Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03163.jsonl.gz/2584

Der caganer gehört in Katalonien, ganz im Nordosten Spaniens, seit Jahrhunderten zur angestammten Belegschaft der Weihnachtskrippe. Er ist in keinem Evangelium zu finden, und daher würde man ihn in so unmittelbarer Nachbarschaft des neugeborenen Jesuskindes auch nicht unbedingt vermuten. Denn der caganer stellt einen katalanischen Bauern dar, mit traditioneller roter Mütze und heruntergelassener Hose, der etwas abseits auf dem Boden kauert und seelenruhig sein Geschäft verrichtet. Daher auch sein Name: Caganer heisst auf Deutsch ganz einfach «Scheisserchen».
Was um Himmels willen hat die biblische Weihnachtsgeschichte mit bäuerlichem Stoffwechsel zu tun? Wenn jemand auf dem Feld mal muss, so erklären Katalanen den staunenden Fremden, dann muss er eben, das ist doch das Natürlichste auf der Welt. Gesichertes Wissen über den caganer gibt es kaum. Es wird aber vermutet, dass das Männchen ursprünglich für den Kreislauf der Natur stand, für Dünger und Fruchtbarkeit, für die Hoffnung auf eine gute Ernte im nächsten Jahr, für Ausgeglichenheit und Gesundheit.
Heute ist der caganer geradezu zur weihnachtlichen Kunst- und Kultfigur geworden: Anstelle des Häufchen machenden Bauern sieht man auch Politiker, Schauspieler, Musiker oder Fussballer, allesamt gebückt und in eindeutiger Pose. Dieser Tage besonders beliebt: US-Präsident Donald Trump, mit roter Krawatte statt roter Mütze, untenrum blank.
Selbst das Königshaus und die katholische Kirche Spaniens haben das Männchen auf dem Topf längst akzeptiert: als ein etwas eigenwilliges Symbol für Glück.