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Die Geschichte der BLS AG
Am 31. März 1911 durchstossen die Mineure den Lötschbergtunnel, gut zwei Jahre später rollt der erste Zug durch das Pionierbauwerk. Über 100 Jahre später ist die Lötschbergstrecke eine der zentralen Eisenbahn-Transitachsen durch die Alpen. Und die BLS AG hat sich von einer Alpenbahn zum S-Bahn-Betreiber gewandelt.
Die Geschichte der BLS AG
Das Projekt und die Gründung der BLS
Der Kanton Bern, der mit der Inbetriebnahme der Gotthardbahn im Jahr 1882 von der Nord-Süd-Hauptverkehrsachse abgeschnitten wird, schöpft alle seine föderalistischen Rechte aus, um eine eigene Transitbahn zu erstellen.
Allerdings kann von der Eidgenossenschaft mit keiner finanziellen Hilfe gerechnet werden. Die Bundesbehörden wehrten sich vehement gegen eine konkurrierende Transitachse. So bleibt dem Kanton Bern nichts anderes übrig, als die Geldmittel anderweitig zu beschaffen. Diese kommen unverhofft aus dem westlichen Nachbarland.
Da Frankreich 1871 das Elsass und Lothringen mitsamt dem Grenzübergang Basel an Deutschland verliert, sind Wirtschaftskreise aus Paris daran interessiert, sich an einer für sie attraktiven internationalen Transitbahn durch die Schweiz finanziell zu beteiligen. Der Grenzort Delle soll das neue Tor zur Schweiz und zu Italien werden.
Der Berner Alt-Regierungsrat Wilhelm Teuscher (1834–1903) projektiert mehrere Trassee-Varianten via Frutigen–Lötschberg für eine solche Bahn. Dem Lötschbergprojekt steht aber auch eine Wildstrubel-Variante gegenüber. So entwickeln sich zwei Linienführungen, welche die bernische Kantonsregierung in zwei Parteien spaltet.
Das Initiativkomitee Pro Lötschberg setzt sich schliesslich durch: Am 27. Juli 1906, wenige Monate vor Inangriffnahme der eigentlichen Bauarbeiten, wird die Berner Alpenbahngesellschaft Bern–Lötschberg–Simplon BLS gegründet.
Der Baubeginn
Die Gesamtarbeiten für die rund 58 Kilometer lange Bergstrecke Frutigen–Spiez werden an ein französisches Baukonsortium vergeben. Die Bauarbeiten am 13,7 Kilometer langen Lötschbergtunnel beginnen am 15. Oktober 1906. Im selben Jahr findet die Einweihung des Simplontunnels zwischen Brig und Iselle in Italien statt.
Bereits 1907 verlangen die Bundesbehörden von der BLS, den Lötschbergtunnel auf Doppelspur auszubauen und seine Zufahrtsrampen im entsprechenden Profil zu projektieren. Ein auf der ganzen Länge angelegter Unterbau für ein zweites Gleis scheitert jedoch aus finanziellen Gründen. Einzig der Lötschbergtunnel wird doppelspurig gebaut.
Am 24. Juli 1908 brechen während den Bohrarbeiten direkt unter dem Gasterntal grosse Mengen Wasser und Sedimentgestein in den Tunnelstollen. Dabei kommen 25 italienische Mineure ums Leben. Infolge dieses schrecklichen Ereignisses werden die Bauarbeiten während rund sechs Monaten stillgelegt. Der mit Schutt ausgefüllte Stollen wird zugemauert und eine Umgehung der Unglückstelle projektiert.
Der damit verbundene Bau von drei Kurven innerhalb des Bergs hat zur Folge, dass der Lötschbergtunnel etwas länger wird als vorgesehen, nämlich 14,6 Kilometer. Am 31. März 1911 wird der Berg nach viereinhalb Jahren Bauzeit durchstossen.
Die Inbetriebnahme
Nachdem die Zufahrtsrampen auf beiden Seiten des Lötschbergs mit ihren kühnen Bauwerken (33 Tunnel, 22 Brücken und 3 Lawinenschutz-Galerien) gebaut waren, wird die mit Wechselstrom elektrifizierte Lötschbergbahn (15'000 Volt, 16 2/3 Hertz) am 19. Juni 1913 dem Betrieb übergeben.
Die internationalen Transitzüge durchqueren nur für kurze Zeit das Alpenmassiv am Lötschberg: Am Horizont kündigt sich bereits der Erste Weltkrieg mit all seinen Folgen an.
