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Stadtentwicklung und Landnutzung in Gonur Depe, Turkmenistan
Das Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern führt auf Einladung der Margiana-Expedition der Russischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit der EurAsia-Gesellschaft ein zunächst auf 3 Jahre angelegtes Forschungsprojekt in Gonur Depe in Turkmenistan durch, das der Fragestellung der Urbanistik gewidmet ist.
Gonur Depe ist die mit Abstand grösste und bedeutendste bronzezeitliche Siedlung in Südturkmenistan und zählt zum UNESCO-Kulturerbe. Sie liegt ca. 70 km östlich der antiken Stadt Merw und ca. 80 km von der heutigen Bezirksstadt Mary entfernt inmitten der südöstlichen Karakum-Wüste.
Erste bronzezeitliche Siedlungsreste in der Karakum wurden schon in den 50er Jahren erfasst. Eine systematische Erschliessung der Region begann jedoch erst nach der Entdeckung dieser neuen Hochkultur seit den 70er Jahren. Durch grossflächige Surveys und Ausgrabungen wurden zahlreiche Oasengebiete mit über 300 bronzezeitlichen Fundorten erfasst, die sich in grosse, mittlere und kleine Dörfer und Städte gliedern. Gonur Depe ist davon der wichtigste, der am längsten erforschte und am längsten (über 700 Jahre) besiedelte Fundort. Die Fundstätte bildet nicht nur den zentralen Ort der „Gonur-Oase“ mit ihren 21 Siedlungen, sie gilt auch als das religiöse und Verwaltungszentrum der gesamten Region. Gonur depe wurde 1972 von Viktor Sarianidi untersucht, der hier 1972 und 1974 die ersten Testschnitte durchführte. Kontinuierliche Flächengrabungen finden hier seit 1988 statt und dauern bis heute an.
Obwohl Gonur seit Jahrzehnten gegraben wird, sind viele urbanistische Fragestellungen aufgrund des riesigen Areals allein mit Ausgrabungen bisher nicht zu beantworten. Unklar ist nach wie vor, wieweit sich die Ausdehnung der Stadt als Ganzes erstreckte, wie gross die Areale von Gonur Nord und Süd waren und in welchem Verhältnis sie zueinander standen, wieviele Bebauungsringe und Stadtmauern es in Gonur Depe Nord gegeben hat und welchen Verlauf diese nahmen, ob es eine durchgehende Bebauung zwischen Gonur Nord und Gonur Süd gegeben hat, welche Bebauungen welchen Charakters sich im Umfeld von Gonur Süd befanden, welche Flächennutzungen es im Umfeld von Gonur Depe gab, wie die genaue Siedlungsstruktur, die Siedlungsflächen, das Strassen- und Wegenetz, die Flächennutzung der Oase aussahen und vieles mehr.
(Luftbild bereitgestellt von N. Dubova)
Das gemeinsame Projekt der EurAsia mit der Universität Bern will sich dieser urbanistischen Fragestellungen annehmen. Ziel ist es, mit nicht-invasiven Verfahren wie der Fernerkundung (Satellitenbilderauswertung) und der Geophysik (Magnetik, Elektrik und Radar), mit denen sich unter der Erdoberfläche befindliche Strukturen wie z.B. Bauten, Wege, Kanäle oder Furchen erfassen lassen, und mit Oberflächenbegehungen (Surveys) systematisch die bisher nicht gegrabenen Bereiche von Gonur Depe und seiner unmittelbaren Umgebung zu untersuchen und die gewonnenen Ergebnisse in ein Geoinformationssystem (GIS) einzuspeisen. So sollen in Abstimmung mit der russischen Seite die o.g. Fragestellungen schrittweise abgeklärt und relevante Areale für weitere Ausgrabungen herausgefiltert werden.
Die geplanten Arbeiten sind dabei zugleich ein Pilotprojekt, da Untersuchungen dieser Art in Gonur Depe und Umgebung bisher nicht durchgeführt wurden.
Partner
Russische Margiana-Expedition der Russische Akademie der Wissenschaften, Institut für Ethnographie und Anthropologie Miklukho Maklai, Moskau, Leiterin: Prof. Nadezhda Dubova
Abteilung für den Schutz, die Erforschung und Restaurierung der kulturhistorischen Denkmäler Turkmenistans des Ministeriums für Kultur Turkmenistans, Ashgabat, Leiter: Dr. M. A. Mahmedov, Dr. R. Muradov
Historisches Institut der Turkmenischen Akademie der Wissenschaften, Ashgabat, Direktor: Dr. G. Orazmohammedova,
Nationalmuseum Turkmenistans, Ashgabat, Direktor Dr. O. Mammetnurov
Archäologisches Museum, Mary und Archäologisches Museum "Altes Merw", Bajramali
Projektteam
Gesamt-Leitung: Prof. Dr. Mirko Novák (Bern),
Grabungsleitung: Dr. Sylvia Winkelmann (Bern)
Geophysikalische Untersuchungen: Firma GGH solutions, Freiburg / Br.