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Schulen
Die nationale Austauschwoche war ein voller Erfolg
Samstag, 2. Dezember 2023
Vereinspräsidentin Alcira Peña (links) und Vorstandsmitglied Debora Sarvanto hoffen, dass sie bald ein Vereinslokal für den Bossa Nova Club Suisse finden. Foto: Zoran Cvetkovi
Der Bossa Nova Club Suisse ist landesweit der einzige seiner Art und hat seinen Sitz in Zug. Der Verein mit brasilianischer Musik und Kultur verzeichnet steigende Mitgliederzahlen, möchte öffentliche Veranstaltungen organisieren und ist auf der Suche nach einem neuen Vereinslokal in Zug.
Wer kennt ihn nicht, den Welthit «The Girl from Ipanema». Diesen Song mit schmeichelnder Gitarre, flüsternder Stimme und laszivem Saxofonsolo. Besungen wird eine junge Frau im Stadtteil Ipanema an einem der berühmten Strände in Rio de Janeiro.
«The Girl from Ipanema» gehört zum Bossa Nova, einem brasilianischen Musik- und Tanzstil, der Ende der 1950er-Jahre als Mischung aus Samba Canção und Cool Jazz entstand und als neue Bewegung der gebildeten Mittelschicht angesehen wurde. Als Begründer des Bossa Nova gelten der Musiker Antônio Carlos Jobim und Texter Vinícius de Moraes, die 1962 auch «The Girl from Ipanema» komponierten. Der neue Musikstil eroberte damals auch die USA, weil der amerikanische Saxofonist Stan Getz, der Gitarrist Charly Bird und der berühmte Frank Sinatra Bossa Nova in die Welt exportierten. Dem Bossa Nova aus den 50er- und 60er-Jahren verschrieben hat sich Alcira Peña. Die Profisängerin und Gitarristin und ihre Band präsentieren als «Bossa Nova Experience» einen Strauss an berühmten Songs und Melodien unter dem Motto «Flying down to Rio – lasst uns nach Rio de Janeiro fliegen».
Alcira Peña lebt seit 2010 in Zug. Sie hat hier den Bossa Nova Club Suisse gegründet. «Im Jahr 2020 war ich zurück in Rio de Janeiro und habe dort Musik studiert. Einem Kollegen habe ich während dieser Ausbildung davon erzählt, dass ich gerne so einen Verein haben würde. Er zeigte sich erstaunt darüber, dass die brasilianische Musik auch in der Schweiz sehr viele Fans hat. Also machte er den Vorschlag: ‹Warum gründest du diesen Club nicht dort, wo du wohnst?› Genau das habe ich dann getan.»
Bisher waren Alcira Peñas Auftritte in der Schweiz primär einem privaten Publikum vorbehalten. «Firmen haben uns für ihre internen Anlässe gebucht.» Sie und ihre Band gaben Konzerte in Gstaad, Luzern oder Basel. Sie traten auf beim internationalen Reitturnier in St. Gallen oder an einer Benefizgala am Zoofest in Zürich. Im Kanton Zug gab es Live-Bossa-Nova im Zunfthaus Kreuz in Oberwil, im Kulturhaus Gewürzmühle oder im Seebad Seeliken, beide in Zug.
«Mit dem Bossa Nova Club will ich unsere Kultur allen Schweizerinnen und Schweizern öffnen», erklärt Alcira Peña. Sie spielt bewusst mit den Klischees. «Unsere besten Exportprodukte sind Lebensfreude, die Sonnenuntergänge, der blaue Himmel, das Meer, die Strände Copacabana und Ipanema.» Brasilien und die Schweiz hätten eine enge und freundschaftliche Beziehung. Viele Firmen im Kanton Zug unterhielten geschäftliche Kontakte mit Lateinamerika. «Das Ziel unseres Vereins ist es, diese gute Beziehung durch kulturelle Anlässe zu stärken.»
150 Begeisterte aus der Region sind bereits Mitglied im Bossa Nova Club Suisse, dem einzigen dieser Art in der Schweiz, dessen Mitgliedschaft kostenlos ist. 300 weitere haben den Newsletter abonniert, 600 Fans und Freunde gehören auch dazu. Ein Ziel ist: der bekannteste Bossa Nova Club in Europa zu sein, denn die brasilianische Musik ist weltweit bekannt.
