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«Stridsbåt 90» - Fantasie-Adaption eines schwedischen Küstenwachtboots
Das Original
Combat Boat 90 (CB90), deutsch: „Kampfboot 90“, ist die internationale Bezeichnung einer ursprünglich für die schwedische Marine entwickelten Schnellbootklasse. Die Kampfboote dieser Klasse sind unter anderem gekennzeichnet durch eine außerordentlich hohe Beweglichkeit. Die offizielle Bezeichnung bei der schwedischen Marine war Strb 90 H(schwedisch für: Stridsbåt 1990 Halv pluton, deutsch etwa: Kampfboot 1990 für einen Halbzug).
Hersteller ist die 1905 gegründete schwedische Dockstavarvet-Werft. Sie produzierte seit 1991 bisher etwa 250 bis 300 Stück. Das CB90 ist das Hauptprodukt dieser Werft. Im Jahr 2000 übernahm Dockstavarvet auch Rindö, den Hauptausbesserungsbetrieb für die schwedischen CB90.
Die Boote sind über alles 15,90 Meter lang (auf Höhe der Wasserlinie 14,90 Meter) und 3,80 Meter breit. Sie sind durch Aluminium sehr leicht, kompakt und flach gebaut. Der Tiefgang beträgt lediglich 80 cm, wodurch das Boot sehr küstennah operieren kann. Das Leergewicht beträgt 13 Tonnen, das Standardgewicht 15,3 Tonnen, das Gewicht bei voller Beladung 20,5 Tonnen.
Die Combat Boat 90 sind mit zwei Kamewa-FF-Wasserstrahlantrieben (Jet) ausgestattet, die von zwei je 480 kW starken Scania-DSI14-V8-Dieselmotoren angetrieben werden. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von etwa 40 Knoten(ca. 75 km/h). Der in Grenzen lenkbare Wasserstrahlantrieb und ein spezielles Unterwasserleitprofil des Bootskörpers bedingen eine extrem gute Manövrierfähigkeit auch bei hoher Geschwindigkeit. Das Boot kann sehr schnell stoppen, der Bremsweg aus der Maximalgeschwindigkeit auf Null beträgt lediglich etwa zweieinhalb Bootslängen.
Das Boot wurde ursprünglich für die schwedische Marine entwickelt, wo es im amphibischen Korps eingesetzt wird. Es wird auch international in zahlreichen Varianten verwendet: bei der schwedischen Polizei (Typ CB90H), sowie der Marine von Norwegen (dort als S90N), Griechenland, Estland, Mexiko (Typ CB90HMN) und Malaysia.
Idee | Planung | Realisation | 1. Januar 2018 -
7. Januar 2018
Der nächste Schritt war, nachdem endlich das viel zu spät bestellte Epoxy von Suter Kunststoffe gekommen ist, das beplankte Deck zu kalfatern.
Zuerst mischte ich 50 g Harz mit 20 g Härter (Verhältnis 100:40) an. Ich nahm eine Harz-Härter-Kombination, die eine Topfzeit von etwa 40 Minuten hat.
Diese (nur) leicht gelartige Masse verteilte ich dann auf den beplankten Stellen des Decks.
Mit einem Spachtel füllte ich alle Ritzen und achtete darauf, nicht zu viel Epoxy auf den Planken zu lassen, denn dieses muss abgeschliffen werden.
Die 70 g reichten für die abnehmbaren Teile:
Für den Rest des Decks mischte ich noch einmal 65 + 24 g an und gab etwas mehr Toxitropiermittel (aber immer noch zu wenig) bei.
Idee | Planung | Realisation | 1. November 2017 - 31. Dezember 2017
1. November 2017
Nachdem der Rumpf weit fortgeschritten war und während Epoxy, resp. Polyesterspachtel aushärteten habe ich mich mit den Umkehrklappen beschäftigt.
Diese Klappen können am Heck von oben in den Strahl der Jets gesenkt werden und bewirken, dass das Boot rückwärts fährt, resp. anhält. Eine der Spezialitäten der Stridsbåt90 ist der Stopp aus voller Fahrt in weniger als zwei Bootslängen.
Solche Umkehrklappen sehen normalerweise so aus:
Quelle nauticexpo.com
Mit einer Modelliermasse aus dem Shop von R&G habe ich versucht, solche Umkehrklappen zu modellieren. Das ist mir in einem ersten Versuch gelungen...allerdings ist die Form eher unkonventionell.
Ich werde noch ein zweites Modell herstellen. Dieses wird konventioneller sein. Hoffe ich zumindest.
Die zwei Modelle möchte ich dann abformen. Dafür habe ich eine mittelharte Silikon-Abguss-Masse bestellt. In zwei Formen werden dann die Umkehrklappen laminiert. Um ein gutes Resultat zu erreichen werde ich wohl mit einer Vakuum-Vorrichtung arbeiten müssen...
Parallel dazu wird am Rumpf weiter gearbeitet.
Im Moment härtet der Polyesterspachtel aus, mit dem ich die Kanten und die Stepleisten gespachtelt habe.
Sobald ich mit dem Rumpf zufrieden bin, werde ich ihn erneut mit Epoxy streichen. Wahrscheinlich werden drei Schichten nass in nass ausreichen, um eine tadellose Oberfläche zu ergeben.
Ich habe noch ein Foto gemacht von meinen Utensilien, die ich für's Laminieren gebrauche.
Neben Harz und Härter sind dies:
- Aceton zum Auswaschen der Arbeitsgeräte
- Farbpaste
- Polyesterspachtel aus dem Baumarkt
- Latex-Handschuhe
- Pinsel, kurzhaarige Fellrolle und Tapeten Anpressreolle
- ein Brett zum Anmischen der Spachtelmasse
- diverse Spachtel
3. November 2017
Umkehrklappen-Modelle
Auf die Original-Strahldüsen habe ich zwei verschiedene Umkehrklappen aus Modelliermasse angefertigt. Eine ist glatt und einfach gehalten, ähnlich einem wohlgeformten Fudi - die andere ist ungewöhnlich gestaltet mit großen, tiefen Rillen...ich nenne sie «Krake»
Hier ein paar Fotos der beiden Modelle - weitere sind unten in der Galerie zu sehen.
Modell «Fudi, einfach, glatt»:
Hier das Modell «Krake mit Rillen»
Diese Formen werden mit Silikon mit einer Shore-Härte von 35, also einem mittelharten Silikon, in zwei getrennten Formen abgeformt. Danach werde ich sie mit GFK positiv abformen. Für diese GFK-Abformung muss ich mit der Vakuum-Anpress-Methode arbeiten, bei der der atmosphärische Druck genutzt wird, um das Epoxy-getränkte Glasfasergewebe schön an die Form anzupressen.
Persönlich tendiere ich zum ausgefalleneren Modell «Krake»...einfach weil es mir besser gefällt und eine ausgefallenere Form hat. Das Modell «Fudi» wird aber sehr wahrscheinlich strömungstechnisch die bessere Lösung sein. Um das herauszufinden werde ich beide Modelle laminieren...das wird auch ein sehr gutes Übungsstück sein um die Vakuum-Methode zu erlernen.
4. November 2017
Weiter ging es mit dem Rumpf.
Der am Vortag gespachtelte Rumpf wurde mit dem Bandschleifer und von Hand geschliffen, so dass die kleinen Fehler und Ungereimtheiten immer weniger wurden und bald mit der Epoxierung der letzten Schicht begonnen werden kann. Das vor einigen Tagen dafür bestellte Material wird sehnlichst erwartet.
Schön zu erkennen ist das durch die Dreiecksleisten veränderte Profil des Unterwasserschiffs. Ehrlich gesagt weiss ich nicht genau, ob das Original über diesen «Absatz» verfügt, den ich mit den Dreiecksleisten realisiert habe. Ich habe «Pläne» - eher Zeichnungen und ganz sicher nicht Werftpläne - mit beiden Lösungen.
Als nächstes habe ich die zu Hause geformten Umkehrklappen (Fudi & Krake) an die wiederum in den Rumpf gebauten Jets montiert und ein paar Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln gemacht. Schau selber: (mehr Fotos in der Galerie unten)
Als nach mehrmaligem Check die Befürchtung, dass die bestellten Materialien für die nächsten Schritte nicht mehr an diesem Wochenende eintreffen würden, zur Gewissheit wurde, musste ich mir überlegen, wie ich meine Bau-Lust wenigstens in kleinen Schritten befriedigen konnte. Weder die Abformung der Umkehrklappen noch der endgültige «Anstrich» des Rumpfs liessen sich ohne dieses Material realisieren...
