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Mariano Mastromarino lief am Marathon von Buenos Aires nach 2:15:28 über die Ziellinie. Eine beachtliche Zeit, die ihm aber keinen Platz im Olymp der Langstreckler sichern wird. Und auch wenn er seit zehn Jahren der erste Argentinier ist, der am Marathon der Landeshauptstadt triumphiert, wird er nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Trotzdem wird sich die Laufwelt wohl noch lange an Mastromarino erinnern: Ausschlaggebend war eine Szene, die sich rund fünf Kilometer vor der Ziellinie abspielte. Mastromarino hatte kurz zuvor den führenden Kenianer und Titelverteidiger Julius Karinga in einer regelrechten Machtdemonstration stehen gelassen.
Ein weisser Marathonläufer, der Athleten aus Afrika derart deklassiert, ist in der Tat ein seltenes Bild. Die Funktionäre im Begleitfahrzeug trauten der Sache nicht und hiessen Mastromarino wiederholt die Strecke freizugeben. Wie der Argentinier später im Interview sagte, dachten sie offenbar er sei ein Eindringling, der sich ins Rennen gemogelt hatte. «Verlass das Rennen, geh weg! Bleib nicht hier, dies ist ein Wettkampf», schrien sie aus dem Fenster. In der Wiederholung ist die Szene gut sichtbar. Der Funktionär im Auto befahl dem vermeintlichen Betrüger, zu verschwinden.
Blickt man in die Geschichtsbücher des Langstreckenlaufs, ist das im Fall Mastromarino ungerechtfertigte Misstrauen der Funktionäre aber nachvollziehbar. Eine ganze Reihe Marathonbetrüger schrieben unrühmliche Geschichte:
Der Witz mit dem Auto
1904 anlässlich der Olympischen Spiele in St. Louis überquerte der Amerikaner Fred Lorz als Erster die Ziellinie des Marathonwettkampfs. Wie sich kurz darauf herausstellte, war er nach 14,5 Kilometer ins Auto seines Managers gestiegen. Dieser chauffierte ihn, bis das Auto nach 17,7 Kilometern seinen zwielichtigen Dienst versagte. Lorz lief zu Fuss weiter und liess sich im Olympiastadion als Sieger feiern. Als ihn ein Zuschauer überführte, gestand der Amerikaner und gab an, es habe sich bei seiner Aktion um einen Witz gehandelt.
Die gestohlene Show
1972 stahl an den Olympischen Sommerspielen in München ein 16-Jähriger dem Sieger Frank Shorter die Show. Der Teenager kletterte vor dem Stadion, in welchem sich das Marathonziel befand, kurzerhand über die Abschrankungen. In Laufkleidern und mit einer selbstgebastelten Startnummer vermochte er das Publikum auf den Zuschauerrängen zu täuschen. Sie hielten ihn für den führenden Läufer und jubelten ihm zu, bis ihn die Sicherheitskräfte einfingen und abführten, just als Shorter einlief. Der Amerikaner erinnert sich im TV-Interview mit dem Bayerischen Fernsehen an seinen kuriosen Olympia-Sieg.
