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Kunstwerk des Monats
April 2023
Gedecktes Brüggli, 1940–1946
Albert Bosshard (1872–1948)
Aquarell auf Büttenpapier
10 x 14.5 cm
Inv.-Nr. 5089 VI
An einem nebligen und windigen Mittag, nach einem heftigen Platzregen, schwoll die Limmat an, zwängte sich über und durch die Ritzen einer Bretterwand und ergoss sich tosend in das Flussbett. Was wie eine Momentaufnahme wirkt, ist ein von Albert Bosshard bewusst komponiertes Aquarell. Es ist das letzte Bild des Werkzyklus Gedeckte Brüggli, der zwischen 1930 und 1946 entstand. Von seinem Stammplatz im ehemaligen Globus-Café in Zürich beobachtete Albert Bosshard die sich in Licht und Schatten, Jahreszeiten und Hoch- und Niedrigwasser verändernde Limmat. Fasziniert von diesem Wechselspiel, entwickelte er einen Zyklus, von denen sich sechs Blätter in der Sammlung des Kunst(Zeug)Haus befinden.
Das auf den ersten Blick freie, scheinbar schnell hingeworfene Blatt zeigt die Qualitäten des Künstlers Albert Bosshard: An der Quaimauer erkennt man das sich über die Jahre ausbreitende Moos, die unterschiedlichen Höhen der Limmat. Bosshard löste sich von der strengen Genauigkeit, die seine früheren Zeichnungen geprägt hatten. Bosshard arbeitete aber nie schnell und flüchtig, sondern entwickelte seine Bilder. So auch dieses Bild, welches er am 15. Januar 1940 begonnen hatte, und später am nebligen 29. November des gleichen Jahres überarbeitete. Mittags des 30. Januar 1946, nach einem heftigen Platzregen mit Böen, nahm er das Werk wieder hervor, um daran weiterzuarbeiten. Den letzten Schliff bekam das Aquarell dann, nach langer Ruhezeit, am 22. Dezember 1946.
Albert Bosshard (1872–1948) begann seine Karriere als Lithograf und Kunstmaler. Nachdem er erste Panoramen gezeichnet hatte, besuchte er als Perfektionist Vorlesungen über Topografie an der ETH. Dies befähigte ihn zu seinen genauen Bergpanoramen, besonders jene des Tödis ist bekannt. Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Toulouse brach sowohl sein Wesen als auch sein künstlerisches Können aus ihm heraus. Man beschrieb ihn als leidenschaftlich, intensiv und heftig. Einen Menschen, mit dem man nicht gut auskam. Albert Bosshard wird es vielleicht gewesen sein, der seinen Enkel Peter für die Kunst empfänglich machte. Peter Bosshard (1942–2018) hat die Werke seines Grossvaters nicht nur gesammelt, sondern sogar zurückgekauft.
Text: Julianna Ban