Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03585.jsonl.gz/1554

Sexuell aktive schwule und bisexuelle Männer dürfen in Frankreich künftig Blut spenden. «Wir beenden eine Ungerechtigkeit, die nicht mehr zu rechtfertigen war», schrieb Gesundheitsminister Olivier Véran am Dienstag auf Twitter. Bislang durften nur homosexuelle Männer Blut spenden, die in den vergangenen vier Monaten nicht mit anderen Männern schliefen.
Griechenland wiederum kündigte an, das Blutspendeverbot für Homosexuelle aufzuheben. Das berichtete die Zeitung «Kathimerini». Litauen will dieses Jahr nachziehen. In Europa bleiben somit nur noch Kroatien, Slowenien und die Türkei, die am Blutspendeverbot für schwule Männer festhalten.
12-monatige Hürde in der Schweiz
In der Schweiz dürfen Männer, die mit anderen Männern Sex hatten (MSM) seit 2017 Blut spenden. Vorausgesetzt: Der Spender blieb zwölf Monate abstinent. Die aktuellen Statistiken und wissenschaftlichen Untersuchungen würden zeigen, dass das Risiko einer Ansteckung mit gefährlichen Infektionskrankheiten bei Menschen in bestimmten Lebenssituationen deutlich erhöht ist, erklärt Franziska Kellenberger gegenüber ArgoviaToday. Sie ist Leiterin Marketing und Kommunikation bei der Blutspende SRK.
«Um eine grösstmögliche Sicherheit für die Blutempfänger zu gewährleisten, können Menschen, auf die diese Risikosituationen zutreffen, temporär oder permanent nicht zu einer Spende zugelassen werden.»
Doch ist die Hürde bei homosexuellen Männern nicht grösser, Blut zu spenden, wenn sie so lange abstinent bleiben müssen? Die Spendekriterien würden dazu dienen, die Sicherheit von Blutprodukten für oft schwer kranke Empfänger zu gewährleisten, erklärt Kellenberger. «Die Kriterien sind nicht darauf ausgerichtet, bestimmte Personen oder Personengruppen pauschal von der Blutspende auszuschliessen oder zu diskriminieren.»
Dürfen in der Schweiz sexuell aktive Homosexuelle bald schneller Blut spenden?
Kellenberger bestätigt, dass die Blutspende SRK Schweiz gerade die aktuelle Karenzzeit überprüfe, zusammen mit einer dafür extra einberufenen Expertengruppe. Diese Expertengruppe sammle dafür wissenschaftliche Daten aus der Schweiz und vergleichbaren Ländern. Mit diesen und mit der aktuellsten wissenschaftlichen Literatur «wird eine neue Risikobeurteilung gemacht und eine Empfehlung erarbeitet», so Kellenberger.
Weitere Informationen könne man derzeit nicht geben. Swissmedic beurteile dann anhand der Datenlage, ob die Spenderkriterien in der Schweiz angepasst werden müssen. «Ob und zu welchem Zeitpunkt eine Anpassung der Blutspendekriterien gutgeheissen wird, ist noch offen», sagt Kellenberger.
31 MSM-Spender im Argovialand
Beim regionalen Blutspendedienst Aargau-Solothurn wurden im Jahr 2020 insgesamt 31 MSM-Blutspender verzeichnet. Kellenberger erklärt, dass Blutspenden anonym bleiben. Nur die Blutspendezentren würden die Identität des Spenders und die Befunde der medizinischen Abklärungen kennen. Kellenberger: Der Spender kennt die Personen nicht, die sein Blut erhalten und die Blutempfänger erfahren nicht, wessen Blut sie erhalten.