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Was sich letzte Woche am Gogol-Center abspielte, hätte man gut für die Premiere eines neuen Stücks halten können: Am frühen Morgen riegelten bewaffnete Männer in Sturmhauben das Gebäude von Moskaus innovativster Theaterbühne ab, nahmen den gerade probenden SchauspielerInnen die Mobiltelefone ab und sperrten sie in einen Raum. Die Wohnung von Theaterchef Kirill Serebrennikow wurde durchsucht, der Regisseur vor laufenden TV-Kameras zum Verhör abgeführt (als «Zeuge», wie das Ermittlungskomitee später verlauten liess). Der Vorwurf: Eine von Serebrennikow gegründete Produktionsfirma, die unabhängig vom Gogol-Center agiert, soll rund 200 Millionen Rubel (etwa 3,7 Millionen Franken) an öffentlichen Geldern veruntreut haben, die zur «Popularisierung der Kunst» gedacht waren.
In den vergangenen Jahren wurde der Umgang mit Oppositionellen in Russland immer repressiver. Und die Verurteilung des ukrainischen Regisseurs Oleh Senzow zu zwanzig Jahren Haft im August 2015 zeigte, dass die Kultur davon nicht ausgenommen ist. Angestellte staatlich subventionierter Häuser wie des Gogol-Centers blieben jedoch weitestgehend verschont – so auch Kirill Serebrennikow, der als Freigeist und Agent Provocateur der Moskauer Theaterszene gilt, sich jedoch bisher kaum regimekritisch äusserte. Zwar hatte es Ermittlungen wegen «unsittlicher Aufführungen» gegeben, und auch Serebrennikows Homosexualität war in den regimetreuen Medien öfter Thema abfälliger Kommentare. Doch die Ermittlungen gegen Serebrennikows Produktionsfirma könnten nun das Ende für Russlands Theater als Ort relativer Freiheit bedeuten.
Moskaus Kulturszene liess sich fürs Erste nicht von der Staatsmacht einschüchtern. KollegInnen des 47-jährigen Theaterregisseurs, der einem westlichen Publikum vor allem durch Operninszenierungen und Filme bekannt ist, richteten besorgte Briefe an den Präsidenten und solidarisierten sich. Und während ihr Chef noch verhört wurde, rief das Team des Gogol-Centers zu einer spontanen Kundgebung vor dem Theater auf. Rund 200 UnterstützerInnen kamen.