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Novak Djokovic erlebt gegen Rafael Nadal seine bitterste Niederlage und zahlt einen hohen Preis für seine Impfweigerung
Wenn am Montag nach dem Final der French Open die neue Weltrangliste veröffentlicht wird, nimmt Novak Djokovic seine 371. Woche an der Spitze in Angriff. Es wird wohl für lange Zeit die letzte. Vielleicht sogar für immer.
Denn weil die French Open 2021, die der 35-Jährige gewonnen hatte, der Pandemie wegen um eine Woche nach hinten verschoben worden waren, fallen die Punkte aus dem Vorjahr erst in der Folgewoche aus der Wertung. Sicher an Djokovic vorbeiziehen werden Daniil Medwedew und Alexander Zverev. Und stemmt Rafael Nadal am Sonntag zum 14. Mal die Coupe des Mousquetaires in die Höhe, ist Djokovic nur noch die Nummer 4 der Welt.
In Paris erlitt Djokovic eine seiner bittersten Niederlage: 2:6, 6:4, 2:6, 6:7 (4:7) unterlag er Nadal in 4:11 Stunden. Dabei sah er nach gewonnenem zweiten Satz wie der sichere Sieger aus. Nadal hatte eine 3:0-Führung aus der Hand gegeben. Dazu machte ihm der linke Fuss sichtlich zu schaffen. Rafael Nadal leidet am Müller-Weiss-Syndrom, einer Knochenkrankheit, die bei zu einer Deformierung des Kahnbeins im Mittelfuss führte.
Djokovics Seitenhieb an Nadal
Wie tief der Stachel bei Novak Djokovic sitzt, zeigte die Reaktion des Serben. Ohne sich zu sammeln, ohne zu duschen, ohne Trost im Kreis seiner Liebsten zu suchen, eilte er auf direktem Weg in den Bauch des Court Philippe Chatrier, um seine Verpflichtungen gegenüber den Medien wahrzunehmen. Er wollte nur noch weg. Weg von der Anlage. Weg aus Paris. Weg von den Fragen. Seine Antworten waren professionell, aber kurz. Nadal sei der bessere Spieler gewesen, verdiene den Sieg.
Einen kleinen Seitenhieb erlaubte Djokovic sich aber doch. «Ich sah keine Probleme. Bin ich überrascht? Nein. Es ist nicht das erste Mal, dass Nadal verletzt ist und dann doch ziemlich schnell wieder in Bestform kommt.»
Djokovic zahlt einen hohen Preis für seine Entscheidung, sich nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Bei den Australian Open hatte er seinen Titel nicht verteidigen können, nachdem ihm das Visum entzogen und er ausgeschafft worden war. Auf die French Open oder Wimbledon hätte er verzichtet, wären die Reisebeschränkungen in der Zwischenzeit nicht gelockert worden. Djokovic sagte dazu: «Das ist der Preis, den ich gewillt bin, zu bezahlen. Meine Prinzipien sind wichtiger als jede Trophäe.»
Auf die Turniere in Indian Wells und Miami hatte er verzichten müssen, weil er als Ungeimpfter nicht in die USA hatte einreisen dürfen. In Roland Garros bestritt Djokovic deshalb erst sein sechstes Turnier des Jahres.
Es ist nicht die einzige Konzession, die er machen musste. Anfang März wurde die Trennung von Trainer Marian Vajda bekannt. Der Slowake war ab 2006 mit einem kurzen Unterbruch der wichtigste Vertraute gewesen, war bei Djokovics Aufstieg an die Weltspitze und allen 20 Grand-Slam-Titeln des Serben dabei. «Eine Kombination aus mehreren Gründen» habe zur «freundschaftlichen Trennung» geführt. Die Erzählung, dass sich Vajda am Impfentscheid Djokovics aufgerieben hat, hält sich hartnäckig.
Auch zahlreiche Sponsoren haben sich von Djokovic abgewendet. Jüngst wurde bekannt, dass der Technologiekonzern UKG kein Interesse an einer Verlängerung des Vertrags hat. Mit dem Sportartikelhersteller Lacoste führe er persönlich «offene», «vertrauensvolle» Gespräche, wie er in Paris serbischen Medien sagte. «Die Situation von Lacoste ist schwierig. Man sagte mir, dass sie unter Druck stünden und es Stimmen gebe, die nicht glücklich wären, wenn ich globaler Botschafter bleiben würde.» Der mit 9 Millionen Franken jährlich dotierte Vertrag läuft in diesem Jahr aus.
In die Sandsaison war Djokovic schlecht gestartet: In Monte Carlo verlor er sein erstes Spiel. Bei seinem Heimturnier in Belgrad verlor er den dritten Satz im Final mit 0:6 und erklärte das danach mit den Nachwirkungen einer mysteriösen Viruserkrankung. In Madrid zeigte Djokovics Formkurve nach oben. Erst im Halbfinal scheiterte er am Spanier Carlos Alcaraz.
Und doch war es wie so oft: In Rom, eine Woche vor den French Open, schien Novak Djokovic die Geister der Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Ohne Satzverlust und mit Siegen gegen drei Kontrahenten aus den Top Ten der Weltrangliste erspielte er sich den ersten Turniersieg seit der Impfsaga in Australien und sagte: danach «Ich hätte mir keine bessere Vorbereitung auf Paris erträumen können. Ich bin einer der Favoriten.»
Wimbledon-Entscheidung trifft Djokovic hart
Den Viertelfinal erreichte Djokovic dort ohne Satzverlust, doch für den ultimativen Test, jenen gegen Rekordsieger Rafael Nadal, fehlten ihm in dieser Saison die Erfahrungswerte. In den entscheidenden Momenten agierte er ungewohnt fehlerhaft und nervös. Er, der Meister des Moments.
Nach der verpassten Titelverteidigung verliert Djokovic zum zweiten Mal in diesem Jahr die Weltranglistenspitze – entweder erneut an den Russen Daniil Medwedew, oder den Deutschen Alexander Zverev. Bleibt es bei der Entscheidung, dass in Wimbledon nach dem Ausschluss russischer und belarussicher Spieler keine Punkte für die Weltrangliste verteilt werden, während jene aus dem Vorjahr aus der Wertung fallen, wäre Djokovic als Titelverteidiger das grösste Opfer. Er würde in der Weltrangliste weiter an Boden verlieren und so schnell nicht an die Spitze zurückkehren können.
Novak Djokovic erlebt im Viertelfinal der French Open eine der bittersten Niederlagen seiner Karriere, und eine mit schwerwiegenden Folgen. Das ist der hohe Preis, den er für seine Überzeugungen zu zahlen bereit ist.