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Sie nennen sich „Philosophen“. Sie begnügen sich aber nicht mit langatmigen Spekulationen über die Natur des Menschen, sondern greifen mit spitzer Feder die politischen Missstände ihrer Zeit an. Sie fühlen sich nichts und niemandem verpflichtet ausser ihrer eigenen Vernunft. Weder Kirche noch Monarchie bleiben von ihren oft satirischen und polemischen Angriffen verschont. Sie wandeln das geistige Klima Europas. Nicht mehr das Dogma (feste Lehrmeinung) soll die Ordnung der Welt bestimmen, sondern das Wissen. In der Mitte des Jahrhunderts treten verschiedene Verleger zusammen, um das Wissen der Zeit in einer Enzyklopädie zusammenzufassen. In Frankreich schäumen Kirche und Hof vor Empörung, als das Werk erscheint. Friedrich der Grosse von Preussen bietet an, das Werk unter seiner Schirmherrschaft in Berlin herauszubringen. Als 1765 der letzte Band der 28 Bände (17 Text- und 11 Bildbände) erscheint, sind schon sieben Raubdrucke erschienen. Insgesamt kommen 43 Auflagen in 25 Ländern heraus. Bis 1780 gibt es weitere 5 Ergänzungs- und 2 Registerbände. In vielen bürgerlichen Haushalten nimmt die Enzyklopädie den Platz der Bibel ein. Die Enzyklopädie wird zum massgebenden Instrument der Aushöhlung der alten Ordnung und der Vorbereitung einer neuen Ordnung.
René Descartes (1595 - 1650), Frankreich
Mitten in der geistigen Krise eines Europas, das sich in einem grundsätzlichen Wandel befindet, besinnt sich Descartes auf die unumstösslichen Grundlagen menschlicher Erkenntnis. Was ist Wahrheit? Zuerst muss ich alles in Zweifel ziehen (methodischer Zweifel), was nicht von meinem Verstand her ohne Zweifel wahr ist. Was aber ist ohne Zweifel wahr? „Cogito, ergo sum!“ ist der berühmte Satz, mit dem er die Grundthese (These = Annahme) umschreibt, dass die Tatsache, dass er über sich selber nachdenke, der Beweis dafür sei, dass er existiere. Für Descartes heisst Wahrheit, wenn andere Dinge genauso klar und „logisch“ abgeleitet werden können wie seine Grundthese. Das Problem liegt aber darin, dass sich ausserhalb unserer eigenen Person wenige „Wahrheiten“ so einfach ableiten lassen. Tieren spricht Descartes kein Bewusstsein zu. Tiere funktionierten wie Maschinen-, wenn ich hinten draufhaue, heult es vorne.
John Locke (1632 - 1704), England
Für Locke ist die Seele eine "Tabula rasa", auf die die Erfahrung ihre Wahrheiten (das Wissen) schreibt. Durch ihn findet die Idee des "Naturrechts" ihren Weg in die Politik. Der Mensch habe "natürliche" Rechte wie Freiheit, Recht auf Besitz, Rede-, Meinungs- und Religionsfreiheit... Im „Naturzustand“ herr-sche vollkommene Gleichheit und Freiheit für alle. Da es aber immer wieder Menschen gebe, die Rechte anderer antasten, brauche es eine Instanz, die das verhindere, den Staat. Der Staat ist ein „Gesellschaftsvertrag“, den freie Menschen untereinander schliessen. Und der Staat ist verpflichtet, die natürlichen Rechte der Menschen zu schützen. Anders als Hobbes, spricht Locke dem Menschen ein Widerstandsrechtsrecht gegen den Souverän zu, nämlich dann, wenn dieser seinen Auftrag nicht im Sinne des Gesellschaftsvertrags erfüllt. Locke begründet auch die Gewaltenteilung in die Legislative und die Exekutive.
François Arouet, genannt Voltaire (1694 - 1778), Frankreich
Voltaire lebt ein unstetes Leben. Er ist am Hofe in Paris genauso Gast wie im Schloss des preussischen Königs Friedrich II. Er ist Mitarbeiter der Enzyklopä-die. Weit über die Landesgrenzen wird sein Scharfsinn geschätzt. Er gehört europaweit zu den einflussreichsten Denkern der Aufklärung. Voltaire kämpft gegen Intoleranz, Tyrannei und Aberglauben und glaubt an die Gedankenfreiheit und an die Würde des Men¬schen. Sein Engagement für poli¬tische und re-ligiöse Gleichheit schlägt sich auch in seinen Schriften nieder.
