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Togo liegt in Westafrika westlich von Benin und östlich von Ghana am Atlantischen Ozean. Das Land ist in fünf Provinzen mit seinen ethnischen Gruppen unterteilt: Maritime (die Ewe), Plateaux (die Akposso) , Centrale (die Kotokoli), Kara (die Kabyè), Savannes (die Moba).
Lomé ist die Hauptstadt und liegt in der Provinz Maritime und somit am südlichen Ende des Landes. Mit einer Fläche von 56.785 km2 ist der Togo etwa 600 km lang und etwa 120 km breit. Die Einwohnerzahl beträgt ungefähr 6.5 Millionen.
BILDUNGSSITUATION
Die Analphabetenquote lag im Jahr 2003 bei 46.8%. Im Süden ist der allgemeine Bildungsstandart jedoch etwas höher als im Norden des Landes. Ein weiterer Punkt der Chancenungleich aufgrund finanzieller Verhältnisse ist bereits in der ersten Klasse zu sehen. Während Kinder aus reicheren Familien bereits in der Vorschule beziehungsweise im Kindergarten den schulischen Alltag kennen lernen und sich die französische Sprache (Amtssprache, Unterrichtssprache) aneignen, kommen ärmere Kinder mit keinerlei Vorkenntnissen in die erste Klasse. So haben die Kinder ohne Vorschule bereits einen Nachholbedarf, da sie die Unterrichtssprache zuerst noch erlernen müssen.
GESCHICHTLICHER ABRISS
Der Name „Togo“ stammt aus dem Wort auf Ewe Togodo, was hinter den Wasserfällen bedeutet. Das Land stand ab Juli 1884 unter deutscher Schutzmacht. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Togo zwischen Frankreich und England aufgeteilt, womit Togo einen Teil seines Landes an das „englische Ghana“ verlor und selbst von nun an Frankreich unterstellt war. Im Jahre 1960 erlangte Togo seine Unabhängigkeit und Sylvanus Olympio wurde der erste demokratisch gewählte Präsident. Bereits nach drei Jahren wurde er durch ein blutiges Attentat ermordet und Nicolas Grunitzky kam bis 1967 an die Macht. Nach einem erneuten Staatsstreich flüchtete dieser nach Paris ins Exil, woraufhin der General Eyadema Gnassingbe für die nächsten 38 Jahre bis zu seinem Tod den Togo mit eiserner Hand führte. Heute ist sein Sohn seit 2005 legitimer Präsident des Landes.
Togolesisches Schulwesen
„Der Staat erkennt das Recht jedes Kindes auf Bildung und schafft die dafür notwendigen Bedingungen. Der Schulbesuch ist für jedes Kind beider Geschlechter bis zum Alter von 15 Jahren obligatorisch. Der Staat gewährleistet ein kostenloses, öffentliches Bildungswesen.“
-Art. 35 da la Constitution de la IV Republique
Selbst nach jahrzehnte-langem bestehen dieses Artikels, ist dessen Inhalt noch immer nicht vollständig in die Praxis umgesetzt worden. Kostenlose, öffentliche Schulen stehen zwar zur Verfügung, doch diese sind masslos überfüllt und regelmässige Streike der Lehrkräfte vermindern die Unterrichtsqualität erheblich.
Togo ist in sechs Bildungsbezirke eingeteilt und jedem ist ein Direktor zugeteilt, welcher dem Minister für nationale Bildung unterstellt ist. Unsere Schule in Tsévié liegt im Bezirk Maritime und ist somit den dortigen Schulbehörden untergeordnet. Obwohl ein nationaler Lehrmittelverlag die Aufgabe des Lehrmittelvertriebes und die Lieferung von Papeteriematerial übernehmen sollte, funktionieren diese Abläufe oft nicht lückenlos, sodass bereits Primarschüler Wege finden müssen, sich den Schulstoff ohne angemessene Lehrmittel anzueignen.
Kinder von finanziell besser gestellten Familien besuchen bereits ab dem 2. Lebensjahr die Vorschule (entspricht strukturell unserem Kindergarten), wo sie während der drei Jahre bis zum Schuleintritt betreut werden und sich die spätere Unterrichtssprache, Französisch, spielerisch aneignen können. So entstehen schon in diesen frühen Jahren der schulischen Laufbahn Chancenungleichheiten, die einzig und allein auf die familiäre Herkunft zurückzuführen sind. In Togo ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die Eltern die französische Sprache beherrschen, da schon für diese Generation eine gute Schulbildung nicht gewährleistet war.
