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Milenko aus Serbien
Ich heisse Milenko, bin 32 Jahre alt und lebe in Zürich. Ich bin seit 10 Jahren in der Schweiz und habe 2 Kinder.
Meine Eltern sind Bauern. Wir hatten Kühe, Schweine und viele Hühner. Und natürlich einen Hund und unzählige Katzen. Wir hatten auch einen grossen Gemüse- und Obstgarten. Meine Mutter machte sehr guten Frischkäse. Mein Vater und mein Bruder verkauften alle unsere Produkte auf dem Markt: Käse, Kartoffeln, Gemüse, Früchte und die lustigen Ferkel, die immer laut quietschten. Ich musste viel mit den Tieren helfen, doch das machte mir Spass. Ich konnte es sehr gut mit Tieren! Das sagten auch mein Vater und mein Bruder. Mein Onkel wohnte mit seiner Familie neben uns. Ich spielte immer mit meinen Cousinen und Cousins, die alle ungefähr in meinem Alter waren.
Mein Vater war sehr lieb, hat aber am Abend gerne Alkohol getrunken. Manchmal konnte er am nächsten Morgen nicht aufstehen, und ich musste die Tiere alleine füttern. Meine Mutter war dann ein bisschen böse auf ihn. Aber nicht lange. Ich glaube, wir waren eine glückliche Familie.
Im Dorf gab es keine Schule, deshalb mussten wir einen langen Weg zu Fuss ins Nachbardorf gehen. Wir waren mehr als 10 Kinder, hatten viel Spass auf dem Schulweg und sind so oft zu spät in die Schule gekommen. Dann war der Lehrer böse. Ich war kein guter Schüler. Ich war lieber auf dem Hof mit meinen Tieren. Meine Eltern reklamierten nicht, wenn ich nicht zur Schule ging, sondern lieber mit ihnen arbeitete. Ich glaube, es war ihnen egal.
Wir Kinder spielten oft am Fluss, obwohl niemand schwimmen konnte. Unsere Eltern hatten das zwar verboten, wir taten es aber trotzdem. Einmal sind wir als Mutprobe immer weiter ins Wasser gegangen, bis mein Cousin ausgerutscht und fast ertrunken ist. Ein Nachbarsmädchen hat ihn in letzter Sekunde gerettet. Er hat lange nicht richtig geatmet. Wir hatten grosse Angst, dass er sterben würde, und ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil wir etwas Verbotenes gemacht hatten. Ich habe damals verstanden, wie schnell man sein Leben verlieren kann.
Es war dann Krieg in Bosnien und wir haben den Flüchtlingen Essen gegeben, wenn sie auf unseren Hof kamen. Mein Bruder wollte nicht in den Krieg. Er hat Serbien verlassen und ist in die Schweiz gegangen, um zu arbeiten. Ich habe ihn sehr vermisst! Er telefonierte regelmässig und meinte, ich solle auch in die Schweiz kommen. Die Schule hatte ich aufgegeben. Aber ich wollte nicht weg vom Hof.
Mit 18 Jahren musste ich für ein Jahr ins Militär. Nach dem Militär wusste ich nicht recht wie weiter. Ich habe Verschiedenes gearbeitet und bin dann doch in die Schweiz gekommen. Ich arbeitete illegal als Bauarbeiter. Ich hatte eine fiktive Ehe mit einer Serbin mit Schweizerpass. Wir haben nicht richtig zusammengelebt und waren nach 5 Jahren geschieden. Dann habe ich meine jetzige Frau kennengelernt. Sie ist Slowakin. Wir haben jetzt Zwillinge und sind sehr glücklich.
Ich wünsche mir, dass unsere Mädchen länger als ich zur Schule gehen und sie Tiere und Natur lieben. Ich fahre mit ihnen oft in das Dorf meiner Eltern, wo wir dann ein paar Wochen auf dem Hof verbringen.