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Die Euro-Krise hinterlässt weiter Spuren. Gemäss neusten Meldungen sind die Guthaben der Schweizer Banken bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) weiter gestiegen. Vermutlich wird die Bilanz der SNB Ende Juni einen neuen Rekordstand erreichen.
Angesichts der Turbulenzen um die griechischen Wahlen und der hohen Risikoprämien der spanischen Anleihen ist diese Nachricht wenig überraschend. Die Euro-Krise hat wieder eine bedrohliche Intensität erreicht. Wie Markus Diem Meier überzeugend gezeigt hat, vermögen die griechischen Wahlergebnisse die Lage nur vorübergehend zu beruhigen.
Dass die Stärke des Frankens weniger mit der Schweiz als mit der Eurozone zu tun hat, zeigen die neusten Entwicklungen in Dänemark. Zur Verteidigung des festen Wechselkurses der dänischen Krone gegenüber dem Euro ist die Notenbank gezwungen, Milliarden von Euro zu kaufen. Wie der neuste Bericht zeigt, sind die Devisenreserven von Ende Mai 2011 bis Ende Mai 2012 von 418,7 auf 462,7 Milliarden Kronen angestiegen. Diese Zahl entspricht etwa 25 Prozent des dänischen Bruttoinlandprodukts (BIP) – und nicht 140 Prozent, wie ich fälschlicherweise zuerst geschrieben habe (Danke für den Hinweis!). Zum Vergleich: Die SNB hält Devisen im Wert von 237,6 Milliarden Franken, was deutlich weniger als 50 Prozent des BIP entspricht.
Die dänische Sonderlösung ist mittlerweile zwanzig Jahre alt. Das dänische Volk sprach sich am 2. Juni 1992 mit einer knappen Mehrheit von 50,7 Prozent der Stimmen gegen den Vertrag von Maastricht bzw. die Einführung des Euro aus. Im Mai 1993 kam es zu einer zweiten Abstimmung. Diesmal nahm die Mehrheit des dänischen Volks mit 56,7 Prozent der Stimmen den Vertrag von Maastricht an, aber nur weil die Dänen die Krone behalten durften. Schliesslich kam es im Jahr im September 2000 zu einer dritten Abstimmung. Nun sprachen sich 53,2 Prozent der Stimmen gegen die Einführung des Euro aus.
Die Dänen, obwohl seit 1973 Mitglied der EG/EU, sind also gegenüber dem Euro ähnlich kritisch eingestellt wie die Schweizerinnen und Schweizer. Manche behaupten, dass die Verwandtschaft zwischen Dänemark und der Schweiz sogar weiter zurückreiche. So behaupteten im 18. Jahrhundert zwei anonyme Schweizer Schriftsteller, die Geschichte von Wilhelm Tell sei eigentlich eine dänische Sage. Die Behauptung fand wenig Begeisterung, wie man sich leicht vorstellen kann. Vielleicht folgt nun bald die posthume Rehabilitierung der beiden. Denn die Verteidigung der dänischen Krone und des Schweizer Frankens nimmt zunehmend heroische Züge an.