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Auf den 1. Januar dieses Jahres erhöhte die Selecta AG die Preise für den Kaffee ihrer Automaten von 80 auf 90 Rappen. Betroffen von dieser Massnahme ist auch die HTL Brugg-Windisch, an welcher sich nicht wenige fragten, wie die Preiserhöhung mit der Qualität des Kaffees (v.a. in der HTL Nord) zu rechtfertigen sei. Der nun folgende Artikel aus dem K-TIP (Nr. 2, 1. Feb. 1995, S. 17), der unter dem Titel "Ein "Kafi Kartell, bitte" erschien, gibt Aufschluss über die Preispolitik der Selecta AG.
Wer in der Schweiz Kaffee aus dem Automaten trinkt, bezahlt dafür in der Regel zwischen 60 und 90 Rappen. Unbestrittene Marktführerin der Branche ist die Selecta AG in Murten. Sie gehört zum Merkur-Konzern und beherrscht rund 80 Prozent des Marktes.
Aufs neue Jahr erhöhte die Selecta ihre Preise von 80 auf 90 Rappen pro Becher Kaffee. Offizielle Begründung: Mehrwertsteuer, höhere Kaffeepreise und die allgemeine Teuerung. Bei jährlich rund 250 Millionen konsumierten Bechern würde dabei für die Branche immerhin ein Zusatzertrag von 25 Millionen Franken resultieren - falls alle Konkurrenten mitziehen.
Doch genau das verweigern einzelne kleine Automatenbetreiber. Sie wollen ihren Kaffee weiterhin für weniger als 90 Rappen verkaufen. Die Selecta sah deshalb schon ihre Felle davonschwimmen: Kunden könnten ihre Selecta-Automaten durch Konkurrenz-Geräte mit billigerem Kaffee ersetzen, befürchtete man offenbar in der Chefetage.
Auf Kosten der Kaffeekonsumentinnen und konsumenten wollte die Selecta deshalb auch die anderen Automatenaufsteller zur Preiserhöhung bewegen. Flugs wurde ein Kartellpapier ausgearbeitet, mit dem ein Selecta-Mitarbeiter die Konkurrenten zum Mitmachen überreden wollte.
Dieses Vorgehen ist nicht nur unfair gegenüber die Automatenkaffee-Trinkern. Steigt ein Konkurrent nämlich auf eine solche Preisabsprache ein, kommt er mit dem Gesetz in Konflikt: Es handelt sich um eine Preisabsprache ohne volkswirtschaftlichen Nutzen - und das verbietet das Kartellgesetz.
Interessant: Im Kartellpapier, das die Selecta an einzelne Konkurrenten abgab, stand plötzlich kein Wort mehr von Mehrwertsteuer und Teuerung. Statt dessen rechnete die Selecta unverblümt vor: "Eine Preiserhöhung um 10 Rappen bringt bei 10 Millionen Bechern eine Umsatz- und Ertragsverbesserung von einer Million Franken, ganz ohne zusätzlichen Personalaufwand, Warenaufwand und Investitionsaufwand."
Selecta-Chef Max Ehrsam distanziert sich mittlerweile vom Vorgehen seines Mitarbeiters; er habe ohne sein Wissen gehandelt. Besagter Mitarbeiter war indes nicht etwa ein kleiner Fisch, sondern der soeben pensionierte Marketingchef des Unternehmens. ...
Nachdenklich macht auch ein internationaler Preisvergleich: Während sich die Preise in der Schweiz rasch der Frankengrenze nähern, kostet in Deutschland und in Frankreich der Automatenkaffee umgerechnet immer noch um die 60 Rappen.
Unbeeindruckt von solchen Zahlen bleibt der Verband der Automatenverpfleger mit der Selecta als gewichtigem Mitglied bei seiner Empfehlung: "Um die Qualität des Kaffees und der Dienstleistungen weiter zu steigern, müsste der Preis für den Automatenkaffee über einen Franken festgesetzt werden."