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Hintergrund
07.08.2012
Tagsüber finden wir uns mit der Hitze ab oder kühlen uns in der Badi. Doch wenn es in der Nacht warm bleibt, wirds unerträglich. Wie kommen wir trotzdem zu unserem Schlaf? «uniaktuell» geht den Nebenwirkungen des Sommers auf den Grund.
«uniaktuell»: Herr Mathis, warum schlafen wir schlechter in einer Tropennacht, wenn die Lufttemperatur nicht unter 20 Grad Celsius fällt? Was ist die ideale Temperatur für einen erholsamen Schlaf? Und was können wir dafür tun?
Johannes Mathis: Wenn wir die Körperwärme im Zusammenhang mit Schlaf untersuchen, unterscheiden wir zwischen Haut- und Kerntemperatur. Aus Studien weiss man, dass die Kerntemperatur beim Menschen durch zentrale «Schrittmacher» im Hypothalamus, dem Steuerungszentrum des vegetativen Nervensystems, reguliert wird und der inneren Uhr folgt – möglicherweise vermittelt durch das Schlafhormon Melatonin. Die Kerntemperatur beträgt bei gesunden Menschen tagsüber um 37 Grad Celsius, die ideale Hauttemperatur aber 27 bis 32 Grad. Bereits etwa vier Stunden vor dem Einschlafen beginnt die Abnahme der Kerntemperatur durch eine Drosselung der Wärmeproduktion und eine Zunahme der Wärmeabgabe über die Haut: Dadurch steigt die Hauttemperatur. Die Wahrscheinlichkeit einzuschlafen ist optimal, wenn die Hauttemperatur auf knapp 34 Grad angestiegen ist. Das Minimum der Kerntemperatur von 36.2 Grad wird dann ungefähr zwei bis drei Stunden vor dem Aufwachen morgens um vier Uhr erreicht.
Bei sehr hohen Aussentemperaturen beginnt die Haut zu schwitzen, um mehr Wärme abzugeben. Zudem bewegt sich der Schlafende und befreit sich so von der Decke. Bei grosser Kälte hingegen rollt sich der schlafende Körper automatisch ein, um seine Oberfläche und damit den Wärmeverlust zu verkleinern, oder er beginnt zu zittern, um die Wärmeproduktion anzuregen. Derartige extreme Aussentemperaturen nach oben oder nach unten stören dann natürlich den Schlaf. Bei einem längeren Aufenthalt unter extremen Aussentemperaturen kann sich die Temperaturregulation aber bis zu einem gewissen Punkt anpassen und stärkere Schwankungen der Kerntemperatur zulassen.
Um (Ein-)Schlafproblemen vorzubeugen, sollte man die Zimmertemperatur in einen angenehmen Bereich bringen. Ideal dafür ist eine Klimaanlage. Falls es drinnen wärmer ist als draussen, lohnt es sich auch, das Fenster zu öffnen. Weiter kann man es in Tropennächten mit einem etwa 33 Grad warmen Bad versuchen – was allerdings nicht wissenschaftlich belegt wurde. Bei dieser Temperatur entsteht für die Haut eine neutrale Ausgangslage beim Zubettgehen, so dass sie sich nicht gleich extrem abkühlen oder erhitzen muss.
Geeignete Kleidung kann ebenfalls helfen – sich nackt ins Bett zu legen, empfiehlt sich hingegen weniger, weil die Haut selbst bei hohen Temperaturen zu stark auskühlt. Da die Erhöhung der Hauttemperatur grundsätzlich schlaffördernd wirkt, können auch Bettsocken beim Einschlafen helfen – allerdings wohl eher im Herbst wieder. (Sandra Flückiger)
Zur Person:
Prof. Dr. med. Johannes Mathis ist neurologischer Leiter am Zentrum für Schlafmedizin des Inselspitals und betreibt unter anderem Forschungen zu Narkolepsie und anderen Ursachen für Tagesschläfrigkeit.