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Classement thématique série 1848–1945:
I. LES RELATIONS INTERGOUVERNEMENTALES ET LA VIE DES ÉTATS
I.15 JAPON
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In Folge Ihres Auftrages vom 30. Juli2 machte ich gestern einen Besuch bei der Ambassade Japonaise, welche eine Villa in der Avenue de l’Impératrice ganz nahe beim Bois de Boulogne bezogen hat. Ich suchte zuerst beim Interpret die von Ihnen gewünschten Informationen einzuziehen. Sobald aber meine Anmeldungskarte dem Minister vorgelegt wurde, kam lezterer selbst in den Salon u. bald nachher auch der Bruder des Taicun nebst einem attaché u. begleitet von zwei Adjutanten. Sowohl der Bruder des Taicun (erst circa 14 Jahre alt) als der Minister sprachen sofort ihre Freude aus über den überaus freundlichen Empfang, den die Japanesen, welche dem eidgenössischen Schüzenfest in Schwiz beigewohnt haben, in der Schweiz zu Theil geworden sei u. sie ersuchten mich, dem Bundesrath hiefür die Gesinnungen ihrer Erkenntlichkeit auszudrüken, was hiermit geschieht. Es sind übrigens diese Herren, welche in Bern, Schwiz & Zürich waren, nicht Mitglieder der Japanesischen Gesandtschaft, es seyen – wie mich der Interpret versicherte – Söhne aus einer prinzlichen, dem Taicun befreundeten Familie, welche nach Europa gekommen seyen, um europäische Zustände durch eigene Anschauung näher kennen zu lernen, wesshalb sie verschiedene andere Staaten ebenfalls bereisen werden; aber ohne allen offiziellen Charakter. Als ich dann auf die bevorstehende Reise des Japanesischen Ministers nach der Schweiz zu sprechen kam, wurde mir Folgendes erwiedert: Es sei dieselbe noch nicht sicher. Der Minister erwarte in circa 8 od. 10 Tagen eine Depesche von seiner Regierung in Japan, welche ihm mittheilen werde, ob er schon dieses Jahr mit dem Bruder des Taicun die Reise nach der Schweiz machen od. noch länger zuwarten soll. Er werde mich in Kenntniss sezen, sobald diese Depesche angelangt seyn werde. So viel scheint ausgemacht, dass, wenn er kommt, er den Bruder des Taicun mit sich nimmt, einen circa 14 jährigen etwas zarten aber freundlich u. gutmüthig aussehenden Knaben, der Son Altesse titulirt wird, u. hier bei festlichen Anlässen immer in der Loge der Kaiserlichen Familie erschien.
Sobald ich von der erwarteten Depesche Mittheilung erhalte, werde ich Ihnen schreiben u. dann auch die ändern von Ihnen berührten auf diesen Besuch bezüglichen Fragen beantworten. Es scheint, die Japanesen, die in der Schweiz waren, haben sehr günstige Berichte über ihre dortige Auf nähme hieher gesandt. Betreffend die politische Situation, so werden Sie aus der bekannten Note im Moniteur u. den offiziösen Erklärungen im Constitutionnel, in der Patrie u. in «la France» sich überzeugt haben, dass man von Seite der Regierung sich eifrig bemüht, gegenüber den Besorgnissen, die allseitig sich kund gaben, zu beruhigen; und ich glaube, man darf diesen Versicherungen wenigstens in sofern Glauben beimessen, dass in naher Zeit keine Störung des europäischen Friedens zu befürchten ist, wie ich schon in meinem lezten Rapport3 als höchst wahrscheinlich erklärte, obwohl man vielfach das Gegentheil glauben machen wollte. Wie ich schon vor längerer Zeit bemerkte, so wird die Erhaltung des Friedens wesentlich mit der Gestaltung der Allianzbeziehungen zusammen hängen. Nun scheint aber, dass eine Allianz mit Ostreich für Frankreich keineswegs als gesichert angesehen werden kann. So urtheilt man wenigstens hier, und ich zweifle, dass Ihnen von Wien aus – wo man näher an der Quelle ist – andere Berichte zukommen. Was Italien betrifft, so war wahrhaftig die Mission des Generals Dumont nicht geeignet, die Italiener für eine französisch-italienische Allianz zu gewinnen. Sie hat eher den entgegengesezten Effekt gehabt. Die französische Diplomatie hat überhaupt in lezter Zeit keine Proben von besonderer Geschiklickeit abgelegt. Die famose Depesche bezüglich Daenemarks u. diese Mission Dumont waren so unzeitig u. so unklug, dass man dann genöthigt war, sie auf alle mögliche Weise zu beschönigen, theilweise zu berichtigen; aber es ist eben nicht so leicht, solche Fehler, wenn sie einmal gemacht sind, zu remediren.
