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82. Geschäftsbericht des Centralkomitees
des
Centralkomitees an die Abgeordneten-Versammlung des Schweizer Alpenclub
des Centralkomitees an die Abgeordneten-Versammlung des Schweizer Alpenclub in Brugg am 29. Oktober 1900.
Geehrte Herren und Clubgenossen!
In der Generalversammlung in Lugano am 3. September 1899 wurde der Sektion Winterthur die Centralleitung des Schweizer Alpenclub für die Amtsperiode 1900 bis 1904 anvertraut. Das neugewählte Centralkomitee hat die Geschäfte am 6. Januar 1900 in Neuenburg übernommen. Dem abtretenden Komitee wurde auch bei dieser Gelegenheit der Dank für seine treffliche Amtsführung ausgesprochen. An Hand der klaren Auseinandersetzungen, die uns über den Stand der schwebenden Angelegenheiten gegeben wurden, war es uns rasch möglich, uns in die zahlreichen und vielseitigen Geschäfte einzuarbeiten.
Über die wichtigsten Vorkommnisse haben wir jeweilen in der „ Alpina " Mitteilungen gemacht. Daher wird sich unsere Berichterstattung möglichst kurz fassen.
Mitgliederbestand.
Die Mitgliederzahl ist von 5870 am 1. Januar 1900 auf 6016 zu Ende September angestiegen. Der Schweizer Alpenclub zählt jetzt 44 Sektionen, nachdem im Februar 1900 in Baden die Sektion „ Lägern " sich als jüngstes, willkommenes Glied unserer Gesellschaft gebildet hat.
Finanzlage.
Das Vermögen der Centralkasse betrug auf Ende 1899 Fr. 33,234, wovon noch der Betrag für die „ Alpina " 1899 abzurechnen ist, und wird zu Ende dieses Jahres sich auf cirka Fr. 38,000 belaufen. Der Verkehr der Centralkasse mit den Sektionskassieren wurde vereinfacht in dem Sinne, daß jeweilen am Schlüsse eines Vierteljahres abgerechnet wird. Dadurch wird deri Sektionen, die sonst wegen jedem einzelnen neueintretenden Mitglied oder für ein zu verabreichendes Clubzeichen sich brieflich an die Centralkasse wenden mußten, viel Schreiberei erspart. Diese Neuordnung hat sich daher bei der größten Zahl der Sektionskassiere rasch Anerkennung erworben. Nur von einzelnen wenigen Sektionen macht es etwelche Mühe, die Abrechnungen zu erhalten.
Zu gunsten einer „ Schweiz. Pührerkasse für Witwen und Waisen " ist der Centralkasse die Summe von Fr. 500 übermittelt worden. Die hochherzigen Geber wollen nicht genannt sein.
Da eine solche Kasse bisher nicht besteht, hat das Centralkomitee beschlossen, diese Summe als Grundstock dafür zu betrachten und dementsprechend als besonderen Fonds zu verwalten, der in außerordentlichen Fällen anzugreifen sein wird.
Fü hr er Versicherung.
Der Versicherung der patentierten Bergführer wurde volle Aufmerksamkeit geschenkt, und es darf eine wesentliche Vermehrung gegenüber dem Vorjahre konstatiert werden. Im laufenden Jahre wurden versichert 402 Führer ( 1899: 370 ) für eine Summe von Fr. 1,386,000 ( Fr. 1,255,000 ). Die Gesamtprämie betrug Fr. 11,802, der Beitrag aus der Centralkasse Fr. 6930 ( 1899: Fr. 6275 ).
Bezahlte Schäden im Jahre 1900 bis 5. Oktober: Fr. 6986.20. Schwebende Schäden aus 1900 ( 4 Fälle ): Fr. 2800 x ).
Der Verkehr mit der „ Zürich ", allgemeine Haftpflicht- und Unfall-versicherungs-Aktiengesellschaft, wickelte sich stets in angenehmster Weise ab. Über die Schadenregulierungen sind keinerlei Klagen eingelaufen.
Die Führervereine St. Moritz und Pontresina hatten sich mit Ver-sicherungsanträgen direkt an die „ Zürich " gewendet, aber gleichwohl die Prämienbeiträge des S.A.C. beansprucht. Dies wurde als unzulässig erklärt, da die Anmeldung durch eine Sektion des S.A.C. zu geschehen hat.
