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Vom Wiener-Kongress bis zur Kantons-Gründung
- Am 20.März wird am Wiener Kongress Aesch dem Kanton Basel (Bezirk Birseck) zugeteilt. Zum Birseck gehören: Aesch, Allschweiler, Schönbuch, Oberweiler, Therwiler, Ettingen, Pfeffingen, Reinach und Arlesheim (9 katholische Gemeinden).
- Der Zehnte, aus dem die Ausgaben für das Kirchen-, Schul- und Armenwesen bestritten wurden, bleibt abgeschafft. An die alte helvetische Schuld haben die Gemeinden des Birsecks keinen Beitrag zu leisten.
1816
- Der kantonale Verwaltungsapparat wird im Birseck von Aesch in Gang gebracht. - Die Schulmeister müssen sich einer Prüfung unterziehen.
- Basel fordert im Birseck die Bezahlung von Kapital-Bodenzinsen, und zwar ab 1812.
- Aesch erhält die Kirchenbänke der in Arlesheim abgebrochenen Pfarrkirche.
1818
- Es herrscht grosse Hungersnot. Viele Leute essen Gras und Wurzeln.
1820
- Aesch baut eine eigene Pfarrkirche und wird von Pfeffingen völlig losgetrennt.
- Die Beamten der Stadt zeigen ein anmassendes Auftreten und die Stadt macht Anstalten, den alten Feudalismus mit den Bodenzinsen und der Grundsteuer wieder einzuführen.
1824
- Die Schule in Aesch wird von 97 Kindern besucht. Schulbericht: "Die Kleinen schreiben gar nicht und Schreibtäfelein und Griffel sind hier noch unbekannt. Die drittletzte Klasse der Knaben schreibt schlecht, von den Töchtern nur drei einzige Individuen."
1828
- Eröffnung des ersten Postbüros im "Schlüssel" in Reinach. Von hier aus wird bis in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts das ganze Birseck bedient.
1829
- Die Regierung in Basel errichtet in Aesch einen Strassenzoll. - Gemeindepräsident und erster Vertreter des Birsecks im Grossrat zu Basel, Urs Josef Häring, wird Zöllner und errichtet den Schlagbaum auf der Höhe des heutigen Reisebüros Laros. Täglich passieren ca. 45 Stück Zugvieh. Jahreslohn 200 Franken. Lokalentschädigung 40 Franken. Zolleinnahmen pro Jahr: Fr. 1 '000.-- bis 2'000.--.
1830
- Basel hat 16'000 Einwohner und 90 Grossräte, die Landschaft 40'000 Einwohner und 64 Grossräte. Hier und anderswo bricht die Zeit der Volksherrschaft, die Zeit des Liberalismus an.
- Basel führt den Bodenzins und die Grundsteuer wieder ein. Die Besitzer auf dem Land weigern sich, diesen Zins zu bezahlen. Die Landschaft verlangt auf der Grundlage der Verträge von 1798 eine neue Verfassung. Im Bubendörfer Bad findet am 18. Oktober eine grosse Volksversammlung statt. Eine Petition mit 810 Unterschriften geht an die Basler Regierung. Stephan Gutzwiller, 28jährig, von Therwil, und Anton von Blarer von Aesch übernehmen die politische Leitung der Freiheitsbestrebungen gegen Basel.
- An einer weiteren Versammlung im Bad Bubendorf werden gegenüber Basel scharfe Forderungen gestellt. Innert 14 Tagen hat Basel eine volkstümliche Verfassung vorzulegen.
- In den Trennungswirren zwischen Stadt und Land stellt sich Aesch auf die Seite der Landschaft. An den Freiheitsbäumen in Aesch und Münchenstein hängt die Inschrift "Freiheit oder Tod".
- Es herrscht grosse Wassernot.
1831
- Die Aufgebotenen rücken zur eidgenössischen Inspektion nicht ein. Die Basler Regierung ermahnt das Landvolk am 8. Januar zur Unterwerfung und bedroht die rebellischen Führer mit Strafe. Die Feindseligkeiten beginnen. Die Basler ziehen nach Liestal. Die am 7. Januar gewählte provisorische Regierung mit Anton Blarer von Aesch als Präsident ergreift die Flucht.
- Der Aescher Jakob von Blarer, früherer Offizier in französischen Diensten, wird Oberst und organisiert den militärischen Widerstand.
- Im November veranstalten die eidgenössischen Repräsentanten eine Erhebung über die Volksansichten und Volkswünsche. Wer für die Annahme der baslerischen Verfassungsrevision stimmt, wird beschimpft: "Schlagt ihm das Hirn entzwei!"
- Die Opposition gegen die Stadt ist im Birseck am grössten.
- Die Verfassung wird angenommen. Von 78 Landgemeinden verwerfen sie 28, vor allem im Bezirk Liestal und Birseck. Die provisorische Regierung wird von der ausgesprochenen Straffreiheit ausgenommen und die flüchtigen Führer werden verurteilt.
- Am 21. August erfolgt die zweite Expedition der Basler nach Liestal, und sie haben 2 Tote und 27 Verwundete zu beklagen. Von den Landschäftlern fallen 10 Mann.
1832
- Der Stützpunkt der Revolution im Birstal ist die Gemeinde Aesch. Hauptagitatoren sind die vier Gebrüder Blarer: Anton, Jakob, Johann Baptist und Karl, ferner die Freikompanie Sprecher, die Bürger Malzach und Häring und die Bezirksrichter Nebel und Meyer.
