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Die Yanomami sind eines der grössten der 235 indigenen Völker, welche im Grossraum Brasilien leben. Die Yanomami leben relativ isoliert im Regenwald des Grenzgebietes zwischen Venezuela und Brasilien. Die Angaben zur Anzahl der Stammeszugehörigen schwankt zwischen 20‘000 und 30‘000.
Lebensweise
Die Yanomami leben in Gemeinschaften von 40 bis zu 400 Menschen. Sie erstellen ein Gemeinschaftshaus, welches, ähnlich einem Stadion, in der Mitte über ein geöffnetes Dach verfügt. Der zentrale Platz in der Mitte des Yanos (Gemeinschaftshauses) steht dabei für Rituale, Feste und Spiele zur Verfügung. Im gedeckten Teil wohnen die Familien. Die Yanomamis leben als Jäger und Sammler, bauen aber auch verschiedene Feldfrüchte in Gärten an. Während die Männer für die Jagd auf Tapire, Rehe, Pekari (Nabelschweine) oder Affen zuständig sind, sammeln die Frauen Nüsse, Schalentiere, Insektenlarven sowie Wildhonig und pflegen die Gärten.
Durch das direkte Leben mit und von der Natur verfügen die Yanomami über ein riesiges Wissen in Bezug auf die lokalen Pflanzenarten. Sie verwenden für ihr Essen, den Hausbau, die Werkzeuge und für ihre Medizin circa 500 verschiedene Pflanzen. So wird beispielsweise für die Jagd das Gift ‘Curare‘ gewonnen, welches Lähmungen verursacht. Auch beim Fischfang wird das Gift von Kletterpflanzen eingesetzt, um die Fische zu betäuben.
Die Yanomami benötigen täglich rund vier Stunden, um ihre materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Anschliessend bleibt Zeit für Zeremonien, soziale Aktivtäten, Feste oder den Besuch bei anderen Yanomami-Gemeinschaften.
Eindringlinge ins Reich der Yanomami
Erstmals kamen die Yanomami 1940 mit Aussenstehenden in Kontakt, als die Regierung Brasiliens die Grenze zu Venezuela abstecken liess. Alsbald fanden sich auch Missionare im Territorium der Yanomami. In den 1970er-Jahren zog die damalige Militärregierung eine Strasse durch das Amazonasgebiet. Der Zugang brachte einen Strom von Siedlern, welche die Bäume abholzten, Alkohol und auch Krankheiten mitbrachten. Als weit schlimmer aber entpuppte sich in den 80er-Jahren das Eindringen von fast 40‘000 Goldschürfern. Sie zerstörten Dörfer und töteten deren Einwohner. Die mitgeschleppten Krankheiten forderten viele Tote unter den Yanomami, da sie über keine Resistenzen gegen die Erreger verfügen. In nur sieben Jahren starb ein Fünftel der gesamten Yanomami-Bevölkerung.
Auf Druck der Öffentlichkeit wurde schliesslich 1992 ein Schutzgebiet errichtet, welches für Goldschürfer verboten ist. Trotzdem kehren immer wieder Goldsucher in die Region zurück und zerstören die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung.
Einflussreiche Persönlichkeiten in Brasilien streben zudem danach, das Schutzgebiet zu verkleinern, um dem Bergbau, der Viehzucht oder Siedlungen mehr Platz zu verschaffen. Zudem hat auch das brasilianische Militär Baracken mitten ins Yanomami-Gebiet gebaut.
Rechte & Ansprüche der indigenen Völker
Weltweit finden sich ca. 5‘000 verschiedene indigene Völker, welche je nach Schätzung insgesamt etwa 350 Millionen Menschen umfassen (dies entspricht etwas mehr als der Gesamtbevölkerung der USA). Dazu gehören beispielsweise die Maori (Neuseeland), zahlreiche nordamerikanische Indianer-Stämme, die Inuit (Kanada, Alaska, Grönland), die Tuareg (in den Sahara-Staaten) oder die Ainu in Japan. Ihnen gemein ist meist ein besonderer Bezug zur Natur.
Erstmals wurde 1989 eine Übereinkunft in der heutigen Internationalen Arbeitskonferenz verabschiedet, welche das Land der indigenen Völker sowie die Kontrolle über ihre Einrichtungen, ihre Lebensweise und ihre Kultur anerkennt. Dieses Abkommen, kurz “ILO 169“ genannt, wurde bis anhin aber erst durch 22 Staaten ratifiziert. Dies liegt insbesondere an den Artikeln, welche der indigenen Bevölkerung Landrechte verschaffen. Bedeutende Staaten wie Kanada, USA, China, Australien oder Schweden, in welchen indigene Völker leben, haben das Abkommen nicht ratifiziert.
"Die Eigentums- und Besitzrechte der betreffenden Völker an dem von ihnen von alters her besiedelten Land sind anzuerkennen."
Auszug ILO 169, Artikel 14.1
Die UNO hat im Jahr 2007 eine Deklaration verabschiedet, welche den Indigenen die Erhaltung ihrer Tradition, Kultur und Institutionen zusichert sowie ihre Selbstbestimmung rechtmässig bestätigt. Für entwendetes Territorium sollen sie entschädigt werden. Die Deklaration entstand nach über zwanzig Jahren Vorarbeit. Umstritten war vor allem die Benennung der Indigenen in der Deklaration: ‘people‘ (Leute, Bevölkerung) oder ‘peoples‘ (Völker). Die Bezeichnung als Völker räumt den indigenen Gruppen andere Rechte ein. In der finalen Deklaration wird nun von Völkern gesprochen. Kanada und Russland haben die Deklaration abgelehnt.
Die Annahme der Deklaration schafft jedoch keine rechtlich verbindlichen Verpflichtungen. Auch ist kein offizielles Kontrollorgan vorgesehen, welches die Einhaltung dieser Standards überprüft. Die Umsetzung liegt somit in den Händen der unterzeichnenden Staaten. So bleibt es die Aufgabe des Sonderberichterstatters des UNO-Menschenrechtsrates und der Nichtregierungsorganisation über die (Nicht-)Einhaltung der Deklaration zu berichten.
Weiterführende Informationen/Quellen:
Survival, Yanomami
ILO 169
UNO-Deklaration über die Rechte der indigenen Völker