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tierende in den Vorstädten, damit die Stadt in Ruhe sei. Und eine solche ruhige Stadt war Ulm, immer voll von Edlen; außen ringsum mit lärmenden Vorstädten versehen, (pag. 22) und an sich zwar klein, aber groß durch seine Vorstädte. Auch waren zur Zeit dieses Zustandes der Stadt weder in der Stadt noch in den Vorstädten weder Prediger noch Minoriten noch Deutschherrn noch regulierte Canoniker, die alle erst nach der Erweiterung der Stadt kamen, wie sich zeigen wird.
Es war jedoch, wie gesagt, eine sehr kostbare und sehr alte Pfarrkirche zu Allerheiligen im Jahr 600 der Menschwerdung des Herrn erbaut worden, zu den Zeiten des hl. Gregorius, 1) des großen Papstes und des Kaisers Phokas 2) vor Heraklius 3) und vor dem verfluchten Machomet. Auch hierin zeigt sich das Alter der Stadt Ulm, daß sie nicht nur durch ihre Gründung alt war, sondern auch durch die Aufnahme des katholischen Glaubens. Die gewöhnliche Geschichte von Ulm sagt, daß diese Pfarrkirche aus behauenen Quadersteinen so kostbar war, daß alle, die sie sahen, staunten und die Leute von weit her kamen, um diesen herrlichen Bau zu sehen, weil nach dieser Kirche keine zweite in ganz Schwaben gefunden wurde; denn zu jenen Zeiten waren selbst in Rom nur niedrige Kirchlein. Es waren nämlich die Ulmer Bürger reich und prachtliebend und hielten sich sehr gut gegenüber dem Göttlichen.
Kap. 2.
Wie Ulm dem Kloster Reichenau gegeben worden ist.
Unter der Regierung Karls des Großen im Jahr des Herrn 805, als er schon mehrere Klöster des Ordens des hl. Benedikt errichtet und Kollegiatkirchen gegründet und mit zeitlichen Gütern begabt hatte, wollte er, daß einige Äbte zur Zierde des Römischen Reiches geistliche Fürsten des Reiches seien und überließ ihnen zu dem Zweck die Berechtigung zu zeitlichen Gütern. Denn der prachtliebende und fromme Fürst hielt es für unpassend, daß das Reich Fürsten habe, die nur von Gold glänzen und nicht mehr mit dem Äußeren der heiligen Religion geschmückt seien. In früheren Jahren nun, nämlich im Jahr des Herrn 717 war der hl. Perminius in die Nähe von (Reichen-)Au gekommen und, da er es voll Schlangen und giftigen Tieren fand, so reinigte er es auf wunderbare Weife und gründete ein Kloster, aus dem er jedoch (pag. 23) später vertrieben wurde. Da aber Karl der Große sah, daß der Abt von Reichenau. arm sei und den Stand eines Fürsten nicht führen könne, so gab er ihm durch Schenkung seine Königstadt Ulm, indem er einen förmlichen Schenkungsbrief ausstellte, in welchem viele Fürsten des Reichs sich unterschrieben, und dieser Brief ist noch heute vorhanden. Mit dieser Tat aber wollte er einerseits das Kloster erhöhen, andererseits den Ulmer Bürgern zu Gefallen sein. Es waren aber zu damaliger Zeit in Au und in den übrigen Klöstern heilige Väter, sehr fromme Männer, denen die Adeligen, die Bürger und sonstige Weltliche
1) Geb. 540, +604.
2) Phokas, 602-610 byzantinischer Kaiser.
3) Heraklius 610-641. ¶
untertan zu sein wünschten, die sich um so glücklicher zu sein schätzten, je frommeren Männern sie untertan wären. Deshalb stellten Fürsten, Freiherrn, Grafen und Edle, sich und ihre Besitzungen freiwillig unter die Klöster und bedauerten sehr, wenn bei ihnen Hindernisse vorhanden waren, daß sie den Mönchen nicht gegeben werden konnten; delm bei den Verhandlungen und Tagsatzungen der Adeligen wurden diejenigen vor den andern geehrt, welche den Klöstern einverleibt waren.
