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Das Indiovolk der Rikbaktsa, die auch als „Orelhas de Pau“ (Holzohren) oder „Canoeiros“ (Kanuten) bekannt sind, wurden in den 60er Jahren als wilde Krieger gefürchtet – dann verloren sie 75% ihrer Bevölkerung durch ansteckende Krankheiten. Inzwischen haben sie sich erholt und werden wieder von der regionalen Bevölkerung gefürchtet wegen ihrer Standhaftigkeit bei der Verteidigung ihrer Rechte, ihres Territoriums und ihrer Lebensweise.
Rikbaktsa
|Andere Namen: Erigbaktsa, Canoeiros, Orelhas de Pau, Rikbaktsá

Sprache: Erikbaktsa, aus dem Stamm der Macro-Jê
Population: 1.324 (2010)
Region: Nordwesten des Bundesstaates Mato Grosso
|INHALTSVERZEICHNIS

Name und Sprache
Lebensraum und Geschichte des Erstkontakts
Bevölkerung
Wirtschaftliche Aktivitäten
Gesellschaftliche Organisation
Lebenszyklus
Politische Organisation
Visionen hinsichtlich Krankheit, Tod und Leben
Gegenwärtige Situation
Quellenangaben
Ihre Selbstbezeichnung “Rikbaktsa” bedeutet “die menschlichen Wesen“. “Rik“ ist die Person, der Mensch – “bak“ ist eine Sinnverstärkung und “tsa“ ist die Endung des Plurals. In ihrer Region werden sie “Canoeiros“ genannt – in Anlehnung an ihre Geschicklichkeit als Kanubauer und –fahrer – seltener nennt man sie auch “Orelhas de Pau“, weil sie grosse Holzscheiben in den ausgeweiteten Ohrläppchen tragen.
Ihre besondere Sprache wird von Wissenschaftlern des “Instituto Lingüístico de Verão“ als in einer linguistischen Familie nicht klassifizierbar angesehen, gehört aber zum Sprachstamm Macro-Jê. Ein interessanter Aspekt ihrer Sprache – der übrigens in verschiedenen anderen Indianersprachen ebenfalls vorkommt – ist die Tatsache, das es für Männer und Frauen eine geschlechtsspezifische Ausdrucksweise gibt – mit anderen Worten: Männer benutzen andere Endungen ihrer Worte als Frauen. Die Perfektion im Gebrauch der Sprache ist allerdings eher bei den älteren Mitgliedern des Volkes ganz entwickelt, deren Unterhaltungen in der Regel mit Interesse von jenen verfolgt werden, die ihre Kenntnisse in ihrer Sprache noch vervollkommnen möchten.
Gegenwärtig sind die Rikbaktsa zweisprachig – sie haben das Portugiesisch gelernt und in ihren Wissensbereich eingegliedert. Die neuen Generationen sprechen portugiesisch öfter und besser, jedoch lernen und benutzen sie auch ihre eigene Sprache im Lauf ihres Heranwachsens und ihrer Eingliederung in die Gesellschaft der Erwachsenen. Die Älteren dagegen, haben mit dem Portugiesisch Schwierigkeiten und benutzen es lediglich im Falle eines Kontakts mit den ”Weissen“.
Die Rikbaktsa leben im hydrografischen Becken des Rio Juruena, im Nordwesten von Mato Grosso, innerhalb zweier aneinander grenzender Indianer-Territorien: dem IT Erikpatsa – demarkiert 1968 (mit 79.935 ha, anerkannt und registriert), dem IT Japuíra – demarkiert 1986 (mit 152.509 ha, anerkannt und registriert) sowie in einem dritten, dem IT do Escondido, demarkiert 1998 (mit 168.938 ha, anerkannt, aber noch nicht registriert), etwas nördlicher, am linken Ufer des Rio Juruena – zusammen ergibt sich damit eine Territorium von 401.382 ha Amazonas-Regenwald.
Ihr traditioneller Lebensraum befand sich zwischen dem 90 bis 120 südlicher Breite und 570 bis 590 westlicher Länge – erstreckte sich über das Juruena-Becken, von der Mündung des Rio Papagaio, im Süden, bis fast zum Wasserfall Salto Augusto, am oberen Rio Tapajós, im Norden – gen Westen in Richtung des Rio Aripuanã und gen Osten bis zum Rio Arinos, in der Höhe des Rio dos Peixes – insgesamt ein Gebiet von zirka 50.000 Quadratkilometern.
Obwohl es sich um eine relativ abgeschiedene Region handelt, war sie doch schon seit dem 17. Jahrhundert von wissenschaftlichen, kommerziellen und strategischen Expeditionen durchquert worden. Jedoch wusste man wenig von den von den Rikbaktsa besetzten Wäldern, zumal sich die Expeditionen stets auf den Flüssen Juruena und Arinos vorwärts bewegten und an deren Ufern kampierten – ins Innere ihrer Wälder wagten sie sich kaum. So kam es, dass man bis zum Eindringen von Latex-Sammlern in diese Wälder – gegen Ende 1940 – nichts von den Rikbaktsa gehört hatte. Und das völlige Fehlen historischer Referenzen und entsprechender anthropologischer Studien erlaubt keine Schlüsse auf eine antike Besetzung des Gebiets durch diese Indianer. Jedoch ihre mündlich überlieferten Erinnerungen, die geografischen Referenzen, die in ihrer Mythologie beschrieben werden und ihre detaillierte Kenntnis der lokalen Fauna und Flora, lassen durchaus den Schluss zu, dass ihr Aufenthalt in diesem Gebiet historisch weit zurückreicht.
Und sie waren den Eingeborenen ihrer Nachbarschaft ebenfalls gut bekannt, zu denen sie, fast ohne Ausnahme, in feindlicher Beziehung standen. Berüchtigt durch ihre kriegerische Haltung, kämpften sie gegen die Cinta Larga und die Suruí im Westen, im Becken des Rio Aripuanã; gegen die Kayabi im Osten und die Tapayuna im Südosten, am Rio Arinos; gegen die Irantxe, Pareci, Nambikwara und Enauenê-Nauê, im Süden, am Rio Papagaio und am Oberlauf des Juruena; gegen die Munduruku und Apiaká im Norden, am unteren Rio Tapajós. Und sie widersetzten sich auch den Latex-Sammlern mit Waffengewalt bis ins Jahr 1962.
Ab der ”Befriedung“ der Rikbaktsa, finanziert von den Latex-Sammlern und ausgeführt von den Jesuiten zwischen 1957 und 1962, wurde ihr traditionelles Territorium von verschiedenen Pionier-Fronten besetzt – Latex-Sammler, Holz verarbeitende und nach Bodenschätzen schürfende Unternehmen, sowie Viehzüchtern. Während, und direkt nach ihrer Befriedung, dezimierten Grippe-, Masern- und Pocken-Epidemien 75% ihrer Bevölkerung, die damals auf zirka 1.300 Personen geschätzt wurde. Sie verloren den grössten Teil ihres Territoriums, und ein Teil ihrer Kleinkinder wurde ihnen weggenommen, um im Internat der Jesuiten, in Utiariti am Rio Papagaio, erzogen zu werden – fast 200 km von ihrem Wohngebiet entfernt – zusammen mit Indianerkindern aus anderen Stämmen, welche von den Missionaren kontaktiert und in der gleichen Art ”vergewaltigt“ worden waren. Die zurück gebliebenen Erwachsenen wurden dann nach und nach aus ihren Original-Dörfern in grössere und zentraler gelegene Siedlungen verlegt, die unter der Administration der Jesuiten standen.
