Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03107.jsonl.gz/1787

Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied zuerst auf Eckball. Doch dann besprach er sich mit dem Linienrichter. Man fragte sich im Nachhinein, wie sich die beiden denn verständigt hatten, da der Linienrichter ein Russe war und nur Russisch und Aserbaidschanisch sprach. Jedenfalls entschieden die beiden, der Ball sei hinter der Torlinie gewesen. Es stand 3:2 für England.
Videobeweise gab es noch nicht, und so mussten die Deutschen das Spiel mit einem Tor Rückstand weiterführen. Das zwang sie, ihre Verteidigung zu vernachlässigen. Und kurz vor Schluss kassierten sie noch ein viertes Tor.
Jahrelang wurde gerätselt und analysiert, ob der Ball vollständig hinter der Torlinie gewesen war oder nicht. Die Rede ist, Sie werden es erraten haben, vom berühmten Wembley-Tor, erzielt heute vor 55 Jahren von Geoff Hurst. Und nachdem der Treffer gegeben wurde, wird er natürlich auch als Torschütze geführt.
Mittlerweile scheint man sich allerdings einig zu sein, dass der Ball nicht drin war. Was selbstverständlich nichts an Englands Weltmeistertitel ändert. In England wurde das Tor weit weniger heiss diskutiert. Man freute sich über den Sieg und sprach einfach vom «dritten Tor». Aber im deutschen Sprachraum wurde das Tor zur Legende. Das «Wembley-Tor» ist hier ein stehender Begriff. Deutschland erreichte den zweiten Platz und gewann acht Jahre später den Titel. Übrigens, die Schweiz schied damals bereits nach der Vorrunde mit null Punkten aus.