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Herkunft
Marie Goegg-Pouchoulin wurde am 24. Mai 1826 in eine Uhrmacherfamilie hugenottischer Herkunft geboren. Schon in der Familie wurde sie mit fortschrittlichen Ideen vertraut. Im Jahr 1845 heiratete sie den Kaufmann Marc Antoine Mercier, und dem Ehepaar wurde bald ein Sohn geschenkt.
Die Begegnung mit der Politik
Nur wenige Jahre später erhielt Marie Merciers Leben eine neue Wendung - das Scheitern der meisten Revolutionen des Jahres 1848 führte dazu, dass sie in die Welt der Politik eintauchte. Denn damals wurde Genf zu einem Zentrum für die politischen Flüchtlinge. Sie lernte viele Flüchtlinge kennen, unter anderem einen deutschen Revolutionär, in den sie sich verliebte: Amand Goegg, den ehemaligen Vizepräsidenten der Volksversammlung der Badischen Republik und Finanzminister der Provisorischen Regierung, der 1849 ins Schweizer Exil gegangen war. Marie Goegg verliess ihren Mann und versuchte, sich von ihm zu scheiden, was erst 1856 gelang.
An Goeggs Seite auf vier Kontinenten
Als Amand Goegg 1851 aus der Schweiz ausgewiesen wurde, folgte sie ihm zuerst nach Paris, dann nach London, wo sie die entstehende Frauenbewegung kennen lernte. Nach weiteren Stationen des Exils (Amerika, Australien und Südamerika) kehrte das Paar nach Genf zurück, wo es nach Marie Pouchoulins Scheidung heiratete. Eine Generalamnestie für Revolutionäre ermöglichte Goegg 1862 die Rückkehr nach Baden, aber schon 1866 lebte das Paar wieder in der Schweiz, und zwar (bis 1868) an der Obergasse in Biel.
Marie Goegg-Pouchoulins Rolle in der frühen Frauenbewegung
1867 beteiligten sich Marie und Amand Goegg in Genf an der Gründung der Internationalen Liga für Frieden und Freiheit, einer Organisation, die nationale Konflikte durch die Bildung einer Europa-Union überwinden wollte. Ein weiteres Ziel der Liga war die Abschaffung der stehenden Heere und die Durchsetzung der Prinzipien der Französischen Revolution. Im folgenden Jahr beteiligte sich Marie Goegg-Pouchoulin an der Redaktion des Organs der Liga, der Zeitschrift Les Etats-Unis d'Europe. In dieser Publikation veröffentlichte sie am 24. Februar 1868 einen Appell zur Gründung einer internationalen Frauenorganisation: In allen europäischen Städten sollten Frauen Komitees bilden und Treffpunkte für Bildung und Austausch schaffen. Tatsächlich gelang es ihr noch im gleichen Jahr, die Association internationale des femmes zu gründen, die sich die umfassende Gleichberechtigung der Geschlechter zum Ziel setzte.
Erste konkrete Erfolge
Mit den Jahren gelang es den Pionierinnen der Frauenbewegung, gewisse Reformen zu Gunsten der Frauen durchzusetzen. Ab 1872 wurden an der Universität Genf auch Frauen zum Studium zugelassen - ein Durchbruch, der bald darauf auch in Bern und in Zürich Schule machte. 1874 wurde die Bevormundung der ledigen und verwitweten Frauen im Kanton Waadt aufgehoben. Auch auf wirtschaftlicher Ebene erzielte die frühe Frauenbewegung einen wichtigen Erfolg: Die Post- und Telegrafenberufe wurden den Frauen zu gleichen Bedingungen wie den Männern zugänglich gemacht.
Ein neuer Lebensabschnitt
Im Jahr 1874 begab sich Goegg auf eine Vortragsreise nach Australien, es folgten weitere ausgedehnte Auslandreisen. Marie Goegg blieb in Genf. Nach Auskunft von Frau Vaney habe Goegg seine Frau dazu bewegen wollen, ihn zu begleiten, sie jedoch fand, sie könne die Seereisen nicht mehr ertragen. Möglicherweise im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Problemen zog sie sich in den folgenden Jahren nach und nach vom politischen Engagement zurück. Die Petition an die Bundesversammlung, in der sie 1886 mit 138 anderen Frauen die Einführung des Frauenstimmrechts forderte, fand jedoch noch einmal viel Beachtung.
Politisches Engagement bis ins hohe Alter
Im Alter von 65 Jahren wurde Marie Goegg-Pouchoulin zur Vizepräsidentin der Union des femmes de Genève gewählt, fünf Jahre später nahm sie am ersten gesamtschweizerischen Kongress für Fraueninteressen in Genf teil. Ihre Hoffnung, der Durchbruch für das Frauenstimmrecht stehe kurz bevor, blieb unerfüllt.
Am 24. März 1899 verstarb Marie Goegg-Pouchoulin in Genf.
Quellen:
Rahm, B. (1993). "Marie Goegg", Schaffhausen: ALA-Verlag