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Fliessgewässer und Seen bilden bedeutende Natur- und Erholungsräume und erfüllen wichtige Funktionen wie Entwässerung, Vernetzung oder Strukturierung der Landschaft. Der Kanton Luzern hat grosse Wasservorkommen: Grund- und Quellwasser, Flüsse und Seen. Im Rahmen der Siedlungswasserwirtschaft versorgen Gemeinden und Verbände die Bevölkerung sowie Industrie und Gewerbe mit Trink- und Brauchwasser in guter Qualität. Kommunale Aufgabe ist es auch, das verbrauchte und oft verschmutzte Abwasser zu sammeln und so zu reinigen, dass es wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgegeben werden kann.
Ursachen
Siedlungen und Landwirtschaft beanspruchen seit Jahrzehnten immer mehr Fläche. Als Folge werden Fliessgewässer kanalisiert und eingeengt oder Seeufer überbaut. Die intensive Landwirtschaft mit ihren hohen Tierdichten belastet die Gewässer punktuell oder diffus mit Nährstoffen und Agrarhilfsstoffen, wie Pestiziden oder Tierarztneimitteln. Stoffeinträge aus Siedlungsgebieten in die Gewässer nehmen zu, weil Bevölkerung und Verkehr anwachsen. Der Verbrauch an Trink- und Brauchwasser hingegen stagniert seit einigen Jahren bei rund 180 Litern pro Person und Tag, trotz Bevölkerungswachstum und Produktionssteigerung in Industrie und Gewerbe.
Belastungen
Eindolungen, Kanalisierung und Hartverbau der Gewässer führen zu verödeten Lebensräumen. Den Fliessgewässern fehlt der notwendige Raum für eine typische Dynamik mit periodischen Sohlenumlagerungen, Auflandungen und Erosionen.
Die Emissionen aus der Siedlungsentwässerung und diffuse Einträge aus der Landwirtschaft beeinträchtigen die Wasserqualität und wirken chronisch auf empfindliche Wasserorganismen (Indikatoren B1 und B2 ). Widerhandlungen gegen das Gewässerschutzgesetz können zu Gewässerverunreinigungen führen (Indikator B3).
Indikator B1: Düngemittel- und Pestizidverbrauch Landwirtschaft (Bund
)
Indikator B2: Restfracht schwerabbaubarer Stoffe aus ARA
Indikator B3: Widerhandlungen gegen das Gewässerschutzgesetz
Zustand und Auswirkungen
Rund 45% der Fliessgewässer im Kanton Luzern sind in einem strukturell unbefriedigenden Zustand (stark beeinträchtigt bis eingedolt). Im Durchschnitt unterbricht alle 250 Meter ein künstlicher Absturz oder ein Bauwerk die natürliche Ausbreitung für Fische und andere an das Wasser gebundene Tiere entlang von Fliessgewässern (Indikatoren Z1 und Z2).
Im Kanton Luzern sind heute 98% der Siedlungen, Industrie- und Gewerbeanlagen an eine der 20 Abwasserreinigungsanlagen (ARA) oder der über 50 Kleinkläranlagen angeschlossen. Das System der Abwasserbewirtschaftung ist komplex und stellt einen Wiederbeschaffungswert von 2.5 Mia. CHF dar. Es werden jährlich 60 Mio. m3 Abwasser gesammelt, transportiert und gereinigt und dabei rund 210 Tonnen Phosphor und andere Stoffe aus dem Wasserkreislauf entfernt. Die Wasserqualität hat sich darum in den letzten drei Jahrzehnten stark verbessert (Indikatoren Z3, Z4, Z5 und Z6). Der Nitratgehalt im Grund- und Quellwasser hat sich seit Anfang der 90-er Jahre stabilisiert. Die Werte im Grundwasser und in den Oberflächengewässern liegen aber mehrheitlich deutlich über den natürlichen Gehalten (Indikatoren Z5 und Z7).
Bei Gewässerverunreinigungen mit Gülle oder Baustellenabwässer werden Wasserorganismen direkt geschädigt oder abgetötet (Indikator Z8).
