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Auch für einen Hund sind die Folgen eines chirurgischen Eingriffs einschneidend.
Eine kleine Wunde, aber eine grosse Operation
Es sieht zunächst nicht so aus, als wäre es etwas Schlimmes: eine Verletzung am Hinterlauf. Doch der Mischling Canvas braucht einen chirurgischen Eingriff.
Auf dem Untersuchungstisch sass ein drahthaariger Mischling. Sein linker Hinterlauf war etwas entzündet und Canvas leckte dauernd an der selben Stelle. Ich konnte Eiter aus der kleinen Wunde drücken. Sehr zum Ärger des Hundes untersuchte ich sie näher. «Canvas hat eine Fistel», meinte ich. «Da zieht sich ein Kanal irgendwo in die Tiefe und vermutlich ist ein Fremdkörper der Auslöser.»
Canvas spazierte regelmässig längere Zeit im Süden am Strand herum. Sein Besitzer hatte einen zweiten Wohnsitz an der Wärme. Er erklärte mir, dass er dort immer wieder harte Grasgrannen mit vielen Widerhäkchen aus Canvas’ Fell entfernte. «Vor allem zwischen den Zehen hat er immer wieder solche Teile. Zum Teil waren sie regelrecht eingespiesst.» Wahrscheinlich hatte es ein Grasstück geschafft, ganz unter die Haut zu gelangen. Von dort aus war der Fremdkörper nun in die Höhe gewandert und die Fistel war die Antwort. «Das Gebiet muss weiträumig chirurgisch angegangen werden. Da ich aber nicht abschätzen kann, wie tief und wie gross die Operation wird, sollte Canvas zum spezialisierten Chirurgen», meinte ich.
Wenig später kam Canvas zum Verbandswechsel. Sein Beinchen war geschoren, und fast das gesamte Hinterbein in einen grossen Verband gepackt. Der Chirurg hatte zunächst minuziös die Fistel entfernt und war viel weiter oben am Bein auf eine Entzündung im Gewebe gestossen, die er ebenfalls entfernt hatte. Und nun musste alles abheilen. Canvas mochte den Verband nicht. Nach etlichen Versuchen klappte es schliesslich mit einer Art Nachthemd, bestehend aus einem T-Shirt seines Besitzers, das an der Pfote angeklebt war. Die Spaziergänge mussten kurz gehalten werden, da Canvas sonst versuchte, sich zu wälzen. Nach zehn Tagen war der Spuk endlich vorbei, die Fäden waren gezogen. Nur noch das kahle Bein und die Narbe zeugten von der Grashalm-Geschichte.
Zwei Wochen später war der Besitzer wieder da. «Canvas Narbe ist etwas verdickt!» Er zeigte auf die höchste Stelle der nun kaum mehr sichtbaren Narbe. «Ihr Hund hat sich etwas heftig gestossen. Es sieht nicht nach Resten vom Fremdkörper aus. Wir können nur abwarten und sehen, wie es sich weiterentwickelt», meinte ich nach dem Untersuch der Schwellung. Der Besitzer hatte alle vier Beine und die Ohren des Hundes geschoren. «Das ist der neue Strandlook. So kann ich diese Grasstücke schneller sehen und besser entfernen!», sagte er lachend. «Morgen gehts wieder in die Wärme. Ich lasse euch mit diesem Winter zurück.»
(Coopzeitung Nr. 04/2014)
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