. Oh mein Gott, er ist so niedrig», sagte sie gegenüber ihren Kindern.
Gegenüber dem Newsportal NBC News schilderte Truluck die Szenerie: «Er befand sich etwa 30 Meter über den Baumwipfeln und war fast umgekehrt.» Wenig später hätten sie ein «Buum»-Geräusch gehört, sich aber nicht viel dabei gedacht. Schliesslich befinde sich rund 100 Kilometer entfernt eine Luftwaffenbasis und das Geräusch hätte auch vom Gewitter stammen können.
Doch als Truluck und seine Familie später erfuhren, dass ein F-35-Jet verschwunden war und in der Nähe ihres Hauses in South Carolina Trümmerteile gefunden wurden, merkten sie, dass sie nicht einfach irgendeinen Jet am Himmel gesehen hatten. Sondern den Jet, über den plötzlich alle Medien berichteten.
Seit einigen Tagen rätselt man in den USA darüber, was genau passiert ist, als sich am Sonntag ein Pilot per Schleudersitz aus einer F-35B rettete. Die Armee liess verlauten, dass der Jet aufgrund eines «Missgeschicks» verloren gegangen sei.
Während der Pilot in einem Garten in einem Vorort von Charleston landete, flog der Jet weiter – laut Angaben des US-Verteidigungsministeriums per Autopilot. Das Fachmagazin The Drive spricht von einem «Zombie»-Modus. Die Behörden baten in der Folge die Bevölkerung um Mithilfe, um das verloren gegangene Flugzeug wiederzufinden.
We’re working with @MCASBeaufortSC to locate an F-35 that was involved in a mishap this afternoon. The pilot ejected safely. If you have any information that may help our recovery teams locate the F-35, please call the Base Defense Operations Center at 843-963-3600.— Joint Base Charleston (@TeamCharleston) September 17, 2023
Erst 24 Stunden nachdem der Pilot per Schleudersitz den Kampfjet verlassen hatte, wurden im ländlichen Williamsburg County Trümmerteile entdeckt.
Der Jet flog fast 100 Kilometer im «Zombie»-Modus. Glück im Unglück: Beim Unfall kam weder der Pilot, noch sonst jemand ernsthaft zu Schaden. Dennoch ordnete General Eric Smith nach dem Vorfall eine zweitägige Flugpause für alle Jets der Marines an.
Nach dem Crash bleiben viele Fragen ungeklärt. Weshalb hat der Pilot den Schleudersitz der 100-Millionen-Dollar-Maschine betätigt? Wieso konnte die Armee den Flieger nicht lokalisieren? Liegt es an der Tarnkappentechnik?
Die Marines kündigten umfassende Untersuchungen an. Doch bereits kursieren in den US-Medien wilde Spekulationen. So titelte die New York Post am Mittwoch, dass der Pilot aufgrund «schlechten Wetters» den Schleudersitz betätigt habe. Allerdings ist diese Aussage ziemlich gewagt. Es ist unklar, auf welche Quelle sich die Zeitung beruft.
Etwas konkreter wird das Fachmagazin The Drive. Dieses zitiert aus Funksprüchen, die ein Twitter-User veröffentlicht hat. Darin sind Rettungskräfte zu hören, die den verunfallten Piloten versorgt haben sollen. «Er ist sich nicht sicher, wo sein Flugzeug abgestürzt ist», hört man einen der Männer sagen. «Er sagte, er habe es einfach im Wetter verloren.»
To go along with the ATC audio put together by Aeroscout, here's the full radio traffic from Charleston County EMS/Fire for the #F35 pilot ejection beginning from the initial dispatch until they cleared the scene.— ☈ Chris Jackson ☈ (@ChrisJacksonSC) September 19, 2023
Units: Medic 8 (Charleston County EMS), Engine 210 (North… https://t.co/zzJiybqlOy pic.twitter.com/6HY4CAg7jF
Dies belegt allerdings nicht, dass der Pilot den Schleudersitz aufgrund eines Unwetters betätigt hat. Er könnte damit auch meinen, dass er den Flieger nicht mehr gesehen hat, weil er in den Wolken verschwand. Zum Zeitpunkt des Unfalls gab es in der Region um Charleston vereinzelte Regenfälle.