Im Jahr 1968 wurden ihnen von Seiten der Regierung zirka 10% ihres Original-Lebensraumes zugestanden und demarkiert – das IT Erikpatsa – die Kinder wurden zu ihren Eltern in die Dörfer zurückgebracht, auf die sich dann die Aktivitäten der Missionare konzentrierten. In den 70er Jahren endlich – aufgrund zahlreicher Proteste auch von Institutionen der nationalen Gesellschaft – änderten die Missionen ihre autoritäre Haltung, anerkannten das Recht der eingeborenen Völker auf ihre eigene Kultur (oder mussten es anerkennen) und öffneten auch den unermüdlich reklamierenden Rikbaktsa endlich den Weg zu mehr Autonomie. Seit Ende der 70er Jahre kämpfen sie nun um die Rückgabe eines Teils ihres traditionellen Lebensraumes. 1985 gelang ihnen die Rückgabe der Region, die unter dem Namen ”Japuíra“ bekannt ist. Ihr Kampf um die Region ”do Escondido“ ging weiter – sie wurde erst 1998 von der brasilianischen Regierung demarkiert – ist aber immer noch von Goldschürfern, Sägewerken und Kolonisierungs-Unternehmen besetzt.
Die gegenwärtige Bevölkerung der Rikpaktsa beläuft sich auf zirka 909 Individuen. Eine Schätzung auf der Basis von Grösse und Anzahl ihrer Dörfer durch die Jesuiten, als sie auszogen, um die Rikbaktsa zu ”befrieden“ (Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts) berichtet von zirka 1.300 Personen. Die Krankheiten, welche sie durch diesen Erstkontakt ”eingefangen“ hatten, reduzierten, wie schon berichtet, diese Bevölkerungszahl enorm: vom Erstkontakt bis zum Jahr 1969 starben so mehr als 75% von ihnen – und sie erholten sich wieder ab 1970 unter dem Schutz der ”Missão Anchieta (MIA), die einerseits zwar einen enormen Druck auf ihre Kultur und ihre Entfremdung von ihren traditionellen Sitten und Gebräuchen ausübte, ihnen aber andererseits minimale Konditionen zur Verfügung stellte, um sich physisch von dem tödlichen Schock dieses Erstkontakts zu erholen.
Nach der Aufstellung der Jesuiten-Mission hatte die Rikbaktsa-Bevölkerung im Jahr 1985 bereits 511 Personen erreicht – davon 153 vor dem Erstkontakt geborene und 357 danach. Nachdem die Epidemien eingedämmt waren und die Nahrungsmittelproduktion geregelt, fingen sie wieder an zahlenmässig zu wachsen – und zwar relativ schnell, wenn man sie mit der nationalen Geburtenrate vergleicht, wie die folgende Tabelle demonstriert.
|Jahr||Bevölkerung||in Prozent||Quelle|
|1957||1’300||–||(Schätzung)|
|1969||300||– 77%||(MIA/SIL)|
|1979||380||+ 26%||(MIA/HAHN)|
|1984||466||+ 22,6%||(MIA)|
|1985||511||+ 9,65%||(MIA)|
|1986||514||+ 0,58%||(MIA)|
|1987||520||+ 1,16%||(MIA)|
|1989||573||+ 10,19%||(MIA)|
|1993||700||+ 22,16 %||(MIA)|
|1995||905||+ 29,29 %||(MIA/ASIRIK)|
|1997||950||+ 4,97 %||(MIA/ASIRIK)|
|1998||1’025||+ 7,89 %||(ASIRIK)|
Der Rückgang des Bevölkerungswachstums zwischen 1985 und 1987 scheint damit zusammenzuhängen, dass einerseits in diesem Zeitraum die Sterblichkeit zunahm und andererseits weniger Neugeburten zu verzeichnen waren. Gründe dafür scheint partiell die chaotische Periode des Kampfes um die Anerkennung des Territoriums Japuíra als Indianerland zu sein, welche zu einem Rückgang ihrer Nahrungsmittelproduktion führte, einer grösseren Anfälligkeit für Krankheiten und darüber hinaus noch zu einer schlechteren medizinischen Versorgung.
Von 1987 an – als sie bereits im offiziellen Besitz des IT Japuíra waren – mit Zugang auf mehr Ressourcen und einer optimistischeren Lebensperspektive – und weil sich MIA und FUNAI mit besserem Einsatz um ihre Gesundheit kümmerten – kehrte die Rikbaktsa-Bevölkerung zu den normalen jährlichen Wachstumsraten zurück, wie aus der Tabelle ersichtlich. Tuberkulose und andere Lungenkrankheiten, sowie Tod durch Malaria, sind immer noch relativ häufig, aber es sieht so aus, dass auch sie inzwischen besser kontrolliert werden können, sodass man von der Hoffnung auf Kontinuität dieser Wachstumsraten ausgehen kann.
Die Natur präsentiert sich wie ein grosser, paradiesischer Garten, in dem die Rikbaktsa umherstreifen und ernten, ohne viel für das Gedeihen seiner Ressourcen tun zu müssen. Ihre Jahrtausende alten Kenntnisse, die mündlich überliefert, ihnen die Pflanzen- und Tierarten erklären, sie mit deren Reproduktionszyklen vertraut machen und entsprechende Techniken zu ihrer Nutzung übermitteln, waren stets ein Garant ihrer eigenen biologischen und gesellschaftlichen Reproduktion. Die allgemeine Verbreitung dieses Wissens und seiner Techniken, sowie der freie Zugang aller Personen zu den Ressourcen des Territoriums, in dem die Gruppe lebt, sorgen für einen hohen Grad an interner Gleichheit. Es ist auch nicht notwendig, Überschüsse zu produzieren und einzulagern, denn diese finden sich bereits “eingelagert“ in der Natur selbst – und alle wissen, wie man sie “erntet“, wenn man sie braucht.
Die Unterteilung der Arbeit geschieht in erster Linie zwischen Männern und Frauen – durch sie werden die Bindungen gegenseitiger Abhängigkeit genutzt und erneuert, bereits vorgegeben von der biologischen Reproduktion.
Die wirtschaftliche und politische Autonomie der Wohngemeinschaften, die sich als Produktions- und Konsumeinheiten verstehen, wird von den verwandtschaftlichen und rituellen Verbindungen ausgeglichen. Dieses System gegenseitiger Abhängigkeit befähigt sie für eine erweiterte kommunale Version, das Volk der Rikbaktsa. Und ein Bruch dieser Gegenseitigkeit, der manchmal geschieht, verursacht Reibereien und belastet die existierenden Verbindungen zwischen den einzelnen Untergruppen Rikbaktsa.
Aus ihrer persönlichen Perspektive sind sie eher Jäger und Sammler, denn Ackerbauern, obgleich die Feldarbeit und die mit ihr verbundenen rituellen Zeremonien eine zentrale Rolle im Rhythmus und der Organisation ihres gesellschaftlichen Lebens einnehmen.
