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Durch historische Ereignisse hat sich die Formenschule im Taekwondo in unterschiedliche Richtungen entwickelt (Poomse, Hyong, Tul etc.).
Im Interesse eines gemeinsamen Taekwondo wurde in den 60er Jahren ein Team von koreanischen Grossmeistern beauftragt ganz neue Formen zu kreieren. Dieses Gremium schuf die Palgwe-, Taeguk- und die restlichen neun Meister-Poomse.
Nachfolgende Ausführungen beziehen sich in erster Linie auf die Taeguk-Poomse (Bewegungsform / Bewegungsablauf). Es ist das Formensystem des „Modernen Taekwondo", wie sie unter dem Reglement der World Taekwondo Federation (WTF) eingeführt wurde.
Bei der Entwicklung der Taeguk-Poomsae wurden Naturelemente, naturverbundene Symbole oder Zeichen aus dem Buddhismus als philosophische Basis für die Formen und deren Bewegungen gewählt. Dem Taekwondo liegen diese festgelegten Poomse zugrunde, die ein wesentlicher Bestandteil bei Prüfungen sind.
Die ersten acht Poomse, die sogenannten Schülergrade, sind die Taeguk-Formen. Sie werden durch acht Symbole gekennzeichnet. TAEGUK ist die grundlegende Form des Taekwondo und die Symbole der koreanischen Nationalflagge (Taegukki). Vier dieser Symbole sind in der Nationalflagge von Südkorea enthalten.
Himmel Yang Wasser
Feuer Yin Erde
Die Taeguk-Poomse basieren auf diesen acht Symbolen, wobei die Bewegungsrichtungen dieser Formen durch je ein Symbol repräsentiert werden, auf deren Linien man sich bewegt. Dies ist das Diagramm der jeweiligen Form!
Taeguk repräsentiert die tiefe fernöstliche Philosophie aus der Betrachtungsweise des orientalischen Denkens über die Erde, den Kosmos und die Entstehung des Lebens. Übersetzt man Taeguk aus den Zeichen für „TAE", so bedeutet es „gross" und für „GUK" entsprechend „Ewigkeit".
Taeguk hat weder Anfang noch Ende und steht für den Ursprung allen Seins. Anders formuliert birgt Taeguk etwas vom Wesensgehalt aller Dinge in sich. Die Gedanken über Taeguk sind in der Grundidee von YIN (koreanisch UM) und YANG enthalten, die den Dualismus des Kosmos symbolisieren. YIN und YANG beinhaltet das harmonische Zusammenspiel zweier entgegengesetzter Kräfte.
Der zentrale Gedanke der Taeguk bedeutet, dass trotz einer ständigen Bewegung
innerhalb der Sphäre, der Unendlichkeit, Ausgewogenheit und Harmonie herrschen.
Poomse
Übersetzung
Eigenschaft
Bedeutung
Il-Jang
Das Schöpferische
stark
Taeguk II-Jang steht für Himmel und Licht, damit alles gedeihen kann. Mit Himmel ist also die Schöpfung symbolisiert, der Anfang des Seins.
l-Jang
Das Heitere
fröhlich
Taeguk I-Jang symbolisiert Frohsinn und Glücklichkeit. Ein von Frohsinn geprägter Mensch verfügt über eine gefestigte innere Kraft, die ihn ausgeglichen und ruhig sein lässt
Sam-Jang
Das Haftende
leuchtend
Taeguk Sam Jang wird symbolisiert durch das Zeichen des Feuers. Das Feuer gibt den Menschen Wärme und Licht. Es kann aber Furcht und Schrecken verbreiten
Sa-Jang
Das Erregende
bewegend
Taeguk Sa-Jang steht für den Donner. Donner und Blitze flössen dem Menschen Furcht ein. Donner bedeutet aber gleichzeitig auch Kraft und Macht.
Oh-Jang
Das Sanfte
eindringend
Taeguk Oh-Jang steht unter dem Symbol des Windes. Trotz Stürme und Tornados hat der Wind eigentlich eine gute Bedeutung. Der Wind verteilt die Saat über die Felder und zerstreut dunkle Wolken. Er symbolisiert die Kraft der Zerstörung, und die des Aufbaus.
