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Viele der untersuchten Schweizer Unternehmen würden die Offenlegung als reine Pflichterfüllung betrachten und würden nur gemäss den gesetzlichen Mindestanforderungen kommunizieren, schreiben die Autoren des White Paper. Nur gerade mal 32% der Jahresberichte 2016 würden moderne Anforderungen des Value Reportings erfüllen und lediglich 14% der Unternehmen berichteten ausreichend über nichtfinanzielle Faktoren. Dies sei das Resultat einer detaillierten Beurteilung von 228 Jahresberichten, hält das Finance Institut fest.
Bestätigt werde dieses Resultat durch eine Umfrage, wonach nur gerade 19% der befragten Vermögensverwalter die Informationen zur Wissensvielfalt des Verwaltungsrates als ausreichend beurteilten. Auffallend an der Umfrage ist auch der Punkt, dass 85,7% der Unternehmen glauben, alle relevanten Informationen zur Vergütung veröffentlicht zu haben. Von den befragten Investoren stimmten dem jedoch nur 44,6% zu. Gerade mal 21,4% der Investoren waren mit der Offenlegung der Leistungsentgelte 2016 zufrieden.
RISIKOS DER PERFPRMANCE-AKTIEN UNTERSCHÄTZT
Einigkeit zwischen Investoren und Unternehmen herrscht indes bezüglich der Aktionärsbefragung zur Vergütung. So möchten 70% der Investoren und 81% der Unternehmen die Option beibehalten, prospektiv über Vergütungsbeträge abstimmen zu können.
Die Vergütungsstruktur der Unternehmen wird vom Institut allerdings kritisch hinterfragt. Viele Unternehmen hätten Aktienoptionen durch Performance-Aktien (Aktien, deren definitive Zuteilung von bestimmten Leistungskonditionen abhängt) ersetzt, heisst es im Papier. Dadurch sollten exzessive Risikoanreize reduziert werden. Dies sei jedoch ein Irrtum, da starke Risikoanreize bei diesen Instrumenten bestehen bleiben würden. Einfache Aktienprogramme könnten nach Ansicht des Instituts angemessener für die langfristige Vergütung sein. Ausserdem sollte ein Vergütungssystem die Kapitalkosten als integrierten Bestandteil des internen Erfolgsmanagements berücksichtigen.
Kritisch steht das Institut auch einer Geschlechterquote im Verwaltungsrat gegenüber, wie sie im Rahmen der Revision des Obligationenrechts diskutiert wird. Ein Verwaltungsrat generiere Wert mit der Suche nach Mitgliedern mit den wertvollsten und komplementärsten Fähigkeiten und Erfahrungen, und nicht durch Einhaltung einer festen Regel, heisst es in Papier. Feststellbar ist, dass der Anteil weiblicher Verwaltungsratsmitglieder von 7% im Jahr 2008 auf 17% im Jahr 2016 gestiegen ist.
STEIGENDE STIMMBETEILIGUNG
Bei der Stimmbeteiligung der Aktionäre stellt das Institut eine Zunahme fest. So stieg die durchschnittliche Aktionärsbeteiligung, gemessen anhand stimmenden Aktien gegenüber umlaufenden Aktien, von 55% im Jahr 2012 auf 70% im Jahr 2016. Analysen würden dabei zeigen, dass einflussreiche Investoren dem VR nicht mehr einfach blind vertrauen und passive Investoren zu den aktivsten im Corporate Governance Dialog zählen würden, heisst es weiter. Viele dieser grossen Investoren seien in den USA oder im Vereinigten Königreich ansässig, ständen mit Verwaltungsrat und Management in regelmässigem Kontakt und würden erheblichen Einfluss auf Schweizer Unternehmen ausüben.
Damit deren Stimmabgabe über einen Best-Practice-Ansatz hinausgehe und lokale Faktoren berücksichtigt, müssten Schweizer Unternehmen einen Dialog mit diesen Investoren führen, raten die Autoren des Papiers. Schweizer Unternehmen sollten ihren Aktionären mehr Zeit für die Analyse der GV-Traktanden einräumen, indem sie die entsprechenden Unterlagen bereits vor dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestzeitraum von 20 Kalendertagen vor der GV zur Verfügung stellen.
sig/tp
(AWP)