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«Das österliche Thema, von Hoffmann mit Vorliebe verwendet, erfuhr hier eine letzte Läuterung und Verklärung. Wie ein Lichtblitz erscheint der Engel den drei Marien, die am offenen Grabe erstaunt und angstvoll dem Himmelsboten gegenüber stehen. Das wunderbare Ereignis mit dem beziehungsreichen Spiel von Blick und Gebärden vollzieht sich in grösster Freiheit und lässt einen vergessen, wie viel Mühe und Arbeit es den Künstler gekostet hat, diese asymmetrische Bildkomposition der strengen zweiteiligen Masswerkform restlos zu integrieren.» (Peter Felder im Kapitel «Der Glasmaler» des Katalogs zur Retrospektive im Aargauer Kunsthaus Aarau von 1977, S. 34)
Auferstehungsdarstellungen finden sich auch in weiteren Kirchen, die Felix Hoffmann mit Glasmalereien geschmückt hat, so im zentralen Chorfenster der Stadtkirche Aarau, in den Kirchen auf dem Kirchberg, Suhr, Bözen und Umiken. Formal hat es gewisse Ähnlichkeiten mit dem Auferstehungsfenster in Bözen, das sechs Jahre früher entstanden war, so in der Farbgebung.
Auf der rechten Seite entsteigt der im Matthäus-Evangelium genannte Jüngling – ein Engel –, der die Auferstehung verkündigt, dem geöffneten Grab in Aufsicht, links sind die drei trauernden Frauen zu sehen. Im Masswerk findet sich das Lamm Gottes, dessen herausströmendes Blut den darunterliegenden Kelch füllt: Sein tiefes Rot bildet zusammen mit dem Rot der drei Kreuze unten rechts den einzigen Farbkontrast zu den vorherrschenden Blau- und Gelbtönen.
Felix Hoffman selber hat zwei Entwürfe für das Fenster in Windisch im 1:1-Massstab gemacht: «Während die erste Fassung Ostern schildert, zeigt die zweite Fassung neben Ostern auch Karfreitag. [...] Wochenlang hingen diese beiden Papierbahnen in meinem Atelier nebeneinander, ohne dass ich mir schlüssig werden konnte.» Schliesslich bat er die Baukommission und die beiden Experten (Prof. Dr. Emil Maurer, der Verfasser des Bandes über die nahe gelegene Klosterkirche Königsfelden in der Reihe «Die Kunstdenkmäler der Schweiz», und Dr. Peter Felder von der Denkmalpflege des Kantons Aargau) in der Kirche, um vor Ort die Entscheidung zu treffen, die zugunsten des zweiten Entwurfs fiel. denn er «zeige der einheitliche auf eindrückliche Weise Das Wunder, indem sich die Gesamtform von Engel und Grab nach oben blütenartig öffne und aus den starren Senkrechten der unteren Bildhälfte in eine ausschwingende Bewegung komme, und damit das Masswerk vorbereite.» Das «Sich-nach-oben-Öffnen» wurde als «eine spannungsvolle Konstrastform zum Chorbogen» bezeichnet.
«Die drei nach oben blickenden Frauen zu einem Block zusammengeschlossen, sind als retardierendes Element beigefügt. Der Fensteranfang (ein Kirchenfenster wird immer von unten nach oben gelesen) setzt mit Kleinformen ein: Drei purpurrote Kreuze erinnern an Golgatha, Pflanzenformen aus dem Garten mit dem Grab, das seinerseits aus kleinen Ausmassen heraus sich nach oben verbreitert. Umgekehrte Perspektive: Das Wunder kommt auf einem zu! –
Die Querform des liegenden Lammes mit dem Blutkelch, in den Dreipass eingefügt, schliesst beruhigend die Komposition, zugleich thematisch und farbig, die Beziehung zu den drei Kreuzen am Fensterfuss wieder aufnehmend.»
Die drei trauernden Frauen (Ausschnitt in der linken unteren Bildhälfte)
Wie in anderen Kirchen, in denen Felix Hoffmann Glasmalereien gestaltet hat, so etwa in Auenstein, Buchs, Rheinfelden und Suhr spielen Licht und Dunkel eine zentrale Rolle: Eine strahlende, dunkelgelbe Sonne findet sich auf der Höhe des Engels im Licht und bildet somit den eigentlichen Bildmittelpunkt, während die anderen Bildpartien weitgehend in dunklen Ultramarintönen bzw. in Anthrazit-, Grau-, Braun-und gedämpften Grüntonen gehalten sind. Winzige Ausnahmen bilden das gefältelte stilisierte Linnen, das über den Rand des Grabes drapiert erscheint, darunter eine botanische Miniatur: drei Kleeblätter in Umkehrfarblichkeit: stilisierte Grashalme und drei dunkelrote Kleeblätter vor hellem Hintergrund.
Felix Hoffmann hat sich für das Fenster in Windisch intensiv Gedanken gemacht zur Farbigkeit der gotischen Freskenmalerei im Chor und schreibt darüber: «Die im Mittelalter übliche Farbskala der kalksicheren Erdfarben Ocker, Englischrot und Schwarz geben dem Raum einen warmen Goldton, besonders, wenn das Sonnenlicht durch das schmale Südfenster fällt und mehrfach von den Gewölbezwickeln reflektiert wird.»
