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Zürich/New York/Mexico City, 28. Februar 2012 - Kindheit spielt sich zunehmend im urbanen Umfeld ab. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten und Grossstädten. Während die Stadt lange für Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten stand, bedeutet sie für Millionen von Kindern heute Elend und Not. Der UNICEF-Bericht SOWC 2012 untersucht die Faktoren, die das Leben von Kindern in urbanen Siedlungen prägen und zeigt: Für arme Stadtkinder ist die Verletzung ihrer Rechte eine alltägliche Erfahrung.
Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 7 von 10 Menschen in Grossstädten und städtischen Siedlungen wohnen werden. Einer von drei Stadtbewohnern lebt heute in slumartigen Verhältnissen. Im Jahr 2020 werden rund 1.4 Milliarden Menschen in inoffiziellen Siedlungen und Slums leben.
Arme Stadtkinder: Von Grundleistungen ausgeschlossen…
Von den Chancen und Möglichkeiten, die ein städtisches Umfeld bieten kann – wie etwa Bildungsangebote, medizinische Versorgung und vielfältige Freizeitaktivitäten – können zwar viele Kinder profitieren. Die Zahl jener, denen der Zugang zu Grundleistungen wie Trinkwasser, Strom, medizinische Grundversorgung oder Bildung verwehrt wird, nimmt jedoch in Besorgnis erregendem Ausmass zu.
- In Städten wächst die Zahl der unterernährten Kinder schneller als in ländlichen Gebieten.
- Stadtbewohner geniessen in der Regel einen besseren Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen als Landbewohner. Arme Stadtbewohner bezahlen jedoch bis zu 50 Mal mehr für einen Liter Wasser als ihre reicheren Nachbarn mit direktem Wasseranschluss.
- Über ein Drittel der Stadtkinder weltweit wird bei der Geburt nicht registriert. In Afrika und Südasien betrifft dies bis zu 50 Prozent der Kinder. Das Fehlen einer offiziell bestätigten Identität verhindert den Zugang zu lebenswichtigen Diensten.
- Millionen von Kindern leben oder arbeiten in den Strassen von Grossstädten. Das Leben auf der Strasse setzt Kinder der Gefahr aus, Opfer von Gewalt zu werden. Verbrechen an Kindern werden aber nur selten geahndet.
… statistisch unsichtbar und in der Armut gefangen.
Statistische Erhebungen bilden die Not der ärmsten Stadtkinder nicht genügend ab. In Durchschnittswerten wird die Armut der einen durch den Reichtum der anderen verdeckt. Wenn Entwicklungsprogramme und Entscheidungen über Ressourcenverteilung auf eben diesen statistischen Erhebungen beruhen, wird das Elend bewahrt und fortgesetzt. Mit der Konsequenz, dass die ohnehin schon benachteiligten Kinder der ärmsten Bevölkerungsschichten von wesentlichen staatlichen Leistungen ausgeschlossen bleiben.
Dort, wo detaillierte statistische Daten erhältlich sind, zeigen sie in Städten ein wachsendes Ungleichgewicht auf in Bezug auf die Sterblichkeit der Kinder unter 5 Jahren, den Ernährungszustand und die Bildungschancen.
UNICEF fordert deshalb:
- Die Datenlage in Bezug auf die Armut von Stadtkindern muss verbessert werden.
- Die verbesserte Datenlage muss zur Identifikation und Beseitigung der Hindernisse genutzt werden, die es Kindern und ihren Familien der ärmsten Bevölkerungsschicht verunmöglichen, ihre Rechte wahrzunehmen und/oder staatliche Leistungen zu beanspruchen.
- In den Bereichen Stadtplanung, Entwicklung von Infrastruktur und Zugang zur Grund-versorgung muss ein Fokus gelegt werden auf die spezifischen Bedürfnisse und Prioritäten von Kindern.
- Zusammenarbeit und Partnerschaften zwischen den ärmsten Bevölkerungsschichten und Behörden müssen auf allen Stufen gefördert werden.
- Es muss vermehrt und gemeinsam daran gearbeitet werden, nachhaltige Verbesserungen in der Umsetzung der Kinderrechte zu erreichen.
Weitere Informationen
Hintergrundinformationen und den vollständigen UNICEF-Bericht (in Englisch und Französisch) finden Sie auf www.unicef.org/sowc2012/.
Katrin Piazza
Pressesprecherin
UNICEF Schweiz
Tel.: 044 317 22 41
Mobile: 078 934 66 66
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