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Die Kathedrale von Toledo stellt eines der gewltigsten Bauwerke der Christenheit dar. 1226 legte man den Grundstein da, wo schon ein westgotisches Gotteshaus und danach eine Mosche gestanden hatten. Nach französischen Plänen, den Kathedralbauten von Paris und Pourges folgend, soll Meister Martin mit dem Bau begonnen haben, dem Petrus Petri als Architekt gefolgt sein soll. Heute neigt man dazu, Petrus Petri alias Pedro Perez bzw. Pierre de Corbie als den eigentlichen Planer der Kathedrale zu bezeichen. In Angriff genommen wurde eine fünfschiffige französische Anlage mit Querhaus und doppeltem Chorumgang samt Kapellen-kranz Allein die Ausmasse waren für die damalige Zeit gigantisch, sollte doch der Neubau den ganzen Raum einnehmen, den vormals die Moschee mit dem Oran-gengarten überdeckt hatte. Entstanden ist ein Bauwerk von 120 m Länge, 39 m Breite und 39 m Höhe. Der Turm, ein Werk von Rodrigo Alfonso und Alvar Gómez, erreichte bei seiner Fertigstellung im Jahre 1440 die Höhe vom 90 Meter. Bis zur Fertigstellung der Kathedrale sollten zweieinhakb Jahrhunderte verstreichen. 1493 war sie vollendet. Dass es dabei gegenüber dem ersten Plan verschiedene Ände-rungen und Ergänzungen gab, ist verständlich. Man hielt zwar an der ursprüngli-chen Baustruktur bis zuletzt fest, durchmischte sie aber mit spanisch-maurischen Besonderheiten bzw. Stilelementen.
Hauptfassade mit Turm und mozarabischer Kapelle
Äusseres
Die Hauptfassade besitzt drei gotische Portale mit reichem Figurenwerk. Der Haupteingang (Puerta del Pardón) zeigt im Tympanon, wie die Jungfrau Maria dem hl. Ildephons das Messgewand überreicht (wie schon an der Puerta del Sol). Dar-über ist fast vollplastisch das letzte Abendmahl zu sehen. Das Tympanon der Puerta del judicio final (rechterhand vom Hauptportal) ist mit einer eindrücklichen Darstellung des jüngsten Gerichts geschmückt, während die Puerta del torre einzig pflanzliche Motive zeigt. Durch dieses Portal zog früher die Palmsonntagsprozes-sion. Dies könnte der Grund für die Ausgestaltung sein.
Links der Portale steht der massvoll schlichte Unterbau des Glockenturms, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts unter dem Baumeister Albar Martínez errichtet wor-den ist. In den oberen Stockwerken führte der flämische Architekt Hannequin de Bruselas den Bau im flamboyanten Stil weiter. Er verschlankte den aufgesetzten achteckigen Körper in drei Etappen, versah ihn mit Strebebögen, Fialen und filigra-nem Schmuck und gab der Spitze eine dreifache Krone. - Auf der gegenüber-liegenden Seite befindet sich die Capilla Mozárabe. Ihre Gestaltung ist im unteren Bereich ebenfalls schlicht. Das hübsche Oktogon mit der Kuppel ist später ent-standen und das Werk von El Grecos Sohn Jorge Manuel Theodocópoli.
Puerta del Pardón
Die Südfassade besitzt zwei Portale: die Puerta Llana entstand im 18. Jahrhundert im klassizistischen Stil, die Puerta de los Leones (1460 bis 1466) ist das Werk von Juán Alemán und den Brüdern Guas, wohl das schönste Portal der Kathedrale. Besonders gelungen ist der Fries über den Türflügeln. mit der fein ziselierten Dar-stellung des Tods von Maria sowie ihrer Bestattung, darüner die Himmelfahrt. Der Name bekam die Pforte von den Löwen, die auf einer Säulenreihe vor ihrem Ein-gang stehen.
Hervorragende Steinmetzarbeiten an der Puerta de los Leones
Die Puerta del Reloj ist in der Nordfassade untergebracht. Ihren Namen bekam sie von der Uhr, die sie bekrönt. Geschaffen wurde sie im frühen 14. Jahrhundert. Sie ist mit biblischenn Szenen (Verkündigung, Maria Heimsuchung, Geburt Jesu, Verkündigung an die Hirten, Zug der Drei Könige, Anbetung der Könige, Traum der Könige auf einem andern Weg heimzukehren, Darstellung im Tempel, Josefs Traum, Flucht nach Ägypten Häusliches Leben in Nazareth, Auffinden von Jesus im Tempel zu Jerusalem, Taufe Jesu im Jordan, Hochzeit zu Kanaa, Wunderbare Brotvermehrung, Auferweckung des Lazarus, Mariae Tod) geschmückt.
