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Bildung im Kapitalismus
Zuerst wollen wir einen kleinen Überblick über die Geschichte der Bildung geben. Danach wird das kapitalistische Bildungswesen vereinfacht angeschaut. Am Ende findet sich ein Abschnitt darüber, was wir uns unter einer sozialistischen Bildung vorstellen könnten.
1. Die Geschichte der Bildung
Die Bildung war schon immer ein Abbild der gesellschaftlichen Verhältnisse. So wurde zum Beispiel im antiken Griechenland das Schreiben und Lesen erst wichtig, als der Staat sich zu entwickeln begann. Das bedeutete, dass nun vermehrt Leute ausgebildet wurden, die nicht nur die Kunst des Soldatseins, sondern eben auch Rechnen und Schreiben beherrschen mussten, um den Staatsbetrieb aufrecht erhalten zu können. Also veränderte sich mit den gesellschaftlichen Verhältnisse auch die Bildung und Erziehung. Aus dem Soldaten- und Armeestaat entwickelte sich ein Bürokratiestaat. Parallel dazu entwickelte sich aus der hierarchischen Soldatenausbildung eine schulische Allgemeinbildung. Im Faschismus dagegen war die Erziehung zum Beispiel stark militärisch und hierarchisch gegliedert. Dies aus den Gründen, dass die Leute einerseits in das neue Menschenbild passen mussten, andererseits gehorsam und treu in das (Militär-)Regime eingeordnet werden konnten.
In der Geschichte gibt es unzählige weitere Beispiele dafür, dass die Bildung jeweils der Gesellschaft entspricht, in der sie zuhause ist. Diese Erkenntnis ist aber nicht nur aus der Erfahrung heraus belegbar, sondern auch theoretisch begründbar. Ein System muss sich selbst immer wieder reproduzieren. Wie oben gesagt braucht zum Beispiel der Faschismus treue Soldaten einerseits und eine sich nicht beklagende Bevölkerung andererseits, um überleben zu können. Oder der griechische Staat braucht Gelehrte, um den Staatsbetrieb aufrecht erhalten zu können. Die Bildung muss also jeweils das System reproduzieren und ändert sich dabei jeweils mit Änderungen des Systems.
2. Bildung im Kapitalismus
Heute leben wir im Kapitalismus und das Bildungssystem richtet sich dabei nach diesem. Wie der Kapitalismus, baut auch die Bildung auf einem Konkurrenzsystem auf. Das Ziel der Bildung im Kapitalismus ist nicht, möglichst viel Wissen zu vermitteln, sondern die Menschen in bildungsmässige Schubladen zu stecken. Aus diesen kann dann die Wirtschaft bequem die Leute auswählen, die sie gerade benötigt. Was das bedeutet und welche Aspekte dieses kapitalistische Bildungswesen aufweist, soll in verschiedenen Punkten dargelegt werden:
Lernen
Alle wissen, in der Schule geht es ums lernen. Unter Lernen versteht man den Aufwand in einer gewissen Zeit, um als Lernresultat etwas zu können. Etwa eine bestimmte Anzahl Übungsstunden um dann als Resultat Fahrradfahren zu können. Eigentlich eine gute Sache. Nur läuft es in der Schule ein wenig anders. Da ist nämlich eine gewisse aufgewendete Zeit nicht das Resultat des Lernens, sondern vielmehr wird die Zeit schon vorausgesetzt. In einer gewissen Zeit, soll ein gewisser Inhalt gelernt werden und zwar von allen Schülern. Diese Zeitspanne, in welcher der Lernstoff gelernt sein muss, ist für alle Schüler dieselbe, obwohl die Schüler selbst ganz unterschiedlich sind. Den einen fällt es leichter den verlangten Stoff zu lernen und sie begreifen ihn schneller, für andere geht das dauernd zu schnell.
Natürlich sind Letztere nicht dümmer als Erstere, sie bräuchten nur länger bis sie das Gleiche verstehen würden. Doch darauf wird in der Schule keine Rücksicht genommen. Selbst wenn die Lehrer wollten, sie könnten auf die, welche langsamer lernen, gar keine Rücksicht nehmen, schliesslich haben sie ihren Lehrplan zu erfüllen. Wenn nun die Zeitspanne vorüber ist, in welcher der Unterrichtsstoff beherrscht werden sollte, folgend darauf die Prüfungen und nicht etwa wenn alle Schüler den Stoff begriffen haben. Dass dies nicht der Fall ist, wissen die Lehrer übrigens ganz genau.
