Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03289.jsonl.gz/1677

Dr. Josef Dolder-Stocker (1838 - 1919)
Dr. Josef Dolder-Stocker, der einer alten, hochangesehenen und wohlhabenden Münsterer Familie entstammte, wurde am 21. Juni 1838 als Sohn des Ochsenwirts Jost Dolder im Flecken Beromünster geboren. Nach den Gymnasialjahren in Beromünster, Einsiedeln und Luzern folgte das Medizinstudium in Zürich, München und Würzburg, das er 1866 mit dem Staatsexamen abschloss. Seine Ausbildung ergänzte er mit kurzen Studienaufenthalten in Wien, Prag und Paris und eröffnete dann 1867 im Haus zum Dolder eine Arztpraxis. Sein Vater hatte dieses Haus ein Jahr zuvor aus der Konkursmasse des Gemeindepräsidenten und Kriminalrichters Jost Anton Kopp ersteigert.
Josef Dolder heiratete am 6. Oktober 1873 Louise Stocker, Tochter aus einer Arztfamilie in Hochdorf/LU. Er hatte sie kennengelernt, als er 1866 in der Praxis ihres Vaters ein Praktikum absolvierte. 30 Jahre wirkte Dolder in seiner Heimatgemeinde. 1897 übergab er Haus und Arztpraxis in Beromünster seinem Schwiegersohn Edmund Müller-Dolder und zog nach Luzern, wo er sich einer zwar ausgedehnten, aber doch bequemeren Stadtpraxis widmete und weitere 22 Jahre als Arzt tätig war. Er war Mitglied des Sanitätsrates, eines staatlichen Gremiums zur Beaufsichtigung des Gesundheitswesens. Als Senior der praktizierenden Ärzte des Kantons betreute er noch bis wenige Tage vor seinem Tod im 81. Lebensjahr seine Patienten.
Weit über seinen Wirkungskreis hinaus wurde er bekannt, als er 1916 im hohen Alter von 78 Jahren an der Universität Zürich den Doktortitel erwarb. Mit seiner Dissertation «Über sanitäre Verhältnisse im Kanton Luzern während dem 18. Jahrhundert» hat Josef Dolder ein medizinhistorisches Thema aufgegriffen. Sein langjähriger Freund, der Staatsarchivar Theodor von Liebenau, hatte wiederholt den Wunsch geäussert, es möchten Ärzte die medizinischen Akten im Staatsarchiv bearbeiten. Ein Arztkollege attestierte Dolders Werk: Es wird eine wahre Fundgrube geschichtlich-medizinischer Erinnerungen in bester Form dargeboten, dem Fachmann wird jede Zeile zum Genuss («Vaterland», 02.05.1916). Josef Dolder starb am 22. April 1919 in Luzern.
Viele Porträts, etliche Möbel und Klein-Antiquitäten im Haus zum Dolder gehen auf diesen ersten Arzt zurück.
Dr. Edmund Müller-Dolder (1870 - 1945)
Dr. Edmund Müller-Dolder wurde am 26. Juli 1870 als Sohn des Lehrers Blasius Müller-Albisser in Luzern geboren. Der Vater war damals Buchhalter der Firma Räber. Ein halbes Jahr später zog die Familie nach Beromünster, wo der Vater Stiftsverwalter wurde und fortan den Lütishofer Chorhof am Bärengraben bewohnte. Die Gymnasialjahre in Beromünster, Einsiedeln und Luzern schloss Edmund Müller 1891 mit der Matura ab. Das Medizinstudium absolvierte er in Bern, mit kurzen Studienaufenthalten an der Universität Würzburg und an der medizinisch-chirurgischen Poliklinik in Genf. Dem Staatsexamen am 10. Dez. 1896 folgte eine Weiterbildung an der Universität Zürich.
Am 17. Mai 1897 heiratete er Hedwig, die Älteste Tochter von Josef Dolder, und übernahm zwei Wochen später die Arztpraxis seines Schwiegervaters im Haus zum Dolder. 1905 erhielt er die Doktorwürde mit der Dissertation «Beiträge zur Kenntnis der Verletzungen der untern Extremitäten hinsichtlich ihrer Folgen für die Erwerbsfähigkeit».
Mehr als 30 Jahre wirkte Edmund Müller-Dolder als pflichtbewusster und menschenfreundlicher Arzt im Michelsamt. Fast täglich besuchte er auch seine Patientinnen und Patienten zu Hause. So lernte er die Sorgen und Nöte der Michelsämter kennen wie kein zweiter. Seine Fürsorge ging dabei weit über die Heilung der Krankheit hinaus. Bei diesen Krankenbesuchen sah Edmund Müller in den Stuben und Kammern aber auch viele altüberlieferte regionale Kunstschätze und Zeugnisse der Volkskultur und des Volksglaubens. Zeit seines Lebens setzte er sich für die Erhaltung dieser Schätze ein. Unzählige Objekte kultureller und volkskundlicher Art sammelten sich in seinem Haus im Flecken. Sein Hauptinteresse galt der religiösen Volkskunde, dem lokalen Brauchtum und Handwerk und der Druckgrafik. Seine Frau Hedwig Müller-Dolder (1874-1956) widmete sich ebenfalls mit grosser Liebe der Sammlung und ganz besonders dem Trachtenwesen und der Heraldik.
