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In dem großen Längstal, das die Westküsten Europas und Afrikas von den Ostküsten des Neuen Kontinents trennt und dessen Einbuchtungen und Vorsprünge einander so verblüffend entsprechen, erheben sich drei Archipele und mehrere sporadische Inseln. Ausbrüche in Gruppen um einen zentralen Vulkan herum haben sich nur nördlich des Äquators ereignet: Es sind die drei vulkanischen Systeme der Kapverdischen Inseln, der Azoren und der Kanarischen Inseln, zu welchen Madeira und Porto Santo gehören. Südlich des Äquators und damit südlich der größten Verengung des Atlantischen Tals (zwischen dem Kap St. Rochus und dem Kap Palmas) liegen wie verloren in der Unermeßlichkeit der Meere Tristan da Cunha, Sankt Helena und Ascension. Die vulkanischen Archipele liegen näher an den westlichen Küsten des Beckens, auf welches wir hier einen allgemeinen Blick werfen: daher weisen diese Küsten in Irland, in der Bretagne und in Portugal Gebilde aus Basalt und porösem Mandelstein auf; in Afrika zwischen dem fünften und dem zehnten Grad nördlicher Breite Trachytformationen. An den östlichen Atlantikküsten dagegen hat man bisher in den Alleghanys keine Spur von Trachyt gefunden, in den Gebirgen von Brasilien, die in ihrem Streichen den Alleghanys entsprechen, keine Spur von Trachyt und Basalt (mit Olivin). Um den Parallel der Kapverdischen Inseln (zwischen dem elften und dem zweiundzwanzigsten Grad) findet sich das Gebiet der großen Ausbrüche, sowohl in der Vulkanreihe der östlichen Antillen als auch in Guatemala und Mexiko, dort, wo die flachen Gebiete im Osten fehlen und die westliche Kette Amerikas, äußerst reich an Edelmetallen wie an sehr alten pyrogenen Felsarten und in fortwährendem Austausch zwischen der Atmosphäre und dem Erdinnern, auf einer Länge von zweihundertfünfzig Seemeilen den Westrand des atlantischen Beckens bildet. Eine Zeit wird kommen, in welcher der Geograph, in dem Sinne, den man dieser Bezeichnung gemeinhin gibt, großen Nutzen aus den Fortschritten der Geognosie ziehen wird. Die Ausdehnung und Form der Kontinente, ihre mittlere Höhe, die Richtung der Küsten, der Becken und der Kordilleren sind Phänomene, die aufs engste mit dem Vorkommen bestimmter Gebirgsarten verbunden sind, mit der Verteilung der Formationen, mit der Wirkung der elastischen Kräfte, die in großen Tiefen wohnen und seit Jahrhunderten die oxydierte Kruste unseres Planeten aufgeworfen, zerklüftet, erschüttert haben.
Pic Ruivo — Es ist für den Geognosten durchaus von Interesse, die Verhältnisse der Kulminationspunkte in den verschiedenen Systemen der vulkanischen Inseln zu kennen, welche im weiten Becken des Atlantiks verstreut liegen. Was wir bisher über diesen Gegenstand wissen, beschränkt sich auf die folgenden hypsometrischen Daten.
Archipel der Kanarischen Inseln. Pic von Teneriffa, 1.905 Toisen. (Borda, trigonometrische Messung.)
Archipel der Azoren. Das zentrale Gebirge der Insel Pico ist nach einer Messung vom Meer aus durch den Kapitän Cagigas mehr als 1.350 Toisen hoch; nach Tofiño 1.260 Toisen; nach Ferrer 1.238 Toisen; nach Fleurieu 1.100 Toisen. Seit über dreißig Jahren beklagt man vergebens die Ungewißheit dieser Messungen, wie auch der Messung des höchsten Gipfels der Sandwich-Inseln! Herr John Webster hat in seinem vorzüglichen geognostischen Werk keine Höhenmessungen anführen können.
Archipel von Kap Verde. Der Vulkan Fuego ist wahrscheinlich über 1.230 Toisen hoch, denn der Pico da Antónia auf der Insel Santiago, der für niedriger gehalten wird, hat nach der Messung von Herrn Horsburgh eine Höhe von 1.157 Toisen.
