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Auch Frösche erfahren Pandemien. Schuld daran sind zwei tödliche Pilze. 90 Arten sind inzwischen ausgestorben und 500 Arten haben schwere Verluste erlitten, die das Ökosystem stark beeinträchtigen.
von Naldo Tanner
Frösche werden aus Asien für die Terrarien oder als Nahrungsmittel importiert. Das hat die Ausbreitung der Chytridiomykose – eine tödliche Pilzkrankheit – begünstigt. Verursacht wird sie von zwei Pilzen, die in der Fachsprache Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) und Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) heissen. Heute ist bekannt, dass 90 Arten durch Bd ausgestorben sind. An den Amazonashängen der Anden hat derweil Bd zum Verschwinden von etwa 35 Prozent der Frösche im Regenwald geführt. Zum ersten Mal tauchte die Krankheit in den 1970er-Jahren im australischen Queensland auf, später dann in den USA. Doch der Auslöser, der Bd-Pilz, konnte erst 1998 durch den Biologen Lee Berger in Melbourne identifiziert werden.
Die Folgen des Verschwindens von Froscharten sind derzeit schwer abschätzbar. Gewiss ist, dass ohne Frösche auch Schlangen und andere Raubtiere, die sich von ihnen ernähren, zurückgehen. Und es gibt Hinweise darauf, dass mit dem Verschwinden von Fröschen, die Moskitos jagen, die Malaria zunehmen könnte. Amphibien gehören, gemessen an der Biomasse, zu den am häufigsten vorkommenden Landwirbeltieren, sodass ihr Verschwinden sicherlich verschiedene Auswirkungen auf die Umwelt haben dürfte. Eine kürzlich durchgeführte Studie in Panama dokumentierte einen starken Rückgang der Schlangenpopulationen aufgrund des Verschwindens des Frosches Craugastor. Und andere Studien haben erhebliche Veränderungen des Nährstoffkreislaufs in Bächen nachgewiesen, in denen Bd zum Verschwinden von Populationen von Kaulquappen geführt hat.
Keine Lösung in Sicht
Im Labor ist es einfach, die zwei Pilze Bd und Bsal zu beseitigen. In der natürlichen Umgebung ist dies jedoch bedeutend schwieriger. Einzig auf der spanischen Insel Mallorca ist es gelungen, die Pilze einzudämmen. Ein Team von Forschern des Museums für Naturwissenschaften in Madrid und der Zoologischen Gesellschaft und des Imperial College London hat viele Geburtshelferkröten eingefangen, mit Pilzmitteln behandelt und sie danach wieder ausgesetzt. Nach einem Jahr waren die erneut eingefangenen Kröten allerdings wieder infiziert. Deshalb wurden nicht nur sie gegen die Pilze behandelt, sondern auch ihre Lebensräume. Zudem wurden auch die Bedingungen für die Einfuhr von anderen Arten verschärft. Diese Massnahmen erweisen sich als erfolgreich. Sie sind jedoch nur in einem begrenzten und überblickbaren Gebiet möglich und mit sehr viel Aufwand verbunden. Zudem liegen die Teiche auf der spanischen Insel zwischen den Felsen und werden auf natürliche Weise durch den Regen gefüllt, der das Desinfektionsmittel dann wegspült, ohne bleibende Schäden anzurichten.
Schlangensterben in Panama
Die Michigan State University hat in einer Untersuchung, die vor einem Jahr in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde, einen Rückgang bei den tropischen Schlangen in Panama festgesellt. Verglichen mit der Zeit vor Ausbruch der Seuche reduzierte sich die Anzahl an Fröschen im Nationalpark El Copé um 75 Prozent. Damit ging die Beute für Reptilien verloren. Viele tropische Schlangenarten ernähren sich ganz oder in grösserer Menge von Froschlaich oder erwachsenen Tieren. Vor Ankunft der Pilze wurden 30 Schlangenarten in El Copé gezählt, im Jahr 2020 waren es noch 21 Schlangenarten.