Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/148487

<h2>SubmittedText<h2><p>2011 hat das Bundesamt für Statistik den Begriff "Zuwanderung" neu definiert. Sogenannte Statuswechsel (Übertritte von Personen von der nichtständigen zur ständigen Wohnbevölkerung) werden nicht mehr zur Zuwanderung hinzugerechnet, weil sie gewöhnlich nicht im Jahr der Zuwanderung erfolgen. In der amtlichen Statistik ist der Wanderungssaldo der Ausländer ("internationale Wanderungen") deshalb nach 2010 drastisch gesunken: von 69 000 Personen 2010 auf 51 200 2012.</p><p>Eine Statistik "Bewegung der ständigen Wohnbevölkerung", wo die "Änderungen des Bevölkerungstyps" erscheinen, gibt es zwar auch, aber die Daten müssen eigenhändig zum Wanderungssaldo hinzugezählt werden, damit man auf den Wanderungssaldo gemäss ursprünglicher Definition kommt und ein Längsschnittvergleich Sinn macht. Die Statistik "Ein- und Auswanderung der ständigen Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit" ist ohne Berücksichtigung von "Änderungen des Bevölkerungstyps" verzerrt (Wanderungssaldo 2012: 45 200). </p><p>Die neue Definition von "Zuwanderung" mag auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen. Bei näherer Betrachtung hat sie aber gravierende Nachteile. Personen mit Statuswechsel sind eingewandert und kommen neu zur ständigen Wohnbevölkerung hinzu, erscheinen in der Statistik aber gar nie als Zuwanderer! 2012 waren dies 26 000. Die Zuwanderung erscheint statistisch um etwa einen Drittel geringer, als sie tatsächlich ist, was bei diesem politisch sensitiven Thema nicht unproblematisch ist. Vergleiche mit Daten vor 2011 sind nicht mehr möglich. </p><p>Der Bundesrat wird eingeladen, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Person oder welches Gremium hat den Entscheid zur Änderung der Begriffsdefinition getroffen?</p><p>2. Ist er bereit, darauf hinzuwirken, dass auch die ursprüngliche Statistik mit der "alten" Begriffsdefinition fortgeschrieben und entsprechend kommuniziert wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Um die verschiedenen Aspekte der Einwanderung in die Schweiz besser aufzeigen zu können, hat das BFS 2010 entschieden, die Zahlen zu den Einwanderungen innerhalb eines Kalenderjahres und jene zu den Übertritten von der nichtständigen in die ständige Wohnbevölkerung separat zu veröffentlichen, da im zweiten Fall die Einwanderung in den Jahren vor dem Statuswechsel erfolgte. Das Ziel war somit nicht, die Definition der Einwanderungen oder des Wanderungssaldos zu ändern, sondern lediglich die Zahlen anders zu präsentieren. Die Unterscheidung zwischen "Einwanderungen" und "Änderung des Bevölkerungstyps" liefert detailliertere und präzisere Daten zur Migrationsentwicklung. Des Weiteren veröffentlicht das BFS auf seiner Internetseite die Zahlen zu den Ein- und Auswanderungen der ständigen wie auch der nichtständigen Wohnbevölkerung, um so ein vollständiges Bild des Migrationssaldos der Schweiz zu vermitteln.</p><p>2. Nachdem das BFS festgestellt hatte, dass diese Darstellungsänderung das Verständnis der Statistiken beeinträchtigt, hat es die Präsentation der Migrationszahlen überarbeitet. Das BFS hat entschieden, die Übertritte von der nichtständigen Wohnbevölkerung in die ständige Wohnbevölkerung wieder zur Einwanderung und somit auch zum Wanderungssaldo zu zählen. Damit entspricht die Wanderungsstatistik des BFS auch wieder dem vom BFM in dessen statistischen Publikationen gewählten Ansatz, wonach Übertritte zur Einwanderung gezählt werden. Diese Änderung wurde in der Medienmitteilung "Bevölkerungsentwicklung in der Schweiz 2013" vom 29. September 2014 bekanntgegeben und wird beibehalten werden. Gleichzeitig wird das BFS weiterhin Daten zur Änderung des Bevölkerungstyps veröffentlichen, um ein ganzheitliches und präzises Bild der Migration zu zeichnen. Dank der neuen Darstellung der Daten lassen sich Verständnisprobleme künftig verhindern.</p>  Antwort des Bundesrates.