Noten und Prüfungen
Die Prüfungen werden allgemein als Lernerfolgskontrollen bezeichnet. Das sind sie jedoch nicht. Bei den Prüfungen werden nicht Bildungslücken beseitigt, sondern Strafen in Form von Noten verteilt. Die Noten sind dafür da, die Leistungsunterschiede der Schüler aufzuzeigen und eine Leistungshierarchie unter den Schülern zu bilden. Dass die Noten nicht dazu dienen, die Bildungslücken der Schüler zu schliessen, sieht man nur schon daran, wie sie entstehen. Bei einer Prüfung werden ganz einfach die Fehler gezählt und daraus entstehen dann die Noten. Ob die Noten nun aus Zahlen, Sätzen oder Phrasen bestehen spielt dabei übrigens keine Rolle. Was genau falsch gemacht wurde ist egal. Das Ergebnis "7 Fehler" hat zum Beispiel überhaupt nichts mit Inhalt der Fehler zu tun.
Mit dem Ergebnis "7 Fehler" ist noch nicht einmal klar, ob die Prüfung nun gut oder schlecht war. Da kommt es nämlich nicht darauf an, was der einzelne Schüler kann, sondern wie er sich im Vergleich mit den andern Schülern macht. So können 7 Fehler eine gute oder eine schlechte Note sein, ganz davon abhängig was der Durchschnitt des Rests der Klasse ist. Die Noten und damit die Prüfungen sind also keine Bewertung der Leistung der Schüler, sondern ein Vergleich zwischen ihnen. Einige Schüler haben dies so sehr verinnerlicht, dass sie sich sogar weigern ihr Wissen an andere weiterzugeben, indem sie die andern nicht abschreiben lassen, weil sie wissen, dass dies den Notenschnitt und somit auch ihre eigene Note senkt.
Noch absurder wird die Fachnote im Semester. Diese ist ein Durchschnitt der verschiedensten Themen. Die Note sagt aber nichts darüber aus, was man gelernt hat und was nicht oder welche Themen man beherrscht. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze mit dem Gesamtschnitt von allen Fächern. Dieser ist auch der wichtigste, um bestehen zu können. Er entscheidet darüber, in welche Stufe der Sek. oder Realschule man kommt, ob man aus dem Gymnasium fliegt oder die Matura besteht. Der Gesamtschnitt hat aber nun rein gar nichts mehr damit zu tun, ob man den Unterrichtsstoff beherrscht.
Nur wenn jemand all zuwenig verstanden hat, muss er die Konsequenzen tragen. Die sind nicht etwa Repetition des Stoffes, sondern der Rausschmiss aus der Schule oder die Abstufung und damit der Ausschluss von diesem Wissen. Eine Ausnahme bildet hier die ersten sechs Primarschulklassen. Diese werden vom Staat als einheitliches Minimum angeschaut, dass absolut jeder haben sollte. Deshalb kann man dort weder rausfliegen noch abgestuft werden. Hier wird bei zu schlechter Leistung wiederholt. (Übrigens typischerweise nicht nur die Fächer, in denen man Wissenslücken hatte, sondern das gesamte Jahr. Schliesslich soll das Wiederholen in erster Linie eine Bestrafung des Schülers darstellen.)
Trotz allem finden wir Prüfungen grundsätzlich eine sinnvolle Sache. Wenn man etwas lernt, prüft man sich, ob man den Stoff beherrscht. Falls man ihn nicht beherrscht, muss man halt nochmals lernen. Im Kapitalismus ist es nun aber so, dass man fürs Nichtkönnen mit einer schlechten Note bestraft wird, und dann zum nächsten Thema übergeht.
Ein Beispiel: Jemand hat Lust Fahrradfahren zu lernen. Er übt und testet sich an einer Velotour um den Zürichsee. Er fällt einige Male um und findet er müsse noch mehr lernen. Im kapitalistischen Bildungssystem würde er aber nach seinen Stürzen eine schlechte Note fürs Fahrradfahren bekommen und müsste dann weiter zum Schwimmtraining. Wenn er übrigens Ende Jahres das Fahrradfahren immer noch nicht beherrschen würde, dafür das Schwimmen und noch das Skilaufen dazu, dann wäre es egal, wenn er immer noch nicht mit seinem Fahrrad ins Kino fahren könnte. Denn im Schnitt beherrscht er zwei von drei Fächern. So ist er zwar nicht so gut, wie einer der alle drei Tätigkeiten beherrscht, aber immerhin besser als einer der nur Schwimmen kann. Das Ziel, allen alles beizubringen, existiert nicht.
