Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03498.jsonl.gz/2086

Notre-Dame: Modernste Bautechnik im zwölften Jahrhundert
Die Instandsetzungsarbeiten an der Notre-Dame von Paris brachten Erstaunliches ans Licht, wie eine unlängst veröffentlichte Studie von Maxime L’Héritier von der Université Paris 8 zeigt: Die Kathedrale dürfte die erste ihrer Art gewesen sein, bei deren Bau in grossem Umfang Eisen zum Einsatz kam.
Quelle: Leif Linding, Pixabay-Lizenz
Die Notre Dame vor dem Brand, im Jahr 2018.
Als 1348 nach rund 80jähriger Bauzeit in der Notre-Dame von
Paris die ersten Messen gelesen wurden, galt sie mit einer Höhe von 32 Metern als
das höchste jemals errichtete Gebäude. Möglich machten ihre spektakulären Ausmasse modernste Bautechniken, dies gilt auch
für spätere Sanierungen und Neuerungen.
So setzten ihre Baumeister unter anderem
auf Eisenklammern, um die Bausteine zusammenzuhalten. Obwohl solche Verstärkungen
bei neueren Kathedralen und Instandsetzungsarbeiten oft verwendet worden
sind, wusste man bislang nicht, welche Rolle die Metallteile für die ursprüngliche Konstruktion der Notre-Dame gespielt haben.
Dieses Geheimnis hat der Brand von 2019 gelüftet: Im Zuge der Restaurierungsarbeiten gelangten bisher verborgene Eisenklammern ans Licht, die Hinweise auf die Verwendung von Eisen beim Bau der Kathedrale liefern.
Eisenklammern aus den 1160er-Jahren
Maxime L’Héritier und ihre Kollegen entnahmen bei total zwölf in den Seitenschiffen, auf der Empore und in den Mauern verbauten Klammern Proben, die sie mit Hilfe von Radiokarbondatierung untersuchten. Dabei stellten sie fest, dass die Baumeister während der ersten Bauphasen der Notre-Dame in den 1160er Jahren tatsächlich Eisenklammern verwendet hatten. Gemäss der Medienmitteilung der Universität macht dies die Notre-Dame zum ersten Gebäude seiner Art, bei dessen gesamter Struktur eiserne Klammern zum Einsatz gekommen sind.
Laut dem Forschungsteam ist „die Notre-Dame de Paris zweifellos die erste gotische Kathedrale, bei der man Eisen als eigentliches
Baumaterial nutzte, um eine neuartige Architektur zu schaffen“. Es handelt sich dabei um mehrere Tausend Eisenklammern.
Überdies liefern die Untersuchungen auch Erkenntnisse über die Zeit, als die Notre-Dame errichtet worden ist. Das gilt etwa für Eisenhandel, -umlauf und -schmieden im Paris des 12. und 13. Jahrhunderts. So sind viele der Klammern aus Eisenteilen unterschiedlichster Herkunft zusammengeschweisst worden. (mai/mgt)
Hier gehts zur Studie, sie wurde bei PLOS veröffentlicht: https://journals.plos.org