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Josef "Sebi" Stocker hat in seinem Leben viel gebaut: Schulen, Kirchen, vor allem jedoch – zusammen mit schwarzen Einheimischen – 50 Staudämme zur Bewässerung von Maisfeldern.
Auch seinen Lebensabend verbringt der Pater in Zimbabwe, die Schweiz lockt nicht.
Drifontein, Zimbabwe: Im Hof des Altersheims der Schweizer Immensee-Missionare in Afrika sitzt Pater Stocker in der Sonne. "Was mich hier hält, ist die Tatsache, dass ich keine Beine mehr habe."
Im nahen Muvonde-Spital waren sie ihm wegen Alters-Diabetes abgenommen worden. Seit gut zwei Jahren sitzt der Pater nun im Rollstuhl. Er habe für seine Arbeit in Afrika gelebt, jetzt werde er auch hier sterben, sagt er. Vierzig Jahre sind eine lange Zeit.
1962 war Stocker nach Zimbabwe gekommen, dem damaligen Rhodesien. "Wir waren jung und voller Energie", erinnert er sich. Die schwarze Bevölkerung wünschte sich damals vor allem Schulen für die Kinder.
Also bauten die Immenseer Patres Schulhäuser. Sie arbeiteten als Lehrer und sorgten für Bücher. Und wo eine Gemeinde entstand, bauten sie auch eine Kirche.
Vom Missionieren zum Dammbau
Verschiedene Gründe brachten Pater Stocker in späteren Jahren dann dazu, Dämme zu bauen. Da war einmal die Klage der Leute: "Wir haben kein Wasser!" Er sah ihre Abhängigkeit vom Regen, der in den Wohngebieten der Schwarzen oft besonders spärlich fiel.
Gleichzeitig wurde in der Schweiz vermehrt Kritik laut an der Missionsarbeit. In den 70er Jahren hiess es immer häufiger: "Hört doch auf, die Afrikaner zu taufen. Die kommen auch auf ihrem Weg in den Himmel. Macht lieber Entwicklungsarbeit!"
Für die Arbeit in die Stadt
Zudem nahm Josef Stocker mit der Zeit noch ein anderes Problem wahr: In den ländlichen Gebieten Zimbabwes, wo der Grossteil der schwarzen Bevölkerung lebt, müssen die Männer seit je weit fort in die Stadt, um Geld zu verdienen.
Die Frauen bleiben zu Hause mit den Kindern, den Ziegen, den kleinen, steinigen Äckern. Heute ist Stocker überzeugt, diese Zerrissenheit der Familie sei einer der Hauptgründe für die rasante Ausbreitung von Aids in Zimbabwe.
Ab 1983 begann Josef Stocker, gemeinsam mit hochmotivierten einheimischen Arbeitskräften, Dämme zu bauen. "Zeitweise hatte ich bis zu 130 Leute beschäftigt", erzählt er.
Und was ihm Genugtuung verschafft: Seine Dämme haben alle gehalten. Sogar bei den massiven Überschwemmungen von 1991 sei keiner "s’Loch ab" gegangen! Die Schwarzen hätten schnell gelernt und die wichtigsten Regeln angewendet.
Der Teufel und das Geld
Dank dieser Dämme können die Frauen der umliegenden Siedlungen ihre Felder nun zumindest mit Kübeln bewässern, während ihre Kinder in den tiefblauen Dammseen Fische fangen.
An einigen wenigen Orten wurden gar Bewässerungsanlagen gebaut, der erste Schritt zu einer intensiveren Nutzung des Bodens: Gemüse, Mais und Weizen konnten angebaut werden, auch für den Verkauf.
Oft wurden Stockers Projekte jedoch nicht weitergeführt. Und sie scheiterten nicht am Know-how der Leute, sondern an der Geldfrage: Kaum hätte eine Gruppe das Geld selber verwalten sollen, sei es problematisch geworden, erzählt Pater Stocker. "Sobald es um Geld ging, wars, als hielte der Teufel seinen Schwanz rein", fasst er seine Erfahrungen zusammen.
Warten auf das Himmelreich
Auf die Frage, wie er die Zukunft Zimbabwes sieht, schweigt Josef Stocker zuerst. Dieses Land, sagt er dann, habe einmal viele Hoffnungen geweckt. Den Zusammenbruch, die ganze Korruption mit anzusehen, stimme ihn traurig.
Zurück in die Schweiz möchte Pater Stocker dennoch nicht, das ist ihm schon lange klar. Die Leute in Zimbabwe hätten trotz aller Mühsal eine liebenswürdige Mentalität bewahrt: "Man ist auf das Wesentliche eingestellt. Was zählt, ist ein Dach über dem Kopf und genug zu essen."
Afrikanische Gelassenheit
In der Schweiz hingegen sei er einmal von einer Gönnerin in einem schönen Auto herumgeführt worden. Kurz nach der Abfahrt habe ein Vogel auf die – "wie sagt man auf Deutsch?" – Kühlerhaube geschissen. "Und deswegen war für die Frau dann der ganze Tag verdorben."
Pater Stocker ist mit seinem Leben zufrieden. "Was ich konnte, habe ich getan,", sagt er. Seine Tage in Drifontein nimmt der 82-Jährige heute, wie sie kommen: mit afrikanischer Gelassenheit. Man sorge hier gut für ihn.
Vor dem Sterben hat er keine Angst: "Wenn es ein Himmelreich gibt, dann komme ich hin!" lächelt der alte Missionar mit spitzbübischem Augenzwinkern.
swissinfo, Katharina Morello, Zimbabwe