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Ornithologische Gesellschaft Winterthur
Seit 1872 haben sich Frauen und Männer mit der gleichen Freizeitbeschäftigung zusammen getan. Ihre Liebhaberei, ihr engagiertes Tun in der Freizeit ist das Züchten von Tieren aller Art. Der Name „Ornithologische Gesellschaft, (OGW)“ umfasst nun nicht nur den Umgang mit Vögeln, sondern auch Geflügel und Kaninchen sind beliebte Tiere, die von den Mitgliedern der OGW gehegt und gepflegt werden.
Es war in den 1870er-Jahren als auf dem Importweg nicht nur Baumwolle, Rohseide, Kakao und Gewürze in die Schweiz kamen, sondern auch allerlei exotische Vögel. Tierärztliche Atteste waren damals noch unbekannt und einheimische Vögel konnten mit amtlicher Bewilligung im Inland beschafft werden. So ergab es sich fast von selbst, dass bereits zu jener Zeit Tierfreunde sich mit der Haltung und Zucht farbenfroher und singfreudiger Vögel beschäftigten. Bei geselligen Zusammenkünften traf man sich und diskutierte über das gemeinsame Hobby. So kam auch die Idee zustande, einen Verein zu gründen. Im November 1872 wurde der Verein "Freunde der gefiederten Welt" aus der Taufe gehoben.
Die Zielsetzung war in den Statuten wie folgt umschrieben: "Unter dem Namen "Freunde der gefiederten Welt" hat sich in Winterthur eine Gesellschaft gebildet, welche sich zur Aufgabe macht, Geflügel-, Sing- und Ziervögel zu züchten und das Interesse hierfür sowie den Import von exotischen Vögeln zu pflegen und zu mehren. Um dies zu bezwecken, soll von Zeit zu Zeit eine Ausstellung von Geflügel-, Sing- und Ziervögeln abgehalten werden, und sollen die den Gesellschafts-Mitgliedern angehörigen Vögel nur dann prämiert werden, wenn dieselben mindestens drei Monate vor der Ausstellung im Besitz derselben sind."
Bereits im April 1874 wurde die erste Vogelausstellung im Casino durchgeführt. Es war aber keine reine Vogelausstellung, sondern bereits damals wurde Geflügel, Tauben und auch Kaninchen gezeigt. 1876 organisierte der noch junge Verein bereits die dritte Ausstellung. Diese Tier-Präsentationen gaben zwar der Finanzen wegen immer zu reden, doch der Elan für weitere Veranstaltungen liessen sich die aktiven Züchter deswegen nicht nehmen. 1876 wurden neue Statuten erlassen. Dabei stand der Namenwechsel im Vordergrund. Der neue Namen: Ornithologische Gesellschaft Winterthur. Er ist bis heute geblieben. 1877 wurde erstmals eine Winterfütterung ins Auge gefasst. Mitglieder zimmerten fünf „Futterautomaten“, die in den umliegenden Wäldern aufgestellt wurden. Der Verein spendete dazu für 25 Franken Hanfsamen.
1892 wurde unter dem stolzen Namen „Columbia“ eine Brieftaubenzüchter-Untersektion ins Leben gerufen. Mit der Fusion mit dem Verein „Ornis“, eine Organisation mit den gleichen Idealen, konnten 1896 bestens ausgewiesene neue Mitglieder gewonnen werden. 1904 entstand eine neue Untersektion: „Klub der Kaninchenzüchter“. 1906 folgte die „Sektion für Vogelpflege und die „Columbia“ nannte sich neu „Geflügel- und Tauben-Abteilung“. Die Sektionen pflegten ein eigenständiges Leben, waren aber vor allem der Finanzen wegen vom Hauptverein abhängig. Die Zeit des ersten Weltkrieges war für die Züchter zusätzlich eine grosse Belastung. Die Futterbeschaffung gelang nur mit gemeinsamen Bestrebungen. Das 50-Jahre-Jubiläum wurde 1922 mit einer Jubiläums-Ausstellung und einer grossen Feier im Casino begangen. Hans Nobel, Vereinspräsident von 1904 bis 1922 hielt die Festansprache. Nur sechs Wochen später hat er diese Welt für immer verlassen.
