Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03387.jsonl.gz/1290

Die Ueberlieferung erzählt, dass die erste künstliche Erweiterung des
Renggloches und damit die Ablenkung des Krienbaches
in die
Kleine Emme im Jahre 1223 auf Befehl der Gräfin Gutta, gekorenen von
Rothenburg und verwitweten Freifrau von
Schauensee, ausgeführt worden sei, damit das von ihr gestiftete Franziskanerkloster zu Luzern
fernerhin unter den Ueberschwemmungen
des
Wildbaches nicht mehr zu leiden hätte. Dies half aber nicht viel. Da im Quellgebiet des
Baches häufige Gewitter niedergehen,
war dieser durch seine Hochwasser für die Gemeinden
Kriens und Luzern
eine stete Gefahr.
Von seinen Ausbrüchen und Verheerungen wird uns z. B. aus den Jahren 1333, 1472, 1475, 1532, 1554, 1570, 1577, 1597, 1611,
1616, 1617, 1626, 1641 und 1643 berichtet. 1616 und 1617 riss das
Wasser die Hochöfen und Hüttenwerke von
Kriens mit sich,
und 1626 und 1641 mussten die Franziskanermönche zuLuzern
wegen des Hochwassers die
Messe auf einem improvisierten
Bretterboden lesen. Die letzte grosse und verderbliche Ueberschwemmung in
Kriens und dem links der
Reuss stehenden Stadtteil
von Luzern
fand 1738 statt, während sich Hochwasser noch 1741, 1749. 1811, 1840, 1874. 1880, 1896 und 1899 wiederholten.
Bis 1880 hatte man sich damit begnügt, längs dem Mittellauf des
Wildbaches Mauern zu ziehen, sein
Bett
von Zeit zu Zeit zu reinigen und den Abfluss durch das
Renggloch zu erleichtern. Als der Bach trotzdem immer wieder gegen
Kriens und Luzern
durchbrach oder durchzubrechen drohte, schlug Ingenieur Stirnimann 1880 vor, den Bach und seine Nebenarme
im Quellgebiet zu verbauen und ihn zugleich im Mittellauf zu korrigieren. Diese Arbeiten wurden dann
1885-1901 auf gemeinsame Kosten des Bundes, des Kantons und der Stadt
Luzern, der Gemeinde
Kriens und der Direktion der
Jura-Simplon-Bahn
ausgeführt. Schon ums Jahr 1800 schrieb Konrad
Escher von der
Linth, dass kein anderer
Wildbach von so
beschränktem Sammelgebiet eine solch' grosse Menge von Geschieben und Blöcken führe wie der
Renggbach.
Ist jetzt gegen früher ein ziemlich harmloser Wasserlauf.
Vor der gründlichen Verbauung des
ObernKrienbaches (s. diesen Art.) pflegte dieser bei Hochwasser von Zeit zu Zeit gegen
den Untern Krienbach durchzubrechen und dann mit ihm das ganze Thal bis nach Luzern
hinunter
unter Wasser zu
setzen.
Heute fliesst ein Teil des Wassers des
ObernKrienbaches durch einen künstlichen Kanal zum Untern Krienbach ab und
gestattet diesem damit den regelmässigen Betrieb der Fabriken von
Kriens.
Seine Wasserkraft wird
schon seit langer Zeit ausgebeutet,
und zu Beginn des 19. Jahrhunderts trieb er an seiner Mündung in die
Reuss bei
Obernau etwa 20
Räder.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts legte August
Bell aus Luzern
den
Grund zur mächtigen industriellen Entwickelung von
Kriens, indem
er an Stelle der bisherigen Stampfmühle und kleinen
Säge eine mechanische Rosshaarflechterei einrichtete.
(Kt. und
Amt Luzern). 520 m. Gem. u. grosses Pfarrdorf, am N.-Fuss des
Pilatus und 3 km sw.
Luzern.
