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Was für Bilder kommen dir in den Sinn, wenn du an Armut denkst? Ein hungriges Kind mit grossen Augen? Womöglich aus einem afrikanischen Land? Eine Mutter, die in einem Slum wohnt und verzweifelt versucht, ihre Familie zu ernähren?
Armut verbinden wir oft mit der Situation von Menschen in Entwicklungsländern. Dass es auch in der Schweiz arme Menschen und eine grosse soziale Ungleichheit gibt, ist vielen nicht bewusst. Nachfolgend findest du die wichtigsten Definitionen, Zahlen und Fakten zur Armut in der Schweiz und erfährst, wie du dich selbst engagieren kannst.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie einerseits die weltweite Armut, andererseits die Armut innerhalb eines Landes definiert werden kann.
Eine weltweite Definition von Armut liefert die Weltbank. Sie benutzt den Ausdruck von «extremer Armut» bei Menschen, die mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag leben müssen. Ein Leben in extremer Armut bedeutet oft Hunger, Mangelernährung und einen erschwerten Zugang zum Bildungs- und Gesundheitssystem[1].
Innerhalb eines Landes wird oft zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden. «Absolute Armut» bedeutet, unter dem Existenzminimum zu leben. Dies bedeutet, dass eine Person oder ein Haushalt nicht genug Geld hat für lebenswichtige Ausgaben wie Wohnung, Nahrung oder Kleidung.
In einem anderen Ansatz wird der Begriff der «relativen Armut» verwendet. Dabei wird keine fixe Armutsgrenze als Richtwert genommen. Von relativer Armut wird dann gesprochen, wenn eine Person arm ist im Vergleich zur Gesellschaft, in der sie lebt, wenn sie also nicht so leben kann, wie es für die Mehrheit in einem Land normal ist.
Die Schweizer Politik beschäftigt sich noch nicht sehr lange systematisch mit dem Thema Armut und führt erst seit wenigen Jahren eine Statistik. Dabei wird das Konzept der absoluten Armut angewendet. Als Armutsgrenze werden dabei die Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) verwendet[2]. Diese hat festgelegt, wieviel eine Einzelperson, ein Paar oder eine Familie mindestens braucht, um alle notwendigen Ausgaben zu decken. Dazu gehören Wohnung, Krankenkasse und der Grundbedarf, der alle weiteren Ausgaben wie Essen, Kleidung, Mobilität, etc. zusammenfasst. Dies ergibt folgende Armutsgrenzen:
In der Schweiz wird jährlich eine umfassende Erhebung durchgeführt[3]. Die neuste Erhebung wurden im Februar 2021 publiziert. Diese bezieht sich auf das Jahr 2019 und hat folgendes ergeben:
- 735‘000 Menschen in der Schweiz sind von Armut betroffen, dies bedeutet, jede 11. Person in der Schweiz führt ein Leben in Armut.
- Weitere 590'000 Menschen – also nochmals fast gleich viele Personen – leben nur knapp über der Armutsgrenze und gelten als armutsgefährdet.
- Mehr als jede fünfte Person in der Schweiz ist nicht in der Lage, eine unerwartete Rechnung von 2'500 Franken innerhalb eines Monates zu begleichen.
- 155’000 Personen gehören zu den sogenannten «Working poor», das heisst, sie haben zwar eine Arbeit, leben jedoch trotzdem unter dem Existenzminimum und gelten als arm.
In der Schweiz zeigt sich, dass bestimmte Personen besonders gefährdet sind, von Armut betroffen zu sein. Dazu gehören:
- Personen ohne berufliche Ausbildung
- Alleinerziehende Eltern
- Kinderreiche Familien
- Alleinstehende Pensionierte
- Menschen mit Migrationshintergrund
Die Ursache für die Armut ist oft ein kritisches Lebensereignis. Beispielsweise kann ein Jobverlust, eine Scheidung oder ein gesundheitliches Problem am Anfang einer Abwärtsspirale stehen, die schliesslich in die Armut führt.
Armut bedeutet nicht nur ein Mangel an Geld, sondern vor allem auch fehlende Möglichkeiten, an der Gesellschaft teilzuhaben. Betroffene gehen sehr unterschiedlich mit ihrer Situation um. Nebst grossen Existenzängsten ist die Armut bei vielen auch mit einem grossen Schamgefühl verbunden. Das Videoformat «Hidden Helvetia» von SRF Virus hat verschiedene Armutsbetroffene Personen begleitet und gibt dir Einblick in ihre Situation:
Caritas setzt sich mit vielen Projekten für mehr Gerechtigkeit in der Schweiz ein und unterstützt armutsbetroffene Menschen. So können Armutsbetroffene im Caritas-Markt stark vergünstigte Lebensmittel beziehen und sich im Caritas Secondhand-Laden mit tadellos erhaltener Kleidung eindecken. Die KulturLegi ermöglicht Armutsbetroffenen zudem den vergünstigten Zugang zu kulturellen Angeboten, sei es der Kinobesuch, der Eintritt ins Freibad oder die Teilnahme an einem Kurs. Weiter bieten die Caritas Sozial- und Schuldenberatungen Bildungsangebote sowie diverse andere Projekte an und begleitet damit Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Es gibt sehr viele unterschiedliche Varianten, wie du dich für benachteiligte Personen in der Schweiz einsetzen kannst:
Informiere dich und sensibilisiere andere:
Sei dir bewusst, dass Armut jede und jeden treffen kann und du höchstwahrscheinlich auch in deinem Umfeld armutsbetroffene Menschen hast. Sprich mit deinem Umfeld über Geld, Konsum und Armut und sensibilisiere sie dafür, dass Armut kein Ausdruck von persönlichem Versagen, sondern das Abbild einer oft unfairen Welt ist.
Mach bei einem Projekt mit:
youngCaritas und die regionalen Caritasorganisationen bieten dir verschiedene Möglichkeiten, um dich zu engagieren. Mach mit bei einem unserer Projekte und engagiere dich für mehr soziale Gerechtigkeit.
Lanciere ein eigenes Projekt:
Du hast eine eigene Projektidee? Wir beraten dich kompetent und unterstützen dich bei der Umsetzung. Zudem kannst du dein Projekt am youngCaritas-Award anmelden und erhältst so die Chance auf tolle Preise.
Du möchtest dich gerne vertiefter mit dem Thema Armut in der Schweiz auseinandersetzen? Mehr Infos zum Thema findest du in unserer Infomappe Armut, die du gratis herunterladen oder nach Hause bestellen kannst.