Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03468.jsonl.gz/210

Freiwillige Vereinigungen im Spannungsfeld zwischen konventionellen und neuen Medien
Hans Geser
Juli 2004
Bibliographische Zitation:
1. Die besondere Affinität der Computernetze zu freiwilligen Assoziationen
Freiwillige Vereinigungen aller Art haben die Gemeinsamkeit, dass sie zur Sicherung Kohäsion und Funktionsfähigkeit besonders reichhaltiges Spektrum verschiedener Kommunikationsformen benötigen.
Zentrifugale (bzw. von oben nach unten verlaufende) Informationskanäle sind erforderlich, damit die Führungsspitze mit ihren Mitgliedern und Sympathisanten (bzw. der allgemeinen Öffentlichkeit) in Kontakt treten und ihren Aufgaben der Berichterstattung, Werbung, Mobilisierung, Persuasion, oder Indoktrination nachkommen kann. Zentripetale Kanäle der "Aufwärtskommunikation" sind die Voraussetzung, damit die Mitglieder den Leitungsorganen ihre Forderungen, Meinungen und Präferenzen zum Ausdruck bringen und die in den Statuten idealiter vorgesehenen Rechte demokratischer Mitwirkung wahrnehmen können. Und Chancen des multilateralen horizontalen Austausches müssen bestehen, damit in Vorständen, Delegiertengremien und der allgemeinen Mitgliederbasis Prozesse koordinativer Abstimmung und deliberativer Meinungsbildung stattfinden können (Geser 2001).
Ein Blick in die Mediengeschichte zeigt, dass sich diese Modi der Kommunikation in sehr unterschiedlichem Masse technologisch entwickelt haben. Im Vordergrund standen eindeutig die der Diffusion vom Zentrum an die Peripherie dienenden "one-to-many" - Technologien, die seit dem Aufkommen des Buchdrucks in Führung gegangen sind, um dann durch die Massenpresse, Radio und Fernsehen nochmals eine immense Steigerung zu erfahren. Im Bereich dezentral-interaktiver Kommunikation ist eigentlich nur das Telefon als wesentliche Neuerung aufgetreten, das aber praktisch ausschliesslich für diadische Dialoge Verwendung findet. Indem es bilaterale Mikrokommunikationen strukturell isoliert, wirkt es auf soziale Kollektivierungsprozesse eher desintegrativ und hat und damit auch in Parteien und Verbänden möglicherweise zu einem Übergewicht der Führung gegenüber der Mitgliederbasis beigetragen. Demgegenüber sind die für horizontal-multilaterale Kommunikation verfügbaren Hilfsmittel wie auch die für Aufwärtskommunikation erforderlichen "Many-to-One-Technologien" auf einem viel primitiveren Niveau haften geblieben. So sind nach wie vor fast 10'000 Voten (oder Rundbriefe) nötig, wenn jeder von 100 Diskussionsteilnehmern allen andern etwas mitteilen will, und wie in Urzeiten vollzieht sich die Aufwärtskommunikation in Institutionen beispielsweise dadurch, dass einzelne Mitglieder einem Redner applaudieren, in Abstimmungen "Ja" oder "Nein" einlegen oder sich an einer mit mühseligem Unterschriftensammeln verbundenen Beschwerdeaktion beteiligen (Geser 1996).
Hinzu kommt, dass die Integration dieser Informationsflüsse in ein kommunikatives Gesamtsystem durch die vielfältigen Transformationskosten (Protokollführung, Transkription, Vervielfältigung u.a.) behindert ist, die aufgrund der unterschiedlichen Trägermedien notwendig werden.
Mit Sicherheit hat der Vorrang der radialen Einwegmedien innerhalb der Vereinigungen die Tendenzen der Zentralisierung verstärkt, weil die Führungsorgane gegenüber der Mitgliederbasis zusätzliche Möglichkeiten der Selbstdarstellung, Themenkontrolle und konkreten Einflussnahme erhielten. So ist das von Robert Michels am Beispiel deutscher Gewerkschaften exemplifizierte "eiserne Gesetz der Oligarchie" wesentlich in der kommunikativen Zentralstellung der Berufsfunktionäre begründet - so wie der Führungsanspruch leninistisch-bolschewistischer Avantgarde-Parteien nicht ohne das "Zentralorgan" zu denken ist, das monologische Indoktrination und Propaganda an die Mitgliederbasis transportiert (Michels 1911).
Im Lichte dieser bisherigen Entwicklungen muss das Internet als eine für Vereinigungen und Verbände besonders bedeutsame und nützliche Innovation betrachtet werden, weil es alle Formen uni- und bidirektionaler sowie bi- und multilateraler Kommunikation in gleichem Masse technisch unterstützt.
Face-to-face-Kommunikation ebenso ein wie audio-visuelle und gedruckte Kommunikationsformen, erhöht bei minimierten Kosten die Transaktionsdichte, ermöglicht Broadcasting und Narrowcasting. Großorganisationen wie die Gewerkschaften mit einer Tradition breiter Dienstleistungen für viele Lebens- und Arbeitsbereiche sind ebenso wie die Kulturen dezentraler Kooperation der alten "neuen sozialen Bewegungen" hervorragend geeignet, zielgruppenspezifisch auf dem Netz zu operieren und Spezialmärkte für Individualkommunikation abzudecken. Dazu müssen sie Information Broking entwickeln, Netzmarketing betreiben und komplexe Querschnittsmedienpolitiken zur politischen Mobilisierung entwickeln. (Rilling 1997)"
Prognosen über die Gesamtwirkung der digitalen Netzmedien auf organisatorische Strukturen und Prozesse werden aber durch die Vielzahl simultaner Leistungssteigerungen und alternativer Anwendungsmöglichkeiten erschwert.
Erstens werden zweifellos die Leistungskapazitäten der bisher dominierenden Einwegmedien verstärkt: indem die Führung z.B. die Möglichkeit erhält, praktisch kostenfrei alle Mitglieder beliebig häufig per Email zu kontaktieren oder mit einer Website unbeschränkte Informationsmengen an ein globales Publikum zu richten.
Zweitens werden zum erstenmal in der Mediengeschichte auch Prozesse multilateraler Horizontalkommunikation und vertikaler Aufwärtskommunikation technisch unterstützt: so dass zumindest die infrastrukturellen Rahmenbedingungen für den Ausbau extensiver und dezentraler Artikulations- Deliberations- und Mitwirkungsmöglichkeiten offen stehen.
Drittens schliesslich ermöglichen es die Computernetze, sämtliche Formen technisch vermittelter Kommunikation auf derselben Plattform stattfinden zu lassen und in einem umfassenden Gesamtzusammenhang zu integrieren. Keine Fotokopien sind mehr nötig, um eine schriftliche Einsendung einem grösseren Kreis zugänglich zu machen; digitale Sitzungsprotokolle haben bereits die Form, die sie für ihre Veröffentlichung brauchen, und formelle Dokumente können sehr leicht in den privaten Emailverkehr oder in öffentliche Forumsdiskussionen eingeschlossen werden. Hinzu kommt, dass vergangene Kommunikationen nicht dazu verurteilt sind, in ein streng bewachtes (aber auch sonst de facto schwer zugängliches) Archiv zu entschwinden, sondern als lebendige Vergangenheit in derselben niederschwelligen Weise wie Aktualkommunikationen zugänglich bleiben können.
Damit wächst den freiwilligen Vereinigungen die Chance zu, gleichzeitig in räumlicher, sozio-struktureller und zeitlicher Hinsicht integriertere Systeme als bisher zu werden und ihre faktischen Strukturen allenfalls besser als bisher mit jenen statutarischen Idealnormen in Übereinstimmung zu bringen, die schon immer eine egalitäre demokratische Mitwirkung aller Basismitglieder gefordert haben.
