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in: Europäische Zeitschrift für Semiotische Studien, Vol. 7(3-4), 685-692, Wien 1995
In colloquial language the terms "sign", "signal" and "symbol" can have various meanings, which makes their use quite complicated. Since these terms are not anymore used exclusively for interpersonal communication, but also in the context of the so-called men-machine-communication, it becomes practical and necessary to make some clarifications with respect to their definitions. These will on one hand explain some aspects of interpersonal communication and on the other hand demonstrate that one can speak of the men-machine-communication only in metaphorical way.
Die Ausdrücke "Zeichen", "Signal" und "Symbol" sind umgangssprachlich sehr kompliziert besetzt. Seit die Ausdrücke nicht mehr nur im Kontext zwischenmenschlicher Verständigung, sondern auch bezüglich der sogenannten Mensch-Maschine-Kommunikation gebraucht werden, sind einige definitorische Abgrenzungen möglich und nötig geworden, die einerseits bestimmte Aspekte der zwischenmenschlichen Sprache verdeutlichen und anderseits zeigen, dass von einer Mensch-Maschine-Kommunikation nur sehr metaphorisch gesprochen werden kann.
Im Alltag fassen wir etwa Rauch als Zeichen für vorhandenes Feuer oder Morgenrot als Zeichen für kommendes schlechtes Wetter auf. Duden schlägt vor, nicht von Menschen gesetzte Zeichen "Anzeichen" zu nennen, und den Begriff "Zeichen" eingeschränkter, statt für alle Phänomene, die wir interpretieren, für bewusst hergestellte Kommunikationsmittel zu verwenden. Zeichen in diesem engeren Sinne sind produzierte Gegenstände. Ihre (Gegenstands-)Bedeutung ist B abstrakt gesprochen B als Kommunikationsmittel zu dienen. Wir teilen unser Wissen mit anderen Menschen, indem wir es unter anderem mittels Zeichen mitteilen. Wer ein Zeichen produziert, stellt einen materiellen Gegenstand her, der als Symbol benutzt werden kann.
Die Kommunikation zwischen Menschen beruht nicht auf den Zeichen als solchen, sondern auf Symbolen. Weil wir bislang B konstruktiv B keineswegs vollständig begreifen, was wir tun, wenn wir kommunizieren, scheinen Symbole etwas zu leisten, was sie ohne uns mitnichten tun, nämlich aus "innerer Kraft" für etwas anderes zu stehen. Ein Zeichen, "das kraft seiner Gestalt auf etwas ausser ihm Liegendes hinweist, also über sich selbst hinausweist" wird von Duden als eigentliches Symbol bezeichnet. So wären Symbole die Teilmenge der Zeichen, die häufig auch als Indexe und Ikone bezeichnet wird. Symbole sind aber immer vereinbart, wenn auch häufig nur implizit. Selbst Zeichnungen, auf denen jeder sieht, was gemeint ist, können wir zur Kommunikation nur verwenden, weil auch der jeweils andere beim Erkennen der gezeichneten Sache die Striche auf dem Papier als sinnlich wahrnehmbare Form der gezeichneten Sache interpretiert.
Die (Gegenstands-)Bedeutung des Symbols ist ausschliesslich, "für einen Gegenstand zu stehen, der Bedeutung hat", was einschliesst, dass das Symbol auch für ein anderes Symbol stehen kann. Symbole wie "Tisch" oder "Adam" haben keine weitere Bedeutung, als eben "Symbol zu sein". Sie können lediglich auf andere Bedeutungen, oder genauer, auf Gegenstände, die Bedeutung haben, verweisen.
Symbole sind zwar Zeichen, sie sind es aber nicht im Sinne eines inhaltlich gebundenen Unterbegriffes, sondern nur formal; Symbole sind nur in der Weise Zeichen, wie ein vierbeiniger Holztisch nur ein geformtes Stück Holz oder ein "Vierbeiner" ist. Zeichenhafte Symbole sind genau dann das gleiche wie Zeichen, wenn man von ihrer konstituierenden Bedeutung "für eine vereinbarte Bedeutung zu stehen" absieht und B abstrakt B nur das Artefakt, das uns als Symbol dient, betrachtet; wenn man also beispielsweise von einem gedruckten Text nur die Graphitkonstruktion auf dem Papier betrachtet, ohne sich dafür zu interessieren, was sie be-deutet. Wer ein Symbol produziert, intendiert einen von Menschen interpretierbaren Verweis, auch wenn er abstrakt nur ein Zeichen herstellt.
