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Jeanne du Barry
Das Historiendrama mit Johonny Depp in der Hauptrolle eröffnete die 76. Internationalen Filmfestspiele von Cannes.
Kaum ein Schauspieler hatte in den vergangenen Jahren mehr schlechte Presse als Hollywoods Lieblingspirat Johnny Depp, dessen Prozess wegen häuslicher Gewalt Furore machte. Auch in seinem letzten Film «Minamata» (2020) legte Depp keine gute Leistung hin. Die französische Regisseurin Maïwenn stellt sich nun mit Depp gemeinsam vor die Kamera. Depp verkörpert König Ludwig XV – und trägt wieder einen ähnlichen Hut wie Jack Sparrow. Ist das was?
arttv Filmjournalistin Djamila Zünd weiss mehr.
Jeanne du Barry | Synopsis
Jeanne, ein Mädchen aus dem Volk, das nach Kultur und Vergnügen giert, nutzt ihren Charme und ihre Intelligenz, um eine Stufe nach der anderen in der Gesellschaft zu erklimmen. Sie wird zur Favoritin von König Ludwig XV., der nichts von ihrem Status als Kurtisane weiss, aber bei ihr die Lust am Leben wiederfindet. Beide verlieben sich unsterblich ineinander. Entgegen allen Anstandsregeln lässt sich Jeanne in Versailles nieder. Und ihre Ankunft skandalisiert den Hof…
Jeanne du Barry | Die Regisseurin
Maïwenn Le Besco (1976, Paris) hatte ihren ersten Filmauftritt bereits im Alter von 5 Jahren im «L’Année prochaine…si tout va bien» von Jean-Loup Hubert, worauf weitere Engagements folgten. 2004 drehte Maïwenn ihren ersten eigenen Kurzfilm «I’m an actrice». Gestärkt durch diese Erfahrung wagte sie sich an einen Spielfilm «Pardonnez-moi», in dem Familienneurosen den ersten Platz einnehmen und der 2006 in die Kinos kam und ihr zwei César-Nominierungen in den Kategorien Beste Nachwuchsdarstellerin und Bestes Erstlingswerk einbrachte. Im Jahr 2009 drehte sie ihren zweiten dokumentarisch anmutenden Film «Le bal des actrices». 2009 kam ihr dritter Film «Polisse» heraus, der in der Pariser Brigade zum Schutz von Minderjährigen spielt. Er wurde mit fast 2,5 Millionen Zuschauern zum Kassenschlager. Bei den 64. Filmfestspielen von Cannes erhielt Maïwenn den Preis der Jury. Im Jahr 2015 wurde ihr darauffolgender Spielfilm «Mon roi» für den offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes ausgewählt. Im Februar 2021 erhielt sie mit «ADN» eine Nominierung für den César für die beste Regie.
Jeanne du Barry | Rezension von Djamila Zünd
Maïwenn lässt uns mit ihrem neuesten Film «Jeanne du Barry», der bei den Filmfestspielen von Cannes ausser Konkurrenz gezeigt wurde, auf brillante Weise in das Leben von Jeanne Vaubernier, besser bekannt als Comtesse du Barry, eintauchen. Der Spielfilm erkundet mit Raffinesse und Reife die Geschichte der Favoritin von König Ludwig XV. «Jeanne du Barry» beleuchtet prägnante Themen wie die physische Gewalt, die aus der Zwangskontrolle des Grafen du Barry über jene Frau resultierte, die damals noch eine Kurtisane war. Er untersucht auch die Aspekte der Sexualität am Hof, wo private Angelegenheiten zur Staatsaffäre werden. Darüber hinaus untersucht der Film die sozialen Interaktionen in Versailles, die von Eifersucht, Rivalität und Machtspielen geprägt sind, die dieses Milieu beherrschen, das ständig um die Gunst des Königs oder des Dauphins buhlt. Dieses fesselnde Eintauchen in Jeannes wachsende Beziehung zum König wird durch sorgfältig ausgewählte Kulissen und wunderschön gefilmte Landschaften unterstützt. Maïwenn bietet eine unvergessliche filmische Erkundung dieser historischen Periode, die kurz vor dem Untergang des französischen Königtums durch die Revolution stattfand.
