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Zitierung in «10vor10» über «PWC-Studie» beanstandet
5002
Mit Ihrer E-Mail vom 13. März 2017 haben Sie die Zitierung der Fakten einer PWC Studie in der Sendung 10vor10 vom 10. März 2017 beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Ich beschwere mich hiermit über die unvollständige, inkorrekte und tendenziöse Zitierung der "Fakten" der PWC Studie "ambulant vor stationär" in der Sendung 10 vor 10 vom 10.03.2017.
Die erwähnte Studie wird - unter Präsentation eines Kuchendiagramms - wie folgt zitiert:
"G e r a d e m a l rund 40% der Operationen erfolgen ambulant, laut einer Studie des Beratungsunternehmens PWC wären bis zu 70% ambulant möglich mit einem massiven Einsparpotential von rund 1 Milliarde Franken pro Jahr."
Zitat PWC Studie Kapitel 4. Seite 22:
"... im Gegensatz zu andern europäischen Ländern gibt es in der Schweiz keine öffentlich zugängliche Statistik, die den Anteil der ambulanten Leistungserbringung an den chirurgischen Eingriffen zeigt. Wir haben diesen Anteil deshalb auf der Basis verfügbarer Daten von BFS und aus dem Basis Tarifpool R geschätzt. Wir gehen davon aus, dass rund 40 bis 45 Prozent aller chirurgischen Eingriffe in der Schweiz im Jahr 2014 spital- oder praxisambulant erfolgten. Dieser Anteil wird weiter zunehmen, da ambulante Leistungen mit zwei Prozent jährlichem Wachstum schneller steigen als stationäre Leistungen. Für das Jahr 2030 gehen wir davon aus, dass der Anteil der ambulanten Eingriffe bei 47 Prozent liegen wird.
Trifft das optimistische Szenario ein, erhöht sich der Anteil der ambulaten Eingriffe um weitere fünf Prozent auf rund 52 Prozent. Dieses Verhältnis entspricht der heutigen Situation in anderen europäischen Ländern, beispielsweise Grossbritannien, den Niederlanden und Dänemark. Bis 2030 halten wir in diesen Ländern auch einen Anteil von 60 bis 70 Prozent für möglich."
Kritik an der graphischen und sprachlichen Umsetzung des Zahlenmaterials:
- Die oben erwähnten Zahlen stammen aus dem Jahr 2014. Wird das jährliche Wachstum von rund 2% im ambulanten Sektor gemäss PWC Studie miteinbezogen, beträgt der Wert rund 44 bis 49% für das Jahr 2016.
- In der gleichen Graphik wird dargestellt, dass bis zu 70 % der Eingriffe ambulant durchgeführt werden könnten.
- Wie oben zitiert, halten die Autoren der PWC Studie ein Wachstum von 60 bis 70% in "diesen Ländern" bis 2030 für möglich.
- Es ist nicht korrekt, Zahlenmaterial mit einer Spannweite (range) zu vergleichen, wenn dabei beim einen der kleinste und beim andern der höchste Wert genommen wird.
- Es ist nicht korrekt, bei der Präsentation der "Fakten" einen Wert abzurunden (graphisch 40%) und sprachlich zu werten ("gerade mal" bedeutet "nur, erst"; Anm. des Autors), zumal er gemäss PWC Studie aktuell höher ist oder sogar angenommen werden kann (bis 49% um ebenso tendenziös - wie die Redaktoren - einen Grenzwert zu nehmen).
- Es ist nicht korrekt, "Daten" aus dem Jahr 2014 mit Extrapolationen für das Jahr 2030 (16 Jahre Zeitdifferenz) einander gegenüber zu stellen, ohne im geringsten auf das Jahr der Datenerhebung oder Zukunftsschätzung hinzuweisen.
- Es ist nicht korrekt, die bewusste Formulierung des Wachstums auf 60 bis 70% in " d i e s e n L ä n d e r n " wegzulassen, da - wie sich Experten einig sind - kulturelle, ethnische, politische und volkswirtschaftliche Möglichkeiten in verschiedenen Ländern auch im Gesundheitswesen äusserst relevante Faktoren sind.
