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In den 1960er Jahren entschied der Bund, eine neue Schweizer Botschaft in der nach dem zweiten Weltkrieg rasant wachsenden australischen Hauptstadt Canberra zu errichten. Die Architekten waren aufgefordert, einen Bau zu entwerfen, der „die Würde einer diplomatischen Vertretung mit der einem kleinen Lande wie der Schweiz gebotenen Schlichtheit“ verbinde. So stand es im Wettbewerbsprogramm. Wir schreiben das Jahr 1969. Würde mit Schlichtheit verbinden. Keine einfache Aufgabe. Die überzeugendste architektonische Antwort lieferte der Basler Architekt Hermann Baur in Zusammenarbeit mit seinem Sohn Hans Peter Baur, deren Entwurf „Hilltop“ (dt. Bergspitze) im Wettbewerb den 1. Preis gewann – und sechs Jahre später in Canberra vollendet wurde. Architektur Basel wirft ausnahmsweise einen Blick auf die andere Seite der Erdkugel, um dieses bisher kaum publizierte Bauwerk aus Basler Feder zu betrachten.
Das Botschaftsgebäude der Schweiz liegt in erhöhter Lage am südwestlichen Hang des in radialer Struktur erschlossenen „Capital Hill“, auf dessen Spitze sich das australische Parlamentsgebäude befindet. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Österreichische Botschaft. Das zweigeschossige Bauwerk der „Swiss Embassy“ fügt sich von der Strasse zurückversetzt mit grosser Zurückhaltung in die Umgebung ein. Für Architekt Baur war insbesondere die Rücksicht auf die lokalen klimatischen Bedingungen entwurfsbestimmend. Dem warmen und trockenen Klima wurde mit schattenspendenden Höfen und Brise Soleil in Beton begegnet.
Typologisch wurden die beiden Gebäudeteile, Kanzlei und Residenz des Botschafters, um einen U-förmigen Hof gegliedert – und das zweigeteilte Raumprogramm damit in einem einzigen Bau zusammengefasst. „Im Gegensatz zur üblichen örtlichen Trennung der beiden Bereiche in verschiedene Gebäulichkeiten.“ Die Jury lobte die ökologischen, ökonomischen und sicherheitstechnischen Vorteile dieser Lösung. Die Wege und Zugänge würden geschickt entflechtet, damit beide Bereiche ihre funktionale Unabhängigkeit wahren. Besondere gestalterische Beachtung fand der zentrale Hof, der von drei kreisförmigen Wasserbecken, Nadelbäumen und der Skulptur „1291“ von Armin Hofmann bespielt wurde. Die Skulptur in Form eines grossen Rads fügte Hofmann aus unterschiedlichen Gesteinen, die aus allen Regionen der Schweiz stammen. Eine zurückhaltende Portion Heimatbezug und Patriotismus schien dem Künstler hier angebracht.
Ansonsten wirkt die äussere Erscheinung der Botschaft keineswegs schweizerisch. Viel eher ist der architektonische Ausdruck den Prämissen der internationalen Moderne verpflichtet. Die Materialisierung der Fassade wird von brettergeschaltem Sichtbeton und ockergetöntem Sichtbackstein bestimmt. Wobei der Backstein die flächigen Fassadenpartien bekleidet und der Beton in Form von Bändern die Horizontale akzentuiert. Ergänzt wird die Fassade von sichtbelassenen Holzfenstern und feinen Blechabschlüssen in Kupfer. Baur nahm hier die farbliche Stimmung der umgebenden Flora geprägt von immergrünen Akazien auf.
Man bräuchte eigentlich nicht zu erwähnen, dass der Bau in verschiedener Hinsicht Bezüge zum Werk von Le Corbusier aufweist. Von den Brise Soleil der Usine Duval (1946) in Saint-Dié-des-Vosges bis zu den Bauten in Chandigarh. Baur verstand es zeitlebens, die verschiedenen Einflüsse der modernen Architektur in eine eigene architektonische Handschrift umzumünzen. Egal ob in Basel, Disentis oder Canberra. Er tat dies stets mit „Würde und der gebotenen Schlichtheit“.
Text: Lukas Gruntz / Architektur Basel
Schweizer Botschaft in Canberra
Architekt: Hermann Baur mit Hans Peter Baur, Basel
Bauzeit: 1969 – 1975
Adresse: 7 Melbourne Ave, Forrest ACT 2603, Australien