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|Gründung 1581

Treibende Kraft für die Gründung der zweiten Jesuitenniederlassung in der Schweiz ist der päpstliche Nuntius Francesco Bonhomini. Er sieht die isolierte Lage des eidgenössischen katholischen Ortes inmitten des mächtigen, 1528 zur Reformation übergetretenen Stadtstaates Bern.[1] Die Gründung eines Kollegs soll ein Gegengewicht zu den protestantischen Schulen in Bern, Genf, Lausanne und Basel schaffen. Die Regierung des katholischen Ortes steht dem Vorhaben mehrheitlich positiv gegenüber. 1580 erreicht sie bei Papst Gregor XIII. die Aufhebung der Prämonstratenserabtei Humilimont zur Fundierung des neuen Kollegs.[2]
|Wenig Begeisterung zeigt der Provinzial der Oberdeutschen Jesuitenprovinz. Er befürchtet Winkelzüge der Eidgenossen, muss sich dann aber einem strikten Befehl des Papstes beugen. Der Provinzial sendet den damals berühmtesten Jesuiten der oberdeutschen Provinz, Petrus Canisius,[3] zur Gründung des Kollegs nach Fribourg. 1581 wird der Gründungsvertrag durch die Regierung unterzeichnet. Canisius bleibt in Fribourg. 1582 trifft der erste Rektor Peter Michael[4] mit fünf Patres, zwei Magistri und einem Laienbruder in Fribourg ein. Im gleichen Jahr kann das Gymnasium mit den drei unteren Klassen eröffnet werden. Schon 1584 wird es, nun fünf Klassen, von 250 Schülern besucht. Als der erste Rektor 1596 stirbt, ist im Gymnasium bereits die Rhetorik als oberste der sechs Unterrichtsklassen eingeführt. Das Kolleg zählt jetzt 16 Patres und Brüder.

|Petrus Canisius predigt vor der Kulisse des Jesuitenkollegs von Fribourg einer Zuhörerschaft von Papst und Kaiser, Kardinälen und Königen, Bischöfen und Prinzen, dem Stadtmagistrat und dem gemeinen Volk. Darüber Maria mit dem Jesuskind, flankiert links vom hl. Joseph und von Johannes dem Täufer, rechts von Nikolaus von Myra und der hl. Katharina. (Gemälde 1635 von Pierre Wuilleret im Kirchenchor). Foto: Bieri 2021.|
|Fribourg

Die Stadt liegt auf einem Felsengrat über einer Flussschleife der Saane (Sarine). Sie ist, wie die nach gleichem Plan gebaute Stadt Bern, eine Zähringergründung. Die Altstadt hat ihr spätmittelalterliches Gesicht bewahrt. An die schmale Kernstadt mit der hochgotischen Kollegiatskirche, der späteren Kathedrale, werden bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ost- und westwärts mehrere befestigte Erweiterungen angefügt. Zu Zeit der Kolleggründung leben hier zwischen 4000 und 5000 Einwohner (5117 im Jahr 1798).
Fribourg liegt an der Sprachgrenze und ist heute mehrheitlich französischsprachig. Zur Zeit der Kolleggründung ist die deutsche Sprache vorherrschend.
Ein grosses französischsprachiges Untertanengebiet und die Solddienst-verpflichtungen des regierenden Patriziats mit Frankreich führen aber schon schnell zur Vorherrschaft des Französischen. Deshalb, und auch zur Unterscheidung zum Jesuitenkolleg im breisgauischen Freiburg[5] benutze ich hier den französischen Namen.
|Die Stadt Fribourg oder Freiburg im Üechtland. Ausschnitt aus der Siegfriedkarte von 1874. Noch ist das mittelalterliche Stadtgefüge auf dem Sporn über der Sarine intakt, nur gegen die neue Bahnlinie sind erste Erweiterungen entstanden. In der Mitte liegt, deutlich sichtbar, die vierflügelige Kolleganlage. Bildquelle: https://map.geo.admin.ch.|
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|1. Blick auf die südliche Unterstadt (planche supérieure) mit Kornhaus (1709), darüber das Bourgillon- oder Bürglen-Tor (14. /15. Jh.) mit der Lorettokapelle (1648). Foto:Bieri 2021.|
|2. Blick von der südlichen Unterstadt auf die Häuserzeile der Grand-Rue der zähringischen Kernstadt von 1157 mit dem Turm der Kathedrale Saint-Nicolas. Foto:Bieri 2021.|
|3. Blick von der westlichen Terrasse des Arcades auf den Turm (1400–1490) von Saint-Nicolas. Foto:Bieri 2021.|
Der Bau von Gymnasium, Kolleg und Kirche 1585–1660
Für den Bau von Kirche, Kolleg und Gymnasium stellt die Stadt auf dem höchsten Punkt der Stadterweiterung von 1290, Bisée genannt, einen Platz zur Verfügung. Ein grosser, mit Mauern eingefasster Fischteich muss bestehen bleiben. Der Teich ist auf den älteren Ansichten noch dargestellt und erklärt die eigenwillige offene Kolleganlage. Die städtischen Werkmeister François und Abraham Cotti bauen 1585–1596 die ersten beiden Flügel. Sie beginnen 1585 mit dem Ostflügel, der das Gymnasium beherbergt. Ein Jahr später legt Petrus Canisius auch den Grundstein für den nördlichen Kollegflügel. Der Neubau stockt wegen Finanzproblemen. 1593 tritt der Luzerner Söldnerführer Ludwig Pfyffer als Mäzen auf, sodass die erste Bauetappe mit Gymnasium und Bibliothek bis 1596 vollendet wird. Die beiden dreigeschossigen Flügel zeigen Renaissance-Charakter.
1604–1613 baut der schon am Kollegneubau beteiligte Werkmeister Abraham Cotti[6] die neue Kirche. Sie ist im Grundriss mit der gleichzeitig begonnenen Konstanzer Jesuitenkirche identisch. Braun (1910) vermutet auch die Jesuitenkirche Regensburg von 1591/92 als Vorbild. Die noch gotisierende architektonische Gestaltung ist in Fribourg üblich, aber im Kontext der damaligen Jesuitenkirchen singulär. Sie hält mit dem römisch geprägten Manierismus der Konstanzer Kirche von Br. Stephan Huber SJ nicht Schritt.[7] Ein Planer ist nicht bekannt. Neuestens wird Giovanni de Rosis genannt. Der römische Jesuitenbaumeister dürfte aber kaum Entwurfspläne abgeliefert haben.[8] Eher wird dem Werkmeister Cotti durch den amtierenden Rektor Martin Licius[9] der Bautypus vorgegeben. Mehr dazu siehe im Kapitel «Das Kirchenbauwerk».
