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Vom Sehstern zum Augenlasern
Vom Sehstern zum Augenlasern
Die Geschichte des modernen Sehens hat seinen Anfang vor rund 2000 Jahren, verlief bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts relativ ruhig und nahm dann unglaublich Fahrt auf. Es ist es vor allem die Geschichte von drei unterschiedlichen Bereichen, die heute in perfekter Weise zusammen spielen. Da ist zum einen die Entwicklung und Verfeinerung aller Materialien, die heute zur Herstellung von Brillen, Kontaktlinsen und Linsenimplantaten zum Einsatz kommen. Dann zum anderen die unglaubliche Vertiefung des medizinischen Wissens über das optische System des menschlichen Auges. Schliesslich setzt dem Ganzen die Entwicklung der Lasertechnologie die Krone auf. Allen drei Bereichen ist gemeinsam, dass ihr Einsatz für das Auge von anfänglicher Skepsis begleitet war, die schliesslich in Gewöhnung und Routine überging, so dass man sich das Leben ohne sie ab einem gewissen Zeitpunkt gar nicht mehr vorstellen kann.
In den letzten 50 Jahren gab es eine atemberaubende Entwicklung bei Material, medizinischem Wissen und in der Lasertechnologie. Kaum zu glauben, dass der Grundstein zum modernen Sehen bereits vor fast 2000 Jahren vom griechischen Philosophen Ptolemäus gelegt wurde, der als erster die Gesetzmässigkeiten der Lichtbrechung formulierte. Es dauerte allerdings mehr als tausend Jahre bis die erste Linse bewusst als Sehhilfe eingesetzt wurde. Italienische Mönche, die im 13. Jahrhundert arabische Schriften übersetzten, verwendeten erstmals konvex geschliffene Linsen als Lesebehelf, die sie auf das zu lesende Wort legten. Dieser Sehstein funktionierte wie ein Vergrösserungsglas und wurde hauptsächlich aus Beryll angefertigt, woher sich auch die Bezeichnung Brille ableitet. Die Glashütten von Murano in Venedig fertigten im 14. Jahrhundert als erste Brillen genannte Sehhilfen aus weissem Glas mit einer Umrahmung aus Eisen, Holz oder Horn an, die mit einem Stiel gehalten wurden. Im Laufe der nächsten 200 Jahre erfuhr die Brille eine Reihe von Überarbeitungen und rückte immer näher an das Auge heran. Man stellte fest, dass zwei Linsen bessere Sehqualität ermöglichen und es kam zur Anfertigung der ersten Bügelbrille, die die heutige Form bereits erahnen liess. Die Fassung bestand aus einem Stück, nur das Problem der Befestigung am Kopf war noch nicht gelöst. Erst als im 18. Jahrhundert die sogenannte Nürnberger Drahtbrille auf den Markt kam, gab es kein Verrutschen mehr und einen gegenüber den Vorgängermodellen sehr grossen Tragekomfort. Die Brille konnte ständig getragen werden und machte den Brillenträger erstmals mobil. Von da an ging es Schlag auf Schlag, neue Materialien bis hin zum Kunststoff machten Brillen immer leichter, robuster und formbarer. Heute sind den Brillenformen fast keine Grenzen mehr gesetzt.
Mit den Kontaktlinsen rückte die Sehhilfe dem Auge so nah wie nur irgend möglich. Mehr ging nicht zu diesem Zeitpunkt. Die Linsen schwimmen auf einem Tränenilm direkt vor der Hornhaut. Die älteste Idee, die das Prinzip der Kontaktlinsen vorwegnahm, findet sich schon in einer Schrift des grossen europäischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci aus dem Jahre 1503. Doch erst in den 1880er Jahren entwickelten Adolf Eugen Fink und August Müller unabhängig voneinander Glasschalen, die allerdings noch den grössten Teil der Augenoberfläche bedeckten. 1936 führte der Optiker William Feinbloom den Kunststoff PMMA als Ersatz für Glas ein. Das Patent dazu meldete 1948 jedoch Kevin Tuohy an. 1955 folgte die Erfindung der weichen Kontaktlinse durch Otto Wichterle. Die Linsen wurden Schritt für Schritt kleiner und 1974 Jahren stellte Jacqueline Urbach die ersten weichen Linsen her, die 1977 die Zulassung durch die FDA in den USA und damit zur Produktion erhielten.
Was in anderen Bereichen der Medizin schon lange gang und gäbe ist, nämlich zur heilenden Korrektur in den menschlichen Körper einzudringen, wird Ausgang des 20. Jahrhunderts auch in der Augenheilkunde zum Standard. Statt die schmerzende Bandscheibe mit Behelfsmittel schön zu betten, nimmt man einen korrigierenden Eingriff vor. Statt dem Auge eine Sehhilfe davor zu setzen, passt man mittels chirurgischem Eingriff das optische System so an, dass die Umwelt scharf auf der Netzhaut abgebildet wird. Das ist der Sinn und Zweck aller refraktiv-chirurgischen Eingriffe, der Korrektur durch Augenlaser. Es erfolgt heute mit einer nie dagewesenen Präzision und Geschwindigkeit und ist gleichzeitig so schonend, dass der Heilungsprozess zeitlich auf ein Minimum reduziert ist. Und in fast allen Fällen ist der Eingriff völlig schmerzlos.
Die Idee der „Modellierung“ der Hornhaut entstand schon in den 1930er Jahren, damals noch mit Chirurgenhand und gemischten Ergebnissen. 1983 beschrieb Stephen Trokel erstmals die Methode der refraktiven Korrektur mit einem Excimerlaser. Schon 1987 war die Technologie so weit fortgeschritten, dass Theo Sailer von der Freien Universität Berlin erstmals eine Anwendung am Menschen vornahm. Seither gab es eine rasante technologische Entwicklung, zahlreiche Teilbereiche der Laseranwendung wurden verfeinert, ausgebaut oder neu erschlossen, während die Geräte gleichzeitig immer präziser, schonender und sicherer werden. Manche Behandlungsschritte liegen noch in der Hand des Operateurs, viele werden nur mehr vom Laser ausgeführt, denn Lasern findet in einem Bereich statt, in dem keine Chirurgenhand dieser Welt noch mithalten kann. Nach intensiven Tests über mehr als zehn Jahre wurden Augenkorrekturen mittels Laser 2006 für Piloten der US Navy, 2007 für alle Piloten der US Air Force und 2008 auch für Astronauten zugelassen.
Lasern ist ein Teil des Alltags geworden, bis heute wurden weltweit Millionen Laserkorrekturen erfolgreich und sicher durchgeführt. Das gilt nicht nur für das Lasern. Viele Bereiche des Alltags haben in den letzten zwanzig bis dreissig Jahren eine vergleichbare massive Veränderung erfahren, ohne dass wir uns heute dessen noch bewusst sind. Denken Sie nur an die Ablösung des Festnetztelefons durch das Mobiltelefon, das uns im wahrsten Sinne des Wortes mobiler gemacht hat. Oder die enorme Verbesserung der Sicherheit moderner Autos durch ausgefeilte elektronische Warnsysteme und Bremshilfen sowie Airbags. Man mag das alles nicht mehr missen. Und so wird es auch mit dem Lasern sein.