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Ein neues „wahres Märchen“:
Es war einmal ein Mann namens Charles. Geboren wird Charles am 6. August 1874 in Albany, der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates New York. Der Sohn eines tyrannischen Gemüsehändlers (mit dem er 1892 endgültig bricht) beginnt seine Karriere, wie viele Schriftsteller, im Journalismus. Seit 1896 mit Anna Filing verheiratet und in der Bronx ansässig, lebt Charles am Existenzminimum (sein regelmässiges Einkommen beläuft sich auf monatlich 25 Dollar aus dem Erbe seines Grossvaters). 1905 entdeckt Theodore Dreiser, ein einflussreicher Schriftsteller und Redakteur, den jungen Autor und ermöglicht es ihm, in verschiedenen Zeitschriften Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Sogar einen Roman schreibt Charles (The Outcast Manufacturers), doch Geschichten zu erzählen ist nicht seine eigentliche Stärke. Die findet er anderswo: Während Charles sich und seine Frau mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält – erst durch den Tod seines reichen Onkels 1916 bessert sich die Situation – , verbringt er nebenbei zahllose Stunden in Bibliotheken und sammelt Material über unerklärliche Vorfälle aller Art. Auch als er und Anna eine Zeit lang in London leben, sitzt er tagelang in Lesesälen und studiert die Welt des Übersinnlichen. Und er kommt zu dem Schluss: Die ganze moderne Wissenschaft ist nicht das Einzig Wahre, sondern (wie die Religion oder der Aberglaube) nur ein Versuch, die Welt zu erklären. Und zwar ein unzureichender! In mehreren Büchern trägt Charles minutiös Berichte von unzweifelhaft realen Ereignissen zusammen, für welche die viel gerühmte Wissenschaft keine oder nur behelfsmässige Antworten hat. Seine Forschungen über paranormale Phänomene führten zu einer eigenen Philosophie, die durchaus Anhänger findet; sogar eine eigene Society dafür wird gegründet. Charles stirbt am 3. Mai 1932; vielleicht hätte er länger gelebt, wenn er die Medizin nicht, wie jede Wissenschaft, so herzlich verachtet hätte.
Ein Phänomen muss er wirklich gewesen sein, dieser Charles Fort (vergleiche Blog vom 31. Oktober 2019). Seine Biographie aus der Feder von Ulrich Magin trägt den Titel Der Ritt auf dem Kometen.