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Zu den frühsten Bebauungen des sogenannten „Marzilimoos“, dem Gebiet unterhalb des Bundeshauses in Bern, zählten vor allem wasserabhängige Gewerbebetriebe wie Mühlen, Gerbereien, Textil- und Holzverarbeitungsbetriebe. Bereits ab dem späten Mittelalter herrschte im Marzili eine ausgeprägte Badehauskultur. Ende der 1920er-Jahre wurden die zahlreichen Badeanstalten entlang des Flusslaufes schliesslich zu einer einzigen grossen Badeanstalt auf der Marziliinsel zusammengeführt. Mit dem 1841 errichteten Gaswerk entstand im Norden des Quartiers eine weitere wichtige Bebauung. Diese wurde rund 35 Jahre später weiter in den Süden an die Sandrainstrasse verlegt.
Alignements-Plan als Startschuss
Eine systematische Bebauung und Weiterentwicklung zum Wohnquartier begann im Marzili erst in den 1860er-Jahren. Diese verlief aber zunächst nur zögerlich. Ein Meilenstein diesbezüglich war der 1909 erlassene Alignements-Plan für das Quartier, der ein Fabrikverbot, die Drainage von sumpfigen Flächen und die Kanalisierung des Sulgenbachs vorsah. Erst damit konnte das Marzilimoos auch fürs Wohnen genutzt werden. Die südwestliche Zone des Marzilirains beherbergte bis zum Bau der Schulanlage Marzilimoos verschiedene Nutzgärten.
Ab 1911 erwarb die Einwohnergemeinde der Stadt Bern in fünf Etappen das freie, rund 60‘000 Quadratmeter umfassende Gelände Marzilimoos, um auf dem Areal eine städtische Mädchenschule Marzilimoos zu bauen. 1936 fand ein Wettbewerb statt. Als Sieger ging das Architekturbüro Walter Schwaar hervor. 1939 begannen die Bauarbeiten. Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mussten diese jedoch bereits wieder eingestellt werden. Auf dem Gelände errichtete das Kriegs-, Industrie- und Arbeitsamt des Bundes (K.I.A.A.) eine Barackenstadt. Als die Baracken nach Kriegsende wieder abgebaut wurden, konnte die Realisierung des überarbeiteten Wettbewerbsprojekts fortgesetzt werden.
Bau in Etappen
Das Projekt wurde zwischen 1947 und 1950 in zwei Etappen realisiert. Die erste Etappe umfasste den Kindergarten (Hausnummer 70), die Übungsschule (71a / 71d) und die Turnhalle (71). Zwei Jahre später folgte das dreigeschossige Seminargebäude (73). Im Frühling 1950 konnte der Neubau im Marzilimoos schliesslich bezogen werden. Die Einweihungsfeier fand am 5. Oktober 1950 statt. Zahlreiche Behördenvertreter und die Bevölkerung feierten die Eröffnung der Mädchenschule, was auch im „Berner Tagblatt“ vom 7. Oktober 1950 Niederschlag fand: „Die ‚Wässermatten‘ im Marzili, bekannt seit jeher als ein sumpfiges Moos, gerade gut genug zur Schuttablagerung und in Kriegszeiten als Gemüseplätze, wurde vor ca. 15 Jahren von Stadtbaumeister Hiller sozusagen entdeckt als ein still verträumtes Land nahe dem Stadtzentrum und doch so ganz für sich gelegen wie ein Eiland mitten im Ozean der Stadt, und wie geschaffen für eine Schulanlage. An einem prachtvollen Oktobertag wurde nun dieser Traum Wahrheit; im Marzili, umgeben von grünen Anlagen und begrenzt von alten Bäumen, wurden die neuen Schulanlagen, die vom städtischen Lehrerinnenseminar, dem Kindergartenseminar und den Fortbildungsklassen bezogen sind, feierlich eingeweiht.“
Im Laufe der Jahre wurde die Schulanlage zwei Mal erweitert: 1962 durch eine zweite Turnhalle (Hausnummer 71b) und den Seminarpavillon (69), 1981 durch den Annexbau (73) im Norden des Seminargebäudes. Einige Unterhaltsarbeiten, wie der Fensterersatz bei der älteren Turnhalle und die bauliche Umgestaltung der erdgeschossigen Mensa im Schulpavillon sowie die Flachdachsanierung der Gehwegdächer und einzelner Trakte, folgten in den 90er-Jahren. 2012 wurde die Schulanlage zudem mit einem Tagesschulprovisorium (71e) ergänzt.
Teilung der Anlage
Im Zusammenhang mit der Kantonalisierung der öffentlichen Maturitätsschule wurde die einst als Einheit geplante und geführte Anlage im Jahr 2000 funktional getrennt. Die Liegenschaften 69, 71, 71b und 73 gingen an den Kanton, der die Gebäude seither für verschiedene Bildungseinrichtungen nutzte. Als Teil des Schulkreises Mattenhof-Weissenbühl nutzt die Volksschule Marzili heute den Kindergarten, die Übungsschule, die Turnhallen und die provisorisch erstellte Tagesschule. Der Fachbereich Wirtschaft bezieht ab Sommer 2014 die übrigen, kantonalen Gebäude. Die zweite Turnhalle gehört dem Kanton, wird aber ebenfalls von der Volksschule genutzt. Der Aussenraum sowie die Infrastruktur werden von beiden Institutionen synergetisch genutzt.
Als Ensemble von hoher architektonischer und landschaftlicher Qualität, gilt die Schulanlage Marzilimoos als wichtiger Zeitzeuge des Schulhausbaus im 20. Jahrhunderts. Die Gebäude und die Umgebung sind im kantonalen Inventar als „schützenswert“ aufgeführt.
(pd/tol1)
Quellen: