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So wie es auch in der Kosmologie der Marubo geschieht, in der neue Mitglieder durch eine Transformation von Teilen Verstorbener oder Verstümmelter entstehen, scheint das Volk der Marubo aus der Reorganisation von durch Latex-Sammler während des Gummi-Booms dezimierte indianische Völker entstanden zu sein. Allerdings könnte diese Bewegung des Auseinandergehens und der Neugruppierung auch auf noch frühere Zeiten zurückgehen, wie gewisse Namen aus der Marubo-Sprache unter anderen Pano-Nachbarn suggerieren.
Marubo
|Andere Namen: keine bekannt

Sprache: aus der linguistischen Familie der Pano
Population: 1.705 (im Jahr 2010)
Region: Amazonas, im Becken des Rio Javari
|INHALTSVERZEICHNIS

Name und Sprache
Wohngebiet
Bevölkerung
Das Gemeinschaftshaus
Die Sektionen
Unterschiede zwischen Alter und Geschlecht
Existenzielle und kommerzielle Aktivitäten
Der Kosmos
Riten
Magie
Zeitgenössische Aspekte
Notizen über die Quellen
Obwohl ihr heutiger Name nicht ihrer Selbstbezeichnung entspricht – die anscheinend auch gar nicht existiert – akzeptieren die Marubo diesen ihnen von ihren Nachbarn gegebenen Namen. Ihre Sprache entstammt der Pano-Familie. Der Ethnologe Philippe Erikson, der sich auf die linguistischen und kulturellen Ähnlichkeiten der Marubo mit den Katukína-Pâno, Nukiní (Rêmo) und Poyanáwa Brasiliens, sowie den Kapanáwa von Peru, stützt, klassifiziert ihre Sprachgruppe als zentralen Zweig der Pano-Familie.
Die Marubo selbst sagen, dass ihre Sprache die der Chaináwavo sei. Diese Aussage wirft einige Fragen bezüglich ihrer Vergangenheit auf, denn Chaináwavo ist der Name einer ihrer Sektionen (siehe im folgenden Text), die heute nicht mehr existiert. Als Sektion konnten die Chaináwavo nicht isoliert leben, denn sie hatten sich mit Mitgliedern einer anderen Sektion zu verheiraten – und es mussten wenigstens noch zwei andere Sektionen existieren, mit denen sie Verbindung zu halten hatten: die ihrer Väter und die ihrer Mütter. Aber sprach jede dieser Sektionen ihre eigene Sprache? Oder hatten diese vier Sektionen eine gemeinsame Sprache, verschieden von jenen anderen Sektionen? Waren die Marubo der Gegenwart das Ergebnis einer Fusion von verschiedenen Mitgliedern der vier Sektionen, von denen jeder einen andere Sprache hatte, und man sich entschloss, eine davon auszuwählen? Oder befand man sich vor einer Situation ähnlich wie im Nordwesten Amazoniens, wo jede exogame Gruppe eine andere Sprache hatte?
Die heutige Sprache der Marubo besitzt eine rituelle Gegensätzlichkeit: Sie benutzt in den Mythen und Gesängen zur Heilung eines Kranken ein Parallel-Vokabular, welches viele im Alltag gebräuchliche Worte ersetzt. Auch bei formellen Reden, die zum Beispiel zwischen einem Hausherrn und seinem Besucher zu feierlichen Anlässen stattfinden, werden die Sätze in einer besonderen Sprachmelodie intoniert, die sich von der profaneren Artikulation bei Alltagsszenen unterscheidet.
Gegenwärtig können sich die jungen Männer auch in Portugiesisch verständigen. Und die Ältern kennen ein paar Worte aus der Ketchua-Sprache und ein bisschen Spanisch, denn ihr Gebiet wurde einst von peruanischen Latex-Sammlern invadiert.
Die Marubo leben an den oberen Abschnitten der Flüsse Curuçá und Ituí im Becken des Rio Javari, innerhalb des amazonensischen Munizips von Atalaia do Norte. Dies ist ein Gebiet voller kleinerer Hügel, bedeckt vom Amazonas-Regenwald. Die Verbindung mit den urbanen Zentren führt entweder die Flüsse hinab – dann erreicht man Atalaia do Norte – in der Nähe der Mündung des Javari in den Solimões (dort befindet sich der regionale Sitz der FUNAI, verantwortlich für das Wohlergehen dieser Indianer), oder Benjamin Constant und die kolumbianische Stadt Leticia – oder, in umgekehrter Richtung, kreuzt man die Wasserscheide, welche den Rio Javari vom Rio Jurua trennt, dann erreicht man Cruzeiro do Sul im Bundesstaat Acre. Apropos, die letztere Stadt liegt sogar näher am Gebiet der Marubo, jedoch, weil man um sie zu erreichen einen Teil der Reise über Land machen muss, nehmen die Indianer diesen Weg nur mit leichtem Gepäck auf sich.
