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Paul John mutet wie ein stinknormaler englischer Name an. Umso erstaunter sind die Leute, wenn sie erfahren, dass es sich um den Namen einer indischen Whiskymarke handelt. Indischer Whisky hat mit so einigen Vorurteilen zu kämpfen, und eingefleischte Scotch-Trinker werden sich wohl nie so ganz davon überzeugen lassen. Interessant ist es dennoch, wenn ein Whisky mit importiertem Torf aus Schottland im subtropischen, heissen Klima Indiens lagert...
Paul John ist eine Marke von John Distilleries Pvt Ltd., einem millionenschweren Spirituosenhersteller mit mehreren Fabriken in sieben Bundesstaaten. Die erste Brennerei entstand 1992 in Bangalore, wo man vier Jahre später den Original Choice Blended Whisky herausbrachte. Die national vermarktete Whiskymarke schlug ein wie eine Bombe, wodurch die Firma fröhlich expandieren konnte. Schon bald launchte man weitere Marken für Weine, Brandys, Gins, Rums und Whiskys, kaufte kleinere Firmen auf und errichtete neue Fabrikgebäude. 2008 erzeugte man den ersten Single Malt Whisky mit indischen Zutaten, darunter sechszeiliger statt zweizeiliger Gerste - Paul John war geboren. Aufgrund der vorgesehenen Reifezeit wurde die erste Abfüllung im Jahr 2012 in London vorgestellt. Heute ist Paul John die populärste Marke des indischen Herstellers - zumindest, was den internationalen Markt betrifft. Der Whisky wird in über 36 Länder exportiert. Die verschiedenen Editionen haben bereits viele hochdotierte Preise und Auszeichnungen gewonnen, z.B. bei den World Whisky Masters, den World Whiskies Awards, der International Wine & Spirit Competition oder der San Francisco Spirits Competition.
Das Sortiment umfasst vier klassische Single Malts, vier Einzelfass-Abfüllungen, eine Sternzeichen-Serie und diverse Spezialeditionen. Die Produktion findet in dem kleinen Küstenstaat Goa statt, der früher einmal Aussteiger, Partygänger und Hippies aus der ganzen Welt anzog - hier entstand der Psytrance als eigener Musikstil. Von der wilden Vergangenheit ist im Umfeld der Brennerei recht wenig zu spüren: Die Gebäude befinden sich inmitten von einem Gewerbekomplex ausserhalb von Cuncolim, etwa 10km Luftlinie vom langen Sandstrand entfernt. Hier können neugierige Besucher zwei kupferne Wash Stills und zwei Spirit Stills begutachten, die rund um die Uhr heiss laufen. Die jährliche Produktionskapazität beläuft sich auf etwa 2,1 Millionen Liter - verglichen mit den schottischen Brennereien ist das höchst beachtlich. Michael D'souza ist das prominente Gesicht von Paul John, denn er ist als Master Distiller bedeutend für die Qualität des Whiskys verantwortlich. Den Namen vererbte der Whisky allerdings vom Eigentümer des wachstumsfreudigen Unternehmens, Mr. Paul John.
Das Spezielle am indischen Whisky sind aber nicht nur die Zutaten, sondern auch das warme Klima. Dieses sorgt während der Reifung für einen hohen Angel's Share von bis zu 10% pro Jahr - dadurch müssen die Whiskys generell nicht so lange reifen wie in Schottland und anderswo. Bei Paul John verwendet man sowohl ein kühleres, unterirdisches Lagerhaus als auch eine überirdische Lagerhalle. Gemeinsam fassen diese Lager viele Tausend Fässer, die auf den Regalen bis unter's Dach gestapelt werden. Dabei handelt es sich vorwiegend um Bourbonfässer aus den USA sowie um einige wenige Sherryfässer für das Finishing ausgewählter Editionen. Auf Altersangaben verzichtet man bewusst, da diese die meisten Trinker nur verwirren würden. Normalerweise brauchen die Whiskys aber nur sechs bis acht Jahre, um das gewünschte Aroma zu entfalten.
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