Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/166099

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über das Phänomen der Altersdiskriminierung in der Schweiz zu erstellen und Lösungen für die Bekämpfung vorzuschlagen. Von Altersdiskriminierung spricht man, wenn Menschen aufgrund von Stereotypen bezüglich ihres Alters diskriminiert werden. In der Arbeitswelt wird zum Beispiel stereotypisch angenommen, die Flexibilität, Kreativität, Eigeninitiative und der Ehrgeiz nehmen ab dem 50. Lebensjahr ab. Bei den Arbeitgebern kann dies dazu führen, dass sie Vorbehalte gegen die Anstellung von Seniorinnen und Senioren haben, diese von Weiterbildungsprogrammen ausschliessen und Anreize für die Frührente schaffen. Bei den Arbeitnehmenden können altersdiskriminierende Bemerkungen das Selbstbewusstsein schwächen und zu mangelndem Engagement im Beruf führen.</p><p>Die Altersdiskriminierung hat ihren Preis und es wäre interessant, diesen zu evaluieren: Die Unternehmen verzichten auf das Engagement der erfahrensten Arbeitnehmenden und anerkennen deren Potenzial nicht. Die Altersdiskriminierung treibt Personen, die noch viel zu bieten haben, in Rente. Sie belastet die Arbeitslosenversicherung und die Sozialhilfe. Sie hat negative Auswirkungen auf die Sektoren, in denen es an Fachkräften mangelt.</p><p>Verschiedene Lösungsmöglichkeiten sollten geprüft werden: die Schaffung einer Beobachtungsstelle für Altersdiskriminierung in der Schweiz, eine Kampagne zur Sensibilisierung der Unternehmen, die Förderung einer Durchmischung der Generationen in der Arbeitswelt, die Glättung der Rentenbeiträge, ein Vorsorgesystem, das nicht diejenigen bestraft, die nach Erreichen des 70. Lebensjahrs noch arbeiten wollen, die Verstärkung der bestehenden Massnahmen zur Wiedereingliederung der arbeitslosen Seniorinnen und Senioren in den Arbeitsmarkt.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ältere Arbeitnehmende sind in der Schweiz im internationalen Vergleich gut im Arbeitsmarkt integriert. Sie weisen eine hohe Erwerbsbeteiligung auf und sind unterdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Erwerbsquote beträgt inzwischen bis und mit einem Alter von 59 Jahren über 80 Prozent, und auch mit 62 Jahren liegt sie noch über 63 Prozent. Ältere Arbeitnehmende sind zudem häufiger als jüngere in relativ stabilen Arbeitsverhältnissen. Ihr Risiko, durch Entlassung oder Beendigung eines befristeten Arbeitsvertrags arbeitslos zu werden, ist unterdurchschnittlich hoch. Zudem hat sich die Erwerbsbeteiligung von Personen im Alter von 55-64 Jahren in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich erhöht.</p><p>Trotz der insgesamt positiven Situation sind ältere Arbeitnehmende auf dem Arbeitsmarkt auch mit Schwierigkeiten konfrontiert. Werden ältere Arbeitnehmende arbeitslos, brauchen sie in der Regel länger als andere, um wieder eine Stelle zu finden. Daher stehen ältere Arbeitnehmende explizit im Zentrum eines Handlungsfeldes der Fachkräfteinitiative (FKI). Die Massnahmen der FKI zielen darauf ab, die im Inland vorhandenen Potenziale besser zu nutzen, unter anderem bei Frauen mit Familienbetreuungspflichten und älteren Arbeitnehmenden. In den letzten 5 Jahren konnte bei diesen beiden Gruppen die Erwerbsbeteiligung um insgesamt 100'000 Arbeitskräfte erhöht werden. 40 Prozent dieser erhöhten Arbeitsmarktbeteiligung ist auf ältere Arbeitnehmende zurückzuführen.</p><p>Im Rahmen der FKI hat der Bund, unter Einbezug der Kantone und der Sozialpartner, im April 2015 eine erste Nationale Konferenz zum Thema ältere Arbeitnehmende einberufen. Nach einer umfassenden Auslegeordnung wurden mehrere Massnahmen verabschiedet, welche die Arbeitsmarktintegration älterer Arbeitnehmender fördern und die Unternehmen und Öffentlichkeit für die Thematik sensibilisieren. An der Folgekonferenz vom 21. April 2016 wurde eine erste positive Bilanz zu den beschlossenen Massnahmen gezogen. So räumt die Bundesverwaltung seit dem 1. Juli 2015 den gemeldeten Stellensuchenden beim RAV einen prioritären Zugang zu den ausgeschriebenen Stellen ein. Zudem zeigt eine in Auftrag gegebene Studie beim Stellenmarkt-Monitor der Universität Zürich, dass Altersgrenzen bei Stelleninseraten relativ selten eingesetzt werden.</p><p>Der Arbeitslosenversicherung (ALV) stehen bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von älteren Stellensuchenden gezielte Instrumente zur Verfügung. In Anbetracht des hohen Risikos der Langzeitarbeitslosigkeit von arbeitslosen Personen von über 50 Jahren ist im Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG, SR 837.0) für über 55-Jährige ein spezielles Entschädigungssystem verankert. Über 55-Jährige erhalten bei einer Beitragszeit von mindestens 22 Monaten Anspruch auf maximal 520 Taggelder. Unter bestimmten Bedingungen erhalten versicherte Person, die 4 Jahre vor Erreichen des AHV-Rentenalters arbeitslos werden sogar Anspruch auf zusätzliche Taggelder, die bis zum ordentlichen AHV-Rentenbezug fortbestehen können. </p><p>Neben der Überbrückung einer Phase von Erwerbslosigkeit durch Taggelder unterstützt die ALV Stellensuchende mit einer Palette von aktivierenden Instrumenten bei der (Wieder-)Eingliederung ins Erwerbsleben. Die Instrumente Beratung, Vermittlung und arbeitsmarktliche Massnahmen (AMM) sind Teil des Vollzugs der öffentlichen Arbeitsvermittlung.</p><p>Der Bundesrat kennt die Situation sowie die bestehenden Schwierigkeiten für ältere Arbeitnehmende am Arbeitsmarkt und deren Ursache. In Anbetracht der vorhandenen Kenntnisse erachtet der Bundesrat die bestehenden und auf breitem Konsens gestützten Massnahmen als angemessen, um die Arbeitsmarktintegration sowie die Stellung der älteren Arbeitnehmenden am Arbeitsmarkt zu stärken. Die FKI stellt zudem die geeigneten Gefässe zur Verfügung, um die arbeitsmarktlichen Entwicklungen hinsichtlich älterer Arbeitnehmender laufend zu überprüfen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.