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[* 2] (auch Chronograph, griech.), ein Instrument zum Messen sehr kleiner Zeitteile, welches im engern Sinn Chronoskop heißt,
wenn die Zeit unmittelbar durch den Apparat angegeben wird, z. B. durch eine Uhr,
[* 5] einen Stift etc., und Chronograph, wenn die
Dauer der zu untersuchenden Erscheinung aus der bekannten Dauer einer andern, welche gleichzeitig mit
jener auftritt, berechnet wird. Das erste Chronoskop ließ die preußische Artillerieprüfungskommission im J. 1838 anfertigen. Der
bald darauf (1840) von Wheatstone angegebene Apparat beruht darauf, daß ein Uhrwerk genau beim Beginn der zu messenden kurzen
Zeit in Bewegung gesetzt und mit
dem Ablauf
[* 6] der Zeit wieder arretiert wird. Dies erreicht man auf folgende
Weise. Mit dem einen Pol einer elektrischen Batterie A
[* 2]
(Fig. 1) ist ein Elektromagnet B verbunden, dessen Anker
[* 7] b, solange er
angezogen wird, ein Uhrwerk C hemmt.
Wird aber dieser Strom geöffnet, so kommen die Zeiger auch wieder in Verbindung mit dem Uhrwerk und bewegen sich weiter. Um
z. B. die Fallzeit zu messen, geht der Draht von der Kette zuerst um das Hufeisen
[* 11] der Uhr, dann zu einem GalgenF an zwei Federn
e und i, zwischen denen die metallene Fallkugel k sitzt, und dann zur Kette zurück. Von den beiden letzten Drahtteilen gehen
indes auch Zweige zu zwei Teilen eines BrettesB unter dem Galgen, die zwei sich nahezu berührende Metallstreifen m und n tragen.
Der Strom ist in diesem Falloben an der Kugel geschlossen, an dem Doppelbrett nicht; sobald aber die Kugel
durch einen Druck auf f fällt, wird der Strom geöffnet und erst wieder geschlossen, wenn die Kugel auf das Brett schlägt und
dadurch die Metallstreifen in Berührung bringt. Die auf den Zifferblättern abgelesene Zeit ist die Fallzeit. Nach
dem Vorgang von Siemens hat Martin de Brettes ein Chronoskop angegeben, welches wesentlich aus einem mit chemisch präpariertem Papier
umspannten Metallcylinder besteht, um welchen ein Platinstift rotiert, der den Anfang und das Ende der zu beobachtenden Erscheinung
dadurch markiert, daß in diesen Augenblicken die Kette für eine Induktionsspirale geöffnet wird, wodurch
zwischen Cylin-
der und Markierstift jedesmal ein Induktionsfunke überspringt, der das Papier durchbohrt und so die zu untersuchenden Phasen
der Erscheinung durch kleine Punkte markiert. Durch eine sehr sinnreiche Vorrichtung wird ermöglicht, mittels dieses Apparats
die Geschwindigkeit des Geschosses an verschiedenen Stellen seiner Bahn zu untersuchen. Die Kugel berührt nämlich während ihres
Laufs mehrere Ziele, welche bei der Berührung die Kette für die Induktionsspirale öffnen; aber gleichzeitig wirken diese
Ziele noch auf eine andre Kette, welche den mit Papier umspannten Metallcylinder parallel zu seiner Achse verschiebt, so daß
die durch den Stift hervorgebrachten Marken nicht in Einer Linie erscheinen.
Zu der zweiten Klasse der Chronoskope gehört der von Pouillet 1844 angegebene Apparat; er beruht darauf,
daß die Größe des Ausschlags einer Multiplikatornadel, welchen ein an der Nadel vorübergehender Strom bewirkt, abhängig
ist von der Stärke
[* 13] dieses Stroms, aber auch von der Zeit, während welcher er auf die Nadel wirkt, wenn dieselbe überhaupt
nur klein ist. Aus dem unter verschiedenen Umständen erfolgenden Ausschlag kann man also auf die Zeit schließen, wenn immer
ein gleichstarker Strom angewandt wird und das Verhältnis zwischen Zeit und Ausschlag bekannt ist.
