Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03645.jsonl.gz/2145

>
molodezhnaja Hauptseite
> asian movies
> japan
> 1982
> ONIMASA
Gangsterdrama
Japan 1982
Alternative Titel Onimasa - A Japanese Godfather; Kiryuin Hanako no shogai;
The Life of Kiryuin Hanako; 鬼龍院花子の生涯
Regie
Hideo Gosha
Drehbuch Koji Takada nach dem Roman von Tomiko Miyao
Darsteller Tatsuya Nakadai, Masako Natsume, Shima Iwashita, Akiko Nakamura, Akiko Kana,
Mari Natsuki, Kaori Takasugi, Emi Shindo, Ryohei Uchida, Ko Watabiki, Tetsuro Tamba
Länge 146 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 16
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
©
Text Marco, molodezhnaja 28.1.10
© Bilder AnimEigo, Screenshots molodezhnaja
STORY
Die Stadt Tosa an der Südküste der japanischen Insel Shikoku, im Jahr 1918: Eine kinderreiche Familie eröffnet einen neuen Laden. Die nötigen Finanzen für das Schutzgeld, das an den Yakuzaboss Masagoro Kityuin alias Onimasa (Tatsuya Nakadai) zu entrichten ist, haben sie nicht. Also geben sie zwei Kinder als Ersatz - die intelligente Tochter Matsue (Nobuko Sendo) und den schüchternen Sohn Suenaga. Der Bub rennt schon bald weg, aber Matsue bleibt, wird adoptiert und wird zu Onimasas persönlichen Helferin. Sie arbeitet als Mädchen für alles im Bordell des Clans, das von Onimasas kühler Ehefrau Uta (Shima Iwashita) geführt wird. Die Jahre vergehen und die nunmehr erwachsene Matsue (Masako Natsume) wird Zeugin des Niedergangs des kleinen Clans sowie Onimasas Konflikt mit dem Big Boss (Tetsuro Tamba) und anderen Yakuzas.
REVIEW
Hideo Gosha (1929-1992) drehte mit "Onimasa" weniger einen Gangsterfilm als ein Zeitbild. Im Visier seiner Linse ist die Taisho-Zeit, die eine relativ kurze Übergangszeit Japans umfasst, massgeblich die Zeit zwischen den Weltkriegen, und die Jahre zwischen zwei markanten Epochen - der turbulenten späten Meiji-Zeit und der militarisierten frühen Showa-Zeit. Das klingt historischer und komplizierter als es ist, denn Gosha reduziert viele Aspekte der Taisho-Jahre zu einfachen Metaphern oder Beispielen. So wird etwa die Verwestlichung zum Thema, wenn die Menschen sich langsam mit ungewohnten Klamotten einkleiden.
Doch vor allem zeigt "Onimasa" das Ende der Samuraitradition. Die frühen Yakuza sahen sich als legitime Nachfolger jener japanischen Krieger und auch Onimasa hält sich für den letzten Samurai. Nach ihm ist die Erblinie beendet. Und mit ihm wohl auch die Verwurzelung der Yakuza in den Traditionen der Samurai. Nach dem Krieg waren die Yakuza bloss noch organisierte Verbrecher. Und spätestens in den 70er-Jahren begannen Regisseure wie Kinji Fukasaku, auch das letzte Quentchen Mythos hinter dieser zu reinen Gangstern verkommenen Truppe zu demontieren.
Hideo Gosha steuerte seinen Beitrag 1982 bei, als er schon ein paar wenige Yakuzafilme gedreht hat - nicht zuletzt The Wolves, der am Ende der Taisho-Zeit einsetzt und zu dem sich "Onimasa" daher wie eine Art Prequel oder Ergänzungswerk verhält. Gosha war das Yakuza-Kino also vertraut, und er weiss wohl auch, dass er in Sachen grimmiger Darstellung seine Kollegen nicht toppen kann. Daher schlägt er einen anderen Weg ein - jenen eines breit gefächerten Epos' mit Hang zur Popmoderne.
