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Nach drei Jahrzehnten erzwungener Pause jagen die Japaner wieder kommerziell Wale. Dies ist möglich, weil der Austritt Japans aus der Internationalen Walfangkommission in Kraft getreten ist. Die Wale werden in den territorialen Gewässern Japans gejagt.
Die bisherige Jagd in der Antarktis zu wissenschaftlichen Zwecken will das Land aber einstellen. Das bedeute, dass weniger Wale getötet würden als bisher, sagt der freie Journalist Martin Fritz in Tokio.
Martin Fritz
Freier Journalist
Der Journalist Martin Fritz arbeitete als Radio-Korrespondent für die ARD in Tokio. Als freier Journalist berichtet er auch über Nord- und Südkorea. Vorher war er fünf Jahre lang Südasien-Korrespondent in Neu-Delhi.
SRF News: In welchem Umfang werden wieder Wale gejagt?
Martin Fritz: In Kushiro hoch im Norden sind fünf Schiffe losgefahren, in Shimonoseki im Westen deren drei. Ihre Mannschaften dürfen insgesamt 227 Wale töten. Das hat das Fischereiministerium heute festgelegt, davon 52 Zwergwale, 150 Schnabelwale und 25 Seiwale. Das hört sich an, als wäre es nicht viel, es ist auch deutlich weniger als bisher. Konkret werden 2019 nur noch halb so viele Wale getötet wie 2018.
Eine fortgesetzte Jagd im Südpazifik hätte die Anrainerländer wie Australien und Neuseeland provoziert.
Die japanischen Schiffe waren im Südpazifik vor der Antarktis unterwegs. Warum tut Japan das nicht mehr?
Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens stand Japan wegen dieser Waljagd im Südpazifik am globalen Pranger. Das waren extrem schlechte Public Relations. Und um den küstennahen Walfang, den es in Japan schon immer gegeben hat, kümmert sich im Westen niemand. Das dürfte wohl so bleiben.
Zweitens hätte eine fortgesetzte Jagd im Südpazifik die Anrainerländer wie Australien und Neuseeland provoziert. Die waren immer gegen die japanische Waljagd, aber sie haben sie geduldet, weil sie wissenschaftlich deklariert war. Das wäre jetzt nicht mehr der Fall. Japan wird im Winter zwar seine alte Fangflotten wieder in den Südpazifik schicken, aber um Wale zu zählen und zu vermessen, nicht mehr um zu töten. Damit will Japan beweisen, dass es sich weiter an internationale Abkommen hält und nicht plötzlich alle Rücksicht auf solche Abkommen fallengelassen hat.
Das Gespräch führte Joël Hafner.