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Was du heute kannst besorgen...
Klar ist es gut, eine Aufgabe, die wir heute erledigen können, möglichst bald anzupacken. Wenn wir das Sprichwort als Aufschub von dringend zu erledigender Arbeit lesen, ist die Befolgung dieses Lebensmottos tatsächlich hilfreich. Die sogenannte «passive Prokrastination» kann zu Einbrüchen der Leistung führen und gar unsere Gesundheit gefährden.
Der Psychologe Roy Baumeister und seine Ehefrau Dianne Tice, ebenfalls Psychologin, konnten zeigen, dass Studierende schlechtere Noten schrieben, je höher ihre Prokrastinationswerte waren. Und nicht nur dies: Sie berichteten am Ende des Semesters über mehr Erkrankungssymptome, ein höheres Stresslevel und suchten häufiger einen Therapeuten auf.
In einer Studie stellte die britische Psychologin Fuschia Sirois zudem fest, dass Personen, die oft aufschieben, weniger auf ihre Gesundheit schauen: Sie essen weniger Früchte und Gemüse und treiben weniger oft Sport.
Allerdings gibt es eine Form des Aufschiebens, die durchaus Sinn machen kann. Personen, welche die sogenannte «aktive Prokrastination» beherrschen, setzen diese punktuell und strategisch ein. Dies gilt insbesondere für Berufsleute, die in einem extrem anspruchsvollen, unvorhersehbaren und ständig wechselnden Umfeld tätig sind. Strategische Prokrastination erlaubt es ihnen, effektiver zu arbeiten, da sie sich nicht auf zuvor definierte Pläne beschränken müssen. Sie sind zudem in der Lage, ihre Aufgaben immer wieder neu zu priorisieren, und reagieren gezielter auf die veränderten Umweltbedingungen.
Der britische Schriftsteller Patrick McGuinness gab einmal angehenden Diplomatinnen und Diplomaten diese Worte auf den Weg: «In der Diplomatie gibt es zwei Arten von Problemen: kleine und grosse. Die kleinen gehen von selbst weg und gegen die grossen können Sie nichts tun. Die grössten Herausforderungen in Ihrer Karriere werden von der Versuchung kommen, zu handeln. Der Test Ihrer Tapferkeit wird sein, wie elegant Sie diesen Impuls überwinden.»
Diese Aussage überrascht. Sollten Diplomatinnen und Diplomaten demnach nichts tun? So ist es bestimmt nicht gemeint. McGuiness’ Ratschlag fusst vielmehr auf der «Dichotomie der Kontrolle», die schon in der griechischen Philosophie beschrieben wurde: Gelange zur Gelassenheit, indem du entdeckst, was wirklich in deiner Macht steht und was eben nicht. Gerade in Zeiten, in denen wir unsere Pläne zigmal neu anpassen müssen; eine alte, und dennoch aktuelle Weisheit.