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Titel
Murtensee,
französisch Lac de Morat (Kt. Freiburg und Waadt). See (lacus Moratensis, noch früher lacus Aventicensis geheissen) im schweizerischen Mittelland, w. der Stadt Murten und vom Neuenburgersee durch den Mont Vuilly getrennt. Mit diesem und dem Bielersee zusammen muss er in der postglazialen Zeit eine einzige grosse Wasserfläche gebildet haben, die die jetzigen Thäler der Zihl, Broye und Aare überflutete und von Moudon und Entreroche bis nach Wangen an der Aare reichte.
Damals war der
Jolimont eine
Insel und die Hügelkette am rechten Ufer des
Neuenburgersees bis zum
Vuilly eine Halbinsel. Nach
einer von den Bewohnern der Gegend geglaubten Ueberlieferung soll der
Murtensee unter dem
Vuilly durch mit dem
Neuenburgersee
in Verbindung stehen. Dies kann aber einfach deswegen nicht der Fall sein, weil der aus Molasse, d. h. aus einem festen Gestein
bestehende
Vuilly kein
Wasser durchlässt. Etwas anderes wäre es, wenn er aus einem durchklüfteten und spaltenreichen Gestein
bestände, wie manche Juraketten. Beobachtungen von 1889 bis 1902 haben folgende Mittel für die Höhenlagen
der beiden Seespiegel gegeben:
|Mittelwasser m||Hochwasser m||Niederwasser m|
|Murtensee||432.57||433.61||431.90|
|Neuenburgersee||432.44||433.30||431.77|
|Unterschied||0.13||0.31||0.13|
Bei Niedrigwasserstand ist der Unterschied schon bis auf 40 cm gestiegen, während er bei Hochwasser ganz verschwinden kann.
In seltenen Fällen ist seit der Korrektion der Juragewässer bei ausserordentlichen Hochwassern der
Aare, das
Wasser des
Neuenburgersees auch schon in den
Murtensee zurückgeflossen. Folgende
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Tabelle gibt über verschiedene Spiegelhöhen der drei Seen während der Jahre 1899-1901 Auskunft.
|Datum||Murtensee (m)||Neuenburgersee (m)||Bielersee (m)|
|16. Januar 1899||433.26||432.85||433.57|
|26. Mai 1899||432.71||432.68||432.76|
|7. Juli 1899||432.46||432.45||432.42|
|11. August 1899||432.25||432.22||432.25|
|14. Februar 1900||433.09||432.35||432.75|
|31. Juli 1900||432.27||432.28||432.28|
|8. April 1901||432.96||432.62||433.78|
|5. Juli 1901||432.78||432.76||432.84|
Häufig liegt der Spiegel des Neuenburgersees tiefer als der des Bielersees, sodass sich dann dieser in jenen zurückstaut.
Damit kann auch der Neuenburgersee seinerseits über den Stand des
Murtensees sich erheben. Nun wird auch
die Broye rückläufig, und ihr torfiges Wasser färbt dann den
Murtensee bis auf einige hundert Meter von ihrem Austritt bei
Sugiez. Im Mai 1902 dauerte dieses Rückwärtsfliessen 14 Tage, wodurch der
Murtensee um 83 cm anstieg. Nach dem Projekt
von La Nicca sollte der See bei ausserordentlichen Hochwassern die Höhe von 435,46 m nicht überschreiten,
und wirklich erreichte das höchste bis jetzt beobachtete Niveau nur 434,75 m. Das Resultat der Korrektion ist also günstiger
als man voraussah.
Dagegen sind die Niederwasser, deren Minimum La Nicca auf 432,50 ansetzte, schon bis zu 431,41 m gefallen. Um die Vorteile der Juragewässerkorrektion vollständig auszunutzen und die Ueberschwemmungsgrenze zu fixieren, sollte man die Schwankungen zwischen den äussersten Hoch- und Niederwassern einschränken und zu diesem Zweck dem Abfluss des Bielersees (dem Nidau-Büren-Kanal) ein grösseres Querprofil geben, sowie zugleich in Nidau eine Schleuse anbringen, die das Niveau der Niederwasser auf der gewünschten Höhe erhielte. Grösste Tiefe unter dem mittleren Niveau von 432,57 m (Juragewässerkorrektion) gleich 45,57 m.
Penck gibt (Morphologie der Erdoberfläche. II, 323) die Höhe des Spiegels (vor der Korrektion) auf 435 m, die grösste Tiefe
auf 48 m, die mittlere Tiefe auf 22 m, die Fläche auf 27,6 km2 und den Kubikinhalt auf 600 Millionen
m3 an. Nach S. de Perrot (Bulletin de la Soc. Neuchât. des Sc. nat. 28, 1898/99) nimmt der Inhalt des Bielersees durch
eine Senkung des mittleren Spiegels um 5 cm um 2 Millionen m3 und derjenige des Neuenburgersees durch eine Senkung von 1 cm
um 2159000 m3 ab, der des
Murtensees dagegen durch eine
Erhöhung von 24 mm um 547200 m3 zu.
