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Deutsch-
Dänischer
Krieg
von
1848
bis
1850. König
Christian Ⅷ.
von
Dänemark
[* 2] hatte durch seinen Offenen
Brief vom die
Erbfolgeordnung, durch die nach dem zu
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erwartenden Aussterben des Mannsstammes im Königreiche der Weiberstamm, in Schleswig [* 4] und Holstein dagegen der Mannsstamm der sog. jüngern königl. Linie (s. Augustenburger Linie) zur Herrschaft kommen mußte, aufzuheben versucht, um das Auseinanderfallen des dän. Staates zu verhüten, und hatte dadurch in den Herzogtümern große Erregung hervorgerufen. Am starb der König, und vergeblich versuchte sein Sohn Friedrich VII. den Sturm durch Zugeständnisse zu beschwören.
Die Februarrevolution und die Märztage brachten die Bewegung zum Ausbruch. In Kopenhagen
[* 5] fand eine Erhebung der eiderdän.
Partei statt, deren Führer die Einverleibung Schleswigs verlangten, während die zu Rendsburg
[* 6] versammelten Mitglieder der
beiden Ständeversammlungen der Herzogtümer sich jeder Trennung Schleswigs
von Holstein widersetzten. Nachdem
mehrere Vermittelungsversuche gescheitert waren, konstituierte sich in der Nacht zum 24. März in Kiel
[* 7] eine Provisorische Regierung,
deren Präsident Wilh.
Beseler ward und die sich am folgenden Tage der Festung
[* 8] Rendsburg bemächtigte; die deutschen Truppenteile schlossen sich, meist
ohne Offiziere, der Bewegung an. Aus Deutschland
[* 9] strömten Freischaren herzu, und Prinz Friedrich
von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg
übernahm die Leitung der militär. Organisation. Der Deutsche
[* 10] Bund erklärte sich für Schleswig-Holstein
[* 11] und beauftragte
Preußen
[* 12] mit der Ausführung seiner Beschlüsse. Am 5. April trafen die ersten preuß. Truppen in Rendsburg ein, denen eine preuß.
Division und eine Division (Halkett) des 10. Bundesarmeekorps nach Holstein mit dem Auftrage folgten,
unter Umständen auch in Schleswig einzurücken.
Dänemark mobilisierte sehr schnell Heer und Flotte, und die dän. Vorhut rückte
von Kolding her schon 29. März in Schleswig ein,
während Kriegsschiffe vor Apenrade und Flensburg
[* 13] sowie im Alsensunde erschienen. Am 9. April siegten die Dänen
bei Bau über die Schleswig-Holsteiner und rückten
bis nach Schleswig und dem Danewerk vor, während die Truppen der Provisorischen
Regierung hinter die Eider zurückgingen und nur ihre Nachhut an der Sorge und am Wittensee stehen ließen. Am 18. April fanden
bei Sorgbrück, Husum
[* 14] und Altenhof-Holtsee Gefechte statt, worauf der preuß. General
von Wrangel zum Oberbefehlshaber
der deutschen Truppen ernannt wurde.
Wrangel traf 21. April in Rendsburg ein und trat zwei Tage darauf mit der preuß. Division Fürst Radziwill (13000 Mann und 22 Geschütze)
[* 15] nebst den schleswig-holstein. Truppen unter Prinz Friedrich (10000 Mann und 22 Geschütze) den Vormarsch
an, überraschte die Dänen unter General Hedemann (11500 Mann, 42 Geschütze) am Danewerk und lieferte ihnen das blutige Treffen
bei Schleswig. Die Dänen räumten die Stadt und gingen am folgenden Tage, nachdem sie auch bei Översee geschlagen worden
waren,
bis Flensburg zurück, mußten aber auch dieses aufgeben und zogen sich nun nach Alsen, ihre Kavallerie
nach Apenrade zurück. General Wrangel ließ die Bundesdivision Halkett am Sundewitt gegen Alsen stehen und rückte mit den übrigen
Truppen nach Norden
[* 16] vor, überschritt 2. Mai die Königsau, besetzte tags darauf Friedericia und nahm den südöstl. Teil von
Jütland in Besitz als Pfand für den durch die dän. Flotte dem deutschen
Handel und den Küstenplätzen zugefügten Schaden.
Der Mangel einer deutschen Flotte
sowie die den Dänen günstige Haltung Rußlands, Schwedens und Englands veranlaßte nun eine
Pause in den Operationen, während welcher die Diplomatie allein wirkte. Wrangel räumte vom 25. Mai ab Jütland, und
die Bundesdivision Halkett wurde 28. Mai von den Dänen im Sundewitt zurückgedrängt, während von Alsen her dän. Truppen nach
Jütland geschafft wurden und von dort 2. Juni Lügumkloster und Apenrade wieder in Besitz nahmen. Wrangel griff die im östl.
