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Anna Karenina
Schauspiel von Armin Petras nach Leo Tolstoi
Diese Begegnung ist wie ein Blitzschlag: Erst brennt es lichterloh, dann ist nichts mehr wie es war und übrig bleibt verbrannte Erde. Doch es ist nun einmal so: Wer eine Schwäche für das Feuer hat, kann den Blick nicht von den Flammen wenden. Nicht Wronski, der in stürmischer Leidenschaft zu Anna entbrannt ist. Und erst recht nicht Anna, deren Verlangen sie immer weiter weg von ihrem bisherigen Leben treibt: weg von ihrer tadellosen Stellung, weg von ihrem Mann Karenin, weg von ihrem geliebten Sohn. Die Welt zerfällt in ihre Einzelteile, die Flucht nach Italien wird zur Endstation des Eskapismus und Anna sieht nur mehr einen Weg, sich zu befreien.
Armin Petras (*1964) konzentriert Leo Tolstois Romanepos auf sieben wunderbar kantige Figuren und entwirft in seiner frischen und theatergerechten Spielfassung ein Panorama der Leidenschaften, in welchem nicht nur Anna lebendig wie nie wird.
Das Kinok zeigt in Kooperation mit dem Theater St.Gallen die Filmreihe «Anna Karenina» durch drei Epochen der Filmgeschichte.
Graf Leo Tolstoi (1828-1910) entstammt einem russischen Adelsgeschlecht, dessen Genealogie sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Als er mit neun Jahren Vollwaise wird, übernimmt eine Tante die Vormundschaft. 1851 meldet er sich freiwillig zum Militärdienst. Seine realistischen Berichte aus dem Krimkrieg (1855: Sewastopoler Erzählungen) machen ihn früh als Schriftsteller bekannt. Er lebt abwechselnd auf dem Gut Jasnaja Poljana, in Moskau und in St. Petersburg. 1862 heiratet Tolstoi die 18-jährige Sofia Andrejewna Behrs, mit der er insgesamt dreizehn Kinder hat. In den Folgejahren entstehen die beiden epochalen Romane Krieg und Frieden und Anna Karenina, Klassiker des realistischen Romans, die Tolstois literarischen Ruhm begründen. 1869 stürzt der Autor in eine tiefe Sinnkrise und wendet sich zunehmend religiösen Fragen zu. Tolstoi verstirbt 1910 in Astapowo.
Südkurier
Getragen aber wird die Aufführung vor allem vom Ensemble, allen voran Boglarka Horvath als Anna. Ungezügelt in ihrer Leidenschaft, kühl beherrscht in den kurzen Szenen mit ihrem Mann, dünnhäutig in ihrer eigenen Verletzlichkeit bis hin zu einer letzten rauschhaften Hellsichtigkeit.
sda
Liebe, Leidenschaft und ein riesiges Gefühlschaos bringt das Theater St. Gallen mit "Anna Karenina" auf die Bühne. Die sieben Schauspielerinnen und Schauspieler trafen die Premierengäste am Mittwoch in der Lokremise mitten ins Herz. [...] (es) herrschte an der Premiere fast zwei Stunden lang Hochspannung.
St. Galler Tagblatt
Beklemmend analytisch zeigen Boglarka Horvath und Marcus Schäfer die grosse Leere zwischen Anna und Karenin, beider Bemühen, die Fassade aufrechtzuerhalten. Schäfers Karenin ist einer, der immer schon zu alt und anständig für Liebe war, nun aber Anna um jeden Preis festhalten will. Keine Vergewaltigung auf der Bühne könnte drastischer ausfallen als die Szene, in der er ihre Hände um seinen Hals zu legen versucht. Boglarka Horvath spielt Anna als starke, moderne Frau, die alles will. Und sei es nur einen ewigen Augenblick lang.