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Leserbrief publiziert am 6. April 2016 im St. Galler Tagblatt zu dem Artikel „Thurgauerlied steht im Lehrplan“ und weiteren Ausführungen dazu auf Seite 19, Ostschweiz, erschienen am Samstag, 2. April 2016
Dass der Thurgau mit der Verschiebung des Französisch Unterrichts und damit der zweiten Fremdsprache an die Oberstufe einen Verfassungsbruch begehen soll, ist nichts anderes als eine gewollte Auslegung. Entscheidend müsste sein, ob diese Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit ein vergleichbares Niveau im Französisch erreichen wie diejenigen Schüler mit bereits früherem Unterricht. Diese Änderung stellt die Harmonisierung genau so wenig oder sehr in Frage wie die unterschiedliche Reihenfolge bei der Einführung der Fremdsprachen Englisch und Französisch in den Deutschschweizer Kantonen.
Es ist davon auszugehen, dass die EDK dem Bundesrat Alain Berset geraten hat, die Entscheidung des Kantons Thurgau als Verfassungsbruch auszulegen und bald entsprechende Massnahmen zu ergreifen, damit nicht noch mehr Kantone aufmüpfig werden gegen die regierende EDK. Dies muss dann allerdings zu denken geben. Insbesondere, da sich immer mehr Kantone, Lehrer, Eltern und Politiker von Sprachwissenschaftlern und der Praxis bestätigt sehen, dass zu viele und zu früh eingeführte Fremdsprachen keinen Nutzen haben, weil die Voraussetzungen für zielführende Fortschritte in diesem Alter noch nicht gegeben sind. Alain Berset könnte ebenso vom Bund aus verordnen, dass alle Schulen erst an der Oberstufe eine zweite Fremdsprache lernen. Dies würde wenigstens Sinn machen.
Lisa Leisi, Dietfurt