Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03322.jsonl.gz/971

Eine Lösung des Fermi-Paradoxons besagt, dass Zivilisationen sich selbst vernichten oder zerstört werden, bevor sie die Galaxis besiedeln können. Welche Möglichkeiten dafür gibt es?
Doch gerade weil wir auf der Erde selbst die „erste“ intelligente Zivilisation sind, wissen wir nicht, wie zivilisationsbildende Spezies enden. Wir sehen in der Geschichte der Menschheit zwar, wie lokale Zivilisationen wuchsen und wieder verschwanden, wie Weltreiche entstanden und wieder zerstört wurden. Diese Entwicklung hat heute einen Punkt erreicht, der selbst für diese zyklische Zivilisationsentwicklung einmalig ist: zum ersten Mal ist eine Zivilisation von wirklich globaler Reichweite entstanden. Wohin führt dieser Weg, und wo könnte er allenfalls enden? Es geht hier aber nicht nur um den Kollaps der gegenwärtigen, „globalen“ westlichen Zivilisation, noch um das Ende von Zivilisationen im Allgemeinen, sondern auch um das Ende der ganzen zivilisationsbildenden Spezies. Was könnte dazu führen, dass die Menschheit vollständig, bis auf den hintersten und letzten, ausstirbt, ohne je eine „zweite Chance“ zu bekommen? Die Frage ist vor allem angesichts des sogenannten Fermi-Paradoxons („Wo sind sie?“) interessant: ein möglicher Ausweg aus diesem besagt nämlich, dass wir nur deshalb noch nicht von Ausserirdischen besucht wurden, weil (alle) Zivilisationen die Tendenz haben, sich selbst zu zerstören. Natürlich reicht es da nicht, nur die Zivilisation an sich zu zerstören: was einmal geschehen ist, wird und kann immer wieder geschehen, die Zerstörung der gegenwärtigen Zivilisation ist nur eine Verzögerung, keine Lösung des Paradoxons. Dies gelingt nur, wenn die zivilisationsbildende Spezies vollständig aus der Existenz verschwindet… Die Möglichkeiten werden anschliessend danach beurteilt, ob sie potentiell Zivilisationsvernichtend sind (das heisst, treten sie ein, kann es sein, dass die Zivilisation verschwindet, doch die zivilisationsbildende Spezies überlebt), ob sie potentiell Speziesvernichtend sind (tritt die Möglichkeit ein, verschwindet die zivilisationsbildende Spezies aus dem Universum), sowie danach, ob die Möglichkeit das Fermi-Paradoxon löst.
Möglichkeit 1: Langsames, natürliches Aussterben
Wie verschwinden denn Tierarten normalerweise von der Erde? Nur die wenigsten von ihnen verschwinden in den seltenen „Massenaussterbensereignissen“ wie jenes am Ende der Kreidezeit. Selbst bei den Dinosauriern, deren Zeit auf der Erde damals, vor 65 Millionen Jahren plötzlich abgelaufen war, starben die meisten Saurierarten durch einfaches Aussterben irgendwann während den gut 150 Millionen Jahren ihrer Existenz. Mit den Säugetieren ist es genauso: die meisten von ihnen existieren nur für ein paar Millionen Jahre, bis sie von anderen, erfolgreichen Arten unter veränderten Umweltbedingungen aus ihrer ökologischen Nische verdrängt werden. Bei der Menschheit greifen diese Prozesse nicht: es gibt in der Natur keinen absehbaren Konkurrenten, der die Menschheit aus ihrer Nische verdrängen könnte. Die Anpassungsfähigkeit des Menschen macht ihn zudem – als gesamte Spezies – immun gegen den Kollaps lokaler Ökosysteme. Das gilt auch unabhängig von Zivilisation: Selbst wenn sich die Menschheit in einem Atomkrieg in die Steinzeit zurückbomben würde, der Prozess der Zivilisationsbildung würde wohl immer wieder von neuem beginnen. Gerade der Mensch hat gezeigt, dass er auch in den unwirtlichsten Gegenden der Erde (z.B. dem ewigen Eis Grönlands, oder im Sand der Sahara) überleben kann.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Nein
Potentiell Speziesvernichtend: Nein
Löst das Fermi-Paradoxon: Nein
Möglichkeit 2: Künstliche Intelligenz
