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1921
" .. Lassen Sie einmal eine Generation ihr Geistesleben freier entfalten und dann dieses Geistesleben organisieren wie sie es will; es ist die reinste Sklaverei für die nächstfolgende Generation. Das Geistesleben muss wirklich, nicht bloss der Theorie nach, sondern dem Leben nach frei sein. Die Menschen, die darinnen stehen, müssen die Freiheit erleben. Das Geistesleben wird zur grossen Tyrannei, wenn es überhaupt auf der Erde sich ausbreitet, denn ohne dass eine Organisation eintritt, kann es sich nicht ausbreiten, und wenn eine Organisation eintritt, wird sogleich die Organi-sation zur Tyrannin ... "
Rudolf Steiner im Vortrag vom 14.Oktober 1921 in Dornach (GA 339)
1978
Die hier im Hinblick auf die Klassen der Freien Hochschule skizzierte (und sich vor der seelischen Beobachtung ins Unabsehbare weiterentwickelnde) Schutzidee hat urbildlichen Charakter. Sich der Bedeutung dieses von Rudolf Steiner begründeten sozialorganischen Urbildes bewusst zu werden, ist für Jeden von dem höchsten Werte, der an der spirituellen Erneuerung des sozialen Lebens mitwirken möchte. Dieser Blick auf das Urbildliche wird von der Frage überhaupt nicht berührt, ob es in irgendeiner institutionären Erscheinungsform noch oder schon verwirklicht ist. Denn es handelt sich dabei um die Bewusstseinshaltungen, die nicht in der Gestalt von Verfügugen gefordert und verwirklicht werden können, die vielmehr als Tatsachen, die sich der seelischen Beobachtung darstellen, für alle jene Menschen von Bedeutung sind, die irgendwann und irgendwo eine moderne Gemeinschaft begründen wollen.
Aus Herbert Witzenmann „Die Prinzipien in ihrer spirituellen und sozialen Bedeutung“, Dornach 1978
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1979 / 1981 Nach Jahrzehnen wieder erhältlich ...
Die von Herbert Witzenmann während des missglückten Versuchs der Generalversammlung am Goetheanum 1979, ihn aus dem Goetheanum-Vorstand abzuwählen, gehaltene Rede. Ein Schlüsseldokument zum Ver-ständnis von Rudolf Steiners erkenntnischristlicher Gemeinschaft, wie sie, auf dem Fundament des ethischen Individualismus seiner Philosophie der Freiheit, als Sozialästhetik hervorgehen kann.
Anmerkung des Herausgebers: Der Rechenschaftsbericht Witzenmanns wird hiermit aus aktuellem Anlass (der Initiative der Goetheanum-Leitung zur Neufassung der Gesellschafts-statuten) der anthroposophischen Gesellschaft als Studienmaterial von «Das Seminar - sozialästhetische Schulungsstätte» als digitales PDF den an diesen Vorgängen Interessierten zum privaten Druck zur Verfügung gestellt. - Als mehrere Sektionsleiter und Landesvorstände während der Generalversamm-lung 1979 der anthroposophischen Gesellschaft, vor der hier nun vorliegen-den Ansprache Herbert Witzenmanns ihn dazu aufforderten, freiwillig aus dem Vorstand auszutreten, um eine „unwürdige“ Abwahl zu vermeiden, sass ich in der hintersten Reihe neben ihm. Da er akustisch Mühe hatte, alles deutlich zu vernehmen, vergewisserte er sich zwischendurch bei mir über das vorne am Rednerpult Gesagte (die hinterste Sitzreihe im alten Saal verfügte nur über zwei Sitzplätze, sodass dadurch niemand gestört wurde. Zur Wahl des Sitzplatzes selbst siehe Witzenmanns Rede). Irgendwann begann er - während den langen Verhandlungen um seine Stellung im Vorstand - sich für die anstehende Ansprache Notizen zu machen. Nach Ende seiner Rede, die bei rund der Hälfte der Anwesenden einen bedeutenden Eindruck hinterliess, wurde eine verfrühte Pause einberufen. Danach erklärte der Versammlungs-leiter den Antrag, der in Absprache mit dem Mehrheitsvorstand zu Beginn der Versammlung mündlich vorgebracht worden war und die Abwahl Witzenmanns aus dem Vorstand forderte, als nicht statutengemäss, da er nicht in der vorgeschriebenen Frist den Mitglie-dern bekannt gegeben worden war. Er fiel aus allen weiteren Traktanden, was zur Folge hatte, dass Herbert Witzenmann bis zu seinem Tod am 24. September 1988 legales Mitglied des Vorstandes der anthroposophischen Gesellschaft und der Goetheanumleitung blieb. Von diesem vereinsrechtli-chen Tatbestand muss freilich seit dem Tod des letzten Mitglieds des Grün-dungsvorstandes Albert Steffen 1963 die spirituelle Zugehörigkeit zur Leitung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft unterschieden werden, wozu sich die schriftliche Ergänzung Witzenmanns ebenfalls äussert. Für den Herausgeber, Dornach, Michaeli 2023, R.A. Savoldelli
Rechenschaftsbericht 1979/1981 Zur Idee, Einrichtung und zum Bestand der von Rudolf Steiner begründeten Freien Hochschule für Geisteswissenschaft
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1993
Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft ist, im geistigen Sinne, gegenwärtig geschlossen. Die Klassenstunden wurden von Herbert Witzenmann in seinem Aufsatz des Jahres 1981 als "ein Bereich" bezeichnet, "in welchem die individuelle Verbindung mit der Geistmittlerschaft Rudolf Steiners gesucht werden soll". - Muss sich heute der Wille, die Verbindung zu Rudolf Steiner zu finden, nicht umorientieren? Müsste er sich nicht auf seine gegenwärtig wirksame Geisttätigkeit in Beziehung zu bringen versuchen? Wir unterstützen Rudolf Steiner bei seinem Bestreben, Anknüfungspunkte für sein erneuertes Geistwirken zu finden, nicht, wenn wir uns über den Abbruch der Kontinuität innerhalb der von ihm eingerichteten Form der Freien Hochschule für Geistes-wissenschaft, die als eine innerhalb des zivilisatorisch wirksamen Geisteslebens öffentlich zugängliche eingerichtet wurde, in Illusionen wiegen.
aus R.A.Savoldelli, Die freie Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum - Verlust und Wiedergewinn, 1993
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