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Inhalt:
Die Voyager-Crew findet in einem Asteroidengürtel Premium. Premium
ist ein qualitativ hochwertiges Dilithium. Nun experimentieren Torres und
Paris damit herum und versuchen, das theoretisch unmögliche Warp 10
zu erreichen. Eine Simulation auf dem Holodeck verläuft erfolgreich,
und Tom Paris soll den ersten Testflug mit Transwarp übernehmen. Tom
Paris startet das Shuttle, welches plötzlich vor den Augen der Crew
verschwindet und kurz darauf wieder auftaucht, mit einem schlafenden, aber
ansonsten unverletzten Tom Paris an Bord. Tom Paris erklärt, er sei
für einen kurzen Moment überall im Universum gewesen, beginne
aber bereits wieder zu vergessen, was er gesehen hat. Die Shuttle-Aufzeichnungen
belegen, daß das Shuttle an jedem Ort im Universum war. Allerdings
fehlt noch eine Möglichkeit, das Shuttle an einem bestimmten Ort wieder
in den Normalraum zurückkehren zu lassen. Als Paris und Torres in
der Kantine alles weitere besprechen, bricht Paris plötzlich zusammen.
Der Doktor stellt fest, daß Tom Paris eine allergische Reaktion auf
Wasser hat. Sogar die normale Atemluft ist für Tom Paris unbrauchbar.
Tom Paris' Zustand verschlechtert sich, schließlich stirbt er. Später
beginnt Tom Paris wieder zu leben. Der Doktor stellt bei ihm zwei Herzen
fest. Doch die Mutation schreitet immer weiter voran. Der Holodoc will
Tom Paris mit Antiprotonen beschießen, um die mutierende DNA zu zerstören.
Doch bevor es so weit kommt, bricht Tom Paris aus der Krankenstation aus.
Tom Paris kidnappt Janeway und flieht mit einem Shuttle, welches der Voyager
mit Warp 10 entkommt. Einige Tage später findet man das Shuttle auf
einem Planeten. Dort sind Janeway und Paris, beide jedoch zu Reptilien
mutiert. Sie haben auch schon Nachkommen. Der Holodoc stellt fest, daß
Tom Paris eine Evolution von Millionen von Jahren in wenigen Stunden durchlaufen
hat, und erkennt daher, daß der Mutationsprozeß nach wie vor
rückgängig gemacht werden kann. Die Kinder von Janeway und Paris
werden auf dem Planeten zurückgelassen.
Kritik:
Tom Paris-Fans mögen es mir verzeihen, aber "Treshold" hätte
eine der besten Episoden der zweiten Staffel werden können, wenn...
ja, wenn Tom Paris gestorben wäre. Damit wir uns recht verstehen:
Ich will keineswegs, daß Tom Paris stirbt, aber nur sein Tod hätte
dieser Folge die richtige Würze verliehen.
Die Episode enthielt die bisher tiefsten Einblicke in die Paris-Figur.
Tom Paris entpuppte sich als jemand, der wiederholt daran scheiterte, etwas
ganz Besonderes, etwas ganz Großes sein zu wollen. Wir erfahren,
daß ihm sein Vater immer prophezeite, er würde eines Tages etwas
Bedeutsames vollbringen. Gerade deswegen brachte ein schlimmer Fehler auf
der Akademie das Kartenhaus zum Einstürzen und warf Tom Paris komplett
aus der Bahn. (Gerade das erinnert massiv an die Nicholas Locarno-Figur
aus der TNG-Folge "The First Duty" (dt.: Ein mißglückter Manöver).)
Es wäre daher sinnvoll gewesen, Tom Paris sterben zu lassen, als
er erneut versuchte, etwas Großes zu leisten; gemeint ist hier natürlich
das Überschreiten der Warp-Grenze. Er hätte mit der absoluten
Geschwindigkeit fliegen sollen, um danach aufgrund einer schrecklichen
Mutation zu sterben. Tom Paris-Darsteller Robert Duncan McNeill hätte
sich hier mit einer großartigen Darstellerleistung verabschieden
können und "Treshold" wäre eine eindrucksvolle Episode mit Tiefgang
gewesen.
Aber wie wir ja wissen, kam es anders, und Tom Paris mußte gerettet
werden. Und genau da stapelte sich regelrecht der Unsinn.
Natürlich mußte die Mutation von Paris erklärt werden.
Und wie wir erfahren, ist der mutierte Paris der Mensch der Zukunft. Der
Mensch der Zukunft ist also ein großes Reptil ohne Zunge und allergisch
gegen Wasser. Aha. (Ganz anders ist da der Titelbericht der Focus-Ausgabe
1/96. Dort wurde der "homo futurus" als Mensch mit ballongroßem Hinterkopf,
hoher Stirn, spitzem Kinn und ohne Haare und Zähne beschrieben. Seit
"Treshold" ist klar, daß diese Vermutungen offensichtlich völlig
falsch sind.)
Damit Paris geheilt werden konnte, mußten sich die Autoren natürlich
einen Grund für die Mutation überlegen, und der lag wieder mal
bei der mysteriösen Veränderung der DNA. Und diese DNA muß
man ja nur wieder reparieren, und schon, schwupp, ist alles wieder beim
Alten.
Das Ende der Episode konnte man dann nur noch als schlechten Witz auffassen.
Als auch noch Janeway mutierte, mit Paris ein paar Nachkommen zeugte und
kurz darauf wieder unversehrt in der Krankenstation auf einer Liege saß,
kam ich mir dann regelrecht vor wie Krusty der Clown, der gerade den "Itchy
und Scratchy"-Ersatz "Arbeiter und Parasit" gesehen hat.
Ein ungläubiger Blick auf die Credits läßt einen verwundert
den Kopf schütteln. Dieses Drehbuch hat tatsächlich Brannon Braga
geschrieben, einer der zur Zeit besten Star Trek-Autoren! Es hat fast den
Anschein, Braga wollte mit dieser Episode seine Zuschauer genauso auf den
Arm nehmen wie vor fast 30 Jahren ein gewisser Gene L. Coon, als er für
die Classic-Serie das Drehbuch zur Folge "Spocks Brain" (dt.: Spock's Gehirn)
schrieb.
Die Parallelen zu "Spock's Brain" sind beängstigend. Beide Male
hat einer der besten Autoren der jeweiligen Serie einen völligen Unsinn
abgeliefert. Und "Treshold" wird wie "Spock's Brain" als Paradebeispiel
für eine schlechte Star Trek-Folge in die Geschichte eingehen. Und
noch etwas haben die beiden Folgen gemeinsam: So schlecht sie auch sein
mögen, sie sind trotzdem größtenteils kurzweilig.
Bemerkenswert bei "Trashhold"... sorry, "Treshold" ist die beeindruckende
Arbeit des Maskenbildners. Auch der Tom Paris-Darsteller Robert Duncan
McNeill konnte hier positiv überraschen. Bei der Sterbeszene, in der
Tom Paris ständig ein verzweifeltes und undeutliches "Let me go" schrie,
lief es mir jedenfalls eiskalt den Rücken runter. Eiskalt läuft
es mir allerdings auch den Rücken runter, wenn ich mir vorstelle,
jemand, der noch nie "Star Trek - Voyager" gesehen hat, könne zufällig
an "Treshold" geraten...