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Ab 1967 war Konsolidierung angesagt. Der OVM spielte in Heimen, an Einweihungsfeiern und ähnlichen Anlässen. Doch schon ab dem Jahr 1969 wurde auch wieder regelmässig ein öffentliches Konzert im Singsaal des Allmend-Schulhauses durchgeführt. Und, Freude herrschte, der Gemeinderat rang sich dazu durch, ab dem Jahr 1968 jährlich 500 Franken zu «spendieren».
Die Stimmung war so gut, dass man zum Anlass des 75-jährigen Bestehens eine zweitägige Orchesterreise in den Jura unternahm. Im Jahr 1973 beschloss der Gemeinderat, den jährlichen Beitrag von 500 auf 1000 Franken zu erhöhen. Mit Antonia Dressel erhielt der OVM eine neue Präsidentin und überzeugte mit einem tollen Konzert mit den beiden versierten Flötistinnen Anne Utagawa und Dominique Hunziker. Doch man soll nicht übermütig werden!
Im Orchester wurde kontrovers darüber diskutiert, ob man pro Jahr zwei Konzerte durchführen sollte. Der Dirigent war darüber gar nicht erfreut, denn die Probendisziplin war eher undiszipliniert. Es wurden viele Briefe geschrieben, die hier besser nicht abgedruckt werden (die Briefpost muss dank dem OVM ein gutes Jahr gehabt haben!) Der folgende Briefausschnitt zeigt, dass es schliesslich aber doch mit einem Happy End ausging, wenngleich der Dirigent den Hut nahm.
«Es waren einmal ein Dirigent und eine Geigerin. Die waren sich über eine bestimmte Sache sehr uneinig, so dass sie sich kränkte und er sich ärgerte. Weil sich die beiden aber im Grunde recht gerne mochten, liess ihnen dieser Zustand keine Ruhe. Sie griffen sofort zu Feder und Schreibmaschine und wechselten miteinander in 3 Tagen 4 lange Briefe. Darauf waren sie wieder glücklich und zufrieden, und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch. Das Beste daran ist, dass dieses kleine Märchen wahr wurde, anfangs Februar 1974 im Orchesterverein Meilen!»
Mit Hans Gyr, der 1974 den Dirigentenstab vom langjährigen Vorgänger W. Wetter übernahm, beginnt der Weg vom Kammer- zum Sinfonieorchester. Der Vorstand stellte mit Überraschung und grosser Befriedigung fest: «Mit unserer bisherigen finanziellen Regelung erklärt sich Herr Gyr einverstanden, fordert aber im gleichen Atemzug eine längere Probendauer, nämlich von 20 bis 22h»
Peter Hübner übernahm von Antonia Dressel das Präsidentenamt. Als Basis für einen vielversprechenden Neustart wurden Bläser fest ins Orchester integriert und so die Entwicklung zu einem Sinfonieorchester eingeleitet.
Ein Logo, das heute noch verwendet wird
1976: Herr Walter Winter schafft für den OVM ein neues Signet, das grossen Anklang findet. Als Anerkennung wünscht sich Herr Winter lediglich bis ans Lebensende freien Eintritt zu den Konzerten des OVM, was ihm natürlich gerne gewährt wurde. Das Signet stilisiert die zwei Buchstaben VM und stellt gleichzeitig den Dirigenten (das O) im Kreis des Orchesters dar. Es wird bis heute als Signet für das Sinfonie Orchester Meilen verwendet, wenn auch die Buchstaben nun nicht mehr stimmen!
Mit der Serenade im «Mariafeld» wurde 1977 eine seit Jahren vergessene Tradition wieder reaktiviert, lebhaft unterstützt durch Dr. Jürg Wille. Sein Aufruf zur Kollekte bleibt unvergesslich: «Der Herrgott sieht nicht nur, was ihr ins Körbli legt, sondern auch, was ihr noch nach Hause tragt!»
1978: Im letzten Jahr wurde ein Defizit von Fr. 1'000.– «erwirtschaftet». Der Gemeinderat wurde erfolglos um eine Erhöhung des Gemeindebeitrages von 2'000 auf 3'000 Franken gebeten. Es wurde intensiv darüber diskutiert, ob man nicht eher leichtere Werke auswählen sollte, da zumindest einige Mitglieder sich überfordert fühlten. Schliesslich einigt man sich, eher anspruchsvollere Musik zu wählen.
1979: An der GV konnte berichtet werden, dass eine spezielle Werbeaktion einen Betrag von stolzen Fr. 2'500.– eingebracht habe. Ein Dauerthema blieb die Probendisziplin, am Konzert in Oetwil fehlte unentschuldigt ausgerechnet ein wichtiger Bläser. Trotz dieser «Trübungen» im Orchesterleben brachte der OVM, zusammen mit dem Sängerverein Obermeilen und dem Männerchor Heerbrugg, im Herbstkonzert die eher selten aufgeführte Alt-Rhapsodie von Brahms zur Aufführung, was grosse Begeisterung auslöste.
Gesuche an den Gemeinderat
1980: Der Gemeinderat wurde erneut um ein Erhöhung des jährlichen Beitrag von 2'000 Fr. angefragt. Der OVM erhielt diesmal die freudige Botschaft, dass der Beitrag auf 3'000 Fr. erhöht werde.