- Auf das erwähnte potentielle Einsparpotential soll erst gar nicht eingegangen werden, da die gleichen und zusätzliche Kritikpunkte zutreffen.
Es ist meiner Meinung nach bedenklich, wenn Redaktoren eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht in der Lage sind, eine korrekte Wiedergabe von Zahlenmaterial zu zustande zu bringen. Beiträge eines öffentlich-rechtlichen Senders bilden unter anderem die Grundlage der Meinungsbildung der Schweizer Bevölkerung. Diese Verantwortung muss mit der gebotenen Vorsicht wahrgenommen werden. Dies war bei diesem Beitrag nicht der Fall. Leider ist dieser Beitrag bezüglich inkorrekter Information kein Einzelfall.
Ich bitte Sie, die Kritikpunkte mit den verantwortlichen Redaktoren zu klären und entsprechende, korrigierende Massnahmen einzuleiten.
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Herr Christian Dütschler, Redaktionsleiter 10vor10 schrieb:
X X beanstandet den Beitrag «Durch ambulante Behandlungen Kosten sparen», den 10vor10 in der Sendung vom 10. März 2017 ausgestrahlt hat.
Der Beitrag zeigt auf, dass im Bereich der Gesundheitskosten viel Geld gespart werden könnte, wenn medizinische Eingriffe mehr ambulant vorgenommen werden würden. Gleichzeitig erfährt das Publikum, warum sich die Politik schwer damit tut, dieses Sparpotential auszuschöpfen. Der Beitrag beginnt in einem kleinen Operationszentrum in Burgdorf. Dort kommt eine Patientin kurz zu Wort und der Medizinische Leiter äussert sich dazu, wie viele Operationen seiner Meinung nach ambulant durchgeführt werden könnten. Dann zeigt die Autorin auf Basis einer Studie des Beratungsunternehmens PWC das mögliche Sparpotential auch graphisch auf. Im letzten Teil des Beitrages äussern sich vier verschiedene Gesundheitspolitiker zu den Gründen, warum das aufgezeigte Sparpotential aktuell nicht ausgeschöpft wird.
Der Beanstander kritisiert nun die von uns erwähnten Zahlen der PWC-Studie[1] in verschiedener Hinsicht. Seine Kritik betrifft folgende Passage im Beitragstext:
«Gerade mal rund 40 Prozent der Operationen erfolgen ambulant. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens PWC wären bis zu 70 Prozent ambulant möglich. Mit einem massiven Einsparpotential von rund 1 Milliarde Franken pro Jahr.»
Dazu zeigten wir folgende Grafiken (Quellenangabe: PWC):
Vorab möchten wir anmerken, dass die kritisierte Textpassage in zwei kurzen Sätzen die Hauptaussage der komplexen PWC-Studie wiedergibt. Dass der Inhalt dabei vereinfacht werden muss, versteht sich von selbst. Um sicher zu stellen, dass die Aussagen trotz der Verkürzung korrekt sind, hat unsere Reporterin mit einem der Autoren der Studie Rücksprache gehalten und ihm die Zahlen am 9. März per Mail schriftlich vorgelegt. Philipp Sommer, einer der zwei Hauptautoren der Studie, hat die von uns verwendeten Zahlen («rund 40 Prozent» ambulanter Eingriffe und das «Einsparpotential von rund 1 Milliarde Franken pro Jahr») gleichentags telefonisch abgesegnet. Bei den 70 Prozent merkte er an, dass wir statt «rund» besser von «bis zu» 70 Prozent sprechen sollten. Das haben wir entsprechend umgesetzt.
Die von uns in der Grafik und im Beitragstext verwendeten und vom Beanstander kritisierten Zahlen wurden also von einem Autor der Studie geprüft und gutgeheissen.
