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Eine "Initiativgruppe zur Realisierung einer Siedlung in Wollishofen", der der Generalsekretär des Schweizerischen Werkbunds, Friedrich Traugott Gubler, Rudolf Steiger und dessen Partner Carl Hubacher, Max Ernst Haefeli sowie Werner Max Moser angehörten legte am 9. November 1928 den Grundstein für die Werkbundsiedlung 'Neubühl', einem der wichtigsten Beiträge des Neuen Bauens in der Schweiz nach dem Vorbild der Weissenhofsiedlung in Stuttgart (1927). Im gleichen Jahr traten der Gruppe Hans Neisse, Mosers Partner Emil Roth, die Bürogemeinschaft von Paul Artaria und Hans Schmidt sowie Sigfried Giedion bei. Die meisten Mitglieder der Gruppe hatten bei der Werkbundausstellung in Stuttgart mitgearbeitet und engagierten sich in den ebenfalls 1928 gegründeten CIAM. Erfahrungen aus ihrem laufenden Siedlungsprojekt Schorenmatten in Basel (1927–29) brachten Paul Artaria und Hans Schmidt ein. Für die Gestaltung der Aussenanlagen wurde 1930 der Gartenarchitekt Gustav Ammann hinzugezogen. Die Gründung der "Genossenschaft Neubühl" am 8. Februar 1929 wurde juristisch begleitet durch den Rechtsanwalt Wladimir Rosenbaum-Ducommun, der bis 1936 als Präsident wirkte.
Die "Wohnung für das Existenzminimum" konnte der Entwicklung des Projekt nicht Pate stehen, da die Distanz zum Stadtzentrum, die Erschliessungskosten, das vergleichsweise wenig dichte Bebauungsmuster und die zögerliche finanzielle Beteiligung der Stadt Zürich die Erstellung von Wohnraum zu niedrigen Mietzinsen ausschlossen. Deshalb wurde die Frage des "befreiten Wohnens" ins Zentrum gestellt. Bis zur Baueingabe im August 1929 entwickelten Mitglieder bzw. Teams der Initiativgruppe die verschiedenen Bebauungstypen. Die generelle Baubewilligung für das Projekt lag am 11. April 1930 vor. Ein Baubüro unter der Leitung von Roth und Haefeli war zuvor eingerichtet worden. Die Siedlung wurde ab Sommer 1930 in drei Etappen erbaut. Dank einer weitgehenden Standardisierung und Typisierung von Roh- und Ausbauteilen konnte sie im Frühjahr 1932 fertiggestellt werden.
Die 195 Wohnungen in zehn verschiedenen Grundrisstypen boten ein vielfältiges Wohnungsspektrum. Eine Wohnausstellung mit Musterwohnungen unter dem Patronat des Schweizerischen Werkbunds im September 1931 richtete sich an ein vorwiegend junges, fortschrittlich gesinntes Publikum, das als Mieter und Genossenschafter in erster Linie angesprochen war. Die modellhaften Einrichtungen wurden neben den Neubühl-Architekten von Lili Humm-Crawford und Flora Steiger, Max Bill, Wilhelm Kienzle und Ernst F. Burckhardt realisiert. Das teilweise auf die Wohnungsgrundrisse zugeschnittene Mobiliar wurde von der Wohnbedarf AG vertrieben, die Sigfried Giedion und Werner M. Moser hinsichtlich der Ausstellung mitgründeten. Angesichts der sich veschärfenden Wirtschaftskrise konnten die Wohnungen zunehmend schwerer vermietet werden. Eine zweite Ausstellung unter der Leitung von Max Ernst Haefeli statt im Februar 1933 sollte dem entgegenwirken.
Die Ausgestaltung der Bauten folgte den damals progagierten Prinzipien des modernen Wohnungsbaus. Nebenräume und Schlafzimmer wurden zugunsten von Wohn- und Esszimmern knapp gehalten. Die Wohnungen verfügten über einen Gartensitzplatz, Balkon oder eine Dachterrasse. Die Haupträume wurden nach Südosten ausgerichtet. Die Fensterfläche war 40% höher als damals im Durchschnitt üblich. Alle Räume besitzen eine durchgehende Fensterfront. Die Formensprache wurde gemässigt modern gehalten. Mit konventionellen Elementen wie Dachvorsprüngen, Laibungen, Fenstersimsen und einer diskreten beige-grauen Farbgebung der Fassaden und zurückhaltenden Farben im Innern erweckten die Häuser keinen Anstoss. Lediglich die Flachdächer wurden von einer breiteren Öffentlichkeit kritisch beurteilt. In der Fachpresse fand die Siedlung ein positives und anhaltendes Echo.
Die sensible Einbettung der Siedlung in die Landschaft wurde ergänzt durch die Gestaltung der Aussenräume durch Ammann. Die Siedlung wurde durchsetzt mit locker verteilte Baumgruppen. Typisierte Gärten aus privaten Gartensitzplätzen, durchgehenden Rasenflächen mit Plattenwegen und Nutzgärten durchziehen die Häuserreihen. Während die Genossenschaft Neubühl in den vergangenen Jahren grosse Anstrengungen unternommen hat, die Aussenraumgestaltung zu erhalten und entlang der ursprünglichen Intention zu entwickeln, sind die landschaftlichen Qualitäten inzwischen wegen der vollständigen Überbauung der Umgebung kaum mehr sichtbar.
Die Siedlung Neubühl wurde 1985/86 umfassend saniert und 1986 in das kantonale Inventar schützenswerter Bauten aufgenommen.
Zitierweise: Alex Winiger, Bestandesbeschrieb Werkbundsiedlung Neubühl Zürich (basierend auf: Sonja Hildebrand, Bruno Maurer, Werner Oechslin (Hg.), Haefeli Moser Steiger. Die Architekten der Schweizer Moderne, Zürich 2007, S. 221–226) in: Website des gta Archivs / ETH Zürich, Januar 2012, www.archiv.gta.arch.ethz.ch/sammlungen/werkbundsiedlung-neubuehl-zuerich-genossenschaftsarchiv.
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