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Frucht
(Fructus), die aus den
Blüten infolge der
Befruchtung
[* 2] der Samenknospen hervorgegangenen Organe.
Deshalb kann
man nur bei
Phanerogamen von
Frucht sprechen, nicht bei
Kryptogamen. An der
Bildung der
Frucht beteiligen sich entweder
bloß die
Fruchtblätter oder in manchen Fällen auch
Teile des
Stengels, des
Kelchs, der
Blumenkrone, ja selbst der ganze
Blütenstand.
[* 3] Im erstern Falle spricht man von echten
Frucht, im letztern von Scheinfrüchten. Die echte
Frucht besteht nur
aus dem in verschiedener
Beziehung verwandelten
Fruchtknoten der
Blüte,
[* 4] soweit an dessen
Bildung sich nur
die Karpelle oder
Fruchtblätter (s. d.) beteiligt haben.
Während im Innern des
Fruchtknotens die Samenknospen nach der
Befruchtung sich allmählich in Samen
[* 5] verwandeln, finden auch
an der
Fruchtknotenwand mannigfaltige
Veränderungen statt, wodurch sie zum Fruchtgehäuse oder zur
Fruchthülle
oder Pericarpium wird. Ist in einer
Blüte nur ein
Fruchtknoten vorhanden, so kann auch nur eine Frucht entstehen, sind dagegen
mehrere vorhanden, so werden entweder mehrere Frucht gebildet oder dieselben verwachsen untereinander und stellen
dann eine zusammengesetzte oder Sammelfrucht, auch
Syncarpium dar, wie bei der Himbeere und
Brombeere. An dem
Fruchtgehäuse treten häufig verschiedenartige Anhängsel auf, die meistenteils als Flugorgane anzusehen sind, da sie zur
Verbreitung der Frucht durch die Windströmungen beitragen. (S.
Aussaat.)
Nach der Ausbildung des Fruchtgehäuses unterscheidet man verschiedene Gruppen der echten Frucht. Je nachdem das Pericarpium um den Samen geschlossen bleibt und nicht aufspringt, oder sich öffnet und die Samen austreten läßt, unterscheidet man Schließfrüchte und aufspringende Frucht. Zu den erstern geboren unter andern die Achäne, Karyopse, Nuß, Steinfrucht, Beere, zu den letztern die Hülse, [* 6] Schote, Kapsel, Balgfrucht. [* 7] (S. die einzelnen Artikel.) Im Pericarpium unterscheidet man gewöbnlich drei Schichten, eine äußere, Epicarpium, eine mittlere, Mesocarpium, und eine innere, Endocarpium; doch sind nicht immer alle drei Schichten vorhanden.
Bei den Steinfrüchten ist das Epicarpium meist häutig oder lederartig, das Mesocarpium fleischartig und das Endocarpium leder- oder knochenartig oder auch holzig entwickelt, wie z. B. bei der Kirsche, Pflaume, Aprikose u. s. w. Bei den Nüssen dagegen lassen sich solche Schichten nicht unterscheiden, das ganze Fruchtgehäuse ist von leder- oder holzartiger Beschaffenheit. Bei den Beeren ist das Endocarpium und Mesocarpium fleischartig entwickelt. Zu den Beerenfrüchten rechnet man gewöhnlich noch die sog. Kürbisfrucht, während die sog. Apfelfrucht zu den Steinfrüchten gestellt wird.
Fächerig nennt man eine Frucht, wenn der Hohlraum derselben durch eine oder mehrere Scheidewände durchsetzt ist. Wenn der Fruchtknoten bereits mehrfächerig war, so ist in den meisten Fällen auch die Frucht mehrfächerig, doch kommt es auch vor, daß nur ein Fach mit den darin liegenden Samen zur Ausbildung gelangt und die übrigen Fruchtfächer fehlschlagen. Wenn eine mehrfächerige Frucht bei der Reife in mehrere Teilfrüchtchen zerfällt, so spricht man von einer Spaltfrucht. Solche Spaltfrüchte finden sich bei den Umbelliferen, [* 8] wo die beidena chänenartigen Teilfrüchtchen auseinander weichen, aber zugleich noch an einem gemeinsamen Stielchen, dem sog. Fruchtträger, eine Zeit lang hängen bleiben; man nennt diese Frucht auch Doppelachänen. Zu den Spaltfrüchten gehören u. a. noch die Flügelfrüchte des Ahorn, die Frucht der ¶
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Geraniaceen sowie die unter dem Namen Gliederhülse oder Gliederschote bekannten Fruchtformen. Die letztern kommen dadurch zu stande, daß in einer hülsen- oder schotenartigen Frucht während der Ausbildung der Samen noch mehrere Querscheidewände auftreten, durch welche die einzelnen Samen voneinander getrennt werden; da nun bei der Reife die an den Stellen, wo jene Querscheidewände liegen, zerfällt, so sind die Teilfrüchtchen ebenfalls achänenartige Gebilde, deren Schale sich zum Teil aus dem Fruchtgehäuse, zum Teil aus den nachträglich in demselben gebildeten Querwänden zusammensetzt.
