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Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine Pioniertat des spanischen Labels Saimel, denn mit Le Legione di Cleopatra erscheint ‒ ob man’s glaubt oder nicht ‒ das erste Mal überhaupt eine originale Filmmusik Renzo Rossellinis auf CD. Eine ziemlich traurige Tatsache wenn man bedenkt, dass der Komponist ein Wegbereiter der italienischen Filmmusik war und in einer Schaffenszeit von rund 30 Jahren fast 100 Scores schrieb, zu deren bedeutenden zweifellos jene für seinen älteren Bruder Roberto, dem Mitbegründer und bekanntesten Vertreter des italienischen Neorealismus, gehören.
Sehr rege war Rossellini auch im Bereich der klassischen Musik; ein Œevre, bestehend aus neun Opern, Balletten, sinfonischen Dichtungen, Oratorien und Kammermusik, zeugt davon. Darüber hinaus betätigte er sich auch als Musikkritiker, Musiklehrer und Musikologe. In seinen Kompositionen finden sich Einflüsse der italienischen Oper (sowohl der lyrischen des 19. Jahrhunderts als auch des Verismo) sowie des französischen Impressionismus.
Diese Einflüsse machen sich auch in Le Legione di Cleopatra (1959) ‒ einem Streifen, der die Beziehung zwischen der Herrscherin vom Nil und ihrem römischen Liebhaber Marcus Antonius zum Thema hat ‒ bemerkbar und heben damit diesen Score von Vertonungen vergleichbarer Peplums oder amerikanischer Monumentalfilme ab.
Für einen Sandalenfilm eher ungewöhnlich zeigt sich der Main Title recht verhalten; aus dem spannungsaufbauenden Intro mit Pauken und scharfem Blech erhebt sich eine Flöte, deren Klang zu gleichen Teilen geheimnisvolle Exotik, Verführung und Verschlagenheit verströmt. Dieses wiederkehrende Erkennungsmotiv für Cleopatra ist nur eines von mehreren Themen, das der Flöte und ihren Holzbläser-Kollegen anvertraut wird. Diese prägen denn auch ‒ von Fanfaren und dramatischen, martialischen und auch humorvollen Momenten wie dem völlig beschwipsten Fight in the Tavern abgesehen ‒ mit ihrem orientalisch-impressionistischen Spiel und von Streichern unterstützt den ersten Teil des Scores.
Ab Attack in the Cave ‒ Death of the Child kündigen sich dann grössere Ereignisse an (wie etwa der anschauliche, von den Holzbläsern entfachte Sturm in Currido’s Rescue at Sea), die in der furiosen Action des zweiteiligen, hervorragend strukturierten The Battle gipfeln. Erst spät im Score erklingt das ebenso leidenschaftliche wie tragische Liebesthema für Cleopatra und Antony, das sich nach Antony’s Farewell to Cleopatra in Cleopatra in her Chariot noch ein letztes Mal gegen sein Schicksal aufbäumt, erfolglos, wie den folgenden, in tiefe Trauer getränkten Tracks entnommen werden kann. Mehr Glück haben da Marianne und Curridio, dies suggeriert zumindest ihr bezauberndes Liebesthema im zuversichtlichen Finale.
Die CD präsentiert den kompletten Score (plus zwei Demos als Bonus) in zwar nicht immer ganz sauberem, aber insgesamt mehr als passablem Monoklang, der ja niemanden davon abhalten soll, mit diesem sehr versierten, aber kaum beachteten Komponisten Bekanntschaft zu schliessen. Le Legione di Cleopatraweckt den Wunsch, mehr vom Werk des Renzo Rossellini kennenzulernen. Wann sich aber die Möglichkeit dazu ‒ vor allem bezüglich Filmmusikveröffentlichungen ‒ wieder bieten wird, steht wohl in den Sternen.