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Doktorand: Tiago Matthes
In der Schweiz führten nach 1945 zunehmender Wohlstand und damit einhergehend Bevölkerungs- sowie das aufkommende Wirtschaftswachstum zu einem erhöhten Bedarf an Bildungs- und Forschungsbauten. Mit dem einsetzenden Bauboom kam es im Besonderen in den späten 1960er Jahren wie in vielen europäischen Ländern zu einer Expansion der Universitäten. In der Schweiz war zwischen den 1950er und frühen 1970er Jahren ein besonders hoher Anstieg der Studierendenzahlen zu verzeichnen. Dies lässt sich exemplarisch an den Bauten der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) sowie der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) nachvollziehen. Während der Standort ETH Zentrum nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach nachverdichtet wurde, begann ab den 1960er Jahren der Bau der neuen Campus in Lausanne und Zürich. In den neu konzipierten Aussenstationen beider Eidgenössischen Technischen Hochschulen bestimmten Mischnutzungen und gleichzeitig die Anforderung der Nutzungsneutralität zunehmend die Planung. Die grossen Raumprogramme wurden für zukünftige, noch nicht antizipierte Nutzungen flexibel gehalten. Nach dem Vorbild von Industriebauten wurde der Skelettbau die bevorzugte Konstruktionsweise für die Mehrheit der geplanten und neu errichteten Bauten. Mit der Etablierung dieser Bauweise – auch im Büro- und Hochschulbau – veränderte sich ebenfalls die Erscheinung der Bauten, was sich anschaulich an den standardisierten Bauteilen wie Fassadenelementen ablesen lässt.
Das Doktoratsvorhaben rückt die Entwicklung des Skelettbaus an der Schnittstelle zwischen Industrie- und Hochschulbau in den Fokus und zeichnet entlang von Patenten die Genese technischer Innovationen und deren Einfluss auf die Erscheinungsform der Bauten nach. Ziel des Projekts ist es, die Geschichte der Bauwerke aus der Perspektive der in Patenten enthaltenen Informationen zu erzählen, um umfassende Aufschlüsse über die Entwicklungen in den Bauprozessen, die gebauten Artefakte und die verschiedenen ProtagonistInnen zu erlagen.
Dieses Projekt ist Teil des SNF-Projekts «Architektur & Patent. Die Bauten des ETH-Bereichs».