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Die meisten Menschen nehmen ihre Tablette morgens. Nun zeigt eine grosse Studie: Es gibt einen viel besseren Zeitpunkt.
Spielt es eine Rolle, wann man den Blutdrucksenker einnimmt? Ja, und zwar erheblich, haben spanische Forscher herausgefunden.
Das Risiko für Schlaganfälle ist nur etwa halb so hoch, wenn der Blutdrucksenker abends genommen wird anstatt morgens. Das Risiko für einen Herzinfarkt sinkt bei abendlicher Einnahme um etwa ein Drittel. Und auch das Sterberisiko für diese beiden Erkrankungen halbiert sich, wenn der Blutdrucksenker erst vor dem Zubettgehen geschluckt wird.
Weil die Mediziner bisher davon ausgingen, dass insbesondere der morgendliche Bluthochdruck gesenkt werden müsste, nehmen gegenwärtig die meisten Menschen mit Bluthochdruck ihre Tabletten morgens. Das könnte sich nun aber ändern.
Für das Herz-Kreislauf-Risiko entscheidender seien nämlich die Blutdruckwerte während des Schlafens als diejenigen tagsüber, sagt der Studienleiter Ramón Hermida, Direktor der Abteilung für Chronobiologie und Bioengineering an der Universität Vigo. Und diese Werte werden besser gesenkt, wenn der Blutdrucksenker vor dem Zubettgehen genommen wird.
Wichtig ist, ob der Blutdruck während des Schlafs absinkt. Mediziner sprechen vom «Dipping».
Von den Teilnehmern, die den Blutdrucksenker morgens einnahmen, kam es nur bei der Hälfte zum erwünschten Dipping. Bei denen, die ihn vor dem Zubettgehen schluckten, waren dagegen fast 65 Prozent sogenannte «Dipper».
«Die Patienten sollten sich die Einnahme vor dem Zubettgehen überlegen», rät Hermida. An der Studie hatten fast 20’000 Menschen mit Bluthochdruck teilgenommen. Sie waren im Durchschnitt 60 Jahre alt.
Nach dem Zufallsprinzip wurden sie entweder der Gruppe zugeteilt, die ihr Medikament morgens nahm, oder aber derjenigen, die den Blutdrucksenker abends schluckte. Rund sechs Jahre dauerte das Experiment, bei dem die Teilnehmer jährlich untersucht wurden.
In dieser Zeit hatten 1752 von ihnen eine der erwähnten schwerwiegenden Herz-Gefässerkrankungen. Über 1100 davon hatten ihren Blutdrucksenker morgens genommen, aber nur gut 600 abends. «Das sind eindrückliche Resultate», kommentiert Tim Chico in der britischen Ärztezeitung «BMJ» die Studie.
Es brauche noch weitere Studien um den Nutzen der abendlichen Einnahme zu bestätigen, sagt Hermida. «Aber es birgt kaum Risiken, den Blutdrucksenker vor dem Zubettgehen einzunehmen.» Ein solches Risiko könnte zum Beispiel sein, dass die Betroffenen womöglich leichter stürzen, wenn sie nachts aufstehen müssen und ihr Blutdruck sehr niedrig ist.