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«Wie ich auf die Welt kam»: So heisst das aktuelle Buch der Basler Schriftstellerin Irena Brežná. Darin blickt sie zurück auf die letzten 50 Jahre, die seit der Emigration ihrer Familie aus der Tschechoslowakei vergangen sind - und in denen sie sich in der Fremde ein neues Leben aufbaute, die zu ihrer zweiten Heimat wurde.
Bis heute ist es das wichtigste Jahr für Irena Brežná. Wie viele andere junge Menschen auch, hoffte die damals 18-Jährige, dass sich das sozialistische Regime in der Tschechoslowakei reformieren, die Gesellschaft öffnen würde. Als Kind und Jugendliche hörte sie von ihrer Mutter immer: «Denke, was du willst, aber sag es nicht».
Die Familie emigriert nach Basel
Nun im Frühling 1968 lässt sich Brežná von der Euphorie anstecken. «Die Diktatur bröckelte, ich begann Zeitung zu lesen und wollte Journalistin werden», erinnert sich Brežná. Doch es kommt anders. Der Aufstand wird von den Truppen des Warschauer Paktes blutig niedergeschlagen. Zusammen mit ihrer Familie emigriert Brežná in die Schweiz, genauer gesagt, nach Basel.
Brežná fühlt sich unverstanden
Hier beginnt Brežná an der Universität zu studieren. «Das grösste Problem neben der Sprache war, dass ich mich hier nicht gesellschaftlich engagieren konnte. Ich verstand die politische Situation nicht», sagt Brežná. Zwar solidarisierten sich viele Baslerinnen und Basler mit der Tschechoslowakei und montierten Fähnchen in den tschechoslowakischen Landesfarben an ihre Velos.
Wenn man aus einer Diktatur in eine Demokratie kommt, merkt man, dass hier viele Dinge verwischt werden.
Trotzdem fühlt sich Brežná nicht verstanden. Auch nicht von ihren Studienkolleginnen und -kollegen, von denen viele sozialistische Regime bewunderten und nichts mit den Berichten Brežnás über die Realität in diesen Ländern hören wollten. «Wenn man aus einer Diktatur in eine Demokratie kommt, merkt man, dass hier viele Dinge verwischt werden. Es gibt kein Prinzip, nach dem man handelt».
Eine neue Sprache lernen
Umso mehr prägt sie die Begegnung mit dem Schriftteller Friedrich Dürrenmatt, den sie als Journalistin interviewt. Dürrenmatt sei so wütend auf die Zustände in den Ländern in Mittel-Osteuropa und Osteuropa gewesen, dass er diese Länder konsequent mied und sich auch nicht darum kümmerte, ob seine Stücke da aufgeführt wurden, sagt Brežná. «Solche Menschen gab es damals kaum».
Nun lebte ich in einem Rechtsstaat und konnte mich wehren. Ich musste das tun.
In einem der letzten Kapitel schreibt Brežná über eine auf den ersten Blick harmlose Episode. Darin spielen zwei Pappeln im Innenhof des Hauses in Basel, wo sie wohnt, die Hauptrolle. Die Bäume sollen nämlich gefällt werden, irgendein Nachbarschaftsstreit. Brežná glaubt der Begründung der Stadtgärtnerei nicht, die behauptet, die Bäume seien krank. Sie zieht sogar vor Gericht, um die Pappeln zu retten. «Ich lebte nun in einem Rechtsstaat und hatte das Recht und die Möglichkeit, mich zu wehren. Ich musste das tun». Eine der eindrücklichsten Botschaften des Buches.