Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/2049

Wer war Peider Lansel? – Eine Kurzbiographie.
Andri Peer hat Lansels Leben folgendermassen charakterisiert:
«Peider Lansel widmete dem Romanischen einen grossen Teil seiner Kräfte und seines Talentes als Erneuerer der Lyrik, als umsichtiger Sammler von Volksliedern, alten Büchern und Manuskripten, als Interpret des romanischen Geistes, so wie er sich durch die Jahrhunderte entwickelte, als Förderer unserer kulturellen Anerkennung und Vertretung neben den anderen Nationalsprachen, als Verteidiger in Wort und Feder unserer autentischen Güter, als Wortführer der lebenden und toten romanischen Dichter in seinen Anthologien und Editionen, als Berater und Verkünder auch im Ausland. Er war jene bemerkenswerte Figur eines Apostels, eines gleichzeitig eifrigen und realistischen Apostels, ein Mann der zu den Bedeutenden der Rumantschia gehört.» (Peer, Andri: Ouvras da Peider Lansel, 1966:337)
1. Kindheit und Jugend
2. Rückkehr in die Schweiz
1893 hat er Emma Curdin (Corradini) aus Sent geheiratet. Sie hatten zusammen in Pisa vier Kinder (die erstgeborne Tochter Erica ist einjährig gestorben, es folgten Erica, Bignia, Andri Albert). Im Jahre 1906, mit 43 Jahren, kehrte Lansel definitiv mit seiner Familie in die Schweiz zurück, zuerst nach Sent und dann für die weiter Ausbildung der Kinder in Genf. Lansel verbrachte jedoch immer noch viele Monate im Engadin und unterwegs. Von dieser Zeit an hat er sich fast ausschliesslich dem Studium der romanischen Kultur und seiner Arbeit als Dichter gewidmet. Mit seinen Schriften kämpfte er für eine Renaissance des Romanischen. Grosse Bedeutung und Aufmerksamkeit erhielten seine sprachwissenschaftlichen Essais zur Verteidigung des Romanischen gegen irredentistische Schriften aus Italien, welche das Romanische zu einem lombardischen Dialekt degradierten und die Eingliederung der romanischen Gebiete ins italienische Staatsgebiet verlangten.
3. Herausgeber und Förderer des Romanischen
Lansel publizierte seine Werke in bibliophilen Ausgaben, besorgte die Edition der Werke von Giovannes Mathis und Gian Fadri Caderas und gab verschiedene Lyrikanthologien heraus. Er subventionierte diese Ausgaben zum Teil selber und hat auch anderen Editionen unter die Arme gegriffen, zum Beispiel der Grammatik und dem Wörterbuch von Antoine Vellemann.
Im Jahre 1911 gründete er mit Pfarrer Otto Gaudenz den Chalender Ladin, ein jährlich erscheinender Almanach, und er blieb lange aktiver Mitarbeiter und Förderer dieses offiziellen Organs der Uniun dals Grischs, welches bis heute sein Motto auf dem Dekblatt trägt: «Tanter Rumantschs, be rumantsch! Unter Rätoromanen nur Rätoromanisch!». Mit der Zeit hat er eine bedeutende Sammlung von alten romanischen Manuskripten und Büchern zusammengetragen (zahlreiche Dubletten und eine einzigartige Sammlung Unterengadiner Zeitungen des 19. Jahrhunderts verbrannten im Dorfbrand von Sent im Jahre 1921). An der Landesaustellung von 1914 in Bern stelle er in einer Vitrine verschiedene Dokumente und Objekte aus seiner persönlichen Sammlung aus.
4. Sammlertätigkeit
Peider Lansel war zudem ein eifriger Sammler von romanischen Volksliedern. Mit einem aus Amerika importierten Phonograph der Firma Edison nahm er zwischen 1912 und 1915 über dreihundert Volkslieder auf im Engadin, im Münstertal und in Bergün. Daneben war er im Engadin auch ein Pionier der Fotografie und animierte auch berühmte Fotografen wie Rudolf Zinggeler das Leben und die Bräuche des Engadins auf Fotografien festzuhalten. Er war der Initiant des Vereins zur Wiedereinführung der alten Engadiner Tracht als Festtagskleidung, er erforschte die Geschichte und Architektur der Engadiner Häuser und sammelte wertvolle und seltene Möbelstücke. Er selbst sagt, das einzigartigste Stück seiner Sammlung sei eine Kirchruine auf dem Hügel hinter seinem Haus, die per Zufall seinen Namen trägt (San Peider in Sent). Nach dem Dorfbrand von 1921 hat Lansel den Wiederaufbau der verbrannten Häuser gemäss den Normen des Heimatschutzes gefördert und subventioniert.
Seine Villa an der Rue Toepffer in Genf war ein Ort der Begegnung für zahlreiche Studenten, junge Literaten und etablierte Intellektuelle wie Otto Barblan und Henri de Ziégler.
5. Schweizer Konsul in Livorno und Ehrungen
Im Jahre 1926, bereits dreiundsechzigjährig, war Lansel gezwungen nach dem Tod seines Schwagers Oscar Corradini und seines sechsundzwanzigjährigen Sohnes Andri Albert in die Geschäfte nach Italien zurückzukehren. Er liess sich mit seiner Frau und seiner verwitweten Tochter Erica in Livorno nieder. Von 1927 bis 1934 war er in einer politisch sehr bewegten Zeit Schweizer Konsul in Livorno. 1934 ist er definitiv in die Schweiz zurückgekehrt. Im Jahr davor wurde ihm von der Universität Zürich zu seinem siebzigsten Geburtstag für seine grossen Verdienste für die Sache der Romanen der doctor honoris causa. Zu seinem achtzigsten Geburtstag wurde ihm als erstem Romanen der Grosse Preis der Schillerstiftung verliehen. Wenige Monate später verstarb Lansel am 8. Dezember 1943.