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Helene Hegemann. Stories. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2022.
Foto: Joachim Gern
Maria umarmt die Frau, die sie wahrscheinlich liebt, so fest, dass diese am nächsten Morgen aussieht, als sei sie verprügelt worden. Solche Bilder trifft man in den «Stories» von Helene Hegemann an, wenn sie vom Versuch einer Annäherung erzählt und das Scheitern sofort folgt. Und wenn jemand weint, hat er Tränen wie «Urin von jemandem, der zu wenig getrunken hat». Es sind Kurzgeschichten, Episoden, die mit Kraft und Komik das Durchschnittliche feiern.
Die Figuren heissen Dustin, Jacoby oder Safran, und sie sind aufgebracht, gezeichnet vom Spätkapitalismus oder verheddern sich in polyamoren Konstellationen. Es wird viel getrunken, bis dann alle auch wieder pragmatisch werden – ohne überspannt zu wirken.
Wie utopisch ist die Liebe wirklich, und was lässt sich an Seelischem vielleicht doch noch reparieren? Manchmal wird Snoopy zitiert, wenn der krebskranke Vater die Tochter trösten will. Das alles wäre nicht auszuhalten, wenn die Autorin nicht mit angenehm ruhigem Blick auf all das Ringen und Zetern schauen würde. Hegemanns eskalierende Prosa ist von einer wunderbaren Fragilität. Und manchmal wird man Zeugin, wie der nächste tolle Satz den vorherigen überholen will. (zuk)