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Heute haben wir das Vergnügen, einen der berühmtesten Vertreter der Dynastie von Savoyen zu interviewen: den Grafen Thomas I., der die Stabilität und den Einfluss seiner Länder beträchtlich erhöht hat. Ein richtiger Papa für Savoyen… aber nicht nur, wie ihr sehen werdet.
Interview von Samuel Metzener / Übersetzung von Mirjam Grob
1175-1180 Geburt
1196 Heirat mit Marguerite de Genève
1203 Geburt von Pierre II de Savoie
1233 Tod
Thomas I., danke, dass Sie für die Ausstellung, die Ihrem Sohn Peter II. von Savoyen gewidmet ist, bis nach Chillon gekommen sind.
(Betretenes Schweigen) Wem?
Ihrem Sohn. Peter II. von Savoyen.
Ach so, Peter! Er war nicht mein zweites Kind. Zu meiner Zeit waren wir eine Grossfamilie. Mit meiner Frau, Margarete von Genf, haben wir ganze Arbeit geleistet. Wir hatten zehn Knirpse, davon acht Buben. Peter war der siebte davon. Ich konnte der Zukunft also gelassen entgegensehen, aber es war nicht immer einfach, sich bei Familienfeiern an alle Namen zu erinnern.
Jetzt wo wir das geklärt haben, kommen wir nochmals auf Peter zu sprechen…
Wieso nicht auf mich?
Nun ja, die Ausstellung im Schloss Chillon ist ihm gewidmet…
Welch’ Undankbarkeit! Ich habe aus diesem Haufen Steine erst ein Schloss gemacht. Mir müsste diese Ausstellung gewidmet sein! Holt mir euren Herrscher!
Wir haben eine Direktorin. Und das war nicht der Auftrag, den sie Leah Linh im Namen der Schloss-Chillon-Stiftung gegeben hat.
Wer soll denn das sein?
Eine zeitgenössische Künstlerin, welche die Herrschaft und die Person ihres Sohnes neu interpretiert hat, von seiner Jugend bis zu seinem Tod.
Wozu? Als beinahe jüngstes Kind war Peter dazu vorgesehen, zum Wohle unserer Familie in die Kirche einzutreten. Nicht dazu, zu regieren. Dazu war er nicht im Stande.
Als Graf hat er es gut gemacht, wissen Sie. Er hat beispielsweise seine Nichte mit dem König Heinrich III. von England verheiratet. Das hat ihm enorm viel Geld eingebracht, wodurch er zahleiche Ländereien kaufen oder erhandeln konnte.
Nicht schlecht. Und was ist mit dem Waadtland? Hat er aus diesen Waadtländern etwas machen können?
Gestatten Sie mir, Ihre Hoheit, zu meinen Fragen zurückzukehren. Werden Sie an einer der Führungen von Leah Linh in Chillon teilnehmen?
Auf keinen Fall. Ich habe genug für Chillon getan. Ich habe sogar die Neue Stadt von Chillon gegründet, eine kleine Gemeinde direkt neben dem Schloss. Heute nennt ihr sie einfach Villeneuve [Villeneuve bedeutet neue Stadt, A. d. R.]. 1214 war es das erste Städtchen, das von Savoyen nördlich des Genfersees von Grund auf gebaut worden ist. Ich war ein Eroberer, ich zog in den Krieg, ich hatte eine ganze Schar von Kindern, ich war ein Gründer. Kunst ist ja schön und gut, aber wenn sie nicht Gott oder mich verherrlicht, dann interessiert sie mich nicht besonders. Sagen Sie dieser Künstlerin, dass ich an einer Belagerung oder einer Schlacht teilnehmen muss und grüssen Sie sie schön von mir.