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Sieht man von den Untersuchungen des Eidgenössischen Departements des Innern zu Beginn der 1850er Jahre, den ersten vier eidgenössischen Viehzählungen und einzelnen kantonalen Erhebungen ab, wird man sagen können, dass die Geburtsstunde der schweizerischen Landwirtschaftsstatistik mit der Gründung des Schweizerischen Bauernsekretariats zusammenfiel, die im Jahre 1897 erfolgte. Unter der tatkräftigen Leitung von Ernst Laur entfaltete das Bauernsekretariat sogleich eine rege Tätigkeit auf dem Gebiet der Statistik. Der erste Versuch einer Ermittlung der Wertschöpfung im Agrarsektor datiert bereits aus dem Jahr 1899; jährliche, nach einzelnen Produktionszweigen gegliederte Daten weist das Bauernsekretariat seit 1922 in seinen «Statistischen Erhebungen und Schätzungen» aus. Während die frühen Jahrgänge dieser Zeitschrift noch einen verhältnismässig schmalen Umfang aufweisen, enthalten die Publikationen der 1960er, 70er und 80er Jahre eine Fülle von Tabellen, von denen längst nicht alle in den vorliegenden Zahlenband integriert werden konnten. Bei der Auswahl der Daten sind wir im allgemeinen so verfahren, dass der amtlichen Statistik, soweit sie einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten umfasste, und den an der Forschungsstelle für schweizerische Sozialund Wirtschaftsgeschichte der Universität Zürich durchgeführten Schätzungen Priorität eingeräumt wurde. Des weiteren haben wir darauf geachtet, dass sich nicht allzu viele Überlappungen mit den Tabellen des in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre von Hans Brugger verfassten «Statistischen Handbuchs der Schweizerischen Landwirtschaft» ergeben haben. So nehmen wir beispielsweise davon Abstand, über die Entwicklung der landwirtschaftlichen Versicherungen, die Ausbreitung von Viehseuchen oder die kantonalen Ergebnisse der Getreide-, Kartoffel-, Obst- und Weinernten im späteren 19. und frühen 20. Jahrhundert zu informieren. In der Absicht, eine sinnvolle Ergänzung zu den von Brugger ausgewiesenen Langzeitreihen zu bieten, haben wir statt dessen auf der Ebene der Kantone eine partielle Auswertung der eidgenössischen Vieh-, Anbau-, Betriebs- und Landwirtschaftszählungen vorgenommen.
Die Schätzungen 1837–1945
Im Tabellenteil dieses Kapitels werden zunächst jene Daten präsentiert, die im Rahmen des Nationalfondsprojekts «Geldmenge und Wirtschaftswachstum in der Schweiz 1851–1913» geschätzt worden sind: Daten zum Ackerbauareal, zu den Baum- und Viehbeständen, zur physischen Produktion und deren Verwertung und zur Wertschöpfung des Agrarsektors und seiner Komponenten. Die landwirtschaftliche Produktion der Schweiz ist im 19. Jahrhundert zwar mehrere Male geschätzt worden, doch eine eigentliche Landwirtschaftsstatistik wurde paradoxerweise erst ins Leben gerufen, als der Erste Sektor bereits einen Grossteil seiner früheren volkswirtschaftlichen Bedeutung eingebüsst hatte. Einzelne Produktionszweige entzogen sich noch zu Beginn dieses Jahrhunderts fast vollständig der statistischen Erfassung, ein Umstand, der die Berechnung der Wertschöpfung des Agrarsektors natürlich stark erschwert hat. Es blieb nichts anderes übrig, als entweder kantonale und lokale Erhebungen hochzurechnen oder dann ein indirektes Schätzverfahren zu entwickeln. Im folgenden skizzieren wir in groben Zügen, welcher Vorgehensweisen wir uns bedient haben, um den Beitrag der wichtigsten landwirtschaftlichen «Branchen» zur Wertschöpfung des Ersten Sektors im Zeitraum 1837–1945 zu eruieren.
