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Meistens beschäftigt sich die Wissenschaft mit den grossen Problemen wie dem Klimawandel. Dabei weiss sie auch Rat bei Dingen, die uns Tag für Tag beschäftigen.
Das Salz in unseren Meeren stammt aus den Gebirgen und gelangt eines Tages wieder dorthin. Und das geht so: Verwittern die Gesteine in den Gebirgen dieser Welt, werden diverse Salze herausgelöst. Über Bäche und Flüsse gelangen die Salze in die Meere und geben diesen ihren typischen Geschmack. Obwohl ständig neue Salze in die Meere gespült werden, ist deren Salzgehalt aber über lange Zeit erstaunlich stabil geblieben.
Das kommt daher, dass laufend Salze aus dem Wasser im Meeresboden abgelagert werden. Es besteht also ein Gleichgewicht zwischen Zu- und Abfluss von Salzen in den Meeren. Faltet sich der Meeresboden dann im Laufe von Millionen von Jahren zu Gebirgen auf, kann der ganze Prozess des Auswaschens von Salzen wieder von neuem beginnen.
Es gibt Menschen, die sind überzeugt davon, dass sie imstande sind, Regen zu riechen. Das hat nichts mit übersinnlichen Fähigkeiten zu tun, denn Regen kann tatsächlich einen Duft haben. In der Meteorologie wird dieses Phänomen als Petrichor – oder Geruch des Regens auf trockener Erde – bezeichnet.
In den Ritzen von Steinen kann sich unter trockenen Bedingungen ein Öl sammeln, das von Pflanzen oder Bakterien stammt. Fallen während eines Regens Wassertropfen auf die trockenen Steine, wird Luft in Bläschen eingeschlossen, die winzige Spuren der Essenzen dieses Öls enthält. Die Luftbläschen steigen auf wie die Kohlensäure in perlendem Champagner und platzen schliesslich – dabei wird ein Duft frei, den viele als den typischen Duft des Regens empfinden.
Die natürliche Selektion ist die Triebfeder der Evolution: Lebewesen setzen mehr Nachkommen auf die Welt, als überleben können. Nur die am besten angepassten vermehren sich und geben ihre Eigenschaften weiter. Man könnte meinen, der Mensch habe diesen Mechanismus dank der modernen Medizin ausgetrickst, schliesslich ist die Kindersterblichkeit in der westlichen Welt fast verschwunden.
Doch diese Vorstellung ist falsch. Denn entscheidend ist auch, dass nicht alle Menschen gleich viel Nachwuchs haben. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass dieser Umstand Populationen noch immer verändern kann. So ist die niederländische Bevölkerung im 20. Jahrhundert unter anderem deshalb so stark in die Höhe geschossen, weil grosse Männer mehr Kinder hatten als kleine.
Er ist menschenscheu, sie nimmt Kritik persönlich, er ist gewissenhaft, sie wird schnell wütend. Sind diese Eigenschaften eine Frage der Persönlichkeit und deshalb kaum zu ändern? Besonders junge Erwachsene würden ihre Wesenszüge häufig gern etwas nachjustieren. Meist wollen sie verträglicher, gewissenhafter oder extrovertierter werden. Es sind Eigenschaften, die in unserer Gesellschaft angesehen sind. Und offenbar kann das gelingen.
Psychologen beschreiben die Persönlichkeit anhand von fünf Dimensionen, den sogenannten «Big Five»: Offenheit für Erfahrungen, Extraversion, emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit. Aus Studien weiss man: Diese Dimensionen sind unabhängig voneinander. Wer beispielsweise sehr kontaktfreudig ist, kann gleichzeitig mehr oder weniger gewissenhaft sein. Und die Geselligkeit sagt auch nichts darüber aus, wie emotional stabil oder offen für neue Erfahrungen diese Person ist.
Und in Stein gemeisselt ist das Persönlichkeitsprofil offenbar nicht. «Das menschliche Gehirn ist veränderbar. Dass ausgerechnet die Persönlichkeit unveränderlich sein soll, ist nicht logisch», sagt Mathias Allemand. Er untersucht an der Universität Zürich, wie Menschen ihre persönlichen Entwicklungsziele erreichen können. Solche Ziele haben die meisten Menschen. Denn immerhin werden viele von uns im Laufe des Lebens ausgeglichener, gewissenhafter, verträglicher und emotional stabiler. Erst im Alter – wenn der eigene Handlungsspielraum zwangsläufig wieder enger wird – treten manchmal wieder alte und manchmal auch neue Ecken und Kanten einer Person zutage.
