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Am Samstag, 29.4. fand in der Umgebung von Göteborg die prestigeträchtige 10Mila-Staffel statt. Julia Gross gewann mit ihrem schwedischen Team Stora Tuna überraschend das Frauenrennen.
Schon mehrfach bewies Julia Gross, dass sie eine Affinität für Staffelrennen hat. Die Staffeleuropameisterin von 2014 gewann bereits als Juniorin einen Weltmeistertitel in dieser Disziplin und ist inzwischen zusammen mit ihren beiden Schwestern Lilly und Paula dreifache Schweizermeisterin. Im vergangenen Jahr kehrte die flinke Primarlehrerin sowohl an den Europameisterschaften, wie auch an den Weltmeisterschaften jeweils als Führende von der Startstrecke zurück. Beide Male verfehlte dann aber das Team eine Medaille knapp. Was ihr bis anhin in ihrem Palmarès noch fehlte, war ein Medaillenrang an einer der grossen skandinavischen Klubstaffelrennen.
Champions League Final der OL-Szene
Die schwedische 10Mila-Staffel hat in der OL-Welt eine ähnliche Bedeutung wie für den Fussball der Champions League Final. Vor der Männerstaffel, die am Samstagabend gestartet wird und am Sonntagmorgen endet, gibt es am Samstagmorgen eine Jugendstaffel und am Nachmittag eine Frauenstaffel mit fünf Läuferinnen. Weil diese Staffelläufe für die skandinavischen Klubs von höchster Bedeutung sind, engagieren viele Vereine zur Verstärkung ihrer Teams ausländische Top-Athleten. Die Taktik spielt bei der Staffel-Zusammensetzung jeweils eine wesentliche Rolle. In diesem Jahr setzte die Trainerin von Stora Tuna Julia Gross auf dem dritten Abschnitt ein, welcher mit 11.3 Kilometer gleichzeitig auch der längste war.
Als «Tramführerin» durch den Wald gerannt
Julia Gross nahm das Rennen als vierzehnte mit einem Rückstand von 2:37 Minuten in Angriff. Rasch gelang es ihr, einige vor ihr gestartete Läuferinnen einzuholen. Es bildete sich eine grössere Gruppe, die sich auf die Verfolgung des Spitzentrios machte. Nach einem Routenwahlfehler der führenden drei Teams erfolgte etwa in der Mitte des Parcours der grosse Zusammenschluss. In der Folge übernahm die Läuferin im gelben Stora Tuna Dress den Lead, gefolgt von einer ganzen Reihe weiterer Läuferinnen, was man im OL-Sport als «Tram» bezeichnet. «Da die Strecke keine Gabelungen aufwies, wurde sehr taktisch gelaufen und kaum jemand getraute sich, eine eigene Route zu laufen und das Tram zu verlassen. Da war ich ab und zu dankbar dafür, wenn ich vorne die Richtung vorgab und schon etwas bibberte, ob ich mich wohl bald alleine zum Posten durchkämpfen müsste. Anscheinend vertraute man aber auf schwarz-gelb oder war gleicher Meinung auf den anderen Positionen in der Gruppe», erzählte Gross nach dem Rennen. Tatsächlich kehrte die Schweizerin dann an der Spitze in die Zielarena zurück. Damit hatte sie ihre Aufgabe bestens erfüllt.
Turbulentes Finale mit überraschendem Ausgang
Frida Sandberg, die nächste Stora Tuna Läuferin, vermochte die ausgezeichnete Ausgangslage nicht ganz zu verwalten. Sie musste abreissen lassen und beendete ihr Rennen als zwölfte Läuferin mit einer Hypothek von gut sieben Minuten Rückstand. Damit schien ein Medaillenrang für Stora Tuna ausser Reichweite gerückt zu sein. Doch Schlussläuferin Tove Alexanderson, die auch schon als Nachfolgerin von Simone Niggli bezeichnet wurde, schaffte das beinahe Unmögliche. Nach erstaunlich kurzer Zeit konnte sie die Lücke zu den führenden Teams wieder schliessen. Ganz am Schluss profitierte sie noch von einem kapitalen Fehler der führenden Läuferin, die den zweitletzten Posten verpasste. Zur grossen Überraschung des Publikums preschte Tove Alexanderson als erste Läuferin aus dem Wald, dicht gefolgt von der Schweizerin Judith Wyder. Im Zielspurt liess dann die Teamkollegin von Julia Gross nichts mehr anbrennen und sicherte ihrem Verein den begehrten Staffelsieg.