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Als Re-Interpretation bezeichne ich in Anlehnung an K. Holzkamp eine Kritikmuster, in welchem ich die kritisierte Aussage in einem umfassenderen oder ädquateren Kontext neu interpretiere.
Das wissenschaftshistoriche Standardbeispiel ist die Newton-Physik in der Relativitätstheorie. Relativitätstheoretische zeigt sich der Geltungsbereich der Newton-Physik und ich kann/muss dann abschätzen, inwiefern ich mich innerhalb dieses Geltungsbereich befinden - oder sinnvoll finde, derart bestimmt begrenzte Aussagen zu machen.
Die Physik ist - in dieser Hinsicht - unproblematisch, auch wenn die Relativitätstheorie selbst angesichts der Quantenphysik problematisch ist. Als Physiker kann ich die Gesetze der Newton-Physik relativ verwenden. Ich beobachte dabei Objekte, nicht mich selbst und nicht mein Beobachten.
Die Re-Interpretation in Form der Kritischen Psychologie besteht darin, psychologische Aussagen in den Kontext der kapitalistischen Gesellschaft zu stellen und zu erwägen, was diesem spezifischen Kontext geschuldet ist.
Während die Physik ihren gegenstand so bestimmt, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse kaum eine Rolle spielen, ist die Psychologie, die sich mit Menschen in einer bestimmten Gesellschaft befasst ...
Textstellen aus Lernen. Subjektwissenschaftliche Grundlegung :
"Die Selbsteinschätzung der überkommenen Lernpsychologie als nomothetische Erklärungswissenschaft vom »Standpunkt dritter Person« müßte sich mithin als Selbstmißverständis erweisen, durch welches das eigene wissenschaftliche Vorgehen mystifiziert und so letztlich der von der einschlägigen Mainstream-Psychologie selbst erhobene Anspruch auf wissenschaftliche Durchdringung menschlichen Lernens nicht hinreichend erfüllt werden kann. »Reinterpretation« bedeutet also so gesehen das Herausanalysieren der hinter den nomologischen Theorieformulierungen verborgenen begründungstheoretischen Struktur der vorfindliehen Theorien. Nur unter Voraussetzung einer solchen Reinterpretation {mit welcher die traditionellen Lerntheorien sozusagen vom nomologischen Kopf auf die begründungstheoretischen Füße gestellt werden)* ist der relative Erkenntnisgehalt der MainstreamTheorien heraushebbar und in den Kontext der erwähnten positiven Ausarbeitung einer Begründungstheorie des Lernens einzubeziehen." (S. 31)
Sofern man gemäß dem »Awareness«-Argument bewußte Lernaktivitäten
als möglich in Rechnung stellt, würde sich mithin aus dem Umstand
(scheinbarer) menschlicher Konditionierbarkeit die Frage ableiten
lassen, unter welchen Bedingungen Individuen bewußt Verhaltensweisen
zeigen, die dem Konditionierungsverhalten von Tieren ähneln. So gesehen
stünde auch dem Versuch einer begründungsanalytischen Reinterpretation
nichts mehr im Wege, wobei die benannte Frage hier auf das Problem spezifizierbar
ist, unter welchen Prämissen Individuen mit »guten Gründen«, also
»vernünftigerweise« in einer Weise lernen, die von außen, also vom Drittstand·
punkt, als Konditionierung erscheint. - Damit haben wir beim Versuch der
Rechtfertigung unseres Vorhabens, aus SR-Theorien Begründungsmuster explizieren
zu wollen, gleichzeitig die Fragestellung unserer anschließenden
Reinterpretationsbemühungen ein Stück weit präzisiert." (S. 46)
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