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Mit Schulterverletzungen ist nicht zu spaßen. Es sind 27 verschiedene Muskeln erforderlich, damit sie normal funktionieren. Sobald die Schulter verletzt ist, kann sie in einen Teufelskreis aus Schmerzen und Versteifung geraten. Wenn die Schulter verknöchert ist, wird das Gelenk durch abnorme Verwachsungen und Steifheit der Knochen steif. Normalerweise helfen nur eine gezielte Rehabilitation und eine funktionelle Therapie, um die Schultergelenke zu lockern, und nicht eine Operation. Die Lockerung der Schulter zur Wiederherstellung der Beweglichkeit dauert in der Regel etwa 3-4 Monate. Allerdings müssen Sie sich bemühen, richtig zu trainieren und zur Physiotherapie zu gehen, sonst dauert es länger.
Möchten Sie mehr erfahren? Lesen Sie weiter im Artikel von Dr. Dominique-François Gazielly.
Das Schultergelenk ist sehr komplex: 27 Muskeln sorgen dafür, dass es harmonisch funktioniert, und stellen seine Stabilität und seine Mobilität sicher. Zahlreiche Schleimbeutel ermöglichen das Gleiten zwischen den verschiedenen Muskelebenen, was ihm grosse Mobilität auf allen räumlichen Ebenen verleiht. Eine Überbeanspruchung über der Horizontalen, eine Quetschung, ein Bruch oder eine Operation können diese perfekte Harmonie stören: Der Schmerz hemmt die Bewegungen, die Gleitflächen werden blockiert, die Schulter versteift sich und wird schrittweise komplett gelähmt.
Bei der Schulter besteht die Gefahr, dass ein Teufelskreis aus Schmerzen und Versteifung beginnt, der nur mit einer effizienten Rehabilitation zur Lockerung des Schultergelenks durchbrochen werden kann. Diese ist umso wirkungsvoller ist, je schneller sie eingeleitet wird.
Es ist wichtig, zwischen einer Versteifung der Schulter zu unterscheiden, die «nur» die anteriore Elevation (Anheben des Schultergürtels) und die Innenrotation (Einwärtsdrehung der Hand auf den Rücken) betrifft, bei der die Schulter daher nur teilweise blockiert ist und nur diese beiden Bewegungen eingeschränkt sind, und einer adhäsiven Kapsulitis, einer kompletten Lähmung der Schulter, die auch als «Frozen Shoulder» (eingefrorene Schulter) bekannt ist. Diese Unterscheidung ist nicht nur theoretisch, sondern hat auch praktische Konsequenzen, da es im Durchschnitt 3 bis 4 Monate dauert, bis die vollständige Mobilität einer versteiften Schulter wiederhergestellt ist, bei der die Bewegungseinschränkung auf die anteriore Elevation und die Innenrotation (Einwärtsdrehung der Hand auf den Rücken) begrenzt war, wohingegen die Behandlung einer adhäsiven Kapsulitis im Durchschnitt 12 bis 18 Monate in Anspruch nimmt.
Schmerzende und versteifte Schulter bei der anterioren Elevation und der Innenrotation (Einwärtsdrehung der Hand auf den Rücken)
Der Arm kann nicht höher als 120 bis 150 Grad angehoben werden und die Innenrotation (Einwärtsdrehung der Hand auf den Rücken) ist nur noch bis zur Taillenhöhe möglich. Schleichend stellt sich ein Teufelskreis aus Schmerzen und Versteifung ein, der auf die schrittweise Entstehung von entzündlichen Verwachsungen in den Gleitbereichen zurückzuführen ist. Zur Veranschaulichung kann man sich eine Art Spinnennetz vorstellen, das die Schulter überspannt und sie heimtückisch immer weiter einschliesst.
Die 2 Hauptursachen für eine schmerzhafte Schulterversteifung sind:
– eine Überbeanspruchung der Schulter über der Horizontalen, die häufig bei der Arbeit oder beim Sport entsteht (Überkopfarbeiten oder Überkopfsport);
– oder ein zu strenges und zu langes Ruhigstellen des Arms nach einem Unfall oder einem chirurgischen Eingriff an der Schulter.
Der Schmerz in der Schulter macht sich heimtückisch bemerkbar, nachdem die Schulter überbeansprucht wurde. Er kann eines Morgens beim Aufwachen völlig unerwartet auftauchen. Der Schmerz sitzt meistens aussen, manchmal jedoch auch an der Vorderseite des Arms. Anfangs veranlasst er den Betroffenen nicht dazu, weitere Massnahmen zu ergreifen. Er misst ihm erst weitere Aufmerksamkeit bei, wenn er nachts von Schmerzen geweckt wird und nicht mehr auf der Seite schlafen kann.