Also klebte ich die Jets mit Araldit© Standard (90 Min. Topfzeit, 24h Aushärtung) am Heckspiegel fest. Dazu mussten die Jets ordnungsgemäss eingebaut werden, nachdem der Kleber aufgetragen war. Um ein dauerhaftes Verkleben der Düsen zu verhindern (diese müssen zu Wartungsarbeiten unbedingt entfernbar bleiben!) fettete ich sowohl Schrauben wie die Kontaktflächen der Düsen ein. Das hat sich bewährt. Die Düsen liessen sich nach der Aushärtung des Araldit© problemlos entfernen. Die Auflageflächen auf dem Rumpfboden sind noch nicht verklebt...dies werde ich erst nach dem Lösen von der Helling machen, wenn der Rumpf nicht mehr upside-down liegt.
Anschliessend füllte ich den Zwischenraum zwischen Heckspant und im 5°-Winkel aufgesetztem optischem Spiegel mit Glasfaser-Resten und goss rund 120g Epoxy in die zwei Kammern. So ist der Spiegel nun fest und stabil, so dass auch Anbauteile wie später das Heck-Gitter befestigt werden können.
5. November 2017
Die wegen eines Fehlers beim Transportunternehmen - wie bereits geschrieben - die Lieferung dringend benötigten Materials nicht eingetroffen war, musste ich mich auch am heutigen Sonntag fast schon krampfhaft nach Arbeit umsehen und fand in der Formung des Eintritt-Profils der Jet-Ansaugstutzen eine wenigstens kleine Aufgabe.
Zum Spachteln verwende ich dabei - wie bereits für den Rumpf - Polyester-2Komponenten-Spachtel aus dem Baumarkt. Dieser härtet sehr schnell aus und ist bereits nach etwa 30 Minuten schleifbar, lässt sich aber schon nach wenigen Minuten mit einer Klinge soweit in Form bringen, dass die Schleifarbeiten nur noch gering sind.
So liessen sich sehr schöne, strömungsgünstige Einlassöffnungen an den Ansaugstutzen anfertigen, die nur noch lackiert werden müssen. Das ist auf den Fotos nicht sehr gut zu sehen...man muss die Schönheit der Form mit der Hand er-fahren.
Auf dem letzten Foto ist das heckseitige Ende des perfekt eingeklebten Jets zu sehen...auch hier zeigt das Foto leider nicht annähernd, wie schön diese Verklebung gelungen ist.
10. November 2017
Fast eine Woche musste ich auf das bestellte Material warten, bis ich weiterfahren konnte mit der Epoxierung des Rumpfes. Der Grund für die verspätete Lieferung war, dass mein Paketdienst in Deutschland keine Sendungen mit Gefahrgut annimmt, was leider bei Epoxy-Harz und -Härter, sowie bei Trennmitteln der Fall ist. So musste ich die Bestellungen neu aufgeben und die «gefährlichen» Waren in der Schweiz bestellen.
Mit den Farbpasten Blau und Weiss mischte ich also entsprechend zwei Töpfe farbiges Epoxy an (total 120 Gramm) und brachte diese in ausreichender Menge so auf, dass die Farben minimal vermischt wurden. So konnten die beiden Farben der Gravitation folgen und sich beim Herunterfliessen vermischen. Dabei bildeten sich - in meinen Augen - sehr schöne Farbverläufe, die meinen Erwartungen mehr als entsprachen. Unter Wasser wird der Rumpf so belassen, über der Wasserlinie dient dieses Camouflage-Muster als Grundierung für die spätere definitive Farbgebung, die ich mit der Airbrush realisieren werde. Dazu aber später mehr, wenn ich dann soweit sein werde.
Zuerst einmal ein paar Fotos (mehr wie immer in der Galerie unten) vom ersten Arbeitsgang:
Die Ansaugstutzen der Jets habe ich auch epoxiert:
11. November 2017
Am Morgen bot sich mir ein farbiges Bild:
Nach dem Aushärten wurde der gesamte Rumpf geschliffen. Die durch das Verlaufen gebildeten Läufe erzeugten Unebenheiten in der Fläche, die nass mit 120er-Schleifpapier plan geschliffen wurden.
An einigen Stellen musste ich bis auf den Holzrumpf herunterschleifen, um die Unebenheiten auszugleichen.
Hier ein Foto, auf dem links die geschliffene, rechts die ungeschliffene Rumpfseite zu sehen ist:
Anschliessend, nach gefühlten 10 Stunden Schleifen mit halblahmen Armen und vom Wasser aufgeweichten Händen, machte ich mich daran, den Rumpf mit der endgültigen Schicht Epoxy zu überziehen. Wieder habe ich blaues und weisses Epoxy angemischt, dazu aber noch einen Topf transparentes, mit dem der Unterwasserteil zuerst überzogen wurde. Mit Blau und Weiss habe ich sodann die Seitenwände, den Heckspiegel, sowie einige Stellen am Unterwasserschiff, wo ich bis auf's Gewebe, resp. das Holz heruntergeschliffen hatte, bepinselt.
Schau selber:
Hier noch ein paar Detailaufnahmen, die die Farbstrukturen schön zeigen. Zuerst der Heckspiegel:
Und hier noch ein Ausschnitt aus der Seitenwand im Bereich des Bugs:
12. November 2017
Der gestrige Epoxy-Anstrich ist sehr gut herausgekommen!
Natürlich ergaben sich wieder einzelne Nasen oder Läufe, welche aber nicht mehr so stark ausgeprägt waren, was ich wahrscheinlich dem Thixotropiermittel zu verdanken habe.
Nichts desto trotz habe ich den gesamten Rumpf erneut geschliffen. Nass natürlich. Zuerst die heiklen Stellen, dort wo es die Farbläufe hatte, mit 120er, dann den gesamten Rumpf mit 320er.
So ist der Rumpf nun zur Weiterarbeit bereit. Er ist roh lackiert und entspricht in etwa meinen Anforderungen an die Oberfläche. Das Unterwasserschiff wird so bleiben wie es ist, über der Wasserlinie werden auf die blaue Camouflage-Lackierung noch Hibiskusblüten in verschiedenen Blautönen mit der Airbrush appliziert werden. Das aber erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn auch die Aufbauten im Rohbau fertig und bereit für die Lackierung sind.
In der Folge begann ich, den Kielschutz anzufertigen und den Rumpf dafür vorzubereiten. Mein Jetboot wird einen Schutz am Kiel erhalten, weil ich dessen Eigenschaft, auch über Untiefen und Sandbänke brettern zu können, auch im Modell nutzen möchte...und der Kiel sollte nicht allzu fragil sein.
Also gibt es einen Rammschutz am vorderen Kiel, dort wo er gekrümmt nach oben steigt, in Form eines 2 x 10 mm Hartmessingstreifens. Dieser wird in eine Nut geklebt.
Im untersten, horizontalen Teil des Kiels klebe/schraube ich einen Messingstreifen der gleichen Abmessungen auf.
Der Übergang vom Streifen zum Rammschutz wird einfach gehalten. eine Verklemmung mit Araldit©Standard sollte ausreichen.
Da schon bald die Scheidung, also das Entfernen des Rumpfes von der Helling, ansteht, habe ich heute noch einen Ständer angefertigt. Modell supereinfach. Mehr braucht es aber eigentlich nicht.
15. November 2017
Nächster Schritt, nachdem das Silikon angekommen ist: Laminierformen der Umkehrklappen aus Silikon herstellen.
Ich habe von R&G das Silikonkautschuk KDSV THX-30 mit einer Shore-Härte von ca. 35 - das war die falsche Wahl...aber dazu später.
Zuerst mussten Giessbehälter angefertigt werden, die dem Volumen der Umkehrklappen möglichst nahe sind, so dass die Silikonmenge minimiert werden kann. Bei einem Kilopreis von 14€ ist das angebracht.
Aus Plexiglas-Resten habe ich auf der kleinen Kreissäge Streifen zugeschnitten, die ich dann zu Kistchen verbaut habe. Das ging mit Sekundenkleber und den praktischen Magnet-Winkelhaltern sehr gut und rasch. Es musste ja auch nicht schön, sondern nur zweckmässig sein. Die Kiste würde nach dem Guss eh beim Entformen zerbrechen.
Kistchen und Modell pinselte ich danach mit Vaseline ein - dachte, als Trennmittel sollte das passen. Wäre aber nicht notwendig gewesen, da Silikon weder mit Plexiglas noch mit Plastilin eine klebende Verbindung eingeht.
Dann habe ich die beiden Modelle in den Kistchen platziert und habe Silikon angemischt. 100:2 sollte das Mischverhältnis zwischen Silikonmasse und Vernetzungsmittel sein. Ich machte einen Fehler, indem ich - aus welchem Grund auch immer - mit einer zu grossen Menge Silikonmasse gerechnet habe, so dass bei der ersten Portion ein Mischungsverhältnis von 100:3 herauskam. Deshalb war die erste Portion zu zäh und gelierte so rasch aus, dass ich schon wusste, hier ist ein Fehler passiert.
