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Union Investment: Am 3. November 2020 ist Präsidentschaftswahltag in den USA. Investoren sollten sich auf schwankungsreiche Marktphasen vorbereiten.
Von Max Holzer, Leiter Relative Return und Mitglied des Union Investment Committee
Drei realistische Szenarien zum Wahlausgang und wie der Aktienmarkt darauf reagiert.
Der demokratische Herausforderer Joe Biden liegt in Wahlumfragen vor dem amtierenden Präsidenten Donald Trump. Auch dass Trump Anfang Oktober positiv auf das Corona-Virus getestet wurde, spricht eher für Biden, weil der Präsident die Bedrohung durch die Pandemie stets heruntergespielt hat. Doch ist Bidens Sieg keineswegs sicher. Kommt es zu einem knappen Wahlausgang, besteht zudem das kurzfristige Risiko einer Wahlanfechtung. Trump hat wiederholt die Legitimität eines Corona bedingt hohen Briefwahlanteils in Frage gestellt.
Wie auch immer der neue Präsident heissen mag: Beide Wahlprogramme weisen Überlappungen auf. So betonen beide Kontrahenten US-Interessen in der Wirtschaftspolitik. Die US-Handels- und Technologiepolitik etwa gegenüber China wird sich nicht grundsätzlich ändern. Biden dürfte allerdings gemässigter auftreten. Allerdings entscheidet nicht allein der Präsident und seine Partei über die Umsetzung der einzelnen Punkte im jeweiligen Wahlprogramm; das hängt vor allem von der Wahlarithmetik im Parlament ab.
Ob ein Präsident mit einem geeinten oder gespaltenen Parlament regiert, hat grosse Auswirkungen auf den Handlungsspielraum der Regierung – und damit auch auf den Aktienmarkt.
Szenario 1: Sieg Bidens mit demokratischer Parlamentsmehrheit
Am 3. November werden auch Teile des Parlaments neu gewählt. Die Demokraten könnten also den Präsidenten stellen und auch eine Kongressmehrheit erreichen, ein so genannter „democratic sweep“. Die Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus (grosse Kammer) scheint aktuell gut gefestigt zu sein. Bei den Senatswahlen (kleine Kammer) ist ein Sieg der Demokraten nur in Kombination mit einem Wahlsieg Joe Bidens wahrscheinlich.
Was würde der „democratic sweep“ für den Aktienmarkt bedeuten? Da die Demokraten schärfere Umwelt-, Gesundheits- und Sozialstandards planen, dürfte ein Wahlsieg Bidens und ein „democratic sweep“ wohl reflexhaft zunächst die Aktienkurse belasten. Langfristig könnte der Aktienmarkt aber vom höheren Wachstumspotenzial der US-Wirtschaft bedingt durch Innovationsförderung und mehr Infrastrukturausgaben sowie von konsumstärkenden Lohnsteigerungen profitieren. Rückenwind dürften unter anderem Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, umweltfreundliche Technologien und Infrastruktur bekommen. Auch dürfte unter einem Präsidenten Biden die Handels-Rhetorik weniger harsch und die US-Aussenpolitik diplomatischer sein.
Szenario 2: Sieg Bidens ohne Kongressmehrheit (Biden Split)
Ähnlich wie Trump würde ein Präsident Biden in dieser Konstellation vor allem über den Erlass von „Executive Orders“ – Durchführungsverordnungen – regieren, da eine Blockade seiner Gesetzesinitiativen durch einen republikanischen Senat wahrscheinlich ist. Da die Einnahmen- und Ausgabenhoheit beim Kongress liegt, dürften seine geplanten Investitionspakete und der erhoffte Wachstumsimpuls seiner Wirtschaftsagenda teilweise hinfällig sein. Auf dem globalen Parkett würde weiterhin gelten: mehr Kooperation mit Bündnisstaaten und weniger harsche Rhetorik.
Andererseits: Je weniger Biden die Steuern in der wirtschaftlich schwierigen Situation anheben kann, desto grösser dürfte der positive Effekt der Entspannung der Handelsrhetorik auf Aktien sein. Insgesamt ist dieses Szenario für den Aktienmarkt wohl das günstigste.
Szenario 3: Wiederwahl Trumps und gespaltenes Parlament (Trump Split)
Die bestehende politische Spaltung wird fortgeschrieben. Möglich erscheinen ein kleineres, auf traditionelle Branchen ausgerichtetes Infrastrukturpaket sowie Steuersenkungen für die Mittelschicht. Es würde noch mehr Deregulierung im Energie- und Finanzsektor geben. Auf globaler Ebene bliebe die Unberechenbarkeit bestehen.
Am Aktienmarkt könnte es zu einer kurzfristigen Erleichterungsrally kommen, wenn schärfere Regulierungen ausbleiben. Mittel- bis längerfristig dürften aber die Prämien für Risikoanlagen steigen, da die Wirtschaft nicht modernisiert wird und das Wachstum schwach bleibt.
Quelle: AdvisorWorld.ch