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Ein Mann, eine Stimme. Tief, durchdringend und dramatisch – so lässt sich der Gesang von Jonathan Jeremiah wohl am besten beschreiben. Die Instrumentierung seiner Songs ist eindrucksvoll und wahnsinnig opulent. Dass er unter diesen Voraussetzungen dennoch ein ungemein gefühlvoller Sänger ist, stellt er ab Freitag mit seinem Debütalbum 'A Solitary Man' unter Beweis. Wir haben den Sänger aus London zum Interview getroffen.
hitparade.ch: Du hast mit 6 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen und machst seitdem Musik. Was war der Grund, dass man dein Album 'A Solitary Man' erst jetzt im Handel sieht?
Jonathan Jeremiah: Weil ich keinen Vertrag hatte. Die Plattenfirma, die ich bevorzugte, wollte nicht, dass ich alles selber mache mit dem Laptop. Ausserdem wollte ich nicht von der Zeit eingeschränkt sein, was das Aufnehmen angeht. Ich wollte eine Art George Martin Produktion, wo viele Leute in einem Raum zusammen arbeiten. Es hat mich viel Geld gekostet. Ich musste wirklich hart arbeiten, manchmal hatte ich zwei oder drei Jobs gleichzeitig. Es war eine grosse Investition für mich. Ich hatte viele Leute, die in das Studio kamen, die ich bezahlt habe; die haben nicht für "peanuts" gearbeitet. Ich musste auch lernen, wie man produziert und wie man alles selber macht.
hitparade.ch: Wie du gesagt hast, hast du viel selber gemacht. Die Songs auf deinem aktuellen Album hast du alle selber produziert. Hattest du schon viel Übung und Erfahrungen gesammelt beim Aufnehmen?
Jonathan Jeremiah: Überdimensional, aber ich hätte es mir nicht leisten können, zuviele Sachen auf einmal zu machen. Für den Song "Happiness" mussten wir alles an einem Tag aufnehmen, ich konnte nicht einfach sagen: "Ok, das war gut, kommt morgen wieder". Ich musste genau wissen, was ich wollte. Ich hatte viele Ideen von anderen Produzenten und Künstlern, die mir gute Tipps gaben, die ich nutzen konnte.
hitparade.ch: Gab es Songs, die nicht so gekommen sind, wie du es dir vorgestellt hast?
Jonathan Jeremiah: Nein, ich wusste von Anfang an, wie ein Song klingen muss und ich habe nicht aufgehört, bis es so wurde, wie ich es im Kopf hatte. Das Leitmotiv war, über Liebe zu singen, ich singe nur über Beziehungen. Es wäre komisch gewesen, wie Snoop Dogg zu singen, wo es um gepimpte Autos geht oder wie auch immer. Ich denke, es ist wichtig für das erste Album, die Persönlichkeit miteinzubeziehen, denn so bleibt das Album in Erinnerung. Beim zweiten Album kann man auch einen neuen Markt aufbrechen und die andere Seite des Charakters zeigen. Es ist wichtig, die Gefühle des Künstlers zu kennen und sie den Leuten zu zeigen.
hitparade.ch: Du hast in Wembley als Sicherheitswachmann gearbeitet, da hast du auch viele grossartige Bands live gesehen. Haben diese Live-Auftritte dich einige nützliche Sachen gelehrt, die du brauchtest, um da zu sein wo du jetzt bist?
Jonathan Jeremiah: Nicht wirklich, so etwas war mir gar nicht bewusst. Ich hatte keinen Merkzettel bei mir und bin ihnen gefolgt. Mein Vater war da Elektriker und ich hatte durch ihn meinen ersten Job. Wenn eine Band wie "The Cure" da gespielt hat, dann habe ich etwa 6 Konzerte nacheinander gesehen. Es war toll, obwohl ich sie mit 16 Jahren sehr furchteinflössend fand. Ich wurde also Sicherheitswachmann, aber da ich so dünn war, hätte mich Jeder schlagen können. Ich wurde Nachtwächter. Wenn niemand am Ort gewesen wäre, hätte ich auf die Bühne gehen können und singen. Es war ein guter Job, doch der Lohn war nur 3 Pfund pro Stunde, das Minimum. Eines, was ich gelernt habe ist, dass Jeder, den ich da zu sehen bekam, mindestens 10'000 Fans hatte, das hat schon bewiesen, dass sie etwas richtig gemacht haben. Auch wenn ich die Musik nicht mochte, habe ich versucht herauszufinden, was die Fans an der Band so mögen. Barry Manilow hatte etwa 20 Shows, genauso wie Neil Diamond, der auch einige Male da war. Sie hatten etwas Spezielles übrig für die Fans. Seitdem mag ich Neil Diamond wirklich sehr.
