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KÖNIGIN DER NACHT
Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen,
Tod und Verzweiflung flammet um mich her!
Fühlt nicht durch dich Sarastro Todesschmerzen,
So bist du meine Tochter nimmermehr.
Verstossen sei auf ewig, verlassen sei auf ewig,
Zertrümmert sei'n auf ewig alle Bande der Natur,
Wenn nicht durch dich Sarastro wird erblassen!
Hört! Rachegötter! Hört der Mutter Schwur!
Erika Köth
1927-1989
Sopran
Erika Köth (* 15. September 1927 in Darmstadt; † 20. Februar 1989 in Speyer) war eine deutsche Kammersängerin und Sopranistin. Mit ihrem Koloratursopran wurde sie in Mozart-Opern berühmt, besonders als "Königin der Nacht" in Die Zauberflöte. Breite Bekanntheit erreichte sie auch durch Rollen in Opern und Operetten von Albert Lortzing, Robert Stolz, Johann Strauß und Franz Lehár. Sie gehörte, neben Rita Streich, Maria Stader, Anny Schlemm und Anneliese Rothenberger, um nur einige der vielen zu nennen, zu den großen Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Stimme zeichnete sich aus durch "höchste Virtuosität, exquisite Klangschönheit und besondere Leuchtkraft in den höchsten Lagen".
Erika Köth begann ihre Karriere im Kinderballett, ohne freilich je den kindlich-ernsten Gedanken an die "große Sängerin" aufzugeben. Doch im Alter von acht Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung; die "große Sängerin" schien in unerreichbare Ferne gerückt. Qualvolle gymnastische Übungen führten schließlich zur nahezu völligen Gesundung. Siebzehnjährig errang Erika Köth ein Stipendium ihrer Heimatstadt, aber der Krieg verhinderte die Karriere als Sängerin und sie landete in einer Munitionsanstalt statt im Theater. Nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur verdiente sich Erika Köth ihr Geld als "Schlager-/Schnulzensängerin" für die amerikanischen Befreier, und das überwiegend nachts, denn tagsüber nahm sie intensiven Unterricht in Gesang sowie Musiktheorie
Im Jahre 1947 gewann sie, unter 300 Bewerbern, einen Gesangswettbewerb des Hessischen Rundfunks, damals Radio Frankfurt, mit der Arie der Königin der Nacht gewann, studierte Gesang an der Darmstädter Akademie für Tonkunst.Der Intendant des Kaiserslauterner Stadttheaters engagierte die Siegerin vom Fleck weg. Ihr Debüt hatte sie 1948 am Pfalztheater in Kaiserslautern.
Die Jahre um 1950 stellten die entscheidenden Weichen, und das gleich in zweifacher Hinsicht. Zum ersten lernt sie ihren zukünftigen Ehemann (auf dem Fußballplatz), den Schauspieler und Regisseur Ernst Dorn kennen, der sie auch später managte. Zum anderen folgte ein Engagement an das Badischen Staatstheater in Karlsruhe, unter der Leitung von Generalmusikdirektor Otto Matzerath. Die drei Jahre am Karlsruher Theater waren bestimmend auf ihrem Weg in die Koloratur-Elite. Neben Ingeborg Hallstein und Sylvia Geszty, um nur zwei ruhmreiche Sängerinnen zu nennen, gehörte fortan Erika Köth zu einer der größten Koloratursopranistinnen unserer Zeit. Über ihre Zeit in Karlsruhe äußerte sich die Künstlerin rückblickend: "Das war meine schönste Zeit, wo ich so arm war und nie Geld g'habt hab'... Otto Matzerath in Karlsruhe verdanke ich alles."
1953 wechselte Erika Köth an die Bayerische Staatsoper in München, wo sie bis 1978 zum Ensemble gehörte. In der Landeshauptstadt Bayerns hatte sie als Lucia di Lammermoor einen ihrer ersten triumphalen Erfolge. Dort waren ihre großen Gesangspartner/innen u. a. Sari Barabas, Hertha Töpper, Lilian Benningsen sowie Hans Hotter. Zusammen mit Fritz Wunderlich und Hermann Prey bildete sie für die Münchener Opernwelt und weit darüber hinaus ein unvergessliches Dreigerstirn.
Zudem trat Erika Köth regelmäßig in Produktionen der Hamburger und der Wiener Staatsoper auf. Daneben war sie noch am Staatstheater am Gärtnerplatz tätig. Erika Köth sang die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte an der Wiener Staatsoper im Jahre 1953 und an der Mailänder Scala 1956; insgesamt sang sie diese Rolle, die ihre Erfolgspartie war, über 270 mal. 1960 wurde sie Mitglied der Deutschen Oper Berlin, und in diesem Jahr vollzog sie die Ausweitung ihres Repertoires ins lyrische Fach: Rollen wie Mimi, Antonia, Liù oder Micaela kamen als neue Partien hinzu. 1955 bis 1960 und 1962/63 nahm Erika Köth an den Salzburger Festspielen teil. 1958 unternahm sie eine USA-Tournee, 1961 eine Tournee durch die Sowjetunion und 1963, 1966 und 1971 durch Japan, u.a. mit den Opern Le Nozze di Figaro, Die Zauberflöte und Falstaff. Sie wirkte in drei Spielfilmen mit und war 1958 Hauptdarstellerin, an der Seite von Wolf Albach-Retty, in Mein ganzes Herz ist voll Musik. Darin spielte sie eine Frau, die ein seltsames Doppelleben führte.
Bei den Bayreuther Festspielen sang Erika Köth die Rolle des Waldvogels in Richard Wagners Siegfried. Weitere Auftritte folgten im Londoner Covent Garden, in Rom, Los Angeles, San Francisco und Budapest, hauptsächlich in Richard-Strauss-Rollen. Außerdem spielte sie Lucia di Lammermoor und die Mimi in Giacomo Puccinis La Bohème.
Ihr letzter viel umjubelter Auftritt auf einer Opernbühne war 1978 in München als Mimi in Giacomo Puccinis La Bohème. Danach arbeitete sie bis 1988 als Dozentin an den Musikhochschulen von Köln und Mannheim, gab Meisterkurse in ihrem Wohnort Neustadt an der Weinstraße und engagierte sich ferner bei August Everding's "Singschul" in München. Zu ihren Schülern gehörten u.a. Anna Maria Kaufmann, Kerstin Keller, Anna Securius, Beate Bilandzija-Fritsch, Christine Mann sowie Heinz Göhring.