Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03591.jsonl.gz/1732

Sonntag, 15. März 2015 5 Kommentare
Als die Schriftgelehrten und Pharisäer zu Jesus gingen und um ein Zeichen baten, antwortete er ihnen dies:
Hast Du Dich schon mal gefragt, wie es möglich ist, dass zwischen Karfreitagnachmittag und Sonntagmorgen 3 Tage und 3 Nächte passen? Rechnerisch ist es unmöglich und noch unmöglicher ist es, dass der Schöpfer von Himmel und Erde nicht auf 3 zählen kann! Oft wird argumentiert, dass die Juden halt ein anderes Verständnis haben von einem Tag. Dem ist tatsächlich so, aber anders, als wir denken. Das Problem hier liegt nicht in der jüdischen Zeitrechnung, sondern darin, dass wir am Freitag als Todestag Jesu festhalten, einerseits, weil wir die Zeiten und Festzyklen Yahwehs nicht mehr verstehen und andererseits, weil das “Christentum” viele Traditionen aus dem Sonnenkult übernommen hat (der Karfreitag z.B. war ein wichtiges Fest zu Ehren der Sonnengötting Istar, zu Deutsch: Oster).
Da wir Christen uns weit von der jüdischen Kultur und Gottes “Zeitverständnis” entfernt haben, möchte ich zuerst die Grundlagen legen, die nötig sind, um Geschehnisse aus jüdischer Sicht interpretieren zu können. Diese liefern nämlich das nötige Fundament, um die Bedeutung von Yeschuas Tod im Kontext von Yahwehs Festen zu verstehen.
Die Zeiten Yahwehs
Kalender: Die jüdische Zeitrechnung basiert auf einem Lunisolarkalender, d.h. er richtet sich nach den Mond- und Sonnenzyklen.
Jahr: Ein Jahr besteht aus 12 Monaten à 29-30 Tagen, total also 348-360 Tage. Da das Sonnenjahr etwas über 365 Tag hat, wird (heute) alle vier Jahre im jüdischen Kalender nach dem 12. Monat (Adar I) ein 13. Monat angehängt (Adar II).
Monat: Ein Mondmonat dauert ca. 29,5 Tage. Der neue Monat beginnt, wenn bei Neumond nach Sonnenuntergang die Mondsichel des “zurückkehrenden” Mondes zum ersten Mal gesichtet wird. Vor Sonnenuntergang weiss man also nicht, ob der erste Tag des neuen Monats anfängt, oder der letzte (30.) Tag des alten Monats.
Tag: Der Tag beginnt am Abend nach Sonnenuntergang und dauert bis zum nächsten Abend. Der Sabbat (7. Tag der Woche) z.B. beginnt am Freitagabend nach Sonnenuntergang und dauert bis Samstagabend.
Stunden: So wie auch wir es kennen, wurde der jüdische Tag in zwei Teile mit je 12 Stunden geteilt, die Zählung fing allerdings nicht um Mitternacht an, sondern nach Sonnenuntergang. Zur Zeit des Passahfestes geht die Sonne ca. um 18:00 Uhr unter, d.h. von 18:00 – 6:00 Uhr werden 12 Stunden gezählt und dann von 6:00 – 18:00 Uhr nochmals 12. Die “dritte Stunde” während dem Tag wäre demnach 9:00 Uhr. Achtung: Johannes benutzte die römische Zeitrechnung (wie wir sie kennen) in seinem Evangelium![1]
Neujahr:
–> September bedeutet eigentlich “der Siebte” und in der Bibel wird dieser Monat auch der siebte genannt. Unsere Herbst-Monatsnamen sind Überbleibsel der jüdischen Zeitrechnung: Oktober bedeutet “der Achte”, November “der Neunte”, Dezember “der Zehnte” – alle anderen Monatsnamen haben ihren Ursprung in myhtologischen Göttergestalten.
–> Man wusste die Daten der Frühjahrsfeste erst, sobald der 1. Abib sich ankündigte (neue Mondsichel). Die Daten der Herbstfeste waren auch erst bekannt, wenn der Monat Tischri anbrach. Da Rosch Haschana, das Posaunenfest, auf den 1. Tischri fällt, wusste man immer erst am gleichen Abend, dass es beginnt, musste sich also bereithalten, ohne zu wissen, ob das Fest nach dem 28., 29. oder 30. Tag anbrechen würde. Heutzutage kann man die Mondzyklen sehr genau berechnen, darum sind die Monatslängen und Anfänge im Voraus bekannt.
Die Feste und Ruhetage Yahwehs (3. Mo 23,2)
Der Sabbat
Der siebte Tag der Woche ist der Ruhetag Yahwehs, es ist sein Sabbat (2. Mo 31,13), der dem Menschen bereits in paradiesischen Zuständen gegeben wurde. Mehr zu diesem Thema in meinen Blog zum Sabbat.
Die Frühlingsfeste
Der Monat Abib läutet das Festjahr ein, das mit den vier Frühlingsfesten beginnt.
–> Dies sind die Feste, die Jesus bereits erfüllt hat.
