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Die Landwirtschaft steht mit dem Rücken zur Wand! Die Krise der Landwirtschaft offenbart die Herausforderungen unserer Industriegesellschaften. Unsere wirtschaftliche und politische Organisationsform hat einen gewichtigen und problematischen Einfluss auf den sozialen Zusammenhalt und das Gleichgewicht der Ökosysteme des Planeten. Es ist zwingend notwendig, unseren Fußabdruck auf die natürliche Umwelt zu reduzieren und ein neues Gleichgewicht zu finden, um die Ressourcen für zukünftige Generationen zu erhalten. Die in der Schweiz zur Abstimmung gebrachten Initiativen zu Pestiziden spalten die Bevölkerung und die Landwirt*innen und verschleiern die grundlegenden Probleme, ohne diese zu lösen. Sie bewirken, dass die Auswirkungen unseres Lebensmittelsystems einzig auf die Bäuer*innen und auf Regionen ausserhalb der Landesgrenzen abgeschoben werden. Die schädlichen Auswirkungen dieser Logik sind bereits zu sehen, und das Beispiel der Bio-Produktion in Südspanien, die zunehmend industrialisiert wird, mit ihren sozialen und technischen Missständen ist bezeichnend. Pestizide, der übermässige Einsatz von Antibiotika und die räumliche Konzentration der Tierhaltung wirken sich negativ auf die Tierwelt, die Wasserqualität und die Gesundheit aus. Aber was ist mit den Schadstoffen aus Industrie und Haushalt und den Abfällen unserer Konsumgesellschaft? Ist das nicht eine Doppelmoral?
Handel und Industrie üben einen ständigen Druck auf die Produktionspreise aus und zwingen immer weniger Bäuer*innen zu immer höherer Produktivität. Und es ist nie genug! In jedem Bericht des Bundesamtes für Landwirtschaft wird unablässig behauptet, die Schweizer Landwirtschaft sei nicht wettbewerbsfähig genug. Tatsächlich fordern Gesellschaft und Handel immer mehr Qualitäts- und ökologische Kriterien von den Produzent*innen, ohne die Preisbildung und die Bedeutung einer fairen Wertschätzung der Lebensmittelproduktion zu hinterfragen.
In den letzten Jahrzehnten haben die Regierungen die fortschreitende Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft gefördert, die Zerstörung von drei Bauernhöfen pro Tag, den Verlust von Zehntausenden von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft, die Spezialisierung und Konzentration der Produktion, den Ersatz menschlicher Arbeit durch schwere, teure und energieintensive Mechanisierung. Auch die landwirtschaftliche Forschung hat sich an dieser Perspektive orientiert. Der Fortschritt des agronomischen Wissens, der Sortenverbesserung, die Mechanisierung und der Pflanzenschutz haben zwar Hungersnöte in den Industrieländern ausgerottet, aber praxisnahe Forschung zu einem nachhaltigen Ernährungssystem kam dabei unter die Räder. Um die Versorgung mit hochwertigen gesund und nachhaltigen Lebensmitteln zu gewährleisten, ist es notwendig, auf die Produktion und den Vertrieb einzuwirken.
Die Initiativen, die derzeit zur Abstimmung stehen, schweigen sich über die Rahmenbedingungen des Marktes aus und sind ungerecht, inkohärent und kontraproduktiv, und deshalb ist es wichtig, diese beiden Texte abzulehnen. Die erste, die TWI Initiative hat eine liberaler Prägung und schlägt vor die Entgeltung für die von der Landwirtschaft erbrachten Leistungen in ein Instrument zur Bestrafung umzuwandeln und die ökologischen Probleme nach ausserhalb unserer Grenzen zu verlagern, indem ein doppelter Standard zwischen inländischer Produktion und Importen angewendet wird. Die andere Initiative konzentriert sich dogmatisch auf eine Technik, für die die Landwirt*innen nicht die Urheber sind, für die sie nicht verantwortlich sind, weder für die Zulassungen noch für die Anwendungskriterien. Die Zulassung von Produkten und deren toxikologische Untersuchung auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit obliegt dem Bundesamt für Gesundheit und Umwelt. Vorschriften für den Gebrauch und die Anwendung von Produkten müssen die inhärenten positiven und negativen Auswirkungen im gesamtgesellschaftlichen und ökologischen Rahmen abwägen. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen einem synthetischen und einem natürlichen Produkt, denn obwohl ein natürliches Produkt im Allgemeinen schneller abgebaut wird, was ein Vorteil ist, hat es auch eine Toxizität, deren Auswirkungen analysiert werden müssen.
