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Scorpions fühlen sich um acht Millionen betrogen
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- Freitag, 30. März 2012 18:05
Die deutsche Rockband prozessiert seit langem gegen die Liechtensteiner Jeeves Group. Neben Millionen geht es um Erpressungsversuche durch Hell's Angels.
Schlagzeilen machte der Fall erstmals im September 2001, als ein Zwischenfall ein grelles Licht auf die Affäre warf: Der liechtensteinische Treuhänder Bryan Jeeves und sein Geschäftspartner Elmar Bissig klagten gegen den Ex-Drummer der Scorpions, Hermann Rarebell, er habe versucht, 2 Millionen Franken von ihnen zu erpressen.
Das ist das Geld, das Rarebell nach eigenen Angaben an Tantiemen von der früheren Produktionsfirma der deutschen Rockband Scorpions, «Rassia Records», zustehe.
Hell's Angels sollen dem Scorpion geholfen haben
Bryan Jeeves behauptete damals gegenüber der deutschen «Bild», Rarebell habe mit Hilfe von Mitgliedern der Motorradgang Hell's Angels aus Zürich seine und die Familie seines Geschäftspartners eingeschüchtert.
Wegen Beweismangel sprach das Liechtensteiner Landesgericht Rarebell schliesslich vom Vorwurf der versuchten Erpressung frei.
Ex-Drummer von zwei Polisten verhaftet
Rarebell, mit bürgerlichem Namen Hermann Erbel, sass bis 1996 bei den Scorpions am Schlagzeug. In einem offenen Brief schilderte der Ex-Drummer damals die Geschichte aus seiner Sicht.
Er sei lediglich für Vergleichsgespräche zu den Treuhändern nach Liechtenstein gereist – dummerweise alleine, wie er anmerkte – schliesslich müsse er seit 1992 um sein Vermögen bangen. Kaum im Büro der Treuhänder angekommen, hätte ihn das Duo Jeeves-Bissig jedoch von zwei Polizisten abführen lassen.
Die deutsche Rockband wollte Steuern sparen
Rückblick: In den 80er-Jahren wollten die Scorpions mit Hilfe einer eigenen Produktionsfirma mit Standort Liechtenstein einerseits für ihre Pension vorsorgen und andererseits Steuern sparen.
Dafür nahmen sie laut Rarebell die Dienste der Treuhänder Jeeves und Bissig in Anspruch. Die hätten auch das Scorpions-Vermögen bis ins Jahr 1992 über die zu diesem Zweck gegründete Gesellschaft namens «Rassia Records» verwaltet.
Die Treuhänder rückten mit dem Vermögen nicht heraus
Dann habe sich das Blatt gewendet. Nach dem Ausstieg des Bandmitglieds Francis Bucholz, 1992, hätten die Treuhänder gemäss Ex-Schlagzeuger Rarebell plötzlich behauptet, dass die Produktionsfirma nicht den Scorpions, sondern ihnen selber gehöre.
Sie verweigerten die Auszahlung des Vermögens. Dabei sei zuvor nie in Abrede gestellt worden, das es sich bei den verwalteten Mitteln um Vermögen der Scorpions handelte.
Die Musiker fühlten sich um rund acht Millionen Dollar an Tantiemen betrogen. Aus diesem Grund ist seither ein Prozess vor dem Fürstlichen Landesgericht in Liechtenstein anhängig.
Jeeves Group bestätigt Verfahren
Von Seiten der Jeeves-Gruppe heisst es heute: «Dies ist ein Verfahren, dass seit vielen Jahren läuft zwischen der Scorpions Gbr und der Rassia Anstalt. Hauptgrund für die lange Verfahrensdauer sind hauptsächlich die internen Streitigkeiten bei den Scorpions. Die Rassia spezialisierte sich darauf, Lizenzabrechnungen und andere Dienstleistungen an Musiker anzubieten.»
Alexander Jeeves, der heutige Geschäftsführer und Sohn von Bryan, führt aus: «In der Zwischenzeit sieht es so aus, als ob das Verfahren bald eingestellt werden könnte. Da es sich aber um eine laufendes Verfahren handelt, werden Sie verstehen, dass wir Ihnen derzeit keine weiteren Details sagen können.» Es ist eines von mehreren Verfahren, in das die Jeeves-Group verwickelt ist.
Schlecht beraten
Im Zusammenhang mit den angeblichen Steuervergünstigungen in Liechtenstein waren die Scorpions zudem schlecht beraten. Nach Ausführung durch den Ex-Drummer Rarebell mussten sie die gesamten Einnahmen der Produktionsfirma auch in Deutschland versteuern, obwohl ihnen die Herausgabe des Vermögens von ihren Treuhändern verweigert wurde.
Das Vorgehen der Scorpions und der Jeeves Group erinnert an ein gängiges Manöver zur Steuerumgehung: Man verkauft etwas, zum Beispiel Songrechte, günstig, spart damit Steuern und kommt sofort zu Geld.
Gängiges Muster
Der Käufer dagegen kauft, wenn er erstens davon überzeugt ist, dass er mehr Kapital daraus schlagen kann, als er jetzt dafür bezahlen muss, oder wenn zweitens der Rückverkauf von Anfang an vereinbart wäre.
Geschieht dies im Wissen, dass der Handel unter dem eigentlichen Wert stattfindet, geht es darum, etwas zu verstecken.
Lesen Sie dazu auch: «Liechtensteiner Treuhänder...»
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