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Grosse Naturräume treffen in Muttenz zusammen
Muttenz liegt an der Schnittstelle zwischen der Oberrheinischen Tiefebene, dem ausgehenden Hochrheintal und dem Tafeljura. Die Siedlung liegt auf einer in der letzten Eiszeit entstandenen Schotterterrasse, der Niederterrasse
. Mit der Rütihard im Süden und dem Wartenberg im Osten greift die Gemeinde auf den Tafeljura über. Im Westen berührt sie mit den Birsauen die Rheintalflexur
. Letztere bildet die Grenze zwischen Rheingraben und Tafeljura und verläuft vom Grenzacher Horn entlang der Birs bis nach Angenstein. Beim Schänzli überquert man sie mit dem Tram.
Das ursprüngliche Muttenz
Wenn man den 1830 entstandenen Geometrischen Plan von Siegfried und Fotos um 1900 miteinander vergleicht, stellt man fast keine Unterschiede fest. Von der Kirche St. Arbogast strahlen fünf von Häusern gesäumte Strassen in verschiedene Richtungen aus. Einzig die Verkehrswege haben sich verändert. Markant tritt die Eisenbahnline Basel–Liestal–Olten hervor. Sie wurde 1853 weit weg vom Dorf im Norden Richtung Hardwald gebaut. In der Folge wurden nur wenige Wohnhäuser und Fabriken beim Bahnhof errichtet.
1904 bis 1939 wurde eine auf landwirtschaftliche Bedürfnisse ausgerichtete Güterzusammenlegung durchgeführt. Sie bewirkte im Wesentlichen eine Neuanlage des Wegnetzes. Die neuen Strassen machten die Parzellen des ganzen Gemeindegebietes baureif. Damit war die Grundlage für die nachfolgende Entwicklung gelegt.
Schnelle Bebauung und Ausbau der Verkehrsträger
Die Eröffnung der Tramlinie 12/14 im Jahr 1921 ermöglichte den Bewohnern, zwischen Muttenz und dem Arbeitsplatz in Basel zu pendeln. Dies und der Bau des ersten Teils des Rangierbahnhofs 1920–1932 bewirkten ein recht starkes Bevölkerungswachstum. Hinzu kam, dass viele Städter den schlechten Wohnbedingungen in der Stadt entflohen und ins grüne Umland zogen. In der Folge wurden grosse Wohngebiete entlang der Tramlinie gebaut: Freidorf, Käppeli, Hinterzweien und Brühl. Es fand eine zügellose Überbauung statt, weshalb Muttenz an der Landesausstellung 1939 als abschreckendes Beispiel gebrandmarkt wurde. Vom Baugebiet waren schon mehr als 40 % überbaut!
In den 1930er-Jahren erfolgte eine Umstellung der Bautechnik. Steinbrüche und Mergelgruben verloren ihre Bedeutung. Dafür wurden vor allem für den Strassenbau ausgedehnte Kiesgruben im Niederterrassenbereich ausgebeutet und später mit Zivilisationsschutt beziehungsweise Chemieabfällen wieder aufgefüllt: unter anderen die Gruben Meyer-Spinnler (Deponie Rothausstrasse), Sutter (Deponie Feldreben) sowie Margelacker.
1937 begann der Bau des Rheinhafens in der Au, welcher mit dem Bau des Kraftwerkes Birsfelden und dem damit verbundenen geregelten Wasserstand kontinuierlich ausgebaut wurde. In Schweizerhalle, einem heute sehr bedeutenden Industriegebiet der NW-Schweiz, erstellten 1937 Geigy und 1946 Sandoz die ersten chemischen Fabriken.
Bauboom und rasantes Wachstum
Der Wandel vom Bauerdorf zum Industrie- und Wirtschaftsstandort vollzog sich vor allem in der Zeit zwischen 1950 und 1970. Von 1950 bis 1960 nahm die Bevölkerung sprunghaft um beinahe 70 % zu, was erneut zu einem Bauboom führte. Vor allem wurden viele Einfamilienhäuser gebaut. Die in der ganzen Schweiz grassierende Wachstumseuphorie und ein ungebremster Fortschrittsglaube kehrten auch in Muttenz ein. So rechnete man in der Planung mit einem maximalen Bevölkerungsstand von 33 000 Einwohnern.
Die Gemeinde ging zügig daran, die notwendige Infrastruktur
auf- und auszubauen. Die vorausgesagte Einwohnerzahl blieb Utopie. Im Jahrzehnt 2000–2010 lag die Einwohnerzahl noch immer um 17 000 Einwohner! Äusseres Zeichen des «Fortschritts» stellten die neu gebauten Hochhäuser dar, welche als Stadttore gesehen wurden: im Westen Unterwart, im Norden Birshöhe und im Osten Kilchmatt. Allerdings blieb das wichtigste Einfahrtstor bei St. Jakob bisher ohne Hochhaus.
Die 1965 eröffnete Autobahn N2/3 und der zwischen 1962 und 1976 gebaute Rangierbahnhof II beanspruchten riesige Freiflächen. Diese Verkehrsanlagen sowie der Rheinhafen mit Hafenbahn, die beiden Kantonsstrassen Birsfelden–August und St. Jakob–Muttenz–Pratteln sowie die Tramlinie 14 zerschnitten das Siedlungsgebiet in West-Ost-Richtung und wirken bis heute stark trennend.
Trotz all der genannten Veränderungen behielt Muttenz dank geschickter Planung im Dorfkern seinen bäuerlichen Charakter.
Sinneswandel und Wakkerpreis als Anerkennung
In der Zeit des ungestümen Wachstums entstand das Bewusstsein, dass der Lebensraum beschränkt ist. Die Raumplanung versuchte die weitere Entwicklung in geordnete Bahnen zu lenken. Die Zonenpläne
Siedlung von 1951, 1965 (Ortskernplanung), 1973, 1995 und letztmals 2008, sowie die beiden Zonenpläne Landschaft von 1978 und 2009 lieferten die planerischen Grundlagen dazu.
Sehr erfolgreich verlief die Planung im Ortskern, wo die historische Bausubstanz erhalten blieb, wofür Muttenz 1983 mit den Wakkerpreis ausgezeichnet wurde.
In jüngster Zeit gaben die Pläne Polyfeld Muttenz zu reden: Es soll in Muttenz Nord (Kriegacker) ein «grünes Quartier» mit Schulen, Hochschulen, Wohnungen sowie Sportanlagen und Arbeitsplätzen geschaffen werden. Muttenz und der Kanton Basel-Landschaft möchten dieses Gebiet damit städtebaulich aufwerten und ihm mehr Urbanität verleihen.
HPM