Seit ihrem ersten Kontakt mit den Latex-Extraktionsfronten gegen Ende des 19. Jahrhunderts, befinden sich die Marubo geographisch im gleichen Gebiet. Anfang des Jahrhunderts gab es einige von ihnen am Rio Batã, einem Nebenfluss des Jaquirana am oberen Javari – aber dort stiessen sie mit Latexsammlern zusammen und zogen sich wieder zurück. Die Gründung der FUNAI-Posten am mittleren Curuçá (in der Nähe der Mündung des Rio Pardo) sowie am mittleren Ituí (bestimmt zur Assistenz der Matís), lockte einen Teil der Marubo-Bevölkerung weiter nach unten. Seit den 70er Jahren diskutiert man über die Gründung eines IT Javari, das den orientalischen Teil dieses Flussbeckens einbegreift und ausser den Marubo weitere Eingeborenenvölker beherbergen wird, wie die Korúbo, Mayá, Matís, Matsés, einen Teil der Kanamarí und der Kulína. Der letzte Schritt in dieser Richtung war die Anerkennung der Beschlüsse des “Resumo do Relatório de Identificação e Delimitação da Terra Indígena Vale do Javari“ (Resumé des Berichts der Identifikation und Demarkierung des Indianergebiets im Javari-Tal) durch den Präsidenten der FUNAI – ausgeführt vom Identifikations-Department desselben staatlichen Organs.
Die unten angeführte Tabelle vermittelt eine Idee vom Wachstum der Marubo-Bevölkerung im Lauf des letzten Viertels des 20. Jahrhunderts. Sie enthält den Feldforschungen des Anthropologen Walter Coutinho Junior angepasste Korrekturen – der Wissenschaftler hat die lokalen Gruppen auf vier Sektoren verteilt, zwischen denen eine bedeutende geographische Entfernung besteht : a) am Rio Ituí – gleich oberhalb der Quelle des Rio Novo de Cima, in der Nähe eines FUNAI-Postens, der eigentlich zur Kontaktaufnahme mit den Matís bestimmt war – b) am selben Fluss, oberhalb seines Zusammenflusses mit dem Rio Paraguaçu, bis zu den Quellen, inklusiv einer Hütten-Konzentration bei der Missionsstation “Vida Nova” – c) am Rio Curuçá, gleich oberhalb der Mündung des Rio Pardo, wo sich einst ein Kontakt-Posten befand, bis zu einem Dorf von lokalen Gruppen, das sie “São Sebastião” nennen, unterhalb der Mündung des Rio Arrojo – und d) am Igarapé Maronal, einem Nebenflüsschen des oberen Rio Curuçá. Die Spalte bezüglich des Jahres 1998 entspricht einer Zählung des Ethnologen Javier Ruedas.
|Flüsse||Sektoren||Jahre|
|1975||1978||1980||1985||1995||1998|
|Rio Ituí||a) Mündung des Rio Novo de Cima||–||21||26||65||114||88|
|b) Oberhalb der Mündung des Rio Paraguaçu||227||253||254||289||344||380|
|Rio Curuçá||c) Zwischen den Mündungen von Rio Pardo und Rio Arrojo||91||66||53||86||133||182|
|d) Igarapé Maronal||141||110||116||149||204||231|
|Andere||10||12||–||5||23||37|
|Gesamt||397||462||460||594||818||918|
Im Jahr 2000 betrug die Gesamtbevölkerung 1.043 Individuen. Aber in diesem Fall gibt es keine Aufstellung, die Auskunft über die entsprechenden Bevölkerungsziffern der einzelnen Regionen geben könnte. Interethnische Eheschliessungen zwischen Weissen und Indianern oder anderen Eingeborenen existieren in wenigen Fällen.
Wer zum ersten Mal ein Gebiet betritt, das von den Marubo bewohnt wird, macht einen Fehler, wenn er die Zahl der Bewohner nach der Anzahl ihrer Bauten abschätzen will. Denn die einzige bewohnte Konstruktion besteht aus einem langgestreckten, zentralen Haus mitten auf einem Hügel, bedeckt vom Stroh der Jarina, vom Giebel bis zum Boden. Darin schlafen die Bewohner, bereiten ihre Nahrungsmittel zu, essen, empfangen Besucher, intonieren Gesänge zum Heilen ihrer Krankheiten, mit denen sie dem Schamanen assistieren. Über dieses Gemeinschaftshaus gibt es sogar eine mythologische Erklärung: ihr Held Vimi Peya hat es zuerst gebaut, nachdem er eine Zeit lang auf dem Grund des Wassers mit den Krokodilen gelebt hatte. Obwohl bei den einzelnen Exemplaren die Grösse unterschiedlich ist, folgt ihre technische Konstruktion doch stets dem gleichen Grundprinzip, mit denselben Verbindungen und Befestigungen.
Die Hütten Drumherum, dort wo der Hügel bereits abschüssig wird, abgestützt mit Holzpfählen, Boden und Wände aus der Rinde des Paxiúba-Baums und einem Dach aus Stroh, dienen den Bewohnern zur Aufbewahrung von Gütern und haben individuelle Besitzer. Dort aufbewahrt werden in der Regel von den Weissen erworbene Industrieprodukte, wie zum Beispiel Werkzeuge aus Metall, Feuerwaffen, Aluminiumtöpfe, Stahlkabel, um damit Baumstämme zu verbinden, Büchsen zum Sammeln von Latex, Messer zum Einkerben der Gummibäume, Kleidung und Stoffe, Nähmaschinen und andere Dinge.
Ihre Felder erstrecken sich vom bewohnten Hügel über das umgebende Tal bis zu den Nachbarhügeln. Man bemerkt verschiedene Grüntöne beim Blick über den bewirtschafteten Teil der Umgebung: im oberen Bereich, auf den Hügelkämmen, grünen die Maniokstauden und Papaya-Bäumchen – in den Senken Mais und Bananenpflanzungen.