Puerte del Reloj mit dem figurenreichen Tympanon.
Inneres
Der Innenraum enttäuscht auf den ersten Blick die Erwartungen, die man gewöhn-lich an eine gotische Kathedrale knüpft. Denn er ist weder besonders lichtvoll noch von einem himmelwärts strebenden Höhendrang erfüllt. Das Hauptschiff ist zwar hoch, aber auch verhältnismässig breit (13 Meter). Die tiefliegenden Gurtenbögen steigen zudem über vorgelagerten Dienstbündel nur màssig steil aufwärts. Die Seitenschiffe sind in ihrer Breite noch ungewöhnlicher. So entsteht der Eindruck eines gewaltigem nach oben hin gestafelten Raums und einer riesigen Flucht, deren Ende aber nicht fixiert werden kann, weil der gesamte Mittelteil einen abgeschlos-senen Block bildet (Chor). Undurchsichtige Räume, die Schatzkammern gleichen, unterbrechen das Panorama. Dem Hauptaltar gegenüber befindet sich wie oft in Spanien der Klerikerchor, aussen und innen kunstvoll gestaltet; dazwischen die wenigen Bänke für hoch gestellte Gläubige. Für den Besucher wird vielleicht gerade wegen dieser im Irdischen befangenen und dessen dunkle Geheimnisse wahrenden Architektur eine Aura der Geborgenheit spürbar, wie sie sonst eher romanischen Kirchen als gotischen Kathedralen eigen ist.
Blick vom südlichen Seitenschiff ins Hauptschiff der Kathedrale
Capilla Mayor
Hochaltar und Hauptchor. Das Chorgitter gehört zu den prachtvollsten in Spanien. Es zeigt die besondere Kunst des Schmiedehandwerks, die man hier entwickelt hat. Geschaffen hat das reich vergoldete und verzierte Werk Francisco Villalpando zwi-schen 1538 und 1542. Renaissanceformen, die Embleme von Karls V. zeigen (Wap-pen, Kette des Goldenes Vlieses, zwei Säulen des Herkules mit dem Wahlspruch «plus ultra») bilden Dekorationen in kunstvoll manieristischer Art.
Dahinter steht der grossartige Hochaltar, an dem über 20 Künstler aus Frankreich, Holland, Deutschland, Italien und Spanien gearbeitet haben, drunter auch Enrique Egas und Juan de Borgoña. Die thronende Madonna des Marienaltars stammt aus älterer Zeit. Sie wurde bereits 1418 geschaffen. Auf drei Etagen und in fünf Ebenen gliedert sich das aus geschnitztem und gefassten Lärchenholz in Szene gesetzte Geschehen: in der Hauptache von unten nach oben eine thronende Maria mit Kind, die Geburt Christi und die Himmelfahrt Mariens; zuoberst der Gekreuzigte mit Maria und Johannes unter dem Kreuz. Die übrigen Bilder sind in zwei Kreisen um das zentrale Geburtsbild angeordnet. In Innern Kreis weitere Darstellungen zur Geburt mit Verkündigung, Anbetung der Könige, Kindermord von Bethlehem und Beschnei-dung Jesu. Der äussere Kreis zeigt Szenen zu Passion und Auferstehung. Die Er-zählung beginnt unten mit dem letzten Abendmahl, der Fusswaschung und dem Beten Jesu im Ölberg (samt schlafenen Aposteln), Geisselung und Verspottung Jesu, Kreuzweg mit Veronikas Schweisstuch, Kreuzabnahme, Auferstehung, Him-melfahrt und Pfingsten. Die einzelnen Szenen sind Umgeben von Propheten, Heili-gen und Engel sowie Türmchen, Fialen und anderen gotischen Architekturfragmen-ten, alles zu einem grossen Ganzen zusammengefasst.
