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Die Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt ist eng mit der Mutterschaft und mit der Frage der Strukturen zur Kinderbetreuung verbunden. Eine von Pro Familia Schweiz in Auftrag gegebene Studie veranschaulicht in Zahlen den Zusammenhang zwischen der Erwerbsquote von Müttern und dem Kinderbetreuungsangebot und macht Vorschläge zu dessen Verbesserung.
Ausgehend von einer Kostenanalyse und diversen Interviews mit Vertretern von Schlüsselverbänden aller Landesteile schlägt eine neue dreiteilige Studie von Pro Familia (2019) ein neues Finanzierungsmodell für die familienexterne Kinderbetreuung vor, das auf positiven Anreizen für berufstätige Eltern und die frühkindliche Förderung basiert. Die Ausführungen dieses Artikels konzentrieren sich auf die Kostenanalyse, die von der Universität Neuenburg verfasst wurde und sich mit zwei zentralen familienpolitischen Themen befasst: den Erwerbsunterbrüchen von Frauen nach der Geburt eines Kindes und den Beweggründen, die Mütter dazu bewegen, erwerbstätig zu sein oder zu Hause zu bleiben.
Karriereunterbrüche im Fokus Die Folgen von Karrierepausen auf die Löhne der Frauen wurden in zahlreichen Studien im Ausland untersucht. Bei Frauen, die ihre Arbeit unterbrechen oder ihre Erwerbsquote senken, zeigt sich eine Verlangsamung des Lohnanstiegs und eine Schwächung der Berufserfahrung. Seltsamerweise wurde in der Schweiz bisher keine Studie zu diesem Thema durchgeführt. Die hier vorgestellte Untersuchung schliesst diese Lücke.
Die langen Berufsunterbrüche in der Schweiz sind überraschend: Frauen, die ihre Karriere unterbrechen, tun dies durchschnittlich für 9,2 Jahre – bei Frauen mit Hochschulabschluss beträgt die Pause durchschnittlich 6,7 Jahre; bei Frauen ohne Ausbildung 12,1 Jahre. Frauen mit tertiärem Bildungsabschluss unterbrechen ihre Karriere weniger häufig (38 Prozent gegenüber einem Durchschnitt von 50 Prozent aller Frauen). Die Dauer der Unterbrechung hängt auch von der Anzahl der Kinder ab. So nehmen Mütter eines einzigen Kindes durchschnittlich 4,9 Jahre nach dem Verlassen des Arbeitsmarktes ihre Tätigkeit wieder auf.
Die Datenanalyse des schweizerischen Haushaltspanels (Umfrage aus dem Jahr 2014 und retrospektive Daten aus dem Jahr 2013) ermöglichte es, den Verdienstausfall – aufgrund von Karrierepausen – zu schätzen. Paradoxerweise scheinen Lohneinbussen hauptsächlich Frauen zu treffen, die über einen Hochschulabschluss verfügen. Für Hochschulabsolventinnen beträgt die Lohneinbusse 3,2 Prozent pro Unterbrechungsjahr bzw. 21,7 Prozent für die gesamte Unterbrechungsdauer. Bei einer 25-jährigen Karriere entspricht dies rund einer halben Million Franken. Daraus ergibt sich für die Volkswirtschaft eine Produktions- und Einkommenseinbusse von rund 800 Mio. Franken im Jahr. Dieser Verlust könnte jedoch durch ein verbessertes Kinderbetreuungsangebot ausserhalb der Familie weitgehend vermieden werden.
Mehr Kinderbetreuungsplätze zur Erhöhung der FrauenErwerbsquote Ein zentrales Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen den Kinderbetreuungskosten beziehungsweise der Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen und der beruflichen Tätigkeit von Müttern zu messen. Die Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (BFS SILC) eignet sich am besten für die Beantwortung dieser Art von Fragen. Sie umfasst allgemeine Fragen zu den sozioökonomischen Merkmalen der Bevölkerung sowie spezifische Fragen zur externen Kinderbetreuung, zur Art und Dauer der Kinderbetreuung und zu den Ausgaben der Familien. Die Analyse der Universität Neuenburg konzentrierte sich ausschliesslich auf Kindertagesstätten, da die SILC-Daten es nicht ermöglichen, andere Betreuungsmethoden zu analysieren. Die Neuenburger Forscher haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen und der Erwerbsquote von Müttern festgestellt. Kurz gesagt: Eine Politik, die den Zugang der Familien zu Kinderbetreuungsplätzen fördert, erlaubt es den Müttern von Vorschulkindern, ihre Erwerbsquote zu erhöhen.
