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Eugster Arthur
Arthur Eugster-Eugster (1863-1922)
Weltmännischer Gentleman, Demokrat und Mann der Wirtschaft …
Arthur Eugster wurde am 5.April 1863 in New York als zweiter Sohn in die wohlhabende Textilkaufmannsfamilie Eugster geboren. Kurz nach der Geburt Arthurs starb seine Mutter an Kindbettfieber. Dieser Schicksalsschlag bewog den Vater Jakob Eugster 1865 zur Rückkehr in die Schweiz. Im Jahr 1866 verstarb auch der Vater, so dass die 2 Brüder Howard und Arthur Eugster zu Vollwaisen wurden. Im Hause des Onkels Arnold Eugster und seiner Schwester Elise in der 'Röhrenbrugg (Link) ' konnten die Knaben eine wohlbehütete Jugendzeit verbringen.
Nach der Grundschule in Speicher besuchte Arthur Eugster wie sein Bruder Howard das angesehene Lerbergymnasium in Bern. Anschliessend studierten beide in Neuenburg, Basel und Berlin Theologie. Der Grund dafür dürfte auch gewesen sein, dass die zwei jungen Studenten nach dem frühen Tod ihres geliebten Pflegevaters von Ortspfarrer Gottfried Lutz angenommen und in pietistisch-konservativem Geist erzogen wurden.
1887 wurde der erst 24-jährige Arthur zusammen mit seinem 26-järigen Bruder Howard in Speicher zum Pfarrer ordiniert. Von hier an trennten sich die Wege der Brüder Eugster. Arthur Eugster übernahm 1887 das Pfarramt in Reute und ab 1891 in Trogen. Er verheiratete sich 1887 mit Bertha Eugster. Mit seiner eher dem klassischen Frauenbild verkörpernden Frau hatte er 5 Kinder, wobei der ältere Sohn bereits im jugendlichen Alter starb. Dieser schwere Schicksalsschlag war prägend und wirkte sich später stark auf die enge Beziehung zu den Grosskindern aus. Das Familienleben hatte in der Familie Eugster-Eugster einen grossen Stellenwert.
Seine aussergewöhnlichen Predigten brachten ihm grosse Zuneigung seiner Kirchgemeinden. Im Laufe der Jahre wandte er sich auch öfter Problemen des öffentlichen Lebens zu, da ihn die Pfarrtätigkeit zu wenig auszufüllen schien. 1900 trat Arthur Eugster aus dem Pfarramt in Trogen zurück und übersiedelte zunächst in die Röhrenbrugg ins Haus seiner Kindheit. Nach dem Tod seiner Schwiegermutter übernahm er deren Liegenschaft und baute sich auf der Megglenhöchi (Link) ein schönes Haus. Er engagierte sich weiter für die weltlichen Belange der Kirche, indem er wie sein Bruder Howard Mitglied der Synode war, die er zwischen 1907 und 1921 präsidierte.
Bereits 1895 hatten die Trogener den 32 jährigen Arthur Eugster als Kantonstat gewählt. Dies scheint auch der Startschuss für seine glänzende politische Karriere zu sein.
Politisches Wirken:
• 1895 Kantonsrat
• 1897 Massgeblicher Anteil an neuem Steuergesetz
• 1899 Wahl zum Präsidenten des Kantonsrates (nochmals 1913)
• 1900 Wahl in den Regierungsrat bis 1910
• 1901 Wahl zu Landammann (1901-1904 und nochmals von 1907-1910)
• 1902 Wahl in den Nationalrat, dem er bis 1921 angehörte
• 1911 Verwaltungsrat SBB bis 1920
• 1914 Verwaltungsrat Schweizerische Nationalbank bis 1921
• 1914 Delegierter IKRK für die Inspektion von Kriegsgefangenenlagern in Deutschland und Frankreich
• 1915 Nationalratspräsident
Das Schulwesen lag Arthur Eugster speziell am Herzen. Er war massgeblich an der Reorganisation der Kantonsschule beteiligt und sass während 25 Jahren im Aufsichtsgremium. Nebst schulischen nahm er immer wieder grossen Einfluss auf diverse andere Kommissionen.
Als Landammann war Arthur Eugster wohl der populärste und geachtetste Politiker seiner Zeit. Er trug wesentlichen Anteil zur neuen Kantonsverfassung bei, welche die Landsgemeinde im Jahre 1908 annahm und die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Bestand hatte. Das Bedauern über den Rücktritt als Regierungsrat im Jahre 1910 war deshalb gross.
Als liberal-konservativer Politiker war Arthur Eugster Mitbegründer der Ausserrhoder FDP und somit ein politischer Gegenpol zu seinen sozialistisch denkenden Bruder Howard. Privat war die innige Bruderliebe durch die unterschiedlichen politischen Ansichten niemals getrübt.
Im Nationalrat nahm Arthur Eugster Einsitz in diverse wichtige parlamentarische Kommissionen, vor allem aber solche im Finanzbereich. Als Höhepunkt seiner politischen Karriere darf sicher die Wahl zum Nationalratspräsidenten im Jahre 1915 betrachtet werden. Diese löste in seinem Heimatkanton grosse Begeisterung aus. Da die Wahl auf die mittleren Jahre des ersten Weltkrieges fiel, war seine Amtszeit durch Zwist und kulturelle Differenzen zwischen der Deutschschweiz und der Romandie belastet. Durch seine besonnene und souveräne Amtsführung konnte der innere Frieden wenigstens während seiner Amtszeit bewahrt werden.
Bei einer Mission als IKRK-Delegierter 1914/1915 in Gefangenenlagern in Deutschland und Frankreich verfasste er nachhaltige und objektiv geschriebene Berichte, die allseits geachtet wurden. Diese Mission muss ihn sehr belastet haben, denn er schrieb unter anderem:
„Welch ein schrecklich Ding ist der Krieg! Es blutet mir das Herz. Und aus blutendem Herzen ringt sich die bebende Frage…Wie lange muss er noch dauern, der furchtbare Krieg?“
Wahlvorschläge zum Bundesrat oder Bundeskanzler lehnte er ab, weil er bereits um seine Gesundheit bangte. Allgemein bedauert wurde denn auch der aus gesundheitlichen Gründen erfolgte Rücktritt im Jahre 1921. Ein Schlaganfall zwang ihn schlussendlich, sich in sein schönes Heim auf der Megglenhöhe zurückzuziehen, wo ihn seine Gattin und die älteste Tochter betreuten. Am 7. Januar 1922 starb Arthur Eugster in Speicher.
Eine riesige Trauergemeinde nahm am 11. Januar 1922 Abschied von alt Landamann Arthur Eugster.
Im Nachruf wurde Arthur Eugster folgendes attestiert:
• Grosser Staatsmann
• Grosse Menschenkenntnis
• Glänzende Beredsamkeit
• Verständliche Redekunst
• Tiefes Verständnis für die Anliegen und Nöte des Volkes
• Vertreter der Humanität
Die Gemeinde Speicher ehrt die Brüder Eugster mit dem Eugsterweg.
Text:Paul Hollenstein Speicher 2016
Quellen:
"C. Juchler, Appenzellische Jahrbücher Band 49, (1922)""
"Von Pfarrherren zu Staatsmännern" Begleitschrift zur Ausstellung im MfL Speicher