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Schon Prinz Charles und Gattin Camilla haben Peter Glausers Käse in London gekostet. Das Flaggschiff, die Belper Knolle, begeistert weltweit verwöhnte Gaumen.
Eigentlich wollte Peter Glauser nach der Käserlehre nicht mehr im Beruf arbeiten; er hatte keine festen Pläne, sprach von Auswanderung. Ein Jahr lang machte er sich auf dem elterlichen Bauernhof nützlich, dann fog er nach Kanada, arbeitete dort auf einer Farm, besuchte einen Englisch-Basiskurs, denn die Sprache beherrschte er nicht. Als er nach sieben Monaten in die Schweiz zurückkehrte, traf er auf die junge Beatrice Hirschi. Danach war es um ihn geschehen, Auswanderung war kein Thema mehr. Es folgten berufiche Einsätze im Aargau, wo er auch mit dem Verkauf von Milchprodukten konfrontiert wurde; er kam auf den Geschmack. «Ich merkte, dass man mich beim Käsen wohl am besten brauchen kann», blickt Peter Glauser lachend zurück. Er absolvierte die Meisterprüfung und der Schritt zum eigenen Geschäft in Belp war nicht mehr weit, dies im zarten Alter von 26 Jahren. Ein kluger Entscheid des jungen Paares, wie sich herausstellen sollte.
Was tun mit dem harten Käse?
Schon im ersten Geschäftsjahr 1989 entwickelte Peter Glauser seine Belper Knolle, ein Knoblauchfrischkäse aus Kuhmilch, umhüllt mit schwarz gemahlenem Pfeffer. Mehrere Jahre wurden die Knollen als Frischkäse, gestrichen aufs Brot, gegessen. «Wir verkauften sie immer offen in der Vitrine. Mit der Zeit wurden sie aber hart und die Kunden schnitten sie mit dem Messer auf, als Möckli für den Käseteller», erinnert sich Glauser. Das befriedigte ihn nicht, er hatte damals aber keine andere Verwendung dafür. Sein Neffe Mike Glauser, ebenfalls Käser, arbeitete zu Beginn bei Peter im Betrieb und beschäftigte sich mit dem Aufbau eines eigenen Unternehmens, heute bekannt als Jumi AG, Boll. Mike sprach mit einem Küchenchef und zusammen fanden sie die Lösung: Weil die Knolle aussah wie eine Trüffel, lag es eigentlich nahe, den würzigen Käse zu hobeln wie eine Trüffel. So gibt es die Belper Knolle als weiche, ursprüngliche Variante und als reife, «alte» Ausgabe zum Hobeln. Die Arbeitsteilung ist klar: Peter Glauser produziert die Knolle in Belp und verkauft sie in seinem gleich danebenliegenden Laden, Mike Glauser mit seiner Jumi AG lässt die Knollen im Käselager ausreifen und vertreibt die getrocknete Version auf der ganzen Welt. So wunderts denn nicht, wenn man in Deutschland, Österreich, in London und sogar in Tokio im Käsefachhandel, in Feinschmeckerrestaurants und Hotels auf die Belper Knolle stösst. Bernerinnen und Berner müssen nicht so weit reisen: Die JumiCrew stellt ihren Stand jeden Samstag auf dem Münstermärit auf.
Käse mit Ecken und Kanten
An seinem Standort in Belp stellt Peter Glauser etwa 50 verschiedene Käsesorten selber her, wovon acht von der Jumi AG weltweit vermarktet werden. Im Sortiment von Peter Glauser fnden sich so originelle Bezeichnungen wie «Belper Mürggel», «Blaues Belper Hirni» und «Schafseckli». Keines dieser Produkte hat aber die Bekanntheit der Belper Knolle erreicht. Peter Glausers simple Erklärung: «Die Knolle ist ein haltbares Produkt, das sich für lange Transporte eignet und keinen Schaden erleidet. Mit dem ‹blauen Hirni› ginge das beispielsweise nicht. Es reift mit der Zeit, man weiss nie genau, wie es herauskommt.» Käsermeister Glauser kreiert keinen «mehrheitsfähigen» Käse, der allen schmecken muss. «Dann wäre es etwas, das es schon gibt!» Deshalb kämen die Kundinnen und Kunden nicht in seinen Laden. «Wenn zwei von zehn Leuten meine Kreationen mögen, bin ich auf dem richtigen Weg», so Glausers klares Statement. Der Erfolg gibt ihm recht.
Nicht alltägliche
Hobbys Peter Glauser ist seit einigen Jahren auch Imker. Er suchte einen Ausgleich zum oft stressigen Beruf. «Wenn man mit Bienen zu tun hat, musst du absolut runterfahren, denn die Tiere spüren die Angespanntheit und Nervosität und stechen!» Die diesjährige Honigmenge kennt er noch nicht. «Ich lasse mich überraschen». Die Ausbeute schwanke zwischen 14 und 600 Kilogramm jährlich. Der «Käsefüsterer» ist ein Mann, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Dennoch: Gleich mehrmals jährlich verliert er völlig die Bodenhaftung und hebt ab, nämlich dann, wenn er sich an den Gleitschirm hängt. Die Fliegerei hat ihn immer interessiert, im Militär war er bei der Fliegerabwehr eingeteilt. Ein Segelfug, bei dem ihm zwar fürchterlich elend wurde, habe ihn trotzdem überzeugt, selber in die Luft zu gehen. «Ein Gleitschirmfug lässt keine anderen Gedanken zu, man ist voll konzentriert, Fehler sind nicht erlaubt», sagt Peter Glauser. Anders als bei seinen Käsekreationen: Oft entstünden eigenwillige Produkte durch «Unfälle» – zur Freude der Kunden.
Peter Widmer