Diese erste Portion von 500 Gramm reichte nicht einmal um die Hälfte der einen Form halb zu füllen. Eigentlich hätte ich da gleich die Übung abbrechen sollen und diese erste Portion entfernen und neu beginnen. Aber dafür hätten die bestellten 2 kg Silikon nicht ausgereicht, befürchtete ich.
Also wacker weiter. mit der zweiten Portion von etwa 800 Gramm konnte ich beide Formen zur Hälfte ausgiessen.
Die «Fudi»-Form war etwas tiefer eingegossen als die misslungene «Krake»-Form.
Das war vor dem Konzert von Tricks in der Kaserne gestern.
Nach dem Konzert ging ich noch einmal in die Werkstatt und stellt die Abgüsse fertig.
Zuerst wurde die Oberfläche des Gusses von vorhin mit Vaseline eingepinselt und dann der Rest der Silkonmasse als zweite Hälfte aufgegossen. Leider waren die verbliebenen 800 Gramm etwas zu wenig, so dass die Formen oben nicht mit einer genügend dicken Schicht bedeckt waren.
Eben, nach der Arbeit ging ich kurz in die Werkstatt und entformte die beiden Modelle. Das ging sehr gut und ohne Mühe. Die Plexiglas-Kistchen habe ich mit einer spitzen Flachzange zerkleinert und schon nach kurzer Zeit lagen die beiden Blöcke vor mir.
Die Trennung der beiden Hälften ging ebenfalls sehr leicht. Durch die Silikon-Spuren an den Plexiwändchen war die Aussenhaut der beiden Kuben an der Trennlinie mit einer Schicht Silikon überzogen, die ich mit einer Klinge leicht durchtrennen konnte. Dann liessen sich die beiden Hälften problemlos und leicht voneinander trennen und das Plastilinmodell konnte unbeschädigt entnommen werden. Einzig beim «Fudi» hat die Form etwas gelitten, weil durch die zu grosse untere Hälfte die beiden Düsen verkeilt waren. Eine feste Form hätte ich einfach herausziehen können, aber das Plastilin verbog sich etwas.
Die Formen sind - für einen ersten Versuch - nicht schlecht herausgekommen. Man kann klar die fehlerhaft angezischte Form sehen, wo sich viele Blasen gebildet haben, die in der schnell gelierenden Masse nicht aufsteigen konnten. Die anderen drei Formteile sind recht gut gelungen.
Die dünnen Stellen in den oberen zwei Formhälften sind störend...da muss ich mir was überlegen.
Vielleicht bestellt ich mir noch einmal Silikon, dieses Mal in grösseren Mengen und eine andere Qualität, die besser fliesst und vielleicht etwas härter ist. Die Kistchen müssen etwas tiefer sein und für die Fixierung der Modelle in einer idealen Position muss mir auch noch etwas überlegen.
Nachdem die Modelle überarbeitet sind werde ich wohl einen zweiten Abguss-Versuch starten...ich halte auf dem Laufenden...;)
17. November 2017
Heute war die Scheidung des Rumpfs von der Helling an der Reihe!
Davor bearbeitet ich den verklebten Kielschutz und verteilte die beiden Messing-Schutz-Leisten am Bug zu einem einheitlichen Ganzen.
Danach begann ich damit, mit der japanischen Zugsäge - eines meiner wertvollsten Werkzeuge - die Stege an den Spanten durchzusägen.
Und schon bald war der Rumpf von der Helling befreit und konnte auf dem Ständer Freiheitsluft atmen.
Die als erstes zu bearbeitenden Stellen sind die Ränder der laminierten Seitenwände. Dort hat es noch einige Tropfen aus Epoxy, ausserdem steht die laminierte Flugzeugsperrholz Beplankung bis zu 1 cm über der Soll-Höhe.
Im Innern zeigt sich ein sehr befriedigender Anblick. Die Werftarbeiter haben sauber geabeitet!
Um denen, die sich der Ausmasse des Rumpfs noch nicht bewusst waren, ein Bild zu vermitteln hier ein Tropf-Shot:
Der Rumpf sieht jetzt sehr gut aus...auf dieser Basis kann ich gut weiter arbeiten.
Vor Feierabend habe ich die Jets eingeharzt.
Material:
- Epoxy Acrüpox (R&G) 100g
- Thixotropiermittel zum Verdicken der Sosse
- schwarze Farbpaste
- Baumwollflocken zum Stabilisieren und Armieren
Ausgangslage:
Am Rumpfboden sind durch die beiden Buchen-Leisten Begrenzungen für die Epoxy-Pampe bereits montiert.
Für die senkrechten, kreisrunden Stellen rund um die Austritts-Rohre habe ich aus FSH zwei Abdeckungen hergestellt, die das Epoxy-Baumwollflocken-Gemisch an Ort halten sollen und der Einharzung gleich ein einigermassen ansehnliches Gesicht zu geben.
Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat der heutigen Arbeiten und freue mich, morgen die eingeharzten Jets begutachten zu können.
18. November 2017
Das Einharzen der Jets ist sehr gut herausgekommen. Ein wenig habe ich grössere Epoxy-Spuren weggeschliffen, im grossen ganzen musste aber nichts gemacht werden. Ich der Realität sehen die Jets viel besser eingeharzt aus als auf den Fotos.
Als nächstes habe ich mir das Laminieren der Umkehrklappen mit den vorhandenen Silikonformen vorgenommen. Ich bin mir bewusst, dass das Resultat wahrscheinlich nicht wie erwünscht herauskommen wird...aber ich möchte vor allem das Laminieren unter Vakuum lernen.
Also habe ich zuerst die Silikonformen mit Grundierwachs eingestrichen, das man für schlecht benutzbare Oberflächen verwenden kann.
Dann habe ich das zu verarbeitende Material vorbereitet.
Hier sieht man von links Glasfasergewebe-Resten, Abreissbewege, Lochfolie und Saugvlies.
Dann bereitete ich einen Vakuumschlauch vor, indem ich am einen Ende (rechts auf dem Foto) den Vakuum-Schlauch verschloss und den Saugschlauch gleich mit verarbeitete. Im Innern ist ein Spiralschlauch, der das Absaugen der Luft erleichtert. Links ist das Verschliessen bereits vorbereitet.
Die Vakuum-Pumpe ist oben rechts zu sehen...oder hier in gross:
Das Laminiergeschirr und -material besteht - neben Haar und Härter - aus Farbpasten weiss und rot (es soll rosa werden, um dem Fudi auch eine natürliche Farbe zu geben), Thixotropiermittel und Baumwollflocken.
Ich mischte 90 Gramm Epoxy an, färbte es mit weiss und etwas rot rosarot, gab etwas Thixotropiermittel zum Verdicken bei und mischte am Ende noch Baumwollflocken hinzu. Die geben der Epoxy-Masse Festigkeit.
Diese recht dicke Pampe pinselte ich also in die Silokonformen und legte dann kleine und grössere Glasfasergewebe wie bei der Ppier-maché-Technik und betupfte das ganze noch einmal mit Epoxy-Masse.
Jetzt kam das Abreissgewebe, das man anschliessend wieder vom geformten Stück abreissen kann. Dann legte ich eine feine Lochfolie ein, die überschüssiges Epoxy kontrolliert abfliessen lässt. Am Ende kam noch eine Schicht Saugvlies, ein Material, das dieses überschüssige Epoxy aufsaugt. Durch das Abreissgewebe kann das Saugvlies anschliessend wieder entfernt werden.
Nachdem alle drei Formen laminiert waren, stellte ich sie in die Mitte des vorbereiteten Vakuumbeutels und verschloss diesen sorgfältig.
Jetzt konnte die Vakuum-Pumpe eingeschaltet werden...und nach dem Beheben eines keinen Lecks beim Verschluss mit Vakuumband zog sich die Plastikhülle schnell um die Formen zusammen und begann damit, die Werkstücke schön kompakt und dünn zu saugen.
Es wurde maximal ein Unterdruck von etwas mehr als 0.9 bar erzeugt.
Auf das Resultat morgen bin ich sehr gespannt!
Anschliessend - während ich das Vakuum überwachte - begann ich damit, die Decksleisten einzupassen und -kleben.
Wie ich bereits erwähnt hatte: es ist immer gut, genügend Klammern zur Verfügung zu haben.
Da ich noch nicht genau weiss, wie gross und wo die Luken genau sein werden, habe ich bis auf die mittlere Leiste alle Leisten eingepasst. Je nachdem wird die eine oder andere noch der Säge zum Opfer fallen müssen, wenn ich weiss, wie gross die Decksausschnitte sein werden.
19. November 2017
Also, das mit dem Abformen der Umkehrklappen mit den Silikonformen hat sich erledigt. So funktioniert das nicht.
