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Narrenblatt
Entstehung
1906 trat die „Nächstenliebe“ Altdorf mit dem ersten Narrenblatt „Der Kriegsruf“ in die Öffentlichkeit. Zusätzlich führte man einen kleinen Umzug zum Thema Heilsarmee auf. Motivation hierzu war jedoch nicht die satirische Bereicherung des Dorflebens, sondern der Verkauf eines „Witzblattes“ sollte die Kosten des Umzugs decken helfen. Die Grosszahl der Narrenblattsprüche befasste sich mit dem alltäglichen Dorfleben und zielte auf die zwischenmenschlichen Beziehung, die Liebe, die Ehe und die Scheidung.
Narrenblatt nach dem Zweiten Weltkrieg
1944 wurde der Verkauf von Fasnachtsliteratur verboten. An der ersten Fasnacht nach dem Zweiten Weltkrieg erschien mit dem „Swingliried – dem popoleeren Modeblatt der neuen Degeneration“ wiederum das Narrenblatt der „Nächstenliebe“ – vor allem in Prosa, vereinzelt in gereimten Versen. Damit begann die „Nächstenliebe“ eine ununterbrochene Narrenblatt-Tradition.
Ende der 1950er-Jahr schwand beim Vorstand die Motivation, ein Narrenblatt herauszugeben. Schlussendlich wurde an der Generalversammlung von 1959 beschlossen, die Fasnacht in gewohnter Weise durchzuführen, das heisst das Narrenblatt herauszugeben, die Schnitzelbank aufzuführen, einen Umzugswagen zu bauen sowie das „Chääs-Zännä“ zu organisieren. Nach einer Übergangsphase, in der die Zeichnungen vor allem von Vereinsmitglied Kurt Dahinden (*1934) stammten, wurde am 28. Januar 1967 der Grafiker Tino Steinemann (*1945) in die „Nächstenliebe“ Altdorf aufgenommen. Tino Steinemann gab mit seinen satirischen Zeichnungen für die kommenden fast 30 Jahre das bildliche Gepräge. Damit war die Existenz des Narrenblatts auch nicht mehr ein Traktandum der Generalversammlung. Das Narrenblatt blieb ein Spiegel einer Zeit, die toleranter wurde, dies und das aus den Fugen hob und auch die Schwelle der Narrenfreiheit nach unten drückte.
Das Narrenblatt hatte vereinzelt – wie 1975 – ein Nachspiel. Im Vorfeld einer Ehrverletzungsklage liess Präsident Kurt Huber (*1946) verlauten, dass die „Nächstenliebe“ seit jeher bestrebt gewesen sei, im Narrenblatt „einen fasnächtlichzündenden, manchmal sogar humorvoll-zynischen, niemals aber einen ehrverletzenden Ton“ anzuschlagen. In der 75-jährigen Vereinsgeschichte hätten nur drei bis vier „Humorverletzte“ den fasnächtlichen Ton missverstanden.
Im Weiteren wurde geraten, an der Fasnacht mit einem erhabenen Lächeln über solche Glossierungen hinwegzusehen, und schliesslich behauptet, dass Artikel im Narrenblatt noch nie kreditschädigend gewirkt hätten, sondern im Gegenteil zur Popularität bekannter Altdorfer und Urner beigetragen hätten. Die Aktivitas erklärte sich in corpore für das Gedicht verantwortlich. Das Verfahren wurde stillschweigend abgeschrieben.
Narrenblatt heute
Noch heute erhält die „Nächstenliebe“ Altdorf die Narrenblatt-Tradition aufrecht. Jedes Jahr wird ein Wagen für den Umzug am Güdelmontag gebaut und kurz vor der Fasnachtszeit das Narrenblatt erstellt. Für die „Nächstenliebe“ ist der Erlös vom Verkauf des Narrenblatts einer der Haupteinnahmen neben dem Risotto-Grillstand am 1. August. Mit diesen Einnahmen finanziert sich die „Nächstenliebe“ Altdorf die ebenso wichtige Vereinstradition des Samichlaus.
