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Hergestellt von Icom, Osaka.
Nachdem sich die japanische Firma Icom zunächst mit Amateurfunkequipment einen Namen machen musste, stellte sie im Jahre 1982 den ersten Allwellenempfänger mit durchgehendem Frequenzgang bis 30 MHz vor, der aufgrund guter Empfangsleistungen bei allerdings nicht ganz unproblematischer Bedienung ein Wegbereiter für weitere erfolgreiche Empfänger war.
Icom's IC-R70 ist ein relativ kleinformatiger Stationsempfänger, der mit 28,6 x 11,1 x 27,6 cm und einem Gewicht von 7,4 kg in seinen Abmessungen jeweils wenige Zentimeter kleiner als die Stationsempfänger aus dem Hause JRC ausgefallen ist. Optional ist ein im gleichen graublau- schwarzen Design gehaltener externer Lautsprecher erhätlich, dessen Tonqualität die des eingebauten nach vorn abstrahlenden Lautsprechers weit übersteigt.
Intern kann der Empfänger auf verschiedene Betriebsspannungen von 100 - 235 Volt durch Wechsel von Lötbrücken umgestellt werden, Betrieb an einer 12V-Autobatterie ist nur mit einem speziellen Zusatzkit möglich.
Ganz links auf der Frontplatte findet sich der Netzschalter, die darüber gelegenen Bedienelemente sind klein geraten und können nur mit spitzen Fingern bedient werden. Der „Monitor“-Regler dient zum Einstellen der Mithörlautstärke im Transceive-Betrieb in Verbindung mit einem Sendeteil, daneben liegt der Schalter für die rasche & langsame AGC-Regelgeschwindigkeit und zu deren Abschaltung. Darunter liegen die Schalter für den Störaustaster, dessen Zeitkonstante umgestellt werden kann. Zu Beginn der achziger Jahre war dieser von Icom entwickelte NB eines des wirksamsten Mitttel gegen das Knacken des als Woodpecker bezeichneten russischen Überhorizontradars. Das rechts neben diesen Schaltern gelegene Zeiger-S-Meter ist gelb hintergrundbeleuchtet und gibt, wie bei Amateurfunkgeräten selbstverständlich, die Signalstärke nicht nur in Schritten von 0-5 sondern auch in S-Stufen an.
Neben den Stummschaltungs- und RIT-Kontrolllämpchen schliesst sich das blau-grünliche Fluoreszenzdisplay an. Die erste Stelle U, L, C, A, r(tty) und F ist nicht ganz einfach zu entziffern, gibt die Betriebsart an, ein stilisiertes a oder b daneben informiert, welcher der beiden VFO's/Speicherplätze momentan aktiv ist. Die digitale Frequenzanzeige gibt die Empfangsfrequenz auf 100 Hz genau aus, der R70 verfügt über 10 Hz als kleinsten Abstimmschritt, ausreichend weit auseinanderliegende Strichmarken an Rand des Hauptabstimmknopfes lassen die 10 Hz-Stelle der Frequenz errechnen.
Unterhalb des S-Meters rechts vom Netzschalter sind zahlreiche Drucktasten angebordet, die oberen zur Wahl der Betriebsart, darunter zwei Tasten zum Umschalten zwischen den beiden als Speicher einsetzbaren VFOs und zur Übertragung des Speicherinhaltes vom einen in den andern Speicherplatz, ein wirklich nur „spitzfingrig“ zu bedienender Umschalter zwischen einem 10 dB- Vorverstärker, der Normalstellung, und einem 20 dB-Abschwächer. Zuletzt findet sich in dieser Tastenreihe die Funktionstaste, die Zugriff auf alternative Betriebsarten bietet: Eine Macke des R70 ist die Wahl der SSB-Betriebsart. Standardmässig ist die Taste SSB mit dem im jeweiligen Bandbereich aktiven Seitenband belegt, unter 10 MHz wird LSB, darüber USB eingestellt, um über 10 MHz das untere Seitenband zu empfangen, muss FUNC-SSB gedrückt werden. Auch ein optionales zweites schmales CW-Filter muss mit FUNC-CW angewählt werden. Darunter liegen zwei Doppelregler, beim linken wird mit dem Innenregler die Lautstärke, mit dem Aussenring die HF-Verstärkung eingestellt, der rechte Innenregler regelt die Rauschsperre, der Aussenring den Klang.
