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Luftaufnahmen von Neuchâtel
Aus der Gegen des oberen Bielersees stammten die Herren von Fenis, die während mehrerer Jahrhunderte vom Jurasüdfuss bis in die entlegensten Täler der Hügelketten eine bedeutende Rolle spielen sollten. Die ursprünglich dem Freiherrenstand angehörende Familie schmückte sich bald mit dem Grafentitel, wohl weil sie die Grafschaftrechte in den von ihr beherrschten Gebieten ausübte. Ihre geistlichen Vertreter waren Bischöfe in Basel und Lausanne, taten sich als Klostergründer hervor und unterstützten im Ringen um die Vormacht zwischen Papst und Kaiser getreulich ihren weltlichen Fürsten. Mit König Heinrich IV unternahm denn auch Bischof Burkart von Fenis den Gang nach Canossa und erhielt dort die päpstliche Lossprechung von der Exkommunikation.
Urkundlich ist nicht mehr feststellbar, wann die Familie den alten Königshof von Neuenburg in Besitz nahm. Das Land um den See war hochburgundisches Königsgut und wurde von einer Holzburg aus auf dem Felssporn über dem See verwaltet. Um das Jahr 1000 wurde diese durch ein Steinhaus ersetzt und erhielt den Namen « Neue Burg ». Das sich am Fuss des Burgfelsens eine Stadt entwickeln konnte, ist auf den Umstand zurückzuführen, dass die sich allmählich entfaltende, prachtvolle Hofhaltung auf der Burg Handwerker und Helfer erforderte, die sich in ihrer Nähe niederliessen.
Das geschah erst nach 1100, als die Grafen von Fenis sich der neuen Burg bemächtigt hatten, im Kampf mit anderen Konkurrenten ihrer Herrschaft festigen und durch Rodungen vergrösserten. Bald schon nannten sie sich Grafen von Neuenburg. Der Sohn des ersten Grafen, der den neuen Namen angenommen hatte, Ulrich, errichtete auf dem bisherigen Schlosshügel eine regelrechte Residenz und liess eine Kirche bauen, in der einige Kanoniker regelmässig nicht nur das Lob Gottes, sondern auch den Ruhm und die Grösse des neuen Grafenhauses zum Ausdruck bringen sollten. Selbst die eigentliche Burg wurde mit prächtigen Steinmetzarbeiten verziert. Gefolgsleute und Dienstmannen der Grafen bauten in der Nähe der Herrenburg ihre beachtlichen Behausungen, so dass sich im Herrschaftszentrum der Grafschaft ein echtes höfisches Leben entfalten konnte. Da sich Graf Rudolf II unter die Minnesänger einreihte und in deutscher Sprache Gedanken- und Liedergut der südfranzösischen Troubadoure wiedergab, darf auch auf ein vertieftes kulturelles Interesse geschlossen werden.
Ungefähr zur zeit, da die befestigte Handwerker- und Fischersiedlung am Fuss des Bergfelsens ein eigenes Stadtrecht erhielt, teilte sich die Grafenfamilie zu Anfang des 13. Jahrhunderts in vier verschiedene Linien auf, deren jede mit einem besonderen Herrschaftsgebiet ausgestattet wurde. Die neuen Zweige der Sippe legten sich verschiedene Titel zu und bezeichneten sich teils als Grafen, teils als Freiherren nach ihren Burgen in Aarberg, Nidau und Strassberg, die sie entweder selbst errichteten oder durch Heirat erwarben.
Die Stammlinie, die auf Minnesänger Rudolf zurückging und in Neuenburg verblieb, vermochte allmählich eine ansehnliche Territorialherrschaft aufzubauen, die sich von den Ufern des Sees bis weit in die hintersten Juratäler erstreckte. Allerdings blieb dieser Besitz nicht unangefochten. Der Zwang, sich gegen angriffslustige Feudalherren der Nachbarschaft zu behaupten, veranlassten den Grafen Rollin, bei Bern um das Burgrecht nachzusuchen. Zu seinen Gegnern, mit denen er sich blutig auseinandersetzten musste, gehörten die stammesverwandten Grafen von Aarberg-Valangin. Diese weigerten sich, ihren Besitz als Lehen der Neuenburger Grafen anzuerkennen. Als sie jedoch besiegt und zum Frieden gezwungen waren, blieb ihnen keine andere Wahl. Zum Zeichen, dass sie ihre Köpfe verwirkt hatten, mussten sie für die Kollegiatskirche von Neuenburg zwei getriebene Silberknöpfe stiften, die bis zur Reformation dort ausgestellt blieben.
Der letzte Neuenburger Graf Ludwig vergrösserte zwar seine Herrschaft durch verschiedene Erwerbungen, führte aber ein unstetes, kriegerisches Leben in Frankreich und Italien, was ihm neben dem Verlust seines einzigen legitimen Erben auch grosse Schulden eintrug. Er verlieh Boudry und Le Landeron Stadtrechte und errichtete in der Kollegiatskirche beim Schloss Neuenburg sein berühmtes Grabdenkmal, das ihn und seine Familie verewigt und in seiner prächtigen Gestaltung des Standesbewusstsein der Sippe zum Ausdruck bringt.