Das Gemeinschaftshaus (Maloca) beherbergt verschiedene Kernfamilien unter der Leitung des Hausherrn. Und der kann mit mehreren Schwestern seiner Ehefrau verheiratet sein, so wie jeder andere Mann auch. Mit ihm mag der Bruder seiner Schwester wohnen, Söhne und Neffen (Söhne seiner Schwester) verheiratet mit seinen Töchtern. Jede Frau und ihre Kinder haben einen quadratischen Platz von ungefähr drei Metern Seitenlänge zur Verfügung, markiert durch vier hölzerne Stützbalken des Hauses – zwei zentral und zwei laterale, woran sie ihre Hängematten befestigen – dazwischen eine Art Regal zur Aufbewahrung von kleineren Objekten, einige davon werden ins Stroh der Wände gesteckt – und vor ihrem Quadrat unterhalten sie ein kleines Kochfeuer in Richtung auf die Mitte der Maloca.
Der Mann, welcher mehr als eine Frau hat, kann sich einmal im Quadrat der einen oder ein anderes Mal im Quadrat der anderen aufhalten. Der Hausherr hat gewöhnlich seine Hängematte in einer Ecke in der Nähe des Haupteingangs. Die beiden langen Bänke, welche hinter dem Haupteingang eine Art Korridor bilden, durch den jeder das Langhaus betritt, dienen den Männern des Hauses als Sitzgelegenheit während ihrer beiden täglichen Mahlzeiten – eine vor Beginn der täglichen Aktivitäten und die andere, wenn sie abends zurück kommen – dann wird hier auch diskutiert, dann schnupfen sie “Rapé” (Schnupftabak) und trinken Ayahuasca, oder wohnen schamanistischen Sitzungen bei. Die Frauen essen im Zentrum der Maloca, sie sitzen auf geflochtenen Strohmatten auf dem Boden. Vor dem hinteren Ausgang gibt es einen im Boden eingebetteten Baumstamm, der Länge nach (etwa 3 Meter) ausgehölt, wie eine Wanne, in dem die Frauen Körner und Früchte zerkleinern, mittels eines rechteckigen, flachen Steins. Während ihre Männer abwesend sind, setzen sich einige der Frauen ins Licht der Eingänge (das Haus liegt innen im ewigen Dämmer), um dort kleine Stücke von Schneckenhäusern zu durchbohren, aus denen sie Ketten anfertigen.
Die Maloca wird von drei Elementen als gesellschaftliche Einheit charakterisiert: sie hat einen “Besitzer” – (das ist jener, der ihre Konstruktion veranlasste), ihren “trocano” (ein Percussions-Instrument, welches aus einem Baumstamm mit einer retangularen, tiefen Höhlung besteht), und sie dient den Bewohnern für Einladungen zu gemeinsamen Mahlzeiten und rituellen Veranstaltungen.
Allerdings, so hat der Ethnologe Javier Ruedas festgehalten, haben sich einige nicht besonders weit voneinander entfernte Malocas in den letzten Jahren als grössere Einheiten zusammengeschlossen. Und diese vergrösserten Einheiten – jede mit ihrem portugiesischen Namen und einem gemeinsamen Anführer – interagieren mit den externen Assistenz-Agenturen wie FUNAI, Fundação Nacional de Saúde (Nationale Gesundheitsorganisation), Médicos sem Fronteira (Ärzte ohne Grenzen), Conselho Indígena do Vale de Javari (Eingeborenenrat des Javari-Tals) und anderen.
Die Marúbo sind in 18 Sektionen aufgeteilt, Gruppen, die sich aus Verwandten femininer Linie und alternden Generationen zusammensetzen. Obgleich die Marúbo vorzugsweise in Termini jener Sektionen zu denken pflegen, ist es für uns einfacher, sie paarweise zu gruppieren, indem wir jedes Paar als einen matrilinearen Clan betrachten. Mit anderen Worten, das Sektions-System funktioniert unter den Marúbo wie im folgenden Beispiel: Eine Frau, die der Sektion “Leute vom Roten Ara” angehört, gebärt Kinder der Sektion “Leute der Saracura” – ihre Töchter ihrerseits gebären wiederum Söhne und Töchter der Sektion “Roter Ara” – und so wechseln sich die Generationen im Lauf der Zeit ab. Die “Leute der Saracura” dürfen sich nicht mit den “Leuten des Roten Ara” verheiraten.
Die Verwandtschafts-Termini werden dieser Abwechslung der Generationen entsprechend angewendet. Ein Mitglied der “Saracura-Leute” hat seine Mutter bei den “Leuten des Roten Ara” und bezeichnet auch alle anderen Frauen jener Sektion als “Mutter”, ob sie nun älter oder jünger sind als er selbst, oder ob sie der ersten bis dritten Generation über ihm oder unter ihm entstammen. Es gibt einen verwandtschaftlichen Terminus, “take”, den eine Person für irgendein Mitglied seiner eigenen Sektion benutzt – für das eine oder das andere Geschlecht. Der Terminus “ältere Schwester” wird ebenfalls für die Grossmutter mütterlicherseits gebraucht, und als “jüngere Schwester” bezeichnet eine Frau ebenfalls die Tochter ihrer Tochter, also ihre Enkelin.
