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Hoi zusammen! Ich heisse Lara, ich bin sechzehn Jahre alt, und ich wohne in der Nähe von Chur in Graubünden.
Kunst ist für mich etwas, mit dem man sich selber ausdrücken kann oder etwas, das man zeigen will.
Heute habe ich eine Begegnung mit einem Kunstwerk von Parastou Forouhar. Kommt ihr auch mit?
Ich bin hier beim Verwaltungsgebäude “sinergia”. Das Wetter ist wolkig und das Gebäude ist braun und grau und es hat mehrere Stockwerke. Das Kunstwerk ist am Boden und es sind so wie arabische Schriftzeichen, aber es ist nicht wie etwas Geschriebenes, sondern es sind ganz viele Buchstaben auf den Boden geschrieben. Also nicht, dass es ein Wort ergeben würde. Also zumindest sieht es so aus. Und alle diese Zeichen sind meistens miteinander verbunden. Und es macht so wie einen Weg. Und das Kunstwerk ist aus dem Material gemacht, aus welchem man auch Fussgängerstreifen macht.
Das ist das Kunstwerk “Written Room” von Parastou Forouhar. Das Werk befindet sich auf dem Vorplatz des Neubaus des Verwaltungsgebäudes “sinergia” in Chur im Kanton Graubünden. Das Werk wurde 2020 realisiert. Die Technik ist weisse Strassenfarbe auf 1000m2 Asphalt.
Ich habe jetzt noch ein paar Fragen an die Künstlerin Parastou Forouhar:
PARASTOU FOROUHAR: Hallo und guten Tag, liebe Lara. Ich möchte mich zuerst bedanken für deine Fragen, für dein Interesse an meiner Arbeit und hoffe, dass du mit meinen Antworten etwas anfangen kannst.
LARA: Ich würde gerne wissen, was die Bedeutung dieses Kunstwerks ist?
PARASTOU FOROUHAR: Ich denke, ein Kunstwerk sollte keine direkte, konkrete Bedeutung haben. Es öffnet einen Raum für Wahrnehmung und Empfindungen. Dass der Betrachter sich da hinein begeben kann. Diese Empfindungen und Wahrnehmungen können auch ambivalent sein. Ich mag Kunstwerke, die keine Eindeutigkeit vermitteln. Bei der Arbeit “Schriftraum” (Written Room) geht es mir vor allem um den Umgang mit dem Phänomen “Fremdheit”, das hier in der Körperschaft dieser Schriften zu vermitteln ist, vor der Mehrheitsgesellschaft in europäischen Ländern. Es geht mir aber auch um meine eigene Muttersprache. Es geht mir um Rhythmus. Und um die Ambivalenz zwischen “angezogen sein”, “angezogen werden”, und auch “verwehrt sein”, ja sogar “abgestossen werden”.
LARA: Ich würde gerne wissen, was die Schrift von dem Kunstwerk bedeutet.
PARASTOU FOROUHAR: Die Schriftzüge, die hier bei der Arbeit “Written Room – Schriftraum” zu sehen sind, haben keine konkrete Bedeutung. Die ergeben kein Wort, ja sogar natürlich auch keine Sätze. Es erinnert an ein Schriftbild. Aber ein Schriftbild, das keine konkrete Bedeutung vermittelt. Es sind, wie man auf Deutsch sagen würde: la-la-la-ba-ba-ba-sa. Es geht mir um den Rhythmus der Schrift. Das ist irgendwie so der Körper der Schrift. Und nicht die Aufgabe der Schrift, eine konkrete Bedeutung zu vermitteln. Für mich ist es eher die Befreiung der Schrift von dieser Aufgabe der Bedeutung, konkrete Bedeutung in sich zu tragen.
LARA: Dann würde ich auch noch gerne wissen, warum das Kunstwerk “Written Room” heisst, wenn es doch draussen ist.
