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Geschichte
Das Schlossgut und seine Umgebung
Die Entstehung des Gutsbetriebs geht zurück auf die Erbauung der Burg Wildenstein im 13. Jahrhundert – wann genau diese entstand, ist nicht bekannt. Ebenfalls weiss man nicht, wie die erste Burg genau ausgesehen hat. Der älteste heute erhaltene Bau ist der im Jahr 1338 erbaute Wohnturm. Eine befestigte Vorburg mit Ökonomiegebäuden war möglicherweise ursprünglich aus Holz.
Durch Landkäufe wuchs das Gut, und im 15. Jahrhundert entstand der Untere Hof. 1622 kam der Obere Hof mit Scheune und Sennenwohnung auf der Anhöhe nordöstlich des Schlosses dazu. Eine Vergrösserung erfuhr der Untere Hof mit dem Bau des Plantahauses und der Entfernung der Ökonomiegebäude im Schloss selber. 1724 entstand eine neue Sennenwohnung mit Mansarddach im Unteren Hof als Ersatz für die Sennenwohnung im Oberen Hof, die wegen ihrer exponierten Lage aufgegeben wurde. 1763 erhielt der Obere Hof eine neue Scheune, die man gut 110 Jahre später durch ein grösseres Gebäude ersetzte. 1904 wurde schliesslich das monumentale Wirtschaftsgebäude mit grossen Stallungen, geräumigem Futtertenn und zwei Einfahrten gebaut.
Nordöstlich des Oberen Hofs befindet sich der Schlossweiher, der bereits im 16. Jahrhundert erwähnt wurde und ursprünglich als Fischweiher diente. Oberhalb davon liegt der sogenannte Witwald, der Eichenhain, dessen Baumbestand bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht.
Das Schlossgut Wildenstein umfasst insgesamt rund 114 ha. Davon nimmt das Schloss mit Hofgebäuden und Parkanlagen etwa 1 ha ein, während 63 ha auf Wiese und Ackerland und 48 ha auf Wald entfallen.
Auf Wildenstein ist die Geschichte greifbar: Im Schloss sind die Spuren der Vergangenheit – von der ursprünglichen mittelalterlichen Rodungsburg über Dekorationsmalereien aus dem 17. Jahrhundert bis zur Ritterromantik des 19. und 20. Jahrhunderts – heute noch zu sehen.
Das Schloss und seine Gärten
Das Schloss Wildenstein und seine Umgebung sind Zeugen einer mittelalterlichen Kulturlandschaft, die zum Teil heute noch sichtbar ist. Einige der knorrigen Eichen des Witwalds oberhalb des Schlosses etwa sind bis zu einem halben Jahrtausend alt. Aber auch die verschiedenen Gärten in der Nähe der Schlossanlage atmen den Hauch der Jahrhunderte.
Die Anfänge des Gartenhofs und des „englischen Gartens“ liegen mehr als 300 Jahre zurück; in jener Zeit, als sich die wehrhafte Burg allmählich in einen repräsentativen Wohnsitz verwandelte. Die ersten Spuren eines Gartens auf Schloss Wildenstein finden sich auf einem Plan aus dem Jahr 1681, wo acht Beete im Burggraben eingezeichnet sind. Bei den dort angebauten Pflanzen dürfte es sich um eine Mischung aus Kräutern, Heil- und Gewürzpflanzen gehandelt haben. Im Laufe der Jahrhunderte gewann der Garten – auch der Ziergarten – stets an Bedeutung.
1812 liess der damalige Besitzer Wildensteins, Peter Vischer-Merian, den klassizistischen Brunnen an der Eingangsrampe bauen und einen kleinen Schlossgarten anlegen. Dieser dürfte gemäss einer Zeichnung von Johann Friedrich Wagner in seinen Anfängen mit kleineren Büschen und Bäumen unregelmässig bepflanzt gewesen sein. Die strenge Geometrie des heutigen Zustands fehlte noch. In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam der englische Landschaftsgarten hinzu, der im Norden des Schlosses angelegt wurde, wo vorher ein Rebberg gewesen war. Wichtige Teile der Gartengestaltung waren auch die Pflanzung der Lindenbaumallee beim Schloss und der Obstbaumallee beim Zufahrtsweg.
Der „französische Garten“ nach barockem Vorbild unterhalb der Zufahrtsrampe zum Burghof (Bild links) wurde um 1950 angelegt. Eine Planskizze belegt allerdings, dass er bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angedacht gewesen war.