Eigennamen werden im Allgemeinen innerhalb derselben Sektion vergeben – von der Grossmutter mütterlicherseits, oder ihrer Schwestern, für die Enkelin, und vom Grossvater väterlicherseits (der nicht immer derselben Sektion angehört), oder seinen Brüdern, für den Enkel.
Es gibt zwei Aspekte bei der Eheschliessung der Marubo, die bemerkenswert sind:
a) wenn ein Mann eine Frau ehelicht, wird er automatisch auch Anwärter auf die Schwestern derselben, die dann entweder seine oder die Ehefrauen seiner Brüder werden – die Einmischung eines anderen Mannes, der nicht dieser Gruppe von Brüdern oder ihrer Sektion angehört, wird als feindlicher Akt gewertet.
b) es scheint als ob ein verheirateter Mann eine vorrangige Stellung gegenüber den jüngeren Brüdern seiner Frau geniesst, was der Formation einer Haushaltsgruppe förderlich ist – der Hausherr mit seiner Ehefrau (oder seinen Ehefrauen), assistiert von ihrem Bruder und seiner Frau (oder ihren Brüdern und ihren Frauen).
Die Riten hinsichtlich der verschiedenen Altersstufen sind nicht besonders ausgeprägt – jedoch scheint es unter den Männern in Bezug auf den Gebrauch von Schnupftabak (Rapé) und Ayahuasca (fermentiertes Getränk aus Mais) eine zeitliche Trennlinie zu geben, denn, selbst wenn sie bereits verheiratet sind und Kinder haben, nehmen sie an deren Genuss erst ab einem bestimmten Alter – etwa mit 30 Jahren – teil. Bis zu diesem Zeitpunkt beschränken sie sich darauf, die Älteren mit diesen Substanzen zu bedienen.
Ausser einer unterschiedlichen Aufteilung der Maloca zwischen beiden Geschlechtern, unterscheiden sich Männer und Frauen auch hinsichtlich ihrer Beteiligung an den produktiven Aktivitäten – erstere sind für die Rodung des Waldes und der Vorbereitung des Feldes verantwortlich, der Jagd, dem Bau der Kanus, der Anfertigung von “Trocanos”, Bänkchen und Mörser. Gesänge für schamanistische Heilungen und andere Aktivitäten, bei denen Tabak und Ayahuasca nicht fehlen dürfen, sind ebenfalls die Domäne der Männer.
Die Frauen dagegen sind verantwortlich für die Instandhaltung der Felder, das Unkraut jäten, die Ernte der Bananen und Maniok, die Anfertigung von Keramikutensilien, das Weben der Hängematten aus Tucum-Palmfasern und der engen Röcke aus Baumwolle. Sie regieren auch in der bemerkenswert abwechslungsreichen Küche, widmen der Konfektion von Ketten, Armbändern und Ohrgehängen aus Schneckenhaus-Elementen ihre freie Zeit, die für eine adäquate Präsentation der Marubo unverzichtbar sind. Auch die Körperbemalung – sowohl die ästhetischen Charakters als auch jene zu magischen Zwecken bestimmte – wird von den Frauen ausgeführt.
Die Lichtung im Regenwald zur Anlage der neuen Felder wird von den Männern der Maloca im Kollektiv gerodet – danach unter die Kernfamilien aufgeteilt, die sie mit ihren drei Grundnahrungsmitteln bepflanzen : dem Mais, der “zahmen” Maniok (im Gegensatz zu der “giftigen” Variante) und der Banane – darüber hinaus noch Papayas und Guaven, sowie Produkte zur praktischen Verwendung, wie die Baumwolle, “Urtiga” (Brennnessel) und der Tabak.
Da die verschiedenen Pflanzen unterschiedlichen Reifezyklen unterliegen, produzieren die Felder das ganze Jahr über: Der Mais ist von schnellem Wachstum, drei Monate nach dem Pflanzen der Stecklinge kann man ihn schon ernten – die “Macaxeira” (zahme Maniok) braucht wenigstens ein Jahr um die essbaren Wurzeln auszubilden – die Bananenstauden vervielfältigen sich selbst: nachdem man die ersten Rispen geerntet hat, schiessen neue Ableger aus der Erde, die zu neuen Stauden heranwachsen. Der Papaya-Baum produziert ein paar Jahre. Die von den Indianern kultivierte Pflanze mit dem längsten Wachstumszyklus ist wahrscheinlich die Pupunha-Palme – die erst ausgewachsen ist, nachdem die Felder bereits wegen Erschöpfung der Bodenqualität aufgegeben wurden, dann aber Früchte während vieler kommender Jahre produziert. Wenn eine Verlegung der Felder notwendig wird, dann muss man sie jetzt natürlich weiter weg von der Maloca neu anlegen. Aber nicht nur die grosse Entfernung zu den Feldern führt zu einer Neukonstruktion des Gemeinschaftshauses : die Verrottung des Strohdaches sowie seine zunehmende Abdichtung durch die von den Kochfeuern aufsteigenden Asche-Follikel, welche den Rauch nicht mehr nach aussen durchlassen, sind ebenfalls Gründe zu einem Maloca-Neubau – ausserdem der Tod eines Hauseigentümers, wenigstens in früheren Zeiten.
