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t = 7:56:29 vmax = 63,6 km/h
Vor dem Frühstück hatte ich alles fertig gepackt und den Rest des vor zwei Tagen abgebrochenen Fahrradständer abgeschraubt. Bei der nächsten Möglichkeit wollte ich ihn mit einigen nicht mehr benötigten Sachen nach Hause schicken. Normalerweise hätte ich den defekten Ständer weggeworfen, aber auf das Fahrrad war noch Garantie. Zum Frühstück kam ich später als die Niederländer. Kurz nachdem ich mich an meinen Tisch gesetzt hatte, waren sie mit ihrem Frühstück fertig. Hoffentlich hatte ich sie gestern abend nicht zu sehr in Beschlag genommen.
Es gab außer verschiedenen Broten und Brötchen, Wurst, Marmelade und einem Schälchenlein Butter ein Formular, auszufüllen mit persönlichen Daten. Nachdem ich mit dem Frühstück fertig und im Aufbruch begriffen war, fragte mich der Wirt ziemlich aufgeregt, ob ich die Telefonnummer der Niederländer habe. Warum? Das Paar habe den Zimmerschlüssel mitgenommen. Pech gehabt dachte ich. Meine einzige Hilfestellung war der Rat, mit dem Auto hinterherzufahren. Die beiden wollten Richtung Tschechien fahren - bei dem Gegenwind konnten sie noch nicht weit gekommen sein.
Ich hatte dafür weiter Rückenwind - ich würde sagen, auf 98% der Tagesstrecke. Es hat einfach nur Laune gemacht zu fahren!
Auf dem Weg nach Niederhollabrunn konnte ich einem Feldweg nicht widerstehen, ebenso einigen Schlammlöchern, die dieser enthielt. Diesmal war ich immerhin schnell genug abgestiegen, so dass die Räder nicht vollständig blockierten.
Unbeabsichtigt machte ich einen kleinen Umweg über Niederfellabrunn. An einem Kindergarten (oder war es eine Grundschule?) lief gerade eine Gruppe von Kindern nach drinnen, ich fragte nach einem Theodor-Kramer-Museum oder ähnlichem. Die Kinder erinnerten sich auf Nachfrage der Betreuerin an die Gedenktafel am Kindergarten von Niederhollabrunn.
An der heruntergekommen aussehenden Volkshochschule (ob das Gebäude überhaupt noch als solches genutzt wird?) bei der Kirche fuhr ich langsam vorbei und schaute mir sie genau an. Durch ein offenes Fenster im Erdgeschoss sah ich ein Zimmer, in dem sich ein Schrank und ein ungemachtes Bett befanden. Ich wunderte mich, ob dort Kinder in den Ferien übernachten können - auf einmal sah ich ein hübsches (soweit das auf die Schnelle zu sehen war) Mädchen oder junge Frau im Nachthemd am Fenster vorbeihuschen. Ich wüsste gern, wer mehr überrascht war - sie oder ich. =)
Am Ortsausgang neben der Feuerwehr handwerkte ein
"wissbegieriger" Zeitgenosse auf seinem Grundstück. Es
war ein aus Wien Zugezogener, der wissen wollte, was
einen
Weltreisenden wie mich Leute in "diesen
gottverlassenen Winkel" treibt. Er konnte sich es auf meine
Frage hin nicht denken, von Theodor
Kramer hatte er noch nichts gehört.
In Korneuburg machte ich Mittagsrast und bewundert das schöne Rathaus. Ab Wien brauchte ich keine Karte mehr, man muss nur die Donau in Fließrichtung begleiten - dachte ich. Auf dem Radweg entlang des Flusses kam man wunderbar zügig voran. Als ich ans Ende der Donauinsel kam, schaute ich recht dumm aus der Wäsche. 0o
Wien und Bratislava durchquerte ich zügig, was zwar gut für den Schnitt war, aber nachteilig fürs Vergnügen und neue Eindrücke. Dafür besaß ich nun etwas Guthaben für schlechte Tage oder fernere Städte. :)
Südlich von Bratislava gibt es traumhafte Wege für Radler und Inlineskater: Breit, gut asphaltiert und keinerlei Hügel.
Die Nachtquartiersuche war heute wieder länglich, ein im bikeline verzeichneter See enthielt mehr tote Bäume als Wasser, soweit man das durch das dichte Unterholz feststellen konnte. Zudem war dieses Sumpfgebiet nur über sehr sehr holprige Feldwege zu erreichen.
Das Lager war ganz nett und nah am Wasser, aber ich bekam fast keinen Hering ordentlich in den Boden, der aus grobem Kies besteht. Nach der Reise las ich daheim, dass ich auf einer Schüttinsel genächtigt hatte, kein Wunder also. Trotz der vorgerückten Stunde hatte ich eine Erleuchtung: Statt mühselig nicht haltende Heringe in den Boden zu bohren, kann ich das Tarp doch am Fahrrad und den Packtaschen befestigen - diese sollten schwer genug sein. Um 23:35 war ich fertig mit allem: Tarp bauen, essen, auspacken, Waschen, Kleidung waschen und Schreiben des Tagebuches, womit ich um 23:10 begonnen hatte.
Die Frösche lärmten gewaltig, aber ich war müde genug, um trotzdem gut zu schlafen.