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Tagesspruch
Katharina Emmerich
Das Leben der heiligen Jungfrau Maria
17.06.2021
Das Leben der heiligen Jungfrau Maria
Die Voreltern der Heiligen Anna Essener (Teil IX)
(Mitgeteilt im Juli und August 1821)
Annas Eltern waren reich. Ich sah dies an ihrer großen Wirtschaft; sie hatten viele Ochsen, aber sie hatten nichts für sich allein, sie gaben alles den Armen. Ich habe Anna als Kind gesehen. Sie war nicht besonders schön, aber doch schöner als andere. So schön wie Maria war sie bei weitem nicht, aber ungemein einfältig und kindlich fromm; so habe ich sie allezeit gesehen, auch als Jungfrau, als Mutter und als altes Mütterchen; so dass, wenn ich eine recht kindliche alte Bauersfrau sah, ich immer denken musste, die ist wie Anna. Sie hatte noch mehrere Geschwister, Brüder und Schwestern, die wurden verheiratet. Sie aber wollte noch
nicht heiraten. Ihre Eltern hatten sie besonders lieb. Sie hatte wohl an sechs Freier, aber sie schlug sie aus. Sie erhielt, da sie sich wie ihre Vorfahren bei den Essenern Rats erholt hatte, die Weisung, Joachim zu heiraten, den sie damals noch nicht kannte, der aber, als ihr Vater Eliud in das Tal Zabulon zog, wo Joachims Vater Matthat wohnte, um sie freite.
Joachim war gar nicht schön. Der heilige Joseph, wenngleich nicht jung, war gegen ihn ein sehr schöner Mann. Joachim war von kleiner, breiter und doch magerer Gestalt, und ich muss lachen, wenn ich an seine Figur denke, aber er war ein wunderbar frommer, heiliger Mensch. Joachim war auch arm. Er war mit dem heiligen Joseph verwandt, und zwar folgendermaßen: Josephs Großvater stammte aus David durch Salomon und hieß Mathan.
Er hatte einen Sohn Jakob und einen Joses. Jakob war der Vater Josephs. Als Mathan starb, heiratete seine Witwe einen zweiten Mann Levi, der aus David durch Nathan stammte, und von diesem Levi gebar sie Matthat, den Vater Heli, denn so hieß auch Joachim. Die Freierei war damals ganz einfach. Die Freier waren ganz schüchtern und blöde. Man sprach zusammen und dachte nichts bei dem Heiraten, als es müsse so sein. Sagte die Braut ja, so waren es die Eltern zufrieden, sagte sie nein und hatte Gründe dazu, so war es auch recht. War die Sache bei den Eltern richtig gemacht, so geschah die Versprechung in der Synagoge des Ortes. Der Priester betete an der heiligen Stelle, wo die Gesetzrollen lagen, die Eltern an dem gewöhnlichen Ort. Die Brautleute aber gingen in einen Raum zusammen und beredeten sich über ihre Verträge und Absichten; waren sie einig, so sagten sie es den Eltern und diese dem Priester, der sich nun nahte und die Erklärung annahm. Am folgenden Tage wurden sie dann getraut; das geschah mit allerlei Zeremonien unter freiem Himmel.
Joachim und Anna wurden an einem kleinen Orte getraut, wo nur eine geringe Schule war. Es war nur ein Priester zugegen. Anna war etwa 19 Jahre alt. — Sie hausten bei Eliud, dem Vater Annas. Dies Haus gehörte zu der Stadt Sephoris, es lag aber eine Strecke davon ab, zwischen einer Gruppe von Häusern, worunter es das größere war. Hier lebten sie wohl mehrere Jahre.