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Worum geht es?
Mit Hilfe neuer gentechnischer Verfahren unter Verwendung von Gen-Scheren wie CRISPR/Cas sollen Nutztiere mit erhöhtem Muskelwachstum geschaffen werden. Die Rede ist von sogenannten „Doppelmuskeltieren“. In verschiedenen Experimenten mit Schweinen, Kühen, Schafen und Ziegen wurde versucht, das Myostatin-Gen (MSTN), welches das Muskelwachstum kontrolliert, auszuschalten. Im Resultat sollen sich die Muskelzellen unnatürlich stark vermehren können. Bei einigen Tieren ist dies bereits gelungen. Es wurden sogar schon Patente auf entsprechende Schweine und Rinder angemeldet.
Was ist problematisch?
- Wirtschaftliche Interessen stehen bei diesem Vorhaben klar im Vordergrund. Das Tierwohl wird dabei ausgeklammert.
- Bei den Ferkeln kam es zu erheblichen Problemen: Bei ersten Versuchen in China entstanden aus 900 Embryonen nur acht Ferkel mit den gewünschten gentechnischen Veränderungen. Alle starben in den ersten Monaten. Die Ferkel litten an Gesundheitsproblemen wie verdickten Zungen.
- Bei weiteren Versuchen wurden nach vielen Versuchen auch scheinbar gesunde Exemplare geboren. Aussagen über deren tatsächlichen Gesundheitszustand zu treffen, ist jedoch schwierig, , weil sie schon früh für weitere Untersuchungen getötet wurden.
- Offensichtlich hegen auch die Forscher Bedenken bezüglich der Auswirkungen ihrer Arbeit: Ein koreanisches Team plant, Spermien der männlichen Gentechnik-Schweine für die Kreuzung mit „normalen“ Schweinen zu verkaufen. Die Hoffnung ist, dass die Tiere dadurch dann zwar nicht ganz so muskulös, dafür aber vielleicht gesünder wären.
- Bei der Forschung und Entwicklung solcher „Doppelmuskeltiere“ werden meistens Klonverfahren angewendet. Diese führen oft zu zahlreichen ungewollten Nebeneffekten wie Gesundheitsbeeinträchtigungen und Totgeburten.
- Gegenwärtig ist unklar, welche Haltungs-Anforderungen diese Tiere hätten. Würden sie für die zusätzliche Muskelmasse mehr und eiweißhaltigere Nahrung benötigen? Dies würde neue Herausforderungen an die Landwirtschaft stellen. Wahrscheinlich müssten auch wesentlich mehr Antibiotika eingesetzt werden, weil die Tiere stress- und krankheitsanfälliger sind.
Verschiedene Akteure fordern, dass gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere ohne Risikoprüfung und Kennzeichnung auf den Markt kommen können, wenn keine zusätzlichen Gene eingefügt werden. In diesem Fall könnten auch die Nachkommen der Schweine aus China und Korea unerkannt in der EU vermarktet werden.
Weitere Informationen:
Vor dem Hintergrund der auch in Europa vermehrt auftretenden afrikanischen Schweinepest arbeiten Gentechniker auch daran, Schweine gegen die Pest resistent zu machen. Dazu wurde Mastschweinen per Gen-Editing eine genetische Veranlagung vom Warzenschwein übertragen, welches gegen die afrikanische Schweinepest tolerant ist. Sollten derartige Schweine für die Mast in der EU zugelassen werden, könnte das erhebliche Folgen für die gesamte Schweinehaltung haben: Die Gentechnik-Schweine könnten künftig nicht mehr am Erreger der Schweinepest erkranken, aber unter Umständen dennoch als Virusüberträger fungieren. In der Folge könnte sich die Seuche weiter ausbreiten. Davon wären Betriebe mit gentechnikfreier Produktion – und damit nicht-resistenten Schweinen – besonders betroffen. Dadurch könnte der Einsatz gentechnisch veränderter Tiere zu einer zwingenden Option für Schweinehalter werden – und gentechnikfreie Schweinehaltung müsste möglicherweise sogar verboten werden. Das wiederum wäre für die Entwickler von patentierten Schweinen das große Geschäft.
Weiterführende Links:
Das Klonen von Tieren – eine ethische Auslegeordnung. Gutachten im Auftrag der Eidgenössischen Ethikkomission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH; Camenzind (2010).
Gentechnik-Tiere: Risiko für Mensch und Umwelt, Testbiotech 2016
Gentechnik, Patente und die Tierversuchsindustrie, Testbiotech 2016