Der dritte, schon ursprünglich geplante Westflügel wird erst 1659–1660 durch den Stadtbaumeister und Bildhauer Jean François Reyff[10] gebaut. Dieser Westflügel schliesst an die 1604–1613 mit der Kirche gebaute Sakristei an. Mit diesem letzten Flügel wird auch die Ignatiuskapelle über der Sakristei gebaut.
Die barocke Umgestaltung der Kirche 1756–1757
Die innere Umgestaltung der Kirche ist dem Jesuiten P. François de Fégely de Seedorf[11] zu verdanken. Der Hofbeichtvater des pfälzischen Kurfürsten in Mannheim stammt aus einer Familie des Patriziats von Fribourg und hat hier auch das Gymnasium besucht. Er kann den Kurfürsten 1755 dazu bewegen, den Baumeister Franz Wilhelm Rabaliatti[12] und den Stuckateur Giuseppe Antonio Albuzio,[13] beides hervorragende kurpfälzische Meister, für die Umgestaltung der Jesuitenkirche von Fribourg einzusetzen. Beide sind vorher gemeinsam am südlichen Zirkelgebäude von Schwetzingen tätig. Die Planung Rabaliattis liegt Ende 1755 vor, im Frühjahr 1756 ist Baubeginn. Rabaliatti und Albuzio leiten die Arbeiten nicht, von ihnen ist nur ein Kurzaufenthalt im Juni 1756 in Fribourg bekannt.[14]
Rabaliatti lässt den Obergaden erhöhen, indem er den Dachstuhl der ganzen Kirche um zweieinhalb Fuss höher legen lässt.[15] Die Masswerke der Fenster werden entfernt. Innen führt der Trupp Albuzio ein umlaufendes hohes Gebälk ein, das die alten Emporenarkaden zu vergitterten Horizontalschlitzen reduziert. Anstelle der vorherigen Flachdecke lässt Rabaliatti ein Scheingewölbe als Stuck-Flachdecke mit Kehlen einbauen. Nach den Maurer- und Zimmerarbeiten vom Frühjahr 1756 liegt deshalb die Hauptlast der Arbeiten beim Stuckateurtrupp von Albuzio. Von ihm stammt auch die Stuckmarmorkanzel von 1757. Schon im Mai 1756 trifft der Maler Franz Anton Ermeltraut[16] in Fribourg ein, der vielleicht von Rabaliatti nach Fribourg empfohlen wird. Der Baufortschritt ist extrem schnell, denn im Herbst 1756 malt Ermeltraut im Langhaus. 1757 Jahr ist der Umbau im Wesentlichen vollendet. Innen ist die Kirche zu einem Rokokoraum umgewandelt, aussen zeigt sie sich kaum verändert.
Barocke Ausstattungen 1761–1771
Für die nun folgende Ausstattungsperiode sind wieder einheimische Meister am Werk. 1761–1763 liefert der Kunstschlosser Bernhard Neusenberg[17] die hervorragenden Kunstschmiedegitter der Seitenemporen und der Vorhalle. 1761 baut der Kunstschreiner und Ebenist Joseph Wicky[18] zehn Rokoko-Beichtstühle. Im gleichen Jahr wird auch die Orgel beim Konstanzer Joseph Michael Biehler[19] bestellt. Ihre Disposition ist nicht erforscht. Die Orgel ist schon 1762 aufgebaut, ihr Gehäuse wird aber erst 1764 gefasst. 1763 werden die beiden Seitenaltäre im vordersten Joch, der Marienaltar und der Kreuzaltar von 1616 und 1618, durch Marmoraltäre von Vater und Sohn Doret[20] ersetzt. 1766–1768 erstellen die beiden «marbiers» Doret auch den Hochaltar. Sein vergoldeter Tabernakel von 1771 ist ein Werk des Jesuitenbruders Mathias Kraus.[21] Die Altarblätter dieser drei ersten Altäre malt Gottfried Locher, das Hochaltarblatt in Zusammenarbeit mit Joseph Sautter.[22] Locher malt 1765 auch die Altarblätter des Ignatiusaltars und des Franz-Xaver-Altars im dritten Joch für zwei barocke Altäre des Berner Bildhauers Johann Friedrich Funck.[23] Diese beiden Retabel sind im 19. Jahrhundert nicht mehr genehm und werden nach hinten in das erste Joch versetzt. An ihre Stelle kommen 1841 die heutigen klassizistischen Retabel der Werkstatt Doret. Der barocke Innenraum besitzt damit zur Jesuitenzeit fünf Altäre. Die Joche 1 und 2 bleiben ohne Altäre.
