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Archiv für die Kategorie » Schule «
27 | 01 | 2017
Eine interessante Dissertation aus dem Jahr 2014 habe ich entdeckt:
Coninx, N. S. (2014). Measuring effectiveness of synchronous coaching using Bug-In-Ear device of pre-service teachers. Retrieved from https://pure.tue.nl/ws/files/22989497/20160528_Coninx.pdf [Stand: 27.1.2017].
Worum geht es?
Schools and teacher preparation programs are acting as professional development schools and are responsible for the guidance of pre-service teachers doing their teaching practice. The school as a learning environment may reduce the gap between practice and theory. There is now more emphasis placed on the school as a learning environment where teachers’
professional learning can be supported. … The aim of this PhD research is to measure the effectiveness of synchronous coaching using bug-in-ear technology (BIE technology). The general research question is: „What are the effects of synchronous coaching using BIE by pre-service teachers?“
The results of this in vivo study supported the hypotheses that the use of structured keywords for delivering immediate performance feedback is more beneficial than the ad hoc mode of delivering performance feedback, in terms of cognitive load and ambiguity for pre-service teachers. In the ad hoc mode, the coach is free in which feedback messages are whispered to the pre-service teacher. Usually this ends up that the feedback messages consist out of more than one sentence. In the structured mode, coach and pre-service teacher always have to select and discuss the keywords in advance that they are going to use, therefore diminishing the chance of ambiguity. By structuring the messages and only using the selected keywords it is expected that cognitive load (i.e. extraneous load) can be reduced.
Die Untersuchung(en) von Coninx zeigen, dass diese strukturierte Vorgehensweise mittels BIE tatsächlich ein synchrones Coaching darstellt, welches die angehenden Lehrpersonen bei ihrer Professionsentwicklung unterstützt. Ein interessanter Ansatz!
24 | 09 | 2016
Es ist ein schönes Gefühl, dieses Blogposting schreiben zu dürfen, denn heute wurde meine Dissertation als E-Dissertation von der Zentralbibliothek Zürich publiziert und ich darf sie nun auch ganz offiziell hier vorstellen. Sechs Jahre lang habe ich – berufsbegleitend – an der Dissertation gearbeitet, welche im Rahmen einer vom Schweizerischen Nationalfond unterstützten Studie zum „Fachspezifischen Unterrichtscoaching in Lehrpraktika“ unter der Leitung von Prof. Dr. Fritz Staub entstanden ist.
Hier die Zusammenfassung:
Unterrichtspraktika gelten gemeinhin als Kernelement zur Entwicklung berufspraktischer Kompetenzen und werden von Lehramtsstudierenden in der Regel als wichtige Lernorte betrachtet, da sie an der Schnittstelle zwischen Studium und Praxis angesiedelt sind und daher die Möglichkeit bieten, theoretische Wissensbestände und situierte Praxiserfahrung zu verknüpfen. Eine Komponente, die wesentlich zu einem gelungenen Praktikum beiträgt und gleichzeitig einen bedeutsamen Einfluss auf das Lernen der Studierenden ausübt, stellt dabei die Betreuung durch Praxislehrpersonen dar. Aus diesem Grund können auch Unterrichtsbesprechungen zwischen Praxislehrpersonen und Studierenden in ihrer Funktion als Plattform für den Austausch über Unterricht als wichtige Lernquellen angesehen werden.
