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Tiefere Stimmen sind wieder im Trend
George Clooney, Johnny Cash, Barack Obama oder Ivan Rebroff: Tiefe Männerstimmen haben eine besondere Wirkung, denn diese Bässe sorgen für Erregung und klingen sexy. Der sonore Bass suggeriert Stärke. Eine neue Studie kam kürzlich sogar zu dem Ergebnis, dass eine richtige Männerstimme massgeblich für einen guten Karriereerfolg verantwortlich ist.
An der "Pennsylvania State University" beschäftigte sich die Forschergruppe von David Puts mit den Wirkungen von 258 Frauen- und 175 Männerstimmen auf heterosexuelle Probanden. Zu messen war dabei, dass tiefe Männerstimmen eine Art einschüchternden Effekt auf die männlichen Zuhörer ausübten, der deutlicher hervortrat, als beispielsweise eine attraktive oder gar aufregende Wirkung auf die weiblichen Probanden. Darüber hinaus wiesen die Wissenschaftler nach, was schon jeder ahnte, dass ein direkter Zusammenhang besteht zwischen dem Cortisol- und Testosterongehalt im Blut (männliche Hormone) und der Stimmlage eines Mannes.
Bei den Stimmlagen der Frauen zeigte sich im Widerspruch zu älteren Studienresultaten kein eindeutiges Ergebnis im Hinblick auf bestimmte Frequenzen, die von den männlichen Probanden als besonders attraktiv empfunden worden sind, und es konnte auch keine hormonelle Korrelation festgestellt werden.
In der Biologie ist der evolutionäre Vorteil tiefer Stimmen schon lange bekannt. Der Wissenschaftler Casey Klofstad konstatiert in einer Studie aus dem Jahre 2011, dass vor allem das Testosteron dafür verantwortlich ist, dass Männer mit tiefen Stimmen grösser, aggressiver und körperlich kräftiger sind. An der "Fuqua School of Business" in North Carolina wurde kürzlich eine neue Studie veröffentlicht, in der es heisst, dass auf Männer mit tiefen Stimmen deutlich bessere Karriereaussichten warten. In der Folge liegen nun Stimmtrainings voll im Trend.
In Zürich gibt es die Stimmschule "Stimmwerk", und die dort tätige Stimmtrainerin Ana Djordjevic bestätigt, dass dort in den letzten 5 Jahren das Interesse am Antrainieren einer tiefen, männlichen Stimme um ein Vielfaches angestiegen ist. Als mögliche Ursache vermutet sie einen immer weiter wachsenden Erfolgsdruck, der auf den Männern so sehr lastet, dass sie inzwischen bereitwillig an ihrer Stimme arbeiten, um diesem gerecht zu werden.
Erich Stoll ist ein Stimmenexperte mit einer Praxis in Bern. Er drückt es so aus, dass beim ersten Kontakt die Wirkung einer Botschaft zu knapp 40 % von der Stimmlage und nur zu ca. 7 % von ihrem Inhalt beeinflusst ist. In der Konsequenz werden in den USA sogar sogenannte "Stimm-Liftings" angeboten, dabei handelt es sich immerhin um Operationen an den Stimmbändern. Diese Art der operativen Eingriffe gibt es auch in der Schweiz, allerdings weist der leitende Arzt der "Phoniatrie" am Inselspital in Bern, Dr. Eberhard Seifert, darauf hin, dass es sich bei seinen Patienten meistens um Transsexuelle, Frauen mit zu tiefer Stimme oder ältere Menschen mit zu schwacher Stimme handelt.
Wie erlangt man eine tiefere Stimme ohne OP?
Viele Männer entwickeln fast automatisch mit zunehmender Reife eine tiefere Stimme, andere verbleiben lebenslang in der Tenor-Stimmlage. Aber jeder Mensch kann sich in der Tat mit Entschlossenheit, Einsatz, Konzentration und viel Übung eine stärkere und tiefere Stimme nachhaltig antrainieren. Gute Ergebnisse werden auch immer wieder in Rhetorikseminaren oder auch im Bereich des privaten Coachings erzielt. Sehr schlechte Massnahmen sind in diesem Zusammenhang literweises Whiskey-Trinken oder Kettenrauchen. Sehr gut funktionieren in der Regel die folgenden Übungen, und dies völlig ohne Nebenwirkungen:
• Durch die Zwerchfellatmung ergibt sich eine tiefere und stärkere Stimme. Erkennbar ist die richtige Atmung daran, dass sich beim Einatmen vor allem der Bauch und kaum die Brust oder die Schultern heben.
• Die Luftströmung, die zum Sprechen gebraucht wird, muss ebenfalls aus dem Zwerchfellbereich gespeist werden.
• Wer weniger aus der Kehle, sondern mehr aus dem Bauch spricht, erzeugt eine bewusst tiefer klingende Stimme.
• Die aktive Vertiefung der eigenen Stimme sollte langsam und stets nur graduell vollzogen werden. Zum einen schont dies die Stimmbänder, zum anderen klingt die zu rasche Stimmlagenänderung verdächtig und könnte auf andere sogar lächerlich wirken.
• Es kann bei längerem Sprechen vorkommen, dass man seinen Vorsatz, tiefer sprechen zu wollen, zuweilen mal vergisst. Driftet ein Satzende dann in eine höhere Lage ab, so klingt es, als ob man sich selbst infrage stellt. In diesem Fall helfen ein tiefes Durchatmen und gegebenenfalls auch ein Räuspern, um dann wieder bewusst in der tieferen Lage weiterzumachen.
• Das häufige Einüben von tief gesetzten Vorträgen allein zu Hause hilft sehr dabei, dass das tiefere Sprechen sich als dauerhafte Angewohnheit schliesslich durchsetzt.
Bildquelle: pixabay.com