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Die Abbildung zeigt einen Satz von Referenz-a'' der Firma Richard Meinel, Stimmplattenfabrik in Zwota (Sachsen, Deutschland, Stimmplatten-Markierung "M"). Zur Festlegung einer einheitlichen Stimmhöhe lieferten die Stimmplatten-Hersteller Sätze von Pfeifen mit den gebräuchlichen, regional jedoch etwas unterschiedlichen a''-Kammertönen. (Foto LS)
Dass das Thema durchaus von praktischer Bedeutung ist, zeigt folgende biografische Episode eines Örgelistimmers aus dem Berner Oberland: In den 1950er-Jahren wurde H. einmal von einem erfahrenen Musikanten angefragt, ob er ihn bei einem Auftritt begleiten könne. Schon nach kurzem Zusammenspiel der beiden chromatischen Handorgeln zeigte sich jedoch, dass die Instrumente überhaupt nicht miteinander übereinstimmten. Der erfahrene Musikant riet H., sein Instrument doch neu stimmen zu lassen. H. reiste bald mit dem Zug vom Berner Oberland nach Zürich, um das Instrument bei einem Instrumentenhändler nachstimmen zu lassen. Mehrere Wochen später brachte die Bahnpost das Instrument neu gestimmt zurück. In freudiger Erwartung, dass die beiden Instrumente nun besser harmonieren würden, wurde die Handorgel sofort ausprobiert. Zur grossen Enttäuschung von H. konnte jedoch keine Verbesserung festgestellt werden und das Zusammenspiel tönte grauenhaft wie zuvor. Etwas vorwurfsvoll wendete der erfahrene Musikant ein, er habe doch geraten, das Instrument NEU stimmen zu lassen. Jetzt erst wurde klar, dass H.'s Instrument eine sogenannte "alte" Stimmung aufwies, mit abweichendem Kammerton und anderer Temperierung der einzelnen Tonhöhen. Die Firma in Zürich hatte bloss diese "alte" Stimmung aufgefrischt. Leider waren die Kosten für das Nachstimmen, die Reise- und den Transport so hoch, dass die gesamten Ersparnisse von H. dafür aufgewendet werden mussten und somit kein Geld für das erneute Stimmen mehr vorhanden war. In der Not wandte sich H. an einen Bauern in seiner Umgebung, der sich gelegentlich als Reparateur von Handorgeln betätigte und der ihm ein paar Kenntnisse zur Bearbeitung der Stimmen vermittelte. So nahm H. das Umstimmen seines Instrumentes in die eigenen Hände und sammelte seine ersten Erfahrungen. Jahre später hielt er sich für eine gewisse Zeit in der Nähe von Schwyz auf und liess sich, gegen Entgelt, von Martin Nauer sachkundig in die Materie einweisen. Noch heute arbeitet er als gefragter Örgelistimmer und Reparateur.
Zur historischen Entwicklung des Kammertones findet sich unter http://de.wikipedia.org/wiki/Kammerton ein ausführlicher Beitrag. Hier ein paar Auszüge:
Bis in das 19. Jahrhundert hinein gab es keine einheitliche Stimmhöhe, sondern es wurde abhängig von Region, Ort und Art der Musik unterschiedlich eingestimmt. In Deutschland lag der Kammerton im 17. und 18. Jahrhundert häufig bei etwa 415 Schwingungen pro Sekunde, im Italien des 17. Jahrhunderts bei 466 Schwingungen pro Sekunde und im barocken Frankreich bei 392 Schwingungen pro Sekunde.
Durch ein zunehmend interregionales und internationales Musikleben wuchs das Bedürfnis nach einer einheitlichen Stimmtonhöhe. In Paris legte man im Jahre 1788 den Kammerton auf 409 Schwingungen pro Sekunde fest, die sogenannte Pariser Stimmung. Im Laufe des 19. Jahrhunderts stieg der Kammerton weiter an und wurde 1858 durch die französische Akademie auf 437,5 Schwingungen pro Sekunde neu festgelegt.
Einem weiteren Anstieg versuchte 1885 eine internationale Stimmtonkonferenz in Wien Einhalt zu gebieten, bei der 435 Schwingungen pro Sekunde als Standard festgelegt wurde.Die bis heute letzte internationale Stimmtonkonferenz wurde 1939 von der International Federation of the National Standardizing Associations in London durchgeführt. Sie definierte die Kammerton-Frequenz dann als 440 Hz bei 20 °C für den Ton a1 (Standard ISO 16). Diese Regelung wurde am 30. Juni 1971 durch den Europarat bestätigt.