Fasnächtliches Uri
Entstehung und Inhalt
Die Idee wurde an einem Samstag vor der Alten Fasnacht an einer Generalversammlung der „Nächstenliebe“ Altdorf geboren. Man hielt bei gutem Wein und feinem Essen Rückblick auf die eben verflossene Fasnacht. Dies alles war zwar traditionell, würde jedoch nicht das Prädikat einer zündenden Idee verdienen, wenn an dem besagten 3. März 1990 nicht plötzlich das Bedürfnis nach einem weiteren und längeren Rückblick in das fasnächtliche Geschehen Altdorfs oder gar Uris durch die Gaststube des Hotels Goldener Schlüssel geschlichen wäre. Die Idee wurde in einen Antrag gefasst, euphorisch und einstimmig der entsprechende Beschluss gutgeheissen und alles protokollarisch festgehalten. Einige Nächstenliebeaner gingen dann – traditionell frühmorgens – mit dem Auftrag nach Hause, die Geschichte der Urner Fasnacht zu erforschen.
Man schickte sich an, ernsthaft über Maskerade zu reden. Dies wurde zuerst in den Urner Dörfern getan, in geselliger Runde mit bestandenen Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern. So wurden Ereignisse notiert, welche bisher noch nie zu Papier gebracht wurden. Daneben wurden alle verfügbaren schriftlichen Quellen und die einschlägige Literatur zur Urner Fasnacht gesammelt.
Dieses Buch zeigt das fasnächtliche Geschehen im Kanton Uri. Die Fasnacht teilt die Gesellschaft. Für die einen, alljährlich vom Virus ergriffen, ist es die schönste Jahreszeit. Andere lässt das Treiben kalt – wie die Jahreszeit, in welcher die Fasnacht stattfindet. Das Buch möchte beide Seiten ansprechen: Fasnächtler und solche, die es gerne werden möchten. Die vielen Abbildungen zeigen alle Katzenmusiken, die Guggenmusiken und die Fasnachtsumzüge der Urner. Aber auch die Hausfasnacht, die Kinderfasnacht und andere Traditionen finden im Buch reichlich Platz. 25,0 x 30,5 cm, 360 Seiten, mit über 900 farbigen und schwarz-weissen Abbildungen in festem Einband.
Bestellung
Wichtige Infos zum Buch
Text, Projektleitung: Rolf Gisler-Jauch, Altdorf
Rolf Gisler-Jauch, *1956, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Beruflich ist er im Staatsarchiv Uri als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. In seiner Freizeit leitet er das Historische Museum in Altdorf und ist Ehrenmitglied der „Nächstenliebe“ Altdorf. Seine Dissertation schrieb er zum Thema „Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache?“ Seit 1990 erforschte er die Urner Fasnacht und leitet das Projekt Fasnächtliches Uri. Rolf Gisler-Jauch ist der Verfasser von zahlreichen Artikeln und Schriften zur Urner Geschichte.
Buchkonzept/Gestaltung/Layout: SPUTNIK Steinemann & Co. Luzern, Tino Steinemann und Edita Vertot
Tino Steinemann, der 1945 in Altdorf geborene Fasnächtler, wohnt als selbstständiger visueller Gestalter/Grafiker/Illustrator in Neuenkirch/Luzern. Er ist Teilhaber von SPUTNIK Steinemann & Co., einem Atelier für visuelle Kommunikation, und unterrichtet an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern. Tino Steinemann ist Ehrenmitglied der „Nächstenliebe“ Altdorf und gestaltete 30 Jahre lang das Narrenblatt von Altdorf.
Edita Vertot ist 1963 in Slowenien geboren und in Obwalden aufgewachsen. Sie ist typografische Gestalterin und ebenfalls Teilhaberin von SPUTNIK Steinemann & Co. Edita Vertot nimmt rege am fasnächtlichen Geschehen in Ob- und Nidwalden sowie in Luzern teil.