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Jewgeni Onegin
Oper von Pjotr Tschaikowski (1840-1893)
Lyrische Szenen
Libretto von Konstantin Schilowski und Pjotr Tschaikowski
Nach dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin
In russischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung. Dauer 2 Std. 55 Min. inkl. Pause nach dem 2. Akt nach ca. 1 Std. 55 Min. Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.
Eine Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin.
September 2017
Oktober 2017
Einzelkarten der Spielzeit 2022/23 gelangen am 25. Juni 2022 in den freien Vorverkauf. Weitere Informationen finden Sie hier.
Jewgeni Onegin
Kurzgefasst
Jewgeni Onegin
«Ich brauche keine Zaren, Volksaufstände, Schlachten, Märsche… Ich suche ein intimes, aber starkes Drama, das auf Konflikten beruht, die ich selber erfahren habe, die mich im Innersten berühren können.» Wie kein anderer Stoff hat Puschkins Jewgeni Onegin den Komponisten berührt. Gegen alle Warnungen seiner Freunde, der Stoff sei nicht dramatisch genug, komponierte Tschaikowski seine intime, «lyrische Szenen» benannte Oper. Schon bald nach der Moskauer Uraufführung wurde Jewgeni Onegin Tschaikowskis bis dahin grösster Erfolg. In seiner offenen Struktur, die das Seelenleben der jungen Protagonisten ins Zentrum stellt, weist er weit voraus in die Zukunft des Musiktheaters.
Auf den ersten Blick verliebt sich die nur in den Liebesgeschichten ihrer Romane lebende Tatjana in Onegin, einen verwöhnten, herablassend auftretenden Intellektuellen. Noch in der Nacht darauf schreibt sie Onegin einen schwärmerischen Brief, in dem sie ihm ihre Liebe gesteht und ihr Schicksal in seine Hände legt. Kühl weist Onegin sie ab – er sei für die Ehe nicht geschaffen. Als Onegin auf einem Ball mit Tatjanas Schwester Olga flirtet, fordert ihn sein Freund Lenski, der Olga liebt, zum Duell. Onegin erschiesst Lenski. Jahre danach treffen sich Tatjana und Onegin wieder. Tatjana ist nun die Ehefrau des reichen Fürsten Gremin. Onegins überschwängliches Liebesbekenntnis kommt zu spät.
Mit Peter Mattei als Onegin und Pavol Breslik als Lenski sind in dieser Produktion zwei grossartige Sänger in Paraderollen zu erleben, für die sie weltweit gefeiert werden. Die vielversprechende ukrainische Sopranistin Olga Bezsmertna singt Tatjana. Barrie Kosky, der für seine Macbeth-Inszenierung am Opernhaus Zürich zumRegisseur des Jahres gekürt wurde, setzt Tschaikowskis tragische Geschichte verpasster Chancen in Szene.
Gespräch
Barrie Kosky, Sie haben einmal gesagt, Sie seien «Tschaikowski-Freak». Was verbindet Sie mit diesem Komponisten?
Mein russischer Grossvater starb, als mein Vater noch sehr jung war, ich kannte also meinen Grossvater nicht. Aber er hinterliess mir seine Schallplattensammlung. Mehr als die Hälfte dieser Schallplatten waren Einspielungen mit Musik von Tschaikowski, neben sehr vielen Aufnahmen der Sinfonien auch Jewgeni Onegin, Pique Dame und Nussknacker. Als ich ungefähr fünf oder sechs Jahre alt war, hörte ich zum ersten Mal den Nussknacker und führte ihn anschliessend immer wieder zusammen mit meiner Schwester als Tanztheater auf. Besonders der arabische und der chinesische Tanz hatten mich tief beeindruckt. Als ich ein bisschen älter war, hörte ich die Vierte und Fünfte Sinfonie, und mit etwa 14 dann zum ersten Mal den Onegin. Tschaikowski war ein grosser und wichtiger Teil meiner Kindheit.
Und obwohl dieser Komponist so wichtig für Sie war, inszenieren Sie mit dem Jewgeni Onegin nun zum ersten Mal in Ihrer Karriere eine Oper von Tschaikowski...
Ich habe es mir immer gewünscht, Onegin, Pique Dame oder Mazeppa zu inszenieren, aber entweder kam das entsprechende Angebot nicht, oder ich war gerade nicht frei.
Was fasziniert Sie an Jewgeni Onegin?
Jewgeni Onegin gehört zu einer kleinen Gruppe von Opern, in denen man keinen einzigen Takt ändern möchte, weil nichts überflüssig oder unverständlich erscheint. Bei dieser Oper habe ich das Gefühl: Das Stück kann nur so sein und nicht anders! Das liegt zum einen am Zusammenspiel von Text und Musik - die Geschichte, die Psychologie, die Musik, alles ist unglaublich perfekt kombiniert. Man denkt ja oft, Tschaikowski habe sich mit Tatjana identifiziert. Das hat er zweifellos getan, aber genauso hat er sich mit Onegin identifiziert. In der Musik spüre ich eine tiefe autobiografische Verbindung des Komponisten mit beiden Figuren - the loved and the not loved. Tschaikowski hat diese Oper nicht nur komponiert, er hat sie gelebt. Während der Arbeit am Onegin hat er seine ehemalige Schülerin Antonina Miljukowa geheiratet, nachdem sie ihm einige Liebesbriefe geschrieben hatte; nach drei Monaten trennte er sich wieder von ihr, weil er es einfach nicht mehr aushielt. Aber es geht hier nicht nur um die Homosexualität des Komponisten, es geht vor allem auch um seine Einsamkeit, um sein geradezu klaustrophobisches Gefühl innerhalb der Gesellschaft, die Sehnsucht nach Liebe und die Unmöglichkeit, sie zu finden. «Lyrische Szenen» hat Tschaikowski sein Stück genannt, nicht einfach Oper - ein grossartiger, absolut passender Titel. Sowohl Tatjana als auch Onegin sind sehr komplexe Figuren von grosser Tiefe und vor allem voller Menschlichkeit. Ich bin immer sehr berührt von diesem Stück; egal, ob es eine furchtbare Inszenierung ist oder ob schlecht gesungen wird, am Schluss bin ich immer in Tränen aufgelöst.
Viele Zeitgenossen kritisierten Tschaikowski, weil sein Onegin angeblich wenig bühnenwirksam sei. Tschaikowski selbst meinte, er habe ja «bekanntermassen keine szenische Ader». Wie sehen Sie das?
Den Vorwurf kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde den Onegin total bühnenwirksam. Natürlich gibt es keine spektakulären Szenen wie beispielsweise im Barocktheater, auch keine Kriegsszenen und keine Opernklischees, wie man sie im 19. Jahrhundert liebte. Man muss das auch im Zusammenhang sehen mit der Entwicklung im Sprechtheater bei Ibsen und Strindberg: Es findet eine Verinnerlichung des Dramas statt. Und das Drama im Onegin entsteht durch den Clash der Emotionen. Es ist ein unglaubliches Emotionsgewitter, das hier stattfindet!
