Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03361.jsonl.gz/2332

Landschaftstheater Ballenberg, Brienz BE
Freilichtaufführungen in Dialekt
Mit der Absicht, den Feierlichkeiten zum 700-Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft im Freilichtmuseum Ballenberg etwas Aussergewöhnliches entgegenzusetzen, inszenierte →Louis Naef 1991 die in Zusammenarbeit mit →Heinz Stalder dramatisierte Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe" von →Gottfried Keller. Naefs Konzept sah von Anfang an vor, mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern wie auch mit Amateurdarstellerinnen und -darstellern zusammenzuarbeiten. Zudem sollte im Stück Dialekt gesprochen werden, unter anderem damit sich die Darstellenden so ausdrücken konnten, wie sie dies im Alltag taten. Über ein Jahr vor Probenbeginn setzte sich Naef intensiv mit der Landschaft auseinander, in die das Museum eingebettet ist. Er stellte vor Ort Recherchen an, studierte die Lichtverhältnisse, achtete auf die von den Bergen und dem nahen See bestimmten und die Akustik beeinflussenden Winde. Mit der Inszenierung setzte Naef dem Stadt-, Dorf- und Freilichttheater das "Landschaftstheater" gegenüber. Obwohl die nationale Presse anfangs kaum am Projekt interessiert war, da das Freilichtmuseum Ballenberg mit Heimatschutz gleichgesetzt und von einem Theater an diesem Ort kaum Innovation erwartet wurde, war die Inszenierung, bei der das Publikum den Schauspielerinnen und Schauspielern von Schauplatz zu Schauplatz folgte, ein Erfolg und das Medienecho gross. Neben den rund zwanzig Darstellenden aus der Region spielten in den Hauptrollen Beatrice Zbinden und Eric Frutiger, in weiteren Rollen Therese Bichsel, →Peter Glauser, →Franz Matter und →Hannes Schmidhauser. Die folgenden Inszenierungen des L. behielten das Konzept bei, professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Amateurdarstellerinnen und -darsteller (je nach Produktion rund zwanzig bis vierzig) in einer Dialektbearbeitung gemeinsam auftreten zu lassen. Ebenso wurden weiterhin Vorlagen von Schweizer Autoren, zudem parabolische Stoffe der Weltliteratur ins Programm genommen. Im Unterschied zur ersten Inszenierung waren die folgenden auf einen Schauplatz konzentriert. 1993–95 inszenierte Naef für das L. jährlich ein Stück, jeweils in einer Bearbeitung von →Hansjörg Schneider: 1993 →Carl Zuckmayers "Katharina Knie" mit Brigitta Weber als Katharina und →Inigo Gallo als Karl Knie, 1994 →Jeremias Gotthelfs "Elsi, die seltsame Magd", erneut mit Weber in der Titelrolle, zudem mit Bichsel und →Ernst C. Sigrist, und 1995 Ibsens "Peer Gynt" (aufgeführt unter dem Titel "Peter Gynt") mit Sigrist als Peter Gynt sowie unter anderen mit Glauser, →Liliana Heimberg →Päivi Stalder und Weber. 1997 folgte →Reinhart Spörris Inszenierung von Hauptmanns "Schluck und Jau" in einer Bearbeitung von Stalder, mit →Hans Heinz Moser und Paul Am Acher in den Titelrollen. Im Gegensatz zu Naefs grossräumigen Inszenierungen reduzierte Spörri das Bühnengeschehen auf einen begrenzten Raum, konnte jedoch damit an die Erfolge Neafs nicht anknüpfen. 1998 inszenierte →Franziska Kohlund Jewgenij Schwarz’ "Der Drache", erneut in einer Bearbeitung von Stalder, unter anderen mit →Peter Brogle, →Buschi Luginbühl und →Margrit Winter. 1999 zeigte das L. Heimbergs Inszenierung von Gottfried Kellers Novelle "Das Fähnlein der sieben Aufrechten", bearbeitet von Schneider, unter anderen mit →Urs Bihler, →Silvia Jost, Elisabeth Rolli und Lukas Spühler. 2000 führte Kaspar Sigrist für Stalders Bearbeitung von Gotthelfs Novelle "Die Käserei in der Vehfreude" Regie. In den Hauptrollen waren Lilo Favri Christen, Anne Hodler, →Martin Hug und Sigrist zu sehen. 2002 folgte →Markus Kellers "An heiligen Wassern" nach dem gleichnamigen Roman von Jakob Christoph Heer in der Regie von Reto Lang mit →Mathias Gnädinger in der Hauptrolle, 2003 erneut unter der Regie von Lang Markus Kellers "Jürg Jenatsch" mit →Marlise Fischer, Christoph Gaugler und →Daniel Ludwig. Die nächste Inszenierung ist für 2005 geplant. Die Stücke wurden jeweils in über zwanzig oft durchweg ausverkauften Vorstellungen (rund 700 Plätze) im Juli und August gezeigt. Getragen wird das L. durch den 1992 gegründeten Verein L., finanziert wird es unter anderem durch verschiedene Sponsoren.
Autor: Heinz Stalder
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Stalder, Heinz: Landschaftstheater Ballenberg, Brienz BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1070–1071.