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Etwa 60 GHGZ-Mitglieder und Gäste erfuhren zuerst von Herrn Wyder, dass eine Juchart im
Jahre 1801 Rebland 1'336.- und Ackerland 40.- alte Franken Wert hatte. Wobei eine Juchart Wiese etwa
3'600 m2 entspricht. Daraus ist ersichtlich wie wertvoll Rebland war. Anhand einzelner Pläne zeigte uns
Samuel Wyder wo sich Acker-, Wies- und Rebland um die damalige Stadt Zürich befand.
Mit zwei Bildern aus unterschiedlichen Jahrhunderten einer Gletschermoräne wies der Redner
auf die klimatischen Unterschiede hin. Während das Mittelalter wärmer war, wies das 17.-19. Jahrhundert
kühlere Wetterverhältnisse auf. Dies hatte natürlich auch den entsprechenden Einfluss auf die Landwirtschaft.
Zur selben Zeit als sich die Wetterverhältnisse verschlechterten, wuchs die Bevölkerung nach dem letzten
Pestzug schneller an.
Mit weiteren Bildern zeigte uns Herr Wyder wie die Bauern damals lebten. Kühe wurden als
Zugtiere und nicht für Fleisch und Milch gehalten. Der Pflug ritzte nur den Boden auf, brach sie jedoch
nicht um. Damit konnte das Unkraut gleich wieder Fuss fassen. Mit der Dreifelderwirtschaft (Winter-,
Sommergetreide und Brache) gab es keine Freiheiten im Fruchtwechsel. Eichenwälder waren bevorzugt,
da die Eicheln für die Schweinemast verwendet wurden.
Die Stadt selbst bot anhand alter Zehntenpläne viele unbebaute Stellen mit Bünten
(Gemüsegärten) und Wiesen mit Obstbäumen auf.
Das alte System der 3er Zälge konnte mit den schlechteren Wetterverhältnissen die
wachsende Bevölkerung nicht mehr genügend ernähren. Darum berechnete die 1746 gegründete physikalische Gesellschaft
(heute: Naturforschende Gesellschaft in Zürich) 1771 wieviel Mütt Kernen
(Dinkel) für die Bevölkerung nötig war:
|Gebiet
||Bevölkerung 1762

|Stadt Zürich
||11'452

|11 Vororte
||7'829

|Zürich Landschaft
||154'330

Daraus ergab sich die folgende Berechung:
|Bedarf
||357'338 Mütt

|Produktion
||232'204 Mütt

|Import
||125'134 Mütt

Dies mit einem Verbrauch von durchschnittlich 2,5 Mütt (ca. 153 kg) Kernen pro Person.
Die Importe konnten dank der aufkommenden Heimarbeit mit Geld bezahlt werden. Bei der Missernte 1770
explodierten die Lebensmittelpreise. Nun erlaubte die Stadtregierung die Bebauung der Brache mit Kartoffeln.
Samuel Wyder zeigte uns des weiteren mit grafischen Darstellungen der Lebensmittelpreise wie hohe Preise auf
schlechtes Wetter, Krieg und Vulkanausbrüche und somit zu Missernten zurück zu führen sind. Da die Löhne
gleich blieben, folgte daraus auch Hungersnot und Verarmung der Bevölkerung.
Die alten Zehntenpläne bzw. Urbare bieten eine Fundgrube landwirtschaftlicher, besitzerklärender und
genealogischen Details. Als Beispiel führte Herr Wyder die Urbare des Spitals Zürich auf. Der Spital
hatte 14 Reblehen. Die Rebbauern mussten die gesamte Produktion abgeben. Die Hälfte davon wurde wie bei
einer Bank gut geschrieben. So konnten Missernten etwas ausgeglichen werden. Herr Wyder wusste noch zu
berichten, dass in Zürich und um den Zürichsee herum die Rebsorten Elbling und der Räuschling angepflanzt
wurden. Der Elbling wird heute noch in Luxemburg und an der Mosel angepflanzt. Das Kloster Einsiedeln
pflanzt ihn erst seit kurzem wieder an.
In der kurzen Fragerunde wurde der Zehnte angesprochen. Der Referent verwies darauf, dass der Grosszehnte
als Abgabe aus den Feldern und der Kleinzehnte als Abgabe aus den Bünten (Gärten) bestand. Der Kleinzehnte
wurde später mit Geld bezahlt.
Aber nun waren alle auf die Degustation des Elbling des Klosters Einsiedeln und Riesbächler Räuschling
von Landolt gespannt.