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der es an Dehnbarkeit fehlt, heißt spröde. Die Festigkeit [* 2] (Stärke, [* 3] Kraft, [* 4] Nerv, Haltbarkeit) ist unter Berücksichtigung der Feinheit und der übrigen Eigenschaften zu ermitteln. Ein einfaches Wollhaar erfordert zum Zerreißen je nach Feinheit und Güte ein Gewicht von 3-46 g. Die Elastizität soll einen mittlern Grad erreichen und eine Flocke Wolle nach dem Zusammendrücken oder Ausdehnen ihre ursprüngliche Gestalt langsam und gleichmäßig (nicht plötzlich, gleichsam im Sprung) wieder annehmen.
[Arten, technische Behandlung.]
Die Wollgattungen sind ebenso zahlreich wie mannigfach; vom technischen Gesichtspunkt aus unterscheidet man aber nur zwei Klassen: Streich- und Kammwolle. Die Streichwolle (Kratzwolle, Tuchwolle), welche zur Darstellung tuchartiger Gewebe [* 5] dient, die in der Walke eine tuchartige Decke [* 6] erlangen, in der Regel auch gerauht und geschoren werden, umfaßt alle entschieden gekräuselten Wollen von weniger als 100 mm Länge (im ausgestreckten Zustand).
Die natürliche Kräuselung der Wolle befördert die Filzbildung, und je kürzer und feiner die einzelnen Haare [* 7] sind, um so mehr Haar-Enden und -Spitzen kommen in einem gleichen Gewicht des Garns vor. Die Kammwolle dient dagegen zur Verfertigung glatter Wollzeuge, bei denen die Fäden von keiner Filzdecke versteckt werden, und zu Strickgarnen. Sie muß eine bedeutende Länge, große Festigkeit besitzen und womöglich schwach gekräuselt oder ganz schlicht sein. Große Feinheit kommt hier weniger in Betracht und ist nur zur Herstellung besonders weicher Stoffe erforderlich; wohl aber wird die Weichheit sehr geschätzt, weil sie sanfteres Anfühlen und gefälligen Faltenwurf bewirkt.
Die rohe Wolle ist sehr unrein; reine Merinowolle verlor z. B. durch Trocknen 12-16 Proz., gab an Äther 8-28 Proz., weiter an Alkohol 3-7, an Wasser 8-11 Proz. ab, enthielt Schmutz 12-32 Proz. und reines Wollhaar 23-55 Proz. Andre Untersuchungen roher Wolle ergaben:
|Schmutz||34.21-43.27 Proz.||2.9 Proz.||23.6 Proz.|
|Schweiß||12.11-34.98 "||7.2 "||14.7 "|
|Fett||↗||20.5 "||23.0 "|
|Feuchtigkeit||10.19-12.63 "||10.8 "||23.5 "|
|Wolle||20.23-41.05 "||20.8 "||50.0 "|
Abgesehen von Staub etc., besteht die wesentlichste Verunreinigung der Wolle aus der mehr oder weniger eingetrockneten Hautausdünstung des Tiers, dem Wollschweiß. Dieser bildet eine zähe, fette Schmiere und findet sich am reichlichsten auf der feinen Wolle. Er gibt an Wasser eine seifenartige Verbindung des Kalis mit Fett ab und enthält außerdem Kali- und Kalksalze, Cholesterin und ähnliche Körper. In Deutschland [* 8] wird die Wolle in der Regel zunächst auf dem Rücken der Tiere gewaschen (Pelzwäsche, Rückenwäsche), wobei man das Schwemmen (Schwimmen der Schafe [* 9] in Fluß oder Teich), die Handwäsche, Sturzwäsche (Spülen der gewaschenen Schafe unter einem Strahl) und Spritzwäsche (Waschen der eingepferchten Schafe mittels einer Feuerspritze) unterscheidet.
