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39° fühlen sich nach 41° schon fast gesund an. Joven ist sich zwar nicht sicher, ob da Meeresrauschen das er hört, tatsächlich vom Meer kommt, oder ob es in seinem Kopf entsteht. Seine Eltern servieren ihm heute Götterspeise. Vielleicht wollen sie ihn ja schon an die Nahrung für das Jenseits vorbereiten.
Ich gebe ungern persönliche Dinge preis und veröffentliche meine Romane unter einem Pseudonym. Die Geschichten, die ich schreibe, entspringen meiner Phantasie. Genauso gut könnten sie der Phantasie eines anderen entsprungen sein – meine Person spielt keine Rolle. Weil ich hier jedoch etwas erzähle, was ich tatsächlich erlebt habe, komme ich an dieser Stelle nicht umhin zu bestätigen, was so mancher bestimmt schon erahnt hat: Der Alte ist mein Vater.
Nur so viel: Meine Eltern liessen sich scheiden, als der Alte auf dem Gipfel seiner Karriere stand und ich, mit knapp vierzehn Jahren, in die Pubertät kam. Den vielen guten und weniger guten Ereignissen, die mein Erwachsenwerden danach prägten, werde ich hier, wie eingangs erläutert, keinen Platz einräumen. Wichtig für das Verstehen der Zusammenhänge ist, dass, als ich achtzehn Jahre alt wurde, der Kontakt zu dem Alten abbrach und er, bevor er sich für immer auf die Insel zurückzog, schwer erkrankte. Nur wenige wussten über sein Leiden Bescheid, ich gehörte nicht dazu. Der Alte und ich, wir waren uns schon lange fremd geworden.
Text: Susan Brandy
Joven liegt wieder einmal mit 41° Fieber im Bett. In seinem Kopf wirbeln die Gedanken unkontrolliert umher und doch hat er das Gefühl, die ganze Welt sei in Ordnung. Die Sonne scheint.
Als wir beim Haus ankamen, übergab er mir die Schlüssel und liess mich mit dem Versprechen, am nächsten Tag nach mir zu schauen, alleine zurück. Im Haus war es kühl. Ich öffnete die drei Fenster, stieg in das Zwischengeschoss unter dem Dach, setzte mich auf das Bett und betrachtete den Raum unter mir. Es sah alles genauso aus, wie ich es mir in Erinnerung gerufen hatte. Der Kamin, der nahezu den ganzen Raum einnahm, der massive Tisch mit der Eckbank, der rote Ledersessel und das in die Wand eingelassene Büchergestell, das nunmehr leer war. Bis auf die Möbel, ein wenig Wäsche und ein paar Küchenutensilien hatte der Alte nichts zurückgelassen.
Das Atelier, dessen Pläne er mir noch gezeigt hatte, befand sich hinter dem Haus, neben dem alten Schafstall. Als ich den modernen Kubus aus Holz und Glas an diesem Vormittag zum ersten Mal betrat, schlug mir der starke Geruch von Farbe und Pinselreiniger entgegen. Nach seinem Tod hatte man hier nichts mehr angerührt. Das Bild mit dem angefangenen Himmel stand noch auf der Staffelei, auf welcher ich auch den Pinsel mit dem eingetrockneten Blau fand.
Text: Susan Brandy
Vermutlich verbreitete sich der Duft der Polenta über die ganze Insel. Alle scheinen auf dem Weg zum Leuchtturm, hoffentlich reicht es für alle.
Am Leuchtturm ist die Briefträgerin immer willkommen.
Einsam
am Strand
ein Mensch
versunken in Gedanken
wartet
auf Schiffe
die nur selten kommen
und den Anderen
der Gedanken mit ihm teilt
damit sie nicht mehr so schwer sind
Einziges Hoffnungslicht
das Blinken des Leuchtturms
Er sitzt jeden Tag dort
mit seiner Sehnsucht
#Lichtblicke