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Sie war die erste Nationalratspräsidentin und hat ein Leben lang für mehr soziale Gerechtigkeit gekämpft: die Schwyzerin Elisabeth Blunschy-Steiner. In einem soeben erschienenen Buch erinnert sich die heute 88-Jährige an ihre Lebenserfahrungen als Familienfrau und sozial engagierte Politikerin.
Das Buch beginnt mit einer Erinnerung aus dem Jahr 1924, als ihr Vater Hans Steiner zum Bundesrichter gewählt worden war. Sie hörte Böllerschüsse, die zu Ehren ihres Vaters abgefeuert wurden, der soeben mit einem Extrazug aus Bern zurückgekehrt war. Die Zweieinhalbjährige, die mit ihren Eltern das Haus der Grosseltern Steiner an der Kollegiumstrasse bewohnte, konnte damals noch nicht ahnen, dass sie mehr als fünfzig Jahre später auch mit einem Extrazug aus Bern nach Schwyz zurückkehren sollte als neu gewählte erste Frau Nationalratspräsidentin.
Jugendjahre im Welschland
Die Wahl als Bundesrichter erforderte von der Familie Steiner, Eltern und fünf Töchter, den Umzug ins Welschland. In Lausanne verbrachte Elisabeth Steiner ihre Kinder- und Jugendjahre. Als positiv vermerkt sie in ihrem Buch, dass sie so zweisprachig aufwuchs. Zu Hause sei Schwyzer Dialekt gesprochen worden. Ein deutsches Kinderfräulein gab Unterricht in der deutschen Schriftsprache. «In Schwyz wäre ich vermutlich freier aufgewachsen. Die Eltern fürchteten die angeblichen Gefahren der Stadt, in der zudem die Katholiken in der Minderheit waren. Wir waren auf Schritt und Tritt nicht nur gut behütet, sondern überbehütet. Es fehlte uns an sozialen Kontakten, die sich in einem Dorf von selbst ergeben hätten. Nicht umsonst galten wir als schüchtern und in der Öffentlichkeit etwas gehemmt », schreibt sie in ihrem Buch, in dem sie auch viel Persönliches preisgibt. So erinnert sie sich an die zwei Wochen Sommerferien, die sie jeweils in Schwyz verbrachte.
Engagiert für Frauenstimmrecht
Nach dem Jus-Studium in Fribourg heiratete sie den Einsiedler Alfred Blunschy, den christlich-sozial engagierten Studienkollegen und Politiker. Die beiden zogen nach Schwyz, gründeten dort ihre gemeinsame Anwaltskanzlei und eine Familie. «In all diesen Jahren konnte ich als Mitarbeiterin meines Mannes die Gemeinde- und Kantonspolitik hautnah miterleben, obwohl mir als Frau ohne Stimmrecht die aktive politische Arbeit verwehrt blieb», schreibt sie. Sie selbst engagierte sich 1959 und 1971 für die Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene.
Erste Schwyzer Nationalrätin
Im Oktober 1971 wurde sie als erste Schwyzer Nationalrätin gewählt, obwohl eine Mehrheit im Kanton Schwyz im selben Jahr noch gegen das Frauenstimmrecht gestimmt hatte. Ein Jahr später starb ihr Gatte an den Folgen eines Herzinfarkts. Auch diesen Schicksalsschlag beschreibt Elisabeth Blunschy in ihrem Buch mit einfühlsamen, persönlichen Worten.
Würde der Frau im Zentrum
In Bern – wo sie 1977 zur ersten Nationalratspräsidentin gewählt wurde – war Elisabeth Blunschy wesentlich beteiligt an der Umgestaltung des Familienrechts. Im Zentrum ihrer Arbeit stand die Würde der Frau als gleichberechtigter Partnerin in Gesellschaft, Beruf und Familie. 1982 wurde ihr das Ehrendoktorat der Theologischen Fakultät Luzern verliehen.
VieleErinnerungen
Die Lebenserinnerungen von Elisabeth Blunschy-Steiner lassen den Leser auf interessante Weise Anteil nehmen am unermüdlichen Einsatz einer Frau für mehr soziale Gerechtigkeit. 16 Jahre lang war die Schwyzerin im Nationalrat. Heute wohnt sie im Haus ihrer Vorfahren mütterlicherseits am Hauptplatz in Schwyz. «Ich liebe dieses alte Bürgerhaus, obwohl es zum Teil einem Museum gleicht», schreibt sie und ergänzt: «Ich will lernen, in Würde alt zu werden.Vor allem möchte ich mehr Geduld mit mir selbst haben. »
Buchvernissage am 7. Juli
Mit einer öffentlichen Präsentation am 7. Juli im Kantonsratssaal in Schwyz wird das neuste Buch in der Reihe «Innerschweiz auf dem Weg ins Heute» von der Albert-Koechlin- Stiftung (AKS) vorgestellt. Im Buch mit dem Titel «Ein Leben für mehr soziale Gerechtigkeit» lässt Elisabeth Blunschy-Steiner den Leser teilhaben an ihren persönlichen Lebenserinnerungen. Den ersten Teil des Buches schrieb die heute 88-jährige Schwyzer Juristin und Politikerin selbst. Den zweiten Teil brachte die Schriftstellerin Heidy Gasser aufgrund von ausführlichen Gesprächen mit B
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Literatur
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/MmfWqc