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Als im Jahre 2011 der Schweizer Film «Der Verdingbub» in die Kinos kam, nahm die breite Bevölkerung erstmals ein dunkles Kapitel aus der Schweizer Geschichte wahr – die Verdingung von Kindern.
Die Aufgabe der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) ist es, das Kindswohl sicherzustellen, also dafür zu sorgen, dass es allen Kindern in ihren Familien gut geht. Vor Jahrzehnten glaubten die damals zuständigen Behörden, das Kindswohl zu fördern, indem sie bei unehelichen Kindern und Jugendlichen aus armen Familien eine «Fremdplatzierung» vornahmen. Die Behörden brachten die Kinder bei einer anderen Familie unter, wo sie eine gute Erziehung erhalten sollten.
Man hätte die Kinder auch in einem Heim unterbringen können, da aber die Kosten bei Fremdplatzierungen geringer waren, wurden die betroffenen Kinder oft an Bauern verdingt. Bei diesen sollten die Kinder lernen zu arbeiten, damit sie später für ihren eigenen Unterhalt aufkommen konnten. In der Praxis mussten viele der verdingten Kinder aber unter unmenschlichen Bedingungen leben. Sie wurden als billige Arbeitskräfte ausgebeutet und zum Teil sogar misshandelt.
Die jahrhundertealte Praxis des Verdingens wurde bereits im 18. Jahrhundert vom Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi und Schriftsteller Jeremias Gotthelf kritisiert. Doch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Verdingwesen endgültig abgeschafft. Möglich wurde dies durch eine Reform der Sozialbehörden.
Im Nachgang zum Film «Der Verdingbub» kamen Forderungen nach Entschädigungsleistungen für die Verdingkinder auf. Im April 2016 wurde schliesslich ein indirekter Gegenvorschlag zur Wiedergutmachungsinitiative vom Nationalrat angenommen; die noch lebenden ehemaligen Verdingkinder (aber auch andere Opfer fürsorgerischer Massnahmen) erhielten Anrecht auf eine finanzielle Entschädigung für den erlittenen körperlichen und geistigen Missbrauch.
Trailer «Der Verdingbub»
«Schläge und Hunger waren Alltag!»
Entschädigung für «Verdingkinder»
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