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Für viele Antarktisbesucher sind die grossen Pinguinkolonien entlang der antarktischen Halbinsel ein Highlight der Reise. Häufig wird an Orten, an denen vor allem Eselspinguine brüten, angelandet und Zeit verbracht. Eine US-amerikanische Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass die häufigen Besucher keinen signifikanten Stress bei den Tieren verursachen. Wahrscheinlich haben Angewöhnung an die Besucher und die IAATO-Richtlinien zu diesem Ergebnis geführt.
Das Team um Maureen Lynch und Heather Lynch von der Stony Brook Universität hatten die Abbauprodukte von Stresshormonen, besonders Corticosteron, im Guano der Eselspinguine gemessen. Damit konnten sie zum einen zusätzlichen Stress durch die Handhabung der Tiere (Fangen, Blutentnahme etc.) verhindern und gleichzeitig viel mehr Proben nehmen. Durch diese Technik und durch die Unterstützung der Umweltorganisation Oceanites und einer Schiffsreederei, konnten die Forscher an insgesamt 19 Standorten entlang der antarktischen Halbinsel Proben nehmen. Darunter waren häufig besuchte Orte wie Cuverville Island, Neko Harbour, Brown Bluff und Jougla Point; aber auch wenig bis gar nie besuchte Orte wie Moot Point, Bryde Island oder Orne Island konnten untersucht werden. Obwohl an einige Orten mehrere Tausend bis zehntausend Touristen pro Saison (Oktober – März) anlanden, fanden die Forscher keine Hinweise in den Proben, dass die Tiere gestresster sind als an Touristen-freien Orten.
Die Forscher schreiben in ihrer Arbeit, die in der Fachzeitschrift Polar Biology erschienen ist, dass die Ergebnisse ausschliesslich auf Kolonien, die nur aus Eselspinguinen bestehen, bezogen sind. An Orten, an denen mehrere Arten brüten, könnten die Sachverhalte anders liegen. Zu den Resultaten selbst meinen die Autoren, dass die Tiere entweder keinen Stress verspüren aufgrund von Gewöhnung und der Richtlinien des Verbandes der antarktischen Tourbetreiber (IAATO) oder weil andere Faktoren wie zum Beispiel Dichte oder Räuberdruck einen viel grösseren Stress verursachen als Touristen. Weiter schreiben sie, dass ihre Art der Stress-Bestimmung, nämlich durch das Messen von Glucocortinoiden in den Fäkalien von Pinguinen, nur einen, wenn auch wesentlichen, Marker darstellt. Doch der Vorteil der Untersuchung liegt auf der Hand: Man misst den tatsächlichen Stress innerhalb der vergangenen 24 Stunden und kann so zumindest den Einfluss des Tourismus bestimmen. An Orten, an denen in früheren Arbeiten die dortigen Forscher zum Schluss kamen, dass eine negative Relation zwischen Touristenzahl und Pinguinen besteht, könnten ihrer Meinung nach durch Dichtestress entstanden sein. Die Forscher sind aber der Meinung, dass ein kontinuierliches Monitoring notwendig ist, um allfällige Änderungen schnell zu entdecken. Denn die Zahl der Touristen, die sich bei Pinguinen aufhalten wollen, steigt… und damit auch der Druck auf viele der begehrten Landestellen.
Quelle: Lynch et al (2019), Polar Biology (42), 1299 – 1306