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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

4. Buch
19. Von der Fortuna der Frauen.
Freilich, soviel hält man von dieser vermeintlichen Gottheit, Fortuna genannt, daß man sich erzählt, ihr Bildnis, welches von den Frauen geweiht wurde und die Fortuna der Frauen hieß, habe gesprochen und nicht nur einmal, sondern wiederholt versichert, die Frauen hätten sie recht und gütig geweiht. Hat sich das wirklich zugetragen, so brauchen wir uns doch nicht darüber zu verwundern. Nicht einmal durch solche Kunstgriffe zu täuschen fällt den bösen Dämonen schwer, deren Ränke und Schlauheit vielmehr man daraus hätte abnehmen sollen, daß eine Göttin sprach, die nicht dem Verdienst sich neigt, sondern von ungefähr kommt. Fortuna war nämlich gesprächig, Felicitas stumm; weshalb? Damit sich die Menschen, wenn sie nur Fortuna sich günstig wüßten, um einen rechtschaffenen Wandel nicht kümmerten, da Fortuna sie ohne irgend welche Verdienste zu Glückskindern machen würde. Und wenn schon einmal Fortuna sprechen will, so sollte doch wenigstens nicht die Fortuna der Frauen, sondern die der Männer gesprochen haben, damit man nicht auf den Gedanken komme, es hätten am Ende die Frauen, die das Bild geweiht haben, in frauenhafter Geschwätzigkeit ein so großes Wunder erdichtet.