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Ortseingang Rafz
Fährt man von Wil kommend, am Hüslihof vorbei über die kleinen Wege nach Rafz so erscheint diese Tafel vor einem. Im Hintergrund ist die Reformierte Kirche von Rafz zu senen.
Diese kleine Abhandlung über Rafz und seine Umgebung wurde geschrieben um meinen Kindern zu erklären wie unsere nahe und ein wenig grössere Umgebung vor unserem Auftauchen (gemeint ist hier die Familie des Autors) ausgesehen haben könnte. Der Text wurde nicht wissenschaftlich erarbeitet und beinhaltet darum keine Referenzen und Quellenangaben. Das Wissen dazu wurde unter anderem im Internet. in MS Encarta und der Festschrift “1100 Jahr Rafz“ gefunden. Gewisse Zeitbereiche wurden übersprungen oder unvollständig abgehandelt.
Korrekturen und Ergänzungen nimmt der Author jederzeit gerne entgegen.
Wir beginnen unsere Reise am Beginn des Quartärs, der aktuellen geologischen Periode unserer Erde. Es ist der Beginn der vorerst letzten Eiszeit. Die Ozeane und die Atmosphäre kühlten sich ab und das Eis begann wieder die Erdmassen Amerikas und Europas zu überdecken. Nach 1,5 Mio. Jahren ging das Eis langsam zurück. Der Rheingletscher, welcher in der Zeit seiner grössten Ausdehnung den ganzen Bodensee und Gebiete weit über Schaffhausen ins Schwäbische bedeckte, fing an abzutauen. Dabei hinterliess er Kies, Schotter und auch grössere Findlinge. Diese stammen aus dem Gebiet des Bündnerlandes und wurden mit dem Eis bis in unsere Gegend transportiert. Vor ca. 10‘000 Jahren entstand also die Ebene welche das heutige Rafzerfeld bildet. Der Kiesabbau in unserer Gegend ist ein Erbe dieser Zeit.
Die Ebene und die Umgebung um den Rhein werden von vielen Tieren bevölkert. Darunter sind auch heute längst ausgestorbene Tiere wie das Mammut. Dieses riesige Tier, aus der Familie der Elefanten, war ein Pflanzenfresser. Es hatte lange gebogene Stosszähne und ein zotteliges Fell aus langen dicken Haaren. Es liebte die kalten Klimazonen und zog sich dann mit dem Rückgang der Gletscher in den Norden zurück. Im Rafzerfeld wurde ein ca. 2.75 m langer Stosszahn eines solchen Riesen gefunden. Die Art starb dann ungefähr vor 11’000 Jahren aus.
Andere Tiere wie der Bär, der Urochse, das Wisent und das Nashorn, die zu dieser Zeit unser Gebiet bevölkerten, sind mittlerweile bei uns nicht mehr zu finden. Ob zu diesem Zeitpunkt bereits Menschen in unserer Gegend wohnten kann nicht nachgewiesen werden.
Mit der Erwärmung der Atmosphäre und der zunehmenden Wiederbewaldung änderte sich das Spektrum der Tiere. Es kamen nun vor allem Hirsche, Rehe, Fische und Vögel in unserer Gegend vor. Da diese Tiere ortsfest lebten, gründete auch der Mensch dauerhaftere Siedlungen. In der jungen Steinzeit mussten bereits Menschen die Gegend des Rafzerfeld bewohnt haben. In der Lehmgrube wurden Schaber, Pfeilspitzen und ein Steinbeil gefunden.
Einige Tausand Jahre später beginnt der Mensch das Metall zu verarbeiten. Bronze wird zum wichtigsten Rohmaterial zur Herstellung von Waffen, Werkzeugen und Schmuck. Je nach Gegend unserer Erde beginnt die Bronzezeit früher (4 500 v. Chr.) oder etwas später (2500 v. Chr.). In unseren Regionen ist eher mit dem späteren Beginn zu rechnen. In Rafz fand man zwei Gräber aus der Bronzezeit.