Varenne, eine der Töchter Ludwigs, heiratete den Grafen Egon von Freiburg aus dem Haus Urach. Da beider Enkel kinderlos blieben, bezeichnete er seinen Neffen Rudolf von Hochberg als Nachfolger über Schloss, Stadt und Herrschaft Neuenburg. Trotz verschiedener Anfechtungen konnte dieses Geschlecht die Nachfolge antreten und behalten, bis der Besitz 1504 durch Heirat der einzigen Erbin an ihren Gemahl Louis von Orléans gelangte. Als die Spannungen zwischen den Eidgenossen und dem französischen König wegen Oberitalien im frühen 16. Jahrhundert zu kriegerischen Auseinandersetzungen führten, missfiel den eidgenössischen Orten der französische Gemahl der Johanna von Hochberg. Zudem gehörten zur Grafschaft Neuenburg verschiedene Besitzungen und Rechte in der Franche Comté. Um sich gegen diese gefährdete Westflanke zu schützen, besetzten Bern, Freiburg, Solothurn und Luzern kurzerhand die Grafschaft und degradierten sie zu einer der üblichen Vogteien, der sie in zweijährigen Turnus einen Landvogt vorsetzten. Die Städte liessen nachträglich auch die Länderorte an der Vogtei teilnehmen. Nach der Niederlage von Mrignano un dem Tod von Louis von Orléans 1516, ja sogar als die Eidgenossen sich mit dem französischen König längst wieder vertrugen, behielten sie die Grafschaft zurück bis 1529.
Es brauchte die Fürsprache von König Franz I und den berühmten goldenen Schlüssel, der Johanna von Hochberg endlich wieder das Tor zu ihrem Besitz und Eigentum öffnete. Johann war, um dieses Ziel zu erreichen, in arge finanzielle Bedrängnis geraten, so dass sie verschiedentlich grosse Summen aufnehmen musste.
Auch ihre Erben, die in den kommenden Jahrhunderten aus verschiedenen Dynastenhäusern stammten, hatten finanzielle Sorgen und dachten daran, die Grafschaft an einen solventen Käufer zu veräussern.
Nach langwierigen Verhandlungen gelangte 1707 der König von Preussen in den Besitz des inzwischen zum Fürstentum erhobenen Landes. Er behielt es bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts. Erst mit dem Sturz des Kaisertums 1918 erlosch sein Titel als Fürst von Neuenburg und damit auch die Erinnerung an seine adligen Vorgänger aus der Familie der Grafen von Neuenburg-Fenis.
Heute befindet sich im Schloss der Sitz der Neuenburger Regierung.
Das Grab der Grafen von Neuenburg zählt zu den Hauptwerken der mittelalterlichen Skulptur in der Schweiz. Nach der Inschrift auf der Plattform, liess der Graf Ludwig es "In Gedächtnis der Seinen" in 1372 errichten, das heisst ein Jahr vor seinem Tod. Dieses Monument stellt in Szene die Macht der Herren von Neuenburg, deren Mitglieder in der Kollegiatskirche, die von ihren Vorfahren im 12. Jahrhundert gegründet wurde, beerdigt wurden.
Das Grab verbindet Elemente unterschiedlicher Herkunft: das architektonische Werk mit Zwillingsbögen sowie die zehn Statuen von Rittern und von Frauen im Gebet wahrscheinlich für diese Gelegenheit entstanden, während der Stil der zwei Liegenden, die gegen die Seitenwände stehen, einem vermuten lässt, dass sie von derselben Werkstatt, aber für einen anderen Ort ausgeführt worden sind. Schliesslich die beiden Hoch-Reliefs, die zwölf Trauernde darstellen, die übereinander gelegt wurden, den Sarkophag zu bilden, stammen gewiss aus einem anderen Grab. Der Berner Bildhauer, Matthäus Ensinger, entwarf gegen 1424-1425 die polychromen Statuen der Grafen Conrad und Jean von Freiburg, die zu beiden Seiten des Monumentes stehen. An der Rechten Seite ist die Darstellung von Rudolph von Hochberg, die Ende des 15. Jahrhunderts hinzugefügt wurde.
Die Tradition führte lange die Schäden zurück an die Einnahme der Kollegiatskirche, die von den Reformierten in 1530 begangen wurde, und den Zustand der Statuen an die Restaurierung, die von Neuenburger Bildhauer, Charles-Frédéric-Louis Marthe, zwischen 1837 und 1840 durchgeführt wurde. Die Begutachtung der historischen Texte und ihre Gegenüberstellung mit den materiellen Spuren haben jedoch eine komplexere Geschichte enthüllt.
Es scheint, dass die Reform, das Grab der Grafen verschont hatte, mit der Ausnahme vielleicht der Verstümmelung der Trauernden am Sarkophag. In 1678 wurde das Monument hinter einer Holzwand verborgen, dann vergessen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Das Bürgertum von Neuenburg hat dann die "Reparatur" der Gesamtheit in Betracht gezogen, eine Intervention, um deren Qualität wieder herzustellen. Marthe hat in der Tat die Statuen, die zum Teil gebrochen waren, repariert, und kreierte einige Architekturelemente. Er bemalte bestimmte Teile wieder und übermalte andere; die neuen Analysen zeigen eine breite Beachtung der mittelalterlichen Polychromie, mit Ausnahme der heroldschen Wappen.
Das Monument hat danach ohne schweren Schäden die Restaurierung der Kollegiatskirche von 1867-1870 überlebt, aber schuldet seinen „veraltertes“ Aussehen einer Intervention von 1943. (http://collegiale.ch)