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Sie wurde mit Silber und Gold aufgewogen und sie hat China mit dem Rest der Welt verbunden. Die Seide – gesponnen durch Raupen eines Schmetterlings. «NETZ NATUR» rollt die Geschichte des magischen Fadens auf, besucht Seidenbauern in China und schaut Primarschülern zu, wie sie Seidenspinnerfalter züchten. Sie wirken unscheinbar: Dezent weiss, mit zwei schwarzen Knopfaugen, die kaum zum Sehen taugen und zwei filigranen Fächerfühlern, die zitternd die Luft nach dem Duft eines Weibchens absuchen. Es gibt viele grössere, buntere und schillerndere Schmetterlinge. Doch nur der Seidenspinnerfalter hat die Welt verändert. Er hat Kaiser und Könige gekleidet, hat Reichtum gebracht, Kriege bewirkt, und er hat China über die Seidenstrasse mit dem Rest der Welt verbunden. Jahrtausende lang konnte China das Geheimnis der Seidenproduktion exklusiv für sich wahren, bis es im Jahr 522 zwei christlichen Mönchen gelungen sein soll, ein paar wenige Schmetterlingseier sowie die Samen der Futterpflanze der Raupen, des Maulbeerbaumes, aus China nach Byzanz zu schmuggeln. Über die Jahrhunderte wurde auch ausserhalb Chinas immer mehr Seide produziert. Norditalien und das Tessin waren im 19. Jahrhundert eine Hochburg dieser Produktion. Daran erinnert sich auch heute noch die 99-jährige Peppina Triulzi, wie sie als Kind im Mendrisiotto in grossen Kisten täglich die Seidenraupen mit Maulbeerblättern fütterte. Die Seidencocons, der Rohstoff der Seide, waren bis zum Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Nebenverdienst unzähliger armer Bauernfamilien südlich der Alpen. Nonna Peppina hat ihre Erinnerungen an ihren Enkel Patrick Kistler weitergegeben. Als Primarschullehrer in Barbengo bei Lugano züchtet er mit seinen Schülern die Schmetterlinge vom Ei bis zum fertigen Falter. Die Kinder freuen sich, wenn sie im nahegelegenen Park auf die Bäume klettern können, um die Maulbeerzweige herunterzuholen. Im Klassenzimmer schneiden sie die Blätter in feine Streifen und verfüttern sie an die Raupen. Nach etwa einem Monat klettern sie aus ihren Kisten in Bündel dürrer Zweige, die für die Raupen bereit gestellt sind, und spinnen dort, einen bis zu drei Kilometer langen Seidenfaden. Diesen verweben sie so dicht, bis sie ganz in einen schützenden Cocon eingeschlossen sind. Wie in diesem Cocon der Falter zur Puppe und dann zum Schmetterling wird, hat «NETZ NATUR» mit kleinsten Spezialkameras hautnah mitverfolgt. In China wird die Seide noch heute wie vor Jahrtausenden produziert. Das SRF-Korrespondententeam in China hat für «NETZ NATUR» eine Bauernfamilie besucht und sie auf dem Weg in die Stadt begleitet, wo sie die Seidencocons an die Textilindustrie verkauft. Händler feilschen, Maschinen rattern, bis zum Schluss der edle Stoff entsteht, der unverwechselbar schimmert und sich auf der Haut wunderbar anfühlt. Doch der Seidenfaden der Schmetterlinge ist nicht nur wichtig für China: Zur Zeit der Industrialisierung spielte die Seide bei der wirtschaftlichen Entwicklung Europas eine entscheidende Rolle – auch in der Schweiz: Im Tessin sorgte die Seidenraupenzucht bei armen Bauern für ein willkommenes Zubrot. Und in der Verarbeitungsindustrie schuf sie Abertausende von Arbeitsplätzen. Die Textilverarbeitung erforderte Investitionen und Kredite, und damit war die Notwendigkeit von Banken gegeben.