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Manchmal hat man einfach Glück. Vorgestern, an einem Vortrag über parteifrei.ch im Bickwiler Forum fand ich zwei veritable Perlen. Über die erste, den Allgemeinpraktiker Dr. Heini Suter, Präsident des Bickwiler Forums, möchte ich nur zwei Worte verlieren. Erstens ist er ein Arzt, wie man ihn sich idealerweise vorstellt und zweitens verströmt er mit seinem Bickwiler Forum auch soziale Heilwirkung. In einem schönen Raum in einem alten Ökonomiegebäude in Obfelden organisiert er zehn Mal jährlich einen Abend zu politischen, kulturellen, gesundheitlichen und spirituellen Themen. Eine ganzheitliche, direkt-demokratische Perle, wie man sich eine ganze Schatulle davon wünscht.
Die zweite Perle wurde mir nach dem Vortrag ungefragt von einem jungen Mann überreicht, die Broschüre «Die Nationalbank und das liebe Geld» (pdf), herausgegeben von der Schweizerischen Nationalbank SNB. Auf Seite 19 dieser Broschüre fand ich den rauchenden Colt, nach dem ich Jahre gesucht, aber natürlich nicht in einer werblichen Broschüre vermutet hätte: «Die Banken schaffen neues Geld, indem sie Kredite vergeben. Ihre Möglichkeiten zur Geldschöpfung sind begrenzt, weil sie einen gewissen Teil ihrer Einlagen nicht als Kredit weitergeben können, sondern als Reserven behalten müssen.»
Über das Ausmass dieser Grenzen schweigt sich die Nationalbank wohlweislich aus, aber immerhin erklärt sie den Prozess der Geldschöpfung, und der geht nach ihrer Darstellung so:
«Ein Unternehmer braucht Geld für eine Computeranlage. Die Bank leiht ihm von den 20’000 Franken, die [ein] Sparer einbezahlt hat, 16’000 Franken als Kredit und schreibt ihm den Betrag auf seinem Konto gut. Hat sich die Geldmenge dadurch verändert? Der Sparer hat noch immer 20’000 Franken auf seinem Konto. Der Unternehmer verfügt als Kreditnehmer über 16’000 Franken. Die Geldmenge hat also um 16’000 Franken zugenommen. Wenn nun der Unternehmer mit den 16’000 Franken Computer kauft und der Computerhändler den erhaltenen Barbetrag bei seiner Bank einbezahlt, wird diese wiederum einen Teil davon als Kredit ausleihen. Dies führt abermals zu einem Anstieg der Geldmenge; die Geldschöpfung geht weiter.»
Wie weit diese Geldschöpfung geht, dem werde ich nächste Woche nachgehen. An dieser Stelle nur so viel: Die Menge des unbaren, also von den privaten Banken geschöpften Geldes macht zur Zeit (Ende Juli 2011) gemäss letzter Statistik der SNB (pdf) 89,9 Prozent der Geldmenge M1 aus. Die Geldmenge M1 besteht aus Mitteln, über die man sofort verfügen kann, beinhaltet also zum Beispiel nicht Spareinlagen mit Kündigungsfrist. Dies ist kein Geld im eigentlichen Sinn, sondern wird es erst nach Ablauf der Kündigungsfrist.
Das unbare Geld, das als Gutschrift auf den Konten der Banken lagert, ist natürlich ganz normales gesetzliches Zahlungsmittel, mit dem man Steuerrechnungen bezahlen kann. Ein juristischer Unterschied zu Banknoten besteht nicht. Man kann sie jederzeit gegeneinander austauschen.
Und jetzt rufen wir uns doch wieder Art 99. der Bundesverfassung in Erinnerung, der da lautet: «Das Geld- und Währungswesen ist Sache des Bundes; diesem allein steht das Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten zu.» Aber offensichtlich gibt es da ein paar private Institutionen, die ungehindert etwas tun, das wir, der Souverän, ausdrücklich unserem gemeinsamen Staat vorbehalten haben. Ein Staat im Staat gewissermassen. Er druckt zwar kein staatliches Geld, aber schreibt seinen Kunden aus dem Nichts Zahlen in die Konten, für die Zinsen bezahlt werden und die jederzeit in staatliches Geld umgewandelt werden können. Keine schlechte Geschäftsidee!