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Bei einem Besuche, den ich letzte Woche im Auswärtigen Amte [machte], brachte ich bei Herrn v. Thile die Sprache unter anderem auch auf die von französischen Zeitungen gebrachte Ente, hinsichtlich einer russisch-preussischen Intervention gegen die Internationale in der Schweiz u.s.w. Herr v. Thile behandelte die Sache, in gleicher Weise, wie ich sie berührt hatte, als Ente. Ich legte der Sache nicht die entfernteste Wesenhaftigkeit bei u. ermächtigte den mir befreundeten Berliner Correspondenten der Kölnischen Zeitung, in Erwiederung auf seine Einfrage bei mir, die fragliche Nachricht als eine lächerliche Ente zu erklären, was er auch zu thun nicht unterlassen hat. Eine Mittheilung hierüber an Sie zu machen, hielt ich, bei der Grundlosigkeit der Sache, für nicht gerechtfertigt.
Da das Gerücht nun aber seither auch in der «Times» u. gestern auch in der «Indépendance belge», im «Echo du Parlement» u. heute auch in Berliner Zeitungen reproduzirt wird, u. sich, wie ich sehe, auch die Schweizerzeitungen mit demselben befassen, und auch einzelne meiner Kollegen des diplomatischen Corps mich darüber interpellirten, so glaubte ich doch, noch eingehender mich über die Sache informiren zu sollen, u. sprach heute nochmals bei Herr v. Thile vor, der in der unumwundensten Weise sich dahin erklärte, dass weder Hr. General v. Roeder Auftrag erhalten habe, derartige Eröffnungen in der Schweiz zu machen, noch dass überhaupt das Ministerium etwas Hieraufbezügliches vorbereite.
Herr v. Thile war vor kurzem während 4 Wochen krank und den laufenden Geschäften fern gewesen. Er gieng desshalb während unsrer Unterredung u., wie er es nannte, pour acquit de conscience, ins Nebenzimmer, um mit dem Rathe, welcher die «brennenden Fragen» behandelt, Rüksprache zu nehmen, u. kam zurük, seinen früheren Ausspruch bestätigend u. folgendes noch beifügend:
Weit entfernt, der Schweiz zu nahe zu treten zu wollen, habe das auswärtige Amt des deutschen Reiches, als vor einigen Monaten unter einigen Grossmächten die Rede davon war, politische Verbrechen, die von Mitgliedern der Internationale begangen würden, auf gesetzgeberischem Wege zu gemeinen Verbrechen zu stempeln, gegentheils daran festgehalten, dass der Schweiz eine bezügliche Insinuation nicht zu machen sey. Seither sei auch das oben berührte Vorhaben einiger Grossmächte ins Stoken gerathen, u. dermalen habe das auswärtige Amt nur das Studium der Frage der Internationalen im Allgemeinen auf seinen Traktanden, wie solches durch das bekannte österreichische Memorial in Berlin angeregt worden u. wobei es mehr auf das Auffinden gemeinsamer socialer Präventiv-Massregeln für Deutschland-Österreich abgesehen sey, als auf Durchführung von polizeilichen Repressivmassregeln.
Ich erlaube mir, diesem Bericht noch eine rein persönliche Ansicht beizufügen. Ich glaube nicht, dass die Reichsregierung in den sozialistischen Bestrebungen eine imminente Gefahr erblikt. Am meisten ist diesselbe gegenwärtig von der Haltung der katholischen, resp. ultramontanen Parthey, sowohl im deutschen Reiche, als im Partikularstaat Preussen afficirt, u. in dieser Hinsicht könnte uns nach meiner Auffassung allerdings einmal die «Correspondance de Genève» Ungelegenheiten bereiten, indem sie die Stimmung der leitenden deutschen Staatsmänner gegen unser Land zu verbittern vermöchte, obgleich unser Land u. unsere Regierung nicht die moralische u. nicht die rechtliche Verantwortung für die Haltung dieses Blattes zu tragen hat. Einen interessanten Einblik in die Stimmung Bismark’s, u. seiner Stellung zu der katholischen Parthey gewährt seine Rede in der Sitzung des Abgeordnetenhauses d. d. 30. Januar, deren Lesung ich Ihnen (in No 26 der Norddeutschen Allg. Zeitung) sehr empfehle.
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- E 2300 Berlin 1.↩