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In Glarus hört man immer wieder, wie schön die Zeiten Ende der 80er Jahre waren, als der FC Glarus in der vier Jahre lang in der zweithöchsten Liga (NLB) mitspielte und Teams, wie der FC Basel oder der FC Zürich zu Gast im Buchholz waren. Ja, das waren noch Zeiten, als Spieler wie Koni Gabriel, Georg Zug, Zoran Markov, Hans-Peter Briegel und Elmar Gabriel für den Heimclub spielten und die Gegenspieler Joachim Löw, Roberto Di Matteo oder Massimo Ceccaroni hiessen.
Aktuell spielt der FC Glarus in der 3. Liga. Der Vorstand, welcher in dieser Zusammensetzung seit der Saison 2014/2015 besteht, ist bestrebt mittelfristig mit der ersten Mannschaft wieder in die 2. Liga aufzusteigen. Dies soll jedoch mit Vernunft und Weitsicht erarbeitet werden.
Die Gemeinde Glarus hat aktuell 12’511 Einwohner. In dieser Gemeinde konkurrenzieren sich zwei Fussballclubs um die Gunst der Spieler, wobei das Territorial-Gebiet relativ klar abgegrenzt zu sein scheint. Die Spieler (Junioren) aus den Dörfern Glarus, Ennenda und Riedern spielen beim FC Glarus, während der FC Netstal vor allem ihr eigenes Dorf „bewirtschaften“. Das bedeutet, dass der FC Glarus der Fussballclub für rund 9’500 Einwohner ist.
Dies bedeutet, dass man den FC Glarus mit anderen Vereinen aus Städten mit rund 9’000 bis 13’000 Einwohnern vergleichen kann. Das sind Städte wie Delsberg (12’485), Küssnacht SZ (12’395), Rüti ZH (12’010), Gossau ZH (10’280) oder Flawil (10’323).
Damit man die Vergleiche einordnen kann, ist es sicherlich sinnvoll, wenn man die Strukturen der Schweizer Fussball-Ligen versteht. Die höchste Liga ist die Super League (NLA), gefolgt von der eingleisigen Challenge-League (NLB). Diese beiden ersten Ligen umfassen je 10 Teams. Die dritthöchste Liga (Promotion-League) wird ebenfalls eingleisig geführt und besteht aus 16 Teams. Die „1. Liga“ ist die vierthöchste Liga und ist in drei Gruppen aufgeteilt à 14 Teams (Total also 42 Mannschaften). Die fünfthöchste Spielklasse, die 2. Liga Interregional, ist die letzte Liga-Stufe, welche überregional organisiert wird und nicht durch die einzelnen Teil-Verbände.
1. Super League (NLA) – 10 Teams
2. Challenge League (NLB) – 10 Teams
3. Promotion League – 16 Teams
4. 1. Liga – 3 Gruppen à 14 Teams (42 Mannschaften)
5. 2. Liga Interregional – 6 Gruppen à 14 Teams (84 Mannschaften)
Das bedeutet, dass die höchsten fünf Ligen im Schweizer Fussball zusammen 162 Mannschaften beinhalten. Nimmt man die Liste der Städte der Schweiz (Gemeinden mit über 10’000 Einwohnern) zur Hand und setzt man die Einwohnerzahl der Städte im Verhältnis zu den 162 Mannschaften der ersten fünf Ligen im Schweizer Fussball System, so ergibt sich folgendes Bild:
Die Stadt Zürich müsste demnach 16 Teams in den ersten fünf Ligen stellen. In der Saison 2021/2022 ist die Stadt Zürich jedoch lediglich mit 10 Teams in diesen fünf Ligen vertreten (2 x NLA, 2 Promotion-League, 3 x 1. Liga, 3 x 2. Liga Interregional).
