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Schweizer Geschichte
Pestepidemie
Erste grosse Pestepidemie 1347 – 1352
Die Seuche hat vermutlich 1333 in China während einer Hungersnot begonnen. Über Indien erreichte sie 1347 die Küsten des Schwarzen Meeres, wo sie in den Lagern der Tataren wütete. Khan Janibeg, der Anführer der Tataren, gab nun den Befehl die Pestleichen über die Stadtmauer zu katapultieren. In den nächsten Wochen starb ein Grossteil der Bevölkerung von Kaffa. Die infizierten Kaufleute flohen mit ihren Schiffen nach Genua und Venedig. Diese Massenflucht aus Kaffa war der Ursprung der Pestepidemie in Europa. Unaufhaltsam breitete sie sich über den ganzen europäischen Kontinent aus. In nur fünf Jahren fielen ihr 25 Millionen Menschen zum Opfer. Das war rund ein Drittel der europäischen Bevölkerung.
Die erste grosse Pestepidemie überzog die Schweiz im Jahre 1349. Eine weitere Welle erfasste Europa im Jahre 1519. Zu dieser Zeit zählte die Stadt Zürich und 7’000 Einwohner. Im Sommer des gleichen Jahres brach die Pest auch in Zürich aus und dezimierte die Stadt innert weniger Monate um mindestens einen Drittel der Bevölkerung.
Auch in den Jahren 1519, 1541, 1564, 1611, 1630 und 1636 erfasste die Pest die ganze Schweiz. Sie bewirkte je nach Gebiet Bevölkerungsverluste zwischen 10% und 50%. Die letzte grosse Pestepidemie überzog 1666 – 68 die Schweiz.
Krankengeschichte und Ursache
Bei der Beulenpest klagten die Kranken zwei bis sechs Tage nach Infektion über Unwohlsein, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Lymphknoten schwollen an und platzten auf. Gelangten Pestbakterien über das Blut in die Atemwege, wurde aus der Beulenpest die noch ansteckendere Lungenpest.
Spätestens dann war die Seuche nicht mehr aufzuhalten, die Ansteckungsgefahr noch grösser. Nun übertrug nicht mehr nur der Pestfloh die Krankheit, sondern kleinste Speichelspritzer oder ein flüchtiger Kuss reichten schon aus. Die Lungenpest tötete innerhalb von Stunden, während die Opfer der Beulenpest meist fünf qualvolle Tage lang dahinsiechten. So lange der Kranke noch lebte, war er verdammt, den Gestank seines eigenen verwesenden Fleisches zu riechen.
Die Ursache der Krankheit blieb lange ein Rätsel. Erst im Jahre 1894 entdeckten unabhängig voneinander der Japaner Shibasaburo Kitasato und der Schweizer Biologe Alexandre Yersin den Pesterreger. Unter dem Mikroskop konnte Yersin die Pestbakterien identifizieren. Dabei folgerte er, dass Nagetiere, mit den auf ihnen parasitär lebenden Flöhen, die Überträger der furchtbaren Krankheit waren. Als die Ratten in Europa an der Pest verendeten, suchten die Flöhe, die die tödlichen Bakterien mit sich trugen, nach neuen Wirtstieren.
Eine wirksame Therapie der Krankheit wurde aber erst nach der Entdeckung des Penicillins 1928 möglich; doch schon zuvor sorgten verbesserte Hygiene dafür, dass keine Pestepidemie in Europa noch einmal das Ausmass der Katastrophe aus dem ausgehenden Mittelalter erreichte.