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Feierabend, der Verkehr staut sich in Zürichs Agglomeration. Doch zu spät zu kommen ziemt sich nicht – schliesslich werde ich bei einem VIP-Anlass erwartet. Ein runder Mann mit gespannter Sicherheitsweste weist mir einen Parkplatz zu. Stramm steht der Mann da, als wäre eine königliche Kutsche vorgefahren oder ein Magistrat, ein Literat oder Künstler. Kurz: eine bedeutende Person, der ein roter Teppich gebührt. Der ist nur wenige Meter vom Parkplatz entfernt ausgerollt worden, beleuchtet von Fackeln.
Unweit steht ein weisses Zelt und schützt die wie Geschenke verpackten Stehtischchen. Hinter einem Grill wendet ein Metzger Bratwürste und, ja, Cervelats. Wo die VIP seien, frage ich den Gastgeber, einen Generalunternehmer, der am Ende des Teppichs wartet und jeden Gast mit Handschlag begrüsst. Das sind Sie, jubiliert er. Ich dürfe einen ersten Blick auf die Wohnungen werfen, bevor sie zum Verkauf ausgeschrieben würden.
Einst war es den Adligen und Politikern vorbehalten, «sehr bedeutend» zu sein, es folgten Filmstars und Sternchen. Mittlerweile ist jeder potentielle Kunde eine geschätzte Persönlichkeit, die umgarnt wird mit Bonus-Bons und Pre-Boarding-Versprechen, die gefeiert wird als Member und treuer Treuepunktesammler.
Am Ende der Veranstaltung bekommt jeder Gast, also jeder VIP, von einem jungen Mann in dunklem Anzug einen Goody-Bag gereicht, ganz wie die Stars bei den Oscar-Verleihungen. In ihrem Bag liegen Schmuck und andere Kostbarkeiten. In meiner Papiertüte rollen zwei Flaschen Bier und eine Handvoll Erdnüsse.
Wie schön es doch ist, eine sehr wichtige Person zu sein.