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Werdegang des Gemeinnützigen Frauenvereins Emmen
Aus dem Gründungsprotokoll im Jahr 1904: "Überzeugt vom allseitigen segensreichen Wirken des Gemeinnützigen Frauenvereins entschlossen sich einige Frauen und Töchter von Gerliswil und Emmen, auch in unserer aufstrebenden Gemeinde einen Frauenverein zu gründen. Ein erlassenes Zirkular lud die Frauen und Töchter von Emmen und Umgebung zu einer Versammlung auf Sonntag, den 21. August 1904, im Arbeitsschulhaus Gerliswil ein. Frau Gemeindeschreiber Suter-Bühlmann leitete die Versammlung. Zuerst machte sie die Anwesenden bekannt mit den Bestrebungen der Frauenvereine und liess dann die zu Faden geschlagenen Statuten vorlesen. Sie wurden allenthalben gutgeheissen. Ein umhergereichter Bogen, auf dem die Anwesenden durch ihre Unterschrift den Eintritt in den neuen Verein erklären konnten, brachte zum Erstaunen aller bereits über 80 Mitglieder. Als Präsidentin wurde einstimmig Frau Suter-Bühlmann gewählt."
Als die dringlichsten Anliegen der 3200-Seelen-Gemeinde erachteten die Vereinsmitglieder 1904 die Unterstützung Armer, Kranker und Betagter, die Förderung der Hauswirtschaft, den Aufbau der Krankenpflege und das Durchführen von Kursen. So orientierte sich der Gemeinnützige Frauenverein an den damaligen Bedürfnissen. Bügelkurse sowie ein Kurs für Gemüseanbau wurden angeboten, daneben gab es Kurse für die Einlagerung und Konservierung von Gemüse. Wenn man sich überlegt, dass 1904 wahrscheinlich noch die wenigsten Haushalte mit Elektrizität voll versorgt waren, kann man sich vorstellen, dass ein Bügelkurs wohl nicht nur die schärfste Bügelfalte als Kursziel im Visier hatte, sondern möglicherweise der Frage nachging, wie man Kleidungsstücke bügelte, ohne sie mit der heissen Kohle zu verglühen, die zum Erwärmen der Bügeleisen eingesetzt wurde.
Kurse über das Konservieren von Lebensmitteln müssen während Jahren einen regelrechten "Boom" verzeichnet haben.
Bereits 1906 wurden die ersten Nähkurse angeboten. Diese sind bis in die heutige Zeit wesentlicher Bestandteil des Kursprogrammes und bieten Stoff für eine eigene Chronik.
Zwei Weltkriege und Weltwirtschaftskrise
Der Gemeinnützige Frauenverein leistete viel Aufbauarbeit im Sozialwesen: Er liess Krankenpflegerinnen ausbilden, errichtete das Krankenmobiliendepot und nähte Krankenwäsche. Beliebt, weil von absoluter Notwendigkeit, war jeweils die zu Winteranfang durchgeführte Holzschuhaktion. 1911 meldeten 24 Familien mit 197 Kindern (was einem Durchschnitt von acht Kindern pro Familie entsprach) ihr Bedürfnis an. Weiter führte der Frauenverein Kochkurse ein; er ernannte eine Fürsogerin, die bis ins Jahr 1948 aktiv war und abklärte, wo am meisten Hilfe Not tat.
1918 eröffnete der Gemeinnützige Frauenverein eine Suppenküche, in der täglich 300 Liter Suppe gekocht und abgegeben wurden. Zu diesem Zweck stellte die Gemeinde dem Verein die Küche, das Brennmaterial und einen Keller im Sprengi-Schulhaus zur Verfügung, ferner ein Stück Land von 90 Quadratmetern zum Anbau von Suppengemüse.
1920 verzeichnete der Frauenverein einen grossen Erfolg: Nach hartem Kampf mit der zuständigen Behörde wurde ein Obligatorium für Hauswirtschaft ab dem 7. Schuljahr eingeführt.
Die Zeit zwischen den Kriegen war geprägt von Entbehrungen. Um die Not zu lindern, sammelte der Verein Kleider und Spielsachen, die sortiert, repariert, gewaschen und an Bedürftige verteilt wurden.
Die wackeren Frauen des Gemeinnützigen Frauenvereins bemühten sich aber auch, die Moral aufrecht zu erhalten. In einem Protokoll aus dem Jahre 1933 steht geschrieben: "Durch unser Einwirken suchen wir mancher armen Frau ihr Los etwas zu erleichtern, indem wir, oft in Verbindung mit den Behörden, grobe und arbeitsscheue, sowie Trinkermänner zur Ordnung weisen und die Familien unter den Schutz der Amtsvormundschaft stellen." Im selben Protokoll liest man: "Auf Weihnachten bringen wir in Verbindung auch mit anderen gemeinnützigen Vereinen wo möglich in jede bedürftige Familie etwas Weihnachtsfreude... Unsere Fürsorgerin versteht es ausgezeichnet, jedem Paket eine persönliche Note beizubringen; keines enthält nur die notwendigen Strümpfe oder Schuhe und diverse Kleider, Wolle oder dergleichen. Nein, auch etwas auf den Weihnachtstisch ist darin: Nüsse, Äpfel, Guetzli, Chocolade, oft ein Stück Fleisch für den Festtag, ein Päckli Cigaren für den Vater, Puppen für die Kleinsten, sogar die Kerzli für den Baum fehlen nicht." Diese Weihnachtsbescherungen werden bis ins Jahr 1970/71 in den Jahresberichten erwähnt.
1939 gab der Bund dem Frauenverein Sockenwolle ab mit der Auflage, diese an Wehrmannfrauen zum Stricken zu übergeben. Immerhin erhielten die strickenden Frauen einen Lohn von Fr. 1.35 bis 1.45 pro Paar gestrickte Socken.
Weitere Meilensteine
In den Nachkriegszeiten bot der Frauenverein Hand bei der Flüchtlingshilfe. 1949 nahmen Familien in der Gemeinde 250 Kinder aus Radkersburg auf. Ab den 50er-Jahren konzentrierte sich der Verein wieder vermehrt auf gemeindliche Anliegen. Säuglingspflegekurse wurden auf Anraten der Pro Juventute ins Jahresprogramm aufgenommen. Ferienplätze für Mütter und Kinder wurden finanziert, Lebensmittelgutscheine ausgegeben und Besuche bei Kranken und Betagten getätigt. 1980 organisierte der Gemeinnützige Frauenverein die erste Aluminiumsammlung in der Gemeinde.
Nicht wegzudenken in Emmen ist die alljährlich vom Gemeinnützigen Frauenverein durchgeführte Kinderkleider- und Spielwarenbörse. Sie wurde 1972 ins Leben gerufen. Dem damaligen Jahresbericht der Präsidentin Martha Vecellio ist Folgendes zu entnehmen: "Wir glaubten, mit der Einführung einer solchen den Frauen einen Dienst zu erweisen. Nach reiflichem Überlegen und Informieren wagten wir den Versuch, eine solche zu starten. Es war leichter, 18 Frauen zum Mithelfen zu finden, als das geeignete Lokal, schlussendlich konnten wir uns mit den Jungen arrangieren und siehe da, der Jugendkeller eignete sich gut und auch organisatorisch klappte es.
Mit anderen Frauenvereinen der Gemeinde führte der Gemeinnützige Frauenverein 1980 das Märtkafi anlässlich des Gerliswiler Herbstmarktes ein.Viele engagierte Frauen backten Kuchen und Torten, die am Märtkafi angeboten wurden. Der Erlös kam einer gemeinnützigen Institution zugute, z.B. dem Krankenpflegeverein. Leider existieren das Märtkafi und der Märt nicht mehr.
Ludothek
Im Jahresbericht 1982/83 schreibt die damalige Präsidentin Maria Meier-Isenschmid: "Glücklich bin ich, dass ein von mir schon lange gehegter Wunsch nach etlichen Schwierigkeiten nun verwirklicht wird. Unsere Ludothek wird zum Tragen kommen. Die Eröffnung findet in Kürze statt."
Die Ludothek erfreute sich in Emmen schnell grosser Beliebtheit, und das Spielematerial musste aufgestockt werden. 1994 konnte der 1000. Kunde begrüsst werden. 1997 wurde das Ausleihsystem computerisiert. Grosse Anerkennung wurde der Ludothek 1999 zuteil. Zusammen mit dem Verein Doposcuola erhielt die Ludothek den "Emmer Impuls", den Anerkennungspreis der Gemeinde Emmen für ausserordentliche Verdienste an der Allgemeinheit.