Beispielsweise könnten sich mit ihrer Hilfe möglicherweise die utopischen Hoffnungen eines Charles Levinson (Präsident der ICF) erfüllen, der in seinem Buch "International Trade Unionism" bereits 1972 eine vorgeschlagen hat, telematische Technologie für die internationale Gewerkschaftsbewegung nutzbar zu machen." [1]
2. Erweiterte assoziative Teilnahmemöglichkeiten: unabhängig von individuellen Standorten, Umweltbedingungen und Rollenaktivitäten
Vereine und Verbände entfalten sich vorwiegend in dem „dritten Sektor“, der sich zwischen der Welt der beruflichen Erwerbstätigkeit einerseits und der Sphäre der Familie und Freizeit andererseits entfaltet. Typischerweise müssen sie mit jenen Residuen an Zeit, Teilnahmotivation und Leistungsbereitschaft vorlieb nehmen, die die Individuen neben ihren dominierenderen Rollenengagements in der Arbeitswelt und im persönlichen Privatbereich noch übrig haben (bzw. aufgrund ihres dadurch bedingten geographischen Standorts zur Verfügung stellen können). Dementsprechend profitieren sie besonders stark davon, dass Individuen dank der neuen digitalen Medien vermehrte Möglichkeiten erhalten, sich unabhängiger von räumlichen und strukturellen Gegebenheiten an beliebigen Kommunikations- und Interaktionssystemen aktiv mitzubeteiligen : indem sie beispielsweise in Diskussionsgruppen mitdiskutieren, Petitionen unterschreiben, Protestschreiben versenden oder Mitgliederbeiträge entrichten, ohne ihren Bürostuhl oder Sitzplatz am häuslichen PC zu verlassen, ja ohne ihre übrigen Rollenaktivitäten wesentlich zu unterbrechen.
So erhöht das Internet beispielsweise die Chance, dass nebenamtlich tätige und bisher vielleicht nur abends oder am Wochenende abkömmliche Aktivisten auch tagsüber jederzeit an vereinsinterner Kommunikation teilnehmen können: so dass sich der bisherige Vorsprung vollamtlicher, regelmässig in Büros der Zentrale sitzenden Berufsfunktionäre vielleicht etwas reduziert. Beispielsweise sind als Vorstandsmitglieder ihres professionellen Verbands amtierende Ärzte bei Bedarf sogar während ihrer Sprechstundenzeit in der Lage, andere Vorstandsmitglieder zu kontaktieren (Shuping 1998).
Dementsprechend erleichtert das Internet neue Formen des kollektiven Handelns, die kein Sicheinfinden an öffentlichen Plätzen (oder halböffentlichen Lokalen) notwendig machen und deshalb auch nicht zum sinnlich greifbaren und medial wirksamen physischen Phänomen einer "Versammlung“ (bzw. gar eines "Menschenauflaufs“) führen (Geser 2002). So wird die Palette kollektiver politischer Protestformen durch neue Manifestationen der "electronic disobedience“ (z. B. Aktivitäten des "hacking“, "spamming“ oder der "denial of Service“ Attacken) angereichert, die im Unterschied zu konventionellen Demonstrationstätigkeiten keine Massenverdichtung in urbanen Zentren erfordern und deshalb unterschiedslos allen, die teilnehmen wollen, überall und jederzeit zugänglich sind. Drastische Illustrationsbeispiele dafür sind beispielsweise “vituelle Sit-ins” und andere Formate des “Cyberterrorismus”, die derart automatisierbar sind, dass sie seitens des “Aktivisten” überhaupt keine Eigenaktivität mehr verlangen.
Dadurch wird es möglich, einerseits zusätzliche, bisher unbeteiligte Bevölkerungssegmente zu aktivieren, und andererseits auch bisher passiv gebliebene Mitglieder für die Teilnahme an offiziellen Vereins- und Verbandsaktivitäten zu gewinnen. Selbst zurückhaltendste Gewerkschaftsmitglieder, die noch nie an aktiven Kollektivhandlungen teilgenommen haben, können leicht dazu gelangen, sich in einer Online-Abstimmung als Befürworter eines Streiks zu "outen" oder wie Tausende andere den Leiter eines bekämpften Unternehmens mit einem standardisierten Email-Schreiben zu beglücken.
Alle bisherigen Erfahrungen deuten allerdings darauf hin, dass derartige Sendungen sehr wenig Wirkung haben:
Tatsächlich wirkt ungebetene elektronische Post eher kontraproduktiv, weil sie - als "spamming" verschrien - allzu häufig von dubiosen Akteuren stammt, die für andere Kontaktnahme entweder kein Geld haben oder darauf ausgehen, im Schutz von anonymen oder pseudonymen Absendeadressen unerkannt zu bleiben.
Eine besondere Bedeutung hat die Netzkommunikation für Vereinigungen, deren Mitglieder, Aktivisten und Funktionäre aufgrund ihrer Berufsarbeit oder ihrer nebenamtlichen Stellung geographisch sehr mobil sind und sich unberechenbar von Ort zu Ort bewegen. Bezeichnenderweise hat eines der wichtigsten Projekte gewerkschaftlicher Internetkommunikation (Solinet) in Kanada begonnen, wo die "Canadian Union of Public Employees" 1986 versucht hat, die im weiträumigen Land in 2200 Lokalgruppen verstreuten (und durch sechs Zeitzonen voneinander getrennte) Aktivisten via Email-Verbindungen sowohl miteinander wie auch mit der Zentrale in Ottawa in regelmässige Verbindung zu bringen. [2] In analogem Sinne dient das (in Moskau 1990 etablierte) russische "Labour information Center" (KASKOR) dazu, einerseits die gigantischen Raumdistanzen zwischen Gewerkschaftssektionen verschiedener Landesteile zu überbrücken und andererseits die ausgeprägte geographische Isolation Russlands gegenüber den westlichen Industrieländern zu überwinden. [3] Diese Raumunabhängigkeit der Netzkommunikation ist wohl auch der Grund, warum Gewerkschaften im Verkehrs- und Transportbereich besonders intensiven Gebrauch davon machen. (z.B. die International Transport Workers Federation ITF).
So hat sich das Internet für jene Docker aus Liverpool bedeutsam erwiesen, die im Juni 1996 Hafenkräne in Montreal besetzten, um die dortigen Hafenarbeiter zur Unterstützung für ihren Kampf gegen die CAST-Reederei zu animieren. Das Problem bestand dabei darin, dass diese Aktion von der Britischen Presse totgeschwiegen wurde: so dass es nur durch elektronische Übertragung der in der "Montreal Gazette" erschienenen Berichterstattung gelungen ist, die Docker zu Hause zu informieren. Überdies ist es ihnen mit ihrer Website gelungen, eine völlig unerwartete materielle Unterstützung seitens der "Maritime Union of Australia" und einer Japanischen Dockergewerkschaft zu mobilisieren (Dropkin 1996).
An diesen Beispielen wird
deutlich, dass das Internet dazu verhilft, einer bereits bestehenden
internationalen Solidarität, wie sie für Berufe der Schifffahrt und
Luftfahrt besonders typisch ist), mehr konkreten Gehalt zu verleihen:
indem es dank der speditiven und unaufwendigen Netzkommunikation gelingt,
diese Solidarität nicht nur wie bisher rhetorisch an gelegentlichen
Internationalen Kongressen verbal auszudrücken, sondern in ganz
konkreten, teilweise auch durchaus bescheidenen Einzelaktionen zum Tragen
zu bringen. So entsteht ein
"pragmatischer Internationalismus", der sich nicht in der Form
abstrakter Ideologien und ritueller Tagungsresolutionen, sondern im Medium
ganz konkreter Alltagsaktionen manifestiert.
