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Der Kirschbaum ist in ganz Europa, dem Balkan, von Kleinasien bis zum Kaukasus, Kanada und den USA, heimisch.
Anzutreffen ist der Kirschbaum bis in Höhenlagen von 1700 Meter über Meer, was jedoch sehr selten vorkommt. Die Pflanzenhöhe variiert von der Grösse eines Busches, bis hin zum mächtigen, 25 Meter hohen Baumes aus der Familie der Rosengewächse. Arten derselben Gattung sind Pflaumen-, Pfirsich-, Mandel- und Aprikosenbaum.
Am besten gedeiht der Kirschbaum auf frischen, kalkreichen Böden und er bevorzugt ebenes Gelände, wo er bei optimalen Verhältnissen bis zu neunzig Jahren alt werden kann.
Ursprünglich, so vermutet man, wurden die ersten Kultursorten in Kleinasien gezüchtet und von den Griechen zu den Römern fanden sie dann den Weg über die Alpen nach Mitteleuropa. Ausgrabungen bei den Pfahlbauten am Bodensee haben gezeigt, dass Kirschen bereits vier- bis dreitauend Jahre vor Christus als Nahrungsmittel dienten. Der Name «Kirsche» stammt vom griechischen Kérasos, nach der gleichnamigen antiken Stadt am Schwarzen Meer.
Kirschbäume verwandeln im Frühling weite Teile unseres Landes in ein weisses Blütenmeer. Die Hauptanbauregionen der Schweiz liegen vor allem im Baselbiet, dem Fricktal und im Berner Seetal. Aber auch im Wallis und im Thurgau gedeihen die Kirschbäume prächtig.
Die meisten heutigen Kultursorten der Kirsche stammen wahrscheinlich von der Süsskirsche (Vogelkirsche) und der Sauerkirsche (Weichselkirsche) ab. In der Schweiz werden derzeit ca. 20 Sorten angebaut. Weltweit gibt es etwa vierhundert verschiedene Arten von Kirschen.
Etwa ein Drittel der Schweizer Kirschen wird als Tafel- oder Einmachkirschen verwendet. Davon geht ein Grossteil als Frischeobst in die Läden. Die Konservenindustrie verarbeitet die Kirschen dagegen zu Konfitüren und Kompott. Die restlichen zwei Drittel werden zu Kirschwasser gebrannt.
Als Schädling gilt die Kirschfliege (Rhagoletis cerasi). Dies ist eine ca. 4mm lange Bohrfliege, deren Made das Fruchtfleisch befällt. Ausserdem sind Kirschen anfällig auf verschiedene Krankheiten wie Bakterienbrand, Schrotschuss, Rötelbefall und Bitterfäule. Problematisch ist auch das schlechte Wetter in der Zeit der Blüte und kurz vor der Ernte. Heftiger Regenguss lässt oftmals die reifen Früchte platzen, was zu grossen Ernteausfällen führen kann.
Heilmittel
Die Bedeutung des Kirschbaums im Arzneimittelbereich ist gering. Und doch gibt es einige Bestandteile des Baumes die in früheren Zeiten genutzt wurden. Interessant zu wissen ist die Tatsache, dass die Blätter des Kirschbaumes geraucht wurden – sie dienten als Tabakersatz.
Das aus den Baumwunden heraustretende Harz, Kirschgummi oder Katzengold genannt, in Weisswein aufgelöst, diente so als vorzüglichen Hustensaft.
Schon unsere Grossmütter verwendeten im Ofen aufgewärmte, mit Kirschkernen gefüllte Säckchen als Bettwärmer. Neuerdings erfreuen sie sich wieder zunehmender Beliebtheit, sind sie doch eine unkomplizierte wieder verwendbare Alternative zur wassergefüllten Wärmflaschen und Heizkissen.
Heute wissen wir, dass Kirschen reich an Eisen, Phosphor und den Vitaminen B1, B2, B6 und C sind. Die Süsskirschen übertreffen die Sauerkirschen an Kalium, Kalzium und Vitamin C. Die Vitalstoffe der Frucht gelten als blutbildend und wachstumsfördernd.
Holzverarbeitung
Das Holz der Kirsche wird gerne für die Möbelherstellung verwendet und ist aufgrund seiner Härte auch als Parkett geeignet. Weiter findet es für Drechselarbeiten, Schnitzereien und im Musik-Instrumentenbau Verwendung. Schon während der Stilepoche Louis XVI war das wohnliche und vornehme Eleganz ausstrahlende Holz gerngesehen. In der Biedermeierzeit wurde es teilweise selbst dem Nussbaum vorgezogen, und die Nutzung war so stark, dass es damals zu einer merklichen Abnahme dieser Baumart führte.
«Warum platzen Kirschen nach Regenfällen häufig auf?»
Die Kirschhaut funktioniert wie eine atmungsaktive Regenbekleidung, nur im umgekehrten Sinn.
Wenn es regnet, lassen sie das Wasser durch die feinen Poren eintreten, verhindern aber gleichzeitig das austreten von Kirschsaft. Bei langanhaltendem Regenschauer kann die aufgenommene Feuchtigkeit nicht verdunsten. Dadurch entsteht im Innern ein erhöhter Druck und die Kirschhaut platzt.
Zum Schluss noch ein Erklärungsversuch zur Frage:
«Darf man zu Kirschen Wasser trinken?»
Massgebend für Bauchschmerzen nach dem Verzehr von Kirschen, ist eher die Menge der Kirschen und weniger die dazugetrunkene Menge Wasser. Nach dem schnellen verzehr von grösseren Mengen (ein halbes bis ein Kilogramm Kirschen) können nämlich auch ohne Wassertrinken Blähungen entstehen.
Eine mögliche Erklärung für Grossmutters Rat der Wasserabstinenz beim Kirschenessen gibt es aber trotzdem; Steinobstschalen im allgemeinen, haben meist eine Hohe Besiedelung von Hefekeimen. Kommt dazu, dass nur schon 500 Gramm Kirschen eine grosse Oberfläche bilden, die nur schwer abzuwaschen ist. Ausserdem war früher die Wasserqualität nicht über alle Zweifel erhaben. Der Rat, zu Kirschen kein Wasser zu trinken, hatte zu Grossmutters Zeiten also auch hygienische Gründe. Normalerweise reicht die Konzentration der Magensäure aus, um die Gärtätigkeit der Mikroorganismen wirkungsvoll zu unterbinden.
Bei grossen Mengen, oder wenn zusätzlich Wasser getrunken wird, wird die Konzentration der Magensäure herabgesetzt und damit die Schutzwirkung der Säure gegen das Mikroorganismuswachstum gemindert.
Wenn sie im Zusammenhang mit Kirschen starke Blähungen haben, ist es darum ratsam, gleichzeitiges Wassertrinken zu unterlassen.
pb