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Eine Handvoll Wehrpflichtige verweigert in Finnland jedes Jahr sowohl den allgemeinen Wehr- wie auch den Ersatzdienst. Den Totalverweigerern droht eine Gefängnisstrafe. Zwischen Januar und Oktober 2022 sassen deshalb 34 Personen in finnischen Gefängnissen.
Im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 war ihre Zahl nur halb so hoch, berichtet das finnische Medium YLE unter Bezug auf die Nachrichtenagentur Uutissuomalainen.
Die Wehrpflicht stösst bei den meisten Finnen normalerweise auf grosse Zustimmung, etwa 80 Prozent eines Jahrganges leisten den Wehrdienst ab. Das ist wichtig für die finnische Armee, die sich hauptsächlich auf die universelle Wehrpflicht stützt. Es gibt etwa 12’000 Berufssoldaten und Berufssoldatinnen und rund 21’000 wehrdienstleistende Männer. Rund 1600 Finninnen leisten jedes Jahr freiwillig Wehrdienst, über eine Dienstpflicht wird diskutiert.
Zum Vergleich: In der Schweiz gelten etwa 60 bis 65 Prozent eines Jahrgangs als tauglich für den Militärdienst, etwa drei Viertel davon leisten ihn vollständig ab, berichteten beispielsweise die «Luzerner Zeitung» 2014 und die NZZ 2018. Im vergangenen Jahr beantragten 6148 Männer erfolgreich Zivildienst, 22’643 galten als tauglich.
In Finnland kommen zur Grundausbildung von sechs Monaten regelmässige Übungen. Alternativ können Wehrpflichtige einen zivilen Ersatzdienst von rund einem Jahr ableisten.
Totalverweigerern droht unbedingte Gefängnisstrafe
Wer beides nicht will, dem drohen sechs Monate Gefängnis, die in der Regel ohne Bewährung ausgesprochen werden. Laut Lassi Raivonen, dem Vorsitzenden der Organisation der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, hat die gestiegene Zahl der Verweigerer mehrere Gründe.
Einer sei die durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verschlechterte Sicherheitslage im Land und die Bewerbung Finnlands um eine Mitgliedschaft in der NATO. Dazu komme, dass Mitglieder der Zeugen Jehovas seit April 2019 nicht mehr vom Wehrdienst befreit sind. Amnesty International betrachtet die inhaftierten finnischen Wehrdienstverweigerer als politische Gefangene aus Gewissensgründen.
Finnland hat von den EU-Staaten die längste Grenze zu Russland. Die 1300 Kilometer lange, kaum befestigte Grenze ist seit Ende September gesperrt. In den nächsten Jahren will Finnland sie mit einem Zaun versehen. Das Verhältnis zum russischen Nachbarn ist aus historischen Gründen eng, seit 2014 aber zunehmend belastet.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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