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Tragikomödie
China 2007
Alternative Titel Tai yang zhao chang sheng qi; 太阳照常升起
Regie Jiang
Wen
Drehbuch Jiang Wen, Guo Shixing, Shu Ping nach dem Roman von Ye Mi
Produktion Jiang Wen
Darsteller Jaycee Chan Jo-Ming, Zhou Yun, Jiang Wen,
Anthony Wong Chau-Sang, Joan Chen Chong, Kong Wei, Cui Jian
Länge 116 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 12
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
©
Text Marco, molodezhnaja 21.1.08
© Bilder Joy Sales, Screenshots molodezhnaja
STORY
Frühling 1976: Eine junge Witwe (Zhou Yun) und ihr 17-jähriger Sohn (Jaycee Chan) leben in einem idyllischen Dorf im Süden Chinas. Seit die Mutter ihre wertvollen Schuhe verloren hat, wird sie immer verrückter. Sie klettert auf Bäume und treibt den Sohn beinahe selbst in den Wahnsinn. Im Sommer des gleichen Jahres wird in Ostchina der College-Professor Liang (Anthony Wong) verprügelt, weil er während eines Films eine Frau begrapscht haben soll. Die Ärztin Lin (Joan Chen) kümmert sich um seine Verletzungen. Sie ist die Geliebte von Liangs Kumpel Tang (Jiang Wen). Der lebt im Herbst mit seiner Frau (Wei Kong) im idyllischen Dorf. Während Tang sich der Jagd widmet, zeigt seine Frau Interesse am Sohn der Witwe. Wie genau die Geschichten der verschiedenen Personen verknüpft sind, erklärt eine Rückblende in den Winter 1958.
REVIEW
Wer behauptet, bei dem Film im ersten Durchgang schon alles kapiert zu haben, ist entweder sehr clever oder ein Lügner: "The Sun Also Rises" ist vollgestopft mit Geschichts-Metaphern und Verknüpfungen, mit Logiklöchern und bewussten Chronologie-Brüchen. Sinn macht das alles freilich nur bedingt, vielmehr versucht Regisseur und Schauspielern Jiang Wen (Devils on the Doorstep) in seiner dritten Regiearbeit, eine Art surreale Geschichtslektion vorzulegen. Statt dies auf trockene Kunstfilm-Weise zu tun, bedient er sich eines Stils, der an Emir Kusturica und Tsai Ming-liang erinnert: Ein pralles, nicht leicht zu dechiffrierendes Energiebündel von Film, das mehr auf seine cineastischen Komponenten setzt, als darauf, eine plausible Geschichte zu erzählen.
Die vier Episoden sind schon miteinander verknüpft, doch nicht immer auf funktionale Weise. So endet etwa der erste Teil des Films mit treibenden Kleidern im Fluss, die in Episode drei wieder aufgenommen werden - einem Teil, der deutlich später spielen soll, was durch die Zeiteinblendung ebenso suggeriert wird wie durch den Aufstieg des Sohnes zum Kommandanten. Man sollte gar nicht zu lange versuchen, Logik und Kausalität herbeizuzaubern, sondern sich dem Fluss des Films hingeben. Selbst die "Erklärungen" im letzten Teil sind nicht wirklich welche, aber sie bieten eine Art märchenhaften Abschluss für einen oft träumerisch motivierten Film.
Faszinierend ist vor allem das Tempo, das Jiang vorlegt. Die Montage wirkt teilweise fast zu gehetzt und man bekommt gar nicht genug Zeit, die ungeheuer schönen Aufnahmen aufzusaugen. Selbst mit der Geschichte mitzukommen, wird angesichts des Tempos schwierig. Doch das dürfte durchaus auch die Absicht dahinter sein, denn je schneller der Plot voran schreitet, umso weniger Zeit bleibt für Fragen. Alles wird zu einem grossen Wirbelwind, der vorwärts rast und die Zuschauer mitreisst. Jackie Chans Sohn Jaycee und Zhou Yun absolvieren die erste Geschichte mit Charme und Witz. Für die zweite Geschichte gibt sich Joan Chen schön sinnlich (nur ihre Haare wirken seltsam) und Anthony Wong überzeugt mit ruhigem Spiel.
Jiang Wen selbst ist in zwei Geschichten zu sehen und schrieb sich eine dankbare Rolle auf den Leib. Überhaupt wirkt der ganze Film oft wie ein Egotrip seinerseits, ein "schaut her, was ich alles machen kann"-Film, doch lieber ein Werk eines Filmemachers, der aus dem Vollen schöpft, anstatt sich asketisch in Subtilität und Filmschul-Regelwerken übt. In "The Sun Also Rises" (der Titel erweckt eine unglückliche Parallele zum gleichnamigen Hemingway-Werk, wo doch die Übersetzung "Die Sonne geht wie gewöhnlich auf" sinniger wäre) ist nicht vieles subtil, dafür inszeniert mit Gusto und Vision. Ein Avantgarde-Film mit Hang zum poppigen Kino der Schauwerte.
Ein wenig zu selbstgefällig ist das alles schon, ein wenig zu schnell erzählt auch - doch die Bilder, die abwechselungsreiche Musik von Joe Hisaishi und vor allem die dichte Inszenierung laden ein zum Mitschwelgen und Interpretieren. "The Sun Also Rises" stolpert bisweilen über seine eigenen Ambitionen und offenbart einen prätentiösen Anstrich - doch die Leidenschaft des Filmemachers ist ebenso offensichtlich wie sein Talent. Und das macht den üppigen Film zum Seh-Erlebniss. Selbst dann, wenn man sich ab und zu am Kopf kratzen muss.
MEINE DVD
Hongkong, Code 3, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Mandarin 5.1 und DTS mit englischen und chinesischen Untertiteln.
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