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Erste Recherchen zu Kino und künstlicher Intelligenz verweisen überwiegend auf Filme über intelligente Roboter: «A.I. Artificial Intelligence» (Steven Spielberg) oder «Terminator» (James Cameron) unter den Klassikern, «Her» (Spike Jonze) oder «Ex Machina» (Alex Garland) unter den neueren. Es scheint, dass Algorithmen nicht zur Filmkreation taugen, dass in unsere Industrie im Gegensatz zu allen anderen keine Algorithmen eingedrungen sind, die in der Lage wären, den Arbeitsalltag zu verbessern oder Arbeitskräfte schlicht und einfach zu ersetzen.
Liest man die Dialoge, die Benjamin – eine künstliche Intelligenz – für die Kurzfilme «Sunspring» und «Zone Out» geschrieben hat, wird deutlich: Roboter sind noch nicht so ausgeklügelt, dass sie Drehbuchautoren ersetzen könnten. Allerdings ist die Forschung vielversprechend, die sie zu Mitarbeitern machen will, die Ähnlichkeiten in sehr unterschiedlichen Scripts erkennt, das richtige Verhältnis zwischen dem Budget eines Films und potenziellen Rückflüssen bewertet oder sein Zielpublikum durch die Analyse vergangener Erfolge vorhersagen kann.
Künstliche Intelligenz ist auch in einem anderen Sektor der Industrie präsent – diskret, doch mit anhaltender Durchschlagskraft: in Form von Empfehlungsalgorithmen, die immer genauer ermitteln, was Sie interessiert und worauf Sie wahrscheinlich nächstens klicken werden. Je häufiger Sie sie benutzen, desto besser werden sie. Diese individuelle Beratung dürfte mit der Zeit eine sehr menschliche Arbeit ersetzen: die des Kuratierens. Wozu Energie verschwenden, um ein Programm zu entwickeln und Werke sorgfältig auszuwählen, auf die Gefahr hin, Fehler zu machen, wenn doch die Maschine, die so viele Informationen verarbeiten kann, mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Idee ausspucken wird, die dem Geschmack des Konsumenten genauer entspricht?
Die traditionellen Vertriebskanäle leiden offensichtlich unter diesem Wettbewerb. Das Streaming zu Hause ist nicht nur komfortabel, sondern es bietet auch immer mehr vom Gleichen, ohne den Betrachter jemals in die unbequeme – aber produktive – Lage zu versetzen, erschüttert, überrascht, hinterfragt und verunsichert zu werden. Doch wir können, als Gesellschaft, nicht einfach den Computern die Schuld geben, als ob diese neutral wären. Wir dürfen uns nicht damit begnügen, unsere Machtlosigkeit festzustellen. Hinter jedem Computer steht eine technische Logik, die sich aus einer kommerziellen ableitet und die Regeln der Algorithmen bestimmt. Die Nutzer sind nicht einfach dumm und beeinflussbar. Vielmehr sind sie gefangen in Design- und Programmkonzepten, die bewusst darauf ausgerichtet sind, den «Binge Watching»-Konsum zu fördern.
Die einzige Antwort liegt in der Politik. Im Privaten zunächst, indem die Unternehmen und die Entwickler, die sie beschäftigen, die künstliche Intelligenz politisch bewusst so einsetzen, dass sie uns überrascht, statt uns zu bestätigen. Und in der Politik anderseits, indem die Staaten die Plattformen zwingen, einheimische, europäische und Autorenproduktionen ins Angebot zu nehmen. Die künstliche Intelligenz mag uns vieles bieten, doch man muss die Illusion begraben, dass sie uns als der Monolith von «2001: A Space Odyssey» erscheint: in sich geschlossen, vollendet, unantastbar.
Pascaline Sordet