Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03386.jsonl.gz/104

Er war einer der berühmtesten Naturwissenschaftler seiner Zeit. Er erforschte Fische und Gesteine und gehörte zu den Ersten, die verstanden, dass es Eiszeiten gegeben hatte. Ein Schweizer, auf den das Land stolz sein kann: Das war Louis Agassiz (1807–1873) bis vor wenigen Jahren – bis der St. Galler Historiker Hans Fässler daran erinnerte, dass der Westschweizer auch ein übler Rassist gewesen war. Er vertrat krude Rassentheorien, rechtfertigte die Sklaverei und liess 1850 in South Carolina SklavInnen entwürdigend fotografieren, weil er die Minderwertigkeit der Schwarzen beweisen wollte.
Agassiz hat nicht nur einen «eigenen» Berg im Berner Oberland, das Agassizhorn (3946 Meter), er ist auch bis heute Ehrenmitglied des Schweizer Alpen-Clubs (SAC). Vielleicht nicht mehr lange: Letzte Woche beschloss die St. Galler SAC-Sektion, sich dafür einzusetzen, dass der Rassist die Ehrenmitgliedschaft verliert. Sie nahm einen Antrag Fässlers mit 49 zu 34 Stimmen an. Der Historiker ist selbst überrascht: «In der Diskussion kamen viele ablehnende Voten – der SAC solle politisch neutral bleiben, es sei zu lange her, und Agassiz sei als Geologe, nicht als Rassist geehrt worden.»
Nun geht der Antrag an den Gesamtschweizer SAC. Dort heisst es, man könne «im jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte erteilen». Der Antrag wird erst 2017 behandelt, weil die St. Galler Entscheidung weniger als neunzig Tage vor der diesjährigen Abgeordnetenversammlung gefallen ist.
Nachtrag zum Text «Warum zirkulieren solche Bilder ungestört …?» in WOZ Nr. 32/2011.