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Wer den Trailer für Steven Spielbergs Jaws von 1975 als Lehrfilm nutzt, weiss, dass der Weisse Hai nicht des Menschen bester Freund ist. «A mindless eating machine» sei der Hai, so die Sprecherstimme über einer Subjektiven des Meerestieres zu Beginn des Trailers. Millionen Jahre der Evolution habe er überlebt, ohne Wandel, ohne Leidenschaft und ohne jede Logik: «It will attack and devour anything.» Sich den Hai so vorzustellen leuchtete offenbar vielen Menschen ein. Jaws war der erste Blockbuster, der im amerikanischen Heimmarkt mehr als hundert Millionen Dollar einspielte.
Auch nicht als Freund, aber doch immerhin als Ehrfurcht heischenden Gebieter stellt ihn der Mann vor, der den Hai in freier Wildbahn erstmals mit der Unterwasserkamera einfing und ins Kino brachte: Der österreichische (und zwischenzeitlich grossdeutsche) Meeresbiologe, Tauchpionier, Techniktüftler und Filmregisseur Hans Hass (1919–2013).
Vom Ufa-Kulturfilm Pirsch unter Wasser von 1942 über die Kinofilme Menschen unter Haien von 1947, Abenteuer im roten Meer von 1951 und Unternehmen Xarifa von 1954 bis zu der gemeinsam vom Südwestfunk und der BBC produzierten Fernsehserie Expedition ins Unbekannte: Stets kulminierten Hass’ Filmarbeiten in der Begegnung mit Haien, und niemand schaute den vermeintlich so gefährlichen Meeresräubern gelassener und kundiger ins Auge als der Regisseur, Tauchpionier und Filmstar Hass selbst.
«Im Kino bleibt kein Teil der Welt mehr unentdeckt!», jubilierte die französische Regisseurin und Filmtheoretikerin Germaine Dulac in einem Text aus den Zwanzigerjahren. Dass das wenige Jahre später auch für das offene Meer und die Tiefsee galt, war ganz wesentlich das Verdienst von Hans Hass.
Seit den 1910er-Jahren und den ersten Unterwasserfilmen von John Earnest und George Williamson gehörte die Tiefsee zu den Drehorten, die der Filmkamera zugänglich waren. Earnest und Williamson arbeiteten allerdings noch mit schweren Tauchanzügen, die über Luftschläuchen mit der Wasseroberfläche verbunden blieben. Erst die Atemgeräte, die in den frühen Vierzigerjahren fast zeitgleich in Frankreich und Deutschland von Jacques-Yves Cousteau und Hans Hass entwickelt wurden, ermöglichten es Tauchern sich unter Wasser längere Zeit frei zu bewegen. […]
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