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Die Büste von Karl Sarasin

St.Alban-Anlage
Tram 3 St.Alban-Tor
Er steht in seiner grünen Ecke neben dem St.Alban-Tor wahrhaftig nicht im Rampenlicht. In pietistischer Bescheidenheit harrt der längst verstorbene Handelsmann und Politiker seiner Gäste, die sich, entweder bei einem Bummel mit dem Hund oder mit einer Bierbüchse in der Hand auf die Holzbank vor ihm niederlassen. Schmallippig blickt er, oder vielmehr seine Büste, indes stoisch an den Besuchern vorbei zur St.Alban-Anlage, als ob er mit zusammengezogenen Augsbauen seine Grünanlagen inspiziere.
Die nach einer Vorlage von Ferdinand Schlöth geschaffene Büste von Karl Sarasin. Sie wurde der Stadt vom Bankier Alfred Sarasin, dem jüngsten Sohn des Dargestellten, geschenkt und 1948 im Park neben dem St.Alban-Tor aufgestellt.
Die Stadt Basel hat Karl Sarasin (1815-1886) einen grossen Teil jener Grünflächen mit zu verdanken, die heute einen grünen Ring um den Stadtkern bilden. Zum Ende der 1850er Jahre entschloss man sich in Basel dazu, dem Verkehr neue Wege zu schaffen und zu diesem Zweck die mittelalterlichen Stadtmauern abzureissen. Damals war es Sarasin, der darauf hin wirkte, die von Mauern und Schanzen befreiten Flächen in jene Grünanlagen umzuwandeln, die seither den Charakter Basels mitprägen.
Aus bescheidenen Verhältnissen
Karl Sarasin wurde am 17. April des Jahres 1815 in die turbulenten 100 Tage hineingeboren, in denen Napoleon Bonaparte (1769-1821) noch einmal die Herrschaft in Frankreich übernommen hatte, und Europa zwischen Frieden und Krieg taumelte. Sein Vater Karl Sarasin-Heusler (1788-1843) war ein Basler Seidenband- und Tabakfabrikant, den Ende der 1820er Jahre das Glück soweit verliess, dass er froh sein konnte, als Prokurist in der eigenen verkauften Seidenbandfabrik eine Anstellung zu finden.
Auf Geheiss seines strengen Vaters musste der junge Karl eine kaufmännische Laufbahn einschlagen. Seine Jugend war geprägt von den knappen Mitteln des elterlichen Geldsäckels. Wo andere Söhne vornehmer Basler Herren in Europa umherreisten, um den Horizont zu weiten und die Gewandtheit zu verfeinern, musste sich Karl mit Konzertbesuchen in Basel bescheiden. Doch die Entbehrungen schärften auch die Strebsamkeit, die einen gangbaren Weg aus dem bescheidenen Verhältnissen verhiessen.
Dank finanzieller Unterstützung von Verwandten und Bekannten, war es Vater und Sohn 1837 möglich, eine Firma zur Seidenbandfabrikation zu gründen. Unter Karls geschäftlicher Leitung florierte das Unternehmen bald so gut, dass er selbst sich eigenen Familienplänen zuwenden konnte. Er ehelichte 1840 Adèle Vischer (1821-1845), mit der er eine Tochter und zwei Söhne bekam. Nach Adèles frühem Ableben, heiratete Karl 1850 Elisabeth Sauvain (1829-1918), die sechs Kindern das Leben schenkte.
Politischer Aufsteig
Den damaligen Gepflogenheiten der Basler Oberschicht entsprechend, widmete sich Karl Sarasin nach der Gründung von Firma und Familie einer weiteren Laufbahn in Amt und Würden. Im November des Jahres 1845 wurde er in den Grossen Rat gewählt. Im folgenden Jahr wurde er Mitglied des Verfassungsrates, und schliesslich wirkte er als Ratsherr in der Regierung, ab 1874 auch als Regierungsrat. Sein Augenmerk legte er in seiner politischen Karriere unter anderem auf die Förderung des Gewerbes,
Auch für soziale Fragen hatte Sarasin Gehör. Bereits vor seiner Zeit als Basler Ratherr, setzte er sich 1841 für den Bau von Arbeiterwohnungen ein. In einem späteren Referat vor dem Gewerbeverein verlangte er nach anständigen Wohnungen für die Arbeiterschaft. Freistehende Häuser, die sonnig, komfortabel, gesund und günstig seien. Also das Gegenteil der berüchtigten Mietskasernen, die in vielen emporgekommenen Industriestädten das Elend der Arbeiterklasse voll der Tristesse prägten.
Geschäftlich musste Sarasin, wie andere Bandfabrikanten auch, während des Amerikanischen Sezessionskrieges 1861-65 eine Durststrecke durchleiden; als der der wichtige Absatzmarkt in den USA/CSA nicht nach Siedenbändeln sondern nach Marschschuhen verlangte. Erst mit dem neuerdings gesteigerten Export um 1870 stabiliserte sich die Lage, und Karl Sarasin war die steten Sorgen um sein Untenehmen los. In die bewegten 1860er Jahre fällt jene Veränderung, die ihm das Denkmal beim St.Alban-Tor brachte.
