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Der Oktober ist der einzige Monat mit einem „Feiertag“, an dem die Menschen ermutigt werden, sich zu verkleiden, sich gegenseitig zu erschrecken und Süßigkeiten unter Androhung von Unheil zu erpressen.
Auch im Finanzbereich hat der Oktober einen besonderen Stellenwert: Er ist einer der gefürchtetsten Monate im Finanzkalender. Schauen wir uns an, ob diese Angst berechtigt ist oder nicht und ob sich aus dieser Angst Profit schlagen lässt.
Historischer Rückblick: Die schlechten Oktober Monate erstrecken sich über mehr als 100 Jahre
Die historischen Renditen im Oktober sind zum größten Teil auf Augenhöhe mit anderen Monaten, aber der Oktober hat sich in der Vergangenheit als einer der volatilsten Monate erwiesen.
Im Oktober 1907 drohte die Wall Street in Panik zu geraten, vor allem aufgrund von Androhungen von Maßnahmen gegen Trusts und sinkender Kredite. Es gab damals heftige Panikverkäufe an der Börse.
Der Börsencrash von 1929 (bekannt als „Schwarzer Donnerstag“) geschah am 24. Oktober, der „Schwarze Montag“ ereignete sich am 19. Oktober 1987. Der Monat war an den Märkten ebenfalls im Jahr 1997 (asiatische Krise), im Jahr 2002 (Dotcom Blase) und im Jahr 2008 (Finanzkrise) dramatisch.
Obwohl diese Krisen ihren Ursprung in den Monaten vor Oktober fanden, haben sie sich in diesem spezifischen Monat stark auf die Finanzmärkte ausgewirkt.
Der Oktober gehört also auf dem ersten Blick zu den Monaten, in denen man einen „bärischen“ Ansatz wagen könnte.
Tradeideen mit Optionen, um von einem fallenden Markt zu profitieren
Die Frage ist also nicht, ob, sondern wie man von einem fallenden Markt profitieren könnte.
Wir werden uns 2 mögliche Tradeideen anschauen. Die eine ist ein Long Put auf einen der bekanntesten S&P500 ETF (US Ticker: SPY). Die andere ist ein Bear Put Spread, ebenfalls auf diesen S&P500 ETF.
Der S&P500 ist der amerikanische Leitindex und, viel mehr als der Dow Jones, der Taktgeber für die weltweiten Märkte. Geht der S&P500 runter, wird sich kaum ein großer Index in der Finanzwelt dagegen stemmen können.
Der Verlauf des S&P500 (US Ticker: SPY) über ein Jahr
Der SPY hat seit seinem Hoch am 19. September 2019 den Rückwärtsgang eingelegt. Wir gestalten beide Strategien unter der Annahme, dass der Markt in den kommenden Wochen fallen könnte. Es handelt sich hier um spekulative Tradeideen, mit einem sehr kurzfristigen Ausblick.
Das Prinzip des Long Puts
Der Long Put ist der einfache Kauf einer Put Option. Mit einer Put Option profitieren Sie überproportional, wenn der zugrunde liegende Basiswert (zum Beispiel der S&P500 Index) fällt. Als Put Käufer haben Sie das Recht, aber nicht die Verpflichtung, den Basiswert zu einem bestimmten Preis (dem Basispreis) am oder vor dem Verfallsdatum der Option zu verkaufen.
Wenn Sie zum Beispiel einen Put mit Basispreis 50$ zu 2$ kaufen (200$ für 1 Optionen-Kontrakt), und der Basiswert am Ende der Laufzeit des Puts bei 46$ notiert, ist Ihr Put dann 4$ (400$ für 1 Kontrakt) wert. Sie realisieren in diesem Beispiel 100% Gewinn mit einem Basiswert, der um 8% gefallen ist.
Das Verlust-Risiko ist auf die Kosten des Puts, also auf den Einsatz, begrenzt.
Das Prinzip des Bear Put Spreads
Der Begriff „Bear“ ist immer Programm: Wenn Sie Optionen-Kombinationen kaufen, die das Wort „Bear“ enthalten, setzen Sie auf den fallenden Kurs des zugrunde liegenden Basiswertes.
