Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03656.jsonl.gz/2674

Steven Spielberg glänzt 2018 in den deutschsprachigen Kinos mit dem Film „Die Verlegerin“ (The Post). Der Film erzählt die Geschichte der Verlegerin Katharine Graham (im Film von Maryl Streep gespielt), welche nach dem Selbstmord ihres Mannes von 1963 bis 2001 die „Washington Post“ führt – als Verlegerin und Herausgeberin. In ihre Zeit fällt die Publikation der „Panama Papers“ genau so wie die Watergate Affaire.
Steven Spielberg erzählt die Geschichte mehr oder weniger anhand des dramaturgischen Modells der Heldenreise. Dieses Modell beschreibt, wie eine Heldenfigur zunächst in ihrem Alltag dargestellt, bald mit einer Herausforderung konfrontiert wird und sich zunächst verweigert. Bis sie dann ein Mentor oder Berater anstachelt, sich der Herausforderung zu stellen. Es finden mehrere Prüfungen statt, welche der Held überwinden muss, bis er schliesslich die grosse Prüfung schafft und seinen „Widersacher“ überwindet. Er macht sich auf den Weg zurück, muss aber dort noch einmal eine Hürde überstehen, bis er schliesslich in seine Welt zurückkehrt und sich nun eben Held schimpfen darf.
Was hat das mit Präsentationstechnik zu tun? Die Heldenreise zeigt exemplarisch auf, wie professionelle Dramaturgen es schaffen, die Aufmerksamkeit des Publikums von Beginn bis Ende einer Erzählung aufrechtzuerhalten. Genau das müssen wir auch mit unseren Präsentationen erreichen: die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums bis zum Ende.
Im professionellen Medienbetrieb, und das gilt insbesondere für die fiktionalen Bereiche: Kino und TV-Film, werden deshalb einige zentrale Elemente immer zu finden sein:
1.) Konflikt
Der Konflikt ist der Handlungstreiber. Wo kein Konflikt ist, da ist auch keine Dramaturgie. Jede Geschichte braucht den Konflikt. Wobei der Begriff weit gefasst werden kann: Auch eine Herausforderung ist ein Konflikt: Schafft der Spitzensportler nach einer halbjährigen Verletzungspause den Widereinstieg an die Spitze? Kann der Tennisprofi im hohen Alter noch einmal die Nummer eins werden? Gelingt es dem Mörder, das Gericht davon zu überzeugen, dass er kein Monster ist, das bis ans Ende seiner Tage eingesperrt werden muss? Kann der Flüchtlingshasser seine Gefühle überwinden, als ihm ein Asylbewerber das Leben rettet dank einer Herzmassage? – Das Leben hält viele solche Situationen bereit. Die Frage, die sich uns stellt: Welchen Konflikt oder welche Herausforderung steht im Zentrum unserer Präsentation?
2.) Veränderung
Ein weiteres Element einer jeden Dramaturgie muss sein, dass sich die Ausgangssituation über die Handlung, die vom Konflikt getrieben wird, verändert: Der Sportler ist zu Beginn skeptisch, ob er den Wiedereinstieg schafft. Das Publikum vor dem Spiel des Tennisprofis nervös, am Ende gelöst und erleichtert, etc. Auch dieses Element muss auf die Präsentation übertragen werden: Unsere „Geschichte“ muss sich vom Anfang bis zum Ende entwickeln.
3.) Protagonist(en)
Eine Geschichte ist immer personalisiert. Es sind Menschen, die handeln und dadurch emotional fassbar werden. Auch darüber müssen wir nachdenken, wenn wir das Exposé für eine Präsentation schreiben.
Der Transfer in die Business-Präsentation
Häufig erhalte ich die Frage gestellt: Wie kann ich denn die Präsentation über das Jahresergebnis meiner Abteilung in der Geschäftsleitung als Heldenreise darstellen? Sie können! Auch im Berufs- und Geschäftsleben sind Sie ja immer wieder mit Herausforderungen, mit Konflikten, mit Mitbewerbern konfrontiert, gegen die Sie (oder ihre Abteilung) sich heldenhaft verhalten muss. Jetzt brauchen Sie Ihr Ergebnis nur noch in diesem Lichte darzustellen.
Eine Präsentation über einen Projektfortschritt? Auch hier: Es wird wohl kein Projekt geben, während dem sich die Projektleitung nicht mit Herausforderungen konfrontiert sieht, welche es zu überwinden gilt. Nötig ist allerdings der Mut, diese Prüfungen auch zu benennen und zu zeigen, welche Hürden da zu überwinden waren. Aber genau das macht die Dramaturgie Ihrer Präsentation aus. Wir gehen noch einen Schritt weiter: Sie bleiben explizit deshalb als guter Geschichtenerzähler und Präsentator in Erinnerung, weil Sie es eben schaffen, die Hürden und Herausforderungen darzustellen. Sie zeigen damit auf, dass Sie zum Held taugen und positionieren sich damit wesentlich besser, als ein Projektleiter, dem (angeblich) alles wie am Schnürchen lief und der sich gar nicht wirklich beweisen musste.
Besonders interessant an der Arbeit von Spielberg und seinen Kollegen dünkt uns die Tatsache, dass mit der Heldenreise gleich mehrere Herausforderungen zu überwinden sind: Nach der grossen Prüfung, wenn wir schon alles ausgestanden glauben, kommt noch einmal ein Schatten, ein Widersacher, eine Tatsache ans Licht, welche zu bedenken und zu überwinden ist, bevor die Spannung sich schliesslich auflöst. Gelingt Ihnen das auch in Ihrer Präsentation?
Wenn ja, dann wundern Sie sich nicht, wenn Ihre Präsentation mit Aussagen wie „Das war aber grosses Kino“ gerühmt wird. Sie haben es in die Spielberg-Liga gebracht.