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Die Krankheit Equines Cushing Syndrom (ECS) oder auch Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID) ist immer mehr Pferdebesitzern ein Begriff, jedoch wie erkennt man diese Krankheit und was hat diese für eine Auswirkung auf das Pferdeleben?
Gerne möchte ich mit euch meine (noch jungen) Erfahrungen in diesem Bereich teilen. Denn bei meinem Senior Special Envoy wurde diese Krankheit im Juni 2015 diagnostiziert. Er zeigte damals einige Anzeichen für diese Krankheit, und im Unterbewusstsein ahnten wir es, doch wie viele andere Pferdehalter schoben wir dies auf die „Alterserscheinungen“, welche mit 28 Jahren natürlich vorhanden sein dürfen.
Bei einer Untersuchung eines aufgelaufenen Beines (mit Verdacht auf einen Einschuss) hat uns der Tierarzt, dann empfohlen Special mittels einer Blutprobe auf das Equine Cushing Syndrom zu testen. Die Blutprobe wurde in einem Labor mithilfe des ACTH-Test ausgewertet. Für diesen Test gelten Normbereiche die sich saisonal leicht verändern, der ACTH-Wert darf hierbei einen vorgegebenen Wert nicht übersteigen. Danach war der Fall bei Special klar und wir begannen mit der Behandlung, welche beim Cushing zwar keine vollständige Heilung, jedoch ein symptomfreies Leben gewähren kann.
Special's erster ACTH-Test im Juni und demnächst folgt das zweite Ergebnis:
Über das Equine Cushing Syndrom
Das ECS ist eine weitverbreitete Krankheit, die auf einer hormonellen Störung beim Pferd beruht. Die betroffenen Pferde haben eine Störung in der Hypophyse (Hirnhangdrüse), ausgelöst durch einen gutartigen Tumor (Adenom) an eben dieser. Dieser Tumor macht sich durch eine verminderte Ausschüttung von Dopamin bemerkbar, was zur Folge hat, dass der „Befehl“ der Hirnhangdrüse - Cortisol zu produzieren - nicht korrekt an die Nebenniere übermittelt wird. Es kommt also zu einer ungehemmten Überproduktion von diversen Hormonen darunter Cortisol und ACTH (adrenocorticotropen Hormon). Der Körper des Tieres weist verständlicherweise ein hormonelles Ungleichgewicht auf und daraus entwickeln sich dann die diversen Symptome des Cushing.
Special litt besonders an dem langen Fell bei heissen Themperaturen:
Welche Pferde sind betroffen?
Zirka 20% Prozent der über 15-jährigen Pferde und Ponys haben diese Krankheit. Bei den über 25-jährigen Pferden „leidet“ sogar jedes zweite Pferd an dieser Krankheit, es können jedoch auch junge Pferde und Ponys an Cushing erkranken.
Auffällig ist jedoch, dass überwiegend leichtfutterige Pferde (meistens sogenannte Robustrassen) unter den erkrankten Pferden zu finden sind. Dies belegt die Vermutung, dass es sich beim ECS wohl um eine „Wohlstandskrankheit“ handelt, welche vor allem übergewichtige, unterbeschäftigte Pferde im fortgeschrittenen Alter befällt. Nicht immer ganz einfach ist auch die Abgrenzung zum Equinen Metabolischen Syndrom (EMS), welches ebenfalls eine Stoffwechselkrankheit (gutgenährter) Pferde ist, auf welche ich in einem späteren Bericht dann nochmals darauf zurückkommen werde.
Eine Behandlung eines an ECS-erkranktem Pferd ist klar zu empfehlen, da somit weitere Erkrankungen reduziert werden können.
Symptome des ECS
- Fellwechselstörungen -> Mangelhafter Fellwechsel und übermässiges Fellwachstum: viele Cushing-Pferde haben im Sommer sogar ein langes und lockiges Fell.
- Muskelabbau und Abmagerung -> vor allem im Rückenbereich (Senkrücken), mitunter begleitet von Fettpolstern am Bauch (Hängebauch)
- Hufprobleme (Hufabzesse, Huflederhautentzündung) oder Hufrehe (erhöhtes Risiko eines Hufreheschubs sogar zu ungewöhnlichen Jahreszeiten)
- Übermässiger Durst und erhöhte Harnproduktion bzw. -absetzung
- Geschwächtes Immunsystem –> macht sich z.B. durch schlechte Wundheilung oder Infektionen (Augen, Zähne, Nebenhöhle) bemerkbar
- Fruchtbarkeitsstörungen
- Leistungsschwäche, Apathie und Schwitzen ohne Belastung
Behandlung
Das bekannteste Momentan zugelassen Medikament heisst Prascend von der Firma Boehringer Ingelheim GmbH. Hier werden Pergolide eingesetzt, welche das übermässige Gewebewachstum in der Hirnanhangsdrüse unterdrücken. Dieser Wirkstoff wird nebenbei erwähnt, in der Humanmedizin für Parkinson- Patienten angewendet. Das genannte Medikament verwenden wir auch für unseren Senior und es ist einfacher als zuerst gedacht, ihm die Tablette zu verabreichen, da wir sie einfach in einem Apfelschnitz verstecken und er sie so immer ohne Problem gefressen hat. Es handelt sich dabei jedoch um eine lebenslange Medikamentengabe.
