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Kurt Onken
Autor Gerhard Genau
Kurzer Lebenslauf
Kurt Onken wurde 23 Tage vor Ausbruch des ersten Weltkrieges am 5. Juli 1914 als Sohn des Ingenieurs Franz Onken und seiner Frau Katharina geb. Weber in Zürich geboren. Im Jahre 1919 übersiedelte die Familie nach Basel, wo sein Vater ein Haus erworben hatte, in dem er auch sein im Jahre 1908 in Zürich gegründetes Technisches Lehrinstitut unterbrachte. In diesem Haus, an der Realpstrasse 51, wirkte Vater Franz Onken bis zu seinem Tode, zurückgezogen und jede Publizität meidend. Kurt, der von seinen Freunden Kuno genannt wurde, wuchs zusammen mit seiner drei Jahre älteren Schwester Erna, die er liebevoll Ay nannte, in Basel auf und besuchte dort die Primarschule und das Gymnasium.
Die erste Station seiner gymnasialen Ausbildung war das humanistische Gymnasium am Münsterplatz in Basel. Hier lernte er neben Latein auch Griechisch. Kuno veröffentlichte in der Schülerzeitung „Bierzeitung“ einen Spottvers, der auf den Rektor des Gymnasiums zielte. Der Rektor war erbost. Doch Kunos Vater stand voll auf der Seite seines Sohnes und teilte dem Rektor mit: „Wenn Ihnen mein Sohn nicht passt, dann passt mir Ihre Schule nicht!“ Kuno wechselte daraufhin ins Realgymnasium, wo er nun Englisch lernte. Im Jahre 1930, drei Jahre nach dem frühen Tod seiner Mutter, zog er nach Zürich und bereitete sich am Institut Minerva auf die Maturität vor, die er im Frühjahr 1934 in externer Prüfung bestand.
Nach drei Semestern physikalischer und mathematischer Studien an der philosophischen Fakultät II der Universität Zürich und praktischer Volontärtätigkeit in der Radiotechnik und im Werbefach gründete Kuno im Februar 1937 sein eigenes Technisches Lehrinstitut in Kreuzlingen.
Neben seiner Berufsarbeit besuchte Kuno die Staatliche Ingenieurschule Konstanz. Dieses Studium fand, ein Semester vor dem Abschluss als Maschineningenieur, durch die Mobilmachung zum 2. Weltkrieg sein Ende. Er rückte mit den Grenztruppen ein und leistete rund 700 Aktivdiensttage als Wachtmeister. Soweit es Beruf und Militär zuliessen, besuchte Kuno Vorlesungen an der philosophischen Fakultät I der Universität Zürich, hauptsächlich pädagogischer Richtung.
Am 21. Oktober 1939 heiratete Kuno seine Frau Elfi geb. Presser, die ihm drei Söhne schenkte. Im Jahre 1942 starb sein verehrter Vater, dessen Fernunterrichtslehrgänge er nun ebenfalls in sein Institut eingliederte.
Im Jahre 1943 erwarb Kuno das "Gut Hochstrass". In diesem prächtigen Gut konnte er im oberen Stock das Institut unterbringen. Die übrigen Räume bildeten die Privatwohnung. Im Jahre 1951 übersiedelte Kuno mit seiner Familie nach Santiago (Chile), um die Möglichkeiten einer südamerikanischen Filialgründung zu prüfen. Da sich diese als kaum durchführbar erwies und seine Beteiligung und Tätigkeit in einer Fabrik für genormte Bauteile ihn nicht befriedigte, kehrte die Familie im Sommer 1956 in die Heimat zurück. Er nahm die Leitung seines Instituts, die er auf dem Korrespondenzwege und durch jährliche Europaaufenthalte stets beibehalten hatte, wieder vollamtlich auf. Im Jahr 1943 erwarb Kuno das "Gut Hochstrass". In diesem prächtigen Gut konnte er im oberen Stock das Institut unterbringen. Die übrigen Räume bildeten die Privatwohnung.
Das Lehrinstitut Onken – die älteste Fernschule der Schweiz
Kunos Vater Franz Onken (1885 -1942) war ein durch und durch freiheitsliebender Mensch. Tatsächlich war dies auch der Hauptgrund, warum der junge Elektroingenieur sein Heimatland Deutschland und seine Heimatstadt Oldenburg verliess und in die Schweiz übersiedelte. Franz Onken hatte nicht nur einen Sinn für alles Technische, er besass auch die besondere Gabe, komplizierte Zusammenhänge einfach zu erklären.
