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Juli und August sind die kältesten Monate auf dem Hochland Madagaskars. Nun beginnt die Zeit, in der die traditionellen Feste wie Beschneidungen und die Famadihana (Leichenumbettung) abgehalten werden. Es ist daher nicht ungewöhnlich, auf eine tanzende Gruppe junger Leute mit Zuckerrohr zu treffen, die Wasser zu dem Haus trägt, in dem die Beschneidung stattfindet. Bei einer Famadihana hingegen sind bedeutend mehr Menschen in allen Altersgruppen unterwegs. Tanzend und singend bewegen sie sich auf das Familiengrab zu. Über den Köpfen schwingen sie zusammengerollte Matten, in denen später die Toten aus dem geöffneten Grab heraus getragen werden. Des Öfteren kreuzt man Buschtaxis, die einen Sarg auf dem Dach transportieren und die madagassische Flagge gehisst haben. Verstorbene Familienangehörige, die anderswo begraben waren, holt man nun herbei, um sie ins Familiengrab überzusiedeln. Aus Rohseide gewebte Totentücher, die Lamba mena, werden vermehrt auf den Märkten angeboten, denn bei der Leichenumbettung hüllen die Angehörigen ihre Ahnen in neue Tücher.
Die Bauern sind dabei, die Reisfelder mit dem Spaten umzugraben. Meistens stechen sie zu zweit eine grosse Scholle um. In den Pepinieren wachsen die Reissetzlinge heran, die nach 18 bis 45 Tagen – je nach Temperatur und der angewandten Technik – in die vorbereiteten Reisfelder versetzt werden. Obstbäume und Weinreben erhalten ihren jährlichen Rückschnitt. Die Natur zeigt sich in verschiedenen Stadien: Mango-, Avocado- und Litschi-Bäume bringen die ersten Knospen hervor. Die Blätter der Jacaranda-Bäume verfärben sich gelb, der indische Tempelbaum ist kahl. Die Magnolien blühen weiss-violett und der Tulpenbaum streckt seine roten Blüten dem Himmel entgegen. Einige Orchideen-Arten entfalten jetzt ihre Blütenpracht. Die Garderobe der Leute ist so unterschiedlich wie die Natur: sind die einen mit Jacken und Pullovern unterwegs, so sind andere nur mit T-Shirt und Shorts bekleidet.
Die Backsteinfabrikation ist in vollem Gange. Die trockenen Monate werden für all die Arbeiten genutzt, die während der Regenzeit schwierig zu bewerkstelligen sind. Das dürre, hohe Gras wird geschnitten und bündelweise auf dem Kopf in die Dörfer transportiert, um die Dächer der traditionellen Häuser auszubessern oder neu zu decken. Auch die Wellblechdächer werden jetzt erneuert oder repariert, um für dich nächste Regenzeit gewappnet zu sein.
Die grossen Schulferien beginnen, weshalb überall viele Kinder anzutreffen sind. Zuvor jedoch legen die Schüler ihr Examen ab. Wer es sich leisten kann, macht Ferien an der Küste, die meisten Ausländer mit schulpflichtigen Kindern besuchen jetzt ihr Mutterland. In der Hauptstadt Antananarivo geht der Verkehr merklich flüssiger voran, da nun die ganzen Schülertransporte wegfallen.
Auf dem Hochland bewegen sich die Temperaturen morgens und abends zwischen 9 und 18 Grad, mittags steigen sie auf 20 bis 25 Grad an. Mehrheitlich sind die Tage sonnig, zwischendurch ziehen Wolken auf. Nur an wenigen Tagen versteckt sich die Sonne ganztägig hinter einer grauen Wolkendecke. Manchmal nieselt es tagsüber und an vereinzelten Morgen bildet sich Nebel, der sich gegen 8 Uhr wieder auflöst. An der Küste liegen die Temperaturen weiterhin zwischen 18 und 30 Grad. Die Sonne geht gegen 6h20 auf und gegen 17h30 unter.
Der Juli ist in Madagaskar kalt! Auf dem Hochland sowieso, denn dort befindet man sich auf 1200 bis 1400 müM. Sobald die Sonne weg ist, wird es kalt. Die Häuser haben keine Heizung und oft geht ein Durchzug. Dies auch in Restaurants und manchmal gar in Hotels. Ohne gute Jacke und Socken sollte man sich nicht nach Madagaskar begeben. An der Küste herrscht zwar Badewetter, nachts aber kann es auch empfindlich kalt werden. Wer ein Trekking mit Zeltübernachtung macht, braucht eine Extradecke nebst gutem Schlafsack!