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chirurg. Operation, wodurch Weichgebilde, z. B. Polypen des Rachens, Ohrs und der Nase und
andre kleine Gewächse, auf unblutige Weise entfernt werden. Man legt einen starken Faden aus Seide oder Hanf um die Basis oder
den Stiel des zu entfernenden Gebildes und zieht die Schlinge fest zu. Hierbei wird der Stiel der Geschwulst entweder sofort
abgeschnürt, oder die in ihm enthaltenen Blutgefäße werden so stark zusammengedrückt, daß sie abstirbt
und nach einigen Tagen als trockner brauner Schorf losgestoßen wird. Größere, mit breiter Basis aufsitzende oder schwer zugängliche
Aftergebilde werden nicht abgebunden, sondern mittels eines Schlingenschnürers (Ekraseurs,
s. d.)
abgequetscht; vgl. auch Galvanokaustik. - In der Technik heißt Abbinden (Abpinnen) mit dem Abbindhammer Figuren
aus Blech treiben.
oder Zulegen, in der Baukunst das Zurechtlegen aller Holzteile einer Fachwerkwand, eines Dachstuhles oder dergl.
auf dem Werkplan behufs Ausarbeitung der Verbindungsglieder. Die abgebundenen Holzstücke werden mit Zeichen versehen auf
den Bauplatz übergeführt und dort leicht in der vorgesehenen Weise aufgestellt (gerichtet).
In der Chirurgie ist Abbinden eine Operation, durch die krankhafte Neubildungen oder auch erkrankte Körperteile ohne Blutung mit
Hilfe eines fest umgelegten Fadens oder Drahtes entfernt werden. Dem gesunden Teil so nahe als möglich wird mit der Hand, oder
an schwer zugänglichen Stellen mittels eines besondern sog. Schlingenführers um das zu entfernende
Gebilde eine Schlinge gelegt (s. umstehende
Figur) und diese entweder langsam so stark
zusammengezogen, bis der von der Schlinge gefaßte Teil völlig durchschnitten, mithin das Gebilde abgelöst ist; oder
mehr
die Schlinge wird ein für allemal nur so fest angelegt, daß die Blutgefäße zusammengepreßt werden und eine völlige Stockung
der Ernährungssäfte und brandiges Absterben eintritt; oder endlich die Schlinge wird in Pausen von einem oder zwei Tagen fester
und fester angezogen, wodurch zuerst eine Säftestockung, weiterhin aber eine allmähliche Durchschnürung
des Gebildes erreicht wird. Die erste Methode ist im allgemeinen die zweckmässigste und gefahrloseste.
Sie erfordert, wenn es sich nicht um sehr kleine und sehr weiche Gebilde handelt, ein besonderes Instrument, den Ecraseur (s. d.).
Eine ähnliche Wirkung erzielt man mit der galvanokaustischen Schneideschlinge (s. Galvanokaustik). Die beiden andern Methoden
sind lästiger, weil bei ihnen die Operation länger dauert, der Druck der Schlinge (Ligatur) oder die
eintretende Entzündung oft sehr schmerzhaft ist, auch jedes erneuerte Anziehen der Schlinge neue Schmerzen verursacht.
Man wendet das Abbinden besonders an, wo der Reichtum des Gebildes an Blutgefäßen bei der Operation mit Messer oder Schere
eine starke und schwer zu stillende Blutung herbeiführen würde (an After, Zunge), ferner an Stellen des Körpers, die für
schneidende Instrumente schwer zugänglich (Rachenhöhle, Gebärmutter u. s. w.) sind, dann bei blutarmen Personen, denen schon
eine geringe Blutung schädlich sein könnte, endlich bei solchen, die Scheu vor jeder blutigen Operation haben. Sehr
geeignet für das Abbinden sind Gebilde, deren Basis stielförmig ist, wie viele Polypen. - Bei Cement, Mörtel, Gips u. s. w. bedeutet
Abbinden soviel wie sich erhärten.