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Von 1415 bis 1712 gehörte die Stadt Baden und ihre Umgebung zu den sogenannten «Gemeinen Herrschaften», also zum Gebiet, das die acht «Alten Orte» der Eidgenossenschaft durch ihre Landvögte abwechslungsweise verwalteten. Durch das politische Übergewicht der katholischen Orte blieb die Stadt nach den Kappelerkriegen beim alten Glauben. Im 2. Villmergerkrieg eroberten Zürich und Bern die Stadt und stellten nun allein die Landvögte. Sie bestimmten auch, dass hier eine reformierte Kirche gebaut werde. 1714 wurde sie eingeweiht, das Datum ist über dem Kirchenportal zu lesen. Zunächst diente das Gotteshaus, das zwischen den Bädern und der Stadt erbaut wurde, nur den reformierten Badegästen, dem Landvogt und seiner Familie sowie ihrem Personal. Gegen den Willen der Stadtbevölkerung kauften die Berner und Zürcher in der Altstadt ein Haus für den reformierten Pfarrer, der nun am Ort wohnen und «neben den Gottesdiensten» auch die armen Badegäste betreuen sollte.
Die erste Gemeinde sammelt sich
Noch immer hatte Baden erst eine reformierte Kirche und einen «Pfarrer ohne Gemeinde». Das änderte sich 1740, als zwei reformierte Familien aus dem Berner Aargau nach Dättwil zogen, auf den Hof Hofstätten und den Dättwiler-Hof. Hier entstand im Laufe der Zeit durch weitere Zuzüge der Kern einer Kirchgemeinde. Denn bis 1798 durfte sich kein Reformierter in der Stadt niederlassen. Im neuen Kanton Aargau (1803) erhielten aber beide Konfessionen die gleichen Rechte.
Äusseres und inneres Wachstum
1809 bekam die reformierte Gemeinde Zuzug aus dem Berner Oberland. Fünf Familien aus Brienz wanderten ins untere Limmattal aus, auf den Steinenbühl ob Untersiggenthal. Die reformierte Bevölkerung von Baden und Umgebung wuchs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf über 1’000 Personen. 1856 fand die erste Kirchgemeindeversammlung statt, die die erste Kirchenpflege wählte. Im gleichen Jahr legte der Regierungsrat die heutigen Grenzen der Kirchgemeinde fest.
In den nächsten hundert Jahren – vor allem im Zuge der Industrialisierung – wuchs die Gemeinde stetig. 1910 wurden schon über 5’000 Reformierte gezählt. 1960 waren es fast doppelt so viel. Das führte zu einem Ausbau der Pfarrstellen, Stellen für Diakonische Mitarbeitende (besonders im Bereich der Jugendarbeit) und dem Bau von kirchlichen Gebäuden.
Vier Teile eines Ganzen
Die grosse Kirchgemeinde wurde 1991 in vier Gebiete aufgeteilt: Baden-Ennetbaden mit Dättwil-Rütihof, Obersiggenthal, Untersiggenthal und Ehrendingen-Freienwil. Vier Kirchgemeindekommissionen sind hier verantwortlich für das kirchliche Leben in ihren Teilkirchgemeinden. Die Kirchenpflege ist zuständig für die Gesamtkirchgemeinde und für die Zusammenarbeit der vier Teilkirchgemeinden.
«Die reformierte Kirchgemeinde Baden», 1989, Immanuel Leuschner (im Sekretariat erhältich)
«Dättwil – seine Frühgeschichte und seine reformierten Wurzeln», Dättwiler Dokument IV, 1998, Immanuel Leuschner Chronikgruppe Dättwil
«Hof Hofstätten», Dättwiler Dokument XI, 2009, Immanuel Leuschner Chronikgruppe Dättwil