Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/3037

Nach einer Wahlschlacht der Superlative bestimmt das US-Wahlvolk seinen 45. Präsidenten. Mit dem Ergebnis wird am Mittwochmorgen gerechnet. Der demokratische Amtsinhaber Barack Obama ging mit leichtem Vorsprung in den meisten Umfragen in die Entscheidung.
Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney kann sich dennoch Chancen ausrechnen, da die Erhebungen sehr knapp und deshalb fehleranfällig waren. Bis zum Schluss kämpften Obama und Romney mit aller Härte.
Der Wahlkampfkalender des republikanischen Herausforderers war voll bis zur letzten Minute. Romney und seine Ehefrau Ann hatten gegen 9.00 Uhr (Ortszeit) im Wahllokal in Belmont (Massachusetts) gewählt, wo das Paar ein Haus hat. Auf die Frage, wem er seine Stimme gegeben habe, antwortete er: «Ich glaube, das wissen Sie.»
Dann ging es noch einmal darum, bei einem elfstündigen Kraftakt Stimmen der Arbeiterklasse vor allem im heiss umkämpften noch unentschiedenen Ohio einzuwerben. «Helft uns, das zu gewinnen», sagte Romney auf seiner Wahlkampftour.
Dass Ohio ganz oben auf seiner Agenda stand, war kein Zufall. Hier hat er mehr Zeit für seine Wahlkampagne aufgewendet als in jedem anderen Staat. Kein Republikaner hat je die Präsidentschaft errungen, wenn er nicht in diesem Staat gewann.
Obama wartet in Chicago
Obama verzichtete am Wahltag auf weitere Auftritte: «Es liegt nicht mehr in meinen Händen. Es liegt jetzt in euren», sagte er seinen Unterstützern am Montagabend beim letzten Auftritt in Des Moines im US-Staat Iowa.
Nach Angaben einer Sprecherin wollte er den Wahltag in seiner Heimatstadt Chicago verbringen und sich in Fernseh- und Radiointerviews an die noch unentschiedenen Bürger wenden.
Da Obama schon vergangene Woche seine Stimme abgegeben hatte, entfiel auch ein Fototermin im Wahllokal. Seine Frau Michelle hatte per Briefwahl abgestimmt. So blieb Zeit für ein gemeinsames Mittag- und Abendessen mit der Familie.
Ein Wahltag-Ritual aber pflegte Obama: Basketballspielen. Wie immer an Tagen entscheidender Abstimmungen wollte er mit Freunden und engen Mitarbeitern ein paar Körbe werfen. Diese Tradition hatte Obama nur ein einziges Mal ausgelassen und 2008 prompt die Vorwahl in New Hampshire verloren.
Andrang vor den Wahllokalen
Die Wahlberechtigten gingen in Scharen zur Urne. Am Dienstagmorgen (Ortszeit) bildeten sich teils lange Schlangen vor den Wahllokalen, so auch in Hoboken im US-Bundesstaat New Jersey. Diese Gegend war von Wirbelsturm «Sandy» stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
Das überzeugende Auftreten Obamas als Krisenmanager während der «Sandy»-Katastrophe werteten viele Kommentatoren als Plus für den Präsidenten in den letzten Tagen des Wahlkampfs.
Menschen, die wegen der Sturm- und Flutschäden ihr Haus verlassen mussten, durften auf Anweisung von Gouverneur Chris Christie per E-Mail oder Fax wählen. Im benachbarten New York City gaben die Bürger ihre Stimme teils in Zelten ab, etwa in der von "Sandy" schwer getroffenen Küstenregion Rockaway.
Viel Geld
Gewählt wurde auch der Kongress: alle 435 Abgeordneten und rund ein Drittel des 100-köpfigen Senats. Es wurde damit gerechnet, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus und die Demokraten die Führung im Senat behalten. Einem Präsidenten macht diese Machtverteilung das Leben nicht leichter.
Nach Berechnungen des Center for Responsive Politics dürfte das Werben um Stimmen bei der Präsidenten- und Kongresswahlen so kostspielig gewesen sein wie nie zuvor: Mit 5,8 Milliarden Dollar verschlang der Wahlkampf sieben Prozent mehr als noch vor vier Jahren.
(rcv/aho/sda)