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Der Schweizer Spitzenläufer Tadesse Abraham verpasste am Sonntag seinen dritten Sieg beim Murtenlauf nur knapp. Er musste sich bei der 87. Austragung dem Kenianer Cornelius Kangogo um sechs Sekunden geschlagen geben.
«Seit ich in der Schweiz lebe, treffe ich immer wieder ehemalige Läufer, die sich vorstellen, indem sie sagen, dass sie zwei- oder dreimal den Murtenlauf gewonnen haben. Gleiches möchte ich mit 40 Jahren auch können», sagt Tadesse Abraham. Zweimal konnte der 39-jährige gebürtige Eritreer den Freiburger Gedenklauf bereits für sich entscheiden (2016 und 2018). Für den dritten Sieg bis 40 hat er nun noch ein Jahr Zeit, nachdem er am Sonntag von Cornelius Kangogo geschlagen wurde. Der 27-jährige Kenianer stieg bei der 87. Austragung des Murtenlaufs mit einer Zeit von 52:12 Minuten zuoberst auf das Siegertreppchen. Abraham (LC Uster) wurde trotz einer neuen persönlichen Bestleistung über die 17,17 Kilometer in 52:18 Minuten «nur» Zweiter.
Berührt von der Geschichte des Laufs
«Meine Zeit ist unglaublich», freute sich Abraham, der Europameister 2016 über die Halbmarathon-Distanz, dennoch. «Erst auf dem letzten Kilometer konnte ich Kangogo nicht mehr folgen. Er ist schnell.» Tatsächlich brachte der dreifache Sieger der Corrida von Houilles (FRA) und erste kenianische Murtenlauf-Sieger seit 2015 beachtliche Referenzen mit. Die Bestzeit des Kenianers etwa über 3000 Meter liegt bei 7:40 Minuten. «Sein Sieg ist keine Überraschung. Er hat früher über die Distanzen von 3000 bis 10’000 Metern starke Zeiten geliefert», zollte Abraham seinem Bezwinger Respekt. «Der Beste soll gewinnen. Und er war heute der Beste. Letztlich ist es eine Frage der Tagesform.»
Die Form stimmt bei Abraham grundsätzlich ebenfalls. Er, der in der Marathon-Disziplin die Olympischen Spiele 2024 im Visier hat, klassierte sich zuletzt Mitte September im Marathon von Wien im sechsten Rang (2:12:26). Der Wechsel auf die kürzere Strecke gelang Abraham am Sonntag vorzüglich. Dass er beim Murtenlauf überhaupt am Start war, liegt an der Ausstrahlung des Rennens. Er hätte am Sonntag auch in seiner früheren Genfer Heimat an einem Rennen starten können, zog den Gedenklauf aber vor. «Ich hätte anderswo mehr Geld verdienen können. Aber der Murtenlauf bleibt der Murtenlauf. Die Geschichte hinter dem Rennen berührt mich.»
Jari Piller bester Freiburger
Das Podest wurde vom Eritreer Haftom Welday vervollständigt, der das Rennen in einer Zeit von 53:12 Minuten bewältigte. Derweil kam die Ehre des besten Schweizers Jeremy Hunt zu. Der Jurassier klassierte sich in 55:21 Minuten im achten Rang und lief damit unmittelbar vor Jari Piller, dem stärksten Freiburger des Tages, ins Ziel ein. Der Läufer vom TSV Düdingen realisierte die sehr gute Laufzeit von 55:40 Minuten und entschied das Duell gegen seinen Club-Kollegen und guten Freund Andreas Kempf, der als Zehnter einlief, zu seinen Gunsten. «Im September wusste ich noch nicht, ob ich am Murtenlauf starten würde. Dann habe ich viele Kilometer auf dem Rad gemacht und konnte meine Leistung schnell steigern und so Vertrauen gewinnen», erklärte der überglückliche Piller. Eine Woche vor dem Murtenlauf habe er noch ein gutes Training mit Kempf absolviert. «Danach wusste ich, dass die Form stimmt. Hinzu kam, dass ich heute erstmals mit einem Schuh mit Karbon-Technologie gelaufen bin.» Auch das habe zum guten Resultat beigetragen, so der Stadtfreiburger. «Am Morgen war ich noch sehr nervös, im Rennen habe ich dann aber nie gezweifelt.» Sein Dank gehe auch an Hunt und Kempf, die den Rhythmus vorgegeben hätten.
