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Wie bleibt man in Bewegung, wenn die politischen und sozialen Umstände im eigenen Land alles lähmen, wenn Aggressivität und Hass die Gesellschaft zu spalten und Freiheit und Solidarität zu ersticken scheinen? Die neue Arbeit des brasilianischen Choreographen Bruno Beltrão, eine Co-Produktion mit CULTURESCAPES, wird im Rahmen von CULTURESCAPES 2021 Amazonas aufgeführt. Sie steht für den künstlerischen Widerstand, der sich in Brasilien gegen den Autoritarismus von Präsident Jair Bolsonaro allmählich entwickelt.
Das Werk Beltrãos, der 1979 in einem Vorort von Rio de Janeiro geboren wurde, hat in den letzten 20 Jahren international Anerkennung gefunden. Der Rechtsruck und die neu aufkeimenden faschistischen Bewegungen haben den Choreografen nicht überrascht. Bereits in seinem 2017 entstandenen Werk «Inoah» verhandelte er Konflikte und gesellschaftliche Widersprüche als urbanen Kampf zwischen Begegnung und Konfrontation, Aggression und Exzess, zwischen Feindschaft und Solidarität dar.
Damals, 2017, wüteten im Amazonasgebiet ausgedehnte Waldbrände. Während die Regierung Bolsonaro wegschaute, reflektierte Beltrão in einem Interview mit der New York Times darüber, wie politisch Tanz sein kann und soll: «Müssen wir das, was wir tun, noch verfeinern, um uns mehr zu engagieren? Und gleichzeitig, wie können wir einen Tanz machen, der nicht von unserem Leben beeinflusst ist? Das ist unmöglich.»
So wie William Forsythe einst das Ballett revolutionierte, revolutioniert Beltrão den Hip-Hop, indem er urbane Tanzstile und Grundlagen des modernen Tanzes nutzt und miteinander verwebt. David Binder, künstlerischer Leiter der Brooklyn Academy, beschreibt Beltrãos Choreografien als «unglaublich intensiv in einem Moment und unglaublich fröhlich im nächsten» und betont seinen Stilmix und die energische Dekonstruktion von Männlichkeit.
1996 gründete Beltrão die Kompanie Grupo de Rua, die seit 2002 weltweit auf Theatern und Festivals gastiert. Beltrão wurde zweimal mit den Bessies – New York Dance and Performance Awards ausgezeichnet. Seine Choreografien bewegen sich zwischen den Extremen: Meditation und Wut, Sanftheit und Stärke, Virtuosität und Reflexion.