Hauptaltar mit den Szenen zu Geburt, Passion, Auferstehung und Pfingsten
Coro
Einen weiteren Höhepunkt stellt das Chorgestühl dar. Es ist schwer das Werk richtig zu würdigen. Wie normales Chorgestühl ist es doppelreihig aufgebaut. Doch hat es allein in der unteren Reihe Platz für 54 Chorherren. Die Rückwand dieser Reihe ist mit Szenen der Rückeroberung des Königreichs Granada gefüllt. Geschaffen hat sie wie überhaupt den unteren Teil des Gestühls der deutsche Künstler Rodrigo Alemán von 1498 bis 1495. Er hat dabei eine anschaulich vorgetragene und realistische Bildreportage mit vielen Details über das damalige Kriegsgeschehen geschnitzt (Nussbaum). 1536 ging der Auftrag an den Franzosen Felipe Bigarny die oberen Sitzreihen in einer von Alonso de Covarrubias entworfenen Arkadenarchitektur zu gestalten. Dargestellt werden sollten Heilige des Alten und Neuen Testaments. 1537 kam der Spanier Alonso de Berruguete, der nach dem Tod Begarnys 1543 auch die Skulpturen des Bischofsstuhls schuf. 35 Bilddafeln der nördlichen Seite des Chor-gestühls stammen von Begarny, die anderen 35 hat Berruguete geschnitzt. Erschei-nen die Figuren des Franzosen in Darstellung und Ausdruck zwar würdevoll, aber vergleichsweise starr und unbewegt, schildert der in Rom an Michelangelos Bildhau-erkunst geschulte Berruguete seine Heiligen dramatisch bewegt und den Bildrahmen buchstäblich sprengend. Zu sehen sind von ihm entfesselte, aber beseelte nackte Figuren von höchster bildhauerischer Kunst. - Nicht vergessen werden dürfen die Misericordien, in denen Szenen aus dem Alltag in und um Toledo in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderst auf recht amüsante Art dargestellt werden.
Detail aus dem Chorgestühl: Hiob (links) und Eva
Weitere Sehenswürdigkeiten der Kathedrale
Ausser dien Sehenswürdihkeiten von höchstem Rang gibt es in der Kathedrale noch viele andere zu bewundern, die auch einen längeren Text verdient hätten. Einige von ihnen sollen wengistens erwähnt werden: Die Rückwand des Chorgestühls (Trascoro) mit Mittelaltar, Ende des 14. Jahrhunderts, Seitenaltäre 16. Jahrhundert; die Santiago-Kapelle mit Grabmälern aus dem 15. Jahrhundert; der Altar des hl Ildefons von Felipe Begarny, erstes Drittel 16. Jahrhundert (mit Darstellung des Kasula-Wunders); die Johannes-Kapelle (Capilla San Juan) mit schöner Portal-gestaltung, im Innern eine Mudéjar.Decke von 1540, der Raum dient heute als Schatzkamme-museum (u.a. zu sehen die 2.90 m hohe Silbermonstranz von 1520 in zartestem Filigran, weitere liturgische Geräte und Reliquiare vom 13. bis 17. Jahrhundert, illuminierte Bücher); Sakristei im Herrera-Stil (Deckengemäle um 1800), sie dient heute als Pinakothek der Kathedrale mit Spitzenwerken von El Greco (Entkleidung Jesu), Francisco Goya (Gefangennahme Jesu) und anderen Malern; Chorhauptkapelle San Ildefonso; Transparente (die Ausgestaltung des Chorumgangs an der Rückseite des Hochaltars ist nach dem Durchbruch in der Höhe der Custodie benannt, welche das ausgestellte Allerheiligst «transparent» machen sollte. Das Werk schuf 1721-1732 der Architekt, Maler und Bildhauer Narciso Tomé): Kapitelsaal und Kreuzgang.
Wanderung
Es handelt sich um eine Rundwanderung 30 km westlich von Toledo, beim Stausee Burdejón. Unterwegs werden wir zwei verschiedene Landschaften sehen: im ersten Teil Weiden und Ackerflächen. Dann gelangen wir zu den "barrancas" (Schluchten), welche der Route ihren Namen gegeben haben. Die Wanderung verläuft innerhalb der «Red Natura 2000», ein Projekt für das Studium und die Pflege der Natur. Die Schluchten bildeten sich vor 20 Milionen Jahren. Daran beteiligt waren Wind, Niederschläge und natürlich der Fluss Tajo. Bevor dieser gestaut worden war, floss er noch tiefer.
Wanderweg zum Embalse Burdejón
Blick auf den Stausee und die zerklüftete Felsenlandschaft