Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03226.jsonl.gz/209

Die Schweiz und Belgien haben einige Gemeinsamkeiten: die Mehrsprachigkeit, zwei gemeinsame Landessprachen, den föderalistischen Staatsaufbau sowie eine vergleichbare Fläche und Einwohnerzahl. Zudem sind beide Sitzstaat zahlreicher internationaler Institutionen. Die Länder pflegen einen regen diplomatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Austausch. Die Schweiz geniesst ein gutes Image und wird als Feriendestination geschätzt.
Bilaterale Beziehungen Schweiz–Belgien
Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen
Die Schweiz und Belgien arbeiten sowohl bilateral als auch multilateral in verschiedenen Bereichen eng zusammen, etwa in der Wissenschaft, in der Entwicklungszusammenarbeit, im Kampf gegen den Terrorismus und in Migrationsfragen. Die beiden Länder unterstützen sich oft gegenseitig bei Kandidaturen in internationalen Organisationen.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Die Schweiz und Belgien unterhalten rege Wirtschaftsbeziehungen. Das Handelsvolumen betrug 2021 rund 7,8 Milliarden Franken. Die wichtigsten Handelsgüter sind Pharmazeutika sowie Chemikalien, Edelmetalle, Edelsteine, Brennstoffe und Fahrzeuge.
Mit einem hohen Anteil an kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), einem ausgeprägten Dienstleistungssektor und dem Fehlen von natürlichen Ressourcen weist die belgische Wirtschaft eine ähnliche Struktur auf wie die schweizerische Wirtschaft.
Schweizer Firmen sind in Belgien vor allem in den Bereichen Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie, Logistik, sowie im Bereich der Medizintechnik tätig. Ausserdem ist die Schweiz ein beliebtes Reiseziel für belgische Touristen. Der Hafen von Antwerpen, der zweitgrösste in Europa nach Rotterdam, ist für die Handelsbeziehungen und die Landesversorgung der Schweiz von zentraler Bedeutung.
Handelsförderung, Switzerland Global Enterprise
Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation
Beide Länder beteiligen sich an verschiedenen multilateralen Übereinkommen. Zudem gibt es diverse bi- und multilaterale Kooperationsabkommen zwischen Universitäten beider Länder sowie Direktkontakte zwischen Schweizer Kantonen und belgischen Gemeinden.
Schweizer Hochschulen, insbesondere die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen, sind beliebt bei belgischen Studierenden. Darüber hinaus besteht eine bedeutende projektbezogene Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Forschenden der beiden Länder, insbesondere in den EU-Forschungsrahmenprogrammen.
Über die Eidgenössische Stipendienkommission für ausländische Studierende (ESKAS) vergibt die Schweiz jedes Jahr Exzellenzstipendien an belgische Studierende. Forschende und Kunstschaffende aus Belgien können sich über die Schweizer Botschaft in Brüssel beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um ein Stipendium bewerben.
Bundes-Exzellenz-Stipendien für ausländische Forschende und Kunstschaffende, SBFI
Kulturaustausch
Die beiden Länder unterhalten enge kulturelle Beziehungen, namentlich in den Bereichen Musik, Tanz, bildende Kunst, Film, Theater und Festivals. In den Jahren 2013 und 2014 befasste sich eine Vortragsreihe mit der Stellung und der Rolle der «kleinen Sprachen»: dem Rätoromanischen in der Schweiz und der deutschen Sprache in Belgien.
Die Schweizer Botschaft fördert mit verschieden Anlässen und Projekten Schweizer Kulturschaffen in Belgien.
Schweizerinnen und Schweizer in Belgien
Ende 2021 lebten gemäss Auslandschweizerstatistik 8'406 Schweizerinnen und Schweizer in Belgien, darunter 5‘983 Personen mit Doppelbürgerschaft.
Geschichte der bilateralen Beziehungen
1840 eröffnete Belgien eine Botschaft in der Schweiz, die Schweizer Botschaft in Brüssel wurde 1918 eröffnet. Später folgten Generalkonsulate in Genf bzw. Antwerpen und belgische Konsulate in verschiedenen Schweizer Städten.
Der Erste Weltkrieg verstärkte die Bande zwischen der belgischen und der schweizerischen Bevölkerung. Als die belgische Neutralität von den deutschen Truppen missachtet wurde, löste dies insbesondere in der Westschweiz heftige Kritik aus. Die Schweiz nahm 2000 hospitalisierte belgische Kinder auf, internierte 4500 verletzte Offiziere und Soldaten sowie 6000 Flüchtlinge, darunter den Industriellen Ernest Solvay und den Dichter Emile Verhaeren.
Die belgische Königsfamilie pflegt seit jeher gute Beziehungen zur Schweiz. Schon König Albert I. hielt sich regelmässig in der Schweiz auf. 1945–50 lebte Leopold III. mit seiner Familie in der Schweiz. Nach der Abdankung von König Leopold III. im Jahre 1959 setzte sein Sohn als König Baudouin I. die Pflege der guten Beziehungen zur Schweiz fort und wurde 1989 zu einem Staatsbesuch in der Schweiz empfangen. Elf Jahre später, am 21. und 22. November 2000, weilte König Albert II. auf Staatsbesuch in der Schweiz. Sein ältester Sohn Philippe, der am 21. Juli 2013 als König der Belgier inthronisiert wurde, führt die königliche Familientradition fort und verbringt regelmässig Ferien in der Schweiz.