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Die Rektorats-, Fakultäts- und Senatszimmer gehören neben der Aula zu den Repräsentationsräumen der Universität Zürich. Entsprechend aufwendig wurden sie gestaltet. Für die künstlerische Ausstattung der Universität hatte sich Karl Moser ein gewichtiges Mitspracherecht gesichert. Ihm war es wichtig, dass die «Schwesterkünste» Architektur, Bildhauerei und Malerei zusammenwirkten und ein «einheitliches Ganzes» schufen. Den Künstlern wollte Moser «Gelegenheit zu raumgestaltender Arbeit» geben. So auch in den Repräsentationsräumen. Moser setzte sich dabei für junge Künstler ein und verstand dies als Förderung neuer künstlerischer Richtungen. Die Türen des Rektoratszimmers (KOL-E-4) und des Fakultätszimmers (des heutigen Dozentenzimmers KOL-E-11) erhielten ihre bildhauerische Nobilitierung durch Otto Kappeler (1884–1949).
Rektoratszimmer
Den reichsten Türschmuck besitzt das Rektorat: ein barockisierendes Portal, in dessen Supraporte zwei Voluten ein Reliefmedaillon stützen. Im Medaillon thront Athene – die von zwei Eulen flankierte Göttin der Weisheit – über weiblichen Personifikationen der Fakultäten, die in die Pilaster der Türrahmung gehauen sind: Die Türrahmung zeigt weibliche Personifikationen der damaligen Fakultäten: Von oben nach unten, links Mathematik und Naturwissenschaften (Philosophische Fakultät II, heute MNF), Philosophie (Philosophische Fakultät I, heute PhF), Veterinärmedizin, rechts Staatswissenschaften, Theologie und (Human-) Medizin.
Das Zimmer des Rektors wurde mit einem Sockeltäfer in palisanderfarbig gebeiztem Nussbaum, mit Bandeinlagen in Buchenholz und Buckelleisten in schwarz gebeiztem Birnenholz ausgestattet, die Wände mit einer goldfarbenen Damasttapete mit floralem Muster bespannt, die Stuckdecke ist teilvergoldet.
Fakultätszimmer (heute Dozentenzimmer)
Den Eingang des Fakultätszimmers markiert ein in floralem Fachrelief geschmückter Rahmen mit Reliefmedaillon in der Supraporte, das einen knienden, athletischen Männerakt zeigt. Das Innere des Fakultätszimmers ist bis unter einen breiten, mattrot grundierten, mit olivgrünen Höhungen versehenen Stuckfries mit dunkel gebeiztem Eichenholz und schwarz lackierten Kehlleisten vertäfelt. Eine Kassettendecke mit Stuckrosetten in den rechteckigen Feldern – in denselben Farben wie der Fries – verleiht dem Raum seinen heute noch zu Repräsentationszwecken genutzten Charakter eines Festsaals.
Der so ausgestattete Raum sollte zuerst als Senatszimmer genutzt werden. Mit dieser Funktion vor Augen wurde im Juli 1913 ein Wettbewerb für ein Gemälde ausgeschrieben – der einzige Wettbewerb für künstlerische Arbeiten an der Universität; er war mit dem Wettbewerb für einen Gemäldefries des westlichen damaligen Dozentenzimmers (KOL-E-14) kombiniert. Eingabetermin war der 15. Oktober. Die ersten Preise erhielten Paul Bodmer (1886–1983) für einen Fries im westlichen Dozentenzimmer und Hermann Huber (1888–1967)für ein Gemälde im damaligen Senatszimmer. Diese Prämierungen waren Auslöser eines Kunstskandals (mehr dazu in Kapitel 12: «Wandgemälde von Paul Bodmer»). Hubers Entwurf Punkt war für einen Platz gegenüber den westlichen Fenstern unter dem ornamentalen Stuckfries vorgesehen und hätte die Verkündung einer neuen Lehre darstellen sollen. Einigen Professoren war das Bild zu «hodlerianisch». Unter der Bedingung, dass er auf die Ausführung seines Gemäldes im Senatszimmer verzichtete, wurde Huber die Wand beim Vorplatz vor dem Auditorium maximum (KOL-F-101) im ersten Obergeschoss zugewiesen. Hier realisierte er seinen überarbeiteten Entwurf: nun als Der Verkünder betitelt, später zu Lehren und Lernen umgetauft und durch zwei seitliche, schmale Tafeln ergänzt. Ein durch Pilaster gegliederter, renaissance- und altarartiger Holzrahmen fasst das Triptychon ein.
