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News Auszeichnung Forschung: Erfolgreiche Therapie für schmerzhafte, seitliche Bandscheibenvorfälle aus Sicht des Patienten
Eine Forschungsgruppe der Schulthess Klinik erhielt die Auszeichnung «Outstanding Special Poster» der International Society for the Study of the Lumbar Spine für ihren Forschungsbericht zu einer Therapie für schmerzhafte, seitliche Bandscheibenvorfälle.
Selten und häufig sehr schmerzhaft sind die (extrem) seitlichen Bandscheibenvorfälle, welche zu einer Kompression der austretenden Nervenwurzel führen (Abbildung 1). Studien, die sich ausschliesslich mit dieser Art von Bandscheibenvorfällen beschäftigen, sind rar und weisen daher meist nur geringere Fallzahlen auf. Als grosses Wirbelsäulenzentrum haben wir die Möglichkeit, auch bei dieser seltenen Erkrankung, eine ausreichende Anzahl an Fällen zu sammeln und zu analysieren.
Für die operative mikrochirurgische Therapie der seitlichen Bandscheibenvorfälle wird meist ein seitlicher (paramedianer) Zugang verwendet, der sogenannte Far-Lateral-Approach (FLA) oder Wiltse Approach. Als wichtigster Studienparameter wurde das patientenbasierte klinische Outcome (PROM, Ergebnis aus Patientensicht) bis zu 2 Jahre nach dem Eingriff definiert. Basierend darauf wurde herausgearbeitet, welche klinischen und radiologischen Faktoren damit assoziiert sind.
Hintergrund
Anatomisch gesehen unterscheiden sich die verschiedenen Segmente der Wirbelsäule. Insbesondere das Segment L5/S1, der Übergang der lumbalen Wirbelsäule zum Kreuzbein ist speziell und kann eine besondere Herausforderung darstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zugänglichkeit für den Operateur auf Höhe L5/S1 durch das Becken beeinträchtigt wird. Seitliche Bandscheibenvorfälle sind häufig mit degenerativen Segmentveränderungen verbunden. So können zum Beispiel skoliotische Veränderungen (seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule) den Druck auf den Nerven verstärken.
Bislang wurde die Assoziation des betroffenen Wirbelsäulensegmentes und der seitlichen Verkrümmung (koronare Asymmetrie) auf das vom Patienten bewertete Ergebnis nach einer mikrochirurgischen Dekompression bei dieser Art von Bandscheibenvorfällen nicht untersucht.
Methoden
Patienten, die sich zwischen 2005 und 2020 einer mikrochirurgischen Dekompression mit der FLA-Technik unterzogen haben, wurden eingeschlossen. Der koronare segmentale Winkel (CSCA) wurde auf dem präoperativen, posteroanterioren Röntgenbild gemessen (Abbildung 2). Primärer Endpunkt war der COMI-Score bei der Nachuntersuchung nach 2 Jahren (2FU). Hierbei handelt es sich um einen Patientenfragebogen (PROM), der neben den Schmerzen auch die Funktionseinschränkung im Alltag und Berufsleben sowie das symptomspezifische Wohlbefinden und die Lebensqualität beinhaltet.
Ergebnisse
Die finale Studiengruppe umfasste 148 und die Kontrollgruppe (Standardbandscheibenvorfälle) 463 Patienten. Alle Patienten in der Studien- und Kontrollgruppe zeigten eine signifikante Verringerung des COMI-Scores (=Verbesserung der Symptomatik) von der präoperativen Phase bis zur 2-Jahreskontrolle (p < 0,0001). Das Ergebnis war besser (COMI-Score um 0,6 Punkte niedriger) für Patienten, die in den höheren Lendenwirbelsegmenten behandelt wurden als auf der untersten Höhe, L5/S1 (p=0,03). Ausserdem gab es in der Studiengruppe eine statistisch signifikante Korrelation zwischen der präoperativen gemessenen intervertebralen Neigung (CSCA) und der Veränderung des COMI-Scores 2 Jahre postoperativ (p < 0,001).
Die Assoziation blieb auch in einer multiplen Regressionsanalyse erhalten, bei der für Störfaktoren kontrolliert wurde. Ein Anstieg der CSCA um einen Winkelgrad war mit einem um 0,3 Punkte schlechteren COMI-Score bei 2FU verbunden (p=0,008).
Schlussfolgerung
Die operative Behandlung der seitlichen Bandschiebenvorfälle weist aus Patientensicht ein insgesamt als gut bewertetes Ergebnis auf. Auf der anatomischen Höhe L5/S1 generell und in der Studiengruppe mit fortgeschrittener intervertebraler Neigung (Schrägstellung des Segmentes) ist das Outcome reduziert. Für diese Fälle könnten alternative chirurgische Techniken vorzuziehen sein.