Wenn sich die Teilnahme an den Aktivitäten einer Vereinigung durch Partizipation an Versammlungen, Kongressen, Sitzungen geselligen Feiern oder andern Anlässen der face-to-face-Kommunikation vollzieht, begeben sich die Individuen in ein dichtes soziales Feld, innerhalb dem sich mannigfachen Beeinflussungen und Kontrollen unterliegen (Geser 2002). Beispielsweise werden sie häufig genötigt, sich auch die Voten unliebsamer Redner anzuhören, bis zum Ende einer Zusammenkunft auszuharren, einen von niemand anderem kritisierten Beschluss selbst bei abweichender Meinung stillschweigend mitzutragen oder an Demonstrationen in den Chor der Protestierenden einzustimmen. Dies alles hat zur Folge, dass Intensität und Form des partizipativen Verhaltens nur zum Teil als authentischer Ausdruck subjektiver Motivationen und Präferenzen erklärt werden kann, im übrigen aber durch soziale Faktoren determiniert wird, deren erfolgreiche Pflege und Manipulation eine der wichtigsten Aufgaben der Verbandsführung darstellt.
Im Gegensatz dazu werden Online-Teilnehmer, die typischerweise vor ihrem Heim- oder Bürocomputer sitzen, erheblich weniger durch derartige exogene Faktoren beeinflusst: weil beispielsweise kein Druck verspürt wird, durch äusserliche Konformität mit anderen Reaktionen des Tadels und der Missbilligung zu vermeiden (Geser 2001; 2002). So kann die Organisationsleitung durch keinerlei Druckmittel die Mitglieder dazu bewegen, die Website des Verbands aufzusuchen, an Online-Abstimmungen ihre Stimme abzugeben, in Diskussionsgruppen das Wort zu ergreifen oder für ein bestimmtes Anliegen Geld zu spenden -aber wann immer dies freiwillig geschieht, handelt sich dabei um einen authentischen Ausdruck subjektiver Motivation. Deshalb erweist sich die Umstellung auf Online-Interaktionen für die Assoziation in mancher Hinsicht als risikoreiches Unterfangen: weil wie nach einem Säurebad unbarmherzig sichtbar wird, wieviel "echte" Identifikation, Loyalität, Solidarität und Leistungsmotivation nach dem Wegfall aller gruppen- und organisationsspezifischer Druckmittel überhaupt noch bleibt, und weil damit gerechnet werden muss, dass sich Veränderungen in subjektiven Gestimmtheiten (z. B. aufgrund von Medienkampagnen, modischem Wandel öffentlicher Themen u.a.) ungefiltert auf die Intensität und Extensität der Teilnahmemotivationen auszuwirken pflegen. So können Assoziationen mit hoch motivierter Anhängerschaft selbst bei minimaler Qualität ihres Webauftritts hohe Besucherzahlen vermelden, während Vereinigungen mit apathischer Mitgliederbasis auch bei beliebig hohem Geldaufwand für professionelle Webgestaltungen keinen Erfolg verzeichnen (Werber 1998).
Bei keinem anderen Medium ist die Gefahr so gross, dass eine schiere Ausweitung im "Zugang", die Einrichtung von Diskussionsforen oder auch eine Expansion des publizierten Informationsmaterials völlig wirkungslos bleiben: wenn sich nicht gleichzeitig auch nutzerseitig die sozialen Erwartungen und Verhaltensnormen verändern, die für eine faktische Nutzung solcher Angebote erforderlich sind. Vor allem Web-Publikationen, aber auch Newsgroups und Diskussionsformen werden von den Mitgliedern eines Verbands nur dann rege benutzt, wenn diese bereits vorgängig (d.h. aufgrund ihrer konventionellen Offline-Beziehungen zur Vereinigung) hoch motiviert sind, sich über den Verband zu informieren und an seinen Aktivitäten zu partizipieren (vgl. z. B. Werber 1998). Ist diese Bedingung erfüllt, kann die Vereinigung aus den Vorteilen virtueller Kommunikation (niedrige Kosten, Schnelligkeit u.a.) vollen Nutzen ziehen. Ein Beispiel dafür bilden religiöse Gruppen, die gerade dank der Stärke ihrer traditionell-gemeinschaftlichen Kohäsionskräfte für eine Online-Vernetzung besonders günstige Voraussetzungen besitzen:
Die faktische Nutzung der Online-Medien hängt also wie die Wirkung der mittels ihrer getätigten Kommunikationen völlig von Faktoren ab, die nicht in den Computernetzen selber erzeugt werden können: z.B. von Effekten kollektiver Mobilisierung und Emotionalisierung, wie sie nur im Rahmen konventioneller Protestaktionen erreichbar sind.
Gerade dank der Online-Kommunikation als Kontrastfolie wird deutlicher sichtbar, in welchem Masse Demonstrationen, Streikaktionen, Boykotte und andere Kampfmassnahmen nie bloss dem instrumentellen Zweck (der Durchsetzung von Forderung) dienen, sondern immer auch dem expressiven Ziel, der Existenz, inneren Kohäsion und äusseren Handlungsfähigkeit eines Kollektivs sichtbaren Ausdruck zu verleihen und die konsensuellen Werte und Normen rituell zu vergegenwärtigen, welche die Identität des Verbandes konstituieren. Daraus erklärt sich das Paradox, dass die Netzkommunikation oft ausgerechnet bei jenen Gewerkschaften am besten floriert, die dank einer Vielzahl anderer Kommunikationsgelegenheiten (z.B. an regelmässigen Tagungen und Sitzungen) am wenigsten auf sie angewiesen sind. Nicht zufällig war es eine rein lokale Gruppierung (Die "American Federation of Musicians in New York City“), die 1986 den ersten gewerkschaftlichen "Bulletin Board Service (BBS) der USA etablierte (Lee 1995).
Generell erhöht die Onlinekommunikation also das Ausmass, in dem subjektive Motivationen und spontane individuelle Mitgliederentscheidungen Umfang und Art der Teilnahme an einer freiwilligen Vereinigung determinieren, während sich die kausale Bedeutung organisatorisch-technischer Ressourcen und Strategien (wie sie im Massenmedienzeitalter bestimmend waren) verringert. Dank dieser "Kurzschliessung" der Systemebenen wird es möglich, die mesosozialen Aktivitäten auf Organisationsniveau enger als bisher mit den variablen Motivationen und Präferenzen individuellen Teilnehmer zu akkordieren. Wann immer es einer Vereinigung gelingt, über Online-Kanäle erhebliche Spenden zu sammeln, zahlreiche neue Mitglieder zu rekrutieren oder breite Unterstützung für eine politische Demarche zu mobilisieren, kann kein Zweifel daran bestehen, dass dieses Ergebnis die Summe unabhängiger, in Freiheit getroffener individueller Einzelentscheidungen repräsentiert und deshalb das relativ getreulich das aktuelle Meinungsbild innerhalb der Mitgliederbasis widerspiegelt. Damit kontrastiert es von Effekten konformistischer Beeinflussung, wie sie unter dem vertikalen Einfluss zentralistischer Persuasion oder durch den horizontalen "Bandwagon-Effekt" in einem Versammlungspublikum entstehen. Dadurch ergeben sich besondere Überlebens- und Wachstumschancen für Vereinigungen, die lernen, in ihrer Nachfrage nach Unterstützung der Vielfalt und Variabilität individueller Präferenzen Rechnung zu tragen. So entstehen z. B. philanthropische Assoziationen vom Typus des "Civic Involvement Center", das den Donatoren ermöglicht, aus einem breiten Spektrum genau den ihnen am meisten zusagenden Spendezweck zu wählen:
Infolge dieser spezifischen Zweckbindung der Zuwendungen ist der Autonomiespielraum organisatorischen Handelns natürlich viel enger begrenzt als z. B. im Falle der Caritas oder des Roten Kreuzes, die infolge ihrer generalisierten Reputation zweckungebundene,. beliebig verwendbare Mittel erlangen.
