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seit 1862
Am 31. März 1835 wurde in der norddeutschen Stadt Kiel Christian Friedrich Johann Schmidt als sechstes Kind eines Kürschners geboren. Während Mutter Schmidt aus dem holsteinischen Dittmarschen stammte, war der Kürschnermeister seinerzeit aus Württemberg zugewandert. Die Spuren, wonach er noch früher unter dem Namen Schmid aus der Schweiz nach Deutschland gekommen sein soll, verlieren sich allerdings in alten Schriften und Dokumenten. Nach einer unbeschwerten Kindheit verlor Christian im Alter von erst dreizehn Jahren kurz nacheinander Vater und Mutter. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Carl wurde er bei einem Gärtnermeister in Kost gegeben, der seine Schützlinge mit viel Güte betreute.
Anders als seine drei Brüder, die alle den Beruf des Vaters erlernten, äusserte Christian den Wunsch, Maler zu werden. Sein feines Beobachtungsvermögen und sein zeichnerisches Talent fielen denn auch schon früh auf.
Die fünf Lehrjahre waren allerdings eine harte Zeit, an die der spätere Malermeister nur ungern zurückdachte: Tagwache für die Lehrlinge war jahrein, jahraus um fünf Uhr, danach Stiefelputzen für Gesellen und Meistersfamilie und Frühstück in Form von dünnem Kaffee.
Beladen mit Blei- oder Zinkweiss, Mischfarben und den Arbeitskleidern für die Gesellen trabten die Lehrlinge anschliessend zum Arbeitsplatz. Nach einer viertelstündigen Mittagspause ging es bis abends sieben Uhr weiter. Während für die Gesellen danach Feierabend war, mussten die Lehrlinge – ehe sie zum «Zabig» zwei Schnitten Schwarzbrot und frisches Wasser vom Brunnen erhielten; aufräumen, Pinsel waschen und fertige Möbel zu den Kunden austragen. Oft genug wurden sie obendrein auch noch sonntags als «Gehülfen» an fremde Meister «ausgeliehen».
zum Familienleben
Nach damaliger Sitte wurde der Neuankömmling von Malermeister J.J. Fleckenstein nicht nur ins Geschäft, sondern auch in die Familie aufgenommen. Christian Schmidt fühlte sich bald heimisch, arbeitete fleissig, und alle waren daher zufrieden, als er sich im Sommer 1860 mit Fleckensteins älterer Tochter, Süsette verlobte und sie am 8. Oktober 1861 heiratete.
Das junge Paar lebte vorerst im Hause der Eltern, und das Familienleben mit den drei Kindern Christian Jakob (24.7.1862), Süsette (29.1.1864) und Carl Heinrich (17.10.1867) gestaltete sich überaus harmonisch. An Neujahr 1862 übergab Vater Fleckenstein das Geschäft seinem Sohn Jacques und seinem Schwiegersohn Christian und behielt selbst noch für einige Zeit die Herstellung von Boots- und Wagendecken unter eigener Kontrolle, bis dieser Geschäftszweig im Zuge der Zeit unrentabel wurde.
Die Firma trug von da an offiziell den Namen FLECKENSTEIN & SCHMIDT und wurde unter den beiden neuen Inhabern bald in der ganzen Ostschweiz bekannt. Die Aufträge häuften sich: Man arbeitete in Chur, Bad Ragaz, Bern, Luzern, St. Moritz und an vielen andern Orten. Bei all diesen auswärtigen Arbeiten leitete Christian Schmidt immer die Ausführung, legte selbst Hand an und war seinen Angestellten Vorbild. 1868 übersiedelte Christian Schmidt mit seiner Familie aus dem schwieger- elterlichen Haus ins «Haus zur Seeau».
Während das Geschäft blühte, trübte sich leider im Verlaufe der Jahre das Einvernehmen der beiden Associes. Trost in dieser Zeit der Meinungsverschiedenheiten fand Christian Schmidt im Zeichnen und Malen der Natur. Immer öfter stellte er Landschaftsbilder und Stilleben auf Ausstellungen aus und schuf sich damit einen guten Ruf auch als Kunstmaler.
1882 – das Malergeschäft in Zürich
Die Spannung zwischen den beiden Teilhabern führte indes dazu, dass sich Christian Schmidt Ende 1882 entschloss, aus dem Geschäft auszuscheiden. An der Hafnerstrasse 27 in Zürich erwarb er von Hans Wildermuth Anwesen, Wohnhaus, Werkstatt und Malereigeschäft und machte sich mit seiner ganzen Energie und Schaffensfreude daran, die neue Aufgabe anzupacken: sein eigenes Malergeschäft in Zürich aufzubauen.
