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Janeiro und in andern Städten des Reichs zu unterdrücken. Um diesen Zuständen ein Ende zu machen, erwählten die Kammern eine permanente Regierung; aber auch sie hatte fortwährend mit Aufständen zu thun, die mit Hilfe der Nationalgarden gestillt wurden, da das Militär sich den Insurgenten angeschlossen hatte. Die Finanzlage war eine klägliche, die Armee unzuverlässig und meuterisch. Um diesen Zuständen abzuhelfen, genehmigte die Kammer ein Gesetz, wodurch [* 2] in eine föderalistische Monarchie verwandelt wurde, in welcher die Gewalt des Monarchen, die übrigens erblich blieb, und die Stellung der einzelnen Provinzen nach dem Muster der Vereinigten Staaten [* 3] Nordamerikas bestimmt waren.
Die bisherige Regentschaft ward im Oktober 1835 entlassen und durch eine Generalversammlung Diego Antonio Feijo zum alleinigen Regenten des föderativen Kaisertums ernannt. Allein die feindlichen Faktionen wühlten rastlos weiter, Sklaven- und Pöbelaufstände wechselten mit republikanischen Schilderhebungen ab; namentlich kam es in Pará (Januar 1835) zu einer Reihe blutiger Szenen, und die Stadt mußte (Januar 1836) durch förmliche Belagerung mit Hilfe einer englischen Flotte eingenommen werden; Ähnliches wiederholte sich in Bahia [* 4] (Juli 1835) und Rio Grande do Sul [* 5] (Mitte 1837).
Infolge davon dankte Feijo schon im September 1837 ab. An seine Stelle trat durch Wahl der Deputierten der bisherige Kriegsminister Pedro Araujo de Lima, [* 6] mit dem auch ein neues Ministerium eintrat. Die für 1838-41 gewählten Cortes wurden von Lima eröffnet, aber schon im Juli 1840 aufgelöst. Statt auseinander zu gehen, rächten sie sich durch einen revolutionären Akt; sie erklärten 23. Juli den noch nicht 15jährigen Kaiser Pedro II. für volljährig, und dieser berief die Bruder Andrada, die Veranstalter jener Revolution, wieder ins Ministerium.
Pedro II. wurde feierlich gekrönt. Aber die Streitigkeiten der Parteien dauerten fort, um so mehr, als die Brüder Andrada, welche schon hatten zurücktreten müssen, sich an die Spitze der republikanischen national-brasilischen Partei stellten und gegen die die Regierung beherrschende portugiesisch-aristokratische Partei in den Provinzen São Paulo, Minas Geraës und Rio Grande do Sul republikanische Aufstände erregten, welche 1842-45 von dem General Caxias mit Mühe unterdrückt wurden.
Zugleich gab es Differenzen mit England wegen des Durchsuchungsrechts, welches die Engländer gegen die brasilischen Schiffe [* 7] zur Unterdrückung des Sklavenhandels bisher kraft eines 1830 auf 15 Jahre geschlossenen Vertrags ausgeübt hatten, sowie wegen eines Beschlusses der brasilischen Cortes, wonach englische Waren ein Drittel mehr Eingangszoll zahlen sollten als andre. Endlich hatte die Regierung auch noch wiederholte Sklavenaufstände in Pernambuco [* 8] (Ende 1846) und Rio Grande do Sul (Anfang 1848) zu bekämpfen.
Zwar wurden die Zwistigkeiten mit England 1850 durch Verträge beigelegt, der Sklavenhandel von den Cortes für Seeraub erklärt; dagegen wurde das Verhältnis zu den La Plata-Staaten schwierig. Da der Diktator der Argentinischen Republik, Rosas, sich wiederholt gegen Brasilien feindlich bewiesen und Genugthuung verweigert hatte, so wurde 1850 der Krieg gegen ihn beschlossen, und die brasilische Regierung verband sich mit dem General Urquiza, Gouverneur der argentinischen Provinz Entre Rios, zu gemeinschaftlicher Operation gegen Rosas.
Ein aus den Trümmern der eben sich auflösenden schleswig-holsteinischen Armee gebildetes Korps von 2000 Mann ward aus Deutschland [* 9] als »deutsch-brasilische Legion« nach Brasilien übergeführt. Der Krieg wurde damit eröffnet, daß Urquiza den Uruguay [* 10] überschritt, und, nachdem Brasilien durch ein Schutz- und Trutzbündnis mit Paraguay, Corrientes, Entre Rios und Uruguay seine Streitkräfte verstärkt hatte, durch die Schlacht von Monte Caceros welche Rosas' Sturz zur Folge hatte, zu gunsten Brasiliens entschieden. Brasilien unterstützte Uruguay mit Subsidien und trat zu der Republik in das Verhältnis einer Art Schutzoberherrlichkeit; in die wichtigsten Orte wurden brasilische Truppen gelegt. Doch hörte dies Recht Brasiliens schon 1855 auf, da das Ausland Einspruch erhob.
