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Ursula Corbin hat eine Organisation ins Leben gerufen, welche Brieffreundschaften mit Häftlingen in US-amerikanischen Gefängnissen vermittelt. Corbin selbst korrespondierte bisher mit sieben Häftlingen, zwei von ihnen wurden in den letzten Jahren hingerichtet. Wir begleiten sie während eines Besuches in der texanischen Hochsicherheitsanstalt Polunsky Unit in Livingston und verfolgen das Engagement einer viel gereisten und lebenserfahrenen Geschäftsfrau und Mutter, die unermüdlich mit Briefen, Besuchen, kleinen Geldbeträgen und Geschenken die Lebensumstände der Häftlinge zu verbessern versucht. Das Augenmerk des Films richtet sich auf den aktuellen Briefwechsel mit Steven Moody, der wegen Mordes verurteilt wurde und in Isolationshaft auf seine Hinrichtung wartet.
Zusammen mit Amnesty International setzte sich Corbin jahrelang vergeblich für Änderungen im amerikanischen Strafvollzug ein; heute gibt sie sich damit zufrieden, dass die Betroffenen durch sie etwas Menschlichkeit spüren können. Gleichzeitig ist es ihr ein Anliegen, in der Öffentlichkeit den Diskurs über die Problematik der Todesstrafe aufrechtzuerhalten.
Lyssy und Rub geht es nun nicht darum, den Fall Moody kriminalistisch aufzuarbeiten oder die – auf zweifelhafte Zeugenaussagen beruhende – Inhaftierung in Frage zu stellen. Stattdessen werden Moodys Lebensumstände beschrieben und an seinem Beispiel Ungereimtheiten innerhalb des US-Justizsystems sowie die harten Haftbedingungen kritisch hinterfragt.
Wenn ein spannender Dokumentarfilm aus Beiträgen von bestenfalls eloquenten Personen besteht, die etwas Relevantes zu einer Geschichte beitragen können, dann liegt die Schwäche von Schreiben gegen den Tod in der begrenzten Auswahl der interviewten Personen. Der für das Sendegefäss DOK des Schweizer Fernsehens produzierte Film konzentriert sich auf seine Protagonistin, aber von den Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld erfahren wir nicht viel mehr, als dass sie Corbins Ansichten über die Todesstrafe teilen und ihr Engagement unterstützen. An einigen Stellen fühlt man sich als ZuschauerIn zu einseitig und unpointiert informiert, beispielsweise während des Gesprächs mit Moodys Mutter, das hauptsächlich aus Phrasen und Wehklagen über ihre eigene Gesundheit besteht. Die Aufnahmen von Corbins alltäglichen Verrichtungen erscheinen eher wie Verlegenheitslösungen und sind vielfach von inhaltlich unmotivierten Kameraund Zoombewegungen geprägt.
Schreiben gegen den Tod löst durchaus Gedanken aus über die Selbstverständlichkeiten des eigenen Lebens in der Freiheit, ist aber leider nicht mehr als eine durchschnittliche TV-Reportage, die zwischen gut gemeintem Engagement und Gemeinplätzen schwankt.