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Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Georg in Zuzgen wurde 1901 / 02 nach Plänen des renommierten St. Galler Architekten August Hardegger errichtet. Seit 1974 steht sie als eine der wenigen neugotischen Kirchen im Aargau, die mit ihrer kompletten bauzeitlichen Ausstattung erhalten ist, unter kantonalem Denkmalschutz.
Der Kulturkampf von 1870 - 1900 – die Entstehung der beiden katholischen Bekenntnisse
Vor dem Kulturkampf existierte in Zuzgen nur eine katholische Kirchgemeinde. Diese nutzte als Gotteshaus die Dorfkirche Baujahr 1737 / 1738. Nach dem ersten Vatikanischen Konzil von 1869 / 70 startete die Christkatholische Bewegung gegen die im Konzil beschlossene Zentralisierung der Kirche, sowie der Unfehlbarkeit des Papstes. Die Bewegung war im unteren Fricktal besonders stark, und auch in Zuzgen wechselte etwa ¼ der Mitglieder zu den Christkatholiken. Im Jahre 1876 wurde die Verfassung der Christkatholischen Kirche vom Kanton Aargau anerkannt.
Aus der Dorfkirche in den Pfarrspycher ausgewichen
Für einige Jahre wurde in der Folge die Dorfkirche von Zuzgen dann gemeinsam von beiden katholischen Bekenntnissen, also der neuen Christkatholischen (Altkatholischen) Gemeinde und der alteingesessenen römisch-katholischen Kirchgemeinde genutzt. 1878 erliess Rom ein Verbot, die katholische Messe in Lokalitäten abzuhalten, die von Christkatholiken mitbenützt wurden. In der Folge versammelte sich die römisch-katholische Pfarrgemeinde Zuzgen nur noch zur Predigt in der bisherigen Dorfkirche, während sie für die Feier des Abendmahls ins Obergeschoss des nahegelegenen Pfarrspeichers mit Baujahr 1723 auswich. Das Notlokal versah den Dienst so lange, bis die Gemeinde die Hoffnung begrub, die alte Kirche je wieder uneingeschränkt in Gebrauch nehmen zu können.
Entschluss für den Bau einer neuen Röm.-Kath. Kirche
Angespornt durch den jungen Pfarrer Fridolin Suter welcher 1899 als Pfarrer nach Zuzgen kam, fällte die Kirchgemeinde schliesslich den Entscheid zum Bau eines eigenen Gotteshauses. Am 6. Juni 1901 akzeptierte die Kirchgemeindeversammlung ein auf Fr. 34’500.-- veranschlagtes Projekt ohne Gegenstimme. Auf einem Grundstück, das zwei Pfarreiangehörige unentgeltlich gestiftet hatten, wurde die neue römisch-katholische Kirche 1901/02 nach Plänen des bedeutenden St. Galler Architekten August Hardegger (1858-1927) im neugotischen Stil errichtet.
Auszug aus einer Spendenliste zum Kirchenbau von 1901. Zur Finanzierung des Neubaus dienten Gelder aus Sammelaktionen, privaten Subskriptionen, Ersparnissen im Kirchgemeinde-fonds und aus Darlehen.
Erster Gottesdienst in der neuen Kirche bereits 12 Monate nach der Grundsteinlegung
Am 11. August 1901 erfolgte die Grundsteinlegung; Ende Juli 1902 predigte Pfarrer Suter in der sich noch im Rohbau befindenden Kirche erstmals von der neuen Kanzel. Die Einweihung des Gotteshauses erfolgte 1904. Zur Finanzierung des Neubaus dienten Gelder aus Sammelaktionen, privaten Subskriptionen, Ersparnissen im Kirchgemeindefonds und aus Darlehen. Für die Innenausstattung beauftragte man namhafte Künstler und Kunsthandwerker, wie den Altarbauer Eugen Bürli aus Klingnau und den Glasmaler Carl Holenstein aus Rorschach. Während der Bauzeit kam es immer wieder zu finanziellen Engpässen. In der Kirchgemeindeversammlung von 1906 wurden die effektiven Baukosten der Kirche auf Fr. 62'200.- geschätzt. Erst im Jahre 1925 leistete sich die Kirchgemeinde für Fr. 10'200.- eine Orgel aus der Werkstatt der Firma Kuhn in Männedorf. Im Jahre 1935 wurde eine Holz-Kohle-Heizung eingebaut. Die Elektrifizierung der vier Glockenantriebe erfolgte im Jahre 1952 durch die Firma Muff, Triengen.
Die originale liturgische Ausstattung ging 1972 beinahe verloren
Im Jahre 1971 wurde eine grosse Renovation der St. Georgs-Kirche geplant. Es war dies in einer Zeit, als man die historistische Neugotik noch vielerorts geringschätzte und zahlreiche Kirchen ihrer neugotischen Ausstattung entledigte.
