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Manna;
ein Artikel des Droguenhandels, besteht aus dem an der Luft eingetrockneten Safte der
Mannaesche (Fraxinus
Ornus), eines Baumes, der 6-9 m Höhe erreicht und in ganz Südeuropa vorkommt, aber als Wildbaum zur
Mannagewinnung nicht
tauglich ist; vielmehr sind nur einige, durch Kultur entstandene Varietäten
mannagebend und es gibt
sonach keine
Mannawälder, sondern nur Pflanzungen. Am ausgedehntesten finden sich solche in einigen Distrikten Siziliens
und auf der Ostseite von Kalabrien. Im ehemaligen Toscana, Dalmatien, sowie auf einigen griechischen Inseln, wird die Kultur
der Esche ebenfalls betrieben.
Der Baum läßt seinen Zuckersaft aus dem Stamme teils freiwillig, teils durch gemachte Einschnitte tropfenweise austreten. Man beginnt damit in der trocknen Jahreszeit, gewöhnlich gegen Anfang Juli. Man macht die Schnitte zuerst nahe am Boden und rückt dann allmählich weiter nach oben fort. In den Spalt befestigt man einen Strohhalm oder ein Blatt, worauf der Saft eintrocknet oder auf Blätter abtropft, die man am Fuße des Baumes in einer dazu gemachten Grube ausgebreitet hat.
Die aus dem untern Stammteil oder von ältern Bäumen überhaupt erhaltene Masse ist von geringerer Güte, als die von den obern Partieen und von jungen Bäumen. Andrerseits ist die Witterung auf Güte und Menge der Ernte von bedeutendem Einfluß. Es gehört zu guter Ernte anhaltend trocknes, helles Wetter; Nebel und Regen machen die M. unbrauchbar und es genügt ein Tag starken Regens, um die ganze Ernte zu vereiteln. Ein solches totales Mißjahr war 1868. Die Ware steigt dann bedeutend im Preise und alte Reste werden wieder flott. Der allgemeine Bedarf ist, trotzdem die Ware nur medizinisch verwendet wird, kein unbedeutender, um so mehr, als auch Amerika auf die Mittelmeerländer angewiesen ist.
Die Ware besteht, abgesehen von der kaum vorkommenden M. in
Thränen (M. in lacrymis), aus zwei äußerlich sehr verschiednen
Sorten, Röhren
manna (M. canellata) und gemeine M. (M. gerace oder in sortis, häufig auch M. calabrina
genannt, obschon sie meistenteils aus Sizilien kommt). Die erstere besteht aus langen flachen oder rinnenförmigen, dünnen
Stückchen von weißgelblicher Farbe, welche mürbe, brüchig, ziemlich trocken und etwas durchscheinend sind und einen rein
süßen, schleimigen Geschmack haben.
Diese M. canellata-Sorte scheidet sich in die zwei Untersorten electa und in fragmentis, auserlesene und in Bruchstücken. Es ist dies die unter den günstigsten Umständen gesammelte Ware, nämlich von jungen Bäumen und aus den höhern Stammteilen, welche bei günstigem Wetter rasch auf Blättern und Zweigen eingetrocknet ist. Sie wird abgenommen und nachgetrocknet, ist die seltenste im Handel und wird besonders von den Nordamerikanern gesucht, da die gemeine Sorte dort merkwürdigerweise mit einem Einfuhrverbot belegt ist. Sie wirkt als Purgiermittel milder als diese.
Die gemeine M., M. calabrina oder gerace, ist dasjenige Produkt, welches von alten Stämmen und in der Erdnähe gewonnen wird, wahrscheinlich auch von Luftfeuchtigkeit beeinflußt ist. Es ist eine braune, ziemlich feuchte, klümperige Masse, welche aus helleren und härteren Klümpchen besteht, die von einer dunkleren, schmierigen Masse zusammengehalten werden. Es finden sich nicht selten Rindenfragmente u. dgl. darunter, da auch das von den Stämmen Abgeschabte dabei ist. Diese Sorte hat neben der Süße einen kratzenden, etwas ekelerregenden Geschmack. Während die trockne Sorte keiner Verfälschung zugänglich ist, hat die feuchte nicht selten Zumischungen von Honig oder Traubenzucker. Man versendet dieselbe in Fässern, die erstere in Kisten oder Schachteln. -
Die Bestandteile der M. sind hauptsächlich gewöhnlicher Fruchtzucker und eine besondre Art
Zucker, Mannit
oder
Mannazucker, der sich in mehrfacher Hinsicht, unter anderm auch dadurch, daß er mit
Hefe nicht in Gärung tritt, vom
gewöhnlichen
Zucker unterscheidet. Das kratzende Prinzip der gemeinen M., dem die purgierende Eigenschaft der Drogue zum
Teil zuzuschreiben
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mehr
ist, kennt man nicht näher. Der Mannit, welcher auch Kaufware und zum Teil offizinell ist, wird aus der M. erhalten durch Auskochen derselben mit starkem Weingeist; beim Erkalten der Lösung kristallisiert der Mannit aus. Er bildet das leichteste Abführmittel für Kinder, wird in Italien auch von Erwachsenen viel verbraucht und dort auch meistens dargestellt und in den Handel gebracht. Auch in Deutschland wird seine Herstellung von einzelnen Fabriken betrieben und es läßt sich auch seebeschädigte M. noch dazu verwenden. - Mit dem Namen M. belegt man auch noch verschiedne andre getrocknete Säfte, die keine Handelswaren sind, zum Teil auch Mannit, zum Teil auch andre Zuckerarten enthalten;
überhaupt ist Mannit im Pflanzenreich nicht selten;
solche
Mannasorten sind z. B. brianconer M., von einer Art Lerchenbaum
(Larix decidua);
spanische M. von Cistus ladanifera;
persische von Hedysarum Alhagi;
australische von Eucalyptus mannifera u. a. -
Zollfrei.