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Am 15. März ist Antje Vollmer im Alter von 79 Jahren gestorben. Sie gehörte zu den prägenden Mitgliedern der Grünen. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie in den Jahren von 1994 bis 2005 als Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages bekannt.
Charakteristisch für sie war ihre leise und stets etwas zittrig klingende Stimme. Und in den heftigen Auseinandersetzungen, die den Einzug der Grünen in den Bundestag 1983 begleiteten, trug ihre stets nachdenkliche und damit etwas distanziert wirkende Art zur Beilegung innerparteilicher Auseinandersetzungen bei. Als die Grünen zu dieser Zeit zwischen Fundis und Realos zerstritten waren, verhinderte sie mit der Gruppe Grüner Aufbruch das Auseinanderbrechen der Partei, indem sie eine Basisabstimmung initiierte.
Die promovierte Theologin fand auch bei Mitgliedern anderer Parteien schnell Anerkennung. Sie engagierte sich in ganz unterschiedlichen Bereichen. Von 1976 bis 1982 war sie Dozentin in der ländlichen Bildungsarbeit an der Evangelischen Heimvolkshochschule bei den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld. Aufsehen erregte sie Mitte der 1980er Jahre mit ihrem Vorschlag, mit den inhaftierten Mitgliedern der RAF in einen Dialog zu treten. Als sich die grösste Aufregung gelegt hatte, wurde dieser Vorschlag von Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger, Helmut Gollwitzer, Martin Walser, Ernst Käsemann und Kurt Scharf unterstützt. In der Folge gab es Hafterleichterungen und Begnadigungen. Später war sie unter anderem Vorsitzende des «Runden Tisches Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren», der im Frühjahr 2009 von der Bundesregierung auf Empfehlung des Bundestages eingerichtet wurde und bis 2010 die Geschehnisse in der Heimerziehung im westlichen Nachkriegsdeutschland aufarbeiten sollte.
Auch nach ihrer Zeit als Berufspolitikerin und Dozentin – unter anderem eine Gastprofessur für Politikmanagement der Stiftung Mercator an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen – trat Antje Vollmer wiederholt an die Öffentlichkeit. Im April 2022 gehörte Antje Vollmer zu den Unterzeichnern eines in der Zeitschrift «Emma» veröffentlichten Offenen Briefs, in dem Bundeskanzler Olaf Scholz aufgefordert wurde, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine der Ukraine keine Waffen mehr zu liefern sowie die Regierung in Kiew zu ermutigen, Verhandlungen zu einer Friedenslösung einzugehen. (Foto vom Oktober 2010: Keystone/DPA/Uwe Zucchi)
(J21)