Vater Franz Onken hatte zunächst Berufsleute in Abendkursen unterrichtet und war dabei auf unüberwindliche Nachteile gestossen. Immer wieder musste er das Tempo verlangsamen, um es dem schwächsten Teilnehmer anzupassen, und häufig führten Absenzen seiner Schüler zu Lücken, die er nicht mehr schliessen konnte. Was tun? Seine Idee war so einfach wie brillant: Er setzte sich hin und brachte seine Vorträge in einzigartig folgerichtiger und einleuchtender Weise zu Papier: Der erste Onken-Kurs, ja der erste Fernlehrgang in der Schweiz überhaupt entstand.
Ein wichtiges Merkmal dieses ersten Onken-Kurses: Schon auf der ersten Seite geht der Unterricht richtig los. Hinein in den Stoff, lautete die Devise des jungen Ingenieurs: praktisches Wissen von Anfang an und ohne lange Vorreden!
Daran hat sich auch Kuno gehalten. Inspiriert durch seinen Vater hatte er schon mit 23 Jahren sein eigenes Lehrinstitut in Kreuzlingen gegründet. Er vertrieb neben eigenen Kursen auch die Fernkurse seines Schwagers Paul Christiani auf dem Gebiet der Schweiz. Dieser hatte in Deutschland das Christiani Institut gegründet, in dem er die Kurse seines Schwiegervaters und seine selbst verfassten Kurse anbot.
Nach dem frühen Tod des Gründers übernahm Kuno auch die Kurse seines Vaters. Er blieb immer am Puls der Entwicklung und erweiterte das Studienangebot im Gleichschritt mit dem technischen Wandel. In vier Jahrzehnten schuf er mit seinem kreativen Team eine ganze Palette neuer Fernlehrgänge - darunter den ersten Elektronik-Experimentierkurs - und stiess mit seinen Kursen in andere europäische Länder vor.
Im Jahr 1979 übertrug er die Leitung des Unternehmens seinen beiden Söhnen Thomas und Martin Onken. Diese vollzogen mit weiteren pionierhaften Fernlehrgängen den rasanten Wechsel in das Zeitalter der Informatik und Telekommunikation. Nach dem frühen Tod von Thomas Onken übernahm Martin Onken im Jahr 2000 die Leitung des Instituts, das 2005 in seinen Besitz überging.
Kunos Begegnung mit dem Buddhismus
Auch bei Kunos Hinwendung zum Buddhismus spielte sein Vater eine wichtige Rolle.
Denn Religion und Philosophie waren dessen eigentliche Passion. Sie wurde durch ein harmloses Erlebnis ausgelöst: Ein Ausflug hatte den Dreissig-jährigen auf den Hohenklingen geführt. Von Ferne klang der Gesang fröhlicher Studenten herauf. Und bei dem sonst so geliebten «Gaudeamus igitur» wurde er, der da voll Lebenskraft seinen Wein trank, plötzlich von dem Schmerz der Vergänglichkeit angefallen.
„Meinen Vater führte dieses Erlebnis auf einen Weg, den er nicht mehr verliess.“, schrieb Kuno in der Festschrift zum 50. Jubiläum seines Instituts, „Er griff zum «Buch der Bücher» und wurde ein rechter Bibelkenner. Er las alle Grossen der Philosophie, von den Griechen bis zur Neuzeit. Sein Lieblingsphilosoph wurde Schopenhauer, dessen Werk, zerlesen und abgegriffen, ihn auch auf weite Reisen begleitete. Die tiefste Verehrung aber zollte er der Urlehre des Gotama Buddha und hielt dessen «Reden» für das Grösste, was Menschengeist je geschaffen.
