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Donnerstag, 25.12.1851 bis Mittwoch, 31.12.1851
Im jungen Schweizer Bundesstaat existierten gegen Ende 1851 nicht weniger als 297 verschiedene Münzen (nebst einer ordentlichen Zahl ausländischen), die als Zahlungsmittel in den einzelnen Kantonen dienten. Um diesem Wirrwarr abzuhelfen wurde auf den 1.1.1852 ein gesamtschweizerisch einheitliches Münzsystem eingeführt, das sich interessanterweise nach dem französischen System richtete, das im Kanton Genf schon im Gebrauch war.
Für uns Philatelisten ist nun wichtig, dass aus diesem Grunde alle auf den Postämtern liegenden eidgenössischen Marken am 24.12.1851 eingesammelt und am 25.12.51 der Ober-Post-Direktion nach Bern zurückgeschickt werden mussten. Auf den 1.1.1852 wurden die Marken neu verteilt und in der neuen Währung berechnet. Gleichzeitig wurde auf dieses Datum hin ein neues Taxsystem eingeführt. Dieses hatte zur Folge, dass künftig keine Verwendung mehr für die Orts-Post und Poste-Locale-Marken bestand, weil es von da an keine gebrochenen Portosätze mehr gab. Auch nicht für überschwere Briefe in den höheren Gewichtsklassen. Aus diesem Grunde wurden die letzten beiden Marken nicht mehr ausgeliefert. Künftig gab es nur noch drei Briefkreise. Für Briefe in den dritten Kreis (über 10 Wegstunden) betrug das Porto neu einheitlich 15 Rappen. Dafür wurden auf den 1.1.52 neu die roten Rayons eingeführt und ausgeliefert. Und zwar zunächst in Form der Zumstein Nummern 18 und 19, mit der kleinen Wertziffer und der Centimes-Marken.
Für die Zeit zwischen dem 25.12.1851 und dem 31.12.1851, in der sogenannten "Markenlosen Zeit", gab es an den Postschaltern keine eidgenössischen Marken zu kaufen. Die Briefe mussten bar bezahlt werden oder dann hatte der Empfänger das Porto zu begleichen. An sich sollte es von diesen sieben Tagen also keine frankierten Briefe geben. Falls jedoch Private noch im Besitze von Briefmarken waren, konnten sie Briefe aber nach wie vor damit frankieren. Da die meisten Leute jedoch über keinen privaten Frankaturvorrat verfügten, sind frankierte Briefe aus diesen sieben Tagen auch heute noch recht selten zu finden. Aus genau diesem Grunde interessieren sie uns Philatelisten natürlich heute umso mehr! Ein wohl einmaliges und ein weiteres, recht preiswertes Stück finden Sie in diesem Katalog unter den Nummern 197 und 426.
In meinem Katalog von 1989 habe ich erstmals auf die Markenlose Zeit hingewiesen. Als Grundlage diente damals eine Studie von Jean J. Winkler, dem grossen Forscher der Schweizer Vorphilatelie. Seine Annahmen für die Markenlose Zeit halten den heutigen Erkenntnissen teilweise nicht mehr Stand, genau so wenig wie ein Artikel von Toni Abele, ebenfalls einem grossen Kenner der klassischen Schweizer Marken und grossen Forscher vor allem im Gebiet der Kantonal-Einheiten.
Unsere Dokumentation, die als niemals abgeschlossenes Lebenswerk zu verstehen ist und die derzeit durch unsere Schwiegertochter "gefüttert" wird, haben wir die folgenden Belege dokumentiert (wobei zu sagen ist, dass ein grosser Stoss von Katalogen erst noch der Verarbeitung bedarf):
Anmerkungen dazu:
- In Genf war in diesen sieben letzten Dezembertagen 1851 die sogenannte Neuenburg am Schalter und wurde nach wie vor abgegeben und frankiert. Diese musste nicht nach Bern zurückgeschickt werden, weil es eine kantonale, nicht von Bern ausgegebene Marke war. Briefe mit Neuenburg aus dieser Zeit sind "normale" Briefe. Man kann sie nicht zu den seltenen Markenlosen Zeit-Briefen zählen, genauso wenig, wie solche mit den auch noch vorkommenden Waadt 5-Marken. Winkler zählte beide noch dazu!
- Die unfrankierten Briefe aus der Markenlosen Zeit dürften auch heute noch ohne weiteres zu finden sein. Sie fallen kaum auf und sind deshalb auch bei uns sicherlich nur zu einem Teil in der Dokumentation enthalten. Sie sollten überdies in drei Gruppen unterteilt werden:
a) Briefe, die am Schalter bar bezahlt worden sind. Diese tragen meist vorderseitig einen Stempel FRANCO oder ein P.P. oder aber eine eidgenössische Raute zum Zeichen, dass es bis zum Empfänger bezahlte Briefe sind. Auch ein rückseitig angebrachter Taxvermerk bedeutet, dass das Porto für den Brief bereits entrichtet worden ist.
b) Briefe mit einem vorderseitigen Taxvermerk. Hier hatte der Empfänger das Porto noch zu entrichten.
c) Amtliche Briefe, die vor-während und auch nach der Markenlosen Zeit portofrei waren. Solche zählen nicht zu den seltenen Belegen aus der Markenlosen Zeit, weil dafür ja gar kein Porto erforderlich war.
Die Briefe unter a) und b) würde ich preislich etwa mit 10-20% der frankierten Briefe aus der Markenlosen Zeit einstufen. Die amtlichen oder portofreien Briefe unter c) hingegen günstiger.
Von den seltenen frankierten Briefen aus dieser Markenlosen Zeit gibt es pro Tag lediglich jeweils 4-6 Stücke. Und insgesamt bislang deren 36. Eine Anzahl also, die geringer ist als jene der seltensten Kantonalmarken auf Brief. Zum Vergleich: von der Doppelgenf dürften heute rund 120 bis 130 Briefe bekannt sein!
Sollten Sie über weitere Briefe aus dieser Markenlosen Zeit verfügen, würden wir uns über eine Fotokopie freuen, damit wir unsere Datei ergänzen können.