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Charles John Huffam Dickens wurde am 7. Februar 1812 in Portsmouth, England geboren und starb am 9. Juni 1870 in Rochester, England.
Charles Dickens gehört auch heute noch zu den populärsten Schriftstellern überhaupt. Ich kann mich erinnern, dass in meinem Kinderzimmer eine Ausgabe des David Copperfield stand, das ich aber nie gelesen habe, da mich die ungeheure Dicke abschreckte. Ein Versäumnis, dass ich zum Glück in späteren Jahren korrigieren konnte.
Dickens wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater, ein mittelloser Marineschreiber, konnte die Grossfamilie (acht Kinder!) nicht mehr ernähren und kam 1823 ins Londoner Schuldgefängnis. Seine Mutter zog mit der Familie zum Vater ins Gefängnis, nur der 11-jährige Charles blieb ausserhalb und versuchte durch Gelegenheitsjobs, die Familie finanziell zu unterstützen.
Erst als sein Vater 1824 wieder entlassen wurde, konnte Charles wieder regelmässig die Schule besuchen. Schliesslich schaffte er es, eine Anstellung als Schreiber bei einem Rechtsanwalt zu bekommen.
Er legte eine beachtliche Karriere hin, die ihn bis zum Parlamentsstenografen führte und später in verschiedenen Zeitungsredaktionen bis zum Herausgeber.
Im Zeitraum von 1836-37 erschien sein erster Roman Die Pickwickier, der ihm schon beachtlichen Ruhm einbrachte. Innerhalb kürzester Zeit gehörte er zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren seiner Zeit.
Seine belastende Kindheit hat er in vielen seiner Werke verarbeitet, Oliver Twist 1839 oder David Copperfield (1849) mögen da nur zwei Beispiele sein.
Ich mag an Dickens diesen unnachahmlichen Humor, die unzähligen guten Metaphern und seinen sehr schönen manchmal poetischen zuweilen aber auch trockenen Schreibstil.
Es gibt nicht viele Autoren, die eine derartige Fülle an literarischen Figuren geschaffen haben, die bis zum heutigen Tag allgegenwärtig sind.
Meine persönlichen Leseempfehlungen, nebst den oben schon erwähnten, wären:
"Grosse Erwartungen", „Klein Dorrit“ (1857), „Dombey und Sohn“ (1848) und natürlich seine bekannte „Weihnachtsgeschichte“ von 1844.
Jules-Gabriel Verne wurde am 8. Februar 1828 in Nantes geboren und verstarb am 24. März 1905 in Amiens.
Jules Verne verbrachte seine gesamte Kindheit in seiner Heimatstadt Nantes, wo er ab 1846 aufs Gymnasium ging.
Danach studierte er in Paris Rechtswissenschaften, da vorgesehen war, dass er die Anwaltskanzlei seines Vaters weiterführen sollte.
In Paris begann er zu schreiben und hatte erste Kontakte zur literarischen Welt.
Nach seinem Studium arbeitete er als Sekretär für ein Theater, für das er auch Stücke schrieb.
1857 heiratete er eine Witwe mit zwei Kindern. Diese Verantwortung zwang ihn zeitweise der bürgerlichen Beschäftigung eines Börsenmaklers nachzugehen.
1862 gelang Jules Verne mit dem Roman „Fünf Wochen im Ballon“ sein erster kommerzieller Erfolg.
Er unternahm verschiedene Schiffsreisen und freundete sich mit Forschern und Erfindern an, die ihn fachlich berieten und inspirierten.
Mittlerweile konnte er von seinen Romanen leben.
Mit seinen unzähligen futuristischen Werken gilt er heute als Mitbegründer des Science-Fiction-Genres.
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann ich erstmals mit Jules Vernes Werken bekannt wurde. Ich besass aber als Kind eine wunderschön illustrierte Ausgabe von „In 80 Tagen um die Welt“ und war absolut fasziniert von dieser Abenteuergeschichte.
Es ist schon äusserst bemerkenswert, wie Verne im 19. Jahrhundert Geschichten über Mondflüge oder Tiefseeentdeckungen erfand, die dann über hundert Jahre später Realität wurden.
