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Es ist Mittwoch, 15. August 2012 08:00 Uhr. Die Schweizerische Nationalbank hat zu einer Pressekonferenz eingeladen. Präsident Thomas Jordan eröffnet die Konferenz pünktlich und sagt um 08:05 Uhr: „Die SNB toleriert am Devisenmarkt ab sofort keinen Dollar-Franken-Kurs unter dem Mindestkurs von 1.00. Die Nationalbank wird den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen und ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen.“
Um 08:07 notiert der Dollar bei 1.0355 Franken, nach 0.9780 Franken vor der Ankündigung. Die erste Frage eines Journalisten nach der Entwicklung des Euro beantwortet Jordan wie folgt: „Die SNB hat keinen Einfluss auf den Dollar-Euro-Wechselkurs und damit auch nicht auf den Franken-Euro-Kurs.“
Diese frei erfundene Geschichte zeigt, wie sich die Nationalbank auf ordentliche Art und Weise aus der Eurofalle befreien könnte, in die sie mit der fast gleichen Aussage am 6. September 2011 geraten ist. Natürlich ist dies keine Empfehlung an das Direktorium der Nationalbank. Solche machen eigentlich nur Bundesräte und Gewerkschaften, obschon die Nationalbank vom Bundesrat oder von anderen Stellen keine Weisungen entgegennehmen darf.
Die SNB hat mit dem Euromindestkurs von 1,20 Franken am 6. September 2011 der Exportwirtschaft und dem Tourismus einige Probleme abgenommen, sich selbst und der Schweiz aber zwei neue Probleme geschaffen:
- Sie hat den Franken an eine schwache Währung gebunden.
- Sie hat den Franken an eine defekte Währung gebunden. Der Euro ist nicht so schwach wegen der Schulden und des Defizits des Euroraums. Diesbezüglich steht der Euroraum zahlenmässig besser da als die USA, Grossbritannien und Japan. Der Euro ist jedoch eine Fehlkonstruktion. Und darauf hat Thomas Jordan schon 1993 in seiner Dissertation hingewiesen.
Wir wollen hier nicht in den fundamentalistischen Kanon jener einstimmen, welche kritisieren, dass „die Zentralbank den Markt nicht verfälschen dürfe“. Aber wir finden, dass es nicht nötig ist, sich gleich zwei neue Probleme zu schaffen.
Eines genügt: Die Anbindung an eine schwache Währung. Der Dollar ist fürwahr schwach, aber er ist nicht defekt. Zudem ist er mit über 42 Prozent Marktanteil die weltweit dominierende Währung, der Euro kommt nicht einmal auf die Hälfte. Die Mindestanbindung an den Dollar wäre auch nicht total neu. Das wäre so etwas wie ein „Mini Bretton Woods“, und damit haben die Zentralbanken langjährige Erfahrungen.
Mit der Anbindung an den Euro haben Tourismus und Exportwirtschaft nicht nur einen stabilen und besseren Wechselkurs zu ihrem wichtigsten Währungsraum erhalten, sondern sie haben auch davon profitiert, dass der Euro und damit der Franken seit dem 6. September gegenüber praktisch allen anderen Währungen sackschwach sind. Der Dollar hat sich gegenüber dem Franken um 14, der Yen um 13 und das Pfund um 10 Prozent verteuert.
Die Aufwertung dieser und anderer Währungen fällt für Tourismus und Export sehr ins Gewicht, denn nur rund die Hälfte ihres Geschäftes geht in den Euroraum. Zusätzlich profitieren diese Branchen von der deutlich tieferen Inflation in der Schweiz. Per Saldo hat sich damit ihre reale Preis- und Kostensituation seit dem letzten September um gegen 10 Prozent verbessert.
Allerdings besteht die Schweiz nicht nur aus Tourismus und Export.
Den Franken statt an den Euro an den Dollar anzubinden, macht Sinn. Für ein Rettungsboot, das nicht aus eigener Kraft überleben kann, wäre es ebenso gescheiter, dieses an den Eisberg statt an die Titanic anzubinden. Dass der Eisberg die Ursache der Katastrophe war, spielt bei dieser Überlegung keine Rolle.
Kommentare
Und ich habe tatsächlich geglaubt, wir hätten
eine FREIE WIRTSCHAFT ….. aber völlig
daneben. Aber noch mehr Interventionen
werden mittel- bis langfristig den noch bestehenden Rest von FREIER MARKTWIRTSCHAFT
bodigen…. und das würde uns alle dann
sehr viel mehr kosten !
