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Kommt ein wiedergeborener Christ nach seinem Abscheiden auf Erden direkt in den Himmel? Oder ins Paradies? Oder muss er - wie alle anderen Menschen - im Totenreich warten bis zur allgemeinen Auferstehung beim sogenannten "Jüngsten Gericht"?
Zu diesem Thema gibt es viel Unwissenheit und zahlreiche persönliche Meinungen. Einige Bücher mit Titeln ähnlich wie "Ich war im Himmel" machen das Thema auch nicht leichter. Sie beruhen fast immer auf visionären Erfahrungen, die aber leider empirisch schwer nachvollziehbar sind. Ihr Wahrheitsgehalt steht auf "tönernen Füßen". Dennoch stellen auch diese Schriften einen gewissen Wert dar.
Sie haben einen ermutigenden Grundtenor und "eröffnen" vielen Suchenden den Weg zur einzigen Quelle, die kohärente und glaubhafte Aussagen macht: die Bibel. Und da es in diesem Artikel um Christen geht, beachten wir besonders Texte im Neuen Testament. Hier konzentriere ich mich nun hauptsächlich auf einen Abschnitt im 2.Korintherbrief 5,1-10.
Die Zeltwohnung
Eigentlich heisst es im Vers eins "Das irdische Haus der Zeltwohnung". Unser Körper wird mit einem gewobenen Zelt verglichen. Dieses löst sich bei Abscheiden "herab" - wie wenn man an einem Faden von unten her so lange zieht (KATA-LYOO) bis das Gewobene ganzheitlich aufgelöst auf der Erde liegt. Ist es ein Bild dafür, dass der schwere irdische Körper zur Erde zurückkehrt, aus dem er hervorkam? Es gibt ein zusätzliches Bild, das Paulus in seinem Brief an die Philipper verwendet (1, 23). Dort nennt er sein Abscheiden "hinauflösen". Der Textzusammenhang zeigt ein "mit Christus sein". Hier wird sein irdisches Zelt, sein Körper, nach oben hin aufgelöst (ANA-LYOO).
Der Wohnbau
Weiter gehts es im 2.Brief an die Korinter 5,1: Nach der Zeltwohnung erwähnt Paulus nun den "nicht mit Händen gemachten Wohnbau (OIKODOMÄ) aus Gott", der in den Himmeln ist. Dieser besteht "äonisch", was meistens mit "ewig" übersetzt wird, aber genauer heisst "für ein oder mehrere Zeitalter, in denen noch Verborgenes ist". Der Wohnbau wartet in "den Himmeln", nicht "im Himmel". Bibelkundige wissen, dass es mehrere Himmel gibt - siehe 2.Korinther 12, 2 und 2.Petrusbrief 2,12. Letztere Stelle bezeichnen die Himmel sogar als "vergänglich". Der Wohnbau ist also für einen Christen wie Paulus noch nicht der Zielort seines jenseitigen Aufenthaltswunsches. Wäre es so, dann stünde nicht als weitere Bemerkung: "in diesem Wohnbau stöhnen wir noch"! Es ist allerdings ein unbeschwertes Stöhnen, keines aus Schmerz oder Trauer. Es ist der Ausdruck des Sehnens nach dem definitiven himmlischen Herrlichkeits-Zustand und dem definitiven Wohnort - dem OIKÄTÄRION - das aus dem Himmel kommt.
Die Wohnfestung
Das griechische Wort OIKÄTÄRION besteht aus den Wortstämmen "wohnen" und "bewahren, bewachen". Bildlich stelle ich mir einen Wohnort im Himmel vor, der wie eine Festung Schutz verleiht und in der ich "fest", also ohne "Umzug" definitiv bleiben darf. Dieser Wohnort - ich lasse meine Fantasie weiter spielen - müsste total zu mir passen. Ich kann mir vorstellen, dass ich innerhalb dieser Wohnung mir so vorkäme, als ob ich sie wie meine persönlichste Kleidung angezogen und mich völlig mit ihr umgeben hätte. Warum schreibe ich dies? Der folgende griechische Text im 2.Korinther 5,2 gibt die Antwort. Denn er ergänzt das Festungsbild - mit einem Bekleidungsbild!
Paulus wünscht sich mit dem OIKÄTÄRION überkleidet (EPENDYNASTAI) zu werden, um nicht "nackt" dazustehen, sondern "himmlisch gut" eingekleidet zu sein.
