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Die Schweizerische Wirtschaft ist zu einem überwiegenden Teil auf international funktionierende Anlieferungsketten und Netzwerke angewiesen.
80% der eingeführten Lebensmittel stammen aus der EU, das von 48% aller Lebensmittel, die wir konsumieren (Francis Egger, Wirtschaftsleiter beim SBV). Wie gross der Anteil der vom Ausland eingeführten Produktbestandteile (Dünger, Futter, Verpackung, Fahrzeuge, Treibstoff usw.) im Zusammenhang mit den Nahrungsmitteln ist, die wir dann beim Grossverteiler kaufen, ist mir unbekannt, dürfte aber immens gross sein.
In einem Krisenfall werden - dies nur so nebenbei - aber ganz andere Elemente eine Rolle spielen. Kommunikationsnetze und Energieversorgung (namentlich fossile Brennstoffe und nukleare Brennelemente). Wenn man uns das Internet kappt, stehen bei uns die Waren-, Finanz- und Kommunikationsflüsse still. Und nach kurzer Zeit auch die Logistikketten (mit Ausnahme der elektrischen Mobilität wie Eisenbahn und ein paar wenige Elektromobile). Der Eigenversorgungsgrad spielt also wirtschaftlich keine entscheidende Rolle, bei den Nahrungsmitteln macht er heute nur rund die Hälfte aus.
Der Produktivitätszuwachs in der Landwirtschaft liegt jährlich bei 2%, d.h. dass wir jedes Jahr mit 2% weniger Landwirtschaftsfläche auskommen könnten, sofern die Bevölkerungszahl stabil bliebe. Momentan liegen wir bei einem Bevölkerungswachstum von 1.1%, womit die Landwirtschaftsfläche beim Produktivitätszuwachs immer noch 0.9% vorne liegt.
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/02/blank/key/bevoelkerungsstand.html
Dies bedeutet, dass wir jährlich auf 13'000 Fussballfelder Landwirtschaftsland verzichten könnten, um den gleichen Output zu halten.
http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/02/blank/key/bevoelkerungsstand.html
Zum Begriff Kulturland bzw. Kulturlandschaft:
Verschiedene landwirtschaftsnahe Organisationen verwenden diesen Begriff als Synonym für Landwirtschaftsland. Dass dies falsch ist, zeigen folgende Zitate:
«Unter der mitteleuropäischen Kulturlandschaft wird ein durch landwirtschaftliche Nutzung, die ein bestimmtes Intensivitätsniveau nicht überschritten hat, geprägtes Gebiet verstanden. Diese Nutzungsform schuf bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr artenreiche Biotope (beispielsweise Feuchtwiesen, Heiden, Streuobstwiesen), die danach im Zuge der weiteren Intensivierung der Landwirtschaft zu großen Teilen wieder verschwunden sind. Kulturlandschaften sind artenreicher als eine vom Wald beherrschte, humide Florenregion. Neben dem Struktur- und Artenreichtum (Biodiversität) gilt ihre Eigenart als entscheidendes Merkmal einer Kulturlandschaft, wodurch sich eine bestimmte Kulturlandschaft von anderen Kulturlandschaften unterscheidet.»[1]
«Die Kulturlandschaft entsteht durch die dauerhafte Beeinflussung, insbesondere auch die wirtschaftliche und siedlungsmäßige Nutzung der ursprünglichen Naturlandschaft durch menschliche Gruppen und Gesellschaften im Rahmen der Ausübung ihrer Grunddaseinsfunktionen. Ihre regional differenzierte Ausprägung ist nicht durch die Natur determiniert, wohl aber von ihr beeinflusst und zwar um so stärker, je geringer die technologische Entwicklung der die Kulturlandschaft gestaltenden Gruppe ist. Die Kulturlandschaft erhält ihre regionale Ausprägung insbesondere durch die Wohnfunktion (Art und Verteilung der menschlichen Siedlungen), die Art der wirtschaftlichen Tätigkeit (agrarische Landnutzung, Rohstoffgewinnung, Industrie und Gewerbe) und die Ausbildung des Verkehrsnetzes.»[2]
1 Reinhard Piechocki: Landschaft - Heimat - Wildnis. München 2010. ISBN 978-3406541520.
2 Diercke – Wörterbuch der Allgemeinen Geographie, Braunschweig 1984, ISBN 978-3-423-03422-7.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturlandschaft
Vielmehr entspricht heute unsere Landwirtschaftszone dem Begriff «Wirtschaftsland».
