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Die Rechte und Pflichten zwischen einem Bauherrn und dem Unternehmer (Planung und Ausführung) sind in entsprechenden Ingenieur- und/oder Werkverträgen geregelt. Diese Vertragswerke basieren in den meisten Fällen auf den gängigen SIA-Normen. Andernfalls setzt der Bauherr eigene Grundlagen ein, welche die erwähnten Rechte und Pflichten ebenfalls regeln und der schweizerischen Gesetzgebung entsprechen. Der Unternehmer erstellt eine Offerte für seine Leistungen. Diese basiert auf einem entsprechenden Leistungsverzeichnis, das je nach Auftragsart unterschiedlich aussehen kann (NPK etc.). Ausserdem können Auflagen erstellt werden, die sich auf die Geschäftsführung, die Finanzen der Unternehmung oder das Personal beziehen. Doch teilweise ist der Unternehmer nicht verpflichtet, sie zu erfüllen, oder sie unterliegen dem Geschäftsgeheimnis der Unternehmung. Nachfolgend stellen wir Ihnen einige Beispiele vor, die zu Diskussionen und auch finanziellen Mehraufwand für den Auftragnehmer führten. Wir geben Tipps, wie diese vermieden werden können. Grundsätzlich gilt: Vor der Ausführung miteinander reden!
Unzufriedenheit gleich Planungsfehler
In einem Beispiel für die Aufnahme von Steuerungskomponenten im Rahmen eines Infrastrukturprojektes an einem Fussweg musste eine Steuerkabine geplant und ausgeführt werden. In ihr sind die verschiedensten Komponenten untergebracht. Sie müssen vandalensicher sein, und der Zugang zu den Komponenten muss aus Sicherheitsgründen verwehrt bleiben. Das Projekt stand unter grossem Termin- und Kostendruck. Leider erfuhr die Planung viel zu spät von der Notwendigkeit der erwähnten Kabine. Eine seriöse Planung und Umsetzung waren unter diesen Umständen kaum mehr möglich. Trotzdem hat sich die Projektleitung mit den betroffenen Unternehmern sofort der Aufgabenstellung angenommen. Die Fragen nach Vorgaben des Bauherrn, Typ, spezielle Anforderungen wurden nur unzureichend beantwortet. Der Planer setzte sich mit dem Lieferanten der Schaltgerätekombination zusammen, um noch eine termingerechte Lösung umsetzen zu können. Diese schlug den Einsatz einer GFK-Kabine mit entsprechendem Normsockel und integriertem Kabelschacht vor. Die Kabinen sind kurzfristig verfügbar und entsprechen den aktuellen Anforderungen und Normen. Stehen diese doch überall in der Schweiz als Kabinen für Lichtsignalsteuerungen, FTTH-Verteiler, Swisscom-Verteiler etc. im Einsatz. Kurzum wurde diese Kabine bestellt, durch den Planer das Schema erstellt und die Kabine aufgebaut. Dem Baumeister wurde der Normschacht/-sockel zugestellt, damit der Tiefbau abgeschlossen werden konnte. Ebenfalls hat der Elektrounternehmer frühzeitig mit den Installationsarbeiten begonnen, damit trotz grossen Termindrucks die Anlage noch rechtzeitig (allerdings nicht nach Terminplan) in Betrieb genommen werden konnte. Wenige Tage nach der IBS stellten Mitarbeiter des Bauherrn fest, dass es in der Kabine feucht war. Der Bauherr vermutete Planungs- und Ausführungsfehler. Der Planer müsse sich mit den Unternehmern um einen Ersatz kümmern. Die Kosten müssten selbstverständlich durch diese getragen werden, da die Bauherrschaft keine Planungs- und Ausführungsfehler finanziere. Eine Kontrolle vor Ort zeigte rasch, dass es sich um Kondenswasser handelte, das entstand, weil bei der kühlen Umgebungstemperatur gleichzeitig aus dem Schacht sehr warme Luft aufstieg. Die entsprechende Abdeckung und somit Abdichtung ging bei der IBS vergessen und wurde sofort eingesetzt. Das Wasserproblem war behoben. Trotzdem verlangte der Bauherr den Austausch der Kabine gegen ein anderes Modell. Dies trotz umfangreicher Erläuterungen der Unternehmer und des Herstellers der Kabine. Nach langem Hin und Her haben sich Planung und Unternehmer entschieden, die Kabine auszutauschen. Im Rahmen einer koordinierten Tagesaktion wurde die Kabine gemäss Wünschen des Bauherrn ersetzt. Um weitere Diskussionen und Kosten zu vermeiden, verlangten alle Beteiligten für jeden Schritt (Typ der Kabine, Termine, Schemafreigabe etc.) schriftliche Bestätigungen und Freigaben. Das Vertrauen zwischen Bauherrn und Auftragnehmer wurde durch dieses Vorkommnis stark gestört. Die Beteiligten haben eines gelernt: Es sind alle Entscheide durch den Bauherrn absegnen zu lassen. Nur so können nachfolgende Diskussionen oder gar Kosten vermieden werden.
