Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03533.jsonl.gz/1812

Die Stadt in der Stadt
Eingebettet zwischen Bahnhof und Gleisanlagen sowie dem markant ansteigenden Hügelzug des Bruderholzes liegt im Süden der Stadt Basel das Wohnviertel Gundeldingen, benannt nach dem ehemaligen Gundeldingerfeld.
Bis 1860 beschauliche Ruhe auf dem Gundeldinger Feld
Seinen Namen hat es vom ehemaligen Gundeldingerfeld erhalten, auf dem das gesamte Viertel gebaut wurde. Ein Chronist beschrieb einst dieses ausserhalb der damaligen Stadt liegende Gebiet folgendermassen: «Wer etwa an einem Abend eines langen Sommertages seine Schritte hinaus lenkte, um einen der Schlossherren auf Gundeldingen zu besuchen, die dort gleich den Rittern der Feudalzeit lebten, der konnte nirgends schöner dem Walten der Natur lauschen als in Gundeldingen.»
Eröffnung des Centralbahnhofs - das Quartier als Riesenbaustelle
Doch spätestens nach der Eröffnung des Centralbahnhofs 1860 war es mit der Ruhe auf dem Gundeldingerfeld vorbei, und für die im Zuge der Industrialisierung immer zahlreicher in die Stadt strömenden Menschen wurde ab etwa 1870 das ganze ehemals grüne Gelände mit Wohnungen überbaut. Mehr oder weniger gleichzeitig erfolgte auch die grossflächige Bebauung der Gebiete, welche heute als Matthäusquartier, unteres St. Johann und Hegenheimerviertel, einem Teil des Wohnviertels Iselin, bekannt sind. Die ganze Stadt Basel muss zu jener Zeit eine riesige Baustelle gewesen sein. Die Vogelperspektive zeigt die für das Quartier typische schachbrettartige Struktur der Strassenzüge.
Bevölkerung protestiert gegen Namen «Mainzerquartier»
Im Gundeldingerquartier standen bereits zur Jahrhundertwende wesentliche Teile des Gebiets um den Bahnhof und bis 1920 auch schon ein Grossteil des Wohnviertels. Nur einige am östlichen Rand liegende Bereiche sowie die westlich der Margarethenstrasse liegenden Häuser folgten etwas später. Verantwortlich für die Überbauung war eine Mainzer Immobiliengesellschaft, die 1873 eine Zweigstelle in Basel eröffnete. Eigentlich sollte damals das ganze Neubaugebiet «Mainzerquartier» genannt werden, was aber zu Protesten der Bevölkerung führte. Diese beharrte auf der Bezeichnung Gundeldingen und einige Strassen wurden im Gegenzug sogar demonstrativ mit Namen aus der Schweizer Geschichte belegt. Beispiele sind die Tellstrasse nach Willhelm Tell, die Sempacherstrasse nach der Schlacht bei Sempach und der Winkelriedplatz nach dem gleichnamigen Helden der Schlacht bei Sempach.
Enge Bebauung in Schachbrettform und wenig Grün
Aus der Vogelperspektive wird ersichtlich, dass das Strassennetz des Quartiers rechtwinklig angeordnet ist und dadurch ein ausgeprägtes Schachbrettmuster bildet. Die Häuser stehen in dichter Blockrandbebauung und häufig befinden sich in den Hinterhöfen Gewerbebetriebe. Ab den 1960er-Jahren kam es aufgrund des grossen Bevölkerungszuwachses zu einem gestiegenen Wohnraumbedarf. Dieser führte dazu, dass zahlreiche Häuser durch häufig architektonisch nicht überzeugende Neubauten, oft mit Klein- und Kleinstwohnungen, ersetzt wurden. Das Quartier weist innerhalb des Siedlungsgebietes wenige und nur kleine Grünanlagen auf, dafür befinden sich in unmittelbarer Nähe der grosszügige Margarethenpark und unbebaute Bereiche des Bruderholzes; sie liegen jedoch beide bereits auf Boden des Kantons Basel-Landschaft.
Tellplatz entwickelt sich zum Quartierzentrum
Von Nordwesten nach Südosten durchlaufen drei Hauptverkehrsachsen das Quartier: die Güterstrasse, eine Geschäftsstrasse, und parallel dazu die Dornacherstrasse und die Gundeldingerstrasse. Letztgenannte grenzt das Wohnviertel vom Bruderholz ab. Alle drei Strassen sind wie auch einige Querstrassen sehr stark verkehrsbelastet, was immer wieder Anwohnerinnen und Anwohner zu Interventionen zu Gunsten von mehr Wohn- und Lebensqualität bewegt. An der Güterstrasse, die in den letzten Jahren zu einem Boulevard mit mehr Aufenthaltsqualität umgestaltet wurde, haben Tellplatz und die Gegend der nahegelegenen Heiliggeistkirche Zentrumscharakter. Am Tellplatz steht auch das Anfang der 1990er-Jahre neuerbaute Gundeldinger Casino.
Mehr kulturelle Einrichtungen – bessere Anbindung an die Innenstadt
Das Wohnviertel, welches von der Bevölkerungszahl her selbst eine kleine Stadt ist, erhielt damit nach etlichen Jahren ohne entsprechende Möglichkeiten wieder grosszügige Versammlungs- und Veranstaltungsräume. Durch den Wegzug von Sulzer-Burckhardt entstand im Gundeldingen auch eine Industriebrache. Auf diesem als Gundeldingerfeld bekannten Areal etablierten sich unter anderem kulturelle Einrichtungen, ein Restaurant und ein Hotel. Im Dreieck zwischen Thiersteinerallee, Güter- und Tellstrasse fanden zwischen 2001 und 2003 umfangreiche Bauarbeiten statt. Neben Wohnungen wurde dort die neue Konzernzentrale von Coop Schweiz errichtet. Im Rahmen des Grossprojekts Euroville werden beim Bahnhof neue Geschäfts- und Wohnräume gebaut und das Gebiet Bahnhof Süd soll städtebaulich aufgewertet werden. Mit der Fertigstellung der Fussgängerpasserelle und der Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes auf Gundeldingerseite wurde das Quartier räumlich besser mit der Innenstadt verbunden.
Weiterführende Informationen
Zahlreiche statistische Aspekte zu den Wohnvierteln und Gemeinden in Form von Grafiken, Karten und Tabellen finden Sie im Bereich: