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beweglicher Brustkorb
Hartnäckig hält sich die Überzeugung, dass der menschliche Brustkorb und die Brustwirbelsäule wie ein Korsett seien – steif, rigide, unbeweglich. Erst kürzlich habe ich einem Vortrag von einem Oberarzt der Wirbelsäulenchirurgie gehört, dass die Brustwirbelsäule nur sehr eingeschränkt beweglich sei und in der Rotation so gut wie gar nicht.
Ich stimme mit dem Arzt insofern überein, als dass ich bei den meisten meiner Teilnehmer:innen und Klient:innen wenig Bewegung in der Brustwirbelsäule beobachten kann. Teils sind das „nur“ angwöhnte ungünstige Bewegungsmuster, teils ist die Beweglichkeit aufgrund langen Nichtgebrauchs tatsächlich eingeschränkt und nicht mehr spontan zugänglich.
Aber: Ich sehe tagtäglich in meiner Arbeit, dass die Beweglichkeit des Brustkorbs – v.a. die Rotation – zentral wichtig ist. Eine Erweiterung bzw. Wiederherstellung der Brustwirbelsäulenbeweglichkeit ist oftmals der Schlüssel zu einem nachhaltigen Erfolg bei Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen.
Wird die Brustwirbelsäule nicht mehr gemäß ihren Möglichkeiten bewegt, bedeutet das in der Konsequenz, dass die Hals- und Lendenwirbelsäule die fehlende Beweglichkeit kompensieren müssen. Konkret heißt das dann oft, dass sie mehr bewegen, als ihre Anatomie eigentlich zulässt. Schaut man sich die Wirbelsäule genau an wird offensichtlich, dass die Wirbel unterschiedlich geformt sind und daraufhin unterschiedliche Bewegungen gut ermöglichen können. Rotation beispielsweise ist in der Lendenwirbelsäule ist sehr wenig, in der Brustwirbelsäule ziemlich gut und in der Halswirbelsäule sehr gut möglich. Wird die Rotationsfähigkeit der Brustwirbelsäule nur noch reduziert genutzt, beobachte ich oft eine übermäßige, instabile Drehbewegungen in der Lendenwirbelsäule oder eine starke isolierte Rotation im Übergang zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule. Löst man diese Überlastung durch eine gleichmäßige und anatomisch sinnvolle Verteilung der Rotation über die gesamte Wirbelsäule verschwinden Rückenschmerzen oft wie von Zauberhand.
Meines Erachtens ist es dringend notwendig, ein anderes Bild von unserem Brustkorb zu entwickeln: dreidimensional flexibel und beweglich mit viel Rotationsmöglichkeit – und dies dann auch in unsere Bewegungsmuster zu integrieren.