Pflanzenbau
Die Wertschöpfung der pflanzlichen Produktion haben wir in der Regel so ermittelt, dass wir zunächst die Areale mit den Hektarerträgen bzw. beim Obstbau die Baumbestände mit den Baumerträgen multiplizierten und anschliessend von den Gesamterträgen die Futter- und Saatgutmengen subtrahierten. Der nächste Schritt bestand darin, die Nettoerträge mit den Preisen zu multiplizieren. Diese Aufgabe war vergleichsweise leicht zu lösen, da die meisten Preisbewegungen gut dokumentiert sind und nur in Ausnahmefällen ein atypisches Kurvenbild aufweisen. Allerdings galt es zu berücksichtigen, dass ein Teil des Ernteerlöses jeweils erst im Frühling oder Frühsommer des nachfolgenden Jahres anfiel. Um die Preise an die Erntejahre anpassen zu können, musste daher bis ungefähr zur Jahrhundertwende hin mit monatlichen Preisstatistiken operiert werden.
Arealstatistiken sind aus dem 19. Jahrhundert nur wenige überliefert. Bei den meisten Getreidesorten sahen wir uns daher gezwungen, Trendwerte für einzelne Kantone auf Landesebene hochzurechnen. Gestützt u. a. auf die Schätzungen von Werner Schlegel suchten wir zunächst das Ausmass des Rückgangs der schweizerischen Getreideanbaufläche im Zeitraum 1837–1911 festzustellen, um dann anschliessend mit Hilfe von kantonalen Statistiken und Angaben aus der zeitgenössischen Literatur für ausgewählte Jahre die Anteile einzelner Getreidesorten am Getreideareal auf Landesebene zu bestimmen.
Schlechter noch als um die Arealstatistik war es im 19. Jahrhundert um die Produktionsstatistik bestellt. Vor 1885 verfügte kein einziger Kanton über eine einigermassen zuverlässige jährliche Ertragsstatistik. Auf lokaler Ebene sind aus dem frühen und fortgeschrittenen 19. Jahrhundert zwar Aufzeichnungen über die Schwankungen der Getreide- und Kartoffelernten überliefert, doch lassen sich aus diesen noch nicht einmal für den Ernteverlauf in den umliegenden Gemeinden repräsentativen Zahlen unmöglich gesamtschweizerische Erntekurven herleiten.
Um trotz dieser desolaten statistischen Ausgangslage eine Schätzung der Wertschöpfung im Agrarsektor vornehmen zu können, haben wir einen etwas abenteuerlich anmutenden Ausweg eingeschlagen: In Kenntnis der Tatsache, dass seit den späten 1830er Jahren eine qualitativ hochwertige, aus Monatswerten zusammengesetzte Witterungsstatistik existiert, und von der Annahme ausgehend, dass die jährlichen Schwankungen der Getreide- und Kartoffelerträge durch die Höhe der Temperatur und der Niederschläge zu bestimmten Jahreszeiten beeinflusst worden sein müssen, konstruierten wir ein mehrere abhängige Variablen umfassendes lineares Regressionsmodell, das den Erntezyklus mit Witterungsvariablen «erklärt». Die Koeffizienten der einzelnen Gleichungen wurden gewonnen, indem für die Jahre 1885–1927 die Hektarerträge des Getreides und der Kartoffeln im Kanton Bern gegen die monatlichen Temperaturund Niederschlagsreihen der Wetterwarte Bern regressiert wurden. Aus den Monatswerten der bernischen Witterungsreihen bildeten wir aggregierte Indexvariablen, deren Zusammensetzung wir so lange variierten, bis eine optimale Angleichung an die Bewegung der jeweiligen Erntevariable realisiert war. Auf diese Weise sind sechs verschiedene, fast durchweg vier oder fünf Indexreihen umfassende Variablensets entstanden. Um diese Indizes nach rückwärts verlängern zu können, griffen wir auf die Aufzeichnungen der Wetterwarten Bern, Basel, Genf und Zürich aus früheren Jahrzehnten zurück. Indem wir die für die Stützperiode berechneten Koeffizienten auf diese früheren Jahrzehnte übertrugen, gelangten wir zu einer Schätzung der Erntefluktuationen im Kanton Bern in den Jahren 1837–1884.
Anhand der Werte, die bestimmte Parameter des Modells angenommen haben, lässt sich zeigen, dass das eben vorgestellte Regressionsmodell die tatsächliche Bewegung der bernischen Hektarerträge mit unterschiedlicher Zuverlässigkeit imitiert. Am besten gelang die Expostprognose der Erntefluktuationen beim Winterkorn (Dinkel) und bei den Kartoffeln; zufriedenstellend nimmt sie sich auch beim Winterweizen aus. Beim Winterroggen und beim Hafer kann zwar nicht von einer besonders grossen Treffsicherheit, aber auch nicht von einem Versagen der «Nachhersage» gesprochen werden. Als mager, wenn nicht gar ungenügend muss dagegen die Schätzung der Gersteerträge bezeichnet werden.