In einem Bear Put Spread handeln Sie 2 Put Optionen mit unterschiedlichen Basispreisen, aber mit gleichem Verfallsdatum (solch eine Optionen-Kombination gehört zu der Familie der sogenannten Vertical Spreads). Dabei kaufen Sie eine Put Option und verkaufen gleichzeitig eine andere Put Option mit einem niedrigeren Basispreis.
Dabei müssen Sie nicht die Optionen einzeln handeln. Sie können die ganze Kombination zum Beispiel im Rahmen einer einzigen Transaktion kaufen. Dazu eignet sich unteren anderem der OptionTrader in Ihrer LYNX Handelsplattform. Welche Vorteile Optionskombinationen gegenüber einfache Optionen haben, lesen Sie in unserem Artikel „Vergleich: Optionskombinationen gegen einfache Optionen“
Der maximale Verlust bei einem Bear Put Spread entsteht, wenn der Basiswert am Ende der Laufzeit über dem höheren Basispreis notiert, ist aber wie bei dem Long Put auf den Einsatz begrenzt.
Der maximale Gewinn wird realisiert, wenn der Basiswert den niedrigeren Basispreis unterschreitet. Dieser maximale Gewinn ist begrenzt.
Angenommen Sie würden einen Put mit Basispreis 50$ für 3,50$ (350$ je Kontrakt) kaufen und einen Put mit Basispreis 45$ für 1$ (100$ je Kontrakt) verkaufen. Die Kosten für diese Optionen-Kombination würden sich entsprechend auf 250$ belaufen.
Wenn der Basiswert zum Verfallsdatum unter 45$ notiert, sind beide Put Option im Geld. Sie könnten mit dem gekauften Put von Ihrem Recht Gebrauch machen, den Basiswert zu 50$ zu verkaufen. Mit dem verkauften Put mit Basispreis 45$ sind Sie dann in der Verpflichtung, den Basiswert zu 45$ zu kaufen. Die Abwicklung dieser Ausübungen erfolgt in der Regel automatisch. Je Kontrakt entsteht demnach ein Brutto-Gewinn von 500$: Das ist der Unterschied zwischen den Basispreisen, mal 100. Nach Abzug der Kosten von 250$ für den Kauf der Optionen-Kombination bleibt Ihnen ein Netto-Gewinn von 250$.
Auch mit diesem Trade würden Sie einen Gewinn von 100% erzielen.
Konkrete Optionen Tradeideen auf den SPY
Als dieser Artikel verfasst wurde, notierte der SPY bei ca. 293$. Alle nachfolgenden Zahlen und Werte dienen nur als Beispiel und sind nur Moment-Aufnahmen, denn die Kurse der vorgestellten Optionen ändern sich im Sekunden-Takt.
Der Bear Put Spread auf den SPY mit folgenden Optionen wäre eine Möglichkeit, um auf einen fallenden Index zu setzen:
- Long Put mit Basispreis 299$ und einer Laufzeit bis zum 1. November 2019
- Short Put mit Basispreis 292$ und einer Laufzeit bis zum 1. November 2019
- Kosten (Einsatz) für diesen Bear Put Spread: ca. 320$
Wenn der SPY am Ende der Laufzeit am 1. November 2019 unter 292$ notiert, wird folgender Gewinn realisiert:
Gewinn = (Differenz zwischen den Basispreisen) x 100 – Einsatz
= (299$ – 292$) x 100 – 320$ = 380$
Dieser Gewinn entspricht einer Rendite von 118,75%. Bei einem SPY Kurs um die 293$ wäre ein Rückgang des Basiswertes von 0,35% ausreichend, um diesen Gewinn mitzunehmen.
Die Gewinnwahrscheinlichkeit von diesem Trade liegt bei ca. 58%. Das bedeutet, dass es eine Wahrscheinlichkeit von 58% gibt, dass Sie mindestens 0,01$ mit diesem Trade verdienen.
Die Gewinnschwelle liegt bei 295,20$. Mit anderen Worten: Wenn der SPY am Verfallsdatum der Optionen unter 295,20$ notiert, machen Sie mit dem vorgestellten Beispiel auf jeden Fall einen Gewinn.
