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Der Fiebereffekt
Laut einer kleinen Studie aus dem Jahr 2017 erleben 83,33% der Autisten den sogenannten Fiebereffekt . Wenn wir krank sind und unsere Temperatur steigt, klingen einige unserer autistischen Symptome ab und kehren erst zurück, wenn wir uns besser fühlen. Forscher haben sich seit mindestens 1980 über den sogenannten «Fiebereffekt» gewundert , als eine Virusinfektion in einem therapeutischen Kindergarten für Kinder mit Autismus i in New York ausbrach. Das Krankenhauspersonal berichtete, dass die Kinder bei Fieber sozialer, aufmerksamer und gesprächiger waren. Als ihr Fieber verblasste, verschwanden auch diese Verhaltensverbesserungen.
Der Fiebereffekt tritt aber nicht nur bei Personen mit Autismus-Spektrum auf, sondern auch bei Nicht-Autisten und möglicherweise sogar bei Tieren. Der Fiebereffekt wurde jedoch zuerst bei Autisten beobachtet. Die Vermutung warum das so war, liegt dabei bei der Abnahme autistischer Symptome, bei dem der Effekt leichter zu erkennen war.
Verbesserungen durch Fieber
Eine Studie aus dem Jahr 2017 mit 2.152 Kindern ergab, dass 362 Kinder ( 17% ) mit ASS während des Fiebers Verbesserungen in einer Reihe von Bereichen zeigten, darunter Kognition, Kommunikation, sich wiederholendes Verhalten, soziale Interaktion und generelles Verhalten. In der folgenden Abbildung sieht man, welche Bereiche die meisten Verbesserungen erfuhren.
Mechanismus
Mögliche Erklärungen für den Fiebereffekt sind:
- Veränderungen der Wirkung von Zellen im Hypothalamus des Gehirns.
- Die Freisetzung von Glutamin oder Taurin.
- Während des Fiebers produzierte Hitzeschockproteine, welche die Zellen vor Schäden schützen.
Es kann auch vorkommen, dass der Fiebereffekt unter anderem die Geselligkeit erhöht, weil dann das Bedürfnis nach Hilfe wächst.
Behandlung
Seitdem wurden Forschungsstudien durchgeführt, um festzustellen, ob der Fiebereffekt zur Behandlung von Menschen mit Autismus eingesetzt werden kann.
Die Menschen deswegen absichtlich krank zu machen , wäre natürlich falsch. Stattdessen verwendeten die Forscher eine Sulforaphan – Chemikalie, abgeleitet von Kreuzblütler wie Brokkoli , Rosenkohl , und Kohl.
Die Forschung war insofern optimistisch, weil mehr als 50% der Autisten positiv auf die Behandlung ansprachen. Die Rate lag bei 56% in der 30. Testwoche, in welcher jeden Tag zwischen drei und achtmal jeweils 125 mg Brokkoli-Samenpulver eingenommen wurden.
Sulforaphan verringert die Reizbarkeit, das Stimming und die Echolalie. Einige Autisten werden sozialer indem sie mehr Zuneigung zeigen und sich mit ihrem Umfeld beschäftigen wollen.
Verbesserungen
In einer 18-wöchige Studie aus dem Jahr 2014 (mit 44 jungen Männern mit ASS), zeigten diejenigen, die täglich 50–150 mg Sulforaphan erhielten, eine signifikante Verbesserung beim erneuten Ausfüllen von Testbögen.
Unter den Teilnehmern, welche nach dem Zufallsprinzip Sulforaphan einnahmen, wurden insbesondere in den Wochen 4, 10 und 18 signifikante Verbesserungen hinsichtlich der Subskalen Reizbarkeit, Lethargie , Stereotypie und Hyperaktivität (ABC) sowie der Subskalen Bewusstsein, Kommunikation, Motivation und Manierismus (SRS) beobachtet. Die Änderungen der ABC- und SRS-Werte im Zeitverlauf sind in den folgenden Diagrammen dargestellt.
Gemäss diesen Tests gab somit eine beeindruckende Reihe möglicher Verbesserungen bei den autistischen Symptomen mit der täglichen Einnahme von Sulforaphan. Leider kommt es jeweils 4 Wochen nach Absetzen der Behandlung zu einem Rückfall auf das alte Niveau. Damit die Verbesserungen langanhaltend sind, muss von einer lebenslangen Einnahme des Sulforaphan ausgegangen werden.
Schlussbemerkungen
Obwohl sich die Forschung mehr auf autistische Kinder mit geringeren nonverbalen kognitiven Fähigkeiten und eines schlechteren Sprachniveaus konzentriert hat, ist der Fiebereffekt ein interessantes Phänomen, das sich als nützlich zu erweisen scheint. Man lerne daraus: Mehr Brokkoli essen!
Oder nicht? Während der Studie mit Brokkoli-Samenpulver gab es auch Nebenwirkungen. Dies waren Schlaflosigkeit ( 28% ), Erbrechen ( 19% ), Blähungen ( 17% ), Durchfall ( 15% ) und Verstopfung ( 13%). Einige Patienten sind wegen Schlaflosigkeit und Durchfall aus der Studie ausgestiegen.