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«Damals hatte ich eine Zeitbombe in mir», sagt Walter W. Der 60-Jährige sah zuerst keinen Zusammenhang mit seinem Herzen , als er im Mai plötzlich während etwa einer Viertelstunde eine Hand nicht mehr bewegen konnte und zwei Stunden später eine kurze Sehstörung erlitt.
Zufällig hatte er am selben Tag einen Arzttermin wegen einer Fussoperation. Die Ärztin riet ihm dringend, den Hausarzt aufzusuchen. Dieser schickte ihn nach einer Computeruntersuchung ins Universitätsspital Zürich, um eine Arterienverengung am Hals abzuklären. Weber erhielt den Befund «epileptisches Potenzial» und Medikamente.
«Ich habe mich gesund gefühlt und bin kurz zuvor noch auf fast 4000 Metern Höhe Ski gefahren.»
Walter W., Angina Pectoris-Patient
Doch der Hausarzt gab sich damit nicht zufrieden und wies ihn für weitere Abklärungen ins Zürcher Triemlispital ein. Dort zeigte eine Herzuntersuchung, dass die Hauptarterie der linken Herzkammer fast vollständig geschlossen war. «Von mir aus wäre ich wohl nicht zum Arzt gegangen», sagt Walter Weber heute. Er habe sich gesund gefühlt und sei im Februar noch auf dem Kleinen Matterhorn, auf fast 4000 Meter Höhe, Ski gefahren. Dass er einen Bauch ansetzte und bei Steigungen etwas Mühe mit dem Atmen hatte, sah er als normale Zeichen des Alterns.
Angina Pectoris bleibt oft über Jahrzehnte unbemerkt
Herzerkrankungen entstehen meistens schleichend und oft unbemerkt. Rund 183 pro 100'000 Einwohner leiden unter Herzinsuffizienz, die durch eine unbehandelte Verengung der Herzgefässe entsteht. Mangelnde Durchblutung führt zu Fetteinlagerungen, Verhärtungen und schliesslich zu einer Verkalkung der Herzkranzgefässe.
Diese Entwicklung läuft während Jahrzehnten ab. Bis zum Alter von 65 Jahren erkranken doppelt so viele Männer wie Frauen, denn Frauen haben bis zu den Wechseljahren einen natürlichen Hormonschutz , der aber mit Rauchen und der Einnahme der Antibabypille vermindert wird. Nachher gleichen sich die Erkrankungsquoten bei Männern und Frauen an.
Weil die Verengungsgefühle irgendwo zwischen Kinn und Nabel auftreten können, werden sie oft nicht ernst genommen. Erst wenn die Herzkranzgefässe zu über 70 Prozent verschlossen sind, äussert sich das mit Klemmen in der Brust, dem typischen Anzeichen der Angina pectoris.
Herzinfarkt: Todesursache Nummer 1
Nicht behandelte Verengungen der Herzkranzgefässe sind lebensgefährlich: Schliessen sich die Arterien durch ein Blutgerinnsel ganz, kommt es zum Herzinfarkt. Innert weniger Stunden sterben jene Herzzellen ab
, die nicht mit Sauerstoff versorgt werden. In der Schweiz erleiden jährlich etwa 14'000 Personen einen Herzinfarkt.
Walter W. hatte das Glück, dass seine Erkrankung rechtzeitig entdeckt wurde. Seine linke Hauptarterie war nur noch zu fünf Prozent durchlässig, das Risiko für einen schweren Herzinfarkt also hoch.
Sofort wurde mit der so genannten Koronarangioplastie die Durchblutung sichergestellt. Dabei führt der Arzt an der Leiste einen Katheter mit einem Ballon ein und weitet die verengte Stelle durch Aufblasen aus. Bei grösseren Verengungen setzt er eine Metallstütze - einen Stent - ein. Der Eingriff ist heute Routine, er wird nur mit einer Lokalanästhesie durchgeführt.
Bei etwa 30 Prozent der Patienten kommt es zu Rückfällen, die meistens durch eine zweite Erweiterung behoben werden können. Das Problem beim Eingriff ist das Infarktrisiko. Für diesen Fall steht ein Operationsteam bereit, das die verengte Stelle sofort mit einem Bypass - einer künstlich gelegten Arterie - überbrücken würde.
Herzleiden sind Lifestyle-Krankheiten
Je früher eine Herzerkrankung behandelt wird, desto besser sind die Chancen, dass die Krankheit stabilisiert und die Lebensqualität wieder verbessert werden kann. Herzleiden sind Lifestyle-Krankheiten: Durch Veränderungen des Lebensstils können die Hälfte der Erkrankungen ganz vermieden oder hinausgezögert werden.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, zu viel Salz und Fett beim Essen, zu wenig Bewegung und Vererbung. Die Zuckerkrankheit Diabetes verdoppelt die Wirkung der Risiken. Schädlich sind auch viel Alkohol, Aufputschmittel und Dauerstress . Vor allem Menschen mit ‹Alpha›-Verhalten sind gefährdet, wie die hohe Herzinfarktquote im Management zeigt. Doch bereits ein 20-Jähriger könne Ablagerungen in den Herzkranzgefässen aufweisen, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkämen.
Die Zeitbombe mit verursacht
Ein halbes Jahr nach dem Notfalleingriff sagt Walter W.: «Bei mir war eine Ursache sicher auch selbst gemachter innerer Stress.» Nach dem Eingriff habe er gemerkt, wie viel besser er atmen könne. Er muss Medikamente nehmen, um das Risiko einer weiteren Verkalkung und eines Infarkts zu senken.
«Ich hatte Glück und will jetzt selber meinen Teil beitragen», betont er. Eisern macht er dreimal wöchentlich ein spezielles Herztraining, fährt mit dem Velo zur Arbeit und befolgt die Ratschläge der Ernährungsberaterin.
Anzeichen für eine Herzerkrankung
Bei diesen Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden:
- Engegefühle
- Atemnot bei Anstrengungen und Steigungen
- wenn man nicht mehr flach liegen kann
- starke Gewichtszunahme
- Wasser in den Füssen und Knöcheln
Die Signale eines Herzinfarkts:
- Schmerzen im Brustkorb
- kalter Schweiss, Atemnot
- Kreislaufzusammenbruch
- bei Frauen auch Schmerzen im Oberbauch oder Kreuz