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Die zweibändige Publikation Helmuth von Moltke – Dokumente zu seinem Leben und Wirken (Band 1) (Band 2) hat in anthroposophischen Kreisen, vor allem in bezug auf den zweiten Band, der die von R. Steiner niedergeschriebenen Post-mortem-Mitteilungen Moltkes enthält, fast ausnahmslos ein wohlwollendes, interessiertes Echo gefunden, wie zahlreiche Rezensionen bezeugen. Die Zunfthistoriker haben die Publikation in der Regel nicht zur Kenntnis genommen, obwohl John C. G. Röhl, der renommierte Biograph Wilhelms II., dem Herausgeber kurz nach Erscheinen der beiden Bände geschrieben hatte:
John C.G. Röhl über die beiden Moltke-Bände:
„Ich lese mit großer Faszination Ihre beiden Moltke-Bände, für die Sie ja so viel neues Material zusammengetragen haben! Als Herausgeber der Korrespondenz des Grafen Philipp zu Eulenburg weiß ich sehr wohl, wie viele Mühe ein solches Werk gekostet hat; als Kaiser-Biograph bin ich aber begeistert von dem neuen Quellenmaterial, das Sie ans Licht gebracht haben.“
Die Röhl-Schülerin Annika Mombauer legte im April 2001 ihr aus ihrer Doktorarbeit hervorgegangenes Werk Helmuth von Moltke and the Origins of the First World War vor.
Mombauer unternimmt darin den Versuch, Moltke als eigentlichen, entscheidenden Kriegstreiber hinter Wilhelm II. und seinem Kabinett hinzustellen. Dazu heißt es in einer wohlwollenden Besprechung des Buches in der FAZ (26. 3. 02) allerdings:
„Moltkes Einfluss auf die Reichsleitung überschätzt die Autorin.“
Mombauer kritisiert eingangs in unbegründeter Art die editorische Qualität der von Eliza von Moltke 1922 herausgegebenen Erinnerungen, Briefe und Dokumente (= Teil von Bd. 1 der Perseus-Ausgabe), um dann von der Perseus-Edition zu behaupten:
Annika Mombauer über die beiden Moltke-Bände:
Das meiste von Meyers Ausgabe ist für Historiker von geringem Wert.
Gleichzeitig bezeichnet sie die beiden Bände als umfassendste Sammlung von Primärmaterial in bezug auf Moltke.
U. a. stellt Mombauer Rudolf Steiners Bemühen, im Einverständnis mit Eliza von Moltke die Aufzeichnungen ihres verstorbenen Gatten zum Kriegsausbruch noch vor den entscheidenenden Verhandlungen in Versailles zu veröffentlichen, in einem Licht dar, das beweist, dass sie sich mit dem ihr bekannten Primärmaterial nur in dilettantischer Weise auseinandergesetzt haben kann. Stattdessen beschuldigt sie den Herausgeber der Perseus-Edition, es vor der Publikation in fahrlässiger Weise unterlassen zu haben, um die Autorisierung durch noch lebende Mitglieder der Moltke zu ersuchen.
Insbesondere habe er zwei noch lebende Enkelinnen Moltkes übergangen. Dies ist unwahr. Die Rechtslage ist eindeutig, was von seiten der Enkelinnen nachträglich erneut bestätigt wurde.
Die Cambridge University Press, die Mombauers Werk herausgab, hat sich nach der Intervention durch einen Schweizer Anwalt bereit erklärt, diese widerlegten, diffamierenden Behauptungen in der zweiten Auflage wegzulassen.
Mombauers Recherchen wurden, wie sie ausdrücklich feststellt, durch Konrad Donat, ein Mitglied des Vereins der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung, nachhaltig und jahrelang unterstützt. Im Gegensatz zur Cambridge University Press sah die Rudolf Steiner Nachlassverwaltung jedoch auch nach Erscheinen von Mombauers Zerrbild von Moltke und Steiner bis zum jetzigen Zeitpunkt in dieser Sache „keinen Handlungsbedarf“, wie ihr derzeitiger Präsident Cornelius Bohlen schon im Juli 2001 bekanntgab.
Eine eingehende Analyse dieses Falles durch den Herausgeber der Perseus-Edition findet sich in Der Europäer, Jg 5, Nr. 11, Sept. 2001: Thomas Meyer: Kampf gegen die Wahrheit über ein Kernstück europäischer Geschichte – Annika Mombauers Buch über Helmuth von Moltke und den Ersten Weltkrieg