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Camper schreiben für Camper!
Autor: Nigel Patten, TCS Camping-Mitglied, begeisterter Camper und Schriftsteller, hat die baltischen Länder mit seinem Camper bereist und erzählt uns von seinen Erfahrungen.
Der französische Begriff «champ» (Feld) hat dieselben Wurzeln wie der lateinische Begriff «campus» (ein flaches Gelände, auf dem man sich zeitweise aufhalten kann).
Dieser ländliche Blickwinkel beschreibt die grundsätzliche Haltung der Balten gegenüber dem Camping in den drei Ländern sehr gut: Wildes Campieren ist hier nicht nur erlaubt, nein, man wird praktisch dazu ermutigt.
Noch vor zehn Jahren befanden sich die einzigen Campingplätze an den Rändern der drei Hauptstädte (Tallinn, Riga und Vilnius) auf einem Fussballfeld, einem Parkplatz und in einem öffentlichen Park, mit sanitären Einrichtungen in Containern.
Heute gibt es in Litauen rund 50 kleine Campingplätze, in Estland rund 55 und in Lettland rund 80. Erwarten Sie aber keine olympischen Schwimmbecken, Supermärkte oder Fünf-Sterne-Restaurants. Die baltischen Campingplätze beschränken sich auf das Nötigste und befinden sich in offenem Gelände, häufig im Hof eines Bauernguts oder in einem Wohngarten.
Aber keine Panik! Sie sind nicht mehr so wie die ersten Campingplätze der Sechzigerjahre. Zu Beginn der Hippiezeit, 1959, befand ich mich in Matala, Kreta. Ein Pfeil mit der Aufschrift «Camping» führte mich zu den Dünen vor dem Strand. Hier übernachtete ich mit anderen jungen Campern. Es gab keine sanitären Einrichtungen. Als Dusche diente ein an einem Pfosten befestigter Wasserschlauch, wo Frauen und Männer gemeinsam duschten – nackt, wie Gott sie schuf, und unter den Augen der entzückten kretischen Fischer.
2010 reiste ich von Polen nach Klaipėda in Litauen. Sehr bald entdeckte ich ein handgemaltes Schild, auf dem «Camping» stand. Wegen meiner Schweizer Nummernschilder wurde mir der Einlass zuerst verwehrt: «Wir haben nichts, was gut genug für Sie wäre.»
Ich bestand aber darauf zu bleiben und fand mich in einer alten Kaserne der deutschen Wehrmacht aus dem Jahr 1945 wieder – als Klaipėda noch Memel hiess. Eine einzige wackelige Steckdose, keine Duschen, Latrinen aus den Vierzigern und eine Reihe von Waschbecken, unverändert seit dem Krieg. Es war charmant, und ich blieb vier Tage.
Die Hälfte der Fläche der drei baltischen Länder ist von Bäumen bedeckt: entlang der Küste von Nadelwäldern (Kiefern, Wacholdern und Lärchen) und im Innern des Landes von immergrünen Bäumen (Birken und Buchen). Das Küstengebiet umfasst über 1’000 Kilometer Dünen. Dahinter erstrecken sich ein breiter Streifen Wald und Lagunen, vereinzelt sind auch Dörfer zu finden.
Es gibt keine eigentlichen Häfen, und die Fischer ziehen ihre Boote jeden Abend an den Strand. Es ist möglich, an den Stränden zu campieren, aber nicht in den Dünen, diese werden sorgfältig geschützt.
Im Wald unter den Kiefern schlafen und dem Rauschen der Wellen hinter den Dünen lauschen: ein unvergessliches Erlebnis. Aber Achtung! Es gibt nur wenige Wasserstellen.
Die insgesamt rund 190 Campingplätze der drei baltischen Länder liegen an den unterschiedlichsten Orten: Sie haben die Wahl, an einem Strand, einem See, einem Fluss, in einem Wald, in einem Dorf mit traditionellen Häusern oder auf einem Hof zu campieren. Es gibt sogar einen Campingplatz mit Spa (Rojas novads in Lettland). Einige Campingplätze verfügen auch über ein Gasthaus, zum Beispiel die in Jūrmala (Vidzeme), Mikeltornis (Kurzeme), Sääritsa und Tartumaa (Ostestland), oder ein Hotel, zum Beispiel die in Pärnumaa und Laagri (Westestland).
Nicht alle Campingplätze sind idyllisch – bei Weitem nicht. Häufig befinden sie sich auf weitläufigen, grasbewachsenen Geländen ohne Bäume oder sogar auf Asphalt und dienen somit nur als Übergangslager. Die vollständige Liste der baltischen Campingplätze erhalten Sie via camping.info.
Liebhaber langer Wanderungen können die Baltic Coastal Hiking Route, Teil der E9, in Angriff nehmen: Von der Südgrenze Lettlands bis nach Tallinn sind es 1’200 Küstenkilometer (580 Kilometer in Lettland und 620 Kilometer in Estland; siehe auch coastalhiking.eu
Die Strecke ist auch für Velofahrer geeignet, obwohl zahlreiche Abschnitte versandet sind, weil die Dünen bis in den Wald vorgedrungen sind und an einigen Orten sogar ganze Dörfer unter sich begraben haben.
Zu guter Letzt noch ein Hinweis bezüglich des Klimas in diesen Breitengraden: Verwechseln Sie Riga nicht mit Málaga oder Antalya. Die mehreren hundert Kilometer weisser Sand sind bezaubernd, aber Sie werden nur wenige Leute sehen, die sich länger als einige Sekunden im Wasser aufhalten – auch im Sommer nicht.
An einem Nachmittag im August ging ich den Damm zwischen dem Hafen und der Innenstadt Tallinns entlang. Ich trug eine Mütze, eine Jacke und Skihandschuhe. Die Fähre nach Helsinki verliess gerade den Hafen, und ein starker Wind wehte aus Sankt Petersburg. Vergessen Sie also nicht, warme Kleidung einzupacken, bevor Sie so hoch in den Norden fahren.
Falls Sie sich nicht davor fürchten, einige Tage oder Wochen eigenständig unterwegs zu sein, und weil wildes Campieren erlaubt ist: Wagen Sie das Abenteuer. Sie werden es nicht bereuen!
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