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Die verlassene Sporthalle eines legendären Architekten
Das Kagawa Gymnasium in der Stadt Takamatsu auf Shikoku ist ein Blickfang. Ein nach innen gewölbtes Dach verleiht dem Gebäude die Form eines traditionellen japanischen Holzschiffes. Vier massive Stützen tragen diese Struktur. Das aus Betonplatten bestehende Dach wird von Tragseilen gehalten. Die Sporthalle fasst 1300 Plätze und verfügt zusätzlich über drei Trainingsräumlichkeiten. Erschaffen wurde dieser brutalistische Betonbau 1964 von Kenzo Tange (1913 – 2005), einem der prägendsten Architekten der japanischen Nachkriegszeit. Für die Inneneinrichtung zeichnete der renommierte Designer Isamu Kenmochi (1912 – 1972) verantwortlich.
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Der Abriss droht
Fast fünfzig lange Jahre war das Kagawa Gymnasium ein Fixpunkt für Sportveranstaltungen. 2012 ergab eine Untersuchung, dass die Decke bei einem grösseren Erdbeben einstürzen könnte. Fortan waren nur noch die Trainingsräume zugänglich. 2014 erfolgte die komplette Schliessung, nachdem eine Ausschreibung für eine Erdbebensanierung ergebnislos verlaufen war. Zu tief war das veranschlagte Budget, zu hoch das Risiko ausufernder Kosten. Es wird davon ausgegangen, dass eine Reparatur und Nachrüstung des Daches 1,8 Milliarden Yen kosten würde.
2018 entschloss sich die Lokalregierung, an einem anderen Ort eine neue Sporthalle zu erbauen. Den Zuschlag erhielt das Architekturbüro SANAA. 2024 soll es fertig werden. Umso ungewisser ist die Zukunft des Kagawa Gymnasium, das inzwischen zum Lagerraum degradiert wurde. Es bleibt die Hoffnung, dass dereinst ein privates Unternehmen die Sporthalle kaufen und erhalten wird. Mehrere Vorschläge liegen vor. Eine Idee ist, das baufällige Dach mit einem günstigeren Membrandach im Stil des Tokyo Dome zu ersetzen – oder es sogar komplett zu entfernen, um so das Kagawa Gymnasium in eine Open-Air-Arena zu verwandeln.
An internationaler Unterstützung fehlt es nicht. Um die lokalen Bemühungen einer Neunutzung zu fördern, hat die World Monuments Foundation das Kagawa Gymnasium in die Liste der bedrohten Kulturstätten aufgenommen. Denn ohne Käufer droht der Abriss.
Die grosse Schwester
Das Kagawa Gymnasium hat übrigens eine grosse Schwester. Es ist das weltberühmte Yoyogi National Gymnasium, das auch von Kenzo Tange entworfen wurde (Asienspiegel berichtete). Die beiden Sportarenen wurden sogar im selben Jahr eröffnet. Erbaut wurde das Yoyogi National Gymnasium als offizielle Spielstätte der ersten Olympischen Sommerspiele von Tokio.
Im Gegensatz zum Kagawa Gymnasium hat dieser Komplex die vergangenen Jahrzehnte gut überstanden. Er wurde sogar in die Liste der wichtigen Kulturgüter aufgenommen und in diesem Zusammenhang als ein nie gesehenes Bauwerk gepriesen, dessen Gestaltung und technische Bauweise überragend und ein Wahrzeichen der modernen Nachkriegsarchitektur Japans sei. Im Sommer 2021 kam es sogar zu einem olympischen Comeback. Das Yoyogi National Gymnasium wurde abermals zu einer offiziellen Sportstätte für «Tokyo 2020».
Der Standort des Kagawa Gymnasium
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