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Der Hammetschwand-Lift (Abb. 1) überwindet einen Höhenunterschied von 152,8 Metern (Betriebslänge) und gilt als höchster Aussenlift Europas. Die Höhe der gesamten Anlage von der Talstation bis zur Turmspitze beträgt 164,1 Meter.
Wie die meisten Personenlifte ist auch der Hammetschwand-Lift ein Seilaufzug, bei dem die Kabine und ein etwa gleich schweres Gegengewicht an Tragseilen hinauf- und hinuntergezogen werden (Abb. 2). Eine Kette wird vom unteren Ende der Kabine zum Gegengewicht geführt, um das Gewicht des wandernden Tragseils auszugleichen (Seilgewichtsausgleichskette). Die Gesamtlänge der Seile beträgt 490 Meter. Die Tragseile werden über Umlenkrollen und eine angetriebene Rolle, die sogenannte Treibscheibe, geführt. Diese wird von einem Gleichstrommotor mit einer Leistung von maximal 17,9 Kilowatt angetrieben. Die Geschwindigkeit kann man über die variable Gleichspannung regulieren. Der Motor befindet sich in der Talstation der Liftanlage seitlich neben dem Eingang zum Fahrstuhl und nicht wie meist üblich über dem Fahrstuhl.
Welche Besonderheiten hat der Lift bei der Energieleitung und der Türöffnung?
Normalerweise besitzt ein Lift ein sogenanntes Hängekabel, also ein Kabel mit elektrischen Energie- und Signalleitungen, das zwischen Kabine und Steuerung hängt. Bei der grossen Höhe des Hammetschwand-Lifts müsste dieses Kabel aber sehr lang sein. Dies würde bei hohen Windgeschwindigkeiten Probleme verursachen. Deshalb werden Signale beim Hammetschwand-Lift nicht über Signalkabel übertragen, sondern wie bei einer Seilbahnsteuerung mittels elektromagnetischer Induktion über das Regulatorseil. Wegen der fehlenden Energieleitung steht in der Kabine nur wenig elektrische Leistung zur Verfügung (über Akkumulatoren, die aufgeladen werden, wenn der Lift unten auf der Ladestation steht). Deshalb kann die Türöffnung nicht wie bei anderen Liften erfolgen.
Bei einem Hochhauslift werden die Türen auf den verschiedenen Stockwerken von einem Motor geöffnet, der auf der Liftkabine angebracht ist. Weil der Hammetschwand-Lift aber keine elektrische Versorgungsleitung hat, kann kein mitgeführter Motor betrieben werden. Beim Hammetschwand-Lift gibt es aber – anders als in einem Hochhaus – nur zwei Türen (oben und unten). Deshalb ist es gut möglich, zwei Motoren aussen an den Türen anzubringen (Abb. 3).
Abb. 3: Die Motoren zur Türöffnung befinden sich aussen über den Türen
Wie hat sich der Lift im Laufe der Zeit verändert?
Bei seiner Inbetriebnahme 1905 hatte der Lift eine mit Zinkblech beschlagene Kabine aus Bergfichtenholz für acht Personen (bzw. 600 kg). Er fuhr mit ca. 1 m/s und brauchte ca. 3 Minuten für die Fahrt. Die Geschwindigkeit variierte je nach elektrischer Spannung, weil das Kraftwerk an der Engelberger Aa nebst dem Hammetschwand-Lift auch die Bürgenstockbahn und die Stanserhornbahn versorgte.
1936 baute die Firma Schindler & Cie A.G. eine Leichtmetall-Kabine ein, verstärkte den Turm durch eingeschweisste Querbalken, ersetzte die alten Holzlattenführungen durch Stahlführungsschienen und erneuerte den Antrieb (Abb 4). Nun betrug die Förderlast 750 kg (10 bis 12 Personen) und die Fahrzeit knapp eine Minute. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 2.7 m/s war der Lift zu dieser Zeit der schnellste öffentliche Personenaufzug Europas.
