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Fast expanding markets
(FEM) sind lukrative Märkte jenseits nationaler oder regionaler Grenzen und daher
überschaubar – lukrativ heisst: Wachstum in Prozent oder Umsatz?
FEM sind lukrative Wachstumsmärkte. Sie wachsen
schneller als tradtionelle Märkte, weil sie eben auch oft ausserhalb
etablierter Märkte entstehen. Oder aber, sie übersteigen jedes vorstellbare
Wachstum bezogen auf ihre Grösse. Rund um die Welt konnten wir Märkte ausmachen
mit Wachstumsraten von 400 % pro Jahr und über eine bestimmte Zeit. Das ist
natürlich aussergewöhnlich gemessen an normalen Märkten. Das andere
Schlüsselmerkmal eines FEM ist seine Geschwindigkeit. Diese Märkte bewegen sich
sehr schnell, wachsen entsprechend und behalten diese Dynamik über eine gewisse
Zeit bei. Wir haben Zyklen beobachet, die drei bis fünf Jahre dauerten.
Sie sagen, Firmen sollten
ihr Bruttowachstum im Auge behalten statt Kostensenkungen. Einverstanden, aber
immerhin verursacht das Wachstum auch Kosten.
Wachstum verursacht dann Kosten, wenn er schrittweise
erfolgt im Rahmen einer resourcenverschlingenden Wachstumsstrategie. FEM
verursachen ein Wachstum, das nicht geplant ist, da diese Märkte ja spontan,
gerade zu organisch entstehen, ohne jeden strategischen Einfluss von aussen.
Sie bewirken gewissermassen Massenproduktionsvorteile (in Form von
Kosteneinsparungen), da ihr entstehen, das schnelle Wachstum grösstenteils von
aktuellen, realen Zuständen abhängt und nicht durch eine Investititon künstlich
erzeugt wurde.
Wie erwidern Sie den
Vorwurf, die FEM-Theorie sei nichts weiter als Terminologie?
Weil wir kein akademisches Forschungsprojekt hatten,
dem eine Annahme zugrunde lag, für die wir einen Namen suchten, sondern diese
“Fast expanding Markets” zufälligerweise entdeckten. Wir sind gleichsam darüber
gestolpert, als wir ein Forschungsprojekt über Wettbewerbsfähigkeit und
dieselbe auf Regionen bezogen vorbereiteten. Es handelt sich noch um ein
Roh-Konzept, das sich zur Zeit einfacher in der Praxis anwenden lässt, als dass
es ein wirtschtschaftswissentschaftliches Theorem wäre. Im Gegensatz zu Ihrer
Frage würden wir sagen, dass das FEM-Phänomen terminologisch sogar noch
unterentwickelt ist. Die Realtität ist schneller als unser Versuch, daraus ein
Konzept abzuleiten.
Aber ist Ihr Argument mit
dem wachsenden Bio-Ofen-Markt in Kenya wirklich stichhaltig? Das klingt so, als
gäbe es das nur in Entwicklungsländern. In der Schweiz könnte man den
e-bike-Markt als FEM bezeichnen. Und sollen nun deswegen Autohändler Fahrräder
verkaufen?
Die Stärke der Argumentation lieg nicht in der
geografischen Lage. FEM sind etwas Universelles und kommen auch in der Schweiz
vor. Während Jahrzehnten dachten wir auf die ungleiche wirtschaftliche
Entwicklung bezogen, dass ein Land wie die Schweiz nur Voraussetzungen haben
könne wie Länder, die ähnlich hoch entwickelt und von Innovationen getrieben
sind. Aber FEM widerlegen dieses fehlerhafte Konzept wirtschaftlicher
Entwicklung.
Ihre Bemerkung über den e-bike verkaufenden
Autohändler ist sogar treffend, weil es geschäftliche Spezialisierungen über
die allgemeine Marktsituation hebt. Das Bewusstsein, dass es solche Märkte
gibt, ist ein wichtiger Schritt. Wir glauben auch, dass die Fähigkeit, solche
FEM zu erkennen, eine bessere Art ist, wirtschaftliche Entwicklung zu erkennen
und zu beschreiben als makro-ökonomische Indikatoren, die Eigenarten und
Örtlichkeiten des Wachstums unter einer allgemeinen Überschrift verbergen.
Eine These zum Schluss:
Innovation ist für ein KMU in einem hochentwicklten Markt wichtiger als das
Entedecken eines FEM. Innovation kann ja sogar selber die Entstehung eines
solchen Marktes beschleunigen. Stimmen sie zu?
Ich stimme zu.
Innovation ist tatsächlich ein Schlüssel für das Gedeihen einer Unternehmung,
einer Region oder eines Landes. FEM sind Märkte, die aus Innovation oder dem
Gegenteil, dem Mangel an Innovation, entstehen. Sie sind dann gleichsam
Vorläufer der Innovation, die der Markt nach sich zieht. Das Positive an den
Fast expanding Markets ist jedoch, dass sie immer mehrere Väter haben können,
da sie unregelmässig sind, von unten nach oben entstehen und extrem dynamisch
sind. Der Essayist und ehemalige Finanzmathematiker Nasseim Taleb, der heute
unter anderem über den Zufall forscht, würde die Fast expanding Markets als
eine Dosis “Anti-Unsicherheit” bezeichnen, die das wirtschaftliche System
heilen, anstatt es zu zerbrechen – und genauso sehen wir es auch. Wir halten
die FEM als eine der grössten Gelegenheiten, eine differenzierte Optik
einzunehmen im Hinblick auf unsere “ökonnomische Intelligenz”.