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(Monte) (Kt. Wallis,
Bez. Visp).
Früher Mons Martis und Maggana Berg, sowie heute zuweilen noch Macugnaga Berg geheissen. 2862 m.
Passübergang, zwischen dem St. Joderhorn und dem Monte Moro und hinten über dem Saasthal. Verbindet Saas Grund mit Macugnaga;
Saas Grund-Mattmarksee-Passhöhe 5¼ Stunden, Abstieg nach dem Dorf Macugnaga im Anzascathal 2 ¼ Stunden.
Die Geschichte des einst sehr bedeutenden Passes ist eng mit derjenigen des Saas- und Anzascathales verknüpft, welch' beide
er als bequemer Uebergang direkt miteinander verbindet. Nach dem anscheinend arabischen Ursprung verschiedener Ortsnamen im
Saasthal (besonders auch des Namens Monte Moro selbst) hat man früher vermutet, dass hier einst die Sarazenen
gehaust hätten.
Dieser Ansicht ist z. B. schon 1840 Moriz Engelhardt gewesen. Heute hat jedoch das aufmerksame Studium dieser Ortsnamen,
ihrer etymologischen Bedeutung und der einschlägigen Urkunden die Unhaltbarkeit dieser Hypothese ergeben. Sie wird besonders
von Dr. Dübi, Rev. W. A. B. Coolidge, Pfarrer L.
Iselin und Prof. Richter energisch bestritten. Sicher
ist dagegen, dass das Saasthal im Jahr 1250 von italienisch sprechenden Leuten aus dem Val d'Anzasca kolonisiert worden ist.
Man hat dafür deutliche Belege beibringen können, obwohl die zu Ende des 14. Jahrhunderts einsetzende Besiedelung der Visperthäler
durch deutsche Oberwalliser die Spuren dieser frühern Kolonisation fast völlig verwischt hat. Die als arabischen Ursprunges
gedeuteten Ortsnamen scheinen nun viel eher germanisierte italienische Bezeichnungen zu sein, wie man deren im Anzasca-,
Sesia- und Gressoneythal noch viele andere findet. Vergl. dazu auch den Art. Mischabelhœrner.
Die Anwesenheit von italienischen Kolonen im Saasthal 1250 und von Wallisern in Macugnaga 1262 und 1291 zeigt,
dass der Monte Moro damals schon begangen war. Man kann sogar versichern, dass er bereits lange vor dem 13. Jahrhundert benutzt
worden ist. Der Historiker de Gingins wollte eine erste urkundliche Angabe über diesen Pass aus dem Jahr 1291 festgestellt
haben; doch wird er sicher und deutlich erst in einer Urkunde aus 1403 genannt, in welcher sich die beidseitigen Thalleute
verpflichten, je auf ihrer Seite den über ihn führenden Weg auszubessern. 1410 fielen die Walliser in feindlicher Absicht
über den Monte Moro ins Anzascathal ein, wurden aber bei Vanzone geschlagen. Im 15. und 16. Jahrhundert
wurde der Pass häufig von Pilgern begangen, die aus dem Wallis
nach Varallo am untern Ende des Sesiathales wallfahrteten.
Dann geriet der Monte Moro gleich seinen Nachbarn Mondelli- und Antronapass für lange Zeit in Vergessenheit, da die Eröffnung
der Simplonstrasse den einstigen Warenverkehr durch das Saasthal unterband. Erst in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts machten die Pioniere der Alpenforschung die Touristen wieder auf ihn aufmerksam. Heute wird er von Freunden
einer schönen Bergwanderung, die sich durch einen langen Marsch und einige besonders bei Neuschnee von 2500 m Höhe an sich
bietenden Mühseligkeiten nicht abschrecken lassen, ziemlich oft begangen.
Man pflegt dabei im kleinen Gasthof Mattmark zu übernachten. Von da an führt der Weg zunächst über die magere Distelalp
und einige Schneefelder bis zum kleinen Thäligletscher, worauf man in die rechtsseitige Felswand einsteigt, in der noch einige
oft überschneite Reste eines alten gepflasterten Weges sichtbar sind, und dann über einen leicht zu
begehenden Schneehang die Passhöhe erreicht. Hier zeigt sich vor dem Wanderer mit einem Mal das unvergleichliche Massiv
des Monte Rosa, dessen von erschreckenden Rissen durchfurchte und mit ganzen Eiskatarakten bepanzerte Felshänge mehr als 3000 m
tief nach Macugnaga abfallen. Es ist dies eine der schönsten Ueberraschungen, die die Schweizer Alpen
dem Touristen bieten können.
Nach rückwärts umfasst der Blick die verschiedenen Gipfel des Saasgrates und der Mischabelhörner, unter denen besonders
der prachtvolle Dom hervorragt. Für weitere historische und topographische Einzelheiten vergl. Saas Fee und Umgebung von Dr.
Dübi (Bern
1902) und die von W. A. B. Coolidge 1904 neu herausgegebene und kommentierte Descriptio Vallesiae
des alten Josias Simler, sowie auch die von Dübi in seiner eben genannten Arbeit zusammengestellte bibliographische Liste.