Insel Sankt Thomas. Basaltischer Pic, 1.100 Toisen.
Insel Ascension. Der Green Mountain ist nach der annähernden Schätzung des Kapitäns Sabine (der nur bis zur Höhe von 347 Toisen steigen konnte, oder zu derjenigen des Mountain House) 456 Toisen hoch. Horsburgh findet sogar 80 Toisen weniger.
Insel Sankt Helena. Diana Peak, 420 Toisen nach Beatson.
Insel Tristan da Cunha. Der Kulminationspunkt ist von verschiedenen Seefahrern auf 1.200 oder 1.500 Toisen Höhe geschätzt worden. So groß ist noch immer die Ungewißheit über die Höhe der vulkanischen Gebirge in dem von kundigen Seefahrern am meisten befahrenen Teil der Meere.
Bei der kleinen Gruppe der Madeiren (the Madeiras), wie die englischen Geographen sagen, hat man sich erst in jüngster Zeit etwas ernsthafter mit der Messung ihres Kulminationspunktes befaßt, dem Pic Ruivo. Dieser Gipfel ist von Herrn Bowdich barometrisch und trigonometrisch vermessen worden (S. 73–76); durch den Kapitän Sabine nur mit dem Barometer. Einer der ersten Geognosten unserer Zeit, Herr Leopold von Buch, hat sich auf der Reise zu den Kanarischen Inseln kurz in Madeira aufgehalten. Den Gipfel des Ruivo konnte er nicht besteigen; aber er hat die Instrumente auf die Cima de Torinhas gebracht, und da dieser Gipfel ganz gewiß niedriger ist als der Pic Ruivo, kann die genaue Kenntnis seiner Höhe einiges Licht auf die Unstimmigkeit werfen, die man zwischen den von Herrn Bowdich und den von Herrn Sabine veröffentlichten Ergebnissen findet. Die Physicalische Beschreibung der Canarischen Inseln von Herrn von Buch ist vor kurzem auf Deutsch erschienen. Da noch kein Auszug ins Französische übersetzt wurde, füge ich hier ein, was sich auf den Pic Ruivo und auf die Cima de Torinhas bezieht:
„Die Insel Madeira“, schreibt Freiherr von Buch, „ist ungeachtet der Wirkungen von Rodung und Anbau noch heute geschmückt mit jenem Reichtum und jener Schönheit der Vegetation, welche Camões im fünften Gesang der Lusiaden mit dem ganzen Zauber der poetischen Inspiration gefeiert hat. Herr Smith und ich verließen die Küste am 16. April 1815, um rasch, soweit es die Jahreszeit erlaubte, den Einfluß der Höhe auf die Verbreitung der Pflanzen zu untersuchen. Bei der prachtvollen Kirche der Senhora da Monte, wo man eine wundervolle Aussicht genießt, zeigte das Barometer eine Höhe von 296 Toisen über dem Meeresspiegel an. Bis dahin erstrecken sich die Gärten; aber die afrikanischen Formen, die Palmen, die Euphorbienbäume, die Agaven, Cacalia Kleinii, die Opuntien waren schon bei 168 Toisen zurückgeblieben. Nach einer Stunde ziemlich steilen Anstiegs erreichten wir den Felsen, der sozusagen die Stadt Funchal beherrscht; dessen absolute Höhe fanden wir bei 606 Toisen. Hinter diesem Felsen traten wir in einen schönen Wald von Laurus indica, dessen Holz fast die Schönheit des Mahagoni-Holzes des Neuen Kontinents erreicht. Zwischen die Laurus indica mischten sich zwei andere Arten, Laurus nobilis, und Laurus til oder foetens. Dessen Stamm verbreitet, wenn er mit der Axt verletzt wird, einen so starken und so ekelhaften Gestank, daß man sich beim Fällen eines Baumes mittlerer Größe mehrmals entfernen muß und mehr als einen Tag dazu braucht. Baumheiden, Erica scoparia und Erica arborea, zeigten sich in der Nähe eines Wasserfalls, wo der Weg nach Sainte Anne an der Nordküste der