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Ein kleines Land, 1.11. – 26.11.2012
Als erstes besichtigen wir die Miraflores – Schleusen am pazifischen Ausgang des Panamakanals. Der 1914 eröffnete Kanal ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt Die Schiffe werden bei Colón auf der Karibikseite durch die Gatún-Schleusen zu dem auf 26 m über dem Meeresspiegel künstlich aufgestauten Gatúnsee gehoben, fahren in ausgebaggerten Rinnen durch diesen See und den Río Chagres, durchqueren im Gaillard-Kanal einen Bergrücken und werden mit den dicht aufeinanderfolgenden Pedro Miguel- und Miraflores – Schleusen wieder zum Pazifik hinabgelassen. Mit jeder Durchfahrt eines Schiffes werden erstaunliche 236 Mio. Liter Süsswasser in den Ozean gespült.
Das grösste Bauwerk aller Zeiten, der Panamakanal, wurde von den Amerikanern geplant, umgesetzt und viele Jahre in eigener Regie betrieben. 1000e Amerikaner brauchte es, um diesen 82 km langen Kanal zu führen. 1977 haben Mr. Präsident Jimmy Carter und General Omar Torrijos die Verträge ausgehandelt, den gesamten „Panamakanal“ im Jahr 1999 den Panameños zu übergeben.
So sind also 1999 mit einem Schlag viele Amerikaner (GI’s) in Panama arbeitslos geworden. Leider sind jedoch viele in Panama geblieben und haben sich im ganzen Land breit gemacht. Panama hat aus diesem Grund einen erheblichen USA-Touch und viel Eigentümliches verloren.
Vielleicht ist dies der Grund, warum wir mit diesem Land nicht richtig warm werden. Landschaftliche Höhepunkte gibt es auch nicht wirklich und im Vergleich zu den Kolumbianern sind die Menschen hier geradezu kalt und übellaunig. Wie wenn sie jeden Tag mit dem falschen Bein aufstehen würden. Dazu kommt, dass wir immer noch in der Regenzeit stecken.
Was also wollen wir hier überhaupt? Warum fahren wir nicht gleich weiter nach Costa Rica? Weil es dort noch viel mehr regnet als hier und weil,… das nette australische Paar Don und Susi vom Katamaran uns eingeladen hat, ihre ebenfalls australischen Freunde in ihrem Beachhaus an der Südküste der Halbinsel Azuero zu besuchen. Na klar doch, das machen wir, auch wenn wir uns mit Don, einem Ex Captain der Aussi Navi kaum unterhalten können, hat er doch mindestens immer 3 Kartoffeln im Mund, einen extremen Slang und speziellen Humor.
Das Beachhaus haut uns um. 10 m oberhalb des Privatstrandes thront es in einem tropischen Park. Sogar das 4 Personen Jacuzzi in der Palmgartenlaube fehlt nicht und zwischendurch kommen auch mal 4 prachtvolle Aras zu Besuch.
10 Tage verbringen wir hier mit vielen Gesprächen und gemeinsamen Kochen. Natürlich wollen wir unseren Speiseplan mit frischem Fisch aufwerten und sind deshalb stundenlang mit dem Kajak auf der kleinen Insel vor der Bucht am Würmer baden. Kaum Erfolg, spannend alleweil, schwimmt doch hin und wieder ein Hai unter unseren Beinen durch oder wir haben eine grosse Muräne am Haken. Da sich diese Viecher oft von Aas ernähren, schmecken sie nicht besonders. Man kann sie nur gekocht auf den Tisch stellen, weshalb wir sie wieder frei lassen. Wir wollen aber Fisch für ein Ceviche, und für eine Vorspeise hat es gereicht.
