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Elisabeth Kübler-Ross
Die bedeutende Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross gelang insbesondere als Pionierin in der Sterbeforschung zu weltweitem Ansehen. 1924 in Meilen (ZH) geboren, absolvierte sie zunächst ein Medizinstudium an der Universität Zürich und wanderte ein Jahr nach Studienabschluss mit ihrem Mann in die USA aus. Dort war sie alsbald an der renommierten University of Chicago als Professorin für Psychiatrie tätig.
Schon früh beschäftigte sie sich intensiv mit dem Tod bzw. mit der Trauerarbeit und dem Umgang mit sterbenden Menschen. In ihrer Herangehensweise war Kübler-Ross dabei revolutionär: während zu jener Zeit Ärzte und Ärztinnen das Thema Sterben eher mieden, zerschmetterte sie dieses Tabu und sprach unverblümt mit den Betroffenen über den Tod und das Sterben sowie ihre Gefühle, Ängste und Gedanken diesbezüglich. Sie wollte direkt von diesen Menschen lernen, wie man ihnen helfen und wie man sie behandeln sollte. Diese Gespräche arbeitete sie unter anderem in ihrem 1971 erschienenen Leitwerk «Interviews mit Sterbenden» wissenschaftlich auf. Insbesondere ihr richtungsweisendes Fünf-Phasenmodell des Sterbeprozesses (Nicht-wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, Depression & Leid, Akzeptanz) verhalf ihr dabei zum Durchburch. Nicht zuletzt dank dieser Schrift gilt sie noch heute als Mitbegründerin der modernen Sterbeforschung. Insgesamt verfasste sie mehr als 20 Bücher, die in bis zu 25 Sprachen erschienen.
2002 wurde ihr Leben übrigens mit «Dem Tod ins Gesicht sehen» dokumentarisch von Stefan Haupt verfilmt.
Emilie Kempin-Spyri (1853-1901)
Emilie Kempin-Spyri | Bild: Wikimedia Commons
Emilie Kempin-Spyri wurde 1853 in Altstetten (ZH) geboren und war die Nichte der Heidi-Autorin Johanna Spyri. Sie sollte jedoch nicht dadurch an Berühmtheit gewinnen, sondern als erste Juristin der Schweiz: 1883 war sie die erste Frau, die sich an der juristischen Fakultät an der Universität Zürich einschrieb. 1887 promovierte sie wiederum als erste Frau als Doktorin der Rechte. Nach dem erfolgreich absolvierten Studium durfte sie jedoch nicht Anwältin werden, da Frauen damals noch nicht über das Aktivbürgerrecht – also dem Wahlrecht – verfügten. Dies versuchte sie zwar über den juristischen Weg bis vors Bundesgericht zu ändern, blieb dabei jedoch erfolglos. 1888 wurde auch noch ihre Bewerbung als Rechtsdozentin an der Universität Zürich abgelehnt.
Nicht zuletzt aufgrund all dieser Enttäuschungen wandert sie noch im selben Jahr mit ihrer Familie in die Vereinigen Staaten aus. In New York gründete und leitete sie die «Emily Kempin Law School», eine private Rechtsschule für Frauen. Später wurde sie überdies von der juristischen Fakultät der Universität der Stadt New York angestellt, arbeitete als Dozentin am «New York Medical College & Hospital for Women» und unterrichtete an der Privatschule «Women’s Law Class». Was ihr in der Schweiz verwehrt blieb, konnte sie also in den USA verfolgen. Doch bereits 1891 kehrte Kempin-Spyri zurück in die Schweiz, angeblich wegen des Heimwehs ihres Mannes.
Nach Vollendung ihrer Habilitationsschrift bewarb sie sich erneut als Privatdozentin an der Universität Zürich, wodurch sie die Frage der Frauenzulassung erneut entfachte. Ihre Bewerbung wurde von der Universität zwar erneut abgelehnt, doch der Erziehungsrat erteilte ihr als Ausnahme die Lehrberechtigung. Ihr Zulassungsgesuch als Anwältin wurde hingegen vom Kantonsrat Zürich abgelehnt. 1895 wanderte sie schliesslich nach Berlin aus, wo sie weitere Rechtskurse besuchte und im Anschluss gar an der Humboldt-Akademie dozierte.
