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Die Stromnetztarife in der Schweiz variieren sehr stark. Das kann einerseits auf Strukturunterschiede, andererseits aber auch auf Ineffizienzen auf Seite der Versorgungsunternehmen hinweisen.
Die Schweizer Energiepolitik ist auf die Stromproduktion fokussiert, obschon diese nur einen relativ geringen Anteil in den gesamten Energieausgaben ausmachen. Schliesslich basieren zwei Drittel des Schweizer Energiekonsums auf Erdölbrennstoffen und -treibstoffen sowie Gas. Strom macht nur knapp ein Viertel des Energieverbrauchs aus. Der Anteil des Stroms an den gesamten Endverbraucherausgaben für Energie beläuft sich mit 8,7 Mrd. Fr. auf etwa ein Drittel der Gesamtausgaben im Umfang von 27,1 Mrd. CHF (im Jahr 2009). Doch in den vom Endkunden bezahlten Stromtarifen ist nicht nur der von den Kraftwerken produzierte Strom enthalten. Noch bedeutender ist der Preis für das Netz. Nach Angaben des Übertragungsnetz-Betreibers Swissgrid beträgt der durchschnittliche Anteil der Energie im Endkundentarif 40%. Die anteiligen Kosten für Übertragungs- und Verteilnetze belaufen sich dagegen auf 46% – wobei 10% auf das nationale Übertragungsnetz und 36% auf die regionalen und lokalen Verteilnetze entfallen. Höchste Zeit, sich die Stromnetztarife etwas genauer anzusehen.
Da die Netze als natürliche Monopole gelten, werden sie auch im liberalisierten Markt von einer staatlichen Behörde reguliert. Das gilt auch in der Schweiz, wo die ElCom die Tarife der rund 750 Schweizer Netzbetreiber prüft (in Deutschland existieren etwa 900 Netzbetreiber). Im Gegensatz zu den europäischen Ländern, wo die Tarife über ein Benchmarking verglichen und mit einem Anreizsystem für Kostensenkungen und Strukturveränderungen reguliert werden, gilt in der Schweiz ein einfaches kostenbasiertes Regime. Das bedeutet, dass der Strommarktregulator ElCom die von den Netzbetreibern vorgelegten Tarife genehmigt, solange diese die geltend gemachten Betriebs- und Kapitalkosten des Netzes spiegeln. 2011 variierten die Netztarife in der Schweiz für einen Haushalt der Kategorie H5 (7500 kWh/Jahr; 5-Zimmer-Einfamilienhaus mit Elektroherd, Elektroboiler und Tumbler) zwischen etwa 2 und 17 Rappen pro kWh. Diese ausserordentlich hohe Varianz ist nicht nur zwischen sondern auch innerhalb der Kantone bedeutend (vgl. Grafik). Die höchsten Preise finden sich interessanterweise im Kanton Thurgau. Natürlich ist ein Teil der Preisvarianz auf unterschiedliche Versorgungsstrukturen wie etwa die Topographie oder die Siedlungsdichte zurückzuführen. Die Kleinheit der Schweizer Betriebe, aber auch die riesige Spanne an unterschiedlichen Netztarifen lassen jedoch vermuten, dass bei den regulierten Verteilnetzen wohl noch einiges Potenzial für Kostensenkungen vorhanden wäre.