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Der April macht was er will: Das im letzten Wochenbericht prognostizierte turbulente Wetter, vor welchem mit einer Vorinformation gewarnt wurde, fand statt: Mit intensivem Niederschlag und Sturm stieg die Lawinengefahr im Westen verbreitet auf Gross (Stufe 4). Zahlreiche mittlere und auch grosse spontane trockene Lawinen gingen nieder. Auch die Aktivität nasser Lawinen war mit Regen bis über 2000 m erhöht. Am Sonntag, 10.04. endete der Wintersturm und es wurde sonnig.
Die Schweiz lag im Einflussbereich der Frontensysteme mehrerer kräftiger Tiefs. Diese brachten abwechselnd warme und kältere Feuchtluft heran. Der Niederschlag, welcher am Mittwochabend, 06.04. begonnen hatte, setzte sich fort.
Am Freitag, 08.04. fielen im Trientgebiet und im nördlichen Unterwallis verbreitet 30 bis 50 cm, am übrigen nördlichen Alpenkamm und im südlichen Unterwallis 20 bis 30 cm. Sonst fiel weniger Schnee, und im Süden und in Graubünden gab es zum Teil längere Aufhellungen. Mit den milden Temperaturen wurde der Schnee oberflächlich bis auf rund 2500 m hinauf feucht, unterhalb von 2000 m mit Regen nass. Der oft starke bis stürmische Westwind verfrachtete in der Höhe den Schnee intensiv und es entstanden umfangreiche Triebschneeansammlungen, auch an kammfernen Lagen. Die stärksten Böen wurden auf den Stationen des Alpennordhangs mit bis zu 150 km/h gemessen.
Die Lawinengefahr stieg deutlich an, im Wallis verbreitet auf Stufe 4 (Gross). Im Hauptniederschlagsgebiet im westlichsten Unterwallis entlang der Grenze zu Frankreich bezog sich die Gefährdung auch auf exponierte Verkehrswege, in den anderen Gebieten nur auf das alpine Schneesportgelände (Skifahrer-Gross). Es wurden zahlreiche mittlere und auch grosse spontane trockene Lawinen gemeldet (Abbildung 1). Auch Nassschneelawinen stiessen in den bekannten Lawinenzügen teilweise bis in tiefe Lagen vor.
Nach einer kurzen Niederschlagspause setzte in der Nacht auf Samstag, 09.04. erneut Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze sank im Laufe der Nacht auf Samstag von rund 2000 m bis gegen 600 m (Abbildungen 2 und 3).
Im westlichsten und nördlichen Unterwallis kamen weitere 30 bis 50 cm dazu. Die Gefahr für trockene Lawinen blieb verbreitet heikel. Mit dem langsamen Abklingen der Niederschläge und dem Abflauen des Sturms im Laufe des Tages nahm die spontane Lawinenaktivität ab. Auch die Gefahr von nassen Lawinen nahm mit der Abkühlung ab.
In der Nacht zum Sonntag, 10.04. schneite es vor allem noch am Alpennordhang, dann wurde es zunehmend sonnig. Während des gesamten Niederschlagsereignisses zwischen Mittwochabend und Sonntagmorgen fielen oberhalb von rund 2200 m im westlichsten und im nördlichen Unterwallis 80 bis 120 cm Schnee (Abbildung 4). Am Alpennordhang und im übrigen Wallis waren es 40 bis 60 cm Neuschnee, im Gotthardgebiet und Nordbünden 20 bis 40 cm. Im Hochgebirge dürften diese Durchschnittswerte wegen des stürmischen Westwindes und den damit verbundenen Schneeverfrachtungen kaum wo zu finden gewesen sein.
