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«Tagesschau»-Beitrag «König von Thailand heiratet kurz vor seiner Krönung beanstandet I
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Mit Ihrer E-Mail vom 12. Mai 2019 beanstandeten Sie die «Tagesschau» (Fernsehen SRF) vom 2. Mai 2019 und dort den Beitrag «König von Thailand heiratet kurz vor seiner Krönung».[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«In der Tagesschau vom 02. Mai 2019 habt ihr einen Bericht über den König von Thailand gebracht. 2 Punkte sind dabei erwähnt worden, welche aus unserer Sicht total falsch sind und bei der ‘Allgemein’ Bevölkerung einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen.
Punkt 1: vielleicht hat der König für euch klammheimlich geheiratet aber wenn man sich nur ein wenig mit Thailand befasst weiss man, das dies geplant und nicht klammheimlich war.
Punkt 2: warum müsst ihr ein Video zeigen, in welchem er allem Anschein nach voll tätowiert herum läuft? Habt Ihr etwas gegen Tätowierungen und warum hat er dann bei der Zeremonie, welche direkt übertragen wurde, komischerweise kein Tattoo auf den Armen und Beinen? Es gibt noch viele andere Fotos und Videos von ihm, welche überhaupt kein Tattoo zeigen.
Zu früheren Zeiten sind ja bereits Fotos und Videos auf anderen Kanälen gezeigt worden, welche dann als Fake geoutet worden sind.
Vom SRF verlange ich eine seriöse Berichterstattung und auch mehr Respekt gegenüber anderen Personen.
Wie wäre es mit einer öffentlichen Entschuldigung?»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Für die «Tagesschau» antwortete Herr Franz Lustenberger, ehemaliger stellvertretender Redaktionsleiter der Sendung:
«Mit Mail vom 12. Mai 2019 hat Herr X eine Beanstandung gegen die Tagesschau vom 2. Mai eingereicht. Es geht um die Berichterstattung zur Heirat des neuen thailändischen Königs Maha Vajiralongkorn, zwei Tage vor der Krönung. Die Tagesschau nimmt zur Kritik wie folgt Stellung:
Zeitpunkt der Heirat
Faktum ist, dass König Maha Vajiralongkorn (Rama X) zwei Tage vor seiner Krönung geheiratet hat. Dies nach einer langen Trauerzeit für seinen verstorbenen Vater König Bhumibol (Rama IX).
Diese Heirat zwei Tage vor der Krönung war nicht erwartet worden; sie wurde auch nicht lange vorher angekündigt, wie dies sonst bei royalen Hochzeiten immer der Fall ist. Eine solch schnelle Hochzeit war es wohl, weil er seine langjährige Lebensgefährtin noch vor seiner eigenen Krönung mit der Heirat dann auch zur Königin machen wollte. Dies die Interpretation vieler politischer Beobachter Thailands. Auch die Neue Zürcher Zeitung interpretiert diese Hochzeit in diesem Sinne: [2] <Mit seiner vierten Heirat überrascht der König wieder einmal alle. Die neue Königin ist zwar keineswegs eine Unbekannte; seit Jahren ist die 40-jährige frühere Stewardess regelmässig an seiner Seite zu sehen, etwa während seiner häufigen Reisen nach München, die beide oft in betont lockerem Outfit antreten. Aber eine offizielle Bestätigung der Liaison mit dem Thronfolger, der sich letztmals 2014 scheiden liess, gab es bisher nie. Auf Bildern aus dem Palast ist zu sehen, wie die neue Königin Suthida in eng geschnittenem lachsfarbenem Kleid vor dem Monarchen liegt und dieser aus einem weissen Flakon ein geheiligtes Wässerchen über ihr Haupt träufelt. Der Schritt überrascht, weil Thailand sich seit Wochen auf die offizielle Krönung von Rama X vorbereitet.>
Die Zeitung ‘Die Welt’ erwähnt in diesem Zusammenhang die dritte Hochzeit des damaligen Prinzen im Jahre 2001: <....Vajiralongkorns dritter Frau Srirasmi, die er 2001 heimlich geheiratet hatte, wurde 2014 ihr königlicher Titel entzogen.....> [3]
Das deutsche Magazin Fokus titelt <Thailänder wussten von nichts - jetzt haben sie plötzlich eine neue Königin> [4] Und weiter: <Die Erhebung zur Königin wurde durch eine Veröffentlichung in der ‘Königlichen Gazette’ bekannt gemacht. Erst bei dieser Gelegenheit erfuhren die Thais auch, dass ihr Monarch zum vierten Mal verheiratet ist. Wann die Hochzeit war, wurde nicht mitgeteilt. Durch die Heirat kann Suthida bei der Krönung am Samstag jetzt auch als Königin auftreten. Das Protokoll sieht für die Ehefrau des Monarchen in solchen Fällen eine eigene Zeremonie vor.>
Auch ‘Der Spiegel’ bewertet die Hochzeit zwei Tage vor der Krönung als <überraschend>.[5] Auch die renommierte Wochenzeitung ‘Die Zeit’ berichtet über die Heirat mit den gleichen Interpretationen.[6] Die vierte Ehe von König Maha Vajiralongkorn (Rama X) wenige Tage vor der Krönung kann daher durchaus als überraschend, auch für Thailänderinnen und Thaiändern bezeichnet werden.