Schlecht sind die Mikroverunreinigungen in Gewässern (Inhaltsstoffe von Pflanzenschutzmitteln, Arzneimitteln, Körperpflegeprodukten und Reinigungsmitteln), die bereits in geringen Konzentrationen Auswirkungen auf Wasserlebewesen haben können. Sie gelangen über die Landwirtschaft und die Siedlungsentwässerung in Spuren in die Gewässer.
Insgesamt stellen die genannten Belastungen eine Beeinträchtigung der natürlichen Funktionen der Gewässer und eine Bedrohung für unsere Lebensgrundlage Wasser dar.
Indikator Z1: Ökomorphologischer Zustand der Fliessgewässer im Kanton LU
Indikator Z2: Anzahl Wanderhindernisse in den Fliessgewässer im Kanton LU
Indikator Z3: Sauerstoffkonzentrationen in den Luzerner Seen
Indikator Z4: Phosphorkonzentrationen in den Luzerner Seen
Indikator Z5: Stickstoffkonzentrationen in den Luzerner Seen
Indikator Z6: Einhalten der Anforderungen an die Wasserqualität in Fliessgewässern
Indikator Z7: Nitrat im Grundwasser
Indikator Z8: Anzahl Gewässerverunreinigungen oder Fischsterben
Massnahmen
In der Landwirtschaft hat jeder Betrieb eine ausgeglichene Nährstoffbilanz und einen bestimmten Anteil an ökologischen Ausgleichsflächen aufzuweisen. Mit den Phosphorprojekten im Einzugsgebiet der Luzerner Mittellandseen wird zusätzlich besonders seegerechtes Verhalten gefördert (M1). Das Ausmass der künstlichen Belüftung der Mittellandseen für eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers kann laufend gesenkt beziehungsweise ganz eingestellt werden (Sempachersee ab 2013, M2). Die Verluste an Stickstoff aus der Landwirtschaft sind auch aus Sicht des Gewässerschutzes dringend zu reduzieren (M3).
Seit der Revision des Gewässerschutzgesetzes von 2011 haben die Kantone die Pflicht, Gewässer zu revitalisieren. Der zur Sicherstellung der Gewässerfunktionen und des Hochwasserschutzes notwendige Gewässerraum ist bis 2018 im Rahmen der Zonenplanung festzulegen. Die Gewässerräume in der Landwirtschaftszone sind ab diesem Zeitpunkt extensiv zu bewirtschaften und als ökologische Ausgleichsflächen zu nutzen (M4).
Bis Ende 2014 (Fliessgewässer) beziehungsweise bis Ende 2018 (Seeufer) sollen strategische Planungen für Renaturierungen vorliegen (M5). Erste Revitalisierungsprojekte sind in Projektierung oder im Bau (M6).
Neben dem permanenten Unterhalt des gesamten Abwassersystems ist eine Weiterentwicklung erforderlich um effizient und effektiv Abwasser zu reinigen. Effizienz bringt der Anschluss von kleinen, teilweise nicht gesetzeskonformen Anlagen an grössere Einheiten. Effektivität ist mit neuen Verfahren zu erreichen.
Eine Herausforderung stellen dabei die Mikroverunreinigungen dar. Sie müssen aus dem Abwasser entfernt werden. Dazu müssen die ARA mit zusätzlichen Reinigungsstufen (Ozonisierung, Aktivkohlefilter) ausgerüstet werden (M7).
Die Planung, Bereitstellung und Bewirtschaftung der finanziellen Mittel für Unterhalt und Weiterentwicklung der Infrastrukturanlagen der Abwasserwirtschaft bedürfen neuer verursachergerechter Instrumente und kantonsweiter organisatorischer Strukturen. Die dazu notwendigen Schritte laufen (Verfahrenstechnik, Änderung der Gewässerschutzverordnung, Sicherstellung der Finanzierung).
M1: Phosphor-Projekt (lawa)
M2: Seesanierung (Gemeindeverband Sempachersee , Gemeindeverband Baldegger- und Hallwilersee)
M3: Ressourcenprogramme Landwirtschaft (lawa)
M4: Gewässerschutzgesetz (Bund-Rechtssammlung)
M5: Strategische Planungen (noch nicht vorliegend)
M6: Wasserbauprojekte (vif)
M7: Mikroverunreinigungen (BAFU)