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Junge Leute von heute kennen Eddie Murphy allenfalls als Originalstimme des lustigen Esels aus dem Animationsfilm «Shrek» (2001) und dessen Nachfolgern. Dabei war der Afroamerikaner in den 1980er- und 1990er-Jahren einer der grössten Hollywood-Stars überhaupt.
Eddie-Murphy-Filme wie die Action-Komödien «48 Hrs.» (1982) und «Beverly Hills Cop» (1984) oder die Klamotte «The Nutty Professor» (1996) liessen die Kassen klingeln und führten zu vielen Fortsetzungen.
Fiktiver Wohlstandsstaat
Von «Coming to America» (1988), bei uns besser bekannt als «Der Prinz aus Zamunda», existierte dagegen lange keine Fortsetzung. Das ändert sich nun: 33 Jahre später schlüpft Eddie Murphy noch einmal in die Haut von Akeem.
Der Prinz aus dem fiktiven afrikanischen Land, das nie kolonialisiert wurde, erfährt in «Coming 2 America», dass seine erste Reise nach New York nicht ohne Folgen blieb. Ein unehelicher Sohn soll im Stadtteil Queens leben.
Prinz Akeem reist also wieder nach Amerika. Diesmal, um einen Thronfolger aufzuspüren. Und wieder prallen Welten aufeinander: reich und arm, Afrika und USA, frei und unterdrückt.
Kult um Zamunda und Wakanda
Der Originalfilm aus den 80ern geniesst in der Black Community nach wie vor Kultfilm-Status. Denn der Held hat alles, wovon viele Schwarze nur träumen können: Macht, Reichtum und insbesondere ein selbstbestimmtes, freies Leben.
Als 2018 die Comicverfilmung «Black Panther» in die Kinos kam, verglichen viele die Herkunft des ersten schwarzen Superhelden aus der fiktiven Nation Wakanda mit jener des Prinzen aus Zamunda.
Beide sind königlicher Abstammung aus einem von Weissen unbeeinflussten und hochentwickelten Land in Afrika. Sowohl die Comicserie als auch der Eddie-Murphy-Film schreiben quasi die Geschichte der Schwarzen um.
Alternative afrikanischer Art
Solche Stoffe werden heute dem Genre Afrofuturismus zugeordnet. Seit dem immensen Erfolg des Films «Black Panther» boomt diese Gattung vor allem in amerikanischen Comics. Der Trend greift aber auch immer mehr auf Literatur und Musik, Film und Serien über.
«Mit Afrofuturismus erteilen sich meine Leute die Erlaubnis, von Möglichkeiten zu träumen», erklärt beispielsweise der schwarze Fantasy- und Horror-Schriftsteller Maurice Broaddus: «Dabei wechseln wir vom alltäglichen Überlebenskampf zur Vorstellung einer Zukunft, wie wir sie uns wünschen.»
Afrofuturismus
Diese Form der Fiktion vermischt afrikanische Kultur mit Science-Fiction- oder Fantasy-Elementen. Oft werden dabei Orte beschrieben, in denen Schwarze ein Leben ohne Sklaverei und Diskriminierung führen können. Der Begriff wurde 1993 vom weissen Autor Mark Dery in seinem Essay «Black to the Future» geprägt.
Zwischen Fantasy und Selbstkritik
«Der Prinz aus Zamunda 2» bietet allerdings mehr als bloss Eskapismus. Der Film übt auch Selbstkritik und thematisiert den Machismo unter Schwarzen. So ändert Prinz Akeem ein altes Gesetz von Zamunda, das Frauen untersagt, den Thron zu besteigen.
Die Filmkritik
Fans des Originals dürfen sich freuen: Alle wichtigen Figuren kehren in «Der Prinz aus Zamunda 2» zurück, sogar der heute 90-jährige James Earl Jones als Vater des Helden. Zudem spielen Eddie Murphy und Arsenio Hall erneut gleich mehrere witzige Rollen.
Die Komödie ist ein farbenfroher, naiver Spass mit viel Hiphop-Musik. Wobei sich die zahlreichen Anspielungen und Details teils erst beim zweiten Anschauen erschliessen. Zum Beispiel in Form eines Plakats mit der Aufschrift «Black Beyond Measure» (masslos schwarz) im Hintergrund.
Als komisches Highlight entpuppt sich der Gastauftritt von Actionstar Wesley Snipes als General aus Nextdooria (Nachbarland). Den Film zu streamen lohnt sich also.
Was jetzt noch afrofuturistische Fantasie ist, könnte schon bald Realität werden: eine dunkelhäutige Amerikanerin als Staatsoberhaupt. Als aktuelle Vizepräsidentin der USA hat sich Kamala Harris schon mal in eine vielversprechende Position gebracht.
«Der Prinz aus Zamunda 2» läuft ab Freitag, 5. März auf Amazon Prime. Das Original von 1988 gibt es als DVD und ist auf Netflix zu sehen.