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An die spektakulären Flugzeugabstürze vom 16. April 1950 in der Nordflanke des Hohgant und vom 7. März 1952 im Guggikessel zwischen Mönch und Jungfrau erinnert sich wohl kaum mehr jemand. An den schwierigen Bergungen waren unter anderem bekannte Alpinisten wie Karl Schlunegger und Ernst Reiss beteiligt.
„Sonntag, 16. April 1950, 6.28 Uhr
Fräulein Emma Wälti, Wirtin zum Kurhaus Hochwacht, Gemeinde Langnau i.E., wurde gar unsanft aus ihrem Tiefschlaf gerissen. Ihr schien es, als habe sie dieses tiefe Gebrumm der Flugzeugmotoren einige Jahre vorher, im Krieg, auch schon gehört. Sie stürzte auf die linke Laube hinaus, von welcher man bei schönem Wetter freie Sicht haben sollte; erst jetzt realisierte sie, dass an diesem frühen Sonntagmorgen nasses Wetter mit tief hängenden Wolken vorherrschte und sie deswegen den auffällig tief fliegenden Bomber nicht sehen, sondern nur hören konnte. Sie lauschte angestrengt auf den sich in Richtung Bäregghöhe entfernenden Motorenlärm. Kurze Zeit später glaube sie ein fernes Donnern wahrzunehmen; Emma Wälti kehrte nachdenklich in ihre Schlafkammer zurück, ihr Wecker zeigt auf halb sieben.“
Eine Schilderung aus dem Beginn eines Artikels, der im jüngsten Heft der „Berner Zeitschrift für Geschichte“ erschienen ist. Roger Cornioley rollt unter dem Titel „Zerschellt im Hochgebirge“ die Flugzeugabstürze vom 16. April 1950 in der Nordflanke des Hohgant und vom 7. März 1952 im Guggikessel zwischen Mönch und Jungfrau auf. An der Jurtenflue ob dem Kemmeriboden-Bad zerschellte ein Frachtflugzeug des Typs Halton 1, welches ähnlich konzipiert war wie der Halifax-Bomber; die Maschine sollte 300 Radioempfänger von Amsterdam nach Teheran transportieren. Fünf englische Besatzungsmitglieder und ein italienischer Passagier kamen uns Leben; ja, einen Monat nach Abschluss der offiziellen Begräbnisfeierlichkeiten auf dem Berner Bremgartenfriedhof, kam im schmelzenden Lawinenschnee ein weiteres Opfer zum Vorschein, dessen Identität allerdings nie geklärt werden konnte. Der Tote wurde auf dem Friedhof neben der Kirche Schangnau beigesetzt; auf dem Grabstein war zu lesen: „Dem unbekannten Flieger.“
Die amerikanische Militärmaschine des Typs Dakota C-47A mit sieben Besatzungsmitgliedern und einem Passagier an Bord, welche oberhalb des Guggigletscher in die verschneite Wand raste, befand sich auf einem Business- oder auf einem Navigations- und Trainingsflug von Madrid nach München. Wie der wirkliche Flugbefehl lautete, weiss man nicht. Nur dass auch dieser Absturz auf grobe Navigationsfehler zurückzuführen ist. Beide Flugzeuge flogen im viel zu tiefen Blindflug durch dichte Wolken, wobei sie meilenweit von der vorgesehenen Route entfernt waren. So wollte der Navigator des Frachtflugzeuges um 6.23 Uhr das vermeintliche Hilfsfunkfeuer von München-Riem anpeilen (Entfernung 175 Meilen), erreichte jedoch dasjenige von Uettligen bei Bern (Entfernung 20 Meilen). Bis er den Irrtum bemerkte und korrigieren konnte, flog seine Maschine über den Hochwacht Richtung Hohgant.
Wie und warum es zu den Unglücken kam, schildert Roger Cornioley ebenso wie die Beobachtungen der Zeugen und die heiklen Bergungsarbeiten. Und da wäre es im Guggikessel fast zu einem weiteren Unglück gekommen: „Während die erfahrenen Bergführer und Patrouilleure mit den auf die Kanadierschlitten gebetteten Überresten der Flieger vorsichtig zu Tale fuhren, wurde der Berg lebendig; kaum hatten sie die Trümmerstätte im Schneegestöber verlassen, donnerte eine grosse Lawinen vom Kühlauenengletscher unterhalb des Jungfraujochs brüllend zu Tal.“ Gefährlich war auch die Aktion, in welcher der eine Flugzeugflügel der Dakota, der in einem Couloir hing, weggesprengt werden musste. Erfahrene Alpinisten, unter ihnen Karl Schlunegger, Drittdurchsteiger der Eigernordwand, und Ernst Reiss, vier Jahre später Erstbesteiger des Lhotse, seilten sich zum Wrackteil ab.
In einem dritten Teil seines schwarz-weiss illustrierten, 38seitigen Artikels beleuchtet Roger Cornioley die Flugsicherung in der Schweiz von 1930 bis 1954. Dabei kommt er auch auf die glückliche abgelaufene Bruchlandung einer Dakota C-53 auf dem Gauligletscher und Rettung der Verunglückten zu sprechen. Darüber hat er in Heft 3/2006 der „Berner Zeitschrift für Geschichte“ ausführlich berichtet. Damals flog ein ganzes Heer von Schutzengeln mit.
Berner Zeitschrift für Geschichte, N° 01/12. Erhältlich bei: Universitätsbibliothek Bern, Münstergasse 61, 3000 Bern 8, <email-pii>, Fr. 20.-