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Zur Tumorchirurgie
Die chirurgische Behandlung der Tumorerkrankungen macht einen grossen Teil der Viszeral- und Thoraxchirurgie aus. Bei der operativen Therapie von Tumorerkrankungen sind verschiedene chirurgische Grundsätze speziell zu beachten:
"No-touch-technique"
Besonders wichtig ist bei der chirurgischen Entfernung eines Tumors – unabhängig von seinem Ursprung, seiner Grösse und seiner Lokalisierung –, dass der Tumor während des Eingriffes nicht eröffnet, verletzt oder gequetscht wird, da dies zu einer Streuung der Tumorzellen führen könnte, die sich ihrerseits an einem neuen Ort einpflanzen könnten und einen Tumorableger, eine sogenannte Metastase, bilden. Dieser Grundsatz des „Unversehrtlassens“ wird auch als „No-touch-technique“ bezeichnet, dies bedeutet, dass der Tumor während der Operation möglichst nicht berührt werden darf.
Der Sicherheitsabstand
Neben der vollständigen Entfernung eines bösartigen Tumors muss zudem ein von der Tumorart und der Lokalisation abhängiger Sicherheitsabstand eingehalten werden, so dass mit grosser Sicherheit davon ausgegangen werden darf, dass der Tumor schliesslich „im Gesunden“ entfernt wurde.
Mögliche Streuungswege einbeziehen
Das Hauptmerkmal eines bösartigen Tumors ist seine Wachstumsfähigkeit und seine Fähigkeit, die natürlichen Barrieren zu überschreiten: So kann ein Tumor kontinuierlich ungeachtet der Organgrenzen heranwachsen und auf die direkte Umgebung übergreifen (sogenanntes Wachstum "per continuitatem", zum Beispiel bösartige Tumoren der Bauchspeicheldrüse).
Andere Tumorarten brechen in die Venen, die das Blut vom Tumor und vom Organ wegführen, ein ("hämatogene" Metastasierung, griech. haima=Blut) . Die Tumorzellen werden dabei weggeschwemmt und können sich in anderen Organen einnisten (zum Beispiel Lebermetastasen bei bösartigen Tumoren des Magendarmtraktes oder Lungenmetastasen bei Tumoren der Brustdrüse).
Ein weiterer wichtiger Metastastierungsweg bösartiger Tumoren liegt im Einbrechen in die Lymphabflusswege ("lymphogene" Metastasierung). Die Lymphe, das „Gewebswasser“ verläuft in sehr dünnwandigen Lymphbahnen zu den Lymphknoten. Diese filtern einerseits die Lymphe und dienen gleichzeitig der Infektabwehr. Durch diese Filterfunktion können aber auch Tumorzellen in Lymphknoten hängen bleiben: Sie nisten sich in den Lymphknoten ein und können Lymphknotenmetastasen ausbilden.
Verschiedene Tumoren haben unterschiedliche Metastasierungsmuster, nach denen sich die chirurgische Therapie zu richten hat. So ist das Einhalten eines Sicherheitsabstandes für die Vermeidung vom lokalen Wiederauftreten des Tumors von entscheidender Bedeutung. Ebenso wichtig ist die Entfernung der Umgebung bezüglich des Blut- und Lymphabflusses. So ist die Anzahl der mitresezierten Lymphknoten beim Darmkrebs von entscheidender Rolle bezüglich der Radikalität der Operation.
Tumorchirurgie - im Zusammenspiel mit anderen Fachgebieten
Die Behandlung von bösartigen Tumoren ist längst nicht allein chirurgisch zu bewerkstelligen. Abhängig von der Lokalisation des Tumors, der Ausdehnung, dem Tumorstadium bei der Diagnosestellung und der individuellen Situation des Patienten, der Patientin muss die ideale Therapie im Rahmen von interdisziplinären Besprechungen mit den verschiedenen Spezialisten und Spezialistinnen (der Onkologie, der Strahlentherapie, der Nuklearmedizin und anderen Bereichen, die sich mit der Behandlung von Tumorerkrankungen beschäftigen), gefunden werden. (Mehr dazu unter Tumorboards)
Es kann beispielsweise notwendig sein, einen Tumor mit einer Strahlen- und Chemotherapie vorzubehandeln, um ihn anschliessend chirurgisch besser und sicher vollständig entfernen zu können (zum Beispiel bei bösartigen Tumoren des Mastdarms).
Je nach Metastasierung oder Befall von Lymphknoten muss im Anschluss an die Operation eine Chemotherapie erfolgen. Damit können die möglicherweise im Organismus verbliebenen Tumorzellen abgetötet und einer weiteren Metastasierung vorgebeugt werden.
Auch gibt es Tumortypen, bei denen die Chirurgie lediglich in der Diagnostik, beim Gewinnen von mikroskopisch aussagefähigem Zellmaterial, eine Bedeutung hat, etwa bei Lymphdrüsentumoren, deren Behandlung ausschliesslich chemotherapeutisch erfolgen wird.