Wie bereits erwähnt, kann man so recht deutlich sehen, dass Noten eben nicht die Funktion einer Lernkontrolle übernehmen. Sie dienen nicht dazu, Bildungslücken zu schliessen, sondern sind einerseits Bestrafungen für zu langsames Lernen sind und andererseits stecken sie die Schüler in übersichtliche hierarchische Bildungsschubladen.
Bildungsschubladen und Klassenzugehörigkeit
Nach einer gewissen Zeit werden die Schüler verschiedenen Schubladen mittels verschiedener Schulen und Abschlüssen (zum Beispiel Gymnasium, Sek., Realschule etc.) zugeteilt. Diese Unterteilung wird mit unterschiedlichen "Leistungsfähigkeiten" erklärt. Diese, welche benötigt werden um in der Noten-Konkurrenz bestehen zu können, sind nicht etwa allgemein, von der Natur aus, definiert sondern vom jeweiligen Stand des Kapitalismus vorgeschrieben. So gehört etwa Mathematik oder Biologie dazu während musische Begabungen nicht einbezogen werden. (Dies ist natürlich eine Verallgemeinerung. Auch eine Begabung in Musik kann von Wichtigkeit in der Noten-Bewertung sein, nur ist die Tendenz zur Wichtigkeit dabei um ein vielfaches Kleiner als bei Sprachen oder Naturwissenschaften)
Das kann im Kapitalismus selbst auch ändern. So nimmt die Wichtigkeit von Informatik zu während das "Schönschreiben" an Bedeutung verloren hat. "Vom Kapitalismus definierte Wichtigkeit" bedeutet, dass dieser vorgibt was wichtig ist. Mathematik oder Chemie ist für die Produktion eine grosse Notwendigkeit (zum Beispiel Ingenieur oder Pharmaindustrie) während das Malen von Bildern dem Kapitalismus keinen weiteren Gewinn bringt. So wird bei der heutigen Bildung grossen Wert darauf gelegt, dass diese "wichtigen" Fächer gelehrt und bewertet werden während andere Fächer nur, am Rande (falls genügend Geld vorhanden ist) unterrichtet werden. Es entsteht also eine Reproduktion der im Kapitalismus wichtigen Eigenschaften.
Nicht, dass diese Fächer in einer Gesellschaft wie wir sie uns vorstellen nicht mehr wichtig wären. Der Unterschied liegt aber darin, dass heute der Kapitalismus bzw. die Unternehmen definieren was wichtig ist und nicht die Bevölkerung und die Betroffenen selbst.
Diese Reproduktion erfolgt jedoch nicht nur in den Fächern sondern in den verschiedenen gesellschaftlichen Klassen. Normalerweise ist diese Produktion der Klassen auch immer eine Reproduktion der bisherigen Klassen (Tendenz zur Zweiklassenbildung), das heisst, Kinder aus Familien der Arbeiterklasse gehören später selbst zur Arbeiterklasse und Kinder von der Elite werden wiederum zur nächsten Elite. Denn wer Geld hat kann seinen Kindern teure Nachhilfe oder Sprachaufenthalte zahlen. Gebildete Eltern haben dazu auch die Möglichkeit ihrem Kind bei den Hausaufgaben etc. zu helfen. Dazu kommt noch, dass Eltern mit hohem Bildungsstandard nach dem Feierabend eher mal ein gutes Buch aus ihrer Privatbibliothek lesen oder eine Arte-Dokumentation schauen, während ein ungelernter Arbeiter sich lieber mit Big Brother den Abend versüsst. Das beeinflusst die Kinder natürlich.
Diese Reproduktion muss jedoch nicht zwanghaft so sein. So können manchmal auch Kinder aus der Arbeiterklasse zu Studenten und hohen Angestellten etc. werden. (Eine Tatsache, die immer wieder zu Lobliedern auf unser Bildungssystem führt). Denn natürlich ist trotz allem eine gewisse Chancengleichheit vorhanden. Es ist aber nicht die Chancenungleichheit, die wir am Kapitalismus kritisieren sondern die Ungleichheit der Gesellschaft. Wir finden es eben nicht richtig, dass jemand, bei gleicher Anfangschance von einem Hungerlohn leben muss und ein anderer Fabrikbesitzer werden kann. Die Einordnung in der Berufswelt hat auch nichts mit Faulheit und Fleiss zu tun. Auch wenn sich alle Menschen noch so anstrengen würden in der Schule, würde die Wirtschaft doch nicht mehr hochqualifizierte Jobs anbieten. Das Übel und eben das Unumgängliche im Kapitalismus, ist die Produktion der Klassen selbst.
