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Block > Generisches Femininum
4 min (817 Wörter, 4779 Zeichen)
Wir alle kennen sicher das generische Maskulinum , da wir ueberall damit konfrontiert werden. Ein Text enthaelt dabei nur maennliche Substantive bzw. Pronomen und soll alle Frauen mit einschliessen. Also z.B. heisst es:
Viele Studenten essen heute in der Mensa.
Dabei sind nicht nur maennliche Studierende, sondern auch weibliche in der Mensa anzutreffen, aber das generische Maskulinum soll diese mitmeinen. Das Wort Studierende waere in diesem Fall die neutrale Wortwahl, mit dem alle Geschlechter mitgemeint sind.
Diese Sprachweise wird zurecht kritisiert, denn es wird sich meistens eine Gruppe von Maennern vorgestellt, aber nur selten darunter auch eine Gruppe von Frauen (zu den Maennern). Zudem wird nicht unterschieden, wieviele Personen nun denn eigentlich maennlich sind. Es koennten daher neun Frauen und ein Mann sein, trotzdem wuerde es Studenten heissen. Es haengt aber wohl auch von dem Beruf ab, denn Krankenschwestern oder Kindergaertner werden sich ueblicherweise als eine Gruppe von Frauen vorgestellt (trotzdem heisst es dann nicht Kindergaertnerinnen).
Drehen wir mal den Spiess um, und benutzen von vornherein nur die weiblichen Woerter (also das generische Femininum ), was Maenner mitmeinen soll, sieht das z.B. so aus:
Die Spielerinnen spielen gerade in einer grossen Halle Counter-Strike .
Vorurteilshaft ist eine Gruppe von CS-Spielenden (was wieder die neutrale Wortwahl waere) maennlich angesehen, d.h. wir stolpern zuerst mal ueber das Wort Spielerinnen und stellen uns eine grosse Anzahl an weiblichen Spielenden vor. Dabei ist die tatsaechliche Anzahl an weiblichen Personen in etwa gleich der Anzahl an maennlichen Personen in diesem Satz. D.h. die Maenner sind in diesem Fall “nur” mitgemeint.
Diese Art der kreativen “Sprachhacks ” sorgt aber direkt fuer zahlreiche Kritik, die von Unverstaendnis
Gibt es in eurer Welt etwa keine Maenner?
und Traditionsgruenden
Ihr verschandelt dadurch die Sprache, das war doch schon immer so!
ueber Uebertreibungen
Dann muessten wir ja wohl auch die Stuhlin oder die Grashalmin sagen!
bis hin zu wuesten Beschimpfungen
Ihr habt sie ja wohl nicht alle! Scheiss Femnazis!
reicht.
Die Loesung: das Ganze erklaeren, was es damit auf sich hat, nicht die Trolle fuettern und eine neutrale Sprachform verwenden, denn es kann sich an alles gewoehnt werden 😉
Das Video Sprache, Ungleichheit und Unfreiheit - Anatol Stefanovitsch - 29c3 wird von YouTube eingebettet.
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Das hat mir schwer zu denken gegeben, weshalb ich zuerst mal versucht habe, neutrale Woerter zu finden. Zudem habe ich versucht das Woertchen “man” zu vermeiden, indem ich eine Passivkonstruktion verwendet habe (auch in diesem Text), also z.B. statt
…, denn man kann sich an alles gewoehnen
habe ich
…, denn es kann sich an alles gewoehnt werden
verwendet.
Ich habe mich deshalb auch entschlossen, hier auf meiner Website nur noch neutrale Woerter zu nutzen, oder sowas wie Spieler*innen, wobei da das Wort Spielende auch voll ok waere. Erklaert habe ich das in meiner Bachelorarbeit (die ich auch schon neutral geschrieben habe) mit:
Die Sprachform dieser Arbeit (mit Asterisk) versucht einseitige Sprachformen zu transzendieren und inkludiert auch Menschen abseits des binaeren Geschlechtermodells [50], [55].
Das drueckt kurz und knapp folgendes aus:
Ich verwende ein Sternchen (
* = Asterisk )
Doppelpunkt ( in
manchen Woertern, um auch Menschen, die nicht weiblich oder maennlich
sind einzuschliessen.
:)
Update (2020-09-09)Ab heute verwende ich statt dem Gendersternchen den Gender-Doppelpunkt . Die Intention ist immer noch dieselbe, allerdings ist der Doppelpunkt barrierefrei (z.B. bewirkt dieser eine kleine Pause beim Vorlesen durch einen Screenreader). Zudem muss er nicht in Markdown escaped werden 😉
Update (2021-08-14)
Das obige hielt sich nicht lange, ich kehre zurueck zum Sternchen, denn der Doppelpunkt ist nicht so barrierefrei wie angenommen, schreibt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. im Maerz 2021 .
Zwar werden auch dort generell alle Formen nicht wirklich empfohlen, aber wenn unbedingt notwendig, soll das Sternchen verwendet werden:
Falls jedoch mit Kurzformen gegendert werden soll, empfiehlt der DBSV, das Sternchen zu verwenden, weil es laut Veröffentlichungen des Deutschen Rechtschreibrates die am häufigsten verwendete Kurzform ist und so dem Wunsch nach einem Konsenszeichen am nächsten kommt. Zudem ist davon auszugehen, dass Doppelpunkt und Unterstrich für sehbehinderte Menschen schlechter erkennbar sind als das Sternchen.
Ich versuche hier also den Spagat zwischen Menschen, die nicht weiblich oder maennlich sind, nicht mitzumeinen oder eben nicht komplett barrierefrei zu sein. Am Besten sind daher genderneutrale Begriffe, die es aber leider noch nicht fuer alles gibt.
Ansonsten gefiel mir das Sternchen auch vorher schon sehr gut, steht es doch z.B. in der Informatik fuer einen Platzhalter (Wildcard) fuer andere Zeichen oder wird auch in der Kleeneschen und postiviven Huelle verwendet 🤓
Damit “hacke ” ich die Sprache und versuche, einseitige (also z.B. das generische Maskulinum) Formulierungen zu vermeiden.
Was natuerlich ein neues Thema aufmacht, naemlich die nicht Zweigeschlechtlichkeit unserer Gesellschaft, was aber hier glaube ich zuviel wird. Eventuell schreibe ich da auch nochmal drueber.
Also, viel Spass beim Sprache hacken, liebe Leserinnen 😉