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Off-Label-Behandlungen
Die Situation in der Schweiz
Das Schweizer Gesundheitswesen besteht aus einer Vielzahl von Akteuren. Obwohl das System insgesamt gut funktioniert, bestehen weiterhin Ungleichheiten beim Zugang zu Behandlungen, insbesondere bei deren Vergütung. Die Entwicklung der personalisierten Medizin hat das Portfolio an verfügbaren Therapien erweitert. Diese Entwicklung geht jedoch einher mit einer Grauzone um die Vergütung von Behandlungen im Rahmen der Grundversicherung (KVG). Sobald eine Anwendung aus dem Rahmen der offiziellen Indikation fällt, für die ein Medikament in der Schweiz zugelassen wurde (sogenannte «Off-Label»-Anwendungen), liegt die Entscheidung über die Vergütung einer Behandlung bei der Krankenkasse. Obwohl Artikel 71 a-d der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) die Voraussetzungen für die Vergütung einer Behandlung regelt, hat die Versicherung einen gewissen Ermessensspielraum. So können beispielsweise zwei Patientinnen bzw. Patienten mit ähnlichen Merkmalen, die die gleiche Krankheit haben, aber nicht bei derselben Versicherung eine Grundversicherung haben, zwei unterschiedlichen Vergütungsentscheidungen unterliegen. Es ist also möglich, dass die Behandlung eines Patienten vollständig übernommen wird, während die gleiche Behandlung dem anderen Patienten nicht vergütet wird.
Einsatz der Krebsliga Schweiz
Um gegen diese Ungleichheiten vorzugehen, setzt sich die Krebsliga für die Standardisierung der Bewertungskriterien in Bezug auf Artikel 71a-d KVV ein. Dank des Informationsmaterials, das sie auf ihrer Website zur Verfügung stellt, ermöglicht sie zudem jeder Patientin und jedem Patienten, sich über ihre bzw. seine Rechte und die möglichen Widerspruchsverfahren genau zu informieren. Die Krebsliga Schweiz engagiert sich dafür, das Verfahren zur Beantragung der Vergütung von Behandlungen zu optimieren und die Kriterien für die Vergütungsentscheide der Krankenkassen zu vereinheitlichen.
Zugang zu Medikamenten und deren Preise
Ein globales Problem
Sowohl in der Schweiz als auch international sind die Kosten einiger Krebsbehandlungen sehr hoch. In einigen Ländern sind die Medikamentenpreise in Bezug auf den Lebensstandard des Landes exorbitant hoch und unerschwinglich. Die Medikamente stehen daher auf dem nationalen Markt faktisch nicht zur Verfügung, um Krebsbetroffene zu behandeln. In anderen, reicheren Ländern sorgen die hohen Preise dafür, dass das Gesundheitswesen als Ganzes zusehends an seine Grenzen stösst.
Jetzt kommt es darauf an, dauerhafte Lösungen zu finden, die Patientinnen und Patienten den Zugang zu innovativen Behandlungen ermöglichen, ohne dabei das Gesundheitswesen zu gefährden. Das Preisfestsetzungssystem muss in seiner Gesamtheit neu gestaltet werden, um die besten Behandlungen zu Preisen anzubieten, die die tatsächlichen Kosten widerspiegeln. Dies muss zwangsläufig mit einer grösseren Transparenz der Pharmafirmen einhergehen. Eine bessere Koordinierung der Regierungen bei den Verhandlungen über Arzneimittelpreise würde dieses Ziel ebenfalls unterstützen.