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Wenn Shakespeare heute auf deutschsprachige Bühnen kommt, steht im Programmheft meist «Übersetzung: Frank Günther». Seit über vier Jahrzehnten beschäftigte sich der deutsche Übersetzer mit Shakespeare und den Tücken seiner Übertragung in zeitgemässe Sprache und eine heutige Vorstellungswelt.
Der studierte Anglist und Germanist arbeitete zunächst als Theaterregisseur, um sich ab den 1970er-Jahren der Übersetzung der Werke Shakespeares ins Deutsche zu widmen. Ausserdem übertrug er auch Stücke anderer Klassiker, darunter Ibsen, Molière oder Goldoni.
Über Shakespeares Sprache sagte Frank Günther: Shakespeare habe «wie wahrscheinlich kein Zweiter mit seinem Wortschatz ein ungeheuerliches Sprachgebäude errichtet.»
Shakespeares Wortschatz sei gar nicht so gross, wie immer behauptet würde: «Er liegt im Mittelfeld seiner Kollegen. Aber damit hat er Unglaubliches angefangen: Mit dem Erfindungsreichtum seiner Metaphern, seiner Skepsis gegenüber der Sprache, die ständig dabei ist, sie auf ihre Doppeldeutigkeiten abzuklopfen und daraus witziges, kalauerndes, pöbelndes feinsinniges Kapital zu schlagen.»
Deutsche Analogien der Doppeldeutigkeiten
Diese Doppeldeutigkeiten haben viel von Frank Günther abverlangt, weil er nicht alles eins zu eins übersetzen konnte und deutsche Analogien finden musste. Literaturexpertinnen sagten über Günther, er verfüge über eine seltene Verbindung von philologischer, theaterpraktischer und kritischer Kompetenzen.
Am Donnerstag ist Frank Günther im Alter von 73 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Ulm gestorben, wie der Hartmann & Stauffacher Verlag in Köln mitteilt.