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Roger Federer bietet im Wimbledon-Viertelfinal gegen den Kanadier Milos Raonic die Gelegenheit zur Revanche für die letztjährige Halbfinal-Niederlage. Die Vorzeichen sind diesmal umgekehrt.
Das Bild ging um die Welt. Roger Federer war 2016 im Wimbledon-Halbfinal gegen Milos Raonic beim Stand von 2:1 im fünften Satz gestürzt - der Moment blieb haften, der körperlich angeschlagene König von Wimbledon lag am Boden. Der Baselbieter verlor in fünf Sätzen und brach wenige Wochen später aufgrund anhaltender Knieprobleme seine Saison vorzeitig ab.
Ein Jahr später sind die Voraussetzungen vor dem erneuten Aufeinandertreffen diametral verschieden. Raonic, der nach Wimbledon an den ATP-Finals den Halbfinal erreichte und im Ranking auf Platz 3 aufstieg, kam in diesem Jahr noch nicht auf Touren. Immer wieder wurde er von Verletzungen gestoppt. Handgelenk, Knie und Oberschenkel machten dem Kanadier zu schaffen, der Rückfall im Ranking auf Rang 7 folgte.
Auch in Wimbledon tat sich Raonic schwer. Im Achtelfinal gegen Alexander Zverev setzte er sich nach einem 1:2-Satzrückstand aber dank der deutlich besseren Effizienz bei den Breakbällen doch noch durch. "Er ist sicherlich nicht in absoluter Topform, aber er ist noch da", sagte Federer. Raonic gilt als einer der besten Aufschläger auf der Tour. "Ich darf mich davon nicht frustrieren lassen", so Federer. Allein auf einen guten Service will er Raonic aber nicht mehr reduzieren. "Er hat sich auch von der Grundlinie stark verbessert."
Auf den ganz grossen Durchbruch wartet der 26-jährige gebürtige Montenegriner aber noch immer. Raonic ist eines der Hauptopfer der "Big Four", der Ära von Federer, Nadal, Djokovic und Murray, die zusammen 33 der 38 Grand-Slam-Titel seit 2008, als Raonic auf die Tour kam, gewonnen haben. Acht Mal scheiterte Raonic an einem Major-Turnier an einem der Top-4-Spieler. Und gelang es ihm, wie im letzten Jahr in Wimbledon, mit Federer einen der Grossen zu besiegen, dann folgte im Final mit Murray der nächste.
"Diese Spieler haben in den entscheidenden Momenten einer Partie eine enorme Erfahrung", sagte Raonic. Für ihn gehe es darum, sein Niveau weiter zu verbessern, um mehr solche Partien zu bestreiten und von diesen Momenten weiter zu lernen. Der letztjährige Finaleinzug habe ihm Kraft und Motivation gegeben. "Gelernt habe ich vor allem, nur von Spiel zu Spiel zu schauen, mich auf den Moment zu konzentrieren und mich nicht ablenken zu lassen, auch wenn dies alles klischeehaft tönt."
Seither haben sich die Zeiten geändert. Während Federer nach seiner halbjährigen Pause die ersten drei Monate der Saison dominierte, ging es für Raonic abwärts. "Gute Matches, schlechte Matches, zu viele Verletzungen", sinnierte er in diesen Tagen von Wimbledon. "Es fühlt sich an, als sei seither mehr als ein Jahr vergangen." Für ihn ist klar: Federer sei der beste Spieler in diesem Jahr. "Was er gezeigt hat, ist eindrücklich." Etwas anderes bewundert er am Schweizer, gegen den er drei von zwölf Partien gewinnen konnte, aber besonders: "Wenn man ihn anschaut, hat man das Gefühl, dass niemand das Tennisspielen so zu geniessen scheint wie er."
SDA-ATS