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Adelheid Blättler-Schmid
In den Tag hinein
erscheint im November 2015
Bevor er jeweils das Haus betritt, in dem er sein Nachtlager hat, wartet er noch einen Moment, schaut nach rechts und nach links. Und dann ist es ein bisschen wie Spiessrutenlaufen, bis er unbeschadet oben ist, in seinem Reich, lautlos die Türe im Dachstock geöffnet und wieder geschlossen hat. Bis er in der Dunkelheit, ohne zu stolpern, ohne sich den Kopf anzustossen bei seinem Estrichverschlag angelangt ist, den Eisenhaken an der Türe gelöst hat, sich zur Matratze hingeschlichen alles möglichst lautlos bis er daliegt, die Decke über sich ausgebreitet. Und dann könnte er eigentlich zufrieden sein. Aber er weiss nicht, ob er zufrieden ist. Er weiss nur, dass er lebt und das genügt.
Vom Hof her dringen ein paar verhaltene Geräusche zu ihm hinauf. Plötzlich vernimmt er synthetisch klingende chinesische Musik. Ein paar Häuser weiter schwatzen junge Leute in italienischer Sprache laut und übermütig durcheinander. Dann lachen sie. Und, vermutlich aus einem Fenster unten rechts, lässt jemand ein durchdringendes «Pschscht» vernehmen. Eine Frau lacht unbeherrscht weiter. Ein paar Sekunden später hört er ein Kind weinen. Bald darauf ist er eingeschlafen.
280 Seiten
ISBN 978-3-905110-35-7
CHF 29.
Edition Hartmann Biel
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