Interessanterweise haben die Kosten und das Angebot unterschiedliche Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit der Mütter: Während eine Senkung der Kinderbetreuungskosten um zehn Prozent lediglich zu einer Erhöhung der Erwerbstätigkeit derjenigen Mütter führen würde, die bereits berufstätig sind, bewirkt ein Anstieg der verfügbaren Plätze um zehn Prozent einen Anstieg der Erwerbsquote aller Mütter um sechs Prozent. Offenbar hat die Erhöhung des Kinderbetreuungsangebots einen grösseren Einfluss auf die mütterliche Erwerbsquote als die Senkung der Betreuungstarife.
Eine Erhöhung des Angebots an Kinderbetreuungsplätzen um 30 Prozent würde Müttern von Vorschulkindern eine durchschnittliche Erwerbsquote von etwas mehr als 70 Prozent ermöglichen. Dies ist ein wichtiges Resultat, da eine Erwerbsquote von durchschnittlich 70 Prozent über die gesamte Laufbahn hinweg ihr Armutsrisiko im Ruhestand deutlich reduzieren würde.
Verbesserung der externen Kinderbetreuung: Finanzielle Folgen Die Universität Neuenburg hat zwei Möglichkeiten zur Verbesserung der externen Kinderbetreuung untersucht: zum einen die Senkung der von den Familien getragenen Kinderbetreuungskosten, zum anderen eine Erhöhung der Krippenplätze. Die erste Option wäre mit hohen Kosten für die öffentliche Hand verbunden. Im Falle einer 50-prozentigen Tarifsenkung würden mehr als eine Milliarde Franken pro Jahr an Kosten anfallen – darunter 550 Millionen zum Ausgleich der Tarifsenkungen für Eltern und etwas mehr als 450 Millionen für die Beteiligung der öffentlichen Hand an den Betriebskosten der 24 800 neuen Plätze. Die Steuereinnahmen, die durch die Zunahme der Berufstätigkeit der Mütter erzielt würden, könnten nur etwa ein Viertel der Ausgaben der öffentlichen Hand decken.
Die von den Studienautoren bevorzugte zweite Variante – die Erhöhung des Angebots ohne Tarifanpassungen (vgl. auch befristetes Impulsprogramm für die familienergänzende Kinderbetreuung) – würde die gleichen Ergebnisse wie die erste erzielen, jedoch ohne negative Folgen für die öffentlichen Finanzen. So würde ein um 30 Prozent erhöhtes Angebot (+18 000 Krippenplätze) zu zusätzlichen Betriebskosten von rund 500 Mio. Franken im Jahr führen, von denen ein Drittel (166 Millionen) von der öffentlichen Hand getragen würde. Somit würden die höheren Steuereinnahmen von rund 250 Mio. Franken, die sich durch die Zunahme der beruflichen Tätigkeit der Mütter generieren liessen, die Ausgaben der öffentlichen Hand übersteigen.
Die Studie wurde von Pro Familia Schweiz – in Zusammenarbeit mit den Universitäten Neuenburg und Freiburg – sowie mit der Beteiligung der Fédération des Entreprises Romandes Genève FER, Avenir Suisse, dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund, Artias und dem Schweizerischen Kaderverband SKV durchgeführt. Für die familienpolitische Literatur bringt diese Studie einen klaren Mehrwert, da sie bisher nicht vorhandene Daten sowie eine interdisziplinäre (vor allem soziale und ökonomische) Sichtweise auf dieses Fachgebiet liefert.
- Literatur
- Pro Familia Schweiz (2019): Étudier un nouveau mode de financement des structures d’accueil basé sur les incitations à exercer une activité (nur Französisch), [Bern: Pro Familia Suisse].