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Zentralbibliothek Zürich, Ms. A 120. (2 Bde.)
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Vergriffen! Nr. 36 von 980 Exemplaren. Die älteste Schweizer Bilderchronik. Der Ursprung der Schweizer Bilderchroniken In den Bilderchroniken des 15. und 16. Jahrhunderts schuf die damalige Eidgenossenschaft Kulturdokumente von einzigartigem Gepräge. Am Anfang steht ein erstaunliches Werk, dessen unbekümmerte Bildersprache von hohem künstlerischem Reiz ist.Das Besondere an Tschachtlans Chronik liegt in ihrem Bilderschmuck, den 230 farbigen, meist ganzseitigen Illustrationen, die noch ganz dem späten Mittelalter verhaftet sind und sich durch Unbekümmertheit und Frische auszeichnen. Alle Bilder erscheinen jeweils als reliefartiger Terrainausschnitt und bestechen durch ihre leuchtende und lebendige Darstellungsweise.Tschachtlan Politiker und Chronist Bendicht Tschachtlan erschien als zuverlässiger, hingebungsvoller Staats- und Verwaltungsmann; er war ein Angehöriger der begüterten und emporstrebenden oberen Mittelschicht, erfahren und maßvoll. Er stand dem Adel nahe und war auf Wahrung der Ehre seines Namens bedacht. Insgesamt stand er 45 Jahre lang im öffentlichen Dienst.Geboren wurde er um das Jahr 1420. 1448 trat er in den Großen Rat der Stadt Bern ein, 1452 verehelichte er sich. Als Mitglied des Rates war er in den Jahren von 1453 bis 1493 an den wichtigen Entscheidungen der Stadt beteiligt; seine Amtstätigkeit umfaßte wesentliche Teile der damaligen Wirkungsbereiche des Staates: Finanz- und Bauwesen, Recht, Wirtschaft und Aufsicht über geistliche Institutionen. Seit der Mitte der achtziger Jahre des 15. Jahrhunderts begann Tschachtlan, seine Ämter abzugeben. Der Chronist und Politiker verstarb im Herbst 1493.Die älteste Schweizer Bilderchronik Die Chronik Tschachtlans weist einige großartige Neuerungen auf dem Gebiet der Chronistik auf. Zum einen handelt es sich um die erste illustrierte Chronik; die Bilder sollten den Text augenfällig illustrieren. Zudem ist erstmals eine gesamte Rezeption der großen Geschichtsschreiber vor Tschachtlan, Konrad Justinger und Hans Fründ, in einem Band vorgenommen worden. Außerdem liegt ein Teil der Chronik auch dem ersten Werk des Diebold Schilling zugrunde. Vermutlich hat der junge Schilling sogar mit redaktionellen Arbeiten an der Chronik Tschachtlans mitgewirkt.Eigentlicher Schreiber des Textes war Heinrich Dittlinger; auch er war Politiker in Bern. Gemeinsam schrieben die beiden die Chronik ohne amtlichen Auftrag, als reine Privatarbeit; im Nachwort bezeichnen sie sich selbst als Autoren und halten fest, die Chronik sei 1470 beendet worden.Eidgenössische Geschichte von 1152 bis 1470 Der Text ist nur zu einem kleinen Teil Tschachtlans eigenes Werk. Der erste Teil, der die Zeit bis 1431 behandelt, basiert auf der Amtlichen Berner Chronik des Konrad Justinger aus dem Jahr 1431. Im zweiten Teil, in dem der Alte Zürichkrieg zur Sprache kommt, bezog sich Tschachtlan auf die Chronik des Hans Fründ. Der Rest stammt vom Ratsherrn selbst. Änderungen fand Tschachtlan vor allem dort angebracht, wo Negatives über seine Heimatstadt Bern ausgesagt wurde.Es lag in seiner Absicht, Bern und seine Geschichte in den Vordergrund zu rücken. Da aber Bern seit 1323 mit den Waldstätten verbündet war und seit 1353 zur achtörtigen Eidgenossenschaft gehörte, ist Berns Geschichte zugleich eidgenössische Geschichte.Der Bilderschmuck Tschachtlan malt in bewundernswerter Mannigfaltigkeit. Kulturgeschichtlich sind diese Bilder eine unerschöpfliche Fundgrube: Waffen, Kleider, Uniformen, Belagerungs- und Kampftechnik und Lagerleben sind gut zu studieren. Mit geübtem Auge hält Tschachtlan auch Dinge des alltäglichen Lebens fest: Gerichtsszenen, das Leben auf dem Land, Städte und Schlösser. Daneben ist die Chronik erfüllt vom Kriegslärm und Feldzügen, Belagerungen und Eroberungen. Das ganze bunte Treiben in Stadt und Land, vor allem das Kriegerische jener Zeit, sowie das Gehabe großer Staatsmänner und das Leben einfacher Kriegsknechte: all diese Bereiche sind in der Chronik auf das hervorragendste eingefangen worden. Das Werk ist ein begeisternder Zeuge der Schweizer Geschichte.Der Kommentarband Der Kommentarband mit einem Umfang von über 470 Seiten erscheint als Halblederband im selben Format wie das Faksimile. Aus Anlaß der Faksimilierung haben namhafte Experten eine vollständige Untersuchung des Werkes und seines Umfeldes durchgeführt.Herausgeber des Kommentarbandes ist Prof. Dr. Alfred A. Schmid, Ordinarius für Kunstgeschichte, Universität Freiburg i.Ü. Die weiteren Autoren: Prof. Dr. Pascal Ladner, Ordinarius für historische Grundwissenschaften an der Universität Freiburg i.Ü., Dr. Sigmund Widmer, Nationalrat, alt Stadtpräsident von Zürich, Dr. Urs Martin Zahnd und Prof. Hans A. Michel, Bern, Vinzenz Bartlome, Bern. Entscheidend zum besseren Verständnis des Werkes trägt auch die vollständige Transkription des Textes durch Prof. Dr. Pascal Ladner bei.