Ihre wirtschaftliche Seite wird von einem steten Wechsel der unterschiedlichsten Aktivitäten im Lauf des Jahres bestimmt, je nach Saison konzentriert man sich mal auf die eine, mal auf die andere notwendige Arbeit. Die allgemeine Produktions- und Konsumeinheit ist die Grossfamilie – oder anders ausgedrückt: die Wohngemeinschaft eines jeden Hauses. Nur anlässlich bestimmter Rituale, welche die landwirtschaftlichen Aktivitäten begleiten (Rodung eines neuen Feldes und Ernte von jungem Mais) sowie bei wenigen anderen Gelegenheiten, ergibt sich eine Zusammenarbeit in grösserem Kollektiv. Man legt runde Felder an – von einem halben bis zwei Hektar Grösse – bepflanzt mit den verschiedensten Nutzpflanzenarten, die jede Gemeinschaft nach Gusto zusammenstellt. Alle zwei bis drei Jahre legen sie neue Felder an und überlassen die alten dem Wald zur Vereinnahmung und Rekonstituierung. In manchen Fällen besitzen sie, ausser den in der Umgebung des Dorfes gelegenen Feldern, noch andere in weiterer Entfernung, die sie, zusammen mit den bereits verlassenen, als Nahrungsreserven ansehen – dort holen sie sich sporadisch noch Maniokwurzeln oder Bananen, deren Stauden in der Regel viele Jahre weiter produzieren.
Sie pflanzen zwei Mais-Spezies, die als “weicher Mais“ bekannt sind (eine Sorte ist schwarz) – darüber hinaus Cará, Süsskartoffel, “zahme“ Maniok (ungiftige Art), Inhame, Reis, Bohnen, Fava, Baumwolle, Urucum, Bananen und diverse Arten von Zuckerrohr, Erdnüsse und Kürbis. Sie pflanzen auch Ananas, Zitrusfrüchte (Limonen, Orangen und Clementinen), Mangos und andere Früchte, allerdings nicht regelmässig. Sie erzählen, dass sie in der Vergangenheit auch Tabak für medizinische Zwecke angebaut hätten.
Die Felder gehören der Wohngemeinschaft, welche sich aus dem Hausherrn, seiner Frau, unverheirateten Söhnen, unverheirateten und verheirateten Töchtern, Schwiegersöhnen und Enkeln zusammensetzt. Der verheiratete Mann mit verschiedenen Söhnen trennt sich von der “Maloca“ des Schwiegervaters und konstruiert sein eigenes Haus, und er legt sein eigenes Feld für seine Familie an. Allerdings beobachtet man in fast allen Dörfern, dass Familienoberhäupter, mit ein wenig Geschick und Einfluss, sich der Hilfe von Verwandten und sogar anderer Dorfbewohner bedienen, um ihre Feldrodung vorzunehmen – gleichzeitig formieren und organisieren sie mit ihnen einen rituellen Zirkel für die Feste, welche die jährlichen Aktivitäten auf dem Feld begleiten. Frische Rodungen werden von Mai bis Juni vorgenommen, wenn die Trockenperiode eingesetzt hat. Bei den nur mit niedrigem Gebüsch bestandenen Abschnitten findet das Abbrennen zwischen Juli und Mitte August statt. Gepflanzt wird nach dem ersten Regen, gegen Anfang Oktober.
Ein grosser Teil der täglich konsumierten Lebensmittel wird durch Jagd, Fischfang und Sammeln bestritten – ununterbrochen während des ganzen Jahres. Die Jagd ist eine exklusive Aktivität der Männer. Die gesellschaftliche Rolle des Jägers und Kriegers scheint im Mittelpunkt der Werte zu stehen, die man der maskulinen Identität beimisst – die archetypische Figur des Ernährers und Verteidigers der Familie.
Die Rikbaktsa essen fast alle Tiere, nur mit wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel dem Alligator, dem Ameisenbär, Schlangen, Jaguar und dem “Macaco da Noite“, einem fast weissen Primaten. Sie schätzen das Fleisch aller anderen Affenarten, und die gehören auch zu ihrer bevorzugten Beute. Die beiden Wildschweinarten “Porco do Mato“ und “Caititu“ sind ebenfalls sehr beliebt, so wie das Aguti, der rote und der graue Hirsch, der Nasenbär (den sie auch als Haustier halten), der Tapir, verschiedene Arten von Gürteltieren (aus ihrem Panzer machen sie schöne Armreifen, die von Frauen und Kindern gern getragen werden), Fischotter, Vielfrass etc. Sie jagen Vögel aller Art und Grösse – die werden sowohl wegen ihres Fleisches als auch wegen der Federn geschätzt: Aras (drei Arten), Papageien, Falken (verschiedene Arten), Fasanen, Tukane, Reiher, Enten, Tauben, Eulen – Vögel aller Art. Auch von den Fischen jedweder Spezies ernähren sie sich – von Fischeiern, die an Zweigen unter Wasser kleben, Wasser- oder Landschildkröten, die sie in grossen Mengen finden, wenn sie an den Flussstränden während der Trockenperiode ihre Eier ablegen.
Schon die kleinsten Kinder, im Alter von höchstens drei Jahren, pflegen sich im Kanuhafen des Dorfes im Fische schiessen zu üben – mit winzigen Bögen, und noch winzigeren Pfeilen mit drei Spitzen, schiessen sie auf junge Fische im flachen Wasser. Oder sie fangen neugeborene Fischlein zwischen den Wasserpflanzen und verschlingen sie an Ort und Stelle roh. Allerdings ist gerade der Fischfang, obwohl er das ganze Jahr praktiziert wird, nicht immer besonders erfolgreich. Während der Regenzeit geht der Fischreichtum der Flüsse zurück – in der Trockenzeit dagegen sind die Resultate fast immer zufrieden stellend. Während der Regenzeit überfluten die Flüsse den Wald manchmal über weite Flächen, denn die Region ist flach und hat nur in ihrem Innern wenige leichte Erhebungen. Dann bilden sich zahllose Lagunen, und die Fische, die am Ende der Saison ihre Eier ablegen, breiten sich im Wald aus, wo sie einen gedeckten Tisch vorfinden, zum Wachsen und Gedeihen. Ihre weite Verbreitung macht dann das Fischen schwierig, aber trotzdem versucht man es, besonders mit Pfeil und Bogen.
Ganz allgemein verhalten sich die Indianer stets besonders aufmerksam gegenüber den Ressourcen, welche ihnen die Natur bietet. Die Natur bestimmt ihren Speiseplan, ihre Aktivitäten, ihre Rituale, in Verbindung mit dem Rhythmus ihres Wachstums, dem Wechsel und der Reifung aller pflanzlicher und tierischer Lebensformen, ihren Ressourcen, die sich der Mensch zur adäquaten Zeit zunutze macht. Das Sammeln von Produkten des Waldes ist eine alltägliche Beschäftigung, welcher sich Männer, Frauen und Kinder anlässlich ihrer häufigen Rundgänge ums Dorf widmen – sie bringen zum Beispiel Embira-Fasern zur Herstellung von Kordeln und Seilen mit, sammeln Brennholz, Stroh, Hölzer für verschiedene Zwecke, pflücken Heilpflanzen etc. Ausser einer breiten Vielfalt von Waldfrüchten, die sie kennen und verzehren, hat die Paranuss für sie eine besondere Bedeutung, und durch ihren hohen Nährwert wird sie von allen oft und reichlich verzehrt – ganz, geraspelt oder als Brei gekocht, als Ergänzung im Fladenbrotteig oder in Kuchen – und man presst noch Öl zum Frittieren aus den Kernen.
