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Der Nordpol ist im Sprachgebrauch der nördlichste Punkt der Erde. Der geographische Nordpol entspricht dem nördlichen Durchstosspunkt der Erdachse und liegt auf der Nordamerikanischen Platte. Er befindet sich auf einer zwei bis drei Meter dicken schwimmenden Eisdecke im Nordpolarmeer, das hier 4087 Meter tief ist.
Die nördliche Erdregion mit dem Nordpol wird als Arktis bezeichnet. Sie verteilt sich auf drei Kontinente (Nordamerika, Asien, Europa). In dieser Region leben rund vier Millionen Menschen. Die Pflanzen sind mit denjenigen in den Alpenregionen verwandt. Die Fauna ist nur durch eine geringe Anzahl Säugetiere und Fische vertreten. Vögel zieht es nur gerade zum Brüten in diese Region.
Die Fläche des arktischen Meeres fernab vom nächsten Land ist grundsätzlich neutrales Territorium. Dazu zählt auch das Gebiet rund um den Nordpol. Somit ist der Meeresboden darunter ebenso staatsfreies Gebiet. Jedoch gerade dort werden grosse Mengen an Rohstoffen vermutet. Angeblich befinden sich im Nordpolarmeer rund ein Viertel der weltweiten Erdölvorkommen und 30 Prozent der Erdgasvorkommen. Unter den Anrainerstaaten ist schon seit langem eine intensive Rivalität im Gange. Zu den Anrainerstaaten zählen die USA, Russland, Kanada, Dänemark und Norwegen. Sie erheben somit territoriale Ansprüche.
Bereits 1982 einigten sich die Anrainerstaaten im Uno-Seerechtsübereinkommen über die Grenzziehung im Nordpolarmeer. Die Länder beanspruchen darin die Kontrolle einer Wirtschaftszone von 200 Seemeilen (370 Kilometer) ausserhalb ihrer Territorialgewässer. Diese Fläche kann nochmals um 200 Seemeilen ausgedehnt werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind und ein entsprechender Antrag gestellt wird. Eine Ausweitung haben bisher Norwegen, Russland, Kanada und Dänemark beantragt. Eine zusätzliche Möglichkeit wäre die Aufteilung der Arktis in Sektoren. Bei diesem Modell werden vom westlichen bis östlichen Küstenpunkt des jeweiligen Arktis-Anrainers Grenzlinien zum Nordpol gezogen. In den dreieckigen Sektoren würden alle Gebiete unter die Souveränität des Küstenstaates fallen. Der Klimawandel beschleunigt diese Ambitionen zunehmend, da mit dem Zurückweichen des Packeises mehr Flächen frei werden. Die bisher fast immer verschlossene Nordost-Passage könnte den Seeweg zwischen Europa und Asien stark verkürzen. So erstaunt es nicht, dass 2007 zwei russische U-Boote unter dem Eis bis zum Nordpol tauchten und in einem symbolischen Akt eine russische Flagge absetzten.
„Die arktischen Ölvorhaben sind teuer und riskant.“
Jon Burgwald, Arktis-Experte des nordischen Greenpeace-Büros
Es scheint, dass die menschliche Gier nach Ausbeutung der irdischen Ressourcen, insbesondere dem schwarzen Gold, nicht zu stoppen ist. Dennoch zeichnet sich zurzeit offenbar in der Arktis eine Kehrtwende ab. Drei grosse Ölfirmen haben Anfang dieses Jahres ihre Bohrungen gestoppt. Gleichzeitig schlugen die Unternehmen auch ein grosszügiges Angebot der grönländischen Regierung aus. Sie bot ihnen die kosten- und verpflichtungslose Verlängerung der teuren Lizenzen an. Die Ölfirmen Maresk Oil, Cairn Energy und Chevron ziehen sich vermehrt aus dem teuren und hochriskanten Geschäft zurück. Die Arktis ist eines der letzten intakten Ökosysteme der Erde und ein einzigartiger Lebensraum für Mensch und Tier. Ein Ölunfall in diesem Gebiet wäre eine riesige Katastrophe. Die Beseitigung der Schäden ist in der extremen Kälte nahezu unmöglich und die Ölpest würde das Ökosystem völlig zerstören. Jon Burgwald, Arktis-Experte des nordischen Greenpeace-Büros, erklärt: „Das ist ein weiterer Sargnagel für die Jagd auf Öl in der Arktis. Das zeigt einmal mehr, dass arktische Ölvorhaben sowohl zu teuer, als auch zu riskant sind – nicht nur für die unberührte arktische Natur, sondern auch für den Ruf jedes ernstzunehmenden Unternehmens. Die grönländische Regierung sollte das zum Anlass nehmen, jegliche Öl-Erkundungen ein für alle Mal zu beenden.“
Am riskanten Unterfangen haltet der russische Grosskonzern Gazprom aber fest. Auch das britisch-niederländische Unternehmen Shell verdient sich nicht gerade gute Noten mit den Bohrungen in der Arktis. Nach Pleiten, Pech und Pannen ist die Tochterfirma Noble in einen Sicherheitsskandal verwickelt und zu einer Busse von rund 12 Millionen Franken verurteilt worden. Inwiefern sich das Abenteuer Arktis für die Öl-Industrie lohnt, hängt auch vom Preis des Öls ab. Es wird sich zeigen, ob die Eisbären weiter in Ruhe nach Robben jagen können oder ob ihre Ruhe durch die Anwesenheit von Öl-Plattformen vermehrt gestört wird.
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