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In Riehen traten bis ins 20. Jahrhundert relativ häufig vergrösserte Schilddrüsen, also Kröpfe, auf. Das Dorf wurde deshalb scherzhaft auch ‹Chropfheim› genannt. Verschiedene Ärzte des Diakonissenspitals spezialisierten sich auf die Heilung von Schilddrüsenerkrankungen.
Riehen war bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein Endemiegebiet für Kropfleiden. Ein Kropf, auch ‹Struma› genannt, ist die medizinische Bezeichnung für eine Vergrösserung der Schilddrüse. Die häufigste Ursache für die Entstehung eines Kropfes ist Jodmangel. So auch in Riehen, wo das Trinkwasser aus dem nahen Wiesental einen besonders niedrigen Jodgehalt hat.
Mitte des 19. Jahrhunderts erkannten Mediziner den Zusammenhang zwischen der Schilddrüsenfunktion und dem Jodmangel. Zu den damals entwickelten Therapiemethoden gehörte unter anderen die Kropfoperation. Trotz der hohen Sterblichkeitsrate wagten sich auch die Ärzte des Riehener Diakonissenspitals an die Durchführung von Kropfoperationen, als erster Ludwig Georg Courvoisier (1843–1918), der von 1871 bis 1903 chirurgischer Chefarzt des Diakonissenspitals war, und später Emanuel August Veillon (1871–1953). Veillon machte das Diakonissenspital sogar weithin bekannt für Schilddrüsenchirurgie. Zeitweise wurden in Riehen jährlich bis zu 500 Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen operiert.
Über die Operationen führten die Chirurgen nebst den schriftlichen Berichten in einer besonderen Weise Buch: Sie pressten die entfernten Kröpfe wie Stempel in die Akten und zogen deren Konturen mit einem Stift nach. Diese Operationsskizzen sind überliefert und werden im Historischen Spitalarchiv Riehen aufbewahrt.
1920 wurde in der Schweiz die freiwillige Anreicherung von Kochsalz mit Jod beschlossen. Diese Massnahme führte zu einer beträchtlichen Reduktion von Kropferkrankungen in der gesamten Schweiz, auch in Riehen.
1930 gründeten einige fasnachtsbegeisterte Riehener, in Anlehnung an den Dorfnamen ‹Chropfheim›, die Chropf-Clique.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 8.1.2023
Krankenakten von Kropfpatienten und -patientinnen des Diakonissenspitals.
Diakonissenhaus (Krankenhaus) – Riehen. Dokumentensammlung. 1902–: SWA H + I F 58.
Nussberger, Peter: Der Kropf und seine Bedeutung für Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1998. S. 26–35.
Hardegger, Bertha: Verbreitung des Kropfes bei den Schulkindern von Basel und Riehen im Jahre 1930. Diss. Universität Basel 1930.
Jenny, Fränzi / Gugger, Chris: Baselexikon. Basel 2001. S. 383.