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Lucas Biermann
Basel, um 1730/40
Silber, getrieben, gepunzt
H. 6,5 cm, 65 g (Becher)
Dm. 15,7 cm, 86 g (Teller)
Inv.Nr. 1931.467.
Klingelnder Luxus
Der kleine Fussbecher und das achtpassige Tellerchen sind von zierlichen Proportionen und bestehen aus sehr dünn getriebenem Silber. Ein grosser Teil der Flächen ist mit Ranken- und Bandelwerk bedeckt. Den Becher zieren zwei Reife, von denen einer drei Engelköpfchen trägt, während am anderen fünf flache Schüsselchen angehängt sind. Beide Teile tragen die gleichen Goldschmiedemarken, jeweils das Basler Stadtbeschauzeichen in Form des Baselstabs und das Meisterzeichen von Lucas Biermann (1688–1758), der seit 1715 Mitglied der Hausgenossenzunft war, in der die Basler Gold- und Silberschmiede zusammengeschlossen waren. Zwischen Becher und Teller sind in der Ornamentik kleinere Unterschiede zu beobachten; doch sind die Gemeinsamkeiten in der Herstellungstechnik so gross, dass die beiden Teile wohl schon ursprünglich zusammengehörten.
Der Becher wurde 1931 als «Kinderbecher» erworben, und als solcher ist er ein aussergewöhnliches Einzelstück. Doch andere Möglichkeiten sind auszuschliessen: Für einen Schnapsbecher ist das Gefäss zu gross, und da es innen nicht vergoldet ist, hat es sicherlich nicht als Weinbecher gedient, denn Wein entwickelt im Kontakt mit Silber einen unangenehmen Beigeschmack. Auch gehört das Becherchen nicht in den jüdischen Kulturbereich. Die Antwort liegt vielleicht bei den fünf an der Becherwandung hängenden Schüsselchen: Sie erzeugen bei der Handhabung des Bechers ein klingelndes Geräusch, das jenem von Kinderrasseln vergleichbar ist (Kat.Nr. 29).
Die Zierlichkeit der Proportionen, die materialsparende Herstellung, der sichere Stand auf weit ausladendem Fuss und das akustische Moment, das zur Erheiterung der Kinder gedacht sein könnte – das alles zusammen lässt die Deutung als Kinderbecher, vielleicht als ein repräsentatives Taufgeschenk, durchaus wahrscheinlich werden.