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Autor: Wolfgang Steiert
MurtenEin Bilderbuch-Sommerabend bildete den idealen Rahmen für das erste Serenadenkonzert im Schlosshof Murten. Die Zuger Sinfonietta interpretierte zunächst die Sinfonie Nr. 12 in Es-Dur des spanischen Komponisten Carlo Baguer, eine Komposition aus dem letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Dieses viersätzige Werk widerspiegelt deutlich die Musik der Wiener Klassik, jene von Josef Haydn. Unter der Leitung von Philippe Bach – bis 2003 Dirigent der Landwehr – musizierten die meist jungen Musiker mit äusserst feinem Register. Piano und pianissimo waren vor allem in der Baguer-Symphonie vorherrschend. Allerdings gingen einige Phrasen-Endungen im Raum verloren.
Empfindsame Musikalität
In der Version für Harfe und Orchester erklang das Klavierkonzert in D-Dur von Joseph Haydn. Jana Bouskova holte in virtuoser Manier das Beste aus dieser etwas blass klingenden Version heraus. Das Orchester begleitete die Solistin einfühlsam, die Harfe wurde nie übertönt. Die nachfolgende Zugabe, Carnevale di Venezia für Harfe von Felix Godefroid, gab Jana Bouskova erneut Gelegenheit, ihre grosse Virtuosität und ihre empfindsame Musikalität unter Beweis zu stellen, was von den Zuhörern mit grossem Applaus verdankt wurde.
Begeisternder Elan
Echt spanisches Kolorit erklingt in den beiden Sätzen «Dos miniaturas andaluzas» für Streichorchester von Joaquin Rodrigo. Nach der ruhigen Einleitung (Preludio) spielte das Orchester die «Danza» mit begeisterndem Elan.
Mozart widmete das siebensätzige Divertimento seiner Schwester Nannerl. Im ersten Menuetto zeichnete sich das Ensemble durch sensible und differenzierte Phrasierung aus. Das Crescendo in den betonten Taktteilen des ersten Menuettos erinnerte an barocke Spielweise. Feinfühlige Oboe-Soli waren vor allem im 2. (Allegro molto) und dem 4. Satz (Andantino) zu hören. Im zweiten Menuetto wurde der dynamische Kontrast der beiden Abschnitte – Gemessener «höfischer» Dreitakt und Variationen mit schnellen Läufen – vom Orchester sehr schön herausgespielt. Besonders die Streicher-Mittelstimmen vermittelten eine warme, sonore Atmosphäre.
Verdienter Applaus
Als Beigabe spielte die Sinfonietta noch einmal die Danza aus den Dos miniatures andaluzas und sicherte sich damit den verdienten Applaus für das stimmungsvolle Serenaden-Konzert.