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Der Wortführer des Brexit-Lagers in Grossbritannien, Boris Johnson, kandidiert nicht für die Nachfolge des scheidenden Premierministers David Cameron. Das teilte der ehemalige Londoner Bürgermeister am Donnerstag kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist mit.
Er sei nicht derjenige, der das Land nach dem EU-Referendum jetzt führen sollte, sagte Johnson. «Nach Beratungen mit Kollegen und angesichts der Verhältnisse im Parlament» sei er zu dem Schluss gekommen, dass er nicht die richtige «Person» für diese Aufgabe sei.
Zuvor hatten mit Innenministerin Theresa May und Justizminister Michael Gove zwei aussichtsreiche Konkurrenten ihre Kandidatur angemeldet. Gove griff Johnson frontal an. Er glaube nicht, dass dieser «die Führung übernehmen und das Team für die kommenden Aufgaben aufbauen» könne.
Johnson gilt zwar in der Bevölkerung als sehr populär. Doch unter den Abgeordneten gab es bereits zuvor Vorbehalte. Dagegen können Gove und May dort auf Rückhalt hoffen.
Auch Energieministerin Andrea Leadsom kündigte auf Twitter ihre Kandidatur an. «Lasst uns das Beste aus den Brexit-Möglichkeiten machen», schrieb sie am Donnerstag.
Bereits am Mittwoch hatten Arbeitsminister Stephen Crabb und Ex-Verteidigungsminister Liam Fox ihre Bewerbung bekannt gegeben. Erwartet wird auch, dass Gesundheitsminister Jeremy Hunt in das Rennen um den Parteivorsitz einsteigt.
In einer Medienkonferenz am Donnerstag bekräftigte May ihre Ambitionen auf das Amt des Premierministers und kündigte langwierige Verhandlungen mit der EU über einen Austritt Grossbritanniens an.
Am Montag soll die Parlamentsfraktion der konservativen Partei zwei Kandidaten aus dem Bewerberfeld auswählen. Zunächst hatte sich ein Zweikampf zwischen Theresa May und Boris Johnson abgezeichnet.
Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov vom Donnerstag zufolge würde May eine Kampfabstimmung gegen Johnson gewinnen. Demnach würden in einer direkten Abstimmung zwischen Johnson und May 55 Prozent der Tory-Mitglieder für May stimmen. Wie sich die Bewerbung Goves auf die Chancen Boris Johnsons auswirkt, war noch nicht abzusehen.
Bei der Wahl treten nur zwei Kandidaten an. Sie werden zuvor von der Parlamentsfraktion aus einem Bewerberfeld ausgewählt. Anschliessend haben die 150'000 Mitglieder der Konservativen Partei das Sagen. Bis spätestens zum 9. September soll ein neuer Parteichef – und damit wohl auch Regierungschef – feststehen. (whr/sda/dpa)
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