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Hector Babenco, Miriam Pielhau, Robin Hardy, Marni Nixon, Garry Marshall, Michael Cimino, Abbas Kiarostami
Mit rund 190 Filmtoten (die IMDb listet heute 187, Tabelle nach dem Sprung) hat sich der Juli 2016 vergleichsweise gnädig gezeigt. Dafür sind wieder ein paar grosse Filmmenschen von uns gegangen. Unerwartet war der Tod des iranischen Giganten Abbas Kiarostami. Ihm verdanken wir Meisterwerke des privat-politischen Kinos, eine ganze Schule eigentlich, und schliesslich noch Beiträge zum Weltkino, die es schafften, persönlich und eigen zu bleiben. Etwa den in Italien gedrehten Film Copie conforme mit Juliette Binoche, oder Like Someone in Love, seinen grossartigen Ausflug nach Japan.
Michael Cimino dagegen verdankte seinen Ruhm einem einzigen Film und der Geschichte eines gigantischen Scheiterns. The Deer Hunter mit Robert De Niro und Christopher Walken war einer der ersten US-Filme, die Vietnam und seine Folgen für die Soldaten unverschlüsselt auf die Leinwand brachte. Einen Namen gemacht hat er sich allerdings schon vier Jahre früher mit dem Clint-Eastwood-Film Thunderbolt and Lightfoot, zu dem er auch schon das Drehbuch geschrieben hatte. Der kombinierte Ruhm und natürlich der Kassenerfolg von The Deer Hunter ermöglichte ihm das Riesenprojekt Heaven’s Gate, eine Art erneuerter US-Pioniergeschichte, in der neue Immigranten im Johnson County War von 1890 auf die erbitterte Gegnerschaft der „Alteingesessenen“ stossen. Ciminos Perfektionismus und möglicherweise auch schon eine Art Realitätsverlust führten zu Budgetüberschreitungen, Produktionschaos und Unmengen von Filmmaterial. Schliesslich brachte das Studio eine stark gekürzte Version ins Kino, um wenigstens einen Teil der Verluste zu decken. Diese Fassung war allerdings weder Fisch noch Vogel und befriedigte niemanden. Den späteren Director’s Cut halten viele für ein Echo des Meisterwerks, das Heaven’s Gate hätte sein sollen.
Michael Cimino dreht ‚Heaven’s Gate‘ (1980)
Auch der brasilianische Filmemacher Hector Babenco verdankt seinen Weltruhm im wesentlichen zwei Filmen. Kiss of the Spider Woman von 1985 und Pixote, der Geschichte brasilianischer Strassenjungen, die 1980 die Welt erschütterte.
Der erste Filmtote des Monats Juli war der Brite Robin Hardy. Robin St. Clair Rimington Hardy starb am 1. Juli 2016. Ihm verdanken wir das Hippie-Folk-Horror-Meisterwerk The Wicker Man mit Christopher Lee und Edward Woodward:
Hardy hatte Jahrgang 1929. Noch sieben Jahre älter als er war der „Daddy of British Stuntmen“, Joe Powell. Trotz, oder vielleicht auch wegen all der haarsträubenden Stunts, die der Mann in der Hochblüte der britischen Filmindustrie gedreht hat, erreichte er das stolze Alter von 94 Jahren. Er war als Double vor allem in den vielen britischen Kriegsfilmen von The Longest Day bis Where Eagles Dare im Einsatz.
Frauen sterben übrigens immer noch weniger als Männer, wenn man der IMdB-Liste glauben mag. Das ist natürlich Unsinn und liegt vor allem daran, dass unter den achtzig- bis neunzigjährigen Pionieren des Unterhaltungskinos und der Popgeschichte die Männer dominieren. Die deutsche Moderatorin und Fernsehschauspielerin Miriam Pielhau ist mit nur 41 Jahren an Krebs gestorben.
Mir ging vor allem der Tod der Sängerin Marni Nixon nahe. In ihre Stimme hatte ich mich unwissentlich verliebt, als ich zum ersten Mal My Fair Lady mit Audrey Hepburn sah. Als der Film heraus kam, war Nixon noch ein gut gehütetes Studio-Geheimnis. Sie kam immer dann zum Einsatz, wenn Schauspielerinnen den gesanglichen Anforderungen eines Musicals gar nicht oder nur unzulänglich gewachsen waren. In West Side Story und The King and I, in My Fair Lady und verblüffenderweise sogar beim Song „Maria“ in The Sound of Music. Der Star von The Sound of Music war natürlich Julie Andrews, die dann aber die Hauptrolle in My Fair Lady, die sie mit Erfolg und Bravour am Broadway gesungen hatte, an die aparte Audrey Hepburn verlor. Die wirklich grosse Stimme vieler Musicals in jener Zeit war aber Marni Nixon. Hier in einem Dubbing Test für … The Sound of Music.
Das breiteste Medienecho im Juli 2016 fand schliesslich der Tod von Pretty Woman-Regisseur Garry Marshall. Die Erinnerung an das seinerzeit unglaublich wirkungsvolle Cinderella-Märchen mit Julia Roberts half sogar, die Sterilität von Mother’s Day, seiner jüngsten Arbeit mit dem Star, den er gemacht hatte, zu übertönen. Alles in allem waren Prinzessinnen-Träume seine Spezialität. Ob mit Anne Hathaway in The Princess Diaries, Julia Roberts in Pretty Woman oder The Runaway Bride oder mit Juliette Lewis und Diane Keaton in The Other Sister, die Frauenträume vom Prince Charming waren bei ihm in guten Händen. Auch in jenem seiner Filme, den ich am besten mag, in Overboard von 1987.
Da spielt Kurt Russell den schlitzohrigen Zimmermann, der sich bei einer arroganten Millionärin (Goldie Hawn) rächt, indem er ihr nach einem Gedächnisverlust weismacht, sie sei seine Frau und die Mutter seiner Kinder und sie schuften lässt wie Aschenbrödel. Natürlich spielt auch hier am Ende das Cinderella-Muster. Zuvor aber ist die Komödie unverhohlen sexistisch und nur darum zu ertragen, weil Kurt Russell und Goldie Hawn (seit 1983 ein Paar) so perfekt spielen.
Garry Marshall als Schauspieler in ‚Never Been Kissed‘ (1999) mit Molly Shannon und Drew Barrymore
Hier die ganze IMdB-Liste der Filmtoten des Juli 2016, geordnet nach der Reihenfolge ihres Ablebens. Stuntman Joe Powell fehlt allerdings darin: