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Die «Rote Kapelle» war eines der wichtigsten Widerstandsnetzwerke im Dritten Reich. Die in Bern lebende Choreographin und Choreologin Karin Hermes entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Archiv der Darstellenden Künste, dem Deutschen Tanzarchiv und dem Centre National de Danse in Paris eine historische Fiktion, in der sie das Schweizer Tanzerbe in den Kontext des Zweiten Weltkriegs setzt. Ausgangspunkt ist die Begegnung zwischen der bildenden Künstlerin Oda Schottmüller (1905-1943) und Vera Skoronel (1906-1932) im Jahr 1928 in Ascona. In der Folge absolviert Oda Schottmüller die Tanzausbildung der Trümpy-Schule in Berlin, welche die Schweizer Tänzerinnen Vera Skoronel und Berthe Trümpy (1895-1983) bis 1932 leiten. Oda Schottmüller wird später Mitglied der Widerstandbewegung «Rote Kapelle», die in der Schweiz und in Deutschland agiert. Weitere für die Schweizer Tanzgeschichte wichtige Fakten werden in der Geschichte verarbeitet: die erfolgreiche Inszenierung von Pia und Pino Mlakars «Der Teufel im Dorf» 1935 am früheren Stadttheater Zürich oder Vaslav Nijinskys langjähriger Aufenthalt in Schweizer Psychiatrien. Ein fiktives Element ist u.a., dass für den Nazi-Widerstand ein Morse-Code in einer Tanznotation versteckt wird. Geplant ist eine Publikation, die als Vorlage für Bühnenbearbeitungen genutzt werden kann.
Die «Tour de Bal» ist eine Hommage an verschiedene Tanzformen rund um das Phänomen des Balls. Thematisiert werden der Ort, die Tanzformen und die Gemeinschaft, die sich versammelt. Ballbesucher*innen tanzen nicht nur, sondern trinken, essen und verhalten sich nach bestimmten ethischen ästhetischen und sozialen Codes. Dóra Kiss, die 2016 einen Online-Meta-Katalog zum Tanzerbe in der Schweiz initiierte, nutzt die in «Cadanse» versammelten Quellen für dieses Vermittlungsprojekt. Während einer Saison (2021/22) werden der professionelle Tanz, Gesellschafts- und Volkstanz und Tanzforschung in Ausstellungen, Aufführungen und Konferenzen behandelt. Ausgangspunkt für die verschiedensten Anlässe ist jeweils ein Buch, Plakat oder ein anderes Archivdokument. Geplant sind eine reisende Ausstellung «Impressions de Bal» und eine zur Partygeschichte vom ländlichen Ball bis zum urbanen Rave in der Stadt, Ateliers und Workshops, eine Tagung zu den Stars des Schweizer Tanzes Serge Lifar, Sigurd Leeder und Maurice Béjart oder eine Diskussionsrunde zum urbanen Tanz. Adressiert werden auch Kinder mit passenden aktiven Angeboten und zum Abschluss der Saison treffen sich alle zu einer «Tour de Bal», einer verrückten Rave-Party in der Salle du Faubourg in Genf.
Hybride Geschichte(n) – Publishing Swiss Oral Dance History
Das Schweizer Archiv der Darstellenden Künste (SAPA) ist als Living Archive konzipiert und verbindet die Sammlung, Archivierung und Veröffentlichung von Dokumenten mit einer künstlerischen und kuratorischen Praxis der Gegenwart. Dem 2012 ausgezeichneten Tanzerbe-Projekt «Tanzspuren – eine Oral History der Schweizer Tanzgeschichte» folgte 2018 «Geschichte(n) zum Tanz in der Schweiz – Gespräche mit Ursula Pellaton». Angeleitet von der Frage, wie die Oral History im Tanz in einer adäquaten Form veröffentlicht und vermittelt werden kann, soll nun auf der Basis der Gespräche mit der Tanzhistorikerin und Journalistin Ursula Pellaton ein Publikationsprototyp für Oral History ausgearbeitet werden. Das SAPA möchte damit als Vorreiterin im digitalen Vermittlungskontext von Archiven auftreten. Idee des hybrid publishing ist eine Print-Publikation mit einem digitalen Format zu verbinden. Das digitale Format soll über die Website des SAPA frei zugänglich sein. Die Buchpublikation, die bei rüffer & rub in Zürich erscheint, umfasst die in Themen aufgeteilten Gespräche sowie zwei Rahmen-texte zur Methode der Oral History und zum Kontext der Schweizer Tanzgeschichte.
Das von Mona De Weerdt initiierte Projekt widmet sich einzelnen Protagonist*innen der aktuellen Schweizer Tanzlandschaft und deren unterschiedlichen choreografischen Methoden und Arbeitsweisen. Mehrere in der Schweiz lebende und arbeitende Choreograf*innen aus verschiedenen Landesteilen werden während eines Kreationsprozesses begleitet, es werden Fragen an sie und zu ihren Arbeitspraktiken gestellt und Probenmomente filmisch eingefangen. Wie strukturieren sie ihre Arbeitsprozesse? Welche Methoden, Bewegungsprinzipien und choreografischen Verfahren wenden sie an? Wie und mittels welcher Aufgaben entwickeln sie Bewegungsmaterial? Dabei entstehen kurze filmische Einzelportraits. Diese transportieren Einblicke in den Arbeitsalltag einzelner Choreograf*innen, dokumentieren ihre Arbeitsweisen und machen sonst im Verborgenen stattfindende Kreations- und Probensprozesse sichtbar.
Die Ergebnisse werden auf verschiedenen Kanälen für weitere Nutzungen und Recherchen z.B. auch für Hochschulen zur Verfügung stehen sowie auf den Websites der porträtierten Künstler*innen, auf nationalen Plattformen wie dem Schweizer Archiv der Darstellenden Künste (SAPA), Reso – Tanznetzwerk Schweiz, im Rahmen des Tanzfestes oder im Kontext von Tanz- und Dokumentarfilmfestivals präsentiert.