Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03165.jsonl.gz/1536

Die gallo-römischen Siedlungen als Ausgangspunkt der Besiedlung
Die verkehrsgünstige Lage der rheinnahen Gebiete hat seit den ältesten Zeiten zu Siedlungsgründungen geführt. Durch die Nordwestschweiz führten zur Römerzeit bedeutende Verkehrswege. Entlang dieser Verkehrsachsen entwickelten sich die gallo-römischen Siedlungen.
Die ländlichen Siedlungen im Mittelalter
In zeitlich unterschiedlichen Phasen wurde unsere Region durch die Alemannen in der Folgezeit besiedelt. Dabei sind die Endungen der Siedlungsnamen Kennzeichen für diese verschiedenen Besiedlungsphasen. Zuerst wurden die alemannischen Siedlungen auf fruchtbarem Löss angelegt und zeugen von einer Erschliessung in der Nähe des keltisch-römischen Siedlungsgebietes.
In der Zeit vom 6. bis zum 11. Jh. erfolgten in unterschiedlichen Phasen Ausweitungen des Siedlungsgebietes in den noch vorhandenen freien Raum. Ab 11. Jh. begann die hochmittelalterliche «Rodungsphase». Es setzte als Folge eines erneuten Bevölkerungsanstiegs eine verstärkte Rodungstätigkeit ein, die auch bisher ungenutzte, unwirtlichere Gebiete erfasste. Der Raum in erhöhten Lagen wurde besiedelt.
Am Ende des Mittelalters gab es nur ländliche Siedlungen in der Region, ausser den vier Städten Basel, Liestal, Laufen und Waldenburg. Sie wurden durch Landwirtschaft und eine bäuerliche Bevölkerung geprägt. Die Siedlungen waren, wie die Tabelle unten zeigt, im Verhältnis zu heute sehr klein und umfassten nur wenige Bauernhöfe.
Das Erscheinungsbild der Dörfer im 17. Jh.
Flurzwang und Dreifelderwirtschaft prägten das Gesicht der Dörfer. Das Dorf war durch einen Hag, den Etter, vom umliegenden Weideland oder den Zelgen abgegrenzt. Vor dem Haus befand sich oft ein Bauerngarten. Hinter den Häusern lagen die ursprünglichen Hofstattbereiche, welche die bäuerlichen Obst- und Gemüsegärten oder die Bündten umfassten.
Bauen war nur innerhalb des Etters erlaubt, was die bauliche Entwicklung der Dörfer einschränkte. Bei der Zunahme der Bevölkerung wurden zuerst die Baulücken des Dorfes aufgefüllt. Meist wurden mehrere Häuser zusammengebaut und immer stärker belegt.
Bestandteile eines Dorfes und Dorftypen
Die vielen Zeichnungen und Pläne von zeigen ein recht genaues Bild der damaligen Dörfer.Auf diesen Meyer-Zeichnungen erkennt man die wichtigsten Bestandteile der Dörfer: Bauernhäuser mit und ohne Strohdach, Taunerhäuser, Häuser für Handwerker, Waschhäuser, Pfarrhäuser, Kirche, Mühlen, Dorfbrunnen für die Wasserversorgung sowie Dorfbach (u. a. auch als Kloake). Die Naturstrassen waren – bis der motorisierte Verkehr aufkam – Lebensraum und Treffpunkt für die Dorfbevölkerung.
Je nach Lage hat sich im Tafeljura ein besonderer Dorftyp entwickelt (s. Tabelle unten).Vor allem entlang der Verkehrswege lagen die grösseren Siedlungen. Die Baselbieter Dörfer waren damals noch echte Gewanndörfer mit unregelmässigem Haufendorf-Grundriss, der je nach räumlichen Faktoren auch in rundlicher oder rechteckiger Gestaltung oder teilweise als Bach- und Strassenzeilendorf ausgebildet war.
Einzelhöfe prägten das Landschaftsbild
In der Siedlungsgeschichte des Baselbiets sind Einzelhöfe ein wichtiges Element der Siedlungstätigkeit.
Es lassen sich folgende Arten von Einzelhöfen unterscheiden: keltische und römische Gutshöfe und alemannische Höfe, Höfe der mittelalterlichen Burgen, der Kirchen, der Klöster, Herrenhöfe, Höfe des 18./19. Jh. sowie Einzelhöfe des 20. Jh.
