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zum Erhitzen des Wassers, und ebenso bestehen die Heizkörper aus Rohrspiralen. Bisweilen führt man aber auch die Heizrohre über dem Fußboden den Wänden entlang oder legt sie in die letztern in einen mit durchbrochenen Eisenplatten bedeckten Kanal. [* 2] Fig. 10 zeigt das Schema einer solchen Anlage. ff sind die Feuerschlangen, die im Ofen a erhitzt werden. Das Rohr geht von dem obern Ende der Feuerschlange direkt nach dem höchsten Stockwerk des Hauses, kommuniziert durch die Leitung l noch vor Bildung der obersten Heizspirale mit dem Expansionsgefäß e, welches geschlossen, aber teilweise mit Luft gefüllt ist, und bildet auf dem Rückweg eine Heizspirale h nach der andern.
Man wendet möglichst kurze Leitungen an und konstruiert für ein größeres Gebäude mehrere Systeme, wenn eine Rohrleitung von 180 m Länge nicht ausreicht. Sämtliche Feuerschlangen kann man aber in einem Ofen vereinigen. Die Anlagekosten der Heißwasserleitung sind viel geringer als die der Warmwasserleitung, der Betrieb ist einfach und verhältnismäßig billig, das Anheizen erfordert nur ¾-1 Stunde; aber die Wärme [* 3] ist weder mild noch nachhaltig und die Temperatur so hoch, daß aus dem auffallenden Staub üble Gerüche entwickelt werden.
Dies ist besonders bemerkbar, wenn die Rohrleitung unter Gitterwerk im Boden liegt. Bei Nichtbenutzung friert das Wasser in den Rohren leicht ein, und man hat daher vorgeschlagen, statt des reinen Wassers konzentrierte Salzlösungen anzuwenden, welche weniger leicht erstarren als das Wasser. Die Mitteldruck-Heißwasserheizung unterscheidet sich wenig von der Heißwasserheizung, verdient aber den Vorzug, weil sie mit geringerer Temperatur arbeitet, daher weniger strahlende Hitze entwickelt und bei achtsamer Bedienung keine Explosionsgefahr bietet, die bei der Heißwasserheizung, wenigstens in der Feuerschlange, nicht völlig ausgeschlossen zu sein scheint.
[* 1] ^[Abb.: Fig. 10. Heißwasserheizung.]
Dampfheizung.
Bei der Dampfheizung ist Wasserdampf der Träger [* 4] der Wärme; man wendet denselben aber nur unter einem Druck von 1,5-2 Atmospären ^[richtig: Atmosphären], entsprechend einer Temperatur von 112-121°, an, und mithin kommt weniger die Wärme in Betracht, welche der Dampf [* 5] als solcher abgeben kann, als vielmehr die gebundene Wärme (pro 1 kg Wasser etwa 540 Wärmeeinheiten), welche bei der Verdichtung des Wasserdampfes zu Wasser frei wird. Der Dampfentwickler ist in der Regel ein Dampfkessel [* 6] gewöhnlicher Art (der oft nebenbei oder hauptsächlich andern Zwecken dient), er muß aber einem wechselnden, zeitweise sehr hohen Dampfbedarf Genüge leisten und doch nur mit einer Dampfspannung von 3-4 Atmospären ^[richtig: Atmosphären] arbeiten.
Die Leitungsrohre macht man aus Schmiedeeisen, seltener aus Kupfer [* 7] und umgibt sie mit einer guten Schutzhülle aus schlechten Wärmeleitern; auch ist auf die Ausdehnung [* 8] der Rohre durch Einschaltung eines aus zwei gebogenen Rohren bestehenden Kompensators Rücksicht zu nehmen. Das Kondensationswasser fließt durch eine besondere Rohrleitung nach dem Dampfkesselhaus zurück. An das Ende dieser Leitung schließt man automatische Kondensationswasserableiter [* 9] an. Man führt den Dampf vom Kessel durch ein Hauptrohr direkt bis zum Dachboden und leitet ihn dort durch Abzweigungen nach den einzelnen Heizkörpern.
Diese unterscheiden sich wenig von den bei der Warmwasserheizung üblichen Formen, nur müssen selbstthätige Doppelventile eingeschaltet werden, durch welche die Luft beim Abstellen des Dampfes und bei der Abkühlung ein-, beim Anlassen ausströmt. Die Öfen [* 10] sind bei diesem System seltener direkte Dampföfen, sondern jetzt meist Dampfwasseröfen (Dampfwasserheizung) und enthalten dann Wasser, welches durch Dampf erhitzt wird. Dabei tritt der Dampf entweder direkt zum Wasser, oder er ist von diesem durch Zwischenwände getrennt.
Die Dampfheizung gestattet eine fast unbeschränkte Ausdehnung in horizontaler Richtung, so daß nicht allein einzelne ausgedehnte Gebäude und der ganze Gebäudekomplex größerer Anstalten, sondern selbst die Häuser ganzer Stadtteile von einer gemeinsamen Feuerstelle aus beheizt werden können. Auch ist die Ausdehnungsfähigkeit in vertikaler Richtung eine sehr große. Überdies kann die Dampfheizung auch mit Luftheizung in der Art kombiniert werden, daß man die einzuführende frische Luft durch mit Dampf geheizte Rohre erwärmt (Dampfluftheizung), und außerdem dient dann wohl noch der Dampf zum Betrieb von Ventilatoren. Da der Dampf mit sehr großer Geschwindigkeit sich fortbewegt, so funktionieren die Heizkörper der Dampfheizung sehr viel schneller als die der Wasserheizung; ihre Wirkung ist aber sehr intensiv und nicht nachhaltig, während Dampfwasseröfen eine milde, gleichmäßige und nachhaltige Wärme liefern.
