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In Rapperswil gibt es vier Rosengärten. Einer davon befindest sich, ringsum von Mauern geschützt, neben dem sogenannten Einsiedlerhaus. Doch das kleine Paradies passt eigentlich nicht in seine historische Umgebung. Denn der Garten ist ein Geschöpf unserer Zeit, das darin stehende Haus hingegen ist älter als die ganze Stadt samt Schloss und Kirche – wohl über 1000 Jahre!
Der westliche Teil der Rapperswiler Halbinsel gehört seit dem Mittelalter dem Kloster Einsiedeln. Seine heutige Gestalt erhielt es nach einem Brand im Jahre 1717.
Als die Provinzversammlung der Kapuziner in Baden beschloss, im neuen Rapperswiler Kloster eine Wollweberei für die Kutten der Brüder einzurichten, war dafür kein Platz vorhanden. In seiner Not wandte sich der Provinzial Pater Apollinaris Jütz an das Kloster Einsiedeln und bat um Erlaubnis, die neue Weberei im Einsiedlerhaus einzurichten. Die Einsiedler gaben grosszügig ihr Einverständnis. Am 17. Dez. 1669 konnten drei Brüder mit der Arbeit am Webstuhl beginnen. Diese erfreuliche Entwicklung erhielt einen Dämpfer, als der Einsiedler Abt nach nicht einmal 25 Jahren den Nutzungsvertrag mit den Kapuzinern kündigte und verlangte, das Haus sei zu räumen. Nach langem Hin und Her mussten die Kapuziner nachgeben, die Weberei ging an die Stadt über, die ein eigenes „Wolllenamt“ einrichtete.
14. Juli 1789: Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution veränderte sich das Leben in der Eidgenossenschaft, auch die Wirtschaft litt. Besonders schwierig wurden die Importe von Rohstoffen. Die Rohwolle verteuerte sich, dazu brach der Handel mit fertigen Tüchern fast völlig ein. Das Wollenamt wurde immer mehr zu einer Belastung der Stadtkasse. Daher beschloss der Rapperswiler Magistrat 1790, das Amt aufzulösen und die gesamte Einrichtung wieder an die Kapuziner zurückzugeben. 1895 schaffte man einen Petrolmotor der Firma Sauter an. Als im Ersten Weltkrieg der Import von Petrol schwierig und teuer wurde, bauten die technisch versierten Kapuziner 1914 einen Elektromotor ein. 1971 starb Bruder Christian Endres, der letzte Wollweber im Einsiedlerhaus. Mit seinem Tod endete die mehr als 300-jährige Tradition. Während das Haus selbst unter der Obhut der Kapuziner blieb, pachtete 1972 die Stadt Rapperswil den Garten. Seit dem 1. Januar 2012 besitzt nun die Stadt Rapperswil-Jona das Einsiedlerhaus im Baurecht. Damit endet für die Kapuziner auch eine finanzielle Belastung, denn bisher mussten sie jedes Jahr am 6. Januar dem Kloster Einsiedeln den Pachtzins für das Haus abliefern. Er belief sich auf genau einen Franken. Diese Verpflichtung sind die Kapuziner nun los.
(Markus Turnherr, Stadtarchivar, in den OBERSEENACHRICHTEN)