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Bild des Monats August 2018
Am 23. September 1910 wurde für das Dampfschiff Lützelau die Betriebsbewilligung ausgestellt. Es war zugelassen für 120 Passagiere und eine Besatzung von drei Mann. Getauft wurde das Schiff nach dem Namen der kleineren der beiden Inseln vor Rapperswil.
Der Schraubendampfer kam sogleich in einen strengen Einsatz. Die «Lützelau» legte jährlich bis zu 50’000 Kilometer zurück. Im Herbst 1914 wurden kriegsbedingt und weil die Frequenzen zurück gingen, eine Anzahl Schiffskurse im unteren Seebecken eingestellt. Für die Kurse, welche dadurch mehr Passagieraufkommen hatten, wurde am rechten Ufer die «Ufenau» und am linken Ufer die «Lützelau» eingesetzt. Die Frequenzen der Mittagskurse der «Lützelau» lagen an einzelnen Tagen leicht über der bewilligten Zahl von 120 Fahrgästen. Für die Überschreitungen wollte man das Personal nicht verantwortlich machen. Der Einsatz eines Entlastungsschiffes war nicht möglich und daher ersuchte die ZDG die Aufsichtsbehörde, die Marke auf 150 Passagiere zu erhöhen. Bewilligt wurde eine Erhöhung auf 140 Personen.
Bei einer Revision des Schiffes im Jahr 1934 verkürzte man den schwarzen Oberteil des Kamins, was der «Lützelau» ein anderes Aussehen gab. Da das Schiff während seiner ganzen Lebenszeit als einzige Dampfschwalbe ganz weiss gestrichen war, konnte man sie immer von weitem erkennen.
1957 wurde sie ausser Dienst gestellt und die Betriebsbewilligung zurückgegeben. Ein Jahr später ersuchte die Zürichsee Dampfschiffgesellschaft (ZDG) die Bewilligung für das Jahr 1959 wieder zu erhalten. Sie hatte für die Gartenbauausstellung G59 Fahrten zwischen dem linken und rechten Ufer im Zürcher Seebecken auszuführen. Da befürchtet wurde, es stünden nicht genug Schiffe zur Verfügung, reaktivierte die ZDG die Dampfschwalbe wieder. Dies wurde nur für ein Jahr bewilligt, für einen weitergehenden Einsatz hätte das Schiff saniert werden müssen. Die ZDG besorgte für die Gartenbauausstellung mit zwei kleinen Motorschiffen den Pendelverkehr und beförderte dabei 599’361 Personen. Bei starkem Andrang setzte man zusätzlich die «Lützelau» ein. Dies waren die allerletzten Fahrten einer Dampfschwalbe auf dem Zürichsee.
Ausser Dienst gestellt, wurde das Schiff beim Landesteg Wollishofen als schwimmendes Lokal der Freizeitanlage Wollishofen verankert. Den Unterhalt finanzierten das Zürcher Hochbau-Inspektorat als Eigentümerin, die «Pro Juventute» und weitere Institutionen.
Am 1. Dezember 1976 tauschte man nach über 15 Jahren Stilllager die «Lützelau» gegen das MS Stäfa aus. Die letzte noch vorhandene Dampfschwalbe wurde verschrottet. Erhalten geblieben ist die Dampfmaschine des Schiffes.
Auszug aus dem Buch «Die Zürichsee Schifffahrt». Erhältlich bei der Dampferzeitung.