Ebenso wurde der Prämienzuschuß an die Versicherung eines „ Trägeraspiranten " abgelehnt.
Publikationen.
Das Centralkomitee war bemüht, die Bedeutung des Jahrbuches, sowie der „ Alpina " möglichst zu heben. In einer besonderen Konferenz mit den beiden hochverdienten Redaktoren dieser Publikationen wurden mit deren Zustimmung die Aufgaben beider Organe näher festgestellt. Das Jahrbuch soll danach nur dasjenige bringen, was von dauerndem Werte ist, während die „ Alpina " ausschließlich dem Tagesinteresse dienen soll.
Das Jahrbuch behauptet seinen Rang neben den zum Teil mit ungleich größeren Mitteln hergestellten ähnlichen Veröffentlichungen anderer Vereine. Im Einverständnis mit dem Redaktor, Herrn Dr. Dübi in Bern, soll in Zukunft namentlich auf die Illustration noch größere Sorgfalt und dementsprechend auch größere Mittel verwendet werden. Für den nächsten Band sind bereits Vorkehrungen in diesem Sinne getroffen worden. Kundgebungen aus dem Kreise der Mitglieder des Alpenclubs zeigen uns, daß wir mit diesem Streben uns im Einklänge mit den Wünschen der Leser befinden. Natürlich wird aber nicht zu vermeiden sein, daß dadurch der Gewinn, den das Jahrbuch in den letzten Jahren der Centralkasse brachte, verkleinert werden wird.
Eine Anregung, ob nicht die Verpflichtung der Mitglieder der deutschsprechenden Sektionen zum Bezüge des Jahrbuches aufgehoben werden könnte, haben wir nicht weiter verfolgt. Es würde dadurch das Jahrbuch empfindlichen Schaden leiden, ja, der Fortbestand dieses Werkes in Frage gestellt werden können. Das Jahrbuch ist aber diejenige von den äußeren Schöpfungen des Alpenclubs, die die meisten anderen überdauern wird, ein bleibendes Denkmal unserer Bestrebungen.
Dagegen dürfte bei wachsender Mitgliederzahl die Zeit kommen, wo das Jahrbuch zu erheblich billigerem Preise wird geliefert werden können. Dann wäre zu erwägen, ob der Preis für das Jahrbuch nicht einfach zum Beitrag an die Centralkasse hinzugeschlagen werden könnte.
Die „ Alpina " ist allmählich zum unentbehrlichen Sprechsaal geworden, in welchem gerade in der letzten Zeit die aktuellen Angelegenheiten des Clubs eingehend besprochen wurden.
Es liegt dies sehr im Interesse des Clubs und einer sachgemäßen und fruchtbringenden Erledigung der Geschäfte der Abgeordnetenversammlung. Manche weitschweifige Diskussion kann vermieden werden, wenn sich die Meinungen vorher durch aufklärende Besprechungen in der „ Alpina " geläutert haben. Für die richtige Erfüllung ihres Zweckes als Nachrichtenblatt ist es durchaus notwendig, daß die „ Alpina " wenigstens im Sommer zweimal im Monat erscheine.
Die von der Expedition der „ Alpina " von den Mitgliedern verlangte Gebühr von 50 Cts. für Adressenänderungen ist nach längeren Verhandlungen abgeschafft worden.
Auf die Herausgabe des „ Echo des Alpes ", des obligatorischen Organes der Mitglieder französischer Zunge des S.A.C., hat das Centralkomitee keinerlei Einfluß. Die Centralkasse bezahlt daran einen jährlichen Beitrag von Fr. 1000.
Das Itinerar „ La partie suisse de la Chaîne du Mont Blanc " ist von den Herren Louis Kurz und Eugène Colomb, ehemaligen Mitgliedern des Centralkomitees in Neuenburg, mit großem Geschick verfaßt worden. Es konnte zu Beginn des Sommers an die Mitglieder verteilt werden. Von einer Übersetzung ins Deutsche, die nur eine Sektion bestimmt gewünscht hatte, wurde abgesehen. Die Touristen, welche das Mont Blanc- Chronik.
Gebiet bereisen, werden ja wohl ausnahmslos der französischen Sprache genügend mächtig sein.
Auf Wunsch der Herren Verfasser wurde eine Anzahl Exemplare des Itinerars dem Buchhandel übergeben, da ein Bedürfnis nach einem solchen Werke vorhanden sei.