Die Erforschung dessen, wie dieses Lernen konkret vor sich geht und wie Unterrichtsbesprechungen von Praxislehrpersonen gestaltet werden, stand im Zentrum der vorliegenden Studie, die drei Hauptfragestellungen verfolgte: (1) Werden Unterrichtsbesprechungen von Lehramtsstudierenden zum Lernen genutzt? (2) Wie gestalten Praxislehrpersonen Unterrichtsbesprechungen? (3) Bestehen Zusammenhänge zwischen der Gestaltung der Unterrichtsbesprechungen durch die Praxislehrpersonen und dem Lernen der Lehramtsstudierenden? Die Grundlage für die quantifizierenden Gesprächsanalysen bildeten 783 thematisch abgrenzbare Sequenzen, sogenannte „potenzielle Lerngelegenheiten“, die in einer Stichprobe von 61 videografierten Unterrichtsbesprechungen (30 Vorbesprechungen und 31 Nachbesprechungen) zwischen Praxislehrpersonen und Lehramtsstudierenden der Sekundarstufe I identifiziert werden konnten. Als Analyseinstrument diente ein differenziertes Kategoriensystem, das zur Erfassung des Lernens der Studierenden und des Unterstützungsverhaltens der Praxislehrpersonen entwickelt worden war.
Da die Erhebung des Lernens nicht auf Selbsteinschätzungen der Lehramtsstudierenden beruhte, sondern aus einer Aussenperspektive vorgenommen wurde, musste theoretisch begründet werden, wie sich Lernen in Unterrichtsbesprechungen genau zeigt und woran es erkannt werden kann. Entsprechend wurden zwei Gesprächsaktivitäten der Studierenden als eigentliche Lernaktivitäten interpretiert: zum einen sogenannt „anspruchsvolle Reflexionen“ und zum anderen deutliche Äusserungen, welche die Absicht bekundeten, das eigene Unterrichtshandeln zu verändern. Andere Gesprächsaktivitäten wie zum Beispiel das Beschreiben oder Bewerten des eigenen Handelns wurden demgegenüber nicht als Hinweisstellen für Lernen betrachtet. So konnte gezeigt werden, dass die Lehramtsstudierenden knapp ein Drittel der sich bietenden potenziellen Lerngelegenheiten zum Lernen genutzt hatten.
Das Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen wurde bezüglich dreier Merkmale untersucht: (1) Gesprächsstil und Rolle, (2) modaler Sprachgebrauch und (3) Interaktionsmuster. Die diesbezüglichen Analysen ergaben, dass ein Gesprächsstil, der weniger direktiv gestaltet ist und den Studierenden vermehrt Möglichkeiten bietet, ihre eigenen Themen ins Gespräch einzubringen, das Lernen eher zu unterstützen vermag. Zudem konnte gezeigt werden, dass die Praxislehrpersonen in potenziellen Lerngelegenheiten mit Hinweisstellen für Lernen der Studierenden vermehrt modale Satzkonstruktionen verwendeten und auf diese Weise den Möglichkeitsraum des Gesprächs vergrösserten. Hinsichtlich der Interaktionsmuster konnte ein breit abgestützter Befund erneut repliziert werden: Es sind vor allem dialogische Gesprächssequenzen mit Ko-Konstruktion, die das Lernen der zukünftigen Lehrpersonen besonders fördern.
Quelle:
Futter, K. (2016). Lernwirksame Unterrichtsbesprechungen im Praktikum. Nutzung von Lerngelegenheiten durch Lehramtsstudierende und Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen. Retrieved from: http://opac.nebis.ch/ediss/20162773.pdf [Stand: 24.9.2016].
13 | 01 | 2016
Mit gebührender Verspätung, dafür umso sehnlicher erwartet… lag gestern der Herausgeberband von Oser, F., Biedermann, H., Brühwiler C. & Steinemann. S. (2015). Zum Start bereit? Vertiefende Analysen aus TEDS-M zur schweizerischen Lehrerbildung im internationalen Vergleich. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich in meinem Briefkasten.
Wie gut sind angehende Lehrkräfte auf die Berufstätigkeit vorbereitet? Am Beispiel Mathematik werden neben theoretischen Überlegungen zur Wirksamkeit der Lehrerbildung zentrale Ergebnisse zum fachlichen und fachdidaktischen Wissen, zu Überzeugungen sowie zur Motivation am Ende der Lehrerausbildung nachgezeichnet. Ebenfalls werden Befunde zu den Lerngelegenheiten der Studierenden, aber auch zu Unterschieden zwischen (deutsch-)schweizerischen Institutionen aufgezeigt.
