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1.) Ökologischer Aspekt
2.) Ökonomischer Aspekt
3.) Soziale Komponente
Um zu gewährleisten, dass ein Produkt – in diesem Falle ein Möbelstück – besonders nachhaltig ist, ist es zunächst elementar, dass es sich dabei um einen nachwachsenden Rohstoff handelt. Hier ist vor allem die CO2-Bilanz ein wesentlicher Faktor: Baumwolle, Wolle und allen voran Holz sind hier grundlegende Materialien. Für die Möbelproduktion ist vor allem Holz relevant, daher soll an dieser Stelle die Forstwirtschaft zunächst näher beleuchtet werden. [1]
Massivholz hat den grossen Vorteil, dass es sehr langlebig und robust ist, wodurch regelmässige Neuanschaffungen entfallen, zusätzlich zu den optischen und haptischen Eigenschaften, die Massivholzmöbel zu einem beliebten Gut machen. [2]
Nachhaltigkeit in der ForstwirtschaftDie Problematik beim Holzanbau liegt im grossen Platzbedarf: Die Wälder beanspruchen eine grosse Bodenfläche. Ausserdem müssen diese Wälder bewirtschaftet werden. Hier sollen strenge Auflagen sicherstellen, dass ein schonender Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen eingehalten wird. Zum einen wird in der Schweiz vom Bundesamt für Umwelt sichergestellt, dass „eine konsequente, aber nachhaltige Holznutzung aus einheimischen Wäldern und eine ressourceneffiziente Verwertung des Rohstoffs“ erfolgt. [3]
Zum anderen gibt es internationale Siegel, die eine nachhaltige Forstwirtschaft (und auch Möbelproduktion) sicherstellen sollen. Das FSC-Siegel ("Forest Stewardship Council") sowie das PEFC-Label (“Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes”) sind die zwei grössten Siegel zur Wald- und Holzzertifizierung. Sie stellen ein Instrument der Information zwischen dem Angebot und Nachfrage bei Holz dar. In der Schweiz sind 56% der Schweizer Waldflächen FSC- oder PEFC-zertifiziert.
Holz, das nicht in schweizerischen Wäldern oder angrenzenden Staaten angebaut wurde, stammt in der Regel aus nördlichen Wäldern oder den Tropen. Grossflächige Rodungen sind hier ein Standardverfahren, sodass die Biotope, die über Jahrzehnte gewachsen sind, vollständig zerstört werden. Um diese Lebensräume für Tiere sowie Pflanzen zu erneuern und zu ersetzen, fehlt die Zeit. [4]
Eine Bedrohung für die borealen Wälder stellen Billigmöbel dar. Die legale Abholzung der Nadelwälder in Nordeuropa, von Skandinavien bis nach Sibirien für günstige Möbelproduktionen alarmiert Umweltschützer. Die Organisation Greenpeace fordert, die massiven Kahlschläge einzudämmen, andernfalls werde es in zehn Jahren zu massiven Umweltproblemen an dieser Stelle kommen. [5]
Nachhaltigkeit in der Holzverarbeitung und MöbelproduktionTrägt ein Möbelstück ein Gütesiegel für Nachhaltigkeit, so dürfen bei der Möbelproduktion keine umwelt- oder gesundheitsschädlichen Bindemittel verarbeitet werden. Handelt es sich hingegen um Produkte, die nicht nachhaltig produziert wurden, sind in der Regel Schadstoffe in den verarbeiteten Werkstoffen enthalten. Das können Kleber, Mittel zur Beschichtung oder Lacke sein. Besonders Weichmacher oder Lösemittel und sind umwelt- und auch gesundheitsschädlich. Dies ist gerade bei minderwertig verleimten Produkten aus Sperrholz der Fall.