Charles de Montesquieu (1689 - 1755), Frankreich
In seinen "Lettres persannes" (1721) lässt Montesquieu einen Perser durch Europa reisen und schildert durch ihn mit satirischen (spottenden) Seitenhieben die politische und religiöse Situation Europas. Politisch geht auf ihn die Idee der Dreiteilung der Gewalten in Legislative, Exekutive und Judikative zurück. Die Legislative sieht Montesquieu bei einem Zweikammer-Parlament nach englischem Vorbild, die Exekutive sieht er bei einem Monarchen. Die Judikative ist die oberste Rechtssprechungsinstanz und hat die Aufgabe, die beiden anderen Gewalten auf ihre Verfassungsmässigkeit (die Verfassung ist das Grundlagenpapier eines Staates, auf Grund dessen die Gesetze gemacht werden) zu überwachen. Im Wesentlichen ist seine ideale Staatsform die konstitutionelle Monarchie. Die Zustände einer Gesellschaft sieht er als historisch gewachsen und u.a. von der Natur bestimmt (Boden, Klima), weniger von einzelnen Personen. Neben nationalen Gesetzen postuliert Montesquieu auch gemeinsame, universale Rechte, die für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, gelten.
David Hume (1711 - 1776), England (Schottland)
Er ist einer der bedeutendsten Vertreter der britischen Aufklärung und der philosophischen Strömung des Empirismus (Theorie, dass alle Erkenntnis auf Beobachtung und Wahrnehmungen beruht; im Gegensatz zum Rationalismus, der besagt, dass Erkenntnis aus dem Denken kommt). Nach Hume leiten sich alle Ideen, so komplex sie auch sind, letztlich von einfachen Sinneseindrücken her. Eine Vorstellung ist nichts anderes als eine Zusammenstellung gemachter sinnlicher Erfahrungen. Was ich nicht sinnlich erfahren habe, kann ich mir auch nicht vorstellen. Die Sinne sind die einzige Quelle unseres Wissens über die Aussenwelt.
Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1755), Schweiz (Genf)
Rousseau ist ein hartnäckiger Verfechter der Demokratie. Alle Menschen sollen gleichberechtigt Mitverantwortung am politischen Geschehen tragen. Mit seinen radikalen Aussagen gegen das Königtum wird Rousseau einer der Wegbereiter der Französischen Revolution. Rousseau verlässt aber mit seiner romantischen Idee eines „schlechthin guten Allgemeinwillens“ (Volonté Générale), der allen rechtschaffenen Bürgern gemein sein soll, endgültig den Boden des Rationalismus und der Realität. «Retournons à la nature!» Rousseau meint, der durch Gesellschaft und Fortschritt verdorbene Mensch müsse nur zu seinem „natürlichen Zustand“ zurückfinden, um „gut“ zu werden. Wie „gut“ der Mensch ist, zeigt sich 1794 in der Französischen Revolution. Das Terrorregime in Paris nimmt die Ideen Rousseaus auf und setzt sie um. Was nicht „gut“ ist, muss ausgerottet werden. Rousseau wird so mitverantwortlich für den Tod vieler Hundert Menschen unter der Guillotine (Fallbeil).
Rousseau vertritt aber auch die Idee, dass der Mensch Erziehung brauche, um seine Verantwortung wahrnehmen zu können. Jeder Mensch soll eine Schule besuchen können. Der Schweizer Pädagoge Heinrich Pestalozzi (1746-1827) greift auf diese Idee zurück. Ziel der Erziehung sei nicht der Erwerb von Kenntnissen, sondern der Erwerb der Fähigkeit Kenntnisse zu erwerben. Zu diesem Zweck sollen Kopf (Verstand, Denken), Herz (Gefühl, Hingabe, Freude) und Hand (Fähigkeit zum Handeln, das Tun) gleichermassen gefördert werden.
Aufgaben und Recherchen
Ordne die folgenden Portraits den verschiedenen Vertretern der Aufklärung zu und umreisse in eigenen Worten schriftlich die Grundzüge ihres Denkens und ihre Wirkung auf die Aufklärung! Ergänze die Angaben durch eigene Internetrecherche.
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