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Einführung
Seit den späten 80er Jahre befindet sich die Elektrizitätswirtschaft weltweit in einem radikalen Wandlungsprozess. Fast alle Länder des OECD-Raumes haben eine Liberalisierung des Elektrizitätsmarktes eingeleitet.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren nahezu alle Unternehmen der elektrischen
Energieversorgung sowohl für die Produktion und/oder Einkauf als auch
für die Übertragung und/oder Verteilung der elektrischen Energie
(vertikale Integration) auf nationaler oder regionaler Ebene verantwortlich
und monopolisierten somit Absatz und Handel.
Neben unbestrittenen organisatorischen Vorteilen weist das vertikal integrierte Energieversorgungsunternehmen wie alle Monopole wesentliche Nachteile auf, nämlich den fehlenden Konkurrenzdruck bei Investitionsentscheiden, der zu Fehlinvestitionen führen kann, und die Ineffizienz der Verwaltung als Folge der Tatsache, dass alle Kosten problemlos dem Konsumenten über höhere Tarife aufgebürdet werden können. Aus marktwirtschaftlicher Sicht ist nur das Netz (Elektrizitätsübertragung und -verteilung) als sogenanntes natürliches Monopol zu rechtfertigen, da die Erstellung paralleler Netze unwirtschaftlich wäre, nicht aber ein Monopol der Produktion und des Handels mit Elektrizität. (In der Ökonomie spricht man von einem natürlichen Monopol, wenn ein einziges Unternehmen die Marktnachfrage zu tieferen Kosten befriedigen kann, als es zwei oder mehrere Unternehmen könnten).
In den 90er Jahren setzte sich eine mit Wettbewerb verbundene Restrukturierung des Elektrizitätssektors weltweit durch. Pionierländer waren neben Chile, das bereits 1978 eine Liberalisierung einleitete, Grossbritannien, Norwegen, Australien, Neuseeland und einige USA-Staaten. Breiten Eingang fand der Wettbewerb in Südamerika (dem Beispiel Chile folgten Argentinien, Bolivien, Peru und Kolumbien) sowie in Skandinavien (Schweden und Finnland). In der EU wurde 1996 eine stufenweise Liberalisierung beschlossen und ab 1999 begonnen sie umzusetzen, wobei in der Wahl des Modells Freiheiten zugestanden wurden. In anderen Ländern, darunter die Schweiz, stehen Liberalisierungsmodelle gegenwärtig noch zur Diskussion (s. dazu Abschn. 3.7).
Durch den Wettbewerb hoffte man, globale wirtschaftliche Vorteile und Effizienzgewinne(und damit Preisreduktionen) zu erzielen. Bis jetzt sind diese allerdingsnur selten erreicht worden oder dem Kleinverbraucher nicht zu Gute gekommen. Im Gegenteil, die Preise sind meistens gestiegen, vor allem, wenn die Liberalisierung von einer Privatisierung begleitet wurde (s. auch Abschn. 3.7 und 3.8). Liberalisierung führt nicht grundsätzlich zu niedrigen, sondern, in einem funktionierenden Markt, zu wettbewerbsfähigen Preisen. Dazu ist auch zu erwähnen, dass die Umweltprobleme allgemein zu einer Verteuerung der Energie führen müssen.