Aus dem Norden sind die Helvetier, ein keltischer Stamm, in den westlichen Teil der heutigen Schweiz eingewandert. Sie waren Jäger, Krieger und auch Bauern. Im Jahre 107 v. Chr. versuchen grosse Scharen von Helvetiern, mehrere zehntausende, unter dem Druck germanischer Stämme nach Gallien zu ziehen. Dabei wurden sie aber durch römische Truppen aufgehalten und bei Bibracte, im heutigen Zentralfrankreich, vernichtend geschlagen und in Ihre ursprünglichen Heimatgebiete zurück gedrängt. Um das Jahr 15 v. Chr. werden die Helvetier endgültig unterworfen und ihr Gebiet den römischen Provinzen unterstellt. Damit begann auch die Ansiedlung der Römer in unserer Gegend. In der Nähe von Bülach sind auch die Grundrisse und Fundamente eines römischen Gutshofes aus dieser Zeit zu besichtigen. In der nähe von Basel war eine ihrer grösseren Städte in dieser Region, Augusta Raurica.
Die Römer besiedeln unser Gebiet. Anfangs bildet der Rhein die Grenze zu den Normannen im Norden. Doch mit der Zeit konnten sie ihr Gebiet bis weit ins heutige Deutschland ausdehnen. Um die Grenze zu sichern, bauten die Römer den Limes, die befestigte römische Grenze. Ursprünglich war der Begriff „Limes“ eine Bezeichnung für einen Weg. Erst mit der Zeit wurde er zum Inbegriff für eine befestigte Grenze, die sich vom Rhein bis an die Donau zog. Diese zuerst nur aus Erdwällen bestehende Anlage wurde nach und nach durch Wachtürme, zuerst aus Holz und später aus Stein, und kleineren Garnisonen und Kastellen bestückt. Auch wurden die Erdwälle mit der Zeit mit einem Holzzaun und Gräben verstärkt. Das Werk wurde nie beendet und verfiel mit der Zeit.
Um das Jahr 400 n. Chr. gelang es den Alemannen, einem Verband westgermanischer, vor allem swebischer Stämme (später Schwaben genannt), die ursprünglich an der Elbe siedelten, den Limes zu durchbrechen und Land am Rhein zu besiedeln. Ihre Nachfahren leben noch heute hier in unserer Gegend. Doch auch die Alamannen versuchten, wie ihre Vorgänger, weiter nach Süden zu gelangen. Dabei wurden sie aber ums Jahr 500 n. Chr. von den Franken gehindert, zurückgeworfen und besiegt. In unserer Umgebung wurden auch Gräber aus dieser Zeit entdeckt.
Ich verwende in diesem Aufsatz den Begriff Mittelalter für die Periode vom 6. bis zum 16. Jahrhundert.
In einer Schenkungsurkunde von König Ludwig dem Deutschen, einem Enkel von Karl dem Grossen, wird die Siedlung Rafz (Rafso) im Jahre 870 erstmals erwähnt. Um "für sein eigenes Seelenheil und das seiner Vorfahren" etwas zu tun, übertrug er den Besitz des Odilloz zu Rafz dem Kloster Rheinau. Durch diverse Tausch- und Abtretungsgeschäfte wechselte Rafz in den folgenden Jahren öfters den Besitzer. Bereits 875 n. Chr. erfolgte der erste Tausch, wobei Graf Gotzbert Besitzungen des Klosters Rheinau erhielt. Im 13. Jahrhundert gehörten grössere Güter in und um Rafz (zu dieser Zeit Rafse) den Freiherren von Tengen.
Die Landgrafschaft Klettgau, zu der auch das Rafzerfeld gehörte, war seit 1408 im Besitz der Grafen von Sulz welche diese vom Grafen von Habsburg-Laufenburg übernommen hatte. Auch die niedere Gerichtsbarkeit auf dem Rafzerfeld wechselte in dieser Zeit mehrfach die Hand. In Rafz und Will lag sie seit dem 13. Jahrhundert bei den Freiherren von Tengen, den Gründern von Eglisau. Doch auch diese mussten sich aus Geldnöten wieder davon trennen. Sie verkauften sie 1463 an den Freiherrn Bernhard Gradner, dem es einige Jahre später gelang auch die niederen Gerichtsbarkeiten von Hüntwangen und Wasterkingen zu erwerben. Im Jahre 1496 gelangten diese dann an die Stadt Zürich. Seither teilten sich die Grafen von Sulz und Zürich die Gerichtsbarkeit auf dem Rafzerfeld. Damit war der Zürcher Landvogt zu Eglisau für kleinere Verfehlungen der Bewohner des Rafzerfeldes zuständig, während die Hohe Gerichtsbarkeit bei den deutschen Grafen von Sulz verblieb.
