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Innovation wird oft als die Suche nach dem Heiligen Gral bezeichnet. R&D-Abteilungen von kleinen und grossen Unternehmen auf der ganzen Welt suchen stetig danach. Aber viele engagierte Leute haben es schon vor ihnen getan.
Dies ist die Geschichte eines jungen Ritters, der sich auf den Weg machte, die Welt zu erobern und Prinzessinnen zu befreien. An einem sonnigen Dienstagmorgen im Frühjahr ritt er auf der Suche nach einem Abenteuer durch die Landschaft. Seine glänzende Rüstung reflektierte nicht nur das Sonnenlicht, sondern auch sein Begehren, die Welt zu erkunden. Er war gemächlich über Wiesen und Wälder geritten, als er sich einem Fluss näherte. Am Ufer dieses Flusses befand sich ein Lager von Ritterkollegen. Ihre Pferde grasten am Flussufer, die Ritter tranken oder spielten, ihre Rüstungen waren in ihren Zelten verstaut.
Der junge Ritter näherte sich einem der Älteren und fragte, worauf sie im Lager warteten.
«Nichts, Junker, wir erfüllen unsere Pflicht, den Heiligen Gral zu beschützen.»
Der Ritter war beeindruckt. Er hatte nur die Sagen und Geschichten rund um den Gral, über die glorreichen Ritter und ihre Abenteuer auf der Suche danach gehört.
«Der heilige Gral? DER Heilige Gral?»
«Oh ja, Herr, der einzigartige Heilige Gral.»
Der Junker wunderte sich. Keiner der Ritter im Lager sah aus wie die glorreichen Ritter der Sagen. Sie sahen eher aus wie eine Gruppe von Campern auf einer Angeltour.
«Aber wo, Sir, ist der Heilige Gral?»
Der ältere Ritter nickte in Richtung Fluss.
«Seht dort drüben diese Kapelle auf der anderen Seite des Flusses? Da ist er!»
«Aber warum bewacht Ihr ihn nicht näher? Jeder kann zur Kapelle gehen und ihn einfach stehlen?»
«Er wurde bisher noch nicht gestohlen, nicht wahr? Und es gibt mehr Sonne an diesem Ufer, und das Gras für unsere Pferde ist hier grüner, und der Wald ist voller Hirsche und anderer schmackhafter Tiere. Es ist perfekt geeignet, um den Gral von dieser Flussseite zu bewachen. Aber wenn Ihr der Held unserer Zeit sein wollt, bewacht ihn direkt vor der Tür der Kapelle, damit kein Bösewicht sie jemals betreten kann. Bitte sehr. Wenn Ihr den Drang habt, werde ich Euch nicht behindern, Herr Junker. «
Der junge Ritter war verwirrt. Der Heilige Gral so nah, und keiner der Ritter wollte ihn erreichen. Die Anstrengung, den Fluss zu überqueren, schien gering; die Freude, den Heiligen Gral in seinen Händen zu halten, unglaublich; das Ruhm, der Hüter des Heiligen Grals zu sein, würde alles übertreffen, was er sich jemals hätte vorstellen können. Diese Gedanken veranlassten ihn, sich dem Fluss zu nähern und sein Pferd hinein zu führen.
Die anderen Ritter hatten den kurzen Austausch beobachtet und unterbrachen ihre Spiele, um dem Reiter zuzusehen, wie er den Heiligen Gral zu erlangen suchte. Alle lächelten vorausschauend.
Das Wasser war seicht, der Fluss führte nicht viel Wasser, das Unterfangen sah mit jedem Schritt einfacher aus. Aber auf halbem Weg erkannte der junge Ritter, dass der Fluss kein ruhig fliessendes Wasser war, sondern ein Sumpf. Sein Pferd sank tiefer und tiefer, es war klar, dass noch ein paar Schritte weiter Ross und Ritter unter dem Gewicht der schweren Rüstung versinken würden.
