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Nach der Schlacht bei Hastings, die von den Normannen am 14. Oktober 1066 kurz vor dem Einnachten knapp gewonnen worden war, geschah Sonderbares:
Wenn es so gelaufen wäre, wie das nach mittelalterlichen Schlachten so üblich war, dann wären jetzt die (überlebenden) Grossen und Noblen des besiegten Landes gekommen und hätten dem Sieger gehuldigt und ihm Treue geschworen. Dies schon um den Schaden für sich selber möglichst gering zu halten. Aber nach der Schlacht bei Hastings passierte gar nichts dergleichen. Zuerst wurden natürlich die Verletzten versorgt, die Toten eingesammelt, die feindlichen Leichen geplündert und Gott für den Sieg gedankt. Anschliessend wartete Wilhelm noch zwei Tage – niemand kam um ihm die Krone von England anzubieten. Er getraute sich aber nicht, direkt nach London zu reiten und dort die Krone von England zu fordern. Aber auch die Angelsachsen blieben untätig. Wenn sich ein mitreissender Führer gefunden hätte, hätten sie die Normannen wohl wieder zurück an und über den Ärmelkanal treiben können. Aber die überlebenden Earls aus dem Norden zogen es vor, sich um ihre Belange zu kümmern. Vorher hatte der Witan noch den letzten Erben von Wessex, Edgar „the Ætheling“ zum Thronfolger ausgerufen. Dieser war jedoch erst 13-jährig, im Exil lebend und kein wirklich glaubhafter Nachfolger des Königs.
Wilhelm ritt also mit seiner verbleibenden Armee los und erledigte zuerst ein Herzensanliegen: Er machte das Städtchen Romney (heute: Old Romney) dem Erdboden gleich und massakrierte alle Dorfbewohner. Romney lag damals an einer Meeresbucht (die heute verlandet ist) und deren Bewohner hatten am 28.9.1066 nach Osten abgetriebene Schiffe seiner Flotte aufgebracht und die Mannschaften getötet. Nach dieser schrecklichen Rache marschierte er mit seiner Streitmacht nach Dover, das sich kampflos ergab, obschon Dover schon damals ein wehrhaftes Städtchen mit starker Burg war. Weiter ging es nach Norden, wo Canterbury sich nach kurzer „Überzeugungsarbeit“ ergab – Wilhelm blendete einen Anführer vor den Augen der Bewohner mit dem glühenden Schwert.
„Tanz um London“ Grafik: U. Pape
Weiter ging der peinliche „Bannumgang“ über Reigate – Guildford – Basing – nach Wallingford, wo die Themse überquert werden konnte. In den Geschichtsbüchern ist auch die Rede von einem Gemetzel bei Southwark, heute ein Stadtteil von London südlich der Themse. Es ist nicht klar, ob dies ein Angriff der Londoner auf die normannische Armee oder ein Angriff von Wilhelm zum Auskundschaften der gegnerischen Stärke (gewaltsame Aufklärung) war. Ferner soll südwestlich von London Verstärkung aus der Normandie zu der Armee von Wilhelm gestossen sein. Von Wallingford führte der Weg der Normannen nach Berkhamstead, wo um den 10. Dezember 1066 herum schliesslich eine Delegation aus London die Unterwerfung des angelsächsischen England und das Angebot der Krone an Wilhelm den Eroberer erging.
Am Weihnachtstag 1066 wurde Wilhelm der Eroberer schliesslich in der Westminster Abbey, der Kirche seines Vorgängers, zum König von England ausgerufen und durch Erzbischof Ealdred von York zum Rex Normannorum et Anglorum gekrönt.