Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03498.jsonl.gz/242

Elegie in Brachial
Eines Nachts stand ich auf und brachte den Fluss zum Fliessen.
Ohne Wasser. Ich setzte mich in die Küche und rieb die Lebenssteine
aneinander, beschwor den einen unerklärlichen Funken.
Ich hüpfte ins Schlafzimmer und wollte die Briefe niederbrennen,
doch erbrach ich sie zuvor auf ihre Logik. Wie Venen erbrach ich sie.
Doch da war kein Blut. Nichts brannte. Also flüchtete ich mich tiefer hinab
zum Fluss und folgte dem Fluss bis zum Meer, wo mir der Geliebte der
Andern zuwinkte: Ich hab dich allein geliebt!
Ich lief übers Meer, das unter mir nicht nachgab. Das Meer kreiste
krächzend leer, mit Bauch nach Oben. Es tat etwas weh. Also versuchte
ich etwas Schönes zu denken: Ich dachte, wie ich eines Nachts aufstand.
Mit Wasser den Fluss zum Fliessen brachte. Zucker gab in meinen Tee und
in den Briefen blätterte, die mich vor Komik zum Lachen brachten.
Ich flanierte zum Hafen, wo ich dem Geliebten der Andern zuwinkte:
ich hab dich mit dir zusammen geliebt! Der Geliebte der Andern packte
mich und warf mich vergnügt ins Meer, das unter mir nachgab.
Es tat etwas weh.
Als Königin der Tiefe des Meeres versuche ich nochmals
etwas Schönes zu denken.
(2020/23)