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| Dionysius Areopagita, ps. (geschrieben vor 476) - Kirchliche Hierarchie (De ecclesiastica hierarchia)

3. Kapitel: Über die Feier der Eucharistie
III. Betrachtung
§ 4.
1) Der Psalmengesang gehört notwendig zur Liturgie des heiligsten aller Sakramente.
2) Der Inhalt der heiligen Schriften ist überhaupt lehrreich und erbaulich. Er bezieht sich auf die Weltschöpfung, Gründung des alten Bundes, Besitzergreifung vom gelobten Lande, Wirksamkeit und Tugendbeispiele der Richter, Könige [S. 126] und Priester; ferner auf die Lehranweisungen, Gesänge, das „Hohe Lied“ der Liebe und die Weissagungen der Propheten; endlich auf die Berichte der Evangelien über das Leben Jesu, die Apostelgeschichte und die Apostelbriefe, die Apokalypse und das Evangelium des heiligen Johannes.
3) Die Psalmendichtung insbesondere hat den Zweck, die Großtaten Gottes und der heiligen Männer Gottes zu verherrlichen. Der Psalmengesang bei den kirchlichen Funktionen bewirkt die geeignete, fromme Stimmung für den Empfang der Sakramente.
Der heilige Psalmengesang, der geradezu bei allen Geheimnissen der Hierarchie einen wesentlichen Bestandteil bildet, durfte von dem Sakramente, welches das Höchste in der Hierarchie bildet, nicht getrennt bleiben. Es hat aber die gesamte heilige und im heiligen Geiste geschriebene Schrift den für die Vergöttlichung empfänglichen Menschen folgende Hauptstücke dargestellt: die von Gott stammende Existenz und Ordnung der Dinge, die Hierarchie und Verfassung des Gesetzes, die Verteilung und Besitzergreifung von den Losanteilen des gotterwählten Volkes, die Klugheit heiliger Richter, weiser Könige oder gotterfüllter Priester, die Weisheit der Männer der Vorzeit, welche trotz der Mannigfaltigkeit und Menge der Trübsale eine unerschütterliche Festigkeit bewahrten, die verständigen Anweisungen für die Erfüllung der Pflichten, die Gesänge und gotterfüllten Gleichnisse göttlicher Liebe, die prophetischen Vorhersagungen der Zukunft, die menschlichen Gottestaten Jesu, die von Gott eingegebenen und Gott nachahmenden Einrichtungen und heiligen Lehren seiner Jünger, die geheime und mystische Vision des aus Gott redenden Lieblingsjüngers und dessen überweltliche Gottesoffenbarung über Jesus. All dieser Inhalt aus der heiligen Schrift ist in die heilige und gottähnliche Feier des Sakramentes mit den tiefsten Wurzeln verwachsen. Die heilige Aufzeichnung der göttlichen Gesänge aber, welche zum Zwecke hat, alle Gottesoffenbarungen und Gottestaten zu preisen und die heiligen Worte und Werke der Männer Gottes zu verherrlichen, bildet einen umfassenden Lobpreis und Kommentar der göttlichen [S. 127] Werke, welcher in allen gotterfüllten Sängern die geeignete Stimmung für Aufnahme und Mitteilung jedes Sakramentes der Hierarchie hervorruft.