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Seinen verehrten Freunden
D: W. J. A. Jonckbloet,
Professor zu Deventer
und
Dr M. de Vries,
Professor zu Leiden
gewidmet
von
dem Verfasser.
Einleitung
Das vorliegende Glossar steht mit meinem ,,Glossarium latino-germanicum mediae et infimae aetatis“ (Francf., Baer 1857) in vielfacher Wechselbeziehung. Es berichtigt dasselbe an vielen Stellen und bewegt sich mit seinem ganzen Inhalte auf gleichem Boden. Bruchtheile des alten Glossars: Glossen, Erklärungen und Vergleichungen, sind nur dann wieder abgedruckt, wo die Beleuchtung nach beiden Seiten es gebot, die Sparsamkeit des Raumes es gestattete. Wo diese Bedingungen nicht auftraten, genügten genaue Verweisungen. So geschah es, daß das neue Glossar zum vollen Gebrauche des alten unentbehrlich ist, zu seinem eigenen aber die Nähe des alten sehr wünschenswerth.
In den meisten Fällen sind die lateinischen Stichwörter des alten aus praktischem Grunde beibehalten, selbst wo die Theorie eine andere Anordnung verlangte. Im Anfange der Artikel unterscheiden sich jene herübergenommenen Stichwörter hinlänglich durch ihre Stellung, im Texte durch den Zusatz ,,Gloss." Somit gehören die voranstehenden Wörter und Worttheile ausschließlich dem alten Glossare an, wenn nicht die Signatur der einzelnen folgenden andeutet, daß jene zugleich für den Rest der gegenwärtigen Glossen gelten. Den Antheil des alten Glossars schließt das dem Artikel vorgesetzte Kreuz (1) aus; der Stern (*) bezeichnet die Abwesenheit der Formen in Du Cange (Gl. m.), Breviloquus und Kirsch. Welchen Formen eines Artikels indessen diese beiden Zeichen gelten, die im Innern desselben die Uebersichtlichkeit. hindern würden, erhellt in jenen Fällen, in welchen die alphabetische Folge keine Sonderaufstellung der betreffenden Wörter gebot, erst durch die Vergleichung des alten Glossars. Im entgegengesetzten Falle sind nur den Sonderwörtern die auf sie bezüglichen Zeichen vorgesetzt, nicht dem Artikel, in welchem sie verhandelt werden; trägt dieser gleiche Zeichen, so gelten sie andern Bestandtheilen seines Inhaltes.
Jene Sparsamkeit des Raumes, welche mit dem Umfange auch den Kaufpreis beschränken soll, bestimmte mich, die zahlreichen Aufführungen
einzelner Formen (mit Verweisung auf das Stichwort des betreffenden Artikels) nach den Anfangssilben (ohne etymologische Rücksicht) zusammenzureihen, damit nicht jede den Raum einer ganzen Zeile in Anspruch nehme; der Druck sorgt für die leichte Auffindung. Wie hier, jedoch nur bei etymologischer Verwandtschaft, sind in den zusammenhangenden Artikeln die gleichlautenden Worttheile durch Verbindungsstriche mit den ungleichen verbunden, wo die Deutlichkeit die Wiederholung der ersteren nicht erforderte. Dagegen vermied ich ein Kunststück des alten Glossars, das dem Leser ein gleiches auferlegte: die Zerlegung aller Formen je eines Artikels in kreuz und quer, wåhrend jetzt die Zusammenbehörigkeit immer nur von je einer Stichsilbe abhängt. Es galt dort freilich auch um die stärkere Hervorhebung des Gemeinsamen und des Trennenden; aber diesen Vorzug überwog die Schwierigkeit des Gebrauches.
Am wenigsten durfte der Raum gespart werden, wo das Gewicht des Inhaltes seiner bedurfte. Dieses legte ich besonders den mundartlichen, zeitlichen und bißweilen selbst nur graphischen Varianten der deutschen Wörter bei, welche die Uebermasse des Stoffes in dem alten Glossar oft nicht hinreichend berücksichtigen ließ. Sodann habe ich für die Verweisungen auf Erklårungen im alten Glossar reichlichen Ersatz durch neue und ausführliche gegeben, welche oft die Gegenstände in neuem Lichte erscheinen laßen. Neuhinzugekommene Glossarien gaben erwünschten Stoff dazu. Gleichwol moge der Leser nie die Reihenfolge der Glossen unbeachtet laßen, durch welche ich den (wirklichen oder möglichen) Zusammenhang andeute, statt ihn zu besprechen.
Um die genannten Eigenschaften der Varianten zu beurtheilen, muß der tiefer eingehende Leser Ort und Zeit der angeführten Quellen kennen lernen, worüber ich in dem unten folgenden Verzeichnisse nicht immer genügende Auskunft geben konnte. Ich habe neben den seltensten und ältesten Wörtern mitunter auch sonst hinreichend bekannte, theilweise noch lebende aufgenommen, damit man erfahre: wann noch oder schon (zum ersten Male) sie vorkommen. Nicht immer lebten alte Wörter und Formen noch in örtlicher und zeitlicher Gegenwart des Schreibers, welcher ältere Glossarien abschrieb. Es fehlt jedoch nicht an Merkmalen für das Verständniss des Schreibers und seiner Umgebung, oder für dessen Gegentheil. Håufig wird dieses durch Umdeutung, durch oft leblose und sinnlose, jenes durch lebendige Umänderung beurkundet. Treu erhaltene antike Formen, namentlich Endungen, sind nicht immer bloßes Verdienst des Abschreibers. So z. B. erhielt sich die altdeutsche Femininendung a bei bestimmten Wörtern mehrerer Glossarien durch Pietåt oder Formelhaftigkeit, wie ja auch noch heutzutage Aehnliches vorkommt. Bei manchen graphischen Verschiedenheiten ganzer Glossarien liegt vielleicht auch eine lautliche zu Grunde. Es fragt sich z. B.: ob k ch in P. V. = chk in den Vocc. 33. 34. eine und die selbe stärkere Aspiration bedeute. Reichlichere Ver