Hier bereits einmal das Inhaltsverzeichnis. Gelesen – ehrlicherweise erst angelesen – habe ich Kapitel 9 von Samuel Krattenmacher und Sibylle Steinmann: Viel Praxiserfahrung, wenig Reflexion: Praxiserfahrung von Studierenden an Deutschweizer Lehrerbildungsinstitutionen. Interessanterweise ist die Primar- als auch Sekundarstufe der Deutschweiz sehr tief platziert bezüglich dem Theorie-Praxis-Bezug. Dieser wurde gemessen mit einer Skala bestehend aus acht Items zur Frage: Wie oft wurde bisher in Ihren Praktika von Ihnen verlangt, die folgenden Dinge zu tun?“ (z.B. Nachweisen, dass sie die Unterrichtsmethoden anwenden können, die Sie in Ihren Ausbildungsveranstaltungen gelernt haben“; „Strategien entwickeln, um über Ihr berufliches Wissen nachzudenken“ etc.). Die Autoren folgern, dass es im schulpraktischen Alltag der Deutschschweizer Lehrerausbildung eher um die individuelle Entwicklung während des Praxiseinsatzes geht bei der die Kontrollfunktion eine viel geringere Rolle in der Ausbildung spielt (vgl. ebd., S. 266). Sie fügen an derselben Stelle auch an, dass möglicherweise in der Deutschweiz eine besondere Art der Reflexionskultur herrscht, wobei in anderen Ländern vielleicht mehr dokumentiert würde, was in der Praxisausbildung gelernt oder ausprobiert wurde, als dies bei uns der Fall sei (vgl. ebd.). Weiter schreiben die Autoren, dass rund die Hälfte der befragten Studierenden (Primar = 936; Sekundar = 141) aller Pädagogischer Hochschulen der Deutschschweiz angeben, nie oder selten Aspekte der Theorieverbindung wie z.B. Lehrmethoden beobachten etc. praktiziert zu haben. Zudem würden Reflexionsstrategien in geringem Masse in der berufspraktischen Ausbildung angewendet, da dies von den entsprechenden Institutionen nicht eingefordert würde (vgl. ebd., S. 266). Die Autoren schliessen, dass eine intensivere Kommunikation zwischen den Institutionen und den Praxislehrpersonen wünschenswert wäre, da diese den inhaltlichen Abgleich stärken würde und somit die Kohärenz von Lerninhalten gewährleisten könnte (vgl. ebd., S. 267). Sie halten aber auch fest, dass der Vergleich der erfassten Daten innerhalb der Deutschweiz beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsgängen und Institutionen aufzeigt und es bezüglich der von der EDK gewünschten Harmonisierung im Bereich der schulpraktischen Ausbildung angehender Lehrpersonen noch einiges zu tun gäbe (vgl. ebd., S. 267).
21 | 11 | 2015
Im Newsletter des Volksschulamtes des Kantons Zürich war am 21.11.2015 zu lesen, dass sowohl Lehrpersonen als auch Schulleitende eine hohe Berufszufriedenheit hätten. Diese wurde mit den Austrittsinterviews, welche zwischen den Jahren 2010 und 2014 geführt wurden erfasst. Im Management Summary des Berichtes ist denn auch zu lesen:
Die Arbeitszufriedenheit der austretenden Lehrpersonen und Schulleitenden ist über die Zeit überwiegend konstant geblieben. Nur bei wenigen Aspekten der Arbeitszufriedenheit können Veränderungen beobachtet werden. Alle Veränderungen gehen in eine positive Richtung. Verbessert hat sich in erster Linie die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen: Die Austretenden sind mit den Anstellungsbedingungen und der Angemessenheit des Lohns zunehmend zufrieden. Eine positive Entwicklung zeigt sich auch bei der Zufriedenheit mit der Weiterbildung und der zeitlichen Beanspruchung. Die Zufriedenheit mit der Wertschätzung durch die direkten Vorgesetzten ist ebenfalls gestiegen, allerdings in geringem Masse.
