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Kongolesische Familien von getöteten und verletzten Kindern erheben schwere Vorwürfe an die Adressen von Apple, Google, Dell, Microsoft und Tesla. Die Familien behaupten, die Tech-Giganten hätten von den skandalösen Arbeitsbedingungen in kongolesischen Kobaltminen gewusst und verlangen nun Schadenersatz.
Dass die Rohstoffe für unsere Handys, Laptops und Elektroautos teilweise unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen gefördert werden, ist nichts Neues. Nun wurde aber am 15. Dezember in Washington eine Sammelklage (hier kannst du sie nachlesen) von 14 kongolesischen Familien eingereicht, vertreten werden sie durch die Menschenrechts-NGO International Rights Advocates.
Die Klage hat es in sich: Sie wirft den Unternehmen Apple, Google, Dell, Microsoft und Tesla vor, dass sie um die angeblich katastrophalen Arbeitsbedingungen in kongolesischen Kobaltminen, die Teil ihrer Lieferkette sind, gewusst hätten. In den Minen kämen Kinder teilweise zu Tode oder verletzten sich bei Unfällen. Wortwörtlich heisst es:
Die Familien der betroffenen Kinder fordern Schadenersatz für Zwangsarbeit und weitere Entschädigungen für ungerechtfertigte Bereicherung, fahrlässige Aufsicht und vorsätzliche Zufügung von emotionaler Not.
Gemäss dem «Guardian» sei es das erste Mal, dass einer der Tech-Giganten mit einer solchen rechtlichen Herausforderung konfrontiert wird.
Kobalt ist ein unerlässlicher Bestandteil der wiederaufladbaren Lithium-Akkus, die in Millionen von alltäglichen Produkten verbaut sind. Die unersättliche Nachfrage nach Kobalt hat sich in den letzten fünf Jahren verdreifacht und wird sich bis Ende 2020 voraussichtlich wieder verdoppeln. Mehr als 60 Prozent des Kobalts stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, einem der ärmsten und instabilsten Länder der Welt.
Die Klage behauptet, dass Apple, Google, Dell, Microsoft und Tesla die Bergbauunternehmen unterstützt und begünstigt haben. Ausserdem hätten sie gewusst, dass die Minenbetreiber von der Arbeit von Kindern profitierten, die unter gefährlichen Bedingungen arbeiten mussten – Bedingungen, die letztendlich zu Tod und schweren Verletzungen führten.
Die Familien argumentieren mit der Behauptung, dass ihre Kinder illegal unter anderem in den Minen des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore gearbeitet haben. In den Gerichtsakten wird behauptet, dass Kobalt aus den Glencore-Bergwerken an Umicore, einen in Brüssel ansässigen Rohstoffhändler verkauft wird. Dieser verkaufe das Kobalt dann weiter an Apple, Google, Tesla, Microsoft und Dell.
Andere Kläger in den Gerichtsunterlagen sagen, dass sie in Minen im Besitz von Zhejiang Huayou Cobalt gearbeitet haben. Laut der Klage beliefert das chinesische Berbauunternehmen Apple, Dell und Microsoft.
In der Klage wird ausführlich beschrieben, wie die Kinder der kongolesischen Familien durch die extreme Armut praktisch dazu gezwungen wurden, in den Minen zu arbeiten – und das zu einem Hungerlohn von zwei Dollar pro Tag und nur mit primitiven Werkzeugen in dunklen unterirdischen Tunnels.
Die Familien behaupten, dass einige ihrer Kinder bei Tunneleinbrüchen getötet wurden, während andere gelähmt oder anderweitige lebenslange Verletzungen durch Unfälle davon getragen hätten.
Insgesamt treten 14 Kläger auf, wir haben drei Beispiele ausgesucht. Die Anklageschrift gibts auf Englisch hier.
Die Klägerin mit dem Decknamen «Jane Doe 1» erzählt, ihr Neffe sei als Kleinkind gezwungen gewesen, in einer Mine Arbeit zu suchen. Dies, weil die Familie sein monatliches Schulgeld von 6 Dollar nicht bezahlen konnte. Die Mine wurde von der Kamoto Copper Company betrieben, die sich im Besitz von Glencore befindet. Er arbeitete unter Tage, als der Tunnel zusammenbrach und ihn lebendig begrub. Die Leiche wurde nie geborgen.
«John Doe 5» arbeitete jeweils vor der Schule in einer Mine von Congo Dongfang Mining (die zu Huayou Cobalt gehört). Bei einem Minenunfall im Juli 2019 stürzte die Decke eines Tunnels ein und begrub 40 Leute. 35 starben auf der Stelle, der Rest wurde in ein nahegelegenes Spital gebracht, wo drei weitere starben. «John Doe 5» war einer der beiden einzigen Überlebenden. Seine Beine kann er jedoch nicht mehr benützen.
Ein weiteres Kind, genannt «John Doe 1», erzählt, dass er mit neun Jahren begonnen hat, in den Minen zu arbeiten. In der Klage heisst es, dass er Anfang des Jahres als menschliches Maultier für die Kamoto Copper Company arbeitete und Taschen mit Kobaltbrocken für 0,75 Dollar pro Tag trug. Eines Tages fiel er in einen Tunnel. Nachdem er von Arbeitskollegen aus dem Tunnel geschleppt wurde, sei er alleine auf dem Boden der Minenanlage zurückgelassen worden, bis seine Eltern von dem Unfall hörten und kamen, um ihm zu helfen. Er sei jetzt von der Brust abwärts gelähmt und werde nie wieder gehen.
Bisher nahm lediglich Glencore und Microsoft Stellung zu den Anschuldigungen. Ein Glencore-Sprecher sagte gegenüber dem «Guardian» folgendes:
Gegenüber dem «Daily Telegraph» sagte ein Sprecher von Microsoft:
Apple sagte zur Klage direkt nichts, verwies aber darauf, dass falls ein Glied der Lieferkette nicht Apples Standards einhalten könne oder möchte, die Zusammenarbeit beendet werde. Dies sei im Jahr 2019 bei sechs Kobalt-Verarbeitern der Fall gewesen.
Dell sagte, das man derzeit die Anschuldigungen seitens der Kläger untersuche und führte aus:
Huayou, Google und Tesla nahmen bisher keine Stellung zu der Klage. Für alle Beklagten gilt die Unschuldsvermutung.
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