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Reformation und Buchdruck waren eng miteinander verbunden. Aus Anlass des 500-Jahr-Jubiläums der Reformation in Zürich steht derzeit in der reformierten Kirche Oerlikon eine Gutenbergpresse. Letzte Woche fand die Vernissage statt.
Renaissance-Tänze auf der Orgel, gespielt von Organist Christian Gautsche, läuteten die Vernissage in der reformierten Kirche Oerlikon ein. Anschliessend referierte Catherine McMillan, Pfarrerin und Reformationsbeauftragte der Landeskirche, zum Thema «Frauen der Reformation». Eine der mutigen Frauen, die dafür kämpften, dass auch Frauen vollwertige Kirchenmitglieder sind, war Argula von Grumbach, Ende 15. Jahrhundert auf der Burg Ehrenfels in Bayern geboren. Anders als die Frauen der damaligen Zeit genoss sie eine Bildung und konnte lesen und schreiben. Als sie mit 17 Jahren innerhalb einer Woche beide Elternteile verlor, suchte sie Halt in der Bibel und kannte sie bald weitgehend auswendig. «Zu jener Zeit waren Frauen nicht einmal fertige Menschen», erzählte Catherine McMillan. «Sie mussten Zensur und Unterdrückung ertragen.»
Argula von Grumbach begann über diesen Missstand mit Martin Luther, Initiator der Reformation, zu korrespondieren. Um ihre Gedanken nach aussen zu tragen, nutzte sie die neue Drucktechnik mit der Druckerpresse, die Johannes Gutenberg aus einer Weinpresse entwickelt hatte. Die Gutenbergpresse löste die handschriftlichen Dokumente ab und ermöglichte es, Flyer und Flugblätter in grösserer Auflage zu drucken und zu verbreiten. So suchte Argula mittels öffentlicher Flugblätter den Kontakt zu Professoren der Universität und forderte sie auf, mit ihr über das Recht der Frauen zu diskutieren, vollwertige Mitglieder der Kirche zu sein. Ihr Wunsch nach einem Diskurs wurde nicht beachtet, aber dennoch gilt Argula von Grumbach als eine der bedeutendsten Frauen der Reformation.
Frauenschriften wurden verboten
Auch in der Schweiz gab es mutige Reformatorinnen, wie Catherine McMillan zu erzählen wusste. Zum Beispiel die Theologin Marie Dentière (1495–1561), die auf öffentlichen Plätzen predigte und sich dagegen wehrte, dass Frauen die Mitwirkung in der Kirche verwehrt blieb. Mit ihren glühenden Schriften legte sie sich auch mit dem Genfer Reformator Johannes Calvin an. «Danach wurden Schriften von Frauen verboten. Erstaunlicherweise haben auch Historiker nicht dafür gesorgt, dass diese Schriften von Frauen erhalten und überliefert wurden», so die Theologin.
Bildung verbreiten
Dass die Reformation nicht nur die Kirche umwälzte, sondern dank dem Zürcher Reformator Ulrich Zwingli auch die Bildung des Volkes massgeblich verbesserte, war dem Vortrag von Ruth Flöder zu entnehmen. Johannes Gutenberg hatte für seine Gutenberg-Bibel die verbreitete lateinische Übersetzung «Vulgata» benutzt. Zwingli jedoch wollte, dass jedermann die Bibel in seiner Sprache lesen konnte. So kam 1531 die erste Bibel heraus – lange vor der deutschen Lutherbibel. «Zwinglis Idee, dass alle Menschen lesen lernen sollten, fand auch bei den Zürcher Ratsherren Gehör», sagte Ruth Flöder. «Erst dank seinem Mitwirken in der Politik und dem neuen Buchdruckverfahren gelang die Reformation.»
Die Druckpresse steht bis zum 2. April im Kirchenschiff und ist jeweils von 11 bis 15.30 Uhr zugänglich. Reformierte Kirche Oerlikon, Oerlikonerstrasse 99.