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In einem langen, detaillierten Beitrag auf Weibo – der chinesischen Version von Twitter und Facebook – bricht die professionelle Tennisspielerin Peng Shuai am 2. November ihr Schweigen. Darin erzählt sie von ihrer Affäre mit dem ehemaligen chinesischen Vizepremier Zhang Gaoli.
Dann verschwindet sie – seit der Veröffentlichung dieses Beitrags soll die 35-jährige Wimbledon- und French-Open-Doppelsiegerin nicht mehr gesehen worden sein. Ein Blick auf ihren Eintrag auf Weibo zeichnet das Bild einer unglücklichen Frau in einer verzwickten Lage.
Sie beginnt ihren Eintrag mit folgenden Worten:
Sie gibt zu, während Jahren eine Affäre mit dem 75-jährigen Zhang Gaoli gehabt zu haben. Zum ersten Mal soll es vor etwa 10 Jahren zu einer sexuellen Begegnung mit dem verheirateten Politiker gekommen sein. Dann soll er mit seiner Beförderung zum Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros – und damit zu einem der mächtigsten Politiker des Landes – aus ihrem Leben verschwunden sein.
Sieben Jahre später – nachdem er von seinen Ämtern zurückgetreten war – sei er wieder in ihrem Leben aufgetaucht, schreibt sie im Weibo-Beitrag weiter. Nachdem sie zuerst gemeinsam Tennis gespielt hätten, sei sie von ihm und seiner Ehefrau zum Abendessen eingeladen worden. Dort habe er sie in sein Zimmer gebracht, um Sex mit ihr zu haben. Das habe sie aber nicht gewollt. Sie hätte Angst gehabt und nicht damit gerechnet. Sie schreibt:
Romantische Anziehung sei eine komplizierte Sache, fährt sie dann fort. Man könne sie nicht genau erklären. Im Anschluss an diesen Tag sei ihre Liebe für ihn neu aufgeblüht. Sie berichtet von guten Zeiten – wie sie gemeinsam gesungen, Schach gespielt und über alles Mögliche gesprochen hätten. Während dieser Zeit sei er eine gute Person gewesen.
Im Beitrag wirft sie auch einen Blick in ihre Vergangenheit. Sie habe ihr Familienhaus früh verlassen müssen (wie dies für professionelle Athleten und Athletinnen in China üblich ist). Sie habe keine Liebe gespürt, habe sich selbst gehasst, habe es gehasst, überhaupt auf die Welt gekommen zu sein. Doch Zhang Gaoli habe ihr gesagt, dass er sie liebe.
Er sagte aber auch, dass er sich aufgrund seiner Position nicht scheiden lassen könne. So hätten sie die letzten drei Jahre eine heimliche Affäre geführt. Nur Zhangs Ehefrau soll davon Bescheid gewusst haben – und habe sie ihre Abneigung spüren lassen, schreibt Peng Shuai weiter.
Am 30. Oktober sei es zu einem heftigen Streit mit Zhang gekommen, berichtet Peng Shuai weiter. Am 2. November hätten sie ein Treffen vereinbart, um sich auszusprechen. Doch er soll sie angerufen und gesagt haben, dass er keine Zeit habe. Bei Sheng Puai schien dies Erinnerungen wach zu rufen, als sie schreibt:
Ihre Beziehung habe nicht mit Geld und Macht zu tun gehabt. Sie habe nicht einen Cent von ihm angenommen, betont sie in ihrem Text. Die Zuneigung sei echt gewesen. Und jetzt falle es ihr schwer, mit dieser Beziehung abzuschliessen und sie zu verarbeiten. Auch Zhang schien sich darum zu sorgen – allerdings wohl eher aus der Angst, dass sie alles auffliegen lassen könnte. Sie schreibt:
Und so verfasste sie am selben Tag, an dem sie sich hätten aussöhnen sollen, diese Worte, um allen zu erzählen, was zwischen ihnen vorgefallen sei.
Chinas strenge Zensoren schritten sofort ein. Der Beitrag wurde bereits 30 Minuten nach der Veröffentlichung von Weibo gelöscht. Nicht nur das: Weibo bannte ihren Namen und sogar Begriffe wie «Tennis», um jegliche Diskussion über das Thema auf der Plattform zu unterbinden.
Es ist nicht das erste Mal, dass frühere chinesische Regierungsbeamte wegen sexuellen Fehlverhaltens angeklagt wurden. Dies geschah allerdings oft in Verbindung mit Korruptionsermittlungen. Auch im Rahmen der #MeToo-Bewegung 2018 waren bereits einige Fälle ans Licht gekommen. Betroffen war dabei hauptsächlich die Wissenschaft, die Medien und die Geschäftswelt. Nie zuvor wurde jedoch ein solcher Vorwurf gegen einen so hochrangigen Politik wie Zhang erhoben.
Seit Veröffentlichung des Beitrags ist Peng Shuai nicht mehr gesehen worden. Dies schlägt nun hohe Wellen. Nach vorangehender scharfer Kritik, sich nie zum Thema geäussert zu haben, meldete sich am Sonntag schliesslich die Tennis-Organisation WTA zu Wort.
«Die jüngsten Ereignisse in China, die die WTA-Spielerin Peng Shuai betreffen, sind sehr besorgniserregend. Wir erwarten, dass diese Angelegenheit ordnungsgemäss behandelt wird», schreibt WTA-Chef Steve Simon am Sonntagabend in einer Mitteilung. «Peng Shuai und alle Frauen verdienen es, angehört und nicht zensiert zu werden.»
Auf Twitter melden sich prominente Personen zu Wort. So auch eine der erfolgreichsten Spielerinnen der Tennis-Geschichte, Chris Evert. Die Anschuldigungen seien sehr verstörend, schreibt sie. Sie kenne Peng seit sie 14 sei, alle sollten besorgt um sie sein.
Unter dem Hashtag #whereispengshuai machen immer mehr Menschen auf Twitter auf den Vorfall aufmerksam. So auch die französische Profi-Tennisspielerin Alize Cornet:
Der französische Tennisspieler Nico Mahut verweist darauf, dass das nicht bloss ein Problem der WTA sei, sondern dass alle darüber besorgt sein sollten.
Am Ende lohnte sich die Rückkehr Stan Wawrinkas (ATP 135) in den Davis Cup nach knapp acht Jahren auch noch resultatmässig. Nachdem der dreifache Grand-Slam-Champion für seine jüngeren Teamkollegen bereits als Inspiration viel gebracht hatte, gewann der 37-jährige Waadtländer auch das alles entscheidende Einzel gegen Daniel Altmaier (ATP 91).