Kolleg und Kirche nach 1773
Auf Druck der absolutistischen Fürsten wird der Jesuitenorden 1773 vom Papst aufgehoben.[24] Die jesuitenfreundliche Haltung der Regierung und der Bevölkerung bedeutet für die Jesuiten in Fribourg kein Ende der Kommunität. Die 22 Patres leben nach 1773, unterstützt von der Regierung, als Weltpriester unter einem selbstgewählten Prinzipal und führen die Schulen weiter. Nach dem beginnenden Aussterben der Exjesuiten sorgt die Regierung für Neubesetzungen der Professoren, die im ehemaligen Kolleg wohnen. 1818 wird das Jesuitenkolleg mit Berufung von Jesuiten des 1814 neugegründeten Ordens neu eröffnet. Im schweizerischen Sonderbundskrieg unterliegen 1847 die katholischen Kantone. Fribourg muss kapitulieren. Die neue Regierung weist die Jesuiten aus und beschlagnahmt den Ordensbesitz. Damit teilt das Kolleg Fribourg mit 74-jähriger Verzögerung das Schicksal der ehemaligen Kollegien der oberdeutschen Provinz. Aus dieser zweiten Jesuitenphase stammt ein Teil der Altarausstattung und auch das 1838 errichtete, mächtige Gebäude des Lyzeums westlich der Kollegkirche. An die Nordfassade der Kirche wird 1833–1835 eine Rundkapellea [25] angebaut. Auf der bisher freien Krete nördlich des Kollegplateaus, jenseits eines ehemaligen Stadtgrabens (Varis), wird bis 1828 der Winkelbau des Seminars und des «Pensionnats»[26] gebaut. Er wird in neuester Zeit modernistischen Schulüberbauungen geopfert
Die Jesuitenkirche vor der barocken Umgestaltung
Ein römischer Kirchentypus wird gotisch gebaut
Joseph Braun beschreibt die Kirche 1910 als «die bedeutendste gotische Schöpfung» der oberdeutschen Ordensprovinz in «räumlicher und stilistischer Hinsicht». Die Bezeichnung «gotisch» für ein Kirchenbauwerk, das den manieristisch-römischen Vorbildern in Regensburg und Konstanz folgt, und das neuestens sogar ein Projekt des römischen Jesuitenbaumeisters Giovanni de Rosis sein soll, erstaunt.[27] Tatsächlich ist aber die Bauausführung des römischen Kirchentypus durch Baumeister Abraham Cotti in jeder Beziehung gotisierend geprägt. In Fribourg hat sich zur Zeit des beginnenden römischen Frühbarocks die Renaissance noch nicht durchgesetzt. Das Bauwerk von Cotti ist auf dem Martini-Stich von 1606 als fertige Basilika dargestellt, obwohl der Bau in diesem Jahr erst auf die Höhe der Seitenschiffe mit ihren deutlich gotischen Masswerkfenstern gewachsen ist. Deshalb sind auch ein gotischer Turmhelm und Dachlukarnen im Stich zu sehen, die nie gebaut werden. Auch der Verbindungsbau zum Kolleg-Nordflügel wird erst 1660 begonnen. Fertig gebaut sind lediglich die beiden Kollegflügel hinter dem bestehenden grossen Fischteich. Dieser Fischteich wird von der Stadt den Jesuiten zu Nutzniessung überlassen. Ist der Teich ein Grund für die seitlich versetzte Lage der Kirche? Ihr Grundriss zeigt ein fünfjochiges Langhaus mit seitlichen Wandpfeilern, einen quadratisschen Chor in Fortsetzung der Langhausbreite und einen kurzen, halbrund schliessenden Altarraum. Damit ist die Jesuitenkirche Fribourg im Grundriss, aber auch in Tektonik und Grösse der Konstanzer Jesuitenkirche verblüffend ähnlich. Auch in Konstanz fehlt das Gewölbe ursprünglich. Es wird später unter Opferung der Seitenemporen eingezogen. Das originale Konzept des Baumeisters von Konstanz ist in Hall im Tirol zu sehen.[28] Vielleicht beabsichtigt der unbekannte Planer von Fribourg eine Wandpfeiler-Emporenbasilika mit Gewölbe. Der ausführende Baumeister scheint dies nie in Betracht gezogen zu haben.
Die äussere Erscheinung
Aussen verändern die spätbarocken Eingriffe am einfachen, schmucklosen und robusten Aussehen des frühen 17. Jahrhunderts wenig. Die einzigen Änderungen betreffen die Kirchenfenster der Seitenfassaden, deren nachgotische Masswerkfenster barocken Rundbogenfenster weichen. Nur am Turm haben sich die alten Fenster erhalten. Unverändert sind auch die gotischen Eingangsportale. Den Fassaden fehlt mit Ausnahme dreier Horizontalbänder jede Gliederung. Die Nordseite ist verputzt, während alle andern Fassaden und der Turm eine glatte Hausteinoberfläche aus Molassesandstein besitzen. Der Turm ist mit einer eingeschnürten, achtseitigen Zwiebelhaube gedeckt, die schon auf Ansichten des frühen 17. Jahrhunderts dargestellt ist. Sie ist eine der frühesten dieser später weitverbreiteten Art.
Der Innenraum nach der barocken Umgestaltung
Stuckaturen
Der Innenraum von 1613 mit der flachen Holzdecke über dem Mittelraum und den Loggia-Seitenemporen wird 1756 und 1757 durch die beiden Mannheimer Rabaliatti und Albuzio zu einem Rokokoraum umgestaltet. Diese Veränderungen des Innenraums sind Stuckateurarbeiten des Trupps Albuzio. Dieser versieht die Wandpfeilerköpfe mit Pilastern. Sie tragen im Langhaus ein mächtiges Horizontalgebälk, das im Chor fortgesetzt wird. Darüber beginnt das mit Stichkappen akzentuierte Flachgewölbe, ein Scheingewölbe in Gipslattenkonstruktion. Rokokointerpretationen von Kompositkapitellen und Kartuschen über den Arkadenöffnungen, aber vor allem Rokoko-Kartuschen in den Kehlen dominieren die Stuckaturen. Den Triumphbogen dominiert eine Riesenkartusche, in einer von viel zu kleinen Putti gehaltenen Draperie. Sie ist das schwächste Stück der sonst guten Stuckarbeit. Verstärkt wird der negative Eindruck von dem unglaublich banalen Inhalt der Kartusche, dessen tiefes Blau eher 1897 als 1757 entspricht. Dies gilt auch für dei übrigen Fassungen von Stuck und Stuckgrund.
Fresken
Sie sind, abgesehen von den Kartuschen im Chor, ein Werk des Malers Ermeltraut von 1756 und 1757. Die Kartuschen im Chor sind Übermalungen und Neuschöpfungen von 1942.
P. Joseph Braun, der die Fresken 1910 in vermutlich bedeutend frischeren Zustand als heute sieht, schreibt: «Die Fresken Ermentrauts stellen in der Apsiskoncha Mariä Krönung, im Spiegel der Chordecke den Namen Jesu, umgeben von Engeln, in den Zwickeln derselben die symbolischen Gestalten der vier Weltteile dar. Die Decke des Schiffes weist im ersten Joch über der Orgelempore eine Darstellung des Sündenfalls auf; die übrigen vier füllt ein Riesenfresko, der Ratschluss der Erlösung und das Strafgericht an den gefallenen Engeln. An figürlichen Darstellungen allzu arm, sind die Bilder in der Komposition ohne grossen Zug, in Form und Farbe hart, in der Wiedergabe der Bewegungen bald übertrieben, bald unbeholfen und ohne Ausdruck, in der Charakterisierung der Figuren matt; kurz, ihr künstlerischer Wert ist nicht erheblich, und sie lassen sich mit so vielen andern um die nämliche Zeit entstandenen bei weitem nicht in Vergleich bringen.[29] Sie sind lediglich Dekorationsstücke».
