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Riesengürteltier
Priodontes maximus
© 1995 Markus Kappeler
(erschienen in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Die mit den Ameisenbären und Faultieren verwandten Gürteltiere gehören zweifellos zu den absonderlichsten Säugetieren unseres Planeten: Anstelle eines Haarkleids tragen sie auf ihrer Oberseite einen schildkrötenartigen Hautknochenpanzer. Anders als bei den Schildkröten ist er aber nicht starr, sondern wird in der Körpermitte durch mehrere querliegende Hautfalten in einzelne «Gürtel» gegliedert und besitzt daher eine gewisse Beweglichkeit.
Mit einer Körperlänge von bis zu einem Meter und einem Gewicht von bis zu 60 Kilogramm ist das Riesengürteltier (Priodontes maximus)
das weitaus grösste Mitglied der zwanzig Arten umfassenden Gürteltierfamilie. An seinen beiden Händen besitzt es je eine mächtige, sichelförmig gekrümmte Kralle, deren Länge bis zu 20 Zentimeter misst - das ist Grössenrekord im ganzen Tierreich. Sie dienen dem Riesengürteltier zum Aufbrechen von Termitenhügeln und Ameisennestern, von deren Bewohnern es sich hauptsächlich ernährt. Ausserdem eignen sich die Krallen gut zum Graben von Wohnhöhlen, in denen sich das gepanzerte Tier tagsüber aufhält. Und schliesslich kann das Riesengürteltier seine massiven Vorderkrallen in Notwehr als gefährliche Waffen gegenüber etwaigen Angreifern einsetzen: Fühlt es sich in die Enge getrieben, so erhebt es sich auf seine Hinterbeine, lehnt sich auf seinem muskulösen Schwanz zurück und schlägt mit seinen Krallen auf den Feind ein.
Über die Lebensweise des Riesengürteltiers ist erst wenig bekannt. Soweit wir wissen, führt es ausserhalb der Fortpflanzungszeit ein einzelgängerisches Leben und ist im allgemeinen nur nachts unterwegs. Es scheint im übrigen ein «Gewohnheitstier» zu sein, das sich möglichst sein ganzes Erwachsenenleben lang in einem klar begrenzten Wohngebiet aufhält, in welchem es sich gut auskennt und regelmässig dieselben Wechsel benützt.
Auf seinen nächtlichen Fresswanderungen verlässt sich das Riesengürteltier in erster Linie auf seine empfindliche Nase. Nach Art der Schweine schnüffelt es mit gesenktem Kopf den Boden nach Beutetieren ab. Kennzeichnend ist dabei die ständig wechselnde Richtung seiner mässig schnellen Gangart.
Um seine kleingewachsenen Beutetiere zu fangen und in den Mund zu befördern, verfügt das Riesengürteltier über eine ungewöhnlich lange, wurmförmige Zunge, die mit reichlich klebrigem Speichel überzogen ist und an der die kleinen Insekten wie an einer Leimrute festkleben.
Seine mit harten Chitinpanzern ausgerüstete Insektennahrung zerkaut das Riesengürteltier anschliessend nicht im Mund. Zwar besitzt es ungefähr hundert Zähne, doch sind diese stark degeneriert. Ihre Aufgabe übernimmt ein mit verhornten Wänden ausgestatteter «Muskelmagen».
Die Heimat des Riesengürteltiers sind die weiten, mit viel Gebüsch und lichten Waldungen durchsetzten Grasländer des nördlichen und zentralen Südamerikas östlich der Anden - zwischen Venezuela im Norden und Nordostargentinien im Süden. Die genaue Verbreitung des gepanzerten Säugers ist wegen seiner heimlichen Lebensweise allerdings schwierig festzustellen.
Unzweifelhaft gehen die Bestände des Riesengürteltiers jedoch vielerorts rasch zurück. Als Hauptgrund dafür ist die Bejagung durch den Menschen zu nennen: Das Fleisch kommt in den Kochtopf, aus dem Panzer lassen sich Gefässe und Taschen fertigen, und die grossen Vorderkrallen sind als Halsschmuck beliebt. Da die Bevölkerung Südamerikas stetig anwächst und immer mehr Land für Ackerbau und Viehzucht erschliesst, geraten leider zunehmend auch die Riesengürteltierbestände in den abgelegeneren Gegenden unter Druck.
Zwar sind die Bejagung, der Fang und die Ausfuhr des Riesenguerteltiers heute in den meisten Ländern Südamerikas gesetzlich verboten. Weil das Geld fehlt, ist der Vollzug der Jagd- und Naturschutzgesetze jedoch vielerorts ungenügend. Auch die Bewachung der südamerikanischen Schutzgebiete ist oft mangelhaft, weshalb das Vorkommen des Riesengürteltiers in verschiedenen Reservaten und Nationalparks - so etwa im riesenhaften Defensores-del-Chaco-Nationalpark in Paraguay - nur beschränkten Schutz bietet.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat nun eine Spezialistengruppe damit beauftragt, die aktuelle Situation des Riesengürteltiers zu erfassen und geeignete Schutzprogramme zu erarbeiten. Auf diesem Weg wird es hoffentlich gelingen, den Fortbestand dieser aussergewöhnlichen Tierart noch beizeiten zu sichern.
Riesengürteltier
Priodontes maximus
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Nebengelenktiere
Familie: Gürteltiere
Körpermasse
Kopfrumpflänge: 80-100 cm
Schwanzlänge: ca. 50 cm
Gewicht: ca. 50 kg
Fortpflanzung
Jungenzahl: meist 1 je Geburt
Tragdauer: nicht bekannt
Höchstalter: nicht bekannt
Bestandssituation
Bestand: nicht bekannt
Rote Liste: «gefährdet»
CITES: Anhang I
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