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Stellen wir uns kurz ein paar Szenen aus der Wiener Moderne vor: Die globale Dominanz Europas ist auf ihrem Höhepunkt, der Wettlauf um Afrika ist in vollem Gange. Wien ist Hauptsitz der österreichisch-ungarischen Monarchie und somit eine der wichtigsten Metropolen Europas. Die industrielle Revolution hat auch hier ein völlig neues Wirtschafts- und Sozialgefüge geschaffen. Es werden Parteien gegründet, die erste Welle der Sozialgesetzgebung bringt innerhalb kurzer Zeit grundlegende Verbesserungen für die Arbeiterschicht. Die gehobene Wiener Gesellschaft tratscht über den extravaganten Lebensstil der Kaiserin Elisabeth und den Selbstmord des Kronprinzen Rudolf. Doch das Ende der königlichen und kaiserlichen Monarchie zeichnet sich ab. Der Geist von Veränderung, Aufbruch und Avantgarde weht durch die Kaffeehäuser Wiens, in welchen sich Maler, Literaten und Denker treffen.
Dies nur ein paar Eindrücke. Eine unvorstellbare Reihe von Ereignissen mit unglaublichen Konsequenzen bildet also die Kulisse für das künstlerische und intellektuelle Schaffen dieser Zeit. Ausser Frage steht, dass in der Wiener Moderne eine intellektuelle und künstlerische Kultur entwickelt wurde, von der unendlich viele Impulse für das Wissen der Welt im 20. Jahrhundert ausgegangen sind. Prägend war natürlich die Entwicklung der Psychoanalyse durch Sigmund Freud. Prägend das Denken der Wiener Moderne über Architektur und Städtebau, über Sprache und Erkenntnis, prägend das Schaffen der bildenden Künstler, der Schriftsteller und Musiker.
Hermann Bahr, österreichischer Schriftsteller und Dramatiker und selbst Repräsentant der Wiener Moderne, hat die Zeit wie folgt charakterisiert: «Riegl war Wickhoffs Kollege an der Universität in Wien seit 1895, zur Zeit, da Hugo Wolf noch lebte, Burckhard das Burgtheater, Mahler die Oper erneuerte, Hofmannsthal und Schnitzler jung waren, Klimt reif wurde, die Secession begann, Otto Wagner seine Schule, Roller das malerische Theater, Olbricht, Hoffmann und Moser das österreichische Kunstgewerbe schufen, Adolf Loos eintraf, Arnold Schönberg aufstand, Reinhardt unbekannt in stillen Gassen Zukunft träumend ging, Kainz heimkam, Weininger in Flammen zerfiel, Ernst Mach seine popularwissenschaftlichen Vorlesungen hielt, Joseph Popper seine Fantasien eines Realisten und Chamberlain, vor der zerstreuenden Welt in unsere gelinde Stadt entflohen, hier die „Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ schrieb… Es muss damals in Wien ganz interessant gewesen sein.»
Ebenfalls interessant verspricht der Blick in die Schatzkammer des Kunsthauses Zug zu werden. Ich freue mich sehr, nun verschiedenste Werke aus dieser Zeit des Aufbruchs und des Unterganges hier versammelt bestaunen zu können und wünsche auch Ihnen allen einen spannenden und inspirierenden Besuch hier im Kunsthaus Zug.