Die Halbschalen sind formlich ansprechend herausgekommen, aber die Silikonformen haben sich unter dem Druck der Atmosphäre verformt.
Zudem habe ich viel zu wenig Glasfasergewebe und Epoxy verarbeitet, so dass die Teile viel zu dünn geworden sind.
Das Abreissgewebe hätte ich mir sparen können...die Lochfolie genügte, um das Saugvlies entfernen zu können.
...da muss ich mir was überlegen...entweder eine neue Form, eventuell mit neuer Technik...oder ich bestell gleich bei Harztec die skalierte Umkehrklappe. Mal schauen.
Doch zu anderen, erfreulicheren Themen.
Die Deckstringer habe ich alle eingebaut und verschliffen. Jetzt besteht eine homogenes Gitternetz, um das Deck aufzubringen.
Wie man sieht, habe ich die Zugangsluken bereits ausgesägt.
Am Heck wird es eine grosse Luke geben, die ins Deck integriert sein wird.
Im Oberdeck wie es eine kleinere Luke geben, ebenfalls ins Deck integriert. Dieses Deck werde ich wahrscheinlich in Edelholz ausführen...hab da noch Resten von der «Endless Summer»
Im vorderen Teil des Rumpfes wird eine grosse Luke unter dem Führerhaus geben, von der ich erst einen kleinen Teil ausgespart habe, sowie eine kleine unter dem vorderen Ausstieg, wo sich zwei Falltüren öffnen lassen werden...allerdings werde ich den Ausstieg nicht realisieren.
Mehr Fotos - wie immer - weiter unten in der Galerie.
23. November 2017
Der Rumpf ist Innen mit «G4», einem PU-Lack/Festiger/Grundierung, der die ganze Holzkonstruktion wasserfest macht. Dieser «Lack» ist sehr niedrigviskos, dringt also sehr tief in poröses Material ein und verfestigt alles. Hölzerne Oberflächen werden tiefgründig versiegelt und in Ritzen und Spalten dringt er sehr tief ein und verklebt noch stärker. Mit diesem Produkt von Voss-Chemie, das man leider als Privater nicht mehr kaufen kann, habe ich sehr gute Erfahrungen bei meinen Holzrümpfen gemacht. Und genau DAVON habe ich noch eine ungeöffnete Halbliterdose im Fundus gefunden. Steht zwar drauf, dass man's ungeöffnet nur eta 6 Monate aufbewahren kann...meins hat aber schon Liebhaberstatus, ist glaub 4 Jahre alt...;)
Also habe ich für den ersten Anstrich G4 etwa 3 : 2 mit dem passenden Verdünner verdünnt und das Innere des Rumpfes überall damit getränkt. Dieser Anstrich zieht praktisch komplett ein und kann innert 4 bis 5 Stunden mit einem unverdünnten Anstrich überpinselt werden. Dieser Zweikomponenten-Lack von dem man nur die eine Komponente kaufen kann (er braucht die Feuchtigkeit der Umgebung, um auszuhärten) kann wie Polyester oder Epoxy nass in nass verarbeitet werden.
Diese Behandlung hab ich im Freien vorgenommen, da das G4 und vor allem der Verdünner sehr stark nach Lösungsmittel riecht und wohl kaum viel Gutes in der Lunge anstellt. Man soll's ja nicht herausfordern.
Der Rumpf sieht schnittig und dynamisch aus, finde ich...:)
Die vordere Luke ist verschliffen und macht eine gute Figur.
Für die hintere Luke habe ich mir einen Verschlussmechanismus ausgedacht, wo ich durch bewegen eines mit Stiften versehenen Vierkants, einen Deckel in die Abdichtung ziehen kann. Etwas kompliziert vorzustellen, was ich schreibe...schau selber:
Das (oben) sind die beiden Teile separat. Oben der am Deckel befestigte Teil, unten eine Seite des in die Luke zu verklebenden Rahmens mit den Stiften, die in die schrägen Nuten fassen und durch das nach links zu bewegende Vierkant-Messing, worin die Stifte eingelassen sind, «heran» gezogen.
Hier die Vorrichtung in offenem Zustand:
von der Seite sieht man die Lücke zwischen U-Profil und der grossen L-Profil mit Verstärkung:
und in geschlossenem Zustand, man sieht gut das links heraus gezogene Vierkant:
Ob ich das Vierkant am Heck durch eine Bohrung im Spiegel oder durch einen Mechanismus auf Deck von der anderen Seite der Luke her bewege, weiss ich noch nicht. Die Füllung des U-Profils wird sehr wahrscheinlich ein Silikonschlauch sein, und unter den oberen Schenkel des U-Profils will ich noch eine Kante (z.B. einen 1 mm-Draht) löten und den Druck aufs Dichtungsmaterial noch zu verstärken. Aber das kommt später...zuerst waren die vier Seiten des Rahmens hergestellt.
Es ist schön, wieder an der Fräse und der Drehbank zu arbeiten und die Hirnarbeit, wie so etwas technisch geht und hergestellt werden kann, wie die Arbeitsabläufe sind und wie ich am einfachsten zum Ziel komme, faszinieren mich immer wieder.
25. November 2017
Den Rumpf habe ich Innen ebenfalls mit GFK laminiert.
Zuerst alles sorgfältig vorbereitet: für jeden Zwischenraum zwischen Spanten und Stringern habe ich ein Stück Glasfasergewebe zugeschnitten und entsprechend nummeriert um das Aufbringen zu erleichtern, so lange das Epoxy noch gut verarbeitbar ist.
Dann habe ich Epoxy angerührt - 100 g pro Seite - und alle notwendigen Werkzeuge bereitgelegt.
Der Rumpf sah zu diesem Zeitpunkt noch so aus:
Zuerst habe ich auf der Backbordseite alle Zwischenräume mit Epoxy bestrichen. Das habe ich nicht sonderlich sorgfältig gemacht, denn der gesamte Innenraum soll später lackiert werden.
Jetzt wurden die Glasfasergewebe-Stücke eingelegt, wovon ich leider kein brauchbares Foto gemacht habe. In diesem Stadium sind die Glasfasergewebestücke noch weiss, resp. dort wo sie bereits mit Epoxy getränkt sind, haben sie schon die Farbe des Epoxy angenommen. Mit dem Pinsel, den Rest des Epoxy verteilend, tupfte ich dann alles Glasfasergewebe-Stücke gut an, so dass alle komplett mit Epoxy getränkt waren.
Während der nächsten vier Stunden, in denen das Epoxy reagieren konnte, habe ich mich um den Verschluss und den Rahmen für die hinter Luke gekümmert.
Die zweite seitliche Schiene, mit den schrägen Nuten, habe ich angefertigt, ebenso die hintere und vordere Schiene. Davon habe ich kein Foto gemacht.
Der Rahmen ist soweit fertig, dass er testweise eingebaut werden könnte...zuerst muss aber das Deck begonnen werden, damit ich die Dimensionen und die Lage der beiden Rahmen abschätzen kann...;)
Am Ende des Werfttages expoxierte ich mit einer zweiten Schicht den Innenraum des Rumpfes...dieses Mal habe ich die Farbe dunkler angemischt und am Ende noch ein paar Farbtupfer aufgebracht.
26. November 2017
Die Kupplungen habe ich aus Aluminium angefertigt: 12 Stück Alu-Rund mit 25mm Durchmesser und einer Länge von 30mm abgelängt.
Auf der Drehmaschine:
- Plandrehen auf einer Seite
- auf Länge plan drehen am anderen Ende
- Absatz längs drehen auf 15mm Durchmesser und 12mm Länge
- grossen Durchmesser längs drehen
- Bohrung für Welle: 5mm auf der Motorseite und 7mm auf der Jetseite mit einer Tiefe von 20mm
- Bohrung für Verlängerungswelle 6mm durchgehend
Auf der Fräse mit Rundtisch:
- die beiden motor- und die beiden jetseitigen Teile am dicken Ende mit drei 6mm-Bohrungen um 120° versetzt versehen
- die vier verlängerungsseitigen Teile mit je drei 8mm-Bohrungen (ebenfalls um 120° versetzt) versehen
...und schon war der Tag rum.
Als Dämpfung verwende ich Silikonschlauch, satt passend auf die 25mm langen Bolzen aus Stahl gezogen.
Mit einer Verlängerungsattrappe in den Rumpf gelegt sieht's so aus:
...eigentlich bräuchte es gar keine Verlängerung...ich hätte auch einfach ein Zwischenstück anfertigen können. (aber dann hätte ich nicht einen wunderbaren Nachmittag an Fräse und Drehmaschine verbracht...;) )
27. November 2017
Ich habe vergessen zu schreiben, dass ich den Rumpf, so wie er war bevor ich ihn innen epoxierte, gewogen habe: 7750g - dünkt mich i.O.
