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factum sprach mit Martin Mallory, Seelsorger und Berater für «Frontier Alliance International» (FAI) und weitere Missionsgesellschaften, über die Gefahren von Burnout bei Christen, besonders Missionaren, und die Bedeutung einer ausgewogenen Balance zwischen Arbeit und Erholung.
factum: Sie sind seit 2018 bei «Frontier Alliance International» (FAI) als Koordinator für die Mitarbeiterfürsorge und als Seelsorger tätig. FAI ist ein christlicher Dienst, der seit 2017 mit dem israelischen Militär (IDF) bei medizinischen Einsätzen in Syrien zusammenarbeitet, um Menschenleben zu retten und Kriegsverletzten zu helfen. FAI ist auch missionarisch unter Muslimen in Krisengebieten des Nahen Ostens sehr engagiert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Martin Mallory: Die Zusammenarbeit mit FAI ergab sich als wunderbare Überraschung. Ein langjähriger Freund, den ich aus unserer gemeinsamen Ausbildungszeit kannte, stellte mich ihnen vor. Kurz gefasst sagte er zu mir: «Ich denke, sie könnten dich gebrauchen.» Aufgrund unseres Vertrauensverhältnisses ging ich gleich offen und freudig auf die Organisation zu.
factum: Was ist der Grund, dass FAI meint, jemand zu brauchen, der sich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter kümmert?
Mallory: FAI begann Gespräche mit mir über die Notwendigkeit, ihre Teammitglieder auf eine Art und Weise zu fördern, die die allgemeine Gesundheit proaktiv und nicht nur reaktiv fördert. Die meisten Missionsorganisationen leisten hervorragende Arbeit bei der Betreuung von Menschen in Krisen, aber FAI will alles tun, was möglich ist, um Krisen von vorneherein zu vermeiden. Das war für mich attraktiv, da ich glaube, dass es so viel effektiver für die Mission Christi ist.
factum: Und es ist genau das, worin Sie ausgebildet sind. Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Hintergrund.
Mallory: Ich komme ursprünglich aus einer Farmer-Kleinstadt im Südosten Michigans und lebe seit mehr als 30 Jahren mit meiner Frau Sharon in Kentucky. Ich habe einen Bachelor in Psychologie an der «Eastern Michigan University» gemacht und dann Theologie am «Asbury Theological Seminary» (einer konservativ-evangelikalen theologischen Ausbildungsstätte) sowie Sozialarbeit an der «University of Kentucky» studiert. 1993 gründete ich mein Beratungs-Unternehmen «Manna Counselling Service» und arbeite seitdem mit Menschen zusammen. Ich habe mich auf Pastoren, Leiter und Missionare spezialisiert, weil ich in Wilmore Kentucky lebe, einer «Kleinstadt mit weltweiter Reichweite», denn sie ist Sitz des «Asbury Theological Seminary» und der Universität. Bei Bedarf arbeite ich auch als Seelsorger für «Cornerstone International» und andere Organisationen.
factum: Warum ist es so wichtig, dass Christen in leitenden Positionen sich um ihre Gesundheit kümmern?
Mallory: Ich glaube, dass es für Christen von entscheidender Bedeutung ist, auf sich zu achten, denn das ist Teil einer guten Verwalterschaft. Wenn unser Körper das Vehikel ist, durch das wir unsere Aufgabe im Reich Gottes umsetzen, dann ist es unerlässlich, dass wir uns entsprechend auch um uns kümmern. Wahre Selbstfürsorge ist nicht egoistisch. Es ist eine Form des Dienstes am Herrn, damit wir weiterhin am Leben für Jesus in der Welt teilnehmen können. Es ist traurig, festzustellen, dass wir in anstrengenden Zeiten oft unseren Körper opfern, indem wir schlecht essen, zu wenig schlafen und keinen Sport mehr machen. Aber ausgerechnet diese drei Bereiche sind in besonders aufreibenden Zeiten im Dienst für das Reich Gottes am wichtigsten.
factum: Wie sind Sie zu diesen Einsichten gekommen?
