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Die Anfänge
«Come on, vogue … » Diese Zeilen von Madonna verschaffen dir sicher gerade einen Ohrwurm. Das war bereits im Jahr 1990 so, als das Lied die Menschen rund um den Globus auf die Tanzflächen holte und schnell zur Hymne der «LGBTQIA+»-Gemeinschaft wurde. Der Song, in dem der spezielle Tanzstil Voguing zelebriert wird, hat unter anderem dazu beigetragen, diese Art zu tanzen, die bis dahin nur in New Yorker Underground-Clubs zu finden war, populär zu machen. Aber was genau ist Voguing und wann fing das an? Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts trafen sich Schwule und Lesben im New Yorker Stadtteil Harlem zu Drag-Partys, bei denen auch Wettbewerbe stattfanden. In den 1920ern wurden diese Orte dann in «Ballrooms» (deutsch «Ballsäle») umbenannt. Doch die Schwarze und lateinamerikanische «LGBTQIA+»-Gemeinschaft war dort unterrepräsentiert. Als Reaktion auf die Diskriminierung organisierte sie in den 1960er-Jahren ihre eigenen «Balls». Dabei fanden etwa Wettbewerbe statt, bei denen die Teilnehmenden sich bei einem Mix aus Tanz, Drag und Lip-syncing auf einer Art Laufsteg präsentierten. Dabei ahmten sie zu Musik die Gesten der weissen Elite parodistisch und überspitzt nach – wie etwa die lasziven Posen, die Models damals in Magazinen wie der «Vogue» einnahmen: Das Voguing war geboren.
In der Schweiz
New Yorker Untergrund war gestern! Heute finden Voguing-Veranstaltungen auf der ganzen Welt statt. Auch in grossen Schweizer Städten wie Genf, Zürich und Lausanne gibts immer wieder was zu erleben. Dieses Jahr fand auf dem Musikfestival Antigel in Genf zum Beispiel eine ausverkaufte Voguing-Party statt.
Solidarität und zweite Familie
Voguing war schon immer mehr als Tanzen. In den 1970er-Jahren entstand rund um die Ballroom-Szene eine ganze Bewegung: So gehörten alle Teilnehmenden einem sogenannten «House» an und wurden von einer «Mother» oder einem «Father» betreut und gecoacht. Die Begriffe «Mutter» und «Vater» waren nicht ganz zufällig, denn oft wurden diese für die Mitglieder der Häuser zu Ersatzeltern. Viele fanden nämlich in den Houses Zuflucht, nachdem sie von ihren eigenen Familien aufgrund ihrer sexuellen Orientierung verstossen worden waren. Auf den Balls traten die Häuser dann in Teams gegeneinander an. Das in Form von «Battles» (deutsch «Schlachten»), die in vorgegebenen Kategorien ausgetragen wurden. Wichtig waren etwa glamouröse Outfits und dass die Bewegungen der Hände und Arme eine Geschichte erzählen. Zu gewinnen gabs eine Trophäe – und die Bewunderung der ganzen Community.
Voguing und Mainstream
Auch in die Popkultur hält Voguing immer mehr Einzug. Die Serie «Pose» (2018–2021) von Ryan Murphy («Glee») wurde regelrecht mit Preisen überhäuft. Sie bietet einen detaillierten Einblick in die New Yorker Ballroom-Szene der 1980er-Jahre. Der Dokumentarfilm «Paris is Burning» (1991) gilt zudem als wichtiges Zeitzeugnis der Ballroom-Culture der 80er. Auch die amerikanische Realityshow «RuPaul’s Drag Race» trägt seit 2009 dazu bei, der künstlerischen Welt der Drag-Queens auch im Mainstream mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Und last but not least zollt Beyoncé der Szene gerade mit ihrem neuesten Album «Renaissance» Tribut.