Unter der Beobachtung sämtlicher Ritter am Ufer führte er vorsichtig sein Pferd rückwärts auf festen Boden zurück, wo er wendete und zurück zum Ufer ritt.
«Nun, junger Mann», sagte der ältere Ritter, «was ist mit der Eroberung des Grals?»
«Ach, seht Meister, ich bin so weit gereist, und mein Pferd ist müde, und ich habe Hunger, ich denke, ich muss mich vor dieser Eroberung ein wenig ausruhen. Immerhin ist dies eine heilige Tat, und eine solche Eroberung soll man doch nur ausgeruht und geistig ausreichend vorbereitet vollbringen.»
Die anderen Ritter lächelten und wandten sich wieder ihren Getränken und Spielen zu. Er aber stieg von seinem Pferd ab, zog seine Rüstung aus und nahm die Einladung zum Abendessen eines der anderen Ritter an, bevor er sich in seinem eigenen Zelt ausruhte. Die Tage vergingen, der Wein war gut, das Essen reichlich und das Leben am Flussufer war unterhaltsam. Er fand den Heiligen Gral von dieser Seite des Flusses gut bewacht, schliesslich hatte keiner der Ritter es geschafft, den Sumpf zu überqueren. Und das Gras war auf dieser Seite tatsächlich grüner, schließlich war dies auch für sein Pferd besser.
Eines Tages durchquerte ein junger Ritter in glänzender Rüstung den Wald und kam im Lager an. Auch er war freudig erregt, auch er ritt sein Pferd in den Fluss, und auch er erkannte, dass es ein Sumpf war. Und das Lager begrüßte den neuen Bewohner.
Ich habe diese Geschichte mehreren jungen Kollegen erzählt, die sich unserem multinationalen Unternehmen angeschlossen haben. Sie alle fanden sie lustig, aber mehr als einer erzählte mir später: «Diese Geschichte des Ritters, erinnerst Du Dich? Du hattest Recht, so habe ich mich gefühlt.»
Es gibt eine Fortsetzung der Geschichte, die ich nicht erzählt hatte:
Eines Morgens ging ein Bauernmädchen durch das Lager. Sie verkaufte Obst und Gemüse an die Ritter und lachte und plauderte mit ihnen. Sie fragte auch, was sie machten und sie erzählten ihr vom Gral. Sie lächelte. «Wenn Sie alle hier bleiben, um dieses ‹Heilige Gral›-Ding zu bewachen, muss es sehr kostbar und schön sein?»
«Es ist das Kostbarste auf Erden!»
Sie dankte ihnen für die wenigen Münzen, die sie ihr für ihre Gaben gaben, und ging weiter.
Später am Nachmittag schrie jemand durch das Lager. «Das Mädchen ist wieder da!»
Sie sahen sich alle um, es war aber im Lager nirgends zu sehen. Und dann sahen sie es: auf der anderen Seite des Flusses, wie es sich der Kapelle näherte.
«Holla, wie bist du da rüber gekommen?» schrien sie alle erschrocken.
Sie drehte sich um und lächelte: «Oh, es ist ziemlich einfach den Fluss weiter oben zu überqueren, dort wo er von den Bergen herabfliesst. Er ist schmal und es gibt Steine, auf denen man trockenen Fusses rüber kommt.»
Sie näherte sich der Kapelle und betrat die unverschlossene Tür.
Aber wie Friedrich Dürrenmatt in «Die Physiker» sagt: Eine Geschichte ist erst fertig, wenn sie die schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Also sprangen die Ritter auf ihre Pferde, jagten flussaufwärts in Richtung Berge, fanden den Übergang, an dem der Fluss überquert werden konnte, und galoppierten zur Kapelle. Sie zerrten das Mädchen heraus, töteten sie und führten fortan endlose Kriege um den Heiligen Gral.
Und was hat diese kleine Geschichte mit Innovation zu tun? Dies, liebe Lesende, diskutiere ich gerne mit Ihnen!