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Lieber Emre Can
Dass du dich nach einem Aus im Champions-League-Achtelfinal ärgerst, ist verständlich. Schiedsrichter Danny Makkelie hat allerdings – wenn auch vielleicht etwas streng – nach Regelbuch entschieden. Eigentlich müsstest du deinen Ärger eher am Regelbuch auslassen. Es kam, gerade in Zeiten vor dem VAR, allerdings tatsächlich schon vor, dass Unparteiische den Ausgang von Spielen beeinflusst haben. Einige Beispiele.
Die wohl berühmteste Fehlentscheidung eines Schiedsrichters der bisherigen Fussballgeschichte: das Wembley-Tor. Im WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland steht es in der Verlängerung 2:2, als Geoff Hurst in Tornähe zum Abschluss kommt. Sein Schuss prallt von der Unterkante der Latte auf die Torlinie. Anschliessend köpft ein deutscher Verteidiger den Ball zunächst ins Toraus.
Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied daher zunächst auch auf Eckball. Doch nach Rücksprache mit seinem sowjetischen Linienrichter Tofiq Behramov änderte Dienst seine Entscheidung auf Tor.
Schuld am Fehlentscheid war ein Kommunikationsproblem zwischen Dienst und seinem Assistenten. Die beiden unterhielten sich auf Englisch, obwohl Behramov nur Russisch und Aserbaidschanisch sprach. Am Ende gewannen die Engländer mit 4:2 und sicherten sich ihren bislang einzigen WM-Titel.
44 Jahre später sollte sich die Geschichte wiederholen. Im WM-Achtelfinal 2010 in Südafrika traf Deutschland mal wieder auf England. Beim Spielstand von 2:1 kam Frank Lampard an der Strafraumgrenze an den Ball und überlupfte Manuel Neuer. Der Ball prallte von der Latte klar hinter die Torlinie, die Einzigen, die dies nicht so sahen, waren der Schiedsrichter Jorge Larrionda und seine Assistenten aus Uruguay.
Am Ende siegten die Deutschen mit 4:1 und zogen in den Viertelfinal ein. Im Fussball gibt es wohl doch so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit.
Im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals 2017 zwischen Real Madrid und Bayern München erwischte der Unparteiische Viktor Kassai einen denkbar schlechten Tag. In einer Partie voller strittiger Entscheidungen traf der Ungar häufig die falsche Entscheidung.
Besonders hart traf es die Bayern. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit schickte Kassai Bayerns Arturo Vidal nach einem vermeintlichen Foul an Marco Asensio vom Platz. In der Verlängerung kam es dann erneut knüppeldick für die Bayern. Bei zwei der drei Treffer von Real in der Verlängerung stand der Torschütze Cristiano Ronaldo jeweils klar im Abseits. Der Schiedsrichter gab die Treffer allerdings und so schieden die Münchner aus und Real sollte später die Champions League gewinnen.
Im Champions-League-Finale 2018 traf Real Madrid auf den FC Liverpool. Dass Real am Ende mit 3:1 gewinnen konnte, hatten die Königlichen nicht nur dem Doppeltorschützen Gareth Bale zu verdanken.
Auch Sergio Ramos sorgte mit einer groben Attacke auf Liverpools Mohamed Salah dafür, dass der Ägypter mit einer Schulterverletzung nicht mehr weiterspielen konnte, und nahm so einen der wichtigsten Akteure der «Reds» frühzeitig aus dem Spiel.
Auch Liverpools damaliger Keeper Loris Karius machte nach einem Eckball Bekanntschaft mit dem Spanier. Dieser rammte dem deutschen Torhüter seinen Ellbogen ins Gesicht.
Für keines dieser offensichtlichen Vergehen wurde Ramos vom Schiedsrichter belangt. Überhaupt gab es nur eine einzige Gelbe Karte in diesem Spiel und diese bekam nicht Ramos, sondern Liverpools Sadio Mané.
18. November 2009, Stade de France, Paris. Es läuft gerade die 104. Minute im Rückspiel der Playoffs zur WM 2010 in Südafrika zwischen Frankreich und Irland. Die Iren führen dank eines Treffers von Robbie Keane mit 1:0, als Florent Malouda einen Freistoss nahe der Mittellinie in den Strafraum flankt. Dort kommt Thierry Henry an den Ball und stoppt diesen, für alle im Stadion deutlich zu sehen, mit seiner Hand, ehe er ihn quer auf William Gallas legt. Dieser braucht den Ball nur noch über die Linie zu köpfen.