Bevor wir den Gegenstand "Zeichen" genauer definieren, untersuchen wir dessen Funktion in der Kommunikation etwas gründlicher. Der sinnliche Wahrnehmungsprozess beim Lesen von Zeichen beruht nicht darauf, dass Zeichen transportiert werden, wie es etwa der Briefträger tut, sondern auf der Wahrnehmung von Energiestrahlen. Wenn wir Zeichen sehen, nehmen wir in diesem Sinne nicht die Zeichen selbst wahr, sondern Signale, die gewissermassen von diesen Zeichen ausgehen.
In der alltäglichen Sprache ist der Unterschied zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir dabei physikalisch wahrnehmen, aufgehoben. Der Ausdruck "Signal" steht häufig für das Zeichen selbst. Duden schreibt in seiner Grammatik: "Im täglichen Leben und im normalen Sprachgebrauch ist uns dieser Ausdruck (Signal, RT) vertraut im Zusammenhang mit Sicherheitsvorrichtungen verschiedener Art. Man denke an die Fahrtsignale bei der Eisenbahn, Verkehrsampeln (...) Als Signale bezeichnet man auch (...) die Flaggenzeichen bei der Marine. Es handelt sich hier um eine besondere Zeichenart, die auf Lebenswichtiges oder Gefährliches hinweist und ganz besondere Beachtung verlangt". Duden verwischt den für Signal und Zeichen entscheidenden Unterschied zwischen der Signal-Energie, die wir wahrnehmen, und den zeichenhaften Gegenständen, die die Signale strukturieren.
Signale sind kinetische Energie. Wir unterscheiden verschiedene Signalformen, sie können beispielsweise diskret oder kontinuierlich sein. In unserem Zusammenhang ist vor allem die Tatsache wichtig, dass die Information, die über Zeichen vermittelt wird, parallele "Kanäle" gleichzeitig benützt, während beispielsweise ein herkömmliches Telegraphensignal auf einen Kanal beschränkt und zeitlich strukturiert ist. Gedruckte Zeichen nehmen wir als solche wahr, weil das ursprünglich homogene Licht auf den bedruckten "Pixel" anders gebrochen wird als daneben. Wir benutzen dabei parallel pro Pixel einen Kanal.
Alle Zeichen sind materiell gebunden; bestimmte geschriebene Zeichen bestehen beispielsweise aus bestimmt angeordneten Graphitteilchen, die ihrerseits etwa von einem Stück Papier getragen werden. E. Magritte nennt seinen bekannten B im Bild wirklich dargestellten B Versuch, eine Frau zu malen, ohne ein Trägermaterial für die Farbe zu benutzen, Der Versuch des Unmöglichen. Natürlich können Zeichen auch negativ oder invers hergestellt werden, indem sie etwa aus einem Trägermaterial herausgeschnitten werden.
Der Zeicheneffekt beruht energetisch auf zwei unterscheidbaren Grundlagen. Eigentliche Zeichen, also beispielsweise geschriebene oder gedruckte Zeichen geben keine eigene Energie ab, während Zeichen, die wir an einem Bildschirm sehen, beispielsweise durch Elektronenstrahlen angeregte Leuchtstoffteilchen sind, die lumineszieren, also im Bereich des sichtbaren Lichtes strahlen. Eine Zeitung ist auch im Dunkeln voller Buchstaben, aber wir sehen die Zeichen nicht. Die zum Lesen nötige Energie liefert uns eine Lampe oder die Sonne, also eine homogene Energiequelle, deren Strahlen durch die Zeichen strukturiert werden, was man etwa auch an sogenannten Barcodelesern, mit welchen an Kassen im Einzelhandel Warenmarkierungen eingelesen werden, gut nachvollziehen kann. Im Unterschied zum menschlichen Auge verwenden solche Geräte häufig Lichtenergie, die sie selbst 'produzieren'. Die am Bildschirm leuchtenden Zeichen sind dissipative Gegenstände. Sie verlieren ihre Form, wie Kerzenflammen oder Eistorten im Kühlschrank, wenn wir keine Energie mehr zuführen, während kristalline Gegenstände an sich Bestand haben und nur mit Energie zerstört werden können. Leuchtende Zeichen, also auch die Feuerzeichen, die schon die Fernkommunikation von Agamemnon ermöglichten, sind keine Gegenstände im engeren Sinne, und deshalb auch nur metaphorisch gesprochen Zeichen. Wir nennen sie Zeichen, weil sie ausschliesslich dieselbe Funktion erfüllen wie Zeichen, obwohl sie durch eine bereits strukturierte Energie erzeugt werden. Eigentliche Zeichen strukturieren von ihnen unabhängig produzierte Energie.
