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Geschätzte Weinfreundin, geschätzter Weinfreund
Im 13. Jahrhundert war das politische Klima zwischen Florenz und Siena durch Grenzstreitigkeiten im Chianti-Gebiet getrübt. Um diesen ein Ende zu setzen, beschlossen die beiden Städte, ihre Grenzen durch einen Wettkampf festzulegen: Beim ersten Hahnenschrei im Morgengrauen sollten zwei edle Ritter jeweils in ihrer Stadt aufbrechen. Dort, wo sie aufeinander treffen würden, sollte die Grenze der beiden Republiken verlaufen. Siena wählte als „Wecker“ einen weissen Hahn, der ordentlich ernährt wurde. Die Florentiner entschieden sich für einen kleinen schwarzen Hahn, den sie nur zurückhaltend fütterten.
Es kam, wie es kommen musste: Der Florentiner Reiter ritt – geweckt vom hungrigen schwarzen Hahn – sehr früh ab. Erst in der Nähe des Castello di Fonterutoli, ca. 12 km vor Siena, traf er auf den Reiter aus Siena. Der wohlgenährte, weisse Hahn hatte seinen Reiter zu spät geweckt. Seit dieser äusserst intelligenten und friedlichen Lösung eines Streites, steht der schwarze Hahn für die Weine aus dem Herzgebiet des Chianti, das sich von Florenz bis Siena erstreckt. Und nur diese Weine dürfen den Zusatz "Classico" tragen. Der Chianti hat sein "Bastflaschenimage" schon lange hinter sich gelassen. Der schwarze Hahn gilt dabei als Garant dafür, dass die strengen Auflagen bei Anbau, Lese und Vinifizierung des Chianti Classico eingehalten werden. Er beinhaltet mindestens 80% Sangoviese Trauben, die restlichen 20% können mit Canaiolo Nero, Trebbiano, Cabernet Sauvignon und Merlot ergänzt werden.
Mitte Februar fand in Florenz die Jahrgangspräsentation des Chianti Classico statt, zu der das Consorzio Chianti Classico geladen hatte. Im Rahmen der «Collection» hatten 186 Betriebe 659 Weine angestellt. Ein Mega-Event, selbst für die älteste Denomination Italiens, das heuer 302 Jahre alt wird. Zu den Verkostungen schreibt Falstaff:
Annata (Jahrgang) 2016: Wo warst du, was hast du so lange gemacht? Diese Frage fiel spontan bei der Verkostung der hervorragenden Chianti Classico Annata 2016, die sich so präsentiert, wie Chianti Classico sein soll: fruchtig, trinkig und ein wenig spassig.
Riserva 2015: Der Fünf-Sterne-Jahrgang 2015 entpuppt sich auch als solcher bei den Chianti Classico Riserva und bereitet bereits ausserordentliche Freude: Richtiger Holzeinsatz, schön dosierte Frucht, ausbalancierte Säure, mit einem Gang mehr als Annata. Alles richtig gemacht! Die detaillierten Weinbeschriebe für beide Weine finden Sie in meinem Onlineshop, wo die Chiantis auch bestellbar sind.