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In den letzten Jahren ist «Burnout» eine häufige Diagnose geworden und in aller Munde. Was wird unter Burnout verstanden? Wann leidet jemand unter Burnout und was bedeutet das für die betroffene Person? Was kann man dagegen tun? Darauf wollen wir im heutigen Beitrag genauer eingehen.
Was wird unter dem Begriff «Burnout» verstanden?
Der Begriff «Burnout» kommt aus dem Englischen von «to burn out», was auf Deutsch «ausbrennen» heisst. Früher sprach man von einer «Erschöpfungsdepression». Heute ist der Begriff des Burnouts allgemein bekannter.
Ein Burnout beschreibt einen emotionalen, geistigen und körperlichen Erschöpfungszustand des Betroffenen. Diese Erschöpfung führt zu einer Antriebs- und Leistungsschwäche.
Ein Burnout entsteht nach Monaten, eventuell sogar nach Jahren, in denen sich die Betroffenen gestresst fühlen aufgrund von dauernder Überarbeitung und Überforderung. Sie befinden sich in einem Zustand der Niedergeschlagenheit, der sich auch während der Freizeit und während den Ferien nicht bessert. Viele Betroffene fühlen sich sehr lustlos. Ihnen fehlt die Energie, am Morgen aufzustehen und durch den Tag zu gehen.
Ging man früher davon aus, dass ein Burnout-Syndrom die Krankheit der sozialen Berufe (z.B. Pflegepersonal und Ärzte) ist, so geht man heute davon aus, dass alle Erwachsenen unabhängig von ihrem Beruf betroffen sein können. Allerdings ist die Häufigkeit des Auftretens in bestimmten Berufsgruppen höher: Manager/innen, Lehrer/innen, Sozialarbeiter/innen, Pflegepersonal, Gefängnispersonal, Pfarrer, Ärzte/innen sind häufiger als andere Berufsgruppen betroffen. Auch alleinerziehende Mütter sind gefährdet, an einem Burnout zu erkranken.
Schlussendlich entsteht ein Erschöpfungszustand aufgrund von verschiedenen Faktoren: Die Arbeitswochenstunden, die Art der Aufgaben, die Arbeitsbedingungen und die individuellen Voraussetzungen zum Umgang mit Stress spielen eine Rolle.
Burnout-Diagnose
Die Diagnose «Burnout» ist in den Fachkreisen der Klinischen Psychologie umstritten. In den beiden bekannten Diagnoseschlüsseln der klinischen Psychologie, dem ICD-10 («International Classification of Diseases») und dem DSM-V («Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen») wird das Burnout-Syndrom nicht als eigenständige Krankheit aufgeführt.
Während das Burnout im ICD-10 als Zusatzdiagnose unter «Problemen mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung» eingestuft wird, ist es im DSM-V nicht als Diagnose erwähnt. Dies macht es schwierig, wissenschaftlich standardisierte Diagnosekriterien festzulegen.
Burnout-Symptome
In der gängigen Literatur sind folgende Symptome zu finden, die bei einem Burnout auftreten können, aber nicht müssen:
- Stress, der sich in Müdigkeit und Erschöpfung niederschlägt. Die Betroffenen fühlen sich matt, antriebslos und sind schnell gereizt. Diese Müdigkeit hält über längere Zeit an und bessert sich auch in der Freizeit und während den Ferien nicht.
- Depersonalisierung: Die Betroffenen distanzieren sich innerlich von ihren Aufgaben bei der Arbeit. Sie versuchen nicht mehr, ihren Beruf erfolgreich auszuüben, sondern werten ihn ab. Sie würden am liebsten den Beruf wechseln.
- Es treten psychische Veränderungen auf wie erhöhte Reizbarkeit, innere Unruhe, innere Leere, Lustlosigkeit, Langeweile, Vergesslichkeit, Verzweiflung, Resignation, Frustration, Sinnlosigkeitsgefühle. Den Betroffenen fällt es schwer, nach der Arbeit abzuschalten und sich während ihrer Freizeit zu erholen.
- Die Betroffenen leiden auch unter körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel, Blutdruckinstabilität, Herzrasen, Tinnitus, Muskelverspannungen, Gelenkschmerzen und weiteren Beschwerden. Sie sind anfälliger für Krankheiten jeglicher Art.
- Es können auch kognitive Leistungseinschränkungen auftreten: Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunfähigkeit, Selbstzweifel, Wahrnehmung von Leistungsverlust, Verwirrtheitszustände
- Es können Änderungen im Verhalten vorkommen: Die Betroffenen ziehen sich von Freunden und Familie zurück, konsumieren mehr Alkohol, Nikotin und Drogen und vernachlässigen ihre Hobbies.
