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Nachdem die Fahrer der verschiedenen Kader im Winter unter meist optimalen Bedingungen trainieren konnten und im Hinblick auf die Titelkämpfe auf einem guten Weg waren, kamen Mitte März der Lockdown und die bekannten Folgen mit Einschränkungen im Training und Turnierabsagen, die den Fahrsport als Teamdisziplin besonders hart getroffen haben.
Zwar zeichnete sich dann ab Juni wieder eine gewisse Normalisierung ab, dennoch fanden viele Wettkämpfe nicht statt, da die Veranstalter das Risiko und die finanziellen Folgen scheuten. Für die Spitzenfahrer drängte sich insbesondere die Frage auf: Was bedeutet die Pandemielage für die internationalen Titelkämpfe, die für 2020 geplant waren?
Bereits früh kommunizierten die Organisatoren der Einspänner-Weltmeisterschaft im französischen Pau, dass die Wettkämpfe Ende Oktober 2020 stattfinden sollten, und die Ausschreibung wurde im Juli publiziert. Bei den Vierspännern wurden die Titelkämpfe zuerst abgesagt, aber dann sprang ein anderes Organisationskomitee um den australischen Spitzenfahrer Boyd Exell in die Bresche. Dennoch musste der Event, der vom 7. bis 11. Oktober 2020 in Valkenswaard (NED) hätte stattfinden sollen und für den Jérôme Voutaz als Schweizer Einzelfahrer selektioniert worden war, in allerletzter Minute abgesagt werden. Obwohl die Organisatoren ein umfangreiches Schutzkonzept ausgearbeitet hatten und eigentlich alle Bewilligungen vorlagen, entschied die Regierung eine Woche vor der Austragung, dass das Turnier nicht stattfinden dürfe. Die Enttäuschung aller Beteiligten war enorm, schliesslich hatten sie aufwendige Vorbereitungen auf sich genommen, um diese Weltmeisterschaften austragen zu können.
Jérôme Voutaz nutzte die Möglichkeit auch, sich am Sichtungstag auf die WM vorzubereiten. Er und seine Freiberger waren bereit für die WM, die dann eine Woche vor der Austragung von der niederländischen Regierung verunmöglicht wurde. | © Claudia Spitz
Sichtungstag
Nachdem der Entscheid gefällt worden war, die Weltmeisterschaften zu beschicken, wurden die Ein- und die Vierspänner zu einem Sichtungstag nach Bern aufgeboten. Dort ging es darum, festzustellen, in welchen Bereichen die Fahrer noch arbeiten müssen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Dressur. Drei Richter benoteten jeden einzelnen Fahrer, darunter auch die internationale Richterin Zsuzsanna Mihok aus Ungarn. Das gefahrene Programm wurde mit jedem einzelnen Fahrer besprochen, sodass sie danach zu Hause gezielt weitertrainieren konnten.
Eine Strategie, die sich auszahlte! An der Schweizermeisterschaft Anfang September waren einige sehr schöne Programme zu sehen, die bewiesen hatten, dass doch einiges umgesetzt werden konnte.
So wurden Michaël Barbey, Mario Gandolfo, Stefan Ulrich und Erika Bernhard für das Championat selektioniert.
Ausgangslage ändert sich
Praktisch zeitgleich mit der definitiven Selektion für die Weltmeisterschaften verhängte die Schweiz gegen diverse Regionen in Frankreich eine Quarantäneregelung bei der Rückreise. Darunter fällt auch die Region um Pau in Südfrankreich.
Sportlerinnen und Sportler, die im Ausland an Wettkämpfen teilnehmen, können von den kantonalen Behörden zwar von der Quarantänepflicht ausgenommen werden, doch bleibt abzuklären, welche Vorgaben gelten, und wo wer zuständig ist. Allerdings kann niemand voraussagen, wie und wann sich die Regeln wieder ändern.
Für die Fahrerinnen und Fahrer, ihre Grooms wie auch für die Teamleitung ist es eine völlig neue Situation mit speziellen Herausforderungen. Dies bestätigt auch Marco Bryner, Kaderverantwortlicher und Veterinär für die Einspänner: «Wir haben uns bestmöglich vorbereitet und hoffen, dass die Weltmeisterschaft durchgeführt wird. Die Planung ist sehr schwierig - man weiss nie, was wann gilt. Aber ich freue mich trotzdem auf diese Titelkämpfe!»
Für die Fahrer war die Situation auch nicht einfach, aber bereits am Sichtungsturnier konnte man sehen, dass sie voll motiviert waren und viel trainiert hatten. Dazu Stefan Ulrich: «Wir haben so gearbeitet wie immer und sind positiv geblieben. Während der Turnierpause haben wir viel Basisarbeit gemacht. Danach haben wir im Hinblick auf die Vorbereitungsturniere das Training wieder intensiviert. Wir hoffen, dass diese Weltmeisterschaft stattfindet und freuen uns auf die Reise nach Südfrankreich.»
Auch für Thomas Scherrer, der das Team als Fachverantwortlicher/Trainer begleitet, war das Jahr speziell, denn es gab aufgrund der ausgefallenen Vorbereitungswettkämpfe kaum Möglichkeiten, zu sehen, wo die einzelnen Nationen und Fahrer stehen. Je nach Vorgaben in den einzelnen Ländern waren die Trainingsmöglichkeiten der Fahrerinnen und Fahrer, anders als in der Schweiz, bis in den Sommer stark eingeschränkt. Thomas Scherrer macht sich auch Gedanken zur aktuellen Situation: «Natürlich freuen wir uns auf diese Titelkämpfe, und die Fahrer sind sehr gut vorbereitet, aber wir müssen uns bewusst sein, dass wir in einer Ausnahmesituation sind. Darum ist es wichtig, dass sich alle an die Schutzkonzepte halten und niemand ein Risiko eingeht. Ich bin mir sicher, dass wir spannenden und guten Sport erleben werden.»
Die Vorbereitungen auf diese Titelkämpfe werden nun normal weitergeführt - natürlich in der Hoffnung, dass die Wettkämpfe auch stattfinden und dass alle Teilnehmenden ihre beste Leistung abrufen können und gesund wieder nach Hause zurückkehren werden.
Claudia Spitz