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Die Geschichte zwischen SFMT und FMWS
Die Pioniergeschichte zur Entwicklung der Musiktherapie durch das FMWS in der Schweiz
Die Geschichte beginnt im Jahr 1990. Ich selbst (Joachim Marz) war noch mitten in der Ausbildung zum Musiktherapeuten und hatte beim SFMT in diesem Jahr die Aufgabe übernommen, Weiterbildungen zu organisieren, da ich selbst seit 1982 in der Erwachsenenbildung tätig war.
Zu dieser Zeit gab es noch sehr wenige Weiterbildungsangebote für Musiktherapeuten.
Das war einer der Gründe, warum ich 1992 das Forum Musiktherapeutischer Weiterbildung Schweiz (FMWS) gründete.
Das FMWS Gründungsjahr 1992
Die Idee und die Vision, das Forum Musiktherapeutischer Weiterbildung Schweiz (FMWS) zu gründen, entstand bei mir, nachdem ich 1992 meine erste Stelle als Musiktherapeut in der Psychiatrie angetreten hatte. Ich stellte fest, dass bei mir und anderen Berufskollegen ein grosses Bedürfnis nach Weiterbildungen, fachlichem Austausch und nach Fachtagungen bestand. Weiterbildungsangebote gab es in der Schweiz zu der Zeit nur vereinzelt. Die Musiktherapie-Szene der Schweiz begann sich aber langsam zu entwickeln und ebenso die Angebote des SFMT. Die Gründung des FMWS 1992 hatte zum Ziel, durch spezifische Weiterbildungsangebote die Musiktherapie in der Schweiz zu fördern, bekannter zu machen und auch weiter zu entwickeln.
Die ersten Jahre nach der Gründung vom FMWS von 1992 bis 1997
Das FMWS organisierte verschiedenste musiktherapeutische Weiterbildungen, Seminare und Kurse mit Dozenten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Die Nachfrage nach musiktherapeutischer Weiterbildung nahm dadurch stetig zu und der SFMT beteiligte sich an einigen Veranstaltungen, die vom FMWS organisiert wurden.
Der erster FMWS Lehrgang beginnt 1999
1999 begann die erste, vom FMWS angebotene, zweijährige musiktherapeutische Weiterbildung mit einem besonderen Schwerpunkt: Musiktherapie mit werkorientiertem Instrumentenbau (Projekt Klangkörper). Diese Weiterbildung fand bei Musikern, Pädagogen, Sozialpädagogen, Heilpraktikern und auch Therapeuten grossen Anklang und war bis dahin in dieser Kombination einmalig.
Im Verlauf dieser Weiterbildung entwickelte sich das FMWS weiter. Wir gründeten eine eigene Schule mit einem kompetenten Leitungs- und Dozententeam. Es entstand so unser erstes Curriculum zur «Ausbildung Musiktherapie mit Instrumentenbau».
Der Aufbau der Schule erforderte damals eine grosse Auseinandersetzungsbereitschaft, Engagement, Kompetenz, Kraft und Ausdauer, damit wir uns zu einer in der Schweiz anerkannten musiktherapeutischen Ausbildungsinstitution etablieren und als solche die offizielle Anerkennung vom SFMT erhalten konnten.
Der Beginn einer langjährigen Kooperation von 2001 bis 2020
Um von Beginn an eine hohe Qualität für unsere Ausbildung zu garantieren, entstand 2001 die Kooperation zwischen dem FMWS und dem Institut für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, vertreten durch Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Helmut Decker-Voigt und mit der Akademie für Weiterbildung in künstlerischer Psychotherapie und Musiktherapie der Herbert von Karajan Stiftung.
2001 begann das FMWS bereits die erste zweijährige musiktherapeutische Ausbildung „Musiktherapie und Instrumentenbau“ in Kooperation mit unseren beiden Partner-Instituten. Es wurden 16 Personen ausgebildet.
Zur gleichen Zeit führte das FMWS mit dem SFMT Gespräche zur Anerkennung der Ausbildung und unserer Schule.
FMWS und musiktherapeutische Fachtagungen
Neben der 2001 begonnenen Ausbildung organisierte das FMWS auch weiterhin berufliche Weiterbildungen, Kurse und Seminare für Musiktherapeuten.
