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HAUPT
CHRISTI, SITZ DER GÖTTLICHEN WEISHEIT
Broschüre, 76 Seiten, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell
Auszug:
TERESA HIGGINSON
Die Verehrung des Hl. Hauptes Christi als Sitz der göttlichen Weisheit geht zurück auf Offenbarungen des Heilandes an Teresa Higginson (+1905). Es würde jedoch über den bescheidenen Rahmen dieser Broschüre hinausgehen, wenn wir das Leben dieser englischen Mystikerin ausführlich darlegen wollten. Wir verweisen dafür auf die Lebensbeschreibung der Theresia Higginson von Cecil Kerr, die jedoch bis jetzt in keiner deutschen Übersetzung vorliegt. Nur kurz zusammenfassend sei hier das Wichtigste aus ihrem Leben und von ihren Offenbarungen wiedergegeben.
Teresa Helena Higginson wurde am 27. Mai 1844 zu Holywell in England geboren. Ihr Vater stammte aus einer tiefkatholischen Familie, ihre Mutter, von Geburt aus protestantisch, war in ihrer Jugend zur katholischen Kirche übergetreten.
Teresa war von den acht Kindern der Familie Higginson das dritte; es war unter allen das lebhafteste und fröhlichste. Aber schon von frühester Kindheit an übte Teresa im geheimen Buße und Abtötung. Ihren ersten Unterricht erhielt die Kleine im elterlichen Haus. Im Alter von zwölf Jahren kam sie ins Kloster von Nottingham, wo sie neun Jahre lang studierte und mit großem Eifer Fortschritte machte in der Frömmigkeit und in der opferbereiten Liebe zu Jesus. Im Jahre 1865 kehrte sie in ihr Elternhaus zurück. Hier unterstützte sie ihre Angehörigen mit dem Erlös feiner Handarbeiten.
Bald aber kam die Zeit, da der Heiland diese auserwählte Seele ins öffentliche Leben führen wollte. Im Jahre 1871 brach in der Pfarrei St. Alexander im Bootle eine ansteckende Krankheit aus, die viele Opfer forderte. Pfarrer Powell, Rektor der dortigen Pfarrschule, mußte wegen Mangel an Lehrkäften seine Unterrichtsanstalt schließen. In dieser Verlegenheit wandte er sich an die Leiterin der Normalschule von Mount-Pleasant in Liverpool, die ihm Teresa Higginson als Lehrerin empfahl.
Teresa Higginson begann gleich den Unterricht zu erteilen; da sie jedoch keinen pädagogischen Unterricht genossen hatte, sollte sie auf Anraten der Oberin noch ein Jahr Spezialstudien machen. Darnach erst könnte sie eine endgültige Anstellung als Lehrerin erhalten. Pfarrer Powell aber drängte Teresa, sofort an den gerade stattfindenden Prüfungen teilzunehmen. Sie gehorchte und bestand das Examen glänzend.
Die Eltern waren jedoch mit dem Lehrerinnenberuf ihrer Tochter nicht recht einverstanden. In ihrer Gewissensnot fragte deshalb Teresa den heiligmäßigen P. Ignatius Spencer um Rat. Dieser bestärkte jedoch Teresa in ihrem Vorhaben, Lehrerin zu werden. Jedoch kam Teresa nicht nach Bootle, sondern 1872 zunächst zur Dorfschule von Orrell bei Wigan, und im folgenden Jahre zur Marienschule in Wigan. Mit wahrem Aposteleifer widmete sie sich ihrem neuen Berufe. Von allen Schülerinnen war sie geachtet und geliebt. Zugleich aber zog der Heiland sie immer inniger an sich. Am Karfreitag 1874 schenkte der Heiland ihr während der Passionsschauung, die sie von jetzt ab fast jeden Freitag erlebte, Seine heiligen Wundmale. Jedoch betete Teresa, der Heiland möge ihr die sichtbaren Wundmale wegnehmen, ihr aber statt dessen noch größere Schmerzen gewähren. Ihr Wunsch ging in Erfüllung. Jedoch haben manche Priester und andere ihr nahestehende Personen die Stigmen, besonders an ihren Händen, sehen dürfen.
Aus Gesundheitsrücksichten kehrte Teresa 1875 nach Hause zurück, übernahm aber 1877 wieder eine Anstellung an der von Jesuiten errichteten Schule in Sabden bei Clitheroe.
