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Wie in vielen Branchen weltweit herrscht aufgrund der Coronavirus-Krise auch in der NHL grosse Ungewissheit. Einige Exponenten haben sich nun aber geäussert: Zu einer Fortsetzung der laufenden Saison, einer Möglichkeit für einen virtuellen Draft und die möglichen Auswirkungen der Krise auf die Zuschauer.
Ein erster provisorischer Plan für die Fortsetzung der NHL-Saison 2019/20 liegt bereits im Abfalleimer. Eigentlich hatte die nordamerikanische Eishockeyliga vorgesehen, die restlichen Partien der seit Mitte März unterbrochenen Spielzeit in North Dakota, rund um die Stadt Grand Forks auszutragen. An einem neutralen Ort, ohne Zuschauer. Doch wie mehrere nordamerikanische Medien berichten, sei diese Idee schon in einer sehr frühen Phase gescheitert.
Es seien nicht genügend Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden gewesen und auch TV-Übertragungen wären offenbar problematisch geworden. Nun gab aber Florida-Panthers-Präsident Matt Caldwell Auskunft, wie die NHL die unmittelbare Zukunft plant.
In einer Telefonkonferenz, die von Floridas Gouverneur Ron De Santis einberufen wurde, erklärte Caldwell, dass die Liga derzeit eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Juli ins Auge fasse.
«Wir telefonieren wöchentlich mit NHL-Commissioner Gary Bettman, der uns informiert, wie wir uns verhalten sollen, was unsere Pläne und die Ideen der anderen Ligen sind», sagte Caldwell. Er erwarte, dass die NHL die Quarantänemassnahmen bald bis in den Mai verlängere. Deshalb und weil die Teams zuerst wieder Trainingscamps bräuchten, seien Spiele im Juli wohl die früheste Option.
Laut «The Athletic» sollen die Spiele dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit in vier Städten – eine pro Division – ausgetragen werden, wo die verschiedenen NHL-Teams unter Quarantäne leben würden. Das alles seien bis jetzt aber nur Ideen und nicht in Stein gemeisselt. «An erster Stelle steht weiterhin die Gesundheit aller Beteiligten», betont Matt Caldwell. Erst wenn diese garantiert sei, wird eine Fortsetzung der Saison konkret zum Thema.
Ins gleiche Horn stösst auch Gary Bettman selbst. Die NHL werde sich für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs Zeit nehmen, um «die Dinge richtig zu machen», sagte er. Es sei kein Rennen. «Wenn das heisst, wir sind nicht die ersten, die zurückkommen, egal», so der 67-Jährige. Dabei gehe es nicht nur um die Gefahren von der Lungenkrankheit Covid-19, sondern auch die Form der Spieler aufgrund der langen Spiel- und Trainingspause.
Die NHL musste aber nicht nur Spiele, sondern auch Events neben dem Eis bis auf weiteres aufschieben. Die Free Agency – die Zeit in denen vertragslose Spieler mit den Klubs verhandeln dürfen – kann nicht stattfinden, bis Klarheit herrscht, wann und wie die laufende Saison beendet wird. Doch für den Entry Draft gibt es nun Ideen.
Eigentlich hätte die jährliche «Talent-Verteilshow» am 26. und 27. Juni in Montreal über die Bühne gehen sollen. Nun wird laut «The Athletic» die Möglichkeit diskutiert, dass an diesen Terminen festgehalten wird, der Draft aber virtuell über die Bühne gehen soll.
Damit wäre er noch vor der eventuellen Fortsetzung der Saison angesetzt. Und das bringt natürlich einige Probleme mit sich.
Die NHL sei sich all dieser Probleme bewusst, dennoch werde die Idee nach Angaben von Deputy-Commissioner Bill Daly nun diskutiert.
Man wolle auch Verfolgen, wie es in der NFL abläuft. Die National Football League hält ab Freitag ebenfalls einen virtuellen Draft ab. Der erste Testlauf lief dort allerdings nicht nach Wunsch. Gleich beim allerersten Pick des Mock-Drafts kam es bei den Cincinnati Bengals zu Problemen.
Unabhängig davon, ob die aktuelle Saison beendet wird oder nicht, müssen sich die NHL-Verantwortlichen natürlich auch mit der nächsten Spielzeit beschäftigen. Wann und wie diese stattfinden wird, kann derzeit nicht gesagt werden. Aber gewisse Massnahmen – insbesondere auch für die Zuschauer – stehen jetzt schon zur Diskussion.
Panthers-Präsident Matt Caldwell spricht davon, dass eine «neue Normalität» herrschen werde, wenn die Corona-Krise überstanden sei. Auch wenn die Zuschauer irgendwann wieder erlaubt wären, glaube er nicht daran, dass Arenas und Stadien sogleich wieder ausverkauft sein werden: «Vermutlich müssen wir für weniger Leute Tickets verkaufen, als in unseren Stadien eigentlich Platz hätten – auch damit ein gewisser Mindestabstand gewährleistet werden kann.»
Es sei realistisch, dass sich die Fans künftig beim Eingang einem Temperaturcheck unterziehen müssen. Auch eine Maskenpflicht ziehe man in Betracht. «Wir werden die Leute so weit wie möglich verteilen müssen, wenn sie beispielsweise für Essen oder Getränke anstehen. Da wird es Linien mit Mindestabständen geben», erklärt der Panthers-Präsident.
Der Klub arbeite zudem daran, sein Stadion komplett bargeldfrei zu machen. Fans sollen für Verpflegung und Merchandise kontaktlos per Kreditkarte oder via App zahlen. «Wir wollen alle Kontaktpunkte so weit es geht reduzieren», sagt Caldwell.