Auch die zweitgrösste Stadt der Schweiz, Genf, ist im Verhältnis zu ihrer Einwohner-Zahl „untervertreten“. Mathematisch müsste die Stadt Genf mit insgesamt acht Teams in den ersten fünf Ligen vertreten sein. Tatsächlich nehmen fünf Teams aus der Stadt Genf in der Saison 2021/2022 am Meisterschafts-Betrieb in den obersten fünf Ligen teil.
Es fällt allgemein auf, dass die grossen Städte im Verhältnis mit zu wenig Teams in den ersten fünf Ligen vertreten sind:
– Basel: 5 Teams in den ersten fünf Ligen (somit im Verhältnis zur Einwohnerzahl 2 Teams zu wenig)
– Bern: 6 Teams in den ersten fünf Ligen (somit im Verhältnis zur Einwohnerzahl 2 Teams zu wenig)
– Winterthur: 2 Teams in den ersten fünf Ligen (somit im Verhältnis zur Einwohnerzahl 2 Teams zu wenig)
Die Stadt Lausanne bildet in den Top sechs der grössten Städte der Schweiz die Ausnahme. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl müssten fünf Teams in den höchsten fünf Ligen spielen, was auch tatsächlich der Fall ist. Auch die Städte Luzern, St. Gallen und Lugano (Rang 7 bis 9 der grössten Städte der Schweiz) erfüllen ihr „Soll“ (im Verhältnis müssten sie mit drei Teams vertreten sein, was sie auch sind).
Es gibt aber auch Städte, welche überproportional vertreten sind. So z.B. die Stadt Thun (43’500 Einwohner). Im Verhältnis müssten sie mit zwei Teams in den obersten fünf Ligen vertreten sein, stellen jedoch drei Teams, oder die Stadt Schaffhausen (36’000 Einwohner). Schaffhausen ist die grösste Stadt, welche vom Verhältnis (mathematisch) her gerade mal noch mit einem Team in den obersten fünf Ligen vertreten sein müsste, nimmt man die Einwohnerzahl als Kriterium heran. Tatsächlich spielen jedoch zwei Teams aus der Munot-Stadt in den obersten fünf Ligen.
Die kleinste Stadt, welche zwei Teams in den obersten fünf Ligen stellt, ist Kreuzlingen (21’500 Einwohner). Beide Teams (FC Kreuzlingen und der AS Calcio Kreuzlingen) sind Liga-Konkurrenten in der 2. Liga Interregional.
Warum zieht der Autor die Anzahl Einwohner als Messgrösse heran? Es ist erkennbar, dass je grösser die Stadt, die Infrastruktur entsprechend vorhanden ist. Und je grösser die Stadt, desto eher gibt es auch grössere Unternehmen und auch eine Vielzahl an Unternehmen, welche die ortsansässigen Vereine unterstützen. Von daher ist dies sicherlich eine Messgrösse, welche für den Vergleich herangezogen werden darf. Eine grössere Stadt generiert in der Regel auch eine gewisse Anzahl an qualitativ guten Spielern.
Pro 12’500 Einwohner hätte eine Stadt also „die Pflicht“ auf einen Platz in den fünf höchsten Ligen. Glarus gehört also zusammen mit den Städten wie Gland (Waadt), Spiez, Zollikon und Delsberg zu den Städten, welche aufgrund ihrer Grösse gerade noch Platz in den ersten fünf Ligen haben müssten (drei der genannten fünf Städte), oder eben gerade nicht (zwei der genannten fünf Städte).
Daher müsste es in einer Gemeinde wie Glarus sicherlich möglich sein mindestens in der 2. Liga Regional zu spielen. Nimmt man nur die Einwohnerzahl als Bezugsgrösse, so müsste der FC Glarus sogar an der Spitze der 2. Liga Regional mitspielen. Wobei natürlich auch betrachtet werden müsste, welche Infrastruktur die Städte den Vereinen tatsächlich zur Verfügung stellen. So ist die Stadt Glarus sicherlich eine der grössten Städte der Schweiz, in welcher kein Kunstrasen vorhanden ist. Und dies ist ebenfalls einer der wichtigsten Kriterien, um auch qualitativ gute Trainings in allen vier Jahreszeiten anbieten zu können.
