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Daido Moriyama – Stray Dog
Daido Moriyama wurde 1938 in Ikeda, einer Stadt ausserhalb von Osaka geboren, nur sieben Jahre vor „Hiroshima“ und „Nagasaki“, den Atombombenabwürfen, die das Leben und die Kultur Japans einschneidend veränderten. Wie überall nach dem Zweiten Weltkrieg, aber viel härter, schneller, dramatischer, stiessen in Japan die Gegensätze aufeinander, zwischen der alten, insularen, isolierten Tradition und dem „neuen“ Japan, das in Windeseile von Amerikanismen durchsetzt wurde.
Für Moriyama, wie auch für viele andere Künstler, wurde dieses neue Japan zentrales Thema der Arbeit – die Invasion des Amerikanischen wird darin ambivalent als Bedrohung und Befreiung, als schockierend und faszinierend zugleich empfunden. Moriyamas Fotografien sind körnig, voller harter Kontraste, absichtlich roh, düster und nachlässig entwickelt. Sie sind das fotografische Bild eines japanischen Existenzialismus, der das „Geworfensein ins Dasein“ gleichzeitig mit dem Siegeszug des Konsumismus durchleben musste; ein fotografischer Existenzialismus, der, beeindruckt von William Klein, Andy Warhol, von James Baldwin und Jack Kerouac, aber auch von Mishima oder vom experimentellen Theater von Shuji Terayama, eine eigene Formensprache entwickelte, welche das Dramatische, Heftige, Schnelle des Wechsels visualisiert. Ein aussergewöhnliches Werk der japanischen Wende.
Die Ausstellung wurde von Sandra S. Phillips kuratiert. Realisation in Winterthur: Urs Stahel. Eine Zusammenarbeit mit dem San Francisco Museum of Modern Art, der Japan Society Gallery, New York, dem Metropolitan Museum of Art, New York, und dem Folkwang Museum, Essen.