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Joe Kennedy hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche dabei zu unterstützen, ihre Lese- und Rechtschreibeschwäche zu überwinden. Mit seiner Kennedy-Schule und der gleichnamigen Methode hat er in über 25 Jahren zahlreichen jungen Menschen, aber auch deren Eltern, eine Last von den Schultern genommen. Nun ist sein neues Buch erschienen. Wir haben ihn zu seiner Arbeit befragt.
Der Begriff Lese-Rechtschreibeschwäche (LRS) ist dehnbar. Wie findet man heraus, ob ein Kind einfach nicht so gut lesen oder schreiben kann oder ob man etwas unternehmen muss?
Zehn Fehler in ungeübten Diktaten ist eine Faustregel: Wenn ein Kind in ungeübten Diktaten regelmässig durchschnittlich zehn Fehler oder mehr macht, leidet es an einer Rechtschreibeschwäche. Und die Eltern sollten nachhelfen. Die Merkmale für eine Leseschwäche sind beispielsweise das Nichterkennen von Fehlern, das stockende Lesen, mühsames Zusammenlesen von Buchstaben und Silben oder das Verwechseln ähnlich aussehender Wörter. Also Hans und Haus, schneiden und scheiden, schrieben und schieben, mahlen und malen. Vor allen Dingen: Das Kind liest ungern, meidet das Lesen und weicht auf Bilder aus, wie beispielsweise Comics und Fernsehen.
Sie schreiben, dass Sie die Ursachen angehen, statt nur Symptome bekämpfen. Worin liegen denn die Ursachen?
Auf keinen Fall liegt die Ursache in der Dummheit eines Kindes. Kein Kind ist dumm, davon bin ich überzeugt. Auch Faulheit ist nicht die Ursache einer LRS. Die wahre Ursache liegt einzig und allein in der Unreife des am Lesen und Schreiben beteiligten Gehirnareals. Dieses ist nicht genug ausgebildet und bedarf der Nachreifung.
Sie haben nun ein neues Buch zum Thema herausgebracht. Wie funktioniert Ihre Methode im Grundsatz?
Im Kern geht es darum, spielerisch zu lernen, zum Beispiel durch einfache Tipp-Übungen und Buchstabenspiele. Formales Lernen, «immer Wiederholen» von Regeln, ist nicht hilfreich. Was Kinder mit LRS brauchen, ist das «Nachreifen». Das Nachreifen des Gehirnareals des Lese-Schreibzentrums gelingt durch ausgewählte Spiele. Die Buchstaben werden noch tiefer und fester im Gedächtnis verankert. Beim Lesen kann das Kind nun die Buchstaben erkennen, zusammenziehen und Wörter verstehen. Durch das allmähliche Nachreifen wird das automatische Zusammenziehen der Buchstaben gewährleistet und die Leseschwäche überwunden. Bei der Rechtschreibung kann das Kind die korrekten Buchstaben in die richtige Reihenfolge setzen, automatisch. Das ist wie das Trainieren eines spezifischen Muskels, der Wadenmuskel zum Beispiel. Schliesslich muss ein Läufer auch konsequent und differenziert trainieren, bevor er seinen ersten Marathon laufen kann.
Auch die Schule setzt auf spielerisches Lernen. Welche Ansichten haben Sie grundsätzlich zu den heutigen Schulen und Lehrpersonen im Umgang mit LRS?
Ich kenne eine Menge engagierter Lehrpersonen. Aber den Lehrpersonen fehlt nicht nur die Zeit, sondern auch oft das Wissen, das Know-how, um die Ursachen der Lese- und Schreibschwäche zu überwinden. Hier ist das Schulsystem gefragt. Es gibt zu wenig Förderunterricht. Und es wird auf die falsche Art gefördert. Solche Zustände aber werden vertuscht, zum Beispiel dadurch, dass ungeübte Diktate abgeschafft werden. Ohne die ungeübten Diktate bessert sich zwar der Notenschnitt der Kinder im Deutsch. Aber das Diktat ist ein Kontrollmessinstrument zur Bewertung des Leistungsstandes des Kindes bei der Rechtschreibung, mehr nicht. Wenn auf dieses Kontrollinstrument verzichtet wird, ist das ein Zeichen der Kapitulation. Die Leseschwäche wird oft gedeutet als eine Unlust, bedingt durch eine Charakterschwäche des Kindes einer bildungsschwachen Familie beziehungsweise es herrscht Ratlosigkeit. Die Folgen: Schulbehörden, Lehrer und Eltern finden sich damit ab, dass es unserem Schulsystem nicht gelingt, allen Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. LRS wird so nicht überwunden, sondern ins Erwachsenendasein mitgenommen.
Ein Untertitel Ihres Buches lautet «Warum Schule und Therapien Ihrem Kind nicht wirklich helfen können».
Die Schulen und die meisten Therapien können den Kindern nicht helfen, das Lesen und Schreiben zu meistern. Die Schulen, weil sie zu wenig Zeit und Personal dafür haben. Beide Instanzen, weil sie keine zuverlässigen Methoden anwenden. Mit anderen Worten: Therapie und Schule bieten nicht das, was Kinder mit Lernschwächen brauchen. Unser Schulsystem und die vielen Methoden, die gemeinhin angewandt werden, um den Kindern Rechtschreibung beizubringen, tun nichts anderes, als die Ursache von LRS, die Unreife der verantwortlichen Gehirnareale, noch zu verschlimmern.
Einige dürften sich dadurch angegriffen fühlen. Mittlerweile besuchen viele Kinder die Logopädie, Ergotherapie und Ähnliches.
