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L.
(Haarfarn, Frauenhaar), Pflanzengattung aus der Ordnung der
Farne,
[* 2] Familie der Polypodiaceen (s. d.); ausdauernde
Kräuter mit zierlichen, meist zwei- bis dreifach gefiederten
Blättern, deren Stiele und zuletzt gewöhnlich
haarfein verzweigte
Spindeln glänzend braun oder schwarz sind, und deren Fiedern die Fruchthäuschen auf dem obersten
Teile
der
Nerven
[* 3] auf nach der Unterseite umgeschlagenen, braunen Läppchen des Randes tragen. Die Gattung enthält eine ziemliche
Anzahl meist tropischer
Arten, von denen manche (z. B.
Adiantum Farleyense Th. Moore
und Adiantum trapeziformeL. aus dem tropischen
Amerika,
[* 4] Adiantum hispidulumSw. aus dem tropischen
Asien,
[* 5]
Australien
[* 6] und Polynesien, Adiantum formosum
R. Br. aus
Australien) beliebte Zierpflanzen unserer Gewächshäuser sind; einige andere, z. B.
Adiantum concinum H. B., cuneatum Langsd. et Fisch.
mit der
Abart gracillimum u. a., deren Wedel zur Bouquetbinderei Verwendung
finden, werden in
Massen gezogen. Das in Nordamerika
[* 7] heimische Adiantum pedatum Willd.
mit seinen fußförmig verzweigten
Blättern ist winterhart und wird besonders zur Ausschmückung von Felsanlagen u. s. w.
kultiviert. In Südeuropa (schon im südl.
Tirol
[* 8] und bei
Triest
[* 9] an feuchten Kalkfelsen und
Mauern wachsend) ist nur AdiantumCapillusVenerisL.
(Venushaar, s.
Tafel:
Gefäßkryptogamen,
[* 1]
Fig. 6) heimisch, dessen
Blätter als Folia Capilla
oder Herba Capillorum Veneris offizinell waren.
(grch., d. h. das Unverstimmbare) oder
Gabelklavier, ein vom Instrumentenbauer Wilhelm Fischer in
Leipzig
[* 10] (nach
andern vom Uhrmacher Schuster in
Wien)
[* 11] erfundenes Tasteninstrument von sechs Oktaven, einem
Pianino ähnlich.
Der
Klang ist sehr schön, von
Nebentönen fast frei,
also ähnlich dem der
Glasharmonika, aber nicht so laut. Da die Ansprache sehr langsam ist, lassen sich auf diesem
Instrument
nur getragene Sachen spielen.
(grch.),
d. i.
an sich gleichgültige Dinge
(Indifferentes, Mitteldinge), in derSittenlehre,
besonders der
Stoiker (s.
Stoicismus), was weder gut noch böse ist, oder was zur wahren
Glückseligkeit weder hinderlich noch
förderlich ist (z.B. die Gesundheit); daher auch Handlungen, die weder sittlich geboten noch verboten sind. Es deckt sich
also der
Begriff ungefähr mit dem des
«Erlaubten». In der neuernPhilosophie, besonders seit Schleiermacher,
war man bestrebt, das Gebiet dieses
Begriffes möglichst zu verengen; «erlaubt» nennt man daher, was durch
kein allgemein gültiges Gesetz vorgeschrieben ist, worin also keiner den andern sittlich zu binden berechtigt ist. Es wird
oft geradezu bestritten, daß für das Individuum bei gewissenhafter Berücksichtigung seiner Eigentümlichkeit und
der besondern Umstände, unter denen der
Antrieb zum
Handeln an es herantritt, irgend eine Handlung als sittlich gleichgültig
zu bezeichnen sei.
Eine besondere
Beziehung hat der
Begriff der Adiaphora auf religiösem Gebiete erhalten. Hier werden darunter Bräuche verstanden,
die ohne Verletzung der göttlichen Gebote unterlassen werden dürfen. Als solche betrachtet schon
Jesus
die pharisäischen Vorschriften über Fasten, Sabbatfeier, Reinigkeit und Speiseunterschiede. Späterhin
wurde das ganze
jüd. Ceremonialgesetz unter denselben
Gesichtspunkt gestellt. Als es sich in der
Reformation um die Zulässigkeit gewisser
kath. Bräuche seitens der
Protestanten handelte, die, von den meisten Reformationskirchen bereits abgethan, auf
BefehlKarls
V. durch das
Augsburger Interim (1548) wieder eingeführt werden sollten, suchten die kursächs.
