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Wegen eines Kartellverfahrens gegen eine andere BenQ-Tochter in den Fängen der US-Justiz, konnte Hsiung Hui, Chef des Monitorriesen Qisda, nicht nach Taiwan zurück, um die ersten guten Q2-Zahlen seit langem zu präsentieren. Qisda gehört zur taiwanischen BenQ Group, zu der auch der gleichnamige Peripherie-Brand und der Bildschirm-Hersteller AUO gehören.
Als ehemaliger Vizepräsident von AU Optronics (AUO) hat Qisda-CEO Hsiung Hui sein AUO-Pendant Chen Lai-juh und AUO Vice Chairman Chen Hsuan-Bin in die USA begleitet, um in einer Vorverhandlung sich und den zweitgrössten LCD-Panel-Hersteller Taiwans von dem Vorwurf zu befreien, an einem industrieweiten Kartellvergehen beteiligt gewesen zu sein. Allen drei wurden auf Anordnung des US-Justizministeriums prompt die Pässe abgenommen und vorerst verboten, die Vereinigten Staaten zu verlassen.
Auf Betreiben von Grossabnehmern wie HP, Dell und Apple sitzt, beziehungsweise sass, in den Vereinigten Staaten praktisch die gesamte Panel-Industrie auf der Anklagebank. Der Vorwurf lautet, dass die LCD-Hersteller zwischen 1996 und 2006 Preise und Produktionsmengen abgesprochen haben. Während Samsung, LG Display, Sharp, Chimei Innolux und andere Unternehmen sich bereits für schuldig bekannt und hohe Strafen gezahlt haben, streitet AUO vehement ab, an den Preisabsprachen beteiligt gewesen zu sein. Mittlerweile haben aber schon acht US-Bundesstaaten Kartellverfahren gegen AUO und andere LCD-Produzenten eingeleitet.
Monitor-Riese ohne Retter
Um am 27. August 2010 vor Aktionären in Taiwan die Zahlen von Quisda für das zweite Quartal präsentieren zu können, hat Hsiung vor dem Bezirksgericht San Francisco beantragt, für zwei Tage heimkehren zu dürfen. Richterin Susan Illston hat diese ihm aber mit der Begründung verweigert, dass zwischen Taiwan und den USA kein uslieferungsabkommen bestehe. Wörtlich sagte sie: "Ich bin mir sicher, das Unternehmen wird erklären können, dass es nicht in seiner Macht stand, zu erscheinen."
Hsiungs Anwalt Brian Berson hat argumentiert, dass sein Klient eine Kaution in Höhe von 10 Millionen US-Dollar angeboten habe, weil seine Anwesenheit auf der Halbjahresversammlung von höchster Wichtigkeit sei. Hsiung, der 2007 den Posten des Qisda-CEO übernommen hat, habe ein sinkendes Schiff gerettet. Das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Aktionäre seien in einer prekären Lage und würden "entgleiten, wenn er nicht persönlich" an der Konferenz teilnehmen könne, so die Nachrichtenagentur Bloomberg.
Niall Lynch, der stellvertretende Vorsitzender der Kartellbehörde des US-Justizministeriums, wird mit den Worten zitiert, dass er bei Hsiung erhöhte Fluchtgefahr sehe, weil dieser nun wisse, dass sich auf einen Prozess gefasst machen müsse.
Quisda zurück in den schwarzen Zahlen
Die Qisda-Quartalszahlen hat nun statt Hsiung der Excecutive Vice President Hermit (Yu-guo) Huang präsentiert. Demnach hat das Unternehmen im Zeitraum zwischen April und Juni 2010 rund 22,54 Milliarden NT Dollar (551,15 Millionen Euro) umgesetzt, ein deutliches Plus gegenüber den 12,3 Milliarden NT (New Taiwan) Dollar vom Vorjahr. Der Gewinn lag bei 900 Millionen NT Dollar gegenüber einen Verlust von 441 Millionen NT Dollar ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum ersten Quartal 2010 ist der Umsatz um 13,9 Prozent gestiegen, der Gewinn aber um 4,7 Prozent geschrumpft. Monitore machten im zweiten Quartal 68 Prozent des Umsatzes aus. Ziel fürs aktuelle dritte Quartal ist ein Absatzplus von 10 Prozent, so Huang. Für Projektoren mit einem Umsatzanteil von 16 Prozent rechnet das Unternehmen mit einem Stückzuwachs von etwa 15 Prozent. Qisda ist nicht nur einer der grössten Monitorauftragsfertiger, sondern neben Coretronic auch einer der führenden Hersteller von DLP-Projektoren weltweit. (Klaus Hauptfleisch)