Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03347.jsonl.gz/2519

upg. Die täglichen Berichte über russische Bombardierungen in der Ukraine und über das unsagbare Leid von Millionen von Menschen machen es schwer, darüber zu informieren, dass sich einige Vorwürfe an die Adresse Russland während der letzten Präsidentschaftswahlen in den USA als haltlos herausgestellt haben. Weil aber die Vorwürfe an Vater und Sohn Biden im Oktober und November 2020 zu vielen Schlagzeilen führten, sei an dieser Stelle darüber informiert. Die New York Times berichtete am 16. März.
Die New York Post veröffentlichte während des Wahlkampfs 2020 E-Mails aus einem Laptop von Hunter Biden
Bei den vertraulichen E-Mails, welche der «New York Post» zugespielt wurden, ging es um Millionen von Dollars und um mögliche Korruption, in welche Vater und Sohn Biden verwickelt sein könnten. Dank der Position seines Vaters als US-Vizepräsident konnte Sohn Hunter in Firmen in der Ukraine und China Einsitz nehmen und verdiente damit Millionen. Als Verwaltungsrat des ukrainischen Energieunternehmens Burisma beispielsweise kassierte Hunter Biden 50’000 Dollar pro Monat.
Vater und Vizepräsident Joe Biden behauptete stets, er habe «nie mit meinem Sohn über seine Geschäfte im Ausland gesprochen». Die E-Mails widerlegten dies. So bat im Mai 2014 ein Vertreter des Burisma-Konzerns Hunter um «Vorschläge», wie Hunter seinen «Einfluss nutzen könnte», um dem Unternehmen zu helfen. Offensichtlich hat sich Hunter nützlich gemacht. Im April 2015 erhält er eine E-Mail: «Lieber Hunter, danke, dass du mich nach [Washington] DC eingeladen und mir die Gelegenheit gegeben hast, deinen Vater kennenzulernen und etwas Zeit miteinander zu verbringen.» Absender: Vadym Pozharskyi, Nummer drei bei Burisma.
Andere E-Mails legten ein Mitwirken von Joe Biden an korrupten Geschäftstätigkeiten seines Sohnes in China, der Ukraine und Russland nahe.
Viele, die sehnlichst einen Wahlsieg von Joe Biden herbeiwünschten, bezeichneten diese möglicherweise brisanten E-Mails rasch als Fake oder als eine russische Desinformationskampagne, um Donald Trump zur Wiederwahl zu verhelfen. Über die Inhalte sollte möglichst keine öffentliche Debatte stattfinden.
Twitter und Facebook blockierten Tweets und Posts, welche Inhalte der Mails verbreiteten
New York Times: «Authentizität bestätigt»
Gegenwärtig ermittelt das US-Justizministerium zu den Geschäften des Präsidentensohns Hunter Biden. Eine Grand Jury wertet dazu auch die E-Mails aus, welche die «New York Post» am 14. Oktober 2020 öffentlich gemacht hatte. Die «New York Times», welche die Ermittlungen verfolgt und unterdessen ebenfalls im Besitz der E-Mails ist, stellte jetzt am 16. März 2022 fest:
«Personen, die mit den E-Mails und den Ermittlungen vertraut sind, haben die E-Mails in dem Cache [eines Laptops von Hunter Biden] als authentisch bestätigt.»*
Von irgendeinem russischen Einfluss auf die E-Mails oder auf die Veröffentlichung der E-Mails war in den Ermittlungen bisher nie die Rede.
So hatten Schweizer Medien über die Geschäfte von Hunter Biden und die E-Mails informiert
Auf Infosperber informierte Rafael Lutz am 28. Oktober 2020 über die wesentlichen Inhalte der E-Mails sowie darüber, wie Twitter und Facebook Tweets und Posts dazu zensierten. Gleichzeitig wies Infosperber darauf hin, dass nach Angaben der «Huffington Post» vom 15. Oktober 2020 grosse Zweifel an der Echtheit der erwähnten E-Mails bestünden. Laut «Huffington Post» habe es sich um eine gezielte Fehlinformation von Leuten um die Anwaltskanzlei Rudy Giuliani sowie von Steve Bannon gehandelt, die dem Präsidentschaftskandidaten Joe Biden schaden wollten.
