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Das Bläsitor wurde auch Isteinertor, St. Annator oder Niederes Tor genannt und stand in unmittelbarer Nähe des Hofes des Gutsverwalters der Mönche von St. Blasien. Es beeindruckte als einfacher Zweckbau: Ein nüchterner, von mächtigen Quadersteinen erbauter und mit einem ebenmässigen Zinnenkranz versehener Turm, der die Stadtmauer mit der von den Nonnen im Klingental 1278 zum Schutze ihres Klosters errichteten Ringmauer zu verbinden hatte. Phantasievoller und grosszügiger ausgestattet war das durch eine bewegliche Brücke gesicherte äussere Bläsitor. 1472 ist das terrassenförmige Vorwerk, das zur Verteidigung gegen die Armagnaken aufgeführt wurde, erneut verstärkt worden. Die ganze Anlage beschloss nach aussen ein ummauerter Grendel mit Schlagbaum. Inmitten der Geborgenheit der beiden Tortürme lag die am 25. Juli 1407 von Weihbischof Heinrich eingeweihte St. Annakapelle.
1747 legte die Anwohnerschaft dem Rat mit Erfolg ein Gesuch für den Einbau einer Turmuhr vor, da der Stundenschlag der einzigen Uhr im Kleinbasel, derjenigen auf dem Richthaus bei der Rheinbrücke, durch das Rauschen der Teiche und das unaufhörliche Gerassel der sich darin drehenden 16 Wasserräder und Walken im Bläsiquartier nicht zu hören sei. Mit der Ausführung der Arbeit wurde Zeugwart J.J. Zeller beauftragt. Das Werk der "guten, dauerhaften und acuraten Stunden Schlaguhr mit zwei Zifferblättern, die nur alle 24 Stunden aufgezogen werden muss", wurde im Gefängnislokal "Flädermauss" installiert. Auch ist das Erscheinungsbild des Bläsitors bei dieser Gelegenheit mit einem Glockentürmchen verziert worden. Die Aufsicht über Tor und Gebühreneingang oblag einem obrigkeitlichen Beamten, dessen Dienst mit freier Wohnung, 18 Batzen Wochenlohn und einem Scheit Holz pro passierender Wagenfuhr abgegolten wurde. Zudem durfte der Torzoller den Stadtgraben und den davor liegende kleinen Rebacker bebauen.
Nachdem der Stadtgraben im Jahr 1810 ganz zugeschüttet worden war, wurde 1831 auch der zum Bläsitor gehörende Schopf abgerissen, damit dieser im Hinblick auf den bestmöglichen Verteidigungsstand der Stadt die Schusslinie aus dem Klingental nicht weiter behindere. Dafür wurde beim Tor ein Wachtmeisterhäuschen errichtet sowie eine Pallisadenwand, die aber in der Folge die Abfertigung der zahlreichen durchfahrenden Weinfourgons und Kornfuhrwerke sowie des Badischen Eilwagens erschwerte. Seit das Vorwerk durch ein unbewachtes Gatter ersetzt worden war, konnte nachts die Stadt unter Umgehung der Zoll- und Sperrgebühren via Schintgraben und Rheinufer erreicht werden, was zu Klagen seitens des Torzollers führte. Auch beschwerte sich der Mieter der Turmwohnung über das makabre Magazin in seinem Keller, wo die nicht selten beim Schintgraben gelandeten Leichen im Beisein zahlreicher Schaulustiger eingesargt wurden.
Trotz des Baus der Kaserne und der Korrektion des Claragrabens, der Klingentalstrasse und der Klybeckstrasse war die Regierung noch 1864 bemüht, das Bläsitor, das "wohltätig aus den übrigen Gebäuden hervorragt, auch wenn die Industrie des dortigen Quartiers seit einigen Jahren ihre noch höher ragenden Dampf- und Russsäulen daneben gestellt hat", möglichst lange zu erhalten. Aber schon wenige Monate später revidierten die Ratsherren ihre Meinung auf Antrag des Baukollegiums, da das Tor "weder einen fortifikatorischen noch ästhetischen Werth" habe. Ein Problem bildete nur die Turmuhr, für die aber schliesslich am Türmchen der St. Clarakirche ein neuer Platz gefunden wurde. Im Juni 1867 wurde das auf einen Wert von Fr. 11'400,- geschätzte Bläsitor samt der inneren zweistöckigen Wachtstube ohne Aufhebens abgerissen. Und am 24. Februar 1889 stürzte an der Klingentalstrasse auch noch eines der letzten unversehrten Stücke der alten Stadtmauer ein und "machte die Stadt wieder um eine historische Erinnerung ärmer".