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Während seines ganzen Lebens pflegte Tschaikowsky herzliche Beziehungen zu Europa. Auch blieb er dem westlichen Musikerbe treu, trotz einer russischen Welt, in der die Idee einer nationalen Musik immer stärker spürbar wurde. Diese europäische Vorliebe manifestierte sich bei Tschaikowsky in einer Reihe von Reisen und 1890 war Florenz sein Reiseziel. Er verbrachte viel Zeit in dieser Stadt, wo die ersten Entwürfe des späteren Werkes Erinnerungen an Florenz zustande kamen. Der erste Satz dieses Sextetts überrascht mit der dramatischen Wucht des ersten Themenbereichs, im Gegensatz zur italienischen Sinnlichkeit und des Renaissance-Gleichgewichts, wie es der Titel suggerieren könnte. Auf diese anfängliche heftige Bewegung folgt die profunde Lyrik des schönen adagio cantabile, während sich die letzten beiden Sätze – jene des Rückkehrs – als slawischer erweisen.
Tschaikowsky konnte diese Erinnerung dank Brahms schreiben. Auch wenn in der Tat die Sextette in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Vergleich zum Rest der Kammermusikproduktion relativ anekdotisch blieben, änderten Brahms Vorschläge die Ausgangslage. So markierte das erste Sextett des Hamburger Komponisten 1860 einen wichtigen Meilenstein. Und es lächelt uns entgegen, dieses Werk, das wegen seiner eleganten Anmut und der pastoralen Beschwörungen seines luftigen Scherzos manchmal auch als «Frühlingssextett» bezeichnet wird. Nur der zweite Satz, ein ergreifendes Andante in D-Moll, verfinstert seinen friedlichen Verlauf – und dieses Licht reagiert bestens auf die grossen Schatten von Tschaikowskys Lebenslauf. Die Musik oszilliert zwischen diesen beiden Polen, je nach den gebotenen grossartigen Möglichkeiten, welche die Kombination der sechs Instrumente bietet – eine Garantie für eine reichhaltige Harmonie, bei welcher die Helligkeit entfernter erscheint und die Nacht immer dichter wird.
Sextuor à cordes n°1 en si bémol majeur Op.18 / J. Brahms
Souvenir de Florence Op.70 / P.I. Tchaïkovsky
Ferme-Asile
Promenade des Pêcheurs 10
1950 Sion
Schweiz