Von jetzt an gestalteten sich die Verhältnisse zusehends besser. Der Handel Brasiliens nahm während des Kriegs und nach demselben einen großen Aufschwung, und das Budget erwies eine bedeutende Mehreinnahme. Im J. 1853 wurde die Brasilische Bank mit einem Kapital von 30 Mill. Milreis (120 Mill. Mk.) gegründet. Ferner wurden leichte Verbindungsstraßen und Eisenbahnen erbaut, auch eine Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Maranon gebildet. Ende 1854 wurden reiche Goldminen im nördlichsten Teil Brasiliens entdeckt, welche viele Spekulanten und Kolonisten anzogen.
In dem Streit zwischen Spanien [* 11] und Peru [* 12] wegen der Chinchasinseln hielt sich Brasilien streng neutral, ward aber 1864 selbst in einen Krieg mit Uruguay verwickelt, dessen Regierung sich Brasilien mehrfach feindselig gezeigt und namentlich den in der Banda Oriental angesiedelten Brasiliern Anlaß zu Beschwerden gegeben hatte. Die brasilische Flotte blockierte und nahm einige Häfen von Uruguay, und das Landheer setzte sich gegen Montevideo [* 13] in Bewegung, weshalb der dort neugewählte, schon vorher Brasilien zugeneigte Präsident Flores die Forderungen Brasiliens bewilligte und so den Frieden wiederherstellte.
Zwar waren die Parteien in Brasilien mit der Haltung der Regierung nicht zufrieden, welche nach ihrer Ansicht härtere Bedingungen hätte stellen sollen; indessen drohte bald eine neue und bedenklichere Verwickelung. Lopez, der Präsident von Paraguay, welcher gleich beim Beginn des Kriegs mit Uruguay erklärt hatte, jede Intervention Brasiliens als Kriegsfall ansehen zu wollen, schritt sogleich zur Ausführung seiner Drohung, begann damit, das brasilische Schiff [* 14] Marquès de Olinda in den Gewässern von Asuncion zu kapern, und rückte darauf in die brasilische Provinz Matogrosso ein.
Rasch bemächtigte er sich der Stadt Nova Coimbra und bedrohte die Hauptstadt Cuyaba. Die Brasilier geboten infolge der innern Umwälzung in Uruguay völlig über die Streitkräfte dieses Landes, und in Rio de Janeiro sowie überhaupt in Brasilien war der Krieg gegen Lopez sehr populär; alles beeilte sich deshalb, der Regierung beizustehen, um rasch die erforderlichen Streitkräfte zusammenzubringen. Zur See war Brasilien des Übergewichts sicher, an Landtruppen erschien Paraguay besser gerüstet und namentlich infolge einer vollkommenern Organisation zu einer weit nachhaltigern Kriegführung befähigt. Um so wichtiger für Brasilien war es, daß infolge eines Angriffs des Präsidenten Lopez auf die argentinische Stadt Corrientes zwischen der Argentinischen Konföderation, Uruguay und Brasilien eine Tripelallianz abgeschlossen wurde. Der Krieg, dessen Oberleitung der argentinische Präsident Mitre ¶
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übernahm, hatte 1865 und 1866 keinen raschen Fortgang. Auch eine Invasion in Paraguay selbst (1867) brachte keine Entscheidung, zumal Uruguay von der Allianz zurücktrat und die Argentiner wenig leisteten. Erst als Brasilien, allerdings unter beträchtlichen Geldopfern, sein Heer erheblich vermehrt hatte und 1868 der brasilische Oberbefehlshaber Marschall Caxias, dann der Schwiegersohn des Kaisers, Graf von Eu, die Führung erhielt, wurde der Krieg (s. Paraguay) mit mehr Erfolg geführt und erreichte ein Ende durch den Tod des Diktators Lopez Eine Vergrößerung an Gebiet erhielt Brasilien nicht, doch wurde durch den glücklichen Ausgang des Kriegs sein Ansehen als südamerikanische Großmacht bedeutend erhöht. Die Kriegskosten wurden von Paraguay übernommen, aber wegen der gänzlichen Erschöpfung dieses Landes nicht gezahlt, so daß die brasilischen Finanzen in gänzliche Zerrüttung gerieten, die Schulden auf 815,000 Contos (1800 Mill. Mk.) stiegen und die jährlichen Defizits lange Zeit eine bedenkliche Höhe erreichten.