In einem Portrait über Sie habe ich gelesen, die Arbeit an einer neuen Inszenierung beginne für Sie immer mit einem Bild. Was für ein Bild war das bei der Konzeption von Onegin?
Ich hatte immer das Gefühl, dass man die Figuren in einer Landschaft sehen muss. Das war der Ausgangspunkt, von dem aus wir dann zu dieser Welt aus Gras und Bäumen kamen. Wichtiger war aber vielleicht noch das Einmachglas.
Im ersten Gespräch mit meinem Team habe ich gesagt: Normalerweise ignorieren wir ja alle Regieanweisungen.
Aber in diesem Fall bin ich sehr beeindruckt von diesem Bild: Zwei Frauen kochen Marmelade. Das ist ein bisschen wie bei Marcel Proust in «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» und den berühmten Madeleines: Der Geruch und der Geschmack von frisch gekochter Marmelade lost alle möglichen Erinnerungen aus. In diesem Stück wird von der ersten Szene an sehr viel über die Vergangenheit gesprochen, über das, was hätte sein können, über die Zukunftsträume, die sich nicht erfüllt haben. Und über der Erinnerung an die Vergangenheit vergessen die Figuren, in der Gegenwart zu leben.
Übrigens bin ich immer wieder überrascht davon, wie komplex Tschaikowskis Idee von der Liebe war. Nur bei Wagner findet man eine vergleichbare Komplexität, natürlich in einer anderen Norm. Für mich hat Tschaikowski die Themen Liebe und Liebesbeziehungen so tief ausgeleuchtet wie fast kein anderer Komponist. Es ist so einfach für uns, die wir im 21. Jahrhundert leben, uns mit diesen Figuren zu identifizieren!
Also denken Sie, dass die Emotionen, die Puschkin und vor allem Tschaikowski beschreiben, in unserer heutigen Welt ganz ähnlich sind?
Auf jeden Fall. Man hat die Chance verpasst, man hat das Falsche gesagt, man hat falsch reagiert, man war unhöflich und bereut es später. Das alles ist absolut heutig.
Trotzdem haben Sie sich dagegen entschieden, die Inszenierung in der Gegenwart anzusiedeln...
Man konnte sicherlich einen wunderbaren Film machen, der diese Geschichte komplett in die Gegenwart holt. Aber da das Thema Vergangenheit in Jewgeni Onegin eine so wichtige Rolle spielt, fand ich es schöner, die Oper so aufzuführen, dass eigentlich offen bleibt, wann und wo sie genau spielt. Würde man sie in der heutigen Zeit spielen, müsste man auch die elektronischen Kommunikationsmittel wie E-Mail und SMS verwenden. Aber das funktioniert für mich nicht in diesem Stück. Mir war es wichtig, auf der Bühne eine Welt zu erschaffen, die den Zuschauer gar nicht darüber nachdenken lässt, wann und wo das Stück spielt, sondern die es ermöglicht, sich auf die Geschichte, die Figuren und ihre Beziehungen zu konzentrieren.
Onegin ist eine Figur, die oft kalt und herablassend auftritt. Wie sehen Sie ihn?
Ich mochte vor allem nicht, dass Onegin von Beginn der Oper bis zum Schluss nur eine einzige Emotion zeigen kann. Man darf das Ende noch nicht am Anfang zeigen! Weder die Charaktere auf der Bühne noch die Zuschauer wissen, was am Ende wirklich passiert. Onegin ist ein Aussenseiter. Aber er ist bei uns am Anfang trotzdem guter Laune. Er ist voller Frustrationen und Ängste, aber er ist nicht böse. Er weiss nicht so genau, wer er ist; er sucht seine Identität, genauso wie Tatjana. Am Anfang hat man das Gefühl, die beiden konnten vielleicht ein interessantes Paar werden. Man muss Widersprüche zeigen, Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit. Onegin ist ein Gejagter, doch er weiss selbst nicht, wovon er eigentlich gejagt wird. Heute würde man ihn vielleicht als bipolar bezeichnen. Onegin muss auch ein Sympathieträger sein, sonst funktioniert das Stück für mich nicht. Man muss Mitleid mit ihm haben, man sollte nicht denken:
You got what you deserved. Das ist nicht die Geschichte.
Diese Inszenierung hatte letztes Jahr in Berlin an der Komischen Oper Premiere, nun studieren Sie sie für das Opernhaus Zürich mit anderen Sängern neu ein. Was verändert sich mit der neuen Besetzung?
Mein Onegin in Berlin war Günter Papendell, ein noch recht junger Sänger, der in dieser Inszenierung sein Rollen debüt feierte. Peter Mattei, der die Rolle hier in Zürich singt, ist ein sehr erfahrener Onegin. Beide haben - und das ist wichtig für diese Rolle - sowohl als Menschen als auch als Künstler ein gewisses Geheimnis. Ich weiss nicht, was Peter denkt, ich möchte es auch nicht wissen, denn es ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass er es auf die Bühne bringt. Peter Mattei ist vielleicht der beste Onegin der Welt momentan, aber zugleich sehr offen. Neues auszuprobieren. Es macht grossen Spass, mit ihm zu arbeiten. So behält die Inszenierung ihre Strukturen, aber viele Details entwickeln sich mit Peter Mattei ganz anders, schon allein dadurch, dass er äusserlich ein anderer Typ ist. Ausserdem ist er nicht mehr ganz so jung und hat mehr Lebenserfahrung. Die Figur Onegin wird bei ihm vielleicht etwas mehr Bitterkeit ausstrahlen.
Onegin bringt seinen besten Freund Lenski im Duell um; anschliessend muss er für eine Weile das Land verlassen. Als er zurückkommt, ist Tatjana mit dem Fürsten Gremin verheiratet. Diese Ehe will und kann sie nicht aufgeben, obwohl sie Onegin noch immer liebt - und obwohl auch er ihr nun seine Liebe gesteht...
Um die Liebe Tatjanas zu Onegin zu verstehen, muss man an die Idee der «Liebe auf den ersten Blick» glauben. Tatjana träumt von einem Mann und von der Liebe, von der sie in vielen Romanen gelesen hat und dann taucht Onegin auf. Für sie geht es zunächst gar nicht um den Menschen Onegin; sie projiziert alle ihre Träume auf ihn, und wenn er nicht gekommen wäre, hätte sie sich in einen anderen verliebt. Wenn sie in der letzten Szene sagt, dass sie Onegin liebt, dann geht es für einmal nicht um die Vergangenheit, sondern um die Liebe, die sie in diesem Moment für ihn empfindet, wenn sie ihn nach Jahren wiedertrifft. In dieser Szene muss für ein paar Sekunden eine Verbindung zwischen Onegin und Tatjana aufscheinen - man muss das ahnen, was hätte sein können. Vieles bleibt offen am Ende des Stückes; es schliesst mit einem Fragezeichen. Das Stück hat eine faszinierende Architektur. Am Schluss ist Onegin genau da, wo Tatjana war, als sie ihm ihren glühenden Liebesbrief schrieb.
