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Edgar Maranta reiste im Spätherbst 1925 28-jährig in die Kapuzinermission Tanganyika (heute Tansania). Den Bündner, er kam im Puschlav auf die Welt, prägte einen harten Schädel.
Sein Vater war Schreiner, der ihm handwerkliches Geschick vererbte. Das Kapuzinergymnasium in Stans formte seinen Missionseifer. Im Militär lernte er das Marschieren, das ihm in Afrika zugute kam. Er war ein zäher Fussgänger, der immer – auch in von gefährlichen Wildtieren durchsetzten Gebieten – unbewaffnet unterwegs war.
Der sprachbegabte Jungkapuziner war in der Mission für die Reorganisation des Schulwesens vorgesehen. Er sollte in Kwiro, im Landesinnern, eine Zentralschule nach Richtlinien der englischen Kolonialregierung aufbauen. So besuchte er in den bestehenden Missionsstationen die oberen Primarschulen, um die fähigsten Buben nach Kwiro zu holen, wo bald ein reges Treiben herrschte.
Er liess zuerst Buschland säubern, um Mais, Maniok und Gemüse für die Schüler anzupflanzen, sowie Strassen verbessern, um mit dem neuen Lastwagen notwendige Transporte zu erleichtern.
Maranta wurde so auch Mechaniker, der oft – auch noch als Bischof – ölbesudelt unter dem Auto hervorkroch. Zusätzlich war er Schulsekretär des ganzen Missionsgebietes. Aber nicht für lange.
Der jüngste Bischof
Im März 1930 wurde Edgar Maranta als Nachfolger von Gabriel Zelger zum Apostolischen Vikar von Dar es Salaam ernannt. Als Praktiker sah er sofort ein, dass es seine erste Aufgabe war, vor allem zu seinen untergebenen Schwestern und Brüdern gut zu schauen.
Die Tropenkrankheiten machten ihnen schwer zu schaffen und forderten viele Opfer. Darum erliess er unter seinen Leuten sofort Vorschriften der Chininprophylaxe gegen die Malaria und baute sauberere und stabilere Wohnhäuser. So konnte er mit gesünderem Personal an den Ausbau der Mission denken. Es existierten acht Missionsstationen.
Er eröffnete bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges weitere neun Stationen.
Er war ein unermüdlicher Bauherr von Kirchen und Schulen. Gerne sass er selber im Dachstuhl. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs zeigte er sein politisch-diplomatisches Geschick. Er bot den von einer Abschiebung bedrohten deutschen Benediktinern einen Austausch von Missionspersonal an, was die Engländer akzeptierten.
Nach dem Krieg gründete er das Seminar Kasita, förderte den Ausbau des Spitals Ifakara und knüpfte Beziehungen zum Basler Tropeninstitut. An der Küste bemühte er sich um das Sozialzentrum Msimbazi – um nur einige Tupfer zu setzen.
Der Erzbischof
1953 wurde im heutigen Tansania die kirchliche Hierarchie erstellt und das Vikariat Dar es Salaam zum Erzbistum erhoben.
Für seine Untergebenen war Edgar Maranta nicht immer ein bequemer Bischof. Er entstammte einer Zeit, da ein kirchlicher Oberer auf seine Autorität pochen konnte. Obwohl er als Mensch einfach lebte, in kleinen Kreisen unter Brüdern und Schwestern gesellig war und Repräsentationspflichten ungern wahrnahm, inszenierte er als Bischof gerne Massenauftritte. Brav erzogene Schüler und Schülerinnen, disziplinierte Kadetten und europäisch gekleidete Gottesdienstbesucher begleiteten an Festtagen seinen prunkvollen Einzug mit langer Schleppe in die Kathedrale von Dar es Salaam. In diesem Bild wird seine Missionsvorstellung deutlich: Grösse der Kirche Roms zu zeigen und eurozentrische Kultur in Afrika zu etablieren.
Keine afrikanischen Kapuziner
Der Generalminister der Kapuziner forderte Bischof Maranta auf, ein Haus zu errichten, in dem das Klosterleben gepflegt werden könne. Denn der Missionar war primär Pfarrer, Baumeister, Agronom oder Lehrer und nicht Ordensmann. Es war kein eigentliches Gemeinschaftsleben möglich. Denn jeder ging seiner Arbeit nach.
Maranta war aber der Meinung, dass ein Klosterbetrieb viel zu viel Missionspersonal abziehen würde. Auch dem Wunsch von einzelnen Missionaren nach afrikanischem Ordensnachwuchs konnte er nicht folgen, weil er Angst hatte, da würden nur Hilfsarbeiter und Diener herangezogen. Er betrachtete es als seine erste Priorität, das Christentum auszubreiten. Dazu brauchte er mehr Missionare aus der Heimat und afrikanische Weltpriester.
