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Mit manchen seiner Völker steht wohl jeder Imker auf Kriegsfuss. Vielleicht verwandeln sie jede Begegnung zu einer Nahkampfsportart, weigerten sich hartnäckig den Honigraum zu betreten oder
sassen zur Schwarmzeit ständig auf gepackten Koffern? Schuld daran ist wie immer ihre „Regierung“. Im August lassen sich solche Königinnen am einfachsten „entsorgen“: vor Beginn der
Spätsommerpflege werden sie mitsamt ihren Bienen vor das Flugloch eines anderen Wirtschaftsvolkes geschlagen (siehe Monatsbetrachtung August).
Doch nicht nur Makel im Verhalten ihrer Nachkommen bezahlen meine Königinnen mit dem Leben. Noch im Juli enthielt mein Völkerbestand drei Altersgruppen: in diesem Jahr im Mai gebildete Jungvölker (= Ableger) mit 0-jährigen Königinnen, sowie Altvölker (= Wirtschaftsvölker) mit 1-jährigen oder mit 2-jährigen Königinnen. Eingefüttert werden nur noch zwei Altersgruppen. Beim Einengen im August löse ich Altvölker mit den 2-jährigen Königinnen konsequent auf und verstärke mit ihnen die Völker 1-jähriger Königinnen. Meine Völkerbilanz stimmt trotzdem, denn aus jedem Altvolk habe ich ja mindestens 2 Ableger gebildet (siehe Monatsbetrachtung Mai), die aufgelöste Wirtschaftsvölker in der nächsten Saison ersetzen. Angenehme Nebeneffekte dieser Völkerverjüngung:
Mit Abstand die besten Völker im neuen Jahr bilden jedoch stets meine Ableger. Im Mai als weiselloser 1-Waben-Brutableger oder mit nur 1’000 Bienen und einer unbegatteten Königin gebildet, sind diese winzigen Völkchen im Jahr ihrer Entstehung für Unerfahrene monatelang Sorgenkinder. Anfang August füllen sie gerade eine halbe Zarge, doch in ihr erstes Wirtschaftsjahr starten sie mit unglaublicher Vitalität. Wichtigste Voraussetzung dafür: Ableger in ihrer Entwicklung nicht stören! Anders als die Altvölker legen sie ab der Sommersonnenwende erst richtig los (Abb.4). Im August erreichen sie ihr Brutmaximum, drei Wochen später ist die grösste Anzahl Bienen vorhanden. Altvölker enthalten zu dieser Zeit bereits nur noch die Hälfte ihrer Bienen und etwa ein Fünftel ihrer sommerlichen Brutstärke. Dies liegt nicht unbedingt an ihrer älteren Königin. Mitteleuropäische Bienenvölker streben eine Winterstärke von etwa 10’000 Tieren an. Sie scheinen im Juli „durchzuzählen“, Ableger legen sich ab diesem Termin ins Zeug, Altvölker auf die faule Haut.
Die Populations-Eentwicklung von Wirtschaftsvölkern und im aktuellen Jahr gebildeten Ablegern zeigt völlig unterschiedliche Verläufe. Ab der Sommersonnenwende bauen erstere ab, Jungvölker legen
richtig los. Die Spätsommerpflege mit Varroa-Behandlung und Winter-Einfütterung sollte entsprechend terminiert werden.
Bis Anfang September werden meine Ableger möglichst nur im Abstand von 1-2 Wochen zu Futterkontrollen und dem Einschieben von Mittelwänden ins Brutnest behelligt (Abb.5). Mit Varroa-Behandlung und Vereinigung störe ich erst im September.
Alte Königinnen und zu neugierige Jungimker führen manches Mal zu weisellosen Völkern. Im September/Oktober kann meist keine neue Königin mehr beschafft werden, nur noch wenig Brut ist vorhanden,
die Männer sind „aus“. Dafür sind die Völker um diese Jahreszeit jedoch viel eher bereit, eine fremde Königin zu akzeptieren. Jungvölker, die im September/Oktober weder Stifte noch sonstige Brut
aufweisen, werden vor einer eventuellen Vereinigung oder Einwinterung genau untersucht. In buckelbrütigen Völkern (Abb.10) haben meist Arbeiterinnen die Königinnenrolle übernommen und legen
Drohneneier in Arbeiterinnenzellen. Solche Bienen werden einige Dutzend Meter von den Völkern entfernt bei gutem Flugwetter vollständig ins Gras abgeschlagen, ihr Wabenwerk eingeschmolzen. Nur
normalen Arbeiterinnen gelingt die Rückkehr und das Einbetteln in die Nachbarvölker. Einzelne hervorstehende Zellen im sonst makellosen Brutnest sind jedoch kein Grund zur Beunruhigung
(Abb.11).
