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IBD (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
Aetiologie
3 Studien haben die Bedeutung neuer potenzieller Risikofaktoren für die Entwicklung einer IBD untersucht. Zum ersten Mal konnte in einer prospektiven Studie eine signifikante Assoziation zwischen einem hohen Proteinkonsum und dem Risiko, an einer IBD zu erkranken, nachgewiesen werden [Abstract 98]. Ein hoher Anteil von tierischen Proteinen in der Nahrung - von Fleisch und Fisch (durchschnittlich 2.07 g/kg Körpergewicht pro Tag) - ging mit einem dreifach erhöhten IBD-Risiko einher. Die Assoziation galt gleichermassen für den M. Crohn und die Colitis ulcerosa und war unabhängig von bekannten Risikofaktoren wie Rauchen und Hormontherapie bei Frauen. Pflanzliche Proteine hatten keinen Einfluss auf das IBD-Risiko.
Britische Wissenschaftler konnten zeigen, dass eine regelmässige Einnahme von Aspirin einer der vielen Faktoren sein könnte, der die Entwicklung eines Morbus Crohn beeinflusst [Abstract 96]. In einer grossen Population von 200'000 gesunden Personen war das Crohn-Risiko bei Teilnehmern, welche während mindestens einem Jahr regelmässig Aspirin einnahmen, nahezu um den Faktor 5 erhöht. Interessanterweise war das Risiko bei Rauchern nicht erhöht, obwohl Rauchen an und für sich ein Risikofaktor ist. Eine mögliche Erklärung dafür könnte gemäss Studienautoren sein, dass die prokoagulatorischen Eigenschaften vom Rauchen den antikoagulatorischen Effekt des Aspirins aufheben. Einen Zusammenhang zwischen Aspirinkonsum und Colitis ulcerosa war nicht nachweisbar.
Ein dritter möglicher Risikofaktor für die Entwicklung einer IBD ist die frühkindliche Antibiotika-Exposition [Abstract 95]. Antibiotika scheinen einen ungünstigen Effekt auf die Entwicklung der gastrointestinalen Flora zu haben, wie die Studienautoren glauben. Kinder, welche im ersten Lebensjahr Antibiotika erhielten, hatten in einer Fallkontrollstudie ein dreifach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer IBD im Laufe ihres Lebens.
IBD und Pankreaskarzinom
Die Autoren einer retrospektiven Studie bei 2877 erwachsenen Personen berichten über einen möglichen Zusammenhang zwischen IBD und einem erhöhten Pankreaskarzinomrisiko [Abstract 252]. Je nach Form der IBD konnten sie ein bis zu 6-fach erhöhtes Risiko nachweisen. Diese Resultate sprechen für mögliche gemeinsame erbliche Ursachen der beiden Krankheiten, obwohl ein Beweis dafür natürlich zuerst erbracht werden muss. Wenn man weiss, welche Patienten ein speziell hohes Risiko für Pankreaskrebs haben, könnten diese regelmässig gescreent werden, um ein Karzinom möglichst früh zu entdecken.
Einfluss einer IBD auf Schwangerschaft und Nachwuchs
Im sechsjährigen PIANO-Register (PIANO = Pregnancy in Inflammatory Bowel Disease and Neonatal Outcomes) werden bis anhin bereits über 600 Frauen mit einem Morbus Crohn oder einer Colitis ulcerosa und deren Kinder beobachtet. Die Frauen wurden je nach Medikamentenexposition in drei Gruppe eingeteilt: 1. Einnahme von 6MP/Azathioprin; 2. Einnahme von Infliximab, Adalimumab oder Certolizumab; 3. Keine Einnahme solcher Medikamente. Die bisherige Auswertung der Daten zeigt, dass bis zum Zeitpunkt, wo die Kinder ein Jahr alt wurden, kein Zusammenhang zwischen der Medikamenteneinnahme und Schwangerschaftskomplikationen oder Geburtsdefekten nachweisbar ist [Abstract 764]. Diese Resultate sind von grosser Bedeutung, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass vor 15 Jahren den Frauen noch von einer Schwangerschaft abgeraten wurde.

|Mediscope/DDW 2010|

|20.06.2010 - dde|