Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03564.jsonl.gz/388

RÜCKBLICK
Kulturhaus West Zofingen, 27.04.2016
Jazz vom Feinsten ohne Schlagzeug
Das Quartett „Swingin‘ Ladies + 2" gastierte im Kulturhaus West
Nur wenige Plätze waren unbesetzt geblieben, als mit „Swingin‘ Ladies + 2" am Mittwochabend ein ungewöhnliches Jazzkonzert zu hören war. Das Ensemble besteht aus Engelbert Wrobel (cl, sax), Nicki Parrot (b, voc), Paolo Alderighi (p) und Stephanie Trick (p). Der Pianist und die Pianistin spielten den Flügel oft zu vier Händen. Die Instrumentierung fiel auch durch das Fehlen eines Schlagzeuges auf, so dass der Bass und das Piano die Rhythmusgruppe bildeten. Schon aus diesem Umstand lässt sich schliessen, dass es sich eher um dezente Klänge und Laustärken handelt. Viele Stücke waren den Kategorien Blues, Swing, Latino und Ragtime zuzuordnen. Kennzeichen des Ragtime sind zum einen eine freizügige Synkopierung in der Melodiestimme, die oft gegen eine einfache Basslinie im Zweiviertel- oder Vierviertel-Takt verläuft, zum anderen ein Satz verwandter Themen, die innerhalb eines Stücks durch Modulationen miteinander verbunden waren. Organisiert war das Konzert vom Jazzclub Zofingen.
Von Benny Goodman bis zu Stan Getz
Nach dem ersten Ragtime, der am Flügel von vier Händen gespielt wurde, begrüsste Vereinspräsident Urs Kaufmann die grosse Besucherschar und wies darauf hin, dass dies das zweite Konzert des Jazzclubs Zofingen im Kulturhaus West sei. Dann kam Stan Getz mit einem Bossa Nova zu hohen Ehren, wobei die Bassistin Nicki Parrot aus Australien ein tolles Bass-Solo hinlegte. Hier waren exzellente Vollblutmusiker am Werk! Stan Getz (1927 bis 1991) gehörte über Jahrzehnte zu den einflussreichsten Saxophonisten der Welt. Getz war stilbildend im Bereich des Cool Jazz, wenngleich ihm seine grössten populärmusikalischen Erfolge in seinerLatin-Phase gelangen. Später war er ein herausragender Saxophonist des Mainstream und galt als eleganter Melodiker, der mit elf Grammy Awards ausgezeichnet wurde. Es folgte „Blueberry Hill", das unter anderem von Louis Armstrong und Fats Domino her bekannt sein dürfte. Engelbert Wrobel legte ein mitreissendes Swing-Solo auf dem Tenorsaxophon hin. Mit einem Piano-Solo im Stil von BoogieWoogie und Blues zeigte Stephanie Trick, welches Talent in ihr steckt! Ihre Musik ist ein Geschenk. Dass die Bassistin Nicki Parrot auch ausgezeichnet singen kann, demonstrierte sie mit einem Latin-Song von Ella Fitzgerald. Auf welch hohem Niveau das Ensemble musiziert, wurde bei einem Ragtime deutlich, bei dem mühelos fünf verschiedene Musikstile „zelebriert" wurden. Auch der italienische Pianist Paolo Alderighi zeigte bei seinen Einsätzen, dass er zugleich Künstler und Könner ist. Nach der Pause waren weitere Balladen und Songs aus dem Bereich Swing, Blues und Jazz zu hören. Es kamen Stücke von Benny Goodman, Duke Ellington, („Thanks fort he Memory"), Count Basie, Fats Waller und anderen Jazzgrössen zur Aufführung. Mit dem „Saint Louis Blues" wurde der wohl weltberühmteste Blues intoniert: Sehr jazzig gespielt, klatschte das Publikum begeistert mit. Klar, dass zwei Zugaben gefordert wurden.
Legende
Von links: Paolo Alderighi (p), Stephanie Trick, Nicki Parrot (b, voc) und Engelbert Wrobel (cl, sax). (K.P.)