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Die Stadt Genf will für die Olympischen Winterspiele 2018 kandidieren. Dies, obwohl das schweizerische Olympische Komitee eine Kandidatur für aussichtslos hält.
Die Initianten des Genfer Olympia-Traums sind am Freitag in die Offensive gegangen und haben ihr Projekt unter dem Motto "Spiele mit menschlicher Dimension" vorgestellt.
Präsident Jörg Schild hatte im November angekündigt, dass das schweizerische Olympische Komitee (Swiss Olympic) auf eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2018 verzichtet.
Dessen ungeachtet stellte die Interessengruppe (IG) "GEJO 2018" am Freitag in Genf und Zürich ihre Idee vor, für genau jenen Anlass zu kandidieren. Von der Kommunikationsoffensive der IG überrascht, hält sich Swiss Olympic jedoch alle Optionen offen.
"Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass eine Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2018 keinen Sinn macht und kaum Aussichten auf Erfolg hätte", sagte Claudia Imhasly, Kommunikationschefin von Swiss Olympic. Wenn auf private Initiative etwas zustande komme und die nötigen Mittel aufgetrieben werden könnten, würde das aber zumindest kritisch geprüft. "Wir können den Genfern ja nicht verbieten, eine Kandidatur zu starten", sagte Imhasly.
Laut der Sprecherin würde die Schweiz zwar die Ansprüche an eine Gastgeberin erfüllen. Wichtige Argumente sprächen aber gegen eine Kandidatur. So könne das Land ökonomisch kaum von einer Ausrichtung der Spiele profitieren und auch der politische Rahmen sei nicht günstig.
Alle Trümpfe in der Hand
Für den Präsidenten der Interessengruppe GEJO 2018, Marco Torriani, haben Genf und die Schweiz alle Trümpfe in der Hand, um die Winterspiele 2018 erfolgreich organisieren und durchführen zu können.
Dazu gehörten die infrastrukturellen Anlagen für die Wettkämpfe, die Unterbringungs- und Transportmöglichkeiten, die sportliche Tradition Genfs, das unternehmerische Know-how sowie die Motivation der Bevölkerung für den Anlass.
Die Anlagen für Eissportdisziplinen werden hauptsächlich in den Städten geplant, die Anlagen für den Schneesport in den Kantonen Waadt und Wallis.
Hinter der Genfer Bewerbung stehen neben Torriani als Präsident der IG insbesondere Jean-Pierre Jobin, Präsident von Genève Tourisme, Jean-Loup Chappelet, Direktor des Institut des hautes études en administration publique (IDHEAP) sowie Jeremie Robyr, Präsident von Wallis Tourismus.
Bevölkerung zur Unterstützung aufgerufen
Die Bevölkerung von Genf, der Westschweiz und der ganzen Schweiz wird aufgerufen, das Projekt zu unterstützen, damit im Jahr 2009 die Bewerbung von Genf und der Schweiz offiziell bei Swiss Olympic eingereicht werden kann.
Bis dann soll auch die Bewilligung der Kandidatur auf Schweizer Ebene, eine Volksabstimmung sowie der Beschluss des Sportparlaments von Swiss Olympic vorliegen.
Wahl 2011
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird 2010 eine Auswahl aus den kandidierenden Städten treffen und 2011 den Veranstalter der Olympischen Spiele 2018 bestimmen.
Die aussichtsreichsten Kandidaturen sind München, Tromso in Norwegen, Annecy-Grenoble, Denver und Pyeongchang in Südkorea. Die nächsten Winterspiele finden im Jahr 2010 im kanadischen Vancouver statt. Gastgeber der übernächsten Olympischen Winterspiele 2014 ist die russische Stadt Sotschi.
swissinfo und Agenturen
Olympia in der Schweiz
Die Schweiz war seit 1924 zwei Mal Gastgeberin des Grossanlasses: 1928 und 1948 traf sich die Wintersport-Elite in St. Moritz. Seither hat die Schweiz mehrmals erfolglos eine Kandidatur eingereicht.
Sitten bemühte sich bisher drei Mal vergeblich um die Spiele und scheiterte 1999 im dritten Anlauf nur knapp.
Das Internationale Olympische Komitee gab damals Turin den Vorzug, das die Spiele 2006 ausrichtete.
Die erste Kandidatur war 1963 nach einem Nein des Volkes zurückgezogen worden, 1970 unterlag Sitten Denver in einer Stichwahl.
Am Nein des Volkes scheiterte 1988 die Bewerbung Lausannes für die Austragung von Olympischen Spielen.