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Autor: irmgard Lehmann
Die Untersuchungsrichterin Yvonne Gendre hat gegen fünf Priester bezüglich Verdacht auf Pädophilie eine Voruntersuchung eröffnet. Drei Verfahren hat sie eingestellt – zwei davon, weil die Priester unterdessen verstorben sind, und in einem Fall bestätigten sich die Verdachtsmomente nicht. Das vierte Verfahren hat Gendre an die Neuenburger Behörde weitergeleitet. Es geht um Vorfälle aus den Jahren 2000 und 2001. Je nachdem, ob sie als sexuelle Nötigung oder als Ausnützung einer Notlage eingestuft werden, sind die Vorwürfe verjährt.
Schlagzeilen macht hingegen der fünfte Fall. Über die Untersuchungsergebnisse zum Fall des Kapuziners J. A. informierte am Montag Untersuchungsrichterin Yvonne Gendre ausführlich. Der heute 68-jährige Priester hat sich an 24 Jugendlichen vergangen. Die Taten soll er seit den 50er-Jahren bis 1995 in der Schweiz und in Frankreich begangen haben. (J. A. lebte von 1968 bis 1970 auch im Kapuzinerkloster Freiburg.)
Bis auf einen Fall – allenfalls zwei Fälle – sind die Taten allerdings verjährt. Die Tat aus dem Jahre 1995 hat sich in Grenoble zugetragen. Somit muss vorerst die französische Justiz das Dossier an die Hand nehmen. Sollte der Geistliche allerdings in Frankreich nicht zur Rechenschaft gezogen werden, geht das Dossier an die Schweiz zurück, sagte Gendre vor den Medien: «Wenn er in Frankreich nicht verurteilt wird, hat sich das Gericht des Kantons, in welchem der Kapuziner lebt, der Sache anzunehmen.»
Über den Wohnort des Priesters wollte Gendre allerdings nicht informieren. Sie erklärte lediglich, dass der 68-Jährige gesundheitlich angeschlagen und in psychiatrischer Behandlung sei und in der Schweiz wohne.
Kein Verständnis hatte die Untersuchungsrichterin für das Vorgehen des Bistums, damals noch unter Bischof Mamie. Den Gerüchten und Hinweisen sei man nicht nachgegangen, sondern habe den Priester einfach abgeschoben. J. A. habe die Vorwürfe auch von sich gewiesen und mit seinem Charisma und seiner professionellen Kompetenz auch ein gewisses Vertrauen genossen.
Medien deckten die Affäre auf
Zwar hat das Bistum unter Bischof Mamie das Arbeitsverhältnis mit dem Kapuzinerpater bereits 1989 aufgelöst, reichte aber keine Strafanzeige bei einer weltlichen Behörde ein.
Auch der Orden nahm Hinweise und Gerüchte auf die leichte Schulter. So ganz nach dem Motto «Aus den Augen, aus dem Sinn» schickte der Kapuzinerorden den Täter einfach an einen andern Ort in Frankreich.
Vor zwei Jahren fand der Priester im Kapuzinerkloster Montcroix in Delsberg Unterschlupf, und da kam der Stein ins Rollen. Der Fall des Kapuziners wurde im Januar bekannt, nachdem die französischen Behörden den jurassischen Staatsanwalt ersucht hatten, den Kapuziner einzuvernehmen. Dank Recherchen einiger Medien kam der Fall ans Tageslicht.