Zeit seines Lebens erhielt er von der Fachwelt nie die ihm gebührende Anerkennung als Schriftsteller.
Für mich ist er nach wie vor einer meiner liebsten Abenteuer-Autoren. Ich kann mich herrlich entspannen bei der Lektüre seiner Werke und begleite ihn immer wieder gerne an die entlegensten Orte…
Als Einstiegslektüre eignen sich Werke wie: „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ (1874), „Reise um die Erde in 80 Tagen“ (1873) oder „Der Kurier des Zaren“ (1876)
Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski wurde am 3. Dezember 1857 in Berdyczow, Polen ( heute Ukraine) geboren und starb am 3. August 1924 in Bishopsbourne, England.
Conrads Vater, Apollo Korzeniowski, wurde 1861 von der damaligen russischen Besatzungsmacht gefangen genommen und in die Verbannung geschickt, wohin im seine Familie folgte. Während dieser Zeit verstarb seine Mutter Ewelina, kurz nach der Rückkehr aus der Verbannung (1869) auch sein Vater. Das Sorgerecht fiel an seinen Onkel Tadeusz Bobrowski.
1874, mit 16 Jahren, ging Joseph Conrad nach Marseille, wo er auf diversen französischen und später englischen Handelsschiffen zur See fuhr.
1886 erwarb er die britische Staatszugehörigkeit. Er begann schon während seiner Zeit auf See zu schreiben. Nachdem er an einem schweren, chronischen Fieber erkrankte, das er sich während einer Flussfahrt auf dem Kongo zugezogen hatte, entschloss er sich seinen Beruf aufzugeben und sein Glück als Schriftsteller zu versuchen.
1895 erschien sein erstes Werk Almayers Wahn (Almayer’s Folly, 1895), das aber kein grosser Erfolg wurde. Viele weitere folgten. Neben den Romanen verfasste er etliche Kurzgeschichten und autobiografische Schriften.
Erst spät, mit der Veröffentlichung von Spiel des Zufalls (Chance, 1913), hatte er Erfolg und war fortan nicht mehr auf Gönner angewiesen.
Joseph Conrads Werk war für viele nachfolgende Schriftsteller, wie zum Beispiel Virginia Woolf, wegweisend und seine Psychologisierung des Romans neu und in dieser Form eindrücklich.
Er schöpfte aus dem grossen Fundus seiner Erlebnisse auf See, und so erstaunt es dann auch nicht weiter, dass die meisten seiner Schriften mit Seefahrt zu tun haben.
Eine Ausnahme, die diese Regel bestätigt, bildete das 1907 erschienene Werk Der Geheimagent (The Secret Agent), das meiner Meinung nach sein bestes ist.
Als Leseempfehlung zum Einsteigen kann ich Ihnen nebst dem Geheimagenten noch sein Erstlingswerk Almayers Wahn vorschlagen, das alles bietet, was Joseph Conrad ausmacht.
Willa Sibert Cather wurde am 7. Dezember 1873 in Winchester, Virginia geboren und starb am 24. April 1947 in New York City.
Willa Cather stammte aus einer baptistischen Farmer-Familie und verbrachte einen Grossteil ihrer Kindheit in Nebraska, das damals die äusserste Grenze der USA darstellte. Das ländliche, abgeschiedene Leben hat sie sehr stark geprägt und spielt in vielen ihrer Romane eine wichtige Rolle.
Sie studierte an der Universität von Nebraska Englische Literatur. 1896 zog sie nach Pittsburgh, um dort zu unterrichten. 1906 erfolgte ein weiterer Umzug, diesmal nach New York, wo sie bis zu ihrem Tod leben und schreiben sollte.
Willa Cather hat eine unglaublich kraftvolle, bildhafte Sprache und zeichnet sich durch gute Beobachtungsgabe aus. Ihre Figuren sind sehr nuanciert und psychologisch glaubhaft dargestellt.
Sie versteht es, aus dem Alltäglichen das herauszuschälen, was relevant ist.
Sie wurde durch Henry James beeinflusst, ist aber ansonsten eher dem klassischen Schreibstil eines Dickens, Balzac oder Tolstoi verhaftet.
