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Mit einem 4:1 Sieg gegen Kamerun hat die brasilianische Seleção an diesem Montag (23.06.) im Stadion Mané Garrincha, in Brasília, das wahrgemacht, was alle in der Stadt, in Brasilien und rund um unseren Planeten erwartet hatten, in dieser letzten Phase ihrer Klassifikation in der FIFA-WM 2014: Sie bescherte ihren Fans 4 Tore und garantierte so ihren Spitzenplatz in der Gruppe A.
69.112 Personen bildeten ein Publikum, das zum dritten Mal den historischen Rekord des Stadions von Brasília einstellte (die anderen Rekordzahlen brachten die Spiele zwischen der Schweiz und Ecuador, sowie Kolumbien gegen die Elfenbeinküste) – die brasilianische Elf verliess den Rasen unter dem Jubel des Publikums, das aus allen Richtungen des Landes hier zusammengeströmt war und schliesslich mehrheitlich zufrieden mit dem erwarteten Sieg ihrer Stars sein konnte. Nun haben sie das Achtelfinale erreicht und werden am kommenden Samstag, um 13:00 Uhr (18:00 Uhr MEZ) in Belo Horizonte gegen Chile antreten. Die Chilenen stehen auf dem zweiten Platz in der Gruppe B, nachdem sie an diesem Montag gegen Holland 2:0 verloren haben.
“Ich bin nur nach Brasília gekommen, um die WM-Spiele zu sehen“, erklärte Antônio der in Paraguay lebt und arbeitet. “Das Spiel hat mir sehr gut gefallen. Die Seleção hat jetzt begonnen, sich zu stabilisieren, und meiner Meinung nach ist es viel besser, Chile erst im Achtelfinale zu begegnen. Sie werden sich auf Brasilien stürzen und das erleichtert unserer Mannschaft die Arbeit“, analysierte er.
Antônio Zufriedenheit mit dem nächsten Gegener der brasilianischen Mannschaft kontrastiert total mit der Meinung ihres Trainers Luiz Felipe Scolari. Beim kollektiven Interview nach dem gestrigen Spiel gab Felipão zu, es nicht gerne zu sehen, dass das Schicksal seines Teams sich bei dieser WM mit dem der Chilenen kreuzen wird.
Wenn ich wählen dürfte, würde ich einen anderen Gegner vorziehen. Siegeswillen, Qualität und Organisation… all das haben die Chilenen“, zählte Felipão auf. Der Trainer hob hervor, dass viele Personen geglaubt hatten, dass die Chilenen bei der WM nicht weiterkommen würden, weil sie sich in derselben Gruppe wie Holland und Spanien befanden, er aber keinen Moment an der Kapazität dieser südamerikanischen Mannschaft gezweifelt habe und nun seine Seleção auf eine äusserst schwierige Partie vorbereiten müsse.
“Jetzt darf man nicht mehr stolpern, darf dem Gegner keinerlei Möglichkeiten mehr geben. Wir müssen eine völlig ausgeglichene Haltung bewahren, denn ab jetzt entscheidet sich das Spiel eventuell mit einem einzigen Tor“, mahnte der Trainer.
Jedoch solange die Stunde der chilenischen Wahrheit noch nicht schlägt – die in den brasilianischen Fans wahrscheinlich noch gewaltigere Emotionen freisetzen wird – werden diese genügend Stoff zum Diskutieren all dessen haben, was sie gestern im Stadion Mané Garrincha, in Brasilia, erlebet haben.
Maria aus Minas Gerais, 81 Jahre alt, lebt in der Landeshauptstadt Brasília seit nunmehr fünfzig Jahren und hat zum ersten Mal ein WM-Spiel im Stadion besucht. Ihr hat alles gefallen – besonders Neymars Talent hat sie entzückt. “Er spielt sehr gut. Das Publikum konzentriert sich nur auf ihn. Wenn Neymar sich den Ball schnappt, schreien alle los und alle Wünsche begleiten ihn, und dann macht er stets einen guten Abschluss seines Angriffs“, analysiert die alte Dame.
