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Les Paul (1915 - 2009)
Der Vater der Solidbody E-Gitarre ist gestorben
Eben erreichte uns die Nachricht, dass Gitarrist, Erfinder und Techniker Lester William Polsfuss am 13.August 2009 in White Plains, N.Y. im Alter von 94 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben ist. Herr Polsfuss war in Musikerkreisen aber bekannt unter seinem amerikanisierten Namen Les Paul. Unter diesem Namen wurde er als Jazz-Gitarrist bekannt und in den 1940er und 1950er Jahren erfolgreich. In die Geschichte der Musik wird er aber zuerst eingehen als der Mann, der die Solidbody erfunden hat und damit die elektrische Gitarre entscheidend weiter entwickelt hat. Nach ihm heisst die oft zärtlich als «Paula» verniedlichte Gibson-Gitarre, die auch im Blues ihres tiefen Spuren hinterlassen hat.
Les Paul (9. 6. 1915 Waukesha, WI - 13. 8. 2009 White Plains, N.Y.) war ein Gitarrist der Swing und Jazz-Ära, der als Sohn von Wisconsin seinen Anfang in Chicago hatte, später aber zur nationalen und internationalen Grösse aufstieg. Les Paul gehört zu den grossen Jazz-Gitarristen der Kriegsjahre und 50er, der mit Django Reinhard gespielt hat und mit anderen Grössen der 30er bis 60er Jahren, und der als Gitarrist den grössten kommerziellen Erfolg hatte, als er mit seiner Bühnen- und Ehepartnerin Mary Ford (1928-1977, eigentlich Iris Colleen Summers) zusammen die bekannten Schlager des Grat American Songbook spielte. Am erfolgreichsten waren die beiden mit How High The Moon. Was spezifisch den Blues angeht, so begleitete er 1936 die Sängerin Georgia White als Mitglied ihrer Band in Chicago.
Die Gitarre war damals noch nicht das dominante Instrument in der Popmusik, sie wurde noch nicht einmal als Solo-Instrument wahrgenommen. Sie war ein Rhythmus-Instrument, das in der Big Band im Hintergrund neben Bass und Schlagzeug der rhythm-section zugerechnet wurde. Erst mit Charlie Christian, dem Gitarristen von Benny Goodman, kam der Tonabnehmer in die Gitarre, die aber natürlich noch akustische Modelle waren. Charlie Christian schraubte einen Tonabnehmer ans Schlagbrett seiner Gitarre und erfand so die elektrische Gitarre, will sagen er schaffte es als erster Musiker den Ton elektrisch abzunehmen und regelmässig mit Pickup zu spielen.
Mit dem Tonabnehmer kamen aber auch Probleme: Es gab Hall, den man nicht immer wollte und vor allem kam es leicht zu Feedback, einem grossen Ärgernis. Dieses Ärgernis versuchte Les Paul zu beheben, indem er 1946 zwei Pickups und einen Steg auf ein Stück Holz schraubte, denn Les Paul hatte erkannt, dass man bei Pickups ja den Resonanzkörper der Gitarre gar nicht mehr braucht. Er reduzierte also die Gitarre auf einen Holzträger, Saitenbefestigungen, einen Hals und zwei Pickups.
Diese Gitarre, allgemein «The Log» (=> Die Holzplanke) genannt, wurde später mit den entzweigesägten und draufgeklebten Hälften einer Epiphone versehen, weil es sonst zu wenig wie eine Gitarre aussah, bzw. weil der Spielkomfort einer Holzplanke nun mal dem eines schönen Körpers unterlegen ist.
Les Paul ging dann zu Gibson, der damals grössten Gitarren und Mandolinenfabrik der USA und so wurde die Gitarre patentiert. Gibson-Präsident Theodore «Ted» McCarty (1909- 2001) entwickelte die Gitarre gemeinsam mit Les Paul zur Serienreife, und 1952 brachte dann Gibson ein auf den Entwürfen des Musikers basierendes Instrument auf den Markt, die Gibson Les Paul. Anfänglich mit P-90 Singlecoil Pickups und einem Trapez-Tailpiece ausgestattet wurde die Gitarre bald mit einem Humbucker ausgestattet. Die Gitarre kriegte ab 1955 eine geschnitzte Mahaghoni-Decke und ein aufgeleimtes Griffbrett, aber was wie in Les Pauls Original blieb, das ist der eingeleimte Hals und auch die relativ kurze Mensur von 628 mm. Es gab zwar verschiedene Modelle (Custom, Standard, Studio), aber die einzige grosse Veränderung war 1961 die Einführung der Les Paul SG, die bis 1963 noch den Titel Les Paul trug.