Der Haushalt wurde gemeinsam von Mutter und Tochter Süsette besorgt; daneben kümmerte sich die Tochter auch um Geschäftsbücher und Korrespondenz. Sohn Christian Jakob hatte die Malerlehre und weiterbildende Kurse an der Kunstgewerbeschule in Zürich bereits hinter sich und war zum Erlernen der Holz- und Marmoriertechnik nach Paris gereist.
Der jüngere Sohn Carl, absolvierte in Winterthur eine Gipserlehre, um später die Stukkaturabteilung des Geschäfts übernehmen zu können. Für den Sommer 1883 war in Zürich, in unmittelbarer Nachbarschaft der Schmidt’schen Liegenschaft, eine Landesausstellung geplant, und Christian Schmidt erhielt dafür eine Fülle von Aufträgen. Dabei kamen ihm die Referenzen zustatten, die er sich bei seinen früheren Arbeiten in der ganzen Schweiz erworben hatte. Da sich aber leider der Gesundheitszustand des Vaters zu verschlechtern begann, musste Sohn Christian Jakob, der sich inzwischen zur Weiterbildung in Berlin aufhielt, zurückkehren und dem Vater bei der Führung des Geschäfts und der inzwischen rund dreissig Angestellten beistehen.
Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Maltechnik fällt in diese Zeit: Als die Münchner Fabrik Keim & Recknagel einen Schweizer Vertreter für die neuartige Technik der Mineralmalerei suchte, reiste Christian Jakob Schmidt nach München, machte sich mit der neuen Technik vertraut und erhielt für das väterliche Geschäft die Schweizer Vertretung der Keim’schen Mineralfarben.
Dies war der Anfang eines neuen Geschäftszweiges: der kunstgerechten Restaurierung alter Fresken. Nach der ersten gelungenen «Feuerprobe», der Instandstellung der Renaissancefassade am Haus zum «Weissen Adler» in Stein am Rhein, betraute die «Gesellschaft für Erhaltung Schweizerischer Baudenkmäler» die Firma Schmidt regelmässig mit denkmalschützerischen Aufträgen: Neben vielen andern wurden im Laufe der Jahre beispielsweise die Schlösser von Sargans und Rhäzüns, Sully, Waltalingen, Baden und Cham sowie viele künstlerisch wertvolle Hausfassaden und Kirchen in der ganzen Schweiz fachgerecht und liebevoll restauriert.
Angesichts der vielen Aufträge erwiesen sich die Geschäftsräume bald einmal als zu klein. Christian Schmidt entschloss sich daher, einen Teil des ehemaligen Landesausstellungs-Areals von der Stadt zu erwerben und darauf ein Wohn- und ein Geschäftshaus zu errichten. 1889 konnten an der Hafnerstrasse 45/47 – heute noch Sitz der Firma – neue, geräumige Werkstätten für Flachmaler sowie Ateliers für Kunst- und Dekorationsmalerei bezogen werden.
Leider gab die Gesundheit von Vater Schmidt immer mehr zu Besorgnis Anlass. 1895 übergab er deshalb das Geschäft seinen beiden Söhnen. Er selbst führte zwar noch gelegentlich Auftragsarbeiten aus, widmete sich daneben aber vor allem seinem geliebten Zeichnen und machte auch noch einige Reisen. Nach einem geruhsamen Lebensabend, den er zusammen mit seiner Frau bei der verwitweten Tochter in Wädenswil verbrachte, starb Christian Friedrich Schmidt am 27. Oktober 1911 in seinem 77. Lebensjahr.
In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre, kurz nachdem das Geschäft auf die beiden Söhne Christian Jakob und Carl Heinrich übergegangen war, wurden an der Hardturmstrasse grössere und zweckdienliche Räume für die Gipsereiabteilung errichtet. Leider erwies sich indes die Stukkaturabteilung – dem Zuge der Zeit gehorchend – als wenig lukrativ, so dass dieser Firmenzweig schliesslich aufgehoben wurde. Um so erfreulicher entwickelte sich das Malergeschäft, und unter der Leitung von Christian Jakob Schmidt wurden bis zum Kriegsbeginn 1914 in der ganzen Schweiz viele bedeutende Arbeiten, v. a. auch dekorativer Natur, ausgeführt.
