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Unser mentales Lexikon ist in grossem Mass organisiert. Zwischen den Wörtern besteht eine Reihe von Beziehungen, die man semantische Relationen nennt. Die wichtigsten semantischen Relationen sind die folgenden:
- Synonymie (Gleichheit oder Ähnlichkeit von Wörtern)
Bedeutungsgleichheit zwischen Wörtern nennt man Synonymie:
Beispiel: Aufzug = Lift.
Synonyme können miteinander in einem Satz vertauscht werden, ohne dass sich am Wahrheitsgehalt des Satzes etwas ändert. Synonyme sind manchmal auch regional bestimmbar. Fleischer und Metzger bedeuten dasselbe, werden aber in unterschiedlichen Regionen gebraucht: Metzger in der Schweiz, in Teilen Österreichs, in Mittelwest- und Süddeutschland; Fleischer wird in Nord- und Mitteldeutschland sowie Teilen Österreichs.
Synonyme haben die gleichen semantischen Merkmale. Man findet aber ganz selten eine 100%ige Bedeutungsgleichheit. Meistens unterscheiden sich Synonyme durch sogenannte konnotative Merkmale, die Wörter unterschiedlichen Stilebenen zuordnen (vgl. >>). So sind abkratzen und entschlafen synoym, bedeuten beide "sterben". Doch abkratzen ist der vulgäre Ausdruck und entschlafen der gehobene für "sterben".
Echte Synonyme sind sehr selten, weil grundsätzlich kein Bedarf für bedeutungsgleiche Wörter besteht. Es gibt aber viele bedeutungsähnliche Wörter, die gemeinsame semantische Merkmale haben, sich aber in einzelnen Merkmalen unterscheiden. So sind eine Villa und ein Häuschen zwar beides "Bauwerke", aber die beiden "Bauwerke" unterscheiden sich z. B. im Merkmal "Grösse" voneinander. Wenn man in Wörterbüchern Synonyme sucht, dann werden einem in der Regel nicht bedeutungsgleiche, sondern bedeutungsähnliche Wörter präsentiert (vgl. z. B. das Synonym-Wörterbuch Woxikon).
- Hyponymie und Hyperonymie sowie Inkompatibilität
- Hyperonymie (Überordnung -> Oberbegriff)
Viele Wörter lassen sich bestimmten Oberbegriffen zuordnen. So sind Tulpen, Rosen, Veilchen alles Blumen. Alle semantischen Merkmale (z. B. Pflanze, blühend) des Oberbegriffs treffen alle auch die Unterbegriffe zu (aber nicht umgekehrt)
- Hyponymie (Unterordnung -> Unterbegriff)
Ein Unterbegriff hat neben den semantischen Merkmalen des Oberbegriffs zusätzliche Bedeutungsmerkmale. So gehört zur Rose (neben anderen zusätzlichen Merkmalen) das Merkmal stachelig oder zur Tulpe (neben anderen zusätzlichen Merkmalen) das Merkmal glocken- bis napförmige Blüten.
- Inkompatibilität (Unverträglichkeit)
Alle Unterbegriffe derselben Klasse (z. B. Rosen, Tulpen, Veilchen ...) nennt man Kohyponyme. Diese Kohyponyme schliessen einander aus. Das heisst, eine Rose kann nicht zusätzlich ein Veilchen sein, sie sind demzufolge unverträglich. Unverträglichkeit heisst mit einem Fremdwort Inkompatibilität. Es gibt zwei spezielle Arten der Unverträglichkeit: Antonymie und Kontradiktion.
- Kontradiktion
Wenn zwei Wörter/Ausdrücke gegensätzliche Bedeutungen haben, sich strickt ausschliessen und keine Zwischenstufen möglich sind, dann liegt Kontradiktion vor. Die Verneinung des einen Wortes ergibt die Bedeutung des anderen Wortes. So ergibt die Verneinung von lebendig = nicht lebendig die Bedeutung des Wortes tot. tot und lebendig stehen also in einem kontradiktischen Verhältnis.
- Antonymie
Wenn zwei Wörter/Ausdrücke gegensätzliche Bedeutungen haben, sich aber nicht strikt ausschliessen, sondern sich noch Zwischenstufen finden lassen, dann liegt Antonymie vor. Die Wörter kalt und heiss sind in dem Sinn Antonyme, denn die Verneinung des einen Worts führt nicht zwingend zum anderen Wort. So erhält man als Ergebnis der Verneinung von heiss = nicht heiss nicht zwingend das Wort kalt. Es gibt auch Zwischenstufen wie warm oder lauwarm.
- Ambiguität
Mehrdeutigkeiten werden unter dem Stichwort Ambiguität zusammengefasst. Es gibt vor allem zwei unterschiedliche Arten von Mehrdeutigkeit: Polysemie und Homonymie. Für viele Wörter lassen sich heute aber keine klaren Unterscheidungen mehr machen, weshalb man den allgemeinen Ausdruck Ambiguität für das Phänomen der Mehrdeutigkeit verwendet.
- Polysemie und Vagheit (Mehrdeutigkeit)
Polyseme sind Wörter, die gleich "ausschauen", die aber eine unterschiedliche Bedeutung haben und deren verschiedene Bedeutung auf eine gemeinsame Kernbedeutung zurückgehen. Ein Beispiel: Bank bedeutet zum einen Geldinstitut, zum anderen Sitzgelegenheit. Im Mittelalter nannte man den langen Tisch des Geldwechslers banca, daraus wurde die Bedeutung Geldinstitut abgeleitet. Die beiden Wörter Bank = Geldinstitut und Bank = Sitzgelegenheit haben also einen gemeinsamen Ursprung.
Nicht direkt in den Bereich der Polysemie fallen Wörter, die verschiedene, aber miteinander verwandte Bedeutungsvarianten haben. Solche Wörter sind vage. So kann das Wort Schule verschiedene Bedeutungsvarianten aufweisen, die aber alle den Bedeutungskern "Zweck = Lehr- oder Lernprozesse" haben:
- Die Schule liegt in der Nähe des Einkaufszentrums.
- Die Schule wird von einem Gönner unterstützt.
- Die Schule langweilt ihn.
- Homonymie (gleiches Wort für unterschiedliche Bedeutungen)
Homonyme sind Wörter, die gleich "ausschauen", die aber eine unterschiedliche Bedeutung haben und deren verschiedene Bedeutung nicht auf eine gemeinsame Kernbedeutung zurückgehen. Homonyme sind beispielsweise die beiden Wörter modern = fortschrittlich und modern = verwesen.
Man unterscheidet bei der Homonymie Homographie und Homophonie. Homographe sind Wörter, die gleich geschrieben werden (und eine unterschiedliche Bedeutung ohne gemeinsamen Wortursprung haben); vergleiche dazu das vorhergehende Beispiel: modern = fortschrittlich und modern = verwesen. Die Wörter werden in der Regel unterschiedlich ausgesprochen/betont.
Homophone sind Wörter, die gleich ausgesprochen, aber unterschiedlich geschrieben werden (und eine unterschiedliche Bedeutung ohne gemeinsamen Wortursprung haben); Beispiel: mehr versus Meer.
- Referenzidentität
Referenzidentität ist der Synonymie ähnlich, aber nicht dasselbe. Von Referenzidentität spricht man, wenn zwei Wörter oder Wortgruppen sich auf dieselbe Person oder dasselbe Objekt beziehen, aber verschiedene Bedeutungen haben. Man kann auf denselben Gegenstand oder dieselbe Person mit vielen verschiedenen Ausdrücken Bezug nehmen. So beziehen sich die Ausdrücke Schiller und der Verfasser des 'Wilhelm Tell' beide auf dieselbe Person, haben aber eine unterschiedliche Bedeutung.
(Die vorausgehenden Informationen orientieren sich an Schwarz/Chur, 1993, S. 53-60.)