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Sind Aktien oder Staatsanleihen die bessere Geldanlage? Dieser Frage ist Hendrik Bessembinder von der Arizona State Universität in seinem Forschungsbeitrag "Do Stocks Outperform Treasury Bills?" nachgegangen. Hierzu hat er die Wertentwicklung inklusive Dividenden von 25'967 Aktien im Zeitraum von Juli 1926 bis Dezember 2016 untersucht. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend.
Die durchschnittliche monatliche Rendite aller Aktien betrug 1,13 Prozent, während die monatliche Durchschnittsrendite für Treasury Bills bei 0,37 Prozent lag. Auf Jahresbasis ergaben die Untersuchungen eine Durchschnittsrendite von 14,74 Prozent für Aktien und 4,29 Prozent für Treasury Bills. Auf Zehn-Jahresbasis ergab sich sogar ein Unterschied von 106,78 zu 30,9 Prozent. Über die gesamte Lebensdauer einer Aktie (gemessen von der ersten Börsennotierung bis zum Delisting oder maximal bis zum Ende der Untersuchungsperiode, d.h. bis Dezember 2016) ergab sich eine durchschnittliche Aktienrendite von 18'747,05 Prozent, während die entsprechende Durchschnittsrendite für Treasury Bills bei 112,76 Prozent lag.
Dabei ist zu beachten, dass die Gesamtrendite über mehrere Perioden nicht gleich der durchschnittlichen Periodenrendite multipliziert mit der Anzahl der Perioden ist, wie das folgende einfache Beispiel zeigt. Nehmen Sie an, eine Aktie steigt im ersten Monat von 100 auf 110 und im zweiten Monat von 110 auf 121. Die durchschnittliche monatliche Rendite liegt in diesem Fall bei 10 Prozent (10 Prozent im ersten Monat und 10 Prozent im zweiten Monat). Die Gesamtrendite über beide Monate beträgt hingegen 21 Prozent.
Allerdings suggerieren die Durchschnittswerte ein viel zu optimistisches Bild der Aktienperformance. Über ihre gesamte Lebensdauer gesehen weisen nur 49,5 Prozent aller Aktien eine positive Gesamtrendite (inklusive Dividende) auf und nur 42,6 Prozent haben eine höhere Gesamtrendite als Treasury Bills. Von sieben zufällig ausgewählten Aktien schneiden also etwas mehr als vier schlechter als Staatsanleihen ab. Nur 2,2 Prozent aller Aktien weisen über ihre gesamte Lebensdauer eine überdurchschnittliche Aktienrendite auf. Der Rest liegt unter dem Durchschnitt und der mit Abstand grösste Anteil aller Aktien weist nahezu einen Totalverlust auf. Der durchschnittliche Renditevorteil von Aktien gegenüber Staatsanleihen wird also von den hohen Renditen einer relativ kleinen Anzahl sehr erfolgreicher Aktien getrieben.
Bessembinder hat auch den Nettovermögenszuwachs durch Aktien berechnet. Hierzu ermittelte er zunächst für jede Aktie deren Bruttovermögenszuwachs infolge von Kurssteigerungen inklusive Dividenden. Anschliessend zog er von diesem Bruttovermögenzuwachs den Vermögenszuwachs ab, der mit einer gleich hohen Investition in Treasury Bills über denselben Zeitraum erzielt worden wäre. Das Ergebnis ist der Nettovermögenszuwachs je Aktie. Über alle Aktien summiert ergibt sich der gesamte Nettovermögenszuwachs durch den Aktienmarkt.
Bessembinder zeigt, dass der gesamte Nettovermögenszuwachs des Aktienmarktes von nur etwas mehr als vier Prozent aller Aktien getragen wird und dass nur ein Drittel Prozent aller Aktien für die Hälfte des gesamten Nettovermögenszuwachses verantwortlich ist. Den höchsten Nettovermögenszuwachs aller Aktien weist dabei Exxon Mobil auf, gefolgt von Apple, Microsoft, General Electric, IBM und Altria. Dabei ist die Leistung von Apple und Microsoft noch deutlich höher einzuschätzen, da sie im Gegensatz zu den anderen vier Unternehmen nicht über den gesamten Untersuchungszeitraum von Juli 1926 bis Dezember 2016 existierten, sondern erst im Januar 1981 bzw. April 1986 an die Börse kamen.
Diese Studie relativiert die Renditevorteile von Aktien gegenüber Staatspapieren. Die durchschnittlichen Renditevorteile von Aktien gegenüber risikolosen Staatspapieren basieren auf wenigen sehr erfolgreichen Aktien, während der Grossteil aller Aktien deutlich schlechter rentiert als risikolose Staatsanleihen. Wer mit seinem Aktiendepot eine höhere Rendite erwirtschaften möchte als mit einer risikolosen Geldanlage, muss die wenigen erfolgreichen Aktien im Depot haben. Fehlen diese Aktien im Depot, wäre ein Kauf risikoloser Staatspapiere rentabler gewesen.