Neben der Schulmedizin kann man die Behandlung natürlich auch mit alternativen Methoden zusätzlich unterstützen.
Heilpflanzen:
Beispielsweise kann Mönchspfeffer angewendet werden, denn der amenextrakt dieser Pflanze hilft nachweislich die Signalfunktion des Botenstoffs Dopamin, der für die Regulierung der ACTH-Produktion verantwortlich ist, zu verbessern und gewährleistet somit die damit die kontrollierte Cortisolbildung.
Zur Unterstützung der Nieren, wird im Cushing- Geschehen auch das Goldrutenkraut empfohlen, da es zusammen mit dem Wasser die Giftstoffe und Bakterien aus den Nieren schwemmt und somit deren Funktion regelt.
Aber auch das Mädesüsskraut, welches leicht schmerzlindernd, entzündungshemmend wirkt, stärkt die Nieren. Diese Kräuterkuren sollten jedoch nur zwei- bis dreimal im Jahr durchgeführt werden.
Zur Unterstützung der Leber und des Stoffwechsels können Mariendistelsamen, Artischockenblätter und Löwenzahnwurzel verfüttert werden.
Im "Sommerbeschwerden"-Blog habe ich euch zudem bereits „Weissdorn“ als Pflanze welche den Kreislauf wieder in Schwung bringt vorgestellt
Homöopathie:
Auch in der Homöopathie ist vieles möglich, jedoch muss dies aufs Pferd abgestimmt werden, weshalb ich hier keine pauschale Therapiemöglichkeit vorschlagen möchte.
Haltung und Fütterung von Cushing-Pferden
Für ein Cushing Pferd ist ein niederglykämisches Futter sehr wichtig, da mit einem anderen Futter die Glukose- und Insulinwerte im Blut zu fest ansteigen könnten. Im schlimmsten Fall würde es bei einer zu hohen Menge an kohlenhydratreichem Raufutter, Weidegras sowie Getreidemahlzeiten zu einer Hufrehe kommen. Diese Pferde benötigen natürlich trotzdem die nötigen Nährstoffe, um ihren täglichen Bedarf zu decken.
Damit der Energiehaushalt für die Pferde jedoch trotzdem stimmt können Pflanzenöle angeboten werden.
Für den Muskelaufbau wenden wir zudem wie in einem früheren Blog erwähnt das Equikinetic-Traningsprogramm an, welches bei ihm auch wirklich gut funktioniert.
Wichtig ist bei einem ECS-Pferd ihm auch den Fellwechsel zu erleichtern. Hierzu wird Special regelmässig geschoren und somit vom lästigen langen „Cushing“-Fell befreit.
Special geniesst den "Coiffure-Besuch" jeweils sehr ;-)
Ausserdem ist eine regelmässige Nachuntersuchung und Überwachung notwendig: Nach ca. 6 und 12 Wochen wird der Patient nachuntersucht und die Dosis (des Medikaments) je nach Besserung angepasst.
Sobald eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes eingetreten ist, sollten Behandlung und Dosis alle 6 Monate vom Tierarzt anhand der Symptome und der Laborwerte überwacht werden.
Wie weiter oben erwähnt, leiden die Cushing-Pferde an erhöhter Urinausscheidung, weshalb eine trockene Einstreu gewährleistet werden muss.
Sonst gilt natürlich wie bei allen anderen Pferden auch ein konsequentes Gesundheitsmanagement:
- Regelmässige Hufpflege
- tierärztliche Zahnkontrollen
- Kotuntersuchungen und allenfalls Entwurmungen
- angepasste Bewegung
Was bedeutet diese Diagnose für Special?
Special liebt Karotten über alles, doch seit dieser Diagnose, verfüttern wir diese gezielter bzw. viel weniger, da er darauf nicht mehr verzichten kann.
Auch der geschätzte Leckstein kommt weniger zum Einsatz, da dieser oftmals mit Melasse versehen ist.
Sein Kraftfutter haben wir entsprechend umgestellt. Es hat nun einen sehr tiefen glykämischen Index und liefert trotzdem genügend Energie und Nährstoffe.
Denn was viele nicht wissen, sind für Cushingpferde auch die meisten „Seniorfutter“ ungeeignet, da diese meist auf kohlenhydratreichen Komponenten aufbauen und auch Melasse enthalten.
Beim Mash müssten wir auch auf die getreidefreie Version umsteigen, jedoch möchte ich nicht dass er auf alles verzichten muss, was er sooo mag. Schliesslich ist er doch schon 28.5 Jahre alt und er soll sein Leben auch noch entsprechend geniessen können.
Zum Schluss habe ich noch eine Buchempfehlung:
Für alle welche ebenfalls mit der Diagnose „Cushing“ bei ihrem Pferd leben müssen, oder für solche die sich frühzeitig über die neuartigsten Krankheiten informieren wollen, empfehle ich das Buch „Wohlstandskrankheiten unserer Pferde“ von Heike Bussang und Birgit van Damsen. Denn dieser Ratgeber klärt über Präventivmassnahmen auf, gibt umfangreiche Einblicke in die verschiedenen Krankheitsbilder (nicht nur Cushing!) und stellt Diagnoseverfahren sowie erfolgserprobte Therapiemöglichkeiten vor.