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1823-36 bestand das Doppelbistum Chur-S., 1836-47 folgte ein Apostol. Vikariat S. Die 1847 errichtete Diözese S. (dioecesis Sangallensis) umfasst den Kt. S. und ist direkt dem Hl. Stuhl unterstellt. Seit 1866 unterstehen Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden provisorisch dem Bf. von S. als dem Apostol. Administrator. Die Hauptpatrone sind Gallus und Otmar, die Nebenpatrone Notker der Stammler und bis 1963 Eusebius. Bischofskirche ist die ehemalige benediktin. Abteikirche in S., Bischofsresidenz die ehemalige fürstäbt. Prälatur. 1983 erhob die Unesco den Stiftsbezirk mit der Kathedrale, der Stiftsbibliothek und dem Klosterhof zum Weltkulturerbe.
Das Gebiet des späteren Kt. S. gehörte ab der Christianisierung bis 1815 bzw. 1823 zu den Diözesen Konstanz und Chur. Eine herausgehobene Stellung kam dabei der Fürstabtei S. zu, deren Fürstabt ab 1613 quasibischöfl. Jurisdiktion ausübte, während der Bf. von Konstanz die nominelle Oberaufsicht behielt. Im Jahr 1800 unterstellte die Helvet. Republik das Gebiet der Fürstabtei mit päpstl. Zustimmung wieder der Jurisdiktion des Bf. von Konstanz.
Von der Kantonsgründung 1803 an sah die Regierung des Kt. S. in der Errichtung eines Kantonalbistums ein geeignetes Instrument zur kirchl. wie polit. Konsolidierung des heterogenen Kantons. Nach der Aufhebung der Fürstabtei S. 1805 und der Abtrennung der schweiz. Teile vom Bistum Konstanz 1815 lehnte sie die Idee eines schweiz. Nationalbistums, welches das ganze ehedem zur Diözese Konstanz gehörende schweiz. Gebiet umfasst hätte, als den eigenen Staatsinteressen zuwiderlaufend ab. Versch. Bistumsprojekte fanden keinen Konsens, darunter ein Regularbistum mit einem Abtbischof an der Spitze. Darauf errichtete Papst Pius VII. mit der Bulle "Ecclesias quae antiquitate" am 2.7.1823 das Doppelbistum Chur-S. Es bestand aus den zwei verwaltungsmässig selbstständigen Diözesen Chur und S. mit je eigener bischöfl. Kurie und eigenem Domkapitel. Der Bischof sollte die beiden Bistümer in Personalunion leiten, den Titel eines Bf. von Chur und S. führen sowie je ein halbes Jahr in Chur und S. residieren. Damit wurde S. Bischofssitz und die Abtei- zur Kathedralkirche erhoben. Die Grenze der Diözese S. stimmte mit derjenigen des Kantons überein. Sie umfasste das Territorium der ehem. Fürstabtei und die bis 1815 zur Diözese Konstanz gehörenden Kantonsgebiete, nämlich Rapperswil-Jona sowie die beiden rheintal. Gemeinden Thal und Widnau, weiter die bislang zur Diözese Chur gehörigen Kantonsgebiete Gaster und Sargans, das werdenberg. Gams und das oberrheintal. Rüthi.
Das Doppelbistum stiess in Graubünden wie in S. auf Ablehnung. Nach dem Tod von Bf. Karl Rudolf Buol von Schauenstein erklärte das St. Galler kath. Grossratskollegium 1833 das Doppelbistum einseitig als aufgehoben. Hierauf sprach Papst Gregor XVI. 1836 die kanon. Trennung aus und ernannte in Johann Peter Mirer einen Apostol. Vikar für den Kt. S. 1839 nahm der Kath. Administrationsrat, eine weltl. konfessionelle Behörde, die Verhandlungen mit den päpstl. Instanzen wieder auf und brachte diese 1845 mit dem Konkordat über die Reorganisation des Bistums S. zum Abschluss. Am 8.4.1847 errichtete der Hl. Stuhl mit seiner Reorganisationsbulle "Instabilis rerum humanarum natura" die selbstständige Diözese S., nachdem die St. Galler Kantonsregierung auf ihre Forderung nach Genehmigung der Bischofswahl vor der päpstl. Bestätigung verzichtet hatte. Im Juni 1847 weihte der päpstl. Nuntius den Apostol. Vikar Mirer zum ersten Bischof. Die exemte Diözese S. war ihrem Umfang nach zunächst mit den Grenzen des Kantons identisch und umfasste 1'995 km². 1866 wurden auf Initiative von Bf. Carl Johann Greith die beiden Appenzell aus kirchenpolit. und seelsorger. Gründen von der Administration des Bf. von Chur (ab 1819) gelöst und derjenigen des Bf. von S. unterstellt. Damit erweiterte sich die Diözese auf insgesamt 2'414 km².
Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof
Das Domkapitel setzt sich aus fünf residierenden und acht nicht residierenden Domherren zusammen. Erstere wirken als wichtigste Mitarbeiter des Bischofs am Bischöfl. Ordinariat in S. Die Wahl der Domherren steht nach einem in der Reorganisationsbulle festgelegten Verteilschlüssel dem Bischof und dem Kath. Administrationsrat zu. Einziger Inhaber einer höheren geistl. Würde (Dignitär) ist der Domdekan. Dieser wird aus drei vom Bischof vorgeschlagenen Bewerbern vom Administrationsrat gewählt. 1847-1990 war der Domdekan zugleich Generalvikar und bis 1946 in Personalunion zusätzlich Offizial des Bistums. Das Domkapitel besitzt das Recht der freien Bischofswahl, das auf Intervention des Hl. Stuhls seit der Bischofswahl von 1938 insofern eingeschränkt wurde, als das Domkapitel seither für seine Wahlliste mit sechs Kandidaten vor dem eigentl. Wahlakt die päpstl. Zustimmung einholen muss. Seit der Bischofswahl von 1995 darf der Gewählte zudem erst nach der päpstl. Bestätigung der Wahl bekannt gegeben werden.
Die Diözese zählte bei ihrer Errichtung acht Dekanate. 1973 erfolgte eine Neueinteilung in zwölf Dekanate, einschliesslich des 1921 errichteten Dekanats Appenzell, das seither unverändert geblieben ist und die kath. Pfarreien der beiden Appenzell umfasst. In der ausserrhod. Diaspora, die sich nach der Niederlassungsfreiheit 1848 bildete, wurden ab 1867 sog. Missionsstationen errichtet, die im 20. Jh. sukzessive zu Pfarreien erhoben wurden. 1992 brachte der Zusammenschluss mehrerer Dekanate eine weitere Neugliederung. Die Diözese zählte damit 2008 wieder acht Dekanate mit insgesamt 142 Pfarreien. Zu Beginn des 21. Jh. gehörten die meisten Pfarreien zu einem Seelsorgeverband unter der Leitung eines Pfarrers oder einer Seelsorgeeinheit. Letztere wird von einem Pastoralteam betreut, das ebenfalls von einem Pfarrer geleitet wird.
1823 erhielt S. ein Priesterseminar, das sich seit 1839 im ehem. Benediktinerinnenkloster in St. Georgen befindet. Die Diözese beherbergt ausserdem die vier Männerklöster der Missionsbenediktiner in Uznach und der Kapuziner in Mels, Rapperswil sowie Wil, sodann 13 Frauenklöster (Zisterzienserinnen in Magdenau und Wurmsbach, Benediktinerinnen in Glattburg, Prämonstratenserinnen in Gommiswald, Dominikanerinnen in Wil und Weesen, Kapuzinerinnen in Notkersegg, Tübach, Altstätten, Wattwil, Gonten, Grimmenstein und Wonnenstein) und schliesslich mehrere Niederlassungen von Männer- und Frauenkongregationen, v.a. Salettiner, Pallottiner und Steyler Missionare sowie Ingenbohler-, Menzinger-, Baldegger- und Schönstattschwestern. Die beiden Klöster der Kapuzinerinnen und der Kapuziner in Appenzell wurden 2008 bzw. 2011 geschlossen.
Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof
Die St. Galler Kantonsverfassung von 1814 übertrug dem kath. und evang.-ref. Konfessionsteil die autonome Verwaltung ihrer kirchl. Angelegenheiten. Als Exekutivorgan des kath. Konfessionsteils wirkte der Kath. Administrationsrat des Kt. S. Dieser war 1813 nach Abschluss des Liquidationsprozesses der Fürstabtei S. von der Kantonsregierung zur Verwaltung des kirchl. Sonderguts errichtet worden. Das Sondergut umfasste jene Klostergüter, die bei der Vermögensausscheidung 1805 an die Katholiken übergegangen waren, insbesondere die Stiftskirche und Stiftsbibliothek. Als Legislative wirkten die kath. Mitglieder des Gr. Rats des Kt. S., das sogenannte kath. Grossratskollegium.
Die Kantonsverfassung von 1861 änderte diese Praxis. Sie entzog den Konfessionsteilen das Schulwesen und stellte es unter staatl. Leitung. Die konfessionellen Schulträger blieben jedoch erhalten. An die Stelle des kath. Grossratskollegiums trat 1862 das Kath. Kollegium, dessen Mitglieder von den stimmberechtigten Katholiken - seit 1970 auch Katholikinnen - des Kt. S. frei gewählt werden. Der Wechsel führte zu einer Entpolitisierung der kirchl. Angelegenheiten sowie zum Abbau der Spannungen zwischen dem Bistum und dem kath. Konfessionsteil. Eine wichtige Rolle spielte dabei, dass der Klerus bis 1951 die Mehrzahl der Kollegienräte (z.B. 1943-47 75 von 145 und 2007-11 3 von 180) und mehrere Administrationsräte stellte. Die 2003 in Kraft getretene Kantonsverfassung anerkennt den Konfessionsteil mit seinen 116 Kirchgemeinden als öffentl.-rechtl. Körperschaft und garantiert das Bestehen der Diözese nach dem kirchl. Selbstverständnis.
Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof
Die Säkularisierung des öffentl. Lebens und der Konflikt zwischen liberal-radikalen und konservativen Kräften führten nach 1850 v.a. in der Frage des Schulwesens zu kulturkämpfer. Massnahmen von Seiten des Staats bzw. des liberalen Kath. Administrationsrats. 1856 wurden die kath. Kantonsschule, die 1808 in den Räumen des ehem. Klosters errichtet worden war, sowie das evang. Gymnasium der Stadt S. aufgehoben und durch die parität. Kantonsschule ersetzt. Gleichzeitig wurde das bischöfl. Konvikt, das 1847 dem Priesterseminar angegliedert worden war und das Kantonsschüler beherbergt hatte, geschlossen.
Die Spannungen verschärften sich ab 1864 und insbesondere nach dem 1. Vatikan. Konzil 1869-70 mit seinen Beschlüssen über den Primat des Papstes und dessen Unfehlbarkeit. Der Kulturkampf führte auf seinem Höhepunkt 1874 zur Aufhebung des bischöfl. Knabenseminars, das 1857 in den Räumen des Priesterseminars eröffnet worden war und der Heranbildung des Priesternachwuchses für die Diözese gedient hatte. Dennoch verstanden es die Bf. Greith und Augustin Egger, die Spannungen zwischen Kirche und Staat abzubauen.
Im letzten Viertel des 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jh. beteiligte sich die Diözese S. führend am Aufbau des kath. Vereinswesens und leistete auch im kirchl.-sozialen Bereich Pionierarbeit. 1834 gründete Pfarrer Gallus Joseph Popp in Oberegg den Kath. Verein als Reaktion auf die liberale Kirchenpolitik des Landammanns Gallus Jakob Baumgartner. Aus dem sog. Oberegger Verein ging später die Kath.-Konservative Partei des Kt. S. hervor. 1853 und 1854 wurden in Appenzell und Rorschach die ersten schweiz. Gesellenvereine (Kolpingwerk) gegründet. Auch die Müttervereine (1873), Erziehungsvereine (1875), Jünglingsvereine (1878), Abstinentenvereine (1894) ebenso wie die christlichsozialen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine (1899) wurden von Katholiken des Bistums lanciert oder erhielten von hier aus entscheidende Impulse. Kirchl. Grossanlässe in der Diözese wie der Schweiz. Katholikentag 1913 in S., die zehn kantonalen zwischen 1892 und 1960 abgehaltenen Katholikentage sowie die zwei appenzell. Katholikentage 1907 und 1912 nutzten die veranstaltenden Laienorganisationen zur Selbstdarstellung und Darlegung ihrer kirchl. und polit. Anliegen.
