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Insbesondere die Kontoinhaber müssten demnach für die Vollgeldhaltung bezahlen. Zu diesem Schluss kommt Studienverfasser Philippe Bacchetta, Wirtschaftsprofessor an der Universität Lausanne, der die Studie am Dienstag gemeinsam mit der Bankiervereinigung vor den Medien in Zürich präsentierte.
Laut Bacchetta handelt es sich um die erste Studie, die die Auswirkungen der Vollgeldinitiative in der Schweiz untersucht. Da sich die Vollgeldinitiative in wesentlichen Punkten von ähnlichen Ideen unterscheide, seien die Resultate der bereits existierenden Studien hier nicht anwendbar.
"Fake Science"
Bacchetta geht hart mit den Initianten ins Gericht und warf ihnen "Fake Science" vor: Die Initiative ignoriere im Grunde aktuelles ökonomisches Wissen, sagte der Wirtschaftsprofessor. Die Komplexität der Initiative erlaube ihren Befürworten die Benutzung unpräziser oder irreführender Argumente, zum Teil sogar Lügen, sagte Bacchetta.
Laut der Studie würde ein Vollgeldsystem die Versprechen der Initianten nicht einlösen: So würde es keine Finanzkrisen oder grosse Ausdehnungen der Kreditvolumen verhindern. Stattdessen würden Kontoinhaber unter der Reform leiden, da die Kosten für die Vollgeldhaltung über Gebühren auf sie überwälzt würden.
Zudem würde die Initiative die Geldpolitik einschränken, die Finanzstabilität schwächen und das Vertrauen in das Schweizer Währungssystem gefährden.
Kosten von 0,8 Prozent des BIP
Bacchetta berechnete die Folgen des ersten Schritts der Reform anhand eines einfachen Modells. Beim ersten Schritt würden alle Sichteinlagen durch Reserven bei der SNB gedeckt, die SNB würde diese Gelder aber in Form eines Darlehens wieder den Banken ausleihen.
Laut Bacchettas Berechnungen würden die Nationalbank und der Bund zwar profitieren und zusätzliche Gewinne von jährlich 0,53% des Bruttoinlandproduktes (BIP)erzielen. Die Banken würden aber um 0,50% verlieren und die Einleger gar um 0,82%, was gesamtwirtschaftlich zu Kosten von -0,79% des BIP führen würde.
Die Vollgeld-Initiative wurde im Dezember 2015 eingereicht. Sie will die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken unterbinden. Zum einen soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Monopol zur Ausgabe von Buchgeld erhalten.
Die Initiative sieht die Schaffung von Zahlungsverkehrskonten bei den Geschäftsbanken vor, die vollständig durch Notenbankgeld finanziert sind - daher kommt der Begriff Vollgeld. Diese Konten wären gegen Ausfallrisiken und Bankruns vollständig geschützt. Um bei der Schaffung von Geld neue Schulden zu vermeiden, würde die Nationalbank Geld ohne Gegenleistung dem Bund, den Kantonen oder den Bürgerinnen und Bürgern übertragen.
Bankiervereinigung gegen die Initiative
Die Bankiervereinigung lehnt die Vollgeld-Initiative ab. Ein Alleingang der international stark vernetzten Schweiz sei ein unkalkulierbares Risiko, schreibt die SBVg in einer Mitteilung. Insbesondere würde das Vollgeldsystem die ureigene Kernfunktion des Bankenwesens unterbinden, indem es die Finanzierung von Krediten und Hypotheken erschwere.
Auch der Bundesrat hat sich gegen die Initiative ausgesprochen. Im 2. Halbjahr 2017 sollen die Beratungen im Parlament beginnen. Die Schweizer Stimmbürger können dann voraussichtlich im nächsten Jahr über die Initiative entscheiden.
(AWP)