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Jedes Jahr wird in Davos über die Globalisierung debattiert. Globalisierung bezeichnet einen weltumspannenden ökonomischen Prozess. Er eröffnet neue Perspektiven, verwandelt die Welt in ein "globales Dorf". Für viele bedeutet er aber Arbeitslosigkeit, Armut, Existenzbedrohung. Nie war das Modewort der 90er Jahre umstrittener.
Es war das Schlagwort am Ende des letzten Jahrhunderts. Kein Politiker, der nicht dem Lieblingsbegriff der Ökonomen in seinen Reden huldigte. Man träumte von einer friedlichen, toleranten und wirtschaftlich erfolgreichen Welt, in der jeder mit jedem auf demokratischer Basis kommunizieren und sich einen fetten Cheese Burger leisten könnte.
Globale Erfolge
Tatsache ist, dass die nationalen Grenzen infolge der Globalisierung an Bedeutung verloren haben. Handel und Investitionen wurden weltweit ausgedehnt, die Finanzmärkte geöffnet. Jede nationale Wirtschaft ist heute abhängig von der Weltwirtschaft. Unternehmen sind nicht mehr an ein Land gebunden. Multinationale Konzerne entstehen. Ein freier Welthandel, unterstützt durch Organisationen wie OECD, Gatt und WTO, hat sich gebildet.
Erfolgreich ist die Globalisierung wegen der rasanten technischen Fortschritte in den letzten Jahrzehnten. Kommunikation und Transport sind rasch und ohne Schwierigkeiten zu bewältigen. Informationen können in Sekunden ausgetauscht und verbreitet werden. Nicht Ressourcen zählen, sondern Wissen.
Negative Auswirkungen
Tatsache ist aber auch, dass die Globalisierung grosse Probleme mit sich bringt. Die Kluft zwischen Industriestaaten und Dritt-Welt-Ländern ist noch grösser geworden. Die Politik steht im Banne der Wirtschaft; der Staat hat an Macht verloren. Will er bürgernahe, jedoch unternehmensungünstige Vorschriften erlassen, kann das Unternehmen abwandern und in Ländern investieren, wo die Löhne tiefer, die Umweltgesetze lockerer und die Regierungen beeinflussbar(er) sind. Der Wettbewerb und der Export von Arbeitsplätzen nehmen zu.
Die Zivilgesellschaft ist gefordert. Sie macht einen sozio-kulturellen Wandel durch. Uneingeschränkte Mobilität und Flexibilität werden dem Einzelnen abverlangt. Zudem profitiert das Gros der Menschheit kaum von den Errungenschaften der Globalisierung. Die grosse Mehrheit der Weltbevölkerung besitzt keinen eigenen Telefonanschluss. Laut ILO benützen nur knapp fünf Prozent aller Menschen das Internet. Knapp 90 Prozent davon stammen zudem aus Industrieländern. Für die Wirtschaft sind die Grenzen zwar aufgehoben, doch die Allgemeinheit muss sich noch mit Pässen und Visas herumschlagen.
Wie geht es weiter?
Die Globalisierung ist in eine zweite Phase getreten. Der oft gepriesene freie Welthandel wird zunehmend wieder eingeschränkt, denn neue Wirtschaftsblöcke und Freihandelszonen werden geschaffen. Erwähnt seien die EU, Mercosur, NAFTA und ASEAN. Ausserdem scheint die Politik die Zügel wieder stärker in die Hand zu nehmen. Von den "Global Players" wird zunehmend soziale Verantwortung gefordert. Die Entwicklungs- und Nichtregierungsorganisationen sind nicht mehr zu übergehen; sie haben an Macht gewonnen und müssen angehört und in den Prozess integriert werden. Die Globalisierung scheint nicht aufzuhalten. Doch die Frage lautet nicht mehr: Globalisierung Ja oder Nein? sondern: welche Art von Globalisierung wollen wir?
Carole Gürtler, Davos