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Welcome to the environmetal listening session #7. The students of the Sound & Environment 2022/23 fall semester’s course at ZHdK worked at Sihlwald, a natural reserve at the border of the city of Zurich.
The Sihlwald is a nature reserve of national significance. On 1 January 2010, the Federal Office for the Environment awarded the forest the national designation “Nature Discovery Park – Park of National Significance” for a period of ten years.
The Sihlwald natural forest is made up of around 1,100 hectares of beech forest, which originally covered some 80 per cent of Central Europe. It represents a rare example of a large, original forest on the Swiss plateau.
In autumn 2016 the «Biodiversity and habitat structures in the Wildnispark Zurich Sihlwald: the establishment of an intensive natural forest study site» project was launched. The project is the cornerstone for the long-term monitoring of biodiversity in the Sihlwald. The project focuses in particular on species linked to late forest development stages and deadwood. Biodiversity is presented on the basis of the inclusion of different taxonomic groups and is linked with forest structures. The project has as its basis the collaboration between the Forestry Department of the canton of Zurich’s Office of Forests, Nature and Land Management, the Wildnispark Zurich Foundation, the University of Agricultural, Forestry and Food Sciences (HAFL) and the Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research (WSL). (Source: Wildnispark Zurich)
As part of our course, we observed four locations in the forest acoustically with automatic and individual recorders during several days and conducted sonification experiments with meteorological data from the Sihlwald. This resulted in sound works that we would like to present in this session. Our sound map of Zurich and the surrounding area has also been expanded to include the Sihlwald – we will continue to work on this next semester:
Once you have navigated to the map, please load a map or satellite image from the top right menu and navigate to Zurich. In the south at the Sihl river lies the Sihlwald – click on the corresponding point in the map and listen to our field recordings.
Works
silent listener is a composition based on two field recordings from Sihlwald. For focusing on the acoustic environment of one individual tree, two different sound recorders were placed near its trunk. One recorder captured the atmosphere above the ground, the other was put into the soil of the trees cave, simultaneously recording what lives under the tree, between its roots in the depth of the soil.
Through its structure a landscape has distinct sonic patches in which different sonic characters can be recognized. Reaching from the deepest roots to the highest branches, a tree is a link between such patches, a gateway between different realms – the aerial and the chthonic, the for us perceptible world and a unknown, mystical one.
By connecting these distinct sonotopes, the result is an attempt to capture the entire soundscape a tree is exposed to, or metaphorically a short impression to what a tree listens to. As organisms with completely different perception and temporality, we can only fantasize about how the tree perceives its environment. As silent listener one is invited to do so and immerse into this different perspective.
The Silwald is a nature discovery park in close proximity to the city of Zurich and a nature conservation area of national significance. It’s evolving into a natural forest without human interference in it’s own pace, in it’s own rhythm. Undisturbed habitats for animals and plants are thus created close to the city, and yet the presence of humans can be heard in almost every moment of every day.
The soundscape composition Voices of Sihlwald takes you on a walk through the Sihlwald in 24 hours to experience the unique soundscape of an area of mixed beech forest deep in the Sihlwald down to the entrance of the nature discovery park, laying close to railway tracks, a motorway and the airport of Zurich.
Field recordings were taken in the Sihlwald and in Langnau-Gattikon in October 2022.
The basis of this piece were recordings made in Sihlwald, Zürich as well as tree data
collected on nearby Üetliberg in October 2022. The musical material unfolds in quite a simple way: by stepping through each sample point of data, the otherwise fixed layers of sinusoids, field recordings and looping chimes are articulated quite clearly through change in frequency, amplitude or spatial depth. Navigating the data and mixing the layers together was performed live, giving rise to a simple three stage structure.
Aesthetically, this piece presents a blend of artificial reality and pseudo-scientific
pragmatism. The quick-and-dirty mapping of arbitrary data to frequencies of sine waves seems to me quite a good match with the naive musical associations of the wind chimes.