Auch für den Paulistaner Gabriel 29 Jahre alt, war es ein faszinierendes Erlebnis, die Brasilianer im Stadion einer WM anfeuern zu können. “Es ist mein erstes Mal in einem Fussballstadion, nachdem ich der Jugend entwachsen bin, und ehrlich, ich bin total begeistert. Als sie die Nationalhymne gespielt haben, habe ich vor Emotionen geweint – ich kann das gar nicht richtig erklären“, sagte Gabriel, der dann noch vor der Zweiten Halbzeit eine Voraussage wagt, die sich als Prophezeiung erwies: “Ich glaube, dass Brasilien sehr gut abschneiden wird, wir werden wahrscheinlich 4:1 gewinnen“!
Trotz seiner Wahl zum “Man of the Match”, waren Neymars Worte im Interview bescheiden. Er sagte, dass es für ihn wichtiger sei, sich für das Team einzusetzen und für ein harmonisches Zusammenspiel Sorge zu tragen, als Tore zu schiessen. Für den Mann im Trikot der Nummer 10, der bereits vier Tore bei dieser WM geschossen hat und damit der erfolgreichste Torschütze dieser WM ist, bedeutet die Tatsache, dass sich das Publikum ganz allein auf ihn verlässt, keinen spürbaren Extra-Druck.
“Es existiert kein Druck, wenn man sich einen Traum erfüllt. Bei einer WM mitzuspielen ist etwas, das ich mir seit meiner Kindheit gewünscht habe, und was ich will ist, meinen Teil dazu beitragen – nicht nur mit Toren, sondern meinen Kameraden helfen, dass wir die besten auf dem Rasen dieser WM werden“, sagte Brasiliens neuer Fussballstar.
Nach der Partie an diesem Montag beginnt für Brasilien eine neue Phase der WM. Von jetzt an wird das Turnier für die Spieler spannender wegen der Ausscheidungen – jedweder grober Fehler kann die “Seleção“ aus der WM ausschliessen und den Traum vom “Hexa“ noch einmal um Jahre verschieben.
In diesem Sinne wird die Spannung zu einem Faktor, der jetzt unter allen Achtelfinalisten enorm zunimmt – bei den Kanariengelben ist das nicht anders. “Spannung und ein banges Gefühl im Bauch haben wir immer“, gibt Ramires zu. “Aber das behindert uns nicht weiter und wir erwarten sogar, dass es uns hilft. Wenn wir das nicht spüren würden, dann wäre das ein Zeichen, dass wir nicht gut vorbereitet sind“.
“Es dauert nur neunzig Minuten, um ein Spiel zu entscheiden, also müssen wir uns jetzt während der ganzen Zeit aufs Äusserste konzentrieren, denn wir befinden uns in einer Phase, in der jeder Irrtum dramatische Folgen hat. Daran müssen wir arbeiten – Fehler zu vermeiden“, ergänzte Bernard.
David Luiz sagte, dass er auf die Vorbereitungsarbeit vertraue, die der Trainer speziell für das Duell gegen die Chilenen mit ihnen durchführen werde. “Was mich betrifft, hätte ich Lust, schon morgen gegen sie anzutreten. Ich bin von Natur aus ein unruhiger Typ, aber ich sehe ein, dass es jetzt gilt, uns bestens vorzubereiten, unser Bewusstsein darauf zu konzentrieren, dass unser Training notwendig ist und den Unterschied für einen Sieg machen wird. Wir müssen den Plan unseres Spiels verinnerlichen und bestmöglich umsetzen, so wie wir das heute versuchten, und wenn wir unsere Intelligenz und Reife zusammenlegen, um die Gesamtstrategie zu verstehen, dann wird alles leichter“, predigte der Verteidiger.
Die Seleção Brasileira verliess das Stadion Mané Garrincha und fuhr direkt zum Flughafen. Von Brasilia geht es direkt zurück nach Teresópolis, im Bundesstaat Rio de Janeiro. An diesem Dienstag (24.06.) haben alle Spieler erstmal frei – aber sie dürfen ihre Trainingsstätte, die “Granja Comary“ nicht verlassen.