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Erstmals seit vierzehn Jahren nahmen 2012 die Militärausgaben aller Staaten zusammen ab. Sie betragen nun 1753 Milliarden US-Dollar, hat das Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) in seiner jährlichen Bestandesaufnahme berechnet. Aus dieser Abnahme um ein halbes Prozent auf eine Trendwende hin zu einer friedlicheren Welt zu schliessen, in der die vorhandenen Staatsmittel für produktivere Zwecke eingesetzt werden, wäre allerdings naiv. Die Hintergründe sind prosaischer: Militärausgaben korrelieren nämlich weniger mit der aktuellen Bedrohungslage, sondern kurzfristig vor allem mit der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes. Die globalen Militärausgaben sind weiterhin höher, als sie es auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs waren.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise lässt derzeit in Europa die Militärausgaben schmelzen. Am meisten ins Gewicht fallen aber die USA, die für fast vierzig Prozent der globalen Militärausgaben verantwortlich sind. Sie haben 2012 im Zuge der Budgetkürzungen ihre Militärausgaben um sechs Prozent verringert. Sie stecken allerdings immer noch 69 Prozent mehr in ihre Truppen und Waffensysteme als zu Beginn des «War on Terror» 2001. Seither geben die USA tendenziell einen immer höheren Anteil ihrer Wirtschaftsleistung für militärische Angelegenheiten aus.
Bei den aufstrebenden Schwellenländern ist das Verhältnis konstant geblieben: Vor allem China, Brasilien, Indien und Saudi-Arabien nutzen nun ihr zeitweilig hohes Wirtschaftswachstum, um ihren wirtschaftlichen Aufstieg auch in militärischen Einfluss zu übersetzen. Das Sipri rechnet deshalb in den nächsten Jahren wieder mit einem Anstieg der globalen Militärausgaben – und gleichzeitig mit einem Rückgang der militärischen Übermacht der USA. Die USA geben derzeit immer noch viermal mehr für Militärisches aus als das zweitplatzierte China. Während China im Gleichschritt mit seinem Wirtschaftswachstum die USA noch vor dem Jahr 2040 bei den Militärausgaben einholen dürfte, will Russland seine Streitkräfte in den nächsten Jahren weit überproportional zur Wirtschaftsleistung ausbauen, um zu früherer Stärke zurückzufinden. Allein letztes Jahr wuchsen Russlands Militärausgaben um sechzehn Prozent.