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Bergführer von Beruf
Antoine Bailly, Genf
( nach einer Studie von Blaise Demaurex, Genf ) Die Entstehung des Bergführerberufs Die Gebirgssoldaten Seit dem Mittelalter hat sich der Beruf, ausgehend von der Arbeit des Kristallsuchers ( Strahlers ), der zugleich Reisende führte, zu dem des Nur-Bergführers entwickelt. Es sei daran erinnert - worauf bereits Michel Boutron hingewiesen hat -, dass sich schon 1129 im Tal des Grossen St. Bernhard Bergler nachweisen lassen, die Reisende bei der Uberquerung der Alpenpässe begleiteten. Das war so üblich geworden, dass der Graf von Savoyen im Jahr 1273 die ( Corporation ) ( Körperschaft ) der ( Soldats de neige ), der Gebirgssoldaten, anerkannte.
Erst im 18. Jahrhundert, als das Gebirge allgemein an Schrecken verlor und zugleich begann, Abenteurer und Wissenschaftler anzu- 1 Sie basiert auf von an der Universität Genf durchgeführten Untersuchungen.
Bergführer, ein oft beneideter, zum Träumen verführender Beruf, denn man glaubt ihn von Freiheit und dem Leben in der Natur geprägt; doch tatsächlich ist er hart, mühsam und mit erheblichen Problemen behaftet. Diese Studie1 hat eine realistische Darstellung - jenseits aller Schwärmerei - des Berufslebens der Schweizer Bergführer seit dem 19. Jahrhundert, seiner Vor- und Nachteile, zum Ziel. Obgleich es sich um einen der selb-ständigsten Berufe handelt, unterliegt doch jeder Bergführer bestimmten Zwängen, deren bedeutendster wirtschaftlicher Art ist: Ein Handwerk sollte seinen Mann - und auch dessen Familie - ernähren. Ist das bei einem Bergführer der Fall? B. Demaurex hat dazu geschrieben: ( Mit meinem Beruf eng verbunden, denke ich oft über seine Zukunft nach, über seine Möglichkeiten, denke an die Freuden, die ich durch ihn erfahre, an die schwierigen Augenblicke und daran, dass er manchmal undankbar ist. ) Gibt es eine Möglichkeit, die vielen guten Seiten dieses Berufs zu bewahren, dabei aber die Kehrseite der Medaille zu vermeiden, zum Beispiel die Verpflichtung, bei schlechtem Wetter auszurücken, undankbare Touren und aufgezwungene Kunden zu akzeptieren, nur um auf anständige Art seinen Lebensunterhalt zu verdienen?
Weiss Nollen Nordwand; von der Grünhornlücke ( BO ) aus Beim Aufstieg zum Adlerpass ( VS ) ziehen, wendeten sich Strahler und Gemsjäger dem eigentlichen Alpinismus zu. Sie trugen damit zur Entdeckung der Hochgebirgs-massive bei. Das Bestreben, mit der alpinen Natur, mit der Schönheit der Landschaft in Berührung zu kommen, und das Bedürfnis, die hochgelegenen Regionen besser kennenzulernen, erklären die fortschreitende Erforschung der Alpen. Doch ohne Führer hätte auch H.B. de Saussure weder seine Gletscherstudien durchführen noch den Gipfel des Mont Blanc, dessen Zweitbesteigung ihm 1787 zusammen mit Jacques Balmat gelang, erreichen können. Dasselbe gilt auch für andere Gelehrte.
Nach der Veröffentlichung der begeisterten Berichte der Pioniere kamen die Touristen, vor allem Engländer; mit ihrem Eintreffen beschleunigte sich die Erforschung der Alpen. Die Bergler führten sie zu den , zu den eisigen Bergen, und zeigten ihnen weitere bekannte Sehenswürdigkeiten.
Manche kühneren, aber auch reicheren Reisenden verpflichteten Führer- und Träger-mannschaften, um mit ihrer Hilfe Gipfel zu bezwingen. Sie boten eine Entlohnung, die in den Augen der an ein einfaches Leben gewöhnten Bergbewohner einem eigentlichen Vermögen gleichkam. Die Aussicht, so schnell derart bedeutende Summen zu verdienen, weckt alsbald das Interesse, als Bergführer tätig zu sein! Doch nur einige - die Andermatten, Taugwalder, Burgener, Anderegg, um nur Schweizer Bergführer zu nennen - ragten zu ihrer Zeit durch eine Reihe bedeutender Besteigungen hervor. Die anderen haben eher die Rolle von Touristenbegleitern im Gebirge gespielt.
Réglemente, Tarife und Führerbücher Nachdem sich der Beruf zunächst regellos entwickelt hatte, arbeitete der Kanton Bern im Jahre 1856 ein Reglement für Führer und Träger aus. Ein Jahr später verkündete das Wallis Verordnungen und Tarife für Bergführerdienste. Schliesslich erstellte der Schweizer Al- pen-Club 1863 Bergführerlisten, worin die am besten zur Führung von Touristen Befähigten aufgenommen wurden. Der erste Bergführerkurs fand 1878 in Interlaken statt. Bis zu diesem Zeitpunkt erlernte der zukünftige Führer, der stets aus den Gebirgsregionen stammte, seinen Beruf, indem er im Umgang mit der Natur Erfahrungen sammelte: bei der Feldarbeit, dem Hüten der Herden und dem Bau von Schutzhütten. Dann wurde er zunächst Träger und danach Bergführer. Nach 1878 musste er darüber hinaus einen Kurs besuchen und ein behördliches Diplom erwerben. Auf diese Weise wurde seine praktische Ausbildung durch theoretische Kenntnisse - Geographie der Alpen, Kartenlesen, Erste Hilfe, Naturgeschichte, Gletscherkunde, Kenntnis der Réglemente, alpine Technik, Führen einer Seilschaft und anderes mehr - erweitert.
So wurde der Bergbewohner zum Berufsbergführer während der Touristensaison. Unbekannte Bergführer warteten in Räumen, die ihnen die Hoteliers überliessen, auf Kunden; die bekannteren wurden bereits im voraus verpflichtet. Manche Kunden, häufig erfahrene Kletterer, verpflichteten - wie Whymper und Mummery - ihre Führer für Zeitspannen von einem Monat oder mehr. Doch einen so guten Ruf als Bergführer zu erwerben dauerte lange; oft blieben junge Träger und Führer ohne Arbeit. Eine erfolgreiche Besteigung konnte Bekanntheit nach sich ziehen: So hatte V. Allmer mit seinen Kunden die Dent Blanche über den Viereselsgrat bezwungen, eine zu jener Zeit sehr schwierige Klettertour, und A. Burgener stieg über die Nordwand des Col du Lion ab, die als unbegehbar galt.
In dem 1856 in der Schweiz eingeführten Führerbuch, in dem das Patent jährlich erneuert werden muss, werden alle durchgeführten Touren eingetragen. Häufig machte der Kunde dazu Bemerkungen, die von den folgenden vor der Verpflichtung des Führers gelesen werden konnten. Wurde die Einführung des Führer-buchs von den alten Bergführern zunächst schlecht aufgenommen - sie wollten sich nicht durch
Doch der Beruf war zu jener Zeit auf zwei Sommermonate beschränkt, denn im Winter ging man nicht ins Gebirge. Der Führer musste also während des übrigen Jahres weiterhin einen anderen Beruf ausüben. Die meisten waren Bauern, und das im Sommer mit den Bergtouren erworbene Geld wurde zur Verbesserung der Landwirtschaft verwendet. Der Beruf des Bergführers bildete also nur eine Ergänzung zur traditionellen Arbeit, und sein Leben blieb grundlegend durch ländliche Sitten und Gebräuche geprägt.
