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Die Gemeinde Wohlen im Kanton Aargau war im 19. und frühen 20. Jahrhundert weltweit einer der bedeutendsten Standorte für die Herstellung von Strohgeflechten und belieferte als "klein Paris" sogar die internationale Modewelt. Kurt Wismer ist einer der letzten ausgebildeten Hutmacher der Schweiz.
Kurt Wismer wohnt und arbeitet im über 200-jährigen Bauernhaus, in dem er aufgewachsen ist. Mehr als die Hälfte seiner Produktion sind Damenhüte. Eine Frau, die seine Kreationen anprobieren könnte, wohnt aber nicht im Haus. Wismer ist Junggeselle geblieben und kocht sich sein Mittagessen auf dem uralten Holzherd selbst. Zum Hutmacher ausgebildet wurde er in der Hutfabrik Huber, wenige hundert Meter von zu Hause entfernt. Heute entstehen seine Hüte in den Räumen unter dem Dach, wo früher auch sein Kinderzimmer war.
Es gibt zwei Sorten Strohhüte, geknüpfte und genähte. Wismer sitzt nahe am Fenster, leicht gebeugt über der ovalen, aus Lindenholz gefertigten Passform, auf die er sorgfältig ausgewählte Strohhalme aufzieht und miteinander verknüpft. Für die Herstellung des Röhrlihuts, Wismers Klassiker, braucht er einen ganzen Tag, allein zwei Stunden für den Deckel. Dazu verwendet er Weizenstroh aus lokalem Anbau. Edlere Modelle sind mit Roggenstroh ausgestattet. Das Rohmaterial schneidet, trocknet und sortiert er selbst.
Im Zimmer nebenan steht eine Nähmaschine, Grossmann-Dresdensia B, Baujahr 1900. Für einen breitkrempigen Hut braucht es etwa 30 Meter vorgefertigtes Band aus Strohgeflecht, in einer halben Stunde ist er genäht und wird mit Dampf in seine endgültige Form gepresst. Ein farbiges Garniturband mit Schleife schmückt den Hut aussen, innen ein Stoffband, "Entrée" genannt.
(Bilder und Text: Thomas Kern, swissinfo.ch)