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7. Mai 2001: Ronnie O'Sullivan holt dank einem 18:14-Finalsieg gegen John Higgins seinen ersten Weltmeistertitel im Snooker. Es ist der erste Meilenstein in einer Karriere mit vielen Auf und Abs.
Ronnie O'Sullivan verteilt gleich reihenweise Luftküsse ins weite Rund des Sheffielder Crucible Theatre. Er strahlt über beide Backen, winkt ins Publikum. Dem damals 26-jährigen «Enfant terrible» fällt sichtlich ein Stein vom Herzen, denn im letzten Frame des WM-Finals 2001 gegen John Higgins zittert ihm nochmals das Händchen: O'Sullivan führt im Best-of-35-Match mit 17:13 Frames und 69:6, als er einfache Rote nicht versenken kann.
Higgins darf nochmals an den Tisch, holt den Frame und kann tatsächlich nochmals verkürzen. Doch O'Sullivan behält die Nerven: Mit einem 0:45-Rückstand kommt «The Rocket» im nächsten Frame an den Tisch und macht seinem Spitznamen wieder einmal alle Ehre. Im Eiltempo räumt er ihn leer, die Schwarze am Schluss spart er sich. Denn er weiss bereits, dass er es geschafft hat. Er ist Weltmeister. Wenig später stemmt er die silberne Siegertrophäe und nimmt den Siegercheck über 250'000 britische Pfund entgegen.
Der erste WM-Titel von O'Sullivan kommt nicht überraschend. Die Überraschung ist vielmehr, dass er ihn erst so spät gewinnt. Der in den West Midlands geborene Engländer gilt bereits in seinen jungen Jahren als grösstes Talent im Snooker-Sport.
Mit 15 Jahren schafft er bei der English Amateur Championship sein erstes Maximum Break, eine Woche vor seinem 18. Geburtstag gewann er mit der UK Championship das zweitwichtigste Turnier des Snooker-Kalenders. Noch in derselben Saison gewinnt er die British Open, 1995 auch das Masters. 1997 stellt er mit einem Maximum Break nur gerade in 5:20 Minuten einen Rekord für die Ewigkeit auf.
Neben seinen Geniestreichen sorgt «The Rocket» immer wieder mit weniger erfreulichen Aktionen für Aufsehen: Wegen Rasens wird ihm der Führerschein für ein Jahr entzogen. Nachdem in seinem Blut Spuren von Cannabis gefunden werden, verliert er den Titel des Irish Masters. O’Sullivan wird alkoholsüchtig, ausserdem leidet der Ausnahmekönner unter starken Depressionen.
O'Sullivan wird nicht in die klassische Snooker-Familie hineingeboren. Sein Vater besass mehrere Sexshops in Soho und verbüsste wegen Mordes eine 18-jährige Haftstrafe. Erst im Februar 2009 kam er frei. Auch Ronnies Mutter sass wegen Steuerbetrugs bereits hinter Gittern.
Vor der WM 2001 wird sein Zustand so unerträglich, dass O'Sullivan auf Antidepressiva setzt. Damit ändert sich seine Einstellung zum Spiel und zu seiner eigenen Leistung. Wollte er zuvor oft nur so schnell wie möglich wieder aus der Halle kommen, kann er sich dank der Medikamente viel besser auf die einzelnen Sessions konzentrieren.
2004, 2008, 2012 und 2013 wird er Weltmeister, 2005, 2007, 2009 und 2014 gewinnt er das Masters. Trotz seiner Erfolge bleibt O'Sullivan lange das «Enfant Terrible» der Tour. Nach verschossenen Bällen fluchte er ihnen hinterher, zeigte ihnen den Stinkefinger.
2008 sprach er während der Pressekonferenz zu den China Open über die Grösse seines Penis und über Oralsex.
Seit 2011 arbeitet er mit dem Psychologen Steve Peters zusammen, der ihm eine gewisse Lockerheit gegeben hat und ihn gelehrt hat, sich auch mal einen Fehler zu gönnen. «Es ist hart, mit ihm zu arbeiten», sagte O'Sullivan bei der WM 2012 in Sheffield. «Er zwingt einen, Dämonen zu begegnen, vor denen ich lieber davonlaufen würde.»
Doch die Therapie hat O'Sullivan noch besser gemacht. Wenn ihm eine Stellung misslingt, dann probiert er keinen hochriskanten Versuch mehr wie früher, sondern begnügt sich auch mal mit einer sicheren Ablage. Probleme hatte Ronnie zuletzt nur noch mit der Motivation. Schon mehrfach hatte er seinen Rücktritt angekündigt. Noch ist und bleibt der 38-Jährige aber das Aushängeschild des Snooker-Sports schlechthin.