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Löhne, Materialkosten, Gewinn: In wessen Tasche fliesst eigentlich wie viel Geld, wenn man im Laden ein Kleidungsstück kauft? Dieser Frage ist Public Eye nachgegangen: Am Beispiel eines Zara-Hoodies schlüsselte die Nichtregierungsorganisation genau auf, wie viel der Mutterkonzern Inditex für sein Produkt bezahlt und wie viel er daran verdient – nun liegen die Ergebnisse vor.
An einem Hoodie, der im Schnitt für 30.84 Franken verkauft wird, verdiene Zara selbst 4.86 Franken, schreibt Public Eye – also über 15 Prozent des Preises im Laden. Die Menschen, die das Kleidungsstück effektiv in den Fabriken produzieren, erhielten pro Hoodie hingegen lediglich 2.40 Franken Lohn.
Da Zara und Inditex diese Zahlen nicht konkret offenlegen, musste Public Eye eigene Nachforschungen anstellen. Die Werte sind darum Schätzungen der Organisation, die auf Dutzenden von Quellen und Insiderinformationen aus der Industrie basieren. Die genaue Aufschlüsselung sehen Sie im Video oben.
Für die niedrigen Lohnsummen kritisiert Public Eye den Zara-Konzern: Die Näherinnen und Näher im türkischen Izmir etwa seien weit von existenzsichernden Löhnen entfernt. Sie erhalten pro Hoodie umgerechnet 1.27 Franken für rund 30 Minuten Arbeit.
Da Zara seinen Produzenten laut dem Bericht sehr knappe Beträge bezahlt, sei das Risiko hoch, dass etwa durch erhöhte Leistungsforderungen, unbezahlte Überstunden oder den Einsatz von Tagelöhnern die Arbeitskosten noch weiter gedrückt würden. Dies auch, weil die Eigentümer der Fabriken, die Zara-Produkte herstellen, trotz der geringen Marge selbst Gewinne anstreben.
Ein Lösungsansatz, den Public Eye vorschlägt, wäre, dass Inditex und Agenturen, die für den Konzern die Produktion verantworten, auf einen Teil ihres Gewinns verzichten. Um den Arbeitern, die in der Produktion tätig sind, Löhne zum Leben zu sichern, bräuchte es pro Hoodie 4.19 Franken mehr. Selbst wenn Zara allein für diese Summe aufkommen würde, hätte das Unternehmen immer noch einen kleinen Gewinn von 67 Rappen pro Hoodie übrig – allerdings müsste Zara dann auf seine vorgegebene Umsatzrendite von mindestens 15 Prozent verzichten.
Inditex wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Der Zara-Mutterkonzern bezeichnet die Ergebnisse der Analyse als «falsch und unfundiert». Public Eye sei von falschen Annahmen ausgegangen. Bei der Nichtregierungsorganisation heisst es hingegen, man habe diese Schätzungen nur vorgenommen, weil die Firma die relevanten Zahlen nicht verraten wollte.
Auch auf Anfrage von 20 Minuten schweigt Inditex über die wahren Zahlen. Die von Public Eye seien aber «bei weitem nicht zutreffend», schreibt das Unternehmen und betont, dass Inditex sich für Existenzlöhne einsetze. Die Fabriken würden zudem nicht nur für eine einzige Marke produzieren – darum müssten alle Beteiligten zusammenarbeiten.
Konsumenten sollen ein Signal setzen
Konsumenten, die bei Fast-Fashion-Anbietern wie Zara einkaufen, sollen sich mit Herkunft und Existenzlöhnen befassen, wie Public-Eye-Sprecher Oliver Classen zu 20 Minuten sagt. Er empfiehlt etwa, die Kassierin im Laden zu fragen, warum auf dem Etikett nicht stehe, woher ein Kleidungsstück komme – und ob denn den Arbeitern in der Produktion existenzsichernde Löhne bezahlt würden. So könne man es den Konzernen immer schwieriger machen, zum Thema Löhne zu schweigen.
Leider sei es aber derzeit oft so, dass die Firmen bei konkreten Fragen ausweichen – oder sie würden sich hinter wohlklingenden Phrasen verstecken. Anfragen beim Kundendienst werden zudem über Monate hinausgezögert, wie die Recherchen von Public Eye zeigen. Mit solchen Anfragen lasse sich aber zumindest der Druck auf die Firmen aufrechterhalten.
Der Nachhaltigkeit zuliebe sollte aber vor allem auch weniger gekauft werden, wie Trendforscherin Marta Kwiatkowski vom GDI anmerkt: «Wir alle besitzen zu viele Kleider. Das einzig wirklich nachhaltige wäre, nur neue Teile kaufen, um alte, kaputte zu ersetzen.»