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Die Prostata oder Vorsteherdrüse gehört zu den männlichen Geschlechtsorganen. Sie liegt unterhalb der Blase und umschliesst die Harnröhre. Bei jungen Männern ist das Organ etwa kastaniengross und wiegt rund 20 Gramm. Diese Drüse produziert Sekrete, die bei der Ejakulation abgegeben werden und für die Beweglichkeit der Spermien sorgen. Mit steigendem Alter wächst die Prostata allmählich. Meist ist das gutartig und wird dann von Medizinern benigne Prostatahyperplasie genannt. Trotzdem können dadurch Beschwerden auftreten. Die Vergrösserung der Drüse führt oft zu einer Einengung der Harnröhre. Betroffene Männer haben dann Probleme beim Wasserlassen. Der Harnstrahl ist weniger kräftig als früher. Die Harnentleerung dauert länger und nicht selten besteht danach das Gefühl, dass sich noch Resturin in der Blase befindet. Auch zum Nachtröpfeln kann es kommen. Und besonders lästig: Viele Männer müssen mehrmals nachts raus, weil sie Harndrang verspüren.
Bei ausgeprägten Beschwerden ist ein Arztbesuch ratsam. Aber die Betroffenen können auch selbst viel für ihr Wohlbefinden tun. Eine US-Untersuchung an 51000 Männern hat gezeigt, dass regelmässige körperliche Aktivität einer Vergrösserung der Prostata entgegenwirkt. Schon wöchentlich zwei bis drei Stunden Walken oder Joggen verlangsamen laut dieser Studie das Wachstum der Prostata um 25 Prozent. Der Hintergrund: Bewegung verbessert die Durchblutung des gesamten Unterkörpers. Nur so gelangt frisches, mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichertes Blut auch in die Prostata. Das trägt zu ihrer Gesunderhaltung bei. Ständiges Sitzen und mangelnde körperliche Aktivität fördern hingegen zu einem Blutstau in dieser Drüse. Das schadet dem Gewebe. Verstärkt wird die Belastung der Prostata, wenn Männer im Sitzen ständig leichten Vibrationen ausgesetzt sind, wie es z.B. bei häufigen, langen Auto- oder Busfahrten bzw. im Flugzeug der Fall ist.
Sport trainiert ganz nebenbei die Muskulatur des Beckenbodens. Das beugt einem häufigen Folgeproblem der Prostatavergrösserung vor, der Inkontinenz. Darunter versteht man den unwillkürlichen Abgang von Urin.
Bewegung ist also förderlich, doch nicht jede Sportart ist geeignet. Verzichten sollte man auf regelmässige, längere Touren auf dem Rad. Besonders Rennräder üben mit ihrem schmalen, harten Sattel einen andauernden, starken Druck direkt auf die Prostata aus. Ein Grossteil des Körpergewichts lastet dann auf dem Damm, hinter dem die Drüse liegt. Dieser Effekt lässt sich sogar messen. Nach dem Radfahren ist der Wert des sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA-Wert) erhöht. Dieser Blutwert gilt als Marker für Prostatakrebs. Um falsche Diagnosen zu vermeiden, sollten Männer deshalb vor der Bestimmung dieses Blutwerts drei Tage aufs Radfahren verzichten. Wer schon Prostataprobleme hat und trotzdem gerne radeln mag, sollte einen Sattel verwenden, bei dem der Druck auf die beiden Sitzbeinhöcker, die Knochen am unteren Po, verteilt wird. Es gibt auch spezielle Sättel mit Aussparungen im Dammbereich. Sie wurden vor allem für Männer nach einer Prostataoperation entwickelt, können aber auch vorbeugend eingesetzt werden.
Weitere Informationen: Prostataprobleme durch das Radfahren?
Ansonsten gibt es in Sachen körperliche Aktivität kaum Einschränkungen. Die einfache Regel lautet: Mindestens drei Stunden Sport pro Woche verteilt auf mindestens drei Mal. Zu empfehlen sind vor allem alle Laufsportarten – vom Walken, Joggen oder Nordic Walking bis hin zum Langlauf im Winter. Beim Training im Freien ist es allerdings wichtig, sich richtig anzuziehen. Vermieden werden sollte Verdunstungskälte speziell im unteren Rücken- und Beckenbereich. Das kann schnell zu Reizzuständen führen, die neben der Blase auch die Prostata betreffen können. Vor allem bei nass-kalter Witterung ist deshalb atmungsaktive und warme Kleidung in der Beckenregion sinnvoll. Wer Probleme mit den Gelenken hat, kann es auch mit Aquajogging versuchen. Das Laufen in Wasser trainiert die Muskulatur optimal, da man gegen den Wasserwiderstand arbeiten muss. Der Unterkörper sollte dabei allerdings nicht auskühlen. In vielen Schwimmbädern gibt es für diesen Zweck gut temperierte Becken. Auch Schwimmen ist ein vorzüglicher Ausdauersport, der die Durchblutung der Prostata fördert.
Männer, die Schwierigkeiten mit der Prostata haben, sollten unbedingt ihren Beckenboden trainieren. Diese Muskulatur spannt sich wie ein Netz im Unterkörper auf und stützt die ganzen Unterleibsorgane. Überdies ist sie dafür zuständig, Harnröhre und After abzudichten. Mit zunehmendem Alter kann diese Muskulatur erschlaffen. Eine häufige Folge ist dann eine Inkontinenz. Umso wichtiger ist also das Training.
Beckenbodentraining hat einen zweiten wichtigen Effekt. Bei vielen Männern ist die Beckenbodenmuskulatur sehr angespannt, besonders, wenn sie unter Stress stehen. Wer gelernt hat, wo sich die Muskulatur befindet und wie sie sich anspannen lässt, kann sie auch gezielt entspannen. Das ist eine grosse Hilfe bei Problemen mit dem Wasserlassen. Entsprechende Kurse werden von Fitness-Studios angeboten. Übungen für den Alltag können auch Physiotherapeuten vermitteln.
Wer beruflich viel sitzen muss, könnte sich ein Mini-Trampolin an den Arbeitsplatz stellen und jede Stunde ein paar Minuten darauf hüpfen. Das durchblutet den ganzen Körper und wirkt gleichzeitig sehr entspannend.