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Im Jahr 1230 wird "ossingen" erstmals in schriftlicher Form als "Ozzingin" erwähnt.
Das Gemeindewappen von Ossingen zeigt ein in Silber hangendes, rotes Weidenblatt.
Die Ritter von Widen führten dieses Wappen, das erstmals im Jahre 1263 auf einem Siegel von Burkhard von Widen erscheint und spätestend ab 1573 auch der Gemeinde diente, wie eine Gemeindescheibe belegt.
Neolithische Sumpfrandsiedlungen am Hausersee, hallstattzeitliche Grabhügel im Speck und im Hattlebuck, römische Funde im Goldbuck (Kalkbrennofen) und bei Burghof (Brandgrab), frühmittelalterliches Gräberfeld im Goldbuck. Ein Kelnhof war im Hochmittelalter grund- und gerichtsherrliches Verwaltungszentrum des Klosters Reichenau, danach Reichenauer Lehen der Kyburger, nach deren Aussterben 1264 der Habsburger.
Die Herzöge Albrecht und Leopold von Habsburg verpfändeten die Dörfer Andelfingen, Ossingen, Guntalingen, Waltalingen und Dörflingen mit den hohen und niederen Gerichten an Hugo I von Hohenlandenberg, dem sie 1500 Gulden schuldig waren.
Im Jahr 1434 wurde Ossingen an die Stadt Zürich verkauft.
Die drei Pestzüge in Ossingen ind en Jahren 1611/12, 1629/30 und 1636 forderten der Reihe nach 308, 150 und nochmals über 300 Tote. Es handelte sich um einen Aderlass sondergleichen und doch angesichts der vollen Häuser und Gassen auch um eine demographische Verschnaufpause. Ein Jahr nach dem letzten Seuchenzug weilten 466 Personen in der Kirchgemeinde. Dieses Bevölkerungstief wirkte wie ein Vakuum: Junge, Witlinge und Witwen begannen sozusagen wie angekurbelt zu heiraten und Kinder zu zeugen. Knechte, Mägde und Handwerker wanderten dutzendweise vor allem aus dem "Schwabenland" ein. 1640 zählte man schon wieder 590 Personen, 1643 deren 693.
Religiöses Zentrum war bis 1814 die Kirche Hausen, auch nachdem die St. Gallus geweihte Kapelle in Ossingen 1651 zur Kirche umgebaut und der Gottesdienst dahin verlegt worden waren. Kollatur und Zehnten gehörten bis ins 14. Jahrhundert dem jeweiligen Grund- und Gerichtsherrn, danach dem Domstift Konstanz, 1649 pfandweise der Stadt Winterthur, ab 1674 der Stadt Zürich.
Im 18. Jahrhundert musste Ossingen Getreide zuführen, konnte dagegen erhebliche Mengen an Wein nach auswärts verkaufen.In der Zeit vom 1. Oktober 1779 bis Martini 1781 führte das Dorf beispielsweise insgesamt 2369 Saum (1 Saum ca 165 Liter) Wein aus, davon lediglich 12 % Rotwein. Jene 2369 Saum Wein entsprachen übrigens nicht weniger als 10 % der gesamten Weinausfuhr aus zürcherischem Staatsgebiet.
Zur Zeit der Reformation hielten sich alter Volksglaube und das Wiedertäuferwesen in Ossingen hartnäckiger, als es der Zürcher Obrigkeit lieb war. Im 16. Jahrhundert schloss sich die von der Minderheit der Vollbauern bestimmte Dorfgemeinde ab. Sie hielt Zuzüger, aber auch die textile Heimindustrie und im 19. Jahrhundert die moderne Industrie fern. Getreidebau im Dreizelgensystem dominierte die vorindustrielle Landwirtschaft, ergänzt durch marktorientierte Weinproduktion. Ossingen war ab dem Spätmittelalter Marktflecken und Säumerstation am alten Handelsweg von der voralpinen Ostschweiz nach Schaffhausen; eine Ziegel- und Kalkbrennerei bestand bis Ende des 19. Jahrhunderts.
Das Viaduk über die Thur wurde gebaut. Die Eisenkonstruktion hatte eine Länge von 331 Meter und eine Höhe von 36 Metern. Aufgrund der damaligen Kenntnisse über das Materialverhalten im Fachwerkbau und wachsenden Zuglasten war die Brücke für die Zukunft zu schwach ausgelegt worden. In der Folge des Einsturzes der Brücke bei Münchenstein 1891 erliess der Bund eine erste, verbindliche Brückenverordnung. Darauf musste die Thurbrücke überprüft und nötigenfalls angepasst werden. Die Nordostbahn liess deshalb zwischen 1899 und 1902 den Oberbau verstärken und im Auftrag der SBB wurden 1905 und 1906 die ursprünglich röhrenförmigen Pfeiler aus Eisen durch ein Fachwerk ersetzt. Das Gewicht der Brücke von 880 t zu Bauzeiten hatte sich durch diese Verstärkungsmassnahmen fast verdoppelt, nach wie vor wirkt die Konstruktion aber filigran.