Sehr vorteilhaft wäscht man zuerst mit reinem Wasser von 32-34°, dann mit Seifenwurzelabkochung von 37-44° und erzielt dadurch ausgezeichnete Weiße mit Glanz und Geschmeidigkeit. Rohe Wolle verliert durch die Pelzwäsche mit kaltem Wasser 20-70, meist 40-60 Proz. am Gewicht. Ist die Wolle wieder vollständig getrocknet, so wird sie, etwa am dritten Tag, mit den Schafscheren glatt vom Körper abgeschnitten, wobei man das Vlies möglichst zusammenzuhalten sucht. Die Wolle von den Füßen, Backen und dem Schwanz bleibt gesondert und bildet die Stücke; die groben, haarigen Teile heißen Locken. In der Regel werden die Schafe jährlich einmal (Mitte Mai bis Anfang Juli) geschoren (einschürige Wolle, Einschur); in manchen Gegenden aber schert man langwollige Schafe im Frühjahr und Herbst (zweischürige Wolle, Zweischur); noch nicht ein Jahr alte Tiere geben die weiche, seidenartige Lammwolle. Über die Ausbeute s. Schaf, [* 10] S. 381.
Alle von lebenden Tieren gewonnene Wolle heißt Schurwolle im Gegensatz zur Wolle gefallener Tiere (Sterblingswolle), die weniger fest und elastisch ist und sich schlecht färbt. Gerberwolle (Raufwolle) wird in den Weißgerbereien und Saffianfabriken mittels Kalks von den Fellen abgenommen und ist zum Spinnen, [* 11] besonders wenn sie mit langer Wolle gemischt wird, ganz brauchbar. Die Pelzwäsche ist für die Verarbeitung der Wolle noch nicht ausreichend, da sie noch sehr viel Wollschweiß zurückläßt.
Diesen zu entfernen, dient die Fabrikwäsche (Entschweißen, Entfetten), welche entweder mit Wasser von 50-75°, oder besser mit schwachem Seifenwasser (5-15 kg Seife auf 100 kg Wasser), schwacher Lösung von Pottasche, Soda oder kohlensaurem Ammoniak, oder verdünntem, gefaultem (daher kohlensaures Ammoniak enthaltendem) Harn durch Hand- oder Maschinenarbeit ausgeführt wird. Die gewaschene Wolle wird schließlich gespült und am besten im nicht erwärmten Luftstrom getrocknet.
Auch Seifenwurzel und Quillajarinde wird zum Waschen benutzt und in neuester Zeit Schwefelkohlenstoff. Diese gründliche Reinigung der Wolle geschieht in besondern Anlagen, sogen. Wollwäschereien, oder in Fabriken und zwar neuerdings wohl ausschließlich mit Maschinen, in welchen zunächst das Fett verseift oder emulsioniert und dann ausgewaschen, zuletzt aber die Wolle getrocknet wird. Dies muß in ununterbrochener Weise und mit vollkommener Schonung der Wolle, namentlich mit Vermeidung jeglicher Verfilzung, ausgeführt werden.
Die erste Maschine [* 12] dieser Art, welche zugleich eine große quantitative Leistungsfähigkeit besaß und daher den Namen Leviathan erhielt, wurde 1863 von Melen in Verviers konstruiert und ist das Vorbild für alle spätern Waschmaschinen geblieben. Sie bestand aus einem langen Eisentrog, an dessen einem Ende die Wolle zugeführt wurde, um sodann von einer Tauchertrommel gefaßt und unter die Waschflüssigkeit gedrückt zu werden. Drei Systeme von Rechen ergriffen darauf die Wolle, schoben sie langsam durch den Trog und zuletzt am andern Ende desselben in eine Walzenpresse zum Auspressen der Waschflüssigkeit.
Das vollständige Trocknen erfolgte nachträglich auf besondern Trockenapparaten. Die von Mehl [* 13] wesentlich verbesserte Waschmaschine [* 14] (s. nebenstehende Abbild.) besteht zunächst aus der großen Waschkufe K mit der innern kleinern Kufe k, in welcher das Waschen stattfindet. Der in der Kufe k aus durchlochtem Blech hergestellte Rost R ist von einer Anzahl durchlöcherter Röhren [* 15] r durchzogen, welche an dem einen Ende in das Hauptrohr L münden und an ihrem andern Ende mit einer Schraube verschlossen sind. Mittels einer Luftpumpe [* 16] oder einer Dampfstrahlpumpe wird nun erwärmte Luft durch das Hauptrohr L und von da durch die kleinen Röhren r von der Gesamtfläche des Rostes aus in das in der Kufe k befindliche Waschwasser getrieben. Durch die Löcher des Rostes R und durch die Zwischenräume des Speisetisches T findet für das Waschwasser der beiden Kufen K und k eine Verbindung statt.
Zum Untertauchen und Fortschieben der Wolle dienen die vier Trommeln D E F G. Jede Trommel besteht aus einem hohlen Cylinder, dessen Inneres in sechs ¶
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Kammern abgeteilt ist, und an dessen Umfang sich sechs Wülste befinden. Die Wülste, die Seiten- und innern Scheidewände sind aus glattem, geschlossenem Blech hergestellt; dagegen sind die Umfangsteile zwischen den Wülsten aus glattem, gelochtem Blech. Die innern Scheidewände sind mit Rücksicht auf die Drehrichtung der Trommeln so angeordnet, daß beim Eintritt eines Wulstes ins Wasser der Kufe an dieser Stelle ein wasserleerer Raum im Innern der Trommel entsteht.
Sobald nun der folgende gelochte Umfangsteil ins Wasser kommt, dringt das Wasser durch dasselbe und füllt den leeren Raum der betreffenden Kammer allmählich aus. Die Zahl der kleinen, 2-3 mm weiten Löcher ist so groß, daß die Kammer gefüllt ist, wenn ihr Wulst am tiefsten Punkt im Wasser eingetaucht ist. Von da an bis zum Austritt des Wulstes aus dem Wasser entleert die entsprechende Kammer wiederum das beim Eintritt aufgenommene Wasser. Sämtliche Trommeln erhalten durch Kegelrädergetriebe eine Drehgeschwindigkeit, welche am Umfang annähernd der Geschwindigkeit des Speisetisches T gleichkommt.
Behufs des Waschens werden die Kufen K und k mit Waschwasser gefüllt, worauf man die Maschine in Bewegung setzt; die eingetriebene erwärmte Luft strömt dann aus sämtlichen Röhren des Rostes, steigt an die Oberfläche des Wassers und bringt dasselbe in ein gelindes Wallen. Die zu waschende Wolle fällt hinter der Trommel D in die innere Kufe k, wird durch das Eindringen des Wassers in die Trommel sanft an den gelochten Teil gezogen, mit Hilfe des nachfolgenden Wulstes in das Wasser eingetaucht und über den tiefsten Punkt der Trommel fortbewegt.
Von diesem Punkt an beginnt das wieder austretende Wasser die Wolle von der Trommel loszudrängen; die aufsteigende Luft treibt die Wolle in wallender Bewegung wieder an die Oberfläche des Wassers, wodurch sie rasch ausgelöst und von dem ihr anhaftenden Schmutz befreit wird. An der Oberfläche sammelt sie sich und wächst bis zur zweiten Trommel E an. Hier erfolgt wieder das Anziehen, Eintauchen, Loslassen, Aufsteigen, Waschen und Vorwärtsschieben der Wolle von der zweiten bis zur dritten Trommel F. Dasselbe Spiel erfolgt ein drittes Mal, wonach sich die Wolle zwischen der Trommel F und der Trommel G und mit Hilfe letzterer bis zum Speisetisch T sammelt, welcher sie sanft und regelmäßig in der Breite [* 18] der Ausmündung der Kufe k aus dem Wasser schafft und zu den Druckwalzen der Presse [* 19] befördert.