Genau dort setzt auch das heutige Bildungswesen an. Schüler, die schlechte Noten haben und somit auf eine "tiefere" Schule gehen müssen (falls sie über einen Abschluss verfügen wollen) bekommen dort auch keine weitere, für sie im kapitalistischen Arbeitsprozess unnötige, höhere Bildung. So wird in der Realschule zum Beispiel keinen grossen Wert mehr auf "höhere" Mathematik etc. gelegt, weil ein Arbeiter mit Realschulabschluss diese auf dem Arbeitsmarkt nicht benötigt. Das Bildungssystem hat so eben nicht den Zweck, möglichst viel Wissen an möglichst viel Menschen zu vermitteln, was ein anständiges Bildungssystem zweifellos sollte. Sondern eben ein Minimum, nur soviel, dass die Leute die Jobs für die sie durch ihre Bildung in Frage kommen, erledigen können. Denn welche Firma braucht schon einen Gabelstaplerfahrer der Latein kann?
3. Globalisierter Kapitalismus - Globalisiertes Bildungssystem
Der globalisierte Kapitalismus hat auch einen Plan für das moderne Bildungssystem. So gibt es immer mehr Bestrebungen zu einer Vereinheitlichung des Bewertungssystems für die Bildung (zum Beispiel Bologna). Dies bringt zwar zugegebenermassen auch Vorteile für die Auszubildenden. Es ist aber vor allem eine Weiterentwicklung des Konkurrenz- Noten- Systems. Der Vorteil liegt jetzt bei den multinationalen Unternehmen mit ihren internationalen Arbeitsmarktvorteilen. Für sie ist es nun viel einfacher die verschiedenen Schulabgänger untereinander zu vergleichen und die "Besten " auszuwählen.
Die Privatisierung des Bildungswesens ist der nächste Schritt der modernen Bildung. Damit verbunden ist zwangsläufig die Tendenz zur Zweiklassenbildung. Denn wer bzw. wessen Eltern es sich leisten können, schicken ihre Sprösslinge auf teure private Schulen, die sich wiederum teure und angesehene Erzieher leisten können. In Zusammenarbeit mit einem global standardisierten Bewertungssystem können diese Schulen ihren Abgänger wiederum eine rosige Zukunft und einen guten Job versprechen, da sie durch die "besten" Lehrer und teuersten Räumlichkeiten die besten Voraussetzungen bieten für einen guten Abgang (der ja nun immer mehr international verglichen werden kann). Die Kapitalistenklasse reproduziert sich also selbst.
Ein weiterer Punkt des modernen Bildungswesens, ist das Sponsoring. So bezahlt zum Beispiel Coca-Cola heute schon Lehrmittel. Das heisst, dass zum Beispiel die Lehrbeispiele im Wirtschaftslehrbuch nun nicht mehr mit fiktiven Firmen etc. gebildet werden sondern mit Coca-Cola. Dazu gibt es immer mehr Bestrebungen zu Sponsoring von Hochschulen. Haben wir also bald im ALDI-Raum anstatt im Vorlesungszimmer 210 Schule?
4. Bildung im Sozialismus
Nach der Beschreibung des heutigen Bildungswesens sollen nun einige Ideen zu einer sozialistischen Bildung geliefert werden. Da wie oben beschrieben, sich das Bildungswesen auch immer der Gesellschaft angleicht, ist es unmöglich ein genaues Bild einer sozialistischen Bildung abzugeben. Zugleich wie die Revolution nicht von einem auf den anderen Tag alles "gut" macht wird auch das Bildungssystem während bzw. nach der Revolution einen experimentellen Charakter besitzen. Das bedeutet, dass es nicht plötzlich ein "korrektes" Bildungswesen geben wird. Es werden Reflexionen und Diskussionen notwendig sein wo was zu verbessern ist etc. Doch genau dort ist einer der springenden Punkte einer sozialistischen Bildung. Die Schüler sollen in diese Diskussion miteinbezogen werden. So ändert sich auch die Rolle des Lehrers. Er soll n