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„Setz dich richtig hin!“ „Mach keinen Buckel!“ „Schwere Bücher musst du im Rucksack tragen!“
Solche guten Ratschläge kennen wir alle noch aus der Kindheit. Meine Mutter fügte dann immer gerne an: „Du wirst mir eines Tages dankbar sein.“ Als Kind verstand ich noch nicht so recht, was sie damit sagen wollte. Doch als ausgewachsene Tänzerin weiss ich, wie komplex und delikat die Anatomie des Menschen ist, vor allem die Wirbelsäule. Ich habe eine leichte Skoliose, das ist eine Verkrümmung der Wirbelsäule zu einer Seite. Vermutlich hätte ich auf meine Mutter hören sollen, als sie mir die Schultasche ausreden und mir einen Rucksack aufzwängen wollte…
Andere (auch junge) Menschen haben Bandscheibenvorfälle, Hexenschüsse oder ein Hohlkreuz, was zu Wirbelverschiebungen im Lendenbereich führen kann. Aber wie kann man solche Probleme vermeiden? Und wie hält man seine Wirbelsäule gesund? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir erst verstehen, wie die Wirbelsäule überhaupt funktioniert.
Die Anatomie der Wirbelsäule
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Die menschliche Wirbelsäule reicht vom Kopf bis zum Steissbein und besteht aus 33 Wirbeln. Diese sind pyramidenförmig aufgebaut; das heisst, die untersten Wirbel sind grösser und dicker als die oberen Wirbel, weil sie mehr Gewicht tragen müssen. Der Aufbau der Wirbel selbst ist hier nicht besonders wichtig, verständliche Erklärungen dazu gibt es hier. Wir gehen direkt ans Eingemachte: die Bandscheiben.
Beweglichkeit dank Bandscheiben
Die Bandscheiben liegen jeweils zwischen zwei benachbarten Wirbeln und sind für die Beweglichkeit der Wirbelsäule sehr wichtig. Sie dienen als eine Art Puffer zwischen den zwei knöchernen Wirbeln. Eine Bandscheibe besteht aus einem Kern (Gallertkern), welcher bei Belastungen den Druck empfängt und auf den umliegenden Faserring verteilt. Der Faserring ist ein kräftiges Knorpelgebilde mit schräg verlaufenden Fasern.
Bei aufrechter Haltung wirkt die Last mittig auf den Gallertkern der Bandscheibe ein, wodurch dieser zusammengepresst wird und sich ausdehnt. Somit werden die Fasern des Faserrings gespannt; die Bandscheibe dehnt sich aus. Interessant wird die Sache bei Belastungen, die Beugungen oder seitliche Neigungen der Wirbelsäule erfordern. Die Ärztin Liane Simmel vergleicht in ihrem Buch Tanzmedizin in der Praxis die Bandscheibe mit einem Wasserkissen: Da der Druck auf den Gallertkern seitlich einwirkt, weicht dieser in die Gegenrichtung aus und drückt so ungleichmässig gegen eine Seite des Faserrings.
Ein starker, gesunder Rücken kann dieser einseitigen Belastung mithilfe der Muskulatur und dank optimaler Wirbelsäulenstatik entgegenwirken. Wenn dies jedoch nicht oder nur ungenügend passiert und der Druck des Gallertkerns über Jahre hinweg immer wieder auf die gleiche Stelle des Faserrings trifft, kann es zu kleinen Rissen im Faserring kommen. Im schlimmsten Fall hält der beschädigte Faserring die Belastung nicht mehr aus und gibt nach; der Gallertkern durchbricht den Faserring – ein Bandscheibenvorfall.
Prävention von Rückenproblemen
Ein starker Rücken hält mehr aus
Wie eben erklärt, kann eine starke Rückenmuskulatur schweren Rückenverletzungen vorbeugen. Doch auch im Alltag unterstützt die Muskulatur die Wirbelsäule in ihrer Belastbarkeit und macht sie beweglicher. Es ist deshalb wichtig, die Rücken- und auch die Bauchmuskulatur zu kräftigen, sodass die Wirbelsäule optimal unterstützt wird. Dazu braucht man nicht unbedingt ins Fitnessstudio zu gehen – ein paar einfache Rückenübungen zu Hause, Tanzunterricht oder ein bisschen Yoga reichen völlig aus.
Beweglichkeit ist das A und O
Die Wirbelsäule ist in mehrere Bereiche unterteilt. Aus dem Bauchgefühl meint man gerne, die Hals- und Lendenwirbelsäule seien am beweglichsten. Die Brustwirbelsäule ist in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, weil die Rippen an ihr befestigt sind. Dennoch nutzen die meisten Menschen nur einen minimalen Anteil ihrer Beweglichkeit – selbst Tänzer*innen führen Bewegungen häufig vor allem aus der Lendenwirbelsäule aus, wodurch diese stärker als nötig belastet wird.
Um die Wirbelsäule als Ganzes gesund und beschwerdefrei zu halten, ist es hilfreich, die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule zu verbessern. So können Belastungen gleichmässiger auf alle Wirbel verteilt und lokale Überbelastungen im Hals- oder Lendenbereich vermieden werden. Wenn du nun denkst, du müsstest dazu täglich komplizierte Übungen machen, liegst du falsch. Am einfachsten trainierst du die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule nämlich beim Gehen.
Spazierend trainieren
Bei jedem Schritt verschrauben sich Kopf und Becken in entgegengesetzte Richtungen, um die Gewichtsverlagerung auszugleichen. Diese Rotation geschieht ganz natürlich um die vertikale Achse der Brustwirbelsäule. Die Brustwirbelsäule kann allerdings nur dann richtig rotieren, wenn du aufrecht gehst und deine Schultern nicht nach vorne hängen lässt. Auch das einseitige Tragen von schweren Taschen stört die natürliche Rotation.
Tipp: Du kannst ganz einfach kontrollieren, ob deine Brustwirbelsäule beim Gehen uneingeschränkt rotiert: Lege dazu zwei Finger auf dein Brustbein und beobachte, ob es sich jeweils von dem Bein weg bewegt, mit dem du gerade auftrittst.