2001 wurde vom FMWS in Zusammenarbeit mit der Rehaklinik Bellikon die erste musiktherapeutische Fachtagung «Musiktherapie in der Neurorehabilitation» in der Schweiz durchgeführt und als wichtige berufspolitische Veranstaltung in den folgenden Jahren weitergeführt. Das FMWS führte von 2001 bis 2018 insgesamt 12 Fachtagungen durch. Der SFMT beteiligte sich anfangs daran und veranstaltete einige Jahre später ebenfalls Fachtagungen.
2003 wurde die FMWS Ausbildung vom SFMT anerkannt
Im Jahr 2003 wurde dem vom FMWS gestellten Gesuch zur Anerkennung der berufsbegleitenden FMWS Ausbildung «Musiktherapie mit Instrumentenbau» und zur Anerkennung des FMWS als Ausbildungsinstitution vom Schweizerischen Fachverband für Musiktherapie «SFMT» stattgegeben.
Das bedeutete, dass unsere erste dreijährige berufsbegleitende musiktherapeutische Ausbildung „Musiktherapie mit Instrumentenbau“ vom Fachverband SFMT und ebenfalls vom deutschen Fachverband DMTG vollumfänglich anerkannt wurde. Die Ausbildung wurde mit 16 Studierenden erfolgreich durchgeführt.
Ab diesem Zeitpunkt intensivierten sich die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen SFMT und FMWS.
Unter der Leitung des SFMT wurde eine jährliche Konferenz mit den damaligen musiktherapeutischen Ausbildungsinstitutionen in der Schweiz abgehalten, an denen über Ausbildungsthemen, berufspolitische Themen und Anpassungen der Ausbildungsinhalte sowie die Fachverbandsregeln zur Aufnahme der Absolventen in den SFMT Fachverband diskutiert und gemeinsame Beschlüsse gefasst wurden.
SFMT und die berufspolitische Entwicklung der Musiktherapie in der Schweiz
Im Jahr 2002 entwickelte sich die «OdA KSKV/CASAT», heute Organisation der Arbeitswelt OdA ARTECURA genannt.
Ziel war die Etablierung eines gemeinsamen Berufsabschlusses für alle kunsttherapeutischen Fachrichtungen in der Schweiz (Höhere Fachprüfung «HFP») mit dem Titel «Eidgenössisch anerkannter Kunsttherapeut z.B. in der Fachrichtung Musiktherapie».
Der SFMT beauftragte damals das FMWS (vertreten durch Marz/Kutterer), in der von der OdA KSKV/CASAT ins Leben gerufenen Gruppe die Fachrichtung Musiktherapie zu vertreten und an den Vorbereitungen eines Berufsabschlusses der Fachrichtung Musiktherapie mitzuarbeiten.
Die in dieser Arbeitsgruppe entwickelten Grundlagen und Ergebnisse zur beruflichen Anerkennung der Fachrichtung Musiktherapie wurden anderthalb Jahre später von Marz an der jährlichen GV vom SFMT präsentiert. An dieser GV wurde ebenfalls die Neuausrichtung der bam zu einem Master of Advanced Studies MAS in Klinischer Musiktherapie an der Zürcher Fachhochschule (ZHdK) vorgestellt. Anschliessend wurde an der GV darüber abgestimmt, in welche Richtung sich die Musiktherapie in der Schweiz weiter entwickeln soll. Die Entscheidung fiel an der GV zu Gunsten des Master of Advanced Studies MAS in Klinischer Musiktherapie an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK aus.
Der SFMT hat sich nach dieser GV-Abstimmung nicht mehr an der berufspolitischen Weiterentwicklung der OdA KSKV/CASAT beteiligt. Der SFMT konzentrierte sich auf den Master of Advanced Studies MAS in Klinischer Musiktherapie an der ZHdK.
Aus heutiger Sicht wäre die weitere Mitwirkung und Zusammenarbeit des SFMT an den Vorbereitungen für einen Berufsabschluss der Fachrichtung Musiktherapie in Zusammenarbeit mit der OdA KSKV/CASAT berufspolitisch sehr sinnvoll gewesen. Der SFMT hätte somit eine Mitsprache auf zwei wichtige sich entwickelnde, berufspolitische Richtungen ausüben können und dadurch die berufspolitischen Entwicklungen mitbestimmen und mit erarbeiten können.
