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Mein Körper spricht!
In meinem Körper herrscht Ruhe. Jedenfalls die meiste Zeit. Ausser ich habe Hunger, dann knurrt der Bauch. Ich recke und strecke mich, dann knacken meine Gelenke. Oder ich bin erkältet, dann wird behauptet, dass ich schnarche, was natürlich bewiesen werden müsste.
Nun gibt es Geräusche und Geräusche: Ein lautes Niesen mag erschrecken, aber es ist nicht peinlich. Im Gegensatz zum ungewollten Pupser, der – ausser man ist ein Kleinkind – verhindert werden will, sucht man nicht den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Geräusche, die entstehen, wenn man auf die Toilette geht, sind übrigens vielen asiatischen Frauen so peinlich, dass sie kleine Geräte mitnehmen, die unangenehme Geräusche übertönen. Sie heissen Oto Hime, zu Deutsch: Geräuschprinzessin, und imitieren konstant den Klang einer Wasserspülung, in dem das eigene Wasserlösen untergeht.
Wenn der Körper Geräusche macht, ist das vielleicht peinlich, aber eigentlich auch ganz normal. Trotzdem sind wir unangenehm berührt, wenn die Sitznachbarin im Tram ihre Finger einzeln durchknackt («Hilfe, es tötelet!») oder der Mann am Nebentisch rülpst («So ein Schwein.») Die meisten Körpergeräusche sind also höchstens nervig, aber nicht schlimm. Bei gewissen Ausnahmen sollte man aber hellhörig werden:
Magen-Darm-Geräusche
Der Magen ist quasi ein Sack, dahinter verengt sich das Verdauungssystem zu einer Art Schlauch, bestehend aus Dünn- und Dickdarm. Magen und Darm haben Wände aus glatter Muskulatur. Sie erschlafft und zieht sich zusammen, dies in rhythmischem Wechsel. Durch diese Peristaltik wird die aufgeschlüsselte Nahrung in Richtung Enddarm vorangetrieben. «Sind Gas und Flüssigkeit vorhanden, können Geräusche im Magen-Darm-Trakt entstehen. Die sind völlig harmlos», sagt der Hausarzt Stefan Rennhard. Wir schlucken täglich etwa zwei Liter Luft zusammen mit Essen und Trinken. Wenn verflüssigte Nahrung auf diese Gase trifft, blubbert es. «Das Glucksen entsteht dadurch, dass kleine Gasbläschen vom Darm durch Flüssigkeit getrieben werden.»
Achtung! Das Fehlen der Geräusche kann auf eine Lähmung des Darmsystems hinweisen (Darmverschluss). Halten die Geräusche an und werden von Schmerzen, Übelkeit oder Fieber begleitet, kann etwas Ernsteres wie ein Reizdarmsyndrom, Entzündungen im Magen-Darm-Trakt oder Nahrungsunverträglichkeiten dahinterstecken.
Ohrenpfeifen
Oft merken wir es erst am Abend oder in Momenten der Stille: Geräusche im Ohr, die ohne äussere Schallwellen entstehen. Das Ganze nennt sich Tinnitus (aus dem Lateinischen tinnire: klingeln). «Heute weiss man immer noch nicht genau, woher dieses Pfeifen stammt», sagt Mediziner Rennhard. «Man ging ursprünglich von einer Funktionsstörung im Innenohr aus. Bei Leuten, die vom Pfeifen betroffen sind, besteht aber auch ein zusätzliches übersteigertes Reizantworten des Gehirns.» Anders als ein Hörsturz, der messbar ist, trifft das auf den Tinnitus nicht zu.
Achtung! Hält das Pfeifen an, sollte man sich bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersuchen lassen. Die lästigen Ohrgeräusche können durch verschiedene Einflüsse wie Stress, Lärm, aber auch Herz-Kreislauf-Probleme oder Infektionen ausgelöst werden.
Atemrasseln
«Bei einem gesunden Menschen sollten praktisch keine Atemgeräusche auftreten», sagt Stefan Rennhard. «Ein Pfeifen entsteht beispielsweise dann, wenn die Bronchien durch eine Kontraktion der Muskeln in den Bronchialwänden und angeschwollene Schleimhäute eingeengt werden.» Rasseln entsteht durch die Kombination von Flüssigkeit und Luft. Schleim in den Bronchien wird so beim Ein- und Ausatmen hörbar.
Achtung! Jeder ungewöhnliche Klang beim Atmen sollte untersucht werden. Atemgeräusche können auch durch eine vergrösserte Schilddrüse oder durch Asthma ausgelöst werden. Ein starkes Rasseln kann auch Hinweis auf eine Lungenentzündung sein.
Schluckauf
Warum wir «Hitzgi» (Hickser, Schluckauf) haben, wissen die Mediziner nicht genau. Es entsteht, indem sich das Zwerchfell abrupt zusammenzieht. «Das ist in der Regel harmlos», sagt Doktor Rennhard. Wahrscheinlich reagiert das Zwerchfell empfindlich auf Reize wie zu heisses oder kaltes Essen oder hastiges Schlucken. «Jedenfalls verschliesst sich dabei reflexartig die Stimmritze, was das Geräusch entstehen lässt.» Verschiedene Hausmittelchen werden empfohlen, etwa kaltes Wasser in einem Zug austrinken oder die Luft anhalten.
Achtung! Wenn das Hicksen über Stunden anhält, dann ist es angebracht, einen Arzt aufzusuchen, der eine medikamentöse Behandlung prüft.
Gelenkknacken
«Treten während des Knackens keine Schmerzen auf und sind die Gelenke nicht geschwollen, muss man sich keine Gedanken machen», sagt Stefan Rennhard. Wie das Knacken entsteht? Möglicherweise lösen sich die Gelenkflächen, zwischen denen ein dünner Flüssigkeitsfilm liegt, kurz voneinander, und es entsteht der Ploppeffekt. Eine andere Theorie: «Durch die Bewegung ändert sich die Kontaktfläche im Gelenk, das zum Beispiel beim Knie keine regelmässige Krümmung wie bei einem Scharnier aufweist», sagt der Mediziner.
Achtung! Ein Arztbesuch ist angesagt, wenn sich beim Knacken Schmerzen einstellen.
Schnarchen
Beim Schnarchen entspannen sich alle Muskeln, Zunge und Gaumensegel fallen nach hinten, und beim Atmen durch den schmalen Spalt entsteht das Geräusch. Mögliche Abhilfen sind eine Schlafmaske, eine Kieferschiene oder ein Schlafrucksack.
Achtung! Schnarchen mit längeren Atempausen kann auf eine gefährliche Schlafapnoe hinweisen, die das Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts erhöht. Ab ins Schlaflabor!