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Mein Freund Freddy ist am Jammern. Er habe in der Corona-Zeit mehr als fünf Kilo zugenommen. Freddy, der auf ein Feierabendbier vorbeigekommen ist, klopft sich auf den Bauch, um seine Aussage zu bestätigen. Wie das komme, frage ich ihn. Nun, er sei im Homeoffice halt öfters zum Kühlschrank gegangen und hätte mehr als sonst gegessen. Nicht so gesunde Sachen halt. Aber eben, die viele freie Zeit und die Sorgen wegen Corona hätten zu einer «Frust-Futterei» geführt, wie er es nennt. Er solle doch mehr Sport treiben, fordere ich ihn auf. «Du hättest heute mit deinem schicken Bike zu mir fahren können. Aber der bequeme Herr nahm ja das Automobil.»
Freddy nickt, murmelt etwas von Zeitnot und nimmt einen Schluck von seinem «Birra Moretti». Dann wechselt er das Thema: Ob ich gewusst hätte, dass «Moretti » das italienische Wort für Mohr oder Mohrenkopf sei, fragt er. Wusste ich nicht. Aber als wir zwei Nicht-Rassisten eine Zeit lang schweigend Herrn Moretti auf der Bierdose angeschaut hatten, fällt mir etwas auf. «Erinnerst Du Dich an Kommissar Rex, der mit dem Hund?», frage ich. «Natürlich», sagt er. «Nun, der Schauspieler, der den Kommissar spielt, heisst auch Moretti, Tobias Moretti, findest Du nicht, der hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Herrn auf der Bierdose? » «Jetzt, wo Du es sagst, sehe ich es auch, wobei der Bier-Moretti dicker ist.»
«Wir sind auch wieder dicker geworden! », fällt es mir ein. Freddy ist irritiert: «Wer ist wir?», will er wissen. «Ja wir, der Landanzeiger! Wir haben jetzt wieder viel mehr Seiten! Letzte Woche freuten wir uns alle wie Kinder, dass wir wieder eine Zwei-Bund-Zeitung geworden sind.» Das freue ihn sehr, aber was soll daran gut sein, fragt er.
Ich erkläre ihm, dass mehr Seiten bedeuten, dass wieder mehr Inserate gebucht werden. Veranstaltungen! Kinos! Restaurants! Geschäfte! War ja alles geschlossen. Jetzt kommt alles wieder ins Laufen. Der Landanzeiger flattert deshalb gratis ins Haus, weil wir – im Gegensatz zu Abo-Zeitungen – voll durch Inserate finanziert sind. Die letzte Zeit war für uns ähnlich hart wie für viele unserer Inserenten. «Für euch gilt also: je dicker desto besser!», lacht Freddy und klopft sich nochmals auf seinen Bauch. Er hat unser Geschäftsmodell offenbar verstanden.
Die Kunden und wir, so erkläre ich ihm, wir gehen sozusagen gemeinsam durch dick und dünn! «Also genau so wie wir zwei», entgegnet er. «Genau so wie wir zwei! Mein lieber Freund Freddy, jetzt spendier ich uns noch ein Moretti!»