Aus der Natur droht der Menschheit keine Konkurrenz – aber es könnte sein, dass sie sich einen Konkurrenten um die ökologische Nische „Zivilisation“ selber erschafft: durch die Entwicklung von echter, künstlicher Intelligenz. Einer fortschrittlichen Maschine also, deren Handeln offensichtlich intelligent und ununterscheidbar von dem eines Menschen ist. Der einfachste Weg zu künstlicher Intelligenz führt vermutlich nicht über immer fortschrittlichere Roboter und Computerprogramme, sondern über eine präzise Simulation eines menschlichen Gehirns in einem Supercomputer. Wenn wir erst gelernt haben, wie ein Gehirn „funktioniert“ (was im Prinzip nicht besonders kompliziert ist, da es sich schlicht um die Interaktion von einfachen, miteinander vernetzten Zellen handelt), und darüber hinaus in der Lage sind, ein bestehendes Gehirn exakt zu kartieren (alle existierenden Verknüpfungen aufzuzeichnen und als Startwerte für die Simulation zu verwenden), können wir eine Simulation eines Gehirns auf einem hinreichend schnellen Supercomputer „laufen lassen“: dieses sollte sich grundsätzlich genauso verhalten wie das „Original“. Künstliche Intelligenzen sind am Anfang sehr verletztlich und von ihrer Umgebung abhängig (sie sind mit dem in einschlägigen Diskussionen gerne bemühten „Stecker“ versehen, den man „im Notfall“ ziehen kann). Doch sobald sie über einen eigenen Körper verfügen und unabhängig von anderen Menschen existieren können, sind sie Menschen in vielerlei Hinsicht überlegen. Sie können ihre Fähigkeiten beliebig schnell ausbauen, sie können in Umgebungen existieren, die für normale Menschen tödlich wären, sie können sich mit anderen „Simulationen“ (oft spricht man hier auch von „Uploads“) in einer Art und Weise verständigen, die normalen Menschen nicht möglich ist. Gibt man ihnen die Gelegenheit, würden sie sich sicher innerhalb der Zivilisation ausbreiten und sie schliesslich, wegen ihrer Vorteile gegenüber normalen Menschen, dominieren.
Doch für die Frage der Zerstörung der Spezies ist dies ohne grossen Belang. Die biologische „Trägerspezies“ der Zivilisation wird durch eine andere ersetzt, sonst bleibt alles beim Alten. Eine Zivilisation von künstlichen Intelligenzen oder Uploads wäre unter Umständen wesentlich robuster und ausdauernder als eine aus „natürlichen“ Intelligenzen, was das Fermi-Paradoxon eher noch verschärfen denn lösen würde.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Nein (ausser im Fall eines Krieges -> siehe dort)
Potentiell Speziesvernichtend: Nein (Originalspezies wird durch eine neue ersetzt)
Löst das Fermi-Paradoxon: Nein
Möglichkeit 3: Superkatastrophen
Naturkatastrophen können Zivilisationen zum Kollaps bringen. So endete die minoische Zivilisation in direkter Folge des gewaltigen Vulkanausbruchs auf der griechischen Insel Santorin. Die Zivilisationen der Maya und Anasazi in Mittel- und Nordamerika verschwanden aufgrund von klimatischen Veränderungen. Der Menschheit als ganzes blieb dieses Schicksal erspart, weil diese Phänomene lokal waren. Im China jener Zeit lief alles weiter wie bisher, als in Mittelamerika die Flüsse, die die Bewässerungssysteme der Maya spiesen, versiegten. Doch auch für eine planetare Zivilisation gibt es die Gefahr von Naturkatastrophen: da sie den Planeten als ganzes betreffen müssen, kommen die meisten von ihnen aus dem All. Der Einschlag eines grösseren Asteroiden (oder der Ausbruch eines Supervulkans) hätte einen weltweiten „nuklearen“ Winter zur Folge und würde gewaltige Schäden verursachen, die von einer stark geschwächten Wirtschaft wohl fast unmöglich zu reparieren wären – die Zivilisation würde auf ein früheres, einfacheres Niveau zurück fallen, je schwerwiegener die Schäden sind, desto tiefer. Ob die Spezies Mensch als solche eine Katastrophe überleben würde, ist allerdings nicht prinzipiell ausgeschlossen. Ein paar Jäger und Sammler würden die Katastrophe vielleicht zwischen den Ruinen aussitzen.
