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Der Name passt. «Mermaid's Dream», der Traum einer Meerjungfrau, heisst das Ferienhaus, das sich buchstäblich an bester Lage befindet: Direkt am Strand von Rodanthe (North Carolina), einem idyllischen Ferienort auf den Outer Banks, einer Kette von schmalen Düneninseln im Atlantischen Ozean. Von der grosszügigen Terrasse aus lässt sich jeden Morgen beobachten, wie die Sonne im Meer aufgeht. Ein atemberaubendes Spektakel, bei dem alle Gäste ins Träumen kommen.
Das Haus steht zum Verkauf, zum Schnäppchenpreis von 670'000 Dollar — und das in einem Dorf, in dem Ferienhäuser nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie schnell mehr als 1 Million Dollar kosten können. Wo also ist der Haken?
Die Antwort liefert Dave Hallac, als Superintendent zuständig für die Nationalparks auf den Outer Banks, in denen sich einige der schönsten Strände Amerikas befinden. Bei einem Spaziergang durch Rodanthe zeigt Hallac auf leere Parzellen in der Nachbarschaft zu «Mermaid's Dream». Dann sagt er: Auf diesen Grundstücken standen bis im Mai zwei weitere Strandhäuser, bis sie – während eines nicht besonders starken Frühlingssturmes – buchstäblich vom Meer verschluckt wurden.
Die Häuser waren glücklicherweise leer, verletzt wurde niemand. Aber kaputte Klärgruben und treibender Bauschutt verschmutzten die Küste. Noch Wochen später, sagt Hallac, habe das Meer Isolationsmaterial und Dachschindeln ausgespuckt und kilometerweit über den Strand verstreut. «Sehr bedauerlich», sagt der Park-Superintendent sei dies gewesen, auch weil die lokale Bevölkerung stolz auf das makellose Meeresufer ist, selbst in Zeiten des Massentourismus.
Für Hallac war der Einsturz der Häuser ein weiterer Beweis dafür, wie verletzbar die Outer Banks sind. Jedes Jahr, sagt Hallac, schrumpfe der Strand an besonders exponierten Stellen — wie zum Beispiel in Rodanthe — um bis zu fünf Metern. Damit kommt der Atlantische Ozean dem Dorf mit seinen Ferienhäusern, Restaurants und Geschäftslokalen immer näher.
Das sei keine neue Entwicklung, sagt Hallac. Die Outer Banks, deren höchster Punkt sich vielleicht 28 Meter über Meer befindet, seien schon immer eine höchst dynamische Inselkette gewesen, deren Konturen sich ständig veränderten.
Aber aufgrund des Klimawandels spitze sich die Lage zu, sagt Hallac, der keine grosse Lust hat, eine «polarisierende Debatte» zu führen. Fakt sei: Die Erosion des Strandes schreite zügig voran. Und die Ferienhäuser in Rodanthe, die kommen der Strandlinie immer näher; selbst wenn der Himmel wolkenlos ist, bricht sich das Meerwasser bei Flut nun an den Stelzen, mit denen die Gebäude im Untergrund verankert sind.
Was tun, um das Unvermeidliche hinauszuzögern? Ein Rezept heisst «Beach Nourishment», eine Art Schönheitsoperation für einen Strand: Mit Hilfe von Transportschiffen werden riesige Mengen von Sand gleichmässig an der Küste verteilt, um den Strand zu verbreitern. Diese Methode praktiziert das Dorf Nags Head, das sich etwa 40 Autominuten nördlich von Rodanthe, ausserhalb des Nationalparks, befindet.
Im Gespräch räumt Gemeindepräsident Ben Cahoon ein, dass es sich dabei nur um eine Überbrückungslösung handle — aufgrund der Erosion beträgt die Lebensspanne eines aufgepäppelten Strands vielleicht acht Jahre. Aber «Beach Nourishment» sei alleweil besser als die Alternative: «Hätten wir keinen Strand, dann blieben die Touristinnen und Touristen zu Hause», sagt Cahoon. Dies würde das Ende für Nags Head bedeuten, ein Dorf mit 3'000 ständigen Bewohnerinnen und Bewohnern, das jeden Sommer um 40'000 Feriengäste anschwillt.
Das Argument, dass Nags Head mit der künstlichen Vergrösserung der fast 18 Kilometer langen Küste buchstäblich Geld ins Meer werfe, weist Ben Cahoon zurück. Er räumt ein, dass «Beach Nourishment» nicht billig sei; seit 2011 wurden am Strand von Nags Head gegen 70 Millionen Dollar verlocht. (Das Geld stammt aus verschiedenen Kassen; über die Kurtaxe leisten Touristinnen und Touristen einen wichtigen Beitrag.) Der Gemeindepräsident rechnet aber vor, dass er mit diesem Geld in Nags Head jedes Jahr vielleicht drei exponierte Ferienhäuser kaufen, geschweige denn die bedrohte Infrastruktur schützen könnte.
Cahoon sagt aber auch, dass «Beach Nourishment» auf den Outer Banks längerfristig keine Zukunft habe. Irgendwann, in vielleicht 20 oder 30 Jahren, werde eine neue Dorfregierung «eine sehr schwierige Entscheidung» über die Zukunft von Nags Head treffen müssen, sagt er. Aber solche Debatten liessen sich nicht forcieren. «Alles passiert, wenn es passieren muss.» (bzbasel.ch)
In Afghanistan hält der Winter Einzug – zum zweiten Mal unter den Taliban, seit diese im August 2021 die Herrschaft an sich gerissen hatten. Schon der erste Winter war schwierig, der zweite dürfte noch härter werden. Afghanen und Afghaninnen bringen ihre Besorgnis an den Vertriebsstandorten des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) zum Ausdruck: