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Mit Amunnacht, einem ägyptischen Schreiber der königlichen Grabbauverwaltung, der um 1150 v. Chr. lebte, ist eine der wenigen Personen des Alten Ägypten greifbar, die eine genügend grosse Menge an unterschiedlichen Texten hinterlassen hat, um von ihr ein Personenprofil zu erstellen sowie eine biographische Annäherung vorzunehmen.
Basis hierfür ist eine grosse Anzahl signierter Texte verschiedenster Gattungen: Graffiti, private Texte (Briefe, Streikpapyrus), administrative Texte (Gerichtsprotokolle, Journaleinträge etc.), literarische Texte (Hymnen an Könige und Götter, Weisheitstext, magischer Text etc.) sowie Stelen. Durch die Praxis, literarische und hymnische Texte zu signieren, tritt Amunnacht als einer von wenigen aus der anonymen Masse von Schreibern heraus, wird er zu einem individualisierbaren Intellektuellen.
Biografien zu Personen aus dem Alten Ägypten fussten bisher vor allem auf Autobiografien (Dekorumstexten), die in Gräbern oder auf Stelen aus Grabkontexten angebracht worden waren. Da von Amunnacht keine Autobiografie erhalten ist, wird eine «dekorumsfreie» Auseinandersetzung mit seiner Person möglich. Eine biografische Annäherung an eine Person des Alten Ägyptens mit einer so breiten Materialbasis, die Graffiti, religiöse, literarische, private und administrative Texte umfasst, wurde bisher noch nicht vorgenommen, da gattungsübergreifende Textauswertungen insgesamt selten sind.
Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt auf der Erfassung der Person Amunnacht in ihrem Lebensalltag (Mikrogeschichte) und nicht auf einer Analyse des Zeitgeistes (Makrogeschichte). In einer Ereignisgeschichte werden Amunnachts Texte mit anderen verwoben und dabei seine Rolle im sozialen Gefüge herausgearbeitet. Dadurch wird ein bisher noch nicht bestehender Beitrag zur Mikrogeschichte Deir el-Medines, der am besten dokumentierten Stadt des ausgehenden 2. Jts. v. Chr., generiert.
Die Validierung der anhand paläografischer Kriterien Amunnacht zugewiesenen Texte wird durch eine Duktusanalyse erreicht, eine Methode, die gänzlich neu ist. Bisher wurden paläografische Ergebnisse keiner weiteren Prüfung unterzogen, weshalb sie oft nur als weiche Argumente verwendet werden konnten.