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Entgiften - Adsorption von Pharmaka
In den 1980er Jahren wurden zahlreiche humanmedizinische Studien zum Einsatz von Aktivkohle bei Vergiftungen veröffentlicht, aus denen sich wesentliche Rückschlüsse auf den Einsatz von Pflanzenkohle als Futtermittel ziehen lassen [253]. Die adsorbierende Wirkung von Aktivkohle kann zur Verhinderung der gastrointestinalen Aufnahme der meisten Medikamente und zahlreicher Toxine eingesetzt werden [550], wobei die Behandlung mit Pflanzenkohle in der Regel wirksamer als das Auspumpen des Mageninhaltes ist. Die wiederholte Einnahme von aktivierter Holzkohle verbessert die Eliminierung toxikologisch hochwirksamer Stoffe wie Aspirin, Carbamazepin, Dapson, Dextropropoxyphen, Herzglykosiden wie Dioxin und Digitoxin, Meprobamat (ein Vorläufer-Beruhigungsmittel der heute gebräuchlicheren Benzodiazepine), Phenobarbiton (auch Phenobarbital), Phenytoin (die letzten drei Substanzen sind Bestandteil von Beruhigungs- und Schlafmitteln bzw. Medikamenten gegen Epilepsie) und Theophyllin (ein Methylxanth in aus der Gruppe der Antiasthmatika). Zudem beschleunigt sie die Eliminierung vieler Industrie- und Umweltgifte.
Bei akuten Vergiftungen werden bei Erwachsenen 50 bis 100g aktivierter Pflanzenkohle und bei Kindern etwa 1g pro kg Körpergewicht verabreicht [550]. Die Autoren machen zudem darauf aufinerksam, dass keine ernsten Nebenwirkungen bei versehentlicher Einnahme bekannt sind. Finnische Ärzte empfehlen die wiederholte Einnahme von Holzkohle, um das Risiko zu vermindern, dass Toxine während der Passage durch den Verdauungstrakt vom Pflanzenkohle-Toxin-Komplex wieder desorbiert werden [577]. Im Allgemeinen gilt, dass wiederholte Verabreichung von Holzkohle die Wirksamkeit erhöht [184, 193].
Pestizide und Umwelttoxine
Die hervorragenden Adsorptionseigenschaften von Pflanzenkohle in Bezug auf zahlreiche Pestizide und Herbizide (z. B. [320, 528, 814]), deren Spuren sich häufig in Tierfutter finden [699], ist ein immer wichtigerer Grund für den Einsatz von Pflanzenkohle. Von besonderer Bedeutung ist hier die Adsorption von Glyphosat, einem Herbizid, das derzeit die meisten aus Südamerika importierten Futtermittel aus genmodifiziertem Mais, Raps und Soja kontaminiert. Ein weiterer Grund ist die seit Mai 2014 in Deutschland verbotene, aber in einigen Ländern noch immer zugelassene Sikkation mit Herbiziden kurz vor der Getreideernte [109]. Neben der Immobilisierung von Magnesium und Zink weist Glyphosat eine stark antibiotische Wirkung auf [520] und steht unter Verdacht, chronischen Botulismus zu verursachen oder zu begünstigen [301, 699]. Wie Herath et al. [355] zeigten, weisen aktivierte Pflanzenkohlen, die bei Temperaturen von über 700 °C hergestellt wurden, sehr gute Adsorptionseigenschaften für Glyphosat im sauren Milieu auf. Bei einem pH-Wert von 4 konnten 82% des in Wasser gelösten Glyphosats durch die Pflanzenkohle adsorbiert werden.
Quelle: "Biokohle" Springer Vieweg-Verlag
Die in Klammern gesetzte Nummern referenzieren im Buch auf die jeweiligen Studien.