Die schädlichen Stoffe enthalten flüchtige organische Verbindungen, beispielsweise Aldehyde oder Terpene. Sie sind oftmals schon von Natur aus im Holz enthalten und können Reizungen verursachen, insbesondere bei Belastung über mehrere Jahre. Allergien und im schlimmsten Falle sogar Krebserkrankungen können die Folgen sein, wenn die Schleimhäute darauf empfindlich reagieren. An dieser Stelle muss erwähnt werden, eine 100-prozentige Schadstofffreiheit bei Holz nie garantiert werden kann, da diese Stoffe natürlich in den Rohstoff vorkommen. [6]
Nachhaltigkeit aus sozialer PerspektiveBetrachtet man das Thema Nachhaltigkeit aus einem sozialen Blickwinkel, ist Fair Trade ebenfalls von Bedeutung. Beide Gütesiegel, FSC sowie PECF, garantieren nach eigenen Angaben faire und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Möbeln. Das internationale Arbeitsgerecht soll eingehalten werden und auch Betriebe von geringer Grösse erhalten dennoch einen gerechten Preis für die hergestellten Produkte. [7]
Die Gefahr in der Möbelproduktion geht vor allem von billigen Discount-Möbeln ohne jegliche Zertifizierungen aus. Hier werden Arbeiter zu Niedriglöhnen angestellt und Lohndumping betrieben, besonders in Osteuropa. Dieser Preisdruck bei den Möbeln geht nicht auf Kosten der Umwelt, sondern auch zu Lasten der Arbeiter in der Produktion. In der Holzbranche sind – wie in anderen Branchen auch - die Handelswege und beteiligten Firmen oftmals nur schwer nachvollziehbar, eine engmaschige Kontrolle der Arbeitsbedingungen ist schwierig. Die billigen Möbel werden im Ausland produziert, meist Osteuropa oder Asien. [8]
China als zweitgrösster Möbelproduzent der Welt zahlt den Arbeitern sehr geringe Löhne und Arbeitsschutz ist selten vorhanden in den Fabriken. Auch dies macht neben den geringen Materialkosten in den asiatischen Ländern wie Bangladesch, China, Indonesien oder Vietnam die Möbelproduktion so preiswert. Ebenfalls betroffen sind osteuropäische Länder wie Rumänien, Polen oder Tschechien.
Bezüglich der sozialen Standards ist eine Zertifizierung von Möbeln bisher nicht möglich; die Siegel, welche über die Herstellungsprozesse und somit über Arbeitsbedingungen und Vermeidung von Kinderarbeit informieren, existieren bisher spärlich. Hier wird an den Konsumenten appelliert, kritisch zu bleiben und sich über den Hersteller zu informieren. Firmeninterne CSR-Vorgaben der Hersteller, verpflichteten diese, gewisse Sozialstandards einzuhalten. [9]
Gütesiegel in der Kritik: nur Selbstzertifizierungen, keine Kontrolle?Das FSC-Siegel und das PEFC-Siegel geraten oftmals in die Kritik: Die Vergabekriterien werden oftmals durch NGOs kritisiert, da z.B. das PEFC-Siegel dennoch die Ausbringung von Pestiziden in Wäldern erlaubt. Das PEFC-Gütesiegel lässt eine regionale Selbstzertifizierung der Forstwirte zu, das Gütesiegel wird also nicht von einer externen Instanz vergeben und es findet keine Überprüfung statt, ob die Betriebe die Kriterien in der Praxis einhalten. Anschliessend werden höchstens Stichproben durchgeführt, jedoch keine Kontrollen im Voraus. Dies ermöglicht den Forstbetrieben also einen relativ weiten Spielraum, wie sie die Standards interpretieren und umsetzen.
Ein Kritikpunkt beim FSC-Gütesiegel ist ebenfalls das Vergabeprinzip, denn hier werden die Zertifizierungs-Praktiken kritisiert; es heisst, das Siegel werde oft zu leichtfertig vergeben. Die Richtlinien besagen, dass 70 % des verwendeten Holzes für ein FSC-zertifiziertes Möbelstück aus nachhaltigen Betrieben stammen müssen, die restlichen 30 % können aus nicht-nachhaltiger Forstwirtschaft stammen.
Der Fokus liegt hier auf den Plantagen in schützenswerten Gebieten wie dem Regenwald oder in nördlichen Wäldern (Schweden oder Russland). Die NGOs kritisieren die Kahlschlagpraktiken, die dort umgesetzt werden. Die Kaufempfehlung geht zu Holzarten bzw. Möbeln aus Massivholz, welches nicht aus den Tropen stammt, sondern aus heimischen Wäldern, unabhängig von einer Zertifizierung. [10]