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"Women are so much stronger than men in whatever situation. I really believe this. I greatly admire women", meinte der selbsterklärte Feminist Helmut Newton, Jahrgänger Charles Bukowskis und somit dieses Jahr ebenfalls den 101. Geburtstag feiernd. Da eine neue Ausstellung aus diesem Anlass auf die Reise geschickt wurde, erschien nun auch die vorliegende XL-Ausgabe, die das Leben und Werk des deutsch-australischen Fotojournalisten und Modefotografen Revue passieren lässt.
Helmut Newton, der Zeit seines Lebens für seine Aktfotos angegriffen wurde, musste 1936 aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus Deutschland flüchten. Über Singapur gelangte er 1940 nach Australien, wo er später auch seine Frau und lebenslange Gefährtin June Brunell kennenlernte. Im 1946 in Melbourne von ihnen eröffneten Fotostudio areiteteten sie zunächst zusammen und unterschrieben 1956 in Europa einen Vertrag mit Vogue, kehrten aber dennoch wieder nach Melbourne zurück. Eigentlich wollte Helmut Newton wie Egon Erwin Kisch ein "rasender Reporter", ein Fotojournalist sein. Newton gehörte anfangs auch zu den Bewunderern von Martin Munkácsi. "Ich habe alle Krimis von Raymond Chandler gelesen. Eine andere Inspiration sind Detektiv-Magazine wie True Detektive und True Crime.", meinte er in einem Interview mit der Zeitschrift "ART" im Jahre 1999 über seine frühen Jahre. Aber natürlich erwies sich die Modefotografie bald als lukrativer und so zog er mit seiner Frau 1961 nach Paris und arbeitete von nun an vor allem für Vogue, aber auch Elle und Queen. Sein Werk ist vor allem für seine übergroßen "Nudes" bekannt und Inszenierungen, wie nur er sie in Szene setzen konnte. "As a Woman I find your Photographs misogynistic. Your fantasies are monstrous", meinte etwa Susan Sontag zu seinem Werk. Aber das ist nicht einmal die halbe Wahrheit, denn die Models und Celebrities, die von Newton abgelichtet wurden, profitierten mindestens ebenso wenn nicht mehr von der Kollaboration mit HN. Sein Werk so zu verurteilen bedeutet die Frauen in eine Opferrolle zu drängen, die sie bei ihm nie hatten. Sein Fotografien wollten wie ein Film Noir sein, Pulp Fiction, das sagte er 1989 und bezog sich damit nicht auf den Film von Tarantino (1994). Ein beliebtes Motiv war auch das mit dem Doppelgänger, ein Spiel mit fake und real, risqués images.
"In seinen Inszenierungen zeigen Frauen Selbstbewusstsein - weibliche Stärke. Unzählige Male habe ich bei meiner Arbeit mit Helmut dieses Momente erlebt. Und immer Wieder hat es auf mich als Frau eine ganz besondere Faszination ausgeübt, diesem Wechselspiel zuzusehen, wie sich Frauen unter seiner Regie öffneten und ihre selbstbewussten weibliche Stärken zeigen." (Florentine Pabst) "Helmut Newton. Legacy", das begleitende Buch zu einer internationalen Newton-Ausstellungstournee, präsentiert sowohl Highlights seines Schaffens nach Dekaden strukturiert, als auch auch zahlreiche Wiederentdeckungen. Die Ausstellung HELMUT NEWTON. LEGACY ist vom 31.10.2021 bis 22.05.2022 in der Helmut Newton Stiftung, Berlin zu bewundern. Zu sehen sind nicht nur Porträts von Frauen wie Debra Winger (Cover!), Catherine Deneuve, Liz Taylor und Charlotte Rampling, sondern auch Mick Jagger und David Bowie oder Heinz Berggruen. Weitere Keywords: Helmut Neustädter, June Newton, Alice Springs, Fashion, Big Nudes, Vogue, Notorious, Seduction, Chanel, Mugler, YSL, Wolford, Swarovski, Lavazza, Polaroid, High Heels, provocative, Versace, Armani, SUMO, Monte Carlo, White Women, Sleepless Nights, Playboy, Chateau Marmont, u. v. a. m.