Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03642.jsonl.gz/2968

Vor Kurzem habe ich gelesen, dass eine Gruppe von Kapuzineraffen auf der Insel Jicarón vor der Küste Panamas in die Steinzeit eingetreten sei. Sie haben sich Werkstätten eingerichtet, wo «Hammer» und «Amboss» – für ihre Zwecke geformte und geeignete Steine – bereitliegen, um die harten Schalen von Nüssen und Meeresfrüchten aufzuknacken. Ebenfalls über die Tagespresse verbreitet wurde die Erkenntnis des Evolutionsbiologen Menno Schilthuizen, dass sich vermutlich in nur wenigen Jahrzehnten im unterirdischen Tunnelsystem der Londoner «Tube» verschiedene Unterarten der Culex pipiens – die Gemeine Stechmücke – entwickelt haben, die der unterirdischen Lebensweise perfekt angepasst sind und sich von ihren oberirdischen Artgenossinnen deutlich unterscheiden: Zum Beispiel dadurch, dass sie sich an Menschenblut laben statt am Blut von Vögeln, der Mücken-Leibspeise an der Erdoberfläche. Das hat der neuen Unterart den Beinamen «molestus», also «lästig» eingetragen.
Sie mag lästig erscheinen, aber die Culex pipiens molestus hat uns Menschen eines voraus: Sie scheint zu wissen, dass Evolution nicht funktioniert, wenn man sich die Erde untertan macht, sondern dass Fortschritt durch Anpassung stattfindet. Hoffentlich lernen wir das noch, bevor uns Affen und Mücken überholen.
John Micelli