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Kurz vor Ablauf der Frist hat Bob Dylan seine Nobelpreiserede als Audio eingereicht. Darin reflektiert er über musikalische und literarische Werke, die ihn geprägt haben.
Er spricht über den Rock'n'Roller Buddy Holly, über den Walfänger-Roman «Moby Dick» von Herman Melville, über den Kriegs-Roman «Im Westen nichts Neues» von Erich Maria Remarque und über die «Odyssee», das antike Epos von Homer.
Literarische Inspiration
Es sind drei Quellen, die drei entscheidende Bausteine von Dylans Lyrik zeigen. Seine Rede will den Leuten im Prinzip erklären, warum seine Songs wirklich Literatur sind.
Bei «Moby Dick» sind es die stereotypen Figuren, die für Prinzipien stehen. Der Captain, der sein Bein verliert und daran zerbricht. Der andere, der den Arm verliert und es akzeptiert. Das sind Verhaltensweisen, die auf Personen übertragen werden und bei Dylan wieder auftauchen. Auch das enorme Wissen, das da drin steckt. Religionen, Philosophien: Das alles ist Quelle von Dylans Texten.
Bei der «Odyssee» ist es die Verbindung zur Bühnenkunst. Dass die Literatur, die Dylan macht, gesungen ist und auf der Bühne stattfindet.
Kein konkreter Bezug
Bei «Im Westen nichts Neues» ist es der Gang durch die Hölle und wie man daraus herauskommt. Das ist ein Kernmerkmal seiner Songtexte. Dylan bezieht sich nicht konkret auf «Im Westen nichts Neues».
Es ist jedoch ein Werk, das Spuren in der Pop-Lyrik hinterlassen hat. Das Motiv, dass einer im Krieg durch die Hölle geht und nachhause kommt, taucht in den Songs wieder auf, die Dylan beeinflusst haben.
Mit Krieg hat das oft nichts zu tun. Es kann die falsche Frau sein, mit der er im Bett war. Ein Fiasko, irgendeine Hölle. Dann entstehen Textzeilen wie «homeward bound», «the green, green grass of home» – das ganze Vokabular der Folk-Musik, auf die sich Dylan mitunter bezieht.
Dylan zitiert Prinzipien
Dylan zitiert. Er zitiert aber nicht einzelne Textstellen. Er zitiert Prinzipien, Bilder aus der Literatur. Das macht er schon immer. Aber ganz bewusst und konsequent seit 2001. Er ist mittlerweile der, der das ganze Vergangene bewusst in eine neue Zeit trägt.
Keine Vortrags-Premiere
Dylans Rede ist keine Premiere. Er hat Vergleichbares bei einer früheren Gelegenheit gesagt, als er plötzlich und unangekündigt eine Stunde lang über Shakespeare redete.
Wichtig ist aber schon, dass innerhalb der Literaturszene die Kritiker dieser Entscheidung hier ganz einfach erklärt bekommen: Dylan ist ein Literat, der ganz genau weiss, was er tut. Und der diesen Preis nicht gestohlen hat.
Eine Stimme, die vortragen kann
Am Schluss der Rede ist Dylan bei der Performance. Bei Homer, der sein Werk in Gesängen schreibt und bei Shakespeare, der seine Texte für die Bühne geschrieben hat. Das ist, was auch er tut.
Ganz entscheidend bei Dylans Literatur ist, dass sie vorgetragen wird. Und dass da eine Stimme ist, die das auch kann.
Bob Dylan, Nobelpreisträger
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