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Einwohnergemeinde.
Die Stadtkassarechnung der Einwohnergemeinde der Stadt Solothurn pro erzeigt ein reines Vermögen von etwa Fr. 1182000, d. h. an Aktiven Fr. 2255000 und an Passiven Fr. 1073000. Zwei Fonds zu Schulzwecken weisen zusammen ein Vermögen von Fr. 595000 auf. Der Museums- und Saalbaufonds erzeigt bei Fr. 647000 Aktiven und Fr. 250000 Passiven ein unproduktives Vermögen von Fr. 397000. Hiebei sind nicht mitgerechnet Mobilien und Sammlungen im Gesamtbetrage von Fr. 1005000. Ausserdem besitzen 9 verschiedene Spezialfonds, deren Verwaltung ebenfalls der Gemeinde obliegt, ein Vermögen von zusammen Fr. 198000.
Die Gesamteinnahmen der Stadtkassarechnung beziffern sich auf Fr. 507000 und setzen sich zusammen wie folgt: Kapitalzinse Fr. 15000, Brunnenkonzessionen Fr. 32000, Markt- und Schlachthausgebühren Fr. 30000, Bauamtserträgnisse Fr. 25000, Beitrag des Gaswerkes Fr. 5000, Gemeindesteuern inkl. Feuerwehrenthebungsgebühren Fr. 366000 und diverse Einnahmen Fr. 34000.
Die Gesamtausgaben belaufen sich auf Fr. 512000; davon entfallen auf Schuldenverzinsung Fr. 45000, Schuldenamortisation Fr. 52000, Verwaltungskosten Fr. 54000, öffentliche Beleuchtung Fr. 20000, Baukosten Fr. 152000 und diverse Ausgaben Fr. 79000.
Für Deckung der Rechnungsausfälle wurden aufgewendet für den Schulfonds Fr. 71000, für die Real- und Handwerkerschule Fr. 13000 und für den Museums- und Saalbaufonds Fr. 26000.
Die Gemeinde besitzt ferner mit gesonderten Verwaltungen ein Elektrizitäts- und ein Gaswerk, beide kürzlich umgebaut und neu eingerichtet. Im Rechnungsjahr vom bis erzeigte jenes einen Reingewinn von Fr. 27000, wovon Fr. 15000 zu Abschreibungen verwendet wurden; das Gaswerk erzielte einen Gewinn von Fr. 47000, von welchem Fr. 40000 zu Abschreibungen und Fr. 5000 zur Abgabe an die Stadtkasse bestimmt wurden.
Die Behörden der Einwohnergemeinde sind:
1) der Gemeinderat (30 Mitglieder);
2) die Gemeinderatskommission (7 Mitglieder);
3) der Gemeindeammann, welcher von Amtes wegen Vorsitzender der beiden erstgenannten Behörden ist. Gemeinderatskommission und Ammann werden aus der Mitte des Gemeinderates, erstere vom Gemeinderat und letzterer von der Gemeinde gewählt. Die Amtsdauer für Behörden und Beamte beträgt 4 Jahre. Den Polizeidienst versehen 1 Wachtmeister und 6 Polizisten. Fernere Kommissionen sind: Steuerkommission (7 Mitglieder), Rechnungsrevisionskommission (7), Vormundschaftsbehörde (7), Feuerschaukommission (3) und Marktkommission (5). Die Schulaufsicht wird von der Schulkommission (11) und der Schuldienst vom Schuldirektor mit etwa 45 Lehrern und Lehrerinnen besorgt. Die Aufsicht über Gas- und Elektrizitätswerk wird von zwei besondern Kommissionen von je 3 Mitgliedern ausgeübt.
Geistiges und geselliges Leben.
Die Stadt Solothurn genoss von jeher den unbestrittenen Ruf, in der Pflege der Wissenschaft, Geselligkeit und Gemütlichkeit mehr zu leisten als andere Städte gleicher, ja selbst ansehnlicherer Grösse. Unter den der Verbreitung von Bildung dienenden Gesellschaften seien in erster Linie erwähnt die Literarische, die Naturforschende, die Historische und die Vortragsgesellschaft der «Töpfer». Der Geschichtsschreiber Robert Glutz-Blotzheim, der Urkundenforscher Dr. Peter Scherer und der Ratsherr Lüthy gründeten 1807/08 die Literarische Gesellschaft. Zu ihren Lesesälen, die mit in- und ausländischen politischen, wissenschaftlichen und belletristischen Zeitungen und Zeitschriften reich ausgestattet sind, können Fremde von Mitgliedern jederzeit eingeführt werden.
