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BA/MA-Seminar: Utopische Gemeinschaften
UE-L37.00672
|Enseignant(s): Krüger Oliver
|Cursus: Master
|Type d'enseignement: Séminaire
|ECTS: 3
|Langue(s) du cours: Allemand
|Semestre(s): SA-2020
Zwar finden wir ausserweltliche, asketische Lebensgemeinsschaften von Nonnen, Mönchen und Wanderasketen in den meisten religiösen Traditionen vor, doch erst mit Beginn der Neuzeit entstehen Gemeinschaftsentwürfe, die in der Welt alternative Lebensformen entwickeln wollten. Das namensgebende Werk Utopia (1516) von Thomas Morus spiegelt einerseits das Verlangen nach einer besseren Form der Gesellschaft und andererseits die vernunftbasierte Hoffnung auf einen künftigen Fortschritt der Gesellschaft wider.
Die utopischen Gemeinschaften der Vergangenheit und Gegenwart wollen einige oder gar alle Aspekte des sozialen Lebens neu gestalten. Das betrifft die Verteilung von Besitz, die Sexualität, das Verhältnis der Geschlechter untereinander, die Erziehung des Nachwuches, das Wohnen und die Arbeit. Es waren nun zunächst religiöse Gemeinschaftsgründungen, die im Zuge der Reformation in den amerikanischen Kolonien Zuflucht fanden oder neu gegründet wurden wie die Puritaner Neuenglands, die Hutterer oder die Shaker. Seit dem 19. Jahrhundert entstanden in verschiedenen Wellen Gemeinschaften, die sich an sozialistischen und egalitären Idealen orientierten (z.B. die Kibbuz-Bewegung), eine Harmonie mit der natürlichen Umwelt suchten (z.B. Schweizer Lebensreformbewegung, heutige Eco-Villages, Christiana in Kopenhagen) oder politischen Systemwiderstand realisieren woll(t)en (Anarchismus, ANTIFA, Kommunen). Seit den 1960er Jahren konnten wir zudem eine Vervielfachung neureligiöser Gemeinschaften und Ashrams beobachten (z.B. Osho, Jonestown). Heute bestehen mehrere Tausend dieser alternativen Lebensgemeinschaften in einem breiten Spektrum von rein säkularen bis hin zu religiösen und spirituellen Vereinigungen weltweit.
Objectifs
Das Seminar wird zunächst die historische Entwicklung utopischer Gemeinschaften beleuchten und sich dann heutigen Gemeinschaften insbesondere auch in der Schweiz und Umgebung zuwenden. Das analytische Interesse gilt vor allem der Dynamik sozialer, religiös/spiritueller und ökologischer Zielsetzungen der betrachteten Gruppen.