Als Vorteile dieser Maschine gegenüber den bisherigen gelten: rasche Reinigung mit bedeutender Seifenersparnis, durchaus offene Wolle ohne verfilzte Teile, Warmhalten des Waschwassers durch die stets eingetriebene erwärmte Luft. Letzterer Umstand ermöglicht einen stetigen Betrieb mit ständigem Zufluß des reinern Waschwassers an der Stelle des Speisetisches T und mit ebenso ständigem Abfluß am entgegengesetzten Ende der Kufe K, ohne das Wasser durch unmittelbare Dampfeinströmung zu erwärmen, was bekanntlich schädlich auf die Wolle wirkt. Da jedoch die eingetriebene Luft nur mäßig über die Temperatur des Waschwassers erwärmt werden darf, so reicht sie nicht völlig aus, um die Temperatur des Waschwassers auf ihrer anfänglichen Höhe von etwa 40° zu erhalten. Zur Nachhilfe ist ein hufeisenförmiges Dampfrohr U in der Kufe K angebracht, dessen Ende mit kleinen Löchern versehen ist. Ein geringes Öffnen des Ventils V genügt, um das Waschwasser durch die Ausstrahlung des Rohrs U auf seiner Temperatur zu erhalten, ohne den Dampf [* 20] unmittelbar in das Wasser einlassen zu müssen.
[Produktion und Verbrauch.]
Die europäische Wollzucht ist in neuerer Zeit durch diejenige der überseeischen Länder immer mehr zurückgedrängt worden. In England, Frankreich, Österreich-Ungarn [* 21] und Deutschland ist der Schafbestand bedeutend zurückgegangen, und selbst da, wo dies nicht der Fall war, züchtet man jetzt mehr Fleischschafe als Wollschafe. Dazu kommt, daß in den englischen Kolonien wie in Südamerika [* 22] die Produktion feiner Wolle erheblich zugenommen hat, so daß auch in dieser Hinsicht das frühere Übergewicht Europas schwindet. Die Wollproduktion betrug in
|Mill. Kilogr.||Mill. Kilogr.|
|Rußland (1884)||119.28||Australien (Ausfuhr 1885 bis 1886)||206.60|
|Großbritannien und Irland (1885)||61.66||Vereinigte Staaten (1884)||139.52|
|Frankreich (1882)||36.35||Argentinien (Ausf. 1885)||128.39|
|Spanien (1878)||30.00||Uruguay (Ausfuhr 1884)||26.80|
|Deutsches Reich (1881)||24.90||Kapkolonie (Ausf. 1885)||13.20|
|Ungarn (1884)||19.57||Britisch-Ostindien (Ausfuhr 1885/86)||10.49|
|Italien (1874)||9.70||Natal (Ausfuhr 1885)||7.85|
|Österreich (1883)||5.06||Asiatische Türkei u. Persien etwa||6.00|
|Portugal||4.70||Brit.-Nordamerika (1884)||2.00|
|Belgien||2.00|
|Schweden (1884)||1.50||Andre fremde Wolle etwa||40.00|
|Die übrigen Staaten etwa||4.00|
|Europäische Produktion:||318.72||Außereurop. Produktion:||580.94|
Die gesamte Wollproduktion kann hiernach auf ca. 910 Mill. kg geschätzt werden. Der Wollhandel bezifferte sich 1885 in Millionen Kilogramm in
|Einfuhr||Ausfuhr||Mehreinfuhr + Mehrausfuhr -|
|Großbritannien||229.5||132.0||+97.5|
|Frankreich||167.3||23.5||+143.8|
|Deutschland||105.5||13.5||+92.0|
|Belgien||43.9||3.1||+40.8|
|Österreich-Ungarn||22.0||8.9||+13.1|
|Niederlande||15.3||13.8||+2.0|
|Rußland||5.6||23.5||-17.9|
|Italien||11.1||0.8||+10.3|
|Schweiz||3.0||1.1||+1.9|
[* 17] ^[Abb.: Fig. Mehls Wollwaschmaschine. Durchschnitt.] ¶