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Seit Dezember 2009 untersucht die Kantonsarchäologie Solothurn am Stadtrand von Olten einen für die Schweiz momentan einzigartigen Befund: ein uraltes, sich verzweigendes Stollensystem im anstehenden Kalksteinfelsen, aus dem während der Jungsteinzeit (6000-2000 v.Chr.) mit einfachsten Mitteln und grossem Aufwand - im Untertagebau - Tausende von Feuerstein-Knollen ausgebrochen wurden.
Auf einer Fläche von 50 Quadratmetern konnten die Archäologen mehrere sich verzweigende und miteinander in Verbindung stehende Stollen von zusammen über 24 Meter Länge feststellen. Das ausgebrochene Material beträgt ca. 80 Kubikmeter. Die Stollen waren mit dem Abraum aufgefüllt, der beim Graben von neuen Stollen angefallen war - dem sogenannten Versatz in der Bergmannsprache. An manchen Stellen ist auch die Decke eingebrochen und der Boden ist von den herabgefallenen Kalksteintrümmern bedeckt.
Brandgerötete Felspartien zeugen davon, dass der Stein zusätzlich noch durch Feuer erhitzt und mit Wasser abgeschreckt wurde.
In einem Bergwerk werden, im Vergleich zu Siedlungen oder Gräbern, relativ wenige Objekte gefunden. Die Funde beschränken sich auf einige wenige artifizielle Silex-Abschläge und ein paar Hirschgeweihfragmente. Dafür sammelten die Archäologen aus dem Abraum Tausende von Silex-Knollen auf, welche die ursprünglichen Bergleute liegen gelassen hatten. Sie waren offenbar zu klein, als dass sie die Menschen der Steinzeit interessiert hätten. Diese waren offenbar nur auf der Suche nach Silex-Knollen, die grösser als 10-15 Zentimeter im Durchmesser waren.
Solche Silex-Knollen kommen im örtlich anstehenden Kalkstein lagenweise in einer bis zu einem Meter dicken Schicht vor. Sie entstanden aus den Resten Tausender winziger Meereslebewesen, die im Unterschied zu den meisten anderen Lebewesen ein Skelett aus Silizium und nicht aus Kalzium bilden. Ihre Skelette lagerten sich vor ca. 150 Mio. Jahren im Meer ab, welches damals das Gebiet der heutigen Schweiz bedeckte.
Schon vor über 6000 Jahren wurden die Silex-Vorkommen am Born und im Chalchofen, auf der Gemeindegrenze zwischen Olten und Wangen, abgebaut, weiterverarbeitet und im ganzen Schweizer Mittelland verhandelt. Werkzeuge aus Oltner Feuerstein werden von den Seeufersiedlungen ("Pfahlbauten") am Neuenburger- und Bielersee im Westen bis zu denen am Zürich- und Zugersee im Osten gefunden. Oltner Silex gehört mengenmässig zu einem der am häufigsten vorkommenden Silex-Rohmaterialien im Gebiet der heutigen Schweiz.
Entdeckt wurde die Fundstelle 1922 beim Bau der "Villa König" durch Theodor Schweizer, den bekannten Urgeschichtsforscher aus Olten, auf dessen Konto zahlreiche Entdeckungen, vor allem in und um Olten, gehen. Er hat damals mehrere "Gräben" und "Löcher" beobachtet, die bis auf die Silex führende Schicht in 1,5-2 Metern Tiefe hinunter reichten und die Gruben bereits damals als Silex-Bergbau interpretiert. Nach seinem Bericht zu schliessen, handelte es sich eher um im Tagebau ausgeführte Gruben und Schächte, sog. Pingen, als um Untertagebau.
Die Stollen sind also auch für die Archäologen eine Überraschung. Gleichzeitig sind sie eine Bestätigung für diejenigen, die in den beiden in den 1970er Jahren in der Gemeinde Wangen entdeckten Höhlen ein ehemaliges Silex-Bergwerk vermutet haben. Leider wurden diese Höhlen damals nur summarisch untersucht und dokumentiert. Bis heute ist erst ein einziges Silexbergwerk der Schweiz wissenschaftlich untersucht worden, nämlich dasjenige von Löwenburg/Pleigne im Kanton Jura, in den 1960er Jahren. Als die Kantonsarchäologie von den Bauarbeiten am Chalchofen und der Entdeckung faustgrosser Silexknollen hörte, ergriff sie deshalb die einmalige Gelegenheit, ein jungsteinzeitliches Silex-Bergwerk genauer zu untersuchen.