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von Louis Necker
Das Schloss von Ripaille liegt auf einer klimatisch begünstigten Halbinsel am Südufer des Genfersees. Seit spätestens dem 13. Jh. schätzte die Familie von Savoyen diesen Ort als Jagdrevier, und Graf Amédée VI. liess um 1371 hier eine Burg errichten, von der heute keine Spuren mehr zu sehen sind.
Um 1434 erbaute an seiner Stelle Herzog Amédée VIII. das heute noch bestehenden Schloss mit sieben Türmen. Entsprechend seinem sehr religiösen und mönchsähnlichem Leben entstand hier eine Anlage, die den Prinzipien eines Kartäuserklosters entsprach: An die Burg des Herzogs wurden im Grunde sechs kleine Burgen mit je einem Turm angebaut – für jeden der sechs mit ihm zusammenlebenden Ritter eine burgähnliche Zelle.
Nach massiven Beschädigungen im Verlauf der Religionskriege wurde Ripaille zu Beginn des 17. Jhs. zu einem Kartäuserkloster mit Zellentrakt (Einzelzellen für die Mönche), Kirche und Verwaltungsgebäuden für die Gutsverwaltung der Klostergüter ausgebaut. Nach der Französischen Revolution wurde das Kloster als Nationalgut an den napoloenischen General Dupas verkauft. Er und seine Nachkommen bewohnten zwar im 19. Jh. Kloster und Schloss, doch liessen sie die Gebäude mangels Finanzen verfallen.
1892 erwarb Frédéric Engel-Gross, ein elsässischer Industrieller, das Schloss und kaufte in der Folgezeit allmählich die verstückelten Parzellen der ehemaligen Schlossdomäne zusammen, um daraus einen heute noch landschaftlich wertvollen Park einrichten zu können. 1892 bis 1903 wurden die Gebäude von Schloss Ripaille nach den damals vorhandenen Informationen und Vorstellungen über den mittelalterlichen Burgenbau rekonstruiert. Daraus entstand eine Stilmischung von Jugendstil (Art Nouveau) und Neo-Gotik.
Lange Zeit interessierten sich Besucher und Historiker mehr für die aus dem Mittelalter erhalten gebliebenen Teile als für die Veränderungen der nachfolgenden Epochen. Erst in jüngster Zeit wird das «Gesamtkunstwerk» aus der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh. gewürdigt, zu dem die Architekten William Morris aus England oder Max Laeuger aus Deutschland viel beigetragen haben. Die jüngsten Forschungen zu Schloss Ripaille zeigen denn, dass der Industrielle und sein Architekt, Charles Schulé, für ihre Rekonstruktion die Ideen von Violett-le-Duc als Vorbild nahmen und daraus für Ripaille nicht ein Wieder-Aufbauen der mittelalterlichen Burg erreichten, sondern eine Neuschöpfung, bei der neue Formen und Techniken mit Elementen aus der Vergangenheit verbunden wurden.
, Louis : Neue Forschungen zum Schloss von Ripaille, der ehemaligen Residenz der
Savoyer
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 10. Jahrgang 2005, Heft 4, .