Kanzel, Beichtstühle
Wieder zitiere ich P. Joseph Braun, der sich 1910 sehr positiv über die von Albuzio entworfene Kanzel äussert: «Ein einfaches, aber durch schöne Verhältnisse, diskrete Verwendung des Ornaments und elegante Linienführung ausgezeichnetes Werk ist die Kanzel mit graziöser Engelsfigur als Bekrönung des Deckels, das beste Rokokostück der Kirche.» Gute Rokokoarbeiten sind auch die zehn Beichtstühle des Ebenisten Joseph Wicky, die grosse Kartuschenbekrönungen mit Heiligendarstellungen des Malers Gottfried Locher tragen.
Schmiedearbeiten
Die eindrücklichen Rokokoarbeiten des Schmiedemeisters Neusenberg von 1761, welche die Öffnungen zu den Seitenemporen schmücken, werden trotz ihrer hohen Qualität wenig beachtet. Grund ist die heute nachgedunkelte und verschmutzte Gold- und Grünfassung, die sich vom dunklen, unbeleuchteten Hintergrund kaum abhebt. Die in ihrer Finesse und Eleganz kaum zu überbietende Arbeit ist schon deutlich französisch beinflusst, bedeutend mehr als das vom gleichen Schmiedemeister 1763 erstellte Vorhallenportal.
Hochaltar
1766–1768 ersetzen Vater und Sohn Doret den Renaissance-Hochaltar von 1617.[30] Das Säulenretabel ist eine reine Marmorarbeit aus verschiedenfarbigen Steinen, im Sockelbereich grau-rot intarsiert, die vier Säulen und das Gebälk in schwarzem und graurotem Stein. Im Grundriss konkav geführt, stehen die äusseren Säulen frei und tragen eine vergoldete Vase. Vergoldet sind auch die Kapitelle und Basen. Der Auszug, der die Breite des Altarblattes über das aufgebogene Gebälk weiterführt, ist wieder aus verschiedenfarbigen Marmoren gestaltet. Er trägt in seiner Mitte einen goldenen Strahlenkranz mit dem Auge Gottes. Das Altarblatt, auch es golden gerahmt, ist eine vorzügliche Arbeit der beiden Mengener Emigranten Sautter und Locher.[31] Beidseits des Retabels stehen auf Sockeln die Apostel Peter und Paul, Arbeiten von 1618.
Das grosse Prachtstabernakel des unbekannten Jesuitenbruders Mathias Kraus wird 1771 versetzt. Seine Goldschmiedearbeit bildet eine Voluten-Baldachinarchitektur von 215 cm Breite und 261 cm Höhe.
Der Sarkophag des hl. Petrus Canisius vor der Altarmensa ist eine spätere Arbeit von 1942.
Seitenaltäre
Schon 1763, noch vor dem Hochaltar, ersetzt die Werkstatt Doret die beiden vordersten Seitenaltäre des fünften Jochs, den Marien- und den Kreuzaltar. Auch sie sind Marmorarbeiten und übernehmen die Säulenarchitektur des Hochaltars, ihr Auszug ist aber weniger geometrisch und besser proportioniert. Die beiden Altarblätter und auch die Auszugsblätter sollen Werke von Gottfried Locher sein.[32] 1765 erstellt der Berner Bildhauer Funck die beiden Altäre im anschliessenden vierten Joch. Ihre schwarzen Marmor-Säulenretabel sind schöne Louis-XV-Arbeiten. Auch für diese beiden Altäre wird Locher als Maler der Altarblätter genannt.[33]
Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert
Neue Altäre
Vier Retabel in den Jochen 3 und 4 stammen aus der Doret-Werkstatt der Jahre 1834 bis 1841. Es sind, wie schon die Barockaltäre, gute Marmorarbeiten, nun aber in strengem Klassizismus. Im Joch vier verdrängen sie die Barockaltäre von Funck, welche 1843 in das hintere, zweite Joch versetzt werden. Hier erhalten diese, nun als Barbaraltar (Süd) und Katharinenaltar (Nord), fromme Blätter des Malers Heinrich Kaiser.[34] Die beiden Altarblätter der neuen Retabel (1834/37) in Joch 3, ursprünglich Altäre des hl. Stanislas (Süd) und des Alois von Gonzaga (Nord), sollen 1834/37 in Rom gefertigt worden sein.[35] Nur noch das nördliche Altarblatt ist erhalten, denn das Blatt des hl. Stanislas wird 1942 durch modernistische Malerei mit der Darstellung des Apollinaris Morel ersetzt. Maler ist Emilio Beretta,[36] der 1942 auch vier neue Heilige in die Chorkuppel malt.
Zusammenfassend kann die Altarausstattung des 19. Jahrhunderts im Langhaus nur in Bezug auf die Retabel der Werkstatt Doret als sehr gelungene Integration bezeichnet werden.
Ein neue Rundkapelle
Die 1833–1835 erstellte Rundkapelle, vom Emporenjoch an der Nordseite zugänglich, ist weder architektonisch noch einrichtungsmässig von Bedeutung. Auch hier wechselt das Patrozinium mehrfach, von Sacré-Coeur 1864 zum hl. Petrus Canisius, dann 1947 zum hl. Niklaus von der Flüe.
Orgelneubauten im 19.- und 20. Jahrhundert
Die Orgelgeschichte von Saint-Michel ist komplex, allerdings nur für das Werk (l'instrument) und nicht für das Prospektgehäuse (le buffet d'orgue). Dieses bleibt bis 1955 im Originalzustand, wird dann aber verändert. Es wirkt heute nur noch visuell barock. Bedeutend komplexer ist die Geschichte des Instrumentes. Schon 1827/29 baut es Aloys Mooser um. 1892/93 und 1948 folgen weitere Umbauten. 1955 weicht es einem Werk der Hauptorgel von Hauterive. Dieses ist ein Neubau (III/P/45) des Orgelbauers Kuhn von 1932, der in den damals noch immer originalen Prospekt von Aloys Mooser in Hauterive eingepasst wird. Als die Orgel in Hauterive 1954 zerstört wird, kommt das Kuhn-Werk, noch mit elektrischer Traktur, nach Saint-Michel in Fribourg. Hier wird für den Aufbau die barocke Empore zerstört und der Orgelprospekt von 1764 verändert.[37] Dass der ursächliche Grund für die zerstörerischen Eingriffe in Fribourg[38] die Zerstörung der Orgel von Aloys Mooser in Hauterive ist, entbehrt nicht der Ironie. Denn der geniale Orgelbauer Aloys Mooser ist der Urenkel des 1794 am Orgelbau von Saint-Michel beteiligten Joseph Anton Moser. Die heute unverständlichen Massnahmen der damaligen Denkmalpflege in Hauterive und in Fribourg werden in den neueren Kunstführern verschwiegen.[39]
Restaurierungen?
