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Bis Montag, 16. September, wurden Transaktionen mit deutscher Beteiligung im Wert von 106 Milliarden Dollar angekündigt - 52 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie aus Daten von Refinitiv hervorgeht. Das Volumen sank damit auf den niedrigsten Wert seit 2011. Dabei ist das Bild noch verzerrt, weil die beiden konkurrierenden milliardenschweren Offerten des österreichischen Chipherstellers AMS und der Finanzinvestoren Bain und Carlyle für Osram in der Auflistung enthalten sind. Die Zahl der Transaktionen schrumpfte um 16 Prozent auf 1605.
Auch weltweit hat sich das Fusionsgeschäft abgekühlt: Das globale Volumen der angekündigten Transaktionen ging gegenüber 2018 um zehn Prozent auf 2,7 Billionen Dollar zurück. Es liegt damit aber immer noch deutlich über dem Niveau von 2016 und 2017.
Weitere Schlaglichter aus den sogenannten "League Tables" des ersten Halbjahrs:
Grösste Transaktionen
- Mit Abstand der grösste Deal mit deutscher Beteiligung ist die 10,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme des kalifornischen Chipherstellers Cypress Semiconductor durch den bayerischen Halbleiterhersteller Infineon
- Auf dem zweiten Platz findet sich der Verkauf des Tiermedizin-Geschäfts von Bayer an den US-Wettbewerber Elanco, der mit 7,35 Milliarden Dollar auf der Liste steht.
- Den dritten Platz belegt der Kauf des Bremsenherstellers Wabco durch den drittgrössten deutschen Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen für 7,2 Milliarden Dollar.
- Dahinter folgen die Übernahme des US-Elektronikmaterialienherstellers Versum durch den Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck (6,4 Milliarden Dollar), die AMS-Offerte für Osram (4,3 Milliarden) sowie der Einstieg des Finanzinvestors KKR beim Medienkonzern Axel Springer (4,2 Milliarden)
Erfolgreichste Berater
- Die erfolgreichste Investmentbank in Deutschland ist in diesem Jahr bisher Goldman Sachs, die ihren ersten Platz verteidigte und bei 20 Deals im Volumen von 38,3 Milliarden Dollar mitmischte. Auf den zweiten Platz rückte die Bank of America mit 35,3 Milliarden Dollar vor, die sich im Vorjahreszeitraum nur auf dem 14. Platz wiederfand. Auf dem dritten Platz befindet sich JP Morgan, die sich um einen Platz verbesserte und bei Transaktionen im Volumen von 31,9 Milliarden mitspielte. Die Deutsche Bank fiel in dieser Rangliste auf den achten Platz von Rang zwei zurück.
- In ihrem Heimatmarkt belegt die Deutsche Bank immerhin auf einer anderen Liste die Pole-Position: Im Geschäft mit Anleihen und anderen Schuldpapieren (DCM) verteidigte sie den ersten Platz vor Unicredit und Citi. Bei Kapitalerhöhungen, Platzierungen und Börsengängen (ECM) landete die Deutsche Bank dagegen nur auf Platz sieben (Vorjahr: Platz vier). Spitzenreiter sind hier JP Morgan und Berenberg.
- Das Geschäft mit Kapitalerhöhungen, Platzierungen und Börsengängen (ECM) läuft in Deutschland so schlecht wie seit 2016 nicht mehr. Das Volumen brach um 64 Prozent auf 9,8 Milliarden Dollar ein.
Stimmen von Bankern zu aktuellen Trends
- Peter Kimpel, Deutschland-Chef von Barclays: "Wir sehen einen gewissen Rückgang der M&A Volumina, was mit geopolitischen und regulatorischen Unsicherheiten zusammenhängt. Auf der anderen Seite ist die Aktivität trotz des Levels an Unruhe immer noch sehr robust. Der Konjunkturausblick ist nach zwei rückläufigen Quartalen leicht positiv und die derzeitige Geldpolitik wirkt unterstützend. Angesichts des positiven Ausblicks für viele Branchen, mit Ausnahme von stark exportabhängigen Industrien, Rekordfonds von Private Equity und intakter Finanzierungsmärkte erwarte ich keinen Einbruch auf den M&A Märkten."
- Christian Kames, Investmentbank-Chef von JP Morgan in Deutschland: "Aktivisten werden immer aktiver in Deutschland. Das wird sich sicher auch weiter fortsetzen. Angesichts der Abschwächung des konjunkturellen Umfelds wird es verstärkt Portfolio Reviews bei deutschen Konzernen geben, die dann zu Verkäufen, Spin-offs, IPOs oder JV-Transaktionen führen können. Mega-Transaktionen auf der M&A-Seite erwarten wir allerdings angesichts des unsicheren Umfeldes eher weniger."
- Sven Baumann, Investmentbank-Chef von Citi in Deutschland: "Wir haben noch einen stabilen Markt. Es könnte weiterhin grössere Transaktionen geben. Für transformatorische Deals über zehn Milliarden ist das strategische Umfeld zu unsicher."
(Reuters)