Die Interessenten stammen nicht nur aus der Schweiz. «Wir haben Anfragen aus Südafrika, Italien, Kroatien, den USA, Deutschland, China oder Japan», sagt Alcira Peña. Viele dieser Leute hätten ihr Original-Bossa-Nova-Schallplatten zugeschickt. Sie erzählt die Geschichte eines früheren Swissair-Mitarbeiters. «Er hat in Rio de Janeiro gewohnt. Jetzt ist er pensioniert, zurück in der Schweiz und war völlig begeistert, als ich ihm vom Bossa Nova Club erzählt habe.»
Alcira Peña plant, wöchentlich eine Rio-Lounge anbieten zu können. «Eine Afterwork-Party für jedermann und -frau.» Es wäre die erste Rio-Lounge in der Region und der Bossa Nova Club Suisse würde so dazu beitragen, das Sozialleben der Zuger zu bereichern und dies für einen guten Zweck: Die Einnahmen der Rio-Lounge gehen an die Sambaschule Zug. Etwas dürfe bei diesen Anlässen auch nicht fehlen: das brasilianische Nationalgetränk Caipirinha.
Im Gegensatz zu anderen Schweizer Vereinen verzeichnet der Bossa Nova Club Suisse steigende Mitgliederzahlen. Die Pläne für die Rio-Lounge stehen auch. Es gibt aber ein Problem: Der Bossa Nova Club Suisse verfügt aktuell über kein Vereinslokal. «Wir haben schon einmal einen Versuch gemacht, aber die Lokalität war für unsere Aktivitäten nicht geeignet», erklärt Alcira Peña. «Wir benötigen einen Raum mit Kapazität ab 120 Personen und einer Terrasse in Zug, damit wir im Sommer auch draussen etwas organisieren können.» Hört man ihre Vorstellungen, kommt einem sofort das Theater Casino in Zug in den Sinn. «Das wäre natürlich ein Traum», sagt Alcira Peña mit einem Lachen.
«Wir laden Privatunternehmen, den öffentlichen Sektor, die Gastronomie, die Musikhäuser der Region und Privatpersonen ein, mit uns bei dieser Initiative zusammenzuarbeiten.», ergänzt sie.
Ihr ist bewusst, dass die Suche nach dem Vereinslokal nicht einfach ist. Aber sie ist sich sicher, dass das Projekt ein Erfolg wird. Der Bossa Nova Club sei Anfang September auch beim Fest der Nationen auf dem Landsgemeindeplatz dabei gewesen. «Von 11 Uhr morgens bis 11 Uhr abends war unser Stand voll besetzt mit Besucherinnen und Besuchern. Da dachte ich einmal mehr, dass eine Rio-Lounge zum Beispiel am Donnerstagabend nach dem Abendverkauf eine gute Idee ist.» Alcira Peña ist nicht nur auf der Suche nach einem Vereinslokal für den Bossa Nova Club Suisse. Sie und ihr Team haben auch schon das nächste Projekt in Planung: die Sambaschule Zug. «Alle wichtigen Städte auf der Welt haben eine, also ist es höchste Zeit, dass auch Zug eine erhält: die Sambaschule Zug.» Als Inspirationsquelle dient dem Verein Mangueira, eine der traditionsreichsten Sambaschulen in Rio de Janeiro.
«Für eine Sambaschule braucht es Instruktoren und verschiedene Perkussionsinstrumente. Diese werden vom Verein gestellt. Sehr gerne würden wir mit einer Musikschule im Kanton Zug zusammenarbeiten und deren Räumlichkeiten nutzen.», sagt Alcira Peña.
Sie hofft, die Sambaschule im März 2024 eröffnen zu können. Dann, wenn das Wetter in der Schweiz bis September wieder wärmer ist. Sie habe schon viele Anfragen für eine Sambaschule gehabt, auch von vielen Schweizerinnen. Denn, so Alcira Peña: «In jeder Frau steckt ein Girl from Ipanema.»
Anbietende eines Vereinslokals melden sich unter 079 578 97 03 oder <email-pii>
Renato Cecchet
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