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Arnold Lang, Professor für Zoologie am Eidgenössischen Polytechnikum und an der Universität Zürich, von dem die exakte Lagebeschreibung stammt, wurde erst anfangs August telegraphisch über die Knochenfunde informiert und überzeugte sich leicht verspätet vor Ort, dass es sich keineswegs um einen alkoholisierten Scherz der Gasthausgäste handelte. Schon kurz darauf leitete er die nun systematischen Ausgrabungen, die auch im folgenden Jahr andauerten. Als wertvollster Fund wurden Knochen eines jungen Mammuts geborgen nebst zahlreichen Überresten von erwachsenen Tieren. Aus diesen liess Lang in den geologischen Sammlungen des Polytechnikums ein zwar unvollständiges, aber dennoch imposantes Skelett zusammenstellen. Ab 1914 sollte es im Zoologischen Museum des neu erbauten Universitätsgebäudes bis heute das Publikum beeindrucken.
Ausschnitt der Falttafel „Der Mammutfund von Niederweningen“ in: Arnold Lang, Geschichte der Mammutfunde, Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich auf das Jahr 1892
Im Sommer 1890 beutete die Schweizerische Nordostbahn […] ein in Niederweningen gelegenes Stück Land als Materialgrube aus. Dieses Stück Land liegt an dem Wege, welcher vom Gasthaus zum Löwen […] in Niederweningen zum oberen Dorfe, wo die Dorfkirche steht, in sanfter Steigung gegen die Lägern emporsteigt, etwa drei Minuten von dem erwähnten Gasthause entfernt, auf der linken Seite des Weges. Schon Mitte Juli stiessen die Arbeiter bei der Ausbeutung der Materialgrube auf grosse Knochen, und von da an wiederholten sich solche Funde täglich. Sie wurden einstweilen im Gasthof zum Löwen deponirt.
Zusammen mit seinen Kollegen Albert Heim, Geologieprofessor an beiden Zürcher Hochschulen, der die geologischen Verhältnisse der Grabungsstätte begutachtete, und Carl Schröter, Professor für Botanik am Polytechnikum, der die pflanzlichen Überreste im Torf der Fundschicht bestimmte, präsentierte er die Untersuchungen der sensationellen Endeckung 1892 im Neujahrsblatt der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft.
Für die Druckvorlage der beigebundenen Falttafel zur Veranschaulichung der schriftlichen Ergebnisse zeichnete Lang persönlich die Figuren des rekonstruierten Skelettes, eines Unterkiefers und der Knochen des Jungtieres sowie das mögliche äussere Erscheinungsbild eines Mammuts. Dabei legte er Wert auf die saubere Unterscheidung zwischen originalem Material und zeitgenössischen Ergänzungen: Beim Skelett sind die Knochen naturgetreu und mit plastischen Schattierungen ausgeführt, während die fehlenden ergänzten Teile der Hinterbeine, des Beckens und der Vorderfüsse als hell belassene Umrisse kontrastieren. Grössenangaben komplettieren die wissenschaftliche visuelle Darstellung.
Auf der Originalvorlage, die an der ETH-Bibliothek in den Archiven und Nachlässen aufbewahrt wird, ist als Zeichner der kleinformatigen pflanzlichen Überreste „Schröter“ vermerkt. Damit bleibt im Dunkeln, ob Ludwig Schröter, wissenschaftlicher Zeichner und jüngerer Bruder des Botanikprofessors, am Werk war oder ob der ebenfalls talentierte Carl Schröter es sich nicht nehmen liess, bei diesem aufsehenerregenden Fund selber Hand anzulegen.
Links:
Biografien von Albert Heim , Arnold Lang und Carl Schröter
Arnold Lang, Geschichte der Mammutfunde – Ein Stück Geschichte der Paläontologie nebst einem Bericht über den schweizerischen Mammutfund in Niederweningen 1890/1891. Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft auf das Jahr 1892. XCIV, Zürich 1892