Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/2680

Trains Down Under - Teil 12: Kia Ora Kaikoura
Von Pascal ZinggDonnerstag 30.7.2015 Christchurch – Kaikoura
Bevor wir so richtig mit Neuseeland starten, erst einmal einige Infos zur dortigen Eisenbahn. Neuseeland besteht bekanntermassen aus zwei grossen Inseln. Beide Inseln verfügen dabei über je ein Eisenbahnsystem mit einer Spurweite von 1067mm (Kapspur). Beide Systeme sind über die Fähre Wellington – Picton miteinander verbunden. Die Fährgesellschaft Interislander ist dabei eine Tochter der staatlichen Kiwi Rail und befördert mehrmals täglich Güterwagen in beiden Richtungen. Da wir uns auf dieser Tour nur auf der Südinsel bewegt haben, beschränken sich die folgenden Infos ausschliesslich auf diese. Das Eisenbahnsystem der Insel beinhaltet drei wichtige Linien. Vom Bahnknoten Christchurch erreicht man über die Main North Line den Fährhafen in Picton, über die Main South Line Dunedin und Invercargill und über die Midland Line Greymouth via den Arthur’s Pass. Rund um Greymouth gibt es zudem einige Stichstrecken, die etwas Güterverkehr aufweisen. Alle anderen Strecken sind still gelegt oder werden im besten Fall von einer Museumsbahn betrieben. Die bekannteste dieser Bahnen dürfte die Dunedin Railway sein, die unter anderem den Touristenzug durch die Taieri Gorge nach Middlemarch betreibt. Die Eisenbahn Neuseelands wurde Mitte der 90er Jahre privatisiert. Fortan wurde die Eisenbahn von einem amerikansichen Konsortium unter dem Namen Tranz Rail betrieben. Leider war das Frachtaufkommen unter der Ägide von Tranz Rail stark rückläufig. Dies führte dazu, dass das Unternehmen rote Zahlen schrieb und den Streckenunterhalt vernachlässigte. In der Folge kaufte der australische Logistikkonzern „Toll“ die Tranz Rail auf und fungierte ab 2000 als neues EVU. Die Infrastruktur wurde 2003 nach langwierigen Verhandlungen von der neuseeländischen Regierung zurückgekauft. Infolge diverser Streitigkeiten erklärten die Neuseeländer die Privatisierung im Jahr 2006 für gescheitert. Sie kauften auch das Rollmaterial von der Toll Holding zurück und fuhren in der Folge wieder selber unter dem Namen Kiwi Rail. Obwohl es Toll Rail und Tranz Rail seit zehn und mehr Jahren nicht mehr gibt, sind bis heute einige Loks in alten Lackierungen unterwegs. Während die grün/gelbe Toll-Variante einen Kiwi-Rail-Schriftzug erhalten hat, verkehrt die schwarz/gelbe Bumblebee-Variante der Tranz Rail noch immer mit der Aufschrift TR. Die meisten Loks sind jedoch in einem der beiden Kiwi Designs in rot/grau/gelb gehalten. Während es auf der Nordinsel rund um die Ballungszentren von Auckland und Wellington Personen Nahverkehr gibt, sucht man diesen auf der Südinsel vergebens. Die einzigen Personenzüge sind hier der Tranz Alpine (Christchurch – Greymouth) und der Coastal Pacific (Christchurch – Picton, ehemals Tranz Coastal). Letzterer fährt auf Grund der schwindenden Passagierzahlen jedoch nur im Sommer. Beide Züge wurden vor einigen Jahren in der Eisenbahn-Romantik portraitiert und dürften deshalb dem einen oder anderen Eisenbahnfan in Mitteleuropa ein Begriff sein.
