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– Policy Brief
COVID-19 und soziale Stratifizierung in der Schweiz
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Ausgangslage
Seit Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie rechnete die Sozialwissenschaft damit, dass das Virus und die damit verbundenen Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit bereits bestehende sozialen Ungleichheiten weiter verschärfen würden.
Zusammenfassung
COVID-19 und die damit verbundenen Massnahmen wirken sich quer durch die Gesellschaft unterschiedlich aus. SARS-CoV-2 kann potenziell jede und jeden treffen, aber nicht alle Menschen verfügen über dieselben Ressourcen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen und um die vielfältigen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten zu bewältigen, die durch die Pandemie und die Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit verursacht werden. Der vorliegende Policy Brief beschreibt die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Massnahmen auf verschiedene soziale Gruppen in der Schweiz.
Die verfügbaren Daten zeigen, dass Personen am unteren Ende der sozialen Skala – nach Massstäben, die sich auf Einkommen, Bildung und berufliche Stellung beziehen – stärkere wirtschaftlichen Auswirkungen und einen grösseren Mangel an beruflicher Sicherheit erlitten. Sie waren dem Virus auch stärker ausgesetzt und, nach eigenen Angaben, in ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit sowie im Zugang zur Gesundheitsversorgung stärker beeinträchtigt Die Schweiz verzeichnet dieselben sozialen Ungleichheiten wie andere Länder und stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar.
Empfehlung 1: Die soziale Schichtung und die ungleiche Verteilung von Ressourcen müssen berücksichtigt werden, da sie die Fähigkeit der Menschen zur Eigenverantwortung beeinflussen.
Die Bedeutung struktureller Gesundheitsdeterminanten und die Tatsache, dass einige Gruppen besser als andere dafür gerüstet sind, Schwierigkeiten zu bewältigen, sollten nicht vergessen werden. Die Daten zur sozialen Schichtung deuten darauf hin, dass die Betonung der individuellen Verantwortung für den Schutz vor dem Virus und seinen Folgen nuanciert werden muss.
Empfehlung 2: Das Verbot der direkten und indirekten Diskriminierung verpflichtet die staatlichen Akteure, sich aktiv um Ausgleichsmassnahmen zu bemühen, um die Chancengleichheit zu gewährleisten.
Besonderes Augenmerk muss auf jene Personengruppen gelegt werden, die bereits vor COVID-19 als gefährdet galten (z. B. Kinder, Menschen mit Behinderungen, in Armut lebende Menschen usw.), und auf jene, die erst durch die Pandemie vulnerabel wurden. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, das Risiko der Mehrfachdiskriminierung zu berücksichtigen (z. B. Kinder mit Behinderungen, Frauen in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen, Menschen mit Gesundheitsproblemen, die sich illegal in der Schweiz aufhalten, usw.).
Empfehlung 3: Es ist wichtig, die unterschiedlichen Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen zu überwachen.
Die soziale Schichtung nach Bildung, Einkommen und beruflicher Stellung wird in den Analysen der Auswirkungen von COVID-19 kaum berücksichtigt, insbesondere was die epidemiologischen und medizinischen Daten betrifft. Für Personen mit Migrationserfahrung oder -hintergrund, gibt es nach wie vor kaum Daten, obwohl sich in anderen Ländern gerade dies als wichtiger Faktor für die gesundheitliche und sozioökonomische Verwundbarkeit erwiesen hat.