Es ist zwar wahrscheinlich, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung gezielt ausgewählt wurde, um den Wahlkampf zu beeinflussen, wie das bei vielen Wahlkämpfen geschieht. Nur handelte es sich nicht um eine gezielte Fehlinformation.
In der deutschen Schweiz informierte sonst nur noch Urs Gehriger in der Weltwoche ausführlich über den Inhalt der geleakten E-Mails und titelte am 22. Oktober 2020: «Die New York Post wartet mit brisanten Dokumenten über Joe und Hunter Biden auf. Twitter und Facebook zensurieren die Recherche. Die Öffentlichkeit soll darüber nichts erfahren.» Die Indizien hätten sich gehäuft, dass es sich um echte Dokumente handelt: «Doch das Gros der Medien verweigert sich in einem beispiellosen Akt des ‹Desinteresses›». Und weiter: «Wer auf Twitter einen Link zur Recherche postete, wurde sofort gesperrt. Die Dokumente seien gehackt, begründete Twitter die Blockade-Aktion. Gehacktes Material zu verbreiten, verstosse gegen die Regeln der Plattform. Das ist doppelt unglaubwürdig. Erstens wurden die Daten aus Bidens Computer nicht gehackt. Zweitens gab es zahlreiche brisante Hacks, die nicht zensuriert wurden, so jüngst jener der Steuerunterlagen von Donald Trump, die von der New York Times veröffentlicht wurden.»
Peter Winkler, US-Korrespondent der NZZ, schrieb am 20. Oktober 2020 von «angeblichen Missetaten». Tröstlich fand Winkler, «dass es dem ‹Skandal› bisher nicht gelungen ist, in jene Medien vorzudringen, die eine grössere Breitenwirkung haben, aber halt auch Fakten überprüfen».
Am 16. November 2020 konnte man in der NZZ lesen: «Nachdem das Boulevardblatt «New York Post» unlängst eine Story über angeblich kompromittierende Mails und Videos auf einem alten Laptop von Joe Bidens Sohn Hunter publizierte, hat der Kurznachrichtendienst Twitter Links zu dem Artikel blockiert und den Account der Zeitung temporär gesperrt. Was Twitter-Chef Jack Dorsey im Nachhinein für einen Fehler hielt: Die Blockade der URL, so erklärte er, sei falsch gewesen.»
Hubert Wetzel, Washingtoner Korrespondent des Tages-Anzeigers und der Süddeutschen Zeitung, stellte am 26. Oktober 2020 befriedigt fest: «Der angebliche Skandal um Hunter Bidens Laptop tut sich schwer, über die konservative Filterblase hinaus Aufmerksamkeit oder gar Empörung zu generieren. Rechte Blogger und Kommentatoren sind ausser sich, konservative Medien wie Fox News und die «New York Post» berichten atemlos.» Der Titel über dem Artikel lautete: «Der Präsident inszeniert eine Laptop-Affäre.»
Greenwald: «Eine der erfolgreichsten Desinformations-Kampagnen»
Der Investigativ-Journalist Glenn Greenwald, der für seine Auswertung des Materials von Edward Snowden 2014 den Pulitzer-Preis erhielt, nannte die damalige Unterdrückung der Informationen zu den Bidens «eine der erfolgreichsten Desinformationskampagnen der modernen Wahlgeschichte». Er beanstandet insbesondere, dass grosse Medien verbreiteten, über fünfzig «ehemalige Geheimdienstleute» hätten gesagt, Putins Russland stecke dahinter. Etliche Medien hätten unterschlagen, dass diese Geheimdiensleute in ihrer Erklärung ausdrücklich festhielten, dass es sich lediglich um ihre Vermutung handle und dass es keine Beweise dafür gebe, dass jemand aus Russland etwas damit zu tun habe.
Die Geschäfte des Präsidentensohns Hunter Biden sind jetzt Gegenstand einer Ermittlung des US-Justizministeriums.
____________
*NYT vom 16.3.2022: «People familiar with the investigation said prosecutors had examined emails between Mr. Biden, Mr. Archer and others about Burisma and other foreign business activity. Those emails were obtained by The New York Times from a cache of files that appears to have come from a laptop abandoned by Mr. Biden in a Delaware repair shop. The email and others in the cache were authenticated by people familiar with them and with the investigation.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.