Solche Gliederfrüchte finden sich bei einigen Papilionaceen (Hippocrepis) und auch bei den Kruciferen [* 10] (Raphanus). Das Öffnen der aufspringenden Frucht kann auf sehr verschiedenartige Weise stattfinden; wenn das Fruchtgehäuse mit Längsrissen aufspringt und so in mehrere Klappen zerfällt, so nennt man dies mit Klappen aufspringend; wenn die Längsrisse nur an der Spitze der Frucht auftreten, daß der obere Teil des Fruchtgehäuses sich in einzelne Zähne [* 11] teilt, so heißt dies mit Zähnen aufspringend.
Entstehen in der Fruchtwand kleine Löcher, durch welche die Samen entleert werden können, wie z. B. beim Mohn, so spricht man von mit Löchern aufspringenden Frucht. Bei manchen Frucht hebt sich der ganze obere Teil des Gehäuses als Deckel ab, weshalb sie als mit Deckel aufspringende Frucht bezeichnet werden. Außerdem giebt es noch mehrere Frucht, bei denen ein plötzliches Aufspringen dadurch erfolgt, daß bedeutende Spannungsdifferenzen, die entweder durch Turgescenz der Zellen oder durch Hygroskopicität der Wände hervorgerufen werden, in verschiedenen Schichten der Fruchtwand vorhanden sind. Beim Aufreißen werden in solchen Fällen, wie bei den Sauerkleearten (Oxalis), bei den Balsaminen u. a., die Samen weit weggeschleudert. (s. Aussaat.)
Bei den sog. Scheinfrüchten oder falschen Frucht nehmen, wie schon erwähnt, auch andere Partien der Blüte und des Blütenstandes, als bloß die Fruchtknoten, an der Bildung der Frucht teil. Hierher gehört u. a. die Feige, die nichts anderes darstellt als einen birnförmigen hohlen, fleischig gewordenen Blütenstand, auf dessen Innenseite die zahlreichen kleinen Blütchen und später Früchtchen in Form von kleinen Nüssen stehen. (S. Feigenfrucht.) Ebenso ist die Ananas eine Scheinfrucht, bei der die einzelnen beerenartigen echten Frucht in den fleischig gewordenen Fruchtstand eingesenkt sind.
Bei der Erdbeere stehen die kleinen achänenartigen Früchtchen auf dem mächtig entwickelten fleischigen, meist rot gefärbten Blütenboden. Bei der Scheinfrucht des Maulbeerbaums sind die einzelnen Früchtchen von dem fleischig gewordenen Perigon umhüllt, sodaß die Frucht wie eine große weiße Beere aussieht. Die Frucht der Rosen, die sog. Hagebutten, sind ebenfalls Scheinfrüchte, denn die eigentlichen Frucht sind in dem fleischig entwickelten trugförmigen Blütenboden eingeschlossen.
Die Zapfen [* 12] der Nadelhölzer [* 13] gehören ebenfalls zu den Scheinfrüchten, denn echte Frucht sind eigentlich gar nicht vorhanden, nur nackte Samen, die in den verholzten weiblichen Blütenständen, den Zapfen, eingeschlossen sind. Bei einigen Koniferen [* 14] sind diese Blütenstände auch beerenartig fleischig entwickelt, wie z. B. beim Wacholder. Bei der Eibe wird der einzelne Same von der fleischig entwickelten obern Partie des Fruchtstiels überwuchert und hat so das Aussehen einer Beere. Die holzigen Zapfen mancher Laubbäume sind ebenfalls Scheinfrüchte, wie die der Erle, nur enthalten diese keine nackten Samen, sondern echte Frucht.
Die Fortpflanzungsorgane der Kryptogamen, die Sporen u. s. w., sind bei einigen dieser Pflanzen wohl auch zu fruchtartigen Körpern vereinigt, wie bei manchen Pilzen, bei den Moosen, bei vielen Farnkräutern, doch hat man dafür andere Bezeichnungen, wie Apothecien, Sporangien, Sporenfrüchte u. s. w.
Die Form und innere Ausbildung der Frucht ist für systematische Unterscheidungen ein wichtiges Merkmal. Für manche Familien ist eine Fruchtform charakteristisch, so z. B. die Achäne bei den Kompositen, [* 15] die Hülse bei den Papilionaceen, die Schote bei den Kruciferen, die Doppelachänen bei den Umbelliferen. Doch giebt es auch viele Familien, bei denen die verschiedenartigsten Fruchtformen vorkommen, so z. B. bei den Rosaceen. Über die Anordnung der Samen in der Frucht s. Samen.