Gestützt auf qualitative Angaben aus der zeitgenössischen Literatur haben wir einzelne Werte der Schätzreihen im nachhinein leicht korrigiert. von der Annahme ausgehend, dass der Verlauf der gesamtschweizerischen Erntekurven eng mit den Fluktuationen der Hektarerträge im Kanton Bern korreliert haben dürfte, verwendeten wir die korrigierten Schätzreihen dazu, die gesamtschweizerischen Trendwerte, die wir zuvor mit Hilfe der Fachliteratur bestimmt hatten, untereinander zu verbinden. Nachdem solcherart der Verlauf der Hektarertragskurven für die wichtigsten Getreidesorten und für die Kartoffeln rekonstruiert war, brauchten wir die gesamtschweizerischen Ertragsreihen nur noch mit den gesamtschweizerischen Arealreihen zu multiplizieren, um Langzeitreihen der schweizerischen Getreide- und Kartoffelproduktion im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu erhalten.
Bereits im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts besass die Schweiz eine vergleichsweise gut ausgebaute kantonale Weinbaustatistik. Die Verarbeitung einer grösseren Anzahl kantonaler und lokaler Ertragsreihen zu einem gesamtschweizerischen Bewegungsindikator hat uns denn auch kaum Probleme bereitet. Aus Neugier und um ganz sicher zu gehen, haben wir aber auch für diese «Branche» des Ersten Sektors ein mit Witterungs- und Ertragsstatistiken gespeistes lineares Regressionsmodell getestet. Überraschenderweise produzierte dieses Modell selbst für einen Zeitraum von über 100 Jahren (1814–1924) dermassen überzeugende Prognosewerte, dass die Schätzreihe bei der Ermittlung der gesamtschweizerischen Hektarerträge mitberücksichtigt werden konnte.
Ausgesprochen schlechte Ergebnisse lieferte das Regressionsmodell dagegen beim Obstbau. Da für die Zeit vor 1885 keine kantonalen und nur ganz wenige lokale Obstertragsreihen vorliegen, hielten wir eine Schätzung der schweizerischen Obstproduktion im Zeitraum 1837–1884 zunächst für undurchführbar. Der Umstand, dass sich im Unterschied zum Getreide beim Kernobst und etwas weniger ausgeprägt auch beim Steinobst noch im frühen 20. Jahrhundert eine enge Korrelation zwischen Preis und Menge beobachten lässt, brachte uns dann aber auf die Idee, die Witterungsvariablen des von uns zur Rekonstruktion der Getreide- und Kartoffelernten entwickelten Regressionsmodells durch Preisreihen zu ersetzen. Das neue Modell unterstellte eine lineare Beziehung zwischen den Fluktuationen der Obsterträge und der Obstpreise im Kanton Bern im Zeitraum 1885–1914. (Die Jahre 1915–1927 mussten aus der Regressionsanalyse ausgeklammert werden, weil die Obstpreise während des Ersten Weltkriegs unabhängig vom Ausgang der Obsternten in die Höhe schnellten). Mit den Ergebnissen, die durch die Regression der Erntereihen gegen die Preisreihen gewonnen wurden, konnten wir einigermassen zufrieden sein. Die Schätzreihen für Kirschen, Zwetschgen und Nüsse verdienten zwar bloss das Prädikat «dürftig», dafür aber hatte die Rechnung für die beiden von ihrer geographischen Verbreitung her wichtigsten Obstsorten, Äpfel und Birnen, Prognosewerte erzeugt, die qualitativ nicht hinter denjenigen für Weizen und Wein zurückstanden.
Analog zur Vorgehensweise bei der Ermittlung der Getreide- und Kartoffelerträge brachten wir an den Schätzreihen anschliessend noch leichte Korrekturen an, indem wir von qualitativen Quellen gemachte Mitteilungen über den Ausgang der Obsternten verwerteten.