Das Pendel wird bis auf den Anfangspunkt seiner Bewegung erhoben und in dieser Stellung, bei welcher der Zeiger auf Null
zeigt, durch einen Elektromagnet festgehalten. Wird nun, etwa durch die den Lauf verlassende Kugel, der den Elektromagnet umkreisende
Strom geöffnet, so fällt das Pendel und durchläuft seinen Schwingungsbogen, und mit ihm bewegt sich der Zeiger. Sobald aber
die Kugel das Ziel berührt, schließt sie einen Strom und erregt dadurch einen Elektromagnet, dessen Anker
als Hemmapparat wirkt und den Zeiger sofort arretiert.
Dieser ergibt dann genau den von dem Pendel durchlaufenen Weg, aus welchem sich auf die Zeit schließen läßt. Dieser sehr
praktische Apparat, welcher freilich manche Fehlerquellen und Unsicherheiten einschließt, ist durch den belgischen Obersten
Leurs vereinfacht worden. Ein neues, von Le
[* 16] Boulengé (»Mémoire sur un chronographe électro-ballistique«,
1864, und »Description et l'emploi du chronographe Le Boulengé«, 1869;
vgl. Kuhn, Über den elektroballistischen Chronographen von Le Boulengé, in Dinglers »Polytechnischem Journal«, Bd. 179) angegebenes
Chronoskop steht dem Apparat von Navez sehr nahe und kann als elektromagnetischer Fallapparat für ballistische Zwecke
bezeichnet werden.
Man berechnet das zu bestimmende Zeitintervall nach den bekannten Gesetzen aus der während desselben zurückgelegten Fallhöhe.
Der Apparat enthält einen durch einen Elektromagnet gehaltenen Metallstab mit Papierhülse, welcher in einem gegebenen Moment
frei herabfällt, außerdem einen zweiten gleichfalls von einem Elektromagnet gehaltenen Fallkörper, welcher im Fall eine
Feder auslöst und dadurch einen scharfen Stahlmeißel gegen die Papierhülse des fallenden Stabes drückt,
so daß auf der Hülse
[* 17] ein Strich gemacht wird.
Der Metallstab wird also zuerst fallen, und der Meißel, welcher durch den fallenden zweiten Körper in Bewegung gesetzt wird,
trifft den Stab
[* 20] in seinem obern Teil. Es ist dann leicht aus dem Abstand der Striche, d. h. aus dem Unterschied der Fallhöhen,
die Zeit zu berechnen, in welcher das Geschoß die Strecke zwischen beiden Drähten durchlief. Vergleichende
Versuche haben ergeben, daß die Resultate bei diesem Apparat viel besser untereinander übereinstimmen als bei dem von Navez;
indes birgt er immer noch manche Fehlerquellen, und der Umfang, innerhalb dessen von dem Apparat die Zeitangabe gemacht
wird, beträgt höchstens 0,5 Sekunden.
Der Chronograph von Noble mißt die Geschoßgeschwindigkeit innerhalb des Rohrs; in die Wandung des Geschützrohrs werden nämlich
eine Reihe von Cylindern senkrecht zur Geschützachse so eingeschraubt, daß sie bis in die Seele hineinragen und hier mit Scharnierklappen
versehen werden können. Das Geschoß drückt auf seinem Lauf eine Klappe nach der andern nieder, zerschneidet auf diese Weise
in jedem Cylinder einen Draht und unterbricht dadurch ebenso viele galvanische Ströme, welche zu zeichengebenden
Apparaten in Beziehung stehen.
Vgl. die Werke über angewandte Elektrizitätslehre vonKuhn, Du Moncel
und Glösener sowie Upmann, Das Schießpulver
[* 21] etc. (in Bolleys »Handbuch der chemischen Technologie«, Bd. 6, Braunschw.
1874)
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