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Vor 75 Jahren unternahmen die beiden Schweizer Auguste Piccard und Paul Kipfer den ersten bemannten Ballonflug in die Stratosphäre.
Eine Ausstellung, die den historischen Flug auf die Rekordhöhe von 15,781 Metern mit Film, Fotos und Dokumenten illustriert, wurde am Wochenende im Genfersee-Museum in Nyon eröffnet.
"Es war das erste Mal, dass jemand die Stratosphäre erreicht hatte, und das war für diese Zeit eine aussergewöhnlich Leistung", sagte der Kurator Jean-François Rubin gegenüber swissinfo.
Man sagt, dass der in Basel geborene Auguste Piccard als Inspirationsquelle für Tintins's verrückten Professor Cuthbert Calculus gedient habe, und wenn man sich die Bilder mit Piccard und Kupfer ansieht, versteht man leicht, warum.
Mit ihrem ungewöhnlichen Kopfschmuck, gepolsterten Weidenkörben, sehen sie aus wie Figuren aus "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten". Das war etwas völlig anderes als der Ballon Breitling Orbiter 3, in welchem Piccards Enkel Bertrand 1999 seinen atemberaubenden Weltumrundungsflug machte.
Piccard hatte bereits 1926 als Physikprofessor an der Freien Universität in Brüssel in einem Ballon auf einer Höhe von 4500 Metern Einsteins Relativitätstheorie bestätigt und schlug darauf vor, einen Flug in die Stratosphäre zu unternehmen, um Daten zu sammeln und kosmische Strahlen zu messen.
Die allererste Raumkapsel
Dafür erfand er eine kleine kugelförmige, druckdichte Kapsel aus Aluminium mit einem Durchmesser von 2,1 Meter: "Das ist der kleinste Raum, in dem es genügend Platz für zwei Beobachter und zahlreiche Instrumente gibt."
"Das war die allererste Raumkapsel", sagte Rubin. "Die Nasa betrachtet Piccard und Kipfer als die ersten Astronauten."
Der riesige, 30 Meter hohe Ballon aus zwei Baumwollschichten, die mit Gummi zusammen geklebt waren, wurde vom Belgischen Nationalfonds für wissenschaftliche Forschung finanziert, deshalb lautete der Name des Ballons FNRS.
Schwieriger Start
Piccard wählte Augsburg in Bayern als Ausgangspunkt, weil es in der Nähe der Produktionsstätte des Ballons und in genügender Distanz zur Küste lag, was das Risiko einer Notwasserung reduzierte.
Das Abheben war für den 14. September 1930 vorgesehen, doch das Unternehmen wurde von den deutschen Behörden behindert, die die Erlaubnis aus Sicherheitsgründen verweigerten. Zum Glück für Piccard, der Mitglied des Schweizer Aero-Clubs war, übernahmen die Schweizer Behörden die Verantwortung.
Doch schlechtes Wetter behinderte den geplanten Start. Erst am 26. Mai des folgenden Jahres wurde ein neuer Versuch gewagt. Der Ballon wurde langsam aufgepumpt. Um 3 Uhr 53 am Morgen des 27. Mai hoben Piccard und Kipfer ab.
Doch der Start war alles andere als sanft, denn die Kapsel krachte in einen Lastwagen und erhielt einen Sprung. Aber nach einer Not-Reparatur konnten die beiden schliesslich abheben. In einer halben Stunde erreichten sie eine Höhe von 15'780 Metern.
Die gepolsterten Weidenkörbe auf den Köpfen
Doch ihre Probleme waren noch längst nicht vorbei. Ein Seil blockierte eine Klappe, was zur Folge hatte, dass sie keinen Wasserstoff aus dem Ballon ablassen und so herunterkommen konnten – zumindest nicht, bis die Sonne unterging und das Gas abkühlte.
Piccard habe zu seinem Assistenten gesagt: "Es ist noch passiert, dass ein Ballon nicht wieder herunterkam, die Frage ist nur wann." Erst um 2 Uhr Nachmittag nach mehreren Stunden mit extremen Temperaturschwankungen und Wassermangel begann der Ballon langsam zu sinken.
Etwa 17 Stunden nach dem Start in Augsburg erreichten sie einen Gletscher in Tirol (Österreich), wo sie landeten und die Nacht verbrachten, eingehüllt in den Ballon. Am nächsten Tag wurden sie von einer Skipatrouille abgeholt.
Und diese Weidenkörbe? "Wir waren beide durch gepolsterte Weidenkörbe vor Schlägen gegen den Kopf geschützt", hatte Piccard notiert. "Während unserem Aufstieg enthielten die Körbe verschiedene Hilfsgeräte und die Kissen schmückten unsere Weidensitze. Im Fall einer Notwasserung hätten die mit Baumwolle gefüllten Kissen als Schwimmweste gedient."
swissinfo, Adam Beaumont, Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Susanne Schanda)
In Kürze
Auguste Piccard wurde am 28. Januar 1884 in Basel geboren.
Ab 1917 arbeitete er an der Eidgenössisch-technischen Hochschule (ETH) Zürich.
1922 wurde er als Physikprofessor an die Freie Universität Brüssel berufen. Dort entwickelte er seinen Ballon FNRS (nach dem Namen des belgischen Nationalfonds für wissenschaftliche Forschung) und machte die ersten Stratosphärenflug-Versuche.
Später entwickelte der den Bathyscaph, ein Unterseeboot zur Erforschung der Tiefsee und realisierte 1948 den ersten Tauchgang vor Dakar.
Mit seinem Sohn Jacques konstruierte Piccard ein weiteres U-Boot, die Trieste, mit welcher sie berühmte Marianne-Höhle im pazifischen Ozean erforschten und 1960 einen neuen Tiefenrekord aufstellten.
Am 24. März 1962 starb Piccard in Lausanne.