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Man weiss nichts. Nicht, wer er ist. Nicht, was er will. Nicht, woher er kommt. Doch eines ist klar. Ein Käufer hält im Moment offenbar zwischen 50 und 80 Prozent des gesamten Kupferbestandes in den Warenhäusern der London Metal Exchange (LME). Das entspricht mehr als 177 875 Tonnen des Industriemetalles und einem Gesamtwert von mehr als 1,5 Milliarden Franken.
Die Spekulationen über die Identität des Käufers reichen von ETF, die bald ausgegeben werden, bis zum Optionshändler, der eine grosse Menge Metall ausliefern muss. «Das ist eine unglaubliche Menge Kupfer und dafür braucht man unglaublich viel Geld», kommentiert Charles Swindon, Managing Director von RHJ Trading, einem Londoner Metallhändler. Die Menge entspricht in etwa einem Prozent des Kupfers, das weltweit in diesem Jahr verbraucht wird. Es ist unklar, wann der Händler damit begann, diese Position aufzubauen, aber Marktteilnehmer haben einige merkwürdige Marktbewegungen beobachtet, die mit den Käufen in Zusammenhang stehen könnten.
Es ist ungewöhnlich im Kupfermarkt, dass ein einzelner Händler eine derart grosse Menge in den Lagerhäusern der Börse hält. Kupferproduzenten und -verbraucher handeln normalerweise über bilaterale Vereinbarungen und lassen das physische Metall an den Börsen als «letzten Ausweg» für diejenigen, die Terminaufträge erfüllen müssen.
Die Lager schrumpfen
Weltweit stieg der Lagerbestand an Kupfer an allen Rohstoffbörsen seit Ende Oktober um 14 Prozent auf rund 620 000 Tonnen. Die Bestände der LME sind in diesem Jahr geschrumpft (siehe Grafik). Der Grossteil des Londoner Kupfers lagert in den USA, 126 950 Tonnen in New Orleans und 95 825 Tonnen in St. Louis.
An der London Metal Exchange gibt es bestimmte Regeln, die verhindern sollen, dass ein Anleger eine zu grosse Position hält. Unter anderem kann der Händler gezwungen werden, das Kupfer an den Markt zu verleihen, und die Händlergebühren können gedeckelt werden. Nach Angaben von Börsensprecher Stephen White verschärft die LME nun ihre Richtlinien für das Verleihen weiter.
Dennoch gibt es Anzeichen dafür, dass diese grosse Position das Metall verteuern wird. In den vergangenen Tagen zogen die Preise trotz eines stärkeren Dollars wieder an. Mittlerweile ist der Kupfermarkt in eine besondere Lage, die sogenannte «Backwardation», übergegangen. Normalerweise kostet es weniger, einen Rohstoff für die sofortige Auslieferung zu kaufen, als einen Kontrakt zu kaufen, der in der Zukunft fällig wird. Der Preisunterschied spiegelt die Zwischenlagerkosten des Verkäufers. Doch in diesen Tagen war Kupfer teurer als das in drei Monaten fällige.
Analysten sind ratlos, was der Händler für den grossen Kupferbesitz einstreichen könnte. Abgesehen von Lagerkosten, Versicherung und Zinsen würde der Wert des Metalls aufgrund der Backwardation in drei Monaten fallen. «Entweder ist das Kupfer abgesichert oder die Preise steigen weiter», sonst sei dies nicht sinnvoll, glaubt Rohstoffspezialist Wayne Atwell.
Kupferhändler haben sich schon seit Oktober auf einen Engpass bei Kupfer eingestellt, als drei voneinander unabhängige Unternehmen Pläne für ETF mit physischem Kupfer ankündigten. Mit diesen sollen Investoren an der Börse kotierte Anteile handeln können, und sie werden hinterlegt mit Metallen entsprechend den LME-Spezifikationen. Der Physical Copper Trust von JP Morgan Chase wird mit 61 800 Tonnen an den Start gehen, der iShares Copper Trust von Blackrock mit 121 200 Tonnen. Auch ETF Securities startet einen Kupferfonds, hat aber noch nicht bekannt gegeben, wie viel er enthalten wird. Die Banken, die das Metall für die ETF kaufen, könnten es in ihrem eigenen Bestand halten, wo es als Position erscheinen würde. Sie geben aber keinen Kommentar ab. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand ausser einem ETF so etwas wollte», sagt ein Kupferhändler in den USA.
