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Das bedeutendste Bauwerk in Damaskus ist die Umayyaden-Moschee, die Freitagsmoschee oder auch Grosse Moschee, inmitten der Altstadt. Auf dem Terrain, auf welchem die Moschee errichtet wurde, befand sich ehemals ein dem Gott Jupiter geweihter Tempel. Der Peribolos – die gesamte Platzanlage – hatte die gewaltige Ausdehnung von 385 x 305 m und der Temenos – der eigentliche Tempelbezirk – war ein eingefriedetes Areal von 137 x 100 m.
In der Römerzeit war das Stadtgebiet mit einer Mauer umfasst, deren zahlreiche Tore den Zugang zur Stadt öffneten. Das Osttor, Bab Sharqi, stammt noch aus dieser Zeit. Auch die Aufteilung des Stadtgebietes in rechtwinklige Viertel („insulae“) wurde damals vorgenommen. Sie geht auf die Entwürfe des milesischen Architekten Hippodamus (5. Jh. v. Chr.) zurück und bildet die Grundlage der römischen Stadtplanung (Hippodamisches Prinzip). Beim Osttor beginnt die Via Recta, die Gerade Strasse, die schon in der Bibel erwähnt wurde und die die ganze Altstadt durchschneidet, deren Zentrum der überdachte Suq al-Hamidiya ist. Auch wenn dieses Areal heute mit einem Wust von Häusern überbaut ist, konnte man die Grundstruktur der Via recta nachweisen. Erhalten sind noch Ruinen des Westtors, die die ehemalige Monumentalität der römischen Tempelanlage erkennen lassen.
Der Tempel war in eine christliche Kirche umgewandelt worden, nachdem Ende des 4. Jahrhunderts Kaiser Theodosius die heidnischen Kulte verboten hatte (Johannis–Kirche). Die architektonische Rekonstruktion dieser Kirche ist jedoch nicht mehr möglich, da alle ihre Bauteile zerstört wurden. 705 liess der Umayyaden-Kalif al-Walid auf den Grundmauern des Jupiter-Tempels die Moschee errichten. Der einzige Hinweis auf die ehemalige christliche Nutzung ist eine Inschrift über dem Südportal, ein Text aus Psalm 145, 13: „Dein Reich, o Christus, ist ein ewiges und deine Herrschaft wird über alle Generationen dauern“.
Man betritt das Areal der Moschee durch das Nordportal. In dem von Arkaden umgebenen Hof der Moschee befinden sich der Brunnen für Waschungen und zwei kleine Pavillons, das mit Mosaiken prächtig verzierte sogenannte „Schatzhaus“ (Beit al-Mal) und der Glockenpavillon. Die Fassade des Transept – des Bauteils der Moschee, der quer zum Langraum verläuft – ist ebenfalls reich mit Mosaiken dekoriert. Auch über die Wände der Westarkaden erstrecken sich Mosaikzyklen: eine menschenleere, idealisierte Landschaft – das Paradies nach islamischer Vorstellung. Traditionell wird das Fehlen anthropomorpher Darstellungen in der islamischen Kunst mit der Abneigung des Propheten Mohammed gegen figürliche Abbildungen begründet. Nur noch wenige Mosaike stammen aus der Bauzeit der Moschee, mehrheitlich handelt es sich um Rekonstruktionen aus späterer Zeit. Die drei Minarette, die zu den ältesten Minaretten des Islam gehören, waren auf den Ecktürmen des römischen Tempelbezirks hochgezogen worden. Sie waren zunächst in ihrem ursprünglichen Zustand belassen worden und erhielten erst im 11. Jahrhundert bzw. in der Mamluken-Zeit ihr heutiges Aussehen.
Der Gebetssaal ist eine dreischiffige Halle, die von einer Kuppel gekrönt wird. An den schönen, eigens für die Moschee geknüpften Teppichen kann der Besucher die Wohlhabenheit der Moschee erkennen – weniger wohlhabende Moscheen müssen sich mit alten, gespendeten Teppichen begnügen. Moscheen sind keine Gotteshäuser nach christlichem Verständnis, sondern Versammlungsorte für die Mitglieder der muslimischen Gemeinde, ein sozialer Treffpunkt, und so finden sich die Menschen hier nicht nur zum gemeinsamen Gebet zusammen, sondern auch um politische, religiöse oder rechtliche Fragen zu erörtern.
Da in Syrien die Toleranz anderen Religionen gegenüber gross war, der Islam ausserdem an die jüdisch-christliche Lehre anknüpft – Moses und Jesus gelten als bedeutende Propheten und Mohammed sah sich als deren Nachfolger – , steht die Moschee auch Christen offen. Das christliche Refugium konzentriert sich um einen Schrein in einer Kapelle, der als Reliquie das Haupt Johannes des Täufers birgt. Unbekannt ist allerdings, wie der Kopf nach Damaskus kam, da Johannes in Jordanien auf Geheiss des Herodes Antipas nach dem Schleiertanz der Salome enthauptet worden war.