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Was sind die Sustainable Development Goals (SDGs)?
Die Sustainable Development Goals (SDGs), auch bekannt als die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, wurden im September 2015 von 193 Staaten in der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Diese ehrgeizigen Ziele inklusive ihrer 169 Unterziele sollen eine gerechtere und nachhaltigere Welt schaffen. Sie werden daher auch als Agenda 2030 bezeichnet, da sie bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Die zunehmend ehrgeizigen Nachhaltigkeitsziele stellen viele Unternehmen vor grosse Herausforderungen. Obwohl die SDGs nicht in Gesetzen verankert sind und somit die Anreize für Unternehmen, zwischen Rentabilität und Wachstum einerseits und Klimaneutralität andererseits abzuwägen, nicht besonders hoch sind, ist es für Unternehmen schwierig, eine Balance zwischen beiden zu finden.
Können Fluggesellschaften die Klimaziele überhaupt erreichen?
Die Luftfahrtindustrie spielt – wie der gesamte Verkehrssektor - eine sehr grosse Rolle beim Erreichen der Nachhaltigkeitsziele. Laut dem Schweizer Bundesrat ist der Flugverkehr mit einem Anteil von 27% am stärksten für die Klimaauswirkungen in der Schweiz verantwortlich. Allerdings erwartet die Luftfahrtindustrie in den nächsten Jahren einen massiven Nachfrageanstieg. Konkret soll der weltweite Luftverkehr in den nächsten 20 Jahren durchschnittlich um 3,7 Prozent pro Jahr steigen. Das bedeutet, dass es im Jahr 2040 fast 10 Milliarden Flugpassagiere geben wird, verglichen mit rund 4 Milliarden im Jahr 2016 [1]. Im Kontrast dazu müssen laut den Schlussfolgerungen einer Greenpeace-Studie die sieben grössten Fluggesellschaften Europas bis 2040 mindestens 2% ihrer Flüge pro Jahr reduzieren, um ihre Treibhausgasemissionen im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu verringern [2]. Es ist offensichtlich, dass sich die Nachfrage nach Flügen in die entgegengesetzte Richtung zu den notwendigen Reduktionen entwickelt, um klimaneutral zu werden. Jedoch ist eine gegen den Markt und Kundenbedarf stehende, drastische Reduzierung von Flügen aus der Perspektive einer Fluggesellschaft nicht so einfach umzusetzen. Die Luftfahrtindustrie ist eine äusserst wettbewerbsintensive Branche. Sollte eine Fluggesellschaft Schritte zur Reduzierung von Flügen unternehmen, hätte dies drastische Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell, ihre Profitabilität, ihre Wettbewerbsfähigkeit und letztendlich auf ihren Fortbestand, da die dann nicht bediente Nachfrage höchstwahrscheinlich einfach von einer anderen Flug¬gesellschaft gedeckt werden würde. Zu den „üblichen Verdächtigen“ zählen insbesondere die arabischen Airlines, wie z.B. Etihad, die von Abu Dhabi mit ca. 12 Milliarden Dollar seit ihrer Gründung „finanziert“ wurde [3].
Die Geschäftsmodelle von Fluggesellschaften stehen heutzutage entsprechend unter grossem Druck. Neue Regulierungen können sich schnell ändern und die Fluggesellschaften dazu zwingen, ihre Geschäftsmodelle anzupassen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Es ist daher wichtig, dass Airlines jetzt proaktiv damit umgehen und sich auf mögliche Veränderungen vorbereiten. Sie sollten sich auf Veränderungen einstellen, bevor sie gezwungen werden, darauf zu reagieren. Dabei müssen sie den Druck der Veränderung von aussen, insbesondere von Regierungen und Umweltverbänden, berücksichtigen und ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen, um weiterhin erfolgreich zu sein und langfristige Nachhaltigkeit zu erreichen.
Was können Airlines nun machen? Ein Beispiel aus der Praxis
Swiss International Air Lines (SWISS) ist die Flag Carrier Airline der Schweiz. Die Fluggesellschaft wurde 2005 von der Lufthansa erworben. Nach mehreren Jahren finanzieller Schwierigkeiten wurde Swiss im Rahmen eines Rettungspakets von Lufthansa übernommen. Seitdem hat Lufthansa dazu beigetragen, Swiss wieder auf Kurs zu bringen, und sie ist zu einem profitablen Tochterunternehmen der Lufthansa Group geworden. Die Fluggesellschaft betreibt planmässige Flüge zu über 100 Zielen in 50 Ländern von ihrem Hub am Flughafen Zürich aus.
Das Unternehmen hat eine Nachhaltigkeits-Agenda aufgestellt, bei der das Unternehmen sich insgesamt auf sieben SDGs fokussiert und diese mit unterschiedlichen Initiativen unterstützt. In diesem Blog werden wir uns zwei ihrer Initiativen genauer ansehen.
