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Abschied vom Kammerorchester KLZE
Das Kleine Zürcher Ensemble muss sich wegen mangelnden Nachwuchs’ auflösen, was der EOV-Vorstand sehr bedauert. Die letzte Orchesterpräsidentin Anna-Katharina van den Broek schaut auf die über 40-jährige Geschichte des KLZE zurück.
Anna-Katharina van den Broek — Das Kleine Zürcher Ensemble (KLZE) wurde 1979 von Elisabeth Mazzola gegründet. Es wurde in einer ersten Phase von Istvan Krasznai, dem damaligen Konzertmeister des Radio-Sinfonieorchesters Basel, vom Konzertmeisterpult aus geleitet. Für kurze Zeit leitete dann Andras Tózeghi das KLZE, bis es zu einer kurzen Pause ohne Proben kam, da für ihn kein Nachfolger gefunden werden konnte. 1989 schliesslich übernahm Kemal Akçağ die Leitung und hatte diese bis zum Ende des Ensembles inne. Er verstand es, als ehemaliger Konzertmeister des Tonhalle-Orchesters Zürich, das Kleine Zürcher Ensemble in seiner Begeisterung für Musik und mit seinem grossen Wissen geschickt zu führen und zu einer festen Grösse in der Region zu formen, die lange Zeit nicht mehr wegzudenken war.
In der Jubiläumsschrift von 2009 ist zu lesen, dass Kemal Akçağ «jeweils treffend lustige, aber immer freundlich motivierende Bemerkungen wie ‹schon viiiel besser› oder ‹richtig, nur ein bisschen zu hoch› oder: ‹nicht rein und nicht rhythmisch, sonst aber wunderbar› oder ‹das war sehr schön musiziert, nur leider falsch› » einsetzte, um das Ensemble zu Höchstleistungen zu animieren. Durch sein Engagement unter anderem bei den «Preisträgern» hatte er Kontakte zu aufstrebenden jungen Solistinnen und Solisten, welche mit uns erste Orchestererfahrungen sammeln konnten. Kemal Akçağ verstand er es immer wieder, ein ansprechendes Konzert zusammenzustellen und uns Laien und einige pensionierte Musiker zu einem Klangkörper zusammenzubringen, der beachtenswert war. Letzte Konzerte im Dezember 2021.
Und jetzt also ist das KLZE nach dem letzten Konzert am 5. Dezember 2021 in Liquidation und wird aufgelöst. Bitter. Lange haben wir versucht, neue Streicherinnen und Streicher zu finden. Erfolglos – so wie es leider vielen Orchestern ergeht. Das einst aus 25 Menschen bestehende Ensemble schrumpfte immer mehr. Bei den Abschiedskonzerten waren wir noch 16 Musikerinnen und Musiker, viele pensioniert, aus unterschiedlichen Berufen stammend, teilweise ehemalige Profimusiker. Eine bunt gemischte Gruppe, die über die Jahre zusammengewachsen war und mit Freude musizierte.
Es standen aus Altersgründen weitere Austritte bevor, und so entschieden wir uns schweren Herzens zur Auflösung unseres Vereins. Mit Wehmut und Dankbarkeit zugleich schauen wir auf eine 42-jährige Geschichte zurück. Wir erinnern uns an die regelmässigen Konzertorte, wie zum Beispiel das Schloss Rapperswil, das Schloss Lenzburg, die Kirche St. Peter, das Grossmünster, die reformierte Kirche Herrliberg, die Predigerkirche oder an unser langjähriges Probelokal, die reformierte Kirche Friesenberg. Jeder Konzertort hatte seine Eigenheiten, die wir gut kannten, und wir freuten uns jeweils auf das nächste Jahr, wenn wieder ein Konzert an diesem Ort anstand.
Auch die Solisten hatten ihre Eigenheiten, die wir innerhalb der Proben kennenlernten, und es gäbe manch lustige Anekdote zu erzählen. Zum Beispiel von einer im kalten Grossmünster barfuss spielenden Solistin, die ihre Konzertschuhe nicht finden konnte. Oder von einem Aufnahmeteam, das mitten im Konzert sein Equipment abbaute, weil die auftraggebende Solistin ihren Part zu Ende gespielt hatte. Über die Jahre entstanden viele Erinnerungen, eine Art Schatztruhe aus diesen nun vergangenen Zeiten, die dankbar stimmen trotz der Wehmut. Orchestermitglieder werden eine neue musikalische Heimat finden
Dankbar sind wir auch für die Abschiedskonzerte mit dem jungen Geiger Alexander Sahatci. Er spielte so unglaublich, dass es wie ein Traum war, dies mitzuerleben. Noch ist kaum fassbar, dass dies wirklich unsere letzten Konzerte waren, bei denen wir zusammen musizierten und tolle Solisten und Solistinnen begleiten durften. Berührend waren die Reaktionen aus dem Vorstand des EOV und auch von anderen Orchestern, die uns ihre offenen Türen angeboten haben. So wird jeder von uns wieder eine neue musikalische Heimat unter einer anderen Leitung finden und seiner grossen Leidenschaft, der Kammermusik oder der Musik überhaupt, weiter nachgehen können.
Das folgende Zitat von Victor Hugo soll diesen Bericht schliessen, so wie es auch den letzten Jahresbericht der Präsidentin und das letzte Konzertprogramm abgeschlossen hat: «Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.»