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Er sass auf der Bank in der Anlage.
Und er fror.
Der Himmel war grau verhangen. Schwarze Raben hüpften auf der grünbraunen Wiese hin und her.
Anton sah diese Bilder nicht. Er stierte ins Weite zum Brunnen. An dessen Wasserschnabel hatte sich ein kleiner Eiszapfen gebildet. Eine kalte, glasige Träne.
«Scheisse», sagte nun Anton laut. «GOTTVERDAMMTE SCHEISSE!» Seine Augen brannten. Er dachte an Alice.
Vor zwei Jahren hatte sie ihn verlassen. Und er fand seither die Kurve nicht? ohne Alice war es für Anton kein Leben mehr. Sie war seine Gegenseite gewesen: sonnig, heiter, versponnen.
Er hingegen: NÜCHTERN. ANALYTISCH. Und mit dem leicht herablassenden Lächeln des Intellektuellen für die Spinnerin an seiner Seite.
Alice hatte seinem Leben als Forscher Farbe gegeben. Sie hatte ihn zum Lachen gebracht. Und sie hatte ihm Dinge gezeigt, die er nicht sah: den roten Feuerball in Afrika, als die Sonne das Meer verbrannte? den goldenen Maremma-Vogel, der sein Nest in der Erde baute.
Alice belehrte nie. Sie zeigte einfach strahlend darauf. Und er fühlte sich in solchen Momenten glücklich.
Als sie ihm die Krebsdiagnose mitteilte, redete er kein Wort. Er musste das Resultat erst intellektuell verarbeiten. Anton telefonierte mit dem Arzt. Und war wütend, weil er nichts kapierte. «Sechs Monate», war das einzig Konkrete, das Anton verstand.
Es war Alice, die ihn tröstete und aus dem schwarzen Loch riss: «Ich bin immer bei dir, Toni?ich weiss, dass du nicht an solche Dinge glaubst?aber du kannst dich auf mich verlassen?» Sie lächelte dieses Sonnenlachen: «Ich bin dann nur kurz weg?aber ich bin immer da!»
In ihren letzten Tagen sass er nur noch an ihrem Krankenbett. «Irgendwo wartet eine andere Sonne auf dich, Toni?du kannst dich nicht vergraben?du bist noch zu jung. Ich werde dir jemanden vorbeischicken?»
Sie zeigte zum Himmel: «Wenn ich dorthin komme, habe ich ganz andere Möglichkeiten?» Sie lachte wieder das Lächeln, das ihn jetzt würgte.
Sie fehlte ihm grausam. Er liess sich gehen. Ass kaum mehr. Und vergrub sich in seinem Labor.
Er brachte es nicht fertig, sie auf dem Friedhof zu besuchen. Deshalb redete er hier auf diesem Spielplatz mit ihr. Und brüllte zum Himmel: «Lass mich nicht einfach hier hocken Alice? vor Weihnachten ist es am schlimmsten!»
«Kann ich Ihnen helfen?» Eine jüngere Frau blieb stehen. Und schaute Anton leicht verwundert an. Er nahm sich zusammen: «Entschuldigen Sie? ich habe nur laut gedacht?»
Sie setzte sich zu ihm.
Keiner sprach ein Wort.
«Ich habe meine Frau verloren?», sagte Anton schliesslich.
Die Frau nahm seine Hand: «Das tut mir leid. Ich kann mir vorstellen, wie Ihnen zu dieser Zeit zumute ist?»
Er schaute sie an. Und entdeckte dieses leise Lächeln von Alice. «Ich muss jetzt weiter?aber hier ist meine Karte. Wenn Sie mal mit jemanden reden möchten?», sagte sie.
Fünf Minuten blieb er noch auf der Bank sitzen. Er steckte das Visitenkärtchen ein. Irgendwie fühlte er sich nach langer Zeit erstmals wieder froh.
Ein Bub hatte den wenigen Schnee auf der Matte zusammengekratzt und warf einen Schneeball nach ihm.
Anton lachte.
Beim Brunnen blieb er stehen. Die Sonne fiel eben auf den eisigen Wassertropfen, sodass dieser wie ein Edelstein aufstrahlte.
«Schön», sagte Anton, «wunderschön.»
Allein
Er sass auf der Bank in der Anlage.