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Wissenswertes zum Blindenwesen
Wer ist sehbehindert?
Es gibt sehr viele Formen von Sehbehinderung. Eine Person ist sehbehindert, wenn sie eine Sehschärfe von unter 0,3 oder ein Gesichtsfeld von unter 10 Grad hat. Zum Lesen einer Zeitung braucht man eine Sehschärfe von 0,4 bis 0,5; zum Autofahren ist eine Sehschärfe von 0,6 nötig. Als blind wird gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO jemand mit einer Sehschärfe von unter 0,05 eingestuft.
Wie viele blinde und sehbehinderte Menschen gibt es in der Schweiz? Laut einer Studie des Schweizerischen Zentralvereins für das Blindenwesen aus dem Jahr 2012 leben in der Schweiz ungefähr 325’000 sehbehinderte Personen. Davon sind schätzungsweise 10’000 blind.
Dabei ist die unterschiedliche Verteilung der Sehbehinderungen im Altersverlauf zu beachten: Während weniger als 0,5 Prozent der Kinder (0-20 Jahre) sehbehindert sind, beläuft sich der Anteil sehbehinderter Menschen im Erwachsenenalter auf 5 Prozent und steigt im höheren Alter (ab 80 Jahre) auf mindestens 20 Prozent.
Welches sind die häufigsten Ursachen einer Sehbehinderung?
Am häufigsten führt der natürliche Alterungsprozess zu einer Sehbehinderung. In Industrieländern ist die altersbedingte Makuladegeneration die häufigste Erkrankung: Die Sehkraft im Zentrum des Blickfeldes nimmt ab, wodurch das Lesen erschwert oder verunmöglicht wird. Es muss jedoch keine völlige Erblindung befürchtet werden.
Weitere Ursachen für Sehbehinderungen sind Unfälle oder Erkrankungen wie Diabetes, Grauer und Grüner Star, Netzhauterkrankungen und vorgeburtliche Schädigungen.
Weshalb gibt es so viele verschiedene Blindenorganisationen?
Die verschiedenen Organisationen erbringen spezifische Dienstleistungen, die Leistungsangebote sind untereinander abgesprochen. So gibt es Beratungsstellen, Heime, Schulen, Eingliederungsstätten, Werkstätten, Begegnungszentren, Freizeit- und Sportgruppen, Selbsthilfegruppen, Ferienzentren, spezielle Bibliotheken (für Hörbücher, Grosschriftbücher und Blindenschriften), Hilfsmittelverkaufsstellen, Führhundeschulen und vieles mehr. Es gibt Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für hörsehbehinderte und mehrfachbehinderte Personen sowie stationäre und ambulante Dienstleistungen.
Getragen werden all diese Werke von privaten Vereinen oder Stiftungen. Finanziert werden sie durch Beiträge der Sozialversicherungen und der öffentlichen Hand, durch Spenden und Legate sowie durch Beiträge der Leistungsempfängerinnen und -empfängern.
Was ist der Unterschied zwischen Blindenverband, Blindenbund und Zentralverein für das Blindenwesen?
Der Schweizerischer Blinden und Sehbehindertenverband SBV und der Schweizerische Blindenbund SBb sind Selbsthilfeorganisationen, das heisst, sie sind Zusammenschlüsse von Betroffenen. Ihr Hauptziel ist die Interessenvertretung sowie die Förderung des Erfahrungsaustauschs unter den Sehbehinderten. Sie führen zahlreiche professionelle Dienste mit einem vielseitigen Leistungsangebot.
Der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen SZB ist die Dachorganisation. Er führt eine Fachbibliothek, bildet das Fachpersonal aus und besorgt den zentralen Einkauf der spezifischen Hilfsmittel. Weiter ist er für die Taubblindenbetreuung zuständig.
Sind bei blinden Menschen die anderen Sinne besser entwickelt?
Blinde und stark sehbehinderte Menschen brauchen die andern Sinne, um sich zu orientieren und möglichst viele Informationen einzuholen. Sie lernen ihre anderen Sinne gezielt einzusetzen, was zu einer sehr differenzierten Wahrnehmungsfähigkeit führen kann. Die Sinne sind von Grund auf nicht besser ausgebildet, jedoch besser trainiert.
Was trifft den Menschen mehr: Blindheit oder Gehörlosigkeit?
Es ist problematisch, diese beiden Sinnesbehinderungen gegeneinander auszuspielen. Bei beiden Behinderungen hängt es stark von der jeweiligen Person und ihrem Umfeld ab, wie weit die Einschränkungen überwunden werden können. Generell sagt man, dass die Sehbehinderung stärker im funktionalen Bereich (Orientierung, Mobilität, Zugang zu Informationen) und die Hörbehinderung stärker im sozialen Bereich (Kommunikation) einengen.
Schauen blinde Personen auch fern?
Natürlich! Das Fernsehen ist auch bei vielen blinden und stark sehbehinderten Personen ein beliebtes Informations- und Unterhaltungsmedium. Bei Informations- und Dokumentationssendungen führt der gesprochene Anteil weitgehend zu einem vollwertigen Verständnis. Etwas schwieriger ist es bei Spielfilmen, doch aus dem Kontext heraus ist die Handlung in vielen Fällen auch ohne Bild zu verstehen. Als spezielle Dienstleistung für sehbehinderte Zuschauerinnen und Zuschauern gibt es Hörfilme, die auf dem zweiten Stereokanal durch eine Bild- und Handlungsbeschreibung ergänzt werden (Audiodeskription).
