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Normalerweise sind solche Quellen formal nicht zitierfähig, da sie nicht ständig verfügbar und daher nicht für den Leser nachprüfbar und nachvollziehbar sind. Aber: Es sind mündliche Primärquellen! Gerade in den Sozialwissenschaften können diese durchaus wichtiges empirisches Material sein.
Die ideale mündliche Quelle wäre zwar ein systematisch vorbereitetes Interview mit einer Verschriftlichung (Transkript), die möglichst auch vom Interviewten autorisiert wird. Das geht hier nun nicht.
- Möglichkeit 1: Sie sehen das nur als Hintergrundinformation und zitieren nichts. Haben Sie Fakten und Argumente gehört, versuchen Sie diese anderswo zu bestätigen und in Ihre sonstigen Recherchen einzubauen.
- Möglichkeit 2: Sie zitieren, und zwar so präzise wie möglich, wenn Sie direkt und wörtlich zitieren. Notwendig dafür ist eine genaue Mitschrift. Sicherer ist oft (wenn die Mitschrift nicht so genau war) die Paraphrase, also die Umschreibung/Wiederholung des mündlich Gehörten mit etwas anderen Worten, aber so dicht wie möglich am Original. Einzelne, prägnante Aussagen können und sollten Sie aber im Wortlaut nennen (z.B.: Müller bezeichnete die Atomausstiegspolitik der Regierung Merkel als überraschende Wende, sogar "rätselhaft" und "schwer nachvollziehbar").
- Müller, R. (2011, 21. Juni). Energiepolitik im Wandel. Vortrag bei der Veranstaltung XYZ, Verband Deutscher Energieunternehmen, Haus der Energiewirtschaft, Berlin. [Eigene Mitschrift]
- Schmitz, J. (2011, 21. Juni). Persönliches Gespräch mit dem Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Energieunternehmen bei der Veranstaltung XYZ, Verband Deutscher Energieunternehmen, Haus der Energiewirtschaft, Berlin. [Eigenes Gesprächsprotokoll]
Vorträge und Diskussionsbeiträge bei einer öffentlichen Veranstaltung dürfen Sie zitieren. Sie benötigen dafür auch keine Autorisierung der Zitate. Allerdings haben Sie eine Sorgfaltspflicht: Sie müssen sich bemühen, so präzise und wortgetreu wie möglich zu notieren, was gesagt wird, und dürfen niemandem etwas in den Mund legen. Erlaubt ist es nur, sinngemäß zu glätten:
- Statt Originalton: "Meine äh Damen und Herren, was die Regierung, die Regierung Merkel also, da macht, also äh die Atomwende meine ich, also das ist rätselhaft und völlig nachvollziehbar, Entschuldigung, das war ein Versprecher, ich meine natürlich, äh, schwer nachvollziehbar."
- Geglättete, redigierte Version: "Was die Regierung Merkel da mit der Atomwende macht, das ist rätselhaft und schwer nachvollziehbar."
Wenn Sie ein persönliches Gespräch am Rande führen, sollten Sie nach allgemeiner Regel entweder (a) dem Gesprächspartner deutlich machen, dass Sie für ein Projekt recherchieren und deshalb mit ihm sprechen (was impliziert, dass Sie das Gesagte verwenden möchten) und/oder (b) Zitate, die Sie verwenden möchten, ihm zur Autorisierung vorlegen.
Hier kommt es aber auch auf den Gesprächspartner an. Ein Politiker oder auch, wie im Beispiel oben, ein Verbandschef (höchster Repräsentant seiner Organisation), ist eine Person des öffentlichen Lebens. Diese Person muss immer damit rechnen, dass ihre Aussagen zitiert werden, z.B. in den Medien. Hier gibt es bei sachlich-fachlichen und politischen Aussagen, die im öffentlichen Raum gemacht werden, kein Recht auf Privatsphäre (siehe auch Wikipedia: Zulässigkeit von Äußerungen in der Berichterstattung). Wenn Sie eine solche Person ansprechen, dürfen Sie die Äußerungen verwenden -- aber bitte Sorgfaltspflicht wahren.
Anders ist es mit Menschen, die man nicht als Person des öffentlichen Lebens bezeichnen kann. Hier ist es angemessen, um das Einverständnis bzw. die Freigabe von Zitaten zu bitten.