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ts. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Europa ein dichtes Pipeline-Netz erstellt. Mit einer Durchflussgeschwindigkeit von 3 bis 5 km/h erwiesen sich die Rohre als effizienteste Variante des Transportes von Öl und Gas – zudem war der Transport viermal billiger als mit den Konkurrenzmethoden. Pionier in der Erstellung war die US-Army, welche die ersten Pipelines in Europa nach dem 6. Juni 1944 zur Versorgung der Truppen baute. Nach dem Ende des Krieges wurden sie für den zivilen Gebrauch genutzt.
In der Folge entstanden 1958 die Nord-West-Ölleitung (NWO) vom Tiefseehafen Wilhelmshaven nach Köln, Lingen und Gelsenkirchen zu den Raffinerien von Shell, BP und anderen. Und die Norddeutsche Ölleitung (NDO) von Wilhelmshaven nach Hamburg in die dortige Raffinerie.
1960 wurde die Rotterdam-Rhein-Pipeline (RRP) verlegt, mit Endstation Frankfurt, welche unterwegs verschiedene Raffinerien mit Öl versorgt.
Ab 1960 wurden auch Pipelines vom Mittelmeer her erstellt, so die Südeuropäische Pipeline (SEPL oder PSE) von Marseille nach Strassburg und Karlsruhe. Erbauer waren Shell, BP und Esso. 1963 folgte die Rhein-Donau-Leitung (RDO) von Karlsruhe nach München und bediente Raffinerien in Karlsruhe, Strassburg und Ingolstadt bei München. Gegen die Dominanz der grossen Konzerne aus den USA und Grossbritannien versuchte der Vorsitzende der staatlichen italienischen Erdöl- und Erdgasgesellschaft ENI, Enrico Mattei, anzutreten – ein Vorhaben, welches er mit dem Leben bezahlte. Am 27. Oktober 1962 starb er in seinem explodierenden Privatflugzeug kurz vor dem Flughafen Mailand. Sofort beschuldigten die italienischen Medien US-Erdölfirmen des Mordes. Auch die Schweizer SPS-Zeitung «Vorwärts» vertrat diese These.
Was hatte denn Mattei so Bedrohliches geplant? Mit einer zentraleuropäischen Pipeline (CEL) von Genua nach München hatte er SEPL zu überrunden versucht und sich damit die Gegnerschaft von Shell, BP und Esso zugezogen.
Und so einigten sich 1964 Esso, Shell und BP mit ENI auf eine Zusammenarbeit bei der CEL-Pipeline, was zu Lebzeiten Matteis undenkbar gewesen wäre! Die CEL-Pipeline von Genua nach Aigle, der Oléduc du Rhone, war 1963 in Betrieb genommen worden. Zur Überwindung der Walliser Alpen wurde die Röhre unter die Fahrbahn des Strassentunnels durch den Grossen St. Bernhard verlegt. Ihr Weiterbau nach München war dann allerdings nicht von den grossen Konzernen, sondern von den Bernern verhindert worden, aus Angst vor Einnahmenausfällen der BLS-Bahn! Deswegen ist bis heute die Endstation der CEL in Aigle bei der Raffinerie Collombey.
Im Januar 1966 entstand dann immerhin noch ein neuer Zweig der CEL, der Oleodotto del Reno, via Splügenpass und St. Galler Rheintal bis Ingolstadt bei München, also etliche Jahre nach SEPL.
1965 bis 1967 bauten Esso, Shell und BP die TAL, die transalpine Pipeline, von Triest nach Ingolstadt durch die österreichischen Alpen. ENI liessen sie am Projekt teilhaben. Mit einem Durchmesser von 100 cm war die TAL die leistungsstärkste Pipeline in Europa. Ein Abzweiger mit Name AWP, Adria-Wien-Pipeline, führte zur Raffinerie in Wien-Schwechat. 1972 erlebte die Welt dann die Geburtsstunde einer Produkte-Pipeline von Marseille nach Genf: Ihre Spezialität war, dass sie bereits raffinierte Produkte nacheinander durch dasselbe Rohr pumpen konnte, ohne dass sich die Produkte vermischt hätten. Im Jahre 1997 dann war die CEL-Pipeline gegenüber SEPL und TAL nicht mehr konkurrenzfähig und wurde eingestellt. Seit 2009 strömt nun durch die Röhren der CEL Erdgas!
Was bedeutete diese Gemengelage von Pipelines aus Marseille, Genua und Triest nun aber für die Schweiz und ihre Versorgungssicherheit? Werner Flachs, Delegierter für wirtschaftliche Landesversorgung, musste konstatieren, dass ein Ausfall von Marseille, Genua und Triest die Schweiz im Mark treffen würde! Denn im Jahre 2010 wurde das Erdöl wie folgt in die Schweiz transportiert: zu 43% via Pipelines, zu 24% via Rhein nach Basel, zu 25% per Bahn, zu 8% per Lkw. Eine Pipeline-Blockade beträfe also fast die Hälfte des Schweizer Imports an Erdölprodukten! Ein Umstand, der jeden, dem an der Unabhängigkeit der Schweiz liegt, unruhig machen muss. (vgl. Ganser, S. 131ff.) •
Man merke sich: Föderalismus war schon immer auch ein Schutz vor Übergriffen von Grossgebilden, seien es nun Energiekonzerne oder auch politische Gebilde wie die EU, die hinter all den Fusionierungstendenzen von Gemeinden und Kantonen stehen, hinter den Naturpärken und Metropolitanregionen.
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