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Das Forschungsinstitut Sotomo hat die CSS-Gesundheitsstudie durchgeführt. Der Fokus liegt auf der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit und den Lehren, die die Bevölkerung aus der Corona-Pandemie gezogen hat. Für die repräsentative Studie wurden mittels Online-Panel 2'274 Personen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz befragt. Die CSS-Gesundheitsstudie wurde 2020 erstmals erhoben und wird jährlich durchgeführt.
Junge Erwachsene fühlen sich weniger gesund
Der Anteil der Erwachsenen, der sich als gesund oder sehr gesund einschätzt, ist in der Befragung vom Juni 2021 im Vergleich zum März 2020 gesunken (von 78% auf 73%). Ein Viertel der Erwachsenen nimmt sich somit als nicht vollständig gesund oder gar als krank wahr. Auffällig ist die veränderte Selbsteinschätzung der jungen Erwachsenen. Der Anteil, der sich als nicht ganz gesund oder sogar krank einschätzt, ist seit der Befragung 2020 von 16% auf 26% gestiegen. Diese deutliche Veränderung zeigt, dass das Krisenjahr bei vielen jungen Erwachsenen zu einer direkten oder indirekten Belastung der Gesundheit geführt hat. Die Pandemie hat sich unterschiedlich auf die körperliche Situation von Jung und Alt ausgewirkt. Personen über 60 Jahre haben im Schnitt ein Kilo, Personen unter 50 Jahren dagegen 2,5 Kilo zugenommen. Die zusätzliche Zeit, die durch die Krise zu Hause verbracht wurde, führte auch dazu, dass leicht mehr Alkohol getrunken wurde als vor der Krise. Auch das Rauchen nahm zu.
Junge Frauen fühlen sich psychisch verletzbarer
Für die Gesundheit spielt die mentale Ebene eine wichtige Rolle. 15% der Befragten geben an, dass es ihnen immer gut gehe, 59% sind der Ansicht, dass ihr psychisches Wohlbefinden meistens gut sei. Damit bleibt rund ein Viertel, der angibt, das eigene emotionale Befinden sei «durchzogen» oder «schlechter». Der Anteil mit einem beeinträchtigten psychischen Wohlbefinden liegt bei den Frauen bei 32% und bei den Männern bei 20%. Neben diesem Geschlechter- zeigt sich auch ein Altersunterschied. Ganze 38% der 18-35-Jährigen geben an, dass es ihnen höchstens «durchzogen» geht. Besorgniserregend ist die Situation bei den jungen Frauen bis 30 Jahren. Die Hälfte von ihnen bezeichnet das eigene psychische Befinden als «durchzogen» oder noch schlechter.
Die Pandemie stärkt die Psyche der Robusten
Die Pandemie hat sich allerdings nicht nur nachteilig auf die mentale Gesundheit der Bevölkerung ausgewirkt. Bei 28% der Erwachsenen in der Schweiz hat die Erfahrung der letzten 16 Monate die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisensituationen erhöht. Es handelt sich dabei meist um Personen, die sich selbst in einer guten psychischen Verfassung wähnen. Menschen, denen es gut geht, geben häufiger an, dass ihre Widerstandsfähigkeit erhöht und ihre Lebensfreude geweckt worden ist. Die Mehrheit derjenigen, denen es nicht gut geht, leidet hingegen unter den Folgen der Pandemie: Fast die Hälfte berichtet von depressiven Verstimmungen und erhöhter Einsamkeit. Aber auch verstärkte Ängste und Hoffnungslosigkeit treten häufiger auf. Der einzige positive Effekt, der in dieser Gruppe überwiegt, ist der Abbau von Stress und Druck.