Vom Unfall Kenntnis genommen hat auch Priska Seiler Graf. Die SP-Nationalrätin gilt als eine der schärfsten Kritikerinnen des F-35A von Lockheed Martin. Die Schweiz hat 36 dieser Kampfjets zum Preis von über 6 Milliarden Franken bestellt.
Gegenüber watson sagt Seiler Graf, dass man «aufpassen» müsse mit Spekulationen rund um den Absturz in South Carolina. Zwischen dem F-35A, den die Schweiz kaufe, und dem F-35B gebe es «erhebliche Unterschiede», so Seiler Graf.
Ein Beispiel: Kürzlich schrieb der Tages Anzeiger, dass ein F-35A Jet nach heutigem Stand nicht näher als 40 Kilometer an ein Gewitter heranfliegen darf, da die Maschine bei einem Blitzeinschlag in Flammen aufgehen könnte. Wie Forbes schrieb, dürfen sich Jets des Typs F-35B Gewitterzellen jedoch nähern.
«Wirkliche Klarheit über die Ursache dieses Absturzes wird es erst nach der abgeschlossenen Untersuchung geben», sagt Seiler Graf, holt dann aber zum Rundumschlag gegen die Jets von Lockheed Martin aus.
Seiler Graf: «Das britische Verteidigungsministerium schätzt aufgrund der bisherigen Rate von F-35-Abstürzen, dass rein statistisch gesehen alle 30’000 Flugstunden mit einem Absturz des F-35 zu rechnen ist. Auf die Schweiz umgerechnet müssten wir bei einer geplanten Einsatzdauer von 30 Jahren mit dem Verlust von mehr als fünf Maschinen rechnen.»
Zudem sei der F-35 sehr störungsanfällig, so die Sicherheitspolitikerin. Mehr als die Hälfte der Flugzeuge sei zu Beginn des Jahres nicht flugfähig gewesen und habe am Boden repariert werden müssen. «Der erneute Absturz eines F-35B reiht sich in eine lange Liste von F-35-Abstürzen ein, die alle mit dieser langen Liste von technischen Mängeln und überladenen ‹barocken› Technologieausstattung des F-35 zu tun haben.»
Etwas anders schätzt Thomas Hurter die Lage ein. Der SVP-Politiker sitzt wie Seiler Graf in der sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Nationalrats. Aus der Ferne sei es schwierig, den Absturz zu beurteilen, so Hurter, der als Linienpilot arbeitet. «Der Pilot konnte sich retten und es ist nur Sachschaden entstanden. Bei so vielen eingesetzten Flugzeugen auf dieser Welt noch lange keine Besonderheit. »
Von den Spekulationen der US-Medien, wonach der Unfall etwas mit schlechtem Wetter zu tun haben könnte, hält Hurter wenig. «Wenn ein Flugzeug in der Nähe eines Gewitters fliegt, stürzt es noch lange nicht ab», sagt er gegenüber watson.
Zum ausgesprochenen Sicherheitsabstand von 40 Kilometern zu einer Gewitterzelle bei der F-35A meint Hurter: «Grundsätzlich ist es überall so, dass ein Flugzeug nie in eine Gewitterzelle fliegen sollte. Insofern ist die ausgesprochene Massnahme nicht wirklich etwas Neues.»
Es bleibt also abzuwarten, was die Abklärungen in den USA ergeben. Die Schweizer Politik wird den Unfall jedenfalls genau beobachten. Grüne-Nationalrätin Marionna Schlatter sagt gegenüber watson: «Ich bin gespannt auf die Erkenntnisse aus den Untersuchungen.»
Die Basler Fasnacht ist per se hochpolitisch. Die Cliquen kommentieren und parodieren das Weltgeschehen und die Gesellschaft während ihrer «drei scheenschte Dääg» auf unterschiedlichste Weise.