Zum Einsteigen in ihr Werk kann ich Ihnen folgende zwei Bücher ans Herz legen: „Schatten auf dem Fels“ (Shadows on the Rock, 1931) und „Lucy Gayheart“ (1935).
Adeline Virginia Stephen wurde am 25. Januar 1882 in London geboren und starb (Freitod) am 28. März 1941 in der Nähe von Rodmell.
Virginia Woolf ist zweifelsohne die wichtigste Schriftstellerin, der ich bis heute literarisch begegnet bin. Ohne sie wäre ich wohl kaum Buchhändler geworden.
Die meisten ihrer Bücher sind eigentliche Sprachkunstwerke und eröffneten mir einen bis dato völlig unbekannten literarischen Kosmos.
Virginia Woolf stammte aus einer gutbürgerlichen Familie. Ihr Vater war der bekannte Essayist und Biograph Sir Leslie Stephen (1832–1904), ihre Mutter Julia Prinsep Jackson (1846-1895). Sie hatte drei Geschwister, wobei sie vor allem zu ihrer älteren Schwester Vanessa, die später eine bekannte Malerin wurde, eine sehr enge Beziehung hatte.
Zusammen mit ihr war sie auch eine treibende Kraft in der aus Literaten, Künstlern und Wissenschaftlern bestehenden Bloomsbury Group.
Sie litt lebenslang unter depressiven Anfällen, die vor allem unter starker Belastung immer wieder ausbrachen. Eine grosse Stütze war ihr in diesen Zeiten ihr Ehemann, Leonard Woolf, den sie 1912 geheiratet hatte.
Ihre erstes Werk Die Fahrt hinaus (The Voyages Out) erschien 1915 bei Duckworth & Co, alle späteren Werke sollten dann in dem von ihr und Leonard gegründeten Verlag, The Hogarth Press, erscheinen.
Die Fahrt hinaus ist ein noch recht konventionell geschriebener Roman, der aber schon die Themen ihrer späteren Werke anzudeuten vermag.
Ihr sehr moderner Schreibstil, der zum Teil durch Josef Conrad (psychologische Erzähltechnik) und Leo Tolstoi ( Bewusstseinsstrom ) beeinflusst wurde, ist für mich auf der selben Stufe zu sehen wie James Joyce und Marcel Proust.
Ihren literarischen Höhepunkt erreichte sie mit den beiden Werken Mrs. Dalloway (1925) und meinem persönlichen Lieblingsbuch Die Wellen (1931). Für den Einstieg sind diese beiden Werke aber vielleicht nicht die geeignetsten.
Falls Sie noch nie etwas von Virginia Woolf gelesen haben, würde ich Ihnen folgende Werke als Einstiegslektüre empfehlen: Ein eigenes Zimmer (Essay 1929), Orlando (Roman 1928) und den 1922 erschienenen Roman Jacobs Zimmer.
Die Werke Virginia Woolfs wurden zum Teil mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auf deutsch übersetzt, zum Teil auch bis zum heutigen Tag überhaupt nicht, wie bei ihrer Biografie über Roger Fry, was sehr bedauerlich ist.
Bei den vorhandenen Büchern ist darauf zu achten, dass man eine Ausgabe aus der im S. Fischer Verlag erschienenen und von Klaus Reichert herausgegebenen Gesammelten Werke wählt. Diese wurden sehr sorgfältig editiert und neu übersetzt.
Lion Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München geboren und starb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles.
Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich auf diesen Schriftsteller gestossen bin, es muss ein Zufall gewesen sein. In Buchhandlungen sieht man sein Werk heute selten im Regal stehen. Das war zu seinen Lebzeiten ganz anders, galt er doch als einer der beliebtesten seiner Zunft und seine Werke als die meist verkauften im deutschen Sprachraum.
Lion Feuchtwanger kam aus einer jüdisch-orthodoxen Fabrikanten-Familie.
Schon sehr früh war für ihn klar, dass Schreiben seine Profession werden sollte. Er studierte in München und Berlin Geschichte, Philosophie und Deutsche Philologie.
