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Noch nie in der Geschichte Kolumbiens, dem jahrzehntelang grössten Exporteur der Welt, wurde so viel Kokain so effizient produziert. Die Daten des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) zeigen 2020 einen Anstieg der Kokainproduktion um acht Prozent (1228 Tonnen) und gleichzeitig einen Rückgang des Anbaus um sieben Prozent (143’000 Hektar).
Weniger Koka, aber mehr Kokain
Aus dem Bericht geht hervor, dass der Anbau von Kokablättern im Jahr 2020 um sieben Prozent, im Jahr 2019 um neun Prozent und im Jahr 2018 um 2.1 Prozent zurückging. «Die Rückgänge der letzten zwei Jahre waren die höchsten in den letzten sechs oder sieben Jahren», prahlte Präsident Ivan Duque bei der Vorstellung des Berichts.
Der UNODC-Bericht enthält jedoch Daten, die nach Ansicht einiger Experten eher ein Versagen als einen Erfolg der staatlichen Strategie zur Beendigung des Drogenhandels darstellen. Denn mit weniger Koka wird mehr Kokain produziert als früher.
Für jede Tonne Kokablätter werden jetzt 2.14 Kilo Kokainbasispaste gewonnen. Im Jahr 2016 wurden dem Bericht zufolge 1.87 Kilogramm entnommen. Die Produktivität der einzelnen Kokapflanze ist angestiegen, sie erhalten besseres Saatgut und Düngemittel. Die Kokabauern können jetzt alle drei Monate ernten und nicht wie früher zweimal im Jahr.
Dass die Kokain-Produktion in Kolumbien jedes Jahr steigt, hat vor allem mit dem Verlust von territorialer Kontrolle zu tun. Der kolumbianische Staat hat in vielen ländlichen Regionen wenig Präsenz.
In Kolumbiens Peripherie gibt es zum Teil weder Schulen noch Strassen oder Spitäler. Das sind hunderte Dörfer auch ohne Militär – und Polizeiposten. Daher kann der Drogenhandel praktisch unkontrolliert florieren.
Der Staat ist in weiten Teilen des Landes nicht präsent
Der Koka-Anbau war jahrzehntelang auch in der Hand der ehemaligen FARC-Rebellen. 2016 mit dem Friedensvertrag haben sich die FARC Rebellen von ihren Feldern zurückgezogen und ein Vakuum hinterlassen. Heute kümmern sich viel mehr Gruppen und somit auch viel mehr «Fachleute» um das Koka-Geschäft: Ehemalige Rebellen, paramilitärische oder einfach kriminelle Banden, die sich von diesem «Koka-Kuchen» ein Stück sichern wollen.
Und das können sie praktisch ungehindert tun, weil der Staat in diesen Regionen nicht präsent ist. Die Regierung will den Drogenhandel zurückdrängen und plant wieder mit Flugzeugen Glyphosat zu sprühen, um illegale Kokafelder zu zerstören.
Subventionen für alternative Möglichkeiten
Kolumbien wollte auch mit einem Substitutionsprogramm die Bauern von Alternativen zur Kokapflanze überzeugen. Das funktioniert bis jetzt allerdings nicht, weil die Bauern mit Gemüse zum Beispiel viel weniger verdienen.
Die Regierung versprach den Bauern Subventionen, wenn sie Kokapflanzen durch Kakao, Bananen oder Kaffee ersetzen. Nur: die zuständige Behörde ist unterfinanziert und kann die Subventionen nicht zahlen.
Die Kokabäuerinnen und -Bauern leben meistens am Existenzminimum und richten sich darum nach dem Markt. Von einer Hektare Koka kann eine Familie ordentlich leben. Die Hektare Kaffee wirft hingegen viel zu wenig ab. Zudem: die Kokapflanze ist um einiges leichter als andere Pflanzen und somit einfacher zu transportieren. Koka ist zwar illegal, aber für Tausende von kolumbianischen Familien die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.