Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03637.jsonl.gz/780

populärer wurde als er durch seine Scenen aus Neuengland und aus der Bretagne. Aus der überaus reichen Zahl derselben nennen
wir nur die beiden sehr sorgfältig ausgeführten: durch die Felder und die Heimkehr der Hopfensammler (1863), sodann Heuernte
in der Bretagne und wandernde Gedanken (1865), die Andacht am Weg (1866), die besonders gerühmten Puritaner
in Neuengland auf dem Weg zum Gottesdienst (1867), Hirtenscene aus der Bretagne (1868), und humoristischen Inhalts: Gleichgültigkeit
und ländliche Toilette, Landleute, die am Weihnachtsmorgen zu Markt ziehen, das sehr amüsante
Alter der Galanterie, sowie
mehrere Scenen nach
Longfellows Gedichten und Washington Irvings «Skizzenbuch». Ebenso
aus den letzten Jahren die beliebt gewordenen Bilder: kälter als der
Schnee, Frühlingszeit, wegziehende
Vögel, herannahender
Winter, der Erbe (1873), Canterbury-Pilger (1874), graue Tage und
die Bürdenträger (1875), Hirtenscene aus Surrey (1876), heimwärts,
Schnee im Frühling (1877), das Ende der Flitterwochen und grüne und dürre Blätter (1878).
(spr. bug'róh),WilliamAdolphe, franz.
Historienmaler, geb. zu La Rochelle (Gironde), kam in ein kaufmännisches Geschäft
zu Bordeaux und besuchte daneben einige Stunden der Zeichenschule, wo er aber von seinen Kameraden wegen seines unkünstlerischen
Standes viel zu leiden hatte. Er faßte daher den Entschluß, Maler zu werden, und ging zu einem Oheim,
bei dem er sich durch Porträtmalen so viel erübrigte, daß er in Paris Schüler Picots wurde und von 1843 an die Écoledes beaux-arts besuchte. Er erhielt 1850 den großen Preis für Rom und sandte von hier mehrere Bilder nach Paris, unter
denen 1854 der in die Katakomben getragene Leichnam der heil. Cäcilia großes
Aufsehen erregte.
Derselbe kam nebst den spätern Bildern: Philomele und Prokne (1861) und Mater afflictorum (1877),
ins Museum des Luxembourg. Sie haben, wie seine Kirchengemälde, eine gewisse stilistische Größe und Würde der Formen,
sind trefflich gezeichnet und modelliert, aber ziemlich
arm an Phantasie und Gefühl. Häufig begnügt
er sich damit, den menschlichen Körper in unverhüllter Schönheit zu zeigen, z. B. in den
mythologischen Bildern: Venus den verwundeten Amor liebkosend (1859), Faun und Bacchantin (1861) und Bacchantin (1863, Museum
in Bordeaux), oder er bringt einfache Gruppen idealer Figuren,
wie: der erste Streit und der Friede (1861) und
die Caritas, in denen ein edler
Rhythmus der Bewegung und eine etwas üppig gehaltene, aber nicht ins Sinnliche übergehende
Form herrschen.
Als in Paris sein Ruf begründet war, wurde er auch mit manchen dekorativen Arbeiten und Wandmalereien beauftragt, die er
mit großem Geschick ausführte, so im Haus Bartholony und im Hôtel Pereira, in den Kirchen Ste.
Clotilde und St.
Augustin und 1866 im Theatersaal zu Bordeaux. Wie er sich bei der großen Pariser Ausstellung von 1867 mit
zahlreichen Bildern beteiligt hatte, darunter auch mehrere Porträte, so auch bei der von 1878 und bei der Münchener 1879,
wo unter den drei Bildern: Verlöbnis der heil. Anna,
Nymphen und Geburt der Venus besonders letzteres
allgemein bewundert wurde (ebenfalls im Luxembourg). Nachdem er bereits 1859 das Ritterkreuz der Ehrenlegion erhalten hatte,
wurde er 1876 Offizier derselben, in demselben Jahr auch Mitglied der Kunstakademie in Paris.
(spr. bulangschéh),GustaveRodolphe Clarence, franz.
Historienmaler, geb. zu Paris, genoß den Unterricht in der Écoledes beaux-arts, wurde Schüler von Jollivet und
Paul Delaroche und hielt sich, nachdem er 1849 für das Bild: Odysseus und
Eurykleia den großen Preis für Rom erhalten hatte, bis 1856 in Italien auf, von wo aus er sich zunächst
durch sein Bild: Cäsar am Rubico bekannt machte. Dann besuchte er Algerien und brachte mehrere recht lebendige, auch in
der Farbe trefflich wirkende Scenen aus dem Hirtenleben der Araber, z. B.: der Emir, Erinnerung
an Blidah, arabischer Märchenerzähler, Reiter in der Sahara, Kabylen auf der Flucht, wurde aber dem zuerst
gewählten
¶
mehr
Fach der sittenbildlichen Zustände und Schilderungen aus dem klassischen Altertum, in denen er wenigstens den äußern Charakter
gut zu treffen weiß, aber hinter dem ihm sonst ähnlichen Gérôme zurücksteht, nicht untreu. Hauptbilder der letztern Art
sind z. B.: eine Probe im Haus des tragischen Dichters (1857), die spinnende Lucretia, Lesbia
mit dem Sperling, eine Cella Frigidaria mit badenden Frauen, der etwas manierierte Herkules bei der Omphale
(1861), Cäsar auf dem Wintermarsch, und insbesondere aus den letzten Jahren: Sommerbad in Pompeji (1876),
Scene aus der Geschichte des heil. Sebastian (1877), römische Schauspieler
ihre Rollen einübend und die Via Appia zur Zeit des Augustus. Im Atrium des Hôtel Pompéien in Paris malte
er mehrere Bilder nach Hesiod und im Tanzsaal der Neuen Oper die verschiedenen Phasen des Tanzes mit 20 Porträten von Tänzern. 1865 erhielt
er das Kreuz der Ehrenlegion.