Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03545.jsonl.gz/266

«And the Oscar goes to Sophia Loren!» Noch ist es etwas zu früh für diesen Satz. Aber wenn man der internationalen Presse Glauben schenken mag, dann hat «La Loren» gute Chancen, nächstes Jahr ihren dritten Oscar zu gewinnen für den Auftritt in ihrem neusten Film.
Zehn Jahre ist es her, dass die italienische Filmgöttin in einem Spielfilm zu sehen war. Als pensionierte Prostituierte kümmert sie sich in «La vita davanti a sé» um die Kinder von Sexarbeiterinnen.
Ein befreundeter Arzt möchte, dass sie auch Momo aus dem Senegal in ihre Obhut nimmt. Aber das will die strenge Madame Rosa unter keinen Umständen. Denn die beiden haben eine Vorgeschichte: Momo hat sie auf dem Markt bestohlen.
Als der Arzt ihr Geld anbietet, nimmt sie Momo doch bei sich auf. Und das ungleiche Paar hat mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Familienbande
Regie führte bei «La vita davanti a sé» Sophia Lorens Sohn Edoardo Ponti. Er hat seine Mutter für die Hauptrolle engagiert.
«Ich glaube, niemand hätte die Rolle der Madame Rosa besser verkörpern können als sie», sagte der 47-jährige Regisseur dem Fernsehsender CBS. Und ergänzte: «Ich wäre ein Idiot, wenn ich meine Mutter nicht für eine Rolle in meinen Filmen casten würde.»
Es ist bereits ihre dritte Zusammenarbeit. Mit ihrem Sohn zu arbeiten, sei nicht immer einfach, meinte Loren im selben Interview: «Er weiss genau, welche Knöpfe er bei mir drücken muss, damit ich genau das tue, was er sich vorgestellt hat», sagte die 86-Jährige mit einem Lächeln.
Der Mann fürs Leben und die Karriere
Film-Business gleich Family-Business, nichts Neues für Sophia Loren. Ihr Ehemann war Carlo Ponti, einer der wichtigsten italienischen Filmproduzenten seiner Zeit.
Kennengelernt hatten sich die beiden bei einem Schönheitswettbewerb. Sie war damals 16, er 22 Jahre älter. Carlo Ponti, von da an immer an ihrer Seite, verhalf ihr zu einer grossartigen Filmkarriere.
Internationaler Durchbruch
In ihrer 70 Jahre langen Laufbahn hat Sophia Loren alles gespielt. Der Durchbruch gelang der heutigen Filmdiva 1954 mit einem Film über das Neapel der Nachkriegszeit. Produziert hat die italienische Komödie natürlich ihr Mann: Carlo Ponti.
Zur selben Zeit lernte Sophia Loren Marcello Mastroianni kennen. Die beiden bildeten über viele Jahre hinweg das italienische Leinwand-Traumpaar.
Ein paar Jahre später schaffte sie den Sprung nach Hollywood. Sophia Loren spielte an der Seite vieler Hollyoodstars. Im Abenteuerfilm «The Pride and the Passion» kämpfte sie sich mit Frank Sinatra durch die Napoleonischen Kriege.
Endgültig zum Star wurde sie mit der Komödie «Houseboat» an der Seite von Cary Grant. Und mit Marlon Brandon arbeitete sie in Charlie Chaplins letztem Film «A Countess from Hong Kong».
Den ersten Oscar erhielt sie 1962 für ihre Rolle im italienischen Kriegsdrama «La ciociara». Knapp 30 Jahre später bekam sie den Ehrenoscar für ihr Lebenswerk.
Geglücktes Comeback
Nun ist die zweifache Oscar-Gewinnerin zurück. Gross, schön und würdevoll wirkt die 86-Jährige in «La vita davanti a sé». Eine Figur im Netflix-Drama bringt es auf den Punkt: «Madame Rosa. Ihre Augen und Stimme täuschen einen noch immer.»
Dieses Kompliment gilt nicht nur der Filmfigur. Sophia Lorens Comeback ist geglückt. Und es ist hoffentlich nicht ihr letztes.