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Wenn wir wissen wollen, wie Gott über den Menschen denkt, müssen wir die Bibel zur Hand nehmen. Dort finden wir drei Doppelbegriffe, mit denen wir uns in einer kurzen Artikelfolge beschäftigen möchten:
- der erste und der zweite Mensch
- der alte und der neue Mensch
- der äussere und der innere Mensch
In diesem Artikel geht es um folgende Ausdrücke:
Der erste und der zweite Mensch
«Der erste Mensch ist von der Erde, von Staub; der zweite Mensch vom Himmel. Wie der von Staub ist, so sind auch die, die von Staub sind; und wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen» (1. Kor 15,47.48).
Der erste Mensch – von Gott geschaffen
«Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie» (1. Mo 1,27).
«Gott der HERR bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele» (1. Mo 2,7).
Der Mensch, und zwar als Mann und Frau, ist ein Geschöpf Gottes. Diese Tatsache finden wir nicht nur im Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel. Als der Sohn Gottes als Mensch auf der Erde lebte, hat Er diese Wahrheit bestätigt (Mt 19,4). Auch der Apostel Paulus hat in seiner Rede in Athen bezeugt, dass Gott den Menschen geschaffen hat (Apg 17,26).
In 1. Mose 1 und 2 wird gesagt, dass Gott den Menschen sowohl geschaffen als auch gebildet hat.
- Der Ausdruck «schuf» zeigt die allmächtige Kraft Gottes. Er wird auch in Jesaja 43,1 auf das Volk Israel angewandt: «So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob.» Gott sagt damit: Ich habe meine grosse Kraft entfaltet, um dich zu schaffen. In der Erschaffung des Menschen sehen wir die Entfaltung der Allmacht Gottes.
- Der Begriff «bilden» weist auf die Weisheit Gottes in der Schöpfung hin. In seiner Weisheit hat Er nicht alle Menschen gleich gemacht. Er hat deutlich zwischen Mann und Frau unterschieden. Zudem macht der weise Schöpfer jeden einzelnen Menschen, der geboren wird, als ein Original. Diese Tatsache drückt David in Psalm 139,13-16 gegenüber Gott sehr schön aus: «Du wobst mich im Leib meiner Mutter. Ich preise dich dafür, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele weiss es sehr wohl. Mein Gebein war nicht vor dir verborgen, als ich gemacht wurde im Geheimen, gewirkt wie ein Stickwerk in den untersten Örtern der Erde. Meinen Keim sahen deine Augen, und in dein Buch waren sie alle eingeschrieben, die Tage, die entworfen wurden, als nicht einer von ihnen war.»
Ist es nicht etwas Wunderbares, daran zu denken, dass Gott als Schöpfer uns Menschen erschaffen und dabei seine allmächtige Kraft, aber auch seine tiefe Weisheit entfaltet hat?
Der erste Mensch – was ist er?
«Wenn ich anschaue deine Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du auf ihn achthast?» (Ps 8,4.5).
Psalm 8 macht deutlich, dass der erste Mensch angesichts des Universums klein und unbedeutend ist. Wenn die gewaltige Grösse und Herrlichkeit der Schöpfung betrachtet wird, stellt sich tatsächlich die Frage: Was ist der Mensch? Nach 1. Korinther 15 ist der erste Mensch von Staub. Er ist von der Erde und im Vergleich zur gesamten Schöpfung gering. Dennoch ist er dem Schöpfer für sein Tun Rechenschaft schuldig. Gott hat den Menschen nicht als eine Marionette geschaffen, sondern als ein Wesen, das vor Ihm verantwortlich ist. Leider hat der erste Mensch in seiner Verantwortung versagt. In 1. Mose 3 wird uns berichtet, wie er das Gebot Gottes übertrat und in Sünde fiel. Dadurch wurde der «erste Mensch» zum «alten Menschen».