Sehr beliebt ist auch der Honig verschiedener Bienenarten, den man als Süssungsmittel, gemischt mit Wasser oder in den verschiedenen Arten von Chicha geniesst. “Chicha“ ist in diesem Fall eine allgemeine Bezeichnung für verschiedene Typen von Suppen, Vitamingetränken oder Säften, welche verschiedene Indianervölker herstellen. Die Rikbaktsa verstehen sich auf Chicha aus Bananen, Mais, Süsskartoffeln, Cará, Buriti, Pupunha, Bacuri, Inajá, Assari, Aboho und einer wahren Unendlichkeit anderer, weniger häufiger Typen. Sie ziehen Honig dem Zucker vor, der gegenwärtig auch viel benutzt wird – sowohl der braune Zucker, den sie selbst in kleineren Mengen herstellen, als auch der gebleichte, den sie beim regionalen Kommerz erstehen. Der Honig von der “Jati“ (Bienenart) – fein, hell und von delikatem Geschmack, gilt bei ihnen als der beste Honig für Kleinkinder – und er soll heilende Qualitäten gegen Husten haben.
Die Rikbaktsa pflegen verschiedene Arten von Vögeln aufzuziehen, die sie als lebenden Vorrat für Federn halten, die sie für ihren Körperschmuck brauchen. Also ziehen sie Aras auf, Sitticharten, Papageien, Fasanen und viele andere. Häufig findet man deshalb Aras in der Nähe der Häuser, die auf dem Boden herumlaufen, auf nahen Bäumen hocken oder auf den Schultern der Kinder. Die Rikbaktsa zeigen diesen Tieren gegenüber eine grosse Zuneigung, füttern sie mit Paranüssen, Mais und anderen Leckerbissen, was sie nicht daran hindert, den einen oder anderen Ara unter weithin hallendem Protestgeschrei an Füssen und dem mit gefährlichem Schnabel ausgerüsteten Kopf zu packen, und ihm fast alle Federn auszureissen. Nach zirka einer Woche fangen die Federn wieder an zu wachsen und werden jedes Mal noch intensiver in ihren Farben – sie “reifen“, wie die Indianer sagen. Viele halten sich auch Hühner – wegen der Eier und des Fleisches – aber auch wegen der langen Schwanzfedern der Hähne, die in ihren traditionellen Federschmuck einbezogen werden, mit einem schönen ästhetischen Effekt. Schliesslich gibt es auch Hunde in fast allen Malocas, wertvolle Helfer bei der Jagd.
Auf der anderen Seite haben sie unzählige Güter aus der Produktion der regionalen, nicht-indianischen Gesellschaft, in ihr Leben integriert – ausserdem sorgen sie in bescheidenem Umfang für ein Einkommen aus der Produktion von Latex, dem Sammeln von Paranüssen und der Herstellung von Kunsthandwerk (ihr Federschmuck gehört zu dem besten, was brasilianische Indianervölker produzieren). In den ersten zwei Jahrzehnten des Kontakts produzierten sie Feldfrüchte und Latex unter dem Kommando der Jesuiten – inzwischen organisieren und kommerzialisieren sie ihre Produktion selbst (seit 1980) mittels einer internen Kooperative, die in Übereinstimmung mit ihrem gesellschaftlichen Leben operiert.
In den letzten Jahrzehnten hat die wachsende Abholzung rund um ihre Ländereien auch die Reproduktion der Tiere des Waldes beeinflusst, und die ebenso wachsende kommerzielle Fischerei in den Flüssen um ihr Territorium hat der Reproduktion der Fische grossen Schaden zugefügt – sowohl die Jagd als auch der Fischfang der Indianer sind deshalb stark beeinträchtigt und machen sie zunehmend abhängig vom regionalen Markt. Mit dem Rückgang des Latex-Preises, besonders in den 90er Jahren, verlegten sie sich mehr auf die Herstellung ihres Federschmucks und, an zweiter Stelle, auf den sporadischen Verkauf von Fisch, Paranüssen und anderen Produkten für den kleinen regionalen Markt, als Mittel für ein minimales finanzielles Einkommen.
Als wirtschaftliche Alternative gegen das Modell regionaler Landbesetzung, geprägt von einer extensiven Waldabholzung, entwickeln die Rikbaktsa seit 1998 ein Projekt zur “nicht abholzenden Selbsterhaltung“, in seinen Anfängen konzentriert auf die Extraktion und Konservierung von “Palmito“ (Palmenmark) zum Verkauf – zukünftig werden sie die Verarbeitung und den Verkauf von Paranüssen und anderen Produkten mit einbeziehen. Dies ist eine Pionier-Initiative, die von der „Associação Indígena Rikbaktsa“ (ASIRIK, gegründet 1995) geleitet wird, unter der technischen Beratung des “Instituto de Estudos Ambientais“ (IPA) und des “Instituto de Apoio ao Desenvolvimento Humano e do Meio Ambiente“ (TRÓPICOS), in Partnerschaft mit der FUNAI, der „Coordenadoria de Assuntos Indígenas do Mato Grosso“ (CAIEMT), dem „Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e Recursos Renováveis“ (IBAMA) und der Präfektur des Distrikts von Juína, Mato Grosso. Finanziert wird das Projekt von dem “Programa de Apoio Direto às Iniciativas Comunitárias“ (PADIC) des PRODEAGRO und vom „Programa de Gestão Ambiental Integrada“ (PGAI/PPG7).
Diese Aktivitäten in Verbindung mit dem freien Markt mischen und unterordnen sich den traditionellen wirtschaftlichen Tätigkeiten, in einem sozialen Projekt, das versucht, das finanzielle Einkommen und die Produktionskapazität der Rikbaktsa zu steigern – ohne deshalb die Organisation, den Rhythmus und die Vielfalt ihres täglichen Lebens zu beeinträchtigen.
Ihre traditionellen Dorfgemeinschaften bestanden aus einem oder zwei Häusern (Malocas), die von Grossfamilien bewohnt waren – dem Hausherrn, seiner Frau, unverheirateten Söhnen und Töchtern, verheirateten Töchtern, Schwiegersöhnen und Enkeln – und auf dem Platz davor stand das “Männerhaus“ (Makyry“ in ihrer Sprache), wo die Witwer und die jungen unverheirateten Männer wohnten. 1957 wurden 42 solcher “Dörfer“ gefunden, verstreut über ihr Territorium im Innern des Waldes, stets an Stellen in der Nähe von Bachläufen, durch schmale Pfade im Regenwald miteinander verbunden. Mit der von den Jesuiten verordneten Zentralisation wurden die Dörfer grösser, weniger zahlreich und erstreckten sich längs des rechten Ufers des Rio Juruena. In den beiden letzten Jahrzehnten regte die Rückgewinnung ihres Territoriums (IT Japuíra und IT do Escondido) die Multiplikation ihrer Dörfer im traditionellen Stil wieder an, obwohl es immer noch welche gibt, die mehr als zehn Malocas haben.
Es gibt keine bestimmte definierte Form für die Rikbaktsa-Dörfer – wie bei anderen Völkern desselben linguistischen Stammes, zum Beispiel bei denen der Jê-Familie, die kreisrund Dörfer anlegen und damit ihre gesellschaftliche Organisation darstellen. Gegenwärtig existieren zirka 33 solcher Dörfer in den beiden aneinander grenzenden Territorien (IT Rikbaktsa und TI Japuíra), entlang des Rio Juruena, Rio Sangue und Rio Arinos, die mit ihrer Lage die Grenzen ihres Gebiets markieren und damit auch eine gewisse Kontrollstrategie gegen unerwünschte Eindringlinge umsetzen – ausserdem optimieren sie durch ihre Randlage die gemeinschaftliche Nutzung der natürlichen Ressourcen im Innern des Gebiets.1998 errichteten sie ein weiteres Dorf im IT do Escondido – erst kürzlich demarkiert – und dort planen sie weitere Dörfer um das ihnen neu zugesprochene Gebiet zu schützen.