«Eine durch großräumige Wirtschaftsweisen intensiv genutzte Agrarlandschaft, die durch nivellierende Eingriffe des Menschen, Ausräumung von raumgliedernden Landschaftselementen sowie durch Uniformität geprägt ist und deren Haushalt über künstliche Eingriffe im ökologischen Gleichgewicht gehalten wird. Diese Definition beschränkt sich nicht nur auf die Pflanzendecke als Indikator für die Intensität der Landnutzung, sondern bezieht auch den Grad der Entfernung des Menschen von einer gewachsenen Kulturlandschaft ein, zu welcher der gestaltende Landwirt noch ein inniges Verhältnis hatte.»
Aufgrund der heute herrschenden Mechanisierung und durch den Einsatz von Pestiziden (und bald einmal durch gentechnisch veränderte Pflanzen) kann deshalb heute im schweizerischen Mitelland nicht mehr von Kulturland gesprochen werden, sondern viel mehr von Wirtschaftsland. Der Artenreichtum unserer landwirtschaftlicher Flächen ist heute so gering wie noch nie, was sich nicht zu letzt beim verbreiteten Bienensterben zeigt. Auch für den Laien ist gut sichtbar, wie wenig Mohn- oder andere Blumen in einem Kornfeld wachsen, was noch vor 10 Jahren weit verbreitet war. Dies geschieht übrigens auch auf Feldern mit Bio-Anbau, denn diese werden ebenfalls mit hoher Mechanisierung bearbeitet.
Ökologische Flächen finden sich heute viel mehr an Bahndämmen, Autobahnböschungen, rund um Industriehallen, Brachflächen, in Naturschutzgebieten, Waldrändern und naturnahen Gärten. Deshalb wäre, wenn schon, der Begriff Kulturland auf die eben erwähnten Flächen anzuwenden oder zu erweitern.
Statt dessen schlage ich aber vor, den in der Raumplanung verwendeten Begriff «Landwirtschaftszone» abzuschaffen und durch «Industriezone» zu ersetzen bzw. zusammen zu legen.
Dies hätte für die Bauern ausserdem den Vorteil, dass sie mit ihrem Land marktwirtschaftlicher arbeiten könnten. Der Preis des Industrielandes würde aber kaum steigen, da plötzlich eine substanziell grössere Fläche zur Verfügung stünde.
Wer befürchtet, dass die Schweiz ggf. hässlicher würde, dem empfehle ich, seine Umgebung nochmals kritisch anzusehen. Das Schweizer Mittelland ist schon hässlich und zersiedelt. Es ist nicht mehr zu retten, also opfern wir lieber unser Mittelland (bzw. dessen Landwirtschaftsland) dem Fortschritt und der Marktwirtschaft, als so zu tun, als hätte die Nahrungmittelproduktion im Freien etwas mit Natur zu tun.
Im Gegenzug fordere ich konsequenterweise ökologische Ausgleichszahlungen für alle Grundbesitzer, welche nachweisen können, dass sie naturnahe oder naturbelassene Flächen besitzen. Dies muss Privatpersonen und juristischen Personen/Körperschaften mit einschliessen.
Fazit: Eigenversorgung halte ich für ein sinnloses Ziel, da es uns im Krisenfall nichts bringt. Kulturland gleichzusetzen mit Landwirtschaftsland ist nicht korrekt, aber wenn man es trotzdem tut, dann muss es nicht geschützt werden. Im Gegenteil, es sollte zu Industrieland deklariert werden, denn es wird industriell bearbeitet. Deshalb sind «Landwirtschaftszonen» abzuschaffen und ökologische Ausgleichszahlungen nicht mehr dem Bauernstand vorzubehalten. Umgekehrt erhalten Landwirte mehr unternehmerische Freiheiten und können ihr Land auch innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen industriell nutzen und so mehr oder anders Geld verdienen.