Die Jagd, heute mit Feuerwaffen, konzentriert sich vor allem auf den “Macaco preto” (Ateles sp.) und den “Barrigudo” (Lagothrix sp.), die einzigen Primaten-Spezies, welche sie als essbar einstufen. Häufig wird auch das “Caititu” (Tayassu tajacu) Wildschwein gejagt, seltener sind “Anta” (Tapirus terrestris) Tapir und “Porco-queixada (Tayassu pecari) das Pekari-Wildschwein. Während der trockeneren Jahreszeit bringt der Jäger auch öfter mal ein “Paca” (Cuniculus paca) mit nach Hause – einen Nager von Feldhasengrösse. Unter den Vögeln erlegen die Indianer regelmässig den “Cujubim” (Pipile sp.) und den “Mutum” (Crax sp.).
Beim individuellen Fischfang bedient man sich der Nylonschnur und des Angelhakens, beim kollektiven Fischen benutzt man den Saft einer kultivierten Pflanze als Betäubungsgift: ihre Blätter werden in Erdlöchern zerstampft, aus der Mixtur Erde und Pflanzensaft formt man kleine Kugeln, die ins Wasser geworfen, sich langsam auflösen und die Fische betäuben – sie treiben an der Wasseroberfläche und können eingesammelt werden.
Während der regenärmeren Zeit – zwischen Mai und September – in der auch plötzliche Kälteeinbrüche auftreten können (etwa drei Tage lang) widmen sich die Männer der Extraktion von Latex aus den “Seringueiras” (Gummibäume) – jeder Mann besitzt sein eigenes “Tapiri”, einen Unterstand, in dem er den Latex “räuchert”, sowie seine eigene “Estrada” (Strasse – einen Pfad mit “seinen” Gummibäumen, den er täglich abgeht, um seine Bäume zu “melken”). Die regnerische Zeit wird für die Extraktion von Holz genutzt. Und diese beiden Waldprodukte werden dann mit den “Regatões” (Händlern, die mit ihren Booten die Malocas der Marubo frequentieren) verhandelt – mal kommen sie, mal kommen sie nicht, das hängt von Strenge des Verbots der FUNAI ab, mit der diese einen Handel mit den Indianern verbieten. Auch Missionare unterhalten eine Kantine in dem Ort Vida Nova, aber die kaufen weder Gummi noch Holz. Obwohl sie ihre Waren zum Selbstkostenpreis weitergeben, müssen die Indianer dafür Geld geben, und das bekommen sie nur durch Arbeit für dieselben Missionare, aber die haben da nicht viel anzubieten. Deshalb sehen sich die Marubo gezwungen, sich an die fahrenden Händler zu wenden oder die näheren Städte aufzusuchen.
Mittels ihrer Mythologie beschreiben die Marubo das Universum und wie es sich gebildet hat. Generell sind die verschiedenen Wesen aus Teilen anderer Wesen entstanden – angefangen von der Erdoberfläche, die sich aus den Weichteilen der Körper toter Tiere und ihren Knochen gebildet hat. Auch das Wasser der Flüsse und seine Fische entstanden durch Teile anderer Wesen, sowie auch die flora des Waldes. Aus ihm hat man die kultivierten Pflanzen gewonnen – so erzählt eine der drei unterschiedlichen Mythen von der Entstehung der Flora. Das Universum besteht aus verschiedenen Schichten – die oberen nennt man Himmel, die unteren Erde. Auf der obersten Erdschicht, der “Névoa”, leben die Menschenwesen.
Diese besitzen verschiedene Seelen, jedoch pflegt man sich im Allgemeinen nur auf zwei zu beziehen: die rechte Seele, auch Herz genannt, und die linke. Letztere wandert nach dem Tod ziellos umher, während die andere auf dem “Caminho (Weg) da Névoa” (Vei Vai) voranschreitet – einem Pfad mit vielen gefährlichen Prüfungen, vor denen sie nicht ausweichen darf, sonst ist sie für immer verloren – schliesslich erreicht sie den Ort, an dem sich die Seelen der verstorbenen Mitglieder ihrer sektion aufhalten. Dort bekommt sie dann eine neue Haut vom “Roka” (Affenart) und lebt fortan glücklich und gesund mit den anderen.
Die Marubo kamen aus der Erde – jede Sektion aus einem anderen Loch, stimuliert von einem Geschehnis auf der Erdoberfläche: zum Beispiel fallende Blätter, oder Federn, oder Tropfen von Harz. Und das geschah an der Mündung des Flusses, an dem sie heute leben – an seinen Ufern zogen sie stromauf bis ins Gebiet, wo heute ihre Malocas stehen. Auf diesem langen Weg erlernten sie die Grundbegriffe ihrer Kultur : welche der Palmfrüchte essbar sind – welches Sekret von Fröschen am geeignetsten ist um Läuse und Milben zu entfernen – wie man durch sexuelle Verbindung Kinder zeugt – das Inzest-Verbot – die Verwandtschaftsgrade – die erwachsene Art zu weinen – die kultivierbaren Pflanzen – die Gesänge zur Heilung – die persönlichen Namen. Am Anfang konnten die Lebenden auf einem Weg (Yové Vai) bis zum Himmel (Shoko Nai) kommen und gehen. Jedoch erreichte eine Frau, die von ihrem Mann misshandelt worden war, dass bestimmte Geistwesen diesen Weg verschlossen – von da an blieb den Seelen nur noch der gefährliche “Vei Vai” zum Himmel – und diese Begebenheit trennte auch die normalen Menschen endgültig von den “Yové-Geistern”.
