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In Gang gekommen
Otitis externa kann bei Diabetikern und Betagten schwer verlaufen
Starke Ohrenschmerzen, Otorrhö und ein vermindertes Hörvermögen sind klassische Symptome einer Entzündung des äusseren Gehörgangs. Die akute unkomplizierte Otitis externa lässt sich mit einer Lokaltherapie effektiv behandeln. Gleichzeitig darf eine Otitis externa maligna nicht übersehen werden.
Charakteristisch für eine Infektion des äusseren Gehörgangs sind die starken Schmerzen. Hinzu kommen Juckreiz, Otorrhö mit weisslichem, purulentem Sekret bei bakterieller Infektion, z.B. mit P. aeruginosa oder Staph. aureus, oder weisslich-grauem bis schwarzem Sekret bei Pilzinfektion. Etwa ein Drittel der Patienten mit akuter Otitis externa klagt zudem über eine Hörminderung, schreiben Veronica Barry vom Royal Wolverhampton Trust und Kollegen. Diese kann durch eine Schwellung der Haut des Gehörgangs oder durch Sekret bedingt sein. Die Lebensqualität der Betroffenen wird erheblich beeinträchtigt.
Verschiedene Risikofaktoren können eine Infektion des äusseren Gehörgangs begünstigen (s. Kasten). Besteht der konkrete Verdacht, sollten immer beide Ohren untersucht werden, das gesunde bzw. weniger stark betroffene Ohr zuerst. Typische Zeichen sind:
- Zunahme der Schmerzen bei Druck auf den Tragus oder bei Zug an der Ohrmuschel
- geröteter und entzündeter Gehörgang
- weisslicher, unangenehm riechender Debris
- schlechte Einsehbarkeit des Trommelfells
Spülung kann sehr schmerzhaft sein
Klagt der Patient allerdings über unverhältnismässig starke Schmerzen bzw. systemische Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel oder Appetitlosigkeit, kann eine Otitis externa maligna vorliegen. Gleiches gilt, wenn der Patient auf die Initialbehandlung nicht anspricht, im Gehörgang Granulationsgewebe oder freiliegender Knochen zu sehen ist oder wenn Hirnnerven beteiligt sind (Fazialisparese). Bei Verdacht auf Otitis externa maligna gehört der Patient unverzüglich zum HNO-Spezialisten und zur CT. Denn in diesen Fällen hat sich die Infektion bereits in die umgebenden Strukturen (Weichteilgewebe, Knorpel und Knochen) ausgebreitet. Im schlimmsten Fall drohen Osteomyelitis und Sepsis.
Wie wird nun die akute unkomplizierte Gehörgangsentzündung behandelt? Neben Analgetika eignen sich topische Antibiotika mit oder ohne Zusatz von Kortikoiden (z.B. als Spray), schreiben die britischen Kollegen. Liegt viel Sekret vor, sollte der Gehörgang vor der Lokalbehandlung mit trockenen Wattestäbchen (nicht zu tief einführen) oder einem Sauger gesäubert werden. Von einer Ohrspülung raten sie dagegen ab, weil diese für den Patienten sehr schmerzhaft sein kann. Ein Abstrich für die mikrobiologische Untersuchung ist bei Patienten mit unkomplizierter Infektion nicht erforderlich, wird aber empfohlen, wenn eine zweiwöchige Behandlung erfolglos war.
Zusätzliche orale Antibiotika sind selten erforderlich
Etwa 65–90 % der Patienten zeigen unter der topischen medikamentösen Therapie innerhalb von sieben bis zehn Tagen eine klinische Besserung. Bestehen nach einer Woche immer noch Beschwerden, soll eine weitere Woche behandelt werden. Bei milder Otitis externa kann alternativ zu einem topischen Antibiotikum auch Essigsäure verabreicht werden. Zudem sollten die Patienten auf Geräte, die das Ohr verschliessen, und Ohrstöpsel wenn möglich verzichten und das Ohr trocken halten.
Zusätzliche orale Antibiotika sind selten erforderlich. Sie sollten auf Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes oder Immunsuppression bzw. auf Fälle beschränkt werden, bei denen die Infektion nicht nur den Gehörgang betrifft, sondern auch die Ohrmuschel erfasst.
Risikofaktoren für eine Otitis externa
- Wasserexposition (Schwimmen)
- Trauma («Ohrenputzen», Kratzen, Intervention im Gehörgang)
- Hörgeräte, Ohrstöpsel (können zu kleinen Verletzungen oder zum Schwitzen führen und das Eindringen von Bakterien erleichtern)
- dermatologische Erkrankungen
- Diabetes, andere Ursachen für eine Immunschwäche
- höheres Lebensalter
- stattgehabte Ohroperation
Als Risikofaktoren für die Otitis externa maligna gelten Diabetes, fortgeschrittenes Lebensalter und Immunsuppression.
Barry V et al. BMJ 2021; 372: n714.