Hartmut Rosa bestimmt Kriterien, die ein Gegenüber mit sich bringen muss, damit wir uns in einer glückenden Beziehung, und das gelte sogar für eine „gelingende Weltbeziehung“, wähnen können: „[e]in Gegenüber muss in irgendeiner Form erreichbar sein, es muss möglich sein, mit ihm in ein Antwortverhältnis zu treten, das nicht erratisch, also komplett zufällig, ist, das aber auch nicht vollständig kontrollierbar ist […]“. Der Chance solcher Beziehungen berauben 1 wir uns in dem Moment, so Rosa, in dem „die Sehnsucht nach (stets ergebnisoffener) Erreichbarkeit der Welt in das Verlangen nach (sicherer) Verfügbarkeit transformiert [wird]“2.
Möglicherweise ließe sich das Seminar „Klang und Umwelt“ als Exkursion in das Phänomen der Unverfügbarkeit beschreiben, die teils überrascht, wenn das Hydrophon nach Power lechzt, bevor es vom sound des Unterwasser spricht oder aber konstitutiv ein Verhältnis beschreibt, in dem unser Gegenüber erst dann auflebt, wenn wir eben abwesend sind. Ich will nicht länger auf das erste Beispiel eines Moments der Unverfügbarkeit fokussieren, in dem ein technisches Tool, das Hydrophon, uns sound eines Sumpfgebietes vorenthalten hat, weil wir die zugehörige Powerbank vergessen hatten. Vielmehr soll es um dieses zweite Moment einer Unverfügbarkeit gehen, das beispielsweise die Kernzone des Sihlwalds, die nur auf vorgegebenen Wegen betreten werden darf, beschreibt, oder mit dem über Streifzüge von Tieren nachgedacht werden kann, denen wir uns nur abwesend, mithilfe von Langzeit-Recordern nähern können. Entsprechende Wildlife Acoustics Recorder haben wir an Orten des Sihlwalds platziert, die je repräsentativ für eine bestimmte Formation des Waldes schienen: zum Beispiel bestimmten wir einen Totholzstandort oder einen Ort, an dem vorwiegend Fichten standen. Nach ein paar Tagen, in denen die Langzeitrecorder im Intervall von einer Stunde 5-minütige Aufnahmen gemacht hatten, sammelten wir sie wieder ein und begannen, uns mit Datenanalyse auseinanderzusetzen. Zwar hatten wir eine Menge an Soundmaterial auf unseren SD-Karten konserviert, aber noch schienen sich uns die akustisch aussagekräftigen Ereignisse nicht zu offenbaren. Aus einer Menge Datenmaterial ermittelten wir einen Zeitraum, in dem Audiosignale nicht von Regenfällen übertönt wurden. Anschließend berechneten wir mit einer Formel den ACI, den Acoustic Complexity Index, mithilfe dessen sich die Amplitudenveränderung in Zeit für spezifische Frequenzbänder bestimmen lässt. Davon ausgehend lässt sich dann wiederum bestimmen, zu welchem Zeitpunkt einer Aufnahme viel Fluktuation innerhalb von Frequenzbändern (jetzt nicht mehr ein spezifisches betreffend) stattgefunden hat und wann dagegen eher konstante sounds aufgezeichnet wurden. Lässt sich bei konstanten Geräuschen auf anthrophone Ursachen oder geophonische Phänome schließen, so weisen hohe Amplitudenveränderungen auf biophonische Ereignisse hin. 3
Nachdem wir die Peaks graphischer Darstellungen des ACI-Verlaufs in der Zeit und verschiedene Standortaufnahmen betreffend ermittelt hatten, folgte unserem erwartungsvollen Hineinhören in die zugehörigen soundfiles nicht selten ein Irritationsmoment oder auch Ernüchterung, wenn uns die Aufnahme erstaunlich unaufgeregt begegnete. Wieder war es vielleicht ein Moment der Unverfügbarkeit, das sich ereignete: diesmal schien sich die Offenbarung des beinahe Verfügbaren, das wir soeben graphisch fassbar und doch geradezu arretiert hatten, zu entziehen.
