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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

XVIII. Rede
19.
Wer könnte alles, was er geleistet hat, aufzählen? Oder wem würde es nicht, wenn er nur eine kleine Auswahl treffen soll, schwer fallen, etwas zu übergehen? Denn stets scheint das, was einem noch einfällt, noch besser zu sein als das, was bereits erwähnt worden ist. Das ist meine Meinung. Die Frage: „Was soll man weglassen?“ bereitet mir mehr Schwierigkeit als anderen Lobrednern die Frage: „Was soll [S. 367] man sagen?“ Die Fülle dessen, was zu sagen ist, beschwert mich gewissermaßen, und da der Geist sich abmüht, die Taten des Verstorbenen abzuwägen, ohne aber die Möglichkeit zu haben, unter den gleichwertigen Handlungen eine Auswahl zu finden, ist er gequält. Auf ruhigem Wasser können wir die Beobachtung machen, daß, wenn man einen Stein hineinwirft, von ihm als Mittelpunkt aus ein Kreis nach dem anderen entsteht, welche im engen Nachdringen immer wieder den äußersten Kreis vernichten. Ganz die gleiche Beobachtung mache ich bei mir selbst; der eine Gedanke kommt, ein anderer folgt nach, wieder ein anderer wird verdrängt. Die Auswahl macht mir viel zu schaffen, da die ersten Gedanken den späteren immer wieder Platz machen müssen.