1. Vorwurf betreffend den Anteil tatsächlicher ambulanter Eingriffe von «40%»: Es sei nicht korrekt, einen Wert abzurunden (graphisch 40%) und sprachlich zu werten («gerade mal»), zumal er gemäss PWC-Studie aktuell höher sei oder sogar angenommen werden könne
Die von uns zitierte PWC-Studie stammt aus dem Jahr 2016. Sie basiert auf den aktuellsten verfügbaren Zahlen des Bundesamtes für Statistik, welche aus dem Jahr 2014 stammen. Der Beanstander rechnet die Daten aus der Studie nun selber für das Jahr 2016 hoch und kommt auf einen, wie er selbst sagt, «tendenziösen» Grenzwert von 49 Prozent. Er verkennt bei seiner Berechnung offenbar verschiedene Faktoren. So sprechen zumindest die Autoren der Studie sogar für das Jahr 2030 – also vierzehn Jahre später – explizit von einem tieferen Wert als dem vom Beanstander berechneten, nämlich von einem Anteil der ambulanten Eingriffe von 47 Prozent im Jahr 2030 (ohne Verlagerungsmassnahmen) (siehe S. 22 der Studie).
Gerade weil solche eigenen Berechnungen schwierig sind, da verschiedene Faktoren miteinzubeziehen sind, entspricht es nicht unseren Richtlinien, Zahlen aus einer Studie in Eigenregie zu extrapolieren. Deshalb haben wir uns bei der Darstellung des Anteils der ambulanten Operationen auf den in der Studie explizit erwähnten Wert von «rund 40 bis 45 Prozent aller chirurgischen Eingriffe» gestützt. Wörtlich heisst es in der Studie auf Seite 22:
«Wir gehen davon aus, dass rund 40 bis 45 Prozent aller chirurgischen Eingriffe in der Schweiz im Jahr 2014 spital- oder praxisambulant erfolgten.»
Im Beitrag haben wir schliesslich von «gerade mal rund 40 Prozent» ambulanten Eingriffen gesprochen und dies graphisch entsprechend umgesetzt. Die in der Studie genannten Zahlen für das Jahr 2014 basieren auf einer Schätzung der Autoren auf Basis der verfügbaren Daten vom Bundesamt für Statistik und dem Sasis Tarifpool R.
Wir haben bewusst den Begriff «rund» gewählt, um den Zuschauern zu signalisieren, dass es sich bei den 40 Prozent nicht um eine exakte Zahl, sondern vielmehr um eine Grössenordnung handelt. Die Verkürzung auf eine Zehnerzahl mit der zusätzlichen Qualifikation als «rund» bewegt sich unserer Ansicht nach in einem legitimen Rahmen, welcher die Grafik übersichtlicher macht ohne dabei deren Gesamteindruck zu beeinträchtigen.
Auch der verwendete Ausdruck «gerade mal» scheint uns angemessen, wenn man die beiden Zahlen (40 Prozent und 70 Prozent) miteinander vergleicht. Diese Wertung entspricht auch dem Sinn und Geist der zitierten Studie, weist diese doch gerade auf das hohe Einsparpotential durch mehr ambulante Eingriffe hin.
2. Vorwurf betreffend den Anteil möglicher ambulanter Eingriffe von «70%»: Es sei nicht korrekt, die bewusste Formulierung des Wachstums auf 60 bis 70 Prozent in «diesen Ländern» wegzulassen
Der Beanstander geht fälschlicherweise davon aus, dass wir uns bei den «70%» auf Zahlen gestützt haben, die für andere Länder als die Schweiz gelten. Er zitiert dazu folgende Passage aus der PWC-Studie:
«Trifft das optimistische Szenario ein, erhöht sich der Anteil der ambulanten Eingriffe um weitere fünf Prozent auf rund 52 Prozent. Dieses Verhältnis entspricht der heutigen Situation in anderen europäischen Ländern, beispielsweise Grossbritannien, den Niederlanden und Dänemark. Bis 2030 halten wir in diesen Ländern auch einen Anteil von 60 bis 70 Prozent für möglich.»
Die obige Textstelle spielt in unserem Beitrag keine Rolle. Wir haben uns auf eine ganz andere Passage gestützt. Im selben Kapitel liefern die Autoren der Studie nämlich auch konkrete Zahlen zur Schweiz. Im Wortlaut:
«Dank der Fortschritte in der Medizin halten wir es für denkbar, dass längerfristig 70 Prozent aller chirurgischen Eingriffe ambulant erfolgen.»
