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Humor: Zwei ehemalige Studentinnen der PH Luzern haben sich in ihren Bachelorarbeiten dem Thema Humor gewidmet. Im Interview geben sie Auskunft darüber, welche Bedeutung humorvolles Unterrichten tatsächlich hat.
Interview mit M. D.
Wie kam es dazu, dass Sie eine Bachelorarbeit zum Thema «Humor» in Angriff genommen haben? Hatten Sie vielleicht früher in Ihrer eigenen Schulbiografie «todernste» oder besonders humorvolle Lehrpersonen?
Der Entscheid fiel eher aufgrund persönlicher als schulbiografischer Erfahrungen. Ich wuchs in einer Familie auf, in der Lachen einen hohen Stellenwert hat. Sei es über Witze oder über sich selber, es gab nur wenige Tage, an denen nicht gelacht wurde. Da ich mich selbst folglich als humorvoll bezeichnen würde, wollte ich genauer wissen, inwiefern Humor von Schülerinnen und Schülern geschätzt wird.
Es gibt ja verschiedene Arten von Humor, Sie haben sich damit ausführlich in Ihrer Arbeit beschäftigt. Was würden Sie sagen, sollten Lehrpersonen unbedingt zum Thema «Einsatz von Humor im Unterricht» wissen?
In der aktuellen Forschung (Bieg & Dresel, 2016) werden folgende vier Humorformen unterschieden: lerngegenstandsbezogener Humor, Humor ohne Bezug zum Lerngegenstand, selbstabwertender Humor und aggressiver Humor. Lehrpersonen sollten wissen, dass Humor ein sehr komplexes, teils irritierendes Phänomen ist. Inwiefern ein Individuum Humor als angemessen empfindet und somit den Humor auch wertschätzt (und folglich Lachen oder eine ähnliche Reaktion zeigt), wird von verschiedenen Variablen beeinflusst. Eine pauschalisierte Aussage über eine allgemeine Humorwertschätzung aus Sicht der Schülerinnen und Schüler ist mit Vorsicht zu geniessen. Trotzdem kann ich Lehrpersonen empfehlen, Humor aufgrund der vielen positiven Einflüsse im Unterricht anzuwenden und dabei auf die lerngegenstandsbezogene Humorform zu fokussieren.
Menschen sind verschieden, nicht jede und jeder ist vermutlich humorvoll. Was kennzeichnet Personen, die Humor haben? Sind das diejenigen, die hervorragend Witze erzählen können oder diejenigen, die sich von lustigen Dingen sofort anstecken lassen, oder gar beides?
Gemäss Werner Wicki gibt es zwei Auffassungen von Humor: Humor als mündlich oder medial vermittelter Beitrag versus Humor als Eigenschaft von Personen. Innerhalb ersterer Auffassung kann weiter zwischen der Humorproduktion (das Präsentieren von Humor) und der Humorrezeption (der Wahrnehmung von Humor) unterschieden werden. Wie in der vorherigen Frage beschrieben, wird die Wahrnehmung und die damit verbundene Wertschätzung von Humor von verschiedenen Variablen beeinflusst. Ihre Frage nach den Kennzeichen einer «humorvollen» Person bezieht sich folglich eher auf das Konzept des «Sinns für Humor» und somit auf die zweite Auffassung als Eigenschaft von Personen. Laut Werner Wicki ist diese Fähigkeit unabhängig von der Humorproduktion wie auch – rezeption. Demzufolge wäre eine Person mit Sinn für Humor in einer belastenden Situation befähigt, sich von gegebenen Umständen, Gefühlen oder Verhältnissen zu distanzieren und diese zugleich ins Positive zu transferieren. Demnach kann Sinn für Humor im Prinzip als Bewältigungsstrategie angesehen werden.
Forschung und Entwicklung an pädagogischen Hochschulen sind vergleichsweise neue Arbeitsfelder. Sie haben Ihre Ausbildung mit einem Hochschulabschluss beendet, zu dem auch eine wissenschaftsgestützte Qualifikationsarbeit gehörte. Nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema «Humor» in Ihrer Bachelorarbeit: Wie sehen Sie heute den Mehrwert der
Auseinandersetzung mit Forschungsfragen und Forschungsmethoden für Sie als Lehrperson?
Meine Bachelorarbeit mit dem Thema «Humor» hat mir einen tieferen Einblick in die Thematik erlaubt. Ich kann nun besser nachvollziehen, weshalb Personen in meinem Alltag sowie auch meine Schülerinnen und Schüler im Unterricht auf die eine oder andere Art auf meine Humorproduktion reagieren. Dies ermöglicht mir nun, meine Humorproduktionen im Schulalltag angepasst einzusetzen, sodass die Klasse diese auch wertschätzt. Die Auseinandersetzung mit Forschungsfragen und Forschungsmethoden können für Lehrpersonen einen Mehrwert bedeuten. Ich sage bewusst können, denn das müssen sie nicht. Für das Lehren gibt es, wie ich es stets an der PH Luzern vermittelt erhalten habe, kein Rezept. Erfahrungen sammeln und reflektieren, Lehrer-Schüler-Beziehung, Führen und Leiten sind Eckpfeiler vom Lehren. Wissen kann dabei helfen.