Insel abzweigt. Um ein Uhr erreichten wir die Höhe von 694 Toisen, und von der Stelle aus, wo wir das Barometer öffneten, erblickten wir durch dichten Nebel ein schattiges Tal, das Val Ganana. Wir gingen zu diesem bezaubernden Ort und fanden zu unserer Überraschung, daß das, was wir von weitem für das europäische Vaccinium myrtillus in Baumform gehalten hatten, blühendes Vaccinium arctystaphyllos war. Mehrere dieser Bäumchen waren 16 oder 20 Fuß hoch. Auf einer Höhe von 795 Toisen fanden wir den letzten Stamm von Laurus nobilis, mit Moos bedeckt und so verkrüppelt, daß es schien, als hätte dieser Baum hier seine obere Vegetationsgrenze erreicht. Weiter unten in einem Tal zeigten sich Erica arborea von 30 Fuß Höhe und 6 Fuß Umfang. Nach einer weiteren halben Meile begegneten wir einer sehr reichen Quelle, welche einem Felsen entsprang; ihre Temperatur betrug 7,2° des hundertteiligen Thermometers. Die Berge oberhalb der Quelle waren nicht mit Schnee bedeckt; ihre Höhe beträgt 808 Toisen. Das Vaccinium arctystaphyllos, sehr niedrig geworden, erreichte diese alpine Region nicht. Wir waren in so dichten Nebel gehüllt, daß wir nicht zwei Schritte weit sehen konnten. Wir folgten einem Grat zwischen sehr tiefen Abstürzen, und solange dieser sich fortsetzte, waren wir unserer Richtung sicher. Am Saum des ersten Schnees zeigte das Barometer eine Höhe von 858 Toisen. Der felsige Grat, bis hierher von Ost nach West verlaufend, wandte sich plötzlich nach Süden und verbreiterte sich zu einer Art vorspringender Bastion. Wir waren auf allen Seiten von Schnee umgeben. Eine von Menschenhand errichtete Pyramide zeigte uns an, daß wir den höchsten Gipfel erreicht hatten, die Cima de Torinhas. Es war vier Uhr nachmittags. (Barometer oben 22 Zoll 10,1 Linien; Thermometer des Barometers 10° Centigrad; Thermometer in der Luft 10°; Barometer unten, 40 Fuß über der Meereshöhe, 28 Zoll 2,82 Linien; Thermometer des Barometers 18°; Thermometer in der Luft 18°.) Die Höhe des Gipfels war also nach unserer barometrischen Messung 917 Toisen. Dieses Ergebnis überraschte uns sehr. Wir glaubten nicht so hoch gestiegen zu sein; wir hatten sogar bezweifelt, daß man auf der Insel Madeira so hoch steigen könne; denn die Höhe, die man bisher dem Pic Ruivo zugeschrieben hatte, ohne Zweifel mehr als dem Torinhas, lag unter 914 Toisen. Thomas Heberden (Bruder des Physikers William Heberden, der erstaunliche Versuche über die auf verschiedenen Höhen gesammelten Regenmengen gemacht hat) schätzt den Pic Ruivo, nach der Formel von Deluc, nur auf 804 Toisen; aber Thomas Heberden gibt nicht bekannt, wer die englischen Reisenden waren, die das Barometer auf den Gipfel des Ruivo gebracht haben. Er veröffentlichte das Resultat seiner Berechnung, aber nicht die Höhe der Quecksilbersäule. (Philosophical Transactions, Band LV, Seite 126) Zwei spätere Beobachter haben die Zweifel eher vermehrt als verringert. Der gelehrte Astronom Kapitän Sabine fand das Barometer auf dem Gipfel des Pic Ruivo bei 23 Zoll 4,54 Linien (Thermometer 1,8° Réaumur), während es in Funchal (7½ Fuß über der Meereshöhe) bei 28 Zoll 6,33 Linien war (Thermometer 13,2° Réaumur), woraus sich die Höhe von 835 Toisen ergibt (Journal of the Royal Institution, Nummer XXIX, Seite 69). Herr Bowdich fand das Barometer oben bei 22 Zoll 10,7 Linien (Thermometer 