Sundewitt verbliebenen Dänen 5. Juni bei Nübel, Düppel
[* 17] (s. d.) und Satrup
an und warf sie nach Alsen zurück; doch stand schon 21. Juni das dän. Heer 17000 Mann stark wieder nördlich von Flensburg im
Felde. Am 28. Juni rückte Wrangel von Flensburg her nach Norden vor und gelangte
bis zur Königsau, von wo aus ein Teil der
Bundesdivision nach dem Sundewitt zurückkehrte; die Dänen gingen, der Übermacht weichend, zurück,
und nur bei Hadersleben
[* 18] kam es 29. Juni zu einem Gefecht gegen die schleswig-holstein. Truppen unter Prinz Friedrich. Am 26. Aug. kam
unter Garantie Großbritanniens ein auf 7 Monate geschlossener Waffenstillstand in Malmö
[* 19] zu stande, wonach die Herzogtümer
von deutschen und dän. Truppen geräumt werden und nur 2000 Mann Deutsche in Altona
[* 20] und 2000 Dänen auf
Alsen zurückbleiben sollten; die schleswig-holstein. Truppen durften im Lande verbleiben, die vorhandenen Befestigungen blieben
bestehen, und die Blockade der deutschen Küste durch die dän. Flotte wurde aufgehoben.
Am 22. Okt. trat die infolge des Waffenstillstandsvertrags eingesetzte gemeinschaftliche Regierung der Herzogtümer, mit dem dänisch gesinnten Grafen Karl Moltke an der Spitze, an die Stelle der Provisorischen Regierung. Der preuß. General von Bonin übernahm den Befehl über die schleswig-holstein. Truppen. Von dän. Seite wurden die vereinbarten Bedingungen nicht erfüllt, der größte Teil des Heers blieb auf Alsen. Der Schutz der Großmächte, namentlich Englands, steigerte den Übermut der in Kopenhagen herrschenden Partei und veranlaßte 22. Febr. die Kündigung des Waffenstillstands zum Dänemark sammelte die Hauptmacht (20000 Mann) auf Alsen und 10000 Mann hinter der Koldingau, die Flotte größtenteils bei Alsen, wogegen der Deutsche Bund ein 35000 Mann starkes, aus Nord- und Süddeutschen zusammengesetztes Bundesheer unter dem preuß. General von Prittwitz nach Schleswig sandte, zu dem noch 15000 Mann schleswig-holstein. Truppen unter General von Bonin hinzukamen, sodaß im Ganzen, einschließlich einer später nachgesandten Reservedivision, rund 60000 Mann Feldtruppen gegen die Dänen zur Verfügung standen.
General von Prittwitz übernahm den Oberbefehl und rückte 5. April nach Norden vor. Der dän. General von Bülow hatte zwar 3. April von der jütländ. Grenze und dem Alsensunde her den Vormarsch gegen Flensburg angetreten, wagte jedoch den Angriff nicht, obschon er 6. April bei Ulderup einen Sieg über die hannov. Brigade erfocht, sondern ging, verfolgt von den deutschen Truppen, nach Jütland zurück. Bereits 5. April war auch ein von den Dänen zur See unternommener Angriff gegen Eckernförde (s. d.) fehlgeschlagen und hatte den Verlust zweier Schiffe [* 21] zur Folge gehabt. Am 13. April erstürmten bayr. und sächs. Truppen die festen Düppeler Schanzen, deren Brückenkopf jedoch im ¶
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Besitze der Dänen blieb; am 20. April besetzte General von Bonin Kolding, schlug 23. April die Dänen, die ihn daraus verdrängen wollten,
nach Veile und Fredericia zurück und erzwang sich nach einem neuen Sieg bei Gudsoe (7. Mai) den Einmarsch in Jütland. Am 6. Mai überschritt
auch General von Prittwitz bei Kolding die Grenze, schlug an den beiden folgenden Tagen die Dänen bei Alminde,
Viuf, Veile und Godsoe, ließ durch Bonin Fredericia einschließen und rückte mit den beiden übrigen Divisionen
bis Aarhuus
vor, das 25. Juni besetzt wurde. Die dän. Feldarmee war inzwischen auf 40000 Mann verstärkt
worden und konnte mit Hilfe der Flotte ziemlich unbemerkt von Fredericia nach Alsen verlegt werden, um
von hier aus zum Angriff vorgehen zu können. Als man 4. Juli im deutschen Hauptquartier erfuhr, daß die Truppen auf Holgenäs
nach Fünen gebracht worden und von Alsen eine Flotte in nördl. Richtung gesegelt sei, wurde die Sammlung
der deutschen, in Jütland stehenden Truppen bei Kolding und Veile angeordnet. General von Bonin erhielt die Nachricht zu spät,
erst 6. Juli morgens, nachdem ein in der vorhergehenden Nacht von den Dänen aus Fredericia unternommener Ausfall völlig geglückt
war und die schleswig-holstein. Truppen zum Aufgeben der Belagerung gezwungen hatte.
