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Diese AvaBlog-Periode war geprägt von viel Niederschlag im Westen und Norden mit einer Schneefallgrenze teilweise in hohen Lagen. Die Durchfeuchtung der Schneedecke wurde mit Regen weiter vorangetrieben. Viele Nassschneelawinen waren die Folge. Später gingen mit Neuschnee und Wind gebietsweise auch viele trockene Lawinen ab, welche den nassen Schnee in der Sturzbahn mitrissen.
Bereits in den zwei vorangehenden AvaBlogs (16. bis 20.03. und 26. bis 28.03.) wurde die zunehmende Durchfeuchtung der Schneedecke und eine moderate Nassschneelawinenaktivität beschrieben. Mit erneut milder Witterung und Regen (vgl. Abb. 1) bis in Höhenlagen von gegen 2500 m (im Westen wurde sogar eine Schneefallgrenze von 2800 m gemeldet) wurde am Mittwoch, 29.03. und Donnerstag, 30.03. die Durchfeuchtung vor allem in den nördlichen Gebieten weiter vorangetrieben.
Nordhänge wurden zwischen 2000 und 2500 m das erste Mal feucht, Osthänge zwischen 2500 und 2800 m. Mit dieser ersten Anfeuchtung wurden tiefer liegende Schwachschichten zusätzlich geschwächt. Damit lösten sich viele und oft auch grosse oder sehr grosse Lawinen (vgl. Abb. 2) vor allem am Donnerstag, 30.03. (vgl. Abb. 3).
Süd- und meistens auch Westhänge waren zuvor schon weiter hinauf durchfeuchtet und es wurden dort nur wenige Nassschneelawinen beobachtet.
In einer Distanz von nur gerade knapp 200 m oberhalb des Anrisses befindet sich die automatische IMIS-Station Mällige (OBW3, 2194 m) und in einer Distanz von knapp 500 m oberhalb des Anrisses, 100 Höhenmeter weiter oben, wurde am 16.03. ein Schneeprofil aufgenommen (vgl. Abb. 3).
An der IMIS-Station Mällige wird die Schneedecke berechnet mit dem Schneedeckensimulationsmodell SNOWPACK. Daraus ist abzuleiten, dass seit der Profilaufnahme am 16.03.
- zwischen dem 25.03 und 29.03 die Schneehöhe um 40 cm zunahm (es sind 60 cm Neuschnee gefallen)
- die Schneetemperaturen am 30.03. über die ganze Schneedecke 0 °C erreichten
- Wasser in die Schneedecke eindrang
Es ist davon auszugehen, dass Schmelz- und Regenwasser den kantig aufgebauten und schwachen Altschnee erreicht und zusätzlich destabilisiert hat. Zudem wurden die mechanischen Eigenschaften des Schneebrettes (Schichten oberhalb der Kruste) verändert. Beides dürfte zur grossflächigen Auslösung dieser Lawine geführt haben.
Aufgrund der schneearmen Situation (auch in mittleren Lagen) blieben die Volumina der Lawinen beim Erreichen des Talbodens überschaubar (vgl. Abb. 6) oder sie ‘verhungerten’ noch in der Sturzbahn (vgl. Abb. 5).
Am Freitag, 31.03. war die Aktivität von Nassschneelawinen bereits kleiner. Eine Niederschlagspause in der Nacht und die sinkende Schneefallgrenze tagsüber sind die Gründe dafür.
Weil schon bis am Donnerstagmorgen mehr Regen als erwartet gefallen war wurde das Lawinenbulletin für den Donnerstag am Donnerstagmorgen angepasst: Die Gefahr für nasse Lawinen wurde stärker betont, aber bei einer Stufe 3 belassen. Dass die Lawinenaktivität gebietsweise so gross ausfallen würde, übertraf die Erwartungen der Prognostiker...
Vom Freitagmorgen, 31.03. bis Montagmorgen, 03.04. folgten weitere, oft schauerartige Niederschläge mit Schwerpunkt im Wallis und am Alpennordhang. Die Schneefallgrenze sank bis am Samstagmorgen, 01.04. auf 1200 m und schwankte dann zwischen 1200 und 1500 m – tagsüber lag sie höher, nachts tiefer. Eine längere Niederschlagspause gab es am Sonntag, die im Wallis und im Süden recht sonnig, sonst mit tiefer Restbewölkung nur teils sonnig ausfiel. Vor allem im Norden gab es noch einzelne Schauer. Am meisten Niederschlag fiel bis zum Samstagmorgen mit 30 bis 50 cm im westlichsten Unterwallis. 15 bis 30 cm Schnee fiel im übrigen Wallis und im Bedretto (wobei auch dort lokal bis 50 cm gemessen wurden) und gegen Osten zum Teil bis in die St. Galler Alpen. Sonst fiel verbreitet 5 bis 15 cm Schnee, in den zentralen und südlichen Teilen Graubündens und im Tessin meist auch weniger. Dieser Niederschlag war am Alpennordhang und teilweise auch im Wallis begleitet von starkem bis stürmischem Westwind, welcher den Neuschnee intensiv verfrachtete. Sonst blies der Wind mässig bis stark. Am Samstag und Sonntag nahm der Wind ab und wehte am Sonntag noch schwach bis mässig und drehte allmählich auf Nordost.
Bis zum Sonntagmorgen fielen in drei Tagen die in Abbildung 7 dargestellten Schneemengen.
Damit blieb die 3-Tages-Neuschneesumme etwas hinter den Erwartungen zurück. Es ist jedoch zu beachten, dass schon vor dieser AvaBlog-Periode Schnee gefallen war (vgl. AvaBlog vom 26. bis 28.03.) und so innerhalb einer Woche beachtliche Schneemengen resultierten. So schneite es im Hochgebirge innerhalb einer Woche gebietsweise mehr als 100 cm (vgl. Abb. 8).
Für den Samstag, 01.04. wurde im westlichsten und im angrenzenden nördlichen Unterwallis die Lawinengefahr als gross (Stufe 4) prognostiziert. Die Gefahrenstufe 4 wurde am Samstagmorgen noch weiter ins Unterwallis ausgeweitet, weil die Niederschläge deutlich weiter ins Unterwallis drückten als vorhergesagt. Vor allem in diesen Gebieten war an vielen Stellen mit einer hohen Auslösewahrscheinlichkeit zu rechnen und dass Lawinen vor allem an steilen Nord- und Osthängen die durchnässte Schneedecke mitreissen und unterhalb von rund 2400 m vereinzelt sehr gross werden konnten (vgl. Abb. 9). Aufgrund der bis zum Redaktionsschluss vorliegenden Rückmeldungen hat sich diese Einschätzung mindestens für das westlichste Unterwallis bestätigt.
Ab Sonntag nahm die Lawinengefahr ab. Am Sonntag nutzten die Lawinensicherheitsverantwortlichen die Aufhellung für Sicherungsmassnahmen und erreichten in den Hauptniederschlagsgebieten oft sehr gute Resultate mit der künstlichen Auslösung von Lawinen.
In dieser Periode wurden einige Lawinen durch Personen ausgelöst und Personen teilweise auch mitgerissen und verschüttet, Todesopfer gab es aber glücklicherweise keine.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.