Die Rikbaktsa unterteilen die Wesen des Universums in zwei sich gegenüberstehende, komplementäre Reihen. Diese Unterteilung, obwohl auch für die anderen Wesen der Natur gültig, wird insbesondere auf ihre eigene Gesellschaft angewendet und, im System ihrer Verwandtschaft konfiguriert, liefert sie ein umfassendes Klassifikationsprinzip, mit dem die Rikbaktsa ihr gesellschaftliches Leben organisieren. Ihre Gesellschaft ist in zwei exogame Hälften unterteilt – davon ist die eine dem Gelben Ara (Makwaratsa) zugeordnet, die andere dem Roten Ara (Hazobtisa) – jede von ihnen wieder unterteilt in verschiedene Clans, die Tieren und Pflanzen zugeordnet sind.
Ehen werden zwischen den beiden “Hälften“ geschlossen. In den 70er Jahren gab es auch Ehen zwischen Mitgliedern derselben Verwandtschaftshälfte – obwohl als Inzest bezeichnet – einerseits, weil die hohe Sterberate nach dem Erstkontakt dies bedingte, und andererseits, als Folge des von den Jesuiten erzwungenen “zivilisatorischen Fortschritts“ – zu dem sie ungeachtet jener gesellschaftlichen Regeln der Indianer, diese in willkürlichen Dorfgemeinschaften zusammenpferchten. Gegenwärtig werden die traditionellen Regeln jedoch mit Nachdruck eingehalten. Die Abstammung ist patrilinear und gründet auf der Ansicht, dass ein Kind vom Vater gezeugt wird und deshalb auch nur ihm ähnlich wird und niemals seiner Mutter. Ausserdem scheinen sie anzunehmen, dass jedweder Mann, der zusätzlich mit einer schwangeren Frau kopuliert, Anteil an der Vaterschaft hat – also das werdende Leben beeinflusst. Sie sagen, dass der Sohn den Platz des Vaters einnimmt, seinem Wirken Kontinuität verleiht. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn (oder Tochter) geht über die Zeugung hinaus, es ist eine lebendige (viel mehr als gesellschaftliche) Verbindung, die sich durch ihr ganzes Leben zieht. Die bevorzugte Heirat findet zwischen so genannten “gekreuzten Cousins“ statt und die Wohnungsregel ist “uxorilocal“ – das heisst: der Bräutigam zieht nach der Heirat zu den Eltern seiner Braut. Allgemein üblich ist die Monogamie – Polygamie ist jedoch erlaubt und wird in manchen Fällen auch praktiziert. Die Heiratszeremonie ist relativ bescheiden und ohne rituellen Aufwand. Nachdem eine entsprechende Vereinbarung zwischen den Familien der Brautleute getroffen worden ist, nimmt das Dorfoberhaupt die Hängematte des Bräutigams aus dem Männerhaus – oder dem Elternhaus – und hängt sie an der Seite der Hängematte seiner Braut, im Haus von dessen Schwiegereltern, wieder auf – hier wohnt der junge Ehemann dann während der ersten Jahre bis zum gemeinsamen ersten Kind – dann zieht er in der Regel mit seiner Familie wieder um ins Haus seiner verheirateten Brüder. Scheidung ist üblich, besonders während der ersten Ehejahre, und jeder der beiden Partner hat kein Problem mit der Durchführung.
Die Stellung, die eine Person in der Rikbaktsa Gesellschaft innehat, wird von der Altersgruppe, dem Geschlecht, dem Clan und der “Hälfte“, welcher er angehört, bestimmt. Sein Geschlecht postiert ihn (oder sie) auf eine Seite der entsprechenden Arbeit und definiert die Aufgaben, die er (oder sie) sein (ihr) Leben lang zu übernehmen hat. Dieser Lebenslauf, und die entsprechenden gesellschaftlichen Rollen, welche dazu gehören, werden zusammen mit anderen Personen desselben Geschlechts übernommen, die, weil sie auch zusammen die Rituale durchlaufen, welche ihren Eintritt in das Leben der Erwachsenen markieren, eine gemeinsame Altersgruppe bilden. Ihre Zugehörigkeit zu einem Clan einerseits, und zur “Hälfte“ einer bestimmten Verwandtschaft andererseits, definieren die Heiratschancen einer Person, ihre Rolle und ihre Aufgaben bei kollektiven Ritualen, welche auf der Basis gegenseitiger Rechte und Pflichten zwischen den einzelnen “Hälften“ organisiert werden. Mit fortschreitendem Alter gewinnen die Personen an Kapazität, zunehmend verantwortungsvollere Positionen in der Organisation der Gesellschaft zu übernehmen – bis sie im Greisenalter das höchste Niveau allgemeinen Prestiges und Respekts erreicht haben.
Die Kinder begleiten ihre Eltern schon sehr früh und helfen ihnen so gut sie können bei ihren täglichen Verrichtungen. Während ihres Zusammenlebens und der von den Eltern verrichteten Arbeiten lernen sie den Wald kennen, seine Ressourcen und seine Geheimnisse – und aus den von den Älteren übermittelten Mythen bekommen sie einen Begriff von ihrer Herkunft und Geschichte. Anlässlich der traditionellen “Übergangs-Rituale“ werden ihnen Ohrläppchen und Nasenscheidewand durchbohrt (bei den Knaben) und zum ersten Mal dürfen sie dann als “Erwachsene“ beim grossen Fest gegen Ende des rituellen Zyklus dabei sein, welches die Anlegung der Felder begleitet. In der Vergangenheit wurden die Gesichter der Mädchen und die Brust der Knaben noch tätowiert, während des Initiations-Rituals, gefolgt von einer zeremoniellen Reklusion, die länger als einen Monat dauern konnte – und dann durfte man sich nicht mehr der Sonne aussetzen und sich auch niemanden aus der Verwandtschaft mehr zeigen – die Isolation war vollkommen in einem abgeschiedenen, dunklen Winkel des Hauses. Die Reklusion, die Tätowierungen, der Gebrauch der Holzscheibe in den Ohren der Knaben, sie wurden nach dem Kontakt mit der regionalen Bevölkerung abgeschafft. Damals wurden die Knaben auch schon im Alter von 12 Jahren im Männerhaus untergebracht, wo ihre Erziehung von einem weisen Mann vervollständigt wurde. Heutzutage wohnen sie bei ihren Eltern bis zur Heirat – dann wechseln sie ins Haus des Schwiegervaters, der dann die traditionelle Erziehung seines Schwiegersohnes vervollständigt.
Jeder Clan hat einen festen Vorrat an Namen, welche aus einer Vergangenheit stammen, an die sich niemand mehr erinnert – die aber von allen toten Generationen benutzt wurden und stets an die neuen Generationen weiter gegeben werden. Es gibt Namen für Kinder und solche für Erwachsene. Eine Person bekommt im Lauf ihres Lebens drei oder vier unterschiedliche Namen – der jeweils vorhergehende Name wird bei einer neuen Namensgebung dann frei für die nächste Person.
