Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/119983

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten, darzulegen, was die staatlich unterstützte Züchtung der gebräuchlichsten 60 Kulturpflanzenarten der Schweiz kosten würde. </p><p>Unter folgenden Annahmen:</p><p>1. Es sollen permanent pro Art je drei bis sechs robuste einheimische Sorten zur Verfügung stehen. </p><p>2. Diese sollen notfalls durch die Landwirte selbst vermehrt werden können.</p><p>3. Private Schweizer Züchter sollen so weit als möglich eingebunden werden.</p><p>4. Die Sorten werden nach ökologischen Kriterien gezüchtet.</p><p>Ist er bereit, dafür auf die Kürzung der landwirtschaftlichen Ressortforschung zu verzichten (Konsolidierungsprogramm 2011-2013)?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat erachtet die Pflanzenzüchtung zur Verbesserung biologischer und ökonomischer Eigenschaften von Sorten als wichtiges Ziel der Ernährungssicherheit. Entsprechend stellt er den Forschungsanstalten Agroscope Mittel für diese Aufgabe zur Verfügung.</p><p>Die Kosten für die Züchtung einer neuen Sorte können je nach Kulturpflanzenart stark variieren. Nach Auskunft schweizerischer Pflanzenzüchter dürften sie bei den landwirtschaftlichen Arten zwischen 500 000 Franken (Futterpflanzen) und 1,2 Millionen Franken (Mais) liegen. Die Kosten für Neuzüchtungen bei Spezialkulturen wie Obst oder Weinreben liegen höher, u. a. weil die Züchtung neuer Sorten hier mehr Zeit in Anspruch nimmt.</p><p>Unter der Annahme, dass:</p><p>- die Entwicklung einer Sorte der Arten des Acker- und Futterbaus in der Schweiz durchschnittlich etwa 750 000 Franken kostet,</p><p>- in der Schweiz gemäss Postulat 60 Pflanzenarten züchterisch bearbeitet werden sollen,</p><p>- pro Art drei den hiesigen Bedingungen angepasste, konkurrenzfähige Sorten zur Verfügung stehen sollen und</p><p>- die Sorten mit neuen ausländischen Sorten konkurrenzfähig sind, d. h., dass pro Kulturpflanzenart rund alle drei Jahre eine neue Sorte zur Verfügung gestellt werden müsste,</p><p>schätzt der Bundesrat die finanziellen Aufwendungen auf etwa 15 Millionen Franken pro Jahr. Aktuell existiert in der Schweiz bei rund 20 landwirtschaftlichen Pflanzenarten eine Züchtung, d. h., für die Ausweitung auf 60 Arten wären zusätzliche Mittel in Höhe von etwa 10 Millionen Franken erforderlich. Nach Ablauf der Phase der Sortenentwicklung (von der Kreuzung bis zur Sortenzulassung) fallen weitere laufende Kosten für die Reinhaltung, die Basissaatgutproduktion sowie die Vermarktung der Sorten an. Diese Kosten sind im vorgenannten Betrag nicht enthalten.</p><p>Der Bundesrat nimmt das vorliegende Postulat zum Anlass, die berechtigte Frage nach den für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz wichtigen und damit züchterisch zu bearbeitenden Arten mit den interessierten Kreisen zu diskutieren. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wird dazu im Herbst 2012 zu einer Tagung einladen. Es erscheint jedoch unter der aktuellen Ressourcensituation unrealistisch, eine internationale Spitzenstellung bei allen wichtigen Kulturpflanzenarten einnehmen zu wollen.</p><p>Der Bundesrat hat in der Vernehmlassung zum Konsolidierungsprogramm 2011-2013 (KOP 11-13) im Massnahmenpaket 4 die Aufgabenüberprüfung (AÜP) der Ressortforschung vorgesehen. Dabei soll der Haushalt ab 2014 um 30 Millionen Franken durch Priorisierung der Projekte in der Ressortforschung entlastet werden. Bei linearer Kürzung wäre die Ressortforschung des BLW mit 7 bis 8 Millionen Franken betroffen, was sich auf die Budgets von Agroscope und Fibl (Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Frick) auswirken würde. Ob dabei die Pflanzenzüchtung im Sinne des Postulates ausgebaut oder zumindest gehalten werden kann, ist eine Frage der Prioritätensetzung.</p><p>Der Bundesrat erwartet per Ende Mai 2012 einen Bericht, welcher unter der Federführung des Staatssekretariats für Bildung und Forschung (SBF) erarbeitet wird. Der Bundesrat wird die Frage der Kürzung der landwirtschaftlichen Ressortforschung in diesem Zusammenhang entscheiden.</p><p>Die Frage der Notwendigkeit öffentlicher bzw. öffentlich geförderter Züchtung muss im europäischen Kontext betrachtet werden. Eine internationale Arbeitsteilung ist sowohl aus ökonomischer als auch aus wissenschaftlicher Sicht einem Alleingang vorzuziehen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.