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Besonders interessant waren für die Forschenden die endemischen Arten – Arten, die nur in einem sehr engen geografischen Raum vorkommen. Luiz Jardim de Queiroz, Forscher am Wasserforschungsinstitut Eawag und an der Universität Bern sowie Hauptautor der Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences erschienen ist, sagt: «Während die endemischen Arten von Flohkrebsen, Amphibien, Schmetterlingen und Blütenpflanzen grösstenteils sehr alt sind und während oder sogar vor dem Pleistozän entstanden sind, sind die meisten endemischen Fischarten erstaunlich jung. Die grosse Mehrheit von ihnen tauchte erst nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 15'000 Jahren auf».
Da viele, wenn nicht alle alpinen und perialpinen Gewässer während der pleistozänen Eiszeiten von einer dicken Eisschicht bedeckt waren, fanden die lokalen Fischarten keine geeigneten Lebensräume mehr vor und starben in den Alpen höchstwahrscheinlich aus. Erst nach Ende der letzten Eiszeit konnten sie wieder einwandern, wahrscheinlich aus tiefer gelegenen Flussabschnitten der grossen Flüsse wie Donau, Rhein oder Rhone. «In den Voralpenseen spezialisierten sich dann einige der zugewanderten Fischarten innerhalb kurzer Zeit, passten sich an mehrere ökologische Nischen in denselben Seen an und bildeten so in den meisten Seen neue Arten, die alle endemisch sind», sagt Luiz Jardim de Queiroz.
Die in dieser Studie untersuchten Flohkrebse erlitten nicht das gleiche Schicksal wie die Fische. Da sie nicht wie Fische auf grosse, offene Gewässer angewiesen sind, konnten sie die Eiszeiten in kleinen Abflüssen oder unter den Gletschern in Höhlen und im Grundwasser überleben. Daher sind die meisten endemischen Flohkrebsarten in den Alpen sehr alt. Einige stammen sogar aus der Zeit vor dem Pleistozän. Die Amphibien wiederum brauchen nur im Frühjahr und Sommer offenes Wasser für die Fortpflanzung und verbringen den Rest ihres Lebens an Land. So fanden sie auch während der Eiszeiten Refugien in den Alpen. Und was die terrestrischen Arten anbelangt, so fanden viele Schmetterlings- und Pflanzenarten Zufluchtsorte, um die Eiszeiten zu überstehen.
Die Fische sind langsame Kolonisierer, aber kreativ
Die Forscher vermuten, dass der Unterschied im Tempo der Artenbildung zwischen Fischen und anderen Gruppen darauf zurückzuführen ist, wie schnell sie die neuen Lebensräume besiedeln konnten, die sich nach der letzten Eiszeit auftaten. Terrestrische Arten haben diese Gebiete wahrscheinlich relativ schnell besiedelt, da sie sich in alle Richtungen ausbreiten können. Schmetterlinge zum Beispiel fliegen ohne grosse Hindernisse von Ort zu Ort. Die Samen vieler Pflanzen wiederum können durch den Wind oder mithilfe von Vögeln über weite Entfernungen transportiert werden.