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oder sehr reizbar, zu Entzündungen, vorzüglich zu Augenentzündungen geneigt ist, wenn das eine von geschickter Hand schon operirte Auge durch eine nachfolgende Entzündung zerstört wird. Ist Entzündung der Augenlieder oder des Auges vorhanden, besteht ein Ectropium oder ein Entropium, sind Verdunklungen der Hornhaut, Pannus etc. vorhanden, dann darf erst nach Hebung dieser Erscheinungen zur Operation geschritten werden. Sind bedeutende Verwachsungen der Kapsel und Uvea bestehend, so ist die Operation schwieriger. Misslingen wird die Operation, wenn Amaurosis, Synchisis im hohen Grade, Atrophie, Hydrops des Bulbus, Glaucom, und Cirsophthalmie vorhanden ist. Die Cataracte eignet sich zur Operation, wenn sie ihre Reife erreicht hat, d. h. wenn sie ausgebildet, und die producirende Kraft erschöpft ist. So lange der Staar noch in seiner Entwicklung steht, und die krankhafte Reaction in dem Linsensystem vorhanden ist, würde der operative Eingriff die krankhafte Thätigkeit auf andere Theile des Auges hinüberspielen. Nach dem Ausspruche der vorzüglichsten Augenärzte ist es gleichgültig, in welcher Jahreszeit die Operation vorgenommen wird, wenn der Staar ein reines Lokalübel ist. Den trockenen Sommer wählt mau bei arthritischen, den Winter bei fetten Individuen. Catarrhalische und rheumatische Zufälle zeigen sich vorzüglich im Anfange des Frühlings; dieser möchte der ungünstigste Zeitpunkt zur Operation seyn. Ist eine ausgezeichnet entzündliche Constitution vorhanden, so möchte in Fällen, in welchen die Operation verschoben werden kann, die Verlegung derselben auf einen geeigneteren Zeitpunkt nicht unpassend seyn. Die Vorbereitungen des Patienten zur Operation bestehen darin, dass man die Constitution und das Auge in eine solche Stimmung versetzt, in welcher die geringste Reaction dem verletzenden Eingriffe folgt. Bei dem Normzustande der Constitution und des Auges ist dieses Verhältniss gegeben. Bei einem Staar, welcher Localkrankheit ist, und bei einem gesunden Individuum vorkömmt, sind die Vorbereitungen entbehrlich, sie können selbst schädlich werden durch die Umstimmung des Organismus und der Organe,
auf welche sie wirken ). Besteht, aber Licht
scheue, Neigung zur Entzündung, Plethora, dann sind Aderlässe angezeigt, und Abführmittel, wenn die ersten Wege nicht rein sind. Hat man arthritische Anfälle zu befürchten, so müssen Ableitungen, ehe die Operation vorgenommen wird, getroffen werden. Ist die Constitution geschwächt und zerrüttet, dann muss, um jeder deleteren Entzündung vorzubeugen, durch das geeignete stärkende Verfahren das Kräfteverhältniss gebessert werden. Sind Verstopfungen vorhanden, so werden diese durch Clystiere gehoben. Ist die Operation beschlossen, so j sie nicht verschoben werden, indem dadurch die Unruhe des Patienten vermehrt wird. . Es entsteht die Frage, ob es passender ist auf beiden Augen gleichzeitig zu operiren, oder aber die Operation des einen bis zur Heilung des ersten operirten Auges zu verschieben. Die gegen das gleichzeitige Ä beider Augen vorgebrachten Gründe sind durchaus nicht genügend, um zu bestimmen, die Vortheile aufzugeben, welche nach dem gleichzeitigen Operiren beider Augen für den Patienten folgen. Der Grad der traumatischen Reaction ist nicht grösser, der Pa
“) In den Zusätzen zu Scarpa's Werk werden (2. B. S. 94) die Vorbereitungen allgemein anempfohlen. Diese bestehen in einigen Aderlässen, einigen Bädern, dem 9ebrauche abführender Getränke, einer magern Kost etc.
tient wird daher schneller, und nicht weniger sicher geheilt, wenn beide Augen gleichzeitig operirt werden !). Wenn nur eines der Augen cataractös ist, so ist, sobald die Verdunklung auf dem andern beginnt, die Operation indicirt, indem da– durch völlige Erblindung des Patienten verhütet wird ?). Es kommt bei der Staaroperation auf eine zweckmässige Stellung des Staarblinden, des Gehülsen und des Operateurs vieles an *). Der Staarblinde muss auf einen Stuhl ohne Rücklehne und schief gegen ein Fenster sitzen, damit das Licht nur von der Seite auf beide Augen fällt und kein dem Operateur hinderlicher Lichtreflex auf der Hornhaut erzeugt wird, und der Gehülfe nicht gehindert ist, sich mit dem Kopfe des Blinden dem Operateur hinlänglich nähern zu können *). Der Assistent stelle sich hinter den Kranken, bringe die linke Hand unter das Kinn desselben, und versichere sich hiedurch des Feststehens des Kopfes. Die rechte Hand lege er auf die Stirne des Blinden, drücke mit dieser den Kopf fest an die Brust, mit dem Zeige- und Mittelfinger der– selben Hand hebe er das obere Augenlied in die
1) Borer (im a. W. 5. B. S. 518) hat die Gründe für
und dagegen verglichen, und für die gleichzeitige Vor
nahme der Operation an beiden Augen sich entschieden.
