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In einer einfachen Küche, in der noch ein Holzofen steht, ist eine alte Frau dabei, Tee zu kochen. Grégoire Baer filmt all die kleinen, alltäglichen Gesten wie Holz auflegen, den Kochtopf füllen, warten, bis das Wasser kocht, und es in die Tasse schütten mit ungeteilter Aufmerksamkeit in langen Einstellungen. In seinem fünften Kurzfilm gelingt es dem Studenten der Ecole Supérieure d’Art Visuel in Genf, die Dauer der Handlung zu meistern, indem er es einerseits versteht, der Banalität der Tätigkeit durch lange Einstellungen das Kostbare eines Rituals, das sicherlich schon seit vielen Jahren in dieser Form gelebt wird, zurückzugeben. Andererseits ist es die Anwesenheit eines alten Mannes, der reglos am Küchentisch sitzt, die den Bildern dramatische Spannung verleiht. Er sitzt da, stumm und teilnahmslos. Kein Wort wird zwischen ihm und der Frau gewechselt, kein Blick und keine Geste. So wächst schließlich im Zuschauer die heimliche Überzeugung, daß dieser Alte tot ist. Baer aber bekräftigt diese Tatsache an keiner Stelle, er vermeidet jegliche bildhafte Erklärung, die uns diesen Tod eindeutig bestätigen würde. Im Gegenteil, er begnügt sich damit, ein Gefühl anzudeuten, eine Bewußtseinswerdung zu skizzieren, ein Nachdenken anzuregen mitten in dieser Küche, wo der Tod sich niedergelassen hat, während das Leben seinen Fortgang nimmt.
SELECTION CINEMA