Das höchste seiner Gefühle wäre ein Missionsnoviziat gewesen, in dem angehende Missionare aus der Schweiz im Einsatzland ausgebildet worden wären. Afrikanische Ordenskandidaten hingegen müssten in der Schweiz erzogen werden. Er wollte nur gut gebildete Leute, die den Geist und die Tradition der Stammprovinz lebten und nicht zu Boys würden. Später entschied sich der Schweizer Provinzial gegen den Bischof zur Einführung des Kapuzinerordens in Tansania.
Die Afrikanisierung
1961 wurde die ostafrikanische englische Kolonie unabhängig. Es etablierte sich auch immer mehr eine einheimische Landeskirche. Das ertrug er nicht so leicht, obwohl er die Notwendigkeit einsah. Nur schweren Herzens trat er bei der Abtrennung des Mahenge-Gebietes zu einem eigenen Bistum mit einem tansanischen Bischof 1964 Kompetenzen ab. 1969 demissionierte er, weil es auch in der Hauptstadt darum ging, einem einheimischen Bischof Platz zu machen.
In der Schweiz liess er sich bei seinem Bruder nieder, der Pfarrer in San Vittore war. Mithilfe in der Pfarrei und Aushilfe bei den Bischöfen der Schweiz füllten fortan seinen Alltag. Da brach der einfache Kapuziner durch.
Marita Haller-Dir
Marita Haller-Dirr
WLu. Für die Schweizer Kapuziner ist die Aufarbeitung ihrer Missionsgeschichte in Tansania sehr wichtig. Die Stanser Historikerin Marita Haller-Dirr, ehemalige Geschichtslehrerin am Kollegium St. Fidelis, wurde deshalb von ihnen beauftragt, das tansanische Provinzarchiv in Dar es Salaam zu sichten und zu ordnen. Sie hat über die Präsenz der Kapuziner einige Artikel veröffentlicht; z.B. in «Helvetia Franciscana».
Bekanntlich kamen 1921 die ersten Kapuziner aus der Schweizer Provinz als Missionare nach Tanganyka in Ostafrika. Erst nach 1950 dachten sie an die Einpflanzung des Kapuzinerordens. Damals baten die ersten einheimischen Männer um Aufnahme in unsere Gemeinschaft. Sollten wir sie als Terziaren lose an uns binden oder als vollwertige Kapuziner aufnehmen? Nach verschiedenen Versuchen entschieden wir uns für die volle Aufnahme. Im Jahre 1961 wurde das Noviziat in Kasita eröffnet.
Geburtsstunde der Provinz
Das war die Geburtsstunde der Kapuziner-Provinz Tansania. Viele junge Männer aus verschiedenen Gegenden des Landes versuchten unsere Lebensweise selber umzusetzen. Vorbild waren unsere kleinen Gemeinschaften auf unsern Missionsstationen.
Es war nicht leicht, unser Kapuzinerleben an die Kultur und Mentalität des Landes anzupassen. Viele versuchten es, traten wieder aus oder es wurde ihnen nahegelegt, eine andere Lebensweise zu wählen.
Trotz all den Anfangsschwierigkeiten hatten wir nach 20 Jahren einen guten Stock einheimischer Berufe mit guten Aussichten für die Zukunft. So konnte 1981 die Vizeprovinz Tansania errichtet werden mit Missionaren aus Italien, Holland und der Schweiz, zusammen mit rund 50 Professbrüdern aus Tansania, direkt dem Generalminister des Ordens in Rom unterstellt. Nach weiteren 15 Jahren konnte 1996 die Vizeprovinz zur Provinz Tansania erklärt werden.
Was tun sie?
Heute gehören 212 Brüder zur Kapuzinerprovinz Tansania, davon noch 16 Missionare aus der Schweiz und 9 aus andern Provinzen. Sie leben und wirken in 15 verschiedenen Diözesen von Dar es Salaam bis zum Kilimanjaro und Arusha im Norden des Landes, bis zum Viktoriasee im Westen und Songea/Mtwara im Süden. 60 Brüder arbeiten vollamtlich in der Pfarreiseelsorge, etwa 40 Brüder sind als Lehrer in Schulen, Universitäten und unsern ordensinternen Ausbildungszentren tätig; andere als Begleiter von Ordensschwestern, als Exerzitienleiter, als Animatoren in der franziskanischen Bewegung und 9 Tansanier sind Missionare inSüdafrika undPapua- Neuguinea.
Ca. 70 Brüder sind noch in der Ausbildung, studieren Philosophie, Theologie und andere Disziplinen. So versuchen wir in den Spuren des heiligen Franziskus die frohe Botschaft unseres Glaubens zu lebenund mit den Leuten unseres Landes zu teilen.
Donat Müller
Mitglied der Provinz Tansania