Die Kupplungen mussten noch mit Gewinden für die Sicherungsschrauben ausgestattet werden...also acht M4-Gewinde in die einzelnen Teile geschnitten.
Danach klebte ich in die vier äusseren Teile die Bolzen aus Stahl ein. Diese mussten mit starken Klemmen in die Löcher gepresst werden, da der 2K-Lein so gut dichtete, dass die Bolzen immer wieder aus den Löchern gedrückt wurden.
Jetzt ging's an die Planung der Motorbefestigung.
Dafür muss zuerst die genaue Position und Lage des Motors ermittelt werden. Das geschieht mit Hilfe eines entsprechend langen Stückes Rund-Alus, in dessen Enden satt sitzende Bohrungen für die beiden Wellen angebracht sind. Diese Bohrungen mache ich jeweils, indem ich zuerst mit etwa dem halben Durchmesser vorbohre (nachdem selbstverständlich anständig mit dem Zentrierbohrer das Zentrum markiert wurde) und mich dann in zwei bis drei Schritten an den Nenndurchmesser herantaste. So habe ich Gewähr, dass das Loch nicht ausleiert und grösser ist als der Durchmesser des Bohrers - und logischerweise auch der Welle, auf der es satt sitzen sollte.
Nachdem also so eine Alu-Stange gebohrt war, konnte ich die Lage der Motoren bestimmen.
Das Heikle an der Motorbefestigung ist, dass sie sehr genau eingebaut werden muss, um übermässigen Stromverbrauch und Vibrationen zu vermeiden.
Bisher habe ich nicht die absolut befriedigende Lösung für eine Motorenhalterung gefunden und werde es bei diesem Schiff mit einer neuartigen Methode versuchen. Unter den Motoren lässt sich gerade noch ein dünnes Brettchen auf die waagrechten Spantenteile legen, so dass ich hier Motorenbetten aus Silikonkautschuk anfertigen werde.
Dazu habe ich auf dem Brettchen zwei rechteckige Kistchen aus Restenholz aufgeleimt, in die Silikonkautschuk gegossen werden soll, während die Motoren sich ihr eigenes Bett formen.
Als nächstes steht die Beplankung des Decks auf dem Programm. Ich beginne mit dem hinteren Arbeitsdeck, wo auch die in den letzten Tagen angefertigten Verschlüsse verbaut werden sollen.
Als erstes wird eine Lage Flugzeugsperrholz mit 0.8mm Dicke aufgeleimt. Da der Decksrahmen mit G4 behandelt ist, muss diese Verleihung mit 2K-Epoxy-Kleber (Araldit©Standard) vorgenommen werden.
Ein gutes und regelmässiges Anpressen ist hier wichtig, damit die Verklebung gut gelingt und sauber weiter gearbeitet werden kann.
28. November 2017
Die Kisten der Motorhalterungen sind trocken und können angepasst werden, damit Motoren und Wellen-Teile genügend Platz haben. Die Befestigung dieser Kisten ist gar nicht so einfach, da ich die Motorhalterungen nicht fix einkleben will. Aber ich finde eine Lösung.
In die beiden massiven Hölzer werden die Ankerpunkte für die Befestigung der Motoren in ihrem zukünftigen Silikon-Bett angebracht...wahrscheinlich werde ich da kommune Ringschrauben nehmen und die Motoren mit Kabelbindern festzurren.
Das aufgeklebte Deck auf der achtern Arbeitsfäche ist gut getrocknet und die Ränder schnell versäubert, so dass ich die vorgefertigten Schliessrahmen-Teile definitiv einpassen und einkleben kann. Die Ecken werden erst später gedichtet...ich wollte diesen Rahmen nicht verlöten um ihn so genau wie möglich einpassen zu können. Ausserdem waren da nicht genügend grosse Flächen um dauerhafte Lötstellen zu garantieren.
Die Verschluss-Stangen werden zum Bug hin bewegt werden können...eine Luke in der Stufe zwischen Achterdeck und Oberdeck wird den Zugang erlauben.
Für den Abschluss des Oberdecks musste ich zwei 5 x 10 mm-Leisten formverleimten, um die erforderliche Biegung ohne grossen Zug realisieren zu können.
Die Back habe ich auch beplankt - aber nur die Teile, die wirklich sichtbar sind. das Führerhaus soll abnehmbar sein und den Zugang zum Innenraum gewährleisten...dort werde ich allerdings einen Süllrand mit O-Ring-Dichtung anfertigen. Hier nehme ich 2mm-Flugzeugsperrholz.
29. November 2017
Die Motorenhalterungen liess ich liegen, da sich dort eine neue Möglichkeit aufgetan hat...dafür muss ich auf ein paar Kleinteile warten.
Dafür kümmerte ich mich um den Deckel zur grossen Heckluke.
Nachdem die am Vortag aufgeklebten Decksteile versäubert waren, passte ich die vier Rahmenteile ein, die am Deckel befestigt werden sollen. Ich verzichtete darauf, diese zu verraten, da die Kontaktflächen minimal sind und Lötstellen kaum halten würden. Also legte ich die angepassten Rahmenteile in den gestern verleimten Rahmen, nachdem alles sauber mit Malerkrepp abgedeckt war
Dann schnitt ich ein genau so grosses Stück 0.8 mm Flugzeugsperrholz-Rechteck zu. Dieses klebte ich mit Araldit©Standard auf die liegenden Rahmenteile und beschwerte es mit einer Schachtel Metallteile zu Drehen. Für ein Foto habe ich die Beschwerung kurz entfernt:
Auf dem Foto sieht man bereits die schräge Rückwand des Mannschaftsraums. Um diese anzukleben musste ich zuerst die gestern angeleimte Endleiste des Oberdecks auf den korrekten Winkel schleifen. Auf das Deck leimte ich eine auf der Kreissäge zugeschnittene Dreiecksleiste.
In der Mitte liess ich frei, weil dort eine Luke hin kommt. Dort kann die Mannschaft zusteigen...ich werde diese Luke nutzen, um raschen Zugang zu den wichtigsten Teilen und zum Verschluss der Heckluke zu haben.
Obwohl noch mehr Luken vorhanden sein werden - eigentlich besteht dieses Schiff nur aus Luken - will ich eine, die leicht und schnell zu öffnen ist und über die ich Zugang zu Hauptschaltern, Akkus und Empfänger habe.
Auf dieser verlinkten Expolsionszeichnung sieht man die geöffnete Heckluke gut.
Um bei den Luken zu bleiben: die Luken im vorderen Teil des Rumpfs liegen jetzt auch mehr oder weniger fest.
Ich habe zuerst den Süllrand aus 12 x 4 mm «Tannen»leisten entsprechend meinen Plänen auf's gestern mit Araldit© verleimte Deck geklebt. So weiss ich, wie die Abmessungen das Steuerhaus haben wird. Diese Leiste wird bei den abnehmbare Teilen der Süllrand sein, der verhindert, dass Wasser in den Innenraum schwappt wenn ich die Möglichkeiten des Boots auszureizen versuche.
Auch die schrägen Niedergänge, die noch mit einer Leiste als Steighilfe belegt werden, habe ich angebaut, um den Süllrand bis dort ziehen zu können.
Als klar war, wie gross der Steuerstand werden wird, habe ich den 6. Spant (von achtern) geopfert und einen Teil des gestern verlegten Decks mit der japanischen Zugsäge fast schon chirurgisch genau herausgetrennt. Zwischen der Ausstiegsluke im Bug und der grossen neuen Luke sind backbords und steuerbords noch zwei Stücke Sperrholz innerhalb des Süllrands...ich überlege mir noch, ob ich die auch heraustrenne oder so stehen lasse. Je nachdem welche Zusatzfunktionen ich allenfalls im Bug einbauen will, könnten sie nützlich sein...wir werden sehen...eilt ja nicht.
Zum Abschluss noch ein Foto vom verschliffenen Deck im Bereich des Bugs. Zusammen mit der bereits im Rohbau angebrachten Scheuerleiste ergibt sich jetzt ein wunderbarer Übergang von den Seitenwänden zum Deck.
Ich mache mir bereits Gedanken zur Gestaltung des Decks. Original wäre ein Anstrich - bei mir natürlich in fröhlichen Farben. Als ich heute per Zufall (?) auf mein Restenlager an Edelholz-Leisten von der Beplankung der BabyBootlegger
und der Taltrast
vorbei kam - auf der Suche nach irgendeinem Werkzeug, das irgendwo im grossen Durcheinander liegen musste - kam mir die Idee, ich könnte das Deck ja auch Yacht-mässig mit Edelholz beplanken. Irgendwie gefällt mir der rotbraune Farbton des Mahagoni wie er an der BabyBootlegger so schön zur Geltung kommt, sehr gut. Natürlich mit schwarzer Kalfaterung zwischen den Leisten (wie bei der Taltrast). Von den Zedernleisten, mit denen der untere Teil der Taltrast beplankt ist, habe ich auch noch einige.