Langsam müssen Susi und Don zurück nach Downunder. Wir begleiten sie noch ein Stück Richtung Panama City und fahren für unsere letzte gemeinsame Nacht ins El Valle. Ein Dorf, das in einem alten Vulkankrater erbaut wurde und nun als Altersresidenz der Amis und reichen Panameños genutzt wird, da hier das Klima toll sein soll. Nun ja, es regnet und wir unternehmen kurze Ausflüge in der Gegend. Im Dschungel finden wir die einzigartigen quadratischen Bäume, ein paar nette Wasserfälle und machen einen Besuch im altehrwürdigen Thermalbad. Eher alt als ehrwürdig und als wir nach der obligaten Gesichtsmaske mit Vulkanschlamm ins Becken tauchen, taucht natürlich eine Schulklasse auf. Wie immer!
Don und Susi laden uns herzlich nach Australien ein, wir wären immer willkommen und sie würden uns gerne ihr Land zeigen. Da die beiden frühzeitig pensioniert sind, und als passionierte Bushcamper jeden Winkel von Stralien kennen, müssen wir uns nun ernsthaft überlegen….
Je weiter weg wir uns von Panamacity entfernen, desto ursprünglicher empfinden wir Panama. Wir sehen viele traditionell gekleidete Frauen der Ngöbe – Buglé, Indígenas des grössten Stammes hier. Ihre Kleider haben alle das gleiche Schnittmuster aber viele verschiedene leuchtende Farben.
Kurz vor der Grenze zu Costa Rica biegen wir Tage später noch rechts ab nach Boquete, am Fusse der höchsten Erhebung Panamas, dem Vulkan Barú. Von seinem 3400 m hohen Gipfel kann man bei klarer Sicht die Karibik als auch den Pazifik sehen. Wir können uns diesen beschwerlichen Aufstieg aber sparen, da man in dieser Jahreszeit kaum 10 m weit sehen kann. Auch den Quetzaltreck, eine 23 km lange Halbumgehung des Vulkans lohnt sich nicht bei diesem Wetter, da sich der namengebende prachtvolle Vogel Quetzal mit seinem langen, farbigen Schwanz bei Regen meistens tief im Busch versteckt.
Trotzdem gehen wir mit dem Schweizer Peter, der schon seit 13 Jahren hier lebt auf Dschungeltour. Er hat tief in diesem Berg – Nebel – Regenwald eine Blockhütte und einen „schweizerischen“ Gemüsegarten. Auch will er uns seinen Freund Lazaro, einen indianischen Kräuterdoktor vorstellen, der autark da oben im Busch lebt.
Trockenen Mutes kommen wir 7 Uhr morgens ganze 500 m weit, bevor sich die Himmelsschleusen öffnen und bis zum Nachmittag nicht mehr schliessen. Die Luftfeuchtigkeit ist dermassen hoch, dass auch unsere perfekte Ausrüstung und Gummistiefel an den Füssen nicht davor schützt, in kurzer Zeit aussen und innen tropfnass zu sein. Da müssen wir jetzt durch, das einzige Problem ist nur die Kamera, die hin und wieder gezückt werden will, denn die Vegetation mit ihren Flechten, Moosen, Lianen und Orchideen ist überwältigend.
Lazaro begrüsst uns herzlich in seinem Paradies, ein paar windschiefe Hütten in einer grossen Lichtung. Von Banane über Guave, Naranjita bis Zuckerrohr und Mais wächst hier alles, was ein Dschungel bieten kann, nur: „Hat es im Paradies auch so viel geregnet?“
Dann bereitet er uns seine Spezialität zu, den Ganzkörper – Reinigungstrank, Guanalana. Ein Blatt wird mit einem Stein zerstossen, mit Wasser angerührt und verdünnt getrunken. Dass es einem beim Trinken die Unterhosen hineinzieht, gehört wohl dazu. Bitterer geht’s nicht mehr. Offensichtlich wirkt er aber. Lazaro sieht mit seinen 64 Jahren aus wie 64.
Weiter geht’s über glitschige Pfade steil hinauf zum Gemüsegarten, und tatsächlich, hier wachsen Fenchel, Rhabarber, Kefen, Randen, Karotten, Kohl und vieles mehr. Wir dürfen ernten und freuen uns jetzt schon auf frischen, knackigen Fenchelsalat.