Die negativen Auswirkungen sind am häufigsten bei jungen Menschen zu beobachten. So geben 38% von ihnen an, dass die Corona-Pandemie ihre Einsamkeit verstärkt hat. Fast ein Drittel sagt, dass sie depressive Verstimmungen verspüren und bei etwas mehr als einem Fünftel der 18-bis 35-Jährigen haben sich Angstzustände verstärkt. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen, denen es nicht gut geht sowie die Jungen am stärksten unter den psychischen Folgen der Pandemie leiden. Der Graben zwischen den psychisch Robusten und den weniger Robusten ist grösser geworden.
Mangelndes Verständnis für Krankheiten und Leistungsdruck
Seit Pandemiebeginn dominieren Gesundheitsfragen die öffentliche Debatte. Trotzdem hat der Eindruck, mit einer Krankheit auf mangelndes Verständnis zu stossen, insbesondere bei jungen Erwachsenen stark zugenommen. Die Hälfte von ihnen gibt an, bereits eine Krankheit verschwiegen zu haben. Mit deutlichem Abstand wird bei psychischen Erkrankungen mangelndes Verständnis erwartet. Eine Erklärung ist der empfundene Leistungs- und Gesundheitsdruck. Mehr als die Hälfte aller Befragten und fast drei Viertel der 18- bis 35-Jährigen fühlen sich unter Druck, immer gesund und leistungsfähig zu sein.
Impfbereitschaft und Impfskeptiker
Fast 60% der Befragten geben an, dass die Pandemieerfahrung keinen Einfluss auf ihre allgemeine Impfbereitschaft hat. Bei einem Fünftel hat sich die Impfbereitschaft erhöht, bei rund einem Fünftel hat sie abgenommen. Die Impfbereitschaft ist bei den über 65-Jährigen eher gestiegen, während sie vor allem bei jungen Menschen gesunken ist. Insgesamt halten sich Personen, die sich nicht gegen Covid-19 impfen lassen, für gesünder als Personen, die bereits geimpft sind oder dies baldmöglichst tun möchten. Offenbar trägt die Selbstwahrnehmung dazu bei, die Impfbereitschaft zu senken. Ebenfalls finden 78% der Personen, die sich nicht gegen Covid-19 impfen möchten, dass Long Covid in der Diskussion aufgebauscht wird. Personen, welche gegenüber der Covid-19-Impfung kritisch sind, schreiben der Einstellung als Einflussfaktor auf Gesundheit und Krankheit einen besonders grossen Einfluss zu.
Lebensqualität wichtiger als möglichst langes Leben
Die Studie zeigt, dass fast 80% ein gesundes, aber kürzeres Leben im Vergleich zu einem längeren, aber eingeschränkten erstrebenswert finden. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Unsicherheit, welche Variante man vorzieht. Markant gestiegen ist der Anteil, der findet, im Gesundheitsbereich würde zu stark auf teure, lebensverlängernde Massnahmen gesetzt statt auf Verbesserung der Lebensqualität. Eine klare Mehrheit von 58% ist heute dieser Ansicht. Im März 2020 waren es erst 48%.
Mehr Transparenz und mehr Digitalisierung gewünscht
Das Vertrauen ins Schweizer Gesundheitssystem ist weiterhin hoch. Erstaunlicherweise ist jedoch das Vertrauen in die Qualität des medizinischen Personals etwas tiefer als vor der Pandemie (minus 5% auf 65% ). Etwas verringert hat sich auch das Vertrauen in Informationen / Transparenz (minus 5% auf 25%) und administrative Abläufe (minus 3% auf 14%). Insbesondere bei den administrativen Prozessen erhofft sich eine Mehrheit Verbesserungen durch eine stärkere Digitalisierung im Gesundheitswesen.
Das elektronische Patientendossier (76%) und das elektronische Rezept wird von grossen Teilen der Bevölkerung unterstützt (72%). Auch die Abkehr von der stationären Versorgung hin zu digitaler Betreuung von zuhause und die systematische Auswertung von Gesundheitsdaten werden von 52% bzw. 45% der Befragten (eher) unterstützt.