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SRF News: Was hat die Ureinwohner an dieser Pipeline gestört?
Thomas Accola: Es gibt drei Probleme. Der Stamm der Standing-Rock-Sioux oder Hunkpapa Lakota entnimmt wenige 100 Meter unterhalb dieser Stelle das Wasser aus dem Fluss für seine Versorgung. Sie haben Angst, dass es in der Pipeline ein Leck geben könnte und dass die Wasserversorgung gefährdet würde. Nördlich des Reservats befinden sich zudem heilige Stätten der Lakota. Die Pipeline würde einen Teil dieser Stätten zerstören oder hat sie bereits zerstört, weil sie ja schon fast fertig gebaut ist. Das dritte Motiv, das auch sehr viele Menschen an diesen Demonstrationen teilnehmen liess, ist der Klimaschutz. Man will grundsätzlich jede Art von Ölförderung verhindern oder erschweren.
Der Bund kommt ins Spiel, wenn er Grundbesitzer ist, und das ist hier der Fall.
Es geht um einen Abschnitt, der unter dem Fluss Missouri hindurch führt, der vorerst nicht gebaut werden darf. Was ist das Spezielle an dem Abschnitt?
Es geht um die Zuständigkeiten der Behörden. Wenn Sie eine Pipeline in den USA bauen wollen, brauchen Sie an sich keine Bewilligung der Bundesbehörden in Washington. Es genügt, dass Sie die Durchleitungsrechte der Grundbesitzer haben und die Bewilligung des Bundesstaats. Der Bund kommt dann ins Spiel, wenn er Grundbesitzer ist, und das ist hier der Fall. Das United States Army Corps of Engineers ist zuständig für diesen Abschnitt des Flusses Missouri, der eigentlich ein Stausee ist. Das ist Bundesland. Deshalb muss der Bund die Durchleitungsrechte geben. Und er muss eben auch prüfen, ob dies im öffentlichen Interesse ist. An dem Punkt kommt die Wasserversorgung der Menschen ins Spiel. Und darum hat der Bund gesagt, er wolle diese Bewilligung vorerst nicht erteilen.
Bei dieser Behörde in Washington heisst es nun, man prüfe andere Routen für die Pipeline. Gibt es ernsthafte Alternativen?
Ich zweifle daran. Die Pipeline ist ja schon fast fertig gebaut. Man hätte die heiligen Stätte der Hunkpapa Lakota problemlos um einige Kilometer umfahren können. Wenn es aber darum geht, das Wasserproblem zu lösen, muss man schon weiter gehen. Wenn man sagt, eine Pipeline unter dem Fluss hindurch sei gefährlich und es gebe Lecks, dann hat man dieses Problem überall, egal, wo man unter dem Missouri hindurchbohrt. Das heisst, man muss nördlich und östlich des Missouri bleiben. Das wäre aber ein Umweg von mehreren 100 Kilometern. Man müsste, etwa was die Durchleitungsrechte angeht, wieder von vorne beginnen.
Man hätte die heiligen Stätte der Hunkpapa Lakota problemlos um einige Kilometer umfahren können.
Eine solche Alternativroute würde viel Geld kosten. Kann es ein, dass Washington dieses Problem nur aufschiebt, aber nicht aufhebt?
Ich glaube nicht, dass man der Regierung Barack Obamas hier schlechte Absichten unterstellen kann. Sie will ganz offensichtlich die Situation vor Ort entspannen. Es hat Zusammenstösse mit Verletzten gegeben. Jetzt ist Winter. Es gibt tausende von Leuten, die bei -20 bis -30 Grad da übernachten. Man will den Druck wegnehmen.
Sie haben gesagt, Obama habe das entschieden. Aber er tritt bald ab...
Genau, in sechs Wochen sitzt Donald Trump im Weissen Haus, der der Ölindustrie viel mehr gewogen ist als Obama. Und die Ölindustrie, die Republikanische Partei und der Bundesstaat North Dakota haben bereits sehr bestimmt die Erwartung geäussert, dass Trump den Entscheid korrigieren wird, sobald er die Möglichkeit hat.
Das Gespräch führte Simon Leu.