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Bei der Rekognoszierung Graubündens im Frühsommer 1936 wurden nur die Bündner Pässe erkundet und deren Befestigungen festgelegt. Diese wurden dann durch das Büro für Befestigungsbauten (BBB)
geplant und unter deren Bauleitung ab 1938 realisiert. Mit Ausbruch des Weltkrieges nahm dann ab 1940 das Baubüro der Gebirgsbrigade 12 (Geb Br 12) seine Arbeit auf. Es projektierte
Stellungen und Sperren, welche von den Truppenkommandanten festgelegt wurden. Aufgabe des Baubüros war es unter anderem auch die Ausschreibungen und Arbeitsvergabe zu machen. Ebenso war es
für die anschliessende Bauleitung verantwortlich. Diese Sperrstellen ergänzten das vom BBB erbaute Dispositiv und staffelten die Verteidigung in die Tiefe. Die Sperrstellen zwischen Susch
und Zernez sind solche vom Baubüro Geb Br 12 erbauten Anlagen.

Während die Einfallsachsen von Norden bei Lavin und diese aus Osten durch das Münstertal bei Ova Spin bereits durch Anlagen des BBB gesperrt wurden, galt es eine rückgelagerte Sperre zu
errichten, welche einen durchgebrochenen Gegner aufhalten konnte. In der Talenge zwischen Susch und Zernez wurde eine Stelle gefunden, welche beide Aufgaben erfüllen konnte.
Die ganze Sperrstelle bestand aus drei Teilsperren, welche ab Herbst 1940 errichtet wurden. Hauptsperre bildete die Sperrstelle Crastatscha. Sie bestand aus einem Infanteriewerk, welche mit
Pz BK38 und Mg ausgerüstet war und auf das ganze Panzerhindernis wirken konnte. Zwei Gegenwerke deckten das Hauptwerk. Hauptdefizit der Sperre war aber, dass keine Infanteriekanone (IK) zur
Panzerabwehr verbaut war. Dies versuchte man, durch eine Stellung für eine mobile IK in Form eines IK-Schild auszugleichen. Damit die Sperren nicht umfahren werden konnten, errichtete man
im Inn sogar noch eine Flusssperre. Die Betonsockel für die Befestigung der Stahlseile kann man dort noch heute sehen.
Verstärkt wurde die Hauptsperre durch eine nördlich vorgelagerte Sperre bei Güstizia. Diese bestand aus zwei MG Kavernen. Die Hauptsperre konnte östlich über den Sattel von Clüs durch
Infanterie umgangen werden. Deshalb errichtete man dort auch noch zwei Lmg-Kavernen und sperrte so diesen Übergang.
Wie wichtig diese Sperrstelle auch im Kalten Krieg noch war, zeigen die zahlreichen Verstärkungen, welche man baute. So wurde die Strasse mit einem Sprengobjekt versehen und zahlreiche
Unterstände erstellt. Bei Güstizia errichtete man auch einen Rgt KP aus Betonfertigelementen. Wichtigste Verstärkung war aber der in den 70er Jahren bei Susch erstellte 8.1cm Festungsminenwerfer.
Dieser war so geschickt platziert, dass er mit seinem Feuer sowohl auf die Sperrstellen bei Lavin als auch bei Susch - Zernez wirken konnte.
Noch heute sind die gesamten Anlagen der Sperrstelle zum grössten Teil mit ihren Tarnungen erhalten geblieben und können gut abgelaufen werden. Sogar bis nach Clüs gelangt man ohne Probleme,
da die Strasse nicht durch ein Fahrverbot gesperrt ist. Bei unserer Erkundung im Herbst 2010 war einzig das Werk A7620 Güstizia rechts nicht zu fotografieren. Dies nicht weil die Anlage
abgebrochen wäre, sondern weil man bei Forstarbeiten die ganzen Baumabfälle auf das Werk hinunter geschoben hatte.

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Anlagen Crastatscha West
Anlagen Crastatscha Ost
Anlagen Clüs
Festungsminenwerfer A7616