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Hurrikan «Harvey» hat in der Nacht zum Samstag mit heftigen Winden und peitschenden Regenfällen die Küste des US-Staats Texas erreicht. Das Auge des Sturms sei auf das Festland getroffen, teilte das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) mit. Es gibt Berichte von Schäden, Rettungskräfte können wegen der Wetterbedingungen jedoch nicht ausrücken.
Seit Samstagfrüh hat sich der Hurrikan nach Angaben des NHC jedoch abgeschwächt. Bis Samstagvormittag wurde er auf Kategorie 1 herabgestuft, aber der Nationale Wetterdienst der USA warnte weiter vor verheerenden Springfluten, Regenfällen und Überschwemmungen, die im Südwesten des Bundesstaates noch bis in die Mitte der nächsten Woche andauern können.
An einigen Orten in Texas wurde das Stromnetz beschädigt. Rund 213'000 Menschen seien derzeit ohne Strom, berichtete der Netzbetreiber Ercot am Samstagmorgen (Ortszeit) auf seiner Webseite. Der Nationale Wetterdienst der USA warnte weiter vor verheerenden Springfluten, Regenfällen und Überschwemmungen, die im Südwesten des Bundesstaates noch bis in die Mitte der nächsten Woche andauern können.
In den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana sind bereits am Freitag hunderttausende Menschen vor dem gefährlichen Hurrikan «Harvey» in Sicherheit gebracht worden. US-Präsident Donald Trump rief für Texas den Katastrophenzustand aus. Er habe auf Wunsch des Gouverneurs des Bundesstaates, Greg Abbott, gehandelt, twitterte Trump am Freitag. Somit könnten jegliche Staatshilfen in Anspruch genommen werden. Trumps Sprecherin kündigte zudem an, der Präsident werde Anfang kommender Woche nach Texas reisen.
Der Hurrikan könnte damit zum schwersten Sturm in den USA werden, seit vor zwölf Jahren «Katrina» die Stadt New Orleans und die umliegende Gegend verwüstet und mehr als 1800 Tote gefordert hatte. Betroffen ist ein von insgesamt 16 Millionen Menschen bewohntes Gebiet zwischen der Stadt Brownsville und Houston mit einem Küstenstreifen von etwa 560 Kilometern Länge.
Rund 50 Prozent der Bewohner hätten sich vor dem Sturm trotz anderslautender Empfehlungen entschlossen, in der Gefahrenzone zu bleiben. Es würden Todesopfer befürchtet. Es sei damit zu rechnen, dass einige Gebiete «für Wochen oder Monate unbewohnbar» sein würden, zitierte CNN Meteorologen. Auch der oberste US-Katastrophenschützer rief die Texaner am Samstag auf, Hurrikan «Harvey» weiter äusserst ernst zu nehmen. Der Sturm entwickle sich zu einem «tödlichen Inland-Ereignis», twitterte Brock Lang, Chef der US-Behörde für Katastrophenhilfe (FEMA), am Morgen.
In Texas liefen die ersten Evakuierungen an. Mehrere Ölplattformen im Golf von Mexiko wurden geräumt. Mehrere Gemeinden des Bundesstaates riefen die Anwohner auf, ihre Häuser zu verlassen. «An alle, die sich noch nicht in Sicherheit gebracht haben: Tut dies rasch», hiess es auf der Website der texanischen Stadt Portland.
Gouverneur Abbott erklärte 30 Landkreise zum möglichen Katastrophengebiet. In Houston, der grössten Stadt auf der voraussichtlichen Route des Wirbelsturms, wurden die Schulen bis einschliesslich Montag vorsorglich geschlossen.
Örtliche Fernsehsender zeigten Menschen bei Hamsterkäufen in Supermärkten, Stop-and-go-Verkehr auf Autobahnen und lange Schlangen an Tankstellen. Der beste Rat, den er geben könne, laute: «Raus hier – und zwar jetzt!», sagte der Bürgermeister von Rockport, Patrick Rios.
Von den 9500 Einwohnern von Rockport hatten schätzungsweise 60 Prozent den Ort verlassen. Die Verbliebenen forderte der Bürgermeister schroff auf, sich ihre Sozialversicherungsnummer auf den Arm zu schreiben, damit sie als Tote identifiziert werden könnten.
In Corpus Christi, einer weiteren texanischen Küstenstadt, wurde der Flughafen evakuiert. Einem Bericht des Fernsehsenders CNN zufolge wurden zehn Neugeborene aus Furcht vor längeren Stromausfällen im Krankenhaus in eine Einrichtung weiter landwärts gebracht.
Viele Einwohner der Stadt stapelten Sandsäcke aufeinander, um gegen «Harvey» gewappnet zu sein. In der Hafenstadt mit ihren gut 300'000 Einwohnern ist nach Angaben von Reportern vor Ort und der Zeitung «Caller Times» das öffentliche Leben weitgehend heruntergefahren. Das NHC warnte vor der «vollständigen Zerstörung mobiler Häuser» und kündigte an, dass einige Gebiete «für Wochen oder Monate unbewohnbar» sein könnten.
Für die Einwohner von sieben Bezirken an der Küste wurde eine Evakuierung angeordnet, sie müssen sich dem aber nicht beugen. Viele Menschen flüchteten sich von der Küste in Richtung der Städte San Antonio oder Austin im Landesinneren, die aber ebenfalls von den Ausläufern «Harveys» erreicht werden könnten.
Für das benachbarte Louisiana wird ebenfalls heftiger Regen durch «Harvey» erwartet. Sorgen gibt es vor allem in New Orleans, dem Zentrum der «Katrina»-Katastrophe vor zwölf Jahren. Der Bürgermeister der Grossstadt, Mitch Landrieu, erklärte, Rettungsfahrzeuge und Boote stünden bereit. Evakuierungen waren in New Orleans zunächst nicht vorgesehen. (kün/sda/afp)