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Myanmar: Frauen bringen Solarstrom in Dörfer
Im Südosten Myanmars schult der WWF Frauen in ländlichen Dörfern darin, Mini-Solarstromnetze aufzubauen und zu betreiben. Das ermöglicht den Gemeinschaften Zugang zu erneuerbarer Energie und schützt gleichzeitig die Wälder vor Abholzung.
Die Dawna-Tenasserim-Landschaft liegt auf der Grenze zwischen Thailand und Myanmar. Dort befinden sich einige der grössten noch verbleibenden Tropenwaldgebiete Südostasiens. Die Landschaft ist für den Biodiversitätsschutz eines der bedeutendsten Gebiete der Erde. Es besteht zu rund 83 Prozent aus Wald und beherbergt eine aussergewöhnliche Artenvielfalt. Tiger, Leoparden, Bären, Gaur, Bantengs und zahlreiche Vogelarten leben hier und eine der bedeutendsten Populationen Asiatischer Elefanten.
Die Wälder sind darüber hinaus Heimat und Lebensgrundlage vieler Menschen. Im Kayin-Staat, der auf der Myanmar-Seite des Gebiets liegt, sind 76 Prozent der Menschen unmittelbar von natürlichen Ressourcen abhängig. Die wichtigsten Einnahmequellen sind Produkte aus Land- und Agroforstwirtschaft, vor allem Reis, Kaffee, Mais und Kautschuk. Nur 27 Prozent haben Zugang zu Elektrizität, die meist von Dieselgeneratoren erzeugt wird. Der Rest greift für Beleuchtung auf Kerzen und Petroleum zurück. Ebenso kochen über 85 Prozent mit Brennholz und Holzkohle. Das hat nicht nur gesundheitliche Auswirkungen für die Menschen, weil sie russige Luft einatmen, sondern zerstört auch die Wälder langfristig und führt zu mehr CO2-Emissionen. Dabei ist Myanmar in einer einmaligen Position: Da das südostasiatische Land wenig elektrifiziert ist und nie im grossen Stil von fossilen Brennstoffen abhängig war, hat es die Chance, direkt auf eine nachhaltige Energienutzung zu setzen.
Solartechnikerinnen und Mini-Stromnetze
Der WWF initiierte in Zusammenarbeit mit dem Barefoot College International 2017 sein erstes Programm zur nachhaltigen Elektrifizierung ländlicher Gebiete. 21 Frauen reisten damals nach Indien und wurden dort zu Solartechnikerinnen ausgebildet. Die Nachfrage nach Strom für die neu elektrifizierten Haushalte und Dörfer steigt aber weiter an, um Grundbedürfnisse über die Beleuchtung hinaus zu erfüllen. Kochen, Zugang zu Informationen und Unterhaltung, Lebensmittel- und Medikamentenkühlung sowie die Gründung von Kleinstunternehmen sind einige Beispiele dafür.
Deshalb unterstützt der WWF die Dörfer in einem neuen Projekt dabei, die Mini-Stromnetze zu errichten, die durch Frauen betrieben und gewartet werden. Auch werden die Frauen durch Schulungen und Mikrokredite darin unterstützt, kleine Unternehmen zu gründen, von denen ihre Familien und Gemeinschaften profitieren. Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften durchgeführt. Das ist ein wichtiger Schritt für den Projekterfolg. Sobald die lokalen Mini-Stromnetze eingerichtet sind, können die Gemeinde diese ohne Unterstützung des WWF betreiben. Das Gesamtmanagement wird dann von einer gemeindebasierten Organisation übernommen, und die gut geschulten Frauen übernehmen den Betrieb.
Fokus: Stärkung von Frauen
Wissenschaftliche Studien zeigen auf, dass Männer und Frauen Energiebedarf, Armut und Entwicklungsaktivitäten ganz unterschiedlich erleben können. Ohne die Beteiligung beider Geschlechter laufen Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien Gefahr, zu scheitern.
Daher bindet der WWF konsequent lokale Frauen in das Projekt ein. Produktion, Vertrieb, Schulungen und alle weiteren damit verbundenen Aktivitäten der Stromerzeugung liegen in diesem Projekt massgeblich in der Hand von Frauen. Zudem werden sie unterstützt, den Strom für den Betrieb von Kleinstunternehmen zu nutzen, um weitere Einkommensquellen zu erschliessen. Das Projekt bietet ihnen damit nicht nur eine Ausbildung und eine selbstbestimmte Beschäftigung, sondern auch ein geregeltes Einkommen und damit Zugang zu finanziellen Ressourcen.
Projektarbeit unter widrigen Umständen: Wetterstationen in Myanmar
Der Militärputsch in Myanmar im Februar 2021 hat viele Menschen zur Flucht gezwungen. Zusätzlich wurde auch Myanmar von einer heftigen Covid-19-Welle getroffen.
Trotz allem konnte der WWF in Myanmar im vergangenen Jahr einen Teil seiner Arbeit fortsetzen, vieles anpassen und neue Arbeitsmethoden entwickeln, die vermehrt auch auf Resilienz der vom Klimawandel betroffenen Gemeinschaften abzielen. Unter anderem haben wir in der Projektregion drei solarbetriebene Wetterstationen in Betrieb genommen. Diese informieren Landwirte über das Wetter und schützen so die Lebensgrundlagen der Gemeinden. Die Wetterstationen sind im Besitz der Gemeinden, und alle Informationen sind öffentlich. Zudem sind die lokalen Daten der Wetterstationen im Vergleich zu den Wettervorhersagen für nahe gelegene Städte genauer.
Der WWF bildete neun Frauen und zwei Männer aus, die die Stationen warten, die Wetterinformationen interpretieren und die Daten an ihre Nachbargemeinde weitergeben. Im Falle von Unwettern werden sie per SMS und E-Mail benachrichtigt, damit sie ihre Gemeinden rechtzeitig warnen können. Da die Monsunzeit immer unvorhersehbarer wird, haben die Landwirte nun ein zuverlässiges Instrument, um sich angemessen auf Regen- und Trockenperioden vorzubereiten.
Bereits 1265 Haushalte erreicht
Dank der Ausbildung am Barefoot College in Indien und der weiteren Unterstützung des WWF in Myanmar installieren und warten bereits 38 Solartechnikerinnen Heimsolaranlagen. So konnten bereits 1265 Haushalte in 12 Dörfern mit Solarstrom elektrifiziert werden. Das ist ein wichtiger Schritt auf unser Ziel zu: Bis 2030 sollen 60 Frauen zu Solaringenieurinnen ausgebildet sein und 30 Prozent des Stroms in der Dawna-Tenasserim-Landschaft aus erneuerbaren Energiequellen stammen. So werden die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort verbessert und zugleich das Klima und die Wälder geschützt.
Was Sie tun können
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