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Areal Glaubten in Zürich-Affoltern: Im Rücken der Kirche
In Zürichs nördlichem Stadtteil Affoltern soll ein gut erschlossenes, noch weitgehend unbebautes Grundstück beim Kirchenzentrum Glaubten entwickelt werden. Als Ankermieterin ist die die Stiftung Sozialwerk Pfarrer Sieber vorgesehen. Geplant ist ein kompaktes Ensemble mit Innenhöfen.
Einst bestand die Gemeinde Affoltern bei Zürich aus zwei Dorfteilen am östlichen Ende des Furttals, das bis heute Gemüselieferant der benachbarten Grossstadt ist. Zu Ober- und Unteraffoltern gesellte sich mit dem beginnenden 20. Jahrhundert in erheblicher Distanz Neuaffoltern – eine Ausdehnung der boomenden Industriestadt Oerlikon. Oerlikon hatte die reichen Fabriken, Affoltern die Wohnungen der armen Arbeiterfamilien und zu wenig Steuersubstrat. Diese Ungleichheit war ein wichtiger Faktor bei der Eingemeindung der Ortschaften nördlich des Limmattals im Jahr 1934.
In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gebiet zwischen Neuaffoltern und dem rund zwei Kilometer entfernten Oberaffoltern sukzessive bebaut und in das urbane Gefüge von Zürich integriert. Das Zusammenwachsen der zwei Ortsteile erfolgte entlang der historischen Wehntalerstrasse. Sie verbindet Affoltern mit der Zürcher Innenstadt und Oerlikon. Als klassische Ausfallstrasse sammelt sie auch den motorisierten Pendlerverkehr in die westlichen Gebiete des Zürcher Unterlands.
Das Kirchenzentrum Glaubten steht an der grossen Kreuzung der Wehntalerstrasse mit einer Tangentialverbindung über den Hönggerberg, die sich anschliessend in Strassen nach Zürich-Seebach und Unteraffoltern und in die kleinere Riedenhalden strasse verzweigt. 1938 entstand zuerst an der Riedenhaldenstrasse ein Kirchgemeindesaal. Dieser wurde dann in eine grosse Gesamtanlage mit einer eigenen Kirche integriert, welche die Nordwestecke der Kreuzung einnimmt und 1972 eröffnet wurde.
Architekten waren Rudolf und Esther Guyer. Der massive, geschlossene Gebäudekomplex verfügt über einen Innenhof und wirkt zum Stadtraum hin, wo er fast keine Fenster aufweist, sehr introvertiert. Dies wird in Beschreibungen des Werks als Massnahme gegen den Verkehrslärm erklärt. Mit den vertikalen Betonrippen entlang den Traufkanten, die entfernt an Zinnen erinnern, hat das Kirchenzentrum etwas Festungsartiges.
Westlich des Kirchenzentrums erstreckt sich zwischen der Wehntaler- und der Riedenhaldenstrasse ein Grünraum mit zwei kleineren freistehenden Häusern. Er gehört ebenfalls zum Areal des Kirchenzentrums, welches etwas mehr als die Hälfte der 9585 Quadratmeter grossen Parzelle belegt. Auf diesem Restgrundstück beabsichtigen die reformierte Kirche Zürich Stadtverband und die Stiftung Sozialwerk Pfarrer Sieber (SWS), ein gemeinsames Bauprojekt zu realisieren. Dieses Weiterbauen wird als eine nächste Etappe der bereits erfolgten Entwicklung vor Ort verstanden. Über einen Studienauftrag suchten Kirche und SWS nach einer angemessenen baulichen Lösung. Diesem soll ein Bauvorhaben folgen, das dem öffentlichen Vergabewesen unterstellt ist.
Quelle: MIYO
Der Spitaltrakt «Sune-Egge» mit der Langzeitpflegestation «Sunegarte» grenzt an zwei Innenhöfe.
Betreuen und Freiheiten gewähren
Erwartet wurde von den am Studienauftrag beteiligten Teams «eine städtebauliche Antwort, die sich zum bestehenden Kirchenzentrum in Grösse, Abstand und Höhe einordnen muss» und auch der Lärmbelastung entlang der Wehntalerstrasse Rechnung trägt. Die Antwort musste das Raumprogramm der SWS erfüllen. Es umfasste das Fachspital «Sune-Egge», welches Leistungen im akutmedizinischen und palliativen Bereich erbringt, vergleichbar mit einem Spital ohne Notfallbereiche.
Ausserdem die Langzeitpflegestation «Sunegarte» und das begleitende Wohnangebot «Brothuuse », welches meist zeitlich befristete Wohnplätze für Personen in Krisensituationen anbietet und «sozial desintegrierten Menschen Wohnkompetenz vermitteln will». «Sunegarte» und «Brothuuse» benötigen gemeinschaftlich nutzbare Sozialbereiche, Betreuungs- respektive Therapieplätze sowie Administrations- und Nebenräumlichkeiten. «Sune-Egge» und «Sunegarte » mit drei Pflegestationen à 16 Betten und «Brothuuse» mit zehn Wohngruppen à vier Personen sollen getrennt voneinander betrieben werden können.
Neben dem Ermöglichen einer zeitgmässen Pflege und neben der medizinischen Betreuung von Menschen mit Suchterkrankungen, galt es, eine die Balance von minimalem Komfort sowie Sicherheit zu wahren und mit baulichen Mitteln die Stärkung des Selbstbewusstseins und der Wiederherstellung der Selbständigkeit der Bewohner zu fördern. Wichtig war den Auftraggebenden, dass durch eine vorgeschlagene Lösung «unter keinen Umständen ein öffentlicher Vorwurf entstehen kann, die Sozialwerke Sieber würden für Obdachlose und Randständige sowie die eigene Administration einen teuren Neubau finanzieren».
Die Projekte entstanden im Rahmen eines selektiven, einstufigen Studienauftragsverfahren mit Dialog. Insgesamt 45 Teams bewarben sich, sieben wurden zugelassen. Nach etwa einem Drittel der gegebenen Bearbeitungszeit kam es zu einer Zwischenpräsentation. Das Beurteilungsgremium gab im Anschluss Empfehlungen für die Weiterbearbeitung ab. Nach der Schlusspräsentation empfahl das Beurteilungsgremium der Bauherrschaft und der Stiftung einstimmig das Projekt von «Sunny» von Schneider Studer Primas mit «KOLB Landschaftsarchitektur», beide aus Zürich, zur Weiterbearbeitung.