Reich an Skandalen
Skandale sind dem Kupfermarkt nicht fremd. Im Jahr 1995 wurde Sumitomo-Händler Yasuo Hamanaka beschuldigt, er habe versucht, den Kupfermarkt in die Enge zu treiben. Die Bank verlor 1,8 Milliarden Dollar. 2005 setzte ein Händler der chinesischen Industriebehörde einen hohen Betrag auf sinkende Kupferpreise. Er verlor aber 200 Millionen Dollar.
Der neue Goldrausch an der kanadischen Börse
Das Land ist für die Branche ein Mekka, auch wenn die grössten Unternehmen inzwischen anderswo angesiedelt sind. «Bergbau liegt den Kanadiern im Blut», sagt Tito Martins, der Länderchef des brasilianischen Riesen Vale. «Die meisten jungen Unternehmen sind hier angesiedelt», sagt er. Die langjährige Erfahrung im Bergbau hat dazu geführt, dass im Land ein Netzwerk von Geologen, Wertpapieranalysten, Bankern, Anwälten und Anlegern entstanden ist, das Start-ups und Unternehmen im Aufbau unterstützen und finanzieren kann.
Kanada ist der Ort für Bergbau-Start-ups auf der Suche nach Cash und Käufern. Die Toronto Stock Exchange und ihre Ableger verzeichneten in diesem Jahr einen Rekord bei der Kotierung neuer Bergbaugesellschaften - knapp 180 bisher. Und allein im November kündigten Investoren den Abschluss von Geschäften im Gesamtwert von umgerechnet 5,4 Milliarden Franken mit mehr als 50 kleinen Minenunternehmen an. Zu den grösseren Deals zählte die 3,1 Milliarden Franken teure Übernahme von Western Coal durch die amerikanische Walter Energy sowie der Kauf von Ventana durch die brasilianische EBX für umgerechnet 1,1 Milliarden Franken.
Über 1500 Unternehmen
An der Börse Toronto und ihren Zweigstellen sind mittlerweile fast 1500 Bergbauunternehmen kotiert, mehr als an jeder anderen Börse der Welt. Bergbauunternehmen haben mehr Geld eingesammelt und ihre Titel wurden an den Börsen von Toronto im vergangenen Jahr mehr gehandelt als alle anderen Branchen, liessen selbst Öl und Gas sowie Finanzdienste hinter sich. «Das ist unser Hauptgeschäft, vor allem am Venture Board, der Abteilung für Wagniskapital», sagt Ungad Chadda, Kotierungschef der Toronto Stock Exchange. «Hierher kommt die Welt, wenn es darum geht, ein neues Explorationsunternehmen aufzumachen, das sonst keiner finanzieren will.»
Die kleinen Bergbauer
Die meisten der an der Börse von Toronto gelisteten Bergbauunternehmen sind sehr klein: Mehr als 1150 von ihnen werden an der Venture Exchange gehandelt, ihre durchschnittliche Marktkapitalisierung liegt bei umgerechnet rund 26 Millionen Franken. Doch zusammen sind sie stark. Die 20 Milliarden Franken, die Bergbauunternehmen im Vorjahr an der Börse von Toronto eingesammelt haben, sind mehr, als die Minenunternehmen an der rohstofflastigen Australian Securities Exchange aufgebracht haben, und etwa genauso viel wie die an den Londoner Börsen - wobei fast 90 Prozent davon von nur zwei Unternehmen kommen: Rio Tinto und Xstrata.
Viele der Junior-Minenunternehmen, die in Toronto gelistet sind, graben oder schürfen nicht in Kanada. Rund die Hälfte von ihnen arbeitet an Projekten ausserhalb des Landes. Fast 10 Prozent von ihnen haben nicht einmal eine Niederlassung in Kanada. Was sie verbindet, ist der anhaltende Geldbedarf zur Finanzierung des Abbaus, der oft jahrelang dauert. Irgendwann dann - so die Hoffnung - werden sie von grösseren Unternehmen aufgekauft. (WSJ)