Auf der andern Seite bietet das Internet einen derart niederschwelligen Zugang zur assoziativen Partizipation, dass evtl.. auch Sympathisanten mit geringen (und hochgradig variablen) Interessen zumindest temporär und für bestimmte Einzelanliegen erfolgreich angesprochen werden können. So mag das gesamte Spendeaufkommen der Bevölkerung wohl anwachsen, weil fast jeder im umfangreichen Katalog ein ihn ansprechendes Projektvorhaben oder eine ihm besonders sympathische Adressatengruppe philanthropischer Hilfe findet. Umso mehr werden Spendezuflüsse - wie auch alle andern Weisen der Unterstützung - dadurch von aktuellen Modetrends, massenmedialen Thematisierungen und öffentlichen Stimmungslagen abhängig - also von makrosozialen und makrokulturellen Einflussfaktoren, die sich der Steuerung durch die Organisation ebenfalls weitgehend entziehen. Dieser zeigt sich beispielsweise darin, dass Online-Kommunikation vor allem während bestimmter Zeitphasen - z.B. bei Gewerkschaften in Perioden des akuten Arbeitskampfes - erfolgreich stattfinden kann, in denen ein ungewöhnlich hohes Niveau der Mobilisierung besteht. [4]
Indem es äusserst niederschwellige Möglichkeiten für individuelle Leistungsbeiträge erzeugt, steigert das Internet die Chance, dass Individuen selbst bei geringer altruistischer Motivation im Interesse anderer Personen (bzw. einer Gruppe) handeln und sich auch ohne "selektive Belohnungen" ( wie Olson sie für unverzichtbar hält), für kollektive Ziele engagieren. So beruht der Erfolg von peer-to-peer-Austauschringen darin, dass Millionen von Nutzern freiwillig das kleine "Opfer" bringen, einen Teil ihrer Festplatte für Downloads anderer zur Verfügung zu stellen, anstatt sich als "Trittbrettfahrer" darauf zu verlassen, dass viele Andere dies tun. Ebenso beweisen die florierenden Projekte der open source- Softwareentwicklung (z. B. Linux oder Apache) , dass im Medium der weltweiten Computernetze selbst äusserst komplexe Produktionssleistungen, die früher nur im Rahmen kommerzieller Unternehmen möglich waren, heute auf der Basis unbezahlter freiwilliger Mitarbeit erreichbar geworden sind. Ein Grund dafür liegt darin, dass sich im riesigen globalen Rekrutierungsfeld mit hoher Wahrscheinlichkeit immer zumindest eine Person findet, die hinreichend qualifiziert und motiviert ist, um selbst eine sehr komplexe und langwierige Teilaufgabe ohne Honorierung zu übernehmen.
Generell scheint das Internet sich deshalb nicht so sehr als kommerzieller Handelsplatz zu etablieren, sondern eher als eine "Geschenkökonomie", in der jeder bereit ist, auch ohne Aussicht auf direkte bilaterale Repziprozitätsleistungen kostenlose eigene Leistungsbeiträge einzubringen:
Wenn einerseits aus äusserst wenig Altruismus so viel Produktives entsteht, so kann umgelehrt allerdings auch aus relativ wenig übler Gesinnung sehr viel Destruktives resultieren: z.B. im Falle von Viruskonstrukteuren, die in der Lage sind, aus schierem Übermut und Experimentierfreude kaum bezifferbare Milliardenschäden zu generieren. Im "Hacktivismus" als Form politischen oder gesellschaftlichen Protests wird Olsons's Problem des "free riders" vollständig gegenstandslos, weil sich hier jeder in der Lage sieht, als Einzelner eine messbare kollektive Wirkung zu erzeugen:
Damit wird die Deckungsgleichheit von subjektiver Motivation und objektiver Wirkung auf ihre logische Spitze getrieben, und es fehlt nicht nur jeder Entfaltungsspielraum für formelle Organisation, sondern auch für informellere (z. B. netzwerkartige) Intermediärstrukturen, die imstande wären, die sozio-politische Makroebene gegenüber unkontrollierbaren Direktübergriffen Einzelner abzuschirmen.
4. Neue Partizipations- und Einflusschancen für "sekundäre Eliten"
Die neuen digitalen Medien begünstigen innerhalb der Verbände evidenterweise jene Segmente von Aktivisten, die aufgrund ihres hohen subjektiven Engagements motiviert sind, das WWW und andere "Pull-Medien" intensiv zu nutzen. Wo immer ein Diskussionsforum eingerichtet wird, wird es von einer meist kleinen Oligarchie selbsterwählter Aktivisten in Beschlag genommen, die dadurch erhöhte Chancen erhalten, auf Kosten der formalen Führungsgremien einerseits und der passiven Basismitglieder andererseits auf die Meinungsbildung im Verband Einfluss zu nehmen. So hat sich z. B. in der BBS (Bulletin Board Service) der IATSE (International Alliance of Theatrical Stager Employees) 1994 gezeigt, dass ca. 12 Aktivisten für rund 50% der 350 monatlichen Einsendungen verantwortlich waren (Schaaf 1996). Und in einer empirischen Untersuchung über Schweizer Lokalparteien konnte nachgewiesen werden, dass Parteivorstände ihre Einflussstellung gegenüber der Anhängerbasisbasis und Parteiversammlung festigen können, wenn seine Mitglieder in umfangreichem Masse via Email miteinander kommunizieren. Ganz offensichtlich erhöht sich dadurch die Kapazität des Führungsgremiums, auch zwischen den Sitzungen initiativen zu ergreifen, Meinungen auszutauschen, kooperative Stellungnahmen auszuarbeiten und Entscheidungsarbeit zu leisten (Geser 2003). So tragen die Computernetze dazu bei, bereits bestehende Differenzen zwischen Kern- und Periphermitglieder (z.B. Unterschiede im Informationsniveau) zu akzentuieren.
Auch wenn Onlinemedien für Zwecke breiter organisationsinterner Diskussion und Aufwärtskommunikation Verwendung finden, ist nicht zum vornherein klar, inwiefern sie eher zur Demokratisierung oder zur Oligarchisierung der Einflussverhältnisse beitragen können. Einerseits werden zweifellos erleichterte Artikulationschancen für sich selbst rekrutierende Aktivisten (und durch sie gebildete Subgruppen) geschaffen, die ihre Stimme einbringen, ohne eine formelle Rolle innezuhaben oder in informeller Weise zu den inneren Machtzirkeln zu gehören. Auf der andern Seite handelt es sich bei solchen "Sekundäreliten" meist dabei um relativ kleine und instabile "geek adhocracies", die sich vorwiegend aus jüngeren Männern mit überdurchschnittlicher Bildung und Computerkompetenz konstituieren (Klein 2000; Lee 1996) und dank ihrer Fähigkeit zur mühelosen Selbstkoordination und Kooperation leicht in der Lage sind, auf Kosten der gewöhnlichen Mitgliederbasis (die sich nach wie vor auf ineffektive Offline-Kanäle verwiesen sieht) beträchtlichen Einfluss zu verschaffen (Liff 1998). Wie eine intermediäre Isolierschicht können sie sich zwischen Spitzenfunktionäre und Mitgliederbasis legen, indem sie die Aufwärtskommunikation derart dominieren, dass die Führungselite glaubt, in ihren Email-Stellungnahmen "des Volkes Stimme" zu vernehmen. Vor allem können selbst sehr kleine Onlinegruppen dank ihrem kontinuierlichen Kommunikationsfluss die Perioden zwischen den Generalversammlungen nutzen, um durch Aufgreifen neuer Themen das Agenda-Setting zu steuern, Anträge auszuarbeiten und die Meinungsbildung zu einem Punkt voranzutreiben, dass es den gewöhnlichen Mitglieder an der Versammlung kaum mehr gelingt, auf den Gang der Dinge Einfluss zu nehmen (Liff 1998).
