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Die über zweihunderjährige Geschichte der SfG ist über weite Strecken gut zugänglich. Dokumente aus älterer Zeit finden sich im Staatsarchiv und in den Sammlungen der Bibliothek für Gestaltung Basel. Fünf bis sechs Jahrzente sind noch in der Erinnerung mancher, die die Schule persönlich kannten.
Hier werden sechs ausgewählte Zeitabschnitte vorgestellt, alle zwischen elf und 37 Jahren dauernd. Jeder schildert die Schule in einer neuen Epoche und in gewandelter Umgebung, und hält entscheidende Wendepunkte fest. Es ergibt sich, dass die Schule fast in jedem neuen Abschnitt wieder einen anderen Namen hatte und an einer neuen Adresse untergebracht war. Und vor allem finden sich aus diesen Zeitabschnitten auch Schülerarbeiten, die wohl am besten etwas vom gestalterischen Klima der Zeiten vermitteln.
Die Aufklärung im 18. Jahrhundert hat Basel die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige gebracht. Die GGG ist eine private, sozial und kulturell tätige Institution im Dienst des Gemeinwesens und kümmert sich besonders um die Bildung der Bevölkerung. Schon in ihren ersten Jahren richtet sie eine Näh- und Flickschule für Mädchen ein und unterstützt einzelne Schüler der Zeichenschule für junge Handwerker, die seit 1782 im Klingental besteht.
1796 gründet die GGG mit Unterstützung der Zünfte und des Staates selbst eine Zeichenschule im Markgräfler Hof, Hebelstrasse 4, die Schule erteilt Unterricht in Zeichnen und Geometrie. Allgemeines Ziel ist die Förderung der eigenen Beobachtung und des technischen Verständnisses über die tägliche Arbeit hinaus, durch Zeichnen. Dazu kommen bald die Geschmacks- bildung bei den jungen Handwerkern und das Entwickeln der darstellerischen Fähigkeiten: »Durch die Aufklärung des Geistes allein lassen sich die Mängel im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft nicht beseitigen«.
1814 beteiligt sich auch die Basler Künstlergesellschaft an der Leitung der Zeichenschule. In der Anfangszeit findet der Unterricht während zwei Wochentagen statt. Die Schule zählt bei ihrer Gründung einen Lehrer und eine Klasse mit zwölf Schülern, zwölf Jahre später eine zweite Klasse, nochmal sechs Jahre später eine dritte.
Erst 1869 werden auch Mädchen zur Zeichenschule zugelassen. 1878 gründet der Handwerker- und Gewerbeverein Basel (Vorläufer des Gewerbeverbands Basel-Stadt) das Gewerbemuseum.
1881, beim Amtsantritt von Direktor Wilhelm Bubeck, zählt die Zeichen- und Modellierschule, wie sie inzwischen heisst, 125 Schüler aus 25 Berufen. Sie befindet sich jetzt am Steinenberg 4-6. Zu den einzelnen Tages- und Abendkursen sind Klassen mit zusammenhängendem Ausbildungsgang gekommen: eine Fachklasse für Modellieren und Bildhauerei, eine Malklasse, Textil-Dessinateure. Ausserdem gibt es bereits einen Vorkurs: »In Elementarklassen beschäftigen sich Knaben und Mädchen mit Übungen des Auges und der Hand nach Tafelzeichnungen des Lehrers, mit Ornamenten und Blattformen, vorzugsweise nach Vorlagen, mit dem Zeichnen nach Gips in Umriss und schattiert, mit Kolorierübungen«. Neben den Gestaltungsklassen gibt es einen gymnasialen Bildungsgang, der zur Maturität führt mit der Berechtigung am Eidgenössischen Polytechnikum zu studieren. Die Allgemeine Gewerbeschule untersteht damals der gleichen Aufsichtskommission wie das Realgymnasium.
1887 übernimmt der Staat die Zeichen- und Modellierschule und gründet die Allgemeine Gewerbeschule mit dem angeschlossenen Gewerbemuseum. Sechs Jahre später ziehen Schule und Museum in die neu erbauten Gebäude Ecke Petersgraben-Spalenvorstadt. 1906 verpflichtet das Eidgenössische Lehrlingsgesetz alle Lehrlinge in der Schweiz zum Besuch einer Gewerbeschule.
