Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03368.jsonl.gz/1031

1 - Die Einführung des Schweizer Frankens (1850)
Die Gründung des Schweizerischen Bundesstaates 1848 führte auch in der Wirtschaft zu bedeutenden Neuerungen. Am 7. Mai 1850 schuf der Solothurner Bundesrat Josef Munzinger, Vorsteher des Finanzdepartements, eine einheitliche Landeswährung. Zuvor hatte in der Schweiz ein Wirrwarr mit 860 Münzensorten geherrscht. Nach hartem Ringen, in dessen Verlauf dem Land gar die Spaltung drohte, gelang es Munzinger, den Kantonen ihre Münzhoheit abzutrotzen. Somit konnten die damals 66 Millionen kantonalen Münzen über einen komplexen Schlüssel in die neuen eidgenössischen Silbermünzen mit der sitzenden Helvetia getauscht werden. Heute zählt der Schweizer Franken zu den Währungen mit der ältesten Geschichte.
2 - Die Eröffnung der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH (1855)
Die Idee einer gesamtschweizerischen Universität bestand schon länger, wurde jedoch erst mit dem Bundesstaat 1848 konkret. Als eine erste Vorlage im Februar 1854 im Parlament scheiterte, entwarfen der Zürcher National- und Regierungsrat Alfred Escher und der Thurgauer Ständerat Karl Kappeler gleichsam über Nacht ein neues Gesetz, das alle Widerstände überwand. Escher und Kappeler waren beseelt von der Absicht, mit der Hochschule die technische und industrielle Modernisierung der Schweiz voranzutreiben. Am 15. Oktober 1855 nahm die ETH mit 32 Professuren den Betrieb auf. Das Polytechnikum verzichtete auf den klassischen universitären Fächerkanon und konzentrierte sich stattdessen auf die technischen Disziplinen, was der Hochschule bald zu weltweitem Ruhm verhalf.
3 - Die Gründung der Schweizerischen Kreditanstalt (1856)
Um 1850 geriet die Schweiz beim Anschluss ans internationale Eisenbahnnetz ins Hintertreffen. Deshalb rief Alfred Escher am 14. Juli 1856 die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) ins Leben. Der Zweck dieser für die Schweiz neuartigen Bank war es, den Eisenbahnbau und die Grossindustrie zu finanzieren. Die Gründung war ein Erfolg: In drei Tagen zeichneten interessierte Anleger 218 Millionen Franken. Der Grossteil des Kapitals floss zunächst in die von Escher präsidierte Nordostbahn, ab 1872 in den Bau der Gotthardbahn, deren erster Präsident ebenfalls Alfred Escher war. Auch die Elektrifizierung des Landes wurde wesentlich von der Kreditanstalt, der heutigen Credit Suisse, mitfinanziert. Eine zentrale Rolle spielte Escher zudem bei der Gründung der Rentenanstalt (heute Swiss Life) im Jahre 1857, die zunächst eine Tochterfirma der SKA war.
4 - Die Gründung der Brown, Boveri & Cie. (1891)
Im August 1891 gelang es dem 28-jährigen Winterthurer Ingenieur Charles Brown erstmals, elektrischen Strom über weite Distanzen zu transportieren und so tausend Lampen zeitgleich zu erhellen. Der Durchbruch der Wechselstromtechnik war eine Sensation. Darauf kündigte Brown seine Stelle bei der Maschinenfabrik Oerlikon und gründete mit dem 26-jährigen Kaufmann Walter Boveri am 2. Oktober 1991 die Brown, Boveri & Cie. (BBC) in Baden. Den Banken war die Finanzierung des Kapitals von 615 000 Franken, nach heutigem Wert zehn Millionen, zu riskant. Erst die Heirat Boveris mit der Tochter eines reichen Industriellen vermochte das Problem zu lösen. Das Risiko zahlte sich aus: Der Bau von Wechselstromkraftwerken florierte, dazu kam die Elektrifizierung der Eisenbahn. Nach fünf Jahren beschäftigte die BBC bereits tausend Mitarbeiter.
5 - Die Fusion von Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company (1905)
Ende des 19. Jahrhunderts verwickelten sich Nestlé aus Vevey und Anglo-Swiss aus Cham in einen unerbittlichen Preiskampf. Die Firmen hatten sich mit Erfolg auf die Herstellung von hochwertiger Babynahrung und Kondensmilch spezialisiert. Beide unterhielten je zehn Fabriken in insgesamt sieben Ländern. Henri Nestlé hatte sein Unternehmen schon zu Lebzeiten an welsche Geschäftsleute verkauft. Nach dem Tod des Anglo-Swiss-Gründers, dem Amerikaner George Page, im Jahre 1899 favorisierten seine Nachkommen eine Heirat mit Nestlé. Eingefädelt wurde die bis dahin grösste Fusion der Schweiz durch den SKA-Generaldirektor Wilhelm Caspar Escher. Die Zustimmung der Aktionäre am 15. April 1905 legte den Grundstein zur weltweiten Expansion, die aus Nestlé einen der ersten multinationalen Konzerne formte.