Der Bergführer im 20. Jahrhundert Die drei Stufen des Alpinismus In der Ausübung des Alpinismus lassen sich während des 20. Jahrhunderts drei Etappen unterscheiden, die auch im Bergführerberuf — allerdings nicht ohne eine gewisse zeitliche Verzögerung - zum Ausdruck kommen. In ihren Berichten über die Leistungen zu Beginn dieses Jahrhunderts sprechen W. Bonatti und H. Isselin vom Goldenen Zeitalter des Alpinismus, das durch zahlreiche Besteigungen mit einem Führer und durch die Entdeckung des Hochgebirges gekennzeichnet ist. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebirge auch minderbegüterten Schichten zugänglich; sie unternahmen führerlose Besteigungen, weil ihnen sonst die nötigen finanziellen Mittel fehlten. Es handelte sich um die Zeit des einsetzenden Massentourismus im Gebirge, mit Bergsteigern, die wenig auf die ihnen hier begegnenden Fels- und Eisschwierigkeiten vorbereitet waren. Schliesslich folgte die dritte, jüngste Etappe: Städtische, in Klettergärten gut trainierte Alpinisten spezialisieren sich auf die Technik im Fels und wagen sich an Touren von sehr hohem Niveau. Der Alpinismus ist damit nicht mehr dem Bergbewohner vorbehalten, und die Ausbreitung dieser Bergsteiger ( neuer Schule ) fördert die Suche nach Eröffnung neuer, stets schwierigerer Routen, die dann in zunehmend kürzerer Zeit durchstiegen werden.
Die Arbeit des Bergführers wurde durch diese Veränderungen stark beeinflusst, denn sein Beruf lässt sich nur durch eine Analyse des Gebirgstourismus und der Entwicklung der alpinistischen Techniken begreifen. Wenn zu Beginn die Besteigung eines Gipfels mit einem Führer erfolgte - es war seinerzeit unvorstellbar, sich ohne Begleitung eines erfahre- nen Berglers auf die Gipfel zu wagen -, so setzt mit dem Aufkommen des Massentourismus der führerlose Alpinismus ein. Nur ausnahmsweise verpflichtet ein wenig begüterter Alpinist einen Führer, und wenn, dann nur für ein oder zwei Tage. Der Bergführer wechselt also häufig seine Kunden, jeder freie Tag wird noch durch eine kleinere Tour ausgefüllt, denn es geht darum, während der schönen Jahreszeit so viele Besteigungen wie möglich durchzuführen.
Mit dem Massentourismus verschwand, ebenso aus finanziellen Gründen, der Beruf des Trägers. Die Träger wurden nun Bergfüh-rer-Aspiranten, die unabhängiger arbeiten können. Seitdem beschränkt sich die Seilschaft im Gebirge auf den Führer und seinen -oder seine - Kunden.
In den dreissiger Jahren entdeckten Städter, dass auch sie Bergführer werden können, dass man dazu nicht im Gebirge geboren sein muss. Den Comici, Rebuffat, Bonatti und vielen anderen gelang es, wenn auch nicht ohne Mühe, sich in den Kreis der Bergführer einzufügen. In der Schweiz waren die ersten aus der Stadt kommenden Führer Alpinisten, die internationalen Ruf gewannen, wie Raymond Lambert und André Roch aus Genf. Die Entwicklung verlief weiterhin in dieser Richtung, trotz der Schwierigkeiten der Städter, sich den Führervereinen anzupassen, und trotz der Konkurrenz, die sich zwischen Führern aus der Ebene und denen aus dem Gebirge entwik kelte.
Vielfältige Aufgaben im Gebirge Seit den fünfziger Jahren bietet der erstaunliche Aufschwung des Wintertourismus im Gebirge den Führern neue Möglichkeiten: Aus einer Nebenaufgabe wurde ein Hauptberuf.
Neue alpinistische Zentren sind geschaffen worden, SAC und JO organisieren Kurse, vom Bund subventionierte ( Jugend und Sport)-Wochen werden selbst in der Nachsaison durchgeführt, so dass junge Menschen mit geringem Einkommen den Zugang zum Alpinismus finden können. Daraus ergeben sich für die Führer neue Möglichkeiten, sie haben nun regelmässiger und während eines grösseren Teils des Jahres Arbeit. Sie werden von Gruppen verpflichtet und hängen damit weniger von den Bedingungen der Natur ab, als wenn sie sich nur für einzelne Touren engagieren lassen. Der Beruf entwickelte sich auf diese Art weiter: Man erwartet heute von ei- nem Bergführer, dass er Gruppen zu unterrichten, sie zu begeistern und ihren Zusammenhalt zu fördern weiss.
