Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/3440

Zum 5. Geburtstag der Mythen-Post (ein Beitrag aus dem Jahr 1995)
Im September 1990 wurde die Mythen-Post von Urs Beeler gegründet. Wie und warum entstand überhaupt diese regionale Zeitschrift? Welches sind ihre Ziele? Wie soll die Zukunft der Mythen-Post aussehen? Mit Verleger Urs Beeler sprach Sigmund Betschart.
Wie sieht Ihr schulischer bzw. beruflicher Werdegang aus?
Ich besuchte die Primarschule in Schwyz (5. Klasse beim legendären Lehrer Ernst Trütsch!), danach die Sekundarschule. Später folgte das Gymnasium, welches ich mit der Wirtschaftsmatura abschloss. Anschliessend wollte ich in Zürich Jus. studieren. Bereits am dritten Tag war jedoch mein Bedarf an „Universitätswissen“ gedeckt…
Danach arbeitete ich in verschiedenen Jobs in Zürich. Anfangs 1984 bekam ich eine interessante Stelle als Redaktor bei Armada International, einer dreisprachig erscheinenden technischen Zeitschrift. Weil ich mit dieser Arbeit und vor allem mit dem Leben in der Stadt nicht glücklich wurde, kehrte ich nach Schwyz zurück. „Was jetzt?“ lautete die Frage. Ein glücklicher Zufall wollte es dann, dass ich als Stellvertreter eine Schulklasse im Rubiswil übernehmen konnte. Mir machte diese Arbeit sehr viel Freude. Weitere solche Jobs folgten. Im Laufe von fünf Jahren unterrichtete ich praktisch alle Fächer (Mathematik, Physik, Sprachen, Geschichte, Geographie, Turnen usw.) und dutzende von Klassen. Meine Unterrichtsorte wechselten: auf Schwyz folgte Rickenbach, dann Brunnen, Steinen, Seewen, Einsiedeln, Pfäffikon… Schliesslich kamen auch Anfragen aus dem Kanton Zug (z.B. Cham und Oberägeri).
Ich denke an diese Lehrerzeit – vor allem an meine Zeit in Einsiedeln – gerne zurück. Mir machte der Umgang mit Jugendlichen sehr viel Spass.
Wie entstand dann die Mythen-Post?
Durch Zufall. Ich suchte im Jahre 1990 etwas, womit ich mich selbständig machen konnte. Ursprünglich hatte ich die Idee, ein Produkt in Zeitungsformat herauszugeben. Als ich mich mit Postverwalter Fritz Muff in Brunnen über die PTT-Verteilung unterhielt, sagte dieser zu mir: „Der Zeitungsmarkt ist in der Region gesättigt. Machen Sie doch etwas im Format wie das ehemalige ‚Kleine Haushaltblatt‘ von Oskar B. Camenzind.“ Ich folgte diesem Ratschlag.
Wo wurde die erste Mythen-Post gedruckt?
Nach einem Offert-Vergleich bekam der Auftrag die (ehemalige) Druckerei Anderrüthi in Brunnen. Heute wird die Mythen-Post von der Druckerei Kürzi in Einsiedeln hergestellt.
Wie lief der Start?
Die Voraussetzungen waren alles andere als günstig. Ich fing nämlich nicht bei Null, sondern bei Unternull an… Es gab technische und viele andere Probleme.
Vorausschicken muss ich, dass ich als absolutes „Greenhorn“ begann. Von Typographie zum Beispiel hatte ich gar keine Ahnung. Ich musste mir alles selbst beibringen.
Trotzdem ging es dann irgendwie aufwärts…
Dass die Idee Mythen-Post schliesslich doch den erhofften Durchbruch schaffte, ist nicht zuletzt der Solidarität zahlreicher treuer Kunden zu verdanken. An dieser Stelle möchte ich vor allem Tony Reichmuth, Xaver Schuler und vielen anderen Gewerblern ganz herzlich danken.
Im weiteren spielte eine gute Portion Glück sicher auch eine Rolle.
Charakteristisch für die Mythen-Post war von allem Anfang an das politische Engagement…
Ich muss hier betonen, dass die Mythen-Post bzw. ich parteipolitisch absolut unabhängig sind. Ich war nie in einer Partei. Was ich jedoch seit Jahren tue, ist, den Parteien auf die Finger schauen.
