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Familie, Freunde und die Kompanie von Maurice Béjart haben dem französisch-schweizerischen Choreografen am Montag Nachmittag in Lausanne die letzte Ehre erwiesen.
An der emotionalen Feier nahmen auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Kultur teil.
Mehr als 400 Personen fanden sich im Saal Métropole ein, darunter Ballett-Direktoren, Intendanten und frühere Tänzer, viele von ihnen aus dem Ausland. Auch der Botschafter Frankreichs in der Schweiz, Jean-Didier Roisin, und der belgische Senatspräsident Armand De Decker reisten an.
Der Präsident des internationalen olympischen Komitees Jacques Rogge gehörte ebenso zur Trauergemeinde wie der Direktor des Bundesamts für Kultur, Jean-Frédéric Jauslin, und Santo Versace, der Bruder des ermordeten Modeschöpfers Gianni Versace.
Freund und Botschafter der Schweizer
Maurice Béjart war in der Nacht auf vergangenen Donnerstag im Lausanner Universitätsspital gestorben. Der gebürtige Franzose, der seit Anfang dieses Jahres die Schweizer Bürgerschaft besass, wurde 80 Jahre alt.
"Die Schweizer verlieren einen Freund und einen Botschafter", sagte der Lausanner Stadtpräsident Daniel Brélaz. Er unterstrich die Verbundenheit von Bejart zu Lausanne. In den vergangenen Tagen hatten sich denn auch Tausende im Métropole von dem Choreografen verabschiedet.
Brelaz erinnerte aber auch an die Bescheidenheit des Künstlers, der in Bistros in der Stadt anzutreffen war. Danach wurde der Saal verdunkelt und der schwarze Bühnenvorhang hob sich, um Béjarts Sarg im Scheinwerferlicht zu enthüllen.
Küchenstuhl und Buddha-Statue
Der mit Béjart befreundete belgische Schriftsteller François Weyergans erläuterte den Sinn der Zeremonie: "Seine einzige Religion war das Theater, und es ermöglichte ihm, zum Heiligen vorzudringen". Eins ums andere wurden darauf um den Sarg herum stehende Objekte beleuchtet, die von symbolischer Bedeutung für Béjarts Lebensweg waren.
Darunter waren eine Kopie des Sessels, in dem Molière starb, ein Küchenstuhl, ein Clownkostüm und eine Buddha-Statue, die seinem Vater gehört hatte.
Marlene Dietrich
Béjart habe in seinen letzten Tagen an einem Projekt über Marlene Dietrich und Anton Tschechow gearbeitet, erzählte Weyergans. Ein Lied von Marlene sei die letzte Musik gewesen, die er gehört habe.
Auf einer Leinwand wurde darauf ein Ausschnitt aus einem Konzert der Dietrich aus dem Jahr 1972 gezeigt, in dem sie "I Get A Kick Out Of You" sang. "Casta Diva", gesungen von Maria Callas und die "Barcarole" aus "Hoffmann's Erzählungen" waren weitere musikalischen Einlagen.
Blumen von Königin und Kaiserin
Später legte jeder Tänzer von Béjarts Truppe eine Rose vor die Bühne, wo bereits zahlreiche Arrangements und Kränze standen. Einen davon hatte die britische Königin Elisabeth II geschickt, einen anderen die belgische Regierung. Die frühere persische Kaiserin Farah Pahlavi hatte ein üppiges Gesteck aus roten Rosen geschickt.
Am Ende der einstündigen Trauerfeier applaudierte das Publikum wie im Theater. Der Dahingeschiedene erhielt zwei "Vorhänge" - weit weniger natürlich als jeweils bei seinen Vorstellungen zu Lebzeiten.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Am 20. Dezember tanzt die Kompanie von Maurice Béjart in Lausanne die Uraufführung seiner letzten Choreografie "In 80 Minuten um die Welt".Infobox Ende
MAURICE BÉJART
Der am 1. Januar 1927 geborene Maurice Béjart war der Sohn des Philosophen Gaston Berger. Schon früh findet er Erfüllung im Tanz, "wie in einem Kloster".
Maurice Béjart bildet sich erst in seiner Geburtsstadt aus, dann in Paris und London. Zudem schliesst er ein Studium in Philosophie ab.
1945 feiert er in Marseille sein Debut. 1954 formiert er seine erste Truppe in Paris.
Sechs Jahre später, in Brüssel wird diese zum "Ballett des XX. Jahrhunderts" und dann, 1987, zum "Béjart Ballet Lausanne", als sich der Choreograph in der Hauptstadt der Waadt einrichtet.
Maurice Béjart hat auch Theaterstücke und Opern inszeniert. Zudem hat er Filme gedreht und mehrere Bücher veröffentlicht.