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Quelle: PilatusToday
Dhiviyaa Satkunanathan blättert in einem Fotoalbum, das ihre hinduistische Pubertäts-Zeremonie zeigt. Erinnerungen an ein Fest, das eigentlich schön war. Etwas schmerzt die Luzernerin aber Jahre später noch. Sie hatte sich für die Zeremonie schön gemacht, aber ihre Verwandten sahen nur eines.
«Sie sagten: ‹Wärst du heller, dann wärst du schöner›. Meine Gesichtszüge fanden sie schön, nur die Hautfarbe passte ihnen nicht.» Es seien Kommentare wie «für ein braunes Mädchen bist du gar nicht so schlecht», gefallen. Um «schöner» auszusehen griff Dhiviyaa Satkunanathan zu einer Bleichcreme, um ihre Haut chemisch aufzuhellen. In der Kosmetikindustrie sei dies ein grosses Geschäft.
«Bleichcremes wurden zu einer Art Droge»
Auch in der Schweiz können solche Produkte gekauft werden. Die Behörden haben in Einkaufsläden im Aargau und Basel fünf Stichproben genommen. Alle hätten verbotene oder zu hoch dosierte Wirkstoffe enthalten. Davon wusste Dhiviyaa Satkunanathan als Teenager noch nichts. Sie wollte nur heller werden, damit ihre Verwandten sie nicht mehr schlecht machten.
«Ich habe eine Art Abhängigkeit entwickelt», sagt sie. «Ich stellte fest, dass ich ohne Creme dunkler werde und das wollte ich nicht. Es wurde zu einer Art Droge.»
Ursprung im Kolonialismus
Die Rassismusforscherin Mirjam Eser Davolio sagt, dass der Ursprung dieses Schönheitsideals im Kolonialismus läge: «Bereits damals wurden von den Kolonialherren Sklaven bevorzugt, die hellere Haut hatten.»
Dhiviyaa Satkunanathan hat mittlerweile gelernt, sich so anzunehmen, wie sie ist. «Ich weiss, dass ich schön bin, so wie ich bin.» Das möchte sie auch jungen Leuten weitergeben. Sie wirkt deshalb als Hauptdarstellerin im Film «Hau(p)tsache Hell» mit, in dem die Filmemacherin Sofika Yogarasa junge Frauen porträtiert, die jahrelang zu gefährlichen Bleichcremes gegriffen haben.
(abl)