Die Meisterin der Abkürzungen
1980 ging die Amerikanerin Rosie Ruiz unrühmlich in die Sportgeschichte ein. Sie entschied in einer Zeit von 2:31:56 den Boston Marathon für sich – und erregte damit Aufmerksamkeit: Ruiz stellte mit dieser Zeit einen neuen Streckenrekord der Frauen auf und stieg zudem damit als drittschnellste Marathonläuferin überhaupt in die Liga der ganz Grossen auf. Der Ruhm dauerte aber nicht lange. Die Sportwelt war misstrauisch – hatte sie doch ihre Zeit vom New York City Marathon, der sechs Monate zuvor stattgefunden hatte, um ganze 25 Minuten unterboten. Zudem konnte sich keine der Mitstreiterinnen erinnern, Ruiz auf der Strecke begegnet zu sein. Vernichtend war indes die Beobachtung zweier Studenten: Sie sahen Ruiz eine halbe Meile vor dem Ziel aus einer Gruppe preschen. Als die Zweifel an Ruiz' Erfolg in Boston publik wurden, meldete sich eine Fotografin, die sich erinnerte, während des New York Marathons mit der Läuferin U-Bahn gefahren zu sein. Sie hatte Ruiz ins Zielgelände begleitet, wo sie angab, verletzt zu sein. Die Helfer gingen davon aus, sie sei das Rennen fertig gelaufen und registrierten ihre Zeit – mit der sie sich für Boston qualifizierte. Der Direktor des New Yorker Marathons liess das vorhandene Bildmaterial überprüfen und stellte fest, dass Ruiz auf keiner Aufnahme der Ziellinie zu sehen war. Er disqualifizierte sie daraufhin. Seine Kollegen von Boston taten es ihm gleich – nicht nur, weil sie berechtigte Zweifel hegten, dass Ruiz tatsächlich das ganze Rennen gelaufen war. Ohne die New Yorker Zeit, mit der sie sich für Boston qualifiziert hatte, war ihre Teilnahme so oder so nicht rechtens gewesen.
Die Trittbrettläuferin
2007 stellte die Liechtensteinerin Kerstin Metzler-Mennenga am Marathon in Berlin mit 2:42:21 Stunden einen Landesrekord auf. Mit ihrer Zeit sicherte sie sich zudem einen Startplatz an den Olympischen Sommerspielen in Peking. Metzler-Mennenga war das Rennen allerdings nicht selbst gelaufen. Für 100 Euro hatte sie einen männlichen Teilnehmer angeheuert, der ihren Zeiterfassungschip zusätzlich zum eigenen mit sich trug. Dabei liess sie ihn im Glauben, er nehme damit an einer wissenschaftlichen Studie teil. Der Läufer staunte nicht schlecht, als er feststellte, dass die Frau mit exakt derselben Zeit in der Rangliste figurierte. Er informierte den Veranstalter, der Metzler-Mennenga zur Rechenschaft zog. Sie bekannte sich schuldig. Wenige Wochen später gestand sie an einer Pressekonferenz, bereits anlässlich des Marathons in Hamburg denselben Trick angewendet zu haben. Sie hatte auch bei diesem Rennen den Landesrekord geknackt und hatte die Qualifikation für den Marathon der Leichtathletik-WM 2007 in Osaka geschafft.
Der unglaubwürdige Politiker
Die Liechtensteinerin war dabei in illustrer Gesellschaft: Im selben Jahr schummelte in Berlin auch der mexikanische Präsidentschaftskandidat aus dem Jahre 2006. Roberto Madrazo erreichte das Ziel nach 2:41:12 Stunden. Er siegte damit in seiner Alterskategorie. Ein aufmerksamer Fotograf entlarvte den Mexikaner dank dessen Kleidung. Madrazo lief mit langen Hosen und einer Windjacke ein. Für die damals herrschenden Wetterbedingungen ein viel zu warmes Outfit. Die Funktionäre stellten daraufhin fest, dass Madrazo zwei Zeitmessmatten verpasst und sein Messchip Zeiten dokumentiert hatte, die gar den damaligen Weltrekordhalter vor Neid hätten erblassen lassen. Er hatte von Kilometer 20 bis 35 abgekürzt.
Der Massenschummel
2010 wurde in China gleich eine ganze Reihe von Betrügern überführt. Beim Xiamen-Marathon engagierten 30 Läufer Doubles. Diese reihten sich unter die besten 100 des Männer-Marathons. Die Betrüger gingen dabei unterschiedlich vor, einige rannten selber keinen Meter und verliessen sich auf die schnellen Beine ihrer Vertreter. Andere wiederum legten nur einen Teil der Strecke selbst zurück oder liessen sich gleich kilometerweise chauffieren.