Allemand und seine Kollegen stellten einer grossen Gruppe von Studenten während zehn Wochen einen digitalen Coach zur Seite. Dieser ermutigte sie, sich aus ihrer Komfortzone hinauszubewegen und neue soziale Situationen aufzusuchen. Er wies sie auf neue, ihnen unbekannte Denkmöglichkeiten hin oder half ihnen dabei, eine neue Verhaltensweise konkret zu üben. Kurz, der Coach wandte klassische Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie an.
Auffallend viele der 1400 Teilnehmer blieben bis zum Schluss des Experiments dabei. Ganz offensichtlich empfanden sie die verhaltenstherapeutische Unterstützung als bereichernd. Nach zehn Wochen stellten die Teilnehmer tatsächlich Veränderungen bei sich selbst fest. Auch Aussenstehenden waren Veränderungen im Verhalten der Studienteilnehmer aufgefallen.
Vom Couch-Potato zum Partylöwen sind die Teilnehmer zwar nicht mutiert. Doch das war auch nicht ihr Ziel. Die Studienteilnehmer wollten ihr Wesen nicht ins Gegenteil verkehren, sondern einzelne Persönlichkeitszüge etwas ausgleichen. Nun wollen die Wissenschafter an der Universität Zürich untersuchen, was den veränderungswilligen Menschen am meisten hilft und wie nachhaltig sich neue Verhaltensweisen im Leben einbauen lassen. Die im Fachjournal «PNAS» publizierten Ergebnisse stimmen optimistisch: Die Arbeit an der eigenen Person lohnt sich.
Es war der US-Psychiater Edwin Fuller Torrey, der die Idee 1995 in die Welt setzte: Ein infektiöser Erreger, der über Hauskatzen übertragen wird, begünstigt eine Schizophrenie-Erkrankung. Als vermeintlicher Übeltäter entpuppte sich bald Toxoplasmose gondii, ein Parasit, der in ungekochtem Fleisch, aber gelegentlich auch im Kot von Katzen zu finden ist. Gelangt der Einzeller ins Gehirn eines Infizierten, so die These, kann er unter bestimmten Bedingungen das Immun- und Nervensystem verändern und Persönlichkeitsveränderungen bis hin zu Psychosen verursachen. Der Parasit ist allerdings sehr weit verbreitet: Fast jeder zweite Mensch kommt irgendwann im Leben mit ihm in Kontakt. Menschen mit gesundem Immunsystem bemerken eine Infektion zudem meist gar nicht.
An Studien, die den vermeintlichen Zusammenhang seither untersuchten, mangelt es nicht. So berichteten Forscher, dass Menschen, die in ihrem Blut Antikörper gegen den Parasiten aufweisen, ein dreimal höheres Risiko für Schizophrenie haben im Vergleich zu jenen ohne Antikörper. In einer anderen Untersuchung wurden 78 Patienten mit Schizophrenie und 78 ohne psychiatrische Erkrankungen befragt, ob sie als Kind eine Katze im Haushalt hatten. Patienten mit Schizophrenie, so der Befund, waren dreimal so häufig mit einer Katze aufgewachsen. Doch für jede positive Studie gibt es eine negative. Und einen kausalen Zusammenhang konnte keine der Arbeiten je belegen.
Eine Metaanalyse hat nun die 17 wichtigsten Publikationen aus den letzten 44 Jahren untersucht. Das Fazit: Katzen verdoppeln das Schizophrenie-Risiko. Aber auch die Autoren dieser Arbeit relativieren: «Die Ergebnisse sind uneinheitlich. Es besteht Bedarf an qualitativ hochwertigen Studien.»
Auf eine Katze als Haustier deswegen zu verzichten, wäre nicht angemessen. Sicher ist aber: Während der Schwangerschaft sollten sich Frauen von Katzenkot fernhalten. Denn es gibt Hinweise, dass eine erstmalige Infektion während der Schwangerschaft auf das ungeborene Kind übertragen werden und in seltenen Fällen Augenentzündungen und Hirnschäden verursachen kann.
