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sind von einer Innigkeit der Empfindung, von einer leidenschaftlichen Schwärmerei erfüllt, welche ergreifend wirken. Das Seelische kommt gesteigert zum Ausdruck, ihm wird alles untergeordnet. Auch die Farbengebung muß dazu beitragen, sie ist jetzt weniger froh, aber von einem wundervollen, ruhigen Einklang, welcher der Stimmung des Ganzen entspricht. Die verschiedene Auffassung in diesen zwei Lebensabschnitten Botticellis läßt sich aus einem Vergleich des «Magnificat» (Seite 369) und «Frühlings» mit der «Madonna mit dem Granatapfel» und der «Anbetung der Könige» (Fig. 357) ersehen. Letzteres Bild zeigt auch die vollendete Kunst des Meisters im Aufbau und der Anordnung der Gruppen und in der lebendig bewegten Darstellung der Handlung, Vorzüge, welche nicht minder hoch zu schätzen sind wie die reizvolle Lieblichkeit, die er selbst seinen männlichen Gestalten verlieh.
Filippino Lippi. Die gleichen Ziele verfolgte auch Filippino Lippi (1458-1504), Sohn des Filippo, ohne jedoch dem Genossen gleich zu kommen. Er ist hauptsächlich deshalb bemerkenswert, weil er berufen war, Masaccios Wandgemälde in der Brancacci-Kapelle zu vollenden und dies auch mit ziemlichem Geschick ausführte. Vortrefflich in der Wiedergabe von Ebenbildnissen (Fig. 359), wußte er in seinen späteren Werken nicht Maß zu halten und verfiel in Uebertreibungen sowohl in der Bewegung der Gestalten, wie in der Farbenbuntheit. Die sonstigen Nachfolger Botticellis sind hier von geringer Bedeutung; überdies unterlagen die schwächeren Naturen bereits den Einflüssen, welche von einer anderen Kunststätte, Perugia, ausgingen.
Ghirlandajo. Unabhängig von Botticelli und daher auch von künstlerischer Eigenart erscheint jedoch Domenico Bigordi Ghirlandajo (1449-1494), der Lehrmeister Michelangelos. Er war ein Goldschmiedssohn und hatte zum Lehrer in der Malerei einen Künstler aus jener Gruppe, die sich mit den Verbesserungen der Malweise beschäftigte.
^[Abb.: Fig. 354. Benozzo Gozzoli. Die hl. Jungfrau in der Glorie.
Rom. Lateran.] ¶
Es war dies Alessio Baldovinetti (1427-1477), der bei der Wandmalerei die Verwendung von heißem Oelfirniß versuchte, auch mit Mosaikkunst sich beschäftigte und mehrere alte Werke derselben wiederherstellte, im Uebrigen aber nur durch seine ungemeine Sorgfalt in der Behandlung der Einzelheiten sich bemerkbar macht. Die letztere verwandte er auch auf das Landschaftliche, und darin liegt sein hauptsächlichstes Verdienst, während einem anderen Meister dieser Gruppe, Francesco di Stefano genannt Pesellino, ein solches hinsichtlich der Darstellung von Tieren zukommt.
Die Einflüsse, welchen sohin Ghirlandajo in seiner Jugend ausgesetzt war, verhinderten jedoch glücklicherweise nicht, daß sich seine Begabung gerade in entgegengesetzter Richtung entfalten konnte, kamen ihm dabei aber immerhin zu statten. Anstatt in einseitige Betonung der Einzelheiten zu verfallen, entwickelte er eine großzügige Kunstweise, und der bildnerischen Naturnachahmung setzte er eine nach der Antike durchgebildete, verschönerte Formgebung entgegen.
Dabei wird aber die Naturwahrheit keineswegs vernachlässigt, weder in den Gestalten, noch in dem Beiwerk; auch beherrscht er die Gesetze des Räumlich-Sehens und der Beleuchtung vollkommen, und in der Farbengebung ist er von hohem Reiz. Wenn trotzdem seine Werke weniger tiefen Eindruck machen als jene Botticellis so liegt dies wohl hauptsächlich darin, daß ihre abgeklärte Ruhe den Beschauer minder erregt als die sehnsüchtige Empfindungs-Bewegung Botticellis. Dieser ist entschieden persönlicher und unmittelbarer im Ausdruck seiner Stimmung, während Ghirlandajo seine
^[Abb.: Fig. 355. Verrocchio. Taufe Christi.
Florenz. Gemäldegalerie.] ¶