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Mit seiner 'Massenpsychologie des Faschismus' (1933) schuf Wilhelm Reich (1897-1957) eines der Referenzwerke für die kritische Auseinandersetzung mit alten wie neuen faschistischen Bewegungen. Der streitbare Psychoanalytiker und Soziologe war der Erste, der mit scharfem analytischen Blick den grundlegenden Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie durchschaute. In seinen Augen entspringt der Faschismus einer irrationalen Charakterstruktur des modernen Menschen, die, so steht zu vermuten, auch im dritten Jahrtausend weiter fortbesteht. Aktueller denn je sind Reichs Deutungen, wie die Masse organisiert und Stimmung gemacht wird, wie die Menschen sich einem mystischen Gefühl hingeben, statt selbstbewusst und mit offenen Augen ihre Freiheit in die Hand nehmen. Der Band 'Massenpsychologie des Faschismus' ist neben der 'Charakteranalyse' eines der Hauptwerke von Reich.
Portrait
Wilhelm Reich, 1897 geboren, wurde nach Auseinandersetzungen mit der KPD auf der einen Seite, der Freud-Schule auf der anderen 1934 aus der KP und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen. 1939 Emigration in die USA, wo er 1957, verfolgt wegen seiner unkonventionellen Heilmethoden in einem Gefängnis starb.