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Titel
Bergbau.
[* 2] Daß die Explosionen der Schlagenden Wetter (s. Bd. 14, S.496), des Schreckens der Bergleute, in Kohlenbergwerken durch die Gegenwart von trocknem Kohlenstaub leichter herbeigeführt und in ihren unheilvollen Wirkungen verstärkt werden, steht nach den Erfahrungen in der Praxis und nach den Ergebnissen umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen (namentlich von seiten der preußischen Schlagwetter-Kommission) unzweifelhaft fest. Man hat sich die Wirkung des Staubes dabei so zu denken, daß die Kohlenteilchen durch die Hitze einer Zündflamme einer Destillation [* 3] unterzogen werden und die Destillationsprodukte das explosible Gasgemisch anreichern.
Dieser Destillationsvorgang schreitet mit ungeheurer Schnelligkeit von der Zündstelle aus nach allen Richtungen hin vor. Es war naheliegend, zu versuchen, ob sich die durch den Staub gegebene Gefahr nicht durch Anfeuchten mit Wasser beseitigen ließe, und derartige Versuche haben denn auch ergeben, daß der angefeuchtete Staub viel weniger gefährlich ist. Die Schwierigkeit ist dabei nur die, wirklich allen Staub mit der Brause zu treffen. Das fortwährende Besprengen der Betriebspunkte und -Strecken hat sich als nicht genügend erwiesen, es mußte vielmehr auch das Aufwirbeln des bei den Hereingewinnungsarbeiten (beim Schrämen, Schlitzen und besonders beim Abkohlen, d.h. beim Niederbrechen der unterschrämten Kohlenblöcke) erzeugten oder frei gewordenen trocknen Kohlenstaubes vermieden werden, weil sonst bei der fortschreitenden Arbeit trotz alles Vesprengens der Strecken immer wieder neue Staubmassen frei werden, die sich, durch den Wetterstrom fortgetragen und an schwer oder ganz unzugänglichen Orten abgesetzt, nachher nur mühsam oder gar nicht entfernen lassen. Um diesen Übelständen und der damit verbundenen Gefahr thunlichst zu begegnen, ist man bei dem Betrieb der königlichen Steinkohlengruben Camphausen und Steingräben auf den Gedanken gekommen, den Kohlenstaub schon vor seinem Austritt aus der Kohle, also solange er sich noch im Kohlenstoß befindet, durch Anfeuchtung unschädlich zu machen.
Die Kohlenstaubentwickelung ist um so stärker, unter je größerm Gebirgsdruck die Kohle steht. Anderseits aber verringert starker Gebirgsdruck die Festigkeit [* 4] der Kohle und lockert den Zusammenhang der einzelnen Schichten so weit, daß es möglich ist, die Kohle mit Wasser zu durchtränken und so den Staub an seinem Ursprungsort zu befeuchten, und dies geschah auf den genannten Gruben mittels Bohrlöcher, in welche man Druckwasser hineinleitete. Hierzu wurden die Bohrlöcher mit konischen, längs gebohrten Holzpfropfen verschlossen, durch deren Bohrung ein Wasserrohr eingeführt wurde.
Während sich früher beim Hereinbrechen des Kohlenstoßes an den Versuchsstellen dichte Wolken von Staub ablösten, zeigte sich nach der voraufgegangenen Durchtränkung gar kein Staub mehr. Dieser saß, völlig mit Wasser gesättigt, auf den herausgehauenen Kohlenstücken, welche sich selbst überall feucht anfühlten. Die Luft im Arbeitsraum blieb dabei vollständig klar. Das sonst sehr starke Sprühen der Lampe, [* 5] welches durch die Verbrennung des in der Luft verteilten Kohlenstaubes verursacht wird, war kaum zu bemerken.
