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Bereits der heilige Benedikt von Nursia führte in dem von ihm gegründeten Kloster in Monte Cassino im Jahre 529 das Abschreiben kirchlicher Texte ein und wertete es als gottesdienstähnliche Handlung. Nachdem Karl der Grosse die Benediktregel für alle Klöster seines Reiches angeordnet hatte, entstanden in den neu gegründeten Klöstern in Mittel- und Westeuropa Skriptorien, in denen nicht nur religiöse, sondern auch Manuskripte griechischer und römischer Klassiker abgeschrieben wurden. Die Reform der Schrift führte der englische Theologe Alkuin von York im Auftrag Karls des Grossen durch. Die «Carolina» oder karolingische Minuskel, konnte sich als Einheitsschrift im Bereich der gesamten römisch-katholischen Kirche durchsetzen. Sie blieb Jahrhunderte lebendig und ist noch heute als Grundform für unsere Kleinbuchstaben gültig. Die Schrift wurde schmäler sich, bis im 13. Jahrhundert die ausgereifte gotische Buchschrift ( Textura) geschrieben wurde. Die Skriptorien in den Klöstern, in denen sich bald eine Arbeitsteilung zwischen Scheibern, Rubrikatoren und Miniatoren herausbildete, erhielten Konkurrenz durch ein städtisches Buchgewerbe und durch die Schreibwerkstätten der Universitäten. In Italien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland wuchsen riesige Schreibwerkstätten, die bereits nach der Methoden der Manufaktur arbeiteten. In die beschriebenen Lagen trugen später Rubrikatoren mit roter Farbe die Überschriften und die Anfangsbuchstaben ein.
Bei kostbaren Werken schloss sich noch die Arbeit des Illuminators an, der kunstvoll ornamentierte Initialen, Kapitelleisten, Rahmen oder Miniaturen einmalte. Die Gesamtheit an malerischem Buchschmuck, insbesondere bei einer Ergänzung der Malereien durch Vergoldungen, wird auch Illumination genannt. Zum Ende des 15. Jahrhunderts soll der florentinische Handschriftenfabrikant Vespasiano da Bisticci bis zu 200 Kalligraphen und Buchmaler beschäftigt haben. Für die Bücher der Humanisten und profane Literatur wurde längst nicht mehr die strenge Textura geschrieben (welche in Italien sowieso nie richtig heimisch wurde), sondern man benötigte eine schneller zu schreibende, eine praktischer zu handhabende Schrift. Es bildete sich die Rundgotisch oder «Rotunda» und die Humanistische Minuskel.
Es gab zur Zeit Gutenbergs eine Vielzahl von Schriften, die je nach der Art der Literatur und des Schreibzwecks eingesetzt worden sind. Besonders in den Benediktiner-Skriptorien wurde eine hohe buchkünstlerische Qualität angestrebt. Der wachsende Bedarf an Büchern forderte natürlich zum Nachdenken über eine rationellere Buchherstellung heraus. Die Arbeit der Rubrikatoren, Illuminatoren und Buchbinder wurde trotz oder Dank der Erfindung des Buchdrucks nicht weniger.
- Aus dem Buch: Johannes Gutenberg, Persönlichkeit und Leistung von Albert Kapr, ehemaliger Leiter des Institutes für Buchgestaltung an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig.