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Hermann Seiler führte das Walliser Finanzdepartement durch das Jahrzehnt des Ersten Weltkriegs - (laut Neuer Zürcher Zeitung vom 21. August 1961, Nr. 3055, S. 9) „mit Auszeichnung“; zweimal war er Regierungspräsident. Bis 1925 vertrat er das Oberwallis als Nationalrat in Bern. Die Landesregierung berief den Finanz- und Verkehrspolitiker aufgrund der ausgewiesenen Kenntnisse und Leistungen für eine Dauer von 21 Jahren in den Bankrat (das Aufsichtsorgan) der Schweizerischen Nationalbank und für 20 Jahre in den Verwaltungsrat der Schweizerischen Bundesbahnen. Als - so oft wie nie jemand vor ihm jeweils mit Akklamation bestätigter - Zentralpräsident des Schweizer Hoteliervereins beschäftigte er sich in der Krisenzeit zwischen den Weltkriegen und während des Zweiten Weltkrieges besonders mit Fragen der Hotelsanierung, -finanzierung und -rentabilität. Die Neue Zürcher Zeitung urteilte, er habe dieses Amt „mit der ganzen Umsicht, Tatkraft und Überlegenheit einer für einen solchen Posten in ungewöhnlichem Masse befähigten Persönlichkeit“ (Ausgabe vom 10. Juni 1945, Nr. 909, S. 10) geführt und so „wesentlich zur Sanierung des gesamten Gastgewerbes“ (Ausgabe vom 24. August 1961, Nr. 3085, Blatt 5) beigetragen. [ Biografische Daten im Spiegel der Schweizer Presse] [ Zur Tätigkeit als Zentralpräsident des Schweizer Hoteliervereins insbesondere]
In den 1950er Jahren stand für ihn längst ausser Frage, dass Hotels, wie jene in Gletsch es sind, mit einer jährlichen Betriebszeit, die lage- und witterungsbedingt über ein Jahresdrittel (90 bis 110 Sommertage) hinaus nicht verlängert werden kann, - und zumal mit einer entsprechend multiplizierten Amortisationsdauer für jede Investition sowie multiplizierten in der bruchteiligen jährlichen Wertschöpfungsphase je Betriebsmonat zu erwirtschaftenden Fremdkapitalkosten - in Anbetracht einer seit der Belle Epoque stark veränderten gastgewerblichen Gesamtkostenstruktur nicht nur keine mögliche Grundlage für ein valables Geschäftsmodell bilden, sondern als langfristig kaum überlebensfähig zu gelten haben (richtig: Weltwoche vom 6. Dezember 1984, Nr. 49, S. 55). ( Die Passstrassen über Furka und Grimsel - die Lebensadern der Transitstation Gletsch - waren vor dem Ersten Weltkrieg jährlich während acht und später regelmässig während achteinhalb Monaten wegen zeit- und streckenweise bis zu zehn Meter hohen Schnees nicht befahrbar und gesperrt.)
Einen Reflex der im Kreis um den Verbandsverantwortlichen geführten Gespräche über Fragen der Rentabilität betriebszeitlich beschränkter Unternehmen nach dem Ende des ‚Goldenen Zeitalters‘ der Schweizer Hotellerie stellt der Aufsatz des Berner Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre, Alfred Walther, unter dem Titel Die Festen Kosten – der Feind des Hotelunternehmens in der Festschrift des Schweizer Fremdenverkehrsverbandes dar, die Hermann Seiler als Vizepräsident der Organisation zum 70. Geburtstag gewidmet wurde (Gegenwarts- und Zukunftsprobleme des schweizerischen Fremdenverkehrs, Zürich 1946, S. 76 ff.).
Zur Stringenz der Problemanalyse aus heutiger Sicht Andreas Deuber, Direktor der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit, und Roland Flückiger, stellvertretender Denkmalpfleger der Stadt Bern und Vorstandsmitglied der Vereinigung Swiss Historic Hotels, in der Neuen Zürcher Zeitung vom 5. Mai 2006, Nr. 103, S. 17: „Hat das klassische Hotel vor diesem Hintergrund ausgedient? [...] Matchentscheidend ist ein Standort mit einer guten Grundauslastung über das ganze Jahr oder zumindest zwei starke Saisons hinweg.“ Aus der Warte der Investmentspezialisten der grössten Schweizer Bank galt in den 1990er Jahren eine Betriebszeit von sieben bis acht Monaten (210 bis 250 Tagen) als bereits kritisches Minimum für eine Hotelbetriebsführung, welche die Deckung der Jahresfixkosten erlaubt (Jürg Lamparter, Leiter Sanierungsprojekte im Tourismusbereich der UBS AG, laut Finanz und Wirtschaft vom 30. September 1998, Nr. 75, S. 25).
Aus diesem Grunde nannte der 80jährige Hermann Seiler die Aktiengesellschaft, in die er die beiden Hotels samt Liegenschaften 1956 einbrachte, nicht (in Entsprechung zur mit seinem Bruder 1908 gebildeten Zermatter Gesellschaft) Hotels Seiler Gletsch AG, sondern, mit Blick auf eine nichtgastgewerbliche Verwendung, Immobilien Gletsch AG. Zur Frage stand seit der Mitte des Jahrhunderts, ob die öffentliche Hand die Ende der 1920er Jahre vom Hotelunternehmer behutsam eingeleitete wasserwirtschaftliche Nutzung mit einem grossen Projekt im Talbecken von Gletsch fortführen wollte. 1.*] 2.*]
Reflexe in Äusserungen von Zeitzeugen
a. Tradition
„... et ce n' est qu' après nombre de minutes qu' une lumière apparait à travers les joints de la porte. C' est M. Seiler cadet qui nous introduit, nous lui remettons aussitôt la lettre de son frère au bas de laquelle le chanoine avait ecrit à notre sujet quelque lignes de recommandations. Après en avoir pris connaisance il nous fit des excuses de nous recevoir ainsi, mais n' attendant plus de voyageurs tout était déja réduit, il s' empressa cependant de rallumer le feu et nous fit du thé que nous trouvâmes délicieux.“
F. Thioly: Voyage en Suisse et ascension du Mont-Rose, Genf 1860, S. 70.
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„The new Hôtel du Glacier du Rhône, completed in 1862, is conducted by the brothers Seiler of Zermatt.“
K. Baedecker: Switzerland. Handbook for Travellers, Coblenz 1863, S. 166.
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„The old inn was a poor place; the new hotel opened by [Franz] Seiler, who died in 1865, is well managed and will be found the best place for headquarters in this neighbourhood.“
John Ball: The Alpine Guide, Part II, Central Alps, London 1866, S. 82.
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„Fortunately for me, a woman servant had arrived at noon to commence preparations for the season, and as she was a kindly body she soon made me comfortable with a nice cup of coffee. Fresh paint was about the house, snow all round it, and the kitchen fire very pleasant.“
Anonymus: An Old Bengalee in Switzerland, in: Calcutta Review, Calcutta/London, Nr. XC, 1867 (?), S. 357 (Schilderung eines touristischen Etappenhaltes in Gletsch am 24. Mai 1866, während der Vorbereitungen für die Öffnung des Gasthauses).
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„... - dicht am Gletscher und am Eisgewölbe der Rhone steht das gastliche Haus des Herrn Seiler, zu dem wir jetzt gehen, um uns an einer Tasse heissen Kaffees zu erwärmen ...“
„Schon das Äussere dieses zwar nicht stattlichen, doch ansehnlichen Baues kündigte sich gastlich und einladend an, und noch mehr wurden die Gäste durch die innere Einrichtung befriedigt, denn wenn auch nirgends Glanz und Luxus, sogar nicht einmal in dem grossen Spiesesaal zu bemerken war, so sah doch Alles frisch und blank, bequem und zweckentsprechend aus, ...“
Philipp Galen: Die Tochter des Diplomaten, Erster Teil, Leipzig 1867, S. 156 f.
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„On attaining the bottom of the Mayenwand, he will find a really good inn (H. du Glacier du Rhone), kept by Seiler of Zermatt, a good centre between Furka, Grimsel, and Aeggischhorn.“
John Murray: A hand-book for travellers in Switzerland and the Alps of Savoy and Piedmont, London 1867. 12. Ausg., S. 100.
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„... and at a large and
John Murray: A hand-book for travellers in Switzerland and the Alps of Savoy and Piedmont, London 1879, S. 96.
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„Gletsch ist eine Post- und Telegraphenstation mit sehr besuchtem Hotel, das unter der Leitung von Herrn Jos. Seiler, dem Sohne des Herrn Alexander Seiler sel. aus Zermatt steht. Es ist merkwürdig: da, wo ein Hotel unter dem Zaubernamen eines Seiler steht, da ist sein Ruf gemacht. Alle civilisierten Nationen der Welt kennen den Namen Seiler, und dieser Name hat bei dem reisenden Publikum einen guten Klang. Wenn im Hochsommer die Furka-, die Grimsel- und die Walliser Post hier eintreffen, und dazu die zahlreichen Touristenschwärme zu Pferd und zu Fuss von der Meienwand herniedersteigen, so herrscht hier ein Leben und ein Verkehr wie auf den grossen Boulevards in Paris. Gesichter und Typen aller Nationen wimmeln um dieses Hotel herum und kommen, gehen und drängen sich unaufhörlich, wie in einem Bienenschwarm. Herr Seiler ist zudem die Güte und Gefälligkeit selber, und mit der grössten Bereitwilligkeit erteilt er dem Reisenden jeden wünschbaren Aufschluss. Namentlich über Zermatt und das Eggishorn, welche ja im Wallis zu den ersten Touristenplätzen gehören, erfährt man hier die genauesten Details.
Dem Schreiber dies begegnete z.B. letztes Jahr auf seiner Fahrt nach Gletsch ein kleines Missgeschick. Beim Hinunterfahren mit der Post von der Furkahöhe verlor ich meinen Überrock. Bei all' dem Stauen und all' der Pracht, in welcher der Rhonegletscher beim Vollmondlicht einer herrlichen Septembernacht erglänzte, fiel mir derselbe unversehens auf die Strasse. Bei Ankunft in Gletsch teilte ich dem Herrn Seiler mein Anliegen mit, und nach ungefähr zwei Stunden war ich wieder im Besitze meines Überrockes.“
Fritz Bühler: Das Haslital und die neue Grimselstrasse. Eine Fahrt von Meiringen nach Göschenen. Beschreibung, Geschichte und Sagen, Luzern 1895, S. 72 f.
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„In another minute the great arc lamps of the Gletsch Hotel, close to us, blazed forth, and we were welcomed into its snug hall and warmed by the great log-fire burning on its hospitable hearth.“
Sir Ray Lankester: Science from an easy chair: a second series, London 1912, S. 25 (Schluss der Schilderung einer Reise in der Pferdekutsche von Brig nach Gletsch des Professors für Zoologie an der Universität Oxford).
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„Et nous voici dévalant sur Gletsch, où nous trouvons M. Joseph Seiler en train de préparer le banquet pour ceux de Genève. Il nous fit les honneurs de sa superbe collection d' étains et de viex cuivres, et nous présenta Mme Seiler, ...“
„Le dîner est excellent et les sybarites exultent. On fait des discours, on applaudit. Suisses et Italiens se congratulent et se vouent une amitié éternelle. M. Joseph Seiler offre du vin du glacier ...“
R. Baujon, H. Correvon, Th Cosson: Course d' été de la section genevoise du C.A.S., in: L' Echo de Alpes, Nr. 3, 1912, S.98.
