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Sauberkeit ist alles, sagte sich der chinesische Kaiser Shen Nung im Jahr 2737 vor Christus. Sein Trinkwasser, so notierten die Chronisten, habe er sich daher stets abgekocht. Eines Tages sei es ein Windstoss gewesen, der einige Teeblätter in den Kessel mit dem über dem Feuer sprudelnden Wasser geweht hätte. Sie färbten es golden und verliehen ihm ein angenehmes Aroma. Der Kaiser probierte das Getränk und fühlte sich erfrischt. Der Weg zum liebsten Getränk im Reich der Mitte war geebnet.
In der Folge brachten buddhistische Mönche um 552 nach Christus die Kunst der Teezubereitung den Japanern bei. Diese entwickelten eine bis ins letzte Detail festgelegte Zeremonie für die Zubereitung ihres Lieblingsgetränks. Es dauerte dann bis 1610, als die Holländisch Ost-Indische Compagnie den ersten Tee nach Europa brachte. Spätestens jetzt kamen die Briten auf den Geschmack. Die Engländer gründeten ihre eigene Ost-Indische Compagnie und übernahmen das Teemonopol für viele Jahre.
Leuchtend, anregend und besser als Bier und Gin
Was macht den Tee so magisch und verführerisch? Ob weisser, grüner, schwarzer Tee, im Laufe der Zeit entstanden unterschiedlichste Verarbeitungsvarianten. Dabei stammen aber alle Blätter von der «Camellia sinensis» ab, einer Pflanze aus der Familie der Teestrauchgewächse. Die zarten grünen Blätter spriessen an den Teesträuchern, die an steilen Lagen, sonnenverwöhnt, hauptsächlich in Indien, China, Kenia und Sri Lanka gedeihen. Ähnlich wie Wein verleihen Terroir, Sorte und Weiterverarbeitung dem Tee charakteristische geschmackliche Eigenschaften. Die handgeernteten Teesprosse werden getrocknet und damit haltbar gemacht, bevor sie durch einen Aufguss mit heissem Wasser zum aromatischen, kupferrot leuchtenden, anregenden Getränk werden.
Vor dem Siegeszug des Tees in Europa waren allerdings noch beachtliche Hürden zu nehmen. Schliesslich hatte das Aufgussgetränk damals durchaus potente Gegenspieler. Im England des 18. Jahrhunderts waren Kaffee, Gin und Bier die beliebtesten Getränke – auch schon zum Frühstück. Revolutionär mutet bis heute für manch einen auch der Spritzer Milch an, den die Briten gerne in ihren Tee geben. Auf diese Idee sind sie wohl nicht selbst gekommen. Dem Vernehmen nach war es die Marquise de la Sablière am königlichen Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV., die mit Milch den Geschmack ihres Tee verbesserte. Diese «Französische Art» mundete den Engländern offenkundig so gut, dass sie daraus ihre eigene Tradition entwickelten.
Ein köstliches Missverständnis
Grosses in der Teekultur entwickelte sich auch 1908. Diesmal war ein Missverständnis der Anlass. Um Gewicht und Portokosten zu sparen, schickte der New Yorker Teehändler Thomas Sullivan per Post kleine Teeproben in Seidenbeuteln an seine Kunden. Anstatt die Blätter zu entnehmen, tauchten diese die Probebeutel kurzerhand komplett ins kochende Wasser – der Teebeutel war erfunden.
Ein kühner Plan war es auch, der den Tee zum inoffiziellen Schweizer Nationalgetränk machte. Anfang der 1980er-Jahre hatten Ruedi Bärlocher und Max Sprenger von der Thurgauer Nahrungsmittelfirma Bischofszell die Idee, nach amerikanischem Vorbild kalten Tee für heisse Tage herzustellen. Dazu brauten sie in einer Riesentasse mit 2000 Litern Wasser und einer XXL-Portion Teeblätter den ersten Eistee. Heute ist das mit Zitronensaft und Zucker aufgepeppte Erfrischungsgetränk aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und ein absoluter Verkaufsschlager. Mit jährlich rund 30 Litern pro Kopf gehören die Schweizer zur Weltspitze der Eisteetrinker.
Matcha Tee ist staubfein pulverisierter Grüntee, der seit Jahrhunderten in der japanischen Teezeremonie verwendet wird. Seine gesundheitlichen Wirkungen gelten nicht nur dort als legendär:
«Ein schönes Stück Luxus»
Der 5-Uhr-Tee hat es in sich. Regula Wolf und Michael Schinharl, Herausgeber des Gourmet-Magazins «ZuGast» im Gespräch über eine besonders genussvolle Spielart der Hochkultur.
Die Briten können ja bekanntlich nicht ohne: Was bedeutet der 5-Uhr-Tee für Ihre persönliche Lebenskultur und welche Rituale verbinden Sie damit?
Regula Wolf: Für die einfachen Engländer war der 5-Uhr-Tee immer auch ein Abendbrot. Und damit eine gemütliche, wärmende Mahlzeit. Süsses und Saures wurde und wird bis heute dazu gereicht. Ganz anders der High Tea des Adels und des Geldadels. Diese wunderbare Art, einen Nachmittag zu verbringen, ist für mich ein schönes Stück Luxus – ganz besonders natürlich in einem englischen Hotel oder einem darauf spezialisierten Kaffee. Mit frischen Scones, Clotted Cream und Erdbeermarmelade.
Michael Schinharl: Der 5-Uhr-Tee ist für mich ein ganz wichtiges Ritual in der Weihnachts- und Winterzeit und ich liebe es, in alte, ehrwürdige 5-Sterne-Hotels zu gehen und diese schöne Tradition zu zelebrieren. Wenn gerade kein tolles Hotel in der Nähe ist, dann mache ich auch gern mal selber einen 5-Uhr-Tee zuhause und überrasche damit meine Freunde.
Welche Teesorten sind Ihre Favoriten, je nachdem ob sie anregend oder beruhigend wirken sollen?
Regula Wolf: Ich trinke ausschliesslich Kräutertee. Je mehr Abwechslung, desto lieber. Dabei achte ich beim Kauf darauf, dass die Kräuter aus biologischem Anbau stammen. Besonders anregend finde ich Rosenblütentees.
Michael Schinharl: Grundsätzlich kräftige Tees. Im Sommer liebe ich Eistees aus grünem oder weissem Tee, aromatisiert mit verschiedenen Früchten. Im Winter darf es gerne ein Darjeeling oder Assam Tee sein. Ich lasse sie immer nur zwei bis drei Minuten ziehen, damit der Tee schön anregend ist.
Snack oder Gebäck: Was passt am besten zu welcher Stimmungslage?
Regula Wolf: Schwer zu sagen, denn zu Tee kann man wunderbar beides geniessen: erst die kleinen, feinen Sandwiches und dann noch etwas Süsses hinterher. An «normalen» Tagen finde ich selber gebackene Kekse oder Kuchen einfach unwiderstehlich: Das passt zu jeder Stimmungslage.
Michael Schinharl: Ich bin ja eher der salzige Typ und liebe Sandwiches in allen Variationen – mit Entenleber, Lachs, Frischkäse, Gurke oder auch mit leckerer Salami oder Schinken. Zum Schluss eine frisch gebackene Brioche und feine, hausgemachte Feigenkonfitüre von Regula oder leckeres Quittengelee.
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