Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/2120

mehr
von den Römern schon verwendet: Agaunum). Ferner werden abgebaut die miocänen Sandsteine der helvetischen Stufe, besonders der Muschelsandstein von La Tour de la Molière bei Estavayer, der in verschiedenen Jurathälern (Noirvaux, Péry, Court) wiederkehrt und früher sehr oft zu Mühlsteinen und Bauzwecken verwendet worden ist. Die leicht zu behauende und zu drehende (mouler, daher der Name) Molasse (pierre morte) dient zur architektonischen Ausschmückung der Bauwerke und mit Vorliebe auch zur Herstellung von Kachelöfen, wie man sie auf dem Land und in alten Bürgerhäusern noch häufig sieht.
Die oligocänen und miocänen Süsswasserkalke, die in einigen Thälern (Reconvillier) in grosser Menge auftreten, liefern nur einen wenig geschätzten magern Kalk. Im Gegensatz dazu stellt man aus den Kalksteinen des Kimeridge einen fetten Kalk her (wandernde Kalköfen). Bemerkenswert rein sind die weissen Korallenkalke (Rauracien) von Lucelle, Movelier, Saint Ursanne, Bure etc., die von gewissen Fabrikbetrieben (Calciumkarbid- und chemischen Fabriken) zur Herstellung von kohlensaurem Kalk (Calciumkarbonat) verwendet werden.
Hier und da werden mit der Säge auch Kalktuffe geschnitten und zu leichten Bausteinen geformt (Zirkus von Moron, Goumois etc.). Ziemlich selten sind im Jura harte, zu Wetzsteinen taugliche Sandsteine; besonders geschätzt ist in dieser Beziehung der sequanische Sandstein von Damvant. Blos im Jura bekannt sind die von einigen calcedonhaltigen Bänken in der Echinodermenbreccie der Chasseralkette hergestellten Wetzsteine (coticules). Zerriebene Molasse gibt Polierpulver ebenso die in einigen Alluvionen des Doubs (Soubey) enthaltenen feinen Sande, die auch beim Schleifen Verwendung finden. Walkererde endlich wird ebenfalls an einigen Stellen gewonnen, so z. B. aus den mergeligen Bänken des sog. Virgulien (Portlandstufe).
[Dr. L. Rollier.]
Flora.
Wenn auch das Pflanzenkleid des Jura der reich entwickelten und in ihren Formen unendlich abwechslungsreichen Flora der Alpen nicht gleichkommt, so ist es doch keineswegs so gleichförmig, wie ein oberflächlicher Beobachter wohl meinen möchte. Neben der Höhenlage, die hier wie überall das Vorhandensein von besonderen Vegetationszonen bedingt, beeinflussen die topographischen Formen und die verschiedenen Bodenarten (Kalksteine, Mergel und Sandsteine) die Verteilung von Wärme und Feuchtigkeit genügend, um auch hier Abwechslung und scharf umgrenzte Pflanzenformationen entstehen zu lassen.
Die Klusen oder Querthäler, die Comben, die geschlossenen Becken der höhern Plateaulandschaften mit ihren Torfmooren und Seen, die obersten Kämme mit ihren trockenen Weideflächen, die steilen Felswände und endlich auch die Sturzschuttmassen weisen alle wieder ihre eigenen Floren auf, die zusammen ein recht abwechslungsreiches Gesamtbild ergeben. Neben diesen physiognomischen Unterschieden, die im ganzen Gebirge überall die gleichen sind und gerade deshalb dem Pflanzenkleid des Jura seinen einheitlichen Charakter verleihen, können in der Artenliste beim Fortschreiten von SW. nach NO. noch Modifikationen anderer Art beobachtet werden.
