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Mitten im Trog
Auf heute Montag hat sich das Wetter zumindest bezüglich Niederschlag beruhigt, in der Höhe sorgte jedoch ein starker Jet für turbulente Verhältnisse. In den unteren Schichten wandelte sich die hochnebelartige Bewölkung im Tagesverlauf in Quellwolken um. Zudem finden Sie am Ende des Blogs eine klimatologische Beurteilung der Starkniederschläge des vergangenen Wochenendes.
Wetterlage
Hinter dem nach Nordosten abziehenden Bodentief, das unser Wetter gestern bestimmte, gelangte die Schweiz heute in einen umfangreichen Höhentrog, der sich von Skandinavien bis zum Mittelmeer erstreckte. Im Tagesverlauf spaltete sich eingelagert in diesen Höhentrog ein Höhentief ab und verlagerte sich langsam Richtung Osten. In diesem Höhentrog lag die Schweiz auf der kalten Seite eines markanten Jets (einem Starkwindband auf etwa 10 km Höhe).
Gebietsweise grössere Aufklarungen
In der Nacht auf heute lockerte sich die Bewölkung auf und es gab stellenweise grössere Aufklarungen. In der Folge konnten sich in den Morgenstunden stellenweise einige Nebelfelder bilden. Darüber bildete sich jedoch eine weitere hochnebelartige Schicht, die sich auf der Alpennordseite bis zu den Alpen ausbreitete. Die darunterliegenden Nebelfelder lösten sich dadurch allmählich wieder auf. In den Alpen dagegen war es zunächst weitgehend klar. Die Temperaturminima am frühen Morgen lagen sowohl nördlich wie auch südlich der Alpen gebietsweise im einstelligen Bereich. Es wurden Werte zwischen 7 und 12 Grad registriert.
Kräftiger JetStream
Der Jet sorgte in der ersten Tageshälfte vor allem in den östlichen Landesteilen für starke Turbulenz, aufgrund der starken Windzunahme und -abnahme in einer Höhe von etwa 8 bis 12 km. Der Jet erreichte in dieser Höhe bis zu 140 Knoten (ca. 260 km/h), während unterhalb und oberhalb des Jets deutlich geringere Windgeschwindigkeiten herrschten. Für diesen markanten Jet wurde deshalb auch eine Flugwetterwarnung für starke Turbulenz, ein sogenanntes SIGMET, ausgegeben.
Weiterhin labil
In der labil geschichteten Luftmasse lockerte sich die hochnebelartige Bewölkung nördlich der Alpen im Tagesverlauf auf beziehungsweise wandelte sich in Quellwolken um. Bis Redaktionsschluss wurden im Flachland vielerorts immerhin 2 bis 5 Stunden Sonnenschein registriert. Die Alpensüdseite und ein Grossteil Graubündens wurden tagsüber von den gegen Norden abgeschwemmten hohen und mittelhohen Wolkenfeldern eines Tiefdruckgebiets über Norditalien gestreift. An der Luftmassengrenze bildeten sich vor Sardinien bis Mittelitalien kräftige Gewitter.
Bis am Mittag blieb es in der ganzen Schweiz trocken, erst im Laufe des Nachmittags bildeten sich besonders in den Bergen einige Schauer. Die Temperaturen erreichten im Norden Höchstwerte zwischen 18 und 20 Grad, im Süden wurden mit Nordwind in den oberen Alpentälern bis 23 Grad gemessen. Der Nordwind sorgte in den oberen Alpentälern der Alpensüdseite für teils windige Verhältnisse mit Böenspitzen zwischen 30 und 40 km/h.
Auch heute waren die Auswirkungen der Niederschläge des Wochenendes vielerorts noch gut sichtbar. Einige Impressionen finden Sie in der Bildstrecke:
Massive Niederschläge Ende August 2020
Mit einer anhaltenden Südwestströmung floss vom 28. bis am 30. August 2020 warmfeuchte Mittelmeerluft zur Alpensüdseite. Am 28. und 29. August 2020 fielen im Tessin und in den angrenzenden Gebieten des Kantons Graubünden massive, mit Gewittern durchsetzte, Niederschläge. Am 29. und 30. August griffen die kräftigen Regenfälle auch auf den östlichen Alpennordhang über. Ursache für die Unwettersituation war ein kleines Tiefdruckgebiet, das sich vom Golf von Genua nordostwärts über die Alpen bewegte.
Mit dem vielen Niederschlag stieg die Augustsumme innerhalb von zwei Tagen von verbreitet unterdurchschnittlich auf verbreitet deutlich überdurchschnittlich.
Viel Wasser im Süden
Auf der Alpensüdseite erreichten die 2-Tagessummen vom Morgen des 28. bis am Morgen des 30. August an einigen Messstandorten über 150 mm, im Maggiagebiet lokal über 260 mm. In den angrenzenden Gebieten von Nord- und Mittelbünden gab es 90 bis 140 mm. An mehreren Messstandorten fiel damit innerhalb von zwei Tagen die Regenmenge eines durchschnittlichen Augustmonats. Deutlich weniger betroffen war das Mendrisiotto und das südliche Puschlav mit 2-Tagessummen von 40 bis knapp 100 mm.
Gar nicht so selten
Im klimatologischen Vergleich waren die gefallenen 2-Tagessummen nicht ungewöhnlich. In vielen Regionen der Alpensüdseite sowie von Nord- und Mittelbünden sind die gemessenen Regenmengen häufiger als alle zehn Jahre, lokal alle 10 bis 25 Jahre zu erwarten.
So kräftig wie schon lange nicht mehr
Die Alpensüdseite ist sich sehr kräftige Niederschläge gewohnt. Trotzdem war die Intensität des Regens am 29. August 2020 lokal nicht alltäglich. Der Messstandort Cevio, der mitten im Hot Spot von regelmässig sehr kräftigen Regenfällen liegt, registrierte eine Tagessumme von 224,5 mm.
Die letzten vergleichbaren Tagessummen fielen in Cevio vor mehr als 30 Jahren im legendären Unwetterjahr 1987. Damals fielen am 18. Juli 222,7 mm und am 24. August 235,6 mm. Seither lagen die höchsten jährlichen Tagessummen deutlich tiefer.
Weniger Wasser im Norden
Auf der Alpennordseite gab es vor allem am 29. und 30. August 2020 kräftige Niederschläge. Betroffen war hauptsächlich der östliche Alpennordhang mit 2-Tagessummen von 80 bis 100 mm und lokal 120 bis 135 mm. Solche 2-Tagessummen sind hier etwa alle drei bis fünf Jahre oder häufiger zu erwarten.