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Wagen 357 anlässlich erster Testfahrten auf dem BVB-Netz. Die Wagennummern wurden später in kleinerer Schrift auf dem Stossbalken angebracht.
© Dominik Madörin, CH-Ettingen (Bild-Nr. 852.90)
Auf Weisung des Herstellers mussten die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) per 13. März 2004 kurzfristig alle 28 Niederflur-Gelenkwagen Be 6/8 301–328 COMBINO stilllegen. An diesen Fahrzeugen waren Mängel entdeckt worden, welche einen sicheren Weiterbetrieb in Frage stellten (vgl. COMBINO Grounding).
Trotz des überraschenden Ausfalls eines beträchtlichen Teils der Gesamtflotte gelang es den BVB seinerzeit, den fahrplanmässigen Trambetrieb nahezu vollständig aufrecht zu erhalten. Kurzfristig wurden Fahrzeuge der Baselland Transport AG (BLT) angemietet, zur Ausmusterung vorgesehene Anhängewagen reaktiviert sowie ein Museumsfahrzeug eingesetzt. Ferner wurden Revisionen zurückgestellt und der Fahrbereitschaft aller zur Verfügung stehenden Fahrzeugen höchste Priorität beigemessen.
Um den Betrieb mittelfristig aufrecht erhalten zu können bemühte sich die BVB, kurzfristig Ersatzfahrzeuge zu beschaffen. So konnte mit BERNMOBIL und dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) erreicht werden, dass fünf ausgediente Berner Gelenkwagen, die nach Osteuropa hätten verschenkt werden sollen, vorübergehend in Basel eingesetzt werden konnten. Am 11. Mai 2004 traf mit dem Be 8/8 717 (später 357) das erste dieser Fahrzeuge auf dem Strassenweg in Basel ein.
Insgesamt 16 dreiteilige Gelenkwagen Be 8/8 wurden zu Beginn der Siebzigerjahre von der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG (SWS) für die damaligen Städtischen Verkehrsbetriebe Bern (SVB) erbaut. Ihre Konstruktion leitete sich von jener der Gelenktriebwagen der Bremgarten–Dietikon-Bahn (BD) ab.
Die Berner Be 8/8 verfügten über vier Monomotor-Triebdrehgestelle, Bauart Schlieren. Die längs liegenden Motoren von Brown Boveri & Cie. (BBC) trieben über Kegelgetriebe jeweils beide Achsen eines Drehgestells an. Die Abstützung der drei Kastenteile erfolgte über Kugeldrehkränze auf die Wiegenträger und über Flexicoilfedern auf die Drehgestellrahmen.
Der Wagenkasten war in selbsttragender leichter Stahlbauweise gefertigt und komplett verschweisst. Beim Innenausbau des Fahrgastraums wurde auf einfache und leicht zu reinigende Bauelemente Wert gelegt. Die Wandverkleidungen bestanden aus Kunstharzplatten, die Fahrgastsitze aus Pressholzschalen. Die fünf elektropneumatisch betätigten, vierflügligen Falttüren mit einer lichten Weite von 1’100 mm besassen Glaseinsätze bis zur Bodenhöhe. Ein speziell für Kinderwagen vorgesehener Einstieg war mit einer Lichtschranke gesichert. Ein Heckfahrschalter erleichterte Rangiermanöver.
Als Betriebsbremse diente wie gewöhnlich die elektrische Widerstandsbremse. Jedes der vier Drehgestelle verfügte zudem über ein Paar Schienenbremsmagnete mit einer Zugkraft von je 5,6 Tonnen. Elektropneumatisch gesteuerte Federspeicherbremsen wirkten auf Bremsscheiben.
Die Fahrmotor-Schaltapparatur bestand aus einheitlichen elektropneumatischen Hüpfern. Diese wurden generell für die Stufenschaltung, Motorabtrennung, Fahr- und Bremsumschaltung sowie für die Fahrtrichtungsschaltung verwendet. Die Steuerung erlaubte ein nahezu ruckfreies Beschleunigen und Bremsen und verhinderte Schleuder- und Gleitvorgänge. Die Fahrzeuge waren nicht traktionsfähig. Hingegen konnten Anhängewagen mitgeführt werden.
Die dreiteiligen Gelenkwagen wurden 1973 in Bern in Betrieb genommen und trugen bei der Ablieferung die Nummern 1–16. Ursprünglich besassen sie den damals üblichen SVB-Anstrich olivgrün/beige, verziert mit dem Berner Wappen. 1987 erhielten sie die neuen Wagennummern 711–726. Im Rahmen eines neuen Corporate Identity der Berner Verkehrsbetriebe wechselte der Aussenanstrich der meisten Wagen ab 2001 auf Rot.
Nach Basel kamen die Be 8/8 711–714 und 717, welche bereits zur Abgabe nach Iasi in Rumänien vorgesehen waren. Sie erhielten die BVB-Betriebsnummern 351–354 und 357 mit gleich bleibenden Endziffern (die ehemaligen Berner Nummern blieben ausser beim Be 8/8 357 zusätzlich erhalten). Anpassungen waren insbesondere bei den Einrichtungen für den Anhängerbetrieb nötig. Der Be 8/8 711 (früher 1) weilte bereits im Herbst 1978 im Rahmen der Ausstellung «Eisenbahn – Vorbild und Modell» für kurze Zeit in Basel.
Alle fünf Wagen trugen in Bern zuletzt eine Vollwerbung. Zwar wurden die Aufschriften entfernt, die Folien mit den entsprechenden Grundfarben jedoch belassen. So präsentierten sich die Be 8/8 in Basel in recht bunter Aufmachung.
Insbesondere aufgrund betrieblicher Einschränkungen (z. B. Begegenungsverboten) verkehrten die Berner Be 8/8 in Basel praktisch ausschliesslich auf der Linie 1/14. Lediglich während der Fasnacht oder bei Störungen waren sie auf anderen Strecken anzutreffen.
Beim Brand im Depot Wiesenplatz am 18. August 2004 wurde der Be 8/8 351 (ex 711) irreparabel beschädigt. Die übrigen vier Achtachser blieben bis im Frühjahr 2008 in Betrieb und kamen anschliessend doch noch nach RO-Iasi.