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Cuiabá, 29. März 2012 Missachtung der Quellen und Flüsse bedroht das Pantanal, dies geht aus einer unveröffentlichten Studie, die Brasilien, Bolivien, Paraguay und Argentinien einbegreift hervor. Die Studie weist auf Gebiete hin, denen man mehr Aufmerksamkeit widmen sollte, um das Überleben der grössten überschwemmbaren Ebene unseres Planeten zu garantieren.
Die Erhaltung des Beckens des Rio Paraguai und das Überleben des Pantanal werden in erster Linie durch die Missachtung der Quellen und die Versandung der Flüsse bedroht, die aus Gebieten der umgebenden Hochplateaus (mit Cerrado-Vegetation) in die Pantalebene hinunter fliessen. Deshalb wurde die unveröffentlichte “Analyse des ökologischen Risikos für das Becken des Rio Paraguai“ am “Welttag der Feuchtgebiete“ (2. Februar) herausgegeben, die beweist, dass die Hälfte des Pantanalbeckens sich in grosser bis mittlerer Bedrohung durch ein ambientales Risiko befindet – dass 14% davon eines schnellen Schutzes bedürfen, wegen ihrer grossen Wasserreserven und ihrer Kapazität, den Zyklus abwechselnder Überflutung und Trockenperiode beizubehalten, von denen das Leben im Pantanal abhängt.
“Wenn wir die Gesundheit des Pantanal konstatiert haben, können wir uns zukünftigen Problemen zuwenden, wie das der Klimaveränderungen, aber die Gesundheit des Pantanal ist bedroht durch fahrlässige Aktionen, in der Gegenwart“, hob Glauco Kimura hervor, interner Koordinator des “Wasserprogramms für das Leben“ des WWF-Brasilien.
Die bedeutendsten Bedrohungen des “Paraguay-Beckens“ sind die Abholzung und die falsche Behandlung des Bodens für die Landwirtschaft – sie verursachen Erosionen und die Versandung der Flüsse. Hydroelektrische Staumauern verändern die natürliche Wasserversorgung des Pantanal. Dem Wachstum der Bevölkerung und der urbanen Ausbreitung folgen infrastrukturelle Massnahmen, wie Autostrassen, Dämme, Häfen und Wasserstrassen, die das sensible ambientale Gleichgewicht des Pantanal bedrohen.
Diese Bedrohungen interagieren als Gesamt oder isoliert in jeder der kritisch untersuchten Regionen: Den Quellen und Zuflüssen im Cerrado und dem “Bosque Chiquitano“ (Brasilien) – dem Atlantischen Regenwald des Rio-Paraguai-Beckens – der Entwicklungsachse Salta/Jujuy und Puerto Suarez und dem Tal des Tucavaca (Bolivien).
Lediglich 11% (oder 123.600 Km2) der Pantanalebene sind leidlich geschützt – davon nur 5% (56.800 Km2) unter Gesamtschutz, als National- oder Staatsparks und ökologische Stationen. Aber diese mehr als 170 geschützten Gebiete sind nicht entsprechend verteilt, um jene Regionen zu schützen, die das meiste Wasser liefern oder die reichste Biodiversifikation aufweisen.
Die Untersuchungen, durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem WWF, The Nature Conservancy und dem Forschungszentrum Pantanal, sind alarmierend und verlangen von den Ländern, Staaten und Munizipien Projekte zur Reduzierung der Risiken und Modelle zur erhaltenden Entwicklung. Es gibt keinen Platz mehr für eine Kultur des Überflusses und der Verschwendung, so als ob es einen unendlichen Vorrat an nativen Wäldern gäbe, die man abholzen kann, an Wasser, das man verschmutzen und an Erde, die man verseuchen kann.
Das Becken des Rio Paraguai und das Pantanal müssen nicht allein wegen jener unzähligen Spezies an Pflanzen und Tieren geschützt werden, die sich dort befinden, wegen ihrer Naturschönheiten und ambientalen Nützlichkeiten – sondern auch, weil von dieser regionalen Gesundheit mehr als acht Millionen Menschen abhängen, ihre heute auf 30 Millionen Rinder geschätzte Wirtschaft und fast 7 Millionen Hektar bepflanzter Felder, was einem Drittel des Bundesstaates São Paulo entspricht!
Empfehlungen
Über seine Funktion als natürliche Zuflucht der Spezies hinaus, als Heimat einer eigenwilligen Bevölkerung und ihrer angepassten Wirtschaft, ist das Pantanal auch eine wertvolle und strategische Reserve des Süßwassers, besonders wichtig angesichts einer ungewissen Zukunft gegenüber der klimatischen Veränderungen.
