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Die Jucker-Saga – Teil 6
Hermann blieb der Familie also noch erhalten – ganz im Gegensatz von Walter Juckers Mutter. Welche landwirtschaftlichen Herausforderungen brachten die Jahre zwischen den 50er und 1970-ern? Und wie hat die Familie Jucker damals darauf reagiert?
In diesem Teil erzählt Ueli Jucker, der Sohn von Walter Jucker, Vater von Martin und Beat Jucker.
Alles Chabis!
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde auf dem Juckerhof so genannter «Einschnitt-Chabis» für Sauerkraut produziert. Diesen lieferte man jeweils an die Sauerkrautfabrik in Hinwil. Bis zu 140 Tonnen Chabis produzierte der Juckerhof damals im Jahr. Die Setzlinge habe man selber gezogen und dann Ende April gesetzt. Das war so bis Ende der 1960er Jahre.
Jeweils an einem Samstag wurde geerntet, am Montagmorgen geputzt. Und zwar waren das zwischen 10 und 15 Tonnen Chabis, die in einem halben Tag geputzt und für die Lieferung bereit gemacht werden mussten. Die Juckers hatten das Privileg, beim Ausladen Hilfe von den Fabrikarbeitern zu haben, da sie der grösste Lieferant waren, und die Ware bereits frühzeitig anliefern konnten.
Der Juckerhof war damals schon einer der grösseren Betriebe in der Gegend. Damals wurde hier noch Milch produziert, rund 140'000 Liter im Jahr. Das war fast so viel, wie alle anderen Seegräbner Bauern zusammen in einem Jahr produzierten.
Das Mostobst zu verladen war die Aufgabe von Elsa Jucker (Mutter von Ueli, Frau von Walter). Im Dorf gab es eine Brückenwaage, auf die man mitsamt Traktor und Anhänger drauffahren konnte. So wurde die Menge angelieferter Äpfel bestimmt. Danach wurden die Äpfel in einen Lastwagen verladen und in die Mosterei Pfäffikon geliefert.
«Der Jucker» war schon immer verrückt.
1947 war ein sehr trockenes Jahr. Engerlinge haben den ganzen Rasen abgefressen. 1948 war hingegen wieder sehr nass. 1949 wieder sehr trocken. Diese Schwankungen waren der Auslöser für Walter Jucker, sich 1949 eine mit Seewasser gespiesene Beregnungsanlage zu kaufen. Auch hier war Walter Jucker einer der ersten in der Schweiz. Ueli Jucker sagt: «Der Jucker hat schon immer gesponnen». Bereits sein Vater sei so ein Pioniertyp gewesen. Ansonsten sei Uelis Vater Walter eher ein ruhiger Typ gewesen.
Ca. 1956/57 haben man auf dem Juckerhof angefangen, Erdbeeren zu pflanzen. Bis Mitte der 60er hatten Juckers ca. 1 HA Erdbeeren in Eigenanbau. Heisst, die Erdbeeren wurden selber bewirtschaftet und auch geerntet. Das mit dem Selberpflücken kam erst später.
Extreme Witterungsbedingungen
An eine Anekdote erinnert sich Ueli noch: Im Januar 1956 hatten sie neu Golden Delicious Bäume gepflanzt. Da war es im Januar 15 Grad warm. Allerdings kam Ende Januar ein extremer Kälteeinbruch. Innert 3 Tagen war es 30 Grad kälter. Die Temperaturen stürzten auf -18°C. Und so blieb es 4 Wochen lang. Die ganzen Nussbäume hatten schon ausgetrieben und waren kaputt. Die Äpfel hatte es weniger schlimm erwischt.
Ueli Jucker hat schon früh viel Verantwortung übernehmen dürfen. Anfang 60er Jahre, also mit 18 Jahren musste Ueli ins Bündnerland zum Tiere (nach-)kaufen. Der Bestand musste wieder aufgestockt werden. Sein Vater schenkte ihm schon damals viel Vertrauen. Das ist bis heute ein Kernwert im Jucker’schen Arbeitsalltag.
Quer denken, vertrauen und zuschauen lassen
Auch später nach der Lehre hat ihn sein Vater machen lassen, auch wenn er nicht immer einverstanden war. So hat sich Ueli durchgesetzt, die Kühe intensiv weiden zu lassen. Sprich, sie das ganze Jahr durch auf der Weide zu lassen, auch im Winter bei Schnee.
Früher gab es auf dem Juckerhof einen Doppelstall, der hatte vorne und hinten Türen. In anderen Betrieben waren die Türen immer geschlossen, damit die Kühe nicht der Zugluft ausgesetzt waren. Bei Ueli Juckers Eltern nicht. Dafür haben sie den Stall jeden Sonntag ganz sauber runtergewaschen, eigentlich, weil man jeden Sonntag einen «offenen Stall» hatte. «Und unsere Kühe haben nie Euterkrankheiten gehabt», erzählt Ueli Jucker. Der «offene Stall» war ebenfalls eine Jucker’sche Eigenheit. Man konnte jeden Sonntag bei den Juckers reinschauen. Auch diese Offenheit, das «Zeigen-wie-man-Arbeitet», ist ein Prinzip, das sich bis heute gehalten hat.
Im nächsten Teil erzählt wieder Walter Jucker…
Bisher erschienene Teile:
Teil 1 – frühes Familiendrama
Teil 2 – Hilfe von aussen zu einem hohen Preis
Teil 3 – das schwierige Leben zwischen den Weltkriegen
Teil 4 – blühendes Familienleben
Teil 5 – Turbulente Jahre und ein volles Haus
Teil 6 – Der "Jucker" war schon immer verrückt
Teil 7 - Abschied von Hermann
Teil 8 - Umbau und die junge Elsbeth
Teil 9 - Ueli übernimmt
Teil 10 - Jugend von Beat und Martin Jucker