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Der Blutegel ist wie eine kleine, lebende Apotheke.
Die einzelnen Substanzen werden oft auch in Salben und Medikamenten eingesetzt, aber die natürliche Kombination von all diesen aktiven Ingredienzen im lebenden Blutegel ist einzigartig und hat gegenüber den Einzelsubstanzen viele Vorteile. Der Einsatz von Blutegeln ist keine neue Idee und wird seit langem beim Menschen angewendet. Vor allem im 19. Jahrhundert wurden Blutegel breit gefächert in der Humanmedizin eingesetzt.
Im Speichel des Egels sind wahrscheinlich mehr als 100 bioaktive Substanzen enthalten. Uns bekannt sind ca. 25, wobei die bekanntesten Hirudin (hemmt die Blutgerinnung, stärker als Heparin), Eglin (gerinnungs- und entzündungshemmend), Hyaluronidase (löst das Bindegewebe auf, z.B. bei Narben), Calin (hemmt die Aggregation der Blutplättchen und verursacht die lange Nachblutung), Destabilase M (löst Blutgerinnsel), Destabilase L (wirkt antimikrobiell) und histaminähnliche Substanzen (Gefässerweiterung und Durchblutungsförderung) sind.
Blutegel auf einem Hämatom an der linken Schulter eines Ponys
Blutegel bei einem Pferd mit Hufrehe
Blutegel bei einem Pferd mit Sehnenläsion
Der Speichel der Blutegel wirkt lokal gerinnungs- und entzündungshemmend und der venöse - und der lymphatische Abfluss werden angeregt. Somit wird die Durchblutung gefördert und Schmerzen, Entzündungen und Schwellungen gelindert. Zusätzlich wirkt der Speichel lokal antimikrobiell
Wir setzen die Therapie erfolgreich ein bei:
Eine durch Dr. K. Rasch durchgeführte Studie (Blutegeltherapie bei Hufrehe der Pferde - Ergebnisse einer bundesweiten Studie der deutschen Huforthopädie Gesellschaft, 2010) ergab folgende Resultate: In allen behandelten Fällen konnte innerhalb von 24-48 Stunden eine deutliche Verbesserung des Allgemeinbefindens mit verringerter Schmerzhaftigkeit festgestellt werden. Es wurden akut -, sowie auch chronisch erkrankte Pferde behandelt.
Die Blutegel werden mehrere Tage im Voraus bestellt. Nachdem sie bei uns abgekommen sind brauchen sie eine Erholungsphase von gut 1-2 Tagen.
Damit die Blutegel gut anbeissen, darf die Pferdehaut mindestens 3 Tage vor der Behandlung nicht mit Salben und/oder Waschlotionen behandelt werden. Die Haare werden geschoren und rasiert und die Haut wird fein angeritzt, sodass oberflächliche Hautgefässe zu bluten beginnen. Dann werden die Blutegel angesetzt. Die Aussentemperatur spielt dabei eine wichtige Rolle. Bei kalten Temperaturen sind die Blutegel deutlich weniger aktiv und es kann vorkommen, dass manche gar nicht anbeissen.
Nachdem die Blutegel vollgesogen sind (ein Egel saugt zwischen 5-15ml Blut und ein Saugakt dauert zwischen 20-45min) lassen sie sich fallen. Durch die blutverdünnende Wirkung kann es danach zu mehrstündigem Nachbluten (ca. 2-24h) kommen. Dies ist nicht gefährlich für das Pferd.
Nach der Therapie kann es lokal für ein paar Tage zu leichten Rötungen, Schwellung oder Juckreiz kommen. Dies sind normale Begleiterscheinungen. Die Krusten an den Bissstellen sollten belassen und nicht abgekratzt werden.
Die Blutegel werden nach der Therapie getötet indem sie tiefgekühlt (mindestens 24 Stunden bei -18°C) werden. Aus Naturschutzgründen dürfen die Egel auf keinen Fall die Kanalisation hinuntergespült oder in die freie Natur entlassen werden. Sie unterscheiden sich genetisch stark von unseren einheimischen Blutegeln und das Einbringen von fremdem Genmaterial ist verboten.
Alternativ zur Tötung können die Blutegel in einem kleinen Aquarium gehalten werden und fürs gleiche Pferd in ca. 6 Monaten wieder verwendet werden. Um das Übertragungsrisiko von Krankheiten zu eliminieren, werden Blutegel in der Humanmedizin jeweils nur einmal angesetzt.
Wir beziehen unsere Blutegel von der Firma Hirumed Blutegelversand. Dr. med. Kähler Schweizer ist Expertin in Aufzucht, Pflege, Haltung und Anwendung von Blutegeln für medizinische Zwecke.