Die Herausgabe kurz gehaltener „ Führer " in der Art des „ Hochtourist in den Ostalpen " oder der „ Climbers'guides " an Stelle der bisherigen Itinerarien wurde vom Centralkomitee für später ins Auge gefaßt. Auch allgemein verständlich geschriebene Taschenbücher naturwissenschaftlichen, namentlich geologischen Inhaltes dürften dazu dienen, das Interesse der Clubisten an den Naturerscheinungen und die Liebe zur Alpenwelt zu heben und zu wecken.
Die Ausgabe der zum Itinerar gehörenden Exkursionskarte wurde vom früheren Centralkomitee in Neuenburg erst für das Jahr 1901 ins Auge gefaßt und ließ sich daher für den verflossenen Sommer nicht mehr bewerkstelligen. Leider mußten wir darauf verzichten, einen Teil der von Herrn A. Barbey herausgegebenen Imfeldschen Karte des Mont Blanc-Massivs zu erwerben. Eine Exkursionskarte, die nur den schweizerischen Teil jenes Gebietes, soweit er auf der Imfeldschen Karte gezeichnet ist, umfaßt hätte, wäre zu klein ausgefallen und verhältnismäßig teuer gewesen. Ein Ankauf der ganzen Karte aber hätte die zur Verfügung stehenden Mittel überschritten und wäre auch nicht zu rechtfertigen gewesen in Anbetracht, daß dieser Ankauf seiner Zeit von der Abgeordnetenversammlung verworfen wurde. Überdies haben seither viele Clubisten, und zwar gerade diejenigen, die besonderes Interesse für das Mont Blanc-Gebiet haben, sich privatim in den Besitz jener Karte gesetzt.
Durch das dankenswerte Entgegenkommen des eidgenössischen topographischen Bureaus wird es uns nun möglich sein, bis zum nächsten Frühjahr eine Exkursionskarte zu erhalten. Dieselbe umfaßt die revidierten Blätter 525, 526, 529 und 532 des Siegfried-Atlas ohne Reliefton. Das italienische Gebiet wird auch in Kurvenmanier, das französische dagegen in möglichst ausführlicher Situationszeichnung dargestellt, da die französischen Karten für Einzeichnung von Höhenkurven unzureichend sind.
Im Archiv des Centralkomitees befand sich noch eine größere Anzahl von Exemplaren früherer Publikationen, wie Itinerarien, Tarife und Exkursionskarten, zum Teil schon veraltete Sachen. Dieselben litten durch die wiederholten Transporte von einem Sitze des Centralkomitees zum andern. Wir haben diese Vorräte teils an die Sektionen verteilt, teils zu billigen Preisen an die Mitglieder verkauft, und für das Archiv nur wenige Stücke von jeder Sorte zurückbehalten.
Bibliothek des S.A.C.
Die Bibliothek des S.A.C., welche auf der Stadtbibliothek Zürich untergebracht ist, wurde auch im abgelaufenen Jahre lebhaft benutzt, so daß die Bedenken, welche seiner Zeit bei der Gründung geäußert wurden, durch die Erfahrung als widerlegt erscheinen. Die aus drei Mitgliedern des S.A.C. bestehende Bibliothekkommisson hat bei den Anschaffungen, wie bisher, drei Hauptziele ins Auge gefaßt: 1. Die Erwerbung der wichtigeren Werke aus der älteren alpinen Litteratur, welche oft schwer aufzutreiben sind; 2. die Anschaffung der größern neu erscheinenden Werke, deren Ankauf wegen des hohen Preises für viele Mitglieder nicht wohl möglich ist; 3. die Komplettierung der wichtigern alpinen Zeitschriften des In- und Auslandes. Um den vielseitigen Bedürfnissen, die sich bei einer neu gegründeten Bibliothek zeigen, gerecht zu werden, hat das Centralkomitee für das Jahr 1900 einen Kredit von Fr. 800 ausgesetzt. Da das letzte Zuwachsverzeichnis noch das Jahr 1898 einschließt, so wurde von der Erstellung eines neuen abgesehen; dafür sind die wichtigsten Anschaffungen im Jahrbuch S.A.C. aufgezeichnet, in welchem sich auch ein eingehender Bericht und ein Auszug aus der Rechnung findet. Der Verwaltung der Stadtbibliothek Zürich, welche unsere Bibliothok unentgeltlich besorgt, sei an dieser Stelle für ihre Bemühungen der beste Dank ausgesprochen.
