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Erstmals wurde die Epidemie auch auf einer Farm im Norden Englands, in Northumberland, festgestellt. Bisher hatte es nur Fälle im Süden gegeben. Die Veterinärbeamten glauben, dass der Hof in Northumberland der Ursprungsort der Seuche sein könnte. «Wenn es tatsächlich die Quelle ist, dann wäre das ein wichtiger Durchbruch», sagte ein Sprecher. Auch in Schottland wurden mehrere Höfe kontrolliert. Insgesamt galten für 600 Betriebe besondere Schutzmaßnahmen.
Der britische Premierminister Tony Blair stellte den betroffenen Bauern Hilfe in Aussicht. Die Seuche sei «nun wirklich das Letzte», was die BSE-gebeutelten Farmer gebrauchen könnten, sagte er. Landwirtschaftsminister Nick Brown rief zu größter Vorsicht auf: «Für die Öffentlichkeit bedeutet das, den Kontakt mit Vieh und Höfen so weit wie möglich zu vermeiden, für die Farmer bedeutet es, die höchsten Hygienestandards einzuhalten.»
Weite Teile Großbritanniens standen praktisch unter Quarantäne: Die Briefträger zum Beispiel brachten dort die Post nur noch ans Hoftor. Im ganzen Land wurden alle Jagden bis auf weiteres abgesagt, da Jäger oder ihre Hunde das Virus weiter verbreiten könnten. Auf den Viehmärkten fiel der Preis für Rinder, Schafe und Schweine um 25 Prozent. Der Fleischverkauf im Supermarkt nahm jedoch nicht ab. Belgien sperrte die Viehmärkte für eine Woche. Spanien verschärfte die Einfuhrkontrollen. Die irisch-nordirische Grenze wurde von 500 Polizisten und 300 Soldaten überwacht, um illegale Viehtransporte zu verhindern.
Das in England um sich greifende Virus vom Typ O kann nach Experten-Angaben auf vier verschiedene Arten übertragen werden: durch den Transport von Tieren; durch ausgeatmete Viren der Tiere in der Luft; durch infiziertes Tierfleisch; oder durch eine Person, ein Kleidungsstück oder jeden anderen Gegenstand, der mit einem befallenen Tier in Kontakt gekommen ist.
Da das Virus aus Asien stammt, lebendes Vieh aus Asien in Großbritannien aber nicht eingeführt werden darf, gilt eine Übertragung durch ein Wurstbrot oder ein anderes Fleischprodukt als wahrscheinlich. «In einigen Kulturen ist es Sitte, Lebensmittel als Geschenke mitzubringen, wenn man Freunde oder Verwandte im Ausland besucht», sagte Paul Kitching vom britischen Institut für Tierkrankheiten. «Es kann zum Beispiel sein, dass jemand etwas zu essen aus einer Region oder einem Land mitbringt, in dem die Krankheit grassiert, und wenn man das dann zum Beispiel einem Schwein zum Fressen hinwirft, wird das Virus übertragen.»
Teile der britischen Presse forderten am Freitag eine schnelle Aufhebung des Exportverbots für britische Rinder, Schafe und Schweine. Die konservative «Times» schrieb: «(Landwirtschaftsminister) Brown muss sich jedem Versuch anderer EU- Länder widersetzen, das Exportverbot im Interesse ihrer eigenen gebeutelten Bauern zu verlängern.» Die «kontinentalen Lobby-Gruppen» wollten die Seuche nutzen, um die britische Konkurrenz zu schädigen. (dpa, 23. Februar 2001)