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Das Zürcher Kunsthaus erhält mit den Bildern von Emil Bührle, die ab Herbst 2021 im Kunsthaus Zürich ausgestellt sein werden, eine Sammlung von Weltrang. Bedeutende Werke von Monet, Renoir und Cézanne sind darunter.
Doch wegen der Waffengeschäfte des Fabrikanten Bührle hängt ein Schatten über der Sammlung. Stadt und Kanton Zürich beschlossen, einen Forschungsbericht in Auftrag zu geben, der prüfen sollte, inwieweit Bührle seine Sammlung mit Geldern aus Nazi-Geschäften finanziert hat.
Wissenschaftliche Unabhängigkeit angezweifelt
Doch die Sache wurde kompliziert: Das Forscherteam um Matthieu Leimgruber, Geschichtsprofessor an der Universität Zürich, das den Bericht über Emil Bührle verfasste, wurde von einer Begleitgruppe betreut – was nicht gerade dem wissenschaftlichen Leitprinzip der Unabhängigkeit entspricht.
In dieser Gruppe sassen Vertreter der Stadt Zürich, der Stiftung Bührle und des Zürcher Kunsthauses, die den Forschenden wiederholt Änderungswünsche mitteilten. Konkret ging es etwa darum, wie sehr Bührle antisemitische Ansichten vertrat und wie nahe er den Deutschnationalen stand.
Zwei Gutachten brachten Klarheit
Wegen diverser Meinungsverschiedenheiten trat einer der Historiker aus Leimgrubers Forschungsteam aus. Nach diesem Eklat gab die Universität Zürich zwei externe Gutachten in Auftrag.
Eines Verfasste der emeritierte Geschichtsprofessor Jakob Tanner, der diese Einflussnahme für problematisch hält: «Es gibt in solchen Fällen ein Reputationsproblem, weil sich herumspricht, dass interveniert wurde. Die beiden Gutachten haben aber dafür gesorgt, dass man sich jetzt wirklich auf den Bericht in der vorliegenden Fassung verlassen kann.»
Zwangsarbeit und Waffengeschäfte
Nun zeigt der 200-seitige Bericht: Bührle profitierte von Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs. Ausserdem wird auch deutlich, wie eng verflochten Emil Bührle und das Kunsthaus sind. So hatte der Industrielle beispielsweise den ersten Erweiterungsbau in den 1950er-Jahren finanziert.
Auch die enge Verflechtung der Waffengeschäfte von Emil Bührle mit seiner Tätigkeit als Kunstsammler zeigt sich. Studienautor Matthieu Leimgruber: «Die Kunstsammlung dient als eine Art Umwandlung von Bührles Vermögen, das direkt aus den Kriegsgeschäften der 1940er-Jahre in kulturelles und auch soziales Kapital geflossen ist.»
Dank der Kunst im Kreise der High Society
Soziales und kulturelles Kapital anzuhäufen, das gelang Emil Bührle in den Nachkriegsjahren sehr gut, wie der Bericht zeigt. Bührle, erst als deutscher Neureicher gering geschätzt, fand Aufnahme in den Kreis der Zürcher High Society und wurde zur wichtigen Figur in der Stadt.
Er schaffte dies, weil er die Kunst grosszügig unterstützte und eine wichtige Kunstsammlung aufbaute. Finanziert durch seine Waffengeschäfte. Mit der Sammlung Bührle erhält das Zürcher Kunsthaus also Werke von Weltrang. Werke mit einer schwierigen Geschichte.
Deshalb soll der historische Kontext der Sammlung im Museum erklärt werden, wie die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch heute sagte: «Die Museumsbesucher sollen spüren, dass Zürich verantwortungsvoll mit der Sammlung umgeht.»