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Männer im Ostschweizer Kanton Appenzell Innerrhoden sind wohl kaum erfreut zu hören, dass sie die Kleinsten im Land sind. Mit einer Körpergrosse von 1,76 sind sie laut einer Studie der Uni Zürich 2,8 cm kürzer als die Basler, die Grössten der Schweiz.Dieser Inhalt wurde am 01. September 2008 - 11:49 publiziert
In der vom Anatomischen Institut der Universität Zürich durchgeführten Studie ging es darum herauszufinden, inwieweit sich Wohnort, berufliche und sprachliche Hintergründe sowie der Geburtsmonat auf Gewicht und Körpergrösse der Menschen auswirken.
Dazu wurden die Körpermasse von über 28'000 Stellungpflichtigen bei der Aushebung für die Rekrutenschule der Schweizer Armee aus dem Jahr 2005 verglichen. Herauskam, dass alle Faktoren einen gewissen Einfluss auf Grösse und Gewicht haben.
"Wir haben diese Ergebnisse zwar erwartet, sind aber über das Ausmass doch etwas erstaunt, da die Schweiz als egalitäre Gesellschaft bekannt ist und eine sehr hohe Lebensqualität aufweist", sagt Frank Rühli vom Forschungsteam gegenüber swissinfo.
"Es gibt Unterschiede zwischen den verschiedenen Kantonen. Die Einwohner von Appenzell Innerrhoden sind gemäss Statistik zum Beispiel bedeutend kleiner als jene von Bern."
Die Kantone mit den grössten Rekruten stammen aus den deutschsprachigen Gebieten der Nord- und Zentralschweiz, während die Männer in der italienischen Südschweiz im Schnitt eher klein sind.
Die Studie ergab auch, dass der Durchschnitts-Schweizer im Verlauf des letzten Jahrhunderts um 10 Zentimeter gewachsen ist. Mass er 1916 im Schnitt noch 1,69m, war er 2005 1,78m lang. Heute ist des Schweizers Grösse vergleichbar mit den Männern in den USA oder Südafrika.
"Es gibt Studien, die sagen, dass grossgewachsene Menschen im Leben mehr Erfolg und Einkommen haben als kleine", sagt Rühli.
"Es ist aber schwer zu sagen, ob das Ei oder das Huhn zuerst da war. Ob einer mehr verdient, weil er gross ist, oder gross ist, weil er mehr verdient. Eine Tatsache ist jedoch, dass es vor allem für Männer von Vorteil ist, gross gewachsen zu sein."
Stadt-Land-Gefälle?
Die Studie ergab, dass Körpergrösse und Gewicht auch vom Geburtsmonat abhängen. Wer in der zweiten Jahreshälfte zur Welt kam, ist im Schnitt bedeutend kleiner und hat einen niedrigeren Body Mass Index.
Und Rekruten, die im Industriesektor tätig waren, sind in der Regel kleiner und schwerer als Studenten.
Rühli bezeichnet die Ergebnisse als einzigartig, weil die Daten von Rekruten der Schweizer Milizarmee stammen und eine Momentaufnahme der 19-jährigen männlichen Bevölkerung (80%) quer durch alle Kantone liefern.
Die Schweiz war zudem eine gute Fallstudie, weil sie Einblick in eine politisch stabile Gesellschaft gab, die geografisch vielfältig war und sich auch infolge der vier Landessprachen unterscheidet. Die 26 Kantone sind ein Mix aus städtischen und ländlichen Gebieten, verschiedenen Muttersprachen, Geschichten und wirtschaftlichen Voraussetzungen.
Beunruhigender als die variiernden Körpergrössen sind laut Rühli die Unterschiede beim Körpergewicht. Die grössten Body Mass Indices gibt es in den zentralen und nordwestlichen Landesteilen. Die südlichen Bergkantone sowie die Westschweiz liegen unter dem Schnitt.
Auch hier liegen Appenzell Innerroden und Basel Stadt auf dem letzten und dem ersten Rang, mit 69,6 resp. 75,8 kg.
Präventive Massnahmen
Das Team des Anatomischen Instituts argumentiert, dass die kantonalen Unterschiede beim Gewicht "ein Nebeneffekt von Luxus sein könnten, der mit kulturell bedingten Essensgewohnheiten" zusammehängt. Sie hoffen, dass die Ergebnisse den Behörden dabei helfen, die öffentlichten Gesundheitsprogramme entsprechend anzupassen.
"Es ist wichtig zu wissen, welche Gesellschaftsgruppen zu Übergewicht neigen, da es sich neativ auf die Gesundheit auswirkt", so Rühli.
"Fachleute, die mit Präventivmassnahmen zu tun haben, sollten dies beachten und wissen, in welchen Kantonen die Menschen am gefährdetsten sind."
swissinfo, Jessica Dacey
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)
In Kürze
Die Studien-Ergebnisse über Unterschiede in Grösse, Gewicht und Body Mass Index in der Rekrutenbefragung der Schweizer Armee 2005 wurde vom Anatomischen Institut der Universtität Zürich durchgeführt, in Zusammenarbeit mit dem "Anatomical Sciences Centre" der Uni Adelaide und dem Institut für Empirische Wirtschaftsforschung (IEW) an der Universität Zürich.
Für die Studie wurden 28'152 Rekrutenanwärter der Schweizer Armee im Jahr 2005 befragt. Sie machten 80% der 19-jährigen Schweizer Bevölkerung in diesem Jahr aus.
Die Forscher analysierten Grösse, Gewicht und Body Mass Index. Als Indikator für den sozio-ökonomischen Status verwendeten sie auch den Beruf der Männer, für den kulturellen Bezug die Muttersprache.
Die Studienergebnisse wurden im "American Journal of Physical Anthropology" publiziert.
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