Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03445.jsonl.gz/2766

Die Antitabak-Rahmenkonvention der WHO
Seit ihrer Inkrafttretung im Februar 2005 ist die Antitabak-Rahmenkonvention der WHO der erste globale Vertrag über öffentliche Gesundheit. Sein Ziel? Die Tabaksucht weltweit zu reduzieren. Am 31 Mai 2011 wird diese Konvention das Thema des weltweiten Antitabak-Tages sein, mit einer Hauptmessage: Die Länder, die dem Vertrag zugestimmt haben, müssen alle Bestimmungen des Vertrags anwenden.
Die Antitabak-Rahmenkonvention: Ein Vertrag als Antwort auf ein Problem der öffentlichen Gesundheit
Die Rahmenkonvention (auf Englisch Framework Convention on Tobacco Control) entstand aufgrund der weltweiten Verbreitung der Tabakepidemie und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit. Seit den 40er Jahren des letzten Jahrtausends wurden in den USA Studien durchgeführt, um zu versuchen, die Zunahme der kardiovaskulären Krankheiten zu erklären. Ende der 50er Jahre zeigten die Resultate der Framingham Heart Study (FHS), dass Rauchen ein kardiovaskuläres Risiko beinhaltet und dass dieses Risiko bei starken Rauchern 3-mal höher ist als bei Nichtrauchern. Im Jahr 1964 zeigten Studien den Zusammenhang zwischen der Zigarette und dem Lungenkrebs auf und verdeutlichten ebenfalls, dass diese die Hauptursache der chronischen Bronchitis ist. Diese Dokumente sensibilisierten die Oeffentlichkeit in Bezug auf die Gefahren des Tabaks, aber es wurde keine Empfehlung abgegeben. Die Tabaksucht verbreitete sich weiter weltweit in den darauffolgenden Jahrzehnten. Was zum exponentiellen Wachstum des Tabakkonsums beigetragen hat? Die Liberalisierung des Handels und des Geldtransfers zwischen den Ländern, die Werbe- und Marketingkampagnen und der internationale Schmuggel. Seit den 80er Jahren haben viele Länder die Frage der Tabakkontrolle im Gesetz verankert, Kanada als erstes Land. Seit 1999 ist die Tabakprävention eine Priorität der WHO. Dadurch entstand die Antitabak-Rahmenkonvention der WHO, um gegen die Tabaksucht weltweit zu kämpfen. Dieser internationale Vertrag zielt darauf ab, die Tabaksucht zu vermindern, indem gleichzeitig das Angebot und die Nachfrage gesenkt werden. Diese Konvention wurde im Verlauf der 50. Weltgesundheitsversammlung in Genf im Mai 2003 angenommen und trat am 28 Februar 2005 in Kraft. Sie ist der erste grosse öffentliche Gesundheitsvertrag und einer der am meisten ratifizierten in der Geschichte der Vereinten Nationen. Mehr als 170 Länder, Mitgliedsländer der WHO oder der Vereinten Nationen, haben ihn bis jetzt ratifiziert.
Die Antitabak-Rahmenkonvention: ein weltweites Instrument gegen die Tabaksucht
Diese Konvention bestätigt von Neuem das Recht aller Völker auf ein bestmöglichstes Gesundheitsniveau: « auch an die Präambel der Verfassung der WHO erinnernd, die vertraglich festlegt, dass das Erreichen des bestmöglichen Gesundheitszustands ein Grundrecht eines jeden Menschen darstellt, unabhängig von der Rasse, Religion, politischer Gesinnung, wirtschaftlichem oder sozialem Status ». Sie setzt sich zum Ziel, « heutige und zukünftige Generationen vor zerstörerischen Konsequenzen des Tabakkonsums und des dem Tabakrauch Ausgesetztseins auf die Gesundheit, Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft zu schützen, um Rahmenbedingungen für den Antitabak-Kampf zu schaffen, die die Unterzeichner auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene umsetzen müssen ». Das Framework Convention on Tobacco Control (FCTC) beinhaltet 38 Texte mit Gesetzes- und Regelmassnahmen. Das Ziel? Die Tabaksucht und das dem Tabakrauch Ausgesetztsein zu senken. Diese Rahmenkonvention der WHO schreibt den zustimmenden Ländern juristische Verpflichtungen vor.
Die Hauptmassnahmen in Bezug auf die Reduktion der Nachfrage sind:
- Finanzielle und steuerliche Massnahmen, um die Nachfrage zu senken,
- Massnahmen, die nicht das Geld betreffen, um den Konsum einzuschränken:
der Schutz vor dem Passivrauchen
die Reglementierung der Inhaltstoffe der Tabakprodukte
die Reglementierung auf dem Packaging der Päckchen (mit Gesundheitswarnungen)
Erziehungs-, Präventions- und Kommunikationsprogramme
Massnahmen der Betreuung beim Tabakentzug
das Verbot von Werbung und Sponsoring
Die Hauptmassnahmen, um das Angebot zu reduzieren sind:
- der Kampf gegen den illegalen Tabakkonsum
- das Verbot des Verkaufs an Minderjährige und durch Minderjährige
- wirtschaftliche Hilfsprogramme, um die Tabakanpflanzung aufzugeben und durch andere Tätigkeiten zu ersetzen
Die Ausführungsinstanz der Rahmenkonvention ist die Konferenz der Unterzeichnerstaaten. Seine Rolle? Die Anwendung der Konvention zu fördern und zu beurteilen. Sie besteht aus Repäsentaten der Länder, die den Vertrag ratifiziert haben und versammelt sich regelmässig.
Schnelle Fortschritte haben in den letzen 6 Jahren stattgefunden. Auf nationaler Ebene haben viele Regierungen angefangen, Gesetze und Politik im Zusammenhang mit der Rahmenkonvention umzusetzen. Die meisten Länder, die den Vertrag ratifiziert haben, haben ihre nationale Gesetzgebung aktualisiert und verstärkt, damit sie mit der Rahmenkonvention übereinstimmt. Gemäss einer neueren Studie (Nikogosian, 2010), haben 85% der Länder einen nationalen Kontrollmechanismus geschaffen, davon haben fast 80% Erziehungsprogramme entwickelt und den Verkauf an Minderjährige verboten. Ausserdem haben 70% Gesundheitsmitteilungen auf den Zigarettenpäckchen und den auf Tabak basierenden Produkten angebracht. Diese Fortschritte sollten aber nicht vergessen lassen, dass der Kampf gegen die Tabaksucht noch lange nicht gewonnen ist. Der Tabakkonsum nimmt weiter zu. Mehr als 5 Millionen Personen sterben jährlich weltweit wegen der Zigarette (an den Folgen eines Infarkts, Krebs, Schalganfall…). Man nimmt an, dass weniger als 10% der Weltbevölkerung Zugang zu einer Politik der Tabakkontrolle haben.
Die Antitabak-Rahmenkonvention: Thema des weltweiten Antitabak-Tages 2011
Die WHO hat die « Rahmenkonvention » als Thema des weltweiten Antitabak-Tages vom 31. Mai 2011 ausgesucht. Das ist eine Gelegenheit, die Wichtigkeit dieses Vertrages und die Verpflichtungen der Länder, die ihn ratifiziert haben, in Erinnerung zu rufen, und die sehr wichtige Rolle der Konferenz der Unterzeichner-Länder zu fördern, um den Ländern, die unterzeichnet haben, bei der Umsetzung der Massnahmen des Vertrags zu helfen. Die wichtigste Botschaft? Die Unterzeichner-Länder müssen alle Vereinbarungen des Vertrags einhalten und die Länder, die nicht unterzeichnet haben, müssen die Rahemnkonvention ratifizieren. Der « Bericht der Unterzeichner-Länder und die weltweiten Fortschritte in der Umsetzung der Konvention » vom 24. September 2010 unterstreicht in der Tat, dass die Umsetzung drastisch je nach Massnahme variiert: « Im Allgemeinen berichten die Unterzeichner-Länder von einer hohen Umsetzung von Massnahmen, die den Schutz vor dem Tabak Ausgesetztsein, das Packaging, die Beschriftung der Tabakprodukte, den Verkauf an Minderjährige oder durch Minderjährige, die Erziehung, die Kommunikation, die Bildung und die Sensibilisierung der Oeffentlichkeit betreffen. Die Umsetzung blieb schwach in anderen Bereichen wie der Regulierung der Inhaltsstoffe der Tabakprodukte, der Tabakwerbung, der Verkaufsförderung und dem Sponsoring, dem zur Verfügungstellen einer Unterstützung zu wirtschaftlich lebensfähigen Ersatztätigkeiten, dem Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Personen und der Berufung auf die Eigenverantwortung als Mittel beim Antitabakkampf ». Die Antitabak-Konvention ist ein wirksames Mittel im Kampf gegen die weltweite Tabaksucht. Ihr voller Erfolg hängt vom Willen der Länder ab, sie gut einzusetzen.
Bibliographie
- Sparks M. Governance beyond governments: the role of NGOs in the implementation of the FCTC. Glob Health Promot. 2010 Mar;17(1 Suppl):67-72. PMID: 20595356
- Nikogosian H. WHO Framework Convention on Tobacco Control: a key milestone. Bull World Health Organ. 2010 Feb;88(2):83. PMID: 20428359
- Yach D. From Framingham to the Framework Convention on Tobacco Control. Prog Cardiovasc Dis. 2010 Jul-Aug;53(1):52-4. PMID: 20620426
- http://www.who.int/fctc/fr/index.html
- http://www.fctc.org/
Autor: Anne-Sophie Glover-Bondeau / April 2011