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Eine Verletzung, ihre Ursache
und Folgen für den Cardigan Welsh Corgi

Wie oft sagt ein enttäuschter Züchter, ich hatte einen so vielversprechenden Cardigan-Welpen, aber jetzt ist seine Front dahin. Der Standard verlangt eine leichte Krümmung des Vorderbeins und einen kräftigen Hund mit verzwergten Beinen und dem Körper eines robusten und ausdauernden Gebrauchshundes. Wir verlangen eine gewisses Mass an Deformität und bewegen uns dabei auf einem sehr schmalen Grat der Gesundheit. Viele Rassen haben diese kurzen Beine, aber der Cardigan gehört zu den schwereren dieser Rassen. Dieser Umstand macht unsere Welpen mehr anfällig für Verletzungen. Vermutlich fördern wir heute dieses Verletzungsrisiko, indem wir die Welpen besser füttern (glauben wir), um ein gutes Körpergewicht und kräftige Knochen im jungen Alter zu erzielen. Wir haben im Standard auch die Gewichtsobergrenze gestrichen, und erlauben so einen schwereren Hund innerhalb der vorgeschriebenen Schulterhöhe.
Es gibt Cardigan Züchter, welche der Auffassung sind, dass dieses Vorhandproblem erblich ist. Laut einem Artikel von L.J. Anderson und A. Holway der Massey Universität, Neuseeland, scheint dies tatsächlich eine Verletzung zu sein, für welche Welpen vom Typ und Körperbau des Cardigans anfällig sind.
Meiner Meinung nach wäre es am besten, wenn die Züchter diese Verletzung als eine Tatsache anerkennen würden, und wir alle offen miteinander kommunizieren könnten. Hoffentlich könnten wir dadurch eine Idee bekommen, warum gewisse Züchter eine grössere Anzahl Welpen mit dieser Verletzung haben als andere.
Es sollte nicht notwendig sein, dass wir die Welpen im Risikoalter von 4 bis 8 Monaten verhätscheln müssen. Sie an ihrem natürlichen Spielen und Herumbalgen zu hindern, würde die Entwicklung ihrer Muskeln und Persönlichkeit bremsen. Der heranwachsende Welpe kann im entscheidenden Wachstumsstadium der Elle oder Speiche einen leichten Schlag erleiden, der das Wachstum dieser beiden parallelen Knochen stört, wogegen ein bedeutend kräftiger Schlag auf einen nicht wachsenden Teil der Knochen kein Langzeitproblem zu bedeuten hat.
Wenn der eine Knochen schneller wächst als der andere, macht sich das im Gelenk bemerkbar. Die Handwurzelknochen am unteren Ende oder der Ellbogen werden langsam herausgedrückt. Unbehandelt wird der Hund im erwachsenen Alter voraussichtlich stark verkrüppelt sein. Zum Zeitpunkt der Verletzung zeigt der Welpe vielleicht nur wenig oder überhaupt keine Anzeichen von Unbehagen. Erst Wochen später, wenn das ungleiche Wachstum der beiden Knochen einen Druck auf die Gelenke ausübt, merkt man, dass etwas nicht stimmt. Wenn die Gelenke in diesem frühen Stadium geröntgt werden, wird das Problem ersichtlich.
Eine Operation kann sehr wirksam sein, der Erfolgt hängt aber von vielen Umständen ab. Wie lange wird der Welpe noch wachsen und welchen permanenten Schaden haben die Gelenke bereits erlitten. Ich glaube auch, dass der Welpe zum Zeitpunkt der Verletzung das betreffende Bein schonen wird und dabei zu viel Gewicht auf das andere Bein legt, wobei dieses Bein oftmals ebenfalls beschädigt wird, so dass am Schluss beide Beine gleich deformiert sind.
Jetzt wo wir wissen, dass diese Verletzung behandelt werden kann, ist es unsere Pflicht als verantwortungsvolle Züchter, dass wir mit dem betroffenen Welpen den Tierarzt aufsuchen. Es ist sehr bedauerlich, wenn man einen nur wenige Jahre alten Hund sieht, der offensichtlich in seiner Bewegung gehemmt und durch Arthrose verkrüppelt ist.
Das Problem ist nicht neu. Im Jahr 1963 wurden in den USA 98 Fälle von 24 verschiedenen Rassen gemeldet.
Bei Gesprächen mit Züchtern zeigt es sich, dass in vielen Linien Welpen zu irgendeinem Zeitpunkt von diesem Problem betroffen sind. Ich würde sogar sagen, dass das Problem jederzeit auftauchen kann, genau wie Probleme mit den Bandscheiben oder Verletzungen der Kreuzbänder. Diese Beschwerden sind nicht direkt erblich, aber gewisse Linien sind eher davon betroffen, so wie es auch in menschlichen Familien der Fall ist.
Auch die Umwelt spielt eine Rolle, ebenso die Fütterung und das Temperament der Welpen. Gewisse Vorsichtsmassnahmen können getroffen werden, z.B. dass Welpen sich bei engen Passagen nicht gegenseitig drängeln und stossen, sich nicht auf hartem Beton herumbalgen, nicht von Möbeln, Mauern usw. herunterspringen. Nach meiner Erfahrung sind Cardigans energischer und draufgängerischer als manche Rassen. Im Vergleich zum Pembroke würde ich sagen, dass sie fast doppelt so quirlig sind.
Der Cardigan entwickelt sich langsam und ich glaube, dass wir oft einen Welpen suchen, der im Ausstellungsring bereits im frühen Alter gewinnen kann. Wir sollten uns vielleicht nach einer ziemlich geraden (von vorne gesehen) aber nicht zu weiten Front umsehen. Die leichte Krümmung wird kommen, wenn die Brust tiefer und der Hund reifer wird. Unser Ziel sollte es sein, Cardigans mit guter Vorderhandwinkelung zu züchten, mit einem Oberarm und Schulterblatt von gleicher Länge, was stossdämpfend auf die Vorhand wirkt. Ein Teil des Wortlauts im Dackel-Standard könnte gut vom Cardigan-Standard übernommen werden.
Ob ein Hund, der wegen einer Vorderbeinverletzung behandelt wurde, ausgestellt oder zur Zucht verwendet werden kann, kann erst im Erwachsenenalter entschieden werden. In den meisten Fällen habe ich festgestellt, dass ein Hund auf dem behandelten Bein etwas kürzer tritt, was sich natürlich auf seine Chancen im Ausstellungsring auswirkt.
Wenn ein Rüde oder eine Hündin eine solche Operation mit Bravour übersteht, ist es ein grosser Verdienst des behandelnden Tierarztes und des aufmerksamen Besitzers, der die Verletzung frühzeitig erkannt hat.
Bridget Smeeton, Rodwell Welsh Corgis, Neuseeland
Aus dem 1986 Jahrbuch der Cardigan Welsh Corgi Association von N.S.W., mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Übersetzung ANo