Werner Wicki hat Sie bei der Bachelorarbeit begleitet.Hierzu zwei Fragen: 1. Gab es da ab und an auch etwas zu lachen? Und 2. Worin haben Sie in der Begleitung am meisten profitieren können bzw. Unterstützung erfahren?
Bereits als Dozent in den Vorlesungen habe ich Werner Wicki stets geschätzt. Er hat es geschafft, trotz seiner Expertise die Thematik Laien verständlich und nachvollziehbar zu erklären. Von dieser Fähigkeit profitierte ich auch während der Begleitung der Bachelorarbeit. Bei der Zusammenarbeit gab es natürlich ab und an mal etwas «zum Schmunzeln». Dennoch blieb es eine professionelle und sachliche Zusammenarbeit.
Sie haben ein Bachelorstudium hinter sich und unterrichten nun an einer Schule. Würden Sie rückblickend sagen, das Thema «Humor» hätte in den Modulen einen grösseren Stellenwert einnehmen sollen, und wenn ja, hätten Sie da vielleicht auch eine Idee, wie?
Auch wenn das Thema «Humor» für mich persönlich, im Privaten wie auch beim Unterrichten, einen grossen Stellenwert einnimmt, sehe ich nicht, dass es in den Modulen einen grösseren Stellenwert einnehmen sollte. Lehrpersonen, die gerne und oft Humorproduktionen im Unterricht verwenden, kann ich empfehlen, sich einmal näher mit der Thematik auseinanderzusetzen. Aber letztlich muss eine Lehrperson authentisch sein. Es ist daher nicht sinnvoll, Humorproduktionen zu verwenden, wenn dies nicht dem eigenen Naturell entspricht.
Interview mit Y. K.
Würden Ihre Bekannten und Freunde Sie als einen Menschen mit Humor bezeichnen? Lachen Sie viel und gerne?
Das würden meine Freunde definitiv. Ich bin wohl die Person im Freundeskreis, die wirklich immer und über alles lacht. Das wird sogar sehr geschätzt!
Was meinen Sie, wenn Sie jetzt an Ihre Schülerinnen und Schüler denken, würden die sagen: Klar, Frau K. hat Humor, wir haben es immer wieder mal lustig mit ihr?
Gerade kürzlich habe ich ein Feedback bezüglich meines Unterrichts eingeholt. Tatsächlich erwähnten drei Viertel meiner Schülerinnen und Schüler, dass sie es lieben, wie viel wir gemeinsam lachen können und wie viel Spass Schule doch machen kann, wenn eine Lehrperson auch mal mitlacht.
Ich frage deshalb nach «Humor», weil Sie dieses Thema in ihrer Bachelorarbeit bearbeitet haben. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie dieses Thema gewählt haben? Oder haben Sie es vielleicht gar nicht selber gewählt?
Meine beste Freundin und ich haben die Arbeit zusammen geschrieben. Das war das perfekte Thema für uns, da wir das Leben ohne Humor einfach so langweilig finden würden. Deshalb war es für uns spannend herauszufinden, ob Kinder das denn auch schätzen würden bei der Lehrperson. Sprich: ob wir so bleiben dürfen, wie wir sind 🙂
Wenn Sie an Ihre Bachelorarbeit zum Thema «Humor bei Lehrpersonen» zurückdenken, was würden Sie sagen, waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Die Quintessenz aus der Arbeit ist, dass der aggressive Humor, bei dem irgendjemand verletzt wird, überhaupt nicht geschätzt wird. Das war auch unsere These. Wir haben sehr gestaunt, dass der selbstbezogene Humor nicht besser ankommt. Am wichtigsten ist den Kindern, dass man auch mal über die Schule lacht.
Werner Wicki hat Sie bei der Bachelorarbeit begleitet. Hierzu zwei Fragen: 1. Gab es da ab und an auch etwas zu lachen? Und 2. Worin haben Sie in der Begleitung durch Herrn Wicki am meisten profitieren können bzw. Unterstützung erfahren?
1. Am Anfang konnten wir Herrn Wicki gar nicht einschätzen. Mit der Zeit verstanden wir dann seinen «trockenen Humor» und konnten zwischendurch auch mal mit ihm lachen. Das Tollste war, wenn er von seiner kleinen Tochter erzählt hat. Da mussten wir immer lachen!
2. Da Herr Wicki selbst schon sehr viel in diesem Bereich geforscht und auch selbst Arbeiten darüber verfasst hat, konnten wir sein Wissen unglaublich gut nützen. Er hat an alles gedacht und gab uns jegliche Literatur, die er hatte.
Sie haben ein Bachelorstudium hinter sich und unterrichten nun an einer Schule. Würden Sie rückblickend sagen, das Thema «Humor» hätte in den Modulen einen grösseren Stellenwert einnehmen sollen, und wenn ja, hätten Sie da vielleicht auch eine Idee, wie?
Viel intensiver muss das Thema wahrscheinlich nicht behandelt werden. Ich denke, dass es humorvolle Personen gibt, die gar nicht anders können, als ihren Humor in den Unterricht einzubauen. Andererseits gibt es eben auch solche, die ihren Humor besser zu Hause lassen 🙂