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Interview: Tobias Hüberli
Fotos: Njazi Nivokazi
Wie kamen Sie eigentlich dazu, in Afrika Zigarren herzustellen?
Kamal Moukheiber: Ich arbeitete damals für ein Immobilienprojekt in Mosambik. Anfangs pendelte ich zwischen Maputo und London, anschliessend entschieden meine Frau und ich, mit unseren Kindern für drei Jahre nach Ostafrika zu ziehen. Die Zigarren begannen als kleines Seitenprojekt. In der Regel hat man, wenn man so etwas macht, nur Probleme. In diesem Fall aber ergaben sich extrem viele, sehr positive Zufälle, die dazu führten, dass ich beschloss, daraus ein Geschäft zu machen.
Erzählen Sie.
Zu jener Zeit stolperte ich über die Biografie von Robert Mondavi, der die US-amerikanischen Weinindustrie begründet hatte. Er war der Erste, der beschloss, im Napa Valley in Kalifornien sehr guten Wein zu keltern. Anfangs machten sich alle über ihn lustig. Aber er liess sich nicht beirren, importierte das französische Know-how, die Eichenfässer und legte los. Er verlor zwar zweimal seine Firma, aber am Ende stand ein grandioser Erfolg. Nun gibt es durchaus Parallelen zur Zigarrenwelt. Lange existierten nur Produktionsländer wie Kuba, die Dominikanische Republik, Honduras oder Nicaragua. Als ich die Biografie las, sagte ich mir: Das ist es, was man machen muss. Die Bedingungen in Afrika sind nämlich günstig.
Inwiefern?
Die Produktion von Zigarren erfordert ein hohes Mass an Fingerfertigkeit. In Afrika gibt es viele qualifizierte Handwerker, die obendrein nicht sehr teuer sind. Zudem wird in zahlreichen afrikanischen Ländern seit über 100 Jahren Tabak kultiviert. Bekannt sind die Deckblätter aus Kamerun. Aber auch in Simbabwe, Uganda oder Mosambik findet man viel hochwertigen Tabak. Ich habe schon mit Bauern aus Simbabwe gesprochen, die nicht mit mir arbeiten können, weil sie exklusive Verträge mit Marken aus Deutschland abgeschlossen haben. Verarbeitet wird der afrikanische Tabak dann in der Dominikanischen Republik.
Welche Zukunft prognostizeren Sie dem afrikanischen Premiumtabak?
Die Nachfrage wird steigen. Einerseits kommen nicht alle alteingesessenen Zigarrenländer mit der Produktion nach, andererseits ist die Herstellung von Premiumtabak für afrikanische Bauern und Bäuerinnen sehr interessant. Sie kriegen für das Kilo etwa das Fünffache wie von den Zigarettenkonzernen. Simbabwe ist einer der grössen Tabakproduzenten für die Zigarettenindustrie. Nach und nach wird sich da eine Nische für Premiumzigarren etablieren.
Wie ist der Markt für Premiumzigarren in Afrika selbst?
Man trifft überall auf dem Kontinent auf Aficionados. Und es gibt bereits sehr weit entwickelte Märkte wie etwa in Südafrika. In Johannesburg finden Sie Tabakfachgeschäfte, die mit der Schweiz vergleichbar sind. In anderen Ländern ist das Ganze noch nicht so weit. Aber es sind alle grossen Marken präsent.
Wie sind Sie das Projekt Bongani denn konkret angegangen?
Ich wusste nichts über das Zigarrenbusiness, ausser, dass ich selbst Zigarren rauchte. In der Dominikanischen Republik rekrutierte ich unseren heutigen Produktionschef, Anthony Padilla Perez. Er hat über 15 Jahre Erfahrung und sollte unsere afrikanischen Rollerinnen und Roller ausbilden. Ziel war es, das gleiche Niveau zu erreichen wie in der Dominikanischen Republik.
Das klappte?
Zu unserer Überraschung sogar ausserordentlich gut. Unsere Rollerinnen und Roller lernten schnell. Innert nur sechs Monaten erreichten wir ein qualitativ sehr gutes Niveau. Im Gegensatz zur Dominikanischen Republik setzen wir den Fokus nicht so sehr auf die Quantität, machen da also nicht enormen Druck, sondern fokussieren auf die Qualität. Das geht, weil das Handwerk in Mosambik im Vergleich zur Karibik noch etwas günstiger ist. Es ist egal, wenn jemand nur 50 Zigarren pro Tag rollt, aber sie müssen alle in perfektem Zustand sein.
