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Von goldenen und verdorbenen Eiern
Eine frei erfundene Geschichte!
Vor zwei Jahren klagten Tausende Einwohner/-innen in der Schweiz, aber auch im Ausland über Unwohlsein, Durchfall und Erbrechen. Am Anfang versuchten alle zuständigen Stellen, das Problem unter den Tisch zu kehren. Aber das Ausmass der Epidemie nahm immer grössere Formen an. Auffällig: Alle Betroffenen hatten Eier in der gleichen Eierladenkette gekauft. Auf den Eierschachteln stand: „Vertrauen Sie uns“, „Unsere Produkte garantieren eine gesunde, sichere Zukunft“, „Diese Eier sind 100 % aus Freilandhaltung und absolut keimfrei!“ Die Packung wurde zusätzlich mit einem grossen Schweizer Kreuz verziert, so dass jeder Kunde glaubte, ein Produkt dieser Schweizer Eierladenkette zu kaufen. Leider hatte durch diese schöne Gestaltung der Eierschachtel ein Teil der Informationen nicht mehr Platz; nämlich, dass in der Schachtel andere Eier sind als auf der Verpackung steht, dass vom Konsum dieser Eier für ältere Menschen, Schwangere, Kinder und Familienväter abgeraten werde und dass für die Qualität dieser Eier eine amerikanische Eierfirma verantwortlich sei, die über eine holländische Transportfirma in der Schweiz auftrat. Die Eierladenkette beschloss, diese Informationen nicht sehr prominent auf die Innenseite der Schachtel zu drucken, und weil die ganze Information zu viel Platz einnahm und für den Eierverkauf nicht sehr förderlich war, entschied man sich, diesen Satz auf ein Wort zu reduzieren und etwas kleiner zu schreiben: Entenrisiko. Zwar wusste kein Kunde, was das bedeutet, aber das konnte man ihm ja später an einem praktischen Beispiel erklären.
Am Anfang bestritt die betroffene Eierladenkette jede Verantwortung für die Epidemie. Sie stellte die Betroffenen als unersättliche Eierfresser dar. Diese konnten aber sehr oft glaubhaft belegen, dass sie ganz genau auf ihren Cholesterinspiegel geschaut hatten. Der Druck der Betroffenen nahm so stark zu, dass sich die Verantwortlichen der Eierladenkette entschieden, den Eier-Opfern freiwillig entgegenzukommen: Sie übernahmen grosszügig die Kosten für das zusätzlich benötigte Toilettenpapier. Allerdings nur für jene, die das 40. Altersjahr noch nicht überschritten und mindestens zwei Mal pro Woche in ihrem Laden eingekauft hatten. Später wurde das freundlicherweise auf ein Mal pro Woche korrigiert. Im Gegenzug mussten die Epidemie-Opfer unterschreiben, dass sie mit niemandem über ihre gesundheitlichen Probleme sprechen und auf sämtliche weiteren Ansprüche verzichten würden.
Gleichzeitig wurde eine unabhängige Kommission aus Hühnerfutterproduzenten beauftragt zu untersuchen, ob die Eierladenkette eine Schuld treffe. An gemeinsamen Anlässen konnten die unabhängige Kommission überzeugt werden, dass die Eierladenkette keine Schuld trifft, was in einem ausführlichen Bericht festgehalten wurde. Ein unabhängiger Eier-Fachmann machte die Eierladenkette auf Ungereimtheiten aufmerksam, allerdings erfolglos.
Einige Betroffene waren mit diesen Erklärungen und der Übernahme der Kosten fürs Toilettenpapier nicht einverstanden. Sie gelangten an die Lebensmittelkommission. In einem Fall erklärte dort ein Eierverkäufer, dass ihm der Kunde zwar gesagt habe, dass er nur biologische Eier aus Freilandhaltung wolle, aber nur im Sinne von Chicken-Eggs-Allocation. Das heisst, er habe nur von braunen Eiern gesprochen, es sei doch jedem Eierkonsumenten klar, dass weisse Eier nicht aus Freilandhaltung sein könnten. Zudem sei der Kunde einmal auf einem Bauernhof gewesen und hätte damit genau wissen müssen, dass in jedem Ei auch ein bisschen Batteriehaltung und ein paar Keime stecken. Der Kunde hätte auch keinen Dauerauftrag für Eierlieferungen gehabt und habe die Eierschachteln jeweils persönlich ausgelesen. Dass in einem Karton mit vier Eiern mindestens ein verdorbenes stecke, müsste jedem Kunden klar sein. Weiter hätte er die Möglichkeit gehabt, jedes Ei im Laden aufzuschlagen und auf seinen Zustand zu prüfen. Zudem hätte der Kunde jeweils am Tag nach dem Eierkauf vom Verkäufer persönlich eine Warnung erhalten, dass der Inhalt der Schachtel nicht seinen früher einmal geäusserten Wünschen entspräche.
Ein anderer Verkäufer dieser Eierladenkette erklärte, die Eier seien in Zürich gelegt, in Amerika verpackt und mit dem Bio-Label und Datumsstempel versehen und über eine niederländische Transportfirma an die Schweizer Konsumenten vertrieben worden. Jedem, der schon einmal Eier gegessen habe, müsse somit ganz klar gewesen sein, welches Produkt er konsumiere.
Eine Vereinigung von Hühnerstallvermietern versicherte zudem, dass sie die hygienischen Bedingungen bei diesen Transaktionen überwacht habe und für den korrekten Ablauf gAAArantiere!
Dazu muss noch ergänzt werden: In einige Schachteln wurden goldene Eier gelegt. Diese wurden von den Eigentümern der Schweizer Eierladenketten sorgfältig herausgenommen und zu einem grossen Kuchen verarbeitet, der Ende Jahr an die Manager verteilt wurde.
Die Lebensmittelkommission bestätigte die Ansichten der Eierladenkette in allen Punkten und erklärte, dass es bei der heutigen Hühnerwanderung gar nicht mehr möglich sei, biologische und keimfreie Eier zu produzieren und somit jeder für seinen Durchfall selber verantwortlich sei. Zudem habe der betroffene Kunde vor Jahren bei seinem Verkäufer einmal ein Bio-Vollkornbrot gekauft, das 8,5 % genmanipulierten Weizen enthalten habe – ein Beweis dafür, dass dieser Kunde nicht konsequent gewesen sei.
Die Labors der Eierladenkette waren sehr zufrieden und gaben, einmal mehr, Entwarnung. Sie teilten ein weiteres Mal mit, dass nun alle Betroffenen wieder gesund seien. Dieser Eindruck täuscht allerdings: Die Betroffenen werden bis an ihr Lebensende an den Symptomen dieser Epidemie leiden – aber wer spricht schon gerne über Unwohlsein, Durchfall und Erbrechen?
Ähnlichkeiten mit vergleichbaren Ereignissen und Personen sind rein zufällig und unbeab-sichtigt, können aber nicht ausgeschlossen werden!
Dieser Text kann von weiteren Eier-Opfern ergänzt und ausgebaut werden. Schreiben Sie Ihre Erfahrungen mit den Eierlieferanten direkt in den Text, vielleicht entsteht dadurch ein Buch über ein dunkles Kapitel in der Schweizer Eiergeschichte…
(Dokument herunterladen (Link), an entsprechender Stelle ergänzen und zurückmailen an: info-at-banken-arroganz.ch)