Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03426.jsonl.gz/434

«Die grössten Schweizer Hits – 10 Jahre danach» beanstandet
6232
Mit Ihrer E-Mail vom 23. November 2019 beanstandeten Sie die Sendung «Die grössten Schweizer Hits – 10 Jahre danach» (Fernsehen SRF) vom gleichen Tag.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann daher darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«Ist es wirklich die Aufgabe unsers ‘Schweizer Staatsfernsehen’, welches aus fast 100% nich ganz freiwilligen Gebühren finanziert ist, und angeblich völlig neutral sein soll, einmal mehr in katastrophal, linksgerichteter Art und Weise, wie die Medienwelt leider ist, sich über Donald Trump, Amerika und alle anders denkenden Bürger in der Schweiz, sich einmal mehr in eigener Sache in Szene zu setzen. Es ist absolut unhaltbar, diese einseitige, linke, politische Haltung während einer Musiksendung zu vertreten resp. absichtlich zu puschen! Ist eine absolute Sauerei, aber leider seit Jahren an der Tagesordnung. Gerne dürfen Sie mich zu einem Gespräch mit den verantwortliche Angestellten des Schweizer Fernsehen, einladen.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Die Antwort kam von Frau Sabine Schweizer, Senior Producer, Bereich Show:
«Hiermit nehme ich Stellung zur Beanstandung von Herrn X gegen ‘Die grössten Schweizer Hits’ vom 23. November 2019. Herr X scheint sich ganz grundsätzlich über das Schweizer Fernsehen aufzuregen, wozu ich, in meiner Funktion als Senior Producer im Bereich Show, keine Stellung nehmen kann. Seiner Beanstandung entnehme ich jedoch, dass ein Einspieler über ‘Fake News’, in dem Donald Trump vorkam, seinen Ärger mit verursacht haben könnte. Meine Stellungnahme beschränkt sich daher auf diesen Einspieler, den sie bei TC 1:22:35 finden.
In der Sendung ‘Die grössten Schweizer Hits’, welche 2009 zum letzten Mal ausgestrahlt wurde, schauten wir zurück auf die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten zehn Jahre und dementsprechend hauptsächlich auf den Einfluss von Internet und Social Media in unserem Leben. Ein Einspieler widmete sich dem Thema ‘Fake Videos’ im Internet und dem Begriff ‘Fake News’, welcher von Donald Trump massgeblich mitgeprägt wurde und im Jahr 2017 sogar in den Duden aufgenommen wurde.
Der Einspieler beschränkt sich, was Donald Trump betrifft, hauptsächlich auf einen unterhaltenden Zusammenschnitt verschiedener Reden von ihm, in welchen der Begriff ‘Fake News’ vorkam. Wie Herr X darauf kommt, dass sich dadurch die gesamte Sendung gegen Donald Trump, Amerika oder <alle anders denkenden Bürger in der Schweiz> richtet, kann ich nicht nachvollziehen. ‘Die grössten Schweizer Hits’ ist eine Musiksendung und hatte die alleinige Intention, die Zuschauerinnen und Zuschauer an einem Samstagabend zu unterhalten und der Schweizer Musikszene eine Plattform zu bieten.
Ich hoffe, ihnen mit diesen Ausführungen gedient zu haben und stehe für weitere Rückmeldungen zu Verfügung.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Die Sendung war stark darauf ausgerichtet, immer wieder zu zeigen, was sich in den letzten 10 Jahren verändert hat. So sah man auch die Protagonisten, beispielsweise Beni Thurnheer, in jugendlichem Alter und in ganz drolligen Konstellationen. Es war durchgehend gute Unterhaltung! Zur Veränderung der letzten zehn Jahre gehört auch, dass man inzwischen alles und jedes leicht fälschen kann. So kam die Runde auf «Fake News» zu sprechen, und es dürfte unbestritten sein, dass die prominenteste Persönlichkeit, die alles, was ihr nicht passt, als «Fake News» bezeichnet, der amerikanische Präsident Donald Trump ist. Das ist ein Faktum, das als solches besteht, ob man nun Präsident Trump großartig findet oder eine Fehlbesetzung. Dadurch, dass eine so wichtige und einflussreiche Persönlichkeit immer wieder den Wahrheitsgehalt von Nachrichten anzweifelt, wissen die Leute nicht mehr, was sie glauben sollen, und – wie Beni Thurnheer richtig feststellte – man glaubt auch der Wahrheit nicht mehr. Diese richtige Feststellung hat nichts mit einer «unhaltbaren, einseitigen, linken Haltung» zu tun, wie Sie schreiben. Und, übrigens: Fernsehen SRF ist kein «Staatsfernsehen». Radio und Fernsehen sind von Staat unabhängig. Das wird in der Bundesverfassung sowie in Artikel 3a des Radio- und Fernsehgesetzes ausdrücklich festgehalten. Auch in dieser Sendung haben die Verantwortlichen nichts «Unneutrales» getan: Sie haben Musik vermittelt und im lockeren Gespräch die Veränderungen im Laufe von zehn Jahren konstatiert. That’s all! Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüssen,
Roger Blum, Ombudsmann
Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
Porträt über Tierschützer und Tiervernachlässiger war rechtens
Ombudsmann Roger Blum beschäftigte sich mit dem Beitrag «Jahrelanger Streit» von «Schweiz aktuell» vom 15. Januar 2018. Darin werden der angeklagte Pferdezüchter von Hefenhofen und sein Kontrahent, der Präsident des Vereins gegen Tierfabriken (VgT), porträtiert. Der porträtierte Tierschützer beanstandet den Beitrag als unsachlich und persönlichkeitsverletzend. Ombudsmann Roger Blum kann die Beanstandung in den meisten Kritikpunkten nicht unterstützen.
«Schweiz aktuell» hat korrekt berichtet
Ombudsmann Roger Blum kann eine Beanstandung verschiedener Beiträge von «Schweiz aktuell» über den Pferdehof K. in der Gemeinde Hefenhofen (Thurgau) nicht stützen. Eine Fernsehzuschauerin moniert, «Schweiz aktuell» habe die Situation auf dem Hof beschönigt und das Tierleid nicht gezeigt. Nach Ansicht von Roger Blum hat «Schweiz aktuell» fair und ausgewogen berichtet.
«Die Alpenreise» war für Leukerbad nicht rufschädigend
Die Sommerserie «Die Alpenreise» von «Schweiz aktuell» hat insgesamt vier Beanstandungen ausgelöst. Ombudsmann Roger Blum kann keine der vier Beanstandungen unterstützen.
Alle Schlussberichte der Ombudsstelle jetzt ansehen