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Die Sanktionen des Westens gegenüber Russland zeigen langsam Wirkung. Der russische Gasproduzent Novatek sah sich mit einer Reihe technischer Schwierigkeiten konfrontiert, nachdem der US-Energiedienstleister Baker Hughes Berichten zufolge im Juni alle Dienstleistungen für russische Flüssigerdgasprojekte (LNG) eingestellt hatte. Baker Hughes soll sich geweigert haben, die zur Gasverflüssigung und Stromversorgung benötigten Gasturbinen für das LNG-Entwicklungsprojekt in der russischen Arktis zu liefern. Geplant war, dass BH etwa 20 LM9000-Turbinen mit bis zu 75 MW Leistung für drei arktische LNG-2-Linien liefern sollte.
Gleichzeitig betont Novatek, dass die LM9000-Turbinen in ihrer Aufstellung fortschrittlich und ziemlich schwierig zu warten seien und ohne die Unterstützung des Herstellers und ohne Versorgung mit Ersatzteilen könnten auf Dauer Probleme mit der Instandhaltung auftreten.
Novatek plant nun, einen Auftrag für ein schwimmendes Kraftwerk von der türkischen Firma «Karpowership» für die erste Linie des riesigen Arctic LNG 2-Projekts zu erteilen. Dies vermeldeten russische Medien letzte Woche.
Der in Moskau notierte Gasproduzent will nun Strom für die erste Linie des Arctic LNG 2-Projekts von einem schwimmenden Kraftwerk mit 300 bis 400 Megawatt liefern, welches von der türkischen Firma gekauft werden soll. Dies berichtet die Zeitung Kommersant unter Berufung auf zuverlässige Quellen.
Vor dem Ukraine-Konflikt sollte das 21-Milliarden-Dollar-Projekt 2023 gestartet werden und 2026 eine volle Produktionskapazität von fast 20 Millionen Tonnen flüssigem Erdgas pro Jahr erreichen.
Der Vorstandsvorsitzende von Novatek erklärteim Juni, das Unternehmen strebe an, die erste Linie seiner arktischen LNG-2-Anlage auf der Halbinsel Gydan im Jahr 2023 in Betrieb zu nehmen.
Insgesamt verfügt Arctic LNG 2 über drei geplante Betriebslinien mit einer Jahreskapazität von jeweils 6,6 Millionen Tonnen LNG.
Wann «Karpowership» das schwimmende Kraftwerk liefern könne, sei noch nicht klar. Sehr wahrscheinlich soll auch bei der zweiten und dritten LNG-Anlage derselbe Kraftwerktyp angewendet werde.
«Karpowership» ist einer der weltweit größten Betreiber von schwimmenden Kraftwerken. Das Unternehmen liefert seine Schiffe hauptsächlich in Länder mit schwerer Energieknappheit. Es besitzt und betreibt eine Flotte von rund 20 Schiffen, die mehrere Länder mit Strom versorgen, darunter Libanon, Sierra Leone, Gambia, Mosambik, Ghana und Indonesien.
Novatek’s Arctic LNG 2 gilt als Schlüssel für Russlands Pläne, seinen Anteil am globalen Flüssiggas-Markt bis 2035 auf ein Fünftel zu steigern und seine jährliche LNG-Produktion von derzeit rund 30 Millionen Tonnen auf 120 bis 140 Millionen Tonnen zu steigern.
Analysten meinen aber, dass Russland sein Ziel überdenken muss, nachdem der Westen Sanktionen gegen gezielte Ausrüstung verhängt hat, die es zur Erweiterung der Produktion benötigt.
Heiner Kubny, PolarJournal