Namen werden von Mitgliedern des väterlichen Clans vorgeschlagen, die Entscheidung über seine Akzeptanz treffen die Ältesten – nicht unbedingt aus demselben Clan – aber sie alle gehören der gleichen Altersgruppe an. Sie versammeln sich vor dem Fest, welches die Rodung des Waldes für die Felder begleitet, und entscheiden dann, wer einen neuen Namen erhält (Erwachsene und Kinder) und welcher Name dem jeweils Betroffenen zugeordnet wird. Im Verlauf des Festes dann, während des nächtlichen Gesangs, verkündet der “Herr des Festes“ die Namen und die Personen, denen sie zugeordnet werden. Ein Kind kann den “Kindernamen“ erhalten, den sein Vater, sein Grossvater oder sein älterer Bruder schon trägt. Obwohl es häufiger ist, den Namen eines Verwandten zu bekommen, der sehr alt gestorben ist, nach einem erfüllten Leben. Ein Mann kann den Namen erhalten, den schon sein Vater trägt, sein Grossvater oder ein anderes Mitglied des Clans – auch wen dieser noch lebt.
Wenn es sich nicht um ein kleineres Kind handelt, ruft man aber niemanden bei seinem wirklichen Namen. Die Rikbaktsa rufen sich untereinander nach dem Grad der Verwandtschaft, mit christlichen Namen, mit Spitznamen oder sie beziehen sich auf ein ihnen bekanntes Verhältnis mit einer dritten Person. Der Eigenname ist nur den nächsten Verwandten und bestimmten Aliierten überhaupt bekannt – zum Beispiel denen, welche ihnen bei der Rodung der Felder helfen – andere weitere Bekannte erfahren ihn nie, und vor allem sind sie ein gehütetes Geheimnis gegenüber ihren Feinden. Und auch die, welche den Namen ihres Gegenübers kennen, sprechen ihn niemals in der Öffentlichkeit aus – das wäre eine grosse Unhöflichkeit, ein Eingriff in die Privatsphäre. Und man spricht auch nicht über den Namen einer Person, die gerade nicht anwesend ist. Nur die Person selbst darf ihn preisgeben, wenn sie entsprechendes Vertrauen in ihr Gegenüber hat. Auch spricht man den Namen von einem kürzlich Verstorbenen nicht aus, sondern bezieht sich auf ihn als “der Verstorbene” und auf seinen Verwandtschaftsgrad in der Dritten Person.
Ein Kind trägt den nach seiner Geburt erhaltenen Namen solange, bis es im Alter von 9 bis 12 Jahren einen anderen erhält. Als entsprechendes Kriterium gilt allerdings nicht das Alter, sondern der Grad der Erziehung, den es erreicht hat. Zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr erhält der Junge einen kleinen Bogen mit Pfeilen, angefertigt von seinem Vater, damit begleitet er ihn zum Fischen und auf die Jagd. Dabei erlernt er die “Sprache” der Tiere (das heisst, die Töne, mit denen sie untereinander kommunizieren) ihre Namen, sowie die Unterscheidungsmerkmale der Pflanzen und Bäume – und die lokale Geographie. Schon im Alter von 8 bis 10 Jahren weiss der Junge seinen eigenen Bogen und die dazu gehörigen Pfeile herzustellen – noch sind sie etwas kleiner als die der Erwachsenen – aber er gebraucht sie bereits mit einer verblüffenden Geschicklichkeit. Wenn er dann ein Meisterschütze geworden ist – im Alter etwa von 11 bis 12 Jahren – wird ihm anlässlich des “Maisfestes”, während der Regenzeit, die Nasenscheidewand durchbohrt, und er bekommt seinen zweiten Namen – einen vorübergehenden Namen zwischen seinem Kinder- und seinem Erwachsenennamen, den er später tragen wird.
Jetzt frequentiert er das Männerhaus während des Tages, lernt dort alles über die Zeremonien, die Mythologie, den Gebrauch von Heilpflanzen. Er lernt ausserdem die Flöten zu spielen, Federschmuck, Bogen und Pfeile der Erwachsenen herzustellen. In derselben Zeit übernimmt er dann auch mehr und mehr Verantwortung als Mitglied seiner Wohngemeinschaft und des Dorfes, nimmt an allen Aufgaben der Erwachsenen teil.
Im Alter von 14 bis 15 Jahren, wenn der junge Mann bereits grosse Tiere zu erlegen vermag – wie Wildschweine, Tapire, Wasserschweine und Hirsche – und seine zeremoniellen Kenntnisse ebenfalls den allgemeinen Ansprüchen genügen, dann unterzieht er sich dem Ritual der Durchbohrung der Ohrläppchen – während des grossen Festes in der Trockenperiode, dem rituellen Kulminationspunkt aller Festlichkeiten des Jahres. Dieses Ritual, welches heutzutage nicht mehr stattfindet, öffnete dem jungen Mann die Tür zur Altersgruppe der erwachsenen Männer. Jetzt konnte er heiraten und auch an Kriegszügen teilnehmen, die regelmässig gegen die Cinta-Larga, andere benachbarte Indianer und später auch gegen die Latex-Sammler unternommen wurden. In dieser Phase bekam er seinen dritten Namen, gleich nach der Durchbohrung der Ohrläppchen oder nach seiner Heirat.
Gegenwärtig, auch ohne dieses Ritual, sind die jungen Burschen erwachsen, wenn sie die entsprechenden Bedingungungen für ihr Alter und ihre Erziehung erfüllen, dann erhalten sie ihren dritten Namen – in der Regel nach ihrer Heirat. Einige Männer können dann sogar noch einmal ihren Namen ändern, sie bekommen einen vierten als reife Männer, als Herren einer Maloca mit erwachsenen Söhnen, einer Grossfamilie und entsprechendem gesellschaftlichen Einfluss.
Die Frauen bekommen ihre Namen auf die gleiche Art wie die Männer – während der Feste anlässlich der Feldrodung – ihre “Übergangs-Riten” sind allerdings unterschiedlich. So wie die Knaben, erhalten auch die Mädchen einen Clan-Kindernamen nach ihrer Geburt. In der Vergangenheit, etwa im zwölften Lebensjahr, nach der ersten Menstruation, wurde ihnen die Nasenscheidewand durchbohrt. Heutzutage machen das noch einige, andere nicht mehr. In diesem Alter nehmen sie bestimmte Kräuter zu sich (“Heilmittel des Waldes”), um die Schmerzen zu mindern, wenn sie später Kinder kriegen. Traditionell entschied der Vater den Moment, in dem seine Tochter die Gesichts-Tätowierung erhalten sollte (“das Gesicht ritzen”), ein Ritual, welches anlässlich des grossen jährlichen Abschlussfestes stattfand, zur gleichen Zeit mit der Durchbohrung der Ohrläppchen bei den Knaben. Dann war das Mädchen zur Frau gereift, bereit zur Verheiratung.
Nach der Durchbohrung der Nasenscheidewand konnte das Mächen auch ihren neuen Namen erhalten – in der Regel gab man ihn ihr nach dem Tätowieren des Gesichts oder gleich nach ihrer Heirat. Es gibt keine Reklusion der Mädchen mehr – auch keine isolierten “menstruellen Hütten”, und man kann auch keine Regeln der Isolation wegen der Menstruation mehr beobachten.
