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Bänke sind zum Warten da. Auf den Bus, die Eisenbahn. Auf den Zutritt zum Sprechzimmer des Arztes oder des Steuerbeamten. Auf den Untergang der Sonne. Auf das Leuchten des Mondes und der Sterne.
Worauf wartete sie? Sie sass auf der Bank mitten in der Einkaufsmeile, im hellen Mantel, eine Zigarette rauchend, die Beine übereinandergeschlagen, mit dem freien Fuss wippend. Ungeduldig? Vermutlich. Mutig? So öffentlich zu bekunden, dass sie auf ihren Liebhaber wartet und dass dieser – im dümmsten Falle – sie eben sitzen lassen wird? Wer wird es wagen, denkst Du im Vorübergehen, eine so schöne Frau warten zu lassen – Frauen sind am schönsten, wenn sie voller Erwartung sind, und wenn sich noch kein Zweifel an der Erfüllung auf ihr Antlitz geschlichen hat. Ich weiss, so etwas darf heutzutage nicht mehr geschrieben, ja nicht einmal gedacht werden, denn es könnte ja einer auf die Idee kommen, seine Geliebte warten zu lassen, nur eine Minute, und er hätte nicht ihr, sondern sich selbst diese Minute des Glücks versagt, ja gestohlen. Und wenn Du Pech hast, dann hat sich der Ärger bei ihr bereits eingestellt und dann hast Du, mein Lieber, den Moment verpasst, nicht nur des Glücks, sondern ihres Respekts – und das ist schlimmer, viel schlimmer.
Du hättest eine Grenze überschritten, die Grenze der Nachlässigkeit, so wie wenn Du zwar zeitig, aber unrasiert aufgekreuzt wärest, oder wenn Dein Blick auf Dein Mobile fixiert bliebe, statt sich dem Bann ihrer Schönheit hinzugeben.