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«Wie können Sie die Welt auf Ihren Schultern tragen?» Während viele Hersteller versuchen, ihre PDAs wie Personal Computer zu entwickeln und immer mehr Funktion und Leistung auf noch kleinerem Raum zu packen, geht Palm einen anderen und erfolgreicheren Weg. Die Antwort auf das Zen Rätsel lautet «Machen Sie einen Kopfstand» und «The Zen of Palm»
Die Philosophie der Palm Computing Plattform zielt auf die einfachste Lösung für ihre Kunden. Der Vater der Palm PDAs, Jeff Hawkings, beschrieb in einem Interview vier einfache Regeln, nach denen er sich bei der Produktentwicklung richtet:
1. Eliminiere Optionen. Nur die wichtigsten Funktionen sollten integriert werden, denn zu viele Optionen verwirren nur die Anwender.
2. Der PalmPilot hat kein «Bitte warten» Symbol, denn bei der Entwicklung wurden alle langsamen Funktionen entweder entfernt, beschleunigt oder anders realisiert.
3. Versprich wenig und liefere viel. Die Erwartungen der Anwender sollten nicht durch grossartige Versprechungen hochgeschraubt werden.
4. Entferne Fehler und Fehlermeldungen. Neben gründlichem Testen sollte versucht werden, Fehlermeldungen vom Anwender fernzuhalten und möglichst das System im Hintergrund selbst auf Fehler reagieren zu lassen.
Vor 20 Jahren haben die japanischen Autohersteller die amerikanische Konkurrenz dazu gezwungen, die Produktqualität zu verbessern. Vielleicht werden zuverlässige Produkte wie der PalmPilot die PC- und Softwarehersteller zu ähnlichen Leistungen anspornen. Ein hochgesteckter Vergleich, doch der Erfolg der Palm Computing Plattform hat Jeff recht gegeben. So benötigten die Palm PDAs nur 18 Monate, um eine Million mal verkauft zu werden, der Sony Walkman benötigte dazu drei Jahre und Apple ganze sieben Jahre.
Nachdem die Palm-Eltern, Jeff Hawkings und Donna Dubinsky, 1998 eigene Wege gegangen sind und sich von der erwachsen gewordenen Plattform abnabelten, gründeten sie mit Handspring ein neues Unternehmen, das ebenfalls erfolgreich zu werden scheint, doch dazu später mehr.
Vor vier Jahren brachte die Firma U. S. Robotics die ersten beiden Pilot-Modelle (dann PalmPilot und schliesslich Palm genannt) auf den Markt. Kurz darauf (1997) wurde das Unternehmen von 3Com übernommen. Letztes Jahr gab man schliesslich bekannt, dass man die Palm Computing Inc. in die Selbständigkeit entlassen möchte, und dass es an der Börse notiert werden solle. Die neue Struktur gibt dem Unternehmen genau die nötige Schlagkraft, um weiterhin im PDA-Marksegment erfolgreich zu sein.
Bis jetzt wurden weltweit über fünf Millionen Palm PDAs verkauft, wovon alleine im ersten Halbjahr 1999 eine Million Einheiten ihren Besitzer fanden. In Europa liegt der Marktanteil bei 72% (IDC, 1998).
Bei Palm Computing Inc. ist man über den weiteren Erfolg optimistisch. Grund ist die Palm Economy, die aus drei Säulen besteht: Die Entwickler und Partner, die Lizenznehmer und OEMs sowie die Palm Computing Plattform selbst.
Neben seinen Kunden hat der PDA Hersteller einen weiteren Schatz - seine Entwickler. Es gibt mittlerweile über 30'000 registrierte Entwickler, wovon ein Grossteil in Deutschland agiert. Das Ergebnis dieses Enthusiasmus sind über 4'000 Lösungen für PalmOS und über 500 Hardware Add-Ons. Wer keine passende Lösung findet, kann diese somit einfach entwickeln lassen oder auch selbst programmieren. Immerhin gibt es zahlreiche Entwicklungstools, die teilweise sogar kostenlos sind. Auch an Partnern kann man einige grosse Namen vorweisen. So bestehen Allianzen mit Computer Associates, SAP, Sybase, Oracle, Lotus, Remedy, PeopleSoft, AOL, Sun und anderen mehr.
Viele der Palm Computing Inc. Mitarbeiter kommen von Apple, und man hat gelernt. Das Unternehmen betreibt eine offene Lizenzierungspolitik und ist über jeden Partner erfreut. Bereits jetzt stellen IBM, Symbol, Handspring, Qualcomm, TRG usw. auf der Palm Computing Plattform basierende Lösungen wie IBMs WorkPads, Handsprings Visor etc. her.
