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Lesezeit 5′ min // Ein Beitrag von Dario Signorello
In diesem Beitrag, welcher im Rahmen des Moduls “Kommunikationskompetenz: Mit Bildern und Texten informieren” entstand, erklärt Dario Signorello, warum wir häufig Opfer des sogenannten Confirmation Bias werden und was wir tun können, um dagegen zusteuern.
Versetze dich in folgende Situation: Du triffst dich mit einem sehr guten Freund oder einer sehr guten Freundin auf ein Feierabendbier. Nach einem kurzem Small Talk wechselt ihr zu aktuellen und politischen Themen, die ihr kürzlich in der Zeitung gelesen habt. Du führst aus, wie wichtig das Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union ist, dein Freund bzw. deine Freundin stimmt deiner Argumentation zu. Auch als ihr über die kommende Volksabstimmung diskutiert, seid ihr gleicher Meinung, bei welcher Vorlage das Kreuz bei «Ja» oder «Nein» zu setzen ist. Du bemerkst, dass ihr häufig eine ähnliche Sicht auf die Dinge habt. Zufall? Nicht unbedingt, denn diese Situation veranschaulicht den Bestätigungsfehler.
Vielleicht bist du in dieser Situation Opfer des Confimations Bias geworden, zu deutsch: Bestätigungsfehler. Diese Form des Selbstbetrugs verzerrt unsere Wahrnehmung über andere Meinungen und Ansichten, wenn sie nicht zu unserem persönlichen Interesse passen. Wir tendieren dazu Informationen, die eine von uns in Betracht gezogene Hypothese bestätigen, höher oder besser zu gewichten, als Informationen die gegen unsere Hypothese sprechen. So sind wir davon überzeugt Recht zu haben, weil unsere Wahrnehmung immer nach passenden Argumenten sucht, die unsere Ansichten bestätigen. Diese selektive Wahrnehmung verleitet uns auch zwischen Ereignissen Zusammenhänge zu erkennen, wo nur Zufälle sind. Der Mensch lebt gerne in einer einfach erklärbaren Welt.
Es wird angenommen, dass mehrere Ursachen dafür verantwortlich sind, warum Menschen dem Bestätigungsfehler unterliegen:
Bei der Auswahl unseres Umfeldes und unserer Freundschaften zeigt sich der Bestätigungsfehler, indem wir uns mit Bekannten und Freunden vernetzen, die eine ähnliche Sicht auf die Dinge haben und nicht ständig anderer Meinung sind. Somit werden unsere Meinungen und Erwartungen bei einem Gespräch automatisch von der anderen Person bestätigt. Dieses Phänomen lässt sich auch auf Social Media beobachten. Wer eine vorgefertigte Meinung über das Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union hat, wird sich auf Social Media an Gruppen und Diskussionen beteiligen, die dieselbe Ansicht teilen und bestätigen. Ist somit der Topos des Menschen als rational denkendes Wesen nur eine Illusion? Glauben wir nur Informationen und Personen, die uns recht geben und entlarven uns somit als Rosinenpicker?
So vollkommen hilflos sind wir dem Bestätigungsfehler nicht ausgeliefert. Sich den Bestätigungsfehler bewusst machen, ist schon der erste Trick, um den Confirmation Bias frühzeitig zu erkennen und gewollt dagegen zu steuern. Du kannst deine eigene Meinung vertreten, solltest aber auch fremde Meinungen zulassen. Medien und Gruppendiskussionen verfolgen, die auch eine andere Meinung vertreten und Argumente für eine andere Position erarbeiten, helfen auch dem Bestätigungsfehler entgegenzuwirken. Wichtig ist die Offenheit für andere Meinungen und das Betrachten anderer Möglichkeiten, sich gleichzeitig auf Neues einzulassen und stets die eigene Meinung zu überdenken.
Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Moduls “Kommunikationskompetenz: Mit Bildern und Texten informieren” an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.
Dario Signorello studiert Business Psychology im 4. Semester und arbeitet nebenher bei der Schindler Management AG. Er hat sich für den Studiengang entschieden, da er sich dafür interessiert, wie sich Menschen im ökonomischen Umfeld verhalten. Das Studium verbindet somit die zwei Bereiche Wirtschaft und Psychologie, welche ihn interessieren.