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Der Hof von Ruedi Schneider steht auf der Flur namens „Leuengrund“ in Pratteln. Er möchte gerne den Ursprung dieses Namens wissen. Schauen wir mal nach wie alt der Name eigentlich ist. Im 15. Jahrhundert erscheint der Name erstmals in einer schriftlichen Quelle als „Löwengrund“.
Markus Lutz schreibt in seinem Buch „Neue Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel oder Fragmente zur Geschichte, Topographie, Statistik und Kultur dieses Schweizerischen Freystandes“, dass der Leuengrund eine Waldwiese sei, auf der 1790 ein Gebäude errichten und dieses nach einem Besitzer namens Löw benannt worden sei. In der gleichen Quelle wird auch der damalige Hof Meienfels erwähnt. Anscheinend war der Löwengrund das zweite Lehenhaus des Gutes Meienfels, das östlich des Hofs Löwengrund liegt.
Von der Witwe Wütherich auf Meienfels
Dieses Hofgut wurde in den Jahren 1726 bzw. 1727 vom Bürgermeister der Stadt Basel Johann Rudolf Faesch gebaut. Der Maienfels gehört zu den frühen barocken Landsitzen ausserhalb der Stadt. Später im 19. Jahrhundert gehörten beide Höfe einer Witwe Wütherich. Im Gemeinderatsprotokoll der Gemeinde Pratteln von 1894 steht folgendes geschrieben: „Der Witwe Wütherich auf Majenfels ist für Mergelführen in Bergweg u. walzen desselben eine Entschädigung zugewiesen. Dagegen wird eine von derselben eingereichte für Kulturschaden im Leuengrund im Betrage von Fr. 80.- als zu hoch zurückgewiesen.“
Der Löwe als Familiennamen, als Wirtshausname und als Wappenmotiv
Doch zurück zur eigentlichen Frage und zum Namen: Der Flurnamen Leuengrund geht auf einen Familiennamen Leu bzw. Löw zurück. Die Namenvariante Leu ist dabei in Basel alteingesessen. Als Übername konnte das Tier den Familienname Löwe oder Leu motivieren. Im Mittelalter war der Löwe als Symbol der Kraft und Gewandtheit einer der beliebtesten heraldischen Motive. Der Löwe war auch beliebtes Wirtshausmotiv und ist auch aus der Kirche als Symbol des Evangelisten Markus bekannt. Der Leuengrund hat also seinen Namen von einem Besitzer namens Löw oder Leu.
Nicht jeder Leu-Name ist ein Löwe
Aber nicht jeder Löwe-Name hat einen ursprünglichen Familiennamen als Hintergrund. Der Flurname „Leuere“ in Lyss (BE) geht dabei nicht auf einen Familiennamen zurück, sondern zeigt in den früheren Formen die Variante „Leuweren“ und geht somit auf das mittelhochdeutsche Wort „lew“ zurück, das Hügel oder Grabhügel bedeutet. Tatsächlich weist das archäologische Hinweisinventar für diese Gegend Gräberfunde aus der Bronzezeit aus.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
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