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Berührt, geführt
von Oliver Marti (Kommentare: 0)
om - Eine der wichtigsten Schachregeln lautet: berührt – geführt. Die berührte Figur muss auch gezogen werden.
Einerseits will man damit – nicht nur – Kinder dazu erziehen, vor dem Handeln erst zu denken und andererseits beiden Spielern die freie Sicht aufs Brett maximieren. Definiert ist dies in Artikel 4 der FIDE-Regeln.
Und trotzdem kommt es immer wieder zu Diskussionen und Streitfällen, obwohl die Regeln ganz einfach
sind.
- Zum Ausführen der Züge wird nur eine Hand benutzt – zweihändiges Spiel ist verboten (4.1). Das gilt
auch beim Schlagen von Figuren, bei der Bauernumwandlung und beim Rochieren.
- Die Berührung ist eine bewusste, aktive Tat der Hand – üblicherweise mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Ein zufälliges Berühren von Figuren (mit kleinem Finger beim Anfassen) oder ungewolltes Umstossen (mit Ärmel, Armkettchen oder Uhr) ist keine Berührung im eigentlichen Sinne (4.2.2).
- Die berührte eigene Figur muss gezogen werden, die berührte gegnerische Figur muss geschlagen werden
(4.3).
- Hat man mehrere Figuren berührt, so muss mit der zuerst berührten eigenen Figur ein Zug ausgeführt bzw. muss die zuerst berührte gegnerische Figur geschlagen werden. Ist mit der zuerst berührten Figur kein regelkonformer Zug möglich (oder kann die berührte Figur nicht geschlagen werden), so muss die danach berührte Figur bewegt bzw. geschlagen werden.
- Ist mit allen berührten Figuren kein regelkonformer Zug möglich (oder können nicht geschlagen werden), so darf ein beliebiger (!) anderer Zug ausgeführt werden (4.5).
Wichtig: Wenn man mit der berührten eigenen Figur eine gegnerische Figur berührt, so gilt diese auch
als berührt, und zeigt damit ebenfalls die Absicht, diese zu schlagen.
Einmal losgelassen darf der Zug nicht mehr geändert werden (4.7). Auf die Besonderheiten bei Rochade und Bauernumwandlung haben wir schon früher hingewiesen (siehe «SSZ» 6/20 und 6/21).
Diskussionen entstehen immer dann, wenn man feststellt, dass der eben ausgeführte Zug ein völliger
Blödsinn ist und sofort verliert. Dann muss man die Grösse haben, dies einzugestehen – doch das ist ein Thema für eine weitere Regelecke.
Josef Nemecek
Josef Nemecek, Präsident der Schiedsrichterkommission des Schweizerischen Schachbundes, freut sich über Ihr Feedback und Ihre Fragen zu den «SSZ»-Regelecken. Sie können ihm auch eigene Themen vorschlagen: <email-pii>.
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