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In der Schweiz liefern zahlreiche Anbieter mehr oder weniger zuverlässige Wetterprognosen. Darunter ist auch der staatliche Wetterdienst Meteoschweiz. Seine Anfänge gehen zurück ins 19. Jahrhundert. Die Historikerin Franziska Hupfer hat die ersten Jahrzehnte der systematischen Wetterbeobachtung in der Schweiz untersucht und dazu ein Buch geschrieben.
Franziska Hupfer
Historikerin
Franziska Hupfer ist Historikerin und hat als Doktorandin zur Geschichte der Meteorologie und Klimatologie geforscht. 2017 wurde sie an der ETH Zürich promoviert., Link öffnet in einem neuen Fenster
SRF News: Wie orientierten sich die Menschen in der Schweiz über das kommende Wetter, bevor es eine staatliche Wetterprognose gab?
Franziska Hupfer: Die Leute setzten auf ihr Erfahrungswissen. Hinzu kamen Praktiken, die etwa astrologische Vorhersagen einschlossen. So gab es zahlreiche sogenannte Lostage. Vom Wetter an diesen bestimmten Tagen wurde auf die weitere Entwicklung geschlossen. Schon im 18. Jahrhundert war aber auch das Barometer bereits weit verbreitet. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber wurde das Wetter systematisch gemessen und die Daten aufgezeichnet.
Die Behörden des jungen Bundesstaats konnten die Wetterinformationen für die Hochwasserprävention nutzen.
Wieso hat die Schweiz das Wetter damals zur Staatssache erklärt?
Es gab wissenschaftliche und staatliche Interessen: Das schweizerische meteorologische Beobachtungsnetz war ein Projekt der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft – die heutige Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Dieser Verein versuchte, die Meteorologie als Wissenschaft voranzubringen, indem sie Wetterbeobachtungen auf dem ganzen Territorium der Schweiz organisierte. Sie suchte die Unterstützung des noch jungen Bundesstaats, der an einer Klima-Bestandesaufnahme durchaus ein Interesse hatte. So konnten die Behörden die Informationen etwa für die Hochwasserprävention nutzen.
Die Einführung der Wetterprognose war umstritten. Wieso?
Den Prognosen fehlte eine solide wissenschaftliche Basis. Manche Wissenschafter befürchteten deshalb eine Schädigung ihres Berufsstands. Es gab aber auch Wissenschafter, die sich um eine praktische Meteorologie bemühten. Sie argumentierten, man müsse dem Bedürfnis nach Wettervorhersagen Rechnung tragen. Auch der Bundesrat unterstützte die Förderung der praktischen Meteorologie. Vor allem für die Landwirtschaft oder andere, wetterabhängige Branchen sah er darin Vorteile.
Zu Beginn wurde der Wetterbericht per Post verschickt.
Am 1. Juli 1880 wurde der erste staatliche Wetterbericht veröffentlicht. Wie wurde er unter die Leute gebracht?
Der Wetterbericht hatte die Grösse einer A3-Seite. Er wurde per Post verschickt – das Problem dabei: An manchen Orten traf der Bericht erst ein, nachdem das prognostizierte Wettergeschehen bereits vorbei war. Schneller war die Verbreitung per Telegraf. Interessierte konnten so einen Kurzbericht abonnieren. Allerdings war das Interesse zu Beginn recht bescheiden: Im ersten Jahr gab es nur gerade 50 Abonnenten. Darunter waren Gemeindeverwaltungen, aber auch naturwissenschaftlich interessierte Privatleute.
Wie kam es bei den Schweizern an, dass es auf einmal eine staatliche, wissenschaftliche Wetterprognose gab?
Aus den historischen Quellen ist schwierig zu beurteilen, wie weit die Meldungen ins Alltagsleben der Menschen vordrangen. Aus Rückmeldungen lässt sich aber ersehen, dass die Wetterberichte durchaus konsultiert und mit anderen Wettervorhersagen – etwa astrologischen – verglichen wurden.
Das Gespräch führte Raphaël Günther.
Das Buch zum Interview:
Franziska Hupfer: «Das Wetter der Nation – Meteorologie, Klimatologie und der schweizerische Bundesstaat, 1860–1914», Chronos-Verlag 2019.