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30. JULI – 14. AUGUST 1977 : DIE CHRISTLICHE SYMBOLIK
“In mir keimte die Idee einer Zelebration. Wenn sie mir geglückt, wird es eine bedeutende, den Erwartungen gerechte Sache sein. Aber eine grosse Zelebration. Im Stil der Antike. Oder in der Gesinnung des Mittelalters. Dem Fest einen sakralen Charakter, eine Art Erhabenheit und Würde verleihen, in die die christischen Symbole der Rebe und des Weins eingeführt werden!” H. Debluë, Winzerfest 1977, UBS
DIE CHRISTISCHE SYMBOLIK DES WEINS
Das vierte Fest des Jahrhunderts zeichnet sich durch eine Rückkehr zu den Ursprüngen aus. Weder Primaballerine noch Berufssolisten sind unter den viertausend Statisten zu finden. Henri Debluë, der Librettist, kehrt zu der Reihenfolge der Jahreszeiten des 19. Jahrhunderts zurück, indem er die Zelebration mit dem Frühjahr einleitet und sie mit der “Neuen Blüte”, also dem “Ewigen Frühling” abschliesst.
Der Zyklus des Weinbaus steht für die Wiederkehr der Jahreszeiten, der Zyklus des Weins bricht ihn. Der Saft der Trauben wird in die Gruft der Keller versenkt und kommt im Wein verklärt wieder daraus hervor; der neue Wein, der Ostern symbolisiert.
“Im Fest eines Volkes mit unermesslicher biblischer Tradition, und dessen Weinreben von Mönchen gepflanzt wurden, fand ich es seltsam, dass diese Symbolik nicht in Erscheinung trat.” H. Debluë, illustrierte Beilage des “L’Est Vaudois”, 30. Juli 1977
DIE VIER JAHRESZEITEN, DIE VIER ELEMENTE, DIE VIER KONSTELLATIONEN DES TIERKREISES
Zu Beginn jeder Jahreszeit beschliessen die Autoren, eines der Urelemente zu feiern: die Erde, das Feuer, das Wasser und die Luft. Im Mittelalter wurden diese Elemente durch vier Tierkreis-Konstellationen symbolisiert: der Stier, der Löwe, der Adler und der Wassermann. Seitdem zu den Symbolen der Jahreszeiten als solche geworden, stehen diese Figuren symbolisch auch für die vier Evangelisten, die vier Reben des biblischen Weinstocks.
EIN KÖNIG DES FESTES
Henri Debluë nimmt diese Symbole in sein Libretto auf und möchte, dass ein König – der König des Festes, in Gestalt von Jean-Samuel Leresche – diese Bedeutungen bei der Einführung zu jeder Jahreszeit in Erinnerung ruft.
JANUS, UNE DIVINITÉ HIVERNALE
Zu Palas, Ceres und Bacchus fügen die Autoren eine winterliche Gottheit hinzu, Janus, die Verkörperung des neuen Jahres :
“[…] der Winter ist die Jahreszeit des Wartens; doch enthält er bereits die ersten Versprechungen: die Dezember-Sonnenwende ist das Tor zum neuen Jahr.” H. Debluë, Gesamtgestaltung, Pressedienst
Janus ist auch der maskierte Gott. So knüpfen die Autoren wieder an die u.a. in der alemannischen Schweiz so lebhafte, zumeist mit dem neuen Jahr verbundenen Tradition der Masken an.
SCHAUSPIEL
Präsident (Abbé-Président): Philippe Dénéréaz
Inszenierung: Charles Apothéloz
Musik: Jean Balissat
Libretto: Henri Debluë
Kostüme und Bühnenausstattung: Jean Monod
Mitarbeiter der Autoren:: Daniel Reichel, André
Charlet, Philippe Dahlmann
GEKRÖNTE WINZER
Louis et Paul Taverney
Marcel Rayroux
Louis Moret
Jean Borghi (sowie 87 ausgezeichnete und preisgekrönte Winzer)
ARENA UND BÜHNENBILD
“Die Estraden sind dieses Jahr den Savoyer Bergen zugewandt und fallen gleich einem Weinberghang zum See ab.”
15’776 Plätze
EIGEN- UND NEUARTIGKEITEN
“Man könnte, so habe ich gedacht, zur früheren Aufteilung zurückkommen: Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter. Zwei Zyklen, der der durch die Bacchanale glorifizierten Weinrebe, dann der des Ostern symbolisierenden neuen Weins.” H. Debluë, Winzerfest, 1977, UBS
Die Inszenierung richtet sich nach einer grossen Sonnenuhr, mit den Tierkreiszeichen und den Quaternitäten: die 4 Jahreszeiten, die 4 Elemente, die 4 Himmelsrichtungen – König des Festes.
Frühjahr: Konstellation des Stiers, Symbol der Befruchtung und des Evangelisten Lukas – Blumenfrauen, Löwenzahnkinder.
Sommer: Konstellation des Löwen, Symbol der Reifung und des Evangelisten Markus – Ährenkinder, Fischerkahn, Reigen der Landwirtschaftsmaschinen, zu den Krankheiten der Weinrebe kommen die chemischen Bedrohungen hinzu.
Herbst: Konstellation des Adlers, Symbol der fruchtbringenden Opfer und des Evangelisten Johannes – Traubenkinder, Riesentraube, Pan.
Winter und Neuanfang: Konstellation des Wassermanns, Symbol des Todes und der Wiedergeburt und des Evangelisten Matthäus – Kristallkinder, Janus, Rückkehr von Noah mit den Winzern der Welt.
DAS FEST IN ZAHLEN
4’250 Statisten
14 Vorstellungen und drei 4,5 km lange Umzüge
Die Platzpreise gehen von 30 bis zu 160 Franken
Das Fest kostete 20’707’011 Franken
Ertrag: 5’071’423 Franken