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Weinbau in Argentinien
An den Ausläufern der Anden gedeihen Argentiniens Trauben. Die Lage bewirkt eine ausgezeichnete Balance zwischen Süsse und Säure. Der purpurfarben leuchtende Malbec und die frischen Torrontés sind in den letzten Jahren zu Exportschlagern avanciert.
Geschichte
Die spanischen Eroberer brachten um das Jahr 1556 den Weinbau auch nach Argentinien. Damals waren Kirche und Klöster für die Traubenkultivierung verantwortlich, und so war es ein Jesuitenpater namens Pater Cedrón, der europäische Reben aus seiner Heimat pflanzte, um daraus Messwein herzustellen. Man vermutet, dass von diesen Reben die heutigen Sorten Criolla Chica, Criolla Grande und Cereza abstammen. Diese damals sehr bekannten und langlebigen spanischen Sorten werden heute noch am häufigsten angebaut. Die ersten Weinanbaugebiete Argentiniens waren Mendoza, La Rioja und San Juan und erlebten bereits Ende des 16. Jahrhunderts eine erste Blütezeit.
Der wichtigste Förderer des argentinischen Weins war Don Tiburcio Benegas (1844–1910). Er gründete 1883 in Godoy Cruz das noch heute existierende Weingut Trapiche, wo er Versuche mit verschiedenen Reben unternahm. Sein Schwiegervater Don Eusebio Blanco brachte im Jahr 1872 das erste Buch über den Weinanbau Argentiniens heraus. 1853 beauftragte der argentinische Präsident den französischen Agrarwissenschaftler Michel Aimé Pouget damit, neue Sorten ausfindig zu machen, die sich für eine Kultivierung auf südamerikanischem Boden eignen. So kam es, dass die urfranzösische Rebsorte Malbec eingeführt wurde und heute als argentinisches Flaggschiff gilt. Der argentinische Malbec (Cot) erzielt eine bessere Qualität als im Ursprungsland Frankreich.
Italienische, französische und spanische Einwanderer brachten im 18. und 19. Jahrhundert ihre Winzererfahrungen mit und machten aus Argentinien ein modernes Weinland. Ihre Kenntnisse der Reberziehung steigerten die Traubenqualität. Sie sorgten für eine Vielfalt an Weinstilen, die noch heute den Weinbau Argentiniens kennzeichnen.
Während der Militärdiktatur schadeten Korruption und wirtschaftliche Isolation dem Weinanbau Argentiniens. Zwar wurde trotz einer weitflächigen Verarmung sehr viel Wein konsumiert, doch ging dies auf Kosten der Qualität. Nur langsam erholten sich Argentiniens Weinanbaugebiete. Doch Ertragsreduzierung, die Beschränkung auf Qualitätssorten und andere Massnahmen zahlten sich aus.
Geografie und Argentiniens Weinanbaugebiete
Die meisten Weinberge liegen im Westen an den Abhängen unterhalb der schneebedeckten Bergspitzen der Anden. Nahezu 2'000 Kilometer lang erstreckt sich ein bunter Flickenteppich an Rebflächen entlang der Andenausläufer vom nördlichsten Gebiet Salta bis zur südlichsten Region Chubut in Patagonien. Damit verläuft es auf der südlichen Hemisphäre über 15 Breitengrade.
Das Flachland (Pampa) Argentiniens ist für den Weinbau weniger geeignet. Beeindruckend ist daher die extreme Höhenlage von 600 bis 2'400 Meter sämtlicher Weinregionen Argentiniens.
Von Norden nach Süden gibt es die folgenden Anbaugebiete:
- Salta
- La Rioja
- Catamarca
- Mendoza
- San Juan
- Río Negro
- Neuquén
- La Pampa
- San Luis
- Córdoba
- Tucumán
- Chubut
Die Höhe sorgt im Tagesverlauf für starke Temperaturschwankungen, die sich günstig auf das Traubenaroma auswirken: Die Hitze des Tags erhöht die Zuckerkonzentration, fällt jedoch milder als in anderen Landesteilen aus. Die kühlen Nächte führen zur Bildung einer frischen Säure und erweitern das Aromaspektrum.