Jede freie Stunde war diesem unermüdlichen Forschen gewidmet. Wo er der Weisheit begegnete, gab sie anse ineNächsten weiter, kostbares Gedankengut, keinem irdischen Geschenk vergleichbar. Und so möchte ich mich, neben der Weitung und dem Ausbau seines Lehrwerkes, auch des geistigen Erbes meines Vaters stets würdig erweisen.“
So kam es, dass Kuno schon in jungen Jahren über seinen Vater an den Theravada-Buddhismus herangeführt wurde. Sein Vater lass ihm aus den Neumannschen Übersetzungen vor, von denen er anfänglich nichts verstand. Erst später als junger Mann erlangte Kuno nach ausgiebigem, selbständigem Studium der Neumannschen Übersetzungen des Palikanons, ein tiefes Verständnis der Buddhistischen Lehre. Er liebte die Sprachmelodie Neumanns und liess eigens für sich die R. Piper & Co.-Ausgabe der „Mittleren Sammlung“ in fünf handlichen, kleinen Büchern neu binden. Diese DIN A6 Büchlein hatte er ständig bei sich, um die Lehre des Erhabenen studieren zu können. Kunos Lebensgewohnheiten folgten nach und nach der Lehre. Er schwor den Genuss von Alkohol und Fleisch ab.
Die Zeitschrift „Die Einsicht“
Max Ladner gab von 1948 bis 1961 in Zürich die Zeitschrift „Die Einsicht“ heraus. Kuno unterstützte die Herausgabe dieses Blattes finanziell.
Christiani-Verlag
Schwester Ay (Erna) heiratete, wie schon erwähnt, Dr.-Ing. Paul Christiani. Dieser gündete 1931 die erste deutsche Fernschule, das Institut Christiani. Auf Wunsch von Ay erweiterte Paul Christiani, der sich ebenfalls intensiv mit dem Buddhismus auseinandergesetzt hatte, den Verlag um eine kleine buddhistische Abteilung. Von 1953 bis 1984 erschienen u.a. im Christiani-Verlag in der Buchreihe „Buddhistische Handbibliothek“ elf wertvolle theravadabuddhistische Veröffentlichungen. Einzelheiten sind im Anhang aufgeführt.
Beyerlein & Steinschulte-Verlag
Der Conrad-Verlag übernahm 1994 den Christiani-Verlag und wollte zunächst die wenig lukrative buddhistische Abteilung einstellen. Ein Mitglied der Conrad-Familie wollte die buddhistische Abteilung nicht sterben sehen und fragte Kuno, ob er diese weiter betreuen wolle. Kuno lehnte ab. Aber durch seine Vermittlungen übergab der Conrad-Verlag im Jahre 1994 Herrn Raimund Beyerlein die Druckrechte der buddhistischen Abteilung für den symbolischen Preis von einer D-Mark. So war der „Beyerlein & Steinschulte-Verlag“ geboren. Die deutschen Übersetzungen des Palikanons wurden nun im Beyerlein & Steinschulte-Verlag neu aufgelegt und vervollständigt. Heute ist nahezu der gesamt Palikanon in deutsche Sprache übersetzt und dort erhältlich. Der Verlag wurde finanziell von Kuno unterstützt.
Buddhistische Gemeinschaft
Kuno gründete zusammen mit Schwester Ay (Erna) Christiani und M. Frank, Fritz Schäfer nebst H. Zogg in Winterthur am 04.11.1972 die „Buddhistische Gemeinschaft“, kurz BG genannt. Die ersten drei Jahre wurden die monatlichen Treffen noch in einem Hotel in Winterthur abgehalten. Dann fand Kuno eine ehemalige Spinnerei in Dicken, die im Erdgeschoss einen großen Saal mit Webstuhl aufwiess. Kuno erwarb das Haus, liess den Webstuhl entfernen und richtete ein ordentliches Seminarhaus für 15 Gäste nebst Bibliothek ein. Im ehemaligen Websaal wurde ein Versammlungssaal mit Tempel installiert.
Die Buddhistische Gemeinschaft in Dicken entwickelte ein lebhaftes buddhistisches Leben und zog viele Nachfolger und Kenner des Theravadabuddhismus an. So gestaltete Fritz Schäfer am 26.10.1973 seinen ersten Seminartag mit dem Thema „Die Blindgeborenen, Meghiyo“, (U IV, 1). Helmut Hecker war am 13.09.1975 erstmalig in Dicken. Einen Vortag über die „Einflüsse“ (?sava) (M 2) hielt Paul Debes am 12.03.1977 in Dicken. Auch Mönche besuchen die „Buddhistische Gemeinschaft“ Siri Sudhamma hielt einen Vortrag über Mett? am 11.09.1982. Dhammaviro beantwortete Fragen und erzählte seine Biographie am 11.09.1991 in Dicken. Der erwürdige Nyanacitta erläuterte die „Vierzigmächtigen“ und die „edle Freundschaft“ (M 117) am 13.11.1999.