hitparade.ch: Du hast immer gesagt: 'Live zu spielen war für mich wie ein Gespräch zu führen'. Was machst du dafür, um das zu erreichen?
Jonathan Jeremiah: Um ehrlich zu sein, hatte ich bis jetzt noch keine Wahl, in grossen Stadien zu spielen, dieser Luxus ist mir noch vorbehalten. Meine Shows sind sehr intim und das macht sie persönlicher; es ist einfacher, zu kommunizieren. Meine Mutter war eines von 16 Kindern in Irland. Jedes Jahr nahm sie uns mit nach Tipperary, und wir sangen alle "The Sound Of Music", es war immer sehr intim. Wir kamen viel herum und trafen alle Geschwister. Ich denke, das Vertrauliche an meinen Konzerten kommt auch viel von der Kindheit, die ich hatte.
hitparade.ch: Du hast früher gedacht, dass das Aufwachsen mit so einem grossen Bariton in so einem jungen Alter fehl am Platz ist. Hast du gelernt, deine einzigartige Stimme zu kontrollieren und zu schätzen?
Jonathan Jeremiah: Ich wuchs mit Jimmy Page und Slash auf, ich wollte immer so gut Gitarre spielen können. Alle meine Freunde hatten diese Axl Rose- oder Jeff Buckley-Stimmen. Ich war so neidisch, weil ich mich wie ein 60-jähriger, alter Mann aus Alabama mit 60 Zigaretten am Tag anhörte. Das war nicht wirklich das, was ich wollte. Ich denke, wenn man älter wird, akzeptiert man die Stimme immer mehr und man merkt, dass die natürliche Stimme immer die beste ist. Ich habe endlich herausgefunden, wer ich bin, doch es verging eine Zeit, bis es soweit war. Es gab sonst immer die Versuchung, wie jemand Anderes zu klingen.
hitparade.ch: In und über die United States zu reisen, war für dich eine grossartige Erfahrung, doch wurde es nicht so, wie du es dir vorgestellt hattest. Wie waren deine Erwartungen, als du nach Amerika gingst?
Jonathan Jeremiah: Ich hörte mir ständig Carly Simon und Carole King an. Ich habe erst Jahre später herausgefunden, dass Carly Simon's "Your So Vain" in London aufgenommen worden ist, nachdem ich immer geglaubt hatte, es wäre Kalifornien. Es wurde in Soho aufgenommen. Anfangs der 70er Jahre liebte ich diese Sängerinnen. Ich hatte "Solitary Man" aufgenommen und war bei Capital Records. Ich fragte sie, ob sie den Song spielen können für die Anderen, aber das liessen sie mich nicht. Meine englische Stimme brachte mich sicher durch das erste Set, aber nicht durch das zweite.
hitparade.ch: Nachdem du in der Wembley Arena gearbeitet hast, wäre es ein ultimativer Traum von dir, da aufzutreten?
Jonathan Jeremiah: Ich denke nicht, ich möchte immer noch in Amerika spielen. Ich hatte schon immer den Draht zu Amerika und das wird sich auch nicht ändern. Es gibt da einfach zwei verschiedene Küsten und die sind recht verschieden. Es ist wundervoll, New York zu sehen, das Business, verglichen zu einem entspannten Verhalten wie in Kalifornien oder Los Angeles. Natürlich sind auch andere Städte interessant, es hat einfach alles. Wenn man die United States Flagge sieht, denkt man, dass es das beste Land der Welt sein muss und es war auch die beste Flagge, die ich gesehen habe.