Für Ihre Zigarren verwenden Sie auch Tabake aus der Dominikanischen Republik. Warum eigentlich?
Unsere Philosophie ist es, sehr gute Zigarren herzustellen, die auf dem Markt bestehen können. Sie werden in Maputo gerollt, aber nicht ausschliesslich aus afrikanischem Tabak. Das will nicht heissen, dass einheimische Tabake zu wenig Aromen haben, im Gegenteil. Aber mit den dominikanischen Tabaken steuern wir das Brandverhalten und die Konstanz. Irgendwann werden wir ganz sicher eine afrikanische Puro machen, aber so weit sind wir noch nicht.
Was braucht es dafür?
Einfach noch etwas Zeit. Wir haben zum Beispiel Tabaksamen von dominikanischen Herstellern nach Afrika gebracht und unseren Bäuerinnen und Bauern in Mosambik gegeben. Zudem existiert in Simbabwe ein Produzent mit Tabak, der jenem in der Dominikanischen Republik sehr ähnlich ist. Wir testen viel, machen neue Blends und schauen, was funktioniert und was nicht.
Wie gross ist Ihre Produktion aktuell?
Die ersten Zigarren verkauften wir im Februar 2017, heute sind es jährlich 100 000 Stück. Wir starteten sehr lokal, in Mosambik, dann kamen Südafrika, Kenia und Nigeria hinzu. Den Schritt aus dem Kontinent hinaus wagten wir erst später. Der Markt in Afrika erlaubte es uns, Fehler zu machen und zu lernen.
Verfolgen Sie noch andere Projekte?
Nein, ich arbeite zu 100 Prozent für Bongani. Das beste Rezept, um Erfolg zu erzielen, ist, gar keine andere Wahl zu haben. Wenn man zwei oder gar drei Dinge nebeneinander macht, geht das nicht gut. Und um es gut zu machen, braucht es immer volle Konzentration.
Und welche Strategie verfolgen Sie hier in der Schweiz?
Das Motto lautet: Keep it simple. Wir verfügen nicht über viele Formate. Das ist auch nicht nötig, die Kundinnen und Kunden entdecken uns ja erst. Wir wollen konstant sein, uns langsam etablieren. Aktuell sind wir in Genf, Lausanne, Montreux und in Zürich präsent. Dazu kommen die Onlinehändler.
Welchen Stellenwert hat die Marke Bongani eigentlich in Mosambik?
Nun, sogar der Präsident der Republik weiss, wer wir sind. Er bat uns, «made in Mozambique» auf die Boxen zu schreiben. Unsere 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten sich wohl nie vorgestellt, dereinst Zigarren herzustellen, aber sie lieben es und sind sehr stolz darauf.
Und was bedeutet Bongani für Afrika?
Kommt darauf an, welches Afrika Sie meinen. Für meine Generation war Afrika noch sinnbildlich für Bürgerkrieg und hungernde Kinder. Mit der Realität hat das nicht mehr viel zu tun. In den meisten Ländern, die in den Neunzigerjahren sehr arm waren, herrscht Frieden. Es kam an sehr vielen Orten zu einem unglaublichen Wirtschaftswachstum. In den Städten herrscht eine grosse Dynamik, die Leute arbeiten hart. Klar existiert immer noch viel Ungleichheit. Aber man ist stolz darauf, Afrikanerin oder Afrikaner zu sein. Das Interesse für lokale Produkte steigt, das hilft uns natürlich, es ist aber auch für das afrikanische Selbstverständnis wichtig.
Inwiefern?
Pro Jahr wird auf dem afrikanischen Kontinent für rund sieben Milliarden Dollar Kaffee produziert und exportiert. Dieser Kaffee wird anderswo weiterverarbeitet und ist anschliessend 70 Milliarden Dollar wert. Es gibt in Afrika ein wachsendes Bewusstsein dafür, die Wertschöpfung in den Ländern zu behalten. Und wir sind ein vielleicht kleines, aber gutes Beispiel dafür.
Kamal Moukheiber (53) stammt aus dem Libanon. Nach einem Ingenieurstudium in Beirut und Paris arbeitete er während 15 Jahren in London im Finanzsektor. 2016 gründete er in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, die Zigarrenmanufaktur Bongani. Seit 2021 sind die Zigarren von Bongani in zwei Formaten auch in der Schweiz erhältlich. Der Blend enthält neben Tabak aus Kamerun und Mosambik auch solchen aus der Dominikanischen Republik.
bonganicigars.com