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1925
John Dos Passos: Manhattan Transfer
(Roman, englisch)
Dieser Roman stellte den amerikanischen Schriftsteller John Dos Passos schlagartig in die erste Reihe der grossen literarischen Revolutionäre des 20. Jahrhunderts. Der Ruhm dieses kühnen Buches ist bis heute unverblasst. Sein Titel - Name der berühmten New Yorker Fähren - symbolisiert die Stadt als Umschlagplatz der vielschichtigen und vielfarbigen amerikanischen Bevölkerung. Das hochzivilisierte, von anonymen Kräften beherrschte New York erscheint letzten Endes jedoch als Schauplatz des modernen Lebens überhaupt, als typische Stätte einer gierigen Jagd nach Arbeit, Glück und Macht. Mit genialer Kraft und einer völlig neuartigen Form hat der Autor zahllose episodische Vorgänge zusammengehalten und ineinander verflochten. Mit einer vom Film herrührenden Technik des kontrastierenden Nebeneinanders werden Schlagzeilen, Slang und Schlagertexte organisch in den Roman einbezogen.
1925
Lion Feuchtwanger: Jud Süss
(Roman, englisch)
1730: Der jüdische Kaufmann Josef Süss Oppenheimer steigt als Geheimrat des katholischen Herzogs Karl Alexander zum mächtigsten Mann Württembergs auf. Die politischen Fäden des Landes zieht er mit rücksichtslosem Eifer. Als seine geliebte Tochter Naemi vor den Nachstellungen des Herzogs in den Tod flüchtet, schwört Süss seinem verschwenderischen Leben ab und stellt dem Landesherrn eine Falle. Doch der Tod des Herzogs besiegelt auch seinen eigenen Untergang.
Lion Feuchtwanger wurde 1884 in München geboren. Nach vielseitigen Studien gab er die Kulturzeitschrift "Der Spiegel" heraus, schrieb Theaterkritiken und arbeitete an Siegfried Jacobsohns "Schaubühne" mit. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde Feuchtwanger in Tunis interniert, konnte jedoch fliehen. 1925 siedelte er nach Berlin über. Als die Nazis die Macht übernahmen, befand er sich auf einer Vortragsreise in den USA. Seine Bücher wurden verboten, Haus und Vermögen konfisziert. Sanary-sur-mer, Feuchtwangers neuer Lebensort, war zeitweilig ein Zentrum deutscher Emigranten. 1940 internierten ihn die Franzosen. Ab 1941 lebte er in Kalifornien, wo weitere grosse historische Romane, Erzählungen, Stücke und Essays entstanden. Feuchtwanger starb 1958 in Pacific Palisades.
1925
Franz Kafka: Der Prozess
(Roman, deutsch)
"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt die Geschichte des Josef K., dem an seinem 30. Geburtstag von einer mysteriösen Behörde der Prozess gemacht werden soll. Und je mehr er seine Unschuld verteidigen will, umso tiefer sinkt er ins Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen. Josef K. muss schliesslich erkennen, dass der "Sinn dieser grossen Organisation, dieser korrupten Bande", der Sinn dieses geheimnisvollen Prozesses die "Sinnlosigkeit" ist.
Der Prozess, der erste Roman Franz Kafkas, zwischen 1914 und 1915 entstanden und 1925 zum ersten Mal erschienen, ist zwar Fragment geblieben, aber dennoch eines der grossen Werke der Weltliteratur.
Franz Kafka , geboren 1883 in Prag, studierte Germanistik und Jura. 1917 erkrankte er an Tuberkulose, an der er sieben Jahre später starb.
1925
Egon Erwin Kisch: Der rasende Reporter
(Sachbuch, deutsch)
Wo Kisch war, dort war ein Caféhaus. Die Anekdoten und Abenteuer seines turbulenten Lebens machten ihn zum Idol einer ganzen Journalisten-Generation. Weltberühmt wurde er unter dem selbstgewählten Buchtitel "Der rasende Reporter", doch in seinem Selbstverständnis war er nicht Journalist, sondern Schriftsteller. In der vorliegenden Ausgabe werden alle Stationen seines Lebens mit umfangreichem Fotomaterial dokumentiert: Prag, Berlin, Wien, Amsterdam, Paris, Madrid, Moskau, New York, Sydney, Mexiko-City - Kisch als Matrose im Panama-Kanal, vor den Pyramiden der Mayas, mit Riesenschildkröten oder Koalabären, als Kleindarsteller bei Filmaufnahmen in Algier, mit Charlie Chaplin, Carl von Ossietzky, Erwin Piscator, Upton Sinclair, immer wieder Anna Seghers und vielen anderen.
