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Am Anfang gab es nur die Nacht. Die Geschwister “Kuát“ und “Iaê“ (Sonne und Mond) waren bereits geschaffen, aber sie wussten nicht, wie man den Tag erobern sollte, denn der gehörte “Urubutsim“ (dem Königsgeier), er war der Häuptling der Vögel. Die Geschwister heckten einen Plan aus, den Tag einzufangen.
Aus Stroh flochten sie eine Attrappe in Form eines Tapirs, darauf klebten sie ein wenig Tierdung fest, um damit Fliegen anzulocken und ein paar Larven und Würmer zu züchten. Dann riefen sie die Vögel, um ihnen das Bankett zu verkünden – und so entwickelte sich alles genau wie Kuát es vorausgesehen hatte.
Die Vögel stürzten sich gierig auf die Würmer, und als “Urubutsim“ erschien, packten ihn Kuát und Iaê an den Beinen und sperrten ihn ein – als Preis für seine Freiheit verlangten sie von ihm, dass er ihnen den Tag überlasse. Der Gefangene sträubte sich zwar eine Weile, musste aber schliesslich nachgeben. Er beauftragte seinen Freund, den Jacu, dass er sich mit Federn des roten Ara, Ketten und Ringen schmücken solle, dann zum Dorf der Vögel fliegen und jenen herbringen, den die Geschwister begehrten.
Kurz darauf tauchte der Jacu mit dem Tag auf, der einen herrlichen Streifen Lichts hinter sich her durch das Dunkel zog – der breitete sich aus und vertrieb die Nacht, überall wurde es hell. Der Häuptling der Vögel wurde freigelassen – und Kuát nahm ihren Platz am Himmel ein, um den Tag zu wärmen – und Iaê leuchtete fortan den Kreaturen der Nacht. Und weil die beiden Geschwister einander so in Liebe zugetan sind, kann man sie manchmal am Spätnachmittag beobachten, wenn der blasse Mond sich ein wenig ängstlich hervor wagt, obgleich es noch Tag ist, um seine geliebte Schwester zu besuchen, die gerade schamrot am Horizont versinkt.