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Mario Broggi ist ein Lobbyist des Umweltschutzes. Dank seines Einflusses konnte er europaweit zum Schutz vieler Naturlandschaften beitragen. Auch in seiner Heimat Liechtenstein.
„Wenn jemand wie ich mit italienisch-französisch-schweizerischen Wurzeln, im Wallis geboren und bei Basel aufgewachsen ist und die meiste Zeit in Liechtenstein lebt, darf von sich behaupten, Europäer zu sein". Und so, wie Mario Broggi die Fesseln von Landesgrenzen abgestreift hat, entledigte er sich als junger Forstingenieur einer traditionellen Fessel der Waldbehandlung, die lautete: Der Wald ist eine Kapitalanlage, die möglichst schnell lukrativ Holzertrag produzieren muss. Der in Triesen wohnhafte Broggi vertritt eine Waldnutzung ohne Tunnelblick. „Der Wald ist ein Ökosystem, in dem viele Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen.“ Bereits während seines forstwirtschaftlichen Studiums kam er ein erstes Mal mit dem Fürstentum in Berührung. Er machte dort sein alpines Praktikum, kam nach Studienende zurück und konnte sich sehr früh via den Europarat im internationalen Naturschutz betätigen. Dort wurde er einer der Gutachter für das Europa-Diplom für Schutzgebiete und ein gefragter Spezialist für Alpenfragen. Er lernte sowohl Probleme als auch Lösungsansätze in der Umweltpolitik von höherer, internationaler Warte aus kennen. Gleichzeitig engagierte er sich vor Ort und setzte sich für den Erhalt des «Ruggeller Rietes» ein. Diese Riedlandschaft ist rund 100 ha gross und deren Unterschutzstellung im Jahre 1977 wurde auch vom WWF unterstützt.
1969 eröffnete Broggi in Liechtenstein ein Ökobüro und bot im Umweltbereich Beratung, Gutachten und Projektplanung auf privater Basis an. Bald gründete er Niederlassungen in Vorarlberg, Zürich und Wien. Parallel dazu war er Präsident der Botanisch-Zoologischen Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg und Geschäftsführer der Liechtensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz. Von 1983-1992 war er schliesslich Präsident der Internationalen Alpenkommission (CIPRA). In seine Präsidiumszeit fällt die Formulierung und Einigung auf die Alpenkonvention, dem bisher umfangreichsten Übereinkommen zum Schutz der Alpen. 1997 nahm Mario Broggi der angebotenen Posten eines Direktors der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) angeboten. Das Forstinstitut sollte zu einem der Nachhaltigkeit verpflichteten Forschungszentrum ausgeweitet werden. Das entsprach natürlich genau seiner Philosophie. In die Zeit zwischen 1997 und seinem Rücktritt 2004 fielen verschiedene Reformschritte, gegen die sich auch intern Widerstand formiert. Ermüdet von Personalquerelen verliess er sein Amt etwas früher als ursprünglich geplant.
Dass ihn die Arbeit "auffrass", wurde ihm während der erzwungenen Zeit zur Reflexion nach einem Unfall klar. In seinem jüngsten Lebensabschnitt betreute er eine Vielzahl von Stiftungen. Sein bedeutendstes Mandat hatte er bei der MAVA-Stiftung inne (1999-2010), der wohl grössten Umweltstiftung der Schweiz, die auch ein bedeutender Geldgeber des WWF ist. Sein längstes Stiftungsmandat ist die Bristol-Stiftung, die bisher über 50 Schriften im Berner Haupt Verlag veröffentlichte. Mario Broggi selber bekam wichtige Auszeichnungen, etwa den Euronatur-Preis 2013 und den King Albert Mountain Award 2012. Trotz dieser Auszeichnungen hat er den Naturschutz vor der Haustüre nicht vergessen. Im «Pensionsalter» hat er mit zwei Kollegen begonnen in jeweils dreijähriger Arbeit Biodiversitäts-Hotspots in Form von Naturmonografien zu erforschen.