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Der Kanton Waadt wird statt der gesamten kantonalen Informatik nur die Desktop-Services und den User-Helpdesk internalisieren. Die grossen Brocken bleiben bei Bedag. Die Waadtländer Politiker haben sich verspekuliert.
"Die Herausforderungen eines solchen Transfers dürfen nicht unterschätzt werden", hatte der Berner IT-Dienstleister Bedag im November 2008 in einer Mitteilung geschrieben
und damit die Absicht des Kantons Waadt kritisiert, per 31. Juli 2009 die kantonale Informatik selber zu betreuen. Nun, acht Monate später, ist klar: Das war tatsächlich eine sehr schlechte Idee. Die zuständigen Politiker haben sich verrechnet, den Aufwand unterschätzt, den Mund zu voll genommen.
Wie Bedag mitteilt, wurden nun mehrere neue Verträge unterzeichnet, die die zukünftige Zusammenarbeit regeln. Es handle sich um einen der grössten Outsourcing-Aufträge in der Geschichte des Unternehmens. In einem neuen Vertrag wurden die generellen Rahmenbedingungen festgelegt, gemäss welchen Bedag dem Kanton Waadt in Zukunft Informatik-Dienstleistungen liefern wird. Zudem wurden drei spezifische neue Verträge unterzeichnet.
Mehrere Verträge
Konkret hat sich herausgestellt, dass der Kanton nicht in der Lage wäre, die Rechenzentrumsdienstleistungen selber zu übernehmen. Gemäss dem ersten Vertrag stellt Bedag dem Kanton Waadt für mindestens fünf weitere Jahre umfassende Kapazitäten im Mainframe-Bereich zur Verfügung und ist somit weiterhin für den Betrieb zuständig.
Der zweite Vertrag regelt die Bereitstellung einer Housing-Kapazität im Bedag-Rechenzentrum in Bern für mindestens zwei weitere Jahre im Umfang von 80 Quadratmetern. Diese zwei ersten neuen Verträge garantieren Bedag Umsätze von rund 5,5 Millionen Franken pro Jahr.
Der dritte Vertrag regelt die Zur-Verfügung-Stellung und den Betrieb von Storage-Leistungen auf der Basis jener Kapazitäten, welche die Verwaltung des Kantons Waadt am 30. April 2009 benötigte. Dieser Vertrag regelt auch das Projekt für die Migration der Storage-Infrastruktur in die Housing-Zone des Kantons Waadt im Bedag-Rechenzentrum. Er hat vorerst eine Laufzeit von fünf Monaten (Wert: 250'000 CHF/Monat) und ist je nach dem Fortschritt des Internalisierungsprojektes erneuerbar.
Erfolg für Bedag
Wie Bedag-Sprecher Rudolf Steiner zu inside-it.ch sagt, übernimmt der Kanton Waadt somit nur die personalintensiven Bereiche Desktop-Services und User-Helpdesk.
Obwohl der Umsatz, den Bedag in Zukunft mit dem Kanton Waadt machen wird, wohl nicht das frühere Volumen erreichen wird (30 Millionen Franken), ist es doch ein Erfolg für Bedag, dass der Westschweizer Kanton nun seine kühnen, aber letztlich unrealistischen Informatik-Pläne aufgeben muss und zu einem ansehnlichen Teil bei Bedag bleibt. (Maurizio Minetti)