Die Überlegungen von Hans Geiger sind interessant, nur lösen auch sie das Problem der Frankenstärke nicht. Hiezu einige Klarstellungen
1)Der CHF ist nicht an den Euro gebunden wie dies immer wieder plakativ behauptet wird; es handelt sich um eine Mindestkurszielsetzung und die hat nichts zu tun mit einem Fixkurssystem mit oberen und unteren Interventionspunkten.
2) Unsere Aussenwirtschaftsbeziehungen sind nun mal mit dem Euro-Raum am bedeutendsten. Daher ist es realwirtschaftlich sinnvoll, den Euro als Ankerpunkt zu benutzen.Hieraus abzuleiten dies sei ein versteckter Einstieg in die EU ist absurd un populistisch.
3) Die SNB hat bereits schon einen ansehnlichen Posten von US-Staatsanleihen im Portefeuille; diesen durch Interventionskäufe noch aufzustocken ist weder besser noch schlechter als die deutschen Bundesanleihen.
4) Geldpolitik muss sich nach den realen Güter- und Dienstleistungsströmen richten und nicht nach den Finanzströmen des Devisenhandels (=$).
5) Über die Cross-rates pendelt sich ja indirekt auch der $ gegen CHF ein.
6) Sollte die SNB, die eine überzeugende Geldpolitik macht, endlich von politischen Querelen in Ruhe gelassen werden. Ohne Mindestkurs gegenüber dem EURO hätte wir in der CH eine schwere Rezession. Es macht den Anschein, dass einige Exponenten der SVP nicht begreifen, dass ohne Intervention der SNB (CHF/EURO) die Schweizer Realwirtschaft massiv leiden würde. Profiteure einer Mindestkursfestsetzung gegenüber dem $ wären wohl hauptsächlich die Banken (massive Wertschriftenportefeuilles in $).
Der Franken muss an den $VP-Kurs angebunden werden, weil unsere $VP ist ein aynzygste Party wo sich für uns Schwyzer aynsetzt.
Herr Geiger meint, er möchte nicht in den fundamentalistischen Kanon jener einstimmen, die Zentralbanken für ihre aktiven eingriffe rügen. Wieso aber überhaupt an den USD anbinden? Wenn es überhaupt eine „Rechtfertigung“ gibt in einen Devisenkurs einzugreifen, dann am ehesten aufgrund der Dominanz der entsprechenden Fremdwährungen in einheimischen Branchen – Ausser beim Personalintensiven Tourismus mit EU-Bürgern und Euros fällt mir da beim besten willen nichts ein, das wirklich kränkelt in unserer Volswirtschaft – Der USD ist bezüglich Auswirkung auf die einheimische Realwirtschaft nunmal wesentlich unwichtiger als der Euro. Aber: Jeder Eingriff ist ein Fehler und führt zu einer künstlich herbeigeführten Übervorteilung Einzelner zu Lasten der Anderen, sei es durch zukünftige Geldentwertung oder durch Kursverluste.
Der Greenback soll ein Eisberg sein? Vielleicht einer aus Pappe, der von weitem so aussieht….
Endlich endlich endlich die Anbindung an den Euro aufheben! solange es noch geht ohne die Schweiz in den Club der Schwachwährungen zu bringen und Steuergelder zu verschleudern.
Dieses unprofessionelle Verhalten lässt jegliche Diskussion z.B. über AHV-Finanzierung etc. etc. lächerlich wirken. Wenn man so viel Geld verschleudern kann, muss die Finanzierung anderer Dinge jedereit mehr als genug Platz haben.
Gewichtiges Argument: Die Anbindungsverluste werden die Steuerzahler begleichen müssen, die Gewinne aufgrund der Anbindung in der Industrie, streichen „nicht die Steuerzahler ein“… …tönt links, ich weiss, doch das ist in der aktuellen Lage egal; hauptsache wir beenden diesen Alptraum (und wechseln ggf. in einen neuen, doch der jetzige ist unkalkulierbar). Die Anbindung an den Dollar finde ich eine echte Alternative (oder demnächst an den Yuan).
Was passiert eigentlich wenn der Euro zerfällt und die SNB eine halbe Billion Euros hat?
Die SNB hält ihre Devisenreserven vorwiegend in Staatsanleihen. Im Euro dürften dies vor allem deutsche Bundesanleihen sein. Man sagt, die SNB sei der grösste Finanzierer des deutschen Staatshaushaltes. Wenn der Euro zerfällt, hat die SNB immer noch die deutschen Staatsanleihen. Was die dann aber wert sind, ist kaum voraussehbar.