Heutzutage werden solche Übergangsrituale kaum noch praktiziert, so wie die Durchbohrung der Ohrläppchen der Knaben und die Kriegszüge abgeschafft worden sind, bei denen der erwachsen gewordene Jäger seine ersten Erfahrungen als Kämpfer sammelte und damit seinen Übergang zum Erwachsenen vervollständigte. Inzwischen sammeln solche Krieger ihre Erfahrungen bei der aktiven Beteiligung am Kampf um die Rückgewinnung und Verteidigung ihres traditionellen Territoriums gegen weisse Invasoren.
Die Rikbaktsa-Gesellschaft strukturiert sich auf der Basis gegenseitiger Relationen zwischen den einzelnen Clans, welche jenen verwandtschaftlichen Hälften angehören, aus der sich die Gesamtkommune zusammensetzt. Man tauscht durch Heirat die Frauen untereinander aus, Tauscht Güter und handwerkliche Arbeiten anlässlich der Feste aus, vereinbart Hilfeleistungen beim Roden der Felder gegen Bezahlung mit Gütern. Diese gegenseitige Abhängigkeit wird auch bei der Jagd sichtbar, wenn der Jäger das von ihm erbeutete Wild seinem Begleiter übergibt – in der Regel sein Schwager, der der anderen Hälfte der Verwandtschaft angehört.
Im Prinzip bildet jede Wohngemeinschaft auch eine politische Einheit. Traditionell gab es keine „Chefs“, obwohl es Anführer gab und noch gibt, deren Einfluss über die eigene Wohngemeinschaft und sogar das Dorf hinausging. Die von den Missionaren eingesetzten zentralisierten Administrationen waren von kurzer Dauer und wenig Effizienz. Die einflussreichsten Führer sind jene, die ausser ihrer persönlichen Kapazität auch noch die zahlreichste Gruppe von Verwandten und Schwägern hinter sich haben. In letzter Zeit erscheint ein neuer Typ von Führer auf der Bildfläche, das sind die Jugendlichen mit der profundesten Kenntnis der sie umgebenden regionalen Gesellschaft, junge Leute, welche die adequatesten Antworten für die Probleme anbieten können, die den Rikbaktsa durch den Kontakt mit der regionalen Bevölkerung entstehen.
Die Nichtbeachtung der Wechselseitigkeit (besonders, wenn es sich um familiäre Verpflichtungen handelt, die aus der Heirat entstehen) ist ein Grund für Konflikte und beeinträchtigt die Verbindungen zwischen den diversen Clan-Gruppen. Dieses Verhältnis einer grösseren oder kleineren Solidarität zwischen ihnen bestimmt auch – abgesehen von wirtschaftlichen oder geografischen Kriterien (wie guter Erde oder Wassernähe) – die jeweilige Örtlichkeit eines Dorfes und die Entfernungen zwischen Nachbarn.
Es scheint vor dem Erstkontakt ernste Rivalitäten zwischen den Rikbaktsa vom Rio Arinos und denen des Rio Sangue sowie denen vom Rio Juruena gegeben zu haben. Gegenwärtig hat der Kampf um das physische und kulturelle Überleben die stammesinternen Verbindungen wieder gefestigt und sogar eine Annäherung auf dem Gebiet eventueller Alliancen mit anderen eingeborenen Gesellschaften der Region provoziert.
Die Rikbaktsa glauben an einen “Austausch der Seelen” zwischen den Wesen der physischen Welt. So erfahren die Toten ein unterschiedliches Schicksal, je nachdem, wie sie als Menschenwesen gelebt haben. Einige von ihnen kehren erneut als Menschenwesen zurück (sogar als “Weisse”) oder als “Nachtaffen” ( deshalb ist dieses Tier eines der wenigen, welches sie niemals jagen) – andere, die in ihrem Leben Böses getan haben, kehren als den Menschen gefährliche Tiere zurück, wie Jaguar oder giftige Schlangen. Auf der anderen Seite waren alle existierenden Lebewesen eines Tages auch Menschenwesen, und ihre Mythen erzählen davon, wie sie definitiv in Tiere verwandelt wurden. Die Schweine, der Tapir, die Aras, die Vögel und sogar der Mond waren einmal Menschenwesen.
Hunderte von Geschichten, welche die mythologische Grundlage des Rikbaktsa-Lebens bilden, werden kontinuierlich von den Ältesten nacherzählt, und schon die Kinder orientieren sich nach ihnen innerhalb ihrer Relationen mit ihrem physischen und gesellschaftlichen Umfeld, versuchen die Harmonie zwischen ihren Handlungen und der ihnen anerzogenen Weltordnung aufrecht zu erhalten.
Krankheit wird als Ungleichgewicht angesehen, welches aus dem Bruch eines Tabus resultiert (das heisst, Handlungen, welche die Harmonie oder die Ordnung des Kosmos stören) oder die Folge einer Hexerei oder Vergiftung durch einen Feind sein können. Die traditionellen Techniken der Heilung basieren auf der Nutzung unzähliger Pflanzen mit heilender Wirkung und entsprechenden reinigenden Ritualen.
Sämtliche Aktivitäten der Jagd, des Sammelns, des Fischens und des Ackerbaus sind in diesem signifikanten Universum integriert – und alle haben ihr spezielles Ritual innerhalb des zeremoniellen Jahreszyklus. Dabei sind die Musik, die Gesänge und der Federschmuck von fundamentaler Bedeutung, sie drücken in sensibler Art und Weise ihr gesellschaftliches und mythologisches Universum aus, die afektiven Formen des Umgangs miteinander, ihre Ästetik und ihre Religion. Im Verlauf des Prozesses der Rückbesinnung auf ihre traditionelle ethnische Würde spielen die Rituale, die Musik und die mythologischen Erzählungen eine Schlüsselrolle, sie drücken die Identität aus und bilden den Kern ders Zusammenhalts, welche ihnen erlauben jenen Umstellungen unbeschadet zu begegnen, die ihnen durch den Kontakt mit der regionalen Gesellschaft aufgezwungen worden sind – ohne sich als Kulturvolk aufzulösen.
Das “Fest des grünen Mais” findet im Januar statt – das “Fest der Feldrodung” im Mai und kleinere Feste begleiten den gesamten jährlichen Aktivitätenzyklus. Der Höhepunkt des Festzyklus liegt im Mai, wenn die Clan-Hälften sich treffen – mit ihrer unterschiedlichen Körperbemalung, wundervollem Federschmuck und ihrer charakteristischen Flötenmusik. Bei dieser Gelegenheit inszeniert man mythologische Episoden und historische Kämpfe. Die Rikbaktsa sind aussergewöhnlich versierte Flötenspieler und ihre traditionellen Gesänge sind ein Ohrenschmaus.
Genozyd und zahlreiche Versuche, sie als autonome Kulturgesellschaft zu des integrieren, prägen ihre Geschichte nach dem Kontakt mit der regionalen Gesellschaft. Aber genau das entfesselte in ihnen eine Gegenposition, einen Prozess der Rückorientierung an ihren gesellschaftlichen und kulturellen Werten, mit dem die Rikbaktsa versuchen, die durch den Kontakt provozierten Veränderungen mit den traditionellen Frmen ihrer Gesellschaft in Einklang zu bringen. Also haben sie ihre Prinzipien der gesellschaftlichen Organisation beibehalten, einen grossen Teil ihrer rituellen Praktiken, ihre Kenntnisse der Natur und des Gebrauchs von Heilpflanzen – kurz, ihr kulturelles Erbe.