Diese bestehen hauptsächlich darin, dass nach und nach eine gewisse Anzahl der südlichen Arten verschwindet und durch mitteleuropäische Typen ersetzt wird, die an manchen Stellen die Oberhand gewinnen. Diese longitudinalen Schwankungen im Bestand der Flora gestatten uns, das Gebirge vom pflanzengeographischen Standpunkt aus in einen südwestlichen, zentralen und nördlichen Jura einzuteilen. Wir müssen also bei unserer Betrachtung folgende Momente berücksichtigen:
1) die Höhenzonen oder Regionen (untere, mittlere und obere Region), 2) die Formationen (Wald, Wiese, Weide, Seen, Torfmoore, Felsen), 3) die regionalen Unterabteilungen (sw., zentraler und n. Jura) und 4) die Herkunft der jurassischen Flora, sowie ihre Beziehungen zu und Abweichungen von derjenigen der umliegenden Landschaften.
1. Die Höhenzonen oder Regionen.
Man kann im Juragebirge drei Höhenzonen oder Pflanzenregionen unterscheiden:
1) eine untere Region, 400-700 m, mit Ackerbau, Nussbäumen und Weinbau;
2) eine mittlere oder Bergregion, 700-1300 m, zum grossen Teil mit Wald, Wiesen und Torfmooren, sowie mit etwas Gersten-, Hafer- und Roggenbau;
3) eine obere oder subalpine Region, über 1300 m, mit der obern Baumgrenze, die kaum höher als bis 1400 m reicht, und den alle hohen Rücken bekleidenden Sennbergen. Jede dieser Regionen entspricht wieder bestimmten klimatischen Unterschieden. Der tiefste Teil der untern Region, der an die Randseen oder den Lauf der Aare grenzt, gehört zu den wärmsten Gebieten der Schweiz. Der Jura fällt vom Fort de l'Écluse bis Baden mit steilen und oft felsigen Hängen zum Mittelland ab. Diese erwärmen sich ihrer südlichen oder südöstlichen Exposition wegen sehr stark und brechen die Gewalt der NW.-Ende.
Dieser besonders an den Ufern des Neuenburger- und Bielersees und längs dem untern Aarelauf deutlich merkbare Einfluss verleiht dem Pflanzenkleid dieser Gegenden einen südlichen Charakter und gestattet manchen dem Mittelland fehlenden Pflanzen, bis gegen die N.-Schweiz hin zu gedeihen. Die Weinrebe wird von Orbe bis Biel in einem ununterbrochenen Streifen angepflanzt und steigt über den Seen bis zu 600 m Höhe an. Daneben haben sich längs dem Jurafuss nach NO. mehrere südl. Arten vorgeschoben, die durch einige Querschluchten oder Klusen sogar bis ins Innere des Gebirges gelangt sind.
Beispiele dafür sind der italische Ahorn (Acer italum) und die flaumige Eiche (Quercus lanuginosa), die bis in die Klusen von Münster auftreten. Ein anderer Baum des Südens, die Kastanie, findet sich sprungweise bis Neuenstadt und zur Petersinsel (Bielersee). Einer der hauptsächlichsten Charakterbäume der untern Region ist aber der Buchsbaum (Buxus sempervirens), der den Höhen am Jurafuss ihr besonderes Aussehen verleiht und einer ganzen Landschaft, dem Buchsgau, ihren Namen gegeben hat (vergl. ferner die Bezeichnungen Oberbuchsiten bei Olten und Buix bei Delle).