Kempin-Spyris Leben war geprägt vom Kampf um Gleichberechtigung der Frau in Bezug auf deren Zulassung als Anwältin und Dozentin an der Universität Zürich. Ihre zahlreichen Niederlagen sowie persönliche Probleme verlangten dabei jedoch einen immer grösseren Preis. 1897 wurde sie in Berlin in die Heil- und Pflegeanstalt «Berolinum» eingewiesen – wegen Geisteskrankheit. In der Folge wurde sie entmündigt und in die «Irrenanstalt Friedmatt» in Basel eingewiesen. Dort starb sie schliesslich 1901 an Gebärmutterhalskrebs, vereinsamt und verarmt. Ob Kempin-Spyri nun wirklich «geisteskrank» war, ist indes in der Wissenschaft umstritten.
Trotz ihres tragischen Endes sollte ihr Kampf letztlich nicht vergebens gewesen sein. Es ist auch ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken, dass das Anwaltsgesetz im Kanton Zürich 1898 reformiert wurde, sodass auch Frauen Anwältinnen werden durften. Ab 1923 galt dies gar für den ganzen Bund.
Annemarie Schwarzenbach
Annemarie Schwarzenbach | Bild: Wikimedia Commons
Annemarie Schwarzenbach war wohl was wir heute eine «Globe-Trotterin», oder Weltenbummlerin, nennen würden. Nach ihrem Geschichtsstudium an der Universität Zürich veröffentlichte sie bereits jung ihr erstes Buch («Freunde um Bernhard»), das in der Kritikerszeneauf äusserst positives Feedback stiess. Bald darauf schon wanderte sie nach Berlin aus, wo sie zahlreiche Kunstschaffende kennenlernte und ein durchaus experimentelles Leben führte – unter anderem machte sie hier ihre ersten verhängnisvollen Erfahrungen mit Morphin.
In den folgenden Jahren reiste sie durch unzählige Länder wie Persien, Afghanistan, die Vereinigten Staaten, Tschechoslowakei, Spanien, Russland, Türkei und viele mehr. Von dort aus berichtete sie unter anderem als Korrespondentin für die Neue Zürcher Zeitung über die aktuellen Geschehnisse.
Ihre Abenteuer trat sie teilweise allein an, teilweise mit anderen Frauen wie der Schweizer Schriftstellerin Ella Maillart, mit der sie im Auto quer durch den Orient fuhr. Auf ihren Reisen hatte die lesbische Schwarzenbach ausserdem angeblich zahlreiche Affären mit unterschiedlichsten Frauen.
Schwarzenbachs Leben war jedoch zunehmend durch Depressionen, Suizidversuche und ihrer Morphiumsucht geprägt, weswegen sie auch mehrmals psychiatrisch behandelt werden musste. Auch ihr Leben sollte letztlich ein tragisches Ende finden: Schwarzenbach verstarb 1942 mit 34 Jahren nach einem Fahrradsturz – ihre Verletzungen wurden fehldiagnostiziert, woraufhin sie eine fatale Fehlbehandlung erhielt.
Schwarzenbach war eine der bedeutendsten Schweizer Schriftstellerinnen und Journalistinnen ihrer Zeit, die zudem äusserst schaffensreich war. Zahlreiche Bücher, Novellen, Artikel und Fotoreportagen stammen aus ihrer Feder und begeisterten die Leserschaft weit über die Schweizer Grenzen hinaus.
Sophie Taeuber-Arp
Sophie Taeuber-Arp auf der alten 50er-Note | Bild: Wikimedia Commons
Sophie Taeuber-Arp (1889-1943) mag vielen Eidgenossen zunächst kein Begriff sein, und doch hat sie wohl ziemlich jede/r schon einmal in der Hand gehalten: sie ist nämlich das Gesicht auf der alten 50-Franken-Note. Diese Ehrung hat sie sich als eine der bedeutendsten Kunstschaffende des vergangenen Jahrhunderts verdient. Dabei fällt sie nicht zuletzt durch ihre Vielfältigkeit auf: sie war Malerin, Ausdruckstänzerin, Architektin, Bildhauerin und Textil-Gestalterin.
