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Nikki Haley konnte den Rückstand in New Hampshire in Grenzen halten. Aber auch in dieser Vorwahl ist ihr keine Überraschung gelungen. Nun deutet fast alles auf ein erneutes Duell zwischen Trump und Biden hin.
Nachdem Nikki Haley bereits vergangene Woche in Iowa unter den Erwartungen geblieben war, konnte sie auch in New Hampshire nicht für eine wirkliche Überraschung sorgen. Nach Auszählung von 91 Prozent der Stimmen lag Donald Trump in der republikanischen Vorwahl mit rund 55 Prozent der Stimmen in Führung. Seine ehemalige Uno-Botschafterin kam auf knapp 43 Prozent.
Damit kann Trump nun voraussichtlich 32 Delegiertenstimmen für sich verbuchen. Haley hat 17 auf ihrem Konto. Um sich die Nomination seiner Partei zu sichern, benötigt ein Kandidat für das Weisse Haus 1215 Delegiertenstimmen.
Historisch gesehen hat ein Präsidentschaftsbewerber, der in den Vorwahlen weder Iowa noch New Hampshire gewinnt, eigentlich keine Chance mehr, die Nomination seiner Partei zu gewinnen. Trotzdem will Haley nicht aufgeben. Bevor alle Stimmen ausgezählt waren, trat sie vor das Mikrofon und verkündete: «Dieses Rennen ist noch lange nicht vorbei. Ich bin eine Kämpferin.» Noch im September sei sie in den Umfragen bei wenigen Prozent gelegen. Und nun habe sie fast die Hälfte der Stimmen gewonnen. «Wir sind auf dem Weg nach oben.»
Aufforderung zum Fernsehduell
Die 52-Jährige erinnerte die Republikaner daran, dass sie mit Trump an ihrer Spitze in den vergangenen Jahren fast alle wichtigen Wahlen verloren haben. Und die Mehrheit der Amerikaner wünsche sich weder Biden noch Trump im Weissen Haus. «Die erste Partei, welche ihren 80-jährigen Kandidaten in Rente schickt, wird diese Wahl gewinnen.»
Mit einer bewussten Stichelei versuchte Haley ihren Rivalen endlich zu einer Fernsehdebatte zu bewegen. Sie fordere schon lange, dass sich Politiker im Alter von über 75 Jahren auf ihre geistigen Fähigkeiten testen lassen müssten, holte Haley aus. Vielleicht habe Trump recht, dass er in einem solchen Test besser abschneiden würde als sie. «Aber dann sollte er kein Problem haben, mit mir für eine Debatte auf der Bühne zu stehen.»
Die ehemalige Gouverneurin von South Carolina zeigte sich zudem zuversichtlich, dass sie am 24. Februar die Vorwahl in ihrem Heimatstaat gewinnen könnte. Die Bürger dort wünschten sich eine demokratische Wahl und keine Krönung für Trump. In jeder Wahl, zu der sie in South Carolina angetreten sei, habe sie das Establishment besiegt. Die republikanische Vorwahl sei noch lange nicht entschieden: «Wir haben gerade erst angefangen.»
Haleys Optimismus gilt es allerdings zu relativieren. Ohne Zweifel ist das Resultat in New Hampshire viel besser als noch jenes in Iowa. Vergangene Woche lag sie über 30 Prozentpunkte hinter Trump. Nun sind es rund 8 Prozentpunkte. Allerdings war die Ausgangslage in New Hampshire für Haley im Grunde wie gemacht für sie. Während die konservative Wählerschaft in Iowa vor allem aus evangelikalen Christen besteht, gelten die Republikaner in New Hampshire als säkular und gemässigt. Zudem durften am Dienstag in dem offenen Wahlsystem auch unabhängige Wähler abstimmen. Diese machten fast die Hälfte aller Wähler aus. Gleichzeitig wurde Haley im Wahlkampf tatkräftig vom republikanischen Gouverneur Chris Sununu unterstützt, der in New Hampshire sehr beliebt ist.
Die USA stehen vor einer Wahl, die keiner will
Trotzdem gewann Trump den Gliedstaat, in dem fast alles gegen ihn sprach. Auch in den nächsten Stationen dieser Vorwahlen sieht es nicht gut aus für Haley. Nevada, das in zwei Wochen wählt, ist wenig aussagekräftig. Wegen eines Streits zwischen dem Gliedstaat und der Republikanischen Partei finden am 6. und am 8. Februar zwei Vorwahlen statt. Wobei Haley in der ersten und Trump in der zweiten Abstimmung jeweils als einziger verbleibender Kandidat zur Wahl steht. Die entscheidenden Delegiertenstimmen werden allerdings nur an den von der Partei organisierten Wahlversammlungen (Caucuses) am 8. Februar verteilt.
In ihrem Heimatstaat South Carolina, den sie von 2011 bis 2017 als Gouverneurin regierte, rechnet sich Haley zwar gute Chancen aus. Aber auch dort beträgt ihr Rückstand in den Umfragen momentan 37 Prozentpunkte. Das lässt sich in dem konservativen Südstaat nur sehr schwer aufholen.
Haley scheint darauf zu hoffen, dass es ihr mit etwas mehr Zeit vielleicht doch noch gelingen könnte, die republikanischen Wähler von sich zu überzeugen. Gleichzeitig spekuliert sie vielleicht auch darauf, dass Trump seine juristischen Probleme doch noch zu schaffen machen könnten. In zwei Wochen wird sich der Supreme Court die Argumente anhören, die für oder gegen einen Ausschluss Trumps von der Wahl sprechen. Die Grundlage dafür wäre ein Verfassungsartikel aus der Zeit nach dem Bürgerkrieg, der es «Aufständischen» verbietet, für offizielle Ämter zu kandidieren. Zudem könnte im März bereits ein Prozess gegen Trump beginnen, in dem er sich für seinen Umsturzversuch gegen das Wahlresultat von 2020 verantworten muss.
Umso wichtiger scheint es für Trump zu sein, dass sich seine Partei schnell geschlossen hinter ihn stellt. In einem Interview mit Fox News forderte er Haley auf, ihre Kampagne zu beenden. «Wenn sie nicht aufgibt, müssen wir sehr viel Geld verschwenden, anstatt es gegen Biden einzusetzen.» Später zeigte sich Trump in seiner Siegesrede verärgert über Haleys optimistischen Auftritt. Sie habe «völlig versagt», aber sei aufgetreten wie eine Gewinnerin. «Wer zur Hölle ist diese Hochstaplerin, die auf die Bühne ging und einen Sieg beanspruchte?»
Aber obwohl Haley das Handtuch noch nicht wirft, scheint es trotzdem nur eine Frage der Zeit zu sein. Auch Floridas Gouverneur Ron DeSantis brauchte nach seiner Niederlage in Iowa ein paar Tage Bedenkzeit, um seinen Wahlkampf zu beenden. Nach New Hampshire deutet für die Präsidentschaftswahl im November deshalb fast alles auf ein erneutes Duell zwischen Joe Biden und Donald Trump hin. Auch wenn gemäss einer neuen Umfrage knapp 60 Prozent der Amerikaner keine Lust auf den Zweikampf zwischen diesen beiden Greisen haben. «Es ist die Wahl, die niemand will», schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg kürzlich treffend.