Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03641.jsonl.gz/884

a) Der Konsum von Alkohol – im restlichen Text „Spirituosen“ genannt – hat in den kulturellen und gesellschaftlichen Traditionen sowohl der früheren als auch der heutigen Gesellschaft schon immer eine akzeptierte und wichtige Rolle gespielt. Die SPIRITSUISSE-Mitglieder sind besonders stolz auf ihre Produkte und haben sich verpflichtet, verantwortungsvolle Trinkgewohnheiten zu fördern und einem missbräuchlichen oder unangemessenen Konsum präventiv entgegenzuwirken.
b) Vorrangiges Prinzip unserer gemeinsamen Normen für verantwortungsvolle Werbebotschaften ist die gewissenhafte und angemessene Vermarktung unserer Produkte an Erwachsene.
c) Für den Zweck dieses Kodex werden Werbebotschaften folgendermaßen definiert: „Botschaften, die direkt von oder im Namen der Werbenden erstellt werden und die – ungeachtet des Mediums – hauptsächlich der Bewerbung von Produkten und Marken dienen“.
Hierzu gehören Markenwerbung, Mitteilungen an Verbraucher, Verkostungen, Werbeveranstaltungen, Verpackungen, Ausstattungen, Sponsoring, „Advertorials“ sowie Werbeartikel und Promo-Material am Verkaufspunkt.
1.1 Werbebotschaften müssen legal, d.h. der Schweizerischen Gesetzgebung konform, anständig, ehrlich und wahrheitsgemäß sein;
1.2 Sie müssen anerkannte Prinzipien des fairen Wettbewerbs sowie gute Geschäftspraktiken respektieren;
1.3 Sie müssen mit einem tiefen Sinn für gesellschaftliche Verantwortung erstellt werden und auf den Prinzipien der Treue und des Glaubens basieren;
1.4 Sie dürfen unter keinen Umständen unethisch sein, gegen allgemein gültige Standards für Geschmack und Anstand verstoßen oder die Menschenwürde auf andere Art und Weise verletzen.
2.1 Werbebotschaften richten sich an Erwachsene über 18 Jahre. Werbebotschaften durch Kanäle, die der Kontrolle des Produzenten der Spirituosen unterstehen (z.B. Websites der Marken, Download-Inhalte, Direktmailings, eigene Veranstaltungen usw.) müssen so gestaltet sein, dass eindeutig daraus hervorgeht, dass sie sich ausschließlich an Erwachsene über 18 Jahre richten.
2.2 Bei Werbeveranstaltungen, die von oder im Namen von Produzenten von Spirituosen organisiert werden, darf Personen unter 18 Jahren der Eintritt nicht gestattet werden.
2.3 Bei Printwerbung darf nur dann Werbung für Spirituosen in Zeitungen, Zeitschriften oder sonstigen Veröffentlichungen platziert werden, wenn man davon ausgehen darf, dass mehr als 70 % der Leser über 18 Jahre alt sind.
2.4 Bei digitalen Medien muss der eigentlichen Markenwebsite eine aktive Altersbestätigung vorgeschaltet sein. Zum Download bereitstehende Werbebotschaften müssen den Hinweis enthalten, dass diese nicht an Personen unter 18 Jahren weitergegeben werden dürfen.
2.5 Redaktionelle Inhalte in unternehmensfremden Kanälen (z.B. Twitter, Facebook) können finanziell nur dann unterstützt werden, wenn mindestens 70 % des zu erwartenden Publikums über 18 Jahre alt ist.
3.1. Werbebotschaften dürfen niemals einen übermäßigen oder nicht verantwortungsvollen Konsum fördern oder dulden.
3.2 Werbebotschaften müssen die Entscheidung, keinen Alkohol zu konsumieren, respektieren und dürfen Abstinenz oder maßvollen Genuss niemals negativ darstellen.
3.3 Bei Werbeaktionen vor Ort muss ein verantwortungsvoller Konsum durch Erwachsene beworben und, so weit möglich, von übermäßigem Konsum, wie z. B. von Trinkspielen wie „Schnelltrinken“, abgeraten werden.
Auch von Werbeaktionen oder Rabatten, die einen übermäßigen Konsum fördern, ist abzusehen.