Auch die Zahl der Klettergärten nimmt ständig zu. Sie ermöglichen Städtern, in der Nähe ihres Wohnortes im Fels zu trainieren und ihre Kletterfähigkeiten zu steigern. Auch der Bergführer muss, um den Ansprüchen gerecht zu werden, seine Technik verbessern. Selbst wenn die bessere Ausrüstung dies erleichtert, muss er doch trainieren, um ein erstklassiger Kletterer zu werden.
In dieser Zeit haben sich auch der Winteralpinismus und das Klettern mit technischen Hilfsmitteln entwickelt. Den Bedürfnissen gut angepasstes Material machte es möglich, schwierige Routen, oft nahe der Bergstation einer Seilbahn, zu eröffnen. Walter Bonatti sprach hier von einer Ära der Mechanisierung.
Im weiteren erlaubt es das verbesserte Material einer grossen Anzahl von Alpinisten, hohe Gipfel in fernen Ländern anzugehen. Erneut entwickelt sich ein internationaler Wettstreit - unter Beteiligung einer Führerelite -bei der Besteigung der Himalaya-Achttausen-der. Diese Führer haben dabei im Rahmen ih- Figur 1 Zahl der Arbeitstage pro Monat bei hauptberuflicher und bei nebenberuflicher TätigkeitFührer im Hauptberuf TageFührer im Nebenberuf 30 ( Durchschnitt ) 28 26 i24 A22Î2018 f16
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2 -^. ' ' T iMonate J F M A M J J A S 0 N D res Berufes zugleich eine neue Aufgabe entdeckt: die Organisation kleiner Expeditionen und Trekkings ( ausgedehnte Wanderungen ), auf denen ihre Kunden oft wenig bekannte grosse Massive kennenlernen.
Schliesslich sei noch angefügt, dass man die Tätigkeit eines Führers nicht beschreiben kann, ohne das Skilaufen - zunächst Alpinski, dann Langlauf - zu erwähnen, das den Tourismus in den Bergtälern tiefgreifend verändert hat. Seit den fünfziger Jahren arbeiten viele Bergführer auch als Skilehrer, während andere im Pistendienst für Überwachung und Sicherheit sorgen.
Sie bringen ihre Kunden ins winterliche Hochgebirge, wo Skitouren und Skitourenwochen ( z.B. die verschiedenen
Figur 2 Entwicklung der Tarife ( in Schweizer Franken ) 1858 1870 1894 1923 1939 1948 1955 1961 1969 1974 1981 Kanton Bern Führertarif pro Tag 8 20 25 30 40 70 70 100 150 170 Trägertarif pro Tag'6 Kanton Wallis Führertarif pro Tag 10 12 25 35 40 50 80 120 170 200 Trägertarif pro Tag1 4-5 40 60 85 150 Kanton Graubünden Führertarif pro Tag 50 150 170 Einige Touren Matterhorn ( Hörnligrat ) 100 100 100 130 130 300 345 450 Zinalrothorn ( Normalroute ) 30 80 110 225 275 340 Jungfrau ( Normalroute ) 80 110 120 130 190 260 320 350 Schreckhorn 80 110 100 110 155 250 310 320 Pigne d' Arolla ( von der Cabane des Dix ) 20 30 30 45 50 60 170 220 260 Monte Rosa ( von der Betempshütte aus ) 45 50 65 70 320 380 420 Piz Bernina 70 80 100 230 260 300 Seit 1969 ist die Bezeichnung denjenigen vorbehalten, die den Warentransport zu den Hütten ausführen. Der frühere Träger heisst heute Bergführer-Aspirant; er absolviert einen Ausbildungskurs, der mit einem Examen abschliesst.
Doch diese Situation erschwert zugleich auch die Ausübung des Berufs: Kann nämlich ein Bergführer sowohl zu den besten Kletterern gehören als auch ein Reise- oderTrek-kingspezialist und ein ausgezeichneter Skiläufer sein? Wird sich der Führerberuf als Folge der Ausweitung des Tätigkeitsgebietes auf-spalten? Die Diskussion ist eröffnet. Der französische Führerverein widersetzt sich beispielsweise jeder allein aufgrund der verschiedenen Ausrichtungen des Alpinismus vorgenommenen Aufsplitterung, da dabei der Aspekt in der Berufsausübung vernachlässigt würde.