Dies führte allerdings laufend zu Streit und Unstimmigkeiten. Das Problem war die Unterscheidung zwischen hoher und niederer Gerichtsbarkeit. Beim Hochgericht handelte es sich um ein Strafgericht das schwere Verbrechen verfolgte (Mord, Todschlag, schwere Körperverletzung, Notzucht, Brandstiftung, Raub, etc). Das Niedergericht war Zivil- und Strafgericht zugleich. Dabei wurden die kleineren Fälle aus dem nachbarschaftlichen und dörflichen Bereich behandelt und diente nebenbei auch noch als Notariat (das Notariat in Eglisau ist übrigens auch heute noch für das ganze Rafzerfeld zuständig). Das Gericht konnte Bussen bis zu einem bestimmten Betrag verhängen. Alles was darüber war musste dem Hochgericht übergeben werden. Da die Bussen in die Taschen der jeweiligen Gerichte gingen, war man in Eglisau daran interessiert auch höhere Bussen einzustreichen. 1594 kam es in Eglisau zu einer Konferenz mit beiden Parteien in der man die Zuständigkeiten genauer Regeln wollte. 1595 zog Zürich aber seine Bestätigung dann aber wieder zurück als sie erfuhr, dass in einer anderen Gemeinde mit ähnlichen Abkommen andere Lösungen gefunden wurden. Trotz dieses Rückschrittes wurden in der folgenden Zeit weniger Klagen bekannt. Dies hatte seinen Grund darin, dass die Administration der Grafen von Sulz vermehrt mit eigenen Problemen und Unruhen beschäftigt war. Die Untertanen des Grafen von Sulz waren nicht mehr bereit die horrenden Forderungen und Steuern zu erbringen und begannen sich zu wehren. Dieser Widerstand führte dann auch zum Rücktritt des damaligen Grafen Rudolf von Sulz zu Gunsten seines Bruders Karl Ludwig. Nach diesen Ereignissen ist es den Sulzern nie mehr gelungen ihre Ansprüche auf dem Rafzerfeld richtig durchzusetzen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Zürchern und den von Sulz hörte aber damit nicht auf.
Der Dreissigjährige Krieg, welcher auch Süddeutschland verwüstet hatte, führte zu einer weiteren finanziellen Krise beim Grafen von Sulz.
Durch die hohen Schulden der Grafen von Sulz, wurden diese im Jahre 1651 gezwungen auch die Hohe Gerichtsbarkeit an die Stadt Zürich zu verkaufen. Der Kaufpreis betrug 46‘980 Gulden, wovon allerdings sogleich 30‘800 Gulden an aufgelaufenen Schulden abgezogen wurden.
Im Jahre 1499 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft auf der einen, dem Schwäbischen Bund und dem Hause Habsburg auf der anderen Seite. Grund für diesen Krieg war die Politik des Hauses Habsburg und vor allem die Reichsreform, die 1495 in Worms beschlossen wurden. Die Eidgenossen verweigerten sich den Reichssteuern und den Reichsgerichten. Im Laufe des Krieges konnten sich die Eidgenossen militärisch behaupten. Während den kriegerischen Auseinandersetzungen wurde auch Rafz betroffen und gänzlich eingeäschert. Am 22. September 1499 wurde der Frieden von Basel geschlossen. Dabei fielen die Städte Basel und Schaffhausen an die Eidgenossenschaft. Das Gebiet der damaligen Schweiz schied damit aus dem Reich aus. Dies wurde allerdings erst anlässlich des Westfälischen Frieden (1648) endgültig festgeschrieben.
Seit dem 14. Jahrhundert wütete die Pest immer wieder in Europa. Rafz wurde davon aber erst im Jahr 1611 betroffen. Dabei verloren aber mehr als die Hälfte der Bevölkerung ihr Leben. In den folgenden Jahren wurde die Region noch zweimal von der Krankheit heimgesucht. Der „Schwarze Tod“ wie man die Krankheit damals nannte, hatte in vier Jahrhunderten in Europa über 25 Millionen Todesopfer gefordert. Bis ins 18. Jahrhundert blieb die Pest eine immer wiederkehrende Plage in Europa. Heute tritt die Pest immer wieder vereinzelt auf. Sie kann meistens behandelt werden, wobei seit einiger Zeit auch Pesterreger auftreten welche Resistent gegen die bekannten Antibiotika sind.
