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Wissen Sie wie stark Ihr Pferd mit Darmparasiten belastet ist? Wenn Sie sich aufgrund einer vierteljährlichen Entwurmungsstrategie mit abwechselnden Präparaten auf der sicheren Seite wähnen, dann könnte das unter Umständen schwere gesundheitliche Folgen für Ihr Pferd haben. Denn, so Dr. Hubertus Hertzberg, Leiter des Parasiten-Monitorings des «HealthBalance TierGesundheitsZentrum» im sanktgallischen Niederuzwil, «das parasitenfreie Pferd ist und bleibt eine Utopie.»
Die gute Nachricht ist, dass ein «normaler» Wurmbefall für das gesunde, erwachsene Pferd (ein 4-jähriges Pferd gilt aus parasitologischer Sicht als erwachsen) nicht existenzbedrohend ist und Pferdebesitzer die Koexistenz von Wirtstier und Parasit tolerieren müssen. Was Fachleuten aber zunehmend Sorge bereitet, sind die immer häufiger auftretenden Resistenzen gewisser Parasitenarten gegenüber den auf dem Markt angebotenen Entwurmungskuren.
Ein Umdenken ist dringend notwendig
Das seit Mitte der Sechzigerjahre angewandte «Interval dose program» (Drudge & Lyons, 1966), das seither als strategische Entwurmung in Zuchtbetrieben und Pensionsställen zur Norm wurde und zur damaligen Zeit als Revolution der Parasitenkontrolle galt, ist heute überholt. Das Programm war hauptsächlich auf die Bekämpfung von grossen Strongyliden (Blutwürmer) ausgerichtet, die kleinen, weniger gefährlichen Strongyliden blieben weitestgehend unbeachtet. Durch die regelmässige Verabreichung der Entwurmungsmedikamente, unabhängig davon, ob das betreffende Pferd diese auch nötig hatte und noch schlimmer, ohne zu wissen ob das entsprechende Medikament auch Wirkung zeigte, konnten sich die kleinen Strongyliden an diese Wirkstoffe gewöhnen, sprich wurden resistent und konnten sich unbemerkt vermehren. Dieser Wirkungsverlust fällt beim erwachsenen Pferd in der Regel nicht auf, da üblicherweise keine Behandlungskontrollen durchgeführt werden. Weil die überwiegende Mehrheit der behandelten erwachsenen Pferde ohnehin nur einen sehr geringen Wurmbefall aufweist, der nicht mit Krankheitszeichen verbunden ist, wird der Effekt einer Behandlung für den Tierhalter nicht wahrnehmbar.
Bis Mitte der Achtzigerjahre hat die Industrie regelmässig Medikamente mit einem neuen Wirkungsmechanismus auf den Markt eingeführt, inzwischen sind alle Wirkstoffgruppen in unterschiedlichem Mass von Resistenz betroffen. «Das letzte Entwurmungs-Medikament aus einer neuen Substanzklasse kam vor etwa fünfundzwanzig Jahren auf den Markt und von Seiten der Industrie ist zurzeit nicht mit weiteren Neuentwicklungen zu rechnen» so Hubertus Hertzberg. «Um noch möglichst lange von der Wirkung der zur Verfügung stehenden Mittel zu profitieren, ist ein Umdenken und eine Neuorientierung im Parasiten-Management unabdingbar.»
Bestandes-Monitoring als bedarfsgerechtes Entwurmungs-Management
Zuerst sollten sich alle Pferdehalter bewusst werden, dass sie mit der Entwurmungspaste ein verschreibungspflichtiges Medikament verabreichen. Im Vorfeld der Verabreichung sollten zwischen Tierarzt und Tierhalter die folgenden Fragen geklärt werden:
- Ist die Verabreichung klinisch gerechtfertigt?
- Auf welche Parasiten zielt die Massnahme?
- Welche Stadien kommen vor?
- Warum dieses Wurmmittel?
- Wie sicher bin ich, dass es wirkt?
- Gibt es andere Möglichkeiten?
Das Konzept, des bedarfsgerechten Entwurmungs-Management, stützt sich grundsätzlich auf die tierärztliche Bestandesanalyse, der Auswahl der Tiere entsprechend der Höhe der Ausscheidung von Strongyliden-Eiern und einem auf den Bedarf abgestimmten Einsatz von Entwurmungsmitteln.
