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Was ist HLA?
HLA steht für humane Leukozyten-Antigene (Antigene sind Eiweissmoleküle, die Immunreaktionen auslösen können). Ähnlich wie sich rote Blutkörperchen verschiedener Personen durch die Blutgruppenantigene (A, B oder 0) voneinander unterscheiden, sind die weissen Blutkörperchen durch HLA-Antigene charakterisiert.
Das HLA-System ist jedoch viel komplexer als das ABO-System. Bei den HLA-Antigenen werden zwei Klassen unterschieden: I und II. Die HLA-Antigene werden – jeweils in grösseren Gruppen – zu je einem Teil von der Mutter und dem Vater ererbt. Bei deren Zusammensetzung ergeben sich über eine Million verschiedener Kombinationen.
HLA-Antigene sind wichtig für die Unterscheidung zwischen «selbst» und «fremd» und haben deshalb bei der Transplantation von Blutstammzellen eine entscheidende Bedeutung: Wenn sie zwischen Spender und Empfänger nicht übereinstimmen, kann der Körper entweder die fremden Blutstammzellen abstossen, oder die Immunzellen des Transplantes versuchen, die Gewebe des Empfängers abzustossen, was zur Graft-versus-Host-Krankheit führt. Auf deutsch wird die GvHD auch „umgekehrte Abstossungsreaktion“ genannt.
Die Komplexität des HLA-Systems macht verständlich, warum die Chance, einen passenden Fremdspender für die Transplantation zu finden mit der Zahl der potenziellen Spender wächst.
HLA- System
Was ist Gewebetypisierung?
Bei der Gewebetypisierung werden anhand von Blutproben die Gruppen der HLA-Antigene bestimmt. Innerhalb von Familien ist es relativ einfach, passende von unpassenden Mitgliedern zu unterscheiden, weil die Antigene in grossen Gruppen vererbt werden. Wenn dieses Grobmuster übereinstimmt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch die Feintypisierung im Sinn der Gewebverträglichkeit übereinstimmend ist. Bei der Gewebetypisierung von potenziellen Fremdspendern ist die familiäre Gruppierung der Antigene – und damit das Grobmuster – unbekannt, jedes der vielen Antigene muss separat bestimmt werden. Seit 2009 ist die umfassende HLA-typisierung aus Fingerkuppenblut möglich. Sie erleichtert und vereinfacht die Typisierung erheblich.
Bedeutet HLA-Übereinstimmung auch Gewebeverträglichkeit?
Unabhängig vom Resultat der Gewebetypisierung wird vor jeder Blutstammzelltransplantation das Blut von Spender und Empfänger auf gegenseitige Gewebeverträglichkeit geprüft.
Welche Rolle spielt das ABO/Rhesus – Blutgruppensystem?
In der Blutstammzelltransplantation spielen Blutgruppenunterschiede zwischen Spender und Empfänger eine geringere Rolle als in der Organtransplantation. Sie beeinflussen den Heilungsverlauf in der Regel nur kurzfrisitg, nämlich so lange bis der Empfänger die neue Blutgruppe angenommen hat.
Wenn ein Patient mehrere, im übrigen gleich gute Spender hat, wird allenfalls der ABO-Rhesus-identische ausgewählt.
Antworten:
Was ist „Chimärismus“?
Während sich nach der Transplantation die Spenderzellen im Knochenmark des Empfängers ansiedeln und vermehren, verschwinden die restlichen Blut-und Immunzellen des Empfängers, dieser wird zur sogenannten Chimäre – entsprechend dem griechischen Fabeltier, das aus Körperteilen verschiedener Abstammung besteht. Das Blut-und Immunsystem des Empfängers wird auf Spendertyp umgestellt, während die übrigen Gewebe Empfängertyp bleiben. Der Chimärismus ist in allen Transplantationszentren messbar, er wird nach der Transplantation regelmässig bestimmt, er steigt allmählich – nach Hochdosistherapie rascher als nach „Mini“-Dosis – an und erreicht nach Angehen des Transplantates innerhalb der ersten Wochen bis Monate 100%. Abnehmender Chimärismus bedeutet drohende Abstossung des Transplantates.