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Richard Wagner lebte sechs Jahre lang in Tribschen. Seine Zeit in Luzern war eine Zeit des Schaffens und der Familiengründung für den ansonsten so reiselustigen Komponisten. Er weilte von 1866 bis 1872 in Tribschen, wo er Prominenz wie Bayernkönig Ludwig II., Franz Liszt und Friedrich Nietzsche begrüsste, aber auch hetzerische Werke verfasste.
Nach dem Lockdown sind wieder Spaziergänge entlang des Vierwaldstättersees möglich. Kaum einem der Spazierenden entgeht die Schönheit der Landschaft und das ruhige Idyll des Sees.
Kein Wunder zog es über die Jahrhunderte etliche Kunstschaffende nach Luzern. Einer der berühmtesten unter ihnen war der Komponist Richard Wagner, dem in Tribschen in seiner alten Wohnstätte ein Museum gewidmet ist.
Schifffahrt mit der Geliebten in Luzern
Wilhelm Richard Wagner entdeckte im März 1866 die Tribschener Landzunge während einer Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee, welche er mit seiner damaligen Geliebten Cosima von Bülow, Tochter des ungarisch-österreichischen Komponisten Franz Liszt, unternahm.
So hingerissen war er vom blossen Anblick des Tribschener Herrenhauses und seiner Lage, dass er seine sechsjährige, ruhelose Wanderzeit beendete und gleich im Folgemonat, am 15. April, in Luzern einzog.
Komponieren in Luzern
Wagner verblieb für sechs Jahre, von 1866 bis 1872, in Luzern. Für den aus Leipzig stammenden Komponisten war es eine Zeit des Schaffens. Im Tribschener Herrenhaus vollendete er die «Meistersinger von Nürnberg» und «Siegfried», komponierte den «Huldigungsmarsch» und das «Siegfried-Idyll». Zudem machte er wichtige Fortschritte an der «Götterdämmerung».
Aus kritischer Sicht muss auch angefügt werden, dass er 1869 auch die zweite Ausgabe seiner Schrift «Das Judentum in der Musik» schrieb und veröffentlichte, in welcher er in hetzerischem Tone von einer «umgekehrten Judenverfolgung» sprach, mit dem Ziel, «den Einfluss der Juden auf unsere Musik mit Aussicht auf Erfolg noch zu bekämpfen».
Endlich die Geliebte heiraten
Seine Geliebte Cosima war zu Beginn der Tribschener Zeit noch mit dem Dirigenten Hans Freiherr von Bülow verheiratet. Dies hielt sie freilich nicht davon ab, mit Wagner schon 1865 das erste gemeinsame Kind, Isolde, zu zeugen.
1867 verliess Cosima – hochschwanger mit Wagners zweitem Kind – schliesslich Hans von Bülow und zog mit ihrem Kind zu Wagner nach Luzern, wo sie im Februar die zweite Tochter, Eva, gebar. Zwei Jahre später kam dann noch das dritte und letzte Kind, der Sohn Siegfried, dazu.
Zur selben Zeit willigte auch endlich Hans von Bülow, bis anhin noch der Ehemann von Cosima, zur Scheidung ein.
Am 25. August fand im kleinsten Kreis die Trauung von Richard und Cosima in der protestantischen Gemeinde der Matthäuskirche statt. Lediglich das Brautpaar, ein Pfarrer und zwei Brautzeugen waren anwesend. Einige Tage später wurde die Taufe des Sohnes Siegfried gefeiert.
Im ersten Obergeschoss des Landhauses Tribschen ist Wagners Sohn auf den Namen Siegfried Helferich Richard Wagner getauft und damit als Wagner-Nachkomme legitimiert worden.
Das Haus in Tribschen – und die Affäre?
Das Landhaus Tribschen war zu Wagners Zeiten ein beliebter Treffpunkt namhafter Persönlichkeiten, darunter der Bayernkönig Ludwig II., Franz Liszt und Friedrich Nietzsche. Im Haus der Wagners lebte nebst der Familie auch eine Gouvernante, ein Kindermädchen sowie einige Bedienstete, dazu kam noch die Menagerie.
Dazu gehörten ein Pferd, mehrere Hunde und Katzen, Fasane und ein Paar Pfauen. Der Haushalt wurde von Wagners langjähriger Begleiterin (und vermutlich auch Liebhaberin) Verena «Vereneli» Weidman geleitet, die er 1859 bei einem längeren Aufenthalt im Schweizerhof als Zimmermädchen anheuerte.
Weidmann begleitete Wagner auch stets auf dessen Reisen, von Venedig bis Genf, München und Paris. 1867 heiratete Verena Weidmann mit 35 Jahren Jakob Stocker, einen Portier vom Schweizerhof, der sich verpflichten musste, fortan als Hausverwalter Wagners zu agieren.
Im Folgejahr gebar Verena Weidmann ihr erstes Kind, das auf den Namen Wilhelm Richard getauft wurde.
Es kam natürlich bald darauf zu Spekulationen über die Vaterschaft des Kindes (wie auch über die beiden darauffolgenden Kinder Verenas), da es grosse Ähnlichkeiten zu Richard Wagner aufwies und dieser sich schon in seiner ersten Ehe mit Wilhelmine «Minna» Wagner als sehr untreuer und abenteuerlustiger Ehemann erwiesen hatte.
Doch Verena Weidmann, neu Stocker, war wohl klug genug, die damaligen Standesgrenzen als solche zu akzeptieren und stellte keine Forderungen an Wagner. Zudem erwies sich Wagner als grosszügiger Patenonkel, der Weidmanns Kind immer wieder mit Geschenken überhäufte.
Bis zum Ende ein Reisender
Auch während der Zeit in Tribschen packte Wagner die Reiselust, wobei es ihn häufig nach München verschleppte, wo er seinen Gönner, König Ludwig II., besuchte.
Dieser hatte zwar Wagner Ende 1865 aus München wegen seines ausschweifenden Lebensstils, vom König opulent finanziert, ausweisen müssen, aber er erwies sich bis zu seinem Tode als grosszügiger Spender.
Im Jahr 1872 verliess Wagner die sogenannte Tribschener Idylle, um seine Pläne eines eigenen Festspielhauses in Bayreuth zu verwirklichen. Er verblieb in Bayreuth bis 1882, im Jahr darauf verstarb er in Venedig.
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