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Die Geschichte der Seifensieder
Wann genau in der Menschheitsgeschichte zum ersten Mal Seife hergestellt wurde, kann niemand genau sagen. Das erste überlieferte Seifenrezept geht, jedoch auf das Jahr 2500 vor Christus zurück, in dem folgendes Seifenrezept in Keilschrift auf eine Ton-Schiefertafel der Sumerer, einer früheren Hochkultur im heutigen Irak, eingeritzt worden war.
„1 Liter Öl und die 5 ½ fache Menge Pottasche!“
Diese Rezeptur ist eine Anleitung zum „Seifen kochen“ aus Pottasche (diese wird auch, als Kaliumcarbonat bezeichnet; man gewann sie durch Eindampfen verbrannter Hölzer, Wurzeln und ganzen Pflanzen – diese alkalische Lauge wurde in eisernen Töpfen, so genannten „Potten“ hergestellt) und Ölen, welche gemeinsam „verkocht“ wurden.
Diese so entstandenen Seifen wurden, jedoch nicht als Kosmetikum zur Hautreinigung verwendet, sondern dienten den Menschen, als Heilmittel bei Hauterkrankungen, Hautreizungen und Verletzungen. In der Literatur wird jedoch vermutet, dass die damals hergestellten Seifen keinerlei Heilwirkung auf den Körper hatten, die Tatsache, dass ihr eine „heilende Wirkung“ nachgesagt wurde, liegt vermutlich rein darin, dass durch Waschungen mit diesen Seifen Körperschmutz, Talg und Verkrustungen entfernt wurden und dadurch die Körperhygiene verbessert werden konnte, wodurch sich der Bakterienbefall der Haut verminderte und sich die Hautgesundheit erhöhte.
Der reinigende Effekt wurde erst von den Ägyptern entdeckt, die sich Waschkraft von dem Mineral „Soda“, welches sie in der Wüste fanden, zu Nutze machten. Soda ist ein Mineral, welches sich in Gesteinen ablagert, aber auch bei der Verbrennung von salzhaltigem Pflanzenmaterial entsteht.
So wurde die Pottasche mit Soda vermischt; dieser Vorgang erhöhte die reinigende Wirkung der Seife massiv und machte sie zum Wäschewaschen sehr attraktiv. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie, jedoch immer noch nicht zur Körperpflege eingesetzt.
Erst die Römer entdeckten den reinigenden Effekt von Seife (ca. 40 nach Christus), als „dekoratives Kosmetikum“. Sie setzten die aus Ziegenmilch, Rinder- und Hirschtalg hergestellten Seifen, als Bleichmittel oder Pomade für ihre Haare ein.
Trotz ihrer hochentwickelten Badekultur setzte sich die Seife erst ab dem 2. Jahrhundert nach Christus, als Körperreinigungsmittel durch.
Es dauerte, aber immer noch eine lange Zeit, bis schliesslich die Araber auf die Idee kamen, Fette mit Laufe, diese alkalischen Salze ersetzten die Pottasche, zu vermischen und zu erhitzen. Um besonders feste Seifen zu erhalten setzten sie, als erste gebrannte Kalk ein. So köchelten sie die Öle und Salze so lange, bis ein Grossteil des Wassers verdampft war und die ölige Masse langsam fest wurde. Diese feste Substanz liess sich in formschöne Portionen schneiden und das erste Seifenstück war geboren.
Dies waren die Vorläufer der modernen Seifen, wie wir sie heute kennen. Sie fingen an, regelrechte Luxusseifen mit allen erdenklichen Ingredienzen zu zaubern und betrieben regen Handel mit ihnen. Darum gelten die Araber wohl, als die Erfinder der Seifenherstellung.
Im Mittelalter verfeinerten auch die europäischen Meister der Seifensiederei ihre Methoden und auch Wien wird immer wieder in der Literatur, als eines der Zentren der Seifensieder-Zunft genannt.
Die Badekultur mit ihren öffentlichen Badehäusern erfreute sich immer wachsender Beliebtheit, diese gemeinsamen Badewonnen der Bevölkerung gipfelten, jedoch regelmässig in Epidemien und Seuchen, Pest und Syphilis waren auf dem Vormarsch.
Die Badekultur mit ihren öffentlichen Badehäusern erfreute sich immer wachsender Beliebtheit, diese gemeinsamen Badewonnen der Bevölkerung gipfelten, jedoch regelmässig in Epidemien und Seuchen, Pest und Syphilis waren auf dem Vormarsch.
Diese traurigen Kapitel der Menschheit bescherten uns einige Jahrhunderte ohne Seife – die „Trockenwäsche“ war aus Angst vor Seuchen wieder in Mode gekommen.
Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden Seife und Wasser, als wertvolle Körperreinigungsprodukte wiederentdeckt - ab dem 19. Jahrhundert setzte sich, dann endlich ein umfassendes Hygieneverständnis die Körperpflege betreffend durch. Der althochdeutsche Begriff „seifa“, „seipha“ – altnordisch „säpa“ hatte allerdings die Bedeutung von zäher, dickflüssiger und tropfender Masse, sodass wir davon ausgehen, dass es sich bei dem damaligen Begriff, um eine Art Schmierseife handeln musste.
Ab diesem Zeitpunkt begann die Seifensiederei im grossen Stil. Die wachsende Nachfrage konnte nur mehr mit industriell hergestellten Seifen befriedigt werden.
Leider unterscheidet sich das heutige industrielle Verfahren, welches leider meist auf Profit und mindere Rohstoffe setzt, ganz wesentlich von dem Handsiede- bzw. Kaltsiedeverfahren - das traditionelle Handwerk, bei dem mit wertvollen Rohstoffen und hautpflegenden Ingredienzen gearbeitet wird und herrlich pflegende Naturseifen das Ergebnis sind.