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Die Entwicklung des Rheins hat in den letzten zwei Jahrhunderten einen sehr tiefgreifenden Strukturwandel durchlaufen müssen. Die vielfältige Nutzung des Rheins durch den modernen Menschen des Industriezeitalters hat dieses Ökosystem bis an seine Grenzen beansprucht und liess es zunehmend veröden. Dabei nutzen wir den Rhein als:
Aufbau der Schnellfilter im Areal Steinhölzli
Der Beginn der industriellen Nutzung war von grosser Sorglosigkeit geprägt und belastete das Gewässer in zunehmenden Masse. Dadurch wurde die Aufgabe, einwandfreies Trinkwasser aus Rheinwasser zu gewinnen, ständig schwieriger, im Mündungsbereich fast unmöglich. Dass die Rheinverschmutzung Ursache für die bei den Trinkwasserversorgungen aufgetretenen Schwierigkeiten war, wurde zunächst bestritten, da eine Erhebung beweiskräftiger Messgrössen fehlte.
So waren neben verschiedenen Organisationen auch die Wasserwerke entlang des Rheins zu einer Zusammenarbeit aufgerufen. Gemeinsam sollten Untersuchungen in Gang gesetzt werden, welche die Rheinwasserbeschaffenheit nach den für die Trinkwasseraufbereitung relevanten Gesichtspunkten klar aufzuzeigen vermochten. Die Wasserwerke von der Quelle bis zur Mündung bildeten verschiedene Arbeitsgruppen, die sich später zu einer internationalen Dachorganisation, der IAWR (Internationale Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Rheineinzugsgebiet) zusammenschlossen. In der Schweiz und im Süddeutschen Raum wirkt die AWBR (Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee Rhein), in der auch die Hardwasser AG Mitglied ist.
Die Forderungen nach einer drastischen Verringerung von Schadstoffeinträgen und einer Überwachung ihrer Verursacher blieben nicht ungehört. Milliardeninvestitionen von Industrie und Kommunen für Kläranlagen sorgten für eine allmähliche Erholung des Rheins und seiner Nebenflüsse. Das zu Beginn der siebziger Jahre ins Leben gerufene Messprogramm, das an einer Tagung der IAWR in Basel vorgestellt wurde und seither Basler Modell genannt wird, zeigt zwischen 1970 bis in die neunziger Jahre eine deutliche Verbesserung der Qualität des Flusswassers in fast allen damals relevanten Messgrössen. Die von den Rheinanliegerstaaten gebildete IKSR (Internationale Kommission zum Schutze des Rheins), welche die Entwicklung im Hinblick auf das gesamte Ökosystem Rhein überwacht, bestätigt die positive Veränderung.
Modernste Analyseverfahren können heute in den Gewässern Verunreinigungen in kleinsten Konzentrationen nachweisen. In zunehmendem Masse richtet sich so der Fokus auf diese Spurenverunreinigungen und verdrängt das Basler Modell in die Geschichtsbücher. Die Spurenverunreinigungen, die ihren Ursprung aus der gegenwärtigen Beeinflussung der Gewässer aus Kläranlagen, aus diffusen Eintragsquellen und auch aus Altlasten haben können, ergeben heute eine grosse Herausforderung für praktisch alle Wasserversorgungen. Weitere Anstrengungen in den Bereichen Gewässerschutz und Abwasserbehandlung werden nötig sein. Eine sorgfältige und fundierte Interpretation der komplexen Analysewerte soll schlussendlich als Basis dienen, ob gegebenenfalls eine Verfahrenskette in der Trinkwasserproduktion erweitert werden muss. Unabhängig davon sind auch Wünsche und Forderungen der Konsumentenschaft zu berücksichtigen.
Das hochstehende Ziel, Trinkwasser mit ausschliesslich natürlichen Verfahren zu gewinnen, konnte vorerst nicht erreicht werden und ist heute noch ein Privileg der quellennahe gelegenen Länder. Die Wasserwerke und andere Institutionen werden sich aber auch in Zukunft an einer weitergehenden Sanierung der ökologischen Verhältnisse des Rheins tatkräftig engagieren. Ob eine möglichst naturnahe Trinkwasseraufbereitung für die quellennahe gelegenen Länder weiterhin möglich ist, kann im Hinblick auf geforderte Aufbereitungsziele zur Elimination von Verunreinigungen im tiefen Spurenbereich momentan nicht eindeutig beantwortet werden.