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Nach Fabrikeinsturz: 31 Modefirmen unterschreiben Sicherheitsabkommen, aber Tally Weijl und Charles Vögele weigern sich weiter
16. Mai 2013
Das Abkommen ist ein Meilenstein für Bangladeschs Bekleidungsindustrie, da sich die unterzeichnenden Firmen einem transparenten, rechtlich bindenden Abkommen mit starker Gewerkschaftsvertretung und finanzieller Beteiligung an den Sanierungen der Fabriken verpflichten. Charles Vögele und Tally Weijl haben trotz mehrmaliger Aufforderung durch die EvB und die UNIA die Unterzeichnung unter fadenscheinigen Begründungen verweigert. In einem Schreiben vom 14. Mai 2013 teilt Charles-Vögele-CEO Markus Vögeli stattdessen mit, dass die Herstellungsbedingungen in Bangladesch „nur mit einer breitabgestützten Branchenlösung“ verbessert werden könnten. Tatsächlich repräsentieren die insgesamt 31 Unterzeichnerfirmen aber einen wesentlichen Teil der bangladeschischen Bekleidungsindustrie. So bezieht H&M Waren aus rund 260 und Inditex aus rund 350 Fabriken in Bangladesch.
Tally Weijl wiederum teilte der EvB und UNIA mit, dass das Unternehmen „in den nächsten Monaten erneut Audits bei den bangladeschischen Lieferanten durchführen“ werde. Genau solche Überprüfungen wurden aber auch im eingestürzten Fabrikgebäude von BSCI (Business Social Compliance Initiative) und von TÜV Rheinland/Bangladesch durchgeführt.
Der durch Baumängel verursachte Kollaps des Rana Plaza forderte offiziell 1127 Tote und 2438 Verletzte. Die Rettungskräfte haben ihre Suche inzwischen eingestellt. Die geschätzte Gesamtsumme fälliger Kompensationen für die Opfer und ihre Familien beläuft sich auf 54 Millionen Euro. Berichte lokaler CCC-Partner unterstreichen, dass die Tragödie viele Betroffene neben der Trauer auch in tiefste finanzielle Not gestürzt hat. Bisher haben 12 Firmen, darunter Benetton, El Corte Inglés und Mango ihre Produktion in den eingestürzten Fabriken bestätigt. Viele weitere Firmen haben ihre Geschäftsbeziehung nicht bestätigt und verlangsamen damit die Verhandlungen zu den Opferentschädigungen. Die CCC erwartet, dass Kunden der eingestürzten Fabriken unverzüglich mit bangladeschischen Gewerkschaften und dem globalen Arbeitnehmerverband IndustriALL Global Union Verhandlungen aufnehmen und die Opferentschädigung sicherstellen. Nebst den Markenfirmen sind auch die bangladeschische Regierung sowie der bangladeschische Arbeitgeberverband (BGMEA) aufgerufen, Entschädigungszahlungen an die Opfer zu leisten.
Hintergrund:
Das transparente und rechtlich bindende Abkommen verpflichtet Fabriken und Markenfirmen, Fabrikgebäude sicherheitstechnisch zu verbessern. Vertragspartner sind die global tätigen Branchengewerkschaften IndustriALL Global Union und UNI Global Union sowie lokale Gewerkschaften in Bangladesch. Zu den Initianten und Unterstützer des Abkommens gehören zusätzlich zahlreiche internationale Arbeitsrechtsorganisationen, darunter die Clean Clothes Campaign. Das Abkommen wird auch von der Internationalen Arbeitsorganisation der UNO (ILO) unterstützt. Die CCC war massgebend an der Erarbeitung des Abkommens beteiligt und wird während der Umsetzung eine kritische Beobachterrolle einnehmen. Das Abkommen beinhaltet Gebäudesicherheitskontrollen durch unabhängige Sicherheitsfachleute, die Bildung von betrieblichen Arbeitsschutzkomitees sowie eine öffentliche Berichterstattung über alle Kontrollen. Zentral im Abkommen ist zudem die Verpflichtung der unterzeichnenden Markenfirmen, sich finanziell an den notwendigen Renovationen und Reparaturen in den Fabriken in Bangladesch zu beteiligen.
Bis zum Stichdatum vom 15. Mai 2013 / Mitternacht haben insgesamt 31 Firmen das Abkommen unterzeichnet, darunter H&M, Inditex (Zara), Benetton, Mango und C&A.
Die Berechnung für die Entschädigungssumme basiert auf der ILO-Konvention 121 und einer Berechnungsgrundlage für Kompensationszahlungen für Opfer der Fabrikfeuer in der Hameem-Fabrik (2010), Eurotex safety accident (2011), Tazreen Fabrikfeuer (2012) und Smart Export Feuer (2013). Die Summe setzt sich zusammen aus 500`000 Taka pro ArbeiterIn für die erlittenen Verletzungen, sowie Entschädigungen für Lohnausfälle. Detaillierte Informationen zur Berechnung finden sich in diesem Bericht der CCC:
www.cleanclothes.org/resources/publications/2012-11-hazardousworkplaces.pdf
Die Clean Clothes Campaign (CCC) setzt sich für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie ein. Sie unterhält nationale Kampagnen in 15 europäischen Ländern und ein Netzwerk von 250 Organisationen weltweit. In der Schweiz wird die CCC-Arbeit von der Erklärung von Bern koordiniert und von 19 nationalen NGO mitgetragen.