Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/1310

Hintergrund:
Als Ersatz für ein Kniegelenk gibt es prinzipiell zwei Arten von Prothesen: eine Total- oder eine Teilprothese. Unter den Chirurgen gibt es oft keine Einigkeit, welche der beiden Prothesen bei einem Patienten eingesetzt werden soll. Dies führt zu grossen Unterschieden wie oft in einem Gebiet oder einem Spital die eine oder die andere Prothese eingesetzt wird. Im Vereinigten Königreich (UK) haben etwa die Hälfte der Patienten nur in einem Knie-Kompartiment (vorwiegend medial) eine Arthrose, aber bei weniger als zehn Prozent der Patienten wird eine Teilprothese eingesetzt. Es gibt, basierend auf Registerdaten, Hinweise, dass die Teilprothesen weniger haltbar sind als die Totalprothesen und daher bei der ersten Gruppe mehr Revisionsoperationen gemacht werden müssen. Eine grössere randomisierte Studie zu dieser Fragestellung gab es bis anhin nicht. In dieser Arbeit wird über die 5-Jahresergebnisse der ersten grösseren randomisierten Studie berichtet.
Einschlusskriterien:
- Patienten mit isolierter Arthrose im medialen Knie-Kompartiment
- Funktionell intakte, vordere Kreuzbänder
Ausschlusskriterien:
- Patienten, bei denen ein beidseitiger Gelenksersatz indiziert war
- Patienten mit rheumatoider Arthritis oder anderen entzündlichen Erkrankungen
Studiendesign und Methode:
Multizentrische, randomisierte Studie
Studienort:
27 Kliniken in UK
Interventionen:
- Gruppe 1: Knietotalprothese (das spezifische Produkt konnte von den Chirurgen ausgewählt werden)
- Gruppe 2: Knieteilprothese (auch in der Gruppe konnten die Chirurgen das spezifische Produkt eigenständig bestimmen)
Outcome:
Primärer Outcome
- Oxford Knee Score (OKS) 5 Jahre nach Operation (OKS ist ein speziell für die Erfassung des Outcomes nach Kniegelenksersatzoperationen entwickelter Fragebogen, der weltweit verwendet wird)
Sekundäre Outcomes
- Verschiedene Scores (Los Angeles, Lund, ...)
- Komplikationen (Rehospitalisationen, Reoperationen)
- Patientenzufriedenheit und Lebensqualität
Resultate:
- Fast 1’000 Patienten wurden für die Eignung zur Teilnahme an der Studie untersucht; 528 Patienten wurden randomisiert.
- Das mittlere Alter der Patienten war 65 Jahre, 60% waren Männer, etwas weniger als ein Drittel der Patienten litt weniger als 3 Jahre an der Arthrose, ein Drittel 3 bis 5 Jahre, und der Rest länger als 5 Jahre. Der mittlere BMI betrug 31.
- Bei fast 90% der randomisierten Patienten konnte der Verlauf nach 5 Jahren erhoben werden.
- Die Operationsdauer war in beiden Gruppen etwa 70 Minuten; Patienten mit einer Totalprothese waren im Schnitt einen Tag länger hospitalisiert als die mit einer Teilprothese (3.2 versus 4.3 Tage).
- Primärer Outcome: in beiden Gruppen verbesserte sich der Score (OKS) signifikant, ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen war nicht beobachtbar.
- Nach fünf Jahren hatten Patienten in der Teilprothesengruppe eine etwas bessere Lebensqualität, bei den anderen Scores war kein Unterschied zu beobachten.
- Komplikationen: bei 27% der Patienten mit einer Totalprothese und bei 20 % mit einer Teilprothese; die häufigsten Komplikationen waren nicht-erklärbare Schmerzen, und vermehrte Kniesteifigkeit.
- Reoperationen: die Rate an Reoperationen war in beiden Gruppen ähnlich hoch, 6% in der Gruppe mit einer Teilprothese und 8% in der mit einer Totalprothese.
- Die Kosten für die Operation und die nachfolgenden Behandlungen wurden erfasst und die Teilprothese erwies sich als kosteneffizienter als die Totalprothese.
Kommentar:
- Diese Studie liefert Hinweise, dass bei Patienten mit isolierter Arthrose im medialen Knie-Kompartiment, der Outcome fünf Jahre nach der Operation bei einer Teilprothese mindestens so gut, wenn nicht besser ist, als mit einer Totalprothese
Literatur:
Beard DJ et alii. The clinical and cost-effectiveness of total versus partial knee replacement in patients with medial compartment osteoarthritis (TPKAT): 5-year outcomes of a randomized controlled trial. Lancet 2019; 394: 746-756.