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Somatic Experiencing (SE) ist eine körperpsycho-therapeu-tische Methode zur Traumaarbeit. Mit ihr können traumatische Erlebnisse und Schock bewusst gemacht und überwunden werden.
Begründet wurde Somatic Experiencing in den 70er Jahren durch den Psychologen, Neurologen und Physiker
Dr. Peter A. Levine. Levine ist Gründer und Präsident der Foundation for Human Enrichment in Lyons (Colorado/USA). Diese Non-Profit-Organisation hat das Ziel, die Beziehung zwischen Trauma und dem scheinbar endlosen Kreislauf von Gewalt und Krieg zu unterbrechen und unnötige Traumatisierung von Kindern und Kleinkindern zu verhindern.
Dr. Peter Levine promovierte in medizinischer Biophysik und in Psychologie. Er war Berater für die NASA während der Ent-wicklung des Space Shuttles, und hat an zahlreichen Kliniken und Schmerz-Centern in den Vereinigten Staaten und Europa gelehrt. Während seiner dreissigjährigen Forschungstätigkeit in den Bereichen Stress und Trauma hat Dr. Levine an vielen Veröffentlichungen in wissenschaftlichen und medizinischen Zeitschriften mitgewirkt.
Wie ist Peter Levine's Erkenntnis entstanden?
Peter Levine hat Tiere in der Wildnis beobachtet: Wilde Tiere erleben täglich lebensbedrohliche Situationen und leiden trotz-dem nicht unter einem Trauma. Wie schaffen sie das? Zum Beispiel, eine Gazelle, die von einer Löwin gejagt wird, hat die selben drei Möglichkeiten: Kämpfen, Flüchten, Erstarren. Wenn die Gazelle genug Zeit und Kraft hat, flüchtet sie. Wenn sie stärker ist als ihr Gegner, kämpft sie. Und wenn sie keine Chance sieht, stellt sie sich tot.
Levine hat beobachtet, dass so bald die Tiere in Sicherheit sind, diese am ganzen Körper zu zittern beginnen – dann schütteln sie sich und atmen danach tief aus. Nach näherer Betrachtung dieser Bewegungen in Zeitlupe, hat Levine diese Bewegungen als Flucht- oder Kampfbewegungen erkannt, welche die Tiere auf diese Weise zu Ende bringen können. Das Nervensystem entlädt die gespeicherte lebensbedrohliche Situation – bringt es zu Ende und das Tier geht weiter im Leben – froh, dass es überlebt hat. Es wird weder mit Schuld- noch Schamgefühlen konfrontiert
Wie lässt sich Peter Levine's Theorie auf die Menschen übertragen?
In seiner Arbeit mit traumatisierten Menschen, hat Levine eingefrorene Flucht- und Kampfreaktionen entdeckt. In seiner Forschungsarbeit unterstützte er die Menschen, diese Reaktionen zu Ende zu bringen. So werden durch die Trauma-arbeit Ressourcen entwickelt, die zur Zeit des traumatischen Geschehens nicht zur Verfügung standen. Damit können die Menschen das traumatische Erlebnis abschliessen und die immense Ladung an gebundener Energie aus dem Nervensystem entlassen. So kann die Entspannung zurückkehren und die Energie wieder dem Leben zufließen.
Somatic Experiencing Therapie
Die Therapie wird meist über das Gespräch durchgeführt. Ähnlich wie im Focusing wird die Sprache der Empfindung genutzt und die Körperwahrnehmung verfolgt, um Gehirn und Nervensystem insgesamt in den Lösungsprozess einzubeziehen. Bewusstsein, Achtsamkeit und Langsamkeit ermöglichen eine sehr detaillierte und zielgerichtete Traumabearbeitung, die sich sofort im Gefühl, im Bewusstsein und im Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems umsetzt. Die Regulierung des Nervensystems wirkt wiederum u.a. auf den Muskeltonus des ganzen Körpers, die Durchblutung, das Endokrinum und die Bewusstseinsklarheit.
Bei dem Somatic Experiencing ist es nicht unbedingt nötig, das Ereignis nochmals zu durchleben oder zu verstehen. Die Begleiterin folgt dem was im Körper ist, bleibt aufmerksam für diese eingefrorenen Reaktionen, unterstützt die Person diese Reaktionen zu Ende zu bringen und beobachtet die unwillkürliche Entladung danach. Die Entladung zeigt sich zum Beispiel durch Zittern, Kälte, Schaudern, Hitzewellen u.a.
Mit SE kann gezielt und kurzfristig gearbeitet werden.