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Seit dem letzten AvaBlog ist es mehr als zwei Wochen her. In dieser Zeit setzte sich verbreitet die aufbauende Umwandlung der Schneedecke fort und es bildete sich eine der Voraussetzungen für die kritische Lawinensituation im Osten: Lockerer, sehr schwacher Altschnee. Überlagert mit Neu- und Triebschnee, der mit starkem bis stürmischem Nordwestwind intensiv verfrachtet wurde, wurden vor allem am Samstag, 4. Februar und Sonntag, 5. Februar im Osten der Schweizer Alpen viele Lawinen durch Personen ausgelöst.
Vor allem die unmittelbar an den letzten AvaBlog vom 19. Januar anschliessenden Tage waren hochwinterlich kalt, aber auch später gab es einen Wechsel zwischen wärmeren auch kältere Phasen. Zudem sorgten in den Bergen oft klare Nächte für eine starke Abkühlung der Schneeoberfläche. In Phasen mit Hochnebel (24. bis 29. Januar) im Norden bildete sich in den Nebelrandbereichen verbreitet Oberflächenreif. Schnee fiel wohl an manchen Tagen und oft bis in tiefe Lagen, jeweils aber nur wenig: Am Alpennordhang, in Nord- und Mittelbünden waren es in Summe bis zu 20 cm, sonst nur wenige Zentimeter oder es blieb trocken.
Mit dieser Witterung wurde die aufbauende Umwandlung der oberflächennahen Schichten und oft der ganzen Schneedecke angekurbelt. Zudem blieb der jeweils wenige Neuschnee locker. Mit dieser starken aufbauenden Schneeumwandlung wurden oberflächennahe, vormals verfestigte Schneeschichten weicher und kamen als Schneebrett nicht mehr in Frage. Mehr und mehr sank man mit den Ski durch die ganze Schneedecke bis zum Boden durch. Dies vor allem vom südlichen Wallis über das Gotthardgebiet bis nach Graubünden (vgl. Abb. 1).
Am Alpennordhang war der untere Teil der Schneedecke häufig gut verfestigt, darüber waren jedoch mehrere kantig aufgebaute Schichten in der Schneedecke eingelagert. Im westlichsten und nördlichen Unterwallis war der Schneedeckenaufbau am günstigsten und es gab kaum ausgeprägte Schwachschichten.
Nachdem der Wind bis zum letzten AvaBlog konstant und kräftig aus westlichen Richtungen blies, schlug er bis Ende Januar die Richtung aus Nordosten ein. Zum Teil kräftige Bise nagte vor allem am westlichen Alpennordhang und in der Höhe an der Schneeoberfläche und bildete an windgeschützten Orten immer wieder frische Triebschneeansammlungen. Vor allem wo diese auf eine lockere, aufbauend umgewandelte Schneeoberfläche oder auf eine allgemein schwache Altschneedecke abgelagert wurden, konnten die Triebschneeansammlungen leicht durch Personen ausgelöst werden (Abb. 2).
Lawinenmeldungen gingen fast täglich ein. Meist waren die Lawinen klein oder mittelgross. Die meisten Lawinen brachen im Altschnee oder am Übergang zu diesem, einige aber auch innerhalb von Neu- und Triebschneeschichten (vgl. Abb. 3). Am 24. Januar ereignete sich bei Fully leider auch ein tödlicher Lawinenunfall mit 2 Opfern.
Es war absehbar, dass die schwachen oberflächennahen Schneeschichten oder die vollständig umgewandelte Schneedecke eine ausgeprägte Schwachschicht werden würde, sobald genügend Neu- und Triebschnee diese überlagern. Ab dem Donnerstag, 2. Februar war dies am zentralen und östlichen Alpennordhang und den nördlichen Teilen Graubündens zunehmend gegeben.
Vom Donnerstag, 2. Februar bis Samstag, 4. Februar fielen vom Prättigau bis ins Samnaun 30 bis 40 cm Schnee, sonst in den daran angrenzenden Gebieten Nordbündens und im Unterengadin 20 bis 30 cm und am Nördlichen Alpenkamm vom Haslital bis ins Alpstein bis 20 cm Schnee (vgl. Abbildung 4).
Auf den Montag, 6. Februar fielen am Alpennordhang verbreitet weitere 10 bis 20 cm Schnee.
Obwohl die Niederschlagsmengen vergleichsweise bescheiden ausfielen, zeigte sich schon am Freitag, dass die Schneedecke sehr sensibel auf Neu- und Triebschnee reagieren würde. Zum Teil stürmischer Nordwestwind verfrachtete in dieser Periode den Neuschnee intensiv. Unter diesen Voraussetzungen wurde für den Samstag, 4. Februar in den niederschlagsreichsten Gebieten vom Prättigau bis ins Samnaun mit einer Stufe 4 (gross) vor der sehr schwachen Schneedeckensituation und der hohen Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen gewarnt. Die Gefährdung bezog sich vor allem auf das alpine Schneesportgelände oberhalb 1800 m mit Gefahrenstellen an allen Expositionen – an Südhängen war der Schneedeckenaufbau nicht besser als in den anderen Hangrichtungen.
Vor allem am Samstag, 4. Februar und am Sonntag, 5. Februar wurden dann besonders in diesen und den direkt angrenzenden Gebieten etliche spontane, durch Sprengungen und durch Personen ausgelöste Lawinen beobachtet (vgl. Abb. 5).
Häufig wurden die Lawinen fernausgelöst. Viele Risse und zahlreiche grossflächige, «laute» Wummgeräusche wurden gemeldet. Die Lawinen wurden meist mit der Grösse 2 (mittel) und 1 (klein), aufgrund der nach wie vor mageren Schneelage nur selten mit der Grösse 3 (gross) klassiert (vgl. Abb. 9). Die meisten Lawinen brachen am Übergang von Neu- und Triebschnee zum Altschnee oder im Altschnee (vgl. Abb. 6 und 7) an.
Die gesamte, gemeldete Lawinenaktivität über die hier beschriebenen Tage ist der Abbildung 8 dargestellt.
Die meisten Lawinenauslösungen durch Personen verliefen glimpflich. In Disentis sind leider zwei Personen in einer Lawine verstorben.
Für die nächste Zeit ist Geduld gefragt – die Situation im Osten der Schweizer Alpen dürfte sich nur sehr langsam verbessern.
Ähnlich verhält sich die Lawinensituation auch in den östlichen Nachbarländern Vorarlberg und Tirol.
Eine vergleichbare Situation ereignete sich genau vor einem Jahr, jedoch waren damals mehr Gebiete in den Schweizer Alpen davon betroffen. Zudem war der Anteil an grossen Lawinen (Grösse 3) deutlich höher, da insgesamt mehr Schnee lag.
Nach wie vor (deutlich) weniger Schnee als normal um diese Jahreszeit liegt in allen Gebieten der Schweizer Alpen (vgl. Abb. 9).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.