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Der eindrucksvolle Wachtturm, der sich heute noch im Nordwesten der Stadt befindet, ist von einigen späteren Gebäuden umgeben, die einen offenen Hof einkreisen. Dieses Gebäude steht auf einem viereckigen Grundriss von ungefähr 11,2 Metern Seitenlänge. Zusammen mit dem Dach erreicht es etwas dreissig Meter Höhe. Die eckige Struktur zeigt die alte Vorprofilierung und die leichten Bossenwerke, während das den Mauern gut angepasste Aussehen der eigentlichen Mauern von sorgsam vierkantig zugeschnittenen Steinen geprägt wird. Das hohe Tor besteht noch; man gelangt dazu durch eine bedeckte Holztreppe, die an zwei Seiten des Turmes hinaufführt.
Innerhalb des Wachtturmes findet man zuunterst zwei Stockwerke ohne Festern. Dann kommt das Eingangsstockwerk, das durch das Tor geprägt wird, das sich in der vollen Wölbung erhebt, und ein Gang mit flacher Decke. Die Mauer auf der anderen Seite im Westen besitzt einen Ausgang; vielleicht als Zugang - wie an Iberg - zur Umfriedungsmauer. Der Schornstein, der in der Nordwand dieses ersten bewohnbaren Stockwerkes eingefügt wurde, hat seine ursprüngliche Basis verloren, und jetzt ruht sein Abzug auf kubischen Kapitellen des späten Römischen Stils. Die Treppe von siebzehn Tritten, die zum nächsten Stockwerk führt, ist in der Südmauer eingebettet worden.
Das Schloss von Môtiers-Travers besitzt eine ziemlich ähnliche Treppe. Man findet einen Schornstein in der Nordmauer des Stockwerkes darüber. Sie wird sie von Konsolen ohne jede Verzierung getragen. In der Nähe des Eingangs des vierten Stockwerkes werden Steinlatrinen in der Mauer untergebracht, eine Konstruktion, die an jene des Schlosses von Wartau erinnert. Dieses vierte Stockwerk gehört noch zur ursprünglichen architektonischen Substanz. Nur die grossen spitzbogenförmigen Öffnungen und die Dächer datieren zu Anfang des 16. Jahrhunderts.
Früher lag ein Graben vor den Mauern der Festung an drei Seiten. Der Eingang wurde durch eine Schranke verstärkt. Einige Dienstanhänge zweifellos aus Holz standen im Hof des Schlosses. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das Werk durch zwei Gebäude vergrössert, das hintere Schloss und das vordere Schloss. Eine Brücke wurde zwischen letzteren und dem Wachtturm gebaut. Sie überquert den Graben, und gibt Zugang zum Rest der Festung. Da die Mauer und der Graben praktisch verschwunden sind, verlor das Schloss von Arbon viel von seinem Verteidigungscharakter. Es wurde allerdings im Laufe dieser letzten Jahre neu restauriert und ist der Öffentlichkeit jetzt zugänglich. Ein sehr interessantes lokales Museum ist im Turm und in einem hinteren Teil des Schlosses eingerichtet worden.
Die Region von Arbon wurde schon seit uralten Zeiten bevölkert. Daher ist es gut möglich, Spuren der Besiedlung bis hin zur Neusteinzeit zu finden. Die Römer richteten hier ein castel auf, Arbor Félix, das nach dem Ergebnis archäologischer Ausgrabungen zwei Türme hatte. Dieses Verteidigungswerk blieb wenigstens in seiner grundlegenden Konzeption bis zum Mittelalter fortbestehen. Es schützte insbesondere eine christliche Gemeinschaft und spornte den Bischof von Konstanz an, die zentrale Verwaltungsstelle des Distriktes von Arbon, die er beherrschte, hier zu verlagern. Die Missionare Gall und Colomban hielten sich im "Arborense Castrum" auf. Der Begriff „castrum“ deutet darauf hin, dass der Ort verstärkt wurde.
Während der Kämpfe zwischen dem Bischof von Konstanz mit der Abtei von Sankt Gallen, war Arbon für den Bischof sowohl ein beträchtlich starker Ort wie auch ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum. Vom 12. Jahrhundert an wurde die Macht des Vogtes temporär von einer Familie von bischöflichen Ministrellen von Arbon ausgeübt. Gegen 1200 liess der Bischof ein neues Schloss auf dem verstärktem römischen Lager aufrichten. Das einzige Überbleibsel von diesem Gebäude ist der Wachtturm. Es ist sogar möglich, dass dieses Schloss aus Stein ein altes aus Holz ersetzt hat.
