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Die Homöopathie ist eine individuelle Therapie, sie behandelt den Patienten, nicht die Krankheit.
Sie bedient sich eines anderen Therapie-Ansatzes als die Schulmedizin. In der Homöopathie werden nach den Symptomen der Krankheit ähnliche Heilmittel eingesetzt (Ähnlichkeitsprinzip). In der Schulmedizin werden meistens Medikamente mit gegensätzlicher Wirkung zu den Symptomen gewählt, z.B wird bei einer Entzündung ein Entzündungshemmer eingesetzt.
Die Homöopathie regt nach dem Prinzip der Ähnlichkeit die Heilung des kranken Organismus an. Die Mittel sind potenziert. Das heisst, die Arzneisubstanz wird schrittweise mit Wasser oder Alkohol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben und dabei so verdünnt, dass der Ausgangsstoff nicht mehr nachweisbar ist. Durch diese Verfahren soll die erwünschte Wirkung verstärkt werden. Die Wirkung potenzierter Heilmittel muss auf der Geistesebene gesucht werden.
Ausgangsstoffe der Arzneien finden sich im Reich der Mineralien, Metalle, Salze, Säuren, Pflanzen, Pilze, Tiere und Tierstoffe, Nosoden und Sarkoden, Chemikalien und Arzneimittel.
Welche Arznei der Homöopath wählt, entscheidet er nach der Ähnlichkeit des Arzneimittelbildes mit dem Erscheinungsbild des Kranken. Dafür hat die Krankengeschichte die grösste Bedeutung. Weil unsere Patienten nicht sprechen können, übernimmt der Tierhalter das Beschreiben der Befindlichkeit seines erkrankten Tieres. Der Tierhalter wird gefordert sich die Veränderung seines Tieres vor Augen zu führen.
Idealerweise übersetzt der Tierhalter die Krankengeschichte seines Tieres mit dessen Empfindungen und Gemütsveränderungen.
"Gehört dieses Verhalten zum Charakter? Ist diese Veränderung erst seit der Erkrankung zu beobachten, bringt Wärme Linderung? Ist die Stelle bei Berührung empfindlich? Ist das Tier anhänglicher als gewöhnlich?“ und vieles mehr. Eventuell kann sich der Besitzer sogar an den Auslöser der Erkrankung erinnern.
Diese charakteristischen Zeichen sind Ausdruck, wie sich ein Organismus mit seinem Umfeld und der Krankheit auseinander setzt. Mit Hilfe von Symptomen-Nachschlagewerken kommt der Homöopath so zu einer Arzneimittel-Differentialdiagnose.
Der Vergleich in der Materia Medica (die Homöopathische Lehre von den Arzneimitteln) entscheidet, welches das bestpassendste Arzneimittel, das Simillimum ist. Das ist auch der Grund, warum der Therapeut oft nicht direkt vor Ort die Arznei abgeben kann. Er muss viel nacharbeiten, nachlesen und die Arzneimittel mit dem Patienten vergleichen.
Zu den akuten Leiden gehören Verletzungen. Ein Beispiel: Bei einer Stichverletzung mit schmerzhafter Schwellung, welche das Tier heftig reagieren lässt, wird in der Homöopathie Apis angewandt, die potenzierte Arznei der Honigbiene.
Ein chronisches Leidens ist beispielsweise langandauernder Durchfall. Um eine passende Arznei zu finden, wird, wie einleitend beschrieben, auf die individuelle Krankengeschichte eingegangen.
Gerne bespreche ich, Dr.med.vet. Alexandra Imhasly mit Ihnen persönlich, ob das Leiden Ihres Tieres allein homöopathisch oder kombiniert mit klassischer Medizin angegangen werden kann.
Unser Patient Sokrates ist ein 6-jähriger Warmblut-Wallach. Er ist in Tschechien geboren, und über Deutschland in die Schweiz gelangt. Seit seiner Ankunft vor drei Jahren in der Schweiz leidet er an wiederkehrenden Koliken. Zum Teil sind diese so heftig, dass er nicht mehr aufstehen will.
Medizinisch wurde er in den letzten drei Jahren gegen Magengeschwüre, gegen Verstopfung und Aufgasung und gegen Borreliose (positiv getestet) therapiert. Trotzdem plagen ihn immer wieder Kolik-Attacken.
Der Wallach scheint austherapiert. Die Situation ist frustrierend. Der Wallach leidet. Die Besitzerin entscheidet sich für die Alternativmedizin. Nun versuchen wir die homöopathische Herangehensweise, Aufarbeitung und Therapie.