Viehhaltung
Für den Zeitraum 1851–1913 sind die wichtigsten Komponenten der tierischen Produktion von Thomas Steiger geschätzt worden. Diese Schätzungen, die sich auf den Bestand einzelner Rindviehgattungen, auf die Konsum- und Verkehrsmilchmengen, auf die Produktion von Rind- und Kalbfleisch, auf die Preise für Milch, Rind- und Kalbfleisch und auf die Wertschöpfung der Milch- und der Rind- und Kalbfleischproduktion beziehen, sind von uns praktisch unverändert übernommen worden. Weil Steiger in seiner Untersuchung jedoch keine mit absoluten Werten besetzte Preisreihen ausweist und auch die Wertschöpfung nicht in absoluten Zahlen, sondern nur in Gestalt von Indizes abbildet, musste für bestimmte Jahre und Produkte noch das Preisniveau festlegt werden. Zusätzliche Annahmen und Überlegungen waren erforderlich, um die Wertschöpfung der Milch- und der Rind- und Kalbfleischproduktion in den Jahren 1837–1850 und 1914–1945 ermitteln zu können. Die Wertschöpfung der Schweinefleischproduktion haben wir geschätzt, indem wir – wie dies Steiger bei der Schätzung der Rind- und Kalbfleischproduktion getan hatte – die Bestandesveränderungen, den Schlachtkoeffizienten, die Reproduktionsrate und die Aussenhandelsbewegung berechneten. Bei der Schaf-, Ziegen-, Pferde- und Bienenhaltung waren dagegen nur grobe Produktionsschätzungen möglich.
Verwertung
Für das 19. und frühe 20. Jahrhundert haben wir den prozentualen Anteil des Saatguts und der Fütterungsmengen (inkl. Schwund und Verlust) beim Getreide und bei den Kartoffeln in Anlehnung an die in der Fachliteratur vorgefundenen Angaben grob geschätzt. Systematische Erhebungen zur Verwertung der landwirtschaftlichen Produktion setzten erst nach dem Ersten Weltkrieg ein – bei Obst und Milch zu Beginn der 1920er Jahre, bei den Kartoffeln rund zehn Jahre später und beim Getreide gar erst im Jahr 1941. Nicht nur unsere Schätzungen, auch die vom Bauernsekretariat gemachten Angaben über die Verwertung der Getreide- und Kartoffelproduktion sind mit Vorsicht zu interpretieren, existieren doch bis heute keine genauen Zahlen zum Saatgutverbrauch pro Hektare und zum Prozentsatz des Postens «Schwund und Verlust».
Die Butterproduktion vermochten wir bis 1886, die Käseproduktion bis 1851 zurück zu schätzen, indem wir einerseits die in den Viehzählungen von 1866, 1886 und 1911 veröffentlichten Zahlen zu den landesweit erzielten Gesamterträgen an Butter und Käse und andererseits kantonale Statistiken über den Anteil der in den Käsereien verarbeiteten Milch und das mengenmässige Gewicht des aus der Käsereimilch hergestellten Käses heranzogen. Über die mengenmässige Produktion, den Bruttoproduktionswert und die Wertschöpfung dieser und anderer Produkte der Nahrungsmittelindustrie orientiert das Kapitel «Industrie und Gewerbe».
Forstwirtschaft
In den Regierungsratsberichten einer grösseren Zahl von Kantonen finden sich bereits für das 19. Jahrhundert Angaben zum Bruttoerlös pro Hektare Waldfläche. Aus diesen Reihen haben wir kantonale Indizes gebildet und diese auf Landesebene hochgerechnet. Als Resultat erhielten wir eine Schätzreihe, welche die Bewegung des Bruttoproduktionswerts der Forstwirtschaft im Zeitraum 1841–1918 abbildet. Als nächstes legten wir für einzelne Stichjahre absolute Werte fest, die wir den Mitteilungen des Eidgenössischen Departements des Innern über den Stand der forstwirtschaftlichen Aktivitäten um die Jahrhundertmitte, einer für die schweizerische Landesausstellung von 1883 verfassten kantonalen Areal-, Produktions- und Preisstatistik und amtlichen Erhebungen aus späteren Jahrzehnten entnommen hatten. In einem dritten Schritt verbanden wir dann die absoluten Schätzwerte mit dem aus der Hochrechnung der kantonalen Indizes gewonnenen Bewegungsindikator und trafen einige zusätzliche Annahmen, um den Anteil der Nutzholzfabrikation an der gesamten Holzproduktion bestimmen zu können.