Darauf gestützt haben wir in der Grafik die Zahl «70%» dargestellt. Im Beitragstext hiess es dazu wörtlich:
«Laut einer Studie des Beratungsunternehmens PWC wären bis zu 70 Prozent ambulant möglich. Mit einem massiven Einsparpotential: rund eine Milliarde Franken pro Jahr.»
Anders als der Beanstander meint, haben wir also keineswegs Zahlen, die für andere Länder gelten, auf die Schweiz angewendet. Unsere Aussage bezieht sich auf eine ganz andere Textstelle als der Beanstander zitiert. Wir haben uns dabei direkt auf die Zahlen gestützt, welche die Autoren für die Schweiz berechnet haben.
3. Vorwurf: Es sei nicht korrekt, Zahlenmaterial mit einer Spannweite zu vergleichen, wenn dabei beim einen der kleinste und beim anderen der höchste Wert genommen werde.
Wir sind nicht der Meinung, dass wir in unsachgerechter Weise den kleinsten mit dem höchsten Wert verglichen haben. Zwar haben wir – wie oben ausführlich dargelegt – die «40 bis 45 Prozent» auf «rund 40 Prozent» vereinfacht. Anders als der Beanstander meint, haben wir den zweiten Wert, nicht aus einer Spannbreite gewonnen («60 bis 70%»), sondern stützen ihn – wie oben ausgeführt – auf eine ganz andere Textstelle, die lautet:
«Dank der Fortschritte in der Medizin halten wir es für denkbar, dass längerfristig 70 Prozent aller chirurgischen Eingriffe ambulant erfolgen.»
Und weiter unten heisst es in der Studie:
«Steigt der Anteil ambulanter Eingriffe auf 70 Prozent, beträgt das gesamte Kosteneinsparungspotenzial sogar 1075 Millionen Franken.»
Diese Aussage wiederspiegelt übrigens die Hauptaussage der Studie, deren Titel lautet: «Ambulant vor stationär. Oder wie sich eine Milliarde Franken jährlich einsparen lassen.» Die 70 Prozent korrelieren also auch direkt mit dem in der Grafik explizit dargestellten Einsparungspotential von «1 Milliarde Franken» pro Jahr. Zudem drücken wir uns sogar vorsichtiger aus als die Studie selber, indem wir im Beitragstext von «bis zu 70 Prozent» ambulant möglichen Eingriffen sprechen.
Das Potential von rund 70 Prozent ambulanten Eingriffen wird im Beitrag auch von ärztlicher Seite bestätigt. So meinte Michael Stamm, der Medizinische Leiter des Operationszentrums Burgdorf im Beitrag wörtlich:
«Aufgrund von Zahlen aus dem Ausland und aufgrund von eigenen Erfahrungen kann man rund 70 Prozent von allen Operationen auf ambulanter Basis durchführen.»
Wir sind also der Meinung, dass der Vergleich der beiden Zahlen durchaus sachgerecht ist und dem Zuschauer das richtige Bild vermittelt: Nämlich dass es ein grosses Einsparpotential bei den Gesundheitskosten gibt, wenn künftig mehr Eingriffe ambulant erfolgen würden.
4. Vorwurf: Es sei nicht korrekt, «Daten» aus dem Jahr 2014 mit Extrapolationen für das Jahr 2030 einander gegenüber zu stellen, ohne auf das Jahr der Datenerhebung oder Zukunftsschätzung hinzuweisen
Aus einer nachträglichen Betrachtung wäre es präziser gewesen, darauf hinzuweisen, dass die Studienautoren «längerfristig» von einem Anteil ambulanter Behandlungen von 70 Prozent ausgehen. Dem Publikum wird im Beitrag aber durchaus klar, dass eine solche Steigerung nicht von heute auf morgen möglich, sondern dass eine zeitliche Komponente damit verbunden ist.