Kommen wir nun aber zurück zu unserer Tour. Diese hatte zwei Hauptziele, die Main North Line und die Midland Line. Welche wir zuerst bearbeiten war derweil schnell klar, denn der Wetterbericht sagte für Kaikoura zwei schöne Tage voraus. Da die Strecke rund um dieses Kaikoura rund 150km mehr oder weniger dem Meer entlangläuft, schien dies ein „No-Brainer“ zu werden. Guter Dinge gingen wir an diesem Morgen gegen zehn Uhr zur Autovermietung um wenige Minuten später auf dem State Highway 1 Christchurch in Richtung Kaikoura zu verlassen. Es dauerte derweil nicht lange, da kam uns ein Güterzug entgegen. „So schnell haben wir auf dieser Tour wohl noch nie einen Zug gesehen“, meinte David. Wenn er mit dieser Aussage darauf schloss, dass es in Neuseeland mehr Züge gab als in Australien, hatte er sich allerdings extrem getäuscht. Wir erreichten gegen Mittag den Ort Oaro. Hier trifft der SH1 aufs Meer und die Eisenbahn. Dass dabei gleich die erste Strassenbrücke eine gute Stelle ist, blieb uns derweil nicht verborgen. Sie hatte allerdings noch kein Seitenlicht, weshalb wir uns entschlossen noch etwas weiter an Kaikoura vorbei in Richtung Picton zu fahren. Zwar konnten wir dabei einige Stellen auf unserer Karten markieren, doch mussten wir ebenfalls feststellen, dass auch in diesem Neuseeland sehr viel eingezäunt war, so dass einige vielversprechenden Stellen nicht erreichbar waren. Trotzdem war schnell klar, dass hier einiges zu machen war. Alles was man brauchte, war ein Zug, der gegen Mittag von Oaro in den Norden fuhr. Verfolgte man diesen Zug ein bis zwei Mal, sollten einige gute Bilder dabei rauskommen. Genau diesen Zug fanden wir an diesem Tag jedoch nicht. So entschieden wir uns für einen Zwischenstopp um einige Bilder vom Meer und den sich sonnenden Seebären zu machen. Die Seebären sind in Neuseeland geschützt und deshalb in der Region von Kaikoura sehr zahlreich. Wenn sich auf den Felsen am Meer bewegt muss man regelrecht aufpassen, dass man nicht auf sie drauf tritt. Wenn man einigen Individuen so zuschaut, wie sie in der Sonne liegen und einfach nur schlafen, könnte man meinen, sie hätten den Ausdruck mit der faulen Haut erfunden. Als ich mich gerade einem solchen schlafenden Exemplar nährte, bemerkte ich, dass einige Zentimeter vor mir eine zweiter Seebär lag. Dieser bewegte sich nicht und schien auch mich nicht wahrzunehmen. War die etwa tot? Das hätte immerhin erklärt, wieso er so extrem nach Fisch stank. Als ich jedoch mit der Zuge schnalzte richtete er sich auf, wich ein bisschen zurück und fachte mich dann an. Gespannt warf ich ihm einen Blick zu und fragte mich, was er nun tun würde. Er bemerkte derweil, dass sein Fauchen nichts brachte, entnervt robbte er deshalb davon.
Trotz dieser Begegnung mit den Robben fehlte uns an diesem Tag noch immer etwas entscheidendes: Der Zug. Als wir in Ward ankamen, verriet uns der Blick auf die Karte, dass hier die Bahn das Meer wieder verlässt. Da kein Zug unmittelbar vor uns sein konnte, entschlossen wir uns wieder in Richtung Kaikoura und Oaro zu fahren. Als wir Kaikoura erreichten war es schon fast 16 Uhr und die Sonne drohte so langsam hinter den Bergen zu verschwinden. Dies liegt daran, dass Kaikoura im Pacific Alpine Triangle liegt. Sprich die Südalpen treffen hier unmittelbar auf den Pazifik. Trotz des drohenden Sonnenuntergangs konnten wir in Kaikoura jedoch ein grünes Signal ausmachen. Es schien als würde es an diesem Tag doch noch klappen mit einem Bild. Flink fuhren wir eine Nebenstrasse ab, die hinter dem Ort der Bahn folgte. Wenig später war dann auch eine Stelle ausgemacht. Wir stellten uns auf und hörten alsbald einen Zug pfeifen. Dann passiert allerdings lange nichts. Einzig die Sonne kam den Kaikoura Ranges immer näher. Trotz oder gerade wegen dem vielem Hoffen und Bangen hatte die Eisenbahn ein Einsehen mit uns. So dass es an diesem ersten Tag doch noch mit einem Bild klappte.
Freitag 31.7.2015 Kaikoura – Kaikoura
„It’s a lovely morning, isn’t it“, meinte die Bedienung an der Tankstelle in Kaikoura, als wir an diesem Morgen unser Frühstück kauften. Sie hatte in doppelter Hinsicht recht. Zum einen strahlte uns die Sonne mit voller Kraft ins Gesicht, andererseits hatten wir auf Anhin einen Zug im Bahnhof entdeckt, dieser wartete offensichtlich auf den Kreuzungszug, der gerade durchfuhr. Dies war zwar etwas doof, denn für den Südfahrer hätten wir eine Stelle gehabt. Nichts desto trotz waren wir froh, dass wir etwas in den Norden verfolgen konnten. Dabei mussten wir allerdings auch feststellen, dass der Zug für unser Vorhaben etwas zu früh unterwegs war. So stand die Sonne an den vielen Stellen parallel zu den Gleisen oder die Berge produzierten noch viele Schatten. Trotz dieser Probleme gab es zwei Bilder vom Küstenabschnitt.
