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Derzeit müssen viele Kinder mit Atemwegsinfektionen in Kliniken hospitalisiert werden. Einige Schweizer Spitäler gelangen deshalb an ihre Kapazitätsgrenzen. Bei der besonders unter Säuglingen und Kleinkindern verbreiteten Krankheit handelt es sich um eine Ansteckung mit dem Respiratorischen-Synzytial-Virus, kurz RS-Virus. Wir beantworten Ihnen die wichtigsten Fragen.
7 Fragen und 7 Antworten zum RS-Virus:
Was ist das RS-Virus?
RSV steht als Abkürzung für das menschliche Respiratorische-Synzytial-Virus. Es ist ein weltweit verbreiteter Erreger von Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege und gehört zur selben Familie von Viren, die auch Masern oder Mumps hervorrufen.
Die Übertragung erfolgt vor allem durch Tröpfcheninfektion oder über kontaminierte Hände, Gegenstände oder Oberflächen. Von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome dauert es in der Regel zwei bis acht, im Durchschnitt etwa fünf Tage.
Die Symptome ähneln einer Erkältung, also Schnupfen, Husten, Halsschmerzen und Fieber. In den meisten Fällen klingt die Krankheit nach einer Woche wieder ab. In der Schweiz treten RSV-Infektionen besonders oft zwischen November und April auf.
Wer ist von der Krankheit besonders betroffen?
Grundsätzlich können die Infektionen alle treffen – unabhängig vom Alter. Am häufigsten treten sie aber in den ersten zwei Lebensjahren auf. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres haben fast alle Kinder mindestens eine RS-Virus-Infektion durchgemacht. Ältere Kinder und Erwachsene entwickeln meistens nur leichte, erkältungsähnliche Symptome.
Die akute Bronchiolitis, also die Entzündung der unteren Atemwege, ist eine häufige Infektionskrankheit bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahren. In den allermeisten Fällen wird die Krankheit durch das RS-Virus verursacht.
Wie gefährlich ist das Virus?
Bei Säuglingen oder Kleinkindern verläuft eine RSV-Infektion im Allgemeinen schwerer. Bei ihnen kann sie leichter von den oberen auf die unteren Atemwege übergreifen. Da die Atemwege von Säuglingen relativ eng sind, werden der untere Teil der Atemwege und das Lungengewebe besonders in Mitleidenschaft gezogen. Häufig kommt es zu einer Bronchitis, teilweise auch zu einer Entzündung der kleinen Bronchien oder einer Lungenentzündung.
Das Robert-Koch-Institut schreibt, dass sich weltweit etwa 48 von 1000 Kindern im ersten Lebensjahr mit dem RS-Virus anstecken. Davon verlaufen fünf bis sechs Fälle schwer. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben vor allem Frühgeborene, Babys mit einer Herz- oder Lungenkrankheit oder einem schwachen Immunsystem. In der Schweiz wird ein Prozent der Kinder, die sich mit dem RS-Virus infizieren, wegen eines schweren Verlaufs ins Spital eingeliefert.
Wie erkenne ich, ob mein Kind am RS-Virus erkrankt ist?
Hinweise auf eine Infektion geben die RSV-typischen Symptome, wie oben beschrieben. Sicher nachgewiesen werden kann eine Erkrankung nur mittels Antigen- oder PCR-Test. Dabei wird ein Nasen-Rachen-Abstrich gemacht.
Was muss ich tun bei Verdacht auf RS-Virus?
Leichte Symptome können zu Hause behandelt werden. Ausreichend Flüssigkeit und fiebersenkende Massnahmen helfen. Auch schleimlösende Dampfbäder tun gut sowie Nasentropfen, die den Nasenraum freihalten. Wenn ein Kind Mühe hat zu atmen, sollte der Oberkörper hochgelagert werden.
Bei einer gravierenden Erkältung sollte aber zur Sicherheit immer ein Arzt aufgesucht werden. Insbesondere wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert oder ein Kind an einer Vorerkrankung leidet. Auch wenn ein Säugling jünger als zwei Monate alt ist und Verdacht auf eine RSV-Infektion besteht, sollte man lieber einmal zu viel zum Arzt gehen.
Wie ist die Situation in den Kinderspitälern?
Am Kinderspital Zürich seien von insgesamt 150 Betten rund 30 mit RSV-Patienten belegt. Christoph Berger, Chefarzt Infektiologie, sagt zum «Tages-Anzeiger»: «Wir haben momentan keine Reserve mehr an freien Betten mit pflegerischer Betreuung.» Man habe begonnen zu triagieren. Nicht wichtige Operationen müssten derzeit verschoben werden.
Auch am Berner Inselspital muss umdisponiert werden. Christoph Aebi, Chefarzt der dortigen Kinderklinik, sagt, die Zahl der hospitalisierten RSV-Patienten sei innerhalb einer Woche von 24 auf 39 gestiegen.
Warum ist die jetzige Welle so heftig?
Aufgrund der Schutzmassnahmen während der Pandemie fiel die RSV-Saison in den letzten zwei Jahren aus und verschob sich in den Sommer. Die jetzige Welle ist die erste, die nach der Pandemie wieder in die kalte Jahreszeit fällt. Viele Säuglinge und Kleinkinder, die noch keinen Kontakt mit dem RS-Virus hatten, erkranken nun zum ersten Mal daran.
Nebst den hohen RSV-Fallzahlen ist aber nach wie vor der Mangel an Pflegepersonal ein Problem. Wie schon während der Covid-19-Pandemie kämpfen die Spitäler gegen Personalengpässe.