Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03596.jsonl.gz/1563

| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Erste Rede
62.
Wenn der Sohn einer von den Engeln ist, so soll wie auf jene so auch auf ihn das "geworden" seine Anwendung finden, und er soll sich seiner Natur nach in nichts von ihnen unterscheiden, sondern es sollen entweder auch diese Söhne, oder es soll auch jener ein Engel sein, und sie sollen alle gemeinsam zur Rechten des Vaters sitzen, oder es soll mit allen auch der Sohn als dienender Geist zur Seite stehen, gleichfalls so wie jene zum Dienste abgesandt. Wenn aber Paulus den Sohn von den entstandenen Dingen sondert mit den Worten: "Zu welchem von den Engeln hat er je gesprochen: Mein Sohn bist Du?"1 und Er den Himmel und die Erde erschafft, sie2 aber durch ihn werden, Er beim Vater sitzt, diese aber zum Dienste bereitstehen, wem ist da nicht wiederum klar, daß er nicht mit Bezug auf die Substanz des Wortes das "geworden" aussagte, sondern mit Bezug auf den durch das Wort vollzogenen Dienst? Denn wie er, der das Wort war, Fleisch geworden ist, so ist er nach seiner Menschwerdung in seinem Dienste um soviel vorzüglicher geworden gegenüber den Engeln mit ihrem Dienste, als der Sohn von Knechten und der Schöpfer vom Geschaffenen absteht. Darum mögen sie aufhören, von der Substanz des Sohnes das "geworden" zu verstehen — denn er gehört nicht zu den entstandenen Wesen —, und sie mögen erkennen, daß mit dem "geworden" der Dienst und die eingetretene Heilsordnung angezeigt wird. Wie er aber im Dienste vorzüglicher geworden ist, da er in seiner Natur vorzüglicher war als die gewordenen Wesen, erhellt aus dem bereits Gesagten, und ich glaube, daß sie sich vielleicht jetzt auch schämen. Wenn sie aber den Streit suchen, dann mag es angezeigt sein, gegen ihre unsinnige Vermessenheit den Kampf aufzunehmen und die ähnlich lautenden Worte über den Vater ihnen entgegen zu halten, damit sie entweder [S. 109] beschämt ihrer Zunge Böses verwehren oder einsehen, welch krasser Unwissenheit sie anheimgefallen sind. Es steht also geschrieben: "Werde mir ein schirmender Gott und ein Haus der Zuflucht, um mich zu retten"3 und wieder: "Der Herr wurde eine Zufluchtstätte für den Armen"4 und was alles ähnliches in den göttlichen Schriften sich findet. Wenn sie nun sagen, daß das vom Worte gesagt sei, was auch vielleicht mehr der Wahrheit entspricht, so mögen sie erkennen, daß die Heiligen bitten, Er, der nicht ein gewordenes Wesen ist, möge ihnen Helfer und Zufluchtsstätte werden, und sie sollen von nun an das "geworden" und "er machte" und "er schuf" auf seine Ankunft im Fleische beziehen. Denn damals ist er Helfer und Zufluchtstätte geworden, als er mit seinem Leibe unsere Sünden an das Holz erhob und sagte: "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken"5.
1: Hebr. 1,14.
2: Nämlich die Engel.
3: Ps. 30,3.
4: Ps. 9,10.
5: Matth. 11,28.