Dass es aber zum Glück noch andere Einflussfaktoren gibt, als nur die Einwohnerzahl einer Stadt, zeigt sich, wenn man die Liga Landkarte etwas genauer betrachtet. Die grösste Schweizer Stadt, welche kein Team in den obersten fünf Ligen des Schweizer Fussballs stellt, ist Vernier (Genf) mit 34’500 Einwohnern. Der FC Vernier gehört aktuell der 2. Liga Regional an. Die grösste Deutsch-Schweizer Stadt ohne Ligazugehörigkeit in den fünf höchsten Ligen ist Uster (33’500 Einwohner). Auch der FC Uster spielt aktuell in der 2. Liga Regional. Die grösste Stadt, welche aktuell nicht mal ein Team in der 2. Liga Regional hat, ist Wetzikon (24’000 Einwohner / 3. Liga), gefolgt von Baar (23’300 Einwohner / 3. Liga) und Wädenswil (21’300 Einwohner / 3. Liga).
Richterswil ist die grösste Stadt der Schweiz, in welcher aktuell nicht mal 3. Liga Fussball gespielt wird (13’000 Einwohner / 4. Liga). Ebenso ergeht es den Städten Ittigen (11’250 Einwohner), Spreitenbach (11’050 Einwohner) und Weinfelden (11’050 Einwohner). Ganz speziell ist die Situation aktuell in Davos (11’150 Einwohner), wo aktuell sogar nur 5. Liga Fussball zu sehen ist. Wobei Davos sicherlich separat betrachtet werden muss, da der Grossteil der Einwohner im Tourismus tätig ist und die Arbeitszeiten im Tourismus mit den Spielzeiten im Fussball nicht sonderlich gut vereinbar sind.
Dagegen gibt es wiederum sehr kleine Gemeinden, in welchen Vereine in höheren Ligen spielen. So spielt der FC Bavois in der dritthöchsten Liga, der Promotions-Liga. Die Gemeinde Bavois hat knapp 1’000 Einwohner (950, um genau zu sein). Und man muss nicht mal weit über den Tellerrand hinausschauen, um auch im Linthgebiet zwei kleinere Dörfer zu finden, in welchen Fussball in höheren Ligen gespielt wird. So zählt die Gemeinde Weesen aktuell 1’750 Einwohner. Schaut man auf die Homepage des FC Weesen (www.fc-weesen.ch) so verkauft sich der Verein vom Walensee als Fussballclub für die Region Amden, Bilten, Schänis und Weesen. Zählt man die Einwohner-Zahlen dieser vier Dörfer zusammen, kommt man jedoch auch wieder auf ein Einzugsgebiet 10’000 Einwohnern. Dagegen ist das Einzugsgebiet des FC Tuggens doch nochmals kleiner. Die Gemeinde Tuggen zählt aktuell 3’300 Einwohner. Seit Jahrzehnten spielt der FC Tuggen jedoch schon in der 1. Liga oder der Promotion-Liga (eine Saison lang sogar in der NLB / Saison 1994/1995). Somit ist der FC Tuggen die kleinste Ortschaft, welche aktuell an der 1. Liga Meisterschaft teilnimmt. Die kleinste Ortschaft welche aktuell von den Promotions-Liga-Gegner bereist werden muss, ist das genannte Bavois. In der Challenge League (NLB) ist Vaduz mit 5’700 Einwohnern die kleinste Ortschaft und in der Super League ist Sion die kleinste Ortschaft mit 33’300 Einwohnern.
