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Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch Tofu isst, hätte er keine Rinder erfunden und keine Kühe und keine Schweine und keine Schafe und keine Kängurus und keine Hühner und keine Enten und keine Ziegen und – mit freundlichen Grüssen an die Leserschaft im asiatischen Raum – keine Hunde und keine Katzen und keine Meersöili.
“Und halte dich fern von allem, was nicht vom Tiere stammt oder in deinem eigenen Garten wachset, und führe deinem Leibe keinesfalls ein Stücke von etwas zu, was nie sehen und hören konnte und in dem nie Leben war”, heisst es in einer hiermit erstmals veröffentlichten Passage der Bibel (die Seiten, mit denen sie sich belegen liesse, gingen schon vor Jahrhunderten verloren. Aber Forscher suchen in aller Welt kramfphaft nach ihnen. Aktuell werden sie in Kellern in Passau, Dresden oder Passau vermutet).
Man kann also sagen: Dass der Mensch Tofu isst, entspricht – genausowenig wie das Abwerfen von Atombomben, das Durchführen von Schulreisen oder das Haareschneiden – nicht Gottes Wille. Ganz im Gegenteil: Der Verzehr von Tofu belegt in der Liste der Sünden ex aequo mit dem Töten, dem Stehlen und dem Begehren des Nachbarn Platz Eins.
Doch Jacky Gehring, die Hohepriesterin des Body Reset, kümmert das wenig: Auf ihrem Speiseplan, nach dem wir uns seit einer Woche mit ans Preussische gemahnender Disziplin verpflegen, verordnet sie für heute Sonntag(!) als Mittagessen ungerührt einen Gratin aus Champignons und Tofu.
Also kauften wir gestern – neben 8,426 Millionen gesunder und trotzdem mehrheitlich leckerer Zutaten – auch einen weissen Klumpen, der aussieht wie Seife und sich anfühlt wie ein Radiergummi (für die jüngeren Leserinnen und Leser: Radiergummis waren die Vorläufer der “Delete”-Taste, pflegten im Gegensatz zu dieser jedoch auf dem sogenannten “Papier” zu schmieren, was Steve Jobs irgendwann zu blöd wurde, worauf er das iPhone gründete und starb).
Diesen Mocken habe ich vorhin zerhackt und in Bouillon eingelegt. Dann gab ich die Stückli in eine Bratpfanne, in der schon 200 Gramm Champignons und eine Chnoblizehe vor sich hindünsteten. Ich goss Gemüsebürhe dazu, kippte einen Esslöffel Sojasauce und ein paar Spritzer Zitronensaft hinterher, mischte geriebenen Gouda-Käse darunter, schob das Ganze bei 200 Grad in den Ofen, wartete eine Viertelstunde – und nun steht es da, das
Gericht, vor dem es mir seit bald 48 mehr graut als vor fast allem anderen Mittagessen.
Mein Schatz hat ihre Hälfte in eine Tupperwarebox gepackt, um beim Sonntagsdiensten im Büro bodyzuresetten. Ich werde meinen Anteil, der optisch einer mit Spikes überfahrenen Ratte ähnelt und riecht wie etwas vor längerer Zeit aus der Kanlisation Geschwapptes, irgendwann auf die Herdplatte stellen und aufwärmen und…
(Stimme aus dem Hinterkopf: “Bist du ganz sicher, dass du dir das antun willst? Ich meine: Tofu und Essen – das ist wie Quallen und Baden. Was du vorhin gekocht hast, wäre schwuppdiwupp durchs WC gespült. Und im Kühlschrank lagert ja noch viel anderes, was zu euren Basischkochplänen passt; ein Schweinefilet zum Beispiel, und Käse. Oder Parmaschinken. Und in der Gfüüri hats im Fall noch ein Paar Servalats, falls dus vergessen haben solltest.”)
…oho! Auf dem Tisch liegen Früchte. Ich esse jetzt erstmal eine Banane und einen Apfel. Das dürfte genügen, um die Zeit bis zum Pot au Feu am Abend zu überbrücken.
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Nachtrag 13.10 Uhr: Ich habs jetzt doch probiert. Und aufgegessen. Vom Tofu habe ich nicht das Geringste geschmeckt. Man könnte ihn folglich genausogut weglassen.