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Fantastische Einblicke: Unter der bis zu vier Kilometer dicken Eisdecke der Antarktis verbirgt sich das letzte unerforschte Gebirge der Welt – eine Bergkette in Grösse der Alpen. Vermessungen eines internationalen Forscherteams liefern überraschende Erkenntnisse über die Geschichte unserer Erde.
Die Gebirgskette wurde durch eine kilometerdicke Eisdecke vermessen. Die Daten sind zahlreich genug, um die Forscher ein ganzes Jahr zu beschäftigen.
Das Gamburzew-Gebirge liegt unter einer bis zu vier Kilometer dicken Eisdecke begraben. Ein internationales Forscherteam konnte die Gebirgskette, die etwa so gross ist wie die Alpen, im Rahmen des Internationalen Polarjahrs (IPY) 2007-2009 vermessen. Die Untersuchungen rund um das Gamburzew-Massiv fanden im Rahmen einer zehnwöchigen Südpol-Expedition statt. Dabei erstellte man eine Karte der rauen Oberfläche des Gebirges. Zusätzlich sammelte man geophysikalische Daten des Bodens und der Luft, indem man Magnetfeld, Schwerefeld und Eisdicken der Region erhob.
«Es handelt sich bei dem Gamburzew-Gebirge eindeutig um ein alpines Gebirge mit Bergzacken und Tälern», betonte Expeditionsteilnehmer Detlef Damaske von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Während des dritten Internationalen Polarjahres im Jahre 1958 war der Antarktispunkt, der am weitesten von allen Küsten entfernt ist und als der "Südpol der Unzugänglichkeit" bezeichnet wird, das Ziel einer sowjetischen Expedition. Durch dort in den Untergrund gesendete Schallwellen wurden erste Hinweise auf ein verborgenes Gebirge entdeckt und dieses nach dem sowjetischen Geophysiker Grigorij Aleksandrovič Gamburzew benannt.
Die Expedition, an der sich Forscher aus den USA, Grossbritannien, Deutschland, Japan, China und Australien beteiligten, startete im November 2008. Zunächst wurden die Wissenschaftler in der Amundsen-Scott-Station am geografischen Südpol einquartiert, um sich an die Höhenlage zu gewöhnen. «Der Südpol liegt auf einer Seehöhe von 2.835 Metern, unsere Camps jedoch jenseits der 3.500 Meter», sagte Damaske. Die eigentlichen Forschungen, die bis zum Januar 2009 andauerten, begannen erst mit dem Überfliegen und Vermessen des unzugänglichen Gamburzew-Massivs.
«Die Temperaturen unseres Camps betrugen um die minus 30 Grad, aber drei Kilometer unter uns, am Boden der Eisdecke, sahen wir flüssiges Wasser in den Tälern», erklärte Dr. Robin Bell, zweiter Vorsitzender der AGAP (Antarctica’s Gamburtsev Province). «Das Radar, das auf den Tragflächen des Flugzeugs angebracht war, übertrug Energie durch die dicke Eisschicht und enthüllte uns dadurch, dass es am Fuss der Eisschicht viel wärmer war».
Das Gebirge bedeckt mindestens eine Fläche von 700 mal 250 Kilometern und sein höchster Gipfel liegt etwa 2800 Meter über dem Meeresspiegel, das tiefste Tal etwa 800 Meter unter dem Meeresspiegel. Das Gamburzew-Gebirge ist in etwa so gross wie die Alpen und umfasst die Fläche des US-Staats New York. Die Forscher glauben, dass das Gamburzew-Gebirge der Anfangspunkt des grossen Gletschers gewesen sein muss, von dem aus sich das Eis über das gesamte Polargebiet erstreckte, als es vor mehr als 30 Millionen Jahren tiefgefrohren wurde.
Das Datenmaterial ist umfangreich und die Auswertung wird die Forscher ein ganzes Jahr beschäftigen. «Vor allem erwarten wir uns Hinweise darauf, wie genau die alpinen Gebirge entstanden sind. Bisher kann man nur ausschliessen, dass es sich nicht um vulkanisches Gestein handelt», so Damaske. Man hofft auch, Rückschlüsse ziehen zu können, wo sich das älteste Eis der Antarktis befindet und wie alt das Gestein darunter ist.
Die Vermessung der Eisdecke lieferte dagegen schon konkrete Ergebnisse: «In den Tälern ist das Eis bis zu drei Kilometer dick, während es an anderen Stellen auch weniger als 1000 Meter beträgt». Das ist vor allem wichtig, da die Forscher hoffen, Gesteinsbohrungen vornehmen zu können. «Die Daten erlauben wiederum, die in der Antarktis verfügbare Eismenge genauer zu bestimmen. Klimamodelle, die auch die weltweite Wassermenge integrieren, sind auf möglichst exakte Datensätze angewiesen», so der deutsche Geophysiker.
Auch an Bohrungen im Eis ist man interessiert, da in den Schneelagen alte Luft eingeschlossen ist, die neue Erkenntnisse über die klimatische Geschichte der Erde geben könnte. «Bis vor kurzem hatten wir nur ehrgeizige Pläne, und nun haben wir all diese bemerkenswerten Daten, die wir genau untersuchen können», sagte Dr. Fausto Ferraccioli vom Polarforschungsprogramm British Antarctic Survey.
Quelle: Die Welt
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