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Hollywood-Star Ryan Gosling: «Ich kümmere mich gerne um die Wäsche»
Ryan Gosling spricht im «Bluewin»-Interview über seinen neuesten Film «First Man», in dem er den Astronauten Neil Armstrong spielt, und darüber, warum er selber gerne auf Flug- und andere gefährliche Abenteuer verzichtet.
Ryan Gosling, Sie spielen in «First Man» Neil Armstrong, der vor fast 50 Jahren als erster Mensch einen Fuss auf den Mond setzte. Sie waren ja damals noch nicht auf der Welt. Träumten Sie trotzdem als Junge davon, Astronaut zu werden?
Nein, diesen Traum hatte ich nicht. Offenbar träumte ich nicht in so grossen Dimensionen. Die Mond-Mann-Trophäe von den MTV Video Music Awards ist wohl das erste, was ich im Zusammenhang mit der Mondlandung wahrgenommen habe. Peinlich, aber wahr. Und ich war ungefähr sechs Jahre alt, als das Spaceshuttle Challenger explodierte. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, aber rückblickend war damals vermutlich der Gedanke an die Raumfahrt mit der Tragödie verbunden. Das war anders zu jener Zeit, die wir im Film repräsentieren.
Genau, Neil Armstrong wurde als National-Held und Superstar gefeiert …
Ja, er war damals der berühmteste Mann der Welt. Aber er war auch immer der erste, der sagte, dass tausende Leute an der Mondlandung mitgearbeitet haben und er nur die Spitze des Eisbergs war. Er war sehr bescheiden. Er glaubte auch nicht, dass er prädestiniert war, auf dem Mond zu landen. In seinen Augen hätte das auch ein anderer aus dem Team sein können.
Sie sind ja auch kein Fan des Rampenlichts. Wie haben Sie sich inzwischen damit arrangiert, in der Öffentlichkeit zu stehen?
Es ist eine Beziehung, die sich ständig verändert. Und irgendwann ist man dann raus aus der Beziehung. Das ist unvermeidbar.
Dafür sammelt Ihr Onkel aber alle Artikel über Sie?
Ja, mein Lieblingsonkel Bill sammelt alles, was er in Zeitungen und Magazinen über mich findet. Er hat mich immer sehr unterstützt und meinte, ich werde es mal weit bringen, als ich mir das selber noch gar nicht vorstellen konnte. Er ist auch sonst ein super netter Typ: Er schaufelt den Damen in der Nachbarschaft den ganzen Winter lang den Schnee vor dem Haus weg.
Von Ihrer zu Armstrongs Familie: Konnte sie Ihnen erläutern, wie der vor sechs Jahren verstorbene Pionier Neil Armstrong als Mensch war?
Seine beiden Söhne Rick und Mark waren sicher eine grosse Hilfe. Sie haben es auch ermöglicht, dass ich ihre Mutter, also Neils inzwischen auch verstorbene erste Frau Janet, in Cincinnati treffen konnte. Und Neils Schwester June auf der Farm in Wapakoneta, Ohio, wo er geboren wurde und aufwuchs. Neil war ein besonderer, komplizierter Mann und es war ein langer Prozess, seine vielschichtige Persönlichkeit zu ergründen. Alle, die ihn kannten, warnten mich, dass er sehr tiefgründig und schwer zu lesen war. So wie er sich ausdrückte, schien in seinem wissenschaftlichen Kopf aber auch eine poetische Natur zu stecken.
Was hat Sie an der Geschichte der ersten Mondlandung überrascht?
Mich hat überrascht, wie gefährlich diese Raumfahrt-Missionen damals waren. Wir haben heute mehr Technologie in unseren Smartphones als ihnen damals zur Verfügung stand. Ich finde auch bemerkenswert, dass sie zum Mond flogen, um das Universum zu erforschen, aber eigentlich dabei die Erde entdeckten. Die Erde sah sich zum ersten Mal selber, bekam eine neue Perspektive. Und welch extreme Seiten die Astronauten in ihrem Leben verbinden mussten! Einerseits erforschten sie als Pioniere die Geheimnisse des Alls und wenn sie nach Hause kamen, mussten sie wie normale Menschen den Rasen mähen und den Abfall raustragen. Regisseur Damien Chazelle und mir war es wichtig, das zu zeigen – sowie die persönlichen Opfer und Verluste, die die Dekade vor der Mondlandung prägten.
Sie haben für die Rolle auch selber fliegen gelernt?
Das mit dem Fliegen hat die Welten, die zwischen mir und Neil Armstrong liegen, deutlich aufgedeckt: Er konnte fliegen, bevor er Auto fahren konnte. Er putzte Flugzeuge, um die Flug-Stunden zu finanzieren. Ich dachte, ich lerne auch fliegen. Man hört ja immer wieder, dass Schauspieler fliegen lernen. Wie schwierig kann es also schon sein? (lacht) Es stellte sich heraus, dass es sehr, sehr schwierig ist. Schon früh in meinen Flugstunden forderte mich der Fluglehrer auf, übungshalber einen Strömungsabriss herbeizuführen. Was für eine schreckliche Idee! Ich wäre am liebsten gleich gelandet. Ich nahm mir vor, künftig eher etwas auf dem Boden zu lernen. Man muss schon ein besonderer Typ Mensch sein, um Pilot zu werden und vor allem auch Test-Pilot, wie Neil Armstrong es war. Die setzen sich in Flugzeuge, die noch nie geflogen wurden und bringen sie an ihre Grenzen. Da kann allerlei passieren.
Das kennen Sie als Schauspieler ja auch, an Ihre Grenzen zu gehen, oder nicht?
Aber nicht in diesem Ausmass. Bei «Drive» habe ich auf leeren Parkplätzen Manöver geübt, die nicht unbedingt sicher waren und für «A Place Beyond Pines» probte ich ähnliche Stunts mit dem Motorrad. Aber sowas mache ich nicht mehr, seit ich Kinder habe.
Was würden Sie gerne noch lernen, was als Familienvater in Frage käme?
Spanisch. Aber wahrscheinlich müsste ich einen Film auf Spanisch drehen, damit ich mir die Zeit nehme, die Sprache zu lernen.
Meine Mutter pflegte zu sagen, die grösste Errungenschaft des 20. Jahrhunderts sei für sie nicht die Mondlandung oder die Erfindung des Computers, sondern die Erfindung der Waschmaschine, da sie es noch erlebte, wie mühsam Waschen ohne war. Welche menschliche Errungenschaft ist für Sie unverzichtbar?
Hmm ... (überlegt) Eine technologische Errungenschaft? Hmmm ... kann ich die Antwort Ihrer Mutter übernehmen? Sie scheint mir sehr weise und überzeugend.
Gehört denn Wäsche waschen zu Ihren häuslichen Aufgaben als Vater zweier kleiner Mädchen?
Ja, manchmal gehört es zu meinen häuslichen Pflichten, mich um die Wäsche zu kümmern. Und ich mache das auch ganz gerne.
«First Man» läuft ab Donnerstag, 8. November, in den Schweizer Kinos.Zurück zur Startseite