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Montserrat Caballé – dem Namen bin ich oft begegnet. «Montserrat tut dies, Montserrat sagt das …», hiess es fast täglich in Madrid, wo ich vor wenigen Monaten die Gräfin de la Roche an der Oper, dem Teatro Real, gesungen habe. Die Frau mit dem mächtigen Brustkasten war nicht nur auf der Opernbühne, sondern in ganz Spanien eine mächtige Frau.
Mitte der 90er-Jahre habe ich sie persönlich getroffen. Wir sangen zur selben Zeit im Gran Teatre del Liceu und danach in Madrid an der Oper; allerdings in verschiedenen Programmen. In den Gängen der Oper unterhielten wir uns auf Italienisch, aber die Allrounderin hatte wenig Zeit; sie sang Duettabende mit ihrer blutjungen Tochter Montserrat Martí, die am Anfang ihrer Karriere stand. Sie war einerseits eine besorgte Mutter, andererseits aber auch unter Druck, da sie nicht nur Gesangscoach, sondern auch deren Agentin war.
Eine der letzten Diven
Es berührte mich sehr zu sehen, wie sie sich für ihre Tochter einsetzte. Seit unserem Treffen verfolgte ich sie mit noch grösserem Interesse. Ihr Duett «Barcelona» mit Queen-Sänger Freddie Mercury für Olympia 1992 empfand ich als Meilenstein: Die Caballé war neben Luciano Pavarotti die erste Opernsängerin, welche die längst überholten Grenzen zwischen den Musikgenres einzureissen versuchte. Soll die Oper überleben, heisst es, vom hohen Ross herunterzusteigen und zu akzeptieren, dass es nur gut und schlecht gemachte Musik gibt – in jedem Genre.
Im Video: «Barcelona» von Freddie Mercury & Montserrat Caballé
Ich bewundere Montserrat für ihren Mut und ihre Weitsicht. Viele bezeichnen sie als eine der letzten Diven. Doch ihr Benehmen war – wie man mir erzählte – freundlich und fair. Man darf nicht vergessen, das sie ja auch eine grosse, einflussreiche Sängeragentur führte. So half sie etwa beim Aufbau von José Carreras’ Weltkarriere.
Montserrat Caballé sang mit den grössten Dirigenten alle wichtigen Partien des Sopranfachs. Immer auf Belcanto bedacht – auf einen schönen, warmen Klang ohne Druck. Wenige spannen solche Silberfäden-Piani bis in die höchsten Höhen und haben eine solche Atemkontrolle. Ihre Interpretation der Arie «Casta Diva» aus Bellinis «Norma» ist überirdisch schön. Toscas «Vissi d’arte»: Ich kenne keine Sopranistin, die die berüchtigte letzte hohe Phrase in einem Atem singt!
Leider bin ich nie mit ihr zusammen aufgetreten
Leider bin ich nie mit ihr zusammen aufgetreten, doch höre und analysiere ich bis heute viele ihrer Aufnahmen und verbringe so viele Stunden mit der Maestra. Montserrat Caballé ist und bleibt eine ganz Grosse. Und zu wissen, dass sie ihren Werdegang in Basel am Theater begann, macht es irgendwie noch schöner.
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