Daher machte der Kaiser Karl sowohl zu Gunsten der Mönche als der Ulmer Bürger diese Schenkung. Und es ist möglich, daß die Ulmer Bürger ihn gebeten haben, irgend einem Kloster einverleibt zu werden zu größerem Ruhm für sich, und daß sie dem Abt mehr Recht gegen ihre Stadt übertragen haben, als der Kaiser ihm gegeben habe. Denn der Kaiser machte die Schenkung mit bestimmten Beschränkungen für den Abt. Die Bürger aber waren so der Religion ergeben, daß sie die Schenkung über die Grenzen und das Recht des Abtes ausdehnten; daher zog nicht nur die Zehenten alle und die Erstlingsgaben, die Zölle und Abgaben, das Umgeld und die Steuer der Abt ein, kleidete nicht nur den Stadtpfarrer ein und setzt den Schultheißen ein, sondern nahm auch das Kleinste in Empfang und übertrug auch unbedeutende Ämter.
Man sagt nämlich, der Abt habe die Schlüssel der Tore gehabt und haben ihre Bewachung nach seinem Belieben übertragen. So übertrugen auch die Hut des Viehs nicht die Ulmer, sondern der Abt, wem er wollte, und alle öffentlichen Ämter, große und kleine, hatte er zu übertragen, und es war kein Haus und kein Gärtlein, von dem er nicht die jährlichen Zinsen eingezogen hätte. Delm immer waren einige sechs oder sieben Mönche von (Reichen-)Au in Ulm und wohnten in dem Haus, in dem nun der Bürgermeister Magnus Kraft sich aufhält, und hielten ihren Gottesdienst in der Kapelle des heiligen Ägidius (pag. 24). Denn jener ganze Hof mit dem Platz, den man Grienhof nennt, gehörte den Mönchen zu, und es waren damals kehle Häuser daselbst, wie jetzt, außer dem vorher genannten Hause der (Prediger) Mönche und dem Hause des heiligen Nicolaus, das sie aus den stärksten Mauern bauten und dessen Fenster und Öffnungen sie mit eisernen Türen verrammelten wegen der daselbst aufgeäuften Schätze und zum Schutz bei Aufständen der Bürger gegen sie.
Daher war der Hof oder Platz, der Grienhof genannt, ein Zwinger oder Lustgarten der Mönche, wie er auch den Namen behielt, und das Haus des Wilhelm Lew war eine Scheuer, wovon nämlich ein Teil von Stein war, ein angebauter Teil aber nicht, wie auch das Haus von Nikolaus Besserer und das Haus des Abts von Ochsenhausen und das des Mathäus Rem, auch das Haus des sogenannten Ferwers und das an den Turm und den Hof des heiligen Nikolaus 1) angebaute Haus nicht von Stein waren; aber breit und anmutig war der Platz der Mönche, und so stand die Sache lange Zeit.
Aber nicht nur die Mönche von Au, sondern auch die Cisterzienser Mönche von Bebahusen bei Tübingen herrschten in Ulm mit großen Privilegien, weshalb sie ein kleines Kloster in der Stadt bauten, nämlich die Kirche des heiligen Georg, mit der sie Wohnungen verbanden zum Aufenthalt der Mönche, und sie hatten daselbst einen großen Raum, weil weder die Kirche der heiligen Jungfrau noch ein Kirchhof da war, noch das Tanzhaus, 2) noch die Kramläden. In diesem Kloster hatten sie einen großen Keller, in den sie viel Wein legten, und immer
1) S. Verhandlungen des Altertumsvereins in Ulm. Neue Reihe I, S. 41.
2) Veesenm.: das heutige Schuhhaus. ¶