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Maudet waren die letzten 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im vergangenen Herbst entzogen worden. Grund dafür war der Bericht, der Maudets Wirtschaftsförderung ein miserables Arbeitsklima bescheinigte. Diese vollständige Entmachtung war zu viel für Pierre Maudet.
Er sprach von einer öffentlichen Demütigung, trat zurück und kandidierte für seine eigene Nachfolge. Und er ging in den Gegenangriff über. So attackierte er diesen ersten Bericht massiv und reichte gegen die Expertin eine Klage wegen übler Nachrede ein.
Die Regierung bestellte darauf den zweiten Expertenbericht bei alt Bundesrichter Jean Fonjallaz, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Und sieht sich in ihrem Beschluss, Maudet die Mitarbeiter entzogen zu haben, bestätigt.
Der Bericht räumt Maudet zwar Qualitäten wie Analyse-Fähigkeit und Dynamik ein. Er spricht aber auch von einem autoritären Führungsstil, von Druck auf seine Angestellten, denen er zu kurze Fristen für ihre Arbeit gesetzt habe.
Der frühere Bundesrichter Jean Fonjallaz rät davon ab, die Angestellten der Wirtschaftsförderung noch einmal Pierre Maudet zu unterstellen. Ein Triumph auf der Zielgeraden des Wahlkampfs um seine Wiederwahl bleibt damit aus.
Tiefes Zerwürfnis
Vielmehr zeigt die Bekanntgabe des Berichts das tiefe Zerwürfnis zwischen der Regierung und Maudet auf. Dieser nahm nicht an der Medienkonferenz teil, sondern schaltete zeitgleich eine Stellungnahme auf Facebook auf. Darin sah er sich in vielen Punkten entlastet und kritisierte erneut den «voreiligen und ungerechtfertigten» Entscheid der Genfer Regierung, ihm die letzten Mitarbeiter zu entziehen.
Die Genfer Regierung machte am Mittwoch klar, dass Maudet an der Medienkonferenz hätte teilnehmen können. Aber Maudet habe nicht darum gebeten. Er sei nicht eingeladen worden, konterte Maudet am Abend im Genfer Lokalfernsehen «Léman Bleu». Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Pierre Maudet und die sechs anderen Mitglieder der Genfer Regierung nochmals zusammenarbeiten können.
Maudets Chancen sind gesunken
Im ersten Wahlgang schaffte es Maudet trotz einer Verurteilung wegen Vorteilsannahme und trotz der Berichte über sein Departement auf Platz zwei. Seine Chancen für den zweiten Wahlgang sind aber gesunken, weil das bürgerliche Lager nicht gewillt ist, sich hinter seiner Kandidatur zu einen. Die SVP tritt mit Nationalrat Yves Nidegger erneut an. Die FDP unterstützt die SVP nicht, obwohl ihr Kandidat nicht mehr antritt.
Und auch die bisherige Bündnispartnerin CVP, die mit Parteipräsidentin Delphine Bachmann eine neue Kandidatin für den zweiten Wahlgang lancierte, wird von der FDP nicht unterstützt. Nidegger und Bachmann dürften Maudet wertvolle Stimmen kosten.
Das bietet den linken Parteien die Chance, die Mehrheit in der Genfer Regierung zu erobern. Die SP und die alternative Linke unterstützen geschlossen die Grüne Kandidatin Fabienne Fischer, die schon im ersten Wahlgang das beste Resultat erzielte. Fischer geht deshalb als klare Favoritin in den zweiten Wahlgang am 28. März.
Andreas Stüdli
Westschweiz-Korrespondent, Radio SRF
Andreas Stüdli berichtet seit Juni 2018 für Radio SRF aus der Westschweiz und über das Bundesgericht. Er war zuvor fünfeinhalb Jahre Westschweizkorrespondent der Nachrichtenagentur SDA gewesen.