Es stellt sich natürlich die Frage, weshalb denn aus den Lehrberuf ausgestiegen wird, wenn die Arbeitszufriedenheit so hoch ist?
Im Bericht steht:
Die Hauptgründe des Austritts haben sich in den letzten fünf Jahren signifikant verändert. Abgenommen haben Kündigungen aufgrund der gebotenen Entwicklungsmöglichkeiten. Die Entwicklung der Volksschule führt 2014 kaum noch zu Austritten. Austritte aufgrund persönlicher Lebensumstände haben hingegen zugenommen. Dabei fallen vor allem die Pensionierungen ins Gewicht. Zugenommen haben aber in der Kategorie der Lebensumstände auch die Auslandaufenthalte.
Die beiden nachfolgenden Abbildungen zeigen dies im Detail:
Pensionierungen und Familienarbeit sind also die beiden wichtigsten Gründe der Kategorie „Lebensumstände“, weshalb mit dem Lehrberuf aufgehört wird.
Den gesamten Bericht kann man sich hier herunterladen.
02 | 09 | 2015
Wieder einmal – das Thema trage ich ja schon einige Jahre mit mir – hatte ich die Gelegenheit zum „Kompetenzorientierten Beurteilen“ ein Referat zu halten. Diesmal für die Dozierenden der PH Schwyz an deren Retraite. Kompetenzorientierte Beurteilung ist ja vor allem im Zusammenhang mit der Einführung des Lehrplans 21 (wieder) aktuell und bisher eher marginal behandelt, da es wenige Instrumente gibt, die Lehrpersonen bei der kompetenzorientierten Leistungsbewertung im Unterricht unterstützen.
Meiner Ansicht nach stellen sich drei Herausforderungen beim Kompetenzorientierten Prüfen:
- Den Unterricht von der zu erreichenden Performanz her zu denken
Stichwort: Unterrichtsplanung und Constructive Alignment
- Eine kompetenzorientierte Lern- und Beurteilungskultur zu etablieren
Stichwort: Aufgabenkultur und Feedback
- Die gezeigten Leistungen einzuschätzen
Stichwort: Leistungsbegriff und Methoden der Messung
Entlang dieser drei Herausforderungen lassen sich die zu beantwortenden Fragestellungen generieren und auch das Potential des kompetenzorientierten Prüfens ableiten. Dieses scheint mir nämlich durchaus vorhanden zu sein!
Gerne stelle ich meine Folien hier zur Verfügung.
Nachtrag vom 30.9.2015:
Das Forum profilQ stellt ein Arbeitspapier zur Verfügung, das bei der Entwicklung eines kompetenzorientierten Beurteilungssystems praxisorientiert Unterstützung bietet. Dieses enthält offene Fragen zur Kompetenzbeurteilung und Empfehlungen, wer für die Klärung der Fragen zuständig sein sollte.
28 | 07 | 2015
Fremdsprachenunterricht – Lehrplan 21 – Lehrberuf – Sparpolitik – Berufszufriedenheit – Gewalt an Schulen – Sexualkundeunterricht – Politische Bildung – Schulschrift – Sponsoring an Schulen … Die Liste mit Bildungsthemen, über die in den Medien berichtet wird, ist lang. Eine grosse Auswahl an Pressestimmen können in der Rubrik «Bildung in den Medien» abgerufen und nachgelesen (Online-Redaktion des LCH, Newsletter vom 28.7.2015)
Diesen Dienst des LCH (Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz) finde ich äusserst wertvoll. Besten Dank für den Service!