Lädierte Flügel, haarlos, schwarz und im aufgeregten Zickzack-Schwirrflug unterwegs, wer einmal räubernde Bienen erlebt hat, erkennt sie immer wieder (Abb.12). Im September bei ansonsten
versiegter Tracht entwickeln die Honigbienen auf Jagd nach Wintervorrat eine unschöne Sammelleidenschaft. Zunächst sind es nur einzelne Bienen, die die Stärke ihrer Nachbarvölker prüfen.
Schwächere Ableger, späte Schwärme oder kranke Völker (hoher Varroa-Befall) werden schnell als „leichte Beute“ ausgemacht. Die ersten Spione berichten im Heimatstock über das gefundene Fressen,
innerhalb kürzester Zeit ist am Bienenstand die Hölle los (Abb.13).
Überfallene Völker können durch nachträgliche Fluglochverengung meist nicht mehr gerettet werden, zu gross ist das Durcheinander im Volk, Wächter können eigene Stockgenossinnen nicht mehr von
Räubern unterscheiden, der Stecherei fallen Königin und viele Arbeiterinnen zum Opfer. Leider machen Bienen unter 100 m Entfernung keine genauen Richtungsangaben zur Trachtquelle, deshalb sind
nach dem Weg stellen des überfallenen Volkes alle nebenstehenden, ebenso leicht zu überwältigenden Ableger gefährdet. Mit einer leeren Beute anstelle des beräuberten Volkes oder einem schräg vor
das Flugloch gestellten Brett (Abb.14) gelingt es manchmal die Räuberei etwas einzudämmen. Vorbeugung ist jedoch deutlich effektiver: die Völker im September zügig bearbeiten, möglichst
gleichzeitig und abends ohne Kleckern füttern, bei Ablegern dauerhaft Fluglöcher klein halten und…. Auto mit Futter nichtoffen stehen lassen (Abb.15)! Letztlich gilt: Schuld ist immer der
Imker!

Checkliste - DAS können Sie sich im September schenken!
Aufwändige Kunstschwarmbildung in letzter Minute um kranke Völker zu sanieren. Im Mai mit minimalem Einsatz von Bienen und Brutzellen gebildete Ableger machen wesentlich weniger Arbeit. „Kontinuierlichen Futterstrom“ in Jungvölkern unterhalten, um sie „am Brüten zu halten“. Kontraproduktiv, da bei Überfütterung Räubereigefahr und Platzmangel für Brutzellen.Fütterung von unten. Ausschlecken lassen von Honigresten in einzuschmelzenden Waben. Sind die Räuber einmal alarmiert, sind sie beständig auf der Pirsch. Ein Trugschluss ist auch, dass gut gefütterte Völker das Räubern einstellen.Angst vor zuviel oder zuwenig Trachtnutzung im Herbst. Bienen wissen wie viel Arbeit sie sich zumuten können.Erweitern der Jungvölker mit altem Wabenwerk. Krankheitsherd! Haben sie die Wahl, stiften Königinnen zwar lieber in bereits bebrüteten Zellen, die Volksentwicklung ist auf hellen Waben jedoch letztlich identisch.Alten Königinnen „nachweinen“. Was nutzt ein gutes Volk, das im Winter still umweiselt? Gebt der Jugend eine Chance!Routinemässige Verjüngung des Völkerbestandes durch Vereinigung von je einem Alt- mit einem Jungvolk. Junge Rennpferde brauchen keinen Droschkengaul zur Verstärkung!Vereinigung von Völkern über Zeitungspapier (mit Löchern, mit Honig). Unnötig. Können Ihre Bienen lesen?„Parken“ von Reserveköniginnen in Mini-Ablegerkästchen. Unerhörter Arbeitsaufwand bei Ver- und Entsorgung. Königinnen, die ihre volle Legeleistung erreichen können, duften besser.„In-Alkohol-„ oder „in-Honig-tunken“ der fremden Königin, Einstreuen von Kaffee o.ä. um Annahmequote zu steigern. Aufgeregte Königinnen werden eher abgestochen.Die Altköniginnen im Iltis ertränken, weit entfernt vom Bienenstand „aussetzen“ oder vergraben, um ihre Duftstoffe für die Bienen unauffindbar zu machen. Wer kommt bloss auf solche Ideen? Humaner: zwischen den Fingern zerdrücken oder einfrieren.Schuldzuweisungen an Nachbarn wenn Milben auf den eigenen Bienen rumspringen. Auch die NICHT „hausgemachten“ Milben werden mit Gemülldiagnosen rechtzeitig erkannt.