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Weg-Wort vom 5. August 2021
Im Ersten Testament der Bibel, oder – nach jüdischem Verständnis – in der Tora, wird erzählt, wie Jakob sich auf die Flucht macht, weil er von seinem Bruder Esau mit dem Tode bedroht wird. Für sein Nachtlager nimmt er sich einen Stein als Kissen. Im Schlaf hat er einen Traum: Er sieht eine Treppe zum Himmel, auf der sich Engel auf und ab bewegen. Am oberen Ende erkennt er Gott, der ihm unter anderem verheisst, ihn zu behüten und sicher in seine Heimat zurückzubringen. Am Morgen stellt Jakob den Stein dann als Malzeichen auf, salbt ihn mit Öl und nennt ihn Bet-El, zu Deutsch «Haus Gottes», denn – so sagt er – an diesem Ort sei ein Tor zum Himmel.
Bemerkenswert: Die harte Wirklichkeit des Jakob, seine Bedrohung mit dem Tod, wandelt sich im Traum in etwas Leichtes und Lichtes: Engel, Himmel, Gott. Und aus der Angst wird Vertrauen und Mut.
Diese Wandlung wird in der Geschichte wunderbar symbolisiert durch den harten Stein und die nach oben strebende Treppe mit den Engeln.
Die Stele LAPIS SOLARIS von Nina Gamsachurdia, die zurzeit im Raum der Stille der Bahnhofkirche steht, erinnert mich an diese Erzählung. Auch sie steht auf einem schweren, unbehauenen Stein, strebt dann aber von diesem empor und drückt mit dem tiefblauen, vielschichtig strukturierten Lapislazuliauftrag und dem intensiv leuchtenden Blattgold an den Rändern eine Auflösung des Harten und Schweren zu etwas Immateriellem, Spirituellem aus.
Vielleicht erlebt man, wenn man sie meditiert, auch eine Ahnung von Behütet-Sein, von einem Himmel, der offen steht?