Der Abstieg über eine schmale Kordilliere ist ungleich schwerer, und Felix stürzt beim Überholen beinahe in eine Schlucht. Bis zur Brust steckt er in glitschigen Lianen und nur dank der Hilfe von Franziska kommt er da wieder raus. Da die Kamera bei Felix umgehängt ist, konnte dieses Vergnügen nicht festgehalten werden.
Wir haben nur einen sehr kleinen Teil des grössten NP von Zentralamerika, dem La Amistad gesehen, der zum grössten Teil in Costa Rica liegt. Hier könnte man Wochen mit atemberaubendem Trekking im Dschungel verbringen. Aber nicht in der Regenzeit und unsere Aufenthaltsbewilligung läuft auch schon wieder langsam ab. Also noch einmal im Supermarkt gross Einkaufen gehen, denn in Costa Rica wird es richtig teuer.
Ach ja, und dann war doch noch so ein Abenteuer:
Es ist der 22. November, wir sind in einem halbamerikanischen Land, das Kühlregal im Supermarkt ist gerammelt voll mit gefrorenen Truten, die Amis strahlen über alle 4 Backen, es ist Happy Thanksgiving. Neben uns steht eine amerikanische Familie mit 4 Kindern, die in einem Monstertruck unterwegs sind. Sie fragen uns, ob wir nicht auch Lust hätten, mit ihnen zusammen im Amirestaurant vis-à-vis den obligaten Turky zu essen?
Blöde Idee wirklich, das war eine ganz blöde Idee. Nur aus Rücksicht vor der Familie, vor allem wegen der Kinder, hat Felix diese Kneipe, und vor allem den Koch nicht auseinander genommen. Wir haben eine Familienplatte bestellt, für 8 Personen. Was dann auf unseren Tisch kam, hätte knapp für uns beide gereicht, Die olle Trute war kalt, z.T. verbrannt und igittigitt. Die Beilagen undefinierbar, dafür geschmacklos. Wären wir alleine gewesen, hätten wir das Lokal ohne zu bezahlen verlassen. Den Webbs war überhaupt nicht recht, dass wir an unserem 1. Thanksgiving so enttäuscht werden und haben uns für einen neuen Versuch zu sich nach Flagstaff, Arizona eingeladen. Auch nicht schlecht!!! Der Grand Canyon ist gleich nebenan.
Übrigens, die ganze Familie hatte in der Nacht Durchfall, wir sind offenbar gegen sowas inzwischen immun.
Ach ja, und dann noch dies! Der 28. November ist Panamas Unabhängigkeitstag. Wenn der aber nicht auf ein Weekend fällt, wird er auf ein solches verschoben. Nationaltag heisst hier, Parade, Defilee, Marschieren mit Pauken und Trompeten. Vor allem Pauken. Wir stehen pünktlich um 10.00 Uhr am Strassenrand als die Parade beginnt und bewundern das farbenfrohe und laute Spektakel.
Das Dorf ist kaum grösser als Hintertupfingen und wir staunen, dass nach 3 Stunden Defilee noch kein Ende in Sicht ist. Ha, wir erfahren, dass diese Kapellen aus dem ganzen Land angereist kommen, ihre Runde drehen und ins nächste Kaff fahren. Jede Gruppe hat mehr oder weniger das gleiche Stück drauf. Viele Trommeln ohne Konzept und ein paar Bläser, die so ungefähr 5-6 Töne rausbringen. Macht Spass so was mal kurz zu sehen und H Ö R E N, wie eine Guggenmusik in der Schweiz. Die machen aber non Stop durch bis 23.00 Uhr. Flucht ist kaum möglich, im nächsten Kaff geht es ja gleich zu und her. Zudem regnet es den ganzen Tag in Strömen. Wir verrammeln uns im Hiddy, der es auch mit seinen isolierten Wänden nicht schafft den Krach fern zu halten. Als endlich mit 2 Böllerschüssen das Ende angekündigt wird, fallen wir uns erschöpft in die Arme.
Ruhe? Nein, das ist nur das Zeichen, dass die Disco eröffnet ist. Wir machen durch bis Morgen früh und singen Bums falleraaaaaaaaaaa.
Wir freuen uns auf Costa Rica.
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