7,5° Réaumur) und unten (auf 145 Fuß Höhe) bei 28 Zoll 5,6 Linien (Thermometer 16,4° Réaumur), woraus resultiert, daß der Pic Ruivo 965 Toisen über dem Meeresspiegel hoch ist und 50½ Toisen höher als die Cima de Torinhas nach meiner Messung. (Brewster, Edinburgh Journal, Nummer XVIII, Seite 317) Ich glaube, daß das Resultat von Herrn Bowdich den Vorzug verdient, weil man nicht in Zweifel ziehen kann, daß die Cima de Torinhas weniger hoch ist als der Pic Ruivo, und weil in der fortlaufenden Reihe meiner barometrischen Höhen nichts auf einen Beobachtungsfehler hindeutet.“
Da die kürzlich von Kapitän Sabine veröffentlichten Resultate ein wenig von der in Herrn von Buchs Werk berichteten Messung abweichen, gebe ich sie hier in englischen Fuß an: Jardin do Serra, Haus des englischen Konsuls Herrn Veitch 2.782 englische Fuß; Quelle des Corral de Freiras 4.454 Fuß; Pico Ruivo 5.438 Fuß oder 850 Toisen. In Smith, Tour of the Continent, Band I, Seite 200, und in den Irish Transactions, Band VIII, Seite 123, war der Pico Ruivo nur mit einer Höhe von 5.162 englischen Fuß oder 807 Toisen angegeben. Aus der Gesamtheit dieser Daten ergibt sich, daß nach den barometrischen und trigonometrischen Messungen von Herrn Bowdich, wie sie der Reisende in seinem Tagebuch verzeichnet hat, der Gipfel des Pic Ruivo zwischen 963 und 985 Toisen schwankt; daß er nach Kapitän Sabine 835 oder 850 Toisen hoch ist und daß er nach der Messung der Cima de Torinhas durch Herrn von Buch zumindest über 914 Toisen hoch sein muß. Haben jene Reisenden, die dem Pico Ruivo nur eine geringe Höhe zumessen, bei nebligem Wetter geglaubt, den Kulminationspunkt von Madeira erreicht zu haben, während sie ihre Barometer nur auf einen benachbarten Felsen von geringerer Höhe gebracht hatten?
Kalk von Madeira und Felsarten, welche älter sind als die Laven – Die Entdeckung einer Kalkmasse von über 700 Fuß Mächtigkeit nahe bei Saint Vincent auf einer gänzlich vulkanischen Insel ist eine der sonderbarsten Tatsachen, deren Kenntnis die Geognosten dem unermüdlichen Fleiß von Herrn Bowdich verdanken. Dieser weißliche und ein wenig körnige Kalk weist, wie mir scheint, keine entscheidenden Merkmale einer Übergangsformation auf. Wenngleich er keine Versteinerungen enthält (vielleicht weil er durch eine äußere Ursache verkörnt ist) scheint er das gleiche Alter zu haben wie derjenige von Porto Santo, aber älter zu sein als die Kalke von Lancerote und Fuertaventura, die Herr von Buch und Herr Escolar beobachtet haben. Der erste dieser beiden Reisenden fand in einer kleinen Kalkformation auf Lancerote, zwischen dem Kegel von Tayhe und Teguize, eine wahre Rogensteinschicht, welche den Rogensteinen des Jura sehr ähnlich ist, wenngleich die gesamte Masse offensichtlich zu den Tertiärgebilden gehört. Fuertaventura hat in der Nähe von Majada Manca Kalk von erdigem Aussehen, ohne Versteinerungen. Lokale Formationen dieser Art, vermischt mit blättrigen Gipsen und Lehm, finden sich in den vulkanischen Tuffen von Quito und der mexikanischen Hochebene.
Herr Bowdich erwähnt Fetzen von primitiven Gesteinen, anstehend oder in Blöcken, die im Archipel der Kanaren entdeckt wurden. Wir geben, dem neuesten Werk von Herrn von Buch folgend, hier genaue Auskünfte über dieses Phänomen, das bedeutendste, welches auf vulkanischen Inseln zu finden ist.