Das volle Programm von Andreas Kempf
«Ich freue mich sehr für Jari», sagte Kempf. «Wir trainierten zusammen beim Flughafen Belp mit einer Kilometerzeit von 3:19 Minuten über 15 Kilometer. Da wusste ich, dass er in Form ist. Ich hatte aber gehofft, ihn mental bezwingen zu können», schmunzelte Kempf. Nachdem Piller vor Courtepin zu ihm aufgeschlossen habe, seien sie bis Pensier zusammen gelaufen. «Bei der Steigung La Sonnaz musste ich Jari dann ziehen lassen.» Der Heitenrieder ist mit seiner Leistung umso zufriedener, als die letzten Monate nicht immer einfach gewesen seien. «Ich habe eine neun Monate alte Tochter, arbeite 80 Prozent und mache nebenher noch eine Ausbildung. Das ist viel. Es ist schwierig, Zeit für das Training zu finden und, noch wichtiger, um sich zu erholen.» Trotzdem sei er zufrieden mit seiner Form, so Kempf. «Mal schauen, was die nächsten Monate und Jahre noch so geht. Ich habe jedenfalls Lust, hierher zurückzukehren und – warum nicht – eine 55er- oder gar 54er-Zeit zu laufen.» Am Sonntag waren es 56:20. Das reichte, um Jérémy Schouwey (CS Broc) im Rennen um die besten Freiburger Zeiten auf Rang drei zu verweisen.
Maude Mathys nur von Äthiopierin geschlagen
Wie jenes der Männer lief auch das Rennen der Frauen auf ein packendes Duell und gute Zeiten hinaus. Und wie Tadesse Abraham musste sich auch Maude Mathys im Kampf um einen dritten Sieg beim Murtenlauf nach 2017 und 2018 knapp geschlagen geben. Die Schweizer Berglauf-Spezialistin lief eine Zeit von 1:02:03 Stunden. Damit war sie um 15 Sekunden langsamer als die Gewinnerin Habela Genet Abdurkadir (1:01:48). Die Äthiopierin hatte in der Woche zuvor die 20 Kilometer von Lausanne für sich entscheiden können. «Abdurkadir war heute stärker als ich», sagte Mathys nach dem Zieleinlauf demütig, nachdem sie lange geführt hatte und die Afrikanerin auf der Alpenstrasse passieren lassen musste.
Den dritten Rang sicherte sich etwas überraschend die Bernerin Melanie Maurer in 1:03:59 Stunden.
Inge Jenny übertraf die Erwartungen
Ihrer Favoritenrolle im Rennen der Freiburgerinnen wurde Inge Jenny gerecht. Die Düdingerin klassierte sich in der Zeit von 1:08:02 Stunden im 7. Gesamtrang, womit sie die viertbeste Schweizerin war. «Ich habe mein Ziel übertroffen», erklärte Jenny, die eine persönliche Bestzeit von 1:07:32 Stunden beim Murtenlauf hat. «Ich hatte grossen Respekt vor dem Rennen und habe versucht, mit dem gleichen Gefühl wie 2019, als ich meine Bestzeit gelaufen war, zu rennen.» Beim Einlaufen habe sie gute Beine gehabt, was sich dann im Rennen bestätigt habe. «Ich fand gleich einen tollen Rhythmus und konnte mich an ein paar Männer anhängen.» Bei Kilometer 14 sei dann noch eine Frau an ihr vorbeigezogen, doch das habe sie nicht gross beschäftigt. «Ich bin glücklich, es ist ein schönes Gefühl. Der Kerzerslauf bei grosser Hitze war ein Krampf, heute waren die Bedingungen perfekt.»
Seraine Stettler vom AC Murten, die Jenny beim Kerzerslauf bezwingen konnte, klassierte sich in 1:11:21 Stunden im 14. Rang. Damit war sie die viertbeste Freiburgerin.
4198 Teilnehmer gingen an den Start
Aufgrund der Corona-Einschränkungen hätten an der 87. Austragung des Murtenlaufs 5000 Personen am Lauf und 1500 am Walking teilnehmen können, nachdem die Ausgabe 2020 ausgefallen war. Dieses Kontingent wurde nicht ganz genutzt. 3848 Personen hatten sich für den traditionellen Lauf eingeschrieben, an den Start gingen letzten Endes 3512 (im Walking nahmen 686 Läuferinnen und Läufer teil). Damit ist man weit von früheren Zahlen entfernt (allein für den traditionellen Lauf über 17,17 Kilometer waren 2018 7400 Personen eingeschrieben), zumal über den gesamten Anlass gesehen noch hinzukam, dass der Mini-Murtenlauf diesmal den Restriktionen rund um Corona zum Opfer fiel. «Ich bin überzeugt, dass wir bis in zwei Jahren wieder das Niveau erreichen werden, dass wir vor Corona hatten», sagte Murtenlauf-Direktor Olivier Gloor. «Die Gelassenheit kehrt im nächsten Jahr zurück.»