Ab Montag, 11.04. war es meist sonnig und markant wärmer. Die Nullgradgrenze stieg auf über 3000 m (Abbildung 6). Die Gefahr von trockenen Lawinen ging allmählich zurück, diejenige von nassen Lawinen stieg im Tagesgang jeweils an. Am Mittwoch, 13.04. war dieser Anstieg so stark, dass mit einer Doppelkarte vor mässiger Gefahr (Stufe 2) von trockenen Lawinen und zusätzlich vor einem tageszeitlichen Anstieg der Gefahr von nassen Lawinen auf erheblich (Stufe 3) gewarnt wurde.
Die umfangreichen Triebschneeansammlungen lagen besonders an Nordhängen gebietsweise auf einer lockeren Altschneeoberfläche. Die Lawinen waren zwar deutlich seltener als während der Niederschläge, aber sie konnten nach wie vor gross werden (Abbildungen 7 und 8).
Trotz des Anstiegs des AAI (Abbildung 9) war die Anzahl gemeldeter Lawinen in Relation zu Schneefällen und Wettergeschehen eher gering. Das dürfte aber zumindest teilweise an einer hohen Dunkelziffer liegen.
Allgemein bei fehlender Sicht und insbesondere, wenn sich das Geschehen in hohen Lagen abspielt, sind Lawinenabgänge sehr schwierig zu erkennen. Schneit es danach noch weiter, wie während der vergangenen Niederschlagsperiode, werden die Ablagerungen überschneit und Lawinen bleiben oft unentdeckt. Automatische Detektionssysteme können diese Informationslücke verkleinern. Der Lawinenradar von Geoprävent in Leukerbad zeigt dies eindrücklich: Am Freitag, 08.04. wurden über 20 Lawinenereignisse aufgezeichnet (Abbildung 10). Am Schluss der Niederschläge waren sie vermutlich allesamt nicht mehr sichtbar, so dass keine einzige Lawinenbeobachtung gemeldet wurde.
Die Lawinenwarnung macht nach jeder ausgegebenen Stufe 4 eine Verifikation – und diese erwies sich einmal mehr als anspruchsvoll. Anhand der automatischen Detektionen und der erhaltenen Lawinenmeldungen konnte die Stufe 4 für Freitag, 08.04. im Hauptniederschlagsgebiet im westlichsten Unterwallis und im nördlichen Wallis westlich des Wildstrubels bestätigt werden. Aus dem südlichen Wallis erhielten wir relativ wenig Rückmeldungen. Die Detektionen eines weiteren Lawinenradars in Zinal deutet aber darauf hin, dass die Stufe 4 auch dort gebietsweise erreicht wurde. Am Samstag, 09.04. lässt sich die Gefahrenstufe nicht abschliessend beurteilen. Aufgrund des Niederschlags und des Winds ist davon auszugehen, dass Stufe 4 zumindest in der Höhe erreicht wurde.
In vielen Fällen brachen Lawinen in Schwachschichten rund um die Schicht mit dem Saharastaub an. Der Saharastaub selbst war in einer bräunlich-orange gefärbten Kruste enthalten, welche nach Lawinenabgängen wieder zum Vorschein kam (Abbildung 11). Dies verleitete zum Schluss, dass die Lawinen im Saharastaub ausgelöst wurden. Dies ist nicht ganz korrekt, denn der Saharastaub lag in einer Schmelzharschkruste, und für Schneebrettlawinen braucht es eine Schwachschicht. Die eigentliche Staubschicht kommt somit als Schwachschicht nicht in Frage. Auf oder unter einer Kruste können sich aber bevorzugt grosse, kantige Schneekörner bilden – und diese sind dann eine Schwachschicht. Überdeckt von einer verfestigten Schicht (Schneebrett) sind dann alle Zutaten bereit für Schneebrettlawinen.
In dieser Berichtsperiode wurden dem Lawinenwarndienst 23 durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet. Viele dieser Lawinen ereigneten sich in den Gebieten mit dem grössten Niederschlag, nämlich im Wallis und am westlichen Alpennordhang (Abbildung 12). In diesen 23 Lawinen wurden insgesamt 9 Personen erfasst, davon eine ganz verschüttet.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.