Meine Bildschirmaufnahme ist die Skizze einer, von möglicherweise zukünftig mehreren notierten Unverfügbarkeiten. Ich habe die Daten des ACI-Indexes im Zeitraum von 24h sonifiziert und mit einem Objekt verknüpft, das sich nähesensitiv, bei Annäherung an die Laptopkamera visuell und auditiv der Betrachter*in entzieht. Das Setting ist für eine Ausstellungssituation konzipiert, in der die Konstellation (ähnlich wie es bei Lichtschranken vor Museumsobjekten im White Cube häufig ganz beiläufig passiert) Nähe und Distanz | Verfügbarkeit und Unverfügbarkeit im Prozess des sich Inbeziehungsetzens auslotet.
Für Hartmut Rosa würde die notierte Unverfügbarkeit wohl kaum seinem Verständnis der „qualifizierten Unverfügbarkeit“ gerecht werden, die er von der bloß „erratischen Unverfügbarkeit“ abgrenzt. Vermag es nur die „qualifizierte Unverfügbarkeit“, so Rosa, ein Resonanzverhältnis vorzubereiten, indem sie das Gegenüber responsiv begegnen lässt, so zählen für ihn Maschinen wie Tablets und Computer zu Initianten der „erratischen Unverfügbarkeit“: in solchen Beziehungen verblieben wir mit „Frust und bisweilen blinde[r] Wut“, wenn sich „Resonanzsimulation und ‚blind[e]‘ oder ‚stumm[e]‘ Widersetzlichkeit“ nicht die Waage hielten. Ich würde dieser kategorialen Aufteilung von Responsivem 4 und maschinell Erratischem gerne Suzanne Cianis Beschreibung ihrer Begegnung mit dem Buchla-Synthesizer gegenüberstellen: „Es ist wie die Beziehung zu einem Menschen. Man muss den anderen erstmal kennenlernen. Man experimentiert. Aber der Buchla reagiert prompt. Und daraus entsteht eine Vertrautheit. Du machst das und er das. Du lernst mit ihm zu interagieren.“5 Vielleicht ließen sich „erratische“ und „qualifizierte Unverfügbarkeit“ vielmehr graduell differenzieren, sodass Unverfügbarkeit möglicherweise als eine Form von Agency auch von maschinellen Objekten in spezifischen Konstellationen beansprucht werden könnte.
1 Hartmut Rosa, Unverfügbarkeit, Wien 2019, S. 120.
2 Ebd.
3 Vgl. Almo Farina, Soundscape Ecology, London 2014, S. 244-246.
4 Vgl. Hartmut Rosa, Unverfügbarkeit, Wien 2019, S. 56.
5 Arte TRACKS, „Suzanne Ciani“, unter: https://www.youtube.com/watch?v=bFymP0PujmY , 3:50min-4:15min (03.02.2023).
Was können wir hören und sehen wenn wir in den Wald kommen? Und wie werden die Eindrücke in unserem Gehirn und von Aufnahmegeräten geformt und gefiltert?
„Invisible Technology“ dreht sich um genau das – die Unsichtbare Technologie der Flugzeuge über dem Sihlwald, welche mit einer ganz eigenen (und durchaus schönen) Klangqualität präsent sind. Wir sehen sie aber häufig nicht, und noch viel öfter nehmen wir sie nicht wahr. Erst im Moment des Abhörens der Aufnahme wird uns bewusst wie allgegenwärtig dieser Lärm ist.
Genauso unsichtbar bleibt für die Zuhörenden die Funktionsweise des Aufnahmegerätes und der digitalen Klangbearbeitung. In meinem Stück verzerre ich die Aufnahmen und zerbrösel die Sample durch Streckung. Es entstehen ganz andere neue Klänge, wenn der Computer in diesem Verfahren an die Grenzen seiner Darstellungsmöglichkeiten von Klang kommt und seine Materialität entlarvt wird. Es bleibt das entfremdete Gefühl einer technologischen Präsenz, ohne diese genau orten zu können.
Mein Stück thematisiert das Anthropozän und zeigt auf, wie drastisch wir auch die akustische Unwelt prägen. Ein zweiter Punkt ist die Intransparenz von Technik, die Black Box der technischen Geräte, mit denen wir immer mehr unseren Zugang zur Umwelt und unsere Interaktion mit anderen und dem Planeten gestalten.