Jene Hausbesitzer, die durch ihre besondere Art zu handeln, ihre hervorragende Diplomatie und Selbstbeherrschung in der Schlichtung von Querelen ein gewisses Prestige erlangt und auch die Feste einer Maloca organisieren, werden von den andern als Berater konsultiert und geniessen den Titel eines “Kakáya”.
Die weniger formellen und öfter stattfindenden Rituale sind wahrscheinlich gemeinsame Essen und Trinkfeste, zu denen eine Maloca die der Nachbarn einlädt – immer dann, wenn es einen Überschuss an Fleisch von der Jagd oder an Maniok, Mais oder Pupunha gibt. Besser vorbereitet und seltener ist das “Tanaméa-Fest”, zu dem die Gastgeber die Pfade zur Maloca der Gäste säubert und ein paar Lichtungen anlegt, um dort die ankommenden Gäste mit Getränken zu empfangen. Der Einmarsch der Gäste bei der einladenden Maloca geschieht auf aggressive Art und Weise: die Gäste graben den Aussenhof um und zerstören das Stroh der Maloca-Wände. Im Gegenzug dürfen die Bewohner der Maloca den Gästen sämtlichen Körperschmuck abnehmen und behalten.
Jedes Jahr findet auch in jeder Maloca das Fest zur Maisernte statt, zu dessen Anlass die Männer zu averschiedenen Prüfungen oder Mutproben aufgefordert werden – zum Beispiel die Selbstgeiselung mit Brennesseln oder die Mutprobe mit den Tocandira-Ameisen: letztere werden lebend mit den Hinterleibern in ein Bastgeflecht eingeführt, sodass sie festsitzen und nur ihre Oberkörper mit den Greifzangen bewehrten Köpfen zur einen Seite herausragen – dabei handelt es sich um die “Soldaten” dieser sehr wehrhaften Ameisenart, die besonders grosse Greifzangen besitzen und sofort zubeissen, wenn man sie berührt. Das rechteckige Bastgeflecht mit 50 bis 100 dieser lebenden Insekten wird nun dem mutigen Mann mit den Köpfen der Ameisen nach innen auf Brust und Bauch gebunden – die durch die giftigen, sich ins Fleisch grabenden Zangen verursachten Schmerzen sind höllisch, aber man merkt sie dem mutigen Krieger kaum an, der sich tanzend und singend im Kreis seiner Familienmitglieder bewegt – von Zeit zu Zeit sogar noch auf seinen Brustschild klopft, um die Ameisen noch mehr zu reizen! Eine eigenwillige Art, seinen Mut zu zeigen.
Auch der Transport eines neuen “Trocano” aus dem Wald, wo er geschlagen und ausgehöhlt wurde, bis ins Innere der Maloca, ist Anlass für ein kleines Fest. Das schwere Instrument wird in der Mitte eines langen Baumstammes angebunden, dessen auslaufende Äste die Männer dann schultern. Diese Träger müssen sich – auf dem durch den Regen rutschigen Heimweg – auch noch gegen eine Kitzelei wehren, mit der die Frauen ihren Ehemännern den Transport noch zusätzlich erschweren. Eines der bedeutendsten Rituale im Zyklus des Lebens ist die Beerdigung eines Verstorbenen, welches in vergangener Zeit aus der Verbrennung der Leiche, der Pulverisierung der Knochen und ihrem Verzehr innerhalb eines pastösen Breies durch die Verwandten des Toten bestand – gefolgt von einem Aufmarsch mit Körperteilen des Toten, um seiner “Seele des Herzens” den Weg zum Pfad der “Prüfungen nach dem Tod” zu weisen. Gegenwärtig wird die Leiche in ihre Hängematte eingewickelt und von Personen der weitesten Verwandtschaft zum Friedhof getragen – weit weg von der Maloca – wo sie in ein Grab gelegt wird, über dem man einen kleinen “Tapiri” (Unterstand) baut.
Aber die Riten, welche man öfter durchführt, gehören in der Regel zum Bereich der Magie, und sie präsentieren sich in zwei Arten: die Gesänge zur Heilung und die schamanistischen Sitzungen. Jeder erwachsene Mann fühlt sich verpflichtet, die ersteren zu intonieren, er sitzt mit anderen auf kleinen Bänkchen rund um die Hängematte des Kranken, wenn dieser ein naher Verwandter ist. Unter den Männern gibt es allerdings auch anerkannte Spezialisten in diesen Gesängen, die “Kenchintxô” oder Heiler. Die Gesänge dauern mindestens 45 Minuten, sie werden wiederholt oder durch andere ersetzt, mit so vielen Intervallen, wie es die Schwere der jeweiligen Krankheit erfordert. Bevor sie anfangen zu singen – und auch während der Pausen dazwischen – trinken die Heiler Ayahuasca und nehmen Schnupftabak zu sich. Es gibt eine Standard-Frequenz: Eine Einleitung erzählt, wie sich der Geist jener Krankheit gebildet hat – zusammengesetzt aus Teilen verschiedener Wesen – eine Erzählung über die Art und Weise, wie die Krankheit in den Körper des Kranken eingedrungen ist – die Anrufung von heilenden Wesen, welche in den Körper des Kranken eindringen, um die Krankheit zu bekämpfen (unter denen spielt der weibliche Geist “Shoma” die Hauptrolle) – und die Wiederherstellung des Patienten. Eine andere Art, Heilgesänge anzuwenden, besteht aus ihrer Intonierung über einem Topf mit Maniok- oder Maisbrei: der Inhalt wird anschliessend von jenen aufgegessen, welche am heilenden Effekt interessiert sind. Über einem solchen Topf mit Brei kann man aber auch bösartige Gesänge intonieren und anschliessend heimlich jene Person damit beschmieren, die man schädigen will!