Mit der Übernahme der Thunerseebahn Thun/Scherzligen-Interlaken-Bönigen (TSB) wird die BLS 1913 zur betriebsführenden Gesellschaft der Bern-Neuenburg-Bahn (BN – 43km), der Gürbetal-Bern-Schwarzenburg-Bahn (GBS – 52km) und der Spiez-Erlenbach-Bahn (SEZ – 35km). Durch die Fusion zwischen der BLS und der TSB wird die Lötschbergbahn zudem Inhaberin des Schifffahrtsbetriebs auf dem Thuner- und dem Brienzersee.
1915 eröffnet die BLS die Grenchenberg-Linie zwischen Moutier und Lengnau mit dem 8,5 Kilometer langen Grenchenbergtunnel. Die Linienführung über Delle nach Grenchen und Biel soll Frankreich dem Lötschberg und damit Italien näher bringen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Jura-Durchquerung zwischen Moutier und Biel nur auf Umwegen möglich.
Als jedoch im Jahr 1919 durch den Friedensvertrag von Versailles das Elsass und Lothringen an Frankreich zurückerstattet wird, verliert der Grenzpunkt Delle an Bedeutung. Der Transitverkehr wickelt sich wieder über Basel/St-Louis ab.
Dank des wachsenden Güteraustauschs zwischen Deutschland und Italien über die Lötschberg–Simplon-Route gelingt es der BLS, den Transit-Ausfall zu verkraften. Der innerschweizerische Verkehr ins Wallis erlebt seinerseits einen grossen Aufschwung. Am politischen und wirtschaftlichen Wert der neuen Alpentransversale zweifelt niemand mehr.
Die grossen Ausbauten
1976 genehmigt der Bundesrat einen Baukredit von 620 Millionen Franken für den Doppelspur-Ausbau in mehreren Phasen. Ein Jahr später beginnen die Bauarbeiten. Am 8. Mai 1992 wird die vollständig doppelspurige Lötschberglinie eingeweiht.
Ende 1993 beauftragt der Bund die BLS, auf ihrer Linie bis zur Inbetriebnahme des Basistunnels einen Huckepackkorridor für Lkws bereitzustellen. Entsprechende Bauarbeiten beginnen im Januar 1994.
Die Inbetriebnahme dieses Transitkorridors verzögert sich wegen geologischen Problemen auf der Simplon-Südseite. Der Betrieb wird am 11. Juni 2001 aufgenommen.
Seither trägt die «Rollende Autobahn» – der Transport von LKW auf Schienen von Deutschland via Lötschberg nach Italien – massgeblich zur Verlagerung des Transitverkehrs von der Strasse auf die Schiene bei.
Die Bahnen im Wettbewerb
Das wirtschaftliche, politische und rechtliche Umfeld der Bahnen Europas verändert sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts derart, dass Umstrukturierungen bei den Bahnunternehmen unumgänglich werden.
Die Liberalisierung und der Wettbewerb hält auch bei den Bahnen Einzug. Die BLS Lötschbergbahn agiert frühzeitig und richtet sich strategisch neu aus: Auf den 1. Januar 1997 fusionieren die mitbetriebenen Bahnen BN, GBS und SEZ mit der BLS zur BLS Lötschbergbahn AG.
Auch die Organisationsstruktur der BLS wird vollständig erneuert. Die neue Organisation baut heute auf den drei ergebnisorientierten Kerngeschäften Infrastruktur, Personenverkehr und Cargo auf. Damit werden die Bereiche «Infrastruktur» und «Verkehr» rechnerisch und organisatorisch getrennt.
Die Aufgabenteilung zwischen BLS und SBB
Um im europäischen Schienenverkehr weiterhin bestehen zu können, einigen sich BLS und SBB auf eine neue Aufgabenteilung und halten diese im Mai 2001 in einer Basisvereinbarung fest.
Diese wird auf den Fahrplanwechsel vom 12.12.2004 grösstenteils umgesetzt: Die BLS übernimmt die S-Bahn-Linien der SBB und damit die Systemverantwortung der S-Bahn Bern – der zweitgrössten S-Bahn der Schweiz. Die BLS übergibt den SBB gleichzeitig ihren Fernverkehr.
Im Cargogeschäft übernehmen die SBB die Systemführerschaft für den Einzelwagen-Ladungsverkehr in der Schweiz. Im Transit- und Ganzzugverkehr herrscht seither Wettbewerb.
Die SBB sind heute für das schweizweite Netzmanagement verantwortlich. Die BLS übernimmt ab Eröffnung des Lötschberg-Basistunnels die Betriebsführung der gesamten Lötschberg-Simplon-Achse.
Das NEAT-Projekt
Mit grosser Mehrheit stimmen die Schweizerinnen und Schweizer am 27. September 1992 dem Projekt Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) zu. In dieser Abstimmung bekundet das Volk seinen Willen zur Realisierung von zwei Alpentransversalen – eine am Gotthard, die andere am Lötschberg.
