Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03107.jsonl.gz/1805

An diesem für Speckliebhaber wegweisenden Samstagmorgen im Jahr 1993 ging der achtjährigen Abbey Fleck und ihrem Vater das Haushaltspapier aus. Auf diesem pflegten sie die Speckscheiben auszulegen, bevor sie die Mikrowelle in krosse Fleischriemen verwandelte. Wie sollten sie nun das heraustriefende Fett bloss auffangen?
Andere Kinder bekämen an dieser Stelle wohl einen Wutanfall oder würden zumindest ein paar Verzweiflungstränen weinen ob der grausamen Vorstellung eines drohenden specklosen Frühstücks. Doch Abbey dachte nach. Dachte weit über das Küchenpapier hinaus, ja sie dachte es sogar gänzlich weg und ersetzte es mit einer Art Wäscheaufhänge-Vorrichtung für Speckstreifen.
Gemeinsam mit ihrem Vater bastelte sie ein T-förmiges Gestell aus Holzdübeln und Kleiderbügeln und befestigte es auf einem Plastikteller. So vermochten sie den Speck über dem Fett kochen – und nicht darin.
Der Erfolg kam, nachdem der Vater eine Fabrik für mikrowellenfestes Plastik gefunden hatte, die Abbeys Gerät herzustellen bereit war.
Bald war Abbey bei Oprah, David Letterman und Maury Povich zu Gast. Die Zeitschrift «Parade» kürte den «Makin Bacon» zum besten neuen Lebensmittelprodukt des Jahres 1994 – und der Vertrag mit Walmart liess nicht lange auf sich warten.
Drei Jahre alt war der kleine Louis, als er mit der Ahle aus der Sattelwerkstatt seines Vaters spielte – und sich dabei am Auge verletzte. Es entzündete sich übel und riss bald auch das zweite, unversehrte Auge mit sich in den dunklen Abgrund.
Mit fünf Jahren war Louis völlig blind.
Doch weil er sich Bücher nicht nur vorlesen lassen wollte, weil er sich selbst darin vergraben wollte, begann er über eine Schrift nachzudenken, die dieses Erlebnis auch Blinden zu ermöglichen vermag.
In seiner Pariser Blindenschule lernte Louis ein System kennen, das aus einem Setzkasten mit beweglichen Lettern und Noten bestand, mit denen sich Papier so prägen liess, dass die jeweiligen Zeichen ertastbar wurden. Das System hatte sich sein Lehrer Valentin Haüy bei der blinden Komponistin Maria Theresia Paradis abgeschaut, die damit eigenständig ihre Korrespondenz erledigte und ihre Musikstücke schrieb.
Louis war davon so sehr fasziniert, dass er damit zu experimentieren begann. In der Werkstatt seines Vater stellte er Dreiecke, Quadrate und Kreise aus Leder her, um damit die Schrift zu vereinfachen. Doch zufrieden war der Junge noch lange nicht.
Erst die Nachtschrift sollte ihm das fehlende Teilchen liefern. Dieses hochkomplexe System aus Punkten und Silben war für militärische Zwecke erdacht worden: Es sollte den Soldaten ermöglichen, sich nachts ohne Licht verständigen zu können.
An jener Nachtschrift begann Louis nun herumzubasteln. Er ersetzte die Silben durch Buchstaben und reduzierte die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs pro Zeichen.
1825 hatte Louis seine Blindenschrift, die heute nach ihm benannte Brailleschrift, fertiggestellt. Er war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt.
Auch George Nissen war 16 Jahre alt, als er wusste, was er zu tun hatte: Der begabte Turner sass im Zirkus und schenkte zum ersten Mal nicht der eigentlichen Artistenkunst seine Aufmerksamkeit, er bewunderte nicht die Luftakrobaten und ihre waghalsigen Figuren und Flüge, sondern konzentrierte sich allein auf deren Abgang: Sie liessen sich nach ihren Darbietungen jeweils ins Sicherheitsfangnetz fallen, das ihnen dank seiner Elastizität ermöglichte, noch ein paar Salti zum Besten geben.
«Welch wunderbar elegante Sprünge sich auf einem solchen Gerät ausführen liessen, würde es nicht so sekundär behandelt!», dachte sich George. Es muss zu mehr werden als zum reinen Sicherheitsutensil.
Und so baute er Mitte der 1930er Jahre zusammen mit seinem Kollegen Larry Griswold das zu seiner Zeit beste Sprunggerät und gab ihm den Namen Trampolin – nach dem spanischen Wort für «Sprungbrett».
Selbst während des Krieges fand man für seine Erfindung Verwendung; das Trampolin wurde bei der Ausbildung von Piloten, Tauchern und Fallschirmspringern verwendet.
