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Blühstreifen aus Ringelblumen können im Gewächshaus und Folientunnel die Vermehrung von Raubwanzen fördern. Die Wanzen sind wichtig, da sie Spinnmilben auf Tomaten und Auberginen, sowie weitere bedeutenden Schädlinge dieser Kulturen reduzieren.
Die Technik wurde entwickelt, um die Gemüsegärtner von jährlichen Raubwanzenkäufen (zum Beispiel Macrolophus)unabhängig zu machen. Statt die Raubwanzen jedes Jahr in die geschützten Kulturen auszusetzen, vermehren sie sich in den Blühstreifen selber und verringern so die Produktionskosten. Die Raubwanzen der Familie Miridae (zum Beispiel Macrolophus und Dicyphus) sind im Mittelmeerraum heimisch, wo sie eine wichtige Rolle bei der natürlichen Regulierung verschiedener Schädlinge spielt.
GRAB (Groupe de Recherche en Agriculture Biologique, Avignon, Frankreich) begann im 2007 mit Versuchen zur funktionellen Biodiversität. Durch das Anlegen eines Blühstreifen mit einer gezielten Auswahl von Wirtspflanzen will man die nützlichen Raubwanzen fördern und sicherstellen, dass sie früh und nah genug bei den Kulturen sind. Nach einer Literaturrecherche wurden 2007 und 2008 am GRAB 22 Wirtspflanzen der Raubwanzengruppe der Miridien getestet. In den Versuchen wurden Pflanzen selektioniert, die
- allgemein robust sind,
- eine gute Unkrautkonkurrenz aufweisen,
- eine relevante Menge der beiden wichtigen Gattungen Macrolophus und Dicyphus beherbergen,
- keine sich vermehrenden Pflanzenschädlinge aufweisen.
Die Blumen
Von neun im Blühstreifen getesteten Pflanzenarten sind drei sehr wichtig für Dicyphus (eine Raubwanzenart, die nördlich der Alpen wohl keine Bedeutung hat); Pyrenäen- Reiherschnabel (Erodium manescavii) das Ruprechstkraut (Geranium robertianum) und der Balkan-Storchenschnabel (Geranium macrorrhizum).
Dagegen war für Macrolophus besonders die Ringelblume interessant. Die Raubwanzen Dicyphus und Macrolophus waren über den ganzen Winter auf diesen Pflanzen präsent. Hohe Fänge konnten ab dem Frühjahr verzeichnet werden, bis zu hundert Individuen pro Pflanze.
Von 2009 bis 2011 wurde die Ringelblume und der Klebrige Alant (Dittrichia viscosa) bei verschiedenen Produzenten getestet. Der Klebrige Alant wurde inzwischen weggelassen, da diese Pflanze nur die Raubwanze Macrolophus melanotoma als Wirt und Aufenthaltsort dient. Diese Wanze ist sehr spezialisiert und kann sich nicht auf Tomaten ansiedeln. Somit konzentrierten sich die Arbeiten seit 2012 auf die Ringelblume und einige Geranienarten, die im Versuch 2011 Macrolophus pygmaeus (auch als M. caliginosus bezeichnet) gefördert haben.
Die Anlage des Blühstreifens
Die Versuche seit 2012 zeigen, dass man die Blühstreifen - mit einem vernünftigen Aufwand für die Produzenten - auch im Tunnel oder Gewächshaus anbauen kann, zum Beispiel am Rand oder unterhalb der Stützen. Die Kosten des Blühstreifens sind gering, im speziellen für die Ringelblumen, da das Saatgut problemlos im Handel zu finden ist und sich die Pflanzen selber weitervermehren, ohne aber als Unkraut problematisch zu werden. Das Saatgut kostet etwa 15 Franken pro 100 Gramm bei einer Aussaatstärke von 2,5 Gramm pro Quadratmeter. Soll der Randbereich sauber bleiben, wird eine gelochte Plastikfolie ausgelegt und pro Laufmeter werden vier Ringelblumen ausgepflanzt. Die Raubwanzen siedeln sich rasch auf den Pflanzen an.
Bei Versuchsbeginn am GRAB wurden die Blühstreifen ausserhalb des Gewächshauses angelegt. Bereits im Januar konnte die Raubwanze Dicyphus auf dem Pyrenäen-Reiherschnabel und dem Balkan-Geranium gefunden werden. Das beweist, dass diese Art auf diesen Pflanzen in Südfrankreich überleben und überwintern kann. Nun sind die Blühstreifen ins Gewächshaus verlegt worden, damit der Kontakt zu den Kulturpflanzen enger wird und die Raubwanzen dank der (im Vergleich zum Freiland) milden Überwinterungsbedingungen besser überleben.
Management der Blühstreifen
In Partnerschaft mit motivierten und neugierigen Produzenten wurden Strategien zum Blühstreifen erprobt, um den Transfer der Raubwanzen zur Kultur zu erhöhen und die Gleichmässigkeit der Kolonisation zu verbessern. Beispiele: Schneiden der Geranien und Ringelblumen; ausreissen der Ringelblumen und verteilen in den Tomaten.
Auch wenn Macrolophus und Dicyphus bei uns nicht natürlich vorkommen, kann man in der Schweiz versuchen, diese natürliche Schädlingsregulation in Gewächshäuser und Tunnel zu etablieren, vielleicht mit einem ähnlichen Erfolg wie in Südfrankreich. Man kann im Winter eine Ringelblumenzucht anlegen um die während der Saison gekauften Nützlinge zu erhalten. Blüten sind für das Überleben der Macrolophus im Winter nicht notwendig, da diese Insekten Blätter anstechen und sich vom Pflanzensaft ernähren. Im Winter findet man Macrolophus auch auf erfrorenen und trockenen Ringelblumen, aber es ist unklar, wie lange sie unter diesen Bedingungen überleben. Man muss daher versuchen, während des Winters die Ringelblumen im geschützten Anbau so lange wie möglich grün zu halten, das heisst vor allem möglichst frostfrei.
Jérôme Lambion (GRAB, Avignon)
Weitere Informationen
Kohlnützlinge lieben Kornblumen (gleiche Rubrik)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.10.2014