Sie haben vorhin gesagt, Onegin sei ein Aussenseiter; welchen Anteil hat die Gesellschaft daran, dass die Liebe von Onegin und Tatjana keine Chance bekommt?
Ich glaube nicht, dass Tschaikowski Interesse daran hatte, Gesellschaftskritik zu üben. In Puschkins Vorlage ist das natürlich anders, aber Tschaikowski hat sich vor allem für die beiden Hauptfiguren interessiert. Olga und Lenski - Tatjanas Schwester und Onegins bester Freund - sind wichtige Figuren, weil sie eine andere Art von Liebe zeigen; aber auch sie sind - ebenso wie der Chor - letztlich nur eine Folie für die Entwicklung der Beziehung von Tatjana und Onegin. Diese Beziehung darf übrigens nie sentimental wirken...
... eher melancholisch ...
Ja, melancholisch auf jeden Fall. Aber auch nicht romantisch. Ich würde sogar sagen, Onegin ist ein anti-romantisches Stück.
Geniale Stelle
Plötzlich steht er da – der Mann, der sie einst so tief verletzte, dass sie nie darüber hinwegkam – und der nun erkannt zu haben glaubt, dass sie sein Glück gewesen wäre, und seinen Fehler korrigieren, mit ihr noch einmal ganz von vorn anfangen will. Sein Auftauchen zwingt Tatjana zur Entscheidung zwischen dem Mann, der die grosse Liebe ihres Lebens war, und dem anderen, dessen Ehefrau sie geworden ist. Das verzweifelte Ringen der beiden Menschen u m eine Lebensmöglichkeit zwischen den Trümmern ihrer Hoffnungen komponiert Tschaikowski so, dass unübersehbar wird: Tatjana bleibt keine Wahl, sie muss sich für ihren Gatten und gegen den Geliebten entscheiden.
Welche fast übermenschliche Anstrengung sie diese Entscheidung kostet, wird an einer musikalisch aussergewöhnlichen Stelle deutlich: Nach einer längeren leidenschaftlichen Rede Onegins, die auf eine siegesgewisse Kadenz in F-Dur zielt, reisst Tatjana mit ihrem Einsatz in der Medianttonart Des-Dur die Initiative an sich, Onegins Kadenz als Trugschluss entlarvend. Der Klang des Orchesters ändert sich radikal: Hämmernde Tonwiederholungen der Bläser bilden die Basis für die heftig auf- und abwogende Linie der Singstimme der verzweifelt mit sich kämpfenden Tatjana. Diese beschreibt zunächst einen gebrochenen Des-Dur-Dreiklang ,wandelt sich aber fast im selben Moment schroff in einen Ges-Dur-Dreiklang, der schliesslich bis zur grossen Septime geführt wird, wo die erste Phrase mit einer schrillen Dissonanz endet. Die Passage wird leicht variiert wiederholt und endet scheinbar regulär auf der Tonika, allerdings fällt dieser Schluss nicht auf den Taktschwerpunkt, so dass sich eher der Eindruck eines Übergangs ergibt. Der harmonisch instabile und ausserdem melodisch ungewöhnlich raue Charakter der Passage wird durch die regelwidrige Deklamation des Textes noch weiter verstärkt. Es ist, als würde ein Schiff auf einem stürmenden Meer herumgeworfen. Aber so heftig der Sturm in ihr auch toben mag, Tatjana verlor nicht die Kontrolle, im Gegenteil: Die beschriebene Passage bildet sozusagen das Tor, durch das sie in eine neue Phase ihres Lebens tritt. Sie hat sich selbstüberwunden und ist nun in der Lage, sich – und Onegin, der doch auch ein Recht darauf hat, es zu wissen – zu gestehen, dass sie ihn immer noch liebt. Das Motiv ihres Kampfes klingt im Orchester auf, aber nun viel langsamer und im sanften Mischklang aus Streichern und Bläsern. Onegin glaubt, nun seine Tatjana von damals wiederzuerkennen, und sieht sich schon am Ziel seiner Wünsche. Aber sie ist es nicht. Sie weiss nur zu gut, dass es unvernünftig wäre, sich auf diesen Man n einzulassen, der sie in seiner narzisstischen Selbstbezogenheit nach wie vor verkennt. Und doch … Vielleicht würde sie alle Bedenken fahren lassen und sich in das Abenteuer stürzen, das ihr - und sei es auch nur in der Illusion - einen Augenblick des Glücksschenken könnte. Aber dieser Weg steht ihr nicht offen, denn sie hat sich gebunden. Sie ist verheiratet, sie hat ein Versprechen gegeben und damit die Verantwortung für einen anderen Menschen übernommen, der ein Recht darauf hat, dass sie ihr Versprechen hält. Sie kann und will Onegins rücksichtslosen Egozentrismus nicht übernehmen. Indem sie ihrem Mann treu bleibt, bleibt sie sich selbst treu:Sie wäre nicht mehr sie selbst, wen n sie den Mann, der sie aufrichtig liebt und der nur eine Sorge kennt: ihr ein glückliches und erfülltes Leben zu schaffen – wenn sie diesen Menschen, der sein Lebensglück in ihre Hände gelegt hat, enttäuschen würde.
Wie machen Sie das, Herr Bogatu?
Das Bühnenbild von Rebecca Ringst zu Barrie Koskys Jewgeni Onegin stellt eine Lichtung im Wald dar. Diese ist bewachsen mit Gras, das sich über sanfte Hügel bis in den Wald hinein zieht. So spielt der gesamte erste Teil in dieser Idylle – am romantischsten wirkt es, wenn der Chor mit grossen Fackeln auf der Lichtung und zwischen den Bäumen tanzt.
Da es sich bei dieser Inszenierung um eine Koproduktion handelt, ist die Dekoration zu einem grossen Teil von der Komischen Oper Berlin gebaut worden – was mich nicht daran hindert, zu beschreiben, wie Sie zu einem schönen, immergrünen Baum und einer Wiese im Wohnzimmer kommen, die beide weder gegossen noch geschnitten werden müssen.
Sie rufen bei «Grün Stadt Zürich» an und sagen, dass Sie einen Baum brauchen. Dann macht der Förster direkt mit Ihnen einen Termin aus, und Sie fahren in den Wald und können sich ein Prachtexemplar aussuchen. Das wird an Ort und Stelle gefällt und Ihnen ins Fahrzeug gelegt (je nach Baumhöhe ist ein Cabrio von Vorteil. Wir haben sieben Meter hohe Bäume ausgesucht – da ist wiederum ein offener Anhänger sinnvoll).
