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Anina Rosa ist im Ensemble an den Thunerseespielen mit dabei. Während des Gesprächs mit dem Bärnerbär hat die Musical-Darstellerin mehrfach ein Lied angestimmt – eine Berufskrankheit, wie sie verrät.
Ihre erste Rolle war die einer Nonne, im Musical «Sister Act» (2019) in Emmen. Anina Rosa hat an der Stage School Hamburg Tanz, Gesang und Schauspiel studiert. «Ich war die Zweitbesetzung für die Nonne, die gerne rappt», erklärt sie dem Bärnerbär während eines Gesprächs im Hof des Progrs. In Hamburg, wo sie während ihrer Ausbildung wohnte, haben immer alle geschwärmt, die Stadt an der Elbe sei eine Perle. Rosa erwiderte jeweils: «Stimmt, aber Bern ist viel schöner.» Als «relaxed» empfindet sie ihre Stadt. Wer mit Rosa spricht, kommt bald einmal in den Genuss ihrer Stimme. Spontan stimmt sie je nach Stichwort den Anfang eines Liedes an. «Es ist eine Berufskrankheit.» So komme es vor, dass auf die Frage «Wo ist Sarah?» im Chor mit dem in einem Lied besungenen Namen geantwortet werde. Rosa stammt aus einem kreativen Elternhaus. Sie ist die Tochter eines Archäologen und einer Journalistin und Kulturschaffenden. «Mein Vater war in einer Band. Mir wurden als Kind viele Lieder vorgesungen.» Das Schöne am Musical-Genre sei, dass sie nicht zwischen Gesang, Tanz und Schauspiel wählen müsse.
Strohhut und Haube
Für «Paradise City» (2020), einer Musical-Produktion aus der Feder von Cihan Imam, dem ehemaligen Schauspiel-Leiter bei Bühnen Bern, durfte Rosa als Ensemble-Mitglied ganz viel tanzen. Das Stück lässt Eurovision-Lieder wiederaufleben und rast durch verschiedene Epochen. Rosa trat unter anderem als Alice im Wunderland auf. «Das war so cool», erinnert sie sich und präsentiert ein Foto von sich, auf dem sie das blau-weisse Kostüm, wie man es aus dem Walt Disney-Film kennt, trägt. Aktuell steht Rosa bei den Thunerseespielen (siehe Box) auf der Bühne. «Wir sind mitten in den Proben.» Gespielt wird «Dällebach Kari», ein Stück, das bereits 2010 in Thun auf dem Spielplan stand. Das Berner Stadtoriginal, das mit seinen Witzen unerwiderter Liebe und dem Alkoholismus trotzte, wurde neu einstudiert. «Ich dachte nicht, dass es noch besser werden kann, aber es ist noch schöner geworden», schwärmt Rosa. Auch in diesem Musical reist man durch verschiedene Zeiten von 1900 bis 1930. «Wir tragen ganz viele Hüte.» Die Haube einer Berner Tracht, einen Stroh- oder Filzhut setzt sich Rosa, die als Ensemble-Mitglied in vielen verschiedenen Szenen auf der Bühne steht, abwechselnd auf.
Starke Frauenfiguren
Rosa ist die Zweitbesetzung für die Figur «Frau Jenny». Das bedeutet, dass sie die Rolle einstudieren muss, um kurzfristig einspringen zu können, falls die Erstbesetzung ausfällt. «Das kommt gar nicht so selten vor», so Rosa. Frau Jenny ist die Wirtin der Beiz, in der Dällebach Kari einkehrt. Als Dällebach noch kein Alkoholiker ist, bestellt er ein Glas Milch. Frau Jenny darauf: «Im Ärnscht, es Glas Milch?». Rosa hat sich gut überlegt, in welcher Tonalität sie diesen Satz sagen will. Es geht in der Szene darum, dass die anderen Gäste Kari zum Trinken animieren wollen. «Ich habe für mich entschieden, dass Frau Jenny ihn nicht blossstellen will.» Rosa glaubt vielmehr, dass die Figur an ihr Business denkt. In der Schauspiel-Ausbildung habe sie verschiedene Methoden erlernt, um sich einem Charakter anzunähern. «Du kannst über den Körper in eine Rolle reinkommen oder dir über die Psychologie der Figur Gedanken machen.»
Rosa spielt bevorzugt starke Frauen. Im Theaterstück «Boeing, Boeing» (2023), einer Komödie rund um eine Frau, die drei Piloten datet, spielte sie eine Figur, die nicht nur sympathisch ist. «Es war ein Spagat, die Ambivalenz dieser selbstbewussten Frau, die aber noch immer bei ihrer Mutter lebt, zu spielen.» Das Originalstück stammt aus den 60er- Jahren und erzählt die Geschichte in umgekehrter Besetzung: Ursprünglich datete ein Mann drei Stewardessen. Frauen, die sich retten lassen, interessieren Rosa wenig. Gerne würde sie mal im Musical «Les Misérables» mitwirken. Doch statt der berühmten Rolle der «Cosette» möchte sie lieber die Eponine darstellen. Diese ist in den gleichen Mann wie Cosette verliebt und beweist zuletzt Stärke. «Sie hat Charakter. Das gefällt mir», so Rosa. Wenn sie nicht singe oder tanze, dann stricke sie gerne, verrät die Darstellerin. «Ich bin gerade an meinen ersten Pulli aus einem Stück», verrät sie. Der nächste Winter kommt bestimmt.
Helen Lagger
PERSÖNLICH
Anina Rosa wurde am 9.12.1992 geboren. Sie ist in Bern aufgewachsen und hat nach der Matura an der Stage School Hamburg eine Musicalausbildung absolviert sowie an der Schule für Schauspiel eine Weiterbildung besucht. Aktuell steht sie auf der Bühne der Thunerseespiele. Rosa lebt gemeinsam mit ihrem Partner in einer WG in Bern.