Gegen Mitte des 13. Jahrhunderts ging die neue Festung in die Hände der edlen Familie Kemnat über. Unter ihrer Herrschaft erhielt das Dorf von Arbon in 1255 seine Offenheitsbrief erhielt, während es seit schon seit einer gewissen Zeit ein Marktrecht besass. Diese neuen Rechte hatten eine Verstärkung der Befestigungswerke zur Folge. Auch interessant in der Geschichte von Arbon: In seinem jungen Alter, residierte der Letzte der Hohenstaufen, Konradin, lange Zeit im Schloss. Um sich bei der Stadt zu bedanken, übergab er ihr in 1266 die obere und niedrige Justiz. Der Graf Rudolph von Habsburg wurde zum König im 1273 ernannt und im darauf folgenden Jahr wählte das Kapitel von Konstanz Rudolph von Habsburg-Laufenburg, ein Vetter des Königs zum Bischof. Der neue Prälat erwarb in 1282 die Güter, die Volkmar und Marquart von Kemnat in Arbon besassen mit der Umgebung für die Summe von 2500 Mark. Gleichzeitig kaufte er die Rechte zurück, die seine Miterben, die Ritter von Bodman, besassen. Von 1285 an befand sich die ganze Herrschaft von Arbon also wieder in den Händen des Bischofs von Konstanz. Während der Kriege von Appenzell blieb Arbon den Österreichern dem Bischof treu. In dieser Stadt wurde der Waffenstillstand von 1403 und 1404 unterzeichnet.
Es scheint, dass der Bischof kurz nach 1300 finanzielle Schwierigkeiten erfuhr. Mehr als einmal wurde die Herrschaft mit Schulden belastet, das letzten Mal in 1382 an die Familie Paygrer von Konstanz. 1412 konnte diese das Schlosses am Wassergraben von Hagenwil erwerben und nahm dessen Namen an. Acht Jahre später entbrannte ein gewalttätiger Streit mit den Bürgern von Arbon, die mit der Stadt Konstanz einen Vertrag über den Schutz- und die Schlossrechte festgelegt hatten. Die Leute aus Konstanz eilten zur Hilfe von Arbon, als sie erfuhren, dass der Graf Frederick von Toggenburg die Renegaten von Arbon um jeden Preis unterwerfen wollte.
Verhandlungen wurden in Romanshorn und in Ravensburg aufgenommen und schliesslich musste die Stadt von Arbon auf die Rechte verzichten, die ihr von Konstanz zugestanden. Zwei Jahre später zahlte Bischof Otto I an die Paygrer die geforderte Summe zurück und trat das Schloss und die Stadt von Arbon und alles, was dazugehört Leute, Güter und Rechte - an Rudolph von Mötteli, von Ravensbourg ab. Die Summe betrug 8000 Gulden. Der Käufer, Rudolph von Mötteli Senior gilt als Vorfahr der berühmten aus Ravensburg stammenden Kaufmannfamilie. Er setzte zuerst Fuss auf "schweizerischen" Boden und von ihm stammen die zahlreichen Mötteli ab, die im Laufe der folgenden 150 Jahren in verschiedenen Schlössern in der Ostschweiz wohnten. In 1441 kaufte der Bischof von Konstanz mit der Hilfe des österreichischen Kaisers Frederick III die Herrschaft vom Sohn von Rudolph, Jean, zurück, der Ehemann von Ursula Truchsess von Diessenhofen.
Von diesem Zeitpunkt an wurde das Schloss erneut durch Vögte des Bischofs besetzt. Als die Eidgenossen in 1460 Thurgau eroberten, erwarben sie ebenfalls die Souveränität von Arbon. Sicherlich blieben die Stadt und das Schloss Eigentum des Bischofs, aber dieser musste sich verpflichten, die Türen für die Eidgenossen offen zu halten. In 1499 während des Krieges von Schwaben schenkten die letzteren den Neutralitätsversprechen des Bischofs von Konstanz, Hugo von Hohenlandenberg, keinen Glauben und besetzten Arbon. Unter seinem (er wurde 1457 im Schloss von Hegi in der Nähe von Winterthur geboren) Prälat erhielt das Schloss von Arbon ein neues Gesicht. Sobald der Krieg von Schwaben beendet wurde, widmete sich Hugo von Hohenlandenberg völlig seinen Konstruktionsplänen, die insbesondere die Umgestaltung der Kathedrale von Konstanz, des Schlosses von Meersburg von Markdorf von Hegi und des Schlosses von Arbon betrafen.
Hier liess er das feudale Schloss zwischen 1515 und 1520 abreissen. Übrig blieb nur der Wachtturm. Dann liess er das derzeitige Schloss erbauen und den Turm erhöhen, was von der Aussenseite her noch sichtbar ist. Er wohnte mehrmals in Arbon. Später wurde das Schloss wieder zum Sitz des Vogtes bis 1798.
photos Birgit Muller
Bibliographie