1982: Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Man war mit dem ungewohnten «Problem» konfrontiert, wie man mit einem Rechnungsüberschuss, das Vermögen war auf Fr. 7'430.68 angewachsen, umgehen sollte.
1983: Der Bestand ist auf 33 aktive und 197 passive Mitglieder angewachsen. Der Gemeinderat Uetikon bedankte sich für ein schönes Konzert unter seinem Patronat, das allerdings schlecht besucht war. Den Grund hierfür sah er im reichen musikalischen Angebot der Kirchenpflege, weshalb der GR um Verständnis bat, wenn er in Zukunft auf die Mitwirkung des OVM verzichten würde.
Am 18. März 1985 wurde Robert Lüthi, Solobratschist im Tonhalleorchester, als neuer Dirigent gewählt. Auf die Stellenausschreibung hatten sich 18 Anwärter gemeldet! Die Serenade im Mariafeld war zwar offensichtlich (noch) nicht so recht geglückt, zumindest, wenn man die Zeitungskritik liest. Da war viel von Unreinheiten und Überforderung eines Laienorchesters die Rede. Es gab offensichtlich viel zu tun für den neuen Dirigenten! Doch seine Arbeit zeigte Früchte, denn die Kritik des Novemberkonzertes fiel schon wesentlich positiver aus, wenn auch bemerkt wurde, es würde dem Orchester gut anstehen, wenn es um einige gute Geiger reicher wäre. Offenbar gelang dies: Der Rezensent der Serenade 86 schrieb, er könne sich nicht erinnern, die Violinen je so homogen und wie aus einem Guss gehört zu haben.
Der OVM stellte mal wieder einen Antrag an den Gemeinderat, den jährlichen Beitrag zu erhöhen, und zwar von 3'000 auf 4'500 Franken. Der Antrag wurde mit Wirkung auf das Jahr 1987 bewilligt.
Robert Lüthi leitete nebst dem OVM auch das Orchester Wallisellen. Was lag näher, als dass die beiden Orchester zusammen in der Kirche Meilen ein Konzert gaben und damit rund 40 Musikerinnen auf die Bühne brachten? Dabei wurde auch die Ur-Aufführung der Sinfonietta des Walliseller Pfarrers Rudolf Constam dargeboten.
1988: Lisbeth Beer übernahm neu das Amt als Präsidentin des OVM. Der OVM spielte auf Einladung des Kammerorchesters Männedorf/Küsnacht und erhielt dafür von der Gemeinde Küsnacht Fr. 4'000.– inkl. Honorar für die beiden Solisten.
1989: Erstes gemeinsames Konzert mit dem Cäcilienchor im Rahmen der Fyrabig-Musig. Ganz erfreuliche Nachricht kam vom Meilemer Gemeinderat. Er erhöhte seinen jährlichen Beitrag von 4’500.– auf 7'000.– Franken! Beiträge von Passivmitgliedern machten Fr. 5'200.– aus, jene der Aktivmitglieder Fr. 2'100.–. Freudige News kommen aus der Politik.
Der Fagottist wird Gemeindepräsident
Fagottist Walter Landis wurde Gemeindepräsident! Die Qualität des Orchesters unter R. Lüthi wurde gewürdigt. In der Zürichseezeitung in der Kritik des Herbstkonzertes wurde festgehalten: «So schön habe ich dieses Orchester noch nie spielen gehört.»
Im Hinblick auf das kommende Jubiläumsjahr wurde an Carl Rütti ein Kompositionsauftrag über die Höhe von Fr. 8’000.– vergeben. Als Anlass zum Jubiläumsjahr wurde in der Gemeinde Bauen (Glarus), mit der die Gemeinde Meilen freundschaftliche Bande verbinden, ein Jubiläumskonzert gegeben. Die Gemeinde spendierte einen Jubiläumsbeitrag, und die Mitglieder verdoppelten für dieses Jahr ihren Beitrag auf Fr. 240.–. Am Jubiläumskonzert wurde als Mittelpunkt das Auftragswerk von Carl Rütti, «Panta Rhei», uraufgeführt. Aber es wurde auch heftig über die Zukunft des Orchesters diskutiert.
«Soll es ein JEKAMI-Verein sein mit Schwergewicht lockeres Musizieren und fröhliches Zusammensein, oder will man an öffentlichen Konzerten dem Publikum einen Musikgenuss vermitteln.» Schliesslich entschied man sich für die zweite, zukunftsträchtigere Variante.
Aufbauarbeit mit dem neuen Dirigenten Kemal Akçag
In einer ausserordentlichen GV wurde auf Beginn des Jahres 1995 Kemal Akçag als neuer Dirigent für den altershalber zurücktretenden Robert Lüthi mit 26 Stimmen bei 2 Enthaltungen gewählt. «Mit dem neuen Dirigenten, Kemal Akçag, ist gewährleistet, dass die erfolgreiche Aufbauarbeit von Robert Lüthi nahtlos weitergeführt wird.»
Was die damaligen Chronisten noch nicht wissen konnten: dass die Ära Akçag die längste in der Geschichte des Orchesters werden würde, und dass sie das Sinfonie Orchester Meilen zu DEM klassischen Orchester der Region machen werde.
Damit beschliessen wir diesen historischen Rückblick – mehr über die Ära Akçag ab 1995 werden wir 2020 berichten, denn dann wird er das Orchester seit 25 Jahren geleitet haben, Anlass genug, dann nochmals in die neueren Annalen zurückzublicken.