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Die Geschichte der vom Schicksal geplagten Cio-Cio-San, genannt Madama Butterfly, scheint von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Ein amerikanischer Leutnant, B.F. Pinkerton, ehelicht die junge Japanerin, welche in ihrer Liebe gar seine Konfession annimmt. Gefeiert wird in grossem Stil, Verwandte und Freunde beglückwünschen das frisch getraute Paar, jedoch wird das Fest durch den zornigen Onkel Bonze gestört, welcher die Braut verflucht, da diese ihren Glauben verraten hat. Doch Butterfly will davon nichts hören und geniesst ihre erste Nacht mit ihrem Ehemann. Dieser denkt aber nicht daran, bei seiner japanischen Frau zu bleiben und verschwindet darauf hin für drei Jahre.
Warten auf Pinkerton
In dieser Zeit kümmert sich Butterfly um ihren gemeinsamen Sohn, von dem Pinkerton jedoch nichts ahnt. Sie verbringt jeden Tag in der Hoffnung, dass ihr Mann zurückkehrt. Auch als Sharpless, der befreundete Konsul, die trauernde Ehefrau darüber informieren will, dass Pinkerton in seiner Heimat erneut geheiratet hat, lässt sie sich nicht beirren und zeigt ihm ihren Sohn. Sharpless zögert nicht lange und verspricht, Pinkerton von seinem Kind zu erzählen. Daraufhin kehrt Pinkerton mit seiner amerikanischen Ehefrau nach Nagasaki zurück und versucht dort, Butterfly dazu zu bringen, ihren Sohn mit ihm gehen zu lassen. In ihrer Verzweiflung über die neue Frau an Pinkertons Seite ersticht sich Butterfly mit dem Dolch, mit dem auch ihr Vater sich das Leben nahm.
St.Galler Inszenierung ohne Tiefgang
Es wird viel Fantasie vom Publikum gefordert, wenn es darum geht, sich das ganze Drama im japanischen Nagasaki vorzustellen. Denn weder die Darstellerinnen noch die Darsteller vermögen ein fernöstliches Flair zu versprühen. Das Bühnenbild (Jürgen Kirner) hingegen spielt mit gängigen Klischees, und entführt den Zuschauer in eine Welt, die ihm nur durch Ferienprospekte bekannt ist. Daneben vermag die stimmungsvolle Beleuchtung (Guido Petzold) genau die jeweilige Gefühlslage gekonnt aufzufangen und wiederzugeben.
Nichts desto trotz wirkt die Inszenierung (Aron Stiehl) stellenweise recht plump und von der schauspielerischen Leistung her recht laienhaft. Besonders Pinkerton (Derek Taylor), der weit gereiste Amerikaner, überzeugt weder Butterfly noch das Publikum von seiner Hingabe und auch Suzuki (Katja Starke) mangelt es stellenweise an echtem Mitgefühl. Leider ist dies auch durch die meist gut gelungenen Gesangseinlagen nicht wettzumachen, auch dann nicht, wenn die stimmbegabte Cio-Cio-San (Angela Fout) während (!) der Inszenierung Applaus für ihre tolle Leistung erhält. Denn spätestens, wenn ihr Gegenpart Pinkerton zum Zug kommt, erlischt wieder jegliches Feuer. Als kleiner Hoffnungsschimmer erscheinen einzig Sharpless (David Maze), der sowohl den schauspielerischen, als auch den gesanglichen Part ausgezeichnet übernimmt, sowie Goro, der Heiratsvermittler (Riccardo Botta), dem die Rolle als geldgeiler Macho hervorragend bekommt.
Verloren zwischen Moderne und Tradition
Die Inszenierung von Aron Stiehl lässt den Besucher stellenweise im Unklaren, in welcher Zeit das Stück eigentlich spielt. Denn einerseits sind das Handy, welches beispielsweise Goro nutzt, um Pinkerton seine zukünftige Frau mitsamt Haus zu vermitteln, und die Spielkonsole mit welcher Butterflys Sohn spielt, als seine Mutter sich gerade umbringen will, zeitgenössische Gegenstände. Die Outfits (Dietlind Konold) der Darsteller und Darstellerinnen hingegen stammen nicht aus der heutigen Zeit oder werden nur von sehr traditionsbewussten Menschen getragen. Schön sind sie aber allemal, die japanischen Gewänder, mit ihren Verzierungen und kleinen Details, einzig das Marine-Outfit von Pinkerton hätte man nochmals überdenken sollen.
Insgesamt ist diese Oper ein ziemlich plattes Stück, wenig Tiefgang, wenig Spannung und noch weniger Emotionen. Einzig das Sinfonieorchester St.Gallen (Leitung David Stern und Stéphane Fromageot) vermag den Zuschauer mitzureissen. Jedoch nur dann, wenn man die Augen schliesst, und für einen Moment das Stück auf der Bühne vergisst.