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Alexandra Lavizzari
Ein Sommer
Zytglogge Verlag, 1999
Aus: Alexandra Lavizzari. Ein Sommer. Zytglogge Verlag, 1999
Weil die Mutter spät zurückkehrte, gab es wieder Streit. Diesmal lachte sie nur über die Vorwürfe und bereitete summend das Abendessen zu, ohne sich um den verstockten Vater zu kümmern, der vor dem Fernseher sass und von Zeit zu Zeit über die Schulter seine Flüche und Beleidigungen in Richtung Küche brüllte. Sof versuchte, sich an ihn zu schmiegen, sie wollte ihn beruhigen und auf andere Gedanken bringen. Sie rieb ihr Gesicht an sein klammes Hemd, umfasste mit den Armen seinen Oberkörper und wiegte ihn zaghaft, wie zum Spiel, hin und her. Sie hörte seinen Herzschlag, dumpf wie Trampeltritte in einer Höhle, und das Bier, das in den Magen hinuntergurgelte, und spürte, wie sich seine Wut auch nach innen frass und ein tiefes unterirdisches Beben erzeugte. Sie verstand ihn. Mutter war daran, das Bisschen Glück in der Familie zu zerschlagen. Worte hatte Sof aber keine, um dem Vater zu bekunden, dass sie heute auf seiner Seite war. Sie gab ihm nur Zeichen, die nicht einmal eindeutig waren. Wäre der gewohnt säuerliche Geruch an ihm nicht gewesen, sie hätte ihn an diesem Abend freimütig umarmen können, aber so fiel die seltene Liebkosung doch wieder nur halbherzig aus, und er stiess sie von sich.