Für Uniterre als bäuerliche Gewerkschaft ist es wichtig, das Konzept der Ernährungssouveränität und Agrarökologie zu verteidigen. Wir verteidigen sie gemeinsam mit der internationalen Bauern-und Bäuerinnenbewegung Via Campesina. Das Konzept der Ernährungssouveränität fordert eine demokratische Kontrolle der Ressourcen und des Marktes. Agrarökologie integriert die Landwirtschaft in die Gesamtheit einer ökologischen Gesellschaft. Die beiden Initiativen verfehlen, indem sie die Probleme auf technische Aspekte reduzieren oder sich ausschliesslich auf die Schweizer Landwirtschaft konzentrieren, ohne sich die wirtschaftlichen Fragen zu stellen, definitiv ihr Ziel. Sie spalten statt zu vereinen und verhindern ein Bündnis, welches die vorherrschenden wirtschaftlichen Machtverhältnisse herausfordern kann. Machtverhältnisse, welche heute die Landwirtschaft in einen unaufhörlichen und zerstörerischen Wettlauf der Wettbewerbsfähigkeit treiben. Wir müssen zu einem System der Preiswahrheit kommen. Das Zollinstrument kann dazu beitragen. Kredite und Investitionen müssen sich an Zielen des Gemeinwohls und des demokratisierten Zugangs zu Ressourcen orientieren. Alle Beteiligten; Produzent*innen, Konsument*innen und Verteiler müssen in der Lage sein autonom Verträge auszuhandeln, die es ihnen ermöglichen, einen Preis für eine bestimmte Qualität und Menge, eine Risikoteilung, einen Lieferplan und entsprechende Zahlungsmodalitäten festzulegen.
Es ist höchste Zeit, diesen Wahnsinn der Zerstörung einer vielfältigen bäuerlichen Landwirtschaft, welche auf den vorhandenen lokalen Ressourcen gründet und die Bevölkerung mit gesunden und hochwertigen Lebensmitteln versorgt, zu stoppen. Die Konzentration der Viehhaltung im Flachland dauert schon seit 30 Jahren und mehr an und muss aufhören. In den Bergen und im Hügelland muss der Viehzucht Vorrang eingeräumt werden. Die Ebenen sollten in erster Linie für Getreide- und Gemüseanbau, Obst und Gemüse genutzt werden, die direkt vom Menschen verzehrt werden können. Natürlich hat die Viehzucht auch in den Ebenen ihren Platz, aber sie muss den Pflanzenanbau ergänzen.
Gesunde Ernährung ist kein Luxus, sondern ein Recht, zu dem alle Bevölkerungsschichten Zugang haben müssen. Dies ist jedoch eine Frage der Sozialpolitik, nicht der Agrarpolitik.
Einige Bäuerinnen und Bauern von Uniterre
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Innerhalb von Uniterre haben wir während verschiedener Diskussionen eine Reihe von Gedanken und Ideen gesammelt, die wir mit unseren Mitgliedern und Unterstützer*innen teilen möchten. Damit soll die Debatte breiter werden und unsere Bewegung den dringend notwendigen Schub bekommen: Für eine bäuerliche Landwirtschaft, die in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht wertvoll und nachhaltig ist.