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Die These, die häufig betonte Sonderstellung des Menschen ließe sich anhand von Merkmalen seines Gehirns untermauern, ist nicht richtig. - Auch wenn sich Sprache in einfacherer Form schon bei anderen Primaten findet, so ist kaum zu bezweifeln, dass die Ausbildung der menschlichen Sprache geistige Leistungen des Menschen wie Vorstellen, Erinnern und begriffliches Denken außerordentlich effektiver gemacht hat.
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SPRACHVERMÖGEN
Einer der stärksten Unterschiede zwischen Mensch und Tieren scheint im Sprachvermögen des Menschen zu liegen. Deshalb wird allgemein angenommen, nur der Mensch besitze Sprachzentren und deshalb können nur er sprechen. Es gibt in der Verhaltensbiologie und Psychologie eine lange Diskussion darüber ob Affen und andere Tiere Sprache haben.
Eine Antwort auf diese Frage hängt natürlich unter anderem von der Definition von Sprache ab. Ein wichtiger Aspekt neben der Symbolhaftigkeit der Sprachzeichen ist die Grammatikalität,das heißt die Möglichkeit beliebige Kombinationen von Silben, Worten usw. zu bilden. Damit wird eine nahezu unendlicher Produktion von sprachlichen Bedeutungen unter Verwendung bestimmter Regeln (der Syntax) ermöglicht. Nach der Meinung des amerikanischen Linguisten N.Chomsky ist das Vorhandensein von Grammatik das entscheidende Merkmal der menschlichen Sprache.
Es besteht aber kein Zweifel darüber, dass Affen ein komplexes Laut- und Kommunikationsrepertoire und zumindest Vorstufen der menschlichen Sprachzentren besitzen. Der Neurobiologe Terrence Deacon geht auf Grund anatomischer und physiologischer Untersuchungen davon aus, dass es schon bei Primaten spezifische Gehirnszentren für Kommunikation gibt, die den beim Menschen bekannten zwei Sprachzentren entsprechen, dem Wernickeschen Areal für Wortverständnis im Schläfenlappen und dem Brocaschen Areal für Wort-Artikulation und Grammatik im Stirnhirn.
Bei Affen führen Verletzungen in entsprechenden Hirngebieten zu ähnlichen Störungen der lautlichen Kommunikation wie beim Menschen. Affen haben also ebenfalls cortikale Zentren für symbolische Kommunikation, ohne jedoch eine komplexe vokale Sprache wie die Menschen zu besitzen.
Nach Deacon vollzog sich die Ausbildung der menschlichen Sprache in mehreren Schritten. Der erste Schritt bestand in der starken Vergrößerung des präfrontalen Cortex beim Menschen (mindestens seit dem Homo erectus, der vor zwei bis 1,6 Millionen Jahren zum ersten Mal auftrat).
Die Funktionen des präfrontalen Cortex liegen in der zeitlichen Organisation von Verhalten im Kurz- und Langzeitbereich. Dies beinhaltet Handlungsplanung, die Abfolge von Handlungen, Erwartungen, lernt Strategien, Aufmerksamkeitssteuerung, kombinatorische Analyse, die Analyse symbolischer Zeichen und insbesondere das Erkennen des Bedeutungskontextes von Ereignissen.
Diese bereits beim Affen vorhandenen Funktionen des präfrontalen Cortex wurden im Laufe der Evolution des menschlichen Gehirns in den Dienst verbaler Sprache gestellt, für welche die zeitlich flexible Organisation (Grammatik, Syntax) das wesentliche Merkmal ist.
Beim Menschen übernahm der präfrontale Cortex im Vergleich zu den anderen Primaten mehr und mehr die Kontrolle der Vokalisation, die ansonsten von Zentren im limbischen System, Mittelhirn und Hirnstamm gesteuert wird. Dieser Prozess stellte keine wirklich qualitative Neuerung, sondern eine Umorganisation, eine Neuverknüpfung bereits bestehender Fähigkeiten (z. B. derjenigen des präfrontalen Cortex) dar. Das zweite wesentliche Ereignissen der Entwicklung der Sprachfähigkeit des Menschen war die Umbildung des Kehlkopfes.
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Zum Schluss müssen wir uns noch mit einer letzten These zur Überlegenheit des Menschen auseinander setzen: Nur der Mensch hat Geist und Bewusstsein, nur eher kann denken.
Es erscheint plausibel anzunehmen, dass nicht nur wir Menschen, sondern auch Affen, Hunde, Katzen usw. denken können, dass sie Geist und Bewusstsein besitzen. Diese Tiere zeigen nicht nur bestimmte Verhaltensweisen, die wir beim Menschen als intelligent oder geistig ansehen, sondern bei diesen Verhaltensweisen sind entsprechende Gehirnsgebiete in etwa derselben Weise aktiv wie beim Menschen. Die Annahme, dass beim Menschen noch irgend etwas "völlig Neues" hinzukommt, dass dann den Geist erzeugt, ist nicht gerechtfertigt, auch wenn diese Annahme das Bedürfnis des Menschen nach Einzigartigkeit befriedigen mag.
Die These, die häufig betonte Sonderstellung des Menschen ließe sich anhand von Merkmalen seines Gehirns untermauern, ist nicht richtig.
Am menschlichen Gehirn kann im Vergleich zu den ihm stammesgeschichtlich nahestehenden Tieren nichts grundlegend Neues und Anderes festgestellt werden. Vielmehr resultiert die unbezweifelbar hohe Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns aus einer Kombination von Merkmalen, die sich Einzelnen auch bei Tieren finden, nämlich ein aufrechter Gang, durch den die Hände freigesetzt werden, ein sehr hohes Hirngewicht, eine hohe funktionale Differenzierung des Gehirns, ein relativ großer Neocortex, hochentwickelte neuronalen Steuerungsmechanismen der Hände und der Mundwerkzeuge und einer Vergrößerung und Weiterentwicklung von Zentren für inhaltliche Kommunikation (Sprachzentren).
Auch wenn sich Sprache in einfacherer Form schon bei anderen Primaten findet, so ist kaum zu bezweifeln, dass die Ausbildung der menschlichen Sprache geistige Leistungen des Menschen wie Vorstellen, Erinnern und begriffliches Denken außerordentlich effektiver gemacht hat. Insbesondere hat die Erfindung einer grammatischen Sprache zusammen mit dem stark vergrößerten präfrontalen Cortex ist dem Menschen ermöglicht, mehr als andere Tiere Handlungs-und Zukunftsplanung zu treiben. Darin scheint sich der Mensch am meisten von den Tieren zu unterscheiden.