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1. Gebot: Astronomische Beobachtung ist Masochismus: Wer sich nachts nur im Bett oder der warmen Stube wohl fühlt, sollte ein anderes Hobby wählen. Die besten Bedingungen für Amateurastronome - ausser bei der Sonnenbeobachtung - bestehen nun mal in den kalten und langen Nächten der Wintermonate; bei absoluter Dunkelheit und klirrender Kälte. Dazu kommt, dass viele angehende Amateurastronomen in urbanen Gebieten leben, die mit künstlichem Licht „beglückt“ werden (Lichtverschmutzung) und dadurch viele interessante Objekte inkl. Milchstrasse im aufgehellten Himmel "verschwinden". Die warmen Gebäude erwärmen die Luft und bringt diese zum Wabbern, was dann auch die Objekte im Okular unruhig erscheinen lässt. Hier hilft nur die Flucht in nahezu unbewohnte Gebiete, was aber Fahrten von Stunden nach sich ziehen kann und unter dem Strich eine schlaflose Nacht bescheren wird.
2. Gebot: Das Weltall ist schwarzweiss: Leider müssen Sie vor einem Blick in ein in einem Teleskop steckenden Okular die farbenprächtigen, detailreichen Bilder aus einschlägigen Illustrierten vergessen. Neben verschiedenen Farbtönen bei Sternen, die neben weiss auch bläulich, rötlich oder gelblich leuchten können, sind auch bei Planeten leichte Farbstiche (z.B. Mars rötlich, Saturn gelblich) zu erkennen. Bei dunklen Objekten, die meist nur als nebliges Fleckchen wahrgenommen werden, können die helleren unter diesen Objekten im besten Fall einen grünlichen Farbton aufweisen. Man hört zum Teil von Amateurastronomen, dass sie bei sehr hellen Nebeln - z. B. Orionnebel - auch rötliche Teile attestieren. Wenn, dann aber mit sehr grossen und entsprechend teuren Instrumenten, bei besten Bedingungen und sehr gut an die Dunkelheit adaptierten Augen. Dazu kommt, dass unsere Atmosphäre auch ausserhalb von Städten alles andere als ruhig ist und vor allem bei starken Vergrösserungen die Objekte im Gesichtsfeld des Okulars herumspringen und wabbern lässt. Wenn Sie also so etwas in der Art der vielfach sehr gelungenen Fotos zu sehen erwarten, wird die Enttäuschung garantiert perfekt sein.
3. Gebot: Ein Teleskop macht noch keinen Amateurastronom. Der berühmte Astronom Wilhelm Herschel (1738-1822) hat es auf den Punkt gebracht: „Erwarten Sie nicht, beim Schauen schon zu sehen; Sehen ist eine Kunst, die erlernt werden muss". Mit einem Zehn- Sekunden- Blick durch ein Okular auf einen Planeten oder ein anderes astronomisches Objekt, werden sicher keine Details erkannt. Ein richtiger Amateurastronom „beobachtet“; er blickt sehr lange auf dasselbe Objekt und versucht dem meist unruhigen Bild Details zu entlocken. Das bedingt unter anderem eine möglichst entspannte Haltung am Teleskop. Ein guter Astrostuhl ist da sehr hilfreich. Um aber überhaupt etwas zum Beobachten zu finden, ist ein Aneignen von etwas Grundwissen über die Himmelsmechanik und den Sternenhimmel unabdinglich, auch wenn das neue Equipment über „Goto“ verfügen sollte. Aber auch das in den meisten Haushalten bereits vorhandene Fernglas - als sehr gutes Übersichtshilfsmittel - darf nicht ganz vergessen bleiben.
4. Gebot: Zusammenspannen mit Gleichgesinnten: Von sehr grossem Nutzen ist das sich Zusammentun mit Gleichgesinnten; z.B. mit Amateurastronomen aus der näheren Umgebung, der Besuch oder gar die Mitgliedschaft in einer astronomischen Vereinigung. Letztere sind praktisch in allen Landesteilen zu finden; auch sicher in der Nähe Ihres Wohnortes. Hier können Sie durch verschiedene Geräte und Okulare auf diverse Objekte blicken, wichtige Informationen erhalten und Antworten auf Ihre Fragen finden. Das erspart Frustkäufe und gibt Ideen für erfolgreiche Beobachtungsnächte. Dazu stehen Ihnen bei vielen Astrovereinen für einen geringen Jahresbeitrag eine Auswahl sehr guter Geräte - vielfach in einer eigenen Sternwarte - zur Verfügung.
