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Kunst und Bau Verwaltungszentrum Werd
Peter Hächler, «Komplexe Raumstruktur II», 1975
Sie ist schwierig zu beschreiben, die sechs Meter hohe, raumgreifende Plastik aus weissem Polyester, die sich vor dem Hochhaus Werd erhebt. Dass sie präzis konstruiert wurde, ist offensichtlich; ihr Bauplan lässt sich aber auch beim mehrmaligen Umrunden nicht durchschauen.
Umso leichter erschliesst sich uns Peter Hächlers «Komplexe Raumstruktur II» über die Assoziationen, die sie unmittelbar weckt. Lediglich auf drei Spitzen stehend strebt sie in die Höhe und vermittelt trotz der scharfkantigen Volumina, die sie hochstemmt, den Eindruck von Schwerelosigkeit. Sie hat etwas Tänzerisches und führt uns ein scheinbar fragiles Gleichgewicht vor. Peter Hächler nannte seine Konstruktionen «stereometrische Organismen», womit er ein ihnen innewohnendes vitales Paradox auf dem Punkt brachte.
Hächlers «Raumstruktur» ist aus einem von der Schweizerischen Bankgesellschaft (heute UBS) veranstalteten Wettbewerb hervorgegangen. Es galt den Platz vor dem neuen, 1975 fertiggestellten Bürohaus zu gestalten. Als Peter Hächler (1922–1999) diesen Auftrag bekam, hatte er erst wenige Grossplastiken realisiert. Die Arbeit im Schatten des 70 Meter hohen Bürohauses mit der banalen Rasterfassade stellte für den Lenzburger Bildhauer eine bisher ungekannte Herausforderung dar und gipfelte in der komplexesten seiner Konstruktionen. Die Endausführung wurde einer Bootswerft übergeben, da niemand sonst für den Bau und Abguss der grossen (Hohl-)Körper, aus denen sie sich zusammensetzt, eingerichtet war.
Für Peter Hächler, der Architektur studiert hatte, bevor er sich zum Bildhauer ausbilden liess, war klar, dass er nur in der Auseinandersetzung mit der vorgegebenen Architektur etwas Sinnvolles hervorbringen konnte. Auf die extreme Vertikalität des Baus reagierte er mit der Betonung der Horizontalen, auf die strenge Orthogonalität der Fassade durch ein dynamisches Zusammenspiel von Schrägen. Dem Blau und Grau der Gebäudehaut setzte er makelloses Weiss entgegen.
Seine «Raumstruktur» besteht aus zwölf Körpern, von denen jeweils zwei einen Strang abgeben. Die einzelnen Körper sind aus einem Quadratprisma abgeleitet, die Doppelkörper halten an der Quadratfläche zusammen. Dass man nie auf die Idee käme, es handle sich um identische Formen, hat mit der Drehung der einzelnen Körper zu tun, liegt aber vor allem an der Krümmung einzelner Flächen. Peter Hächler war ein genauer Rechner. Bei Germaine Richier in Paris lernte er das strenge Vermessen einer Figur, wozu auch die Analyse der Binnenformen gehörte. Von Richier lernte er aber auch, wie man die Geometrie durch gezielte Eingriffe lebendig werden lässt.
Hächler, der als einer der ersten Künstler den Computer zum Berechnen seiner Figuren einsetzte, war auch ein Spieler, der die Irritation suchte. Der Traum vom Fliegen, der ihn als Kind Modellflugzeuge basteln liess, begleitete ihn sein Leben lang, damit verbunden das Wissen um das prekäre Gleichgewicht. Seine «Komplexe Raumstruktur II» ist im Jahr 2000 als Teil des Werd-Hochhauses in den Besitz der Stadt Zürich übergegangen.
Caroline Kesser, Juni 2013
Kunst
|Peter Hächler (1922–1999)|
Komplexe Raumstruktur II, 1975
Polyester, Stahl, 600 x 800 x 600 cm
|Adresse||Verwaltungszentrum Werd|
Werdstrasse 75
8004 Zürich