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El Hierro – Eldorado für Wanderer und Naturliebhaber
Als auf dem europäischen Festland das Mittelalter seinem Ende entgegen ging, war die Kanareninsel El Hierro noch steinzeitlich. Auf El Hierro gehen auch heute die Uhren noch ein wenig anders. El Hierro ist eine Insel, die noch nicht vom Tourismus verschlungen wurde. Die Gäste erwartet ursprüngliche Natur mit steilen Küsten und kleinen Dörfern.
Besiedlungen nur wenige Jahrhunderte vor der Zeitenwende und eine steinzeitlich-monarchische Kultur bis ins ausgehende Mittelalter, aber auch Eroberung bis ins Zeitalter des Massentourismus und eine relative Abgeschiedenheit – das alles ist El Hierro.
Die frühe Geschichte von El Hierro
Da bereits die antiken Griechen von der Existenz der Kanarischen Inseln wussten, ist davon auszugehen, dass auch die recht westlich gelegene Insel El Hierro in der Antike bekannt war. Sollten es die Phönizier gewesen sein, welche die Kanaren um 1100 vor Christus entdeckt haben, dann stiessen sie neben den eher östlich gelegenen Inseln – wie zum Beispiel Lanzarote – wohl etwas später auch auf El Hierro.
Die erste Besiedlung der Insel lässt sich nicht genau datieren. Jedoch fanden Archäologen steinzeitliche Behausungen, Bauwerke und Abfallhalden. Die steinzeitlich anmutenden Funde deuten aber lediglich in ihrer Art und nicht in ihrem Alter auf die Steinzeit hin. So darf angenommen werden, dass Siedler, die nach dem 5. Jahrhundert vor Christus auf diese Insel gelangten, freiwillig und/oder aus Mangel an Ressourcen eine schlichtere Lebensweise wählten. Das Feuermachen lernten die Siedler El Hierros einer Legende nach von einer Frau der Nachbarinsel La Gomera.
Die Eroberung von El Hierro
Eine offizielle Expedition landete erstmals 1341 an den Küsten der Insel. Unter Kapitän Rodríguez Martín, der im Auftrag des portugiesischen Königs Alfonso IV. die bisher unbetretenen Inseln der Kanaren erschliessen sollte, gingen die Europäer auf Entdeckungs- und Beutezug. Im ersten schriftlichen Zeugnis über die Insel (die eher ungenauen Beschreibungen aus Homers Odyssee ausgenommen) berichtete der Kapitän euphorisch vom angenehmen Klima und von der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Inselbodens.
Nach 64 Jahren, im Jahre 1405, betrat Jean de Béthencourt unter Verfügung des kastilischen Königs Enrique III. die Insel El Hierro. Béthencourt war als Eroberer bekannt, da er zuvor schon die Inseln Lanzarote und Fuerteventura einzunehmen vermochte. Wie auch schon vorher auf den anderen Inseln führte Béthencourt den König El Hierros in einen Hinterhalt, indem er ihm erst ein Bündnis anbot und schliesslich sein Volk versklavte. So endeten im 15. Jahrhundert die wohl letzten steinzeitlich geführten Gesellschaften auf europäischem Boden durch Béthencourts Bemühungen.
Der Tourismus auf El Hierro
Schon zu Anfang dieses Abschnitts sollte gesagt sein, dass El Hierro kein geeignetes Ziel für Pauschaltouristen ist. Grosse Hotelreservate mit viel Wellness und weissen Sandstränden, an denen Sie einen sonnigen Tag verbringen können, sind hier nicht zu finden. Zudem ist die Insel aufgrund verschiedener Meeresströmungen und der zum Grossteil recht steilen Küsten eher schwer zugänglich. Aufgrund des geringen Tourismus, der allerdings durchaus betrieben und beworben wird, wird die Insel von der eigenen Tourismusgesellschaft als die „ruhige Alternative“ zu den Hauptzielen der Kanaren-Besucher angepriesen.
El Hierro – ein Paradies für Individualtouristen
„Playa del Verodal“ im Westen der Insel ist der einzige Sandstrand – und lediglich wenige Hundert Meter lang. Sie sollten ein geübter Schwimmer sein, wenn Sie in der schon recht starken Brandung an diesem Strand schwimmen wollen. Meeresschwimmbecken, die gegen die Brandung geschützt sind, finden Sie hingegen an der Nordwestküste der Kanareninsel.
Entlang der gesamten Küste sowie auch im Inneren der Insel finden Sie an ausgewählten Stellen schöne Aussichtspunkte. Hier können Sie nicht nur auf das Meer und die Nachbarinseln schauen, sondern auch auf die interessante Topographie des Eilands selbst. Zu den sehenswerten Gebäuden gehört unter anderem das Hotel „Punta Grande“ in Las Puntas. Dieses Hotel stand als kleinstes Hotel der Welt im Guinness-Buch der Rekorde – bis ein noch kleineres Hotel ihm den Titel streitig machte.
Durch das in der Mitte der Insel gelegene Gebirge werden im Norden von El Hierro oftmals die Wolken am Weiterziehen gehindert. So ergeben sich gerade im Nordteil der Insel häufig sehenswerte Naturschauspiele, wie zum Beispiel die beeindruckenden Nebelwälder. Allgemein ist die Insel vor allem etwas für Liebhaber unberührter Natur und Wanderer.
Die Hauptstadt Valverde
Mit rund 1700 Bewohnern ist Valverde die grösste Stadt der gleichnamigen und im Nordosten der Insel gelegenen Gemeinde. Zudem ist sie die Hauptstadt von El Hierro. Die Einwohner der Insel nennen die Stadt spöttisch „La Villa“ (etwa „Die Kleinstadt“), wohl auch, weil die Bezeichnung als grünes Tal („Valverde“) lediglich kurze Zeit im Frühjahr zutreffen mag.
Sehenswert ist in dem Ort, der neben zwei Hauptstrassen mit seinen wichtigsten städtischen Einrichtungen vorrangig aus Höfen und Gärten besteht, unter anderem die Kirche „Santa María de la Concepción“. Das dreischiffige Sakralgebäude wurde im 18. Jahrhundert auf den Mauern eines im 16. Jahrhundert geschaffenen Vorbaus errichtet. Die Kirche diente als Fluchtstätte bei Piratenangriffen.
Oberstes Bild: El Hierro – ein Paradies für Individualtouristen (© Bjoern.Hoernitz, Wikimedia, CC)