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USA, Russland, Europa: Er war ein Jetsetter, natürlich, wie so viele seiner berühmten Kollegen. Überall rissen sich die Orchester um Mariss Jansons – und er kam gerne, als Gast-, Ehren- und Chefdirigent.
Trotz der Vielzahl seiner Verpflichtungen, die mit den Jahren immer zahlreicher wurden, war er eine ausgesprochen treue Seele. Jahrzehntelang blieb Jansons seinen Orchestern treu.
Am 30. November 2019 ist der disziplinierte Arbeiter und Philanthrop, der unerbittlich vor allem zu sich selbst war, 76-jährig in St. Petersburg gestorben.
Von einer Krankheit begleitet
Sein Herz hat sich ihm letzten Endes verweigert. Schon lange hatten ihn Herzprobleme begleitet. Bereits 1996 erlitt er auf dem Podium den ersten einer Reihe von Herzinfarkten. Die Krankheit lag in seiner Familie, schon sein Vater war beim Dirigieren verstorben.
Wegen seiner Herzprobleme musste Jansons immer öfter Konzerte absagen. Doch kehrte er mit eisernem Willen und fröhlicher Zuversicht immer wieder zu seinen Orchestern zurück.
Mitten im Krieg geboren
In Riga, das damals zur Sowjetunion gehörte, ist Mariss Jansons am 14. Januar 1943 als Sohn des Dirigenten Arvid Jansons geboren. Mitten im Krieg, unter deutscher Besatzung.
Bücher waren meine Partituren, ein Stück Holz mein Taktstock.
Seine jüdische Mutter, eine Sängerin, musste ihn in einem Versteck zur Welt bringen. Ihre Familie war im Rigaer Ghetto ermordet worden. Ganz früh bereits war Musik Rettung und Fluchtpunkt des kleinen Mariss: Mit drei Jahren schon durfte er mit seinem Vater ins Opernhaus, zu Hause spielte der Junge dann Dirigent.
Berühmte Lehrer
Voller Selbstbewusstsein ergriff er denselben Beruf wie sein Vater, und schaffte es, Schüler der Dirigentenlegenden Hans Swarowsky und Herbert von Karajan zu werden, schliesslich sogar Assistent bei Jewgeni Mrawinski bei den St. Petersburger Philharmonikern.
Dann begann die Weltkarriere des Mariss Jansons: 20 Jahre war er Chefdirigent der Osloer Philharmoniker und formte das Orchester zu einem Weltklasse-Ensemble.
Im Herbst 2003 schliesslich trat er die Nachfolge von Lorin Maazel beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks an, ein Jahr später wurde er auch Chef des Concertgebouw-Orchesters in Amsterdam. Und brachte beide Orchester noch etwas weiter nach vorne in der Liste der Top Ten.
Ein Allrounder und ein Inspirator
Mariss Jansons war ein Allrounder, der Musik von Joseph Haydn bis Wolfgang Rihm gleichermassen souverän präsentieren konnte. Er war ein Inspirator, der es verstand, seine Musiker mit überraschenden Bildern und Einsichten zu Höchstleistungen zu bringen.
Ich war total begeistert von diesem Beruf.
Er war ein Perfektionist, der in den Proben nichts dem Zufall überliess – und es im Konzert schaffte, noch einmal die entscheidenden Funken zu zünden, die seine Aufführungen oft genug zu Sternstunden machten.
Vor zwölf Jahren sagte Jansons in einem Interview: «Ich hatte zwei Herzinfarkte, und wenn ich nicht Dirigent gewesen wäre, wäre ich bestimmt schon lange tot. Ich bin gut trainiert, in jeder Beziehung.» Nun hat er den Kampf verloren.