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Das Monumentaluhrwerk von Kaspar Brunner
Nachdem verschiedene «Zitgloggenmacher» vergeblich versucht haben, das alte Uhrwerk von 1405 zu reparieren, erhielt der Waffenschlosser, Kaspar Brunner, Mitglied der Zunftgesellschaft zu Schmieden und seit einem Jahr amtierender Zitgloggenrichter, 1527 den Auftrag, ein neues Werk zu bauen. Brunner legte dem Rat einen ausführlichen Plan vor, der diesen offensichtlich überzeugte.
Am 31. Oktober 1527 wird folgender Vertrag abgeschlossen:
«Ist mit Brunner dem slosser überkommen, das er die reder zu der zittgloggen machen soll, wie die musterung anzeigt umb 1000 gulden und ime all fronvasten darzu 10 pfund geben und soll die zittgloggen richten wie vor und darzu acht haben, als lang m.h. das gevellig.»
Das Monumentaluhrwerk, das Brunner 1530 vollendete, setzt noch heute Besucher und Fachleute in Erstaunen. Seine Robustheit, die Bauweise und seine Ausmasse sind einmalig. Die Eckpfeiler des gotischen Gestellrahmens haben einen Abstand von 2.50 m in der Länge und 1.70 m in der Breite. Die Höhe der Pfeiler misst 2.16 m. Das ganze Uhrwerk bis zur Hemmung hat eine H�he von 2.90 m. Alle Radteile sind geschmiedet, die Zähne einzeln eingesetzt und verkeilt oder verschraubt. Ein geprägtes Schild am Gestellrahmen nennt uns den Erbauer und das Vollendungsjahr.
Innerhalb des Gestellrahmens sind fünf einzelne Werke untergebracht. Jedes wird durch ein eigenes Steingewicht angetrieben. Alle Gewichte zusammen wiegen ca. 400 kg und müssen jeden Tag in den 20 m hohen Seilschacht hochgezogen werden.
Das Gehwerk
Das Gehwerk bildet den zentralen Teil der Monumentaluhr. Von seinem Stundenrad aus werden die Zeiger an den grossen Zifferblättern und am Astrolabium angetrieben. Es steuert auch die Auslösung der beiden Schlagwerke, sowie der Spielwerke. Das Gehwerk wurde ursprünglich, wie alle frühen Räderuhren, mit einem so genannten Foliot gebaut, einem Waagbalken, der über dem Uhrwerk hin und her schwenkte. 1657 gelang es dem Holländischen Physiker, Astronom und Mathematiker Christian Huygens, erstmals das Pendel als Regulator einer Uhr zu verwenden. Es zeigte sich sehr schnell, dass die Ganggenauigkeit gegen�ber dem Foliot viel besser war, ein Grund für viele Stadtbehörden, ihre öffentlichen Foliot-Uhren umzubauen. In Bern wurde das Foliot zwischen 1690 und 1712 durch die noch heute schwingende 149 kg schwere Pendelkugel ersetzt.
Das Viertelstundenschlagwerk
Das Viertelstundenschlagwerk erzeugt die Viertelschläge auf die kleinere der beiden Glocken oben in der Turmlaterne. Das Werk besitzt eine Schlussscheibe mit Vierer-Teilung und einem Fallmechanismus. Es ist damit in der Lage, für jede Viertelstunde die einzelnen Schläge korrekt abzuzählen. Alle 15 Minuten wird das Werk durch das Stundenrad ausgelöst. Das 105 kg schwere Antriebsgewicht im Seilschacht lässt das Walzenrad drehen und betätigt damit den Schlaghammerzug, der in der Turmlaterne die Viertelstundenglocke anschlagen lässt.
Die 1887 gegossene, 450 kg schwere Viertelstundenglocke stammt aus der Aarauer Glockengiesserei H. Röetschi AG.
Das Stundenschlagwerk
Aufbau und Funktionsweise des Stundenschlagwerks sind ähnlich, wie diejenigen des Viertelstundenschlagwerks. Anstelle der Vierer-Teilung besitzt die Stunden-Schlussscheibe, entsprechend den zwölf zu schlagenden Stunden, eine Zwölfer-Teilung. Ein Antriebsgewicht von 120 kg lässt das Werk jede volle Stunde ablaufen. Der Schlaghammerzug, der die Stundenschläge an der grossen Glocke auslöst, betätigt einerseits den einen Hammer schwingenden Oberkörper des Glockenschlägers, Hans von Thann, und andererseits den schweren Schlaghammer auf der Südseite der Turmlaterne, der den tatsächlich hörbaren Schlagton erzeugt.
Die beiden Spielwerke
Die beiden Spielwerke (Hahnenwerk sowie Narren- und Bärenwerk) sind in einem gemeinsamen, separaten Gestellrahmen aus geschmiedeten Eisenschienen untergebracht. Die Gruppe steht seit der letzten grossen Renovation von 1983 wieder am ursprünglichen Standort, im nordöstlichen Abteil des Hauptrahmens. 1593 wurden die Räder der beiden Werke vom Hauptrahmen auf einen Tisch an die Nordwand, direkt hinter den Figurenerker versetzt. Dabei entstand der gemeinsame, an den oberen Enden mit Rollwerk verzierte Rahmen.
Das linke der beiden Werke treibt den Blasebalg für den Hahnenschrei. Beim Ablauf des Werkes öffnet der Zughebel über ein Drahtzugsystem den Blasebalg in der Mauernische hinter dem Figurenspiel. Beim Zusammenpressen, bläst er die Luft in drei nach aussen gerichtete Posaunen, die den Hahn das vertraute Kikeriki krähen lassen. Auf der rechten Seite im gemeinsamen Gestellrahmen ist das Spielwerk für den Bärenumlauf und den Glockenschlag des Narren untergebracht. Das Werk ist ähnlich aufgebaut wie das Stundenschlagwerk. Bei seinem Ablauf lässt es den Bärenzug seine Runden drehen und den Narren dazu die Stunde schlagen.