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Wie vor einer Woche an den Weltmeisterschaften in Nove Mesto setzte sich Schurter früh von seinem letzten Begleiter ab und fuhr solo einem souveränen Sieg entgegen. Im Ziel betrug sein Vorsprung auf die beiden Franzosen Julien Absalon und Maxime Marotte 27 respektive 45 Sekunden. Jaroslav Kulhavy, in der dritten Runde Schurters letzter Begleiter und härtester Widersacher, wurde durch einen platten Reifen zurückgeworfen. Der tschechische Olympiasieger, dessen Formkurve vor den Olympischen Spielen steil nach oben zeigt, klassierte sich als Vierter. Zweitbester Schweizer war Florian Vogel auf Platz 6, Lukas Flückiger wurde Neunter.
“Das ist ein sehr schöner Sieg vor heimischen Publikum, speziell nach dem bitteren 2. Platz im Vorjahr”, sagte Schurter. Damals war er es, der wegen eines Defekts nicht um den Sieg fahren konnte, diesmal Kulhavy. Angesichts des unwiderstehlichen Soloritts über mehr als fünf Runden, zu dem er früh ansetzte, gab es kaum Zweifel, dass der in Chur wohnhafte Weltmeister das Heimrennen nicht auch ohne Kulhavys Zwischenfall gewonnen hätte. Auch ein Missgeschick am Start, als er vom Pedal rutschte und sich von etwas weiter hinten nach vorne arbeiten musste, konnte ihn nicht stoppen. “Ich fühlte mich sehr gut”, befand Schurter.
Für den 30-Jährigen war es der 20. Weltcupsieg insgesamt und der dritte Sieg im vierten Weltcuprennen der Saison. Einzig Ende Mai in La Bresse musste er sich nach zwei Defekten als Vierter geschlagen geben. Zudem war es der letzte grosse Test vor dem Olympiarennen am 21. August. Schurter wird nun noch die Schweizer Meisterschaften bestreiten und sich anschliessend im Engadin den olympischen Feinschliff verpassen.
Bei den Frauen zeigte Jolanda Neff nach dem 8. Platz an der WM vor einer Woche Aufwärtstendenz. Die von Rückenschmerzen geplagte St. Gallerin wurde hinter der Schwedin Jenny Rissveds und der Dänin Annika Langvad Dritte. Damit zeigte sich Neff sehr zufrieden: “Ich bin noch nicht auf dem Niveau, auf dem ich sein könnte, aber es geht mir schon viel besser als letzte Woche. Das gibt mir Zuversicht.”
Bis ins Ziel verlor die 23-jährige Rheintalerin auf Rissveds eineinhalb Minuten. Die schwedische U23-Weltmeisterin distanzierte die Weltmeisterin Annika Langvad um eine Minute und feierte damit ihren ersten Sieg im Weltcup. Als zweitbeste Schweizerin beendete Alessandra Keller das Rennen auf Platz 6, unmittelbar vor Linda Indergand.
Langvad und Rissveds setzten sich schon in der Startrunde vorne ab, wobei Neff in der fünften Runde kurzzeitig noch einmal zu Rissveds aufschliessen konnte. Die um ein Jahr jüngere Schwedin, die im Scott-Odlo-Team unter den Fittichen von Thomas Frischknecht steht, zeigte aber ein ganz starkes Rennen.
Nachdem Rissveds zwischenzeitlich gut 20 Sekunden hinter Langvad zurückgefallen war, steigerte sie das Tempo noch einmal markant, just als Neff zu ihr aufgeschlossen hatte. In der sechsten von sieben Runden war sie 42 Sekunden schneller als Langvad. Neffs Rückstand auf die Spitze wuchs derweil auf über eine Minute an.
Geplagt von starken Rückenschmerzen, die wohl von einem Sturz im Weltcuprennen von La Bresse Ende Mai herrühren, hatte sich Neff vor Wochenfrist an den Weltmeisterschaften in Nove Mesto mit Platz 8 begnügen müssen. Ihr Start am Heimrennen in Lenzerheide, wo sie in unmittelbarer Streckennähe temporär wohnt und trainiert, war deshalb in den letzten Tagen unsicher.
Viel Therapie, wenig Training lautete die Devise in den letzten Tagen. Entsprechend positiv bewertete sie die Aufwärtstendenz. “Letzte Woche konnte ich zehn Minuten schmerzfrei fahren, nun eine Stunde. Nächste Woche sind es dann hoffentlich 90”, so Neff.
(SDA)