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Overview
Evidenzbasierung in der Suchtprävention ist eine grosse Herausforderung. Nicht selten geht das Ausmass dieser Herausforderung mit einem unklaren Verständnis, was ‚Evidenzbasierung‘ alles umfasst. So kam ein HTA-Bericht (Health Technology Assessment) zum Stand der Alkoholpräven-tion in Deutschland (Korszak 2012) zum ernüchternden Schluss, dass nur ein Prozent der 208 un-tersuchten Projekte der Alkoholprävention als ‚evidenzbasiert‘ bezeichnet werden können. Dieser alarmierende Befund ergab sich, weil der Begriff ‚Evidenzbasierung‘ im HTA-Bericht gleichgesetzt wurde mit einem methodologisch korrekten Nachweis der Wirkung dieser Präventionsprojekte. In der Tat konnten nur 2 der 208 untersuchten Projekte diesen Nachweis erbringen.
‚Evidenzbasierung‘ mit ‚Wirkungsnachweis‘ gleichzusetzen, resultiert in einer vollkommenen Überforderung der Prävention. Zudem ist diese Gleichsetzung semantisch nicht korrekt, da sich ‚Basierung‘ auf bestehendes und nicht auf zu erhebendes Wissen bezieht (Hoff et al. 2014). Weiter kann evidenzbasierte Prävention nur sehr beschränkt mit evidenzbasierter Medizin verglichen wer-den, wie das gerne gemacht wird. Und schliesslich ist es bei vielen (um nicht zu sagen bei den meisten) Präventionsprojekten aus methodologischen und/oder aus Kostengründen gar nicht möglich einen Wirkungsnachweis zu erbringen. Von dem her bietet sich an, das Konzept der Evidenz-basierung alleine auf die Bezugnahme auf das verfügbare Wissen aus Wissenschaft, Praxis und Zielgruppe zu beschränken und diese Evidenzen als Basis (Evidenzbasierung) für die Planung, Implementierung, Verankerung und ggf. Verbreitung von Präventionsprojekten zu nutzen. Davon zu unterscheiden wäre die Generierung von neuem Wissen im Projektverlauf. Dieses Wissen kann aus der Evaluation der Projektwirkung auf der finalen Zielebene (z.B. Verhinderung von Sucht) hervorgehen; dies ist aber nicht die einzige Zieldimension, die evaluiert werden kann. So kann es Sinn machen, die Wirkung der Massnahmen auf die einzelnen Einflussfaktoren zu untersuchen oder andere Aspekte wie die Umsetzungsqualität zu evaluieren.
Im Bericht sollen die Wissensbestände auf den einzelnen Stufen dargestellt und theoretisch verortet werden. Neben der Darstellung des verfügbaren Wissens zu den unterschiedlichen Stufen der Cannabis-Prävention und -Regulierung, hat der Bericht das Ziel, die Funktionsweise des Stufenmodells zu erläutern und Recherchetipps für Praxisorganisationen zu geben, die nicht über viel Mittel und Wissen zur Wissensbeschaffung und Wissengenerierung verfügen und ihre Projekte qualitativ trotzdem verbessern.