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Der kleine Ort Vid an der süddalmatinischen Küste entwickelte sich aus den Siedlungsresten der antiken Stadt Narona. Narona war von griechischen Kolonisten im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet worden und diente zunächst als Warenumschlagplatz für den Handel mit den Illyrern, wie die griechischen Schriftsteller Pseudo-Scylax und Theopompus berichten. Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. nutzten die Römer die strategisch günstige Lage des Ortes als militärischen Stützpunkt für ihre Eroberungszüge in den Gebieten längs der Adria-Küste. Die Römer richteten in Narona auch ihr militärisches Hauptquartier ein, ausserdem liessen sich in dem Ort viele römische Veteranen nieder, was zum Aufschwung der Stadt beitrug. Unter Kaiser Augustus erhielt Narona den Status einer Kolonie und wurde grosszügig ausgebaut: ein Forum, ein Tempel für den Kaiserkult und Thermen wurden errichtet. Das bedeutendste Monument war das Augusteum, ein Tempel auf dem Forum für den Kult für Kaiser Augustus und seine Familie. Die Stadt erlebte eine grosse Blütezeit.Nachdem die christliche Religion durch den Erlass von Kaiser Konstantin I. im Römischen Reich nicht mehr verboten war, war auch in Narona bald eine christliche Gemeinde mit einem Bischofssitz entstanden. Als Zeichen dafür, dass die heidnischen Kulte fortan nicht mehr praktiziert werden sollten, wurden im Augusteum die Statuen der Kaiserfamilie von den Sockeln gestossen und ihre Köpfe abgeschlagen. Über den Trümmern des einstigen Tempels legten die gotischen Stämmen, die im Zuge der Völkerwanderung ins Land einfielen, ihre Friedhöfe an, und das römische Erbe geriet in Vergessenheit. Bis etwa ins 7. Jahrhundert war Narona bewohnt, danach wurde die Stadt aufgegeben.
Zwar wurden bereits im 19. Jahrhundert archäologische Grabungen im Umfeld von Narona durchgeführt, wobei Münzen, Amphoren und Inschriften zu Tage gefördert wurden, aber die bedeutendste Entdeckung wurde erst bei Ausgrabungen in den Jahren 19696/97 gemacht: der Tempel für die Verehrung von Kaiser Augustus und seiner Familie wurde frei gelegt. 16 Statuen wurden in situ gefunden, ebenso zahlreiche Köpfe, die teilweise ihren ehemaligen „Besitzern“ wieder zugeordnet werden konnten. Dieser Fund war einzigartig – der einzige geschlossene Komplex eines Kaisertempels. Die Köpfe waren individuell gestaltet und trugen die Gesichtszüge verschiedener Personen, die Körper der Statuen hingegen waren als „Massenware“ in einer Bildhauerwerkstatt gefertigt worden – eine in der römischen Kunst übliche Praxis: das Porträt einer Person wurde individuell gestaltet und auf den Körper einer Statue montiert – Kopf und Körper von Statuen wurden nach Bedarf zusammengesetzt beziehungsweise waren austauschbar.
Über den freigelegten Mauern des Tempels wurde das Archäologische Museum Vid errichtet, wo ausser den Statuen noch zahlreiche weitere Funde aus der Region ausgestellt sind. Schautafeln in modernster digitaler Technik vermitteln dem Besucher Wissenswertes über die Exponate.