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Die Mündung des Binzmühlebachs in den Leutschenbach wäre eigentlich nicht unbedingt einen eigenen Eintrag wert, doch gibt es um diese Einmündung einige Unklarheiten, die der Einzelne heute kaum mehr rekonstruieren kann, da so viele Einflüsse einwirkten. Daher seien sie hier im Einzelnen aufgezählt.
Dar Binzmühlebach war früher erheblich wasserreicher als der Katzenbach, daher wurde hier eine Mühle erstellt. Zudem überwand der Bach zwischen der heutigen Schaffhauserstrasse und der Binzmühle eine Höhendifferenz von 10 Metern, was es dem Müller erlaubte, einen relativ kurzen Mühlkanal zu bauen. Die Mühle benötigte angesichts der Wassermenge lediglich eine Höhendifferenz von 4 Metern und genau diese Höhendifferenz wies die Binzmühlekrete auf. Das war in ganz Seebach einmalig. Oberhalb der Mühle stand ein bereits vorhandener See zur Verfügung, der ein nutzbares Volumen von 3'500 m³ aufwies, welches ausreichte, auch in wasserarmen Zeiten über Nacht die Bandenergie für den täglichen Mahlbetrieb zu speichern.
Für die Spitzenenergie konnte man dank der 4 Meter hohen Krete oberhalb der Mühle einen relativ kleinen Speichersee bauen, welcher 350 m³ fasste und dank der reichlichen Wasserführung des Baches in vernünftiger Zeit wieder gefüllt werden konnte. Für Notfälle konnte man im oberen Stausee über Nacht bis zu 1000 m³ zusätzliches Wasser stauen. Der Bach wurde zu 2/3 durch die Neubrunnen- und Tannenquellen gespiesen, die das Wasser aus dem Grundwassersee der Buhn bezogen, welches dank seinem riesigen Volumen für eine einigermassen ausgewogene Quellleistung sorgte.
Diese Umstände waren alle ums Jahr 1100 den damaligen Seebachern bewusst und sie trafen ihre Entscheidung für den Bau einer Mühle zugunsten diesen Standortes auf sehr soliden Füssen. Diese recht gut gesicherte Annahme allein zeigt zudem auf, dass die Neubrunnen- und Tannenquellen folglich schon damals geflossen sein mussten. Das Wasser, welches das Wasserrad antrieb, floss in einem eigenen Kanal zurück zum Binzmühlebach und erreichte diesen erst bei der Mündung in den Leutschenbach auf Örliker Gebiet.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen dann die Eingriffe des Menschen in das Jahrhunderte lang funktionierende Gefüge einzuwirken. 1865 wurde ein sehr hoher Damm für die Eisenbahnstrecke von Örlikon nach Bülach erstellt. Dieser schottete die Mühle vom bisherigen Seebacher Siedlungsgebiet ab. Er zerstörte zugleich das Bett des Niederlochbachs. Die aufkommende Industrialisierung in Örlikon reduzierte die Wassermenge des Schürbachs, indem dessen Zuflüsse eine Zeit lang als Quellwasser für den Bahnhof dienten und die Wassermenge des Bachs reduzierten. Das Wasser des Sägetenbachs in Affoltern wurde der Kanalisation zuführt.
Aber erst die Fassung der Neubrunnen- und Tannenquelle um 1895 reduzierte die Wassermenge des Binzmühlebachs so stark, dass der Mühle- und Sägereibetrieb sofort eingestellt werden musste. Die Melioration des Stierenrieds und der benachbarten Riede führten mittelfristig zu einer Entwässerung das Landes und damit zu einem unregelmässigeren Wasserfluss des Binzmühlebachs, welcher nun schon eher als Rinnsal bezeichnet werden musste. Eine direkte Folge dieser Entwicklung war, dass die Wassermenge des Leutschenbachs ebenfalls abnahm. Dort hatte die Bautätigkeit die gleichen Auswirkungen auf die Wassermenge.
Zudem kam hinzu, dass man den Örlikerbrunn, eine kräftig sprudelnde Quelle am unteren Salersteig, in die Kanalisation umleitete, da die angebliche Heilquelle nicht mehr genügend gefragt war. Dies alles führte dazu, dass man im November mit dem verbliebenen Wasser dieser Bäche den Eisfeldsee nicht mehr ausreichend fluten konnte. So kam man auf die Idee, die alte, untere Schwelli am Katzenbach, mit welcher man früher die dortigen Wiesen düngte, als Staumauer zu nutzen und leitete einen Teil des Katzenbachwassers in den 1885 erstellten Drainagekanal und mit ein paar Holzkanälen vorbei am Scheibenstand bis zum Eisfeldsee. Das hielt dann bis 1936 an, als wegen der 2. Glattabsenkung das Eisfeld aufgegeben werden musste. Dies einfach so nebenbei.
Die Einmündung des Binzmühlebachs in den Leutschenbach ist gut erfasst. Man findet in der Broschüre «60 Jahre 2. Eingemeindung» die Situation an der Mündung von 1812, 1890 und 1932 festgehalten. Jene von 1812 stimmt mit derjenigen der Wildkarte von 1850 weitgehend überein. Dass irren menschlich ist, belegt dann die Karte von 1812 des Stadtarchivs, indem der Ligusterbach ebenso wie der Heidegraben und der Niederlochbach nicht eingetragen sind oder vielleicht wegen ihrer geringen Wasserführung nicht beachtet wurden. Gleiches auch auf der Karte von 1812 in Seebach, wo die kleineren Bäche ebenfalls fehlen.
Dass die Nichtbeachtung der kleineren Bäche in Landkarten offenbar eine Gewohnheit der hiesigen Kartenmacher ist, beweist der aus dem fernen England stammende Kartograf Johnston, welcher auf einer Karte zu den Kriegsereignissen um 1799 diese Bäche ausnahmlos einzeichnete und zwar schon bald nach 1799. Die Kartografen in der Schweiz hatten also ein Problem, indem sie mit kleineren Bächen und Seelein auf Kriegsfuss standen und diese einfach ignorierten. Für Flurnamenforscher ist das sehr bemühend, indem ältere Schweizer Karten für sie nicht aussagekräftig genug sind, um mit ihnen zuverlässig arbeiten zu können.
Warum aber hatte das ein Brite schon vor über 200 Jahren besser gekonnt? Der Verdacht auf eine gewisse selektive Perzeption seitens der damaligen Schweizer Kartografen oder Gemeindegeometern scheint da gegeben. Vermutlich war sie aufwandbedingt. Dies ist nicht als Vorwurf an die Adresse der früheren Kartografen zu verstehen, sondern vielmehr als Hinweis, wo noch Nachholbedarf besteht. Nur ist es heute ein bisschen spät, da fast keiner dieser Bäche wegen der zunehmenden Überbauung überlebt hat.
Quellen: - OGS-eigene - Broschüre des Stadtarchivs «60 Jahre 2. Eingemeindung» 1994, 98