Seinen ersten und auch grössten Erfolg hatte er mit dem historischen Roman Jud Süss, der 1925 erschien und den Grundstein legte für viele weitere, meist historische Werke.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933, konnte Feuchtwanger, der sich gerade auf einer Vortragsreise durch die USA befand, nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Später wurde er sogar ausgebürgert. Er verarbeitete diese schwierige Zeit im Roman Die Geschwister Oppermann (1933).
Nach Aufenthalten in Süd-Frankreich und der Sovjetunion emigrierte er schliesslich 1941 in die USA, wo er bis zu seinem Tod lebte.
Ich kenne keinen Schriftsteller, der es besser versteht, historische Ereignisse anschaulich und authentisch in eine spannende Story zu verpacken. Wobei das zentrale Thema immer das Judentum blieb. Seine Geschichten waren aber universell lesbar, letztlich ging es meist um Aussenseiter und deren Unterdrückung.
Spannend ist auch, dass alle seine historischen Romane einen direkten Bezug zur Gegenwart haben, so kann man nicht selten grosse Parallelen zur Judenverfolgung im 3. Reich erkennen.
Für mich ist Lion Feuchtwanger einer der besten und interessantesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.
Gute Einstiegslektüren sind: „Jud Süss“ (1925), „Die hässliche Herzogin“ (1923) und Die „Jüdin von Toledo“ (1955).
Victoria Mary Sackville-West wurde am 9. März 1892 auf Knole House, Kent geboren und starb am 2. Juni 1962 auf Sissinghurst Castle, Kent.
Wenn man sich intensiver mit Virginia Woolf beschäftigt, wird man zwangsläufig auch auf den Namen Vita Sackville-West stossen. So ist es auch mir ergangen. Virginia Woolf hat ihrer Freundin in ihrem Roman „Orlando“ ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt.
Vita Sackville-West wurde, wie man so schön sagt, mit einem goldenen Löffel im Mund geboren. Als Tochter eines Barons wuchs sie standesgemäss auf Knole House auf, einem der schönsten Herrenhäuser Englands, in der Nähe von Sevenoaks gelegen. Leider galt die männliche Erbfolge, und so war es ihr nicht vergönnt, nach dem Tode ihres Vaters 1928, diesen herrlichen Landsitz zu erben.
Gewissermassen als „Entschädigung“ kaufte sie zusammen mit ihrem Ehemann Harold Nicolson 1930 das Sissinghurst Castle. In diesem ebenfalls sehr schön gelegenen Sitz, schrieb sie viele ihrer Romane in ihrem Turmzimmer und legte nebenbei mit viel Elan und Sinn für Schönheit einen Garten an, der bis zum heutigen Tag als Referenz für Englische Gartenbaukunst angesehen wird.
Auch wenn sie nicht die literarische Tiefe von Virginia Woolfs Werken hatten, sind ihre Romane und Novellen äusserst lesenswert.
Sie hat, was die literarische Form anbelangt, recht klassisch geschrieben. Inhaltlich jedoch war sie sehr modern und kritisch eingestellt. So hat sie es ausgezeichnet verstanden, auf zuweilen leicht ironische Weise gesellschaftliche Veränderungen und zwischenmenschlichen Beziehungsmuster zu beschreiben. Auch die von ihr verfassten biografischen Texte sind sehr lesenswert und fesselnd.
Als Einstiegslektüre kann ich die Biografie über ihre Grossmutter „Pepita“ (1937), den Roman „Erloschenes Feuer“ (1931) und den Roman „Eine Frau von vierzig Jahren“ (1932) sehr empfehlen.
John Cowper Powys wurde am 8. Oktober 1872 in Shirley, England geboren und starb am 17. Juni 1963 in Blaenau Ffestiniog, Wales.