1926
Thomas Edward Lawrence: Die sieben Säulen der Weisheit
(Autobiographie, englisch)
Stilistisch brillante Schilderung des von England geschürten arabischen Aufstands 1917/18 gegen die Herrschaft der Türken. Für das Empire, das noch immer ein Fünftel der Welt beherrschte und dessen Lebensader der Suezkanal war, war der Nahe Osten von immenser strategischer Bedeutung. Obwohl die Aufteilung der Region zwischen Frankreich und England bereits im Sykes-Picot-Abkommen von 1916 festgelegt worden war, sicherte Lawrence den arabischen Völkern für den Fall des Siegs Unabhängigkeit zu. Er tauschte seine Uniform gegen Beduinenkleider und zelebrierte das strapaziöse und entbehrungsreiche Wüstenleben. Nach ersten Erfolgen seiner damals neuartigen Guerillataktik, konnten die zuvor verfeindeten und nun unter der Aussicht auf Freiheit von Feisal geeinten Stämme im Handstreich Akaba einnehmen und Damaskus erobern. Lawrence frönt in seinem Kriegsbericht der heroischen Selbstinszenierung und weicht in den persönlichen Passagen von den tatsächlichen Ereignissen ab.
T(homas) E(dward) Lawrence, der legendäre, geheimnisumwitterte "Lawrence von Arabien", war ursprünglich Archäologe und Sprachforscher.
1926
Edgar Wallace: Der Hexer
(Kriminalroman, englisch)
"Hexer" - die Leute hatten ihm diesem Namen gegeben. Er änderte seine Verkleidungen und Masken so oft, dass die Polizei nie in der Lage war, eine Beschreibung seiner Person in Umlauf zu setzen. Er war ein Meister der Verkleidung. Es konnte nur einen Grund für ihn geben, nach London zurückzukehren: Rache an Maurice Messer zu nehmen, dem er seine Schwester anvertraut hatte...
Geboren wurde Edgar Wallace 1875 als unehelicher Sohn eines Schauspielers. Er wuchs in armen Verhältnissen auf, blieb ohne Schulabschluss und hielt sich mit Gelegenheitsjobs wie Milchhändler, Maurergehilfe oder Zeitungsverkäufer über Wasser. Schliesslich begann er kleine Artikel für die Zeitung zu schreiben. Später lebte er als freier Schriftsteller und schrieb Sachbücher, Lyrik und Theaterstücke, 1904 schliesslich seinen ersten Krimi ("Die vier Gerechten") - das Debüt einer beispiellosen Karriere. Edgar Wallace verfasste 175 Romane, 24 Theaterstücke, eine grosse Anzahl von Kurzgeschichten, Essays, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln und Drehbüchern. Die Filme, die nach seinen Vorlagen gedreht wurden, sind kaum zu zählen. Edgar Wallace verstarb hoch verschuldet 1932 in Hollywood.
1927
Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit
(Historische Miniaturen, deutsch)
Die "schicksalsträchtigen Stunden, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, eine einzige Stunde zusammengedrängt ist", beschreibt Stefan Zweig in seinem berühmtesten Buch. In ihm führt er die Kunst der historischen und literarischen Miniatur auf einen Höhepunkt. Sehr verschiedenartig sind die Ereignisse, denen er den Wert von "Sternstunden" beimisst: der Untergang des Oströmischen Reiches, der in der Zerstörung von Byzanz im Jahre 1453 sein sichtbarstes Zeichen fand - die Entstehung des Händelschen "Messias" 1741 - Napoleons Niederlage 1815 - Dostojewskis Begnadigung auf der Hinrichtungsstätte 1849 - Lenins Reise im versiegelten Zug nach Russland 1917. "Nirgends ist versucht", schreibt Stefan Zweig, "die seelische Wahrheit der äusseren oder inneren Geschehnisse durch eigene Erfindung zu verfärben oder zu verstärken"; denn "die Geschichte bedarf keiner nachhelfenden Hand". Das schliesst nicht aus, dass durch novellistische Straffung die beschriebenen Ereignisse als "unerhörte Begebenheiten" eindringlich vermittelt werden können.