- Zwischen Linsacker und Bernergrenze wird ein baslerischer Waffen- und Munitionstransport nach Reigoldswil abgefangen.
- Am 22. Februar entzieht der Grosse Rat den Gemeinden, die sich am 23. November 1831 gegen den Verbleib bei Basel ausgesprochen haben, auf den 15. März die Verwaltung.
- Am 17. März verlassen die Beamten - 46 von 78, mit Ausnahme der Pfarrer und Lehrer - die Gemeinden und anerkennen die Verfassung vom 28.11.1831 und die Behörden nicht mehr. Sie bilden einen von der Stadt Basel unabhängigen, souveränen Teil des Kantons unter dem Namen Kanton Basel Landschaft.
- Basel anerkennt den neuen Kanton mit seiner revolutionären Regierung nicht und bereitet sich auf den Entscheidungskampf vor.
- Erste Sitzung der Birseck'schen Verwaltungskommission.
- Aesch ist einer der 9 Kreise im neuen basellandschaftlichen Kantonsgebiet.
- Am 14. September wird der Kanton Baselland durch die Tagsatzung anerkannt.
- Am 15. März verabschiedet sich die Basler Regierung von den rebellischen Gemeinden.
- Am 4. Mai hat Baselland seine eigene Verfassung, sein eigenes Parlament und seine eigene Regierung. Danach ist der Kanton Basellandschaft ein Freistaat und bildet einen Teil der schweizerischen Eidgenossenschaft. Das Volk ist oberster Herrscher. Das Volk wählt seine Vertreter in den Landrat. Dieser ist die oberste Behörde und macht die Gesetze. Ein Gesetz ist nur gültig, wenn nicht innerhalb von 14 Tagen wenigstens Zweidritteile des Volkes in Zuschriften an den Landrat dasselbe verwerfen. In diesem Verbieten, dem Veto, findet die Volksgesetzgebung ihre erste Verwirklichung.
- Die oberste richterliche Gewalt wird dem siebenköpfigen, vom Landrat zu wählenden Obergericht übertragen. Alle Rechte und Freiheiten, von denen man seit Jahren spricht, sind in der Verfassung enthalten.
1833
- Am 2. August versuchen die mit Basel befreundeten Reigoldswiler den Birseck'schen Truppen in den Rücken zu fallen. Sie werden von heldenhaft kämpfenden 'Aescherweibern' beim Linsacker aus dem Feld geschlagen.
- Am 3. August werden die Baslertruppen auf der Hülftenschanz entscheidend geschlagen. Militärischer Führer ist Jakob Christoph Freiherr Blarer von Wartensee von Aesch, er wird erster Kommandant der Baselbieter Truppen.
- Anschluss der vormals städtisch gesinnten Gemeinden an den Kanton Basellandschaft.
- Franz Anton Freiherr Blarer von Wartensee von Aesch ist Mitglied der provisorischen Regierung des Kantons Basellandschaft, später Landrat, Landratspräsident, Ständerat und ist geistiger Mitstreiter von Stephan Gutzwiller.
- Völlige Trennung in Basel-Stadt und Basel-Land. Aesch kommt endgültig zum Kanton Basel-Landschaft.
- Am 26. August spricht die Tagsatzung die vollständige Trennung zwischen der Stadt und der Landschaft aus, eine freiwillige Wiedervereinigung wird vorbehalten. Sie verfügt die Teilung des Staatsgutes. Das Reinvermögen beträgt Fr. 1'489'192.--. Baselland erhält 64% oder Fr. 953'083.--.
- Das Baselbiet, nach der Trennung auf eigenen Füssen, ist arm wie eine Kirchenmaus. Die als Staatskasse aufgestellte Patronenkiste steht leer unter dem Bett des Regierungspräsidenten. Die Vermögensteilung mit Basel bringt erste Besserung der Finanzlage.
- Jahreseinnahmen Fr. 212'436.--, Ausgaben Fr. 221'390.--.
- Seit der politischen Selbstständigkeit wählt das Aeschervolk Anton Meyer, Leonhards, als ersten Gemeindepräsidenten. Er gehört zu den 44 Aeschern, welche 1812 unter Napoleon I. den russischen Feldzug mitmachten, von welchem 1813 vier Mann zurückkehrten. 'Lienertoni' nimmt die Wahl nicht an, gewählt wird Josef Schmidlin, 'Zimmersepp', dessen Bruder Jakob den Russenfeldzug ebenfalls überstand.
1835
- Das Gemeindeprotokoll wird eingeführt.
- Die Entdeckung von Salz im eigenen Boden, dem "weissen Gold", ist für Baselland ein Glücksfall. Ihr ist es zu verdanken, dass die Bevölkerung während 61 Jahren von einer dauernden Staatsteuer verschont werden kann. 1832 wird die alte baslerische Handänderungssteuer abgeschafft. Als einzige direkte Steuer bleibt die Handels-, Gewerbe-, Kapitalisten- und Beamtenabgabe. Aus dieser Steuer fliessen dem Staat jährlich 8'000 Franken zu. Die Handänderungssteuer muss wieder eingeführt werden und ergibt jährlich Fr. 15'000.-- bis Fr. 20'000.--. Kleine Steuern, Taxen und der Ertrag der Zölle, Weg- und Brückengelder, vor allem aber das Salz, helfen dem Fortbestand.