Mallory: Es gab eine Zeit, in der ich selbst zu viel arbeitete, aber ich hatte einen Mentor und Freund, der mich konfrontierte und sagte, dass ich quasi Gott vermittle, er sei ein strenger Aufseher mit unrealistischen Erwartungen, wenn ich mich weigere, einen Ruhetag zu halten. Wenn ich nämlich die ganze Zeit arbeite, sage ich zu Gott und anderen, die das beobachten, dass Gott ein Sklaventreiber ist, statt ein mitfühlender Vater, der mir den Ruhetag anbietet. Dies ist eine besonders verführerische Art bei der Arbeit im christlichen Bereich. Es ist Stolz zu denken, man sei für alles zuständig. Es ist Stolz, über das ständige Gebrauchtwerden erfreut zu sein, wenn es über das hinausgeht, zu dem Gott einen berufen hat. Tatsache ist, dass Jesus in einem Rhythmus zwischen Engagement und Ruhe gedient hat. Er tat auch nicht einfach alles, was ihm vorgelegt wurde.
factum: Was sind also Ihre Empfehlungen? Was können Christen, gerade im Missionsbereich, tun, damit sie nicht überlastet werden?
Mallory: Ich glaube, dass es unerlässlich ist, Missionare draussen in ihrem Land zu besuchen, während sie dienen. Die vielen Erschöpfungssymptome, die ich dort sehe: Das ist ernüchternd. Wenn Missionare den Ruhetag wieder beachten und wie Jesus «nur das tun, was man den Vater tun sieht» (Joh. 5,19), könnten sie die Gefahr eines Burnouts deutlich reduzieren. Abgesehen davon haben Missionare mit den gleichen Themen wie alle anderen zu kämpfen, aber ihnen fehlt das unterstützende Umfeld oder die Möglichkeiten, um damit umzugehen, oder ganz offen und ehrlich mit ihren Fragen zu sein.
factum: Wenn man an das medizinische FAI-Personal denkt, die Krankenschwestern und Ärzte: Ihre Erfahrungen im Kriegsgebiet sind besonders intensiv und extrem. All die Gefahren und Bedrohungen, denen sie täglich ausgesetzt sind, der Umgang mit den Schwerstverletzten ...
Mallory: Genau. In Konfliktzonen zu dienen, beinhaltet Stressfaktoren, auf die man sich schwer vorbereiten kann. Da sind posttraumatische Stresssymptome nicht ungewöhnlich und sehr verständlich. Das Leben mit der Realität des Krieges, den überwältigenden Bedürfnissen der Armut, instabilen Regierungen und den anhaltenden Belastungen durch das Leben in einer fremden Kultur: Das kann Angstzustände oder Depressionen hervorrufen. Die Beurteilung dieser Lage und Intervention bei Bedarf ist hilfreich.
factum: Wie genau gehen Sie da in der Praxis vor?
Mallory: Ich verbringe viel Zeit mit Missionaren. Es ist besonders wichtig, sie in ihrer Umgebung zu sehen. Zum Beispiel verbringe ich ein oder zwei Tage mit einer Person, einem Paar oder einem ganzen Team, um hinterher mit ihnen über die Dinge zu sprechen, die mir auffielen, Muster, die vielleicht nicht gesund sind. Besonders bei FAI treffe ich die Missionare schon vor einer Krise, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, und dann kann ich leicht mit ihnen über Skype von Kentucky aus kommunizieren, wenn Bedarf besteht. Präventive Fürsorge liegt mir am Herzen. Es ist viel besser, sich um Menschen frühzeitig zu kümmern, um einer Krise vorzubeugen. Aber ich fliege in einer aktuellen Notlage auch zu ihnen hin.
Ich habe einige Male ein paar Tage mit Medizinteams von FAI verbracht und über mögliche Dinge gesprochen, die mir auffielen, und was sie tun können, um emotional, körperlich und geistlich gesund zu bleiben. Sie in ihrer täglichen Umgebung zu treffen, hilft mir, sie später von zu Hause aus besser beraten zu können und für sie zu beten – denn ich weiss dann genau, womit sie täglich umgehen müssen. Zusätzlich halte ich bei verschiedenen Anlässen Referate, wie man ein guter Verwalter seiner selbst und seiner Gesundheit ist, und habe auch schon vor FAI-Mitarbeitern gesprochen.
Lesen Sie das ganze Interview in factum 04/2019.