Vergleichen wir diesen Bear Put Spread mit dem einfachen Kauf der Put Option mit Basispreis 292$ und Laufzeit 1. November 2019. Dieser Put würde Sie ca. 4,50$ (450$ je Kontrakt) kosten.
Ein Vorteil von dem einfachen Put ist, dass der mögliche Gewinn unbegrenzt ist. Sollte der SPY zum Verfallsdatum des Puts auf beispielsweise 275$ gefallen sein, wäre dieser Put 17$ (1.700$ je Kontrakt) wert. Das wäre ein Gewinn von ca. 278%. Mit dem Bear Put Spread würde der Gewinn die Marke von 380$ nie überschreiten, egal wie tief der SPY fallen würde.
Ein Long Put profitiert nicht nur von einem fallenden Aktienkurs, er gewinnt ebenfalls an Wert, wenn die implizite Volatilität steigt. Da die implizite Volatilität steigt, wenn die Aktienkurse fallen, profitiert der Put doppelt: Er verteuert sich durch die erhöhte Volatilität und durch den Fall des Aktienkurses. Mehr Informationen über den Einfluss der Volatilität auf den Preis von Optionen finden Sie in unserem Artikel „Werden Sie mithilfe der Volatilität zum Profi-Trader“.
Die Nachteile des einfachen Puts sind allerdings nicht zu vernachlässigen. Der SPY müsste auf mindestens 287,50$ fallen, um den Einsatz von 450$ für die Optionen-Kombination wettzumachen. Der maximale Verlust wäre um 40% höher als mit dem Bear Put Spread (450$ gegen 320$), wenn die Strategie nicht aufgeht.
Die Gewinnwahrscheinlichkeit von diesem Long Put liegt bei schätzungsweise 32%, ist also deutlich niedriger als bei dem Bear Put Spread.
Wenn Sie also davon ausgehen, dass die Märkte kurzfristig sehr tief fallen könnten, ist der Long Put eine mögliche Spekulations-Möglichkeit. Wenn Sie allerdings nur mit einem kleinen Rückgang rechnen, wäre ein Bear Put Spread eine Strategie, die in Betracht gezogen werden kann.
Fazit: Die statistisch bessere Variante bevorzugen
Im Börsenhandel allgemein und im Optionshandel ganz besonders ist es sehr wichtig, sich einen statistischen Vorteil zu verschaffen. Wenn Sie eine Annahme über eine Kursrichtung getroffen haben und mehrere Strategien auf Lager haben, um diese Annahme in Trades zu verwandeln, ist es ratsam, die Strategie zu wählen, die die besten Erfolgsaussichten hat.
In der Regel wird es dann so sein, dass zwischen einer einfachen Option und einer Optionen-Kombination, die Optionen-Kombination die Oberhand gewinnt.
Die hier vorgestellten Tradeideen dienen dazu, Möglichkeiten aufzuzeigen, um von einem eventuellen fallenden Markt zu profitieren. Ob der Kursrutsch im Oktober, im November oder erst im März nächstes Jahr passiert, spielt keine Rolle, man muss nur die passenden Optionen wählen.
Dass der Oktober ein schlechter Monat für die Märkte sein soll, bleibt eher ein Mythos, auch wenn es in der Börsengeschichte tatsächlich dramatische Ereignisse im Oktober gab. Wäre ein Kursrutsch jedes Jahr im Oktober absolut sicher, würde jeder aus diesem Phänomen Profit schlagen können. Dem ist aber nicht so.
Halten Sie dementsprechend immer das Risiko im Blick, auch wenn Sie auf fallende Märkte setzen. Eine kleine unerwartete Rallye kann schnell zum Verlust des Einsatzes führen. Die Tatsache, dass das Verlust-Risiko bei den vorgestellten Optionen-Strategien begrenzt ist, kann verführerisch sein. Nach dem Motto „ich kann ja nicht mehr verlieren als meinen Einsatz“, kann manch ein Anleger schnell übermutig werden. Auch ein verlorener begrenzter Einsatz ist und bleibt ein Verlust. Achten Sie also immer darauf, dass die Gewinnwahrscheinlichkeiten auf Ihrer Seite sind.
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