Der Glaube ist weit verbreitet, dass die Menschen bei Vollmond weniger gut schlafen. Allein: Keine einzige Studie konnte einen solchen Zusammenhang bisher klar belegen. In Gang gebracht hat die Diskussion eine Untersuchung der Universität Basel. 2013 stellten Fachleute um den Chronobiologen Christian Cajochen fest, dass Probanden im Schlaflabor in Vollmondnächten im Schnitt 5 Minuten länger zum Einschlafen brauchten und 20 Minuten kürzer schliefen.
Spätere Studien mit mehr Versuchsteilnehmern vermochten diese Ergebnisse indes nicht zu replizieren. Heute neigen die meisten Fachleute zu der Ansicht, der Vollmond habe keinen Einfluss auf den Schlaf des Menschen. Es handle sich eher um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Wer glaubt, bei Vollmond schlafe man schlechter, tut das dann auch.
Viele kennen wohl noch aus der Schulzeit den naturwissenschaftlich begabten Mitschüler, dessen Mathematik-Hausaufgaben sich zwar exzellent zum Abschreiben eigneten – der sich aber sonst keiner besonderen Beliebtheit erfreute, weil er sich kaum auszudrücken vermochte. Andererseits gibt es eloquente Geisteswissenschafter wie Sand am Meer, die freimütig zugeben, regelrechte Mathematik-Nieten in der Schule gewesen zu sein.
Wie kommt es, dass diese Begabungen selten gemeinsam auftreten? «Diese Hypothese ist so nicht richtig», sagt Esther Ziegler, Lernpsychologin. «Es ist eher so, dass bei Menschen die mathematischen und naturwissenschaftlichen Begabungen mit den sprachlichen Fähigkeiten korrelieren.» Das bedeutet: Wer sehr begabt ist in Mathematik, der ist meistens auch nicht schlecht im sprachlichen Bereich, und umgekehrt. Denn die Grundlage für beides ist eine gewisse Grundintelligenz, die kognitive Leistungsfähigkeit.
«Eher selten kommt es vor, dass jemand eine ausgewiesene Leistungsstärke in dem einen und eine Schwäche im anderen Bereich hat. Das kann sein, wenn Lernstörungen vorliegen wie Dyskalkulie oder Legasthenie», sagt Ziegler. Häufig sei es so, dass das Umfeld und die Art der frühen Begegnung mit bestimmten Lerngebieten ausformten, wie sehr sich ein Kind für etwas interessiere und es damit auch mehr trainiere. Eine Voraussetzung für die Entwicklung einer sprachlichen Begabung sei flüssiges Lesen – viele Kinder, auch intelligente und sprachbegabte, finden heute teilweise keinen Zugang mehr dazu.
Auch in der Mathematik müssen Kinder gerade am Anfang viel Basiswissen erwerben, um mitzukommen. Wenn hier der Einstieg schlecht gelingt, kann es zu Frust und Blockaden kommen – in der Folge entwickeln viele Menschen eine lebenslange Abneigung gegen die Mathematik und halten sich für weniger begabt, als sie es eigentlich sein könnten.
Der Traum vom ewigen Leben findet sich in vielen Religionen und Mythen. Ein Beispiel ist die biblische Überlieferung von Methusalem, der 969 Jahre alt geworden sein soll. Bescheidener gibt sich die Wissenschaft. Gemäss dieser hat ein 1788 geborener Niederländer als Erster die 110-Jahre-Grenze überschritten. Als weltweit ältester Mensch gilt die 1997 im Alter von 122 Jahren und 164 Tagen gestorbene Französin Jeanne Calment.
Dass ihr Rekord seit mehr als 25 Jahren Bestand hat, zeigt, dass viel mehr Lebenszeit schwierig zu erreichen ist. Unmöglich ist es aber nicht. So erwarten amerikanische Wissenschafter, dass Calments Rekord bis ins Jahr 2100 gebrochen wird – mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent, wie sie aufgrund einer statistischen Analyse zur Entwicklung der Langlebigkeit schreiben. Bis Ende des Jahrhunderts könnte auch die 130-Jahre-Marke geknackt sein.
Und jenseits dieser Grenze? Da gehen die Meinungen auseinander. Für viele Wissenschafter gibt es bei der menschlichen Lebensspanne – auch bei den besten Genen, dem gesündesten Lebensstil und sehr viel Glück – eine natürliche Grenze. Diese werde durch den biologischen Alterungsprozess gesetzt. Er mache den Körper anfällig für Störungen. Spätestens mit 150 Jahren sei deshalb Schluss. Einige sagen es so: «Unsere Gene sind nicht gemacht, um den Körper für immer zu erhalten.»
