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Spuren der Römer in Hägendorf
Im Jahre 58 v. Chr. besiegte Gaius Julius Caesar bei Bibrakte die Helvetier, die aufgebrochen waren, um im Südwesten Frankreichs eine neue Heimat zu Suchen. Als Folge dieser Niederlage mussten sie wieder in ihr Gebiet, das von der heutigen Westschweiz über das Mittelland bis fast zum Bodensee reichte, zurückkehren. Das ganze Gebiet wurde mit einem gut ausgebauten Strassennetz überzogen. Hägendorf lag an der Verbindungsstrasse die vor der Oensinger Klus von der Hauptstrasse abzweigte und in gerader Richtung weiter nordöstlich dem Jurasüdfuss folgte. Auf den Anhöhen oberhalb dieser Strassen musste es etliche römische Landhäuser gegeben haben.
In allen Ortschaften von Oensingen bis Olten stehen römische Ruinen, was wohl auch der beste Beweis dafür ist, dass diese Orte aus gallo-römischen Siedlungen hervorgegangen sind. Einzelne Funde von zerbrochenen Ziegeln, Platten und Röhren geben Hinweise auf eine mögliche römische Siedlung in Hägendorf im Gebiet des Santelhofes. Eine weitere bekannte Fundstelle ist das Thalackergebiet. Die erste urkundliche Erwähnung von Hägendorf
Zu Beginn des 7. Jahrhunderts bauten einwandernde Alemannen am Bach vor der Schlucht ihre Holzhäuser mit den tief heruntergezogenen Strohdächern und urbarisierten das umliegende Land. Genaueres über die Entstehung unseres Dorfes und über seine Entwicklung in den folgenden Jahrhunderten wissen wir nicht. Dann, im Jahre 1036, erscheint sein Name erstmals auf einem Pergament: Hagendorf. Damit ist die Existenz der Gemeinde dokumentiert.
Dieser Schriftzug "Ecclesiam in Hagendorf" entstammt einer Abschrift der Urkunde aus dem Jahre 1036, in welcher Graf Ulrich von Lenzburg sein Stift zu Beromünster seinem Enkel Arnolf übergibt und unter anderem die Kirche zu Hägendorf dem Stift zum Unterhalt zuweist. Die Originalurkunde fehlt.
Hägendorf muss folglich um die Jahrtausendwende, möglicherweise schon früher, eine Kirche erhalten haben. Diese war mit grosser Wahrscheinlichkeit die Mutterkirche des Fridaueramtes. Dass gerade Hägendorf als Kirchenstandort gewählt worden war, beweist, dass das Dorf schon damals eine gewisse regionale Bedeutung erlangt hatte. Der Standort der ersten Kirche von Hägendorf dürfte wohl mit dem, der heutigen röm.-kath. Kirche identisch sein. Der Fund römischer Leistenziegel lässt vermuten, dass auf römischen Fundamenten gebaut worden war. Ursprünglich hatte Maria das Hauptpatronat der Kirche inne. Wann dieses an Gervasius und Protasius überging ist unklar.
Später ging die Kirche von Hägendorf noch einige Male in anderen Besitz über. Bei jedem neuen Eintrag wurde der Name etwas verändert aufgeschrieben. So im Jahre 1097 als die Mönche des Klosters St. Alban in Basel die Kirche geschenkt erhielten mit Hagenthorf und bei der Bestätigung dieser Schenkung durch Bischof Burkhard von Basel im Jahre 1102 mit Hagindorf. Noch im Jahre 1184 wird die Kirch Hagindorph als Besitz St. Albans aufgeführt. Der Ortsname Hägendorf
Die Ortschaft ist die einzige im Buchsgau südlich des Juras, deren Namen auf -dorf endet, was auf eine sehr frühe Gruppensiedlung hinweist. Der Name -dorf entstand nicht durch die Leute im Dorf selber, sondern durch die Einwohner der umliegenden Gehöfte. Wenn ein Bauer auf einem Hof wohnt, der etwas ausserhalb des Dorfes liegt, so sagt er in der Regel, er gehe "ins Dorf", ohne den Ortsnamen zu nennen.
