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Die heilende Kraft des Atems von Stanislav Grof
von Stanislav Grof
25. Februar 2018
Im Folgenden finden Sie zwei Auszüge aus dem Buch «Holotropes Atmen» von Stanislav Grof, das im Nachtschatten Verlag erschienen ist.
Im Folgenden finden Sie zwei Auszüge aus dem Buch «Holotropes Atmen» von Stanislav Grof, das im Nachtschatten Verlag erschienen ist.
Die heilende Kraft des Atems
In der Kosmologie, Mythologie und Philosophie der alten und vorindustriellen Gesellschaften spielten der Atem und die Atmung eine wesentliche Rolle. Sie waren ein wichtiges Werkzeug in Ritual, Spiritualität und Heilkunst. Bereits seit der Frühgeschichte wurde der Atem in praktisch jedem grösseren psychospirituellen System zum Verständnis der menschlichen Natur als wesentliches Bindeglied zwischen der materiellen Welt, dem menschlichen Körper, der Psyche und der spirituellen Dimension verstanden. Dies spiegelt sich auch sehr deutlich in den Wörtern wider, die in vielen Sprachen für den Atem verwendet werden.
In der frühen indischen Literatur bezeichnet der Begriff prana nicht nur den körperlichen Atem sowie Luft; er stand auch für die heilige Essenz des Lebens. In der traditionellen chinesischen Medizin ist es ähnlich: Das Wort «Qi» bezieht sich ebenso auf die kosmische Essenz und die Lebensenergie wie auf die natürliche Luft, die wir in unsere Lunge einatmen. In Japan ist das entsprechende Wort ki. Das ki spielt in den spirituellen Praktiken und Kampfkünsten Japans eine äusserst wichtige Rolle. Im antiken Griechenland bezeichnete das Wort Pneuma sowohl Luft oder Atem als auch Geist oder die Lebensessenz. Für die Griechen war der Atem ebenfalls eng mit der Psyche verbunden. Der Begriff phren bezeichnete sowohl das Zwerchfell, den grössten der an der Atmung beteiligten Muskeln, als auch den Geist (wie in dem Begriff Schizophrenie = wörtlich «gespaltener Geist»).
In der alten jüdischen Tradition bezeichnete dasselbe hebräische Wort Ruach sowohl den Atem als auch den kreativen Geist; die beiden wurden als identisch angesehen. Das folgende Zitat aus der Genesis zeigt den engen Zusammenhang zwischen Gott, Atem und Leben: «Da machte Gott der Herr den Menschen (hebr. Adam) aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.» Im Lateinischen wurde dasselbe Wort für Atem und Geist verwendet, nämlich spiritus. Auch in den slawischen Sprachen haben Geist und Atem dieselbe linguistische Wurzel.
In der Überlieferung und Medizin der Ureinwohner von Hawaii (kanaka maoli lapa’au) bezeichnet das Wort ha den göttlichen Geist, Wind, Luft und den Atem. Dieses Wort ist in dem bekannten hawaiianischen Begriff aloha enthalten, der in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen und bei vielen verschiedenen Gelegenheiten benutzt wird. Er wird gewöhnlich übersetzt als «Gegenwart» (alo) des «göttlichen Atems» (ha). Sein Gegenteil, Ha’ole, was wörtlich «ohne Atem» oder «ohne Leben» bedeutet, ist das Wort, mit dem die hawaiianischen Ureinwohner seit der Ankunft des berüchtigten britischen Kapitäns James Cook im Jahre 1778 die weisshäutigen Fremden bezeichnet haben. Die Kahunas oder «Bewahrer des Geheimen Wissens» haben Atemübungen verwendet, um spirituelle Energie (mana) zu erzeugen.
Es ist seit Jahrhunderten bekannt, dass man das Bewusstsein durch Techniken beeinflussen kann, in denen die Atmung eine Rolle spielt. Die Methoden, die von verschiedenen alten und nicht-westlichen Kulturen zu diesem Zweck verwendet wurden, reichen von sehr einschneidenden Eingriffen in die Atmung bis hin zu den äusserst subtilen und hoch entwickelten Übungen verschiedener spiritueller Traditionen. So gehörte zur ursprünglichen Form der Taufe bei den Essenern ein gewaltsames Untertauchen des Initianden für einen längeren Zeitraum. Dies führte zu einer eindrücklichen Erfahrung von Tod und Wiedergeburt. In einigen anderen Volksgruppen wurden die Neophyten mit Rauch, durch Strangulation oder durch Druck auf die Halsschlagadern beinahe erstickt.
