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In unergelmäßigen Abständen stellen wir hier aus unserer Buchreihe «50, die unsere Welt veränderten» Dinge vor, die den Lauf der Geschichte beeinflussten. Heute geht es um das Schwermetall Blei. Wussten Sie, dass Blei den Untergang des antiken Römischen Weltreichs beschleunigt haben könnte?
Das Schwermetall Blei hat die Geschichte der Menschheit in vieler Hinsicht positiv beeinflusst. Ohne Blei hätte es beispielsweise keinen Buchdruck gegeben. Aber wussten Sie, dass dieser Erdschatz auch den Untergang des antiken Römischen Weltreichs beschleunigt haben könnte? Der kulturelle und politische Niedergang des weströmischen Reichs vollzog sich über mehrere Jahrhunderte. Am Ende stand die Abdankung des Kaisers Romulus Augustus im Jahr 476 n.Chr. Viele Ursachen führten dazu, als Hauptfaktor wird heute meist der Aufstieg der christlichen Kirche und der Verfall der traditionellen römischen Werte angenommen. Doch es gibt Mediziner und Wissenschaftler, die eine weitere etwas ungewöhnliche Erklärung ins Spiel bringen: die weitreichende Verwendung von Blei in der römischen Oberschicht.
Bei den Römern hatte Blei zwei Hauptverwendungszwecke, die eine lebenslange und direkte Exposition mit sich brachten. Zum einen waren sämtliche Wasserleitungen aus Blei, zum anderen nutze man Bleigefäße zur Lagerung des (reichlich genossenen) Weins. Das Schwermetall Blei ist jedoch giftig. Es sammelt sich im Körper an und greift das Nervensystem an. Die Symptome einer Blutvergiftung mit Blei reichen von erratischem Verhalten bis hin zu starken Schmerzen, Lähmungserscheinungen und dem Tod.
Die vergiftende Wirkung von Blei ist aus vielen historischen Geschehnissen bekannt. Am berühmtesten ist sicher die Geschichte der Polarexpedition des britischen Forschers John Franklin. Die Expeditionsteilnehmer verschwanden 1845 in der kanadischen Arktis beim Versuch, die Nordwestpassage zu bezwingen. Erst viele Jahre später wurden Überreste gefunden. Man vermutet heute, dass sich die Abenteurer schwere Bleivergiftungen durch die mitgeführten Konservendosen holten und im Wahnsinn endeten.
Könnten ähnliche gesundheitliche Probleme die römische Oberschicht geschwächt haben? Beispiele für «verrückte» Kaiser in den ersten Jahrhunderten nach Christus gibt es einige – sie reichen von Caligula bis Nero. Trotzdem halten die meisten Historiker die «Bleithese» für eine Übertreibung. In Wahrheit dürfte Blei also wohl nur einen kleinen, dafür aber lesenswerten Beitrag zum Untergang des Römischen Reichs geleistet haben.
Übrigens: Die Giftigkeit des Bleis ist auch heute noch ein Thema. Das giftige Tetraethylblei (TEL) wurde als «Antiklopfmittel» in Benzinmotoren seit den 1920er Jahren eingesetzt. Wegen seines Preis-Wirkungs-Verhältnisses war es jahrzehntelang konkurrenzlos. In Flugbenzin wird es immer noch eingesetzt.
Wenn sie diese Geschichte interessant fanden, sollten Sie unbedingt das Buch 50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten lesen. Dort finden sich viele weitere spannende Episoden zu Mineralien und Gesteinen, die eine große Rolle in der Geschichte der Menschheit spielten.
Die Buchreihe umfasst insgesamt sechs Titel, die wir im Rahmen dieser Blogreihe alle vorstellen werden.