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Heute schon geschmust? Oder stecken Sie gerade in einem richtigen Schlamassel? Diese Wörter aus dem Jiddischen haben Eingang in die deutsche Alltagssprache gefunden. Das Jiddische ist uralt. Es lohnt sich daher auch in linguistischer Hinsicht sehr, diese Sprache und ihre Ursprünge genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nach Angaben der Abteilung für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur der Uni Düsseldorf ist die genaue Zahl der Sprecher heute nicht bekannt. Schätzungen bewegten sich zwischen 100 000 und einer Million. Vor dem Zweiten Weltkrieg habe es etwa elf Millionen Sprecher gegeben. Schon damals hätten viele Juden das Jiddische wegen Kampagnen gegen Minderheitensprachen und Dialekte aufgegeben und sich an die Nationalsprachen der Staaten assimiliert, in denen sie lebten. Während der Schoah töteten die Nationalsozialisten einen grossen Teil der Sprecher. Und nicht nur das: Die Wissenschaftler erinnern auch daran, dass der stalinistische Terror und andere Repressionen in den früheren Ostblock-Staaten darüber hinaus zum Rückgang der Sprache beigetragen hätten.
Sprache der Aschkenasim
Fast alle aschkenasischen Juden – also die in Nord-, Mittel- und Osteuropa wohnhaften Juden – sprachen Jiddisch. Erste Formen des Jiddischen entstanden den Angaben zufolge vor dem 12. Jahrhundert im deutschen Süden auf Basis mittelhochdeutscher Dialekte und entwickelten sich zu einer eigenen Sprache. Wegen der Auswanderung im 19. Jahrhundert und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten im 20. Jahrhundert verbreitete sich Jiddisch über die Welt.
Und heute? «Von einer Renaissance, wie immer mal wieder zu lesen ist, kann nicht die Rede sein», sagt Professorin Marion Aptroot. «Jiddisch war nie weg.» Bestimmte Gruppen seien aktiv, eben Ultraorthodoxe. Es gibt jiddische Kinderbücher und Schulen, in denen die Sprache gesprochen wird. Aptroot berichtet mit Blick auf den jüngsten Masernausbruch in New Yorker orthodoxen Gemeinschaften von Informationen, die die Stadt auf Jiddisch verbreitet. In Deutschland existiert neben dem in Düsseldorf auch ein Lehrstuhl für Jiddisch in Trier. Der Duden gab kürzlich sein «Jiddisches Wörterbuch» in dritter Auflage heraus. Vor ein paar Monaten erschien Uwe von Seltmanns ambitioniertes Buch «Es brennt. Mordechai Gebirtig, Vater des jiddischen Liedes». Und wer nutzt im Deutschen nicht mal Wörter wie «Zoff», «schmusen» oder «Schlamassel»?
Im Alter von 19 Jahren fing Alina Bothe an, Jiddisch zu lernen – und blieb dabei. Vor sieben Jahren übersetzte sie sogar einen Roman ins Deutsche: «Grenadierstrasse» von Fischel Schneersohn über jüdisches Leben im Berlin der 1920er-Jahre.