Die zukünftige Entwicklung der Palm Computing Plattform selbst ist schliesslich Grund genug für Optimismus. Hier kommt «The Zen of Palm» zum Tragen - die Philosophie, die hinter der Plattform steht. In Zukunft will man die Plattform noch offener, noch flexibler, kompatibler, kommunikativer, modularer und globaler gestalten.
Erste Ausblicke gewährt die Ankündigung der neuen PalmOS Version 3.5! Wichtigste Neuerung ist, dass die neue Betriebssystemversion Farbdisplays unterstützt und leichter zu lokalisieren ist, womit eine noch schnellere weltweite Auslieferung von Produkten möglich werden sollte. Erst nächstes Jahr wird dann die Version 4.0 vorgestellt werden. Diese wird vor allem neue Telefoniefunktionen und APIs enthalten.
Aufgrund dieser Tatsachen kann man nun vermuten, dass Palm Computing in naher Zukunft - vielleicht sogar zur diesjährigen CeBIT - einen Farb-Palm vorstellen könnte. Bisher hat man sich immer verweigert, da ein Farbdisplay nur dann Sinn macht, wenn es eine technologisch saubere Lösung dafür gibt. Das heisst, dass die Batterielaufzeit stimmt, und der PDA nicht schon nach wenigen Stunden schlapp macht. Mittlerweile steht ein neuer DragonBall Prozessor zur Verfügung, der nicht nur energiesparender ist, sondern auch Farbdisplays und vieles andere mehr unterstützt.
Die konsequente Weiterentwicklung des PalmOS mit wohlüberlegten neuen Funktionen und Möglichkeiten und neue Geräte von Lizenznehmern fördern sicherlich nur die Verbreitung der mobilen Plattform.
Einer der Lizenznehmer ist Handspring Inc. Es handelt sich dabei um das Unternehmen, das Jeff Hawkings und Donna Dubinsky nach ihrem Ausscheiden bei 3Com gegründet haben. An Geldgebern hat es sicherlich nicht gemangelt. Ende letzten Jahres hat man nun zwei auf PalmOS basierende Modelle vorgestellt, den Visor, den Visor Solo und den Visor Deluxe. Die Visors werden allerdings im Moment nur in den USA mittels Direktvertrieb ausgeliefert, also wenn Sie einen Bekannten in den USA haben sollten, wird es vielleicht wieder einmal Zeit, ihn anzurufen.
Das besondere am Visor ist, dass er in verschiedenfarbigen, durchsichtigen Gehäusen erhältlich ist, sehr günstig angeboten wird (179 Dollar, Solo 149 Dollar und Deluxe 249 Dollar), über ein integriertes Mikrofon verfügt, und dass er über einen Erweiterungsslot verfügt. Da die Docking Cradle des Visor mittels USB an den Computer angeschlossen werden muss, ist der Einsatz von Windows98 anzuraten. Allerdings wird auch für MacOS die nötige Synchronisationssoftware mitgeliefert. Es gibt allerdings optional eine Docking Cradle mit herkömmlichem Anschluss. Der Solo verfügt über 2 MByte RAM und wird ohne Cradle ausgeliefert. Der «normale» Visor gleicht dem Solo, nur ist bei ihm eine Dockingstation eingeschlossen. Der Deluxe schliesslich verfügt neben dem Cradle über 8 MByte RAM.
Das interessante am Visor sind allerdings die Springboard Module, die in den Erweiterungsschacht auf der Geräterückseite geschoben werden. Bereits erschienen und in Planung sind GPS-, Pager-, MP3-, Videospiel-, Modem-, Backup-, Speicher-, Sprachrecorder-, Fernbedienungsmodule usw. Obwohl es sich bei den Springboard Modulen um eine proprietäre Lösung handelt, haben sie gegenüber PC-Cards und Compact Flash einige Vorteile. So verspricht Handspring echtes Plug & Play der Module. Das integrierte Mikrofon kann allerdings nur sinnvoll mit einem passenden Modul eingesetzt werden, da der Visor selbst über keinen Lautsprecher, sondern nur über den herkömmlichen «schwachen» Tongenerator verfügt.
Die Visor Modelle werden mit PalmOS 3.1 ausgeliefert, können aber «nicht upgedatet» werden, da kein FlashROM vorhanden ist. Hier muss man das OS auf neue Versionen patchen.
