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Der Kanun reicht zurück in vorislamische, ja auch vorchristliche Zeit. Über Jahrhunderte hinweg galt er als ungeschriebenes Gesetz, und je nach Region existierten Abweichungen. Als ein System von Regeln und Gewohnheiten erkannten es die Osmanen unter Sultan Süleyman als erste und schufen dafür den Begriff "Qanun".
Um 1400 reformierte Lek Dukagjiini, ein Mitstreiter des albanischen Nationalhelden Skanderbeg, den Kanun; er wurde in der Folge im ganzen von Albanern besiedelten Raum anerkannt:
Verletzungen der Ehre in ihrer ganzen Bandbreite, Verrat, Verletzungen der Besitz-Verhältnisse, Wasserrechte oder auch bezüglich Frauen konnten mit der Tötung des Täters geahndet werden. Der Kanun erlaubt nur die Tötung von Männern ab 18 Jahren.
Die Tötung des Täters lag dies im Ermessen des Beleidigten. Es bestanden auch andere Formen der Wiedergutmachung, zum Beispiel festzulegende Zahlungen.
Bis ins 20. Jahrhundert stellte der Kanun einen nicht autoritativ niedergeschriebenen Rechtskodex dar. Um 1900 wurde er erstmals vom Franziskanermönch Stjefan Gjeqovi schriftlich festgehalten. Und zum ersten Mal wurde der Kanun 1941 publiziert, und zwar auf Italienisch. Heute liegen auch Fassungen in albanisch, deutsch und englisch vor.
swissinfo und Regine Elsener, HEKS