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Während zwei Wochen im Spätsommer 2018 reisten Schweizer Kunststudent_innen nach Armenien. Dort fuhren sie zusammen mit einer Gruppe junger Künstler_innen aus Jerewan nach Chambarak, einer Kleinstadt von ca. 5800 Einwohner_innen an der Grenze zu Aserbaidschan, in der Provinz Gegharkunik. Chambarak erfuhr seit Anfang der 1990er Jahre im Zusammenhang mit dem Krieg um Karabach grosse Bevölkerungsveränderungen: Angehörige der christl. Glaubensgemeinschaft der Molokanen wurden ausgesiedelt und in den Zwangsumsiedlungen zwischen Armenien und Aserbaidschan kam ca. die Hälfte der heute ansässigen Familien neu ins Dorf – teilweise mit eigenen kulturellen Traditionen. Auch heute verdingt sich ein Grossteil der männlichen Bevölkerung als Arbeitskraft in Russland, sodass der Alltag des Dorfes hauptsächlich von den Frauen aufrechterhalten wird. Chambarak ist im weiterhin andauernden Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan nicht von direkten Kampfhandlungen betroffen, leidet jedoch, wie die gesamte Grenzregion an der daraus folgenden Abwanderung, Strukturschwäche und Stagnation.
Die achtundzwanzig Teilnehmer_innen wohnten dort verteilt auf zwölf Gastfamilien und nutzten eine Kinder-Kunstschule, die aufgrund der Sommerferien leer stand, als temporären Arbeitsraum. Die Künstler_innen arbeiteten in unterschiedlichen Konstellationen, erforschten verschiedene lokale Praxen (von dem Wissen über Kräuter bis zur Stickerei) und lernten dabei die Stadt und ihre Bewohner_innen kennen. Neugierige Kinder wurden zu spielerischen Kunstworkshops eingeladen, der kommunale Schafhirte wurde begleitet, ein ephemeres Denkmal wurde zu Ehren der neuen Boxmeisterin von Armenien (ein Mädchen aus Chambarak) kreiert, ein gemeinsames Wandgemälde wurde geschaffen, eine Abschlussausstellung mit Zeichnungen, Videos und performativem Stadtrundgang organisiert ... Einen weiteren Höhepunkt markierte das Konzert von Jerewans newcomer all-female Band Tiezerk. Die künstlerischen Projekte in Chambarak folgten zumeist experimentellen, kollaborativen und prozessbasierten Ansätzen, wobei die Rolle fremder Kunstschaffender an diesem Ort kontinuierlich reflektiert wurde.
Teilnehmende:
Maggie Araratyan, David Aydiyan, Sonja Berta, Seylan Elbas, Barbara Ellenberger, Anna Gevorgyan, Margarita Ghazaryan, Emma Lou Hermann, Olivia Jaques, Franziska Koch, Hrachuhi Loretsyan, Jenya Matevosyan, Sean Meaders, Shoghakat Mlke-Galstyan, Mariam Mughdusyan, Andrea Raemi, Dagmar Reichert, Augustina Salomon, Katerina Sedy, Milos Stolic, Maelle Torné, Anush Titanyan, Sofia Tsypkina, Cecily Ann Walti, Lucien Wampfler.