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21. Februar 2023 – Das Thema Energie beschäftigt die Bevölkerung derzeit intensiv. Da lohnt sich ein Blick zurück in stromlose Zeiten, als die Zolliker ihre Mühle und ihre Sägerei im Kleindorf mit Wasserkraft antrieben – ein geniales Projekt.
Um 1230 wurde im Kleindorf die erste Mühle gebaut. Die Bauern konnten dort ihr Korn mahlen lassen. Etwas weiter bergab stand eine Sägerei. Dort konnten die Waldbesitzer aus Stämmen Bretter machen lassen. Die Mühle und die Sägerei waren auf Wasserkraft angewiesen, denn die Elektrifizierung begann in der Schweiz erst in den 1880er-Jahren im Zuge der industriellen Revolution.
Der alte Rumensee
Doch woher diese Kraft nehmen? Neben der Sägerei plätscherte nur ein dünnes, kraftloses Rinnsal, nicht zu gebrauchen für industrielle Zwecke. Aber es gab in der Gegend einen Wasserspeicher, den man nutzen konnte. Ungefähr dort, wo heute die Zumikerstrasse Richtung Itschnach in den Wald eintritt und früher das Restaurant Rumensee stand, gab es rechterhand eine Senke, die mit Wasser gefüllt war und «Rumensee» genannt wurde (Nr. 1 auf dem Plan).
Die Senke ist heute noch sichtbar, doch der «alte Rumensee» ist längst verlandet. Sein Abfluss mündete in der Nähe der Pfadihütte Turatzburg in den Düggelbach, damals Tobelbach genannt. Die Zolliker zapften ihn etwas oberhalb der Alten Landstrasse (2) an und bauten quer über die Wiese einen Kanal zum Kleindorf, wo sie das Wasser in einem Weiher sammelten (3).
Dieser Weiher diente nicht nur zur Zwischenspeicherung der Energie, sondern lud die Menschen auch zum Verweilen ein, wie das Foto zeigt.
Nach wie vor sichtbar ist der Weg, den das Mühlibächlein vom Weiher durch das Kleindorf nahm. Ein schmaler, offener Kanal führte zwischen den Häusern Kleindorf 17 und 19 hindurch und bog dann scharf Richtung Dorfbrunnen (A) ab. Das Wasser wurde über einen hölzernen Känel zur Mühle (B) geleitet, wo es ein grosses Wasserrad antrieb.
Die Mühle stand unmittelbar unterhalb der «Tiefenau». Dieses alte Weinbauern-Riegelhaus prägt mit seinem markanten Anbau, einer ehemaligen Trotte, noch heute das Ortsbild. Von der Mühle schoss das Wasser dann den steilen Abhang hinunter zur Sägerei (C), die sich direkt unterhalb der heutigen Goldhaldenstrasse befand. Die Wasserkraft wurde also doppelt genutzt.
Viel später, im Jahr 1723, verbesserte der damalige Inhaber der Dorfmühle, Johannes Bleuler, das System noch einmal. Er kaufte Land auf Küsnachter Gemeindegebiet und legte den heutigen Rumensee an. Dieses grössere Ausgleichsbecken erlaubte es ihm, seine Mühle auch in trockenen Zeiten ohne störende Unterbrüche zu betreiben.
Die Mühle ging am 25. Juli 1872 in Flammen auf. Im Dorf vermutete man, der Müller selber habe sie angezündet. Die Sägerei wurde noch weitere 30 Jahre lang betrieben. Danach hatte der Mühleweiher keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Im Jahr 1908 wurde er trocken gelegt.
Damit verlor Zollikon eine idyllische Ecke, und auch dem künstlich angelegten Mühlibächlein schlug die letzte Stunde. Die damals noch unberührte Wiese im Bereich der heutigen Länzenwis- und Hägnistrasse ist längst überbaut.
Fortschritt damals und heute
Die Zolliker Energiewirtschaft war damals fortschrittlich und zu 100 Prozent nachhaltig: Man kompensierte die eine erneuerbare Energie (Wasserkraft aus dem Rumensee) mit einer anderen (Elektrizität aus Schweizer Wasserkraft).
Inzwischen geht es darum, die fossilen Energieträger (Öl und Gas) durch neue, erneuerbare Energien (Sonne und Wind) zu ersetzen. Wir tun es nicht zuletzt darum, um Energie-Engpässe zu vermeiden, wie sie uns heute drohen.
Anders als damals lässt der Fortschritt zu wünschen übrig. In Zollikon werden erst 2,4 Prozent der geeigneten Dachflächen für die Produktion von Solarenergie genutzt. Damit gehört unsere Gemeinde in der Schweiz zu den Schlusslichtern. (rs)