Die Herbstfeste
–> Diese Feste hat Jesus noch nicht erfüllt, er wird dies bei seiner Wiederkunft tun. Interessanterweise ist das nächste, das er erfüllen “muss” das Posaunenfest, der einzige Festtag im Jahr, bei dem man nie im Voraus wusste, wann er anbrechen würde, weil er auf den ersten eines Monats fällt. Man musste sich also auf das Neujahrsfest vorbereiten, ohne zu wissen, ob es am gleichen Abend nach Sonnenuntergang anfangen würde, oder erst einen Tag später. In diesem Zusammenhang macht es auch Sinn, dass Jesus gesagt hat, dass wir Tag und Stunde nicht kennen in der er wieder kommt.
3 in 1: Passahlamm, das Zeichen Jonas und die Erfüllung der Frühlingsfeste…
In dem Jahr, als Yeschua starb, fiel der 10. Abib auf einen Sabbat, den Tag, an dem er als König und Passahlamm in Jerusalem einzog. Am 10. Abib suchte der Hohepriester sich im nahegelegenen Bethlehem ein einjähriges, fehlerloses Passalamm aus. Yeschua hatte genau ein Jahr zuvor seinen “Dienst” angetreten: nach 40 Tagen fasten in der Wüste kam er für das Passahfest nach Jerusalem. Er hatte also bei seinem Tod nur ein “Dienstjahr” auf dem Buckel und qualifizierte so als 1-jähriges Lamm.
Sobald der Hohepriester das Lamm ausgesucht hatte, ging er von Bethlehem nach Jerusalem, wo das gesamte Volk auf seine Ankunft wartete. Die Stadt war voller Menschen und die Priester bildeten ein Spalier, das vom Stadttor bis zum Tempel führte. Wenn dann der Hohepriester mit dem Opferlamm das Stadttor – gennant “Schaftor” – vom Ölberg her erreichte, rief jemand: “Gepriesen sei der, welcher kommt im Namen des Herrn!” und die ganze Stadt nahm dies jeweils auf und schrie mit. Genau das geschah, als Yeschua das Schaftor an diesem Tag erreichte (vermutlich vor dem Hohepriester!): die Jünger und die ganze Stadt fingen an, dies zu rufen (Mk 11,10 | Lk 13,35 | Joh 12,13 | Mt 21,9). Wahrscheinlich sahen nicht alle Anwesenden, wer nun da durch das Spalier ging und waren sich nicht bewusst, dass Jesus “einzog” und nicht der Hohepriester mit dem Lamm. Aber auch wenn es zu diesem Zeitpunkt wohl niemand richtig verstand: so wurde Yeschua hochoffiziell als Passahlamm angekündigt.
Während das Passahlamm in Jerusalem vier Tage auf Fehler und Mängel untersucht wurde, wurde auch Yeshua die nächsten vier Tage von den Schriftgelehrten auf Herz und Nieren geprüft – alle wollten ihn als Verräter und Gotteslästerer entlaven, es gelang aber keinem, weil sie an ihm einfach keine Schuld fanden.
Als am Dienstag Abend der 14. Abib anbrach, ass Yeschua sein letztes Mahl mit den Jüngern. Dieses Mahl war NICHT das Passahmahl, erstens weil dies erst am nächsten Abend stattfand (die Lämmer wurden erst während dem 14. Abib, Mittwochnachmittag, geschlachtet) und zweitens, weil das Brot, von dem hier die Rede ist, gesäuertes Brot war. Das Passamahl wird aber immer mit ungesäuertem Brot gegessen.
Am selben Abend wurde er verraten und die ganze Nacht verhört. Am Mittwochmorgen wurde er ca. um 6 Uhr von Pilatus als fehlerfreies Opferlamm bezeichnet: “Ich finde keine Schuld an ihm” (Joh 18,38) – genau zur selben Uhrzeit verkündete man jeweils die Makellosigkeit des gewählten Passahlammes.
Yeschua wurde ca. um 9 Uhr (Mk 15,25) gekreuzigt und starb um 15:00 Uhr (Mt 27,46) – also zu der Zeit, wo das Passahlamm des Hohepriesters als letztes geschlachtet wurde.
Die Passahlämmer wurden traditionellerweise zwischen den zwei Abenden geschlachtet (2. Mo 12,6). Mit dem ersten Abend ist die Zeit nach dem Höchststand der Sonne gemeint, wenn die Sonne langsam wieder unter geht und der zweite Abend ist das, was wir unter Sonnenuntergang verstehen. Das Lamm sollte also nach dem Zenit und vor Sonnenuntergang geschlachtet werden, ca. zwischen 15:00 und 18:00. Das letzte Lamm, das geschlachtet wurde, war das, welches vom Hohepriester ausgesucht worden war. Sobald dies geschlachtet war, rief der Hohepriester: “Es ist vollbracht” (siehe Joh 19,30)! Beim Schlachten durfte dem Passahlamm aber kein Knochen gebrochen werden (2. Mo 12,46). Da der Kreuzigungstod sich oft in die Länge zog – durch das Hängen wird die Lunge zerrissen, darum stösst man sich mit den Beinen wieder hoch, um atmen zu können – wurde den Gekreuzigten die Beine gebrochen, damit sie dem Erstickungstod nicht mehr ausweichen konnten. Yeschua starb aber erstaunlich schnell, so dass ihm die Beine nicht gebrochen werden mussten.
