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Im Rahmen des Forschungsprojekts „AdL Math“ (Gestaltung von Mathematikunterricht in Mehrjahrgangsklassen der Primarschule) konnten in fünf Mehrjahrgangsklassen mindestens je zwei Mathe-matikstunden gefilmt werden. Vier dieser fünf Abteilungen bzw. Mehrjahrgangsklassen stammen aus der Mittelstufe. In zwei davon wird die 4.-6. Klasse gemeinsam unterrichtet, bei den anderen beiden handelt es sich um eine 5./6. Klasse. In der fünften Mehrjahrgangsklasse wird 1.-3. Klasse unterrichtet.
Die Lehrpersonen wurden gebeten, einen möglichst alltäglichen Unterricht zu einem Mathematikthema ihrer Wahl zu gestalten. Es sollte auch eine Einführung in einen neuen Inhalt dabei sein. Die gefilmten Mathematikstunden wurden vollständig codiert und wissenschaftlich ausgewertet. Ziel war es, typische Gestaltungsmuster des Mathematikunterrichts in Mehrjahrgangsklassen beschreiben zu können. Gefunden wurde auf der sichtbaren Struktur des Unterrichts ein einheitliches Muster mit Varianten. Dieses Muster besteht aus einer Kombination von altersdurchmischten und jahrgangsgetrennten Phasen in folgender Reihenfolge:
- Die Lehrpersonen gestalten zuerst einen Einstieg in die Mathematikstunde für alle Schülerinnen und Schüler. Gewählt wird eine jahrgangsübergreifende Aufgabenstellung oder eine gemeinsame Einführung.
- Nach dem gemeinsamen Einstieg arbeiten die Klassen jahrgangsgetrennt weiter. Diese Phase wird unterschiedlich gestaltet als Einzel- oder als Gruppen- oder als jahrgangsbezogener Abteilungsunterricht. Während dieser Phase finden auch weitere gezielte Instruktionen oder Einführungen für eine bestimmte Abteilung bzw. eine Jahrgangsgruppe statt. Diese Phase stellt den grössten Teil der Mathematikstunde dar.
- Am Schluss der Stunde findet ein gemeinsamer Abschluss statt. Dieser wird ebenfalls altersdurchmischt bzw. jahrgangsübergreifend gestaltet. Beobachtet werden konnten zum einen Phasen des Austauschs in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen, die sich gegenseitig erzählten, was sie gelernt hatten oder gemeinsam eine Anwendungsaufgabe bearbeiteten. Zum anderen gestalteten Lehrpersonen diese Phase als altersdurchmischtes, gemeinsames Klassengespräch.
Dieses Muster bietet den Lehrpersonen die Möglichkeit, in der zweiten Phase die vorhandenen Lehrmittel zu nutzen, während die Lehrpersonen für die beiden altersdurchmischten Phasen meist weitere oder eigene Materialien nutzen, die nicht aus einem bestimmten Lehrmittel stammen.
In einer ebenfalls zum Projekt gehörenden Interviewstudie mit zehn Lehrpersonen wurde u.a. gefragt, welcher Support ihnen für ihre Arbeit nützen würde. Gewünscht wurden Planungshilfen, die den Einsatz der vorhandenen obligatorischen Lehrmittel unterstützen würde. Ein herzliches Dankeschön geht an alle Beteiligten der Studie, deren Unterricht wir filmen und mit denen wir ein ausführliches Interview führen durften. Entlang des in den Videos gefundenen Musters und der Wünsche der Lehrpersonen wurden verschiedene Planungsbeispiele für die Unter- und die Mittelstufe für zwei unterschiedliche Lehrmittel (Schweizer Zahlenbuch 1-6 und Mathematik 1-6) entwickelt. Diese thematischen Planungsbeispiele wurden in Zusammenarbeit mit der PHGR in Chur (Bernhard Matter) erarbeitet und von Praktikerinnen bezüglich ihrer Tauglichkeit geprüft. Zudem flossen in die an der PHTG entwickelten Unterstufenbeispiele (Monika Schoy-Lutz) Ideen aus der Praxis (Annina Stäheli) ein. Wir hoffen, dass diese Planungsbeispiele Lehrpersonen aus Mehrjahrgangsklassen ermutigen, inhaltsbezogen sinnvoll jahrgangsübergreifende Phasen mit jahrgangsgetrennten zu verbinden.
Esther Brunner, Prof. Dr.
Projektleiterin „AdL Math“ PHTG