Das Beschwerdebild einer Burnouterkrankung ist individuell ausgeprägt. Der/die Betroffene kann an mehreren Symptomen gleichzeitig oder auch im Verlauf der Krankheit an unterschiedlichen Symptomen leiden. Auch weitere, hier nicht genannte Symptome können auftreten.
Wie verläuft ein Burnout?
Zu Beginn arbeitet der/die Betroffene viel. Er/sie setzt sich stark ein für die Arbeit. Diese steht an erster Stelle. Freizeit, Ruhe, Erholung, Abschalten, Abstand nehmen gelingt immer weniger gut. Er/sie hat hohe Erwartungen an die eigene Leistung.
Mit der Zeit jedoch treten unweigerlich Müdigkeit und Erschöpfung auf. Statt sich mehr Zeit und Ruhe zu gönnen, ignorieren die Betroffenen diese Warnsignale ihres Körpers. Sie setzen sich noch stärker für ihre Arbeit ein und vernachlässigen immer mehr das Privatleben (Familie, soziale Beziehungen). Irgendwann empfinden sie es gar nicht mehr als Verzicht: es wird zum Normalzustand, dass nur noch die Arbeit zählt.
Bald ist die Erschöpfung aber so gross, dass die Betroffenen nicht mehr anders können und beginnen, sich emotional von ihrer Arbeit zurückzuziehen. Sie distanzieren sich innerlich von ihren beruflichen Aufgaben und den damit verbundenen Personen (Arbeitskollegen, Kunden/Patienten etc.). Auf den emotionalen Rückzug folgt der soziale Rückzug.
In einer weiteren Phase treten körperliche und psychische Beschwerden auf (siehe Symptome).
Die Betroffenen kommen an den Punkt, an dem sie nicht mehr leistungsfähig sind. Sie können sich am Morgen nicht mehr aufraffen um zur Arbeit zu gehen. Sie können sich nicht mehr konzentrieren und sind nicht mehr kritikfähig. Die Arbeit strengt sie zu sehr an. Sie sind total «ausgebrannt».
Was sind die Ursachen eines Burnout? Wie entsteht ein Burnout?
Es gibt verschiedene Modelle, die beschreiben, wie und weshalb ein Burnout entsteht. Allen gemeinsam liegt die Idee zugrunde, dass ein Burnout die Folge von chronischem Stress und Überarbeitung ist.
Eine mögliche Erklärung für chronischen Stress bildet die Annahme, dass eine ungünstige Wechselwirkung zwischen personenexternen und personeninternen Faktoren entsteht. Die folgenden Arbeitsbedingungen als externe Faktoren können Stress auslösen:
Das Arbeitsklima, die Arbeitskollegen, der Chef/die Chefin, der Umgangston, die Hierarchie, der Lohn, Administratives, vorhandene bzw. nicht vorhandene Ressourcen, hohe Arbeitsbelastung, wenig Anerkennung für die Leistung, drohender Arbeitsplatzverlust, zu viel Verantwortung, zu wenig Handlungsspielraum, Rollenkonflikte und weitere.
Es können aber auch Stressoren im privaten Umfeld auftreten (z.B. Beziehungsprobleme), die einen Einfluss auf das Stresserleben haben.
Das heisst allerdings nicht, dass alle Personen, die solchen oder anderen personenexternen Stressoren am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, ein Burnout entwickeln. Dazu müssen diese Stressoren über einen längeren Zeitraum bestehen.
Die personeninternen Faktoren meinen Eigenschaften der Person als solches (ihre Persönlichkeit). Es gibt eher burnoutbegünstigende Persönlichkeitseigenschaften. Aber auch hier gilt: wer solche Eigenschaften aufweist, erkrankt nicht unbedingt an einem Burnout. Im Gegenteil: diese Eigenschaften erweisen sich meistens sogar als karriereförderlich!
Viele Betroffene haben einen hohen Anspruch an die eigene Leistung verbunden mit dem Willen, diese perfekt zu machen. Sie leiden unter grosser Angst, Fehler zu machen und die gewollte Leistung nicht zu erbringen. Sie legen einen grossen Ehrgeiz an den Tag und sind unfähig, auch mal «Nein» zu sagen und sich von der Arbeit zu distanzieren. Dazu haben sie oft das Gefühl, dass sie alles selbst schaffen könnten. Sie missachten über längere Zeit körperliche Warnsignale.
Wie kann ein Burnout behandelt werden?
Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Therapien, die auf unterschiedlichen Erklärungs- und Behandlungsmodellen basieren. Allen zugrunden liegt die Prävention und Verminderung von Stress.
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Nicole Brütsch-Grolimund (für Protected Child)
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