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„... erreicht man in Gletsch (1761 m) den Talboden mit seinem grossen, ausgezeichnet geleiteten Seiler-Hotel (Hôtel du glacier du Rhône oder Rhonegletscher) in grossartiger Lage. [...] In diesem findet bei höchst vornehmer internationaler Gesellschaft, die in ein-, zwei- oder dreispännigen Wagen herbeiströmt, auch der Turist Berücksichtigung. [...] Nur schwer kann man sich am anderen Morgen von diesem Paradies, dem freilich eine harte Natur oft übel mitspielt, trennen.“
Prof. Dr. Karl Kinzel: Wie reist man in der Schweiz?, Schwerin 1913, S. 89.
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„Aus dem einfachen Touristenwirtschäftlein ist im Laufe der Jahre ein grosses Hotel entstanden, das Weltruf bekam; es wird in den alten Reisebüchern, vor allem in den englischen, in den höchsten Akkorden gepriesen und es hat seinen internationalen Ruf hochzuhalten verstanden. Das Haus hat Tradition; man spürt das in den Gängen, in den Zimmern, an allen Bildern und Truhen, und ich stelle mir vor, dass es eine Freude sein müsste, die alten Fremdenbücher dieses Hotels zu durchstöbern. Aber Gletsch hat es auch verstanden, mit der modernen Zeit Schritt zu halten; man speist an kleinen Tischen, von Kellnern im Frack bedient, isst das Menu eines Grand Hotels und hat als Tischgenossen Gentlemen im Smoking und Ladies in tiefster Ausgeschnittenheit, was bei Engländerinnen gar nicht aufregend ist. Es ist einem auch, als ob zu diesem altväterisch-modernen, gemütlich-vornehmen Gletsch alte Postkutschen und vierspännige Reisewagen gehörten, findet es aber auch wieder ganz selbstverständlich, dass Automobile angefahren kommen, dass die grossen Stallungen zu Autogaragen umgemodelt worden sind, und dass die gelben Kraftwagen der Post von der Furka und von der Grimsel her in Gletsch einfahren.“
Hans Schmid: Wallis. Ein Wanderbuch, Frauenfeld 1925, S. 21; und ders.: Gletsch, in: St. Jodern-Kalender, Sitten 1928, Jahrg. 5, S. 50.
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„Ds Gläisi Häischi (Glaisen Hans) war noch mit achtzig Jahren ein kräftiger Mann. Der Pianzzola Josef erzählte mir von ihm folgende Geschichte.
Einst war ds Häischi in Gletsch am Arbeiten. Da kam ein Engländer und fragte, wie lange er etwa bis hinein zum Gletscher zu laufen habe. ‚Etwa so eine Viertelstunde‘, lautete die Auskunft. Am Abend kam Herr Seiler zum Häischi und machte ihm Vorwürfe. Er solle doch nicht so die Leute anlügen. Jetzt komme da ein Engländer und tobe, dass er eine ganze Stunde bis zum Gletscher gebraucht habe, und der Arbeiter habe nur eine Viertelstunde angegeben. Ganz unschuldig antwortete ds Häischi: ‚Ja hört, Herr Seiler, der Engländer fragte mich, wie lange er bis zum Gletscher zu laufen habe. Ich dachte, er wolle wirklich laufen und schätzte, dieser grosse Mann mit den langen Beinen brauche doch nicht mehr als eine Viertelstunde.‘ Der Herr Seiler hatte seinen Spass daran und offerierte sogar eine Flasche, die ganz gerne genommen wurde.“
Von Elias Borter im Jahre 1961 erzählte Anekdote aus der Zeit vor 1929, in: Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, Ausg. 62, 1978, S. 295.
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„Zwei Studenten, mittelos, ohne einen Rappen Geld, kamen eines Tages nach Gletsch. Der Hotelier Seiler verköstigte beide mit Speis und Trank, und er stellte ihnen auch ein Nachtlager zur Verfügung, ohne ein Entgelt zu verlangen. Zum Dank hämmerten die Studenten gegenüber dem Grand Hotel Glacier du Rhône, hoch oberhalb der Furkastrasse, in einen Stein die Initialen J. S., und sie pflanzten gleichzeitig an der Unterseite des Steines einen Alpenrosenstock.
Später kam eine Zigeunerin nach Gletsch und machte folgende Prophezeiung: Wenn der Alpenrosenstock um den Stein herum zusammenwachse und sich so zu einem Kranz schliesse, dann sei Joseph Seiler nicht mehr unter den Lebenden. Und im Jahre 1929 wurde diese Prophezeiung zur Wahrheit. Auch hat sie noch gesagt, dass wenn die Initialen J. S. nicht mehr erkennbar wären, sich die Familie Seiler von den Besitztümern in Gletsch verabschiedet hätte. Und auch dies ist Wahrheit geworden.“
Von Simon Aellig, Eigentümer des Hotels Croix d' Or et Poste in Münster, mit Brief vom 19. Januar 2007 mitgeteilte Erzählung des „alten Meichtry“ aus Münster (der über Jahre in Gletsch als Winterknecht arbeitete) aus der Zeit vor 1929.
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„... the Spirit of Gletsch remained in the stalwart figure, the gentle movements, and the kindly face of Joseph Seiler. Quietly, unobtrusively, unobserved, he, behind the scenes, noticed everything, welcomed old friends and saw to it that they got the best of everything, while the crowd of passing tourists alighting from the constantly arriving motor posts and cars never wanted in vain. A wonderful organization: everything ordered to a nicety; a dozen sleeping in the house one night and a hundred the next, and the catering and service never strained. A Swiss Gesangverein in a char-à-banc and a party of shrill-voiced Americans in another vying as to which shall be heard; and Joseph unperturbed, courteous, low-voiced, seeing that everyone is attended to.“
Claude Wilson, Arzt und Präsident des Alpine Club, in: Alpine Journal, November 1929, Nr. 239, S. 400 f.
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„Ein steingrau karges Haus von aussen, knurrig den Stürmen und Schneefällen trotzend, die es es begraben wollen. Innen Wärme, Behagen, Wohlleben, Kunst. Breite Halle mit Sesseln, Plätze am Kamin, alte Schränke, alte Uhren, mit hohem Verständnis gesammeltes Gerät aus Urvätertagen. [...] Riesensäle, denn in der Hauptreisezeit trifft sich die Welt, wo Furka- und Grimselpass und Rhonetal zusammenstossen. [...] Dunkelrote Rosen schmücken Tafel und Kredenz. An den Flammen der Rosen und des roten Weines vorüber zielt das Auge auf das Gletscherungetüm.“
Anna Kappstein, in: Durch alle Welt, Heft 29, Juli 1931, S. 11.
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„Aufrichtiger Dank denen, die zur Rettung und Bergung der Verunglückten beigetragen, Fräulein Seiler, der Leitung und dem Personal des Hotels Rhonegletscher für die liebevolle Pflege ...“
Text einer von der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlichten Todesanzeige mit Datum 21. Juli 1934.
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„Gletsch [...] permet d' apprécier dans son très bon hôtel l' agrément d' un séjour calme et reposant ...“
Figaro vom 8. Juli 1935, Nr. 189, S. 2; 5. Spalte unten.
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„... bewahren der idyllischen Zeit der Postkutsche ein pietätvolles Andenken, ohne dadurch dem modernen Komfort Abbruch zu tun.“
Charakterisierung der beiden Häuser beim Rhonegletscher durch Eduard Seiler in einem Hotelprospekt um 1940.
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„Francisca Duarte, Herzogin und Herzog von Bragança Gletsch, 1938, 1939, 1940, 1941, 1943, 1944“
(autografischer Eintrag der portugiesischen Thronprätendenten, die jeweils gemeinsam mit der Fürstin von Liechtenstein und Erzherzogin von Österreich ihre mehrwöchige Sommerfrische in Gletsch verbrachten, im Gästebuch des Jahres 1944).
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Adelgonde de Bourbon et Bragança, Baronesse de Bardi, Infante de Portugal, 1942 - 43 - 44“
(autografischer Eintrag einer Tochter von König Michael I von Portugal, im Gästebuch des Jahres 1944)
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„Alois Prinz Liechtenstein 15.-18. VIII. 1944“
(autografischer Eintrag des Fürsten von Liechtenstein anlässlich eines der Besuche bei seiner Ehegattin Elisabeth und deren Verwandten und Freunden im Gästebuch des Jahres 1944).
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„Die von ihm geführten Gaststätten in Zermatt, Furka und Gletsch geniessen Weltruhm und trugen nicht wenig dazu bei, das Ansehen der Schweizer Hotellerie international zu heben.“
Oberst A. Gamma, langjähriges Mitglied des Zentralvorstandes des Schweizer Hoteliervereins, im Rahmen der Würdigung Hermann Seilers anlässlich dessen Rücktritts als Zentralpräsident, in: Schweizer Hotel-Revue vom 14. Juni 1945, Nr. 24, S. 1 ff.
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„La princesse de Liechtenstein, accompagnée de sa suite, est arrivée à l' hôtel Seiler à Gletsch, pour un séjour prolongé.“
Nouvelliste valaisan vom 10. August 1945, Nr.184, S. 3.
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„... à M. Eduard Seiler avec sa sincère amitié de toujours ...“
Widmung von Marie-Louise Ritz, 1918-1961 Verantwortliche des Pariser Ritz und jahrzehntelang Stammgast im Glacier du Rhône, auf einem Buchexemplar der Cäsar Ritz-Biografie am 18. Juni 1948.
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„... délicieux jours ...“
(autografischer Eintrag von Marie-Louise Ritz nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Gästebuch des Jahres 1948).
„Möge ihm [...] der Zug zu einer inneren, wahren Gastfreundschaft, die den Gästen in Gletsch immer wieder zuteil wurde, noch lange beschieden sein!“
Werner Kämpfen, Direktor der Schweizerischen Verkehrszentrale (Schweiz Tourismus) in Zürich, Leiter des Touristikkomitees der OECD und später Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen PTT, in seiner Geburtstagsadresse, in: Basler Volksblatt vom 28. April 1956, Nr. 100, S. 2; 4. Spalte.
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„Merci de votre chalereux accueil. Marta Casals Pablo Casals“
(autografischer Eintrag im Gästebuch des Jahres 1958).
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„Die letzten Jahre, die ihn als klugen und weitsichtigen Hausherrn in seinen Gletscher Hotels sahen, ...“
Vaterland vom 19. August 1961, Nr. 191, S. 6; 2. Blatt; 4. Spalte oben, im Nachruf auf Hermann Seiler.
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„Er verstand es, Tradition und Fortschritt glücklich zu verbinden.“
Bund vom 20. August 1961, Nr. 351, S. 4; 2. und 3. Spalte Mitte, im Nachruf auf Hermann Seiler.
„ ... die Güte selber und die Menschenfreundlichkeit in Person ...“
Peter von Roten, Ehemann der Iris von Roten, in seinem Nachruf auf Hermann Seiler, in: Walliser Bote vom 21. August 1961, Nr. 93, S. 1.
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„ ... wie hing er [...] an den Mitarbeitern, die ihm Gutes getan [...]!“
Bojen Olsommer, Chefredaktor der Zeitschrift Treize Etoiles, im Nachruf auf Hermann Seiler (Ausgabe vom 20. September 1961, Nr. 9, S. 39).
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„ ... un travailleur patient et méticuleux.“
Paul de Rivaz, Grossrat und Historiker, über Herman Seiler als Staatsmann und Unternehmer, in: Vingt-cinq ans de la vie politique du Valais contemporain (1906-1932); pages inédites présentées par Michel Salamin, in: Annales valaisannes. - Saint-Maurice. - Série 2, t. 13, année 40, 1965, S. 446; auch in: Mélanges publiés à l'occasion du cent cinquantième anniversaire de la réunion du Valais à la Suisse (1815-1965), Saint-Maurice, 1965, S. 446.
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„Très Cher Ami, ...“
An Eduard Seiler gerichtete Anrede in der Korrespondenz der 1970er Jahre zwischen diesem und seinem Freund Charles C. Ritz, dem Sohn von Cäsar Ritz und Verantwortlichen des Pariser Ritz seit 1961.
„Il faut [...] y passer au moins une nuit. C' est une atmosphère tout à fait unique. Sombre, boisé, les murs ornés de quantité de bois de cerfs et de chamois, c' est l' allure d' une sorte de rendez-vous de chasse pour un film de Orson Welles, ou un roman de Conan Doyle.“
Louis Gaulis und Reneé Creux: Pionniers Suisses de l' hôtellerie, Paudex 1975, S. 110.
„ ... stilvoll geführte Betriebe in Gletsch und Küsnacht zeugten von seinem [Eduard Seilers] unternehmerischen Können ...“
Neue Zürcher Zeitung vom 19. März 1976, Nr. 66, S. 38.
„La lotta continua per il comunismo.“
Graffito eines 17- oder 18jährigen italienischen Schulabgängers, der in Gletsch eine Zeit als Kellnerlehrling arbeitete (zitiert in: Neuen Zürcher Zeitung vom 28./29. September 1996, Nr. 226, S. 79); zum verstehensnotwendigen politischen und ökonomischen Kontext der 1970er Jahre *]; zur journalistischen Qualität der Schreibe *]; vgl. zur substanzjournalistischen Konsistenz die vorgehenden und nachgehenden Statements in der gleichen Zeitung, insbesondere jene des langjährigen Westschweizer Korrespondenten des Weltblattes, der in Gletsch und Zermatt regelmässig Gast war.
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„ ... die Gastfreundschaft – die Freundschaft zum Gast – im Mittelpunkt stand ...“
„Die gediegene und im Grund tief religiöse Haltung ist am besten aus seinen literarischen Arbeiten spürbar. ‚Le style, c’ est l’ homme‘ – das Wort trifft hier zu.“
Werner Kämpfen, Direktor der Schweizerischen Verkehrszentrale (Schweiz Tourismus) in Zürich, Leiter des Touristikkomitees der OECD und später Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen PTT, über das Glacier du Rhône und Eduard Seiler, in: Walliser Bote vom 3. August 1976, Nr. 178, S. 3.
„[Joseph Seiler] verlieh dem Hotel einen eigenen Zauber, indem er es mit alten Walliser Möbeln, Buffets, Schränken, Truhen und kostbarem Zinngerschirr ausstattete. Noch heute hat das Glacier du Rhône den Charme der Belle Epoque, eine ‚heimelige‘ Atmosphäre, die noch gehoben wird durch die diskret-liebenswürdige Art der Leiterin Rosemarie Seiler.“
Neue Zürcher Zeitung vom 31. August 1978, Nr. 201, S. 30 (der Westschweizer Korrespondent nach einem Aufenthalt im Hotel Glacier du Rhône).
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„ ... c’ est ma santé.“
Germaine Gillioz, Gouvernante der Bel Etage und hochgeschätzte Doyenne unter den Mitarbeitenden, auf die Frage eines Journalisten hin, weshalb sie von 1927 an - abgesehen von einem fünfjährigen Unterbruch - jedes Jahr und so noch 1979 für die Sommersaison nach Gletsch gekommen sei (Walliser Volksfreund vom 7. September 1979, Beilage Spektrum, Nr. 37, S. 6).
„... stilvolle Tradition ...“
Neue Zürcher Zeitung vom 4. August 1980, Nr. 178, S. 9 (der Westschweizer Korrespondent nach einem Aufenthalt im Hotel Glacier du Rhône).
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„... for the generous hospitality at the Gletsch Hotels much gratitude is owed to Miss R. Seiler and her staff.“
Fritz Müller, Professor für Geografie an der ETH Zürich, im Zusammenhang eines Forschungsprojekts am Rhonegletscher, in: Geography in Switzerland. La Géographie en Suisse. Geographica helvetica. Schweizerische Zeitschrift für Geographie und Völkerkunde, Ausg. 35, No. 5, Zürich 1980, S. 68.
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„... l' hôtel de Gletsch se révélant être l' un des musées les plus riches que l' on puisse rencontrer dans la région. Les murs et les couloirs regorgent de souvenirs rares et bien conservés. Presque toutes les pièces sont meublées en style ancien. Une grande partie du mobilier de Kaspar Jodok von Stockalper, le seigneur du Simplon, orne les chambres, salons et salles à manger du vénerable hôtel.“
Construire vom 25. Februar 1981, Nr. 9, S. 1.
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„Die Übernachtung erfolgte im Hotel Seiler in Gletsch, diesem stilvollen Passhotel aus der Belle Epoque, in der englische Lords, Fürsten und Prinzen die Alpenpässe bereisten.“
Nationalrat Erwin Akeret über einen Etappenaufenthalt der parlamentarischen Geschäftsprüfungskommission, in: Erlebtes Parlament. Notizen eines Schweizer Parlamentariers, Frauenfeld 1984, S. 45.
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„... zustande brachten, aus den Steinen und Geröllen Geborgenheit und feudale Verwöhntheit zu zaubern ...“
Peter von Roten, in: Walliser Bote vom 3. August 1984, Nr. 179, S. 5.
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„La dernière saison de la dame de Gletsch. ‚Le moment est venu pour moi d' accepter le changement. Il me faut tourner la page, passer d' un siècle à l' autre, reconnaître que tout a changé, les touristes aussi. Je le fais le coeur brisé.‘ Ce sera le seul épanchement de Rosemarie Seiler, toute de retenue et d' amère dignité.“
„Nostalgiques de la grande tradition hôtelière, de l' austère flamboyance de l' hôtel construit en 1860 et agrandi au fil des ans, courez vite à Gletsch pour un dernier pèlerinage sentimental! L' an prochain, vous ne retrouverez ni les meubles Renaissance du Haut-Valais, ni les tentures pourpres ourlées de dentelles champagne, ni les huiles de Herzing, cet artiste de Leipzig séduit par les Alpes, ...“
Nicole Métral, in: 24 heures vom 7. August 1984, Nr. 182, S. 18.
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„... Denkmal einer heroischen Zeit und einer pionierhaften Familie [...] Natürlich: auch das Schöne muss sterben. Aber ...“
Peter von Roten über das Glacier du Rhône kurz nach seinem letzten Besuch vor der Betriebsschliessung, in: Walliser Bote vom 14. September 1984, Nr. 214, S. 5.
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„ ... eine schöne Zeit.“
Simon
Kalbermatten, Concierge und Maurermeister, über seine 52 Sommersaisons
in Gletsch, im Gespräch mit einem Journalisten auf dessen Fragen hin,
in: Walliser Bote vom 17. September 1984, Nr. 216, S. 12.
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„... die mit dem Glauben an eine gute Sache für dieses Unternehmen einstand und es über Jahrzehnte - in guten und schlechten Jahren - betrieb und immer wieder zum Erblühen brachte.“
Walliser Bote vom 17. September 1984, Nr. 216, S. 12, am Nachtag der Hotelschliessung über die Familie Seiler.
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„Was er [Peter Mäder, neun Sommersaisons Chef de réceptionin Gletsch] nun anfängt? Er wusste es noch nicht: eine Atmosphäre wie im Glacier du Rhône wird er jedenfalls kaum wieder finden.“
„Hermann Seilers Tochter Rosemarie [...] führte das Hotel [...] im alten Stil weiter: ein Haus, wie es wohl kein zweites mehr gibt.“
„Ein Abendessen im spiegelglänzenden Speisesaal aus der Belle Epoque, serviert von höflichen Kellnern, ist noch ein Ereignis gewesen. Doch kein Postillon bläst mehr ins Horn, kein Hufgetrappel ertönt mehr von der Windungen der Grimsel- und der Furkastrasse.“
Marcel Schwander (nach einem Besuch in den Wochen vor der Betriebsschliessung), in: Tages-Anzeiger vom 25. September 1984, Nr. 223, S. 53.
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„Keine Nachlässigkeit, nicht in der letzten Stunde, Stil war die Qualität des Hauses, Stil im Bau, Stil in der Pflege, ...“
„Schroff abweisend wirkte der Bau nach aussen, aus wetterhartem Gemäuer, sturmbewährt, aber voll Wärme und Weichheit des Herzens im Innern, ...“
Markus Mäder (nach einem mehrtägigen Besuch in den Wochen vor der Betriebsschliessung), in: Weltwoche vom 6. Dezember 1984, Nr. 49, S. 53.
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„Im Herbst 1984 war ein Botschafter aus der Bundesrepublik Deutschland mit seiner Gattin bei uns zu Gast. Wir empfahlen den beiden, nach Gletsch zu fahren und im grossen Saal des Glacier du Rhône das Mittagessen einzunehmen. Das taten sie denn auch und bestellten das ganze Menu. Die Suppe wurde an den Tisch gebracht, als die Dame für kurze Zeit den Saal verlassen hatte. Sogleich kehrte die Schüssel in die Küche zurück, und wenige Minuten später, nachdem die Ehegattin des Botschafters wieder Platz genommen hatte, servierte der Kellner diesen ersten Gang ein zweites Mal, ohne dass die Speise auch nur ein wenig erkaltet wäre. Unsere Gäste waren überwältigt vom perfekten Service.“
Von Simon Aellig, Eigentümer des Hotels Croix d' Or et Poste in Münster, mit Brief vom 19. Januar 2007 mitgeteilte Begebenheit vom Tag vor der Betriebsschliessung im September 1984.
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„... die Wärme, mit der die Passgäste in den Räumen einst empfangen wurden.“
Peter Hahn, Reisejournalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, über die Atmosphäre im Glacier du Rhône bis 1984
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„Ich träume. Mittelpunkt des Traums: ein Kurhaus. Es ist ein grosser Kasten aus dem vorigen Jahrhundert, wie das Glacier du Rhône in Gletsch ...“
Guntram Vesper: Fortdauer des Augenblicks, in: Magie der Heiterkeit. Ernst Jünger zum Hundertsten, hrsg. von Günter Figal und Heimo Schwilk, Stuttgart 1995, S. 284.
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„... eine Person war mit dem täglichen Reinigen des Silberbestecks beschäftigt, und ein Maler besserte täglich Kratzer und Flecken an Wänden und Türen aus.“
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„Schweren Herzens lassen wir ihn gehen und danken ihm für die wunderbare Zusammenarbeit während der vergangenen zehn Jahre, welche uns in bester Erinnerung bleiben.“
Die Geschäftsleitung des Club im Zürcher Baur au Lac auf ihrer Homepage im Juli 2007 anlässlich der Pensionierung von Franco Naredi, von 1961 an 19 Sommersaisons im Grand Restaurant des Glacier du Rhône in Gletsch und - auf der Grundlage dieser Ausbildung - von 1997 bis 2007 Chef des restaurantsin der ausschliesslich Mitgliedern und deren persönlichen Gästen zugänglichen Institution des Zürcher Hauses (welches zu den zehn weltweit führenden Stadthotels gezählt wird).
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„... grosszügig ...“
Hanny Fries, Malerin und Zeichnerin, zeitweise Lebenspartnerin des Schriftstellers Ludwig Hohl, über Eduard Seiler als Gastgeber in Gletsch und Küsnacht in den 1950er Jahren (in einem Telefongespräch im Sommer 2007).
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„... der beste Maître d' hôtel und Lehrer, den ich je kannte.“
„... Germaine? ... una dea.“
Franco Naredi über seinen Lehrer und Förderer im Glacier du Rhône, den Maître d' hôtel Hans Schmid, und über die Zimmergouvernante der Bel Etage, Germaine Gillioz, mit mehr als 50 Sommersaisons in Gletsch Doyenne unter den Kadermitarbeitenden (in einem im Herbst 2008 aufgezeichneten Gespräch).
„... zwei der originellsten Gäste der ausgehenden 1960er Jahre: der deutsche Wirtschaftspionier [und grösste europäische Produzent von Radioempfangsgeräten] Max Grundig. Er bezog jeweils das für seinen Chauffeur reservierte Zimmer ohne fliessendes Wasser im Blauen Haus, der Chauffeur wohnte in der Bel Etage des Haupthauses. Kardinaldekan Eugène Tisserant, der inkognito aus dem Vatikan anreiste und die Schweizer Bischöfe en suite im Salon de lecture empfing.“
Franco Naredi (in einem im Herbst 2008 aufgezeichneten Gespräch).
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„... und Hotel Seiler. Dort haben meine Frau und ich übernachtet, kurz vor der Schliessung. Das beste Fondue, das ich je gehabt habe.
Grüsse, Ueli“
(schriftlicher Kommentareintrag des Jahres 2008 zu einem Diascan, welcher die Hotelsiedlung im Jahre 1976 zeigt, auf der Website von Panoramio).
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„Dr. Eduard Seiler personnifiait le parfait hôtelier traditionnel.“
„Il était un exemple, j' en garde un excellent souvenir.“
Albert Ostertag, während Jahrzehnten Chef Concierge im Hotel Baur au Lac in Zürich, Präsident der Schweizerischen und der internationalen Concierge-Vereinigung ‚Les Clefs d’ Or‘ (in einer schriftlichen Hommage im Jahre 2009).
Interieur. *] Joseph Seiler gestaltete die Innenräume des Hauses seit den 1890er Jahren nach dem Stilkonzept eines eklektizistischen Renaissance Revival und Baroque Revival (im Sinne etwa des renommierten viktorianischen Architekten Harold Peto). Die private, im Laufe der Jahre vergrösserte Sammlung von vornehmlich Walliser Möbeln und anderen Antiquitäten des 17. und 18. Jahrhunderts schmückte Säle, Salons und Korridore. Während seiner Aufenthalte in London hatte der Hotelier diesen damals modernen Einrichtungsstil kennen gelernt, der dem Geschmack seiner aristokratischen und bildungsbürgerlichen englischen Klientel entsprach.
In den 1930er Jahren wurde von Eduard Seiler die Stilmischung im Zusammenhang mit dem puristischeren Stilempfinden der Zwischenkriegszeit, und zumal auch der Heimatstilbewegung, in eine umfassender spielerisch-theatralisch historisierende Komposition überführt.
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Die um 1900 entstandene Fotografie zeigt den Speisesaal mit den Tables d’ hôte und den damals üblichen Bugholzstühlen. Er befindet sich im nordöstlichen vor 1892 erstellten Gebäudeteil (vgl. zur Datierung Anton Gattlen: Druckgrafische Ortsansichten des Wallis, Bd. 2, Brig 1987 ff., S. 346, Nr. 4721). Die Fenster sind zwecks Mehrung des Lichteinfalls während der Aufnahme sperrangelweit geöffnet. Vor den Fenstern rote, mit kostbaren breiten St. Galler Stickereibordüren besetzte Vorhänge der 1890er Jahre. An den Zwischenwänden bedeutende Walliser Buffets des 17. und 18. Jahrhunderts; auf diesen antikes Zinngeschirr (vornehmlich Kannen). An den Wandflächen über den Buffets Ölbilder (mehrheitlich Stillleben) des italienischen Barock. In der Mitte der Querwand im englisch-französischen Stil ein Kamin, auf dem Sims Leuchter und eine Kaminuhr, darüber ein mit Akanthusblättern beschnitzter hoher Florentiner Barockspiegel, der Tische und Deckenleuchter widerspiegelt. Links hiervon ein weiteres Buffet, mit acht beschnitzten Türen; darauf dicht arrangiert Walliser Zinnteller. Der Parkettboden ist aus Kirschholz. Vor den beiden mittleren Fenstern wartende Kellner im Frack.
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Der grosse Speisesaal in den 1970er und 1980er Jahren. Der Service par petites tables an einer Vielzahl verschieden grosser Tische trat in den 1920er Jahren an die Stelle jenes an den langen Tables d' hôte. Seit Beginn der 1930er Jahre wurden kunsthandwerklich weniger bedeutende zeitspezifische Elemente des Belle Epoque-Interieurs ersetzt, die wertvollen originalen des 17. und 18. Jahrhunderts durch im Barockstil elegant historisierende (holländische Deckenleuchter, farblich hervorgehobene Architrave, geschnitzte Supraporten, eine barockisierende Bestuhlung) ergänzt und das Ensemble insgesamt so komponiert, dass es der von Cäsar Ritz initiierten intimeren Grand Restaurant-Interpretation und dem privateren Lebensstil der Zwischenkriegszeit entsprach.
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Die Ausprägung des Interieurs in den 1930er Jahren erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Architekten Hermann Schneider, der den Bauhausstil beherrschte (das Hotel Rigihof in Zürich entstand auf seinem Reissbrett), aber auch spielerisch historisierende Stilarten (in St. Moritz schuf er für Hans Badrutt die Chesa Veglia, in Klosters die Chesa Grischuna, in den 1940er Jahren für Eduard Seiler die Berner Ermitage und um 1950 jene in Küsnacht im modernistisch moderierten Heimatstil). Schneider wurde von Hermann Seiler in dessen Funktion als Zentralpräsident des Hoteliervereins mit der Planung und Erstellung der Bauten des Schweizer Gastgewerbes an der Landesausstellung 1939 betraut.
Der Walliser Aristokrat, Querdenker und Nonkonformist Peter von Roten, Ehemann der Iris von Roten, Nationalrat und Präfekt von Raron, sah im Interieur des Glacier du Rhône, wie es sich den Gästen im Jahre 1984 darbot, „den unsagbaren Reiz“ eines der „einzigartigsten Nostalgiebeispiele unseres Landes“ (Kolumne im Walliser Boten vom 14. September 1984, Nr. 214, S. 5; vgl. auch in der gleichen Zeitung die Kolumne vom 3. August 1984, Nr. 179, S. 5).
Mitarbeitende. ‚Bespielt‘ wurde der in Anlehnung an englische Vorgaben konzipierte Saal nach dem Zweiten Weltkrieg von den Maîtres d’ hôtel Hans Schmid, früher in der gleichen Charge winters im Old Winter Palace in Luxor am Nil (wo beispielsweise die britischen Premierminister Neville Chamberlain und Winston Churchill in der Zwischenkriegszeit seine Stammgäste waren) und sommers im Luzerner Schweizerhof, sowie dessen Schüler Franco Naredi, 19 Sommersaisons in Gletsch und - auf der Grundlage dieser Ausbildung und Arbeit - zuletzt zehn Jahre lang verantwortlicher Chef des restaurants im Club des Zürcher Baur au Lac, dem wohl exklusivsten Ensemble von Restaurants der Schweiz.
Die Küche stand in den 1960er Jahren unter der Leitung von Giovanni Fasola, später Privatkoch der italienischen Industriellenfamilie Agnelli in St. Moritz, und in den folgenden Jahrzehnten unter jener von Karl Pfeffer und dessen Sous-chef Saadi, die im Winter in Klosters für Prinz Charles von England kochten.
In den 1970er Jahren waren im Glacier du Rhône rund 80 und im folgenden Jahrzehnt bis 1984 noch fünf Dutzend Mitarbeitende beschäftigt, von denen schätzungsweise 80–90% fünf und mehr Saisons, die qualifiziertesten mehrere Jahrzehnte und einige der besten länger als ein halbes Jahrhundert auch in Zeiten extremer gastgewerblicher Personalknappheit in der Schweiz Jahr für Jahr mit einem neuen Vertrag nach Gletsch zurückzukehren sich entschieden.
Gäste. So genügte unter der Ägide von Hermann Seiler und seinen Nachkommen das Glacier du Rhône (und zumal dessen Grand Restaurant) bis 1984 den Ansprüchen eines grossen Kreises von Aficionados der distinguierten Schweizer Traditionshotellerie. Zu diesem gehörten die Fürstenfamilie von Liechtenstein, die Infantin von Portugal und Herzogin von Guimarães, die Herzöge von Bourbon und von Bragança, die Grafenfamilie Visconti, Kardinaldekan Tisserant, Leiter der vatikanischen Bibliothek und des vatikanischen Geheimarchivs, die Londoner Rothschilds, Marie-Louise Ritz, die Ehegattin von Cäsar Ritz, und Pablo Casals mit seiner Gattin Marta. *]
Intention. Die Fortführung der „stilvolle[n] Tradition“ (Neue Zürcher Zeitung vom 4. August 1980, Nr. 178, S. 9) wider den Zeitwandel mit nach Qualifikation und Zahl entsprechendem Aufwand an Mitarbeitenden bis im Herbst 1984 war eine bewusste – aber notwendig zeitlich begrenzte – Hommage an ein „Familienvermächtnis von europäischem Ruf“, laut Fred Ammann, Hotelfachmann, regelmässiger Mitarbeiter der Tourismusbeilage der Neuen Zürcher Zeitung und in Gletsch oft zu Gast, in Anbetracht der zunehmend entgegenstehenden äusseren Gegebenheiten hotelunternehmerisch „bravourös“ (Schweizer Gastgeberfamilien, Folgeheft 14, Biel 1980, S. 17; rezensiert in: Neue Zürcher Zeitung vom 13. November 1980, Nr. 265, S. 66).
[ Zur seit den 1920er Jahren im Kreis der Familie geleisteten hotelbetriebswirtschaftlichen Reflexion in der Wahrnehmung eines führenden Tourismusfachmannes wie des Direktors der Schweizerischen Verkehrszentrale (Schweiz Tourismus) in Zürich, Leiters des Touristikkomitees der OECD und späteren Verwaltungsratspräsidenten der Schweizerischen PTT, Werner Kämpfen]
Sonderfaktoren. Eine Reihe aussergewöhnlicher Faktoren ermöglichte diese Leistung: die reflektierte Bereitschaft der Aktionäre, jahrzehntelang weitestgehend auf Renditen aus dem Hotelbetrieb und der Immobilien Gletsch AG insgesamt zu verzichten; die hervorragende Motivation, fachliche Kompetenz und Treue vieler Mitarbeitender; die Führung des Unternehmens ausschliesslich auf Eigenkapitalbasis; die finanzielle Unterstützung der gastgewerblichen Betriebe durch nichtgastgewerbliche Nebenbetriebe ( Elektrizitätswerk, Eisgrotte, Tankstelle); die Bereitschaft Hermann Seilers und später aller seiner zehn Erben, die gesamte private Antiquitätensammlung als unentgeltliche Leihgabe unter der Auflage angemessener Betriebsführung und Beachtung kunstkonservatorischer Notwendigkeiten dem Hotelbetrieb zur Verfügung zu stellen; eine grosse Zahl anspruchsvoller (und auch weniger anspruchsvoller) mitunter über Jahrzehnte hin wiederkehrender Stammgäste.
Sozialer Aspekt. Auf der Grundlage der genannten Sonderbedingungen wurde in den 1970er und 1980er Jahren im Glacier du Rhône ein Umsatz generiert, der die branchenübliche oder bessere Entlöhnung von rund 80 bzw. 60 Mitarbeitenden erlaubte. 1.*] 2.*] 3.*] 4.*]
Beschränkung auf eine kurze Sommersaison. Zur Aufgabe des Hotelbetriebs in der Tradition der Schweizer Grande Hôtellerie im Herbst 1984 bewog in erster Linie die lage- und witterungsbedingte Beschränkung der jährlichen Wertschöpfungsphase auf dreieinhalb Sommermonate (90 bis 110 Tage) an diesem Ort (vgl. oben A.).
Lancierung des Zermatter Sportwinters. Es war Hermann Seiler, seit Mitte der 1920er Jahre aus Gründen familialer Solidarität Alleineigentümer des Hotelunternehmens beim Ursprung der Rhone, der am Fusse des Matterhorns als Generaldirektor und einer der Hauptaktionäre des Schwesterunternehmens [ Prospekt der Hotels Seiler Zermatt in den früheren 1920er Jahren] diese Einschränkung „mit ausserordentlichem Wagemut und Weitblick“ (Franz Seiler, bis 1966 Nachfolger seines Onkels an der Spitze der Zermatter Hotelgesellschaft wie auch des Schweizer Hoteliervereins, im schriftlichen Nachruf vom 29. August 1964) durchbrach: im Dezember 1927 lancierte er noch vor Bestehen einer durchgehenden Zugverbindung oder Strasse die erste Wintersaison.
Die Gebrüder Alexander und Hermann Seiler kämpften seit den 1890er Jahren um die Ermöglichung eines Zermatter Sportwinters (vgl. z.B. die Ankündigung eines Versuchs Alexander Seilers des Jüngeren in den Wintermonaten 1892/93, der ohne Erfolg blieb, in der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Oktober 1892, Nr. 281, zweites Blatt, Seite 2, rechte Spalte oben). Eines der Haupthindernisse bildete der im Winter schwierige Zugang durch das Mattertal. Die Eisenbahnstrecke von St. Niklaus bis Zermatt war lawinengefährdet, weshalb der Betrieb auf der gesamten 37 Kilometer langen Strecke zwischen Visp und Zermatt nur im Sommerhalbjahr aufrecht erhalten wurde. Die Bahngesellschaft war nicht bereit, die für einen Winterbetrieb notwendigen Investitionen (im Jahre 1908 geschätzt auf 2 Mio. Fr., nach heutigem Geldwert etwa 20 Mio. Fr.) vorzunehmen, da die Verantwortlichen an der Tauglichkeit Zermatts als Wintersportplatz zweifelten und die Risiken als zu gross erachteten. Der Ausbau des Saumwegs durch das Tal von Visp bis St. Niklaus zu einer Fahrstrasse erfolgte erst Mitte der 1930er Jahre.
Im Winter 1927/28, zu einem Zeitpunkt, als sich weltwirtschaftlich eine Festigung abzeichnete und der internationale Tourismus wieder aufblühte, schuf Hermann Seiler deshalb eine vollendete Tatsache. In einem ersten Schritt liess er eines der sieben Seiler Hotels wintertauglich umbauen, lud 180 englische Sommerstammgäste zu einem Sportwinter ein und bereitete mit führenden Zermattern wie Otto Furrer, dem späteren Weltmeister in der alpinen Kombination, ein umfassendes Sport- und Unterhaltungsangebot vor. Am Ankunftstag transportierte er seine Gäste, die mit einem Extrazug nach St. Niklaus gelangten, von da in 50 Pferdeschlitten, die im ganzen Tal requiriert worden waren, in mehrstündiger Fahrt zum Hotel Victoria im Matterhorndorf.
Die Mitglieder des Verwaltungsrats der Visp-Zermatt Bahn begaben sich vor Ort. Sie liessen sich vom sichtlichen Erfolg dieses probeweisen Zermatter Sportwinters überzeugen und veranlassten die für einen Winterbetrieb der Bahn notwendigen Arbeiten.
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Auf die folgende Wintersaison 1928/29 hin boten die Seiler Hotels in den nunmehr schon drei für den Winterbetrieb eingerichteten Häusern Mont-Cervin, Victoria und Beau-Site 520 Gästebetten an, wie dem Textteil dieses Prospektes zu entnehmen ist.
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Mehrere Wochen vor Saisonbeginn 1928/29 machte die in Paris erscheinende Tageszeitung Figaro ihre Leser auf die guten Witterungsverhältnisse und den Erfolg des probeweisen Sportwinters ein Jahr früher aufmerksam: „Les résultats obtenus l' an dérnier on fait d' emblée le succès incontestable des saisons d' hiver à Zermatt.“ (Ausgabe vom 11. November 1928, Nr. 316, S. 2; 6. Spalte unten.)
Die Bahn fuhr vom 21. Dezember 1928 an während fünf Wochen, wenn die Witterungsverhältnisse es zuliessen, einmal täglich bis nach Zermatt. (Die Einführung des Ganzjahresbetriebes wurde erst zweieinhalb Jahre später beschlossen: vgl. Neue Zürcher Zeitung vom 18. August 1931, Nr. 1568, Blatt 6.)
Dem skisportbegeisterten Publikum in der Schweiz wurde zur Kenntnis gebracht: „Am 21. Dezember 1928 tritt Zermatt mit einem Schlag in die Reihe der Wintersportplätze ein. [...] So wird das grosse Bergdorf am Fusse des Matterhorns auch im Winter zum ersten Male mit der Aussenwelt in Berührung bleiben.“ (Ski. Korrespondenzblatt des Schweiz. Ski-Verbandes vom 21. Dezember 1928, Nr. 6, S. 131.)
Die Neue Zürcher Zeitung sah eine Woche darauf, in ihrer Ausgabe vom 28. Dezember 1928 (Nr. 2438, Blatt 5), die Pioniertat Hermann Seilers als eine Fortsetzung jener seines Vaters, Alexanders des Älteren: „Das grosse Werk, das der in der Geschichte unserer Hotellerie bahnbrechende ‚Papa‘ Seiler einst durch die Gründung des Sommerkurortes Zermatt begonnen hatte, ist in diesen Tagen durch eine durchaus logisch sich anreihende neue Tat seines Nachkommen gekrönt worden.“
Einen Monat nach Beginn der ersten regulären Wintersaison meldete die London Times vom 18. Januar 1929 (Nr. 45, 104, S. 15): „The first regular winter season at Zermatt (5.315ft.) was opened on December 21, when thanks to the initiative and energy of Dr. H. Seiler, three hotels, newly fitted with central heating – Mont Cervin, Victoria, and Beau Site – were opened to visitors. At the same time, and for the first time, a daily service was inaugurated on the Visp-Zermatt railway. So far, this season is a success, and the numerous visitors are enjoying the beautiful weather and excellent air. Ice rinks and tobogganing runs have been arranged, and the neighbouring fields and slopes afford good skiing for beginners. Expert skiers use the Zermatt-Riffelalp railway – on which regular services have now been organized – and make excursions on the Gornergrat ridge, on the Gorner glacier, and to the Betemps Hut (9.190ft.), coming back by the Findelen valley.“
Vier Wochen später bestätigte die gleiche Zeitung ihren Lesern die erfolgreiche Durchführung des Sportwinters: „Zermatt's first regular winter season has definitely been a success. The hotel accommodation and catering have been excellent and indoor and outdoor sport has been well organized. And there has been glorious weather since the beginning of the year. Zermatt will unquestionably become one of the leading high alpine ski-ing resorts in Switzerland.“ (Ausgabe vom 16. Februar 1929, Nr. 45, 129, S. 15.)
Die Neue Zürcher Zeitung meinte am 5. April 1929 (Nr. 647, Blatt 5) in einer abschliessenden Übersicht zur Wintersaison 1928/29 in den schweizerischen Fremdenorten, „der Beweis, dass Zermatt sich als Wintersportplatz e i g n e t [Sperrung durch die Zeitungsredaktion]“, sei als „endgültig“ erbracht zu betrachten.
Nachdem der probeweise und im darauffolgenden Jahr der erste reguläre Sportwinter mit Erfolg durchgeführt worden waren, galt es, möglichst rasch den grossen Rückstand des Matterhorndorfes an wintertouristischer Infrastruktur und internationaler Reputation als Wintersportort gegenüber seit Jahrzehnten etablierten Winterferiendestinationen im Bündnerland und Berner Oberland aufzuholen – von 1931 an trotz Weltwirtschaftskrise. Der Wintersportler in London oder Paris war – mit guten Gründen – zu bewegen, nicht nach St. Moritz, Davos, Arosa, Grindelwald oder Mürren zu fahren, sondern nach Zermatt zu kommen.
Die frühe Zermatter Wintersaison beruhte somit nicht nur im Jahr der Lancierung, sondern auch in der Folge Jahr für Jahr auf grossen organisatorischen, baulichen und werbemässigen Anstrengungen, die von der Leitung der (mit mehr als der Hälfte aller vom Hotelierverein homologierten Gastbetten) marktführenden Hotelgesellschaft selbst, unter deren Ägide oder auf deren Anstoss hin geleistet wurden.
Hierzu gehörte der kontinuierliche Aufbau der Skischule und des Angebots an zahlreichen weiteren Sportmöglichkeiten wie Hochgebirgsskitouren, Skilanglauf, Schanzenspringen, Eislauf, Curling, Eishockey, Skijöhring, Pferdeschlittenfahrten, Tailing Parties, Schlittelbahnen und wintersicheren Wanderwegen. Beliebt und nachgefragt war in der Zwischenkriegszeit eine bunte und dichte Palette von Kursen, Wettbewerben und unterhaltenden Veranstaltungen verschiedenster Art und auf allen Niveaus. Die laufende Verbesserung der Abfahrtsrouten und Sportanlagen auf der Grundlage von eigenen Beobachtungen und Erfahrungen [ Illustration: Auszug aus einem Memorandum des in St. Moritz tätigen Rechtsanwaltes Andreas Seiler, des ältesten Sohnes von Hermann, über Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich Skiabfahrten (nach 1932)], unzähligen Gesprächen mit Gästen und Ratschlägen in den jeweiligen Sportarten renommierter Persönlichkeiten aus der Schweiz und dem Ausland bildeten Voraussetzungen für das Gedeihen der noch jungen Wintersaison. Ebenso die sukzessive Sicherung, Regularisierung und Erweiterung des Bahnbetriebs zwischen Zermatt und dem Rhonetal wie auch Richtung Gornergrat
Die Visp-Zermatt Bahn (in deren Verwaltungsrat Hermann Seiler die Hotelgesellschaft und die Familie vertrat) wurde 1929 elektrifiziert, im folgenden Jahr die Schienenstrecke von Visp nach Brig eröffnet. Die Notwendigkeit von Schutzbauten verdeutlichte ein Unterbruch der Strecke im Mattertal durch Lawinenniedergänge anfangs 1931. Im Jahr darauf verpflichtete sich der Kanton, die Arbeiten zur Hälfte zu subventionieren; im Gegenzug führte die Visp-Zermatt Bahn den Ganzjahresbetrieb ein.