Die homöopathische Anamnese unterscheidet sich von der medizinischen Anamnese. Wie in der medizinischen aufgenommenen Vorgeschichte werden die körperlichen Symptome registriert. Aber auch Gemütssymptome, wie das Verhalten, die Empfindlichkeit, die Veränderungen seit der Erkrankung, Einflüsse die eine Verbesserung oder aber Verschlechterung mit sich bringen und so weiter und so fort, sind wichtig und geben sogar hochwertigere Informationen.
Weil ein Tier nicht selber beschreiben kann was für Krankheitszeichen auftreten, wie sie sich anfühlen, ob und wo sie sich ausbreiten, wann sie auftreten und ganz allgemein wie es ihm geht, wie die Krankheit sein Wohlbefinden verändert, etc., ist es von äusserster Wichtigkeit, dass die Besitzerin gut beobachtet und eventuell „übersetzen“ kann.
Bei Sokrates konnte die aufmerksame Besitzerin dies sehr gut beschreiben. Gemeinsam mit unserer Untersuchung ergab sich folgendes:
Gemüt:
Allgemein:
Abdomen:
Urogenital:
Mit dem Werkzeug der Repertorisation werden aus dem Verzeichnis von Symptomen diejenigen Mittel aussortiert, welche die meisten Symptome des Patienten abdecken, nach dem Simile-, dem Ähnlichkeitsprinizip der Homöopathie. Das ideale homöopathische Arzneimittel für die Beschwerden von Sokrates sollte alle Symptome vereinen. Oder zumindest ähnlich Symptome hervorrufen, wenn dieses Arzneimittel bei einem Gesunden angewendet wird (Arzneimittelprüfung).
Diese Liste der passenden Arzneimittel wird hierarchisiert. Das heisst, es gibt ein Mittel der ersten Wahl, der zweiten Wahl, etc. Sokrates erhält ein erstes, ausgewähltes Arzneimittel in einer gewissen Potenz und über eine vorgeschriebene Dauer verabreicht.
Nach einigen Wochen werden die Veränderungen besprochen. Die Besitzerin erzählt, dass bis jetzt keine Kolik mehr aufgetreten ist, dass der Wallach tagsüber gelassener erscheint und auch eher satt ist. Das nervöse Spiel mit der Zunge ist unverändert und so auch die Unruhe beim Eindunkeln. Beim geringsten Windstoss flippt er noch immer total aus. Die Besitzerin findet, dass es eine Verbesserung gibt und diese die Lebensqualität des Wallachs sichtbar steigert. Einige Wochen später rülpst er wieder vermehrt. Die Besitzerin wiederholt die Homöopathie. Der Allgemeinzustand ist wieder ähnlich schlecht, wie vor der homöopathischen Behandlung. Wir entscheiden, das Arzneimittel zu wechseln.
In der Homöopathischen Therapie müssen manchmal einige Mittel ausprobiert werden, bis das Richtige für die Situation gefunden wird. Ein Akutmittel (für den sofortigen Einsatz bei dem plötzlich auftretenden Hauptproblem) oder ein Konstitutionsmittel (das Mittel dass den Patienten möglichst genau umfasst, für chronische Probleme) können sich unterscheiden, oder auch mit der Zeit verändern.
Darum haben wir ein anderes Mittel aus der obigen, hierarchisierten Liste eingesetzt.
Tatsächlich scheint dieses Mittel passender. Bei der Rückmeldung einige Wochen später sagt die Besitzerin, dass es ihm momentan sehr gut geht. Sie hat beobachtet, dass er bei Vollmond keine Reaktion mehr zeigt. Er ist sehr motiviert bei der Arbeit, hat Power und Energie, er möchte sein Bestes geben. Sokrates ist ruhiger und ausgeglichener. Das vermehrte Lecken und Zungenspiel ist kaum noch vorhanden. Er trinkt weniger.
Das Leben von Sokrates bestand aus der ständigen Bereitschaft zur Flucht und dadurch ziellosem Herumwandern. Die Magengeschwüre, die Gastroenteritis mit Gasbildung, Festliegen und die Schmerzen waren ein schreckliches Pferdeleben, und verständlicherweise für die Besitzerin untragbar.
Heute scheint er zur Ruhe- und Angekommen zu sein. Er hat grosse, positive Fortschritte gemacht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er nie mehr Kolik zeigt. Sokrates wird weiterhin gut beobachtet.
Die Medizin und die Alternativmedizin arbeiten generell gut Hand in Hand. Bei einem Rückfall würden Schmerzmittel und Krampflöser zusammen mit dem für ihn gewählten homöopathischen Arzneimittel eingesetzt.