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Über drei Jahrzehnte durfte Harrison Funk den King of Pop mit seiner Kamera begleiten. Der Fotograf spricht über seine Lieblingsaufnahmen und wie er Michael erlebt hat. „Michael hatte sich nicht eindeutig als ein bestimmtes Geschlecht identifiziert“, so Funk über die 1980er Jahre.
„Ich und Michael hatten unsere eigene Sprache“, sagt Harrison Funk. „Das Stichwort war immer dasselbe. Er fragte: ‘Harrison, kannst du Magie entstehen lassen?’ Alles andere war nicht akzeptabel.“
Ende der 1970er Jahre traf Harrison Funk erstmals auf Michael Jackson. Im Jahr 1984 engagierte ihn der King of Pop als offiziellen Tourfotografen der Victory Tour. Dabei durfte er die Jackson-Brüder auch hinter der Bühne ablichten. „Er und Jermaine liebten es, sich selbst zu schminken“, sagt Funk. Michael sei zunehmend an seiner Erscheinung interessiert gewesen. Sein Look sei von Mentoren wie Gene Kelly, Fred Astaire und James Brown beeinflusst gewesen.
„Michael hatte nicht so viel Weiblichkeit wie Androgynität – er war fliessend hinsichtlich Geschlecht. Michael hatte kein Interesse daran, jemandem ein Geschlecht zuzuweisen.“ In diesem Moment habe er sich nicht eindeutig als ein bestimmtes Geschlecht identifiziert. Als er jedoch Vater wurde, habe sich sein Image zu dem eines Vaters gewandelt. „Er wurde in diesem Sinn ein starker Mann.“
„Er erwartete Perfektion“
Während der Victory-Tour habe er gelegentliche Zornausbrüche Michael Jacksons erlebt. „Michael hatte sehr fordernde Momente. Wenn er etwas nicht mochte, liess er das dich wissen. Michael hat mich nie verhöhnt, aber wenn jemand das Design seiner Bühne durcheinander gebracht hat, dann hat er sie angeschrien. Er erwartete Perfektion.“
Die Welt umarmt
Auf gewisse Auftritte und Fotos angesprochen, sagt Harrison Funk: „Die Leute sagen, Michael hätte einen Jesus-Komplex. Aber das pisst mich an, weil es einfach nicht wahr ist.“ Ein Foto, in dem Michael die Hände wie in einer biblischen Pose weit von sich streckt, habe er geschossen, um Michaels ausdrucksstarken Hände zu zeigen. Und es sei für ihn eine gute Art und Weise gewesen, die Welt zu umarmen. „In dieser Phase war seine ganze Existenz darauf ausgerichtet, die Welt zu heilen“, so der Fotograf. „Grosse, ausdrucksstarke Hände zu haben, war eine sehr wichtige Art, mit den Menschen zu sprechen.“ So wie Michael mit den Händen kommuniziert habe, hätte man gedacht er sei ein Italiener.
„Er wurde von falschen Leuten beeinflusst“
Michael sei womöglich schüchtern gewesen. „Aber seine Schüchternheit und Introvertiertheit hinderte nie seine Fähigkeit, mit mir als Fotograf zu arbeiten. Michael wusste genau, was er künstlerisch wollte, bis zu den letzten zwei Jahren seines Lebens, in denen er sich von falschen Leuten beeinflussen liess und es ihm über den Kopf wuchs.“
Er spreche nicht gerne über Michael Jacksons Tod. Harrison Funk wäre bei den This Is It Konzerten wieder als Fotograf dabei gewesen.
Charity-Projekte nach This Is It
„Ich sage, dass er von Menschen zerstört wurde, die nur ihre eigenen finanziellen Interessen im Herzen hatten. Ich kann euch sagen, dass ein grosser Teil seiner Pläne nach der This Is It Tour darin bestanden, Wohltätigkeitsarbeit zu leisten und seinen Einfluss zu nutzen, um die Menschheit zu verbessern.“
Michael Jackson sei sich der Macht von Bildern sehr bewusst gewesen. In den frühen 1990er Jahren habe er Harrison Funk für ein Fotoshooting mit dem kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen Nelson Mandela und Elizabeth Taylor gebeten. Das Shooting zähle er zu seinem Karrierehöhepunkt, sagt Funk.
Zum tragischen Tiefpunkte zähle er, als Michael wegen Kindsmissbrauch angeklagt wurde. „Alle Beschuldigungen und den Unsinn, den er durchgemacht hat“, schüttelt der Fotograf den Kopf. „Lass mich dich das fragen: Was ist ein besserer Weg, jemanden zu ruinieren, der den Kindern der Welt massive positive Veränderungen bringen wird, als sie zu diskreditieren?“
„Er wollte nicht weiss aussehen“
Auch die Medienstimmen, Michael Jackson wolle weiss sein. Michael habe an Vitiligo gelitten. „Es war völliger Schwachsinn. Er wollte nicht weiss aussehen oder einen Ausweg finden. Er war sehr stolz darauf, ein Schwarzer zu sein. Michael litt an einer grausamen Hautkrankheit, die sein Aussehen veränderte, und ich musste mich als Fotograf darauf einstellen und seine Beleuchtung anpassen.“
„Ich denke das Problem war, dass Michael unbedingt wollte, dass seine Haut gleichmässig aussieht. Ich hatte damals noch keinen Photoshop, also beleuchtete ich Michael selbst und hatte spezielle Techniken, um ihn möglichst gut aussehen zu lassen.“
Der komplette Interview-Artikel von „The Guardian“ mit tollen Fotos, so auch ein bisher unbekanntes, auf dem Michael ein Buch vor sein Gesicht hält. Das Foto war für eine Werbeanzeige für das „World Book Encyclopedia“ gedacht.
Harrison Funk verbrachte drei Achterbahn-Jahrzehnte, in denen er das aussergewöhnliche Leben der Poplegende einfing. Er enthüllt die Geschichten hinter seinen Lieblingsaufnahmen, von Umarmungen mit Mandela bis hin zu einer Puderquaste hinter den Kulissen.