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Die 40-tägige Fasten- oder Passionszeit beginnt am ⇒ Aschermittwoch und dauert bis Karsamstag (die Sonntage werden nicht gezählt). Passionszeit wäre aus reformierter Sicht theologisch korrekter, da in dieser Zeit ja das Leiden Christi im Zentrum stehen soll – und nicht das Fasten als Verzichtleistung der Gläubigen.
Von Martin Luther wurde eine „theologia crucis“ (lateinisch für „Theologie des Kreuzes“, auch „Kreuzestheologie“) formuliert, die bis heute nachwirkt. Darin geht es um ein theologisches Denken, bei dem das Kreuz Christi in den Mittelpunkt gestellt wird.
Biblische Bezüge zur Passion: Gal6, 14; 1Kor2, 2; 1Kor1, 18ff
Als Passion wird das Leiden und Sterben Christi bezeichnet. Es kommt von dem lateinischen Wort für „Leiden“, „passio“.
Die Zahl 40 steht für einen umfassenden Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht. Biblischer Hintergrund ist zum einen Jesu 40-tägiges Fasten in der Wüste (Mt4, 2), zum zweiten die 40-jährige Wanderung Israels in der Wüste (4Mose, 13).
Das Fasten während der Passionszeit hat in der Kirche eine sehr lange Tradition, die schon seit dem 4. Jahrhundert bekannt ist. Seinerzeit bestimmte das Konzil von Nicäa, dass aus der einwöchigen Fastenzeit in der Karwoche eine siebenwöchige Fastenzeit werden sollte. Seither weist das Fasten darauf hin, dass mit den göttlichen Gaben vorsichtig und sorgsam umgegangen werden muss.
Die Reformatoren ⇒ (Luther, Zwingli) wendeten sich gegen das Fasten, bzw. die mittelalterliche Fastenpraxis. Legendär ist das Zürcher Wurstessen von 1522: Beim Buchdrucker Froschauer gab’s am ersten Sonntag der Fastenzeit Wurst. Zwingli war dabei, will aber nichts gegessen haben. Ein Skandal war das Essen dennoch, und für Zwingli die Möglichkeit, seine Argumente gegen das Fasten zu verschriftlichen. „Vom Erkiesen (Auswählen) und Fryheit der Spysen“ war das Resultat.
Während Luther im Fasten die Gefahr der „Selbstgerechtigkeit“ sah, die Tendenz also, dass Menschen mit Fasten Gott gefallen möchten, hielt es Zwingli einfach für ein unbegründetes Gebot: „Kein Christ ist zu den Werken, die Gott nicht geboten hat, verpflichtet. Er darf also zu jeder Zeit jegliche Speise essen.“ (67 Schlussreden, 1523).
Der anfängliche reformierte Protest gegen die Fastenzeit ist nicht als Ablehnung des Fastens zu verstehen. Vielmehr sollte das Fasten nicht so missverstanden werden, dass durch den Verzicht und die Besinnung auf das Leid der Welt, bei Gott Erlösung verdient wird. Fasten ist ein freiwilliger Verzicht, der dazu dient, sich den materiellen Überfluss unserer Kultur zu vergegenwärtigen und sich von schlechten Gewohnheiten und Abhängigkeiten frei zu machen für die Ausrichtung des Lebens auf Gott.