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Betrachtet man die riesige Ansammlung von Hinkelsteinen unter diesem frischen Ansatzpunkt, dann wird dem sinnenden Beobachter offenbar, dass sich hier ein vielschichtiges Gedankenspiel, besser: ein komplexes Spiel von aufspriessenden Gedanken formt.
Wie schon mehrfach in diesem Traktat betont: Wir sehen in Carnac heute das fertige Produkt und stehen in stillem Erstaunen vor diesem gigantischen Werk. Gleichzeitig vermessen wir uns, es anderen gewaltigen Bauwerken wie den ägyptischen Pyramiden gegenüber zu stellen, es an diesen historisch bedeutsamen Stätten zu messen, die nicht Jahrzehnte oder Jahrhunderte, aber Jahrtausende später entstanden. Die Entwicklung der Baukunst war im Pharaonen-regierten Ägypten darum zeitbedingt um ein Mehrfaches ausgereifter als im Norden Europas.
Die fellbewehrten Steinzeitmenschen, welche das heutige Gelände von Carnac bevölkerten, wussten noch nichts von den Schleifsteinen, welche die Steinblöcke der Tempel am Nil polierten.
Die Steinzeitmenschen von Carnac haben ihr monumentales Werk mit Hilfe der geringen bautechnischen Kenntnisse aufgebaut, über die sie verfügten, und vermutlich auch mit solchen, die sie sich erst aufgrund von missratenen Versuchen und gescheiterten Ausführungen mühevoll erarbeiten mussten. Was wissen wir heute von dem, wie Carnac erbaut wurde? Wir Menschen von heute, die mit dem Smartphone kommunizieren und die ihren Wagen, wenn sie ihn in einen Graben gefahren haben, durch eine Schleppvorrichtung wieder heraus holen lassen, ein Unfallfahrzeug, das in eine Wand fuhr, durch einen Abschleppfahrzeug wegbringen lassen, müssen uns ganz klar vor Augen halten: Jene Menschen standen am Beginn einer revolutionären Entwicklung, in der sich das gelenkte Denken aus dem visuell Bildhaften in Richtung einer intellektuellen Betrachtung der zu erforschenden Welt befand. Der Mensch platzierte damals mit seinem Bau von Carnac nichts Geringeres als den Grundstein für eine bewusst reflektierte Entwicklung, welche den heutigen Standard der Technik überhaupt ermöglichte.
Die Planer von Carnac konnten bei ihrer Arbeit auf keine Algebra oder Geometrie zurück greifen. Solche Wissenschaften mussten erst aufgebaut und strukturiert werden. Die ingeniösen Entwickler der erfolgreichen Strategie zur Fertigstellung des dimensionenreichen Steindenkmals konnten nicht auf eine bestehende Tradition gigantischer Bauten zurück blicken. Die Erbauer der steinernen, zentnerschweren Handläufe mussten ihren Weg über die Ebene von Carnac selbst finden.