Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03326.jsonl.gz/1169

Hier schlug einst das Herz der Schweizer Uhrenindustrie, bevor die Zeit stehen blieb. La Chaux-de-Fonds und Le Locle wurden zu historischen Zeitzeugen urbaner Stadtplanung und Industrialisierung, die 2009 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.
Auf den ersten Blick sind La Chaux-de-Fonds und Le Locle einfach zwei Kleinstädte im Kanton Neuenburg. Doch wer genauer hinsieht, der entdeckt, dass hier etwas anders ist als in anderen Städten. Die schachbrettartige Stadtplanung erinnert an amerikanische Vorbilder, die Quartiere der Arbeiter und die Fabrikarchitektur sind ein Abbild der Industrialisierung, während die prächtigen Direktionsvillen ihre eigenen, oft dramatischen Geschichten erzählen.
Warum ausgerechnet hier?
Wie kam es, dass mitten in einem ländlichen Hochtal plötzlich eine Industrie entstehen sollte, die den Ruf der Schweiz neu definieren sollte? Alles begann mit dem Uhrmacher Daniel Jeanrichard, der sich im kleinen Neuenburger Bauerndorf Le Locle niederliess und hier 1705 die Schweizer Uhrenindustrie begründete.
Der weitgereiste Goldschmied verfeinerte hier nicht nur sein Handwerk. Der clevere Geschäftsmann liess in Heimarbeit von den armen Bauern der Umgebung Teile für seine Uhren herstellen, was massgeblich zum Aufblühen der Industrie führte. Dank den tiefen Löhnen konnten mehr Stunden für eine Uhr aufgewendet werden als in anderen Ländern, wodurch der Ruf der Qualität von Schweizer Uhren begründet wurde.
Jeanrichards Söhne trugen mit der beginnenden Industrialisierung und mit den neuen technischen Möglichkeiten weiter dazu bei, dass Le Locle Ende des 18. Jahrhunderts zur Industriegemeinde wurde. In der Folge entstanden immer mehr Uhrenfabriken. Der erste Höhepunkt war um 1910 erreicht, als Le Locle mehr Einwohner hatte als heute.
Das Hochtal wurde jedoch zu eng, worauf sich die Industrie ins benachbarte La Chaux-de-Fonds ausdehnte.
Stadtplanung auf dem Reissbrett
Die Industrie gab immer mehr Leuten Arbeit. Das bedeutete: mehr Fabriken, mehr Wohnhäuser, Strassen, Verwaltungsgebäude etc. So entstanden die ersten Schweizer Planstädte, während die verschiedenen Epochen der Hochkultur in den schönen Villen der Industriellen Einzug hielten. Interessant sind auch die industriellen Bauten mit ihren riesigen Fenstern. Schliesslich war Licht essentiell bei der Herstellung der Uhren. Viele Gebäude sind immer noch erhalten und erzählen eine Geschichte, die einmalig ist. Die Blütezeit endete abrupt in den 1970er-Jahren und konservierte den Gründergeist.
Im Juni 2009 wurden Le Locle und La Chaux-de-Fonds in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Sie gelten als «gelungene Symbiose von Urbanistik und Uhrenindustrie». Wer mehr über das kulturelle Erbe dieser Städte erfahren will, sollte dies bei einem Stadtrundgang tun. Am besten, während du die Batterien deines Volvo Recharge auflädst.
Titelbild: © SE Schwarz Etienne