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von Dr. Kathrin Krause
… das verschiebe ruhig auf morgen. Der Besuch des Schwimmbads, den wir zunächst noch hoch motiviert mit einer neuen Schwimmbrille unter dem Arm angetreten haben, wird mit der Zeit immer seltener. Die Steuererklärung verschieben wir immer wieder auf die nächste Woche. Das Ausmisten des Kellers, das wir uns so fest vorgenommen hatten, haben wir zwar noch im Hinterkopf, aber nehmen es eben doch nie in Angriff. Diese Bespiele zeigen, dass wir oft Dinge vor uns her schieben.
Dieses oft als unangenehm empfundene Aufschieben des Beginns einer Handlung oder der Verfolgung eines Ziels wird als Prokrastination bezeichnet (Solomon & Rothblum, 1984).
Sean McCrea und Kollegen (McCrea, Liberman, Trope & Sherman, 2008) haben dieses Phänomen untersucht und ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, welchen Einfluss die Sichtweise (d.h. der Fokus) auf die jeweilige Aufgabe auf das Aufschieben hat. So kann eine Aufgabe oder ein Ziel konkret formuliert sein, z. B. «Ich möchte in den nächsten drei Wochen durch regelmässiges Schwimmen 2 Kilo abnehmen», oder die Aufgabe kann allgemein und global formuliert sein, z. B.: «Ich möchte dünner werden.» Um den Einfluss des Fokus (konkret bzw. abstrakt) auf das Aufschiebeverhalten messen zu können, führten McCrea und Kollegen mehrere Experimente durch.
In einem Experiment teilten sie ihre Teilnehmer in zwei Versuchsgruppen auf. Beide Gruppen sahen das Bild «La Parade» von Georges-Pierre Seurat. Die Personen in der Bedingung «Abstrakt» bekamen die Information, dass dieses neo-impressionistische Bild durch die Anordnung und Kombination der Farben Harmonie und positive Gefühle erzeuge. Die andere Personen in der Bedingung «Konkret» sahen nur einen Ausschnitt aus dem Bild in detaillierter Nahaufnahme. Sie erhielt die Information, dass es sich hierbei um die Technik des Pointillismus handle, bei der kontrastierende Farbpunkte so zusammengestellt werden, dass ein Bild entsteht. Im Anschluss daran füllten alle Teilnehmer einen Fragebogen aus, den sie innerhalb der nächsten drei Wochen wieder abgeben sollten. Um Prokrastination zu messen, erhoben McCrea und Kollegen, wie lange die Teilnehmer der beiden Gruppen brauchen würden, um den ausgefüllten Fragebogen zurückzusenden. Welche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen würden Sie vermuten?
Tatsächlich fanden McCrea und Kollegen, dass sich die Teilnehmer der beiden Gruppen signifikant voneinander unterschieden. Diejenigen Teilnehmer, die über die Technik des Pointillismus nachgedacht hatten, also der «konkreten» Bedingung angehörten, hatten ihren Fragebogen im Durchschnitt bereits nach 14.1 Tagen zurückgeschickt. Die Teilnehmer der «abstrakten» Bedingung hingegen, die über das Bild als Ganzes nachgedacht hatten, sandten ihren Fragebogen erst nach 20.5 Tagen zurück. Weiterhin unterschieden sich die beiden Gruppen nicht darin, wie wichtig, schwierig oder angenehm sie die Aufgabe empfanden. Demnach kann der Unterschied zwischen den beiden Gruppen in der Rücksendezeit auf die Formulierung der Aufgabe (konkret bzw. abstrakt) zurückgeführt werden.
Das Fokussieren auf konkrete, detailierte Kontextinformationen führte also zu wesentlich geringerem Aufschiebeverhalten als das Fokussieren auf abstrakte, globale Kontextinformationen. Eine Aufgabe konkret zu formulieren stellt vielleicht eine gute Strategie dar, um endlich den Keller auszumisten…
Quelle: McCrea, S. M., Liberman, N., Trope, T. & Sherman, S. J. (2008). Construal level and procrastination. Psychological Science, 19, 1308–1314.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.