Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03315.jsonl.gz/2550

Ich bin aus mehreren Gründen hierher zurück gekehrt, einer davon war ein ganz bestimmtes Bild eines jungen Soldaten an der Gedenkstätte „Memorial de les Camposines“. Ich hatte bereits 2011 ein paar Fotos an jenem Ort gemacht, die aber leider nicht sonderlich guter Qualität waren, entsprechend hatte ich es mir zum Ziel gesetzt, dieses eine Foto erneut abzulichten. Das Bild ist auf einer Emaille-Plakette aufgedruckt, sehr wahrscheinlich war ein nachträglich koloriertes Foto die Ausgangsbasis. Es zeigt einen jungen Soldaten der Franquisten, höchstens zwanzig Jahre alt (wahrscheinlich aber weitaus jünger). Sein Name war nicht zu ergründen. Es war bereits in diesem Krieg nicht „unüblich“, dass auch nicht einmal erwachsene Jungen in die Schlacht geschickt wurden, beide Seiten bedienten sich des „Potentials“ der Jugend. Anfänglich kämpften auf der Seite der Republikaner auch Frauen vollkommen selbstverständlich an der Seite von Männern schwere Schlachten an vorderster Front.
Die Gedenkstätte wurde in einen Hügel eingebaut, auf welchem ursprünglich die kleine Einsiedelei Sant Bartomeu stand. Da dieser kleine Hügel eine gute Aussicht auf das umliegende Gelände bot, gruben sich hier die Republikaner ein, um die vorrückenden Franquisten aufzuhalten. Die alte Templer-Einsiedelei wurde nahezu vollständig zerstört, man nahm in jenen Tagen keine Rücksicht auf historische Bauten, erst recht nicht die republikanische Seite, welche zu Beginn des Bürgerkrieges viele Kirchen plünderte und zweckentfremdete. Manchmal richteten sie in alten Kirchen sogar Kasernen ein, in welchen auch junge Männer wie der auf dem Bild mehr schlecht als recht ausgebildet wurden. 1989, also gut 19 Jahre nach Francos Tod, wurde aus dem Hügel eine Gedenkstätte gemacht. Sie dient gleichzeitig als Beinhaus, wohin die sterblichen Überreste derer gebracht wurden, die in der Schlacht gefallen waren. Wenn heutzutage noch Knochen gefunden werden, so werden sie ebenso hierher gebracht. Soweit es möglich war, wurden die Namen derer, die identifiziert werden konnten, auf Messingplatten eingraviert, hier wurde kein Unterschied gemacht, ob es sich um Republikaner oder Franquisten, Spanier oder Katalanen handelte. Diese Aufhebung ideologischer Grenzen dürfte in Spanien nahezu einmalig sein. Allerdings findet man hier keinerlei Namen oder Hinweise auf die Kämpfer, die aus anderen Ländern hier gekommen und gefallen waren.
Die Anlage ahmt einen Schützengraben nach, der sich in den Hügel hinein bohrt. Geht man durch diesen stilisierten Graben aus Beton, so gelangt man auf die Kuppe des Hügels, von wo aus man einmal mehr eine hervorragende Aussicht auf die fantastische Landschaft hat. Ich stand recht lange da oben und schaute nachdenklich in die Ferne: „Es sind oft die jungen Menschen, die ohne zu hinterfragen auf die Phrasen der alten hören und sich in den sicheren Tod schicken lassen – allein für deren Auffassungen, Ideale und Ansichten, für die sie selbst aller Wahrscheinlichkeit nach nicht so ohne weiteres ihr Leben geben würden. Die jungen wurden ihres Rechtes auf Leben beraubt. Das wird sich wohl nie ändern, so ist der Mensch. Junge Menschen sind so leicht zu manipulieren und viele ältere nutzen das aus, anstatt den jungen Weitsicht zu lehren…“. Hier an diesem Ort war ich heilfroh, dass mir meine Eltern es einst beibrachten, kritisch zu hinterfragen, nicht alles für bare Münze zu nehmen, nur weil das jemand so wollte und das auch noch in schöne Worte kleiden konnte. Hier habe ich ein ganz grundlegendes Prinzip der Irreführung begriffen, welches man auf unglaublich viele andere Bereiche anwenden kann. Das Foto des jungen Franquisten ist seitdem ein Bild, welches mich immer daran erinnern wird, wozu Menschen in der Lage sein können.Spanien, Welt