Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03260.jsonl.gz/137

Fontane stammte aus einer alten Hugenotten-Familie, und immer wenn sein Zorn auf Preussen besonders heftig war, betonte er voller Stolz seine romanische Herkunft. Seine schönsten Reisebücher hat er Frankreich gewidmet: »Kriegsgefangen« und »Aus den Tagen der Okkupation« (beide 1871). Sie schildern die gefährlichste Situation seines Lebens und enthalten die offenherzigsten autobiographischen Bekenntnisse. Aus diesen Werken wie aus Briefen und Äusserungen über französische Autoren und Werke ergibt sich ein facettenreiches Bild. Wider den Zeitgeist bekundet Fontane seine Hochachtung vor dem Nachbarvolk. Er ist fasziniert von den Kathedralen von Reims und Rouen, steht am Grab des liebenswürdigen Alexandre Dumas, dessen erfolgreiche Massenproduktion ihm imponiert, und besucht die Wirkungsstätte Rousseaus. Die Besichtigung der Schlachtfelder des Deutsch-Französischen Krieges veranlasst ihn zur Anerkennung der militärischen Leistungen, aber auch zur Klage über die unermesslichen Opfer auf beiden Seiten und die Not der leidenden Bevölkerung. Worauf es ihm ankommt, ist die menschliche Dimension des Geschehens.
Portrait
Gotthard Erler, geb. 1933 in Meerane/Sachsen, Studium der Germanistik in Leipzig, u. a. bei Hans Mayer und Hermann August Korff, seit 1964 leitender Mitarbeiter des Aufbau-Verlages und dessen Geschäftsführer von 1990 bis 1998, lebt in Berlin. Seine jahrzehntelangen Forschungen zu Fontane und die Fülle seiner Editionen haben an der Verbreitung dieses Werks und der Erschliessung der Fontaneschen Biographie einen hervorragenden Anteil.