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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Zwölftes Buch
26. Was für eine Darstellungsweise geziemt der Heiligen Schrift?
Und doch, mein Gott, du Erhabenheit meiner Niedrigkeit und Ruhe in meiner Mühsal, der du meine Bekenntnisse [S. 328] hörst und mir meine Sünden verzeihst, auch an mich ist ja dein Befehl ergangen, meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst. Unmöglich kann ich da glauben, du habest deinen treuesten Diener Moses weniger befähigt, als ich es von dir gewünscht und begehrt hätte, wäre ich zu seiner Zeit geboren und von dir dazu berufen worden, mit meinem Geist und meiner Sprache dir zu dienen und so der Welt jene Lehren mitzuteilen, die noch solange nachher allen Völkern zum Segen gereichen und auf dem ganzen Erdkreise durch ihr erhabenes Ansehen die Worte aller Lehren der Lüge und des Hochmutes besiegen sollten. Wäre ich damals Moses gewesen - wir entstammen ja alle demselben Staub; "und was ist der Mensch, wenn du seiner nicht gedenkest?"1 -, wäre ich also damals an seiner Stelle gewesen und hättest du mir aufgetragen, das Buch Genesis zu schreiben, so hätte ich gewünscht, mir wäre eine solche Kraft der Rede, eine solche Fähigkeit, meine Gedanken darzustellen, verliehen worden, daß diejenigen, die sich noch nicht zur Einsicht erheben können, wie Gott schafft, meine Worte nicht als ihre Fassungskraft übersteigend verwerfen, daß diejenigen aber, die ich bereits zu dieser Einsicht erhoben, in den wenigen Worten deines Dieners den wahren Sinn, zu dem sie vielleicht ihr eigenes Nachdenken geführt, nicht übergangen finden und daß, wenn ein anderer im Lichte der Wahrheit wieder eine andere Auffassung erschaute, auch diese unter jenen Worten verstanden werden könnte.
1: Ps. 8,5.