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- Am 20. September wird eine neue Bundesrätin oder ein neuer Bundesrat gewählt. Ignazio Cassis, Pierre Maudet und Isabelle Moret von der FDP stehen zur offiziell zur Wahl.
- Zurzeit sind die Frauen im siebenköpfigen Bundesrat mit zwei Sitzen untervertreten.
- Der Frauenanteil in der Schweizer Politik stagniert bei 30 bis 35 Prozent.
Mit Christiane Brunner hat alles angefangen. Dass die Gewerkschafterin 1993 nicht zu Bundesrätin gewählt wurde, löste den Brunner-Effekt aus. Die Frauen tobten und wählten danach mehr Frauen in die Parlamente. Doch der Brunner -Effekt verpuffte wieder.
Qualifizierte Frauen hatten es weiterhin schwer. Im Jahr 2000 traf es die Zürcher SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer, 2003 wurde CVP-Bundesrätin Ruth Metzler abgewählt. Und 2010 verlor die damalige FDP-Regierungsrätin Karin Keller-Sutter gegen SVP-Kandidat Jean-François Rime und war aus dem Rennen. Zwei Stimmen machten den Unterschied.
Die eine Stimme hätte beispielsweise die heutige BR-Kandidatin Isabelle Moret abgeben können, aber sie verpasste die Wahl. Die zweite Stimme hätte von der Grünen Yvonne Gilli kommen können, aber sie wählte den SVP-Kandidaten. Dies sind Beispiele aus dem Bundesrat.
Politische Überzeugung ist wichtiger als das Geschlecht
Dass Frauen in Volkswahlen grundsätzlich keine Frauen unterstützen, stimme bei den Wahlen des Volkes so nicht, sagt Georg Lutz. Als Projektleiter der Wahlstudie Selects hat er das Wahlverhalten der Schweizerinnen und Schweizer im Jahr 2015 untersucht: «Die Frauensolidarität gibt es, aber sie wird in keinem Fall, der mir bekannt ist, vor die Partei gestellt.»
Frauen schauen zuerst aufs Parteibuch und die politische Überzeugung und erst dann aufs Geschlecht. Anders ausgedrückt: Frauen wählen jene Frauen, die ihnen passen. «Eine linke Frau wählt nicht eine bürgerliche Frau, wenn ein linker Mann zu Auswahl steht», sagt Lutz.
Das gilt auch für den umgekehrten Fall. Eine bürgerliche Frau wählt kaum eine linke Kandidatin, wenn ein bürgerlicher Mann kandidiert.
Doch gerade für linke Frauen sei die Geschlechterfrage durchaus wichtig, weiss Politikwissenschaftler Georg Lutz: «Dort wird ein bewusster Entscheid getroffen. Frauen werden kumuliert und Männer gestrichen. Auf diesen Listen schneiden Frauen besser ab als die Männer.»
Frauen sind untervertreten
Das heisst: Frauen, die kandidieren, werden meistens auch gewählt. Um mehr Frauen in der Politik zu haben, braucht es mehr Kandidatinnen. Denn der Anteil der Frauen in der Politik stagniert seit vielen Jahren bei 30 bis 35 Prozent. Auch die UNO hat die Untervertretung der Frauen in politischen Parteien und öffentlichen Ämtern der Schweiz schon mehrmals kritisiert. Gerade bürgerliche Parteien tun sich schwer, Frauen gezielt zu fördern.
Seit Jahren weibelt deshalb die eidgenössische Kommission für Frauenfragen direkt bei den Parteien: «Sie sollten im Vorfeld der Wahlen die Sensibilisierung der Parteien betreiben, Events organisieren und die Parteien dazu zu bewegen, Frauen zu unterstützen und zu bringen.»
Schärli möchte eine neue Bundesrätin
Frauen zu mobilisieren sei aber nicht einfach, sagt Kommissions-Präsidentin Yvonne Schärli. Aus vielen Gründen aber vor allem auch, weil sie sich dem öffentlichen Druck nicht aussetzen wollten: «Man wird angefeindet, man steht in der Öffentlichkeit, man wird beurteilt»
Deshalb konzentrieren sich vielfach jüngere Frauen lieber auf ihre Berufskarriere. Die Kommission für Frauenfragen will nun auch bei der bevorstehenden Bundesratswahl aktiv werden. Für die Präsidentin Schärli ist es eine Selbstverständlichkeit, dass eine Frau neue Bundesrätin werden muss.