Die Franzosen jubeln, die Iren sind ausser sich, allen voran Trainer Giovanni Trapattoni. Doch es hilft nichts, der Schiedsrichter gibt den Treffer und Frankreich fährt dank eines 1:0-Sieges im Hinspiel zur WM 2010.
Eine Szene, die jedem Fussballfan bekannt sein dürfte: Diego Maradonas Hand Gottes. Im WM-Viertelfinal 1986 traf Argentinien auf England. In der 51. Spielminute kam es zu der Aktion, welche in die Fussballgeschichte eingehen sollte. Nach einem misslungenen Abwehrversuch eines englischen Verteidigers hüpfte Maradona dazwischen. Da er allerdings nicht der Grösste war, nahm er anstatt seines Kopfes seine Hand zu Hilfe. Der Ball landete zum 1:0 für Argentinien im Tor.
Alle Proteste der englischen Spieler beim tunesischen Unparteiischen Ali Bin Nasser nützen nichts. Der Tunesier hatte das Handspiel von Maradona als Kopfball wahrgenommen.
Eines der kuriosesten Tore der bisherigen Bundesligageschichte ist auch einer Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns zu verdanken. Im Spiel von Bayer Leverkusen bei der TSG 1899 Hoffenheim in der Saison 2013/14 köpfte Leverkusens Stefan Kiessling den Ball eigentlich ans Aussennetz, doch durch ein Loch im Netz landete der Ball trotzdem im Tor.
Schiedsrichter Felix Brych war dies entgangen und er entschied deshalb auf Tor. Auch seinen Assistenten war das Loch im Netz vor dem Spiel nicht aufgefallen, obwohl diese vor jedem Spiel das Tornetz kontrollieren sollten.
Das Tor von Kiessling ist nicht das einzige Phantomtor in der Geschichte der Bundesliga. Jahre zuvor erzielte bereits Thomas Helmer in einem Spiel gegen den FC Nürnberg ein Tor, welches gar keins war. Anders als bei Kiesslings Treffer kam es bei Helmers Phantomtor allerdings zu einem Wiederholungsspiel und der Fehler des Schiedsrichters wurde bereinigt.
«Das ist eine verdammte Schande», schrie Didier Drogba nach dem Ausscheiden des FC Chelsea im Champions-League-Halbfinal 2009 gegen den FC Barcelona. Ein Spiel, in dem der norwegische Schiedsrichter Tom Henning Ovrebo einige sehr strittige Entscheidungen traf.
Der Norweger verwehrte dem FC Chelsea im Laufe des Spiels einige Male den Penaltypfiff. Zwei klare Handspiele von Gerard Piqué und Samuel Eto'o sah er nicht als strafwürdig an. Auch die Rote Karte gegen Barcelonas Eric Abidal in der 66. Minute war durchaus fragwürdig. Am Ende erzielte Andres Iniesta kurz vor Schluss den Ausgleichstreffer für Barça und sicherte den Katalanen so den Einzug in den Final.
Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea kam es gleich in mehreren Spielen mit Beteiligung des Co-Gastgebers Südkorea zu sehr umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen. Im Achtelfinal gegen Italien wurde zunächst Francesco Totti wegen einer vermeintlichen Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Anschliessend wurde den Italienern ein Tor wegen einer vermeintlichen Offside-Stellung aberkannt. Am Ende setzte sich Südkorea mit 2:1 nach Verlängerung durch und zog in den Viertelfinal ein.
Im Viertelfinal ging es für Südkorea dann gegen Spanien. Auch in diesem Spiel profitierten die Gastgeber enorm von den Entscheidungen des Unparteiischen. Zunächst wurde den Spaniern ein Treffer wegen eines vermeintlichen Foulspiels aberkannt. In der Verlängerung sah der Schiedsrichterassistent dann den Ball vor einer Joaquin-Flanke auf Morientes im Aus und gab auch diesen Treffer nicht. So kam es, wie es kommen musste: Die Südkoreaner gewannen schliesslich im Elfmeterschiessen und zogen in den Halbfinal ein.
Mexiko wäre im Gruppenspiel der WM 2014 gegen Kamerun beinahe um einen hochverdienten Sieg gebracht worden. Gleich zwei reguläre Treffer des mexikanischen Angreifers Giovani dos Santos wurden wegen angeblicher Offsides zu Unrecht aberkannt.
Zum Glück für Mexiko traf Oribe Peralta in der zweiten Halbzeit noch und führte die Mexikaner zum verdienten 1:0-Sieg. Das kolumbianische Schiedsrichtergespann um Wilmar Roldan Perez und seinen Assistenten wurde nach dem Spiel von der FIFA nach Hause geschickt.