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Heute wird im Hallenstadion in Zürich der neue Fifa-Präsident gewählt. Ursprünglich stellten sich fünf Kandidaten den 209 Delegierten zur Wahl. Einer von ihnen, der Südafrikaner Tokyo Sexwale, zog seine Bewerbung aber bereits vor dem ersten Wahlgang zurück.
Landesverbände entscheiden selbstständig
Die Landesverbände sind jeweils Teil von einem der sechs Kontinentalverbände. Diese geben Wahlempfehlungen ab. Am Ende entscheidet der Fussballverband jedes einzelnen Landes, welcher Kandidat seine Stimme erhält. Im ersten Wahlgang braucht ein Anwärter zwei Drittel aller 209 Stimmen, ab dem zweiten Wahlgang genügt das einfache Mehr von 105 Stimmen, um gewählt zu werden.
SRF News stellt Ihnen die Kandidaten vor, die Joseph Blatter beerben wollen und zeigt, welche beiden Bewerber als Favoriten gehandelt werden.
Die Präsidentschafts-Kandidaten
1. Gianni Infantino (Schweiz)
Der 45-jährige Rechtsanwalt wurde in Brig geboren und ist schweizerisch-italienischer Doppelbürger. Infantino amtet seit 2009 als Generalsekretär des europäischen Fussballverbands Uefa. Für diesen ist er seit dem Jahr 2000 tätig und bekleidete seither diverse Ämter – unter anderem leitete er die Lizenzierung der Fussball-Clubs.
Seine Wahlchancen stehen gut. Die Fussballverbände Mittel- und Südamerikas wollen ihn unterstützen und auch ein Grossteil der europäischen Verbände steht hinter ihm. Kritiker monieren, dass Infantino zu stark mit dem bisherigen Establishment des Welt-Fussballs verbandelt ist und sich mit seiner Wahl nichts ändern würde.
2. Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa (Bahrain)
Der 50-jährige Scheich ist Teil des Königs-Clans im autokratisch regierten Bahrain. Von 2002 bis 2013 war er Präsident des Fussballverbands von Bahrain. Am 2.Mai 2013 wurde er zum Präsidenten des Asiatischen Fussballverbands AFC gewählt und ist seither auch Teil des Fifa-Exekutivkomitees.
Er gilt noch vor Infantino als der aussichtsreichste Kandidat und kann auf die Unterstützung der asiatischen und der meisten afrikanischen Verbände zählen. Trotz seiner guten Chancen ermittelt die Fifa-Ethikkommission gegen ihn wegen Verdacht auf Verletzung von Menschenrechten. Dem Scheich wird vorgeworfen während den Anti-Regierungsprotesten 2011 in Bahrain an der Verhaftung und Folter von Fussballern und anderen Sportlern beteiligt gewesen zu sein.
3. Prinz Ali bin Al Hussein (Jordanien)
Der Prinz ist der vierte Sohn des verstorbenen jordanischen Königs Hussein I. Er ist ein hoher Militär und war der frühere Befehlshaber der jordanischen Leibgarde des Königs. Er ist Präsident des jordanischen und der west-asiatischen Fussballverbände. Im Mai 2015 unterlag er Sepp Blatter in der Wahl zum Fifa-Präsidenten.
Der Adlige gilt im internationalen Sportgeschäft als sehr gut vernetzt. Er sagt von sich, dass er der einzige Kandidat sei, der der Korruption mutig entgegen treten würde. Zudem hat er angekündigt bei einem Wahlsieg auf sein Salär zu verzichten und es an Hilfsorganisationen zu spenden. Seine Wahlchancen sind aber gering, da er nicht einmal auf eine Mehrheit der asiatischen Regionalverbände zählen kann.
4. Jérôme Champagne (Frankreich)
Der Franzose war von 1983 – 1998 Berufsdiplomat und von 1999 – 2010 als Berater und stellvertretender Generalsekretär bei der Fifa tätig. In dieser Zeit war der heute 57-Jährige ein enger Vertrauter von Sepp Blatter. Dieser entliess Champagne nach elf Jahren Dienst mit der Begründung, dass er Ambitionen auf das Amt des Präsidenten hege.
Champagne ist der einzige Kandidat mit einem Wahlprogramm. Er fordert mehr Transparenz und will eine «starke, demokratische, respektierte und proaktive Fifa» aufbauen. Gewählt wird er aber kaum. Seine frühere Nähe zu Blatter ist ein Stolperstein keine gute Basis für einen Neuanfang der Fifa.
Zurückgezogen
1. Tokyo Sexwale (Südafrika)
Sexwale war einst Kämpfer gegen das Apartheid-Regime und sass mit Nelson Mandela 13 Jahre lang im Gefängnis. Nach seiner Entlassung machte er sich als Politiker und Unternehmer einen Namen. Seine Firma Mvelaphanda Holdings stieg zum drittgrössten Diamanten-Produzenten der Welt auf. Sexwale war Mitglied des Organisationskomitees der Fussball WM 2010 in Südafrika und ist Mitglied der Medienkommission der Fifa.
Er wurde von ex-Fussballer Franz Beckenbauer und Sepp Blatter zur Präsidentschaftskandidatur animiert. Sexwale bezeichnet Blatter nach wie vor als Freund und ist voll des Lobes über dessen Wirken. Vielleicht auch deshalb waren seine Wahlchancen gering. Nicht einmal der südafrikanische Fussballverband unterstützte seine Kandidatur. Sexwale zog seine Kandidatur vor dem ersten Wahlgang zurück.