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Wir hatten im Unternehmen eine Werbeleiterin. Sie war schwarzhaarig und mass 1,86 Meter. Wenn sie Schuhe mit Absätzen trug, war sie über 1,90 Meter. Wenn sie ausnahmsweise High Heels anhatte – oje, oje.
Wir waren keine männlichen Weicheier im Unternehmen, aber wenn wir ihr gegenüberstanden, waren wir trotzdem stets etwas eingeschüchtert. Man ist es einfach nicht gewohnt, beim Kontakt mit einer Frau den Kopf in den Nacken zu legen und nach oben zu blicken. Es fehlt uns dann unsere übliche maskuline Grandezza.
Warum sind Frauen kleiner als Männer?
Warum sind Frauen kleiner als Männer? Der genetische Grund liegt lange zurück. Bei den Frühmenschen, vor knapp einer Million Jahren, massen die Frauen einen Meter und waren etwa 30 Kilogramm schwer. Die Männer waren 1,50 Meter gross und wogen das Doppelte.
Es war eine ziemlich wilde Zeit. Die Männer kämpften um die Weiber, und sie waren dabei nicht zimperlich. In der Evolution pflanzten sich nur die grossen und starken Kerle fort. Die Kleinwüchsigen und die Intellektuellen blieben unbeweibt. Darum überragten Männer ihre Partnerinnen um 50 Zentimeter.
Kreditkarte wurde wichtiger als die Körperkraft
Dann wurde die Menschheit sesshaft, und es begann der Kapitalismus. Nun zählte für die männliche Attraktivität nicht mehr die rohe Gewalt. Wer der bessere Ackerbauer und der erfolgreichere Viehzüchter war, brauchte die andern nicht mehr physisch zu überragen, um an die Frauen heranzukommen. Der Trend setzte sich bis heute fort. Die Kreditkarte wurde wichtiger als die Körperkraft.
Die Frauen holten darum bei der Körpergrösse allmählich auf. In der Schweiz liegt das Verhältnis heute bei durchschnittlich 1,78 zu 1,65 Metern.
Die Körpergrösse ist in der Biologie als sogenannter Dimorphismus definiert. Ein Dimorphismus ist ein körperlicher Unterschied bei Männchen und Weibchen der gleichen Art. Bei manchen Fischen und Vögeln zum Beispiel strahlt das Männchen in bunten Farben, während das Weibchen einen Tarnanzug trägt. Noch verbreiteter aber ist als Differenzierungsmerkmal die Körpergrösse. Ein Giraffenbulle etwa wird sechs Meter hoch, eine Giraffenkuh dagegen nur 4,50 Meter.
Männer sind nicht immer obenauf
Manchmal – und damit wären wir zurück bei unserer Werbeleiterin – kann es in der Natur auch umgekehrt sein. Nicht immer sind die Herren der Schöpfung obenauf. Bei der Goldenen Seidenspinne beispielsweise ist die Spinnendame bis zu vier Zentimeter lang, der Spinnenherr aber nur vier Millimeter. Manche Spinnen wie die Schwarze Witwe fressen nach der Paarung ihre Lover auf.
Der bekannteste Dimorphismus bei der Grösse betrifft die Blauwale. Die Weibchen dieses gewaltigsten Erdbewohners sind im Durchschnitt sechs Prozent grösser als ihre Männer. Sie wiegen bis zu 200 Tonnen und sind bis zu 30 Meter lang.
Unser Blauwal im Unternehmen, die Werbeleiterin, war eine intelligente Frau. Wenn wir nach der Arbeit mitunter bei einem Drink an der Bar standen, dann sagte sie: «Ich kenne euer Problem. Ich gebe darum eine Runde aus.»
Wir blickten nach oben und sagten Prost.
Man ist es einfach nicht gewohnt, beim Kontakt mit einer Frau den Kopf in den Nacken zu legen und nach oben zu blicken.