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13. September bis 11. Oktober 2009
Lorenz Renate___Salomania
Salomania rekonstruiert einen Tanz: Den „Tanz der Sieben Schleier“ aus dem Stummfilm „Salom“ von Alla Nazimova aus dem Jahr 1923. Gezeigt und geprobt werden auch Ausschnitte aus „Valda‘s Solo“, das die Choreographin und Filmemacherin Yvonne Rainer 1973 entwarf, nachdem sie Nazimovas Film gesehen hatte. Die Installation beschäftigt sich mit Salome als einer Transgender-Figur und mit dem Motiv einer queeren Aneignung des Exotischen. Performer_innen sind Wu Ingrid Tsang und Yvonne Rainer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine Welle der Begeisterung für die Figur der Salome, die bald den Namen „Salomania“ erhielt. Frauen trafen sich und imitierten den Tanz der Sieben Schleier. Eine Reihe von Tänzerinnen wurde mit Darstellungen der Salome berühmt. Die Figur der Salome stand für unternehmerische Unabhängigkeit und sexuelle Freiheit und wurde zudem zu einer Ikone „sodomitischer“ Subjektivität. Das Skript des Stummfilms „Salom“ basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Oscar Wilde und folgt der biblischen Geschichte der jüdischen Prinzessin Salome. König Herodes begehrt seine jugendliche Stieftochter Salome. Sie wiederum interessiert sich für den Missionar, Johannes (den Täufer), der sie jedoch zurückweist. Sie entspricht dem Wunsch des Herodes, für ihn zu tanzen, und fordert als Lohn den Kopf des Johannes, der ihr auf einem Tablett präsentiert wird. Sie küsst den abgeschlagenen Kopf.
Die Installation „Salomania“ greift Motive des Stummfilms wie die Choreographie der Blicke, das aktive Begehren von Salome und die Figur des Schleiers auf. Aber auch Elemente des Art Deco, die der Film zelebriert: Dieses vorherrschende Design der 20er und 30er Jahre verwendete moderne Werkstoffe und Bilder technologischen Fortschritts. Warum mischte es sie jedoch mit Materialien und Bildern des „Orientalischen“ wie Straussenfedern oder Palmen? Während die entstehenden Bilder des „Fernen“ und des Technologischen als Teil kolonialer Politiken betrachtet werden können, die BetrachterInnen mit der „Fremdheit“ der Kolonien weiter bekannt machen und koloniale Vorherrschaft rechtfertigen sollen, wurden sie im Film „Salom“ zugleich transformiert. Sie sind hier als Bilder etabliert, die weibliche, queere oder Transgender-Phantasien erlauben: ein Raum zwischen den Geschlechtern und zwischen Orient und Okzident erscheint möglich.
Informationen zum Film
Filmmaterial: HD-Video, 17′, Loop
Performer: Yvonne Rainer, Wu Ingrid Tsang
Kamera: Michelle Lawier
Sound: Karin Michalski
Licht: Jennifer D’Urso
Sound Design: Rashad Becker
Drehort: Los Angeles