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Das gegenwärtige Blues-Revival trägt schöne und weniger schöne Blüten. Dieses Buch gehört zu den schönen. Mit Blues People bringt Orange Press eine Neuauflage des von Amiri Baraka alias LeRoi Jones' in den Sechzigerjahren geschriebenen Buches über die afroamerikanische Musik heraus. Der Schriftsteller und Essayist Amiri Baraka begann sein Werk im Dunstkreis der Beat Poets im Greenwich Village. Heute gilt Baraka als einer der bedeutendsten Amerikanischen Schriftsteller. 1989 wurde er für sein Lebenswerk mit dem American Book Award ausgezeichnet.
Blues People - Die Musik und die Menschen bilden den Rahmen für Barakas Buch. Die Geschichte des Blues ist bei Baraka auch immer die Geschichte der schwarzen Bevölkerung. Streckenweise ist Blues People eher eine soziologische Abhandlung als ein Buch über Musik. Doch gerade dies macht dieses Buch lesenswert: Anstelle des kennerischen Name-Droppings vieler Bücher, die sich dem Blues widmen, setzt Baraka eine sehr differenzierte historische und soziologische Analyse. Bemerkenswert ist auch, wie Baraka traditionelle Songtexte aufnimmt und interpretiert. Beispielsweise zeigt Baraka anhand verschiedener Versionen eines Worksongs, wie sich die Lebensumstände der Sklaven veränderten.
Barakas sehr nüchterne Sicht auf sein Thema trägt auch dazu bei, das Klischee vom armen schwarzen aber doch glücklichen (weil singendem) Neger zu korrigieren. Ein ganz zentrales Kapitel in dieser Hinsicht ist, wie der Blues vom Süden in den Norden wanderte. Mit dem Ende der Sklaverei musste sich eine ganze Bevölkerungsgruppe nach Arbeit umsehen. Diese gab es in den grossen Städten des Nordens. So entstand eine schwarze Mittelschicht und mit ihr der Blues als Unterhaltungsmusik.
Amiri Baraka gelingt es, das weit verzweigte Geflecht von unterschiedlichen Musikstilen, die aber alle ihren Ursprung im Blues haben, mit gesellschaftspolitischen Bewegungen und Veränderungen im Amerika des 20. Jahrhunderts zu verknüpfen. Dies erhellt sowohl die Musik als auch die Menschen.