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weitere Luftaufnahmen von Gräpplang
Auf einem Felssporn auf der linken Seite des Seeztales, zwischen Walenstadt und Flums, steht heute noch die gut erhaltene Ruine der Burg Gräpplang. Sie ist längsgezogen und gliedert sich in eine Kernburg und eine gegen das Tal hinreichende, etwas niedriger gelegene und durch einen Quergraben getrennte Vorburg, ähnlich konzipiert wie Freudenberg, nur von bescheideneren Ausmassen. Die Hauptburg auf dem höchsten Punkt besteht aus einem zum Teil noch fünf Stockwerke hohen, länglichen, im Innern mehrfach unterteilten Palas von trapezförmigen Grundriss. Ein gewölbter Raum im Obergeschoss der Ostseite diente einst als Kapelle. Reste des Altarsockels und der Sakristeiraum sind noch erhalten. Es ist denkbar, dass die Gestaltung des Palas durch das Einstellen von Quer- und Längsmauern insgesamt einer jüngeren Epoche zuzuweisen ist. Vielleicht war der östliche Komplex einst ein Bergfried, der westliche ein Burghof, dessen Ringmauern erhöht und zum Gebäude ausgestaltet wurden, wie wir ähnliche Entwicklungen in den Burgen von Wildegg, Zug und Liebenfels feststellen können. Für die ursprüngliche Verwendung als Burghof spricht die ehemalige Zisternenanlage in der Nordwestecke. Teilweise ist an den Eckverbänden ein sauberer Kantenschlag erhalten. Am Burghoftor sind im Gewände noch die Löcher für die der Verriegelung dienenden Querhölzer sichtbar. Obwohl die Fenster im Lauf der Jahrhunderte mehrfach zu breiteren Stichbogenöffnungen abgeändert wurden und damit die Wohnlichkeit erhöhten, finden sich noch Spuren von alten Dreipassfenstern mit stark verwitterten Sandsteingewänden. Bei den jüngeren Fensteröffnungen sind die Gewände meist ausgebrochen und andernorts verwendet worden. An der Fassade haben sich zudem noch grössere Zeile des alten, mit Fugenstrich versehenen Kalkverputzes erhalten. Der auf der Südseite gelegene Zugang zum Palas wird von einem vorgelagerten Zwinger, ähnlich wie auf der Burg Hohenklingen, gesichert. Der Zwinger selbst war nur über eine den trennenden Graben zwischen Kern- und Vorburg überspannende Brücke erreichbar. Der heutige Zugang zum Zwinger und zum Palas stammt wohl erst aus dem 16. Jahrhundert. Früher führte der Weg über ein schmales Felsband bis unter das ehemalige Eingangstor, das viel weiter oben in der Mauer noch sichtbar ist und ein typischer Hocheingang war, der nur über eine Leiter erklommen werden konnte.
In der Vorburg sind die Fundamente der Wirtschafts- und Ökonomiegebäude sichtbar. Sie waren an die Ringmauer angebaut, welche die Hügelkante umspannte. Die Küche konnte auf Grund archäologischer Untersuchungen lokalisiert werden. Eine zentrale sekundäre Zisterne in der Vorburg lieferte das nötige Wasser.
Ein an der Aussenseite des Zwingers angefügter Torkel die Reben gedeihen an der Burghalde stammt aus jüngster Zeit.
Der Felsrücken, die „Groppa lunga“, der „lange Fels“, verfügt über eine reiche Geschichte. Dass dieser Platz bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war, beweisen die entsprechenden Kleinfunde. Und der Name deutet darauf hin, dass die romanische Sprache einst bis in diese Gegen verbreitet war. Das Tal der Seez und des Walensees war eine alte Handelsroute zwischen dem Zürichseeraum und den bündnerischen Pässen. In römischer, früh- und hochmittelalterlicher Zeit fand ein reger Warenverkehr statt. Die Forschungen der jüngsten Jahre haben die starke Präsenz der Römer bestätigt.
Es kann deshalb nicht überraschen, dass das Bistum Chur schon früh seine Interessen für diese Region anmeldete und sich den Hof zu Flums, der südlich Gräpplang lag, aneignete und damit bis an den Walensee herrschte. Aus dem Kirchlein am Hang oben, nahe der Burg, stammt das älteste Glasgemälde, die „Flumser Madonna“, welches im Schweizerischen Landesmuseum dem Besucher gezeigt werden kann. Die Sachwalter des Bischofs waren in Flums ansässige adelige Herren, welche sich nach dem dortigen Hof benannten und offenbar im späten 12. Jahrhundert (darauf weist u.a. der teilweise noch erhaltene Kalkverputz mit Fugenstrich hin) auf dem Felsrücken eine Burg erbauten. 1249 erscheint der Sitz in den schriftlichen Quellen noch als „Castrum Flumius“, seit dem 14. Jahrhundert als „Crepalla“. Die Burg wurde von den Bischöfen in Chur in der Folge des öfteren verpfändet, und verschiedene Pfandinhaber lassen sich bis zum beginn des 16. Jahrhunderts nachweisen, so die Montfort, die Stadion, die Schauenstein, die Hertenegg, und selbst die Stadt Zürich man denke an die Handelsroute besass das Pfand von 1419 an für 27 Jahre, als der Bischof in das Burgrecht der Stadt aufgenommen wurde.
1528 erwarb der Glarner Ludwig Tschudi, der Bruder des berühmten Chronisten, den Burgstall, der von da an unterbrochen bis 1767 im Besitz der Familie blieb. Der Verkauf war in Abwesenheit des nach Tirol geflohenen Bischofs Ziegler vom Gotteshausbund abgeschlossen worden. Die Tschudi waren in der Folge die grossen Bauherren auf der Burg. Sie gaben der Anlage den heute noch erkennbaren Charakter. Der baufreudigste Inhaber war Josef Anton Tschudi (1683 1743). Junker und Landeshauptmann zu Sargans, war er elfter und damit zweitletzter Besitzer und Herr zu Gräpplang aus der Familie Tschudi. Aus tschudischer Zeit stammen auch die Schliessung der Ringmauer der Vorburg, die Verlegung und Neugestaltung des Zwingers, die Konzeption der Ökonomiegebäude, die zweite Zisterne und der tiefer liegende Zugang zur Kernburg.
Nach der Familie Tschudi wechselte die Burg mehrere Male die private Hand, nachdem sie 1804 auf Abbruch verkauft worden war. Erst seit 1923 ist die Gemeinde Flums Besitzerin und lässt der Ruine die nötige Aufmerksamkeit zukommen. Seit 1958 führt Franziska Knoll-Heitz jährlich für Jugendliche hier einen Burgenforschungskurs durch. Die jeweils vorgelegten schriftlichen Grabungsberichte geben einen sehr guten Einblick in die bauliche Entwicklung der Feste. Eine umfassende Publikation drängt sich auf.