Ossingen bekam einen Anschluss an die Bahnlinie Winterthur-Singen. Dieser brachte jedoch kaum Wachstumsimpulse.
Zu dieser Zeit begann die industrielle Torfausbeutung beim Husemersee. Durch die Torfgewinnung entstanden Weiher im Watt und im Ried. Weil sich die Januargemeinde 1922 gegen eine erneute (1918 wurde der Seespiegel zeitweilig um bis zu zwei Meter gesenkt) Tieferlegung des Sees aussprach, war das vorerst das Ende des Abbaus. Im Zweiten Weltkrieg, ab 1942 wurde im Bereich des Riedes sowie des Amtweihers erneut Torf gewonnen. An der Spitze der Konzessionäre stand doe "Towag AG (Torfwerke Aktiengesellschaft Zürich), die sich mit dem sogenannten "Towag-Weiher"gewissermassen in unsere Landschaft eingekerbt hat. Kurz nach Kriegsende wurde die Sache rasch unrentabel. 1949 wurde das gesamte Hauserseegebiet unter Schutz gestellt.
Ab 1920 verkehrte ein Postauto zwischen Rafz und Frauenfeld, welches auch unser Dorf bediente.1932 wurde dieser Kurs auf die Strecke Frauenfeld-Neunforn reduziert, dafür jedoch ein dreimal täglich zwischen Ossingen und Andelfingen zirkulierendes Auto eingesetzt, 1937 wegen schlechter Frequenz jedoch wieder fallengelassen.
Während des Krieges stürzte am 19. Juli 1944 ein amerikanischer Liberator-Bomber auf das Schloss Wyden. Obwohl die Feuerwehren von Ossingen, Andelfingen und Winterthur sowie Luftschutztruppen rasch zur Stelle waren, brannte der Altbau sowie der Dachstock des Neubaus aus, soweit nicht schon die Flugzeugtrümmer selbet zerstörend gewirkt hatten.
Die Güterzusammenlegung um 1935 und die Aussiedlung ab 1947 verliehen der Landwirtschaft ein neues Gesicht. Im Gebiet der Seen wurde in beiden Weltkriegen industriell Torf gewonnen. Das jüngste, massvolle Wachstum setzte innerhalb zurückhaltender Planung erst ca. 1980 ein, als immer noch 30% der Bevölkerung im Landbau beschäftigt waren.
Ossingen entwickelte sich zur bevorzugten Wohngemeinde von Pendlern nach Winterthur und Zürich mit umfassender Infrastruktur und beispielhaft geschützter Landschaft an Hausersee und Thur. Die weitgehend erhalten gebliebene bäuerliche Bausubstanz aus dem 17. bis 19. Jahrhundert wird in schonender Weise für Wohnzwecke und Gewerbe umgenutzt.
Blick auf Ossingen, 1923
Dorfstrasse und Brunnen
Musikgesellschaft
Im Wesentlichen aus Kirche, ehemaligem Pfarrhaus, Sigristenhaus und drei Bauernhäusern bestehende Siedlung der Gemeinde Ossingen. Die urkundliche Vergabung des Patronats einer Kirche Hausen 1112 an das Kloster Allerheiligen betrifft vermutlich ein Hausen in Süddeutschland. Erste sichere urkundliche Erwähnung 1274 Husen. Das St. Georg geweihte Gotteshaus stand im Hochmittelalter dem Kloster Reichenau zu und gelangte 1360 über die Habsburger an das Domstift Konstanz. Auf diese Zeit geht wohl der 1956 unter Schutz der Eidgenossenschaft gestellte Kirchenbau zurück, der Polygonalchor auf Bauten von 1486-90. Bei der Renovation 1957-61 kamen teils im heutigen Bau integrierte Reste einer romanischen Kirche mit Langhaus und Chor, 1972 gotischen Schichten unter dem Pfarrhaus des 16. Jahrhundert zum Vorschein. Bis 1651 diente die Kirche als Pfarrkirche, bis 1814 als sakrales Zentrum der ganzen Kirchgemeinde Ossingen und bis 1951 als Pfarrsitz.
Näheres zur Ossinger Geschichte gibt es im Buch "Geschichte der Gemeinde Ossingen" von Otto Sigg.