Rhonegletscher- Vermessungen.
Dieses großartige Werk, an das der 8. A. C. seit 1894 keine Beiträge mehr leistet, wird seither von der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft weitergeführt. Die dem S.A.C. gehörenden Akten über die von 1874 bis 1894 vorgenommenen Beobachtungen liegen im Archiv des eidgenössischen topographischen Bureaus in Bern. Nach Mitteilungen, die uns der Präsident des von der Naturforschenden Gesellschaft und dem S.A.C. gemeinsam bestellten „ Gletscherkollegiums ", Herr Prof. Hagen-bach-Bischof in Basel, vor kurzem machte, sind nun die Vorarbeiten für die Veröffentlichung so weit gediehen, daß die Herausgabe demnächst erfolgen könne. Die beizugebenden zahlreichen Karten und Pläne sind bereits fertiggestellt. Herr Oberstlieutenant Held, Ingenieur des topographischen Bureaus, der die Beobachtungen seit langer Zeit geleitet hat, ist der Redaktor des Textes. Laut Vertrag mit dem eidgenössischen topographischen Bureau vom Jahre 1894 und mit der Verlagshandlung Schmid & Prancke ist der S.A.C. Herausgeber des Werkes. Dasselbe wird den Mitgliedern zu bedeutend ermäßigtem Preise geliefert werden können. Neue Verhandlungen darüber sind angebahnt, genauere Angaben lassen sich daher noch nicht machen. Jetzt schon kann man aber sagen, daß dieses monumentale und einzig dastehende Werk dem S.A.C. Ehre machen wird.
Ein populärwissenschaftlicher Auszug daraus ist in Aussicht genommen.
Führerkurse.
Im Wallis wurde vom 3. bis 13. Juni 1900 durch die Sektion Monte Rosa ein Fuhrerkurs abgehalten, auf Anordnung der Walliser Regierung. Obwohl diese Behörde das Reglement vom 19. April 1899 über die Fuhrerkurse und die Erteilung der Führerdiplome des S.A.G. nicht genehmigt hatte, wurde der Unterricht genau nach dem in diesem Reglement aufgestellten Programm erteilt. Der Kurs wurde durch ein Mitglied des Centralkomitees inspiziert, das auch dem Schlußexamen beiwohnte und bei der Entscheidung über die Erteilung der Patente mitwirkte. Da sonach die wesentlichen Anforderungen des Reglements erfüllt waren, entrichteten wir der Sektion Monte Rosa den festgesetzten Beitrag von Fr. 15. für jeden Teilnehmer an die Kosten des Kurses. Von den 35 Aspiranten mußten vier zurückgestellt werden, vier weitere wurden nur angenommen unter der Bedingung, daß sie in zwei Jahren einen Wiederholungskurs mitmachen. Den übrigen wurde von der Regierung das Führerpatent erteilt. Neue Unterhandlungen wegen völliger Anerkennung unseres Réglementes durch den Kanton Wallis sind von uns in Aussicht genommen.
Ein Kurs, an dem sämtliche schon patentierte Führer der Kantone Ob- und Nidwaiden, sowie neu sich meldende Aspiranten hätten teilnehmen sollen, war im Herbst 1900 von der Sektion Titlis geplant. Dieser Kurs mußte leider verschoben werden, weil die Führer die Teilnahme verweigerten.
Es wurde im Schöße des Centralkomitees angeregt, für die Führerkurse einen Leitfaden zu schaffen, der die Unterrichtsgegenstände in so populärer Art behandeln würde, daß er den Führern auch später als Nachschlagebuch dienen könnte.
Taxermäßigungen auf den Eisenbahnen.
Die bisher von der Rhätischen Bahn den Mitgliedern des S.A.C. gewährten Erleichterungen fallen laut Mitteilung der Direktion mit Ablauf dieses Jahres dahin.
Die Gornergratbahn, die Appenzellerbahn und die Straßenbahn St. Gallen-Gais haben es abgelehnt, Ermäßigungen zu gewähren. Dagegen hat die Direktion der Brienzer Rothornbahn aus freien Stücken eine Preisermäßigung von 50 °/o angeboten, ebenso die Beatenbergbahn für die Zeit vom 1. Juni bis 30. September.
