Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03131.jsonl.gz/2153

Mike Merkle (2005)
Stolz trägt der Grittibänz eine kleine, weiße Pfeife auf der Brust – ein beliebtes Spielzeug für Kinder, das sich gut zum Seifenblasenherstellen eignet, wenn der Grittibänz selbst schon lange aufgegessen ist. Millionen solcher weißer Tonpfeifen werden jährlich im hergestellt.
Ein Dorf namens Hilgert in Deutschland ist führend in der Pfeifenherstellung. Hier werden etwa seit dem Jahre 1820 aus Ton Pfeifen geformt und gebacken. Aber nicht nur die Pfeifen für den Grittibänz, sondern auch Rauchpfeifen für Erwachsene.
Früher war die Pfeifenherstellung reine Handarbeit. Um das Jahr 1880 gab es in dem Dorf bei 600 Einwohnern 250 kleine Familienbetriebe, die Pfeifen produzierten.
Geschickte Frauenhände formten aus kleinen Tonröllchen Pfeifen, die dann in einer Metallform ihre endgültige Gestalt gewannen. Mit einem Metallbolzen drückte der Pfeifenmacher den Hohlraum in den Pfeifenkopf. Nun folgte eine sehr feine und schwierige Arbeit. Der Pfeifenstiel musste mit einem Draht durchstochen werden, das Zugloch entstand.
Nach dem Trocknen wurden die Pfeifen in feuerfeste Behälter, mit der Form eines Fasses, geschichtet und in diesen Kapseln im Brennofen gebrannt.
Heute gibt es nur noch wenige Pfeifenstuben im Ort. Die Pfeifenherstellung hat sich aber geändert; sie ist keine Handarbeit mehr. Die Tonröllchen werden in Maschinen gelegt, die mehrere Pfeifen mit einer Hebelwirkung formen.
Tonpfeifen waren im 19.Jahrhundert überaus beliebt, doch heutzutage werden sie hauptsächlich zu dekorativen Zwecken hergestellt.
Häufig werden verschiedene Tone miteinander gemischt, um eine einheitliche Farbe zu bewirken. Tonpfeifen stammen ursprünglich aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und England.
Tonpfeifen sind erheblich preiswerter als Bruyère- und Meerschaumpfeifen, haben jedoch den Nachteil, dass sie ziemlich zerbrechlich sind, obwohl dies ein niedriger Preis für ein richtig altmodisches Pfeifenerlebnis sein mag.
Tonpfeifen waren die ersten europäischen Pfeifen. Auch heute werden Tonpfeifen nach Altvätersitte gebacken. Rohkalk wird fein gemahlen und anschließend in einem großen Bottich gewässert. Nachdem er gut abgelagert und durchgeknetet wurde, wird der gebrauchsfertige Ton in Stangen gepresst.
Früher wurde der Ton von Hand in die Formen gegossen. Die roh geformten Tonpfeifen lagern anschließend zum Trocknen in flachen Holzkästen und werden dann verputzt, das heißt von Pressrückständen gesäubert und geglättet. Gebrannt wird 10 bis 12 Stunden bei ca. 900 Grad Celsius in großen Öfen, die oft bis zu 50.000 Pfeifen fassen. Heute werden Tonpfeifen kaum noch geraucht.
Wenn seit der Mitte des 18. Jahrhunderts die betuchten Pfeifenraucher auch dazu übergingen, nicht mehr aus einfachem Ton, sondern zunehmend aus Meerschaum, Porzellan, Holz oder kostbaren Materialien wie Silber oder Glas zu rauchen, blieb die Tonpfeife doch das Rauch Instrument des "einfachen Mannes".
Ich kann mich gut erinnern. Damals bekam ich immer einen Grittibänz mit dazugehöriger Tonpfeife. Ich sehe noch heute vor mir, wie ich die Pfeife mit Vaters Tabak füllte und den Rauch um meinen Kopf genoss.
Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, ob es mir danach übel wurde. Die Pfeifen interessierten mich schon dazumal, und wenn es die Pfeifen meines Vaters waren.
Was mich schon damals beschäftigte: „Warum trägt der Grittibänz eine Pfeife?“
Ich erkundigte mich bei Herrn Michel Berliat. Er ist Junior Product-Manager bei der Jowa (Backfabrik) in Volketswil.
"Grittimann oder Grittbänz
ist erst vom letzten Jahrhundert an in Östereich, Deutschland, im Elsass und in der Schweiz nach weisbar. Seine Bezeichnung: Grittibänz, Bänz, Mannli oder Fräuli, Elggermanne, Chläus, Grättimaa, Hanselmanne usw.
Am gebräuchlichsten ist der Name Grittibänz. Der Grittibänz ist eine Nachahmung des Alten Mannes der Weihnachtszeit, des urwüchsigen Schmutzli (in Deutschland Knecht Ruprecht).
Der heidnische Knecht Ruprecht wurde dem christlichen St. Niklaus als Dienstbote untergeordnet. Es gibt bei uns bis heute auch weibliche Grittibänze, Frauli oder Bääbi genannt. Immerhin bilden sie das bisher älteste, urkundenmässig belegte Niklausgebäck in Menschenform. Da zum alten Mann (Knecht Ruprecht) eine Pfeife passend ist, wird der grosse Grittibenz oft mit einer Pfeife ausgestatet. Das heisst jedoch nicht, dass ein Grittibänz oder Grittefrau ohne Pfeife kein richtiger Grittimann ist. Grundsätzlich gibt es keine Vorschriften wie ein Grittmann aussehen muss. Somit können die Bäcker in dieser Beziehung ihrer Fantasie freien Lauf lassen.“