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Blindenhund für einen blinden Hund
Der Italiener Vittorino Biglia verlor mit 35 Jahren sein Augenlicht. Jahrelang wies ihm Vierbeiner Penelope den Weg – bis auch sie nichts mehr sehen konnte.
Mit 35 verlor er wegen einer seltenen Krankheit das Augenlicht. Der Italiener Vittorino Biglia (56) gab sich deswegen aber nicht auf. Er informierte sich, wo er trotz der Erblindung arbeiten könnte, und fand eine Beschäftigung in der Telefonzentrale einer Turiner Bank. «Weil ich ja nicht Auto fahren konnte, musste ich täglich mit dem Bus zur Arbeit.»
Jahrelang schaffte er diese Hürden mit einem Blindenstock und mithilfe von Passanten. Dann wünschte er sich jedoch mehr und mehr einen Blindenhund, der seine Lebensqualität verbessern sollte. Vor rund sechs Jahren war es so weit: Er suchte und fand eine Schule in Mailand, die Führungshunde für Blinde ausbildet. Penelope heisst die Labradorhündin, die von da an nie mehr von seiner Seite wich. «Sie war fünf Jahre lang meine Augen, meine Beine, meine Brücke zur Welt – bis zum verflixten 17. November letzten Jahres.»
Eine Tierärztin stellte bei einer Untersuchung fest, dass Penelope fast blind war. Vittorino hatte das vermutet, weil Penelope häufig gegen Fussgänger stiess. Sie litt unter der genau gleichen Erkrankung wie ihr Herrchen. Man wollte ihm Penelope wegnehmen. Das kam für ihn jedoch nicht in Frage. Penelope war für ihn fast wie eine Tochter. So durfte er sie behalten, brauchte aber einen neuen Blindenhund. Er heisst Spritz und ist wie Penelope ein Labrador, aber schwarz.
Anfangs war Penelope eifersüchtig, konnte Spritz nicht ertragen, wurde depressiv. Aber zwei Ereignisse veränderten das Verhältnis. Einmal wurde Penelope von einem anderen Hund angegriffen, und Spritz verteidigte sie. «Ein anderes Mal wollte er mit ihr Ball spielen, bis ihm klar wurde, dass Penelope den Ball nicht sieht. Da leckte er ihr über die Augen, und sie wurden dicke Freunde.» Spritz leitet nun sein Herrchen und den blinden Blindenhund. «Das ist ziemlich schwierig, wir mussten mehrere Kurse besuchen.»
Vittorino bekam dieses Jahr die Auszeichnung als «gutherzigster Hundebesitzer» Italiens. Dies, weil er Penelope bei sich behielt, obwohl sie blind geworden war. Er sagt: «Wie hätte ich sie verlassen können? Sie war mein Licht in der Dunkelheit. Jetzt, wo auch sie blind ist, liebe ich sie noch mehr.»