Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03225.jsonl.gz/2451

Heimatmuseum Schwarzbubenland
Das Museum ist vom 1. Sonntag nach Ostern bis zum letzten Oktobersonntag jeweils am Sonntag von 15.00 - 17.00 Uhr geöffnet. An Pfingsten, am Bettag und an allgemeinen Feiertagen bleibt es geschlossen. Gruppenbesuche mit Führungen sind auch an Werktagen möglich. Das Museum kann auch für Konzerte, Apéros oder Vereins- und Familienfeste gemietet werden. Auskunft erteilt Herr Dr. Hans Voegtli, Tel. 061 272 75 44. Besuchen Sie auch den wunderschönen Rosengarten der Rosenfreunde beider Basel auf der Südseite des Museums.
Stiftung Heimatmuseum
Die Anstrengungen zur Errichtung eines Heimatmuseums Schwarzbubenland reichen weit zurück. Der Initiative von Dr. Otto Kaiser (1886-1979) ist es hauptsächlich zu verdanken, dass durch einen Regierungsratsbeschluss vom 12. Juli 1940 eine "Stiftung Heimatmuseum Schwarzbubenland" mit Sitz in Dornach gegründet werden konnte. Der Kanton Solothurn erwarb denn auch die alte St.-Mauritius-Kirche für den symbolischen Betrag von Fr. 5'000.- von der katholischen Kirchgemeinde. Wegen der Kriegszeit konnte erst 1946 ein engerer Ausschuss, die Museumskommission, gegründet werden. Ihm gehörten Dr. Otto Kaiser, Dr. Ernst Baumann, Dr. Richard Boder, Dr. Pierre Pobé, Architekt Vinzenz Bühlmann, Albin Fringeli, Hugo Kunz und Walter Pflugi an. Damit die Restaurierung der Kirche und die Umwandlung in ein Museum vorangetrieben werden konnten, wurde eine Sammelaktion bei der Bevölkerung des Schwarzbubenlandes durchgeführt. Mit der erfreulichen Summe von Fr. 20'100.- sowie einem Zustupf des Kantons aus dem Lotteriefonds von Fr. 10'000.- konnte die erste Bauetappe in Angriff genommen werden.
Auf Initiative von Dr. Otto Kaiser und Dr. Ernst Baumann wurde am 2. Februar 1947 die Vereinigung der "Freunde des Heimatmuseums Schwarzbubenland" gegründet. Sie bezweckt die Förderung des Museums sowie die Erforschung der Geschichte und Volkskunde der Amtei Dorneck-Thierstein. Am 11. Juni 1949 konnte das Museum feierlich eröffnet werden.
In den Jahren 1975 - 1977 wurde das Heimatmuseum einer grösseren Sanierung unterzogen (Glasfenster und Fassade). Die Kosten von Fr. 192'000.- konnten dank der finanziellen Unterstützung des Kantons, verschiedener Bürgergemeinden, der römisch-katholischen Kirchgemeinde, der Dornecker und Thiersteiner Gemeinden, von Industrie, Gewerbe und Banken, Vereinen und Privaten sowie einem im Jahr 1972 organisierten Dorffest gedeckt werden.
Das Museum ist das grösste seiner Art in der ganzen Amtei und in der Region. Unterstützt werden die Bestrebungen durch die jährlichen Beiträge der 23 Schwarzbubengemeinden mit einem Beitrag von 20 Rappen pro Einwohner und Einwohnerin. Das ergibt jeweils einen Betrag zwischen Fr. 7'000.- und Fr. 8'000.-. Finanzielle Beiträge leisten auch die "Freunde des Museums" und die Magdalenenzunft. Die Gemeinde Dornach übernimmt seit ein paar Jahren die Pflege der Aussenanlagen. Mitglieder der Magdalenenzunft besorgen den Hütedienst während der Öffnungszeiten. Mehrmals haben in der Vergangenheit Mitglieder des Zivilschutzes während ihres Wiederholungskurses Unterhaltsarbeiten ausgeführt. Pro Jahr besuchen etwa 2'000 Personen das Museum.
Am 1. Februar 1997 konnte im Engelsaal in Anwesenheit von viel Prominenz das 50-jährige Bestehen der "Vereinigung der Freunde des Heimatmuseums" gefeiert werden.
