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Die Schluchten des Hinterrheins
Im Südosten der Schweiz liegt im Tal des Hinterrheins eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen des ganzen Landes. Sie verbindet den Osten der Schweiz und Teile Mitteleuropas mit dem Tessin und Italien. Viele Reisende haben die Strecke schon genutzt und brausen einfach durch, um möglichst schnell in den sonnigen Süden zu gelangen. Schade eigentlich, denn das Tal besitzt fantastische landschaftliche Highlights und kulturelle Sehenswürdigkeiten, die es Wert sind, in Augenschein genommen zu werden.
Der Hinterrhein hat eine Länge von rund 64 Kilometern und vereinigt sich bei Reichenau mit dem Vorderrhein, der noch etwas länger ist. Die Quelle des Flusses, der den Südwesten des Kantons Graubünden entwässert, befindet sich in der Nähe des San Bernhardino Passes auf einer Höhe von 2276 Metern. Am Zusammenfluss mit dem Vorderrhein bei Reichenau zum Rhein hat der Hinterrhein bereits mehr als 1650 Höhenmeter überwunden. Dies verdeutlicht, mit welchem Gefälle die Wassermassen des Hinterrheins zu Tale donnern. In einigen Bereichen des Tales kann die Kraft des Wassers besonders eindrucksvoll beobachtet werden und ist mehr als nur einen kurzen Stopp wert.
Via Mala und Rofflaschlucht
Es ist inzwischen einige Jahre her, dass wir uns für das Hinterrheintal ganz bewusst Zeit genommen haben und nicht nur schnell mal den San Bernhardino Pass überquerten, um unser Feriendomizil an Italiens Stränden zu erreichen. Heutzutage hat man ja dank moderner Ingenieurskunst das Tal schnell durchquert und kann die einst gefürchteten Hindernisse wie die Rofflaschlucht oder die Via Mala problemlos umfahren. Aber gerade diese beiden Schluchten sind fantastische Naturwunder, die man gesehen haben sollte.
Die Via Mala war in früheren Zeiten ein berüchtigter und nicht ungefährlicher Weg, der eine Länge von etwa acht Kilometer hat und zwischen Thusis und Zillis-Reischen liegt. Hier hat der Hinterrhein eine tief eingeschnittene und enge Schlucht geschaffen und stellte ein sehr schwieriges Hindernis auf dem Weg von Chur in Richtung Süden zum Splügenpass und dem San Bernhardino dar.
Heutzutage kann die Schlucht mit ihren bis zu 300 Meter hohen Felswänden problemlos begangen werden. Am Einstieg führt eine Treppe hinab und das Donnern des Wassers lässt schon erahnen, was einen erwartet. Die enge Schlucht ist durch Stege und Brücken begehbar gemacht und nur wenige Meter unter einem tobt das Wasser über die Felsen. Eine herrliche dreistündige Wanderung führt von Thusis über den Traversinasteg hinauf zur Via Mala.
Dabei geht der Weg zunächst nach Sils mit einem prächtigen Palazzo. Auf der weiteren Wegstrecke wird die die Burg Ehrenfels passiert. Am „Verlorenen Loch“ wartet der wohl schönste Teil des Pfades auf die Wanderer und wird am Traversinasteg mittels einer Hängebrücke in schwindelerregender Höhe über den unten tosenden Hinterrhein geführt. Besonders Wagemutige haben sogar die Möglichkeit, diese fantastische Schlucht beim Canyoning kennen zu lernen.
Einige Kilometer oberhalb der Via Mala wartet mit der Rofflaschlucht ein weiteres Naturschauspiel, das Sie gesehen haben sollten. Sie liegt zwischen den Ortschaften Andeer und Splügen und wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in mühevoller Handarbeit für Touristen begehbar gemacht. Für diese Arbeit wurden 10 Jahre benötigt und ermöglicht es uns heute, diese wunderbare Schlucht zu erwandern.
Ein sehr empfehlenswerter Wanderweg führt von Andeer hinauf nach Splügen und durchquert dabei die Rofflaschlucht. Dabei sollten Sie es nicht versäumen, in dem historischen Gasthaus am Eingang zur Schlucht eine Rast einzulegen. Denn neben einer verdienten Stärkung gibt es in dem Haus ein kleines Museum, das die Geschichte zur Entstehung der Galerie in Bildern dokumentiert. Die Galerie in der Rofflaschlucht führt bis zum Wasserfall und anschliessend unter dem Hinterrhein hindurch. Ein eindrucksvolles Schauspiel, das wir andächtig betrachteten.
Sehenswerte Orte lohnen einen Aufenthalt
Es sind aber nicht nur die fantastischen Schluchten, welche einen Besuch lohnen. Auch die Ortschaften des Tales bergen viel Sehenswertes, für das wir uns Zeit nahmen. Das Dorf Andeer, das ein kleines Stück unterhalb der Rofflaschlucht in einem etwas breiteren Talkessel liegt, hat so einiges zu bieten. Neben sehenswerten traditionellen Häusern und der prächtigen Barockkirche ist Andeer vor allem für seine Heilquelle berühmt. Da nutzten wir doch die Gelegenheit und nahmen uns einen Tag „Auszeit“. Das Mineralwasser im Badezentrum besitzt eine angenehme Temperatur von 34 Grad und im angeschlossenen Wellnessbereich werden die verschiedensten Anwendungen geboten.
Kaum minder reizvoll ist der Ort Splügen, der sich bereits auf einer Höhe von rund 1450 Metern befindet. Auch hier gefiel uns das malerische Ortsbild mit seinen sehenswerten alten Häusern. Beeindruckend ist das Hotel Bodenhaus, das eine lange Tradition besitzt und eines der ältesten Hotels des Kantons Graubünden ist. Auch die Alte Herberge Weiss Kreuz im alten Ortskern ist bemerkenswert.
Ihr heutiges Aussehen erhielt die Herberge im Jahr 1716, ihre Tradition reicht aber bis ins 13. Jahrhundert zurück. In exponierter Lage oberhalb des Dorfes befindet sich die Ruine der Burg Splügen. Ein Spaziergang zur einzigen Burganlage des gesamten Tales ist problemlos in wenigen Minuten zu bewältigen. Die Anlage dürfte im 13. Jahrhundert entstanden sein. Zu sehen sind noch der Palas und der bemerkenswerte Hocheingang mit seinem im gotischen Stil erbauten spitzförmig zulaufenden Portal.
Das Hinterrheintal mit seinen beeindruckenden Sehenswürdigkeiten hat uns ausgesprochen gut gefallen. Es war eine gute Entscheidung, sich einmal die Zeit zu nehmen, die Schönheiten des Tales bei einem längeren Aufenthalt zu erkunden.
Oberstes Bild: Blick in die Schlucht des Hinterrheins (Bild: Adrian Michael, Wikimedia, CC)