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Hintergrund - 11.05.2023 - 09:00
Elliot Gunn, herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz bei der diesjährigen Global Essay Competition des St.Gallen Symposiums 2023. Wann hast Du das erste Mal von dem Symposium und dem Wettbewerb gehört? Was hat Dich dazu motiviert, daran teilzunehmen?
Ich habe zufällig davon gehört. Es war der Twitter-Algorithmus, ich habe die Universität St.Gallen nicht abonniert. Es war ein empfohlener Tweet und ich war fasziniert von der Reise in die Schweiz. Als ich mich näher damit befasste, fand ich viele interessante Verbindungen, zum Beispiel die Verbindungen zu Singapur, die Anzahl der Referent:innen, die eingeladen wurden, und die Art der Aufsätze, die letztes Jahr veröffentlicht wurden. Das hat mich veranlasst, mich zu bewerben.
In Deinem Aufsatz schreibst Du über die Probleme in den heutigen Gesundheitssystemen, wobei Du Dich auf das Vereinigte Königreich und Kanada konzentrierst. Wie bist Du auf dieses Problem aufmerksam geworden? Spielt es auch in Deinem persönlichen Leben eine Rolle?
Als jemand, der sich sehr für die Nachrichten in meinem Land, Kanada, und sogar im Vereinigten Königreich interessiert, hatte ich viele Meinungen zu den Dingen, die im Gesundheitswesen, im Wohnungsbau, im Bildungswesen und bei all den Streiks falsch laufen. Das war für mich eine einmalige Gelegenheit, diese Gedanken systematisch zu Papier zu bringen und mich selbst herauszufordern, darüber nachzudenken, wie ich dieses Problem lösen würde, wenn ich die Macht dazu hätte. Ausserdem habe ich in meiner unmittelbaren Familie viele Verwandte, die Ärzte und Krankenschwestern sind, so dass ich aus erster Hand erfahren habe, wie schwierig einige dieser Herausforderungen während und nach der Pandemie gewesen sind. Meine Verwandten leben in Singapur und Kanada, so dass ich aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln mitbekommen habe, wie die Gesundheitssysteme entweder den Herausforderungen gewachsen sind oder unter dem Druck zusammengebrochen sind. Das war meine persönliche Verbindung, aber ich hatte noch eine weitere: Als internationaler Student im Vereinigten Königreich wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ich besonders gefährdet bin, wenn mir etwas Ernstes zustösst. Ich wusste nicht, ob ich als internationaler Student das gleiche Mass an Betreuung erhalten würde wie zu Hause, und ich war auch nicht damit vertraut, wie der National Health Service (NHS) funktioniert. Durch das Schreiben dieses Aufsatzes habe ich versucht, mich weiterzubilden, und mir wurde klar, wie sehr ich eine universelle Gesundheitsversorgung und funktionierende Gesundheitssysteme für selbstverständlich gehalten hatte.
Was sind Deiner Meinung nach die nächsten wichtigen Schritte, die unternommen werden müssen, um die von Dir vorgeschlagenen Reformen in die Tat umzusetzen?
Ich denke, ein grosser Teil der Krise ist ein politisches Problem. In einigen Vorträgen des Symposiums wurde über die Herausforderung des kurzfristigen gegenüber dem langfristigen Denken gesprochen. Politiker:innen sehen sich mit sehr kurzen Wahlzyklen konfrontiert, so dass es ihnen schwerfällt, unpopuläre Massnahmen zu riskieren, auch wenn sie langfristig für das Land richtig sein könnten. Daher denke ich, dass wir in einem ersten Schritt damit beginnen müssen, gute politische Entscheidungsträger:innen in die Regierung zu bringen - nicht Leute, die einfach nur die Unterstützung einer Menge bekommen können, sondern Expert:innen, die diese wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf Anreize, Optionalität, Opportunitätskosten und Trade-offs tatsächlich verstehen und dies in gute Politik umsetzen können.
