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Die letzte Ruhe — Flunterns Friedhöfe
Einst wurden die Verstorbenen des Weinbauerndorfes Fluntern beim «Creutz» oder «vor dem Lindenthor» begraben. Bis zum Jahre 1787. Dann errichtete die Gemeinde Fluntern ihren ersten eigenen Friedhof. Er lag vor den Mauern der Stadt Zürich unterhalb Flunterns bei der «Spitalwiese» an der Platte. Er war mit seinen 1700 qm ein bescheidener Friedhof, ausreichend für die damals um die 600 Einwohner Flunterns. Als deren Zahl dann im 19. Jahrhundert stark zunahm, sie stieg von 571 im Jahre 1800 auf über 3000 im Jahre 1887, erwies sich der Friedhof an der Platte bald als zu klein. 1887 eröffnete die Gemeinde Fluntern deshalb einen neuen Friedhof hoch oben auf Flunterns Allmend unterhalb des Zürichbergs.
Um den alten Friedhof an der Platte entstand ein Streit zwischen der Stadt Zürich und der Kirchgemeinde Fluntern. Beide reklamierten ihn als ihren Besitz. Ein Jahre sich hinziehender juristischer Streit war die Folge.
Es ging um das Grundstück. Das Areal des ehemaligen Friedhofs wurde von der Stadt Zürich dringend für die Erweiterung des Hochschulgebietes gebraucht. 1907 einigte man sich schliesslich. Die Stadt Zürich zahlte der Kirchgemeinde Fluntern die Summe von 70000 Franken für deren ehemaligen Friedhof. Diese Summe bildete dann den Grundstock zum Bau der Grossen Kirche Fluntern.
Der neue Friedhof Flunterns oben an der Allmend schien allerdings nur kurze Zeit bestehen zu können. Mit der Eingemeindung Flunterns in die Stadt Zürich 1893, also nur sechs Jahre nach seiner Gründung 1887, sollte er schon wieder aufgelöst werden. Für die Verstorbenen aus Fluntern war der neue grosse städtische Friedhof Enzenbühl an der Forchstrasse vorgesehen. Dagegen wehrten sich die Fluntermer. Sie wollten ihren eigenen Friedhof behalten. Und sie setzten sich durch.
Dreimal erweitert
Da die Einwohnerzahl Fluntern weiter stark zunahm, musste der Friedhof Fluntern bereits 1907 vergrössert werden. Ende der zwanziger Jahre erfolgte eine zweite und schliesslich 1948 die dritte Erweiterung auf die heutige Grösse. Er grenzt jetzt direkt an den Zoo. Eine Erweiterung ist deshalb nicht möglich. Das ist auch der Grund dafür, dass der Friedhof Fluntern zu den sogenannten «gesperrten» Friedhöfen Zürich gehört. Nur die verstorbenen Fluntermer/innen haben das Recht, auf «ihrem» Friedhof bestattet zu werden.
Es gibt allerdings Ausnahmen. Wer lange in Fluntern gelebt hat, dann etwa in einem Altersheim ausserhalb Flunterns verstorben ist, darf ebenso dort seine letzte Ruhe finden wie Menschen, deren Angehörige bereits dort liegen.
Prominentenfriedhof
Auch für Prominente und «Auswärtige», Menschen, die sich um Fluntern verdient gemacht haben, gibt es Ausnahmen. Nicht zuletzt deshalb ist der Friedhof Fluntern, der vielleicht schönste in Zürich, zu einem «Prominentenfriedhof» geworden: Elias Canetti, Nora Barnacle und James Joyce, Therese Giehse, Karl Moser, Mary und Warja Lavater, Emmie und Emil Oprecht, Lili, Leopold und Peter Szondi, Fridolin Tschudi, Karl Gustav Wehrli oder Sigmund Widmer haben hier ihre letzte Ruhe gefunden.
Seit 2004 steht der Friedhof Fluntern unter Denkmalschutz.
Martin Kreutzberg