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Umweltbewegungen und bewegte Bilder: Die Besetzung des AKW-Baugeländes in Kaiseraugst 1975
Technologischer Fortschrittsglaube und wirtschaftliches Wachstum führten im 20. Jahrhundert zu einer akuten Gefährdung der Natur. Als besonders belastet erwiesen sich die natürlichen Ressourcen Wasser, Boden und Luft. Es entwickelte sich ein Bewusstsein um die negativen Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur. Natur- und Heimatschutzorganisationen, individuell Betroffene, ab den späten 1960er Jahren auch unterschiedliche ökologische Bewegungen bekämpfen den sorglosen Umgang mit der Natur. Infrastrukturbauten wie Wasserkraftwerke, Staumauern, später Autobahnen oder Kernkraftwerke wurden im öffentlichen und politischen Diskurs problematisiert.
Eine wichtige Rolle spielten dabei Bilder, Filme und Videos. Sie repräsentierten erhaltenswerte Zustände, sie visualisierten geplante Bauten und die damit verbundenen Eingriffe in die Natur oder sie hielten bereits erfolgte Zerstörungen fest. Das Narrativ einer gefährdeten Natur prägte nicht nur Umweltbewegungen, sondern wesentlich auch die mediale Berichterstattung über sie.
1975 erregte die Besetzung des Baugeländes des geplanten Kernkraftwerks Kaiseraugst grosses Aufsehen. Die für die Schweiz neue Protestform wurde von verschiedenen ökologischen und politischen Bewegungen getragen und erfuhr grossen Rückhalt in der Bevölkerung. Die Besetzung als Akt des zivilen Ungehorsams lieferte den Medien attraktives Bildmaterial. Das Schweizer Fernsehen berichtete regelmässig. Amateurfilmer aus den Bewegungen dokumentierten ausführlich den Aufbau eines Hüttendorfs und die alltäglichen Aktivitäten auf dem Gelände. Auch der Neue Schweizer Film beschäftigte sich mit dem Thema: 1975 entsteht «Kaiseraugst» des Filmkollektivs Zürich.
Das Referat fragt nach Inhalt, Ausrichtung und Wirkung dieser Filme und TV-Beiträge. Von Interesse ist insbesondere, ob und wie Bewegt-Bild-Dokumente auf Ereignisse, denen sie in unterschiedlichem Ausmass zu medialer Resonanz verhalfen, zurückwirkten.