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Glyphosat soll mitverantwortlich am Bienensterben sein
Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass der Bund den Grenzwert von Glyphosat in Gewässern um das 100-fache erhöhen will. Nun zeigt eine Studie, dass das umstrittene Pestizid Honigbienen schädigt.
Geht es nach der neuen Gewässerschutzverordnung des Bundes, dürfen Flüsse und Seen ab 2019 bis zu 10 Mikrogramm Glyphosat pro Liter Wasser aufweisen. Hundertmal mehr als heute. Insgesamt sollen gemäss der neuen Verordnung die Grenzwerte von 25 Pestiziden teils massiv erhöht werden, wie die «Rundschau» berichtet.
Was ist Glyphosat?
Glyphosat ist eine Hauptzutat vieler Herbizide und wurde 1970 von Monsanto zur Unkrautbekämpfung auf den Markt gebracht. Glyphosat wird in der Landwirtschaft, im Gartenbau aber auch in Privathaushalten eingesetzt, um Unkraut abzutöten. Alle mit Glyphosat behandelten Pflanzen sterben ab. Davon ausgenommen sind Pflanzen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie gegenüber Glyphosat eine Resistenz besitzen.
Der heftig umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu wirken. Zu dieser Bewertung kam die Internationale Agentur für Krebsforschung. Erst im August 2018 verurteilte ein US-amerikanisches Gericht den Glyphosat-Hersteller Monsanto zu einer Schadenersatzzahlung von 289 Millionen Dollar (288 Millionen Franken). Die Klage gegen Monsanto kam von einem an Krebs erkrankten Mann, der über Jahre Glyphosat verwendet hatte. Monsanto hat Widerspruch gegen das Urteil eingelegt.
Nun zeigt eine neue Studie aus den USA, dass Glyphosat Honigbienen schädigt. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences», kurz PNAS, veröffentlicht.
So wurden die Bienen untersucht
Die Forscher fütterten Honigbienen mit einer Zuckerlösung, die mit Glyphosat angereichert war – und zwar mit der gleichen Konzentration, wie der Unkrautvernichter in der Umwelt vorhanden ist. Eine Bienen-Kontrollgruppe erhielt eine reine Zuckerlösung.
Um die verschiedenen Tiere nach der Versuchsphase im Bienenstock wieder zu erkennen, bekamen sie verschiedenfarbige Punkte aufgemalt.
Immunsystem wird geschwächt
Die Ergebnisse zeigen, dass Honigbienen, die Glyphosat in ihrer Nahrung hatten, einen Teil ihrer nützlichen Darmbakterien verloren. Die Forscher gehen davon aus, dass das Pestizid auf diese Weise das Immunsystem der Tiere schwächen kann. Dies, so die Wissenschaftler, sei ein Beweis, dass Glyphosat zum Bienensterben beitragen könne.
Glyphosat stört Orientierungssinn der Bienen
Bereits 2015 zeigten Wissenschaftler aus Argentinien und Deutschland, dass Glyphosat das Navigationsverhalten von Honigbienen stört. So brauchten Bienen, deren Futterquelle 10 Mg/l Glyphosat enthielten, signifikant länger für ihren Rückflug zum Stock als Bienen, die dem Pestizid nicht oder nur in geringen Mengen ausgesetzt waren.
Schlechtere Bodenqualität wegen Glyphosat
Foto: © Leonid Eremeychuk/ iStock / Getty Images Plus
Auf Feldern, die über mehrere Jahre mit dem Pestizid behandelt wurden, bilden Nutzpflanzen deutlich weniger Wurzeln, wie Günter Neumann, Professor für Kulturpflanzenwissenschaft an der Uni Hohenheim herausfand. Dadurch können die Pflanzen weniger Wasser aufnehmen.
Massive Ernteausfälle
In seiner Untersuchung resultierten Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent und mehr. Glyphosat, so heisst es, sei auch für Mikroorganismen tödlich. Hinzu kommt, dass Unkräuter gegen das Pestizid eine Resistenz entwickeln.
Gemäss Rundschau kündigt sich massiver Widerstand gegen die Erhöhung der Pestizid-Grenzwerte an. Die US-Studie der University of Texas, die international grosses Echo bekommt, dürfte diesen Widerstand noch verstärken. Derzeit befindet sich die neue Verordnung in der Ämterkonsultation.
Widerstand gegen Pestizide wächst
Die Stiftung für Konsumentenschutz hat zusammen mit Greenpeace und den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz bereits vor zwei Jahren eine Petition für ein Verbot von Glyphosat eingereicht. 25'000 Personen haben unterschrieben.
Die Initiative «Sauberes Trinkwasser für alle» wurde im Januar 2018 mit 114'000 Unterschriften eingereicht. Sie verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe subventioniert werden, die auf Pestizide und vorbeugend verabreichte Antibiotika verzichten.
Initiative für Pestizidverbot
Der Westschweizer Verein Futur 3.0 hat für seine Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» 145'000 Unterschirften gesammelt. Die Initiative will den Einsatz von Pestiziden in der Schweiz und den Import pestizidhaltiger Lebensmittel verbieten.
Autor: Sabina Galbiati, September 2018