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In der heutigen Welt zeigt die englische Sprache einen starken Netzwerkeffekt: Je mehr Menschen Englisch sprechen, desto nützlicher ist die Sprache.
Mehr als eine Milliarde Menschen sprechen Englisch als Muttersprache oder Zweitsprache, und für Hunderte Millionen weitere ist es die Dritt- oder Viertsprache. Für wachsende Unternehmen, junge Absolventen, Wissenschaftler und Forscher sowie internationale Touristen ist Englischkompetenz gleichbedeutend mit erweiterten Horizonten, geringeren Barrieren und schnellerem Informationsaustausch. Die Anreize, Englisch zu lernen, waren noch nie größer als heute.
Und dennoch wächst die Nachfrage nach Englischkompetenz weitaus schneller als das Angebot. Bildungssysteme, die als Antwort auf die erste industrielle Revolution entwickelt wurden, hinken den Anforderungen der Vierten immer noch hinterher. Eine Lernkultur auf dem Niveau einer Dampfmaschine lässt Erwachsenen zu wenig Zeit, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Das Wachstum der Gig-Economy verlangt von den Menschen, sich schnell von schrumpfenden Bereichen auf neue Chancen umzustellen.
Englischkompetenz wird oft als Wettbewerbsvorteil dargestellt, aber unsere Analysen deuten darauf hin, dass die durch sie ermöglichten Kontakte von ebenso großer Bedeutung sind. Durch diese Kontakte können Menschen bessere Arbeitsplätze finden oder ihre eigenen Unternehmen gründen, aber sie besitzen auch einen Wert an sich. Vernetzung ist eines der wesentlichen Eigenschaften eines Weltbürgers – Neugier, Kontaktfreude und ein Sinn für gemeinsame Verantwortung über die eigenen Grenzen hinaus – und die englische Sprache dient heute in hohem Maße der Vernetzung.
Dieser Bericht untersucht, wie und wo auf der Welt sich das Englisch-Sprachniveau entwickelt. Für die vorliegende Ausgabe 2020 des EF English Proficiency Index haben wir die Ergebnisse von 2,2 Millionen Erwachsenen analysiert, die 2019 unsere Englisch-Tests absolviert haben.
Die weltweite, nach Bevölkerung gewichtete durchschnittliche Punktzahl für das EnglischSprachniveau blieb stabil, aber 26 Länder zeigten eine deutlich verbesserte Punktzahl (sie gewannen mehr als 20 Punkte dazu), während nur sieben deutliche Verschlechterungen aufwiesen.
Englisch ist die wichtigste Sprache bei internationaler Zusammenarbeit, und wie schon in früheren Ausgaben dieses Berichts konnten wir Korrelationen zwischen Englisch und verschiedenen Messgrößen für Investitionen in Forschung und Entwicklung feststellen. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit jüngsten Studien, die gezeigt haben, dass Unternehmen mit Managern aus vielen verschiedenen Ländern höhere Umsätze durch Innovation erzielen als Wettbewerber mit weniger Vielfalt. Englischsprachige Teams ziehen vielfältigere Nachwuchskräfte an und verfügen über Zugang zu Ideen aus aller Welt. Bei ihnen ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie innerhalb ihrer eigenen Organisation international zusammenarbeiten.
Es gibt einen zunehmend deutlicheren Zusammenhang zwischen der Vernetzung einer Gesellschaft mit der Welt und dem Niveau sozialer und politischer Gleichheit unter ihren Bürgern. Geschlossene Gesellschaften wenden sich nach innen und fördern starre Hierarchien. Offene Gesellschaften blicken nach außen. Sie sind flacher und fairer. Englisch als Vermittler der internationalen Vernetzung korreliert stark mit Messgrößen für Gleichheit und Verbindungen zur Außenwelt.
Technologie macht Fernunterricht möglich, der eines Tages jedem das Lernen der englischen Sprache für einen günstigen Preis zugänglich machen könnte, überall auf der Welt. Auch wenn dieses Potenzial noch nicht vollständig ausgeschöpft wird, haben wir durchgehend Korrelationen zwischen dem Englisch-Sprachniveau und den Messgrößen für Technologie-Akzeptanz vorgefunden, zum Beispiel sichere Server pro Kopf, Exporte im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) oder Breitbandkunden. Auch der Zugang zu englischsprachigen Medien beschleunigt den Lernprozess bei vielen Menschen.