Eine umfangreiche innere Restaurierung im damaligen Zeitgeschmack wird 1897 vorgenommen. 1941–1942 findet eine erneute Restaurierung des Chors mit Übermalungen statt. Der heutige stark verschmutzte Innenraum lässt vermuten, dass seither kein «rafraîchissment» mehr stattgefunden hat. Leider ist über den Umfang der Eingriffe von 1897 und 1947 keine Beschreibung vorhanden. Auch die Eingriffe für die Orgelemporen-Erweiterung 1955 können nur erahnt werden.
Eine fragwürdige Chorerweiterung
Eine Restaurierung ist geplant, wie bereits laufende Vorarbeiten zeigen. Offenbar sind aber die Ansichten der Nutzer mit den Anliegen der Denkmalpflege nicht kompatibel, wie eine seit kurzem eingebaute, schwarz gefärbte Holzbühne zeigt. Sie verlängert den erhöhten Chor weit in das Langhaus und dehnt sich vor die Seitenaltäre aus. Die niederen, bisher nicht störenden barocken Marmorbalustraden mit dem mittleren Barockgitter sind momentan entfernt. Eine liturgische Begründung für diesen Unsinn dürfte fehlen. Offenbar dient die Bühne für Konzerte. Man kann nur hoffen, dass diese Marotte reversibel bleibt.
Pius Bieri 2021
|Literatur

Duhr, Bernhard S.J.: Geschichte der Jesuiten in den Ländern deutscher Zunge. Bände 1–4 und Band 6 München-Regensburg 1907–1928.
|Braun, Joseph S.J.: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten II, Freiburg 1910.|
|Florack, Elisabeth: Contribution à l'étude de la peinture à l'époque baroque à Fribourg. Dissertation Fribourg 1932|
|Strub, Marcel: Les Monuments d’art et d’histoire du Canton de Fribourg, Volume 41 /50 (La Ville de Fribourg I und III), Bâle 1959, 1964.

[https://ekds.ch/library/book:041] [https://ekds.ch/library/book:050]
|Strobel, Ferdinand S.J.: Die Gesellschaft Jesu in der Schweiz, in: Helvetia Sacra VII, Bern 1976.|
|Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte: Kunstführer durch die Schweiz, Band 3, Bern 1982.|
|Sauter, Marion: Die oberdeutschen Jesuitenkirchen. Petersberg 2004.|
|Société d’histoire de l’art en Suisse: Guide artistique de la Suisse, Tome 4b, Fribourg-Freiburg. Berne 2012.|
Anmerkungen
[1] Seit der Eroberung der savoyischen Waadt 1536 durch das reformierte Bern liegt der katholische Stadtstaat Freiburg i. Ü. (Fribourg) inmitten protestantischer Gebiete, zu denen selbst eigene, gemeinsam mit Bern verwaltete Vogteien (Murten, Grasburg, Orbe, Grandson) zählen. Auch Lausanne als Bischofssitz ist nach 1536 Geschichte. Die bischöfliche Herrschaft Bulle wird von Freiburg (Fribourg) annektiert und die bischöflichen Rechte werden dem Kollegiatstift Saint–Nicolas übertragen. Vorerst residiert der Lausanner Bischof im Exil in Savoyen, im Burgund und in der Freigrafschaft. Nach einer Einigung über die alten Rechte ist Fribourg ab 1663 endgültig bischöfliche Residenz. Mehr zum Bistum Lausanne siehe im HLS.
[2] Die Prämonstratenserabtei Humilimont ist der Zirkarie Burgund zugehörig, aber seit 1482 in einer Vogtei von Fribourg gelegen. Die Auflösung folgt nach dem Tod des letzten Abtes, mit Pensionen für die fünf Patres. Mehr zu Humilimont siehe im HLS.
[3] Petrus Canisius (1521–1597) aus Nijmegen. Eintritt in den 1540 gegründeten Orden schon 1543. Er wird 1548 vom Ordensgründer Ignatius nach Rom berufen. 1556–1569 ist er erster Provinzial der neugegründeten oberdeutschen Provinz. Mit seinem Nachfolger Paul Hoffaeus entzweit er sich wegen des kirchlichen Zinsverbotes, was als Grund seiner Versetzung nach Freiburg i. Ü. (Fribourg) gewertet wird. Als er 1585 in eine grössere Stadt mit günstigeren Bedingungen versetzt werden soll, wehrt sich der Stadtrat mit Erfolg für den im Volk beliebten Prediger. Nach 17-jähriger Tätigkeit stirbt er im Kolleg Fribourg. Er wird zuerst in der Kollegiatskirche (später Kathedrale) Saint-Nicolas begraben, um dann 1624 in die neue Jesuitenkirche Saint-Michel transferiert zu werden. 1925 wird er heiliggesprochen. Mehr zu Petrus Canisius siehe im HLS.
[4] Peter Michael (1549–1596) aus Neumarkt in Schlesien. Er studiert in Dillingen Theologie und ist dort bis zu seiner Berufung nach Fribourg Regens des Konviktes. Bis zu seinem Tod amtet er als Rektor in Fribourg. Er ist Bauherr des Kolleg-Neubaus. Wie sein Vorgänger wird er in der Kollegiatskirche und späteren Kathedrale Saint-Nicolas beigesetzt.
[6] Abraham Cotti (†1616) stammt aus einer Steinmetzfamilie, deren Mitglieder auch als Baumeister tätig sind. Abraham Cotti ist durch seinen Neubau der Zollbrücke über den Grenzfluss der Sense (1598/99) bekannt. Hier baut er 1602 auch die nachgotische Beatuskapelle nach Plänen von Baumeister Hans Fhyri.
[7] Die Jesuitenkirche Konstanz wird 1604–1608 gebaut. Sie ist eine Wandpfeilerbasilika, obwohl das Gewölbe erst 1682 eingebaut wird. Zu ihr siehe den beiliegenden Planvergleich und den Beschrieb «Jesuitenkolleg Konstanz» in dieser Webseite.
