Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03376.jsonl.gz/1149

Dezember 2018
Die «Major Davel» wurde am 13. September 1892 in Betrieb genommen. Sie erhielt den Namen nach einem waadtländischen Patrioten, der einen erfolglosen Aufstand der Waadt gegen die Herrschaft des Standes Bern angeführt hatte. Erbaut wurde der letzte Halbsalon-Raddampfer des Lac Léman von Escher Wyss in Zürich. Die ursprüngliche Idee, ein schnelles Schiff zu beschaffen, wurde nicht richtig realisiert, trotzdem wurde eine Dreifachexpansionsmaschine eingebaut. Die «Major Davel», sie konnte bis 600 Personen mitnehmen, war die einzige, welche auf dem Genfersee von einer Dampfmaschine dieser Bauart angetrieben wurde. Für die damalige Zeit ungewöhnlich hoch war mit 11 atü der Betriebsdruck der beiden Kessel.
Bereits nach wenigen Betriebsjahren traten technische Probleme zu Tage. Escher Wyss musste die gebrochene Radwelle ersetzen und gleichzeitig eine neue Kurbelwelle einbauen, da die Originalwelle bereits Sprünge aufwies. 1911 wurde der Dampfer von der Firma Gebrüder Sulzer umgebaut und dabei um 3,15 Meter verlängert und um 25 Centimeter verbreitert. Neue Kessel reduzierten den bisherigen hohen Kohleverbrauch etwas. Die verbesserten Platz- und Stabilitätsverhältnisse machten die «Major Davel» sowohl bei der Schifffahrtsgesellschaft als auch bei den Passagieren beliebter.
Am 29. September 1925 verlor der Dampfer vor Yvoire während eines heftigen Weststurms sein Ruder. Dank dem grossen Können der Besatzung konnte er vor dem waadtländischen Ufer sicher verankert werden. Als Ersatz wurde das Ruder des im selben Jahr ausgebrannten «Bonivard» eingebaut. Zwischen 1926 und 1928 wurde der Komfort verbessert. Auf dem Oberdeck wurde ein kleiner Rauchsalon erbaut und der Salon erhielt neue, grössere Fenster. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges erzwang die Ausserdienststellung des Schiffes.
Im Frühling 1948 erschien die «Major Davel» nach einer Totalrevision wieder auf dem Genfersee. 1950 wurde der Kamin ockergelb gestrichen. Im Winter 1963/64 wurden die Kessel auf Schwerölfeuerung umgestellt und bereits 1965 stand der Dampfer nur noch im Reservedienst. Im September 1967 organisierte die CGN noch Fahrten zum 75. Geburtstag des Schiffes, doch ein knappes Jahr später beschloss die Generalversammlung der CGN die Ausserdienststellung der «Major Davel». Nach der Verschrottung der Dampfmaschine wurde das Schiff nach Frankreich verkauft und lag lange Jahre im Hafen von Thônon-les-Bains. 1988 wurde der Raddampfer für eine Schalenkontrolle nach Ouchy geschleppt. Die Besitzer mussten das Schiff aufgeben, zu stark war es vom Rost zerfressen. 1990 wurde die «Major Davel» in Bouveret verschrottet.