Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03382.jsonl.gz/358

Im Mai 2019 wurde bekannt, dass Air Canada ihren kanadischen Mitbewerber Air Transat bzw. dessen Muttergesellschaft Transat A.T. Inc. übernehmen will. Nach der Zustimmung durch die kanadischen Wettbewerbsbehörden stimmten im August desselben Jahres auch die Transat-Aktionäre dem Deal zu. Nun wurde am Karfreitag (2. April) bekannt, dass der Deal abgeblasen ist. Was ist passiert?
Für einmal war nicht Corona das Problem. Die beiden Verhandlungsparteien gaben den Deal auf, weil die Wettbewerbsbehörden der EU-Kommission kein grünes Licht für die Fusion gaben. Die Zusage der EU-Behörden war aber auch notwendig, weil ein solcher Deal wesentlichen Einfluss auf den Verkehr zwischen Kanada und Europa gehabt hätte. Auch in der Schweiz war es beispielsweise in vergangenen Jahren so, dass Air Canada (Zürich und Genf) und Air Transat (saisonal nach Basel) im Wettbewerb zueinander standen. Die beiden Airlines waren nicht gewillt, weiteres Geld für die geplante Fusion einzusetzen, ohne jegliche Sicherheit, dass sich die EU umstimmen liesse.
Ganz ohne Corona kommt aber auch diese Story nicht aus. Zum einen waren die Vertragsbedingungen bereits im letzten Oktober angepasst worden. Damit sollte der Corona-bedingte Wertverlust vor allem von Air Transat vertraglich reflektiert werden. Zunächst war der Deal 520 Millionen CDN-Dollar wert, später gar 720 Millionen Dollar, zuletzt aber nur noch 190 Millionen Dollar. Jetzt, wo der Deal komplett gescheitert ist, steht Transat A.T. vor grossen finanziellen Herausforderungen. Der Fokus wird nun auf die Sicherung einer langfristigen Finanzierung gelegt. Die Gesellschaft hat angekündigt, dass 500 Millionen Dollar allein für dieses Jahr benötigt werden. Der Verkauf etwa an Investmentfirmen wird nun auch erwägt.
Ob Air Transat in diesem Sommer nach Europa fliegen kann, ist noch völlig unsicher - zumal in anderer Richtung die kanadische Grenze auch weiterhin dicht ist.