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Die Darstellung von motorischen Behinderungen in Filmen und TV-Serien
Die UNESCO bestätigt, dass Bildung nicht auf Schulen und Ausbildungseinrichtungen beschränkt ist, sondern den Bürgern überall und ohne Einschränkungen zur Verfügung steht. Dies trifft heutzutage auch dank der audiovisuellen Unterhaltung zu: Fernsehserien über das Leben von Ärzten, Anwälten, Polizisten und Köchen machen alle ein wenig zu „Experten“ für jedes Thema. Diese Wissensverbreitung kann sich also als nützlich für marginalisierte und wenig diskutierte Themen erweisen.
Artie Abrams aus „Glee“Was passiert nun, wenn Filme und Fernsehserien Charaktere mit motorischen Behinderungen zeigen? Vermitteln sie Botschaften, die zum Respekt und zur Akzeptanz des Anderen führen, oder beschränken sie sich darauf, Stereotypen und übermässig sentimentale Darstellungen von Behinderung zu reproduzieren?
Vielfalt ist das neue Zugpferd der Kommunikation auf dem kleinen Bildschirm. Um sich zu unterscheiden und Zuschauer anzuziehen, werden die Plots mit ungewöhnlichen Charakteren angereichert, die genau darum einzigartig und besonders sind: Man denke an den schlauen Zwerg Tyrion aus Game of Thrones (2011) oder die jungen Protagonisten aus Glee (2009), die alle in einem Kampf um soziale Anerkennung stecken. Wenn nun körperliche und ethnische Vielfalt sowie ausgewogene Geschlechterverhältnisse geschätzt werden, sind dann Paraplegie und Tetraplegie gleichermassen Themen, welche die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen?
Philippe aus „Ziemlich beste Freunde“Leider nicht genug. Den Charakteren im Rollstuhl fehlt die Ironie, die die Situation entschärft und sie zu Publikumslieblingen machen kann. Eine glückliche Ausnahme ist Philippe, französischer Tetraplegiker aus dem Film Ziemlich beste Freunde (2011). Anfangs repräsentiert durch das Klischee des mürrischen Mannes mit einem tiefen Gefühl der Ungerechtigkeit, entdeckt er im Verlauf der Geschichte die Lebensfreude wieder. Ein Glück, das William Traynor in Ein ganzes halbes Jahr (2016) vorenthalten ist: ebenfalls Tetraplegiker, ebenfalls mürrisch, aber mit einem Pessimismus, den nicht einmal die Liebe der jungen Louisa bezwingen wird. Die Erklärung dafür in einem Satz, den der junge Mann an seine Geliebte richtet: „Ich möchte nicht, dass du all das verpasst, was ein anderer dir geben könnte“.
William Traynor aus „Ein ganzes halbes Jahr“Genau dieses Gefühl des Verlustes haben alle Charaktere mit motorischen Behinderungen gemein: Mit dem Verlust der Fähigkeit, gehen zu können, scheinen sie in den Augen unserer Gesellschaft auch nicht mehr in der Lage zu sein, ein gleichwertiges Leben wie alle anderen führen zu können. So wiederholt John Locke aus Lost (2004) wie ein Mantra den Satz „Sagt mir nicht, dass ich es nicht schaffen kann“; und Jake Sully in Avatar (2009) rechtfertigt die Entscheidung, auf den Planeten Pandora zu gehen, mit einem „Ich hatte die Ärzte satt, die mir sagten, was ich nicht machen kann“.
Artikel 1 der UN-Behindertenrechtskonvention (2006) bekräftigt den „vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen“. Doch das soziale Unbehagen, das diese fiktiven Personen spüren, scheint zu zeigen, dass Stigmatisierung und soziale Ausgrenzung weiterhin bestehen.
John Locke aus „Lost“Um den Charakteren das Leben zu ermöglichen, nach dem sie sich sehnen, benutzen die Drehbuchautoren oft Hilfsmittel wie Träume, Heilung oder übernatürliche Kräfte. Um in der Glee-Episode Dream on Artie Abrams' Wunsch Tänzer zu werden zu verwirklichen, wird das Mittel eines Traumes benutzt, in dem der Schüler von seiner Querschnittlähmung geheilt wird und auf der Bühne auftritt. John Locke, der auf der Insel Schiffbruch erlitten hat, kann dank der „Magie“ des Ortes wieder gehen und bekommt das abenteuerliche Leben, das ihm immer verwehrt wurde. Und schliesslich wird Jake Sully, der seine Marine-Karriere nicht fortsetzen kann, geschickt, um den Planeten Pandora zu erforschen – mithilfe eines fremden Körpers, der laufen kann.
Bran Stark aus „Game of Thrones“In den seltenen Fällen, in denen die Autoren die Behinderung eines Charakters nicht magisch beseitigen, wird sein Handicap durch das Erlangen einer übermenschlichen Eigenschaft kompensiert. Dies ist der Fall bei Bran Stark, einem jungen Protagonisten in Game of Thrones, der – nach einem Sturz gelähmt – die Fähigkeit erlangt, Dinge vorhersehen zu können. Oder auch im Film über die Geschichte des genialen Astrophysikers Stephen Hawking (2014): Auch wenn er schon vor seiner Behinderung ein Genie war, entwickelt er seine „Weltformel“ erst, als er im Rollstuhl sitzt.
Stephen Hawking aus „Die Entdeckung der Unendlichkeit“Was meint Ihr: Stellen Filme und Fernsehserien das Leben von Menschen mit motorischen Behinderungen realistisch dar? Welcher Charakter hat Euch besonders gefallen?
[Übersetzung des originalen italienischen Beitrags]
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