Senatszimmer
Das Senatszimmer (KOL-E-13) war zuerst als Fakultätszimmer geplant. In dieser ersten Funktion war es kleiner vorgesehen, als zweifenstriger quadratischer Raum. Im Verlauf des Innenausbaus wurde ihm das südlich angrenzende, als Kasse zu nutzende Zimmer zugeschlagen, so dass sich der Raum verdoppelte. Durch die damit hinzugekommene zweite, schmucklose Türe betritt man heute das Senatszimmer. Die Wände sind ganzflächig mit Eschenholz bis unter die mit schmalen Leisten stuckierte, weisse Felderdecke vertäfelt. Der Raum wird dominiert vom Wandgemäldezyklus Heinrich Altherrs (1878–1947). Dessen fünf Leinwandgemälde mit mythologischem Inhalt sind in Felder eingelassen, die von schmalen Goldstreifen gerahmt sind. Sie zeigen auf den Schmalseiten je zwei Bilder: an der Nordwand Niobe sowie Orpheus und die Mänaden, an der Südwand Laokoon und Ikarus. Die Längswand zwischen den beiden Türen nimmt Das Dionysische ein. In expressionistischer Malweise wird das dionysisch Festliche der Tragik zweier apollinischer Figuren (Orpheus und Laokoon) und zweier hochmütiger Figuren (Niobe und Ikarus) gegenübergestellt.
Altherr begann die vier kleineren Tragödienbilder für das noch als Fakultätszimmer geplante Senatszimmer als Direktauftrag Karl Mosers im Sommer 1913 zu malen. Nach der Verdoppelung des Senatszimmers malte er das fünfte Bild mit der Festthematik. Die Gemälde wurden mehrheitlich wohlwollend aufgenommen. Das mag damit zusammenhängen, dass Altherr zur Zeit der Auftragsvergabe schon ein etablierter Künstler war. Ab 1906 wirkte er in Karlsruhe, von wo aus er mit Karl Moser in direktem Austausch stand, 1913 wurde er zum Professor an die Stuttgarter Akademie der bildenden Künste berufen. Über seinen Bruder Alfred Altherr – der Direktor des Kunstgewerbemuseums Zürich und Initiant des Schweizerischen Werkbunds war – hatte er gute Beziehungen zu Zürich. Seine Senatszimmergemälde blieben wohl auch deshalb von grösserer Kritik verschont, weil die ersten beiden Bilder erst Mitte 1915 im Senatszimmer platziert wurden, das heisst, rund eineinhalb Jahre nachdem sich der Kunstskandal um Hubers und Bodmers Wettbewerbsentwürfe ereignet hatte. Im Sommer 1917 hatte Altherr alle Senatszimmergemälde fertiggestellt.
Michael Gnehm
Weiterführende Literatur und Links
Zu Hubers Triptychon vgl.: Schweizerischer Kunstführer, Universität Zürich 1980, S. 22.
Altherr, Heinrich: Erklärung zu den Wandbildern im Senatsaale der Zürcher Universität. In: Jahresbericht der Universität Zürich 1918/19, S. 38-39.
Graber, Hans: Die Wandgemälde Heinrich Altherrs in der Zürcher Universität. In: Die Kunst für alle, Heft 13/14, 1919, S. 258-264.