„Am südwestlichen Ende der Insel Fuertaventura ist die Stadt Santa Maria de Betancuria fast ringförmig umgeben von sehr niedrigen Hügeln, welche teilweise aus körniger Hornblende und weißem Feldspat bestehen. Man könnte dieses Hornblendegestein für dem Glimmerschiefer zugehörig halten. Andere Teile dieser Hügel zeigen Gemenge von Glimmer und Feldspat ohne Quarz, welche den als primitiv bezeichneten Gebirgsarten vollkommen gleichen. Auf der Insel Palma weist der riesige Erhebungskrater, die Caldera, ganz ähnliche Erscheinungen auf. Wenn man von Argual, das auf einer absoluten Höhe von 150 Toisen liegt, an einem basaltischen Rücken entlang hinabsteigt, so stößt man auf höchst erstaunliche Blöcke, die einer fremden Welt anzugehören scheinen. Man könnte glauben, am Sankt Gotthard zu sein, inmitten der Schweizer Alpen. Diese Blöcke von enormer Größe bestehen bald aus einem Gemenge von schwarzer Hornblende in langen Kristallen mit weißem, unverändertem Feldspat und kleinen Glimmerblättchen mit Spuren von Schwefelkies; bald aus echtem Glimmerschiefer; bald aus einem schönen Granit mit gelblichem, grobkörnigem Feldspat, schwarzem Glimmer und wenig Quarz. Andere Massen scheinen Syenitformationen anzugehören. Ohne Zweifel sind all diese Blöcke aus dem Inneren der Caldera hervorgekommen.
Die Umgebungen des Barranco zeigen eine geognostische Struktur, wie sie alle basaltischen Inseln haben. Die unteren Schichten, welche sich bis zur Küste erstrecken, sind wahrer schwarzer Basalt mit viel Olivin, mit Kristallen von Pyroxen und mit Mesotyp. Darüber liegen, in mehreren hundert Fuß Dicke, Schichten von zerfallenem Gestein. Die Basaltstücke, welche man dort findet, enthalten Hornblende. Blöcke von primitiven Gesteinen sind in diesem Geröll nicht zu entdecken. Zahllose Gänge durchqueren zugleich die Schichten von braunem Tuff, das Basaltgeröll und den festen Basalt, der die Basis dieses ganzen zerrütteten Terrains bildet. Diese Gänge bestehen aus transversal in Prismen zerspaltenem pyroxenischem Basalt. Sie liegen so nahe aneinander, eine Art Netz bildend, daß man bei ihrem Anblick begreift, wie die ältesten Gebirgsarten, in ähnlicher Weise zerspalten, einst die Elemente bieten konnten, welche die Konglomerate, die Sandsteine und alle jene Fragmentgesteine bilden, die es in den Sekundär- und Übergangsformationen in Mengen gibt. Auf dem Weg zur Agua buena findet man keine Basaltdecken und keine Geröllschichten mehr. Es ist schwer zu erkennen, was sich zwischen den Gängen befindet oder was diese Gänge unberührt gelassen haben. Am häufigsten sieht man eine körnige Dioritmasse aus schwarzer Hornblende und weißem Feldspat mit Perlmutterglanz; sie erinnert an eine Schicht, wie man sie häufig im Gneis der Alpen antrifft. In dem Diorit liegen kleine Kristalle von Schwefelkies. Es folgt eine mächtige Trachytmasse mit kleinen runden Drusen von Chabasit, Kalkspat, rotem Granat und Kristallen von Epidot. Diese Substanz färbt oft die ganze Masse grün. Gänge haben hier offenbar primitive Gebirgsarten durchquert, durchbrochen und durcheinander geworfen; aber deren wirkliche, ursprüngliche Lagerstätte bleibt in der Tiefe verborgen, vielleicht nicht sehr fern. Eine Meile lang verschwinden die basaltischen Schichten; alles zeigt dem Reisenden, daß er sich auf einem Boden ganz anderer Natur befindet. Auf Gran Canaria, kommt man von der Caldera von Tiraxana herab gen Westen, bei Texeda, sind die Klüfte von kompakten, eckigen Felsen gesäumt, die sich in Blöcke von riesigem Umfang teilen. Das ist kein reiner Trachyt; es ist ein Feldspatporphyr, eine sehr feinkörnige Masse von Feldspat, welche große Kristalle eben dieser Substanz umwickelt. Diese Kristalle haben ihren ursprünglichen Perlmutterglanz bewahrt.“ (Leopold von Buch, Physicalische Beschreibung der Canarischen Inseln, Seite 277, 289, 291, 318.)