Der grosse Abstimmknopf ist mit einer Fingermulde ausgestattet, dass die Leichtgängigkeit mit einer Bremsschraube verstellt werden kann, ist eine Feature aus der Welt kommerzieller Empfänger. Mit den links angeordneten Tasten wird die Beleuchtungsstärke gedimmt. Der Umschalter HAM/GEN darunter legt fest, ob mit den darunterliegenden UP/DOWN-Tasten die Empfangsfrequenz in 1 MHZ-Abschnitten gewechselt oder jeweils zum nächsten Amateurfunk- Band gesprungen wird. Die rechte Tastenreihe wählt die Abstimmschrittweite resp. die Abstimm- Geschwindigkeit. Wenn man von 5990 kHz aus weiter nach oben dreht, springt das Gerät wieder auf 5005 kHz resp. den Beginn des 1 MHz-Bereichs zurück. Dass im Bereich von x.000 bis x.001.4 jeweils die Frequenz 1000 kHz höher empfangen wird (bei angezeigten 4.000 kHz empfängt der R70 5.000 kHz, erst ab angezeigten 5001.5 stimmt die Anzeige mit der Betriebsfrequenz überein, ist eine weitere gewöhnungsbedürftige Macke des Empfängers. Ganz rechts unter dem Lautsprecher finden sich zwei Drehregler, der RIT-Regler für einen schaltbaren Frequenzversatz und der zweite Doppelregler, bei dem der Aussenring das hervorragende HF-Notchfilter, der Innenring das Passbandtuning bedient.
Auf der Rückseite finden sich alle für semiprofessionelle Empfänger typischen Anschluss- möglichkeiten, vom SO239-Antennenanschluss, einem HF-Konverter-, Panoramasichtgerät-, dem Aussenlautsprecher- & Stummschaltungsanschluss bis zu einer speziellen Buchse für diverse Signale und Steuerspanungen. Auch unter einer Abdeckklappe finden sich weitere Schaltelemente, um den Empfänger optimal an die Betriebssituation anpassen zu können. Diese Optionen wie die Installation von optionalen Baugruppen (FM-Platine, optionale Filter) sind im Handbuch dokumentiert, zahlreiche Modifikationsmöglichkeiten sind in der DX-Literatur verfügbar. Vor allem wird ein Ersatz des im PBT eingesetzen Keramikfilters empfohlen. Nach Ersatz durch ein Quartzfilter können Nachbarsignale mit meinem R70 messerscharf vom einem Nutzsignal abgetrennt werden, das in allen Betriebsarten aktive PBT wirkt im Übrigen nicht klassisch durch Verschieben der ZF-Durchlasskurve sondern als variable Verschmälerung der Durchlasskurve. Mit einer weiteren einfachen Modifikation kann der Vorverstärker auch im MW-Bereich und darunter aktiviert werden.
Die Bedienung des Icom IC-R70 ist wie teils angetönt „tricky“, mit entsprechenden Vorkenntnissen bietet der R70 abgesehen von einer bescheidenen Auswahl von fest zugeordneten ZF-Filtern hervorragende Empfangsmöglichkeiten. Zarteste Signale können dank den Nachbearbeitungs- Möglichkeiten von unerwünschten Störern getrennt werden. Da die Speichermöglichkeiten modernerer prozessorgesteuerter Empfänger fehlen, eignet sich der R70 weniger zum raschen Durchgehen von Frequenzen anhand eines Hörfahrplans für einen Programmhörer als für intensives DX in einem (Tropen-)Band mit geringen Signalstärken, zum Amateurfunk- oder Funkdienst- Empfang. Dank des schmalen SSB-Filters kann zum Empfang von gestörten Rundfunkstationen mit Vorteil der ECSS-Betrieb gewählt werden, ein AM-Synchrondetektor fehlt.
Als Gebrauchtgerät kann der R70 teils zu einem wesentlich niedrigeren Preis als die mit zahlreichen Speichern, etc. versehenen Nachfolger erstanden werden und könnte beispielsweise als Zweitgerät für knifflige Empfangssituationen neben einem günstigen Gerät zum Programmhören beste Dienste leisten - allerdings ist ein gebrauchter R70 nicht eben häufig zu finden. Nur am Rande sei erwähnt, dass der R70 im Gegensatz zum Nachfolger R71 bei Erschöpfung der Speicherbatterie keinen Gedächtnisverlust, nachdem das Gerät zur Neuprogrammierung an Icom eingeschickt werden muss, erleiden kann.
Nach einer mit JFET-bestückten zuschaltbaren HF-Verstärkerstufe gelangt das HF-Signal auf einen Doppel Balance - mischer und wird auf die hohe erste ZF von 70,4515 MHz umgesetzt, dadurch ergibt sich eine hohe Spiegelfrequenzsicherheit; in einem Ringmischer wird auf die zweite ZF von 9,0115 MHz umgesetzt. Die nochmalige Umsetzung auf 455 kHz und zurück auf 9,0115 MHz dient zur Realisierung des Passbandtunings, indem die Passbänder der beiden Zwischenfrequenzen zur Ausblendung von Störsignalen gegeneinander verschoben werden können.
Die Frequenzaufbereitung erfolgt in einer PLL-Schaltung, ein 4 Bit-Microcomputer übernimmt die Steuerung der Frequenzteilerschaltung aufgrund der Impulse vom Optokoppler des Abstimmrads.
Das Gerät ist halbleiterbestückt.