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Irvin D. Yalom
Europa im fin de siècle. Die Psychoanalyse steckt noch in ihren Kinderschuhen, Sigmund Freud ist ein junger Arzt, der erst seinen Weg sucht. Den bekannten Wiener Arzt Joseph Breuer und den Philosophen Friedrich Nietzsche verbindet ein ähnliches Schicksal: beiden spuken die Bekanntschaften mit jungen, charismatischen und engagierten Frauen im Kopf herum, die zunehmend den Alltag und die Gedanken der beiden Intellektuellen dominieren. Nietzsche versucht sich von Lou Salomé zu lösen, Breuer muss sich aus dem Bannkreis seiner Patientin Bertha Pappenheim befreien. Soweit die historisch überlieferte Geschichte.
Im Roman lässt der Autor Nietzsche und Breuer zusammentreffen: Im Auftrag von Lou Salomé soll der Arzt versuchen, den Philosophen von seiner „Liebeskrankheit“ zu heilen. Da dies diskret abgewickelt werden soll, schlägt Breuer dem ahnungslosen Nietzsche vor, sich gegenseitig aus den Enttäuschungen zu helfen. Lange scheinen Breuers Anstrengungen an Nietzsches Widerstand zu scheitern. Doch die eingesetzte „Redekur“ und die Erkenntnisse nach einer Hypnose durch Freud lösen die Konflikte auf und ermöglichen jedem der beiden Geistesgrössen ein Weiterarbeiten und -leben.
Neben der Kulisse eines prächtigen Wiens um 1880 überzeugen die sorgfältigen Dialoge, in denen der Übergang zwischen Patienten und Behandelndem oft fliessend sind.
Peter Maibach (2011)
Buchinformation
Irvin D. Yalom
Und Nietzsche weinte
Btb - Taschenbuch, 443 Seiten
ISBN 978-3-442-73728-4