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Sydney McLaughlin sass fassungslos auf der Laufbahn und starrte mit offenem Mund auf die riesige Anzeigetafel im Hayward Field. Eine der sagenhaftesten Leistungen der Leichtathletik-Geschichte war selbst für ihre Urheberin nicht mehr nachvollziehbar: 50,68 Sekunden über 400 m Hürden im Final der WM von Eugene – der erste Weltrekord der Titelkämpfe.
«Das ist einfach unwirklich», sagte die 22-jährige Amerikanerin. Mit ihrem Wahnsinns-Sturmlauf zum ersten WM-Titel zeigte die Olympiasiegerin, dass sie keine Grenzen kennt. «Ich wollte hier einfach nur rennen und nach dem Titel greifen», sagte McLaughlin: «Die letzten 100 Meter haben ziemlich wehgetan.»
Weltrekord in 22 Monaten um 1,48 Sekunden verbessert
Landsfrau Dalilah Muhammad, die als Titelverteidigerin angetreten war, hatte 2019 im WM-Final von Doha den Weltrekord auf 52,16 gedrückt. Was McLaughlin seither mit dieser Marke angerichtet hat, ist mit Quantensprüngen noch zurückhaltend beschrieben. Im Juni 2021 lief McLaughlin ebenfalls in Eugene mit 51,90 erstmals unter der 52-Sekunden-Marke. Die 51,46 im Olympia-Final von Tokio galten schon als Ende der Fahnenstange. Vier Wochen vor der WM lief McLaughlin dann ebenfalls in Eugene 51,41 – und nun noch einmal 73 (!!!) Hundertstel schneller.
Auch über 400 m flach in den Top 8
18 Jahre hat die Hürdenwelt für die 18 Hundertstel von 52,34 (Julija Petschonkina/2003) bis 52,16 (Muhammad/2019) benötigt. Nun ging es in 22 Monaten um 1,48 Sekunden runter. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Im WM-Final über 400 m – ohne Hürden – wäre McLaughlin mit ihrer neuer Fabelzeit über 400 m Hürden Siebte geworden.
«Es geht alles nur um Training, Vertrauen in den Trainer. Und das treibt dich dann über die ganze Runde an», sagte McLaughlin nach ihrem Olympia-Triumph. Ihr Trainer aber ist, und da wird es durchaus problematisch, Bob Kersee – ehemaliger Coach der ebenso legendären wie berüchtigten Rekordsprengerin Florence Griffith-Joyner.
Es geht im Leben darum, etwas zu finden, mit dem man seine Zeit ausfüllt. Etwas, das man mit Leidenschaft füllt.
McLaughlin zeigt sich vom ganzen Trubel unbeeindruckt – sie ist eine der ruhigsten Athletinnen überhaupt. Ihren geistig-seelischen Hintergrund hat sie im evangelikalen Christentum. «Es geht im Leben darum, etwas zu finden, mit dem man seine Zeit ausfüllt. Etwas, das man mit Leidenschaft füllt», sagte sie.