Trotz aller Arbeiten und Sorgen als Lehrerin vertiefte sie hier ihr inneres Leben noch immer mehr. Schon als Kind hatte sie oft Engelscharen gesehen, die, in Andacht versunken, das hochheilige Sakrament umgaben. Dieses Schauspiel genoß sie jetzt noch öfters. Auch erfreute sie sich der wirklichen fühlbaren Gegenwart ihres geliebten Herrn. Jedoch litt Teresa auch oft unter quälenden, lästigen Angriffen der höllischen Geister.
In Sabden, wo nur einmal in der Woche die hl. Messe gefeiert und die hl. Kommunion ausgeteilt wurde, erhielt Teresa zum ersten Male die heilige Kommunion aus der Hand des göttlichen Heilandes. Manchmal geschah dies von jetzt ab sogar drei- oder viermal am selben Tag. Im Jahre 1875, am Feste des Hl. Herzens Jesu, empfing sie eine der größten Gnaden des mystischen Lebens: Der Heiland erwählte sie in einer wunderbaren Schauung zu Seiner Braut und steckte ihr ein Dornenringlein an die Hand. Dadurch wollte der Heiland sie vorbereiten zur Sendung, die Er ihr bald anvertrauen würde.
Wegen Krankheit mußte Teresa zu Beginn des Jahres 1879 Sabden verlassen. Die Sommermonate verbrachte sie bei ihrer Mutter und Schwester zu Neston in Cheshire. Hier wurde ihr erstmalig am Herz-Jesu-Fest 1879 während der Hl. Messe die Offenbarung über die Göttliche Weisheit Jesu Christi und die vom Heiland gewünschte Verehrung seines Hl. Hauptes als Sitz der Göttlichen Weisheit zuteil. Teresa schaute die göttliche Weisheit als einen leuchtenden Kristall mit unzähligen Augen, in dem sich das ganze Weltall spiegelte und der ein strahlendes Licht aussandte gleich "tausend Sonnen". Es wurde ihr mitgeteilt, daß das göttliche Herz in all seinen Regungen und Handlungen ganz unter dem Einfluß dieser Weisheit stehe, und daß die Verehrung des Hl. Herzens durch die Verehrung des Hl. Hauptes, als Sitz der ewigen Weisheit, vollendet werden müsse.
Als dann noch im selben Jahre Teresa auf Wunsch des ihr gut bekannten Pfarrers Powell eine Stelle als Lehrerin zu Bootle übernahm, war es vor allem in der St. Alexanderkirche dortselbst, daß sie vom Heiland immer wieder aufgefordert wurde, die Andacht zum Hl. Haupte Christi, als dem Sitz der Göttlichen Weisheit, bekannt zu machen und zu verbreiten. - Teresa schreibt über eine dieser Visionen im Gehorsam ihrem Seelenführer Pfarrer Powell wie folgt:
"Es ist der Wille unseres vielgeliebten und göttlichen Herrn, daß Sein Heiliges Haupt als Sitz der göttlichen Weisheit angebetet werde; nicht nur das Haupt (ich will sagen, wie wir seine heiligen Hände und Füße anbeten) sondern das Haupt als Heiligtum der Seelenkräfte und der intellektuellen Fähigkeiten und in ihnen die Weisheit, die alle Liebe des Heiligsten Herzens und alle Handlungen des ganzen Herzens Jesu, unseres Herrn und Gottes geleitet hat... Dieses Haupt ist eine Welt von unendlicher Weite, ein Meer von ungeheuren Tiefen, eine Sonne von unerreichbarem Lichte, die nie untergeht, und es sind unermeßliche Höhen unausgesprochener Geheimnisse der Vollkommenheit und Schönheit. - Unser vielgeliebter und gütiger Herr gab jedoch die Zeit nicht genau an, da diese Andacht öffentlich werden wird; doch ließ Er mich erkennen, daß jeder, der Sein Hl. Haupt in dieser Weise verehre, auf sich selbst die auerwähltesten Gaben des Himmels herabziehe."
In einem anderen Briefe berichtet Teresa von einer Vision am Himmelfahrtstage.
