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Medienbericht
9. September 2018
Salto in den Tod
- Der Bund -
Die Kombination der Wörter «U-Bahn», «Tod» und «Slapstick» bringt einen fast automatisch auf die Idee, dass da jemand auf dem Perron steht, fällt und vom Zug erfasst wird. Und so ist es auch in der «Slapstick-Oper» des deutschen Komponisten Klaus von Heydenaber (Jahrgang 1982), die in einer Metrostation angesiedelt ist: Ein Mann mit tiefer, sonorer Stimme und Feuerwehrmontur (Vuyani Mlinde) spielt den Helden, stürzt, stirbt. Den Zug kann man zwar nicht sehen, aber deutlich hören.
Sinnfreie Verse
Das vom Luzerner Theater, Theater Winterthur und weiteren Institutionen koproduzierte Werk «Im Amt für Todesangelegenheiten» wurde am Freitag zur Saisoneröffnung in der Leuchtenstadt uraufgeführt. Am Anfang stand die Idee des Luzerner Intendanten und Direktor in spe des Theaters Basel, Benedikt von Peter, eine «Oper ohne Text» auf die Bühne zu bringen.
«Ganz ohne Text geht es allerdings nicht, denn irgendwas muss aus dem Mund der Sänger ja rauskommen», wie Komponist von Heydenaber im Programmheft erklärt. Tatsächlich ist das Libretto von Maté Fazekas mit «Elisa», «No, no, no» und anderen Wörtern gespickt, die inhaltlich kaum ins Gewicht fallen.
Die Zeit scheint sich mal rückwärts, mal in Zeitlupe zu bewegen.
Und wer bei den italienisch- und russischsprachigen Arien nur Bahnhof versteht, dürfte nicht ganz falsch liegen – die Verse sind ziemlich sinnfrei. Der Inhalt wird primär über Gesten, Mimik, Bilder, Geräusche und die Musik vermittelt. Für die Entfaltung des Stücks nimmt sich der ungarische Regisseur Viktor Bodó Zeit – viel Zeit. Bis alle Figuren auf der Bühne stehen, sich mit ihren Macken vorgestellt haben und einen ersten Tod sterben, ist die Hälfte der Zeit um. Erschwerend kommt hinzu, dass Bodó wie bei früheren Produktionen mit verschiedenen Erzählebenen arbeitet und virtuos mit ihnen spielt.
Das Stück ist mit dem Ableben der Figuren denn auch nicht zu Ende. Ihr Tod wird von einem «Amt für Todesangelegenheiten» verwaltet, dessen Büros nur einen Stock über der detailreich ausgestalteten U-Bahn-Station liegen (Bühne: Márton Ágh).
Die Büroräumlichkeiten wirken hochmodern und klinisch rein, doch die vom Chor des Luzerner Theaters gespielten Beamten erweisen sich als faul und nachlässig. Prompt gelangt eine surrende Fliege ins Innere ihrer Hochleistungscomputer. Es kommt zum Kurzschluss, die Toten wachen auf – und erhalten in der zweiten Hälfte des Abends eine neue Chance. Nun wirds spannend: Die Zeit scheint sich mal rückwärts, mal in Zeitlupe zu bewegen, und die Protagonisten tauschen gekonnt ihre Rollen mitsamt Macken.