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Die Macht der Manga
Schon lange haben neben den klassischen Exportprodukten wie Autos oder Unterhaltungselektronik auch die japanischen Popkulturgüter den Weg auf ausländische Märkte gefunden. Besonders beliebt sind Anime, Manga, J-Pop sowie japanische Fernsehserien und Videospiele in den asiatischen Ländern. Doch auch in den USA und in Europa wächst gerade eine Generation heran, welche japanische Popkultur nicht nur konsumiert, sondern sich auch stark mit ihr und durch sie identifiziert. Auch im Westen zeichnen Heranwachsende eigene Mangas oder schlüpfen im cosplay (von costume roleplay) in die Rolle ihrer Lieblingsfiguren.
Die grosse Beliebtheit japanischer Popkulturprodukte ist ein gutes Beispiel dafür, was der an der Harvard University lehrende amerikanische Politologe Jospeh Nye als soft power bezeichnet hat. Soft power meint die Möglichkeit, allein durch die Attraktivität der eigenen Ideen, Werte und Institutionen Einfluss auszuüben und eigene Ziele erreichen zu können. Dies im Gegegnsatz zur wirtschaftlichen und militärischen hard power. Klassische Beispiele für soft power im amerikanischen Kontext sind der Amerikanische Traum oder Hollywood-Filme.
Erst vor kurzem hat die japanische Politik die Möglichkeiten dieser soft power erkannt und begonnen, diese aktiv zu fördern und einzusetzen. Der japanische Premierminister Taro Aso, der selbst ein grosser Manga-Fan ist, sieht in Anime und Manga die Möglichkeit, «eine Brücke zur Welt zu bauen». Als Aussenminister lancierte er 2007 einen Manga Preis für internationale, sprich nicht-japanische, Mangakünstler. Ebenfalls 2007 veröffentlichte das unelegant benannte «Sekretariat des Sonderstabs für die Entführungs-problematik» im Internet einen 25-minütigen «Dokumentar-Anime», welcher die Geschichte der 1977 im Alter von 13 Jahren nach Nordkorea verschleppten Megumi Yokota mit viel Tränen und Pathos erzählte.
Solche Instrumentalisierungsversuche durch die Politik stossen jedoch auch auf Widerstand. Der 61-jährige Mangaka Yasuhiko Yoshikazu etwa ist gegen den jüngsten Plan der Regierung, ein «Nationales Zentrum für Medienkunst» einzurichten. Dieses soll einerseits als nationales Manga- und Anime-Archiv dienen, andererseits sollen dadurch auch Touristen angelockt und der Absatz von Anime und Manga weiter gefördert werden. Yasuhiko befürchtet, der Staat werde versuchen, auch den künstlerischen Ausdruck der unterstützten Werke zu konrollieren.