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Salzsäure, welche hierbei gewonnen werden, wenigstens zum Theil zu verwerthen. Sie geschieht in der Weise, dass man trockenes Chlorgas auf dünne Schichten gebrannten und durch Besprengen mit Wasser zu Pulver zerfallenen Kalkes leitet. Man hat hierbei darauf zu achten, dass die Temperatur nicht über 25° steigt, weil sonst höhere Oxydationsstufen des Chlors, namentlich die Chlorsäure, entstehen. Das Kalkhydrat nimmt das Chlorgas mit grosser Begierde auf; die Umsetzung findet hierbei etwa in folgender Weise statt: 1 Mol. Calciumoxyd giebt seinen Sauerstoff an 1 Mol. Chlor ab, bildet damit unterchlorige Säure HClO, die sich mit 1 Mol. Calciumoxyd zu unterchlorigsaurem Kalk verbindet, während das vom Sauerstoff befreite Mol. Calcium mit einem zweiten Mol. Chlor Chlorcalcium bildet. Vielfach soll in den Fabriken, nachdem die Sättigung vollendet ist, der fertige Chlorkalk noch mit weiterem Kalkoxydhydrat gemengt, oder wie der technische Ausdruck lautet, verlängert oder gestreckt werden. Sofort nach der Fertigstellung muss die Waare in Fässer aus gut getrocknetem Holz gepackt werden.
Die Herstellung des Chlorgases in den Fabriken geschieht auf dreierlei Weise:
1. Indem man Salzsäure mit Braunstein erhitzt; hierbei resultiren Manganchlorür und Chlorgas; 2. dass man ein Gemenge von Chlornatrium, Braunstein und Schwefelsäure mit einander erhitzt, also die Herstellung des Natriumsulfats mit der des Chlorgases verbindet. Beide Methoden, die sonst sehr einfach sind, haben den Uebelstand, dass grosse Mengen von Manganchlorür oder Mangansulfat dabei abfallen, die erst durch ein ziemlich weitläufiges Regenerationsverfahren in Mangansuperoxyd (Braunstein) für die weitere Benutzung zurückgeführt werden müssen.
Man ist daher 3. zu dem Verfahren des Engländers Deacon übergegangen, die Chlorwasserstoffsäure (Salzsäure) dadurch in ihre beiden Bestandtheile zu zerlegen, dass man sie völlig trocken, bei einer Temperatur von ca. 400°, durch Thonröhren leitet, welche mit Kupfervitriol getränkt sind. Hierbei tritt, wenn eine richtige Regulirung der Gasdurchströmung stattfindet, eine vollständige Zersetzung ein, ohne dass lästige Nebenprodukte zu beseitigen wären. Zu den eben angeführten Methoden der Chlorgewinnung gesellt sich neuerdings ein 4. Verfahren, nach seinen Erfindern Weldon-Pechiney genannt. Es basirt darauf, dass Magnesiumoxychlorid bei sehr hoher Temperatur den grössten Theil seines Chlors als Chlorgas und als Salzsäure frei giebt.
Zuerst wird Magnesiumchlorid mit Magnesiumoxyd gemengt; die Masse erwärmt sich und es entsteht binnen 20 Minuten eine harte, feste Masse, das Magnesiumoxychlorid. Dies wird nun in wallnussgrosse Stücke zerkleinert und in einem Strom von Luft, die auf 250° erhitzt ist, entwässert. Hierbei entweichen ausser dem Wasser einige % des vorhandenen Chlors. Das so ausgetrocknete Magnesiumoxychlorid wird in Kammeröfen gebracht, welche vorher auf ca. 1000° erhitzt waren und durch die ein Luftstrom gesogen wird. Hierbei entweicht das Chlor ¶
bis auf 15 %, welche im Rückstand verbleiben; die übrigen 85 % werden zu 45 % als freies Chlor, die andern 40 % in Form von Salzsäure gewonnen. Der Glührückstand wird zur Bereitung neuer Mengen von Magnesiumoxychlorid verwandt.
Diese Methode, welche, sobald sie technisch bearbeitet und vervollkommnet ist, alle übrigen vielleicht verdrängen wird, ist berufen, die ganze Chlorindustrie von der Sodafabrikation nach Leblanc zu emanzipiren und sie zu gleicher Zeit in die Umgegend von Stassfurt zu verlegen, da hier in den Abraumsalzen unermessliche Mengen Chlormagnesium von der Natur geboten werden. Zu gleicher Zeit wird die Sodafabrikation nach Leblanc zur Unmöglichkeit werden, da diese Methode nur noch dadurch lohnend war, dass die Nebenprodukte derselben (Salzsäure und Chlorkalk einen Theil der Betriebskosten deckten.
Bei der Aufbewahrung ist der Chlorkalk vor Feuchtigkeit, Luft, Licht und Wärme möglichst zu schützen. Er zieht wegen seines Chlorcalciumgehaltes begierig Feuchtigkeit an; ebenso zersetzt die Kohlensäure der Luft den unterchlorigsauren Kalk, auch Licht und vor Allem Wärme wirken zersetzend ein. Wenn eine solche Zersetzung begonnen hat, schreitet sie allmälig immer weiter fort, so dass sogar schon Explosionen fest verschlossener Fässer vorgekommen sind. Der Chlorkalk wird überhaupt mit der Zeit immer schwächer von Wirkung, indem der unterchlorigsaure Kalk sich nach und nach in Chlorcalcium und chlorsauren Kalk umwandelt.
Der im Anbruch vorhandene Vorrath muss sich daher möglichst nach dem Konsum richten, damit er niemals alt wird. Eine weitere Vorsichtsmaßregel ist wegen der stark oxydirenden Eigenschaften der unterchlorigen Säure zu beobachten. Etwa verschütteter Chlorkalk darf nicht in die allgemeine Schmutzkiste geschüttet werden, namentlich wenn sich in derselben mit Terpentinöl oder Fett getränkte Sägespähne oder Papiere befinden. Dem Verfasser ist ein Fall bekannt, wo durch eine solche Unvorsichtigkeit Feuer entstanden ist. Auch vor dem Einathmen des Staubes hat man sich möglichst zu schützen. Um den Chlorkalkgeruch, welcher den Händen ungemein lange anhaftet, zu entfernen, wäscht man dieselben am besten mit etwas Senfmehl und Wasser.
Anwendung. Der Chlorkalk findet technisch eine grosse Anwendung als kräftiges Bleichmittel, theils für sich, theils umgewandelt als unterchlorigsaures Natron oder Kali (Fleckwasser, Eau de Javelle, Eau de Labaraque), indem man das unterchlorigsaure Kalksalz durch Kalium oder Natriumcarbonat, auch durch Natriumsulfat, umsetzt; ferner in der Zeugdruckerei und endlich als bestes Desinfektionsmittel.
Cálcium phosphóricum.
Phosphorsaurer Kalk. Calciumphosphat.
P2Ca2H2O8 + 3 H2O .
Leichtes, weisses, krystallinisches, geschmack- und geruchloses Pulver; es ist in Wasser unlöslich, in kalter Essigsäure schwer, in Salzsäure und Salpetersäure ohne Aufbrausen leicht löslich. ¶