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07.07.2006
Asylsuchende aus Westafrika haben in der Schweiz besonders schlechte Chancen als Flüchtlinge anerkannt zu werden. Weshalb dies so ist, zeigt eine Studie im Auftrag des Genfer Centre Social Protestant. Sie beleuchtet die Prüfungsmethoden der Schweizer Asylbehörden bei Asylanträgen von Westafrikaner/innen.
Weshalb erhalten Westafrikaner in der Schweiz selten bis nie Asyl, obwohl in dieser Region zahlreiche Konflikte in Gang sind? Diese Frage stellte sich der Autor der Studie, Gaétan Nanchen und sah sich rund hundert Dossiers von Asylsuchenden aus Westafrika an. Das Ergebnis der Analyse ist interessant. Sie zeigt, dass die Tests, welche die Behörden durchführen, um die Glaubwürdigkeit eines Asylsuchenden zu überprüfen teilweise wenig sinnvoll sind und gewisse Menschen benachteiligen. Die Tests haben zur Folge, dass zahlreiche Personen von vornherein kaum eine Chance haben Asyl zu erhalten, obwohl sie eigentlich Anrecht darauf hätten.
Mehrere Faktoren tragen laut der Studie dazu bei, dass Vorurteile und Stereotypen schliesslich zur fast regelmässigen Ablehnung von Westafrikaner/innen führen. Einerseits zeigt die Studie, dass die üblichen Tests (Analyse der Knochen und Test LINGUA) gewisse Bevölkerungsgruppen benachteiligen (siehe hierzu auch den untenstehenden Artikel der Wochenzeitung WoZ). Anderseits wird bei der Lektüre klar, dass kulturelle Unterschiede eine wichtige Rolle spielen. So brauchen die Behörden etwa oft völlig wirklichkeitsfremde Kriterien, um den Wissensstand über das von Asylsuchenden angegebene Herkunftsland zu testen. Zudem wirkt sich gemäss der Studie der Umstand problematisch aus, dass sich die Konflikte in Westafrika durch eine hohe Komplexität der involvierten Akteure und Interessen kennzeichnen. So sieht sich etwa ein Asylbewerber mit der Begründung, seine Probleme seien privater Natur, vom Asylverfahren ausgeschlossen, weil er angegeben hat, in seinem Land von einer privaten Miliz verfolgt zu werden, die aber durch den Staat unterstützt wird.
Die Studie ist in Französisch erschienen und wird von der Flüchtlingshilfe vertrieben. Eine Übersetzung auf deutsch ist leider nicht vorgesehen.
- Studie von Gaétan Nanchen in Französisch (pdf, 57 S., online leider nicht mehr zugänglich)
- Experten in fremder Zunge
WoZ, 6. Juli 2006