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Nachlass Hans Fischli
Als Architekt, Maler, Bildhauer und Lehrer verkörpert Hans Fischli (1909–89) den vom Bauhaus-Geist durchdrungenen, umfassenden Gestalter. Ausgehend von einem Studienjahr in Dessau (1928–29), wo ihn Joseph Albers' und Paul Klees Unterricht prägt, tritt er in Kontakt mit Otto Meyer-Amden. 1931 lädt Fischli zur ersten Atelierausstellung seiner Zeichnungen in Zürich. Ausserdem arbeitet er für die jungen Architekten Rudolf Steiger und Carl Hubacher und nimmt den Bau eines Atelier-Wohnhauses für seinen Vater in Meilen am Zürichsee in Angriff. Das Haus «Schlehstud» macht Fischli bekannt und führt zur Gründung eines eigenen Architekturbüros. Ab 1936 assistiert er dem Chefarchitekten der Schweizerischen Landesausstellung, Hans Hofmann, und baut ein Haus für Oskar Schlemmer. Ob als Ausstellungsgestalter, Mitglied der Künstlergruppen «Abstraction-Création» und «Allianz» oder als Direktor der Zürcher Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums (1954–61) – Fischli erlangt breites Ansehen. Sein gleichermassen ästhetisches, pädagogisches wie sozialpolitisches Engagement ist dafür entscheidend und zeigt sich in Bauten wie dem Kinderparadies der «Landi» (1939), der Arbeitersiedlung Gwad (1943–44) oder dem Pestalozzi-Kinderdorf in Trogen (1945–49), aber auch in zahlreichen Dankesbriefen seiner Schüler.
Mitte der 1980er-Jahre schenkt Hans Fischli dem Archiv von SIK-ISEA die Dokumente seines vielseitigen Schaffens. Darin enthaltene Pläne seiner sozial und funktional differenzierten Wohnbauten markieren eine eigenständige Position im Siedlungsdiskurs der Nachkriegszeit, dazu kommen wenig diskutierte Entwürfe eines Zürcher Jugendhauses (1947–60) oder seiner Industriebauten. Anhand einer umfangreichen Fotodokumentation sowie der Korrespondenz mit Künstlerfreunden wie Max Bill, Hans Erni oder Hans Aeschbacher lässt sich die Entwicklung vom organisch-abstrakten Zeichner zum geometrisch-experimentellen Maler ebenso nachvollziehen wie das Anliegen der Materialgerechtigkeit in seinem plastischen Spätwerk. Aus Schulrapporten oder dem «Programm für Mo - Di - Mi» erschliesst sich überdies Fischlis Vision der Kunstgewerbeschule als einer Berufsschule mit Fokus auf die Erziehung zum gestalterischen Werk als subjektiver Leistung. In den Forderungen nach Strenge und Sachlichkeit distanziert er sich ausserdem vom Kunsthandwerk und verdeutlicht damit die 1978 in seiner Autobiografie «Rapport» publizierten Selbsteinschätzungen.
Handschriftlicher Brief von Otto Meyer-Amden an Hans Fischli, Zürich, 11.10.1930
Weitere Dokumente aus dem Nachlass Hans Fischli
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Gabrielle Schaad, lic. phil., Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 11.10.2010