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2008 wurde eine an Studenten durchgeführte Studie veröffentlicht, die zeigte, dass rund 90 Prozent (allerdings nur von 41) Befragten der Ansicht waren, dass wir in einem indeterministischen Universum lebten und in einem deterministischen Universum Personen nicht moralisch verantwortlich für ihre Taten wären. Unabhängig davon, ob diese Zahlen genau stimmen, scheinen sie eine eindeutige Tendenz zu zeigen: eine grosse Mehrzahl der Bevölkerung ist der Ansicht, dass nicht schon vor ihrer eigenen Geburt exakt feststand, wie ihr Leben aussehen wird, weshalb sie einem indeterministischen Weltbild anhängen.
Dazu im Gegensatz steht die Tatsache, dass sich vermutlich alle naturwissenschaftlichen Theorien deterministisch deuten lassen, was auch für die Quantenmechanik gilt. Ein weltanschaulicher Indeterminismus steht hier also einem möglichen naturwissenschaftlichen Determinismus gegenüber.
Indeterminismus (eigentlich: Dualismus)
Betrachtet man das Ganze allerdings etwas näher fällt schnell auf, dass vermutlich gar keine rein indeterministischen Lehren existieren, da der reine Indeterminismus reines Chaos bedeuten würde (Bunge: Quantenmechanik nicht indeterministisch). So ist die Wahrscheinlichkeitsverteilung einer grösseren Menge von "Quantenobjekten" oder die Zeitentwicklung im Bereich der Quantenphänomene strikt deterministisch, setzen Religion und Esoterik in der Regel voraus, dass ein Handelnder seine Handlungen kausal determiniert, um dafür verantwortlich gemacht werden zu können.
Setzt eine Theorie oder ein Weltbild zwei grundsätzlich verschiedene Systeme voraus, ist die Gefahr gross, dass es sich dabei um eine dualistische Theorie handelt. Dies trifft auf jeden Fall auf die behaupteten Indeterminismen zu. Während ein strikter Determinismus zumindest denkbar ist, ist ein strikter Indeterminismus undenkbar, weshalb er auch deterministische Elemente enthalten muss. Damit aber ergibt sich das gleiche Problem wie bei jedem Dualismus: wie lässt sich die Interaktion der beiden "Systeme" erklären?
Ein Dualismus aus Determinismus und Indeterminismus würde bedeuten, dass es "Dinge" gäbe, welche ohne Ursache aus dem "Nichts" entstehen und danach deterministisch bis in alle Ewigkeit weiterwirken könnten oder "Dinge", die plötzlich abrupt zu existieren aufhörten und im "Nichts" verschwänden. Während sich Letzteres relativ leicht denken lässt, ergibt sich mit Ersterem das Problem, dass diese "Dinge" ohne Ursache völlig zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort aus dem "Nichts" erscheinen müssten, um sich in voller Harmonie in die bestehenden deterministischen Kausalketten zu integrieren. Selbst dieses "Entstehen aus dem Nichts" müsste irgendwie nichtkausal determiniert sein (so dies überhaupt möglich wäre), es könnte aber auf jeden Fall nicht auf dem absoluten Zufall basieren, da in diesem jede Wahrscheinlichkeit gleich wahrscheinlich ist. Mit einem Indeterminismus liesse sich dies kaum erklären.
Die Vorstellung etwas ohne Ursache aus dem "Nichts" entstehen zu lassen entspricht der klassischen Vorstellung von Willensfreiheit. Diese besagt, dass der Mensch ohne Ursache "frei" seine Zukunft determinieren könne. Eine solche Vorstellung ist allerdings widersprüchlich wie an anderem Ort gezeigt wird (»Willensfreiheit: Determinismus oder Indeterminismus). Es ist dieselbe Vorstellung, die auch angeblich indeterministischen, faktisch aber dualistischen Interpretationen der Quantenmechanik zugrunde liegt, die allerdings die existierenden Wahrscheinlichkeiten nicht erklären können (»Quantenphysik).
Determinismus
Im Gegensatz zum Indeterminismus ist ein Determinismus monistisch. Die Determinismus-These besagt, dass alles ohne Ausnahme determinstisch ist, dass schon zu Anbeginn der Zeiten alles bestimmt war, was heute geschieht. Damit fällt zwar das Problem mit der Interaktion dahin, doch scheint ein Determinismus der menschlichen Erfahrung diametral zu widersprechen. Viele Menschen sträuben sich regelrecht gegen einen solchen Determinismus, da dies bedeuten würde, dass der Mensch nicht im obigen Sinne willensfrei wäre. Basiert man aber indeterministische, respektive dualistische Theorien auf dem Gedanken dieser Willensfreiheit, ergibt sich das Problem, dass mit wenigen Ausnahmen fast alles determiniert ist: der willensfreie Mensch scheint zwar ab und an indeterministisch in die Geschicke der ansonsten determinierten Welt einwirken zu können. Doch in Anbetracht dessen, dass es indeterminierte menschliche Willensfreiheit kaum länger als ein paar tausend Jahre geben könnte, scheint auch die Theorie der indeterminierten Willensfreiheit eine deterministische Theorie - mit Lücken - zu sein. Während Jahrmilliarden hätte sich die Evolution deterministisch entwickelt, um dann dem Menschen die Möglichkeit zu geben, indeterministisch in diesen Determinismus einzugreifen. Eine wahrhaft eigenartige Vorstellung, die auch dadurch in Frage gestellt wird, dass indeterministische Formen von Willensfreiheit gar nicht möglich sind (»Existiert Willensfreiheit?).
Determinismus oder Indeterminismus?
Gegen den Determinismus werden vor allem weltanschauliche Gründe vorgebracht, besonders eindrücklich in Brigitte Falkenburgs Buch "»Mythos Determinismus". Aus metaphysischen Gründen sollte eine wissenschaftliche Theorie allerdings nie abgelehnt werden und es scheint eine Tatsache zu sein, dass ein Determinismus im Gegensatz zu einem (dualistischen) Indeterminismus mit sämtlichen naturwissenschaftlichen Theorien vereinbar zu sein scheint.
Bevor ein Determinismus also aus weltanschaulichen Gründen verworfen wird, muss gezeigt werden, wie ein Indeterminismus, der selbst im Bereich der Quantenphänomene noch nie beobachtet wurde (mit dem Moment einer Messung sind Quantenphänomene strikt deterministisch!) mit der Erfahrung in Übereinstimmung gebracht werden könnte und wie man sich die Interaktion zwischen deterministischen und indeterminstischen Elementen vorzustellen hätte. Ist dies nicht möglich, scheint zum Determinismus keine Alternative zu bestehen.