Die Diagnose wird durch eine vergleichende klinische Untersuchung beider Schultern und eine herkömmliche Röntgenuntersuchung gestellt, bei der anatomische Ursachen für die Versteifung (Verkalkung, Knochensporn) erkannt werden können. Die Behandlung einer schmerzenden und versteiften Schulter erfolgt meist durch eine funktionelle Therapie, nicht durch einen chirurgischen Eingriff. Sie ist die einzige Möglichkeit, um die Schmerzen in der Schulter zu lindern und die normale Beweglichkeit wiederherzustellen, und somit den Teufelskreis aus Schmerzen und Versteifung zu durchbrechen. PhysiotherapieÜbungen zur Lockerung des Schultergelenks ermöglichen es, den Weg, der schrittweise zu dem berüchtigten Teufelskreis aus Versteifung und Schmerzen geführt hat, zurückzugehen. Diese Lockerungsübungen müssen mit einem Physiotherapeuten durchgeführt werden, der Erfahrung mit dieser Form der Rehabilitation hat, und der Patient muss sie zudem regelmässig eigenständig durchführen. Zunächst sorgen die Lockerungsübungen dafür, dass die nächtlichen Schmerzen allmählich nachlassen. Die Lockerung einer schmerzenden und versteiften Schulter, um die Mobilität und die Gesundheit der Schulter wiederherzustellen, dauert in der Regel 3 bis 4 Monate.
Liegt der schmerzhaften Schulterversteifung eine anatomische Ursache zugrunde, beispielsweise ein Knochensporn, kann ein arthroskopischer mikrochirurgischer Eingriff erforderlich sein. Der Knochensporn muss entfernt werden, um die Abnutzung der Sehnen in der Schulter zu stoppen. In jedem Fall darf ein chirurgischer Eingriff erst erfolgen, wenn die vollständige Beweglichkeit der Schulter wiederhergestellt wurde.
Die adhäsive Kapsulitis oder «Frozen Shoulder»
Bei der adhäsiven Kapsulitis handelt es sich um eine Entzündung der Kapsel, die die beiden Knochenteile – den Oberarmkopf (Caput humeri) und die Schulterblattgelenkpfanne (Glenoid) – des Schultergelenks umhüllt. Diese Gelenkkapsel verdickt sich und zieht sich zusammen, was eine starke und sehr schmerzhafte Einschränkung der Mobilität der Schulter zur Folge hat.
Klinisch manifestiert sich die adhäsive Kapsulitis, die auch «Frozen Shoulder» genannt wird, durch starke Schmerzen in der Phase der Einsteifung, verbunden mit einer vollständigen Bewegungseinschränkung der Schulter. Nicht nur die anteriore Elevation (Anheben des Arms nach vorne) und die Innenrotation (Einwärtsdrehung der Hand auf den Rücken), wie im ersten Krankheitsbild beschrieben, sind eingeschränkt, sondern auch die Aussenrotation (Auswärtsdrehung des Armes) ist vollständig blockiert. Das Schrumpfen der Kapsel verhindert jede Bewegung des Gelenks.
Die adhäsive Kapsulitis tritt vorwiegend in zwei Fällen auf:
– Bei Personen, die ein starkes seelisches Trauma erlitten haben, etwa in der Beziehung, in der Familie (Trauerfall, Scheidung) oder im Beruf (Kündigung), kann sie brutal von heute auf morgen auftreten. In diesem Fall handelt es sich um eine Reaktion auf übermässigen Stress, die meist bei jungen Erwachsenen beobachtet wird.
– Die zweite Ursache kann das letzte Entwicklungsstadium einer schmerzenden und versteiften Schulter bei der anterioren Elevation und der Innenrotation (Einwärtsdrehung der Hand auf den Rücken) sein, die sich allmählich verschlimmert, bis eine vollständige Lähmung eintritt. Auch bestimmte Krankheiten können eine adhäsive Kapsulitis am Schultergelenk fördern: Diabetes, Herzinfarkt, Lungenkrankheit, halbseitige Lähmung, Parkinson-Krankheit oder eine Unterfunktion der Schilddrüse. Sie kann auch in Folge eines thoraxchirurgischen Eingriffs oder einer Brustentfernung bei einer Brustkrebserkrankung auftreten.
Die Behandlung einer adhäsiven Kapsulitis ist langwierig und kompliziert. Die Grundlage bildet eine manuelle Physiotherapie zur Lockerung des Schultergelenks, die im Durchschnitt 12 bis 18 Monate dauert, um die normale Gelenkbeweglichkeit wiederherzustellen und eine dauerhafte Heilung zu erzielen. Bei jeder Physiotherapie-Sitzung muss der Hals und der komplette Schultergürtel von Hand massiert werden und es müssen passive Dehnungsübungen für die Schulter durchgeführt werden, um die zusammengezogene Kapsel nach und nach zu lockern. Eine Balneotherapie in 35 Grad warmem Wasser kann mit den Rehabilitationsübungen «im Trockenen» kombiniert werden.
Manchmal kann die zur Heilung erforderliche Zeit durch eine arthrographische Distension verkürzt werden. Dabei injiziert ein Radiologe unter Druck und unter Röntgendurchleuchtung ein jodhaltiges, strahlenundurchlässiges Mittel in das Gelenk. Die arthrographische Distension ermöglicht eine Lockerung der entzündeten, zusammengezogenen Kapsel. Gleichzeitig wird ausserdem ein Kortikoid injiziert, um die Entzündung zu bekämpfen. Das Verfahren der arthrographischen Distension, das von bestimmten interdisziplinären Teams in einem auf die Schulter spezialisierten Zentrum durchgeführt wird, ist nur in Kombination mit einer geeigneten Physiotherapie wirksam.