5. Gebot: Das universelle Teleskop gibt es nicht. Beobachtungsobjekt, Beobachtungsort, Transportmöglichkeit und nicht zuletzt auch Kontostand lassen unter einer Fülle von verschiedenartigen Konstruktionen, Fertigungsqualitäten und Grössen von Teleskopen (mit entsprechenden Vor- und Nachteilen) die Qual der Wahl entstehen. Viele ambitionierte Amateurastronome verfügen dehalb über mehrere Teleskope, die dann je nach Beobachtungsplanung zum Einsatz kommen. Aus diesem Grund ist es auch ein zukunftsgerichteter Entscheid, keine zusammen verbauten Equipments anzuschaffen. Nur so können auf derselben Montierung verschiedene Teleskope verwendet werden. Dazu kommt, dass die Lebensdauer von Teleskopen 100 Jahre, der Mechanik 50 Jahre und der Elektronik nur 10 Jahre beträgt. So muss nach Ausfall der Elektronik nicht wieder alles neu angeschafft werden. Das beste Teleskop ist das, was man auch gebraucht. Ein Riesengerät im Keller, das einem zuwider ist, für eine Beobachtungsnacht herauf zu schleppen, ist sicher nicht das ideale Teleskop
6. Gebot: Billige Teleskope sind des Endes Anfang: Gute Gebrauchtinstrumente können ab und zu als Schnäppchen erstanden werden. Wenn aber komplette Neu- Equipments mit Teleskop, Montierung, Okularen und weiterem Zubehör für Preise angeboten werden, die demjenigen eines Qualitäts- Okulares entsprechen, kann der Frust beim ersten Gebrauch dieses Kaufs als sicher gelten. Dass dann das Ganze nach dem verunglückten „First Light“ im Keller oder Estrich verschwindet, liegt auf der Hand. Sogenannte „Einsteigerteleskope“ gibt es nicht! Nur solche, die einem dieses schöne Hobby bereits beim ersten Einsatz verleiden lassen. Ihr schwer verdientes Geld sollten Sie nur in Geräte investieren, die bei einem Systemwechsel mit gutem Gewissen und kleinstem finanziellen Verlust weiter verkauft werden können. Beim seriösen Teleskopkauf gilt: Man bekommt, was man bezahlt!
7. Gebot: Das Teleskop ist ein Teil vom Ganzen: Auch das teuerste Teleskop bietet nur Frust, wenn dieses auf einer zu schwachen Montierung sitzt und dadurch verwackelte Bilder produziert werden oder wenn schlechte Okulare die Sicht trüben. Nur wenn alle Komponenten von geeigneter Qualität und Grösse sind, wird das Beobachten Genuss und Freude bereiten. Eine gute Montierung wird durchaus preislich im selben Rahmen liegen, wie ein gutes, der Grösse entsprechendes, Teleskop. Gute Okulare kosten rasch so viel, wie ein Billigst- Equipment! Eine gute Montierung und gute Okulare kann man auch bei einem billigen Teleskop verwenden. Diese Komponenten sind dann bei einem späteren Kauf eines qualitativ höher stehenden Teleskops auch weiter verwendbar und müssen nicht nochmals angeschafft werden. Also wenn sparen, dann am ehestem beim Teleskop!
8. Gebot: Ohne Vergrösserung ist alles nichts, Vergrösserung ist nicht Alles: Eine hohe Vergrösserung ist nur ein gutes Verkaufsargument, um Anfänger in der Amateurastronomie für den Kauf zu ködern. Eine gute Regel für die sinnvolle Maximalvergrösserung ist der doppelte Wert des Objektivdurchmessers in Millimeter. Höhere Vergrösserungen bringen keine Details mehr hervor, sondern lassen nur die Objekte verblassen und unruhiger werden. Bei unseren atmosphärischen Verhältnissen ist diese sinnvolle Maximalvergrösserung auch nur selten einsetzbar und wir können uns glücklich schätzen wenn bereits die Hälfte (= einfacher Objektivdurchmesser in Millimeter) sinnvoll eingesetzt werden kann. Wichtiger ist ein gutes „Übersichtsokular“, das mit einer geringen Vergrösserung ein Schweifen am Himmelszelt, über Mond oder Sonne (Achtung: Sonne nur mit geeigneten Sonnenfiltern!) erlaubt. Mehr als die Hälfte der Beobachtungszeit von Amateurastronomen wird erfahrungsgemäss mit einer Vergrösserung von deutlich kleiner als 100- fach verbracht!
9. Gebot: Gute Vorbereitung ist die halbe Beobachtungsnacht: Für eine erfolgreiche Beobachtungsnacht ist eine gute Planung unabdinglich. Das Weltall ist in grossen Bereichen „leer“ und interessante Objekte sind dünn verteilt. Dazu kommt, dass nicht alle Objekte zu jeder Zeit sichtbar sind. Anhand einer Sternkarte, Planetariumssoftware oder Tipps in Fachzeitschriften können die für das eigene Equipment „tauglichen“, aktuellen Objekte in der warmen Stube und bei Licht aufgelistet und ausgewählt, um dann später auf dem Beobachtungsplatz am Teleskop mit Hilfe von Sternkarten oder „Goto“ aufgesucht zu werden. Zu vergessen ist auch nicht die warme Kleidung und eine gute Verpflegung in fester und (warmer) flüssiger Form.
10. Gebot: Ausführlich rapportiert in die Zukunft: Hat man dann endlich das Objekt der Begierde ins Okular gebracht und erfreut sich an dessen Detailfülle, die nach und nach über das Auge ins Gehirn dringt, sollte man diese Eindrücke für die „Nachwelt“ festhalten. Dies kann in einem einfachen Beobachtungsbericht, bei vorhandenen Fähigkeiten mit einer Zeichnung oder entsprechendem Equipment mit einer Fotografie passieren; besser natürlich mit Kombinationen dieser Möglichkeiten. Die schönste Beobachtungsnacht geht unrettbar verloren, wenn keine Aufzeichnungen darüber gemacht werden.