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Die Verkehrskadetten entstanden in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts aus den vormilitärischen Kadettenorganisationen. Währenddem vormilitärische Kadetten heutzutage praktisch ausgestorben sind, boomen die Verkehrskadetten nach wie vor. Auch haben sie mit den "Militär-Kadetten" praktisch nichts mehr zu tun.
Mit dem grossen Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg nahm auch der Individualverkehr massiv zu. Leider wurde die Sicherheit nicht angepasst. So war die Anzahl Todesfälle im Strassenverkehr massiv höher als heute. Auch waren die Strassen den neuen Anforderungen kaum gewachsen, das Autobahnnetz erst in wenigen Grundzügen erstellt. Neben einem Ausbau der Infrastruktur (neue Strassen, Ampeln, etc.) benötigte es auch zusätzliche Verkehrshelfer. Auf der anderen Seite forderten die damaligen Jugendlichen nach mehr Verantwortung. So war es naheliegend, die beiden Elemente zu kombinieren – die Verkehrskadetten waren geboren (die zündende Idee hatte der "VK-Vater" Heinrich Guggenbühl).
Das "Pfingstwunder von Wetzikon" 1970 sollte den Verkehrskadetten endgültig den Durchbruch verschaffen: Beim ersten Popfestival rechnete man mit 14‘000 jugendlichen Besuchern und 7'000 Autos. Weil es zuvor im Ausland an solchen Veranstaltungen Krawalle gegeben hatte, wollte die Polizei nicht in Erscheinung treten, um die Jugend nicht zu provozieren. Die Polizei klopfte bei den Verkehrskadetten an. Und die wollten. Es gab keinen Stau und keinen Krawall. Die Polizei hatte sich im Hintergrund bereit gehalten, musste aber nicht ausrücken. Damit war bewiesen, was Jugendliche zu leisten vermochten.
Das Pfingstwunder von Wetzikon hatte auch ein Funktionär der Verkehrswacht Düsseldorf (Deutschland) beobachtet. Der Mann war derart begeistert, dass er später mit 45 Mann in einem gecharterten Flugzeug anreiste. Der Oberstadtbaudirektor, das ganze Polizeikorps, alle wollten sich informieren. Ein Mordsrummel. 1972 entstand in Düsseldorf die erste deutsche Abteilung. In Deutschland gibt es inzwischen etwa 20 Abteilungen.
Auch ziemlich abenteuerliche Aufgaben gehörten in der Gründerzeit zu der Arbeit der Verkehrskadetten: Wenn irgendwo ein schwerer Unfall passiert war und Tote auf den Strassen lagen, mussten Verkehrskadetten oft auch Kinder betreuen, deren Eltern tot oder schwer verletzt waren. Solche Einsätze sind heute nicht mehr denkbar. Auch nicht jener in der Ostschweiz Ende der 1970er Jahre, als Verkehrskadetten zusammen mit der Polizei auf der Suche nach einem vermissten Knaben die Landschaft durchkämmten. Der Bub wurde nie gefunden.
Die VK-NWS arbeiten nicht gewinnorientiert, um unseren Aufgaben allerdings nachgehen zu können, bezahlen Auftraggeber einen kostendeckenden Preis für unsere Dienstleistungen. Unsere Einsätze sind auch unsere Haupteinnahmequelle, die durch Mitgliederbeiträge und gelegentlich Spenden komplementiert wird. Wir erhalten keinerlei Subventionen!
Besonders in den letzten Jahren ist dieser Punkt sehr wichtig geworden: Die VK-NWS setzen sich aktiv für die Jugend ein: Im Verein werden Kameradschaft und Geselligkeit hoch geschätzt. Wir bieten jedem Neumitglied die gleichen Chancen – unsere Mitglieder schätzen und nutzen dies. Schon früh erlernen sie, Verantwortung zu übernehmen: Für sich, für Kollegen und schliesslich auch für Dritte im Einsatz. Bewährte VKs können sich bei uns zu Führungskräften weiterbilden lassen und erlernen dabei praktische auch im Berufsleben einsetzbare Führungsqualitäten, die gleich auch ausprobiert werden können. Unseren Beitrag zur Suchtprävention leisten wir dadurch, indem in unserem Verein eine positive Atmosphäre herrscht, die komplett ohne Suchtmittel auskommt. Wir leisten somit einen wertvollen Beitrag zur Integration Jugendlicher in die Gesellschaft.
Die Verkehrskadetten versuchen also primär, Menschen zu helfen. Im "normalen" Einsatz mag es merkwürdig klingen, dass nun "notleidenden, verunfallten oder hilfsbedürftigen Menschen" geholfen wird. Doch hilfsbedürftig sind die Automobilisten an unseren Einsätzen allemal. Sei es, ihnen einen Parkplatz zuzuweisen, ein Verkehrschaos zu lösen oder eine Umleitung zu erklären, die ihnen den Heimweg ermöglicht, immer helfen Verkehrskadetten. Deswegen ist es auch mit der Verkehrskadettenidee nicht vereinbar, Strafen (Busszettel) auszuteilen.
Bei Katastrophen kommen diese Grundsätze besonders zum Tragen. Glücklicherweise geschieht dies nur selten. Der Einsatz ist in diesen Fällen meistens ehrenamtlich, also nicht entschädigt.
"Die VK-NWS richten sich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben nach den Grundsätzen des Roten Kreuzes und stellen sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in den Dienst Not leidender, verunfallter und hilfsbedürftiger Menschen, ohne Ansehen der finanziellen Leistungsfähigkeit, der sozialen Stellung, der Nationalität, der Rasse, des Glaubens oder der politischen Überzeugung." (Art. 3 Statuten)
"Die VK-NWS helfen überall da, wo durch Einsatz ihrer Mittel Leben, Gesundheit und Mobilität von Mitmenschen erhalten, geschont oder geschützt werden können. In diesem Sinne übernehmen sie Einsätze im Verkehrsdienst jeglicher Art.
Bei Verkehrsunfällen, Unglücken und Katastrophen stehen die VK-NWS den Behörden, der Polizei, der Feuerwehr, dem Sanitätsdienst und dem Katastrophenschutz im Rahmen ihrer Möglichkeiten, entsprechend ihrer Ausbildung und ihrem Zweck unentgeltlich zur Verfügung. In diesem Sinne übernehmen die VK-NWS bis zum Eintreffen ordentlicher Rettungskräfte die Ersthilfe an einem Unglücksort. Die VK-NWS sind jedoch keine Alarmorganisation für die Erstrettung, sie können zur Unterstützung oder Ablösung der Erstretter in einem zweiten Schritt aufgeboten werden.
Die VK-NWS arbeiten möglichst eng mit den am Strassenverkehr und dem Rettungswesen interessierten Organisationen, den Behörden sowie dem Militär und dem Bevölkerungs- / Zivilschutz zusammen. " (Auszug aus Art. 5 Statuten)