Die Primarschule dauert sechs Jahre, ist in drei Altersstufen unterteilt und wird mit einer landesübergreifenden Prüfung abgeschlossen. Die darauf folgenden regulären vier Jahre der Oberstufenschule können durch das dreijährige Lycée ergänzt werden. Bei Interesse und genügend finanzieller Unterstützung kann dann eine Hochschulbildung absolviert werden, die üblicherweise zwei bis vier Jahre dauert.
Bereits ab der Primarschule wird jedes Jahr eine Prüfung abgelegt, die darüber entscheidet, ob der Schüler in die nächste Klasse wechseln kann. Wenn die Prüfung nicht bestanden wird, muss das Kind ein Schuljahr wiederholen, was beliebig oft geschehen kann. Wir vom Verein APAT können uns vorstellen, diese Regel an unserer Schule so anzupassen, dass ein jeweiliges Schuljahr nur ein einziges Mal wiederholt werden darf. Ein zweiter Misserfolg würde zur Einstellung der allfälligen finanziellen Unterstützung seitens der Schule führen. Dies soll sicherstellen, dass nicht beliebig viele finanzielle Mittel in Schüler investiert werden, die die nötige Motivation, Ehrgeiz und Fleiss nicht mitbringen. Solch extreme Massnahmen sollen aber durch das Schaffen eines optimalen Lernklimas und durch Möglichkeit, jeden Schüler individuell zu fördern, eine Seltenheit darstellen.
Die markantesten Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten Schulen in Togo betreffen die Unterrichtsqualität, die Klassengrösse und das Schulgeld. In öffentlichen Schulen sind Lehrkräfte oft unterbezahlt, sodass der monatliche Lohn für ein würdiges Leben und die Ernährung einer Familie nur knapp ausreicht. Dies führt dazu, dass viele Lehrpersonen einem Zweitberuf nachgehen, sich schlecht vorbereiten oder gar nicht zum Unterricht erscheinen. Auch die Tatsache, dass aufgrund administrativer Mängel Löhne gar nicht ausbezahlt werden, führt dazu, dass das Land zwar über genügend ausgebildete Lehrkräfte verfügt, diese aber nach Möglichkeit einem anderen Beruf nachgehen. In einer öffentlichen Schule besteht eine Klasse aus etwa 80 Schülern und somit haben selbst motivierte Lehrpersonen kaum eine Chance, jeden Schüler entsprechend seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen zu fördern. Private Schulen haben die Klassengrössen auf 25-30 Schüler reduziert und bieten somit eine gute aber sehr kostspielige Alternative zu öffentlichen Bildungsinstitutionen.
Aufgrund dieser Missstände ist es ein Anliegen von APAT, eine Schule zu bauen und zu führen, die jedem Kind dieser Region eine Chance auf eine gute, fundierte Bildung bietet und die Lehrpersonen als gebildete Fachkräfte behandelt und entsprechend entlohnt.
Unsere Schule
WESHALB IST UNS DIE SCHULE SO WICHTIG?
Studien belegen, dass Bildung die Entwicklung einer Person und die eines ganzen Staates stark beeinflussen kann. Kinder, die in eine Familie geboren wurden, wo das Geld selbst für Nahrungsmittel knapp ist, haben oft nur beschränkten Zugang zu einer guten Schulbildung. Für sie besteht die Möglichkeit, an eine öffentliche Schule zu gehen, wo die Unterrichtsqualität aber sehr tief ist. Dies liegt unter anderem daran, dass die Lehrpersonen oft abwesend sind, weil sie ihren Lebensunterhalt nur mit Hilfe weiterer Jobs finanzieren können. Auch die Schüler selbst sind häufig nicht motiviert, dem Unterricht beizuwohnen, aus Angst vor Schlägen als Bestrafung für Fehler oder weil sie keinen Sinn darin sehen. Um eine Privatschule zu besuchen, fehlen oft die finanziellen Mittel und auch dort sind die Unterrichtsmethoden teilweise zweifelhaft.
Ein weiterer Punkt der Chancenungleichheit aufgrund finanzieller Verhältnisse ist bereits in der ersten Klasse zu sehen. Während Kinder aus reicheren Familien bereits in der Vorschule beziehungsweise im Kindergarten den schulischen Alltag kennen lernen und sich die französische Sprache (Amtssprache, Unterrichtssprache) aneignen, kommen ärmere Kinder mit keinerlei Vorkenntnissen in die erste Klasse. So haben die Kinder ohne Vorschule einen Nachholbedarf, da sie die Unterrichtssprache zuerst noch erlernen müssen.
