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138 Jahre Wetterbeobachtung auf dem Säntis
Der Säntis ist nicht nur ein weit über unsere Grenzen hinaus bekanntes Ausflugsziel, sondern auch ein Berg mit einer interessanten Geschichte.
Vor allem hat er eine Bedeutung als „Wetterberg“.
Säntis – als die ersten Gäste kamen
Zu Beginn des 19 Jahrhunderts entwickelten sich die ersten Berggasthäuser in der Schweiz. Die meisten Besucher wanderten hoch, die begüterten Gäste wurden hochgetragen. Der Beruf des Säntisträgers wurde ins Leben gerufen. Bis zwei Mal pro Tag kletterten diese, schwer beladen, vom Tal auf den Säntis und beförderten so vor allem Baumaterial für das erste Gebäude auf dem Säntis. Es waren die Grundsteine für das heutige Berggasthaus Alter Säntis, das 1842 als einfache Schutzhütte eröffnet wurde. Die Säntisträger waren bis zur Eröffnung der Schwebebahn im Jahr 1935 unterwegs und versorgten Gasthaus und das Observatorium mit Essen, Brennholz, Petroleum und Ersatzteilen für die Geräte.
Der Beginn der Wetterbeobachtung
1882 begann die Geschichte der Wetterbeobachtung auf dem Säntis. Die Schutzhütte diente den ersten Säntis Wetterbeobachtern Beyer und Saxer als Unterkunft. Grundlage dazu war der internationale Meteorologen-Kongress von Rom im Jahr 1879, der es als notwendig sah, auf möglichst frei zugänglichen, exponierten Berggipfeln Wetterstationen zu errichten. Die Position des Säntis war ideal durch die vorgelagerte Position des Alpenhauptkamms. Durch die ersten Beobachtungen, welche durch die extremen Witterungsverhältnisse im Winter nur von Frühling bis Herbst stattfanden, stellte man fest, dass es erforderlich war, feste und wintertaugliche Bauten zu errichten. Noch heute existiert der damals errichtete Stollen vom Hauptgebäude, heute vom Fuss des Sendeturm bis zum Gipfel. Auf diesem thront das aussergewöhnliche Beobachterhaus noch immer als Wahrzeichen und Fotomotiv.
Das beschwerliche Leben und Arbeiten
Wo heute ein neunstöckiges Gebäude, genutzt von den Säntistouristen, der Schwebebahn, der Swisscom, dem schweizerischen Militär und Meteo Schweiz steht, hat man 1887 eine in massiver Bauweise erstellte Wetterwarte errichtet. Möglich wurde das Observatorium durch eine Schenkung von 125’000 Franken. Der Stollen verband eben dieses Gebäude mit dem Beobachterhaus auf dem Gipfel. So mussten die Wetterbeobachter nicht mehr kriechend den starken Winden und dem Schnee trotzen und konnten sich nun gefahrlos bewegen. Der Windmesser und weitere Messinstrumente waren auf dem Beobachterhäuschen montiert. Die Registrierstreifen mussten regelmässig gewechselt und ausgewertet werden und die Uhren aufgezogen, so dass fast täglich ein Wetterwart auf den Gipfel musste.
Die Herausforderung war die Verbindung ins Tal
Schon zu Beginn der Beobachtertätigkeit war es notwendig, eine Verbindung zu schaffen, damit die Daten nach Zürich übermittelt werden konnten. In spektakulärer Weise und unter besonderen Hausforderungen wurde eine Telefongrafenleitung gebaut. Die Telegrafie, vom griechischen tele, also fern, und dem griechischen Wort graphein, deutsch einritzen, schreiben, besser bekannt als Fernschreiber, war damals das einzige, einigermaßen zuverlässige Übermittlungssystem. Noch weit in die 1980er Jahren war der Fernschreiber in seiner eigentlich ursprünglichen Technik in Betrieb. Doch diese Telegrafenleitung, die nach Appenzell führte, war sehr anfällig und wurde oft beschädigt durch Sturm und Schnee. Sie musste sehr häufig repariert und unter Einsatz des eigenen Lebens wieder instand gestellt werden. Schon im Eröffnungsjahr, 1882, stürzte ein Säntisträger beim Unterfangen zu Tode, die Leitung zu reparieren.