Na klar. Kritik kommt vor allem von Menschen, denen die Methode zu einfach ist, zu wenig wissenschaftlich. Eine Kritik, die beispielsweise vom Ministerium für Kultur, Jugend und Sport in Baden-Württemberg geäussert wurde. Solche Kritik berücksichtigt nicht die seit 1992 erfolgreichen praktischen Erfahrungen mit meiner Methode.
Sie haben selber drei Kinder, eines davon mit einer Rechtschreibeschwäche in Englisch. Wie haben Sie die Schulzeit Ihrer Kinder miterlebt?
Zunächst so wie wahrscheinlich die meisten Väter. Ich war stolz. Unsere älteste Tochter konnte es kaum erwarten, in die Schule zu kommen. Unsere Jüngste hingegen war ein «Träumerle». Sie hätte gerne noch ein Jahr im Kindergarten bleiben dürfen. Sie brauchte länger. Und als sie dann in der Schule, gerade in Englisch, meiner Muttersprache, eine Lernschwäche zeigte, die immer ausgeprägter wurde, da hatten wir schwere Zeiten.
Wie haben Sie sich als Vater gefühlt?
Ich habe die Verzweiflung vieler Eltern am eigenen Leib erfahren – und musste erleben, wie wenig die Schule und Lehrer und reguläre Nachhilfe hier ausrichten konnten. Das war mein Antrieb, nach einer wirklichen Lösung zu suchen. Und ich bin glücklich, sie gefunden zu haben.
War die Methode bei Ihrer Tochter erfolgreich?
Die Tochter hat nach wenigen Monaten gute Noten in Englisch, Französisch und Deutsch erzielt. Heute leitet sie ihr eigenes Tutorial-Studio für Deutsch als Fremdsprache in Zürich und spricht drei Sprachen.
Sie versprechen mit Ihrer Methode, dass sich ein Kind bis zu drei Noten verbessern kann. Das klingt sehr vielversprechend.
Das stimmt. Aber die Ergebnisse sprechen für sich: Seit 1991 wende ich diese Methode in meiner Kennedy-Schule an. Mit nur 20 Minuten Üben pro Tag können die Kinder ihre Lese- und Schreibfähigkeit deutlich verbessern und ihre Legasthenie in der Regel innerhalb eines Jahres völlig überwinden. Sie stehen dann in der Schule nicht mehr so unter Druck und finden wieder Spass am Lesen. Das zeigt sich sehr deutlich an den Noten.
Sie lassen auch den umgekehrten Fall nicht ausser Acht. Lässt der Erfolg auf sich warten, erstatten Sie sogar das Geld zurück. Hand aufs Herz: Ist das schon einmal vorgekommen?
Ja, das kommt vor. Aber nicht häufig. Wichtig für das Funktionieren meiner Methode ist natürlich das konsequente Spielen. Das Nachreifen der Hirnareale ist kein Spaziergang, und auch keine Pille, die einmal am Tag geschluckt wird. Es reichen 20 Minuten am Tag, aber die müssen schon sein. Hier sind die Eltern gefragt, wobei die meisten Kinder von sich aus die Buchstabenspiele spielen – aber sie wären keine Kinder, wenn sie nicht leicht abzulenken wären und immer wieder von Neuem dazu motiviert werden müssten. Eine Schwierigkeit kann dann sein, dass Eltern getrennt leben – wichtig ist in solchen Fällen, dass die Eltern sich hinsichtlich der Spielzeiten abstimmen.
Schlechte Noten belasten nicht nur die Kinder selber, sondern oftmals auch die Eltern. Warum können Ihre Übungen helfen, wo die Schulen in diesen Belangen scheinbar versagen?
Weil meine Methode den Kindern Spass macht und die schnellen Erfolge ihnen Freude bereiten. Weil es nicht um Pauken und Zwang geht. Und weil es nicht darum geht, dem einen Elternteil oder beiden die Schuld in die Schuhe zu schieben. Vor allem aber: Weil meine Methode die Ursachen anpackt. Die Ergebnisse sprechen für sich.
Sie haben nun ein neues Buch herausgebracht. An welchen weiteren Plänen arbeiten Sie?
Natürlich wünsche ich mir, gerade auch angesichts der steigenden Zahl Erwachsener mit Lese- und Schreibschwäche, dass meine Methode bekannter wird. Idealerweise wird sie vom Schulsystem übernommen. Dafür braucht es Aufklärung, einen neuen Denkansatz und Mut. Es ist Zeit für die Wende.
Joe Kennedy
Nie wieder Horrordiktate! Die Lösung bei LRS: Gezieltes Buchstaben-Tipptraining und kreative ABC-Spiele.
Wenn Kinder am Schreiben verzweifeln, wenn Lesen keine Freude macht, wenn Schule zur Qual wird – dann belastet das nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie.
Kennedy hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, diesen Kreislauf zu durchbrechen. In seinem Buch zeigt er, wie Kinder ihre Lese- und Rechtschreibeschwäche spielerisch überwinden.
ISBN-13: 978-3947572342
Das Buch inklusive vieler Spiele und Tipps erhalten Sie im Buchhandel und auch bei Amazon.
ZUM AUTOR:
Als dreifacher Familienvater und fünffacher Opa beschäftigt sich der gebürtige Engländer Joe Kennedy auch privat viel mit Kindern. Obwohl er sich im Schwabenland gut eingelebt hat – die tägliche Tea-Time ist unverzichtbar. Joe Kennedy führt in Tuttlingen die Kennedy-Schule, in welcher er seit über 25 Jahren mit seiner Kennedy-Methode Kindern hilft, spielerisch Lernschwächen zu überwinden. Für viele verzweifelte Eltern, deren Kinder ebenfalls an ADHS/ADS leiden, ist er ein augenöffnender Ansprechpartner, der Rat und Hilfe weiss.