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Von unten nach oben finden sich folgende Szenen: Israel in Ägypten (Exodus 1,1 ff.), dann in einer zweigeteilten Darstellung die Zehn Gebote als Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem Volk Israel (Exodus 20,1-17) und das Goldene Kalb als Symbol des Abfalls des Volkes Israel von Gott (Exodus 32,1-35).
Im linken Panneau ist in Untersicht das Goldene Kalb auf einem imposanten, mit Girlanden bekränzten Sockel zu sehen. Auf dem rechten Panneau hingegen stehen in grösstmöglicher Schlichtheit die beiden Steintafeln mit den Symbolen für die Zehn Gebote im Zentrum. Von oben übergibt Gott sie Mose, stellvertretend für das Volk Israel. Seine in fluoreszierendem Weiss gehaltenen Hände erscheinen wie schwebend über den Steintafeln, die Mose gleichzeitig fest in seine irdischen und durch das Violett doch als besondere bezeichneten Hände aufnimmt.
Das Goldene Kalb und die beiden Tafeln mit den Zehn Geboten, die Mose am Sinai empfängt
In einer monumentalen, zwei Panneauhöhen umfassenden Darstellung geht dann es um den Kampf gegen die Amalekiter (Exodus 17,8-16). Dabei wird Mose wird von seinen Getreuen Aaron und Hur gestützt, was schliesslich zum Sieg über die Feinde führt.
Anschliessend folgen zwei Szenen aus der Königszeit, mit den beiden Königen Saul und David, welcher zuerst Diener und Vertrauter, dann Feind, Verfolgter und schliesslich Nachfolger Sauls wurde. In einer ersten Szene ist David im Dienste Sauls zu sehen (1. Samuel 16,14-23). David verschont Saul in der Wüste von En-Gedi, obschon es ein leichtes gewesen wäre, ihn im Schlaf zu töten (1. Samuel 24).
David heisst seinen Getreuen, die ihre Speerspitzen bereits auf den schlafenden Saul gerichtet haben, mit einer gebieterischen Geste Einhalt.
Die obersten drei Szenen zeigen den Propheten Elija am Bach Kerit (1. Könige 17,1-6), bei der Witwe von Zarefat (1. Könige 17,7-24) und bei der Berufung Elischas (1. Könige 19,19-21), dem er diesem seinen Mantel überwirft, ihn damit gleichsam einfängt und zu seinem Nachfolger bestimmt. Im Masswerk schliesslich wird in einem bezaubernden kleinen Bild die Himmelfahrt des Elija dargestellt (2. Könige 2,1 ff.).
Der Prophet Elija wird durch das Wasser des Baches Kerit und durch Raben, die ihm morgens und abends Nahrung in ihren Schnäbeln zutragen, vor dem sicheren Verdursten und Verhungern bewahrt.
Ein Blick auf David im Dienste Sauls
1. Samuel 16,14-23 schildert eine in sich geschlossene Geschichte: König Saul ist in grosser Bedrängnis, denn «ein böser Geist vom HERRN versetzte ihn in Schrecken». Seine höfische Umgebung schlägt Musiktherapie vor, man hält Ausschau nach einem geeigneten Mann, «der es versteht, die Leier zu spielen». Dieser wird gefunden, und neben seinen musikalischen Talenten hat er auch militärische Erfahrung vorzuweisen, sieht gut aus «und der HERR ist mit ihm». Somit ist er der ideale Kandidat und wird umgehend wird in Sauls Dienst genommen. «Und wenn Gottesgeist auf Saul war, nahm David die Leier und griff in die Saiten; dann wurde es Saul leichter, und es tat ihm gut, und der böse Geist wich von ihm.»
Diese Szene ist hier zu sehen – allerdings: Findet der geplagte König durch Davids Musik wirklich seinen Seelenfrieden wieder? Felix Hoffmann hat hier nicht den vorerst guten Ausgang der Geschichte gestaltet, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich die heilende Wirkung von Davids Leierspiel als vermeintliche, als nur kurzzeitig wirksam herausstellen wird. Somit nimmt das Bild die Fortsetzung der Geschichte vorweg, die für Saul tragisch ausgehen wird. Er wird durch sein eigenes Schwert umkommen.
In einer klaren formalen Aufteilung des Bildes und in der auffallenden farblichen Zweiteilung in Rot und Blau erscheinen die beiden Männer getrennt, nicht aufeinander bezogen, sogar als Antipoden: Saul in tiefem Rot, der Farbe des Blutes, des Feuers und des Zornes. Wie der böse Geist hat sie von ihm Besitz ergriffen, und zwar ganz, auch von seinem Antlitz. David hingegen wird in hellen, fast transparent wirkenden Blautönen gezeigt; er ist unbefangen, anmutig, er spielt und singt, die Augen in die Höhe gerichtet – der unglückliche Saul hingegen brütet dumpf in sich versunken, den Kopf schwer in die Linke gestützt. Mit dem leeren Blick des Depressiven, vielleicht Geistesverwirrten, starrt er ins Ungefähre.
Links und rechts, Rot und Blau, König und Diener, Untersicht und Aufsicht, statisch und dynamisch, Schwermut und Leichtigkeit. Auch Alter und Jugend, denn Saul ist zwar der noch amtierende König, mit allen Insignien der Königswürde, aber er wirkt beengt, bedrängt. Alles an ihm zieht in die Tiefe. Bei David hingegen hebt sich alles empor: der Kopf, der Blick, die Hände, seine Leier. Es bedeutet auch Gegenwart und Zukunft.
Zwar ist die Geschichte von David im Dienste Sauls in sich geschlossen – und dennoch nur Teil eines viel umfassenderen Geschehens, von Gott so und nicht anders bestimmt. Sein Geist ist bleibend von Saul gewichen, Davids Spiel letztlich wirkungslos. Die Zukunft gehört nicht ihm, sondern dem jungen David, der der neue König werden wird.
Eine gültige, hochkomplexe Zusammenfassung, Verdichtung und Interpretation eines grösseren Ganzen: Ein Bildwerk von höchster Qualität vermag all dies zu leisten, auf einen Blick, so wie dieser David im Dienste Sauls von Felix Hoffmann.
Barbara Strasser im Wochentext «Nahgedacht: Glaube und Kunst» der reformierten Wochenzeitschrift «Doppelpunkt» 18/2015:
«Und wenn Gottesgeist auf Saul war, nahm David die Leier und griff in die Saiten» – Wochentext: 1. Samuel 16,13-24 (PDF, 248 KB)
Friday April 17th, at «Ricardos» in Rapperswil – Joram&Joram: The discussion on Hebrew, stained glass windows, Saul, David and Jewish kings in generel was short (since I had to leave for an appointment nearby) but intense and very interesting. Thanks again for your wishes and the Sheqalim coin present which means a lot to me.
שָׁלוֹם ,לְשָׁנָה הַבָּאָה בִּירוּשָׁלַיִם and, don't miss to visit Königsfelden Abbey and its marvelous Medieval choir windows.
Text © Barbara Strasser
Fotos © Hans Fischer