Tätowierungen
Die Bilder, die König Maha Vajiralongkorn (Rama X) mit Tatoos zeigen sind echt; sie zeigen ihn während des Einkaufes in Bayern, wo er eine sehr lange Zeit gelebt hat. Wenn sich ein Prinz und zukünftiger König so in der Öffentlichkeit zeigt, muss er damit rechnen, dass er in der heutigen Zeit auch gefilmt wird und diese Bilder veröffentlicht werden. Sein Leben in Deutschland in den letzten Jahren wird sehr vielseitig kommentiert. Die Tagesschau hat seinen Lebensstil dagegen in keiner Art und Weise kommentiert. Sie hat auf sein Leben in Deutschland hingewiesen, allerdings eingebettet in aktuelle Bilder aus Thailand, welche das Paar bei den Zeremonien zeigt.
Fazit
Die Tagesschau hat in der gebotenen Kürze über die Heirat des neuen thailändischen Königs zwei Tage vor der offiziellen Krönung berichtet; sie hat die prunkvollen Bilder der Zeremonie gezeigt, sie hat aber auch in einer Rückblende kurz das Leben in Deutschland beleuchtet, wo er die meiste Zeit gelebt hat.
Auch wenn die Bilder aus Deutschland überraschen, gehören sie doch zum Leben des neues thailändischen Königs Maha Vajiralongkorn (Rama X). Die Tagesschau teilt die Ansicht des Beanstanders, dass über andere Personen mit Respekt berichtet werden soll – dies gilt nicht nur für Staatsoberhäupter oder Könige sondern für alle Menschen. Der beanstandete Bericht hat aber nach Meinung der Redaktion die Grenze des Respekts nicht überschritten.
Ich bitte Sie, die Beanstandung in diesem Sinne zu beantworten.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Der Bericht der «Tagesschau» ist gegenüber dem neuen thailändischen König -unmittelbar nach seiner vierten Hochzeit und unmittelbar vor seiner Krönung – kritisch, ja unbarmherzig, aber gleichzeitig auch faktentreu, also wahr. Es werden keine Informationen vermittelt, die nicht belegt sind, keine, die für die Einschätzung des neuen Monarchen belanglos sind, und keine, die ihn verunglimpfen. Es stimmt eben, dass er ein Lotterleben geführt hat, und es stimmt, dass er nicht verehrt wird wie sein Vater. Was nicht heißt, dass das ewig so bleiben muss: Je nachdem, welche Rolle er künftig als Hüter der Verfassung spielen wird, hat er die Chance, dass sein Volk mit Bewunderung, ja Liebe reagiert.
In Thailand gilt der König als gottähnlich. Kritik an ihm wird schwer geahndet; das Strafgesetzbuch sieht für Majestätsbeleidigung Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren vor.[7] Diesen Schutz genießt er jedoch nicht in der Schweiz. Während wohl in Thailand eine öffentliche Äußerung über das frühere Leben des jetzigen Königs als Majestätsbeleidigung taxiert würde, gehört sie in der Schweiz zur Abrundung der Information über diese Persönlichkeit. Schweizer Medien lassen sich keinen Maulkorb umbinden, auch die «Tagesschau» nicht. Diese hat ein korrektes Bild des Königs von Thailand gezeichnet. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
[7] https://www.samuiforsale.com/law-texts/thailand-penal-code.html , Artikel 112. Vgl. auch Kapitel «Thailand» in Roger Blum (2014): Lautsprecher und Widersprecher. Ein Ansatz zum Vergleich der Mediensysteme. Köln: von Halem, S. 147-156.
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