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Für eine Ausbildung in Akupunktur sprechen einige sehr gute Gründe:
Mit Nadeln heilen - das kann Akupunktur. Dieser Teilbereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist eine probate Heilmethode insbesondere in der Schmerztherapie, aber auch bei anderen gesundheitlichen Problemen. Sind Sie bereits Arzt oder arbeiten in einem anderen medizinischen Beruf? Dann sollten Sie überlegen, ob diese sehr alte, wirkungsvolle und nebenwirkungsfreie Therapieform Akupunktur ein interessantes Angebot für Ihre Patienten sein könnte. Weiterbildungen in diesem Bereich werden in der ganzen Schweiz angeboten.
"Mit einem Pieks wird alles besser?" Nun so einfach ist es leider nicht. "Alles" lässt sich mit Akupunktur nicht heilen. Aber bei Symptomen wie Schmerzen, rheumatischen Erkrankungen und Bewegungseinschränkungen ist Akupunktur sehr erfolgreich. Auch bei Herz-Kreislaufproblemen, hormonellen Veränderungen (etwa bei einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren), Schlaf- und Verdauungsstörungen und Erkrankungen der Atemwege wird die Heilkunst der TCM gern und erfolgreich angewendet.
"Ein Pieks" wäre auch zu einfach. Rund 400 Akupunkturpunkte muss ein Heilkundiger kennen.
Diese Akupunkte sind auf dem ganzen Körper verteilt und liegen - so die Lehre der TCM - auf den sogenannten Meridianen, den Leitbahnen, in denen die Lebensenergie (Qi) fliesst. In der Theorie der TCM ist ein Mensch gesund, wenn diese Energie störungsfrei fliessen kann. Ist der Energiefluss gestört, sind Krankheiten und Schmerzen die Folge. Die Aufgabe des Arztes oder Therapeuten ist es, mit Hilfe der Nadeln einen ungehinderten Energiefluss wieder anzuregen.
Akupunktur ist eine sehr alte Heilmethode. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und findet sich in den Schriften eines chinesischen Historikers. Scheinbar waren die Akupunkturnadeln zu diesem Zeitpunkt noch aus Stein. Die ersten chinesischen Aufzeichnungen über die Anwendung von metallenen Nadeln sind in chinesischen Schriften zur Medizin aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. enthalten. Es ist anzunehmen, dass die Kenntnis über Meridiane und Akupunkte noch wesentlich älter ist, als diese Schriften.
In Europa blieb Akupunktur - und TCM generell - bis auf ein paar schriftliche Erwähnungen lange unbekannt. Die erste bekannte Akupunkturbehandlung führte im Jahre 1810 der französische Arzt und Freidenker Louis Berlioz - Vater des berühmten französischen Komponisten Hector Berlioz - durch. Er behandelte eine 24-jährigen Patientin, die an krampfartigen Schmerzen im Oberbauch und Fieber litt. Für diese Behandlung benutzte er Nähnadeln. Als eine Art Rezeptvorlage dienten die wenigen europäischen Beschreibungen des Akupunkturverfahrens, die es bis dato gab. Die Behandlung war erfolgreich und Berlioz veröffentlichte im Jahr 1816 seine medizinischen Beobachtungen. Mittlerweile wird das Akupunkturverfahren in ganz Europa angewendet. In China ist TCM immer noch Teil der medizinischen Ausbildung. Ein angehender Arzt wird dort sowohl in der wissenschaftlich orientierten Schulmedizin als auch in den traditionellen Heilverfahren ausgebildet.
Wie bei vielen Therapieformen der Erfahrungsmedizin fehlt auch bei Akupunktur der wissenschaftliche Nachweis über die Wirksamkeit dieses Verfahrens. Wie so oft in der Alternativmedizin widersprechen sich die positiven Erfahrungen, die Ärzte, Therapeuten und Patienten mit der Akupunktur gemacht haben, mit den wissenschaftlichen Ansätzen der Schulmedizin. Allerdings arbeiten europaweit rund 800.000 Ärzte mit diesem Heilverfahren, dass bis auf mögliche Hämatome oder Entzündungen durch den Einstich, keine nennenswerte Nebenwirkungen hat. In Deutschland und in der Schweiz haben sich Ärzte, die mit Akupunktur therapieren, zu Ärztegesellschaften zusammengeschlossen, um TCM in Praxis, Lehre und Forschung zu fördern.
„Akupunktur ist eine sehr alte Heilmethode. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. und findet sich in den Schriften eines chinesischen Historikers.“
Wie sieht nun eine Akupunkturbehandlung in der Praxis aus? Die Behandlung dauert zwischen 20 und 30 Minuten. Der Patient soll entspannt liegen oder sitzen. Der Behandelnde massiert vor dem Einstich die Akupunktstellen des Patienten und sticht so wenig Punkte wie möglich. Während einer Sitzung soll nicht mehr als an circa 16 Punkten genadelt werden.
Als Beispiel soll hier ein Patient mit Schulterschmerzen bzw. Schulter-Arm-Syndrom dienen. Der entsprechende Akupunkt ist der Ma 38. Er liegt am Bein, in der Mitte zwischen Kniegelenkspalt und Aussenknöchel, einen fingerbreit neben der Schienbeinkante. Diesen Punkt muss der behandelnde Therapeut finden und die Nadel dort einstechen. Interessanterweise ist dieser Punkt auch druckempfindlich ohne Nadel, wenn der Patient in der Schulter Schmerzen hat.
Bei einer Weiterbildung in diesem Bereich handelt es sich nicht um eine eidgenössisch reglementierte Ausbildung. Den Inhalt des jeweiligen Kurses bestimmt die Schule. Zwischen einem dreimonatigen "Schnupperkurs" und einem zirka dreijährigen Diplomkurs ist alles im Angebot. Viele Schulen bieten eine Akupunktur Ausbildung auch als einen berufsbegleitenden Kurs an.
Erkundigen sie sich also am besten direkt bei der Schule über die Studieninhalte, Länge des Kurses und Abschlüsse. Gleiches gilt für die Anerkennung der Krankenkassen.
In puncto Krankenkassen ist folgendes wichtig zu wissen: Einerseits können Sie Akupunktur als Therapiemethode nicht mehr beim Erfahrungs-Medizinischen-Register (EMR) eintragen lassen. Nur die Zusatzversicherungen vieler Krankenkassen übernehmen die Kosten der für diese Heilmethode. Andererseits ist Akupunktur als einzige Therapie der Alternativmedizin in der Schweizer Grundsicherung enthalten.