Der Name Hägendorf besagt nichts anderes als eine mit dem üblichen Etterzaun (Grünhag) umgebene Siedlung, wie sie von den Alemannen überall, wo es zu einer Dorfbildung kam, angelegt wurde. Das Hägendörfer Gemeindewappen
Immer wieder taucht die Frage nach Herkunft und Bedeutung von Gemeindewappen auf. Eine diesbezügliche Antwort für das Wappen von Hägendorf kann nicht in einem Satz gegeben werden. Hägendorf besass über Jahrhunderte kein eigenes Wappen. Die erste bekannte Darstellung des Hägendörfer Wappens findet sich auf der 1840 erworbenen Feuerspritze. Es ist ein roter Schild mit fünffach gelb und schwarz gegengesparrtem Pfahl, die Schildform entspricht Früh-Renaissance. Der Pfahl, eine häufig verwendete und in Farbe und Form vielfach variierte Schildteilung, scheint auf die Bedeutung des Ortsnamens Hägendorf (Hag, Hecke, Zaun) Bezug zu nehmen.
Die Feuerwehr-Kommandolaterne von 1860 zeigt ein ganz anderes Gemeindewappen: Der Schild ist fünffach waagrecht, in der Mitte gegen oben geschwungen, geteilt. Die Farben sind Rot und Weiss und die Schildform englisch.
Der Turnverein (ETV) weihte 1914 sein erstes Vereinsbanner ein. Das Gemeindewappen zeigt eine neue Farbvariante: ein gelber Schild mit rotschwarz gegengesparrtem Pfahl, die Schildform Renaissance.
Die Fahne des Männerchors "Liederkranz" von 1920 und die des Schützenclubs von 1924 zeigen wieder beide das "Feuerspritzenwappen".
Die Musikgesellschaft hingegen entschied sich 1922 für das 1908 von Einwohner- und Bürgergemeinde benutzte Stempelwappen mit dem gespaltenen Schild in fünffach schwarzroter Gegensparrung.
Als Mitte der dreissiger Jahre die Feldschützen ein neues Banner anschaffen wollten, forderten sie vorerst von den Gemeindebehörden eine eingehende Abklärung und Bereinigung über das "echte" Wappen. Keines der bisher verwendeten Gemeindewappen erwies sich als ursprünglich und unverwechselbar. So war es denn der Vorschlag, fortan das Wappen der Edlen von Hägendorf zu führen. Es zeigt eine Schildteilung durch Spitzenschnitt (4 ½), schräg-rechts geteilt von Weiss und Schwarz. Die Schildform ist gotisch. An einer Gemeindeversammlung im Jahre 1938 bestimmte die Gemeindeversammlung das Wappen der "von Hägendorf" zum offiziellen und alleingültigen Gemeindewappen Die Kantonsregierung bestätigte diesen Beschluss.
Die Edlen von Hägendorf, die bis anhin dieses Wappen führten, waren froburgische, die in den niederen Adelsstand erhobene Dienstmannen. Das Wappen der "von Hägendorf" sieht denn auch demjenigen der Grafen von Froburg sehr ähnlich. Der Schild derselben ist nur durch drei Spitzen schrägrechts geteilt. Statt schwarz ist der untere Schildteil rot. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass die Edlen ihr Wappen von demjenigen ihrer Dienstherren abgeleitet hatten. Ob die Dienstmannen mit den fünf Spitzen in ihrem Wappen, eigentlich sind es nur 4 ½, die gegen Süden abgestuften Höhenzüge Belchen, Gwidemflue, Drahtzieher, Burgerrain und Eggberg darstellen wollten, ist nirgends belegt. Ob Absicht oder Zufall, es ist jedenfalls eine augenfällige und treffende Interpretation des Wappenbildes. Die Auswanderer
Der karge Boden, die bescheidenen Erwerbsmöglichkeiten in Landwirtschaft und Gewerbe, nötigten viele, ihr Auskommen fern der Heimat zu suchen. Neben den Söldnern, die für fremde Herren auf Schlachtfeldern in ganz Europa kämpften und starben, verliessen auch immer wieder Familien, ja ganze Gruppen von Zivilpersonen die Schweiz.
Im 17. Jahrhundert wanderten zahlreiche Schweizer nach Russland aus, um sich an der Wolga niederzulassen.
In Hägendorf erinnert das Bannkreuz daran, dass im Jahre 1717 neun Familien nach Ungarn ausgezogen waren. An der "Brasilienauswanderung" von 1819 beteiligten sich auch Hägendörfer.
