Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/1627

In vielen Berufssparten hat man heutzutage Kontakte zu internationalen Geschäftspartnern. Die Kommunikation findet dabei meistens auf Englisch statt. Doch neben soliden Kenntnissen der eigentlichen Sprache sollte man sich auch der kulturellen Unterschiede bewusst sein, um Missverständnisse zu vermeiden.
Ein klassisches Beispiel ist die deutsche Höflichkeitsform «Sie» und die Anrede mit Nachnamen, die in englischsprachigen Ländern anders angewendet wird. Das informelle «you» verringert automatisch die Distanz zum Gegenüber – selbst Vorgesetzte werden in der Regel mit Vornamen angesprochen. Die einzige Bastion des «Mr/Mrs» bleibt die Schule. In skandinavischen Ländern aber werden selbst Lehrer mit Vornamen und «Du» angeredet.
Kritik auf Englisch: besser nicht
Trotzdem sollte man beim Kritisieren nicht den Fehler machen, auf allzu grosse Familiarität zu schliessen. So haben Briten und Amerikaner die Kunst der indirekten Kritik perfektioniert. Wir Kontinentaleuropäer ecken aber gerne mit unserer Direktheit an. Nicht nur werden Praktiken wie die «Sandwich Technique» für Feedback aktiv gefördert (immer im Format: Lob, Kritik, Lob), sondern negative Aussagen werden in den allermeisten Situationen tunlichst vermieden. Ich sage also nicht «Das können Sie so nicht machen», sondern besser «Ich frage mich, ob dies nicht bessere Resultate hätte, wenn man diese kleine Änderung vornehmen würde.»
Welche Art der Kommunikation hier die effektivere ist, ist nicht entscheidend. Sicher aber ist, dass man sein Gegenüber nicht brüskieren sollte, wenn es um wichtige Entscheidungen im Berufsleben geht. Also: die Höflichkeit besser etwas «höher schrauben», als man es selbst vielleicht für nötig hält.
Englisch als Lingua Franca
In der internationale Geschäftswelt ist es von Vorteil, Business English (Wirtschaftsenglisch) zu beherrschen. Hier wird vor allem Wert auf das entsprechende Vokabular gelegt; die korrekte Grammatik ist hier nicht mehr ganz so entscheidend, solange das gegenseitige Verständnis sichergestellt ist. Die ESL («École Suisse de Langues») ist eine von vielen, die Kurse an zahlreichen Orten anbieten, zum Beispiel in London.
Interessant ist die Entwicklung des «Internationalen Englisch»: in vielen Fällen spricht keiner der beiden Gesprächspartner Englisch als Muttersprache, und in der Folge wird ein simples Englisch gesprochen. Der Franzose Jean-Paul Nerrière hat diese neue Lingua Franca «Globish» getauft und behauptet, man könne sich bereits mit 1 500 Wörtern ausreichend verständigen (das «Oxford English Dictionary» enthält 400 000 Einträge!). Die Kommunikation erfolgt also auf einem stark vereinfachten Niveau, die Nuancen dieser eigentlich sehr bildlichen Sprache fallen dabei weg.
Unterschiedliche Kulturen
Neben der sprachlichen Einschränkungen haben internationale Gesprächspartner unterschiedlichen Kulturen: gemeinsame Bezugspunkte fehlen und man kann schnell ins Fettnäpfchen treten. Besonders irritierend kann dies im Umgang mit US-Amerikanern sein, weil man glaubt (z.B. aufgrund der Musik oder von Kinofilmen), man kenne deren Alltag fast wie den eigenen. Aber die Erfahrung, in einem Land aufgewachsen zu sein, bleibt eine völlig andere.
Ein Beispiel, das uns Europäer oft schmunzeln lässt, ist die amerikanische Freude an der Herkunft ihrer Vorfahren. Die meisten Amerikaner können aus dem Stegreif aufsagen, dass sie – beispielsweise – etwa 25% norwegisch und 12,5% schottisch sind, und suchen voller Enthusiasmus nach entfernten Verwandten in aller Welt (die Genealogie-Webseite Ancestry.com wurde kürzlich für 1.6 Mia. US$ akquiriert). Verstehen kann das nur, wer sich bewusst ist, wie sehr das Bewusstsein als eine Nation aus Einwanderern («Immigrant Nation») Basis des amerikanischen Selbstverständnisses ist.
Um Missverständnissen vorzubeugen, empfiehlt sich deshalb, heikle Themen wie Politik oder Religion in Gesprächen zu vermeiden. Ehrliches Interesse an der fremden Kultur ist dabei immer von Vorteil und es ist am besten, den Gesprächspartner offen danach zu fragen. Denn eines haben Menschen aus den allermeisten Kulturen nämlich gemeinsam: sie reden gern über sich selber!