Diese Vereinigung von quarzführenden Graniten, Glimmerschiefern, Syeniten, Dioriten und perlmutterglänzenden gemeinen Feldspatporphyren mit granathaltigen Trachyten, vom Epidot grün gefärbt, und mit Pyroxengestein erklärt bis zu einem gewissen Punkt die geognostischen Phänomene der Anden, die innige Verbindung zwischen den Gebilden von Granit, Glimmerschiefer und Übergangseuphotid, dem silberführenden Porphyr- und Syenit- und dem Trachytterrain, die ich auf dem Neuen Kontinent beobachtet habe. In den Kordilleren von Neu-Granada scheinen die Trachyte des erloschenen Vulkans von Tolima aus einem Granit hervorzugehen, der jünger ist als der primitive Gneis. Eine unabhängige Formation von Glimmerschiefer erreicht in den Bergen von Quindío eine Mächtigkeit von mehr als 600 Toisen. Geht man von dort nach Süden, sieht man am Alto del Roble, daß der Trachyt der noch brennenden Vulkane von Popayán den gleichen Glimmerschiefer bedeckt. Als ich den Vulkan von Puracé bis auf die Höhe von 2.274 Toisen bestieg, fand ich nahe dem Gehöft Santa Barbara den halb verglasten Trachyt des Vulkans auf einem Porphyrsyenit aufliegen, der gemeinen Feldspat mit Perlmutterglanz enthält. Dieser Syenit ist zweifellos einem glimmerreichen Übergangsgranit aufgelagert. Am Fuß des Vulkans Tunguragua, auf der Hochebene von Quito, habe ich in der Nähe der Seilbrücke von Penipe am Ufer des Río Puela unter halb verglasten schwarzen und oft säulenförmigen Trachyten einen grünlichen Glimmerschiefer entdeckt, mit streifiger, seidenglänzender Oberfläche, der Granate einschloß und vollkommen den granathaltigen Glimmerschiefern der in der Umgangssprache primitiv genannten Formationen ähnelte. Dieser Felsen ruht unmittelbar auf einem syenitischen Granit, bestehend aus viel grünlichem, blättrigem, grobkörnigem Feldspat, wenig weißem Quarz, sechseckigen Tafeln von schwarzem Glimmer und einigen langgezogenen Hornblendekristallen. Der Bruch dieses Granits sieht aus wie Speckstein und färbt sich beim Anhauchen spargelgrün. Es besteht kein Zweifel, daß die Gesteine von Penipe, die vielleicht den Übergangsgebilden angehören, anstehend sind, daß sie unter einem wahren körnigen Trachyt ausgehen und nicht unter Fragmentgestein; aber ohne einen Stollen durch die Flanke des noch brennenden Vulkans Tunguragua zu treiben, ist es unmöglich zu entscheiden, ob der Trachyt dieses Vulkans, welchem ich bis zu dem Punkt gefolgt bin, wo ihn in der Cuchilla de Guandisava ein Basaltstrom bedeckt, den Glimmerschiefer von Penipe auf einer weiten Strecke überlagert, so wie im allgemeinen zwei primitive oder sekundäre Gebirgsarten einander überlagern, oder ob vielmehr der Trachyt von Tunguragua, die älteren Felsarten durchbrechend und senkrecht aufsteigend, sich einfach über den anliegenden Glimmerschiefer geneigt hat. In den steinartigen Laven, die der Vulkan von Jorullo in Mexiko ausspie, fand ich eckige weiße oder grünlich-weiße Bruchstücke von Syenit, bestehend aus wenig Hornblende und viel blättrigem Feldspat. Wo diese Syenitmassen durch die Hitze geborsten sind, ist der Feldspat faserig geworden, so daß stellenweise die Ränder der Spalte durch die verlängerten Fasern der Masse verbunden sind. Andernorts enthält ein pyroxenreicher Trachyt, zwischen Almaguer und Popayán am Fuße des Cerro Broncoso, Bruchstücke von Gneis. All diese Tatsachen bringen die vulkanischen Phänomene mit denen der primitiven Felsarten in Verbindung. Neue Aufschlüsse darüber wird die sorgfältige Untersuchung der Umgebung von Predazzo (im südlichen Tirol) geben, wo ein in Dolerit übergehendes Granitgestein den anliegenden dichten Kalkstein körnig und kieselig gemacht hat.
