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Am Dummerstorfer Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) konnte nach über fünf Jahren intensiver bioakustischer Grundlagenforschung kürzlich ein Apparat entwickelt und zum Patent angemeldet werden, der genau dies tut: den Schweinen zuhören und feststellen, wann sie Stresslaute ausstoßen. Die Wissenschaftler haben ihre Erfindung "Stressschrei-Monitor- und Dokumentationseinheit" oder kurz Stremodo getauft. Stremodo besteht aus einem Mikrophon als "Hörorgan", dessen Signale digitalisiert und anschließend mit modernen bioakustischen Verfahren vorverarbeitet werden. Die aufgezeichneten und verarbeiteten Daten gelangen anschließend in das "Gehirn" des Geräts, einem künstlichen neuronalen Netzwerk. Stremodo analysiert aus den allgemeinen Stallgeräuschen die Stressschreie und dokumentiert sie mit Uhrzeit in elektronischer Form. Neuronale Netzwerke lernen in einer Trainingsphase die von ihnen aufzu- spürenden Signale, in unserem Fall Stresslaute. Stremodo ist also nicht auf das Erkennen der Stresslaute von Schweinen beschränkt, sondern könnte auch auf Rinder oder andere Nutztiere programmiert werden. Für die praktische Anwendung ist Unempfindlichkeit gegenüber Störgeräuschen besonders wichtig. Stremodo soll auf Stressschreie ansprechen, nicht aber auf behagliches Grunzen, Lüftersummen im Stall oder das Schimpfen des Bauern. Das neuronale Netzwerk, das der FBN-Mitarbeiter Dr. Peter-Christian Schön mit seinen Kollegen entwickelt hat, leistet dies. Es reagiert mit einer Fehlerquote von weniger als 2 Prozent nur auf die Stresslaute der Schweine und ignoriert alles andere.
Das Gerät besteht zurzeit im wesentlichen aus einem speziell programmierten Lap Top. Die Dummerstorfer Verhaltensphysiologen um Professor Gerhard Manteuffel suchen nun nach einem Unternehmen, das Stremodo als kleine "Blackbox" herstellt, die in Ställen oder Schlachthöfen aufgestellt werden kann oder in Tiertransportern montiert wird. Damit könnte der Landwirt feststellen, ob seine Haltungsbedingungen einwandfrei sind und dem Verbraucher beweisen, dass seine Tiere stressarm aufgezogen werden. Bei Tiertransporten ließe sich objektiv eine angemessene Fahrweise und adäquate Tierversorgung dokumentieren. Selbst eine stressarme Behandlung vor und während der Schlachtung wäre klar belegbar. (AHO aktuell, 30. November 2001)