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Knuttstrandläufer sind eine bemerkenswerte Vogelart, die jedes Jahr mehr als 5‘000 Kilometer weit fliegen. Von ihren Brutgebieten auf der Taimyr-Halbinsel im russischen Sibirien fliegen die Watvögel bis nach Mauretanien oder sogar bis Australien oder Neuseeland, je nach Unterart. Aufgrund der sich erwärmenden Arktis werden die Tiere immer kleiner und einer neuen Studie zufolge bezahlen die Vögel den Preis für diese Verkleinerung erst, wenn sie in ihrem Winterquartier im Süden ankommen.
Knuttstrandläufer (Calidris canutus) gehören zu den Rekordhaltern in der Sparte „Langdistanzflug“ und können bis zu 5‘000 Kilometer weit ohne Halt fliegen. Jeden Herbst ziehen die Vögel von den Brutgebieten Sibiriens an die Küste Mauretaniens (oder nach Australien oder Südamerika, je nach Unterart) und kehren im Frühling zurück, um auf der Taimyr-Halbinsel zu brüten (oder auf Grönland, in Kanada, Alaska oder der kanadischen Arktis, wiederum je nach Unterart). Der Hauptgrund für diese langen Flüge ist die enorme Nahrungsmenge an Insekten im hohen Norden. Im Laufe der Entwicklung gelang es den Vögeln, das Schlüpfen der Jungen auf den Höhepunkt der Insektenzeit zu legen.
Doch in den letzten 30 Jahren sind Frühling und der Höhepunkt der Insektenpopulation immer früher gestartet und im Durchschnitt nun zwei Wochen zu früh. Dagegen ist das Ankunftsdatum der Vögel unverändert geblieben, was zu einer geringeren Futtermenge für die Küken geführt hat, was aber eigentlich essentiell wär. Durch den Nahrungsrückgang sind auch die Jungvögel kleiner geworden, was auch später im Leben nicht wieder aufgeholt werden kann. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern hat nun untersucht, ob dieser Rückgang auch Auswirkungen auf das Überleben der Jungvögel hat. Gemäss ihren Resultaten kommen die Schwierigkeiten für die Vögel erst beim Erreichen ihrer Überwinterungsgebiete auf sie zu. Denn dort ernähren sich die Vögel meist von Mollusken und Schalentieren, die sie mit ihren langen Schnäbeln aus dem Sand picken. Doch die Schnäbel der Jungvögel sind aufgrund der reduzierten Körpergrösse zu kurz, um die energiereiche Nahrung zu erreichen. Daher müssen sie auf weniger gutes Futter ausweichen wie beispielsweise Seegraswurzeln und kleinere Muscheln. Die Resultate der Forsche zeigen, dass dadurch die Jungvögel eine erheblich niedrigere Überlebensrate haben, als diejenigen Vögel mit langen Schnäbel und keiner Futterreduktion. Die Resultate der Arbeit der Forscher haben sie vor kurzem im renommierten Fachjournal Science veröffentlicht.
Gemäss Eldar Rahimberdiev, Forscher an der Biologie-Fakultät der Lomonosov Moscow State University, ist das Aussterben für die Knuttstrandläufer mehr als real. Wird die Schnabellänge des Vogels dermassen verkürzt, dass sie ihre Nahrung nicht mehr erreichen, wird die Art verschwinden. „Als ich ein Student war und mit derselben Art gearbeitet hatte, hatten wir mit Kollegen diskutiert, die meinten die Vögel würden aufgrund von Problemen während der Wanderung sterben. Wir dagegen dachten, die Probleme liegen im Brutgebiet. Und diejenigen, die in Afrika arbeiteten, sagten, dass da unten keine Probleme herrschen. Jetzt wird klar, dass all diese Teile zusammenhängen und ein scharfer Wechsel in irgendeinem Teil des Puzzles zu diesen unerwarteten Konsequenzen geführt hat, “ erklärt der Wissenschaftler.
Die Arbeit der Forscher ist einzigartig, da sie zum ersten Mal zeigen konnten, dass der Transfer eines offensichtlichen Problems nicht nur in der Zeit sondern auch räumlich stattfinden kann.
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