Für sämtliche Weinanbaugebiete Argentiniens ist ebenso ein trockenes Klima mit geringem Niederschlag charakteristisch, was eine künstliche Bewässerung erfordert. Lieferanten dafür sind das Schmelzwasser aus den Anden und Brunnenwasser. Die Provinz Mendoza wurde dank eines ausgeklügelten Systems für die künstliche Bewässerung, das auf indianische Ureinwohner zurückgeht, zu Argentiniens wichtigstem Weinanbaugebiet. Die Reben in Argentinien haben ein stolzes Durchschnittsalter von 50 Jahren.
Grosse Weinvielfalt
Das Land eignet sich wegen seiner klimatischen Bedingungen hervorragend für den biologischen Weinanbau. Durch die geringe Niederschlagsmenge sind die Reben seltener von Pilzbefall betroffen. Argentiniens Weinanbaugebiete bringen eine grosse Vielfalt an Rebsorten hervor. Es werden alle Weintypen hergestellt: Rosé-, Rot- und Weissweine. Die am meisten angebauten Rebsorten sind Criolla Chica, Criolla Grande und Cereza.
Eine argentinische Eigenart stellt eine eigene Kategorie für rosafarbene Traubenarten dar. Aus den sehr ergiebigen Rebsorten Cereza, Criolla Chica, Criolla Grande und Moscatel Rosada entstehen vornehmlich einfache Massenweine von ausgeprägter Süsse. Zumeist werden sie mit weissen Sorten verschnitten.
Doch auch Spitzenprodukte sind im weissen Sortiment zu finden. An vorderster Stelle stehen die Sorten Pedro Jiménez, Torrontés und Chardonnay. Kraftvoll und von angenehmer Frische sind Weine aus der argentinischen Sorte Torrontés. Insbesondere in der Region Salta sind viele Rebflächen mit ihr bestockt. Sie wird wegen ihres finessenreichen Bouquets und ihres ausgeprägten Muskataromas geschätzt. Auch der Chardonnay erreicht Spitzenqualitäten. Als trockener Stillwein betört er mit einer feinen Muskatnote. Noch häufiger liefert er die Basis für edle Schaumweinprodukte. Kein Wunder also, dass das legendäre Champagnerhaus Moët et Chandon einen Ableger in Argentinien hat. Mit der Bodegas Chandon in Mendoza haben sie am Weinbau Argentiniens Anteil. Daneben werden Weissweine auch aus Ugni Blanc, Riesling, Sémillon und Muscat d’Alexandrie gekeltert.
Die Rebsorten für Rotweine sind Malbec, Cabernet Sauvignon, Syrah, Bonarda, Merlot, Nebbiolo, Sangiovese, Pinot Noir und Tempranillo. Ein Exportschlager sind die purpurroten Weine aus Malbec. Üblich ist die Veredelung dieses überaus lagerfähigen Tropfens im Barrique. Im argentinischen Weinbau erreicht der Malbec eine Spitzenqualität, an die französische Produkte nicht heranreichen. Somit kommen mittlerweile die besten Malbecs aus Südamerika. Die rote Traube Cabernet Sauvignon glänzt vor allem im typischen Bordeaux-Verschnitt.
Ein dreistufiges Gütesystem sowie eine Herkunftskontrolle sichern die Qualität argentinischer Weine:
- Denominación de Origen Controlada (DOC)
- Indicaciones Geográficas (IG)
- Indicaciones de Procedencia (IP)
Die höchste Gütestufe bildet die Kategorie DOC.
Rebfläche und Produktionsmenge
Argentinien ist der wichtigste Traubenproduzent Südamerikas. Circa 220.000 Hektare sind mit Reben bestockt. Die Winzer produzieren jährlich eine Weinmenge von durchschnittlich 12 Hektolitern.
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