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Die Kinderarbeit berge nicht nur Risiken für die Gesundheit, die Sicherheit und die Entwicklung der Kinder, schreibt die UNO-Arbeitsorganisation (ILO) in einer Studie. Wer Kinderarbeit leiste, habe später Schwierigkeiten, eine gut bezahlte und langfristige Arbeitsstelle zu finden.
In armen Ländern schliessen laut der Studie nur 20 bis 30 Prozent der Kinder die Schule ab, bevor sie mit 15 Jahren ins Berufsleben eintreten. Jene Jugendliche, die in ihrer Kindheit gearbeitet haben statt zur Schule zu gehen, finden meist nur schlecht bezahlte Arbeit.
«Jedes Kind zählt»
«Die Zahl der arbeitenden Kinder ist dieses Jahr gesunken, aber wir haben nichts zu feiern», sagte Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi an einer Medienkonferenz in Genf zum internationalen Tag der Kinderarbeit: «Jedes Kind zählt.»
Nicht eingeschult seien weltweit ungefähr 58 Millionen Kinder im Primarschulalter, beklagte der indische Kinderrechtsaktivist. Die UNO hat bis nach 2015 das Ziel, das Recht auf eine Primarschulbildung weltweit durchzusetzen. Um das zu erreichen, müssten 22 Milliarden Dollar zusätzlich investiert werden, sagte Satyarthi. Diese Summe entspreche nur einem Bruchteil der jährlichen weltweiten Militärausgaben.
Viele Jugendliche arbeitslos
«Wir müssen dafür sorgen, dass alle Kinder zur Schule gehen und eine Ausbildung erhalten, bis sie ins legale Arbeitsalter kommen», sagte ILO-Chef Guy Ryder. «Die Ausbildung bestimmt den Rest ihres Lebens.»
Die UNO-Arbeitsorganisation erinnerte daran, dass mehr als 75 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos sind. Viele mehr verrichten Arbeiten, die ihnen weder ein gerechtes Einkommen, Arbeitssicherheit oder Sozialleistungen garantierten. Wer keine Ausbildung habe, habe auch Schwierigkeiten, eine annehmbare Arbeit zu finden, hiess es.
Millionen Kinder als Sklaven
Von den 168 Millionen Kindern die arbeiten, verrichten 47,5 Millionen Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren gefährliche Arbeiten. Fünf Millionen Kinder müssen unter Bedingungen arbeiten, die der Sklaverei gleichen und in denen sie keinen Zugang zu Bildung haben.
Die ILO untersuchte die Folgen von Kinderarbeit in zwölf Ländern. Die Resultate zeigen, dass jene Kinder, die vor dem 15. Lebensjahr die Schule abbrechen, kaum den Einstieg in die Berufswelt schaffen.
Jene, die den Einstieg doch finden, brauchen aber länger und finden seltener langfristige und stabile Arbeitsstellen. Es sei deshalb wichtig, so früh wie möglich zu intervenieren, um Kinderarbeit zu verhindern, heisst es im ILO-Bericht.
Kampfansage an die Schattenwirtschaft
Auch der Schattenwirtschaft sagt die UNO-Organisation den Kampf an. Das hat die ILO in Genf beschlossen.
Schattenwirtschaft bedeute ungenügenden sozialen Schutz für die Arbeitnehmer und Verlust von Steuereinnahmen für den Staat. Nach ihrer zweiwöchigen Konferenz verabschiedete die Organisation in Genf einen neuen internationalen Standard. Er ist zwar nicht bindend, soll aber Millionen von Arbeitnehmenden helfen, vom informellen in den formellen Sektor der Wirtschaft zu wechseln.
Einer von zwei Arbeitsplätzen weltweit sei Teil des informellen Sektors, sagte ILO-Direktor Guy Ryder. Die neue Empfehlung wurde von den Mitgliedsländern mit grosser Mehrheit angenommen. Sie anerkennt, dass die meisten Menschen nicht freiwillig in der Schattenwirtschaft ihr Geld verdienen, sondern wegen ungenügender Möglichkeiten im formellen Sektor und mangels alternativer Existenzgrundlagen.
Anteil in der Schweiz: 6,9 Prozent
In der Schattenwirtschaft ist der Anteil der Frauen in den meisten Ländern höher als jener der Männer. Andere gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie junge Menschen, ethnische Minderheiten, Migranten, ältere Menschen und Behinderte sind in der Schattenwirtschaft zudem überrepräsentiert.
In Entwicklungsländern beträgt der Anteil der Schattenwirtschaft an der gesamten Wirtschaftsleistung gemäss ILO rund 45 bis 90 Prozent. Die Schweiz kam laut einer Studie im vergangenen Jahr auf einen Wert von 6,9 Prozent.