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Giovanni Pacini (1796–1867)
«Il convitato di pietra»
Der Komponist, Sohn des seinerzeit berühmten Bassbuffos Luigi Pacini, kam zwar in Catania zur Welt, ist aber Toskaner. Er studierte in Bologna und komponierte seine erste Oper 1813, im Jahr, da Rossinis «Tancredi» und «L’iitaliana in Algeri» uraufgeführt wurden. Dieser Erstlingserfolg öffnete ihm die wichtigen Bühnen Italiens. Zeit seines Lebens schrieb Pacini gut achtzig Bühnenwerke und zahreiche Sakralmusiken. In Lucca bekleidete er das Amt eines Hofkapellmeisters und in Viareggio gründete er ein äusserst erfolgreiches Liceo musicale. Er war ein ausserordentlich fruchtbarer und mit grosser Leichtigkeit arbeitender Komponist. Auch wenn er kein Neuerer wie Verdi war, so überraschen seine Opern, zum Beispiel in den zahlreichen Ensembles, doch durch kompositorische Dichte. Hervorzuheben sind sodann sein ausgeprägtes rhythmisches Geschick sowie seine beachtliche melodische Erfindungsgabe, die ihm den Beinamen «maestro delle cabalette» eintrugen. Dass sein Name heute von den Opernbühnen verschwunden ist, hängt nicht zuletzt mit dem alle überstrahlenden Genie Verdis zusammen.
Die Free Opera Company ist stolz, dass sie auf Umwegen über Deutschland, Italien und Neuseeland an das Aufführungsmaterial gelangen konnte, und freut sich, mit «Il convitato di pietra» (Der steinerne Gast) erneut eine Rarität auf die Bühne zu bringen. Das Werk entstand 1832, und zwar für eine private Aufführung in Pacinis musikalischer Familie. Erzählt wird die altbekannte Fabel des Renaissance-Playboys, Don Juan Tenorio, dem Tirso de Molina um 1620 erstmals Bühnenpräsenz verlieh und damit einen Archetypus schuf, der das abendländisches Geistesleben immer wieder neu inspiriert hat. Pacinis Oper oder farsa, wie er sie nennt, lehnt sich eng an das Libretto an, das Lorenzo Da Ponte für Mozarts «Don Giovanni» schrieb.
Es wäre zweifellos verfrüht, etwas über die szenische Umsetzung zu verraten. Sicher ist auf jeden Fall, dass die Free Opera Company auch mit dieser Produktion ihrer Maxime treu bleiben wird: unbekannte Werke in frischer, schlanker, aber professioneller Realisation auf die Bühne zu bringen – lustvoll und hautnah.
Bruno Rauch
Max Slevogt: Francesco d’Andrade als Don Giovanni (1902)