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Eine Mediathek für Insubrien
Ohne Erinnerung sind wir unfähig unsere Identität zu bestimmen. Mit der Bibliothek schafft sich die Gesellschaft einen Ort, an dem sie ihr Wissen ablagern kann. Sie schafft sich ein kulturelles Gedächtnis, das es ihr erlaubt, Identität zu stiften. Zugleich ist die Bibliothek auch ein räumliches Abbild der Ordnung der Dinge. So steht die Bibliothek als geordneter Wissensspeicher seit der Antike für das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft.
Wurden grosse Bibliotheken bis anhin als Gedächtnis einer Nation (Bibliothèque Nationale de France, British Library) oder einer Institution (Stiftsbibliothek St. Gallen, Universitätsbibliothek Basel) erstellt, versuchen wir im Herbstsemester 2009 ein kulturelles Gebäude für eine grenzüberschreitende Region zu entwerfen: In Chiasso soll eine grosse Mediathek für die Region Insubrien entstehen, welche Bücher, Zeitschriften, Ton- und Bilddokumente sammelt und dem interessierten Publikum zugänglich macht.
Der Entwurf einer Mediathek als Ort der Identität bewegt sich somit im Spannungsfeld eines grossen öffentlichen Raumes für kulturelle Veranstaltungen und des intimen Ortes des Lesens und Arbeitens. Wir interessieren uns somit für das Allgemeine und das Besondere. Es interessiert uns, den Essenzen eines Ortes nachzuspüren und dessen Charakteristik zu verstehen. Wir suchen Inhalte, die wir über Bilder kommunizieren können. Wir suchen aber auch die angemessene Vieldeutigkeit, die die Lesbarkeit erhöht und die entwerferische Nachhaltigkeit steigert. Wir übernehmen Verantwortung für Haus, Stadt und Region und stellen die grundlegende Frage nach der Identität eines Ortes und seiner Bewohner.
Der schweizerische Grenzort Chiasso hat durch die Geschichte der Bahn eine besondere Wichtigkeit innerhalb des grenzüberschreitenden Verkehrs auf der Nord-Süd-Achse erhalten. Durch den Bedeutungsverlust der Grenz- und Rangierbahnhöfe verzeichnet Chiasso seit den 1970er Jahren einen steten Bevölkerungsrückgang, obwohl es geografisch im Brennpunkt des insubrischen Städtedreiecks Lugano-Varese-Como steht. Dieser Ballungsraum am Nordrand der Agglomeration Mailand versammelt etwa 1 Million Einwohner unter dem Namen triangolo insubrico. Dieser Name geht auf das keltische Volk der Insubrer zurück, welches seit der Mitte des vorchristlichen Jahrtausends die voralpine Seenlandschaft bewohnt hat und dem die Gründung Mailands zugesprochen wird. Die Einwohner der Region verbinden heute nicht nur vielfältige wirtschaftliche und kulturelle Gemeinsamkeiten, sondern auch der insubrische Dialekt, der im Kanton Tessin und dem grenznahen Italien gesprochen wird.
Auf einer Reise von Zürich nach Chiasso werden wir zur Semestereinführung wichtige Beispiele der Schweizer Bibliothekenarchitektur besuchen und unterschiedliche Funktionsabläufe und Raumsituationen kennenlernen. Vorträge und weitere Besichtigungen ergänzen den Einstieg, der einerseits einen Beitrag von jeweils etwa CHF 440 kostet, andererseits aber den Studierenden vom Studiensekretariat als Seminarwoche anerkannt wird. Detailliertere Angaben zu Treffpunkt, Anreise, Unterbringung und exakten Kosten erfolgen per e-mail an die angemeldeten Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen. Das Semester wird von Paola Maranta und Jean-Luc von Aarburg geleitet und der Aufgabentyp von der Gastdozentur als „E“ (Entwurf) angeboten.
Arbeitsort: Zeichensaal HIR C 11
Aufgabentyp: E (Entwurf)
Einführung : Informationen erfolgen per e-mail
Assistenz: Zeichensaal HIR CO 12
E-Mail: <email-pii>
Download: PDF
24.08.2009 webmaster@arch