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Cinquecento: Ästhetik des Hörens in der Renaissance
Internationale Tagung im Rahmen der Festtage der Alten Musik Basel, 29.–31. August 2013
Im Zentrum dieses Symposiums steht die Frage nach der Ästhetik und nach den Praktiken des Hörens in der Renaissance. Es gilt, im intensiven Dialog zwischen musikanalytischen und musikhistorischen Untersuchungen die verschiedenen Ausprägungen ästhetischer Haltungen gegenüber den mannigfaltigen kompositorisch-stilistischen Entwicklungen zu eruieren. Denn die seit der Antike waltende Dichotomie von Wahrnehmung und Intellekt, die bald einen Gegenpart in der Opposition von Hörsinn und rationaler Erkenntnis gefunden hatte, wurde unter anderem im Zuge der humanistischen Aristoxenos-Rezeption (Salinas, Mei, Galilei) neu diskutiert und revidiert. Im 16. Jahrhundert liefern Kompositionsgeschichte, Musiktheorie und die musikbezogene Ideen- und Mentalitätsgeschichte eine neue Reflexion über den Status des Hören.
Ausgangspunkt ist die Auffassung, dass jede Art von musikalischer Technik und Praxis eine besondere Hörhaltung von sich aus impliziert. Vor welchem Hintergrund wurde das Hören von Musik im Laufe des 16. Jahrhunderts reflektiert? Welche Grundzüge einer Theorie des Hörens können in den philosophischen, musiktheoretischen, theologischen, literarischen und naturwissenschaftlichen Texten sowie in Bildern des 16. Jahrhunderts ausgemacht werden? Welche sind die Implikationen der musikalischen Entwicklungen um 1600 für die Geschichte des ästhetischen Hörens? Gibt es einen Unterschied zwischen dem Hören von Polyphonie und der Monodie? Welchen praktischen Stellenwert hatte schließlich die Polarisierung zwischen einem Hören als Affektion (Zarlino) und einem Hören als Differenzierungsvermögen (Galilei), zwischen einer Hörskepsis und einer Hörwürdigung? Auf diese Fragen aufbauend sollen thematische Schwerpunkte zu einer Ästhetik des Hörens in der Renaissance erarbeitet werden.