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1957
Festlichkeiten
Das Herbstfest vom Wochenende des 5./6. Oktober sollte zum ausserordentlichen Anlass werden. Für den Samstag war ein reines fröhliches Zusammensein mit komödiantischem Theaterstück und einem bunten Strauss von Kabarett-Einlagen geplant. Vor, zwischen und nach diesen Darbietungen spielte Musik zum Tanz.
Als Stück wurde eine Geschichte von Stornoway zur Bühnenfassung umgeschrieben. (Das Pseudonym dieses beliebten britischen Autors konnte bis heute nicht gelüftet werden.) Die Bühnenfassung trug den Titel "Elefant im Porzellanladen" und war eine Satire auf exaltierte Homosexuelle, ein Kabinettstück von Selbstironie, das endlose Lachsalven erntete.
Höchst heiter ging es auch in den Kabarett-Sequenzen zu und her.
Am Sonntag folgte die eigentliche Jubiläumsfeier. Sie war geprägt von Begrüssungen in allen drei Sprachen, denn die vielen Anwesenden kamen aus halb Europa und Nordamerika. Diverse Redner, vor allem Walther Weibel als "ältester Abonnent" berichteten aus der KREIS-Geschichte und blickten nicht ohne Stolz auf das, was jetzt so offensichtlich aus den unsicheren Anfängen sich entwickelt hatte. Auch an diesem Anlass durfte die Theatertruppe nicht fehlen. Karl Meier / Rolf gestaltete eine Szene aus Thomas Manns "Felix Krull" zum bühnengerechten Stück, sodass die Spieler daraus amüsante Wirklichkeit entstehen liessen. Das berührende Gespräch zwischen David und Jonathan, verfasst von Otto Zarek, das bereits am Jubiläum von 1952 aufgeführt worden war, kam erneut zur Darstellung und beeindruckte das Publikum.
An der Jahresversammlung 1958 verlas Karl Meier / Rolf einen Rückblick auf das Jubiläumsjahr. In den letzten Abschnitten erwähnte er auch Negatives. Er beklagte, dass zu viele Kameraden lediglich tanzen wollten und nur ganz wenige bereit seien, sich mutig für mehr Rechte und Anerkennung einzusetzen. Die Schatten der kommenden Repression waren unübersichtlich: Karl Meier sprach von der Verleumdung des KREIS durch einen "taktlosen" Journalisten, dies infolge des zweiten durch einen Strichjungen begangenen Milieumordes. Das Opfer vom 26. Dezember 1957 war Ernst Rusterholz, der nie Abonnent des Kreis gewesen war. Noch stand die Behörde hinter dem KREIS, denn sie ermunterte Karl Meier, den Silvesterball nicht abzublasen, wie er das aus Angst vor Zwischenfällen tun wollte.
Ernst Ostertag, September 2012