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Ist Bio-Baumwolle tatsächlich besser als herkömmliche Baumwolle? Was gibt es für verschiedene Bio-Siegel? Wie erkenne ich Bio-Baumwolle? Was bedeutet GOTS? Viele Fragen, die einen einzelnen Blogartikel sprengen würden. In diesem ersten Teil der neuen Blogreihe geht es deshalb um die Fragen, was denn Baumwolle ist und wie sie konventionell produziert wird.
Baumwollanbau
Die Baumwollindustrie war jahrhundertelang die weltweit wichtigste verarbeitende Industrie. “Cotton is King” lautete die Devise. Der geschichtliche Hintergrund der Baumwolle ist geprägt von Enteignung und Versklavung. Auch heute noch steht die Baumwollindustrie im Zentrum einer problembehafteten Agrarwirtschaft.
Die Faser, die wir als Baumwolle bezeichnen, wird vom gleichnamigen Strauch gewonnen. Die Sträucher können von Natur aus bis zu 15 Jahre alt werden, im Anbau zur Gewinnung der Baumwollfasern werden sie aber meist als einjährige Pflanzen kultiviert. Nach der Abernte werden die Pflanzen entweder in den Boden eingearbeitet oder als Brennmaterial verwendet. Die geernteten Samenhaare werden zu dünnen Fäden gesponnen und für Textilien verwendet. Baumwolle wird in über 70 Ländern weltweit angebaut, wobei es klare Vorreiter gibt: China, Indien und die USA sind die grössten Produzenten für Baumwolle.
Vom Rohprodukt zum Faserballen
Die geernteten Baumwollhaare, an denen noch die Samen befestigt sind, werden zunächst etwa 4 Wochen getrocknet. Erst dann werden die Samen von den Fäden getrennt: die Entkörnung. Die langen Fasern (Lint) werden vom restlichen Teil der Grundwolle getrennt. Nur diese langen Fasern sind für die Stoffproduktion tauglich. Die restlichen Fasern werden ebenfalls vom Samen getrennt und beispielsweise zur Papierherstellung, als Filz oder Polstermaterial verwendet. Aus den Samen wird Baumwollsamenöl und Fett für die Herstellung von Seife und Kerzen gewonnen. Die Trennung der langen Fasern von den Samen ist ein sehr aufwändiger Prozess und wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts in mühseliger Kleinarbeit erledigt. Eli Whitney erfand zum Ende des 18. Jahrhunderts die sogenannte Cotton Gin: eine Egreniermaschine, um die Baumwolle zu entkörnen, egrenieren oder ginnen. Diese Erfindung machte den Anbau von Baumwolle in den Südstaaten der USA erstmals profitabel. Zunächst wurden diese Maschinen mit Handantrieb bedient, grössere wurden mit Pferde- oder Wasserkraft betrieben. Nach dem Bürgerkrieg in den USA und dem Ende der Sklavenarbeit ging man dazu über, die Entkörnungs- und Pressanlagen zu zentralisieren, die mit Dampfkraft betrieben wurden. In den 1880er Jahren entstanden dann ganze System-Ginnereien. Die automatische Beschickung der Maschine sowie eine Ballenpresse bedeutete das Ende der vorindustriellen Entkörnung.
Die Entkörnung sowie die Ballenpresse finden auch heute noch maschinell statt. Allerdings herrschen grosse Unterschiede betreffend der Arbeitsbedingungen (siehe zum Beispiel hier). Die entkörnten und zu Ballen gepressten Fasern werden nun zu Spinnereien und Webereien weitertransportiert.
Von den Fasern zum Garn
In den Spinnereien werden die Fasern zuerst von Schmutz und Fettresten gereinigt. Danach werden die Fasern in der Mischkammer bearbeitet. Dadurch wird das Fasergut harmonisiert. Das heisst, dass Baumwollfasern unterschiedlicher Herkunft miteinander vermischt werden. Oder es werden Fasern zur Herstellung von Mischgarnen mit verschiedenen Rohstoffen gemischt (zum Beispiel Baumwolle-Polyester). Auf der Karde werden die Fasern ausgerichtet und parallelisiert. Mehrere Kardenbänder werden zusammengeführt und gestreckt. Zur Herstellung hochwertiger Garne werden die gestreckten Kardenbänder vor der Verspinnung gekämmt.
Die Spinnerei kennt hauptsächlich zwei unterschiedliche Arten: die Ringspinnerei und die Rotorspinnerei. Die Ringspinnerei ist weit verbreitet. Hierbei wird das dünne Faserband um den Faktor 15-80 gestreckt und sofort gleichmässig verdreht. Das Garn wird auf eine Spule gewickelt und der Prozess wird mehrmals wiederholt. Das so entstandene Feingarn wird auf der Ringspinnmaschine zum Ringgarn und ist nun bereit für die Weiterverarbeitung.
Vom Garn zum Stoff
Bevor die Garne zu Stoffen verstrickt oder verwebt werden, müssen sie geschlichtet werden. Es wird ein Schutzfilm auf die Garne aufgetragen, um sie vor Aufspleissen und Durchscheuern zu schützen und sie reissfest und geschmeidiger zu machen.
In der Weberei und Strickerei werden die Garne zu Stoffen verarbeitet. Ein gewebter Stoff besteht aus rechtwinklig zueinander gekreuzten Fäden, den Kett- und Schussfäden. Beispiele für gewebte Stoffe sind Baumwollpopeline, Musselin, Chiffon und Satin. Gestrickte Stoffe bestehen aus gestrickten Maschen, die durch Fadenumschlingungen erzeugt werden. Zu den Strickstoffen gehören Jersey, Fleece, Nicki und Plüsch. Die fertig gewebten Strick- und Webstoffe werden veredelt, gebleicht und gefärbt. Je nach Verwendung der Stoffe kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz. Zum Ende erfolgt die Qualitätskontrolle. Die Stoffbahnen werden in versandfertigen Stücken bereitgestellt und werden in der Textilindustrie und in privaten Haushalten verarbeitet.
Beim Verfassen dieses Artikels ist mir bewusst geworden, wie spannend die Geschichte der Baumwolle ist und wie weitreichend die Konsequenzen der Globalisierung sind. Im nächsten Artikel zur Reihe Baumwolle kannst Du lesen, wie problematisch der konventionelle Baumwollanbau ist und wo sich die Tücken verbergen. Dir hat dieser Artikel gefallen? War etwas dabei, das Dich erstaunt oder überrascht hat?