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Eigentlich war das Geld für eine Reise nach Sri Lanka aus Anlass ihres zehnten Hochzeitstages vorgesehen. Nun steckt Maya Dougoud aber 15 000 Franken in die Kampagne als Staatsratskandidatin. «Meine Familie ist von dieser Idee überzeugt und unterstützt mich darin», sagt sie.
Dougoud will in erster Linie zusätzliche Personen motivieren, wählen zu gehen. «Wenn diese dann jemand anderes wählen, so ist das ihr gutes Recht. Ich will mit meiner Kandidatur aufzeigen, dass Freiburg ein offener Kanton ist, und mit meiner Wahl würde der Kanton gar Geschichte schreiben.»
Nach dem Rücktritt von Marie Garnier sei der Kanton Freiburg über seine Grenzen hinaus schlecht dagestanden, sagt die 35-jährige Juristin. Es kamen Zweifel auf über die Freiburger Institutionen, und als gar noch die Staatsanwaltschaft hineingezogen wurde (Generalstaatsanwalt Fabien Gasser will in den Ausstand treten Anm. d. Red.), da habe es ihr, die selber dort gearbeitet hatte, gereicht: «Das geht doch nicht: Man muss den Kanton in einem anderen Licht darstellen.»
Dougoud habe mitbekommen, wie eine Kandidatur nach der anderen bekannt wurde, sie habe die verschiedenen Parteiprogramme gelesen, deren Inhalte in einer Tabelle festgehalten und gemerkt, dass ihre eigenen Werte mit allen teilweise übereinstimmen. «Ich bin wirklich unabhängig», stellt sie fest. «Und ich will die Unabhängigkeit professionalisieren.»
Dann kontaktierte sie Pascal Corminboeuf, den letzten und bisher einzigen Unabhängigen im Freiburger Staatsrat, und wollte von ihm wissen, was es für eine unabhängige Kandidatur brauche. «Schliesslich wurden aus dieser Unterhaltung drei Stunden, und am Ende sagte Corminboeuf, ich solle kandidieren.»
Jetzt tritt Maya Dougoud auf einer Liste unter dem Namen «Bürgerenergie» an. Sie spricht damit das Engagement, den Einsatz und den Willen der Bürger an, der in gewissen Fällen Berge versetzen kann. Sie selber sieht sich als Beispiel dafür; sie, die als Kriegsflüchtling aus dem ehemaligen Jugoslawien kam, deren Muttersprache Serbokroatisch heute nicht mal mehr existiert, die sich aber zu einem vollwertigen Mitglied der schweizerischen Gesellschaft hochgearbeitet hat.
Sie bewundert Personen wie die Filmemacher Frédéric und Samuel Guillaume oder die Olympionikin und Freiburger Sportlerin des Jahres 2017, Mathilde Gremaud. Diese seien zwar nicht politisiert, repräsentieren aber nach Dougoud mit ihrer Energie genauso den Kanton Freiburg. «Ich möchte mit meiner Kandidatur dieses positive Image des Kantons darstellen», so die Einwohnerin von Villars-sur-Glâne.
Die unabhängige Kandidatin arbeitet heute als Juristin bei der Vereinigung der Freiburger Fachhochschulen. Sie vertritt dabei die Interessen der Schulen, kümmert sich um Personalrecht, behandelt akademische Verfahren und arbeitet Verträge für Recherche-Projekte aus. Dougouds politische Erfahrung beschränkt sich auf die Mitarbeit im ersten Freiburger Jugendrat. Politische Unerfahrenheit lässt sie für sich als Staatsratskandidatin aber nicht gelten: «Ich habe ausreichend Erfahrung als Benutzerin unseres Service public.»
Anders gefragt
Die Biene Maja als Erinnerung an die Kindheit
Die FN haben Staatsratskandidatin Maya Dougoud (Bürgerenergie) einige unpolitische Fragen gestellt.
Welches ist Ihre Lieblingsfigur aus Film oder Literatur?
Die Biene Maja. Ich hatte Jugoslawien zur Zeit des Krieges verlassen und dabei keinerlei Erinnerungsgegenstände mitgenommen. Aber als ich 18-jährig wurde, ist mein Onkel nach Sarajevo zurückgekehrt und hat bei einem Cousin ein Familienvideo entdeckt, auf dem man mich als Baby und dahinter das Filmplakat von der Biene Maja sieht. Dazu ertönte die Filmmusik. Das ist fast die einzige Erinnerung an jene Zeit.
An welchem Ort finden Sie Ruhe?
Wenn ich gestresst bin, gehe ich oft nach Hauterive. Zuerst zum Kloster, um Biscuits zu kaufen, dann spaziere ich und halte beim Ufer unter der Brücke an, wo ich mich entspanne.
Wohin würden sie einen besonderen Gast zum Essen einladen?
Ins Vieux-Manoir in Merlach. Leider existiert der Ort nicht mehr. Bei meiner Zivilhochzeit haben wir dort gegessen.
Wann haben Sie zum letzten Mal getanzt?
Ich tanze oft. Zuletzt zu Hause, wo ich oft Radio höre. Wenn passende Musik kommt, stehe ich auf und tanze mit meinen Kindern. Es kann alles sein, von Salsa bis Flamenco.
Was haben Sie im letzten Jahr gelernt?
Dass man nur 50 Unterschriften braucht, um Kandidatin für den Staatsrat werden zu können.