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Methodik zur Berechnung der wöchentlichen erwarteten Todesfälle für das Jahr 2023 und Todesursachenstatistik: Erhebung, Kodierung und Analyse der Todesursachen
In verschiedenen Medien sind in den letzten Wochen Beiträge zur Methodik der Berechnung der wöchentlichen erwarteten Todesfälle für das Jahr 2023 sowie zur Erhebung, Kodierung und Analyse der Todesursachenstatistik erschienen. Das BFS möchte mit dieser Stellungnahme zum besseren Verständnis der Methodik beider Statistiken beitragen. Die Grundlagen dieser Statistiken sind in den methodischen Erläuterung «Öffentliche Statistiken zu Todesfällen, Übersterblichkeit, Todesursachen und meldepflichtigen Erkrankungen», die im Mai 2022 zum fünften Mal aktualisiert wurden, beschrieben.
Methodik zur Berechnung der wöchentlichen erwarteten Todesfälle für das Jahr 2023
Datengrundlage: Die Todesfälle in der Schweiz werden täglich durch die Zivilstandsämter an das BFS gemeldet.
Als Basis für die Berechnung der Übersterblichkeit dienen neben den tatsächlichen (beobachteten) Todesfällen die wöchentlich erwarteten Todesfälle (Erwartungswerte) und deren Vertrauensbereich. Wenn die Anzahl der beobachteten wöchentlichen Todesfälle über der oberen Grenze des Vertrauensbereichs liegt, sprechen wir von Übersterblichkeit. Die Übersterblichkeit selbst berechnet sich dann aus der Differenz der beobachteten Todesfälle und ihrem Erwartungswert. Insofern ist die Übersterblichkeit wie auch der Erwartungswert und sein Vertrauensbereich eine statistische Schätzung und keine reine Beobachtung. Sie dienen in der Schweiz seit 2013 der fortlaufenden wöchentlichen Überwachung der Sterblichkeit in der Bevölkerung (Mortalitätsmonitoring) und existieren damit nicht erst seit der Covid-19-Pandemie. Die Übersterblichkeit wird auch in anderen Ländern basierend auf den wöchentlich beobachteten und erwarteten Todesfällen geschätzt. Dabei werden teilweise unterschiedliche Methoden zur Berechnung der Erwartungswerte verwendet. Die Berechnung der Übersterblichkeit basiert aber immer auf der Differenz der beobachteten Todesfälle und ihrem Erwartungswert.
Die Funktionalität des Mortalitätsmonitorings setzt voraus, dass am Jahresanfang eine möglichst realistische Schätzung der im Jahresverlauf auftretenden Sterblichkeit erfolgt. Diese Prognose beruht immer auf der Sterblichkeit der vorangegangenen Jahre. Die Jahresprognose spiegelt somit den Trend der Sterblichkeit der vergangenen Jahre für das laufende Jahr wider.
In der Vergangenheit konnte eine erhöhte Anzahl an Todesfällen aufgrund starker Grippe- und Hitzewellen (z.B. 2015) in die Schätzung der wöchentlichen Erwartungswerte für die Folgejahre einfliessen, ohne den mehrjährigen Trend der Sterblichkeit zu stark zu beeinflussen. Das aussergewöhnliche Pandemiejahr 2020 konnte jedoch nicht direkt für die Schätzung der wöchentlichen Erwartungswerte des Folgejahres 2021 verwendet werden, weil durch die stark erhöhte Sterblichkeit im Jahr 2020 die wöchentlichen Erwartungswerte für 2021 so stark überschätzt worden wären, dass sie ausserhalb des erwarteten Trends gelegen hätten. Deshalb wurden als Erwartungswerte für das Jahr 2021 die Erwartungswerte für das Jahr 2020 wiederverwendet. Da im Jahr 2021 erneut eine erhöhte Sterblichkeit aufgrund der Pandemie aufgetreten ist, konnte auch dieses Jahr nicht direkt für die Schätzung der Erwartungswerte des Jahres 2022 verwendet werden. Deshalb wurde für die Schätzung der Erwartungswerte des Jahres 2022 die Methode angepasst. Es wurde in der Altersgruppe der 65-Jährigen und älter in den drei Perioden von Übersterblichkeit in den Jahren 2020 und 2021 die wöchentlich beobachtete Anzahl der Todesfälle mit der erwarteten Anzahl der Todesfälle ersetzt, wenn der Wert mehr als eine Standardabweichung über dem Erwartungswert lag. Für die Altersgruppe der 0-64-Jährigen wurde keine Anpassung vorgenommen. Dasselbe Vorgehen wurde auch für die Schätzung der Erwartungswerte des Jahres 2023 verwendet, wobei die wöchentlich beobachtete Anzahl der Todesfälle des Jahres 2022 trotz der erhöhten Sterblichkeit in diesem Jahr unverändert in die Schätzung miteingeflossen ist.
Die Gründe für die Übersterblichkeit im Jahr 2022 sind im Gegensatz zu den Ursachen der Übersterblichkeit in den Jahren 2020 und 2021 bisher noch weitestgehend unbekannt. Wahrscheinlich geht die Übersterblichkeit auch im Jahr 2022 im Wesentlichen auf SARS-CoV-2-Infektionen zurück, aber nicht in allen Fällen mit Covid-19 als Haupttodesursache. Es ist derzeit unklar, ob und inwieweit das Virus bestehende Erkrankungen verschlechtern oder zu neuen Erkrankungen führen kann. In der Wissenschaft werden für die Übersterblichkeit im Jahr 2022 derzeit verschiedene Theorien diskutiert. Die Todesursachenstatistik für das Jahr 2022 wird weitere Informationen über die Ursachen der Übersterblichkeit in diesem Jahr liefern. Die Publikation der Todesursachenstatistik 2022 ist für Ende des Jahres 2023 geplant.
Todesursachenstatistik: Erhebung, Kodierung und Analyse der Todesursachen
Datengrundlage: Die Erhebung der Todesursachen erfolgt basierend auf den Meldungen der Zivilstandsämter und den durch die Ärztinnen und Ärzte berichteten Todesursachen.
Die Kodierung und Analyse der Todesursachen basieren seit 1995 auf der Internationalen Klassifikation der Krankheiten in ihrer 10. Version (ICD-10) sowie den dazugehörigen Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die ICD-10 und die dazugehörigen Kodierrichtlinien werden regelmässig von der WHO überarbeitet, um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Krankheiten zu integrieren. Im Zuge der Covid-19-Pandemie hat die WHO neue ICD-10-Kodes für die Kodierung von Covid-19-Todesfällen eingeführt und dazu auch entsprechende Kodierrichtlinien erstellt. Diese wurden international und auch durch das BFS umgesetzt.
Neuchâtel, 14. Februar 2023