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Streifzug durch historische Gärten und Parkanlagen
Der St. Galler Klosterplan von 816 unterteilte das Gartenareal in einen Gemüse-, einen Heilpflanzen- und einen Obstgarten. An seinem Vorbild orientierten sich Kloster- und Bauerngärten ebenso wie Burg- und Stadtgärten. Gärten als umzäunte Bereiche sind mindestens so alt wie der Ackerbau. Anlässlich des «Gartenjahrs 2016» und der «Tage des Denkmals» vom 10.-11. September 2016 lädt Sie das HLS zu einer Gartenschau der historischen Art ein.
Anpflanzen, ernten, beobachten
In römischer Zeit war die Entwicklung des Gartenbaus bereits weit fortgeschritten. Auch in der Schweiz verbreitete sich das antike Erbe der Gartenkultur über die Klöster. Lange Zeit waren die Gärten hauptsächlich auf den Nutzen ausgerichtet. Der Ertrag aus Gemüse- und Obstgarten ergänzte die Ernährung der Bauern und Handwerker vom Frühjahr bis zum Spätherbst. Man kultivierte zudem zahlreiche Heilpflanzen, deren Wirksamkeit seit der Frühzeit erforscht wurde und die im Mittelalter hauptsächlich in Klostergärten gediehen. Im 9. Jahrhundert führte der Reichenauer Abt Walahfrid Strabo in seinem Lehrgedicht über 20 Heilkräuter und deren Eigenschaften auf. Das Interesse für Botanik lebte im 16. Jahrhundert wieder auf und erste botanische Gärten entstanden. An der Universität Basel schuf Caspar Bauhin 1589 den ersten botanischen Garten der Schweiz.
Spazieren, flanieren, verweilen
Früher wie heute war der Garten auch ein Ort des Vergnügens und der Erholung. Das Aufblühen der Städte im Spätmittelalter führte zu den ersten öffentlichen Baumgärten. 1553 forderte der Zürcher Stadtarzt Konrad Gessner Gärten «zum daryn spatzieren und sich belustigen». Im 18. Jahrhundert richteten Städte erste Parkanlagen wie die Promenade des Bastions in Genf ein. Allmählich breitete sich der englische Landschaftsgarten in der Schweiz aus, deren grösster, die Eremitage bei Arlesheim, zahlreiche ausländische Reisende anzog. Kennzeichnend für die schweizerische Stadtplanung des 19. Jahrhunderts waren die Aufschüttung der Seeufer und das Anlegen von Promenaden. So entstanden in Locarno 1825 die Giardini pubblici und Luzern begann 1844 mit dem Bau seiner Seepromenade. Auch Friedhöfe wurden unter englischem Einfluss ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts parkähnlich gestaltet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden vermehrt stillgelegte Industrieareale durch neue Parkanlagen wie beispielsweise den Oerliker Park ersetzt.
Hegen und Pflegen
Lange war ein grosser Teil der Bevölkerung auf die Früchte des eigenen Gartens angewiesen. Die philanthropische Bewegung im 19. Jahrhundert war der Überzeugung, Gartenarbeit sei von gesellschaftlichem Nutzen, fördere den Familiensinn und halte die Arbeiter von Alkohol und Politik fern. Entsprechend kämpfte sie für die Bereitstellung von Gartenland in den Arbeitersiedlungen. Ähnlich argumentierten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Verfechter von Schrebergärten. Dem 1925 gegründeten Schweizer Familiengärtner-Verband sind heute über 20'000 Mitglieder angeschlossen und seit 1926 ist die Schweiz Mitglied des Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux, des internationalen Kleingärtnerverbands. Für viele ist Gartenarbeit letztlich zur geschätzten Freizeitbeschäftigung oder sogar zu einer Art Lebensphilosophie jenseits des Nutzaspekts geworden, wovon neue Projekte wie dasjenige des Urban Gardening inmitten der Städte zeugen.