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Bis zu 100 Dezibel laut kann es werden, wenn Mickael Corre in seine Bombarde bläst. Ihn selbst stört dies jedoch kaum. «Der Schalltrichter leitet den Klang nach vorne. Wer dort steht, hat eher ein Problem», meint er lachend. Mickael Corre ist Mitglied des bretonischen Orchesters Bagad Landi, das dieses Jahr am Folkloretreffen Freiburg zu Gast ist und die bretonische Tanzgruppe Bleuniadur begleitet.
Eine Bombarde sei ein in der Bretagne sehr häufiges Blasinstrument, erklärt Corre. Meist sei das der Oboe ähnliche Instrument aus Ebenholz und Horn angefertigt. «Früher verwendete man Elfenbein anstelle von Horn. Heute ist das natürlich nicht mehr der Fall.» Um den für die Bombarde charakteristischen kräftigen Klang zu erreichen, braucht es Einiges an Übung–und auch an Puste. «Je nachdem, wo man die Lippen auf dem Mundstück mit dem Doppelrohrblatt aufsetzt, erzeugt dies einen anderen Klang. Zudem braucht es viel Atem, um überhaupt einen Ton zu erzeugen.»
Etwas einfacher erklingt der Ton beim Dudelsack. Sobald genügend Luft im Sack sei und etwas Druck darauf ausgeübt werde, erklinge ein stetiger Ton, sagt Jean-Michel Vollette und hebt seinen Dudelsack hoch. «Biniou braz» nenne man diesen in der Bretagne, erklärt er, und öffnet die blaue Hülle. Darunter ist ein roter Sack mit einem Reissverschluss. «Früher bestand dieser aus Leder, heute ist es Gore-Tex. Damit ist es einfacher, die Feuchtigkeit zu kontrollieren.» Nach wie vor schwierig ist es beim Dudelsackspiel hingegen, den Druck zu kontrollieren. Neben dem Mundstück, wo der Spieler die Luft hineinbläst, gibt es vier Ausgänge: Drei Bordunpfeifen, die den anhaltenden Ton erzeugen, sowie die Spielpfeife, mit welcher Vollette die Melodie spielen kann. Damit Letztere ertönt, braucht es etwas mehr Druck als bei den anderen drei Pfeifen. «Ein sauberer Wechsel von vier auf drei Pfeifen ist nicht ganz einfach», sagt Vollette. Und auch das Ende eines Stücks will geplant sein. «Im Sack darf nicht mehr zu viel Luft sein–sonst spielt der Biniou einfach weiter.»
Beim Dudelsack besonders wichtig sei vor einem Auftritt auch das Einspielen, das laut Jean-Michel Vollette mindestens 45 Minuten dauert. Erst dann sei die Temperatur des Dudelsacks stabil, und die Musiker könnten die Pfeifen aufeinander abstimmen.
Fingerfertigkeit und Kraft
Auch die rhythmischen Elemente dürfen im bretonischen Orchester nicht fehlen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit lässt Bastien Simon seine beiden Stöcke auf die beidseitig mit Fell bespannte Trommel niederprasseln. «Für die schnellen Bewegungen setze ich vor allem die Finger ein. Bei härteren Schlägen brauche ich hingegen den ganzen Arm», erklärt Simon. Um an den Umzügen mitzumarschieren, ist aber nicht nur Fingerfertigkeit nötig, sondern auch Kraft. Zwischen acht und zwölf Kilogramm wiegen die Trommeln. «Zum Glück dauern die Umzüge nie sehr lange», meint er dazu.
Verschiedenste Perkussionsinstrumente im Repertoire hat Frédéric «Fredo» Kerleau. Diese passt er je nach Stück an und probiert auch gerne mal etwas aus. «Es gibt eine riesi- ge Palette an Klängen und Rhythmen.» Es gelte, im richtigen Moment die richtige Kombination zu finden. «Der Schlagzeuger gibt der Musik die Farbe.»
Kelten: Alle Musikstücke sind Rekonstruktionen
D ie Kelten lebten im ersten Jahrtausend vor Christus, hauptsächlich in der jüngeren Eisenzeit, der Latènezeit. Keltische Stämme waren in ganz Europa verbreitet, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, von den Britischen Inseln bis nach Norditalien. Einige Kelten, die Galater, liessen sich sogar in der heutigen Türkei, in Anatolien, nieder. Zwar haben Archäologen vielerorts Überreste von Siedlungen, Gräbern oder Waffen gefunden, über die Kultur der Kelten ist aber kaum etwas bekannt. «Die Kelten hatten eine orale Kultur, sie haben keine Schriften hinterlassen. Es gibt einzig einige Erwähnungen der Kelten in römischen oder griechischen Schriften», sagt Gilbert Kaenel, ehemaliger Direktor des Museums für Archäologie und Geschichte Lausanne und emeritierter Professor der Universität Genf, auf Anfrage. Dementsprechend dünn ist auch das Wissen über die Musik der Kelten. Gefunden worden seien nur Teile und Darstellungen von kleinen Leiern, Flöten und der Carnyx. Dies ist ein bis über zwei Meter grosses Blasinstrument, das gemäss einem griechischen Bericht von den Kelten im Krieg verwendet wurde. Man habe die Carnyx nachgebaut, und es gebe sogar eine Musikgruppe, welche Carnyces benutze, sagt Kaenel. «Wäre diese Gruppe aber am Folkloretreffen aufgetreten, hätten die Besucher eher die Flucht ergriffen. Der Klang ist fürchterlich.»
Was heute als keltische Kultur gilt, basiert auf mittelalterlichen Sagen und literarischen Werken aus Grossbritannien oder Irland. «Zu den alten Kelten besteht jedoch kein direkter Link. Da fehlen anderthalb Jahrtausende.» Die keltischen Musikstücke, die heute gespielt werden, sind sogar noch später entstanden. «Mit der Rückbesinnung auf alte Traditionen und die nationale Identität im 19. Jahrhundert wurden in Irland, Schottland oder der Bretagne viele keltische Stücke rekonstruiert», erzählt Kaenel. Wichtige Instrumente sind dabei Dudelsäcke, Harfen, Trommeln und Bombarden. rb
Programm
Heute am Folkloretreffen
Programm «Ein anderer Blick»:14 Uhr:Konzert im Galterental mit der Gruppe aus Galicien, Höhle der Buvette du Petit Train.17 Uhr:keltische Legenden und Erzählungen mit der Gruppe aus der Bretagne, Schwimmbad Motta.20.45 Uhr:Mittelamerikanische Dämmerung mit der Gruppe aus Panama, Fribourg Plage. Andere Vorstellungen:14 Uhr:Vorstellung der Gruppe aus Tibet im Fribourg Centre.15Uhr:Kindervorstellung mit den Gruppen aus Irland, Botswana und Mazedonien, Sporthalle St.Leonhard.18Uhr:Auftritt der Gruppen aus Panama und Mazedonien im Dorf der Nationen auf dem Georges-Python-Platz.20 Uhr:Auftritt der Musikgruppen Métis-Sages und Los Ratones im Dorf der Nationen.20 Uhr:Keltische Galavorstellung mit den Gruppen aus der Bretagne, Türkei, Irland und Galicien, Schauspielhaus Equilibre (ausverkauft).20 Uhr:Auftritt der Gruppen aus Tibet und Kroatien, Aula der OS Sarine-Ouest, Avry-sur-Matran.rb