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Es sei wichtig, dass sich die Banken weiterhin sehr darauf konzentrierten, ihr Engagement in Russland zu verringern und idealerweise sich so schnell wie sie können aus dem russischen Markt zurückzuziehen, sagte der oberste EZB-Bankenaufseher Andrea Enria am Dienstag auf einer Finanzkonferenz in Paris. "Das ist ein Prozess, den wir nicht nur begrüsen, sondern wir machen bei den Banken dafür stark Druck, weil ein grosses Reputationsrisiko damit verbunden ist, weiterhin in Russland zu operieren." Die Wirtschaft dort versuche, die Auswirkung der Sanktionen zu begrenzen und den Krieg zu unterstützen.
Ihre Russland-Geschäfte zu verkaufen sei allerdings schwierig für die Institute, sagte Enria. Russische Behörden würden dafür eine Menge Hindernisse in den Weg legen. So sei eine Genehmigung durch den Präsidenten erforderlich, und bei den Investments müsse die Bank dann erhebliche Verluste hinnehmen. Viele Institute seien aber aktiv dabei, hier weiter voranzuschreiten.
Nach wie vor in Russland ist unter anderem die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI). Die russische Tochterbank von Österreichs zweitgrösstem Geldhaus ist laut zuletzt verfügbaren Daten die zehntgrösste Bank des Landes. Sie ist seit fast 30 Jahren in Russland aktiv und tief in das Finanzsystem eingebettet. Das Geldhaus prüft seit Kriegsausbruch alle Optionen für ihre Tochter. Zuletzt hiess es, man konzentriere sich auf einen Verkauf oder einen Abspaltung.
Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Mitte März unter unter Berufung auf Insider berichtet, dass die EZB von der RBI zwar keinen sofortigen Rückzug fordere, aber einen Plan verlange, wie sie das Geschäft dort aufgegeben und die Risiken bewältigt werden können. Darüber hinaus geriet die RBI ins Visier der US-Sanktionsbehörde OFAC, die eine Untersuchung eingeleitet hat. Auch die italienische UniCredit hat noch umfangreiche Geschäfte in Russland
Kein zusätzlicher Regulierungsbedarf
Zusätzlichen Regulierungsbedarf infolge der jüngsten Regionalbankenkrise in den USA sieht Enria nicht. "Es wäre falsch, internationale Liquiditätsstandards zu rekalibrieren wegen eines extremen Geschäftsmodells von regionalen Banken in den USA," sagte er. Falls es Verwundbarkeiten bei den Finanzierungsstrukturen von Instituten gebe, sollten diese mit den Werkzeugen der Aufsicht angegangen werden und nicht durch Veränderungen der internationalen Standards.
Kunden in den USA hatten im März massiv Gelder von den Regionalbanken Silicon Valley Bank (SVB) und Signature Bank abgezogen. Zu der Vertrauenskrise beigetragen hatten unter anderem nicht-realisierte Verluste im Zusammenhang mit den Zinsänderungen in den USA. Der Bankenkollaps hatte weltweit Schockwellen an den Börsen ausgelöst.
"Für alle Banken unter Aufsicht der EZB ist die Gesamtsumme der unrealisierten Verluste ziemlich begrenzt", sagte Enria. Diese liege in der Grössenordung von etwa 70 Milliarden Euro. Für die USA hätten die dortigen Behörden dagegen jüngst eine Summe von mehr als 620 Milliarden genannt.
"Daher ist das viel stärker begrenzt", merkte Enria an. Die Aufsicht schaue sich diese Zahlen unter anderem mit Blick auf die Zinsrisken an.
(Reuters)