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Reinhold Kündig (1888–1984) unternimmt nach seiner Lehre (1903–1906) beim Zürcher Theatermaler Albert Isler ausgedehnte Reisen durch die Schweiz und Deutschland sowie nach Paris, Rom und Tunis. Oftmals reist er mit Hermann Huber, den er seit der gemeinsamen Schulzeit kennt. Durch Huber, der sich 1907 an der Münchener Kunstakademie einschreibt, lernt Kündig Otto Meyer-Amden, später auch Oskar Schlemmer und Willy Baumeister kennen. 1911 wird Kündig Mitglied des Modernen Bundes, an dessen zweiter Ausstellung er im Juli des folgenden Jahres mit drei Gemälden und einer Zeichnung vertreten ist. Nach dem ersten Weltkrieg distanziert sich Kündig von seiner expressionistischen Malweise und orientiert sich fortan in Technik und Farbgebung am Werk Gustave Courbets.
Der schriftliche Nachlass Kündigs umfasst neben Tagebüchern einige hundert handschriftliche Briefe von befreundeten Künstlern, neben Huber auch Otto Meyer-Amden, Cuno Amiet, Willy Baumeister und Oskar Schlemmer. Insbesondere die intensive Korrespondenz, die Kündig ab 1907 mit Huber führt und die bis in die frühen 1930er-Jahre anhält, zeichnet neben der persönlichen auch die künstlerische Entwicklung Kündigs und Hubers nach. Im Nachlass sind auch Briefe Kündigs an Huber enthalten. Im Dialog lässt sich so der gedankliche Austausch, die ästhetische Position und Arbeitsweise der beiden Künstler nachvollziehen. Häufig diskutieren Huber und Kündig die Arbeit ihrer Schweizer Zeitgenossen, insbesondere das Werk Ferdinand Hodlers, aber auch Positionen der französischen Moderne: Huber schwärmt für Renoir und Gaugin, Kündig für Cézanne. Die Briefe des Bildhauers Eduard Bick und des Malers Paul Bodmer an Kündig behandeln ebenfalls einzelne Personen – auch hier oftmals Hodler – und erlauben Rückschlüsse auf den zeitgenössischen Diskurs. Neben Schriften findet sich im Nachlass eine Vielzahl von Skizzen- und Zeichnungsbüchern, teilweise datiert und beschriftet (1902–1982). Im fotografischen Nachlass sind sowohl Werkaufnahmen Kündigs als auch Fotografien von Werken befreundeter Künstler vorhanden, was wiederum auf einen regen Austausch über das künstlerische Schaffen schliessen lässt.
In der Forschung wird Reinhold Kündig wenig beachtet, eine Monografie fehlt. Die wenigen Ausstellungskataloge zeigen vor allem Werkabbildungen. In der 1999 erschienenen Publikation Hermann Huber – Reinhold Kündig. Aus Briefen und Tagebüchern wird der schriftliche Nachlass Kündigs teilweise transkribiert und kommentiert. 2011 erscheint der Katalog Der Moderne Bund. Beginn der Moderne in der Schweiz, in dem Kündig ein eigenes Kapitel gewidmet ist.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 45 / 232
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Claudia Blank, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
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Publiziert am 26.04.2012