2013 ist das Parasiten-Monitoring für Pferdebestände, unter der Leitung von Hubertus Hertzberg, am «HealthBalance TierGesundheitsZentrum», als erste Institution in der Schweiz etabliert worden. Seither wurden insgesamt über 1000 Pferde in das Programm aufgenommen, daraus resultieren bereits heute für die Bewertung der Situation in der Schweiz sehr wichtige Erkenntnisse. «Erfreulicherweise stellen wir fest, dass über 92 Prozent der untersuchten Proben ein Ergebnis von unter 200 Eiern pro Gramm Kot aufweisen und somit anschliessend keine Entwurmung notwendig ist.» Aus diesem Grund und wegen der raschen Kommunikation wurde dem HealthBalance Parasiten-Monitoring in einer kürzlich durchgeführten Evaluation eine sehr hohe Kundenzufriedenheit attestiert.
Besonders Jungtiere zeigen eine deutlich erhöhte Parasitenanfälligkeit, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Wirksame Medikamente sind darum dringend notwendig. 2014 gab es gar einen Fall in einer neu in das HealthBalance Bestandes-Monitoring aufgenommenen Schweizer Aufzuchtherde, in der ein Spulwurmbefall diagnostiziert wurde, der mit keinem hierzulande erhältlichen Wurmmittel kontrollierbar war. «Die Behandlung gelang nur mit einem aus dem Ausland importierten Medikament. Solche Szenarien sind in Zukunft vermehrt zu erwarten und können zu lebensbedrohlichen Situationen bei den Aufzuchtpferden führen».
Wie funktioniert selektive Entwurmung oder eben das von HealthBalance angebotene Bestandes-Monitoring?
Am Anfang steht die tierärztliche Bestandesanalyse bei der unter anderem folgende Kriterien berücksichtigt werden:
- Weidebesatzdichte
- Zeitlicher Umfang des Weidegangs
- Weidehygiene Massnahmen (Abmisten mindestens 1x pro Woche)
- Weidenutzung primär als Raufuttergrundlage oder als Auslauf
- Umfang der Raufutteraufnahme über die Weiden
- Weidenutzung durch andere Tierarten (Schafe, Rinder)
- Fluktuationsrate im Bestand
- Quarantänestrategie
- Stallsystem
- Tiefstreu
Im HealthBalance Bestandes-Monitoring sind folgende Leistungen inbegriffen:
- Bestandesbesuch und Analyse durch einen Tierarzt
- Individuelle Kotanalysen (4 Termine im ersten Jahr) und begleitete tierärztliche Beratung (Behandlungsvorschläge, Medikamentenauswahl, Begleitmassnahmen)
- Wirksamkeitsprüfung von Entwurmungsmitteln im Bestand (Feststellung von Resistenzen)
- Analyse der Zusammensetzung der Strongylidenpopulation (grosse/kleine Strongyliden)
- Abklärungen zu Quarantäneüberwachung bei Neuzugängen
- Schriftliche Befunddokumentation und Jahresabschluss
Bewahrung der verbliebenen Ressourcen
Bei der selektiven Entwurmung geht es, wie manchmal angenommen, nicht darum, künftig ohne Entwurmungsmittel auszukommen, sondern vielmehr darum,die Nutzung der verbliebenen Wirkstoffe so lange wie möglich zu gewährleisten. Dies gelingt nur durch gezielten Einsatz, sprich das richtige Medikament, in der korrekten Dosierung, zum richtigen Zeitpunkt. Unabhängig vom gemessenen Parasitenbefall, sollte auch beim Modell der selektiven Entwurmung jedes Pferd mindestens einmal pro Jahr mit einem wirksamen Mittel behandelt werden. Bei vorher noch nicht entwurmten Pferden geschieht dies zum Saisonende. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die in den einzelnen Beständen gemessene parasitologische Situation eine hohe Stabilität aufweist, das heisst, eine tiefe Entwurmungsrate auch in den Nachfolgejahren Bestand hat.
Das Motto heisst: «So viel wie nötig entwurmen, aber so wenig wie möglich!»
Dr. Hubertus Hertzberg ist Tierarzt und Privatdozent für Parasitologie an der Vetsuisse Fakultät (Tierspital) Zürich. Unter seiner Leitung wurde im Jahr 2011 in einer von Pferdeklinikern und Parasitologen der Tierspitäler Bern und Zürich gemeinsam formulierten Initiative das Konzept zur Neuausrichtung des Parasiten-Managements beim Pferd entwickelt. Im Jahr 2013 ist das Parasiten-Monitoring für Pferdebestände unter der Leitung von Hubertus Hertzberg am «HealthBalance TierGesundheitsZentrum» als erste Institution in der Schweiz etabliert worden. Das Programm wird seither mit grossem Erfolg in zahlreichen Pferdebeständen umgesetzt.
Informationen und Auskunft: www.richtig-entwurmen.ch
Quelle: Westerner April Ausgabe 2016
Medizinische Beratung: PD Dr. med. vet. Hubertus Hertzberg, HealthBalance
Fotos: HealthBalance, shutterstock.com