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Polyneuropathie
Als Polyneuropathie bezeichnet man eine Erkrankung mehrerer peripherer Nerven durch einen systemischen Prozess, wie zum Beispiel eine Stoffwechselstörung oder eine Entzündung. Sie wird somit abgegrenzt von der Erkrankung oder Schädigung eines einzelnen Nervens, einer sogenannten Mononeuropathie.
Die Hauptklassifikation unterteilt die Polyneuropathien einerseits in angeborene (kongenitale), andererseits in erworbene Formen. Je nach Zählweise kommt man auf über 200 Ursachen einer Polyneuropathie.
Angeborene Formen, sogenannte hereditäre Polyneuropathien, sind selten, verlaufen langsamer, können aber zu schweren Ausfallsmustern führen. Erworbene Neuropathien entwickeln sich meistens schneller, sind aber häufig nicht so schwer.
In Mitteleuropa sind die beiden häufigsten Ursachen einer Polyneuropathie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und die Alkoholkrankheit (äthyltoxische Polyneuropathie).
Darüber hinaus gibt es zahlreiche andere Stoffwechselerkrankungen, die eine Polyneuropathie verursachen können, zum Beispiel eine Niereninsuffizienz, eine Gicht, eine chronische Lebererkrankung, eine Hypothyreose, Erkrankungen des Fettstoffwechsels und weitere seltene Erkrankungen.
Auch neoplastische Erkrankungen, Entzündungen, etwa rheumatische Erkrankungen oder Vaskulitiden, Ernährungsstörungen (zum Beispiel Vitamin-B1- oder Vitamin-B12-Mangel), toxische Ursachen, neben Alkohol zum Beispiel Arsen, Blei oder andere Schwermetalle, Medikamente und infektiöse Erkrankungen (wie zum Beispiel Borreliose oder HIV) können eine Neuropathie verursachen. In der Dritten Welt ist eine der häufigsten Erkrankungen, die zu einer Polyneuropathie führt, die Lepra.
Symptome einer Polyneuropathie
Der Beginn ist meistens schleichend, die überwiegende Mehrheit der Polyneuropathien befällt die Beine distal symmetrisch, das heisst die Beschwerden beginnen an den Füssen, insbesondere an den Zehen, breiten sich dann sockenförmig und im Verlauf dann strumpfförmig nach proximal aus. Wenn die Sensibilitätsstörungen (Taubheit, Kribbeln, Missempfindungen) bis in die Höhe der Knie gelangt sind, kann es zu einer Beeinträchtigung der Hände und Arme kommen. Neben den Sensibilitätsstörungen kommt es auch zu motorischen Ausfällen mit Schwäche der Zehen und Fussmuskeln, die schlussendlich in einer Gangstörung enden können. Die Gangstörung kann verstärkt werden durch eine Störung des Stellungssinnes, was zu einer Gangunsicherheit führt.
Die häufig quälendste Symptomatik im Rahmen einer Polyneuropathie ist die Entwicklung eines neuropathischen Schmerzsyndromes. Hierbei kommt es zu chronischen Schmerzen durch die Erkrankung der Nerven selber, weswegen diese Schmerzen ganz anders behandelt werden müssen als sogenannte nozizeptive Schmerzen, bei denen es zu einer Gewebeschädigung kommt, und die Nerven diesen Gewebeschaden ins Gehirn melden. Neuropathische Schmerzen sind mit normalen Schmerzmitteln wie ASS oder Ibuprofen nicht behandelbar.
Diagnostisches Vorgehen
Aufgrund der zahlreichen möglichen Ursachen und der Komplexität der Erkrankung ist eine neurologische Abklärung bei Polyneuropathien zu empfehlen, ausser es handelt sich um eine leicht zuordbare Neuropathie, wie zum Beispiel eine diabetische Neuropathie. Allerdings kann natürlich auch im Rahmen einer diabetischen Neuropathie eine weitere Ursache auftreten, die nicht übersehen werden sollte, insbesondere, wenn sie gut behandelbar wäre. Im Rahmen der neurologischen Diagnostik werden verschiedene elektrophysiologische Untersuchungen eingesetzt, um die Zuordnung der Neuropathie zu verschiedenen Krankheitsmustern zu erleichtern. Darüber hinaus müssen Serumuntersuchungen durchgeführt werden, teilweise auch eine Liquoruntersuchung. In seltenen Fällen kann eine Gewebeprobe in Form einer Nervenbiopsie (meist vom N. suralis), eine Muskelbiopsie, oder eine Hautbiopsie notwendig werden.
Therapie einer Polyneuropathie
Je nach Ursache der Polyneuropathie ist eine entsprechende Therapie der Grunderkrankung anzustreben. Häufig ist dies nicht möglich, beziehungsweise bilden sich die bereits eingetretenen Schäden durch eine Behandlung der Grunderkrankung nicht mehr zurück. Dann stehen symptomatische Therapie-Massnahmen im Vordergrund.
Bei neuropathischen Schmerzen werden speziell wirksame Medikamente eingesetzt, so zum Beispiel gewisse Antiepileptika, die sich in der Behandlung chronischer Schmerzen bewährt haben, ausserdem gewisse Antidepressiva und andere Substanzklassen. Ergänzend können auch nichtmedikamentöse Verfahren, wie zum Beispiel die transkutane elektrische Nervenstimulation (TEMS) eingesetzt werden.
Die Prognose einer Polyneuropathie ist abhängig von ihrer Ursache.