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Das Prinzip des Zehnts findet sich bereits im Alten Testament. Vom Ertrag ihres gottgegebenen Landes und ihren Herden mussten die israelitischen Stämme je einen Zehntel an den Stamm Levi entrichten, der sich als einziger nicht der Feldarbeit sondern dem Tempeldienst widmete.
Im europäischen Mittelalter entrichteten die Menschen den Zehnt an die Geistlichkeit ihrer Zeit: an die katholische Kirche. Nach der Reformation wurde die Praxis in den protestantischen Gebieten der Schweiz aufgehoben. Die Kirche wurde weitestgehend unter die Kontrolle des Staates gestellt, welcher deren Infrastruktur und Dienste mit der Kirchensteuer finanzierte.
Zu einer flächendeckenden Abschaffung des Zehnts kam es in der Schweiz 1798, nachdem Napoleon Bonaparte mit militärischen und politischen Mitteln die Gründung der Helvetischen Republik forcierte. Nach dem Vorbild der Französischen Revolution wurde die Macht des Adels und der Geistlichen stark beschnitten.
Allerdings war die Helvetische Republik von kurzer Dauer. Einer der Hauptgründe dafür waren die hohen Kosten eines relativ aufwändigen Staatsapparats und der Finanzbedarf der Quasi-Besatzungsmacht Frankreich. Die Gelder, die nach Paris abflossen, waren ungeheuerlich. Sie wurden für Napoleons Ägyptenfeldzug gebraucht.
Napoleons Feldzug in Nordafrika blieb allerdings ohne Lohn. Im Gegenteil: Er kostete Unmengen von Leben, Material und Geld – Geld aus der Schweiz. Weil die Einführung eines modernen Steuersystems wegen innenpolitischer Zerrüttungen in der noch jungen Helvetischen Republik ausblieb, half sich der finanziell ausblutende Staat, indem er den Zehnt 1802 wieder einführte – in manchen Gebieten bereits früher.
Nun war der Zehnt für die Bevölkerung aber nicht mehr einfach eine Steuer, sondern Ausdruck einer möglichen Rückkehr zum überwunden geglaubten Feudalsystem. Im Waadtland führte die Wiedereinführung des Zehnts zu einem Bauernaufstand, wobei die Aufständischen Burgen und Schlösser stürmten und dabei Akten zerstörten, die Grund- und Bodenrechte des Adels nachweisen sollten.
Auch 200 Jahre später, wo die Schweiz als demokratisch-säkularer Staat organisiert ist, existiert eine Kirchensteuer. Die Höhe und die Einzugsart der Steuer werden von jedem Kanton individuell geregelt. Zwar kann man die Kirchensteuer umgehen, indem man aus der Kirche austritt, allerdings muss man dafür aktiv werden. In manchen Kantonen sind auch juristische Personen kirchensteuerpflichtig. Sie können sich indes nicht von der Steuer befreien.