"Es war am frühen Morgen des Himmelfahrtstages, als ich unsern göttlichen Herrn sah, wie man ihn auf den Bildern des Hl. Herzens darstellt, ausgenommen, daß um Sein Hl. Haupt noch ein Licht von unvergleichlichem Glanze und unvergleichlicher Schönheit strahlte. Es war wie eine Sonne, in der zwölf prächtige Edelsteine funkelten, die alle Farben des Regenbogens wiedergaben. Und in dem Haupte sah ich einen Ozean von unendlicher, klarer und ruhiger Tiefe, und die glänzenden Strahlen der Sonne durchdrangen ihn in seiner ganzen Tiefe, und es spiegelten sich in ihm alle Schönheiten der Sonne. Die zwölf Steine strahlten gleich Diamanten, ihre grünen, grünlich-gelben, purpurnen, roten Lichter und alle Regenbogenfarben aus. Und in der Mitte des Lichtmeeres gewahrte ich ein (alles durchdringendes) Auge. Die Majestät dieses Schauspiels brachte mich derart außer mir, daß ich mehrere Stunden unfähig war, mich auch nur zu bewegen. Der Geist des Menschen ist zu schwach, sein Verstand zu schwerfällig, um diese gewaltige Größe der Gottheit zu verstehen, zu fassen oder zu beschreiben, und es dünkt mich ein Wunder, nach einem kleinen Blick darein, noch zu leben... Das Licht verbreitete sich von allen Teilen seiner Hl. Person aus. Und aus dem Hl. Herzen, das von Dornen umgeben und von einem Kreuze überragt war, sah ich Flammen hervorbrechen. Darüber schwebte ein silberweißes Licht in Gestalt einer Taube, und die Strahlen der Sonne umgaben das Ganze mit einer außerordentlichen Lichtfülle."
Über eine andere Heilanderscheinung am 27. Mai 1880 berichtet Teresa wie folgt:
"An diesem Morgen sah ich während der hl. Messe, da die geweihte Hostie bei der Wandlung emporgehoben wurde, sozusagen den ganzen himmlischen Hof in Anbetung niedergesunken; alsdann verschwand alles in eine Lichtflut, deren leuchtende Pracht von der Hl. Person unseres Herrn Jesus Christus herrührte. Eine strahlende Sonne von wunderbarer Schönheit und Klarheit glänzte um sein Hl. Haupt und warf ihr Licht in die Tiefen Seines Hl. Herzens. Hierauf ließ der Heiland mich sehr deutlich erkennen, daß die Zeit nahe, da Er der Welt den Wunsch, der Ihn sozusagen verzehrt, offenbare, Sein Hl. Haupt als Sitz der göttlichen Weisheit angebetet und verehrt zu sehen."
Am 2. Juni 1880 teilte ihr der Heiland den Tag mit, an dem das Fest zu Ehren Seines Hl. Hauptes gefeiert werden soll. Sie schrieb darüber ihrem Seelenführer u.a.:
"Unser geliebter göttlicher Herr verlangt von mir, Ihnen in seinem Auftrage mitzuteilen, Er wünsche, daß sein Hl. Haupt als Sitz der göttlichen Weisheit öffentlich angebetet und verehrt werde; Er bestimmte auch, daß der Freitag in der Oktav des Festes des Hl. Herzens als Fest zu Seiner Ehre genannt werde, um Ihm an diesem Tage ganz besonders Genugtuung zu leisten und seine Verzeihung zu erflehen; denn Er sagt: 'Sieh, Meine geliebte Tochter, man bekleidet Mich als Narr und spottet Meiner in der Wohnung Meiner Freunde. Man krönt Mich zum Hohne, Mich, der Ich der Gott der Weisheit und aller Wissenschaft bin, Mich, den König der Könige, den Allmächtigen, den Unwiderstehlichen; man reicht Mir ein Zepter, um Mich zu verhöhnen. Ich wünsche, daß man diese Andacht, über die Ich Mich so oft mit dir unterhalten habe, bekannt mache, und Ich will, daß der erste Freitag nach dem Feste Meines Hl. Herzens als Tag des Festes zur Ehre Meines Hl. Hauptes als Sitz der göttlichen Weisheit vorbehalten werde, und daß man Mir für allle Beleidigungen und für alle Sünden, die fortwährend gegen Mich begangen werden, öffentliche Anbetung darbringe.' Er sagte auch, daß man wegen der Schwierigkeiten, die eintreten könnten und die sich gewiß einstellen, sich nicht entmutigen lassen soll, und daß die Kreuze zahlreich sein werden. 'Jeder, der helfen wird, diese Andacht zu verbreiten, wird tausendmal gesegnet sein...' Unser geliebter Herr sagt, daß all das, was Er denen verheißen hat, die sein Hl. Herz würdig lieben und verehren, auch jenen im Überfluß zuteil werde, die Ihn durch diese Andacht verehrten oder andere zu dieser Verehrung aneiferten.
Am 16. Juni 1881 ließ mich unser göttlicher Herr ahnen, daß es sich mit dieser besonderen Andacht wie mit dem Senfkorn verhält, obgleich so wenig bekannt und so wenig geübt, wird sie doch die größte Andacht der Kirche in der Zukunft sein...
