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Die SRG wird abgewickelt und den hiesigen Medienoligopolen zum Frass vorgeworfen. Dieselben Konzerne liquidieren die Schweizerische Depeschenagentur.
Die Post verkauft ihren Leistungsauftrag an UPS International und ist künftig eine Grossbank mit einer landesweiten Kioskkette, die Krimis, Smartphones und Teddybären feilbietet.
Die SBB veräussern ihre unprofitablen Nebenlinien an Flixbus und bauen landesweit frei werdende Bahnhofsareale zu Shoppingmalls um. Die Bahn wird vollends privatisiert und mutiert rasch zum grössten Immobilienkonzern des Landes.
Die öffentlichen Spitäler werden zu Ambulatorien für die kaufkraftschwache Unterschicht gesundgeschrumpft. Das dadurch arbeitslos werdende Personal wird dem freien Arbeitsmarkt zugeführt.
Die Universitäten fusionieren Medizin, Jurisprudenz, Ökonomie sowie alle Geisteswissenschaften mit bestehenden Fachhochschulen zu privaten, profitorientierten Ausbildungsfirmen. Diese expandieren nach Indien und China. Nicht-marktrelevante Forschung wird eingestellt. Ein Konsortium von chinesisch-amerikanischen Grossinvestoren übernimmt die ETH, wo die gesamte technisch-naturwissenschaftliche Forschung des Landes als schlagkräftiges Start-up-Monopol konzentriert wird.
Die Volksschule wird von der Zwangsjacke des Staats erlöst und vollständig in die Freiheit der Wirtschaft entlassen, d.h. privatisiert.
Das Gewaltmonopol des Staats fällt. Börsenkotierte Bewachungsfirmen übernehmen Polizei und Strafvollzug. Wie die Justiz am besten profitabel deregulierbar wäre, evaluieren marktfundamentale Spezialisten der Firma Swissmoneyhouse.
Die Schweizerische Kulturstiftung Pro Helvetia baut die Förderung nicht marktgängiger Kultur zügig ab. Um Kommerzkultur kümmern sich künftig, wie bisher, Public Relations Abteilungen der Industrie zwecks Imagewerbung sowie Eventfirmen, die zur landesweiten Aktiengesellschaft Swissevent fusionierten.
Museen, staatliche Theater und Orchester gehen wahlweise in Privateigentum – etwa von Stiftungen – über oder sie werden geschlossen, respektive aufgelöst. Die Orchester des Landes fusioniert man zu einem einzigen nationalen Symphonieorchester, das den Namen Nestlé-Roche-Novartis Orchestra trägt. Die dadurch erzielten Einsparungen der öffentlichen Haushalte können in die Sicherheit des Staates reinvestiert werden (Migration, Armee, Grenzwacht etc.).
Die Bestände der öffentlichen Bibliotheken werden vom Bund in Zusammenarbeit mit Google vollständig fürs Netz aufbereitet. Der Ausleihverkehr von physischen Büchern wird zugunsten des digitalen eingestellt. Nachdem die Bücher aus den öffentlichen Bibliotheken verschwunden sind, kann man drei Viertel des bisherigen Personals entlassen.
So wird der Service Public zügig wegrationiert und das Land optimiert sich, mit Hilfe der unsichtbaren Hand (nach Adam Smith), total marktradikal. Das Gewinnstreben ist endgültig von seinen Fesseln befreit. Im Namen der schweizerischen Freiheit.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Heinrich Vogler, geboren 1950 in Basel. Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie der Politik. War Journalist / Redaktor bei Radio DRS und SRF 2 Kultur. Arbeitete als Kultur- sowie jahrelang als Literaturredaktor. Bis zur Pensionierung Ende 2015. War freier Literaturkritiker für Berner Zeitung, Tages-Anzeiger und NZZ.
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Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe Autorinnen und Autoren über Medien und Politik. Sie greift Beiträge aus Medien auf und widerspricht aus politischen, journalistischen, inhaltlichen oder sprachlichen Gründen. Zur Gruppe gehören u.a. Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann, Silvia Henke, Anna Joss, Mathias Knauer, Guy Krneta, Johanna Lier, Alfred Schlienger, Felix Schneider, Linda Stibler, Ariane Tanner, Heini Vogler, Rudolf Walther.