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„Die Intensivstationen stehen seit November 2020 an der Grenze ihrer Kapazitäten. Bei einer grossen Zahl von Patienten – wir gehen von ungefähr 19’000 Fällen aus – mussten geplante medizinische Eingriffe verschoben werden. Der Anteil von auf die Intensivstation verlegten COVID-19-Patienten nahm im Herbst ab. Dies könnte auf erfolgreiche Behandlungen hinweisen oder, was weitaus problematischer wäre, auf eine Art informelle Patienten-Triage.
(…) Die Schweizer Krankenhäuser funktionieren also seit einigen Monaten am Rande der Auslastung. Zwei Konsequenzen werden hier analysiert.
Erstens wurden sehr viele elektive (d. h. geplante) Operationen verschoben, um Intensivbetten für schwere COVID-19-Fälle freizumachen. Die Zahl der von Nicht-Covid-19-Patienten belegten Betten (für elektive Eingriffe oder Notoperationen) sank von etwa 600 im Sommer 2020 auf 300 im Herbst. Gemäss unserer Schätzung hätten seit Beginn der zweiten Welle normalerweise ungefähr 19’000 Patienten nach einem geplanten medizinischen Eingriff auf die Intensivstation verlegt werden müssen, sind jedoch aufgrund des Aufschubs der Prozedur nicht eingeliefert worden. Solche Verzögerungen können sich natürlich, je nach Art des Leidens und der Natur der geplanten Eingriffe, durchaus negativ auf die Gesundheit der Patienten auswirken.
Unsere Einschätzung stimmt mit den von verschiedenen Universitätskliniken kommunizierten Wartelisten überein. (…)
Zweitens legt unsere Analyse die Hypothese nahe, dass viele stationäre Covid-19-Patienten aufgrund einer informellen Triage-Situation im Krankenhaus nicht auf die Intensivstation verlegt werden konnten. Tatsächlich sank der Anteil solcher auf der Intensivstation aufgenommen Patienten um die Hälfte: von 22% im Sommer 2020 auf 10% in der zweiten Welle. (…)
Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Überbelegung der Krankenhäuser zu einer informellen Triage-Situation führt, in der einigen Patienten der Zugang zur notwendigen Intensivpflege vorenthalten wird. Von einer solchen Situation dürften am Höhepunkt der zweiten Welle ungefähr 12% aller Patienten betroffen gewesen sein, wenn man davon ausgeht, dass der im Sommer verzeichnete Anteil von 22% der Normalsituation entspricht, in der eine ausreichende Krankenhausversorgung gewährleistet werden kann.»
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Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften und die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin haben Triage-Richtlinien erlassen und seit Beginn der Corona-Pandemie zweimal überarbeitet (Link zum Bericht von Unser Recht über die Revision vom 17. Dezember 2020). Wenn die Science Task Force nun annimmt, dass «informelle Triage» vorgenommen wurde, stellt sich die Frage, ob und wie sich das “informelle” Vorgehen auf die Anwendung dieser Richtlinien auswirkte.
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Siehe auch:
Dario Picecchi: “Lässt sich Altersdiskriminierung bei der Zuteilung knapper medizinischer Ressourcen vermeiden?” (Link)
“Triage-Entscheide müssen vor den Menschenrechten Bestand haben” (Link)