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Identifikation
Bestandssignatur
NL Merzbacher
Zitierung
AfZ: NL Merzbacher
Kurztitel
Merzbacher, Rolf und Werner
Bestandsname
Einzelbestand
Rolf und Werner Merzbacher
Entstehungszeit
1914 - 1984
Umfang
0.40
Laufmeter
Kontext
Provenienz
Merzbacher, Rolf und Werner
Geschichte / Biografie
Merzbacher, Rolf und Werner
Geb. in Öhringen/Deutschland, jüdisch, Söhne des Julius, Dr. med., Hausarzt, und der Hilde, geb. Haymann. Die Eltern zogen 1938 von Öhringen nach Konstanz, brachten ihre Söhne 1937 und 1939 in der Schweiz in Sicherheit und bereiteten die Emigration in die USA vor. 1940 wurden sie nach Gurs (F) deportiert und 1943 in Lublin-Majdanek ermordet.
Rolf [Rudolf] Immanuel
15.05.1924-27.12.1983
1937-1940 Schulbesuch und Aufenthalt in Kreuzlingen TG. Anschliessend Tätigkeit in der Landwirtschaft und nicht beendete Lehre als Gärtner. 1942/43 psychotherapeutische Behandlung in der kantonalen Heil- und Pflegeanstalt Münsterlingen; 1944 Eintritt in die Klinik Münsterlingen; 1951 Verlegung in die Klinik Waldhaus in Masans bei Chur. Zahlreiche Wiedergutmachungsverfahren; ein Kausalzusammenhang zwischen psychischer Erkrankung und NS-Verfolgung wurde erstinstanzlich abgelehnt und nach einem Rekurs 1970 anerkannt. Gest. in der Psychiatrischen Klinik Waldhaus.
Werner
11.06.1928
Kaufmann und Kunstsammler
Besuch der öffentlichen Schule in Öhringen, danach einer privaten jüdischen Schule in Konstanz bis zum Novemberpogrom 1938. Einreise in die Schweiz am 16.2.1939 im Rahmen der 300-Kinder-Aktion des Schweizerischen Hilfswerks für Emigrantenkinder. Besuch der Primar- und Sekundarschule in Zürich; 1942 Stipendium für die Handelsschule. Wegen Staatenlosigkeit und der Unmöglichkeit, das Schweizer Bürgerrecht zu erwerben, 1949 Auswanderung in die USA. Heirat mit Gabrielle Mayer. Militärdienst in Alaska. Danach Tätigkeit in einer Pelzhandelsfirma in New York. 1964 Einstieg als dritter Geschäftsführer in die Pelzhandelsfirma Mayer & Cie. (Zug) und Übersiedelung in die Schweiz mit seiner Frau und den drei Kindern.
Bestandsübernahme
2012
Bestandsgeschichte
Der Bestand bildete sich im Laufe der Forschungsarbeit von Gregor Spuhler über das Schicksal von Rolf Merzbacher. Er umfasst verschiedene Provenienzen und wurde dem Archiv für Zeitgeschichte im Frühjahr 2012 von Werner Merzbacher und Gregor Spuhler übergeben.
Die Dokumente zur Familiengeschichte (Klassen Familie Merzbacher, Wiedergutmachung und Vormundschaft) sind grösstenteils Originale, enthalten aber auch Fotokopien. Der Verbleib der handschriftlichen Originalbriefe, die die Eltern ihren Söhnen sandten (VE 3), ist unklar; überliefert sind Kopien von maschinenschriftlichen Abschriften, die W. Merzbacher nach dem Tod seines Bruders Ende 1983, als er die Briefe fand, anfertigen liess. Diese Materialien wurden G. Spuhler während seiner Arbeit für die Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg 1998/1999 von W. Merzbacher übergeben.
Die Fotokopien der im Schweizerischen Bundesarchiv befindlichen Personendossiers des Schweizerischen Hilfswerks für Emigrantenkinder (SHEK) von R. und W. Merzbacher wurden vom Bundesarchiv erstellt und am 9.8.2002 W. Merzbacher zugesandt, der diese G. Spuhler übergab.
Die Kopienbestände zur psychiatrischen Behandlung von R. Merzbacher fertigte G. Spuhler bei seinen Archivbesuchen in den Kliniken Münsterlingen (28.3.2003, 21.10.2003) und Waldhaus Chur-Masans (9.12.2003) an. Die Krankenakten wurden zu einem grossen Teil, aber nicht vollständig kopiert. Die Notizen und Markierungen auf den Kopien stammen von der Bearbeitung durch G. Spuhler. Die Originalakten der Klinik Münsterlingen befinden sich seit 2005/2006 im Staatsarchiv Thurgau.
Literatur
Spuhler, Gregor: Gerettet – zerbrochen. Das Leben des jüdischen Flüchtlings Rolf Merzbacher zwischen Verfolgung, Psychiatrie und Wiedergutmachung, Zürich 2011.
Zugang
Benutzbarkeit
Teilweise Gesuchspflichtig
Sprache(n)
deutsch
Findmittel
2012, 2016
Findmittel online
Ja
Verzeichniskontrolle
Bearbeitung im AfZ
Isabel Schlerkmann
Vorverzeichnung
Findhilfsmittel
Untereinheiten