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Vor 100 Jahren, Ende August 1922, fand als nationales Rennen der Sektion Zürich des ACS, das erste Klausenrennen statt. Das Klausenrennen erlangte bald internationales Format und zahlreiche Rennsport-Asse fuhren am Klausen. 1930 stellte der 23-jährige Engländer Tom Bullus auf einer NSU mit 16. 41. 0 Minuten einen neuen Rekord für Motorräder auf, der auch in den letzten beiden Klausenrennen von 1932 und 1934 nicht mehr unterboten werden konnte. Bei den Automobilen fiel der absolute Klausenrekord mit der letzten Austragung 1934, der Deutsche Rudolf Caracciola fuhr auf dem Grand-Prix-Rennwagen W25 von Mercedes-Benz die sagenhafte Durchschnittsgeschwindigkeit von 83,9 km/h, wohlverstanden auf der damals noch schmalen und unbefestigten Schotterstrasse. 15.22.2 Minuten – eine unglaubliche Zeit! Ein Blick auf die Ranglisten der 10 historischen Klausenrennen lässt erahnen, was für ein hochstehender Rennsport am Klausenpass geboten wurde. Es waren Fahrer wie Rudolf Caracciola, Hans Stuck, Tazio Nuvolari, Achille Varzi, Whitney Straight und Louis Chiron am Start.
Begonnen hat die Geschichte der Klausenrennen aber vor den Toren der Stadt Zürich am Albispass. 1907 fand dort das erste Rennen, eines der ersten Bergrennen überhaupt in der Schweiz, statt. Die Rennen hiessen damals Coupe Bollinger-Elmenhorst und 1921 Coupe Brevo. Durchgeführt wurden die Rennen am Albis in den Jahren 1907- 1911, 1921 als Motorradrennen, 1951 und dann vom 19. – 20. Juli 2003 als Revival. Schon in den frühen Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts regte sich Widerstand und es gab kritische Stimmen, die eine weitere Durchführung verhinderten. So wich man für das Jahr 1922 auf den Klausenpass aus. Weitere Informationen zu den Albisbergrennen gibt es hier. Kommen wir zurück zu den Klausenrennen, die wie gesagt zwischen 1922 und 1934 stattfanden. 1993 folgte das von Bernhard Brägger organisierte erste Revival. Ein Mega-Event und man kann diese erste Durchführung als erstes Bergrennen bezeichnen, das explizit für den historischen Motorsport in der Schweiz konzipiert war. Weitere Revivals folgten 1998, 2002, 2006 und 2013. Unstimmigkeiten bei den verantwortlichen Organisatoren waren der Grund für die lange Pause. Ein Rennen wie das Klausenrennen durchzuführen bedeutet ein enormer Aufwand, auch finanziell, was dazu führte, dass ein weiteres geplantes Revival verschoben werden musste. Dann kam Corona, was quasi der Todesstoss für einen weiteren Event war. Aber so ganz gestorben war die Idee dennoch nicht und es begann sich abzuzeichnen, dass man anlässlich des 100 Jahr-Jubiläums am Klausen wieder aktiv werden wollte.
Dass man zum Jubiläum kein Rennen veranstalten konnte, war schnell klar. Dennoch wollte man möglichst an die früheren Revivals anknüpfen und es gab schlussendlich eine abgespeckte Variante. Gefahren wurde nicht wie früher ab Linthal, sondern erst ab Spiringen auf dem Urnerboden, alles ohne Zeitmessung. Die Strasse war zwar für den öffentlichen Verkehr gesperrt, anders wäre eine Durchführung unmöglich gewesen. Rund 560 Fahrzeuge meldeten sich an und kamen in den Genuss, den Klausenpass mit ihrem Oldtimer zu bezwingen. Gestartet wurde in verschiedenen Gruppen. An den Revivals der vergangenen Jahre waren nur Vorkriegsfahrzeuge zugelassen. Die Zeiten haben sich geändert, Vorkriegsfahrzeuge sind heute weit weniger beliebt, obschon Rennfahrzeuge da etwas ausgenommen sind. Am diesjährigen Memorial durften aber auch wesentlich jüngere Fahrzeuge teilnehmen. Das kam nicht bei allen gut an, aber wie erwähnt, an diesem 6. August 2022 fand kein Klausenrennen statt, sondern ein Memorial mit Showfahrten. Man darf da wirklich grosszügig sein und sich bedanken, dass nach 2 Jahren Corona überhaupt so ein Anlass organisiert und durchgeführt wurde. Den tausenden von Zuschauern hat es jedenfalls gefallen, dass sich der eine oder andere Fahrer gerne mehr auf der Strecke gesehen hätte, können wir nachvollziehen. Vielleicht wäre eine zweitägige Veranstaltung die Lösung gewesen. Was soll’s, schön war es auf jeden Fall, nicht nur wettermässig. Im oberen Bereich des Passes gab es zeitweise Nebelbänke, sonst aber war es entgegen den Prognosen sommerlich warm und teilweise sonnig.
Im Ort Spiringen auf dem Urnerboden war das Zentrum des Events mit Ständen, Ausstellungen und Sonderschauen. Jo Vonlanthen zeigte 3 Rennwagen, darunter einen ehemaligen Formel 1-Ferrari von Michael Schumacher. Das Memorial 100 Jahre Klausenrennen hätte sicher etwas ‘würdiger’ durchgeführt werden können, aber die Umstände liessen das nicht zu. Es war trotzdem ein toller Anlass und die Zukunft lässt viel Spielraum offen. Alle weiteren Infos gibt es beim Veranstalter und Organisator https://www.diavolomotorclassic.ch/
Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 08.08.2022