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| "KÖNNEN SIE DICHT HALTEN?" -

ÜBER INKONTINENZ BEI FRAUEN
Wozu dient der Beckenboden ?
Der Beckenboden ist eine flache, elastische, ca. 1 cm dicke Muskelplatte
zwischen Schambein, Steissbein und den Sitzbeinhöckern.
Er stützt von unten her Blase, Gebärmutter und Darm und verschliesst die
Öffnungen von Harnröhre, Scheide und Darm. Dazu ist er konstant angespannt,
ausser beim Wasserlassen und Stuhlen.
Man kann ihn auch bewusst anspannen, um - beispielsweise vor besetzter
Toilette stehend - Harnabgang zu vermeiden.
Wenn die Beckenbodenspannung nachlässt, können eine Senkung von Blase
und Gebärmutter oder Harninkontinenz (unfreiwilliger Harnabgang) die Folge
sein.
Wie arbeitet die Blase ?
In der Blase sammelt sich der Urin. Während der Füllung sind die Muskeln
der Blase schlaff und jene der Harnröhre und des Beckenbodens gespannt,
die Harnröhre ist geschlossen. Bei der Entleerung (Miktion) ziehen sich
die Blasenmuskeln zusammen und die Muskeln von Harnröhre und Beckenboden
entspannen sich, um die Harnröhre zu öffnen. Die gesunde Blase löst durchschnittlich
300 ml Urin, dies ca. 6 Mal pro Tag und höchstens 1 Mal nachts. Die Entleerung
geschieht selbständig, ohne zu pressen und ohne Unterbruch.
Trinken Sie genügend, ca. 6 grosse (3 dl) Gläser täglich, am Morgen viel,
am Abend wenig.
Was ist Harninkontinenz ?
Wenn jemand die Entleerung der Blase nicht mehr vollständig unter Kontrolle
hat, spricht man von «Harninkontinenz».
Durchschnittlich leiden 15 % der 30-40 jährigen Frauen und 35 % der 50-70
jährigen Frauen und in einem Altersheim bis 60 % an Harninkontinenz.
Bis zu 50% sogar junger Frauen geben an, wenigstens zeitweise das Wasser
nicht optimal halten zu können.
Die folgenden Inkontinenzformen sind die häufigsten:
- Stressinkontinenz:
Hierunter versteht man unfreiwilligen Harnabgang bei plötzlichem Druckanstieg
in der Bauchhöhle durch körperliche Belastungen wie Husten, Niesen,
Hüpfen, Laufen oder Heben einer Last.
Es handelt sich um 35-45 % aller Inkontinenzfälle.
- Reizblase:
Sie zeigt sich durch häufigen, verstärkten Harndrang mit schmerzhafter
Blasenentleerung und nur geringer Urinmenge, jedoch ohne Inkontinenz.
Kommt diese noch hinzu, ergibt sich eine Dranginkontinenz.
- Dranginkontinenz:
Nach gesteigertem Dranggefühl erfolgt unabhängig von körperlicher Belastung
ein unerwünschter Harnabgang, ehe man es zur Toilette schafft. Dies
ist auch nachts während des Schlafes möglich.
Wird die Blasenkapazität durch zu häufiges Wasserlassen nicht trainiert,
so kann die Blase kleiner werden und der Harndrang tritt dann immer
früher auf.
Die Dranginkontinenz macht 25-35 % der Blasenstörungen aus.
Es gibt auch Mischformen von Stress- und Dranginkontinenz (20-40 % der
Inkontinenzen).
- Überlaufinkontinenz:
Die Blase ist ständig prall gefüllt, aber nur kleine Urinmengen gehen
tropfenweise in unregelmässigen Abständen unkontrolliert ab, ohne dass
die Blase wirklich entleert wird. Sie tritt auf bei: neurologischen
Störungen, Männern mit Prostatavergrösserung, Frauen mit Blasen- oder
Gebärmuttersenkung oder bei Personen, die zu lange zwischen den Toilettenbesuchen
warten.
Wie kommt es zu einer Inkontinenz ?
Hauptursachen der Harninkontinenz sind:
- Die Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur:
z.B. durch Geburten, Übergewicht, chronischen Husten oder Verstopfung
(verbunden mit Pressen beim Stuhlen), falsches Bauchmuskeltraining oder
Dauerbe- lastung im Alltag (schweres Heben, langes Stehen, krummes Sitzen,
baucheinschnürende Kleidung)
- Falsches Trink- und Miktionsverhalten
- Bindegewebsschwäche
- Hormonmangel in den Wechseljahren
- Medikamente, die Inkontinenz begünstigen
Die Inkontinenz entsteht nicht plötzlich, sondern meistens über meh-
rere Jahre. Erste Symptome können Kreuzschmerzen sein, die bei beginnender
Gebärmuttersenkung durch Zug der hinteren Gebärmutterbänder entstehen.
Sie machen sich bei längerem Stehen und Gehen bemerkbar. Frühe Beschwerden
bei Beckenbodenschwäche sind Empfindungen wie «unten ist etwas locker»
oder ein Druckgefühl am Beckenboden, insbesondere nach längerem Stehen
oder (Bergab-)Gehen, in ermüdetem Zustand oder am Tagesende.
Ohne therapeutische Massnahmen treten die Beschwerden häufiger auf, die
Gebärmutter senkt sich zunehmend, allmählich kommt es zu unwillkürlichem
Harnabgang.
Wenn Sie noch weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihre
Ärztin / Ihren Arzt oder auch wir von der Physiotherapie des Kantonsspitals
Liestal geben Ihnen gerne Auskunft -
Ruth Bitterli und Eva Hanafi
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