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Im 1981 entstandenen Fernsehspiel Bis ds Labe üs scheidet hat Barbara Gerber (Silvia Jost) mitten in ihrer Scheidungskrise den scheinbar unbeschwerten, fröhlich in den Tag hineinlebenden Reprofotografen Roger Cornaz (Roger Jendly) kennengelernt. In einer im Sommer 1983 inszenierten Fortsetzung erzählt Peter von Gunten nun „Em Roger si Gschicht“, die das Klischee des sorgen- und problemlosen Rogers um etliches relativiert.
Roger ist ähnlich wie Barbara mittendrin in einer konfliktgeladenen Beziehungsgeschichte. Er hat ebenfalls mit seiner Lebenspartnerin gebrochen und lebt getrennt von seiner Frau; nur ihren gemeinsamen Sohn Kaspar besucht er gelegentlich. Ueber einen Anwalt versucht er zu erreichen, dass Kaspar seinen Familiennamen tragen wird, doch bald gibt er diese Absicht auf. Zufälligerweise beobachtet er bei einem Badeausflug mit Kaspar, wie sich ein Mensch von einer Brücke in den Tod stürzt. Roger geht in den folgenden Tagen dieser Geschichte nach: Er besieht sich den Ort des Geschehens, besucht die Beerdigung, sucht nach Informationen über den Unbekannten. Fotos des Unfalls, den er mit seiner Super-8-Kamera festgehalten hat, werden für ihn zur Passion, auch wenn er dabei nichts über den Toten und seine Hintergründe erfährt. Lange steht er schliesslich selber auf der Brücke an der ihm zur Genüge bekannten Stelle. Bevor er den Sprung ebenfalls tut, holen ihn allerdings psychiatrische Helfer ab und versetzen ihn erst einmal in einen mehrtägigen Dauerschlaf. Sichtlich geschwächt, aber mit ungebrochenem Lebenswillen bricht Roger aus der Klinik aus. In einem altertümlichen Fotoatelier lässt er ein Porträt machen, damit er endlich ein Bild von sich hat. Er denkt gar daran, das Atelier zu übernehmen, dessen Inhaber sich zurückziehen will. Er trifft auch Barbara wieder, die er mehrmals gesucht hat: Möglich, dass sich da eine neue Geschichte anbahnt.
Im Gegensatz zu den Hauptfiguren der Kinospielfilme von Guntens, dem Anarchisten Njetschajew in Die Auslieferung und den Drop- Outs in Kleine frieren auch im Sommer ist Roger ein unauffälliger, fast durchschnittlicher Charakter. Vordergründig entspricht er ganz dem Bild des traditionellen Mittelstandbürgers, der einer nicht sonderlich anspruchsvollen Arbeit wenig begeistert nachgeht und über alle Konflikte hinaus geordnete Verhältnisse anstrebt. Aber in Rogers Innerem — von Gunten macht es mit manchmal beiläufigen, manchmal aber auch plakativen Bildern klar - rumort es gewaltig. Die Beobachtung des Selbstmörders wird zum Katalysator, der in Roger bisher verborgene und verdrängte Konflikte wachruft und eine tiefgreifende Krise auslöst.