Schamanistische Sitzungen sind auch recht häufig, sie finden aber nur in jenen Malocas statt, in denen der eine oder andere der wenigen Marubo-Schamanen lebt – man nennt sie “Romeya” oder “Pajés” – in den 80er Jahren waren es nicht mehr als drei. Zur Einleitung seiner Präsentation beginnt ein Schamane mit der Einnahme von Schnupftabak und Ayahuasca, etwa gegen neunzehn Uhr abends – zusammen mit den Männern, die ihm assistieren, alle sitzen sie auf jenen langen Bänken des Maloca-Eingangs. Etwa gegen dreiundzwanzig Uhr empfängt der Schamane, jetzt in einer Hängematte am Eingang der Maloca sitzend, den ersten Geist – und dann kommen sie alle zu ihm, einer nach dem andern, bis er gegen fünf Uhr morgens seine Aktivitäten beschliesst. Jeder empfangene Geist bedient sich des Körpers des Schamanen um zu sprechen, sich zu unterhalten und zu tanzen. Währendessen besucht die Seele des Schamanen die Maloca, in der jener ihn besuchende Geist lebt – sie gelangt zu jener Hütte auf einem der vielen kosmischen Pfade. Die schamanistische Sitzung dient nicht dem Zweck, Kranke zu heilen oder verlorene Dinge wiederzufinden – obwohl ihm dies einige der empfangenen Geister anbieten. Sie ist vielmehr ein Akt der Vereinigung mit Wesen von gutartigem Charakter, den “Yové”, aus anderen Schichten des Kosmos, welche dafür dankbar sind, Hilfe anbieten, lehren und sogar die Männer um den Schamanen, sowie ihre Frauen und Kinder, die ihm von ihren Hängematten aus zuhören, oft so erheitern, dass alle in fröhliches Lachen ausbrechen.
Gleich nach den ersten von der FUNAI durchgeführten Inspektionen der Region entstand die Idee der Gründung eines “Indianerparks am Javari”, welcher die Gebiete verschiedener Indianervölker erfassen sollte, inklusive dem Gebiet der Marubo. Weil er einen grossen Teil der Ländereien erfassen würde, die von den rechtsseitigen Nebenflüssen des Javari, ausserdem des oberen Jandiatuba und oberen Jutaí bewässert werden, stiess jener Vorschlag sofort auf das Veto der Politiker, der Geschäftemacher und der Holzverarbeitungsunternehmen in den Munizipien von Atalaia do Norte und Benjamin Constant – denn der Park würde den grössten Teil des Gebiets unter Verwaltung der ersten einnehmen, und so die Ausbeutung von Latex und Edelholz unterbinden – Produkte, welche vor allem in der zweiten ihren Hauptabnehmer haben! Und weil dort auch eine internationale Grenze verläuft, wird der Vorschlag auch von den Militärs mit Misstrauen betrachtet. Verschiedene Arbeitsgruppen haben zu unterschiedlichen Zeiten in jenem Gebiet Aufstellungen gemacht, bis schliesslich der amtierende Präsident der FUNAI, im Jahr 1988, das “Resumo do Relatório de Identificação e Delimitação da Terra Indígena Vale do Javari“ anerkannte, wie schon gesagt wurde.
Die Mission “Novas Tribos do Brasil”, die unter den Marubo seit den 50er Jahren tätig ist, unterhält einen Sitz an einem Ort, den sie “Vida Nova” (Neues Leben) genannt hat – er wird von einer Landepiste am oberen Ituí unterstützt. Die Missionare führen ihre sonntäglichen Messen abwechselnd in den verschiedenen Malocas der Umgebung durch, sie verfügen über eine Krankenstation sowie eine zweisprachige Schule zur Alphabetisierung, die auch jene Indianer einbegreift, die in der weiteren Umgebung wohnen.
Die FUNAI hat sich hauptsächlich auf die Marubo vom Rio Curuçá konzentriert – hier hat sie einen Posten eingerichtet – allerdings sehr weit unterhalb jenes Ortes, an dem sich ihre Malocas befanden, was bewirkt hat, dass ein Teil der Indianer abgewandert ist. Eine Schule funktionierte eine zeitlang auf Initiative eines der Beamten – die Krankenstation war bereits in den 70er Jahren ausser Betrieb!
Die Marubo haben aktiv an jener Mobilisierung teilgenommen, welche von den Indianern des Javari in den 90er Jahren ausgelöst wurde. Im Dezember 1990 gründeten die Führer der Marubo, Matsé, Kanamarí und Kulína (also die Ethnien mit dem längsten Kontakt zur Zivilisation), anlässlich des “I Encontro dos Povos Indígenas do Vale do Javari” (in Atalaia do Norte) den “Conselho Indígena do Vale do Javari (CIVAJA)” um mittels dieser Vereinigung zukünftig ihre Ansprüche auf ihr Land, ihre Gesundheit, ihre Erziehung und ein alternatives Wirtschaftsprojekt gegenüber den Regierungsorganen durchzusetzen.
