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Eines Tages sah Emmanuel Rubben keinen Ausweg mehr. Er nahm sich ein Seil, einen Stuhl und ging damit zum Fluss, der Uganda vom Südsudan trennt. Der sechsfache Familienvater wollte sich das Leben nehmen. Die Bürde seines Lebens schien zu schwer geworden. Doch der Ast, an dem sich Emmanuel Rubben hängen wollte, brach ab. «Das war ein Zeichen Allahs», ist der 49-Jährige überzeugt. Er fing an, sich Gedanken darüber zu machen, wie er sein Leben wieder in den Griff kriegen könnte.
Schwierige Kindheit, Krieg, Gewalt
Emmanuel Rubben hatte eine schwierige Kindheit. Den leiblichen Vater hat er nie kennengelernt. Daran nagt er noch heute. Seine Mutter heiratete wieder, in der neuen Familie wurde er misshandelt. Eine Narbe im Auge zeugt von der Schwere der Übergriffe.
Eigentlich hätte er als junger Mann studieren wollen, wurde aber in die Armee eingezogen – er war Soldat im Unabhängigkeitskrieg um den Südsudan, musste selber töten und zusehen, wie andere Menschen ermordet werden. Mit der Unabhängigkeit des Südsudans wurde Emmanuel Rubben aus dem Dienst entlassen. Doch dann brach der Bürgerkrieg im Südsudan aus. Emmanuel Rubben musste zusammen mit seiner Frau und den sechs Kindern fliehen.
Die Familie fand in Uganda einen neuen Ort zum Leben. Die psychologischen Folgen des Krieges aber verfolgten ihn weiter. Emmanuel Rubben zog sich zurück, wollte mit niemandem reden. Er wurde gewalttätig gegenüber seiner Familie, konnte ihre Nähe nicht mehr ertragen.
Emotionen in den Griff bekommen
Nach dem missglückten Selbstmordversuch machte er Bekanntschaft mit der Hilfsorganisation «Handicap International», die mit Geldern der Glückskette traumatisierte Flüchtlinge betreut. Sie bietet therapeutische Einzelgespräche und Selbsthilfegruppen an. In diesen Gesprächen lernte der 49-Jährige mit seinen Emotionen umzugehen und schloss Freundschaften.
Heute lebt er mit seiner Familie im Flüchtlingscamp Imvepi im Norduganda, wo er über ein 30 x 30 Meter grosses Stück Land verfügt, das er bewirtschaften kann. Emmanuel Rubben fühlt sich gestärkt und kann seine Familie wieder geniessen. Inzwischen ist er auch als Botschafter von «Handicap International» tätig und betreut selber Nachbarn, die auf Hilfe angewiesen sind. «Ich bin dankbar für die Unterstützung, die ich hier erhalten habe.»
Rund eine Million Franken von der «Glückskette»
In den Flüchtlingscamps in Norduganda leben über eine Million Südsudanesen – viele von ihnen schwer traumatisiert. «Handicap International» hat von der Glückskette-Sammlung für die Opfer der Hungersnot in Afrika rund eine Million Franken erhalten, um den Flüchtlingen Schutz und psychosoziale Unterstützung zu bieten.
Die Reportage-Reise von Sandra Witmer wurde von der «Glückskette» finanziert.