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Buchtipp
Permanent Record. Meine Geschichte
2013 hat der amerikanische Informatiker Edward Snowden die Welt über die ausgedehnte Überwachungstätigkeit des US-Geheimdienstes NSA informiert. Seither lebt er, nicht ganz freiwillig, in Russland. Jetzt hat Snowden seine Autobiographie vorgelegt. Snowden erzählt darin seine Geschichte chronologisch. Unabhängig von der Zeitachse des Erzählten lassen sich drei Inhaltselemente ausmachen: Lebensbericht, Aufklärung – und Rechtfertigung.
Snowden ist 1983 geboren. Als er ein Teenager war, entdeckte er das frühe World Wide Web. Er begann zu programmieren und wurde ein Techie. Nach dem Terroranschlag von 9/11 schrieb er sich, wie viele andere, bei der Army ein, weil er für sein Land kämpfen wollte. In der Grundausbildung verletzte er sich jedoch und wurde aus dem Dienst entlassen. Es ist diese Mischung, die das Verhalten von Swnoden verständlich macht: Einerseits ist er ein Patriot, andererseits ein unabhängiger Programmierer, der in den frühen Weiten des Internets aufgewachsen ist. Eines Internets, das ursprünglich Informationsfreiheit zu bringen versprach und dann zur Massenüberwachung unbescholtener Bürger führte.
Denn nach seiner Zeit bei der Army heuerte er 2005 bei der CIA an und wurde Systemtechniker für den Geheimdienst. Er machte rasch Karriere und wurde von der CIA nach Genf geschickt. Da war er für die IT-Sicherheit zuständig, half aber, wie er beschreibt, seinen Kollegen von der «Human Intelligence» schon mal dabei aus, eine menschliche Informationsquelle anzubaggern. Auf diese Weise bekam er auch mit, dass die CIA nicht eben zimperlich mit Menschen umspringt. Snowden wechselte zurück in die USA und da zunächst zu Dell, dann zu Booz Allen Hamilton. Nach seinem Whistleblowing distanzierten sich die USA von ihm, er sei bloss ein untergeordneter Mitarbeiter eines Lieferanten gewesen. Im Buch erläutert Snowden, dass der einzige Unterschied zwischen Angestellten der CIA und etwa von Dell die Farbe des Batches gewesen sei. Die Geheimdienste hätten über Anstellungen bei Drittfirmen schlicht Personal ausgelagert.
Ab 2009 arbeitete Snowden auf Hawaii als Informatiker für die NSA. Da dokumengtiert er systematisch die Überwachungstätigkeit der Geheimdienste. Im Buch beschreibt er, wie er die Daten aus den Hochsicherheitsbüros herausgeschmuggelt hat. Wie er alte Computer des NSA wiederbelebte und die Daten auf Speicherkarten kopierte, die er dann, teilweise im Mund und in einem Zauberwürfel, aus dem Hochsicherheitsbereich herausschmuggelte. Und natürlich erläutert er dabei noch einmal, wie die Geheimdienste an die Daten herankommen, was sie alles sammeln und wie heute jeder Benutzer von digitalen Infrastrukturen überwacht wird.
Lesenswert ist das Buch aber vor allem, weil es den grösseren Kontext zur Überwachungsmanie der Geheimdienste und zum Whistleblowing von Snowden schafft. Die Geschichte von Edward Snowden ist deshalb auch eine Parabel über die Informationsgesellschaft und deshalb unbedingt lesenswert.
Edward Snowden: Permanent Record. Meine Geschichte. S. Fischer, 432 Seiten, 31.90 Franken; ISBN 978-3-10-397482-9
Erhältlich ist das Buch hier: https://www.biderundtanner.ch/detail/ISBN-9783103974829
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Buchtipp zum Wochenkommentar vom 27. September 2019: Die mediale Überwältigung
Eine Übersicht über sämtliche Buchtipps samt Link auf den zugehörigen Wochenkommentar finden Sie hier: