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Das Schweizer Vorsorgesystem ist eine grosse Errungenschaft und hat sich zum Grossteil sehr bewährt. Jedoch haben gewisse Bereiche mit der Zeit etwas an Glanz verloren. Vor allem in der 2. Säule haben eine Reihe externer und interner Faktoren, wie das schwierige Marktumfeld, die demografische Entwicklung, Ineffizienzen bei der Kapitalanlage sowie die Umverteilung von den Aktiven zu den Rentnern, die erwarteten zukünftigen Altersrenten in den letzten Jahren deutlich nach unten gedrückt. Es überrascht nicht, dass das Schweizer System im Mercer CFA Institute Global Pension Index 2020 nur auf Platz 12 liegt. Im Jahr 2015 lag die Schweiz noch auf Platz 4. Wenn der politische Stillstand bei der Rentenreform anhält, wird die Schweiz wahrscheinlich weitere Ränge verlieren und die Lösung der strukturellen Probleme den jüngeren Generationen überlassen.
Während die Kürzung der Leistungen für alle zukünftigen Rentner schlimm genug ist, sind Frauen besonders hart betroffen, da sie im Durchschnitt häufiger Teilzeit arbeiten und ihre durchschnittlich niedrigeren Gehälter zu geringeren Beiträgen führen, was zu einer mittleren Rentenlücke von 90% in der Schweiz führt[1].
Nun kann eine Schweizer Pensionskasse argumentieren, dass viele dieser Probleme ausserhalb ihrer Kontrolle liegen. Und das ist sicherlich richtig, z. B. im Falle der überfälligen Rentenreformen, die demografische Probleme und zu hohe BVG-Umwandlungssätze angehen muss, oder der Tatsache, dass Schweizer Bundesobligationen seit einiger Zeit negative Zinsen aufweisen.
Ein Blick auf die Anlageseite zeigt aber auch, wo Pensionskassen wirklich etwas bewegen können. 37% der Durchschnittsrente wurde in der Vergangenheit aus den Anlageerträgen finanziert[2]. Unsere Berechnungen zeigen, dass eine Erhöhung der jährlichen Zinsgutschrift von 2% auf 4% bei einem Gehalt von CHF 85‘000 in einer durchschnittlichen Pensionskasse zu einer Erhöhung der erwarteten Altersrente von 49% führen kann.
[1] Quelle: Bundesamt für Statistik.
[2] Quelle: Swisscanto Pensionskassenstudie.
Richtig investieren – im Interesse der Destinatäre
Wir sind der Meinung, dass es fünf grundsätzliche Bereiche gibt, auf die Schweizer Pensionskassen abzielen sollten, um die Anlagerenditen für ihre Rentner zu erhöhen:
1. Strategische Anlageallokation
Die strategische Anlageallokation ist die wichtigste Entscheidung und bildet die Grundlage für den Anlageerfolg der Pensionskasse. Echte Diversifikation ist der Schlüssel, wobei der Schwerpunkt auf einer Risikofaktor-Diversifikation liegt und nicht auf einer reinen Diversifikation nach Anlageklassen, die zu einer unerwünschten Konzentration bestimmter Risiken führen kann. Der Grad der erforderlichen Faktorendiversifikation kann je nach Risikotoleranz und der erwarteten Entwicklung der Pensionskasse variieren.
Das Aktienrisiko ist typischerweise das dominierende Portfoliorisiko, da es im Vergleich zu anderen Risikofaktoren eine relativ hohe Volatilität aufweist. Allerdings muss das Risiko als mehrdimensionales Konzept verstanden werden, und deshalb sollte jede Anlagestrategie auch mittels zukunftsgerichteten Szenarioanalysen geprüft werden.
Die Anlagestrategie ist auch eine Stellschraube, um potenziell eine höhere Anlageeffizienz zu realisieren. Die durchschnittliche Schweizer Pensionskasse zeigt einen signifikanten «Home Bias», wobei mehr als 30% des Portfolios in Schweizer Franken-Obligationen und 12% in Schweizer Aktien konzentriert sind. Ein optimiertes, ausgewogenes Portfolio würde eine breitere Diversifikation anstreben und gleichzeitig den Home Bias verringern und diversifizierende Faktoren wie Emerging Markets und Small Cap einbeziehen. Zusätzlich sollten bei der Festlegung der Anlagestrategie auch Investitionen in private Märkte in Betracht gezogen werden, um beispielsweise von Illiquiditätsprämien und tieferen Schwankungsrisiken zu profitieren.
2. Aktives Management
Bei richtiger und selektiver Anwendung in ausgewählten Märkten kann aktives Management eine wichtige Quelle für zusätzliche Wertschöpfung sein. Die Fähigkeit von gewissen Managern, die Märkte zu übertreffen, kann zu höheren Renditen führen. Hinzu kommt, dass einige attraktiven illiquiden Märkte, wie z. B. Immobilien oder Infrastrukturanlagen ist per se nur durch einen aktiven Anlagestil investierbar.
