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Falscher Mehltau der Sonnenblume
mildiou du tournesol (franz.); downy mildew (engl.)
wissenschaftlicher Name: Plasmopara halstedii (Farl.) Berl. & De Toni
Synonyme: Plasmopara helianthi Novot.
Taxonomie: Chromista, Peronosporomycetes (früher Oomycota oder Oomycetes), Incertae sedis, Peronosporea, Peronosporidae, Peronosporales, Peronosporaceae
Der Falsche Mehltau der Sonnenblume (Plasmopara halstedii) kommt in allen Anbaugebieten der Sonnenblume vor und ist eine der gefährlichsten Krankheiten dieser Pflanzenart (Hofmann und Schmutterer 1999). P. halstedii ist obligat biotroph und ist somit während des Wachstums auf lebendes Wirtsgewebe angewiesen. Das Pathogen kann mehrere Jahre im Boden als Oospore überleben. Diese verursachen Primärinfektionen an Keimlingen. Das Myzel des Parasiten breitet sich zunächst in der ganzen Pflanze aus. Später werden Sporangien auf der Blattunterseite gebildet, die mit Regen und Wind verbreitet werden und Sekundärinfektionen auslösen können. Eine weit gestellte Fruchtfolge mit Anbaupausen von 3-4 Jahren, die Bekämpfung von Ausfallsonnenblumen sowie anfälligen Unkräutern in der Nachfolgekultur, der Anbau von resistenten Sorten und die Verwendung von gesundem Saatgut können einen Befall verhindern. Ein Befall der Sonnenblumen mit Falschem Mehltau ist den kantonalen Pflanzenschutzfachstellen umgehend zu melden.
Abb. 1. Falscher Mehltau der Sonnenblume (Plasmopara halstedii)
Abb. 2. Falscher Mehltau der Sonnenblume (Plasmopara halstedii): weisser, filziger Belag auf der Blattunterseite
Krankheitsbild
Ein früher Befall kann zum Absterben der Keimlinge oder von jungen Pflanzen führen. Befallene Pflanzen wachsen langsamer und haben verdickte, gestauchte Stängel. Sie zeigen oft Zwergwuchs. Auf der Oberseite der Blätter entstehen entlang der Blattadern hellgrüne bis gelbe, eckige Flecken (Abb. 1). Auf der Unterseite ist ein weisser, filziger Belag zu sehen (Sporangien) (Abb. 2). Die Wurzeln wachsen langsamer und sind verdickt. Viele infizierte Pflanzen sterben vor der Samenreife ab.
Pathogen
Die Sporangienträger der Plasmopara halstedii sind stark verzweigt, wobei der Hauptast stärker wächst als die Seitenäste. An den Verzweigungsenden befinden sich drei Sterigmen an denen eiförmige Sporangien gebildet werden. Die Sporangien entlassen 15 bis 36 bewegliche Zoosporen.
Der Pilz wächst interzellulär. Die farblosen Hyphen befinden sich in allen Teilen der Pflanze mit Ausnahme des Meristems. Die Hyphen bilden spezielle Organe (Haustorien) in die Wirtszellen, um sich zu ernähren.
Die sexuelle Fortpflanzung resultiert in der Bildung von dickwandigen Oosporen.
Abb. 3. An den Verzweigungsenden der Sporangienträger befinden sich drei Sterigmen an denen sich Sporangien bilden.
Abb. 4. Sporangien der Plasmopara halstedii
Lebenszyklus
Der Falsche Mehltau der Sonnenblume (Plasmopara halstedii) ist obligat biotroph und ist damit während der Wachstumsphase auf lebendes Wirtsgewebe angewiesen. Der Parasit kann mehrere Jahre im Boden als Oospore überdauern. Er wird auch mit infiziertem Saatgut (mit Myzel oder Oosporen) auf die Nachfolgegeneration übertragen.
