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Der Libanon befindet sich derzeit in der schlimmsten sozioökonomischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, die auf die Kombination einer anhaltenden Wirtschafts- und Bankenkrise (seit Oktober 2019) sowie der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Massnahmen zurückzuführen ist. In den letzten zehn Monaten hat das Land einen enormen Anstieg an Arbeitslosigkeit, mangelndem Zugang zu Nahrungsmitteln, eingeschränktem Zugang zu Medikamenten und Gesundheitsdiensten, schwere Unsicherheit, eingeschränkten Zugang zu Bildung und wachsende Spannungen betreffend der Hilfe für Flüchtlinge.
Präsent vor Ort, führt Islamic Relief weiterhin seine Projekte in verschiedenen Sektoren durch.
Die wirtschaftliche Situation verschlechtert sich weiter. Der Libanon ist nun offiziell in eine Phase der Hyperinflation eingetreten (d. h. in der die Inflationsrate an 30 aufeinander folgenden Tagen 50% übersteigt). Der Libanon ist das erste Land im Nahen Osten, das den Status einer Hyperinflation erreicht. Venezuela ist derzeit das einzige andere Land der Welt, das diesen Status hat. Die jährliche Inflationsrate im Libanon beträgt 89,74%, und die Lebensmittelpreise sind allein in diesem Monat um fast 200% gestiegen. Inzwischen hat das libanesische Pfund in diesem Jahr 82% seines Wertes verloren.
Die kombinierten Herausforderungen von COVID-19-Infektionen, Eindämmungsmassnahmen und der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise verschlechtern die Lebensbedingungen der Bevölkerung im Libanon erheblich. Wiederholte Stromausfälle, die Nichtverfügbarkeit von Medikamenten, die Krankenhäuser, die nur zum Teil funktionsfähig sind, steigende Preise für Lebensmittel und wichtige Güter sowie eine steigende Arbeitslosenquote schaffen ein Klima einer weltweit beispiellosen Krise in der Geschichte des Landes.
Zu diesem Zweck hat Islamic Relief für die nächsten 12 Monate landesweit einen Notfallplan in den folgenden Sektoren erstellt: Nothilfe, Lebensunterhalt, Ernährungssicherheit, Gesundheit, Bildung und Hilfe an Waisenkinder.
Die Auswirkungen der nationalen Wirtschaftskrise und der COVID-19-Pandemie waren für die Arbeitnehmer im Libanon verheerend. Die Arbeitslosenquote ist exponentiell gestiegen. Dies ist noch schwieriger für schutzbedürftige Arbeitnehmer wie syrische Flüchtlinge, die tendenziell niedrigere Löhne und härtere Arbeitsbedingungen akzeptieren.
Der Libanon ist eines der Länder, die in der jüngsten Analyse des Welternährungsprogramms (WFP) als “Hot Spot für Ernährungsunsicherheit” erscheinen.
Die Abwertung der Währung, die steigende Inflation und sinkende Importe verringern die Kaufkraft der Haushalte und ihre Fähigkeit, Lebensmittel oder andere Grundnahrungsmittel zu kaufen, drastisch. Die Libanesen reduzieren zunehmend ihren Lebensmittelkonsum und erhöhen ihre Verschuldung.
Laut dem Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) benötigen 93.650 schutzbedürftige Familien (einschliesslich syrischer, libanesischer und palästinensischer Flüchtlinge) Nahrungsmittelhilfe. Es gibt auch 25.000 gefährdete Landwirte, die Ressourcen benötigen, um ihre landwirtschaftlichen Aktivitäten zu unterstützen.
Der Libanon tritt in eine zweite Welle von COVID-19-Infektionen mit einer höheren Anzahl neuer Fälle pro Tag ein als seit Beginn der Pandemie. Im letzten Monat gab es etwa 20 Neuinfektionen pro Tag, aber diese Zahl ist nun auf etwa 140 bis 180 Neuerkrankungen pro Tag gestiegen.