Heute besteht die „Buddhistische Gemeinschaft“ seit 34 Jahren. In den ersten 30 Jahren fanden 324 Treffen statt. Wer hat in diesen ersten 30 Jahren die meisten Vorträge gehalten? Wer hat die meiste Arbeit geleistet, um den reinen, unverfälschten Theravadabuddhismus darzubieten? Die Antwort zeigt folgende kurze Tabelle:
Kuno (Kurt Onken) mit 69 Vorträgen
Ay (Erna Onken) mit 38 Vorträgen
Hans-Ulrich Roelly mit 28 Vorträgen
Gesche Pantke mit 28 Vorträgen
A. M. Mezener mit 18 Vorträgen
H. U. Blumer mit 14 Vorträgen
Siri Sudhamma mit 11 Vorträgen
Fritz Schäfer mit 9 Vorträgen
G. Lutzenberger mit 7 Vorträgen
Roland Zeller mit 7 Vorträgen
und viele mehr …..
Die Aufstellung zeigt, dass Kuno die quantitativ grösste Arbeit für die „Buddhistische Gemeinschaft“ geleistet hat. Aber auch qualitativ kann seine Arbeit nicht hoch genug eingeschätzt werden. Kuno hat alle Tiefen der buddhistischen Lehre erkannt. Sein scharfer Verstand hat das Wesen des Anatt? (Nichtselbst) erkannt, er hat uns u.a. über das „Geben“ gelehrt. Kuno hat auch dafür gesorgt, dass im „Haus der Besinnung“ die dargebotenen Vorträge den Theravadabuddhismus unverfälscht widerspiegeln. So hat er beispielsweise die Interpretationen der Anatt?-Lehre der Georg-Grimm-Schule in Dicken nicht geduldet.
Die Stiftung „Haus der Besinnung“
1974 gründet Kuno die Stiftung „Haus der Besinnung“. Kuno hat die Stiftung „Haus der Besinnung“ so gut mit finanziellen Mitteln ausgestattet, dass es der Stiftung 2004 möglich war, das Nachbargebäude, welches vom berühmten Maler Ülinger bewohnt war, nebst einem ca. 6000 m² grossen Grundstück zu erwerben. So kann auch in Zukunft auf die unmittelbare Nachbarschaft des „Hauses der Besinnung“, als meditativer Raum, eingewirkt werden.
Der ehrwürdige Nyanaponika
Neben Paul Debes war der ehrwürdige Mönch Nyanaponika Mentor für Kuno. Nyanaponika besuchte öfters das Gut Hochstrass und war auch im „Haus der Besinnung“ zu Besuch. Aber auch Kuno besuchte Nyanaponika mehrmals in Sri Lanka. Kuno lernte viel von Nyanaponika und verehrte ihn sehr. Als Nyanaponika im Jahre 1994 starb, transportierte Raimund Beyerlein ein Teil seiner Asche von Sri Lanka ins „Haus der Besinnung“. In einer kleinen Stupa-Urne fanden die sterblichen Überreste des grossen Mentors im Tempelsaal ihren endgültigen Platz. Kuno liess eine lebensgrosse Bronzebüste von Nyanaponika anfertigen, die er am 11.11.1995 enthüllte und im Tempelsaal aufstellte.
Die Buchreihe „Bodhi-Blätter“
Seit 1975 hat Kuno jährlich ein Büchlein der Buchreihe „Bodhi-Blätter“ in DIN-A6-Format herausgegeben. Bis 2003 sind 38 Nummern erschienen. Hier finden sich Perlen der theravadabuddhistischen Literatur.
Die folgenden fünf Veröffentlichungen sind aus Kunos Feder geflossen:
Die Ferienrunde, Dicken 1979;
Buddhistische Bestattungsfeier,Dicken 1982;
Buddhistische Andacht; Dicken 1983
Buddhistisches Vademecum, Dicken 1987;
Buddhismus, Dicken 1996.
