Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/2163

Wirkung
Die Signale laufen als elektrische Ströme durch die Nervenbahnen. Die einzelnen Neuronen stehen über spezielle Kontaktstellen, die Synapsen, miteinander in Verbindung. Über diese Kontaktstellen werden Signale von einer Nervenzelle auf die nächste übertragen, und zwar mithilfe von bestimmten Überträgersubstanzen, den Neurotransmittern.
Trifft ein elektrischer Impuls an der vor der Synapse liegenden Nervenzelle (präsynaptisches Neuron) ein, so schüttet die Nervenzelle aus ihren Speichern Neurotransmitter in eine mikroskopisch kleine Lücke, den synaptischen Spalt, aus. Diese Botenstoffe wandern zur Nervenzelle, die hinter der Synapse liegt (postsynaptisches Neuron), wo sie an bestimmte Bindungsstellen (Rezeptoren) andocken, was wiederum einen elektrischen Impuls auslöst.
Insbesondere kommt es bei depressiven Menschen zu einer verminderten Aktivität jener Nervenzellen, die die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin übertragen. Durch Medikamente zur Behandlung der Depression (Antidepressiva) wird die Konzentration dieser Neurotransmitter an den Synapsen erhöht. Dieser Vorgang benötigt allerdings etwas Zeit, weshalb das Gleichgewicht zwischen den Überträgersubstanzen erst einige Tage bis Wochen nach Therapiebeginn wiederhergestellt ist – und somit auch die depressiven Symptome abklingen.
Dauer
Bis Antidepressvia die erwünschte Wirkung erzielen vergehen meist ein bis drei Wochen. Stellt sich kein Effekt ein oder treten starke Nebenwirkungen auf, wird die Dosis durch eine ärtzliche Fachperson angepasst bzw. auf ein Antidepressivum mit einem anderen Wirkmechanismus zurückgegriffen.
Nach der erfolgreichen Behandlung einer ersten depressiven Episode sollten die Medikamente nach Abklingen der Symptome noch ein halbes Jahr weiter eingenommen werden. In weiterer Folge kann die Therapie langsam ausgeschlichen werden. Bei schweren und/oder wiederkehrenden Episoden kann allerdings eine jahrelange Behandlung von Nöten sein.
Wenn die Therapie nicht oder nicht ausreichend ansprechen sollte, kann die behandelnde Ärzteschaft das verwendete Präparat höher dosieren, auf ein anderes Präparat wechseln, mit einem anderen Medikament kombinieren oder eine zusätzliche Psychotherapie empfehlen. Weitere Alternativen sind die Elektrokrampftherapie, Schlafentzug, Magnetstimulation, Lichttherapie und Bewegungstherapie.
Wichtigkeit eines Therapieplans
In jedem Fall ist es von grosser Bedeutung, dass Betroffene ihrer ärtzlichen Fachperson vertrauen und die verordneten Arzneimittel regelmässig und in der richtigen Dosierung einnehmen. Viele Behandlungen scheitern, weil ein vorgeschlagener Therapieplan nicht eingehalten wird. Einerseits, da manche betroffene Personen die Einnahme von Antidepressiva von Beginn an ablehnen. Andererseits, weil viele betroffene Menschen zu Beginn einer Behandlung noch keine Besserung, dafür aber Nebenwirkungen, bemerken und an der Wirksamkeit des Medikaments zweifeln; oder aber gerade, weil sich die depressive Symptomatik nach einiger Zeit gebessert hat und die Einnahme der Tabletten als nicht mehr notwendig erachtet wird. Durch dieses «zu frühe Absetzen» der Medikamente besteht erhöhte Gefahr für ein Wiederauftreten der Erkrankung. Ärzteschaft und Betroffene sollten daher in einem offenen Gespräch alle anstehenden Fragen und Probleme klären – vor allem die voraussichtliche Behandlungsdauer sowie die Wirkung und möglichen Begleiterscheinungen der verordneten Medikamente.