Modularisierung der FMWS Ausbildung im 2005
Im Jahr 2005 startete das FMWS nach bereits zwei erfolgreichen dreijährigen Ausbildungsgängen die erste vierjährige, modularisierte Ausbildung „Musiktherapie mit Instrumentenbau“. Dieser Ausbildungsgang und daraufhin drei weitere bis 2016 wurden vollumfänglich nach den erweiterten Ausbildungsrichtlinien des Schweizerischen Fachverbandes für Musiktherapie SFMT durchgeführt.
Das FMWS und die OdA ARTECURA Anerkennung im 2016
Nach mehr als einem Jahr Vorarbeit war es 2016 so weit. Das FMWS wurde vom KSKV, heute OdA ARTECURA, als Ausbildungsinstitution anerkannt und wurde damit zum ersten Modulanbieter für die Vorbereitung auf die höhere Fachprüfung «HFP» in Kunsttherapie mit Fachrichtung Musiktherapie. Dieser berufspolitische Schritt stellte sich in der Folge als richtig heraus, denn eine anerkannte und damit auf die HFP vorbereitende Ausbildung fand zunehmend mehr Beachtung bei Arbeitgebern, den Krankenkassen und besonders bei den Interessenten für eine Musiktherapie-Ausbildung.
Das Jahr der Erweiterung und Veränderung im 2017
Zeitgleich mit der Anerkennung des FMWS durch die OdA ARTECURA als Ausbildungsinstitution kam es unter dem Dach vom FMWS zu einer Erneuerung mit der Gründung der «Fachschule Musiktherapie Ausbildung Schweiz» FMAS mit Benjamin Schwarz als Ausbildungsleiter und zum Start der achten Ausbildung im FMAS.
Der SFMT vernetzt sich mit OdA ARTECURA
Berufspolitisch ist ein Ausbildungsabschluss, der auf die HFP vorbereitet oder die Voraussetzungen dafür erfüllt, für heutige Musiktherapeuten immer wichtiger geworden. Dies wurde mittlerweile auch vom SFMT anerkannt. An einer sehr lebendig geführten Diskussion an der GV 2018 wurde beschlossen, dass der SFMT der OdA ARTECURA beitritt.
FMWS und FMAS 2021– es geht weiter
Das FMWS und das FMAS führen als anerkannte Weiterbildungs- und Ausbildungs-Institution gemeinsam weiterhin qualitative musiktherapeutische Weiterbildungen sowie die vierjährige Ausbildung durch. Wir vermitteln dafür alle Grundlagen und ein vertiefendes Wissen immer nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Richtlinien der OdA ARTECURA zur Vorbereitung auf die HFP. Insgesamt wurden durch das FMWS/FMAS mit den z.Z. noch Studierenden 145 Musiktherapeuten ausgebildet.
An dieser Stelle möchte ich meinen herzlichen Dank an das ehemalige FMWS-Leitungsteam aussprechen für die vielen Jahre unserer gemeinsamen und guten Zusammenarbeit.
Herzlichen Dank an: Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Helmut Decker-Voigt, Martin Kutterer, Dr. Gita Strehlow, Susanne Bossert und Benjamin Schwarz.
Mein Wunsch für die weitere Zukunft des SFMT
Wir wünschen dem SFMT nach 40 Jahren viel Erfolg für die Zukunft und natürlich soll der SFMT weiterhin alle berufspolitischen Interessen der Mitglieder vertreten und weiter fördern.
Der SFMT sollte zudem eine vertiefte Zusammenarbeit und Vernetzung mit den musiktherapeutischen Ausbildungsinstitutionen anstreben, um gemeinsam die Musiktherapie weiter zu entwickeln. Zudem wäre eine spezifische Öffentlichkeitsarbeit vom SFMT für den Beruf «Musiktherapie» in der Schweiz mit dem Ziel, die Musiktherapie bekannter und für Institutionen noch attraktiver werden zu lassen, eine weitere sinnvolle Aufgabe.
Alles Gute!
15. September 2021
Joachim Marz