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ES-Prävention: Wenn der See kommt
Nach zwei Überschwemmungen reichte es den Bauherren: Sie ergriffen aufwändige Massnahmen, um ihr Gebäude gegen die Wasser des Bielersees zu schützen.
(mei) Es wirkt wie die reine Idylle: Das Grundstück des Bauherrenpaars stösst direkt an den Bielersee an, und von der Terrasse des Einfamilienhauses geniesst man einen weiten Blick über das Wasser. Doch schon kurz nach der Fertigstellung des Hauses 2004 war es vorbei mit der Idylle: 2005 und 2007 erreichten die Fluten des Bielersees das Innere des Gebäudes und sorgten dort für grosse Schäden. «Das zweite Hochwasser war noch gravierender, so dass wir sogar für drei Monate ausziehen mussten», erinnert sich der Bauherr.
Sickerleitungen und Pumpschächte
Um diese Erfahrung in Zukunft möglichst zu vermeiden, entschloss sich das Bauherrenpaar, Schutzmassnahmen gegen weitere Hochwasser zu treffen. Bei einer Ausstellung des Vereins Aqua Alta, der sich für den Hochwasserschutz am Bielersee engagiert, fanden sie Inspiration. Der Bauherr entwickelte daraufhin in Eigenregie ein Schutzkonzept, das er mit dem ansässigen Baumeister und einem Zimmermann realisierte. Rund ums Gebäude – mit Ausnahme der Rückseite – wurden in einer Tiefe von 80 Zentimeter Sickerleitungen angebracht, welche das steigende Grundwasser in zwei je 1,5 Meter tiefe Pumpschächte führen. Von dort kann das mit dem Seespiegel steigende Gundwasser abgepumpt werden.
Schutzwände auf drei Seiten
Seitlich zum Haus, auf der Ost- und Westseite, liess der Bauherr zwei Mauern aus Beton erstellen, die vorne in einem Winkel von 45° abgeschrägt sind. Auf der dem See zugewandten Seite entstand eine Konstruktion aus Lärchenholz mit neun Elementen, die das Wasser vom See abhalten. Diese Konstruktion bildet im Normalfall eine elegante Terrasse, deren grösster Teil bei Bedarf ohne grossen Aufwand aufgeklappt werden kann, wobei er einen Winkel von 45° bildet sowie eine Höhe von 80 cm erreicht. Dann werden auch die beiden Pumpschächte sichtbar, die ansonsten unter der Terrasse verborgen sind.
Die Lücke zwischen der Holzkonstruktion und den Betonmauern wird durch einige, leicht aufstellbare Plattec-Elemente geschlossen, deren 45°-Winkel vorgegeben ist und deshalb für die anderen Teile übernommen werden musste. Den Abschluss der Schutzverbauung bilden grosse wasserdichte Plachen, die über die aufgestellen Plattec- und Terassenelemente gelegt und mit Sandsäcken am Boden abgedichtet werden. Zwei Schmutzwasser-Pumpen mit einer Förderleistung von je 500 Liter pro Minute werden in die Pumpschächte gestellt und in Betrieb genommen; bei einem Stromausfall steht ein Notstromaggregat bereit. All diese Massnahmen waren nicht ganz günstig: Die Gesamtkosten beliefen sich auf ca. 50'000 Franken, wovon die Bernische Stiftung zur Prävention von Gebäudeschäden der Gebäudeversicherung Bern 5000 Franken übernommen hat.
Ein Probelauf pro Jahr
Bis das ganze Konzept aufgebaut und in Betrieb ist, dauert es zwei Stunden. «Diese Zeit reicht längstens aus, denn das Wasser steigt nur langsam», weiss der Bauherr. Falls das Wasser kommt, wenn die Eigentümer in den Ferien sind, springt der Sohn ein. Damit die Abläufe sitzen und jeder weiss, was er im Notfall zu tun hat, wird das System einmal pro Jahr aufgebaut. Das Bauherrenpaar ist zuversichtlich, dass sich die Massnahmen im Ernstfall bewähren würden, wobei ein Restrisiko nicht ausgeschlossen werden kann.
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