Der Freund des russischen Gymnasialschülers Sergei Khaliavins kam ohne Arme zur Welt. Grund genug für den jungen Erfinder, sich an einer Computermaus zu versuchen, die man mit dem Fuss steuern kann.
Und so bastelte er mit Hilfe seiner Lehrerin einen Schuh mit integrierter Steuerplatine, die wie bei einer gewöhnlichen Maus funktioniert – nur wird sie statt mit den Fingern mit den Zehen bedient.
Sergei selbst hat sich innerhalb einer Woche mit dem Gerät vertraut gemacht und sogar gelernt, damit Computerspiele zu spielen.
Seine Fussmaus mag nicht die erste ihrer Art gewesen sein – ähnliche Modelle sind bereits seit 1985 auf dem Markt –, dies sollte allerdings keineswegs die Leistung jenes erfinderischen Jünglings schmälern, der dafür 2016 auf dem jährlich in Moskau stattfindenden internationale Salon für Erfindungen und innovative Technologien «Archimedes» ausgezeichnet wurde.
Immer wenn Ann Makosinski einen ihrer Milchzähne verlor, lag eine «Gilbert und Sullivan»-Oper unter ihrem Kopfkissen. Sie wuchs etwas anders auf als andere Kinder, etwas klangvoller vielleicht, aber auch bescheidener, und gewiss «bizarrer» als die meisten, wie sie selbst sagt.
Ihr erstes Spielzeug war eine Kiste mit Transistoren. Viel mehr bekam sie nicht, den Rest musste sie eben selbst bauen. Mit fünf klebte Ann mit der Heissklebepistole Müll und andere Fundstücke aus dem Haus zusammen. Verwenden, was da ist, um etwas Besseres daraus zu machen, das lernte das Mädchen früh.
Bald begann sie sich auch für alternative Energiequellen zu interessieren. Besonders für jene, die um sie herum waren, aber nicht genutzt wurden.
Sie war 15, als ihre philippinische Freundin ihr erzählte, sie hätte die 10. Schulklasse wiederholen müssen, weil es ihr die fortdauernden Stromausfälle in ihrer Heimatstadt verunmöglichten, abends zu lernen.
Ann beschloss, ihr Wissenschaftsprojekt in jenem Jahr dazu zu nutzen, das Problem ihrer Freundin zu lösen.
Sie baute das «Hollow Flashlight», eine Taschenlampe, die keine Batterien benötigt, sondern allein von der Wärme der Hand betrieben wird.
Sie besteht aus vier sogenannten Peltier-Elementen, das sind elektrothermische Wandler, die bei einer vorliegenden Temperatur-Differenz einen Stromfluss erzeugen – oder umgekehrt. Das Prinzip ist als Peltier-Effekt bekannt.
Hält man Anns Taschenlampe nun also in der Hand, wärmt diese die eine Seite der Peltier-Kacheln, während die andere durch die Umgebungsluft kalt bleibt. Und tadaaa: Die Lampe leuchtet!
Anns Hollow Flashlight wurde auf mehreren wissenschaftlichen Ausstellungen ausgezeichnet, unter anderem auf der Google Science Fair 2013.
Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden. Denn Frank Epperson hat mysteriöserweise 18 Jahre lang gewartet, bis er seine Erfindung zum Patent anmeldete. Es könnte also durchaus sein, dass seine Geschichte nicht viel mehr als cleveres Marketing-danach ist.
Das Wundersame begab sich, so erzählt es uns Frank, eines kalten Winterabends in San Francisco im Jahr 1905. Frank war damals elf Jahre alt und gerade dabei, sich ein Erfrischungsgetränk aus einer Fruchtbrause und Wasser zusammenzubrauen. Da ihm die Limo jedoch nicht kalt genug war, stellte er sie mitsamt dem hölzernen Rührstäbchen zum Abkühlen draussen auf die Veranda – und vergass sie dort.
Am nächsten Morgen, als er sich seiner Limonade entsann, fand er sie gefroren vor. Er trug sie ins Haus, wo sie sich allmählich vom Rand des Bechers löste. Dann zog Frank sie am Stäbchen aus dem Gefäss – und hatte so das erste Eis am Stiel in der Hand.
Es folgten die oben erwähnten 18 Jahre Pause. Dann, 1923, Frank ist inzwischen 29 Jahre alt und Immobilienmakler, liess er nicht nur sein «Eppsicle»-Stieleis patentieren, sondern gleich alle Formen von gefrorenen Süssigkeiten mit Stiel. In sieben Fruchtsorten bot er nun sein Eppsicle an, dessen Namen er aber auf Wunsch seiner Kinder bald in «Popsicle» änderte.
Nach dem Börsenkrach von 1929 verkaufte Frank seine Lizenzrechte, weil er Geld für seine Immobiliengeschäfte brauchte.
