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Bei einer Reorganisation zentral ist die Form, in der die neue Organisation abgebildet wird. Welche Geschäftslogik soll mit der gewählten...
Um was geht es genau: Effizienz – oder doch eher Effektivität?
Eine wichtiges Begriffspaar führt im wirtschaftlichen Kontext eingesetzt immer wieder zu Verwirrungen in der Verwendung: Effektivität und Effizienz. Ein paar Reflektionen zum Thema und ein interessantes Beispiel zur Illustration der Problematik.
Die Krux mit wirtschaftswissenschaftlichen Fachbegriffen
Fachbegriffe in den Wirtschaftswissenschaften sind oft nicht einheitlich definiert. Eine Tatsache, die nicht selten schön umschrieben wird. Etwa so: „Trotz verschiedener diesbezüglicher Versuche kann nach wie vor von keinem einheitlichen wissenschaftlichen Sprachgebrauch gesprochen werden“. Vielfach ist es eine allgemein eingängige, gut verständliche Definition, die mehrheitlich zum Zuge kommt. Bei den Begriffen der Effektivität und der Effizienz sind dies zweifellos die durch Peter Drucker geprägten, saloppen Sätze „doing the right things“ (Effektivität) und „doing things right“ (Effizienz). Das hilft vielfach und ist nicht selten als Unterscheidung ausreichend.
Oftmals muss es dann aber doch genauer sein, gerade wenn es um die klare Beurteilung von Zuständen bzw. Tatsachen geht. Hier als Beispiel folgende weitere Präzisierung für die beiden Begriffe:
- Für Effektivität die grundsätzliche Eignung einer Lösung im Hinblick auf die Erreichung eines festgelegtes Zieles. Ein klassifikatorisches Merkmal also, bezogen auf die Wirksamkeit: Wurde das angestrebte Ziel mit der Lösung erreicht oder nicht? Und wenn nicht, wie viel hat gefehlt?
- Für Effizienz demgegenüber die Leistungswirksamkeit einer Lösung bezüglich dem Verhältnis von nötigem Input und erzieltem Output im Hinblick auf ein angestrebtes Ziel. Ein relatives bzw. abstufbares Merkmal: Eine Lösung ist effizient, wen sie bezüglich der relevanten Verhältniszahl(en) (Quotienten- oder Differenzbildung) das „beste“ Ergebnis erzielt (d. h. beispielsweise mit dem minimalen Mitteleinsatz oder mit einem optimalen Input-Output-Verhältnis).
Dies ist eine Möglichkeit einer Präzisierung, eine andere findet sich hier. Wer sucht, findet schnell weitere, ähnliche Konkretisierungen.
Wesentlich ist es also, die Begriffe im Sinne ihrer Definition richtig einzusetzen. Also: Wozu genau will ich Aussagen machen?
Worauf es bei der Verwendung der Begriffe Effektivität und Effizienz ankommt
Nebst einer präzisieren Definition: Gibt es nicht noch weitere Dinge zu beachten? Durchaus, und hier hilft nun eben gerade diese präzisere Definition. Wesentliche Elemente sind für gehaltvolle Aussagen zur Effektivität die Ziele, die angestrebt werden bzw. für Aussagen zur Effizienz die relevanten Verhältniszahl(en). Diese müssen jeweils klar sein, damit entsprechende Aussagen überhaupt aussagekräftig sind.
Zur Verdeutlichung folgendes Beispiel: Ein angestrebtes Ziel könnte zum Beispiel sein „Möglichst viele Neukunden gewinnen“. Eine mögliche Verhältniszahl zur Beurteilung der Effizienz in diesem Zusammenhang könnte beispielsweise sein „Anzahl Neukunden / Headcount Vertrieb“. Die effektivste Lösung wäre bei diesem angestrebten Ziel jene, die die Gewinnung der grössten Anzahl Neukunden erlaubt, unabhängig vom Aufwand. Die effizienteste Lösung wäre mit der genannten Verhältniszahl jene, welche das beste Verhältnis von Neukunden zu den zur Gewinnung nötigen Personen im Vertrieb ermöglicht.