Wilhelm Bubeck 1850–1891, Architekt
Besuch der Zeichen- und Modellierschule in Basel, Ausbildung zum Architekten am Polytechnikum Stuttgart. Tätigkeit als Architekt im Zentralbüro der Gotthardbahn, in Hannover und in Brüssel. 1881 Wahl zum Direktor der Zeichen- und Modellierschule. Wilhelm Bubeck führt die Schule in die Verstaatlichung als Allgemeine Gewerbeschule Basel und leitet sie bis zu seinem vorzeitigen Tod im grossen Eisenbahnunglück von Münchenstein. Skizzen und Zeichnungen von Baudenkmälern in Basel und auf Reisen: Stadtansichten, Innenräume, dekorative Elemente. Einige von ihnen erschienen in Publikationen zur Architektur. Entwurf der gusseisernen Basiliskenbrunnen für die Stadt Basel, von denen ursprünglich 50 Exemplare gegossen wurden (heute noch 28 in der Stadt).
Die Hochkonjunktur der Nachkriegszeit fördert in Basel Kunst und Gestaltung. Die Öffentliche Kunstsammlung gehört dank bedeutenden Leihgaben aus Kreisen der chemischen Industrie und der vorausschauenden Ankaufspolitik ihres Direktors Georg Schmidt (eines früheren Leiters des Gewerbemuseums) zu den ersten Adressen für moderne Malerei in Europa. Der Aufstieg der Schweizer Mustermesse begründet die Bildung einer Gestalterszene in Basel. Zu den bestehenden Klassen der Allgemeinen Gewerbeschule sind Fachklassen für Architektur, Grafik und Modezeichnen gekommen, eine Klasse für Zeichenlehrer, die Schlosserfachschule.
1944 wird die Schule in «gewerbliche» und «kunstgewerbliche» Abteilungen aufgeteilt. Die gestalterischen Klassen, einschliesslich Lehrlinge gestalterischer Berufe, bilden nun die Kunstgewerbliche Abteilung und unterstehen, zusammen mit dem Gewerbemuseum, der Leitung von Berchtold von Grünigen. Direktor von Grünigen erneuert die Architekturklasse zur Fachklasse für Innenausbau (FFI) und beauftragt Paul Artaria mit der Neugestaltung des Lehrplans. Eine Ausstellung von Schülerarbeiten im Gewerbemuseum soll den Stand der Schule aufzeigen. Der Typograf Emil Ruder lanciert eine Fachklasse für Buchdruck. Von Grünigen beruft 1947 den jungen Armin Hofmann zum Leiter der Grafikfachklasse.
1955 nimmt Ruder erste Schüler zur Weiterbildung in typografischer Gestaltung auf. Die Lehrprogramme orientieren sich immer mehr am gestalterischen Geschehen der Zeit als an den speziellen Anforderungen der lokalen Praxis. Dies bewirkt auch Aufmerksamkeit im Ausland. Erste Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und dem weiteren Europa bewerben sich in Basel.
1961 zieht die Schule in die vom Architekten Hermann Baur entworfenen neue Gebäude an der Vogelsangstrasse, das Gewerbemuseum bleibt am alten Ort. Ebenfalls 1961 entwickelt sich aus der Handweberinnenklasse eine zeitgemäße Berufsausbildung. Frau Helene Blaser ist für die Entstehung maßgeblich verantwortlich.
1963 wird die Ausbildung von zweieinhalb auf drei Jahre verlängert; ab 1964 ist ein dreimonatiges Praktikum obligatorisch. Die Schüler und Schülerinnen dieser Textilfachklasse schliessen mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis zum Textilentwerfer (Lehrabschlussprüfung) sowie einem Diplom der Kunstgewerbeschule (Schule für Gestaltung) zum/zur Textilgestalter/in ab.
Paul Artaria, 1892–1959, Architekt und Innenarchitekt
Ab 1906 Lehre als Bauzeichner und Kurse an der Allgemeinen Gewerbeschule, Selbststudium als Architekt, erste Erfahrungen in Architekturbüros in Basel und Lausanne.