Ihre auch fremdsprachige Literaturen umfassende Bibliothek enthält gegen 8000 Bände. Die 1823 gegründete Naturforschende Gesellschaft blickt auf eine 75 jährige Geschichte zurück und hält ihre Sitzungen im Winter jeden Montag. Unter ihrer Aegide sind eine Reihe höchst verdienstlicher Publikationen erschienen die vornehmlich die solothurnische Flora und Fauna, sowie die Schätze der Sammlungen im Museum beschlagende Arbeiten enthalten. Die Vortragsgesellschaft der «Töpfer» hat ihren Namen von dem den Gründern befreundeten Professor Desor erhalten und schaut auf eine fünfzigjährige Tätigkeit zurück.
Wenige Jahre ausgenommen, hat sie allwinterlich 10-15 öffentliche Vorträge veranstaltet, deren Reinertrag zu wissenschaftlichen und künstlerischen Zwecken Verwendung findet. Jedes Jahr wird über die Tätigkeit der Gesellschaft ein kleines Gedenkbuch veröffentlicht oder einer der gehaltenen Vorträge zum Druck befördert. Die seit 1853 bestehende Historische Gesellschaft hält ihre Sitzungen allmonatlich einmal ab. Sie macht es sich vornehmlich zur Aufgabe, kantonale und lokale Geschichte zu pflegen und in Publikationen von ihrer Arbeit auch weitere Kreise zu unterrichten. Sie unterstützt ideell und materiell Ausgrabungen, Erhaltungsarbeiten u. s. f.
Die Interessen der bildenden Künste lassen sich die uralte Lukasbruderschaft und ganz besonders der Kunstverein angelegen sein. Letzterer hat als Vorortssektion des schweizerischen Kunstvereins 1883 die Einweihung der mit Stückelbergs Fresken geschmückten Tellskapelle geleitet. Seit der Gründung des städtischen Museums zeichnet sich der Kunstverein durch rege Tätigkeit aus, indem er temporäre Ausstellungen veranstaltet, Kunstwerke ankauft u. s. f.
Solothurn besitzt ein Theater das nicht nur zu den ältesten, sondern in den Geographiebüchern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch zu den schönsten der Schweiz gezählt wird. Wenn einmal nicht eine Berufsschauspielertruppe den Winter ganz oder teilweise in Solothurn verbringt, tritt die Liebhabertheater-Gesellschaft, deren Gründung ins 18. Jahrhundert zurückgeht, auf den Plan. Ihr hat als Mime, Kostümzeichner und Dekorationsmaler auch der treffliche Karikaturist Martin Disteli angehört. Als Kerntruppe der fast 1000 Mitspielenden in Adrian von Arx' Dornacher Festspiel (1899) hat die Gesellschaft gezeigt, was sie zu leisten im Stande ist.
An Gesangvereinen besitzt Solothurn eine reiche Zahl: Der gemischte und Damenchor «Zäzilienverein» feierte im Mai 1906 seine 75. Gründungsfeier und hat in dieser Zeit gegen 200 Konzerte gegeben. Der durch Vereinigung von Liederkranz und Liedertafel entstandene Männerchor Solothurn hat sich auch an schweizerischen Gesangfesten ehrenvolle Lorbeeren erworben. Dazu kommen zwei städtische Harmoniemusiken und zwei Orchestervereine, sowie einige kleinere Männer- und Frauengesangvereine.
