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Die von ARS unterstützen Projekte sind klein, aber wirkungsvoll. Sie sind eng miteinander verwoben, das macht sie effizient und effektiv. Ein Beispiel dafür, wie armutsbetroffene Menschen Schritt um Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft begleitet werden, ist die junge Frau Sujatha aus dem Dorf Ayyampalayama Pudhur.
Nur etwas ein Kilometer vom Büro der Regenboog India Foundation entfernt, liegt Ayyampalayama Pudhur. Neben ein paar wenigen kleinen Betonhäusern bewohnen die rund 600 Einwohner*innen dieses sehr ärmlichen Dorfes meist Hütten mit Wellblechdächern. Ihren bescheidenen Lebensunterhalt verdienen sich die Leute mit Hausieren, Wahrsagen und Hellsehen. Und auch wenn die Siedlung nicht sehr abgelegen ist, so leben die Menschen doch abgeschirmt vom Rest der Gesellschaft. Vielleicht weil es schon immer so war oder weil sie von anderen gemieden werden, begegnet dieses Dorf allen Fremden mit Argwohn, hält äussere Einflüsse fern und lebt nach seinen eigenen Gesetzen. Dazu gehört, dass Mädchen aus der Schule genommen und verheiratet werden, sobald sie die Pubertät erreichen.
Zumindest war das so, bis im Mai 2019 eine grosse Dürre das Dorf in arge Not brachte. Die Regenboog India Foundation hatte zuvor mehrfach versucht, eine Abendschule für die über hundert Kinder und Jugendlichen in Ayyampalayama einzurichten, und prallte damit immer wieder ab. Doch dann versiegte der Brunnen im Dorf. Die umliegenden Gemeinden teilten ihr Wasser nicht mit dem aus ihrer Sicht randständigen Ayyampalayama, und so waren die Einwohner*innen gezwungen, Trinkwasser von einem Bestattungsplatz zu nehmen, wo Verstorbene unter freiem Himmel kremiert werden. Sie suchten daraufhin Hilfe bei Madhan und seinem Team. Unter der Bedingung, dass Regenboog im Dorf eine Abendschule eröffnen dürfe, sagte er zu und sorgte postwendend dafür, dass ein neuer, tieferer Brunnen gegraben wurde.
Die Unterstützung durch Regenboog während der Trockenheit schaffte Vertrauen, das bald Früchte tragen würde. Im August 2019 öffnete die neu gegründete Abendschule ihre Tore. Kurz darauf war es möglich, den ersten jungen Mann aus dem Dorf über das Educational Sponsorship Programm bei seinem Studium finanziell zu unterstützen. Was für die Familien von Ayyampalayama vorher schlicht unvorstellbar war, nämlich dass ihre Söhne eine gute Ausbildung machen und ein besseres Auskommen haben könnten, rückte in greifbare Nähe.
Während all dieser Zeit suchte Regenboog im Dorf vergeblich nach einer jungen Frau, die sie ebenfalls bei einer höheren Ausbildung unterstützen könnten. Nur so, glauben sie, würden die unerträglichen Kinderehen verhindert werden. Denn für die meisten Familien haben die Söhne Priorität. Alles, was an Ressourcen verfügbar ist, wird in sie investiert, während die Mädchen ungebildet und chancenlos bleiben. Angesichts der realen wirtschaftlichen Not lässt sich diese tief verankerte Mentalität am ehesten verändern, wenn die Eltern in der Ausbildung der Tochter eine realistische und attraktivere Alternative finden, als sie früh zu verheiraten.
Vor ein paar Monaten kam dann die achtzehnjährige Sujatha auf Regenboog zu. Über das Wirken von Madhan und seinem Team hatte sie dank ihrer kleinen Schwester Susi, die die Abendschule in Ayyampalayama besucht, viel gehört. Sujathas Eltern hatten ihr erlaubt, bis zur zwölften Klasse zur Schule zu gehen. Und jetzt hegte sie den Wunsch, an einer Fachhochschule die Ausbildung zur Krankenpflegerin zu machen. Für Madhan und sein Team war das die lang ersehnte Chance. Nach Rücksprache mit den Eltern wurde Sujatha im Educational Sponsorship Programm aufgenommen.
Diesen Frühling hat Sujatha ihr Studium in Mylapore begonnen und ist damit die erste Frau aus dem Dorf, die diesen Weg einschlagen konnte. Diese Wendung hat auch in den umliegenden Siedlungen grosses Aufsehen erregt, die Ayyampalayama sonst so geringschätzen. Natürlich ist die Aussicht auf eine selbstbestimmte Zukunft durch eine gute Ausbildung für Sujatha persönlich ein grosses Glück. Gleichzeitig hilft es ihrer ganzen Familie, der lähmenden Armut zu entkommen. Und letzten Endes wird diese Erfolgsgeschichte auch weitere Familien in Ayyampalayama dazu bewegen, ihre Töchter nicht aus der Schule zu nehmen und sie zu verheiraten, sondern sie den gleichen Weg beschreiten lassen wie Sujatha.