Da die Strecke nun in Richtung Blenheim wegdrehte, sollte auch der Winkel der Sonne besser zu werden, weshalb wir weiter der Strecke entlangfuhren. Ohne zu wissen, was uns erwartete, fuhren wir zum Lake Grassmere und seinen Salzgärten. Hier fanden wir einen Hügel, der ausnahmsweise nicht eingezäunt war, weshalb wir uns auf diesen stellten und ein Panoramabild vom Zug anfertigten. Zu unserem erstaunen hatte die Lok anscheinen „gejüngelt“, hing doch hinter der DXC doch plötzlich auch noch eine DXB an diesem Zug.
Im Anschluss liessen wir den Zug fahren und hofften darauf auf unserem Weg nach Oaro und Kaikoura auf einen nächsten Zug zu treffen, der noch etwas besser im Licht kam. So trafen wir gegen Mittag wieder in Oaro ein, wo das grosse Warten begann. Als die Stelle gegen 15 Uhr im Schatten versank, hatten wir allerdings nur einen Hirailer gesehen.
Etwas enttäuscht über diesen Nachmittag fuhren wir nach Kaikoura, wo wir uns noch einige Stellen im Ort anschauten, ehe wir ein grünes Einfahrtssignal entdeckten. Wir fuhren deshalb auf die andere Seite des Ortes und stellten uns an einem Bahnübergang auf. Die dortige Stelle war zwar keine Überstelle, es war jedoch der einzige Ort, bei welchem der Zug noch im Licht kam. So entstand immerhin ein brauchbares Protraitbild einer DXR.
Da uns diese DXB, DXC und DXR in den nächsten Tagen immer wieder verfolgen werden, hier einige Infos zu diesen Loks. In Neuseeland beginnen alle Dieselloks mit einem D, der zweite Buchstabe ist der Index. So wird die DX in der Ursprungsform mit einem hochgestellten „X“ geschrieben. Warum die Lok jedoch den Index X hat, ist ein Geheimnis der Kiwis, sie reiht sich nämlich zwischen DC und DF ein. Hergestellt wurden die 49 DX zwischen 1972 und 1975 von General Electric. Es handelt sich dabei um eine U26C. Solche Loks verkehren ebenfalls in Brasilien und auf dem afrikanischen Kontinent, zum Beispiel als 34-900 Serie bei den Südafrikanern. Die DX sind heute in drei Varianten anzutreffen. Bei der DXB und DXC wurden dabei kleinere Modifikationen vorgenommen. Am auffälligsten sind dabei die neuen durchgängigen Frontfenster. Die DXC haben zusätzlich „Höcker“ am Maschinenhaus gekriegt, weshalb man sie auch äusserlich gut von den DXB unterscheiden kann. Bei der DXR handelt es sich derweil um eine Umbauvariante der ursprünglichen DX. Der Prototyp wurde 1993 aus der DX 5362 umgebaut, welche seit 1989 infolge eines kaputten Rahmen abgestellt war. Die Lok erhielt den Buchstaben R für „rebuilt“ und die Nummer 8007. Eigentlich wollten die Neuseeländer alle DX umbauen, doch kam ihnen die Privatisierung dazwischen. So wurden die Modernisierungspläne von Tranz Rail wieder verworfen. Toll Rail baute derweil 2005 die im Jahre 2000 verunfallte 5235 in die DXR 8022 um. Wenn ihr euch nun wundert, wieso die Loks in 8007 und 8022 umbenannt wurden, so machen wir einen weiteren Exkurs ins Nummernsystem der Neuseeländer. Die Neuseeländer vergeben ihren Loks seit 1980 eine Computernummer. Diese Nummer ist vierstellig, wobei die letzte Ziffer eine Kontrollziffer ist. Die beiden DXR tragen damit die Nummern 800-7 und 802-2.
Nun aber wieder back to business. Nach dem Bild von der DXR bei Kaikoura fanden wir es etwas arg früh um zurück zum Motel zu gehen. Wir fuhren deshalb nochmals raus zur Kaikoura Halbinsel, wo wir einige Landschaftsaufnahmen machten. Ganz an der Spitze trafen wir dabei auch wieder auf Seebären. Die lagen hier nicht nur auf deinen Steinen. Einige Jungtiere lagen auch in der Wiese und schienen sich so gar nicht an den Touristen zu stören.