Damit unterstützt das Internet den neueren generellen Trend zu mitgliederlosen Assoziationen (z. B. "catch-all parties" im Sinne Kirchheimers (1965)), die sich nicht mehr von unten nach oben durch mehrstufige lokale und regionale Subeinheiten aufbauen, sondern durch überlokal agierende Aktivistengruppen konstituiert und gesteuert werden:
So können die Wirkungen der digitalen Netze auf die organisationsinterne Machtverteilung vielleicht am besten mit dem Konzept der "Polyarchisierung" (im Sinne R. Dahls (1971)) umschrieben werden. Zweifellos unterstützen sie einerseits die Ausbildung relativ breiter Führungseliten, in denen sich neben professionellen Funktionären und andern formellen Rolleninhabern auch noch relativ heterogene und variable Aktivisten(gruppen) informell an den Deliberations- und Entscheidungsprozessen beteiligen. Andererseits tragen sie zu einer erhöhten Marginalisierung jener basalen Mitgliederschichten bei, die sich mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass die einzigen ihnen zustehenden Einflussmittel (Versammlungsbesuch und formale Stimmrechte) an Bedeutung verlieren.
5. Dezentralisierung, Informalisierung und Individualisierung des innerverbandlichen Handelns
Bisher haben war vor allem die Funktionsschwäche dezentralisierter Interaktionsnetzwerke der Grund, warum die Monopolisierung der Kommunikation in den Führungszentren unvermeidlich wurde. Wann immer ein Individuum A dem nächsten eine Nachricht zukommen liess, war ein Risiko von Fehlübermittlung oder Missverstehen damit verbunden: mit der Folge, dass Informationen am Ende längerer Übermittlungsketten zu schieren „Gerüchten“ degenerierten, die nur mehr entfernt mit der Ausgangsnachricht in Beziehung standen (Turner/Killian 1972). Deshalb A meist nur die Alternative, die Information einem zentralen Sender S zu schicken, der sie dann mit Hilfe technischer Medien (Rundbriefe, Faxe, Druckschriften, Radio oder TV) in identischer Form einer Vielzahl von Empfängern zukommen liess. S erhielt dadurch unweigerlich die Rolle eines Gatekeepers mit der Fähigkeit, über Zeitpunkt, Form, Empfängerschaft und andere Transmissionsmodalitäten (mit-)zuentscheiden.
Das Internet hat diesen kommunikationstechnischen Zwang zur Zentralisierung insofern beseitigt, als jedem Nutzer die Möglichkeit zugewachsen ist, in direkter Weise beliebig komplexe Nachrichten beliebigen Empfängerkreisen ohne Informationsverluste zuzusenden.
Gleichzeitig hat sich der für die Durchführung von Informationskampagnen erforderliche Organisationsaufwand drastisch reduziert. Bisherige politische Kampagnen waren relativ stark an die Mitwirkung eines umfangreichen Hilfspersonals gebunden. Beispielsweise war es erforderlich, zu Fuss Flugblätter auszutragen, umständliche Adresslisten nachzuführen oder auf manuelle Weise Briefumschläge zu beschriften, abzufüllen und zuzukleben Insbesondere in grösseren Staaten blieb der Zugang zu umfassenden und erfolgreichen politischen Kampagnen deshalb auf Akteure mit relativ guter materieller und organisatorischer Ausstattung (z.B. etablierte Verbände ) beschränkt.
Bei elektronischen Kampagnen fallen die meisten dieser administrativen Tätigkeiten weg, so dass es auch kleinen Gruppen, ja sogar einzelnen Personen möglich wird, nicht nur als verantwortliche Träger, sondern auch als effektiv Ausführende einer politischen Kampagne zu fungieren. Sie brauchen keine weitläufigere administrativen Strukturen mehr aufzubauen (und schaffen dadurch allerdings auch keine Chance mehr für Frauen, junge Leute u.a., sich wenigstens indirekt oder nur "symbolisch" an politischer Aktivität mitzubeteiligen).
So besteht ein wichtiger Vorzug von Online-Publikationen gegenüber konventionellen Medienpublikationen darin, dass ein Verein oder Verband seine Werthaltungen, Positionen, Ideologien Absichten, u.a. unvermittelter, authentischer zum Ausdruck bringen kann. Denn erstens wird die Publikationstätigkeit meist nicht - oder höchstens teilweise - an interne Spezialisten oder gar an externe Firmen (Werbeagenturen u.a.) übertragen, sondern amateurhaft von eigenen Mitgliedern und -funktionären bereitgestellt, die daneben mit anderen Verbandaktivitäten beschäftigt sind und deshalb aus der Perspektive unmittelbar Mitbeteiligter wahrnehmen, denken und schreiben. Und zweitens hat die Flexibilität des neuen Mediums zur Folge, dass öffentliche Kommunikationen sehr spontan aus den jeweils gegebenen Ereignissen und Situationsbedingungen heraus getätigt werden können und nachher jederzeit aktualisiert (d.h. mit den momentanen Bedingungen in Übereinstimmung gehalten) werden können. Dies kontrastiert scharf mit dem gravitätischen Zeitrhythmus konventioneller Periodika oder anderer papierener Publikationen, die in wohldurchdachter Reflexionsarbeit entstehen, in Redaktionsstuben und Herausgebergremien säuberlich gefiltert werden und meist über bereits Wochen oder Monate zurückliegende Ereignisse berichten. Ebenso wird durch den geringen Organisationsaufwand die Initiierung vielfältiger politischer Mikro-Kampagnen erleichtert, die von Einzelnen oder kleinen Gruppen praktisch ohne finanziellen und organisatorischen Aufwand durchgeführt werden können. [5]
Dementsprechend fördert das Internet das unberechenbare Aufkommen von Einzelaktivisten, welche die von ihnen initiierte Kampagne auch zum grossen Teil im Sinne ihrer eigenen Werte und Zielsetzungen operativ realisieren. Ein Beispiel dafür bietet Jody Williams aus Vermont, die für ihre erfolgreiche weltweite Aktion zum Verbot von Landminen 1997 den Friedensnobelpreis erhielt:
[6]
Wie das Phänomen der „flash campaigns“ zeigt, sind aber auch keine derartigen charismatischen Führungsrollen erforderlich, um weitreichende kollektive Mobilisierung und Koordination zu generieren. Potentiell jedes Individuum kann er Email. Diffusionsprozesse starten, in die innert Minuten oder Stunden Tausende (oder gar Millionen) von Sympathisanten aktiv einbezogen werden: ohne dass es diese Wirkung auch nur selber wahrzunehmen braucht und ohne dass es dadurch genötigt wäre, im weiteren Verlauf der Kampagne irgendeine weitere Aufgabe zu übernehmen.
So zeigen die neueren antiglobalistischen Bewegungsaktivitäten (z. B. anlässlich der WTO-Konferenz in Seattle 1999 oder des des Weltbanktreffens in Prag 2000) regelmässig die Eigenschaft, dass sie ohne erkennbare Führerschaft emergieren ("spontaneous clustering“), gleichzeitig aber durchaus Reaktions- und Kooperationsfähigkeiten besitzen, die früher nur im Rahmen formalisierter Organisation erreichbar waren.