Clubhütten.
Das jetzige Centralkomitee betrachtet es wie seine Vorgänger als eine seiner vornehmsten Aufgaben, unsere Clubhütten in einen guten, ihrem Zweck und den berechtigten Anforderungen entsprechenden Zustand zu versetzen. Es giebt der Verbesserung bestehender alter Hütten den Vorzug vor der Erstellnng neuer. Daher sind im laufenden Jahre für solche Verbesserungen bereits ansehnliche Beiträge geleistet worden. Wir werden auch in Zukunft darüber wachen, daß unsere Hütten Zufluchtsorte seien, die dem Bergsteiger als Ausgangspunkte für größere Touren dienen. Sie sollen dagegen nicht Ausflugsziele und Pensionen sein. Anderseits aber können wir auch nicht den Standpunkt teilen, daß solche Hütten nur für die Ersteigung der höchsten und schwierigsten Berge geschaffen werden, die nur dem kleineren Teile auch der Mitglieder des Alpenclubs überhaupt zugänglich sind. Eine Hütte, die die mühsame Besteigung eines sogenannten Aussichtsberges wesentlich erleichtert und den Genuß einer solchen Besteigung vielen zugänglich macht, denen er sonst verschlossen wäre, dient den Zielen des S.A.C. ebenso gut wie die Schutzhütten in den allerhöchsten Regionen. Unsere Gesellschaft besteht nicht nur aus Hochtouristen, sondern überhaupt aus Freunden von Gebirgswanderungen.
Wir hatten uns besonders mit den folgenden Hütten zu befassen:
Mountethütte. Die neben der Konstantiahütte bestehende alte Mountethütte drohte zu zerfallen. Da sie zur Ergänzung der stark besuchten neuen Hütte gute Dienste leistet, wurde sie von der Section des Diablerets wieder hergestellt, durch einen Aufbau vergrößert und mit einem neuen Dach versehen. Das Centralkomitee hat an die Kosten einen Beitrag von Fr. 400 gewährt, unter der Bedingung, daß die reparierte alte Hütte nicht als besondere Hütte im Verzeichnis aufgeführt, sondern nur als Ergänzung der neuen Konstantiahütte betrachtet werde.
Für die Wiederherstellung der alten oberen Matterhornhütte sind von der Abgeordnetenversammlung Fr. 500 bestimmt worden. Wir haben uns aber überzeugt, daß es nicht möglich ist, diese Hütte wieder dauernd in befriedigenden Zustand zu versetzen, und daher keine Arbeiten daran ausführen lassen.
Betempshütte. Sie ist in gutem Zustande und wird stark benutzt. Das Inventar wurde ergänzt. Klagen über den Hüttenwart, die in der Tagespresse erhoben wurden, erwiesen sich als zum Teil übertrieben oder auf Unkenntnis der Verhältnisse beruhend.
Die neue Weißhornhütte der Sektion Basel wurde im Laufe des Frühsommers fertig gebaut und am 9. Juli 1900 eingeweiht. Dieser schöne und zweckmäßige Holzbau kostete im ganzen etwa Fr. 8650, woran die Centralkasse Fr. 3000 beitrug. Eine Schutzmauer gegen Lawinengefahr ist im Herbst noch ausgeführt worden.
Doldenhornhütte. Sie ist Eigentum des Führervereins Kandersteg. Der S.A.C. leistete einen Beitrag von Fr. 500, laut Beschluß der letzten Abgeordnetenversammlung. Die Hütte wurde zu Beginn des Sommers eröffnet und hat bereits zahlreichen Besuch erhalten. Den Mitgliedern des S.A.C. und der befreundeten Alpenvereine steht das Recht der unentgeltlichen Benutzung zu. Für Holzverbrauch wird eine Taxe von 50 Cts. erhoben. Der Führerverein Kandersteg möchte die Hütte gerne einer Sektion des S.A.C. zu billigem Preise abtreten. Bisher fand sich aber kein Abnehmer dafür.
