Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03358.jsonl.gz/2684

Im Winter 1944 näherte sich der Krieg wieder der Schweizer Grenze. Im Westen und im Norden mussten sich die einst sieggewohnten Truppen der Wehrmacht vor den überlegenen amerikanischen und französischen Verbänden zurückziehen. Oftmals blieb den abgekämpften deutschen Soldaten nur noch jener Ausweg, der im Sommer 1940 auch den unterlegenen Franzosen entlang der Grenze offenstand – die Flucht in die Internierung in der Schweiz. Die Flucht vor Kriegsgefangenschaft stand aber nicht allen offen, so waren die Schweizer Grenztruppen angewiesen, Angehörige der SS nicht ins Land zu lassen. Der „Zipfel“ von Ramsen etwa, eine Landecke des Kantons Schaffhausen, die nördlich des Rheines nach Deutschland hineinragt, war in den letzten Apriltagen 1945 besonders von den Kämpfen jenseits der Grenze berührt.
Unser Bild zeigt eine Szene am Grenzzaun auf der Schweizer Seite. Zwei Wehrmachtsangehörige liessen sich internieren und erwarten ihren Abtransport zu einem Sammellager. Sie werden von einem Gefreiten der Schweizer Grenztruppen bewacht. Dieser hält vor sich seinen Karabiner 1911, während man in der anderen Hand eine Maschinenpistole 1940 erkennen kann, die er dem vor ihm sitzenden Deutschen abgenommen hat. Der Wehrmann trägt die Felduniform der Ordonnanz 1940.
Vielfach wurde bei den Grenztruppen das Tragen der Feldmütze anstelle des Stahlhelms befohlen, damit nicht Schweizer mit Wehrmachtssoldaten verwechselt würden. Eine Massnahme, die nicht immer wie geplant funktionierte, da sich auch ohne Helme die Uniformen für den ungeübten Blick zu sehr glichen.
Der sitzende Deutsche ist ein Veteran – seine Auszeichnungen auf der rechten Brusttasche (Allgemeines Sturmabzeichen, Eisernes Kreuz 1. Klass, Verwundetenabzeichen) zeugen von hartem Einsatz. Der Mann gehört einer Aufklärungsabteilung an, seine Schulterstücke weisen ihn als Wachtmeister aus. Er war als Truppführer mit der Maschinenpistole bewaffnet und trägt die vereinfachte Feldbluse 1943. Anstelle der hohen Lederstiefel (Leder war knapp geworden) trägt er Segeltuchgamaschen, welche oft als Ersatz für die „Knobelbecher“ herhalten mussten. In Händen hält er die Einheitsfeldmütze 1943, die auch sein junger Kamerad im Hintergrund trägt.
Roger Rebmann