Zucker von den Afrikanischen Inseln – Die Angaben von Herrn Bowdich über die Entwicklung, welche der Zuckerrohranbau an den Küsten Afrikas und auf den anliegenden Inseln nehmen könnte, sind von großem Interesse. Um deutlich zu machen, daß der Export von 150.000 arrobas (mehr als 1.720.000 Kilogramm) Zucker von der kleinen Insel Saint Thomas im Jahr 1550 als höchst beachtlich gelten muß, rufe ich hier in Erinnerung, daß dieser Export die gegenwärtige Produktion mehrerer der englischen Antillen-Inseln, zum Beispiel La Dominique, Montserrate und Nevis, übertraf. Nach meinen jüngsten Untersuchungen zum Konsum von Kolonialwaren braucht Europa jährlich 432 Millionen Kilogramm Rohzucker, wovon Großbritannien 154 Millionen und Frankreich 58 Millionen Kilogramm verbrauchen. Das Archipel der Antillen, mit 1.147.500 Sklaven, führt dem Handel Europas und der Vereinigten Staaten heute 287 Millionen Kilogramm zu; Brasilien, mit 2.060.000 Sklaven, 123 Millionen Kilogramm; das englische und das holländische Guyana, mit 206.000 Sklaven, 40 Millionen Kilogramm. In den Werken über den Sklavenhandel hat man die Zuckermenge, die Großbritannien aus Ostindien bezieht, enorm übertrieben. Dieser von freien Händen angebaute Zucker bildete 1823 noch nicht 1/26 des Verbrauchs in England und Schottland.
Mittlere Temperatur von Madeira — Die Beobachtungen von Doktor Heberden hatten 20,4° des hundertteiligen Thermometers ergeben; aber Herr Bowdich weist nach, daß dieses Resultat 1,5° zu hoch ist. Wäre die Temperatur der unterirdischen Orte in Madeira so, wie Heberden sie eingeschätzt hatte (16,2°), dann läge sie noch fast 3° unter der mittleren Temperatur der Luft; es ist jedoch wahrscheinlich, daß wir die mittlere Temperatur der Höhlen oder des Erdinneren auf Madeira noch nicht genau kennen. Um sie zu erhalten, müßte man das ganze Jahr hindurch beobachtet haben, was weder Herr Heberden noch Herr Bowdich tun konnten. Diesem letzten Beobachter zufolge hielt sich das Thermometer in den Furnaces of Saint-John, 40 Toisen über der Meereshöhe, im November bei 19,4°; im Januar bei 17,5°. Folglich beweist bisher nichts, daß auf Inseln von geringer Ausdehnung die Kälte der tiefen Schichten des Ozeans die mittlere Temperatur des Erdinneren deutlich senkt, wie ich nach theoretischen Darstellungen vermutet hatte. Es ist nachdrücklich zu wünschen, daß Beobachtungen dieser Art wiederholt werden (indem man Thermometer in unterschiedlichen Tiefen in die Erde senkt), auf kleinen nicht vulkanischen Inseln, auf dem Isthmus von Panama, in der Mitte der Kontinente in der heißen Zone. Hier folgen die Resultate zur Wärme der Quellen von Madeira im April, die Herr von Buch gewonnen hat: Quelle bei Brazenhead, in geringer Entfernung von Funchal, in der Ebene 18,7° Centigrad (Luft 20,7°); Quelle am Weg nach Camachio 17,7° (Luft 19,3°; Höhe 150 Toisen über dem Meeresspiegel); Quelle bei der Senhora del Monte, mehrere Tage lang gleichbleibend 13,9° (Höhe 295 Toisen). Herr Bowdich fand dieselbe Quelle neun Jahre später im Oktober bei 14,3° (Edinburgh Philosophical Journal, Nummer 18, Seite 317); Quelle in 658 Toisen Höhe 10,2° (Luft 14,6°); reiche Quelle, auf die man trifft, ehe man zur Cima de Toringas gelangt, 7° (Höhe 793 Toisen).