[8] Die Nennung von P. Giovanni de Rosis S.J. (1538–1610) als Planer der Jesuitenkirche im neuen Kunstführer (2012) wird leider überall repetiert. Sie entbehrt jeder Evidenz. Mustervorschläge sind keine Planung. Nachgotische Bauwerke hat der Jesuitenbaumeister des römischen Manierismus nie geplant. Seine grundlegenden Grundriss-Typen für Jesuitenkirchen (1575) sind um 1600 in vielen Niederlassungen vorhanden und bilden selbst für St. Michael in München Grundlagen der Planungen ab 1582. Deswegen fällt es aber niemandem ein, St. Michael als Planung Rosis zu bezeichnen. Den Text zur Jesuitenkirche des «Guide artistique de la Suisse 4b» siehe unter [data.geo.admin.ch/pdf].
[9] P. Martin Licius SJ (1550–1623) aus Konstanz. Rektor 1597–1607 in Fribourg. Seelsorger in Fribourg 1608–1610.
[10] Jean François oder Hans Franz Reyff (um 1614–1673) aus Fribourg, aus einer bekannten Bildhauerfamilie. Er ist 1645–1660 Stadtbaumeister und prägt Fribourg mit seinen Sakralbauwerken. Sie sind eine barocke Interpretation der Spätgotik und des Manierismus. Sein Meisterwerk ist die Kirche der Visitation (1653) in der Rue de Morat, einem Zentralbau ähnlich dem Bau von Sainte Anne la Royale von Guarino Guarini (1662) und mit Netzgewölben, die an die Barockgotik von Santini-Aichel in der Klosterkirche Sedlec (1702) erinnern.
[12] Franz Wilhelm Rabaliatti (1716–1782) vermutlich aus Stella (Savona I). Sein Name wird in Italien Rabagliati geschrieben. Er schreibt sich selbst Raballiati. Als Nachfolger von Galli da Bibiena leitet er 1748–1754 die Vollendung der Jesuitenkirche von Mannheim. In Heidelberg leitet er 1749–1759 die Fertigstellung der Jesuitenkirche und baut 1750–1765 das repräsentative, schlossähnliche Seminarium Carolinum südlich des Jesuitenkollegs. Seit 1752 ist Nicolas de Pigage sein Vorgesetzter am Hof. Der Handwerker-Architekt Rabaliatti muss jetzt hier mit dem Künstler–Architekten De Pigage zusammenarbeiten, was sich auf seine eigenen Planungen zwar positiv auswirkt, aber zu andauernden Spannungen führt. Mehr zu seinen Arbeiten siehe im Baubeschrieb der Jesuitenkirche Mannheim und Heidelberg in dieser Webseite. Sein Aufenthalt in Fribourg vom 31. Mai bis 9. Juni ist äusserst kurz. Er muss einen örtlichen Bauleiter an Ort haben, dessen Namen nicht genannt wird.
[13] Giuseppe Antonio Albuzio (1720–1776) aus Clivio (Varese I). Er ist kurpfälzischer Hofstuckateur und arbeitet vor Fribourg im südlichen Zirkelbau des Schlosses Schwetzingen (Baumeister Rabaliatti). Die Werke des hervorragenden Stuckateurs im Schloss Mannheim sind mit Ausnahme der Kabinettsbibliothek alle zerstört und nur noch in Fotografien erhalten. Erhalten sind seine Werke im Schloss Benrath bei Düsseldorf. In Fribourg erstellt er nur die Entwürfe und lässt die Arbeiten durch einen unbekannten Palier leiten. Mehr zu Albuzio (Albuzzi, Albuccio) siehe in der Wikipedia-Biografie.
[14] Rabaliatti und Albuzio, die sich gemäss Braun (1910) im Juni 1756 nur für 10 Tage in Fribourg aufhalten, müssen an Ort verantwortliche Stellvertreter haben, von denen aber nichts bekannt ist.
[15] Ausführung des Dachstuhls durch die Zimmermeister Willi und Rudolf Zumwald. Sie bauen den Dachstuhl ab März 1756.
[16] Franz Anton Ermeltraut (1717–1767) aus Heidelberg. Die Jesuitenkirche Fribourg ist sein einziges erhaltenes grösseres Freskenwerk. Im Treillagepavillon des Gartens von Veitshöchheim (1765) ist ein weiteres Deckentondo (schlecht) erhalten. Die weiteren vier Werke in Würzburg (Fresken Augustinerkirche 1748, Grisaillemalerei im Vestibül der Residenz 1766) und das Fresko im Speisesaal des südlichen Zirkelgebäudes von Schwetzingen (1755) sind zerstört. 1761 soll er auch im Schloss Seehof gemalt haben. Seine Beschäftigung durch den Würzburger Hof wird als «mehr handwerklich denn künstlerisch» beurteilt (Sedlmaier/Pfister 1923).
[17] Bernhard Neusenberg (* um 1715) aus Köln, ist als Schmiedemeister in Fribourg niedergelassen.
Die Kunstschmiedearbeiten sollen auf Entwürfen von Rabaliatti basieren, was bei den eleganten Gitterwerken der Seitenemporen zu hinterfragen ist.
[18] Joseph Wicky (Lebensdaten nicht erforscht), wahrscheinlich der 1752 eingebürgerte Joseph Wicki aus Entlebuch. Er ist auch Schöpfer der beiden Louis-XV-Vorsteherbänke (1757/58) und der vier Beichtstühle in Saint-Nicolas (1759/60).
[19] Johann Michael Biehler oder Bihler (1687/88–nach 1763) und sein Sohn Johann (Baptist) Basilius sind bekannte Orgelbauer in Klosterkirchen des Bistums Konstanz und Basel (1744 Isny II/24, 1751 Arlesheim II/23, 1756 Säckingen II/30). Sein Geselle Joseph Anton Moser (1731–1792) ist an der Orgel in Saint-Michel (als Gehäusebauer?) beteiligt. Er wird 1764 erwähnt. Moser macht sich zu dieser Zeit in Fribourg selbständig. Sein Sohn Aloys (1770–1839) wird Anfang des 19. Jahrhunderts als Orgelbauer unter dem Namen Mooser berühmt. Mit der Jesuitenkirche Saint-Michel ist sein Werk auf abenteuerliche Weise verbunden. Mehr dazu siehe unten im Kapitel «Neue Orgelwerke».
