Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03384.jsonl.gz/1363

In der Region des heutigen Bergliweges stand bis 1870 der sogenannte Lederturm. Man sprach auch vom oberen Turm. Er bildete einen der Eckpunkt in der Stadtmauer. Der Rundbau wurde auch Diebesturm genannt, wie der Geschichtskundige Willi Olbrich in einer Publikation über die ehemalige Stadtbefestigung schreibt.
Seinen zweiten Namen erhielt er wegen seiner Nebenfunktion als Haftraum für Kurzzeitstrafen. So wurden beispielsweise 1621 in ihm eine Gruppe junger Wiler wegen unerlaubtem Fastnachtsreiben eingesperrt.
Neue Waffentechnologie
Laut Olbrich hiess der ursprünglich Wachttum Letum. Unter der Amtszeit von Fürstabt Diethelm Blarer von Wartensee, sie dauerte von 1530-1564, wurde das Bauwerk neu errichtet oder umgebaut.
Der Anlass waren Fortschritte in der Waffentechnik, wie Olbrich schreibt. Die Entwicklung von Feuerwaffen in Form von Büchsen und Vorderladergewehren war die Antwort auf Geräte mit denen Belagerer grosse Steine gegen Städte schiessen konnten.
Der obere Turm wurde 1870 abgebrochen.
Feuerwehrdepot
Der heute noch bestehende untere Turm unterschied sich von seinem Gegenüber in seinem rechteckigen Grundriss. Die Verteidigungsanlage wurde bis ins 19. Jahrhundert als Rüstkammer, als Zeughaus genutzt. Um 1956 erfolgte eine bauliche Anpassung als Truppenunterkunft, und 1971 wurde ein Feuerwehrwehrdepot eingerichtet.
Mittelalterlicher Wachtturm
Der Turm der St. Nikolauskirche diente seinerseits als Wachtturm. Die Runderker erinnern an diese ehemalige Funktion. Allerdings ist der jetzige Kirchturm eine Nachbildung seines Vorgängers, wie es im gedruckten Altstadt-Führer von Benno Ruckstuhl heisst.
Er wurde 1932/33 errichtet. Der ursprüngliche Turm stand in der Mittelachse des Kirchenschiffes. 1486 erfolgte die Umnutzung vom Wachtturm zum Kirchturm. Wegen seiner Wendeltreppe im Inneren nannte man ihn Wendelstein.
Auf den Türmen der Stadt waren ehemals Wächter postiert. Sie hielten insbesondere nach Feuersbrünsten und aufziehenden Belagerern Ausschau. Die Wachhabenden in luftiger Höhe und die zirkulierenden Wächter in den Gassen mussten sich nachts gegenseitig die Stunden zurufen, wie Stadtchronist Karl J. Ehrat schreibt. So kontrollierten sie sich gegenseitig. Wenn keine Antwort erfolgte, musste der Obrigkeit Meldung gemacht werden.
Trompetensignal
Eine städtische Verordnung von 1583 verpflichtete den Mesner, bei der Abenddämmerung die sogenannte Wachtglocke zu läuten. Der Trompeter auf dem Wachtturm gab das Signal zum Dienstantritt des Vormitternachts-Nachtwächters. Er trat vor die Tore und forderte mit dreimaligem Rufen ausstehende Personen auf, in die Stadt heimzukehren. Anschliessend wurden die Zugänge zur Stadt verriegelt.
Unzuverlässiger Wachdienst
Die Turmwächter erfüllten ihre Aufgabe nicht immer zur Zufriedenheit ihrer Dienstherren. So liess etwa einer seine Kinder den Wachdienst versehen. Ein anderer war jeweils bei Gewitter nicht auf seinem Posten, seine Frau liess ihn nicht gehen.
Wenn der Trompeter auf dem Wachtturm bei Tagesanbruch in den Gassen der Äbtestadt wieder Frauen und Männer unterscheiden konnte, blies er in sein Instrument. In der Folge wurde die Tore geöffnet und das städtische Leben erwachte, schreibt Chronist Ehrat.