Wir haben festgestellt, dass Erwachsene im Alter von 26–30 Jahren die besten Englischkenntnisse aufweisen. Dieses Ergebnis spiegelt die zunehmende Bedeutung des Englischunterrichts in der weltweiten Hochschulbildung wider. Es deutet auch darauf hin, dass am Arbeitsplatz praktiziertes Englisch und Sprachtraining im Unternehmenskontext zu einem frühen Zeitpunkt der Karriere die Sprachkenntnisse fördern. Erwachsene im Alter von 21–25 Jahren weisen im diesjährigen Bericht im Durchschnitt die zweitbeste Punktzahl für das Englisch-Sprachniveau auf.
Weltweit gibt es einen Unterschied zwischen dem Englisch-Sprachniveau von Managern der mittleren Ebene und dem ihrer Kollegen auf Unternehmensleitungs- und ausführender Ebene. Manager interagieren stärker mit ausländischen Kollegen und Kunden als andere Mitarbeiter und haben deshalb mehr Übung in der englischen Sprache. Da EnglischFähigkeiten gefragt sind, wird derjenige, der sie besitzt, außerdem häufiger in eine ManagerPosition befördert. Die Unternehmensleitung ist häufig schon älter und in einem Geschäftsklima aufgewachsen, in dem Englischkenntnisse noch nicht so großen Wert besaßen. Unternehmen, die das englische Sprachniveau auf allen Ebenen fördern, können Informationen schneller organisationsübergreifend weitergeben und sich Zugang zu vielfältigeren Pools von Nachwuchskräften verschaffen.
Vor zwei Jahren lag das durchschnittliche Englisch-Sprachniveau der Frauen weltweit und in den meisten Ländern über dem der Männer. Dieser Abstand hat sich deutlich verringert. Männer sind in Asien zum ersten Mal mit den Frauen gleichgezogen, und in Lateinamerika und Europa sind die Punktzahlen der Männer geringfügig höher als die der Frauen. Im Nahen Osten haben Frauen nach wie vor die Nase vorn, aber diese Lücke schließt sich. Nur in Afrika sind Frauen in Bezug auf ihre Englischkenntnisse nach wie vor deutlich besser als Männer.
Das Englisch-Sprachniveau in der Europäischen Union nimmt zu. Frankreich hat sich in den letzten drei Jahren verbessert, Spanien und Italien dagegen hinken immer noch der restlichen EU hinterher.
Das Englisch-Sprachniveau in Asien nahm im Vergleich zum letzten Jahr leicht ab. Fast die Hälfte der untersuchten Länder wies eine geringere Punktzahl auf. Wie im letzten Jahr ist Asien die Region mit der größten Bandbreite an Sprachniveaus – in Anbetracht der Größe des Kontinents ist das nicht überraschend. China hat seine Fortschritte im letzten Jahrzehnt konsolidiert.
Zwölf der 19 dieses Jahr in Lateinamerika untersuchten Länder haben ihr EnglischSprachniveau zwischen 2018 und 2019 verbessert, viele davon deutlich. Lateinamerikanische Länder, von denen viele in den letzten Jahren stark in die Ausbildung von Lehrkräften investiert haben, erleben endlich echte Verbesserungen.
Wie in früheren Jahren haben einige afrikanische Länder gut abgeschnitten, der Rest jedoch schwach. Der Abstand zwischen Ländern mit höherem und niedrigerem Sprachniveau ist groß.
Das Englisch-Sprachniveau im Nahen Osten ist weiterhin mit Abstand das niedrigste in der Welt, aber der regionale Durchschnitt ist im Vergleich zum letztjährigen Bericht stark gestiegen. Die Anstrengungen der Regierungen im Nahen Osten, das Englisch-Sprachniveau zu verbessern, führen zu Ergebnissen. In der Region könnten Veränderungen anstehen.
Das Englisch-Sprachniveau im Nahen Osten ist weiterhin mit Abstand das niedrigste in der Welt. Der regionale Durchschnitt ist im Vergleich zum letztjährigen Bericht leicht gefallen. Die Anstrengungen der Regierungen im Nahen Osten, das Englisch-Sprachniveau zu verbessern, konnten noch nicht zu Ergebnissen führen, doch in der Region könnten Veränderungen anstehen.
97 % der Schüler weiterführender Schulen in Europa lernen es; es ist Pflichtfach in den Schulen vieler Länder in Asien und Lateinamerika; die Mehrheit der Länder Afrikas setzt Englisch als Unterrichtssprache ein; mehr als 90% der Menschen, die jedes Jahr bei EF eine Sprache lernen, entscheiden sich für Englisch.