Yuk-Jang
Das Abgründige
gefährlich
Taeguk Yuk-Jang symbolisiert das Wassers. Wie das Wasser, das immer bergab fliesst, fliessen die Bewegungen der Poomse ineinander über.
Sil-Jang
Das Stillhaltende
ruhend
Taeguk Sil-Jang symbolisiert und steht für den Berg, Unverrückbar und Fest. Der Mensch trachtet seine Festigkeit dadurch zu erringen, dass er geht, wenn er muss, und anhält, wenn dies geboten ist.
Pal-Jang
Das Empfangende
hingebend
Taeguk Pal-Jang das achte und letzte Symbol der Taeguk steht für die Erde. Die Erde ist die Mutter des Lebens. Sie macht die Fruchtbarkeit und die Schöpfung des Himmels möglich
Eine Poomse besteht aus Kombination von Bewegungsformen. Diese beinhalten verschiedene Fussstellungen, kombiniert mit Handabwehrtechniken, Fuss- und Faustschlägen, die ineinander übergehen, sich ergänzen und als Ganzes gesehen einen Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner darstellen. Der Rhythmus der Bewegungen sowie die richtige Atmung spielen bei der korrekten Ausführung einer Poomse eine wichtige Rolle.
Die Taekwondo-Taeguks werden von allen Schülern bis zum schwarzen Gürtel erlernt und bei der Erreichung des nächst höheren Gürtelgrades im WTF-System geprüft. Nach dem erreichen des ersten Meistergrades werden für die jeweils nächst höheren Meistergradierungen die Meisterformen geprüft.
Besonders der Verteidigungsaspekt ist auch heute noch in der Poomse erkennbar. So beginnt keine Form mit einer Angriffstechnik, sondern immer mit einer Abwehr (Blocktechnik). Dies unterstreicht den defensiven Charakter von Taekwondo. Die Bewegungsformen sollen mit der nötigen Konzentration und Körperspannung, des richtigen Kraftimpuls, des Gleichgewichts und der Atmungskontrolle gelaufen werden. Dadurch wird nicht nur beim Ausführenden, sondern auch beim Betrachter der Eindruck eines Kampfes erweckt.
Nicht zuletzt ist die Poomse auch ein Kampf gegen sich selbst, da mit mangelnder Konzentration oder nicht genügendem körperlichen Einsatz der Kampf von vornherein als verloren anzusehen ist. Dies zeigt sich auch deutlich in der Präsentation der Poomse nieder. Sie wirkt in diesem Fall kraftlos, langweilig und oft auch unkontrolliert.
Man sollte stets jeweils eine Form sehr genau beherrschen und ihre Bedeutung verstehen, bevor man die nächste zu lernen beginnt. Geht der Taekwondoin zu schnell vorwärts, schleppt er die gemachten Fehler mit und kann den Anforderungen der jeweils nächst höheren Poomse nicht gerecht werden.
Die Poomse kann man überall üben. Das Üben beschränkt sich nicht nur auf den Dojang (Trainigsraum).
Um die Formen immer perfekter zu beherrschen und zu verstehen ist es für jeden Taekwondoin wichtig, dass er alle Poomse entsprechend seiner Graduierung immer wieder repetiert, die Bewegungsabläufe analysiert und auch einzelne Sequenzen detailliert studiert und übt.
Alle Taeguk-Formen haben das gleiche Schrittdiagramm. Sie sind symmetrisch und enden stets mit der letzten Technik (letzter Schritt) am Ausgangspunkt. Die Schwierigkeit der Techniken und die Kombinationen in der Form nehmen jeweils mit der nächst höheren Form zu.
Im Bewegungsablauf der Poomse werden verschiedene Techniken, Blöcke (Makki), Schläge (Chiki) und Fusstritte (Chagi) geübt.
Da die Poomse eine stilisierte Form eines Kampfes gegen mehrere gedachte imaginäre Gegner ist, müssen alle Angriffs- oder Abwehrbewegungen dementsprechend ausgeführt werden. Diesen Grundgedanken darf man beim üben der Poomse nicht vergessen!
