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| Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben

Dritte Rede
4.
Der Schöpfer erschafft also nicht, soviel er kann. Er schafft nicht soviel, als er kann, sondern soviel, als es sich geziemt. Würde er nämlich in einem fort erschaffen und sein Wirken nicht beschränken, so wäre dies ein maßloses Gebaren, das der Klugheit entbehren würde. Er würde einem Brunnen gleichen, der immerfort ohne Beschränkung fließt. Der Schöpfer wäre eine Quelle, die durch ihre Natur gebunden ist und daher ihren Lauf nicht hemmen kann; denn er hätte keine Gewalt über seinen Willen. Wie er uns nur dadurch, daß er [seiner Schöpfermacht] freien Lauf läßt, seinen Willen offenbart, so kann er uns nur dadurch seine Macht zeigen, daß er sie zurückhält. Er beginnt [zu erschaffen], um Geschöpfe aufzustellen; er hört auf, um Ordnung herzustellen. Wenn er täglich Himmel und Erde und Geschöpfe erschaffen würde, so wäre sein Wirken eine Verwirrung ohne Ordnung, und er wäre im Wirken nicht groß, weil er an Weisheit klein wäre. Es muß ja auch der redende Mund nach einer gewissen Ordnung reden. Muß er denn nicht, obwohl er reden kann, auch wieder zu reden aufhören? Das Reden fällt aber dem Munde nicht so leicht wie das Schaffen dem Schöpfer. Die Schöpfungen sind für den Schöpfer viel leichter als die Worte für die Redenden; aber deshalb, weil er schaffen könnte, erschafft er doch nicht immerfort Neues. Er gibt den Menschen beim Reden Ordnung; um so mehr wird er Maß halten, obwohl er stündlich erschaffen könnte. Er hörte also zu schaffen auf, um zu ordnen, was er geschaffen.