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Das geräucherte Euter war keineswegs eine Seebacher Spezialität, doch es wurde hier von Ernst Coendet noch produziert, obwohl es bereits 1950 schon weitgehend der Vergessenheit anheim gefallen war. Es gab aber noch Einheimische, welche das sehr gerne assen.
Ernst Coendet wurde 1918 geboren und gilt als alteingesessener Seebacher Metzger. Zur Aussprache seines Namens: Man spricht den Namen so aus als würde er «Coindet» geschrieben. Der Name entstammt einer waadtländer Mundart, daher gelten hier nicht die üblichen französischen Ausspracheregeln. Es gibt aber auch im Französischen einige Worte, wo die gleiche Ausspracheregel gilt, wie z. B. beim Vornamen Benjamin. Im Welschland hat man damit keine Probleme und kennt die paar Ausnahmen bei der Aussprache. Mehr Probleme hatten da die Seebacher Hausfrauen in den 1950er Jahren, zumeist noch ohne oder nur mit kargen Französisch-Kenntnissen aufgewachsen. Sie nannten den Metzger kurzerhand «Göndet», wohl in der irrigen Meinung, er wäre ein Bündner! Die Coendets stammen ursprünglich jedoch aus Mézières bei Moudon VD, deutsch: Milden.
Das Verkaufslokal seiner Metzgerei lag an der Schaffhauserstrasse 514. Er führte die Metzgerei von 1937-1988, also satte 51 Jahre lang! Die Schwester des Metzgers bediente zwischendurch auch die Kasse und die Charcuterie. Dieser Metzger mietete von Wirt Emil Frei von der alten Post das ehemalige Elefantenhaus als Sägemehllager von 1937 bis kurz nach 1950. Danach erstellte er einen eigenen Schuppen hinter seinem Haus.
Das Buchenholz-Sägemehl benötigte Ernst Coendet für seine Rauchkammer im Dachgeschoss, wo er Würste und Euter räucherte. Die Euter waren eine Spezialität, welche er nicht nur im Laden verkaufte, sondern auch an die Frohsinn-Wirtefamilie Westreicher lieferte. Geräuchertes Euter war in der Metzgerei selbst fast jederzeit erhältlich. Heutige Menschen können sich kaum mehr vorstellen, dass man früher so etwas ass.
Ernst Coendet hat der OGS im Jahre 2001 in der Ziegelhütte anlässlich eines Montags-Treffs einigermassen genau erklärt, wie er dieses Euter zubereitete und das ging so:
Die Euter mussten mit Salz, Pfeffer und Gewürzen eingerieben werden und wurden nach einer gewissen Einwirkzeit in die Räucherkammer gehängt. Dann hat er das angefeuchtete Sägemehl entzunden, sodass dieses zu motten begann. Es hatte die unangenehme Neigung, immer wieder zu erlöschen, sodass er täglich mehrmals in den Estrich steigen musste, um zum Rechten zu schauen. Er liess die Euter meist eine Woche in der Rauchkammer und hängte sie dann an einen Fleischerhaken im Kühlraum auf, wo sie weiter Feuchtigkeit verloren und kleiner wurden. Danach kamen sie in den Verkauf.