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© Marcel Burkhardt
Störungen durch menschliche Aktivitäten gelten zusammen mit der Zerstörung von Lebensräumen und der Verminderung der Lebensraumqualität als Hauptursachen für den Rückgang vieler Vogelarten. Es ist zu erwarten, dass menschliche Störungen, insbesondere Freizeitaktivitäten, in Zukunft zunehmen werden. Diese Studie fasst den Stand des Wissens über den Einfluss menschlicher Störungen auf Vögel zusammen.
An Hand neuerer Literatur wurde eine umfassende Überblicksarbeit verfasst, die aufzeigt, welche Modulatoren die Reaktionen von Tieren auf menschliche Störungen beeinflussen (Tablado & Jenni 2015). Diese Erkenntnisse führten zur Frage, ob nur bestimmte Phänotypen fähig sind, durch menschliche Präsenz gestörte Habitate zu besiedeln. Im Rahmen einer Dissertation, durchgeführt von Yves Bötsch, werden deshalb die folgenden Fragestellungen untersucht: Welche Auswirkung haben anthropogene Störungen auf das Ansiedlungsverhalten? Findet eine Auswahl nach bestimmten Persönlichkeitskriterien statt?
In einem grossen, weitgehend unbegangenen Wald in Frankreich wurden gleichwertige Teilflächen ausgewählt, die zur Hälfte experimentell gestört wurden. Im Vergleich zu den ungestörten Teilflächen wird gemessen, ob sich auf den gestörten Teilflächen weniger Individuen ansiedeln, und wie sich diese in ihrer Persönlichkeit unterscheiden. Weiter werden fitness-relevante Parameter (Gewicht, Gelegegrösse, Schlupfrate, mütterliche Antikörper bei jungen Nestlingen) erhoben.
In der Praxis taucht immer häufiger die Frage auf, ob menschliche Aktivitäten, wie z.B. Lärm, Spaziergänger und Wanderer, einen Einfluss auf die Vogelwelt haben oder nicht. Bisher haben nur wenige Studien die Frage behandelt, ob die Ansiedlung durch menschliche Aktivitäten verhindert wird, und ob menschliche Aktivitäten ähnlich wie ein erhöhter Prädationsdruck nicht-lethale Effekte auf Brutinvestition und Körperreserven haben. Zur Frage, ob sich Vögel an Menschen gewöhnen, gibt es je nach Art und Ort ganz unterschiedliche Befunde.