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Die Ursprünge des Ordens der Odd Fellows verlieren sich im Dunkel. Weil unser Orden, wie so viele andere, im Laufe der Geschichte in manchen Ländern und zu manchen Zeiten verfolgt wurde, sind viele Dokumente verloren gegangen. Was wir heute noch rekonstruieren können, ist, dass der Orden der Odd Fellows im 16. Jahrhundert in England entstanden ist - wahrscheinlich aus einer Bauhütten-ähnlichen Organisation. Warum wir zu unserem - zugegebenermassen merkwürdigen - Namen gekommen sind, wissen wir nicht. Im 18. Jahrhundert wurde der amerikanische Ordenszweig reorganisiert und reformiert. Gleichzeitig errangen die Amerikaner die organisatorische Unabhängigkeit vom englischen Mutterhaus. Deshalb nennt sich der Ordenszweig, dem wir Schweizer Odd Fellows heute angehören, "The Independent Order of the Odd Fellows" - kurz I.O.O.F.
Der Mann, dem wir dies verdanken, und den wir als eigentlichen Gründer unseres Ordens anerkennen, hiess Thomas Wildey. Noch heute feiern wir den Jahrestag der Gründung der ersten reformierten Loge durch ihn.
Die Pestalozzi-Loge Nr. 2 in Baden
1870 fanden einige kalifornische Brüder deutscher Herkunft, es sei an der Zeit, den Orden in seiner reformierten Form nach Europa zurück zu bringen. So wurde in Stuttgart die erste Loge des I.O.O.F. in Europa gegründet. Nur ein Jahr später folgte in Zürich die Gründung der ersten Schweizer Loge. Sie existiert noch heute: die Helvetia-Loge Nr. 1. Nochmals ein Jahr später, 1872, erblickte die zweite Schweizer Loge das Licht der Welt: die Pestalozzi-Loge Nr. 2 in Baden
Die Loge wurde am 29. Oktober 1872 gegründet. Als Beamte wurden gewählt: die Herren Anner Obermeister, Hiltpold Untermeister und W. Attenhofer Sekretär. Da in Bern noch keine Loge existierte, wurden schon in den ersten Monaten etliche Interessenten aus 'Bern in die Pestalozzi-Loge aufgenommen.
Die Installierung der Beamten fand am 7. Dezember 1872 statt und wurde durch den Bevollmächtigten der Grossloge der USA, E. Attenhofer von der Helvetia-Loge, vollzogen. Anschliessend sind sechs neue Brüder, davon zwei aus Bern, eingeführt worden. Die Sitzungen wurden damals durch Absingen je einer Strophe des Bundesliedes eröffnet und geschlossen. Interessant ist vielleicht noch, dass es damals fünf Grade gab und dass Brüder am gleichen Tag in mehrere Grade erhoben werden konnten (Protokoll vom 23. 1. 73). Dieses Protokoll meldet ferner, dass ein Sekretär wegen unentschuldigten Fehlens mit 50 Rp. gebüsst worden ist. Eine weitere Busse wurde einem Odd Fellow auferlegt, weil er einen anderen mit »Herr« anredete. Ende Januar 1873 wurde die Fellenbergloge in Bern gegründet, worauf unsere Berner Odd Fellows in die neue Loge übertraten.
1873: Im Jahre 1873 wurde auch schon die Frage der Publizität erörtert und beschlossen, entsprechende. Artikel in der Zeitung »Schweizerbote« erscheinen zu lassen, auch sollten die Lokalblätter bedient werden. Anfangs April traf endlich aus USA der Freibrief ein, unfrankiert, worüber die Badener etwas ungehalten waren. Obermeister. Anner schenkte der Loge eine Pestalozzi-Büste. An kranke Mitglieder. zahlte die Loge zu jener Zeit ein Krankengeld von Fr. 15.- pro Woche aus. Eine genaue Mitgliederzahl lässt sich aus den damaligen Protokollen leider nicht ermitteln. Es sind viele Einführungen verzeichnet und die Sitzungen werden von acht bis zwölf Mitgliedern besucht. Im gleichen Jahr werden, z. T. nach Mustern deutscher Logen, die Statuten bereinigt
Stürmische Zeiten wechselten ab mit geruhsameren, die Mitgliederzahlen schwankten im Laufe der Zeit zwischen beinahe 100 und ganzen 5 Aufrechten. Als der Faschismus im Norden und Süden der Schweiz nicht nur Juden und Zigeuner, sondern auch Freimaurer und Odd Fellows verfolgte, war unsere Loge verständlicherweise weniger beliebt als z.B. in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als "tout Baden" (und wer dafür gehalten werden wollte) Odd Fellows war. Heute zählen wir knapp 40 Mitglieder.