Krankenhäuser und Gesundheitszentren stehen daher vor vielen Herausforderungen. Aufgrund des Kraftstoffmangels hatten Stromausfälle katastrophale Auswirkungen auf den Betrieb grosser Krankenhäuser. Die Gebühren für die Patientenbehandlungen sind um 30% gestiegen.
Während des Schuljahres 2019/20 wechselten wegen der Wirtschaftskrise 16.000 Schüler von Privatschulen zu öffentlichen Schulen, was das Bildungssystem unter Druck setzte. Die Schulen sind seit März aufgrund COVID-19 geschlossen und 1,2 Millionen Kinder sind ohne Unterricht. Mit der Wiedereröffnung der Schulen wird die Nachfrage nach öffentlichen Schulen für libanesische Kinder voraussichtlich erheblich zunehmen. Dies birgt ein hohes Risiko, dass das Bildungssystem weniger in der Lage ist, qualitativ hochwertige Dienstleistungen zu erbringen und den Bildungsbedarf aller Kinder, einschliesslich der Flüchtlinge, zu decken. Es wird geschätzt, dass sich die Kosten für die Erziehung von Kindern (einschliesslich Material wie Bücher, Schreibwaren, Transportmittel und Snacks) verachtfacht haben und für viele unerschwinglich geworden sind. Der Mangel an Ausrüstung und ein zuverlässiges Internet-Netzwerk für Fernunterricht- und Online-Lernprogramme haben dies für viele Kinder zu einer unrealistischen Option gemacht, was bedeutet, dass Kinder Monate des Lernens verpasst haben.
Islamic Relief startet ein umfangreiches Bildungsprogramm, das sich nicht nur an libanesische Kinder, sondern auch an syrische und palästinensische Flüchtlinge im Libanon richtet. Wir wollen 5.000 Studenten mit Unterrichtsmaterial unterstützen. Wir wollen auch 6 öffentliche Schulen und Bildungszentren unterstützen.
Die aktuelle Situation im Land belastet die am stärksten gefährdete Bevölkerungsgruppe, nämlich die Waisenkinder. Der Anstieg der Lebenshaltungskosten, die zunehmende Belastung durch Spannungen und Kinderschutzprobleme sowie der eingeschränkte Zugang zu Gesundheit– und Bildung verschlechtern die Lebensbedingungen dieser Kinder erheblich.
Islamic Relief unterstützt über 4 000 Waisenkinder im Libanon.
Islamic Relief beschloss, Massnahmen zu ergreifen und 2.246 der am stärksten gefährdeten Waisenfamilien während vier Monaten mit Lebensmittelpaketen zu unterstützen.
Die Sicherheit der im Libanon lebenden Flüchtlinge wird zunehmend gefährdet, da sie nicht in der Lage sind, ihre Grundbedürfnisse wie Nahrung, Miete und Medizin zu begleichen.
Zu diesem Zweck hat Islamic Relief seit Anfang des Jahres wichtige Artikel wie Treibstoff, Decken, Matratzen, Isolierplanen und Hygienekits verteilt.
Islamic Relief verteilt auch Notnahrungsmittelpakete an schutzbedürftige Familien im ganzen Libanon an palästinensische und syrische Flüchtlinge.
Aufgrund der wirtschaftlichen Situation besteht die Gefahr eines anhaltenden Mangels an medizinischer Ausrüstung und medizinischem Personal. Diese Situation wird durch die zunehmende Unfähigkeit der Patienten, für Gesundheitsdienste zu bezahlen, einschliesslich der Flüchtlinge, die aufgrund ihres rechtlichen Status Abschiebung und Stigmatisierung befürchten, noch verstärkt.
Islamic Relief hat ein Büro im Libanon und koordiniert unsere Projekte in verschiedenen Sektoren.
Dank Ihnen können wir dem Libanon helfen, sich dieser schweren sozioökonomischen Krise zu stellen.