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Welche Rendite muss eine Pensionskasse erwirtschaften, um einen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent zu finanzieren? Laut Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) müsste die Rendite bei 4,9 Prozent liegen. Warum so viel? Wir rechnen nach: Auf ein Kapital von 100000 Franken ergibt ein Umwandlungssatz von 6,8 Prozent eine Rente von 6800 Franken pro Jahr, aufgerundet 567 Franken pro Monat. Wie lange reicht nun mein Kapital von 100000 Franken, wenn ich jeden Monat 567 Franken abhebe? Ziemlich genau 15 Jahre.
Das reicht nicht, denn Männer haben bei ihrer Pensionierung mit Alter 65 eine Lebenserwartung von 19 Jahren. Nun wird man aber das Kapital, das bis Alter 65 für die Finanzierung der Rente angespart wurde, zinsbringend anlegen. Also rechnen wir mit einer bescheidenen Rendite von 3 Prozent. Wie lange reicht nun mein Kapital, wenn ich jeden Monat 567 Franken abhebe und mit dem restlichen Geld eine durchschnittliche Rendite von 3 Prozent erwirtschafte? Bingo: 19 Jahre und 4 Monate. Womit wir die höhere Lebenserwartung so ziemlich getroffen hätten. 3 Prozent sind aber nicht 4,9 Prozent, wie vom BSV veranschlagt.
Zugegeben, da kommen noch die Verwaltungskosten hinzu, die laut dem ehemaligen Preisüberwacher Rudolf Strahm viel zu hoch sind. Rechnen wir also ein halbes Prozent Verwaltungs- und Beratungskosten hinzu, so müsste gemäss obiger Rechnung eine Rendite von 3,5 Prozent erwirtschaftet werden. Immer noch weit von jenen 4,9 Prozent entfernt, wie sie vom BSV errechnet werden.
«Sehr häufig wird bei Simulationen der Fehler gemacht, dass die Witwenrenten vergessen gehen», ist beim BSV zu erfahren. «In den meisten Fällen, in denen ein Mann stirbt, wird auch eine Witwenrente fällig. Ein verheirateter Mann hinterlässt bei seinem Tod eine Ehefrau, die im Durchschnitt etwa fünf Jahre jünger ist und eine um durchschnittlich rund sechs Jahre längere Lebenserwartung hat. Nach dem Tod eines Verheirateten wird also im Schnitt während elf Jahren eine Witwenrente in der Höhe von 60 Prozent der Altersrente fällig, die ebenfalls finanziert sein muss.»
Hinterlässt der Rentner schulpflichtige Kinder, kommen auch diese in den Genuss einer Rente von der Pensionskasse, die damit die Höhe des Umwandlungssatzes beeinflusst. Noch fallen diese nicht gross ins Gewicht, was sich nach und nach ändert, wie der Pensionskassenspezialist Werner C.Hug erklärt. Er denkt an die wachsende Zahl jener Männer, die im vorgerückten Alter von jungen Thailänderinnen, Russinnen oder Brasilianerinnen angelacht werden und im nicht mehr ganz taufrischen Alter Kinder auf die Welt stellen. Kommt hinzu, dass nicht nur die aktuelle, sondern auch die geschiedene Witwe in den Genuss einer Witwenrente kommt. Mehr und mehr müssen Pensionskassen pro versicherten Mann mehrere Witwenrenten ausrichten.
Zurück zur Rendite von 4,9 Prozent, wie sie vom BSV veranschlagt wird. Interessanterweise geben die Lebensversicherungen, welche ja ebenfalls in der beruflichen Vorsorge tätig sind und Pensionskassenlösungen anbieten, genau den gleichen Wert von 4,9 Prozent an. Dabei müssten doch die Privatversicherer eine höhere Rendite erwirtschaften als die betriebseigenen Pensionskassen, um einen bestimmten Umwandlungssatz zu finanzieren. Erstens rechnen die Privatversicherer mit einer höheren Lebenserwartung als das BSV. Damit müssten sie laut ihrer Rechnung mehr Renten ausrichten. Zweitens müssen börsenkotierten Versicherungsgesellschaften höhere Verwaltungskosten einkalkulieren - schliesslich stellt ihnen der Aktionär sein Geld nicht gratis zur Verfügung. Und doch sprechen Privatversicherer und autonome Pensionskassen im Chor von einer Rendite von 4,9 Prozent, die es bräuchte, um einen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent zu finanzieren. Zumindest hier kann etwas nicht stimmen.
Erschienen in der BZ am 15. Februar 2010