(Weitere Einzelheiten zeigt der Anhang)
Die Angereihte Sammlung
Die vierte Neuauflage der „Angereihten Sammlung“, aus dem Pali übersetzt von Nyanatiloka, überarbeitet und herausgegeben von Nyanaponika, erschien im Jahre 1984 im Aurum Verlag durch die finanzielle Unterstützung von Kuno. Er half auch bei Revisionsarbeiten und beim Korrekturlesen mit.
Das Buddhistische Seminar
Paul Debes und Ingetraut Anders Debes betrieben seit 1955 das „Buddhistische Seminar“ und brachten regelmässig die Zeitschrift „Wissen und Wandel“ heraus. Kuno ließ diese Zeitschrift in hell rotes Leinen binden. Und so hat heute die Bibliothek des „Hauses der Besinnung“ stolze 50 Jahrgänge von „Wissen und Wandel“. Darüber hinaus unterstützte Kuno das „Buddhistische Seminar“.
Buddhistische Gemeinschaft Schweiz
Zusammen mit Dr. Rolf Hafner, Gerhard A. Genau, Gesche Pantke und Roland Zeller gründete Kuno am 13.04.2002 in Dicken die „Buddhistische Gemeinschaft Schweiz“. Auch die erste Mitgliederversammlung der „Buddhistischen Gemeinschaft Schweiz“ im Bahnhofbuffet Zürich organisierte Kuno.
Kuno als Automobilist
Kuno gehörte zu den ersten Schweizer Automobilisten. In den zwanziger Jahren ist er mit seinem Vater Franz schon mitgefahren. Im Jahre 1939 meldete er sein erstes Auto mit dem Kennzeichen TG 3993 an. Damals waren die Strassen in der Schweiz teilweise noch Sandpisten und fast leer, erzählte Kuno. So hat er über die Jahrzehnte das ständige Wachsen des Verkehres beobachtet. Mit Ausnahme eines abgefahrenen Auspuffs hatte Kuno nie einen Unfall verursacht. Auf seinen Fahrten ins Haus der Besinnung fand er mit Hilfe einer Stoppuhr die schnellsten Nebenstrecken von Kreuzlingen nach Dicken heraus. Noch bis ins hohe Alter ist Kuno selbstständig von Kreuzlingen nach Flims-Waldhaus in die Ferien gefahren.
Kuno als Kunstliebhaber
Kuno schätzte die schönen Künste, vor allem die Literatur, das Theater und die Musik. Da seine Frau eine gläubige Christin war, schenkte er ihr uralte Madonnen. Durch einen Zufall konnte er sieben edle Buddhastatuen aus Thailand von einem Sammler erwerben, der ganz in seiner Nähe wohnte. Drei davon stehen im „Haus der Besinnung“. Ananda, der stehende Buddha, hat im Treppenhaus einen würdigen Aufstellungsort gefunden und misst ganze 170 cm. Der sitzende Buddha im Erdgeschosstempel ist ca.120 cm hoch. Von gleicher Höhe ist der Buddha in der Bibliothek. Darüber hinaus hat Kuno zwei Kunstwerke aus der Gandharazeit für das „Haus der Besinnung“ angeschafft.
Kuno veranlasste, noch in hohen Lebensjahren, den Bau eines, freistehenden Tempels auf dem Grundstück des Gut Hochstrass.
Humor hatte Kuno
Humor ist eine weitere, kaum zu übersehende Seite von Kuno. Einige Kostproben seines Humors sind in seinem entzückenden Büchlein „Geschichten, Geschichten lauter Geschichten“ zu finden, das er im hohen Alter mit 85 Jahren für seine Urenkel geschrieben hat. Die folgenden Ausschnitte aus diesem Büchlein zeigen Kunos feinsinnigen Humor und lassen sein Wesen in seinen eigenen Worten in uns noch einmal aufflammen:
Timeo Danaos et dona ferentes
An einer Weihnacht in Zürich hatten wir die uns geläufigen Lieder bereits gesungen, und auch die stehende Rede des Vaters mit dem Schlusssatz „Und nun wollen wir mal sehn, ob der Weihnachtsmann sonst noch was gebracht hat“ war verklungen. Die Geschenke wurden enthüllt, worunter … ein Schaukelpferd! Ich aber, dem es zugedacht war, zögerte einstweilen, denn es stand im Hintergrund, war schwarz und von den Kerzen nur spärlich beleuchtet.