Die Entwicklung der Entlohnung Ein weiteres Problem für den Bergführer bildet seine Entlohnung. Der Tarif, der in der Schweiz durch die Bergführer-Kommission jedes der in Frage kommenden Kantone festgesetzt wird, ist je nach Zeitaufwand und Schwierigkeit der Tour, aber auch entsprechend dem Bekanntheitsgrad des Gipfels abgestuft.
Um 1900 waren die Tarife im Verhältnis höher als heute ( Fig. 2 ). Xavier Kalt, der Sekretär der Union internationale des Associations de guides de montagne, hat dazu festgestellt: ( Am Anfang des Jahrhunderts konnte man sich mit einer Besteigung des Matterhorns die beste Kuh des Tals leisten; heute kann man damit kaum eine Ziege bezahlen !) Im Jahr 1858 verdiente ein Bergführer bei einem Ta-geslohn von 6 bis 8 Franken zehnmal mehr als ein Schuhmacher oder ein Oberkellner. Heute beträgt der Grundtarif pro Tag durchschnittlich 200 Franken; das ist recht wenig in einem Beruf ohne Pensionskasse, ohne Arbeitslosen-versicherung und mit zahlreichen Tagen ohne Arbeit ( bei schlechtem Wetter, in der toten Saison usw. ). Wenn auch ein Bergführer, der auf der Grundlage von Einzelabmachungen mit Privatkunden arbeitet, mehr verdient als Figur 3 Bestand an Bergführern in der Schweizungesicherte Werte Anzahl der Führer 800 600 200 1870 1880 1890 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1985 Quellen: Bis 1963 SAC, danach kantonale AngabenJahr ein anderer, der von einer Gruppe und mit festem Vertrag verpflichtet ist, so ist der letztere doch sicher, etwas zu verdienen, ganz gleich wie das Wetter sein mag. Fast die Hälfte der Tageseinnahme geht für Unfall-, Verdienst-ausfall-, Haftpflichtversicherung, für den der Vereinigung zu errichtenden Prozentsatz, den Materialankauf und weitere Ausgaben drauf. Und gleichwohl meinen manche Kunden, dass für eine Tour zuviel bezahlt werden muss, und betonen, dass der Führer teuer sei. Will man über diesen Punkt diskutieren, so muss unbedingt die geleistete Arbeit berücksichtigt werden, eine Arbeit, die mit hohen Risiken und grosser Verantwortung verbunden ist.
om Oberalppass zum Calmut, lie hohe Bewölkung isst für den nächsten Tag eue Schneefälle erwarten Untersuchung ( von 1985 ) zur Tätigkeit der Schweizer Bergführer Nach den Angaben der Union internationale des Associations de guides de montagne gab es im Jahr 1984 in der Schweiz 844 Bergführer. Diese Zahl schwankt je nach Jahr um bis zu 5% ( Fig. 3)2. Der Beruf steht seit kurzem auch Führern offen, die aus dem Tiefland oder der Stadt kommen. Die Zahl der Führer in den grossen Kurorten hat dagegen abgenommen: In Zermatt sank sie zum Beispiel von 115 im Jahr 1961 auf 81 im Jahr 1981.
Um die Gründe für die zahlenmässigen Veränderungen und die Entwicklungen in der Berufsausübung der Bergführer kennenzulernen, hat B. Demaurex eine Untersuchung anhand einer repräsentativen Auswahl von 58 Schweizer Führern durchgeführt. Er hat drei Haupt- 2 Die Association suisse de guides de montagne gibt 1072 Bergführer an. Die Differenz ergibt sich, weil manche Bergführer ihr Patent erneuern, ohne die für den Erhalt des internationalen Stempels notwendige Gebühr zu zahlen; das bedeutet, dass sie ausschliesslich in der Schweiz arbeiten oder dass sie den Beruf nicht mehr ausüben und folglich den internationalen Ausweis nicht benötigen.
punkte zugrunde gelegt: die unterschiedliche Art der Berufsausübung je nach dem Wohnort des Führers ( Ebene, kleiner Kurort, grosser Kurort ), nach hauptberuflicher oder nebenberuflicher Tätigkeit, nach der Möglichkeit, eine zusätzliche Arbeit zu übernehmen. Von diesen drei Gegebenheiten ausgehend, teilt er die Bergführer in zwei Kategorien ein: die aus der Stadt oder dem Tiefland kommenden Führer und die im Gebirge lebenden Führer. Tätigkeit und Lebensweise dieser beiden Bergführer-gruppen sollen im Detail betrachtet werden.
