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Neben Kirchen und Schlössern haben Mühlen seit Jahrhunderten eine besondere Stellung in der Landschaft eingenommen. Anfänglich waren sie Lehen, die entweder durch Ritter, Klöster oder Städte unter besonderen Bedingungen an die Müller verliehen wurden.
Wahrscheinlich schon zur Zeit der Gründung der Eidgenossenschaft stand, einige hundert Meter bachabwärts des heutigen Standortes, ein Haus mit dem Namen „Furtmühle“, urkundlich erwähnt wurde die Mühle jedoch schon am 3. Juli 1393.
Den Namen erhielt die geschichtsträchtige Mühle von der noch im späten Mittelalter bezeugten „Furt“ – dies bedeutet: eine Ueberquerung einer seichten, nassen Stelle in einem Fluss. Die Wege, welche an der Furtmühle vorbei geführt hatten, existierten aber bereits zur Römerzeit. Es war ein Heerweg Zürich – Winterthur – Untersee, der in nächster Nähe der „Furtmüllers“ den Bach überquerte. Auch spätere Salz- und Kornfuhren liessen den Weg zum internationalen Fahrweg werden. Man muss wissen, dass die Frachtwagen von Ulm über Stockach und Stein am Rhein gegen Winterthur und in eidgenössisches Gebiet hinein führten. Die Kaufleute benützten die Kreuzung bei der Furtmühle ebenfalls, um die Schaffhauser-Zölle zu umgehen.
Ueber Jahrhunderte sorgten häufige Besitzerwechsel für eine turbulente und spannende Hausgeschichte. Hier darauf einzugehen, würde den Rahmen dieser Aufzeichnungen sprengen, vieles ist jedoch unterdessen notiert.
Doch sei erwähnt, dass ein Ulrich Furtmüller an den mörderischen Kämpfen in der Lombardei teilgenommen hatte. Ob er aus Marignano heil zurückkehrte, konnte leider auch nach intensivem Archivstudium der noch vorhandenen sog. „Reisrödeln“ nicht mehr herausgefunden werden.
Ein weiterer interessanter Besitzer der Furtmühle war Felix Schmid, ein Bergbaugelehrter aus Stein am Rhein, damals wohnhaft im „Haus zum schwarzen Horn“. (1580) Er war der Vater des berühmtesten Steiners, nämlich von J. Rudolf Freiherr von Schwarzen Horn. Noch heute spielt der sogenannte „Prunkbecher“ in der Stadtgeschichte eine wichtige Rolle.
Bald tauchte das Zürcher Geschlecht der Wehrli in der Hauschronik auf. (1599) 220 Jahre lang stellten die Wehrlis die zürcherischen Amtmänner des Klosters St. Gallen. 1615 wurde die Furtmühle in den Besitz von Hans Peter Wehrli aufgenommen – für 1556 Gulden.
Dessen Sohn, Joachim Wehrli, liess die Furtmühle am alten Standort abbrechen und im Jahre 1635 am heutigen Ort stattlicher und grösser wieder aufbauen. Eines unter vielen wichtigen Merkmalen der Mühle – die Furt wurde durch eine Brücke ersetzt. Die Verantwortung dafür wurde dem Mühlebesitzer auferlegt. Der Weg nach Unter-stammheim wurde nämlich von Joachim Wehrli angelegt und der Weg behielt den Namen „Wehrligass“ bis heute.
Mitte 18. Jahrhundert übernimmt Hans Joachim Gutherz das Mühle-Ensemble. Ein noch heute sehr gut erhaltener Zeuge jener wohlhabenden Besitzer ist das Buffett in der heutigen Wohnstube. (Baujahr 1804) Jahrelang diente dies in der damaligen Trinkstube im ersten Wohngeschoss als Mittelpunkt und unverzichtbares Möbel. Man muss sich die damalige Trinkstube als Treffpunkt von Lieferanten, Bauern, Kunden und verschiedensten Reisenden vorstellen. Am Haus vorbei führte ja bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts auch der Weg zur Kirche in Unterstammheim. Ein Kommen und Gehen war damals Alltag bei den Bewohnern der Furtmühle.
Interessant: Im Jahre 1694 waren im Inventar folgende Angaben gemacht worden, welche noch heute beeindrucken: „Mühle mit drei Mahlhaufen, eine Doppelwohnung, verschiedene Kornschütten, eine Säge, eine Reibe und Stampfe, eine Trotte mit Keller und Platz für 150 Saum Wein. (umgerechnet waren dies 25`500 Liter Wein!) Ein Wasch- und Badhaus, eine Wohnung für den Rebmann (am Bach), ein freistehender Stall mit Scheune und verschiedene Rebberge und Landstücke gehören zum Besitz.“
Wie verändern sich doch die Zeiten und Begebenheiten. Besitzerwechsel, Hausabbrüche und Neubauten, Industriealisierung und Neuzeit– eine jahrhunderte währende Aera hinterlässt eindrückliche Einblicke in oft turbulente Zeiten. (unter anderem auch Pest und Hungersnot)
Im 20. Jahrhundert, am 16. Januar 1961, übernahmen die Deringers die Furtmühle. Dies waren Ernst und Anna Deringer-Wepfer – die Grosseltern des heutigen Besitzers. Sie waren aus dem Limmattal hierhergezogen – der Autobahnbau Zürich-Bern veranlasste die damaligen Bauersleute zu diesem gravierenden Schritt. Sie mussten „auswandern“ in ein Landwirtschaftsgebiet, das weniger städtisch war und eher eine Zukunft für die Nachkommen garantierte.
1993 übernahmen Peter und Elsbeth Deringer-Ulrich die Furtmühle als Landwirtschaftsbetrieb von den Eltern Lydia und Ernst Deringer-Wirth.
Das Haupthaus steht unter überkommunalem Schutz und das Ensemble mit den Bewohnern hat sich rund um die Mühle im Laufe der Jahrhunderte dauernd den Veränderungen der Zeit angepasst.