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Nachdem wir uns damit befasst haben, welche Wirtschaftsteilnehmer in einer Volkswirtschaft mitmischen und welche Güter- und Geldströme im Modell des erweiterten Wirtschaftskreislaufs fliessen, möchten wir wissen, wie viel eine Volkswirtschaft leistet und wie man das messen kann. Ein zentrale Messgrösse zur Leistung einer Volkswirtschaft ist das Bruttoinlandprodukt, kurz BIP. Es misst den Wert des Güterstroms im Wirtschaftskreislauf.
Das Bruttoinlandprodukt umfasst den in Geld ausgedrückten Wert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres innerhalb eines Landes produziert worden sind.
Dabei sind vier Punkte wichtig:
– Waren und Dienstleistungen
– Produktion
– innerhalb eines Landes
– innerhalb eines Jahres
Zu den produzierten Waren gehören auch Güter, die der Staat herstellt, also z.B. der Bau von Schulen, Strassen oder der Polizeischutz. Damit in dieser BIP-Rechnung keine Güter doppelt gezählt werden, wird nur die Wertschöpfung der Unternehmen gemessen. Wertschöpfung ist das, was der Produzent «neu» erschafft – ein Schreiner kauft z.B. Holz ein und erstellt daraus einen Stuhl. Das Holz ist Produktionsinput und kostet CHF 50.–, den Stuhl, den er daraus fertigt, verkauft er für CHF 120.–. Die Wertschöpfung ist das, was er zusätzlich zum Wert des Holzes geschaffen hat, in diesem Beispiel also CHF 70.–. Diese Kosten für Rohstoffe und Material nennt man auch Vorleistungen. Das BIP wird also aus den produzierten Gütern und Dienstleistungen abzüglich der Vorleistungen berechnet.
Machen wir ein einfaches Beispiel:
Ein Müller produziert Mehl im Wert von CHF 80. Ein Bäcker kauft dieses Mehl und backt mit der Hälfte des Mehls Brote. Diese Brote verkauft er für CHF 70. Wie gross ist das Bruttoinlandprodukt in dieser einfachen Volkswirtschaft?
Die Wertschöpfung des Müllers beträgt: CHF 80
Die Wertschöpfung des Bäckers beträgt:
CHF 80 : 2 = CHF 40 / CHF 70 – CHF 40 = CHF 30
Das BIP beträgt: CHF 80 + CHF 30 = CHF 110
Im BIP werden nur Marktaktivitäten erfasst. Leistungen der Schattenwirtschaft wie illegale Geschäfte mit Drogen oder Menschenhandel fliessen nicht ins BIP. Ebenso werden ehrenamtliche Tätigkeiten ohne Marktpreis oder Hausarbeit nicht im BIP erfasst.
Um den Wert des BIPs richtig interpretieren zu können, wird es als nominale und als reale Grösse berechnet. Der Unterschied zwischen dem nominalen und dem realen BIP wird in einem anderen Beitrag genauer erläutert.
Vergleiche verschiedener Länder: BIP pro Kopf
Um die Wirtschaftskraft verschiedener Länder vergleichen zu können, kann man ebenfalls das BIP zurate ziehen. Nur stellt sich hier ein kleines Problem:
BIP Deutschland 2013: USD 3’636 Mrd.
BIP Schweiz 2013: USD 651 Mrd.
Dieser Vergleich scheint nicht wirklich aussagekräftig, denn Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner, die Schweiz gerade mal 8 Millionen – die Wirtschaftskraft von Deutschland ist also in absoluten Zahlen einiges grösser als die der Schweiz. Um richtige Vergleiche zwischen den Ländern anstellen zu können, muss die Wirtschaftskraft pro Einwohner berechnet werden: Wir berechnen das reale BIP pro Kopf, indem wir das reale BIP durch die Einwohnerzahl des Landes teilen.
Und Achtung: Um wirklich vergleichen zu können, muss natürlich das BIP auch in derselben Währung berechnet sein. Meist wird es drum in USD angegeben, so kann leichter verglichen werden.
Quellen:
– Eggen, W., Zimmermann, H.: Detailhandel – Wirtschaft DHF, Grundlagen – verstehen; 5. Auflage; hep Verlag AG, Bern
– Beck, B.: Volkswirtschaft verstehen; vdf Hochschulverlag AG, Zürich