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- Eine Untersuchung der Universität Bern und von Meteotest zeigt, dass es bereits zwischen Nachbargemeinden zu grossen Temperaturunterschieden kommen kann.
- Forscher konnten einen nächtlichen Unterschied von bis zu 4 Grad Celsius zwischen der Stadt Bern und der Gemeinde Zollikofen messen.
- Auch innerhalb der Stadtgrenzen waren Differenzen von bis zu 3,8 Grad Celsius messbar.
Möglich gemacht hat diese Analyse ein dichtes Messnetz: 84 Temperatursensoren wurden im Mai unter der Aufsicht des Geografen Moritz Gubler auf dem Gebiet der Stadt Bern aufstellen. Alle zehn Minuten messen die Sensoren die Lufttemperatur. Ziel ist es, den sogenannten «Wärmeinsel-Effekt» einer Stadt möglichst präzise zu ermitteln.
Die Forscher erhoffen sich, dass die Studienresultate als Grundlage für die Klimaverträglichkeit von Projekten in der Stadtentwicklung dienen können. Zudem sollen die Daten dabei helfen, Massnahmen zur Reduktion des «Wärmeinsel-Effekts» zu entwickeln.
Moritz Gubler
Wissenschaftlicher Assistent, PH Bern
Moritz Gubler hat Geographie und Klimawissenschaften an den Universitäten Zürich und Bern sowie an der ETH Zürich studiert. Das Messprojekt in der Stadt Bern ist im Rahmen seines Dissertationsprojekts entstanden.
SRF News: Worauf ist der Unterschied in der Temperatur zwischen der Stadt Bern und den benachbarten Gemeinden zurückzuführen?
Moritz Gubler: Dieser Unterschied ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass wir in der Stadt einen sehr hohen Anteil an betonierten und asphaltierten Oberflächen und Gebäuden haben. Man kennt den Effekt vielleicht: In den Ferien schaut man abends dem Sonnenuntergang zu, sitzt nachher aber weiterhin auf einem warmen Stein, der die Wärme in der Nacht an die Umgebung abgibt. Das passiert auch in der Stadt Bern.
Bern ist aber auch eine grüne Stadt, die Aare fliesst durch. Dämpft das den Temperatur-Unterschied?
Definitiv. Wir haben in der Stadt Bern eine bevorzugte Situation in Sachen Stadtklima. Nichtsdestotrotz gibt es auch hier Flächen oder Quartiere, die kaum Vegetation und die einen versiegelten Boden haben. Beispielsweise liegt eine Asphaltdecke über dem Boden, womit der Austausch zwischen dem Boden und der Luft unterbunden wird. Entsprechend kann der Boden nicht kühlen.
Was kann die Stadt Bern tun, um bei künftigen Hitzewellen ein angenehmer Lebensraum zu bleiben?
Die Schaffung und Erhaltung von Grünflächen ist für mich das Wichtigste. Wichtig ist, dass man bereits jetzt bei den Stadtbäumen vorausschauend denkt: Welche Arten können wir wo pflanzen? Die Kastanien in Bern stossen an ihre klimatischen Grenzen.
Die Informationslage bei Hitzelagen sollte man auch verbessern. Ältere Leute gehen kaum mehr aus dem Haus, wenn es so heiss ist. Es braucht neue Modelle, wie man diese Menschen erreichen kann. In Deutschland geht beispielsweise der Pöstler vorbei, schaut nach den Leuten und bringt im Notfall auch Wasser.
Nicht zuletzt muss man vielleicht in 50 Jahren darüber nachdenken, ob man nicht über Mittag eine «Siesta» einführen will, wie das im Mittelmeerraum bereits der Fall ist.
Das Gespräch führte Andreas Lüthi.