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Am 29. September 2015 wurden in Genf zum 25. Mal die energieeffizientesten Bauten und Anlagen sowie die engagiertesten Persönlichkeiten und Institutionen im Solarbereich mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet. In HK-Gebäudetechnik 10/15 (S. 8-11), wird eine Auswahl der Schweizer Solarpreisträger 2015 vorgestellt (siehe Link am Schluss). Hier folgt ein Rückblick zu 30 Jahre «Tour de Sol» und 25 Jahre «Schweizer Solarpreis» von Gallus Cadonau. Er ist Geschäftsführer der Solar Agentur Schweiz.
Tour de Sol 1985 als Prolog
Am 27. Oktober 1984 beschloss der Bundesvorstand der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES) im CO2-frei betriebenen Hotel Ucliva in Waltensburg GR, die erste Tour de Sol vom Bodensee zum Lac Léman durchzuführen. Der Start erfolgte am 25. Juni 1985 in Romanshorn. Das erste Solarfahrzeug-Rennen der Welt war damals eine «Weltsensation». Neben Schweizer Radio und TV inkl. Printmedien strahlten auch europäische und amerikanische TV-Stationen Bilder über die Tour de Sol aus. Die Tour de Sol-Reportagen «eroberten die Welt». Hauptsponsor war die „Schweizer Illustrierte“. Heute werden zahlreiche Veranstaltungen mit Solarfahrzeugen in ähnlicher Form auf allen Kontinenten durchgeführt. Nachdem sich praktisch alle Autonationen (mit Ausnahme der Europäer) an der World Solar Challenge (WSC) in Australien oder an anderen Solarmobilrennen beteiligten, dachten wir 1990, der technologische Durchbruch des CO2-freien Verkehrs sei geschafft und der effiziente Elektromotor (Wirkungsgrad > 80%) setze sich gegenüber den «fahrenden Heizungen», pardon, «Verbrennungsmotoren» (Wirkungsgrad ca. 10%) durch … Leider damals etwas optimistisch.
Start des Solarpreises 1990
Am 22. Mai 1990 lancierten wir mit der «ARGE Solar 91 – für eine energieunabhängige Schweiz» den Schweizer Solarpreis/ Prix Solaire Suisse, zusammen mit dem damaligen Bundesrat und Energieminister Adolf Ogi, dem Bundesamt für Energie (BFE), dem Schweizer Gemeindeverband (SGV), dem Schweizerischen Gewerbeverband (SGV), dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), dem Schweizer Heimatschutz (SHS) und zahlreichen Solarunternehmen. Im 200-seitigen «Solarhandbuch für eine energieunabhängige Schweiz» nahmen alle interessierten Kreise, insbesondere der SHS, der SGV, die gewerblichen Verbände, die Gewerkschaften, Kantonsregierungen, Gemeindepräsidenten, EW-Vertreter usw. zum Projekt Stellung. Bereits in der ersten Auflage von 18’000 Exemplaren wurde 1990 unmissverständlich klar: Das Solarprojekt beansprucht keinen zusätzlichen Quadratmeter Kulturland. Um den gesamten Energieverbrauch der Schweiz zu 100% mit Sonnenenergie zu decken, reichen (bei üblicher Energieverschwendung) 41.3% der bereits überbauten Siedlungsflächen aus.
Bestintegrierte Solaranlagen
Mit derselben Grundstrategie wie bei der Tour de Sol: «Wettbewerb belebt das Geschäft», konzentrierte sich «Solar 91» mit dem Schweizer Solarpreis auf die Nutzung der Solarenergie im Gebäudebereich. Im Rahmen des Solarpreises wurden ab Mai 1990 alle Gemeinden, Privatunternehmungen und Einzelpersonen aufgefordert, Solaranlagen zwischen 1 kW und 1 MW zu bauen, ohne einen Quadratmeter Grünfläche zu beanspruchen. Zum 700-jährigen Jubiläum der Schweizer Eidgenossenschaft 1991 wurden 789 Solaranlagen angemeldet – 10% mehr als erhofft. Am 4. Oktober 1991 verlieh Bundesrat Adolf Ogi im Beisein der Spitzenvertreter aller erwähnten Gebäude-, Heimatschutz- und Solarverbände, Gemeinden, Kantone und Solarfreunde erstmals den Schweizer Solarpreis in Brienz GR. Die Solarstrategie erfolgte von Anfang an in enger Zusammenarbeit mit dem SHS und der Solarpreis-Jury. Die sorgfältige Integration der Solaranlagen genoss erste Priorität und bis heute gelten die Vorgaben des SHS-Geschäftsführers Hans Gattiker in der 200-seitigen Solar 91-Publikation. «Beim Anbringen von Solar-Anlagen ist selbstverständlich Rücksicht zu nehmen auf Landschafts- und Dorfbilder, wobei der Schweizer Heimatschutz insbesondere in Dachflächen integrierte Anlagen befürwortet.» Solaranlagen auf Grünflächen und Kulturland wurden für den Schweizer Solarpreis von Anfang an ausgeschlossen. Bereits im ersten Solarpreis-Jahr 1991 wurden drei Solarpreise für die bestintegrierten Solaranlagen vergeben. Hans Ruedi Schweizer, Rudolf Locher, ehemaliger Präsident der Schweizer Zentralstelle für Fenster- und Fassadenbau (SZFF) schrieben für den ersten Solarpreis 1991 einen Solarpreis für die «bestintegrierte Solaranlage» aus, für «die baulich und ästhetisch optimale Integrationslösung von Solaranlagen in die Gebäudehülle.» Die ersten drei Solarpreise für bestintegrierte Anlagen gewannen das Büro- und Fabrikationsgebäude Aerni AG in Arisdorf/BL, das Gewerbehaus F. Scheidegger AG in Kirchberg BE und F. Meiers Sonnenhaus in Lausen BL.
