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Lieber Ernst,
fastet der Herr Ernst oder kündigt er uns in seinem „Wellness – Journal“ die
berühmten weißen Nächte an, denen wir uns nähern?
Mit Grüßen von Dostojewski
und
einem hellen Leuchten
vom
Nordlicht
*
Liebes Nordlicht
Was Episode 85 und 86 betrifft, so hat Ernst Ernst vom Wunsch leiten lassen, etwas zu citieren, das nicht aus Worten besteht. Ernst hat also nichts Hintergründiges geplant, kein Fasten angekündigt und auch nicht andeuten wollen, dass Reden Silber ist und Schweigen Gold, sondern Ernst hat Ernst einfach 1 kleinen Spass erlaubt. Die beiden Capitel sehen übrigens im Original so aus:
Jetzt aber zu Dostojewskij: Ernst hat in Ernsts jungen Jahren «Die Brüder Karamasow» gelesen und später waren «Der Spieler» und «Der Idiot» und natürlich «Verbrechen und Strafe» aktuell, aber «Weisse Nächte»? Ernst geht in die Closterbibliothek, öffnet (wie es im Untertitel heisst) den «Empfindsamen Roman eines Träumers» und liest:
Es war eine wundervolle Nacht, die es wohl nur geben kann, wenn wir noch jung sind, mein lieber Ernst.[1]
Was für ein Anfang! Der grosse Dichter spricht Ernst mit Ernsts Namen an! Ernst liest also eifrig weiter, doch dann – es ist bei diesem Satz:
Und wahrhaftig, man könnte in mancher Minute fast glauben, dass dieses Leben nicht etwa nur eine Erregung der Gefühle sei, kein Gaukelspiel, kein Trug der Einbildung, sondern dass es geradezu das wirkliche, wahrhaftige und rechte Leben ist!
Mitten in diesem Satz sieht Ernst ein weisses Loch! Das heisst, Ernst sieht, dass da Wörter stehen, aber wenn Ernst Ernsts Augen auf ein einzelnes Wort richtet, sieht Ernst nichts als ein weisses Loch. Ernst schaut auf das Wort ‹Minute›, ‹Gaukelspiel› und ‹Trug› – nichts! Ernst schliesst Ernsts Augen und ‹sieht›, wie sich das Loch zu einem hell gezackten Bogen ausweitet. Nach 10 Minuten bemerkt Ernst, dass die Amplitude der Zacken abnimmt, der Bogen wandert nach oben, dann seitlich nach unten, um schliesslich ganz zu verschwinden.
Ernst befürchtet, dass das eine Spätfolge von Ernsts Zweikampf oder eine gerechte? Strafe für Ernsts Esssünden sein könnte und geht zum Klosterarzt. Frater Guillaume beruhigt Ernst und sagt: «Keine Sorge, das ist eine Migraine-sans-migraine.» Ernst findet diesen Ausdruck eigenartig, andererseits ist es Ernst egal, wie man Ernsts Symptom nennt, Hauptsache ist, es handelt sich nicht um etwas Ernstes. Dann untersucht Frater Guillaume Ernsts Handgelenk und fragt unvermittelt: «Und wie steht es mit Ernsts Essgewohnheiten?» Der Klosterarzt schaut Ernst geradewegs in Ernsts Augen. Ernst kennt diesen Blick. Da Ernst nicht gleich antwortet, sagt Frater Guillaume: «Schon gut, schon gut, ich möchte nur nicht, dass Ernst Ernst wieder übernimmt.» Er streckt Ernst seine rechte Hand entgegen (die Ernst mit Ernsts linker Hand ergreift) und ruft aufmunternd: «Ernst’ll make it!»
Auf dem Weg zurück zu Ernsts Klause hört Ernst endlos widerhallend: «Ernst’ll make it!» Hat das damals nicht auch Ernsts Coach gerufen, als Ernst im Boxring angezählt wurde?[2]
Liebes Nordlicht, ist das nicht very sonderbar? Da citiert Ernst zwei leere Seiten und liest die «Weissen Nächte» und schon wird Ernst quasiblind. Aber solche Überlappungen sollten wohl besser nicht allzu ernst genommen werden, nicht wahr?
Es grüsst Dich trotz allem
unverzagt & ernst
Ernst
[1] Fjodor Dostojewskij, Weisse Nächte, Erste Nacht, aus dem Russischen übertragen von Johannes von Guenther
[2] Episode 58