Als Gewinner des Wettbewerbs erhältst Du ausserdem 8.000 CHF. Hast Du vor, diese in einen «Neuen Generationenvertrag» zu investieren?
Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam, war, mich für das Symposium zu bedanken, da ich damit meine Studiengebühren bezahlen kann, da das Studium an der LSE als internationaler Student ziemlich teuer war. Aber mir gefällt die Idee, einen Teil des Geldes für etwas anderes zu verwenden. Ich denke, ich würde gerne einen Teil davon verwenden, um eine Interessengruppe zu gründen, die sich mit einigen meiner Vorschläge beschäftigt. Ich bin weder ein Politiker noch ein Bürokrat. Vielleicht werde ich das in Zukunft sein, aber im Moment habe ich nicht wirklich das Netzwerk, um diese Ideen in die Tat umzusetzen. Ich habe darüber nachgedacht, ein kleines Netzwerk mit anderen interessierten Gleichgesinnten wie mir und anderen «Leaders of Tomorrow» zu gründen und damit zu beginnen, unsere Ideen zu organisieren und lauter zu äussern.
Dieses Jahr hast Du als «Leader of Tomorrow» am St.Gallen Symposium teilgenommen. Wirst Du nächstes Jahr als «Leader of Today» wiederkommen?
Wir fühlen uns geehrt, dass wir wieder eingeladen wurden, und ich denke, dass wir drei Finalist:innen nächstes Jahr wieder dabei sein werden. Das war eine ganz besondere Erfahrung, und ich habe nicht das Gefühl, dass diese Reise zu Ende ist, also möchte ich nächstes Jahr wieder dabei sein. Ausserdem hoffe ich, dass ich weiterhin durch ein lokales St.Gallen Chapter verbunden sein werde. Es gibt Überlegungen, eines in Toronto zu gründen, da es inzwischen einige kanadische Alumni gibt.
Was war Dein persönliches Highlight und was nimmst Du vom 52. St.Gallen Symposium mit?
Mein guter Freund und Mitbewohner aus dem Vereinigten Königreich, Raphael Chang, ist mit mir hier. Wir haben uns gemeinsam beworben und er hat sich sehr darauf gefreut, hierher zu kommen, weil er im Herbst nach seiner Rückkehr nach Singapur für das Ministerium von Minister Desmond Lee arbeiten wird. Wir hatten die Gelegenheit, in einer Gruppe mit einem amtierenden Minister über unsere Ideen zu sprechen, und er hat viele von uns Leaders of Tomorrow persönlich ermutigt, unsere Ambitionen bei der Umsetzung unserer Ideen noch zu steigern. Das war für mich der wichtigste Moment des St.Gallen Symposiums.
Hast Du einen Ratschlag für andere junge Menschen, die selbst zum Austausch zwischen den Generationen beitragen möchten?
Generationenübergreifendes Lernen ist so wichtig, um neue Perspektiven und Weisheit zu erlangen. Daher denke ich, dass der praktischste Weg für die meisten von uns darin besteht, sich Mentoren zu suchen. Bei der Arbeit ist das vielleicht einfacher. Vielleicht gibt es dort bereits ein organisiertes System, bei dem man mit älteren Führungskräften zusammengebracht wird, aber man kann dies auch auf informellerem Wege tun, indem man einfach Leute aufsucht und sie um ein einen gemeinsamen Kaffee bittet. Ich wurde schon als Student dazu ermutigt, das zu tun. Es ist so wichtig, dass die Student:innen die Gelegenheit nutzen, zu den Sprechstunden zu gehen und mit ihren Professor:innen zu sprechen. So viele Student:innen tun das nicht. Ich habe immer noch Kontakt zu Professor:innen, die ich während meines Studiums an der University of Toronto kennengelernt habe, und sie sind auch heute noch meine Mentor:innen, während ich arbeite und mein Studium beende. Potenzielle Mentor:innen gibt es überall, man muss nur bereit sein, neugierig auf ihre Perspektive zu sein und darauf, was sie einem beibringen können.
Anna Kati Schreiter studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen.