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An Heiligabend braute sich ein Sturm der unangenehmen Sorte über der honorigen Universität Zürich zusammen.
Eine Titualprofessorin mit Spezialgebiet Mittelalter am Romanischen Institut soll zentrale Passagen und Belege von einem Blogger abgeschrieben haben.
Dies machte der Betroffene Peter Kidd, ein Oxford-Forscher, am 24. Dezember auf seinem Blog „Medieval Manuscripts Provenance“ publik.
Er publiziere seit 2012 regelmässig Beiträge in seinem Online-Medium, hält Kidd einleitend fest, unter anderem zu „The Courtanvaux-Elmhirst Hours“, wie er ein Manuskript nennt, das es ihm angetan hat.
Dann listet der Forscher Textpassagen seiner früheren Blogeinträge und Bilder aus alten Werken auf, die er als Erster publiziert habe.
Viele davon seien nun mehr oder weniger identisch in einem Werk der Professorin der Universität Zürich aufgeführt, ohne dass diese ihn zitiert hätte.
Laut Kidd seien einige Passagen in der Arbeit der Titularprofessorin, die auf der Uni-Webseite „Literatur des Mittelalters“ als ihr grosses Thema aufführt, „editiert“ oder „entfernt“ worden.
Als er der Professorin des Romanischen Instituts Fragen per Email schickte, sei es nicht lange gegangen, bis ihm deren Assistentin geantwortet habe. Deren Email ist erstaunlich.
„If you and professor … came to similar conclusions, I do not think we can speak of plagiarism, but I can forward your e-mail to our lawyer for a more detailed answer if you wish.“
Statt dass also die Professorin selber Stellung bezieht, bringt deren Assistentin den Anwalt ins Spiel. Forscher Kidd meinte darauf, dass mehrere Bilder von seinem Blog stammten.
„As for the images, we have not taken anything from your site, but as you can verify from the books and reconstructions, these are images obtained from dealers, retrieved via WayBack Method from auctions and sales, as well as from paper catalogues and in one case (De Roucy, fol. with the miniature of St Paul) from the collector who bought it.“
Der Oxford-Wissenschaftler kontaktierte den „private collector“. Ob er der Uni Zürich-Professorin respektive deren Stiftung erlaubt hätte, das Werk zu publizieren.
„I never gave permission to anyone other than you to use the image and I never heard of the publisher or author“, meinte dieser geradeheraus.
Damit ausgerüstet, gab Peter Kidd keine Ruhe. Am Ende erhielt er von der Assistentin der Uni Zürich-Professorin folgendes Email:
„I regret to inform you that blogs are not scientific texts, published by academic publishers, so their value is nil!“
Nachdem Kidd den Fall in seinem Blog offenlegte, ging es nicht lange, bis er in den Sozialen Medien auftauchte. Gestern zielte Martin Steiger, ein Zürcher Datenschutz-Anwalt, via Twitter auf die Uni Zürich-Leitung.
„Was sagen Sie zu diesen Plagiatsvorwürfen gegen Ihre Prof. …, @uzh_ch?“, wollte Steiger wissen. Die UZH, wie die Universität Zürich kurz heisst, reagierte umgehend.
„Die UZH ist den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis verpflichtet“, hielt sie als Twitter-Antwort fest. Und weiter:
„Sie hat klar geregelte Strukturen und Abläufe für die Untersuchung von Fällen mit Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten. Das Romanische Seminar wurde informiert.“
Die Titularprofessorin taucht bei Receptio Acedemic Press, einer Stiftung für Publikationen aus Forschung und Lehre, als wichtiges Mitglied des wissenschaftlichen Komitees auf.
Als „operative headquarters“ ist auf der Receptio Homepage eine Adresse in Lugano aufgeführt.
Die Zürcher Professorin hatte vom Schweizerischen Nationalfonds, der mit Steuergeldern gespeist wird und welcher die Forschenden der Schweiz als zentrale Stelle finanziell unterstützt, einen Beitrag erhalten.
Das war Mitte der Nullerjahre. Es ging um ein Werk der Reisen von Karl dem Grossen.