Trotz dieser gewaltigen öffentlichen und privaten Investitionen in den Englischunterricht sind die Ergebnisse frustrierend ungleich verteilt. Schüler können selbst nach jahrelangem Schulunterricht oft kein Gespräch führen. Berufstätige müssen feststellen, dass ihre Aussichten begrenzt sind, wenn ihre Englischkenntnisse nicht mit ihrem Ehrgeiz mithalten können.
Warum besteht so ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei Englischkenntnissen? Das hat vor allem damit zu tun, wie schnell Englisch in der Arbeitswelt an Wert gewonnen hat. 1989 war das Internet noch nicht verbreitet und wenn Englisch überhaupt unterrichtet wurde, war es nur ein Wahlfach von vielen. 30 Jahre später ist Englisch die gemeinsame Sprache einer hyper-vernetzten Welt. Cambridge English zufolge erklären drei Viertel aller Unternehmen weltweit, dass Englisch für ihr Geschäft bedeutsam ist. Die Schüler, die 1989 und in den Jahrzehnten zuvor zur Schule gingen, bilden heute den Kern der weltweiten Erwerbsbevölkerung. Einige sprechen ausreichend Englisch. Viele aber nicht.
Technologie ist für dieses Problem mitverantwortlich. Vielleicht hilft sie auch bei der Lösung. Es ist zwar nachweislich ineffektiv, Laptops an Kinder zu verteilen, aber echte Digitalisierung – einschließlich Ausbildung von Lehrern an den neuen Werkzeugen – schafft enorme Aussichten für den Englischunterricht. Durch Bildungstechnologie können Schüler mit authentischen Quellenmaterialien und Übungsmodulen vernetzt werden und Lehrer können den Unterricht individuell gestalten. Mit Chatbots können Schüler Unterhaltungen üben, ohne in großen Klassen darauf zu warten, dass sie aufgerufen werden. Lehrer können kontinuierlicher fachspezifische Unterstützung, Coaching und professionelle Weiterbildung erhalten.
In vielen Ländern, in denen es nicht genug qualifizierte Englischlehrer gibt – das ist die große Mehrzahl –, könnte ein mit Lehrmaterial und einer KI bestücktes Gerät den Schülern gegebenenfalls ermöglichen, die Grundlagen der englischen Sprache auf eigene Faust zu erlernen. Momentan kann die Bedeutung der Lehrerausbildung gar nicht genug unterstrichen werden. Auch hier kann die Technologie helfen. In vielen Bildungsministerien hat man bereits erkannt, dass die Überarbeitung von Lehrerausbildungsprogrammen und die Weiterbildung der aktuellen Lehrerschaft – in Englisch und anderen Fächern – oberste Priorität haben müssen. Die Nutzung von Technologie für eine großflächige Lehrerausbildung ist eine realistische Möglichkeit.
Das Gehirn von Kindern ist besonders aufnahmefähig für das Lernen von Sprachen, aber die Idee, Erwachsene könnten kein Englisch lernen, wurde gründlich widerlegt. In unserer sich rasant entwickelnden Gesellschaft können wir unmöglich hoffen, im ersten Viertel unseres Lebens all das zu lernen, was wir für erfolgreiche Karrieren in den restlichen drei Vierteln brauchen werden. Die Arbeitswelt verändert sich. Ein fundamentaler Kulturwandel in Richtung lebenslanges Lernen ist notwendig und unausweichlich.
Die Chancen durch Technologie sind für Erwachsene noch größer. Die Flexibilität des Online-Englischunterrichts eignet sich perfekt für Schulungen in Unternehmen sowie persönliche Weiterbildung. Ein verteiltes Netzwerk von Lehrern kann Erwachsenen Zugang zu qualitativ höherwertigem Unterricht verschaffen, als vor Ort möglich ist und dies auch zu geringeren Kosten. Allgemein anerkannte Mikro-Bescheinigungen für Englisch-Fortbildungen könnten Berufstätigen und den öffentlichen Sponsoren die Sicherheit geben, dass die bezahlten Kurse qualitativ hochwertig sind.
