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November 10 2017 |
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In einem aufschlussreichen Interview mit der Los Angeles Review of Books spricht François Ewald Mitglied des Editorial Board von Le foucaldien und ehemaliger Assistent Foucaults über das Verhältnis zu seinem Mentor die Problematisierung des Wohlfahrtstaates und sein politisches Engagement im Wandel der Zeit…
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Am 9. Mai 2012 und 15. Mai 2013 organisierte Bernard Harcourt an der University of Chicago zwei historisch anmutende Treffen zwischen Gary Becker und François Ewald. Thema der beiden conversations waren Foucaults Gouvernementalitäts-Vorlesungen von 1978/79 beziehungsweise deren ausführliche und vielkommentierte Referenz auf "die Neoliberalen" im Allgemeinen und Beckers Humankapital- oder Verbrechenstheorien im Besonderen. Gleich zu Beginn der ersten Sitzung stellt Ewald die rhetorische Frage in den Raum wie es überhaupt möglich war "[..] dass ein Intellektueller ein französischer Philosoph – jemand der vielleicht als linker französischer Philosoph bekannt ist ein Radikaler – am Ende der 1970er-Jahre eine Vorlesung am Collège de France hält in der er eine Apologie des Neoliberalismus bietet – speziell ein Apologie von Gary Becker [..]" und spielt damit auf ein "Paradox" an das die Foucault-Rezeption (oder jedenfalls ihre genau lesenden Fraktionen) nachhaltig beschäftigt.
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"Sicherheitsdispositive" so Foucault haben "die Tendenz […] sich auszudehnen." Unter dem Vorzeichen der Sicherheit können immer weitere Lebensbereiche Kontroll- und Überwachungs- Regulierungs- und Normalisierungstechniken unterstellt werden. Für unsere Gegenwart sehen die Sozialwissenschaften diese Beobachtung unmittelbar bestätigt und damit auch den paradoxen Effekt dass die Fixierung auf Sicherheit unsere Handlungsfähigkeit nicht nur absichert sondern auch einengt. "Mit Unsicherheit leben" und uns auf unsere eigenen Widerstandskräfte besinnen sei deshalb worauf wir uns einstellen müssten. Was aber macht diese Tendenz zur Expansion von Sicherheit aus? Und wie lässt sich das Sicherheitsdenken aufbrechen ohne dass Unsicherheit nun ihrerseits zu einer Maxime der Regierung und Strategie der Responsibilisierung wird?
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"Transparenz" ist in den letzten Jahren zu einem Leit- und Lieblingsthema der Medienöffentlichkeit avanciert. Während sie auf der einen Seite als kollektiver Wunschtraum für Aufklärung Informationsfreiheit sowie offene nachvollziehbare politische Prozesse steht befürchten Skeptiker und Datenschützer lückenlose Kontrollen und warnen vor dem ‚gläsernen Bürger‘. Gemeinsam scheint beiden Positionen allerdings die unausgesprochene Grundüberzeugung dass Transparenz stets etwas Absolutes sei und ihren Gegenstand vollständig durchdringe. Von Open Data zu Orwells Big Brother – Transparenz ist vielseitig interpretierbar jedoch meist an eine optisch-visuelle Metaphorik der Sichtbarkeit bzw. Durchsichtigkeit geknüpft.
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Foucaults "Frühwerk" scheint eindeutig um sein berühmtes Erstlingswerk über den Wahnsinn herum zentriert. Wahnsinn und Gesellschaft erzählt bekanntlich die Genealogie der Gefangenschaft des Wahnsinns und zugleich die Genealogie einer sich formierenden bürgerlichen Gesellschaft ihrer Institutionen und Wissenschaften vom Menschen. Vieles von den späteren Genealogien und Analysen zur panoptischen Disziplinarmacht wird hier vorweggenommen wobei der "Wahnsinn" als Inbegriff einer unmöglichen Freiheit oder Widerstandsposition gelten kann. Im Schatten von Wahnsinn und Gesellschaft entwickelte Foucault aber eine divergente und gleichsam spielerischere Auffassung des Zusammenhangs von Freiheit Wahrheit und Macht.
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