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Das Mental Health Care Centre Adumasa – Entstehung und Hintergrund
Die Geschichte der Health Care Klinik Adumasa beginnt im Jahre 1982, als Kojo Koranteng das erste Mal den damals existierenden Schrein besucht, und die dort tätigen Heiler kennenlernt. Koranteng, der seit jungen Jahren in Europa gelebt und dort sein Studium der Medizin, Psychologie und Philosophie absolviert hat, verfasst eine Doktorarbeit im Schnittfeld von Psychiatrie und Medizin-Ethnologie und kommt für Forschungsarbeiten in die Region. Von seinen Wurzeln her Ghanaer, jedoch in einem Umfeld aufgewachsen, in dem vieles, was als „traditionell“ oder „Afrikanisch“ definiert wird, à priori eher abgelehnt wurde, interessiert sich Koranteng für die lokalen Dimensionen von Erklärungsmustern und Formen der Kenntnisse der menschlichen Psyche, die – zumindest auf den ersten Blick – weit entfernt scheinen von denjenigen, die im Gebiet der westlichen Psychiatrie und Psychologie gelehrt werden. Dahinter steht die grundlegende Frage, was eigentlich „Normalität“ – geistige, psychische, und soziale – bedeutet, da Definitionen von „krank-sein“ oder „gesund-sein“ kulturell höchst variabel scheinen.
Der erste Kontakt mit den Heilern vom Schrein wird zu Anfang durch in der Region tätige katholische Priester hergestellt. Nachdem Koranteng kurze Zeit in der Gegend verbracht hat, fasst er den Entschluss, dass er mehr erfahren und lernen möchte. Er kehrt also für längere, wiederholte Aufenthalte in die Gegend zurück, und lernt so die Menschen, Heiler, seinen Feldassistenten, Patienten, und auf verstreuten Gehöften im Umland lebende Bauern kennen. Aus den Kontakten, die während seiner Forschungstätigkeit entstehen, werden Freundschaften, und aus den Forschungsaufenthalten wird eine langjährige Beziehung zu den Menschen, und eine nicht abreissende Beschäftigung mit diesem faszinierenden Ort.
Zeitweise ist der Betrieb des Schreins fast eingestellt, und kaum noch Patienten werden behandelt; die Infrastruktur zerfällt. Koranteng bemüht sich, finanzielle Mittel aufzutreiben, die es ermöglichen, eine minimale Infrastruktur zu erhalten. In der Trockenzeit von 1987 herrscht eine grosse Dürre, was ihn dazu bewegt, zusammen mit den Menschen vor Ort einen Wassertank zu bauen. Von diesem Zeitpunkt an wird sukzessive gebaut und investiert.
Ende der 1990er Jahre sterben innerhalb relativ kurzer Zeit beide Heiler, mit denen Koranteng eng verbunden gewesen ist, und die den Betrieb des Schreins unterhalten haben. Sechs Jahre lang gibt es danach keine Aktivitäten mehr. Erst im Jahre 2004 kehrt Koranteng zurück, sich an sein Versprechen erinnernd, welches er den Heilern vor ihrem Tod gegeben hat, dass er für die Fortführung des Schreins sorgen würde. Seine Motivation, zurückzukehren, und den Schrein wieder aufzubauen, rührt also von dieser sehr persönlichen Erfahrung her. Der Schrein wird wieder hergerichtet, neue Gebäude werden um den alten Komplex herum erbaut, und grundlegende Infrastruktur wird erstellt. Bei der Herrichtung des alten Schreins, und auch während dem Prozess, während dem die Idee für den Aufbau einer Klinik reift, stehen Koranteng die Nachkommen der beiden Heiler mit ihrem Wissen und Erfahrung zur Seite. Einige Jahre lang folgen so private Investitionen, und Koranteng sammelt finanzielle Mittel unter Freunden und Bekannten.
Es kommt der Punkt, wo klar wird, dass das Projekt ernsthaft vorangetrieben, professionalisiert und institutionalisiert werden muss, um sowohl die Fertigstellung der Klinik voranzutreiben, als auch einen nachhaltigen Betrieb in der Zukunft zu gewährleisten. Mit dieser Idee, ausgereiften Konzepten für den zukünftigen Betrieb, und der Unterstützung von interessierten Bekannten, erfolgt im September 2012 die Gründung des Schweizer Vereins Mental Health Care Adumasa.
Koranteng nimmt seine Verantwortung ernst. Er erzählt, dass die Heiler des alten Schreins, als sie ihn mit der Aufgabe betraut haben, für dessen Weiterbetrieb zu sorgen, sehr wohl wussten, dass sich damit einiges verändern würde. Verantwortlichkeiten werden neu verteilt, und auch die neuen Ideen, die hineingebracht werden sollen, werden den Betrieb verändern. Entgegen der Vorstellung, dass sich „Traditionen“ nicht wandeln können, ohne dass sie entwertet werden, gilt das Credo: Wenn man das bisherige schätzt, verändert man es so, dass es den gegenwärtigen Umständen gerecht wird. „Wir haben hier die einmalige Gelegenheit, das Beste sowohl der „Afrikanischen“, wie auch der „Westlichen“ Behandlungsmethoden von psychischen Problemen zu übernehmen“, so Koranteng.