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Nationale Statistiken zur Beratungsarbeit mit gewaltausübenden Personen 2019
Publikation: September 2020
Ein landesweit verfügbares Beratungsangebot für gewaltausübende Frauen und Männer in der Schweiz
Die Beratung für gewaltausübende Personen ist heute in der ganzen Schweiz verfügbar und richtet sich an alle, unabhängig von Geschlecht und Alter. Es waren über 2’400 Personen, die das Angebot bezogen haben.
83% der beratenen Personen waren Männer und 17% waren Frauen (22 der 23 Fachstellen haben diese Männer beraten und 19 der 23 Fachstellen haben diese Frauen beraten). 82% der beratenen Personen waren zwischen 19 und 59 Jahre alt. In 20 Jahren haben die Fachstellen ein umfangreiches Angebot aufgebaut, das Einzel-, Paar- oder Gruppenberatungen und verschiedene soziotherapeutische und therapeutische Ansätze umfasst.
Netzwerkarbeit - ein grundlegendes Faktor im Bereich der häuslichen Gewalt
Prävention bei TäterInnen häuslicher Gewalt bedingt Netzwerkarbeit. Die Netzwerkpartner spielen tatsächlich eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Beteiligung der gewaltausübenden Personen an einer Beratung zu fördern. In 73,8% der Fälle nehmen die gewaltausübenden Personen an einer Beratung infolge einer Empfehlung, Anordnung oder der Stellung einer Bedingung durch einen Netzwerkpartner teil.
Zu beachten ist auch, dass obschon 10’495 Personen wegen häuslicher Gewalt in 2019 polizeilich registriert wurden, die Teilnahme an einer Beratung in nur 7,3% der Fälle angeordnet wurde.
Der niederschwellige Zugang wird durch den Einsatz spezialisierter Fachstellen ermöglicht und ist daher fragil
Der niederschwellige Zugang zu den spezialisierten Fachstellen ist von entscheidender Bedeutung, da 60% oder die Mehrheit der GewalttäterInnen freiwillig an der Beratung teilnehmen - sei es aus eigener Initiative oder auf Empfehlung eines dritten Dienstes. Diese Zugänglichkeit hängt von qualitativen Faktoren ab (Art des Angebots und der Dienstleistungen, stimulierende und nicht stigmatisierende Kommunikation, ethisch ausgerichtete und nicht-diskriminierende Ansätze). Aber auch von quantitativen Faktoren wie dem Preis.
Derzeit gibt es keine gesetzliche Grundlage, die den gewaltausübenden Personen einen kostenlosen oder kostengünstigen Zugang zu den Fachstellen ermöglichen würde (welches z.B. ein Gewaltausübende-Hilfe-Gesetz GHG entsprechen würde, ähnlich OHG-Finanzierung).
Nichtsdestotrotz nimmt jede zweite gewaltausübende Person kostenlos an Einzelsitzungen und 40% der Personen an Paarsitzungen teil.
Es sind daher derzeit die beratenden Fachstellen, die ein solches Angebot niederschwellig zugänglich machen und die dafür notwendigen Mittel organisieren. Die Situation ist daher fragil.
Verschiedene Studien zeigen zudem, dass eine dauerhafte und wirksame Prävention häuslicher Gewalt nur dann erreicht werden kann, wenn die Personen, die Gewalt ausüben, die volle Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen und es ändern. “Gleichzeitig konnte aufgezeigt werden, dass die Wahrscheinlichkeit erneuter Gewaltanwendung in Paarbeziehungen gross ist, wenn keine Intervention von aussen erfolgt. Rund jede zweite gewaltausübende Person wird ohne Intervention erneut gewalttätig (Walker et al. 2013)”.
Es ist daher unerlässlich, dass eine ausreichende Fachberatung zur Verfügung steht und einfach zugänglich ist.
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