Dem Mittelland fehlen ganz oder fast ganz folgende (nach Christ aufgezählte) Arten, die einem wärmeren (wenn auch noch nicht dem mediterranen) Typus angehören: Glaucium flavum (Corcelettes und La Tène bei Marin), Myosurus minimus, Diplotaxis muralis, Cerastium semidecandrum var. glutinosum, Silene otites und S. gallica, Cytisus laburnum (bei Montricher), Prunus mahaleb, Rosa pimpinellifolia, R. systyla und R. Sabini, Lathyrus cicera, Asperula tinctoria (Orbe); ferner mehrere Umbelliferen wie Peucedanum carvifolia, Apium nodiflorum, Oenanthe fistulosa, Anthriscus torquata, Tordylium maximum, Eryngium campestre, Bupleurum falcatum und Trinia glauca; dann Verbascum blattaria, Filago gallica, Lactuca virosa, Aster linosyris, Orobanche hederae, Allium pulchellum u. a. Ferner die rundblätterige Münze, der gelbliche Hohlzahn (Galeopsis ochroleuca), die zipfelige Brunelle, der gemeine Andorn (Marrubium vulgare), der purpurblaue Steinsame (Lithospermum purpureo-coeruleum), der vergissmeinnichtartige Igelsame (Lappula myosotis), die europäische Sonnenwende (Heliotropium europaeum), der Wiesen-Alant (Inula britannica), die Kornelkirsche (Cornus nias), edle Schafgarbe (Achillea nobilis), stengellose Schlüsselblume (Primula acaulis), europäische Erdscheibe (Cyclaminus europaea), der unechte Dingel (Limodorum abortivum), die deutsche Schwertlilie (Iris germanica), knollentragende Lilie (Lilium bulbiferum), der hängende und pyrenäische Milchstern (Ornithogalum nutans und O. pyrenaicum), die gelbrote Taglilie (Hemerocallis fulva) etc. Neben diesen am Jurafuss ziemlich verbreiteten Typen finden sich lokal noch einige andere mediterraner Herkunft, so Corydalis lutea (häufig bei Orbe, Valeyres, Neuenburg), Adiantum capillus Veneris (Saint Aubin), Ononis rotundifolia (nördl. bis Orbe);
bis Neuenburg Helianthemum fumana, Orobanche hederae und O. brachysepala, Colutea arborescens, Bunium bulbocastanum, Hieracium lanatum (bei Noiraigue), Kœleria valesiaca, Mespilus germanica, Luzula Forsteri, Asplenum ceterach, Trifolium scabrum und T. striatum, Iberis decipiens;
bis Neuenstadt Cheiranthus cheiri, Vinca minor;
bis Biel Lactuca perennis, Dianthus inodorus var. virgineus Jacq.;
bis zum Hauenstein Asplenum halleri.
Von allen südl. Arten mit zerstreutem Verbreitungsbezirk ist aber am interessantesten der Felsen-Bauernsenf (Iberis saxatilis), eine strauchartige immergrüne Crucifere, die vom Fuss der Pyrenäen und den Basses Alpes ohne irgend welche Zwischenstation bis zur Ravellenfluh ob ¶
mehr
Oensingen sich schwingt und hier sich reichlich fortpflanzt.
Einen ferneren Beweis für die Milde des subjurassischen Klimas liefern die zahlreichen Naturalisationen mediterraner Arten, z. B. Centranthus ruber, Jasminum fruticans, Antirrhinum majus, Thymus vulgaris, Lavandula nera etc. Dieser bevorzugte Landstrich, oft auch kurzweg das Jurathal genannt, ist aber nur von geringer Breite und steigt vom Rand des gegen NO. bis zu 300 m sich senkenden Mittellandes hinter den Seen bis zu 450 m und stellenweise bis zu 500 m auf. Darüber beginnt die Region des Buchenwaldes, der im N. des Gebirges die Ketten bis zu oberst bekleidet, aber im zentralen und südlichen Jura in etwa 900 m vom Tannenwald abgelöst wird.
Die jurassische Buche geht stellenweise in zwerghaft verkrüppelten und vereinzelten Exemplaren bis zu 1300 m, ist aber vorzugsweise in der Zone zwischen 400 und 900 m heimisch und bildet hier so geschlossene und dichte Bestände wie nirgends mehr in der Schweiz. Dieses massenhafte Auftreten ist ein Anzeichen und zugleich eine Folge des feuchten und verhältnismässig gleichförmigen Klimas, das während der Vegetationsperiode der Buche hier herrscht. Der Baum erfordert zu seinem Gedeihen in der Tat während etwa 7 Monaten eine mittlere Lufttemperatur über 0° und während wenigstens 5 Monaten eine solche von über 8° C. Er geht ebensowohl den Frösten des Nordens wie der Hitze des Südens aus dem Wege und fehlt fast allen durch ihre trockene Luft sich auszeichnenden tiefen Föhnthälern der zentralen Alpen und Bündner und Walliser Hochalpen. Im Jura liebt die Buche aber trockenen und felsigen Boden, der sich dank dem raschen Abfluss der Oberflächenwasser schnell und stark erwärmt. Nicht übertriebene Temperaturmaxima und -minima, kühle Sommer und Kälterückfälle vermögen ihr hier nichts anzuhaben, trotzdem sie einer langen und feuchten Vegetationszeit bedarf. So ist sie tatsächlich der jurassische Baum par excellence.
