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Die Belegschaft verlässt das Fabrikareal an der Haselstrasse. Aufnahme um 1915. (Historisches Archiv ABB Schweiz)
Hier auf dem Badener «Haselfeld» entstand 1891 die Firma Brown Boveri & Cie. (BBC), die sich in den fast 100 Jahren ihres Bestehens zu einem der grössten Elektro-Weltkonzerne entwickelte. 1988 fusionierte sie mit der schwedischen ASEA zur ABB Asea Brown Boveri Ltd.
Die Fabrik begann ihre Produktion mit 100 Arbeitern und 24 Angestellten. Baden erwies sich als günstiger Standort und die Firma wuchs rasch: Die tausendste Maschine wurde 1895 ausgeliefert. 1910 arbeiteten bei der BBC schon 3‘500 «Elektrische », 1930 waren es etwa doppelt so viele.
Die Ingenieure Charles E. L. Brown und Walter Boveri lernten sich in der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) kennen und beschlossen, eine Firma zu gründen «zum Zwecke des Baues und Betriebes einer eigenen Fabrik für elektrische Maschinen». Sie bildeten ein ideales Zweigespann: Der Engländer Brown (1863 – 1924) galt als der schöpferisch-impulsive Tüftler, der Deutsche Boveri (1865 – 1924) als der eher ruhige, aber umtriebige Geschäftsmann, der auch andere Elektrotechnikfirmen übernahm und neue gründete.
Charles E. L. Brown und Walter Boveri, Gründer der BBC. Aufnahme um 1900 (Historisches Archiv ABB Schweiz)
Mit dem starken Wachstum der jungen BBC bildete sich in der Region Baden eine Arbeiterschaft aus, die sich in diversen Arbeitervereinen organisierte. Zahlreiche BBC-Arbeitende schlossen sich 1898 dem Arbeiterbund Dynamo an. Grund dafür war ein schlechtes Arbeitsklima und Unzufriedenheit in der Firma. Es kam zu Protestaktionen und Streiks – es ging um Lohnforderungen, um Konflikte mit den Vorgesetzten und um mehr Mitspracherecht. Mit der Bildung einer Arbeiterkommission, der Einführung einer obligatorischen Krankenversicherung und weiteren Sozialleistungen bemühte sich die BBC künftig um die Zufriedenheit seiner Mitarbeitenden.
Wicklerei um 1910, Belegschaft mit Männern und Frauen. (Historisches Archiv ABB Schweiz)
Schon 1896 baute die BBC in Wettingen die erste Arbeitersiedlung «Dynamoheim». In Baden wurden Mehrfamilienhäuser für Angestellte gebaut, so etwa an der Burghaldenstrasse und am westlichen Ende des Fabrikareals. In den krisenreichen Zwischenkriegsjahren kam der Wohnungsbau zum Erliegen, wurde aber nach 1945 wieder aufgenommen.
Die Gründer und das oberste Kader liessen um die Jahrhundertwende grosszügige Bauten wie die Villa Boveri, Villa Langmatt, Villa
Burghalde, Villa Funk und die heute nicht mehr existierende Römerburg erstellen.
Arbeitersiedlung «Dynamoheim» in Wettingen von 1896. Diese ersten acht Häuser boten noch wenig Komfort. 1916 – 1918 wurden sie durch weitere acht Häuser und am Gottesgraben durch ein Angestelltenwohnhaus ergänzt. Die ursprünglichen acht Dynamo-Häuser wurden 1977 abgebrochen. (Fotoarchiv Wettingen, Werner Nefflen 1977)