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Die Researchabteilung der Investmentgesellschaft Franklin Templeton hat eine Studie zu den langfristigen Faktoren, die Anleger in den nächsten zehn Jahren beschäftigen, herausgeben. Unter dem Namen «Deep Water Waves» werden dabei die langfristigen Triebkräfte identifiziert, mit denen die Anleger konfrontiert sind und die Grundlagen für die Preisbildung von Vermögenswerten grundlegend verändern.
Laut Franklin Templeton werden sich diese Entwicklungen in den kommenden Jahren auf alle Facetten der Anlageportfolios auswirken. Fünf «Wellen» werden dabei besonders hervorgehoben:
- «Die demographische Welle»: Das globale Wachstum wird sich in der nächsten Generation auf einen Wert unterhalb des langfristigen Trends verringern. Die Bevölkerung der Länder, die das globale Wirtschaftswachstum in den letzten zwei Jahrzehnten angetrieben haben, wird immer älter. Gleichzeitig wird die Zuwanderung eingeschränkt, da die einwanderungsfeindliche Stimmung in vielen Ländern anhält oder sogar noch zunimmt. Dies wird auch erhebliche negative Auswirkungen auf Länder mit niedrigem Einkommen haben, die auf Remittances angewiesen sind.
- «Die technologische Welle»: Das nächste Jahrzehnt wird einen Boom bei den Investitionen in Innovationen in allen Sektoren erleben. Dies gilt sowohl für den privaten als auch für den öffentlichen Bereich, wobei ein Grossteil dieser Investitionen nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus geopolitischen Gründen getätigt wird.
- «Die Schuldenwelle»: Das Spannungsverhältnis zwischen Inflation und Deflation wird weiter bestehen, aber das Kalkül hat sich geändert. Längerfristig hat die Kontrolle der Inflation Vorrang vor dem Wirtschaftswachstum, aber die Lösung wird je nach Land oder Region unterschiedlich ausfallen. Corona hat die Ungleichheit in vielen Ländern verschärft; umverteilende Besteuerung wird weltweit Vorrang haben, wirtschaftliche Experimente werden versucht werden, und Big Government ist wieder angesagt.
- «Die geopolitische Welle»: Die Geopolitik wird in den nächsten zehn Jahren ihren Einfluss auf die Investitionsergebnisse verstärken, da sich die Konfrontation zwischen den USA und China zuspitzt. Für Franklin Templeton ist ein Cyberkrieg das wahrscheinlichste Szenario. Die Fragmentierung zwischen Nationen und Regionen wird zunehmen. Nach der Pandemie könnten sich die reichen Länder gezwungen sehen, ihre Verpflichtungen gegenüber multilateralen Organisationen wie der Weltbank zu erneuern. Doch das Entwicklungsgefälle bleibt und wächst, so dass der Migrationsdruck weiter anhält.
- «Die Welle des Klimawandels»: Der Klimawandel wird die Spannungen an den Grenzen zunehmend verschärfen, die landwirtschaftliche Produktion bedrohen und die sozialen Spannungen in vielen Regionen verstärken. Dieser Prozess verschärft auch die bestehende Kluft innerhalb der Länder: Beispielsweise Stadt gegen Land, Kohleregion gegen Solarregion.
Globale Möglichkeiten ausnutzen
Die Unternehmen werden den Veränderungsdruck auf vielen Ebenen zu spüren bekommen - vom verschärften Wettbewerb um Arbeitskräfte und Investitionen in technologische Innovationen bis hin zu einer immer strengeren Gesetzgebung vor dem Hintergrund des Klimawandels und geopolitischer Spannungen. Führungskräfte werden deshalb ein breiteres Spektrum an Fähigkeiten und Erfahrungen benötigen, um erfolgreich zu sein.
Aus Sicht der Vermögensallokation müssen laut Franklin Templeton Rendite-Erwartungen, Volatilität und das allgemeine Risikomanagement neu gedacht werden. Wenn zum Beispiel die Zinsen länger niedrig bleiben kann die Auswahl geeigneter «Safe Haven»-Investments, eine kreativere Nutzung globaler Optionen ausserhalb des Heimatlandes des Anlegers erfordern, so die Investmentfirma.
(pm/gku)