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In der Novelle DIE ROTE KARTE zeichnet Thomas Brändle nicht nur den Aufstieg des Protagonisten Giancarlo zu einem prominenten unbestechlichen Schiedsrichter im argentinischen Fussball, sondern gleichzeitig das eindringliche Bild über die Machenschaften im beliebtesten Sport Lateinamerikas. In der für den Autor typischen Art einer straffen und punktgenauen Sprache schafft er den Spagat zwischen einem hinreissenden Reisebericht über Südamerika und der Novelle mit einer Hauptfigur, die versucht, im brutalen Sportgeschäft mit so etwas wie Moral durchzukommen.
Diese Novelle ist auch ein Bericht über Korruption und Wahlmanipulation in der faszinierenden Welt des Königs Fussball. Er basiert auf einer wahren Lebensgeschichte.
Argentinien war damals noch eine Militärdiktatur und erst vor Kurzem Fussballweltmeister geworden. Giancarlo war sofort euphorisiert vom pulsierenden Leben in der faszinierenden Millionenmetropole am Rio de la Plata.
Die Stadt der guten Lüfte offenbarte sich ihm wie ein einziges grosses Fest. Nach einigen Monaten ging GIancarlo das Geld aus und es stellte sich die Frage, ob er nun nach Europa zurückgehe oder ob er hier eine Existenz für sich fände.
Das war der Beginn einer ungewöhnlichen Karriere. Sein Ruf als unbestechlicher, fairer und souveräner Fussballschiedsrichter eilte ihm schon bald voraus und ermöglichte ihm ein Leben, wie er es sich in Europa nicht hätte träumen lassen.
Doch dann begann sich Giancarlo mit den mächtigen Bossen des Fussballverbandes anzulegen. Er hatte das erste Mal Partei ergriffen: für seinen besten Freund.