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Hans Ormund Bringolf
«Les têtes brûlées» hiess die 30bändige Edition, mit welcher Blaise Cendrars 1930 die Outsider der Weltgeschichte dokumentieren wollte. Den Anfang machte, übersetzt von Paul Budry, der 1927 in Zürich erstmals erschienene Lebensroman des Leutnant Bringolf selig. Im Gegensatz zu seinem eigenen Roman Gold, wo mit General Suter 1925 ein anderer Schweizer Abenteurer Cendrars zu breiter Resonanz verholfen hatte, blieb der Erfolg aber diesmal aus: nach zwei Bänden war das Unternehmen am Ende. Schriftstellerische Brillanz galt den Lesern offenbar mehr als Abenteuerlichkeit, denn an letzterer fehlte es dem spektakulären Lebensroman nun wirklich nicht!
Sohn eines Schaffhauser Industriellen und einer russischen Adeligen, hatte Hans Ormund Bringolf alle Höhen und Tiefen menschlicher Existenz durchlebt. Als Militärattaché in Berlin und Wien brachte der Kavallerist und Dr.jur. der Universität Greifswald das väterliche Vermögen dank grossfürstlicher Lebensweise problemlos durch und setzte sich, als eine reiche Heirat den Bankrott nicht verhindern konnte, 1904 nach Übersee ab. Dragoner der USArmy, wurde ihm ein Kommando auf den Philippinen anvertraut, das er sich durch seine Desperado-Allüren jedoch bald wieder verscherzte. Worauf er in China, Japan, Australien und Paraguay auftauchte und schliesslich als Hochstapler und Kreditbetrüger für drei entsetzliche Jahre in einem peruanischen Kerker landete. Wieder in Europa, sass er, da ihm der Übertritt in ein bürgerliches Leben überall verbaut blieb, in Mannheim schon bald wieder als Kreditschwindler im Zuchthaus. Der Erste Weltkrieg endlich brachte die Bewährung! Bringolf wurde Hauptmann bei der französischen Armee und erlangte als verwegener »Löwe von Monastir« solche Berühmtheit, dass man ihm 1924 in Strassburg das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. Damals stand er als Direktor der elsässischen Kohleversorgung wieder in Amt und Würde. Aber immer, wenn er den Kopf über Wasser hatte, schlug ihm jemand eins drauf. Diesmal war es die Schaffhauser AZ, die ihn als Zuchthäusler entlarvte und ihm via Abdruck in der Humanité den entscheidenden Schlag versetzte. Nach einem letzten Versuch als Kohlen-Agent in Belgrad gab er endgültig auf und schrieb im Hallauer Armenhaus seinen Lebensroman des Leutnant Bringolf selig, nichts beschönigte und der von einem originellen Erzählertalent zeugt.
Als Cendrars das Buch in Paris herausbrachte, hielt er Bringolf für tot. Aber das »selig« meinte ganz etwas anderes! Es stammte noch aus Bringolfs Kavalleristenzeit, als ihn der Schiedsrichter bei den Manövern seiner Tollkühnheit wegen so oft für tot erklärt hatte. 1940 jedenfalls, als Finnland in Tornio Freiwillige rekrutierte, erschien auch Bringolf wieder auf dem Kampfplatz. Falls man ihn nicht wolle, gehe er zur US-Army, versicherte er. »Trotz meinen 66 Jahren zweifle ich nicht, nochmals einen bescheidenen Beitrag zum Weltgeschehen zu erbringen.«(Literaturszene Schweiz)