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Dass «Wonder Woman» von Patty Jenkins keine Oscarnomination erhalten hat, ist nicht verwunderlich. Superheldenfilme, auch wenn sie noch so gut sind, werden nie nominiert, weil Hollywood mit dem Oscarspektakel Imagepflege betreibt. Die Studios verdienen ihre Milliarden zwar mit Superhelden, aber diese passen nicht ins Bild, das man der Welt von sich präsentieren möchte: Hollywood als Hort der moralisch hochwertigen Filmkunst.
Umso interessanter ist nun, in welches Licht sich die Academy am 23. Januar gerückt hat. Da wurden in den Kategorien «Bester Film» und «Beste Darstellerin» Nominationen für lauter Filme bekanntgegeben, die Geschichten von wütenden, eigenwilligen, älteren und nicht nur weissen Frauen handeln: «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri», «The Post», «Mudbound», «The Shape of Water», «I,Tonya».
Mit Rachel Morrison ist zum ersten Mal in der Geschichte der Academy eine Frau für «Beste Kamera» nominiert, mit Greta Gerwig, die «Lady Bird» gedreht hat, die fünfte Frau für «Beste Regie».
Was ist los in Hollywood? Diese Frage war der Antrieb hinter der «Frame»-Titelgeschichte, «Frauen erobern Hollywood». Beantwortet hat sie uns u .a. die Produzentin Amy Pascal, die mit «The Post» und «Molly’s Game» mehrfach für den grossen Preis nominiert ist. Die Regisseurin Kathryn Bigelow äusserte sich dazu, und vor allem Schweizerinnen und Schweizer, die in Hollywood arbeiten. Da sind die Produzentin Maja Zimmermann und der Kameramann Ueli Steiger, der lange mit Cameron Crowe und Roland Emmerich zusammengearbeitet hat.
Und schliesslich Claudia Blümhuber, Geschäftsführerin der Zürcher Produktionsfirma Silver Reels, die mit «Loving Vincent» für einen Oscar nominiert ist. Sie kennt Weinstein persönlich, sagt, er habe ein psychisches Problem, und ging vor Jahren einmal dazwischen, als dieser eine junge Schauspielerin bedrängt hat.
Sie alle finden: Seit Weinsteins Fall und #MeToo beschleunigt sich ein Strukturwandel in Hollywood, der zwar schon vor einiger Zeit eingesetzt, aber nie richtig Fahrt aufgenommen hat.
Wie nötig dieser Wandel ist, belegen nicht nur Erzählungen über den alltäglichen Sexismus in Sitzungszimmern und auf dem Filmset, sondern auch eine neue Studie der Annenberg Inclusion Initiative der University of Southern California: Auch wenn es auf der Leinwand immer mehr Heldinnen gibt, mit denen man sich sogar identifizieren mag, so sieht es vor allem hinter den Kameras nach wie vor schlecht aus: Seit 2007 führte nur bei nur 4,2 Prozent der untersuchten Filme eine Frau Regie, fast alle von ihnen weiss.
Aber es gibt auch die grossen Ausnahmen. Da sind Kathleen Kennedy, Chefin von Lucasfilms; Donna Langley, Studioboss bei Universal und Megan Ellison, die Frau hinter der Produktionsfirma Annapurna Pictures. Sie gehören zu den erfolgreichsten Frauen in Hollywood und sorgen mit ihrem Einfluss dafür, dass immer mehr Regisseurinnen die Gelegenheit erhalten, Geschichten von all jenen zu erzählen, die man bis jetzt im Hollywoodkino viel zu selten sieht. Es ist Zeit für eine Zeitenwende.