Samstag 1.8.2015 Kaikoura - Christchurch
Wie vom Wetterbericht versprochen, war das Wetter an diesem Morgen nicht sonderlich gut. Trotzdem rafften wir uns auf und standen kurz vor neun an der Strecke. Wir stellten uns hinter Kaikoura für den morgentlichen Südfahrer, der mit den beiden DXR, jedoch ohne Licht kam. Weiter ging es derweil an die Stelle kurz vor Ward, hier hatten wir bereits am Tag zuvor ein Bild angefertigt. Wir wollten hier jedoch die Sträucher noch etwas kürzen, dass man auch an der Strasse stehen konnten. Nach getaner Arbeit entschieden wir uns auf den Zug zu warten. So dass ein weiteres Schlechtwetterbild an diesem Tag entstand.
Im Anschluss ging es an den Bahnhof von Ward. Eigentlich wollten wir hier zuschauen, wie der Zug mit einer Vorspannlok verstärkt wurde. Da man jedoch nicht richtig zum Bahnhof kam, liessen wir dieses Unterfangen sausen. In der Folge fuhren wir in Richtung Blenheim und Picton. Wie erwartet war die Strecke auf diesem Abschnitt weniger spektakulär, so dass wir bis Blenheim nicht sehr viele Stellen sahen. Der Abschnitt von Blenheim nach Picton schien da etwas interessanter, verläuft er doch durch ein Flusstal. Sümpfe, der Urwald und viele Zäune liessen uns jedoch erahnen, dass das in diesem Bereich nicht viel geben konnte. Auch Picton selber war nicht sehr fotogen. Zumindest was den Ort angeht. Picton liegt nämlich an einer Fjordähnlich Bucht, dem Malborough Sound.
Wir stellten fest, dass man hier immerhin ein ankommendes Fährschiff sehr gut fotografieren konnte. Eine solche Ankunft stand jedoch nicht bevor. Sowohl die Aretere, ein der beiden Eisenbahnfähren, der Interislander, als auch diejenige der Bluebridge lagen nämlich schon im Hafen. Während auf der Bluebridge Spezialtransporter Lastwagenanhänger auf die Fähre fuhren, war auf der anderen Seite eine DS der Kiwi Rail damit beschäftigt Wagen aus dem Bauch der Aratere zu holen und andere Wagen wieder auf die Fähre zu laden. Nach dem wir Treiben einige Minuten vom Lookout oberhalb vom Picton zugeschaut hatten, entschieden wir uns weiter zu fahren. Wir folgten dabei der Touristenstrasse, die einige Kilometer dem Malborough Sound entlang führte und dann zum Pelorus Sound überführt. Im Anschluss ging es zurück nach Blenheim. Hier wollten wir uns noch eine Schmalspurbahn anschauen, die wir auf unserer Karte gefunden hatten. Der Endbahnhof lag dabei in einer Art Museum. Bei der Bahn handelt es sich um eine Feldbahn, die an zwei Sonntagen im Monat Touristen entlang des Taylor River fährt. Neben der Feldbahn gab es auch eine 7 ¼“ Gartenbahn. Auch diese war jedoch nur Sonntags in Betrieb. Allein ihre Existenz zeigte uns allerdings, dass es ihn auch in Neuseeland gibt, diesen Eisenbahnfan. Neben den beiden Bahnen gab es ebenfalls ein Landmaschinenmuseum. Dies bestand im wesentlichen aus Wellblechütten, die mit mehreren Tonnen Agrarschrott vollgestellt waren. Vom Traktor, über die Erntemaschine, bis hin zum 0815 Diesel fand man hier alles. Neben Eisenbahn und Landmaschinen hatte des weiteren auch der lokale Taubenzüchterverein sein Vereinsheim auf dem Areal. Etwas überrascht ab soviel Kuriosität, verschoben wir uns zum Vesper, um danach nach Dunedin aufzubrechen. Dachten wir zumindest, denn eine Distanz von rund 650km nach Dunedin schreckte uns dann doch etwas ab. So änderten wir unsere Pläne und fuhren nur nach Christchurch. Auf dem Weg dorthin liefen wir derweil noch auf einen Güterzug auf, der aber trotz des aufklarenden Himmels nirgends so richtig im Licht kam.