[20] David Doret (1706–1780) aus Vevey und Sohn Jean-François Doret (1742–1801) sind Bildhauer, Altarbauer und Marmorierer. Die Bildhauer Doret arbeiten mit reinem Marmor. Interessant ist, dass sich der junge Doret 1770 für die Marmorkanzel in St. Ursen zu Solothurn in Konkurrenz zur Stuckmarmorkanzel von Francesco Pozzi durchsetzen kann. Zur Bildhauerfamilie Doret sieh das HLS [https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/047230/2004-06-25/].
[21] Br. Mathias Kraus SJ (Lebensdaten nicht erforscht). Der Jesuitenbruder, der als Meister für die Rokoko-Goldschmiedearbeit genannt wird, soll aus Neuburg/Pfalz stammen, wohl aus dem Kolleg von Neuburg an der Donau. Mehr ist nicht veröffentlicht.
[22] Gottfried Locher (1735–1795) aus Mengen bei Sigmaringen. Der schwäbische Maler ist seit 1759 Bürger von Fribourg. Er folgt seinem Lehrer und Landsmann Franz Joseph Sautter (vor 1719–1781) nach Fribourg. Sauter ist seit 1750 in Fribourg, heiratet hier 1759 eine Einheimische, lässt sich aber erst 1767 einbürgern. Zu Sautter siehe das HLS [https://hls-dhs-dss.ch/fr/articles/048006/2011-02-17/]. Locher, der zum wichtigsten Maler von Stadt und Landschaft Fribourg wird, malt ab 1776 auch Deckenbilder, das erste noch illusionistisch, später als «Quadri riportati» in Öl-Tempera-Technik. Zu Locher siehe SIKART.
[23] Johann Friedrich Funck der Ältere (1706–1775) aus Murten. Er ist Bildhauer in Holz und Stein, Altarbauer, auch berühmt für seine hervorragenden Louis-XV-Arbeiten für Kommoden und Einrichtungen. Mehr zu ihm siehe bei SIKART.
[24] Der Druck wird vor allem durch die Höfe Spaniens, Portugals und Frankreichs betrieben. In Portugal setzt schon 1759 eine Jesuitenverfolgung ein. In Frankreich und Spanien, auch in den bourbonischen Staaten Italiens werden die Jesuiten ab 1764 vertrieben. Es ist die Angst der Mächtigen vor der straff organisierten Organisation und vor ihrer zu sozialen Einstellung, die zur Ordensauflösung führt. 1764 treffen in Fribourg 42 Jesuiten aus Frankreich ein, die von der Stadt aufgenommen werden.
[25] Ursprünglich eine Herz-Jesu-Kapelle, seit 1947 dem hl. Nikolaus von der Flüe geweiht.
[26] Deutsch: Konvikt
[27] Zu dieser Zuweisung im Kunstführer Fribourg (2012) die Anmerkung 9.
[28] Die Jesuitenkirche Hall im Tirol wird 1607–1610 von Br. Stephan Huber SJ anschliessend an seinen Kirchenneubau in Konstanz gebaut. Hall im Tirol hat den gleichen Grundriss und ist ebenfalls eine Wandpfeilerbasilika mit Emporen. Sie wird mit einem Stichkappen-Tonnengewölbe gebaut, ist aber bedeutend kleiner als Konstanz und Fribourg. Die Langhausbreiten ohne Wandpfeilernischen betragen 13,20 m (Fribourg), 12,00 m in Konstanz und nur 9,75 m in Hall. Zu Konstanz siehe den Baubeschrieb in dieser Webseite. Zu Br. Stephan Huber SJ siehe die Biografie in dieser Webseite.
[29] Das harte Urteil des Jesuitenhistorikers ist berechtigt, wenn man mit gleichzeitigen Arbeiten von Freskanten wie Giuseppe Appiani 1759 in Arlesheim oder des Konstanzers Franz Georg Hermann 1752 in Maria-Steinbach und 1757 in Schussenried vergleicht, ganz zu schweigen von den damaligen süddeutschen Grössen wie Johann Jakob Zeiller oder Johann Wolfgang Baumgartner. Aber vielleicht gilt auch in Fribourg, dass man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut.
Die Stadt Fribourg kennt bis zu diesem Zeitpunkt keine barocken Deckengemälde in Kirchen. Das einzige schon bestehende sakrale Deckenfresko wird 1748 von Johann Melchior Eggmann aus Rorschach im Refektorium der Augustiner gemalt. Eggmann ist anschliessend 1752 im Kloster Wald tätig, von wo er wegen Gläubigern aus Fribourg 1753 flüchtet. Damit ist in Fribourg kein Maler mehr tätig, der die Technik des Freskos beherrscht. Die ersten Deckenbilder von Gottfried Locher, 1776 für die Kirche Wünnewil gemalt, sind Gemälde (in Öl-Tempera). Das einzige weitere sakrale Bauwerk in der Stadt Fribourg mit Deckenbildern folgt erst zur Zeit des Klassizismus. In die Kirche Notre-Dame malt Locher 1786 stark retardierende Öl-Tempera-Gemälde.
[30] Die Meister dieses Renaissancealtars sind Jacob Spring als Bildhauer und Adam Künimann mit François Reyff als Fassmaler. Auch wenn der Hochaltar nicht derart gross wie derjenige in der Augustinerkirche Fribourg (1593–1614, Jacob Spring) gebaut ist, kann man von einem prachtvollen Retabel in der gleichen Art ausgehen. Bildhauerarbeiten des 1617 erstellten Altars von Saint-Michel sind im Musée cantonal und in Kapellen und Kirchen auf dem Land noch erhalten. Zwei lebensgrosse Statuen von Jacob Spring stehen seitlich des barocken Hochaltars von 1768. Sie stammen zwar nicht vom alten Hochaltar, sind aber Arbeiten von 1618. Mehr dazu in ZAK 44 (1987) von Gérard Pflug.
[31] Im Gemälde stürzt der Erzengel Michael den gefallenen Luzifer mit dem Flammenschwert. Anstelle des Schildes hält Michael eine Lanze mit Fahnendraperie, auf der sein Sinnspruch «Quis ut Deus» (wer ist wie Gott?) steht. Er nimmt die Mitte des Bildes ein, darüber in einer Engelschar Gottvater. Bildgrösse ungefähr 2,8 x 4,6 Meter.