Durch die beiden Extreme der Veränderung der Atemfrequenz – also Hyperventilation und langes Anhalten des Atems – sowie durch deren abwechselnde Verwendung lassen sich tiefgreifende Bewusstseinsveränderungen herbeiführen. In der alten indischen Wissenschaft vom Atem, dem Pranayama, finden sich sehr fortgeschrittene und hoch entwickelte Methoden dieser Art. William Walker Atkinson, ein amerikanischer Schriftsteller, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts grossen Einfluss auf die philosophisch- spirituelle Bewegung in den Vereinigten Staaten hatte, schrieb unter dem Pseudonym Yogi Ramachakra eine umfassende Abhandlung über die hinduistische Wissenschaft vom Atmen (Ramachakra 1903). Spezifische Techniken, bei denen man intensiv atmet oder den Atem anhält, gehören auch zu verschiedenen Übungen des Kundalini-Yoga, des Siddha-Yoga, des tibetischen Vajrayana, der Praxis der Sufis, der Meditation der burmesischen Buddhisten, der Daoisten sowie zu vielen anderen spirituellen Übungen. Auf indirekte Weise werden die Tiefe und der Rhythmus der Atmung auch stark von solch künstlerischen Ritualen wie dem Ketjak, dem balinesischen Affengesang, den Kehlkopf-Gesängen der Inuit, dem Singen von Kirtans und Bhajans sowie den Dhikrs der Sufis beeinflusst.
Der tschechische Präsident Vaclav Havel, Stan Grof und sein Bruder Paul bei der Verleihung des Vision 97-Preis der Vaclav und Dagmar Havel Foundation in Prag
Subtilere Techniken, die anstelle von Veränderungen der Atemdynamik eine besondere Aufmerksamkeit auf die Atmung legen, spielen im Buddhismus eine wichtige Rolle. Anapanasati ist eine grundlegende vom Buddha gelehrte Meditationsform. Anapanasati bedeutet wörtlich «Atem- Achtsamkeit» (von Pali anapana = einatmen und ausatmen, sati = Achtsamkeit). Der Buddha lehrte diese Methode, weil er sie als Hilfsmittel zur Verwirklichung seiner eigenen Erleuchtung erfahren hatte. Er betonte, es sei nicht nur wichtig, das Atmen achtsam zu verfolgen, sondern den Atem auch dazu zu benutzen, sich des gesamten Körpers und aller eigenen Erfahrungen bewusst zu werden. Nach dem Anapanasati- Sutta (Sanskrit: Anapanasati-Sutra) führt die Übung dieser Form der Meditation zur Beseitigung aller den Geist trübenden Leidenschaften (Pali: kilesa, Sanskrit: klesha). Wie der Buddha lehrte, führt die systematische Übung von Anapanasati zur endgültigen Befreiung (Pali: nibbana, Sanskrit: nirvana).
Im Denken der materialistischen Wissenschaften verlor das Atmen seine heilige Bedeutung und wurde seiner psychischen und spirituellen Dimensionen beraubt. Die Medizin des Abendlandes reduzierte die Atmung auf ihre wichtige physiologische Funktion, und die körperlichen und psychischen Manifestationen, die mit den verschiedenen Manipulationen des Atems einhergehen, wurden als krankhaft angesehen. Die psychosomatische Reaktion auf beschleunigtes Atmen, das sogenannte Hyperventilationssyndrom, gilt als krankhafter Zustand und wird nicht als das verstanden, was sie wirklich ist: ein Prozess mit einem enormen Heilpotenzial. Wo eine Hyperventilation spontan auftritt, wird sie üblicherweise unterdrückt – durch die Anwendung von Tranquilizern, intravenöse Injektionen von Calcium oder die Verwendung einer Papiertüte über Mund und Nase, um die Anreicherung der Atemluft mit Kohlendioxid zu erhöhen und dadurch der durch das schnellere Atmen hervorgerufenen Alkalose entgegenzuwirken.
