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Immer weniger Schnee
Vor 50 Jahren lag die winterliche Nullgradgrenze in einer Höhe von rund 600 m. Heute bewegt sie sich als Folge der Wintererwärmung auf einer Höhe von rund 850 m. Der Anstieg der winterlichen Nullgradgrenze um 250 m liess die Dauer und die Mächtigkeit der Schneedecke in den Bergen vor allem in mittleren Höhen arg schrumpfen.
Weniger lang weiss
Bei höher liegender Nullgradgrenze fällt der Niederschlag zu Beginn und am Ende des Winter vermehrt als Regen und nicht als Schnee. Zudem beschleunigt eine höher liegende Nullgradgrenze die Schneeschmelze im Frühjahr. Mit der Wintererwärmung und dem damit verbundenen Anstieg der Nullgradgrenze reduzierte sich die jährliche Zahl der Tage mit einer Schneedecke in den Schweizer Alpen je nach Standort um etwa 20 bis 30.
Der Winter kommt später
Die Folgen der Wintererwärmung auf den winterlichen Schneedeckenverlauf werden am Messstandort Arosa sehr gut sichtbar. Auf 1800 m Höhe in den Ostalpen der Schweiz gelegen, ist Arosa eine klassische Ski-Destination. In der für den Wintersport relevanten Winterperiode November bis April sank hier die Neuschneesumme von knapp 7 m (Mittel 1961‒1990) auf 6 m (Mittel 1991‒2018) und die mittlere Schneehöhe von 80 cm auf 60 cm. Der Aufbau der Winterschneedecke erfolgt heute um einen Monat verzögert (Abb. 2). In der Periode 1961‒1990 wurde eine Schneedecke von 40 cm im Mittel Anfang Dezember erreicht. Heute dauert dies im Mittel bis Ende Dezember.
Der Schnee schmilzt früher
In Arosa hat sich die grösste Schneehöhe um einen Drittel reduziert. Sie sank von durchschnittlich rund 120 cm (Mittel 1961‒1990) auf durchschnittlich 80 cm (Mittel 1991‒2018). Der mittlere Zeitpunkt der grössten Schneehöhe verschob sich um einen Monat vom letzten Märzdrittel auf das letzte Februardrittel. Der Abbau der Winterschneedecke beginnt heute im Mittel also einen Monat früher als in der Vergleichsperiode 1961‒1990. Die Ausaperung hat sich in Arosa im Mittel ebenso um einen Monat von Ende Mai auf Ende April vorverschoben.
Weniger Schnee
Der verzögerte Schneedeckenaufbau und der frühere Schneedeckenabbau haben eindrückliche Folgen auf die Dauer von Schneedeckenperioden. Eine Schneedecke von mindestens 40 cm konnte in Arosa früher im Mittel von Anfang Dezember bis gegen Mitte Mai erwartet werden. Heute liegen in Arosa im Mittel noch von Ende Dezember bis Anfang April mindestens 40 cm Schnee. Die Periode mit einer Schneedecke von mindestens 40 cm hat sich also von fünfeinhalb Monaten auf etwas mehr als drei Monate verkürzt. Eine Schneedecke von mindestens 80 cm lag früher in Arosa im Mittel von Mitte Januar bis Ende April. Heute wird diese Schneehöhe in Arosa im Mittel nur noch im Februar während knapp zweier Wochen erreicht.
Gipfellagen weniger betroffen
In grösseren Höhen hatte die bisherige Wintererwärmung mit dem Anstieg der Nullgradgrenze einen deutlich geringeren Einfluss auf den Schneedeckenverlauf (Abb. 3). Am Messstandort Weissfluhjoch, wenig nordöstlich von Arosa auf 2540 m Höhe gelegen, zeigte sich in den vergangenen 60 Jahren keine Änderung beim Aufbau der winterlichen Schneedecke. Die grösste Schneehöhe reduzierte sich unwesentlich von durchschnittlich 2,2 m (Mittel 1961‒1990) auf durchschnittlich 2,1 m (Mittel 1991‒2018). Der Zeitpunkt der grössten Schneehöhe von Mitte April hat sich nicht verschoben.
Der Abbau der Winterschneedecke beginnt auf dem Weissfluhjoch heute im Mittel also zur gleichen Zeit wie während der Vergleichsperiode 1961‒1990. Wegen der kräftigen Frühlingserwärmung erfolgt der Schneedeckenabbau heute hingegen schneller. Im Mai liegt die mittlere Schneehöhe auf dem Weissfluhjoch heute 20 bis 40 cm, im Juni rund einen halben Meter tiefer als während der Vergleichsperiode 1961‒1990. Die Ausaperung hat sich im Mittel um knapp einen Monat von der ersten Augusthälfte auf die zweite Julihälfte vorverschoben.
Zukunft mit noch weniger Schnee
Die Klimaszenarien CH2018 erwarten bis 2060 ohne Klimaschutz einen Anstieg der Nullgradgrenze um weitere 400 bis 650 m. Sie liegt dann auf einer Höhe von rund 1300 bis 1500 m. Auf der Höhe von Arosa ist mit einer Reduktion der Gesamtschneemenge von 40 bis 50 % gegenüber heute zu rechnen. Für die Höhenlage von 2500 m wird im Vergleich zu heute eine Abnahme der Gesamtschneemenge von rund 30 % berechnet.
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