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Den ersten Abend als eingebürgerter Schweizer vergisst Granit Dervishaj, 22, nie. Mit Freunden verabredet er sich für den Ausgang. Als er dem Türsteher stolz seine Schweizer Identitätskarte präsentiert, lässt ihn der nicht rein. Seine Freunde schon. «Völlig erschüttert» bittet Granit seine Eltern, ihn abzuholen.
«Es war wegen meines Namens», glaubt Granit bis heute. Das Erlebte spornt ihn an, noch mehr Rap-Texte zu schreiben. Über das Zusammenleben von Schweizern und Ausländern. Texte, die ihn unter seinem Künstlernamen Baba Uslender zum ersten Youtube-Phänomen der Schweiz machen. Anfang 2012 veröffentlicht Baba dort den «Baustellsong». Ein Lied über die Arbeit von Albanern, Italienern und Schweizern auf dem Bau. Ein Lied, gespickt mit Klischees, Anspielungen, Wortwitz. Ein Lied auch, das zum Nachdenken anregt. «Die Leute sollten sich fragen, ob ich das ernst meine oder ob ich das nur spiele.» Innert Tagen wird Babas Lied zum Selbstläufer auf Youtube, Facebook und Twitter. Obwohl der Inhalt kaum etwas mit seinem wirklichen Leben zu tun hat.
Granits Eltern kamen vor 30 Jahren in die Schweiz. Vater Avni, 54, ein Bauer, fand eine Stelle als Schreiner. Mutter Fatmire, 44, arbeitete im Lager eines Lebensmittel-Grossverteilers. Später kümmert sie sich um die vier Kinder Gentiana, 24, Albana, 23, Granit und Albin, 19, die alle hier zur Welt kommen. «Granit war ein anständiges Kind», sagt Fatmire. Vielleicht auch, weil sie die angestrebte Einbürgerung oft als Druckmittel benutzt. «Machte er Blödsinn, sagte ich, das könne uns die Einbürgerung kosten.» Eine Erziehungsmassnahme, die allerdings nicht mehr fruchtet, als Granit die obligatorische Schule beendet. Er weigert sich, eine Lehre zu machen, «weil ich keinen Bock hatte». Und wegen seiner Hyperaktivität - mittlerweile hat er die mit Tabletten in den Griff gekriegt. «Ich wollte zu viel auf einmal. Ich machte mir Sorgen um die Lehrabschlussprüfung, bevor ich überhaupt eine Stelle zu suchen begann.»
Den Lebensunterhalt verdient Granit damals als Verkäufer und Lagerist. Weil er noch zu Hause wohnt, kann er Geld sparen. Seinen Traum von einer Amerika-Reise hat er erst mal begraben, er investiert das Ersparte jetzt in sein Debütalbum, das bald erscheinen soll. Darauf sind auch Lieder, die sich nicht mit der Ausländer-Thematik beschäftigen. «Das langweilt die Leute irgendwann.» Natürlich hofft Granit, dass es für Baba weitergeht wie bisher. Dass sich wildfremde Menschen weiterhin mit ihm auf der Strasse fotografieren lassen wollen. Klar ist: «Baba Uslender ist noch kein Erfolg, das ist ein Hype. Erfolgreich ist einer wie Gölä, der mit Konzerten Hallen füllt.»
Der Hype hat dem Albaner aus Hochdorf LU immerhin einen neuen Job beschert. Seit Kurzem moderiert er mit Gülsha Adilji, 26, die Balkan-Charts auf Joiz. Ist das Fernsehen nichts für ihn, hat Granit bereits einen Plan B: Er will die Fachmittelschule machen und Reallehrer werden. «Baba Uslender hat mich motiviert. Ich kann jetzt alles schaffen.»