Auf der einen Seite hat die Aufgliederung der internen politischen Machtverhältnisse und der Organisation und Verteilung ihrer wirtschaftlichen Produktion den Familien und Individuen innerhalb der Rikbaktsa-Gesellschaft ihre Autonomie garantiert. Auf der anderen Seite jedoch, ist sie zum Hindernis für Unternehmungen geworden, mit denen man eine kontinuierliche Kooperation innerhalb einer grösseren Vereinigung in der Gesellschaft anstrebt. So haben die Rikbaktsa im Jahr 1995 – zugunsten einer Multiplikation von Kontakten zu externen Agenturen unterschiedlicher Genres, wegen neuer Aufgaben und Aktivitäten, die ihnen aus dem wachsenden Kontakt zur umgebenden regionalen Gesellschaft erwachsen – die “Associação Indígena Rikbaktsa – ASIRIK” gegründet, welche von einer Gemeinschaft aus Repräsentanten aller territorialen Untergruppen dirigiert wird, und die damit eine respektable Beschlussfähigkeit erreichen.
Die Probleme im Zusammenhang mit der internen Organisation von Produktion und Kommerzialisierung, der direkte Kontakt mit dem regionalen Markt, die gesuchten und getesteten Lösungen – das alles bedeutete einen intensiven Lernprozess, um auf eine neue Phase der Selbstorganisation und wirtschaftlichen Produktion vorbereitet zu sein, mit dem man die eigenen traditionellen soziopolitischen Strukturen durch adequatere Formen der Organisation innerhalb der sie umgebenden regionalen Gesellschaft ersetzen konnte.
Es existiert ein grosses Engagement der Rikbaktsa-Gesellschaft für die schulische Erziehung ihrer Mitglieder, besonders der neuen Generationen. Gegenwärtig gibt es 20 auf die Dörfer verteilten Schulen, die von eingeborenen Lehrern geleitet werden, viele von ihnen sind in Kursen ausserhalb der Region ausgebildet worden – zum Beispiel durch Projekte der Lehrerausbildung, entwickelt von der Regierung des Bundesstaates Mato Grosso während des vergangenen Jahrzehnts. Sie haben sich auch für den Gesundheitssektor interessiert, der bis vor kurzem von der “Mission Anchieta” betreut wurde, mit jährlichen Kursen zur Ausbildung von eingeborenen Krankenhelfern und –schwestern, von Dentisten und Mikroskopisten (zur Erkennung und Behandlung von Malaria, die in der Region verbreitet ist).
Gegenwärtig diversifizieren sie ihre Mitarbeiter, um wirtschaftliche, erzieherische und gesundheitliche Projekte zu entwickeln – mit der Unterstützung staatlicher und landesweiter Stellen ebenso wie von privater Unternehmerseite.
Die bibliografischen Quellen über die Rikbaktsa stammen alle aus der Zeit nach dem Kontakt mit den Jesuiten. Da gibt es die Arbeiten und Aufzeichnungen der Jesuiten selbst im Verlauf ihrer missionarischen Tätigkeit und die der Mitglieder des “Instituto Lingüístico de Verão”, die ebenfalls unter diesen Indianern tätig waren, allerdings ohne dieselbe Tiefe und Präsenz der Jesuiten aus der “Missão Anchieta”. Unter den Schriften der Jesuiten kommt der von Padre João Dornstaudter die grösste Bedeutung zu: in ihnen erzählt er von den Expeditionen zur “Befriedung” der Indianer, die er persönlich leitete, von den ersten Kontakten, und er bietet eine Beschreibung der regionalen Zusammenhänge, der Rikbaktsa selbst und ihrer Situation. Andere wichtige Beschreibungen als Informationsquellen über den Stil der jesuitischen Aktionen zu jener Zeit stammen von Padre Moura und von Padre Weber.
Unter den ersten ethnographischen Beschreibungen vom Volk der Rikbaktsa sind die besten vom Anthropologen Harald Schultz, der im Jahr 1962 unter ihnen weilte – im ersten Jahr nach dem friedlichen Kontakt – und der ausser guten Beschreibungen auch exzellente Fotos in seinen beiden Artikeln publizierte.
Ethnographische Beschreibungen finden sich auch in den Arbeiten von Joan Boswood, vom “Instituto Lingüistico de Verão”, obgleich ihre Arbeit eher zum Studium der Sprache neigte, ebenfalls die von Sheila Tremaine.
Eine Arbeit mit mehr Ausdauer ist die des Anthropologen Robert Hahn, der am Anfang der 70er Jahre unter den Rikbaktsa arbeitete – er produzierte auch die erste Doktorarbeit über dieses Volk. Sie dreht sich besonders um eine Analyse des terminologischen Verwandtschaftssystems, umfasst die erste ausführliche Ethnografie über die Rikbaktsa, behandelt auch die Aktionen der Jesuiten und die durch ihre Einmischung hervorgerufenen Probleme dieses Volkes.
Die Arbeiten jüngeren Datums über die Rikbaktsa sind dann von mir selbst. Zuerst die Relatorien über die Einschätzung ihrer Situation – innerhalb der Untersuchung des Projekts “Polonoroeste” – zwischen 1983 und 1988. Unter ihnen auch der Bericht zur Identifizierung der Indianer-Territorien von “Japuíra” und “do Escondido”, verfasst 1985. Ein neuer Bericht des “IT do Escondido” wurde dann 1993 verfasst – mit ihm definierte die Regierung die Basis für seine Demarkierung neu (1998). Diese Relatorien geben einen Überblick zur Lage der Dinge, obwohl sie sich stets auf die Perspektive der Rikbaktsa-Geschichte stützen.
Forschungen, die mit Stipendien der CNP realisiert wurden, ergaben einen 1988 erarbeiteten Bericht und führten dann auch zu meiner Doktorarbeit 1992. Darin bemühte ich mich, die historischen und ethnografischen Informationen zusammenzufassen, welche ich über die Rikbaktsa gesammelt hatte, und sie aus der Perspektive der theoretischen Anthropologie zu analysieren.
Nachträglich vertiefte ich einige Aspekte ihres Denkens im Artikel ”Mitos Rikbaktsa”. Ich publizierte zwei weitere Artikel, die sich mit ihren politischen und territorialen Kämpfen befassen und entwickelte eine Untersuchung, die sich mit einem Vergleich zwischen dem regionalen Modell der Landbewirtschaftung und der Nutzung der natürlichen Resourcen durch die Rikbaktsa beschäftigt – und ich habe ein ethnografisches Videa über sie produziert.
Im Jahr 1985, im Zusammenhang mit dem Kampf um das TI Japuíra, fand eine Polizei-Invasion des Gebiets statt, die den Indianern physische und moralische Gewalt antat und dem Padre Balduino Loebens Gefängnis und Folter, einem Missionar, der mit den Rikbaktsa seit zirka 30 Jahren arbeitete. Zeugenaussagen über jene Ausschreitungen der Polizeitruppen und über den ihnen folgenden Prozess, aus dem die Rikbaktsa siegreich hervorgingen, sind im “Dossiê Rikpaktsa” festgehalten, organisiert von Odenir Oliveira, einem Beamten der FUNAI. Schliesslich gibt es inzwischen Werke von Rikbaktsa-Autoren selbst, eines davon mit Unterstützung von Fausto Campoli, der damals Erziehungs-Assessor der OPAN gewesen ist, und das andere wurde vom “Instituto Lingüístico de Verão” herausgegeben.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung, Klaus D. Günther