Die Bergmittel waren durch das Wasser aufgeweicht und ließen sich leichter herausschrämen. Mit der Abförderung der gewonnenen Kohlen zu Tage wurde zugleich der auf ihnen haftende Staub aus der Grube geschafft, also auf die einfachste Weise entfernt. Die Bergleute werden natürlich, wie bei allen Neuerungen, die Mehrarbeit erfordern, so auch an die Ausführung dieses neuen Befeuchtungsverfahrens zuerst nur widerstrebend herangehen, aber mit der Zeit, wenn ihnen erst die Vorteile des Verfahrens für ihre eigne Gesundheit und Sicherheit klar werden, sich daran gewöhnen. Es ist wohl zu erwarten, daß das Verfahren auch auf andern staubreichen Kohlengruben Anwendung finden wird.
Bei den Schachtförderungen der Bergwerke sind durch das Übertreiben der Förderschalen, d. h. durch das Emporwinden der Förderschalen bis gegen die Seilscheiben, wie es bei zu spät vorgenommener Dampfabsperrung und Bremsung an der Fördermaschine vorkommt, häufig Unglücksfälle herbeigeführt worden. Um diese zu vermeiden, wendet man zum Aufhängen der Förderschalen an den Seilen Sicherheitshaken an, welche sich selbstthätig auslösen, sobald die Förderschale bis in die Nähe der Seilscheibe [* 6] gehoben wird.
Damit die nunmehr vom Seil abgelöste Schale nicht in den Schacht hinabstürzt, wird sie von einer an ihr angebrachten besondern Fangvorrichtung oder von der Auslösevorrichtung selbst aufgefangen. Der in England häufig verwendete und sich durch Dauerhaftigkeit und leichte Handhabung auszeichnende Sicherheitshaken von Ormerod [* 1] (Fig. 1-3) gehört zu denjenigen Einrichtungen, welche zugleich zum Auslösen des Seiles und Auffangen der Förderschale dienen. Er besteht aus drei Platten, von denen die mittlere gegen die beiden äußern um einen Bolzen in gedreht und in schrägen Langlöchern verschoben werden kann. Während des regelmäßigen Betriebes tragen nur die beiden äußern Platten mittels der Hängebügel A und B die Last, und zwar liegt A in einem hakenförmigen, oben offenen Ausschnitt d der Platten, B in dem wagerechten Teil eines rechtwinkelig nach unten umgeknickten geschlossenen Ausschnitts d1 ^[d1]. An B hängt die Förderschale, A ist mit dem Förderseil verbunden. Die Mittelplatte wird durch einen leichten Kupferstift p in der in [* 1] Fig. 1 ¶
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dargestellten Lage erhalten. Oben am Gerüst der Seilscheibe ist ein sich nach oben verengender Hohlkörper C angebracht, durch welchen das Förderseil hindurchgeht. Sobald der Haken in diesen eintritt, wird der untere, seitlich vorstehende Teil der Mittelplatte zwischen die Außenplatten hineingedrängt. Die Mittelplatte dreht sich dabei nach Abscherung des Kupferstiftes p um m, drängt mit dem obern Teil den Hängebügel aus dem hakenförmigen Ausschnitt d heraus und trennt dadurch die Schale vom Seil [* 7] (Fig. 2). Die herabfallende Schale wird an der Oberkante von C von Vorsprüngen v aufgefangen.
Daß die Platten sich zurückdrehen und dabei die Vorsprünge v zurückziehen, ist dadurch unmöglich gemacht, daß bei der Drehung der Platten der untere Hängebügel nach rechts abgelenkt und in den senkrechten Teil des Schlitzes d eingefallen ist. Um nun die Verbindung mit dem Seil wiederherzustellen und die Schale zu senken, wird zunächst der Hängebügel A bei x mit der Mittelplatte verbunden und der Bolzen c, welcher eine Verschiebung der drei Platten gegeneinander hindert, gelöst.
Dann wird das Seil etwas angezogen, wobei die Außenplatten in den schrägen Langlöchern n n1 der Mittelplatte gegen diese schräg ababwärts gleiten [* 7] (Fig. 3), so daß zwischen den Vorsprüngen v und den Kanten von C genügend Zwischenraum bleibt und somit die Platten beim Nachlassen des Seiles frei hindurchschlüpfen können. Ist dann die Förderschale auf die Kaps an der Hängebank niedergelassen, so werden die Platten und die Bügel A und B in die erste Lage [* 7] (Fig. 1) zurückgebracht, die Bolzen c wieder eingeschraubt und ein neuer Kupferstift p angebracht.
