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Dunkelheit und Finsternis assoziert der Volksmund meist mit dem Bösen. Wer kennt nicht die finsteren Gestalten, die dunklen Gedanken, ungemütlich ist die düstere Hölle und schwarz sind die Tage, in denen grosses Unheil geschieht. So mögen wir doch lieber die Helligkeit des Lichts, denn sie versinnbildlicht das Leichte und das Gute. Der Gegensatz zwischen Gut und Böse resultiert kulturgeschichtlich aus religiösem Gedankengut. Dazu gehört auch die verkündete Weltschau des altiranischen Propheten Zarathustra.
Zarathustra gebar in eine Zeit, wo Feuer heilig war und man im Kampf gegen die Finsternis Feuerheiligtümer errichtete, um das Feuer zu bewahren. Die genauen Lebensdaten des alten Lehrers sind wissenschaftlich umstritten. Sie sind im zweiten oder ersten Jahrtausend vor Christus angesiedelt jedoch vor der Gründung des Buddhismus und des Judentums. Zarathustra ist der überlieferte Begründer einer neuen Glaubenslehre, dem Zoroastrismus, welche zur Religion der alten Iraner erkoren wurde. In seinen Gesängen, den Gathas, beschreibt der Prophet als wahrscheinlich erster den sogenannten Engelssturz. Dieser ist religionshistorisch und kulturgeschichtlich sehr bedeutend, weil er die endgültige Trennung der Finsternis vom Licht zur Folge hatte.
Ahura Mazda, der allein herrschende, allmächtige und allwissende Schöpfergott hatte zwei Söhne. Es waren Zwillinge, beide als Lichtgestalten geboren. Der „Heilige Geist“ Spnta Mainyu und der „Böse Geist“ Ahriman lebten in der geistigen Welt friedlich zusammen, bis sie eines Tages aneinandergerieten. Es kam zu einem Kampf und Ahriman, der „Böse Geist“, wurde samt seiner Engels-Gefolgschaft aus den himmlischen Höhen verstossen und in die tiefen Abgründe der Hölle gestürzt. Seit diesem Ereignis kennt die Welt den Dualismus Licht und Finsternis, damit einhergehend die schmerzhafte Trennung zwischen Gut und Böse.
Auch das Christentum kennt den Engelssturz. Der abtrünnige Erzengel Luzifer wird mit dem Satan verbunden, nachdem er von Gott in die Hölle gestürzt wurde. Luzifer, ein überlieferter Träger des Lichts, lehnte sich gegen die himmlische Welt auf und wurde dafür bestraft. Das Licht, das Gute, hatte damit über das Böse gesiegt. Wohl deshalb besteht die Lebensaufgabe in der abendländischen Kultur darin, die Finsternis, das Böse, zu überwinden und ins Licht kommen. Eine Tatsache, die uns Menschen gerne dazu verleitet, das Dunkle auszublenden und nur Augen für das Licht zu haben. Vielleicht ist es aber wirksamer, das Gute und Böse nebeneinander und möglichst gleichwertig anzuschauen. So wie damals vor dem Engelssturz, als Licht und Finsternis noch im geistigen Licht vereint waren. Immerhin besteht so die Möglichkeit, dass das Leben intensiver und erfüllender wird. Denn wenn Tag und Nacht sich die Hände reichen, verfärben sich Himmel und Erde auf eindrückliche, wenn nicht sogar auf bezaubernde Art und Weise.