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Als Opfer einer arrangierten Ehe folgt die Inderin Ashima (Tabu) ihrem Mann Ashoke (Irfan Khan) in die Vereinigten Staaten. Sie kommt in eine Welt, die sie nicht kennt, und lebt mit einem Mann zusammen, von dem sie kaum etwas weiss. Während das Paar seinen östlichen Ursprüngen stark verbunden bleibt, so ist dies bei den zwei in Boston geborenen und aufgewachsenen Kindern anders: Ihr Sohn Gogol (Kal Penn) muss seinen Weg zwischen indischer Herkunft und westlichem Lebensstil erst noch finden.
Mira Nairs The Namesake erzählt über zwei Generationen hinweg, wie sich eine indische Familie in den USA niederlässt und sich dort eine Existenz aufbaut. Diese Thematik hat insofern etwas Originelles, als dass Romane und Filme, die sich um die Integration von Indern im Westen drehen, oft in Grossbritannien spielen und das ambivalente Verhältnis der beiden Kulturen zueinander meist an die koloniale Vergangenheit knüpfen. Davon ist in The Namesake kaum etwas zu spüren. Es werden ganz einfach Menschen gezeigt, die sich durch ihre Umsiedlung in einen anderen Kulturraum überlegen müssen, wieviel Tradition sie behalten und wieviel Ungewohntes sie übernehmen wollen - und es geht dabei immer auch um familiäre Probleme, die gar nicht zwingend auf den Umstand der Einwanderung zurückzuführen sind, sondern die sich als ganz normale Generationenkonflikte präsentieren, wie sie überall auftreten können. So würden es wohl die meisten Söhne den meisten Vätern namens Ganguli übel nehmen, auf den etwas läpischen Vornamen Gogol getauft worden zu sein, weil der Erzeuger zu einem früheren Zeitpunkt eine Epiphanie mit dem Schriftsteller gleichen Namens durchlebte.
Mira Nair hat ihren Film - der auf einem Bestseller basiert - bewusst episch angelegt, in einer Form, die - oft sogar zeitgleich - mehrere Perspektiven zulässt. Die Geschichte beginnt mit einem Schlüsselerlebnis des Vaters bei einer nächtlichen Zugfahrt. So lässt sich das Publikum vorderhand voll und ganz auf eine Person ein, die mit dem fortschreitenden Alter zunehmend in den Hintergrund der Geschichte rücken wird und - in einer besonders aufwühlenden Szene - sogar ganz verschwindet. Mittlerweile kennen die Zuschauer auch die Sichtweisen der Mutter und der Kinder - und sie teilen deren Schicksale. The Namesake gehört zu den Filmen, die es fertig bringen, dass das Publikum für fast alle Protagonisten grosse Sympathien oder doch immerhin Verständnis aufbringt - auch wenn sich diese Figuren untereinander manchmal nicht riechen können.
Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Film, der das Aufeinanderprallen von zwei Kulturen zum Thema hat, vollständig auf stereotype oder karikatural angelegte Situationen verzichtet, aber The Namesake schafft dies weitgehend. Natürlich kommt es auch hier zu witzigen Szenen, die man schon fast als Klassiker der Kultur-Clash-Komödie bezeichnen kann - etwa, wenn die amerikanische Freundin des Sohnes ihre Feuertaufe vor den indischen Eltern bestehen muss. Aber was in Meet the Parents und seiner Fortsetzung Anlass zu gröbsten Kalbereien gab, wird hier zu einem perfekt inszenierten Kammerspiel, in dem die Spannung an jeder Geste, an jeder ausgesprochenen Silbe hängt.
Und wo wir gerade bei vulgären amerikanischen Komödien sind - der Hauptdarsteller Kal Penn ist in den Staaten durch Filme wie Van Wilder und Harold & Kumar und deren Fortsetzungen bekannt geworden - was man anhand seiner verhaltenen und gelassenen Darstellung in The Namesake gar nicht vermuten würde. Die Entscheidung, in welcher Sparte Film er zukünftig besser aufgehoben ist, sei aber Kal Penn selbst, seinem Agenten oder dem Publikumsgeschmack überlassen.