Bei den mitgelieferten Applikationen hat man nicht sehr viel verändert, bis auf die Weltzeituhr, den Kalender und den Rechner. Als Kalender hat man die sehr gute Datebk Software von Pimlico integriert, die Icons und mehrere Ansichten bietet.
Ein weiterer Lizenznehmer ist TRG Products. Das US-Unternehmen ist vor allem durch seine Speichererweiterungen für die Palm Modelle und Software bekannt. Nun hat man auch den TRG-Pro auf den Markt gebracht. Dieser gleicht vom Aussehen dem Palm IIIx, doch verfügt er auf der Rückseite über einen CompactFlash Slot Typ I/ II. Somit kann man die 8 MByte RAM des TRG-Pro beispielsweise mit IBMs Microdrive um 340 MByte erweitern. Für den privaten Anwender ist das 330 Dollar teure Modell wahrscheinlich nicht so interessant, bedenkt man jedoch die Datenmengen, die im kommerziellen Umfeld anfallen, seien es grosse Datenbanken oder eine grosse Anzahl an Messwerten, macht diese extreme Erweiterbarkeit doch Sinn. Schliesslich bieten zum Beispiel Oracle, Sybase und IBM spezielle Versionen ihrer Datenbankclients für PalmOS an. Es lässt sich aber über den CF-Slot auch andere externe Hardware anschliessen. Der TRG PDA verfügt über einen Lautsprecher, aber über kein Mikrofon. Anders als der Visor verfügt der TRG-Pro über ein FlashROM, mit dem sich das OS jeweils auf den neuesten Stand bringen lässt. Die Anwendungen gleichen den üblichen, jedoch hat man noch die FlashPro Software dazugepackt. Damit lassen sich installierte Programme in das FlashROM verschieben, das durch das OS nicht vollständig belegt wird. Damit bleibt der RAM Speicher für die Daten frei. Programme können nicht direkt von CompactFlash Karten ausgeführt werden. Diese sind zunächst ins RAM zu laden.
Die Palm Computing Inc. hat auch weitere Partnerschaften geschlossen, so zum Beispiel mit Sony, wo man unter anderem vereinbarte, dass das PalmOS in Zukunft die MemoryStick Technologie des japanischen Herstellers unterstützen wird. Auch die Kooperation mit dem Symbian-Mitglied Nokia macht Sinn, könnte doch so eine ganz neue Generation von Kommunikatoren entstehen.
Auch bei der Software-Entwicklung geschieht einiges. So wird es in Zukunft sicherlich noch mehr Möglichkeiten geben, für die Palm Computing Plattform zu entwickeln beispielsweise eine Visual Basic ähnliche Sprache oder auch eine Java Virtual Machine, wie sie mit der K Virtual Machine und Java 2 Micro Edition bereits im Entwicklungsstadium existiert. Im Beta Stadium ist auch WABA, die Java zum Programmieren benutzt, den Source Code dann aber in WABA Binärcode umwandelt, der mit der WABA VM auf dem Palm ausgeführt wird.
Dass Palm vielmehr als ein Produkt ist, sollte sich mittlerweile herauskristallisiert haben. Viele Anwender und Entwickler wissen die Plattform wegen ihrer Einfachheit und Nützlichkeit zu schätzen, und sehr viele betrachten die Palm Computing Plattform schon jetzt als Kult. Beispiele für die geistige Potenz des Unternehmens und des Zen of Palm gibt es genug.
Eine abschliessendes Rätsel gefällig? «Wie kann Sie ein tauber Mann hören?». Beim Newton wurde dies so gelöst, dass das Gerät möglichst viele verschiedene Schriftstile von unterschiedlichen Personen beherrschen musste. Palm stellt eine einfache Schrift (Graffiti) zur Verfügung, die der Anwender schnell beherrscht. Dafür ist die Erkennungsgenauigkeit beim Einsatz beinahe 100%. Die Antwort auf das Rätsel kann deshalb nur wie folgt lauten: «Lernen Sie seine Sprache!»
Marcus Ambrosch/fwk
http://www.palm-europe.com
http://www.palmsource.com
http://www.handspring.com
http://www.trgpro.com
http://www.symbol.at
http://www.oregonscientific.com/ospro.html
http://www.ausystems.com
http://www.palmgear.com
http://www.palmstation.com
http://www.palmconsult.de/forum/
http://www.gorilla-haven.org/pimlico/
http://www.wabasoft.com
http://java.sun.com/products/kvm/
http://java.sun.com/j2me/
http://www.psimedia.com
http://www.geocities.com/~sagemonkey/palm-pilot-zen.html
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