[7]
Mangels gemeinsamer Führung, Zielsetzung, Regeln und organisatorischer Rahmenstrukturen bleiben solche Bewegungskollektive nach aussen hin unscharf begrenzte und nach innen polymorph zusammengesetzte Aggregate, wo sich autonom bleibende Subgruppen in wechselnden Koalitionen zu kurzfristigen Ad-hoc-Aktionen zusammenfinden, ohne sich unter umfassendere und längerfristige Ideologen und Programme zu subordinieren. Dementsprechend verbleiben sie in einem "subinstitutionellen“ Zustand, der es ihnen verunmöglicht, den von ihnen attackierten Akteuren überhaupt klare Forderungen zu stellen, auf sie in kontinuierlich-systematischer Weise Druck auszuüben oder gar mit ihnen in geregelte Verhandlungen zu treten.
Im diametralen Gegensatz zu den isomorph zur staatlichen Bürokratie gebildeten Parteien oder revolutionären Bewegungen sind sie niemals dazu in der Lage “die Macht zu ergreifen”, oder sich auch nur (z.B. mittels Ko-option) in irgendwelche formalen Entscheidungsorgane einbinden zu lassen, sondern beschränken sich dauerhaft darauf, im periphersten Vorfeld politischer Öffentlichkeit Dissens auszudrücken und Widerstand zu mobilisieren.
Angesichts dieser Unfähigkeit zur Selbstorganisation und Selbstrepräsentation scheinen diese neuen Bewegungen auf Dauer undomestizierte, unberechenbare Störfaktoren zu bleiben, so dass dem angegriffenen Establishment - ungeachtet allfälliger Sympathien und Kompromissbereitschaften mit ihren Forderungen - meist nur die Option repressiver Gegenreaktionen bleibt.
Ähnlich wie sich in traditionellen bürokratischen Verbänden die monologische Einwegstruktur der traditionellen Massenmedien widerspiegelt, reflektieren sich in der dezentral-informellen Struktur dieser neuen Bewegungsgebilde die lockeren Verknüpfungsmodi des World Wide Web.
What emerged on the streets of Seattle and Washington was an activist model that mirrors the organic, decentralized, interlinked pathways of the Internet--the Internet come to life." (Klein 2000).
Generell fördern die Computernetze äusserst dezentralisiert gestaltete Protestkampagnen, die ihre Wirkung z. B. dadurch entfalten, dass sehr zahlreiche Individuen (oder kleine Gruppen) unabhängig voneinander bestimmte Entscheidungsträger mit Protestbriefen eindecken und dadurch eine summative Gesamtwirkung erzielen. Eine derartige Summierung von Einzelprotesten hat sich in manchen Fällen aus durchaus wirkungsvoll erwiesen: denn ein Abgeordneter, der 1000 Bittschreiben von verschiedenen Einzelbürgern erhält, wird sich davon eher stärker beeindrucken lassen als einer, der ein offizielles Protestschreiben eines Grossverbandes mit vielleicht 100'000 Mitgliedern bekommt. Denn im ersten Fall muss er davon ausgehen, dass diese 1000 Einzelnen nur eine Stichprobe aus einer noch viel grösseren zahl von Stimmbürgern darstellen, die ihm bei der nächsten Wahl vielleicht verloren gehen könnten, während er im zweiten Fall vielleicht denkt, dass es sich bloss um eine Meinungsäusserung der Verbandsspitze handelt, die vielleicht unabhängig von der Mitgliederbasis agiert.
Da direkte massenhafte Emailsendungen zunehmend als unerwünschtes „spamming“ gelten, haben sich indirekte Kontaktnahmen bewährt: indem man Emails an bestimmte intermediäre Instanzen schickt, die ihrerseits die eigentlichen Zielpersonen via Postbrief, Fax oder andern konventionellen Schriftmedien kontaktieren. Solche "action alerts", die den Zweck haben, möglichst zahlreiche Einzelsympathisanten und Gruppen zu einem summativen Gesamtprotest zu mobilisieren, gehören zu den bisher erfolgreichsten politischen Netzanwendungen überhaupt. Ein Beispiel dafür bietet die Bridgetown-Kampagne, wo die ICEM-USWA auf dem Internet eine Liste mit den telephon- und Fax-Nummern der Firmen-Manager publiziert hat, welche in der "Days of Outrage" - Aktion im Juli 1996 rege benutzt worden ist und wahrscheinlich dazu beigetragen hat, dass ausgesperrte Arbeiter wieder in die Firma zurückkehren konnten. [8] Ebenso ist es z. B. 30 Umweltaktivisten in Süd-Utah 1995 gelungen, im amerikanischen Kongress eine Gesetzesvorlage zur Aufhebung von Naturschutzzonen zu Fall zu bringen, indem sie per Email über 30'000 Gesinnungsgenossen im ganzen Land angeschrieben haben, von denen sehr zahlreiche per Brief oder Telephon ihre Abgeordneten kontaktierten.
Dank seiner dezentralen Struktur erweist sich das Internet vor allem bei jenen politischen Kampagnen als wirkungsvoll, bei denen der Erfolg davon abhängt, dass zahlreiche voneinander unabhängige Decision Makers (z.B. Abgeordnete von Parlamenten oder die Exekutiven verschiedener Gemeinen, Provinzen und Staaten) in derselben Richtung beeinflusst werden. Ein Beispiel dafür bot 1995 die Kampagne für das Verbot von Landminen, die dazu beigetragen hat, dass 123 Staaten das entsprechende internationale Abkommen unterzeichnet haben. Auch im Gewerkschaftsbereich wird das Internet eher bei dezentralen wirtschaftlichen Machtverhältnissen Anwendung finden, wo es darauf ankommt, auf zahlreiche verschiedenen Unternehmen, regionale Wirtschaftskammern oder lokale Behörden Einfluss zu nehmen: und nicht im klassischen Sektor korporatistischer nationaler Entscheidungsfindung, wo das konventionelle Lobbying weiterhin vorherrschend sein wird. Ein gutes Illustrationsbeispiel dafür bildet wiederum die von der ICEM (International Federation of Chemical, Energy, Mine and General Worker's Union) initiierte "Bridgestone-Kampagne" (1996), bei der es darum ging, durch Demarchen bei Aktionären, Kunden, Lieferanten usw. der Firma einen möglichst grossen Gesamtdruck auf die Unternehmensleitung zu generieren. [9] Analog dazu ging dieselbe ICEM bei ihrem weltweiten Internet-Protest gegen die ausstehenden Lohnzahlungen an russische Arbeiter (1997) realistischerweise davon aus, dass neben der russischen Zentralregierung noch viele andere Akteure (z.B. IMF, Internationale Banken) dafür verantwortlich waren. [10]
Besonders günstige Bedingungen für weltweit koordinierte Aktionen bestehen dann, wenn sie sich gegen überall in derselben Form vorkommende Ereignisse, Entwicklungen oder Problemsituationen richten. Ein Beispiel dafür bildet der von einer Schweizer Gruppe initiierte "Internationale Protesttag gegen Polizeigewalt" (vom 14. /15.März 1996), an dem sich dank einer Initiative kanadischer Aktivisten Gruppen in Spanien, Schweden, Kroatien, Serbien, Neuseeland, Kanada, USA, Brasilien, Südafrika, Bangladesh und Palästina mit Demonstrationen, Seminaren, Konzerten, Vortragsveranstaltungen u.a. beteiligt haben.