Als Weltneuheit stattete Schindler den Lift 1960 mit dem elektronisch gesteuerten Ward-Leonard Antrieb Transitronic aus. Erneut wurde der Turm verstärkt und nun konnte die Geschwindigkeit auf 4 m/s erhöht werden. 1981 folgte eine weitere Teilsanierung mit Einbau einer Miconic-V-Mikroprozessor-Steuerung. 1992 wurde die Talstation erweitert und eine auf drei Seiten verglaste Panoramakabine eingebaut. Die Geschwindigkeit wurde auf 3,15 m/s gesenkt, damit die Aussicht länger genossen werden kann.
Abb. 4: Schema und Ansicht des Hammetschwand-Lifts nach dem Umbau 1937
Warum ist der Turm nach über hundert Jahren nicht verrostet oder verbogen durch die Temperaturschwankungen?
Die Tragkonstruktion des Aufzugs, d. h. der Fachwerkturm, des heutigen Hammetschwand-Lifts mit dem Grundriss von 2 m x 2 m, ist noch das Originalgestell der Firma Löhle & Cie. aus dem Jahr 1905 (Abb. 5). Es besteht also nicht aus rostfreiem Stahl, der erst später erfunden wurde. Eine Schutzschicht bewahrt das Gestell vor Korrosion und muss regelmässig überprüft, ausgebessert und gelegentlich erneuert werden. 1990 wurde das komplette Gestell sandgestrahlt und bekam eine neue Grundierung sowie einen neuen Deckanstrich.
Wie die meisten Stoffe dehnt sich Stahl bei einer Temperaturerhöhung aus. Ein Stahlstab verlängert sich pro Grad Celsius Temperaturerhöhung um 0.0012 %. Bei Temperaturunterschieden bis zu 50°C zwischen den heissesten Sommertagen und den kältesten Winternächten ist die Längenänderung des 164,1 m hohen Liftgestells beträchtlich, nämlich rund 10 cm. Da sich der Turm frei nach oben ausdehnen kann, ergeben sich daraus aber – anders als bei Eisenbahnschienen und Brücken – keine Probleme. Einzig die Türen aus Chromstahl können sich bei sehr hohen Temperaturen etwas verziehen.
Abb. 5: Das Gestell des Hammetschwand-Lifts
Schaden Gewitter oder Stürme dem Lift?
Angesichts der Exponiertheit der Anlage und der Stahlkonstruktion ist mit erhöhter Blitzgefahr zu rechnen (Abb. 6). Dennoch gab es bisher keine grösseren Schäden durch Blitzschlag. Der Lift besitzt eine Blitzschutzanlage mit Kupferbändern und Kupferdraht. Zudem ist das Gestell geerdet. Am anfälligsten sind die Kameras. Sie sind heute durch Überspannungsableiter geschützt. Davor störte manchmal schon Blitzschlag auf der Rigi die Videoübertragung.
Auch starker Wind ist kein Problem für das Liftgestell, denn es ist gut verankert und besitzt eine Fachwerkkonstruktion mit Strebenzügen und wenig Angriffsfläche für den Wind. Allerdings kann starker Wind ein Problem für die Seile darstellen, die nur teilweise geführt sind. Bei Sturm besteht die Gefahr der Seilentgleisung: Die Seile könnten aus den sechs Rillen, über die sie geführt sind, springen. Daher gibt es bei Windgeschwindigkeiten ab 30 km/h eine Windwarnung und ab 45 km/h oder Böen einen Windalarm, der zu einer Abschaltung des Lifts führt. Auf ein Hängekabel wie bei anderen Liften wurde beim Hammetschwand-Lift verzichtet, da dieses aufgrund seiner Länge bei Windbeanspruchung ungeeignet wäre (siehe oben).
Abb. 6: Gewitter nahe dem Bürgenberg mit dem exponierten, hier beleuchteten Hammetschwand-Lift