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Die vielseitige Regentin, die dem Schicksal trotzte
Finanzministerin, Kommunikationschefin, Diplomatin und Mäzenin. Das wären moderne Bezeichnungen für die burgundische Herzogin Isabella von Portugal (1397–1471). Wer war diese herausragende Regentin des 15. Jahrhunderts? Isabella von Portugal besass viele Talente. Sie stattete Kreuzzugschiffe aus, besass ein eigenes Handelsschiff, verwaltete die Finanzen des burgundischen Hofes und übernahm die Regierungsgeschäfte, wenn ihr Gemahl Philipp der Gute (1396–1467) abwesend war.
Als Mäzenin machte sich Isabella von Portugal durch prachtvolle Kunststiftungen einen Namen. Ein Beispiel ihrer Kunstsinnigkeit lässt sich noch heute im Historischen Museum Basel bewundern. Hier steht eine über einen Meter hohe Votivtafel aus Messing, die ursprünglich im Basler Kartäuserkloster angebracht war. Darauf zu sehen ist ein Bildnis der Herzogsfamilie. Im Gebet knien Isabella von Portugal, Philipp der Gute und ihr Sohn Karl der Kühne vor der trauernden Muttergottes. Vorgeführt werden die Eheleute von ihren jeweiligen Schutzheiligen, dem heiligen Andreas und der heiligen Elisabeth.
In den 1440er-Jahren schickte die Herzogin dieses riesige Familienporträt als Visitenkarte nach Basel. Hier tagte in den 1430er- und 1440er-Jahren die europäische Kirchenelite anlässlich des Konzils. Vor diesem internationalen Publikum wollte Isabella die burgundische Herzogsfamilie präsentieren.
Politik und Heilsvorsorge
Die Tafel erinnert daran, dass die Herzogin dem Kloster die hohe Summe von 1700 Gulden für den Bau zweier Zellen und den Unterhalt der darin lebenden Mönche gestiftet hatte. Dies beschreibt der fast die Hälfte der Tafel einnehmende Text. Auch an anderen Orten liess die Herzogin eine solche Votivtafel aufstellen, immer in Niederlassungen der Kartäuser. Denn dies war der Orden, den die Herzogsfamilie traditionell förderte. Modern gesprochen könnte man das Herzogshaus als Sponsoringpartner der Kartäuser bezeichnen. Die Stiftungen sollten einerseits das Seelenheil der burgundischen Familie sichern, andererseits demonstrierten sie deren weltlichen Ruhm. Auf diese Weise verknüpfte die Herzogin geschickt die religiöse Heilsvorsorge mit der Politik des burgundischen Hofes.
Die Votivtafel ist wie eine riesige Kupferstichplatte gearbeitet. Die Vertiefungen waren mit buntem Siegellack gefüllt und das Messing golden aufpoliert, sodass das Bild farbig in der Kirchenwand funkelte. Zusammen mit einem Starkünstler der altniederländischen Malerei wie Rogier van der Weyden oder Petrus Christus hat die Herzogin dieses innovative Meisterstück geplant.
Regierungserfahrung am portugiesischen Hof
Die Votivtafel fasziniert umso mehr, weil sich ausgehend von diesem Kunstwerk die beeindruckende Lebensgeschichte der Herzogin erzählen lässt. Ihr Wappen und der unter dem Bild stehende Text verweisen auf ihre portugiesische Herkunft. Die Eltern der Herzogin, König João I. und ihre Mutter, Philippa von Lancaster, eine englische Prinzessin, liessen Isabella die gleiche Erziehung angedeihen wie ihren fünf Brüdern. Wie diese lernte sie am Hof von Lissabon reiten, jagen, rechnen und Sprachen wie Italienisch, Französisch und Latein.
Nach dem Tod ihrer Mutter übernahm Isabella mit 18 Jahren deren politische Aufgaben. Als Philipp der Gute sich mit der 33-jährigen Isabella vermählte, ehelichte er eine erfahrene Politikerin. Vor der Hochzeit hatte Philipp seinen Hofmaler Jan van Eyck nach Lissabon geschickt, um die Prinzessin porträtieren zu lassen. Ihr Bildnis scheint ihm gefallen zu haben. Doch wählte der Burgunderherzog Isabella vor allem aus politischen Gründen.
Mutter Karls des Kühnen
Neun Monate nach ihrer Ankunft in den burgundischen Niederlanden gebar Isabella im September 1430 ihren ersten Sohn Antoine. Dieser starb nach 16 Monaten. Auch ihr zweiter Sohn Josse verstarb kurz nach seiner Geburt. Wie Isabella mit diesen Schicksalsschlägen umging, wissen wir nicht. Doch wird sie in Quellen als besonders unerschrocken und diszipliniert beschrieben. Als Isabella mit ihrem dritten Sohn schwanger war, unterstützte sie noch Philipp den Guten bei militärischen Operationen auf dem Schlachtfeld.
Schliesslich brachte Isabella am 10. November 1433 ihren Sohn Karl, den späteren Karl den Kühnen, zur Welt. Blickt man auf die Votivtafel, ist zu erkennen, dass die beiden verstorbenen Söhne hinter Isabella mit einem Kreuzzeichen dargestellt sind, während Karl als Thronfolger in vollem Ornat neben Philipp dem Guten kniet. Von Isabella soll Karl der Kühne seinen Arbeitseifer und sein Interesse an Finanzfragen geerbt haben.
Es wird Zeit, dass Museen zeigen, welchen persönlichen Mehrwert sie Besuchern bieten können. Denn die Geschichten hinter Kunstwerken und historischen Objekten bieten spannende Alternativen zu TED-Talks und Karriereratgebern. Das zeigt das Beispiel der Votivtafel der Isabella von Portugal. Ihre Biografie verdeutlicht, wie wichtig eine umfassende Ausbildung, Disziplin, Ehrgeiz und Kreativität sind und wie man aus der Annahme seiner Lebensumstände heraus Grosses bewirken kann.