6. Das neue Zusammenspiel von öffentlichen, halböffentlichen und geheimen Kommunikationen
Die aussergewöhnliche funktionale Vielseitigkeit der Computernetze kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie in gleichem Masse für öffentliche und private Kommunikation benutzt werden können, und darüber hinaus auch für ein ganzes Spektrum von "halböffentlichen" Zwischenformen, die auch in der verbandsinternen Kommunikation neuartige Differenzierungen möglich machen. In seinem Buch "Fundrising in the Internet" (1996) empfiehlt Michael Stein z. B. den Gewerkschaften neben ihrer allgemein zugänglichen Website einen etwas exklusiveren informationellen Binnenraum zu schaffen, der nur eingeschriebenen und zahlenden Mitgliedern mittels Passwörtern zugänglich ist. Auch Websites müssen nämlich die Botschaft transportieren, dass es einen Unterschied macht, ob man Mitglied ist oder nicht: z. B. indem man die Chance erhält, in die vertraulicheren Programmpapiere des Verbandes Einblick zu nehmen, sich an speziellen Diskussionsforen zu beteiligen, Beratungsstellen um Auskünfte zu bitten oder mit obersten Spitzenfunktionären in direkten Email-Kontakt zu treten. Noch exklusiver sind "mailing lists", mit denen z. B. Spitzenfunktionäre einen von ihnen selber gewählten Personenkreis regelmässig mit Information bedienen oder in Konsultationen einbeziehen können. Und völlig der Öffentlichkeit entrückt sind schliesslich die bilateralen und multilateralen Email-Kommunikationen, dank denen die Mitglieder des Exekutivgremiums in der Lage sind, auch zwischen den Sitzungen (bzw. bei reisebedingter Abwesenheit) gewissermassen "auf dem Formularweg" gemeinsame Entscheidungen zu treffen.
Die Ausgestaltung solch vielstufiger Kommunikationssysteme stellt von jetzt an eine neue anspruchsvolle Verbandsaufgabe dar, die nicht nur unter dem Blickwinkel sachlicher Effizienz, sondern immer auch unter dem Gesichtspunkt, was damit symbolisch ausgedrückt wird, bewältigt werden muss. Beispielsweise hat die Schaffung eines den Mitgliedern reservierten "inneren Kreises" die symbolische Wirkung, die Relevanz des Mitgliedschaftsstatus auf neue Weise ins Licht zu rücken, und das Wissen um exklusive "Mail-Lists" kann sehr wohl frustrierenden Gefühle des Ausgeschlossenseins Auftrieb verleihen.
Je grösser die Vielfalt und die funktionale Vielseitigkeit von Medien, die für Information und Kommunikation zur Verfügung stehen, desto mehr Anlass gibt es zu Reflexionen (wie auch zur organisationsinternen Regelbildung) darüber, wann wem was auf welchem Wege mitgeteilt werden soll. Während bespielsweise das Telephon bloss bilateralen Austausch ermöglicht, stellt sich beim Email-Verkehr andauernd die Frage, ob noch spezifische Dritte, ein ganzes Gremium oder ein noch grösserer Mitgliederkreis in die Empfängerliste eingeschlossen werden soll - oder ob es gar opportun wäre, ein öffentlich zugängliches Diskussionsforum zu eröffnen. Dementsprechend stellen sich vielfältige neue Aufgaben für CCO’s (Chief Communication Officers) und andere Informationsbeauftragte, denen es aufgegeben ist, das kommunikative Verhalten der Einzelmitglieder der chaotischen Beliebigkeit subjektiver Entscheidungen zu entziehen und im Dienste einer erwünschten inneren und äusseren Selbstdarstellung der Organisation einheitlichen Normen zu unterziehen und in ein umfassendes Gesamtkonzept organisatorischer Innen- und Aussenkommunikation zu integrieren.
Am Beginn dieses Textes stand die Vermutung, dass die neuen digitalen Netze für freiwillige Vereinigungen eine besonders relevante Innovation darstellen, weil sie mit ihrer Hilfe besser in der Lage sind, ihre vielfältigen horizontalen und vertikalen Kommunikationsströme technisch gleichgewichtig zu unterstützen und in eine gesamtheitliche Kommunikationsstrategie zu integrieren, anstatt - wie häufig bisher - gemäss dem Weber-Michels’schen Oligarchieprinzip den Prinzipien zentralistischer Top-Down-Steuerung den Vorrang zu geben.
Tatsächlich konvergieren unsere Befunde und Überlegungen in der Konklusion, dass starre bürokratische Strukturen in der neuen Medienwelt zugunsten dezentral-informeller Netzwerkstrukturen in den Hintergrund treten: so dass Vereinigungen besser in der Lage sind, auf Dauer jenen zwischen Sozialbewegung und Organisation schwebenden Zustand der "Semiformalität“ zu stabilisieren, wie er ihnen beispielsweise von Wolfgang Streeck idealtypisierend zugeschrieben wird (Streeck 1981: 24ff.).
Mehr als früher dürften wir es in Zukunft vielleicht auch mit fluide-"adhokratischen“ Kollektiven zu tun haben, die auch ohne formales Organisationsgerüst eine relativ hohe Binnenkohäsion und äussere Handlungsfähigkeit aufbauen können - damit aber allerdings einen Zustand der Unkalkulierbarkeit beibehalten, der ihre Einbindung in gesellschaftliche Institutionen und umfassendere makropolitische Entscheidungssysteme (z.B. neokorporatistischer Art) erschwert. Damit unterstützen die Computernetze zusätzlich jene Dezentralisierungs- und Informalisierungsprozesse, die bereits seit dem Aufkommen der "Neuen Sozialen Bewegungen“ der späten 60er und 70er-Jahre deutlich erkennbar sind: jener polyzentrischer, uneinheitlicher Gebilde, die im Unterschied etwa zu den sozialistischen oder nationalistischen Bewegungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts keine Einheit der Ideologie und der Führung mehr kennen (und deshalb beispielsweise auch keiner massenmedialen Integration durch autoritative "Zentralorgane“ mehr bedürfen) (Norris 2002).
Im Blick auf die nahe und mittlere Zukunft dürften vor allem drei Entwicklungen dazu beitragen, dass sich der Einfluss der digitalen Netzmedien auf Strukturen und Prozesse freiwilliger Vereinigungen erhöht und manche der oben genannten Entwicklungen noch stärker als bisher in Erscheinung treten:
Erstens werden immer mehr Vereinigungen dank der rein quantitativen Ausbreitung von Internetanschlüssen an den Punkt gelangen, wo sie ganz grundsätzlich dazu übergehen können, mit ihrer gesamten Mitgliedschaft ausschliesslich online zu kommunizieren (und beispielsweise generell zur verlangen, dass Beitragszahlungen, Adressänderungen, Mitgliedschaftserneuerungen, Inanspruchnahmen von Beratungsdiensten und andere performative Handlungen ausschliesslich übers Netz abgewickelt werden) Erst beim Überschreiten dieser kritischen Schwelle werden jene immensen Kostenersparnisse und Funktionsgewinne realisierbar, die mit den neuen Medien intrinsisch verbunden sind (und die momentan noch durch den Zwang, parallel zu den Netzaktivitäten konventionelle Kommunikationskanäle zu unterhalten, verschleiert sind). Vor allem grössere Vereinigungen mit geographisch weit verstreuter Mitgliederbasis können derart hohe Ersparnisse und Leistungssteigerungen realisieren, dass sie motiviert sein können, ihren minderbemittelten Mitgliedern beim Kauf von Computern und bei der Einrichtung von Netzanschlüssen finanziell behilflich zu sein [11]
Zweitens kann mit einer raschen Zunahme mobiler netzfähiger Geräte (PDAs, Mobiltelephone u.a.) gerechnet werden, dank denen sich jedermann fast überall ohne Unterbrechung anderer (z.B. beruflicher) Tätigkeiten mit den Vereinigungen, den sie angehören, in Verbindung setzen können. Entsprechend dürfte die Prozesse der Partizipation und Einflussnahme in noch weitergehenderem Masse unberechenbar fluktuieren und von formalen Rahmenstrukturen unabhängig werden.
