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Der Prospekt zum Rundgang um Busswil kann im pdf-Format heruntergeladen werden.
Historische Verkehrswege sind durch historische Dokumente wie alte Karten und Schriften sowie durch ihr traditionelles Erscheinungsbild im Gelände belegbare Verbindungen früherer Epochen. Sie umfassen das gesamte funktionale Spektrum zwischen grossräumigen Transitverbindungen und lokalen Wirtschaftswegen. Strassen und Wege ermöglichen Kontakt und Austausch und sind entsprechend den Bedürfnissen der Benützer einem steten Wandel unterlegen. Die bis zur Ersten Juragewässerkorrektion eingeschränkten technischen und finanziellen Mittel verhinderten grossflächige Landschaftsveränderungen wie auch Veränderungen im Bestand der Verkehrswege. Sowohl die finanzielle Beteiligung der Eidgenossenschaft als auch die fortschreitende Technisierung ermöglichten im 19. Jahrhundert die erste Gross-Korrektion der Gewässer, parallel zum Bau der Eisenbahnlinien.
Nachfolgende Binnenkorrektionen und Güterzusammenlegungen förderten den weiteren Ausbau zu einem modernen Verkehrsnetz und gleichzeitig das weitgehende Verschwinden des traditionellen Verkehrsnetzes. Das Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) erfasst und dokumentiert die noch vorhandenen historischen Wegspuren im Auftrag des Bundes. Der Rundgang zu den historischen Verkehrswegen rund um Busswil wurde von der Kulturspur in Zusammenarbeit mit dem IVS entwickelt.
In der Gegend von Busswil floss die Aare in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch auf einer Breite von über 500 m. Die ständig wechselnden Wasserläufe machten den Bau von Brücken nicht lohnenswert. An deren Stelle traten Fähren. Die Busswiler Fähre wird zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstmals erwähnt. Zwischen 1803 und 1860 sind Verschiebungen der Fähre nachweisbar (vgl. Karte 1, 2 und 3)
Vor der Juragewässerkorrektion diktierte im Seeland weitgehend die Natur den Verlauf von Verkehrsverbindungen. Die menschlichen Eingriffe im Gebiet des Auenwaldes entlang der Aare beschränkten sich auf einige wenige Stellen. Die Autobahn hingegen konnte dank leistungsfähiger Maschinen in den äusserst heiklen Raum des Auenwaldes hinein gebaut werden. Wo Kundschaft den Fährmann einst mit einem «Hol über» auf eine Überfahrt aufmerksam machte, werden heute Lärm und Abgase der Autos für das Schutzgebiet zunehmend zum Problem.
Ohne Juragewässerkorrektion wäre der Industriering Lyss undenkbar, liegt er doch mitten im ehemaligen Lauf der Aare. Der Fluss lieferte mit seinen Schottern idealen Baugrund, der nach der Juragewässerkorrektion zur Verfügung stand. Während historische Verkehrswege in der Regel den Geländelinien folgen, wurde im Industriegebiet Lyss Nord eine den modernen Bedürfnissen entsprechende Erschliessung erstellt.
1864 eröffnete die Berner Staatsbahn die Eisenbahnlinie Bern - Biel, womit Lyss zum Verkehrsknotenpunkt wurde und Busswil einen Anschluss ans Schienennetz erhielt. Das neue Verkehrsmittel war in Bezug auf Kapazität und Geschwindigkeit den traditionellen Verkehrsmitteln haushoch überlegen und liess viele davon verschwinden. Gleichzeitig wurden aber auch neue Arbeitsplätze geschaffen.
Im 18. Jahrhundert führten drei Strassen durch den Chrüzwald, die «Obere», die «Mittlere und meist geübte» und die «Undere». Die beiden Letzteren trafen vor Busswil zusammen. Diese einst wichtige Wegkreuzung wird heute noch durch eine mächtig Eiche markiert.
In den Jahren 1751 - 1757 erstellte der Staat Bern die erste nach ingenieurmässigen Gesichtspunkten projektierte Strasse zwischen Aarberg und Büren. Sie liegt auf der um 1750 belegten «mittleren Strasse», deren altes Trassee allerdings längst verschwunden ist. Der Strassenkörper der 1757er Chaussée präsentiert sich als terrassenförmiger Rest im Grasland.
Wer von Büren nach Lyss gelangen wollte, hatte in der Mitte des 18. Jahrhunderts drei Möglichkeiten: die Obere, die Mittlere - durch den Chrützwald führende - sowie die «Undere Strasse». Die «Obere Strasse», an sich die direkteste Linienführung, hatte den Nachteil, dass der höchste Punkt rund 25 Meter höher lag als derjenige der «Mittleren Strasse», die wohl deshalb am meisten benutzt wurde. Der im Wald noch deutlich erkennbare Hohlweg vermittelt einen Eindruck davon, in welchem Zustand sich lokale Verkehrswege vor rund 250 Jahren präsentierten.