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Jesus fragte die Jünger: «Für wen halten mich die Menschen?» Sie sagten: «Einige für Johannes den Täufer, andere für Elias oder einen der Propheten.» Da fragte er sie: «Und ihr?» Simon Petrus antwortete: «Du bist der Messias.» Aber er verbot ihnen, darüber zu sprechen.
Wo liegt die Grenze zwischen dem Jesus und dem Christus? Ist er ein Mensch wie Johannes oder ist er eher ein jenseitiger Gottesgesandter, eben der Messias, der die Endzeit einläutet? Ist er nur der, der er als Mensch unter Menschen war, oder ist er der, zu dem er von seiner Gemeinde gemacht wurde? Petrus entschied sich für Letzteres. Ob er wusste, was er sagte? Oder wurde ihm sein Bekenntnis später unterlegt? In einer Zeit, als sich die Kirche fragte: Jesus hat zwar in vielfältiger Weise gewirkt unter den Menschen, sein Antrieb war immer die Liebe zu den Menschen, er hat den Menschen ein Gefühl für Gottes Gegenwart nahegebracht. Ein Gefühl, das offensichtlich sein eigenes Leben ganz wesentlich bestimmte.
Und dann, als er nicht mehr bei ihnen war? Dann traten die Menschen an seine Stelle. Oder anders: Er begann z.B. in mir selbst als Ort der Gottesbegegnung zu wirken. Darin ist er der Messias, der Vollender, der Christus in mir. Oder etwas pointiert: Er macht auch mich selbst zum Christus, der in Erlebnissen von Erfüllung Gottesnähe erfahren kann. Nicht unbedingt in grossem dramatischem Erfahren von Berauschendem, sondern in Situationen, wie sie wohl auch den Menschen mit dem irdischen Jesus widerfuhren. Seine Zuwendungen waren selten mit grossem breitenwirksamen Lärm verbunden, sie erfolgten im Gegenüber von zwei oder drei Menschen, die gerade darin Wunderhaftes erfuhren. Man kann also den Irdischen und den Auferstandenen als zwei verschiedene Wesensformen sehen. Letztlich aber ergänzen sie sich, als Bilder unserer eigenen Erfahrung.
Niklaus Reinhart