3.4 Ab 2012 müssen sämtliche Werbeträger (Presse, Plakate, Kino, Homepage), soweit die Firmen hierfür direkt verantwortlich sind, eine klare, offensichtliche Botschaft maßvollen und vernünftigen Konsums einschließen. In der Schweiz legal gestattete Werbe- und Sponsoringmaßnahmen sollen auch Initiativen zur Förderung eines verantwortungsvollen Trinkverhaltens umfassen.
3.5 Der Inhalt von Werbebotschaften für Spirituosen darf nicht hauptsächlich Personen unter 18 Jahren ansprechen.
3.6 Spirituosen dürfen nicht in Verbindung mit dem Erreichen des Erwachsenseins oder als „Ritual“ zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Erwachsenen beworben oder vermarktet werden.
3.7 Die Werbebotschaften sind verboten auf Arealen, die vorwiegend von Minderjährigen besucht werden, wie Primar- und Sekundarschulen, Realschulen, Gymnasien, Institute, Ferienkolonien, Freizeitzentren usw., sowie im Umkreis von weniger als 100 Metern zu diesen Arealen.
3.8 In Werbebotschaften darf keine Verbindung zwischen dem Konsum von Alkohol und dem Steuern von Fahrzeugen jeglicher Art oder dem Betrieb potenziell gefährlicher Maschinen dargestellt werden.
3.9 Es darf nicht angedeutet werden, dass Spirituosen therapeutische Eigenschaften haben, oder dass deren Konsum helfen kann, Krankheiten vorzubeugen, zu behandeln oder zu heilen.
3.10 In Werbebotschaften dürfen keine Schwangeren dargestellt werden. Sie dürfen sich auch nicht an Schwangere richten.
3.11 Werbebotschaften dürfen zu keiner Irreführung hinsichtlich der Eigenschaften und der Alkoholstärke führen. Aus der Kommunikation muss zweifellos ersichtlich sein, dass es sich um eine Spirituose handelt.
3.12 Informationen zur Alkoholstärke dürfen faktisch präsentiert werden. Die Stärke darf jedoch niemals die Hauptbotschaft sein. Umgekehrt dürfen Werbebotschaften nicht implizieren, dass der Konsum von Getränken mit einem relativ niedrigen Alkoholgehalt einem Missbrauch vorbeugt.
3.13 Werbebotschaften dürfen nicht den Eindruck erzeugen, dass Alkohol die körperliche oder die geistige Leistungsfähigkeit verbessern oder einen energetisierenden Effekt auf Körper oder Geist haben, z.B. bei Aktivitäten, bei denen Konzentration erforderlich ist.
3.14 Spirituosen dürfen zwar als angenehmer Teil des gesellschaftlichen Lebens dargestellt werden, es darf jedoch nicht angedeutet werden, dass deren Konsum eine Voraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz oder Erfolg ist.
3.15 In Werbebotschaften darf nicht angedeutet werden, dass der Konsum von Spirituosen die sexuellen Fähigkeiten oder den Erfolg bzw. Attraktivität einer Person verbessern kann.
4.1 Alle Werbebotschaften müssen sowohl dem konkreten Text als auch dem Geist der geltenden schweizerischen Gesetzgebung entsprechen.
4.2 Es muss bei jedem SPIRITSUISSE-Mitglied interne Kontrollmechanismen geben, die gewährleisten, dass Werbebotschaften für seine auf den Markt gebrachten Marken und Produkte die hier enthaltenen Bestimmungen erfüllen.
4.3 Jedes SPIRITSUISSE-Mitglied erkennt das Schiedsverfahren der Schweizerischen Lauterkeitskommission in Sachen Einhaltung dieses Verhaltenskodex an. Ihre Tätigkeit und Sanktionen basieren auf dem vom Departement des Innern bewilligten Reglement aus dem Jahre 1997. Das Schiedsgericht kann Bussen bis zu 10‘000 CHF aussprechen.
Genehmigt und aufgenommen an der SPIRITSUISSE-Versammlung vom 12. Dezember 2011. Dieser Verhaltenskodex annulliert und ersetzt denjenigen von 2003 samt den Anpassungen von 2006.