1913, nach der Rückkehr von Hans Bernoulli aus Berlin, tritt er in dessen Büro ein und begegnet Projekten von in der Schweiz noch ungewohnten Dimensionen, zum Beispiel des Siedlungsbaus. Selbständigkeit ab 1920, Wettbewerbe und Projekte der Bebauungsplanung, des Wohnungsbaus, von Landhäusern, Aufträge des Kunstkredits für plastische Arbeiten, Bühnenbilder.
1925 Siedlung Habermatten in Riehen (mit Hans Schmidt)
1937 Projekt Schweizer Pavillon an der Weltausstellung Paris 1939 Teilnahme an einem Wettbewerbsprojekt für den Neubau der Allgemeinen Gewerbeschule auf dem Areal Vogelsang. Lehrtätigkeit an der Kunstgewerblichen Abteilung der Allgemeinen Gewerbeschule: Abendkurse Perspektivzeichnen, Ausbildungskurse an der Schlosserfachschule.
Um 1947 Ausbildungsplan für die neu gebildete Fachklasse für Innenausbau nach den gewandelten Bedürfnissen der Zeit.
Paul Artaria gestaltet Zweckbauten ohne Dekoration, in konsequenter Abstimmung von Raumprogramm und Materialien. Frühere Projekte in Stahl- und Eisenbeton, später auch Konstruktionen in Holzbauweise. Auseinandersetzung mit der formalen Gestaltung von handwerklichen Erzeugnissen und Industrieprodukten.
Emil Ruder, 1914–1970, Typograf Lehre als Schriftsetzer
Studienaufenthalt in Paris, Setzereivorsteher in Zürich.
1941-42 Tagesschüler an der Kunstgewerbeschule Zürich, Klassen für Schriftsatz und Buchdruck, Schriftunterricht bei Willimann und Käch.
Ab 1942 Lehrer an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel, später Vorsteher der Abteilung kunstgewerbliche Lehrlinge, Initiant der Tagesfachklasse für Buchdruck und der Weiterbildung typografische Gestaltung.
Ab 1965 Direktor der Kunstgewerblichen Abteilung und des Gewerbemuseums.
Mitglied der Jury »Die gute Form« an der Schweizer Mustermesse Basel und der eidg. Kommission für angewandte Kunst, Künstlerischer Berater der PTT-Wertzeichenabteilung. Mitglied in führender Stellung beim Schweizerischen Werkbund (SWB), bei der Association Typographique Internationale (AtypI), beim International Center of the Typographic Arts (ICTA), New York.
Aus seiner Kenntnis der typografischen Avantgarde der Vorkriegszeit und der aktuellen, seither weit fortgeschrittenen Satz- und Drucktechnik entwickelt Emil Ruder ein umfassendes und zusammenhängendes Vokabular der modernen Typografie und trägt massgeblich zu dem bei, was später in der Welt als »Schweizer Typografie« aufgenommen wird. In der eigenen Arbeit und vor allem von seinen Schülern fordert er nachdrücklich einen offenen Sinn für neue Aspekte und Experimente, über die erreichten Erkenntnisse hinaus. Schüler seiner Gestaltungsklasse sind überall auf der Welt tätig.
Viele der ausländischen Schülerinnen und Schüler in Basel sind bereits gestalterisch ausgebildet, manche bringen Jahre der Berufserfahrung mit. Ihre Zeit an der Basler Schule ist eigentlich eine Weiterbildung, keine Ausbildung. Klassen für die berufliche Weiterbildung hat es an der Schule für Gestaltung bisher schon gegeben: die Modeklasse als Weiterbildung für Schneiderinnen, die Klasse Typografische Gestaltung für ausgebildete Schriftsetzer, die Fachklasse für Innenausbau für gelernte Schreiner oder Innenausbauzeichnerinnen.
