Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/128011

<h2>SubmittedText<h2><p>Eine Studie der britischen Universität Aston, die im Online-Fachmagazin "PLoS One" erschienen ist, deutet darauf hin, dass die kombinierte Anwendung gewisser Pestizide eine gesundheitsgefährdende Wirkung haben kann, wenn die Lebensmittel damit belastet sind.</p><p>Gemäss dieser Studie können als ungefährlich eingestufte Substanzen bestimmte Nervenzellen schädigen, wenn sie kombiniert angewendet werden. Die nervenschädigende Wirkung ist bis zu zwanzig- oder dreissigmal stärker, wenn diese Fungizide, Pestizide und endokrinen Disruptoren kombiniert zur Anwendung kommen.</p><p>Die Forscher gehen davon aus, dass die Zellreaktionen auf diese Pestizide das Risiko erhöhen, an gewissen Krankheiten zu erkranken, so insbesondere an Alzheimer, Parkinson oder an Multipler Sklerose. Auch ein erhöhtes Krebsrisiko wurde genannt.</p><p>Zudem haben die vom Basler Kantonschemiker vor zwei Jahren durchgeführten Analysen an exotischem Gemüse gezeigt, dass 21 Prozent der analysierten Proben nicht gesetzeskonform sind. Im vergangenen Jahr stieg dieser Anteil auf 50 Prozent.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Hat der Bundesrat von der britischen Studie Kenntnis und stimmt er den Schlussfolgerungen zu?</p><p>2. Wenn ja, welche Massnahmen gedenkt er zu ergreifen, um dem Vorsichtsprinzip nachzukommen und seine Vorschriften so anzupassen, dass die gesetzlich festgelegten Grenzwerte von Pestizidrückständen in Lebensmitteln gesenkt werden?</p><p>3. Wenn nein, auf welche wissenschaftlichen Arbeiten betreffend die kombinierte Verwendung von Produkten stützt er sich?</p><p>4. Welche Massnahmen ist er in einer ersten Phase zu ergreifen bereit, um die Einhaltung der geltenden Vorschriften durchzusetzen und die nötigen Zollkontrollen durchzuführen, damit die Konsumentinnen und Konsumenten die Gewissheit haben, dass sie Lebensmittel konsumieren, die unbedenklich sind?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Pflanzenschutzmittel (PSM) gehören zu den toxikologisch am besten geprüften Chemikalien überhaupt. In Prüf- und Bewertungsverfahren nach international harmonisierten Richtlinien werden die gesetzlich erlaubten Höchstkonzentrationen von PSM in Lebensmitteln so tief festgelegt, dass nach aktuellem Stand der Wissenschaft auch bei einer lebenslänglichen täglichen Aufnahme dieser Menge keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten auftreten können. Dies gilt auch für Mehrfachrückstände von PSM, sogenannte Cocktails. Aufgrund der extrem geringen Konzentrationen der PSM in Lebensmitteln müssten sehr potente Interaktionen angenommen werden, damit ein erhöhtes gesundheitliches Risiko durch Mehrfachrückstände erwartet werden könnte, was in diesem Bereich nicht der Fall ist.</p><p>1. Die erwähnte Studie aus England ist dem Bundesrat bekannt. Die in der Publikation dargestellten Resultate sind innerhalb des Studienrahmens nachvollziehbar. Sie beschreiben Effekte an isolierten Zellen von sehr hohen Konzentrationen von einzelnen PSM oder Kombinationen davon. Die Befunde sind nicht überraschend, da sie an isolierten Zellen beobachtet werden und somit den schützenden Einfluss des Gesamtorganismus ausser Acht lassen. Dieser Art von Studien steht bei einer Zulassung von Pflanzenschutzmitteln durch die Behörden eine Vielzahl von Tierstudien gegenüber, die den Gesamtorganismus in seiner komplexen Empfindlichkeit und Schutzmöglichkeit berücksichtigen. Für die Lebensmittelsicherheit sind deshalb die Tierstudien im Rahmen des Zulassungsprozesses weit aussagekräftiger als solche In-vitro-Studien.</p><p>2. Bei der Zulassung von PSM werden die Höchstkonzentrationen für Rückstände in Lebensmitteln vorsorglich so tief als technisch möglich festgelegt und so, dass Gesundheitsgefährdungen ausgeschlossen werden können. Die in der englischen Studie angewendeten Mengen sind um mehrere Grössenordnungen höher als Konsumentinnen und Konsumenten über gesetzeskonforme Lebensmittel je aufnehmen könnten. Aus diesen Gründen sieht der Bundesrat keinen Anlass, weitere Massnahmen zu ergreifen.</p><p>3. In der erwähnten Studie aus England wurden trotz der angewendeten extrem hohen Mengen, die um Faktoren grösser waren, als Konsumentinnen und Konsumenten über Lebensmittel aufnehmen können, keine besorgniserregenden Kombinationseffekte beobachtet. In der öffentlichen Literatur gibt es zudem mehrere toxikologische Studien, die zeigen, dass Kombinationen von PSM, wie sie in Lebensmitteln vorgefunden werden, unproblematisch sind.</p><p>4. Die Beanstandungsquoten bei Gemüseimporten aus Asien waren in den letzten Jahren hoch, da die asiatischen Produzenten ihre Produktionsmethoden nur unzureichend auf die Vorschriften ausgerichtet hatten, die für das Inverkehrbringen von Lebensmitteln in der Schweiz gelten. So wurde bei der letzten Kampagne des Kantonslabors Basel-Stadt bei 38 Prozent der untersuchten Proben eine Überschreitung eines Höchstwertes festgestellt. Eine akute Gesundheitsgefährdung ging jedoch von den untersuchten Produkten nicht aus.</p><p>In der EU werden Importe aus Drittländern bei einem bekannten Risiko, z. B. PSM-belastetes Gemüse aus Asien, gemäss der Verordnung 669/2009 einer verschärften Kontrolle an der Grenze unterworfen. In der Schweiz fehlt aktuell eine rechtliche Grundlage, um ein analoges Verfahren aufzubauen. Diese Grundlage soll aber im Rahmen der laufenden Totalrevision des Lebensmittelgesetzes geschaffen werden. In der Zwischenzeit führt das Bundesamt für Gesundheit zusammen mit dem Zoll und den kantonalen Vollzugsorganen in sensiblen Bereichen im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen verschärfte Kontrollen an der Grenze durch. So werden z. B. im nächsten Jahr Kontrollen im Bereich der PSM-Rückstände in importierten Früchten und Gemüse durchgeführt. Mit diesem Vorgehen wird sichergestellt, dass die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten bestmöglich geschützt wird.</p>  Antwort des Bundesrates.