Das ursprüngliche Projekt am Lötschberg sieht einen 41 Kilometer langen Basistunnel mit zwei Röhren zwischen Frutigen und dem Rhonetal vor. Aus finanziellen Gründen wird das Projekt jedoch redimensioniert: Die Tunnellänge beträgt neu 34,6 Kilometer. Eine der beiden Röhren wird grösstenteils vorerst nur im Rohbau erstellt.
Ab 2007 sollen die Züge mit 160 bis 200 km/h durch den Lötschberg-Basistunnel rauschen. Gebaut wird die NEAT Lötschberg von der BLS-Tochtergesellschaft BLS AlpTransit AG.
Die Eröffnung des Basistunnels findet am 15. Juni 2007 statt. Der volle kommerzielle Betrieb wird mit dem Fahrplanwechsel vom 9. Dezember 2007 aufgenommen.
Die Fusion zur BLS AG
Im Juni 2006 fusionieren die Regionalverkehr Mittelland AG und die BLS Lötschbergbahn AG zur BLS AG. Die Aktionärinnen und Aktionäre beider Bahnen stimmen der Fusion an den Generalversammlungen vom 22. Juni 2006 (RM AG) und 23. Juni 2006 (BLS Lötschbergbahn AG) zu.
Eigner des neuen Unternehmens BLS AG sind der Kanton Bern mit 55,8 %, der Bund mit 21,7 % sowie weitere Kantone, Gemeinden und Private mit einem Aktienanteil von 22,5 Prozent. Die eigentliche Gründung der BLS AG kommt am 24. April 2006 zustande – mit dem Eintausch der BLS- und der RM-Aktien gegen solche der BLS AG durch die beteiligten Kantone Bern, Luzern, Solothurn, Wallis und Neuchâtel.
Mit dieser Fusion wird die BLS AG neben den SBB zum grössten Verkehrsleistungs-Unternehmen im schweizerischen Normalspurnetz. Das Unternehmen deckt im regionalen Personenverkehr ein Gebiet ab, das zwischen dem Neuenburger- und dem Vierwaldstättersee und zwischen dem Jura und dem Simplonmassiv liegt.
Betrieb und Leistungen der S-Bahn Bern können zukünftig aus einer Hand angeboten werden. 37 Millionen Fahrgäste benützen jährlich die Regional- und S-Bahn-Züge der BLS AG – Tendenz steigend.
Chronik der BLS AG 1835 - heute
1835
Beginn der fahrplanmässigen Dampfschifffahrt auf dem Thunersee als Vorläuferin der heutigen BLS Schifffahrt
1864
Eröffnung der Industrie-Pferdebahn zwischen Derendingen und Biberist als Vorläuferin der Emmentalbahn
1872 - 1874
Bau und Inbetriebnahme der Bödelibahn (Därligen–Interlaken–Bönigen) als Vorläuferin der heutigen Strecke nach Interlaken West
1875
Eröffnung der Emmentalbahn (EB) Burgdorf–Solothurn
1881
Eröffnung der Strecke Burgdorf–Langnau
1889
Eröffnung der Strecke Langenthal–Huttwil (LHB)
1895
Eröffnung der Strecke Huttwil–Wolhusen (HWB)
1899
Eröffnung der Burgdorf–Thun–Bahn (BTB); erste elektrische Vollbahn Europas
1893
Eröffnung der Thunerseebahn (TSB) Thun–Därligen
1897
Eröffnung der Spiez–Erlenbach-Bahn (SEB)
1901
- Eröffnung der Spiez–Frutigen-Bahn (SFB)
- Eröffnung der Bern–Neuenburg-Bahn (BN)
1901/1902
Eröffnung der Gürbetalbahn (GTB)
1902
Eröffnung der Erlenbach–Zweisimmen-Bahn (EZB)
1906
Konstituierung der Berner Alpenbahn-Gesellschaft Bern–Lötschberg–Simplon (BLS)
1907
Eröffnung der Bern–Schwarzenburg-Bahn (BSB)
1908
- Eröffnung der Strecke Solothurn–Moutier (SMB)
- Eröffnung der Strecke Ramsei–Sumiswald–Huttwil (RSHB)
1913
- Eröffnung der elektrifizierten Lötschbergbahn Frutigen–Kandersteg–Brig
- Eröffnung des Lötschbergtunnels
1915
- Eröffnung des Grenchenbergunnels (BLS-Strecke Moutier–Lengnau)
- Eröffnung der Strecke Huttwil–Eriswil (HEB), 1975 auf Bus umgestellt
1926
Transport der ersten begleiteten Autos auf offenen Güterwagen zwischen Kandersteg und Brig
