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durch die Sedimentmulde des Urserenthals und der Furka, im N. grenzt es an die n. Kalkalpen, resp. taucht unter dieselben ein, so dass dort die Sedimentdecke diskordant auf den krystallinen Gesteinen liegt. Die letztern sind sehr verschiedener Art. Baltzer unterscheidet mehrere Zonen, von welchen zwar jede einen mehr oder weniger bestimmten Typus darstellt, aber doch aus verschiedenen, wenn auch unter sich näher verwandten Gesteinen zusammengesetzt ist. Diese Zonen sind:
I. Die Granit-Gneisszone, bestehend wesentlich aus Protogin (Bank- oder Alpengranit), Gneissgranit und Augengneiss in vielfacher Wechsellagerung und mit untergeordneten Einlagerungen von gewöhnlichen Gneissen, Glimmer-, Chlorit-, Talkschiefern u. a. Sie bildet einen breiten Streifen, der zwar nicht genau die Mitte der Dammagruppe einnimmt, sondern mehr nach S. verschoben ist, aber doch insofern als zentrale Zone erscheint, als sie auf beiden Seiten von Gneisszonen begleitet ist, auf welche noch weiter nach Aussen die Sedimentzonen der Urserenmulde und der Titliskette folgen.
II. Die südliche Gneisszone mit verschiedenartigen, meist mehrglimmerigen Flasergneissen und Augengneissen, untergeordnet auch gewöhnliche Glimmer- und Sericitgneisse, Glimmer- und Sericitschiefer u. a. Diese Zone ist im Gebiet der Dammagruppe nur schmal und kann nicht als Aequivalent der sehr viel breitern nördlichen Gneisszone aufgefasst werden. Auch stimmen ihre Gesteine mehr mit denjenigen des Gotthardmassivs als mit denen des Aarmassivs überein.
III. Die nördliche Gneisszone mit vorherrschenden Muscovit- und Sericitgneissen mit und ohne Biotit, dazwischen auch Zweiglimmergneisse, Biotitgneisse, Glimmerschiefer, Quarzit u. a. in mancherlei Uebergängen und Wechsellagerungen.
IV. Die Zone der Sericitgneisse und Sericitschiefer mit Einlagerungen von verschiedenen Glimmergneissen, Glimmerschiefern, Feldspatschiefern, Quarziten, Hornblendeschiefern etc. in vielfacher Wechsellagerung.
V. Die Zone der Hornblendeschiefer, diese vergesellschaftet mit Gneissen, Feldspatquarzgesteinen, sowie mit Hornblendegneissen, Amphiboliten, Dioritschiefern etc.
Die 4. und 5. Zone bilden übrigens integrierende Bestandteile der n. Gneisszone, sind aber innerhalb derselben durch Mächtigkeit und Gesteinsbeschaffenheit so wohl charakterisiert, dass sie sich deutlich von den übrigen Gliedern der Gneisszone abheben. Sie nehmen ungefähr die Mitte des Massivs ein, während die Granitzone südlicher liegt. Die Dammagruppe - und das Aarmassiv überhaupt - zeigt darum nicht wie viele andere einen symmetrischen Bau mit gleichmässiger Verteilung der schieferigen Gesteine zu beiden Seiten einer zentralen Granit- oder Gneisszone.
Das beigefügte Profil vom Titlis über den Fleckistock und Lochstock nach dem Urserenthal gibt eine Anschauung von der erwähnten Anordnung der Gesteinszonen. Die Granit-Gneisszone nimmt darin etwa die s. Hälfte, die n. Gneisszone, inklusive die Zonen der Sericit- und Hornblendegesteine, die n. Hälfte des Massivs ein, während die s. Gneisszone nur einen schmalen Streifen längs der Urserenmulde bildet. Alle Schichten fallen steil nach S. Baltzer erkennt darin auf Grund seiner genauen Untersuchungen mehrere aneinander gepresste Isoklinalfalten.
Nur die s. Gneisszone weicht von diesem Bau etwas ab, indem sie senkrechte oder schwach nach N. einfallende Schichtstellung zeigt und dadurch leise an die in manchen Massiven herrschende Fächerstruktur erinnert. Im N. erkennt man noch die diskordante Auflagerung von mesozoischen Schichten auf die zentralmassivischen Gesteine: zunächst ein dünnes Band von Mittelbildungen aus Verrucano, Dolomit, Lias und Dogger, dann eine dicke Lage von Malm (Oberer Jura), der auch den Gipfel und die steile Südwand des Titlis bildet. Aehnliche Verhältnisse zeigen auch alle andern Profile durch die Dammagruppe (z. B. ein solches vom Achtelsassgrätli über den Dammastock zur Furka), wenn auch die einzelnen Zonen nach ihrer Breite und petrographischen Zusammensetzung im Einzelnen manche Verschiedenheiten aufweisen. Von den Entwicklungsstadien bei der Entstehung dieses Massivs kann man sich in Kürze etwa folgendes Bild machen:
1. Bildung von parallelen Lagen altkrystalliner Granite und Gneisse (Gesteine der Granit-Gneisszone) und Ueberlagerung derselben durch jüngere krystalline Sedimente (Sericitgneisse, Hornblendeschiefer etc.).
2. Erste Aufrichtung und Faltung am Ende der paläozoischen Zeit, aber vor Absatz des Verrucano: postkarbonische Faltung. Abtragung der Faltengewölbe und erste Thalbildung.
3. Untertauchen ins mesozoische Meer und Entstehung einer sedimentären Decke aus Verrucano, Dolomit, Lias, Dogger und Malm.
4. Nachjurassische Faltung, die mit zunehmender Intensität anhält bis in die Tertiärzeit.
5. Zweite Abtragung u. Thalbildung, auch in der Gegenwart noch fortschreitend. Dadurch wird der krystalline Kern wieder blosgelegt. Nur an wenigen Stellen bleiben jüngere Sedimente erhalten, da nämlich, wo sie durch Einfaltung ins Krystalline vor der Abtragung geschützt sind, z. B. am Blauberg über der Sustenalp.
[Dr. Ed. Imhof.]