Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03238.jsonl.gz/355

Annemiek van Vleuten, der Star des Frauen-Radsports, krönt ihre Super-Saison mit WM-Gold im Strassenrennen. Dabei war der Start der Niederländerin wegen eines Ellenbogenbruchs lange Zeit ungewiss. Elise Chabbey fehlt als Neunte nur wenig zu einer Medaille.
Chabbey bewies im mit 164,3 km längsten Frauen-Strassenrennen in der WM-Geschichte ein weiteres Mal, dass sie mit der Weltspitze mithalten kann. Zusammen mit ihrer Teamkollegin Marlen Reusser zeigte die 29-jährige Genferin ein sehr aktives Rennen. Die beiden waren ganz vorne vertreten, als es auf der letzten Runde des knapp 17 km langen Stadtrundkurses in Wollongong um die Entscheidung ging. Reusser versuchte 12,5 km vor dem Ziel sogar, sich mit einem Solovorstoss vom kleiner gewordenen Feld abzusetzen. Die Berner Zeitfahr-Spezialistin fuhr einen Vorsprung von 20 Sekunden heraus, wurde im letzten Anstieg des Tages aber wieder gestellt.
Chabbey war in dieser kurzen, ruppigen Rampe nicht ganz in der Lage, mit den fünf Konkurrentinnen Schritt zu halten, die sich 8 km vor dem Ziel an die Spitze des Rennens setzten. Mit einem persönlichen Kraftakt und der starken Nachführarbeit von Reusser konnte die frühere Kanu-Olympiateilnehmerin noch vor dem letzten Kilometer aber wieder zur Spitze aufschliessen. Im Sprint um den 2. Platz war Chabbey gegen die endschnelle Konkurrenz dann aber chancenlos. Sie musste sich mit Rang 9 begnügen, Reusser wurde mit elf Sekunden Rückstand 13.
«Marlen hat gut attackiert», analysierte Chabbey. «Mir hat nur wenig gefehlt, um (nach dem letzten Anstieg - Red.) mit der Spitzengruppe mitzuhalten. Danach haben wir uns sehr bemüht, wieder heranzukommen - dummerweise wahrscheinlich. Aber ich wollte nichts bereuen.»
Als lachende und etwas ungläubige Siegerin stand an einem verregneten Tag Annemiek van Vleuten da. Während sich Chabbey und ihre acht verbliebenen Konkurrentinnen auf den Schlusssprint vorbereiteten, nutzte die 39-jährige Niederländerin die Unentschlossenheit der anderen und rauschte 800 Meter vor dem Ziel von hinten an der Gruppe vorbei. Die Lücke liess sich bis ins Ziel nicht mehr schliessen, so dass die Zeitfahr-Olympiasiegerin von Tokio zu ihrem zweiten WM-Titel auf der Strasse nach 2019 fuhr.
Für Van Vleuten war es die Krönung eines aussergewöhnlichen Jahres, in dem sie bereits den Giro d'Italia, die Tour de France und die Vuelta für sich entschieden hatte. Dabei war ihr Start lange Zeit ungewiss. Am Mittwoch war die Saison-Dominatorin im Mixed-Teamzeitfahren kurz nach dem Start schwer gestürzt und hatte sich dabei einen unverschobenen Bruch des Ellenbogens zugezogen.
Die Schmerzen unterwegs seien «die Hölle gewesen», sagte Van Vleuten im Siegerinterview. «Am Berg konnte ich nicht aus dem Sattel gehen. Meine Beine sind dort explodiert.» Weil sie mit dem Ellbogen nicht sprinten konnte, sei ihr nichts anderes übrig geblieben, als zu attackieren. «Das war die einzige Chance, die ich hatte. Ich habe nur darauf gewartet, dass sie mich einholen, aber sie kamen nicht.» (dab/sda)