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Die grossen Blauflossenthunfische (Thunnus thynnus) wogen je rund 100 Kilogramm und steckten zwischen mehreren Tonnen Makrelen, die im Sommer gefangen worden waren. Die Thunfische sind in den grönländischen Gebieten ganz seltene Besucher und soweit nördlich in der Dänemarkstrasse wurden noch nie Tiere gefunden. Den letzten Bericht eines Fundes stammte aus dem Jahr 1900 in der südwestlichen Spitze von Grönland, bei Qaqortoq. «Blauflossenthunfische sind normalerweise auf Beutezügen in Gewässern, die über 11° C aufweisen. Da aber im August 2012 die Dänemarkstrasse so warm war und weil Makrelen bereits in die Region hinaufgewandert waren, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Thunfische ihr Verbreitungsgebiet schon weiter nach Norden ausgeweitet haben oder momentan dabei sind», erklärt Professor Brian MacKenzie, der zusammen mit den Forschern Mark Payne und Jesper Boje (DTU Aqua), Jacob Høyer (Dänisches Meteorologisches Institut) und Institutsleiterin Helle Siegstad (Grönländisches Naturinstitut) die Gründe untersucht haben, warum Blauflossenthunfische und ihre Nahrung auf dem Weg in weiter nördliche Gebiete als normal sind.
Die Gründe, warum Mackenzie und seine Kollegen überhaupt an diesen Thunfischen interessiert waren, war die Dokumentation von Veränderungen ihres Wanderverhaltens und der Verbreitungsgebiete und wie diese im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen und wo Blauflossenthunfische und ihre Beute heutzutage vorkommen. «Die wissenschaftliche Gemeinschaft versteht kaum die Faktoren, die bei den Wanderungen und der geographischen Verbreitung von Blauflossenthunfischen und anderen Arten eine Rolle spielen. Aber neue Erkenntnisse wie diese können helfen zu verstehen, warum Thunfische aus den Gewässern rund um Dänemark und aus der Norwegischen See in den 1960er Jahren verschwunden sind und besonders, wann sie wieder zurückkommen», meint Professor MacKenzie weiter. Weiter erwähnt er, dass zusätzlich zum Auftauchen in der Dänemarkstrasse 2012 den Ländern Island und Norwegen neue Thunfisch-Fangquoten (30 Tonnen) für 2014 zugesprochen wurden. «Die neue Quotenzuteilung sind entstanden, weil die Art begonnen hat, seine nördlichen Futtergebiete noch weiter nach Norden auszudehnen. Sollten die Sommertemperaturen in diesem Jahrhundert weiter ansteigen und sowohl Thunfische wie auch Makrelen nachhaltig bewirtschaftet werden, könnten Blauflossenthunfische wieder ein regelmässiger Sommergast in den ostgrönländischen Gewässern werden, zumindest bis auf die Höhe der Dänemarkstrasse», fasst MacKenzie zusammen.
Die Dänemarkstrasse ist im Normalfall kein Ort für wärmeliebende Arten wie der Blauflossenthunfisch. Und wie viele dieser Art den Weg soweit nach Norden zurückgelegt hatten, ist auch nicht bekannt. «Die verfügbaren Daten sind zu beschränkt, um abzuschätzen, wieviele Thunfische bis hierhergekommen waren. Da aber diese Art ein Schwarmfisch ist und die Schwärme zwischen 10 – 100 Tiere beinhalten und die Fischer gleich drei Tiere in einem Netz herauszogen, ist es sehr wahrscheinlich, dass es noch einige mehr gab oder gibt. Wir planen weitere Untersuchungen, um herauszufinden, ob dieses neue Wanderverhalten ein Resultat eines möglichen Populationsanstieges von Blauflossenthunfischen ist», hebt der DTU-Professor hervor. «Unabhängig davon, ob der Bestand angestiegen ist oder nicht, bedeuten klima-bedingte Veränderungen der Verteilung von kommerziellen Fischarten, wie wir sie bereits bei Hering und Makrelen beobachtet haben, dass die internationalen Managementbehörden neue Fischerei- und Ökosystemmanagementpläne entwickeln müssen», meint Coautor Helle Siegstad. Brian MacKenzie fasst zusammen: «Wir haben bereits in den letzten Jahren bei der Ausweitung von Hering und Makrelen in die Gewässer der Färöer, Island, Norwegen und jetzt Grönland gesehen, wie kompliziert die Diskussionen zwischen den Zuständigkeitsbereichen werden können. Es wird in der Zukunft wichtig sein, dass wir den Behörden mit soliden wissenschaftlichen Datengrundlage helfen können, wenn sie neue Entscheidungen im Bereich Fischereimanagement fällen müssen.»
Quelle: Mikkel Schnack Sørensen, Technical University of Denmark (DTU)
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