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Was ist das älteste bekannte Musikinstrument?
Musik begleitet die Menschen seit Urzeiten. Das älteste bekannte Instrument fanden Archäologen im Jahr 1995 in einer Höhle in Slowenien. Dabei handelt es sich um eine Flöte, geformt aus dem linken Oberschenkelknochen eines jungen Höhlenbärs. Ihr Schöpfer war ein Neandertaler, ein Verwandter des Homo sapiens. Die Neandertaler sind vor rund 40 000 Jahren ausgestorben. Die Flöte zeigt, dass bereits frühe Hominiden zu raffiniertem künstlerischem Ausdruck fähig waren. Das Alter der Flöte schätzen die Archäologen auf 50 000 bis 60 000 Jahre. Damit ist sie um einige tausend Jahre älter als die vor 1995 bekannten Flötenfunde, die auf unsere Vorfahren zurückzuführen sind. Auch ist die Neandertaler-Flöte den neueren in ihrer musikalischen Leistung überlegen.
Warum entspannt es uns, Musik zu hören?
Stress fördert die Produktion des Hormons Cortisol im Körper. Musik hingegen hat auf den Cortisolspiegel eine senkende Wirkung, wie verschiedene Untersuchungen zeigten. In besonders fordernden Berufen könnte eine Antistresstherapie mit Musik deshalb helfen, das Cortisollevel langfristig tief zu halten. Koreanischen Krankenpflegern zum Beispiel, die auf der Intensivstation tätig waren, half in einem Experiment, täglich nach der Arbeit eine halbe Stunde Musik zu hören. Das reduzierte die Cortisolkonzentration in ihrem Körper und sie konnten sich besser entspannen. Auch Patienten im Krankenhaus können von einer musikalischen Behandlung profitieren, wie eine Studie zeigte: Wurden sie vor und während einer Operation mit Musik beschallt, blieb ihr Cortisollevel tiefer als ohne Musik. Deshalb benötigten sie eine geringere Dosis an Narkosemittel im Vergleich zu anderen Patienten.
Was versteht man gemeinhin unter dem Mozart-Effekt?
Viele glauben, dass Kinder intelligenter werden und bessere Noten schreiben, wenn sie klassische Musik hören. Sogar Babys sollen bereits von diesen Vorzügen profitieren. Die Studie, die den Effekt zwar noch nicht so nennt, jedoch heute als Basis dieser Vorstellung gilt, ist 1993 im Fachmagazin Nature erschienen. Erwachsene Probanden, welche im Vorfeld ein Stück von Mozart gehört hatten, schnitten darin besser ab in Aufgaben, die das räumliche Vorstellungsvermögen betreffen, als Probanden, die vorher Entspannungsinstruktionen bekamen oder gar nichts hörten. Im wissenschaftlichen Milieu ist die Studie umstritten. Einige Forscher vertreten die Meinung, dass alles, was das Hirn anregt, diesen Effekt erzielen würde. Ausserdem könnten auch persönliche Vorlieben eine Rolle spielen. Bei einer gross angelegten englischen Studie erzielten nämlich jene Kinder die besten Resultate, die vor dem Test Poplieder gehört hatten.
Wie hängen Musik und Gedächtnis zusammen?
Worte und Bilder, die Gefühle in uns auslösen, behalten wir länger im Gedächtnis als andere. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass Emotionen und Erinnerungen in derselben Funktionseinheit des Gehirns verarbeitet werden, nämlich im limbischen System. Dass emotionale Musik auf die gleiche Weise mit dem Erinnerungsvermögen verbunden ist, zeigten deutsche Musikforschende. Diese Tatsache ist auch Filmproduzenten bekannt: Wir erinnern uns alle an die Szene, in der Jack und Rose mit ausgebreiteten Armen am Bug der Titanic stehen und dabei die Töne von Céline Dions „My heart will go on“ erklingen. Weil sie in uns Emotionen ausgelöst hat, haben wir die Szene noch Jahre später vor Augen. Ob die Musik entspannend oder aufregend ist, spielt dabei eine nebensächliche Rolle.
Mitunter kann Musik für Gänsehaut sorgen. Wann erleben wir einen solchen wohligen Schauer?
Durch Musik verursachte Gänsehautmomente sind selten. Nur etwa zwei Drittel aller Menschen sind überhaupt dazu in der Lage, derartiges zu empfinden. Die Auslöser sind höchst individuell, so etwas wie eine universale Gänsehauttonfolge, die immer diese Wirkung hat, gibt es nicht. Eine Bedingung muss hingegen erfüllt sein, damit ein Zuhörer oder eine Zuhörerin Gänsehaut verspüren kann: Es muss einen unerwarteten Bruch in der musikalischen Struktur, ein Überraschungselement, geben. Wenn jemand ein Lied, das ihm oder ihr Gänsehaut beschert, oft hört, tritt das Phänomen mit der Zeit seltener auf; ein Gewöhnungseffekt stellt sich ein. Ebenso tritt die Reaktion weniger oft auf, wenn man in der Gruppe Musik hört – es ist eine intime emotionale Reaktion, für die man sich möglicherweise auch schämt. Über den Ursprung und Nutzen dieses Phänomens weiss man noch nichts mit Sicherheit. Bekannt ist, dass Gänsehautmusik das neuronale Belohnungssystem aktiviert. Weil das vor allem durch unerwartete Töne geschieht, empfinden wir Lust beim Lernen neuer akustischer Signale. Dadurch vergrössert sich unser musikalischer Wortschatz und wir können Geräusche besser erkennen und einordnen. Evolutiv war es für den Menschen sicherlich von Vorteil, wenn er schnell die Geräusche seiner Stammesmitglieder von denen eines Säbelzahntigers unterscheiden konnte.