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Alle Nachtschwärmer der Stadt kennen den Nachtwächter der Kathedrale, eine Lausanner Institution par excellence. Rein praktisch wäre er zwar überflüssig geworden, doch als Teil des typischen Altstadt-Flairs ist er unverzichtbar und wird mit geschlossenem Visier verteidigt, sobald auch nur der Hauch einer Gefahr um die Mauern seines Glockenturms weht. Seit 1405 ist der Nachtwächter der Kathedrale bezeugt, der die Bewohner der Stadt während langer Jahrhunderte – zusammen mit dem Nachtwächter unten auf der Strasse und seinem Berufskollegen auf dem Turm der Kirche St. François – vor drohenden Feuersbrünsten warnte und daneben zu den vollen Stunden die Glocke schlug und die Zeit ausrief.
Der technische Fortschritt des 20. Jahrhunderts enthob ihn seiner ursprünglichen Funktion, denn die Feuerwehr war nicht mehr auf seine Hilfe angewiesen, und die Schlagwerke der Glocken liefen nun automatisch. Trotzdem wäre es undenkbar gewesen, ihn von seinem Turm zu holen. Auch nachdem 1907 in der Stadt Feuersirenen installiert worden waren, nahm er seine Aufgabe noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg wahr. Und als 1960 die Frage im Raum stand, ob der Nachtwächter abgeschafft oder seine Aufgaben anders gestaltet werden sollten, wurde die regionale Presse einen Monat lang mit Leserbriefen bombardiert, die klar machten, wie stark sich die Lausanner Bevölkerung mit ihrem symbolischen Nachtwächter verbunden fühlte. Seither ruft er weiterhin an allen 365 Tagen des Jahres von zehn Uhr nachts bis zwei Uhr morgens die vollen Stunden von seinem Turm herunter. Der gegenwärtige Amtsinhaber heisst Renato Häusler, bekleidet eine 52% Stelle und wird von acht Ersatznachtwächtern unterstützt. 2002 trat er die Nachfolge des nicht weniger bekannten früheren Nachtwächters Philippe Becquelin an, besser bekannt unter dem Namen Mix et Remix.