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Zu den grossen Konvertiten der katholischen Welt gehört der 1951 nach einem einzigartigen Opferleben in die Ewigkeit gegangene japanische Arzt Dr. TAKASHI NAGAI. Als Opfer seines Berufes und der Folgen des Atombombenabwurfs auf Nagasaki hinterliess er, während seines langen Siechtums auf dem Krankenbett geschrieben, das in alle Weltsprachen übersetzte Werk Die Glocken von Nagasaki.
Als junger Mann war er an der Universität dem Materialismus verfallen. Er musste Leichen sezieren. Das war also alles, woraus der Mensch bestand? Nur Materie! Gewiss war alles wunderbar geordnet, aber keine Spur von der Seele. Die Seele? - Von Betrügern ersonnen, um einfältige Menschen irrezuführen...
In den Ferien zwischen dem zweiten und dritten Studienjahr erlitt seine geliebte Mutter einen schweren Schlaganfall. TAKASHI eilte an ihr Bett. Stumm richtete sie ihren letzten Blick gross und fest auf ihn...
Hören wir DR. NAGAI selbst: " Dieser letzte Blick meiner Mutter brachte mich völlig ausser Fassung. O dieser stumme Blick derer, die mir das Leben geschenkt, mich erzogen, mich bis zum Ende geliebt hatte! Jetzt, im Augenblick der Trennung, sagte mir dieser Blick, dass ihre Seele auch nach ihrem Tode unweigerlich an der Seite ihres Takashi bleiben würde! Ich, der ich die Existenz der Seele geleugnet hatte, ich sah in diese Augen und spürte instinktiv, dass die Seele meiner Mutter wirklich existierte: sie trennte sich von ihrem Leib, konnte aber niemals untergehen. "
Der letzte Blick der sterbenden Mutter wurde für Dr. NAGAI die Offenbarung des durch den Tod unzerreissbaren Liebesbandes zwischen Menschen, die sich nahe sind; wurde die Brücke zur Fülle des katholischen Glaubens, der Ansporn zur dienenden Liebe selbst in den grausamsten Heimsuchungen, die einem Menschen beschieden sein können: Wer aus den Trümmern seines Heims die verkohlten Reste seiner Lebensgefährtin, einen zerschmolzenen Rosenkranz und ein Kruzifix ausgräbt, der lebt (radioaktiv schwer verseucht) wissend dem Tod entgegen, dessen Stunde er fast berechnen kann.
Das Fortleben der Toten ist für den Katholiken gewiss. Dieser Glaube, auf die Offenbarung der Bibel und vor allem die Evangelien gestützt, sagt uns, dass wir für das Jenseits, das Himmelreich, geschaffen sind. Zahlreiche Offenbarungen der wunderbaren Fürsprache und Hilfe unserer Heiligen haben uns von Jugend auf mit dem Wissen um ihre zwar unsichtbare, aber wirksame Gegenwart vertraut gemacht.
Der Tod ist kein Ende, sondern nur ein Weggang, der Gang aus der Zeit in die Ewigkeit. Sind unsere Verstorbenen aus unserem Gesichtskreis ausgeschieden, so sind sie nicht in ein Nichts versunken.
Viele Fragen tauchen auf, bedrängen uns: Wo ist der Verstorbene? Ist er glücklich oder leidet er noch? Hört er unsere Stimme, unsere Anrufe? Können wir etwas für ihn tun? Kann er uns etwas von seinen Gedanken übermitteln, uns trösten, stärken, behilflich sein? Ist der Tod eine endgültige Trennung, ein Flug in unzugängliche Sphären, wo die Entschlafenen nichts mehr von uns wissen?
Der Tod? - Für die Kirche ist er nicht nur kein Ende, sondern vielmehr ein Anfang. Die ganze christliche Überlieferung bezeichnet den Todestag als Geburtstag (dies natalis). Wir feiern unsere Heiligen an ihrem Todestag. Der Tod ändert nur die Seinsart der menschlichen Seele. Beim Tod verlässt sie den Leib als Lebens- und Organisationsprinzip. Völlig unversehrt zieht sie als geistige Wirklichkeit ein in die rein geistige Welt.