Wie stellen sich geburtsblinde Menschen die Farben vor?
Die Vorstellungen geburtsblinder Menschen von Farben sind natürlich nicht visueller Art. Viele blinde Menschen verbinden mit Farben bestimmte Vorstellungen von Gegenständen oder Gefühlsqualitäten. Auch geburtsblinde Menschen wissen natürlich, dass der Himmel blau, das Gras grün und der Schnee weiss ist. Einige verbinden mit Rot die Assoziation “warm”, mit Braun den Duft von feuchter Erde oder mit Weiss die Tastqualität „flauschig weich“.
Wie träumen geburtsblinde Menschen?
Im Prinzip träumen blinde Menschen gleich wie sehende Menschen. Träume sind geträumte Lebenssequenzen mit teils realistischen, teils phantastischen Inhalten und den entsprechenden Gefühlsregungen. Die Wahrnehmungsqualitäten im Traum unterscheiden sich nicht wesentlich von denjenigen im realen Leben. Anders ist die Situation bei späterblindeten Menschen, die in ihren Träumen häufig noch sehen können.
Darf man gegenüber einer blinden Person von “sehen” reden?
„Sehen“ hat im alltäglichen Sprachgebrauch eine viel weitere Bedeutung als lediglich „mit den Augen wahrnehmen“. Mit „sehen“ ist auch „erkennen“, „verstehen“ und „begegnen“ gemeint. Darum sagen blinde Menschen auch: „Ich habe gestern Peter gesehen“ oder „Ich habe es gesehen“ oder „Auf Wiedersehen!“. Es ist also auf keinen Fall erforderlich, krampfhaft nach einem Ersatz für das Wort „sehen“ zu suchen.
Anders verhält es sich mit dem Hinweis „dort“. Damit kann ein blinder Mensch in der Regel nichts anfangen.
Wie können blinde Menschen einen Computer bedienen?
Der Inhalt des Bildschirms wird entweder auf einer Blindenschriftzeile oder mittels Sprachausgabe zugänglich gemacht. Die Eingabe erfolgt über eine normale Tastatur. Ein sogenanntes Bildschirmleseprogramm erlaubt es blinden Personen, sich auf dem Bildschirm zu orientieren und die verschiedenen Anwendungsprogramme zu steuern.
Um einen barrierefreien Zugang zu Internetseiten zu gewährleisten, müssen gewisse Regeln beim Webdesign beachtet werden. Personen mit eingeschränktem Sehvermögen verwenden ein Vergrösserungsprogramm für den Bildschirminhalt.
Blindenschrift
Der Erfinder der Blindenschrift ist Louis Braille (1809 – 1852). Im Alter von drei Jahren erblindete er an den Folgen einer Stichverletzung, die er sich im Atelier seines Vaters zugezogen hatte. Das System der Blindenschrift entwickelte er 1825 an der Blindenschule in Paris.
Wo können sehende Personen die Blindenschrift lernen?
Sehende Personen können die Blindenschrift mit den Augen lesen. Das aufwändige Trainieren des Tastsinns in den Fingerkuppen entfällt. Für ein Selbststudium gibt es den Lehrgang: Theiss-Klee, Heidi, Punktschrift für Anfänger, Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. 1998, Marburg/Lahn, ISBN: 3-89642-003-8
Wie weiss ein Blindenführhund, ob die Ampel auf Rot steht oder auf Grün?
Er weiss es nicht, und das ist auch nicht nötig, denn es ist die stark sehbehinderte oder blinde Person, die dem Hund das Kommando gibt, wann er die Strasse überqueren soll. Deshalb braucht es akustische oder taktile Zusatzgeräte an Fussgängerampeln, damit die blinde Person feststellen kann, wann es Grün wird.
Wie kommunizieren blinde Personen mit ihrem Führhund?
Der ausgebildete Führhund kennt rund 30 Kommandos. Um Verwechslungen zu vermeiden und wegen des klaren Wortklangs sind die Befehle aus der italienischen Sprache entnommen.
Wie verhalte ich mich gegenüber einem Blindenführhund?
Der Blindenführhund darf bei der Arbeit (wenn er sein Arbeitsgeschirr trägt) nicht abgelenkt werden. Vermeiden Sie deshalb alles, was seine Konzentration beeinträchtigen könnte. Bevor sie mit dem Hund Kontakt aufnehmen, fragen Sie die blinde Person um Erlaubnis.
Die bisherigen Definitionen stammen vom Schweiz. Blinden- und Sehbehindertenverband.
Sicher unterwegs von A nach B. Video ca. 5 min.
12j blindes Mädchen unterwegs und in der Schule. Video ca. 5 min.
Kleider am Bahnhof deponieren
Laufpartner, die sich zum Trainieren am Bahnhof treffen, können ihre Sachen in einem günstigen Schliessfach (Spind) deponieren. Die Normalen der SBB kosten CHF 6.00; diejenigen des Veloparking nur CHF 2.00. Zumindest gilt dies am Bahnhof Basel und Bern.