STANDORT DER SCHULE
Die Schule wird in Tsévié, der Provinz Maritime, errichtet. Die Stadt hat über 60‘000 Einwohner und ist etwa 30 Auto-Minuten von Lomé, der Hauptstadt entfernt. Obwohl die Ortschaft relativ nahe an der Hauptstadt liegt, zählt sie zu den ländlicheren Gebieten, die jedoch bereits Stromanschluss haben. Somit bietet dieser Standort Kindern aus ländlichen und städtischen Gegenden eine Chance auf gute Bildung. Es leben Christen, Animisten und Moslems in dieser Ortschaft, was die Vielfältigkeit der Stadt widerspiegelt. An diesem Standort haben wir die Möglichkeit, reichere sowie auch ärmere Kinder an unserer Schule aufzunehmen.
Was wollen wir erreichen?
ZIELE UNSERER SCHULE
Das Ziel unseres Vereins ist, eine bessere schulische Entwicklung, ohne Hunger und mit angemessener Bekleidung, für benachteiligte Kinder aus ländlicher Gegend zu ermöglichen. Ganz nach dem Motto „Sorgenfreies Lernen“. Dieses Ziel soll dank folgender Punkte erreicht werden:
Wir stellen nur motivierte Lehrer ein, die sich für einen guten Unterricht engagieren und bezahlen dafür einen fairen Lohn. Im Schulgebäude soll den Lehrpersonen ein Vorbereitungsraum zur Verfügung stehen, um auch die Kommunikation unter Lehrern zu fördern. Zudem werden sie regelmässig intern weitergebildet, sodass sie anstelle von Schlägen sinnvolle Erziehungsmethoden erlernen. Wir setzen uns für vernünftige Klassengrössen von bis zu 25 Schülern ein.
Lernende Kinder sollen keinen Hunger leiden. Da in der Schule Kinder aus verschiedenen Gesellschaftsschichten willkommen sind, möchten wir nicht, dass dies ein Grund für Ausgrenzung sein könnte. Ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen soll solche Unterschiede nicht nur ausgleichen, es trägt auch zu einem guten Gruppengeist und Zusammengehörigkeitsgefühl bei. Dies unterstützt auch die Eltern, die am Mittag nicht für ihre Kinder kochen müssen und so unabhängiger einer Arbeit nachgehen können.
Der Schwerpunkt unserer Schule liegt darin, Hindernisse, die den Schulbesuch für benachteiligte Kinder verunmöglichen, aus dem Weg zu räumen. Gleichzeitig ist es aber wichtig, auch Kinder und deren Eltern anzusprechen, die finanziell besser gestellt sind und somit ein höheres Schulgeld aufbringen können. So ist eine Quersubventionierung innerhalb der Schule möglich.
Das Gleiche gilt für die Schuluniform. Sie soll im Schulgeld inbegriffen sein, um zu gewährleisten, dass alle Kinder eine qualitativ hochwertige Schulkleidung tragen. Dies wäre nicht garantiert, wenn die Eltern selber für die Uniform aufkommen müssten. So können wir auch sicherstellen, dass finanzielle Unterschiede nicht anhand der Kleidung sichtbar werden.
Auch körperliche Behinderungen schaffen gesellschaftliche Ungleichheiten. Um unser Ziel einer fairen Schule zu erreichen, berücksichtigen wir auch diesen Aspekt von sozialer Benachteiligung. Personen in einem Rollstuhl gelten in Togo generell als unbrauchbar, deshalb kümmert sich kaum jemand um ihr Wohl. Dies führt dazu, dass es fast keine rollstuhlgängigen Institutionen gibt. Dieser Tatsache möchten wir entgegenwirken, indem wir das Erdgeschoss der Schule rollstuhlgängig konstruieren.
ZUKUNFTSAUSSICHTEN
Sobald sich die Schule etabliert hat, möchten wir die Primarschule mit einer Oberstufenschule erweitern, um danach weitere, berufsspezifische Ausbildungsangebote ins Auge zu fassen. Eine Informatikschule könnte beispielsweise neue Perspektiven bieten, da auch diese Technologie in Togo immer mehr gefragt ist und daher auch Arbeitsplätze vorhanden sind. Auch handwerkliche Lehrgänge, wie beispielsweise die des Maurers oder Mechanikers würden sich für ein solches Programm anbieten. Da wir grossen Wert auf einen qualitativ guten Unterricht legen, werden wir unsere Lehrer intern weiterbilden und falls möglich später auch externe Lehrpersonen bei uns einladen. Dies könnte weitere Einnahmequellen eröffnen. Aus diesen Gründen haben wir ein grosszügiges Grundstück gekauft, das Raum für weitere Projekte und Ideen bietet.
Bildung ist das Fundament für eine nachhaltige Bekämpfung von Armut. Sie kann die Zukunft einer einzelnen Person und einer ganzen Gesellschaft verbessern, denn eine gute Bildung kann den Teufelskreis durchbrechen.