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Vor der chinesischen Stadt
von Cedric Weidmann
Das Lied heisst 3-3.
Der glatteste Ozean scheint unbezwingbar, seine Spiegelfläche lädt keine Schwimmer ein: In der Nacht ist er die Dunkelheit selbst und atmet nur an seinen Ufern aus. Eine chinesische Stadt, Millionen Menschen schwer, sieht Tag für Tag hinaus, völlig vergessen, was von dort, dem verdüsterten Horizont, entgegen geflogen kommt, pechüberzogene Schwalben, die sich von verirrten Mücken ernähren, während die Füsse fast den Ölteppich streifen, unter dem die Wasseroberfläche ruht, darunter das dickflüssige Wasser, in dem es glitzert, mit seinen verlorenen Fischen und Kilometer für Kilometer glitzernde Dunkelheit. Korallen. Das, was da unten atmet, ein Seeungeheur mit Nüstern, aus denen Luftblasen tausende Kilometer nach oben steigen, so dass es aussieht, als würde es irgendwo, mitten im Ozean, brodeln, ist unser Seeungeheuer. Es würde uns auf seinem Rücken tragen, uns in der Kälte wärmen, Schiffsbrüchige retten. Es schläft noch, doch wenn es einatmen muss, spürt die Stille des Ozeans eine Spannung kurz vor dem Bersten, die Oberfläche platzt, und das Ungeheuer steigt in den Himmel: unser Ungeheuert lacht uns zu und die Schwalben vertrinken vor Angst. Unsere Liebe greift bis zu den leuchtend schwarzen Seepferdchen und dem Plankton unter tausen Tonnen schwerem Wasser, und von dort reicht sie auch hinauf. Unsere Liebe reicht durch den Meeresgrund hindurch.