Die ersten Schweizer wanderten im 18. Jahrhundert nach Amerika aus. Das eigentliche Amerikafieber brach aber erst Mitte 19. Jahrhundert aus. Das Gäu war besonders stark von den damaligen Missernten betroffen. Am 17. März 1854 nahmen denn 128 Auswanderungswillige mit schwerem Herzen und leichtem Gepäck Abschied von Heimat und Dorfgemeinschaft. In Planwagen ähnlichen Gefährten, sogenannten Omnibuswagen, fuhren sie grösstenteils Basel zu. Auf einer gefährlichen Schiffsreise, in drangvoller Enge im Zwischendeck zusammengepfercht, traten sie die grosse Reise an.
Über zwei Monate nach der Abreise kamen sie in Amerika an. Ueber ihr Schicksal hat man damals nichts mehr gehört. Erst viel später meldeten sich Nachkommen der damaligen Auswanderer und suchten nach ihrer Verwandtschaft in der ursprünglichen Heimat. Cholersbach und Tüfelsschlucht
Der Bach der östlich von Bärenwil entspringt und die Schlucht durchfliesst, heisst seit eh und je "Cholersbach". Diese Bezeichnung erinnert daran, dass einst am oberen flacheren Teil des Bachlaufes Köhler ihr Handwerk betrieben.
Die Benennung der Schlucht hingegen änderte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. Im Ratsmanual von 1544 ist vom "Teufelsgraben" die Rede. 1719 bezeichnete ein Feldmesser die Schlucht in einem Grundriss als "Cholersbachgraben". Eine Bestandesaufnahme der Hochwälder aus dem Jahre 1752 erwähnt erneut den "Teüfelsgraben". Im Siegfried-Atlas entschied man sich für "Kohlersbachgraben". Die Förderer der Schlucht wählten den Namen "Tüfelsschlucht" schrieben aber "Teufelsschlucht". Das Bundesamt für Landestopographie übernahm diesen Flurnamen auf der 1955 herausgegebenen Karte in der gesprochenen Version "Tüfelsschlucht". In der 1960 neu aufgelegten Schulkarte steht aber gleichwohl wieder "Teufelsschlucht". Die Umstellung auf die neue Schreibweise "Tüfelsschlucht" ist auch heute bei weitem noch nicht vollzogen.
Die folgende Sage zeigt auf, wie die Schlucht zum Teufel beziehungsweise der Teufel zur Schlucht kam: Die Sage
Die Tüfelsschlucht hiess nicht immer so, sondern erst seit sich ein Teufel mit einer armen Seele verlaufen hat. Er wollte die Seele beim Wuest in die Höhle bringen, aber im Cholersbachgraben war es so schön kühl, dass er samt der Seele in eine Pfütze sprang. Das dampfte!
Nachdem er die arme Seele in der Hölle (im Wuestgebiet) ablieferte, holte er seine gleichgesinnten Artgenossen in die Schlucht. Dort trieben sie ihr Unwesen. Sie spielten mit dem Wasser, standen unter die Wasserfälle und hüpften in die Pfützen, Seen und Weiher. Dabei fluchten sie, dass es das Harz aus den Tannen quetschte.
Doch den Leuten im Dorf wurde es langsam unheimlich zu Mute. Denn Dampf stieg wie eine dunkle Wolke aus der Schlucht und blieb über dem Dorf hängen. Der Bach dampfte und fing an, nach Schwefel zu stinken. Die Forellen schwammen mit ihren silbrigen Bäuchen nach oben. Die Leute jammerten und waren verzweifelt - oder sie fluchten.
Jetzt rissen die Teufel auch noch Bäume aus und schmissen Felsbrocken ins Bachbett, um das Wasser zu stauen. Diesem Treiben musste natürlich ein Ende gesetzt werden, und so holten sich die Leute Hilfe vom Kapuzinerkloster in Olten.
Ein Pater kam. Er stieg mutterseelenallein in die Schlucht, während die Leute beteten und Kerzen für ihn anzündeten. Nun stiegen gelbe Nebelschwaden auf, und es polterte und tobte aus dem Graben.
Erst nach sechs Stunden kam der Pater zurück. Müde und erschöpft vom harten Kampf mit dem Bösen. Seine braunen Haare waren kreideweiss geworden und an der linken Schläfe hatte er das Mal einer feurigen Klaue.
Seither sind die Tüfel aus der Schlucht vertrieben und der Bach ist wieder klar, nur der Name ist geblieben: "Tüfelsschlucht".