Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/257907

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat für die Periode 2025–2028 beschlossen, sich stärker auf die projektbezogene Förderung und die Förderung von Karrieren auf Postdoc-Stufe zu konzentrieren und dafür verschiedene Förderinstrumente für Forschende, insbesondere Doc.ch zu streichen.&nbsp;</p><p>Seit vielen Jahren finanziert der SNF im Rahmen des goldenen Wegs seiner Open-Access-Politik gewisse wissenschaftliche Zeitschriften und Verlage. Die Ergebnisse der mit öffentlichen Geldern finanzierten Forschung gehören der Allgemeinheit und müssen daher in digitaler Form kostenlos zugänglich sein. Der SNF übernimmt die Kosten für die Publikation von Artikeln im Open-Access. Im Jahr 2022 lagen diese Kosten bei insgesamt 2,985&nbsp;Millionen Euro.</p><p>Die Unterstützung des SNF für die Verbreitung und den Austausch von wissenschaftlichem Wissen ist zu begrüssen, denn so kann die Wissenschaft vorankommen. Allerdings wird heute festgestellt, dass Wissenschaftsverlage diese öffentliche Finanzierung missbräuchlich nutzen, um sehr hohe Gewinne zu erzielen, die ausschliesslich ihrem Aktionariat zugutekommen. Die von diesen Wissenschaftsverlagen herausgegebenen Zeitschriften werden daher als "räuberisch" bezeichnet. Dies gilt für MDPI und Frontiers. Trotz dieser Kritik hat der SNF im Jahr 2022 rund einen Drittel des Gesamtbudgets für die Förderung wissenschaftlicher Publikationen (nach dem Prinzip des goldenen Weges) für diese beiden Verlage aufgewendet, was einem Betrag von 920&nbsp;000 Euro entspricht.</p><p>Wir stellen dem Bundesrat daher folgende Fragen:</p><p>- Beabsichtigt der SNF, weiterhin öffentliche Gelder zur Finanzierung von "räuberischen" Verlagen und Zeitschriften einzusetzen?</p><p>- Wie beurteilt der SNF die künftige Entwicklung dieser Finanzierungen?</p><p>- Verfügt der SNF über Kriterien, die es ihm ermöglichen, als "räuberisch" eingestufte Wissenschaftsverlage von der Finanzierung auszuschliessen?</p><p>- Welche Folgen hätte es für die Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wenn der SNF die Finanzierung von "räuberischen" Verlagen und Zeitschriften einstellen würde?</p><p>- Wäre es im Sinne einer besseren Verwendung der SNF-Gelder nicht sinnvoller, das eingesparte Geld für die Aufrechterhaltung der Instrumente zur Forschungsförderung (darunter insbesondere Doc.CH oder R'Equip) zu verwenden, die der SNF abschaffen möchte, und den akademischen Nachwuchs und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konkret zu unterstützen, anstatt Konsortien mit umstrittenen Praktiken?&nbsp;</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Bei der Erfüllung seines Grundauftrags ist der Schweizerischer Nationalfonds (SNF) frei, im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und der Leistungsvereinbarung mit dem Bund eigene Schwerpunkte zu setzen und geeignete Instrumente zu entwickeln&nbsp;(vgl. Antworten auf die Interpellationen Fivaz 23.3868&nbsp;«SNF: Ungereimtheiten in Nachwuchspolitik und Forschungsfinanzierung der Schweiz? (1)»&nbsp;und Amoos 23.3877&nbsp;«SNF: Ungereimtheiten in Nachwuchspolitik und Forschungsfinanzierung der Schweiz?»). Ausnahmen davon sind die Zusatzmandate des Bundes wie die Massnahmen zu Horizon Europe, wo der Bund den SNF mandatiert und ihm die Umsetzung übertragen hat.</p><p>Frage 1&nbsp;</p><p>Der SNF bzw. die von ihm geförderten Forschenden sind verpflichtet, Forschungsresultate im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (Bundesgesetz über die Förderung der Forschung und Innovation, FIFG, SR 420.1, Art. 50) und die vom Bund gewährten Beiträge für die Unterstützung von Massnahmen der Aus- und Verwertung von Resultaten für die von ihm geförderte Forschung einzusetzen (Art. 10, Abs. 2, Bst. e FIFG). Die Open-Access (OA)-Politik des SNF fügt sich ein in die von swissuniversities mit Unterstützung des SNF erarbeitete nationale «Strategie Open Access» (2017) und den entsprechenden «Aktionsplan» (2018). Beide wurden von der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) genehmigt bzw. validiert. Ziel der Strategie ist, dass bis 2024 alle, in der Schweiz mit öffentlichen Geldern finanzierten wissenschaftlichen Publikationen frei zugänglich sind. 2021 waren 76% aller vom SNF geförderten Publikationen OA (vgl. OA-Monitoring SNF Datenportal).&nbsp;</p><p>Die nationale Open-Access-Strategie ist Teil einer umfassenden Open-Science-Politik der Schweiz. Dazu gehört auch die «Nationale Schweizer Strategie für Open Research Data» und ein entsprechender «Action Plan» (beide 2021), die&nbsp;<span style="background-color:white;color:black;">gemeinsam von swissuniversities, dem SNF, dem ETH-Bereich und den Akademien der Wissenschaften Schweiz erarbeitet und von der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) zustimmend zur Kenntnis genommen wurden.&nbsp;</span>Die Open-Science-Politik der Schweiz ist grundlegend für die von der Interpellantin hervorgehobenen Verbreitung von wissenschaftlichem Wissen und wissenschaftlichem Fortschritt.&nbsp;</p><p>Fragen 2, 3, 4 und 5</p><p>Die OA-Publikationsförderung des SNF ist im «Reglement über die Open-Access-Publikationsförderung» und den weiteren anwendbaren Vorschriften des SNF festgehalten. Es handelt sich um ein etabliertes Verfahren mit transparenten Kriterien. Förderungsbedingungen sind, dass die wissenschaftliche Publikation unmittelbar, uneingeschränkt und unentgeltlich zugänglich («Gold Open Access») und von hoher wissenschaftlicher Qualität («Peer-Review») ist. Der SNF führt entsprechende Qualitätskontrollen bei den Publikationsbeitragsgesuchen durch und prüft laufend Massnahmen, um die hohe Qualität der geförderten Publikationen zu erhalten.&nbsp;</p><p>Die Forschenden entscheiden grundsätzlich selbst, in welchen Verlagen sie ihre Resultate veröffentlichen. Der Anteil der von der Interpellantin genannten Verlage am Publikationsvolumen wächst weltweit. Der SNF informiert seit längerem über «Predatory Publishing» und sensibilisiert Forschende entsprechend. Er übernimmt keine Publikationskosten für Verlage, die eindeutig als «Predatory» bezeichnet werden können und beteiligt sich an keinen Abkommen zur Reduktion der Publikationskosten mit diesen Verlagen. Der SNF kann Verlage von seiner Förderung jedoch nur ausschliessen, wenn klare Kriterien auf trügerische Praktiken hinweisen. Eine gross angelegte Studie hierzu von Paolo Crosetto (Institut national de la recherche agronomique, INRAE, Frankreich) ist in Erarbeitung. Der SNF hat das Thema in der cOAlition S eingebracht, dem internationalen Konsortium der Förderagenturen, das sich für nachhaltigen Open Access einsetzt.</p>