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«Du hast unser Kind getötet», sagt Colette zu ihrem Mann. Sie ist verletzt, ungeheuer verletzt. Das Kind, von dem sie spricht, das sind die Bücher, die sie für Henry Gauthier-Villars geschrieben hat. Die Bücher um Claudine, die zu einem Erfolg wurden. Die Bücher, für die sie sich wie eine Sklavin gequält hat. Die Bücher, die er unter seinem Pseudonym Willy publizierte. Und nun hat er die Rechte verkauft, hinter ihrem Rücken, hat sie belogen, wie schon so oft. Und damit ist ihre erste Ehe am Ende.
Die geschilderte Szene ist der Wendepunkt in einem Werk, das als harmloser Kostümfilm durchgehen könnte. Erzählt wird die Geschichte der Schriftstellerin Sidonie-Gabrielle Colette (1873–1954). Als 20-Jährige heiratete sie den Pariser Literaten Gauthier-Villars, der ihr Talent für seine Karriere schonungslos missbrauchte.
Filmtitel: Colette
Land: Grossbritannien, USA, Ungarn
Jahr: 2018
Genre: Drama, Biografie
Altersempfehlung: ab 12
Regie: Wash Westmoreland
Drehbuch: Richard Glatzer, Rebecca Lenkiewicz, Wash Westmoreland
Darsteller/-innen: Keira Knigthley (Colette), Dominic West (Willy), Eleanor Tomlinson, Fiona Schaw, Aiysha Hart, Ray Panthaki
Dauer: 111 Min.
Verleih: DCM Film Distribution (Schweiz)
Wer Colettes Romane gelesen hat, etwa «Gigi» und «Chéri», hat auch hohe Erwartungen. Kann der Film diese erfüllen und Colette im Kontext ihrer Zeit bestmöglich darstellen? Das tut er zweifelsohne. Der Film zeigt deutlich, wie unkonventionell ihr Leben war. Wie sehr sie darum kämpfen musste, als Schriftstellerin anerkannt zu werden.
Die britische Schauspielerin Keira Knightley spielt im Film die junge Colette und deren Entwicklungsprozess eindrucksvoll. Regisseur Wash Westmoreland erzählt eine Emanzipationsgeschichte, in der Colettes frühe Beziehungen zu Frauen einen nicht zu kleinen Raum einnehmen. Auch wer Colette nicht kennt, kann eintauchen ins Paris der Jahrhundertwende. Schade, streift der Film nur kurz die zweite Lebenshälfte der späteren Journalistin. Und dennoch: Langweile kommt keine auf.