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Gibt es Widersprüche in der Bibel?
Aus dem Manuskript «Das Prinzip der zwei oder drei Zeugen in der Bibel»:
Gottes Wort kann keine Widersprüche aufweisen. Gott ist ewig, er kann sich nicht selbst widersprechen. Was sich widerspricht, vergeht früher oder später. So ist auch die Bibel in ihrer originalen Fassung irrtumsfrei und widerspruchsfrei.
Die vermeintlichen Unterschiede der Zeugnisse sind viel mehr erstens: Sich ergänzende, d.h. mit unterschiedlichen Elementen derselben Geschichte versehene Erzählungen; z.B. verschiedene Gottesnamen im AT bei derselben Begebenheit für verschiedene Offenbarungen Gottes im Sinne von verschiedenen Aspekten seines Handelns mit oder an den Menschen; oder die verschiedenen Elemente über das Wandeln Jesu auf dem See Genezareth; oder die Äusserungen Jesu am Kreuz in den vier Evangelien.
Und/oder die Unterschiede sind zweitens: Dieselben Elemente derselben Geschichte erkennbar aus verschiedenen Gesichtspunkten und/oder für verschiedene Adressaten erzählt, z.B. der väterliche und mütterliche Stammbaum Jesu im Matthäusevangelium aus jüdischer Sicht – der gesetzliche Vater bestimmt den Stammbaum – und im Lukasevangelium aus griechischer/römischer Sicht – die natürliche, nicht verheiratete Mutter bestimmt den Stammbaum.
Weiter ist zu beachten, dass eine verschiedene Optik desselben Autoren weder ein theologischer Widerspruch noch doppeltes Zeugnis ist, sondern zu ein- und demselben komplexen Zeugnis gehört. Gott lässt sich nicht in unsere eindimensionale Logik und in unsere Kausalitäten einbinden. So kann derselbe Prophet ein- und dasselbe Gericht einmal Gott und das andere Mal Satan zuordnen, da Gott – in unserer Logik schwer nachvollziehbar – auch durch Satan wirkt. Dasselbe Gericht kann zugleich als Gnade bezeugt werden, soweit es nicht Verstockung, sondern Demut und Umkehr bewirkt. Vorweggenommene Gerichte Gottes in dieser Zeit haben also theologisch zwei Seiten: entweder führen sie zur Verstockung oder zur Umkehr. Bei solchen Schriftstellen werden unterschiedliche Optiken über denselben Vorgang von demselben Propheten beschrieben, ohne dass es doppeltes Zeugnis wäre. Doppeltes Zeugnis liegt dagegen vor, wenn dasselbe Gericht noch von einem oder zwei weiteren Propheten angekündigt oder bezeugt wird.
Verwenden zwei erkennbar verschiedene Autoren der Bibel für denselben Sachverhalt eine verschiedene theologische Optik, so handelt es sich um echt doppeltes Zeugnis und hat nicht einfach der eine dem anderen abgeschrieben. Die Optik wurde ja offensichtlich bewusst nicht künstlich in Übereinstimmung gebracht, obschon die Versuchung nach menschlichem Ermessen gross gewesen sein müsste und man dazu auch später noch Jahrhunderte lang Zeit gehabt hätte.
Die Unterschiede des echt doppelten Zeugnisses sollten auf der einen Seite so eindeutig sein, dass die Aussagen erkennbar von verschiedenen Urhebern (Zeugen) stammen, weil man sie beim blossen Kopieren vernünftigerweise so nicht hätte stehen lassen. Auf der anderen Seite dürfen sich die Aussagen inhaltlich nicht widersprechen, sondern nur ergänzen, so dass die eine gemeinsame Grundaussage in sich stimmig ist, ansonsten die Substanz des doppelten Zeugnisses zerstört würde.
Also: Lassen nicht schon mehrere Zeugen oder lässt nicht schon die unterschiedliche Form der Zeugnisse auf verschiedene Quellen schliessen, so sind jedenfalls unterschiedliche inhaltliche Elemente oder Gesichtspunkte innerhalb eines Zeugnisses notwendig zur Erkenntnis der verschiedenen Quellen, auf welche sich der eine Autor stützt. Sie dürfen aber nicht derart sein, dass die Aussagen nicht mehr übereinstimmen können.
Somit gilt: Inhaltliche Unterschiede im Sinne von Ergänzungen untergraben nicht etwa das Doppelzeugnis, sondern sie unterstützen dessen Glaubhaftigkeit, weil so aus zwei verschiedenen Quellen letztlich eine einzige übereinstimmende, wahre Aussage erkennbar wird und ein plumpe Kopie ausgeschlossen werden kann.
Zu beachten sind aber auch ein paar wenige echte inhaltliche Differenzen der verschiedenen Überlieferungen der Bücher der Bibel, welche auf Abschreib- oder Übersetzungsfehler zurückzuführen sind. Die Textforschung deckt solche Übertragungsfehler je länger je besser auf.
Siehe auch weitere Beiträge (Oster-Chronologie etc.).