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Gas kehrte im letzten Winter in flüssiger Form (LNG), das auf dem Seeweg transportiert wird, nach Europa zurück. Ohne es hätte die europäischen Nachfrage nicht befriedigt werden können. Der Energiemix wird zwar umstrukturiert, aber trotz des europäischen Willens, sich vom russischen Gas loszulösen, zeigt ein Bericht der Europäischen Union, dass sich diese Abhangängigkeit mangels Pipelines nur auf die Verschiffung von LNG aus der Arktis verlagert hat; und vorne mit dabei ist Frankreich. Eine Situation, die die Europäische Union dazu veranlassen sollte, sich langfristig selbst zu versorgen und sich vielleicht für einen Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung stark zu machen.
Der jüngste Bericht der Europäischen Union über ihren Gasmarkt von 2022 zeigt, dass Frankreich, Spanien und die Niederlande die drei wichtigsten Importländer für verflüssigtes Erdgas LNG waren. Marc-Antoine Eyl-Mazzega, Direktor des Zentrums für Energie und Klima des Französischen Instituts für Internationale Beziehungen (IFRI), erinnert in einem Vermerk der diese Woche veröffentlicht wurde, dass nach der Schließung der russischen Gaspipelines „verflüssigtes Erdgas nach Europa zurückgekehrt ist und Industrie, Regierungen und Menschen gerettet hat.“
Während die EU versucht, sich in Bezug auf Gas von Russland unabhängig zu machen, bringt der Anstieg der russischen LNG-Importe mehrere europäische Länder in eine schwierige Lage. Dem Bericht zufolge kamen die französischen LNG-Importe zu 41 % aus den USA und zu 17 % aus Russland. Frankreich ist also nicht vollständig von Russland abhängig, aber wenn man sich die entsprechende Menge ansieht, ist es derzeit das wichtigste europäische Gebiet, das russisches LNG importiert.
Mit seinen Vorkommen in der Arktis verfügt Russland über die größten Gasreserven der Welt. Die sibirischen Vorkommen und Minen trugen 2017 15% des russischen BIP. Die Energieproduktionspolitik des Regimes von Wladimir Putin begünstigt seit dem Konflikt in der Ukraine den Export von Gas auf dem Seeweg in verflüssigter Form (LNG). „Der private russische LNG-Hersteller Novatek hat seine Exporte nach Europa [en 2022] um 13,5 % auf insgesamt 14,65 MT aus der Prodkutionsstätte der Halbinsel Jamal erhöht“, erklärt uns Hervé Baudu, ein maritimer Arktisexperte von der französischen École Nationale Supérieure Maritime. Die Gasproduktionsanlage Jamal LNG läuft mit 120%. Das zweite Projekt von Memel, dem Betreiber von Arctic LNG 2, dessen erster Gasverflüssigungszug bis Ende des Jahres in Betrieb gehen soll, befindet sich auf der Gydan-Halbinsel im neuen Hafen Utrenny gegenüber von Sabetta am Fluss Ob. Novatek kündigte an, dass die zweite im Bau befindliche Anlage von insgesamt drei Anlagen des Projekts 2024 in Betrieb gehen soll.
Kadri Simson, Mitglied der Europäischen Kommission und zuständig für Energie, reagierte im März dieses Jahres auf den Anstieg der Importe von sibirischem Gas nach Europa. „Wir werden unsere Bemühungen, weltweit zu diversifizieren und die Versorgung Europas zu sichern, fortsetzen und ausweiten. […] wir haben im letzten Jahr etwa zwanzig Milliarden Kubikmeter russisches LNG erhalten. Ich denke, dass wir uns so schnell wie möglich vollständig von russischem Gas trennen können und sollten, wobei wir unsere Versorgungssicherheit im Auge behalten müssen. Ich fordere alle Mitgliedstaaten und Unternehmen auf, den Kauf von russischem LNG einzustellen und keine neuen Verträge mit Russland abzuschließen, sobald bestehende Verträge ausgelaufen sind.“
Das französische Ergebnis der Einfuhr von russischem Flüssigerdgas wurde heftig kritisiert. Mediapart, links im französischen politischen Spektrum, erinnert daran, dass das Gasunternehmen TotalEnergies im Jahr 2022 1,5 Milliarden Dividenden aus dem russischen Gasgeschäft repatriiert hat, obwohl das Land einen völkerrechtlich ungerechtfertigten militärischen Konflikt führt.
Auf der anderen Seite des Atlantiks
Auf der anderen Seite des Atlantiks sind die USA zum wichtigsten LNG-Lieferanten für Frankreich und Europa geworden. Marc-Antoine Eyl-Mazzega von IFRI führt in seiner Notiz ebenfalls aus, dass „der LNG-Korridor zwischen der EU und den USA bis 2022 zur Haupthandelsroute für LNG geworden ist. Dies war jedoch sehr teuer – die Gasimportrechnung der EU verzehnfachte sich ab 2020 und verdreifachte sich im Vergleich zu den Werten von 2021.“
LNG, das aus den USA kommt, wirft auch ethische Fragen auf. Die Fördermethode Hydraulic Fracturing, oder kurz Fracking, schädigt das Grundwasser. Diese Methode ist seit dem 13. Juli 2011 aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Umwelt auf französischem Staatsgebiet verboten. In dieser Frage lässt Europa seine Mitglieder über ihre Regulierung entscheiden und rät zur Vorsicht. Eine Erweiterung des europäischen Mixes an Gasproduzenten setzt Europa anderen Kompromissen aus. Wäre es nicht an der Zeit, dass sie in Richtung Energieautonomie investiert?
Zweiunddreißig Hafenprojekte
Die NGO Friends of the Earth prangert in diesem Sinne in ihrer Pressemitteilung vom Februar dieses Jahres die Pläne an, in der gesamten EU neue Hafenplattformen zu bauen, die LNG aufnehmen sollen. „In ganz Europa sind 32 Projekte für Hafenterminals zum Import von LNG geplant, darunter auch das schwimmende LNG-Tankerprojekt in Le Havre“, sagt sie. Das TotalEnergies-Projekt würde Frankreichs Importkapazität für 7 Milliarden Euro verdoppeln. Das Projekt soll im September 2023 starten. Die NGO erklärt außerdem, dass es in Zeiten der Energieunsicherheit notwendig sei, die Produktion von erneuerbaren Energien zu intensivieren.
Für Marc-Antoine Eyl-Mazzega sind diese Terminals notwendig, um die europäische Logistik der Gasversorgung zu verbessern, die für den nächsten Winter noch angespannt sein wird, obwohl die Wiederinbetriebnahme der Kernkraftwerke und die erneuerbaren Energien es der EU seit Oktober letzten Jahres ermöglichen, Gas zu speichern. „Als letztes Mittel muss die Rückkehr bestimmter Lieferungen aus Groningen [Pays-Bas], so politisch heikel dies auch sein mag, in Betracht gezogen und vorbereitet werden“, schloss er in seiner Notiz und bezog sich dabei auf russisches Gas. Trotzdem besteht innerhalb der EU noch kein Konsens, wie mit dem Rohstoff umgegangen werden soll. Während Frankreich noch immer russisches Gas importiert, erklärt der niederländische Klima- und Energieminister Rob Jetten, dass er keine neuen Verträge mehr unterzeichnen und seine Importe auf der Grundlage bestehender Verträge schrittweise reduzieren werde.
Camille Lin, PolarJournal
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