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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Zwölftes Buch
23. Woher kommen die Meinungsverschiedenheiten in der Schrifterklärung?
Nachdem ich nun diese verschiedenen Auffassungen gehört und erwogen, soweit meine Schwachheit es zuließ, die ich dir, meinem allwissenden Gotte bekenne, sehe ich daraus, daß zweierlei Meinungsverschiedenheiten entstehen können, wenn von glaubhaftigen Zeugen etwas in Bildern ausgesprochen wird: einmal wenn über den wirklichen Sachverhalt der Dinge, dann aber wenn über die wahre Meinung des Schriftstellers Zweifel herrschen. Denn zwei ganz verschiedene Fragen sind es, die ich mir vorlege: was bezüglich der Schöpfung Wahres sei, oder was Moses, der herrliche Diener deines Glaubens, unter diesen Worten von dem Leser oder dem Hörer verstanden wissen wollte. Hinsichtlich der ersten Frage mögen weichen von mir, die da irrige Lehren für gewisse Wahrheit ausgeben; hinsichtlich der zweiten mögen weichen von mir, die ihre irrigen Ansichten dem Moses unterschieben. Aber mit jenen, o Herr, will ich mich in dir vereinigen und mit ihnen mich in dir erfreuen, die in der Fülle deiner Liebe sich an deiner Wahrheit laben; und zusammen wollen wir hintreten zu den Worten deiner Schrift und in ihnen deinen Willen suchen nach dem Willen deines Dieners, durch dessen Feder du uns dies mitgeteilt hast.