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«Eigentlich eine positive», antwortete ein müder Jean-Marie Buchs gestern Abend auf die Frage, welche Wochenendbilanz er zieht. «Wir haben viele Komplimente erhalten, von allen Nationen; für den schwierigen, selektiven, ich würde sogar sagen, weltcupwürdigen Hang, für die gut präparierte Piste und für die tolle Stimmung.» Dafür, dass sich in die Antwort des OK-Mitglieds dennoch das Wort «eigentlich» eingeschlichen hat, ist der starke Schneefall vom Samstag mitverantwortlich. Auf 1500 Zuschauer pro Tag hatten die Organisatoren gehofft. Am Sonntag erreichten sie das Ziel. «Am Samstag aber waren es bloss einige Hundert.»
Sieger aus Österreich und Italien
Schweizer Siege konnten die über das gesamte Wochenende gerechnet gut 2000 Zuschauer keine bejubeln. Den Slalom vom Samstag gewann überraschend der Italiener Riccardo Tonetti. Der 25-Jährige kam zwar in dieser Saison bereits zu Weltcup-Einsätzen, ohne dabei jedoch in die Punkteränge zu fahren. Am Samstag liess er den Amerikaner Mark Engel und den Österreicher Marco Schwarz jedoch klar hinter sich. Der erst 19-jährige Schwarz–ebenfalls noch ohne Weltcuppunkte–revanchierte sich mit dem Tagessieg am Sonntag.
Bester Schweizer des Wochenendes war Bernhard Niederberger. Der aktuelle Slalom-Schweizer-Meister wurde am Samstag Vierter und verpasste als Zweitklassierter am Sonntag den Sieg nur um elf Hundertstelsekunden. Der 21-jährige Nidwaldner gehört dem B-Kader von Swiss-Ski an und hatte im Januar mit dem 21. Rang in Zagreb erste Weltcup-Punkte gesammelt.
Enttäuschend verlief das Wochenende für die beiden WM-Teilnehmer Daniel Yule und Luca Aerni. Die beiden regelmässigen Weltcupfahrer meisterten die mentale Herausforderung, von den Weltmeisterschaften in Beaver Creek direkt zu den Europa-Cup-Rennen in Jaun zu reisen, nicht ideal. Yule belegte die Ränge 5 und 11, Aerni gar nur die Ränge 14 und 20.
Ohne Freiburger
Wermutstropfen aus Freiburger Sicht war, dass kein einziger Fahrer des Kantons am Start war. Der Jauner Marc Mooser schaffte als letzter Hoffnungsträger den finalen Cut von Swiss-Ski ebenfalls nicht. «Das zeigt halt einfach, wie hoch das Niveau ist. Aber für die Skibegeisterten aus der Region war es dennoch ein interessanter Anlass. Solche Topathleten bekommt man hier sonst nicht zu sehen», sagt Jean-Marie Buchs. Der Jauner geht davon aus, dass es nicht das letzte Mal war, dass quasi vor seiner Haustüre Europacup-Rennen stattfinden. «Wir haben noch nichts definitiv beschlossen. Aber ich gehe davon aus, dass es wieder einmal Europacup-Rennen in Jaun geben wird. Vielleicht nicht nächstes Jahr, aber irgendwann bestimmt. Wir haben gezeigt, dass wir fähig sind, solche Rennen zu organisieren, alles lief einwandfrei.»
Die Organisatoren, die mit einem Budget von 145 000 Franken arbeiteten, rechnen trotz dem nicht ganz so hohen Zuschaueraufmarsch wie erwartet nicht mit einem Verlust. «Wir haben in diesem Bereich nicht viel eingerechnet. Es wird wohl einfach ein bisschen weniger Gewinn geben.» Ein Gewinn, der übrigens dem Freiburger Skinachwuchs zugutekommen soll.
Europacup in Jaun
Die Resultate der beiden Slaloms
Samstag:1. Riccardo Tonetti (It) 1:39,09. 2. Mark Engel (USA) 0,66 zurück. 3. Marco Schwarz (Ö) 0,88. 4. Bernhard Niederberger (Sz) 0,89. 5. Daniel Yule (Sz) 1,01. 6. Anton Lahdenperä (Sd) 1,11.–Ferner die weiteren Schweizer in den Top 30: 10. Anthony Bonvin 1,35. 14. Luca Aerni 1,50. 15. Markus Vogel 1,56. 16. Vincent Gaspoz 1,57. 19. Martin Stricker 1,61. 20. Jan Luchsinger 1,64. 23. Marc Gini 1,98. 24. Marc Rochat 2,02.
Sonntag:1. Schwarz 1:40,04. 2. Niederberger 0,11. 3. Ramon Zenhäusern (Sz) 0,20. 4. Tonetti und Lahdenperä 0,32. 6. François Place (Fr) 0,68.–Ferner: 10. Reto Schmidiger 0,98. 11. Yule 1,04. 15. Bonvin 1,41. 20. Aerni 1,66. 28. Vogel 2,37. 29. Gini 2,75.