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Während wir die Wohnung kühlen, erhitzt sich die Stadt noch mehr
In der Hitzewelle diesen Sommer lechzten die Menschen in Europa nach kühler Luft. Nicht einmal Ventilatoren verschafften noch richtige Abkühlung. Angenehm war es in klimatisierten Büros und Supermärkten.
Singapurs Staatsgründer Lee Kuan Yew hat die Klimaanlage einmal als die wichtigste Erfindung des 20. Jahrhunderts bezeichnet: «Ohne sie würden viele unserer Arbeiter wahrscheinlich unter Kokosnussbäumen sitzen.» In subtropischen oder tropischen Regionen der Erde wäre der Betrieb von Druckereien, Rechenzentren oder Halbleiterfabriken ohne Klimaanlagen kaum möglich. Auch für die Lagerung verderblicher Arznei- und Lebensmittel ist Kältetechnik unabdingbar.
Doch Klimaanlagen haben drei grosse Nachteile: Erstens werden die Geräte mit klimaschädlichen Kältemitteln wie teilfluorierten Kohlenwasserstoffen betrieben. Zweitens verbrauchen die Anlagen sehr viel Energie: Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) benötigen Klimaanlagen und Ventilatoren zehn Prozent des gesamten globalen Energieverbrauchs. Und der Klimatisierungsbedarf von Gebäuden wird durch die Erderwärmung weiter steigen – vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern.
Bis 2050 könnten nach Schätzungen der IEA zwei Drittel aller Haushalte auf der Welt eine Klimaanlage haben. Der Strombedarf für die Anlagen könnte im ungünstigsten Szenario auf bis zu 6000 Terawattstunden anwachsen. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Atomkraftwerk schafft etwa 10 Terawattstunden Strom pro Jahr.
Drittens produzieren Klimaanlagen nicht nur Kälte, sondern auch Wärme, die bei einfachen Modellen mit einem Schlauch aus dem Fenster ausgeleitet wird. Durch die Abwärme steigt die Umgebungstemperatur um ein bis zwei Grad. Ein Teufelskreis.
Eiskalte Räume werden verboten
Wie kommt man da heraus? Die spanische Regierung hat kürzlich verfügt, dass Räume der öffentlichen Verwaltung nicht unter 27 Grad gekühlt werden dürfen. Und in Frankreich hat die Regierung angeordnet, dass alle klimatisierten Geschäfte ihre Türen geschlossen halten müssen, damit nicht unnötig Energie verschwendet wird.
Klimafreundlich hingegen ist die Begrünung von Dächern und Hausfassaden. Gründächer und Kletterpflanzen, die schon im alten Ägypten zu den Bautechniken gehörten, wirken wie eine natürliche Klimaanlage – dank der Verdunstungskühle sinkt die Gebäudetemperatur um mehrere Grade.
Und besonders Glas steht als Baustoff in der Kritik, weil die Produktion sehr energieintensiv ist und das Material durch den Treibhauseffekt Städte aufheizt. Die Glasfront eines Londoner Hochhauses hat durch die Reflexion des Sonnenlichts sogar Autos zum Schmelzen gebracht.
In Singapur hat die Klimaanpassung längst begonnen: Gebäude werden begrünt oder mit Verschattungselementen ausgestattet, sodass sie der Tropenhitze weniger stark ausgesetzt sind. Das vom Stararchitekten Norman Foster entworfene Hochhaus South Beach etwa ist so konstruiert, dass durch gekrümmte Dächer und Fassaden die Luft wie in einem Windkanal zirkulieren und so für Kühlung sorgen kann. Das auf dem Dach gesammelte Regenwasser wird in Bassins gespeichert und über ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem zu den Pflanzen geleitet, die Schatten spenden.