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Bern, 01.11.2019 – Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) hat den dritten Bericht zum Zustand des Nationalstrassennetzes publiziert. Dieser kommt zum Schluss, dass sich das Netz in einem guten Gesamtzustand befindet. Um dies weiterhin gewährleisten zu können, werden künftig tendenziell mehr Investitionen in den Unterhalt nötig sein. Dies gilt umso mehr, als per 1. Januar 2020 rund 400 Kilometer heutiger Kantonsstrassen ins Nationalstrassennetz aufgenommen werden («Neuer Netzbeschluss NEB»).
Der Netzzustandsbericht zeigt, dass die Nationalstrassen gut instandgehalten werden und sich das Netz insgesamt in einem guten Zustand befindet. Aufgrund der Alterung der Nationalstrassen, der zunehmenden Beanspruchung und der per 1. Januar 2020 erfolgenden Übertragung von rund 400 Kilometern Kantonsstrassen an den Bund werden die Unterhaltskosten künftig tendenziell aber steigen. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) wird die vorhandenen Mittel daher noch zielgerichteter und effizienter einsetzen. Volk und Stände haben mit dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) die Voraussetzungen geschaffen, um die dafür nötigen Finanzen zu sichern.
Keine Mängel bei der Sicherheit
Die Zustandserfassung umfasst die Fahrbahnen und Beläge, Kunstbauten, Tunnel und Untertagebauten sowie die Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen. Bei den Fahrbahnen und Belägen wurden 96 Prozent als gut oder mittel bewertet, etwas mehr als 3 Prozent als ausreichend und weniger als 1 Prozent als kritisch (kritisch = grosse Schäden ohne Auswirkung auf die Tragsicherheit oder Verkehrssicherheit; bedingen mittelfristig eine Intervention). Wiederum wurden keine als schlecht klassifizierten Fahrbahnen und Beläge festgestellt, welche dringliche Massnahmen erfordern würden (z.B. Belagsersatz innert weniger Wochen).
Bei den Kunstbauten wurden 9315 (knapp 88 Prozent) als gut oder akzeptabel bewertet, 1123 (rund 10 Prozent) als beschädigt (beschädigt = mittelschwere Schäden ohne Auswirkung auf die Sicherheit; bedingen verschärfte Überwachung), 155 (1,5 Prozent) als schlecht (schlecht = grosse Schäden ohne Auswirkung auf die Tragsicherheit oder Verkehrssicherheit; bedingen mittelfristig eine Intervention). Als alarmierend (= erfordert dringliche Massnahmen) eingestuft wurden 20 Kunstbauten. Dabei handelt es sich jedoch ausschliesslich um defekte Maschendrahtzäune und Wasserdurchlässe, welche für die Verkehrs- und Betriebssicherheit eine marginale Rolle spielen. Brücken finden sich keine darunter. Die Sicherheit ist auch bei den als schlecht bewerteten Kunstbauten jederzeit gewährleistet. Um langfristig eine hohe Qualität zu halten, will der Bund verstärkt in den Unterhalt der Kunstbauten investieren.
156 (gut 82 Prozent) Tunnels und Untertagbauten sind in einem guten oder als akzeptabel bewerteten Zustand, 28 (knapp 15 Prozent) wurden als beschädigt eingestuft (beschädigt = mittelschwere Schäden ohne Auswirkung auf die Sicherheit; bedingen verschärfte Überwachung) und 5 (knapp 3 Prozent) wurden als schlecht bewertet (schlecht = grosse Schäden ohne Auswirkung auf die Tragsicherheit oder Verkehrssicherheit; bedingen mittelfristig eine Intervention). Es gibt aber kein Bauwerk, das als alarmierend eingestuft wurde. Bei den Betriebs- und Sicherheitsanlagen wurden 98 Prozent als gut oder annehmbar bewertet. Dies widerspiegelt das hohe Sicherheitsniveau der Nationalstrassen. Die Gesamtbeurteilung ergab für 2018 insgesamt leicht bessere Werte als im Vorjahr.
Weiter zeigt der Bericht den Stand des Ausbaus des Nationalstrassennetzes bezüglich Verbesserung des Verkehrsflusses, des Umweltschutzes (Lärm- und Gewässerschutz, Wildtierkorridore) und der Massnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit (z.B. Verbesserung Tunnelsicherheit, Schwerverkehrskontrollzentren, Schutz vor Naturgefahren).
Bedeutung der Nationalstrassen
2017 bewältigten die Nationalstrassen 41 Prozent des gesamten Strassenverkehrs und 71 Prozent des gesamten Güterverkehrs auf der Strasse, obwohl sie nur 2,6 Prozent des gesamten Strassennetzes der Schweiz ausmachen. Sie sind für Gesellschaft und Wirtschaft entsprechend bedeutend. Daher ist es unerlässlich, ihren Zustand auf dem bestmöglichen Niveau zu halten. Das schweizerische Nationalstrassennetz wurde mehrheitlich in den 1960er bis 1980er Jahren gebaut. Es ist heute also 40 bis 60 Jahre alt. Insgesamt umfasste es Ende 2018 eine Länge von 1859 Kilometer.
Zustandserfassung Nationalstrassen
Die einzelnen Bauwerke werden alle fünf Jahre umfassend inspiziert und beurteilt. Dabei werden die einzelnen Anlagen und Elemente eines Bauwerks genauso untersucht, wie dessen Gesamteindruck. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die Planung der Unterhaltsarbeiten auf dem Nationalstrassennetz.
Der neue Netzzustandsbericht gibt den Stand per Ende 2018 wider. Sanierungsarbeiten, welche 2019 gestartet oder durchgeführt wurden, sind darin nicht berücksichtigt.
Bei Bauwerken, welche in die Zustandsklassen 1 bis 4 eingeteilt werden, ist die Sicherheit nicht in Frage gestellt. Bei Bauwerken der Klasse 4 sind situativ mittelfristige Massnahmen notwendig. Bei Bauwerken der Stufe 5 werden kurzfristigere Massnahmen notwendig, wobei weder die generelle Sicherheit noch die Verkehrssicherheit in Frage gestellt sind. Bei Brücken kann dies beispielsweise eine temporäre Reduktion der Belastung (Gewichtslimite für Fahrzeuge) oder der Ersatz der Fahrbahnübergänge sein.
Bei rund 16 Prozent der Kunstbauten erfolgte bis Ende 2018 noch keine Zustandserfassung. Es handelt sich dabei um kleinere Mauern oder Wasserdurchlässe, welche für die Sicherheit und Verfügbarkeit vernachlässigbar sind. Deren Zustand wird jeweils im Zuge der konkreten Unterhaltsplanung für den jeweiligen Abschnitt erfasst.
Mehr Informationen zur Methodik sind im Zustandsbericht auf den Seiten 20 und 21 aufgeführt.