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Eine einfache Entdeckung schafft etwas, woran jahrelange Wiederaufforstungsprogramme immer gescheitert sind: «Farmer Managed Natural Regeneration» (FMNR), so heisst die Methode offiziell, ist eine Technik, bei der einheimische Bäume aus bestehenden Stümpfen, Wurzeln und Samen aufgezogen werden. Durch die Wahl der richtigen Pflanzen, den Rückschnitt und den gewissenhaften Schutz der Pflanzen ist eine schnelle und kostengünstige Wiederaufforstung möglich, die den Bedürfnissen der Landwirte entspricht und gleichzeitig dringende Umweltprobleme löst.
Vor der «Entdeckung» von FMNR gaben internationale Organisationen und westafrikanische Regierungen während eines Zeitraums von sieben Jahren schätzungsweise 160 Millionen US-Dollar für Aufforstungsmassnahmen aus, bei eher magerem Erfolg: 20’000 Hektar unterdurchschnittliche Landnutzung. Das sind Kosten von 8’000 Dollar pro Hektar.
UNSER KOLLEGE TONY RINAUDO VON WORLD VISION AUSTRALIEN, GEWINNER DES «ALTERNATIVEN NOBELPREISES 2018.
Grosser Erfolg in Niger
Dank der «Entdeckung» und Förderung der FMNR im Jahr 1983 breitete sich die Methode auf 5'000’000 Hektar im Niger aus. Heute werden über 200 Millionen Bäume von den Bauern in einer bisher fast baumlosen Landschaft nachhaltig bewirtschaftet. Was die Investitionen betrifft, so liegen die Kosten bei weniger als 10 Millionen Dollar. Einschliesslich der von den Landwirten geleisteten Arbeitsstunden betragen die Kosten nur 14 bis 20 Dollar pro Hektar.
DER RICHTIGE SCHNITT, DIE RICHTIGE PFLANZE UND DER RICHTIGE ORT SORGEN DAFÜR, DASS DIE WIEDERAUFFORSTUNG GELINGT.
Die FMNR-Bewegung in Niger zeigte, dass die Wüstenbildung schnell, kostengünstig und in grossem Umfang rückgängig gemacht werden kann. Heute liegt der zusätzliche Wert dessen, was konsumiert und von den Bauern direkt verkauft wird, in der Grössenordnung von 900 Millionen US-Dollar pro Jahr und nigrische Bauern bauen jährlich 500’000 Tonnen Getreide mehr an. Diese Ergebnisse wurden in einem der ärmsten Länder der Welt, am Rande der Sahara, ohne staatliche Unterstützung, ohne Dünger oder Bewässerung und mit minimalem Aufwand von aussen erzielt.
NIGER: WO FRÜHER ERODIERTE ERDE WAR, KANN HEUTE WIEDER GEERNTET WERDEN.
Armut durch Abhängigkeit
Die FMNR-Methode befähigte einige der ärmsten und am stärksten marginalisierten Menschen der Welt, sich aus Armut und Hunger zu befreien. Ich habe die Schrecken der Hungersnot aus erster Hand gesehen und bin Zeuge der Veränderungen geworden, die von den einfachen Menschen, die die FMNR-Methode anwenden, bewirkt wurden. Das verpflichtet mich dazu, mein Leben lang die Geschichte dieser transformativen Technik zu erzählen.
Für mich ist dieser Preis mehr ist als eine blosse Würdigung. Die Auszeichnung erkennt auch an, dass arme Menschen nur arm und von der Grosszügigkeit der Reichen abhängig sind, weil ihnen das Wissen, der Zugang und die legalen Nutzungsrechte an den natürlichen Ressourcen der Welt verweigert werden. Diese Auszeichnung ist deswegen auch Beweis und Würdigung für die Intelligenz, Ausdauer und Würde der Menschen.
DIE LOKALE BEVÖLKERUNG KANN DIESE EINFACHE METHODE SELBST ANWENDEN.
Know-how macht selbstbewusst
Eine meiner Lieblingsgeschichten im Zusammenhang mit der FMNR-Methode entstand, als ich mich darauf vorbereitete, den Niger zu verlassen, nachdem ich dort 17 Jahre lang gelebt hatte. Ich war mit einigen Besuchern aus dem Ausland unterwegs, um ihnen die Arbeit und die Fortschritte zu zeigen. Anstatt nur direkt zu den Feldern zu gehen, hielten wir zuerst an und sassen im Schatten eines Baums im Dorf. Wie es so üblich ist, begann sich sehr bald eine Traube von Menschen um uns zu versammeln. Ich fragte: «Was waren die wichtigsten Auswirkungen des Projekts in all den Jahren?». Was sie geantwortet haben, hat sich mir tief eingeprägt.
Sie sagten: «Bevor dieses Projekt kam, waren wir nichts und niemand. Alles, was wir jemals von unserem eigenen Chief gesehen haben, war der Staub aus seinem Fahrzeug, als er durch unser Dorf raste. Das einzige Mal, als wir jemanden aus der Forstverwaltung sahen war, als man uns wegen des Fällens eines Baumes bestrafte. Alles, was wir über die Aussenwelt wussten, hatten wir bei BBC gehört. Doch heute, wegen dieses Projekts, stoppt der Chief und sucht unseren Rat. Die Forstverwaltung hält uns für ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit Bäumen und wir empfangen regelmässig Besucher aus aller Welt. Heute sind wir jemand und wir sind bekannt. Das Projekt hat unsere Würde und unser Selbstwertgefühl wiederhergestellt.» Die Methode hatte also nicht nur ihre Umwelt verändert, sondern auch die Menschen selbst.
TONY RINAUDO BEI EINER SEINER SCHULUNGEN FÜR DIE LOKALEN LANDWIRTE
Noch immer nicht bekannt genug
Trotz ihrer signifikanten und zunehmend gut dokumentierten Auswirkungen ist die FMNR-Methode nationalen Regierungen, internationalen Hilfsorganisationen und Gebern relativ unbekannt. Für die Zukunft ist es von grosser Bedeutung, was der Right Livelihood Award für die FMNR-Bewegung weltweit bewirken könnte. Das Preisgeld wird verwendet, um Bewusstsein zu schaffen und FMNR in neue Bereiche einzuführen, in denen es noch nicht bekannt ist. Der Right Livelihood Award an sich verleiht FMNR ein Profil, das es bisher einfach nicht gab. Ich glaube, dass dieser Preis die Aktivitäten, an denen internationale Organisationen wie World Vision und die Global Evergreening Alliance bereits stark beteiligt sind, verstärken und beschleunigen wird.
Wenn es jemals eine Zeit für eine globale Bewegung für Wiederbegrünung gab, dann ist sie jetzt. Heute nimmt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) an, dass 24 % aller Landflächen degradiert sind. Dabei ist das die natürliche Ressourcenbasis, aus der die meisten unserer Lebensmittel geerntet werden. Zugleich schätzt die United Nations Climate Change Conference (UNCCC), dass wir nur noch 10 Jahre Zeit haben, um massiv auf die Treibhausgasemissionen zu reagieren.
Es ist an der Zeit, dass FMNR, diese einfache und effektive Intervention, massiv ausgeweitet wird. In unseren Entwicklungsprojekten, vor allem in Afrika, werden moderne Anbaumethoden gefördert. Helfen Sie uns dabei: www.worldvision.ch/spenden