Theologen,
Melanchthon an der
Spitze, den Frieden dadurch zu erlangen, daß sie im
Leipziger Interim die Reinheit der evang.
Lehre
[* 12] durch weitgehende Zugeständnisse in den Bräuchen, die sie für Adiaphora erklärten, als
Altäre,
Bilder, Lichter, Chorhemden,
lat.
Gesänge, Horen,
[* 13]Vesper u. s. w., erkauften. Hieraus entbrannten die Adiaphoristischen Streitigkeiten,
in denen namentlich die Jenenser und Niedersachsen die Wittenberger des Verrats an der evang.
Sache beschuldigten. Später ward es allgemeine
Lehre, daß die Ceremonien
an sich Adiaphora sind, aber aufhören es zu sein, wenn
die christl.
Freiheit dadurch bedroht wird, oder wenn ihre
Beobachtung ein Zugeständnis an Gegner bedeutet,
für die sie vermeintlich auf göttlichem Gebote ruhende Satzungen sind.
Das
Amt entstand zusammen mit dem der
Volkstribunen 494
v. Chr. Wie diese waren die beiden A. ursprünglich
Beamte der
Plebs.
Zwei weitere, die aediles curules, derenAmt den
Patriciern vorbehalten sein sollte, auf dessen ausschließlichen
Besitz sie aber bald darauf verzichten mußten, kamen 367
v. Chr. hinzu. Erst spät, 44
v. Chr., schuf Julius
Cäsar eine dritte
Gattung, die aediles plebis Cereales, aus plebejischem
Stande, welche die
Spiele zu Ehren der
Ceres zu leiten hatten und speciell
der Versorgung der Stadt mit Getreide
[* 17] und der unentgeltlichen Verteilung desselben vorstanden.
Sie scheinen aber bereits unter
August durch die Praefecti annonae ersetzt zu sein. Anfangs waren die aediles plebis abhängig
von den
Tribunen, allmählich wurden sie von ihnen unabhängiger und traten auch in nähere
Beziehung zum Senate. Die kurulischen
Ädilen hatten wichtige
Attribute vor den plebejischen voraus. Insbesondere stand ihnen allein eine, wenn
auch begrenzte bürgerliche Gerichtsbarkeit zu, nämlich in Handelsprozessen; sie erließen auch beim Amtsantritt ein dem
der
Prätoren analoges
Edikt (s. d.) und hatten einen
Teil der Ehrenauszeichnungen der höhern Magistrate, insbesondere den
elfenbeinernen
Klappstuhl mit geschweiften
Beinen, diesella curulis, von der sie ihren
Beinamen führten.
Auch erlangten sie weit früher als die plebejischen A. nach
Ablauf
[* 18] ihres Amtsjahres
¶
Stimmrecht und Anwartschaft auf einen Platz im Senate bei der nächstenWahl. (S. Senat.) In entsprechender Weise waren unter
die beiderlei Ädilen auch die Spiele verteilt, die von ihnen unter Aufwendung bedeutender Mittel aus eigenem Vermögen, mit steigendem
Luxus, veranstaltet wurden und früh als Hauptmittel dienten, die Gunst des Volks für die Bewerbung um
die höhern Ämter zu gewinnen. Während der Kaiserzeit dauerte die Ädilität, aber unter vielen Beschränkungen, fort, bis
sie im 3. Jahrh. n. Chr. aufgehoben wurde. Auch die
röm. Kolonien und Municipien hatten je zwei Ädilen, die im wesentlichen den kurulischen A. in Rom entsprachen. -
Vgl. Labatut,
Etudes sur la société Romaine.
Les édiles et les mœurs (Par 1867); Clason, Die kurulische Ädilität in«Röm. Geschichte»,
Bd. 1 (Berl. 1873).