1931 ist die Geflügel- und Tauben-Abteilung eingeschlafen um erst 1967 wieder aktiv zu werden. Die Krisenzeit in den 1930er-Jahren machte sich mit zwei Entwicklungen bemerkbar. Die Mitgliederbeiträge gingen nur noch spärlich ein und mussten gestundet werden. Andererseits stieg die Mitgliederzahl drastisch auf über 200 an. Es waren vorwiegend Kaninchenzüchter, die sich für die Fleischbeschaffung dem Erfahrungsaustausch anschliessen wollten. 1936 wurde die „Stadtvereinigung der ornithologischen Vereine von Winterthur und Umgebung“ gegründet. Diese Dachorganisation stellte sich über die in jedem Vorort existierenden Kleintier-Vereine. Hauptziel war es, die Reihenfolge für die Durchführung der Ausstellungen zu koordinieren. Die erste Stadtverbands-Ausstellung fand am 7. und 8. November 1936 in der Reithalle an der Zeughausstrasse statt. Die Organisation von Ausstellungen war immer wieder eine gern angenommene Herausforderung für die Gesellschaft und ihre Mitglieder. Dabei konnten die Züchter und Tierhalter ihre Tiere und Zuchterfolge präsentieren. Als Ausstellungsort kam neu der Saal des Löwengartens zum Zuge.
Zwar stellte die Geflügel- und Taubenabteilung ihren Betrieb ein. Die Tauben blieben aber ein Thema. Die frei lebenden Tauben wurden im Altstadtgebiet immer mehr als Plage empfunden und den Abschuss durch die Stadtpolizei stiess ebenso wenig auf Zustimmung. Auf Vorschlag der OGW richtete die Stadt in der Hofstadlerscheune einen Taubenschlag ein. Ab 1962 übernahmen Mitglieder der OGW die Betreuung dieses „Tierheimes“ und ab 1965 das Einfangen verwilderter Tauben. Diese neue Aufgabe war in der Folge sehr dornenreich. Krankheitsbekämpfung und Anti-Baby-Futter sind Stichworte der aufwändigen Arbeit. 1970 kam die Betreuung des Taubenschlages im renovierten Kutscherhaus im Lindengut-Park (im Volksmund „Vögelipark“) hinzu, der zuvor vom Tierschutz gewartet worden war. Diese Aktivität fand Ende der 70er Jahre ein Ende, als die Tauben gestohlen wurden, während sie auf die tägliche Fütterung warteten.
Im Jahre 1972 feierte die Gesellschaft stolz ihren 100. Geburtstag. Und wie könnte es auch anders sein, im Zentrum der Feierlichkeiten stand eine Jubiläums-Ausstellung. Im Jubiläumsbericht war folgendes zu lesen: „Alle Sektionen der Gesellschaft legten sich ins Zeug, um Ehre einzulegen. Der Kaninchenklub übernahm den Auf- und Abbau des Käfigparks, die Fütterung der Tiere, die Nachtwachen, die Assistenz beim Richten und was sonst noch dazugehört. Die Geflügelzüchter betreuten ihre Lieblinge selbst und legten überall dort Hand an, wo es nötig war.
Die Mitglieder der "Ornis" waren für die Dekoration verantwortlich. Sie besorgten das Material aus dem Wald und bauten im Saal zum "Löwengarten" eine Ausstellung auf, an welcher nicht nur die gezeigten Vögel so recht zur Geltung kamen, sondern auch versucht wurde, die Besucher mit den Schönheiten unserer einheimischen Vogelwelt bekannt zu machen. Hiezu dienten automatisch wechselnde Dias, welche auf eine Leinwand, inmitten einer thematischen Vogelschutzgruppe, projiziert wurden. Der Ausstellungserfolg bewies erneut, was Zusammenarbeit aller Mithelfer zu erreichen vermag, er war aber auch eine Bestätigung dafür, dass sich die Erfahrungen einer hundertjährigen Vereinsgeschichte bezüglich der Organisation und Durchführung von Ausstellungen lohnten.„
Die OGW (Ornithologische Gesellschaft Winterthur) zählt 2018 rund 70 Mitglieder, die in den hauptsächlichen Revieren im Waldheim und im Riet Oberwinterthur ihre eigenen Stall- und Volieren-Tierunterkünfte pflegen. Sie gliedert sich in die Abteilungen Kaninchen, Geflügel, Vogelzucht und Vogelschutz. Ihnen steht je ein Obmann vor. Der Gesamtvorstand vertritt den Verein nach Außen und ist für die Finanzen verantwortlich. Auch die Mitgliederwerbung ist ein Thema, um vor allem der Überalterung entgegen zu treten. Zusätzlich besteht die Volièren-Kommission mit eigener Kasse. Früher hatte jeder Vorort einen eigenen Ornithologischen Verein. 2018 existiert noch der OGW und der „Verein Kleintiere Oberwinterthur-Elgg-Räterschen“.