Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03417.jsonl.gz/2944

Der Prior Jean-Baptiste de la Chapelle (1710-1792), französischer Mathematiker und begeisterter Erfinder, machte sich in einem ganz speziellen Bereich der Meereswissenschaften einen Namen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wiederholte er Forschungen auf dem Gebiete des Tauchens. Sein berühmtester Vordenker war Leonardo da Vinci mit der Erfindung eines Taucheranzugs. An diesen anknüpfend hatten im 16. Jahrhundert Wissenschaftler wie Everard Digby oder Nicolas Wynman ohne Erfolg versucht, diese Ausrüstung weiter zu entwickeln.
Falttafel mit Details und einigen Beispielen zur praktischen Anwendung des scaphandre
Jean-Baptiste de la Chapelle testete seinen neu konzipierten Taucheranzug erstmals 1765 mit grossem Erfolg in der Seine und teilte dann die Resultate der Londoner Royal Society mit, welcher er seit 1747 angehörte.
Nach seiner Vorstellung sollten mit dieser Ausstattung im oder unter dem Wasser die unterschiedlichsten Tätigkeiten verrichtet werden können:
… permet de faire à la nage toutes sortes de manoeuvres comme de manger, boire, lire, écrire, combattre, charger le fusil ou le pistolet, tirer, chasser, pêcher, se sauver des naufrages, sans jamais pouvoir couler au fond, calfater un vaisseau en pleine mer, ou l’y radouber, faire passer à un corps de troupes, sans ponts, sans bateaux, sans randeaux & surtout sans bruit, les plus grands fleuves et les plus rapides, lui faciliter une descente par mer, sur une côte ou sur une terre…
Die interessanteste Nutzung, die der Erfinder für sein neues Gerät vorsah, war wohl die Verwendung als Badeanzug für Frauen. Diese heute sonderbar anmutende Idee resultiert aus den Sitten der Zeit, als man unbekleidet schwimmen ging, was aus diesem Grunde den Frauen verboten war. Nach La Chapelles Meinung hätte dieser „Schwimmanzug” den Frauen die „natürliche Freiheit” des Badens in öffentlichen Gewässern zurückgegeben.
Selbst die gründlich misslungene zweite Demonstration von 1768 in Anwesenheit des französischen Königs Louis XV entmutigte Jean-Baptiste de la Chapelle nicht, und er publizierte 1775 die erste Auflage seines Traité de la construction théorique et pratique du scaphandre, ou du bateau de l’homme. Seiner technischen Errungenschaft war kein weiterer Grosserfolg beschieden, jedoch gelang dem Erfinder auf dem Gebiet der Etymologie eine neue Wortschöpfung. Der aus den griechischen Wörtern skaphe (Boot, Schiff) und andros (Mann, Mensch) zusammengesetzte Begriff hat bis heute im Französischen (scaphandre) und Italienischen (scafandro) als Bezeichnung für den Taucheranzug überlebt.
Links:
La Chapelle, Traité in NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=004288317
Informationen zu La Chapelles Leben und Werk in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste_de_La_Chapelle