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In den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts war die Region um den Lago Maggiore (östliches und westliches Ufer) eine bei Touristen beliebte Gegend. Unternehmer, Hoteliers und soziale Institutionen bauten Dutzende von Hotels und Ferienkolonien. Die Höhenlage (800 Meter), die reine Luft, die ausgedehnten Wälder erwiesen sich als Vorteile für Menschen, die unter der Hitze in der Po-Ebene litten. Die Hotels wurden von solventen Gästen besucht, denen man sogar eine Tiefgarage zur Verfügung stellten; während des Zweiten Weltkriegs waren es auch Nationalsozialisten, die Besetzer Oberitaliens, die sich so oft hier aufhielten, dass kaum noch ein Zimmer zu bekommen war. Die Kolonien empfingen Kinder, die gesundheitlich angeschlagen waren, oder, nach dem Ersten Weltkrieg, die ihre Eltern verloren hatten. Nach 1945 allerdings änderte sich das Ferienverhalten: Die Leute zogen jetzt die Fahrt ans Meer einem Aufenthalt in den Hügeln um den Lago Maggiore vor. Hotels und Kolonien mussten schliessen und wurden dem Verfall überlassen. Es fehlte nun an Geld und an Interesse, die Gebäude zu restaurieren oder abzureissen. Heute sind diese Gebäude „luoghi fantasma“, „lost places“, aufgesucht und fotografiert von Liebhabern des Verfalls, des Morbiden, des Skurrilen oder ganz einfach des Abenteuers. Wer einen solchen Ort kennt, hält ihn geheim, sind doch die Erforscher der lost places eine sehr verschwiegene Gemeinschaft. Manchmal bekommt man im Austausch eine Ortangabe, ebenso oft kommt es aber vor, dass man abgewiesen wird. Dann bleibt einem nichts anderes, als aus winzigen Hinweisen eine Suche zu starten, die nicht immer von Erfolg gekrönt ist.
Auf der diesjährigen Stollentour haben wir zuerst das Albergo P. in der Valganna besucht. Erbaut in den 1920er Jahren, verfügte über 70 Zimmer und über einen Esssaal für 200 Personen. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste es schliessen und diente als Munitionsdepot. Das Gebäude beeindruckt, auch wenn alle Einrichtungsgegenstände fehlen.