Durch den Bekleidungsgedanken angeregt, könnte dem Apostel wieder der Zeltstoff seiner irdischen Existenz eingefallen sein, denn in Vers 4 unseres Textes erinnert er an sein Sehnen in diesem vergänglichen Zeltwohnungs-Körper. Er sehnte sich nach der himmlischen Heimat, die sich auch mit Stöhnen äußerte - allerdings mit beschwertem Stöhnen. Hier gebraucht er den Gedanken nicht sterben zu müssen mit dem Bild der Entkleidung. Er will lieber überkleidet (EPENDYSASTHAI) als entkleidet ( EKDYSASTHAI) werden, damit das Sterbliche (eigentlich: Ertötliche) vom Leben verschluckt würde. Die "Überkleidung" weist somit auf die Verwandlung in einen Herrlichkeitskörper vor der Entrückung hin (zum besseren Verständnis der Begriffe "Verwandlung" und "Entrückung" lese man 1. Korinther 15,51-57 und 1.Thessalonicher 4,13-18). Paulus drückt Gott seine Dankbarkeit zur kommenden Herrlichkeit im weiteren Text 2.Korinther 5,5 aus. Das wahre, uneingeschränkte Leben wartet in der Wohnfestung.
Wohnen in der Körperschaft
In unserer Textbetrachtung beschreibt der Apostel weiterhin schwerverstehbare geistliche Wahrheiten mit alltäglichen Bildern. Zum Glück für uns Leser! Denn nun wechselt er ab 2.Korinther 5,6 in ein völlig anderes Bild zu unserem Thema "Der Christ im Zwischenzustand". Nun geht es um die Körperschaft Christi, in der ja alle Gläubigen an Jesus sich befinden - oder "wohnen". Während wir im irdischen Körper leben und an Jesus glauben, wohnen wir als geistliche Glieder in Jesus und bilden somit eine Körperschaft mit ihm (siehe 1.Korinther 12,12-27). Das ändert sich, gemäss meiner jetzigen Erkenntnis, nach der "Einverleibung", nach dem Gläubigwerden an Jesus, nicht mehr. Die Körperschaft bleibt, der Körper jedoch verändert sich - je nachdem ob er "in Christus" als im Zeltbau, im Wohnbau oder in der Wohnfestung wohnt. Paulus vergleicht die Körperschaft zudem mit einem weiteren Bild, mit einem Volk, das beieinander wohnt. Befinden wir uns im himmlischen Wohnbau, haben wir natürlich einen anderen Körper als in der Zeltwohnung, sind aber noch in der gleichen Volkszugehörigkeit, Volksheimat. In der Elberfelder Übersetzung steht ab 2.Korinther 5,6:
"So sind wir nun allezeit guten Mutes und wissen, dass, während wir "einheimisch" im Leibe sind (in der Zeltwohnung), wir vom Herrn "ausheimisch" sind (noch nicht im Wohnbau oder der Wohnfestung), denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen...Wir möchten aber lieber ausheimisch von dem Leibe (Zeltwohnung) und einheimisch (Wohnbau /Wohnfestung) bei dem Herrn sein. Deshalb beeifern wir uns auch, ob einheimisch oder ausheimisch, ihm wohlgefällig zu sein".
Es geht weiter!
Im Zwischenzustand in den Himmeln geht das Leben weiter. Leben heisst wirken, wachsen und Erwartungen haben. Das griechische Wort, das in Vers 9 mit "beeifern" übersetzt wurde, heisst PHILOTIMOUMETHA und beinhaltet "etwas gerne und mit eifriger und ehrenhafter Haltung" zu machen. Die Christen, die in den Zwischenzustand nach ihrem Ableben hineinkommen, werden also weiterhin in irgendeiner Form, mit irgendeiner Tätigkeit mit dem Herrn verbunden bleiben. Ich vermute, sie fahren mit den Tätigkeiten fort, die sie auf Erden mit Jesus bereits ausübten - in sichtbarer oder unerkannter Art.
Unser Christenleben fängt in der Zeltwohnung auf Erden an, geht im Wohnbau in den Himmeln weiter und bevor es dann in die Wohnfestung geht, erleben wir alle noch 2.Korinther 5,10 - das Erscheinen vor dem Podium des Christus, bei dem alles von uns Gemachte mit göttlichen Maßstäben beurteilt und belohnt wird.