So weisen wir im zweiten Teil des Beitrages ausdrücklich auf Hindernisse hin. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel meint im Beitrag zum Beispiel wörtlich:
«Ja, wir haben heute einfach ein kompliziertes Finanzierungssystem. (...)»
An anderer Stelle heisst es im Beitrag:
Erfolgt die Operation ambulant, muss die Krankenkasse für die gesamten Kosten aufkommen. Mehr ambulante OPs, das würde die Krankenkassen wenig freuen.
Und SP-Frau Silvia Schenker erklärt, warum es politisch kaum vorwärtsgeht:
«Es sind grosse Interessengruppen, also mächtige Interessengruppen vor allem in der Gesundheitspolitik.»
Auch wenn es präziser gewesen wäre, von einem «längerfristigen» Anteil von 70 Prozent ambulanter Behandlungen zu sprechen, glauben wir nicht, dass sich durch unsere verkürzte Formulierung der Gesamteindruck verfälscht hat. Dem Publikum wurde hinreichend klar, dass es im Moment noch verschiedene Hindernisse gibt und es einen längerfristigen Prozess braucht, um eine solche Steigerung zu erreichen.
5. Vorwurf: Die gleichen und zusätzliche Kritikpunkte würden auf das Einsparpotential zutreffen
Der Beanstander scheint auch mit dem von uns erwähnten Einsparpotential von rund einer Milliarde Franke pro Jahr nicht einverstanden, möchte in seiner Beanstandung aber nicht weiter darauf eingehen. Dabei trifft diese Kritik den Kern der Sache. Dass durch eine Steigerung des Anteils ambulanter Eingriffe viel Kosten eingespart werden können, ist ja die eigentliche Hauptaussage des Beitrages.
Die Höhe des Einsparpotenzials ist für die Zuschauer als Prämienzahler zudem die wesentlichere und greifbarere Information als die konkreten Prozentzahlen tatsächlicher und potentiell möglicher ambulanter Eingriffe.
Den Betrag von «rund einer Milliarde Franken», welchen der Beanstander anzweifelt, haben wir direkt aus der Studie übernommen. So heisst es auf Seite 22:
«Steigt der Anteil ambulanter Eingriffe auf 70 Prozent, beträgt das gesamte Kosteneinsparpotenzial sogar 1075 Millionen Franken.»
Und im Fazit der Studie auf S. 28 steht:
«Das jährliche Einsparpotenzial für alle Eingriffe liegt bei rund einer Milliarde Franken. Dazu kommt: Spitäler könnten ihre Leistungen günstiger anbieten, wenn sie verstärkt ambulant operieren. Dadurch steigt das Einsparpotenzial längerfristig noch zusätzlich.»
Das Einsparpotential wird übrigens teilweise noch deutlich höher eingeschätzt. So schreibt die NZZ am 22. November 2016:
«Das Beratungsunternehmen PWC rechnet bei einer breiten Verschiebung in den ambulanten Sektor mit Einsparungen von jährlich rund 1 Milliarde Franken. Die Krankenkasse Helsana schätzt das Sparpotenzial auf 1,5 bis 3 Milliarden Franken.»
(Nebenbei bemerkt: Auch die NZZ nennt den zeitlichen Horizont nicht explizit.)
Indem wir im Beitrag von einem Einsparpotential von «rund einer Milliarde Franken pro Jahr» sprechen, haben wir also sehr vorsichtig formuliert und den in der Studie genannten Betrag auch hier (wie bei den 40%) abgerundet.
6. Fazit:
Wir sind der Meinung, dass wir die Zahlen aus der PWC-Studie richtig übernommen und zitiert haben. Um wissenschaftliche Daten fernsehgerecht zu publizieren, ist eine gewisse Vereinfachung nötig und legitim. Aus heutiger Sicht würden wir den Zeithorizont des möglichen Einsparungspotentials präzisieren. Dass dieser nur implizit angedeutet wurde, verfälscht unserer Ansicht nach aber nicht den Gesamteindruck des Beitrages. Dazu kommt, dass sich das genannte Einsparpotential auf eine vergleichsweise konservative Schätzung stützt. Der Zuschauer erfährt im Beitrag, dass das Einsparpotenzial bei einer Steigerung der ambulanten Eingriffe gross wäre und kann sich darüber eine eigene Meinung bilden, nicht zuletzt auch über die politischen Hindernisse, die einer raschen Umsetzung im Wege stehen.
