Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03494.jsonl.gz/1223

Wasser und Freiheit für ein geschundenes Land
Soziale Themen Drei Millionen Menschen in Angola haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Ein Brunnen kann ein Dorf kolossal verändern und die nächste Generation hoffen lassen.
Das siebtgrösste Land Afrikas...
...zweimal so gross wie der US-Staat Texas, steckt voller Paradoxien. Hier die glitzernde Metropole Luanda, mit mondänen Restaurants an schmucker Meerespromenade, dort arme Bauern auf dem Land, die nichts zu essen haben. Hier in Luanda als dem «Paris Afrikas» in die Höhe ragende Hochhäuser, dort Slums mit kilometerlangen Barackensiedlungen. Grösser können Gegensätze nicht sein. Denn so schön zum einen, dass in Luanda fröhlich Samba getanzt, coole Dreadlocks erfunden wurden oder die schöne Leila Lopes 2007 «Miss Universe» war: Die nun zu nennende Wahrheit ist nicht schön, sie ist sehr hässlich.
Angola ist zweitgrösster Lieferant von Diamanten und Öl für die ganze Welt. Angola ist überreich. Doch die Reichtümer werden ungleich verteilt, gehortet und verschwendet. Beispiel dafür ist die Tochter des EX-Präsidenten Isabel dos Santos. Laut «Forbes» ist die Chefin des Ölkonzerns Sonangol die reichste Frau Afrikas und sitzt umgerechnet etwa auf einer Milliarde CHF.
Erinnern wir uns
1975 löst sich Angola von seinem einstigen Eroberer Portugal. Danach beginnt ein Bürgerkrieg, der bis 2002 andauert und Millionen Leben kostet. Die Oppositionspartei Unita verliert gegen die MLAP. Sehr schnell sehr reich wird eine Clique bestens vernetzter Armee-Generäle. 2017 wird nach 38 Jahren ein neuer Präsident gewählt.
Aber dass sich mit João Lourenço etwas an der Korruption verändert, ist unwahrscheinlich. Der abgetretene Eduardo Dos Santos will bis 2020 mitregieren und zieht weiterhin die Strippen.
Einer der grossen Probleme der Einwohner Angolas ist der mangelnde Zugang zu fliessendem Wasser. Weil Frauen und Mädchen zu den wenigen Brunnen viel zu lange und zu oft laufen müssen, können sie nicht zur Schule gehen. Wenn jedoch ein Brunnen gebaut ist und das Land bewässert werden kann, haben die Mütter Zeit, sich um den Anbau von Nahrung zu kümmern.
Die Mädchen und Jungen gehen zur Schule, lassen sich bilden. Hier läge der Schlüssel zu einer Verbesserung für die sehr junge Bevölkerung: 70 Prozent sind unter 24 Jahre alt.
Während in Luanda lebhaft über Menschenrechtsverletzungen diskutiert wird, grassieren auf dem Land eher Angst und Hoffnungslosigkeit. Angolas Jugend hofft auf Bildung und Demokratie, auf wirtschaftlichen Aufschwung. Wenn nachhaltige Veränderungen in Angola greifen sollen, werden sie zuallererst bei der Landbevölkerung beginnen müssen. Ein erster konkreter Schritt ist der Bau von Brunnen.