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Der drei Quadratkilometer grosse und maximal drei Meter tiefe Lac Retba liegt dreissig Kilometer von der senegalesischen Hauptstadt Dakar entfernt. Im Salzwasser lebende Mikroorganismen verleihen der Wasseroberfläche eine aussergewöhnliche Färbung. Aus diesem Grund wird der See Lac Rose genannt.
Der kleine See ist so stark mit Salz gesättigt, dass es sich am Seeboden ablagert. Jedermann darf es abbauen. Der See ist öffentliches Gut und gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Allerdings muss das Mineral von Hand gefördert werden, um das fragile ökologische Gleichgewicht des Gewässers nicht zu gefährden.
Dazu stellen sich die Salzgräber bis zur Brust ins Wasser und brechen die Ablagerungen mit Stangen und Spaten auf. Dann hieven sie das nasse Salz mit Körben in Boote, die sie mit Holzstangen vorantreiben. Zum Schutz vor dem Wasser, das einen Salzgehalt um vierzig Prozent aufweist, reiben die Salzgräber ihre Körper mit selbst gemachter pflanzlicher Butter ein. Sie führen einen Kanister mit Süsswasser mit, um sich die Augen auszuwaschen. Die Arbeit ist gesundheitsschädigend, weil das Salz den Körper dehydriert und die Schleimhäute austrocknet. Die Männer arbeiten zwischen sieben und acht Stunden täglich, um ein Boot zu füllen. Eine Ladung Salz können sie für zirka 22 Franken verkaufen. Der Kilopreis wird von einer Salzkommission festgelegt, deren Mitglieder in den fünf umliegenden Dörfern gewählt werden. Sie regelt auch die Arbeiten am See, um eine Übernutzung zu verhindern.
Frauen aus diesen Dörfern tragen das nasse Salz in Eimern von den Booten an Land und schichten es dort zu Bergen auf. Fünf bis sechs Stunden täglich balancieren sie die gegen vierzig Kilogramm schweren Zuber auf dem Kopf.
Die Salzgräber sind verpflichtet, diese Arbeit an die Frauen abzugeben und ihnen dafür ein Tagesgehalt von zirka fünf Franken zu bezahlen. Es ist eine sehr beschwerliche Arbeit und ebenfalls mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Auf das kleine Einkommen sind die Frauen dringend angewiesen, um das Nötigste für sich und ihre Kinder zu kaufen.
Der Lac Rose gehört keinem Konzern, der die Menschen ausbeutet. Trotzdem wird das grosse Geschäft mit dem weissen Gold im Westen gemacht. Das Salz ist in der Schweiz zu einem Kilopreis von 38 Franken erhältlich. Bei den Arbeitern am Lac Rose kostet es einen Franken.
Für die Reportage am Lac Rose reiste Christian Bobst im September 2012 und Februar 2013 in den Senegal. Fotografien von Christian Bobst sind noch bis zum 9. Februar 2014 in der Zürcher Photobastei an der Bärengasse 9 zu sehen. www.photobastei.ch