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Dank des Stoffs und dank bereits existierenden historischen Materials der Hauptfigur wird der verhältnismässig konventionell und „geradeaus“ gemachte Dokumentarfilm von Alfi Sinniger interessant. Mehr noch: Möglicherweise hätte ein raffinierteres, „moderneres“ Konzept diesen Stoff und dieses Material um ihre Wirkung gebracht.
Sinniger und sein Kameramann Kurt Aeschbacher gehen gerade auf ihren Partner los, aber sie gehen nicht immer auf ihn ein. Yule Kilcher, ein Solothurner Habenichts, hat sich um 1940 von der Schweiz abgesetzt und in Alaska einen Raum für seine Träumereien von Unabhängigkeit und Autarkie gefunden. Hart arbeitend, und eine ganze Familie zum harten Arbeiten anhaltend, hat er es ein Stück weit gebracht. Nur eines hat er nicht erreicht: die Sozialisierung auf dieses sein grosses fernes Ziel hin. Die Ehefrau und alle acht Kinder haben sich von dem Träumer (der autoritär und sehr verletzend sein konnte) abgesetzt, und die Zukunft von Kilchers kleinem Staat im Staate ist ungewiss. Der immer noch rüstige Kilcher kann nur hoffen, dass einer der Söhne, der in der Kleinstadt Homer in einem der Pionierexistenz noch nahen Beruf arbeitet, dereinst sein Reich übernehmen werde. Er ist ein einsamer Mensch, dessen Einsamkeit analysiert werden könnte, was der Filmautor nicht direkt tut.
Stattdessen schiebt er in die Schilderung von Kilchers Existenz Teile eines Films ein, die schon in den fünfziger Jahren in der Schweiz (von André Amsler) bearbeitet und dann auch von einer amerikanischen TV-Station gebraucht worden sind. Stolz blicken da der Patriarch und seine Frau auf das bisher Geleistete zurück, geben sich ganz als die Naturmenschen, die sie natürlich keineswegs sind.
Kilchers Frau, so erfährt man nun in der Gegenwartsuntersuchung, hat den Patriarchen verlassen und lebt nun ihr Leben, gestützt durch populäre Psychologie; die erwachsenen Kinder haben sich aus Kilchers Kraftfeld gerettet und sind meistens einem anderen Guru gefolgt. Die „Schule des einfachen Lebens“ kann keine demokratische Schule gewesen sein.
Der Sieger, der Kilcher noch immer zu sein meint, ist in Tat und Wahrheit ein Verlierer. Und man ahnt auch, weshalb: Weil es ihm nie gelungen war, seinen Traum verständlich zu artikulieren. Er konnte ihn nur leben, stumm und fordernd.
Alfi Sinniger stellt viele Fragen nicht und zieht auch keine Schlüsse. Sein Film bleibt etwas nahe bei den herkömmlichen TV-„Dokumentationen“. Immerhin öffnet er die Klammern für die Fragen und Urteile des Zuschauers, und zwar in dem Moment, als er sich von dem einsamen Helden emanzipiert und die Möglichkeit anderer Perspektiven andeutet.