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Ensi-Bericht zu Fukushima: Radiologische Auswirkungen
Der Bericht stammt von einem interdisziplinär zusammengesetzten Expertenteam des Ensi – dem «Japan-Analyseteam» – und beruht auf japanischen sowie internationalen Quellen. Er ergänzt die beiden Analysen zum Unfallgeschehen, die das Ensi bereits Ende August 2011 vorgestellt hat.
Schweizer Strahlenschutz wird überprüft
Das Ensi hat aus den Erkenntnissen des vorliegenden Berichts bereits die Lehren für die Schweiz gezogen. Sie sind im Bericht «Lessons Learned und Prüfpunkte aus den kerntechnischen Unfällen in Fukushima» vom Oktober 2011 enthalten. Darin kündigte das Ensi unter anderem an, die Personendosimetrie und den operationellen Strahlenschutz in der Schweiz auf ihre Verlässlichkeit im Fall eines schweren Unfalls hin zu überprüfen. In diesem Bereich seien in Fukushima-Daiichi insbesondere in den ersten Stunden und Tagen nach dem Reaktorunfall offenkundige Versäumnisse aufgetreten. Der Unfallverlauf lässt laut Ensi den Schluss zu, dass in diesem Bereich mehr Reserven für Störfälle vorgehalten werden müssen als bisher angenommen.
Die Erfahrungen aus Fukushima-Daiichi zeigten ferner, dass selbst im Falle eines schweren Unfalls immer noch zahlreiche Möglichkeiten für Dosisreduktionen und für die wirksame Verhinderung von Inkorporationen bestünden, wenn die Schutzmittel konsequent angewendet würden, schreibt das Ensi in einer Medienmitteilung. Dies bestätige die grundlegende Bedeutung vorbeugender Massnahmen im Bereich des Strahlenschutzes für den Schutz der Bevölkerung weltweit und in der Schweiz.
Tschernobyl-Folgen waren schwerwiegender
Der Ensi-Bericht stellt in einem Kapitel die Reaktorunfälle von Tschernobyl (1986) und Fukushima-Daiichi (2011) gegenüber. Beim Vergleich der ökologischen und radiologischen Konsequenzen der beiden Reaktorunfälle ist laut Bericht derjenige von Tschernobyl aus heutiger Sicht klar als schwerwiegender einzuschätzen. Durch Explosion und Brand im Inneren des Reaktors in Tschernobyl gelangten etwa fünf- bis zehnmal mehr radioaktive Stoffe in die Atmosphäre. Sie erreichten wesentlich grössere Entfernungen als in Fukushima-Daiichi, wo ein grosser Teil der Freisetzung von den bewohnten Gebieten weg in Richtung des Pazifischen Ozeans erfolgte.
Ein Vergleich der langfristigen Folgen beider Unfälle sei derzeit noch schwierig, weil für Fukushima-Daiichi bislang nicht alle relevanten Informationen vorlägen. Nach den bis heute verfügbaren Daten würden die effektiven Strahlendosen für die einheimische und weltweite Bevölkerung durch Fukushima-Daiichi wesentlich kleiner ausfallen als bei Tschernobyl.
Der Bericht beurteilt auch die radiologischen Auswirkungen des Unfalls von Fukushima-Daiichi auf die Schweiz. Zwar hätten in unserem Land mit hochempfindlichen Verfahren Spuren der freigesetzten Radioaktivität nachgewiesen werden können. Die Dosisbeiträge durch Direktstrahlung und Inhalation waren dabei aber vernachlässigbar klein, stellt der Bericht fest. Die mit der Nahrung aufgenommene Radioaktivität aus Fukushima hätte selbst bei einem Verzehr von 25 kg des am stärksten kontaminierten Gemüses nur 0,5 µSv betragen. Das entspricht einem Zehntausendstel der jährlichen Strahlenbelastung von in der Schweiz lebenden Personen (etwa 5 mSv). Zu keiner Zeit habe eine gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung in der Schweiz bestanden.