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Nach einer milden Phase mit etlichen nassen Lawinen kam der Winter zurück. Im Westen und im Norden fielen grosse Neuschneemengen, ab Montag bis in tiefe Lagen. Zusammen mit starkem Nordwestwind wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) vorhergesagt.
Nach dem letzten Avablog vom 20. März nahmen die Lawinenauslösungen durch Personen ab. Stellenweise konnten noch Lawinen in schwachen, kantig aufgebauten Altschneeschichten ausgelöst und vereinzelt sehr gross werden. Von einer solchen Schneebrettlawine wurden am Dienstag, 21.3. am Gstelliwang (2300 m, Meiringen, BE) zwei Personen mitgerissen. Eine konnte nur mehr tot aufgefunden werden, die andere war zur Stunde noch vermisst (siehe auch Liste der tödlichen Lawinenunfälle).
Mit Erwärmung, teils bedeckten Nächten und Regen bis in hohe Lagen schritt die Durchfeuchtung der Schneedecke voran. Die Altschneedecke wurde an Südhängen bis über 3000 m, an Westhängen bis gegen 3000 m, an Osthängen bis gegen 2600 m und an Nordhängen bis gegen 1800 m durchfeuchtet. Damit gingen vor allem an Nord- und Osthängen zahlreiche nasse Lawinen ab.
Ab Sonntagmorgen, 26.3. setzte aus Westen intensiver Schneefall ein. Mit der Drehung des Windes auf Nordwest verlagerten sich die intensiven Schneefälle auf die Staugebiete am nördlichen Alpenkamm und auf Nordbünden. Während des Ereignisses blies meist starker West- bis Nordwind und die Schneefallgrenze sank von rund 1500 m allmählich in tiefe Lagen (vgl. Abbildung 1).
Innerhalb von zwei Tagen fielen vor allem in den Staugebieten am Alpennordhang beachtliche Schneemengen (vgl. Abbildung 2). In diesen Gebieten war es einer der grössten Schneefälle dieses Winters.
Am Dienstag war es meist sonnig und wieder milder. Der Wind liess deutlich nach.
Trotz der recht günstigen Altschneeoberfläche gab es mehrere Gründe, die für eine starkes Ansteigen der Lawinengefahr sprachen:
- Grosse Neuschneemengen
- Hohe Schneefallintensität
- Starker Wind
- Kantige Schichten innerhalb der Altschneedecke
- An den Vortagen von einsickerndem Wasser geschwächte Schneedecke
Aus diesen Gründen wurde in den Hauptniederschlagsgebieten für Montag, 27.03. die Gefahrenstufe 4 (gross) vorhergesagt. Dabei war die grossen Unbekannte, ob die kantigen Schwachschichten tiefer in der Altschneedecke durch die Zusatzlast des Neu- und Triebschnees nochmals ‘aktiviert’ werden konnten. Zum einen waren diese durch die Schneefälle der Avablog-Periode vom 8. bis 13.3. und vom 14. bis 15.3. im Westen und im Norden bereits stark überlagert und zum anderen nicht mehr ganz so störanfällig. Vor allem an Nordhängen unterhalb von rund 1800 m und an Osthängen unterhalb von rund 2600 m, wo die Altschneedecke an den Vortagen zum ersten Mal durchfeuchtet und nun mit Neu- und Triebschnee überdeckt wurde bestand die Gefahr, dass Lawinen trocken anbrechen und unterwegs die grobkörnigen und nassen Altschneeschichten mitreissen.
Insgesamt blieb die Anzahl spontaner grosser und sehr grosser Lawinen hinter den Erwartungen zurück. Kleine und mittlere Lawinen gingen aber mutmasslich viele ab. Dies lässt sich in intensiven Schneefallperioden kaum beobachten, da Sicht fehlt und die Lawinen rasch überschneit und nicht mehr erkennbar sind. Die Radarsysteme zur automatischen Detektion von Lawinen registrierten aber während des Schneefalls einige Abgänge von meist kleinen und mittleren Lawinen (vgl. Abbildung 3).
Einzelne grosse spontane Lawinen, welche nach dem Schneefall noch eindeutig erkennbar waren, wurden aber dennoch beobachtet (vgl. Abbildung 4).
Zudem wurden während und nach dem Schneefall viele Lawinen zur Sicherung von Skipisten und Infrastruktur künstlich ausgelöst. Dabei wurde mindestens eine sehr gross und riss den nassen Altschnee mit (vgl. Abbildung 5).
Rückblickend wurde die Gefahrenstufe 4 (gross) am nördlichen Alpenkamm zwischen Wildstrubel und den Glarner Alpen wahrscheinlich erreicht. Im westlichsten und südlichen Unterwallis wurde die Gefahrenstufe 4 nicht bestätigt. Dies dürfte ganz im Westen auf die inzwischen recht stabile Altschneedecke, im südlichen Wallis auf die hinter den Erwartungen gebliebenen Neuschneemengen zurückzuführen sein.
Am Sonntag, 26.03. und am Montag, 27.03. wurden nur drei durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet. Am Dienstag, 28.03. gingen zahlreiche Meldungen von durch Personen ausgelösten Lawinen (vgl. Abbildung 6) beim Lawinenwarndienst ein. Es wurden auch Personen erfasst, aber bis zum Redaktionsschluss wurde niemand ganz verschüttet oder verletzt.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.