Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03312.jsonl.gz/33

Starke Redner haben starke Argumente, schwache Redner haben automatisch schwache Argumente. Den Redner vergisst man nie. Was er gesagt hat, wird hingegen bald vergessen. Der Redner steht im Fokus. Er steht an exponierter Stelle. Alle Merkmale seiner äusseren Erscheinung und seines Verhaltens werden von den Zuhörern sehr aufmerksam
wahrgenommen.
Die Zuhörer sind neugierig, sie wollen wissen:
- Was ist das für ein Mensch?
- Wie denkt und fühlt er?
- Wie lebt er?
- Was hat er zu sagen?
Diese Neugier sollten Sie als Redner ein Stück weit befriedigen. Die Person, die Sie ankündigt, sollte ein paar Angaben über Ihren Lebenslauf und Ihre jetzige geschäft liche und private Situation machen, z.B. ob Sie verheiratet sind und Kinder haben, wenn ja, in welchem Alter diese sind, was für Hobbys Sie betreiben usw. Das gibt Ihnen einen Vertrauensvorschuss und macht eine gute Stimmung.
Der Redner zeigt sich ganz. Es gibt keine Möglichkeit, sich vor dem Publikum zu verbergen. Der Redner zeigt seine Wesenszüge, seine Persönlichkeit, seine Stärken und Schwächen. Es hat also gar keinen Sinn, irgendetwas vertuschen zu wollen, die Zuhörer erkennen es ohnehin bald an Ihrer Wirkung, Ihrer Einstellung und Ihrer Körpersprache.
Merkmale der Redner-Persönlichkeitsstruktur
Rhetorik ist individuelle Redefähigkeit. Die Redefähigkeit ist ein Persönlichkeitsmerkmal des Referenten. Sie ist das Ergebnis eines langjährigen Entwicklungsprozesses der menschlichen Persönlichkeit. Rhetorik bezieht sich nicht nur auf das Sprechen im Dialog, sondern auch auf das freie Sprechen vor kleineren und grösseren Gruppen. Die folgenden Merkmale sind wichtig, um erfolgreich zu reden und sicher aufzutreten:
Selbstannahme, Selbstbejahung
Der Redner soll Vertrauen in die eigene Person besitzen. Er soll sich so akzeptieren, wie er ist. Mit all seinen Merkmalen, seinen Stärken und Schwächen. Nur wer authentisch ist, wirkt selbstbewusst und hat Selbstvertrauen.
Mut zu Fehlleistungen zeigen
Fehler in der freien Rede sind erlaubt, ja sogar in einem bescheidenen Mass erwünscht. Sie bieten dem Zuhörer eine Basis der Identifikation mit dem Sprechenden. Redner, die sich um Perfektion bemühen, wirken distanziert, weil sie sich durch ihr fehlerfreies Verhalten über die Norm der Zuhörer erheben. Der rhetorisch perfekte Redner wird für den Zuhörer unerreichbar. Deshalb lehnt er ihn emotional meistens ab. Erst eine positive Einstellung zu Fehlern in der Rede hilft dem Redner, sich relativ sicher vor der Gruppe zu bewegen. Strebt er rhetorische Perfektion an, kommt er in einen Zwang, und das hindert ihn daran, frei zu reden.
Emotionen produzieren
Eine freie Rede ist immer ein emotionales Kontaktgeschehen. Deshalb ist es wichtig, dass der Redner Emotionen produzieren, zeigen und aussprechen kann. Damit spricht er auch die Emotionen der Zuhörer an. Wer seine Gefühle zeigt, öffnet den Zugang zu seiner Persönlichkeit. Bindungen zwischen dem Redner und den Zuhörern entstehen auf der Basis von Gefühlen. Mit den Ich-Aussagen kann der Redner seine Gefühle aussprechen, die zu seinen jeweiligen Aussagen gehören («Ich bin beeindruckt von …», «Ich mache mir Sorgen über …» usw.).
Identifikation mit dem Thema
Die Identifikation des Redners mit sich selbst und seinem Anliegen bildet und verstärkt laufend den Überzeugungscharakter seiner Rede. Der Zuhörer erlebt in der Person des Redners eine lebendige Identifikation mit seinem rhetorischen Anliegen, die ihn mitreisst und überzeugt.
Spontaneität
Die Spontaneität des Redners verrät Sicherheit im Umgang mit sich selbst und mit der Gruppe. Spontanes Erkennen körpersprachlicher Signale der Zuhörer und sofortiges Eingehen darauf steigern die Wirkung des Redners beträchtlich und verstärken seine Originalität.