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Wissenschaftliche Grundlagen
«... Aufmerksamkeit und nicht Willenskraft ist der Schlüssel, um eine persönliche Fähigkeit zu erwerben.»
Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse
hat Moshé Feldenkrais für die Entwicklung
seiner Methode gebraucht?
In seiner wissenschaftlichen Arbeit und in deren Nutzanwendung war Feldenkrais seiner Zeit weit voraus. So betrachtete er die Art und Weise, «wie wir handeln und uns bewegen und wie wir uns allgemein leiten, lenken und regieren» (Feldenkrais 1987) nicht durch «unseren gewohnheitsmässigen Raster des Kausalschemas» (ebd.). Er fragte nicht: Was geschieht und warum, sondern wie geschieht es und wozu?
Feldenkrais hat die Veränderung wissenschaftlicher Grundannahmen aus der Physik (Paradigmenwechsel) in seine Lernmethode einbezogen: Als Beobachter ihrer selbst trägt die Person in der Art und Weise, wie sie wahrnimmt, zur Veränderung dessen bei, was sie beobachtet. Er dachte und experimentierte also bereits in Kategorien der Systemtheorie und der Kybernetik.
Vor allem aber hat Feldenkrais die Bedeutung der Schwerkraft für Verhalten und für die Gestaltung von Lernprozessen untersucht. Sein Interesse galt dem Handlungsablauf. Körperhaltung verstand er deshalb als auf Verhalten bezogenen (dynamischen) Prozess, nicht als einen (statischen) Zustand.
Feldenkrais kombinierte sein Wissen und seine Praxis der fernöstlichen Kampfkünste (Judo, Jiu-Jitsu) mit Kenntnissen aus der Physik, der Mechanik und Elektrotechnik, der Anatomie und der Verhaltensphysiologie. Er liess sich beeindrucken von der Philosophie der Selbstverbesserung von Emil Coué und George I. Gurdieffs Philosophie zur Selbstbewusstheit von Körper und Geist als lebenslangem Lernprozess.
In seine Forschungen bezog er Theorien der Neurophysiologie ein, insbesondere die des russischen Forschers Alexander Luria, Charles Darwins Evolutionstheorie, die Verhaltensforschung von Konrad Lorenz und Jean Piagets Entwicklungspsychologie. Er kannte die Forschungsergebnisse der Biomechanik und der Bewegungs- Wissenschaften (etwa Arbeiten von Nicolai Bernstein).
Ausführlich befasste sich Feldenkrais mit (seinem Denken verwandten) Ansätzen von F. Mathias Alexander (Alexander-Technik) und von Elsa Gindler und Heinrich Jacoby (später von Charlotte Selver weiterentwickelt zu sensory awareness).
Er griff Gedanken der Systemtheorie (Gregory Bateson) und der Kybernetik (Heinz von Foerster) und die Metapher des Gehirns als eines Hologramms (Karl H. Pribram) auf, weil sie seinen eigenen Forschungsergebnissen entsprachen. Und er liess sich beeindrucken von der Gestalttherapie Fritz Perls und systemischen Ansätzen in der Psychotherapie, insbesondere der Hypnotherapie von Milton Erickson.
In vielen dieser Arbeiten wird das Denken in eher mechanischen und kausalen Begriffen von Reiz- Reaktions- Schemata allmählich abgelöst durch Theorien, die statt dessen von wechselseitig sich beeinflussendem, zirkulärem System- Umwelt-Geschehen ausgehen wie z.B. Umwelt - Sinnesempfindung - Nervensystem - motorische Tätigkeit - Umwelt (Feldenkrais 1987:189).
Bei der Weiterentwicklung dieser Konzepte - insbesondere in den Kognitionswissenschaften und der Neurobiologie - ist die Idee einer Abbildung der äusseren Welt im Inneren des Gehirns (Die Welt als Ursache von Erfahrung) inzwischen aufgegeben worden.