Folglich sind Änderungen an Entwicklungsmodellen und die Schaffung von weiteren Schutzgebieten (öffentliche und private), besonders in den Quellgebieten der Flüsse, intelligente und strategisch bedeutende Aktionen der vier verantwortlichen Länder in Hinsicht auf ihre Erhaltung – die Entwicklung einer Agenda zur Anpassung des Beckens an die Klimaveränderungen wäre ebenfalls zu empfehlen.
Die extensive Viehzucht braucht eine grössere technische und wirtschaftliche Unterstützung, damit die Produzenten vertraut werden mit der Konservierung von Wasser und Boden, der Handhabung und Rückgewinnung von Weiden, sowie der Integration von Landwirtschaft und Viehzucht. “Die Direktpflanzung in Stroh ist eine gute Alternative, weil sie den Boden vor Wind und Regen schützt, und er so reicher an Nährstoffen und folglich auch produktiver verbleibt. Trotzdem wird weiterhin extensiv mit Pflanzenschutzmitteln, zum Beispiel im Sojaanbau, gearbeitet, Gifte, die in die Flüsse gelangen, welche das Pantanal speisen“, kommentiert Kimura.
Ausser der Landwirtschaft gibt es im Becken bedeutende Areale zum Abbau von Mineralien – allen voran die Andenregionen wie Potosi (Bolivien), die Ausbeutung von Erdgas im Übergang des Chaco zu den Anden, die Gold- und Diamantenminen in Mato Grosso und die Eisen-, Mangan- und Kalkminen in Mato Grosso do Sul.
Was die bereits operierenden Wasserkraftwerke betrifft, so besteht ein Weg aus der Einführung von Operations-Schemata, welche sich dem Zyklus von Überschwemmungen und Abfluss der Natur anpassen. Für Staudämme in der Planung wir es notwendig sein, ihre kumulativen Auswirkungen auf die Flüsse und das Becken zu berechnen und herauszufinden, welche Gebiete sich dafür eignen, und welche nicht, ohne das Pantanal zu gefährden.
“Staudämme gefährden die Dauer und Intensität des jährlichen Wasserzyklus von Überschwemmung und Abfluss, gefährden das Leben, die Wirtschaft und die Bevölkerung, die vom ökologischen Gleichgewicht des Pantanal abhängig sind. Reservatorien verändern die Zirkulation der Nährstoffe und die Emissionen der Gase mit Treibhauseffekt, Parameter, die besser dimensioniert werden müssen“, warnt Albano Araújo, Koordinator der “Strategie des Süsswassers“ aus dem Programm zur Erhaltung des Atlantischen Regenwaldes und der zentralen Savannen der “The Nature Conservancy“.
Feuchtgebiete
Das sind Übergangszonen zwischen aquatischen und terrestrischen Ökosystemen, die vom ambientalen Gesichtspunkt äusserst sensibel und verwundbar sind.
Ausser dem Pantanal besitzt Brasilien weitere acht wichtige Feuchtgebiete: Die “Reserva de Desenvolvimento Sustentável Mamirauá (Bundesstaat Amazonas), Ilha do Bananal (Bundesstaat Tocantins), Reentrâncias Maranhenses (Bundesstaat Maranhão), Área de Proteção Ambiental da Baixada Maranhense (Bundesstaat Maranhão), Parque Estadual Marinho do Parcel de Manoel Luz (Bundesstaat Maranhão), Lagoa do Peixe” (Bundesstaat Rio Grande do Sul) und die “Reserva Particular do Patrimônio Natural SESC Pantanal” (Bundesstaat Mato Grosso).
Diese Gebiete sind als “Sítios RAMSAR” klassifiziert – das sind von den Ländern ausgewählte und von Technikern anerkannte Feuchtgebiete, im Zusammenhang mit ihrer ökologischen Bedeutung. Sie wurden anlässlich der “Konvention von Ramsar“ festgelegt, die 1971 in der gleichnamigen persischen Stadt stattfand. Ausser ihrem Schutz durch die Konvention, wird an jedem 2. Februar eine Bilanz dieser bedeutenden Gebiete vorgenommen.
Die “Konvention von Ramsar“ ist ein Abkommen zwischen den Regierungen, welches nationale und internationale Aktionen zur Erhaltung und für die rationale Nutzung der Feuchtgebiete und ihrer natürlichen Ressourcen festlegt. Jedes Jahr schlägt der Sekretär dieser Konvention ein Thema zur Entwicklung von Aktionen der Konventionsmitglieder vor. In diesem Jahr hiess es: “Tourismus in Feuchtgebieten – eine grossartige Erfahrung“.
Original von Daniele Bragança
Deutsche Bearbeitung Klaus D. Günther für BrasilienPortal