Eigentürmer - Wem das Schloss Wildenstein gehörte
Dass Schloss Wildenstein ist im burgenreichen Baselbiet neben Schloss Biederthal in der Gemeiunde Burg die einzige heute noch erhaltene Höhenburg. Sie wurde im 13. Jahrhundert von den Eptingern auf Grund und Boden des Dinghofes Bubendorf errichtet, der im Besitz der Basler Bischofskirche war. Im Jahr 1334 belagerten und beschädigten die Berner die Burg, was wohl der Grund für den 1338 erfolgten Neubau des Wohnturms war. 1378 oder 1380 verkauften die „Eptinger von Wildenstein“, wie sie sich nannten, die Burg an die Herren von Baden, welche sie 1384 dem Ordenshaus von Beuggen überliessen. Nur vier Jahre später wechselte Wildenstein erneut den Besitzer und gelangte an Petermann Sevogel von Basel, der den Arxhof dazu erwarb. Die Stadt Basel kaufte die Burg im Jahr 1500 (ein Jahr vor ihrem Eintritt in die Eidgenossenschaft) und erstand damit auch die dazu gehörenden Rechte und Freiheiten. Dadurch wurde Wildenstein zu einem Adelssitz mit beschränkten Rechten.
Erst im Jahr 1693 gab die damalige Besitzerin Sophie von Planta den alten Wohnturm auf und liess die Ökonomie- und Dienstgebäude in der Nordostecke der Anlage zum Wohnsitz umbauen: dem nach ihr benannten Plantahaus. 1792 erbte die Familie Vischer die Burg. Sie liess sie umbauen und erweitern und nutzte sie als ländlichen Sommersitz. Der Wohnturm wurde im Stil der Burgenromantik als Ritterburg mit Gefängnis, Gemälden und entsprechendem Mobiliar ausgestattet. 1947 wurde das Schloss Wildenstein als ganzjähriger Wohnsitz eingerichtet, was es für fast ein halbes Jahrhundert blieb.
Im Jahr 1994 kaufte der Kanton Basel-Landschaft das Schloss Wildenstein und stellte es in den folgenden Jahren instand. Die Umgebung steht wegen seiner kulturhistorischen und ökologischen Bedeutung seit 1997 unter Naturschutz. Eichenhain, Wiesen und Wald laden Spaziergänger zum Verweilen ein. Der unterhalb des Schlosses liegende Sormattfall gilt heute als Kraftort.
Legenden
Um Schloss Wildenstein ranken sich - wie es sich für ein Schloss eben gehört - einige Sagen und Legenden. Drei kurze finden sich im Buch "Baselbieter Sagen" von Paul Suter und Eduard Strübin, Verlag des Kantons Basel-Landschaft.
Die Jumpfer im Herrenholz
lm Herrenholz, auf dem Weg von Ziefen nach Lampenberg, stand plötzlich eine zierliche, fein gekleidete Jumpfer vor einem Ziefner Bauersmann und fragte diesen, ob sie ihm den Weg zeigen solle. Der ortkundige Wanderer antwortete ihr, er kenne den Weg selbst und finde schon aus dem Wald raus. Darauf verschwand das Weiblein, und der Mann verirrte sich derart im weitläufigen Wald, dass er die liebe Mühe hatte, heraus zu finden.
Der beschützende Hund im Wildensteiner Herrenholz
Um 1900 kehrte ein Landwirt nach einem Besuch bei seinen Angehörigen in Ziefen zu Fuss nach seinem Wohnort Lampenberg zurück. Sein Weg führte ihn über die Höfe Tannmatt, Grosstannen und Wildenstein nach Hause. ln der Abenddämmerung durchquerte er die ausgedehnten Waldungen des sog. Herrenholzes. Plötzlich wurde er gewahr, dass ein grosser weisser Hund neben ihm hertrottete. Als er ihm über seinen Rücken streichen wollte, griff seine Hand ins Leere. Der offenbar als Beschützer fungierende Hund begleitete den Mann – ohne je einen Laut von sich gegegeben zu haben – bis zum Waldausgang, von wo man die Lichter von Lampenberg sehen konnte, und war dann plötzlich verschwunden. Der Heimkehrer erzählte dieses ihm unerklärliche Erlebnis alsdann seinen Familienangehörigen und meinte, dieses Tier habe ihn wohl vor einem Wegelagerer beschützen sollen.
Das Rosengärtlein beim Schloss Wildenstein
Zum Schlossgut Wildenstein gehörte einst ein kleiner, rechteckiger Blumen- und Gemüsesegarten, der von einer Mauer umgeben war. Das Rosengärtlein war eine Freistätte. Wer einen Totschlag begangen und diesen Ort erreicht hatte, ehe er dem Richter verzeigt war, „über den durfte sechs Wochen und drei Tage kein Urteil gesprochen werden”.