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Medizin-Nobelpreis für Corona-Impfstoff-Forschung
Fast vier Jahre nach dem Beginn der Covid-19-Pandemie wurde der Medizin-Nobelpreis zwei Forschern hinter der mRNA-Impfung zugesprochen. Ausgezeichnet wurden die gebürtige Ungarin Katalin Karikó und der US-Forscher Drew Weissman. Auf Basis ihrer jahrzehntelangen Arbeit konnten in Rekordzeit mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt werden, "die zusammen Millionen Leben gerettet haben", hiess es bei der Bekanntgabe.
Konkret gewürdigt wurden die 68-jährige Karikó und der 64-jährige Weissman für ihre Entdeckungen zur Modifikation der Nukleosidbasen, die die Entwicklung der wirksamen mRNA-Impfstoffe ermöglichten.
Physik-Nobelpreis für Pioniere der Attosekundenphysik
Nach Anton Zeilinger im Vorjahr bekam heuer wieder ein Österreicher den Physik-Nobelpreis: Wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt gab, erhielten der österreichisch-ungarische Physiker Ferenc Krausz, sein in den USA tätiger Kollege Pierre Agostini und die in Schweden arbeitende Physikerin Anne L'Huillier die Auszeichnung.
Die drei sind Pioniere der Attosekunden-Physik, die mit ultrakurzen Lichtpulsen Elektronen sichtbar macht. Die drei Physiker:innen werden "für experimentelle Methoden, die Attosekunden-Lichtimpulse zur Untersuchung der Dynamik von Elektronen in Materie erzeugen" ausgezeichnet, begründete das Nobelpreis-Komitee seine Entscheidung.
Chemie-Nobelpreis geht an drei Quantenpunkt-Forscher
Mit dem Chemie-Nobelpreis 2023 wurden die Arbeiten der Wissenschafter Moungi G. Bawendi, Louis Brus und Alexei Jekimow zu Quantenpunkten - oder "künstliche Atome" - gewürdigt. Dies sind "Nanopartikel, mit einzigartigen Eigenschaften", z.B. für Bildschirm-Technologien und LED-Lampen oder zur Beleuchtung von Tumorgewebe, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften mitteilte.
Die drei Nobelpreis-Laureaten in Chemie hätten erfolgreich Quantenpunkte und damit so kleine Partikel erzeugt, deren Eigenschaften durch Quantenphänomene bestimmt werden - mit heute "grosser Relevanz für die Nanotechnologie", hiess es.
Literatur-Nobelpreis geht an Norweger Jon Fosse
Den Literaturnobelpreis 2023 bekam der Norweger Jon Fosse. Fosse wurde "für seine innovativen Stücke und Prosa, die dem Unsagbaren eine Stimme geben", geehrt.
Als einer "der anerkanntesten und meistgespielten Theaterautoren unserer Zeit" verbinde er "eine Verwurzelung in der Sprache und Natur seiner norwegischen Herkunft mit künstlerischen Techniken der Moderne", erläuterte Literaturwissenschafter und Akademiemitglied Anders Olsson im Anschluss an die Bekanntgabe. Seine mehr als dreissig Stücke waren - übersetzt in über 40 Sprachen - auf Bühnen in der ganzen Welt in bisher über tausend Inszenierungen zu sehen.
Friedensnobelpreis für iranische Frauenrechtlerin
Der Friedensnobelpreis 2023 ging an die iranische Frauenrechtlerin Narges Mohammadi. Die derzeit inhaftierte Menschenrechtsaktivistin wurde für "ihren Kampf gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran und ihren Kampf für die Förderung der Menschenrechte und Freiheit für alle" geehrt, sagte Komiteevorsitzende Berit Reiss-Andersen.
Mohammadi ist eine der bekanntesten Menschenrechtsaktivistinnen im Iran und wurde wegen ihres Engagements bereits mehrfach eingesperrt. Aktuell verbüsst die 51-Jährige eine langjährige Haftstrafe im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran. Ende 2022, während der landesweiten Aufstände gegen Irans Machtapparat, brachte Mohammadi einen Bericht ans Licht, der mutmassliche Folter an Dutzenden Frauen im Hochsicherheitsgefängnis aufdeckte.
Wirtschaft-Nobelpreis für Forschung zu Frauen am Arbeitsmarkt
Der Nobelpreis für Wirtschaft ging heuer an die US-Forscherin Claudia Goldin für die "Aufdeckung der wichtigsten Ursachen für geschlechtsspezifische Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt". Sie forscht an historischen Daten der vergangenen 200 Jahre für den US-Markt und wies unter anderem nach, dass Wirtschaftsaufschwung nicht automatisch zu mehr Frauenbeschäftigung führt.
Goldin habe die erste umfassende Darstellung der Einkommen und der Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen im Laufe der Jahrhunderte vorgelegt, hiess es auf der Homepage der Akademie. "Indem sie die Archive durchforstete und historische Daten zusammenstellte und korrigierte, konnte Goldin neue und oft überraschende Fakten präsentieren.
Übergabe am 10. Dezember
Die Nobelpreise gehen auf das Testament des schwedischen Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Einzig der Wirtschaftsnobelpreis beruht nicht darauf - er wird seit Ende der 1960er-Jahre von der schwedischen Reichsbank gestiftet und zählt somit streng genommen nicht zu den klassischen Nobelpreisen.
Die Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Wirtschaft werden jedes Jahr in der schwedischen Hauptstadt Stockholm vergeben. Der Friedensnobelpreis ist der einzige der stattdessen in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekannt gegeben wird.
Alle Auszeichnungen waren in diesem Jahr mit elf Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) pro Kategorie und damit mit einer Million Kronen mehr als in den Vorjahren dotiert. Feierlich überreicht werden sie dann traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.