Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03610.jsonl.gz/2533

| Hieronymus († 420) - Briefe

III.a. Polemisch-apologetische Briefe: In eigener Sache
45. An Asella
5.
Ihr legt Wert darauf, täglich zu baden; ein anderer sieht in dieser Art Reinlichkeit Schmutz. 1 Ihr rülpst auf ein verzehrtes Haselhuhn hin auf und rühmt euch des genossenen Störes; ich stille meinen Hunger mit Bohnen. Andere fühlen sich wohl unter einer Herde von Lachern, Paula und Melanium unter einer Schar von Klagenden. Euch gelüstet es nach fremdem Besitz; sie haben ihr Eigentum verlassen. Ihr erquickt euch an mit Honig gesüßten Weinen; sie trinken mit größerem Genuß frisches Wasser. Euch gilt als verloren, was ihr in diesem Leben nicht genießet, verzehret und verprasset; sie streben nach zukünftigen Gütern und richten sich nach den Worten der Schrift. Gesetzt den Fall, sie, [S. 108] die von der Auferstehung des Fleisches überzeugt sind, handeln töricht und albern, was geht das euch an? Auf der anderen Seite erregt euer Leben unser Mißfallen. Mag es euch gefallen, wohlbeleibt zu sein; ich ziehe ein hageres und blasses Gesicht vor. Ihr mögt uns für bemitleidenswert halten; ihr seid es in unseren Augen noch viel mehr. So wird Gleiches mit Gleichem vergolten, 2 und wir halten uns gegenseitig für Narren.
1: Gedacht ist an die Benutzung der öffentlichen Bäder mit ihren Gefahren für die Sittlichkeit (vgl. S. 106 Anm. 2).
2: Terentius, Eunuchus 445.