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Die «Schnurrhaare» spielen für Robben bei der Nahrungssuche eine essentielle Rolle. Dank ihrer sensiblen Vibrissen können die flinken Meeressäuger den im Wasser hinterlassenen Strömungsspuren ihrer Beute folgen und zielgenau zuschnappen. Wissenschaftler der University of Tasmania in Australien zeigten jetzt in einer aktuellen Studie, welche Informationen sie aus den Vibrissen in Bezug auf die Dynamik im Nahrungsnetz des Südlichen Ozeans ableiten können.
Forscher des Institute for Marine and Antarctic Studies (IMAS) der University of Tasmania haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern von anderen internationalen Instituten das Verhalten Antarktischer Seebären (Arctocephalus gazella) bei der Nahrungssuche im Winter von drei ihrer Brutplätze im Südlichen Ozean aus studiert. Ihre Ergebnisse tragen zum globalen Verständnis darüber bei, wie die Nahrungsnetze des Südlichen Ozeans auf den Klimawandel reagieren. Die Studie könnte somit auch einen Einfluss auf das Ökosystem-Management der antarktischen marinen Ressourcen haben.
«Marine Raubtiere wie Robben müssen auf die Verfügbarkeit ihrer Beute reagieren, und so haben sie einen starken Einfluss auf die Struktur des Nahrungsnetzes und seine Reaktion auf Veränderungen», sagt Dr. Andrea Walters vom IMAS.
Antarktische Seebären sind zahlreich vertreten im Südlichen Ozean mit zirkumpolarer Verbreitung. Ihre Brutplätze reichen von den subantarktischen Inseln bis zur Nordspitze der Antarktischen Halbinsel. Neben Fischen und Tintenfischen fressen die Raubtiere vor allem große Mengen an Antarktischem Krill, insbesondere rund um Südgeorgien.
Laut Dr. Walters ist das Wissen über die Trophodynamik, also darüber, wer wen, wo und wann frisst, grundlegend für das Verständnis der Struktur und Funktion der Nahrungsnetze des Südlichen Ozeans.
In ihrer Studie, die in Ecological Indicators veröffentlicht wurde, fügten die Forscher Positionsdaten der Tiere mit stabilen Isotopenwerten aus Blutproben und Vibrissen zusammen, die den Pelzrobben entnommen wurden. «Individuelle ‚Isotopen‘-Marker, die während des Wachstums in den Schnurrhaaren festgelegt werden, liefern eine chemische Aufzeichnung der verschiedenen Arten von Beutetieren, wie z.B. Krill im Vergleich zu Fischen/Tintenfischen», so Dr. Walters. «Wir sammelten die Schnurrhaare und Blutproben während der Zeit nach und vor der Fortpflanzung sowohl aus antarktischen als auch aus subantarktischen Brutgebieten.»
Durch die Berechnung des genauen Zeitpunkts des Nachwachsens der Schnurrhaare während der ausgedehnten Migrationsperiode zwischen zwei Brutsaisons konnten die Forscher die Daten von geo-lokalisierenden Archivsensoren (GLS) und die Isotopenverfolgung genau vergleichen, um die Bewegung und das Jagdmuster der Tiere zu bestimmen. Somit konnten sie «eine Zeitreihe von Ernährungsinformationen sammeln über die gesamte Zeit, die sie auf See verbracht haben, auch über den Winter», wie Dr. Walters erklärt. «Die meisten Studien mit diesen Robben finden während der Brutzeit im Sommer statt, wenn Veränderungen im Nahrungssucheverhalten, in der Ernährung und im Fortpflanzungserfolg mit klimatischen Schwankungen in Verbindung gebracht werden. Aber ihre Nahrung über das ganze Jahr ist nicht gut bekannt.»
Deshalb war den Wissenschaftlern die Probennahme während eines bisher eher vernachlässigten Teil des Jahres, von April bis Dezember, besonders wichtig, um die Ernährung der Robben im Winter zu erforschen. «Diese Informationen werden ein besseres Bild des Nahrungsnetzes vermitteln, das Raubtier und Beute miteinander verbindet, so dass sie direkt in die räumliche Planung von Schutzmaßnahmen und die Managementstrategien für das Ökosystem einfließen können, insbesondere im Hinblick auf Veränderungen im Ozean», so Dr. Walters.
IMAS-Assistenzprofessorin Mary-Anne Lea sagte, die Forschung habe gezeigt, dass räumlich explizite Isotopensignaturen, sogenannte Isoscapes, ein nützliches Erhaltungsinstrument zur Beurteilung großräumiger Bewegungsmuster sein können, selbst wenn keine Trackingdaten vorliegen.
«Diese auf stabilen Isotopen basierenden Techniken können bei allen wandernden Arten angewandt werden, bei denen langfristige Gewebearchive verfügbar sind, um eine ganzjährige Überwachung der Habitatnutzung zu ermöglichen», so Lea. «Dies ist besonders wertvoll […] vor allem für die Identifizierung von Regionen, die derzeit möglicherweise außerhalb der Gebiete des aktiven Managements liegen.»
Dieser zusammengeführte Ansatz von Tier-Tracking und Isotopenbestimmung könnte wichtige Erkenntnisse über die Struktur und Funktion der Ökosysteme des Südlichen Ozeans liefern.
«Dies könnte als Grundlage für künftige Überwachungs- und Managementprogramme dienen, um Gebiete von ökologischer Bedeutung für Seevögel und Meeressäuger, die sich mit der Fischerei überschneiden könnten, zu identifizieren», sagte Professor Lea.
Julia Hager, PolarJournal