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Die Legislaturprogramme zwischen 2001 und 2010
Zu den wichtigsten Aufgaben des Synodalrats gehört die Erstellung der Legislaturpogramme. Gemäss Kirchenordnung stellt der Synodalrat "für jede Legislaturperiode ein Schwerpunkteprogramm auf und unterbreitet es der Synode." (Artikel 174,2).
Das Legislaturprogramm ermöglicht es dem Synodalrat, Schwerpunkte zu definieren und Akzente zu setzen, so dass die Mitarbeitenden der gesamtkirchlichen Dienste zielgerichtet wirken können. Er kann zudem vor Beginn der Legislatur der Synode aufzeigen, wozu und wie er die beträchtlichen finanziellen Mittel der nächsten vier Jahre (gegenwärtig total rund 100 Millionen Franken) investieren will.
Legislaturziele 1999-2002
Es wurden insgesamt 153 Ziele in allen möglichen Tätigkeitsfeldern und auf unterschiedlichen Niveaus formuliert. Eigentliche strategische Ziele fehlen, dafür wurden einige äusserst wichtige Ziele formuliert, welche in der Legislatur zu eigentlichen Schwerpunkten der Ratsarbeit und der gesamtkirchlichen Dienste wurde und wichtige Entscheidungen nach sich zogen: Anzahl Synodalratsmitglieder, Abstimmung über eine Kirche im Kanton Solothurn, Verfassen eines Vademecums, eine Arbeit, welche später abgebrochen wurde.
Es wurden auch utopische Ziele formuliert, wie etwa Nr. 64, welches verhiess, die Kirchenverfassung werde teilrevidiert und diesbezügliche Volksabstimmung sei durchgeführt.
In der Berichtsperiode erfolgte an der Sommersynode 2002 die Vollzugsmeldung zum Legislaturprogramm 1999-2002, welches nicht weniger als 153 Punkte, verteilt natürlich auf die Bereiche und die Kirchenkanzlei, enthalten hatte (vgl. pdf).
Legislaturprogramm 2004-2007: "Der Weg unserer Kirche in die nähere Zukunft"
Das an der Wintersynode vorgelegte Legislaturprogramm 2004-2007 machte einen verbesserten Eindruck: Unter einem Titel wurden auf der Grundlage der seit dem Abschluss der Reorganisation am 1.4.2003 geltenden Strukturen - sieben Departemente sowie sechs Bereiche und die Kirchenkanzlei - sieben übergeordnete Ziele und sieben Grundsätze für deren Umsetzung definiert. Die Reorganisation hatte sich auch im Blick auf die Entstehung des Legislaturprogrammes bewährt.
Die sieben übergeordneten Ziele lauteten:
1. Als Volkskirche schafften wir Raum für ein vielfältiges Verständnis und Zeugnis des Evangeliums und für ein breites Spektrum von Überzeugungen und Glaubensformen.
2. Die Grundlagen unseres Glaubens und unseres Handelns sollen gesellschaftlich besser verankert werden. Wir streben an, die Bibelkenntnisse in der Bevölkerung zu erhöhen.
3. Wir fördern die theologische Debatte, definieren die Kerninhalte der Verkündigung und formulieren die Spezifika der verschiedenen kirchlichen Ämter. Dafür erstellen wir Leitbilder und Dienstanweisungen für die Pfarrerschaft und andere Ämter.
4. Wir suchen mit den Kirchgemeinden zusammen die Mitgliedschaft in der Kirche aktiv zu gestalten.
5. Wir fördern die regionale Zusammenarbeit der Kirchgemeinden und unterstützen sie dabei.
6. Wir treten auf allen Ebenen ein für eine gerechte und solidarische Gesellschaft; wir engagieren und im Sozialbereich.
7. Wir setzen uns ein für das friedliche Zusammenleben der Konfessionen und der verschiedenen Religionen in einer multikulturellen Gesellschaft. Wir fördern den interreligiösen Dialog und betonen gleichzeitig die Identität des eigenen christlichen Glaubens.
Die sieben Grundsätze (zur Umsetzung der übergeordneten Ziele)
1. Die situationsgerechte und kontrollierte Finanzpolitik wird fortgesetzt; die Wirtschaftlichkeit kirchlichen Handelns wird verbessert.
2. Die Angebote der gesamtkirchlichen Dienste entsprechen der unterschiedlichen Lage der einzelnen Kirchgemeinden und gehen ein auf deren Bedürfnisse.
3. Der Gleichstellung der Geschlechter wird besondere Beachtung geschenkt.
4. Die ökumenische Dekade zur Überwindung der Gewalt gilt bereichsübergreifend.
5. Wir arbeiten in den Strukturen und in den Abläufen der REO 2003.
6. Wir arbeiten im Kontext des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds SEK udn seiner Mitgliederkirchen.
7. Wir vergessen nie, dass wir eine zweisprachige Kirche sind.
Die Synode nahm das Programm nach einer eigens verlangen Aussprache zur Kenntnis (vgl. pdf).
In der Sommersynode 2007 erstattete der scheidende Synodalratspräsident Samuel Lutz den Auswertungsbericht, der mit viel Lob und Dank zur Kenntnis genommen wurde (vgl. pdf).
Legislaturprogramm 2008 - 2011: "Wir erzielen Wirkung"
In der Wintersynode 2007 stellte der neue Präsident sowohl das neue Leitbild (vgl. pdf) als auch das neue Legislaturprogramm 2008-2011 mit dem Titel "Wir erzielen Wirkung" vor:
- In einer offenen, pluralistischen, multikulturellen Gesellschaft fördern wir die Identität unserer Landeskirche in evangelisch-reformierter Tradition.
- Wir wollen die kirchlichen Aufträge Verkündigung, Begleitung und soziales Engagement gleichwertig umsetzen.
- Wir wollen die Solidarität im alltäglichen und kirchlichen Handeln der Menschen aktiv fördern: Unter den Generationen, zwischen Mann und Frau, Arm und Reich, Stadt und Land, Nord und Süd, Benachteiligten und Privilegierten.
- Wir machen das reformierte Profil und die Arbeit der Kirche besser in der Öffentlichkeit bekannt.
- Wir schaffen die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit in der Kirche: Zwischen Kirchgemeinden, Regionen, gesamtkirchlichen Diensten und den verschiedenen Ebenen untereinander.
- Wir fördern die verschiedenen Berufsgruppen, Ehrenamtliche und Freiwillige in ihren Aufgaben und in der wertschätzenden Zusammenarbeit.
- Wir initiieren und begleiten das gemeinsame Suchen nach Visionen einer Kirche der Zukunft im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklungen.
- Wir fördern und entwickeln eine breite Vielfalt von Angeboten, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ansprechen.
- Wir definieren unsere Beziehungen zum Judentum und den anderen Religionen und klären die Formen der Zusammenarbeit. (das ausführliche Programm hier, vgl. pdf).
Die Auswertung des Legislaturprogramms 2008-2011 wurde der Sommersynode 2011 zur Kenntnis gebracht. (vgl. pdf)
Ein Vergleich der Programme 2004-2007 und 2008-2011 sowie mit jenem 2011-2015 (vgl. link...) zeigt eine erstaunliche Konstanz der Ziele und damit der Arbeit von Synodalrat und gesamtkirchlichen Diensten. Es wäre eine spannende Aufgabe, die Programme im Detail zu analysieren und miteinander zu vergleichen. Vielleicht wird sie einmal zum Inhalt einer studentischen Forschungsarbeit.
Andreas Zeller