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Die äthiopische Musik ist äußerst vielseitig. Die traditionelle Musik weist Einflüsse der Region, in der sie gespielt wird, auf, wobei jedes Volk seine eigenen Klänge entwickelt. Auch der Einfluss der Religion ist spürbar. So hat sich zum Beispiel in der Provinz Wollo im Nordosten des Landes eine Manzuma oder Menzuma genannte und ursprünglich auf Amharisch gesungene Form der islamischen Musik entwickelt, die heute auch in anderen Regionen verbreitet ist. Der Reggae, Rastafari-Musik par excellence, ist ebenfalls sehr gegenwärtig. Und Ende der 1950er Jahre wurde schließlich der weltweit bekannte äthiopische Jazz äußerst populär.
Der Reggae ist eine Musikrichtung, die Ende der 1960er Jahre in Jamaika entstand. Sie entwickelte sich sehr schnell zu einem internationalen Erfolg und wird oft mit der Rastafari-Bewegung in Verbindung gebracht. Die in einem Kontext der starken Emulation entstandene Reggae-Musik ist das Ergebnis zahlreicher Begegnungen und der Vermischung unterschiedlicher Ethnien. Der Reggae hat seine Wurzeln in der Musik der schwarzen Amerikaner (zum Beispiel im Rhythm’n Blues), im Ska und im Rocksteady, aber auch in der traditionellen Musik des afrikanischen Kontinents. Er ist ursprünglich eine Protestmusik, die das schwarze Volk zum Stolz auffordert, es ermahnt, sich von seinen Komplexen zu befreien und eine Rückkehr zu den Wurzeln predigt. Dies sind auch die Werte der religiösen Identitätsbewegung Rastafarianismus, deren Gott der Kaiser Haile Salassie I. und deren heiliges Land Äthiopien ist. Diese Musik ist in Äthiopien sehr präsent, besonders in den großen Städten und in Shashamane.
Die Azmaris sind Sänger und Musikanten, die mit den europäischen Barden verglichen werden können. Es werden sowohl Männer als auch Frauen akzeptiert. Azmaris sind fabelhafte Improvisatoren, die in jeder Situation die passende Spöttelei, das lächerliche Detail und den Witz finden, auf die das Publikum reagiert, und sich auf einer Masinko oder einer Krar (eine Art Leier) begleiten. Sie treten meistens in Azmari Bets oder Tedjbets (Bars, in denen man einen Tedj genannten Honigwein trinkt) auf.
In Äthiopien hört der Großteil der Bevölkerung traditionelle, aber hauptsächlich volkstümliche Musik. Sie erklingt in den Minibussen, in den Geschäften und Bars ... überall und jederzeit. Sie wird im Land gespielt, aufgenommen und produziert. Eine große Persönlichkeit der modernen äthiopischen Popmusik ist der Sänger Teddy Afro.
Der Ethio-Jazz entstand in den 1960er Jahren in den Bars der Hauptstadt unter den Einflüssen des Jazz, der traditionellen Azmari-Musik, der lateinamerikanischen Musik und der angloamerikanischen Popmusik. Zahlreiche damals von der Regierung autorisierte offizielle Gruppen spielten und entwickelten diese Musik über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren hinweg.
Der äthiopische Jazz lebte mit zwei Events außerhalb des Landes wieder auf: Ende der 1990er Jahre brachte ein unabhängiges französisches Label auf Veranlassung von Francis Falceto die größten Stimmen des Ethio-Jazz in der herrlichen Kollektion „Ethiopiques“ heraus, mit der der Westen diese Musik entdecken konnte. Der zweite Event steht mit dem Erfolg des amerikanischen Films von Jim Jarmusch, Broken Flowers im Jahr 2004 in Verbindung, in dem ein äthiopischer Fan des Ethio-Jazz der 1970er Jahre die Nebenrolle spielt. Die Filmmusik umfasst insbesondere die Erfolge des heute 70jährigen Mulatu Atsaké, der als weltweit bekanntes Symbol dieser Musik gilt. Ich kann Ihnen nur empfehlen, ihn in seinem Jazzclub im Ghion Hotel zu besuchen.