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Das Universum ist verdammt gross und supermystisch
Lisa Krusche hat dieses Jahr nicht nur ihren Debütroman für Erwachsene veröffentlicht, sondern mit "Das Universum ist verdammt gross und supermystisch" auch noch ein Kinderbuch! Letzteres habe ich gelesen und nun definitiv Lust auf mehr von der Autorin.
Eins vorne weg: An Lisa Krusches Kinderbuch ist nicht nur der Titel verdammt gross(artig)! Entschuldigt das plumpe Wortspiel, aber es passt zu gut. Doch fangen wir vorne an: Da ist Gustav, der mit seiner alleinerziehenden Mutter Lily zusammenlebt. Gustav zählt gerne alles um ihn herum, sammelt gerne kleine Dinge und wünscht sich unbedingt einen Hund. Aber was kriegt er von Lilys neuem Freund? Eine Wasserpflanze! Der Typ ist doch echt doof, findet Gustav und hofft, dass er bald nicht mehr der Freund seiner Mutter ist. Bis dahin sagt er kein Wort mehr. Das hat er sich fest vorgenommen. Nur in Gedanken spricht er mit Agatha, so nennt er seine Wasserpflanze. Und Agatha antwortet ihm auch. Klingt absurd? Ist aber sehr witzig!
"Der Mann muss weg, sage ich zu Agatha im Kopf. Aber wie, fragt Agatha. Und da weiss ich, dass sie sehr klug ist, denn das ist eine verdammt gute Frage." (S. 9)
Als Gustav am Kanal sitzt und traurig vor sich hinbrütet, tritt Charles in sein Leben. Charles ist selbstbewusst, neugierig, trägt immer überlange T-Shirts und hält sich für die beste Detektivin der Welt. So findet sie schnell heraus, dass Gustav nicht weiss, wer sein Vater ist, es aber gerne herausfinden würde und dass sein Opa, ein ehemaliger Clown, mehr wissen könnte. Charles meint:
"Wenn einem etwas auf der Seele lastet, sollte man es sagen. Wenn einem etwas wichtig ist, sollte man dafür einstehen. Wenn man etwas nicht will, sollte man laut und deutlich "Nein" sagen. Und wenn man brennende Fragen hat, sollte man sie stellen, und wenn man keine Antwort bekommt, muss man danach suchen." (S. 53)
Sie überredet Gustav also, bei seinem Opa Joseph im Heim vorbeizugehen und ihn zu fragen. Erst will der nicht mit der Sprache herausrücken, doch dann verrät er, dass Gustavs Vater Emilio ebenfalls beim Zirkus gearbeitet hat. Er wisse aber nicht, wo er jetzt sein könnte. Für Charles natürlich kein Grund, die Suche aufzugeben. Im Gegenteil! Zusammen mit Gustav stellt sie weitere Nachforschungen an und lockt Gustav dann mit einem Trick auf einen Roadtrip quer durch Europa, über die Slowakei bis in die Türkei. Ein grosses Abenteuer beginnt!
Auf den Spuren von Opas Vergangenheit
Mit dabei ist nicht nur Gustavs Nachttischlampe, sondern auch Wasserpflanze Agatha. Und noch viel wichtiger: Sogar Opa Joseph sitzt im roten VW-Bus! Gustavs Opa taut auf der Reise richtig auf, erzählt vom Zirkusleben, erinnert sich an alte Zeiten und hilft Charles und seinem Enkel tatkräftig bei der Suche nach Vater Emilio. Unterwegs stossen auch noch Kaninchen Miffler und ein Oktopus aus dem Automaten zur bunten Truppe.
"Ich wünschte, man könnte sich auch Menschen einfach so in die Hosentaschen stecken." (S. 80)
Angetrieben von der unbekümmerten, waghalsigen Charles erleben Gustav und sein Opa zusammen ein Abenteuer, wie sie es sich nie hätten träumen lassen. Das wird zwischendurch sogar ganz schön gefährlich. Während Gustav mit seinem Vater auch seine Herkunft, seine Identität sucht, taucht Opa Joseph nochmals in sein früheres Zirkusleben ein, ist nochmals unterwegs, wagt nochmals einen Ausbruch aus seinem eintönigen Leben im Altersheim.
Besonders überzeugt am Roman die Figurenzeichnung von Lisa Krusche: Es sind Charaktere mit Ecken und Kanten, die mit Klischees brechen. Manchmal - wie beim Opa - täuscht die Fassade auch gewaltig und es lohnt sich, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Sowohl die menschlichen als auch die pflanzlichen und stofftierigen Protagonist*innen wachsen den Leser*innen sofort ans Herz.
Witzig finde ich auch, dass Gustav gut die Hälfte des Romans nur schriftlich mit seinen Mitmenschen kommuniziert. Da kommt es uns Leser*innen sehr entgegen, dass Gustav der Ich-Erzähler des Romans ist und wir so doch alles unkompliziert mitkriegen. Darüber hinaus sind auch Gustavs Gedanken über das Funktionieren der Welt und das Verhalten der Menschen äusserst unterhaltsam und lösen abwechselnd bestätigendes Nicken oder amüsiertes Schmunzeln aus.
Fazit
Lisa Krusche hat in ihrem Kinderroman eigenwillige, sympathische Charaktere jenseits der Norm geschaffen. Warmherzig und mit trockenem Humor erzählt sie eine Geschichte über Freundschaft, Mut, Familie und den unbeirrbaren Glauben daran, dass alles gut wird. "Das Universum ist verdammt gross und supermystisch" ist ein Roadtrip voller Witz, Spannung und tiefgründiger Gedanken. Eine sehr gelungene Mischung für Kinder ab 10 Jahren genauso wie für ältere Leser*innen.
Die Fakten
Lisa Krusche
Beltz & Gelberg
192 Seiten
Erschienen am 21.07.2021
Hardcover
ISBN: 978-3-407-75600-8
Ab 10 Jahren
PS: Herzlichen Dank an Beltz & Gelberg für das Rezensionsexemplar!
Lisa Krusche für Erwachsene
Lisa Krusches Romandebüt "Unsere anarchistischen Herzen" ist im Frühjahr bei S. Fischer erschienen und ist nominiert für den aspekte-Literaturpreis 2021. Witzigerweise heissen die beiden Hauptprotagonistinnen Charles und Gwen. Den möglichen Parallelen zwischen Charles und Charles möchte ich unbedingt noch auf die Spur kommen!
Noch mehr Roadtrips bei mint & malve
Mögt ihr Roadtrips? Dann sind vielleicht auch folgende Jugend- und Erwachsenenbücher was für euch:
weg - Doris Knecht (Rowohlt 2019)
Töchter - Lucy Fricke (Rowohlt 2018)
Bilder deiner grossen Liebe - Wolfang Herrndorf (Rowohlt 2014)
Tschick - Wolfgang Herrndorf (Rowohlt 2010)
Und zum Schluss kann ich folgenden Roman allen Erwachsenen ans Herz legen, die Figuren wie bei Lisa Krusche mögen:
Mikadowälder - Marie-Alice Schultz (Rowohlt 2019)
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