Andere Forscher sind überzeugt, dass sich der Alterungsprozess mit neuen Therapien wirksam abbremsen lässt. Schon bald könnten daher viele Menschen 120 Jahre alt werden. Eine kleine Minderheit will sogar das Altern – und damit alle Krankheiten – ganz abschaffen. Der Mythos vom biblischen Methusalem wäre dann Realität. Und damit auch der Traum – oder Albtraum – von der ewigen Jugend.
Das Wetter – das ist der Nebel am Morgen, der Regenschauer am Mittag, das sind die Wolken am Abend. Beim Klima geht es um die gleichen Dinge, aber irgendwie anders, denn «Klima ist nicht Wetter». So viel weiss jeder. Aber wer könnte den Unterschied präzise benennen?
Eine anschauliche Erklärung lautet wie folgt: «Das Wetter ist wie die Laune eines Menschen, das Klima wie sein Charakter.» Diese Analogie erhellt den grundsätzlichen Unterschied zwischen den beiden Begriffen. Das Wetter ist das Verhalten, das einem die Atmosphäre zu einem zufälligen Zeitpunkt anbietet – ähnlich einer menschlichen Laune. Das Klima hingegen ist das Verhalten der Atmosphäre in seiner ganzen Bandbreite, die man erwarten kann.
In beiden Fällen geht es um die Atmosphäre, der Unterschied hängt mit der Zeit zusammen. Wetter ereignet sich in kurzen Zeiträumen – Minuten, Stunden, Tagen, Wochen. Klima ist hingegen eine viel längerfristige Geschichte.
Es gibt zwar keine absolut festgelegte Grenze, aber meistens verwenden Fachleute den Begriff «Klima» ab einer Dauer von zwanzig bis dreissig Jahren. Man zeichnet die Wetterereignisse über einen so langen Zeitraum auf und betrachtet sie in all ihren statistischen Eigenschaften. Dazu zählt nicht nur der Mittelwert, sondern auch die Häufigkeit von Extremereignissen.
Der zeitliche Unterschied zwischen Wetter und Klima hat eine wichtige Konsequenz: Spricht man über Wetteränderungen, geht es in erster Linie darum, was in der sehr variablen Atmosphäre passiert. Am Klimawandel hingegen sind auch die Ozeane, die Eismassen der Erde, die obersten Bodenschichten sowie die Biosphäre beteiligt. All diese Komponenten ändern sich eher langsam mit der Zeit – die eher trägen wie das Eis geradezu im Zeitlupentempo.
Was der Klimawandel konkret bedeutet, ist schon fast jeden Winter zu sehen. Ski fahren kann man heute in der Schweiz häufig nur noch in höheren Lagen, tief gelegene Touristenorte stellen ihr Angebot um. Frost und Schnee kommen im Flachland zwar immer noch vor, aber das sind Launen des Wetters – am langfristigen Wandel der klimatischen Bedingungen ändern sie nichts.
In jungen Jahren trägt jeder Mensch etwa 100 000 Haare auf dem Kopf. Blonde sogar noch etwas mehr. Doch irgendwann geht unserer Haarpracht, wenn sie überhaupt noch vorhanden ist, die Farbe aus. Die ursprüngliche Färbung der Haare kommt durch das Pigment Melanin zustande. Es wird von Zellen, die sich neben der Haarwurzel befinden, gebildet und anschliessend ins Haar eingebaut. Je nach Zusammensetzung verschiedener Melaninarten erscheint unser Schopf schwarz, braun, rötlich oder blond.
Die Aktivität der pigmentbildenden Zellen lässt im Alter zwischen 30 und 50 Jahren aber nach. Zunächst bilden sie weniger Melanin, später sterben sie ganz ab. In den nachwachsenden Haaren werden die fehlenden Pigmente durch Luftbläschen ersetzt. Dadurch erscheinen diese Haare weiss. Allerdings läuft dieser Prozess nicht überall auf dem Kopf gleichzeitig ab. Dadurch wachsen neben den weissen auch immer noch farbige Haare. Die Mischung davon ergibt einen grauen Eindruck. Ein einzelnes Haar dagegen ist nie grau.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»