Im Folgenden schreibt er über seine Überlegungen zur Farbigkeit des Auferstehungs-Fensters in ebendiesem Chor: «Bewusst stelle ich mein Fenster als Kontrast in diese farbige Gegebenheit. Ich wollte ein blaues Fenster, das als Ende der Kirchenachse kostbar und einzigartig wirken sollte. Blau als Farbe des Wunderbaren, Unwirklichen, in seiner Intensität gesteigert durch stumpf grüne und braune Gläser gibt die Folie ab für das Weiss und Gelb von Engel und Ostersonne («Sie kamen zum Grab sehr früh, als die Sonne aufging.»). Rot vermied ich fast ganz, um durch die stärkere Leuchtkraft das Englischrot der Wandmalerei nicht zu übertönen. Nur in winzigen Partien – in den drei Kreuzen und dem Blutkelch – erlaubte ich es mir, und auch da gegen violett gebrochen, in die Nachbarschaft von Blau.»
Die Perspektiven in diesem Fenster sind, wie bereits in früheren Glasmalereien, etwa in Rheinfelden, ganz unterschiedlich: So ist – von unten nach oben – das geöffnete Grab in starker Aufsicht zu sehen, die trauernden Frauen in Seitenansicht und der Engel in Untersicht – es handelt sich um Bedeutungsperspektiven; auch die Grössenverhältnisse entsprechen der Bedeutung der verschiedenen Figuren: Der Engel erscheint hier weit überlebensgross. Er überstrahlt in seiner Grösse selbst die Sonne! Auch das Lamm und der Kelch im Masswerk entsprechen der Grösse des Engels.
Felix Hoffmann hat schon als Mittelschüler mit naturwissenschaftlicher Akribie zoologische und botanische Studien betrieben. Fauna und Flora galt eine seiner besonderen Vorlieben. Gerade in diesem Fenster findet sich ein wunderschöner Bildausschnitt in leuchtenden Blau- und Grüntönen. Die dargestellten Pflanzen sind aufs Einfachste reduziert und dennoch ins Feinste durchkomponiert. Es lassen sich hier sehr schön die einzelnen farbigen Gläser und die Aufträge mit Schwarzlot erkennen.
Stilisierte Pflanzen in leuchtenden Blau- und Grüntönen (Ausschnitt unten links)
Signatur und Datum von Felix Hoffmann befindet sich im gleichen Feld (im Glas links unten) und lautet:
«1967
Felix Hoffmann»
Die Angaben zum Glasmaler Konrad Vetter finden sich unten rechts und lauten:
«GLASMALEREI
VETTER
BERN»
Am Bettagssonntag, dem 17. September 1967, wurde das Fenster feierlich eingeweiht, mit Markus 16,1-8, dessen zentraler Vers «Erschrecket nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferweckt worden, er ist nicht hier.»
«Wir sehen auf unserem Fenster, wie im biblischen Bericht, einmal die entsetzt staunenden Frauen, dann das leere Grab, eine unheimlich gähnende Kluft. wir ahnen die schaurige Enge, Finsternis und Kälte dieses Todes. Und über diesem Grab öffnet sich, entfaltet sich nach oben die lichte Gestalt des Verkündigungs-Engels, der da am frühen Morgen beim Aufleuchten der Sonne die wunderbare Siegesbotschaft verkündet, triumphierend, undiskutabel nicht nur den drei zutode erschrockenen Frauen im Garten des Joseph von Arimathäa, vielmehr auch an uns, an die ganze Gemeinde sich wendend, und über uns hinaus an alle, alle Menschen: «Erschrecket nicht!» Dieser Jesus von Nazareth, den Juden und Heidenvölker zugleich ausgestossen und hingerichtet haben – die drei Kreuze rechts unten erinnern an die blutige Geschichte und ebenso das geopferte Gotteslamm mit dem Blutkelch oben im Masswerk des Fensters – dieser Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte, den ihr sucht, ist nicht hier, er ist auferweckt worden. Er ist also keine bloss historische, keine vergangene, erledigte Grösse, sondern, ihr könnt euch drehen und wenden, wie ihr wollt: ER ist euer Herr, ER ist die zentrale Botschaft der christlichen Kirche. Das ist, kurz skizziert, die Aussage des Bildes.»
Und die Predigt mündet in den Schluss: «So übernehmen wir heute dieses Kunstwerk, das so klar, verbindlich, so befreiend und tröstlich die sieghafte Botschaft des gekreuzigten und auferstandenen Herrn und seinem kommenden Reich verkünden hilft. Könnte es eigentlich anders und besser in Dienst genommen werden von der Gemeinde als gerade in einem Abendmahlsgottesdienst? Möge es allezeit die Gemeinde und ihre Diener am Wort, ob sie oben auf der Kanzel oder unten am Tauf- und Abendmahlstisch stehen, tröstlich mahnen an das Zentrum der Botschaft, die uns allen aufgetragen ist: «Christ ist erstanden von der Marter alle. Des solln wir alle froh sein!»
(Alle Zitate von Felix Hoffman sind seinem Text «Zur Entstehung des Chorfensters in der reformierten Kirche Windisch» entnommen, in: Die reformierte Kirche zu Windisch, Herausgegeben von der Kirchenpflege zur Erinnerung an die Renovation 1964–67, Brugg 1968, S. 31-34.)
Text © Barbara Tobler
Fotos © Hans Fischer