Die Stile, die zusammenkommen, fördern nicht gerade die Einheitlichkeit des Werks, doch das gehört mitunter zu seinen Stärken. Denn es gibt nur wenige vergleichbare Filme - selten versucht ein Regisseur, so viel unter einen Hut zu bringen: So viele mögliche Hauptfiguren, so viele Stile und so viele Stimmungen. "Onimasa" kann in einer Sequenz fast absurd und amüsant sein, in der anderen hochdramatisch. Und ganz selten gibts sogar etwas Action. Am meisten gekämpft wird im Finale, das ein wenig an "Sword of Doom" erinnert, in dem sich derselbe Hauptdarsteller (Tatsuya Nakadai) durch die Feinde metzelt. Hier jedoch endet der Kampf noch vor dem Endgegner. Als ob auch Onimasa endlich eingesehen hätte, dass seine Zeit gekommen ist.
Denn Onimasa ist am Ende. Seine Verbundenheit zur Samurai-Tradition hat keine Zukunft, er hat keine Nachkommen, seine Macht schwindet. Er ist der letzte seiner Art und es braucht den ganzen Film hindurch, bis er es endlich einsieht. Bis es soweit ist sehen wir ihn manchmal in der Blüte seiner Jahre, manchmal jovial oder gar wild und überdreht. Dann jedoch völlig unkontrollierbar, wenn er etwa versucht, seine eigene Adoptivtochter zu vergewaltigen. Keine einfache Figur, jenseits einer Einteilung in gut und böse. Diese Gratwanderung schafft Tatsuya Nakadai wunderbar.
Der Star, der schon oft mit Gosha gedreht hat, geht hier für einmal voll aus sich heraus, reisst seine Augen mal weit auf, schreit mal seine Adoptivtochter an, schwitzt sich vor seinem Boss voll oder rebelliert gegen den Zerfall des Systems. Das macht ihn mal zum weinerlichen Auslaufmodell, mal zum stolzen Patriarchen, mal zum lächerlichen Gangster, mal zum exzentrischen Gockel. Ihm durch diese Berg-und-Tal-Fahrt zu folgen, ist eine Freude. Und er kriegt saubere Unterstützung, etwa von Masahiro Shinodas Ehefrau Shima Iwashita in einer weiteren unterkühlten Glanzrolle oder von der ruhigen Masako Natsume.
Goshas Inszenierung passt sich der Story und den Schauspielern an. Sie übernimmt jene breite Palette an Ausdrucksformen und Schauspielgesten. Mitsuaki Kannos Soundtrack zum Beispiel könnte in den Anfangsszenen genausogut von John Barry sein, mit einem Touch Ennio Morricone. Und später gibts eher klassische Geigenklänge. Auch die Bildsprache wechselt zwischen poppig bunt und trostlos braun-grau. Und Gosha gibt dazu ein variables Tempo vor, mal geprägt von längeren Dialogen, mal von Sex, mal von Action. Der Film ist überlang und hat seine Durchhänger, doch gerade diese Fächerung verschiedener Inszenierungsformen sorgt für wenig Langeweile.
"Onimasa" ist Hideo Goshas 13. Film und sicher nicht sein bester. Er kommt nicht an die Kraft eines Goyokin, die Virtuosität eines The Wolves oder den Pulp eines "Sword of the Beast" heran. Doch er bereitet bestens vor auf den Nachfolgefilm The Geisha, der ähnlich lustvoll mit japanischen Kinokonventionen umgeht und zwischen dramatischem Ernst und schillernder Exploitation pendelt. Der Geisha-Film macht das sogar noch etwas besser. Doch auch hier kommen all jene auf ihre Kosten, die üppig dekorierte und abwechslungsreiche Unterhaltung fordern. Hideo Gosha, einer der verlässlichsten japanischen Filmemacher, gibt es uns. Knappe 3½ Sterne ist das schon wert.
MEINE
DVD
USA, Code 1, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln.
BESTELLEN
HKFlix (Liefert aus USA)
amazon.com (Liefert aus USA)
EXTERNE LINKS
imdb.com
SCREENSHOTS
Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint
created by molodezhnaja
all rights reserved.
Seite optimiert für Internet Explorer 6.0