6 - Die Gründung der Migros (1925)
Als Gottlieb Duttweiler am 15. August 1925, seinem 37. Geburtstag, die Migros mit geborgten 100 000 Franken gründete, war das seine letzte Chance. Im Handel hatte er bereits Millionen verdient – und wieder verloren. Am Anfang liess Duttweiler in Zürich fünf Verkaufswagen ausschwärmen. Das Konzept war revolutionär: Angeboten wurden Güter des täglichen Bedarfs zu einem unschlagbaren Preis, rund 20 Prozent billiger als die Konkurrenz. Die Margen waren so eng kalkuliert, dass die Migros trotz Erfolg bei der Kundschaft zunächst rote Zahlen schrieb. Zudem reagierten die Lieferanten mit Boykotten, weshalb der Patron schon früh auf Eigenmarken setzte. Widerstand gegen die preisbrecherische Migros kam auch von Politikern und Behörden. Duttweiler reagierte 1935 mit der Gründung einer Zeitung und einer eigenen Partei, die in Zürich auf Anhieb zweitstärkste Kraft wurde.
7 - Die Gründung der Swissair (1931)
Im Mai 1930 forderte der Direktor des Eidgenössischen Luftamts, Arnold Isler, die Zürcher Fluggesellschaft Ad Astra Aero und die Basler Balair zur Fusion auf. Isler, der frühere Chef des Flughafens Dübendorf, galt als wichtigster Förderer der Schweizer Aviatik. Er sah für den Luftverkehr eine rosige Zukunft voraus und wollte mit einer Bündelung der Kräfte den Flugbetrieb rentabel machen. Am 26. März 1931 fusionierten die beiden Gesellschaften zur Swissair, ihre Pioniere Walter Mittelholzer und Balz Zimmermann teilten sich in die Führung. Schnell gewann die Swissair Ansehen, indem sie 1932 als erste Gesellschaft Europas auf schnellere Flugzeugtypen setzte und 1934 einen Bordservice mit Stewardessen anbot. Bald flog sie zehn europäische Metropolen an und sorgte für die internationale Vernetzung der Schweizer Wirtschaft.
8 - Das Friedensabkommen in der Schweizer Industrie (1937)
Beim Generalstreik 1918 standen sich eine viertel Million Arbeiter und 100 000 Soldaten gegenüber. Auch in der Schweiz gehörten Streiks bis in die dreissiger Jahre zum Klassenkampf. Die faschistischen Regime in Deutschland und Italien begannen, den Unternehmen die Löhne zu diktieren. Vor diesem Hintergrund suchten die Schweizer Gewerkschaften die Kooperation mit den Arbeitgebern. 1937 ergriff Nationalrat Konrad Ilg, der Präsident der Gewerkschaft SMUV, die Initiative und traf sich unter vier Augen mit Ernst Dübi, dem Präsidenten der Metallindustrie und Direktor der Von Roll. Das am 19. Juli geschlossene Friedensabkommen setzte sich bald auch in anderen Branchen durch und legte den Grundstein für die vorbildliche schweizerische Sozialpartnerschaft, verbunden mit materiellem Wohlstand und politischer Stabilität.
9 - Die Rettung der Schweizer Uhrenindustrie (1983)
Die Billigkonkurrenz aus Japan stürzte die Schweizer Uhrenindustrie Anfang der achtziger Jahre in eine schwere Krise. Die grossen Hersteller Asuag und SSIH allein mussten über 10 000 Arbeitsplätze abbauen. 1981 holten die Banken den Sanierer Nicolas Hayek, der eine erfolgreiche Beratungsfirma besass, um die marode SSIH zu retten. Ein Jahr später folgte der gleiche Auftrag bei der Asuag. Am 12. Mai 1983 gaben die erbitterten Konkurrenten ihre Fusion zur späteren Swatch Group bekannt. Da die Banken keinen Käufer für das verschuldete Unternehmen fanden, stieg Hayek selber mit 70 Millionen Franken ein. Gleichzeitig trieb er mit Hochdruck die Lancierung der Swatch voran. Die neuartige Plastikuhr im Popdesign eroberte im Nu die Märkte und verkaufte sich bis im Herbst 1984, nur ein Jahr nach der Lancierung, bereits über 800 000-mal.
10 - Die Fusion von Ciba und Sandoz zu Novartis (1996)
Es war die grösste Firmenheirat, welche die Welt bis dahin gesehen hatte. Hinter der Schaffung der Basler Novartis stand Marc Moret. Der Chef von Sandoz hatte ab 1981 die Gewinnmargen in seinem Unternehmen massiv gesteigert. Weniger rentable Bereiche stiess er ab, um die Kräfte auf das zukunftsträchtige Medikamentengeschäft zu fokussieren. Der Zusammenschluss mit der breit diversifizierten Lokalrivalin Ciba hatte den Zweck, in der Pharmabranche unter die Besten vorzustossen. Zusammen erhielten sie die kritische Grösse, um Milliardenbeträge in Forschung und Marketing investieren zu können. Die Fusion vom 6. März 1996 markierte für Basel den endgültigen Abschied von der traditionellen Chemieindustrie und den Aufbruch in eine neue Epoche als weltweit bedeutende Pharmastadt.