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Will ein Kind partout seine Milch nicht trinken oder isst kaum Fleisch und schon gar keinen Fisch, taucht schnell die Sorge auf, ob es auch ausreichend mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt ist. Viele Familien reduzieren ausserdem aus gesundheitlichen, ethischen oder Klimaschutz-Gründen ihren Konsum an Fleisch und tierischen Produkten und sind verunsichert, ob das für ihr Kind noch gesund ist.
Die tierischen Produkte in der Lebensmittelpyramide
Die Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung zeigt den Bedarf des Körpers, damit er optimal mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt ist. Die Pyramidenstufe der tierischen Produkte zählt zu den Eiweisslieferanten, auch Proteine genannt. Sie liefern neben Eiweiss auch weitere wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Auf dieser Stufe sind täglich 3 Portionen Milch/Milchprodukte und zusätzlich 1 Portion eines weiteren proteinreichen Lebensmittels wie Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Käse, Quark, Quorn, Tofu oder Seitan empfohlen.
Der Konsum von Fleisch sollte auf 2-3x pro Woche beschränkt werden. Fleisch ist also nicht zwingend notwendig. Auch eine vegetarische Ernährungsweise mit Fleischersatzprodukten wie Tofu oder Eierspeisen ist ausgewogen. Lehnt jemand Eier ab, kann anstatt Ei ein anderes proteinreiches Lebensmittel eingebaut werden.
Grundsätzlich besteht keine Gefahr für einen Mangel, wenn ein einzelnes Lebensmittel abgelehnt wird und dafür andere der gleichen Lebensmittelgruppe gegessen werden. Kritisch wird es nur, wenn ganze Lebensmittelgruppen wie z.B. alle Milch- und Milchprodukte abgelehnt werden.
Weshalb ist tierisches Eiweiss so wichtig?
Tierische Produkte zählen zu den wichtigsten Eiweisslieferanten. 9 von 21 Nahrungsproteinen sind essentiell. Sie werden nicht vom Körper selbst hergestellt und müssen deshalb zwingend mit der Nahrung aufgenommen werden. Beispiele für solche wichtigen Proteine sind Leucin oder Lysin, die vorwiegend in tierischen Lebensmitteln vorkommen.
Der Körper benötigt Eiweisse für den Aufbau körpereigener Eiweisse: Strukurproteine (Muskeln, Haut, Membranen, Bindegewebe), Hormone (Insulin, Wachstumshormone) und Enzyme, Antikörper (Immunsystem) sowie Transportproteine für andere Nährstoffe.
Tierische Eiweisse sind vom Aufbau her ähnlich wie unsere körpereigenen Eiweisse, weshalb diese besser aufgenommen werden als pflanzliche Eiweisse.
Pflanzliche Eiweisslieferanten sind: Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Tofu, Seitan, Tempeh und Nüsse.
Täglich 3-4 Portionen Milch / Milchprodukte: 1 Portion entspricht 100 g Joghurt / Quark/ Hüttenkäse, 15 g Halbhart- / Hartkäse oder 30 g Weichkäse.
Zusätzlich 1 Portion ( = 50 g ) eines weiteren proteinreichen Lebensmittels wie Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Tofu, Quorn, Seitan, Käse oder Quark. Es kann beliebig zwischen diesen Eiweisslieferanten abwgewechselt werden.
Fleisch und Fleischprodukte sind maximal ca. 2-3 mal pro Woche empfohlen.
Verweigerung oder Unverträglichkeiten von Milch und Milchprodukten
Wenn Ihr Kind Milch oder Milchprodukte ablehnt, können Sie auf Sojadrink, Sojajoghurts oder sonstige Pflanzendrinks ausweichen (Haferdrink, Mandeldrink, Reisdrink, Kokosdrinks). Solche «Ersatzmilche» haben aber wenig mit Milch gemeinsam. Oft enthalten sie versteckten Zucker und kaum Nährstoffe. Achten Sie deshalb darauf, dass der gewählte Milchersatz mit Calcium angereichert ist.
