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1946 verursachte ein Erdbeben Risse in der Höhle, durch die ein Grossteil des Wassers, das vorher bis fast an die Decke reichte, abfloss. Heute werden in der Höhle Bootsfahrten durchgeführt.
von Florencia Figueroa
Einst, als es auf der Welt noch Magie, Hexen und Kobolde gab, war es in Saint-Léonard im Wallis üblich, dass junge, heiratswillige Mädchen den Lac Souterrain, den unterirdischen See von Saint-Léonard aufsuchten, um einen Blick auf ihren zukünftigen Ehemann zu erhaschen. Des Nachts, kurz nach zwölf, wenn der Vollmond schon hoch am Himmel stand, spiegelte sich im Wasser das Gesicht des Bräutigams. Diese Legende erzählt man sich noch heute in Saint-Léonard. Fakt ist jedoch, dass die Höhle, die zwischen Sion und Sierre liegt und in der sich der See befindet, lange Zeit unbeachtet blieb. Im Dorf gingen Gerüchte um; die Rede war von einem Geheimnis, das im Untergrund lauert, aber kaum jemand wusste, was genau sich in der Grotte unter Saint-Léonard tatsächlich verbarg. Es gab einige Versuche, die Höhle zu erkunden, aber sie war nur schwer zugänglich. Erst der bekannte Höhlenforscher Jean-Jacques Pittard lüftete 1943 das Geheimnis. Er entdeckte einen unterirdischen See, dessen Wasser damals noch fast bis zur Decke der Grotte reichte. Es war demnach fast unmöglich, die Grotte zu begehen. Erst durch das letzte grosse Erdbeben von 1946 änderte sich die Lage. Die Erschütterung verursachte nämlich Risse in der Höhle, durch die das Wasser zu einem grossen Teil abfloss. Das brachte einige findige Einheimische auf die Idee, die Grotte für Besucher aus aller Welt zugänglich zu machen. Sie organisieren Bootsfahrten auf dem See. Das Interesse ist durchaus vorhanden. Bis zu hunderttausend Besucher aus dem In- und Ausland reisen jährlich an, um den grössten natürlichen unterirdischen See Europas zu sehen – er hat eine Fläche von 6000 Quadratmetern. Das Wasser in der Grotte ist dermassen klar, dass man die Fische von blossem Auge erblicken kann. Andere Bewohner, nämlich die Fledermäuse, bekommt man dagegen kaum zu Gesicht. Im Winter 2000 jedoch konnte die Höhle kurzzeitig nicht mehr betreten werden. Von der Decke hatte sich nämlich ein zwei Tonnen schwerer Felsblock gelöst. Da die Sicherheit der Besucher nicht mehr gewährleistet war, wurde die Höhle geschlossen. Die Decke musste durch das Einbringen von mehreren Tausend Gebirgsankern gesichert werden. Das kostete über 2,5 Millionen Franken. 2003 konnte die Höhle wieder geöffnet werden.
Preise
Erwachsene Fr. 10.–, Kinder (5 bis 15 Jahre) Fr. 6.–.
Öffnungszeiten
Täglich von 9 bis 17 Uhr, im Juni, Juli, August und September bis 17.30 Uhr. Bootsfahrten dauern 30 Minuten. Sie erfolgen täglich alle 20 bis 40 Minuten.
Informationen
Lac Souterrain de StLéonard
Rue du Lac 21,
1958 StLéonard
Tel. 027 203 22 66
www.lacsouterrain.com