«Unbequeme» Fragen
Anlässlich von Projektsitzungen zu einem anderen Infrastrukturprojekt stellte der Elektroplaner Fragen zur vorgesehenen Funktion der Steuerung und Regelung. Eine Frage, die nachvollziehbar ist, ist er doch für die richtige Umsetzung der Funktionen im Automatisierungs- und Leitsystem verantwortlich. Der verspätet erhaltene Funktionsbeschrieb wies Mängel auf und musste in mehreren Sitzungen nachgebessert werden. Durch das enge Verhältnis zwischen Generalplaner und Bauherr verlangte der Bauherr eines Tages die Ablösung des Projektleiters im Fachbereich Elektro und teilte dem Auftragnehmer gleichzeitig mit, dass für gewisse Aufgaben ein anderes Ingenieurbüro beauftragt werde. Der bisherige Auftragnehmer müsse sich nur noch um einen eingeschränkten Teil des Grossprojektes kümmern. Dies war möglich, weil es zwischen dem Bauherrn und Elektroplanung keine klare, schriftliche Auftragsvereinbarung gab. Ein Planungsvertrag mit einer klaren Schnittstellenvereinbarung wurde nie erstellt. Die beiden langjährigen Partner arbeiteten wie in vielen anderen Projekten mittels Rahmenvertrag und auf Vertrauensbasis zusammen. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass es ausserordentlich wichtig ist, die Leistungen, die zu erbringen sind, schriftlich festzuhalten und gemeinsam zu unterzeichnen. Der Elektroplaner arbeitet nun nicht mehr ohne klaren Leistungsumschrieb. Ausserdem bemüht er sich, das Verhältnis und die Verantwortung zum Bauherrn klar zu regeln. Mit diesem Vorgehen können Probleme vermieden werden.
Eingriff in die Personalpolitik des Unternehmens
Immer wieder kommt es in der Projekt-bearbeitung bzw. deren Organisation zu Diskussionen rund um die Personalpolitik und deren Organisation. Viele Bauherren wünschen sich von ihren Auftragnehmern bestimmtes Personal. Diesen Wünschen nachzukommen, ist leider nicht in allen Fällen möglich. Manchmal sind diese Personen noch in anderen Projekten engagiert und stehen nicht oder allenfalls erst später zur Verfügung. Hier sollte ein Bauherr kompromissbereit sein und Hand bieten zu Lösungen. Schliesslich ist auch ihm und vor allem seinem Projekt geholfen, wenn er einen Projektleiter hat, der sich vollumfänglich seinen Aufgaben widmen kann. Die Organisation der Baustelle, unter Beachtung der Vorgaben des Bauherrn, ist die Aufgabe des Unternehmers. Bei öffentlichen Ausschreibungen kommt es oft vor, dass die Kompetenzen bzw. Referenzen, die ein Projektleiter des Unternehmers erfüllen muss, anzugeben sind. Das ist legitim. Erfüllt der Unternehmer dies, kann der Bauherr jedoch nicht einfach jemanden anderen «aussuchen». Auch kommt es immer wieder vor, dass Bauherren verlangen, dass der Projektleiter des Unternehmers bis zum Projektabschluss «nicht kündigen darf». Dies liegt ausserhalb des Einflusses eines Bauherrn und ist der Personalpolitik des Unternehmers bzw. der Freiheit des Arbeitnehmers vorenthalten. Grundsätzlich gilt auch hier: Miteinander findet man mit Abstand die besten Lösungen für alle.
Zum Schluss sei festgehalten, dass es sich bei diesen Vorkommnissen um Einzelfälle handelt. Es gibt viele Beispiele, in denen die Zusammenarbeit gut funktioniert und über die gesamte Projektdauer ein tiefes Vertrauensverhältnis aufgebaut wird.