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Ex-Präsidentin Bachelet hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl klar für sich entschieden. Die Sozialistin muss sich aber in einer Stichwahl der konservativen Kandidatin Evelyn Matthei stellen. Bachelet landete bei knapp 47 Prozent, Matthei bei 25 Prozent, wie das Wahlamt nach Auszählung fast aller Stimmen mitteilte.
Am 15. Dezember stehen sich nun erstmals in der Landesgeschichte zwei Frauen in einer Stichwahl gegenüber. Bachelets Anhänger hatten gehofft, ihre Kandidatin könne schon am Sonntag mehr als 50 Prozent erringen, so dass keine zweite Runde notwendig geworden wäre. «Wir waren diesem Ziel sehr nahe», sagte Bachelet in der Nacht.
Rechte Kandidatin «sehr zufrieden»
Dass die 62-Jährige bei der Stichwahl in einem Monat nach drei Jahren den Sprung zurück ins höchste Staatsamt noch verpassen könnte, erwarten Beobachter nicht. Zu gross ist ihr Rückhalt bei Kommunisten, Sozial- und Christdemokraten.
Für Bachelets Herausforderin Matthei ist das Ergebnis von 25 Prozent ein Überraschungserfolg, Umfragen sahen sie bei höchstens 21 Prozent. Sie hatte es nicht vermocht, das konservative Lager geschlossen hinter sich zu einen. Sie sei «sehr zufrieden» über das Erreichen der zweiten Runde, sagte die 60-Jährige.
Unterschiedliche Versprechen
Bachelet war von 2006 bis 2010 Chiles erste Frau im Präsidentenamt. Die ausgebildete Ärztin konnte aber laut Verfassung nicht direkt für eine weitere Amtszeit antreten. Gewinnt sie am 15. Dezember die Stichwahl, kommt es in Chile zum politischen Richtungswechsel: Seit drei Jahren ist der rechtskonservative Sebastián Piñera Präsident.
Bachelet versprach im Wahlkampf eine neue Verfassung, Änderungen im Steuersystem und Bildungsreformen. Sie kündigte an, in ihren ersten 100 Tagen im Amt 50 Reformen auf den Weg zu bringen. Matthei lehnt eine Verfassungsreform ab. Die Chilenen, die nicht auf der Strasse protestierten, sondern Tag für Tag ihre Arbeit verrichteten, schätzten, dass in den vergangenen Jahren ein solides Land aufgebaut worden sei.
Entscheidende Parlamentswahl
Die Manövrierfähigkeit der künftigen Regierung wird auch vom Ausgang der zeitgleich abgehaltenen Parlamentswahl abhängen, bei der alle Abgeordneten und ein Teil der Senatoren neu gewählt wurden. Nach vorläufigen Ergebnissen errang die Mitte-Links-Koalition Bachelets eine knappe Mehrheit, die nicht für eine Verfassungsreform ausreichen würde.
Rund 13,5 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Nach vorläufigen Angaben des Wahlamtes lag die Beteiligung bei 56 Prozent.