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Sandra's blog
Der Straßenreiniger zog die Flasche aus dem Abfalleimer und gab sie ihr.
Sie ließ die Flasche fallen. Die rollte vom Bürgersteig in den Straßengraben. Phyllis wollte weitergehen, aber der Mann in der orangefarbenen Jacke packte sie am Ellenbogen. »Wir sind doch hier nicht im Urwald! Heb das sofort auf!«
Phyllis hatte den Eindruck, dass er seine Worte mit Bedacht wählte. Sie kannte den Mann. Er war ihr zwar noch nicht vorgestellt worden, aber seine Frau, die Frau Schröder, sprach gut über ihn, wenn der Kirchenchor Pause machte. Phyllis steckte die Flasche zum Weihrauch in ihre Einkaufstasche und sagte: »Auf Wiedersehen«.
Phyllis war unsicher, da sie nicht immer zurückgegrüßt wurde. Was machte sie bloß falsch. Pater Paul sagte, grüßen sei immer angebracht. Er war ihr Lehrer, seit sie hier wohnten, und erklärte ihr die Eigenheiten im Dorf. Phyllis hob eine PET-Flasche auf und warf sie in den Abfalleimer unter dem Busfahrplan. Der Straßenkehrer sah sie an, ganz neutral, seine Augen sprachen weder kühl noch freundlich.
»Wissen Sie es immer noch nicht? Das gehört da nicht rein«, blaffte er sie an.
Dann lächelte er. Phyllis war entsetzt. Es war ein spöttisches Lächeln. Der Vorwurf selbst tat nicht weh. Er traf ja zu.
Sie war ja noch im Mutterschaftsurlaub und würde erst nächsten Monat wieder in die Schule gehen. Vielleicht. Wer wusste schon, was im Kopf einer Tochter vorging, wenn diese den Pfad der Ehre verließ.
Ein Straßenkehrer fegte an der Bushaltestelle Zigarettenstummel aus dem Rinnstein. »Guten Morgen«, grüßte Phyllis ihn.
Scheinbar hörte er sie nicht, nickte noch nicht einmal. Vielleicht hätte sie erst auf seinen Gruß warten sollen? Sie merkte, dass es ihr darauf ankam, einen guten Eindruck auf den Mann zu machen. Sie ärgerte sich darüber.
Seit Monaten versuchte sie herauszufinden, wann es sich geziemte zu grüßen. Es viel ihr schwer.
Phyllis fragte sich, ob die Klassenlehrerin ohne die Unterschrift der Direktorin so ein Schreiben überhaupt verschicken durfte. Die Briefe, die Yasmins Schwangerschaft
betrafen, waren immer von der Schulleitung unterzeichnet worden.
Ist Gritta ihnen weniger wert als Yasmin, fragte sie sich. In der Einladung aus der Schule stand kein Grund, warum ihre Anwesenheit erwünscht war. Ihre Töchter würden nie gegen die Regeln verstoßen. Als sie wissen wollte, was geschehen war, hatte Gritta geschwiegen.
Phyllis brachte kein Wort aus ihr heraus. Sie saß da, stolz, ohne irgendwelche Reue. Sie war zu keiner Erklärung bereit und auch Yasmin konnte nicht zur Aufklärung beitragen.
Nun stand ihr nur noch Pater Paul bei, der sich ihrer angenommen hatte. Er wusste, aus welcher hohen Gesellschaftsschicht sie stammte und was das für ihr Verhalten bedeutete.
Ihre Eltern waren in Java besonders gegenüber seiner Kirche für ihre Großzügigkeit bekannt. Noch heute. Und noch mehr, seit ihr Vater sie verstoßen hatte.
Nach alter Tradition besänftigte er die Geister mit Opfergeldgaben und bat so Gott um gute Schuhe für seine verloren gegangene Tochter. Und das wusste auch Pater Paul.
Wann stand er wohl auf? Er würde wissen, was der Brief bedeuten sollte, den Gritta gestern aus der Schule mitgebracht hatte.
Frauen netzen anders, online & on the road. Diesmal ging es nach Solothurn. Meine indonesischen Schwestern waren dabei und erzählten beim frühSTÜCK in der Jugendherberge von fremden Sitten am Niederrhein, vom Infostand aus entdeckten sie dann Solothurn für sich. Schön war es!
Dann würde sie ihre Rechte schon einfordern.
Als ihr Mann noch gelebt hatte, kannte sie ihre Aufgabe. Wie jedes Mädchen aus gutem Hause war sie von ihrer Mutter vorbereitet worden. Musizieren, singen, tanzen, malen und anmutig Verse vortragen war längst ihre zweite Haut. Ihr Mut, sich dem Lampenfieber zu stellen, wurde geachtet und bewundert. Sie hatte sich immer angemessen verhalten. Sie machte keine Fehler, die ihr Ansehen verletzten oder ihr Gesicht in ernstliche Gefahr gebracht hätten. Nie traf sie der erbarmungslose Spott der Leute. Sich der Verantwortung zu stellen, fiel leicht im Kreis ihrer Großfamilie, die ihr immer geholfen hatte.
Sie vermisste ihn jetzt schon und hoffte, dass er wieder zurück sein würde, wenn das Abschneiden von Kiwis erster Haarlocke gefeiert wurde.
»Lass ihn wiederkommen«, betete sie. Sie befürchtete, Pater Paul an Rom zu verlieren. Oder an die Einsiedelei in den Wäldern, weil er keine Frau haben durfte. »Noch einen Bruder aufgeben, das kann ich nicht.«
Sie fühlte sich egoistisch. Sie gönnte ihm doch die Gemeinschaft seiner Brüder und auch, sein Wissen hinter sich zu lassen, um zur Weisheit zu gelangen.
Aber erst nach der Familienzeit. Nein, sie war keine Egoistin. Ach, wenn sie doch nur die Pflichten hier wüsste!
Demnächst beginne ich ein Studium. Vier Semester lang werde ich mich mit Kultur & Co. beschäftigen. Da bleibt es nicht aus, dass sich die Sprache verwissenschaftlicht.
Für meinen neuen Roman kann ich das aber nun gar nicht brauchen. Bei dieser Geschichte muss ich den Puls im Bauch fühlen. Vielleicht sogar bis es weh tut. Darum nehme ich mir ein paar Wochen Zeit für die erste Überarbeitung.
Zu Pfingsten werde ich aber den Kopf wieder ins Leben strecken. Der Lesbenring feiert in Nürnberg und da will ich unbedingt dabei sein.Ist das nun Online-Urlaub oder Offline? Egal, was es ist, es wird sich wie Ferien anfühlen.
Bis ich wieder auf die Datenautobahn fahre, halten „Die indonesischen Schwestern“ die Stellung. Hören Sie sich die ersten 49 Seiten an. In Sandras Blog geht es dann weiter, mit einem Drabblepaket dreimal die Woche.
Wir lesen uns? Herzlich, Sandra Wöhe