Beim Durchblättern einer Verlagsvorschau stiess ich irgendwann in den 90ern auf ein Buch mit dem Titel Glastonbury Romance. Ich war kurz zuvor in Süd-England in Urlaub gewesen und dort unter anderem auch in Glastonbury. Da ich nicht an Zufälle glaube, habe ich das Buch kurz entschlossen bestellt und gelesen…
John Cowper Powys, Sohn eines Vikar, wuchs in einem sehr künstlerisch inspirierenden Umfeld auf. Anders lässt es sich kaum erklären, dass von seinen zehn (!) Geschwistern die meisten einen musischen Beruf ergriffen. So wurden zwei seiner jüngeren Brüder, Llewelyn und Theodore, ebenfalls bekannte Schriftsteller, ebenso seine Schwester Philippa, die sich als Dichterin einen Namen machte. Eine weitere Schwester Gertrude war Malerin…
John Cowper Powys studierte in Cambridge Geschichte. Sein ruheloses Leben trieb ihn stets umher, und so lebte er von 1905 bis 1934 in den USA, wo er seine bedeutesten Werke verfasste. Gerade während der Zeit, wo er am weitesten von seiner Süd-Englischen Heimat entfernt war, fühlte er sich am meisten mit ihr verbunden und schuf mystische Werke von geradezu monumentalem Ausmass.
Er verfasste nebst sehr umfangreichen Romanen auch Gedichte und etliche philosophische Schriften. 1935 liess er sich in Wales nieder, wo er dann auch blieb.
Um ehrlich zu sein, ich war erschlagen von der keltisch-mystischen Symbolik von Glastonbury Romance. Es ging mir etwas ähnlich, wie nachdem ich „Die Wellen“ von Virginia Woolf gelesen hatte. Das Werk ist dermassen vielschichtig und besitzt eine derartige Dichte und Intensität, dass man kaum davon loskommt.
Ich war tief beeindruckt und beschaffte mir weitere Romane von ihm. Heute zähle ich ihn auch zu meinen Lieblingsschriftstellern. Er hat mich zum Nachdenken gebracht, zum Grübeln und zum Träumen.
Es ist nicht ganz einfach, Leseempfehlungen abzugeben. Zum einen sind alle Werke äusserst umfangreich (Er war kein Freund von Kurzgeschichten.) und zum anderen alle auch recht komplex. Zum Einsteigen würde ich aber diese beiden vorschlagen: „Wolf Solent“ (1929) und Der „Strand von Weymouth“ (1934)
Heinrich Hauser wurde am 27. August 1901 in Berlin geboren und verstarb am 25. März 1955 in Diessen am Ammersee.
Heinrich Hauser führte ein ausserordentlich bewegtes Leben. Als junger Kadett bereits fand er sich 1918 in einer Revolution wieder (Novemberrevolution).
Er begann ein Ingenieurstudium, das er aber wegen eines Arbeitsunfalles abbrechen musste. In der Folge arbeitete er in einem Stahlwerk, versuchte sein Glück als Schmuggler und studierte einige Semester Medizin. Von 1923 an arbeitete er als Leichtmatrose auf diversen Handelsschiffen.
1925 wurde Heinrich Hauser Mitarbeiter bei der Frankfurter Zeitung. Er schrieb Essays, Reiseberichte und auch einige Romane. Wobei er vor allem mit seinem zweiten Roman „Brackwasser“ den literarischen Durchbruch schaffte.
Insgesamt war Hauser fünfmal verheiratet, wobei er zwei Ehen mit jüdischen Frauen einging, um ihnen die Flucht aus Deutschland zu ermöglichen. Das ist insofern bemerkenswert, da er von 1930 bis 1939 mit den Nationalsozialisten sympathisierte.
1939 wanderte er dann selber in die USA aus. Nach dem Krieg wurde Heinrich Hauser Chefredakteur der Zeitschrift Stern.
Meine erste Berührung mit dem Autoren Heinrich Hauser, den ich davor nicht mal dem Namen nach kannte, war der Roman „Donner überm Meer“. Der wunderbare kleine Weidle Verlag in Bonn verlegte 2001 eine Neuauflage. Ich war absolut fasziniert von dieser wunderbaren Sprache und machte mich auf die Suche nach mehr von Heinrich Hauser. Fündig wurde ich in einem Antiquariat: Der Roman „Brackwasser“ fiel mir in die Hände. Genaueres können sie über dieses Werk in der Rubrik „Literatur der Moderne“ erfahren, und das sagt wohl schon alles darüber aus…
Die beiden oben genannten Werke kann ich auch uneingeschränkt zur Lektüre weiterempfehlen. Sollten Sie etwas für Reiseberichte übrig haben, kann ich Ihnen auch „Feldwege nach Chicago“ (1932) wärmstens empfehlen!
