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Die wirtschaftlichen Probleme des Iran haben die Regierung dazu gezwungen, nach alternativen Wegen zu suchen. Obwohl sie Kryptowährungen nicht als gesetzliches Zahlungsmittel anerkennt, scheint sie insbesondere an den Möglichkeiten von Bitcoin-Transaktionen Gefallen zu finden.
Die Vereinigten Staaten haben ein fast vollständiges Wirtschaftsembargo gegen den Iran verhängt, das ein Verbot aller Ein- und Ausfuhren – einschliesslich derjenigen aus dem Öl-, Banken- und Schifffahrtssektor des Landes – beinhaltet. Angesichts seines Paria-Status möchte Iran auf Blockchain umgestiegen, um einige Geschäftsfelder offen zu halten.
Die Regierung geht davon aus, dass Bitcoin- und Krypto-Mining zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig im Land werden wird. Die allgemeine Akzeptanz von Kryptowährungen könnte sich noch deutlich ausweiten, da die iranische Steuerbehörde kürzlich einen rechtlichen Rahmen für Krypto-Handelsaktivitäten gefordert hat. Das Land legalisierte dazu nicht nur das Mining von Kryptowährungen, sondern verpflichtete sich auch, einen Teil der Erdöl- und Erdgasressourcen an Miner weiterzugeben, die im Land investieren werden.
Neuer Wirtschaftszweig unter strenger Kontrolle
Der Iran begann 2019 mit der Legalisierung des Bitcoin-Minings und erteilte entsprechend ab Januar 2020 über 1’000 Lizenzen. Die Regierung scheint sehr daran interessiert zu sein, ihren Krypto-Mining-Sektor zu lokalisieren und als als gewerbliche Tätigkeit zuzulassen. Das Parlament erwägt sogar einen Gesetzentwurf, der die Verwendung von „im Ausland geschürften“ Kryptowährungen für Zahlungen im Land verbietet.
Die iranische Studenten-Nachrichtenagentur berichtete, dass die Regierung die im Land geschürften Bitcoin auf spezielle Konten leitet. Diese Mittel werden dem Bericht zufolge zur Finanzierung von Importen und anderen sanktionierten Aktivitäten verwendet. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf ein Mandat der iranischen Zentralbank und des Energieministeriums. Demzufolge verlangen beide Behörden, dass die legal registrierten Miner ihre frisch geschürften Bitcoins an die Zentralbank verkaufen. Der Schritt erinnert an Initiativen von Ländern wie Venezuela, die Sanktionen unterliegen und sich ebenfalls Kryptowährungen als Umgehungstaktik zugewandt haben.
Umwandlung von Öl in Kryptowährungen
Der Iran hat erkannt, dass das Bitcoin-Mining eine attraktive Gelegenheit für seine von Sanktionen betroffene Wirtschaft darstellt. Sie leidet an einem Devisenmangel, verfügt aber über einen Überschuss an Öl und Erdgas. Das Land nutzt so seinen Reichtum an Bodenschätzen, um elektrische Energie zu erzeugen. Das ermöglicht dem Iran seine grösste Ressource in nützliches Kapital umzuwandeln und damit einige der Einnahmen zu kompensieren, die aufgrund von US- und EU-Wirtschaftssanktionen verloren gegangen sind.
Bitcoin und andere Kryptowährungsnetzwerke werden mit Strom erzeugt und am laufen gehalten. Bitcoin-Miner betreiben spezialisierte Computer, die neue Transaktionen verarbeiten und der Blockchain hinzufügen. Im Gegenzug werden die Miner mit Bitcoin (BTC) belohnt – sowohl durch Transaktionsgebühren als auch durch die Prägung neuer Bitcoin. Der Mining-Prozess wandelt Energie in Kryptowährungen. Durch die Lizenzvergabe wird sichergestellt, dass die Miner weiterhin in den Genuss des relativ günstigen iranischen Stroms kommen. Laut der Nachrichtenagentur „Mehr“ zahlen sie 0.11 USD pro Kilowattstunde (kWh), wobei die Gebühren in der Hochsaison (Juni bis September) auf 0.46 USD pro kWh steigen.
Knapp 5% aller neu geschürften Bitcoins stammen aus dem Iran
Laut dem Blockchain-Analyseunternehmen Elliptic wurden zwischen Januar und April dieses Jahres etwa 4.5% aller weltweit geschürften Bitcoin im Iran geschaffen. Damit liegt das Land unter den Top 10 der Welt, während China vor dem Durchgriff der Regierung mit fast 70% an erster Stelle stand.
Die Aussicht auf billigen Strom für das Bitcoin-Mining hat beträchtliche Investitionen aus dem Ausland angezogen, insbesondere aus China. Mehrere chinesische Unternehmen haben Mining-Lizenzen erhalten und sich im Land niedergelassen.
Illegale Mining Aktivitäten gefährden Stromnetz
Die iranische Hauptstadt Teheran und mehrere andere Grossstädte hatten in den letzten Monaten mehrmals täglich mit Stromausfällen zu kämpfen. Die Behörden machten dafür eine Erdgasknappheit, die anhaltende Dürre, welche die Wasserkraftwerke des Landes lahmgelegt hat – und zunehmend auch das Bitcoin-Mining verantwortlich. Ein Grossteil des Energieverbrauchs stammte offenbar von illegalen Minern.
Dies hat zu einem landesweiten Vorgehen gegen sie geführt. Auch die lizenzierten Bitcoin-Farmen waren von vorübergehenden Stromabschaltungen betroffen. Mit dem Ansteigen der Temperaturen im Land war der Stromverbrauch in den letzten Wochen so hoch, dass einige medizinische Einrichtungen gar Schwierigkeiten hatten, ihre Kühllager für Covid-19-Impfstoffe zu betreiben. Sobald das Moratorium im September aufgehoben wird, werden nur autorisierte Miner die Erlaubnis erhalten, den Betrieb wieder aufzunehmen.
Die iranische Regierung behauptete, dass 85% des Bitcoin-Minings im Land illegal betrieben wurde. Der Energieversorger Tavanir hat nach eigenen Angaben in den letzten 12 Monaten mehr als 212’000 Einheiten illegaler Bitcoin-Miner beschlagnahmt. Die Maschinen sollen dem Energienetz Verluste in Höhe von rund 4 Mrd. USD verursacht haben. Es ist erwähnenswert, dass die illegalen Miner täglich etwa 2’000 bis 3’000 MW verbrauchten, das entspricht inetwa der Hälfte des täglichen Stromverbrauchs der Stadt Teheran.
Die iranischen Beamten sind entschlossen, ihre Probleme mit dem illegalen Kryptowährungs-Mining zu lösen. Zu diesem Zweck griff das Geheimdienstministerium zu einem bisher beispiellosen Schritt – der Anwerbung von Spionen. Ihr Auftrag: Aufspüren und Beschlagnahmen von Computerfarmen, die ohne Genehmigung digitale Vermögenswerte schürfen. Das Ministerium versprach eine attraktive Belohnung für diejenigen, die solche Farmen aufdecken.