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Pflanzenwelt im See
Die verschiedenen Arten von Lebensräumen (siehe Artikel: Der See – ein vielschichtiger Lebensraum) beheimaten unterschiedliche Pflanzenarten. Die Uferzone, das sogenannte Litoral, beinhaltet wiederum fünf verschiedene Bodenzonen. Ein weiterer Lebensraum bildet die Freiwasserzone.
Bruchwaldzone: Die Bruchwaldzone bezeichnet den Bereich bis zur Wasserlinie. Der Boden ist sehr feucht bis moorig. Je nach Jahreszeit wird der Uferbereich überflutet. Bäume wie Erlen oder Weiden wachsen hier bevorzugt. Pflanzen in dieser Uferzone müssen über ein verzweigtes Wurzelwerk verfügen, um gegen Ausschwemmung geschützt zu sein.
Röhrichtzone: Typisch für Pflanzen in der Röhrichtzone ist der hohe Wuchs, um variierende Wasserstände auszugleichen. Die Sprossachse (“der Stängel“) ist beweglich und elastisch in Reaktion auf Wind und Wellen. Die Pflanzen verfügen meist über eine Wachsschicht als Verdunstungsschutz (beispielweise die Wasser-Schwertlilie oder die Sumpf-Dotterblume). In dieser Zone findet man vor allem Schilf, Rohrkolben, aber auch die oben genannten Schwertlilien.
Schwimmblattzone: Wie der Name bereits verrät, findet man in dieser Zone oft einen dichten Bestand an weissen Seerosen, gelben Teichrosen, schwimmendem Laichkraut oder Wasser-Knöteriche. Das Wasser ist zwar bereits tiefer (3 bis 4 Meter tief), die Pflanzen können sich aber immer noch im schlammigen Boden verwurzeln.
Tauchblattzone/Laichkrautzone: Hier leben die Pflanzen vollständig unter Wasser. Die Pflanzen bilden meist viele kleine und schmale Blätter aus, um damit das spärliche Licht maximal aufnehmen zu können. In der Tauchblattzone wachsen in Tiefen von 3 bis 7 Meter beispielsweise das Krause Laichkraut, das Tausendblatt, die Wasserpest oder der Wasser-Hahnenfuss. Sie bilden die Nahrungsgrundlage für einen Grossteil der Ufertiere.
Tiefenalgenzone: Die Tiefenalgenzone ist auch die sogenannte Armleuchterzone. Sie beginnt in einer Tiefe von ca. 6-16 Metern. In diesem Bereich wachsen in sauberen Gewässern nur noch die Armleuchteralgen, sie brauchen geringe Lichtmengen. Tieferliegende Schichten beherbergen keine Pflanzen mehr.
Freiwasserzone: In freien Gewässern ist vor allem das pflanzliche Plankton besonders zentral. Als Produzent erzeugt es organische Stoffe und Sauerstoff.
Die Makrophyten (sichtbaren Wasserpflanzen) geben somit relativ rasch Aufschluss über die vorherrschenden Nährstoff- und Lichtsituation eines Gewässers. Je nach Steilheit des Ufers fallen die Zonierungen unterschiedlich aus.
Vegetation des Vierwaldstättersees
Ein vierjähriges Projekt (2007-2011) der Aufsichtskommission Vierwaldstättersee (AKV) hat die Vegetation im Vierwaldstättersee genauer untersucht. Die vormals letzten Angaben zu den Wasserpflanzen im See stammen aus dem Jahr 1982, am Ende der Eutrophierungsphase. Seither hat sich der Nährstoffgehalt massiv verändert, und es ist eine andere Unterwasserwelt entstanden. Aktuell verzeichnet der Vierwaldstättersee 35 verschiedene Pflanzenarten, zehn davon sind Arten der Armleuchteralge. Die durchschnittliche Vegetationsgrenze liegt bei 10.4m, das Maximum liegt bei 18m. Der Vierwaldstättersee verfügt aber über verschiedene Seebecken, welche sich stark unterscheiden. Die sieben Teilbecken variieren in Uferbereich, Lichtbedingungen, Wellenbewegung oder Windverhältnissen. Diese Faktoren haben starken Einfluss auf die vorhandene Vegetation. So ist beispielsweise das Urner Seebecken durch häufige Trübungen, starke Winde und Wellenbewegung am wenigsten stark bewachsen (26-50%).
Im Vergleich zum Bericht von 1982 hat sich vor allem der Anteil der verschiedenen Pflanzenarten stark verändert. Während die Armleuchteralgen in den 80er-Jahren mit 8% kaum vertreten waren, sind es heute 74%. Dies ist zurückzuführen auf die zunehmende Klärung der Abwässer und anderen Massnahmen zur Phosphatreduktion. Durch die verringerte Algenproduktion, hat sich die Lichteindringtiefe massiv erhöht. Dies führte dazu, dass Pflanzen wie die Armleuchteralge in starkem Masse zulegen konnten. Die vergrösserte Bewuchsfläche ermöglicht Raum für laichende Fischarten und Jungfische. Gemäss dem Bericht der Aufsichtskommission des Vierwaldstättersees herrscht heute eine ähnlich nährstoffarme Zusammensetzung wie 1935 vor, als die vom Menschen gemachten (anthropogenen) Einflüsse in den Gewässern noch wenig ausgeprägt waren. Einzig das Alpnacher Seebecken verzeichnet noch eine erhöhte Phosphorkonzentration, welche das Wachstum der Armleuchteralge behindert.
Während sich die Situation im Wasser weitgehend erholen konnte, ist die Situation an der Uferlinie (Bereich mit schwankendem Wasserstand) kritisch. 80% der Uferregionen des Vierwaldstättersees sind verbaut. So fehlen wertvolle Lebensräume. Auf diese Schwierigkeit sowie auf weitere Nutzungskonflikte wird im letzten Artikel dieser Artikelserie näher eingegangen.
Im folgenden Artikel der Artikelserie wird näher auf die tierischen Bewohner des Seebeckens eingegangen.
Begriffe in Kürze
Litoral: Das Litoral bezeichne den mit Pflanzen bewachsenen Uferbereich. Die durchlichtete Bodenzone gehört zum Litoral, die Tiefenregion bereits zum Profundal. Gemeinsam bilden Litoral und Profundal die Bodenzone (Benthal).
Makrophyten: Dies bezeichnet eine Pflanze, welche von blossem Auge sichtbar ist. Sie bilden einen Indikator für chemische und physikalische Umweltbedingungen.
Mikrophyten: Pflanzen, welche nicht ohne optische Hilfsmittel wahrgenommen werden können, werden als Mikrophyten bezeichnet.
- Die weisse Seerose ist in ruhigen Bereichen des Litorals ebenfalls zu finden. Quelle: bernswaelz, Pixabay.com
- In der Tauchblattzone findet sich unter anderen das Tausendblatt. Quelle: André Karwath, Wikipedia.org
- Die Wasser-Schwertlilie und die gelbe Teichrose Quelle: anpe, Pixabay.com
https://www.umweltnetz-schweiz.ch/themen/naturschutz/item/2228-wenn-der-see-sich-lichtet-%E2%80%93-ein-algenschein.html#sigProId7868e3490d