1940
Eröffnung der Verladebahnhöfe Spiez, Frutigen, Hohtenn und Goppenstein
1942
- Fusion der EB und BTB zur Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn (EBT)
- Fusion der SEB und der EZB zur Simmentalbahn (SEZ)
1944
- Fusion der LHB, HWB, HEB und RSHB zu den Vereinigten Huttwil-Bahnen (VHB)
- Fusion der GTB und der BSB zur Gürbetal-Bern-Schwarzenburg-Bahn (GBS)
1955
Kostenlose Beförderung von Fahrzeuglenkern auf Autoverladezügen per 1. April 1955
1959
Eröffnung der Verladeanlagen in Iselle
1960
Start des fahrplanmässigen Autoverlads
1966
In diesem Jahr transportiert der BLS Autoverlad erstmals über 100'000 Fahrzeuge
1968
- Bau einer neuen Autorampe in Kandersteg
- Erweiterung der Gleisanlage für den Autoverlad in Goppenstein
- Beschaffung der ersten vierachsigen Verladewagen
1970
Der BLS Autoverlad erreicht am 8. September 1970 die Marke von 1 Million transportierten Fahrzeugen
1971
Aufhebung des Autoverlads auf den Stationen Spiez, Frutigen und Hohtenn
1974
Einführung des leicht merkbaren 30-Minuten-Taktes für den Autoverlad
1976
- Beginn des Ausbaus der Transitstrecke Thun–Brig auf integrale Doppelspur
- Inbetriebnahme der neuen Verladeanlagen in Kandersteg und Goppenstein am 11. November 1976
1992
- Inbetriebnahme der neuen neuen «Talbot-Wagen» für mittelgrosse Lastwagen und Busse am 1. Juni 1992
- Aufhebung der direkten Autozüge zwischen Kandersteg und Iselle per September
1993
Gründung der Tochtergesellschaft BLS AlpTransit AG
1994 –2000
Ausbau der Transitstrecke zum 4-m-Huckepack-Korridor
1997
- Fusion der mitbetriebenen Unternehmen BN, GBS, SEZ mit der BLS zur BLS Lötschbergbahn AG
- Fusion von EBT, SMB und VHB zur Regionalverkehr Mittelland AG (RM)
2000
Wiederaufnahme der direkten Autozüge zwischen Kandersteg und Iselle (Ostern, Auffahrt, Pfingsten, Weihnachten und Sommerferien)
2001
- Basisvereinbarung BLS/SBB (neue Aufgabenteilung Fernverkehr: SBB, normalspurige S-Bahn Bern: BLS)
- Gründung der Tochtergesellschaft BLS Cargo AG
- Gründung der RAlpin AG und Start der «Rollenden Autobahn» Freiburg i.Br. (D)–Lötschberg–Novara (I)
2003
Der BLS Autoverlad zählt 30 Millionen bisher durch den Lötschberg beförderte Fahrzeuge
2006
- Gründung der BLS AG am 24. April 2006
- Fusion mit RM AG am 22. Juni 2006
- Fusion mit BLS Lötschbergbahn AG am 23. Juni 2006
2007
- Eröffnung der NEAT-Lötschberg am 15. Juni 2007
- Aufnahme des fahrplanmässigen Vollbetriebs durch den Lötschberg-Basistunnel (LTB) per 9. Dezember 2007
2009
Ausgründung der BLS-Infrastruktur zur BLS Netz AG und deren Fusion mit der BLS AlpTransit AG am 22. April 2009
2010
- Übernahme des gesamten Bahnverkehrs im Dreieck Luzern, Langnau und Langenthal per 12. Dezember 2010
- Der BLS Autoverlad zählt der BLS Autoverlad das 40-millionste verladene Fahrzeug
2011
Der 100'000. Zug durchfährt am 3. März 2011 nach drei Betriebsjahren den Lötschberg-Basistunnel
2012
- Am 20. April 2012 erfolgt der Spatenstich zum Rosshäuserntunnel und zum Doppelspurausbau Rosshäusern–Mauss
- Am 19. September 2012 fährt der neue Doppelstockzug erstmals fahrplanmässig auf der S-Bahn Bern
2013
- Für den Ausbruch des zwei Kilometer langen Rosshäusern-Tunnels wird am 6. Mai 2013 erstmals gesprengt
- Exakt 100 Jahre nach der Inbetriebnahme der 60 Kilometer langen Lötschbergstrecke fährt die BLS am 15. Juli 2013 mit einem Extrazug nach Domodossola