Ebenfalls im Jahr 1997 wurde beschlossen, die beiden bisherigen Wagenschöpfe abzureissen, und sie durch einen modernen Bau mit Flachdach, der mehr Platz bietet, zu ersetzen. Ohne die Beteiligung von Sponsoren, Gönnern, Beiträgen der Gemeinden des Schwarzbubenlandes und des Lotteriefonds hätte aber das Projekt nicht realisiert werden können. Ein grossartiges Dorffest vom 27.-29. August 1999 zu Gunsten des Museums brachte zudem einen Reingewinn von Fr. 149'000.- ein.
Im Sommer 2002 stand erneut eine Aussenrenovation des Museums an, da Teile des Verputzes - besonders auf der Westseite des Turms - abgefallen waren. Nach dieser Aussenrenovation wird auch der Ausstellungsraum im Innern umgestaltet werden.
Baugeschichte der ehemaligen katholischen Pfarrkirche St. Mauritius
Die Anfänge der Dorfkirche reichen vermutlich ins frühe Mittelalter zurück. Urkundlich erstmals erwähnt wird sie im Jahre 1301. Im Schlachtholzschnitt um 1500 besitzen wir ein selten frühes Bilddokument, das die spätgotische Kirche mit seitlichem Käsbissenturm wiedergibt. Erste Baunachrichten sind von 1685 belegt, als Reparaturen ausgeführt wurden, ebenso 1720. 1784 wurde ein neues Schiff gebaut, in den Dimensionen, wie wir sie heute noch kennen. P. A. Pisoni, der auch den Neubau der St.-Ursen-Kirche in Solothurn leitete, gestaltete das frühklassizistische Portal im Westen. Die Längsseiten des Schiffs sind gegliedert mit je vier hohen Rechteckfenstern. Für den dreiseitig geschlossenen Chor wurden die alten, schon vor 1784 bestehenden Masse beibehalten. Darum wirkt er heute stark eingezogen gegenüber dem Schiff, das vor dem Umbau dieselbe Breite hatte wie der Chor. Vier Lanzettenfenster belichten den Chor, darüber erhebt sich ein pyramidenförmiges Dach. Vom Chor führt eine spitzbogige Türe zum Turm. Auf der linken Chorseite ist ein spätgotisches Sakramentshäuschen eingelassen, darüber ein stichbogiger Reliquienwandschrank mit Eisenflügeln. Auf der Innenseite sind ein schön verziertes Schloss und eine ausführliche Dedikation (Widmung) und Stifterinschrift, die eine präzise Datierung zulässt: 1699.
Beim Umbau der Kirche in ein Heimatmuseum kamen 1945/46 im Chor verschiedene Schichten figürlicher Wandmalereien zum Vorschein: An der Südseite steif gemalte Szenen von 1597 (Kreuzigung und Kreuzabnahme), zweifellos nach Holzschnittvorlagen des 15. Jahrhunderts, gestiftet von Hans Gibelin, Landvogt auf Schloss Dorneck 1593-1599.
Zwischen den Chorfenstern befinden sich Einzelfiguren: Ecce homo, Mauritius, Maria mit dem Kind. Die Nordseite des Chors enthielt zwei Malschichten. Die ältere konnte frag-mentarisch hervorgeholt und teilweise ergänzt werden; sie zeigt fünf Engel mit Baldachin. Daneben die wohl von 1699 stammende Darstellung der Verkündigung in einer perspektivischen Bogenarchitektur.
Rundgang durch das Heimatmuseum
Das Heimatmuseum Schwarzbubenland enthält folgende Gegenstände:
- die Statue des heiligen Nepomuk
- archäologische Funde der Gegend
- volkskundliche Geräte
- natur- und wirtschaftsgeschichtliche Sammlungen und Dokumentationsmaterial zur Dornacher Schlacht.