Benjamin Franklin, der Mann, der die 100-Dollar-Note ziert und zu den Gründervätern der Vereinigten Staaten zählt, war von einem enorm erfinderischen Geist beseelt. Und stets trachtete er dabei danach, das Gemeinwesen zu fördern.
Er schenkte seinem frisch geborenen Land die erste Leihbibliothek und gründete Philadelphias erste Freiwillige Feuerwehr. Er baute einen raucharmen Holzofen, erfand den Blitzableiter, die Glasharmonika, den flexiblen Harnkatheter, die Bifokalbrille und eine frühe Form von Schwimmflossen.
Dieser letzten, allerdings eher rudimentär entwickelten Schwimmhilfe, widmete sich Benjamin im zarten Alter von elf Jahren.
Der Franzose Louis de Corlieu gilt als Erfinder der modernen Schwimmflossen (1933), doch das Konzept ähnelt dem, auf dem bereits Klein-Benjamin aufbaute – nur mit dem Unterschied, dass sie vor allem an den Händen getragen wurden.
Im März 1773 schrieb Benjamin die folgenden Zeilen:
«In meiner Jugend fertigte ich zwei ovale Paletten an, jede etwa zehn Zoll lang und sechs Zoll breit, mit einem Loch für den Daumen, um ihn fest in der Handfläche halten zu können. Sie ähnelten sehr den Mischpaletten eines Malers. Beim Schwimmen schob ich die Kanten nach vorne und schlug mit der flachen Seite auf das Wasser, wenn ich sie zurückzog. Ich erinnere mich, dass ich mit diesen Paletten schneller schwamm, aber sie ermüdeten meine Handgelenke. Ich befestigte auch eine Art Sandalen an meinen Fusssohlen, aber ich war nicht zufrieden damit, weil ich feststellte, dass der Schlag teilweise mit den Innenseiten der Füsse und den Knöcheln und nicht vollständig mit den Fusssohlen ausgeführt wird.»
Sogenannte «Hot Car Deaths» sind leider bis heute eine traurige Tatsache. Besonders in den USA sterben immer wieder Kinder an einem Hitzeschlag, weil sie von ihren Eltern im – von der prallen Sommersonne überhitzten – Auto vergessen wurden oder sich Zutritt zu einem unverschlossenen Fahrzeug verschafft hatten.
Als Curry Bishop aus Texas vom auf diese Weise erlittenen Tod der sechs Monate alten Tochter seines Nachbarn erfährt, ist er zutiefst schockiert. Seine kleine Schwester ist im selben Alter. Keine Familie sollte einen solchen Verlust erleiden müssen, denkt sich der Elfjährige – und beginnt ein Gerät zu entwickeln, um künftige «Hot Car Deaths» zu verhindern.
Er entwirft eine erste Skizze mit einer Liste aller Technologien, die für den Bau eines Modells erforderlich sind: Stromversorgung, Kühlgebläse, verschiedene Sensoren, GPS und ein Alarmsystem.
Vier Jahre später hält Curry einen funktionierenden Prototypen in den Händen. «Oasis» heisst er. Über Crowdfunding sammelt er über 50'000 Dollar, um den Bau und das Patent-Anmeldeverfahren zu finanzieren. Die Spenden von Phase II verwendet der Junge für Design- und Technologie-Verfeinerungen.
Oasis wird an der Kopfstütze vor dem Kindersitz angebracht, wo es mittels Laser-Sensoren die Anwesenheit eines Babys erkennen kann. Sitzt eines im Auto, überprüft das GPS, um festzustellen, ob sich das Auto bewegt. Tut es das nicht, wartet das Gerät zwei Minuten ab, bis es mit Hilfe eines thermoelektrischen Kühlgeräts und eines Gebläses kühle Luft auf das Baby abgibt und ein SMS mit Zeitangabe ans Telefon des Besitzers sendet. Wird dann das Baby aus dem Autositz genommen, wird Oasis zurückgesetzt. Reagiert niemand, sendet es eine Textnachricht mit den entsprechenden Koordinaten an die Polizei.
Einige technische Herausforderungen muss Curry noch lösen, darunter die Optimierung des Batteriebedarfs: Wenn das Kühlelement ausgelöst wird, muss Oasis lange genug funktionieren, um ein Baby kühl zu halten, bis die Rettungskräfte eintreffen.
Curry hofft, Oasis bald für 50 Dollar pro Stück verkaufen zu können.
Okay, dieser Junge hat sich einfach unter den Glastisch gelegt, damit er sein Handy nicht die ganze Zeit halten muss, aber hey, das ist trotzdem ziemlich genial.
(rof)
Piperin, das für die Schärfe von Pfeffer verantwortlich ist, gelangt gemäss einer Studie in die Muttermilch. Die Konzentration ist zwar zu gering, um von Säuglingen wahrgenommen zu werden, kann aber die spätere Toleranzgrenze für scharfes Essen nach oben schieben.