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Trotz seiner wichtigen Lage scheint Avenches nicht vor der römischen Zeit bewohnt worden zu sein. Im gegenwärtigen Stand der Forschungen geht man davon aus, daß ursprünglich eine Siedlung auf dem Mont Vully lag, wo ein keltisches Oppidum gefunden wurde. Als die Helvetier das schweizerische Mittelland im Jahr 58 v. Chr. verließen und ihre Oppida in Brand steckten, entging der Mont Vully nicht der Zerstörung. Die Folge ist gut bekannt: Julius Caesar besiegte die Helvetier in Bibracte und zwang sie, wieder in ihr Land zurückzukehren. Die ehemaligen Einwohner des Mont Vully scheinen es vorgezogen zu haben, sich in einer neuen Siedlung niederzulassen: Sie besiedelten den Bois de Châtel - in der Gemeinde Donatyre - ungefähr einen Kilometer weit von der aktuellen Stadt Avenches und vielleicht auch in ihrer Umgebung. Zwei Münzen dieser Zeit geben den Namen des Leiters der Gemeinschaft, Vatico. Diese erste Siedlung Avenches war vielleicht die Hauptstadt der Tiguriner, die einer der vier Gaue des Helvetierstammes waren. Der Name Avenches (Aventicum) ist vom Namen einer einheimischen keltischen Wassergöttin, Aventia, abgeleitet.
Im Jahre 15 v. Chr. wurde das Siedlungsgebiet der Helvetier endgültig in das römische Reich einverleibt. Genau in Avenches stammen die ersten römischen Überreste aus augusteischer Zeit: Es handelt sich um einen Hafen, dessen erste Anlagen vom Jahre 5 n. Chr. sind. Dennoch erlebte die Stadt unter Augustus' Nachfolger, dem Kaiser Tiberius (14-37 n. Chr.), einen Aufschwung, wie es der Bau eines ersten Forums und die im Jahre 1989 entdeckten monumentalen Grabdenkmäler von En Chaplix zeigen. Damals nahm die Stadt möglicherweise den Namen des Kaisers, Forum Tiberii (Forum des Tiberius), an. Die Öffnung des Großen St. Bernhard brachte der Stadt einen neuen Aufschwung zur Zeit des Claudius (41-54 n. Chr.). Das ist kein Zufall, wenn auf dem Forum ein aus dieser Epoche stammender und die Mitglieder der kaiserlichen Familie darstellender Statuenzyklus gefunden wurde. Außerdem weiß man, daß ein römischer Bankier kam, um sich in der blühenden Stadt niederzulassen: Es war Flavius Sabinus, Vater des Kaisers Vespasian und Großvater der Kaiser Titus und Domitian. Übrigens verbrachte Titus wahrscheinlich einen Teil seiner Kindheit in Avenches bei seinem Ahn.