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Frankreich hat gewählt. Hier die Resultate des ersten Durchgangs der Präsidentschaftswahlen.
Frankreich hat gewählt. Der linksliberale und europafreundliche Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die rechtsextreme Chefin des Front National, Marine Le Pen, werden in zwei Wochen zur Stichwahl antreten.
Nach Auszählung aller Stimmen kommt Macron auf 23,75 Prozent der Wählerstimmen, Le Pen auf 21,53 Prozent. Für den Front National ist dies das beste Ergebnis seiner Geschichte.
Der konservative Kandidat François Fillon lag nach Auszählung aller Stimmen mit 19,91 Prozent auf Rang drei, wie das französische Innenministerium am Montagmorgen mitteilte. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon erreichte 19,64 Prozent.
Die Kandidaten der 60 Jahre lang das Staatsoberhaupt stellenden Konservativen oder Sozialisten schafften es nicht in die zweite Runde. Für diese sagten die noch am Abend veröffentlichte Umfragen dem unabhängigen Macron fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit vorher. Macron kündigte an, er wolle das europäische Projekt erneuern und sich rasch eine Mehrheit im Parlament verschaffen.
Insgesamt waren rund 47 Millionen Franzosen zur Abstimmung aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 80 Prozent. Politiker der unterlegenen Lager riefen zur Wahl Macrons in der zweiten Runde auf. So appellierte der sozialistische Regierungschef Bernard Cazeneuve an seine Landsleute, für Macron zu stimmen und dem Front National eine Niederlage zu bereiten. Auch mehrere Politiker in Europa drückten ihm ihre Unterstützung aus. Der 39-Jährige könnte der jüngste Präsident werden, der in den Elysée-Palast einzieht.
Wie hat das Elsass gewählt?
Im Elsass liegt Marine Le Pen an der Spitze der Wählergunst. Im Département Haut-Rhin, also der Grenzregion zu Basel, erreichte die Chefin des Front National gemäss den Angaben des Innenministeriums 27,16 Prozent der Stimmen. Das zweitbeste Resultat erreichte nicht Macron, sondern François Fillon mit 22,34 Prozent. Macron, der national das beste Ergebnis erzielte, kam auf 19,76 Prozent. Die Stimmbeteiligung lag auch im Département Haut-Rhin bei rund 80 Prozent.
In Saint-Louis schaffte es Le Pen nicht auf den ersten Platz. Hier belegt Fillon laut der Zeitung «L’Alsace» mit 23,53 Prozent vor Macron (22,33 Prozent) und Le Pen (21,02 Prozent) den Spitzenplatz. In Huningue liegt Macron vor Fillon und Le Pen, wie auch in den grossen Städten Mulhouse und Strasbourg, wo es der Sozialist Jean-Luc Mélenchon jeweils auf den zweiten Platz schaffte.
Macron will ein «Präsident der Patrioten» sein
Macron, dessen Bewegung «En marche!» (Vorwärts!) erst vor einem Jahr gegründet wurde, sieht die Zukunft so: «In einem Jahr haben wir das Gesicht der französischen Politik verändert.» Er wolle eine Mehrheit bilden, um mit neuen Gesichtern zu regieren. «Ich will der Präsident der Patrioten sein gegen die Bedrohung durch die Nationalisten», so Macron. Er reagierte damit auf Le Pen, die vor ihren Anhängern «alle Patrioten» aufgerufen hatte, sie zu unterstützen.
Le Pen nannte ihr Ergebnis «historisch». Es sei an der Zeit, das französische Volk von der «arroganten Elite» zu befreien. Mit Macron, den sie als Erbe des scheidenden Präsidenten François Hollande titulierte, werde sich nichts ändern: «Frankreichs Überleben steht auf dem Spiel.» Hollande gratulierte Macron in einem Telefonat zum Einzug in die Stichwahl. Der bei den Wählern unbeliebte Sozialist hatte auf eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit verzichtet.
Die Wahl nach der Wahl
Egal, ob Frankreichs künftiges Staatsoberhaupt Macron oder Le Pen heisst: Ob der Präsident auch eine Regierungsmehrheit bekommt, ist höchst ungewiss und wird erst bei der Parlamentswahl im Juni entschieden. Seit 15 Jahren gilt in Frankreich eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz: Die Franzosen verschaffen ihrem neugewählten Präsidenten bei den kurze Zeit später folgenden Parlamentswahlen eine Regierungsmehrheit. Der Staatschef kann also seinen Wunschkandidaten als Premierminister einsetzen und Gesetze durch die Nationalversammlung bringen.
Doch diesmal ist alles anders. Zwar hat Macron die erste Wahlrunde für sich entschieden. Aber wie soll der Sozialliberale, dessen Bewegung gerade einmal ein Jahr alt ist, eine Mehrheit in der Nationalversammlung erzielen? Oder Le Pen, deren Front National derzeit gerade einmal zwei Abgeordnete stellt?
Macrons Devise ist: «Wenn die Franzosen mich zum Präsidenten wählen, werden sie mir eine Mehrheit in der Nationalversammlung geben.» Der frühere Wirtschaftsminister hat versprochen, für jeden der 577 Sitze in der Nationalversammlung einen Kandidaten aufzustellen. Die Hälfte der Kandidaten soll der Zivilgesellschaft entstammen.
«Neue Talente»
Seine Regierungsmehrheit werde er sich mit «neuen Gesichtern und neuen Talenten» sichern, sagte Macron am Sonntagabend. «Jede und jeder kann dabei seinen Platz haben», betonte er.
Dass die Rechtspopulistin Le Pen im unwahrscheinlichen Fall eines Siegs bei der Präsidentschaftswahl auch eine Parlamentsmehrheit erringt, darf als ausgeschlossen gelten – auch wenn die Front-National-Führung das Gegenteil beteuert.