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Am 2. Dezember 2021 starb der frühere Berner Regierungsrat Sämi Bhend in Bern. Sämi Bhend wurde am 18. März 1943 in Brienz geboren und verbrachte seine Jugendjahre im Berner Oberland. Er war zuerst Primarlehrer und später Sekundarlehrer in Urtenen-Schönbühl. Dort leitete er die Sekundarschule während 20 Jahren. Er begann seine politische Laufbahn als Gemeinderat in Urtenen-Schönbühl. Bereits im Jahr 1974 wurde er in den Grossen Rat gewählt, dem er mit einem Unterbruch von vier Jahren bis im Jahr 1997 abgehörte. Sämi Bhend gehörte zum linken Flügel seiner Fraktion. Er interessierte sich für die ganze Breite des politischen Handelns und setzte nicht nur in der Sozialpolitik, sondern auch in der Bildungspolitik, in der Finanzpolitik und in der Umweltpolitik Akzente. So kämpfte er etwa mit Herzblut gegen den Bau einer Autobahn durch das Simmental.
Sämi Bhends besonderes Interesse galt dem gewaltenteiligen Staat. Als Vizepräsident der «Besonderen Untersuchungskommission» (BUK) war er mit der Aufklärung von Vorkommnissen in der sogenannten Finanzaffäre befasst. Er war ein klarer Verfechter einer starken Oberaufsicht des Grossen Rates über den Regierungsrat und setzte sich ein für legales, transparentes und faires Handeln der Behörden.
Sämi Bhend, der in der SP gut verankert und breit anerkannt war, wurde zum Präsidenten der SP des Kantons Bern gewählt. In dieser Rolle kamen auch seine Führungserfahrung und seine integrativen Qualitäten zum Tragen. Sämi Bhend war überzeugt davon, dass die SP sowohl rote wie auch grüne Anliegen vertreten musste. Er setzte sich oft kritisch mit der Arbeit der Regierungsmitglieder auseinander, aber er anerkannte immer, dass Regierungsmitglieder über eigene Gestaltungsspielräume verfügen müssen.
Im Jahr 1997 wurde Sämi Bhend in den Regierungsrat gewählt. Dort übernahm er als Nachfolger von Hermann Fehr die Gesundheits- und Fürsorgedirektion. Er arbeitete sich rasch in die schwierigen Dossiers ein, suchte Lösungen für die angespannte Situation in der Sozialhilfe, kämpfte gegen die stark steigenden Krankenkassenprämien und setzte sich für den Standort Bern ein – beispielsweise, wenn es um die Spitzenmedizin ging.
Als besonders schwierig erwies sich das Spitaldossier. Im Kanton Bern galt lange der Grundsatz, dass jeder Amtsbezirk über ein öffentliches Spital verfügen durfte. Die steigenden Kosten im Gesundheitsbereich und die technischen Fortschritte in der Medizin führten zur Erkenntnis, dass dieses Konzept nicht zukunftsfähig war. Nicht jedes kleine Spital konnte eine medizinische Versorgung auf hohem Niveau anbieten. Deshalb musste Sämi Bhend im Auftrag der Regierung schmerzhafte Strukturbereinigungen in der Spitallandschaft an die Hand nehmen. Er tat dies mit Augenmass und mit grosser Empathie für die Betroffenen.
Zahlreiche Probleme des heutigen Staates haben Dimensionen, welche die Kantonsgrenzen überschreiten. Deshalb ist die interkantonale Zusammenarbeit von grosser Bedeutung. Sämi Bhend verschaffte sich auch auf interkantonaler Ebene Anerkennung. Er war Mitglied des Vorstandes der Sozialdirektorenkonferenz (SODK) und der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK). Im Amtsjahr 1999/2000 war Sämi Bhend Regierungspräsident. Dies gab ihm Gelegenheit, das Kollegium zu führen und an zahlreichen öffentlichen Auftritten im ganzen Kanton zu erklären, wie wichtig ein fairer und gerechter Staat ist. Er war eben immer auch ein guter Pädagoge.
Über welche persönlichen Qualitäten verfügte Sämi Bhend? Er war ein politischer Mensch, der sich ein Leben lang für die öffentliche Sache engagierte. Er setzte sich mit aller Kraft für die Leute ein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Er verfügte über ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und setzte sich unbeirrt für die von ihm als richtig erkannten Lösungen ein. Er bot durchaus auch Hand zu Kompromissen – aber nicht zu vorschnellen Kompromissen. Ein Regierungskollege sagte einmal, er habe die präzise und konsequente Argumentation von Sämi Bhend, der in der Regierung oft Meinungen vertrat, die von der Mehrheit nicht geteilt wurden, immer geschätzt. Diese politischen Auseinandersetzungen hätten letztlich zu besseren Ergebnissen geführt. Sämi Bhend hatte Humor, er war ein aufmerksamer Gesprächspartner und ein vorbildlicher Vorgesetzter für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion.
Sämi Bhend war absolut integer. Er stellte sehr hohe Anforderungen an sich selbst und war immer loyal zu den Institutionen. Sämi Bhend war gerne Regierungsrat. Er sah in dieser Rolle allerdings nicht ein Privileg, sondern eine Verpflichtung zu unermüdlichem Einsatz. In seinem Herzen blieb er immer ein Sozialdemokrat, der sich für die «einfachen Leute» einsetzte.
Sämi Bhend hatte ein reich erfülltes Leben. Nach der Pensionierung konnte er eine unbeschwerte Zeit in Gunten am Thunersee verbringen. In den letzten Jahren musste er allerdings auch erhebliche Einschränkungen, die mit einer Krankheit verbunden waren, ertragen. Sämi Bhend wird nicht nur seiner Ehefrau, Lotti Reber-Bhend, die sich ebenfalls durch ein grosses Engagement für die Öffentlichkeit auszeichnet, den vier Kindern und den Enkelkindern fehlen. Er wird auch der SP des Kantons Bern fehlen.
Kurt Nuspliger, ehemaliger Staatsschreiber des Kantons Bern