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Die nachhaltige Entwicklung steht nicht zuletzt wegen der stetigen Zunahme der Weltbevölkerung vor grossen Herausforderungen. Mehr Menschen bedeuten auch mehr Treibhausgase, mehr Konsum und wiederum mehr Druck auf den Planeten. Diesem Problem kann die gleichberechtigte Bildung der Frauen entgegenwirken. Im Anschluss an die Sustainable Development Goals (SDG) zu Armut, Hunger und Gesundheit behandeln wir im dritten Teil der Artikelserie über die Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN die Ziele zu Bildung und der Gleichstellung der Geschlechter.
SDG 4: Bildung
Menschen, die Zugang zu Bildung erhalten, können den Kreislauf der Armut durchbrechen. Das vierte Nachhaltige Entwicklungsziel sieht deshalb vor, eine “inklusive und gerechte hochwertige Bildung zu gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle zu fördern“. Eines der Ziele ist das Erreichen einer allgemeinen Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz, sowie die Beseitigung jeglicher Diskriminierung in der Bildung. Um lernen zu können, ist darüber hinaus eine sichere und gute Lernumgebung wichtig. Daher sieht das SDG 4 ebenfalls vor, mehr Bildungseinrichtungen zu bauen und die vorhandenen zu verbessern, um sichere, inklusive und effektive Lernumgebungen für alle zu schaffen.
Die Vorherrschaft von extremer Armut, kriegerischen Konflikten und anderen hindernden Faktoren hat den Bildungsfortschritt in vielen Ländern des globalen Südens deutlich gedämpft. Kinder aus armen Haushalten haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, die Schule abzubrechen, als ihre Altersgenossen aus begüterten Verhältnissen. Zudem sind die Disparitäten zwischen ländlichen und städtischen Gebieten nach wie vor gross. Rund 260 Millionen Kinder waren im Jahr 2018 nicht in der Schule — das entspricht fast einem Fünftel der schulpflichtigen Altersgruppe weltweit. Alarmierend ist auch, dass mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen weltweit nicht das Mindestleistungsniveau in Mathematik und im Lesen und Schreiben erreichen. Subsahara-Afrika hat von allen Entwicklungsregionen die grössten Fortschritte bei der Einschulung erzielt — von 52% im Jahr 1990 auf 78% im Jahr 2012. Die Ungleichheiten sind damit aber noch nicht aus der Welt geschafft.
Der Ausnahmezustand aufgrund der Corona-Pandemie hat diese Lage weiter verschärft. 1,6 Milliarden Kinder und Jugendliche konnten die Schule nicht mehr besuchen, als diese ihre Türen wegen der Corona-Pandemie schlossen. Nie zuvor mussten so viele Kinder gleichzeitig die Schule verlassen. Auch die Möglichkeiten zur Heim- und Online-Schulung reduzierten sich für Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen.
SDG 5: Gleichstellung der Geschlechter
Eng in Verbindung mit dem SDG 4 steht das fünfte Nachhaltige Entwicklungsziel, welches die „Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung aller Frauen und Mädchen“ erreichen will. Die Gleichstellung der Geschlechter bedeutet auch, Mädchen und Frauen gleichberechtigte Chancen auf Bildung zu bieten und die Früh- bzw. Zwangsheirat in jenen Teilen der Welt abzuschaffen, wo sie noch immer gängig sind und die Selbstermächtigung junger Mädchen und Frauen behindern. In diesen Bereichen wurde schon viel erreicht, denn mehr Mädchen gehen heute zur Schule denn je zuvor, und weniger Mädchen werden zur Heirat gezwungen.
Doch an anderer Stelle zeigte die COVID-19-Pandemie auch wieder die vielen noch anstehenden Herausforderungen auf: Bereits vor Corona meldete jede fünfte Frau, innerhalb eines Jahres mindestens einmal vom Partner körperlich oder sexuell angegriffen worden zu sein. Katastrophen verschärfen die bereits bestehenden Ungleichheiten in den Machthierarchien zwischen den Geschlechtern zusätzlich, und vielerorts verschlimmerte sich die häusliche Gewalt, besonders wenn eine längere Quarantäne oder wirtschaftliche Stressfaktoren die Spannungen im Haushalt erhöhen.
Bildung der Frauen für eine nachhaltige Zukunft
Noch immer werden Bildung und Gleichstellung der Frau unterschätzt, wenn es um deren positive Auswirkung auf die Umwelt geht. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2050 von heute 7,8 Milliarden auf 9,7 Milliarden Menschen anwachsen wird. Etwa zwei Drittel des gesamten Wachstums (1,2 Milliarden Menschen) werden auf Afrika entfallen, wo die Sterblichkeitsrate schneller gesunken ist als die Fruchtbarkeitsrate. Der entscheidende Faktor, der diesem Trend wirkungsvoll entgegentreten kann, ist die Bildung der Frau. Besser gebildete Frauen haben im Schnitt viel weniger Kinder als Frauen mit geringer Bildung: In Äthiopien beispielsweise sank die durchschnittliche Anzahl Kinder in Haushalten mit gebildeten Frauen von 7 auf 2 Kinder. Dies rührt daher, dass gebildete Frauen mehr Wert auf die Lebensqualität ihrer Kinder legen und aufgrund ihres Wissens über Verhütungsmittel ihre Familienplanung besser kontrollieren können. Dies gilt selbstverständlich nicht ausschliesslich für Entwicklungsländer, doch der Effekt zeigt sich dort am stärksten. Bereits vor 10 Jahren haben Wissenschaftler am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Wien die gesamte Bevölkerungsentwicklung unter dem Einflussfaktor der verbesserten Frauenbildung modelliert. Der Unterschied ist verblüffend: Würde das Bildungssystem stärker ausgebaut und für beide Geschlechter gleichermassen zugänglich, würden im Jahr 2050 allein schon in Afrika eine Milliarde weniger Menschen leben als von der UN prognostiziert. Könnte der Bildungsstand schneller gesteigert werden, wären die Auswirkungen noch dramatischer.
Quellen und weitere Informationen:
UN: SDG 4
UNSD: SDG 4
UNFPA: COVID-19: A Gender Lens
UN: SDG 5
IIASA (2012): Education, population growth, and human well-being