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Seepalisaden und Schnitzturm in Stansstad (13. bis 14. Jh.)
Wegen der strategischen Lage Stansstads am Brünigweg und am Eingang zu Nidwalden wurde die Gegend bereits in der Bronzezeit besiedelt und seither immer wieder befestigt. Die auffälligsten Befestigungen stammen aus dem Mittelalter: der Schnitzturm und die Holzpalisaden, die heute in rund vier Metern Tiefe im See liegen. Diese Bauten sind Baudenkmäler von nationaler Bedeutung.
Der Nidwaldner Kunsthistoriker und Staatsarchivar Robert Durrer deutete in den 1920er Jahren die Anlagen als Landesbefestigung gegen die Habsburger, die im Morgartenkrieg 1315 eine wichtige Rolle gespielt hätte. Die Nidwaldner hätten planmässig eine Verteidigungsanlage, eine eigentliche militärische Talsperre, zwischen der Loppburg und der Burg auf dem Kilchlitossen gebaut. Die moderne Archäologie hat dieses Bild widerlegt. Mittels naturwissenschaftlicher Datierung ist nachgewiesen, dass die Bauten aus unterschiedlichen Zeiten stammen und nie eine zusammenhängende Anlage gewesen sind. Ausserdem hat es die Burgen auf dem Lopper und auf dem Kilchlitossen gar nie gegeben, wie neue Ausgrabungen gezeigt haben. Die Vorstellung einer militärischen Talsperre passt zudem in die Zeit des 1. Weltkriegs, in der Durrer diese Idee entwickelt hat – sie passt aber nicht ins Spätmittelalter, als Schlachten ganz anders geschlagen wurden.
Heute werden die verschiedenen Anlagen als eigenständige Bauwerke gedeutet. Der sogenannte Teller, eine künstliche Aufschüttung im See, wurde 1206 als Wachturm mit Ringpalisade errichtet. Der Schnitzturm wurde später, in der Mitte des 13. Jahrhunderts, als dienstadliger Wohnturm gebaut. Wahrscheinlich war der Teller zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in Gebrauch. Bauherren beider Türme waren vermutlich Mitglieder der dienstadligen Familie der von Malters, die im Dienst des Klosters Murbach-Luzern stand. Vom Teller und später vom Schnitzturm aus kontrollierten sie den kleinen Hafen und die Seeenge zum Alpnachersee.
Die dreifache Palisade wurde erst in den 1310er-Jahren errichtet. Unklar bleibt, ob sie in einem Stück oder in Etappen gebaut worden sind. Aufgrund ihrer Bauart dienten sie aber nicht als militärische Sperren – dazu waren die Pfähle zu schwach – sondern vermutlich als Grenzmarkierung. Vielleicht versuchte der Reichsvogt Werner von Homberg, seine Herrschaft über die Reichsvogtei Waldstätten zu stärken. Ein Mittel dazu war die Kenntlichmachung des Territoriums mit auffälligen Grenzzeichen. Ungefähr zur gleichen Zeit wurden rund um die damalige Reichsvogtei an mehreren strategischen Stellen Landmarchen errichtet: die Letzinen bei Arth, Morgarten und Rothenthurm sowie die Palisaden in Stansstad. Mit der Auflösung der Reichsvogtei ab den 1330er-Jahren und der Verfestigung der eidgenössischen Bündnisse im 15. Jahrhundert verloren die Palisaden ihre Bedeutung. Der Schnitzturm wechselte in Unterwaldner Besitz und spielte als Wachturm nur noch eine kleinere Rolle.
Literatur
Obrecht, Jakob, Weber, Emil: Palisaden, Wälle, Gräben, Türme und Burgen. Die mittelalterlichen Befestigungen bei Stansstad, in: Der Geschichtsfreund 167 (2014), S. 99-132.