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Die südwestliche und mehr noch die nordwestliche
Küste werden von mächtigen
Korallenriffen umsäumt; sehr ausgedehnt ist
auch das nordöstliche
Riff zwischen
Kap. Amber und
Tamatave, das auch die
InselSte.-Marie einschließt. Bedeutendere fjordartige
Einbuchtungen hat die Nordwestküste in der Marambitra-, Bombetoke-, Mayambo-, Narinda-, Radama- und
Pasandawabai, die Nordostküste in der Antongilbai; unbedeutender ist eine
Reihe von
Einschnitten südlich von
Tamatave.
Was die Bodengestaltung Madagaskars anlangt, so wird Madagaskar keineswegs, wie man oft annahm, in seiner ganzen
Länge und in gleichen
Abständen von derOst- und Westküste von einer großen
Gebirgskette durchzogen, die
Wasserscheide liegt
vielmehr 100-120 km vom Ostrand.
Grandidier unterscheidet fünf verschiedene
Gebirgsketten, welche sämtlich von NNO. nach
SSW. verlaufen. Die erste, von W. gerechnet, ist niedrig, die zweite, Bemaraha genannt, ist anfangs schmal, bildet aber später
mit der ersten eine weiteHochebene.
Alle drei ersten
Ketten werden durch Sandebenen oder trockne, von wenig tiefen
Rinnsalen durchfurchte
Hochebenen getrennt. Die
beiden andern
Ketten, östlich von 43° 20' östl. L. v. Gr., bilden
eine ungeheure
Masse granitischer
Berge, die durch zwei verschiedene
Erhebungen entstanden zu sein scheinen. Die erste erstreckt
sich von der
Halbinsel Anurutsangane bis 22° südl.
Br. und hat eine durchschnittliche
Breite
[* 9] von 160 km,
die zweite zieht die ganze Ostküste von Wohemar bis
FortDauphin
entlang. Dieses große granitische Massengebirge hat nur eine durchschnittliche Höhe von 1000-1200 m; die höchsten Gipfel
liegen nahe dem Mittelpunkt der Insel im Ankaratragebirge; es sind dies Ambohimirandrana (2350 m), Ankawitra (2530 m), Tsiafakafo
(2540 m) und Tsiafajavona (2590 m). Nach Sibree erstreckt sich eine vulkanische Linie in ununterbrochenem Zug
von SO. nach NW. und bis zur äußersten Nordspitze mit zahlreichen ausgebrannten und zum Teil mit Wasser gefüllten Kratern.
Daß die vulkanischen Kräfte noch nicht ganz erloschen sind, beweisen leichte, jährlich vorkommende Erdstöße und mehrere
heiße Quellen. Der Grundstock der Gebirge scheint durchgängig aus Granit und Gneis zu bestehen; im erstern
ist Quarz in mächtigen Adern abgesondert. Bergkristalle sind häufig, und Basalt findet sich in großen, gebirgsartigen Anhäufungen.
Der südwestliche Teil des Ankaratragebirges enthält ein Lager
[* 11] kohlensauren Kalks mit Höhlen voller Stalaktiten.
Auf den Ebenen und in den Thälern erscheinen sekundäre, zahlreiche Versteinerungen bergende Lager; im SW. haben Grandidier und
Hildebrandt die fossilen Reste von Flußpferden, Riesenschildkröten und Straußvögeln aufgefunden. Sibree berichtet von erratischen
Blöcken in verschiedenen Teilen der Insel, deren Ablagerung man mit Gletschern in Zusammenhang denken müßte. Die beträchtlichsten
Flüsse
[* 12] nehmen ihren Lauf von O. nach W., die meisten weisen zahlreiche Fälle und Stromschnellen auf, und nur wenige
sind für größere Fahrzeuge und auch diese nur auf kurze Strecken schiffbar. Nach Sibree kann der bedeutendste, der Betsiboka, 145 km
von seiner Mündung aufwärts mit Dampfern von geringem Tiefgang befahren werden. Die östlichen Mündungen sind zum Teil
durch Sandbänke verlegt. Seen sind nicht zahlreich. Die größten sind der Alaotra (42 km lang und 6-7
km breit), der Tasi, der Kinkony und der Andranomena. Ausgedehnte Strandseen hat namentlich die Ostküste.
Die ganze Insel wird von einem StreifenUrwald umsäumt, der eine durchschnittliche Breite von 25-30 km besitzt.
Zuweilen laufen zwei solcher Streifen nebeneinander parallel. Auch im Innern, namentlich nach N. zu, finden sich sehr ausgedehnte
tropische Waldgebiete, während im S. großenteils nur Buschdickichte und dicht bewachsene Grasgefilde existieren. Das Gebirgsland
ist meist traurig öde und nur mit grobem Gras bedeckt, die Thäler zeigen
aber eine reichere Vegetation.
Die Bevölkerung
[* 27] wird von einigen Reisenden auf 6, von Grandidier aber auf nur 3 Mill. geschätzt. Nach
ihm wohnen in dem zentralen Imerina 1 Mill. Hova; ihre Nachbarn, die Betsileo, zählen 600,000. Im O. und S. wohnen 1 Mill.,
und die übrigen Völkerschaften zählen kaum 500,000 Seelen. Die Bevölkerung besteht aus verschiedenen Bestandteilen. Ein
Teil kam aus Ostafrika, ein andrer aus Arabien und Indien, ein dritter wahrscheinlich aus Polynesien. Aus der Vermischung derselben
sind zwei Rassen hervorgegangen, die eine mit olivenfarbigem Teint, die andre mit schwarzer oder dunkelbrauner Hautfarbe. Als
Urbewohner Madagaskars betrachtet man die Wazimba, Kimo und Kalio, letztere, wie es heißt, pygmäenhafte
Wesen mit wolligem Haar.
[* 28] Negroid sind die Sakalaven (s. Tafel »AfrikanischeVölker«,
[* 29] Fig. 27) an der Westküste und Nordspitze,
welche die übrigen Weststämme allmählich unterjocht und denselben den eignen Namen gegeben haben.
An der Westküste leben außer afrikanischen Sklaven noch Araber, Inder und Suaheli. Die übrigen Stämme: die Betsileo, die
Bara im S., die Tanala oder Waldleute mit fast unzugänglichen Bergorten, die Tonkai, welche von der Beförderung der
Waren zwischen der Küste und dem bergigen Innern leben, die Sihanaka im nördlichsten Waldgürtel, die Betsimisaraka an der
Ostküste, sind alle mehr oder weniger dem herrschenden Volk der Insel, den Hova, unterthan. Die Hova, ein
Mischvolk aus polynesischen und afrikanischen Elementen, sind von Mittelgröße (1,6 m), schlank und wohlgebaut, mit gerader
oder gebogener, stumpfer Nase,
[* 30] großem Mund mit fleischigen Lippen und zurückweichendem Kinn.
Die Männer schneiden das Haar kurz, so daß es bürstenartig emporsteht, oder sie lassen es einige Zentimeter lang. Um
die Lenden wird ein Zeugschurz gewunden und darüber ein langer, breiter Überwurf, die Lamba, in schönen vollen Falten drapiert.
Bei den Offizieren und höhern Beamten von Seide,
[* 31] ist er für die Adligen rot, für die andern weiß, auch mit roten oder bunten
Streifen verziert. Die Beine bleiben nackt. An die Stelle dieser malerischen Kleidung tritt
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