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Frauenund ihre golfspezifischen Probleme
Artikel von Dr.med. Martin Lauterburg in DRIVE, das Magazin zum Golfsport, Ausgabe August 2002, S. 52-54.
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Golf gehört zu denwenigen Sportarten, bei denen sich Frauen und Männer in kompetitiver Form messen können. Dennoch haben Frauen gewisse Nachteile wettzumachen.
Die Gleichberechtigung der Frauen im Golf war lange Zeit keineswegs selbstverständlich. Noch 1975 wurde Frauen von der englischen PGA die Tournierteilnahme versagt und in einigen Clubs durften sie erst ab 16 Uhr oder nur an Sonntagen den Golfparcours spielen. Es soll heute sogar noch Clubs geben, die Frauen diskriminieren, indem geschiedene oder allein stehende Golferinnen erst gar nicht aufgenommen oder ihnen keine Abstimmungsmöglichkeiten gewährt werden. Bei uns hat sich der Damengolfsport von Beginn weg zwar gleichberechtigter entwickelt, und der Frauenanteil im deutschen oder schweizerischen Golfverband ist mittlerweile bereits bei rund 40%, doch nach wie vor müssen Golferinnen mit gewissen Nachteilen leben: Häufig haben sie im Vergleich zu den Abschlagsplätzen der Herren, an den roten und blauen Tees einen schlechteren Überblick über das zu spielende Loch, weil Golfplätze allgemein, aber auch die Hindernisse meist von den Champions-Tees der Herren aus designt werden. Dass Golferinnen stets nach den Herren abschlagen müssen, ist durch die Platzierung der Damen-und Herrentees bedingt. Dieser Längenunterschied zwischen den Herren- und den Damentees soll den physischen Unterschied von Golferinnen und Golfern widerspiegeln. Dieser ist aber weder genau bekannt noch messbar. Mit der Einführung des Course-Rating Systems wurde,wie von der US-Golf Association empfohlen, ein Längenunterschied zwischen den Herren- und den Damentees von etwa 16 bis 25 Prozent (im Schnitt 18 Prozent) veranschlagt.
Auch Vorteile für Frauen
Die körperlichen Unterschiede zwischen Golferin und Golfer, aber auch unter Golferinnen selbst, können sehr gross sein. Dabei können gewisse Unterschiede durchaus auch von Vorteil sein, so zum Beispiel sind Frauen in der Regel meist viel beweglicher als Männer und ihr Körperschwerpunkt liegt zudem tiefer. Der wesentlichste und entscheidende Unterschied zwischen Mann und Frau, der im Golfsport zum Tragen kommt,besteht darin, dass Frauen im Durchschnitt rund2/3 der Muskelmasse eines Mannes aufweisen. Dies hat zur Folge, dass Golferinnen in der Regel eher Schwierigkeiten haben, Power zu erzeugen. Es fehlt ihnen nicht nur die Kraft im Rumpfbereich zur Beschleunigung, auch die wirkende Kraft (Masse mal Beschleunigung) ist durch das verminderte Körpergewicht kleiner. Als Kompensation tendieren daher Golferinnen häufiger dazu, den Schwung und die Schlägerkopfgeschwindigkeit vermehrt mit den Händen und Armen zu generieren.Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Nachteil einer geringeren Körpermasse besteht darin, dass die Präzision und Schwungstabilität bei Drehbewegungen erschwert ist. Denn die rotierende Körper- und Schlägermasse erzeugt über die Drehmomentkraft eine Art «Schwungrad-Stabilität», analog einem Kreisel. Man beachte nur, wie erfolgreiche Athleten und Athletinnen beim Kugelstossen oder Hammerwerfen einen massigen und schweren Körperbau aufweisen. Hinzu kommt, dass eine in der Rotation beschleunigte Masse leichter in ihrer «Bahn» bleibt, auf der eine höhere Präzision und Schlägerkopfgeschwindigkeit erreicht werden kann. Dies führt zusammen mit der durchschnittlich kleineren Körpergrösse von Frauen zu den tieferen Schlägerkopfgeschwindigkeiten. Kürzere Schlagdistanzen sowie Gleichgewichtsprobleme sind daher die häufigsten golfspezifischen Schwierigkeiten von Golferinnen.
Golferinnen tendieren dazu, Schwung und Schlägerkopf-Geschwindigkeit mit Händen und Armen zu generieren.
