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Ein Schlüsseltext für die moderne Geschichtsschreibung: die Mentalität und das Weltbild eines Müllers zur Zeit der Inquisition.
Die große Leistung Ginzburgs mit diesem Buch war, dass er erstmals ein Individuum ins Zentrum der Mentalitätsgeschichte rückte. Peter Burke und Natalie Zemon Davis, Roger Chartier und Robert Darnton sie alle haben der Melodie von Menocchios Mühle zugehört und sich ihren Reim darauf gemacht. Das Buch erzählt die Geschichte des Müllers Domenico Scandello, genannt Menocchio, der 1584 vor der Inquisition bekennt: »Ich habe gesagt, dass, was meine Gedanken und meinen Glauben anlanget, alles ein Chaos war, nämlich Erd', Luft, Wasser und Feuer durcheinander. Und jener Wirbel wurde eine Masse, gerade wie man den Käse in der Milch macht, und darinnen wurden Würm', und das waren die Engel.« Diese seltsame, eher an Aristoteles als an scholastische Lehrmeinung erinnernde Überlieferung einer Gerichtsaussage ist Anhaltspunkt des Buches, das Carlo Ginzburg über einen 1532 im Friaul geborenen und 1601 als Ketzer verbrannten Müller geschrieben hat. Ginzburg nimmt die Erzählungen des Müllers nicht nur ernst, sondern er rekonstruiert mit ihnen eine ganze Vorstellungswelt: die der vermeintlich illiteraten Unterschicht. Mit einem neuen Vorwort des Verfassers.
»Faszinierend, wie Ginzburg dem Müller zur Sprache verhilft.« Frankfurter Allgemeine Zeitung
Autorentext
Carlo Ginzburg wurde 1939 als Sohn von Leone und Natalia Ginzburg in Turin geboren. Er lehrte Neuere Geschichte an der Universität von Bologna und der California State University in Los Angeles und seit 2006 in Pisa. Sein Werk wurde in fünfzehn Sprachen übersetzt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Premio Salento, dem Premio Viareggio sowie dem Aby-M.-Warburg-Preis der Stadt Hamburg und dem Balzan-Preis. Ginzburg ist Ehrenmitglied der amerikanischen Academy of Arts and Sciences.