Edmund Müller-Dolder war Gründer und Präsident des Vereins Heimatmuseum Beromünster, ein eifriges Mitglied und später Präsident des örtlichen Geschichtsvereins, Mitbegründer und Präsident der Luzerner Trachtenvereinigung. Insgesamt wirkte Edmund Müller-Dolder in über 30 Organisationen und Vereinen sanitären, erzieherischen, karitativen und kulturellen Charakters mit, häufig als Präsident. In diesen Bereichen konnte er auch in den 24 Jahren als Grossrat des Kantons Luzern vieles bewirken.
Neben diesem schier unglaublichen Engagement fand Edmund Müller-Dolder auch noch Zeit, Aufsätze zu volkskundlichen Themen zu veröffentlichen. Daneben notierte er seine Gedanken in unzähligen kleinen Wachstuchheftchen, und während dreier Jahrzehnte hielt er beinahe jeden Tag die wichtigsten Ereignisse seines Umfeldes in seiner «Chronik von Beromünster» fest – eine in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommene Arbeit. Sie wurde lediglich im Nachruf von Josef Wallimann erwähnt: Seine seit Jahrzehnten geführte Ortschronik wird einst für spätere Generationen eine reiche und zuverlässige Fundgrube sein («Heimatkunde des Michelsamtes», 1946, Nr. 5/6).
Als er Ende 1929 die Praxis an seinen Sohn Edmund Müller jun. weitergab, wirkte er zwar vorerst noch in einem kleinen Pensum weiterhin als Arzt, erhielt aber für seine ausserberuflichen Engagements einen grösseren Freiraum. Mit 75 Jahren, noch mitten in seinem unermüdlichen Schaffen, starb Edmund Müller-Dolder am 12. Juni 1945.
Dr. Edmund Müller jun. (1898 - 1976)
Dr. Edmund Müller jun. wurde am 31. März 1898 in Beromünster geboren. Er besuchte die Lateinschule in Beromünster und die weiteren vier Gymnasialjahre in Engelberg, wo er 1919 die Matura bestand. Das Medizinstudium in Fribourg, Lausanne und Zürich schloss er 1925 mit dem Staatsexamen in Zürich ab. Dort erlangte er auch 1926 das Doktorat mit der Dissertation: «Ueber einen Fall von Riesenfibrolipom des Mesosigmoid» (Dickdarmgeschwür). Studienaufenthalte in Paris, London, Brüssel, Wien und Budapest ergänzten die Ausbildung. Von 1925 bis 1929 wirkte er am Kantonsspital St. Gallen auf der chirurgischen und vor allem auf der gynäkologischen Abteilung und Entbindungsanstalt, zunächst als Assistenzarzt, später als Oberarzt und stellvertretender Chefarzt des kantonalen Frauenspitals.
Im November 1929 übernahm er auf Wunsch seines Vaters die Praxis im Haus zum Dolder. Edmund Müller jun. führte aber nicht nur die Landarzttätigkeit seiner Vorfahren weiter, sondern wirkte auch als Spezialarzt FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe (Diplom 1932) und erhielt bald grossen Zulauf von Frauen aus dem Michelsamt und dem aargauischen Wynental. Tägliche und häufig auch nächtliche Krankenbesuche in der ganzen Region waren für ihn selbstverständlich. Diese Hausbesuche wurden allerdings gegen Ende seines Lebens eingeschränkt, nachdem sich Edmund Müller Anfang Januar 1974 einer Staroperation unterziehen musste.
Am 27. Mai 1976, dem Auffahrtstag, erlag er einem Herzinfarkt.
Edmund Müller jun. führte die Sammeltätigkeit seiner Familie weiter, speziell im Bereich Fayencen/Porzellan und Hinterglasgemälde. Er setzte aber auch eigene Schwerpunkte, indem er u.a. eine umfangreiche Exotikasammlung mit Exponaten aus allen aussereuropäischen Kontinenten und eine Paracelsus-Bibliothek aufbaute. Eine besondere Vorliebe hatte er auch für kostbare Orientteppiche aus Wolle und Seide und für grosse sakrale Skulpturen.
Wie schon sein Vater präsidierte Edmund Müller jun. den Ortsbürgerrat, den Verein Schloss Beromünster (Heimatmuseum) und die Aufsichtskommission der Mittelschule. Zudem war er Mitglied in kantonalen Gremien des Gesundheitsbereichs und in zahlreichen kulturellen oder historischen Vereinigungen. Einen sehr hohen Stellenwert hatten für ihn die Mitgliedschaft beim Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem und beim Souveränen Malteser-Ritterorden.
Für seine Verdienste im Bereich Kultur erhielt er zahlreiche Anerkennungen. Die Biblioteca Ambrosiana in Mailand verlieh ihm 1947 den Doctor honoris causa. 1970 erhielt er den Kulturpreis der Innerschweiz. Er war Ehrenbürger von Beromünster, Ehrenmitglied der Trachtenvereinigung und des Historischen Vereins der Fünf Orte, Komtur des päpstlichen Gregoriusordens und Träger des goldenen Päpstlichen Laterankreuzes.
Edmund Müller jun. war der einzige Nachkomme seiner Eltern Edmund und Hedwig Müller-Dolder und blieb unverheiratet. Am 29. Oktober 1969 errichtete er die Stiftung «Sammlung Dr. Edmund Müller, zum Dolder» und übergab ihr das Haus im Flecken Beromünster mit der umfangreichen Sammlung seiner Familie.