Diese Vereinigung, die von der “Pastoral Indigenista” der Diozese des Oberen Solimões, sowie der Vereinigung der “Eingeborenen Organisationen Brasilianisch-Amazoniens” unterstützt wird, veranstaltete die erste, zweite und dritte “Eigeborenen-Versammlung des Javari-Tals” in den Jahren 1992 (beim Posten der Marubo vom Rio Curuça), 1995 (im Dorf “Liberdade” am Oberen Ituí, zum ersten Male nahmen daran auch Vertreter der Matís teil) und 1997 (im Marubo-Dorf am Rio Curuça).
Zu den vom CIVAJA erreichten Ergebnissen gehören: die Militär-Operation vom Juli 1994 bis März 1995, bei der Holz beschlagnahmt wurde, welches illegal aus dem Grenzbereeich der indianischen Wohngebiete extrahiert wurde – die zweimalige Besetzung des regionalen FUNAI-Amtssitzes (1995 und 1997), motiviert durch die Behauptungen einiger Beamter, die sich auf die Seite der Holzdiebe stellten und die Anstrengungen der Indianer als autonome Aktion verurteilten – die Anwesenheit der Einheit “Ärzte ohne Grenzen” während zweier Jahre – anstatt von acht Monaten, wie es normalerweise Norm ist – seit 1995 zur Bekämpfung der Malaria, sowie einer Spende von Mikroskopen und Aussenbordmotoren zur Beweglichkeit der Gesundheits-Agenten – die Installierung von 16 Funkgeräten durch den Verein “Amigos da Terra”, mit denen die verschiedenen Lokalitäten des Javarí-Areals mit dem Hauptsitz der CIVAJA in Atalaia do Norte und Cruzeiro do Sul Verbindung halten konnten, diese beiden Städte werden von den Marubo regelmässig frequentiert, aus geschäftlichen und gesundheitlichen Gründen – und schliesslich noch die Beschleunigung der Anerkennung des Berichts zur Identifizierung und Abgrenzung des bereits genannten “Javari-Reservats”.
Die offiziellen Eintragungen bezüglich der Marubo-Ethnografie gehen auf Delvair Montagner und Julio Cezar Melatti zurück, die verschiedene Zeitabschnitte mit Feldforschungen zwischen den 70er und 80er Jahren verbrachten. Die Klassifizierung der Krankheiten und der von den Marubo benutzten Heilmittel, sowie ihre Heil-Riten, wurden in Montaners Doktorarbeit abgehandelt, die er an der Universität von Brasília schrieb, und die später im Buch “A Morada das Almas” zusammengefasst worden ist, veröffentlicht vom Goeldi-Museum (Belém). Die von diesen Wissenschaftlern publizierten Artikel befassen sich auch mit Körperschmuck, der Keramik und der Küche der Marubo. Die Artikel von Melatti behandeln Fragen bezüglich der Verwandtschaft, der Mythologie und des interethnischen Kontakts. Er redigierte auch das Kapitel über die Marubo im Buch Javari, das von der CEDI veröffentlicht wurde, einer Institution, die heute im “Instituto Socioambiental” integriert ist. Die beiden Forscher schrieben zusammen auch Artikel bezüglich der Konstruktion und Symbologie des Hauses, sowie dem Umgang mit den Kindern.
Ein persönlicher Bericht von Terri Valle de Aquino und ein andere, anerkannt vom Präsidenten der FUNAI, Walter Coutinho Junior, bezüglich der Identifikation und Begrenzung des IT Vale do Javari, bringen substanzielle Daten über die Probleme der Marubo mit der Anerkennung ihres Landes, mit der Gesundheit, der Erziehung, der Wirtschaft und des Bevölkerungswachstums. Erst kürzlich hat sich Delvair Montagner der Erarbeitung von Videos gewidmet. Er hat beim Video “Marubo”, von Nilson Araújo, assistiert – dieser vermittelt einen Eindruck vom Leben dieses Volkes, andere Werke von ihm sind “Meninos Nus” (Nackte Kinder), über das Leben indianischer Kinder, und “Passado Presente” (Gegenwärtige Vergangenheit), mit Aussagen von drei eingeborenen Frauen, welche von den Matsé geraubt wurden, unter ihnen eine Marubo.
Zwei neue Untersuchungen betreffs der Marubo sind im Gange: eine über die internen politischen Zusammenhänge – von Javier Ruedas, der seine Doktorarbeit an der Uni von Tulane in USA schreibt, und die andere betrifft die Musik der Marubo, Guilherme Werlang Couto schreibt darüberseine Doktorarbeit an der schottischen Universität von Saint Andrews.
Der Pastor John Jansma widmet sich dem Erlernen der Marubo-Sprache seit den 60er Jahren, mit dem Ziel, die biblischen Texte zu übersetzen, das Evangelium zu verkünden und Karten für die Alphabetisierung zu erarbeiten. Mit einer Untersuchung mehr akademischen Charakters erarbeitet Rachel Costa eine These für ihre Doktorarbeit bezüglich der Marubo-Sprache.
Deutsche Übersetzung/Bearbeitung, Klaus D. Günther