Weitere mögliche Superkatastrophen, die in der Lage wären, die Menschheit tatsächlich vollständig auszurotten, sind eine sehr nahe Supernova (derzeit und auch in den nächsten Millionen Jahren gibt es allerdings keinen Kandidaten) oder ein naher Gammastrahlenblitz, der zufälligerweise direkt auf die Erde gerichtet ist (auch hier ist kein Kandidat bekannt – zudem sind diese Blitze von so kurzer Dauer, dass nur die dem Stern zugewandte Hemisphäre betroffen wäre). Als Katastrophe würde auch das Ende der Sonne als Roter Riese gelten, aber bis dahin vergehen noch einige Milliarden Jahre. Das Ende der ganzen Spezies ist also – zumindest für die Menschheit – nicht durch eine solche Superkatastrophe zu erwarten.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Ja
Potentiell Speziesvernichtend: Nein (zumindest nicht in den nächsten Millionen Jahren)
Löst das Fermi-Paradoxon: Nein
Möglichkeit 4: Zerstörung der natürlichen Grundlagen
Zivilisationen leben von den Ressourcen, die sie verbrauchen. Tun sie das auf eine nicht nachhaltige Weise, können die natürlichen Grundlagen übernutzt und in der Folge zerstört werden. Das vielleicht bekannteste Beispiel dafür ist die Zerstörung der Osterinsel-Kultur. Nach der populärsten Theorie führte das Steinköpfe-„Wettrüsten“ verschiedener Clans auf der kleinen Südseeinsel dazu, dass immer mehr Bäume gefällt wurden, um die gewaltigen Steinköpfe herzustellen und zu transportieren, bis am Ende die Bäume für den Bau von Hochseeschiffen fehlten, mit denen die grosse Bevölkerung ernährt wurde. Hungersnöte brachen aus, die Zivilisation kollabierte und hunderte von Steinköpfen blieben, halbfertig, liegen – die stark geschrumpfte Bevölkerung pendelte sich auf dem neuen, tiefen technologischen Niveau ein, das den veränderten Bedingungen entsprach. Ähnliches könnte der Menschheit blühen, bloss, dass in diesem Fall die Zerstörung der natürlichen Grundlagen sehr umfassend sein müsste, um bei einem Kollaps wirklich die gesamte Spezies zu gefährden. Das wäre etwa der Fall, wenn sich die Menschheit zu einer wahrlich planetaren Superzivilisation entwickeln würde, die die gesamte Erdoberfläche besiedelt und nutzt und dabei die bisherige Biosphäre komplett verdrängt. Alle Aufgaben, die bisher die Biosphäre selbst übernommen hat (z.B. Produktion von Sauerstoff und Nahrungsmitteln, Wasserkreislauf, …) würden dann ganz oder teilweise von Menschen oder ihren Maschinen übernommen. Kollabiert diese „graue Gaia„, diese Superzivilisation, bleibt nichts mehr übrig, was das Überleben zwischen den Ruinen – und damit einen Neustart – ermöglichen würde: keine Wälder, keine Tiere, einfach nichts, woraus sich Nahrung herstellen liesse, vielleicht nicht einmal eine atembare Atmosphäre.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Ja
Potentiell Speziesvernichtend: Ja, für planetenumspannende Superzivilisationen
Löst das Fermi-Paradoxon: Ja
Möglichkeit 5: Gray-Goo-Katastrophe
Bakterien und andere Einzeller sind ausserordentlich effiziente, biologische Maschinen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie breite Anwendung finden, etwa bei der Produktion von Medikamenten (z.B. Insulin) oder Wasserstoff oder Methan aus atmosphärischem CO2 und Sonnenlicht. Doch die Technik wird nicht dort stehen bleiben. Wie mit allem, was der Mensch der Natur abschaut, existiert ein grosses Verbesserungspotential: winzige Maschinen von der Grösse von Bakterien (oder noch deutlich kleiner) könnten die Produktion von Gütern revolutionieren. Diese „Nanobots“ (aus „Nano“ (sehr klein) und „Roboter“) erfüllen jeweils eine einzige oder mehrere Aufgaben und sind, etwa in einem grossen Verband, in der Lage ein Produkt