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Die Chlorierung von Trinkwasser reduziert Infektionen – und sie verändert die Zusammensetzung der Darmflora kleiner Kinder wie eine heute in «Nature Microbiology» veröffentliche Studie zeigt. Die Resultate deuten darauf hin, dass die Vielfalt der Darmflora nicht reduziert wird, aber Bakterien zunehmen, die wichtig sind für einen gesunden Darm.
Chlor ist für viele Mikroorganismen tödlich und wird deshalb genutzt, um Trinkwasser zu desinfizieren. Aber was stellt das chlorierte Wasser mit der Darmflora von kleinen Kindern an, die sich erst noch entwickeln muss?
Ein internationales Team unter Leitung von Amy J. Pickering von der University of California in Berkeley und Timothy R. Julian vom Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag untersuchte Stuhlproben von 130 Kindern aus einer grösseren Studie in Bangladesch (siehe Kasten). 66 dieser Kinder leben in Familien mit Zugang zu chloriertem Wasser, 64 haben nur Zugang zu unbehandeltem Wasser.
Vielfalt mehrheitlich nicht reduziert
«Insgesamt reduziert das chlorierte Wasser die Biodiversität im Darm nicht», fasst Tim Julian die Resultate der Stuhlanalysen zusammen. In beiden untersuchten Gruppen wurde der Darm durch gleich viele verschiedene Mikroorganismen besiedelt – zumindest bei den jüngsten, 6 bis 14 Monate alten Kindern und bei den über 31-monatigen. Etwas anders verhielt es sich bei den 15 bis 30 Monate alten Kindern. In dieser mittleren Altersgruppe führte Chlor zu einer geringeren Artenvielfalt. «Aus anderen Studien weiss man, dass sich die Darmflora gerade in diesem Alter stark verändert», sagt Tim Julian. «Deshalb braucht es Folgestudien, in denen Kinder über längere Zeit beobachtet werden.» Studien mit wiederholten Probenahmen könnten helfen herauszufinden, wie Umweltbedingungen die Entwicklung der Darmflora beeinflussen.
Vorteil für die «Guten»
In allen untersuchten Altersgruppen stellten die Forschenden signifikante Unterschiede in der Artenzusammensetzung der Darmflora zwischen den beiden Gruppen fest. In der Gruppe mit Zugang zu chloriertem Wasser kamen Keime aus der Umwelt, darunter viele Auslöser von Infektionskrankheiten, weniger häufig im Stuhl vor. Dafür wurden mehr Enterobakterien gefunden – also Bakterienarten, die zu einer «normalen» Darmflora gehören. Auch manche dieser Bakterien können Durchfälle auslösen, wenn sie überhandnehmen. Viele sind aber für die Gesundheit unverzichtbar – sie helfen zum Beispiel mit ihrem Stoffwechsel bei der Verdauung, hemmen Entzündungen oder kommen einer Besiedelung des Darms mit Krankheitserregern zuvor. «Die Resultate deuten darauf hin, dass die Entwicklung der Darmflora durch chloriertes Wasser nicht in eine unerwünschte Richtung gelenkt wird», folgern die Forschenden.