Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03307.jsonl.gz/177

Marschall
(früher Marschalk, mittellat. marescalcus, vom althochd. marah, »Mähre, Pferd«, und scalh, »Diener«),
ursprünglich der Hüter einer Koppel Pferde oder einer, der die Aufsicht über die Pferde und über den Stall führte, wie denn noch jetzt Maréchal im französischen der Hufschmied, auch der Stallmeister heißt. Schon in den frühsten Zeiten der fränkischen Könige stieg der Marschall zum höhern Hofbeamten (comes stabuli, vgl. Connétable) empor, dessen Funktion im Deutschen Reich seit der Zeit Kaiser Ottos I. eins der großen Erzämter (s. d.) ward. Erblicher Inhaber des Erzmarschallamts (Reichserzmarschall) war der Kurfürst von Sachsen, der, wie die andern fürstlichen Inhaber der Reichserzämter, den damit verbundenen Dienst durch den Erbmarschall verrichten ließ, dessen Würde in der Familie der Grafen von Pappenheim erblich war.
Dieser Dienst bestand bei der Kaiserkrönung darin, daß derselbe in einen mächtigen Haferberg hineinritt, um dem neugekrönten Herrn ein silbernes Maß voll Hafer in den Stall zu bringen. Außerdem hatte er bei Reichstagen und bei sonstigen feierlichen Gelegenheiten die Ordnung und das Zeremoniell zu überwachen. Jetzt ist Hofmarschall der Titel eines höhern Hofbeamten, der als Vorsteher des Hofmarschallamts die ganze Haushaltung des Hofs, Küche, Keller, Baulichkeiten etc., sowie das niedere Hofpersonal unter seiner Aufsicht und bei Hoffestlichkeiten die nötigen Anordnungen zu treffen hat (s. Hof, S. 606). Die vormaligen Reichs- und Landerbmarschälle führten bei Versammlungen der Landstände den Vorsitz. Endlich kommen auch bei andern als