Dass man Herrn Golz sowohl im Kabinete des Kaisers als in demjenigen von Moustier bei seinem Abschiedsbesuche die friedlichsten Versicherungen gab, ist Thatsache. Ich kann Sie bei diesem Anlasse gleichzeitig u. aus direkter Quelle versichern, dass Graf Golz mit dem cunctatorischen Verfahren betreffend Ausführung v. Art. 5 des Prager Friedens4 zu Gunsten von Nord-Schleswig nicht einverstanden ist mit Bismark. Golz hätte gewünscht, dass man schon lange die Ausführung dieses Artikels in loyaler Weise eingeleitet hätte, statt Daenemark mit Garantiebegehren hinzuhalten. Ich bin fest überzeugt, dass er in Ems gegenüber dem König sich in gleicher Weise aussprechen wird; u. weiss, dass man hier höchsten Ortes in diesem Punkte mit Golz weit besser zufrieden ist als mit Bismark.
Grosse Sensation machte im diplomatisch. Korps die offizielle Anzeige im Moniteur, dass der Kaiser u. die Kaiserin dem Kaiser v. Ostreich einen Besuch in Salzburgmachen u. so sehr man sich bemüht, denselben nur als einen Condolenzbesuch wegen des tragischen Schiksals von Maximilian darzustellen, so will man darin doch einen neuen Beweis dafür erbliken, dass Frankreich Alles versuche, um in nähere Allianzbeziehungen mit Ostreich zu treten. Auch in den finanziellen Regionen ist es so aufgefasst worden. Es ist sich daher nicht zu verwundern, dass ungeachtet aller offiziellen u. offiziösen friedlichen Versicherungen der Regierungspresse, doch noch kein rechtes Vertrauen zurükkehrt. Dass man in Preussen wie in Frankreich nichts unterlässt, um auf alle Eventualitäten kriegsbereit zu seyn, ist auch nicht geeignet, solches Vertrauen zu wecken od. zu fördern. Was mehr als alle Worte noch für Erhaltung des Friedens wirkt, ist wohl der Umstand, dass man auch hier die Macht nicht unterschäzt, welche Preussen durch seine leztjährigen Siege errungen hat, u. sich daher wohl besinnen wird, ohne von Allianzen unterstüzt zu seyn, einen höchst gewagten Krieg mit ganz Deutschland herauf zu beschwören. Rouher ist bis jezt immer noch Meister des terrain, obwohl Niel es an nichts fehlen lässt, ihm seine Stellung zu erschweren.
Obwohl schon gestern das «Mémorial diplomatique» als bestimmte Thatsache meldete, dass Nigra abberufen sei u. beim Tuilerien-Cabinet durch den Marquis Carracioli di Bella,5 bisher Minister v. Italien in Lissabon, ersezt werde, so hat sowohl der gestrige Abend-Moniteur als der heutige Morgen-Moniteur hierüber völliges Stillschweigen beobachtet; da Nigra am hiesigen Hofe sehr beliebt ist, so würde eine solche Abberufung auf die Verhältnisse zwischen beyden Regierungen einen störenden Einfluss ausüben. Man glaubte diess hier am wenigsten von einem Ministerium Ratazzi erwarten zu müssen, u. ich zweifle nicht, dass man von hier aus das Möglichste that, Nigra auf seinem jezigen Posten zu halten. Muss er weichen, so ist es ein fernerer Beweis, wie unklug die Mission Dumont war, besonders in einem Momente, wo man auf Italien mehr als je zählen zu können wünscht.
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