Im 20. Jh. wurden in Appenzell (1908), Mörschwil (1924), Gossau (1926) und Rheineck (1930) kath. Gymnasien errichtet, die in staatl. oder freier Trägerschaft noch zu Beginn des 21. Jh. Bestand hatten. Die Bf. Alois Scheiwiler und Joseph Meile waren entschiedene Förderer der christlichsozialen Bewegung; Scheiwiler war über die Grenzen seiner Diözese hinaus über Jahrzehnte auch Leitfigur des schweiz. Katholizismus. 1932 führte er die erste Diözesansynode durch, deren Statuten der geistl. Neuordnung des Bistums dienten. Ohne Illusionen gegenüber den Totalitarismen der Zeit verurteilte er 1938 als einziger Bischof der Schweiz klar den Antisemitismus und die nationalsozialist. Judenverfolgung. Während des 2. Weltkriegs unterstützte sein Nachfolger Meile - wie alle schweiz. Bischöfe - vorbehaltlos die Neutralitäts- und restriktive Flüchtlingspolitik der Landesregierung. Nach dem 2. Weltkrieg gewannen die Missionen und die Entwicklungszusammenarbeit, ab den 1960er Jahren auch die Gastarbeiterseelsorge innerhalb der Diözese an Bedeutung. Die Neuausrichtung des 2. Vatikan. Konzils (1962-65) und der Synode 72 stellte das weitere kirchl. Leben auf eine neue Basis. Infolge des Priestermangels und neuer pastoraler Aufgaben wurde ab 1970 eine wachsende Zahl theologisch ausgebildeter Laien in den kirchl. Dienst aufgenommen. Seit 1990 ist S. ständiger Sitz des Rats der Europ. Bischofskonferenzen. Zu Beginn des 21. Jh. prägten religiöse Transformationsprozesse und die schwieriger gewordene kirchl. Sozialisation das kirchl. Leben in S. wie überall in der Schweiz stark.
|Amtsdaten||Bischof|
|Doppelbistum Chur-St. Gallen|
|1824-1833||Karl Rudolf Buol von Schauenstein|
|1834-1836||Johann Georg Bossi|
|Bistum St. Gallen|
|1847-1862||Johann Peter Mirera|
|1862-1882||Carl Johann Greith|
|1882-1906||Augustin Egger|
|1906-1913||Ferdinand Rüegg|
|1913-1930||Robert Bürkler|
|1930-1938||Alois Scheiwiler|
|1938-1957||Joseph Meile|
|1957-1976||Joseph Hasler|
|1976-1994||Otmar Mäder|
|1995-2006||Ivo Fürer|
|2006-||Markus Büchel|
Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof
1847 besassen die Katholiken im konfessionell gemischten Kt. S. eine Mehrheit von rund 60%. Obwohl es in den Jahrzehnten vor dem 1. Weltkrieg und nach 1960 zu einer starken Zuwanderung kath. Gastarbeiter und ihrer Fam. v.a. aus Italien, Spanien und Portugal kam, blieb dieses Verhältnis bis gegen Ende des 20. Jh. nahezu konstant (1950 55%, 1990 58%). Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung im Kt. S. lag 2000 bei 52% bei rasch wachsender konfessioneller und religiöser Durchmischung sowie einer steigenden Zahl kirchlich nicht gebundener Menschen. Drei Kirchen in der Diözese - Mogelsberg, Oberhelfenschwil und Thal - waren noch zu Beginn des 21. Jh. Simultaneen.
Die Zahl der Katholiken der Diözese einschliesslich des Administrationsgebiets wuchs 1860-1990 von 124'798 auf 276'098 kontinuierlich auf mehr als das Doppelte an. 2000 lag sie bei 236'733. 1970-2008 ging die Zahl der in der Diözese tätigen Welt- und Ordenspriester von 264 auf 108 zurück. 2008 standen für die 142 Pfarreien der Diözese 64 Priester unter 65 Jahren zur Verfügung. Hinzu kamen 216 Laienseelsorger, davon 94 Frauen und 22 ständige Diakone. 13 Priester waren in der Spezialseelsorge tätig.
Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof
Autorin/Autor: Franz Xaver Bischof