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Die Atlantikküste ist gut bevölkert und die Campingplätze sind hier zahlreicher. Auf ihnen haben sich vor allem Franzosen mit zum Teil riesigen Wohnmobilen für den Winter niedergelassen. Zwischen Sidi Ifni und Mirleft finden auch wir einen schönen, nicht zu vollen Campingplatz direkt am Strand. Da geniessen wir ein paar Tage und machen die nötigen Servicearbeiten. Wir fahren weiter nach Norden, der Küste entlang. Agadir lassen wir aus und übernachten in den Bergen bei Aourir, von wo wir am nächsten Tag ins sogenannte Banana Valley gelangen. Im flachen Tal des Oued Ait Ameur finden wir die üppigen Bananenstauden und im Dorf Tamri dann die Verkaufsstände. Die kleinen Bananen schmecken sehr, sehr gut.
Zwischen Agadir und Essaouira wird das meiste Arganienöl produziert. Das Öl, das sehr gesunde Eigenschaften sowohl zum Essen als auch als Kosmetikum haben soll, hat in den letzten Jahren sehr an Bekanntheit gewonnen und wird in Europa teuer bezahlt. Somit lohnt sich die aufwändige Produktion wieder und dies trägt zum Erhalt dieser anspruchslosen Bäume bei. Die Bäume wachsen wild (in recht grossen Abständen zu einander) in einem Klima, wo sonst nichts wachsen könnte. Dies hilft der Ausbreitung der Wüste entgegenzutreten.
In einer Frauenkooperative wird uns die Produktion erklärt. Die abgefallenen Früchte werden immer im September vom Boden zusammengelesen, an dieser Arbeit beteiligen sich alle: Frauen, Männer und Kinder. Die vollen Säcke kommen dann in die Kooperative, von da an herrscht nur noch Frauenarbeit. Maschinell werden die Fruchtschalen vom Kern separiert. Die Kerne werden von am Boden sitzenden Frauen auf einem Stein geklopft und so wird die Mandel gewonnen. Für das Speiseöl werden die Mandeln geröstet (einzig für den Geschmack), für das kosmetische Öl nicht. Danach werden die Mandeln gepresst, das gewonnene Öl filtriert und abgefüllt.
Was ist nun mit den Ziegen auf den Arganienbäumen? Ziegen fressen die noch unreifen Früchte und klettern deswegen gerne auf die Bäume, die Kerne werden unversehrt ausgeschieden und werden zur Verarbeitung auch aufgelesen. Aber die Bäume leiden an der Ziegenkletterei, deswegen ist es kein Vorteil die Ziegen so zu füttern, zumal die abgetrennten Fruchtschalen aus der Kooperative sowieso als Tierfutter genutzt werden, wie übrigens auch der Presskuchen. Und die harten Kernschalen werden zum Heizen verfeuert.
Die Frauenkooperative sichert den Frauen ein Einkommen und ihre Kinder werden in einer Krippe betreut. In Marokko sind viele innovative Projekte und Produktionen durch Frauenkooperativen organisiert.
Wir quartieren uns südlich von Essaouira am Strand von Sidi Kaouki ein. Mit dem öffentlichen Bus fahren wir in die Stadt. Was für ein Erlebnis für uns verwöhnte ÖV-Nutzer aus der Schweiz! Nur die Ärmsten der Armen nehmen den Bus, die meisten sind offensichtlich krank und als sich der vollgestopfte Bus am Rande der Stadt beim Krankenhaus für Pneumologie und Tuberkulose leert, beschliessen wir die Rückfahrt mit dem Taxi zu machen!
