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Sakyapa
Nachdem sich im 8. Jhdt., in der Zeit Padmasambhavas, der tantristische Buddhismus in Tibet ausgebreitet und mit vielerlei vorbuddhistischen Vorstellungen und Riten aus der Bön-Religion verbunden hatte, wurde er zeitweilig von einheimischen Herrschern wieder zurückgedrängt und verfolgt. Um die Jahrtausendwende aber setzte eine eigentliche zweite Ausbreitung des Buddhismus ein, getragen vor allem von den nun aus Indien neu nach Tibet ziehenden – oder fliehenden? – indischen Meistern und von Tibetern, die in Indien die letzten grossen Meister des indischen tantristischen Buddhismus besucht hatten. (Es war die Zeit, in der der Islam den schon lange durch die hinduistische Renaissance geschwächten Buddhismus aus ganz Nordindien verdrängte.) In dieser Zeit der zweiten Ausbreitung liegen die Wurzeln dreier der bedeutendsten Schulen tibetischer Spiritualität: Sakyapa, Kagyüpa und Kadampa.
Das im Jahr 1073 begründete Kloster Sakya, «graue Erde», in Südtibet gelegen, von Äbten aus den Khön-Familien seit Jahrhunderten geleitet, gab der Schule Sakyapa den Namen, die sich um eine systematische Ordnung der Tantra-Lehren bemühte. Lamdre, «Weg und Ziel» nennt sich ihr Zyklus von Tantra-Lehren, die auf den indischen Mahasiddha Virupa zurückgeführt werden. Das Ziel des Weges lässt sich im Weg selbst erkennen: Samsara und Nirvana, das Leiden und die Erlösung, die Welt der Phänomene und die Leere, sind – in gut mahayanistischer Perspektive – voneinander nicht verschieden. Die Lehrer der Schule gelten als Inkarnationen des Manjushri, des Bodhi- sattvas der Weisheit, der mit seinem Schwert Wahrheit und Irrtum voneinander trennt.