Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03212.jsonl.gz/132

Die Witwe von Wattenwyl überliess das im Stile Ludwigs XV. errichtete Schlösschen um 1786 ihrem Sohne Johann Gabriel von Wattenwyl, der eine Tochter des Herrn zu Kehrsatz zur Frau hatte. Eine seiner Schwestern war mit dem späteren Welschseckelmeister Karl von Gingins vermählt, dem Herrn zu La Sarraz, der als einer der reichsten Männer beim Umsturz von 1798 die höchsten Kriegskontributionen zu entrichten hatte.
Ende des Jahres 1811 kaufte der begüterte Ludwig Zeerleder das Schlösschen, der mit Johann Gabriels Nichte verheiratet war. Sein Stammvater Hans, ein Kupferschmied aus Erfurt, wurde im Jahre 1542 in Bern eingebürgert. Der neue Herr im Schlösschen Belp hatte 1808 aus dem Konkurs seines Schuldners Abraham Rudolf Heggi, bisher Schlossherr in Muri, den Erlacherhof erworben, der zur Hälfte im Besitze des David Rudolf Bay war. Zusammen mit dessen Witwe verkaufte Ludwig Zeerleder, der seither Schloss Amsoldingen erworben hatte, den Erlacherhof dann 1821 der Stadt Bern für 76'600 Franken.
Im Jahre 1815 hatte der Ratsherr Zeerleder als Abgesandter Berns im Auftrage des Schultheissen Niklaus Friedrich von Mülinen am Wiener Kongress teilgenommen. Dort betonte er unter anderem, dass ein mächtiger Kanton Bern doch die beste Gewähr biete für die Ruhe im Lande und dessen Unabhängigkeit. Zudem müssten die in der Bank von England liegenden Schuldtitel von über 200'000 Pfund wieder an Bern und Zürich ausgehändigt werden. Beide Anträge wurden von den Grossmächten erfüllt, der erstgenannte durch die trotz den heftigen Einwänden Laharpes vollzogene Eingliederung des Bistums Basel zum Kanton Bern. Österreich verzichtete auf das Fricktal, Genf, Wallis und Neuenburg wurden voll berechtigte Kantone der Eidgenossenschaft, deren immerwährende Neutralität und Unabhängigkeit garantiert wurde.
Der verdiente Ratsherr Ludwig Zeerleder, der infolge eines Sturzes an Krücken gehen musste, wurde aufgrund einer willkürlichen Anklage wegen Entfremdung von Staatsgeldern 1836 in Haft genommen und erst zwei Jahre später freigesprochen. Er starb 1840 und durfte seinen Freispruch von seiten des Obergerichts nicht mehr erleben.
Bei der Erbteilung von Ludwigs Witwe fiel das Schlösschen Belp gemeinsam an ihre drei Söhne und ihre Tochter, von denen es 1843 der Richter Friedrich Victor Albrecht Theophil von Zeerleder übernahm. Aus der Hinterlassenschaft seiner Witwe trat ihr Sohn Alfred Eduard Friedrich, der Forstmeister vom Egghölzli-Gut, den Besitz Belp käuflich seinem Bruder und Miterben Wilhelm Karl Albrecht von Zeerleder ab. Nach dessen Ableben übergab seine Gattin Emilie Cécile Bertha von Sinner von der Campagne Beitenwil das Schlösschen Belp ihren Söhnen Theodor Rudolf Friedrich und Albrecht v. Zeerleder. Dieselben verkauften es im Jahre 1916 dem Metzgermeister Gottlieb Friedrich Pulver, dessen Sohn Max Walter es acht Jahre später als vorzeitiges Erbe erhielt und 1933 seiner Witwe mit den drei Kindern Max Werner, Fritz Bernhard Pulver und Käthy Pulver hinterliess. Max Walters Witwe schloss 1941 ihre zweite Ehe mit dem Kaufmann Hermann Rudolf Stuber, wodurch ihr Erbanteil nach ihrem Tode 1959 auch an ihre noch minderjährigen Söhne Rolf Hermann und Peter Rudolf Stuber fiel.
1972 starb Max Werner Pulver und hinterliess seinen Anteil am reizenden Schlösschen Belp gemeinsam seiner Witwe und seinen noch nicht volljährigen Töchtern Katharina Elisabeth und Verena Barbara Pulver. Dieselben bilden, zusammen mit den Geschwistern Fritz Bernhard und Käthy Lüthi-Pulver und den Söhnen Stuber, heute die Besitzergemeinschaft des neuen Schlösschens Belp. Mit vorbildlicher Umsicht und viel Liebe haben sie das ihnen anvertraute Erbe treu bewahrt und sich nicht zu kurzfristigen Spekulationen verlocken lassen. So haben sie sich auch erfolgreich gegen Überbauungen und das unsinnige Bauvorhaben einer Umfahrungsstrasse mitten durch ihren grossen, zum Schlossbesitz gehörenden Kummenacker gewehrt. Hut ab vor solcher Gesinnung!
Im Jahre 1996, haben Christian und Hans Ueli Müller das Schlösschen in einem renovationsbedürftigen Zustand, von den Erben Pulver-Stuber gekauft.
Im Jahre 2000 wurde es mit grossem Engagement renoviert und auch die Umgebung mit grossem Schlossgarten, wurde mit viel Liebe neu gestaltet, gehegt und gepflegt.
Herr Christian Müller und seine Familie wohnen seit dem Jahre 2000 im Schlösschen.
Bibliographie