Im Kleinkindalter tritt gelegentlich die Kuhmilcheiweissallergie auf. Rund 2-3 % der Kinder sind davon betroffen. Ist dies der Fall, sollte Kuhmilch zu Beginn gemieden werden. Die betroffenen Kinder entwickeln oft eine Toleranz, so dass das Kuhmilcheiweiss mit zwei Jahren oder spätestens im Schulalter kein Problem mehr darstellt.
Eine Laktoseintoleranz hingegen kommt kaum im Kleinkindalter vor und tritt erst im Laufe des Lebens auf, wenn der Verdauungstrakt die Funktion verliert, den Milchzucker zu spalten. Bei einer Laktoseintoleranz gibt es diverse laktosefreie Ersatzprodukte, denen lediglich das Verdauungsenzym Laktase zugegeben wurde. Dadurch liegt der Milchzucker in gespaltener Form vor, weshalb laktosefreie Produkte etwas süsser schmecken. Laktosefreie Produkte können von der ganzen Familie konsumiert werden und sind empfehlenswerter als «Ersatzmilche». Personen ohne Laktoseintoleranz sollten aber regelmässig laktosehaltige Produkte konsumieren, da der Körper die Laktoseverdauung verlernen kann und es so zu einer sekundären Laktoseintoleranz kommen könnte.
Was gehört zu einer ausgewogenen Mahlzeit?
Eine ausgewogene Mahlzeit besteht immer aus 3 Teilen:
Gemüse/Salat/Früchte
Stärke (Brot, Teigwaren, Reis, Kartoffeln…)
Eiweiss (Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier, Tofu, Hülsenfrüchte, Seitan…)
Achten Sie darauf, dass eine fleischlose Eiweisskomponente mit reichlich Gemüse, Nüssen und Vollkornprodukten ergänzt wird. Damit werden eine genügende Energiezufuhr und eine nährstoffreiche Ernährung gewährleistet. Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen treten häufiger auch bei einer einseitigen, kalorienreduzierten Ernährung auf.
Welche Nährwerte kommen in welchen Produkten vor und wie äussert sich ein Mangel?
|Lieferanten||Mangelsymptome|
|Vitamin B2||Fleisch, Milch, Käse, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte, Spinat||Hautausschlag um die Nase, Mundwinkelrisse, Entzündungen der Mundschleimhaut und Zunge, Wachstumsstörungen|
|Vitamin B12||Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eiers||Blutarmut, Nervenschädigungen|
|Vitamin D||Fisch, Butter, angereicherte Margarine, Rahm, Eier, Pilze||Rachitis (Wachstumsverzögerung, Skelettverformung)|
|Kalzium||Milch und Milchprodukte, grünes Gemüse, kalziumreiches Mineralwasser (über 250 mg/l), Nüsse, Samen, Mandeln, Sesam, angereicherte Soja-, Hafer-, Mandel-, Kokos- und Reisdrinks||Oestoporose, Knochenbrüche|
|Zink||Fleisch, Käse, Eier, Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Samen||Appetitlosigkeit, Haarausfall, neuropsychologische Störungen, Störungen der Wachstums- und Geschlechtsentwicklung, erhöhte Infektanfälligkeit, verzögerte Wundheilung|
|Eisen||Fleisch, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Vollkorngetreide, grünes Blattgemüse, Schwarzwurzeln||Blutarmut, Anämie, beeinträchtigte körperliche Leistungsfähigkeit, Beeinträchtigung des Immunsystems|
|Jod||Fisch, jodiertes Speisesalz, Pilze, grünes Gemüse||Kropfbildung, Unterfunktion der Schilddrüse, Wachstumsverzögerung, Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit|
Mein Kind möchte sich vegan ernähren
Vielleicht hat Ihr Kind auch mal eine Phase, in der es alle tierischen Produkte ablehnt, also sich vegan ernähren möchte. Eine vegane Ernährung gilt nicht als ausgewogen und ist nicht empfehlenswert, weil das Risiko für Mangelzustände vor allem für sich im Wachstum befindende Kinder zu hoch ist. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, erfragen Sie seine Gründe und erklären Sie ihm die Wichtigkeit tierischer Lebensmittel.
Falls sich Ihr Kind über längere Zeit vegan ernährt, beachten Sie bitte folgende Empfehlungen.