Wir bitten Sie deshalb, die Beanstandung nicht zu unterstützen.
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung.
Der gut viereinhalb Minuten lange Beitrag geht der Frage nach, warum das Sparpotenzial von rund einer Milliarde Schweizer Franken jährlich nicht ausgeschöpft wird, wenn mehr Patienten mit kleinen Eingriffen ambulant operiert würden. Er zeigt an zwei Alltagsbeispielen und verschiedenen Interviews mit einem Mediziner und mehreren Politikerinnen und Politikern nachvollziehbar auf, wie sich im Gesundheitswesen kosten sparen liessen und warum die Situation nach wie vor ungeklärt ist. Das Publikum kann sich in kurzer Zeit ein Bild über die Thematik machen. Die Frage, weshalb das Sparpotenzial nicht ausgeschöpft wird, wird schlüssig beantwortet.
Sie kritisieren die unvollständige, inkorrekte und tendenziöse Zitierung der Fakten der PWC Studie «Ambulant vor stationär. Oder wie sich eine Milliarde Franken jährlich einsparen lassen.»[2]). Für den Fernsehbeitrag muss die Komplexität der 40-seitigen Studie notgedrungen reduziert werden. Die Kernbotschaft der Studie wird im 10vor10-Beitrags in zwei kurzen Sätzen präsentiert. Wie Herr Dütschler schreibt, waren sich die Redaktorin des Beitrags der Herausforderung und auch der Brisanz der Verdichtung der Fakten sehr wohl bewusst. Sie hat daher extra mit einem Autor der Studie Kontakt aufgenommen und ihm die Zahlen schriftlich vorgelegt. Einer der Hauptautoren hat die Aussage telefonisch abgesegnet und noch einen Verbesserungsvorschlag angebracht. Dieser wurde umgehend umgesetzt. Die verantwortliche Person hat also journalistisch professionell gehandelt.
Ihre weiteren Kritikpunkte nimmt Herr Dütschler sorgfältig auf und begründet die Sichtweise der Redaktion. Ich kann dabei jedem einzelnen Punkt beistimmen, daher verzichte ich auf eine Verdoppelung.
Einzig beim Beanstandungspunkt bezüglich Extrapolation hält der Redaktonsleiter fest, dass eine Präzisierung möglich gewesen wäre. Allerdings kann ich aus Zuschauersicht festhalten, dass die verkürzte Formulierung den Gesamteindruck nicht verfälscht hat. Dank der verschiedenen Interviews wurde deutlich genug herausgearbeitet, dass es zahlreiche Schwierigkeiten zu bewältigen gibt und es noch lange dauern wird, bis eine Steigerung erreicht ist.
Abschliessend kann ich festhalten, dass die im Beitrag zu Beginn gestellte Frage, warum das grosse Sparpotenzial nicht ausgeschöpft wird, im Beitrag genügend geklärt wird. Insofern ist es für mich als Zuschauer höchstens am Rande wichtig, welche Details die Studie beschreibt. Das Publikum will einen Gesamtüberblick erhalten. Es interessiert, dass ein riesiges Sparpotenzial vorhanden ist, dass dieses ausgeschöpft werden könnte und dass der (politische) Weg bis dorthin ein steiniger sein wird. Der Beitrag beantwortet also die eingangs erwähnte Fragestellung in verständlicher und knapper Form. Ich kann daher Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernseh-gesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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Ombudsstelle: Kritik muss gehört werden
Gerade im Zusammenhang mit der Corona-Krise greift SRF häufig auf Expertenmeinungen zurück. Die Frage, inwiefern solche Stimmen hilfreich sind und inwiefern sie verunsichern können, stand im Zentrum der Beanstandung gegen «10vor10» und «Puls».