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Herbst – aus dem altgermanischen harbista (engl. harvest) – bedeutet Erntezeit: Äpfel und Birnen hängen reifend an den Bäumen, Kohlköpfe sind dick und rund, und das Wurzelgemüse kann im Wettlauf mit den Wühlmäusen aus dem Boden gegraben werden. Die Sonne verliert an Kraft, sie sinkt in die niederen Tierkreiszeichen, es wird nebelig, trüb, kühl und von Tag zu Tag dunkler.
Samhain ist der Vorabend zu Allerheiligen. Allerheiligen kommt in der Übersetzung Halloween gleich (All Hallows Eve). Samhain ist das Fest vom 31. Oktober auf den 1. November. Die Kirche feiert Allerheiligen am 1.11 und Allerseelen am 2.11.
Samhain ist die Nacht, die den Übergang vom alten ins neue Jahr symbolisiert. Diese Nacht stellt einen freien Raum zwischen dem Alten und dem Neuen dar.
In diesen Zwischenräumen werden die Übergänge zwischen den Welten sehr dünn oder können sich sogar auflösen.
Für die Kelten begann der neue Jahreszyklus im November zu Samhain (auch Samunin), was so viel heißt wie „Jahresende, Zeit der Sammlung“ es ist eine dunkle und neblig-trübe Zeit. Wie der Bär in seine Höhle, so verschwindet die kraftlose Sonne in die Tiefe, ins Reich der Frau Holle. Es ist Totenzeit, Zeit der Jagd und des Schlachtens. Eine britische Legende erzählt, dass der Sonnenhirsch jetzt von dem schwarzen Jäger niedergetreckt wird und stirbt. Die Blumenbraut, die Vegetationsgöttin, folgt dem schwarzen Jäger (der schwarzen Sonne) in die Tiefe und buhlt um ihn; sie wird zur Göttin der Toten.
In anderen Imaginationen erscheint nun die Göttin als eine alte, graue Spinnerin. Die langen, flirrenden Sipnnenfäden, die im Altweibersommer (schweizdeutsch: Witwensömmerli: englisch: goose summer, also Gänsesommer) durch die Luft schweben, sind Werk ihrer Spindeln.
In der Samhain-Nacht schwärmen die Totengeister aus und betteln um milde Gaben und Speisung. Als Gespenster maskierte Jugendliche spielen die Rolle der Geister oder besser gesagt, die Geister verkörpern sich vorrübergehend in den Maskenträgern. Wenn man ihnen etwas gibt, dann segnen sie den Lebenden und werden zu dankbaren Toten (englisch: grateful dead); wenn man es ihnen verweigert, dann werden sie spuken und Schabernack treiben. Für die Toten stellte man Lichter in ausgehölte Rüben vors Haus, in den Fratzen geschnitzt waren. Heuet verwendet man dafür die aus Amerika stammende Kürbisse.
Das altheidnische Fest lebt weiter in Allerseelen, Allerheiligen, Volkstrauertag und anderen Totengedenktagen. Auch der Marntinstag mit seinen Laternenumzügen, an dem die Kinder “Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ singen und die Martinsgans gehört dazu.
Der Holunder
Eine Pflanze oder besser Frucht ist besonders geeignet, Samhain zu verkörpern. Und das ist der HOLUNDER mit seinen schwarzen Holunderbeeren, aus denen man einen wunderbar schmeckenden Holunderlikör machen kann, oder aber auch einen sehr heilsamen Saft für die dunkle Jahreszeit.
Jeder Hof hatte in früheren Zeiten seien Hofholunder. Für die alten Waldvölker Nordeuropas war es ein heiliger Baum, der Göttin geweiht in ihrer Gestalt als Frau Holle. Bis in die Neuzeit galt der Hofholunder als “des Bauern Apotheke“.
Der Holunderbaum, der als Bauernapotheke neben dem Haus wächst, ist ein Schwellenbaum, ein Zugang für die andere Welt. Es wurde Milch, Brei, Brot und Bier für Frau Holle, die auch die Herrin der Geister, Elfen und Elementarwesen ist, unter den Holder als Opfergabe gestellt. Das sind ja auch besonders die Wesen, die an Samhain in den sogenannten „Feenhügeln“ wahrgenommen werden können.
Im Allgäu nennt man die Frau Holle auch „Percht“. Bekannt ist sie wegen der vielerorts wieder auflebenden „Perchtenläufe“ an Nikolaus. Die Percht ist eine der dunkelsten Göttinnen, die Mutter der Nacht. Jedes Volk verehrt sie unter einem anderen Namen.
Der Holunder blüht weiß im Frühjahr, aber die Beeren reifen schwarz und sind ungekocht giftig wie der Stachel des Skorpions. Alles ganz nah beieinander: heilend aber auch giftig, lichthaft aber auch dunkel. Der Baum selber ist „schwer“, er zieht hinab. Aber das Holz ist ganz leicht und luftig. Wie die dreifache Göttin selber, die alle Gegensätze in sich vereint. Die kulturelle Symbolik dieses Baumes umspannt die Polaritäten: Geburt, das Ins-Leben-Treten und Tod, das Aus-dem-Leben-Gehen. Auch die Liebe, die Erotik, die eine Leben und Tod verbindende Stelle einnimmt, ist in der Symbolik des Holunders enthalten. Auch das Märchen der Frau Holle bringt genau diese verschiedenen Themen zum Ausdruck.