Im Frühling, nach einem Kälteschock und in feuchten Böden, keimen die Oosporen mit je einem Zoosporangium, das bewegliche Zoosporen entlässt. Die Zoosporen schwimmen aktiv zu den Wurzeln von Keimlingen, encystieren an der Oberfläche, bilden einen Keimschlauch und dringen in das Wirtsgewebe ein. Zwei bis drei Wochen alte Sonnenblumen sind zunehmend resistent gegen solche Primärinfektionen. Das Myzel des Parasiten breitet sich in der Folge in der ganzen Pflanze interzellulär (zwischen den Zellen) aus. Die Ernährung erfolgt über Haustorien, die in die Wirtszellen eingesenkt werden. Bei kühler Witterung und hoher Luftfeuchtigkeit treten aus den Spaltöffnungen auf der Blattunterseite verzweigte Sporangienträger hervor, an denen endständig die Sporangien sitzen (weisser, filziger Belag). Diese stellen die asexuelle Verbreitungseinheiten des Parasiten dar und werden über Wind und Regen auf gesunde Pflanzen verbreitet. Die Sporangien entlassen wiederum Zoosporen, die Sekundärinfektionen auf den Pflanzen auslösen können, falls flüssiges Wasser auf der Pflanzenoberfläche vorhanden ist.
Gleichzeitig vermehrt sich der Parasit im kranken Pflanzengewebe (Wurzeln und Stängel) auch sexuell und bildet Oosporen. Diese gelangen in den Boden, wo sie mehrere Jahre (5 bis 10 Jahre) überdauern können.
Wirtsspektrum
P. halstedii kann über 100 Arten aus der Familie der Asteraceae befallen. Hauptwirtspflanzen sind kultivierte und wild wachsende Sonnenblumen (Helianthus annuus), Topinambur (Helianthus tuberosus) oder Ramtillkraut (Guizotia abyssinica). Auch werden viele Unkrautarten befallen, unter anderem Spitzkletten (Xanthium strumarium) oder Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia).
Wiederholt konnten Pathotypen (Rassen) nachgewiesen werden. Die Sonnenblumensorten sind unterschiedlich anfällig / resistent gegenüber diesen Pathotypen.
Bekämpfung
- Eine weit gestellte Fruchtfolge mit Anbaupausen von 3-4 Jahren einhalten (Häni et al. 2008).
- Ausfallsonnenblumen und anfällige Unkräuter aus der Familie der Asteraceae in den Folgekulturen bekämpfen.
- Anbau von resistenten Sorten: Die in der Schweiz empfohlenen Sorten weisen eine Resistenz gegenüber den wichtigsten in Frankreich identifizierten Stämmen des Falschen Mehltaus auf (Baux 2014). Manchmal kann auch ein Wechsel zu Sorten mit anderen Resistenzen helfen.
- Saatzeitpunkt so wählen, dass nach der Saat einige Tage kein Regen fällt. Der Boden darf während der Samenkeimung nicht zu nass sein. Zu dieser Zeit finden am meisten Primärinfektionen statt, aber nur bei nassen Bedingungen. Eine geeignete Bodenbearbeitung kann ebenfalls helfen, den Abfluss des Wassers zu begünstigen.
- Gesundes, zertifiziertes Saatgut verwenden. Eine Saatgutbeizung mit Metalaxyl-M ist möglich, wird aber in der Schweiz nur noch in Ausnahmefällen empfohlen, um eine weitere Ausbildung und Verbreitung von metalaxyl-resistenten Stämmen zu verhindern.
- Ein Befall der Sonnenblumen mit Falschem Mehltau ist den kantonalen Pflanzenschutzfachstellen weiterhin umgehend zu melden.
Literatur
Baux A, 2014. Liste der empfohlenen Sonnenblumensorten für die Ernte 2014. Agrarforschung Schweiz 5 (2) (http://www.swissgranum.ch/files/sonnenblumen_d.pdf)
Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A und Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.
Hoffmann GM, Schmutterer H, 1999. Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart: 675 S.