Der Prototyp «The Log» in einer Abbildung des Smithsonian Institute in Washington, wo die Gitarre im «Lemelson Center for the Study of Invention & Innovation » zu sehen ist.
Die Les Paul blieb dann der Verkaufsschlager in den 50er Jahren, und seither bleibt sie der Gitarrenklassiker schlechthin, den jede Generation von Rockmusikern wieder neu entdecken kann. Ein erstes Mal erweckte Eric Clapton die Gitarre zu neuem Leben, als er ihre fetter Verzerrung und ihren schier endlosen Sustain in Cream zum Einsatz brachte und damit den Sound der British Invasion prägte.
Auch die anderen beliebten Gitarrenmodelle von Gibson ES-335, ES-355 und Nighthawk basieren auf der entscheidenden und durch Les Paul herbeigeführten Neuerung, einen Massivholzkern in die Gitarre einzubauen, der die ganzen elektrischen Teile und die Hardware trägt. Und als Gibson vor kurzem die sich selbst stimmende Robot-Guitar lancierte, war es natürlich als erstes ein Modell der Les Paul-Reihe, das der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Gibson Les Paul Goldtop, Baujahr 1952, dem Jahr in dem die Les Paul in Serie ging. Gegenüber den heutigen Baureihen ist an Unterschieden vor allem das Trapez-Tailpiece zu erwähnen sowie die Singlecoil P-90 Pickups.
Les Paul sah der Entwicklung seines «Babys» mit Interesse zu, und er blieb offen, mit allen möglichen Musikern zusammen als die lebende Legende zu spielen, die er bis vor kurzem war. Er spielte gerne Duetts mit Musikern und blieb bis ins hohe Alter ein virtuoser Gitarrist. Les Paul, der schon mit Mary Ford erstmals das Overdubbing als Aufnahmetechnik einsetzte, das er entwickelt hatte, blieb ein Tüftler und allgemein hoch geschätzt, ein freundlicher Mann, der sich im Klaren über die Tragweite seiner Entwicklung war.
Selbstverständlich wurde Les Paul in alle möglichen Ruhmeshallen aufgenommen und mit Ehren überhäuft: Grammy Hall of Fame, 1978, Grammy Trustees Award für sein Lebenswerk 1983. Rock and Roll Hall of Fame 1988. Jeff Beck erwähnte damals in seiner Laudation nicht nur die Erfinderseite, sondern auch den musikalischen Einfluss Les Pauls. Er sagte: «I've copied more licks from Les Paul than I'd like to admit». SEAMUS Lifetime Achievement Award 1988, sowie die Aufnahme in die National Inventors Hall of Fame im Jahr 2005.
Les Paul ist nach einem langen und erfüllten Leben gestorben, seine Erfindung bleibt uns erhalten und für jene, die an ein Jenseits glauben, gibt es jetzt die Hoffnung, dass Les Paul im Himmel an einer elektrisch verstärkten Harfe arbeitet.
Diese Sunburst-Schönheit lässt sicher allen Gitarristen das Wasser im Mund zusammen laufen.
Links
Link zu einer Schwarz/weiss-Aufnahme von Les Paul & Mary Ford mit einem iuhrer grössten Erfolge How High the Moon.
Über Herstellung und die Besonderheiten im Sound der Les Paul.
http://www.wolfgang-jaeger-nienburg.de/w_jaeger/guitars/lesps.htm
Schöne Website, die die Spezialitäten der Bauweise einer Les Paul ausgehend diskutiert.
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B.B. King spricht über sein «Idol» Les Paul
Auch Homer greift gerne zur Les Paul, wenn er abrocken will.