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Ossip Mandelstam ist ein Mythos. Er gilt in Russland und weltweit als Märtyrer der Poesie, der für seine Dichtung mit dem Leben bezahlte. Vor allem bekannt ist er als politisch Verfolgter und als Autor eines scharfen, den »Seelenverderber« Stalin entlarvenden Gedichts. Sein Tod unter entwürdigenden Umständen 1938 in einem Zwangsarbeiterlager bei Wladiwostok beförderte entscheidend seinen Ruhm. Mandelstam als Gulag-Häftling, als Opfer totalitärer Macht im
20. Jahrhundert: Dies ist oft das gängige Bild dieses Schriftstellers. Der stolze und selbstbewusste, scharfzüngige und streitlustige, sinnliche, lebensfrohe und witzige Mandelstam, der durchaus kein Märtyrer sein wollte, wird aus dem Mythos meist ausgeblendet.
Auch sein postumes Schicksal ist bemerkenswert. Seine Frau Nadeschda überlebte wie durch ein Wunder die Stalin-Epoche, lernte Mandelstams Gedichte auswendig, um sie vor Stalins Häschern zu bewahren, versteckte das Archiv bei wenigen Komplizen und Freunden und ließ das Werk schließlich nach Amerika schmuggeln. In ihren monumentalen Memoiren »Das Jahrhundert der Wölfe« enthüllte sie 1970 das Ausmaß von Mandelstams Isolierung und Verfolgung, aber auch seinen Mut und seine Zivilcourage in den finstersten Jahren des Stalin-Terrors.
Das vorliegende Buch ist die international erste Werkbiographie Ossip Mandelstams. Sie vermeidet beide Gefahren: das Weiterweben an der Heiligenlegende und die modische Demontage der Person. Mandelstam braucht weder ein Heiliger zu sein noch ein Monster. Sein Leben lang konnte er nichts anderes sein als Dichter. Wer war dieser Dichter, der uns trotz aller Tragik seiner Lebensumstände laut Pier Paolo Pasolini »einer der glücklichsten Dichtungen des Jahrhunderts« geschenkt hat? War sein Leben ein Albtraum, wie Kafka ihn hätte träumen können? Warum war er für viele – nicht nur russische – Künstler ein »moderner Orpheus« (Joseph Brodsky)?
»Nicht nur ein Buch, in dem man sehr viel lernen und einen bedeutenden Künstler kennenlernen kann, sondern selber fast schon ein Roman, wunderbar geschrieben, packend und von großer Anschaulichkeit.« Iris Radisch, BücherBücher, Hessisches Fernsehen
»Noch nie ist einem deutschen Publikum dieser Tod und jede Einzelheit des Weges zu ihm so genau und so taktvoll, so kenntnis- und ideenreich beschrieben worden.« Andreas Isenschmid, Die Zeit