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Adolf Gschwind
|Adolf Gschwind|
|* 9. April 1886 in Grenchen|
|† Juni 1966 in Grenchen|
|Uhrenarbeiter.|
Adolf Gschwind kam am 9. April 1886 als Sohn des letzten Grenchner Laternenanzünders Adolf Gschwind und seiner Gemahlin Anna Steiner zur Welt. Adolf besuchte in Grenchen die Schulen und blieb sein Leben lang in der Uhrenstadt. Adolf Gschwind war mit Frau Maria Link aus Marthalen verheiratet. 1928 lag ihr einziges Kind, Sohn Ernst, in der Wiege. Adolf Gschwind arbeitete von 1901-1959, bis ins Alter von 73 Jahren, in der Firma ETA AG, Grenchen. Im Juni 1966 starb Adolf Gschwind 80 jährig in Grenchen.
Adolf Gschwind war erzählerisch und musikalisch begabt. Vor Grenchner Schulklassen und anderem Publikum gab er seinen Erinnerungsschatz zum Besten, spielte auf seiner Zither und las eigene Verse vor. Seine Zither ist erhalten geblieben und befindet sich heute mit anderen Erinnerungsstücken in der Heimatsammlung Hans Kohler Grenchen von Hans Kohler.
Im Jahre 1964 übergab Adolf Gschwind seine Aufzeichnungen Rainer W. Walter. Frau Racine, die Sekretärin des damaligen Stadtpräsidenten Eduard Rothen, tippte Gschwinds Erinnerungen originalgetreu ins Reine (38 A4-Seiten). Die Einwohnergemeinde Grenchen liess das Typoskript im Jahre 1964 in einer kleinen Auflage vervielfältigen. Das Ganze oder Auszüge davon erschienen zudem in der Hauszeitung der Ebauches SA. Das Originalmanuskript ist leider verschollen. Gschwinds niedergeschriebene Erinnerungen umfassen ungefähr die Jahre 1890 - 1945. Entstanden ist der Text vermutlich in den Jahren nach seinem 40. Dienstjubiläum 1941.
Die Erinnerungen eines Eta-Arbeiters lassen Bilder aufsteigen, wie sich das Dorf Grenchen wenige Jahrzehnte nach der Einführung der Uhrenindustrie den Bewohnern zeigte. So vernehmen die Leserinnen und Leser beispielsweise, wie sich das Dorfbild allmählich veränderte, wie Bauarbeiter den Boden pfählten zur Stabilisierung der Fundamente für den Bau der Alten Post. Gschwind erzählt vom Schulbetrieb im ausgehenden 19. Jahrhundert und von Festbräuchen in dieser Zeit. Er erinnert sich an das alte Bauernhaus seiner Grosseltern mit der kaminlosen Rauchküche, der die Grossmutter oft entfliehen musste, um sich draussen an der frischen Luft die Augen auszureiben. Dieses Bauernhaus stand nicht etwa im tiefsten Emmental sondern an der Bachstrasse in Grenchen.
Neben den Erinnerungen eines ETA-Arbeiters schrieb Gschwind einen weiteren, allerdings viel kürzeren Text (als Typoskript etwas mehr als drei A4-Seiten) über seine Arbeitswelt: "Die Uhrenfabrik Eterna im Jahre 1901". Gschwind erinnert sich an die Arbeiterinnen und Arbeiter, die 1901 in der ETA ihr Auskommen fanden. Viele Namen aus dem alten Grenchen tauchen auf, ja, eine Parade alter Grenchnerinnen und Grenchner zieht bunt lebendig am Leser vorbei und kehrt lautlos zurück in ihre Zeit. Es ist erstaunlich, mit welch kristallklarem Gedächtnis sich Adolf Gschwind an all die Leute erinnert, an ihre Aufgaben und Arbeitsplätze, sogar an ihre Übernamen. Viele von ihnen arbeiteten zur Zeit der Niederschrift des Textes längst nicht mehr in der ETA oder segneten schon vor Jahren das Zeitliche. Vermutlich entstand der Text in den Nachkriegsjahren. Das Entstehungsjahr ist leider nicht bekannt. Die Wiederauffindung dieses Textes ist Friedrich Kauffungen, Archiv und Museum der ETA AG, Grenchen, zu verdanken.
Die Schilderungen aus der Arbeitswelt belegen den grossen Teil der Texte. Für die Geschichte der Grenchner Uhrenindustrie, die Entwicklung der Firmen Eterna und Eta aus der Sicht eines Arbeiters, wie auch für die Sozial- und Alltagsgeschichte Grenchens sind Geschwinds Erinnerungen von grossem Wert.
Adolf Gschwind war ein sehr loyaler Arbeiter, der stets treu zu seinen Patrons (Theodor Schild, später Dr. Rudolf Schild-Comtesse) stand. Dennoch tauchen ganz verstreut auch Schilderungen der zum Teil schwierigen Arbeitsbedingungen in dieser Zeit auf.
Sicher hatte Gschwind die sozialen Unruhen in den beiden ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hautnah erlebt, erwähnte aber Streiks, die grosse Aussperrung im Jahre 1914 und die Grenchner Ereignisse während des Generalstreiks im November 1918 mit keinem Wort. Vermutlich wollte er sich ganz bewusst vom politischen Glatteis fernhalten.
Diese Tatsache hielt ihn keineswegs davon ab, der Geschichte und der Politik reges Interesse entgegen zu bringen. Das belegen seine Bemerkungen zum Weltgeschehen. Etwa zum Burenkrieg (1899-1902) und zum Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905) äussert er sich und erinnert sich an Staatsmänner, Generäle und an einige Kriegsschauplätze. Beide Weltkriege erlebte er in Grenchen. Seine zierliche, etwas schmächtige Gestalt entband ihn von der Militärdienstpflicht. Im zweiten Weltkrieg leistete Gschwind jedoch Dienst im Luftschutzcorps der Eterna.
Quellen[Bearbeiten]
- Text von Alfred Fasnacht