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Der Schweizer Langstreckenläufer hat sich an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Japan den 3. Rang erkämpft. Dies nach einer sensationellen Aufholjagd auf den letzten zwei Kilometern.
Sieger des Marathons, der wegen der grossen Hitze unter schwierigen Bedingungen stattfand, wurde der Kenianer Luke Kibet.
Marathonläufer Viktor Röthlin hat die Sensation geschafft: Nach Silber an den Europameisterschaften 2006 in Göteborg lief er an den Weltmeisterschaften in Osaka in einem dramatischen Lauf in 2:17:25 Stunden zu Bronze.
Gewinner Luke Kibet (Ken) siegte in 2:15:59, Zweiter wurde Mubarak Hassan Shami (Katar) in 2:17:18.
Dramatik pur
In der Schlussphase war der Lauf an Dramatik kaum mehr zu überbieten. Die Medaillenränge schienen bezogen, als der drittklassierte Kenianer William Kiplagat einbrach und somit den Verfolgern um Röthlin das Tor zur Bronzejagd öffnete.
Röthlin schien als Fünfter bereits geschlagen, als er zwei Kilometer vor dem Ziel mit einem Zwischenspurt Yared Asmeron (Eritrea) und Tsuyoshi Ogata (Japan), WM-Dritter 2005, ein- und überholte und als Dritter ins Stadion einlief. Dort konnte er seinen Triumph dank eines sicheren Vorsprungs geniessen.
Vom 6. auf den 3. Platz
Röthlin belegte bei Kilometer 30 den sechsten Rang mit sechs Sekunden Rückstand auf die Spitze und einem Polster von 15 Sekunden auf seinen ersten Verfolger.
Der Obwaldner spielte danach seine Tempofestigkeit aus und musste mit Asmeron hoffen, dass ein Spitzenläufer noch einbrechen würde. Bei Kilometer 35 betrug der Rückstand auf Bronze noch 28 Sekunden.
Erster Kenianer Sieg seit 1987
Bei Kilometer 26 hatte das Kenianer-Duo William Kiplagat und Luke Kibet für die entscheidende Tempoverschärfung gesorgt, nachdem die beiden schon nach 15 km den Gegnern erstmals auf den Zahn gefühlt hatten. Röthlin reihte sich in dieser Phase als Sechster ein, mit einigen Sekunden Rückstand auf ein afrikanisches Spitzenquintett.
Ausgerechnet als Röthlin wieder aufzuschliessen schien, attackierte Kibet nochmals und lief einem ungefährdeten Sieg entgegen. Mit ihm gewanmn erstmals seit 1987 wieder ein Kenianer einen WM-Marathon.
Hitzeschlacht
Die klimatischen Bedingungen waren wie erwartet an der Grenze des Erträglichen. Beim Start um sieben Uhr morgens herrschten bereits 27 Grad Celcius und eine Luftfeuchtigkeit von 71 Prozent.
Während des Laufes wurde die 30-Grad-Marke überschritten.
"Es glaubts mir niemand, aber ich hatte wieder einen Traum", sagte der im luzernischen Sempach wohnhafte Obwaldner weiter. "In meinem Hotelzimmer liegt ein Zettel mit einer 3 drauf."
2006 in Göteborg hatte Röthlin den gleichen Traum gehabt, und die 2, die er vor dem Start auf den Zettel schrieb, erfüllte sich ebenfalls.
Erster WM-Finalplpatz seit 2001
Erstmals seit André Buchers Goldlauf 2001 in Edmonton über 800 Meter hat die Schweizer Delegation wieder einen Finalplatz (Top 8) erreicht; und dies erst noch in Form der siebenten Schweizer WM-Medaille.
Dreimal Werner Günthör mit Gold, Bucher mit Gold, sowie Anita Weyermann, Marcel Schelbert und Röthlin mit Bronze zeichnen dafür verantwortlich.
swissinfo und Agenturen
Viktor Röthlin
Der in Sempach LU wohnhafte Obwaldner wurde am 14. Oktober 1974 geboren. Der gelernte Elektrozeichner und diplomierte Physiotherapeut ist im Verein STV Alpnach.
Der Marathon-Schweizerrekord-Halter (2:08.19,2) und mehrfache Schweizermeister hat einen beeindruckenden Leistungsausweis. Hier einige Höhepunkte:
2000: Europacup Oslo 3. Rang 5000 m; 2004: 1. Rang Zürich Marathon; 2005: 7. Rang ING New York City Marathon; 2006: 2. Rang EM Göteborg Marathon; 2007: 1. Rang Zürich Marathon; 2007: 3. Rang WM Osaka Marathon.
12 Schweizer in Osaka
Neben Viktor Röthlin sind noch 11 weitere Schweizer Athletinnen und Athleten an der WM in Osaka.
Der einzige mit Medaillen-Hoffnung ist Alexander Martinez im Dreisprung.
Die anderen Mitglieder der Schweizer Delegation sind Stefan Müller und Félix Loretz (Speerwerfen), Sylvia Dufour, Simone Oberer und Lina Züblin (Heptatlon), Marco Cribari und Marc Schneeberger (200 m), Anna-Katharina Schmid (Stabhochsprung), Andreas Kundert (110 m Hürden) und Marie Polli (20 km-Lauf).