Er ermunterte mich zu beten, auf daß alle, besonders die Andersgläubigen und alle armen Sünder, das wahre Licht, den wahren Glauben und die wahre Weisheit empfangen. Er ließ mich wahrnehmen, daß jene, welche diese Andacht üben, durch den Glanz dieses wahren Lichtes leuchten und durch dieselbe mehr Seelen zu Gott zurückführen werden, als solche durch ihre Unrtreue verloren gingen. Und es schien mir, daß Maria mit mir zu Ihrem Sohn betete, und daß Er Ihre Hände mit Gnaden und Segnungen für uns füllte; daß um Maria eine neue Glorie strahlte, die der Widerschein der Glorie ist, die den Sitz der göttlichen Weisheit umgibt. Unser geliebter und gütiger Herr erneuerte darauf abermals alle durch Ihn gemachten Versprechungen, jene, die diese Andacht pflegen oder in irgendeiner Weise verbrieten helfen, zu segnen."
Bei ihren Schauungen und mystischen Erlebnissen hatte Teresa Higginson auch schwere Prüfungen und Leiden zu erdulden. Auch teuflische Angriffe quälten sie recht oft. Der göttliche Meister aber wachte über seine treue Leidensbraut und stärkte sie durch den vertrautesten Umgang sowie durch die hl. Kommunion, die Er ihr oft eigenhändig brachte.
In der Schule aber blieb Teresa die kleine, liebevolle Lehrerin. Hier merkte man nicht, daß sie so oft in der Ekstase mit dem Heiland reden durfte, daß sie Seine Passion miterlebte und ganz in ihrer Sendung aufging, die Verehrung des Haupts Christi zu verbreiten. Selbst die Gnade der Bilokation hatte ihr der Heiland verliehen. Während sie unter ihren Kindern wirkte oder auf innige Weise im Gebet beim Heiland war, weilte sie des öftern als Missionarin bei Negerstämmen in Südafrika oder bei Indianern in Amerika. Dies geschah nicht dem Geiste nach, sondern in leiblicher Wirklichkeit. (Vgl. Maria von Jesus von Agreda).
Teresa hatte manchmal auch schwere Seelenkämpfe zu bestehen. Ihre Seele war dann wie in Dunkelheit gehüllt; sie befand sich in der dunklen, läuternden Nacht, wovon der hl. Johannes vom Kreuz in seinen mystischen Werken schreibt. In großer Geistesdürre und unter vielen Anstrengungen verrichtete sie dann ihre religiösen Übungen, die früher ihre höchsteWonne waren.
So geläutert durfte Teresa Higginson in der Nacht vom 23. Oktober 1887 die Gnade der mystischen Vermählung mit dem Heiland erleben. Dies geschah zu Clitheroe, wo sie bei ihrer Freundin Elisabeth Dawson zu Besuch weilte. Sie teilte dieses mystische Erlebnis gehorsamst ihrem Seelenführer mit. Trotz allem aber blieb sie immer die einfache, demütige Lehrerin, die in ihrer tiefen Vereinigung mit dem Heiland nach dem Vorbild der hl. Jungfrau Maria in dankbarer Demut täglich das Magnificat jubelte. Ihr Durst nach Leiden und Opfer ging in dem großen Leitmotiv ihres Lebens auf: "Was Er will!"
Nach ihrer mystischen Vermählung war ihre Seele von Ruhe und Frieden erfüllt. Durch die Vermittlung des Pfarrers Snow fand Teresa nun Aufnahme im Kloster der hl. Katharina in Edingburg (1887-1889). Hier lebte sie schlicht und einfach, stets bereit, allen zu helfen. Bald war sie in der Schule tätig, dann in der Sakristei, ja selbst in der Küche. Mit feurigem Eifer machte sie das Kloster und die Umgebung mit der Verehrung des Heiligen Hauptes bekannt.
Ihr letzter Wirkungskreis war seit 1904 Chudleigh im südwestlichen England. Jedoch brach hier ihre schwache Gesundheit zusammen. Zusehends nahmen ihre Kräfte ab. Der Heiland ließ sie nochmals Sein Leiden miterleben und holte sie am 15. Februar 1905 zur ewigen Heimat ab.
Ihr Leichnam, der nach dem Tode eine fast überirdische Schönheit aufwies, wurde nach Neston überführt und dort in der Familiengruft neben Mutter Higginson beigesetzt.