Bürgerlicher Name: Henry Vincent Yorke
Er wurde am 29. Oktober 1905 in Tewkesbury, England geboren und starb am 13. Dezember 1973 in London.
Das erste Buch von Henry Green, auf das ich stiess, war „Der Butler“ (Loving, 1945). Ich fand es in einer Grabbelkiste vor einer Buchhandlung. Was mir als erstes auffiel, war die sehr schöne Verarbeitung (Leineneinband, Fadenheftung). Auf dem Buchschnitt prangte ein hässlicher, roter Stempel mit dem Vermerk: „Makulatur“???
Herausgegeben vom Göttinger Steidl Verlag, den ich als Belletristik-Verlag sehr schätze.
Irgend eine innere Stimme riet mir, es zu kaufen, und ich habe es nicht bereut. Henry Green zählt heute zu meinen absoluten Lieblingsautoren, aber der Reihe nach…
Henry Vincent Yorke wurde in eine Industriellen-Familie geboren. Der Vater, John Reginald Yorke, war Besitzer einer Fabrik in Birmingham, die Bier-Abfüllmaschinen produzierte. Seine Mutter, Maud Evelyn Wyndham, war die Tochter des zweiten Baron Leconfield.
Henry Yorke besuchte das Eton College und studierte später in Oxford, wo er unter anderem auf Evelyn Waugh traf.
Während seiner Studienzeit begann er zu schreiben und verfasste einen Grossteil seines ersten Romans „Blindsein“ (Blindness). 1926 verliess er Oxford ohne Abschluss. Noch im selben Jahr erschien sein Erstling im J. M. Dent & Co. Verlag.
Er arbeitete im Familienbetrieb, zuerst als einfacher Arbeiter, später als Geschäftsführer.
Während dieser Zeit verfasste er weitere acht Romane und eine Autobiografie, die aber alle, wie auch schon sein erster Roman, kommerziell keinen Erfolg hatten.
1952 beendete er seine Schriftstellerkarriere. Bis zu seinem Tod im Jahr schrieb er nichts mehr.
Meinem Fund in der Grabbelkiste nach zu urteilen, hatte er auch im deutschsprachigen Raum keinen literarischen Erfolg, was mir persönlich unerklärlich ist.
Seine Werke sind sprachlich unglaublich schön und virtuos, man merkt jedem Satz an, dass der nicht einfach so da steht, sondern der Verfasser sich wohl sehr intensiv mit jedem einzelnen Wort auseinandergesetzt hat. Die Stories sind originell und thematisch interessant.
Als Einstiegslektüre empfehle ich: „Der Butler“ (Loving, 1945) und „Leben“ (Living, 1929).
Inoue Yasushi (japanische Schreibweise) wurde am 6. Mai 1907 in Asahikawa, Hokkaido geboren und starb am 29. Januar 1991 in Tokio.
Inoue studierte Kunst und Geschichte, arbeitete als Journalist und diente später in der Armee. 1937 begann er als Schriftsteller zu arbeiten.
Er verfasste unzählige Novellen und Romane, darunter auch viele historische Werke. In Japan war Inoue einer der einflussreichsten und auch angesehensten Schriftsteller seiner Generation. Viele seiner Werke wurden ins Deutsche übertragen, was dazu führte, dass er auch im deutschen Sprachraum einer der bekanntesten japanischen Autoren wurde.
Ich habe von keinem anderen japanischen Schriftsteller so viele Werke gelesen wie von ihm. Wobei ich vor allem seine historischen Werke sehr mag. Die Mischung aus kenntnisreichem, geschichtlichem Hintergrund und spannend erzählten menschlichen Schicksalen fasziniert mich und machen Inoue einzigartig.
Sein Schreibstil ist aber eher klassisch und nicht zu vergleichen mit Autoren jüngerer Generation wie Haruki Murakami oder Yoko Tawada.
Als Einstiegslektüre empfehlen kann ich: „Die Höhlen von Dun-juang“ (1959), „Der Sturm“ (1968) und „Reise nach Samarkand“ (1969).