Stadterweiterung
Karl Sarasin war seit 1858 Vorsteher des Baukollegiums, womit auch die Stadtplanung zu seinem Fachgebiet gehörte. Damals war Basel noch von seinem spätmittelalterlichen Maurering umgeben, der sowohl Verkehrsfluss wie auch Wachstum hemmte. 1859 wurde das Gesetz zur Stadterweiterung vorgelegt und in der Folge angenommen. Sarasin oblag es nun, die alten Festungsbauten zu beseitigen. Vorher war allerdings noch ein Rechtsstreit mit dem Kanton Basel-Landschaft auszufechten.
Dieser erhob Anspruch auf eine Entschädigung von 800'000 Franken, da er sich als Miteigentümer des befestigten Areals verstand. Nach einem Entscheid des Bundesgerichts im Jahr 1862, bekam die Landschaft eine Abfindung von 120'000 Franken zugesprochen, womit der Basler "Schanzenstreit" beigelegt war. Das von Festungsbauten befreite Gelände sollte schrittweise umgestaltet werden. So entstanden an Stelle der Stadtgräben Grünanlagen wie der Aeschengraben oder die St.Alban-Anlage.
Lebensabend
Der Konservative mit liberalen Zügen machte sich mit seinem zuweilen forschen Vorgehen nicht nur Freunde. Die Umsetzung der Stadterweiterung war mit vielen Widerständen verbunden, die auch Erbitterung zurückliessen. Sein späteres Herzensprojekt der Kanalisation für Basel wurde im Jahr 1875 bei einer Volksabstimmung verworfen, und auch dem von ihm so unterstützte Ausbau einer städtischen Wasserversorgung wurden viele Steine in den Weg gelegt. Müde legte er 1878 sein Regierungsratsamt nieder.
Fortan widmete er sich vermehrt kirchlichen Belangen. Er war aktiv in der Kirchensynode, im Missionskomitee und in der Stadtmission. Seine letzten Jahre waren überschattet von mehreren Schlaganfällen, zu denen sich Ende 1885 eine Lungenentzündung gesellte, die ihm die letzte Energie nahm. Mit Karl Sarasin starb am 21. Januar 1886 der "Begründer der Anlagen auf dem Gebiet der äusseren Stadtgräben", wie das Denkmal unweit seiner letzten Wohnung in der St.Alban-Vorstadt 90 uns verrät.
Die Skulptur von Sarasin hat einen prominenten Schöpfer. Niemand geringerer als Ferdinand Schlöth (1818-1891), von dem auch das St.Jakobs-Denkmal stammt, hat einst die Gipsbüste geschaffen. Der Basler Bildhauer Alexander Zschokke (1894-1981) hat diese wiederentdeckt, und der Bankier Alfred Sarasin Iselin (1865-1953) schenkte die nach dem Gipsmodell gegossene Büste der Stadt Basel. Diese liess sie im Jahr 1948 in der Grünanlage beim St.Alban-Tor aufstellen, wo sie bis heute anzutreffen ist.
Zusammenfassung
Aus namhaftem Geschlecht stammend, wuchs der 1815 geborene Karl Sarasin, wegen mangelnder geschäftlicher Fortüne des Vaters, in einfachen Verhältnissen auf. Von seinem Vater zur kaufmännischen Laufbahn bestimmt, erarbeitete sich Karl auf diesem Terrain mit gewissenhafter Beharrlichkeit ein florierendes Seidenbandunternehmen. Auch folgte bald die Gründung einer Familie. In zwei Ehen (Adèle Vischer, 1845 verstorben/Elisabeth Sauvain) wurde Sarasin neunfacher Vater.
Im Jahr 1845 wurde Sarasin in den Grossen Rat gewählt. In den folgenden Jahrzehnten stand er in verschiedenen Ämtern im Dienste des Gemeinwesens. Eine prägende Rolle übernahm er bei der Öffnung der Stadt und der Beseitigung der Stadtbefestigung in den 1860er Jahren. Unter seiner Leitung wurde der alte Mauerring zu einem Gürtel von Grünanlagen. Im Jahr 1878 zog sich Sarasin aus der Regierung zurück, und starb neun Jahre später. Seit 1948 steht sein Denkmal beim St.Alban-Tor
Beitrag erstellt 22.07.16
Quellen:
Andreas Fischer, Abschnitt "Der Abbruch - Freie Sicht auf die Zukunft", publiziert in Mauern, Schanzen, Tore, Christoph Merian Verlag, Basel, 2007, ISBN 978-3-85616-332-7, Seiten 75 bis 85
Eduard His, Basler Handelsherren des 19. Jahrhunderts, Verlag Benno Schwabe & Co, Basel, 1929, Seiten 117 bis 130
Gustaf Adolf Wanner, Rund um Basels Denkmäler, Verlag Basler Nachrichten, Basel, 1975, Seiten 73 bis 76