Am Anfang des Textes werden als Vergleich zum FC Glarus Ortschaften mit einer ähnlichen Einwohnerzahl genannt. Zum Vergleich darf gerne mal geschaut werden, in welchen Ligen diese Teams spielen:
– Delsberg (12’500 Einwohner) – 1. Liga
– Spiez (12’600 Einwohner) – 2. Liga Interregional
– Rüti ZH (12’000 Einwohner) – 2. Liga Regional
– Gland (12’600 Einwohner) – 2. Liga Regional
– Küssnacht SZ (12’400 Einwohner) – 3. Liga
– Zollikon (12’500 Einwohner) – 3. Liga
– Flawil (10’300 Einwohner) – 3. Liga
Es ist ersichtlich, dass die Zielsetzung des Vorstandes des FC Glarus, mittelfristig in der 2. Liga zu spielen, aufgrund der Grösse des Einzugsgebietes, durchaus gerechtfertigt ist. Ja, eigentlich aufgrund der Grösse der Gemeinde Glarus geschuldet ist.
Bisher haben wir die Ortschaften im Einzelnen betrachtet. Wie das Beispiel FC Weesen jedoch zeigt, muss man den Fokus auf das Einzugsgebiet richten und nicht nur auf die einzelnen Ortschaften. Wir haben daher als Vergleichsmöglichkeit die Anzahl Einwohner pro Kanton genommen. Aufgrund der sehr speziellen Struktur des Kantons Graubünden (viele abgelegene Täler, …) haben wir für den Kanton Graubünden die Einwohneranzahl von Chur (35’000 Einwohner) genommen. Nähme man die Einwohnerzahl des gesamten Kantons Graubünden (200’000 Einwohner) zur Hand, so müssten vier Teams in den höchsten fünf Ligen des Schweizer Fussball-Systems spielen.
Auch beim Vergleich der Einwohnerzahlen pro Kanton zeigen sich spannende Ergebnisse. So müsste der Kanton Zürich aufgrund seiner Einwohnerzahl mit 28 Teams in den ersten fünf Ligen vertreten sein. Tatsächlich spielen aktuell (Saison 2021/2022) 17 Teams aus dem Kanton Zürich in der Super League, der Challenge League, der Promotions-Liga, der 1. Liga und der 2. Liga Interregional. Der Kanton Zürich ist damit vom Verhältnis her mit 11 Teams untervertreten. Ebenfalls untervertreten sind die Kantone Bern (fünf Teams zu wenig) und Aargau (ebenfalls fünf Teams zu wenig). Das krasse Gegenteil dazu bildet aktuell der Kanton Schwyz. Aufgrund seiner Einwohnerzahl müssten drei Teams in den ersten fünf Ligen spielen. Aktuell stellt der Kanton Schwyz jedoch sagenhafte sieben Teams, welche in der 1. Liga oder der 2. Liga Interregional spielen. Ebenfalls proportional übervertreten sind die Kantone Jura, Genf und Tessin, welche allesamt zwei Teams zu viel im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl stellen.
Der Kanton Glarus ist aktuell mit dem FC Linth 04 in der 1. Liga in einer der höchsten fünf Ligen vertreten. Somit ist der Kanton Glarus im Verhältnis perfekt in den höchsten fünf Ligen vertreten, genauso wie der Kanton Uri (1 Team). Wir haben die Stadt Schaffhausen bereits umschrieben, welche im Verhältnis mit ihren zwei Teams in den ersten fünf Ligen leicht übervertreten ist. Da nur die beiden Stadt-Vereine (FC Schaffhausen und SV Schaffhausen) den Kanton in den ersten fünf Ligen vertreten, stimmt das Verhältnis in der Betrachtung der Kantone jedoch wieder.
Drei Kantone sind aktuell nicht in den ersten fünf Ligen vertreten. Die Rede ist von den Kantonen Obwalden, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. Während Obwalden und Appenzell Ausserrhoden im Verhältnis zur Einwohnerzahl je ein Team in den ersten fünf Ligen haben müssten, besteht beim Kanton Appenzell Innerrhoden aufgrund der Einwohnerzahl (16’128) auch kein Anspruch in Bezug auf Bevölkerungs-Anzahl.