Geographie der Pflanzen der Insel Madeira – Herr Robert Brown, der große Botaniker, hat einen Katalog von 509 Pflanzen zusammengestellt, die wild auf der Insel Madeira wachsen (Leopold von Buch, Physicalische Beschreibung, Seite 189), und zwar 411 Phanerogamen und 98 Agamen. Die Prüfung der Klassen und Familien hat für mich folgende Verhältnisse ergeben:
GRUPPEN --- ZAHL DER ARTEN AUF MADEIRA --- VERHÄLTNISSE ZUR GESAMTMASSE DER PHANEROGAMEN
__ Auf Madeira. In Frankreich
Farne allein _ _ 39 _ 1/10 _ _ 1/73
Monocotyledonen_ _ 84 _ _ 1/5 _ _ 1/4
Glumaceen _ _ 57 _ _ 1/7 _ _ 1/8
Komposeen _ _ 59 _ _ 1/7 _ _ 1/8
Leguminosen _ _ 37 _ _ 1/11 _ _ 1/16
Euphorbiaceen _ _ 11 _ _ 1/37 _ _ 1/70
Labiaten _ _ 30 _ _ 1/10_ _ 1/24
Malvaceen _ _ 4 _ _ 1/100 _ _ 1/140
Ericeen _ _ 4 _ _ 1/100 _ _ 1/125
Amentaceen. _ _ 7 _ _ 1/56 _ _ 1/50
Koniferen _ _ 4 _ _ 1/100 _ _ 1/192
Umbelliferen _ _ 10 _ _ 1/41 _ _ 1/22
Cruciferen _ _ 19 _ _ 1/21 _ _ 1/19
Diese Tabelle der Verbreitung der Formen auf einer vulkanischen Insel, die durch ihre geographische Position nahe an der äquatorialen Zone liegt, zeigt einige Gegensätzlichkeiten und Ähnlichkeiten mit Mitteleuropa, welche die Aufmerksamkeit des Botanikers und des Physikers verdienen. Überrascht findet man auf Madeira eine relative Zunahme der Zahl der Farne (1/10), der Labiaten (1/10) und Leguminosen (1/11). Diese letzteren haben bereits einen intertropischen Charakter; sie verhalten sich, wie ich anderswo dargelegt habe, im gemäßigten Europa wie 1/18; in der heißen Zone wie 1/10; in der kalten Zone wie 1/35. Ebenso nehmen, obwohl bisher erst eine geringe Zahl von Arten entdeckt wurde, die Malvaceen und Euphorbiaceen im Verhältnis zu den anderen Phanerogamen auf Madeira zu, wie auch unter den Tropen, wo sie 1/32 und 1/35 sind. Die Umbelliferen, die in der Äquatorialregion überaus selten sind, zeigen sich ebenfalls in geringer Zahl auf einer unter einem Parallel von 32½° gelegenen Insel. Das Abnehmen der Farne ist ein fast allgemeines Phänomen auf allen Inseln der heißen Zone. All diese Tatsachen entsprechen den Gesetzen, die ich bisher erkannt hatte. Die Agamen, unter dieser Bezeichnung sind Pilze, Flechten, Moose und Farne vereint, verhalten sich zu den Phanerogamen in der gemäßigten Zone wie 1:2. In der kalten Zone erreichen die Agamen die gleiche Anzahl wie die Phanerogamen, während sie zum Äquator hin abnehmen. Massons Journal, welches der Arbeit von Herrn Robert Brown als Grundlage diente, bringt die Zahl der Agamen auf Madeira nur auf 98 (¼ der Phanerogamen); da Masson jedoch nur eine sehr geringe Anzahl von Moosen, Flechten und Algen gesammelt hat, konnte man das genaue Verhältnis der Agamen und der Phanerogamen nicht feststellen. Das Verhältnis der Monocotyledonen oder Phanerogamen ist in Frankreich wie 1 zu 4⅖; in Deutschland 1 zu 4½; auf Madeira wie 1 zu 5; in Äquatorialamerika wie 1 zu 6. Es ist von Bedeutung, diese enge Verbindung zwischen den Klimaten und der Verbreitung der vegetabilen Formen weiter zu verfolgen.
ENDE.
Bemerkungen von Herrn von Humboldt