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<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat antwortet kürzlich auf einen Vorstoss, dass er im Falle einer drohenden Mangellage Interventionen erlassen könnte, wie etwa Vorschriften zur Anpassung der landwirtschaftlichen Produktion. Wie die Situation rund um den Krieg in der Ukraine zeigt, ist es wichtig, Szenarien einer "unmittelbar drohenden oder bereits bestehenden schweren Mangellage" (Art. 31 Abs. 1 des Landesversorgungsgesetzes LVG) zu berücksichtigen. Ebenso zentral ist jedoch, die dafür nötigen Debatten rational zu führen.</p><p>So besteht laut einer in Agroscope Science (55/2017) veröffentlichten Studie in der Schweiz ein grosses Potential, die Ernährungssicherheit zu erhöhen und gleichzeitig die Umweltauswirkungen des Ernährungssystems zu reduzieren. Ein solchermassen angepasstes Ernährungssystem entspräche - sozusagen als positiver Nebeneffekt - auch in hohem Masse den heutigen Ernährungsempfehlungen des Bundes. </p><p>Laut besagter Studie verlangt eine derart optimierte Ernährungswirtschaft, auf den Import von Futtermitteln zu verzichten und die Nutztierbestände anzupassen. </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Gibt es nebst der erwähnten Studie weitere, die zu ähnlichen Schlüssen kommen (z.B. von Agroscope, ETH, HAFL, FiBL oder anderen Forschungsanstalten)?</p><p>2. Ist er auch der Ansicht, dass eine Reduktion bzw. Transformation der Nutztierbestände in der Schweiz positive Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit, die Versorgungssicherheit, den Selbstversorgungsgrad, die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung hätte? Wenn ja, wie gedenkt er konkret vorzugehen, um diese sicherzustellen? Wenn nein, warum nicht?</p><p>3. Welche Instrumente gibt es, um solche rationalen Überlegungen in der landwirtschaftlichen Produktion zu verankern?</p><p>4. Welche Instrumente gibt es, um solche rationalen Überlegungen im Konsumbereich besser zu verankern?</p><p>5. Wenn der Bundesrat in mehreren Antworten auf parlamentarische Vorstösse betont, dass er bezüglich Reduktion des Fleischkonsums auf die Information und die Eigenverantwortung der Konsument:innen setzt (siehe meine Frage 21.7123 oder Po. 20.3189), warum fördert er im Rahmen der heute biodiversitätsschädigenden Absatzförderung nicht vermehrt den offensichtlich in mehrfacher Hinsicht zielführenden Absatz bei Gemüsen und Früchten aus einheimischer, nachhaltiger Produktion?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die erwähnte Studie von Agroscope (Zimmermann, A. / Nemencek, T. / Waldvogel, T. (2017): Umwelt- und ressourcenschonende Ernährung: Detaillierte Analyse für die Schweiz, Agroscope Science, 55 (abrufbar unter <a href="https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/37058">https://ira.agroscope.ch/de-CH/publication/37058</a>, Stand 25.3.2022), zeigt anhand von Modellrechnungen, dass eine bedarfsgerechte Ernährung gemäss Lebensmittelpyramide und eine Verminderung der Lebensmittelverluste die Umweltbelastung der Ernährung senken und den Selbstversorgungsgrad deutlich erhöhen kann.</p><p>Frage 1: Zum gleichen Schluss wie Zimmermann et al., kommen Stolze et al. im Rahmen ihrer Studie im nationalen Forschungsprogramm 69 "Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion". Stolze et al. (2019): Sustainable and healthy diets: Trade-offs and synergies. Final scientific report. Research Institute of Organic Agriculture (FiBL), CH-Frick, (abrufbar unter <a href="https://orgprints.org/id/eprint/36918/">https://orgprints.org/id/eprint/36918/</a>, Stand 25.3.2022).</p><p>Baur und Flückiger haben eine inländische Produktion modelliert, bei der keine Ackerfrüchte an Tiere verfüttert werden und der Anbau nach den Kriterien des biologischen Landbaus erfolgt. Durch die Bedingung des biologischen Landbaus und der Einführung von Nischenkulturen sinkt der Selbstversorgungsgrad: Baur, P. / Flückiger, S. (2018): Nahrungsmittel aus ökologischer und tiergerechter Produktion. Eine Studie im Auftrag von Greenpeace Schweiz. Wädenswil: ZHAW Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen (abrufbar unter</p><p><a href="https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/13361/3/2018_Baur_Nahrungsmittel_aus_ökologischer_und_tiergerechter_Produktion.pdf">https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/13361/3/2018_Baur_Nahrungsmittel_aus_ökologischer_und_tiergerechter_Produktion.pdf,</a> Stand 25.3.2022).