Königin für einen Tag
Dieser Film lässt uns in das Leben von Jeanne du Barry eintauchen, die von der Regisseurin selbst in der flammenden Rolle der Kurtisane wunderbar dargestellt wird. Die Handlung beginnt mit ihrer Jugend, ihrer intellektuellen Ausbildung in einer bürgerlichen Familie, in der sie demütig die Rolle einer Dienerin ausfüllt. In der leidenschaftlichen Lektüre findet Jeanne Zuflucht, einen Ausweg in eine Welt, die ihr die Freiheit und Erfüllung bietet, nach der sie sich sehnt. Anschliessend nimmt sie uns mit auf eine feurige Reise durch die Wechselfälle ihrer Jahre am Hof, wo ihre turbulente Affäre mit dem König mit vielen Details enthüllt wird. In dieser Sphäre findet sie eine gewisse Freiheit wieder. Während des gesamten Films führt eine Stimme aus dem Off den Zuschauer geschickt durch den Film. Sie verdichtet Episoden aus Jeannes Jugend und Leben, um sie verständlich zu machen, und verlagert die Erzählung schnell auf die Episoden, die die Regisseurin als relevant für die Geschichte erachtet. Die Verbindung zwischen Jeanne und dem König wurzelt in den verzehrenden Ambitionen des Grafen du Barry, ihres Lebensgefährten. Der brennende Wunsch des Grafen, an den Hof zu gelangen, spiegelt sich in Jeanne wider, seinem kostbaren Sesam-öffne-dich. In einer rührenden Szene entdeckt Jeanne die in ihrem Stück Galette des rois vergrabene Bohne, ein Goldstück mit dem Abbild des Herrschers. Während die Beziehung zwischen dem Grafen und Jeanne altert, inszeniert er die entscheidende Begegnung zwischen Jeanne und dem König, die unsere Heldin ins Herz des königlichen Palastes katapultiert. In dieser Szene, inmitten eines Strudels von persönlichen Interessen, die ständig nach ihrem Stück vom Kuchen suchen, bleibt Jeanne fasziniert von dem kaiserlichen Gesicht, das in die Bohne eingraviert ist. Es bleibt die Frage, was ihre Liebe motiviert, die Liebe zum Reichtum oder die Liebe zum Menschen. Dieses beredte Beispiel verdeutlicht das Genie der Regisseurin, die nicht nur durch ihr Spiel, sondern auch durch ihre Regieentscheidungen blendend ist. In wenigen, sorgfältig ausgewählten Einstellungen gelingt es ihr auf subtile Weise, tiefgründige Botschaften zu vermitteln, ohne auf Worte zurückgreifen zu müssen.
Stille in Versailles
Der Film zeichnet sich durch eine sorgfältig ausgewählte Auswahl an Aufnahmen aus, die die Pracht des Schlosses von Versailles hervorheben, sowie durch eine kraftvolle Bildsprache, die die Dialoge manchmal in den Hintergrund drängt, um die Bilder voll zum Ausdruck kommen zu lassen. Beispielsweise wird die Faszination der jungen Kurtisane für ihr neues Leben durch wunderschöne Aufnahmen der prächtigen Kulissen des Schlosses von Versailles symbolisiert, die Rivalität zwischen den Königstöchtern, die von der jungen Marie-Antoinette unterstützt werden, wird durch Ansichten des Parks von Versailles unter einem gleissenden Gewitter illustriert. Mit bemerkenswertem Geschick nutzt die Regisseurin jede Gelegenheit, um dem Bild eine Stimme zu geben, und bevorzugt stille Szenen, in denen die ausgetauschten Blicke die Kraft eines ausgefeilten Dialogs bei weitem übertreffen. Johnny Depp, der König Ludwig XV. seine Stimme leiht, liefert eine denkwürdige Leistung in seiner Beherrschung der französischen Sprache. Da er nur wenige Worte benutzt, um sich auszudrücken, strahlt er eine unglaubliche Souveränität und Noblesse aus, und sein englischer Akzent ist kaum wahrnehmbar. Darüber hinaus kommuniziert er enorm viel über seine nonverbale Sprache und zeigt damit, dass er die Kunst des Darstellens beherrscht, ohne in Übertreibungen zu verfallen. Seine subtilen Gesichtsausdrücke verdienen es, hervorgehoben zu werden.
Fazit: Jeanne du Barry ist ein wahres Fest für die Augen, vollgepackt mit historischen Details, die einen erfrischenden und zugleich fesselnden Blick auf die Sitten in Versailles bieten. Er lässt uns in die exquisite Atmosphäre der damaligen Zeit eintauchen und enthüllt die Bräuche, die Mode und die Spiele, die die Bourgeoisie und den Hof belebten. Darüber hinaus zieht der Film eine auffällige Parallele zu unserer heutigen Zeit und beleuchtet die Jugend und ihre Sehnsüchte, ihre Träume von Grösse und ihre unstillbare Suche nach einem erfüllten Leben. In dieser Hinsicht verkörpert Maïwenn in ihrer Darstellung diese Ideale perfekt. Als leidenschaftliche Leserin und Dichterin durchdringt sie ihre Figur mit einer berauschenden Leidenschaft und einer aufregenden Romantik. So ermöglicht uns der Film eine tiefe Nähe zu Jeanne, wir können uns mit ihr identifizieren und ihre tiefsten Sehnsüchte teilen. Es ist eine echte Zeitreise, bei der die Emotionen und Ambitionen stark mit der Realität vieler junger Menschen von heute übereinstimmen. Auch sie sehnen sich nach einem sinnvollen Leben und weigern sich, sich den engen Schubladen anzupassen, in die sie von der Gesellschaft bei ihrer Geburt gesteckt wurden.