Elektrische Strassenbahn
Luzern-Kriens und normalspurige Verbindungshahn der Fabriken von Kriens mit dem Bahnhof Luzern.
Drahtseilbahn
auf den n. über Kriens sich erhebenden aussichtsreichen
Sonnenberg. Postbureau, Telegraph, Telephon. Die ziemlich ausgedehnte
Gemeinde umfasst neben dem Dorf noch die
Weiler und Häusergruppen Nackenrain,
Nidfeld, Waisenhaus,
Obernau,
Wattig, Oberschachen (mit
Feldmühle),
Schattenberg.
Dorf: 220
Häuser, 3263 Ew. Ist
nach Luzern
die volksreichste Gemeinde des Kantons.
Die gewöhnliche Etymologie des Namens Kriens, die ihn von
Grien =
Kies, Schotter ableitet, hat die natürliche Beschaffenheit des aufgeschütteten Alluvialbodens für sich, gegen sich
aber das K, das als Ch in der Form Chrientes schon im 9. Jahrhundert auftritt. Andere Ableitungen sind noch weniger sicher.
881: Krientes. 1850 betrug die Einwohnerzahl 2693 Selen. Bis zu dieser Zeit war Kriens eine beinahe völlig
agrikole Ortschaft, die nur einige kleine, die Kraft des
Krienbaches ausnutzende lokale Industriebetriebe aufzuweisen hatte,
wie Walkmühlen, eine Sichelfabrik, einen
Eisen- und Kupferhammer, eine
Mühle,
Säge und
Bleiche.
Heute ist es ein bedeutender Industrieort: Maschinen- und Brückenbau beschäftigen 500 Arbeiter, eine Seidenspinnerei 500 Arbeiterinnen
und 100 Arbeiter, eine Holzwerkzeugfabrik 40 Arbeiter, eine Teigwarenfabrik 60 Arbeiter und Arbeiterinnen,
die Kupferwerkstätten 40 Arbeiter, eine mechanische Kunstschreinerei 50 Arbeiter und eine
Fabrik für Holzbuchstaben 100 Arbeiter.
Ein Teil der Bewohner nährt sich daneben noch von Ackerbau und Viehzucht. 1780-1886 bestanden hier auch eidgenössische
und kantonale
Pulvermühlen, die aber nach verschiedenen Explosionen 1887 eingingen.
Die 1100 erbaute Pfarrkirche ist 1683 umgebaut und 1890 vergrössert worden. Der sehr alte Glockenturm enthält eine 1357 gegossene
Glocke (die älteste der Urschweiz). Zwei grosse Schulhäuser, 1866 und 1900 erbaut. Sekundar- und Ergänzungsschule. S.
über dem Dorf die Burg
Schauensee mit einem sehr altenTurm. Eidgenössisches
Zeughaus. Rund um das Dorf
schöne
Villen; in der Nähe ferner die Kurhäuser
Sonnenberg,
Himmelreich und
Hergiswald. Auf dem
Sonnenberg eine von der schweizerischen
Gemeinnützigen Gesellschaft 1858 gegründete Rettungsanstalt für verwahrloste katholische Knaben. Waisenhaus; Armenhaus
mit landwirtschaftlichem Betrieb. Schülersuppen. Hilfsgesellschaft. Isolierpavillon für ansteckende Krankheiten. Volksbibliothek.
Eine Zeitung. Etwa 30 verschiedene Vereine für Gesang, Musik, Schiessen, Turnen, Politik, Wohltätigkeit,
volkstümliche Vorträge. Hier wurde 1792 der Arzt J. G. Krauer, der Dichter des Rütliliedes, geboren.
881-884 war Kriens Eigentum des
KlostersIm Hof zu Luzern,
dem es nach einer Urkunde aus jener Zeit zusammen mit dem ganzen Gebiet
vom
Pilatus bis zum
See und zur
Reuss von einem Edeln Atha und seiner Schwester
¶