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Was ist Naturheilkunde
von Friedemann Garvelmann
Dozent, Autor und Heilpraktiker
Es ist kaum möglich, eine einheitliche Definition für den Begriff "Naturheilkunde" zu finden. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen, und zu unüberschaubar ist die Vielfalt der Methoden, die heute mit diesem Begriff verknüpft werden. Einige allgemeingültige Aspekte lassen sich jedoch festhalten.
Naturheilkunde hat sich aus den Beobachtungen, den Forschungen und den praktischen Erfahrungen bei der Behandlung von Krankheiten seit Beginn der Menschheitsgeschichte entwickelt. Krankheit wurde in früheren Zeiten immer als ein Ereignis interpretiert, das sich zwar meist an einer bestimmten Stelle des Körpers zeigt, aber seine Ursachen immer in einer Störung des gesamten Organismus hat. Die alten Ärzte beobachteten, dass sich im Verlauf und bei der natürlichen Heilung einer Krankheit immer wieder Vorgänge einstellten, bei denen eine Systematik erkennbar war. Seit dem 4. Jahrhundert vor Christus begann mit Hippokrates die Zeit, in der man begann, das Wissen um den Aufbau und die Funktionen des menschlichen Körpers, sowie deren Abweichungen im Krankheitsfalle wissenschaftlich zu erforschen und die dahinter stehende Systematik in der Lehre von den "Vier Säften" (Humoralpathologie) zu formulieren. Diese Humoralpathologie stellt ein Arbeitsmodell dar, mit dem man einerseits die Vorgänge, die während einer Krankheit ablaufen, erklären kann und andererseits die Basis für eine sehr tiefgreifende Therapie hat, die sich sehr unterschiedlicher Methoden bedient.
Solche Erklärungsmodelle (= Naturphilosophie) wurden in jedem Kulturkreis dieser Erde entwickelt, z.B. in China schon vor mehr als 3000 Jahren. Jede dieser Naturphilosophien benutzt die Sprache und die Bilder des jeweiligen Kulturkreises, in dem sie entstanden sind. Daher wirken sie für uns heute teilweise recht fremd und exotisch. Vergleicht man jedoch die Grundaussagen der verschiedenen Denkmodelle miteinander, stellt man fest, dass sie alle zu übereinstimmenden Ergebnissen gekommen sind, auch wenn sie meist völlig unterschiedliche Begriffe dazu verwenden.
Jedes der traditionellen medizinischen Denkmodelle versteht den Organismus als ein „biokybernetisches Regelsystem“ (wie man es im modernen, wissenschaftlichen Sprachgebrauch nennen würde), bei dem alles Materielle und alle chemischen Reaktionen einer energetisch - informativen Steuerung unterliegen.
Naturheilkundliche Diagnostik ist darauf ausgerichtet festzustellen, in welcher Weise das Regelsystem unseres Organismus gestört ist und welche Massnahmen ergriffen werden müssen, um die Selbstheilungskräfte wieder anzuregen.
Die Behandlung richtet sich nicht direkt gegen die
Beschwerden, sondern sie korrigiert die Störungen im Gesamtorganismus, die zu den Beschwerden führen. Sie ist somit immer eine Ursachentherapie und stellt eine "Hilfe zur Selbsthilfe" dar.