Und drittens wird die Einführung der rechtlich gültigen digitalen Unterschrift dazu führen, dass konventionelle Postbriefe auch dort, wo sie heute aus juristischen Gründen noch unerlässlich sind (z.B. bei verbindlichen Eintritts- oder Austrittserklärungen), durch elektronische Äquivalente substituiert werden können. Ebenso können Versammlungen entfallen, wenn es möglich wird, Onlinekanäle für legal bindende Wahlen und Abstimmungen zu benutzen.
Angesichts der unüberblickbaren Fülle möglicher Anwendungen darf als völlig gesichert gelten, dass in Zukunft Netzkommunikationen vermehrte Verbreitung und vielfältigere Nutzung erfahren; aber aus genau denselben Gründen wird es immer ungewisser, welche Anwendungsweisen im Vordergrund stehen werden.
Boje, David M.: Carnivalesque Resistance to Global Spectacle: A Critical Postmodern Theory of Public Administration. Administrative Theory & Praxis, Vol. 23 (3): 2001, 431-458. http://cbae.nmsu.edu/~dboje/papers/carnivalesque_resistance_to_glob.htm
Bulletin of the International Federation of Workers' Education Associations: No. 3 / December 1993. "Computer Communications and the Labour Movement". http://www.poptel.org.uk/ifwea/ifwwe03.html
Clark, James P. 1995: Non-profits in cyberspace: The fund raiser's guide. Fund Raising Management Vol. 26, Nr. 8, p. 28ff.
Canadian Security Intelligence Service (CSIS) 2000: Anti-Globalization - A Spreading Phenomenon. Report Nr 8, August 22.
Dahl, Robert A. 1971: Polyarchy: Participation and Opposition New Haven: Yale University Press.
DeLoach Amelia: Being Online CMC Magazine, November 1996.http://www.december.com/cmc/mag/1996/nov/last.html
Dropkin, Greg: Sending a Strike Message in a Bottle CMC Magazine, Nov. 1996. http://www.december.com/cmc/mag/1996/nov/dropkin.html
Geser Hans 1996: Auf dem Weg zur "Cyberdemocracy"? Auswirkungen der Computernetze auf die öffentliche politische Kommunikation. http://socio.ch/intcom/t_hgeser00.htm
Geser, Hans 2001: On the Functions and Consequences of the Internet for Social Movements and Voluntary Associations. Online Publication, Zürich 2001.http://socio.ch/movpar/t_hgeser3.htm
Geser, Hans 2002: Towards a (Meta-)Sociology of the Digital Sphere. Online Publication, Zürich.http://socio.ch/intcom/t_hgeser13.htm
Geser, Hans 2003: Das Internet und die parteiinterne Demokratie. Online-Publikation, Zürich.http://socio.ch/par/ges_07.html bzw. http://geser.net/par/ges_07.pdf
Kirchheimer, Otto 1965: Der Wandel des westeuropäischen Parteiensystems. In: Politische Vierteljahresschrift 6. Jg., Heft 1, S. 20-41.
Klein, Naomi 2000: The Vision Thing: Were The DC And Seattle Protests Unfocused, Or Are Critics Missing The Point? The Nation, June 23, 2000. http://www.d2kla.org/pipermail/d2kdiscuss/2000-June/000186.html
Streeck, Wolfgang: Gewerkschaftliche Organisationsprobleme in der sozialstaatlichen Demokratie. Athenäum, Königstein/Ts. 1981, 24-41.
Michels, Robert 1911: Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie. Untersuchungen über die oligarchischen Tendenzen des Gruppenlebens.Leipzig.
Lee, Eric 1993: Computer Communications and the Labour Movement. Bulletin of the International Federation of Worker's Education Associations, Nr. 3, December 1993.
Lee, Eric 1995 Labour and the Internet. Internet Business Journal 1995, http://www.labourstart.org/ibj.html
Lee, Eric 1996: The Labour Movement and the Internet. The New Internationalism Pluto press, London 1996, chapter 4.
Liff, Allen 1998: Fostering Online Collaboration and Community. In: Association Management, 50 (9), pp. 33ff.
Norris, Pippa: Democratic Phoenix: Reinventing Political Activism, Cambridge University Press, 2002 New York. http://ksghome.harvard.edu/~.pnorris.shorenstein.ksg/ACROBAT/everyvoice/Chapter10.pdf
Shuping Frances 1998: Changing the way volunteer leaders communicate: high-tech options abound for board-staff communication. In: Association Management 50 (1), pp. 77ff.
Skocpol, Theda: 1999 Associations without members. American Prospect. January, S. 66-73. http://www.prospect.org/print/V10/45/skocpol-t.html
Myers, Daniel J. 1998: Social Activism through Computer Networks. University of Notre Dame. http://www.nd.edu/~dmyers/cbsm/vol1/myers2.html
Nick Allen, Mal Marwick and Michael Stein (eds.): Fundraising on the Internet: Recruiting and Renewing Donors Online. Published by Strathmoor Press, 1997.
Rilling, Rainer 1997: Auf dem Weg zur Cyberdemokratie. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/pol/8001/1.html
Schaaf, Allen 1996: Unions, the Rank and File, and the Internet, CMC Magazine, Nov. 1996. http://www.december.com/cmc/mag/1996/nov/schaaf.html
Truby, Mark and ElBoghdady Dina 2000: Consumers turn Web into Action. The Detroit News 6. April 2000.
Werber, Niels 1998: Ungeahnte Einigkeit. Die Rolle des Internet in der Parteipolitik.http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1446/1.html
Demko, Paul 1998: Acting up On Line, in: The Chronicle of Philanthropy. http://philanthropy.com/articles/dir/v10.dir/il2.dir/12advocacy.htm
Krause, Audrie 1997: The Online Activist. Tools for Organizing in Cyberspace.http://www.mojones.com/hellraiser_central/features/krause1.html
Stein, Michael 1996: Tools you can use online (in: Allen, Nick / Warwick, Mal / Stein Michael (eds.) Fundrising on the Internet. Strathmoor Press, Berkeley Cal. 1996.
Fussnoten
1) zitiert in: Eric Lee: 1995
2) Bulletin of the International Federation of Workers' Education Associations / No. 3 / December 1993. "Computer Communications and the Labour Movement". (http://www.poptel.org.uk/ifwea/ifwwe03.html)
3) ditto.
4) Daraus erklärt sich, warum anlässlich von Streiks herausgegebene Tagesnachrichten einerseits bisher zu den erfolgreichsten gewerkschaftlichen Netzanwendungen gehören, warum diese andererseits aber das Ende des Streiks praktisch nie überdauert haben (Lee 1996).
5) In der Schweiz nutzen z. B Initiativ- und Referendumkomitees die neue Plattform für die Propagierung ihrer Anliegen17), und Petitionsgruppen können durch (allerdings juristisch unauthentifizierte) Online-Stimmen zusätzliche Unterstützung mobilisieren.
6) Washington Post Oct. 11th, 1997
7) Zusätzlich scheint das Mobiltelephon die Flexibilität kollektiver Handlungsstrategien derart zu steigern, dass die Sicherheitskräfte kaum mehr voraussehen können, was wo zu welchem Zeitpunkt geschieht: (CSIS 2000).
8) vgl. Amelia DeLoach 1996.
11) So ist beispielsweise der AFL-CIO mit seiner “workingfamilies.com”.- Initiative schon seit Jahren bestrebt, durch Verkauf günstiger PC-Geräte und ISP-Abonnemente möglichst alle seine 16 Millionen Mitglieder ans Internet anzuschliessen (see: http://www.workingfamilies.com).
Last update: 06 Mrz 17

Editor