Das Internet ist übersät mit Blogbeiträgen, in denen drei tolle Tipps, fünf einfache Schritte und zehn großartige Möglichkeiten angepriesen werden, mit denen jeder Englisch lernen kann. Wenn es so einfach wäre, gäbe es keine Nachfrage nach englischsprachigen Personen, denn jeder könnte Englisch sprechen. In Wirklichkeit benötigt ein Erwachsener, der kein Englisch spricht, mindestens 600 Stunden qualitativ hochwertigen Unterricht und 600 Stunden Sprachpraxis, um Englisch so gut zu beherrschen, dass es für den durchschnittlichen Arbeitsplatz ausreicht. Menschen, deren Muttersprache sich stark vom Englischen unterscheidet, die fortgeschrittene Englischkenntnisse benötigen oder die überhaupt keine Erfahrung mit dem Erlernen von Fremdsprachen haben, werden noch mehr Zeit benötigen.
Der Mythos, man könne eine Sprache „schnell und einfach“ lernen, führt bei einzelnen Lernenden zu Frustration, wenn ihre Fortschritte nicht mit ihren Erwartungen mithalten können. Viele nehmen nur wenige Stunden in der Woche an einem Englischkurs teil und glauben, das sei ausreichend. Die meisten geben auf, lange bevor sie die 1.200-Stunden-Marke erreicht haben. Der Mythos behindert auch Arbeitgeber und Politik, die in großem Stil in Englischunterricht investieren. Sie entscheiden sich für weniger aufwendige Programme oder für Programme, bei denen es keine Gelegenheit gibt, tatsächlich Englisch zu sprechen. Die geringeren Kosten erscheinen nur so lange attraktiv, bis man die Ergebnisse misst. Wenn man den Mythos abschaffen könnte, eine Sprache könne ohne viel Zeitaufwand und Übung gelernt werden, könnten öffentliche und private Investitionen mehr Wirkung erzielen.
In der ganzen Welt gibt es viele falsche Vorstellungen darüber, was Schulen mit Englisch als Unterrichtssprache leisten können. In Gemeinschaften, in denen die Schüler auch zu Hause Englisch sprechen oder im Rahmen eines echten zweisprachigen Bildungsprogramms ist es natürlich vollkommen sinnvoll, Englisch als Unterrichtssprache einzusetzen, aber anderswo führt es überall zu Problemen. Umfangreiche Forschungen haben klar gezeigt, dass Schüler in ihrer Muttersprache lesen und schreiben lernen müssen, wenn sie als Erwachsene ausreichende Schreib- und Rechenkenntnisse haben sollen. Für Menschen mit der Muttersprache Mandarin, Spanisch oder anderen Sprachen mit hohem Status klingt diese Schlussfolgerung selbstverständlich, aber in Hunderten von Sprachen mit geringerem Status wird kein muttersprachlicher Unterricht angeboten.
Dieses Problem ist besonders in Afrika südlich der Sahara, Indien und Pakistan verbreitet, wo die Kolonialgeschichte der englischen Sprache einen besonderen Status verschafft hat, selbst in Gebieten, in denen Schüler, Eltern und Lehrer nur geringe Englischkenntnisse besitzen. Die englischsprachige Elite sieht keinen Grund, ein System zu ändern, das ihr Macht verleiht und englischsprachige Schulen sind bei Eltern beliebt, die hoffen, ihre Kinder könnten es in diese Elite schaffen. Aber wenn man Kinder in einer Sprache unterrichtet, die sie nicht verstehen, und dies durch Lehrer, deren Englischkenntnisse mangelhaft sind, dann lernen sie kein Englisch – und auch sonst nichts. Das haben mehrere umfangreiche Untersuchungen gezeigt.
Das weltweite Englisch-Sprachniveau war noch niemals höher. Das ist das Ergebnis tausender Initiativen jeglicher Größenordnung, Englisch in der ganzen Welt zu unterrichten. Es ist aber noch ein langer Weg, bis die ganze Welt eine gemeinsame Sprache spricht. Regierungen, Bildungssysteme und Unternehmen müssen mehr tun, damit Englisch und die damit verbundenen Chancen allen offenstehen.
Die Nachfrage nach Englisch-Lernsoftware, Websites, Kursen und Auslands-Studienprogrammen war noch nie höher. Weniger sicher sind sich die Menschen darin, wie sie in ihren Unternehmen, in ihren Ländern, in ihren Schulen und für sich selbst das Englisch-Sprachniveau steigern können. Viele haben Zeit und Geld mit Methoden verschwendet, die zu nichts geführt haben. Viele sind wegen verpasster Chancen frustriert. Tatsächlich gibt es keine einzelne Lösung, die in jeder Lage funktioniert, allerdings gibt es bestimmte Muster, die die erfolgreichsten Englisch-Programme gemeinsam haben.