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Abdulrazak Gurnah lebt in England. In den Wirren rund um die Unabhängigkeit seiner Heimat Sansibar und dem Zusammenschluss Sansibars mit Tansania verlässt der junge Mann das Land und zieht nach Grossbritannien. Als Angehöriger einer entmachteten arabischstämmigen Oberschicht und Exilant in England erfährt er also sein späteres Lebensthema am eigenen Leib: die Flüchtlingsproblematik, ausgelöst durch ungelöste und im Kolonialismus verankerte Konflikte zwischen Kulturen und Kontinenten. Abdulrazak Gurnah wird Literaturprofessor an der University of Kent und beginnt zu schreiben. Er verschreibt sich dabei ganz und gar den Themen seiner afrikanischen Herkunft und wird trotzdem ein europäischer Schriftsteller. Keine Rückbesinnung auf orale Erzähltraditionen, wie man sie beispielsweise bei Ben Okri findet oder auch beim ebenfalls aus dem ehemaligen Empire stammenden Salman Rushdie, sondern literarische Texte, in denen das Stille überwiegt, die leisen Töne, das Feine, der Humor.
Über den frischgebackenen Nobelpreisträger unterhält sich Brigitte Häring mit Literaturredaktor Michael Luisier. Auskunft gibt der Abdulrazak Gurnah-Übersetzer Thomas Brückner.