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|Abt Ulrich von Sax (1204-1220)

Abt Ulrich von Sax
Ulrich von Sax, 1204-1220. Ulrich wurde am 18.12.1204 zum Abt gewählt. Er war ein Neffe des damaligen Dekans Heinrich von Sax, der für seine Ausbildung besorgt gewesen war und ihn zum Studium nach Paris und Bologna geschickt hatte. Nach seiner Rückkehr ins Kloster war Ulrich Portarius. Wahrscheinlich 1207 ließ er seine Wahl von König Philipp bestätigen und erhielt - erstmals aktenkundig - als Abt von St. Gallen die Regalien verliehen. Ulrich hat sich mit der königlichen Investitur begnügt und auf die kirchliche Weihe verzichtet, weshalb er in einer Urkunde von 1209 noch electus genannt wird. Ulrich von Sax setzte die Machtmittel des Klosters bedenkenlos für familienpolitische Ziele ein, bereits 12o6 griff er mit Waffengewalt in die Auseinandersetzung seines Bruders Heinrich mit Graf Hugo I. von Montfort ein. Er verlieh 1208 die Schirmvogtei des Klosters, die er nach dem Tod Philipps von Schwaben ans Kloster zurückgezogen hatte, teilweise an seinen Bruder Heinrich. Doch nachdem Otto IV. auch von seinen Gegnern anerkannt worden war, mußte ihm Heinrich von Sax die Vogtei abgeben, erhielt aber dafür jene über Pfäfers und 300 Mark. Die unsichere Rechtslage über die Zugehörigkeit der Burg Rheineck zu Konstanz oder St. Gallen war der Anlaß zu blutigen Kämpfen zwischen Bischof Werner und Abt Ulrich, die Ende 1208 mit der Schlacht auf dem Breitfeld für Ulrich einen ungünstigen Ausgang hatte. Schließlich zog König Otto IV. diesen ehemals Staufischen Besitz ans Reich. Dies mag dazu beige-tragen haben, daß sich die beiden Saxner 1212 sofort auf die Seite Friedrichs II. stellten. Abt Ulrich zog dem jungen König, der über Chur reiste, entgegen und begleitete ihn von Altstätten über St. Gallen und Konstanz nach Basel, seither hielt er sich immer wieder an dessen Hof auf. Als Leiter einer königlichen Gesandtschaft ging er nach Rom zu Innozenz III., von dem er das Recht erhielt, die Inful zu tragen. 1217 überbrachte er dem neuen Papst Honorius III. die kaiserlichen Glückwünsche, der ihm das Recht, Mitra und Ring zu tragen, verlieh. Abt Ulrich wurde wiederholt vom Papst als Schiedsrichter in kirchlichen Streitigkeiten eingesetzt, so z.B. bei einer Äbtissinnenwahl am Fraumünster zu Zürich. Vom König erhielt er einen Teil der Vogtei wieder zurück, den er seinem Bruder verlieh. Mit dessen Hilfe und der seines Onkels, des Dekans, vermochte er die Klosterherrschaft durch Einziehen der Meierämter Tübach, Rorschach und Höchst zu festigen. Ebenso verfuhr er in Appenzell, wo er die Talschaft in sechs Rhoden einteilte, deren Abgaben für Grundherr und Vogt vom Rhodmeister eingezogen wurden, während anstelle des Meiers ein Ammann mit richterlichen Befugnissen eingesetzt wurde. Zur Intensivierung der äbtischen Herrschaft und zur Sicherung des Weges von der Herrschaft Sax im Rheintal nach St. Gallen erbauten Ulrich und sein Bruder Heinrich, der Klostervogt, die Burg Clanx. Als Bauherr ließ er 1215 den Glockenturm an der Nordseite des Münsters errichten, die Ostkrypta in eine Halle umbauen, die St.-Johann-Kapelle aus dem engeren Stiftsbezirk in die Nähe der Pforte verlegen, in den Schulturm die Kapelle St. Oswald und St. Thomas ein-bauen und, da die Stiftsherren nicht mehr gemeinschaftlich lebten, ein Dekanatshaus und eine Propstei erbauen. Unter ihm wurde der Stadtbezirk durch vier Kreuze abgegrenzt. Abt Ulrich war ein kriegslustiger, tatkräftiger, weitblickender und hochgebildeter Fürst, in manchem war er seiner Zeit weit voraus, so richtete er eine Wöchnerinnenfürsorge ein, durch die arme Frauen vierzig Tage lang gepflegt und unterhalten wurden. Ulrich war gerade daran, mit Friedrich II. nach Italien zu ziehen, als er, von einem Fieber erfaßt, am 23.9.1220 starb.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)