Essaouira hat eine schöne, gut erhaltene Medina, etwa die Hälfte davon wird von Souvenirläden genutzt. In der anderen (interessanteren) Hälfte sind die Geschäfte sehr ursprünglich: alle Sorten Frischwaren sind vertreten von Früchten zu Geflügel, gebratenen Ziegenköpfen, etc. Lebhaft geht es auch im Fischereihafen zu und her, der Fang wird gleich verkauft, präpariert oder zum direkten Verzehr bereitgemacht. Wer einen schönen Fisch kauft kann diesen für ein paar Dirham direkt im Hafen putzen und ausnehmen lassen.
In Marrakech stehen wir etwas ausserhalb der Stadt im Jardin d’ Issil, einer wunderbar angelegten Maison d’hôtes mit Campingmöglichkeit. Ganz in der Nähe befindet sich der von André Heller 2016 eröffnete Park ANIMA, unter dem Motto «le retour du paradis». In dieser fantastischen Umgebung verbringen wir ein paar beschauliche Stunden.
Einen Tag geniessen wir den Trubel der Stadt und parken für 24 Stunden ganz praktisch auf einem bewachten Parkplatz neben der grossen Kutubiya Moschee, gleich neben dem berühmten Platz der Gaukler Jamaa el-Fna.
Beim Überlandfahren wird uns nie langweilig, wir können uns kaum satt sehen an den Eseln, Schaf- und Ziegenherden mit ihren Hirten und an all den kunstvoll beladenen Autos und Lastwagen. Die Schweiz wird uns diesbezüglich fad und eintönig vorkommen.
Das Einkaufen auf den Wochen-Märkten macht uns immer mehr Spass. Es wird alles gehandelt was man sich denken kann, von chinesischen Haushaltwaren bis zu Hühnern, Schafen und Eseln. Die Marokkaner sind richtige Packgenies, Leerfahrten gibt’s hier nicht. Das Angebot an frischem Gemüse und Früchten ist überwältigend. Sylvia kann sich wie immer nicht zurückhalten, auch Hans’ Einwand er könne nicht mehr tragen fruchtet nicht. Flugs wird ein Märitwägeli organisiert.
Am Tag der Weiterreise in den mittleren Atlas ist es plötzlich weniger dunstig und auf unserer kleinen Wanderung haben wir einen grandiosen Blick auf die verschneiten Berge des hohen Atlas. Wir besuchen die berühmten Wasserfälle von Ouzoud, die Flussufer sind gesäumt von Souvenirständchen und kleinen Restaurants, was das Naturspektakel ein bisschen trübt, so dass wir uns nicht allzulange hier aufhalten. Die kleinen, steilen und ausgefransten Teersträsschen über die Berge, entlang von Schluchten und durch Zedern- und Eichenwälder sind eher nach unserem Gusto. Wir sehen unter anderem zwei wunderschöne, grasende Hirsche, die die Berner Fotografin nicht einzufangen vermag (vielleicht lag es aber auch am schnellen Berner Chauffeur) und einmal einen Berberaffen.
Wir verlassen den mittleren Atlas und nähern uns dem Rifgebirge.
Wie die Zugvögel machen nun auch wir uns wieder auf die Heimreise nach Europa und überqueren noch den mittleren Atlas. Einige Schneefelder am Rande der Strasse stimmen uns bereits wieder auf das heimische Klima ein.
Mit Marokko verlassen wir ein unglaublich schönes und vielseitiges Reiseland. Vieles haben wir erlebt, wovon wir in der Schweiz noch träumen werden: Farbenfrohe Märkte, weite Landschaften und wunderbare Off-road Pisten.
Wir behalten viele nette und zuvorkommende Menschen in Erinnerung. Wir haben auch sehr arme Menschen getroffen und hoffen, dass sich ihre Armut in Zukunft bessert. Man erfährt dass sich das Land entwickelt und viel in die Schulbildung investiert wird. Müll ist noch allgegenwärtig, jedoch sind vielerorts Anstrengungen zur Beseitigung sichtbar. Gerne kommen wir wieder nach Marokko, dann werden wir auch ein paar Säcke warme Kinderkleider und Schuhe zum Verschenken dabei haben.