Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03537.jsonl.gz/1409

Der Präsident, René Mutti begrüsste die 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des zur Tradition gewordenen Januar-Seminars an der Schrennengasse in Zürich. Doch Stopp, es ist doch ein sonniger, warmer Herbsttag und weit und breit kein Schnee in Sicht! Der Grund für die Verschiebung war, weil im Januar der Meister Satoshi Hirota im Kloster Kappel für ein Seminar anreiste. René stellte den Ablauf des heutigen Tages vor.
Das Arrangement am Morgen war ein SAN SHU IKE. Ursprünglich war es ein traditioneller Stil mit drei Sorten Chrysanthemen (gelb, rot und weiss). Doch diese Blumen sind nicht das ganze Jahr verfügbar und somit kann es auch mit anderen Materialien gemacht werden. Es wird im upright (mehrheitlich) oder slanting Stil gestaltet. Damit wir in Zukunft unsere Hirnzellen etwas anstrengen müssen, sollten wir die japanischen Ausdrücke verwenden. Also: Upright heisst Chokuritsu-kei, Subject ist Shu-shi, Secondary ist Fuku-shi und Object ist Kyaku-shi. Die Masse für unser Gesteck: Shu ist Durchmesser plus Höhe der Schale, Fuku ist 2/3 von Shu und Kyaku ist ½ von Shu. Für die erste Reihe verwendeten wir Perückenstrauch, für die zweite Reihe Hahnenkamm und für die dritte Reihe weisse Rosen. Kyaku ist immer aus weissem Material.
Wichtig beim Ikebana sind die Linien, also immer zuerst das Material anschauen, wie z.B. beim Perückenstrauch Blätter wegnehmen, die Linien sollen asymmetrisch sein, die Zweige mit den Händen bearbeitet werden. Die höchste Blume in der zweiten Reihe nahe beim Shu stecken, sie ist die am wenigsten offene. Die mittlere Blume ist die grösste und wird tief gehalten, die dritte ist wieder etwas höher. Für das Kyaku wird die mittelgrosse Blume verwendet, der höchste Füller ist die am wenigsten offene Blüte und der tiefe Füller die grösste Blume. Shu, Fuku und Kyaku bilden ein ungleiches Dreieck, sowie auch die Blumen der zweiten und der dritten Reihe untereinander. Fuku nicht zu kurz schneiden da er sich 45° nach vorne und 30° seitlich neigen muss und das optisch gesehen die 2/3 von Shu ergibt. Beim GO SHU IKE (5 Reihen) ist die 3. Reihe immer ein Grün, die 4. Reihe Blumen, wenn möglich rechteckige nicht runde. Mit all diesen Instruktionen machten wir uns an die nicht so einfache Aufgabe und unsere Werke wurden anschliessend vom Meister begutachtet und wo nötig korrigiert.
Nun hatten wir unseren Lunch redlich verdient. Da das in der Nähe gelegene chinesische Lokal geschlossen ist, wurden uns im Hof bei angenehmen Temperaturen Sandwiches, Trauben, Kaffee und Kuchen serviert. Die Infrastruktur konnten wir von Nachbarn, die am Abend eine Party feierten, benützen.
Frisch gestärkt machten wir uns an das zweite Gesteck – ein Free Style Arrangement in einem Glasgefäss. Es gibt drei Möglichkeiten: je nach Gefäss kann man einen Stil machen, z.B. einen Upright (Chokuritsu-kei), einen slanting (Keisha-kei) ein Hana Isho oder Cascade. Die zweite Möglichkeit ist ein freier Stil, indem das Gefäss einbezogen wird. Die dritte Möglichkeit ist das Material durch biegen, brechen oder schneiden zu verändern. Bei Glasgefässen muss das Wasser immer bis zuoberst aufgefüllt werden. Also hiess es nun das mitgebrachte Glasgefäss anschauen und aus dem reichhaltigen Blumen- und Blätterfundus etwas Attraktives gestalten. Da noch genügend Zeit vorhanden war, tauschten wir die Gefässe untereinander aus und machten uns an ein zweites Werk.
Herzlichen Dank an René Mutti für den interessanten und lehrreichen Workshop und an die Helferinnen und Helfer, sowie auch an die Kuchenbäckerinnen.
Fotos: Theres Marty --- Bericht: Bernadette Koch