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Eine Blasenentzündung kann durch Ansteckung, durch mangelnde Hygiene oder auch durch eine Reihe anderer Risikofaktoren entstehen bzw. begünstigt werden. Diese können Betroffene kaum oder selten beeinflussen bzw. verhindern. Meist sind es Keime der Darmflora, die vom Darm aus den Hindernisparcour in die Blase schaffen und dort eine Infektion auslösen. In zwei Drittel aller Fälle ist es das Darm-Bakterium Escherichia coli, kurz E.coli, das für die Entzündung verantwortlich ist. Ob es zu einer Blasenentzündung kommt, hängt von der Anzahl der Bakterien, von ihrer Verweilzeit in der Blase und von der individuellen Anfälligkeit der Frau ab. Gelangen nur wenige Keime in die Blase und werden sie rasch wieder durch eine Entleerung aus der Blase gespült. Sie finden keinen Kontakt zur Blasenwand und können so auch keine Entzündung der Blasenwand auslösen.
Halten sich hingegen eine gewissen Anzahl von Keimen längere Zeit im Harn auf und finden eine Kontaktstelle zur Blasenwand, können sie sich dort über feine Häarchen an die Schleimhaut heften, ihre Toxine an die Zellen abgeben und so eine Entzündung auslösen. Für ein besseres Verständnis dafür, wie die sogenannte Zystitis entstehen kann, soll im Folgenden die Anatomie erklärt werden.
Die Anatomie der Harnwege
Die ableitenden Harnwege bilden einen Hohlraum und führen den von der rechten und der linken Niere gebildeten Harn über mehrere Stationen hinweg nach aussen. Nierenbecken und Harnleiter werden als oberer, Blase und Harnröhre als unter Harntrakt bezeichnet. Der Hohlraum des Harntraktes ist normalerweise keimfrei und der darin befindliche Harn steril. Die Wand des gesamten Harntraktes ist innen ähnlich einer Tapete von einer Schleimhaut ausgekleidet. Die Blasenwand und insbesondere die Schleimhaut ist sehr gut mit dem körpereigenen Abwehrsystem verbunden und kann in den Harntrakt eingedrungene Bakterien bekämpfen.
Die Haupteintrittspforte in den Harntrakt ist die Harnröhre. Bakterien wandern so von aussen in den Harntrakt ein und können bei Versagen der Infektabwehr zu einer Harnwegsinfektion führen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, der Grund dafür ist die unterschiedliche Länge der Harnröhre. Die weibliche Harnröhre ist mit 3 bis 5 cm deutlich kürzer als die männliche mit 15 bis 18 cm. Bakterien haben es also bei Frauen nicht so weit bis in die Blase, somit haben Frauen ein grösseres Risiko für eine Blaseninfektion.
Risikofaktoren, die einen Harnwegsinfekt begünstigen
Fast jede Frau hat mindestens einmal im Leben eine Blasenentzündung, bei nicht wenigen Frauen treten in regelmässigen Abständen wiederkehrende Infekte auf. Bei sexuell aktiven Frauen ist der Geschlechtsverkehr der häufigste Auslöser für eine Blasenentzündung. Hierbei gelangen durch die Bewegungen des Penis in der Scheide Keime durch die Harnröhre in das Blaseninnere und den Harn.
Es gibt jedoch noch weitere Risikofaktoren, die Blasenentzündungen begünstigen können:
- Ist das Immunsystem geschwächt, etwa durch Unterkühlung oder Stress, haben die Bakterien ein leichteres Spiel.
- Wird beim Gang auf die Toilette in die falsche Richtung gewischt – von hinten nach vorn –, können auch auf diese Weise Bakterien in die Harnwege gelangen.
- Einige Verhütungsmethoden beim Sex können begünstigend wirken, dazu gehören Spermizide oder das Diaphragma.
- Häufiger Sex ist ein Begünstigungsfaktor. Eine darauffolgende Balsenentzündung wird auch Flitterwochen-Zystitis genannt.
- In den ersten Wochen nach der Geburt und in der Schwangerschaft allgemein ist die Hormonlage im Körper verändert und die Harnwege sind geweitet. Auch hier können Erreger leichter eindringen.
- Bei Abwehrschwäche oder bei bestimmten Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus sind die Erkrankten sowieso anfälliger für Infekte, darüber hinaus kann der Zucker im Urin als Nährstoff für Bakterien dienen.
- Auch durch die Einnahme von immunsupprimierenden Medikamenten oder nach einer Bestrahlung kann es durch das geschwächte Immunsystem zu Blasenentzündungen kommen.
- Unter Umständen kann eine Blasenentzündung auch ansteckend sein. Die Übertragung der Bakterien kann bspw. auf einer öffentlichen Toilette, über den Griff vom Einkaufswagen, Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln u. Ä. stattfinden. Eine regelmässige gründliche Reinigung der Hände wirkt vorbeugend.
Das Zusammenspiel von Blasenstörungen und Harnwegsinfektionen
Patienten, die unter neurogenen Blasenstörungen leiden – beispielsweise bei Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Parkinson oder Demenz – besitzen ein erhöhtes Risiko, an einer Blasenentzündung zu erkranken. Auch andere Blasenfunktionsstörungen wie Restharn, eine Blasenschwäche oder eine gutartige Prostatavergrösserung (Prostatahyperplasie) bei Männern begünstigen Infektionen des Harntraktes. Staut sich der Urin in der Blase, finden Keime darin den optimalen Nährboden zur Vermehrung.
Auch Inkontinenz-Patienten sind einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt. Umgekehrt kann eine Blasenentzündung sogar eine Inkontinenz auslösen. Schon während der Infektion kann ein imperativer Harndrang auftreten, den Betroffene nicht zurückhalten können – genau wie bei einer Dranginkontinenz. Damit sich die Symptome nicht verschlimmern oder weitere ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen, ist eine frühzeitige Abklärung beim Facharzt (Uro-Gynäkologe, Urologe) unbedingt angeraten.