</p><p>Chen et al. haben im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms 73 "Nachhaltige Wirtschaft" die Auswirkungen verschiedener Ernährungsmuster der Schweizer Bevölkerung auf mehrere Nachhaltigkeitsdimensionen (Umwelt-Fussabdruck, Kosten, Gesundheit) untersucht. Allerdings haben sie nicht unterschieden, ob die Produkte im Inland oder Ausland hergestellt werden. Sie kommen zum Ergebnis, dass ein Übergang zu einem gesunden Ernährungsmuster gemäss den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung die nachhaltigste Option ist. Chen, Canxi / Chaudhary, Abhishek / Mathys, Alexander (2019): Dietary Change Scenarios and Implications for Environmental, Nutrition, Human Health and Economic Dimensions of Food Sustainability. Nutrients 2019, 11(4), 856. (abrufbar unter <a href="https://www.mdpi.com/2072-6643/11/4/856">https://www.mdpi.com/2072-6643/11/4/856#cite</a>, Stand 25.3.2022).</p><p>Bezogen auf die ganze Welt ist insbesondere die EAT-Lancet Studie wichtig. In dieser wurde modelliert, wie die gesamte Erdbevölkerung gesund ernährt werden könnte, ohne die ökologischen Belastbarkeitsgrenzen der Erde zu überschreiten. Die Studie kommt zu einem Ernährungsmuster, das den Schweizer Ernährungsempfehlungen sehr ähnlich ist, die Zimmermann für seine Studie verwendet hat. Willet, Walter / Rockström, Johan et al. (2019): Food in the Anthropocene: the EAT-Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. THE LANCET COMMISSIONS| VOLUME 393, ISSUE 10170, P447-492, FEBRUARY 02, 2019 (abrufbar unter <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31788-4/fulltext">https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31788-4/fulltext</a>, Stand 25.3.2022).</p><p>Frage 2-4: In seiner Antwort auf die Ip. 20.3304 hat der Bundesrat festgehalten, dass eine stärkere Ausrichtung der pflanzlichen Produktion auf die direkte menschliche Ernährung und eine verbesserte Anpassung der Intensität der tierischen Produktion an die Standortpotenziale den zur Versorgung der Bevölkerung nötigen Flächenbedarf verringern und eine positive Wirkung auf die Reduktion der Treibhausgasemissionen und die Nährstoffverluste der Landwirtschaft haben können, sofern es zu einer entsprechenden Anpassung des Konsums kommt. Mit den Postulaten 20.3931 und 21.3015 hat der Bundesrat verschiedene Prüfaufträge zur zukünftigen Orientierung der Agrarpolitik erhalten. So sind unter anderem Massnahmen zur Aufrechterhaltung des Selbstversorgungsgrades, zur Erweiterung der Agrarpolitik in Richtung einer ganzheitlichen Politik für gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion und zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung zu prüfen. Der Bundesrat wird den Bericht in Erfüllung der beiden Postulate voraussichtlich bis Sommer 2022 verabschieden und sich in diesem Rahmen zu den Fragen 2-4 äussern.</p><p>Frage 5: Der Bund fördert mit Massnahmen der Absatzförderung verschiedene Bereiche der landwirtschaftlichen Produktion. Ziel ist die Unterstützung von kollektiven Marketingaktivitäten zur Förderung des Absatzes schweizerischer Landwirtschaftsprodukte. Auch die pflanzlichen Produkte profitieren davon, so unter anderem Schweizer Obst, Gemüse oder Kartoffeln (Bundesamt für Landwirtschaft (2021): Agrarbericht, Politik, Produktion und Absatz, abrufbar unter <a href="https://www.agrarbericht.ch/de/politik/produktion-und-absatz/absatzfoerderung">https://www.agrarbericht.ch/de/politik/produktion-und-absatz/absatzfoerderung</a>, Stand 25.3.2022). Die Absatzförderung ist grundsätzlich Sache der Produzenten- und Branchenorganisationen. Der Bund unterstützt diese subsidiär. Bedingung für die Gewährung von Finanzhilfen für die Absatzförderung ist, dass die Organisationen ein Gesuch einreichen und mindestens 50 Prozent der Kosten der Aktivitäten selber tragen. Das Instrument ist Gegenstand einer vertiefenden Evaluation im Rahmen des Aktionsplans Biodiversität.</p>  Antwort des Bundesrates.