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Die Meinung, dass das Pferd an der Longe dauerhaft gestellt und gebogen sein muss, hält sich hartnäckig. Aus trainingsphysiologischer Sicht macht dies jedoch aus den nachfolgenden Gründen keinen Sinn:
1: Wenn ein Pferd zwanglos geradeaus geht, hält es den Kopf immer ein bisschen schräg um die Umgebung vor und hinter sich im Auge zu behalten. Diese Vorwärtsbewegung braucht kaum Muskelkraft, da es sich um eine natürliche Fortbewegungsart des Pferdes handelt. Möchten wir nun, dass das Pferd gebogen auf einer Kreislinie geht, muss dies das Pferd erst lernen, da das Gehen in Biegung für das Pferd nicht natürlich ist.
2: Die Faszienspannung auf der Innenseite des Pferdes lässt in Biegung nach, diese wird nun mit Muskelarbeit kompensiert. Als Beispiel bei der Biegung nach rechts, sind rechts die Muskel aktiv, links werden die Faszien gedehnt. Somit wird schnell klar, dass die Dauer der Biegung langsam gesteigert werden sollte und die Muskulatur entsprechend aufgebaut und trainiert werden muss. Je nach Trainingszustand und Grad der Biegung ermüdet die Muskultur ziemlich schnell. Hier ist ein sorgfältiger Muskelaufbau absolut sinnvoll, um Ermüdungsanzeichen wie Verwerfen im Genick oder nach aussen oder innen drängen zu vermeiden. Daher führt ein Trainingsaufbau bei dem sich Biegung und Geradeausgehen abwechseln, schneller zu einem positiven Effekt und verschleissendes Training kann vermieden werden.
3: In der Biegung erfahren die Facettengelenke der Wirbelsäule auf der Innenseite Kompression. Eine Kompression, welche über das vorgesehene Mass hinausgeht, verursacht Schäden. Wenn nun also über eine längere Zeit eine zu starke Biegung gefordert wird, kann dies arthrotische Veränderungen an den Facettengelenken der Wirbelsäule oder auch Verknöcherungen der Querfortsätze der Lendenwirbelsäule zur Folge haben.
Ermüdungsanzeichen des Pferdes
Beginnt das Pferd sich an der Longe im Genick zu verwerfen, (die Ohren sind nicht auf gleicher Höhe) ist dies ein Zeichen, dass es die Stellung und Biegung nicht mehr halten kann. Ebenfalls ist ein stampfendes auffussen mit dem inneren Vorderbein ein untrügliches Zeichen dafür, dass das Pferd eine Pause braucht. In diesem Fall ist der Rumpfträger, der den Rumpf zwischen den Schulterblättern aufhängt, auf der Innenseite ermüdet. Ist der Rumpfträger ermüdet, kann er seine Funktion als Stossdämpfer nicht mehr wahrnehmen und das Fesselgelenk des inneren Vorderbeines wird vermehrt belastet. Spürt man vermehrt Zug auf der Longe oder drängelt das Pferd mit Aussenstellung Richtung Mitte des Kreises, ist es Zeit eine Pause zu machen und das Pferd geradeaus gehen zu lassen. Weitere Anzeichen für Ermüdung sind, wenn das Pferd mit dem Kopf Richtung Zirkelmitte zeigt, der Körper aber nach aussen driftet oder die Hufe des Pferdes nach aussen zeigen, anstatt der Kreislinie zu folgen. Auch hier ist eine Pause angezeigt, das Pferd sollte geradeaus gehen können oder zumindest sollt der Zirkel vergrössert oder einen Handwechsel gemacht werden.
Fazit
Es ist somit nicht sinnvoll, das Pferd dauerhaft gestellt und gebogen zu trainieren, den so wird die ansonsten sehr wertvolle Biegearbeit vom Muskeltraining zum schadhaften Training. Ein sinnvoller Trainingsaufbau ist wichtig, ebenso eine gute
Beobachtungsgabe um den Trainingsfortschritt zu überwachen. Geduld und Feingefühl sind gefragt, den so ist die Biegearbeit ein wertvolles Trainingswerkzeug um das Pferd gesund und fit zu halten.
Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, empfehle ich das Buch "Die 50 häufigsten Irrtümer in der Pferdeausbildung" von Barbara Welter-Böller, Maximilian Welter und Claudia Weingang aus dem Cadmos Verlag.
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