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Napoleons Karten der Schweiz – Kartografie vor Dufour
Vorschau auf Vortrag vom 16. September 2015
Karten bildeten ein wichtiges Instrument der Machtpolitik Napoleon Bonapartes: Wie kaum ein zweiter Herrscher war sich der Kaiser der Franzosen der Bedeutung dieses Mediums für die Planung seiner militärischen Operationen bewusst. Ab der Mitte der 1760er-Jahre kartierten die Franzosen in drei Etappen in zunehmendem Masse auch die westlichen Teile der Schweiz. Nach anderthalbjährigen Vorverhandlungen mit den Behörden der Helvetischen Republik wurde im März 1803 in Bern unter Oberst Maurice Henry gar das Bureau topographique français en Helvétie errichtet, welches bis 1813 immerhin 5800 km2 bzw. 14 % der Fläche der heutigen Schweiz in 1:50 000 aufnahm. Die dabei entstandenen Manuskriptkarten waren bis vor kurzem nicht erforscht, ebenso wenig die politischen Zusammenhänge, die zur französischen Landesvermessung der Schweiz geführt hatten. Die in dieser für die Vermessungs- und Kartografiegeschichte bedeutsamen Phase erzielten Leistungen wurden hierzulande völlig falsch eingeschätzt, obwohl sie eine wichtige Voraussetzung für das erste amtliche Kartenwerk der Schweiz bildeten. Dufour «helvetisierte» das in Frankreich erworbene kartografische Fachwissen und realisierte mit seinen Mitarbeitern zwischen 1832 und 1865 die «Topographische Karte der Schweiz 1:100 000», welche den Weltruf der schweizerischen Kartografie begründete.
Der Referent: Martin Rickenbacher, geboren 1954, ist in Sissach aufgewachsen, hat 1979 das Diplom als Kulturingenieur an der ETH Zürich und 1980 das eidgenössische Patent als Ingenieur-Geometer erworben. Anschliessend war er bis 1988 auf dem Kantonalen Vermessungsamt Aargau für die Nachführung der Triangulation 4. Ordnung zuständig. Seit 1989 ist Martin Rickenbacher wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesamts für Landestopografie swisstopo im Bereich Topografie, wo er heute u.a. für die Förderung der Anwendung der historischen Bestände zuständig ist und Spezialfragen auf historischem Gebiet bearbeitet. Er hat zahlreiche Publikationen zur Kartengeschichte der Schweiz verfasst, leitet die Arbeitsgruppe für Kartengeschichte der schweizerischen Gesellschaft für Kartografie und ist nationaler Repräsentant der Fachzeitschrift Imago Mundi. 2009 wurde er zum Thema, das er uns vorstellen wird, von der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel promoviert. 2011 ist sein Buch «Napoleons Karten der Schweiz. Landesvermessung als Machtfaktor 1798–1813» im Druck erschienen. Es wurde 2012 vom Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund mit dem Eratosthenes-Preis 2011 ausgezeichnet und steht im Zentrum des nachfolgenden Referats.
Treffpunkt: Mittwoch, 16. September, 18.50 Uhr auf dem Bundesparkplatz hinter dem Restaurant Bellevue (Rossgagelpintli), Schwäbisstrasse 56, 3613 Steffisburg