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| Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

21.
Ich las den Brief, der mir durch meine Priester Elpidius und Philoxenus überbracht wurde, und es befremdete mich, daß ihr, während wir mit Liebe und dem Bewußtsein der Wahrheit schrieben, mit Zank und nicht in geziemender Weise uns geantwortet habt. Denn Übermuth und Ruhmredigkeit verriethen die Briefschreiber in ihrem Briefe. Das ist aber dem Glauben in Christus fremd. Denn was mit Liebe geschrieben war, hätte eine gleiche liebevolle und nicht zanksüchtige Erwiderung finden sollen. Oder ist es nicht ein Zeichen der Liebe, Priester zu senden, um den Leidenden Beileid auszudrücken, die, welche schrieben, einzuladen, daß sie kommen sollen, damit Alles rascher [S. 79] gelöst und geordnet werden könne und weder unsere Brüder mehr leiden, noch euch Jemand verleumde? Aber ich weiß nicht, was euch in eine solche Stimmung versetzt hat, daß wir auf den Gedanken kommen, ihr möchtet auch die Worte, mit denen ihr uns zu ehren scheinet, mit einer gewissen Verstellung in einem andern Sinne gebraucht haben. Denn auch die abgesandten Priester, die mit Freude hätten zurückkehren sollen, kehrten im Gegentheil mit Schmerz zurück über das, was sie dort haben vor sich gehen sehen. Und was mich betrifft, so habe ich, nachdem ich das Schreiben gelesen hatte, die Sache lange bei mir überlegt und den Brief bei mir behalten, indem ich glaubte, es würden doch Einige kommen, und ich bedürfe des Briefes nicht, damit er nicht, wenn er öffentlich bekannt würde, hier Viele in Schmerz versetzte. Als ich aber, da Niemand kam, ihn doch vorzeigen mußte, so wunderten sich, ich gestehe es euch, Alle, und sie konnten es fast nicht glauben, daß das überhaupt von euch geschrieben worden sei. Denn der Brief enthielt mehr Zank als Liebe. Hat aber der Verfasser des Briefes nur geschrieben, um seine Beredsamkeit zum Besten zu geben, so geziemt sich ein solches Streben für Andere. Denn in kirchlichen Dingen handelt es sich nicht um den Prunk der Beredsamkeit, sondern um die apostolischen Vorschriften und darum, daß man sich bemühe, in der Kirche Keinen von den Kleinen zu ärgern. Denn es ist nach dem Ausspruch der Kirche besser, daß Einem ein Mühlstein an den Hals gebunden und er ins Meer versenkt werde, als daß man auch nur Einen von den Kleinen ärgert.1 Wenn aber, weil Einige aus gegenseitiger Engherzigkeit sich gekränkt fühlten, — denn ich möchte nicht behaupten, daß Alle diese Gesinnung theilen, — dieser Brief entstanden ist, so hätte man entweder überhaupt dem Gefühle der Kränkung sich nicht hingeben oder wenigstens die Sonne über seinen Groll nicht untergehen lassen sollen.2 Wenigstens hätte man sich nicht [S. 80] so weit treiben lassen sollen, daß man demselben schriftlich Ausdruck gab.
1: Matth. 18, 6.
2: Eph. 4, 26.