Kurz vor Sonnenuntergang am Mittwochabend wurde Yeschua vom Kreuz genommen und ins Grab gelegt (Lk 23,52-54), weil der hohe Sabbat anbrach, der den Anfang des Festes der ungesäuerten Brote markierte – die Bibel spricht an dieser Stelle also nicht vom wöchentlichen Sabbat. An diesem Abend wurde das Passahlamm gegessen.
Dieser hohe Sabbat dauerte von Mittwochabend bis Donnerstagabend. Am Freitag gingen dann die Frauen das Salböl kaufen (Mark 16,1), mit welchem sie Jesus einbalsamieren wollten (an einem Sabbat wäre ein solcher Kauf verboten gewesen), mussten aber zuerst noch den wöchentlichen Sabbat abwarten, der am Freitagabend begann, bevor sie zu seinem Grab gehen konnten.
Etwas über drei Tage nach Yeschuas Tod, am Sonntagmorgen (nach dem wöchtenlichen Sabbat), wurde das leere Grab entdeckt. Bei der Dämmerung dieses Sonntagmorgens begann auch das Fest der Erstlingsfrucht. Yeschua ist diese Erstlingsfrucht und der Erstgeborene von den Toten.
50 Tage später (10 Tage nach der Himmelfahrt) sandte Yeschua seinen Heiligen Geist, pünktlich zum Wochenfest, das wir heute Pfingsten nennen und welches ein Gedenktag an die Gesetzgebung am Sinai war und für welches sich ganz Israel in Jerusalem versammelte. Die drei hohen Feste, an denen alle (männlichen) Israeliten in Jerusalem vor Yahweh erscheinen mussten, waren: das Fest der ungesäuerten Brote, das Wochenfest und das Laubhüttenfest (2. Mo 23,14-17). Aus diesem Grund waren nicht nur am Passah, als Jesus gekreuzigt wurde, so viele Juden in Jerusalem versammelt, sondern auch an Pfingsten, als Gottes Geist ausgegossen wurde.
Schlusswort
Von Mittwochabend (Sonnenuntergang) bis Samstagabend sind drei volle Tage und drei volle Nächte. Somit hat Yeschua also das Zeichen des Jona, das er angekündigt hatte, erfüllt und damit bewiesen, dass er nicht nur Herr über das Leben ist, sondern auch über den Tod. Seinen Todeszeitpunkt zu bestimmen ist eines, den Zeitpunkt der Auferstehung etwas anderes (und dabei noch viele Prophetien zu erfüllen noch einmal eine ganz andere Dimesion)! Yeschua hat so also bewiesen, dass ihm alles untertan ist und dass er von Yahweh gesandt wurde.
Dies gewinnt nochmals an Bedeutung, wenn man bedenkt, dass unter den Juden im ersten Jahrhundert der Glaube herrschte, dass die Seele den Körper erst nach drei Tagen verlässt. Wenn Yeschua also VORHER auferstanden wäre, hätte dies niemanden beeindruckt! Aus diesem Grund hat Yeschua auch vier Tage damit gewartet, Lazarus von den Toten zu erwecken (Joh 11,17).
Zuallererst geht es mir mit diesem Artikel darum, dass wir Gott wieder (mehr) beim Wort nehmen. Wenn Yeschua sagt, dass er drei Tage und drei Nächte in der Erde sein wird, wie können wir darauf beharren, dass er nur einen Tag vor seiner Auferstehung gestorben ist? Damit stellen wir ja seine ganze Identität als Sohn Gottes und Messias in Frage und unterwandern unsere gesamte Glaubensgrundlage!
Aber nochmals zum Wochentag: nirgendwo in der Bibel steht geschrieben, dass Yeschua an einem Freitag starb – wir schlussfolgern dies nur, weil am Abend der Sabbat anbrach. Wenn wir unsere Bibel genau lesen, dann sollten wir aber verstehen, dass es nicht nur wöchtenliche Sabbate gibt, sondern auch Ruhetage im Zusammenhang mit Gottes Festen. Und dann ist es auch sonnenklar, dass mit dem Sonnenuntergang am Tag von Jesu Tod der hohe Sabbat anbrach, der den Anfang der Ungesäuerten Brote markierte.
Zudem ist es auch nicht Brauch, dass man Feste an einem fixen Wochentag feiert – normalerweise ist das Datum ausschlaggebend. Darum habe ich angefangen, mich wieder nach dem Datum des Passahfestes zu richten. Denn egal an welchem Wochentag dieses stattfindet: es ist IMMER der Tag an dem Yeschua starb, ein Gedenktag an das wahre, ewige Passahlamm.
Quellen (letzter Zugriff: 14. März 2015)