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In der Schweiz erkranken rund 800 Menschen pro Jahr neu an Nierenkrebs. Rund zwei Drittel der Patienten sind Männer, ein Drittel Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 68 und bei Frauen bei 71 Jahren. Durch die heutzutage häufig eingesetzte Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane werden Nierentumoren viel früher entdeckt als noch vor Jahren. Allerdings ist bei circa 30 Prozent der Betroffenen die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten.
Nierenkrebs – warum entsteht er?
Wie bei den meisten Krebsarten ist eigentlich noch unklar, warum Nierenkrebs entsteht. Wir wissen heute, dass mehrere Faktoren dazu beitragen. Eine wichtige Bedeutung haben offensichtlich Umwelteinflüsse. In Ländern der dritten Welt kommt Nierenkrebs sehr viel seltener vor als in industrialisierten Ländern. Eine familiäre Veranlagung ist bei ca. 4 Prozent der Betroffenen nachgewiesen. Raucher haben ein etwa doppelt so hohes Risiko, an einem Nierenkrebs zu erkranken.
Alarmsignale des Körpers
Zu Beginn der Erkrankung verursacht ein Nierentumor nur selten Beschwerden. Mögliche Hinweise für einen Nierenkrebs sind Schmerzen im Rücken- oder Flankenbereich, blutiger Urin und eine tastbare Schwellung in der Flanke. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen wird ein Nierenkrebs zufällig – und damit glücklicherweise oft in einem frühen Stadium – anlässlich einer Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane entdeckt.
Die Therapie von Nierenkrebs
Die Behandlung von Nierenkrebs soll die Erkrankung dauerhaft heilen oder den Tumor zumindest «in Schach» halten. Wenn Nierenkrebs nicht behandelt wird, kann er sich weiter ausbreiten, metastasieren und letztlich zum Tod führen. Nur bei sehr kleinen, symptomlosen Tumoren und bei Betroffenen, bei denen eine Operation mit einem hohen Risiko verbunden wäre, kann abgewartet werden. Allerdings sind in diesen Fällen engmaschige Kontrollen notwendig.
Jede Behandlung hat zum Ziel, den Tumor – und wenn Ableger (Metastasen) vorliegen, möglichst auch diese – vollständig zu vernichten, sodass eine dauerhafte Heilung möglich ist. Eine solche Behandlung heisst kurative Therapie. Lässt sich dieses Ziel nicht erreichen, versucht man, den Tumor möglichst lange zu kontrollieren unter Erhaltung einer guten Lebensqualität.
Wen der Tumor lokalisiert ist...
Die Operation ist die einzige auf Dauer heilende Therapie des Nierenkrebses. Der Zugang zur Niere kann über verschiedene Schnitte erfolgen: über den Bauch, über die Flanke oder minimalinvasiv mit der Schlüssellochtechnik (Laparoskopie). Wenn immer möglich wird versucht, den Tumor so zu entfernen, dass die betroffene Niere erhalten bleibt (sogenannte Nierenteilresektion, siehe Abbildung). Falls der Nierentumor zu gross ist oder ungünstig liegt (zum Beispiel zentral in der Niere), muss die ganze Niere entfernt werden. Die verbleibende Niere übernimmt in der Regel sämtliche lebenswichtigen Funktionen.
Wenn bereits Metastasen vorliegen...
Hat der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen in anderen Organen gesetzt, ist es trotzdem meistens sinnvoll, die betroffene Niere zu entfernen, da dies die Überlebenszeit verlängern kann. Ausserdem lassen sich durch diese Operation Blutungen, Infektionen und Schmerzen verhindern und somit die Lebensqualität verbessern.
In vielen Studien wurde geprüft, ob Zytostatika bei Nierenkrebs einen Behandlungserfolg bringen. Diese Medikamente greifen in die Zellteilung ein. Dadurch hindern sie die Zellen daran, weiter zu wachsen. Seit 2006 sind für den metastasierten Nierenkrebs neue medikamentöse Therapien, die sogenannten Tyrosinkinase- Inhibitoren, erfolgreich im Einsatz. Diese Substanzen führen zu einem Rückgang der Tumoren und einer Verlängerung der Überlebenszeit der Betroffenen. Bis zu 47 Prozent der behandelten Patienten erreichten in den Zulassungsstudien eine zeitlich begrenzte Rückbildung der Erkrankung.
«Warum ich?»
An Krebs erkrankt nicht nur der Körper, auch die Seele gerät aus dem Gleichgewicht. Deshalb brauchen Krebsbetroffene und oft auch ihre Angehörigen eine psychologische Begleitung, damit sie wieder Halt finden können. Wir möchten Sie ermutigen, nicht nur mit ihrem Arzt/ Ärztin, sondern auch mit einem Seelsorger/in oder einem Psychoonkologen/-in zu sprechen.
Zu den Autoren
Dr. med. Robin Ruszat
Leitender Arzt Urologie
und
PD Dr. med. Tobias Zellweger
Chefarzt Urologie am Claraspital
Behandlung an einem Tumorzentrum
Das Claraspital ist auf Krebserkrankungen spezialisiert. Ein ganzer Stab von Spezialisten arbeitet eng zusammen, damit Sie möglichst optimal therapiert werden können. Am Claraspital wird die Behandlung eines Tumorpatienten an einer gemeinsamen interdisziplinären Sitzung von Krebsspezialisten besprochen. Dazu kommen spezialisierte Pflegefachleute, Sozialarbeiter, Seelsorger und ein psychoonkologischer Dienst.
Lassen Sie sich die einzelnen Behandlungsschritte genau erklären und fragen Sie auch nach möglichen Alternativen. Alle an der Behandlung beteiligten Ärzte werden dann gemeinsam mit Ihnen die für Sie am besten geeignete Behandlungsstrategie festsetzen. Je besser Sie informiert und aufgeklärt sind, desto besser verstehen Sie, was mit Ihnen geschieht.
Tumorzentrum Claraspital:
T +41 61 685 86 00
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