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75 Jahre Frauenverein Wädenswil
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1975 von Peter Ziegler
Am 13. Dezember 1900 wurde auf Initiative der Kindergärtnerin Fräulein Fanny Fleckenstein
in Wädenswil der Verein zur Förderung weiblicher Fortbildung gegründet. Er setzte sich das Ziel, in freiwilligen Abendkursen die im Dorf lebenden Fabrikmädchen praktisch und theoretisch weiterzubilden. Als Kursleiterinnen amteten Arbeitsschul- und Hauswirtschaftslehrerinnen, bisweilen auch Schneiderinnen. Zu den Näh- und Flickkursen im alten Eidmattschulhaus
kam 1902 erstmals ein Kochkurs im alten Schützenhaus; seit 1909 stand im neuen Glärnischschulhaus
die moderne Schulküche zur Verfügung. Im Januar 1920 organisierte der Verein den ersten Bügelkurs mit Gasbügeleisen. Im März 1914 nahm man die Vortragstätigkeit auf, mit dem damals sehr aktuellen Thema «Die neue Krankenversicherung und ihre Vorteile für die Frauen».
Während des Ersten Weltkrieges setzte sich der Verein zur Förderung weiblicher Fortbildung, der damals von Frau Susanna Streuli-Schmidt präsidiert wurde, für die Linderung der Notlage ein. Im Kochkurs lehrte man nun, wie möglichst einfache und doch nahrhafte Speisen, besonders Suppen, zubereitet wurden, und man demonstrierte die Kochkiste.
In der 1914 eröffneten Flickstube erteilten Schneiderinnen Rat zum Ändern und Flicken von Kleidern und Wäsche. 1917 wurden Vorträge über das Sterilisieren von Früchten und Gemüsen durchgeführt. Auf grosses Interesse stiess im Jahre 1918 ein Vortrag über das Frauenstimmrecht.
Anlässlich der Statutenrevision von 1919 stellte sich der Verein neu die Aufgabe, in monatlichen Zusammenkünften allerlei Fragen und Probleme zu besprechen, die im Interesse der Frauen lagen. Man wollte besonders im Hinblick auf das Frauenstimmrecht aktiv sein und eine Lesemappe mit Frauenzeitschriften zirkulieren lassen.
In den 1920er Jahren wurde das Kurswesen ausgebaut. Dadurch kam man bald in Raumnot. Das Projekt, das gemeindeeigene alte Büelenhaus zum Sitz der Haushaltungsschule umzugestalten, zerschlug sich. Dafür zeichnete sich bald eine neue Lösung ab: mit Beginn des Schuljahres 1932/33 gingen sämtliche hauswirtschaftlichen Fortbildungen im Kanton Zürich von den Frauenvereinen an den Staat über. In Wädenswil übernahm die Primarschulpflege das Protektorat.
Mit der Ablösung der Fortbildungsschule wählte man 1932 den kürzeren Namen «Frauenverein Wädenswil»
.
Fanny Fleckenstein Gründerin des Frauenvereins Wädenswil.
Den Zweck des Vereins umschrieb man folgendermassen: «Sein Bestreben ist die Beschaffung von Heimarbeit, die Veranstaltung von geschlossenen Haushaltungskursen, von Mütterabenden und dergleichen. Ferner veranstaltet er Vorträge Besprechungen über alle die Frauen berührenden Fragen, Rechte und Pflichten.»
Während des Zweiten Weltkrieges setzte sich der Verein − nun unter der Leitung von Frl. Dr. med. Helene Wyssling
− wieder für den Nächsten ein. Die Frauen nähten und strickten im Auftrag der Soldatenfürsorge, sie beschenkten an Weihnachten viele Wehrmänner und Kinder arbeitsloser Einwohner, sie halfen den stark überlasteten Bäuerinnen bei Einbringen der Ernte, sie sammelten für Internierte, für das Rote Kreuz, betreuten Flüchtlinge und beteiligten sich ausserdem an den periodisch durchgeführten Altstoffsammlungen.
Drei Präsidentinnen gaben dem Frauenverein Wädenswil in den letzten 28 Jahren wesentliche Impulse: M. Sträuli von 1948 bis 1951, B. Rellstab von 1951 bis 1959 und I. Schaltenbrand
seit 1959. Die grosse und vielfältige Tätigkeit des Vereins konzentrierte sich in neuerer Zeit auf das Vortrags- und Kurswesen, auf besondere Aktionen zugunsten von Hilfsbedürftigen im weitesten Sinne sowie auf die Veranstaltung von Exkursionen und Besichtigungen. Manche Einrichtung in Wädenswil geht auf Impulse des Frauenvereins zurück: die Zusammenkünfte von Hausangestellten (1951), die erste Weihnachtsfeier in der Alterssiedlung (1970), der Kinderhütedienst (1970), die Kleiderbörse (1971), die Sportartikel-Börse (1972).
Der konfessionell und politisch neutrale Frauenverein Wädenswil will auch in Zukunft durch Publikationen, einmalige Veranstaltungen, Kurse und dauernde Einrichtungen zeitgemäss und soziale Probleme studieren und lösen.