Sie schneiden zuhause die Blätter weg und lassen alle Äste stehen, die grösser sind als Ihr kleiner Finger. Nun sieht der Baum ein wenig traurig aus. Aber nicht lange: Sie gehen in den Baumarkt und kaufen je nach Baumgrösse viele oder sehr viele Kunstpflanzen (z.B. zwei Meter hohe Ficus benjamina; die kann man auch günstig im Internet finden). Nun schneiden Sie diese auseinander, so dass Sie ca. 50 cm lange Kunststoff-Äste mit Blättern haben, die Sie an den echten Bäumen befestigen. Am Stamm und den dicken Ästen können Sie Löcher bohren und den Ast hineinstecken. Wo die echten Äste zu dünn werden, befestigen Sie die Plastikäste einfach mit Kabelbindern, Bindedraht oder grünem Klebeband. Fertig ist Ihr Baum! Solange Sie keine Stürme im Wohnzimmer haben, macht es auch nichts, wenn er ausgetrocknet ist – der hält ewig!
Das Gleiche geht auch mit Nadelbäumen. Kaufen Sie einfach Plastik-Weihnachtsbäume und nehmen Sie diese auseinander. Für die Baumspitze binden Sie einen kompletten Plastikbaum oben drauf.
Der Rasen ist noch einfacher, aber etwas mühsam herzustellen: Sie nähen in der gewünschten Grösse Jutetaschen aneinander. Dann knüpfen Sie an diese Jutetasche verschieden grüne Sisalfasern (notfalls geht auch Wolle oder Baumwolle), ca. 15-20 cm lang. Wenn Sie ca. 3000 Fäden pro m2 geknüpft haben, gibt es den schönen satten Rasen, den wir auf der Bühne haben.
Falls Sie dann noch einen Chor mit Fackeln in Ihr Wohnzimmer einladen, sollten Sie die Bäume und den Boden gegen Feuer imprägnieren. Da hilft ein handelsübliches Flammschutzmittel, das Sie in eine Blumenspritze füllen und alles ordentlich einsprühen: Einem romantischen Abend steht dann nichts mehr im Wege.
Text von Sebastian Bogatu.
Illustration von Anita Allemann.
Dieser Artikel ist erschienen im MAG 52, Oktober 2017.
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Hinter dem Vorhang: Regen im Theater
Wie entsteht Regen im Theater? Unser Bühnenmeister Andreas Rasche erklärt die Besonderheiten am Beispiel unserer Opern-Neuproduktion «Jewgeni Onegin» und des Ballettabends «Petruschka / Sacre».
Jewgeni Onegin
Synopsis
Jewgeni Onegin
Erster Akt
Ein Sommeridyll in der russischen Provinz. Man tut, was man an solchen Tagen eben so tut: Inmitten einer Ausflugsgesellschaft von Landleuten plaudert die
verwitwete Gutsbesitzerin Larina mit der treuen Hausangestellten Filipjewna, der Amme ihrer Töchter Olga und Tatjana. Die beiden alten Frauen kochen
Marmelade ein und erinnern sich: an vergangene Liebeshoffnungen und an die Gewöhnung an Enttäuschung. Larinas Töchter singen ein Lied; die lebenslustige Olga tanzt, ihre introvertierte Schwester Tatjana schmökert lieber in Romanen. Olgas Verlobter, der junge Poet Wladimir Lenski, erscheint und macht seiner Angebeteten auch heute Liebeserklärungen. Zusammen mit Lenski kommt auch ein Unbekannter, den Lenski als seinen Freund und Nachbarn vorstellt: Jewgeni Onegin. Tatjana verliebt sich auf den ersten Blick in ihn.
Am Abend ist es um Tatjana geschehen. Sie gesteht ihrer Amme, dass sie verliebt ist, und schreibt Onegin einen flammenden Liebesbrief. Doch am nächsten Tag weist Onegin Tatjanas Offenbarung kühl zurück.
Zweiter Akt
Ausgelassen feiert die Familie Larin Tatjanas Namenstag. Es wird getrunken und getanzt, der Franzose Triquet widmet Tatjana zur allgemeinen Freude ein
Couplet. Nur Jewgeni Onegin kann sich nicht für das Fest begeistern. Er flirtet mit Lenskis Verlobter Olga. Als der eifersüchtige Lenski Onegin zur Rede stellt, eskaliert der Streit. Lenski fordert Onegin zum Duell, das in einer Katastrophe endet: Onegin tötet seinen Freund.
Dritter Akt
Nach Jahren ziellosen Reisens trifft Jewgeni Onegin in Sankt Petersburg auf einem Ball im Hause des Fürsten Gremin ein. Gremin ist seit zwei Jahren ver
heiratet – mit Tatjana. Nun plötzlich entdeckt Onegin seine Liebe zu Tatjana. Er fleht sie an, ihren Mann zu verlassen und mit ihm mitzukommen. Unter
Tränen erinnern sich beide jenes Sommers auf dem Lande. Tatjana, die Onegin einst zurückgewiesen hatte, weist nun Onegin ab: Es ist unwiderruflich zu spät. Sie ist verheiratet, und Onegins Schicksal ist nicht mehr mit dem ihren verbunden...
Stanislav Kochanovsky, Musikalische Leitung
Stanislav Kochanovsky
Stanislav Kochanovsky wurde in St. Petersburg geboren und erhielt seine Ausbildung am dortigen Rimsky-Korsakow-Konservatorium. 2010-15 war er Chefdirigent des Staatlichen Philharmonischen Orchesters in Safonow. Mittlerweile dirigierte er in Russland Orchester wie das Mariinsky Symphony Orchestra, National Philharmonic Orchestra of Russia, the State Symphony Orchestra Novaya Rossiya, State Academic Cappella und das Hermitage Orchestra und arbeitete mit Solisten wie Mikhail Pletnev, Victoria Mullova, Anna Netrebko, Olga Borodina, Evgeny Nikitin, Peter Mattei und anderen. Auch seine internationale Karriere entwickelt sich schnell; so dirigierte er in den letzten Jahren u.a. Orchester wie Rotterdam Philharmonic Orchestra, Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino, Filarmonica Arturo Toscanini, Orchestre National de Lyon, Stuttgart Radio Orchestra, Orchestra della Svizzera Italiana, Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, Royal Flemish Philharmonic Orchestra, Orchestre National d’Ile de France, NHK Symphony Orchestra und die Hamburger Symphoniker. Im April 2014 debütierte er mit grossem Erfolg beim Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Beim Verbier Festival 2017 dirigierte er halbszenische Aufführungen von Jewgeni Onegin. Für die nächste Zukunft sind sein Debüt beim Melbourne Symphony Orchestra sowie u.a. Konzerte mit dem Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia geplant. Am Opernhaus Zürich war er bereits in der Spielzeit 2015/16 als Dirigent von Tschaikowskis Pique Dame zu erleben.
