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Der Heimnachteil der Bösen
In den letzten 85 Jahren haben 30 Eidgenössische Schwingfeste stattgefunden. Nur gerade fünf Mal geht der Schwingerkönig dabei aus dem gastgebenden Teilverband hervor.
Die Schwinger, die in dieser Zeit den vermeintlichen Heimvorteil nutzten, waren der Reihe nach der Zürcher Walter Flach 1953 in Winterthur, der Berner Rudolf Hunsperger 1969 in Biel, der Appenzeller Ernst Schläpfer 1980 in St. Gallen, der Appenzeller Thomas Sutter 1995 in Chur und der Berner Matthias Sempach 2013 in Burgdorf.
Schwäche der «Kleinen»
Betrachtet man die Sache näher, stösst man schnell darauf, dass in vielen Fällen ein Heimsieg sehr unwahrscheinlich war. Nämlich dann, wenn die Eidgenössischen Feste in den Verbandsgebieten Südwestschweiz und Nordwestschweiz durchgeführt wurden. Diese kleinsten zwei Teilverbände brachten in der ganzen Zeit zu wenige Schwinger hervor, die ernsthaft um den Königstitel mitreden konnten.
Der Baselbieter Jörg Schneider war 1992 in Olten der bislang letzte Nordwestschweizer, der in einem Schlussgang auftauchte. Er verlor gegen Silvio Rüfenacht. Die sportlich noch etwas schwächeren Südwestschweizer brachten in der Nachkriegszeit keinen ihrer Schwinger in den Schlussgang. Da die Eidgenössischen Feste im Zyklus unter den Teilverbänden wandern, müsste man gerechterweise zwei Fünftel abziehen. Auf diese Weise bleiben 18 Eidgenössische in den grosse Verbänden mit immer noch nur fünf Heimsiegen.
Keine Heimarena
Dass der Heimvorteil nicht gross sein kann und sich nicht auswirken muss, ergibt sich aus dem Charakter des gigantischen helvetischen Anlasses. Die Arena ist kein Heimstadion wie das Wankdorf oder der St.-Jakob-Park. Alle schwingen nur an diesem einen Wochenende in der riesigen ambulanten Arena. Die Fans der fünf Teilverbände besetzen jeweils einen der sechs Sektoren, sodass alle Schwinger von den jeweiligen Tribünen eine etwa gleich starke Unterstützung vernehmen.
Fünf einheimische Schwingerkönige auf 18 Versuche sind dennoch wenig. Jetzt kommt aber noch die notorische und chronische Schwäche der Innerschweizer an den Eidgenössischen Festen hinzu. Sie brachten es - so auch an sämtlichen Heimfesten - praktisch nie fertig, den König zu stellen. Ihr einziger König Heinrich «Harry» Knüsel, triumphierte auswärts - 1986 in Sitten.
Erstgekrönte statt Könige
Zwei sicher geglaubte Heimsiege liessen sich die Innerschweizer im Fotofinish wegschnappen. Eugen Hasler 1989 in Stans und Joel Wicki 2019 in Zug stiegen mit jeweils 1,25 Punkten Vorsprung in den Schlussgang. Sie verloren gegen die Berner Adrian Käser respektive Christian Stucki, liessen sich nach Punkten einholen und wurden nur als Erstgekrönte ausgerufen, nicht als Schwingerkönige.