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Die Aktien des indischen Grosskonglomerats Adani konnten heute zum Teil wieder zulegen, nachdem die Unternehmensgruppe aufgrund von Betrugsvorwürfen in den letzten Tagen 80 Milliarden Dollar an Wert verloren hatte. Adani ist ein Mischkonzern, zu dessen Geschäftsfeldern unter anderem Rohstoffe, Logistik sowie die Energieversorgung zählen.
Die Betrugsvorwürfe wurden letzte Woche in einem Bericht der US-Investmentgruppe Hindenburg Research erhoben. Die Strategie dieses Hedge Funds besteht darin, Firmen zu finden, die sich unsauberer Geschäftspraktiken bedienen, und auf einen Kursverfall zu setzen. Damit der Kursverfall eintritt, veröffentlicht Hindenburg Research dann einen Bericht mit seinen Analysen und Vorwürfen.
Adani habe laut Hindenburg Research «dreiste Aktienmanipulation und Bilanzbetrug über Jahrzehnte» betrieben und sei überschuldet. Die Finanzwelt nimmt die Vorwürfe sehr ernst. Unter anderem auch deshalb, weil Hindenburg Research im September 2020 einen wegweisenden Bericht über den Elektrofahrzeughersteller Nikola veröffentlicht hatte.
Hindenburg hatte schon einmal recht
Auch Nikola wurde Unlauterkeiten vorgeworfen, wobei gemäss Bericht Nikola-Gründer Trevor Milton für diese verantwortlich sei. Nachdem Milton und Nikola die Vorwürfe zunächst bestritten hatten, wurde Milton später tatsächlich des Überweisungs- und Wertpapierbetrugs für schuldig befunden.
Adani wehrt sich derweil ebenfalls gegen die Vorwürfe von Hindenburg Research. Am Sonntag gab das indische Konglomerat eine 413-seitige Erklärung heraus, in der es laut eigenen Aussagen die Vorwürfe widerlege. Es handle sich um lauter Lügen, und man sei Opfer eines böswilligen Angriffs geworden, der Hindenburg durch unlautere Mittel einen satten Gewinn verschaffe.
Credit Suisse akzeptiert Adani-Bonds nicht mehr als Sicherheiten
Die Credit Suisse akzeptiert Anleihen der Unternehmensgruppe von Gautam Adani nicht mehr als Sicherheiten für Wertpapierkredite ihrer Private-Banking-Kunden.
Die Privatbanksparte der Credit Suisse hat den Beleihungswert für die von Adani Ports and Special Economic Zone, Adani Green Energy und Adani Electricity Mumbai ausgegebenen Anleihen auf Null gesetzt, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Zuvor war als Beleihungswert für Anleihen von Adani Ports etwa 75 Prozent angesetzt, wie es hiess.
(Bloomberg)
Die Vorwürfe seien ausserdem nicht nur ein ungerechtfertigter Angriff auf ein bestimmtes Unternehmen, sondern auch ein kalkulierter Angriff auf Indien sowie auf die Unabhängigkeit, Integrität und Qualität indischer Institutionen.
Vorwürfe und Gegenvorwürfe
Hindenburg Research hat auf die Antwort der Adani-Gruppe bereits reagiert: Man halte Indien für eine lebendige Demokratie – Adani spiele die nationalistische Karte nur, um von den Vorwürfen abzulenken. Und um diese gehe es nur auf etwa 30 der 414 Seiten, welche Adani als Antwort veröffentlicht habe.
Und darin sei Adani den Fragen ausgewichen, habe gar nicht darauf geantwortet oder einfach auf seine Geschäftsberichte verwiesen, mit dem Hinweis, diese widerlegten die erhobenen Vorwürfe.
Fest steht bis jetzt, dass die Veröffentlichungen von Hindenburg Research der Adani-Gruppe und ihrem Gründer, dem sechzigjährigen Gautam Adani, schwer geschadet haben. Letzte Woche noch war Adani der drittreichste Mensch der Welt, nun ist er laut dem Forbes-Tracker auf den achten Platz gerutscht, nachdem sein persönliches Vermögen um mehr als 36 Milliarden Dollar abgenommen hat.
Für die Adani-Gruppe kommen die Vorwürfe zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn das wichtigste Unternehmen der Gruppe, Adani Enterprises, ist gerade dabei, eine Kapitalerhöhung über 2,5 Milliarden Dollar durchzuführen, wofür neue Aktien ausgegeben werden.
Nur 20 Prozent gezeichnet
Die Preisspanne wurde auf 3112 bis 3276 Rupien festgelegt. Im Moment notieren die Aktien von Adani Enterprises aber bei lediglich 2970 Rupien; es ist also billiger, einfach die bestehenden Aktien zu kaufen.
Der Ankerteil der Emission – er macht 30 Prozent des Angebots aus – war bereits letzte Woche abgeschlossen. Zu den Ankeraktionären gehören staatsnahe Investoren aus Abu Dhabi. Für das Zustandekommen des Anteilsverkaufs musste jedoch eine Zeichnung von mindestens 90 Prozent erreicht werden. Und zunächst sah es ganz so aus, als würden so viele Finanzmarktakteure den Argumenten von Hindenburg Research folgen, dass die Emission gefährdet ist.*
Am Dienstagnachmittag indischer Zeit war jedoch klar, dass die Kapitalaufnahme gelingt. Schliesslich haben doch so viele Investoren und Investorinnen Anteile erworben, dass die Emission leicht überzeichnet war. Der genaue Preis wird am Mittwoch festlegt. Adani Enterprises plant, einen Teil der Erlöse zur Finanzierung von Investitionsausgaben zu verwenden sowie einige Schulden zurückzuzahlen.
Ein pikantes Detail: Auch die beiden Schweizer Grossbanken sind in den Fall involviert, wenn auch nur am Rande. Denn die Adani-Firmen sind Kunden der UBS und CS, möglicherweise ist auch Gautam Adani als Privatmann Kunde. Der Umfang der Geschäfte dürfte aber gering sein. UBS-CEO Ralph Hamers jedenfalls liess verlauten, dass das Exposure seiner Bank gegenüber der Adani-Gruppe kein Grund zur Sorge sei.
(Mit Agenturmaterial von Reuters)
* Der Artikel wurde um die Information ergänzt, dass die Kapitalaufnahme schliesslich doch auf genügend Nachfrage stiess, um zustandezukommen.