Der Mord auf dem Säntis
Auf Grund der widrigen Umstände auf dem Säntis, abgeschnitten von jeglicher Zivilisation, könnte man meinen, dass der Beruf des Säntis-Wetterwartes nicht beliebt war. Das Gegenteil war allerdings der Fall. Der Beruf war sehr begehrt, aber nicht für alle gleichwohl geeignet. Die einen blieben nur wenige Monate, andere viele Jahre, allein oder zu zweit. Gewissermassen als Rekordhalter ging ein Ehepaar in die Geschichte ein. Sie blieben 30 Jahren auf dem Berg. Und sie starben auf dem Berg. Der Säntis-Doppelmord überschattete die Wetterbeobachtung als am 21. Februar 1922 die Verbindung zur Wetterstation abbrach. Was zunächst nichts Außergewöhnliches war, brach doch die Verbindung immer wieder durch Beschädigungen ab, führte dennoch dazu, dass nachgeschaut werden musste. Säntisträger kämpften sich durch den Schnee, kehrten wieder um, konnten erst 4 Tage danach zum Gipfel Vorstoßen und fanden das getötete Ehepaar. Der Täter wollte auch Wetterwart werden. Er bewarb sich drei Jahre zuvor erfolglos um die begehrte Stelle. Er entwickelte einen heimtückischen Plan, gab sich als Tourist aus, beging die heimtückische Tat in Rache und flüchtete ins Tal, wo er in einer Scheune in Urnäsch tot aufgefunden wurde.
Mit der Luftseilbahn kam das Leben und die Hektik
Abgesehen von dieser schrecklichen Tat war das Leben aus Säntis-Wetterwart eher ruhig und beschaulich. Das änderte sich als 1935 die erste Luftseilbahn von der Schwägalp aus auf den Säntis gebaut wurde. Fortan wurde der Säntis von bis zu 2000 Personen täglich nahezu überschwemmt. Die so geschätzte Ruhe und Abgeschiedenheit, welche so besonders geschätzt wurde, war zu Ende. Mit der Bahn hielt auch die Technik Einzug auf dem höchsten Ostschweizer Gipfel. Die Petroleum-Lampen wurden durch elektrische Glühbirnen ersetzt. Mit der Romantik war es zu Ende.
Die Wetterbeobachtung in der Neuzeit
Auch sonst erfuhr die Technik immer mehr Fortschritte. Die neu entwickelten Messinstrumente machten eine ganzjährige Beobachtung nicht mehr nötig, so dass der letzte Säntis-Wetterwart 1969 seine Koffer packte und zu Tal reiste. Viele Messwerte wurden automatisch ins Tal übermittelt. Dennoch fehlte ein wichtiger Faktor der Wetterbeobachtung – und zwar der Mensch. Denn noch heute können nicht alle Wetterphänomene durch Geräte gemessen und festgestellt werden. Die damalige Telecom PTT, die heutige Swisscom AG, übernahm damit die Kontrolle der Messinstrumente und übermittelte die Wetterbeobachtungen mehrfach täglich ins Tal. Deren Mitarbeiter waren zur Wartung der eigenen Anlagen täglich, über das ganze Jahr, auf dem Säntis und konnten diese Arbeit gut verrichten. Mit der weiteren Entwicklung der Technik war auch diese ständige Besetzung nicht mehr nötig. Die Arbeit des Wetterbeobachters, und damit als weiterer Träger der 138jährigen Geschichte, übernehmen seit vier Jahren speziell ausgebildete Mitarbeiter der Säntis-Schwebebahn die Aufgabe des Wetterbeobachters und melden Wolkenphänomene, Schneehöhen, Schneeveränderungen, Bodenbeschaffenheit und einiges mehr drei Mal täglich elektronisch an die Meteo Schweiz.
Weiterführende Informationen:
Allgemeine Auskünfte Säntis
CH- 9107 Schwägalp Säntis
Tel. +41 71 365 65 65
Fax +41 71 365 65 66
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Titelbild: Sabine Itting
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