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Der aus São Paulo stammende Musiker Fábio Caramuru interpretiert am 12. Dezember im Zürcher Moods Tom Jobim-Werke lediglich auf dem Solo-Piano. Magisch.
João Gilberto mag zwar 1958 den Bossa Nova durch seine Gitarrenrhythmik - typisch sind da beispielsweise die oft eigenwillig auf eins betonten Zweiviertel, die somit das genaue Gegenteil von Reggae bilden - musikalisch entscheidend beeinflusst haben, doch ganz am Anfang der Bossa-Geschichte prägte Antônio Carlos "Tom" Jobim (1927-1994) den neuen Stil. Im blauen Zigarettendunst die Gitarre zupfend oder vor dem Piano sitzend und am Whiskyglas nippend, komponierte Jobim unter anderem sowohl das durch João Gilbertos Interpretation berühmt gewordene "Chega de Saudade" als auch den Welthit "Garota de Ipanema": Tom Jobim, das Herz des Bossa Nova. Der in Rio aufgewachsene Diplomatensohn studierte zunächst Architektur, fühlte sich aber unwiderstehlich zum Flügel hingezogen, auf welchem er herumexperimentierte. Vier Jahre vor dem eigentlichen Boom entstanden, gilt Jobims "Hino Ao Sol" von 1954 als erster wirklicher Bossa Nova.
Allein am Flügel
Tom Jobim hob stets seine Liebe zur klassischen Musik hervor, zur Romantik eines Chopin und zu Debussys Impressionismus. Das beeinflusste die eigenen Kompositionen. Und inspirierte den 1956 in São Paulo geborenen Musiker und Pianisten Fábio Caramuru zu Solo-Piano-Versionen von Jobims Werken. Eine modernere Annäherung an Jobims Bossa-Auffassung als das langweilige, oft von piepsenden und trällernden europäischen Sängerinnen betriebene Aufkochen von Original-Bossa-Novas und damit einer Musik, die in dieser ursprünglichen Form sowenig mehr wirklich lebt wie Dixieland und Rock'n'Roll.
Caramuru jedoch befördert seine Jobim-Interpretationen in zeitlos traumhafte Sphären. Da perlt das Wasser in "Água De Beber" in impressionistischen, unregelmässigen Tropfen sozusagen von den Pianotasten und verdichtet sich im Verlauf des Stückes zu rhythmischem Plätschern. Die "Garota" wiederum wird chaotisch freejazzig und wild synkopiert aufgemischt: Zoff an einem eher stürmischen Tag am Strand von Ipanema. Anderes evoziert die Imagination eines ewigblauen Himmels über den Wellchen des Atlantiks oder aber bei Schwadronieren und Drinks in irgendwelchen Bars verdöste Nachmittage von Protagonisten der damaligen existenzialistischen Bossa-Nova-Szene.
Alles wunderbar luftig und transparent. Abfinden muss man sich allerdings damit, dass bei rein instrumentalen Interpretationen die genialen Texte, die oft der Dichter Vinicius de Moraes zu Jobims Bossas verfasste, leider nicht zum Tragen kommen.
Zürich, Moods im Schiffbau, Montag 12. Dezember, 20:30
Doppel-CD: "Piano / Tom Jobim Por Fábio Caramuru" (MCD)
moods.ch