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Wenn ich schreibe, will ich nicht so schreiben, wie man schreiben sollte, um literarische Aufmerksamkeit zu erhalten. Ich will schreiben, wie oder was ich liebe, ich will im Schreiben ganz und erstmals „ich“ sein oder werden. Dieses „ich sein“ hängt aber in keiner Weise mit einer Selbstverwirklichung moderner Art und Weise zusammen: hier geht es nicht um meine Person, sondern um eine ethische Gründung derselben, um eine Erfahrung des innersten und gleichzeitig auch äussersten Kerns der menschlichen Existenz. Es geht um eine Aussage darüber, was mir das Menschsein bedeutet.
Wenn ich schreibe, dann konzentriere ich meine Schaffens- und Schöpfungskraft nicht auf ein Publikum und seine Erwartungen: ich konzentriere mich ganz auf mein eigenes Wollen und Wünschen — im Wissen, dass dies, wenn es ganz und gar ehrlich und weder narzisstisch noch selbstbezogen ist, für einen ebenso ehrlichen, neugierigen und unegoistischen Leser von gleicher Bedeutung und Durchschlagskraft sein wird wie für mich. Letztlich zählt nur eines: Ehrlichkeit, Schlichtheit und Strenge (Bashô).
Wie hat es Proust so schön in Swanns Liebe anhand der „kleinen Phrase“ der Vinteuil-Sonate gesagt?
„Swann fühlte, dass der Komponist sich darauf beschränkt hatte, die Phrase mit seinen Instrumenten zu entschleiern, sie sichtbar zu machen, ihre Zeichnung mit so zärtlicher, vorsichtiger, sorgsamer und sicherer Hand zu verfolgen und befolgen, dass der Ton sich jederzeit veränderte, sich verwischte, um einen Schatten aufzuzeigen, sich verfestigte, wenn es ihr nötig war, auf der Spur eine schärfere Kontur nachzufahren. Und ein Beweis dafür, dass Swann sich nicht täuschte, wenn er an die wirkliche Existenz dieser Phrase glaubte, war, dass jeder ein wenig feinfühlige Liebhaber sofort den Betrug gemerkt hätte, wenn Vinteuil weniger Kraft gehabt hätte, um ihre Formen zu sehen und sichtbar zu machen, wenn er, indem er da und dort von ihm selbst stammende Züge einfügte, versucht hätte, damit die Lücken seiner Schau oder die Ohnmacht seiner Hand zu verhehlen.“