Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03141.jsonl.gz/1923

Nach diesem Rekordsommer (Asienspiegel berichtete) scheint sich abzuzeichnen, dass die Sommerspiele 2020 in Tokio zu einer extrem heissen Angelegenheit werden. Regelmässige Temperaturen von über 35 Grad wäre für Athleten wie auch für Zuschauer eine enorme körperliche Belastung. Aus diesem Grund hat man bereits entschieden, den Start der Marathonläufe auf 7 Uhr am Morgen anzusetzen, um der ganz grossen Hitze zumindest ein wenig entgehen zu können. Schattenspender, Sprühnebel und ein spezieller Oberflächenbelag werden weitere Kühlhilfen sein (Asienspiegel berichtete). Dennoch bleibt die Sorge gross, dass all diese Massnahmen nicht ausreichen werden.
Yoshirō Mori, Vorsitzender des OK für die Olympischen Spiele 2020 und ehemaliger Premier, hat daher der Regierung einen viel weitreichenden Vorschlag unterbereitet, wie die Nikkei Shimbun berichtet. Er fordert die Einführung der Sommerzeit für 2020. Die Zeit soll in den heissen Monaten um 1 oder sogar 2 Stunden vorgestellt werden. Wenn also der Marathon um 7 Uhr am Morgen anfängt, wäre es nach eigentlicher japanischer Zeit erst 6 Uhr. Für die Athleten wie auch für die Zuschauer könnte sich der Morgen so temperaturmässig wesentlich angenehmer gestalten. Zugleich würde die Massnahme erlauben, die Stromkosten zu drosseln.
Kabinettssekretär Yoshihide Suga bezeichnet die Sommerzeit als einen möglichen Vorschlag, um der Sommerhitze zumindest teilweise zu entgegen. Er betont zugleich, dass eine solche Massnahme einen weitreichenden Einfluss auf das tägliche Leben der Bevölkerung hätte.
Ein Land ohne Sommerzeit
Für die Wirtschaft wäre eine solche Umstellung derweil mit viel Zusatzkosten verbunden. Als temporäre Massnahmen für 2020 würde es daher wenig Sinn machen. So sieht es auch Mori. Er deutet an, dass er die Einführung der Sommerzeit als permanenten Entscheid betrachten würde, als «bleibendes Vermächtnis der Olympischen Sommerspiele 2020», wie er sagt.
Japan kennt die Sommerzeit lediglich aus längst vergangenen Tagen. Zwischen 1948 und 1951, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, erlebte der Inselstaat eine kurze Periode, in der es eine Sommerzeit gab. Die Bevölkerung beklagte sich über Schlafbeschwerden und längere Arbeitszeiten. Daher wurde die Massnahme wieder abgeschafft. Eine mögliche Wiedereinführung wird seit den 1990ern immer wieder diskutiert (Asienspiegel berichtete), zuletzt nach der Dreifachkatastrophe von 2011. Der Widerstand aus der Politik oder der Bürokratie war jedoch stets zu gross. Die globale Erwärmung und die Olympischen Sommerspiele könnten dies nun ändern.