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Kennen Sie das? Ihr Kind kommt traurig, weinend oder wütend von der Schule nach Hause. Es wurde auf dem Schulweg geplagt…
Genau dies habe ich vor einiger Zeit erlebt. Meine Tochter (damals 2. Klasse) wollte nicht mehr zur Schule, sie fühlte sich von einem älteren Jungen immer wieder bedroht.
Aus zwei Gründen fand ich das gar nicht toll.
- Wie alle Eltern möchte ich, dass es meiner Tochter gut geht und sie sich nicht fürchten muss, wenn sie zur Schule geht. Ich will sie beschützen.
- Ich war überfordert und wütend. Was sollte ich tun? Mit den Eltern des Jungen Kontakt aufnehmen? Ihnen sagen, dass ihr Kind andere quält? Mit der Lehrerin oder mit der Schule Kontakt aufnehmen?
Zum Glück kam mir ein Satz in den Sinn, den ich irgenwo mal aufgeschnappt habe.
Man sollte weniger über die Kinder sprechen, sondern mehr mit ihnen.
Wieso nicht einfach direkt auf den Jungen zugehen? Aber was sollte ich ihm sagen? Fragen, wieso er das tut? Schimpfen? Drohen? Vorschriften machen?
Ich entschloss mich dazu, eine Bitte zu formulieren.
Nachdem ich von meiner Tochter die Einwilligung erhalten hatte, sie zu begleiten, machten wir uns auf den Schulweg. Circa nach der Hälfte der Strecke tauchte am Ende einer kleinen Steigung ein Junge auf. In der rechten Hand schwang er einen Stock, auf der linken Wange hatte er eine Schramme. Er schrie irgendetwas, das ich nicht verstand. (Ich weiss, das tönt als ob ich es erfunden hätte, aber das hat sich genau so zugetragen. Ich schwör!) Der Junge war mir sofort sympathisch, so à la Tom Sawyer. Meine Tochter bestätigte, dass es sich um den Jungen handelte, von dem sie sich bedroht fühlte. Beim Jungen angelangt, stellte ich mich vor und fragte ihn nach seinem Namen. Dann trug ich mein Anliegen vor.
Hör mal, ich habe eine Bitte an dich. Er schaute mich aus strahlend blauen Augen interessiert an.
Kannst du meine Tochter auf dem Schulweg in Ruhe lassen?
Sicher, antwortete er.
Super, merci, sagte ich, reichte ihm die Hand, um mich zu bedanken und wir verabschiedeten uns.
Danach begleitete ich meine Tochter bis zur Schule. Auf dem Rückweg begegnete ich dem Jungen, der hinter uns zurückgeblieben war. Wir grüssten uns, schauten uns in die Augen und wussten, dass wir eine Abmachung hatten.
Meine Tochter hat sich nie mehr darüber beklagt, von dem Jungen bedroht worden zu sein.
Mark Bachofen, Mitarbeiter Elternbildung Aargau und Suchtprävention Aargau, wieder mal überrascht, dass es funktioniert hat
PS: Geholfen haben mir Annahmen und Wissen aus dem lösungsorientierten Ansatz und der gewaltfreien Kommunikation