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Natur und Umwelt
Die SFAR im Dienste der wissenschaftlichen Forschung
Auszug aus: Schweizerische Stiftung für Alpine Forschungen 1939 bis 1970. Erschienen in Zürich 1972
Im Jahre 1961 trat die Stiftung für Alpine Forschung als Mitglied der internationalen Dachorganisation für Naturschutz UICN bei. Mit diesem Schritt dokumentierte sie ihren Willen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten an den vielfältigen Aufgaben des Natur- und Umweltschutzes mitzuwirken. An Gelegenheiten fehlte es nicht. Im Jahre 1965 bereitete das Aletsch-Reservat den verantwortlichen Instanzen einige Sorgen. Die Gründer des Reservates hatten den Aletschwald als forstlich und pflanzensoziologisch wertvolles Waldgebiet unter Totalschutz gestellt. Um Weideschäden durch Gross- und Kleinvieh zu verhüten, wurde das Reservat eingezäunt und eine dauernde Beaufsichtigung angeordnet. Im Verlaufe der Jahre musste man jedoch erkennen, dass zwar das weidende Vieh aus dem Reservat herausgehalten werden konnte, dass aber im Aletschwald ausgedehnte Verbissschäden durch das einstehende Wild verursacht wurden. In der Folge wurde eine pflanzensoziologische Untersuchung des Aletschreservates veranlasst, um wissenschaftliche Unterlagen für die künftige Reservatsbewirtschaftung zu schaffen. Die Aufgabe übernahm Jean-Louis Richard von der Universität Neuenburg; an die Drucklegung seiner kommentierten Vegetationskarte leistete die Stiftung für Alpine Forschung einen Beitrag. Ebenso förderte die Stiftung den Druck einer Arbeit Fritz Fischers über den Aletschwald.
Im Jahre 1964 suchte die Organisation des Worid Wildlife Fund (WWF) eine engere Zusammenarbeit mit der Stiftung für Alpine Forschung auf dem Gebiet des Wild- und Naturschutzes. In persönlichen Gesprächen betonten die Sachbearbeiter des WWF die Bedeutung der zoologischen Grundlagenforschung für die Vorbereitung von Projekten zum Schutz bedrohter Tierarten. Die Stiftung entschied sich dazu, das Wildforschungsprogramm vermehrt auf die Gewinnung von Unterlagen für eine aktive Wildschutzpolitik auszurichten. Um in der Öffentlichkeit für die Belange des Naturschutzes zu werben, unterstützten die Stiftung 1965 das Zoologische Museum der Universität Zürich beim Aufbau einer Ausstellung über den Alpensteinbock, die thematisch von Marco Schnitter bearbeitet wurde. In ähnlicher Weise wurde Walter Huber, Direktor des Naturhistorischen Museums Bern, bei seiner Vorbereitung einer Ausstellung der Internationalen Jagdtagung 1967 in Novi Sad, Jugoslawien unterstützt.
Mit der Zeit bahnte sich auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes eine erfolgreiche Zusammenarbeit der Stiftung mit dem Schweizerischen Nationalfonds für wissenschaftliche Forschung, dem WWF und verschiedenen Naturschutzorganisationen an. Ein besonders dankbares Beispiel für diese Kooperation bildet das Simien-Projekt in Äthiopien.
Wie im Bereich Wildforschung aufgeführt, hatte Bernhard Nievergelt 1966 seine Dissertation über den Alpensteinbock abgeschlossen. Als Vertreter der Stiftung für Alpine Forschung nahm er an der in Luzern durchgeführten Mitgliederversammlung der UICN teil. Er erfuhr dabei von einem äthiopischen Delegierten, dass im bisher kaum erforschten Simien-Gebirge noch ein Restbestand äthiopischer Steinböcke vorkomme. Mit Zustimmung des äthiopischen Kaisers Haile Selassie ermöglichten wir Bernhard Nievergelt eine Rekognoszierungs-Expedition in die Simien-Berge, die der Vorbereitung eines grösseren Programmes zur Erforschung des äthiopischen Steinbockes dienen sollte. Der Rekognoszierungsbericht war sehr ermutigend; Nievergelt unterbreitete dem Schweizerischen Nationalfonds ein Gesuch zur Finanzierung eines einjährigen Aufenthaltes. Das Projekt wurde angenommen; an die Kosten der Feldarbeiten leistete der WWF einen namhaften Beitrag. Schon vor der zweiten Forschungsreise hatte Nievergelt angeregt, Schritte zur Schaffung eines äthiopischen Nationalparkes im Gebiet der Simien-Berge zu unternehmen. Er belegte seinen Vorschlag mit einem ausgezeichneten Bildmaterial, das die Stiftung veranlasste, die Idee weiter zu fördern (siehe Berge der Welt, Bd. XVII, 1968/69: Simien, eine bedrohte Berglandschaft in Äthiopien).
Im Winter 1968 reiste in unserem Auftrag der Eidgenössische Jagdinspektor Carl Desax im Einverständnis mit Bundesrat Tschudi nach Äthiopien. Er sollte sich an Ort und Stelle von Nievergelt über die Möglichkeiten zur Gründung eines Nationalparkes oder Wildreservates orientieren lassen. Später griff der WWF die Idee zur Gründung eines Naturschutzgebietes auf und führte die notwendigen Verhandlungen auf internationaler Ebene weiter. Nach Pressemeldungen erklärte Kaiser Haile Selassie 1970 das Gebiet der Simien-Berge zum äthiopischen Nationalpark.
Neben diesem internationalen Naturschutzprojekt nehmen sich andere Bestrebungen der Stiftung im Dienste des Natur- und Umweltschutzes bescheiden aus. Ein Artikel von H.P. Häfeli über den Alpensalamander in Berge der Welt (Bd. XVII, 1968/69) hatte zum Ziel, auch unter Bergsteigern für den Schutz einheimischer Amphibien zu werben.
In den Jahren 1965 bis 1970 bemühte sich Fritz Hans Schwarzenbach, in der Landschaft Davos unter Mitarbeit von Freiwilligen aus allen Kreisen der Bevölkerung den Pflanzenschutz zu fördern. Eine breit angelegte Untersuchung hatte ergeben, dass von Touristen immer wieder Jagd auf die gleichen zwei Dutzend Arten von Bergblumen gemacht wird. Fragebogen gaben Aufschluss über die Gründe für die Bevorzugung dieser Blumenarten. Die Erfahrungen aus dieser Umfrage wurden ausgenützt, um Pflanzenmarder mit sachlichen Argumenten von der Schutzwürdigkeit der widerrechtlich gepflückten Bergblumen zu überzeugen. Als zusätzliche Waffe im Kampfe gegen den Pflanzenfrevel wurde den Hilfsaufsehern zudem, eine Instruktion zur mündlichen Widerlegung der von Pflanzenfrevlern bevorzugten Ausreden in die Hand gegeben. Diese vorerst lokal ausgerichteten Anstrengungen gewannen sehr schnell eine unerwartet breite Ausstrahlung. Lichtbildervorträge in bündnerischen Instruktionskursen für Hilfsaufseher, in SAC-Sektionen und in Kurorten, mehrere Kurzsendungen in Radio und Fernsehen zeitigten ein erfreuliches Echo. In Verbindung mit der Bündner Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege wurden vorerst in der Landschaft Davos, später auch in anderen Gebieten des Kantons Graubünden Hinweistafeln für Pflanzenschutz an Wegweisern angebracht.
Später entstand auf Initiative von Nic Kindschi in Verbindung mit der neu eröffneten Pischa-Bahn im Flüelatal ein Pflanzenschutzgebiet von 15 Quadratkilometer Ausdehnung. Ferner wurden bei der Revision des bündnerischen Pflanzenschutzgesetzes im Jahre 1970 die praktischen Erfahrungen der Hilfsaufseher weitgehend berücksichtigt.
Dieser Rückblick zeigt, dass die ursprünglich bergsteigerisch orientierte Tätigkeit der Stiftung im Verlaufe der Jahre über die Förderung der alpinen Forschung folgerichtig immer mehr zu Natur- und Umweltschutz führte. Es wurden dabei Forschung über alpine Tierarten unterstützt und Anstrengungen unternommen, um geeignete Themen aus dem Bereich des Naturschutzes in die Öffentlichkeit zu tragen.