PARASTOU FOROUHAR: Diese Arbeit “Schriftraum” mache ich seit längerer Zeit. Das erste Mal habe ich dies in einem kleinen Kunstraum in der Stadt, wo ich studiert habe, Offenbach im Jahr 1995 gemacht. Und seitdem begleitet mich diese Arbeit und ist gewachsen und gewachsen. Ich habe sie auch in sehr unterschiedlichen Ländern gezeigt. Von Australien bis USA, bis zur Türkei, in unterschiedlichen Ländern in Europa. Und das ist ein Raum, der während der Zeit, wenn die Arbeit zu sehen ist, existiert. Und danach verschwindet er. Sehr oft ist die Arbeit in Innenräumen gezeigt worden. Nur zwei Mal habe ich es im Aussenbereich gezeigt. Einmal in Spanien in Toledo, und einmal in der Stadt Chur, wo es weiter existiert. Aber trotzdem, diese beiden Arbeiten im Aussenraum sind für mich in der Tradition meiner Innenräume und ausserdem braucht Raum manchmal keine Wände. Es ist einfach ein Wahrnehmungsraum, den ich durch diese Arbeit – durch Schriften, die keine Bedeutung haben, sondern nur Rhythmus – herstelle. Und deswegen denke ich, es kann trotzdem Schriftraum heissen. Und ich finde es schön, dass in der Stadt Chur diese Arbeit weiterhin existiert und zwar vor einem Gebäude, das auch mit der Verwaltung der Stadt zu tun hat. Das ist so eine Art Offenheit dieser Stadt der Fremdheit gegenüber, was mich sehr berührt.
So liebe Lara, jetzt habe ich ein bisschen über meine Arbeit erzählt und ich hoffe, dass du damit etwas anfangen kannst. Und ich möchte am Schluss dir alles, alles Gute wünschen und auch Freude an der Arbeit von mir dort. Vielleicht machst du Fotos da, vielleicht motivierst du deine Freunde oder den Bekanntenkreis, diese Arbeit zu besuchen. Und wenn ihr einen darüber einen Austausch hättet, dann wäre das wunderbar. Das würde mich freuen.
Und ich bedanke mich bei diesem schönen Projekt “ART’S COOL”, und hoffe, dass Art cool bleibt bei euch in der schönen Stadt Chur.
Auf wiederhören!
°°
"ART'S COOL" oder "Art is cool"!
Dies ist eine Begegnung mit einem zeitgenössischen Kunstwerk in der Schweiz, betrachtet, erkundet, und hinterfragt von jungen Menschen. Auf die Fragen der Jugendlichen geben wiederum die Künstlerin oder der Künstler auf ihre Weise eine Antwort. Ganz einfach, nicht?
In dieser zweiten Saison lädt unser Podcast dich ein, Werke ausserhalb der üblichen Ausstellungsorte zu besuchen, meistens im Freien! Fast jede Woche entdecken wir gemeinsam eine künstlerische Schöpfung, die irgendwo in der Schweiz im öffentlichen Raum zu finden ist.
Heute ging es um das Kunstwerk "Written Room" von Parastou Forouhar, untersucht vom neugierigen Blick von Lara. Verpasse nicht, das Kunstwerk in Wirklichkeit selber zu entdecken, und zwar in Chur auf dem Vorplatz des Verwaltungsgebäude Sinergia des Kantons Graubünden.
Sammle zeitgenössische Kunst mit deinen Ohren! Die Webseite artscool.ch/de präsentiert alle Episoden, die seit Herbst 2021 ausgestrahlt wurden. Eine vielfältige und wachsende Sammlung! Ausserdem findest du dort alle Portraits der jugendlichen Fans der zeitgenössischen Kunst, die Kurzbiographien der interviewten Künstlerinnen und Künstler und die Bilder der Werke.
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Der Podcast ART’S COOL wird realisiert und ausgestrahlt mit der grosszügigen Unterstützung der Loterie Romande, dem Migros-Kulturprozent, der Oertli-Stiftung, der Sandoz-Familienstiftung, den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Genf, Glarus, Graubünden, Obwalden, Sankt Gallen, Solothurn, Thurgau, Waadt, Wallis, Zug, Zürich, und den Städten Winterthur, Yverdon-les-bains, Zug und Zürich.
Mit der Stimme von Florence Grivel in der französischen Version und Stephan Kyburz in der deutschen Version.
Musik and Sounddesign von Christophe Gonet.
Dies ist eine Produktion Young Pods.