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Robert Körnli (1903-1974) von Grenchen im Kanton Solothurn arbeitete beruflich als Mechaniker in einem Industriebetrieb. Daneben war er Vollblut-Laienmusiker: Blasmusik, Volksmusik auf der Handorgel (die er auch beim Komponieren von Alphornstücken gerne verwendete), dann das Alphorn. Im Nordwestschweizer Jodlerverband engagierte er sich über Jahrzehnte als Juror und Ausbildner. Bekannt ist er hauptsächlich als Komponist für Alphorn. Ab den 1930ern bis zu seinem Tod schuf er rund 170 Stücke.
Körnlis Werk zeugt von der Entwicklung des Alphorns im 20. Jahrhundert. Bis in die 1960er Jahre schrieb er vorwiegend Solo-Melodien. In dieser Zeit treten Kompositionen vermehrt an Stelle von frei improvisierten Einzelvorträgen. Später konzentrierte er sich auf mehrstimmige Stücke, die erst ab 1972 an Jodlerfesten benotet wurden. In seinen letzten Lebensjahren komponierte Körnli dann mehrere Stücke mit der Bezeichnung «Choral». Das Wort stammt ursprünglich aus der Kirchenmusik (Greogorianischer Gesang) und beschreibt eine langsame, monophone melodische Form, welche eine feierliche, würdevolle Stimmung schaffen sollen; im Kontext der Alphornmusik sind damit seit Körnli Stücke für Grossformationen gemeint.
Körnli hatte klare Vorstellungen, wie Alphornmusik zu klingen habe: langsam schreitende reine Harmonien – weitestgehend ohne Alphorn-Fa oder B – in fromal klaren Muster. Viele Elemente wiederholen sich: Phrasen mit Auftakt am Anfang und Fermate am Ende, an- und abschwellende Dynamik, Intro- und Schlussteil. Gerne verwendet er die Kombination von punktierter Viertelnote gefolgt von einer Achtelnote oder von punktierter Achtelnote gefolgt von einer Sechzehntelnote. Meist steht zu Beginn der Stücke die Anweisung «ruhig», «gross im Ton», «breit» oder «tragend». Es ist die Ästhetik der geistigen Landesverteidigung.
Der Nordwestschweizer Jodlerverband ergriff Ende 1980er Jahre die Initiative, die Arbeit von Robert Körnli möglichst lückenlos zu dokumentieren. Hans-Jürg Sommer investierte Hunderte von Stunden in die Sammlung und Restauration der zahlreichen losen Notenblätter. 1992 wurden diese als Facsimile im Buch «Vo de blaue Jurabärge – Alphorn- und Büchel-Melodien von Robert Körnli 1903-1974» reproduziert. Von diesem Buch sind nur noch wenige Exemplare im Umlauf – in den Schweizer Bibliotheken ist keines repertoriert. Einzelne Seiten werden in der Szene als Fotokopien von Fotokopien herumgereicht.
Ziel der Projektes hier ist, das Werk von Robert Körnli wieder einem möglichst grossen Kreis von Alphornspieler/innen zugänglich zu machen. Dazu setze ich alle Stück neu. Das Notenmaterial soll so an Lesbarkeit gewinnen und mit den entsprechenden Programmen sind auch das Rendern in Audio oder weitergehende Weiterverarbeitungen möglich (hier eine Anleitung). Neben den Notenblättern in pdf stelle ich Musescore-Dateien zur Verfügung ( MuseScore ist eine weit verbreitete OpenSource Notenbearbeitungs-Software); ebenfalls verfügbar sind die Bibliotheken in MusicXML und Midi. Beim Setzten der Stücke habe ich gewisse (teilweise subjektive) Entscheidungen fällen müssen: Auswahl aus mehreren Versionen desselben Stücks, Interpretation unklarer Notation zu Wiederholungen, Dynamik und Tempo. Die möglichst direkte Verwendbarkeit habe ich dabei höher gewichtet als die metikulöse historische Dokumentation; Wiederholungen habe ich ausgeschrieben und Zeilenumbrüche der Struktur der Stücke angepasst. Trotz aller Sorgfalt gehe davon aus, dass mir beim Setzen Fehler unterlaufen sind; für entsprechende Rückmeldungen bin ich dankbar!
Das Notenmaterial wird hier mit der freundlichen Genehmigung der Erben von Robert Körnli publiziert. Du darfst es zum Gebrauch uneingeschränkt herunterladen. Die Werke sind jedoch bis 2044 urheberrechtlich geschützt und ihre Verwendung (Aufführungen, Einspielungen) muss bei der SUISA gemeldet/lizenziert werden.