1929
Vicki Baum: Menschen im Hotel
(Roman, deutsch)
Vicki Baum schrieb von den 20ern bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zahllose Bestseller und führte das Leben eines Weltstars. "Menschen im Hotel", erschienen im Jahr 1929, machte Vicki Baum weltberühmt. Der mit leichter Hand, Poesie und subtilem Witz erzählte Roman führt eine Handvoll Menschen im Grand Hotel zusammen, zeigt sie in ihren Krisen, Träumen und Enttäuschungen und liefert ein atmosphärisch dichtes Bild vom Berlin der 20er-Jahre. Am Broadway dramatisiert, in Hollywood mit Greta Garbo, später noch einmal mit Heinz Rühmann verfilmt, begründete der Roman Vicki Baums Weltruf und ebnete ihr den Weg in die USA.
1929
Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz
(Roman, deutsch)
Alfred Döblins "Geschichte vom Franz Biberkopf" ist der deutsche Grossstadtroman von weltliterarischem Rang. Schauplatz ist das Berlin der zwanziger Jahre - mit seinem Menschengewühl, seinem Strassenlärm, seinem Häusergewirr. Schnoddrig und sentimental, durchsetzt mit biblisch-apokalyptischen Bildern, erzählt Döblin von dem aus der Strafanstalt entlassenen Transportarbeiter, der als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden will. Die Stadt selbst wird zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Biberkopf, der dieser verlockenden, aber unerbittlichen Welt zu trotzen versucht.
Alfred Döblin, geboren 1878, Nervenarzt in Berlin, Autor kühner Erzählwerke und zeitkritischer Essays, emigrierte 1933 nach Paris und starb 1957 in Emmendingen.
1929
Erich Kästner: Emil und die Detektive
(Kinderroman, deutsch)
Emil darf zum ersten Mal allein nach Berlin fahren. Im Zug wird ihm sein ganzes Geld gestohlen. Kaum ist Emil am Bahnhof ausgestiegen, heftet er sich dem Dieb an die Fersen. Zum Glück bekommt er bald Unterstützung von Gustav mit der Hupe und seinen Jungs, die Emil in einer aufregenden Verfolgungsjagd quer durch die grosse Stadt helfen, den Dieb zur Strecke zu bringen.
Erich Kästners erstes Kinderbuch ist gleichzeitig sein bekanntestes. Die Geschichte um Emil und seine Freunde wurde in Deutschland und im Ausland mehrmals mit grossem Erfolg verfilmt, ausserdem gibt es ein Musical und eine Theaterfassung zu dem zeitlosen Stoff.
1929
Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues
(Roman, deutsch)
"Im Westen nichts Neues" war das sensationellste Erfolgsbuch der deutschen Literatur überhaupt. Es wurde in 45 Sprachen übersetzt und hatte bereits vier Jahre nach Erscheinen (1929) eine Auflage von eineinhalb Millionen erreicht. 1933 verboten, erlebte das Buch nach dem 2. Weltkrieg eine Renaissance, die sich heute, angesichts immer neuer Kriegsgreuel in der Welt, wiederholt. Denn die Schrecken des 1. Weltkrieges sind die Schrecken aller Kriege. Remarque beschwört sie mit einer zupackenden Lebendigkeit, der schonungslosen Sprache der Jugend, die für jede Generation wieder neu spricht.
1929
Thomas Wolfe: Schau heimwärts Engel
(Roman, englisch)
Einer der unvergänglichen Romane der Weltliteratur. In dem Porträt des jungen Eugene Gant, in der überbordenden Geschichte seiner Familie mit dem titanischen Vater, der allzu geschäftstüchtigen Mutter, der Schar ihrer Kinder, mit den Menschen der kleinen Stadt in North Carolina und ihren tragikomischen Verhältnissen versuchte Thomas Wolfe sehnsüchtig, hinter die Geheimnisse des Lebens zu kommen, in einem "geradezu wahnsinnigen Hunger, die gesamte menschliche Erfahrung zu verschlingen", wie er später notierte.