Dämmung und Solarenergie
Bereits nach dem ersten «Solarpreisjahr» wurde den Solarpreis-Verantwortlichen bewusst, dass die Wärmedämmung mindestens so wichtig ist wie die Nutzung der Solarenergie. Die 1995 vom Verein Minergie angepeilte Wärmedämmung wurde sehr begrüsst. Damals war es ein revolutionärer Schritt, den verschwenderischen Energiekonsum von 22 l Heizöl pro m2 Energiebezugsfläche (EBF) auf 4.8 l, bzw. 48 kWh/m2a (Wärmeenergie) zu reduzieren. Durch Energieeffizienz-Massnahmen konnten CO2- Emissionen und Energieverluste ohne Komfortverluste massiv reduziert werden. Die hohe 80%-Auslandsabhängigkeit von importierten fossil-nuklearen Energien kann ebenso gesenkt werden wie die jährlichen Überweisungen von 10–12 Mrd. Franken für Energieimporte an arabische Staaten und Russland.
Die Norman Foster-Solararchitektur
Ab 2010 zeichnete sich immer mehr ab, dass gut gedämmte Wohn- und Geschäftsbauten an Dächern und Fassaden genug Strom und Wärme erzeugen können, um den gesamten Jahresenergiebedarf an Warmwasser, Heizungs- und Haushalts- bzw. Betriebsstrom vollständig bereitzustellen. Nach dem Engadin Skimarathon 2009 besprachen wir PlusEnergieBauten (PEB) mit Lord Norman Foster, der bereit war, für die besten und ästhetisch vorbildlichen PEB seinem Namen zur Verfügung zu stellen. Parallel dazu war Felix Vontobel, stv. Direktor Repower, nach der Vereinbarung für ein ökologisches Pumpspeicherkraftwerk (PSKW) von 2009 bereit, die Lancierung und Auszeichnung von PEB/Norman Foster-Bauten mit rund Fr. 350’000 zu unterstützen. 2010 bis 2013 wurden sehr attraktive PEB-Preise von Fr. 100’000 vergeben: 50% der Summe für die drei ästhetisch hervorragendsten PEB und 50% für die beste Leistung. Seit 2010 werden die besten Gebäude mit dem Solarpreis für PlusEnergieBauten (PEB) aufgrund des neuen PEB-Reglements zum Solarpreis ausgezeichnet. Der Norman Foster Solar Award (NFSA) würdigt das Design und den ästhetisch-architektonischen Wert der PEB, deren Konzepte sowohl energetisch als auch optisch überzeugen müssen. PEB erzeugen mehr Solarenergie, als die Gebäude für Warmwasser und Heizung inkl. Haushalts- bzw. Betriebsstrom im Jahresdurchschnitt benötigen. Die produzierten PEB-Stromüberschüsse werden für den Solarantrieb von Elektrofahrzeugen oder für den ÖV verwendet. Wie die Gewinner der PEB-Solarpreise und der NFSA zeigen, führen die Stromüberschüsse und die damit betriebenen Elektrofahrzeuge zu einer massiven Reduktion von CO2-Emissionen sowohl im Gebäude- als auch im Verkehrssektor.
Solararchitektur statt CO2-Emissionen
PEB sind 2015 im Begriff, zum künftigen Baustandard erklärt zu werden, weil sie nebst der seit 1990 verfassungsmässig geforderten effizienten Nutzung erneuerbarer Energien gleichzeitig auch 80% Energieverluste ohne Komfortverluste reduzieren. Dazu erzeugen sie Stromüberschüsse für den CO2-freien Verkehrssektor. So gelingt es, von der energieverschwendenden, veralteten, gletscher- und umweltzerstörenden Architektur wegzukommen. Mit PEB gelangen wir zur interdisziplinären, ästhetisch anspruchsvollen und intelligenten Solararchitektur, die mehr CO2-freie Energie erzeugt, als die Menschen und die Wirtschaft im Jahresdurchschnitt benötigen.
In HK-Gebäudetechnik 10/15 (S. 8-11), wird eine Auswahl der Schweizer Solarpreisträger 2015 vorgestellt: PDF
Ganzer Artikel von Gallus Cadonau (Solarpreis-Publikation 2015, Auszug S. 97/98): PDF
Die Gewinner: www.solaragentur.ch