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Kleine biblische Zoologie – Folge V
Spricht man vom Schaf, ist auch die «Opferung Isaaks» auf dem Berg Morija – dem späteren Tempelberg in Jerusalem – zu nennen (1. Mo 22,1-19) – eine Geschichte, die von vielen Lesern nur mit Mühe zu akzeptieren ist. Umstritten ist die Deutung, wonach Gott mit dieser Begebenheit zeigen wollte, dass es mit den damals noch üblichen Menschenopfern ein Ende haben müsse. Unbestritten ist, dass mit der «Opferung des geliebten Sohnes Isaaks» (1. Mo 22,2) im Alten Testament das Kreuzesgeschehen Christi und dessen Auferstehung im Neuen Testament «vorgeschattet» ist.
Der «Schofar», das als Instrument benutzte Widderhorn, erinnert an die «Opferung Isaaks». Das heute noch gebräuchliche Blasen des Schofars zum Morgengebet des jüdischen Neujahrsfests Rosch ha-Schana und am Ende des jüdischen Versöhnungstages Yom Kippur ruft zur feierlichen Anerkennung Gottes als Herrscher, Beschützer und Richter auf. Es war den meisten Israeliten nicht möglich, Gott ein prächtiges Mutterschaf zu opfern. Deshalb war es üblich, etwa einjährige Lämmer im Opfer darzubringen. In der Kunst des Nahen Ostens war deshalb der Opferträger, der ein Lamm auf den Schultern trug, ein beliebtes Motiv und wurde in der christlichen Welt zum Bild von Jesus Christus, als dem guten Hirten. Völlig arglos liessen sich die Lämmer zur Schlachtbank führen und wurden damit zum sprichwörtlichen «Unschuldslamm». Das Lamm wurde schon im Alten Testament zum Sinnbild des arglosen Gerechten, der unschuldig leidet.
Bereits Johannes der Täufer bezeichnete dann im Neuen Testament Jesus Christus als «Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt» (Jo 1,29). In seiner Rede vom Weltgericht schliesslich spricht Jesus davon, wie er die Gerechten von den Ungerechten trennen wird, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken trennt.
In der Offenbarung wird Christus als Lamm Gottes in verschiedenen, herrlichen Bildern erwähnt (Offb. 15,3; 19,9; 21,23; 22,1; 22,3). Das Schaf ist das symbolträchtigste Tier in der Heilsgeschichte.
Jürg Meier