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Fünf Schweizer versuchten beim Tennis-Grand-Slam von Wimbledon, George Bastl in die 3. Runde zu folgen. Nur Michel Kratochvil und Myriam Casanova reüssierten.
Neben der Erfolgsstory um George Bastl (siehe Link) wird diese Woche im Südwesten Londons ein zweites Schweizer Märchen geschrieben. Die Hauptrolle hat Myriam Casanova inne, eine unbekümmerte 17-Jährige aus der Ostschweiz.
Casanova reiste vor gut anderthalb Wochen mit der Absicht nach England, das Qualifikationsturnier zu spielen, dann wieder heimzufliegen und für das Juniorinnenturnier neu anzureisen. Nun fehlt Casanova bloss noch ein weiterer Sieg, und sie kann das Juniorinnenturnier gar nicht spielen - weil sie am Montag den Achtelfinal im Hauptfeld spielen müsste.
Nach dem Sieg über Henrieta Nagyova (Slk/WTA 51) besiegte Myriam Casanova am Donnerstag die als Nummer 29 gesetzte Barbara Schett (WTA 33). Die Altstätterin siegte 6:3, 3:6, 6:3 und war in den Sätzen 1 und 3 deutlich stärker als die Innsbruckerin, die noch vor gut zwei Jahren zu den Top Ten der Weltrangliste gezählt hatte.
Nach dem Spiel fand die Schweizerin kaum Worte: "Das ist genial! Ich habe Schett überhaupt nicht gekannt."
Von 180 etwa auf 116
Dank des Überstehens von drei Qualifikationsrunden und dem Vorstoss in die 3. Runde hat Myriam Casanova in Wimbledon schon 140 Weltranglistenpunkte gewonnen, fast doppelt so viele als vor zwei Monaten beim Erreichen des WTA-Finals von Budapest.
Im WTA-Ranking wird sich die Ostschweizerin von Platz 180 etwa auf Position 116 verbessern. Mehr ist beinahe nicht mehr möglich, denn am Samstag trifft sie auf die als Nummer 6 gesetzte Vorjahresfinalistin Justine Henin aus Belgien.
Casanova: "Diese Partie will ich einfach geniessen. Je grösser der Court, desto schöner und besser. Dank der vielen Trainings mit Martina Hingis wird es nicht das erste Mal sein, dass ich einer solchen Weltklassespielerin gegenüber stehe."
Kratochvils Dank
Auch Michel Kratochvil (ATP 45) steht erstmals in der 3. Runde von Wimbledon. Der 23-jährige Berner benötigte beinahe drei Stunden bis zum 3:6, 6:0, 7:6 (7:4), 7:6 (7:5)-Sieg über Irakli Labadse (Geor/ATP 86).
"Ich habe die wichtigen Punkte gemacht", so Kratochvil. "Es gab Schwankungen in meinem Spiel, die ich mir nicht erklären konnte. Nicht gut zu spielen, aber trotzdem zu gewinnen, darauf kommt es an Grand-Slam-Turnieren an."
Michel Kratochvil bestritt die Partie gegen Labadse mit Schmerzmitteln. Der nächste Gegner ist der tschechische Qualifikant Radek Stepanek (ATP 147).
Patty Schnyder, Marc Rosset und Emmanuelle Gagliardi out
Verkehrte Welt gestern bei Marc Rosset: Er coachte nicht Marat Safin, sondern Safin coachte für einmal ihn. Der 31-jährige Genfer zeigte der prominenten Fangemeinde eine starke Leistung, unterlag aber dennoch dem als Nummer 16 gesetzten Vorjahres-Viertelfinalisten Nicolas Escudé mit 2:6, 7:5, 5:7, 4:6.
Ebenso unspektakulär, wie sie mit Zittersiegen die 2. Runde erreicht hatten, verabschiedeten sich Patty Schnyder und Emmanuelle Gagliardi. Schnyder zerrte sich bei einem Sturz im Training einen Muskel im Schlagarm und gab gegen Conchita Martinez (1:6, 3:6) nur nicht auf, damit sie auch im Doppel antreten durfte, wo immerhin auch für Erstrunden-Verlierer über 4000 Franken pro Spielerin bereitliegen.
Gagliardi besass gegen Magdalena Maleeva (Bul/19) immerhin Chancen, verlor aber 4:6, 3:6. Die Vorentscheidung fiel im ersten Satz, in dem Gagliardi ein 0:4 aufholte, dann aber zwei Breakchancen zum 5:4 nicht verwerten konnte und schliesslich den Satz mit einem Doppelfehler abgab.
swissinfo und Rolf Bichsel (Si)