Bei den Schächten werden die Signale mittels eines primitiven Apparats gegeben, der in einem im Maschinenhaus über einem Brett schwebenden Hammer [* 8] und einem in den Schacht hineinreichenden Drahtzug besteht. Zieht man am Draht, [* 9] so schlägt der Hammer gegen das Brett. Diese Vorrichtung ist wenig zum Signalisieren von der in Bewegung befindlichen Schale aus geeignet, am allerwenigsten, wenn die Schale aufwärts geht. Wincklers Patent-Schacht-Signal-Einrichtung soll gestatten, an allen Punkten des Schachtes, auch von der Förderschale aus, sowohl beim Niedergang als auch beim Aufgang der selben, leicht Signale zu geben.
Sie besteht in einem über dem Schacht angebrachten eisernen Gehäuse a [* 7] (Fig. 4), in welchem eine Stange b senkrecht geführt ist. An ihrem untern Ende ist ein Zugdraht s angebracht, welcher bis zum Schachttiefsten reicht und dort ein Gewicht trägt. Dieses Gewicht und das Gewicht des Seiles wird durch eine Feder f, welche sich gegen den Ring c der Stange b stemmt, schwebend erhalten. Auf der Stange sind noch zwei Kontaktscheiben d1 ^[d1] und d2 ^[d2] derart angebracht, daß die erstere bei einer geringen Bewegung der Stange b nach unten den Arm e1 ^[e1] einer Kontaktfeder berührt, während eine geringe Aufwärtsbewegung der Stange eine Berührung zwischen d2 ^[d2] und dem Arm e2 ^[e2] dieser Kontaktfeder herbeiführt. In beiden Fällen wird durch den Kontakt ein elektrischer Strom geschlossen, der einen Signalapparat zum Ertönen bringt.
In der mittlern Schwebelage, welche die Stange unter der Einwirkung der Feder f und des Gewichtes einnimmt, steht die Kontaktscheibe d1 ^[d1] in kleiner Entfernung über e1 ^[e1], und d2 ^[d2] in geringem Abstand unter e2 ^[e2]. Berührt man nun bei der Einfahrt den Zugdraht nur ganz leicht, so wird dadurch, daß der Förderkorb in der Abfahrt begriffen ist, auf den Zugdraht ein geringer Zug nach unten ausgeübt, der genügt, um den Draht der Feder f entgegen mit der Stange und den Kontaktscheiben so viel zu senken, daß zwischen e1 ^[e1] und d1 ^[d1] Berührung stattfindet, der Strom geschlossen wird und das Signal ertönt.
Beim Ausfahren dagegen wird die leiseste Berührung des Zugdrahts hinreichen, die Feder f etwas zu entlasten, dadurch den Draht und die Stange ein wenig zu heben und den Kontakt zwischen d2 ^[d2] und e2 ^[e2] herzustellen, so daß wiederum das Signal ertönt. Sobald die Hand [* 10] den Signalzug verläßt, geht die Feder f in ihre Ruhelage zurück, und der Kontakt ist aufgehoben. Die Berührung des Seiles geschieht zweckmäßig nicht direkt mit der Hand, sondern mit einer einfachen Federklemme, die an der Förderschale angebracht ist. Sie ist für gewöhnlich geöffnet und läßt den Zugdraht zwischen ihren Backen frei hindurchgehen. Beim Signalisieren wird sie geschlossen und legt sich dann mit leichtem Druck von zwei Seiten gegen den Draht. Die Möglichkeit, Signale zu geben, ist von der Geschwindigkeit der Fahrt unabhängig. Der Apparat wird von O. Winckler in Dresden-Neustadt ausgeführt.
[* 7] ^[Abb: Sicherheitshaken von Ormerod.]
[* 7] ^[Abb: Fig. 1. In regelmäßigein Betrieb.]
[* 7] ^[Abb: Fig. 2. Ausgelöst und abgefangen.]
[* 7] ^[Abb: Fig. 3. Wieder frei gemacht.]
[* 7] ^[Abb: Fig. 4. Wincklers Patent-Schacht-Signal-Einrichtung.]