Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03424.jsonl.gz/558

Die Waffen als Sportgeräte stellen im Schützenmuseum einen wichtigen Sammlungsschwerpunkt dar. Ihre Vielfalt stellt allerdings eine grosse Herausforderung bei der korrekten Erfassung dar. In der Waffensammlung befinden sich Feuerwaffen von 1500 bis heute und von unterschiedlicher Herkunft, Verwendung und Konstruktion.
Im Wesentlichen können die Handfeuerwaffen in zwei Hauptkategorien unterteilt werden, nämlich in Sport- und Ordonnanzwaffen. Zur ersten Kategorie gehören Stutzer, Büchse, Kleinkaliber-und Luftgewehre, Flobert, Standard- und freie Gewehre. Die zweite Kategorie umfasst Repetiergewehre, Karabiner, automatische und halbautomatische Waffen.
Der Inventarisierungs-Prozess beginnt stets mit der sorgfältigen Betrachtung der Waffe. Dabei suchen wir zunächst nach erkennbaren Zeichen, wie z.B. Stempel, Beschusszeichen sowie Punzen, die auf das Modell oder den Büchsenmacher hinweisen. Dieser erste Schritt hilft bei der Eingrenzung des Herstellungsjahres und des Gewehrtyps, ist aber nicht immer ausreichend. Dies gilt insbesondere bei älteren Exemplaren, die in Handarbeit gefertigt wurden und sich erheblich voneinander unterscheiden können.
In einer zweiten Phase geht es um die Erkennung der technischen Eigenschaften jeder einzelnen Waffe. Der Waffentyp, wie etwa die Unterscheidung zwischen Vorderlader oder Hinterlader, glatter oder gezogener Lauf, Einzelschuss oder Repetierer, Automatik oder Halbautomatik, hilft bei der Bestimmung des Baujahres oder der Zuordnung der Verwendung, da diesbezüglich genaue historische Zeiträume definierbar sind. Zum Beispiel wurden Schweizer Ordonnanzwaffen mit gezogenem Lauf in der Regel nach 1859 hergestellt, Waffen mit Hinterlader aber erst nach 1867.
Allerdings muss man stets auch auf Besonderheiten achten. Bei einer dritten Begutachtung konzentrieren wir uns daher auf Details wie z.B. die Visiereinrichtung, die Gestaltung des Hahns, des Gehäuses und des Schafts, welche weitere Anhaltspunkte liefern können. Nicht ungewöhnlich ist etwa, dass alte Gewehre verändert wurden, wie z. B. das Steinschlossgewehr, das zu einem Perkussionsgewehr umgebaut wurde. Ein solcher Prozess ist an bestimmten Formen oder Ausarbeitungen an den Schlössern der Waffe zu erkennen. Es ist daher dankbar, dass ein Gewehr, welches einen Perkussionsverschluss von 1840 aufweist, tatsächlich viel älter ist.
Um alle Wesensmerkmale zu erkennen und richtig zu deuten, ist neben einem geübten Auge auch der Beizug von Fachliteratur und weiteren Quellen (Prospekte, Pläne, etc.) aus der damaligen Zeit unerlässlich. Auch der Informations- und Meinungsaustausch mit anderen Institutionen ist sehr hilfreich. So stehen wir etwa in regem Kontakt mit dem Bernischen Historischen Museum, welches ebenfalls eine umfangreiche Waffensammlung besitzt.
Mit unserer Sammlung von über 400 Handfeuerwaffen aus verschiedenen historischen Epochen, Ländern, Herstellern und Typen darf das Schützenmuseum als Schweizer Kompetenzzentrum für diese besondere Art von Sportgeräten gelten. Dies widerspiegelt sich denn auch in den zahlreichen Anfragen, die uns immer wieder erreichen.
Ludovico Zappa und Francesco Carcaterra, Wissenschaftliche Mitarbeiter im Schützenmuseum Bern