Und hier geht’s zum Dienst 🙂
19 | 08 | 2014
Ob jemand für den Lehrerberuf geeignet ist, lässt sich häufig erst dann feststellen, wenn die Person vor einer Klasse steht und die Wirkungen des Unterrichtshandelns sich auch im Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler manifestieren. An den meisten Pädagogischen Hochschulen wird denn auch das erste Studienjahr genutzt, um die Eignung der zukünftigen Lehrpersonen zu überprüfen. Nun gibt es von der Ludwig-Maximilians-Universität in München „SeLF“ einen Selbsterkundungstest für Studierende [Hinweis via unterricht.educa.ch – News, 17. Juli 2014 08:48 by <email-pii>].
Das frei zugängliche Online-Beratungsangebot des Münchener Zentrums für Lehrerbildung der Ludwig-Maximilians-Universität gibt Studieninteressierten am Lehrerberuf, Berufs- beratenden und Lehrenden die Möglichkeit, mit Hilfe von Filmen und Zusatzmaterial ihre Eignung für den Beruf zu testen.
Die Eignungsreflexion umfasst drei Schritte:
- 1. Schritt: Einzelne Filme nach Interesse auswählen, um sich anschaulich zu informieren.
- 2. Schritt: Im Anschluss an den jeweiligen Film zu drei Fragen Stellung nehmen, um die eigene Haltung zu reflektieren.
- 3. Schritt: Feedback dazu lesen und über die persönliche Eignung für den Lehrerberuf weiter nachdenken.
Anhand von drei Fragen – die im Anschluss an die 16 ca. 3-minütigen Filmsequenzen beantworten werden können – kann „getestet“ werden, was Lehrpersonen alles tun und ob dies den eigenen Vorstellungen entspricht.
Zum Weiterlesen auf den Button klicken.
15 | 05 | 2014
Alexander Gröschner und Janina Häusler haben einen Beitrag mit dem Titel „Inwiefern sagen berufsbezogene Erfahrungen und individuelle Einstellungen von Mentorinnen und Mentoren die Lernbegleitung von Lehramtsstudierenden im Praktikum voraus?“ im Buch „Schulpraktika in der Lehrerbildung“ (vgl. diesen Blogeintrag) veröffentlicht. In ihrer Studie untersuchten sie, über welche Einstellungen Mentor/-innen (in diesem Fall Praxislehrpersonen) gegenüber der Mentorentätigkeit und dem beruflichen Umfeld verfügen, die Lehrerstudierende während eines Praxissemesters an der Schule betreuen und unterstützen und inwiefern diese mit ihren Angaben zur Lernbegleitung (Betreuungszeit, Unterstützung) zusammenhängen. Hierzu wurden Daten von 129 Praxislehrpersonen erhoben. Nebst den Korrelationen hätte mich persönlich noch interessiert, welchen Einfluss die Einstellungen auf die Qualität der Lernbegleitung oder auf das Lernen der Studierenden hatten. Ob diesbezüglich ebenfalls Daten vorliegen, weiss ich jedoch nicht.
Erhoben wurden die Einstellungen der Praxislehrpersonen mittels Skalen zur Innovationsbereitschaft, Berufszufriedenheit, dem persönlichen Gewinn aus der Mentoring-Beziehung durch die Eröffnung neuer Perspektiven und dem persönlichen Gewinn durch Reflexion & Weiterentwicklung. In Deutschland werden (im Gegensatz zur Schweiz) Praxislehrpersonen nur sehr rudimentär auf ihre neue Rolle vorbereitet. Auf dieser Hintergrundfolie betrachtet ist der Befund, dass der persönlichen Gewinn, welcher aus der Betreuung von Lehrerstudierenden abgeleitet wird, eher der Reflexion der eigenen Tätigkeit als dem Erhalt neuer fachlicher bzw. pädagogischer Perspektiven dient (vgl. S. 328) zu verstehen, welcher auf den ersten Blick erstaunt und auch nicht im Einklang mit bisherigen Befunden steht. Neue Perspektiven eröffnen sich Praxislehrpersonen meiner Ansicht nach vor allem auch dann, wenn sie stärker mit der Ausbildungsinstitution verbunden sind und direkt mit aktuellen Erkenntnissen der Lehr-Lernforschung, als auch der Fach- und Allgemeindidaktik in Kontakt kommen.