[32] Die Hauptblätter sind 133 cm breit und 230 cm hoch. Im Kreuzaltar(Süd) ist die Kreuzigung Christi, im Auszugsblatt der hl. Sebastian gemalt. Im Marienaltar (Nord) ist die Muttergottes mit Kind, im Auszug der hl. Joseph dargestellt. Beide Hauptblätter sind zwar Locher zugeschrieben, wirken aber wie Arbeiten des 19. Jahrhunderts.
[33] Es handelt sich um die kleineren Altarblätter (117 x 195 cm) des Franz-Xaver Altars (Süd) und des Ignatius-Altars (Nord). Beide Blätter könnten ursprünglich von Gottfried Locher stammen, wirken aber im heutigen stark «verbesserten» Zustand nicht mehr barock.
[34] Heinrich Kaiser oder Keyser (1813–1900) aus Stans, 1836/37 an der Akademie von San Luca in Rom, anschliessend Aufenthalt in Fribourg. Schüler und Schwager des klassizistisch-nazarenischen Walliser Malers Lorenz Justin Ritz. Nach 1841 in Stans im Umkreis von Melchior Paul von Deschwanden («ich male für fromme Gemüter»). Der Maler ist früher falsch als Hans Kaiser bezeichnet.
Mehr zu Heinrich Keyser im HLS
[35] Von Heinrich Keyser ? (siehe oben). Er ist 1834–1837 an Kunstakademien in Mailand und Rom tätig.
[36] Emilio Maria Beretta (1907–1974) aus Minusio. Beretta ist ein Maler, der nach 1930 versucht, die kirchliche Malerei mit Anlehnung an die wechselnden Kunstströmungen zu reformieren, um dann später fast nur noch in einer Art Kubismus zu malen. Als Ersatz des Stanislas-Blattes römischer Herkunft malt er den sel. Apollinaris Morel, einen lokalen Kapuziner, dem im Gemälde eine Engelserscheinung die Märtyrerpalme überreicht. Das neue Blatt ist nicht nur in Zeichnung und Komposition unbeholfen, es nimmt vor allem in seiner aquarellierenden bunten Malweise keine Rücksicht auf den barocken Kontext.
Siehe zu ihm SIKART.
[37] Kuhn schreibt: «Das elegante alte Gehäuse musste abgebaut und umgestaltet werden, damit die neu erworbene Spielanlage, die wesentlich grösser war als die alte, hineinpasste». Die beigefügte S-W-Foto von 1955 stellt aber nicht den Vorzustand, sondern den bereits umgestalteten Prospekt dar, der auch im Kunstdenkmälerband abgebildet ist [www.orgelbau.ch/de/]. Der barocke Vorzustand bis 1954 ist nicht ersichtlich und auch nicht veröffentlicht. Für Saint-Michel in Fribourg gilt heute, wie auch für die meisten der als Barockorgeln bezeichneten Instrumente, dass sie Neubauten des 20. Jahrhunderts sind und der «originale» Gehäuseprospekt immer hinterfragt werden muss.
[38] Marcel Strub schreibt dazu 1959:«Le transfert de l ’orgue de l ’abbaye d ’Hauterive à l ’église du collège, opéré en 1954-1955, entraîna l ’agrandissement de la tribune et quelques modifications malheureuses à l ’état existant dans cette partie de l ’édifice: le mur occidental fut creusé de 50 cm, le grand entablement de staff supprimé sur les côtés et les deux fenêtres hautes murées, cependant qu’on reculait le buffet de l ’orgue. Il est vrai que par la même occasion on dégagea la rosace en transportant aux extrémités certaines parties de l ’instrument qui occupaient précédemment le centre».
[39] Der geniale Orgelbauer Aloys Mooser baut 1826 die Hauptorgel der Abteikirche Hauterive bei Fribourg. Das Werk wird mehrmals modifiziert und schliesslich 1932 von Kuhn neu gebaut. Das neoklassizistische Prospektgehäuse der Mooser-Orgel von 1826 ist ein Meisterwerk der Integration in einen frühgotischen Kirchenraum. Nachdem die Orgel und die Empore noch bei der grossen und gut dokumentierten Kirchenrestaurierung 1903–1913 offenbar nicht stören, werden beide 1954 anlässlich einer (nicht dokumentierten) Purifikation des Innenraums zu Gunsten einer freien Westwand entfernt. Nur das ausgebaute klingende Kuhn-Werk von 1932 wird in Fribourg in die Moser-Orgel von 1764 eingebaut. Dabei wird nicht nur der Prospekt, sondern auch die Empore zerstört. Anmerkung: Die architektonisch immer überzeugenden Prospekte von Mooser Orgeln können in Fribourg in der Kathedrale (1824/34) und in der Klosterkirche Montorge (1810, hier noch mit dem originalen Werk!) betrachtet werden.
|Altarblätter der Nebenaltäre

Zur Lage siehe den Grundrissplan. Beschreibungen und Kommentare im obenstehenden Text. Als barocke Arbeiten gelten nur die beiden ersten, stark überarbeiteten Blätter (Hll. Franz Xaver und Ignatius) von 1763/65.
|Joch 4 Nord||Joch 4 Süd||Joch 3 Nord||Joch 3 Süd||Joch 2 Nord||Joch 2 Süd|
|Blätter in Altarretabeln Doret 1841||Blätter in Altarretabeln Doret 1834||Blätter in Altarretabeln Funck 1765|
|Hl. Franz Xaver

(Locher 1763 ?)
| Hl. Ignatius

(Locher 1763 ?)
|Alois von Gonzaga

(Rom 1835)
|Hl. Niklaus von Flüe (Beretta 1942)
||Hl. Katharina

(Kaiser 1841)
|Hl. Barbara

(Kaiser 1841)
|Ort, Land (heute)||Herrschaft (18. Jh.)|
|Fribourg CH||Eidg. Stand Freiburg|
|Bistum (18. Jh.)||Baubeginn|
|Lausanne||1585 (1756)|
|Bauherr und Bauträger|
|P. Petrus Canisius SJ (Kolleggründer 1581)|
|P. Peter Michael SJ (Rektor 1582–1596)

|P. Martin Licius SJ (Rektor 1597–1607)|
|P. François de Fégely de Seedorf SJ

(Beichtvater des pfälzischen Kurfürsten 1743–1768)