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Von der Erwerbsgemeinschaft über die Kleinfamilie mit Hausfrau zur Patchworkfamilie: Das Zusammenleben wird neu organisiert.
Dem Manne der Staat, der Frau die Familie.
In der vorindustriellen Zeit war die Familie oft eine Erwerbsgemeinschaft. Alle Familienmitglieder arbeiteten für den Lebensunterhalt mit. Diese Familienform gibt es heute noch im Kleingewerbe oder in der Landwirtschaft.
1881 wurden die Rollen der Ehepartner gesetzlich festgeschrieben. Der Mann wurde zum Beschützer und Ernährer der Familie, die Frau zur Gefährtin des Mannes. Die Frau blieb aber weiterhin der Vormundschaft des Ehemannes unterstellt.
Im 20. Jahrhundert wurde die Familie stärker um das Ehepaar gruppiert. Familien wurden zum Ort der Ordnung, wo alle ihre klare Rolle hatten.
Unverheiratete Töchter blieben meist in der Familie und halfen bei der Hausarbeit. Dies änderte sich erst, als im 20. Jahrhundert mehr Berufsausbildungen für Frauen geschaffen wurden.
Eine Frau konnte ohne Mann kein Kind aufziehen. Uneheliche Mütter wurden bevormundet, viele gaben ihr Kind zur Adoption frei.
Uneheliche Kinder aus ärmeren Familien wurden bis 1990 als günstige Arbeitskräfte zu Bauern gegeben (Verdingkinder).
Bis nach dem Ersten Weltkrieg war es üblich, dass eine Mutter aus der Oberschicht nur kleine Teile der Nachwuchspflege übernahm. Die Kinder in bessergestellten Familien wurden massgeblich vom Hauspersonal aufgezogen und versorgt.
Nach dem zweiten Weltkrieg verschwanden die Dienstboten aus den begüterten Familien. Dies bedeutete, dass die Frauen auch in wohlhabenderen Familien mehr Hausarbeit und alle Mutterpflichten übernahmen.
Die Kleinfamilie der 1950er-Jahre wurde auch von der bürgerlichen Frauenbewegung unterstützt und gefördert.
In den 1960er-Jahren geriet die bürgerliche Familienidee immer mehr in die Kritik. Die junge Generation sehnte sich nach weniger moralischem Druck und mehr persönlicher Freiheit.
Erst in den 1970er-Jahren begannen die ersten Frauen gegen einengende Rollen- und Aufgabenteilung zu revoltieren. Die Unzufriedenheit zog breite Kreise. Mehr Frauen suchten sich eine Teilzeitarbeit und begannen, eigenes Geld zu verdienen. An der Frage der Aufgabenteilung in der Familie konnten sie damit jedoch wenig ändern.
Besonders die Frauen brachen aus dem engen Rollenkorsett der bürgerlichen Familie mittels Scheidung aus. Das Familien- und Eherecht, das die Ehefrauen faktisch entmündigte, blieb jedoch bis 1988 bestehen.
In den 1980er-Jahre wehte auch ein Modernisierungsschub durch die Haushalte. An die Stelle der schwierigen und aufwändigen Rezepte im Fülscher-Kochbuch trat Betty Bossy. Ihre Rezepte waren einfach, modern, leicht international angehaucht und garantiert gelingsicher. Ideale Kochanleitungen für die in Teilzeit erwerbstätige Hausfrau. Trotz dieser und vieler anderer Erleichterungen im Haushalt, wie beispielsweise der Verbreitung des Geschirrspülers, blieb die Frau weiterhin für die Hausarbeit zuständig. Frauen mit Kindern standen also unter einer Doppelbelastung von Familienarbeit und Berufsarbeit.
1988 wurde das Eherecht endlich modernisiert. Ab diesem Zeitpunkt erhielten die Ehefrauen einen grösseren Handlungsspielraum und mehr Rechte. Das Ideal einer lebenslangen Ehe liess sich jedoch nicht mehr retten. Die Scheidungszahlen stiegen weiter an.
Durch die rasant angestiegenen Scheidungszahlen und die höhere Lebenserwartung entstanden zunehmend Patchwork-Familien, also solche, die sich aus Teilen mehrerer Kernfamilien zusammensetzen. Auch gleichgeschlechtliche Paare meldeten familienrechtliche Ansprüche an. So wurde es möglich, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder aus früheren Beziehungen eines Partners oder einer Partnerin adoptieren konnten, in Zukunft werden gleichgeschlechtliche Paare nicht nur heiraten, sondern auch Kinder adoptieren können.