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Mittlere Prämie: Kennzahl für die Entwicklung der Prämien der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
In der sozialen Krankenversicherung zahlt jeder Versicherte eine Prämie, die von verschiedenen Kriterien abhängt wie
-
Alter
(Unterschieden werden lediglich drei Altersgruppen: Kinder bis zum vollendeten 18. Altersjahr, junge Erwachsene vom 19. bis zum vollendeten 25. Altersjahr und Erwachsene ab dem 26. Altersjahr. Innerhalb einer Altersgruppe wird nicht nach Alter unterschieden.)
- Wohnort
- gewählte Franchise
- ggf. Wahl eines Modells mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers
- Ein- oder Ausschluss der Unfalldeckung
Durch die Vielzahl der möglichen Kombinationen dieser Kriterien ergeben sich über 245'000 verschiedene Prämien. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verwendet prinzipiell die mittlere Prämie, um diese Vielfalt überschaubar zu machen und Fragen zur Prämienentwicklung beantworten zu können, wie zum Beispiel:
- Wie hat sich die Prämienhöhe in der Schweiz über die letzten zehn Jahre entwickelt?
- Wie hoch ist die durchschnittliche Prämie für Kinder in einem bestimmten Kanton?
- Wie hat sich die Prämie für junge Erwachsene im Vergleich zum Vorjahr verändert?
Mittlere Prämie
Seit 2018 verwendet das BAG die mittlere Prämie als Kennzahl. Dieser Indikator wird berechnet, indem die Gesamtprämiensumme einer Gruppe von Versicherten durch die Gesamtzahl der Versicherten dieser Gruppe geteilt wird. Gesamtschweizerisch werden zur Berechnung der mittleren Prämie also alle in der Schweiz bezahlten Prämien zusammengenommen und durch die Gesamtzahl der Versicherten in der Schweiz geteilt. Die mittlere Prämie kann auch für verschiedene Untergruppen gesondert berechnet werden, zum Beispiel pro Kanton.
Konkret besteht die Berechnung darin, dass die einzelnen Prämien mit der Anzahl Personen gewichtet werden, die die jeweilige Prämie für eine bestimmte Gruppe wählen. Zur Berechnung der mittleren Prämie für das Folgejahr muss demnach geschätzt werden, wie viele Versicherte sich für einen bestimmten Versicherer, ein bestimmtes Modell oder eine bestimmte Franchise entscheiden werden. Die Anzahl der Versicherten und vor allem ihre jeweilige Prämienwahl sind jedoch Informationen, die sich erst im Laufe des Jahres nach der Prämiengenehmigung abzeichnen. Aus diesem Grund kann sich die mittlere Prämie noch leicht verändern, solange die Anzahl der Versicherten und die gewählten Prämien nicht definitiv feststehen.
Die Kennzahl der mittleren Prämie kann bei starken Wechselbewegungen der Versicherten an ihre Grenzen stossen. Im Jahr 2023 wechselten überdurchschnittlich viele der Versicherten ihren Krankversicherer und zusätzlich haben viele Versicherte bei ihrem Krankenversicherer die Franchise erhöht oder die Wahl des Leistungserbringers eingeschränkt durch Wahl eines Versicherungsmodells. Der Anstieg der mittleren Prämie 2023, der Ende September 2022 mit 6,6 % angegeben wurde, betrug gemäss der aktuellen Hochrechnung nur 5,4 %, also 1,2 Prozentpunkte weniger. Die effektive Prämienerhöhung 2023 fiel also tiefer als kommuniziert aus.
Zu beachten ist auch, dass die mittlere Prämie eine Kennzahl für eine bestimmte Gruppe ist und – wie der Name sagt – einen Mittelwert angibt. Das erklärt, weshalb es häufig vorkommt, dass innerhalb einer Gruppe von Versicherten und von einem Jahr zum anderen eine bestimmte Prämie signifikant mehr bzw. signifikant weniger steigt oder sinkt als die mittlere Prämie für die entsprechende Gruppe von Versicherten.
Standardprämie
Früher verwendete das BAG für Durchschnittsberechnungen die sogenannte Standardprämie als Referenzgrösse, das heisst den Preis für die obligatorische Krankenpflegeversicherung einer erwachsenen Person mit 300 Franken Franchise, mit Unfalldeckung und ohne Einschränkung der Leistungserbringer. Die Standardprämie wird heute nicht mehr verwendet, um die Prämienentwicklung abzubilden, da sie nicht mehr repräsentativ ist. Über 80 % der Versicherten wählen heute eine höhere Franchise, ein Modell mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer oder eine Kombination der beiden.
Die Standardprämie gilt hingegen nach wie vor als Referenzgrösse zur Berechnung der Beträge der Ergänzungsleistungen; diese Prämie variiert nicht.
Vergleich mittlere Prämie – Standardprämie
Die mittlere Prämie ist aus den folgenden Gründen niedriger als die durchschnittliche Standardprämie:
- Kinder und junge Erwachsene bezahlen weniger als Erwachsene und sind in der mittleren Prämie enthalten, während sich die Standardprämie nur auf Erwachsene bezieht.
- Versicherungen mit Wahlfranchise sowie mit eingeschränkter Wahl des Leistungserbringers sind preiswerter und werden bei der mittleren Prämie berücksichtigt.
- Der Prämienanteil für die Unfalldeckung wird bei der mittleren Prämie nur für diejenigen eingerechnet, die die Unfalldeckung einschliessen.