Zuflüsse: die Broye, die Bibera (Mündung vor der Korrektion in den See, jetzt in den Broyekanal), der Chandon und die Bäche
von Vallamand, Guévaux, Môtier, Praz, Nant, Löwenberg, Montilier, Villars les Moines, Meyriez und Greng. Sein
Abfluss, die Broye, ist bis zum Neuenburgersee kanalisiert. Wie die meisten Schweizerseen hat auch der
Murtensee seine Pfahlbauten,
so u. a. bei Meyriez, Greng, Vallamand und zwischen Guévaux und Môtier. Daneben sind noch Degen und andere Waffen bei Meyriez
gefunden worden, wo das Heer Karls des Kühnen einst in den See gedrängt wurde.
Der
Murtensee ist schon oft so zugefroren, dass Schlitten von Murten nach dem Vuilly fahren konnten. Es kommt bisweilen vor,
dass sich der nicht tiefe See im Frühling in einer klaren Nacht mit einer dünnen Eisdecke überzieht, wenn der N.-Wind weht,
dem er schutzlos preisgegeben ist. Als die Dampfschiffstege am linken Ufer (Mont Vuilly) noch aus Holz
bestanden, wurden sie bei grosser Kälte oft vom Eise zermalmt. 1880 hat man festgestellt, dass die Eisdecke sich vom rechten
gegen das linke Ufer hin bewegte und somit gegen dieses hin eine starke Pressung erlitt. Am Gehänge des
Mont Vuilly sprudeln zahlreiche Quellen; man hat irrtümlicherweise behauptet, dass deren Wasser vom Jura oder vom sumpfigen
Plateau von Cormondes (Quelle der Bibera) herkomme. Tatsächlich treten sie aber an der Stelle aus, wo die auf dem regenreichen
Mont Vuilly einsickernden Wasser auf die unterliegenden undurchlässigen Schichten stossen. Man vermutet auch,
dass zur Zeit der Römer ein schiffbarer Kanal den
Murtensee mit Avenches verbunden habe, was mit Rücksicht auf die massenhafte
Verwendung von jurassischem Gestein zu den Bauten und Ringmauern der Stadt nicht unwahrscheinlich ist.
Am
Murtensee liegen sechs Häfen: Murten, Sugiez (am Ausfluss der Broye), Praz, Môtier, Vallamand und Faoug.
Mit Ausnahme desjenigen von Murten bestehen diese Hafenanlagen aus einem gemauerten Damm, der weit genug in den See hinausgeht,
um die Dampfschiffe auch bei Niedrigwasser landen lassen zu können. Der 1894 erbaute Hafen von Murten ist ein Becken von 8400 m2,
das durch, zwei zusammen 200 m lange Dämme geschützt wird.
Periodisch erscheint auf dem See das sogenannte «Burgunderblut», d. h. eine Algenart (Oscillatoria rubescens), die das Wasser auf weite Strecken hin rot färbt. Sie bildet zu solchen Zeiten eine 1 cm dicke, kastanienbraune bis rote Decke auf dem See. Die Anhäufung dieser Algen erzeugt seltsame, ins Unendliche wechselnde Formen, von denen von Professor Süsstrunk in Murten etwa 1000 ¶
Murtensee
Lif. 125.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebr. Attinger, Neuenburg
^[Karte: 4° 48’ O; 46° 54’ N; 1:60000]
|Wald||▒ Forêts|
|Weinbau||▓ Vignes|
|Pfahlbauten||░ St. Lacustres|
|(P. = Stein, Pierre||B. = Bronze)|
|Vormaliges Ufer||--- Ancien rivage|
|Equisitanz||10 m Æquidistance|
Mce. Borel & Cie. Neuchâtel
V. Attinger sc.
MURTENSEE ¶
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durch ein eigenes Verfahren reproduziert worden sind. Zum letzten Mal sind diese Algen 1893-1896 aufgetreten und zwar jeweilen vom Sommer an bis in den Winter hinein. Am intensivsten trat die Erscheinung 1895 auf. Solche Algen kommen auch in andern Schweizerseen vor, aber in keinem so zahlreich und vielgestaltig wie hier.
[Ing. A. Gremaud.]
Flora.