Können die Seelen der Verstorbenen bei uns weilen? - Geistige Wirklichkeiten sind an keinen Ort gebunden, da sie ausser-räumlich sind. Dennoch können sie zugegen sein an einem bestimmten Ort und in dem Masse, in dem sie in geistiger Beziehung zu ihm stehen. Die Heimgegangenen sind uns auf der Ebene des Geistes gegenwärtig.
Wissen die Toten, was auf Erden vor sich geht? - In dem Masse, in welchem Gott es für gut für sie hält, lässt er sie der Schau derer, die auf Erden leben, teilhaftig werden. Diese Schau ist nicht nur eine ferne Vorstellung, sondern ein Gegenwärtigsein. Sie sehen die Ereignisse, die uns betreffen, besser als sie diese während ihres Erdenlebens erkennen konnten. Sie sind uns näher als je. Um die Verbindung mit ihnen herzustellen, genügt es, dass wir uns ihrer unaufhörlichen Gegenwart bewusst werden, die uns nur wegen unseres Mangels an Glauben und unseres praktischen Materialismus entgeht.
Wissen die Verstorbenen um unsere Leiden? - Ja. Sie sehen unseren Schmerz über ihren Fortgang, unsere Verzweiflung, unsere Fehler. Aber sie nehmen unsere Leiden, unsere Sorgen lichtvoller, mit überirdischer Weisheit wahr. Sie beurteilen alle diese Ereignisse im Lichte Gottes, der jedem Ding seinen Platz im Schöpfungsplan zuweist. Sie sehen die göttliche Lösung des verwirrenden Problems des Bösen, das uns oft empört. Sie kennen das Morgen unserer Krisen, unserer Versuchungen, selbst unserer Fehler; erleben im voraus den Triumph der göttlichen Barmherzigkeit. Die Schau unserer Trauer, unserer Kämpfe veranlasst sie, nur noch inbrünstiger für uns zu beten, uns noch mehr zu beschützen.
Gehen die meisten unserer verstorbenen Lieben durch das Fegfeuer? - Bezüglich der Zahl derer, die dieser Läuterung unterworfen sind, hat die Kirche nie offiziell Stellung genommen. Die Befürchtung, ein Verstorbener könnte im Fegfeuer sein, darf uns nicht zögern lassen, uns an ihn zu wenden und mit ihm zu sprechen, als wenn er zugegen wäre. Fürchten wir nicht, uns an Verstorbene zu wenden, die vielleicht im Fegfeuer sind, lassen wir vor allem auch Messen für sie zelebrieren.
Können die Verstorbenen für uns etwas tun? - Schon die ersten Christen beteten nicht nur für die Verstorbenen, sondern baten auch um ihren Schutz. In den Katakomben finden wir Inschriften wie: "Lebe in Christus und bitte uns", "Deine Seele möge glücklich sein und für deine Kinder beten". Seit jeher betet die christliche Kirche zu den Toten, den Heiligen; aber nicht so, als ob sie selbst uns das Licht, die geistige Hilfe, die zeitliche Unterstützung, die Heilung usw. gewähren könnten. In Wirklichkeit wenden sich auch diese Gebete nur an Gott selbst, einzige Quelle alles Guten, der allein in der Lage ist, unsere Gebete zu erhören. Andererseits weiss die Kirche um die Wirksamkeit der Fürsprache der Verstorbenen bei Gott. Diese Wirksamkeit quillt aus der Liebe Gottes zu ihnen. Unzählige Tatsachen erhärten, wie machtvoll die Fürsprache unserer Beschützer im Himmel ist. Gnaden aller Art, Heilungen, Bekehrungen, die verschiedensten Wohltaten wurden zu allen Zeiten von den Gläubigen der Fürbitte ihrer Verstorbenen zugeschrieben.
Es ist also ein guter Brauch, uns an die zu wenden, die im Glauben und in der Liebe Gottes heimgingen, um sie zu bitten, sich unserem Gebet anzuschliessen, unsere Fürsprecher vor Gott zu sein. Alle diese Bitten steigen letzten Endes zu Gott selbst auf.
Dr. Peter Schaad
Letzte Änderung am 5. August 2000