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Auf YouTube werden zunehmend Uni-Vorlesungen hochgeladen. Leider bislang vor allem englischsprachige aus den USA.
Ich hoffe, dass auch mehr Hochschulen im deutschsprachigen Raum die Öffentlichkeit an ihrem Wissen teilhaben lassen. Gut möglich, dass die Covid-19-Pandemie hierbei Einiges bewirken wird, da viele Unis auf Fernunterricht umgestellt und damit die Grundlagen geschaffen haben, um Inhalte über Videostream zu vermitteln. Nun ja. Bislang müssen wir damit leben, dass primär US-Universitäten das tun.
Ich stiess im Zuge meiner Recherchen zu den Hexenverfolgungen auf diese knapp einstündige Vorlesung des UCLA-Historikers Teofilo Ruiz, «The Terror of History: The Witch Hunt in Early Modern Europe».
Ruiz macht das sehr gut. Selten gibt es Historiker, die das Wichtigste zu einem Thema derart packend und verständlich und in kurzer Zeit präsentieren können. Seine Ausführungen geben einen guten Überblick über die Anfänge und Gründe der Hexenverfolgungen in Europa.
Er fokussiert dabei auf das 15. und 16. Jahrhundert. Ruiz spricht von einem Phänomen, das von der Machtelite konstruiert wurde, um vorherrschende, gesellschaftliche Ängste zu artikulieren und diesen eine Art Ventil zu geben.
Ich habe mir einige Punkte notiert. Einige davon habe ich mit kurzen Essays aus dem Historischen Lexikon der Schweiz oder Wikipedia-Einträgen verlinkt.
– Armut und Alter werden im Mittelalter geächtet
– Zunehmende Zentralisierung, immer grössere Königstümer, zunehmend Proto-Staaten
– Hexenverfolgungen dienen zur Legitimierung der Macht
– Reformation ab dem frühen 16. Jahrhundert, Zersplitterung des Christentums, Feindbilder
– Mehr Frauen als Männer aufgrund von Kriegen etc.
– Kultur von Frauenhass
– Hohe Sterblichkeit von Kindern -> dadurch Vorwurf von Kindstötungen häufig im Zentrum von Hexenprozessen
– Zunehmende Erschliessung der Berge und somit Kulturen, die wenig christianisiert sind rsp. wo heidnische Praktiken überlebt haben.
– 1484: Der Papst schickt Inquisitoren in die Alpen, um Situation zu untersuchen. Der «Hexenhammer» als Resultat. Beginn radikaler Hexenverfolgungen in vielen Gebieten Europas, vor allem auch der Schweiz.
Mich interessiert natürlich nun auch, inwiefern ähnliche Gründe rund 100 Jahre zuvor im Simmental zu den ersten Hexenjagden geführt haben und ob es da noch andere Einflussfaktoren gab. Womöglich die grosse Pestwelle? Und waren diese Ereignisse im Simmental vielleicht sogar der Auslöser für die grossen Verfolgungen, die viele Jahrzehnte später ihren Anfang nahmen? Und wie entwickelten sich die Hexenverfolgungen im Berner Oberland allgemein? Ich werde hierzu sicherlich mit einem Schweizer Historiker ein Interview führen.
Bild: Wikimedia Commons