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2.4
One or many?
Betrachten wir das Problem von einer anderen Seite: Vielleicht ist die Annahme EINER somatischen Belastungsstörung und deren Klassifikation unter den psychischen Störungen irreführend bzw. falsch, weil es verschiedene Syndrome gibt, deren gemeinsamer Nenner das Fehlen einer nachgewiesenen Ätiologie ist. Ist es vielleicht gerade das Fehlen einer klar diagnostizierbaren Ursache, was bei den Betroffenen eine starke Beschäftigung mit ihren Beschwerden auslöst?
Wenn wir in die medizinische Fachliteratur gehen, findet sich tatsächlich eine Vielzahl an verschiedenen sogenannten functional somatic syndromes (funktionellen somatischen Syndromen - eine andere Bezeichnung ist die der medically unexplained symptoms/syndroms). Diese müssen dort nicht zwingend als psychische Störung, sondern vielmehr als klinisches Syndrom verstanden werden, d.h. als ein Cluster von Symptomen ohne bekannte Ursache.
Hier lassen sich je nach medizinischer Spezialisierung verschiedene Begrifflichkeiten erkennen: Chronisches Erschöpfungssyndrom, Fibromyalgie oder Weichteilrheuma, Globus-Syndrom, Reiz-Magen/Reiz-Darm, multiple Chemikaliensensitivität, temporomandipuläres Schmerzsyndrom, chronische Unterbauchbeschwerden, Schleudertrauma und Spannungskopfschmerzen, um hier nur einige zu nennen.
Wir merken dabei gleich, dass sich hier die Frage aufdrängt: Und das sollen alles psychische Störungen oder die Folgen einer unangebrachten und/oder exzessiven kognitiven, emotionalen und verhaltensmässigen Beschäftigung sein? Man beachte auch, dass jedes dieser Syndrome seine eigenen Spezialisten in Forschung und Klinik hat, der disziplinenübergreifende Dialog interessanterweise aber kaum stattfindet.
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Universität Basel