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Daran erinnern sich alle: Über Nacht ist auf der Stirn ein Pickel gespriesst. Prall gefüllt und mit einer hässlichen Eiterspitze versehen, leuchtet er im Spiegelbild wie eine rot blinkende Warnlampe entgegen.
Der Tag ist gelaufen. Drückt man den Pickel nicht aus, thront er den ganzen Tag über gut sichtbar im Gesicht. Drückt man ihn aus, bleibt eine entzündete, geschwollene Beule zurück.
Hormone als Auslöser
Neun von zehn Teenagern leiden in der Pubertät an Akne. Die Geschlechtshormone kurbeln zum einen die Talgproduktion der Haare an und machen zum anderen die Haut fettiger. Kommt zusätzlich eine übermässige Verhornung hinzu, verstopft die Hautoberfläche, darunter sammelt sich Talg an. Entzündungen sind die Folge, die typischen Akne-Pusteln entstehen.
Weshalb die einen Jugendlichen wie Streuselkuchen aussehen, andere aber kaum Pickel haben, ist weitgehend unbekannt. «Sicher besteht eine gewisse Prädisposition», erklärt Severin Läuchli, Dermatologe am Universitätsspital Zürich. «Hatte bereits ein Elternteil eine ausgeprägte Akne, überrascht es nicht, wenn auch die Tochter oder der Sohn übermässig viele Pickel haben.»
Mit schlechter Hygiene, wie früher oft vermutet, hat Akne aber nichts zu tun. Seit Jahrzehnten untersucht wird indes der Einfluss der Ernährung – bisher mit mässigem Erfolg. Bekannt ist, dass einzelne Nahrungsmittel wie Schokolade und Nüsse oder Fleischwaren wie Salami Akne nicht begünstigen.
«Untersuchungen an Naturvölkern in Südamerika und Papua-Neuguinea lieferten in jüngster Zeit aber Hinweise darauf, dass unsere westliche Ernährungsweise mit Milchprodukten und vielen schnellen Kohlenhydraten Akne fördern könnte», sagt Severin Läuchli. Brote aus Weissmehl, Teigwaren, Kartoffeln, Reis, Mais und Zucker stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt zu beeinflussen und Akne zu begünstigen.
Diese Nahrungsmittel stehen nicht auf dem Menüplan der untersuchten Naturvölker. Die Kitava-Insulaner in Papua Neuguinea ernähren sich zu einem grossen Teil von Fleisch. Die Aché, Jäger und Sammler in Paraguay, essen Wurzelgemüse wie Yams und Tapioka, Früchte und Fisch. Beiden Völkern ist Akne nicht bekannt. Laut Dermatologe Läuchli müssen aber noch weitere Abklärungen gemacht werden: «Noch sind die Gene dieser Naturvölker nicht untersucht worden.»
Und da der Einfluss der schnellen Kohlenhydrate auf die Entstehung von Akne eher gering scheint, «empfehlen wir im Moment keine spezielle Akne-Diät», sagt Läuchli.
Schwieriger Rat: nicht ausdrücken!
Auch wenn die Verlockung noch so gross ist: Mitesser oder Pickel sollten weder aufgekratzt noch ausgedrückt werden! Wer es trotzdem macht, riskiert eine Entzündung. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass eine tiefere Wunde entsteht und Narben zurückbleiben.
Je nach Ausprägung, also Anzahl und Grösse der Pickel, spricht der Fachmann von leichter, mittlerer oder schwerer Akne.
Wer eine leichte Akne hat, kann die Haut mit schonenden Waschlotionen reinigen. Das Fett auf der Haut wird dabei entfernt, ohne die Haut zu stark auszutrocknen. Auch antibakterielle und leicht schälende Cremes oder Gels aus der Apotheke können Besserung bringen.
Bei stärkerer Akne braucht es den Fachmann. Oft verschreiben Dermatologen bei vielen und grossen Pickeln Medikamente, die ein Jahr lang eingenommen werden müssen, und die die Akne in vielen Fällen ganz abklingen lassen. Diese hoch wirksamen Medikamente regulieren die Verhornung der Haut, reduzieren die Talgproduktion und hemmen die Entzündung. Allerdings können sie Nebenwirkungen haben. Die Einnahme muss deshalb von einem Spezialisten begleitet werden.
In den meisten Fällen wächst sich die Akne im Erwachsenenalter aus. Bis dahin gilt im Kampf gegen die Pickel:
- Nicht Rauchen
- Auf pudrige und fettige Kosmetika verzichten
- Die Haut nicht übertrieben reinigen
- Nur mässig sonnenbaden
- Regelmässig die eine oder andere Pizza- und Pasta-Mahlzeit durch Salat und Gemüse ersetzen.
Akne plagte schon die Pharaonen
Akne ist keine neuzeitliche Erkrankung der Haut. Die oftmals entzündeten Pickel sind bereits in Schriften im alten Ägypten sowie bei den Griechen und Römern erwähnt. Behandelt hat man die Pusteln damals mit Honig und Schwefelbädern. Eine Theorie der damaligen Zeit war: Wer lügt, wird mit Akne gestraft.
Im Mittelalter und auch später noch standen als Ursache für die Pickel kleine, wurmähnliche Parasiten unter Verdacht, die sich ins menschliche Gewebe bohren und davon ernähren würden – aus dieser Vorstellung könnte sich auch der Begriff «Mitesser» herleiten.
Im 19. Jahrhundert schliesslich entdeckte man erste Zusammenhänge zwischen Akne und fettiger Haut, dem Haarbalg und Menstruation, also hormonellen Einflüssen.