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Die Tante des kleinen Nathaniel ist gestorben. Nathaniel und seine Eltern reisen nun zu ihrer alten Villa, welche sie ihrer Familie vererbt hat. Der kleine Junge selbst hat viele alte Bücher von seiner Tante geerbt, welche ihn anfangs jedoch kaum interessieren, bis er entdeckt, dass all die Figuren in den Büchern zum Leben erwachen. Um diese Figuren am Leben erhalten zu können und sie zu retten, muss Nathaniel die magische Inschrift in der Bibliothek lesen…
Die Musik zu diesem animierten Film stammt von dem französischen Komponisten Christophe Héral, der sich für seinen Soundtrack diverse Ideen hat einfallen lassen.
Der Partitur liegt ein einprägsames Hauptthema zugrunde, welches im gesamten Verlauf der Filmmusik oft aufgegriffen und variiert wird, sodass es sich zu einem wahren Ohrwurm entwickelt. Diese Melodie wird sogleich im ersten Track vorgestellt, interpretiert von einem zerbrechlichen Knabensopran. Unruhig, teilweise gar unheilvoll und zugleich unschuldig präsentiert es sich, ehe es vom gesamten Orchesterapparat aufgegriffen und weitergeführt wird. Im weiteren Verlauf dieser aktuellen Filmmusik wird schnell klar, dass es sich hier um eine der kreativsten, wenn nicht gar DER kreativsten Filmmusik des Jahres 2009 handelt, so reich an Ideen wie dieses Werk ist. Héral zeigt sich so vielseitig wie kein anderer Komponist im vergangenen Jahr:
Der Klangschöpfer komponierte einen luftigen Tango („On the Beach“), Musique concréte mit flüsterndem Chor, welcher in kleinen Intervallen singt, durchbrochen von polyrhythmischen Violinenpizzicati vor dissonantem Streicherhintergrund („Nightmares and Illusions“), verbindet Bongos, Bandoneon und Ratsche für eine schwungvolle Melodie mit südamerikanischem Flair oder lässt musikalische Motive gar nur auf den Mundstücken von Blechblasinstrumenten interpretieren („Introduction to Mr. Pickall“). In „The Father“ ahmt Héral sogar das Geräusch einer vorbeirauschenden Fliege nach.
Für „An Unexpected Rescue“ lässt er eine exotische Flöte eine Melodie intonieren, um arabische Stimmung zu erwecken, bevor aggressive Rhythmen das Hauptthema einleiten, welches er zu einer pulsierenden Jagdsequenz überleitet. Was die Actiontracks in dieser Filmmusik auszeichnet ist, dass sie sowohl denen gefallen werden, welche sich vornehmlich mit Soundtracks aus Hollywood beschäftigen und diese bevorzugen, als auch den Hörern mit Vorliebe für europäische Musik, denn die Wurzeln unseres Kontinents sind in der transparenten Orchestrierung unverkennbar.
Dass dieses Album viele Seiten hat, kommt ihm nur zugute und sorgt für reichlich Abwechslung. Einflüsse aus der Weltmusik sind ebenso vorhanden wie traditionelle Orchestersinfonik – mal streicherlastig romantisch, mal düster fordernd mit Bläsern im Vordergrund. Hinzu kommen erwähnte kleine Schmankerl wie der Ausflug in die Welt der Musique concrète oder das Intonieren auf Mundstücken. Als hätte Héral damit seine Vielseitigkeit nicht genügend unter Beweis gestellt, fällt er zudem noch als Multi-Instrumentalist auf: Für seine Filmmusik spielte er sowohl Bassklarinette als auch Cymbalon, Klavier und Percussion in Form einer so genannten „Hangdrum“. Einen familiären Charme erhält die vorliegende CD zudem noch durch die Tatsache, dass -wirft man einen Blick in die Liste der beteiligten Instrumentalisten – Christophe Héral diverse Familienmitglieder als Musiker eingespannt zu haben scheint. Christophe Héral hat diese Musik auch orchestriert, zusammengestellt und gemastert.
Abschließend sei noch einmal betont, dass es sich hier um die vielleicht frischeste und ohne Zweifel einfallsreichste Filmmusik des Jahres 2009 handelt, für die man definitiv ein Ohr riskieren sollte. Der erste Eindruck, dass das Album zu zerfasert wirkt, da zuerst kein durchgehendes Konzept zu erkennen sein mag, relativiert sich bei mehrmaligem Hören und sorgt für einen hohen Unterhaltungsfaktor, so dass das Hören nicht nur Spaß macht, sondern auch durch diverse kompositorische Kniffe das Gehirn anregt. Dies täuscht über ein, zwei Längen hinweg, so dass man hier mit gutem Gewissen 4 Sterne vergeben kann – mit einer klaren Tendenz zu 4,5, gemessen an moderner Filmmusik.
Stefan, 17.3.2010
ELEANOR'S SECRET Christoph Héral Moviescore Media MMS09030 51:55 Min. / 24 Tracks