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Hochwasser
Mehr Regen im Seeland führte zu grösserer Hochwasserbelastung
Weil es im Unterland mehr regnete als im Oberland, hat sich das Hochwasser im vergangenen Sommer besonders stark am Bielersee ausgewirkt. Es sei nicht so, dass man einfach von Oberland her alles Wasser Richtung Unterland abgelassen habe, kontert der Regierungsrat einen Vorwurf.
Aufs Tapet gebracht hatte ihn der Grüne Grossrat Bruno Martin in einer Interpellation. In der Region habe man es als stossend empfunden, dass im Oberland bereits wieder Normalzustand herrschte, während der Pegel des Bielersees nur langsam abgesenkt worden sei und das Seeland die Hauptlast des Hochwassers getragen habe.
Der Regierungsrat betont in seiner am Montag veröffentlichen Antwort, dass das Ausmass und die Verteilung der Hochwasserschäden durch die Niederschläge bestimmt würden und nicht in erster Linie durch die Regulierung des Wassers.
Namentlich im Juni und Juli fielen im Mittelland und in den Voralpen grössere Regenmengen als im Oberland. Dort gingen etwa 150 Prozent der üblichen Regenmenge nieder, während es im Mittelland verbreitet über 200 Prozent waren, wie aus der regierungsrätlichen Antwort hervorgeht.
Dazu kommt laut Regierung, dass das Regulierreglement der Juragewässerkorrektion vorschreibt, dass ein allfälliges Hochwasser der Emme über den Abfluss der Aare am Wehr Port kompensiert werden muss. Genau dies war in den Monaten Juni und Juli mehrmals der Fall.
Weil im Oberland die Zuflussmengen dank geringerer Niederschläge abnahmen, konnte der Thunersee relativ rasch wieder gesenkt werden. Dies geschah laut Regierung gemäss dem entsprechenden Reglement.
Ein tieferer Pegel der Oberländer Seen habe auch für Unterlieger bei einem möglichen nachfolgenden Hochwasser einen Vorteil, hält der Regierungsrat fest. Dann nämlich könne in den Oberländer Seen wieder Wasser zurückgehalten werden, was das Unterland entlaste.
Vom Bielersee floss ausserdem viel Wasser in den Neuenburgersee, so dass auch dessen Pegel anstieg. Dieses Wasser musste später wieder abfliessen, weshalb sich der Bielersee langsamer absenkte. Das Ganze habe aber etwa gleich lang gedauert wie beim Hochwasser 2015, hält der Regierungsrat fest.
Schäden am Gymnasium
Beim Hochwasser entstanden am Bieler Gymnasium an See Schäden, namentlich an neu gebauten oder sanierten Gebäuden. Der Grüne Grossrat Christoph Grupp verlangte vom Regierungsrat Auskunft, wie dies habe passieren können, da man die Hochwasserproblematik an diesem Ort ja schon seit vielen Jahren kenne.
Bei der exponierten Lage am See und an der Schüss lasse sich die Hochwassergefahr bei extremen Witterungsverhältnissen nicht vollständig abwenden, hält der Regierungsrat fest. Er geht von Gebäudeschäden in der Höhe von rund 4,8 Mio. Franken aus, wobei ein Teil für die Heizzentrale auf den Energiekonzern BKW entfällt.
Das zuständige kantonale Amt habe bereits Aufträge erteilt zur Analyse der Vorfälle und zur Prüfung von weiteren baulichen oder betrieblichen Massnahmen, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Kanton prüft ausserdem auch Haftungsfragen im Zusammenhang mit dem Neubau.
Im Juni und Anfang Juli zogen verschiedene Unwetter über den Kanton Bern. Ab dem 9. Juli begann sich die Hochwasserlage zuzuspitzen. Ihren Höhepunkt erreichte sie etwa um die Monatsmitte.
Seit der Juragewässerkorrektion im 19. Jahrhundert dienen die Jurarandseen als Auffangbecken für grössere Wassermengen. Bei Hagneck wird Wasser aus der Aare in den Bielersee geleitet. Dieser ist wiederum über Kanäle mit dem Murten- und Neuenburgersee verbunden. Beim Stauwehr in Port fliesst das Wasser über den Nidau-Büren-Kanal wieder zurück in die Aare.
hn, sda