Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03365.jsonl.gz/1189

Zürich, Monotonie und Charakter
Ein qualitätsvoller Städtebau lebt von einer eindeutigen Konzeption. Damit sollte die Struktur, die Orientierung und die Identifikation gesteuert werden. Monotone Siedlungen kranken daran, dass man sich in ihnen nicht zurechtfindet und man sich nur schwer einfühlen kann.
(… vorher) Die formalen Mittel der Siedlung Triemli sind die schrägen Knicke in den Langbauten und die geschossweise Abstufung in der Höhe. Das Resultat dieser Mittel sind die Hofbildung durch zwei gebogene Längsbauten, die Nachzeichnung der Grundstücksaussengrenzen, die Überformung der Hangneigung und die Anpassung an die Nachbarsbauten in der Höhe. Orientierung entsteht bei dieser Bauweise vordringlich durch die Unterscheidung vom Hof- und Strassenraum und die Veränderung der Bauten durch die Hanglage. Ansonsten zeigen die Bauten eine anonyme Oberfläche.
Würde nach diesem Konzept weitergebaut ergäbe, sich eine starke Differenz zwischen den engen Strassenräumen und den grossen Hofbereichen. Dies kann zur Orientierung beitragen aber sie nicht vollends leisten. Auch unterschiedliche Hofformen werden die Bauten kaum prägen. Ein etwas grösserer oder kleinerer, länglicherer oder breiterer Garten ist noch kein greifbarer Anhaltspunkt, weil man die Unterschiede nur im Vergleich erfassen kann.
Orientierungs- und Identifikationswirksamer ist die Veränderung in der Fassadengestaltung zum ersten, das Einführen von Sonderbauformen zum zweiten und die stärkere Differenzierung in der Höhe zum dritten. Mitwirken könnte auch die Konzeption völlig unterschiedlicher Gartenanlagen.
Im ersten Fall (Fassade) könnten verschiedene Typen von Balkonen, Fensterformaten und Materialien für Differenz sorgen. Der brutalistische Betonplattenbau liesse sich durch eine rohe Holzschalung oder einen rauen Putz weiterführen. Die Loggias könnten leicht aus der Fassade gezogen werden. Die Fenster liessen sich von einem liegenden zu einem stehenden Format entwickeln.
Im zweiten Fall (Sonderbauten) werden diese fassadengestalterischen Massnahmen mit der Setzung von zusätzlichen Volumen ergänzt. Kleinere Punktbauten fallen im Feld der Langformen auf und bilden Fixpunkte. Gleiches können Verdickungen an den Gebäudeabschlüsse der Langbauten bewirken.
Im dritten Fall (Gebäudehöhe) unterscheiden starke Überhöhungen und sehr niedrige Teile die Bauten. Diese folgen nicht der Topografie, sondern sind im Zusammenhang mit den umliegenden Bauten im Hinblick auf die Schaffung von Orten komponiert.
Die Identifikations- und Orientierungslosigkeit der Langbauten am Triemli lässt sich also mit verschiedenen Methoden brechen. Ein Handicap bleibt jedoch bei allen Eingriffen bestehen. Die Fassaden sind in sich gleichmässig gestaltet. Durch ihre grosse Längsausdehung entsteht eine monotone Rasterung. Eine Lockerung der Struktur tut auch auf der Ebene der Architektur Not, wenn ein ganzes Quartier in der ähnlichen Weise überbaut werden soll.
Nach all diesen Veränderungen kann nicht mehr von der gleichen Typologie gesprochen werden, von der wir ausgegangen sind. Von der Siedlung am Triemli bleibt die Idee von Hofraum bildenden Langbauten. Würde die Architektur nur vervielfacht, entstünde keine qualitätsvolle Stadtform. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass sich eine beklemmende Eintönigkeit breit machen könnte. (Weiter bei …)