Stanislav Grof, Albert Hofmann, Entdecker des LSD und der Maler und Oscar-Gewinner H.R. Giger
In den vergangenen Jahrzehnten haben westliche Therapeuten das heilende Potenzial des Atmens wiederentdeckt und entsprechende Techniken entwickelt. Im Rahmen unserer einmonatigen Seminare am Esalen Institute in Big Sur an der kalifornischen Küste haben wir selbst mit verschiedenen Ansätzen der Atemarbeit experimentiert. Dazu gehörten einerseits Atemübungen aus alten spirituellen Traditionen unter der Anleitung von indischen und tibetischen Lehrern und andererseits von westlichen Therapeuten entwickelte Techniken. Jeder dieser Ansätze betont spezifische Aspekte und verwendet die Atmung auf unterschiedliche Weise. Auf unserer Suche nach einer wirksamen Methode zur Verwendung des Heilpotenzials der Atmung haben wir versucht, diesen Prozess so weit wie möglich zu vereinfachen.
So sind wir zu dem Schluss gelangt, dass es genügt, schneller und wirksamer zu atmen als gewöhnlich und sich dabei ganz auf den inneren Prozess zu konzentrieren. Statt eine spezifische Atemtechnik zu betonen, folgen wir auch hier der allgemeinen Strategie der holotropen Arbeit – nämlich auf die dem Körper innewohnende Weisheit zu vertrauen und der Wegweisung aus dem Inneren zu folgen. Im Holotropen Atmen fordern wir die Menschen auf, die Sitzung mit schnellerer und etwas tieferer Atmung zu beginnen und Ein- sowie Ausatmen zu einem kontinuierlichen Atemkreislauf zu verbinden. Sobald sie in den Prozess eingestiegen sind, finden sie dann ihren eigenen Rhythmus und ihre eigene Weise zu atmen.
Wir konnten dabei wiederholt eine Beobachtung von Wilhelm Reich bestätigen – nämlich dass psychische Widerstände und Verteidigungsmechanismen mit einer eingeschränkten Atmung zusammenhängen (Reich 1949, 1961). Die Atmung ist eine autonome Funktion, aber sie lässt sich auch willentlich beeinflussen. Eine absichtliche Beschleunigung des Atemrhythmus lockert typischerweise psychische Verteidigungsmechanismen, setzt unbewusstes (und überbewusstes) Material frei und lässt es an die Oberfläche gelangen. Solange man noch nicht Zeuge dieses Prozesses geworden ist oder ihn persönlich erfahren hat, kann man sich allein aufgrund theoretischer Überlegungen nur schwer vorstellen, wie tiefgreifend und wirksam dieser Ansatz ist.
Die Anwendung des Holotropen Atmens
in Einzelsitzungen und in Gruppen Das Holotrope Atmen lässt sich in Einzelsitzungen und in kleinen oder grösseren Gruppen anwenden. Viele diplomierte Praktiker des Holotropen Atmens bieten in ihren Privatpraxen Einzelsitzungen an, sowohl für Menschen, die diese Atemarbeit zur Förderung ihres persönlichen Wachstums erfahren möchten, als auch für Klienten mit kleineren emotionalen und psychosomatischen Problemen, die ihre innere Arbeit aber auch im Rahmen einer Gruppe leisten könnten. Damit wird jedoch das Potenzial des Holotropen Atmens nicht am besten ausgeschöpft, da dessen Durchführung in Gruppensitzungen deutliche Vorteile hat. Die offensichtlichen Vorteile sind praktischer, wirtschaftlicher und finanzieller Art. Während eine Einzelsitzung die dauernde Präsenz von ein bis zwei Personen verlangt, von denen zumindest eine ein erfahrener Therapeut sein muss, ist das Verhältnis in Gruppen ein ausgebildeter Facilitator auf acht bis zehn Teilnehmer. In Gruppensitzungen mit dem Holotropen Atmen brauchen die Teilnehmer für den grössten Teil ihrer inneren Arbeit keinen äusseren Beistand, und mit vielen Situationen, in denen Hilfe nötig ist, können die Sitter (Begleiter) alleine umgehen, auch wenn sie zuvor noch keine Erfahrung mit dem Holotropen Atmen gemacht haben. Mit ein wenig Beistand und Führung durch ausgebildete Facilitatoren vermögen die Sitter eine emotional und körperlich sichere Umgebung für die Atmenden zu schaffen, und sie können verhindern, dass die Atmenden sich gegenseitig stören. Wo nötig, können die Sitter ihre Partner auch daran erinnern, das beschleunigte Atmen beizubehalten, sie können sie zur Toilette und zurück führen, vermögen den Atmenden nährenden Körperkontakt zu bieten, ihnen ein Glas Wasser oder ein Papiertaschentuch zu reichen, können sie mit einer Decke zudecken und ihnen andere grundlegende Fürsorge zukommen lassen.
