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London/Zürich (awp) - Bei der von Übernahmegerüchten umrankten Actelion hat der Hedgefund Elliott Advisors die Rücktritte des Verwaltungsratspräsidenten Robert Cawthorn und VR-Mitgliedes und CEO Jean-Paul Clozel aus dem VR mit sofortiger Wirkung gefordert. Dies geht aus einem Schreiben des Hedgefunds hervor, das AWP vorliegt. Darüber hinaus wird die Einsetzung eines Strategieausschusses zur Prüfung von strategischen Optionen gefordert.
Mit Brief vom 21.12.2010 habe Elliot für die kommende Generalversammlung vom 05.05.2011 eine Reihe von Verhandlungsgegenständen als Traktanden angemeldet, heisst es in einem vom 03.02.2011 datierten Brief an den Actelion-VR. Der Schritt an die Öffentlichkeit mit dem jüngsten Schreiben wird damit begründet, dass trotz in den vergangenen Monaten auf privatem Weg geäusserten Bedenken zur aktuellen strategischen Ausrichtung und Corporate Governance von Actelion vom Unternehmen "wenig unternommen wurde", die "ernsthaften Bedenken aufzugreifen, bzw. zu diskutieren, wie der beträchtliche inhärente Wert, der unseres Erachtens in der Gesellschaft enthalten ist, freigesetzt werden kann", so Elliot.
"Als Erstes fordern wir Herrn Dr. Jean-Paul Clozel zum sofortigen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Gesellschaft auf. Wir sind der Ansicht, dass seine öffentlichen Aussagen und seine Kampagne zur Erhaltung der Unabhängigkeit der Gesellschaft mit seinem Mandat als Mitglied des Verwaltungsrates und der damit verbundenen Treuepflicht zur Wahrung der Aktionärsinteressen nicht vereinbar sind", schreibt der Hedgefund. Gleichzeitig wird Clozels Leistung geschätzt und heisst es: "Obwohl wir grosse Achtung für Herrn Dr. Clozel und seine Leistungen empfinden und ihn gerne weiterhin als CEO sehen würden, sind wir der Auffassung, dass die Geschäftsführung und die Aufsichtspflichten des Verwaltungsrats im Interesse einer effektiven Corporate Governance dringend voneinander getrennt werden sollten."
Der Rücktritt von Cawthorn mit der Unterstützung von Clozels Bestrebungen zur Wahrung der Unabhängigkeit von Actelion begründet. "Zweitens fordern wir, dass Herr Robert Cawthorn mit sofortiger Wirkung sein Amt als Präsident des Verwaltungsrates niederlegt und aus dem Verwaltungsrat zurücktritt. Seine ständige Unterstützung der erwähnten Aktivitäten von Herrn Dr. Clozel steht im Widerspruch zu den Interessen der Aktionäre. Wir sind der Ansicht, dass Herr Cawthorn dadurch seiner Funktion als unabhängiger Verwaltungsratspräsident nicht gerecht wird und deshalb zurücktreten sollte. Wir verlangen vom Actelion Verwaltungsrat, unverzüglich einen neuen, unabhängigen Verwaltungsratspräsidenten zu bestimmen."
Weiter macht Elliot geltend, dass bei einem Verkauf von Actelion - gemäss Analystenschätzungen - ein Preis von bis zu 70 CHF je Aktie realisiert werden könnte. "Derzeit besteht keine realistische Aussicht, dass Actelion diesen Wert in absehbarer Zukunft im Alleingang erreichen könnte. Dies umso mehr, als das Patent für Tracleer in lediglich fünf Jahren auslaufen wird und die Entwicklungs-Pipeline einen beschränkten Wert aufweist, da sich die meisten Komponenten noch in frühen Versuchsstadien befinden", so der Hedgefund.
Im Weiteren sei Elliot an einer "langfristigen und engen Zusammenarbeit" mit dem Actelion-VR interessiert, "um erheblichen Shareholder Value zu generieren und die Interessen der Eigentümer der Gesellschaft zu schützen".
Ein Actelion-Sprecher bestätigte gegenüber der "Financial Times", dass das Unternehmen ein an den Verwaltungsrat adressiertes Schreiben von Elliot erhalten habe. Das Gremium werde das Schreiben besprechen und zu gegebener Zeit beantworten, so der Sprecher weiter.
Um Actelion ranken sich seit geraumer Zeit Übernahmegerüchte. Als Interessenten wurden u.a. Amgen oder Bristol-Myers genannt. Als "weisse Ritter" waren u.a. Roche, GlaxoSmithKline, Eli Lilly und Bayer gerüchtehalber im Gespräch.
CEO Clozel hatte in der Vergangenheit aber wiederholt betont, dass das Unternehmen unabhängig bleiben wolle, zuletzt Mitte Dezember in einem Zeitungsinterview. "Der Verwaltungsrat und das Management sind zuversichtlich für die Zukunft des Unternehmens als unabhängige Einheit und wir erwägen keinen Verkauf", so der CEO damals. Auch suche man nicht nach einem "weissen Ritter", der eine Mehrheitsbeteiligung übernehmen und damit die Unabhängigkeit des Unternehmens sichern soll. "Es hat nie und wird auch nie Aktionen unseres Verwaltungsrates geben, die die Rechte oder Interessen der Aktionäre beschneiden werden", sagte VR-Präsident Cawthorn damals.
Elliot hat seit Ende 2010 Positionen begonnen, Actelion-Titel zu kaufen. Ende Januar 2011 wurde eine Beteiligung von 5,12% gemeldet. Im Markt kursieren auch Spekulationen, wonach der Hedgefund seine Beteiligung u.a. über Call-Optionen weiter am Ausbauen sei.
Die Actelion-Aktie hat mit steigenden Kursen auf die wieder aufgeflammten Übernahmespekulationen reagiert. Bis gegen 12.00 Uhr ziehen die Titel um 4,2% auf 54,70 CHF an. Das Volumen erreicht bereits rund das Doppelte eines durchschnittlichen Tagesumsatzes.
rt/ra
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