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Pietro Selvatico SJ
Am 19. April 2008 verstarb in seinem 76. Lebensjahr nach schwerer Krankheit und dennoch für alle überraschend
Pietro Selvatico SJ
Aufgewachsen in Uznach (SG) als Sohn eines italienischen Gastarbeiters absolvierte er das Gymnasium an der Kantonsschule St.Gallen – zu einer Zeit, als Anwärter auf das Priesteramt vorsorglich katholischen Mittelschulen anvertraut wurden. Pietro Selvatico entschied sich während seines ganze Lebens immer wieder zu völlig unkonventionellen Wegen. So studierte er zuerst einige Semester als Laie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Theologie. Laientheologen waren damals kaum anzutreffen, und schon gar nicht in Rom. Als Student ohne Talar muss er im Hörsaal auch entsprechend aufgefallen sein. 1953 schloss er sich der Gesellschaft Jesu an und durchlief darauf den für Jesuiten üblichen Ausbildungsweg: zwei Jahre Noviziat, drei Jahre Philosophie in München, zwei Jahre Einsatz als Präfekt im Jesuitengymnasium Stella Matutina in Felkirch und schliesslich die noch fehlenden Semester Theologie in Rom.
Seine Doktorarbeit schrieb er über den in Zürich lehrenden evangelischen Theologen Gerhard Ebeling und wirkte gleichzeitig und unmittelbar danach als Studentenseelsorger in Bern und Fribourg. Von 1978 bis 2002 lehrte er Systematische Theologie an der Universität Fribourg. Sein Einsatz galt einer engagierten Begleitung zahlreicher Theologiestudenten und ihrer Hinführung zu einem kritisch reflektierten Glaubensleben. Die ökumenische Tragweite des Zweiten Vatikanischen Konzils war ihm ein Anliegen, zu dessen Verwirklichung er aktiv, mutig und optimistisch beitragen wollte. Eines seiner geläufigsten Reizworte: "Nostalgiker".
Bis zu seinem Tod war er auch Redaktor der Zeitschrift "Orientierung". So gehörte er auch zur Kommunität an der Scheideggstrasse 45 in Zürich, hatte aber seinen eigentlichen Wohnsitz in Fribourg, wo er auch nach seiner Emeritierung blieb.
Pietro Selvatico wirkte Zeit seines Lebens immer auch als Seelsorger, vor allem von kranken und älteren Menschen.
In den letzten Monaten machten sich bei ihm Zeichen einer Krankheit bemerkbar, die sich in ihrer Ernsthaftigkeit erst nach und nach zeigte. Seine Angehörige, Freunde und Mitbrüder haben nie mit einem so frühen Ableben gerechnet. Die Schweizer Jesuitenprovinz verliert mit Pietro Selvatico einen aufgestellten und liebenswürdigen Mitbruder, mit dem sich manch angeregtes Gespräch über eine zeitgenössische Theologie und vor allem Christologie führen liess.
Paul Oberholzer SJ, Zürich