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Korruptionsfälle stürzen den Weltfussballverband in Turbulenzen. Nach der Suspendierung Ahmad Ahmads, des Präsidenten der afrikanischen Konföderation, richten sich kritische Fragen an Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura.
Die Liste der Fehltritte Ahmad Ahmads ist noch einiges länger als von der Ethikkommission dargelegt.
Er war einer der wichtigsten Verbündeten von Fifa-Präsident Gianni Infantino. Am Montag wurde der Madagasse Ahmad Ahmad von der Ethikkommission des Weltfussballverbandes Fifa für fünf Jahre gesperrt. Der Präsident der afrikanischen Konföderation CAF habe Gelder veruntreut, Treuepflichten verletzt, Geschenke angenommen und verteilt sowie seine Position missbraucht, urteilte die Kommission. Ahmads Wiederwahl im März 2021 dürfte mit der Sperre vom Tisch sein.
Zum Verhängnis wurden Ahmad unter anderem eine Luxusreise mit anderen Funktionären zur Pilgerstätte in Mekka sowie ein überteuerter Vertrag mit einem Sportausrüster, der einem seiner Freunde gehört. Die Liste der Fehltritte ist noch deutlich länger, seit Jahren begleiten ihn Vorwürfe sexueller Belästigung.
Erstmals seit ihrer Ernennung im Mai 2017 sperrt die amtierende Ethikkommission mit Ahmad einen Funktionär aus der ersten Reihe des Weltfussballs. Allerdings liessen sich die Juristen mit dem Entscheid viel Zeit und reagierten erst nach medialem Druck. Die Vorwürfe gegen Ahmad sind der Kommission seit der ersten Jahreshälfte 2019 bekannt. Damals hatten sich zwei Whistleblower mit umfangreichem Material an die Ermittler gewandt.
Einer der beiden Hinweisgeber erlebt die von ihm ersehnte Sanktionierung Ahmads nicht mehr, er ist an einer Krebserkrankung gestorben. Der andere findet im Fussball seit Monaten keine Beschäftigung mehr. Laut eigener Aussage scheiterte eine geplante Tätigkeit im Verband seiner ägyptischen Heimat nach einer Intervention Infantinos sowie seiner Generalsekretärin Fatma Samoura. Den Whistleblower treibt das Gefühl um, er werde für seine Offenheit bestraft.
Die Rolle Samouras
Samoura, die als Generalsekretärin normalerweise in Zürich arbeitet, lässt die Affäre um Ahmad schlecht aussehen. Sie war nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den CAF-Präsidenten sechs Monate lang als Generaldelegierte in Afrika tätig gewesen. Im Februar 2020 erklärte die Fifa ihre Mission, in der Konföderation einen Reformprozess voranzutreiben, für erfolgreich beendet. Samoura muss sich nun die Frage gefallen lassen, ob ihr das Gebaren Ahmads tatsächlich nicht auffiel – oder ob sie bewusst wegschaute.
Zumal es falsch wäre, die Probleme der CAF nur an ihm festzumachen. Sie sind vielmehr struktureller Natur. Ein Prüfbericht, den die Revisionsgesellschaft PwC während Samouras Einsatz im Auftrag der Fifa verfasste, stellte gravierende Mängel im Rechnungswesen fest. PwC schrieb: «Die Buchhaltung der CAF ist unzuverlässig und nicht vertrauenswürdig.»
Korruptionsvorwürfe auch gegen den Nachfolger
Es spricht kaum etwas dafür, dass mit Ahmads Abgang die Ära der finanziellen Unregelmässigkeiten bei der CAF beendet ist. Ausgerechnet sein bisheriger Stellvertreter Constant Omari übernimmt nun zunächst seine Amtsgeschäfte. Omari sieht sich seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert, teilweise überlappen sich die längst aktenkundigen Fälle mit jenen Ahmads. Omari war 2018 in seiner kongolesischen Heimat kurzzeitig festgenommen und befragt worden.
Eigentlich läge es nun an der Fifa, der sich in schweren Turbulenzen befindenden afrikanischen Konföderation zu helfen. Wäre nur der letzte Versuch nicht so kläglich gescheitert.