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Auch in der Gegenwartskunst hat die Apokalypse ihren festen Platz. In der Schweiz tritt der Medienkünstler Christoph Draeger als einer ihrer prosaischen Erbverwalter auf. Seine Fotoserie «Voyages Apocalyptiques» (seit 1994) zeigt Unglücksorte aus der zeitlichen Distanz – idyllische Dörfer in Asien, die einst von einem Tsunami verwüstet wurden, oder das heutige Hiroshima. Das wirkliche Grauen, so die Botschaft im Subtext, ist schlicht nicht darstellbar. Während «Apokalypse» im traditionellen Verständnis «Offenbarung» oder «Enthüllung» bedeutete, enthüllt Draeger keine transzendente Wahrheit mehr. Was bleibt, ist die Einsicht, dass auch die grössten Katastrophen bisher stets partieller Art blieben und in die Normalität mündeten. Am Ende steht nicht das Neue Jerusalem, sondern Bürogebäude und Golfplätze.
Kurz vor dem Untergang kann dieser Text nur eine winzige, willkürliche Auswahl apokalyptischer Kunstwerke präsentieren, die – ob als Original oder als Reproduktion – in jedes Survival-Kit für kulturaffine prepper gehören. Ludwig Meidner, Max Beckmann, Czesław Miłosz, Gottfried Helnwein, Francis Ford Coppola, Werner Tübke, Arnulf Rainer – die Liste der Apokalypse-Künstler liesse sich fast endlos fortsetzen. Wäre da nicht das bevorstehende «Ende aller Dinge», von dem Immanuel Kant geschrieben hat, es sei «eigentlich ein Begriff, mit dem [den Mystikern] zugleich der Verstand ausgeht und alles Denken selbst ein Ende hat».