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Auf der Jagd nach den besten Rundenzeiten rasen die Rennwagen durch die Innenstadt von Berlin, Paris oder Monaco. Die Motoren erreichen dabei ungefähr die Lautstärke eines Rasenmähers und erzeugen keine CO2-Emissionen. Sieht so zukünftiger Motorsport aus?
Neuer Fokus
Die Formel E ist die weltweit erste vollständig elektrische Rennserie, in der zehn Teams mit zwanzig Piloten auf eigens entworfenen Strecken in den Zentren der Weltstädte gegeneinander antreten. Als Gegenentwurf zur Formel 1 oder ähnlichen Rennserien setzt der Automobilweltverband FIA (Fédération Internationale de l’Automobile) damit den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit. Die Kosten sind im Vergleich zur Königsklasse ebenfalls bescheiden. Die jährliche Kostenobergrenze liegt bei 3,5 Millionen Dollar respektive 3 Millionen Euro. In der Formel 1 sind es schätzungsweise 45 Millionen Euro pro Team. Für die erzielten Punkte erhalten die Teams in der Formel E hingegen eine Prämie von 3‘500 Euro.
Stetige Weiterentwicklungen
Anders als beispielsweise in der Formel 1 findet in der Formel E das komplette Renngeschehen mit Training, Qualifikation und Rennen an einem Tag statt. Während der ersten Formel-E-Saison steuerten die Fahrer der zehn Teams einen einheitlichen Rennwagen. Im folgenden Jahr durften die Teams das Kühlsystem, die Hinterachsaufhängung sowie den Antriebsstrang mit Elektromotor, Inverter, Getriebe und Steuerelektronik weiterentwickeln. Die Kapazität der Batterien beträgt 28 kWh. Im Rennen kann damit eine Leistung von 170 kW (231 PS) umgesetzt werden. In der Qualifikation sind zudem gesteigerte Leistungen von 200 kW (272 PS) möglich. Die aktuellen Boliden erreichen Höchstgeschwindigkeiten von 225 km/h und beschleunigen zudem in nur 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Weil die Kapazität der Batterien begrenzt ist, gibt es zur Mitte der rund 50-minütigen Renndauer einen Wagenwechsel. Bei steigender Leistungsfähigkeit der Lithium-Ionen-Akkumulatoren soll der Wagenwechsel ab 2018 voraussichtlich abgeschafft werden.
Hoher Popularitätsfaktor
Ehemalige F1-Fahrer wie Nick Heidfeld, Bruno Senna oder Lucas di Grassi erhöhen zudem den Popularitätsfaktor der Rennserie. Dazu gehört auch der Schweizer Sébastien Buemi. Im letzten Rennen der Saison 2015/16 kürte sich Buemi vom Team Renault e.dams in London zum neuen Champion der Formel E und ist damit Nachfolger von Nelson Piquet Junior.
Blick auf das bevorstehende Jahr
Die Saison 2016/17 beginnt am 9. Oktober 2016 in Hongkong. Der Kalender umfasst 14 Rennen auf 12 Strecken und führt die Teams unter anderem nach New York, Mexico City, Monaco, Paris, Brüssel und Berlin. Die maximale Rekuperation – Prinzip der Energierückgewinnung – der Boliden erhöht sich von 100 kW auf 150 kW. Die maximale Leistung bleibt hingegen bei 200 kW (272 PS) und steigt erst 2017/18 auf 220 kW (299 PS), in der darauffolgenden Saison auf 250 kW (340 PS).
Das Ansehen der Formel E wird weiter zunehmen. Deshalb könnten auch andere namhafte Hersteller wie BMW und Mercedes den Weg in die Formel E antreten. Der Einstieg von Jaguar ab der kommenden Saison ist bereits sicher. Auch Jaguar verfolgt das Ziel, junge Leute und Menschen mit Hingabe zum Motorsport für alternative Antriebe und speziell für die Elektromobilität zu sensibilisieren sowie innovative Neuerungen für die Serienherstellung zu erproben.
Bekannte Gesichter und Blick in die Formel 1
Einige Fahrer aus der Formel E starteten bereits in der Formel 1 oder in anderen Rennserien. Ein kleiner Überblick:
- Sébastien Buemi
- Nick Heidfeld
- Bruno Senna
- Nelson Piquet Jr.
- Lucas Di Grassi
- Jean-Eric Vergne
- Stephane Sarrazin
Blick in die Formel 1
KERS (Kinetic Energy Recovery System, Kinetisches Energierückgewinnungssystem) wurde 2009 in der Formel 1 eingeführt. Es erlaubte den Fahrern pro Runde eine zusätzliche Leistung von 60 Kilowatt respektive 80 PS, die beliebig eingeteilt werden konnte. Die beim Bremsen an der Hinterachse freigesetzte Energie wurde dabei in elektrische Energie umgewandelt. Das seit der Saison 2014 verwendete ERS nutzt hingegen zwei Systeme (ERS-H und ERS-K), die eine Energierückgewinnung aus kinetischer Energie und aus der Energie des Abgasstromes ermöglichen. Dem Fahrer steht für 33 Sekunden pro Runde eine zusätzliche Energie von 120 kW zur Verfügung. Das Funktionsprinzip wird hier dargestellt.
Technische Daten der Formel-E-Boliden
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h (durch FIA abgeregelt)
Beschleunigung: (0 auf 100 km/h): 2,9 Sek
Maximalleistung (Qualifying-Modus): 200 kW (272 PS)
Leistung Rennmodus: 170 kW (231 PS)
Leistung FanBoost: 180 bis 200 kW (100 kJ)
Batterie: Lithium-Ionen-Akkumulator
Batterie-Kapazität: 28 kWh (= Energiemenge aus 3 Litern Benzin)
Antrieb: Heckantrieb
Motorumdrehungen pro Minute: < 19.000
Drehmoment: < 150 Nm
Max. Längsbeschleunigung: 3,5 G
Max. Bremsverzögerung: 3 G
Bremstemperatur: 500 bis 800 °C
Das Funktionsprinzip eines Formel-E-Autos
Rennzirkus in der Schweiz
Rasen die elektrisch betriebenen Boliden der Formel E zukünftig auch durch die Schweiz? Laut der NZZ gilt Zürich neben Lugano als potenzieller Austragungsort eines Rennens. Obwohl ein definitiver Entscheid noch aussteht, wurde die Zulassung von Formel-E-Rennen bereits Ende 2015 vom Bundesrat beschlossen. Die Rennserie könnte der Elektromobilität in der Schweiz zu stärkerem Renommee verhelfen. Gleichzeitig käme Sébastian Buemi als aktueller Weltmeister der Formel E in den Genuss eines Heimrennens. Der vor Kurzem von der NZZ veröffentlichte Artikel ist zu finden unter: http://www.nzz.ch/zuerich/aktuell/formel-e-meisterschaft-elektro-boliden-laufen-in-zuerich-warm-ld.107353
Die geplante Rennstrecke (NZZ-Infografik)
Wegweiser zur Rennserie
Sämtliche Bilder zur Verfügung gestellt von Formula E.Zum nächsten Beitrag