Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03181.jsonl.gz/1130

Hortense
(Hortensia) Eugenie Beauharnais, Gemahlin Ludwig Bonapartes, Exkönigs von Holland, Mutter Napoleons III., war eine Tochter des Generals Alexandre Beauharnais und der nachmaligen Kaiserin Josephine Tascher de la Pagerie und in Paris [* 2] geboren. Sie wuchs nach der Hinrichtung ihres Vaters unter sehr ärmlichen Verhältnissen heran, erhielt aber sodann nach der Vermählung ihrer Mutter mit Napoleon I. durch Madame Campan in Ecouen eine angemessene Erziehung.
Durch geistige und körperliche Vorzüge ausgezeichnet, erwarb sie sich nach der Rückkehr zu ihrer Mutter die Gunst Napoleons in hohem Grad und war eine Zierde seines Hofs. Während sie Duroc liebte, mußte sie auf ihres Stiefvaters Wunsch dessen Bruder Ludwig heiraten und lebte daher mit demselben in einer höchst unglücklichen Ehe. Sie hielt sich seit ihres Gemahls Erhebung zum König von Holland nur zeitweise im Haag [* 3] auf, wo sie ein Liebesverhältnis mit dem Admiral Verhuel hatte, kehrte, als ihr Gemahl 1810 die Krone niederlegte, nach Paris zurück, wo sie, wiewohl ihre Mutter inzwischen von Napoleon geschieden war, mit diesem in gutem Einvernehmen stand, und blieb auch nach dem Sturz Napoleons 1814 daselbst.
Ludwig XVIII. ernannte sie zur Herzogin von St.-Leu und bewilligte ihr eine Dotation von 400,000 Frank. Die Rückkehr Napoleons 1815 begrüßte sie mit Freuden und ward deshalb nach dessen zweitem Sturz aus Frankreich ausgewiesen. Sie lebte eine Zeitlang in Augsburg, [* 4] sodann in Italien [* 5] und ließ sich endlich 1817 in Arenenberg im Thurgau nieder; die Winter brachte sie öfters in Italien zu. Auch 1831 beim Ausbruch der Unruhen war sie dort, floh aber, nachdem ihr älterer Sohn, der sich an der Insurrektion beteiligt hatte, gestorben war, mit dem jüngern über Paris nach England, von wo sie erst zu Ende des Jahrs nach Arenenberg zurückkehrte.
Schon längere Zeit kränkelnd, starb sie hier
Ihre
Leiche wurde neben der ihrer
Mutter in der
Kirche zu
Rueil bei
Malmaison
beigesetzt.
Ihrer
Ehe mit
Ludwig
Napoleon entsproßten drei
Söhne, von denen sie nur der dritte überlebte:
Napoleon
Ludwig
Karl,
Ludwig
Napoleon,
Karl
Ludwig
Napoleon (als
Napoleon III. nachmals
Kaiser von
Frankreich). Die
Frucht eines Verhältnisses
mit ihrem Großstallmeister
Grafen
Flahault war der nachmalige
Herzog von
Morny (s. d.).
Hortense dichtete und komponierte mehrere
noch jetzt im
Munde des französischen
Volkes lebende
Lieder, unter andern das bekannte
»Partant pour la Syrie«
(vgl. hierüber
Drouet 3),
und schrieb: »La reine en Italie, en France et en Angleterre pendant l'année 1831« (Par. 1833, neue Ausg. 1861).
Vgl.
Derosne,
Mémoires sur la reine
Hortense (Par. 1863);
Fourmestraux, La reine
Hortense (das. 1864).