Auch an Wohltätigkeitsvereinen ist die Stadt reich ¶
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(vergl. den betr. Abschnitt im Artikel über den Kanton Solothurn). Von allgemein vaterländischen Verbänden bestehen in Solothurn rührige Sektionen der schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, des schweizer. Gemeinnützigen Frauenvereins, des Gewerbevereins und des kaufmännischen Vereins, welch letztere zwei ganz besonders auch die Weiterbildung ihrer Mitglieder im Auge haben und durch berufliche Prüfungen das Ansehen ihres Standes zu heben sich alle Mühe geben. Ornithologische und Gartenbaugesellschaften, sowie Jagdschutzvereine wenden ihre Aufmerksamkeit mehr praktischen Zwecken zu. Eine Reihe religiöser Vereine, Brüderschaften, Kongregationen u. s. w., die z. T. in alte Zeit zurückdatieren, treten wenig an die Oeffentlichkeit. Zahlreich sind Schützengesellschaften und Turnvereine. Im gemütlichen Solothurn ist auch die Zahl derjenigen Vereinigungen nicht klein, die die Förderung von geselliger Fröhlichkeit zum Zwecke haben. Zu den beliebtesten zählt die Narrenzunft Honolulu, wie der selige «Postheiri» die Stadt Solothurn benannte, welche sich seit der Erbauung des Konzertsaales durch die Veranstaltung von Ballfesten grossen Stiles einen Namen gemacht hat.
Geschichtliche Uebersicht.
Nach einer frommen Ueberlieferung sind ums Jahr 300 die von Agaunum (Saint Maurice) im Wallis hierher geflüchteten Thebäer Ursus und Viktor mit ihren Genossen durch den römischen Statthalter Hirtacus ihres christlichen Glaubens wegen gemartert und schliesslich enthauptet worden. Die St. Peterskirche an der O.-Seite des Klosterplatzes soll die Stelle bezeichnen, wo die Märtyrer, die sich ihre Häupter wieder auf die Schultern gesetzt und von Dreibeinskreuz w. der Stadt auf der Aare schwimmend den langen Weg zurückgelegt haben sollen, ihre letzte Ruhe gefunden hätten. Im 5. Jahrhundert trieben die Alemannen die Römer aus ihrem helvetischen Besitz.
Die Urbewohner kämpften vereint mit den Burgundionen gegen die Eindringlinge, vermochten sich ihrer aber nicht zu erwehren. Erst Chlodwig, der kraftvolle Frankenkönig, bezwang die alemannischen Horden. Nun wurde das Castrum Solodorense wieder bezogen und innerhalb der Mauern die St. Stephans-Kapelle errichtet, die erst zu Ende des 19. Jahrhunderts in ein Wohnhaus umgebaut worden ist. Ausserhalb des Castrum erhob sich zur Zeit der Karolinger ein zweites Gotteshaus auf einer östl. vom befestigten Platz aufragenden Anhöhe, die durch ein Bachbett und eine Schlucht von jenem abgetrennt war. Es war dem Andenken der thebäischen Märtyrer Ursus und Viktor und ihrer Genossen geweiht und stand am gleichen Fleck, wo heute das St. Ursusmünster sich befindet.
Nach 1200 wurde Solothurn freie Reichsstadt. Jetzt legte man um einen weit grössern Landkomplex herum Wall, Türme und Graben an, wodurch die Stadt Solothurn nach W., N. und O. zu der Grösse gebracht ward, die sie nachher Jahrhunderte lang beibehielt. Die Kleine Stadt (Vorstadt) am rechten Ufer der Aare stand durch eine und später durch zwei Brücken mit der grössern linksufrigen Siedelung in Verbindung. Aus dieser Zeit bedeutender baulicher Entwicklung sind noch eine Anzahl von im Laufe der Zeiten stark veränderten Bauten erhalten, wie z. B. der Zeitglockenturm, das Franziskanerkloster u. a. m.
Im Jahr 1318 wurde Solothurn durch Herzog Leopold von Oesterreich vergeblich belagert. 1481 trat die Stadt in den Bund der Eidgenossen. Kurze Zeit nachher erstanden die heute noch vorhandenen, so überaus charakteristischen Muttitürme an der NW.- und NO.-Ecke, sowie das Baslertor am O.-Eingang von Solothurn.
Die Stadt erhielt eine besondere Bedeutung, als in ihr von Franz I. weg bis auf Ludwig XVI. Frankreichs ständige Ambassadoren residierten. Es hat dies auch auf den architektonischen Charakter der Stadt einen grossen Einfluss gehabt. Die Gotik musste vielfach dem jeweiligen Geschmack der französischen Herrscher weichen. Seit 1667 wurden nach dem Vauban'schen System mächtige und hohe Schanzen um die Stadt herum gelegt, die seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts zum grössten Teil abgebrochen worden sind, sodass sich davon bloss noch ¶