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Überbauung Schlossbungert, Zizers
Studienwettbewerb
Die heutige Schlossanlage (Unteres Schloss) wird im Westen von der Kantonsstrasse und im Osten von der Vialstrasse begrenzt. Östlich und Westlich grenzen die Gartenmauern an neuere in den letzten Jahrzehnten entstandene Neubauten. Das untere Schloss, ein stattliches, symmetrisch aufgebautes Gebäude ist durch seine Silhouette mit dem stark hervortretenden Mittelturm bestimmend für das Ortsbild von Zizers. Beachtung findet auch der heute noch vorhandene Einbezug der älteren Nutzbauten, in die um einen grossen Hof mit Mauern und Torhäuschen angeordnete Gartenanlage. Als Stammsitz der Familien Salis von 1620 bis 1687 erbaut, beherbergte das Schloss von 1899 bis 2015 ein Altersheim, das St. Johannes Stift. An Stelle des alten Torkels südlich des Hofes wurde 1912 im Anschluss an den polygonalen Wachtturm ein Nebengebäude errichtet, welches durch einen offenen Gang mit dem Haupthaus verbunden ist.
Der zugehörige Schlossbungert oberhalb der Vialstrasse diente früher dem Obstanbau, in den letzten Jahren wurde er als Landwirtschaftsfläche genutzt und nun soll er überbaut werden.
Mit dem vorliegenden Entwurf wird die Eigenart der heutigen Schlossanlage aufgenommen und mit der Erweiterung im Bungert zu einer landschaftlichen und architektonischen Komposition vereint. Die neuen Gebäude mit dem anschliessenden Bungert werden als gestaltete Einheiten verstanden und auf den bestehenden Schlossgarten bezogen. Das bestehende Fusswegnetz soll in der Verbindung von der Hauptstrasse bis zum oberen Schloss eine gleichzeitige Erschliessung des Schloss Zizers wie auch der archäologischen Fundstelle des Könighofes dienen.
Der Schlossbungert wird analog dem bestehenden Schlossgarten mural gefasst und zoniert. Übergeordnet wird eine räumliche Situation geschaffen welche von den Neubauten und den alten Schlossbauten aufgespannt wird. Eine Situation, welche dem Schloss den Rücken stärkt und überdies zwischen den Bauten eine dörfliche Qualität entstehen lässt.
Angelehnt an die bestehende Vorzone (Cour d`honneur) zum Schloss wird der Übergang der Vialstrasse zu den Neubauten gestaltet. Eine Eingangsebene auf Strassenniveau dient der grundsätzlichen Erschliessung des Areals. Über eine Treppe gelangt man in den Vorbereich der Neubauten. Dadurch entstehen die traditionellen Abfolgen von Strasse, Vorplatz, Arkaden und Gebäude mit Garten. Diese Abfolge wird durch die leichte Hanglage in der terrassierten Form noch verstärkt. Die Situierung der Gebäude unterstützt die Räumliche Absicht der Hofbildung. Die Gebäudevolumen richten sich nach dem 1912 entstandenen Wohnbau, welcher uns als gelungene Referenz dient.
Das erweiterte Schloss von Marcel Liesch
Der Architekt Marcel Liesch und seine Kollegin Selina Putzi aus Chur gruppieren im unteren Teil des Bungerts drei zweiteilige Häusern mit grossen Dächern um einen stattlichen Platz. Sie betonen seine Bedeutung mit einer zweiflügligen Treppe über die der Zugang von der Vialstrasse her führt. Hinten gegen den stotziger werdenden Hang spielen sie einen Landschaftsraum frei. Hier werden Kirschen-, Pflaumen-, Zwetschgen-, Birnbäume in einer grosszügigen Anlage gepflanzt, geordnet zu Gruppen, getrennt von Bungertmäuerchen. Das neue Wohnensemble ist ein starkes Bild; es übernimmt viel von der Art, wie das Schloss einst konzipiert worden ist – es strickt dessen Geschichte weiter, will allerdings und richtigerweise keineswegs so auftrumpfen wie das Schloss und so sind denn auch die Gebäudevolumen an dessen Nebenbauten orientiert. Deutlich wird die Vialstrasse aufgewertet, einst ein Weg, wird sie zu einer stattlichen Dorfstrasse, die auch dem Schloss ein starkes Rückgrat werden wird.
Reizvoll ist die Idee, dass das Schloss etwas erhalten soll, was ihm seit 500 Jahren fehlt: Eine zeitgenössische Cours d’honneur. Die Integration bei angemessener Unterordnung des neuen Teils, das freispielen von Landschaft, die sorgfältig komponierte Fuge der Volumen um einen Platz sind die Stärken von Marcel Lieschs Beitrag. Doch soll das Schloss dank der kräftigen Form in seinem Rücken so viel an Stärke gewinnen im Dorfbild von Zizers?
Köbi Gantenbein, Hochparterres Verleger