Linkes Bild:: Hochkarätige Lehrer in Esalen. Von links: Ram Dass, Jack Kornfield und Stan Grof
Rechtes Bild: Stan Grof mit dem buddhistischen Weisen Lama Anagarika Govinda in Esalen
Während es in einer Gruppe kein besonderes Problem ist, wenn die beim Holotropen Atmen auftauchenden Erfahrungen länger als gewöhnlich dauern, mag dies ein Problem für Therapeuten sein, die in ihrer Privatpraxis einen festgelegten Stundenplan haben. Es ist unmöglich, die Länge einer individuellen Sitzung vorauszusagen. Die Dauer der Sitzungen variiert, und es ist unerlässlich, dass die Facilitatoren bei den Atmenden bleiben, bis der Prozess für diesen Tag abgeschlossen ist. Individuelle Sitzungen mit Atemarbeit werden deshalb am besten auf das Ende des Arbeitstags des Therapeuten gelegt; das begrenzt natürlich die Zahl der Sitzungen, die ein Praktizierender in einem bestimmten Zeitraum anbieten kann.
Holotrope Atemsitzungen in einer Gruppe bieten auch psychologische Vorteile, welche die Arbeit tiefer und wirksamer machen, als das in Einzelsitzungen möglich ist. Einen holotropen Bewusstseinszustand mit einer Anzahl anderer Menschen in einem grossen Raum zu teilen, die machtvolle Musik in Kombination mit den Geräuschen der anderen Teilnehmer zu hören – all das erzeugt ein sehr intensives Erfahrungsfeld. Die dadurch entstehende Atmosphäre erleichtert es den Atmenden, ihre gewohnten psychischen Verteidigungsmechanismen loszulassen, so dass ihr unbewusstes Material auftauchen und emotionalen und körperlichen Ausdruck finden kann.
Die Gelegenheit, sich mit anderen über beschämende oder sehr persönliche Erfahrungen auszutauschen, stellt einen weiteren signifikanten Vorteil der Arbeit in einer Gruppe dar. In holotropen Bewusstseinszuständen taucht oft heikles Material auf, das die Teilnehmer für ethisch oder ästhetisch inakzeptabel halten, wie etwa gewalttätige, sexuelle oder blasphemische Vorstellungen, Erinnerungen an Inzest oder antisoziale Tendenzen. Es fällt den Atmenden vielleicht schwer, einem anderen Menschen solche Erfahrungen anzuvertrauen, weil sie typischerweise eine negative Reaktion darauf erwarten – ein moralisches Urteil, Abscheu oder Zurückweisung.
Wenn jemand solche Erfahrungen in einer Einzelsitzung offenbart und der Therapeut nicht mit einem kritischen Urteil darauf reagiert, so mag der Klient das der Toleranz des Therapeuten oder seiner besonderen Ausbildung zuschreiben, die ihn davon abhält, so zu reagieren, wie er tatsächlich empfindet. Der Klient mag auch annehmen, diese Toleranz sei darauf zurückzuführen, dass der Therapeut bereits jahrelange Erfahrung mit abnormalen Individuen besitzt, die ihn gegenüber abweichenden Aspekten der menschlichen Natur hat gleichgültig werden lassen. Unter diesen Umständen wird das offensichtlich nicht-urteilende und die Erfahrung akzeptierende Verhalten des Therapeuten leicht für eine gekünstelte Professionalität gehalten, und es kommt nicht zu der korrigierenden Erfahrung, die sich aus der Akzeptanz durch ein gewöhnliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft ergeben würde.
