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Das Risiko, dass Ebola auch in der Schweiz auftreten könnte, sei sehr gering, betonen Behördenvertreter. Dennoch bereiten sich Einrichtungen wie das Universitätsspital Genf auf die Aufnahme einer begrenzten Zahl von Ebola-Verdachtsfällen vor.
"Ich lege das schmutzige Hemd des Patienten sorgfältig in diesen gelben Plastiksack. Es handelt sich nicht um die üblichen 35-Liter-Abfallsäcke, sie genügen 'Schweizer Testansprüchen'. Sie sind robust und können nicht leicht durchstochen werden." Pierre Brennenstuhl verschliesst den gelben Sack und steckt diesen in einen zweiten Sack.
"Danach wird dieser verschlossen, desinfiziert und kommt in diesen gelben Container, der versiegelt und erneut desinfiziert wird, bevor er dem Kollegen im nächsten Raum überreicht wird. Dort wird der Prozess wiederholt, bevor das ganze Paket verbrannt wird."
Die Präsentation zum Umgang mit Kleidern, die mit dem Ebola-Virus verseucht sind, ist nur eine Übung – zur Information der Medien.
In der glänzend weissen Ebola-Isolationseinheit im Innern des Genfer Universitätsspitals informiert Brennenstuhl, der für die Sicherheit im Spital zuständig ist, über die Einrichtung dieser speziellen Station und beschreibt im Detail, wie das Pflegepersonal sich um allfällige Patienten kümmern und sich selber schützen wird.
Der Isolations-Raum ist ausgerüstet mit einem speziellen, zweitürigen Luftschleusen- und Klimaanlage-System und ist Teil der Intensivpflege-Abteilung des Spitals, wo hoch ansteckende Krankheiten wie Masern und Tuberkulose behandelt werden.
Das Universitätsspital Genf ist eines von 12 Spitälern, die bestimmt wurden, allfällige Ebola-Verdachtsfälle in der Schweiz zu behandeln. Die Isolations-Einheit, die zwei Patienten aufnehmen kann, steht bisher leer.
"Die Epidemie bleibt zentriert auf Guinea, Sierra Leone und Liberia, in den beiden letzten Ländern steckt die Epidemie nach wie vor in einer Aufwärtsphase mit zwischen 10 und 100 neuen Fällen pro Tag. Die Sterblichkeitsrate ist mit etwa 70% erschreckend hoch", erklärte Laurent Kaiser, Chef der Abteilung Infektionskrankheiten und des Virologie-Labors des Universitätsspitals Genf. Seit Ausbruch der Epidemie sind schon mehr als 4500 Menschen am Ebola-Virus gestorben.
Ruhe bewahren
Behördenvertreter in Genf betonten, die Schweizer Öffentlichkeit sollte nicht in Panik verfallen. Sie unterstrichen auch, dass eine Isolations-Einheit für zwei Patienten ausreichend sein werde.
"Fünfzehn Personen, die sich in der Region angesteckt hatten, wurden bisher entweder nach Europa oder in die USA repatriiert, es waren vor allem Mitarbeitende von NGOs oder von internationalen Organisationen. Die Sterblichkeitsrate ist zweifellos niedriger als in Afrika, aber immer noch extrem hoch", sagte Kaiser.
"Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich das Virus in unserem Land verbreiten wird. Die Übertragung erfolgt nicht über die Luft, sondern durch engen Kontakt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Erreger von Mensch zu Mensch mutieren wird und Hunderte oder Tausende von Fällen nach sich ziehen könnte."
Auf seiner Website schreibt das Bundesamt für Gesundheit, das Risiko, dass Asylsuchende oder Reisende aus den betroffenen Ländern das Virus in der Schweiz verbreiten könnten, sei "praktisch ausgeschlossen". Vor allem Asylsuchende seien meistens lange unterwegs und würden wahrscheinlich vor ihrer Ankunft in der Schweiz erkranken, oder dann kontrolliert, bevor sie Afrika an Bord eines Flugzeugs verliessen oder bei der Ankunft in Europa.
Es zeichne sich so etwas wie eine "Obsession mit Ebola" ab, erklärte Jacques-André Romand, der Genfer Kantonsarzt. "Unser Hauptanliegen im Kanton ist es, mutmassliche Patienten so rasch als möglich zu identifizieren und die Sicherheit des Gesundheitspersonals sicherzustellen."
Seit Beginn der Krise wurden in der Schweiz etwa ein Dutzend Ebola-Verdachtsfälle identifiziert. Keiner dieser Fälle erhärtete sich, die Tests, die das Universitätsspital Genf durchführte, verliefen alle negativ. Das Spital wurde in der Schweiz als Hauptzentrum für Ebola-Tests bestimmt.
Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit gelten Personen als Verdachtsfälle, die eine Körpertemperatur von über 38°Celsius haben und in den 21 Tagen vor Ausbruch der Symptome – Inkubationszeit des Virus – in einem der drei afrikanischen Länder waren, die vom Ebola-Ausbruch vor allem betroffen sind.
In diesen Fällen wird ein bestimmter Prozess in Gang gesetzt. Patient und Arzt erhalten Masken, sie werden isoliert und mit einem besonderen Ambulanzfahrzeug ins Kantonsspital Genf transportiert. Der gleiche Prozess kommt bei Patienten zum Zug, die in die Schweiz repatriiert werden.
Grosser Aufwand
Dennoch bleibt die Pflege von Ebola-Patienten sehr gefährlich und nimmt viel Zeit und Personal in Anspruch.
In Genf wurden weitere Massnahmen ergriffen. Zur Pflege jedes Patienten braucht es Teams von drei Pflegekräften, darunter eine, die ihre Kollegen beim Anziehen und Ausziehen der Schutzanzüge überwacht, um möglichst jegliche allfällige Ansteckung zu vermeiden (siehe Video unten).
Das Ausziehen sei mit 27 strikten Schritten die anspruchsvollste Phase, erklärte Brennenstuhl. Angesichts der stressreichen Umgebung und der schwierigen Arbeitsbedingungen, wird es für jeden Patienten zwei oder drei solche Teams brauchen, die in Schichten arbeiten werden.
Um sich auf solch mögliche Einsätze vorzubereiten, hat das Genfer Universitätsspital die Schulung seines Personals verstärkt und 200'000 Franken in Schutzmaterial und zusätzliches Personal investiert.
Neben den speziellen Massnahmen, die zur Betreuung allfälliger Ebola-Patienten ergriffen wurden, ist das Genfer Universitätsspital auch bei der Erforschung eines Impfstoffes gegen die Ebola-Epidemie beteiligt. Am 22. Oktober kam die erste Lieferung eines experimentellen Impfstoffes aus Kanada in Genf an. Rund 250 von insgesamt 800 Fläschchen werden im Genfer Spital gelagert. Der britische Pharmakonzern Glaxosmithkline ist daran, einen zweiten experimentellen Impfstoff zu entwickeln.
In Zusammenarbeit mit der Weltgesundheits-Organisation (WHO) werden die Universitätsspitäler in Genf und Lausanne zunächst eine Reihe von Tests durchführen, um nachzuweisen, ob der Wirkstoff für Menschen unbedenklich ist. Sind diese Resultate schlüssig, werden Tests zur Wirksamkeit des Impfstoffs folgen. Validierung und Tests könnten Monate dauern, erklären offizielle Vertreter, aber der zur Entwicklung von Impfstoffen normale Prozess soll aufgrund der Dringlichkeit verkürzt werden.
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch), swissinfo.ch