Barrie Kosky, Inszenierung
Barrie Kosky
Barrie Kosky ist Schauspiel- und Musiktheaterregisseur sowie Intendant und Chefregisseur an der Komischen Oper Berlin. Er inszeniert u.a. an Opernhäusern wie der Bayerischen Staatsoper, der Oper Frankfurt, der Pariser Oper, dem Royal Opera House Covent Garden, dem Opernhaus Amsterdam und an der Wiener Staatsoper, bei den Salzburger und den Bayreuther Festspielen, dem Glyndebourne Festival sowie an Schauspielhäusern wie dem Deutschen Theater Berlin und dem Schauspiel Frankfurt. 1996 war er Künstlerischer Leiter des Adelaide Festivals, von 2001 bis 2005 Co-Direktor des Wiener Schauspielhauses, seit 2012 ist er Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, wo er Die Zauberflöte (zusammen mit «1927») inszenierte, deren Vorstellungen inzwischen weltweit von mehr als 450.000 Zuschauer:innen auf drei Kontinenten besucht wurden, sowie u.a. Die Monteverdi-Trilogie, Ball im Savoy, West Side Story, Moses und Aron, Hoffmanns Erzählungen, Eugen Onegin, Die Perlen der Cleopatra, Der Jahrmarkt von Sorotschinzi, Die Nase und Pelléas und Mélisande. Für seine Inszenierung von Aus einem Totenhaus (Staatsoper Hannover) erhielt er 2009 den Theaterpreis «Der Faust» und für Castor et Pollux (English National Opera) 2011 den Laurence Olivier Award. 2014 wurde er in der Kategorie «Regisseur des Jahres» mit dem International Opera Award ausgezeichnet und 2016 in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt zum Regisseur des Jahres gewählt. Die Komische Oper Berlin wurde in derselben Zeitschrift für die Spielzeit 2012/13 zum Opernhaus des Jahres ernannt, 2015 folgte der International Opera Award in der Kategorie «Ensemble des Jahres». Am Opernhaus Zürich inszenierte Barrie Kosky La fanciulla del West, Macbeth, Eugen Onegin, Die Gezeichneten und Boris Godunow.
Rebecca Ringst, Bühnenbild
Rebecca Ringst
Rebecca Ringst wurde 1975 in Berlin geboren. 2003 beendete sie ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Andreas Reinhardt. 2006 traf sie auf den Regisseur Calixto Bieito. Ihre Zusammenarbeit führte sie an zahlreiche internationale Opern- und Theaterhäuser wie zum Beispiel die Komische Oper Berlin, die Bayerische Staatsoper und das Residenztheater, die English National Opera London, das Nationaltheater und Den Norske Opera Oslo, das Goodman Theatre Chicago, das Birmingham Repertory Theatre, das Opera Teatro Argentina, die Oper Zürich, die Oper Stuttgart, die Vlaamse Opera, das Theater Freiburg, das Staatstheater Nürnberg, die Teatros del Canal Madrid, das Betty Nansen Teatret Kopenhagen u.a. 2010 wurde Rebecca Ringst für die Produktion Der Rosenkavalier (Regie: Stefan Herheim) von der Zeitschrift «Opernwelt» zur Bühnenbildnerin des Jahres gewählt. Sie gewann ausserdem den spanischen Theaterpreis Premio Max für das Bühnenbild von Forests (Regie: Calixto Bieito) und 2016 den Publikumspreis der «Opernwelt». Seit 2015 arbeitet sie mit Barrie Kosky an der Bayerischen Staatsoper und an der Komischen Oper Berlin. Jüngst bereitet sie mit ihm Die Meistersinger von Nürnberg für das Festspielhaus Bayreuth vor und brachte mit Bieito Die Gezeichneten an der Komischen Oper zur Premiere. Für Calixto Bieitos Inszenierungen von Zimmermanns Oper Die Soldaten und Prokofjews Der feurige Engel am Opernhaus Zürich entwarf sie das Bühnenbild. Zuletzt war hier ihre Szenografie zu Jewgeni Onegin in der Regie von Barrie Kosky zu sehen. Sie entwarf ausserdem die Bühne für Prokofjews Krieg und Frieden in Genf.
Klaus Bruns, Kostüme
Klaus Bruns
Klaus Bruns, geb. in Mülheim a.d. Ruhr, arbeitet seit fast 30 Jahren als Kostümbildner in Oper und Schauspiel, u.a. an den Schauspielhäusern von Zürich, Frankfurt, Stuttgart, Köln, Leipzig, Hannover, Düsseldorf, Graz, Bochum, dem Residenztheater und den Kammerspielen München, dem Thalia-Theater und dem Schauspielhaus Hamburg, dem Deutschen Theater Berlin, dem Burgtheater Wien, neben anderen vor allem mit der Regisseurin Karin Henkel. Mit Barrie Kosky entstanden Strindbergs Traumspiel am Deutschen Theater Berlin und Shakespeares Der Kaufmann von Venedig am Schauspiel Frankfurt. In der Oper arbeitet er mit Barrie Kosky, Michael Talke, Andreas Homoki, Olivier Tambosi, Michael Schulz, Harry Kupfer, Götz Friedrich, Roger Vontobel, Damiano Michieletto, Christof Loy, Karin Henkel u.a. an den drei Berliner Opernhäusern, der Nürnberger Oper, der Hamburgischen Staatsoper, de Vlaamse Opera Antwerpen, dem Teatro Massimo Bellini in Catania, der Bayerischen Staatsoper München, der Oper Leipzig, dem Teatro Regio Turin, dem Theater an der Wien, den Nationaltheatern in Mannheim und Weimar, dem Rossini Opera Festival in Pesaro und der Oper Amsterdam. Mit Barrie Kosky entstanden neben den genannten Schauspielen an der Oper u.a. Der Ring des Nibelungen an der Staatsoper Hannover, Rusalka, Moses und Aron, Eugen Onegin, Anatevka, La Grande-Duchesse de Gérolstein und Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny an der Komischen Oper Berlin, La fanciulla del West, Macbeth, Die Gezeichneten und Boris Godunow am Opernhaus Zürich, Prince Igor an der Opéra Bastille in Paris sowie Die Meistersinger von Nürnberg bei den Bayreuther Festspielen und Agrippina an der Staatsoper in Hamburg.