Irgendwie lässt mich diese Idee nicht mehr los...zusammen mit der ansonsten ungewöhnlichen und verrückten Farbgebung könnte das gut wirken.
30. November 2017
Das Verkleben des Messingrahmens mit dem Lukendeckel ist sehr gut herausgekommen...ich konnte nach einer Nacht Aushärten den Verschluss mühelos öffnen und den Deckel ohne Probleme aus seiner Luke nehmen.
Jetzt musste ich die Schliess-Stangen neu anfertigen, weil die ursprünglichen zu kurz waren. Um sie besser schieben oder ziehen zu können, um die Luke zu öffnen, lötete ich eine eingeschraubte M3-Schraube als Hebel fest.
Gekennzeichnet habe ich sie auch gleich...man soll das Werkzeug, das man hat, auch nutzen!
So liegt das gesamte Material zum Verschliessen der achteten Luke bereit für den Einbau.
Es stellt sich noch immer die Frage, welches Dichtungsmaterial ich verwenden soll. Zuerst ein Test mit einem 6 x 4 mm Silikonschlauch...der ist definitiv zu gross und dick...da lässt sich die Luke nicht verschliessen. Aber mit einem kleineren, 4 x 2 mm Silikonschlauch geht es perfekt. Das heisst noch nicht, dass die Luke dicht ist...aber zumindest lässt sie sich schliessen. Dichigkeitstest kommt wenn das Deck fertig ist und Wasser abkann.
Die Luke wird eingesetzt und dann dopple ich das Achterdeck rund um den Lukendeckel mit Sperrholz auf, so dass für das Beplanken eine gute Unterlage besteht.
Mit der aufklappbaren Einstiegsluke habe ich auch weiter gearbeitet. Dort ist der Süllrand entstanden...unten habe ich den Abschnitt der Dreiecksleiste, die ich für den oberen Abschluss der schrägen Rückwand gesägt hatte, verbaut.
Weiter ging's mit dem Oberdeck, das ich aus einem Stück 2mm-FSH ausschnitt. Die Einstiegsluke habe ich des besseren Zugangs wegen verlängert und einen weiteren Spant der Kerrichtverbrennung überlassen. Das Aufkleben machte ich hier wieder mit Araldit©, da die Leisten, auf die das Oberdeck geklebt wird, bereits mit G4 behandelt sind und sich wegen der verschlossenen Poren nicht mehr zum Weissleimen eignen. Diese Verklebung muss jetzt 24 Stunden aushärten.
Im Bereich des Bugs habe ich den Süllrand korrigiert, nachdem ich gestern eine Leiste, resp. einen Spalt übersehen hatte.
5. Dezember 2017
Nachdem der Rahmen getrocknet war, konnte ich überstehende Leisten und Sperrholz plan schleifen und damit den Rahmen für die Deckel vorzubereiten. Mit dem Proxxon-Blockbandschleifer geht das wunderbarstens...:)
Dann schnitt ich gemäss Plan die Oberseiten des Steuerstands und des Vorbaus zu, passte sie an und verleimte sie.
Das Dach des Aufbaus klebte ich noch nicht an, weil ich zuerst die Fronten zuschneiden und einpassen wollte.
Ich habe grossen Spass daran, die Teile am Modell selber zu gestalten....eine Mischung aus Plan- und Scratch-Modellbau mit grossem Grabbelkisten-Anteil.
Sicher kann man einen Steuerstand auch anders - und vielleicht besser - bauen...mein Weg ist jedoch auch zielführend und entspricht meiner Art fast perfekt.
Vielleicht wundert sich jemand, dass da keine Türen eingeplant sind...wenn man sich den Massstab vor Augen führt wird das auch klar, denn jede Tür wäre viel zu niedrig. Kapitän und alle Passagiere steigen über die Heckluke in den Innenraum des Schiffs.
8. Dezember 2017
Der Bau des Steuerhauses und der anderen Aufbauten nimmt recht viel Zeit in Anspruch...aber es macht viel Spass, mit Holz zu formen.
Das Aussägen der Fensteröffnungen mit der Dekoupiersäge geht immer einfacher vonstatten...genaues Sägen mit einer Laubsäge oder eben der Dekoupiersäge gelingt mir meist nicht so gut.
Die Formen sind schon sehr gut zu erkennen...mir gefällt's.
Jetzt warte ich auf ein bestelltes Rohrbiege-Tool, um bald mit der Reling und der Abdeckung der Jets am Heck anzufertigen.
9. Dezember 2017
Die Aufbauten, inklusive der Kästen auf dem Arbeitsdeck, sind im Rohbau fertiggestellt.
Als nächstes werden die diversen kleinen Unschönheiten verspachtelt werden.
Ausserdem fehlt am Backbord-Kasten auf dem Arbeitsdeck noch ein kleiner Kasten, auch die Tritte an den schrägen Ebenen fehlen noch.
So langsam beginne ich damit, Sonderfunktionen zu planen.
Neben den Klassikern (Lichter, drehendes Radar, Sound) möchte ich noch andere realisieren.
- Am liebsten würde ich auf das Arbeitsdeck einen Jetski in 1:10 stellen, der mittels eines Davids/Krans zu Wasser gelassen werden kann und auch fernsteuermässig steuerbar ist...das grösste Problem ist jedoch, ein Modell eines Jetskis in 1:10 zu finden. Selbst als Standmodell gibt es diese nicht im gewünschten Massstab. Ich habe auch bereits einen 3D-Drucker angefragt, was es kosten würde, einen Jetski (einen CAD-Plan habe ich bereits für lau gekauft und entsprechend zu bearbeiten versucht) herstellen zu lassen...aber die erforderlichen rund 700 € sind mir schlicht zu viel.
- Eine Wasserkanone möchte ich gerne montieren...die könnte z.B. aus der sich öffnenden Bug-Luke heraus spritzen.
- Feuerwerk wäre noch ganz spassig...aber sicherheitsmässig nicht ganz unbedenklich.
- Und eine Nebelfunktion kann ich mir auch vorstellen (wobei diese keinen wirklich sinnigen Bezug zum geplanten Verwendungszweck des Boots haben dürfte...es wäre allenfalls eine Reminiszenz aus dem früheren, militärischen Leben des Schiffs.
10 Dezember 2017
Die Moosgummischnur ist angekommen!
Ich hatte je 5 Meter in den Durchmessern 3, 4 und 5 mm bestellt...bei den günstigen Preisen und des bestimmt universell verwendbaren Dichtungsmaterials habe ich gleich ein kleines Lager angelegt.
Die Schnur mit dem Durchmesser von 4 mm ist ideal: sie passt perfekt in den Kanal und der Deckel lässt sich damit perfekt schliessen, so dass die Oberfläche des Arbeitsdecks plan ist.
Die beiden Seitenkasten werde ich in irgendeiner Form für eine Funktion verwenden...deshalb habe ich unter den Kasten je ein Zugangsloch gebohrt, durch das z.B. Kabel gezogen werden können.
Danach habe ich die beiden Kasten verklebt.
Jetzt konnte mit der Decksbeplankung begonnen werden.
Ich habe heute einen Rahmen um das gesamte Deck gezogen, sowie den Mittelstreifen verlegt.
Das dunkle Holz ist Mahagoni, das helle ist Ahorn.
Die einzelnen Leisten habe ich mit Sekundenkleber fixiert...endgültig werden sie dann mit dem G4 verklebt, mit dem ich nach beendeter Beplankung das Deck und die Aufbauten tränken werde.
Das Beplanken ging rassig voran und machte ungemein Spass...jetzt freue ich mich darauf, den Rest in Mahagoni zu beplanken...hier werden dann auch Zwischenräume für die Kalfaterung vorhanden sein.
12. Dezember 2017
DARAUF habe ich mich gefreut!
Herrlich, das Beplanken! Ich liebe es!
Der vordere Teil des Decks wird so bald als möglich beplankt.
16. Dezember 2017
Das Deck ist fertig beplankt!
Folgende Arbeiten wurden erledigt:
- Beplankung des Daches mit Überständen, welche anschliessend mit dem kleinen Bandschleifer verschliffen wurden. Zum Abschluss wurde das Dach mit einer Mahagoni-Leist 5 x 2 mm rundherum abgeschlossen. Alles verschliffen.
- Oberfläche vor den Cockpitfenstern mit Überstand beplankt. Kalfaterfuge zur Fensterfront. Alles verschliffen.
- Vorderes Deck vom Mittelstreifen her beplankt, wobei jede Planke einzeln zugeschnitten und -geschliffen werden musste.
- Deckel der vorderen Luke beplankt.
- Mittelstreifen-Fehler an der hinteren Einstiegsluke korrigiert.
