Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03463.jsonl.gz/3080

In Memoriam Patrick Harries (1950 - 2016)
Prof. Patrick Harries, langjähriger und seit kurzem emeritierter Professor für Geschichte Afrikas am Departement Geschichte der Universität Basel, ist am 2. Juni 2016 in seiner Heimatstadt Kapstadt (SA) verstorben.
Mit Bestürzung und grosser Trauer nehmen wir die Nachricht vom plötzlichen Tod von Patrick Harries entgegen. Das Departement Geschichte verliert mit ihm einen profilierten und renommierten Vertreter, einen engagierten und klugen Wissenschaftler, einen inspirierten Lehrer. Wir trauern um unseren Kollegen und Freund und werden ihn schmerzlich vermissen.
Patrick Harries forschte und lehrte von 2001 bis 2015 als Professor für Geschichte Afrikas am Departement Geschichte und am Zentrum für Afrikastudien der Universität Basel. Er war eine führende und international renommierte Forscherpersönlichkeit. Seine Arbeiten in den Forschungsfeldern der Geschichte der Arbeit, der Geschichte der christlichen Missionen und der Wissensgeschichte Afrikas sind international anerkannt. Durch sein Engagement gelang es ihm, Basel als international renommiertes Zentrum der Afrikanischen Geschichte zu profilieren. Patrick Harries vermochte mit seiner gewinnenden Art, seinem didaktischen Geschick und seinem breiten Wissen zahllose Studierende für die Geschichte Afrikas zu begeistern. Bis zu seiner Emeritierung im vergangenen Jahr hat er zahlreiche Forschungsprojekte geleitet und eine grosse Anzahl Nachwuchswissenschaftler/innen betreut, gefördert und inspiriert.
Patrick Allan Lifford Harries wuchs in den 1950er und 60er Jahren in einer weissen Mittelschichtsfamilie in Kapstadt auf. Früh politisiert und marxistisch inspiriert, studierte er an der University of Cape Town (UCT) Geschichte bei Robin Hallett, einem Mitbegründer der Afrikanischen Geschichte. Das Fach galt in den 1970er Jahren im Apartheidstaat als progressiv und links. Nach dem Studienabschluss arbeitete Harries zunächst als Lecturer an der Universität, lernte Französisch und Portugiesisch (was für seine Generation ungewöhnlich war) und promovierte schliesslich 1983 an der Londoner School of Oriental and African Studies (SOAS) mit einer Studie über Wanderarbeiter in den mosambikanischen und südafrikanischen Goldminen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Arbeit kombinierte sozial-, kultur- und geschlechtergeschichtliche Zugänge und fand eine breite internationale Anerkennung. In den 1980er und 1990er Jahren setzte Harries seine Karriere über verschiedene Stationen fort. Zunächst arbeitete er weiter an der UCT, ab 1993 als Associate Professor. Parallel dazu nahm er Gastprofessuren in Lausanne (1991/92), an der École des Hautes Etudes en Sciences Sociales und am Maison des Sciences de l'Homme in Paris, an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Department of African History an der University of Wisconsin, Madison, wahr.
2001 erhielt er einen Ruf nach Basel auf eine von der Carl Schlettwein Stiftung finanzierte Professur für die Geschichte Afrikas. Für Basel war seine Berufung ein Glücksfall. Er brachte sein internationales Renommee und Netzwerk mit und baute hier eine höchst produktive Forschungsgruppe auf. Harries gehörte zudem 2002 zu den Gründern - zusammen mit Till Förster, Peter Nagel und Marcel Tanner - des Zentrums für Afrikastudien an der Universität Basel und trug bis zu seiner Emeritierung massgeblich zur Profilierung und Entwicklung der Basler Afrikaforschung bei.
In seinen Forschungen konnte er nicht zuletzt auf die reichen Quellenbestände der Basler Afrika Bibliographien und des Missionsarchivs (Mission 21) zurückgreifen. In diesem Kontext entstand auch sein zweites, 2007 erschienenes Buch "Butterflies and Barbarians. Swiss Missionaries & Systems of Knowledge in South-East Africa". Darin untersucht Harries die Sammlungs- und Forschungsaktivitäten schweizerischer Missionarinnen und Missionare im südöstlichen Afrika des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mit seinem breit angelegten, transnationalen Zugang stiess auch dieses Buch international auf höchst positives Echo. Dasselbe gilt für den Sammelband "The Spiritual in the Secular. Missionaries and Knowledge about Africa", den Patrick Harries mit David Maxwell 2012 veröffentlichte und der die Studien zur Missionsgeschichte vertiefte.
Patrick Harries ist in seiner Heimatstadt Kapstadt am 2. Juni 2016 unerwartet verstorben. Wir werden ihn sehr vermissen und sind dankbar für die gemeinsamen Jahre in Basel.
Patrick Harries wird am Freitag, 10. Juni in Kapstadt (SA) beerdigt, in der St Michaels Catholic Church, Rouwkoop Road, 7700 Rondebosch, Cape Town.
Eine Gedenkfeier in Basel findet am Montag, 20. Juni 2016, 15.00 Uhr in der Aula des Naturhistorischen Museums, Augustinergasse 2 statt. Im Anschluss daran sind die Gäste herzlich zu einem Apéro im Foyer des Museums eingeladen.
Obituary in English see at the Center for African Studies Basel.
© Foto: Christophe Delory 2015