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Viele verschiedene Birkenarten wachsen auf der ganzen Nordhalbkugel, in Europa ist die Hängebirke am meisten verbreitet. In Skandinavien und in Sibirien wächst sie in Nadelmischwäldern, in der Schweiz ist sie eine der selteneren Baumarten. Als schnellwachsende Pionierbaumart besiedelt sie freie Flächen meist als erste Baumart und sie wächst auch auf Böden, die für andere Bäume zu trocken oder zu nährstoffarm sind. Für die Tierwelt sind Birken ganz besonders wertvoll. In Europa leben rund 500 Tierarten wie Insekten oder Vögel, die sich an die Birke angepasst haben.
Darunter ist auch der Birkenblattroller, ein bis zu 4 Millimeter grosser schwarzer Käfer. Die Weibchen fressen einen Teil des Birkenblatts an, rollen den unteren Teil zu einer Art Tüte zusammen und legen dann ihre Eier hinein. Die Larven leben in den Blättern, bis diese verwelkt auf den Boden fallen. In der Erde verpuppen sich schliesslich die Käfer.
Vielseitige Verwendungen
Die Verwendung von verschiedenen Teilen der Birke hat eine lange Geschichte. Eine besondere Bedeutung hat die Birke für gesundheitliche Zwecke. Öl aus Birkenknospen wird für die Hautpflege verwendet, und Extrakte aus der Rinde können in einem Gel auf Hautwunden aufgetragen werden. Seit Jahrhunderten wird ein harntreibender Tee aus getrockneten Birkenblättern bei verschiedenen Erkrankungen genutzt. Der Körper scheidet dann vermehrt Wasser aus, was die Nieren unterstützt und auch bei Blasenentzündungen hilft. Traditionell wird auch Birkenwasser getrunken, vor allem in Skandinavien. Dafür wird im Frühling der Stamm angebohrt und der daraus fliessende Saft gewonnen. Er wird als Mittel gegen Magenerkrankungen oder Rheuma verwendet und soll allgemein beleben und gegen Stress helfen. Tatsächlich enthält Birkenwasser einige wichtige Mineral- und Nährstoffe, allerdings nur in kleinen Mengen, und es fehlen wissenschaftliche Studien, die eine gesundheitsfördernde Wirkung eindeutig belegen. Wer Birkenwasser probieren möchte, sollte es kaufen und nicht einfach Birken anbohren, denn das kann den Baum stark schädigen und für Schädlinge anfällig machen.
Der erste Klebstoff der Menschheit
Birkenholz ist auch als Brennholz und für handwerkliche Zwecke sehr interessant; aber das ist nicht alles, was dieser Baum zu bieten hat. Birkenpech ist ein schwarzer, teerartiger Klebstoff, den die Frühmenschen schon vor mindestens 200'000 Jahren aus Birkenrinde hergestellt haben. Experimente konnten zeigen, dass Birkenpech recht einfach herzustellen war. Wichtig ist, dass die Birkenrinde erhitzt wird, grob auf 200 bis 500 °C, aber ohne Luft an die Rinde zu lassen. So verbrennt sie nicht, sondern wird durch eine sogenannte Pyrolyse umgewandelt. Dabei sorgen thermo-chemische Prozesse dafür, dass sich organische Verbindungen in das klebrige Pech umwandeln, das am Ende von der Rinde abgeschabt werden kann. Die Neandertaler konnten mit Birkenpech zum Beispiel Pfeilspitzen oder Klingen am Holz befestigen. Dank archäologischen Funden wissen wir auch, dass vor rund 5'000 Jahren auf dem Birkenpech wie auf Kaugummi gekaut wurde. Die Herstellung wurde im Lauf der Zeit verbessert, um möglichst viel Pech zu gewinnen – zum Beispiel mit Tontöpfen, die vergraben wurden. Birkenpech wurde auch verwendet, um Schiffe oder Holzfässer abzudichten, zerbrochene Keramikgefässe zu reparieren oder Leder zu bearbeiten.
Heuschnupfen wegen Birkenpollen
Birkenpollen können leider eine starke Allergie auslösen, die sich als Heuschnupfen zeigt. Dabei reagiert das Immunsystem auf Pflanzenpollen fälschlicherweise wie auf gefährliche Eindringlinge und löst Reaktionen aus, die Entzündungen fördern. Die Folge sind unter anderem Niesen, Schnupfen und rote tränende Augen. Birkenpollen verursachen stärkere Allergien als die meisten anderen Pflanzenpollen. Hinzu kommt, dass ein einziger Birkenbaum bis zu 100 Millionen Pollen produzieren kann – pro Kätzchen fünf Millionen Pollenkörner! Die Pollensaison für Birken liegt zwischen März und Anfang Juni mit dem stärksten Pollenflug im April. Die Klimaerwärmung ist dabei keine gute Nachricht. Denn inzwischen beginnt die Pollensaison früher, dauert länger und ist intensiver als noch vor 30 Jahren.
Warum ist Birkenrinde weiss?
Die weisse Birkenrinde schützt den Stamm vor grossen Temperaturschwankungen, indem sie die Sonne reflektiert. Denn Birken sind im Frühjahr stark der Sonne ausgesetzt – vor allem in nördlichen Regionen, wo die niedrige Wintersonne im rechten Winkel auf die Stämme scheint. Mit dunkler Rinde würde sich der Baum stark aufheizen und nachts wieder abkühlen, was den Stamm schädigen würde. Die weisse Farbe kommt vom Stoff Betulin, der den Baum gleichzeitig vor Fressfeinden schützt.