- bei beiden Schrägen auf Deck die Mahagoni-Beplankung verschliffen.
- hintere Einstiegsluke mit einer Mahagoni-Umrandung versehen und veschliffen.
- Decksränder verschliffen.
Aber schau selber:
Der Rahmen der Einstiegsluken wird nach dem Verschleifen der Kalfaterung mit Mahagoni aufgedoppelt...das stört rein optisch etwas...wird dann etwa so aussehen (die Leisten mahagonimässsig eingefärbt mit Schottofopp)…
Hier sieht man die Rahmen um Lukendeckel und Steuerhaus gut:
Die grosse Luke im Arbeitsdeck ist auch von Auge kaum zu erkennen...auf der Foto sieht man es gar nicht:
Die Luke lässt sich sehr gut öffnen.
Auch die vordere Luke wird sich öffnen lassen...da bereiten mir die Scharniere noch etwas Sorge...das wird wohl ein Eigenbau auf Drehmaschine und Fräse...Miniaturmodellbau.
Unter dieser Luke möchte ich einen Feuerlöscher-und-Zuschauer-nass-mach-Monitor, einen sogenannten F&ZnmM, platzieren.
Da stellen sich diverse Fragen...die momentan grösste ist, wie ich ein wasserdichtes Rohr-Gelenk herstellen oder wo ich ein solches kaufen kann. Das ist für die Funktion des Drehen und Lebens-Senkens des Monitors.
25. Dezember 2017
Endlich, nachdem ich meine zweitägige Vorweihnachtszeit und die Weihnachtsfeierlichkeiten erfolgreich überlebt hatte, machte ich mich daran, an der Stridsbåt weiter zu arbeiten.
Ich habe das beplankte Deck soweit geschliffen, dass eine ebene Fläche vorhanden ist, bevor ich weiter arbeite.
Dann wurde das gesamte Deck mit G4 grundiert. Diese Grundierung zieht sehr gut ins Holz ein und verfestigt die Konstruktion ideal. Ich habe - nachdem bei R&G das G4 nicht mehr zu beziehen ist, in der Schweiz mit Suter Kunststoffe einen Lieferanten gefunden, der auch R&G-Produkte vertreibt.
Jetzt hat das Holz die endgültige Farbe:
etwas unscharf von Vorne:
und die Einzelteile:
und das Steuerhaus:
Morgen hoffe ich, die Kalfaterung machen zu können...:)
Idee | Planung | Realisation | April 2014 - 31. Oktober 2017
Für mich sind bei der Wahl eines zu bauenden Schiffs vor allem technische Aspekte und eine gelungene Linienführung wichtig. So ist mir unwichtig, aus welcher «Sparte» das Original kommt - ich mache eh etwas draus, das meiner momentanen Laune, einer verrückten Idee oder einer unbändigen Faszination folgt.
So war es bei der «Endless Summer», die einen bisher nicht existenten Verwendungszweck für einen Schlepper als Basis-Schiff bei Surf-Expeditionen darstellt.
Die massstäblich kleine Schwester der «Endless Summer» wird diese Stridsbåt90 werden, die im Original rund halb so gross ist wie der Schlepper «Smit Mersey», dem mein Modell nachempfunden ist.
Als kleine Schwester stelle ich mir ein schnelles Einsatzboot für die wilden Big-Wave-Surfer vor, die sich mit diesem Schiff nahe an grosse Wellen manövrieren lassen können. Eventuell werde ich noch Jet-Skis für’s Town-In oder für die Rettung bauen…am liebsten funktionsfähig.
Die Gestaltung dürfte ähnlich der «Endless Summer» sein: Hibiskus-Blüten. Nur diesmal wahrscheinlich in Blau — Hellblau - Seagreen - Türkis - Weiss.
Als Massstab habe ich mich für 1:10 entschieden. Das ist eigentlich ein «unmöglicher» Massstab, denn hier ist die Verlockung, alles ganz genau abzubilden und sich in Details zu verstricken, sehr gross. Aber keine Angst…ich werde nicht ein perfektes aber aus meiner Sicht langweiliges Scale-Boot bauen, sondern einen ziemlich gebastelten, lustigen Surf-Flitzer.
Es gab bei Kehrer-Modellbau - das sind die, die die berühmten Kehrer-Jets bauen - einmal Rumpf («Polis» hiess der) und Aufbauten einer Stridsbåt90 tiefgezogen. Aber der war in einem kleineren Massstab. Ausserdem interessieren mich Kunststoff-Rümpfe überhaupt nicht.
Ich will den Rumpf selber bauen!
Dazu muss ein Spantensatz und ein brauchbarer Bauplan her. Gibbet aber nischt….also selber zeichnen.
…dass CAD-Programme jedoch so umfangreich und - für den Laien - kompliziert sind, hätte ich nicht gedacht!
Zuerst mussten aber Daten her, die in eine dreidimensional Zeichnung in «Freeship», einem Opensource-CAD-Programm für den Schiffbau, verwurstelt werden kann.
Im Internet fand ich Seiten- und Aufriss der Stridsbåt90, aus denen ich trotz miserabler Qualität und viel zu geringer Auflösung die Kenndaten der einzelnen Spanten herauslesen konnte. Dazu zeichnete ich in Illustrator© eine hochauflösende Kopie nach, auf der sehr genau die einzelnen Kennpunkte definiert werden konnten. Ein hinterlegtes Millimeter-Raster erleichterte diese Arbeit sehr.
Das Resultat war eine sogenannte Offset-Tabelle.
Und jetzt kam eben das CAD-Programm ins Spiel.
Die Daten aus der Offset-Tabelle werden als Koordinaten interpretiert und entsprechend beim Setzen von «Eckpunkten» in der digitalen Zeichnung eingegeben.
Das sieht in Etwa so aus:
Viel mehr sagt aber eine Zeichnung mit eingefärbten Flächen, Schatten und aus verschiedenen Blickwinkeln. Auch das lässt sich relativ einfach herstellen:
Die roten Flecken bedeuten, dass an diesen Stellen der Rumpf nicht «strakt», also quasi «aus der Fläche» ragt…oder eine Beule hat, die nicht gebaut werden kann.
Da ich aber in Holz baue, wo in den verschiedenen Schritten die genaue Form sowieso erst gefunden wird, stören solch relativ geringen Fehler nicht. Zumindest glaube ich das.
…die Modellbaukollegen, die sich präzise an Baupläne und Originalformen halten würden mich wohl bei so einer Aussage am liebsten mit einem Publikationsverbot belegen (lol)…aber in meiner Erfahrungzeigt der reale Umgang mit den Materialien manchmal ganz andere Schwierigkeiten als ein nicht zu Hundert Prozent strakender Rumpf.
Die Seitenansicht, Heck- und Front-Ansicht, sowie die Aufsicht habe ich in 1:1 ausdrucken lassen Das ergab zwei Planbögen von rund 90cm Breite und 2 Metern Länge!
Ich habe dann aus der CAD-Zeichnung die Spantenrisse extrahiert und sie in Fräs-Files verwandelt, um sie einem lieben Modellbaukollegen zu senden, damit er mir die Spanten auf der Fräse herstellte.
Das händische Aussägen mit der Dekoupiersäge hat mich so etwas von garüberhauptnicht interessiert, dass ich gerne den Zusatzaufwand am Computer in Kauf nahm.
Als die Spanten postalisch bei mir angekommen waren, baute ich zuerst eine Helling, auf der die Spanten dann kopfüber befestigt werden sollten.
Als Basis stand mir die Grundplatte der «Taltrast» zur Verfügung. Dieser Segler hat etwa die gleiche Grösse wie die Stridsbåt90. Zuerst klebte ich Leisten im Abstand der Spanten (hier durchweg 10cm) auf. Dabei muss genau auf exakt parallele Befestigung der Leisten geachtet werden!
Als nächstes wurden die Spanten der Reihe nach positioniert und ausgerichtet.
Die Ausschnitte für den Antrieb musste ich unbedingt vor dem Verkleben aussägen. Diese Arbeit wäre am fixierte Heckspant sehr umständlich gewesen.
Die Jets sind übrigens von der Firma MHZ-Powerboats (https://www.mhz-powerboats.com) und sind für Motoren ab 1 PS ausgelegt. Sie erzeugen je rund 120N Schub, was einem totalen theoretische Pfahlzug von 24 kg entspricht. Das wäre sehr viel! Eine Einbaubucht habe ich von Anfang an vorgesehen:
Jetzt begann ich, den Rumpf zu formen, indem ich Längsleisten einpasste und zu verkleben begann. Besonders die komplizierte Form im Bugbereich, wo sich die zwei Flächen des Rumpfs in drei aufteilen, verlangte einiges an Hirnschmalz. Ich musste herausfinden, wie die «Stringer» genannten Leisten am besten zu verkleben wären, um eine möglichst gute Auflage für die spätere Beplankung zu erreichen.