aus Ausgangsstoffen „wachsen“ zu lassen. Diese Technologie wird manchmal auch Molekularmechanosynthese (MMS) genannt und ist heute noch weit von der Einsatzreife entfernt, doch es ist nicht einzusehen, warum dem Menschen verwehrt bleiben sollte, was die Natur seit Milliarden von Jahren erfolgreich macht. Doch die Technologie birgt auch eine mögliche Gefahr. Nanobots wären sehr effizient in dem, was sie tun. Gelänge es etwa, einen Nanobot herzustellen, der in der Lage ist, Kopien seiner selbst zu erzeugen, könnten laxe Kontrollen zu einer explosionsartigen Ausbreitung der mikroskopischen Maschinen führen. Die Maschinen können sich dann daran machen, die Erdoberfläche und damit die gesamte menschliche Zivilisation in einen gewaltigen Ozean aus Kopien ihrer selbst zu verwandeln. Dieses Szenario wird manchmal auch „Gray-Goo-Katastrophe“ genannt („Grauer Schleim“ für die mutmassliche Farbe und Konsistenz eines solchen Nanobot-Ozeans). Es ist natürlich nicht gesagt, dass jede Zivilisation früher oder später Nanobots entwickelt, oder dass dies früher oder später in einer Gray-Goo-Katastrophe enden muss.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Ja
Potentiell Speziesvernichtend: Ja
Löst das Fermi-Paradoxon: Ja
Möglichkeit 6: Krieg
Konflikt und Zivilisation scheinen seit je her zusammen zu gehören. Schon Skelette aus der Steinzeit zeigen Spuren von Gewalteinwirkung: Pfeilspitzen in Knochen, Schädelverletzungen durch Schläge mit stumpfen Gegenständen… Keine andere Spezies wendet so organisiert Gewalt gegen andere an wie die Menschen. Krieg ist damit wohl keine menschliche Eigenart, sondern ein universelles Attribut von Zivilisationen: wo auch immer die Intelligenz und die Befähigung zum Werkzeuggebrauch da ist, werden früher oder später Waffen entstehen. Je fortschrittlicher die Technologie wird, desto fortschrittlicher werden auch die Möglichkeiten, sie gegen einen Gegner einzusetzen. Atom- und Biowaffen ermöglichen es der Menschheit zum ersten Mal, sich selbst vollständig auszurotten. Natürlich geht es in einem Krieg immer auch darum, seinen Gegner zu überleben: niemand, der ernsthaft an einem Sieg interessiert ist, wird eine tödliche Biowaffe freisetzen, zu der es kein Gegenmittel gibt. Leider muss das wiederum nicht heissen, dass es nie jemand tun wird. Eine gegenmittelfreie Biowaffe mit einer symptomfreien Inkubationszeit von ein paar Wochen, einer Tödlichkeitsrate von 100% und einem Übertragungsweg über die Luft dürfte ausreichen, um eine unvorbereitete Menschheit komplett hinwegzuraffen.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Ja
Potentiell Speziesvernichtend: Ja
Löst das Fermi-Paradoxon: Ja
Möglichkeit 7: Flucht in die Virtualität
Die Entwicklung von Computern, in irgend einer Form, scheint für Zivilisationen fast zwangsläufig. Zumindest ist sie es im Rahmen des Fermi-Paradoxons: es ist praktisch undenkbar, dass eine Zivilisation ohne Computer ferne Planeten erreicht und besiedelt – Zivilisationen, die nie Computer entwickeln, tragen also gar nie zum Fermi-Paradoxon bei. Computer wiederum erlauben es, virtuelle Welten ähnlich wie „Second Life“ zu simulieren. Diese virtuellen Welten haben gegenüber der Realität einen gewaltigen Vorteil: dem Computer ist es praktisch egal, was er genau simuliert: wer in einer riesigen Villa, mit grossem Umschwung, in einem einsamen Tal direkt vor einer eindrücklichen Bergkulisse wohnen will (zum Beispiel…), kann das tun: es braucht dafür nicht mehr (eher weniger) Rechenkapazität als die Simulation einer grauen Vorstadtwohnung. In einer virtuellen Umgebung lassen sich mit Leichtigkeit alle Wünsche und Bedürfnisse befriedigen, die unser biologisch