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Zahlenmässig haben die Seestreitkräfte Chinas jene der USA wohl überrundet, aber was China fehlt sind Flugzeugträger mit Katapultstart und nuklearangetriebene Angriffs-U-Boote in genügender Anzahl. Beide Arten von Kriegsschiffen dürften in einem Seekrieg zukünftig die entscheidende Rolle einnehmen. China hat nur einen (Liaoning) Flugzeugträger, der ursprünglich für die sowjetischen Seestreitkräfte gebaut worden war und den die Chinesen später aufgerüstet haben. Flugzeuge starten auf diesem Träger mit Hilfe einer Rampe. Die 18 bis 24 Kampfflugzeuge J-15 können deshalb nicht mit voller Waffenzuladung und Treibstoff ausgerüstet werden.[1] Der Träger wird mit Diesel angetrieben. China soll demnächst über einen zweiten Träger des gleichen Typs verfügen. Bald einsatzbereit könnte auch ein Träger sein, der mit Katapulten ausgerüstet würde. Die Flugzeuge dieses Trägers würden dank dieser Startvorrichtung über eine 100-prozentige Waffenzuladung verfügen. Geplant ist auch die Indienstellung eines vierten Trägers des gleichen Typs.
Die USA verfügen zum gegenwärtigen Zeitpunkt über elf Riesenträger der Nimitz– bzw. Gerald R. Ford-Klasse mit einer Einsatzverdrängung von über 80’000 Tonnen, die alle nuklearangetrieben und mit Katapulten für bis zu 50 Kampfflugzeuge F/A-18E/F Super Hornet oder/und F-35C Ligthning II ausgerüstet sind.[2] Die neuen Träger der Gerald R. Ford-Klasse weisen sogar eine Einsatzverdrängung von über 100’000 Tonnen auf.[3] Entsprechend der geostrategischen Lage sind immer ein bis zwei dieser Träger im westlichen Pazifik (Japan und/oder Guam)[4] stationiert. Die Einsatzdauer dieser Träger ist aufgrund des nuklearen Antriebs beinahe unbegrenzt.[5] Des Weiteren sind noch neun kleinere Träger mit Helikoptern und Senkrechtstartern im Einsatz. Diese haben die amphibische Landung der Marineinfanterie zu unterstützen. Die grössten unter ihnen sind jene der America-Klasse (LHA, Landing Ship Assault), die bis zu 20 F-35B Lightning II Kampfflugzeuge (Senkrechtstarter) und vier bis sechs Helikopter mitführen können.[6]
Was die nuklearangetriebenen Angriffs-U-Boote SSN (Nuclear-Powered Attack Submarine(s)) betrifft, so verfügt China über 6. Dazu kommen noch 48 diesel-elektrisch-angetriebene U-Boote SSK (Diesel-Powered Attack Submarine(s)), die aber nur über eine begrenzte Kampfkraft verfügen.[7]
Die US Navy hat 50 nuklearangetriebene Marschflugkörper-U-Boote (SSGN, Nuclear-Powered Cruise Missile Submarine(s)), die mit Marschflugkörpern UGM-109C/E Tomahawk ausgerüstet sind. Dazu kommen noch drei Angriffs-U-Boote der Seawolf-Klasse (SSN).[8]
Ein Vergleich zwischen den beiden Seestreitkräften weist auf die eindeutige Überlegenheit der US Navy im Vergleich zu den chinesischen Seestreitkräften bezüglich Kampfkraft hin. Teilweise als Ausgleich zu dieser Unterlegenheit hat China in den beiden Archipels der Paracel- und Spratley-Islands im Südchinesischen Meer mit der Errichtung von künstlichen Inseln durch Aufschüttung der Reefs begonnen. Auf diesen Inseln hat Beijing Stützpunkte für Kampfflugzeuge und Lenkwaffen sowie Häfen für Kriegsschiffe errichtet. Mit diesen künstlichen Inseln beansprucht China die Herrschaft über das gesamte Südchinesische Meer. Die Anrainerstaaten versucht China durch Drohungen und den Präsenz seiner Kriegsschiffe aus dem Südchinesischen Meer zu verdrängen. Das Südchinesische Meer sieht China als Mare Nostrum an. Die chinesischen Ansprüche reichen wie eine Kuhzunge beinahe bis an die Ufer der Anrainerstaaten. Durch Drangsalierungen übt China auch im Ostchinesischen Meer Druck auf Japan aus. Japan soll seine Ansprüche auf die Senkaku-Islands (chinesisch Tiaoyutai-Inseln), die Japan als Teil der Ryukyu-Inselkette sieht, aufgeben.
Mit diesen Inseln und den Manövern seiner Seestreitkräfte will China offensichtlich die Seemacht USA aus dem westlichen Pazifik verdrängen. Die USA reagieren zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur mit der Verlegung von Kriegsschiffen in das Südchinesische Meer. So ist vor kurzem eine Teilstreitkraft der US Navy unter Führung des kleinen Flugzeugträgers USS America, unterstützt durch australische Kriegsschiffe, verlegt worden.[9] Eine gesamte Trägerkampfgruppe unter Führung des Trägers USS Ronald Reagan wird in das Südchinesische Meer verlegt.[10] Im Augenblick wird auch die militärische Präsenz der USA auf Guam erhöht. So sind vier schwere Bomber B-1B Lancer auf die Andersen Air Force Base in Guam verlegt worden.[11]
Noch beschränken sich die Seestreitkräfte der beiden Mächte auf Demonstrationen im Südchinesischen Meer. Eine Eskalation zum offenen Krieg ist aber jederzeit denkbar. So könnte die US Navy durch Marschflugkörper die künstlichen Inseln zerstören und versenken. Eine andere Möglichkeit wäre die Eroberung der grösseren Inseln durch amphibische Landungen. Diese Optionen könnte die US Navy jederzeit umsetzen. Vielleicht ist die Epidemie mit dem Corona-Virus eine Art Prélude des Krieges zwischen den USA und China.
Südostasien
[1] The Military Balance 2020, The International Institute for Strategic Studies, London, 2020, P. 261-263.
[2] The Military Balance 2020, P. 49.
[3] Wertheim, E., The Naval Institute Guide to Combat Fleets of the World, 16th Edition, Annapolis, 2013, P. 830.
[4] The Military Balance 2020, P. 59.
[5] Wertheim, E., P. 830.
[6] Wertheim, E., P. 863/864.
[7] The Military Balance 2020, P. 261.
[8] The Military Balance 2020, P. 49.
[9] Mahadzir, D., U.S. Sends Warships on Patrol Near South China Sea Standoff, in: USNI News, May 8, 2020, 5 :20 PM.
[10] LaGrone, S., Japan-Bases Carrier USS Ronald Reagan is Underway as SECDEF Warns of Chinese Military Moves in South China Sea, in: USNI News, Ma 6, 2020, 1 :23 PM.
[11] Correll, D. St., B-1 bombers are in Guam for bomber task force deployment, in: Air Force Times Daily, May, 2020.