Anlage und Betrieb sind teuer, weil an die Ausführung und die Bedienung hohe Anforderungen gestellt werden müssen, und deshalb eignet sich die Dampfheizung nicht für Wohnhäuser [* 11] und andre kleine Gebäude. Sehr große Vorteile bietet sie dagegen, wo der Dampf außerdem in seiner außerordentlich vielseitigen Verwendbarkeit ausgenutzt wird. Im allgemeinen aber ist die Dampfheizung nur in der Form der Dampfwasser- und der Dampfluftheizung zu empfehlen.
Zur Beurteilung der Kosten der verschiedenen Heizsysteme hat das Landes-Medizinalkollegium in Sachsen [* 12] in 40 Lehranstalten des Königreichs sachgemäße Ermittelungen anstellen lassen, aus denen sich ergab, daß pro 100 cbm des zu heizenden Raums erforderten: ¶
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|Herstellung||Heizung pro Tag|
|Luftheizung||270.97 Mark||0.16 Mark|
|Dampfwasserheizung||642.16 "||0.15|
|Dampfluftheizung||138.49 "||0.15|
|Heißwasserheizung||346.49 "||0.13|
|Heißwasserluftheizung||769.11 "||0.13|
|Gewöhnliche Ofenheizung||85.90 "||0.22|
Das Normalwärmemaß (nicht unter 18 und nicht über 20°) war am besten bei der Luftheizung eingehalten, ebenso das Normalmaß des Feuchtigkeitsgehalts der Luft, nächstdem bei der Heißwasserheizung. Am wenigsten günstig hat sich in Berücksichtigung dieser Momente die gewöhnliche Ofenheizung erwiesen, welche noch dazu in Bezug auf den Verbrauch an Heizmaterial die teuerste war.
Ein Versuch, eine Zentralheizung für ganze Stadtteile auszuführen, ist in New York mit gutem Erfolg gemacht worden. Man benutzte zur Erzeugung von Dampf zwei Kessel und leitete denselben durch Straßenrohre von zusammen 3 engl. Meilen Länge nach allen Richtungen in etwa 210 Häuser. Während des Winters wurden die beiden Kessel bis zu einem Druck von 35 Pfd. geheizt und 4 Ton. Anthracit in 24 Stunden verbraucht. Im Sommer heizt man nur einen Kessel, der 1,5 T. Anthracit in 24 Stunden verbraucht und auf einen Druck von 25 Pfd. gebracht wird.
Die Röhrenleitung beginnt mit 4zölligen und endet in den Häusern mit ¾zölligen Röhren. [* 14] Diese Röhren sind zunächst mit Asbestpapier umgeben, dann folgt eine Umhüllung von russischem Filz und schließlich eine solche von Manilapapier; sie liegen in einer Holzröhre, welche ¾ Zoll weiter gebohrt ist als der Durchmesser des eisernen Rohrs mit seiner Filzbekleidung. Man legt die Röhren wie Gas- und Wasserleitungsröhren und bringt in Entfernung von je 100 Fuß ein Expansionsventil an. Die Ausstrahlung der Wärme in den Häusern wird durch Ausstrahler vermittelt, welche aus 1zölligen vertikal stehenden Röhren mit Abflußrohr für das Kondensationswasser bestehen.
Letzteres hat beinahe Siedetemperatur und eignet sich für Haushaltungszwecke, zum Heizen von Treibhäusern etc. Man hat übrigens den Dampf auf eine Entfernung von mehr als einer halben engl. Meile auch zum Betrieb von Dampfmaschinen, [* 15] zum Kochen, Backen etc. benutzt. Die geschäftlichen Ergebnisse des Unternehmens sollen sehr günstige sein, und für den Konsumenten gewährt die Zentralheizung außer Verminderung der Feuersgefahr wesentliche Vorteile.
Vgl. Wolffhügel in Eulenbergs »Handbuch des öffentlichen Gesundheitswesens« (Berl. 1882);
Ferrini, Technologie der Wärme (deutsch, Jena [* 16] 1878);
Degen, Praktisches Handbuch für Einrichtungen der Ventilation und Heizung [* 17] (3. Aufl., Münch. 1878);
»Deutsches Bauhandbuch« (Berl. 1874-84, 2 Bde.);
Wolpert, Theorie und Praxis der Ventilation und Heizung (2. Aufl., Braunschw. 1880);
Scholtz, Handbuch der Feuerungs- und Ventilationsanlagen (Stuttg. 1881);
Fischer im »Handbuch der Architektur«, 3. Teil, Bd. 4 (Darmst. 1881);
Deny, Rationelle und Lüftung (deutsch von Häsecke, Berl. 1885);
Rietschel, Lüftung und Heizung von Schulen (das. 1885).