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Beispielhaft sind die weissen Pigmente, die, da sie per Definition opak sind, nicht als solche oder zum Aufhellen anderer Pigmente verwendet werden können: Diese Effekte erzielt man wie in der Aquarellmalerei durch Verdünnung oder indem man die Leinwand an diesen Stellen einfach weiss lässt. Man kann sich unschwer vorstellen, dass es nicht möglich ist, Korrekturen vorzunehmen oder die Sujets zu verändern, nachdem sie einmal auf die Leinwand gebracht wurden; aufgrund der geringen Dicke der Unterschicht ist es auch nicht möglich einen bereits gemalten Teil mechanisch wieder zu entfernen.
Über die Herkunft dieser Technik ist nur wenig bekannt. Das vielleicht älteste Zeugnis ist das sogenannte Manuskript von Bologna aus dem 15. Jahrhundert: In den Rezepturen 214-215 und 216 geht es um das Bemalen von Pergament oder Leinwänden “die später wie natürliches Glas wirken”, wenn man sie mit Eiweiss und Gummi Arabikum imprägniert und danach das Ganze mit “Flüssiglack” oder einem Gemisch aus Leinöl und Naturharz wie Kitt oder Sandarak bestreicht. Auch S. Serio (1535) und A. T. De Mayerne (1620-46) erwähnen die transluzide Malerei, doch es war J. M. Cröker, der uns 1736 eine Beschreibung der vielen flüchtigen Dekorationen gab, die anlässlich von Festen, Paraden, Krönungen und Beerdigungen angefertigt wurden; er überlieferte auch Modelle für die Gestelle für Gemälde in verschiedenen Formen, mit Haltern für Kerzen und Löchern zum Befestigen.
Beschrieben werden Bögen, Säulen, Pyramiden, usw. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die transluzide Malerei eine eigenständige Gattung und eine regelrechte Mode, insbesondere bei den nordeuropäischen Künstlern, darunter P. Hackert, Carmotelle, A. Nussenthaler, T. Gainsborough, bis hin zu C. D. Friedrich. Wir sehen also, wie die “Trasparenti” von Mendrisio sich in einen grösseren Rahmen einordnen lassen, von dem jedoch nur noch ganze wenige direkte Zeugnisse erhalten sind, da es sich hauptsächlich um eine Technik handelte, die für temporäre Dekorationen gedacht war.
Da es sich um eine lebendige Tradition handelt, deren Techniken immer noch überliefert werden, insbesondere die Pigmente und Lösungsmittel, hat diese sich an die technische Entwicklung angepasst und so die Arbeit der Künstler erleichtert; dadurch entstehen hochinteressante neue Ausdrucksmöglichkeiten.