1968 gründen Emil Ruder, inzwischen Direktor der Kunstgewerblichen Abteilung, und Armin Hofmann eine Weiterbildungsklasse für Grafik, zur Lehrerschaft gehörte von Anfang an auch Wolfgang Weingart. Vor allem Berufsleute aus den USA haben an dem elementaren und hochkonzentrierten Umgang mit der Grafik Interesse gefunden, manche unterbrechen ihre Tätigkeit für ein oder mehrere Jahre zur Weiterbildung in Basel. Viele von ihnen werden nach ihrer Rückkehr selbst Lehrkräfte an Gestalterschulen. Ein Dilemma wird zunächst wenig beachtet: Eine gestalterische Ausbildung ist in Basel eine Berufslehre, im Ausland ein Hochschulstudium. Wohl nehmen die auswärtigen Schülerinnen und Schüler aus Basel einen wertvollen und in vielen Arbeitsstunden persönlich erworbenen Bildungsschatz mit nach Hause; ihr Diplom aber stammt von einer Berufsschule.
Die ungerechtfertigt niedrige Selbsteinschätzung schweizerischer Gestalterschulen wird bei der allmählich zunehmenden studentischen Mobilität auch an höherer Stelle als Problem erkannt: 1979 etabliert ein neues eidgenössisches Berufsbildungsgesetz den Status »Höhere Fachschule für Gestaltung« (HFG) in der Schweiz. Klassen aller schweizerischer Gestalterschulen können vom Bund die Anerkennung als HFG erwerben und dann ihre Aus- und Weiterbildungen als Studium anbieten.
Armin Hofmann, *1920, Grafiker
1937-43 Kunstgewerbeschule Zürich, Lehre als Lithograf
Ab 1943 Lithograf bei Frobenius Basel, Grafiker im Atelier Fritz Bühler.
1947 Leiter der Fachklasse für Grafik an der AGS Basel
1968 Gründer und erster Leiter der Weiterbildungsklasse für Grafik. Gastprofessuren an den Philadelphia Colleges of Art (1956), dem National Institute of Design in Ahmedabed, Indien (1965), an der Yale University, New Haven, Connecticut (erstmals 1966, danach regelmässig). Ehrendoktor der freien Künste der Philadelphia Colleges of Art, Kulturpreis der Stadt Basel.
Armin Hofmann betritt die Szene zu Beginn eines »visuellen Zeitalters«, in dem Foto- und Farbdrucktechnik gerade entscheidende Entwicklungsschritte gemacht haben, und in dem auch die ersten grossen Ateliers der Werbegrafik entstanden sind. Er erkennt, dass Grafik auch die städtische Umwelt mitprägt, und damit die Verantwortlichkeit der Gestalter nicht nur ihren Auftraggebern gegenüber, sondern auch der Öffentlichkeit. Dem geschäftsmässigen Spekulieren auf verwertbare Resultate stellt er subtiles und weit gehendes Untersuchen, Varieren, Kombinieren der Bildwerte gegenüber, das oft zu einzigartigen und präzisen Bildaussagen führt, weit über die Trivialität der üblichen Werbesprache hinaus. Seine Formulierung einer Ethik der Kommunikation leitet mehr als eine Generation von Gestaltern in aller Welt. Neben seiner Tätigkeit als Grafiker und Lehrer gestaltet Hofmann auch Malereien, Reliefs, Plastiken an Bauten, zum Beispiel 1961 am Neubau der Allgemeinen Gewerbeschule Basel.
Wolfgang Weingart, *1941, Typograf
Während seiner Schriftsetzerlehre in Stuttgart lernt Weingart die Arbeiten Armin Hofmanns und Emil Ruders kennen.
1964 schreibt er sich an der Basler Schule ein und erreicht, dass er in ihrer Satzwerkstatt seine eigenen Projekte realisieren kann. In diesen zeigt er sich keineswegs als Adept der Schweizer Typografie, sondern als Gestalter von ganz eigener Prägung: Unter unorthodoxem Einsatz von Satzmaterial und Abziehpresse gestaltet Weingart typografische Bilder nach höchst persönlichen Eindrücken: Landschaften, archäologischen Monumenten, Musik.
Aus den Forschungen wird 1968 eine Lehrtätigkeit an der neu gegründeten Weiterbildungsklasse für Grafik. Seine Schüler, zunächst mehrheitlich US-Amerikaner, führt Weingart auf unerwartetes Terrain: Statt um Ordnungsprinzipien und adäquaten Einsatz typografischer Mittel geht es um Fragen, wie man sich überhaupt einer gestalterischen Aufgabe nähert, und im weitesten Sinn um die Bildung gestalterischer Persönlichkeit. Einmal gefundene Gestaltungsansätze werden in langen Prozessen weiterentwickelt, die Entwürfe auf höchstem handwerklichem Niveau ausgeführt.