Dass die Befragten mit ihrem Beruf zufrieden sind und die Innovationsbereitschaft im beruflichen Umfeld überdurchschnittlich beurteilt wird zeigt jedoch einmal mehr, dass als Praxislehrpersonen vor allem die stark engagierten und interessierten Lehrpersonen gewonnen werden müssen.
Quelle: Gröschner, A. & Häusler, J. (2014). Inwiefern sagen berufsbezogene Erfahrungen und individuelle Einstellungen von Mentorinnen und Mentoren die Lernbegleitung von Lehramtsstudierenden im Praktikum voraus? In K.-H. Arnold, A. Gröschner & T. Hascher (Eds.), Schulpraktika in der Lehrerbildung: Theoretische Grundlagen, Konzeptionen, Prozesse und Effekte (pp. 315-333). Münster: Waxmann.
14 | 04 | 2014
Anfangs April 2014 erschien im Waxmann-Verlag das Herausgeberwerk von Karl-Heinz Arnold, Alexander Gröschner und Tina Hascher mit dem Titel „Schulpraktika in der Lehrerbildung. Theoretische Grundlagen, Konzeptionen, Prozesse und Effekte“. Der Band kann sowohl als Buch oder auch als E-Book gekauft und natürlich dann – hoffentlich – auch gelesen werden.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert: (1) Grundlagen der schulpraktischen Komponenten der Lehrerbildung, (2) Wirksamkeit von Praktika: Lernerfahrungen und Kompetenzentwicklung und (3) Effekte von Mentoring in Schulpraktika. Das gesamte Inhaltsverzeichnis kann hier heruntergeladen werden.
Hier bereits einmal der Klappentext:
Seit mehr als zwanzig Jahren werden in der tertiären Lehramtsausbildung Schulpraktika reformiert und neuerdings in ihrem zeitlichen Umfang relativ zur Studienzeit vergrößert. Zum Gegenstand reger Forschungsaktivitäten avancierten Schulpraktika jedoch erst im letzten Jahrzehnt. Hiermit werden ein Überblick über das Forschungsfeld (Grundlagen der schulpraktischen Komponenten der Lehrerbildung; Forschungsmethodik) vorgelegt und aktuelle Forschungsergebnisse zu zentralen Aspekten der Wirksamkeit von Praktika und Effekten von Mentoring präsentiert.
In englischsprachigen bzw. deutschsprachigen Beiträgen wird der Forschungsstand in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz sowie den USA aufgezeigt.
Der Band richtet sich an Personen, die in der Lehrerbildung tätig sind, also an Dozent/inn/en in Hochschulen und Seminaren, an Lehrerbildungsforscher/innen sowie an Fachpersonen in der Bildungsadministration und interessierte Studierende.
Gerne stelle ich in nächster Zeit den einen oder anderen Buchbeitrag hier etwas genauer vor 🙂
22 | 11 | 2013
Nachtrag (2.12.13) zum Blogbeitrag vom 22.11.13:
Gerade entdeckte ich, dass die PH Zürich gemeinsam mit der Mercator-Stiftung als auch der Bildungsdirektion und am Projekt beteiligten Schulen, das Projekt „Schulen lernen von Schulen (SLS)“ (Laufzeit: fünf Jahre) durchgeführt hat. Dieses ist auf der Projektseite sehr gut dokumentiert und es wurden ebenfalls einzelne Schulen mit innovativen Projekten prämiert. Zudem wurde aber auch darauf geachtet, dass die Projekte nicht nur sichtbar gemacht wurden, sondern auch ein Wissenstransfer stattfinden konnte. Nicht von ungefähr lassen sich unter den prämierten SLS-Schulen (vgl. prämierte Schulen) dieselben vier Schulen, welche auch am 5.12.13 im Final stehen, wiederfinden. Was mir beim SLS-Projekt vor allem gefällt ist, dass die prämierten Schulen sich nicht dadurch auszeichneten, dass
sie die bisherige Praxis hervorragend lebten („best practice“), sondern dass sie mit ihrem Projekt wichtige Elemente der Vision der Volksschule nach der Umsetzung der Reform („next practice“) realisierten. Es sollten also nicht zwingend exzellente Schulen ausgezeichnet werden, sondern gute Schulen, die anderen Schulen bei der Umsetzung des Volksschulgesetzes den Weg zeigen konnten (vgl. Abschlussbericht des Projekts, S. 32 f.).
