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Einmal durch den Insta-Feed gescrollt und schon ist man da: Die Fahrt von Baden nach Zürich ist heute in 16 Minuten geschafft. Ein Katzensprung angesichts der Strecken, die viele Pendlerinnen und Pendler jeden Tag zurücklegen. Vor 175 Jahren und einem Tag war das anders. Zwischen 3 und 5 Stunden dauerte eine Kutschenfahrt durch das Limmattal damals. Dann kam der 9. August 1847 – und eine Revolution begann.
Nachzüglerin durch das Limmattal
Auslöser dieser Revolution war die Schweizerische Nordbahn – oder «Spanisch-Brötli-Bahn», wie das Zügli in Anspielung auf eine Badener Blätterteigspezialität genannt wurde. Heute vor 175 Jahren nahm sie als erste Eisenbahn auf Schweizer Boden den fahrplanmässigen Betrieb auf und läutete so in der Schweiz das Eisenbahnzeitalter ein.
Im Vergleich zu den Nachbarländern begann dieses Zeitalter in der Schweiz eher spät. Durch Frankreich rollten Eisenbahnen bereits seit 1830, durch Deutschland seit 1835. Gründe für die eidgenössische Verspätung waren topografische Schwierigkeiten, Streitereien zwischen den Kantonen und fehlende gesetzliche Grundlagen. Die Schweiz war damals noch kein gefestigter Bundesstaat, sondern eher ein lockerer Staatenbund.
Zähes Ringen um die erste Eisenbahn
Auch die Spanisch-Brötli-Bahn hatte es schwer. Als 1838 mit der Vermessung der Strecke entlang der Limmat begonnen wurde, wehrte sich die Landbevölkerung gegen das Projekt. Die Menschen befürchteten, dass die rasenden «Höllenmaschinen» ihre Gesundheit beeinträchtigen und ihr Land zerschneiden würden. Bürgerkriegsähnliche Zustände in Zürich und dem Aargau verzögerten den Baubeginn weiter. In der bewegten Zeit vor der Gründung der modernen Schweiz dauerte es von der Idee bis zur Eröffnung der Bahnlinie schliesslich mehr als 10 Jahre.
Doch Mitte der 1840-Jahre nahm das Projekt endlich Fahrt auf. Man einigte sich über die Streckenführung, gründete die Schweizerische Nordbahngesellschaft mit einem Aktienkapital von damals 20 Millionen Franken, kaufte (oder enteignete) Land und begann mit dem Bau von Gleisen, Bahnhöfen sowie dem ersten Eisenbahntunnel der Schweiz.
45 Minuten in ein neues Zeitalter
Am 7. August 1847 was es dann so weit: Nach 16 Monaten Bauzeit wurde die erste, ganz auf Schweizer Boden befindliche Eisenbahnstrecke feierlich eröffnet. Zwei Tage später startete der reguläre Betrieb mit täglich vier Fahrten in beiden Richtungen. Die Fahrzeit für die 23 km lange Strecke betrug 45 Minuten. Unterwegs hielten die Züge in Altstetten, Schlieren und Dietikon.
Die zumeist mit vier Personen- und zwei offenen Steh- beziehungsweise Güterwagen bestückten Züge transportierten in der ersten Betriebswoche von Montag bis Freitag jeweils täglich 700 bis 1100. Am Sonntag waren es dann 3278 Personen, wie die «Neue Zürcher Zeitung» am 18. August 1847 festhielt.
Quelle: az Aargauer Zeitung
Ein Flop mit weitreichenden Folgen
Trotz dieser Zahlen: Ökonomisch betrachtet war die Spanisch-Brötli-Bahn ein Fehlschlag. Der Güterverkehr entwickelte sich nicht wie erhofft. Die Zeitersparnis wurde durch das aufwändige Verladen zunichtegemacht. Wegen des Sonderbundskriegs und den europäischen Revolutionen von 1848 nahm die Zahl der beförderten Fahrgäste zudem ab. Trotz Sparübungen konnten kaum die Betriebskosten erwirtschaftet werden. Geplante Fortsetzungen der Strecke nach Basel und Aarau wurden auf Eis gelegt. 1853 ging die Bahn in Alfred Eschers Nordostbahn auf, die wiederum 1902 Teil der SBB wurde.
Die Bedeutung der ersten Schweizer Eisenbahn kann dennoch kaum überschätzt werden. Die Spanisch-Brötli-Bahn gab den Startschuss für ein Schienennetz von heute rund 5100 Kilometern, auf dem pro Jahr mehr als 450 Millionen Menschen befördert werden. Und sie brachte mit der Eisenbahn den Motor der industriellen Revolution in die Schweiz, der Zeit und Raum völlig auf den Kopf stellte. Handel, Reisen und Kommunikation liessen sich nun massiv beschleunigen, auch grosse Distanzen waren in Windeseile überwunden.