Dafür ist man froh um jede Klammer und anderes Hilfsmittel, das zur Verfügung steht. Manchmal ist der Rumpf-Rohbau vor lauter Klammern kaum noch zu sehen.
Schon bald konnte mit dem Verkleben der ersten Brettchen begonnen werden. Hier die Bugpartie, die beim Original eine abklappbare Bugklappe darstellt und bei meinem Modell nur in der Form, nicht aber in der Funktion nachgebildet werden wird.
Auch müssen jetzt schon kleine Fehler ausgebessert werden…zum Beispiel ein fehlendes Stück im Kiel.
Die Oberkante der Seitenwände müssen jetzt schon mindestens angedeutet sein, damit es vom Aufwand her nicht zu kompliziert wird. So fällt das Laminieren später leichter und wenn der Rumpf von der Helling genommen werden wird, muss «nur» noch der Aufbau ab Deckshöhe gebaut werden.
Ist der Rumpf mit Spanten und Stringern geformt und die Ausschnitte für die Jetantriebe korrekt geformt, wird alles überprüft und einer letzten Inspektion unterzogen.
Jetzt kann mit der Beplankung begonnen werden!
Da es sich um einen sogenannten Knickspanter-Rumpf handelt, wird das Beplanken mit verhältnismässig grossen Flugzeugsperrholz(FSH)-Platten möglich sein.
Für die Seitenwände wähle ich eine einschichtige Beplankung mit 1.5-mm-FSH, für die Laufflächen zweischichtige Beplankung mit 2 mal 0.8-mm-FSH.
Beim Original ist das Heck rund 5° nach hinten geneigt. Das erziele ich mit einer Blende. Die Basis dafür wird mit abgeschrägten Leisten hergestellt.
Am Bug werden recht komplizierte Formen notwendig, um ein zuverlässiges Verkleben der Beplankung möglich zu machen.
Am Ende - oder zumindest fast am Ende - der Beplankung sieht der Rumpf so aus:
Gestern habe ich in einem Anfall akuten Wahnsinns mehr als drei Jahre altes Epoxy-Harz und -Härter vermischt und den rohen Rumpf damit bestrichen. Dies zum Zweck der Verfestigung der Holzkonstruktion.
Das Harz (von R&G, super Qualität!) sah trotz der langen Standzeit bei Zimmertemperatur und nur mit dem Pumpspender verschlossen ganz normal aus. Also mass ich die vermuteten 80 Gramm ab und pumpte ohne vorherige Prüfung den Härter mit dem Pumpdosierer ins Mischglas.
Eine braune, zähflüssige Sosse ergoss sich ins glasklare Harz!
Mit Todesverachtung vermischte ich die beiden Komponenten zu einem hellbraunen Süppchen, verdünnte es mit Aceton und begann ohne Rücksicht auf Verluste den Rumpf damit einzupinseln.
Die Tragweite meiner Handlung war mir zu dem Zeitpunkt nicht wirklich bewusst. Erst später merkte ich, dass, sollte die Epoxy-Mischung nicht aushärten, ein Riesengeschmiere, klebrig wie weissichnichtwas und einfach gruusig, wieder vom liebevoll gebauten Rumpf würde waschen müssen.
Umso grösser war dann meine Erleichterung, dass das Epoxy ausgehärtet und trocken war, keine klebrige Stelle war zu entdecken.
Bestimmt wird diese Epoxy-Schicht nicht hochbelastbar sein und keinen industriellen Standards genügen...aber sie wird halten.
Und DARUM geht es doch, oder?
Gespachtelt habe ich mit 2K-Polyesterspachtel aus dem Baumarkt.
Nach diversen Spachtel- und Schleifgängen hatte ich den Rumpf so weit, dass ich ans Laminieren denken konnte:
Ich möchte für die paupere Qualität der Fotos förmlich um Verzeihung bitten...ich war zu faul, die Kamera mit in die Werkstatt zu nehmen und musste bei bescheidenen Lichtverhältnissen mit dem Smartphone Vorliebe nehmen...lol
Auf dem folgenden Foto erkennt man gut, wo die Konstruktion - oder vielleicht meine Ausführung - ihre Mängel hat. Die zeichnerische Konstruktion der Spanten stimmt nicht vollkommen. Die grossen Spachtelflächen zeigen Dellen, die von nicht strakenden Spanten herrühren.
Jetzt wurde laminiert.
Ich verwende Epoxid-Harz und -Härter von R&G, sowie Glasfaser Köper-Gewebe mit einem Gewicht von 80g/m2. Hier kam noch schwarze Farbpaste hinzu. Die Farbe hilft mir, einen besseren Überblick zu haben beim Auftragen des Epoxy und auch beim Auflegen der Glasmatte.
Zuerst muss das Gewebe zugeschnitten werden - das geht später nicht mehr, weil mein Epoxy eine Topfzeit von rund 40 Minuten hat.
Beim Zuschneiden machte ich einen Fehler: ich schnitt bloss für jede Rumpfseite eine Bahn zu, statt an der scharfen Kante zu teilen. Glasfasergewebe lässt sich - wie jedes andere Gewebe - nicht über eine 90°-Kante gelegt werden. Das ergibt immer eine «runde Ecke». Und das ist hässlich, lässt sich aber mit «etwas» Mehraufwand ausgebessert werden...nur optisch, technisch ist es eigentlich eine Katastrophe. Bei meinem Boot müssen aber keine industriellen Festigkeitsnormen erfüllt werden...und massstäblich gesehen ist meine Bauweise eh viel zu massiv.
Also rührte ich 100 Gramm (2:1) an, gab Farbpaste hinzu und strich eine Seite des Rumpfes überall dort damit ein, wo ich laminieren wollte. Der Auftrag war denkend und reichlich, aber ohne dass Läufer entstanden. Auf die schwarze Fläche legte ich sorgfältig die vorbereitete Bahn Gewebe. Meine Sorgfalt galt in erster Linie dem geraden Verlegen, denn das Köper-Gewebe verzieht sehr leicht sich durch seine grosse Flexibiltät (was an schwierigen Stellen sehr hilfreich ist). Ich begann jeweils am Heck und legte die sehr leicht ausfransende Kante entlang des Kiels. Dabei versuchte ich, den unteren Teil des Bahn nicht auf den Rest der eingestrichenen Fläche zu legen, denn Epoxy klebt sehr hartnäckig. Als eine gerade Linie am Kiel entlang verlegt war, konnte der untere Teil des «Tuchs» faltenfrei auf den Rest des Rumpfteils gelegt werden. In diesem Stadium lässt sich das Gewebe noch ablösen, um Falten zu entfernen. Nachdem alles glatt lag, konnte ich das Gewebe mit einem trockenen, kurzflorigen Roller anpressen. Dabei muss darauf geachtet werden, nicht zu viel Duck auszuüben, um das Gewebe ich zu verziehen.
Bei dieser Tätigkeit bemerkte ich meinen Fehler mit der Kante...jetzt war aber schon zu spät, denn eine schöne Kante lässt sch nur in zwei Schritten laminieren. Jänu.--;)
Jetzt konnte noch etwas mehr Epoxy aufgetragen werden, um das Gewebe vollständig zu tränken. Das sah dann so aus:
Die Luken für die Jet-Ansaug-Stutzen habe ich einfach überlaminiert...das lässt sich nach dem Aushärten problemlos mit einer scharfen Klinge abschneiden.
Die Oberfläche ist nicht perfekt gelungen...es hat ein paar Stellen, wo man den Falt des Köper-Gewebes sieht, ausserdem sind ein paar Stellen nicht schön angedrückt. Hier sieht man sehr gut die misslungenen Kanten. Links ist zu sehen, wie sich das Gewebe «um die Kante geworfen» hat.
Der gesamte Rumpf wurde anschliessend geschliffen und die Unebenheiten, sowie die runde Kante eliminiert.
Danach bereitete ich eine Leiste auf der kleinen Kreissäge als Stepleiste vor, indem ich sie mit einem 20°-Winkel zu einem dreieckigen Querschnitt brachte.
Diese Leiste habe ich mit Araldit©Standard verklebt.
Auf dem Foto oben sieht man die aufgeklebte Leiste und darüber eine angesägte zweite Leiste als Zulage beim Anpressen.
Auch Schraubzwingen kann man nie zu viele haben...;)
Nach dem Aushärten des - genialen! - Klebstoffs habe ich die Stepleiste der Kontur des Rumpfes angepasst und verschliffen.
Die Ansaugstutzen-Luken sind ebenfalls verschliffen.
Als nächstes steht ein wiederholter Zyklus aus Spachteln und Schleifen der Oberfläche an.
Die Fortsetzung ist im nächsten Artikel oberhalb dieses Beitrags nachzulesen.