Franck Evin, Lichtgestaltung
Franck Evin
Franck Evin, geboren in Nantes, ging mit 19 Jahren nach Paris, um Klavier zu studieren. Nachts begleitete er Sänger im Café Théâtre Le Connetable und begann sich auch für Beleuchtung zu interessieren. Schliesslich entschied er sich für die Kombination aus Musik und Technik. Dank eines Stipendiums des französischen Kulturministeriums wurde er 1983 Assistent des Beleuchtungschefs an der Opéra de Lyon. Hier arbeitete er u.a. mit Ken Russel und Robert Wilson zusammen. Am Düsseldorfer Schauspielhaus begann er 1986 als selbstständiger Lichtdesigner zu arbeiten und legte 1993 die Beleuchtungsmeisterprüfung ab. Besonders eng war in dieser Zeit die Zusammenarbeit mit Werner Schröter und mit dem Dirigenten Eberhard Kloke. Es folgten Produktionen u. a. in Nantes, Strassburg, Paris, Lyon, Wien, Bonn, Brüssel und Los Angeles. Von 1995 bis 2012 war er Künstlerischer Leiter der Beleuchtungsabteilung der Komischen Oper Berlin und dort verantwortlich für alle Neuproduktionen. Hier wurden besonders Andreas Homoki, Barrie Kosky, Calixto Bieto und Hans Neuenfels wichtige Partner für ihn. Im März 2006 wurde Franck Evin mit dem «OPUS» in der Kategorie Lichtdesign ausgezeichnet. Seit Sommer 2012 arbeitet er als künstlerischer Leiter der Beleuchtungsabteilung an der Oper Zürich. Franck Evin wirkt neben seiner Tätigkeit in Zürich weiterhin als Gast in internationalen Produktionen mit, etwa an den Opernhäusern von Oslo, Stockholm, Tokio, Amsterdam, München, Graz sowie der Opéra Bastille, der Mailänder Scala, dem Teatro La Fenice, der Vlaamse Opera und bei den Bayreuther Festspielen.
Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung
Ernst Raffelsberger
Ernst Raffelsberger, Chorleitung, stammt aus Gmunden, Oberösterreich. Er studierte Musikpädagogik und Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien (Chorleitung bei Prof. Erwin Ortner) und anschliessend Chordirigieren am Salzburger Mozarteum bei Prof. Walter Hagen-Groll. Von 1983 bis 1986 war er Kapellmeister der Wiener Sängerknaben. In dieser Zeit leitete er das Ensemble in Wien und auf Tourneen durch Europa, Südafrika, Kanada und die USA. Ab 1986 war Ernst Raffelsberger Chordirektor und Kapellmeister am Landestheater Salzburg (Mitwirkung bei der Salzburger Mozartwoche und den Salzburger Festspielen). 1989 wurde er von Donald Runnicles als Chordirektor und Kapellmeister an das Theater in Freiburg/Breisgau berufen. Seit Herbst 1993 ist Ernst Raffelsberger am Opernhaus Zürich als Chordirektor engagiert. Hier hat er inzwischen über 100 Premieren betreut und mit vielen namhaften Dirigenten wie Riccardo Chailly, Christoph von Dohnányi, Vladimir Fedoseyev, Sir John Eliot Gardiner, Daniele Gatti, Bernard Haitink, Nikolaus Harnoncourt, Zubin Mehta, Franz Welser-Möst und Teodor Currentzis zusammengearbeitet. Gastspiele mit dem Opernhaus Zürich führten ihn nach Wien, London, Paris und Tokio. Zahlreiche CD- und DVD-Aufnahmen dokumentieren diese Arbeit. Im Sommer 2012 begann zusätzlich seine Tätigkeit als Chordirektor der Salzburger Festspiele. Er ist dort für die Produktionen der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor verantwortlich. Dort kam es u.a. zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Riccardo Muti, Sir Simon Rattle und Mariss Jansons.
Liliana Nikiteanu, Larina, Gutsbesitzerin
Liliana Nikiteanu
Liliana Nikiteanu begann ihre Gesangsausbildung 1977 im Musikgymnasium, dann im Konservatorium in Bukarest. Ihr erstes Festengagement erhielt sie 1986 im Musiktheater Galati. Sie gewann zahlreiche Preise: 1984 Francesco Viñas, 1986 Belgrad, 1989 Wien Belvedere und 1991 Genf. 2000 wählte sie die Opernwelt zur Besten Nachwuchssängerin des Jahres. Ihr Repertoire beinhaltet über 90 Rollen, die sie in Zürich, wo sie seit 1991 Ensemblemitglied ist, oder in anderen Opernhäusern gesungen hat, u.a. Octavian (Der Rosenkavalier) an der Bastille, der Wiener und Hamburger Staatsoper, Ježibaba (Rusalka) in Montreal, Sesto (La clemenza di Tito) in Dresden, Rosina (Il barbiere di Siviglia) in Wien und München, Dorabella (Così fan tutte) in Dresden, München, Salzburg, Aix-en-Provence, Fjodor (Boris Godunow) in Salzburg, Orfeo (Gluck) in der Cité de la Musique Paris, Margarethe (Damnation de Faust) in Brüssel und Dulcinée (Don Quichotte) im Theater an der Wien. In Zürich verkörperte sie alle Mozartpartien ihres Faches sowie Partien im dramatischeren Fach wie Ljubascha (Die Zarenbraut), Amme (Dukas’ Blaubart) und Fricka (Das Rheingold). Als Konzertsängerin hat sie ein Repertoire von Bach bis Berio. In Bamberg sang sie Berenice von Haydn unter Adam Fischer, in Paris Berlioz’ Les Nuits d’Eté unter Holliger, in Kopenhagen Verdis Requiem und in Tel Aviv und Haifa Bruckners Te Deum unter Mehta. 2005 trat sie im Petersdom zur 500-Jahr-Feier der Schweizergarde des Papstes auf. Zu den Dirigenten, die sie geprägt haben, gehören Nikolaus Harnoncourt, Claudio Abbado, Fabio Luisi, Franz Welser-Möst und Philippe Jordan. 2021 feierte sie ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum am Opernhaus Zürich.
Olga Bezsmertna, Tatjana, Larinas Tochter
Olga Bezsmertna
Olga Bezsmertna absolvierte ihr Studium an der Kiew National Academy of Music in der Ukraine im Jahr 2010. Bereits 2011 hatte sie den Wettbewerb «Neue Stimmen» der Bertelsmann Stiftung unter dem Juryvorsitz von Dominique Meyer gewonnen. Seit 2012 ist sie Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, an der sie mit einem Aufsehen erregenden Hausdebüt als Dame in Hindemiths Cardillac unter der Leitung von Franz Welser-Möst auf sich aufmerksam machte. Ebenfalls an der Staatsoper war sie u.a. als Contessa (Le nozze di Figaro) unter Jérémie Rhorer und Adam Fischer, als Rusalka, Rachel (La Juive), Donna Elvira, Pamina sowie als Solistin in Strauss’ Vier letzte Lieder zu erleben. 2015 gab sie ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen als Marzelline in der Neuproduktion von Beethovens Fidelio (Regie: Claus Guth, Dirigent: Franz Welser-Möst) neben Jonas Kaufmann und Adrienne Pieczonka. Ebenfalls 2015 debütierte sie an der Deutschen Oper Berlin als Contessa. 2016 war sie als Europa (Die Liebe der Danae) erneut bei den Salzburger Festspielen zu Gast. In der Spielzeit 2016/17 ist sie an der Wiener Staatsoper u.a. als Liù (Turandot), Phénice (Armide), Pamina, Donna Elvira, Tatjana und Mélisande (Pelléas et Mélisande) zu hören.