Teresa Higginson war eine hervorragende Mystikerin. Pater Wilberforce O.P., aus dem Hl. Kreuz-Kloster von Leicester, legt in einem Memorandum, das Cecil Kerr als Anhang ihrer Lebensbeschreibungen veröffentlicht hat, Zeugnis ab für die heldenhafte Demut und Geduld und für den hervorragenden Gehorsam und Opfergeist der Teresa. Generalvikar Snow, der 22 Jahre ihr Seelenführer war, wagt sogar den Ausspruch: "Ich erachte es als meine Pflicht, zu behaupten, daß Teresa nicht nur eine Heilige war, sondern auch eine der größten Heiligen, die der allmächtige Gott je in seiner Kirche erstehen ließ." Übrigens beweist ja auch die Tatsache, daß ihr Seligsprechungsprozeß, der im Jahre 1932 in Rom eingeleitet worden ist, eindeutig, daß der Bischof, der ihn eingeleitet hat, und alle, die dazu mitgeholfen haben, von ihrer Heiligkeit überzeugt sind.
Daß Teresa Higginson noch nicht seliggesprochen worden ist, beweist nichts gegen ihre Heiligkeit und die Glaubwürdigkeit ihrer Offenbarungen. Wir dürfen hier keine Parallele ziehen mit Theresia vom Kinde Jesu. Letzere hatte in ihrem Leben keine außergewöhnlichen Schauungen, Offenbarungen und Ekstasen. Ganz anders Teresa Higginson. Bei einer Person aber, die mit den Stigmen und mit so wichtigen und weittragenden Offenbarungen, die eine neue Andacht betreffen, begnadigt war, wäre es gerade zu verwundern, wenn die Seligsprechung jetzt schon erfolgt wäre. In derartigen komplizierten Fällen läßt sich die Kiche meistens sehr lange Zeit. Das instruktive Beispiel dafür ist das große, ganz gleichgeartete Vorbild von Teresa Higginson: Margareta Alacoque (+1690). Es wird doch jetzt niemand mehr bezweifeln, daß Margareta Alacoque eine wirklich große, ganz einzig begnadete Heilige war. Und doch wurde sie erst 1864, also 174 Jahre nach ihrem Tode, seliggesprochen, und erst 1920, also 230 Jahre nach ihrem Tod kanonisiert. Ebenso mußte der hl. Johannes Eudes (+1680), der als erster den liturgischen Kult des Hl. Herzens Jesu einführte und im Brevier jetzt so ruhmvoll "Vater, Lehrer und Apostel" der Herz-Jesu-Andacht genannt wird, 229 Jahre auf seine Seligsprechung warten.
Wann wird der mystisch begnadeten Seele von Neston diese Ehre zuteil? Gott allein weiß es. Uns aber genügt zu wissen, daß sie eine außergewöhnlich reich begnadete Mystikerin war und daß die ihr zuteil gewordenen Offenbarungen um den einen Kerngedanken kreisen: die Verehrung des Hauptes Christi, als Sitz der göttlichen Weisheit.
Kaplan Robert Ernst, Eupen
Gebet
zum Heiligsten Haupt Christi
als Sitz der Göttlichen Weisheit
O Heiligstes Haupt Jesu, Sitz der Göttlichen Weisheit, das alle Regungen, alle Neigungen des Heiligsten Herzens regiert, eingeflößt und geleitet hat, leite alle meine Gedanken, meine Worte und meine Werke, wie Du es versprochen hast. Sei das Heilmittel gegen die großen Plagen unseres Daseins: den geistigen Hochmut und die Untreue. Möchtest Du durch Deine Leiden, durch die Dornenkrone, die Deine Stirne zerriß, durch die Schläge, das Blut, die Beschimpfungen, mit denen Du überhäuft wurdest, als auch durch die innige Liebe Deiner Heiligsten Mutter, so bald, so vollständig und so allgemein, wie es nach den Absichten der göttlichen Vorsehung möglich ist, angebetet, verehrt und verherrlicht werden zur Ehre Gottes, zum Heile der Seelen, in den Meinungen des Heiligsten Herzens, zur Erfüllung des Göttlichen Willens und des glühenden Wunsches, den Du geäußert hast. Amen.
Heiligstes Haupt Jesu, Sitz der Göttlichen Weisheit, mit Dir vereinige ich mich.
Alles zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen!
Auszug aus der Broschüre: "Haupt Christi - Sitz der göttlichen Weisheit", Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell, 1. Auflage, April 1986. © by Immaculata-Verlag, Appenzell, Schweiz.