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Als im goldenen Radquer-Zeitalter in Safenwil die Post abging
Es waren Persönlichkeiten wie der mehrmalige Weltmeister Albert Zweifel, die ab den 1980er-Jahren einen grossen Radquer-Boom auslösten. Dass ausgerechnet Safenwil plötzlich auch in der Szene mitmischte, war kein Zufall. Der 18-jährige Safenwiler Bernhard Woodtli – er ist mittlerweile ausgewandert in die Dominikanische Republik – gewann an der Radquer-WM 1980 in Wetzikon die Bronzemedaille bei den Junioren und rettete damals die Schweizer Ehre. Das war die Initialzündung für den VMC Safenwil, mit der Organisation von internationalen Radquers zu beginnen.
Der nachmalige Gemeindeammann Waldemar Mäder übernahm das erste Amt als OK-Präsident, was der Beginn einer langen Erfolgsgeschichte war. Safenwil machte sich schnell einen ausgezeichneten Namen in der Radquerszene. Hier traf regelmässig die gesamte Weltelite aufeinander – auch dank treuen Sponsoren. «Wir wollten nicht nur ein oder zwei Zugpferde, sondern zehn bis zwölf starke Fahrer», erklärt Markus Schenk, der damals als Pressechef im OK tätig war. Der Umstand mit den vielen finanziellen Unterstützern sei für den heute 64-jährigen pensionierten Journalisten aus Biberstein «aussergewöhnlich» gewesen.
Von Albert Zweifel bis zu Beat Breu
So gaben sich in Safenwil die Weltmeister buchstäblich die Klinke in die Hand. Radquerfans erinnern sich an die regelmässigen Safenwil-Starter Albert Zweifel (Weltmeister 1976 bis 1979 und 1986), Roland Liboton (1980 und 1982 bis 1984), Hennie Stamsnijder (1981), Klaus Peter Thaler (1985), Pascal Richard (1988), Danny De Bie (1989), Radomir Simunek (1991), Milos Fisera (Amateur-Weltmeister 1981 und 1982), Mike Kluge (1992), Daniele Pontoni (1997), Vito di Tano (Amateur-Weltmeister 1979), Didi Runkel (1995), Amateur-Weltmeister Fritz Saladin aus dem Baselbiet und natürlich der unverwüstliche Beat Breu.
Sie alle waren regelmässig Gäste in Safenwil bei einem der bedeutendsten Rennen der Schweiz, das jeweils als Teilaufzeichnung im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die bis zu 8000 Zuschauer erlebten spannende Rennen mit packenden Kämpfen auf einer höchst anspruchsvollen Strecke. Bekannt war auch der Speaker, der legendäre Radsportjournalist Hans Jucker. «Ich denke gerne an diese schöne Zeit zurück», sagt Markus Schenk, dem vor allem die vielen Zuschauer und die Fanklubs der Schweizer Athleten in bester Erinnerung geblieben sind.
Safenwil blitzte bei der WM-Vergabe ab
Das Jahr 1988 hätte für Safenwil der absolute Höhepunkt werden sollen. Die Safenwiler kandidierten für die Austragung der Radquer-Weltmeisterschaften 1988. Sie hatten die Rechnung aber ohne Hägendorf gemacht. Die Solothurner Delegation übersteigerte jene der Safenwiler beim Auswahlverfahren in Zürich mit Geld, das sie, wie es sich später zeigen sollte, gar nicht hatte. Geschlagen und enttäuscht waren die Safenwiler – zu Recht, denn Hägendorf war ein unbeschriebenes Blatt und blieb es auch.
Später fand als «Zückerli» die Schweizer Meisterschaft in Safenwil statt, letztlich gab es sogar Weltcuprennen. Dann folgte der Zwist mit dem Radsport-Weltverband UCI, worauf die Aargauer 2001 einen Schlussstrich unter die erfolgreiche Radquergeschichte zogen. Der UCI war die Strecke in Safenwil viel zu hart, dabei war sie für die Zuschauer genial. Legendär war die lange Treppe beim «Chelehoger».
Ob in Safenwil wieder Radquer-Events durchgeführt werden, bezweifelt Markus Schenk stark. «Dieses Kapitel ist abgeschlossen. Dazu wären unzählige ehrenamtliche Stunden nötig, aber im Veloclub hat es nicht mehr viele Leute, die mitziehen», sagt Schenk, der ferienhalber nicht nach Dübendorf reisen kann. Er weiss aber, dass manch ein Safenwiler die WM vor Ort mitverfolgen und dabei mit Genugtuung an die goldenen Radquerzeiten vor der eigenen Haustüre zurückdenken wird.
Safenwil war super
So ein Buch eignet sich auch als Mitbringsel. Besser als eine schlechte Flasche Wein oder ein verwelkter Blumenstrauss. Viel Spass beim Lesen und vielen Dank im voraus