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Federer beeindruckte am späten Samstagabend - und frühen Sonntagmorgen - wieder einmal die Tenniswelt. Nach einer zwischenzeitlichen Krise am Ende des zweiten Satzes ist der bald 40-jährige Basler in der 3. Runde des French Open am Ende fitter als der fast 13 Jahre jüngere Dominik Koepfer (ATP 59) und gewinnt nach intensiven 3:35 Stunden 7:6, 6:7, 7:6, 7:5. Danach zeigt sich Federer sehr zufrieden, macht sich aber Gedanken über den weiteren Verlauf des Turniers. Im Achtelfinal würde er am Montag auf die Weltnummer 9 Matteo Berrettini aus Italien treffen - zumindest in der Theorie.
«Mit meinem Team analysieren wir solche Matches sehr genau, auch diesmal. Heute Nacht noch oder spätestens morgen», hielt Federer um halb zwei in der Nacht auf Sonntag fest. «Ich muss nun entscheiden, ob ich hier noch weiterspielen soll oder ob das ein zu grosses Risiko wäre und es der richtige Moment für eine Pause ist.» Es wäre für den Schweizer eine Premiere. Noch nie gab er bei einem Grand-Slam-Turnier auf. Doch der Schritt wäre konsequent und hätte seine Logik.
Das Saisonziel ist nicht Paris
«Es ist ja nicht nur das (zweimal operierte) Knie», führte Federer weiter aus. Er erwarte, dass dieses Spiel Spuren hinterlassen werde. «Ich muss mich daran erinnern, was mein Saisonziel ist.» Er hatte vor dem French Open angesichts von nur drei Ernstkämpfen in den letzten eineinhalb Jahren klargemacht, dass er noch nicht in Topform sein kann und die Sandturniere in erster Linie zur Erlangung von Wettkampfhärte für die folgenden Rasenturniere nützen wollte. Das ist ihm gelungen. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier drei Spiele gewinne», verriet er.
Mit seinem Auftritt in der Night Session - bei für ihn denkbar ungünstigen Bedingungen - durfte Federer auf der ganzen Linie zufrieden sein. Er spielte alles andere als perfekt, aber er zeigte viele der Qualitäten, die ihm 20 Grand-Slam-Titel eingebracht haben. Er versuchte gegen den gefährlichen Linkshänder aus dem Schwarzwald viele Variationen aus. Federer suchte zwar die schnellen Punktgewinne, angesichts der kühleren und ausgesprochen langsamen Bedingungen akzeptierte er aber auch, dass er in viele lange Ballwechsel verwickelt wurde.
Beeindruckend war schliesslich sein Kampfgeist, trotz der geisterhaften Atmosphäre im wegen der nächtlichen Ausgangssperre in Frankreich leeren Stadion. Am Ende demonstrierte der Veteran den grösseren Siegeswillen als Koepfer, der sich in seiner Universitätszeit in New Orleans immerhin den Namen «Pitbull» verdient hatte. «Deshalb bringt mir dieser Match sehr viel.» Steht er auf dem Platz, gibt Federer alles. Vielleicht muss er sich genau deshalb durch ein Forfait vor sich selber schützen.
(Zu) kurze Pause
Dafür sprechen auch andere Faktoren: Selbst bei einem Sieg gegen Berrettini würden in den folgenden Runden ziemlich sicher Novak Djokovic und im Fall eines unerwarteten Sieges Rafael Nadal warten. Zudem wurde durch die Ansetzung als Night Session die Erholungszeit bis zum Achtelfinal deutlich verkürzt. «Um 3 Uhr morgens ins Bett zu kommen, ist sicher nicht professionell», meinte Federer dazu. «Gerade auf Sand.» Durch die Verschiebung des French Open muss er zudem bereits in einer Woche wieder in Halle auf Rasen antreten.
Federer hat in Paris die Antworten erhalten, die er sich erhoffte. Er ist um Welten weiter als noch im März beim Comeback in Doha oder vor zweieinhalb Wochen bei der Auftaktniederlage in Genf. Es spricht also objektiv nicht viel dafür, dass er in diesem Jahr in Paris nochmal auf dem Platz gehen wird. Eine Aufgabe wäre sicher unpopulär, doch so gross ist das Dilemma vielleicht gar nicht.