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Mehr als vier Millionen Menschen wurden in den vergangenen Jahren durch die Kämpfe zwischen den bewaffneten Gruppen und den irakischen Regierungstruppen vertrieben. Insgesamt wird die Zahl der Zivilbevölkerung im Land, die humanitäre Hilfe benötigt, bereits auf zehn Millionen geschätzt. Die Offensive auf Mossul stellt die internationalen Organisationen vor eine beispiellose Herausforderung. Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte diese Militäroperation im schlimmsten Fall die Vertreibung von einer Million Menschen auslösen und zur grössten humanitären Krise im Jahr 2017 führen.
> Das Engagement von Handicap International
Seit Anfang November ist Handicap International im Rahmen der Mossul-Nothilfe in den grössten Flüchtlingslagern tätig. In dieser Art von Krise ist die psychosoziale Unterstützung von entscheidender Bedeutung, wir bieten sie daher allen Vertriebenen an. Zudem kümmern wir uns um die physische Rehabilitation, die Inklusion und die Aufklärung der vertriebenen Menschen über die Risiken von Landminen.
Hierzu sind folgende Fachkräfte von Handicap International im Irak im Einsatz:
- vier Teams zur Aufklärung über die Gefahren von Landminen
- vier Teams zur psychosozialen Unterstützung
- drei Teams zur körperlichen Rehabilitation in den verschiedenen Zufluchtsgebieten
- ein Psychologe für schwer traumatisierte Menschen
"Wir haben es hier mit Menschen zu tun, die mehr als zwei Jahre lang Schreckliches erlebt haben. Sie befinden sich meist in einer schweren seelischen Notlage, einige sind extrem traumatisiert. Es ist äusserst wichtig, diesen Menschen so früh wie möglich zu helfen, damit sich ihr Zustand nicht verschlimmert. Wir haben daher eine psychologische Soforthilfe organisiert, welche wir allen vertriebenen Menschen anbieten, die wir treffen. Diejenigen von ihnen, die eine längerfristige Betreuung benötigen, können anschliessend eine psychosoziale Unterstützung oder den Beistand eines Psychologen in Anspruch nehmen", berichtet Maude Bellon, Projektmanagerin für den Nothilfeeinsatz von Handicap International.
Seit dem Beginn des Einsatzes für die vertriebenen Menschen aus Mossul und Umgebung konnte Handicap International bereits mehreren Hundert Menschen helfen. "Unsere Teams gehen in den Lagern von Zelt zu Zelt, um sicherzustellen, dass im Rahmen unserer humanitären Hilfsmassnahmen niemand übersehen wird", erklärt Maud Bellon. Sie beaufsichtigt die Aktivitäten Dutzender Fachkräfte für Physiotherapie, Sozialarbeit, psychosoziale Unterstützung und für die Aufklärung über die Gefahren von Landminen und anderen explosiven Kriegsresten, die vor Ort für die vertriebenen Menschen im Einsatz sind.
"Wir tun unser Bestes, um so vielen Menschen wie möglich zu helfen, aber die Zahl der Vertriebenen nimmt tagtäglich erheblich zu, die Temperaturen sinken und die Lebensbedingungen für die Menschen in den Camps, wo aktuell mehr als 80% der vertriebenen Bevölkerung leben, werden immer schwieriger", erläutert Maud Bellon.
"Seit dem 17. Oktober 2016 wurden mehr als 1'000 Menschen auf ihrer Flucht von Schusswaffen oder explosiven Waffen wie Landminen verletzt(1). Es ist äusserst wichtig, dass die Vertriebenen wissen, wie sie diese Risiken vermeiden können. Und wenn die Menschen in ihr Zuhause zurückkehren, so wie es in einigen Gebieten bereits der Fall ist, dann kommen sie in stark verminte Orte. Sie müssen dann wissen, wie man diesen Gefahren aus dem Weg geht", fügt die Koordinatorin von Handicap International hinzu.
> Berichte von Menschen aus den Projektländern: Elisa in Kazher
Handicap International und die Krise im Irak
Seit der Einleitung ihrer Hilfsmassnahmen im Irak in 2014 haben über 125'000 Menschen von der Nothilfe von Handicap International profitiert. Da sich die Lage auf dem gesamten irakischen Territorium ständig verändert, werden die Massnahmen des Vereins regelmässig neu bewertet. Derzeit führt Handicap International Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung durch: Sensibilisierung für die Risiken durch Minen und konventionelle Waffen, nicht technische Studien und Säuberung von potenziell gefährlichen Zonen, körperliche und funktionelle Rehabilitation, psychosoziale Unterstützung, Unterstützung für Gesundheitszentren (durch Materialspenden, Ausbildung von Personal und Ausstattung von Räumen, Transporte und angemessene Unterstützung für den Zugang zu Infrastrukturen und Dienstleistungen), Ausbildung, Fürsprache für die Inklusion von Menschen mit Behinderung und technische Unterstützung für Partner, um die Inklusion von schutzbedürftigen Menschen in ihre Dienste zu verbessern.
[1] OCHA, 9. December 2016.