Statistiken von Mercer zeigen, dass die bestbewerteten Manager über alle Anlageklassen hinweg eine durchschnittliche Outperformance gegenüber der Benchmark von 1.4% p. a. seit Beginn der Erhebung erzielen konnten. Betrachtet man einzelne Märkte und Segmente, z. B. kleinkapitalisierte US-Unternehmen (Small Caps), sehen wir ein gutes Potenzial zur Generierung von einer Mehrrendite (Alpha), das hauptsächlich durch die Markteffizienz bestimmt wird. Je weniger effizient ein Markt ist, desto grösser ist die Möglichkeit für erfahrene Manager, eine Outperformance zu erzielen.
3. Dynamische Anlageallokation (DAA)
Bei der Verwaltung eines Pensionskassenportfolios bietet die dynamische Anlageallokation die Möglichkeit, von Marktbewegungen, welche weg von fairen Marktpreisen gehen, zu profitieren. Wenn sie konsequent angewendet wird, kann sie nicht nur die Portfoliorendite steigern, sondern auch das Risiko reduzieren. Ein sehr gutes Beispiel ist der aussergewöhnliche Anstieg der Kreditrisikoprämien bei Hochzinsanleihen während der COVID-bedingten Marktturbulenzen Anfang 2020. Im März 2020 begannen wir damit, unseren Kunden zu empfehlen, diese Chance auszunutzen und diese hohe Prämie auszuschöpfen. Wir waren davon überzeugt, dass diese Möglichkeit nur für einen kurzen Zeitraum bestehen würde und einen signifikanten Beitrag zu den Portfoliorenditen leisten kann, bei einem gleichzeitig geringeren Verlustrisiko im Vergleich zu Aktien.
Für Schweizer Pensionskassen, insbesondere für kleinere und mittlere Kassen, sehen wir oft zwei grosse Herausforderungen bei der Umsetzung der dynamischen Anlageallokation:
Ø Pensionskassen müssen erstens über die nötigen Ressourcen verfügen, um die Kapitalmärkte zu beobachten und relevante Anlageideen zu identifizieren, und vor allem müssen sie über die nötige Expertise verfügen, um diese Ideen mit entsprechenden Anlagelösungen von hoher Qualität auch umzusetzen.
Ø Zweitens müssen sie robuste Investitionsprozesse implementiert haben, die solche kurzfristige Investitionsentscheidungen ermöglichen. Wenn der gesamte Prozess von der Ideengenerierung bis zur Umsetzung zwei bis drei Monate dauert, ist die Gelegenheit oft schon vorbei.
Diese Faktoren sollten auch innerhalb eines Governance-Rahmens für Pensionskassen berücksichtigt werden, der mit der zunehmenden Komplexität und Anforderungen Schritt hält.
4. Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeitsfaktoren gewinnen zunehmend an Aufmerksamkeit und dies aus gutem Grund. Die Berücksichtigung von ESG-Faktoren im Anlageprozess wird sich letztlich auszahlen und langfristig bessere Risiko- und Renditeergebnisse liefern. Pensionskassen, die eine breitere Perspektive einnehmen, können das Risikomanagement verbessern und neue Chancen erschliessen, wenn sie in der Lage sind, langfristige Nachhaltigkeitstrends in ihrem Portfolio zu berücksichtigen.
5. Anlageprozesse und Governance
Pensionskassen sollten wie ein Unternehmen geführt werden. Als solches würde man erwarten, dass verschiedene Geschäftsbereiche, wie z. B. die Anlageabteilung, strategische Ziele erhält, die in messbare Anlageziele übersetzt werden können. Wenn die Pensionskasse wie ein Unternehmen gesteuert wird, muss auch entschieden werden, wie sie am effizientesten betrieben werden kann. Es müssen klare Entscheidungen getroffen werden, welche Aufgaben intern erledigt werden sollen und wo es effizienter wäre, Aufgaben zu delegieren.
Für eine kleine oder mittelgrosse Pensionskasse kann es sehr kostspielig sein, eine zeitgemässe und robuste Anlageorganisation zu betreiben. Es könnte viel effizienter sein, einen professionellen Partner zu engagieren, der den Stiftungsrat bei der Gestaltung und Umsetzung der strategischen Anlageziele unterstützt. Wenn Sie sich für einen Implementierungspartner entscheiden, können Sie in der Regel von einer Anlageplattform profitieren, die Ihnen hilft, unabhängig vom Anbieter Manager von hoher Qualität zu wettbewerbsfähigen Kosten auszuwählen und gleichzeitig über robuste Risikomanagementprozesse zu verfügen.
Zeitgemässe Anlageprozesse ermöglichen es dem Stiftungsrat, sich auf die wichtigsten strategischen Fragen zu konzentrieren und sich nicht mit dem zeitintensiven Tagesgeschäft auseinander setzen zu müssen, z. B., ob die Pensionskassenleistungen für die Mitarbeitenden attraktiv und nachhaltig finanziert sind?
Wenn Sie mehr über die in diesem Artikel besprochenen Themen erfahren möchten, können Sie sich gerne an uns wenden.