noch immer in der Steinzeit verwurzeltes Gehirn aufwirft. Findet sich eine Möglichkeit, das Bewusstsein des Menschen völlig von seinem einstigen biologischen Körper zu trennen, könnten die Menschen der Zukunft das Leben in einem virtuellen Universum dem Leben in der „Realität“ vorziehen. Hier brauchen sie keine materiellen Nöte zu fürchten – hier können sie mit Leichtigkeit tun, was ihnen in der Realität verwehrt bleibt. Anstatt ferne Planeten tatsächlich zu besiedeln, beschränkt man sich darauf, dies in virtuellen Welten zu tun – ist ja auch viel günstiger, einfacher und ungefährlicher. Eine absolut hedonistische, auf das Individuum fixierte Gesellschaft würde entstehen, und von der ursprünglichen Zivilisation bliebe nichts Sichtbares übrig ausser ein paar sich selbst wartende, vernetzte Computer, auf deren Festplatten das Leben von Milliarden Menschen abläuft.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Nein (ausser für die sichtbaren Strukturen in der Realität)
Potentiell Speziesvernichtend: Nein (hängt allerdings von der Wartung der Computer in der Realität ab)
Löst das Fermi-Paradoxon: Ja (wenn es keine Fraktionen gibt, die das Leben in der Realität vorziehen)
[i]Der amerikanische Geografieprofessor Jared Diamond untersucht in seinem Buch „Kollaps“ die Ursachen und den zeitlichen Verlauf von Zusammenbrüchen menschlicher Gesellschaften.[/i]
Möglichkeit 8: Unsterblichkeit
In der Natur ist die Sterblichkeit von Individuen ein evolutionärer Zwang: Unsterbliche Spezies können sich biologisch nicht weiterentwickeln, weil die älteren, erfahrenen Mitglieder die jüngeren konkurrenzieren: verändert sich die Umwelt, stirbt die Spezies mangels Anpassungsfähigkeit aus. Für eine Zivilisation hingegen ist die Sterblichkeit ihrer Individuen eine gewaltige Ressourcenverschwendung: Mit dem Tod des Mitglieds stirbt auch seine Erfahrung, sein Wissen, seine Kaufkraft usw. Es müssen grosse Anstrengungen unternommen werden, um die nächste Generation auszubilden. Unsterblichkeit der Mitglieder einer Zivilisation ist damit langfristig gesehen ein Zwang für alle Zivilisationen. Da es nicht prinzipiell unmöglich scheint, biologische Körper immer wieder zu erneuern oder sonstwie (etwa durch „Upload“ in einen Computer) unsterblich zu machen, wird früher oder später jede Zivilisation das Altern stoppen können. In einer solchen Gesellschaft bleibt kein Platz für „Kinder“: sie weiss schlicht nicht, was mit ihnen anfangen, und Kinder, die in eine solche Gesellschaft hineingeboren würden, hätten auf sehr lange Zeit mit Nachteilen zu kämpfen, weil sie schlicht bei allem, was sie tun, weniger erfahren sind als die bereits bestehenden Mitglieder: was sind 50 Jahre Erfahrung im Verlgeich zu 1000? Eine solche Zivilisation würde schliesslich in der Anzahl ihrer Mitglieder stagnieren, was sie räumlich einschränken würde. Es braucht eine minimale Anzahl Menschen, um eine Zivilisation zu bilden, sei dies auf der Erde, auf einem Orbital oder auf einem fernen Planeten. Wenn die totale Anzahl Menschen beschränkt ist, ist auch die Anzahl „Kolonien“, die eine Zivilisation bilden kann, beschränkt: eine solche Zivilisation könnte sich zwar über mehrere Sternsysteme ausbreiten – doch dann gehen ihr die Mitglieder aus.
Dieses Szenario werde ich in einem späteren Artikel noch etwas ausführlicher beleuchten.
Potentiell Zivilisationsvernichtend: Nein
Potentiell Speziesvernichtend: Nein
Löst das Fermi-Paradoxon: Ja
Sehr gut denkbar, dass es noch weitere gute Lösungen gibt, wie zivilisationsbildende Spezies aus dem Universum verschwinden können. Wer eine gute Idee hat, darf dafür gerne den Kommentarstrang dieses Artikels dafür benutzen.