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"Es ist, als wären alle Luft für ihn".
Dieser Blogbeitrag dreht sich um den Begriff der Charakterstruktur, wobei ich am Schluss auf die schizoide Charakterstruktur nach Lowen eingehe.
Die Charakterstruktur
in der Psychoanalyse
Aus psychoanalytischer Sicht verhält und empfindet sich jeder Mensch so, wie seine Charakterstruktur es zulässt. Einen grossen Einfluss auf die Entwicklung des Charakters eines Menschen haben die Erfahrungen der ersten Lebensjahre. Wenn die Psychoanalytiker von schizoiden, depressiven, zwanghaften, phobischen oder hysterischen Charaktertypen sprechen, gehen sie davon aus, dass dies ein Ausdruck eines Grundkonflikts ist, der früh im Leben ungelöst geblieben ist. Ein solcher Grundkonflikt ist beispielsweise das Streben nach Autonomie versus das Bedürfnis nach Bindung oder die Frage nach der eigenen Identität. Die benannten Charaktertypen treten zwar bei niemanden in reiner Ausprägung auf, sie können aber das Erleben und Verhalten eines Menschen, unter anderen seine Einstellung zur Arbeit, der Partnerwahl, der Beziehungsgestaltung, zum Freizeitverhalten und der Genussfähigkeit massgeblich mitbestimmen. Ob und welcher Grundkonflikt der jeweiligen Charakterstruktur zugrunde liegt, kann der Psychoanalytiker nur im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte des Menschen herausfinden.
Reichs Charakteranalyse
Reich stellte in seinem Buch «Charakteranalyse» fest, dass das, was sich in der Analyse als Charakterstruktur zeigt, ein Abwehrsystem ist, das sich während der Entwicklung eines Menschen verfestigt hat. Für Reich war es daher wichtig, den Widerstand des Patienten und dessen Verhalten zu analysieren. Er arbeitete als Erster grundlegende Zusammenhänge zwischen psychischen und körperlichen Strukturen heraus, das heisst zwischen Charakterstrukturen und muskulären Verhärtungen. Gemäss der Auffassung von Reich manifestieren sich Grundkonflikte auch körperlich. Schmerzliche Gefühle beispielsweise würden durch muskuläre Anspannung abgewehrt. Eine permanente Anspannung und Überlastung der Muskulatur führt zu einer Muskelverhärtung. Am besten siehst du dies in der Gesichtsmuskulatur. Bei einem ernsten Gesichtsausdruck werden viel mehr Muskeln angespannt, als wenn der Betroffene guter Laune ist. Diese Anspannung überträgt sich auf den Nacken und die Rückenmuskulatur. Die Tatsache, nicht loslassen oder entspannen zu können, zeigt sich in den angespannten Muskeln. Physikalische Therapien lockern die verhärtete Muskulatur, beheben allerdings noch nicht die Ursache.
Die bioenergetische Analyse und Therapie
Alexander Lowen, der wesentlich von Reich beeinflusst wurde, schreibt in seinem Buch mit dem Titel «Bioenergetik», dass das Leben eines Menschen, das Leben seines Körpers sei. Die Bioenergetik sei eine therapeutische Methode, die dem Menschen helfe, wieder zu seinem Körper zurückzufinden und das Leben des Körpers möglichst weitgehend auszukosten. Wer beispielsweise mit einem verschlossenen Herzen lebe, könne ebenso gut im Laderaum eines Schiffes auf Kreuzfahrt gehen. Für Lowen war es wichtig, die Abwehrmechanismen, also die Charakterstrukturen eines Menschen zu verstehen und durchzuarbeiten. Lowen teilte die körperlichen Erscheinungsformen und die dazugehörigen Erlebens-, Ausdrucks- und Verhaltensmuster in eine schizoide, orale, psychopatische (später narzisstische genannt), masochistische und rigide Charakterstruktur ein.
Die schizoide
Charakterstruktur
Gemäss Lowen beschreibt der Fachausdruck «schizoid» im Idealfall einen Menschen, der ein begrenztes Selbst-Gefühl, ein schwaches Ich und einen stark reduzierten Kontakt zu seinem Körper und seinen Gefühlen hat. Im Körper sind die Muskeln der Schädelbasis, der Schultern, des Beckens, des Zwerchfells, der Hüftgelenke und der Beingelenke angespannt. Die Erscheinung ist in den meisten Fällen schmal und wirkt zusammengezogen, verkrampft. Das Gesicht ist maskenhaft. Die Augen nehmen keinen Kontakt auf. Die Arme hängen herunter und scheinen keine Fortsetzung des Körpers zu sein. Vielfach besteht zwischen den zwei Körperhälften der Eindruck, dass sie zu zwei verschiedenen Menschen gehören. Als ursächliche Faktoren gibt Lowen an, dass diese Menschen oft von einer feindseligen Mutter (Bezugsperson) zurückgewiesen wurden, was sie als Bedrohung ihrer Existenz empfanden. In der Kindheit kam es oft zu Alpträumen und Angstzuständen und einem Mangel an positiven Gefühlen der Sicherheit oder Freude. In Anbetracht solcher Umstände, blieb dem Kind nichts anderes übrig, als sich von der Realität zurückzuziehen, in der Fantasie zu leben und sich von seinem Körper abzukapseln. Tendenziell vermeidet eine Person mit einer schizoiden Charakterstruktur intime, gefühlsbetonte Beziehungen. Kernaussagen können sein: Ich habe Angst vernichtet zu werden, ich darf nicht sein, mein Denken ist mein ganzes Sein.
In der Therapie mit Menschen mit einer schizoiden Charakterstruktur ist Beziehungsarbeit grundlegend. Gesundung zeigt sich, wenn hinter der Abwehr die verleugnete Sehnsucht nach Bindung und Kontakt zum Vorscheint kommt, gefühlt und ausgedrückt werden kann.
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