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SCHWEIZERISCHE
BUNDESCANZLEI
Bern den 19 Februar 1851.
Mein lieber Freund!
Auf Dein Schreiben vom 10 huj. kann ich Dir erst heute antworten, da meine Geschäfte sich immer vermehren, statt wie ich hoffte im dritten Jahr sich vermindern. Die Masse der laufenden ist so groß, daß ich seit dem Neujahr noch nicht Eine Stunde fand, um mich mit der Gesetzgebung zu beschäftigen. Ich weiß nicht, was aus letztrer werden soll. Mein Register zeigt mehr als die doppelte Zahl v. Geschäften im Vergleich zum vorigen Jahr. Ein schöner Theil der Schuld beruht auf dem Formalismus der Munzingerschen Geschäftsführung, worüber einmal mündlich. Nun zu Deinem Briefe1. –
Es wird mir wohl möglich werden, den Hrn Dr S.2 in den Justizstab hineinzubugsiren; nur kann ich dieses nicht ex abrupto3 beantragen u die Sache vom Zaum reissen; sondern ich muß warten, bis es sich um Ergänzung dieses Stabes handelt. Ich will trachten, auf Hrn O.4 einzuwirken, daß dieses nicht zu lange anstehe. –
Was die Hochschule betrifft, so hat sich der Bundesrath noch nicht weiter damit befaßt, als daß er alle Aufträge der Bundesversammlung | an die betreffenden Départements zur Vorarbeit wies. Ich habe nun bey Hrn Francini5 angefragt, wie die Actien stehen. Er sagte mir, daß er bis spätstens Mitte Merz dem Bundesrath Anträge vorlegen werde über die Wahl einer Commission u über die ihr zu stellende Aufgabe, die sich auch auf die Organisation beziehn werde. Da nun schon längst von den Kantonen Materialien eingesammelt wurden, so ist es vielleicht dieser Commission möglich ein Projekt, oder wenigstens gewiße allgemeine Principien aufzustellen, so daß sie noch an die nächste Bundesversammlung gebracht werden könnten. Die Hauptfrage wird für den Anfang d. h. für den Zeitpunkt ernstlicher Anhandnahme die finanzielle seyn; über diese könnte ich mich jetzt in der That nicht aussprechen, da ich die Finanzlage des Bundes zuerst etwas genauer ins Auge fassen u studiren müßte. Mir scheint, es werde vor allem aus die Frage entschieden werden müßen, ob der Bund im Stande sey, jetzt eine Universitæt zu dekretiren. Diese Frage setzt allerdings voraus, das wesentliche der Organisation zu kennen, weil davon natürlich die Kosten abhangen. Was nun der Bundesrath in seiner Mehrheit von der Frage halte, weiß ich durchaus nicht; vielleicht stellt sich aber dieses bei der Behandlung des nächst zu gewärtigenden Antrags v. Francini schon vorläufig heraus u ich werde nicht ermangeln, Dir sofort | von dieser Berathung Kenntniß zu geben. Jedenfalls scheint es mir gut zu seyn, wenn man auf die Sache umfassend eintritt d. h. wenigstens auf alle wesentlichen Fragen, welche auf den Entscheid der Errichtung einer Eidg. Hochschule nothwendig Einfluß haben müßen. Ein großes Bedenken macht mir frei lich die Coincidenz der Eisenbahnfrage; denn beyde Institutionen verlangen vom Bunde große Opfer, sie treten sich daher offenbar in den Weg u machen sich Concurrenz. So wird es möglich, daß viele Freunde der Hochschule gegen die Eisenbahn stimmen u umgekehrt, aus Besorgniß daß beydes zugleich nicht werde dekretirt werden. Das wird ein Hauptstein des Anstoßes seyn u in dieser Hinsicht bedaure ich, daß diese beyden wichtigen Gegenstände gleichzeitig in Behandlung kommen. –
Vom bevorstehenden Maifest habe ich publice6 u privatim7 vieles erfahren; Ihr macht die Sache ganz großartig u überfüllt Tag u Nacht nicht übel! Mir fiel dabei die Stelle aus Preciosa8 ein, worin Don Pedro, der Schloßvogt, sagt: Kindtaufe, Hochzeit, Illumination! – Ich hätte ohnehin im Sinne gehabt, auf Mai etwas in patriam9 zu reisen u werde also wohl dabei seyn; aber nicht repräsentationsweise; ich protestire meinerseits gegen alle Pomp- u Festreden des feyerlichsten; das ist nicht meine Sache. – Daß meine| Frau10 an der Weisheit der h. Regierung in Anordnung des Festes nie zweifelte u daher ihre Erwartungen bestätigt findet, bin ich schließlich beauftragt, in bester Verdankung mitzutheilen. –
Nun lebe wohl! Ich grüße Dich u die übrigen Freunde bestens!
Dein
F