Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03466.jsonl.gz/2548

- Ein aussergewöhnlich starker Taifun hat Tokio und umliegende Regionen mit sintflutartigem Regen überzogen.
- Nach neusten Behördeninformationen sind mindesten 33 Menschen ums Leben gekommen – 19 galten am Sonntag noch als vermisst. Mehr als 170 Menschen wurden durch den Taifun verletzt.
- Der Sturm hat sich inzwischen im Nordosten über dem Meer zu einer Tiefdruckzone abgeschwächte.
- Premierminister Shinzo Abe rät der Bevölkerung wachsam zu bleiben.
«Ich lebe schon lange hier, aber so etwas habe ich noch nie erlebt», sagte ein 60 Jahre alter Angestellter in Tokio beim Anblick des Tamagawa-Flusses, der über die Ufer trat und Häuser überschwemmte.
«Ich bitte die Bevölkerung, angesichts von Erdrutschen und angeschwollenen Flüssen wachsam zu bleiben», sagte Premierminister Shinzo Abe am Sonntag. Dutzende Erdrutsche und Schlammlawinen waren in weiten Gebieten Japans abgegangen. 21 Flüsse waren durch die Uferdämme gebrochen. Nach Angaben des Industrieministeriums waren 166'000 Häuser am Sonntagnachmittag Ortszeit zunächst weiter von der Stromversorgung abgeschnitten. Auch die Wasserversorgung war örtlich unterbrochen.
Rettungen in der Luft und im Wasser
Mit Militärhelikoptern und Schlauchbooten wurden Menschen aus überschwemmten Häusern in Sicherheit gebracht. Häuser und Autos wurden beschädigt, umgestürzte Bäume blockierten Strassen. Der Taifun «Hagibis» (Philippinisch für «schnell») war am Samstagabend Ortszeit auf der südwestlich von Tokio gelegenen Izu-Halbinsel auf Land getroffen.
Bereits vor dem Auftreffen des Wirbelsturms an Land war es durch Starkregen und heftige Sturmböen zu Überflutungen und Schlammlawinen gekommen.
Aufruf an Millionen von Menschen
Die Wetterbehörde hatte vor einer «schweren Katastrophe» durch den Wirbelsturm gewarnt und die höchste Alarmstufe für den Grossraum Tokio ausgerufen. Die Behörden riefen über sieben Millionen Menschen dazu auf, ihre Häuser zu verlassen.
Der Sturm zog in der Nacht von Tokio Richtung Nordosten weiter – in jene Region, wo es 2011 zu einer Erdbeben- und Tsunamikatastrophe mit Tausenden Toten gekommen war. Auch dort gab es durch den Taifun Überschwemmungen und Erdrutsche.
Wetter im Raum Tokio klart auf
Als Folge mussten die Organisatoren der laufenden Rugby-Weltmeisterschaft ein weiteres Spiel absagen. Betroffen war die Begegnung Namibia gegen Kanada, die eigentlich in der Stadt Kamaishi stattfinden sollte.
Im Raum Tokio herrschte am Sonntag nach Abzug des Taifuns derweil wieder gutes Wetter. Japan wird jährlich von rund 20 Taifunen heimgesucht. Tokio ist davon in der Regel jedoch nicht stark betroffen.
Flüsse angeschwollen
Der Wirbelsturm liess Flüsse im Grossraum Tokio bedrohlich anschwellen. Rettungseinsätze wurden nach Einbruch der Dunkelheit deutlich erschwert. Das japanische Fernsehen zeigte Szenen aus der Tokioter Nachbarstadt Kawasaki, wo ein Mann aus einem überfluteten Wohnhaus gerettet wurde. Die Feuermänner arbeiteten sich dabei bis zur Hüfte im Wasser stehend vor.
In Tokios Nachbarprovinz Chiba kam mindestens ein Mensch ums Leben, als ein Lastwagen in den Sturmböen umstürzte. Ein Mann in der Provinz Gumma starb, als sein Haus verschüttet wurde. In der Provinz Nagano durchbrach der Chikuma-Fluss die Uferdämme und überflutete Wohngebiete mit schlammigen Wassermassen. Teils stand das Wasser mehrere Meter hoch.