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Ich telegraphierte Ihnen am 8. Januar morgens2 den Text der von Herrn Balfour an mich gerichteten Empfangsanzeige der Note, mit der sich der Bundesrat den Friedensbestrebungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika anschliesst. Ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass wir von der britischen Regierung keine andere Antwort zu erwarten hätten. Um aber Ihnen hierüber ganz sichere Auskunft geben zu können, besuchte ich gestern nachmittag Herrn Balfour, der mir auf meine Anfrage des bestimmtesten sagte, diese Empfangsanzeige sei als definitive Rückäusserung der britischen Regierung aufzufassen und wir hätten nichts weiteres zu erwarten. Ich telegraphierte Ihnen dies sofort, mit dem Beifügen, es seien die gleichen Antworten, in dem gleichen Sinne, an die hiesigen Gesandten Dänemarks, Norwegens und Schwedens abgegangen.
Präsident Wilson soll hingegen von den Alliierten, wie mir Herr Balfour gestern wiederholte, eine ausführliche Antwort erhalten. Wenn sie, entgegen dem, was mir Herr Balfour am 30. Dezember sagte (siehe mein Telegramm an Sie vom gleichen Tage), noch nicht erfolgt sei, so sei es deshalb, weil der hier zwischen Grossbritannien und Frankreich vereinbarte Entwurf zur Prüfung der Konferenz in Rom unterbreitet wurde. Nun seien alle Verbündeten einig, und die Antwort werde in den allernächsten Stunden gegeben und achtundvierzig Stunden später veröffentlicht werden.
Es scheint, dass unter diesen Umständen die Verbündeten sich hätten herbeilassen können, uns mindestens eine Abschrift der Note an Wilson zuzustellen, mit dem Bemerken, sie enthalte gleichzeitig auch die Antwort auf den Schritt des Bundesrates, statt sich mit einer trockenen Empfangsanzeige zu begnügen. Aber offenbar wollte man durch das gewählte Vorgehen den Intervenienten fühlen lassen, wie unzeitgemäss ihre Dazwischenkunft erachtet werde. Auch können, selbst nach Ansicht der «Kämpfer für die Unabhängigkeit der kleinen Staaten», solche mit weniger Rücksicht und Höflichkeit behandelt werden als grosse.
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Wie Sie den zahlreichen Zeitungsausschnitten, die Ihnen der Kurier gleichzeitig mit diesem Bericht bringt, entnehmen wollen, haben sich auch die britischen Zeitungen mit der angeblich seitens Deutschland der Schweiz drohenden Gefahr beschäftigt. Die hiedurch geschaffene Unruhe war so gross, dass ich letzten Samstagabend und Sonntag, den 6. und 7. Januar morgens, wiederholte telephonische Anfragen erhielt, ob eine neue allgemeine Mobilisation unserer Truppen angeordnet sei. Der militärische Berichterstatter der Times schreibt in der gestrigen Nummer dieser Zeitung: «Die Lage in der Schweiz muss ebenfalls mit Aufmerksamkeit verfolgt und darf nicht vernachlässigt werden, zumal Neutralität für Deutschland weniger als nichts gilt.» Ich suche allzeitig zu beruhigen und werde nicht müde zu versichern, dass die Schweiz, gegen wen es auch sei, mit ihrer ganzen militärischen Macht für die Wahrung ihrer Neutralität einzutreten bereit und gewillt sei.
Auch die Ausführung des schweizerisch-deutschen Abkommens, sowie die Herstellung in der Schweiz von Munition für Deutschland, werden hier mit grösster Aufmerksamkeit verfolgt. Man betont, dass, während wir die Deutschland gegenüber übernommenen Verpflichtungen genau und voll ausführen, Deutschland mit seinen Lieferungen, namentlich an Kohlen, bedeutend im Rückstände sei. Und was die Herstellung von Munition anbelangt, ist besonders die Lausanner Korrespondenz der heutigen Times, die hier beiliegt, bemerkenswert. Deren Tendenz ist der Schweiz gegenüber nicht unsympathisch; sie hebt hervor, dass das Verhalten Deutschlands dahin ziele, die Schweiz in ihrer bisherigen Abhängigkeit von Deutschland, für die Produkte der Maschinenindustrie, zu erhalten, während seit Beginn des Krieges engere Beziehungen in diesem Industriezweig zwischen der Schweiz einerseits und Grossbritannien und Frankreich andererseits sich ausgebildet haben.
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