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Das Gasthaus Adler
von Pfarrer Hans Heeb
Es soll das älteste Hotel des Kantons sein. Zeppelin sei jeweils vierspännig vorgefahren. An verschiedenen Orten kann man lesen oder hören, dass der Adler schon in einem Urbar, in einem Güterverzeichnis des Klosters Reichenau, im Jahre 1270 erwähnt sei und dass er im Schwabenkrieg, als die Truppen des Schwäbischen Bundes am 11. April des Jahres 1499 Ermatingen überfielen, niedergebrannt und dann aber bald wieder aufgebaut worden sei. Von diesen Aussagen her ist der Adler schon oft den ältesten Gasthäusern, ja den drei ältesten Gasthäusern unseres Landes zugezählt worden.
Diese Aussagen haben leider einen Nachteil. Ein Urbar des Klosters Reichenau aus dem Jahre 1270 ist nicht bekannt und im Schwabenkrieg wird der Adler gar nicht erwähnt. Sicher ist im Jahre 1684 ein Adlerwirt Hans Kaspar Ammann nachgewiesen. Und dann - der ehemalige Denkmalpfleger Albert Knöpfli nimmt an, dass das Haus im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Ist von daher die Annahme, dass das Haus schon im Mittelalter bestand und dann im Schwabenkrieg niedergebrannt und bald wieder aufgebaut wurde, aber so abwegig ?
In seiner jetzigen Grösse steht das Haus da seit etwa 1875. Vorher bestand nur der vordere, der Hauptstrasse zugewandte Teil. Wohl im Jahre 1875 erwarb der damalige Adlerwirt J. H. Debrunner das auf der Südseite nahe dem Gasthaus stehende Haus "zum Klösterli". Er brach das Haus ab und errichtete den südlichen Teil des Adlers,in dem sich heute der Saal befindet. Im Jahr 1926 schuf der spanische Maler Jose Sanz y Arizmendi die Fresken auf der Nord- und Ostseite des Hauses.
Im Jahr 1825 wurde der Taverne Adler die Ehehafte verleihen. In der Taverne konnten, im Gegensatz zur Schenkwirtschaft, Gäste auch beherbergt werden. Bei der Ehehafte, die vom Regierungsrat sehr zurückhaltend vergeben wurde, handelte es sich um das Gewerbepatent. Am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts konnten ungefähr 100 Gäste beherbergt werden - in der Dependance, in der Alten Oele, im Seefeld und in einem unterhalb des Seefeldes stehenden Chalet sowie im Schloss Hard. Von 1904 bis 1950 war das Haus im Besitz von Elise Heer aus Töss. Elise Heer darf als legendäre Adlerwirtin und Soldatenmutter während zwei Weltkriegen bezeichnet werden.
Gäste des Hauses waren - neben vielen anderen - Königin Hortense, Kaiserin Eugenie, Prinz Louis Napoleon (genannt "Lulu"), Verwandte und Freunde der napoelonischen Familie sowie die Herrschaften von den umliegenden Schlössern (aus diesem Grund wird das Gasthaus auch als Auberge Napoleon bezeichnet) - die Dichter Alexandre Dumas pere, Chateaubriand, Johann Wolfgang von Goethe, Joseph Victor von Scheffel, Maria Esperance von Schwartz (Elpis Melena), Hermann Hesse, Thomas und Golo Mann, Ernst und Georg Friedrich Jünger, J. C. Heer und Gottlieb Heinrich Heer, Hans Leip und Ernst Nägeli - die Maler Trübner, Meyer-Basel, Kaspar Ritter, Voellmy, Rüdisühli und Ernst Kreidolf - der Historiker Johannes Dierauer, der Napoleon - Biograpf Alfred Neumann, Carl Ludwig Burckhardt ( der letzte Hochkommisar des Völkerbundes in Danzig) die Generäle Guisan und de Lattre de Tassigny sowie Graf Zeppelin.
Der Adler gehört zu den ältesten und bekanntesten Gasthäusern des Kantons Thurgau. Das Haus wurde wahrscheinlich im 16. Jahrhundert erbaut. Als erster Adlerwirt kann der Bürgermeister Conrat Amman nachgewiesen werden. Er wird erwähnt in Jahr 1590. Von daher ist aber auch nicht auszuschliessen, dass das Haus schon im Mittelalter bestand; im Schwabenkrieg im Jahr 1499 niedergebrannt und dann wieder aufgebaut wurde.