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Der Amtsbezirk S. geht auf die ma. Herrschaft Grasburg zurück. Diese war im 13. Jh. eine Reichsvogtei, 1310-1423 savoyisch und bildete 1423-1798 eine gemeinsame Vogtei der Städte Bern und Freiburg. 1575 wurde der Amtssitz von der Grasburg in das neu erbaute Schloss verlegt, das als Vogtresidenz, Kanzlei, Gefängnis und Kornmagazin diente. Da sich das neue Schloss im Dorf S. befand, bürgerte sich nach und nach der Name S. zur Bezeichnung der Vogtei ein. 1803 entstand das bern. Oberamt bzw. der spätere Amtsbezirk S. mit den drei Gem. Guggisberg, Albligen und Wahlern. Von Guggisberg spaltete sich 1860 Rüschegg ab und bildete eine eigene Gem; Albligen und Wahlern schlossen sich 2011 zur neuen polit. Gem. S. zusammen.
Nach langem Streit um die Vorherrschaft im Sense-Saane-Raum einigten sich die Städte Bern und Freiburg im Fall der Herrschaft Grasburg 1408 auf ein gemeinsames Vorgehen. 1423 erwarben sie diese von Savoyen zu gleichen Teilen und richteten in der Grasburg ihre Verwaltung ein. Die Herrschaftsrechte beinhalteten v.a. die Militär- und Gerichtshoheit im Umfang der Vogtei sowie Grundbesitz, nämlich die Burganlage mit der dazugehörigen Domäne. Das Territorium der Vogtei bestand aus den zwei Niedergerichtsbezirken S. (mit Wahlern und Albligen) und Guggisberg. Die Vogteiverwaltung setzte sich aus Vertretern der beiden Städte und einheim. Unteramtleuten zusammen. Die Städte stellten Landvogt und Landschreiber, während der Statthalter, der Landvenner bzw. in Albligen der Ammann sowie der Weibel Einheimische waren. Der Landvogt wurde von Freiburg und Bern alternierend auf fünf Jahre bestellt und leistete den Amtseid vor dem Rat der anderen Stadt. Auf gemeinsamen Konferenzen in S., später in Murten erfolgte die Regelung der Verwaltungsgeschäfte und die Rechnungsablage durch den Vogt. Der sog. Freiburgerkrieg (1447-48) beendete die gemeinsame Verwaltung vorerst, denn im Zwist zwischen Savoyen und Österreich standen die Städte auf versch. Seiten. Gegenseitige Fehdezüge mit Verwüstungen fanden z.T. im Raum S. statt. Im Frieden von Murten 1448 verlor Freiburg die Mitherrschaft, gewann sie aber 1454 bei der Erneuerung des Burgrechts auf Berns Anerbieten zurück. Bern hatte seit 1423 ein Übergewicht: In der Vogtei galt bern. Stadtrecht bzw. war Bern Appellationsinstanz, 1529-32 wurde die Reformation eingeführt. Freiburg wehrte sich erst im 17. Jh. gegen die langsame Verdrängung, ab 1646 mit erfolglosen Klagen vor der eidg. Tagsatzung. Bern erklärte seine stetig erweiterten Vorrechte mit Präeminenzrechten aus der Zeit der Alleinherrschaft nach 1448. Freiburg musste nachgeben. Nach Aufhebung der gemeinsamen Herrschaft 1798 kam S. zuerst an Freiburg, auf Ansuchen der Bevölkerung 1802 an Bern. Schloss S. war Amtssitz mit Verwaltung und Gericht sowie Sitz des Regierungsstatthalters. 2010 wurde der Amtsbezirk S. in den Verwaltungskreis Bern-Mittelland eingegliedert.
Literatur
– W. Kohli, Verwaltung und Recht der gemeinen Herrschaft Grasburg-S., 1423-1798, 1939
– S. Schloss, Sanierung 1981-1984, 1984
Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler