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(Megerle von Mühlfeld, 1825)
- DE: Fluss-Strandschrecke
- EN: River Blue-legged Grasshopper
- FR: L' Oedipode des torrents
- Syn.: No synonym!
Morphologie
Epacromius tergestinus ist farblich variabel; typisch sind graue, seltener grün gefärbte Individuen. Es kommen sowohl einheitlich gefärbte Tiere als auch solche mit einer rötlich-braunen oder hellen Längsbinde auf dem Rücken vor. Die einzelnen Glieder der schlanken Fühler sind 2,5-3x so lang wie breit. Die Foveolen (Scheitelgrübchen) sind dreieckig. Die schlanken Vorderflügel sind fein, dunkel gefleckt und überragen die Hinterknie deutlich. Im Medialfeld verläuft die Vena intercalata ziemlich parallel zur Medialader. Es fehlen deutlich abgesetzte, dunkle Querbinden wie bei den Aiolopus-Arten. Die Hinterflügel sind durchsichtig und höchstens gegen die Spitze leicht gebräunt. Die schmalen Hinterschenkel tragen auf der Innenseite drei dunkle Flecken, die auf die Aussenseite übergreifen können. Die Hinterschienen sind weisslich bis bläulich und weisen unterhalb des Knies einen schwarzen Ring auf. Das Knie ist die dunkelste Körperpartie. Das Arolium zwischen den Fusskrallen ist kurz und schmal. Die Unterart Epacromius tergestinus ponticus wurde aufgrund kürzerer Flügel und geringerer Körpergrösse aus den Flussauen Mitteleuropas beschrieben. Es ist jedoch fraglich, ob es sich bei Epacromius tergestinus ponticus nicht um eine ökologische Form des Alpenraums handelt.
Gesang
Wie die beiden Aiolopus-Arten erzeugen auch die Männchen von Epacromius tergestinus beim Aufeinandertreffen mit anderen Männchen und bei der Werbung leise, schwirrende Geräusche.
Verbreitung
Das Hauptverbreitungsgebiet von Epacromius tergestinus befindet sich im zentral- und ostasiatischen Raum. In Europa kommt die Art von Nordspanien bis ans Schwarze Meer vor, wobei das Verbreitungsgebiet nicht zusammenhängend ist. Die einzelnen Vorkommen sind stark fragmentiert und stellen meist isolierte Inselvorkommen dar. Die Vorkommen im Alpenraum werden der Unterart Epacromius tergestinus ponticus zugerechnet, jene in den Küstenbereichen der Nominatform Epacromius tergestinus tergestinus. In der Schweiz war die Art ausgestorben. Die letzten Populationen lebten in Graubünden, im Genferseebecken und im Wallis, wo 1989 das letzte Tier gesichtet wurde. Im Pfynwald (VS) wurde Epacromius tergestinus ponticus von einer Privatperson aus den französischen Alpen wieder eingeführt und wird seit 2006 regelmässig beobachtet. Das einzige Vorkommen in Deutschland am Lech bei Augsburg ist seit den 1950er Jahren erloschen. Auch in Österreich ist die Art seit den 1960er Jahren ausgestorben. Vereinzelte ältere Nachweise waren aus Vorarlberg und Tirol bekannt.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere treten von Juli bis Oktober auf.
Die Eier werden in den Boden abgelegt. Epacromius tergestinus durchläuft 4 Larvenstadien. Sie ist gut flugfähig und kann so leicht neue Pionierflächen erreichen.
Lebensraum
Epacromius tergestinus ponticus besiedelt Alluvionen natürlicher Bergflüsse mit feuchten, schlammigen und sandigen Bereichen. Im Lebensraum sind immer mehr oder weniger mit Vegetation überwachsene, schlickige Bereiche vorhanden. Vermutlich kann sie ohne solche Bereiche nicht überleben und ist deshalb vielerorts ausgestorben. Neben permanent feuchten Feinsedimenten und geringer Vegetationsdichte ist eine hohe Sonneneinstrahlung wichtig.
Gefährdung & Schutz
Epacromius tergestinus gehört in Mitteleuropa zu den am stärksten bedrohten Arten. Sämtliche Vorkommen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien sind erloschen. Die Ausrottung ist auf Flussbegradigungen und den Kiesabbau zurück zu führen. Die letzten rezenten Vorkommen befinden sich in den französischen Alpen. In der Schweiz wurde die Art zwischenzeitlich von einer Privatperson wieder angesiedelt und scheint sich seither erfolgreich halten zu können. In den meisten Gebieten kann die Art auf natürlichem Wege nicht mehr einwandern, selbst wenn die Lebensräume durch Renaturierungen wiederhergestellt werden, da die Distanzen zu den nächsten Populationen auf natürlichem Weg nicht überwunden werden können.
- CH: CR (Vom Aussterben bedroht)
- DE: 0 (In Deutschland ausgestorben oder verschollen)
- AT: RE (In Österreich ausgestorben)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Epacromius tergestinus ist Epacromius coerulipes und den Aiolopus-Arten äusserst ähnlich. Epacromius coerulipes ist etwas kleiner und hat kürzere Flügel. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist jedoch das Arolium, welches bei Epacromius coerulipes lappenförmig und mindestens halb so lang wie die Krallen ist. Die Fühler sind zudem kräftig und die einzelnen Glieder höchstens 2x so lang wie breit. Im Gegensatz zu Epacromius tergestinus besitzen die Aiolopus-Arten trapezförmige Scheitelgrübchen und eine kontrastreiche Flügelzeichnung mit dunklen Flecken und Querbinden. Ein gutes Abgrenzungsmerkmal sind auch die rötlichen Hinterschienen der Aiolopus-Arten.