Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03338.jsonl.gz/660

Mehr als 500 Jahre Wallfahrtsort Maria Bildstein
Im Kanton St. Gallen befindet sich in der Nähe von Benken, auf dem Benkner Büchel, der Marienwallfahrtsort Maria Bildstein. Sein Ursprung reicht über 500 Jahre zurück.
Der Ort ist weitläufig und umfasst neben der Wallfahrtskirche einen Bilderhort, verschiedene Grotten und Kapellen und das bewohnte Priesterhaus.
Die Geschichte von Maria Bildstein
Über die Gründung des Wallfahrtsortes gibt es Vermutungen, aber keine gesicherten Überlieferungen. Es ist bekannt, dass Johann Heinrich Jud, der Meisterknecht des Damenstifts Schänis, im Jahre 1519 eine Marienstatue nach Benken auf den Benkner Büchel brachte. Möglicherweise wollte er diese der Heiligen Maria als Opfer darbringen. In der Region wütete die Pest und Maria galt als Schutzpatronin gegen die fürchterliche Krankheit.
Es kann aber auch so gewesen sein, dass er die Marienstatue, die er sehr verehrte, in Sicherheit wissen wollte. Damals, als die Reformationszeit begann, waren Marienverehrungen tabu. Im Herrschaftsgebiet des Damenstifts fand sie einen geschützten Platz.
Die Äbtissin des Stifts ordnete noch im selben Jahr an, für die Statue einen steinernen Bildstock zu errichten. Darauf zurückzuführen ist der Name des Wallfahrtortes: „Maria Bildstein“.
Die Witterung setzte im Laufe der Zeit der kleinen Marienstatue zu, sodass sie leider zerfiel. Daraufhin bekam der Bildstock eine neue Figur: Eine fromme Jungfrau aus Benken, Maria Anna Fäh, stiftete die Figur „Jesus an der Geisselsäule“. Zu dieser zog es viele Menschen aus der Linth Ebene, die Zuflucht vor dem 1750 grassierenden Sumpffieber nahmen. Da die Krankheit damals in der Region als „Gfrörer“ bezeichnet wurde, sprach man bald vom „Gfrörer-Chappeli“.
Der Kaplan von Benken, Alois Widmer, liess 1847/1848 eine kleine Kapelle in der Nähe des Bildstocks errichten. Diese wurde im September 1848 durch den ersten Bischof von St. Gallen geweiht und trug nun den Titel „Unserer Lieben Frau vom Siege“.
Maria Bildstein wird selbstständiger Wallfahrtsort
Dreissig Jahre später wurde mit dem Bau des Priesterhauses begonnen. 1879 gründeten der Besitzer der Liegenschaft Pilgerhaus Benken sowie die Pfarrer Martin Düggelin und Franz Anton Schättin die Aktiengesellschaft Maria Bildstein. Damit wurde Maria Bildstein von der Pfarrei Benken unabhängig und galt ab sofort als eigenständiger Wallfahrtsort. Der Erste Priester wurde Johann Rieser. Durch die Gründung der Aktiengesellschaft konnten mithilfe verschiedener Spendenaktionen in kürzester Zeit rund 50’000 Franken gesammelt werden. Das Geld wurde für den Neubau einer grösseren Kirche verwendet. Diese entstand in den Jahren 1881/1882 anstelle der kleinen Kapelle. Die Pläne für die neue Kirche mit Krypta stammten von dem Architekten Clemens Seiner aus dem Kanton Schwyz.
Die Grotten am Wallfahrtsort
Bis heute ist Maria von Bildstein ein einzigartiger Wallfahrtsort. Im Jahr 1884 begann der Wallfahrtspriester Dekan Johann Anton Hafner mit der Erstellung diverser Grotten. Bis zum heutigen Tag finden Sie in der nördlichen Schweiz keinen ähnlichen Wallfahrtsort: Die elf unterschiedlichen Grotten sind teilweise Heiligen geweiht. Andere stellen Szenen aus dem Leben Christi nach.
Viele Gläubige suchen zum Beispiel die Lourdes-Grotte auf und hoffen auf Fürbitte von Maria. Sie bringen hier Bitten, Nöte und Anliegen vor. Die Guthirt-Grotten zeigen, wie Jesus dem verlorenen Schaf nachgeht und das wiedergefundene Schaf nach Hause trägt.
Die hölzerne Meinradskapelle
Beeindruckend ist auch die kleine Meinradskapelle. Diese wurde ausschliesslich aus naturbelassenem Holz erbaut und integriert sich somit perfekt in den umliegenden Wald. Sie ist Meinrad von Einsiedeln gewidmet, einem Eremit, der wahrscheinlich im Jahre 797 bei Rottenburg in Baden-Württemberg geboren wurde und im Jahre 861 in Einsiedeln verstarb.
Zwei Urkunden aus den Jahren 741 und 744 bezeugen, dass auf dem Gebiet des heutigen Benken einst das Kloster Babinchova stand. Zwischen 824 uns 828 unterrichtete hier der Mönch Meinrad. Später zog er in den Wald, um das Kloster Maria Einsiedeln zu gründen. Es wird angenommen, dass die Grundmauern Babinchovas im Wald von Maria Bildstein zu finden sind. Deshalb wurde gemeinsam mit dem Kloster Einsiedeln die Mainradskapelle errichtet. Es ist bis heute jedoch nicht gelungen, den genauen Standort des Klosters Babinchova nachzuweisen.