2) In einem solchen Falle ist die Wirkung der Operation nie so auffallend, und die entzückende Freude des Operirten nie grösser, als wenn erst bei völliger Erblindung operirt wird. Dieses möchte manchen bestimmen mit der Operation bis zur völligen Erblindung zu warten.
3) Beer (im a. W. 2. B. S. 347).
4) Petit von Lyon und Dupuytren lassen den zu operirenden Patienten in dem Bette liegen. Ist der Staarblinde ein Kind, so werde er auf den Schoos einer Wärterin gesetzt, dann dessen Arme und Stamm mittelst einer breiten Binde an die Wärterin angebunden, und dessen Kopf an ihre Brust durch den hinter ihr steheaden Gchülsen angedrückt, und daran festgehalten
Höhe, so dass die Spitzen dieser Finger noch etwas über das Augenlied hinausreichen, die Hornhaut jedoch nicht berühren, noch den Bulbus drücken, sondern dass nur das Auge mit seiner Hornhaut, als dem höchsten Punkte, leise an die Fingerspitzen streift, wenn es sich etwa nach oben und innen vor dem eindringenden Instrumente flüchten sollte. Der Operateur, er mag sitzen oder stehen, muss höher seyn als der Blinde, so dass der Kopf des zu Operirenden der Brust des Operateurs gerade gegenüber steht; dadurch kann er während der Operation besser die Theile übersehen, und ist nicht genöthiget, die Arme bedeutend aufzuheben. Er fasst mit dem Zeigeund Mittelfinger der linken Hand das untere Augenlied; die Spitzen dieser Finger müssen über den Augenliedrand gehen, um die Verstellung des Augapfels nach innen und unten dadurch zu verhüten; zugleich zieht er das Augenlied etwas nach abwärts. Durch diese Befestigungsart der Augenlieder werden alle Augen – und Augenliedhalter überflüssig gemacht, deren Gebrauch zu unterlassen ist, da sie sämmtlich mehr oder weniger Druck und Reiz auf dem Bulbus hervorbringen.")
Die Operations – Methoden haben alle zum Zwecke die verdunkelte Linse und Kapsel aus der Sehachse zu entfernen, und dieses geschieht, 1. indem die Linse aus dem Auge entfernt wird, entweder durch Ausziehung derselben durch die geöffnete Hornhaut (Keratotomia), oder
“) Barth (Etwas über die Ausziehung des grauen Staares für den geübten Operateur. Wien, 1797) operirte ohne Gehülfe. Die Befestigungen des Augapfels durch Augenhalter werden selten gebraucht. Die gewöhnlichen Augenhalter sind: Der Spiess von Parmaart, welchem Casamata die Gestalt eines römischen S gab, und Rumpelt auf einen Fingerhut setzte, der Ring von Ollenroth, der Augenhalter von Demours, die Krücke von De Granges, der Augenhalter von Adams etc.
durch die geöffnete Sclerotica (Scleroticotomia); 2. indem der Staar dislocirt wird, wobei das dis– locirende Werkzeug durch die Sclerotica (Scleroticonyxis) oder durch die Hornhaut (Keratonyxis) eingeführt wird; 3. indem die Linse zerstückt und auf dem Wege der Resorption entfernt wird, entweder durch die Keratonyxis, oder Scleroticonyxis ). Nach der Beschaffenheit der Cataracte, des Auges, der örtlichen oder allgemeinen Complication muss die Auswahl des anzuwendenden Operationsverfahrens sich richten *).
Die Keratonyxis ist das einfachste und leichteste Operationsverfahren. Man versteht unter dieser Operation das Einführen der Nadel durch die Hornhaut, um aus diesem Wege den Staar zu zerschneiden, und aus seinen Verbindungen zu bringen, damit die Auflösung und Resorption des– selben geschehe, oder ihn niederzudrücken, um ihn aus der Sehachse zu entfernen. Dass die Absorption der dem Zutritte der wässerichten Feuchtigkeit preisgegebenen Linse Statt habe, wird nicht mehr in Zweifel gezogen, da so viele Cataracte durch traumatische Ursache gesetzt, verschwan– den. Dass die Kapsel resorbirt werde, wurde von vielen geleugnet; allein die neuen Beobachtungen haben gezeigt, dass die Kapsel, wenn sie aus ihren organischen Verbindungen vollkommen gelösst ist, ebenfalls durch die Resorption entsernt werden könne; eben so gut als Knochenstücke auf dem Wege der Aufsaugung verschwinden. Ein anderer Erfahrungssatz ist, dass die Resorption schneller in der vordern als hintern
4) De variis Cataractae curandae Methodis Dissert. inaug. auct. Heilbronn. Berolini, 182o.
2) Das Geschichtliche der Operation findet man in Sprengel's Geschichte der Chirurgie, und Schregers Grundriss chirurg. Operationen, und in Spörl D. P. Graefe de Cataractae reclinationc et de Keratonyxide Dissert. i. Med. Berolini, 1811.