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Ist bei einer Geburt der Fötus zu gross für den Geburtskanal, so presst der kindliche Kopf in tagelangen Wehen gegen das mütterliche Gewebe. Die Blutversorgung des Gewebes wird unterbrochen, und das Gewebe stirbt ab. Überlebt die Mutter die Geburt, bleibt sie schwer verletzt und leidet an Scheiden-, Blasen- oder Darmfisteln. Von Fisteln betroffene Frauen leben oft isoliert. Sie riechen ständig nach Urin und werden als Unreine von ihren Ehemännern, Eltern und der Dorfgemeinschaft verstossen. Sie dürfen kein Essen mehr zubereiten und können häufig keine Kinder mehr bekommen. Letzteres ist für die Frauen besonders schwer zu ertragen, denn ihr Ansehen wird eng mit der Anzahl ihrer Kinder verknüpft. Es ist schwierig für sie, ein Einkommen zu erwirtschaften, weil sie als Unreine keine Abnehmer für ihre Waren finden. Fisteln bedeuten für die betroffenen Frauen viel Leid und gesellschaftliche Ausgrenzung.
Die Prävention der Fistel nimmt in dem von der Partnerorganisation IAMANEH Mali in der Region von Ségou realisierten Projekt eine zentrale Stellung ein: Der Zugang zu den Gesundheitsdiensten sowie deren Qualität wird verbessert. Gleichzeitig wird die Bevölkerung durch Gesprächsrunden, über Radio und Theatervorführungen aufgeklärt: über den Zusammenhang von Frühheirat und Fisteln, die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen, die Ursache, Folgen sowie Behandlung von Fisteln.
Das Projekt übernimmt die Kosten von 350 Franken für eine Fistel-Operation für rund 65 Frauen pro Jahr. Im Anschluss sorgt das Projektteam für die Nachbetreuung der fistelbetroffenen Frauen und dafür, dass die ausgegrenzten Frauen wieder in ihre Familien zurückkehren können und neue Lebensperspektiven entwickeln.