Die Dreifelderwirtschaft des mittelalterlichen Dorfes erlaubte keine Siedlungen ausserhalb des Dorfetters. Wo Einzelhöfe seit alter Zeit vorhanden sind, entstanden sie vor oder zur gleichen Zeit wie die Dörfer. Rund 80 % der Einzelhöfe wurden nach der Aufhebung des Flurzwanges gegründet.
Die Herrenhöfe
Die Bezeichnung Herrenhöfe bezieht sich auf Besitzungen von reichen Basler Stadtbürgern oder städtischen Stiftungen, die von einem Pächter bewirtschaftet wurden. Diese Güter sind meist sehr alt. Sie sind v.a. in zwei Gebieten anzutreffen: in Stadtnähe wie oder in Pratteln , , , sowie im Gebiet des Faltenjuras z.B. in Reigoldswil die Höfe , und .
Im 17. Jh. gab es auf dem Gebiet der Landschaft Basel 63 Herrenhöfe. Wie die Darstellungen von G. F. Meyer zeigen, lagen diese meistens an der Peripherie der damaligen Dorfgemarkung und waren von der dörflichen Flur durch Zäune getrennt.
Einzelhöfe nach der Aufhebung des Flurzwanges
Nach der Aufhebung des Flurzwanges, welche in zeitlich unterschiedlichen Phasen ablief, entstanden im 18. und 19. Jh. recht viele Einzelhöfe. Diese prägen vor allem die heutige Hoflandschaft. Die Aussenhöfe wurden oft an der Stelle von alten Scheunen und Ställen gebaut, wo auch Quellen in der Nähe waren und es vielleicht schon einen Fahrweg gab.
Im Rahmen der Güterzusammenlegungen im 20. Jh. gab es nochmals einen Schub für Aussiedlerhöfe. Ein arrondierter Besitz ermöglichte eine rationellere Bewirtschaftung der Felder mit Maschinen. Mit der Mechanisierung in der Landwirtschaft hatten auch die immer grösser werdenden Maschinen keinen Platz mehr in den alten Scheunen.
Neben den Einzelhöfen sind auch die Feldscheunen und Weidställe charakteristische Elemente der Landschaft.
Die «ländliche Urbanität»
In der Region sind heute städtische und ländliche Gebiete kaum mehr voneinander zu trennen.Die Stellung der Häuser und damit die Siedlungsgrundrisse in den Dorfkernen änderten sich bis in die jüngste Zeit kaum. Allerdings fand bereits im 17. und 18. Jh. eine «Verstädterung» der Dörfer statt. Die Dörfer wurden verdichtet und modernisiert, was zu geschlossenen Strassenfluchten und zu städtisch anmutenden Häuserzeilen führte.
Die meisten Dörfer erfuhren ihre grössten Substanzveränderungen durch Auswechslung und Erneuerung in der ersten Hälfte des 19. Jh., als mit der aufkommenden Heimarbeit der Seidenbandweberei eine wirtschaftliche Blütezeit einsetzte, mit der ein demografischer und baulicher Aufschwung einherging. Auch der Eisenbahnbau in der zweiten Hälfte des 19. Jh. mit der damit verbundenen Mobilität führte zu einschneidenden Veränderungen in den Entwicklungen der Siedlungen.
Entwicklung im 20. Jh.
Nach dem Zweiten Weltkrieg brach diese Entwicklung ab. Parallel zum rasanten Bevölkerungswachstum kam es zu einer explosionsartigen Zunahme der Neubauten. Hatten sich bis in die 1950er-Jahre im Umfeld der Siedlungskerne nur wenige Gebäude und Gebäudegruppen befunden, meist verstreut in der Landschaft liegende Aussenhöfe, wurden an die Dörfer angrenzende Flächen nun grossräumig überbaut.
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft führte zu einem massiven Rückgang der Bauernbetriebe. Viele geschickt umgenutzte und umgebaute Bauernhöfe zeigen noch heute das alte ländliche Bild einer Ortschaft. Bevölkerungsentwicklung, Änderung der Sozialstruktur und des Sozialverhaltens verbunden mit einem enorm ansteigenden Platzbedarf führen zu einem rasch fortschreitenden Funktions- und Strukturwandel der Siedlungen.
HPM