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Von alters her üben die Berge Faszination aus und verbreiten Angst und Schrecken. Sie wecken bei den Menschen den Wunsch, die Gipfel zu erklimmen und die eigenen Grenzen auszuloten. Bis weit ins 19. Jahrhundert blieb das Bergsteigen eine Männerdomäne. Für Frauen stellte es etwas Unerhörtes dar, wie uns Florence Hervé in dem von ihr herausgegebenen Buch «Sehnsucht nach den Bergen» wissen lässt. Zu Wort kommen Schriftstellerinnen aus verschiedenen Zeiten, Ländern und Gesellschaftsschichten; ihre Texte erzählen von Liebe, Leidenschaft und Zuneigung zu den Bergen. Ihre Touren werden gleichsam zu Akten der Emanzipation. Die Schriftstellerinnen zeigen in sorgfältig ausgewählten Texten, welche Anziehungskraft die Berge haben, welche poetische Inspiration von diesen bizarren Formenwelten ausgehen, wie das elementare Naturphänomen ihr Innerstes wandelt und mit welchem Mut, welcher Kühnheit und Verwegenheit sie den Herausforderungen trotzen. So schildert Henriette d’Angeville (1794-1871), die erste Alpinistin der Welt, ihre Bewältigung der Gefahren von Eis, Gletscher und Lawinen beim Besteigen des Montblanc, den sie 1838 als zweite Frau bezwang. Die Schriftstellerin George Sand (1804-1876) beschreibt die Überwindung des sie «trunken» machenden Schwindels «zwischen zerrissenen Felsmauern», und Mary Shelley (1797-1851) erzählt von ihrer Wanderung im Gebirge während eines Gewittersturms.
In den Erinnerungen von Natalia Ginzburg (1916-1991) werden die Berge zu einem Symbol der Einsamkeit, die sie bei ihrer Verbannung in den Abruzzen erlebt. Lisa Fittko (1909-2005) erfuhr bei ihrer Widerstandstätigkeit als Fluchthelferin in den Pyrenäen die Berge als Hort der Freiheit. Für zivilisationsmüde Künstlerinnen war der Monte Verità bei Ascona ein Refugium der Stille, und für die 1962 geborene Lavinia Greenlaw ist der Aufenthalt in den Bergen eine Auseinandersetzung mit der Macht der Natur, die sich in der Enge und Rauheit der Landschaft spiegelt. Der Band besticht zudem mit wunderbaren Schwarz-Weiss-Fotos.