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Der Sodbrunnen
Wichtigste Voraussetzung für das Leben auf einer Burg war die Versorgung von Burgmannschaft und Tieren mit ausreichend Trinkwasser. Dieses Problem wurde auf Grünenberg durch die Anlage eines Sodbrunnens gelöst. Er wurde noch im 13. Jahrhundert direkt neben der Kapelle in den anstehenden Sandstein gegraben. Der 2 m weite, kreisrunde Schacht reicht26,8 m in die Tiefe. Ursprünglich stand über ihm ein kleines, überdachtes Brunnenhaus mit einer Hebevorrichtung.
Etwa 2,2 m über der Sohle durchstösst der Schacht eine wasserführende Schicht. Pumpversuche im Winter 1994 haben eine Nachflussmenge von 23 bis 42 Litern pro Stunde ergeben, d.h. maximal ca. 1000 Liter pro Tag. Das sich im Brunnensod ansammelnde Wasser ergab einen Vorrat von 3 bis 6 m“. Wenn nur die Burgmannschaft zu versorgen war (im Mittelalter pro Person 5 Liter je Tag), war die Wassermenge quasi unerschöpflich. Waren jedoch im Kriegsfall auch lebendes Vieh oder Pferde auf der Burg, änderte sich dies deutlich. Je nach Aussentemperatur und Milchleistung benötigt eine Milchkuh 60 bis 70 Liter je Tag, eine Muttersau 15 bis 40 Liter und ein Mutterschaf 5 bis 10 Liter. 5 Kühe, 10 Schweine und 20 Schafe würden den Burg-
brunnen mühelos leeren. Es ist daher anzunehmen, dass in diesem Fall zusätzlich Wasser von den Dächern abgeleitet und im Brunnensod gespeichert wurde.
Im wasserführenden Sod des Brunnens haben sich verschiedene Objekte des
Burgenalltags erhalten. Dazu gehört eine besonders schön gearbeitete metallene Schöpfkelle. Auf der Tafel der Ritter standen vor allem aber gedrechselte Holzschalen und -teller aus Ahornholz. Mehrere geböttcherte Eimer aus Fichtenholz mit Fassreifen aus Hasel- bzw. Weisstannenholz gingen wohl beim Wasserholen am Brunnen verloren.
Der hohe Grundwasserspiegel hat auch dafür gesorgt, dass Reste von Nahrungspflanzen erhalten blieben. Sie sind ein Spiegel der Ernährung und der Umwelt der Burgbewohner. Als Brotgetreide sind Dinkel, Einkorn und Roggen vorhanden. Körner der Hirse belegen den im Mittelalter oft gegessenen Hirsebrei. Von den Gemüsen ist nur die Runkelrübe nachgewiesen. Hanf und Lein/Flachs sind ÖI- bzw. Faserpflanzen.
Ausserdem fanden sich Reste von Kirschen, Äpfeln und Pfirsichen sowie Baum- und Haselnüsse. Zahlreiche Unkrautsamen belegen, dass der Burgberg grossflächig entwaldet gewesen sein muss und dass Heu auf der Burg gelagert wurde.
Zu einem unbekannten Zeitpunkt, wohl im Zusammenhang mit der allmählichen Aufgabe der Burg im 15. Jahrhundert, wurde der Sodbrunnen verfüllt. Zunächst warf man Abbruchhölzer und hölzerne Dachschindeln von Burggebäuden hinein. Anschliessend füllte man mit Bauschutt und Erdmaterial auf, das man im Burginneren abgetragen hatte. So gelangten Scherben von Kochgeschirr, Tierknochen und eine Münze des späten 13. Jahrhunderts in den Schacht. Die Masse der Funde bilden jedoch die
grossen mit Stempelmustern versehenen «St. Urban-Backsteine», die vom Abbruch der Burgkapelle stammen.
Juni 2007 © ADB Dr. Daniel Gutscher