Die Szene erinnert, wenn auch sehr entfernt, an das trojanische Pferd, das den Laokoon zu der Warnung bewog: „Ich fürchte die Griechen, selbst wenn sie Geschenke machen.“
Auf die Frage, ob ich denn nicht wenigstens mal zu dem Schaukelpferd hingehen wolle, erklärte ich jedenfalls: „Der Dordi hat lieber Angst.“ Dordi, war der Name, den ich mir selber gegeben hatte. Und die Trojaner, kann man anfügen, wären damit auch besser gefahren.
Fast ein Rechtsfall
Studenten geraten zuweilen in einen finanziellen Engpass. So steckte auch ich eines Abends die letzten 20 Rappen in einen Telefonautomaten und erklärte der angerufenen Freundin: „Ich bin blank, Du meine Liebe; es reicht nicht mal für die Trambahn, geschweige denn für zwei „Schalen Gold“. Leb wohl und bleib’ mir treu!“ Als ich nun aber den Hörer einhängte, rumorte es in dem Automaten, er begann zu rattern und spuckte schliesslich seinen Inhalt aus; es mögen etwa sieben Franken gewesen sein. Sofort erneuerten 20 Rappen die eben beendete Verbindung: „Da bin ich wieder! Der Automat hat unser Gespräch mitgehört, fühlte Mitleid und hat uns seine Barschaft für einen vergnügten Abend gespendet! Bist Du noch zu haben?“
Erich Kästners Frage
Das Züricher Schauspielhaus ist in einem Gebäude untergebracht, das auch ein Restaurant enthält: den „Pfauen“. Hier trifft man sich vor oder nach einer Vorstellung, zuweilen auch in deren Mitte, also während der Pause. Dort wollten wir mit Fincki vor seinem Auftritt noch etwas essen, doch hatte sich bereits einige Prominenz eingefunden, so dass ein Begrüssen begann, das schon deshalb herzlich war, weil seit dem letzten Zusammensein oft die 1000 Jahre des Dritten Reiches dazwischen lagen. Neben Bert Brecht und anderen stellte uns Fincki auch Erich Kästner vor, mit dem wir uns schliesslich an einen Tisch setzten.
Hier muss ich nun eine Szene aus Kästner Buch „Drei Männer im Schnee“ einschieben. Da hat sich ein Geheimrat Tobler am Wettbewerb seines eigenen Konzerns beteiligt und unter einem Pseudonym zwar nicht den ersten, aber immerhin den zweiten Preis gewonnen: eine Woche in einem Berghotel. Unter dem Protest seiner Familie will er diese Woche antreten. Da er dazu aber einen „schlichten“ Anzug benötigt, lässt er sich von seinem Chauffeur zu einem Altkleiderladen fahren, in dessen düsterem Lokal ihm der Trödler sofort einen „wunderschönen Cutaway“ offeriert. Der Geheimrat hat dafür kein Interesse, sondern findet nach einigem Herumstöbern einen leicht abgewetzten Anzug von unbestimmbarer Farbe, den er sogleich probiert. Und derweil er sich nun vor dem Spiegel betrachtet, fragt er den Ladenbesitzer: „Wie finden Sie mich?“ Der aber sagt nur: „Nehmen Sie den Cutaway!“
Diesem Satz haben dann Hagu, mein Freund Hans Guth, und ich „Flügel“ verliehen. Wann immer einer von uns etwas gefällig fand und das vom anderen, dem es nicht gefiel, bestätigt haben wollte. Konnte er nicht mit einer Begründung rechnen; es hiess einfach nur: „Nehmen Sie den Cutaway!“
Nun saßen wir also mit Erich Kästner am Pfauentisch. Die Serviertochter nahm die Bestellung auf und fragte, ob wir etwas essen wollten. Kästner fand das eine gute Idee und fragte seinerseits die Serviertochter, was sie denn vorschlage. „Ja, Sie können eine Bratwurscht haben oder auch ein Wienerschnitzel.“ Und nun geschah es, dass sich Erich Kästner mir zuwandte und, da er mich zu Recht für den Ortskundigsten hielt, die Frage stellte: „Was meinen Sie? Was soll ich nun nehmen?“
Wundert Ihr Euch da, liebe Freunde, dass ich mit dem geflügelten Wort des angenehm überraschten Verfassers antwortete: „Nehmen Sie den Cutaway!“ ?
