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<h2>SubmittedText<h2><p>Nach der Tabakindustrie bedroht nun eine weitere Industrie unsere Gesundheit: die Herstellerinnen von Zucker, der in zahlreichen Getränken und Lebensmitteln in grossen Mengen enthalten ist. Laut Fachleuten wie Dr. Aseem Malotra, Kardiologe aus London, handelt es sich nicht um den natürlichen Zucker, den Früchte und Gemüse enthalten, sondern um denjenigen, der allem hinzugefügt wird: Brot, Joghurts, Suppen, Wein, Würsten ... und sogar Essiggurken. Diesen verschiedenen Arten von Zucker werden unterschiedliche Namen gegeben wie beispielsweise "Fructose", was denken lässt, man reduziere seinen Zuckerkonsum, dabei konsumiert man gleich viel, wie wenn man weissen Zucker konsumierte. Unser Körper braucht in Wirklichkeit die Energie der Kohlenhydrate aus dem zugesetzten Zucker gar nicht. Dieser Konsum führt nicht nur zu Übergewicht, wissenschaftliche Studien stellen auch einen Zusammenhang zwischen dem Zucker und Lebererkrankungen, Diabetes Typ 2, einigen Herzkrankheiten sowie Karies her. Dennoch lanciert die Industrie Werbekampagnen für ihre Produkte und bewirbt einige ihrer Lebensmittel mit Athletinnen und Athleten. Was soll man zum Beispiel davon halten, dass die Olympischen Spiele von Coca-Cola gesponsert werden?</p><p>Fachpersonen für Gesundheitsförderung haben zwei effiziente Methoden gegen den Tabak gefunden, die auch gegen den übermässigen Konsum von Zucker wirksam sein dürften: Information und Besteuerung. Frankreich hat 2012 eine Steuer auf Softdrinks eingeführt, die zu einer stetigen Abnahme der Verkäufe geführt hat. Norwegen erzielt gute Resultate, indem es die Bevölkerung informiert und gezuckerte Getränke und Lebensmittel besteuert. </p><p>In der Schweiz ist hingegen noch keine Steuer vorgesehen. Doch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen setzt sich bei der Nahrungsmittelindustrie und den Vertreterinnen und Vertretern des Detailhandels dafür ein, dass der Zuckergehalt von Lebensmitteln reduziert wird. Bis Ende 2018 sollten Joghurts und Frühstücksflocken weniger Zucker enthalten (Quelle: "Zucker - süsse Sucht" von William Ecenbarger und Mary S. Aikins). </p><p>Müssten in Anbetracht dieser Tatsachen nicht Massnahmen getroffen werden wie zum Beispiel: </p><p>1. die Lancierung einer Informationskampagne über die Schädlichkeit von Zuckerzusätzen;</p><p>2. die Einführung einer Pflicht für die Herstellerinnen, die betreffenden Produkte mit dem Hinweis "Zuckerzusatz" zu versehen; </p><p>3. die Untersuchung der Wirksamkeit des freiwilligen Programms "Swiss Pledge";</p><p>4. die Wiederaufnahme des Dialogs mit der Industrie, um den Zuckergehalt der betroffenen Lebensmittel zu senken, und, sollte nichts geschehen, die Prüfung der Möglichkeit, eine Steuer einzuführen? </p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Dem Bundesrat sind die Risiken einer unausgewogenen Ernährung mit einem hohen Zuckeranteil bekannt. Er hat daher schon verschiedene Massnahmen ergriffen, um eine ausgewogene Ernährung zu fördern.</p><p>1. Die Empfehlungen der WHO, maximal 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr in Form von zugesetztem Zucker aufzunehmen, wurden bei der Erarbeitung der Schweizer Lebensmittelpyramide berücksichtigt und in konkrete lebensmittelbasierte Ernährungsempfehlungen übersetzt. Mit der Lebensmittelpyramide werden diese Empfehlungen breit und in elf verschiedenen Sprachen an die Bevölkerung kommuniziert. Eine Ernährungsweise nach der Schweizer Lebensmittelpyramide führt zu einer verminderten Zuckeraufnahme, weshalb es aus Sicht des Bundesrates nicht notwendig ist, eine spezifische Zuckerkampagne zu lancieren.</p><p>2. Mit den Ausführungsvorschriften zum neuen Lebensmittelgesetz (BBl 2014 5079) soll - analog zur EU - die Nährwertdeklaration für vorverpackte Lebensmittel obligatorisch werden. Neu ist der Gesamtzuckeranteil auf jedem Produkt anzugeben. Dieser umfasst natürlicherweise vorkommende Zuckerarten (z. B. Milchzucker in Milch) wie auch zugesetzte Zuckerarten. Der Anteil an zugesetztem Zucker ist daraus zwar nicht ersichtlich. Müsste der Anteil an zugesetztem Zucker deklariert werden, würde gegenüber der EU ein technisches Handelshemmnis geschaffen.</p><p>3. Swiss Pledge ist eine freiwillige Initiative von Getränke- und Lebensmittelherstellern sowie Gastronomie- und Detailhandelsunternehmen mit dem Ziel, die Werbung gegenüber Kindern zu reduzieren. Die Swiss-Pledge-Partner waren von 2011 bis 2014 mit ihren Aktionsversprechen Partner von Actionsanté, der gemeinsamen Initiative des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und des Bundesamtes für Gesundheit, die zur Förderung eines gesunden Lebensstils beiträgt. Diese ersten Bemühungen der Wirtschaft gingen in die richtige Richtung. Die Aktionsversprechen wurden von den Swiss-Pledge-Partnern seitdem nicht erneuert, da das BLV die Kriterien für neue Swiss-Pledge-Versprechen im Rahmen von Action santé strenger definiert hat. Das BLV erwartet auf Ende 2016 einen Vorschlag der Swiss-Pledge-Partner zur Fortsetzung ihrer Aktionsversprechen. Eine Untersuchung der neuen Aktionsversprechen wird aufgrund der vom BLV festgelegten Kriterien durchgeführt werden.</p><p>4. 2015 wurden drei Lebensmittelkategorien identifiziert, die massgeblich zur hohen Zuckerzufuhr beitragen. Diese Kategorien sind: gezuckerte Joghurts, Frühstückscerealien sowie Süssgetränke. Folglich empfiehlt das BLV den Konsum von ungesüssten Getränken und begrüsst die Kampagne "Hahnenburger" der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz. Bei Joghurts und Frühstückscerealien wird auf den Dialog mit Herstellern und Grossverteilern gesetzt. Im August 2015 haben 10 Unternehmen gemeinsam mit dem Vorsteher des EDI die Erklärung von Mailand (<a href="https://www.blv.admin.ch">https://www.blv.admin.ch</a> &gt; Lebensmittel und Ernährung &gt; Ernährung &gt; Massnahmen Ernährungsstrategie &gt; Zuckerreduktion) unterzeichnet. Sie haben sich damit verpflichtet, über die nächsten vier Jahre den Zuckergehalt ihrer Produkte schrittweise zu senken und - wo möglich und sinnvoll - Aktionsversprechen bei Actionsanté einzureichen. Das BLV steht dabei in regelmässigem Austausch mit den Unternehmen und überprüft die Wirksamkeit dieser Massnahme. Erst wenn sich abzeichnet, dass dieses Vorgehen nicht zum gewünschten Ziel führt, sollen weitere Massnahmen geprüft werden.</p>  Antwort des Bundesrates.