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Das Einzigartige Höchhus
Das Grosse Höchhus wurde im späten Mittelalter erbaut und ist damit eines der ältesten Gebäude in Steffisburg. Es gilt als historisch besonders wertvoll und ist einer der wenigen im Kanton Bern noch erhaltenen ländlichen Herrensitze aus dieser Zeit. Möglicherweise wurde das Höchhus gar auf den Überresten der 1133 erstmals erwähnten «Stevensburc», der Namensgeberin der Gemeinde, erbaut.
Obwohl bis zur Einführung der Grundbücher Ende des 18. Jahrhunderts kaum mehr Nachrichten über die Eigentumsverhältnisse vorliegen, scheint es ziemlich wahrscheinlich, dass im Verlauf des 16. Jahrhunderts sowohl das Kleine wie auch das Grosse Höchhus endgültig aus den Händen des Patriziats in einheimischen, bürgerlichen Besitz gelangten.
Das Höchhus und seine Eigentuemer
Der bedeutende Berner Staatsmann Heinrich Matter war im 15. Jahrhundert Besitzer der Höchhüser. Das Grosse Höchhus hat er als Sommerresidenz genutzt. Von hier aus wurde zu Matters Zeit bernische, eidgenössische und internationale Politik betrieben.
Das burgerliche Geschlecht Matter spiegelt die Geschichte einer typischen Aufsteigerfamilie. Ursprünglich wohl einfache Gerber waren sie durch Handel zu grossem Reichtum gekommen und erscheinen seit der Zeit um 1400 als Ratsherren und Offiziere. Heinrich krönte den Aufstieg der Familie als er 1495 zum Berner Schultheissen gewählt wurde. 1496 wurde er auf der Romreise König Maximilians I. zum Ritter geschlagen.
Vor dem 13. Jahrhundert – Spuren der «Stevensburc»?
Die Datierung der ältesten Spuren ist noch nicht gesichert. Eine Steinreihe, wohl der Sockel eines hölzernen Gebäudes und eine Schicht mit vielen Knochen aus Speiseabfällen, ist die älteste Zeugin einer Besiedlung. Sie ist mit grosser Wahrscheinlichkeit vor dem 13. Jahrhundert entstanden und könnte zu einer Vorgängeranlage gehört haben. Möglicherweise handelt es sich um die letzten Spuren einer hölzernen Burg – etwa sogar um die 1133 erstmals genannte «Stevensburc»?
13. Jahrhundert – Mauerreste einer Adelsburg
1.5 m dicke Mauerfundamente tragen heute Teile des Höchhus. Sie ragen aber weiter nach Norden als das heutige Gebäude und sind wohl als Mauerreste einer Adelsburg zu interpretieren. Die Tatsache, dass dieses Areal im Mittelalter Ort des Hochgerichts war, ist zudem historisch verbrieft.
14. Jahrhundert – Das kleine Höchhus
Das kleine Höchhus wird durch die Adelsfamilie Kien erbaut.
15. Jahrhunder – Ritter Heinrich Matter erwirbt das Höchhus
Vermutlich liess der Berner Schultheiss Heinrich Matter das Höchhus um 1480 errichten. Dass Matter die Burg zusammen mit grossen Ländereien im Dorf und der Landschaft Steffisburg erworben hat, zeigt die Vorliebe der spätmittelalterlichen, bürgerlichen Führungsschicht Berns, Grundbesitz mit Herrschaftsrechten zu erwerben und sich so den Aufstieg in den Adel zu sichern.
16. Jahrhundert – der Übergang in die ländliche Oberschicht
Um 1526 findet ein umfassender Umbau im Höchhus statt, der dem heutigen Gebäude sein Aussehen verleiht. Aus dieser Zeit stammen die hervorragenden hölzernen Stuben im ersten und zweiten Obergeschoss. Die Umbauten stehen wohl im Zusammenhang mit dem Übergang des Hauses an den Statthalter Berns in Steffisburg, Peter Surer, der es 1525 pachtweise von Elsbeth d‘Affry, der Tochter Heinrich Matters übernahm. 1538 konnte er es erwerben. Nach den bernburgerlichen Aufsteigern kam nun die einheimische ländliche Oberschicht in den Besitz des prestigeträchtigen Gebäudes.