Nicht vor der Saison 1938/39 konnten die Züge der Gornergratbahn im Winter bis Riffelberg fahren. Der Steilhang oberhalb von Riffelboden machte wegen der Lawinen und Schneeverwehungen die Erstellung einer 770 Meter langen Galerie am Riffelbord notwendig, mit deren Bau 1939 begonnen wurde. Einen Bahnbetrieb nach starkem Schneefall erlaubte die Anschaffung der ersten Schneeschleuder im Jahre 1944. Den ersten Skilift bekam Zermatt 1942, jenen Richtung Sunnegga; die erste Sesselbahn 1947. Erst Mitte der 1950er Jahre begann mit der Schwarzseeluftseilbahn die Erschliessung des südlichen Zermatter Skigebietes durch Aufstiegshilfen.
Nachfrageseitig unabdingbar für die Etablierung des Zermatter Sportwinters vor dem Zweiten Weltkrieg war offensive Überzeugungsarbeit gegenüber Sommerstammgästen, Vertretern der Presse, ausländischen Reisevertriebsorganisationen, Wintersportclubs und Wintersportartikelgeschäften. Die Cousins bzw. Brüder Emeline, Andreas und Eduard Seiler (eine der Töchter Alexanders des Jüngern und die beiden ältesten Söhne Hermanns) verbrachten auch noch in den 1930er Jahren jährlich im Rahmen mehrerer Reisen während des vierten Jahresquartals Wochen in London, Paris, Brüssel, Amsterdam, Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Leipzig und Dresden, um Kontakte mit Vertretern von Clubs und Reiseagenturen, Zeitungen und Zeitschriften zu knüpfen oder zu vertiefen. [ Illustration: Entwurf Eduard Seilers für die englische Winter-Marketingkampagne im Herbst/Frühwinter 1936, welche dem Sportwinter-Spitzenjahr der Zwischenkriegszeit (Januar bis April und November/Dezember) 1937 voranging (Allgemeines und Arbeitsprogramm in London)]
Mit hunderten von persönlichen Briefen und Privatbesuchen bei Sommerstammgästen im Ausland wurde für ‚Zermatt im Winter‘ geworben. Cocktailparties im Londoner Ritz dienten eigens dem Zweck, neue Wintergäste zu gewinnen und alte zu motivieren, nach Zermatt zurückzukehren (vgl. Emeline Zschokke-Seiler: Vierzig Jahre Ryffelalp, Basel 1974, S. 24).
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Einladung eines Zermatter Wintergastes zu einer Cocktailparty im Ritz in London anfangs Dezember 1934.
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Filmmatinéen über den Sportwinter mit begleitenden Vorträgen des Zermatter Skiweltmeisters Otto Furrer und Schaufensterreklamen in der Schweiz, in europäischen Hauptstädten und in den Vereinigten Staaten ergänzten das Werbeprogramm.
Vor Ort, im Matterhorndorf selbst, waren in Wahrnehmung der Marktführerschaft über Jahre und mit Nachdruck Anregungen für eine Werbung zu geben, welche die Entwicklung des Wintersportplatzes voranzubringen geeignet war. [ Illustration: Schreiben Andreas Seilers vom Oktober 1936 an den Präsidenten des Kurvereins mit Vorschlägen zu Werbeaktivitäten für die Skischule unter der neuen Leitung Otto Furrers]
Dass die unternehmerische Vitalität, die in jenen Jahren von der obersten Leitung der Seiler Hotels her zur Entfaltung gelangte, für das ganze Matternhorndorf bestimmend war, stellte etwa aus französischer metropolitaner Sicht der Figaro zu Beginn der 1930er Jahre heraus, wenn er in Hermann Seiler „le grand animateur de Zermatt“ erkannte (Ausgabe vom 19. August 1931, Nr. 231, S. 4; 4. Spalte Mitte).
Innerhalb eines Jahrzehnts gelang es Hermann Seiler als Generaldirektor der Hotels Seiler Zermatt mit der Unterstützung seiner Nichte Emeline und seiner Söhne Andreas und Eduard im internationalen Sportwinter-Marketing, den Prozentanteil der Zermatter Logiernächte des Winterhalbjahres an jenen des Gesamtjahres von weniger als 1% (vor 1927) bis auf 23% bzw. 31'500 Übernachtungen (im Jahr 1937) anzuheben - trotz Weltwirtschaftskrise, welche die touristische Entwicklung, zumal nach der Pfundabwertung 1931, allgemein sehr stark hemmte.
Erst zwei Jahrzehnte nach der Spitzen-Wintersaison der Zwischenkriegszeit, in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, übertraf die Zahl der Winterlogiernächte in Zermatt jene des Sommerhalbjahres. (Vgl. Alexander Perrig: Entstehung und Entwicklung der Hotellerie und des Fremdenverkehrs in Zermatt 1838-1970 [Druckfahnen eines unveröffentlichten Buches], ca. 1974, S. 170 f. und Diagramm 4.) Derzeit, acht Jahrzehnte nach der ersten Wintersaison, erwirtschaften die Seiler Hotels in dieser Jahreshälfte knapp 4/5 des Jahresumsatzes (im Geschäftsjahr 2006/07 79, 2%). Im Matterhorndorf insgesamt beträgt der Anteil im Winter gebuchter Logiernächte rund 3/5 des Jahrestotals bzw. 773'647 (im Halbjahr 2006/07).
Veranstaltung des ersten Schweizer Skikurses und Mehrung der Reputation durch Erfolge in Wettkämpfen. Als eine der Voraussetzungen für die Sportwinter am Fusse des Matterhorns musste gelten, dass die einheimischen Bergführer sich mit dem Skilauf anfreundeten und zu Skihochtourenleitern und Skilehrern ausgebildet wurden. Im Januar 1902 hatte Hermann Seiler als 26jähriger Präsident der Sektion Monte Rosa des Schweizer Alpenclub im Matterhorndorf den für den alpinen Skisport „in verschiedener Richtung bahnbrechend[en]“ (Neue Zürcher Zeitung vom 8. Februar 1952, Nr. 282 (6), Blatt 5) ersten Skikurs in der Schweiz organisiert. [ Weitere Literaturhinweise zu sportlichen Exploits von Mitgliedern der Familie]
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Die Teilnehmer des ersten schweizerischen Skikurses auf dem Gornergletscher. Victor de Beauclair, einer der beiden Kursleiter, und Hermann Seiler, Organisator der sechstägigen Veranstaltung, erscheinen auf der Fotografie als zweiter bzw. vierter von links. Der zweite Kursleiter, Albert Weber, von 1904 an erster Präsident des Schweizer Skiverbandes, machte die Aufnahme am 12. Januar 1902.
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Von grosser Bedeutung für die Entwicklung des jungen Wintersportplatzes war bis in den 1950er Jahren nicht nur das tatsächliche Können der Zermatter Bergführern als Skihochtourenleiter und Skilehrer, sondern auch deren damit einhergehende wachsende internationale Reputation, zumal die Wintertouristen sicher sein wollten, an diesem Ort valable Ausbildungsmöglichkeiten angeboten zu erhalten. Die in schweizerischen und internationalen Wettbewerben gezeigten Leistungen evidenzierten zudem in der damaligen Wahrnehmung des Publikums die hervorragende Eignung des Geländes um das Matterhorndorf für den Skisport.
Die wohl beste englische Kennerin der Zermatter Geschichte bis in den 1960er Jahren, Cicely Williams, Gattin des Bischofs von Leicester, stellte dies in ihrer ‚Zermatt Saga‘ heraus:
„By the 1920s ski-racing had become popular in many winter sports centres in Switzerland and in 1922 a team of young Zermatt militia men entered for a patrol race at Adelboden.They finished in a rather lowly position, twenty-fourth in fact, but this reverse was soon rectified. Most of the team were the sons of famous guides and were very soon to become guides themselves. Zermatt guides ranked among the best in the world, and these young men realized that the reputation of Zermatt skiers must not fall far behind. They set about training with the greatest determination and the next year obtained third place at Grindelwald. After this they went on from strength to strength, frequently being placed first, and in 1924 covered themselves with glory by winning this race at the first Winter Olympics at Chamonix. Very soon these racers and other Zermatt men were competing in international races, frequently meeting with success. The Julens, the Lehners, Biners and Perrens were to be found racing in all parts of Europe and Otto Furrer, the greatest of all Zermatt skiers, won the Arlberg-Kandahar on three successive occasions.
Attention was being attracted by these excellent performances; writers of books and newspaper reporters began to suggest that the ski slopes and glacier touring areas of the Zermatt district might well prove a happy hunting ground for others as well as the local people. Gradually the image of Zermatt as a winter sports centre was being built up and behind it all stood the careful, watchful figure of Dr. Hermann Seiler.“ (Cicely Williams: Zermatt Saga, London 1964, S. 142; dt. Fassung: dies.: Zermatt. Geschichte und Geschichten, Brig o. J., S. 150.)
Die führende Rolle Hermann Seilers in der allgemeinen (nicht bloss touristischen) Entwicklung und Organisation des Zermatter Wintersportbetriebs unterstrich seine Präsidentschaft im Organisationskomitee des 26. Schweizerischen Skirennens (vgl. Neue Zürcher Zeitung vom 30. Januar 1932, Nr. 181, Blatt 3 und vom 1. Februar 1932, Nr. 192, Blatt 3). Dies war das erste am Fusse des Matterhorns veranstaltete Skirennen mit nationaler Ausstrahlung.
Wie Franz Seiler im Rückblick 36 Jahre nach der ersten Zermatter Wintersaison (a.a.O.) als während 23 Jahren nachgefolgter Unternehmensverantwortlicher festhielt, war es so sein Onkel Hermann gewesen, „der den Bann gebrochen und damit den Weg zur Entfaltung der unvergleichlichen Möglichkeiten, die Zermatt im Winter bietet, gewiesen hatte“. [ Ausführliche Zitierung] In Entsprechung war von der massgeblichen Regionalzeitung Walliser Bote in der Ausgabe vom 6. September 1955 (Nr. 71, S. 1) mit Bezug auf die erste Jahrhunderthälfte in Erinnerung gerufen worden: „Dr. Hermann Seilers damaliger Initiative verdanken wir die Einführung des Wintersportes in Zermatt, der allen heute mehr Verdienst einbringt als die Sommersaison. Die Hotels Seiler und das ganze Vispertal können ihm hierfür dankbar sein.“ Aus britischer Sicht - jener der Hauptklientel der frühen Sportwinter - schrieb die London Times vom 18. August 1961 (Nr. 55, 163, S. 12) die Entwicklung von fast dreieinhalb Jahrzehnten überblickend in ihrem Nachruf auf Hermann Seiler: „[H]is example and enterprise did much to make Zermatt the ski center it is now.“
(Zur Lancierung und Etablierung der Zermatter Wintersaison durch Hermann Seiler z.B. Neue Zürcher Zeitung vom 28. Dezember 1928, Nr. 2438, Blatt 5; London Times vom 18. Januar 1929, Nr. 45, 104, S. 15; Neue Zürcher Zeitung vom 5. April 1929, Nr. 647, S. 2 (abschliessender Bericht über die erste reguläre Wintersaison); Fritz Erne: Entwicklung und Organisation des Walliser Fremdenverkehrs, Visp 1953, S. 61 und 107; Neue Zürcher Zeitung vom 9. September 1955, Nr. 2357 (36), Blatt 5; ausführlich: Walliser Nachrichten vom 3. Dezember 1957, Nr. 96, S. 2 und vom 6. Dezember 1957, Nr. 97, S. 5; Zermatt: Dorf und Kurort im Spiegel einer Familie. 125 Jahre Seiler Hotels, hrsg. von den Seiler Hotels Zermatt, Visp 1982, S. 51 ff.; Cicely Williams: Zermatt. Geschichte und Geschichten, Brig o. J., S. 150 f. und passim.)
In Gletsch hingegen wird es eine Wintersaison nie geben. Bereits zu Beginn des Jahrhunderts stand dies fest für den Bergkenner, der erstmals als 16jähriger das Matterhorn bestiegen hatte (Meldung in der Neuen Zürcher Zeitung vom 10. August 1892, Nr. 223, zweites Blatt), Leiter von Bergrettungsmannschaften in Zermatt (vgl. z.B. Neue Zürcher Zeitung vom 7. August 1899, Nr. 217, Morgenblatt, Seite 3, linke Spalte unten; Monte Rosa 1865-1965, hrsg. von der Sektion Monte Rosa des Schweizer Alpen-Clubs, Sitten 1965, S. 41), Präsidenten der Sektion Monte Rosa des Schweizer Alpen-Clubs von 1901 bis 1908 (zur „renaissance“ der Sektion in jenen Jahren: Monte Rosa 1865-1965, hrsg. von der Sektion Monte Rosa des Schweizer Alpen-Clubs, Sitten 1965, S. 40 f.), wohl ersten Skifahrer der Sektion und Skisportpionier, der den zweiten Schweizer Skiclub im Jahre 1900 in Bern zu gründen half und 1902 den ersten Skikurs in der Schweiz veranstaltete (ausführlich: Neue Zürcher Zeitung vom 8. Februar 1952, Nr. 282 (6), Blatt 5): Wegen der Lawinengefahr sind das Trogtal und die Hänge der Umgebung für Wintersporte im Winter - vollkommen anders als der Zermatter Talabschluss - ungeeignet.
Möglich waren wohl aber im Sommer neben der den Hotels angeschlossenen Bergsteigerschule [ Illustration: Programm der Ecôle d' Alpinisme au Glacier du Rhône des Jahres 1936] Skikurse und Skiwettbewerbe auf den Gletschern. Zwei Jahrzehnte lang, von 1932 an bis in die 1950er Jahre, veranstaltete Eduard Seiler solche in Verbindung mit nationalen Autorallies und Gletschersternfahrten (vgl. zum 20jährigen Jubiläum: Neue Zürcher Zeitung vom 5. Juli 1952, Nr. 1478, Blatt 4; weitere Hinweise im ‚Literaturverzeichnis‘). Das private Automobil brachte die Teilnehmer nach Gletsch und diente dann da als Aufstiegshilfe vom Hotel zu den im Frühsommer skisporttauglichen Schneefeldern auf den Gletschern.
Nicht zu überwinden ist die Begrenzung der gastgewerblichen Betriebszeit und Wertschöpfungsphase beim Ursprung der Rhone auf eine kurze Sommersaison indes nicht nur wegen der mangelnden topografischen Eignung für die Ausübung von Wintersporten, sondern auch wegen der witterungsbedingt strikt auf einige wenige Monate im Sommerhalbjahr limitierten Transitstationsfunktion der Hotelsiedlung. Noch im Jahre 2009, ein Vierteljahrhundert nach der Aufgabe des Hotelbetriebs durch die Familie Seiler, konnten die Strassenverwaltungen der Kantone Uri, Bern und Wallis infolge der nach wie vor grossen Schneemassen die Aufhebung der jährlichen Sperrung der Passstrassen über Furka und Grimsel nur für den Monat Juni vorsehen. Der Zeitpunkt entspricht ungefähr jenem Ende des 19. Jahrhunderts (vgl. z.B. die Meldung über die bereits in Betrieb befindlichen beiden Hotels Glacier du Rhône und Belvédère und die für den 15. Juni angekündigte Öffnung der Furkastrasse in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. Juni 1896, Nr. 165, Morgenblatt, Seite 2, rechte Spalte unten).
Verkehrstechnische Defunktionalisierung der touristischen Transitstation. Einen zweiten wichtigen Grund für die Betriebsaufgabe beim Urspung des Rotten im Jahre 1984 bildeten verkehrstechnische und reisekulturelle Veränderungen, die in der Familie und mit Stammgästen seit den 1920er Jahren analysiert und besprochen wurden (vgl. z.B. die Wahrnehmung der Zäsur um 1920 auch als einschneidender atmosphärischer aus der Warte des langjährigen Gastes Claude Wilson, Arzt und Präsident des Alpine Club, im Zusammenhang des Nachrufs auf Joseph Seiler, in: Alpine Journal, November 1929, Nr. 239, S. 400: „Gletsch had lost many of its attractions when the horses had been finally replaced by the motors.“).
Seit der Eröffung der Furkapassstrasse in den 1860er Jahren war der Ort am Fusse des Rhonegletschers, wie nicht genug betont werden kann, für die Gästemehrheit „Reisenden-Karawanserei“ und „Transitstation“ (Walliser Bote vom 20. Juni 1938, Nr. 67, S. 2 f.) des teuren, recht beschwerlichen und langsamen - aber ohne Zweifel auch gerade deshalb touristisch sehr attraktiven - Pferdekutschenverkehrs über die Pässe und somit verkehrsmittelbestimmt in seiner Funktion, Prosperität und Atmosphäre. [ Illustration: Grafische Werbung für die Hotels am Rhonegletscher um 1900, welche sich an die Klientel als Kutschenfahrgäste wendet]
Hoteltypologisch gehört das Haus mit seinen Nebengebäuden in den Kontext der Postgasthöfe und Pferdewechselstationen - im englischen Kulturkreis Coaching houses, im französischen Relais (vgl. Neue Zürcher Zeitung vom 4. August 1980, Nr. 178, S. 9: „...eine der ältesten und ehrwürdigsten Relaisstationen der Alpen).
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Wanderer, eine Säumerkarawane und zwei Postkutschen machen in Gletsch Halt (1860er Jahre).
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Diachron steht das Hotel Glacier du Rhône vor allem in der Tradition der Hospize und Susten, die für die Säumerkarawanen Halbtages- oder Tages-Etappenziel waren, nicht in jener der Pfarrhäuser, in denen noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Wanderern in entlegenen Walliser Bergdörfern wie beispielsweise Zermatt Gastung geboten wurde.
Historisch nach Lage und Funktion vergleichbar ist die Hotelsiedlung mit dem einige Dutzend Kilometer entfernten Stockalperpalast in Brig: war dieser in der Barockzeit Karawanserei des italienisch-französischen Warenverkehrs am Fusse des Simplons, so jene in der Gründerzeit und Belle Epoque ‚Reisenden-Karawanserei‘ des internationalen Tourismus am Fusse der Pässe Furka und Grimsel.
Fundamental anders als die Zermatter Hotels diente jenes in Gletsch nie hauptsächlich als Basislager für Bergsteiger und Bergwanderer [ Illustration: New York Times vom 2. Juli 1871, S. 2 (Erzählung eines amerikanischen Alpinisten, Gast Alexander Seilers des Älteren im Hotel Monte Rosa im Jahre 1869)], Aufenthaltsort für Erholungsuchende und Ferienhotel.
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Vor dem Alpinisten-‚Clubhaus‘ Monte Rosa in Zermatt: Bergsteiger, die das Hotel als Ausgangspunkt für Touren benutzen, und erholungsuchende Feriengäste im Gespräch und bei der Lektüre. (1890er Jahre.)
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Nur eine Minderheit von Gästen - allerdings eine grössere Zahl besonders geschätzter Stammgäste - nutzte das Hotel Glacier du Rhône in diesem Sinne. Die Mehrheit der Klientel speiste, übernachtete und ruhte sich hier aus, um am nächsten oder (etwa nach einem Ausflug zum oder auf den Gletscher) am übernächsten Tag die Fahrt mit einem Verkehrsmittel fortzusetzen, in der Gründerzeit und Belle Epoque tendenziell so, wie Reisende sich eines Grand Hotels bei einem wichtigen Hafen oder Bahnhof bedienten.
Ende der 1870er Jahre charakterisierte ein auf dem Kontinent vielgereister Einsender eines Leserbriefs in der London Times (vom 3. September 1879, Nr. 29, 663, S. 5) das Haus als „solitary hotel at the Glacier du Rhone, where tourists rarely spend more than a night“. Auf einer wohl typischen Hotelrechnung der 1880er oder frühen 1890er Jahre für vier Personen, die im Glacier du Rhône eine Nacht verbracht hatten, erscheint eine Summe von 127 Fr. (ungefähr 1270 Fr. nach heutigem Geldwert), von der knapp die Hälfte als Entgelt für die Wagen- und Pferdemiete zu Buche steht. [ Vom Pächter G. Guglielminetti erstellte und quittierte Hotelrechnung vor 1894] In der Belle Epoque notierten ankommende Gäste in den Spalten ‚Venant de/Allant à‘ des Gästebuches nicht beispielsweise ‚London/Gletsch‘ oder ‚London/London‘, sondern „Jersey City, M. J. U.S.A./Genf“, „Monte Carlo/Paris“, „Liverpool/Zermatt“ oder „London/Eggishorn“. Auf der Rückseite einer in Gletsch abgeschickten Bildpostkarte von September 1900 ist zu lesen: „Sind heute Abend gut hier angelangt, morgen geht's weiter, wenn nur das Wetter hält, heute war es einfach grossartig. Morgen Brunnen, übermorgen Luzern ...“
Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Gastes in den Zermatter Seiler Hotels Mont Cervin, Monte Rosa und Victoria betrug vor dem Ersten Weltkrieg 4-5 Tage, im Hotel Riffelalp 8-9 Tage (gemäss Alexander Perrig: Entstehung und Entwicklung der Hotellerie und des Fremdenverkehrs in Zermatt 1839-1970 [Druckfahnen eines unveröffentlichten Buches], ca. 1974, S. 84). Im Passanten- und Etappenhotel Hotel Glacier du Rhône in Gletsch dürfte sie immer zwischen 1 und 2 Tagen gelegen haben. Hoteltypologisch bzw. -funktional bedingt, war der durchschnittliche gastgewerbliche Umsatz je Aufenthalt eines übernachtenden Gastes in Gletsch folglich auch in den Zeiten höchster Blüte dieses Hauses 60-80% geringer als jener in den Zermatter Häusern der Familie im gleichen Zeitraum.
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Die ‚Reisenden-Karawanserei‘ Gletsch in der Belle Epoque: Kommen und Gehen vor dem Hotel, wie es für eine deutsche Volksillustrierte in den 1890er Jahren festgehalten wurde. Im Mittel- und Hintergrund fünf Pferdekutschen, zwei Damen sind zu Pferd unterwegs.
