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In Tübingen erhob am 4. Februar 2022 der zivile Staatsanwalt gegen den 54-jährigen Brigadegeneral Markus Kreitmayr Anklage. Der Staatsanwalt legt dem angesehenen Ex-Kommandanten des Kommandos Spezialkräfte in Calw zur Last, er habe 2019 mit seiner Munitionsamnestie gegen geltendes Recht verstossen.
Noch bevor Kreitmayr 2018 das Kommando übernahm, war in Calw Munition abhanden gekommen. Dennoch meldeten die Buchführer komplette Bestände. Als Kreitmayr davon erfuhr, erliess er eine Amnestie. Wer Munition zurückbrachte, der wurde begnadigt. So kam viel Munition zurück.
Der Staatsanwalt klagt Kreitmayr wegen „unterlassener Mitwirkung bei Strafverfahren“ gemäss § 40 Wehrstrafgesetz und „Strafvereitelung“ gemäss § 258 StGB an.
Brigadegeneral Kreitmayr geniesst in der Bundeswehr einen guten Ruf. Im angestammten Panzergrenadierbataillon 112 führte er einen Zug, eine Kompanie und das Bataillon. Er bestand in Hamburg den Generalstabslehrgang und in München das Luft- und Raumfahrtstudium zum Dipl. Ingenieur. In Grossbritannien absolvierte er das Command and Staff College, in den USA das Army War College mit Abschluss als MSS. Mehr geht nicht.
Den Befehl über das KSK trat Kreitmayr unbescholten an. Der Bundeswehrverband verteidigt ihn als „untadeligen Offizier“. In einem ersten Verfahren urteilte der Richter: „Was hätte er sonst tun können, wenn er die Munition zurück wollte.“
Ob dem erneut Angeklagten diese Überlegung hilft, muss das Tübinger Urteil weisen.
In seiner Laufbahn verschob Annegret Kramp-Karrenbauer den KSK-Kommandanten nach Koblenz. Dort arbeitet er jetzt als Abteilungsleiter Ausbildung Streitkräfte. Diesen Posten hatte schon Georg Klein inne, nachdem er in Afghanistan den Luftangriff auf zwei Tanklastwagen befohlen hatte.