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Vor 175 Jahren schottete sich Basel noch mit Stadttoren ab. Nachdem die Bahn in der reichen Handelsstadt am Rhein angekommen war, wurde eigens für sie ein neues Tor gebaut. Der erste Bahnhof der Schweiz kam unmittelbar an die Stadtmauer zu liegen. Dies illustriert, wie sich die Schweiz mit der Bahn verändert hat: Die Eisenbahn begründete die industrielle Schweiz und die unterdessen schier überbordende Mobilität der Schweizerinnen und Schweizer.
Fortschritt und Rückstand
Als erste Bahn in der Schweiz wird jedoch nicht die Strecke vom französischen Grenzort St-Louis nach Basel gefeiert, sondern die drei Jahre jüngere von Zürich nach Baden. Dies letztmals landesweit und ausgiebig 1997 zum 150-Jahr-Jubiläum. Die «Spanischbrötlibahn» steht für nationalen Fortschritt, die Basler Vorläuferin dagegen eher für internationalen Rückstand.
Die Nachbarländer Frankreich und Deutschland waren ein Jahrzehnt voraus, als die Schienen die Schweiz erreichten, England sogar fast zwei. Und die zwei Kilometer Schiene von der Landesgrenze bis zum Endbahnhof nahe des heutigen Universitätsspitals bildeten das blosse Endstück der 140 Kilometer langen Elsässerbahn aus Strassburg, gebaut mit dem Kapital von Industriellen aus Mülhausen. Eine wahre Schweizer Bahn war die erste Bahn auf Schweizer Boden also nicht. Und doch eröffnete sie das Eisenbahnzeitalter in der Schweiz.
Tor auf für die Eisenbahn: Die Ausfahrt der Züge nach dem Elsass war ein Spektakel. Schaulustige stehen auf den Treppenstufen des eigens für die Eisenbahn gebauten Tors im Mauerring der Stadt Basel. Über Nacht war dieses mit einem Fallgitter verschlossen. Die Erstklassreisenden reisten in vornehmen Coupéwagen, die Drittklasspassagiere in offenen Fahrzeugen. Das Bahnhofgebäude wurde 1845 eröffnet.
Hinter Mauern: Das erste feste Bahnhofgebäude der Schweiz in Basel ist noch von der Stadtmauer umgeben (im Plan hellblau). Im ersten Betriebsjahr musste ein Provisorium auf dem freien Feld unmittelbar ausserhalb des Mauerrings genügen. Es bestand aus einer einfachen Holzhütte und einem Umfahrungsgleis für die Lokomotiven. Das Aufnahmegebäude von 1845 an der heutigen Spitalstrasse war weit vornehmer. Es öffnete sich zu einem weiten Platz; auf der anderen Gleisseite das Gütergebäude und vor dem Eisenbahntor in der Stadtmauer zwei Gebäude «behufs des Dienstes».
Der Baselstab in Strassburg: Am alten Bahnhof von Strassburg aus dem Jahr 1846 zeigt das Kantonswappen das Ziel der Reise an. Die 138 Kilometer Strecke bis St-Louis waren in der äusserst kurzen Zeit von vier Jahren gebaut worden. Auch die Lokomotive vor dem Eröffnungszug im Jahr 1840 trug als Reverenz an Basel den Namen «La Ville de Bâle», und die Ehrengäste feierten das Ereignis in Basel – obwohl es weitere vier Jahre dauern sollte, bis die Schienen die Schweiz erreichten.