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Emsy und Simba wurden gute Freunde. Ihr Schicksal hatte sie ein zweites Mal zusammengeführt. Simba besuchte den verletzten Emsy jeden Abend. Durch ihn konnte er sehr viel lernen. Er schaute seinem Freund sehr interessiert zu, wenn Tina ihn streichelte und lernte schnell, dass man die Hand nicht anfaucht, die das Futter hinstellt. Allmählich wurde Simba ruhiger. Er wusste, dass er keine Krallen zeigen durfte, wenn er um Milch bettelte. Bis jetzt durfte Tina nur an ihm vorbeigehen, wenn sie keine Schuhe trug, denn Schuhe flössten ihm Angst ein. Wenn er Schuhe sah, spürte er Schmerzen im Rücken, dort wo man ihn getreten hatte. Doch Tina bemühte sich, Ruhe zu bewahren und Simba langsam zu zähmen. Sie hatte Respekt vor seinen Krallen, zeigte aber keine Angst, wenn er wieder mal fauchte wie ein wildes Tier. Um ihm die letzte Angst zu nehmen, zog sie ab und zu Pantoffeln an. Er musste lernen, dass ihm hier nichts Böses widerfährt. In diesen Räumen wird kein Tier geschlagen, keine Katze misshandelt. Manchmal liess sie ihn zappeln, stellte ihm solange kein Futter hin bis er mit Knurren und Fauchen aufhörte und akzeptierte, dass sie mit Pantoffeln an ihm vorbei ging. Dennoch erwischte er sie ab und zu mit seinen Hieben. Dann sah man Simbas Spuren an ihren Beinen. Sie lachte nur darüber und sagte, dies sei der Preis der Tierliebe.
Als der Herbst ins Land zog, war Simba zum Hauskater geworden. Sein Fauchen war verschwunden, seine angstvollen Augen klar und ruhig geworden. Er verbrachte die meiste Zeit bei Tina und ihren Tieren. Seitdem er selber nicht mehr um sich schlug und wie wild fauchte, akzeptierten ihn auch die anderen Katzen. Er durfte in ihrem Korb schlafen und mit ihrer Maus spielen. Und wenn der Futternapf mal leer geschlabbert war, musste er nur zu Tina gehen und seinen Kopf fest an ihr Bein drücken. Dann ging es nicht lange, und er hörte das bekannte "Klick", das Oeffnen der Futterdose.
Als der erste Schnee fiel, lag Simba auf dem Katzenbaum und schaute durch das Fenster hinaus in den kühlen Garten. Die Schneeflocken bedeckten langsam und leise den Boden. Draussen sah er Nemo vorbeihuschen. Nach jedem Schritt schüttelte sie sich den Schnee von den Füssen. Im Vogelhaus, das Tina auf einem hohen Pfahl angebracht hatte, holten sich Rotkehlchen und Spatzen lautstark ihre Nahrung ab. Hinter der Hecke, die jetzt keine Blätter mehr hatte, sah er einen alten Hund vorbeispazieren. Die Igel waren im Winterschlaf, das Igelhaus stand leer. Unweit auf dem Schlafzimmerschrank lag Tasja und schlief. Aus der kleinen Shiva war eine junge Dame geworden, die jedes Katerherz höher schlagen liess. Er träumte von den letzten Monaten und erinnerte sich, wie kalt es war, als er vom Garten am Rheinufer weggegangen war. Er liess sich die Geschehnisse noch einmal durch den Kopf gehen. Wo früher die Angst in ihm gesessen hatte, war nun Frieden eingekehrt. So musste es im Paradies sein. Seine Flucht war zu Ende. Er hatte einen Platz gefunden, wo man ihn liebte, einen warmen Korb anbot und fütterte. Trotzdem durfte er frei sein und ein- und ausgehen wann immer er wollte. Er war durch die Hölle und das Fegefeuer gegangen auf der Suche nach seinem Glück. Hier hatte er es gefunden, hier wollte er bleiben.