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Eines ihrer Streichquartette wird auf Druck der sowjetischen Botschaft vom Programm des Warschauer Herbstes gestrichen, ihr Name darf nicht im Riemann-Musiklexikon erscheinen und als in der Düsseldorfer Tonhalle ein Festkonzert zu ihrem 50. Geburtstag geplant ist, verweigert Moskau die Noten. Der Generalsekretär des Komponistenverbandes, über 40 Jahre und bis zum Ende der Sowjetunion im Amt, hält sie und ihre angeblich «unsowjetisch-avantgardistische» Musik klein.
Sofia Gubaidulina, 1931 in Tschistopol geboren, provoziert das Sowjetregime. Ihre religiös fundierte Musik unterläuft den sozialistischen Realismus, ihre ersten Erfolge im Westen gelten als Beweis für ihre Abweichung und ihre Verbindung mit «gegnerischen» Komponisten in der Improvisationsgruppe Astreia macht sie verdächtig. Seit 1992 lebt die Komponistin in einem kleinen Dorf in Norddeutschland. Das Telefon klingelt ins Leere, wenn sie arbeitet und Besuche empfängt sie so selten als möglich.
Die Inspiration für ein Werk komme aus einer ganzheitlichen Vorstellung, sagt Gubaidulina. Dann seien Wille und Intellekt gefordert, die Einzelheiten auszuarbeiten.
Ihre Musik ist zugänglich, die Struktur nachvollziehbar und die Instrumentierung von ausgesuchter Klangsinnlichkeit. Hat sie deswegen Erfolg?
Corinne Holtz lädt die Geigerin und Musikwissenschafterin Katharina Hötzenecker zum Gespräch. Sie diskutieren die Violinkonzerte Offertorium (1981) und In tempus praesens (2007).