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• Biden will Unternehmenssteuersatz von 21 Prozent auf 28 Prozent anheben
• Warren Buffett nicht besorgt wegen Erhöhung der Unternehmenssteuer
• Buffett: Dass Steuererhöhung den Konsumenten schadet, ist "Unternehmensmärchen"
"Es ist Zeit, dass Amerikas Unternehmen und das reichste Prozent der Bevölkerung anfangen, ihren gerechten Anteil zu bezahlen", sagte US-Präsident Joe Biden in seiner ersten grossen Rede vor dem Kongress - und will diesen Worten auch Taten folgen lassen. Unter anderem will er den Unternehmenssteuersatz von 21 Prozent auf 28 Prozent anheben, um damit sein billionenschweres Infrastrukturprogramm zu finanzieren. Abgeordnete - vor allem aus der republikanischen Partei - sowie Führungskräfte aus der Wirtschaft befürchten laut "Yahoo Finance" jedoch, dass diese Pläne die Wettbewerbsfähigkeit der US-Unternehmen beeinträchtigen könnten und letztendlich auch den US-Konsumenten schaden würden. Alles Quatsch, glaubt jedoch Warren Buffett, der sich beim jährlichen Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway am 1. Mai völlig unbesorgt bezüglich höherer Steuern zeigte.
Warren Buffett: Kunden werden nichts von höheren Unternehmenssteuern merken
"Wenn ich bei einem Jahrestreffen von Berkshire Hathaway sitze und angenommen wird, dass ich im Namen von Berkshire spreche, dann möchte ich mich generell nicht so gerne mit politischen Fragen auseinandersetzen und ich denke, das sollte ich auch nicht", sagte Buffett laut "Benzinga" bei der Aktionärsversammlung Anfang Mai, liess sich dann jedoch trotzdem zu ein paar Äusserungen bezüglich Bidens Steuerplänen für US-Unternehmen hinreissen.
Er selbst sei im Hinblick auf höhere Steuern überhaupt nicht besorgt - und auch die US-Konsumenten müssten aus seiner Sicht keine Angst haben. "Es ist ein Unternehmensmärchen, wenn sie eine Erklärung abgeben zu dem Fakt, dass es schrecklich für euch alle wäre, wenn sie mehr Steuern bezahlen müssten", so das Orakel von Omaha laut "Yahoo Finance". Es würde zwar viel darüber geredet, wie diese höheren Unternehmenssteuern an die Kunden weitergegeben würden, dies sei aber in den meisten Branchen überhaupt nicht der Fall. Laut Buffett gelte das nur bei Versorgern, die einen Sonderfall darstellen würden. Ansonsten würden einige Firmen nur versuchen, mit solchen Behauptungen Ängste zu schüren.
Auch Berkshire-Vize Charlie Munger sagte laut "Reuters", dass es nicht das Ende der Welt für Berkshire wäre, wenn die Unternehmenssteuern in den USA auf 25 Prozent oder 28 Prozent erhöht werden würden. Tatsächlich lag der Steuersatz vor einigen Jahren noch bei 35 Prozent. Erst Donald Trump senkte ihn zu Beginn seiner Amtszeit auf 21 Prozent. Wie "CNBC" berichtet, wies Warren Buffett in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Unternehmenssteuersatz zu Beginn seiner Karriere sogar mehr als 50 Prozent betragen hätte und somit noch sehr viel höher gewesen sei. Dem Erfolg von Berkshire Hathaway hat das aber offenbar nicht geschadet.
Buffett und Munger wiesen jedoch laut "CNBC" darauf hin, dass ein Anstieg der Unternehmenssteuer zwar nicht für Konsumenten, aber durchaus für Berkshire-Aktionäre negativ zu werten sei. Denn der Staat erhält durch die Steuererhöhung einen grösseren Anteil vom Gewinn der Investmentholding. Berkshire Hathaway werde sich jedoch mit der Zeit anpassen, weshalb sie nicht sonderlich besorgt seien.
Buffett forderte bereits in der Vergangenheit höhere Steuern
Buffett, der beim Aktionärstreffen auch verriet, dass er bei der US-Wahl Joe Biden seine Stimme gegeben habe, hat sich bereits öfter öffentlich zum Thema Steuern geäussert. Dabei kritisierte er unter anderem, dass er - prozentual gesehen - weniger Steuern zahle als seine Angestellten, und forderte deshalb eine Änderung in der US-Steuerpolitik, damit Reiche stärker zur Kasse gebeten werden. US-Präsident Biden scheint nun - zumindest teilweise - diesen Weg einzuschlagen. Er zeigt sich dabei jedoch kompromissbereit und lenkte bereits ein, die Unternehmenssteuer lediglich auf einen Wert "zwischen 25 und 28 Prozent" anzuheben. Experten erwarten daher laut "Reuters", dass der neue Steuersatz für Unternehmen letztendlich bei 25 Prozent liegen werde - kein Problem also für Warren Buffett, Charlie Munger und Berkshire Hathaway, die ja auch die eigentlich geplante Erhöhung auf 28 Prozent gelassen hingenommen haben.
Laut dem Investment-Strategen Brian Belski von BMO Capital Markets gibt es für sie auch gar keinen Grund zur Sorge. "Steuererhöhungen waren in der Vergangenheit alles andere als schädlich für die Performance des US-Aktienmarktes", sagte er laut "Yahoo Finance". Denn negative Effekt wie eine Verminderung des Gewinn je Aktie würden oft durch andere Faktoren wie höhere Ausgaben für die Infrastruktur oder Stimulus-Programme ausgeglichen. Für Berkshire Hathaway, deren Erfolg als Investmentgesellschaft stark von den Entwicklungen an der Börse abhängt, bleiben die Aussichten also auch bei höheren Steuern gut.
Redaktion finanzen.ch