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Als Schatzinsel der Artenvielfalt wird sie bezeichnet: die Alp Flix, ein Hochplateau zwischen 1900 und 2000 Höhenmetern oberhalb des Dörfchens Sur im bündnerischen Oberhalbstein. Stehende Gewässer schufen diese geschützte Moorlandschaft von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung. Die Ebene fällt gegen Westen jäh ins Tal ab, während das Gelände östlich davon steil bis zu den Gipfeln auf über 3300 m ansteigt.
Die ganzjährig bewohnte Alp ist eine Oase für Ruhesuchende wie auch für Biodiversitätsforscher. Die Alp Flix entspricht nicht der klassischen Alpsiedlung, die nur zur Sömmerung des Viehs genutzt wird. Vier Familien leben ganzjährig hier, wo grossflächig Heu gewonnen und zum Teil auch dort verfüttert wird. Neben der Landwirtschaft ist vor allem der Tourismus für die Gemeinde von Bedeutung. Wanderer lieben den Charme der Alp Flix mit ihren gurgelnden Bächen und blumenübersäten Matten.
Eine wechselvolle Geschichte
Vor etwa 600 Jahren wurde die Hochebene von den deutschsprachigen Walsern, die von Avers über Bivio oder von der Alp Faller hergewandert waren, erobert. Sie rodeten die Ebene und nutzten diese für die Landwirtschaft. Verschiedene Siedlungen – Las Cuorts, Tgalucas, Tga d’Meir und Salategnas – wurden erstellt und bewohnt. Alte Dokumente erzählen, dass um das Jahr 1500 ungefähr 200 Personen auf der Alp Flix lebten. Die Pest von 1629/30 dezimierte die Bevölkerung stark, und so zogen die Bewohner der Alp Flix nach Sur hinunter, um ihre Existenzen dort wiederaufzubauen.
Von Weitem sichtbar ist die Kapelle St. Placidus und Rochus. Sie wurde um die Mitte des 14. Jahrhunderts mit einem Anbau für eine Pfarrerwohnung von den hiesigen Walsern erstellt. Zeitweise hatten sie gar einen eigenen Pfarrer. Die Kapelle war anfänglich den Heiligen Placi und Sigisbert geweiht, nach der erwähnten Pest aber dem Heiligen der Seuchen: Rochus. 1982/83 wurde das Gebäude restauriert, nicht aber die angebaute Wohnung und die Sakristei. Die Kapelle ist ein gegen Osten gerichteter Bau mit quadratischem Chor und Tonnengewölbe. Der Altar ist aus Holz und mit der Jahreszahl 1660 datiert. Der einfache Aufsatz mit zwei Säulen ist ein schönes und gutes Werk, das noch in der originalen Fassung erhalten ist. Das Altarblatt stellt Maria in den Wolken mit den Patronatsheiligen (Rochus und Placidus) dar.
Im Parterre der Pfarrwohnung befindet sich die Sakristei mit einem Turmofen und einem Schrankbuffet, in welchem das Bett des Pfarrers eingerichtet war. Im zweiten Stock (über der Sakristei) beachte man die getäferte Stube. Ein Turm fehlt. Auf dem Nordgiebel der Pfarrwohnung ist ein offenes Glockenjoch mit Satteldach aufgebaut. Die Glocke trägt die Inschrift «Conrad-Rist-Hauptmann-Cum-Eisenbols-Last-Mich-Giesen-1631.» In den Jahren 1982/83 wurde unter Aufsicht der eidgenössischen und kantonalen Denkmalpflege das Gotteshaus restauriert und durch den Abbruch des Westanbaus der Zustand aus dem 17. Jahrhundert wiederhergestellt.
Ein Refugium für Ruhesuchende
Im Jahr 2020 wurde von der Eigentümerin der Kapelle, der katholischen Kirchgemeinde Surses (ca. 900 Gläubige und 38 Gebäude), auch die Renovierung der Pfarrwohnung in Angriff genommen. Spenden ermöglichten das rund 150 000 Franken teure Vorhaben. Das Resultat ist durchwegs gelungen: Im Ergeschoss, wo sich die alte Sakristei befindet, strahlt der originale Kachelofen Behaglichkeit aus. Im ersten Stock, in der getäferten Stube, kann in einer Mini-Küchenzeile gekocht werden. Toilette und Dusche sind optimal in den wenigen Raum eingezirkelt. Der Aufenthaltsraum wurde genauso belassen, wie er war. Hier gibt es einen Tisch, ein Sofa und einen Schrank. Es ist der grösste Raum in der ehemaligen Pfarrwohnung. Über eine ausziehbare Treppe gelangt man ins Obergeschoss. Unter der Dachschräge findet sich das neu gemachte Schlafzimmer mit zwei Betten. Elektriziät und Wasser sind verfügbar. Die Arbeiten wurden durch die kantonale Denkmalpflege begleitet und unterstützt.
SKZ