Der Bergführer aus der Stadt oder der Ebene Die Untersuchung zeigt für den aus der Stadt kommenden Bergführer zwei hauptsächliche Formen der Berufsausübung: 1. Führer aus der Ebene, der nebenberuflich tätig ist:
- in der Ebene geborenarbeitet zeitweise, in den Monaten April, Juli und Augustarbeitet mit Gruppen, z.B.
In diesem Fall ist der Bergführerberuf nicht mehr der Hauptberuf, sondern eine Ergänzung zu einer Tätigkeit in der Stadt. Doch er erlaubt demjenigen, der ihn ausübt, seine Liebe zum Gebirge zu befriedigen, der täglichen Routine zu entfliehen und bei der Organisation von J + S-Wochen eine erzieherische Funktion zu übernehmen. Das Ziel dieses Zweitberufes ist also nicht, Geld zu verdienen, sondern eher, einen Ausgleich in der Lebensführung zu schaffen. 2. Spezialisierter Führer aus der Ebene:
- in der Ebene geborenarbeitet hauptberuflich als FührerJunggeselle, denn seine Leidenschaft ist das Gebirge, dem er sich gänzlich widmetübt seinen Beruf vor allem in Kletterschulen aus, unternimmt oft Expeditionen, hat wenig Privatkunden, organisiert aber häufig Wanderungen und Trekkings, um genug zu verdienen.
Er hat den Beruf des Bergführers aus Neigung gewählt, aber auch weil seine Kenntnis des Gebirges ihm eine Existenzgrundlage bietet und zugleich ermöglicht, seine Freiheit zu bewahren und sich selbst weiterhin dem Alpi- nismus zu widmen. Er ist hauptberuflich Bergführer, weil er keine zusätzlichen Einkünfte aus einer andern Tätigkeit bezieht, kann seinen Beruf aber nur an einer begrenzten Zahl von Tagen ( ungefähr 120 ) pro Jahr ausüben.
Der im Gebirge lebende Bergführer Die Untersuchung zeigt, dass bei den im Gebirge lebenden Bergführern die Art der Berufsausübung und die Auffassung vom Beruf mannigfaltig sind. /. Führer in einem Dorf mit wenig Tourismus:
- in einem Bergdorf geborenmeist verheiratet, mit Kindernarbeitet nebenberuflich, weil die Tätigkeit als Führer nicht genug einbringtbesitzt das Brevet als Skilehrer, benutzt es aber wenig, weil es auf diesem Gebiet nicht genug Arbeit gibtmacht verschiedene Hochtouren mit Privatkunden, begleitet selten Gruppender Führerberuf ermöglicht ihm, weil er nur bescheidene Ansprüche stellt, verhältnismässig gut zu lebenwenn er nur zeitweise arbeitet, dann aus Ar-beitsmangel, vielleicht auch aus familiären Gründen, denn er muss unter diesen Umständen seinem Beruf ausserhalb seines Tales nachgehenweitere Einnahmequellen sind die Vermietung von Chalets, die Arbeit als Bauer oder Winzer und in verschiedenen Sparten des Baugewerbes.
Für einen solchen ( traditionellen ) Bergführer ist der Beruf eine Existenzmöglichkeit und eine Notwendigkeit, weil er in seinem Dorf keine andere Arbeit findet. 2. Führer in kleinem Kurort mit Saisontouris-musin diesem Kurort geboren ( manchmal gelingt es einem Führer aus der Ebene, sich in die örtliche Gruppe einzufügenmeist verheiratet, mit Kindernarbeitet hauptberuflich, mehr als 200 Tage im Jahr, verfügt aber über zusätzliche Ein-künftebesitzt das Brevet als Skilehrer und nutzt es von Dezember bis Märzwährend der toten Saison leitet er Gruppen, z.B.
In dieser Gruppe arbeiten viele Führer während des ganzen Winters bei den Seilbahnen und Liften oder im Pistendienst.
