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In einem abgelegenen Tal auf Island leben die Menschen seit Generationen hauptsächlich von der Schafzucht. Und den jährlichen Wettkampf um den schönsten Schafbock hat gerade Kristin Bólvarson, genannt Kiddi, gewonnen. Sehr zum Ärger seines Bruders und Konkurrenten Gummi.
Die Brüder haben ihre Schaffarmen nebeneinander auf dem geerbten Land. Aber sie reden seit Jahren nicht mehr miteinander. Und das sei nicht ungewöhnlich im ländlichen Island, sagt Regisseur Hákonarson, es habe mit der Kleinheit der Gemeinden und der Isoliertheit der Menschen zu tun.
Es ist eine seltsame Paarung, welche Guillaume Nicloux (La religieuse) hier mit Isabelle Huppert und Gérard Depardieu vornimmt: Fünfunddreissig Jahre nachdem die beiden zum letzten Mal zusammen spielten, für Maurice Pialat in Loulou, schickt Nicloux sie nun wörtlich in die Wüste, ins kalifornische Death Valley.
Am Sonntagabend werden in Cannes die Palmen des 68. Filmfestivals vergeben. Über die vergangenen zehn Tage an der «Olympiade des Autorenkinos» reden heute in Cannes Michael Sennhauser und seine zwei deutschen Kolleginnen Anke Leweke und Katja Nicodemus.
Um aus Sri Lanka und seinem blutigen Bürgerkrieg wegzukommen, gibt sich ein ehemaliger Soldat der Tamil Tigers zusammen mit einer jungen Frau und einem neunjährigen Mädchen als Familie aus. So gelingt ihnen die Flucht nach Frankreich.
Hier schlägt er sich erst einmal als illegaler Strassenverkäufer durch, bis die Flüchtlings-Familie einen Hauswartsjob in einem heruntergekommenen Sozialwohnungsblock in Pré, einem Vorort von Paris, zugeteilt bekommt. In einem Block notabene, der sich später als Hauptquartier der lokalen Drogengang entpuppen wird. Der ehemalige Soldat, der dem Krieg entfliehen wollte, findet sich schon wieder an der Front. „Cannes 15: DHEEPAN von Jacques Audiard“ weiterlesen
Mit La Grande Bellezza hat Paolo Sorrentino seine unausgesprochene Ambition erfüllt, das Erbe Fellinis anzutreten. Und nun hat er auf seine sehr eigenständige Art eine Alters-Variation auf 8½ produziert, opulent, ironisch, melancholisch und in manchen Momenten fast schon selbstparodistisch.
Michael Caine hat die Rolle, welche sonst bei Sorrentino Tony Servillo spielt – wäre der nicht einfach noch zu jung dafür. Und die Rolle, die bei Fellini natürlich Marcello Mastroianni gehörte. Der von Caine gespielte achtzigjährige Komponist und Dirigent Fred Ballinger hat sogar seine eigene Variante von Mastroiannis gemurmeltem «Smic-Smac»: Bei Bedarf zieht er ein leeres Bonbon-Papier aus der Tasche und ratscht damit rhythmisch und vernehmlich. „Cannes 15: YOUTH von Paolo Sorrentino“ weiterlesen
Isabelle Reed (Isabelle Huppert) war eine renommierte Kriegsfotografin. Als der Film einsetzt, ist sie bereits zwei Jahre tot. Anlässlich einer Ausstellung ihrer Bilder will ihr ehemaliger Kollege Richard Weissmann (David Strathairn) in der New York Times einen Erinnerungstext schreiben.
Nach kurzem Zögern wirft sich eine Frau auf Ski in die vereiste Piste, rast knirschend an einer verdatterten Familie vorbei und dann folgen auf der Tonspur ein paar jener knackenden Geräusche, wie sie nur das Kino noch besser beherrscht als das Leben.
Die Reha-Klinik als Ort nicht nur der körperlichen, sondern auch der seelischen Gesundung, das ist das eben so simple wie funktionale Setting von Maïwenns viertem Langspielfilm. Und noch viel einfacher ist das Erzählprinzip von Mon roi. Der Film besteht im Wesentlichen aus Rückblenden in die Erinnerungen von Tony (Emmanuelle Bercot, deren eigener Film La tête haute das diesjährige Festival eröffnet hat). „Cannes 15: MON ROI von Maïwenn“ weiterlesen
Als Patricia Highsmith ihren autobiographisch unterfütterten Roman «Carol» 1952 zum ersten Mal veröffentlichte, hiess er noch «The Price of Salt» und Highsmith publizierte ihn unter dem Pseudonym Claire Morgan.
Nun spielt Cate Blanchett für Todd Haynes die Carol, die schöne, in einer standesgemässen Ehe gefangene Frau, in die sich Hals über Kopf die junge Departement-Store-Verkäuferin Therese Belivet (Rooney Mara) verliebt. „Cannes 15: CAROL von Todd Haynes“ weiterlesen
Als Nanni Moretti mit Michel Piccoli Habemus Papam (2011) drehte, starb seine Mutter, eine beliebte Latein- und Griechischlehrerin. Und so wie Moretti mit La stanza del figlio schon zehn Jahre früher Trauerarbeit leistete, wollte er es jetzt wieder tun.
Allerdings spielt er den Regisseur, der sich gleichzeitig um die sterbende Mutter, einen Filmdreh in Schieflage und einen mühsamen amerikanischen Schauspieler kümmern muss, diesmal nicht selber. Er hat die Rolle mit drei Ko-Autorinnen zusammen für die grossartige Margherita Buy geschrieben. „Cannes 15: MIA MADRE von Nanni Moretti“ weiterlesen
Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Gus van Sant Peter Liechtis The Sound of Insectsgesehen hat. Jedenfalls wirkt sein Film wie eine für Disney oder Spielberg aufgepeppte und amerikanisierte Version davon: Das Wesentliche ist auf poetische Schlagworte reduziert, die dramatischen Momente auf maximalen Einschlag zugespitzt.
Matthew McConaughey spielt den Amerikaner Arthur Brennan, zu Beginn des Films stellt er sein Auto am Flughafen ab, lässt den Schlüssel stecken, das Parkingticket auf dem Sitz liegen und checkt ohne Gepäck ein auf einen Flug nach Tokyo. Sein Ziel ist der Aokihagara, jener Wald am Fusse des Fujiama, der einerseits ein geschlossenes Naturreservat ist, andererseits aber seit den sechziger Jahren und einigen literarischen Aufarbeitungen auch ein beliebtes Ziel für suizidale Menschen. „Cannes 15: THE SEA OF TREES von Gus van Sant“ weiterlesen