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Immer wieder werden bariatrische Operationen auf ihre gewichtsreduzierenden Effekte reduziert. Dabei gehen die Wirkungen, die sich durch diese Operationen erzielen lassen, weit über den puren Gewichtsverlust hinaus. Der folgende Beitrag soll Euch deshalb einen Überblick darüber liefern, was man von einer bariatrischen Operation erwarten kann und darf.
Gewichtsverlust
Der Übergewichtsverlust in % (engl. Excess Weight Loss bzw. %EWL) nach Magenbypass und Schlauchmagen liegt bei etwa 73% innerhalb des ersten Jahres nach dem Eingriff. Besonders schnell geschieht die Abnahme vor allem in den ersten Monaten nach der Operation, wobei der größte Gewichtsverlust dabei meist erst im zweiten Jahr nach der Operation erreicht wird. Die Unterschiede im Gewichtsverlust nach Magenbypass im Vergleich mit dem Schlauchmagen sind im mittelfristigen Verlauf nahezu gleich, wobei Daten über einen längeren Nachbeobachtungszeitraum als 5 Jahre noch nicht vorliegen.
Die sogenannte SOS Studie aus Schweden hat eine große Anzahl bariatrischer Patienten untersucht und die Langzeitresultate mit einer Gruppe an übergewichtigen Patienten verglichen, die sich keiner bariatrischen Operation unterzogen haben. Dabei konnten die Autoren beobachten, dass sich fünfzehn Jahre nach Magenbypass-OP ein durchschnittlicher Verlust des Körpergewichtes von 26% des Gesamtausgangsgewichtes zeigte. Vergleichbare Daten über einen ähnlich langen Beobachtungszeitraum liegen für den Magenschlauch leider nicht vor.
Blutzuckerkrankheit – Typ 2 Diabetes Mellitus
Zwei Jahre nach Durchführung einer bariatrischen Operation zeigte sich bei 72% der Patienten, die im Rahmen der bereits oben erwähnten SOS Studie untersucht wurden und die vor der OP an erhöhtem Blutzucker litten, ein vollständiger Rückgang der Blutzuckerkrankheit. Diese Beobachtung konnte kürzlich in zwei weiteren Studien bestätigt werden, welche in einem Zeitraum von 5 Jahren eine deutliche Überlegenheit bariatrischer Operationsverfahren (Magenbypass, Magenschlauch und biliopankreatische Diversion) im Vergleich zur medikamentösen Therapie für die Therapie des Typ 2 Diabetes zeigen konnten. Vergleiche der anti-diabetischen Wirkung zwischen Magenbypass und Magenschlauch zeigen entweder keinen Unterschied oder deuten eine leichte Überlegenheit der Magenbypass Operation an.
Deshalb wurden von einer Gruppe von führenden internationalen Medizinern und Wissenschaftlern (75% Nicht-Chirurgen!) vor kurzem globale Richtlinien entwickelt, um Mediziner und politische Entscheidungsträger über die Vorteile und Einschränkungen der metabolischen Chirurgie zu informieren. Diese Richtlinien stellen dabei fest, dass ausreichend klinische und experimentelle Beweise vorliegen, die rechtfertigen, dass die metabolische Chirurgie als fester Bestandteil der möglichen Therapien für adipöse Patienten mit Blutzuckerkrankheit anerkannt wird. Daher wird empfohlen, dass metabolisch-chirurgische Operationsverfahren zur Behandlung des Typ 2 Diabetes bei Patienten mit BMI über 35 empfohlen und bei Patienten mit BMI zwischen 30 und 35 in Erwägung gezogen werden.
Kardiovaskuläres Risiko
Das kardiovaskuläre Risiko bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, an sogenannten kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder arterielle Verschlusskrankheit (sog. «Schaufensterkrankheit») zu erkranken. Es steigt durch das Vorhandensein bestimmter kardiovaskulärer Risikofaktoren, die sich vereinfacht in zwei Gruppen unterteilen lassen: a) beinflussbar und b) nicht-beeinflussbar.
Zu den nicht-beeinflussbaren Risikofaktoren zählen das Geschlecht, die ethnische Herkunft, Fälle eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles in der Familie und das Alter. Beinflussbare Risikofaktoren schließen u.a. das Rauchen, erhöhte Blutfette, Bluthochdruck, erhöhter Blutzucker, körperliche Inaktivität, sowie krankhaftes Übergewicht ein.
Dabei werden beinahe sämtliche der beeinflussbaren Faktoren durch bariatrische Operationen positiv beeinflusst. Allerdings gibt es nur wenige klinische Studien, die die Abnahme des kardiovaskulären Risikos nach bariatrischer Chirurgie über einen langen Zeitraum untersucht haben. Die Daten, die uns vorliegen, zeigen allerdings, dass bariatrische Patienten ein niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse haben als übergewichtige Patienten, die sich keiner Operation unterzogen haben.
Bluthochdruck
Viele Studien zeigen, dass Patienten nach bariatrischen Operationen eine Verbesserung bzw. sogar einen Rückgang ihres erhöhten Bluthochdruckes ab dem ersten Jahr nach der Operation erfahren.
Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
Die bariatrische Chirurgie ist eine effektive Behandlungsmethode für die OSA. Eine Verbesserung der Schlafqualität, der Tagesmüdigkeit und des Risikos von OSA treten bereits 6 Monate nach Chirurgie auf.
Erhöhte Blutfette
Eine Störung des Fettstoffwechsels, die sog. Dyslipidämie, wird deutlich häufiger nach einer Magenbypass- als nach einer Schlauchmagen-Operation beobachtet. Serumspiegel des totalen Cholesterols und des sogenannten LDL Cholesterol werden nach Magenbypass in stärkerem Maße reduziert als nach Schlauchmagen. Dieses lässt sich bereits 6 Monate nach der Magenbypass Operation beobachten.
Sodbrennen (Gastro-ösophageale Refluxerkrankung, GERD)
Innerhalb des ersten Jahres nach einer Operation klingt die GERD deutlich häufiger nach einer Magenbypass OP als nach einem Schlauchmagen ab (75% versus 50%). Darüber hinaus klagen etwa 12% der Patienten, die vor dem Eingriff keinerlei Beschwerden hatten, nach einer Schlauchmagen-OP über neu-aufgetretenes Sodbrennen, während dies nur in 4% der Patienten nach Magenbypass-Operation der Fall ist.
Rheumatoide Arthritis
Patienten mit rheumatoider Arthritis zeigen nach bariatrischer Chirurgie eine geringere Aktivität der Erkrankung, eine Verminderung der Entzündungswerte im Blut und sie benötigen weniger Medikamente für die Behandlung der Arthritis. Der Gewichtsverlust scheint dabei der wichtigste Faktor für die Verbesserung der Symptome zu spielen. Andere Faktoren, wie eine verbesserte Wirksamkeit von Medikamenten, vermehrte physische Aktivität und metabolische Veränderungen können ebenfalls zu der Verbesserung der Arthritis beitragen. Die Arthritis scheint sich nach einer Magenbypass-OP besser zu erholen als nach einer Schlauchmagen-Operation.
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