Während der Hochsaison bleibt der Führer in seinem Tal, doch während der toten Saison muss er gelegentlich auch ausserhalb arbeiten, um während des ganzen Jahres von seinem Beruf leben zu können. 3. Führer in einem grossen Kurort:
- in diesem Ort geborenmeist verheiratetarbeitet nur zeitweise, denn es bestehen im Kurort mehrere Möglichkeiten für zusätzliche EinkünfteSkilehrer während mehr als vier Monaten des Jahres, besitzt einen bedeutenden Kundenkreis, der ihm erlaubt, als Führer Ski ausserhalb der Pisten ( Ski sauvage = Variantenskifahren ) oder das immer beliebtere Helikopter-Skifahren zu betreiben. Meist etwa ab Mitte April und bis Ende Mai führt er Haute-Route-Touren; während der sommerlichen Hochsaison fehlt es ihm nicht an Arbeit; ein solcher Führer arbeitet selten ausserhalb seiner Region und wiederholt häufig die gleichen Touren mit Kunden, die sich nur kurze Zeit am Ort aufhalten.
Die meisten Bergführer in den grossen Kurorten haben nur private Kunden und arbeiten auf der Grundlage von Einzelverpflichtungen für bestimmte Touren. Sie können gut von ihrem Beruf leben; einige sind ausserdem Hoteliers, Wirte, Besitzer eines Sportgeschäfts oder von Chalets.
Zusammenfassung Diese kleine Studie hat uns ermöglicht, die zahlreichen und verschiedenartigen Tätigkeiten eines Bergführers hervorzuheben und den Umfang der Veränderungen in einem Beruf zu ermessen, der von seinen Angehörigen mannigfache Fähigkeiten erfordert. Man darf nicht Übersetzt von Roswitha Beyer, Bern vergessen, dass das Mass der Beschäftigung eines Führers nicht nur von der wirtschaftlichen Gesamtlage und den Beträgen, die von den Touristen für ihre Freizeit in den Ferien aufgewendet werden, abhängt, sondern auch von zufälligeren Umständen wie dem Wetter und dem Zustand einer Route. Doch trotz der Ungewissheit, ob sich Kunden einstellen, trotz der Risiken der Arbeit und der häufigen Störungen des Familienlebens, bleibt der Beruf des Bergführers verlockend. Diese Anziehungskraft beruht auf der Umgebung, in der er ausgeübt wird, auf der Art der menschlichen Beziehungen, die sich während eines Aufstiegs bilden, schliesslich auf der Hoffnung, einmal zu Expeditionen in ferne, noch unerforschte Gebirge aufzubrechen.
Bibliographie Nur wenige Veröffentlichungen befassen sich speziell mit dem Beruf des Bergführers; die wichtigsten seien hier genannt:
Bertrand, René: Contribution à l' étude de l' évolution des métiers de guide et de moniteur de ski en France. Paris 1974 ( Thèse ).
Bonatti, Walter: Les grands jours. Grenoble 1973.
Boutron, Michel: La Montagne et ses hommes. Paris 1965.
Demaurex, Biaise: La profession de guide: évolution du métier et disparités géographiques en Suisse. Genf 1985 ( Université de Genève, Dép. de Géographie ).
Frison-Roche, Roger: Les montagnes de la terre. Paris 1964.
Isselin, Henri: L' âge de l' alpinisme. Grenoble 1983.
Kalt, Xavier: Guide à travers les âges. La Fouly 1972.
Liotier, Max: Celui qui va devant. Grenoble 1968.
Spiro, Louis: Guides de montagne. Lausanne 1928.
Syndicat national des guides de montagne ( Hrsg. ): Colloque sur le métier de guide. Cassis 1972.
Cepet, J. C./Picq, G.: Etre guide aujourd'hui, In: Revue Métier de Plein Air 1977 ( April-Mai ), S.113-115.
Ducroz, Denis: Un métier en évolution: le guide. In: Revue Touring Plein Air 1979 ( Juni ), S.30/31.
DIE ALPEN, Monatsbulletins ( ), 1951, 1955, 1957.
Aus dem französischsprachigen Teil. ( Bezüglich des Inhaltes lehnt die deutschsprachige Redaktion jegliche Verantwortung ab. )