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Die 1980er-Jahre sind Schlüsseljahre. Im Verkehrsdepartement sucht man nach Lösungen zur Vereinfachung der Alpenquerung. Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) wird in der Folge zu einem der wichtigsten Dossiers von Departementsvorsteher Adolf Ogi. Im Rahmen dieses Projekts werden zwei der längsten Tunnel der Welt gebaut: der Lötschberg- und der Gotthard-Basistunnel. Die Bundesversammlung wählt die Freisinnige Elisabeth Kopp in den Bundesrat und macht damit den Weg für Frauen in die Regierung frei. Und die Informatik hält Einzug in den Alltag der Bevölkerung - und ihrer gewählten Vertreter.
Der Fotograf Walter Rutishauser (1940–2017) arbeitete zunächst für Keystone und andere Agenturen und dokumentierte später für den Tagesanzeiger das Geschehen in Bundesbern. Er war im Parlamentsgebäude heimisch und so gelang es ihm, die Ratsmitglieder hautnah in ihrem Arbeitsalltag abzulichten.
Der Mann hinter der Jahrhundertbaustelle
Bibliothek am Guisanplatz, Portraitsammlung Rutishauser / Adolf Ogi, 9.12.1987
Am 9. Dezember 1987 wird Adolf Ogi in den Bundesrat gewählt. Der Berner SVP-Mann gilt als Vater der Neat, mit welcher der Verkehr zum Schutz der Alpenregion von der Strasse auf die Schiene verlagert werden soll. Nach der Volksabstimmung von 1992 dauert es fast 30 Jahre bis zum Abschluss dieses Verkehrsprojekts der Superlative. Zu den bereits bestehenden Basistunnel am Lötschberg und Gotthard, die zu den vier längsten Tunnel der Welt gehören, kommt 2020 mit dem Ceneri-Tunnel ein dritter Tunnel hinzu.
Elisabeth Kopp: die erste Frau im Bundesrat
Bibliothek am Guisanplatz, Portraitsammlung Rutishauser / Elisabeth Kopp, 2.10.1984
Die Freisinnige Elisabeth Kopp ist 1984 die erste Frau im Bundesrat. Nachdem ihr vorgeworfen wird, das Amtsgeheimnis verletzt zu haben, um ihrem Mann einen Vorteil zu verschaffen, muss sie im Januar 1989 zurücktreten. Ihr Nachfolger wird Kaspar Villiger. Das Bundesgericht spricht sie ein Jahr später vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung frei.
Der erste Grüne in einem nationalen Parlament
Bibliothek am Guisanplatz, Portraitsammlung Rutishauser / Daniel Brélaz, 22.09.1988
Im Jahr 1979 wird Daniel Brélaz (links hinten, gestreifte Krawatte) als erster Grüner in den Nationalrat gewählt und ist somit weltweit der erste Grüne, der in ein nationales Parlament einzieht. Der Waadtländer, der 15 Jahre lang Bürgermeister von Lausanne war, wird später auch noch Abgeordneter im Grossen Rat des Kantons Waadt.
Die Anfänge der Informatik
Bibliothek am Guisanplatz, Sammlung / Collection Walter Rutishauser (1984)
In den 1980er-Jahren steckt die Informatik noch in den Kinderschuhen. Diese beiden Ratsmitglieder inspizieren das Informatik-Terminal vor ihnen mit eher suspekter Miene.
Die berühmte Fahne
Bibliothek am Guisanplatz, Portraitsammlung Rutishauser / Elisabeth Kopp, 1.1.1986
Bundesrätin Elisabeth Kopp studiert mit einem Kollegen die Fahne eines Gesetzesentwurfs. Eine Fahne ist eine Übersicht, in der von links nach rechts das geltende Recht, den Erlassentwurf, die Beschlüsse der Räte und die Anträge der vorberatenden Sachbereichskommission aufgeführt sind. Wie im Bild zu sehen ist, konnten sie ganz schön lang werden:
https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/curia-vista/fahnen-lesen
Drei bedeutende Frauen der Parlamentsgeschichte
Bibliothek am Guisanplatz, Sammlung / Collection Walter Rutishauser (Sommersession 1980)
Auf dem Bild sind drei bedeutende Frauen der Parlamentsgeschichte zu sehen: die Pionierin und Freiburger Freisinnige Liselotte Spreng (links), die Sozialdemokratin Hedi Lang (in der Mitte), die als zweite Frau den Nationalrat präsidiert (1982), und Elisabeth Blunschy (rechts) von der CVP, die dieses Amt vor ihr innehat (1977).
Als sich das Korrespondentenbüro noch unter der Bundeshauskuppel befindet
Bibliothek am Guisanplatz, Sammlung / Collection Walter Rutishauser (1979)
Bis zur Renovation des Parlamentsgebäudes im Jahr 2006 haben die Medienschaffenden ihre Büros unter der Bundeshauskuppel. Anschliessend ziehen rund 120 Journalistinnen und Journalisten ins neu geschaffene Medienzentrum des Bundeshauses um.
Walter Rutishauser fängt hier das geschäftige Tun ein. Einige typische Zeichen der damaligen Zeit: Aschenbecher, Schreibmaschine und nur eine Frau unter den sieben Medienschaffenden.
Der Fotograf
Bibliothek am Guisanplatz, Sammlung / Collection Walter Rutishauser (Fotograf unbekannt, Jahr : wahrscheinlich 1981)
Walter Rutishauser bei der Arbeit. Zu seiner Linken sitzt Hedi Land, die 1982 als zweite Frau den Nationalrat präsidiert. Das Foto wurde wahrscheinlich 1981 aufgenommen, da der Generalsekretär der Bundesversammlung Alois Pfister noch im Amt ist (links von Hedi Lang). Noch im selben Jahr gibt Alois Pfister seinen Posten auf, um Bundesrichter zu werden und Hedi Lang wird von der Vizepräsidentin zur Präsidentin des Nationalrats für das folgende Jahr gewählt.
Zur Sammlung Rutishauser
Die Sammlung Rutishauser umfasst 300 000 Negative und wird von der Bibliothek am Guisanplatz verwaltet. Über 6000 Portraits von politischen Persönlichkeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren wurden bereits digitalisiert. Sie sind online im Rechercheportal
Alexandria verfügbar und widerspiegeln zwei Jahrzehnte Schweizer Politikgeschichte.
Die Bibliothek am Guisanplatz zeigt aktuell eine Ausstellung zum Schaffen von Walter Rutishauser («Walter Rutishauser: Fotograf. Streiflichter auf die Sammlung», bis zum 24.2.2023). Mehrere Bilder dieser Sommerserie stammen aus dieser Sammlung.