Taeuber-Arp wanderte 1926 mit ihrem Mann Hans Arp zunächst ins französische Strassburg aus, bevor sie sich in der Nähe von Paris niederliessen. Dort verkehrten sie intensiv in der florierenden Künstlerszene und schlossen alsbald mit zahlreichen weltberühmten Kunstschaffenden Freundschaften, unter anderem mit Joan Miró, Florence Henri oder Marcel Duchamp. In diesen Jahren war Taeuber-Arp äusserst produktiv: mehr als 117 Werke schuf sie alleine zwischen 1936 und 1939. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und die Eroberung Paris durch die Nationalsozialisten setzte ihrem fröhlichen Schaffen jedoch ein jähes Ende. Taeuber-Arp floh nach Grasse im Süden Frankreichs, wo sie trotz Armut und Krankheit weiterhin künstlerisch tätig war. Angesichts des drohenden Einmarsches der Wehrmacht in Grasse trat sie letztlich die Flucht zurück in die Schweiz an, wo sie bald darauf verstarb.
Taeuber-Arp gilt noch heute als eine der zentralen Figuren im Dadaismus. So trat sie als Ausdruckstänzerin im berühmten «Cabaret Voltaire» in Zürich, der Hochburg des Dadaismus, auf und war Mitunterzeichnerin des Dadaistischen Manifests. Zudem gilt sie mit ihren Malereien und Textilarbeiten als Pionierin der sogenannt konstruktiven und konkreten Kunst.
Lina Bögli
Lina Bögli (3. von links) mit japanischen Schülerinnen | Bild: lina-boegli.ch
Lina Bögli (1858-1941) gelangte als erste Reiseautorin der Schweiz zu Ruhm. Als Bauerntochter in bescheidenen Verhältnissen geboren, wurde sie von ihrem Vater bereits im Alter von zwölf Jahren in den Jura geschickt, um dort als Magd zu arbeiten und Französisch zu lernen. Später wurde sie als Erzieherin von einer Adelsfamilie im polnischen Krakau eingestellt. Mit ihrem dadurch verdienten Geld finanzierte sie sich zunächst die Lehrerinnenausbildung in der Schweiz sowie in England und arbeitete zeitweise gar an der Universität Oxford. Diese Diplome und ihre ausgezeichneten Sprachkenntnisse sollten ihr für ihre Reisen von grösstem Nutzen sein.
In Polen lernte Lina auch ihre einzige grosse Liebe kennen, einen polnischen Offizier. Dieser wollte sie heiraten und war dazu sogar bereit, für sie seine Karriere aufzugeben – dies war damals eine in seinem Berufsstand gesetzte Bedingung. Bögli war jedoch überzeugt, dass ein solcher Schritt letztlich nicht zu beiderseitigem Glück führen konnte und lehnte sein Opfer ab. Da er jedoch darauf bestand, stieg sie in Krakau in einen Schnellzug, um während der nächsten 10 Jahre die Welt zu erobern. Ihr Gedanke dabei: bis dahin würde er sie sicherlich vergessen haben.
Und so machte sich Bögli 1892 mit ihrem Ersparten und ihren ausgezeichneten Sprachkenntnissen auf zur Reise ihres Lebens. Mit dem Dampfer fuhr sie zunächst ins australische Sydney, zog weiter nach Neuseeland, Samoa, Hawaii, Kalifornien und erreichte schliesslich Kanada. Ihre Weiterreise finanzierte sie sich dabei jeweils, indem sie immer wieder zwischendurch ihre Dienste als Kindermädchen oder Lehrerin anbot – hier erwiesen sich ihre Diplome als äusserst wertvolle Referenz.
Nach ihrer zehnjährigen Weltreise stieg Bögli wie versprochen aus dem Zug am Bahnhof in Krakau – und tatsächlich war ihr Verehrer ebenfalls dort. Dieser hielt sogar noch an seinem Vorhaben, sie zu heiraten, fest. Doch Bögli lehnte schweren Herzens erneut ab – sie wollte ihre auf den Reisen liebgewonnene Unabhängigkeit nicht mehr aufgeben.
Nach ihrer Rückkehr verarbeitete sie ihre Reiseerfahrungen in dem Buch «Vorwärts», das zu einem Bestseller und in 9 Sprachen übersetzt wurde. Es war nicht zuletzt dieser Erfolg, der ihre zweite grosse Reise ermöglichte: von 1910 bis 1913 war Bögli in Asien unterwegs, insbesondere in Japan und China. Diese Reise wurde denn auch zum Aufhänger für ihr zweites Buch «Immer Vorwärts», das jedoch nicht an den Erfolg ihres Erstlings anzuschliessen vermochte. Nach dieser Reise blieb Bögli letztlich in der Schweiz, wo sie bis zu ihrem Tod 1941 Sprachen unterrichtete und Vorträge hielt.