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Die am Zürcher Sechseläuten-Umzug teilnehmenden Pferde sind Lärm und Stress ausgesetzt. Sie haben zwar während des Umzugs eine erhöhte Herzfrequenz, doch insgesamt ist die Stressbelastung moderat und für die Pferde zumutbar. Dies zeigt eine Untersuchung der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich.
Rund 550 Pferde laufen, traben und galoppieren am Zürcher Sechseläuten und sind dabei Stress ausgesetzt. Anlässe wie das Frühlingsfest der Zünfte in Zürich werden deshalb kontrovers diskutiert. Im Rahmen einer Masterarbeit untersuchte die Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich die Stressbelastung der Pferde während des Sechseläuten-Umzugs. Ebenso wurde das Verhalten der Pferde von Experten subjektiv beurteilt. Die Untersuchung zeigt, dass die Stressbelastung moderat und für die Pferde zumutbar ist.
Für die Masterarbeit wurden 23 am Sechseläuten 2016 teilnehmende Pferde aus neun verschiedenen Zünften untersucht. Drei Teilabschnitte des Umzuges, der Kontermarsch an der Bahnhofstrasse, der Umzug am Limmatquai und der Umritt um den brennenden Böögg, wurden an einem Testtag, 14 Tage vor dem Anlass, in normaler Reitumgebung ohne die Sechseläuten-spezifischen Reize simuliert. Danach beobachtete das Team um PD Dr. Michael Weishaupt die Pferde auf denselben Umzugsstrecken am Anlass selbst. Um ihre Herzfrequenz messen zu können, trugen die Pferde einen Pulsgurt. Anhand von Kotproben wurden zudem die Konzentrationen des Stresshormons Kortisol bestimmt. Dreizehn der untersuchten Pferde waren am Sechseläuten sediert; dadurch konnte auch der Einfluss der Sedation ermittelt werden.
Unerfahrene Pferde haben höhere Herzfrequenz
Sowohl nach dem Testtag als auch nach dem Sechseläuten waren die Kortisolwerte der Pferde gegenüber dem Ausgangswert leicht erhöht. Der Anstieg des Kortisols unterschied sich jedoch nicht zwischen Testtag und Sechseläuten. Auch das Verhalten der Pferde wurde von den Experten an beiden Tagen als ähnlich beurteilt: «Die meisten Stressanzeichen haben wir während des Kontermarsches beobachtet», erklärt Michael Weishaupt. Im Vergleich zum Testtag war die durchschnittliche Herzfrequenz in allen Teilabschnitten des Umzuges bei vergleichbarer Geschwindigkeit offensichtlich erhöht. Am deutlichsten zeigten sich die Herzfrequenzschwankungen wiederum während des Kontermarsches. Bewegten sich die Pferde im Schritt, unterschied sich die durchschnittliche Herzfrequenz der sedierten Pferde nicht von jener der unsedierten Pferde. Ein wichtiger Unterschied zeigte sich hingegen zwischen Sechseläuten-erfahrenen und -unerfahrenen Pferden: Jene, die zum ersten Mal am Umzug teilnahmen, hatten eine deutlich höhere Herzfrequenz.
Belastung ist ähnlich wie bei Spring- oder Dressurprüfungen
«Die Herzfrequenzerhöhung am Sechseläuten weist auf eine erhöhte Stressbelastung hin. Doch sie ist zusammen mit den Kortisolwerten und der Verhaltensbeurteilung moderat und kann den Pferden zugemutet werden», resümiert Michael Weishaupt, Abteilungsleiter für Sportmedizin des Pferdes am Tierspital der UZH. Die Belastung entspricht in etwa jener, die Pferde an Spring- oder Dressurprüfungen ausgesetzt sind. «Dass Sechseläuten-routinierte Pferde mit den Reizen dieses Anlasses besser umgehen können, weist auf das Anpassungsvermögen der Pferde hin. Das vorgängige Vertraut-machen der Pferde mit der Umzugssituation und den spezifischen Reizen des Anlasses und eine gute Vorbereitung von Pferd und Reiter für solche Anlässe zahlt sich aus», schliesst Michael Weishaupt.