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Vom grossen Herrschaftsgut zum kleinen Landstück: Wie vielen Freiburgern ist bekannt, dass eines der kühnsten städtebaulichen Unterfangen der «Beile Epoque», der Boulevard de Pérolles seinen Namen einem grossen Herrschaftsgut des Patriziats verdankt? Schloss und Kapelle sind heute verborgen zwischen einem Industrieviertel und einem Villenquartier.
Das erste, bereits 1259 erwähnte Haus war im 15. Jh. Besitz der Familie Mossu. 1508 war es Teil der Mitgift als Elisabeth Mossu - die letzte dieses Namens - den, 1500 Bürger gewordenen, Christophe de Diesbach heiratete. Kaum verheiratet verlangte dieser schon am 4. Juli von der Regierung 36 Bäume für den Wiederaufbau des Hauses und der Kapelle. Mit diesem bedeutenden Bau beauftragte er einen Mitarbeiter des Zürchers Hans Felder dem Jüngeren, der für den Bau des Rathauses nach Freiburg gerufen worden war.
Die spätgotische Kapelle - die schönste des Kantons - ist mit einer Reihe in der Schweiz einzigartiger Renaissancefenster geschmückt. Sie sind das Werk der besten damaligen Ateliers und namentlich desjenigen des Lukas Schwarz in Bern. 1516 verkaufte Christophe de Diesbach sein Haus in der Herrengasse (Grand'Rue) und zog in seine neue Residenz in Pérolles ein, wo er 1522 verstarb. Seine Tochter musste das Haus den Gläubigern, welche 1528 neue Arbeiten ausführen liessen, überlassen. Die Zerstückelung des nunmehr de Reynold benannten Herrschaftsgutes begann um 1834 mit dem Abbruch des Bauernhauses, welches ursprünglich durch eine Umfassungsmauer mit dem Herrenhaus verbunden war. Das Haus selber erlitt 1860 schwerwiegende Umbauten. Im ersten Viertel des 20. Jh. wurde es unter der Leitung des Berner Architekten Henry Berchtold von Fischer restauriert.
Heute ist das Schloss in einem Stück Grünzone isoliert. Es ist der verbliebene Rest des grossen Herrschaftsgutes Pérolles d'En-Haut, welches sukzessive zerstückelt wurde, um ab 1900 durch den Verkauf von Parzellen die Entwicklung der Stadt nach Süden zu fördern. Als besonders beachtenswerte Teile des Schlosses seien der grosse und der kleine Salon im ersten Stock erwähnt mit ihren von 1528 reich verzierten Laibungen und ihren Kabinettscheiben. Beide Salons besitzen Felderdecken aus der Renaissancezeit mit Bildnismedaillons. Diese Medaillons - als Zeichen der Macht - haben ihren Ursprung in der römischen imago clipeata. Sie stellen wechselweise spätrömische Kaiser Helden der Antike und Frauengesichter dar. Diese Art des Deckenschmucks war noch zu Beginn des 17. Jh. gebräuchlich, wovon die für Pierre de Fégely und Dorothea de Diesbach ausgeführten Medallions aus Papiermaché an der rue des Alpes 10 zeugen.
Bibliographie