Weingart publizierte seine Unterrichtsergebnisse und eigene Arbeiten in vielen Designzeitschriften, hielt Vorträge und lehrte als Gastdozent in Europa, Nord- und Südamerika, Asien, Australien und Neuseeland. Seine Plakate wurden vom Eidg. Departement des Innern ausgezeichnet und sind in den Sammlungen von Museen und Galerien vertreten. 1978-99 war er Mitglied der Alliance Graphique International (AGI), 2005 wurde er vom Massachusetts College of Art in Boston zum Ehrendoktor der freien Künste ernannt.
1980 erhält die Kunstgewerbliche Abteilung ihren heutigen Namen Schule für Gestaltung. 1984 schenkt die Firma Apple Computers der SfG ihren ersten Mac.
1985 wird eine Klasse für Audiovisuelle Gestaltung gegründet, zwei Jahre später die Klasse für Originaldruckgrafik. Das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement anerkennt 1986 die Klasse Visuelle Kommunikation (aus der Weiterbildung Grafik hervorgegangen), die Klasse für Innenarchitektur, Bau- und Produktgestaltung (früher FFI) als HFG, neun Jahre später auch die Modeklasse.
Die bewährten Berufsausbildungen in Textil- und Grafikfachklasse werden neben den Studiengängen der Höheren Fachschule vorerst weitergeführt. Ruth Etter und Andre Aebi entwerfen für die Textilfachklasse ein neues Konzept für die Ausbildung auf der Stufe Höhere Schule für Gestaltung HfG. Dieses Konzept wird ab 1995 eingeführt und entsprechend den Anforderungen auf vier Jahre verlängert, analog der Ausbildungen in Zürich und Luzern.
1996 schliesst die Regierung von Basel-Stadt das Gewerbemuseum aus Spargründen. Unterdessen ist als künftiger Sitz aller HFG-Studiengänge die Fachhochschule beider Basel (FHBB) eingerichtet worden.
Anfangs 2000 gehen die Kunstklassen (Malklasse, Bildhauerklasse und Audiovisuelle Gestaltung), ebenso die Zeichenlehrerklasse und die drei HFG-Studiengänge an die FHBB über.
Per Juni 2002 werden die Textilfachklassen in Basel und zu einem späteren Zeitpunkt in Zürich geschlossen. Die Ausbildung auf Fachhochschulstufe wird in der Schweiz nur noch in Luzern angeboten.
Der SfG bleiben auf Stufe der Berufsausbildung nur noch die Lehrlingsklassen, schulische Wege zu gestalterischen Berufen führen ab jetzt exklusiv durch die Fachhochschule.
Die Lehrerinnen und Lehrer der SfG sind es gewohnt, auf Veränderungen mit Massnahmen eigener Regie zu antworten. Schon 1985 haben sie auf einen gesteigerten Andrang zu den Vorbildungskursen mit der Einrichtung von «Basis- Erweiterungsklassen» reagiert. Dazu sind ehemals einzeln ausgeschriebene Tageskurse zu einem einjährigen Programm im Anschluss nach dem Vorkurs zusammengefasst worden, mit auswählbaren Schwerpunkten Fläche, Raum und Bewegung.
Auf 1999 werden diese Basis-Erweiterungsklassen mit Beständen der stillgelegten Ausbildungsklassen zusammengefasst und zu einem neuen, dreijährigen Ausbildungsgang »Gestalter« ausgebaut. Diese Fachklasse, zunächst ebenfalls mit den Spezialisierungen 2d, 3d oder 4d, führt zu einem eidgenössischen Fähigkeitsausweis mit Berufsmaturität.
Seit 2002 wird ein neuer zweijähriger, zeitgemäßer Bildungsgang zur Textildesignerin SfG, zum Textildesigner SfG angeboten; er wird als Pilotprojekt geführt. Die Schule für Gestaltung Basel bietet für Interessentinnen und Interessenten ohne Matura oder Berufsmaturität als einzige Schule in der Schweiz ein Bildungsangebot für Textildesign an.
