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| Athenagoras (2. Jhd.) - Bittschrift für die Christen (Apologia pro Christiana)

19.
Das ist der Anfang der Entstehung ihrer Götter und der Anfang für das All. Betrachtet nun folgendes: Ein jedes von den in der Götterlehre behandelten Wesen muß, wie es seinen Anfang hat, so auch seinen Untergang haben. 1 Denn wenn sie geworden sind, nachdem sie vorher nicht waren (und so behaupten die Urheber der Götterlehre), so haben sie kein absolutes Sein; entweder ist etwas ungeworden und ewig, oder geworden und vergänglich. Ich sage hier nichts anderes, als was die Philosophen sagen: „Was ist das immer Seiende und Ursprungslose, was ist das Gewordene und nie wahrhaft Seiende?“ 2 Über das geistig und über das sinnlich Wahrnehmbare redend lehrt Plato, daß ersteres, das geistig Wahrnehmbare, weil es immer ist, nie geworden ist, während dagegen letzteres, das sinnlich Wahrnehmbare, weil es kein absolutes Sein hat, als ein Gewordenes anfängt und aufhört. Deshalb lehren auch die Stoiker, daß einst das All durch Feuer zerstört wird, um erst durch einen neuen Weltanfang wieder ins Dasein zu treten. Sie nehmen ein doppeltes Prinzip an, ein aktives und bewegendes, die Vorsehung, und ein passives und auf Gestaltung wartendes, die Materie. Wenn nun die Welt, obwohl sie von der [S. 297] Vorsehung geleitet ist, als ein Gewordenes nicht unverändert bleiben kann, wie sollte dann das zusammengesetzte Wesen jener Götter Bestand haben, die ihren Existenzgrund nicht in sich selber tragen, sondern geworden sind? Um wie viel sollten die Götter, nachdem sie aus dem Wasser entstanden sind, besser sein als die Materie? Das Wasser ist überhaupt nicht der Ursprung aller Dinge wie sie lehren. Denn was könnte aus einfachen und gleichartigen Elementarteilchen entstehen? Der Stoff bedarf eines Bildners wie der Bildner eines Stoffes. Wie könnten ohne den Stoff oder ohne den Bildner Bildungen zustande kommen? Ferner ist es widersinnig, die Materie für älter anzusehen als die Gottheit; denn das schaffende Prinzip muß dem Werdenden vorausgehen.
1: Der Übersetzer folgt hier der Konjektur Geffckens.
2: Plato Tim. 27c.