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Impuls für Pfingsten
´Eine Fremdsprache zu beherrschen ist immer ein Vorteil!´ sagte mir mein Vater, als ich als Kind immer wieder gemurrt hatte, Englisch zu lernen. Als ich jetzt weit fern von meiner Heimat bin, denke ich darüber nach, was für ein Segen es ist, wenn man eine Fremdsprache verstehen und sprechen kann.
Unsere Kinder lernen schon in der Schule mindestens drei Sprachen. Wenn sie mal bald in fremden Ländern unterwegs sind, werden sie merken, wie hilfreich es ist, dass sie als Kinder verschiedene Sprachen gelernt haben. Aber wie viele Sprachen gibt es auf dieser Erdkugel? Laut einem Bericht gibt es gar 7,111 verschiedene Sprachen auf der Welt (cf. sil.org).
Wie wäre es, wenn die ganze Welt nur eine einzige, eine globale Sprache sprechen würde? Wäre es nicht schön, wenn ein Kind in irgendeinem Dorf in Afrika das Schwyzerdütsch komplett verstehen und einwandfrei sprechen könnte? Wie wäre es, wenn eine Oma in Afrika mit verschiedenen Kindern von Bangladesh, Australien und Canada in einer Sprache unterhalten könnte?
Die erste Lesung im Gottesdienst zum Pfingstfest, erzählt uns eine Geschichte, wie verschiedene Sprachen entstanden: Laut Genesis, dem ersten Buch der Bibel, sprach die ganze Menschheit eine einzige Sprache. Langsam kam aber in den Herzen der Menschen eine Übermütigkeit auf. Sie sagten zu einander, ´Auf! Lasst uns einen Turm bauen bis zum Himmel, damit machen wir uns einen Namen (Gen 11, 1-9). Die Geschichte endet mit einer verwirrten Welt mit verwirrter Sprache; die Menschen konnten einander nicht mehr verstehen.
So entstanden verschiedene Sprachen, sagt uns die Lesung. Verschiedene Sprachen führten uns zu verschiedenen Landkreisen oder sogar Nationen. Jeder Sprache enthält in sich auch die Kultur einheimischer Menschen. Deshalb ist es so, wenn man eine Fremdsprache lernt, lernt man auch die Kultur der Menschen besser kennen. Es ist doch eine Bereicherung, dass die Menschheit verschiedene Sprachen spricht!
Trotzdem denkt man, eine globale Sprache würde die Beziehung zwischen verschiedenen Kulturen verbessern und die Hindernisse zwischen Nationen überwinden. Wenn Sie so eine Sehnsucht nach einer globalen Sprache haben, seien Sie froh! Denn es gibt tatsächlich eine globale Sprache, welche die ganze Menschheit zu einem einzigen Volk einigt. Diese Sprache spricht doch die ganze Welt ab und zu (leider nicht öfters)! Diese globale Sprache ist nicht Englisch oder Spanisch (oder Schwyzerdütsch). Es ist die Sprache der Liebe. Die Sprache der Liebe versteht jeder Mensch, jedes Kind, sogar jedes Lebewesen auf dieser Erdkugel.
Das Pfingstfest erinnert uns an dieses Ereignis. Am Pfingsttag wurden die elf Jünger mit Maria und weiteren Frauen, mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt. Bis jetzt waren die Herzen der Jünger mit Angst, Hass und Trauer überfüllt. Durch den Geist Gottes konnten sie ihre Trauer, die Kränkung und den Hass mit Liebe überwinden. Weil die Liebe die einzige Sprache ist, verstanden sie Menschen aus verschiedenen Nationen, welche zum Paschafest nach Jerusalem gekommen waren (Apg 2,7-8).
Liebe ist die globale Sprache, welche die Welt jetzt braucht! Die Sprache der Liebe schafft die Grenzen ab zwischen entwickelten und Entwicklungsländern, zwischen Armen und Reichen, zwischen Schwarzen und Weissen! Wenn es um die Sprache der Liebe geht, können auch wir die Gefühle der Tiere verstehen! Die Sprache der Liebe verbindet nicht nur Menschen, sondern alle Lebewesen auf dieser Erdkugel! Das ist das Ereignis von Pfingsten – die Erschaffung der globalen Sprache für die Menschheit!
Pfingsten ist kein einmaliges Ereignis! Es geschieht immer wieder und es ist ansteckend! Immer wenn wir die Sprache der Liebe verstehen und versuchen diese Sprache zu sprechen und zu beherrschen, geschieht Pfingsten mitten unter uns. Immer wenn Trauer, Ohnmacht oder Hass mit Liebe überwunden wird, da spricht man diese globale Sprache, die Sprache der Liebe - da geschieht Pfingsten!
Kaplan Joseph Lourdusamy