Ksenia Dudnikova, Olga, LarinasTochter
Ksenia Dudnikova
Ksenia Dudnikova stammt aus Andijan, Usbekistan. Ihre Gesangsausbildung absolvierte sie am Staatlichen Konservatiorium Moskau. 2011 debütierte sie am Stanislavsky und Nemirovich-Danchenko Theater in Moskau, wo sie seither regelmässig in Partien wie Marfa (Chowanschtschina), Amneris (Aida), Pauline (Pique Dame), Olga (Eugen Onegin) und Lyubasha (Die Braut des Zaren) zu erleben ist. Für ihre Interpretation der Amneris (Inszenierung: Peter Stein) wurde sie 2015 für die Goldene Maske als beste Hauptdarstellerin nominiert. 2015/16 debütierte sie am Bolshoi-Theater in Moskau als Maddalena (Rigoletto), wo sie in derselben Spielzeit auch Marguerite (La Damnation de Faust) verkörperte. In der Spielzeit 2016/17 folgte ihr Hausdebüt an der Royal Opera in London als Fürstin von Bouillion (Adriana Lecouvreur) an der Seite von Angela Gheorghiu. 2018 kehrte sie als Carmen nach London zurück. Zu ihrem Repertoire gehören die Partien des Wanja (Glinkas Iwan Susanin), Frosia (Prokofjews Semyon Kotko), Dalila (Samson et Dalila), Marina (Boris Godunow), Leonor (La Favorite) sowie Verdis Requiem und Lennox Berkeleys Stabat Mater. Im Sommer 2017 trat sie als Amneris mit dem Théâtre Royale de la Monnaie in Brüssel auf und debütierte als Sonyetka in Lady Macbeth von Mzensk an den Salzburger Festspielen. Im Sommer 2019 sang sie Carmen an der Opéra Bastille in Paris und in der Arena von Verona, es folgten Eboli (Don Carlos) in Stuttgart sowie Pauline (Pique Dame) am Bolshoi Theater in Moskau.
Margarita Nekrasova, Filippjewna, Kinderfrau
Margarita Nekrasova
Margarita Nekrasova stammt aus Russland. Sie absolvierte ihre Gesangsausbildung am Staatlichen Konservatorium Moskau. Sie war ab 1994 als Solistin für die Neue Oper Moskau tätig, wo sie auch an mehreren CD-Aufnahmen beteiligt war. Die Mezzosopranistin war an zahlreichen Opernhäusern und Musikfestivals zu Gast, so u.a. am Teatro Comunale in Florenz, der Scala di Milano, der Staatsoper und der Komischen Oper Berlin, dem Liceu in Barcelona sowie auf weiteren Bühnen in Deutschland, Frankreich, Österreich, Israel, Japan und in Tschechien. Sie arbeitete u.a. mit den Dirigenten Vladimir Jurowski, Semyon Bychkov, Riccardo Muti, Eri Klas, Marco Boemi, Daniel Barenboim, Vladimir Fedoseev, Kirill Petrenko, Kent Nagano, Kazushi Ono. Zu ihrem Repertoire zählen die Rollen der Herodias (Salome), Konchakovna (Borodins Prinz Igor), Xenias Amme sowie die Schenkwirtin (Mussorgskis Boris Godunow), der Engel (Rubinsteins Der Dämon), Lyubasha (Rimsky-Korsakows Die Zarenbraut), Amneris (Aida), Fenena (Nabucco), Ulrica (Un ballo in maschera), Polina und Gräfin (Tschaikowskis Pique Dame), die Hexe (Dido und Äneas), Elisabetta (Maria Stuarda), Marfa (Mussorgskis Chowanschtschina), Flora (La traviata), Azucena (Il trovatore), Norn (Götterdämmerung) sowie viele weitere. Im Konzert war sie bereits mit Verdis und Mozarts Requiem und Pergolesis und Rossinis Stabat Mater zu hören.
Jüngst war sie als Filippjewna (Jewgeni Onegin) am Opernhaus Zürich, an der Komischen Oper Berlin, an der Opéra National du Rhin und beim Eidnburgh International Festival zu hören, 2018 als Gouvernante (Pique Dame) bei den Salzburger Festspielen und 2019 als Beroe (The Bassarids) an der Komischen Oper Berlin.
Peter Mattei, Jewgeni Onegin
Peter Mattei
Peter Mattei stammt aus Schweden. Noch während seines Studiums debütierte er als Nardo (La finta giardiniera) am Schlosstheater Drottningholm und gab 1991 sein umjubeltes Debüt an der Stockholmer Oper mit der Partie des Pentheus in Daniel Börtz’ Die Bacchen (Regie: Ingmar Bergmann). Als Don Giovanni in der Inszenierung von Peter Brook 1998 erregte er internationales Aufsehen. Seither sang er diese Partie an allen grossen Opernhäusern der Welt; besonders hervorzuheben ist die Pariser Produktion von Michael Haneke. An der Metropolitan Opera New York sang er u.a. Amfortas (Parsifal), Graf (Le nozze di Figaro), Figaro (Il barbiere di Siviglia), Marcello (La bohème), Jeletski (Pique Dame), Schischkow (Aus einem Totenhaus) und Wolfram (Tannhäuser). Als Don Fernando (Fidelio) war er an der Scala Milano, als Wolfram an der Staatsoper Berlin, als Posa (Don Carlo) in Oslo und Stockholm und als Billy Budd in Frankfurt und Göteborg zu erleben. Er arbeitete mit Dirigenten wie Sir Georg Solti, Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Riccardo Muti, Sir Colin Davis, Riccardo Chailly, Antonio Pappano, Zubin Mehta, Herbert Blomstedt, Esa-Pekka Salonen, Sir John Eliot Gardiner, Gustavo Dudamel, Jeffrey Tate, Sir Andrew Davis und Daniel Harding. Peter Mattei leitet ein eigenes Festival in seiner Geburtsstadt Luleå in Nordschweden. Als Konzertsänger trat er u.a. in Mendelssohns Elias, Brahms’ Deutschem Requiem sowie mit Liedern von Mahler auf. Seine Auftritte sind auf zahlreichen CD- und DVD-Produktionen dokumentiert. 2016/17 ist er u.a. als Graf (Figaro) an der Wiener Staatsoper, Figaro (Barbiere) an der Met sowie als Eugen Onegin in Paris zu erleben.
Pavol Breslik, Lenski
Pavol Breslik
Pavol Bresliks Karriere begann 2005, als er von der Zeitschrift «Opernwelt» zum Nachwuchssänger des Jahres gekürt wurde. Im Jahr 2000 hat er den ersten Preis beim Antonín-Dvořák-Wettbewerb in Tschechien gewonnen. 2003 bis 2006 gehörte er dem Ensemble der Berliner Staatsoper an. Seither tritt er an den bedeutendsten Opernhäusern und Konzertsälen weltweit auf. Mit 21 Jahren sang er Don Ottavio (Don Giovanni) bei seinem professionellen Debüt in Prag. Bis heute ist Don Ottavio, wie auch Tamino, fester Bestandteil seines Repertoires. 2006 gab er als Tamino in München sein Hausdebüt und ist mit dem Haus bis heute eng verbunden. Er gab dort wichtige Rollendebüts, wie Gennaro (Lucrezia Borgia) an der Seite von Edita Gruberova und den Edgardo (Lucia di Lammermoor) mit Diana Damrau. In jüngster Zeit sang er dort zudem Belmonte (Die Entführung aus dem Serail), Narraboth (Salome) und Macduff. 2013 bis 2018 gehörte er zum Ensemble des Opernhauses Zürich und sang hier u.a. Števa (Jenůfa), die Titelpartie in Gounods Faust, Don Ottavio, Roberto Devereux, Nadir, Peter Quint, Alfredo Germont, Macduff, Belmonte, Nemorino, Lenski, Leicester (Maria Stuarda) und zuletzt Edwin (Die Csárdásfürstin). Auch auf den Konzertpodien ist Pavol Breslik ein gern gesehener Gast, so bei den BBC Proms, dem Edinburgh Festival, den Salzburger Festspielen, den Osterfestspielen Baden-Baden, beim Orchester des Bayerischen Rundfunks oder dem Boston Symphony Orchestra. Unter der Leitung von Thomas Hengelbrock sang Pavol Breslik beim Eröffnungskonzert der Hamburger Elbphilharmonie. Ein besonderes Anliegen ist ihm auch der Liedgesang; so nehmen Liederabende einen festen Platz in seinem Schaffen ein.
Christof Fischesser, Fürst Gremin
Christof Fischesser
Christof Fischesser studierte Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Im Jahr 2000 gewann er den ersten Preis beim Bundeswettbewerb für Gesang in Berlin, worauf er an das Staatstheater Karlsruhe engagiert wurde. 2004 wechselte er an die Staatsoper Berlin, von 2012 bis 2015 war er Ensemblemitglied am Opernhaus Zürich, mit dem ihn seither eine enge Zusammenarbeit verbindet. Er gastierte ausserdem an der Wiener Staatsoper, am ROH London, an der Opéra Bastille Paris, dem Teatro Real in Madrid, der Staatsoper München, der Komischen Oper Berlin, der Semperoper Dresden, der Opéra de Lyon, am Théâtre du Capitole de Toulouse, an der Houston Grand Opera, der Lyric Opera Chicago sowie den Opernhäusern von Antwerpen, Kopenhagen und Göteborg. Sein breitgefächertes Repertoire umfasst u.a. Rollen wie König Marke (Tristan und Isolde), Landgraf (Tannhäuser), König Heinrich (Lohengrin), Gurnemanz (Parsifal), Sarastro (Zauberflöte), Figaro (Le nozze di Figaro), Rocco (Fidelio), Banquo (Macbeth), Mephisto (Faust) und Baron Ochs von Lerchenau (Der Rosenkavalier). Zahlreiche CDs und DVDs dokumentieren sein künstlerisches Schaffen, so z.B. Beethovens Fidelio unter Claudio Abbado (mit Nina Stemme und Jonas Kaufmann), Massenets Manon unter Daniel Barenboim (mit Anna Netrebko und Rolando Villazon) oder Wagners Lohengrin unter Kent Nagano (mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann). In Zürich war er zuletzt als König Heinrich, Rocco, Orest (Elektra), Kaspar, Daland, Fürst Gremin, Gurnemanz (Parsifal), Il Marchese di Calatrava, Padre Guardiano in La forza del destino, als Kaspar (Der Freischütz) und als Jacopo Fiesco (Simon Boccanegra) zu erleben.
Martin Zysset, Triquet
Martin Zysset
Martin Zysset ist in Solothurn geboren und aufgewachsen. Er liess sich im Fach Klarinette ausbilden und absolvierte gleichzeitig ein Gesangsstudium, das er mit Meisterklassen bei Ernst Haefliger und Edith Mathis abrundete. 1990/91 war er Mitglied des IOS und im gleichen Jahr Stipendiat des Migros-Genossenschaftsbundes sowie Preisträger des Pro Arte Lyrica-Wettbewerbs in Lausanne. Seit 1992 ist er ständiger Gast der Sommerspiele in Selzach. Am Opernhaus Zürich ist er seit 1991/92 engagiert. Hier konnte er sich ein breites Repertoire von buffonesken wie dramatischen Rollen erarbeiten, u.a. Pedrillo, Monostatos, Spoletta, Incredibile (Andrea Chénier), Jaquino, Kudrjasch (Katja Kabanowa), Cassio, Peppe, Alfred (Die Fledermaus), Spalanzani, Tamino, Tybalt, Dancaïro, Arturo, Knusperhexe, Brighella sowie die männliche Hauptrolle in Udo Zimmermanns Weisse Rose. Mit grossem Erfolg verkörperte er die Titelrolle Simplicius in der wiederentdeckten Operette von Johann Strauss, die auch auf CD und DVD veröffentlicht wurde. Gastspiele führten ihn durch ganz Europa, nach Shanghai sowie mit der Zauberflöte, Le nozze di Figaro, Fidelio und Tannhäuser (Walter) nach San Diego (USA). Für den Bayerischen Rundfunk hat er die Lehár-Operette Paganini aufgenommen. Am Opernhaus Zürich sang er zuletzt u.a. Prince John (Robin Hood), Don Basilio (Le nozze di Figaro), Tschekalinski (Pique Dame), Licone (Orlando paladino), Triquet (Jewgeni Onegin), den Obereunuchen (Land des Lächelns), Goro (Madama Butterfly), Spoletta (Tosca), Dormont (La scala di seta), den weissen Minister (Le Grand Macabre), den Teufel / Erzähler (Die Geschichte vom Soldaten) und den Dritten Juden (Salome).
Stanislav Vorobyov, Ein Hauptmann, Saretzki
Stanislav Vorobyov
Stanislav Vorobyov stammt aus Russland und studierte am Moskauer Konservatorium. Er war Mitglied des Internationalen Opernstudios (IOS) und ist seit der Spielzeit 2018/19 Ensemblemitglied am Opernhaus Zürich, wo er u.a. als Colline (La bohème), Alidoro (La Cenerentola), Oberpriester (Nabucco), Notar (Der Rosenkavalier), Reinmar von Zweter (Tannhäuser), Faust (Der feurige Engel), Zaretsky (Jewgeni Onegin), Cesare Angelotti (Tosca), Fünfter Jude (Salome) und als Lord Rochefort (Anna Bolena) zu hören war. Ausserdem sang er Don Basilio (Il barbiere di Siviglia) bei den Bregenzer Festspielen, Nourabad (Les Pêcheurs de perles) an der Oper Vlaandern und in Luxemburg sowie Ombra di Nino (Semiramide) im Concertgebouw Amsterdam. An den kommenden Bregenzer Festspielen wird er als Onkel Bonze in Madama Butterfly und als Il capitano/L’ispettore in Umberto Giordanos Siberia zu erleben sein.