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Universität Zürich Irchel – Der Blaue Platz
«Lenz»
Im Frühjahr 1835 beschäftigte sich Büchner intensiv mit der Biographie von J.M.R. Lenz und seinem vergeblichen Versuch, den ausbrechenden Wahnsinn zu überwinden.
Die Entstehungszeit der Erzählung «Lenz» ist vom Frühjahr 1835 bis zum 1. Januar 1836 anzusetzen. Der Text ist ein Fragment in einem fortgeschrittenen Entwurfstadium.
Lenz gilt als Vertreter der Geniezeit oder Sturm-und-Drang-Periode.
Unter dem Einfluß von J.J. Rousseau (1712-1778) setzt sich im Zusammenhang mit der Aufklärung eine aus dem Bürgertum erwachsene revolutionäre Jugendbewegung durch, deren Gemeinsamkeit im Protest gegen die rationalistischen Tendenzen der Aufklärung bestand. Gegen die einseitige Vorherrschaft der Vernunft stellt man als Ergänzung gleichberechtigt Gefühl, Phantasie, Leidenschaft und Empfindsamkeit. Der Begriff “Herz” entwickelt sich zum Gegenpol der ratio. Ein neues Persönlichkeits- und Ichbewußtsein entsteht, das den Menschen als Individuum anerkennt und in ihm nicht nur das Ergebnis einer genau geplanten Erziehung sehen will. Ein neuer Freundschaftskult, die Betonung von Liebe und Sexualität kennzeichnen diese Epoche. Auch für die Natur wird ein neues, unmittelbares Gefühl entwickelt.
Georg Büchner, Weke und Briefe, dtv München 1988
Lenz, Literaturhistorischer Hintergrund S.517 f