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Neue Wohnüberbauung auf antiken Gräbern
Gefäss:
In Sursee entsteht in den nächsten Jahren auf einer Fläche von über 100'000 Quadratmetern ein neues Quartier. Es kommt auf geschichtsträchtigem Boden zu stehen: Archäologen haben dort acht römische Brandgräber aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und zehn grosse Brandgruben aus der Bronzezeit um 1000 v. Chr. entdeckt.
Quelle:
zvg
Bronzezeitliche Brandgrube (um 1000 v.Chr.). Gut zu erkennen sind die stark brandgerötete Wand der Grube sowie die Bruchstücke von kristallinem Gestein (Findlinge), welche als Hitzespeicher in die Glut gelegt worden waren. Man vermutet, dass derartige Gruben bei der Verarbeitung von Flachs zu Leinen verwendet worden sein könnten. Flachs muss unter anderem über einem sogenannten Brechfeuer geröstet werden, damit sich die Pflanzenfasern besser von der Hülle lösen lassen.
Die ersten freigelegten Gräber sind ziemlich sicher ein Teil des zu einer römischen Kleinstadt gehörenden Friedhofs. Bei zweien der acht Gräber handelt es um Urnengräber, bei den restlichen um Brandschüttungsgräber, bei denen die Kremationsreste zusammen mit den Grabbeigaben in einer einfachen Grube beigesetzt wurden. Bislang konnten nebst Urnen und verbrannter Knochen Fragmente römischer Keramik und geschmolzenes Glas geborgen werden. Die Archäologen gehen davon aus, dass in tieferen Schichten noch weitere Grabbeigaben zum Vorschein kommen werden.
Grabbeigaben für das Leben danach
Vom ersten bis zum dritten Jahrhundert n. Chr. wurden die Toten im römischen Reich auf Scheiterhaufen verbrannt. Erst später wurde die Körperbestattung üblich. Weil die Römer an ein Leben nach dem Tode glaubten, bestanden die Grabbeigaben aus Proviant für die Reise ins Jenseits. Oft finden sich unter den Grabbeigaben auch Werkzeuge oder Geschirr. Oft waren Beisetzungen innerhalb der Siedlungen verboten; darum entstanden die römischen Friedhöfe meist entlang der Ausfallstrassen der Siedlungen. Daraus folgert man, dass sich in nicht allzu grosser Entfernung der freigelegten Gräber noch Spuren einer Römerstrasse befinden.
Zehn bronzezeitliche Brandgruben
Die enorme Grösse des Areals hatte die Kantonsarchäologie veranlasst, zuerst geophysikalische Messungen vornehmen zu lassen. Damit kann ohne Bodeneingriffe festgestellt werden, in welchen Bereichen mit archäologischen Funden gerechnet werden kann. Dabei gelangte das Cäsiummagnetometer mit gutem Erfolg zum Einsatz. Schon bei den ersten Schnitten stiessen die Archäologen auch auf Brandgruben aus der Bronzezeit.
Die im Hofstetterfeld entdeckten Brandgruben zeugen von der landwirtschaftlichen aber auch von gewerblichen Tätigkeit der bronzezeitlichen Bevölkerung etwa um 1000 v. Chr. Die Gruben sind bis zu vier Meter lang und 1.5 Meter breit. Ihre Ränder sind stark brandgerötet und die Böden mit Kohleresten bedeckt. Die Keramikfragmente datieren diese Gruben in die späte Bronzezeit, in die Zeit um 1000 v.Chr.
Die Ausgrabungen werden bis Ende Oktober fortgeführt und voraussichtlich im Frühjahr 2012 forgesetzt. Wie der Kanton mitteilt, werden sie den Bau der Siedlung nicht verzögern. (mai/mgt)