Für den innern Fortschritt war von großer Wichtigkeit das Gesetz über die Sklavenemanzipation vom Juni 1871, wonach fortan niemand mehr als Sklave geboren und allmählich sämtliche Sklaven freigelassen werden sollen; zur Entschädigung der Privatleute ward ein besonderer Fonds gebildet. Im J. 1873 kam Brasilien dadurch in einen klerikalen Konflikt, daß einige Bischöfe, gestützt aus ein päpstliches Breve, welches die Exkommunikation gegen alle Freimaurer aufrecht erhielt, erklärten, daß sie alle Konsequenzen dieser Maßregel ziehen und den Freimaurern und deren Kindern Taufe, Firmelung, Trauung etc. versagen würden.
Die Freimaurerloge klagte beim Ministerium, dessen Präsident Visconde de Rio Branca selbst Freimaurer war. Daraus entschied der Staatsrat, daß päpstliche Bullen des Placet der Regierung bedürften, wenn sie in Brasilien Geltung haben sollten; daß kein Geistlicher das Recht zu einer in das Staatsrecht übergreifenden Verordnung habe, ohne das Placet der Regierung eingeholt zu haben; daß somit keine gegen die Freimaurer ergriffene kirchliche Zensur oder Strafmaßregel bürgerliche Gültigkeit haben könne.
Als nun trotzdem der Bischof von Pernambuco von den Kanzeln seiner Diözese das päpstliche Breve verlesen ließ, welches die Exkommunikation gegen die Freimaurer aussprach und die Bischöfe ermächtigte, alle kirchlichen Brüderschaften auszulösen, falls diese die etwa unter ihnen befindlichen Freimaurer nicht selbst ausstießen, so wurde er in Untersuchungshaft genommen und wegen Ungehorsams gegen die Staatsgewalt zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, welche der Kaiser in Gefängnishaft verwandelte.
Dasselbe Schicksal traf den Bischof von Pará. Nun ließ sich die päpstliche Kurie zu Verhandlungen herbei und hob, nachdem die Bischöfe im September 1875 begnadigt worden waren, das von ihnen über ihre Diözesen verhängte Interdikt auf. Eine wichtige Reform enthielt das neue Wahlgesetz, welches nach dem Rücktritt des konservativen Ministeriums Caxias das neue liberale Kabinett Sinimbù einbrachte. Dasselbe gewährte Nichtkatholiken, naturalisierten Ausländern und freigelassenen Negern gleiche politische Rechte mit den Brasiliern und das passive Wahlrecht für die Kammern, verwandelte die bisher indirekte Wahl in eine direkte und beschränkte das aktive Wahlrecht aus diejenigen, welche lesen und schreiben und außerdem eine Rente oder einen sichern Erwerb nachweisen können.
Die erste Bestimmung stieß nicht nur bei den Klerikalen und den Konservativen, sondern auch bei Liberalen auf Widerstand, so daß die Wahlreform wiederholt abgelehnt wurde. Erst dem Ministerium Saraiva gelang es mit energischer Unterstützung des Kaisers im November 1880, den Senat zur Annahme desselben zu bewegen. Im Oktober 1881 fanden die ersten Wahlen nach dem neuen Gesetz statt und ergaben eine liberale Majorität. Doch hatten die aus derselben hervorgegangenen Ministerien keinen langen Bestand, da sie der Zerrüttung der Finanzen nicht abhelfen konnten und die Kammermehrheit sich einer Beschleunigung der Sklaven-Emanzipation widersetzte, bis im Mai 1885 Saraiva wieder ein starkes Ministerium bildete.
Vgl. Southey, History of Brazil (Lond. 1810-1819, 3 Bde.);
Constancio, Historia do Brazil (Par. 1839, 2 Bde.);
v. Varnhagen, Historia geral do Brazil (Rio de Janeiro 1855);
Pereira da Silva, Historia da fundacao do imperio brazileiro (das. 1864 ff., 6 Bde.);
Derselbe, Historia do Brazil de 1831 à 1840 (das. 1878);
v. Schäffer, Brasilien als unabhängiges Reich (Altona [* 16] 1824);
Handelmann, Geschichte von Brasilien (Berl. 1860);
Nowakowski und Flechner, unter Dom Pedro II. (Wien [* 17] 1878).