Man muss dem jeweiligen Rhythmus der Form grosse Beachtung schenken. Die Atemtechnik und die Blickrichtung sind zusammen mit dem Kraftfluss (Spannung) und dem Rhythmus wesentliche Elemente beim Formenlaufen.
Das Poomsetraining ist anstrengend. Obwohl die Ausführung der meisten Formen weniger als eine Minute dauern, muss man eine gute Grundkondition und entsprechendes Konzentrationsvermögen mitbringen.
Durch das Trainieren der Poomse führt der Taekwondoin, nacheinander viele Grundbewegungen aus.
Der Taekwondoin erreicht eine grössere Flexibilität, verbessert seine Muskel- und Atemkontrolle und übt sich gleichzeitig in Gleichgewichtsverlagerungen. Weiter lernt er Bewegungsabläufe in flüssiger und geschmeidiger Form zu laufen, sowie Körperbewegungen in rhythmischer Art und Weise auszuführen. Neben dem beherrschen der Technik wird besonders auch die innere Haltung geschult. Ruhe, Gelassenheit, Ausstrahlung, Sicherheit, Harmonie, Entschlusskraft und Kampfgeist.
Jede einzelne Form symbolisiert eine Philosophie.
So steht zum Beispiel die vierte Poomse Taeguk Sa-Jang für den Donner. Donner und Blitz flössen dem Menschen Furcht ein. Donner bedeutet gleichzeitig aber auch Kraft und Macht. Daher drücken die Bewegungen dieser Poomse Ruhe und Mut gegenüber Gefahr aus; die Bewegungen sind kraftvoll und zielstrebig.
Eine Poomse darf nicht einfach herunterleiert werden, sondern man muss sie interpretieren; jeder Taekwondoin läuft eine Bewegung im Rahmen seines Ausdrucks und seiner Gefühle anders. Durch eigene Erlebnisse, Gefühle, Erfahrung und noch vielem mehr werden die Bewegungsformen erst lebendig und somit einzigartig.
1.
Die Konzentration am Anfang und Ende der Form ist identisch.
2.
Die Blickrichtung erfolgt in der Regel in Laufrichtung und nicht getrennt von der auszuführenden Technik, sondern mit ihr verbunden (ggf. eine Idee früher als die Technik).
3.
Alle Poomse beginnen mit einer Verteidigungstechnik
4.
Die Geschwindigkeit des Atems und der Bewegung sind exakt aufeinander abzustimmen.
5.
Alle Poomse beinhalten einen Kampfschrei " (Kihap) Dieser dient der Atmungskontrolle und der Mobilisation der inneren Kraft und Konzentration (=Ki).
6.
Die Poomse muss an der gleichen Stelle zu Ende geführt werden, an der sie begonnen wurde. Dadurch wird die präzise Ausführung der einzelnen Techniken, in Relation zur Gesamtform, demonstriert.
8.
Die Poomse muss flüssig und in rhythmischen Bewegungen ausgeführt werden. Eine Steifheit des Körpers sollte möglichst vermieden werden. Die Muskulatur wird beim ausführen der Techniken angespannt und bei Bewegungen und Richtungsänderungen entspannt. Nur so kann eine Drehung, eine Vorwärts-, oder Rückwärtsbewegung schnell durchgeführt werden.
9.
Je nach Anwendung einer Technik wird der Bewegungsablauf entweder beschleunigt oder verlangsamt.
10.
Die Bewegungen werden entschlossen ausgeführt. Das heisst die gezeigte Form soll als "Kampf" erkennbar sein. Dadurch erhält die Poomse auch ihre Dynamik.
11.
Der Kraftimpuls ist bei den Verteidigungs- und bei den Angriffstechniken deutlich sichtbar.
12.
Es soll ein deutliches Einrasten der Techniken gezeigt werden. Damit ist gemeint, dass eine Technik jeweils komplett fertig gemacht wird, bis die nächste Technik im Ablauf ausgeführt wird.
13.
Jede Technik und jede Bewegung einer Poomse ist in Reihenfolge und Richtung genau festgelegt.
14.
Jede Angriffs- oder Blocktechnik und deren Bewegung in der Poomse muss in ihrer Bedeutung klar verstanden sein und so zunächst bewusst und später unbewusst ausgeführt werden.