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Im Südsommer 2002/2003 habe ich während fast sechs Monaten als Assistenzkuratorin im Museum und Visitor Center in Grytviken in Südgeorgien gearbeitet. Südgeorgien gilt je nach Definition als antarktische oder subantarktische Insel. Wie auch immer, sie ist ein wunderschöner und ausgesprochen vielfältiger Flecken Erde.
Aus dem Tagebuch von Irene Valenkamp
Im Museum versuchten wir die Vielfalt dieser geschichtsträchtigen Insel darzustellen. So gab es Räume zur Flora, Fauna, Geologie und Meteorologie der Insel. Einen Sektor, der sich mit der Walfanggeschichte der Insel auseinandersetzten und einen Raum, der die Rolle Südgeorgiens im Falklandkrieg aufzeigte. Dem Museum angegliedert waren zudem eine Kirche, in der fünf Weihnachtsgottesdienste gehalten wurden und ein kleiner Souvenirladen mit dessen Einkünften ein Grossteil der Unkosten des Museums gedeckt wird. Ausserdem waren wir für den Unterhalt des Friedhofs zuständig auf dem Sir Ernest Shackleton seine letzte Ruhestätte gefunden hat und der damit zu den Highlights eines Südgeorgien-Besuchs zählt.
Zusammen mit drei Meeresforschern, einer Ärztin, zwei Mechanikern, dem Marineoffizier mit seiner Frau, dem Kommandanten der Basis, einem Bootsmann und einem Kollegen, der mit mir im Museum gearbeitet hat, habe ich auf der britischen Forschungsstation King Edward Point gelebt. Vor der Haustüre hatten wir eine Seeelefanten-Kolonie und auf dem Weg ins Museum wurden wir argwöhnisch von Pelzrobben beäugt. Und vor meinem Schlafzimmer, das ich mit einer Kollegin teilte, paradierten Königs-, Esels-, Goldschopf- und Zügel-Pinguine auf und ab.
Wir waren ein sehr junges Team und teilten uns die verschiedenen Aufgaben wie in einer grossen Wohngemeinschaft. Alle zehn Tage musste ich für alle einen Tag lang kochen. Das begann mit dem Brotbacken um 6 Uhr. Beim Znüni, Mittagessen und Zvieri bediente sich jeder aus dem Kühlschrank. Zum Nachtessen trafen sich dann alle zum Essen und zum Austausch der Ereignisse des Tages. Versorgt wird die Station einmal pro Jahr per Schiff mit allen Trockenprodukten (Mehl, Pasta, Marmelade, Milchpulver, Schokolade, etc.). Zwei Monate später werden alle tiefgefrorenen Produkte (Fleisch, Käse, Eier, Gemüse, etc.) für ein Jahr angeliefert. Eine der Aufgaben unserer Ärztin war es sicherzustellen, dass wir nicht an Weihnachten bereits alle Schokolade für das ganze Jahr gegessen hatten.
Am Freitag um 4 Uhr trafen sich alle zur wöchentlichen Putzaktion. In einer Stunde wurden alle Gemeinschaftsräume der Station auf Vordermann gebracht. Und danach gab's als Einstieg ins Wochenende einen Drink an der Bar.
Ein weitere Höhepunkt im Stationsleben waren die dreimal täglich stattfindenden Verbindungen mit dem Satellit, die uns mit E-Mails und News von zu Hause versorgten. Kurz vor der jeweiligen Übermittlungszeit bildete sich eine Schlange von Leuten vor den beiden Computern, die unsere Kommunikation mit der "Zivilisation" sicherstellten. Alle sechs Wochen wurde dann per Schiff auch noch die physische Post von den Falkland Inseln angeliefert. Sehnsüchtig wurde der Postsack jeweils erwartet und gross war die Freude, wenn etwas für mich dabei war.
Neben unserer Arbeit auf der Station und im Museum und den Aufgaben im Haushalt, haben wir aber auch keine Gelegenheit ausgelassen, um ein gutes Fest zu feiern. Und so gab es eine Halloweenparty, Disco- und Karaokeabende, Filmnächte, eine Verlobungsparty und es wurden einen Abend lang Gedichte rezitiert.
Und was wäre das Leben in einer der unberührtesten Wildnisse der Erde ohne regelmässige Ausflüge in die Umgebung? Wann immer es das Wetter erlaubte, schnallten wir die Telemarkskis unter die Füsse und bestiegen mit Fellen einer der Berge in der Umgebung. Wenn die Wetterkarte gut aussah, wurde aus einem Eintagesausflug auch schnell mal einen Zweitagestrip mit Übernachtung im Biwacksack oder in der Schneehöhle. Und als dann im Januar der Schnee langsam zurückging, verlegten wir uns aufs Klettern.
Nie werde ich die schöne Zeit auf South Georgia vergessen!
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