Im Sept. 1971 beschliesst so auch die Kirchgemeindeversammlung von Zuzgen mit zwei Mehrstimmen die Innenrenovation der Kirche, mit der Beseitigung der drei neugotischen Altäre und der Kanzel. Der kunsthistorische Wert der Pfarrkirche St. Georg in Zuzgen wurde aber dank Intervention der Denkmalpflege noch rechtzeitig erkannt, und das Kantonale Erziehungsdepartement des Kantons Aargau verfügte im März 1972 die Altäre und Kanzel unter Schutz zu stellen und in das Denkmälerverzeichnis einzutragen. Der KGV-Beschluss vom September 1971 konnte so rückgängig gemacht werden.
Kantonale Unterschutzstellung im Jahre 1974
In den Jahren 1972-1974 fand, begleitet durch die Denkmalpflege, eine umfassende Aussen- und Innenrestaurierung mit dem Ziel statt, die Kirche und insbesondere ihre originale liturgische Ausstattung zu erhalten. Gleichzeitig erfolgte 1974 die kantonale Unterschutzstellung.
Der Kirchenbezirk - Links das Pfarrhaus, Mitte die (rote) Christkatholische Kirche; und rechts die Römisch-Katholische Kirche aus dem Jahr 1901 / 02
Wieder geliebte Neugotik
Heute zählt die Kirche zu den wenigen neugotischen Sakralbauten im Kanton Aargau, die noch über ihre gesamte bauzeitliche Ausstattung verfügen. Hierzu gehört neben der originalen Farbigkeit und den kostbaren Glasmalereien auch das liturgische Mobiliar mit drei reichgeschnitzten Altären und der Kanzel. Im Laufe der Zeit erfolgten mehrere Restaurierungen:
- 1968 - Kirchturmrenovation
- 1972 - Restaurierung der Altäre
- 1974 - Innenrestaurierung
- 2002 - Gesamtrestaurierung
- 2019 - Trockenreinigung der Innenschale
Innenansicht mit den Neugotischen originalen sakralen Einrichtungen. Nach der Trockenreinigung 2019.
Schutzpatron Heiliger Georg
Die Kirche ist dem Heiligen Georg als Schutzpatron geweiht. Interessant ist, dass auch die alte Dorfkirche - die heutige Christkatholische Kirche - dem gleichen Schutzpatron geweiht ist. Heute feiert man in Zuzgen das Fest des heiligen Georgs als Ökumenischen Anlass gemeinsam.
Der rechte Seitenaltar mit Bildnis des Heiligen Georgs - dem Schutzpatron der Kirche.
Eine Fledermauskolonie - das geschützte Grosse Mausohr – ist seit vielen Jahren heimisch im Kirchenbezirk in Zuzgen. Spannend ist die Verbindung der Kolonie zwischen Zuzgen und der Kirche in Wegenstetten
In der Römisch-katholischen Kirche Zuzgen lebt eine Kolonie Grosser Mausohren, eine der grössten einheimischen Fledermausarten. Die Tiere nutzen von April bis September den Dachstock des Turmes, im Winterhalbjahr sind die Tiere abwesend und überwintern unterirdisch in Höhlen, Stollen und Felsspalten.
Bei der Kolonie im Kirchturm handelt es sich alles um Weibchen, die im Juni ihre Jungen im Estrich zur Welt bringen und ca. 4-6 Wochen lang säugen, bis diese fliegen können und selbständig werden.
Momentan leben ungefähr 30-50 Weibchen in der Kirche. Ursprünglich befand sich die Wochenstubenkolonie im Dachstock des Pfarrhauses und umfasste rund 250 Tiere. Diese Kolonie wurde 1990 im Zuge des Aargauer Fledermausinventares entdeckt, dürfte aber schon Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vorher diesen Estrich genutzt haben. Ab 2000 zog ein Teil der Tiere aus unbekannten Gründen in den Estrich des Kirchturmes um, bis 2008 keine Tiere mehr im Pfarrhausestrich anzutreffen waren. Ein weiterer Teil der Kolonie begann ab 2007 auch noch den Estrich des Schulhauses von Zuzgen zu nutzen. 2017 wurde der Estrich des Schulhauses umfassend saniert und obwohl auf die Mausohren Rücksicht genommen wurde, kehrten die Tiere ab 2018 nicht mehr zurück. Ein Teil der Kolonie nutzt nach wie vor den Kirchturm Zuzgen, der übrige Teil hat sich der Kolonie in der Kirche Wegenstetten angeschlossen, die ca. 200 Tiere umfasst.