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Poncione Grandinagia (2831 m) und Markhorn (2963 m)
Am 17. August 1895 hatten wir nach cirka 3stündigem Steigen von All'acqua im Bedrettothal aus über Val Dolgia den Passo Grandinagia ( Blatt Gotthard ) ( cirka 2650 m ) erreicht. Hier mußten wir uns entschließen, was weiter zu thun sei, aber erst nach einem Frühstück, dem dritten an diesem Tage, und nach einer längern Unterhandlung gelang es uns, für den Punkt 2831 direkt südlich vom Grandinagiapaß uns zu einigen. Diesem Punkt ist im „ Climbers Guide for the Lepontine Alps " der Name Poncione Grandinagia beigelegt; in All'acqua und auch bei den mit der Gegend bekannten Jägern heißt er Poncione Cavagnoli. Dieser Name steht auf der Siegfriedkarte ( Blatt 491, Gotthard ) an einer andern Stelle, nämlich am Valeggia-Gletscher bei einer Spitze ohne Höhenzahl, offenbar in Anlehnung an Valle Cavagnolo, welches Thal sich von der Spitze gegen All' acqua hinunterzieht. Der Name Poncione Cavagnoli gehört aber entschieden an den Cavagnoli-Gletscher und zu dem Punkt südlich vom Grandinagiapaß.
Hätten wir schon tiefer unten die Absicht gehabt, den besagten Poncione zu besteigen, so hätten wir nicht auf die Paßhöhe zu gehen brauchen; wir hätten schon vorher nach Süden abzweigen und unserem Ziel von Südwest beikommen können, auf dem Weg, den wir nachher zum Abstieg benutzten. Wahrscheinlich haben wir aber so einen neuen Aufstieg ausgeführt. Östlich vom Paß ist ein kleines Gletscherchen, immerhin reicht es bis an den Ostgrat von 2831. Seinem Westrande folgten wir und stiegen gegen den Scheitel des Winkels, den Nord- und Ostgrat bilden. Die Felsen der Nordwand am Ostgrate, die wir nun betraten, waren nicht steil, aber außerordentlich brüchig und nur mit großer Vorsicht zu benutzen. Wir stiegen dann aus der Wand auf den etwas solideren Nordgrat und erreichten etwa um 12 Uhr den Gipfel. Wir hatten für die nicht ganz 200 m von Paß zur Spitze 11k Stunden gebraucht, ein Zeitaufwand, der durch die schlechten Felsen und das harte Eis des Gletscherchens verursacht wurde.
Der Gipfel trägt einen fast 2 m hohen, schön aufgeführten Steinmann, der von Ingenieuren errichtet wurde. Der Berg bot eine prachtvolle Aussicht, namentlich auf die nördliche Thalseite und die Berneralpen, gegen Süden hinderten aufsteigende Nebel den Ausblick. Auf dem gegenüberliegenden Punkt 2923 sahen wir unsere beiden Kameraden ( siehe oben pag. 134 ), die sich unterhalb des Passes von uns getrennt hatten. Eine Stunde blieben wir auf dem Gipfel, dann stiegen wir ganz leicht nach Südwest zum Cavagnoligletscher ab und stillten dort an einem Wassertümpel unsern Durst, denn die mitgeführte Limonade war längst ausgetrunken.
Um einen früher verlorenen Tag wieder einzubringen, beschlossen wir, noch etwas auszuführen, und zwar entweder in die Bouchetta Val Maggia zu steigen oder das Markhorn zu besuchen. Dieser Name kommt nach der Siegfriedkarte ( Blatt 495, Basodino ) dem Punkt 2963 westlich vom Cavagnoligetscher zu. Wir vorfolgten den Nordrand des Gletschers bis unter Punkt 2923, an dem unsere Freunde eben herunterkletterten, dann überquerten wir den Firn gegen das Markhorn hin. Nach einer kurzen Kletterei über leichte Felsen erreichten wir dasselbe IV2 Stunden nach Abgang vom Punkt 2831. Auf dem Gipfel fand sich ein Steinmann vor. Der an der Westwand herumkriechende Nebel vereitelte den projektierten Abstieg gegen den Giacomopaß, und so kehrten wir, nach einer Stunde Aufenthalt, auf demselben Wege an den Fuß von Punkt 2831 zurück, überschritten den östlichen Formazzorapaß ( zwischen Punkt 2923 und Punkt 2831 ) d kamen um 5 Uhr zu den Hütten von Val Dolgià. Unter Singen und Johlen wurde All' acqua erreicht, wo sich unsere beiden Kameraden bereits dem auf unsern Touren sonst streng verpönten Alkohol in die Arme geworfen hatten.
Zum Schlüsse noch die Bemerkung, daß die Karte jener Gegend, sowie der nördlichen Thalseite, einer gründlichen Revision dringend be-darf.JE. Amberg ( Sektion Utö ).