Kunos dichterische Seite
Und kamen alle wieder….
Und eines Tages – und zwar zu Elfis Geburtstag im Jahre 1978 – schrieb ich ein Märchen, ein Tonspiel mit der „Weise von Vergänglichkeit und Wiederkehr“. Da spielten fünf Enkelkinder mit, Ay wirkte als „Märlitante“, Dittchen sprach ihre englischen Verse und ich trug ein Gedicht vor das Longfellows Versmass übernahm. Da es zudem auf unser Leben zurück-, ja gar darüber hinausblickte, ist es eigentlich sehr geeignet, meine Geschichtenreihe zu schliessen:
Im Schatten der Kastanien
steht unser altes Haus;
Der Wind weht durch die Zweige
und streut die Blüten aus.
Er dreht die Wetterfahne
und macht sie leise schrei´n,
derweil wächst lautlos höher
der dichte wilde Wein.
Einst ragte eine Linde
hoch in die blaue Luft
und strömte ihren Frühling
in all den süßen Duft.
Und weißt Du noch? Dort drüben
ja, dort beim Kiesweg stand
ein Holzgeviert, drin spielten
die Buben mit dem Sand
und bauten hohe Berge
mit Burgen drauf, und Du
und ich und unser Hündchen,
wir sahen ihnen zu.
Und waren so geborgen
und ruhten in der Zeit
und konnten doch nicht bleiben
und fuhren fort, so weit.
Und kamen alle wieder
ins alte Haus zurück
und lebten viele Jahre
in Liebe und Glück.
Und wenn wir nicht mehr leben?
Dann werden wir uns - gelt -
doch immer wieder lieben
in einer anderen Welt,
und andere Kastanien
beschatten unser Haus,
ein anderer Wind wird wehen
und streut die Blüten aus.“
Hier enden die Auszüge aus Kunos Büchlein „Geschichten, Geschichten, lauterr Geschichten".
Das Verwehen
Kuno verwehte in der Nacht am 30. Januar 2007 im Alter von 92 Jahren im Kantonsspital Münsterlingen.
Eine Woche davor war er zusammen mit seiner ganzen Familie in seinem geliebten Flims in den Ferien. Nach seiner Rückkehr von Flims verschlechterte sich sein Gesundheitszustand überraschender Weise dramatisch. Er musste als Notfall ins Spital eingeliefert werden. Sein bedenklich schlechter Zustand verbesserte sich zur Überraschung der Ärzte und zur Freude der Familie deutlich. Doch die Hoffnung war von kurzer Dauer. Kuno verschied in der Nacht kurz nach 3 Uhr sanft und entspannt, wie eine Kerze, die langsam verlöscht.
Kuno hat den Tod nie verdrängt. Deshalb verwundert es nicht, dass er schon viele Jahre vor seinem Tod Anweisungen an seinen Sohn Martin und an Raimund Beyerlein gegeben hat, eine buddhistische Bestattungsfeier auszurichten. So fanden sich am 5. Februar 2007 um 11:00 Uhr an einem sonnigen Wintertag über 200 Personen in der barocken Stefanskirche in Kreuzlingen ein. Sein Sarg war mit einem wunderschönen Gesteck aus orangenfarbenen Rosen und Gerberas geschmückt. Er wurde vor dem Altar aufgebahrt, auf dem sieben hohe Kerzen und ein stehender Buddha standen. Zur rechten sassen die drei Mönche, der ehrwürdige Khamasiri und der ehrwürdige Natthiko aus Kandersteg und der ehrwürdige Nyanabodhi aus Mettavihara. Letzterer leitete während der Abdankungsfeier eine Mettameditation der Liebenden-Güte an. Der Gesang von Pali-Rezitationen der Mönche und die tiefsinnige Abdankungsrede von Raimund Beyerlein schafften eine erhebende und feierliche Atmosphäre, wie sie Kuno bestimmt sehr geschätzt hätte.
