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Firmenreaktion: Coop fährt Doppelstrategie
7. September 2010
Coop reagierte prompt und knapp auf die zahlreichen Proteste für einen Existenzlohn:
"Sehr geehrte/r...
Danke für Ihre e-Mail. Sie möchten wissen, was Coop für die Verbesserung der Lohnsituation in der Textilbranche unternimmt? Bitte klicken Sie auf den untenstehenden Link
Mit freundlichen Grüssen Konsumentendienst Coop"
Was steckt jedoch hinter dem Engagement von Coop?
Coop verfolgt eine Doppelstrategie und hat mit der Marke Naturaline ein Produkt im Angebot, das hohen ethisch-ökologischen Richtlinien entspricht. Die Firma Remei führt diese Produktion für Coop aus und ist selber SA8000 zertifiziert. Was Coop in der Antwort nicht sagt, ist, dass Naturaline nur rund ein Fünftel der Coop Eigenmarken ausmacht. Für die restlichen 80% der Eigenproduktion (also zB. NULU), sowie für die Markenartikel, die Coop als Detailhändler weiterverkauft, gilt der BSCI-Standard, der keine Existenz sichernden Löhne vorschreibt.
Coop als BSCI-Befürworterin
Coop ist eine Promotorin der BSCI. Grundsätzlich macht es Sinn, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zusammen mit anderen Firmen anzugehen. Doch BSCI ist eine Businessinitiative - Gewerkschaften und NGOs, die bei der Erkennung von Problemen, der Erarbeitung von Lösungen und der Überwachung von Verbesserungsmassnahmen eine Schlüsselrolle spielen, haben kein formales Mitspracherecht.
Zudem äussert sich BSCI nicht gerade förderlich in Bezug auf die Anhebung von Mindestlöhnen: Am 4. August 2010, just mitten in den grossen Strassenaufständen der NäherInnen in Bangladesch, veröffentlicht BSCI ein Statement, in dem die Initiative sich nicht klar und deutlich für höhere Löhne einsetzt, sondern das AFW-Modell hinterfragt und die Wettbewerbsfähigkeit von Bangladesch in Frage stellt, wenn dort existenzsichernde Löhne bezahlt würden.
Damit schürt BSCI die Angst der asiatischen Staaten, das Business würde in das nächstbilligere Produktionsland abziehen, sobald die Regierung den Lohn auf ein Existenzlohnniveau anhebt. In Bangladesch wurde jetzt ein Lohn vorgeschlagen, der noch immer nicht mal die Hälfte eines Existenzlohnes ausmacht. GewerkschafterInnen werden zudem verfolgt, inhaftiert und mundtot gemacht. BSCI hätte es hier in der Hand gehabt, in der Öffentlichkeit wichtige Signale für soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu setzen. Diese Chance hat die Business-Initiative jedoch eindeutig verpasst.
Wenn also Coop tatsächlich die soziale und ökologische Nachhaltigkeit am Herzen liegt, ist es höchste Zeit, dass die Firma aus dem Schatten der BSCI tritt und sich klar zur Erhöhung der Löhne auf ein existenzsicherndes Niveau bekennt. Mit dem Vorzeigeprodukt Naturaline und der Firma Remei verfügt Coop hier bereits über einschlägige Erfahrung bei der Bezahlung von Löhnen über dem Mindestlohn, auf der die Firma aufbauen und die Löhne aller Produkte Schritt für Schritt auf ein Existenz sicherndes Niveau anheben könnte.