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«Jetlag is landing in Tokyo while your
stomach still circles the airport and your head remains in the clouds somewhere over the
mid-Pacific» (Traveling Healthy 1995).
Nach einer raschen Reise über mehrere Zeitzonen kommt es aufgrund der Zeitdifferenz zwischen Ursprungsort und Reiseziel zu Anpassungsschwierigkeiten des Organismus an den neuen Tagesablauf. Häufig leiden die Reisenden deshalb während einiger Tage nach dem Flug an Schlafstörungen, Abgeschlagenheit, verminderter Konzentrationsfähigkeit und intestinalen Problemen. Diese Symptome sind unter dem englischen Begriff Jetlag bekannt.
Neben unzähligen Strategien zur Behandlung des Jetlags wie die Lichttherapie, Diäten oder Schlafmittel erwies sich insbesondere die gezielte Gabe von Melatonin als vielversprechend. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das hauptsächlich nachts in der Zirbeldrüse synthetisiert wird und dessen wichtigste Funktion die Koordination biologischer Rhythmen ist. Von aussen zugeführtes Melatonin kann deshalb zur Behandlung gestörter Schlaf-Wach-Rhythmen, wie sie beim Jetlag vorkommen, eingesetzt werden.
Eine Forschungsarbeit, welche am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität erarbeitet und vom ETH-Departement der Pharmazie mitbetreut wird, bezweckt, einerseits die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Melatonin für die Indikation Jetlag zu überprüfen und andererseits das Dosierungsschema zu optimieren.
Eine erste, bereits abgeschlossene Studie widmete sich dem Thema Sicherheit. Da Melatonin je nach Verabreichungszeitpunkt in der Lage ist, die «innere Uhr» vor- oder nachzustellen, empfehlen einige Experten, Melatonin bei Ostflügen bereits einige Tage vor Abreise einzunehmen, und zwar am späten Nachmittag, um den Organismus auf das Reiseziel einzustellen.
Melatonin macht schläfrig, wie einige Studien zeigten. Bei einer Einnahme dieser Substanz tagsüber stellt sich also unweigerlich die Frage nach den Folgen im Strassenverkehr. Mithilfe einer speziellen Computer-Testbatterie wurde der akute Einfluss von Melatonin auf die Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit und sensomotorische Koordination untersucht: Die Resultate zeigten keine signifikante Leistungseinbusse unter Melatonineinfluss. Die subjektive Müdigkeit hingegen war unter Melatonin deutlich erhöht, insbesondere nach langdauernden Konzentrationsaufgaben, weshalb beim Fahren unter Melatonin Vorsicht geboten ist!
In einer zweiten Studie wurden verschiedene Dosierungen und galenische Formen von Melatonin bezüglich Linderung der Jetlag-Symptome miteinander verglichen. Rund 300 Personen, welche anlässlich einer Reise nach Asien oder Amerika das Impfzentrum der Universität aufsuchten, wurden angefragt, an dieser Studie teilzunehmen. Die Teilnehmer wussten nicht, ob es sich dabei um eine der Melatonin-Formulierungen oder um Placebo handelte. Die Fragebogenauswertung ergab, dass Melatonin, besonders in einer Dosis von 5 Milligramm, die Schlafqualität nach dem Flug deutlich verbesserte, die Einschlafzeit verkürzte und die Schläfrigkeit tagsüber reduzierte.
Trotz belegter Wirksamkeit von Melatonin litten einige Reisende nach dem Interkontinentalflug unter Schlafstörungen. In einer dritten und letzten Phase sollen deshalb Melatonin 5 Milligramm und ein herkömmliches Schlafmittel, einzeln und in Kombination, miteinander verglichen werden.
Wir hoffen, im Frühling 1998 darüber Auskunft geben zu können, ob Melatonin hält, was Medien und Hersteller versprechen.
Andrea Suhner und Robert Steffen
Melatonin und Jetlag. Leitung: Professor Robert Steffen, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität; Professor Gerd Folkers und Professor Beat Meier, Departement Pharmazie, ETH. Doktorandin: Andrea Suhner, eidg. dipl. Apothekerin. Zusammenarbeit: Institut für Rechtsmedizin der Universität, Institut für Klinische Chemie, Universitätsspital; Laboratorium für Verhaltensbiologie, ETH. Finanzierung: Industrie
unipressedienst
Pressestelle der Universität Zürich
Nicolas Jene (<email-pii>)
Last update: 09.01.98