Windegghütte. Der Eigentümer, M. Boßli in Nessenthai, hat diese etwa eine Stunde unterhalb der Trifthütte am Triftgletscher gelegene Hütte wiederholt dem S.A.C. zum Kaufe angeboten, nachdem sie seit einer Reihe von Jahren zum Preise von Fr. 150 gemietet worden ist. Falls man auf das Angebot überhaupt eintreten wollte, müßte eine Sektion sich dafür melden. Das Centralkomitee ist mit den drei Hütten, deren Specialaufsicht ihm obliegt, mehr als genügend belastet.
Chronik.
In der Tierwieshütte am Säntis wurde das Inventar ergänzt.
Die alte Glärnischhütte, die an Tagen starken Besuches als willkommene Ergänzung der neuen Hütte dient, wurde von der Sektion Tödi wieder in guten Stand versetzt. Die Centralkasse leistete einen Beitrag von Fr. 200.
Die Calandahütte ist durch Anbau vergrößert worden und wurde am 22. Juli 1900 eingeweiht.
Die Tschiervahütte ist nun von einem ständigen Hüttenwart beaufsichtigt und bewirtschaftet. Sie wurde in diesem Jahre Ton etwa WO Personen besucht.
Matterhornhütte. Diese Hütte ist, nachdem sie im Jahre 1899 durch das Centralkomitee in Neuchâtel unter der persönlichen Leitung des Herrn Colomb in stand gesetzt wurde, jetzt ein ganz wohnliches Asyl geworden, das die Bezeichnungen nicht verdient, die ihm auch im laufenden Jahre wieder von einzelnen Touristen wieder zu teil wurden. Es zeugt nicht eben von gutem Geschmack, VQpn einzelne Besucher der Hütte die ihnen völlig unentgeltlich daselbst erwiesene Gastfreundschaft dadurch vergelten, daß sie das Obdach im Hüttenbuch als „ Schweinestall " und dergleichen bezeichnen. Leider läßt allerdings häufig die Ordnung in der Hütte viel zu wünschen übrig, indem sowohl manche Touristen als die Führer, wenn sie müde vom Matterhorn zurückkommen, oft wenig Sinn für Reinigungsarbeiten und Aufräumen mehr haben.
Diesen für den S.A.C. beschämenden Zuständen kann, wie schon das frühere Centralkomitee hervorhob, nur dadurch abgeholfen werden, daß die Hütte mit einem ständigen Hüttenwart verseben wird. Dazu muß sie aber vergrößert werden, wozu Vorarbeiten und Studien im verflossenen Sommer gemacht wurden.
Das Inventar der Hütte wurde ergänzt. Die Anbringung eines Cementverputzes an den Außenwandungen war noch vom Centralkomitee in Neuenburg angeordnet und vom Führerverein Zermatt übernommen worden. Dieser hat aber die Arbeit nicht ausgeführt.
Auswärtige Besiehungen.
An der Generalversammlung des D. und Ö.A.V., die in den Tagen vom 26. bis 29. Juli 1900 in Straßburg stattfand, war das Centralkomitee durch Herrn R. Kummer, Statthalter der Sektion Basel, und durch den Centralpräsidenten vertreten. Eine Anzahl von Clubisten aus mehreren unserer Sektionen kam ebenfalls zu diesem Feste, wo uns die liebenswürdigste Aufnahme zu teil ward.
Zu dem „ Congrès international de l' Alpinisme ", der vom Club Alpin Français vom 11.14. August veranstaltet wurde, hatte das Centralkomitee seinen Sekretär, Herrn Dr. Vodoz, entsandt. Der Centralpräsident war vom h. Bundesrat als dessen offizieller Abgeordneter bezeichnet. Beide Delegierte beteiligten sich aktiv an den Arbeiten des Kongresses, zu dem auch mehrere unserer Mitglieder aus der französischen Schweiz sich eingefunden hatten.
An den Kongreß schloß sich die Festlichkeit zur Feier des 25jährigen Bestehens des Club Alpin Français an, wozu die Glückwünsche des 8. A. C. entboten wurden. Auch bei diesen Gelegenheiten war der Empfang ein herzlicher. Die guten Beziehungen des S.A.C. zu den bedeutendsten, auswärtigen alpinen Gesellschaften erneuerten und bestärkten sich.
Winterthur, den 28. Oktober 1900.
Im Namen des C. C. des S.A.C.
Der Sekretär:Der Präsident:
Dr. Todoz.Dr. Boßhard.
Jahrtnch des Schweizer Alpenclub. 36. Jahrg.24