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Sprache.
[* 4] Wie ihre romanischen Schwestern, ist die französische Sprache hervorgegangen aus der lateinischen
Volkssprache (lingua latina rustica), die sich neben der Schriftsprache (sermo urbanus) durch die
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Nachdem die Franken im Norden 300 Jahre lang geherrscht hatten, zeigte es sich bei der Teilung des Reichs 843, daß dort, im
westlichen Frankenreich (Francia occidentalis), die romanische Sprache (lingua romana) ebenso wie im Süden
die allgemeine Volkssprache geblieben war. Die beiden galloromanischen Sprachen des Südens und des Nordens, ohne Zweifel von
ihren Anfängen an verschieden, allmählich ihren besondern Eigentümlichkeiten nach weiter ausgebildet, behaupteten doch
insoweit ihre engere Verwandtschaft, daß man sie später die beiden Hauptmundarten Frankreichs nennen konnte.
Die hauptsächlichsten fallen in folgende, auch politisch unter eignen Herzögen oder Grafen selbständige,
drei Gebiete: Normandie, Picardie und Bourgogne. Zwischen ihnen die Mitte haltend und dazu bestimmt, sie in sich zu vereinigen
und alsdann zu überflügeln, liegt das vierte Sprachgebiet: Isle de France mit der Hauptstadt Paris.
[* 8] Seit der Usurpation des
königlichen Throns durch Hugo Capet, Herzog von Francien, also seit 987, erlangte allmählich der Dialekt
von Isle de France einen Vorrang vor den andern Dialekten, im Gegensatz zu denen man ihn speziell den französischen (le François,
le parler de France) nannte. Was man außerdem noch als einen besondern Dialekt angesehen hat, das Anglonormännische,
ist nichts andres als der normännische mit Abweichungen oder Entartungen, welche sich auf englischem Boden unter den dortigen
besondern Verhältnissen entwickelten. - Die ganze nordfranzösische Sprache vom 9. bis zum 16. Jahrh. nannte man bisher das
Altfranzösische. Es empfiehlt sich aber die Scheidung von Altfranzösisch (9.-13. Jahrh.) und Mittelfranzösisch (14.-16.
Jahrh.) nach der Analogie der verschiedenen Sprachstufen andrer Gebiete.
Die altfranzösische Sprache in dieser Begrenzung ist die eigentliche Langue d'oïl; sie ist hauptsächlich charakterisiert
durch die von Raynouard entdeckte Règle de l's (Sing. Nom. rois, Akk. roi; Plur. Nom. roi, Akk. rois), welche sie mit der provençalischen
Sprache gemein hat. Die Sprache von Paris erhielt im 13. Jahrh. entschieden das Übergewicht über alle
andern Mundarten und wurde, besonders nach den unglücklichen Albigenserkriegen, immer mehr für ganz Frankreich zur Schriftsprache
erhoben, obwohl die Mundarten auch noch weiter bis ins 15. Jahrh. hinein litterarisch benutzt wurden. Die
bedeutende Umänderung
der Sprache, welche in der ersten Hälfte des 14. Jahrh. eintrat mit dem
Aufhören der Règle de l's und mit der Erhebung des s zum allgemeinen Pluralzeichen, bezeichnet den Fortgang zum Mittelfranzösischen,
welches schon Langue d'oui ist. - Seit Franz I., der 1539 eine Professur für die in französische Sprache Paris errichtete und
an die Stelle des Gebrauchs der lateinischen Sprache bei Gerichtenden der Landessprache setzte, näherte sie sich schneller dem
neufranzösischen Charakter, welchen man vom Anfang des 17. Jahrh. datiert (s.
Malherbe).
Als charakteristische Eigenschaften der französischen Sprache, die ihr wenigstens in vorzüglichem Grad zukommen, hebt man
folgende hervor: Klarheit, Bestimmtheit und Regelmäßigkeit, Reinheit der Ausdrücke, Lebhaftigkeit. Diese Vorteile, innig
verbunden mit ihrem gesamten eigentümlichen Gepräge, verleihen ihr einen Reiz, welcher sie bei allen Nationen beliebt macht.
Die Einfachheit, Natürlichkeit und Regelmäßigkeit ihrer Wortfolge im Satzbau erleichtert auch ihre Erlernung.
Sie gleitet leicht über hindernde Konsonanten weg und elidiert in den meisten Fällen das kurze, dumpfe
e, sowohl in der Mitte als am Ende der Wörter. Die Aussprache der Deklamation oder getragenen Rede ist dagegen im ganzen langsamer,
ernst und nachdrücklich. Die Vokale sowie die Konsonanten werden deutlicher artikuliert, das »stumme« e wird in vielen
Fällen als besondere Silbe vernehmlich gesprochen, die zulässigen Verbindungen der Endkonsonanten mit
den Anfangsvokalen der folgenden Wörter werden streng beobachtet.