Die Urne mit Kunos Asche wurde eine Woche nach der Bestattungsfeier im Grab seiner Frau Elfi und seinem Sohn Thomas im Friedhof des Kirchleins Bernrain in Kreuzlingen im Kreise der Familie beigesetzt. Vor dem Haus der Besinnung wurde zu Ehren des verstorbenen Gründers am 2. Juni 2007 ein Gedenkstein gesetzt.
Anhang
Bodhi-Blätter
Herausgeber: Kurt Onken (Kreuzlingen), CH-Dicken,
Eine Schriftenreihe aus dem Haus der Besinnung. Buchformat DIN A6
Nr. Jahr Autor Kurztitel
1 1975 Nyanaponika Die dreifache Zuflucht
2 1976 Soma Die Lehre des Buddha
3 1976 Story, Francis Vesakha-Hymnus
4 1977 Nyanaponika Die Stadt des Geistes
5 1977 Sayadaw, Mahasi Klarblick-Meditation
6 1977 Hecker, Hellmuth Die Unlust und ihre Heilung
7 1978 Walshe, Ruth Buddhistische Therapie
8 1978 Debes, Paul Das wahre Leben
9 1978 Hecker, Hellmuth Rahulo, Buddhas zwiefacher Sohn
10 1979 Onken, Kurt Die Ferienrunde
11 1979 Nyanaponika Die vier Erhabenen Weilungen
12 1980 Dahlke , Paul Buddhistische Erzählungen
13 1981 Hecker, Hellmuth Die erste Lehrrede des Buddha
14 1982 Onken, Kurt Buddhistische Bestattungsfeier
15 1982 Debes, Paul Die Rede an die Kalamer
16 1983 Onken, Kurt Buddhistische Andacht
17 1983 Saß,Ekkehard Überprüfung meiner Friedfertigkeit
18 1984 Khema, Ayya Ferien vom Ich, Anattâ-Meditation
19 1984 Hecker, Hellmuth Die fünf Sîla
20 1985 Schäfer, Fritz Udâna
21 1986 Govinda Aus Leben und Werk
22 1987 Onken, Kurt Buddhistisches Vademecum
23 1988 Nyanaponika Die fünf Hemmungen
24 1989 Hecker, Hellmuth Das buddhistische Nirvana
25 1990 Sumedho Religiöse Überlieferung und Sîla
26 1991 Schumacher, W. Die Edikte des Kaisers Asoka
27 1992 Nyanasobhano Bhikkhu Tissa zerstreute Zweifel
28 1993 Hecker, Hellmuth Buddhismus und Humor
29 1994 Nyanaponika Antworten aus einer Waldeinsiedelei
30 1995 Nyanaponika Nyanaponika & Govinda. Eine Freundschaft.
31 1996 Onken, Kurt Buddhismus. Ut Ein Vortrag
32 1997 Chah, Ajahn Gleichnisse
33 1998 Nyanaponika / Khema Mitfreude
34 1999 Ajahn Brahmavamso Grundlagen der Meditation
35 2000 Dhammavuddho Thera Die Bedeutung der Reden des Buddha
36 2001 Schäfer, Fritz Die sechs unübertrefflichen Erinnerungen
37 2002 Bhikku Bodhi Das Gute, das Schöne und das Wahre
38 2003 Onken, Kurt Dem Nibbana nah
Buddhistische Handbibliothek
Konstanz, Verlag Christiani
Nr. Jahr Autor Titel
Bd. 1 1953 Nyanatiloka Das Wort des Buddha
Bd. 2 1953 Schmidt, Kurt Leer ist die Welt
Bd. 3 1953 Nyanatiloka Buddhistisches Wörterbuch
Bd. 4 1954 Schmidt, Kurt Sprüche und Lieder: Dhammapada
Bd. 5 1954 Krauskopf, Georg Die Heilslehre des Buddha
Bd. 6 1955 Nyanaponika Sutta-Nipâta
Bd. 7 1955 Schmidt, Kurt Buddha und seine Jünger
Bd. 8 1956 Nyanatiloka Der Weg zur Erlösung
Bd. 9 1956 Nyanaponika Der einzige Weg
Bd.10 1974 Hecker/KEN Buddhismus und Kunst
Bd. 11 1984 Nyanaponika Die Wurzeln von Gut und Böse