2003 wird die Schule für Gestaltung aus der Allgemeinen Gewerbeschule herausgelöst und eine selbstständige Dienststelle mit eigener Verwaltung. Die Berufsmaturitätsschule bleibt in der AGS, die Interessen der SfG werden durch eine delegierte Person wahrgenommen. Die Schule für Gestaltung gewinnt ein Stück Unabhängigkeit und Flexibilität.
Bald zeichnet sich ab, dass keine eidgenössische Bildungsverordnung für den Ausbildungsgang „Gestalter“ erlassen wird, da das Berufsprofil zu nahe an demjenigen des Grafikers liegt. Dafür werden ab 2010 neue gesetzliche Grundlagen für die Ausbildung zum/zur Grafiker/in gelten. In Basel wird rechtzeitig die Ausbildungsdauer von 3 auf 4 Jahre verlängert, um auf die kommenden Veränderungen vorbereitet zu sein.
Das Vorbildungsangebot wird ausgebaut. Im Herbst 2002 entsteht der „Vorkursplus“ als Vertiefungsjahr nach dem Vorkurs, im Frühjahr 2003 wird der „Teilzeitvorkurs“ als zweijährige berufsbegleitende Alternative zum bestehenden Vorkurs eingeführt.
Ab 2006 wird die Weiterbildung Typografie im ersten Jahr berufsbegleitend geführt und neu benannt: Typografie + Grafik. Die Teilnehmer werden in der von ihnen gewählten Fachrichtung auf die eidgenössischen Berufsprüfungen zum/zur Typographischen Gestalter/in oder zum/zur eidg. dipl. Graphik-Designer/in vorbereitet. Die Kombination von Marktkompetenz (Marketing, Betriebswirtschaft, Kommunikation) und solidem Handwerk führt zu einer grösseren Nachfrage.
2002 wird im Berufsbildungsgesetz verankert, dass auch Berufsschulen ihre Qualitätsentwicklung sicherstellen. Im Januar 2004 setzt das Kollegium der Schule für Gestaltung mit der Formulierung der Leitsätze den Grundstein für das Qualitätsleitbild. Im Jahr 2005 werden im Kantonalen Rahmenkonzept Qualitätsmanagement an den Schulen des Kantons Basel-Stadt Leitplanken für die Anwendung der Begriffe Qualitätssicherung, Qualitätsförderung und Qualitätsmanagement im Bildungsbereich definiert. An der Schule für Gestaltung werden unterschiedliche Werkzeuge zur Qualitätssicherung erprobt und verfeinert.
Hermann Baur, 1894–1980, Architekt
Hermann Baur wurde am 25. August 1894 in Basel geboren und starb am 20. Dezember 1980 in Binningen. Da ihm das Gymnasium verwehrt blieb, machte er von 1910 bis 1917 eine Architekturlehre bei Rudolf Linder, von 1918 bis 1919 war er Hospitant an der ETH Zürich bei Karl Moser und Hans Bernoulli. Von 1921 bis 1927 war er im elsässischen Wiederaufbaugebiet tätig und gründete anschliessend sein eigenes Architekturbüro in Basel. 1934 bezog Hermann Baur im Bruderholz-Quartier mit seiner Familie das selbst geplante Eigenheim, das stark dem Neuen Bauen verpflichtet ist.
Zwischen 1938 und 1944 war er Präsident des Bundes Schweizer Architekten. 1959 bis 1964 hielt er Gastvorlesungen an der ETH Zürich. Hermann Baur beeinflusste das Bild der Stadt Basel mit grossen öffentlichen und Siedlungsbauten wie der Pavillonschule auf dem Bruderholz (1935–1939), dem Bürgerspital (1939–1945), der Genossenschaftssiedlung Jakobsberg (1943–1946) und der Allgemeinen Gewerbeschule, zusammen mit seinem Sohn Hans Peter Baur (1938–1961). Er gilt zudem als ein Erneuerer des katholischen Kirchenbaus und realisierte mehr als 25 Kirchen.
Hermann Baurs Werk wurzelt in der Epoche der Avantgarde und spiegelt die Veränderungen der Architektur des 20. Jahrhunderts wider; nicht ohne den Bezug zu den Vorgängern zu verlieren, gelang es ihm, eine eigene Handschrift zu entwickeln.