Mehr mit Balance und Rhythmus
Als Golferin müssen Sie zu Beginn unbedingt versuchen ihre Schwungtechnik ihren Gegebenheiten anzupassen, d.h. sich vermehrt auf Balance und Rhythmus bzw.Tempo auszurichten,damit Präzision und Technik ihre Stärken werden.Dies gilt vor allem für das Spiel mit den langen Eisen und den Hölzern, denn für das kurze Spiel sind die körperlichen Unterschiede unbedeutender bzw. zweitrangig. Sowohl Anfängerinnen, aber erst recht fortgeschrittene Golferinnen sollten zusätzlich regelmässig ihren Bewegungsapparat frauen- bzw. golfspezifisch trainieren. Dazu gehört neben einem regelmässigen Herz-Kreislauf-Training vor allem der Aufbau von Muskelausdauer, Muskelkraft und Beweglichkeit in den für Golferinnen typischen «Schwachstellen» in den Armen und Händen sowie im Rumpfbereich.Untersuchungen haben gezeigt, dass sich das Verletzungsmuster von Golferinnen von dem ihrer männlichen Mitspieler insofern unterscheidet, als Frauen am häufigsten Handgelenksverletzungen zeigen, gefolgt von Rücken- und Ellbogenverletzungen, während Männer am häufigsten über Rückenbeschwerden klagen, gefolgt von Ellbogen- und Handgelenksbeschwerden (vgl. Drive 1/02). Deshalb sollten auch Golferinnen unbedingt in ihren wichtigsten Ausrüstungsgegenstand, nämlich ihren Körper, investieren und regelmässig ein ganzheitliches Stretching- und Kräftigungsprogramm (vgl. Drive 3/02 und 4/02) durchführen.Die in dieser Ausgabe abgebildeten Übungen sind geeignet, speziell die Hand-, Arm-, Ellbogen- und Schultermuskulatur zu stärken, um als Golferin möglichst fit und beschwerdefrei den Spass und die Freude am Golfen zu bewahren, denn die Motivation und der Durchhaltewille zum Golfen scheint ohnehin bei Frauen tiefer zu sein als bei Männern. Gemäss der National Golf Foundation sind zwar fast die Hälfte aller Anfänger Frauen, doch der Grossteil der Frauen hört innerhalb der ersten zwei Jahre mit dem Golfen wieder auf. Offensichtlich kommt bei Frauen der Faktor «Spass» beim Golfen eher zu kurz. Dafür mag es viele Gründe geben. Zum einen kämpfen speziell Anfängerinnen, aber auch ältere Spielerinnen häufig mit zu grossen Distanzen, welche die Lust am Golfen verderben können. Zum anderen haben Frauen häufig Probleme, eine geeignete Ausrüstung zu finden. Während für Herren pro Hersteller meist mehrere Modelle zur Auswahl stehen, gibt es für Frauen häufig nur ein Modell, entweder mit lila oder mit blassfarbenen Schäften.
Schläger dem Körper anpassen
Wichtig scheint mir, dass Frauen nur Golfschläger benützen, die ihrer individuellen Körpergrösse angepasst sind. Dies sind definitiv nicht die alten und etwas gekürzten Schläger ihres Ehemannes, sondern die von einem Clubfitter oder Pro empfohlenen Schläger, die in der Regel auch über flexiblere Schäfte verfügen. Um ein Optimum aus seinen Schlägern herauszuholen, empfiehlt es sich speziell für Golferinnen, die Schläger im Lie zu prüfen oder gar anzupassen und gegebenenfalls zusätzlich auch eine korrekte Griffanpassung vorzunehmen. Den Anfängerinnen empfehle ich zunächst nur einen halben Schlägersatz zu benützen. Dieser sollte ein Holz 3 und ein Holz 7 sowie die Eisen 5, 7, 9, ein Sand-Wedge und einen Putter umfassen. Da Frauen meist eine tiefere Schlägerkopfgeschwindigkeit erzeugen, fällt es ihnen häufig auch leichter, ein Holz 7 anstelle eines Eisens 3 für die gleiche Schlagdistanz zu spielen. Als idealen vollen Schlägersatz für Frauen empfehle ich einen Driver (Holz 1) und die Hölzer 3, 5,7 sowie die Eisen 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, ein Pitching-Wedge, ein Sand- Wedge und den Putter. Die Wahl des richtigen Golfballes ist immer abhängig von den Bedürfnissen und der Schlägerkopfgeschwindigkeit. Für die meisten Golferinnen – und übrigens auch für die meisten Männer – sind die etwas weicheren Lady-Bälle ideal.

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