Beginnen wir im Chor:
In der Mitte steht der heilige Nepomuk, die Originalstatue von der Birsbrücke. Sie wurde im Auftrag des Arlesheimer Domkaplans Kehl aus rotem Sandstein gehauen und 1735 mit Erlaubnis der Solothurner Regierung auf der Brücke aufgestellt. Der Brückenheilige in Chorhemd, Kanonikerpelz und Biret betrachtet hingebungsvoll das Kruzifix. Das barocke Werk überstand den Brückeneinsturz vom 13. Juli 1813 unversehrt, so dass es wieder auf die neue Brücke gestellt werden konnte, wo es bis 1939 blieb. Seither ziert eine Kopie des Solothurner Bildhauers Jean Hutter den Birsübergang.
Ebenfalls im Chor steht der sogenannte Büsseracher Altar. Die Altartafeln befanden sich ursprünglich im Chor der alten, 1951 abgebrochenen Pfarrkirche in Büsserach. Sie wurden bereits 1910 an die Gottfried-Keller-Stiftung verkauft und befanden sich dann im Kunstmuseum Basel. Die beiden Altarflügel sind beidseitig mit Heiligendarstellungen versehen: auf der Vorderseite die Heiligen Antonius und Christophorus, auf der Rückseite St. Sebastian und das Martyrium der 10'000 Ritter. Wahrscheinlich sind es Werke, die unter dem Einfluss von Hans Holbein dem Jüngeren entstanden sind.
An der Südwand des Chors ist eine Kopie des Sarkophag-Deckels des Grabmals Rudolf von Thierstein (gestorben 1318) aus dem Basler Münster aufgestellt. Rudolf war Pfalzgraf und Domherr in Strassburg. Er vermachte der St. Mauritius-Kirche in Dornach als einer der ersten Stifter einen Betrag zur Anstellung eines ständigen Vikars.
Ebenfalls auf der Südseite des Chors sind fünf Glocken aufgestellt:
- die grosse Dornacher Glocke, auch Johannes-Glocke genannt; sie dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen;
- die Bättwiler Glocke wurde durch Meister Laurentz Pfister 1586 in Basel gegossen;
- die St. Magdalena-Glocke wurde 1805 von Friedrich Weitnauer in Basel gegossen für die St. Magdalena-Kapelle in Dornachbrugg, die 1874 dem Bahnbau weichen musste;
- die kleine Kleinlützler Glocke ist die älteste und wertvollste der ausgestellten Glocken. Vermutliche Entstehungszeit: Ende des 13. Jahrhunderts oder um 1300. Damit ist sie die älteste erhaltene Glocke im Kanton Solothurn. Die kleine Kleinlützler Glocke ist ein Geschenk der Schlossfabrik Kleinlützel an das Heimatmuseum;
- die Dornacher Schulglocke, von Maria Vögtli und Vinzens Schädel 1871 gestiftet, hängt an der Wand hinter den andern Glocken.
Wir setzen den Rundgang im Kirchenschiff fort:
Hier stossen wir auf den um 1470 entstandenen spätgotischen Taufstein, der als der älteste datierbare im Kanton Solothum gilt. Die schlichte und klare Steinmetzarbeit ist in rotem Sandstein ausgeführt. Aus der quadratischen, geschweift ansteigenden Basis wächst der übereckgestellte, viereckige, über einem Sockelprofil eingezogene Stamm, der zum Achteck übergeht und sich zur Schale mit profiliertem Rand weitet. Auf zwei Seiten finden sich, einander zugekehrt die Wappenschilder der Efringer (zwei abgekehrte Angeln) und der Salzmann (schreitender Löwe). Das Wappen der Efringer ist heute sowohl das Wappen der Gemeinde Dornach als auch des Bezirks Dorneck.
In der Burgenecke befinden sich in Vitrinen die Modelle der Burgen Dorneck und Thierstein, ergänzt durch eine Burgenkarte des Schwarzbubenlandes und der angrenzenden Region. Die ausgestellten Fundstücke aus den Ruinen Dorneck, Thierstein, Gilgenberg, Sternenfels ob Büren, Hilzenstein, Rotberg und Blauenstein beschränken sich auf zufällige Funde wie Armbrust-Pfeilspitzen, Lanzenspitzen, Kachelofen-Teile, Schlüssel und Mörser. Bildliche Darstellungen ergänzen das Gezeigte.