Bei manchen Leuten kommt dies aber nicht gut an…
Ich betrachte es als eine wichtige Aufgabe, auf politische Fehler aufmerksam zu machen. Heutzutage wird in den Monopolmedien dermassen viel manipuliert, dass es wichtig ist, ein (kleines) Gegengewicht zu schaffen. Mir ist klar, dass es genügend Leute gibt, die meinen, man müsse zu allem schweigen bzw. „ja und amen“ sagen.
Kommt Sie diese kompromisslose Haltung manchmal nicht teuer zu stehen?
Sicher. Ein guter Journalist ist meiner Meinung nach aber nur der, der sich der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet fühlt. Da muss man auch bereit sein, allfällige finanzielle Nachteile (Inserate-Boykotte usw.) in Kauf zu nehmen.
Im Jahre 1992 haben Sie sich vehement gegen den EWR geäussert. Wie waren die Reaktionen?
Als ich zu Beginn in dieser Frage noch mehr oder weniger einsam auf weiter Flur war, hiess es: „Du musst aufpassen. Wenn du dir mit deiner Haltung nur nicht selber schadest.“ Es gab durchaus Kunden, die absprangen, weil sie die Anti-EWR-Haltung der Mythen-Post nicht teilten. Dann gab es auch Leute, die das Engagement gut fanden. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich.
Seit jeher machen Sie sich auch für den Umweltschutz stark…
Weil dieser Bereich ebenfalls vernachlässigt wird.
Mit manchen Behörden scheinen Sie sich gar nicht gut zu verstehen…
Es würde mir niemals einfallen, eine Behörde zu kritisieren, die ihre Arbeit gut macht.
Mir persönlich ist es ein grosses Anliegen, dass Behörden sauber und korrekt funktionieren. Der Bürger soll wissen, was läuft und er muss in den Staat bzw. seine Beamten Vertrauen haben können.
Wie sehen Sie die Zukunft der Mythen-Post?
Ich möchte die Mythen-Post gerne zu einer redaktionell interessanten, schön gestalteten, farbigen Zeitschrift machen, die beim Publikum gut ankommt.
Wie wollen Sie das erreichen?
Zuerst muss einmal die finanzielle Basis stimmen. Ein gutes Produkt lässt sich nur mit genügend Inserenten finanzieren. Parallel zur intensiveren Akquisitionstätigkeit muss der redaktionelle Teil stärker ausgebaut werden.
Ist der Kampf auf dem Inseratemarkt heutzutage nicht enorm hart?
Sehr sogar. Mit einer kundenfreundlichen und -nahen Bedienung und einem hervorragenden Inserate-Preis-/Leistungsverhältnis sollte sich jedoch die Mythen-Post auf dem Markt behaupten können. Ich werde mir jedenfalls alle Mühe geben!
Setzen Sie nicht auf Wachstum?
Die Mythen-Post soll klein, aber stark sein.
Die monatliche Erscheinungsweise möchte ich beibehalten, auch das Format sowie die Druck- und Papierqualität sollen gleich bleiben. Falls es die Kosten zulassen, möchte ich die Mythen-Post vermehrt 4farbig produzieren lassen. (Anmerkung der Redaktion: Dies war vermutlich falsch. Man muss sich hier innovativ auf die Wünsche des Marktes einstellen.)
Haben Sie auch schon daran gedacht, die Mythen-Post adressiert zu versenden?
Interessant wäre dies, weil man dann auch diejenigen Haushaltungen erreichen könnte, die auf ihrem Briefkasten einen Kleber „Stopp, bitte keine Reklame in diesen Briefkasten!“ haben.
Eine rein adressierte Zustellung hätte aber auch Nachteile. Durch die automatisch geringer gewordene Auflage würde die durchschnittliche Haushaltabdeckung sinken, damit verbunden auch der Beachtungsgrad. Zu vernachlässigen ist auch nicht der zusätzliche administrative Aufwand.
Man hört oft, der Beachtungsgrad von Gratis-Anzeigern sei geringer als der von abonnierten Zeitungen. Was sagen Sie dazu?
Urs Beeler: Ich glaube, das hängt in erster Linie davon ab, wie gut bzw. ansprechend eine Zeitung oder Zeitschrift gemacht ist.
Besten Dank für dieses Gespräch!