Einige der wichtigsten: Schloss Ripaille bei Thonon, Schloss Tarasp, grössere Hotelarbeiten im Engadin, die Rathausfassaden in Rapperswil, Stein am Rhein und Schwyz sowie die Fassadengestaltung des Schweizerischen Landesmuseums. Für Christian Jakob Schmidt bedeutete dies, dass er häufig unterwegs sein musste. Die Freizeit indes gehörte seiner Familie: Seiner Frau Anna, geb. Erni, der Tochter Elisabeth und den beiden Söhnen Georg Christian und Friedrich. Während der ältere Sohn, Georg, an der ETH das Ingenieurstudium absolvierte, machte der jüngere, Fritz, die Malerlehre und besuchte zur Weiterbildung die Kunstgewerbeschule von Vevey, um anschliessend im väterlichen Betrieb mitzuhelfen. 1924 berief der Vater, mit dessen Augenlicht es nicht mehr zum besten bestellt war, auch seinen Sohn Georg in die Firma. Zusammen übernahmen die beiden Brüder 1930 das Geschäft, so dass sich der Vater noch einige geruhsame Jahre in seinem Haus auf der Mauer 8 in Zürich gönnen konnte, wo er anfangs 1937 starb. Bis kurz vor seinem Tod hatte er sich noch als Präsident der Meisterprüfungskommission für das Malergewerbe zur Verfügung gestellt. Unter dem Namen CHRISTIAN SCHMIDT SÖHNE wurde die Firma von 1930 an von den Brüdern Georg und Fritz Schmidt gemeinsam geführt.
Die Gemeinsamkeit berührte dabei nicht nur den geschäftlichen, sondern durchaus auch den privaten Bereich: An der Hafnerstrasse 45/47, wo in den dreissiger und vierziger Jahren bis zu sechzig Angestellte beschäftigt waren, tummelte sich bald auch eine ausgelassene Kinderschar. Acht Kinder wuchsen hier unter einem Dach auf. Schwierig genug gestalteten sich die Jahre des Zweiten Weltkriegs, da der ältere Bruder gleich zu Beginn einrücken musste. Fritz Schmidt hielt zuhause die Stellung, und als später auch er eingezogen wurde, sprangen die Gattinnen, Tidi Schmidt-Pfenninger und Ida Schmidt-Streuli, in die Bresche und sorgten mit Hilfe leitender Angestellten und in ständigem telefonischen Kontakt mit ihren Ehemännern dafür, dass die Arbeit im Geschäft nicht liegenblieb. In den fünfziger Jahren schliesslich bildeten die Brüder auch Baukonsortien und trugen auf diese Weise ebenfalls dazu bei, dass es an Arbeit in der Firma nie mangelte. Während sich Georg mehr um den organisatorischen Bereich kümmerte und sich daneben auch stark im Berufsverband engagierte, widmete sich Fritz mit Akribie der täglich anfallenden praktischen Arbeit, den Angestellten und dem grossen Kundenkreis. Fritz Schmidt starb 1960 nach kurzer, schwerer Krankheit unerwartet.
Noch einige Jahre führte Georg Schmidt in der Folge das Geschäft allein weiter, um es schliesslich 1967 seinem Sohn Hans Christian zu übergeben, der inzwischen seinerseits nach der Lehre und dem Besuch der Kunstgewerbeschule Zürich die Meisterprüfung abgelegt und seine Ausbildung in Paris und in den USA vervollkommnet hatte. Dank der tatkräftigen Unterstützung durch seine Geschäftsführer konnte Christian Schmidt sich wieder vermehrt der Dekorationsmalerei widmen: Er reaktivierte erfolgreich alte Maltechniken und führte regelmässig anspruchsvolle Arbeiten durch. Zu den bemerkenswertesten Aufträgen gehören dabei die Renovation der Zürcher Liebfrauenkirche, des alten Zürichsee-Raddampfers STADT RAPPERSWIL und des Zürcher Opernhauses. Besondere Genugtuung bereitete es ihm, als er im Zuge der Aussenrenovation des Schweizerischen Landesmuseums mit den Malerarbeiten betraut wurde und unter anderem einen Fries restaurieren konnte, den seinerzeit sein Grossvater unter Mithilfe von Eduard Gubler, gestaltet hatte.
Ein weiterer grosser Schritt erfolgte im Jahr 1999 als Hennes Widmer, nach einem Jahr als Geschäftsführer, das Unternehmen übernahm und seit dem leitet. Der Gedanke und die Philosophie des Betriebes sollen erhalten bleiben und weiterhin alte und neue Techniken hochgehalten werden.