Der Dreißigjähriger Krieg, eigentlich eine Reihe von Kriegen zwischen 1618 und 1648, an denen die meisten Staaten Westeuropas beteiligt waren, wurde hauptsächlich auf deutschem Boden ausgetragen. Zunächst ging es vor allem um grundlegende religiöse Gegensätze, hervorgerufen durch die Reformation. Diese Gegensätze zogen im weiteren Verlauf auch nichtdeutsche Anhänger (Schweden, Dänen und Franzosen), der konkurrierenden protestantischen und katholischen Gruppen in den Konflikt und führten zu einer Ausweitung des Krieges. Mit Fortschreiten des Krieges gewannen andere als religiöse Fragen einen entscheidenden Einfluss auf Verlauf und Charakter des Krieges.
Die ungeheure Katastrophe dieser Kriege, berührte das Rafzerfeld nur am Rande. Für Rafz ergab sich eine schwierige Situation als 1633 die schwedischen Truppen, welche in dieser Zeit den ganzen Süddeutschen Raum besetzt hielten, im dicht bewachsenen Eichenwald vor Rafz lagerten. Sie versuchten wiederholt in Rafz einzudringen. Unter der Leitung des Landvogt Hirzel aus Eglisau gelang es den Dorfbewohner die Einnahme ihres Dorfes zu verhindern.
Der Krieg wurde am 24. Oktober 1648 mit dem Westfälischen Frieden in Münster beendet. Wirtschaftlich und sozial war Europa am Boden. Man schätzt, dass die Bevölkerung im Deutschen Reich um ca. 30 - 40 % zurückging. Im Friedensabkommen wurde nun erstmals die Unabhängigkeit der Schweiz festgehalten.
Damit meint man die Epoche zwischen 1789 und 1799 in welcher sich das französische Volk gegen den Adel erhob und aus Frankreich eine Demokratie machte. Diese zehn Jahre waren geprägt von Angst und Hoffnung. Sie wurde am 9. September 1799 durch einen Staatsstreich Napoleons beendet. Im Spätherbst 1798 drangen französische Truppen über den Rhein. Ein erweitertes Bataillon wurde in Rafz einquartiert. Während dieser Zeit logierte auch General Massena kurze Zeit im Gasthof Kreuz. Die Österreicher und Russen drängten im August 1799 die Franzosen über den Rhein zurück. Daraufhin quartierten sich Russen im Dorf ein. Diese zogen dann plündernd bis nach Zürich.
Auch innenpolitisch veränderte der damalige Zeitgeist die Schweiz und den Kanton Zürich. Am 5. Februar 1798 verkündeten der Grosse Rat und die Zünfte zu Zürich in feierlicher Proklamation für Stadt und Land vollkommene Gleichheit der politischen und bürgerlichen Rechte.
Der Zweite Weltkrieg (1939 – 1945) wurde auch für unser Dorf zur Bewährungsprobe. Als Grenzdorf waren wir an „vorderster Front“. Am 29. August wurde in Rafz durch Ausrufer die Mobilmachung für die Grenztruppen verkündet. Bereits einen Tag später werden im Dorf bereits Tanksperren erstellt. Mit dem Beginn der Angriffe Deutschlands gegen Polen am 1. September 1939 wird in der Schweiz die Generalmobilmachung ausgerufen. Die Grenzstrassen in unserer Umgebung werden für den motorisierten Verkehr gesperrt. Während der kommenden Jahre werden auch die Einwohner von Rafz mit Rationalisierung, verstärktem Anbau und anderen kriegswirtschaftlichen Massnahmen konfrontiert. Obwohl die Schweiz nicht direkt in die Kämpfe des Krieges involviert wurde, kam es am 22. Februar 1945, zu einer Katastrophe. Unser Dorf wurde durch ein alliiertes Flugzeug bombardiert (nachdem es von der Schweizer Flab beschossen worden war). Dabei wurde das Haus von Jakob Sigrist voll getroffen. Die ganze Familie, drei Erwachsene und fünf Kinder kamen ums Leben. Weitere Häuser im Oberdorf wurden beschädigt.
Am 8. Mai 1945 findet im Dorf ein Dankgottesdienst statt. Mitte Mai 1945 werden unsere Nachbarn in Lottstetten, Jestetten und Altenburg auf Befehl der Besatzungsmacht evakuiert.