Stan Grof und seine Frau Brigitte
Aus diesem Grund kann das Teilen der eigenen Erfahrung mit den Mitgliedern einer Gruppe, die aus einem repräsentativen Querschnitt der allgemeinen Bevölkerung besteht, eine äusserst befreiende Erfahrung sein. Wenn wir hören, was andere erzählen, entdecken wir, dass auch sie Emotionen, Phantasien und Tendenzen hegen, die wir selbst für verwerflich halten, und dass auch sie ein Verhalten an den Tag legen, von dem wir glauben, dass es uns selbst zu besonders unmoralischen und verachtenswerten Menschen macht. So mag uns mit einem plötzlichen Aufatmen bewusst werden, dass dies alles Aspekte der menschlichen Natur sind, die nun einmal dem «Fleisch» innewohnen, und dass wir alle «im selben Boot sitzen».
Tatsächlich fällt die Reaktion einer Gruppe darauf, dass jemand ehrlich Material aus der Tiefe seines Unbewussten offenlegt, im Allgemeinen ganz anders aus, als das Individuum es erwartet hat. In der Regel zeigen die anderen Verständnis sowie Mitgefühl und bieten warme emotionale Unterstützung an. Wenn ein Gruppenmitglied sich auf diese Weise ehrlich bekennt, ermutigt das oft auch andere, mehr Vertrauen zu haben und dunkle Aspekte ihres eigenen Innenlebens zu offenbaren. Die Gruppenarbeit mit holotropen Bewusstseinszuständen führt typischerweise zu einer Verbundenheit unter den Teilnehmern und erzeugt sehr schnell ein Gefühl der Zugehörigkeit. Victor Turner, ein amerikanischer Kulturanthropologe mit schottischen Wurzeln, studierte während seiner gesamten beruflichen Karriere die Übergangsriten von Stammeskulturen. Seiner Ansicht nach führt das Teilen von aussergewöhnlichen Bewusstseinszuständen in einem rituellen Kontext zur Entwicklung eines Gruppengefühls (communitas; Turner 1969, 1974). Unter bestimmten Umständen lässt sich das Holotrope Atmen auch mit psychiatrischen Patienten anwenden, die unter ernsthaften emotionalen und psychosomatischen Problemen leiden. Für die meisten von ihnen wäre es jedoch schwierig oder gar unmöglich, an Gruppensitzungen teilzunehmen, weil diese die Fähigkeit verlangen, abwechselnd die Rolle des Atmenden und des Begleiters einzunehmen und konstruktiv an der Nachbearbeitung der Erfahrungen anderer teilzunehmen. Solche Patienten brauchen während der gesamten Sitzungsdauer die ungeteilte Aufmerksamkeit eines erfahrenen Therapeuten oder eines idealerweise aus einem Mann und einer Frau bestehenden Teams sowie eine besondere Umgebung, in der rund um die Uhr eine Beaufsichtigung zur Verfügung steht.
Über Stanislav Grof
Stanislav Grof (USA) ist ein Psychiater mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in der Erforschung aussergewöhnlicher Bewusstseinszustände. Er war Leiter eines psychedelischen Forschungsprogramms am Psychiatrischen Forschungszentrum in Prag, in dem er in mehreren tausend therapeutischen Sitzungen die Wirkung von LSD bei Patienten und an sich selbst erforschte. Die Erkenntnisse aus dieser bahnbrechenden Arbeit führten dazu, dass er eine erweiterte Kartographie des menschlichen Bewusstseins entwarf. Später war er Verantwortlicher für das Forschungsprogramm am Maryland Psychiatric Research Center, Assistenzprofessor an der Johns Hopkins University in Baltimore und langjähriger Lehrer am Esalen Insitut in Kalifornien. Er ist einer der Begründer der Transpersonalen Psychologie und Gründungspräsident der International Transpersonal Association. 2007 erhielt er den prestigeträchtigen Vision 97-Preis der Vaclav und Dagmar Havel Foundation in Prag. Stan Grof hat 140 Artikel in Fachzeitschriften und eine Vielzahl von Büchern veröffentlicht. www.stanislavgrof.com
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