Der
Murtensee und seine sumpfigen Ufer sind reich an Wasserpflanzen. Auskunft darüber findet man in dem von den Chorherren
Cottet und Castella verfassten und von der Freiburger Naturforschenden Gesellschaft 1901 veröffentlichten Guide du botaniste
dans le Canton de Fribourg und ferner in späteren botanischen Publikationen dieser Gesellschaft. Wir beschränken
uns hier auf das wichtigste. An den Ufern trifft man: Ranunculus flammula var. reptans, Senecio paludosus und Verbascum mixtum
(bei Faoug);
auf dem überschwemmbaren Strand Litorella uniflora;
an sumpfigen Stellen Polygonum amphibium var. terrestre, Polygonum minus var. majus, Echinodorus ranunculoides;
auf Kiesboden Potamogeton perfoliatus, Heleocharis uniglumis und H. acicularis;
ferner Scirpus triqueter, Carex Oederi, Chara aspera, Equisetum variegatum etc. In den benachbarten Sümpfen und Gräben: Ranunculus lingua und R. heterophyllus;
Nymphaea alba, Nuphar luteum, Nasturtium palustre (am Ufer der Broye bei Murten) und N. amphibium, Viola persicifolia var. stagnina, Ceratophyllurn demersum und C. submersum, Sium angustifolium, Oenanthe fistulosa, Hydrocharis morsus ranae, Potamogeton gramineus und P. heterophyllus, Caulinia fragilis, Lemna gibba, Spirodela polyrrhiza, A corus calamus, Heleocharis palustris etc. Unter den niedern und noch wenig auf ihre Verbreitung untersuchten Pflanzen ist Oscillatoria rubescens anzuführen.
Fauna.
Die Fische des Murtensees unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der andern subjurassischen Seen. Percoideen: Flussbarsch (Perca fluviatilis); Cyprinoideen: Gemeiner Karpfen (Cyprinus carpio), Schleie (Tinta vulgaris), Flussbarbe (Barbus fluviatilis), Grundel (Gobio fluviatilis), Brachsen (Abramis brama; im Kanton Neuenburg Cormontant geheissen), Güster (Blicca Björkna; schwarze Varietät in Murten Platton noir geheissen), Spirling oder Bambeli (Spirlinus bipunctatus), Laugeli (Alburnus lucidus), Rotten (Scardinius erythrophthalmus), Schwal (Leuciscus rutilus; hier Vengeron genannt), Alet (Squalius cephalus), Hasel (Squalius leuciscus; in Neuenburg und Murten Ronzon und Poissonnet genannt), Rissling oder Strömer (Squalius Agassizii; in Freiburg Zizer, in Neuenburg Blavin genannt), Ellritze (Phoxinus laevis), Nase (Chondrostoma nasus), Salmonoideen: Coregonus Wartmanni confusus (Felchen), in Murten Pfärrit oder Petite Féra genannt und nicht zu verwechseln mit der Féra oder dem Weissfelchen (Coregonus Schinzii Fera) des Genfersees;
C. exiguus (Ferit oder Kropfer), der hier die Bondelle des Neuenburgersees vertritt und sich gewöhnlich in der Tiefe aufhält.
Wenn er an die Oberfläche gebracht wird, verursacht die Druckdifferenz eine Blähung des
Vorderleibes, woher sein Name. Diese Erscheinung tritt in geringerem Grade auch beim vorherigen und einigen andern Fischen
auf, was schon oft zu Verwechslungen Anlass gegeben hat. Der Coregonus Schinzii Palea (ebenfalls Pfärrit geheissen) gehört
eigentlich dem Neuenburgersee an, aus dem er im Herbst zum Laichen in den
Murtensee kommt. Ehemals selten,
soll er seit der Tieferlegung der Aare und der Kanalisierung der Broye, die das Seewasser klarer gemacht haben, ziemlich gemein
geworden sein.
Die Laichzeit dieser Coregonen dauert vom Dezember bis zum Beginn des Januar. Die beiden erstern legen ihre Eier auf den sandigen Seeboden, der letztgenannte auf die sandige und überwachsene Halde. Ferner sind von der Familie der Lachse oder Salmonoideen zu nennen: die Aesche (Thymallus vexillifer), die sich in den Seen mit Vorliebe nahe der Ausmündung der Flüsse aufhält;
die Seeforelle (Salmo lacustris), die sich von der Flussforelle nur durch ihr stattlicheres Aeussere unterscheidet;
der in der Tiefe lebende Saibling (oder Röteli; Salvelinus umbla).
Es kommt im
Murtensee ferner vor der
Hecht (Esox lucius), der trotz erschwerter Fortpflanzung noch sehr häufig ist und seine Eier am Strand und oft auch an zeitweise
über Wasser liegenden Stellen ablegt, so dass sie vielfach trocken zu liegen kommen und vom Wind mit Sand
überdeckt werden. Die Familie der Welse oder Silurodei ist durch den Wels (Silurus glanis) vertreten, der aber hier nicht
die Grösse erreicht wie im Bodensee; immerhin werden hie und da Exemplare von nahezu 2 m Länge und 50 kg Gewicht gefangen.
Er findet sich meist an der Ausmündung der Broye und geht gelegentlich auch in den Neuenburgersee hinüber.
Die Muranoideen haben in der Schweiz als einzigen
¶