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Zwei Inseln: Das sozialistische Kuba vor der Nase der USA, die Schweiz umgeben von 25 EU-Staaten. Beide glauben, die Welt drehe sich um sie - und irren sich.
Kuba und die Schweiz pflegen ihre stabile Beziehung und setzen auf Kooperation statt auf Konfrontation.
Die Schweiz und Kuba verbindet seit 1959 eine diplomatische Geschichte, die sich von derjenigen der meisten europäischen Länder unterscheidet. Seit 1961 vertritt die Schweiz als Treuhänderin die Interessen der USA gegenüber Kuba, und seit 1991 nimmt die Schweiz diese Aufgabe auch in der Gegenrichtung wahr.
1962, mitten in der Kuba-Krise, welche die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachte, erlebte die auf Neutralität und Diskretion basierende helvetische Diplomatie einen historischen Augenblick.
Am 22. Oktober 1962 übermittelte August Lindt, Schweizer Botschafter in Washington, auf Wunsch der US-Regierung dem Schweizer Gesandten in Havanna eine Depesche für Fidel Castro: "Richten Sie dem Comandante aus, die US-Luftwaffe werde am künstlich erleuchteten Nachthimmel Aufklärungsflüge über der Insel durchführen, aber nicht bombardieren."
Zweck der Flüge war, die in Kuba stationierten sowjetischen Raketen zu fotografieren. Der Schweizer Gesandte informierte Castro und meldete lakonisch nach Washington: "Botschaft übermittelt; kein amerikanisches Feuer zu befürchten."
Die Grenzen der Diplomatie
Die nukleare Konfrontation in Kuba fand nie statt, und im Verlauf der Jahrzehnte hat die treuhänderische und diplomatische Funktion der Schweiz im Dreieck Bern-Havanna-Washington an operationeller Bedeutung verloren.
"Geblieben ist die Schutzmachtfunktion", erklärt Francesco Ottolini, erster Sekretär der Schweizer Botschaft in Havanna gegenüber swissinfo.
Besonders markant war der Abbau der Schweizer Diplomatie in Havanna, als die USA 1977 unter Präsident Jimmy Carter eine US-Interessenvertretung errichteten.
Das diplomatische US-Zwitterding zwischen Konsulat und Botschaft beschäftigt in Havanna 50 amerikanische Staatsbürger und rund 500 kubanische Angestellte.
Konstanz zwischen Kuba und der Schweiz
Heute markiert die Schweiz in Kuba eine europäisch-multilaterale Position, ohne die auf Konzilianz, Vertraulichkeit und Neutralität basierenden bilateralen Werte zu vernachlässigen.
Während die Schweiz in Havanna mit Konstanz in Erscheinung tritt, sind die Beziehungen zwischen der Karibikinsel und zahlreichen EU-Ländern wie Spanien, Frankreich und Deutschland wegen Menschenrechts-Verletzungen schwer belastet.
Im Jahre 2003 hatte Fidel Castro 75 Dissidente zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, drei Männer einer gescheiterten Bootsentführung wurden exekutiert.
Als Protest fuhren verschiedene EU-Länder ihre Entwicklungs-Zusammenarbeit mit Kuba zurück und drosselten auch die wirtschaftlichen Beziehungen mit der Insel.
Protest und Entwicklungs-Zusammenarbeit
Die Schweiz bewegt sich in die Gegenrichtung. Zwar verurteilte Bern die drakonischen Strafen gegen die Dissidenten und die Exekutionen, verfolgt jedoch die bilaterale Agenda auf nationaler und privater Ebene weiter.
Die Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit errichtete im Jahre 2000 ein ständiges Büro in Havanna und stockte das finanzielle Engagement zwischen 2003 und 2005 sogar leicht auf.
Kuba ist allerdings im regionalen Kontext kein Schwerpunkt der Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit. So fliessen allein in Länder wie El Salvador, Honduras und Guatemala pro Jahr mehr als 40 Millionen Franken für Entwicklungs-Projekte.
Wissenstransfer zwischen Kuba und der Schweiz
Nachdem Charles Kleiber, Schweizer Staatssekretär für Bildung und Forschung, Kuba im Februar dieses Jahres besucht hatte, ist auch an der Front des wissenschaftlichen und akademischen Austausches zwischen Kuba und der Schweiz mehr Dynamik festzustellen.
Die Karibikinsel befindet sich in einer Ländergruppe, mit der die Schweiz die Kooperation mittels Stipendien und Austausch von Wissenschaftern intensivieren will.
Der konziliante und neutrale Kurs der Schweiz führt in Kuba nicht immer zum Erfolg. So ist es dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seit November 1989 nicht mehr gelungen, politische Gefangene in Kuba zu besuchen.
Menschenrechts-Organisationen wie Amnesty International und America's Watch gehen davon aus, dass in Kuba mehr als 300 politische Häftlinge eingesperrt sind.
swissinfo, Erwin Dettling, Havanna
In Kürze
Kuba war für die Schweiz nie ein eigentliches Auswanderungsland.
Zurzeit sind 99 Schweizer in der Botschaft von Havanna immatrikuliert.
Den höchsten Stand der letzten zehn Jahre erreichte die Schweizer Präsenz im Jahre 2001 mit 123 immatrikulierten Bürgern.
Im Gegenzug nehmen die Heiraten zwischen kubanischen und schweizerischen Staatsbürgerinnen und -bürgern stetig zu: Im Jahre 2000 gab es 79 Vermählungen, im vergangenen Jahr heirateten 124 bionationale Paare.
Die Schweiz leistet seit 1997 in Kuba humanitäre Hilfe, insbesondere im medizinischen Bereich.