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März 2020
DS Bavaria (II) – Bodensee
Nachdem 1911 der bayerische Landtag die finanziellen Mittel für den Ersatz der aus dem Jahre 1869 stammenden «Bavaria» (I) bewilligt hatte, erhielt die Lokomotiv- und Maschinenfabrik J. A. Maffei in München den Bauauftrag. Sofort wurde mit der Vormontage des Dampfers in der Maffei-Werft in Regensburg begonnen. Ende 1911 trafen die einzelnen Elemente per Bahn in Lindau ein. Die Zweizylinder-Heissdampfmaschine und die Kesselanlage wurden von Maffei in München erstellt.
Foto: Die erste «Bavaria» war von 1869 bis 1912 im Einsatz, hier auf einer Ansichtskarte abgestempelt am 3. September 1909.
Am 1. August 1912 konnte die Königlich Bayerische Bodenseedampfschiffahrt die neue «Bavaria» (II) in Dienst stellen. Sie war 58,25 Meter lang, 13,69 Meter breit und für 700 Passagiere zugelassen. Die Jungfernfahrt führte von Lindau zur Insel Mainau. Auf der Rückfahrt feuerten die Heizer die beiden Kessel mächtig ein, so dass die Dampfmaschine beinahe 1’000 PS erreichte und mit 31,2 km/h fahren konnte. Das neue Schiff war damit für längere Zeit das schnellste Bodenseeschiff und bis zur Inbetriebnahme der «Gallia» 1913 wenige Monate der schnellste Raddampfer in Europa.
Foto: Die «Bavaria» (II) im Stilllager in Lindau (1920er Jahre). Der Kamin wird gerusst.
1920 ging die «Bavaria» wie die ganze bayerische Flotte in den Besitz der Deutschen Reichsbahn über. 1932 erfolgte ein grösserer Umbau des Dampfers nach dem Vorbild vom DS Lindau. Während die meisten Raddampfer damals auf der Bodan-Werft in Kressbronn umgebaut wurden, übernahm die Stahl- und Eisenbau GmbH, Deggendorf, die Arbeiten. Im Kriegsjahr 1941 wurden die Löwenwappen an den Radkasten abmontiert und zur Rohstoffgewinnung eingeschmolzen.
Foto: Die «Bavaria» (II) wartet im Jahr 1926 in Lindau auf die Abfahrt.
Um den Befehl «Sämtliche Schiffe sind bei Annäherung des Feindes zu versenken» nicht auszuführen, kam es in der Nacht vom 25. zum 26. April 1945 zur bekannten Internierung der Deutschen Bodenseeschiffe in die Schweiz. Die „Bavaria“ (II) lag in Lindau auf Stapel und musste unbemerkt zu Wasser gelassen werden. Das DS Bludenz schleppte sie nach Rorschach. In der Eile konnte der Kamin nicht aufgesetzt werden und blieb zurück. Am 17. Mai erfolgte die Rückführung in den Heimathafen.
Foto: Stilllager Mitte der 1950er Jahre in Konstanz.
Nach dem Krieg stand der Dampfer im Kursverkehr zwischen Lindau/Bregenz und Konstanz. Mit dabei war die «Bavaria» (II) auch bei der Wettfahrt um das „Blaue Band des Bodensees“ vom 15. Juni 1952. Die Wettfahrten wurden zwei Jahre später wegen fehlendem Interesse der Fahrgäste und zu starker Beanspruchung der Schiffe eingestellt. Ab 1955 teilte sich das Schiff den Schnellkurs zwischen Lindau und Insel Mainau mit dem MS Allgäu.
Foto: Voll besetzt verlässt die «Bavaria» den Hafen von Lindau.
Nach 47 Dienstjahren wurde es am 1. April 1959 aus der Fahrt genommen und stillgelegt. Ein Jahr später wurde die «Bavaria» (II) für einen Schrotthändler nach Konstanz überführt und 1961 in den Monaten Mai bis Juli abgebrochen.
Foto: Am 1. August 1954 auf Sonderfahrt ab Friedrichshafen.