Der größere Raum, wo der öffentliche Redner auftritt, der Ernst und die Wichtigkeit des Gegenstandes, den er zu behandeln
hat, legen ihm die Notwendigkeit auf, langsamer, lauter, bestimmter und deutlicher auszusprechen. Die Aussprache der Poesie
(der Vortrag der Verse) hat überdies noch ihre speziellen Vorschriften; sie verlangt die größte Sorgfalt,
die höchste Rundung, Nüancierung und sozusagen pittoreske Lebendigkeit des Ausdrucks. In ihr müssen die Gesetze der Orthoepie
(über Bindung, Doppelkonsonanten u. a.) auf das strengste befolgt werden. Die im Französischen üblichen Lautzeichen, die
lateinischen Buchstaben, reichen bei weitem nicht aus, alle Laute und Modifikationen der Sprache darzustellen;
ein und derselbe Laut wird nicht immer durch dasselbe Zeichen dargestellt, sondern durch verschiedene zusammengesetzte Zeichen,
und öfters dient dasselbe Zeichen, verschiedene Laute darzustellen.
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Bemerkenswert ist der Umstand, daß an den Berührungspunkten die französische Sprache nirgends allmählich
in die beiden andern Sprachen übergeht, daß sich also keine sogen. Mischsprache (jargon) bildet, sondern daß jede der genannten
Sprachen selbst hart an der Grenze ihren Charakter in ganzer Reinheit festhält. Dies darf jedoch nicht so verstanden werden,
als ob nicht Wörter, besonders in der Rede des gemeinen Mannes, vorkämen, die der Nachbarsprache angehören.
Ein großer Wörteraustausch findet namentlich zwischen dem Wallonischen (einem französischen Dialekt) und dem Vlämischen
(einem niederländischen Dialekt) statt; doch hat jede dieser Sprachen solche Wörter in Laut und Betonung
[* 17] ihrer Eigentümlichkeit
anzupassen gewußt.
Ganz anders verhält es sich mit dem Zusammentreffen der französischen Sprache mit der italienischen
und mit der spanischen. Zwar wird man auch hier durch eine von Aosta auf Nizza
[* 18] gezogene gerade Linie die ungefähre Grenze zwischen
dem französischen und italienischen Lautgebiet sowie durch eine zweite Linie längs des Pyrenäenkammes die Scheide zwischen
der französischen und spanischen Sprache abstecken können; indessen sind die Übergänge aus dem französischen
Sprachgebiet in das eine und in das andre der beiden Nachbarsprachen durchaus leise und unmerklich.
In Frankreich selbst steht der allgemeinen Schriftsprache noch immer eine in viele Dialekte verzweigte niedere Volkssprache
gegenüber. Der Franzose nennt diese Dialekte, gegenüber der
Schriftsprache, les Patois (ein nicht sicher erklärtes Wort).
Nicht die südfranzösischen (s. Provençalische Sprache), sondern nur die nordfranzösischen kommen hier
in Betracht. In schriftlicher Darstellung werden heutzutage diese Patois selten anders als zu Volksliedern und zu dramatisierten
Lokalpossen verwendet, woher es auch kommt, daß dieselben, gerade wie die deutschen Volksdialekte, keine feste Orthographie
haben.
Man versucht die orthographische Nachbildung dadurch, daß man sich der für das rein Französische üblichen
Schriftzeichen bedient und diesen Schriftzeichen diejenige Lautgeltung verleiht, welche dieselben regelrecht in der französischen
Sprache haben. Indes kann eine solche Nachbildung in manchen Fällen nur annäherungsweise gelingen, da die Dialekte zum Teil
ganz eigentümliche Laute besitzen. Die alten drei Hauptdialekte, Normännisch, Picardisch und Burgundisch, in
ihrer Mitte die Sprache von Isle de France, treten auch heute noch hervor, aber größtenteils entstellt, gröber und unreiner,
namentlich in den Vokalen.
Die alten Dialekte behandelte zuerst in grundlegender Weise Fallot (»Recherches sur les formes grammaticales
de la langue française et de ses dialectes au XIII. siècle«, Par. 1839).
Vgl. Lücking, Die ältesten französischen Mundarten
(Berl. 1877).
Die einzelnen Mundarten alter und jetziger Zeit sind in ansehnlichen Glossarien bearbeitet, z. B. der
patois picard von Corblet (1851), die verschiedenen, zum burgundischen Sprachkreis gehörenden Patois
der Champagne von Tarbe (Reims
[* 26] 1851, 2 Bde.), der patois normand von Louis du Bois (1856), die wallonische Sprache von Grandgagnage
(Lüttich
[* 27] 1847 ff.) Als
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