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Die Anspruchshöhe des Publikums der Gründerzeit und Belle Epoque nicht nur am Reiseziel, sondern ebenso an Orten und in Verkehrsmitteln, wo der Reisende sich als Passant und Passagier aufhielt, bei einem Reiseunterbruch und während der Reise selbst veranschaulicht historisch die ambitionierte bis luxuriöse Ausstattung von Hotels bei Häfen und Bahnhöfen, von internationalen Dampfern und Zügen auf wichtigen Routen. Nach Anlage, Grösse und Ausstattung sind die Gastbetriebe beim Rhonegletscher von diesem weitgehend verkehrsmittelbedingten und epochenspezifischen reisekulturellen Erwartungs- und Nachfragehorizont her zu verstehen. An ihm orientierte sich Joseph Seiler als Hotelunternehmer.
Seit dem Ende der Pferdekutschenzeit und der Motorisierung des Passstrassenverkehrs um 1920, mit dem Ausbau der Strassen insbesondere seit den 1960er Jahren hat sich die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit mindestens mit einem Faktor 8-9 vervielfacht: Wer im Jahre 1895 in Brig morgens um 6 Uhr 45 mit der Postkutsche abfuhr, erreichte Gletsch gemäss Fahrplan um 14 Uhr 05. Nach einem Mittagshalt zwecks Verpflegung verliess dieser Kurs die Transitstation um 15 Uhr 10 und erreichte Göschenen erst abends um 20 Uhr 35. Demnach dauerte die Fahrt auf dieser Strecke mit den regulären Halten 13 Stunden und 50 Minuten.
In den 1920er und 1930er Jahren waren es in Zug und Postauto viereinviertel bis vierdreiviertel Stunden. Im privaten Automobil sind es heute anderthalb bis zwei Stunden.
Zeitgenossen erlebten die Vervielfachung der Reisegeschwindigkeit in den 1920er Jahren infolge der Motorisierung des Strassenverkehrsmittels als deutliche Zäsur: „Es liegt eine Hexerei in dieser Geschwindigkeit, und nur wer früher zu Fuss oder mit der Pferdepost über Grimsel und Furka gereist ist, kann die Hexerei in ihrer ganzen verblüffenden Grösse erfassen und sich vorstellen, was das eigentlich heissen will, ein Sonntagsausflug nach Gletsch.“ (Hans Schmid: Wallis. Ein Wanderbuch, Frauenfeld 1925, S. 8.)
Nicht bzw. kaum verändert haben sich seit der Gründerzeit und Belle Epoque die von der Natur vorgegebene Zeitspanne zwischen Sonnenaufgang und -untergang, der circadiane biologische Rhythmus der Reisenden und das Mass von Touristen als tolerabel empfundener physischer Erschöpfung. Dies hat zur Folge, dass die vermehrfachte Geschwindigkeit und der weitaus grössere Reisekomfort es den Reisenden heute erlauben, mit Leichtigkeit an einem Tag ein Vielfaches an Wegstrecke zurückzulegen.
Zwischen dem Wunsch nach Gastung eines Reisenden der Epoche bis um 1920, welcher für einen Postkutschensitzplatz von Brig bis Meiringen oder Göschenen mehr als 240 Fr. oder etwa für die Miete eines vierspännigen Wagens rund 2200 Fr. (gemäss heutigem Geldwert) [ Tarifliste der Fuhrhalterei Joseph Seilers] gezahlt hatte und in einem engen, nicht beheizbaren Gefährt nach einer Fahrt mit einer Reisegeschwindigkeit von 7 bis 9 Stundenkilometern über ungeteerte, holprige und staubige Bergstrassen nach mehr als sieben Stunden erschöpft im Hochtal am Fusse des Rhonegletschers ankam (um am nächsten oder übernächsten Tag eine kaum minder lange und anstrengende Reiseetappe in Angriff zu nehmen) einerseits und andererseits der gastgewerblichen Nachfrage eines heutigen Automobilisten, der sich auf Bergstrassen mit 45 bis 55 Stundenkilometern fortbewegt, der eben, vor 40 oder 50 Minuten, durch Meiringen, Andermatt oder Brig gefahren ist, für die gleiche Strecke weniger als 10 Fr. Benzinkosten berappt und meist selbstverständlich auf Autobahnen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 120 oder 130 Stundenkilometer gleichentags Bern, Zürich, Genf oder Mailand erreichen und dort speisen und übernachten kann (aber vielleicht dennoch beim Hotel Glacier du Rhône einen Stop einlegt und seinem bequemen Wagen entsteigt), liegen Welten.
Mit der Motorisierung des Passstrassenverkehrs, der Multiplikation der Reisegeschwindigkeit, der Zunahme des Komforts im Strassenverkehrsmittel, der Minderung der Fahrkosten um einen zwei- bis dreistelligen Divisor und der Abnahme der der Mehrheit touristisch Reisender zur Verfügung stehenden Zeit ist die ursprüngliche verkehrstechnische und hoteltypologische Hauptfunktion der Hotelsiedlung von Gletsch und des Hotels - die einer „Relaisstation“ (Neue Zürcher Zeitung vom 4. August 1980, Nr. 178, S. 9) bzw. eines alpinen Etappen- und Passantenhotels für anspruchsvolle, zu einem Grossteil auch übernachtende Gäste an einer Hauptverkehrsroute in eine Region - zunehmend obsolet geworden. [ Zur Defunktionalisierung von Relais- und Transitstationen durch den verkehrstechnischen Fortschritt als verkehrshistorischem Phänomen im länderübergreifenden Vergleich]
Rückzug des Gletschers und landschaftliche Veränderung durch den Strassenausbau. Hinzu kam, als drittwichtigster Grund für die Aufgabe des Betriebs in den 1980er Jahren, der Rückzug des Gletschers, dessen Schönheit bei vielen Gästen die Wahl des Ortes als Etappenziel bis in den 1950er Jahren massgeblich mitbestimmte (aber nicht so oft für einen Aufenthalt in Gletsch alleiniges Motiv war und noch seltener Motiv war für eine Reise nach Gletsch). Vom Hotel und Talgrund her ist das Eis heute kaum mehr zu sehen.
Durch den Ausbau der Strassen hat auch die landschaftliche Anziehungskraft des Talkessels insgesamt abgenommen.
Zwei Gäste lassen sich kurz vor Erreichen des Etappenortes im Fond ihres Cabriolets fotografieren. Die Passstrasse ist noch ungeteert. Es ist Spätnachmittag. Im Hintergrund Hotelgebäude und Gletscher. Der Wagen wird von einem Privatchauffeur in Livree mit Schirmmütze gefahren, im Kofferraum ist auch die Abendgarderobe verstaut: eleganter alpiner Fahrten-Tourismus im Stil der Belle Epoque noch in den 1940er und 1950er Jahren.
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Verblassen eines reisekulturgeschichtlichen Topos. Ideell gingen die verkehrstechnischen und landschaftlichen Veränderungen in Gletsch und manch andernorts im Alpenraum einher mit dem Verblassen des hallerschen, rousseauschen, romantischen und viktorianischen reisekulturgeschichtlichen Topos der Schweizerfahrt oder Swiss tour bei teilweise sehr anspruchsvollen Gästen. Bei diesen ist der alpine Touren-Tourismus einem Tourismus gewichen, der sich auf einzelne besonders attraktive Destinationen konzentriert. Diese Zielorte werden möglichst schnell aufgesucht, die Fahrt dorthin ist vermehrt Mittel, nicht Reisezweck. Weder, um zwei Beispiele zu nennen, Mitglieder der niederländischen Königsfamilie noch die Londoner Rothschilds fahren mehr - wie in den 1930er Jahren - im Rolls Royce-Konvoy mit festgezurrten Schrankkoffern von Etappenort zu Etappenort durch die Schweizer Alpen.
Zunehmende Konkurrenzierung durch Mittelmeerdestinationenen. Während der Belle Epoque waren die Alpen Sommertourismusziel par excellence, an die Mittelmeerküste begaben sich Erholungsuchende eher im Winter. Tendenziell bereits nach dem Ersten Weltkrieg, jedoch deutlich verstärkt seit den 1970er Jahren gewann der mediterrane Sommertourismus zuungunsten des alpinen u.a. infolge gewandelter Lebensstile und -bedürfnisse an Gewicht. Ausschliessliche Sommertourismusorte in den Alpen, wie Gletsch einer ist, können die schwindende Bedeutung der Sommersaison nicht durch Forcierung des Wintergeschäfts ausgleichen.
Multiplikation des Durchgangsverkehrs. Einen weiteren und sechsten Grund für die Aufgabe des Hotelbetriebs in der tradierten anspruchsvollen Form bildete die Zunahme des Durchgangsverkehrs. Dieser dürfte sich an Hochsommertagen schätzungsweise verhundert- bis verzweihundertfacht haben. Er passiert unmittelbar vor dem Hotel und verursacht, anders als in der Gründerzeit und Belle Epoque, Lärm und Abgase.
D. Übergang an den Kanton
Wasserwirtschaftliche und landschaftliche Interessen. Für die neue Eigentümerschaft, den Kanton Wallis, standen bis in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wasserwirtschaftliche, landschaftliche und rechtliche Betrachtungsweisen und Interessen im Vordergrund. Das gastgewerbliche Angebot sollte, wie bereits in den Kaufsverhandlungen seitens der Käuferschaft unmissverständlich kundgegeben worden war, in stark vereinfachter Form mit einem Pächter und einigen wenigen Mitarbeitenden vorläufig weitergeführt geführt werden unter „Abkehr vom Seilerschen Hotel-Stil“ und unter Ausrichtung auf einen „Volkstourismus“ (Walliser Bote vom 2. Oktober 1984, Nr. 229, S. 10; entspechend: Valais demain vom 12. Oktober 1984, Nr. 35, S. 3).
Unumkehrbarkeit des Wandels und Evidenzierung der unternehmerischen Analyse e negativo. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurden die seit den 1950er Jahren verfolgten Projekte, das Tal durch eine Staumauer abzuriegeln und einen Rhonestausee zu bilden, jedoch verworfen. Nach dem wasserwirtschaftlichen Entscheid tätigte der neue Eigentümer umfangreiche Investitionen in die gastgewerblichen Betriebe, deren Folgen die betriebswirtschaftliche und touristische Analyse Hermann Seilers und dessen wegen der in mannigfacher Hinsicht irreversibel veränderten Verhältnisse entschieden negatives Urteil über die sich im Talgrund von Gletsch in der Zukunft abzeichnenden hotelunternehmerischen Möglichkeiten nicht zu widerlegen vermochten.
(Vgl. Weltwoche vom 6. Dezember 1984, Nr. 49, S. 55: „Schon in den fünfziger Jahren hatte Hermann Seiler erkannt: Die Zukunft liegt [an diesem Ort] nicht im Tourismus ...“; zur Diskussion nichthotelunternehmerischer Nutzungsalternativen im Aktionariat; zur Probe aufs Exempel Walliser Bote vom 8. Mai 1996, Nr. 106, S. 7: „[D]ie vom Kanton beherrschte Immobilien Gletsch AG, die er 1984 von der Familie Seiler, Gletsch, übernommen hatte, ist [12 Jahre später, nach der Tätigung nicht verzinsbarer, geschweige denn amortisierbarer Investitionen in der Höhe von 4, 6 Mio. Fr. in das bis 1984 jahrzehntelang vor dem Hintergrund denkbar präziser hotelbetriebswirtschaftlicher Reflexion und Analyse lagespezifischer touristischer Entwicklungsmöglichkeiten auf Eigenkapitalbasis und unter weitgehendem Verzicht auf Renditen geführte Geschäft] praktisch pleite!“; Neue Zürcher Zeitung vom 15. Mai 1996, Nr. 112, S. 19.)