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1934 soll die Geburtsstunde des Bloody Mary geschlagen haben - im New Yorker St.-Regis-Hotel. Mit Betonung auf «soll». Denn ganz so klar ist das nicht. Andere behaupten, der Bloody Mary wurde erstmals 1921 getrunken. So oder so. Um den Drink ranken sich viele Mythen. «Das ist auch nicht weiter verwunderlich», erklärt Cocktail-Experte Thierry Dunkel, 35, von der Zürcher Barfachschule Kaltenbach gegenüber SI online. «Wo viel getrunken wird, wird auch viel erzählt. So entstehen Geschichten. Und darum ist es auch beim Bloody Mary so schwierig zu sagen, wie alt er wirklich ist.»
Und woher kommt der Name? Auch hier sind wir in einer Sackgasse. Es kursieren drei Versionen.
- Der Name Bloody Mary reicht ins 16. Jahrhundert zurück. Maria I., Königin von England zwischen 1553 und 1558, trug den Übernamen Bloody Mary. Ihr Kampf als bekennende Katholikin gegen die Protestanten des Landes endete blutig. Thierry Dunkel: «Es ist allerdings unklar, wie es dazu kam, einen Drink aus Tomatensaft und Wodka nach einer Königin zu benennen, die 400 Jahre zuvor an der Macht war.»
- Es wird sich auch die Geschichte einer jungen Frau namens Mary erzählt. Sie war sehr krank, woran sie litt, ist nicht bekannt. «Als sie starb, legte ihr Vater eine Klingel in den Sarg. Damit sie sich jederzeit melden kann», so der Experte. Das soll sich im 19. Jahrhundert ereignet haben. Aber auch hier gebe es das Problem, was der Mensch Mary mit dem Drink Mary zu tun hat.
- Die dritte Geschichte: In einer Bar in den USA arbeitete einst eine Kellnerin namens Mary. Sie bekam den Spitznamen Bloody Mary. «Bloody meint hier nicht blutig, sondern verdammt und wird als Steigerungsform benutzt.»
Geheimnisvoll klingt die Version des kranken Mädchens Mary, blutrünstig die der Königin Mary, am wahrscheinlichsten die letzte. Was stimmt? Man weiss es nicht.
Aber: Heute kennt jeder den Bloody Mary - selbst Leute (wie die Schreibende), die noch nie Bekanntschaft mit ihm gemacht haben. Warum das? Dunkel sieht den Grund in seiner Hauptzutat, dem Tomatensaft. Und daran, dass Flugpassagiere auf Tomatensaft abfahren - egal ob mit oder ohne Hochprozentigem. In der Höhe sinke beim Mensch das Aroma-Empfinden. Tomatensaft aber lasse sich so stark würzen, dass er auch auf 10'000 Metern über Meer den Gaumen kitzelt.
Der Bloody Mary sei ein zeitloser Drink, werde von jedem Geschlecht jeden Alters getrunken, meint der Experte. Nur zum Einschlafen eigne er sich wegen seiner aufputschenden Wirkung nicht. «Kein Wunder setzen viele den Bloody Mary auch mit einem Hangover-Drink am Morgen danach gleich.» Warum? «Er enthält viele Mineralien, die der Körper nach einer durchzechten Nacht braucht.» Dass seine wichtigste Zutat neben dem Tomatensaft natürlich auch Alkohol ist und der nicht unbedingt nochmal fliessen muss, lassen wir mal beiseite. Für die Kopfschmerzen am Morgen danach helfen übrigens - wen überraschts - Kopfschmerztabletten.
Apropos Alkohol. Was gehört in einen traditionellen Bloody Mary? Wodka. Es habe auch eine Version mit Gin gegeben, «da hiess der Bloody Mary allerdings noch Red Snapper». Thierry Dunkels Grundrezept:
- 5cl Wodka
- 15cl Tomatensaft, am besten aus frischen, geschmackvollen Tomaten aus dem eigenen Garten
- Pfeffer und Salz
- nach Belieben ein Schuss Tabasco
- Worcestershiresauce
- eine Stange Sellerie zur Dekoration, Sellerie-Salz oder Selleriebitter
- ein Spritzer Zitronensaft
Zum Abrunden empfiehlt er einen Schuss trockenen Sherry.
Na dann, Prost! Und Happy Birthday, Bloody Mary - eines Tages werden auch wir Bekanntschaft machen. Vielleicht.