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AKW Beznau: Neue handfeste Gründe gegen die Wiederinbetriebnahme. «Reaktordruckgefäss ist schwach dimensioniert»
Bern, 5. März 2018. Recherchen der Organisation Fokus Anti-Atom zeigen, dass die Reaktordruckgefässe in den beiden Beznau Reaktoren schwach ausgelegt sind. Dies bestätigt ein ausgewiesener Spezialist. Der neue Befund steht nicht in Zusammenhang mit den Untersuchungen über die Materialmängel und die fortgeschrittene Versprödung des Stahls, welche das ENSI untersuchen liess (das ENSI informiert über die Erkenntnisse und ob Beznau 1 wieder ans Netz darf am Dienstag). „Die neuen Erkenntnisse müssen aber berücksichtigt werden, wenn es um den Entscheid geht ob ein alter, geschwächter Reaktor in einem dicht besiedelten Gebiet trotz augenfälliger Mängel weiterbetrieben werden darf“, fordert Jürg Joss von Fokus Anti-Atom.
Der Burgdorfer Ingenieur Joseph Jenni, welcher selber Druckgefässe auslegt, wurde letztes Jahr bei der Lektüre eines Artikels im Informationsblatt von Fokus Anti-Atom auf die Abmessung der Reaktorwand der Beznau Reaktoren aufmerksam. Er rechnete nach und stellte fest, dass der Reaktor schwach dimensioniert ist. Die Betriebsspannung im Reaktorstahl ist zu nahe an der Streckgrenze. Die Streckgrenze ist ein Werkstoffkennwert und bezeichnet diejenige Spannung, bis zu der ein Werkstoff bei einer Zugbeanspruchung keine dauerhafte plastische Verformung zeigt. Eine Reaktorwand mit zu geringer Wandstärke kann sich bei einem starken Druckanstieg verformen, bei einer noch grösseren Beanspruchung (Ausfall der Reaktorkühlung) gar bersten.
In den Beznau Sicherheitsberichten von 1991 und 2001 beziffern die Betreiber die Wandstärke der baugleichen Beznau Reaktordruckgefässe mit 112-170 mm. Bestätigt wird diese Angabe durch Skizzen in den genannten Berichten. Die Reaktoren werden bei voller Leistung mit einem Überdruck von 154 bar und einer Temperatur von 315 °C betrieben. Joseph Jenni berechnete die Zugspannung aufgrund dieser Angaben.
Bei den Beznau Reaktoren resultiert eine Betriebsspannung von 228 Newton/mm2. Beim verwendeten Stahl entspricht dieser Wert 66% der Streckgrenze, respektive 41% der minimalen Bruchspannung.
Bei einem handelsüblichen Boiler resultiert eine Betriebsspannung von 90 Newton/mm2. Dies entspricht maximal 45% der Streckgrenze respektive maximal 18% der Bruchspannung. Der relativ grosse Abstand zur Streckgrenze entspricht einer höheren Sicherheitsmarge.
Jenni gibt zu bedenken: «Ein durchschnittlicher Boiler ist mit einer deutlich höheren Sicherheitsmarge ausgelegt als dies bei den Reaktordruckgefässen des AKW Beznau der Fall ist!»
Ende Januar hat Fokus Anti-Atom dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) Fragen zu den Reaktordruckgefässen RDB der AKW Beznau zugestellt und diese offenbar nicht beachtete Faktenlage unterbreitet. Eine Antwort ist ausstehend. „Das ENSI lässt sich offenbar so lange Zeit um den gefällten Entscheid zur Wiederaufnahme des Betriebs von Beznau 1 nicht zu hinterfragen“, sagt Jürg Joss von Fokus-Anti-Atom. Das sei reine Hinhaltetaktik. Dies sei auch der Grund die Öffentlichkeit zu informieren obwohl die Antwort des ENSI noch ausstehe.
|2018_03_05-FAA-MM_KKB-RDB||2018_03_05_FAA_KKB_RDB_Abmessungen|
|2016_11_FokusAntiAtomInfo_11||2017_05_Info_12.pdf|