Jagd und Fischerei
Die jährliche Wertschöpfung dieser beiden Produktionszweige des Ersten Sektors konnte von uns nur in allergröbster Weise geschätzt werden. Es ist mithin einzuräumen, dass die im Tabellenteil dieses Kapitels abgedruckte Wertschöpfungsreihe des Ersten Sektors bis zu einem gewissen Grad eine Hochrechnung darstellt.
«Endrohertrag»/Wertschöpfung
Seit 1923 wird in den «Statistischen Erhebungen und Schätzungen» der sogenannte Endrohertrag ausgewiesen. Mit diesem Begriff umschreibt das schweizerische Bauernsekretariat den Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion; letzteren wiederum definiert es als «Geldwert aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die den landwirtschaftlichen Betrieb verlassen, sei es durch Verkauf an Nichtlandwirte oder durch Verwendung im landwirtschaftlichen Haushalt zur Selbstversorgung, berechnet nach den bei Verkäufen ab Hof erzielten oder erzielbaren Preisen». (Landwirtschaftliches Jahrbuch der Schweiz 1969 und 1984: «Der Endrohertrag der landwirtschaftlichen Produktion nach Kantonen»). Da das Bauernsekretariat «jene Erzeugnisse, welche inneroder ausserhalb des Erzeugerbetriebes für die weitere landwirtschaftliche Produktion verwendet werden, wie Saatgut, Rauhfutter, Futtergetreide, Futterkartoffeln, Fütterungsmilch, Streumittel, Bruteier, Nutzvieh usw.» nicht zum Endrohertrag rechnet, gehen wir davon aus, dass jener mit der Wertschöpfung des Agrarsektors gleichgesetzt werden darf.
Ernst Laur hat im Rahmen seiner «Enquête zur Vorbereitung der künftigen Handelsverträge» den Endrohertrag bzw. die Wertschöpfung der landwirtschaftlichen Produktion und ihrer Hauptkomponenten für die Stichjahre 1885 und 1895 zu schätzen versucht. Als wir diese Zahlen mit unseren eigenen Schätzungen verglichen, stellten wir in einigen Fällen erhebliche Abweichungen fest. Diese lassen sich damit begründen, dass Laur insbesondere bei der Bestimmung der absoluten Preisniveaus und der Vorleistungsanteile (Futter- und Saatgutmengen) anderes Quellenmaterial verwendet und teilweise auch andere Annahmen über die Beziehungen zwischen einzelnen Parametern der landwirtschaftlichen Produktion (z. B. über die Schlachtkoeffizienten) getroffen hat.
Die Wertschöpfung der Forstwirtschaft ist von uns vereinfachend als Summe des Bruttoerlöses der Holzproduktion und der forstwirtschaftlichen Nebennutzungen definiert worden. Das bedeutet, dass der Wert allfälliger Vorleistungen in unserer Schätzung als vernachlässigbar gering angesehen wird.
Ergebnisse der Buchhaltungsbetriebe 1901–1991
Schon um die Jahrhundertwende ging das Bauernsekretariat dazu über, eine jährliche Statistik der Buchhaltungsbetriebe zu führen. Das reichliche Datenmaterial wurde bis 1977 im Landwirtschaftlichen Jahrbuch der Schweiz abgedruckt; für den Zeitraum 1978–1991 waren die «Statistischen Erhebungen und Schätzungen» und die von Karl Hostettler verfassten Jahresberichte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik in Tänikon zu konsultieren. Von besonderem Interesse erschienen uns neben den Hauptergebnissen der Buchhaltungsbetriebe die Angaben über den zum einen nach Betriebsgrössenklassen und Bodennutzungssystemen und andererseits auch nach Zonen und Produktionsstruktur unterschiedenen Reingewinn des Aktivkapitals. Da der Tabellenteil dieses Kapitels nicht zu umfangreich werden durfte, weisen wir diese Rentabilitätsziffer jedoch nicht in Gestalt von Langzeitreihen, sondern bloss als Mittelwerte aus.
QUELLE: «Land- und Forstwirtschaft» in Ritzmann/Siegenthaler, Historische Statistik der Schweiz, Zürich: Chronos, 1996, 519-526