Adam war nicht der Einzige, der in Sünde fiel. Alle Menschen sind genauso gescheitert wie er. Das ist das klare Zeugnis des Wortes Gottes. Durch die ganze Bibel wird uns bestätigt, dass alle Menschen in ihrer Verantwortung vor Gott versagt und gesündigt haben. In Psalm 14, der in Psalm 53 fast wörtlich wiederholt wird, heisst es in Vers 3: «Alle sind abgewichen, sie sind allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.» Das Neue Testament nimmt dieses Zitat in Römer 3,12 auf: «Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.» Das Resultat davon ist, dass der erste Mensch und alle seine Nachkommen völlig versagt haben. Auf die Frage «Was ist der Mensch?» in Psalm 8,5 lautet die Antwort: Er ist gering und hat in seiner Verantwortung versagt. Doch die Aussage endet nicht damit, sondern wird mit einem «und» fortgesetzt: «… und des Menschen Sohn, dass du auf ihn achthast?»
Der zweite Mensch – Jesus Christus
Im letzten Teil von Vers 5 spricht der Psalmdichter prophetisch vom zweiten Menschen. Wir lesen in 1. Korinther 15, dass dieser Mensch vom Himmel gekommen ist. Das ist eine wunderbare Tatsache: Der ewige Sohn Gottes ist vor 2000 Jahren Mensch geworden. Er wurde nicht ein Geschöpf, sondern ein Mensch wie wir, ausgenommen die Sünde. Wenn der Schöpfer selbst als Mensch in seine Schöpfung eintritt, dann bekommt Er einen besonderen Titel von Gott: Er ist «der Erstgeborene aller Schöpfung» (Kol 1,15). Der zweite Mensch wird nie Geschöpf genannt. Nein, wenn der Schöpfer, der Sohn Gottes, Mensch wird und in seine erste Schöpfung eintritt, ist Er der Vornehmste von allen.
Jesus Christus wird «des Menschen Sohn» genannt, denn Er hatte nur eine menschliche Mutter. Er wurde vom Geist Gottes gezeugt. Deshalb kann nur von Ihm in Einzahl als dem Sohn des Menschen die Rede sein. So erkennen wir, dass David in Psalm 8 den Herrn Jesus meint. Er ist der Sohn Gottes, der aus dem Himmel kam und Mensch wurde.
Wir können diesen wunderbaren Menschen vom Himmel in den Evangelien betrachten. Wir sehen sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung und erkennen, wie sich der zweite Mensch auf der Erde verhalten hat. In seinem Leben von der Krippe bis zum Kreuz hat Er Gott in allem, was Er gesagt und getan hat, völlig geehrt.
30 Jahre lang hat dieser wunderbare Mensch vom Himmel auf der Erde vollkommen vor Gott gelebt. Das Leben des Herrn Jesus entsprach in allem der Absicht Gottes, wie ein Mensch auf der Erde leben sollte. Deshalb öffnete sich der Himmel über Ihm und der Vater bezeugte: «Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe» (Mt 3,17).
Dann diente Jesus etwas mehr als drei Jahre seinem Gott. Als Er am Ende seines Dienstes mit Petrus, Jakobus und Johannes auf dem heiligen Berg war, hörten sie nochmals die Stimme des Vaters: «Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe» (Mt 17,5). In seinem Leben und in seinem Dienst hat Er Gott geehrt und verherrlicht. Das ist der zweite Mensch, der Mensch vom Himmel, der Erstgeborene aller Schöpfung.
In Psalm 8,6 lesen wir dann weiter: «Denn ein wenig hast du ihn unter die Engel erniedrigt.» Der zweite Mensch, der immer in Hingabe an Gott gelebt hat, ist ein wenig unter die Engel erniedrigt worden. Was der Psalmdichter damit meint, erklärt uns der Schreiber des Hebräer-Briefs: «Wir sehen aber Jesus, der ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war» (Heb 2,9). Ist es nicht ergreifend, dass der Mensch vom Himmel, der Gott in seinem Leben vollumfänglich ehrte, am Kreuz auf Golgatha sterben musste?
Damit kommen wir zu einer bedeutsamen Tatsache des christlichen Glaubens: Der Herr Jesus, der zweite Mensch, litt und starb am Kreuz, um das Erlösungswerk zu vollbringen, damit der erste Mensch, der versagt hat, nicht verloren gehen muss. Ist das nicht wunderbar? Der Opfertod unseres Herrn Jesus Christus bildet die Grundlage unserer Errettung.