Mit anderen Worten: Wenn wir bei diesem einfachen Beispiel nicht wissen, dass das erste Ziel die Gewinnung von möglichst vielen Neukunden ist und das zweite Ziel, diese Neukundengewinnung mit einer möglichst geringen Anzahl Vertriebspersonal zu realisieren, dann können wir weder die Effektivität noch die Effizienz entsprechender betrieblicher Lösungen schlüssig beurteilen.
Also: Wesentlich ist es, bei Aussagen zu Effektivität und Effizienz den Kontext genügend zu klären und die relevanten Ziele deutlich darzustellen.
Zwischen Exzellenz und Effizienz
Ein kürzlich in der NZZ erschienener, spannender Artikel zum Thema der Hochschullandschaft Schweiz mit dem Titel „Zwischen Exzellenz und Effizienz“ zeigt aus meiner Sicht die Folge recht eindrücklich auf, wenn diese Kontext- und Zielklärung nicht ausreichend erfolgt. Ich will nicht auf die Inhalte des Artikels eingehen, geschweige mich hier bildungspolitisch äussern. Die aufgerissenen Fragen scheinen mir grundsätzlich sinnvoll und berechtigt. Lesen Sie selber, es lohnt sich.
Mich interessieren an dieser Stelle lediglich die vorgenommenen Qualifizierungen:
- Diese beginnen bereits im Titel: Zwischen Exzellenz und Effizienz. Schliesst sich das aus? Was ist genau die Aussage?
- Weiter mit dem Beispiel Effizienz anhand der zwei Professuren für Rätoromanisch in der Schweiz bei einer Handvoll Studenten. Die Verhältniszahl ist klar, doch ich kann das Verhältnis nicht einordnen, weil mir das angestrebte Ziel fehlt (tiefe Kosten des Hochschulwesens?).
- Und was beantwortet der Markt nun ganz genau mit seinem Rekrutierungsverhalten von Hochschulabsolventen? Ist der Anteil der Firmen, die mehrheitlich Absolventen einer bestimmten Hochschule einstellen und die Absolventen dieser Hochschule generell als die fähigsten betrachtet wirklich eine Antwort hinsichtlich der Effizienz der Hochschullandschaft?
- Nicht zuletzt: Was ist mit der Effektivität? Was sind die diesbezüglich angestrebten Ziele?
Ich gestehe, nach der Lektüre habe ich ein paar interessante Dinge zum Bildungsbereich erfahren, aber bzgl. der Aussagen zu Effektivität und Effizienz bin ich doch eher verwirrt.
Übrigens: Der aktuell online noch aufgeschaltete Artikel hat in der Zwischenzeit einen anderen Titel als in der ursprünglichen Print-Version erhalten. Wahrscheinlich ist nicht nur mir zumindest diesbezüglich eine Problematik aufgefallen.
Effektivität und Effizienz im Organisationsdesign
Effektivität und Effizienz sind Begriffe, die im Organisationsdesign von elementarer Bedeutung sind, wenn Organisationsformen auf ihr Passen für eine Unternehmung oder Institution beurteilt werden sollen. Im Hinblick auf ihren Einsatz gelten obige Ausführungen selbstverständlich auch. Methodisch empfiehlt sich bei der Gestaltung und bei der Beurteilung von Organisationen ein phasenweise getrennter Einsatz.
Im Blog „Brücken bauen: Von der Strategie zur Organisation“ habe ich das Thema Effektivität bereits beleuchtet. Zur Effizienz verweise ich im Moment auf das Tool Effizienzkonzept auf der Seite der Tools in diesem Blog, das für die Beurteilung von Organisationsformen Effizienzkriterien und ein Effizienzkonzept vorstellt. Mehr und Weiteres folgt mit Sicherheit zu einem späteren Zeitpunkt hier auf diesem Blog.
Nachbemerkung: Die präzisierten Definitionen zu Effektivität und Effizienz stützen sich auf Wenger, Andreas P.: Organisation Multinationaler Konzerne (1999), S. 262 ff.