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Vor 10 Jahren erlitt Kevin Lötscher einen schweren Unfall. Der ehemalige Profi-Eishockeyspieler musste sein Leben komplett umkrempeln. Heute gibt der Unternehmer seine Erfahrungen an andere weiter und macht ihnen Mut.
Seine Wurzeln kann er nicht verleugnen: Kevin Lötscher stammt aus dem Oberwallis und spricht diesen Dialekt auch nach vielen Jahren des Aufenthalts in der «Ausserschweiz», wie die Walliser den Rest des Landes nennen. «Ich bin in Visp aufgewachsen», sagt der 33-Jährige.
Passion Eishockey
Schon früh zog es ihn zum Eissport: «Seit ich mich erinnern kann, wollte ich unbedingt Eishockey spielen. Ich fing als Dreijähriger beim EHC Leukerbad an. Als 12-Jähriger wollte ich die Sportschule in Grône bei Siders besuchen, damit ich meine Passion leben konnte.» Dass er deshalb zuerst die französische Sprache erlernen musste, nahm er als sportliche Herausforderung an.
Nach der obligatorischen Schule erhielt Kevin Lötscher die Gelegenheit, seinen Eishockey-Traum weiterzuverfolgen: Als 16-Jähriger spielte er bei den SCL Tigers in Langnau und konnte dort gleichzeitig die kaufmännische Lehre absolvieren. «Das war die Bedingung meiner Eltern: eine solide Grundausbildung, bevor ich Profi-Eishockeyspieler werden konnte.» Sein Vater als ehemaliger Eishockeyprofi wusste, wovon er sprach.
Und so kam Kevin Lötscher seinem Traum Schritt um Schritt näher: Als 23-Jähriger war er auf einem Top-Level. 2011 hatte er mit der Schweizer Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft im slowakischen Kosice gegen die USA gewonnen: unter anderem dank seiner zwei Tore. Er war in Kontakt mit der National Hockey League (NHL) in den USA, der Crème de la Crème im Eishockey. Er hatte konkrete Pläne für die nächsten fünf Jahre.
Die Welt steht kopf
Doch dann kam alles anders, als geplant. An diesem verhängnisvollen 14. Mai 2011 war der Walliser zur falschen Zeit am falschen Ort: Zu Fuss auf dem Nachhauseweg nach einem Abend mit seinen Freunden wurde er von einer betrunkenen Autofahrerin angefahren und 30 Meter durch die Luft geschleudert. «Dank meiner körperlichen Fitness überlebte ich mit einem Schädel-Hirn-Trauma», sagt Kevin Lötscher.
Nichts ist mehr wie vorher
Zwei Wochen lag er im künstlichen Koma, drei Monate in der Rehabilitation. «Ich musste das Reden und Gehen wieder erlernen.» Kevin Lötscher hatte einen eisernen Willen und ein Ziel vor Augen: wieder Eishockey spielen. Er kämpfte sich zurück. In der Saison 2013/2014 spielte er einige Matchs beim EHC Biel. Doch er merkte: Seine Gedankengänge waren langsamer als vor dem Unfall.
Ich konnte nicht mehr vorausschauend spielen. Ich musste mich entscheiden: Wollte ich meine Passion halb leben oder wirklich glücklich sein?
Kevin Lötscher hängte den Sport an den Nagel – und fiel in eine tiefe Depression. «Dank der Unterstützung meiner Familie und vor allem durch professionelle Hilfe fand ich den Weg ins Leben zurück.»
Unternehmer und Papi
Vor zwei Jahren hat Kevin Lötscher sein Unternehmen «Sorgha» gegründet. Als Referent gibt er anderen seine Erfahrungen weiter. «Meine Devise ist ‹Deich dra, Sorg ha›. Wenn jeder zu sich selber Sorge trägt, ist schon viel gewonnen. Eine Situation kannst du nicht unbedingt ändern, aber deine Einstellung dazu, was du daraus machst. Der Spielmacher deines Lebens bist du selber.»
Einen wichtigen Part in seinem Leben spielen seine zwei Söhne: vier- und sechsjährig. Und wie könnte es anders sein: Vor allem sportliche Aktivitäten haben es ihnen angetan. «Bei ihnen ist allerdings Fussball Trumpf», sagt Kevin Lötscher und lacht. «Das ist ok so. Sie werden ihren Weg gehen.»
Serie
Eine Stafette mit Porträts
In einer losen Serie stellen die FN verschiedenste Menschen aus ihrem Einzugsgebiet vor. Die Serie funktioniert wie eine Stafette: Es ist der Porträtierte, der das nachfolgende Porträt bestimmt. jmw