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Ich vermute, dass besonders Musikgeschichten, die von Journalisten geschrieben worden sind, der Erzähl-Logik der Revolutionen folgen: Journalisten sind auf News und Innovationen aus. Ausgelassen oder in die Fussnoten verdrängt wird in dieser Version der Geschichte (récit), dass es Stile und Acts gibt, die persistieren, anhaltend erfolgreich sind. Progrock wurde durch Punk nicht vollständig vom Tisch gewischt, einige Bands und MusikerInnen adaptierten sich an die neuen Verhältnisse und machten nach einer Verjüngungskur weiter Musik (Yes, Genesis, Kate Bush, Peter Gabriel). Alle Acts, die länger leben als die fünf bis zehn Alben, die eine durchschnittliche Popmusik-Karriere ausmacht (z.B. Elvis Costello, Nick Cave) wurden schon immer etwas a-historisch, passten nur am Anfang ihrer Karriere so richtig in die Erzählung der musikalischen Revolutionen.
Bis zum Ende der Geschichte bestanden die Erzählungen von der Geschichte der populären Musik darin, dass in regelmässiger Folge Subkulturen in den Mainstream durchbrachen und eine kleine oder grosse Revolution auslösten. Mit der Revolutionierung der Genres und Stile ging das Überholen der alten Generation einher. Es gab diejenigen, die den Schritt mit der Geschichte mitmachten, und es gab diejenigen, die stehen blieben. Diese Erzähl-Logik ist die Logik der Revolutionen.
Unsere posthistorische Zeit macht hingegen aus, dass die ganze Geschichte topologisch ausgebreitet vor uns liegt (in iTunes, Spotify oder Youtube) und dass musikalische Innovationen in besonderen Bezugnahmen (Referenzen) auf vorliegendes ungeschichtliches Material bestehen.
Wie schlägt sich wohl die veränderte Sachlage in der Erzählung (récit) der posthistorischen Geschichte (histoire) nieder? Die Logik der Revolutionen macht hier keinen Sinn mehr. Man muss die Geschichte anders erzählen.
Die ehemaligen Altered Zones Macher, Emilie Friedlander und Ric Leichtung, starten einen neuen Blog, für den Sie Geld sammeln. Werden Sie Gönner/-in in einem Projekt, das einer der wichtigsten Kanäle für neue Musik werden wird! Die Macher/-innen haben sich attraktive Gegenleistungen als Dank für die Unterstützung ausgedacht.
Das Mission Statement von Ad hoc lautet:
We’re doing it differently. Anders sein als die anderen Musikblogs heisst für Ad Hoc: Die Musik, die eingesandt wird, soll tatsächlich angehört werden, in Besprechungen soll ein Album nicht auf ein Zahlen-Rating reduziert werden, es soll Musik aus der ganzen Welt (statt nur aus Brooklyn) berücksichtigt werden, Musiker/-innen kommen selbst zur Sprache, weil das Projekt von Musikerinnen und Bands mitgetragen wird, es sollen keine Hypes produziert, sondern Qualität gefördert werden, Reviews sollen nicht von der Unterscheidung zwischen gut und schlecht getragen sein, sondern darauf fokusieren, was eine Musik über die artistischen, technologischen, ökonomischen und politischen Entstehungsbedingungen aussagt.
Nachtrag vom 4. März 2012: Heute hat Ad hoc sein Gründungskapital zusammen. Herzliche Gratulation!