In Berlin [* 23] waren bereits Friedensunterhandlungen im Gange, die zunächst, 10. Juli, zu einem sechsmonatigen Waffenstillstand mit sechswöchiger Aufkündigung führten. Schleswig, das von einer von Preußen, England und Dänemark gebildeten Landesverwaltung unter Vorsitz des engl. Kommissars regiert werden sollte, wurde durch eine südlich von Flensburg nach Westen gezogene Demarkationslinie, die Tondern südlich liegen ließ, geteilt; das nördl. Schleswig sollte durch neutrale Truppen (2000 Schweden [* 24] und Norweger), das südliche durch deutsche Truppen (6000 Mann) besetzt werden; Alsen und Aarö blieben in dän. Besitz. In Holstein sollte die Statthalterschaft bestehen bleiben.
Seit schwebten zwischen Dänemark und Preußen (für sich und im Namen des Deutschen Bundes) Friedensverhandlungen, die 2. Juli zu Berlin zum Abschluß kamen und dem König von Dänemark die Bewältigung des Widerstandes in den Herzogtümern überließen. Es wurde ferner vereinbart, daß die neutralen Truppen das nördl. Schleswig und die preuß. Truppen die Herzogtümer Schleswig und Holstein verlassen sollten. Die Statthalterschaft aber beschloß nach dem Abzug der preuß. Truppen, selbständig den Krieg gegen Dänemark fortzusetzen, und 10. April übernahm der preuß. General von Willisen den Befehl über die schleswig-holstein. Truppen.
Das Heer wurde auf die Stärke
[* 25] von 27000 Mann und 84 Geschütze gebracht und rückte, als die preuß. Truppen vom 13.
bis 17. Juli Schleswig
räumten, in die Stellung von Idstedt, verabsäumte jedoch, diese Stellung zu befestigen. Die dän. Armee (38000 Mann und 96 Geschütze)
stand 18. Juli unter General von Krogh bei Flensburg und rückte am 23. vor, bestand am folgenden Tage ernste Gefechte bei Sollbrück
und Helligbek und griff 25. Juli die Stellung von Idstedt an. Die Schlacht dauerte
bis zum Abend und der Sieg
verblieb den Dänen; doch führte General von Willisen seine Truppen unverfolgt und ohne weitern Verlust nach Fahrdorf und Missunde
zurück.
Der Ausgang des Krieges war mit dieser Schlacht entschieden, obschon das schleswig-holstein. Heer
bald wieder
schlagfertig war. Missunde und Eckernförde wurden aufgegeben, das wichtige Friedrichstadt ging 7. Aug. ohne ernsten Widerstand
verloren, doch wurde ein Vorstoß der Dänen gegen die Linie der Sorge am folgenden Tage zurückgewiesen. Widerwillig entschloß
sich auf Verlangen der Statthalterschaft General von Willisen zur Aufnahme der Offensive und unternahm
Vorstöße, die sämtlich unglücklich verliefen, so 12. Sept. gegen Missunde und besonders 4. Okt. gegen Friedrichstadt. Am 7. Dez. legte
von Willisen den Oberbefehl nieder und General von der Horst trat an seine Stelle; doch kam es nicht zu weitern Kämpfen, da
die Warschauer Konferenz (3. Nov.) und die Konvention von Olmütz
[* 26] (28. Nov.) über das Schicksal der Herzogtümer
entschieden hatten. Am unterwarf sich die Landesversammlung in Rendsburg den namens des Deutschen Bundes durch Kommissare
Österreichs und Preußens
[* 27] gestellten Forderungen, die Feindseligkeiten einzustellen. Österreichische Truppen besetzten im Verein
mit preußischen Holstein, dänische Schleswig. General von der Horst mußte das
bis auf 43000 Mann angewachsene
Heer auflösen und das gesamte
Kriegsmaterial an Dänemark ausliefern. (S. Schleswig-Holstein.) Die Herzogtümer hatten 50 Mill.
M. vergeblich aufgewendet und verfielen durch Deutschlands
[* 28] Schwäche und die Mißgunst des Auslandes der Fremdherrschaft aufs
neue, aus der sie erst 1864 befreit wurden.
Vgl. Graf Baudissin, Geschichte des schleswig-holstein. Kriegs (Hannov. 1862);
Streckfuß, die Feldzüge
in Schleswig-Holstein
1848 bis 1849 (Berl. 1851);
v. d. Horst, Zur Geschichte des Feldzuges der Schleswig-Holsteiner gegen die
Dänen im J.
1850. Die Schlacht von Idstedt (ebd. 1852);
Vaupel, Krigen i
1848. 1849.
1850 (Kopenh. 1862-67);
Den Dansk-Tydske
Krig i Aarene
1848-50. Udgivet af Generalstaben (3 Tle., ebd. 1868-80);
Levetzow, Aus den Erinnerungen eines Schleswig-Holsteinischen Offiziers (1. Bd., Schlesw. 1891);
Schleiden, Schleswig-Holsteins erste Erhebung
1848-49 (Wiesb. 1891);
Moltke, Geschichte des Krieges gegen Dänemark
1848-49
(Berl. 1893).