SDG 5: Gleichstellung der Geschlechter
Die SWISS gibt auf ihrer Website folgendes an: SWISS steht für Diversität. Unsere SWISSness gibt es in vielen verschiedenen Formen und Farben. Als wertorientiertes Unternehmen ist SWISS sehr darauf bedacht, alle ihre Mitarbeitenden gleich zu behandeln. Vielfalt und Chancengleichheit sind zentrale Elemente der strategischen Ausrichtung.
Rechercheergebnisse zeigen, dass das Management-Board von SWISS immer noch ausschliesslich aus Männern besteht [4]. Darüber hinaus zeigt eine im Jahr 2018 durchgeführte Studie, dass nur 5% der SWISS-Piloten weiblich sind und dass es auch bei Nachwuchspiloten nicht besser aussieht [5]. Das Land mit dem höchsten Frauenanteil am Steuer von Flugzeugen ist demnach Indien mit 12,4 Prozent. Deutschland liegt bei 6,9 Prozent, der weltweite Durchschnitt bei 5,8 Prozent. Das zeigt eine Auswertung der International Society of Women Airline Pilots 2021 [6]. Welche Ziele sich hier die SWISS gesetzt hat, ist nicht publiziert.
SWISS versucht jedoch, dieses Ungleichgewicht durch die Einführung von Teilzeitmodellen zu bekämpfen, um die Rolle attraktiver für Frauen zu machen. Darüber hinaus, hat SWISS im Jahr 2020 mehrere einminütige Testimonials von hetero- und homosexuellen Mitarbeitern hochgeladen, die ein klares Bekenntnis zur Offenheit und Toleranz darstellen. Durch die Einführung der Hashtags #FlyDiversity, #FlyEquality, #FlyInclusion und #FlyLove beteiligten sich SWISS-Mitarbeiter an der politischen Diskussion in der Schweiz, ob die "Ehe für alle" auch in der Schweiz eingeführt werden sollte [7]. Ende 2020 stimmten sowohl der Ständerat als auch der Nationalrat für eine Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare.
Schauen wir uns nun ein weiteres Ziel an.
SDG 12: Verantwortungsvoller Konsum und Produktion
Die SWISS gibt auf ihrer Website folgendes an: SWISS-Experten analysieren und bewerten kontinuierlich bestehende Produkte und Prozesse, um den Fluggästen beste Qualität in einem guten Verhältnis zu Nachhaltigkeitsaspekten zu bieten. In diesem Zusammenhang bietet SWISS ihren Kunden über ihre Plattform Compensaid die Möglichkeit, die CO₂-Emissionen ihrer individuellen Flugreise durch Kompensation oder den Kauf von Sustainable Aviation Fuel auszugleichen.
Die SWISS Airlines setzt bei der Gestaltung ihrer Dienstleistungen auf Service Design Konzepte, um das Kundenerlebnis zu verbessern. Für Kunden, die ihren Flug möglichst umweltfreundlich gestalten möchten, bietet die Airline zwei Optionen [8]: Bei der ersten Option fliesst das zusätzliche Geld in Klimaschutzprojekte der Schweizer Organisation Myclimate. Diese Organisation setzt sich beispielsweise für den Schutz der Wälder von Tansania oder für eine Moor-Renaturierung in Deutschland ein. Bei der zweiten Option hat der Kunde die Möglichkeit nachhaltigen Treibstoff. «Praktisch bedeutet das, dass die gewählte Menge dann auch vertankt wird. Nicht gerade auf dem eigenen Flug, aber innerhalb der folgenden sechs Monate», berichtet die Mediensprecherin der SWISS [9].
Allerdings kämpft die SWISS mit der Bereitschaft der Kunde für die Klimaneutralität einen Aufpreis zu zahlen. Bis zum letzten Jahr, 2022, hat laut SWISS 1 Prozent aller Fluggäste einen Klima-Aufpreis bezahlt. Um die Zahlen zu verbessern und die Bereitschaft zu erhöhen, hat die SWISS die CO2-Kompensation in ihren Buchungsprozess direkt integriert. Nach aktuellen Informationen zahlt nun mittlerweile jeder 10. Fluggast einen Aufpreis. Es ist nicht so einfach, die Kunden zu incentivieren, einen Aufpreis zu zahlen. Laut einer Studie ist die durchschnittliche Zahlungsbereitschaft für den Ausgleich einer Tonne Kohlenstoff bei einem Flug lediglich 1 EUR [10]. Nur so zum Vergleich: Es kostet beispielsweise 10CHF, um seinen eigenen CO2-Ausstoss für einen Flug von Zürich nach Mallorca (insgesamt 378 kg CO2 pro Person) klimagerechter zu gestalten [11].