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Mittwoch 18-April-2018
In asiatischen Ländern werden Pilze wie Shiitake, Maitake und Austernpilze seit Jahrhunderten wegen ihrer ernährungsphysiologischen und medizinischen Eigenschaften geschätzt. Beta-Glucane sind komplexe Ballaststoffe, Polysaccharide, die in diesen Pilzen reichlich vorhanden sind. Neben Pilzen können sie auch aus (Bäcker-) Hefe und der Zellwand von Hafer und Gerste isoliert werden. Aus Shiitake gewonnenes Lentinan besteht vollständig aus Beta-1,3/1,6-Glucanen. Insbesondere diese Beta-Glucane wirken immunmodulierend. Sie zeigen positive Effekte bei verschiedenen Krankheitsbildern.
Bereits früher hatten In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen gezeigt, dass Shiitake, Maitake und Austernpilze durch Hemmung von Entzündungsmediatoren und Hemmung der NF-κB-Aktivität eine Verbesserung bei entzündlichen Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) herbeiführen können. Außerdem hatte eine Studie bereits gezeigt, dass chronischer und akuter (psychischer) Stress zur Degranulation von Mastzellen führen kann, wodurch die Darmbarriere geschwächt und die Darmpermeabilität erhöht wird. Eine erhöhte Darmpermeabilität gilt allgemein zumindest als Cofaktor für viele chronische Erkrankungen.
Eine aktuelle Studie bei entzündlichen Darmerkrankungen hat gezeigt, dass die Darmpermeabilität (leaky gut) durch präbiotische Ballaststoffe, die Beta-Glucan enthalten, reduziert werden kann. Beta-Glucan führte zu einer Verbesserung der Darmbarrierefunktion, sowohl bei Patienten mit Morbus Crohn als auch bei Kontrollen.
Wo Degranulation der Mastzellen die Durchlässigkeit der Darmzellen und ihrer Zwischenräume erhöhen kann, schwächt Beta-Glucan diesen Effekt ab. Dies erfolgt über das follikelassoziierte Epithel, das über den Peyer-Plaques liegt, und über die Darmzotten. Außerdem scheinen sowohl die Peyer-Plaques als auch die Darmzotten in der Lage zu sein, Beta-Glucan aufzunehmen.
Beta-1,3/1,6-Glucane sind wichtig für die Stärkung des unspezifischen Immunsystems. Besonders die zur ersten Verteidigungslinie des Immunsystems gehörenden Makrophagen und Neutrophile werden stimuliert. Sie können Pathogene durch Phagozytose unschädlich machen. Außerdem bilden sie wichtige Cytokine, wodurch letztlich auch das humorale Immunsystem aktiviert wird.
Neutrophile Granulozyten gehören zu den ersten Immunzellen, die auf eine Infektion reagieren. Sie verfügen – wie auch die Makrophagen – über spezifische Rezeptoren (CR3-Rezeptoren) für das Beta-Glucan-Makromolekül. Die Bindung an diese Rezeptoren erhöht die Vernichtungskraft dieser Neutrophile und beschleunigt die Migration zum Ort der Infektion.
Die Vorbehandlung der Neutrophile mit Beta-Glucanen verbessert ihre Fähigkeit, mit Hilfe von Chemokinen schnell durch das Blut an den Ort der Infektion zu gelangen. Es gibt Hinweise darauf, dass Beta-Glucane ein im Wesentlichen von der humoralen Abwehr dominiertes Immunsystem (gesteuert durch Th2-Helferzellen) wieder ins Gleichgewicht bringen, indem sie es in Richtung einer stärker von Th1-Helferzellen gesteuerten, hauptsächlich zellulären Immunantwort verschieben, die die Resistenz gegen bakterielle und parasitäre Infektionen erhöht. Außerdem kann die Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Th2 und Th1 allergische Reaktionen verringern.
Beta-Glucan kann nicht nur bei entzündlichen Darmerkrankungen helfen. Seine Wirksamkeit bei der Verbesserung der Darmpermeabilität bei gesunden Kontrollen eröffnet weitere Perspektiven. Beta-Glucan könnte beispielsweise ebenso die bereits erwähnte schädliche Wirkung von Stress auf die Barrierefunktion des Darms kompensieren.
Ganda Mall, J.P. Casado-Bedmar, M. Winberg, M.E. Brummer, R.J. Schoultz, I. Keita, Å.V. “A beta-Glucan-Based Dietary Fiber Reduces Mast Cell-Induced Hyperpermeability in Ileum From Patients With Crohn’s Disease and Control Subjects”? Inflammatory Bowel Diseases? Volume 24, issue 1, Pages 166–178.
Ashley L. St. John, Gladys W.X. Ang, Abhay P.S. Rathore, Soman N. Abraham. Reprograming Immunity to Food Allergens. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2018; DOI: 10.1016/j.jaci.2018.01.020