Als Unterholz finden sich in der Region des Buchenwaldes häufig der Buchs und Schwarzdorn, dann auch die Rosa pimpinellifolia und Coronilla emerus, stellenweise Daphne laureola, D. cneorum und D. alpina, Staphylaea pinnata und die Weichselkirsche (Prunus mahaleb). Eingestreut zeigen sich da und dort Spitzahorn (Acer platanoides), Elsbeerbaum (Sorbus torminalis) und an trockenen und sonnigen Stellen auch die Waldföhre (Pinus silvestris). Im S. der Kette: der italienische Ahorn (Acer italum), sowie bis in den Waadtländer Jura der Alpengoldregen (Cytisus alpinus), dessen hochgelbe Blütentrauben die Einförmigkeit der Buchenbestände angenehm unterbrechen.
Nur bis zum Fort de l'Ecluse reichen als südwestliche Arten der Mömpelgarder Ahorn (Acer monspessulanum), stechende Mäusedorn (Ruscus aculeatus) und Goldregen (Cytisus laburnum). Von Stauden und Kräutern erscheinen auf Lichtungen und im Gebüsch des jurassischen Buchenwaldes Orobus vernus, Asarum europaeum, Aster amellus, Buphthalmum salicifolium, Inula salicina, Cynanchum vincetoxicum, Lithospermum purpureo-coeruleum, Peucedanum carvifolia, P. cervaria und P. oreoselinum, Euphrasia lutea, Melittis melissophyllum, Euphorbia dulcis, E. amygdaloides und E. verrucosa, Epipactis rubiginosa, Dentaria pinnata, Melica nutans und M. uniflora etc. An kühlen Stellen sind Orchideen in zahlreichen Arten und Individuen verbreitet, so die leuchtend purpurne Anacamptis pyramidalis, verschiedene Ophrys, dann Orchis morio, O. mascula, O. ustulata und O. militaris, Platanthera bifolia, zu denen sich von der Mitte an gegen SW, noch Orchis purpurea, O. simia und Aceras anthropophora gesellen.
Das Juragebirge ist überhaupt, auch abgesehen von den der Region des Buchenwaldes angehörenden Typen, reich an Orchideen, deren es an die 50 (d. h. bis auf etwa fünf alle schweizerischen) Arten besitzt. In der Buchenwaldzone des schweizerischen Jura haben ihre Hauptstation ferner noch Spiraea filipendula, Coronilla coronata, Cytisus sagittalis, Genista germanica und G. pilosa. Diese letztere Art, der behaarte Ginster, ist auf Schweizer Boden streng an den Jura gebunden (obwohl auch hier selten und zerstreut) und fehlt sowohl dem Mittelland als den Alpen. Genista Halleri ist im französischen Jura verbreitet und erreicht ihre absolute O.-Grenze auf den Freibergen, und Polygala calcareum geht in der Schweiz ebenfalls nicht weiter ö. als bis ins Val de Travers.
Auf die Region des Buchenwaldes folgt, je nach den lokalen Verhältnissen von 700-900 m an, die Berg- oder montane Region, d. h. das Gebiet des Tannenwaldes, bis 1300 m. Nach unten besteht der Tannenwald vorwiegend aus der Weisstanne, nach oben vorwiegend aus der Fichte oder Rottanne. Diese beiden Bäume können wie die Buche als Massstab für die klimatischen Verhältnisse gelten. ¶