Anbindung an den USD ? – Jemand der die Schwankungen des USD seit den 70ern ein wenig verfolgt hat weiss wie sehr der USD-Kurs ein politisches Instrument der jeweiligen US-Regierung ist. – Hans Geiger ist nicht ganz bei Trost wenn er eine Anbindung an den USD vorschlägt.
Jedenfalls besser als an den Euro!
Geb ich dir absolut recht. Seit Nixon und Fed ist diesem Papier nicht mehr zu trauen – Herr Geiger soll mal die Chinesen fragen, die können ihre US Treasuries bald als Toilettenpapier verwenden…
Absolut richtig! Die Logik war schon im September 2011 richtig, nur war die Panik zu gross für eine ruhige Analyse. Auf dem Weltmarkt zählt nur der Dollar. Die Spekulationen um den Euro werden noch lange nicht aufhören und damit haben wir uns eben an die falsche Währung angehängt (eine defekte Währung, hinter der keine mächtige Regierung steht).
Man sollte nicht den Grund für den die Untergrenze des EURCHF Kurses festgelegt wurde mit den offensichtlichen Problemen des Euros vermischen.
Der Hauptgrund für den Mindestkurs ist doch die Wirtschaft vor einem voraussichtlich temporären überschiessen der Währung aufgrund von nicht-produktiven Kapitalzuflüssen zu schützen. Die am ehesten geeignete Währung ist konsequenterweise der EUR – aufgrund des überwiegendes Anteils am Handel.
Ein Mindestkurs gegen den USD macht da wohl sehr wenig Sinn. Wenn überhaupt, sollte man an einen Währungskorb denken.
Unsinn, wenn eine (vorübergehende) Anbindung, dann an den Euro, das ist schon korrekt. Dies weil wir hauptsächlich in den kirselnden Euroraum exportieren. In Asien und Südamerika, wo in USD abgerechnet wird, profitiert unsere Exportwirtschaft vom dortigen Wirtschaftswachstum sowie der starken Nachfrage nach unseren Luxusgüter, da braucht es keine künstliche Hilfe. Zudem, die Rohstoffe, die wir importieren, Erdöl, Metalle, Baustoffe etc, kommen v.a. aus nicht Euro-Ländern. Auch hier hilft ein schwacher USD die Kosten tief zu halten. Gleiches im Tourismus: Asiatische Touristen geben in der Schweiz, trotz starkem Franken, mehr Geld aus als Deutsche, Franzosen oder Italiener.
Sollen wir die Amis noch belohnen für ihre Abwertungspolitik und mit den gekauften USD US-Treasuries kaufen? Warum nicht einfach den CHF an eine wirlich starke Währung wie das Gold anbinden?
Herr Haller
Natürlich haben Sie Recht mit dem Gold. Deshalb unterstütze ich die Goldinitiative, die verlangt, dass die SNB immer mindestens 20 Prozent der Aktiven in Gold hält: http://www.goldinitiative.ch/
Aber ich wollte hier nicht das langfristige Grundsatzproblem ansprechen, sondern nur zeigen, wie die SNB kurzfristig aus der unseligen Euro-Anbindung rauskommt. Die Zeit drängt. Und dass wir die Amis nicht belohnen sollen, finde ich auch. Sie sind wirklich der Eisberg, der für viele Probleme verantwortlich ist. Es geht aber bei der SNB nur um ihren monetären Auftrag, und der lässt keinen Platz für solche politischen Argumente. Deshalb sollte auch der europhile Bundesrat zu diesem Thema die Klappe halten.
Herr Geiger,
Gegenüber was messen Sie eine Starke oder eine Schwache Währung? Ich würde sagen, zutreffender wäre eher, lieber die 2 Schwächste als die Schwächste. Nun da muss ich ihnen widersprechen. Wenn Sie mit Diversifikationsgründen argumentieren muss ich ihnen jedoch widersprechen. Aus meiner Sich macht es absolut keinen Unterschied ob Sie jetzt Papier-Geld in EUR oder Dollar halten. Beide Währungen werden wohl irgend einmal zu ihrem inneren Wert zurück finden.
Die Goldinitiative unterstütze ich ebenfalls. Warum machen Sie nicht etwas Werbung auf so einer Plattform, damit genug Unterschriften zusammen kommen?
Freie Wechselkurse – das einzige, dass langfristig funktioniert
RICHTIG!!! Aber die „Langfristgeneration“ muss erst wieder geboren werden.