Wenn wir einen Brief mit einem Bleistift schreiben, sind die objektiven Mittel, die wir einsetzen, sehr primitiv, un-entwickelt. Der abstrakte Schreibvorgang als solcher lässt sich aber ohne weiteres als äusserst komplexer Prozess begreifen, in welchem ein System, das über optische Leser und steuerbare Schreibmechanismen verfügt, den Brief erstellt. In der gleichen Weise lässt sich auch der Empfänger des Briefes reduzieren. Bei ihm werden die durch die Symbole strukturierten Licht-Signale durch die optischen Leser, die wir Augen nennen, in Nerven-Signale verwandelt. Viele uns vertraute Kommunikationsmaschinen übertragen keine Zeichen, die gelesen werden müssen, sondern wie beispielsweise das Telefon Signale, die wir Zeichen zuordnen können. Da jedem Zeichen ein Signal und jedem Signal ein Zeichen zugeordnet werden kann, sprechen wir generell, also auch dort von Zeichen- oder Symbolübermittlung, wo Zeichen nur dazu dienen, Signale zu übermitteln. Wenn wir etwa einen Brief senden, weil wir aus zeitlichen oder örtlichen Gründen nicht sprechen, also keine Signale übermitteln können, sind uns die geschriebenen Zeichen nicht wie etwa bei einem Vertrag als nichtflüchtiger Beweis wichtig. Wir "wandeln" dann die Signale in Symbole um, die beim Lesen des Briefes die gewünschten Signale erzeugen, weil uns kein direkter Kanal für Signale zur Verfügung steht. Das Anliegen ist dabei also nicht primär die gbermittlung eines Symbols, sondern die gbermittlung eines Signales. Der Briefträger übermittelt wirkliche Symbole, wobei die Symbole auf dem Briefpapier keine Funktion wahrnehmen, sondern beim Empfänger als Symbole eintreffen. Erst wenn der Empfänger den Brief liest, werden die Symbole selbst wieder aktiviert.
Uebertragene Symbole heissen unabhängig von ihre Form Nachrichten. Wir sprechen sowohl bei überbrachten Zeichen wie bei übertragenen Signalen von Nachrichten, wenn es sich um Symbole handelt. Wir können nun die Begriffe "Zeichen" und "Signal" noch etwas präzisieren: Zeichen im engeren Sinne sind produzierte Gegenstände mit der abstrakten (Gegenstands-)Bedeutung, "Information zu strukturieren". Zeichen sind Schalter, die als geordnete Pixel homogene Energie strukturieren. Wenn wir sprechen, dienen uns Signale als Symbole, wenn wir schreiben, Zeichen. L.Wittgenstein sagte: *Das Zeichen ist das sinnlich Wahrnehmbare am Symbol".
Die Unterscheidung zwischen Zeichen und Symbol macht natürlich nur Sinn, wenn wir auch Zeichen verwenden, die keine Symbole sind. Genau das tun wir im Umgang mit Computern. Wer mit Computern arbeitet, Programmierer wie Anwender, verwendet Zeichen, um die Maschine zu bestimmten Reaktionen zu veranlassen. Die Zeichen dienen dabei nach dem Prinzip des Barcodelesers (Scanner) ausschliesslich als Schaltstellen fhr Steuerungsenergie in der Maschine. Sie weisen auf nichts und werden vom Computer, der ja nur eine Maschine mit relativ vielen Stromkreisen ist, in keiner Weise interpretiert. Die Computer sind so konstruiert, dass sie auf Signale reagieren, die wir durch bestimmte Zeichen erzeugen können, und zwar völlig unabhängig davon, ob wir in diesen Zeichen Symbole erkennen oder nicht. Die Maschine kennt keine Symbole, sie hat keine Sprache, aber sie zeigt uns, welche Aspekte unserer Sprache zeichenhaft maschinellen Charakter haben.