Blogbeitrag (22.11.2013):
Im Tages-Anzeiger vom 16. November 2013 war zu lesen, dass am 5. Dezember 2013 in Bern aus 18 Finalistinnen die „beste“ Schule gekürt wird.
Zürich – Nach «Musicstar» und «Schweizer des Jahres» gibt es bald eine «Schweizer Schule des Jahres». Am 5. Dezember wird sie im Stade de Suisse in Bern von Ex-Miss Schweiz Christa Rigozzi und Radprofi Fabian Cancellara gekürt. Wissenschaftler und Schulreformer kopieren also ein TV-Format, um die beste Schweizer Schule ins Rampenlicht zu rücken. Es soll eine Schule sein, die zum Vorbild wird, nach dem sich andere richten können. Ein ähnlicher Preis wird seit einigen Jahren auch in Deutschland vergeben. Eine externe Begutachtung ergab dort, dass der Preis einen positiven Effekt auf das ganze Schulsystem hatte.
Lanciert hat den Preis das Forum Bildung und die beste Schule erhält 80’000 Schweizer Franken. Interessanterweise wird der Preis von den Lehrerveränden nicht unterstützt, da es nicht möglich sei, eine „beste“ Schule zu küren. Vorstellbar sei, „dass man Preise in unterschiedlichen Kategorien vergibt, etwa für gute IT-Konzepte, herausragende Integrations- oder Elternarbeit“, sagt Beat Zemp, Zentralpräsident des Schweizer Lehrerverbandes.
Momenten werden die Schulen bezüglich sechs Kriterien beurteilt:
- Leistung: Die Schüler sollen besondere Leistungen erbringen – im Vergleich zu Schulen in ähnlichem Umfeld.
- Vielfalt: Die Schule soll eine Strategie haben, wie sie Schülern unterschiedlicher Herkunft gerecht wird.
- Unterricht: Die Schule soll praxisorientiertes Lernen ermöglichen und Lernfreude vermitteln.
- Verantwortung: Die Schule soll mit Projekten die Eigeninitiative fördern.
- Schulklima: Die Schule soll pädagogisch fruchtbare Beziehungen und einen offenen Umgang nach aussen pflegen.
- Weiterentwicklung: In der Schule sollen Lehrpersonen voneinander lernen. Es sollen neue Formen der Zusammenarbeit ausprobiert werden.
Aus dem Kanton Zürich stehen vier Schulen im Final. Die Diskussion, ob es möglich sei, die „beste“ Schule zu küren erinnert mich daran, dass im Jahre 2007 an Hochschulen und Universitäten erstmals der Preis für die „beste“ Lehre vergeben wurde, der „Credit Suisse Award for Best Teaching“. Auch damals stellte sich die Frage, ob es möglich sei, die „beste“ Lehre auszuzeichnen? Die UZH wählte ein Verfahren, bei welchem jedes Jahr ein anderer „Schwerpunkt“ der Lehre im Zentrum steht. Es wird diejenige Person ausgezeichnet welche es schafft z.B. ihre Studierenden am besten für die Wissenschaft zu begeistern oder am besten betreut etc. Dies würde sich mit der Forderung von Zemp decken.
Wie die Tatsache, dass sich insgesamt nur 100 Schulen um den Preis beworben haben gedeutet werden kann, zeigt sich wohl erst in einer zweiten Runde mit mehr oder weniger Bewerbungen.