Die vordere linke Ecke des Kirchenschiffes ist dem Andenken an die Schlacht bei Dornach, 22. Juli 1499, gewidmet. Zehn Langspiesse, vier Halparten und je eine Armbrust aus dem 15. und 16. Jahrhundert geben dem Betrachter ein ungefähres Bild über die Ausrüstung der Krieger zur Schlachtzeit. Ein Schädel mit deutlichen Schwerthiebspuren erinnert eindringlich an den Kampf. Rund ein Dutzend Gewehre wollen die Entwicklung der Feuerwaffen aufzeigen. Ergänzt wird die Ausstellung von einem nicht zur Ausführung gelangtem Denkmalentwurf.
Im Heimatmuseum befinden sich auch Grab und Epitaph des Mathematikers und Philosophen Pierre Louis Moreau de Maupertuis. Zu seinen Lebzeiten war er allerdings nie in Dornach, häufig jedoch in Basel bei seinem Freund Johann Bernoulli, wo er als Gast am 27. August 1759 verstarb. Er wünschte, in "katholischer und neutraler Erde im Kanton Solothurn" begraben zu werden. Maupertuis wurde 1698 in St. Malo geboren. Zusammen mit dem Schweden Celsius (Thermometer) leitete er in Lappland eine Expedition zur Vermessung des Erdmeridians. Maupertuis hat auch die Grundlagen für unser heutiges Metermass geschaffen. Das von Bernoulli bestellte und vom Dornacher Steinmetzen Jakob Umher geschaffene Epitaph muss beim Kirchenumbau von 1784, wohl aus Unwissenheit, verloren gegangen sein, was R. GIutz-Blotzheim 1823 feststellte. Die Regierung liess von Urs Josef Sesseli 1826 eine neue Erinnerungstafel erstellen.
Der Natur- und Vogelschutzverein Dornach zeigt in zwei Vitrinen präparierte Vögel und Tiere, darunter selten gewordene oder bereits verschwundene Arten. Wenn es gelingt, sie wieder heimisch zu machen, werden sie im Museum überflüssig sein.
Aus der Amanz Gressly-Sammlung besitzt das Heimatmuseum zahlreiche Versteinerungen aus dem Solothurner Jura, die der junge Gelehrte aus Bärschwil (1814-1865) zusammengetragen hatte und die Grundlage für sein berühmtes Werk "Observations géologiques sur le Jura soleurois" bilden.
Die urgeschichtlichen Funde sind nebenan ausgestellt. In Dornach werden Funde aufbewahrt, die 1948-1950 von W. Kellenberger und Th. Schweizer in der Kastelhöhle im Kaltbrunnental ausgegraben wurden. Es konnten damals drei altsteinzeitliche Fundzonen unterschieden werden. Die untere Fundzone lieferte Funde aus der Mittleren Altsteinzeit, die mittlere und obere Fundzone solche aus der Jüngeren Altsteinzeit, unter anderem Messer, Schaber, Stichel, Bohrer, Klingen und - besonders schön - Knochennadeln mit eingebohrtem Öhr.
Daneben sind Funde aus der Jungsteinzeit ausgestellt, unter anderem sorgfältig gearbeitete Steinbeile. Aus einem frühlatènezeitlichen Grab, das 1920 in Dornachbrugg zum Vorschein kam, stammen ein bronzener, schön ziselierter Scheibenhalsring und sieben Bronzefibeln. Sie gehören alle in die Zeit um 320 v. Chr. Die Römerzeit ist mit Funden aus Dornach und Himmelried vertreten: Ziegelstücke, Amphorenhals, Rebmesser. Aus dem frühen Mittelalter stammt eine prachtvolle eiserne, mit Silberornamenten verzierte Gürtelschnalle.
In der neuen Ausstellungshalle befinden sich Fahrzeuge, landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge der Handwerker. Ins Beinhaus mit Sarkophag kamen 1954 die Schädelknochen zu liegen, die im ehemaligen Schlachtdenkmal waren. Östlich des Chors befindet sich zudem das Grab der "Helden von 1499".
In der südlich einspringenden Ecke sind zwei Gedenktafeln angebracht, eine für den Pfarrer Josef Probst, 1788-1871, und eine für den Museumsgründer Dr. Otto Kaiser, 1886-1979.
Eine weitere Gedenktafel befindet sich an der Westseite der Kirche. Sie erinnert an den im Sonderbundskrieg 1847 gefallenen Peter Kunz.