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Tarnas schreibt in seinem Werk „Das Wissen des Abendlandes“ über das Gottes- und Menschenbild der Reformatoren:
Er sah – verglichen mit dem allmächtigen und transzendenten Gott, als dem ganz Anderen – den Menschen als gefallenes, hilfsbedürftiges, für die Verdammung oder die Erlösung bestimmtes, völlig von der Gnade Gottes abhängiges Geschöpf. Thomas von Aquin hatte die Teilhabe jedes Geschöpfes am unendlichen und freien Wesen Gottes postuliert und auf der gottgewollten Autonomie der menschlichen Natur bestanden. Die Reformatoren hingegen nahmen – angesichts der angeborenen Sündhaftigkeit, die den unabhängigen Willen des Menschen von Natur aus verdarb – die absolute Souveränität Gottes über sine Schöpfung in einem zwiespältigeren Licht wahr. Während der Protestantismus optimistisch war in Bezug auf Gott, als gnädigen Erretter der Auserwählten, war er kompromisslos pessimistisch im Hinblick auf den Menschen, die ‚wimmelnde Herde von Schändlichkeiten’, wie Calvin sich ausdrückte.
Aus: Richard Tarnas. Das Wissen des Abendlandes. Patmos: Düsseldorf 2006.