Kreuzweg am Wallfahrtsort Maria Bildstein
Johann Anton Hafner veranlasste in 1880er Jahren die Schaffung eines Kreuzweges. Ein Kreuzweg ermöglicht, der Passionsgeschichte Jesu nachzuspüren. In de Regel verläuft ein solcher über 14 Stationen, an denen die die gläubigen Christen innehalten und Jesus durch Gebete, Gesang oder Texte gedenken. Der Stationenweg von Maria Bildstein besteht überwiegend aus Bildstöcken mit plastischen Figuren im Neorenaissance-Stil. Die Neorenaissance bezeichnet eine Richtung des Historismus, der im 19. Jahrhundert bekannt war.
Maria Bildstein im 20. Jahrhundert
Einen Aufschwung erfuhr der Wallfahrtsort in den 1930er Jahren. Zu dieser Zeit wurden hier jährlich Lourdes-Pilgertagungen durchgeführt, mit Krankensegnungen wie in Lourdes üblich. Im Juni 1958 wurde der Lourdes-Pilgerverein Maria Bildstein gegründet. Es fanden regelmässig Exerzitien Kurse und Tagungen statt. Maria Bildstein wurde im letzten Jahrhundert zudem für Trauungen rege gebucht.
Ebenfalls im 20. Jahrhundert entstand die neue und grössere Wallfahrtskirche. Mit der Planung wurde der Architekt Hans Burkhard aus St. Gallen beauftragt. Der Bau der Kirche dauerte zwei Jahre, 1965 und 1966. Die festliche Einweihung fand am 5. Juni 1966 statt.
Die im Wald liegende Wallfahrtskirche ist ein zweischiffiger Bau mit gedeckter Vorhalle. Der Glockenturm befindet sich seitlich des Gebäudes. Bemerkenswert ist der Hochaltar. Das Gnadenbild „Maria mit dem Kinde“ stammt aus spätgotischer Zeit und wurde zugekauft. Dagegen befindet sich die Holzstatuette «Christus an der Geiselsäule, welche im Seitenschiff ihren Platz fand, bereits seit 1740 in Maria Bildstein. Das Vesperbild stammt aus dem Jahre 1884. Ausserdem ist der ursprüngliche Bildstock von 1519 in der Wallfahrtskirche ausgestellt. Dabei handelt es sich um jenen Bildstock, der die Marienstatue enthielt, die dem Wallfahrtsort ihren Namen gab.
Interessant sind auch die Glasfenster in der Krypta, welche von Jost Blöchliger 1966 geschaffen wurde, ebenso die fünf abstrakten Glasfenster der Wallfahrtskirche. Die Glasgemälde enthalten verschiedene Symbole, wie den Morgenstern, als Wegweister in dunkler Nacht oder das Goldene Haus, welches Maria als kostbare Wohnung Gottes symbolisiert.
Die Bedeutung von Maria Bildstein
Als Pilgerstätte ist Maria Bildstein einzigartig und zählt zu den auffallendsten des 19. Jahrhunderts. Dies verdankt Sie den verschiedenen Kapellen und Grotten, die zahlreich in die Landschaft eingebettet wurden. Sie ist in der Region, aber auch überregional als Wallfahrtsort bekannt.
Das Amt für Kultur und Archäologie des Kantons St. Gallen hat Maria Bildstein als schützenswert eingestuft. Dies wird damit begründet, dass trotz mehrfachem Um- und Neubau der Wallfahrtskapelle Reste von vorgängigen Kapellen und Kirchen aus mehreren Jahrhunderten vorhanden sind. Diese dienen als wichtige Zeugen der Geistes- und Religionsgeschichte.
Der Wallfahrtsort Maria Bildstein heute
Im Priesterhaus leben derzeit die beiden Ingenbohler Schwestern Dominique Schweizer und Erasma Höfliger. Für Anliegen sind sie die Ansprechpersonen. Der Wallfahrtspriester ist Emmanuel Rutz OSB. Seelsorgerisch betreut wird Maria Bildstein durch die Benediktiner-Abtei St. Otmarsberg in Uznach. Es finden dreimal wöchentlich Rosenkranzgebete mit anschliessender Eucharistiefeier statt. Auch die Gottesdienste am Wochenende sind jeweils besucht.
Maria Bildstein ist ein religiöser Kraftort, ein Ort der Stille. Er spendet Hoffnung, gibt Mut und Kraft, dient der Einkehr und der Besinnung. Als Wallfahrtsort wird er von Pilgern und Pilgerinnen besucht. Aber auch Wanderer, Vereine und Familien kommen gerne hierher. Wer mehr über diesen einzigartigen Ort mit seiner langen Geschichte wissen möchte, hat die Möglichkeit, eine Führung zu buchen.
Kontakt:
Wallfahrtsamt
Maria Bildstein, Bildsteinstrasse 6, 8717 Benken SG
Telefon 055 283 12 42 oder per E-Mail
Wallfahrtspriester
Abt Emmanuel Rutz OSB, Abtei St. Otmarsberg, 8730 Uznach
Telefon 055 285 81 01 oder per E-Mail
Auf der Webseite finden Sie weitere Informationen, Bilder und Termine der Gottesdienste.
Titelbild: Sabine Itting
Ihr Kommentar zu: Mehr als 500 Jahre Wallfahrtsort Maria Bildstein
Für die Kommentare gilt die Netiquette! Erwünscht sind weder diskriminierende bzw. beleidigende Kommentare noch solche, die zur Platzierung von Werbelinks dienen. Die Agentur belmedia GmbH behält sich vor, Kommentare ggf. nicht zu veröffentlichen.