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Es ist Mai 2013, als Sina über Nacht mit heftigen Schmerzen in der Lunge aufwacht. Zu Beginn vermutet ihr Hausarzt einen eingeklemmten Nerv und auch Sina verdächtigt eine schlechte Schlafposition als Ursache. Als für die 19-Jährige aber nach vier Tagen jeder Atemzug zur Qual wird, begibt sich Sina in die Notfallstation. Sie erinnert sich: «Ich war dreimal hintereinander auf dem Notfall und jedes Mal konnten mir die Ärzte nicht weiterhelfen.»
Die Ärzte meinten, ich solle meinen Schmerz auf einer Skala zwischen eins und zehn einordnen. Zehn bedeutet, dass man am liebsten vor einen Bus springen möchte. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich schon lange vor einen Bus rennen.
Unerträgliche Schmerzen und keine Diagnose
Schliesslich wird nach verschiedensten Untersuchungen Wasser auf Sinas Lunge gefunden – ein Indiz für eine Lungen- oder Rippenentzündung. Die junge Frau wird deswegen sechs Wochen stationär behandelt und bekommt Morphin verabreicht. Als die Lungenschmerzen endlich besser werden, bahnt sich jedoch schon das Nächste an. Wieder kommen die Schmerzen nachts. Diesmal erwacht Sina mit massiven Kopfschmerzen. Obwohl eine Migräne vermutet wird, machen die Ärzte sicherheitshalber noch ein MRI. Dieses zeigt, dass Sina eine Sinusvenenthrombose hat.
Die Schmerzen waren zeitweise so stark, dass ich keine Angst vor dem Tod hatte, sondern ihn als Erlösung sah.
Sinusvenenthrombose
Bei einer Sinusvenenthrombose bilden sich ein oder mehrere Blutgerinnsel (Thrombosen) in den großen Sammelvenen des Gehirns.
Das Gefühl von niemandem ernst genommen zu werden
Später stellen die Ärzte bei ihr den wahren Grund für die Lungenschmerzen fest: eine beidseitige Lungenembolie. Dass es ein Jahr brauchte, bis diese festgestellt wurde, erklärt sich Sina so: «Da ich noch sehr jung war, gingen die Ärzte davon aus, dass bei mir verschiedene Erkrankungen gar nicht möglich seien. Oft fühlte ich mich darum mit meinen Schmerzen nicht ernst genommen.»
Sina fehlt wegen ihren Beschwerden immer wieder in der Schule, was zur Folge hat, dass in ihrer Klasse Gerüchte entstehen. «Ich merkte, wie meine Mitschüler sich immer mehr von mir distanzierten. Es wurde vermutet, dass ich simuliere.» Auch ihre Freunde distanzieren sich von ihr. Irgendwann bricht sie unter dem Druck zusammen. Auf Rat der Hausärztin holt sie sich zusätzlich psychologische Hilfe, die ihr eine grosse Stütze im Umgang mit ihren physischen und psychischen Problemen ist.
Ich habe vielen gar nicht erzählt, wie schlecht es mir wirklich geht.
Eine Kämpferin
Trotz der schweren Umstände ist die 19-Jährige ein Stehaufmännchen. «Mir wurde bewusst, dass ich mir von nun an mein Leben erkämpfen muss. Ich habe meine Ziele. Wie beispielsweise meine Ausbildung, die ich absolvieren möchte. Egal ob gesund oder nicht.»
Ihre Erkrankung habe sie stärker und reifer gemacht und sie entwickelte ein Interesse an anderen kranken Menschen. Zurzeit befindet sie sich darum in der Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau. «Nach meinem Abschluss möchte ich mich gerne zur Intensiv-Krankenschwester weiterbilden oder Medizin studieren.»
Mit ihrer Gesundheit ist es immer noch ein Auf und Ab. Auf Phasen von leichteren Beschwerden folgen starke Schmerzen, die die Ärzten bis heute nicht komplett erklären können. Sina hofft auf eine klare Diagnose, damit ihre Schmerzen gezielt behandelt werden können. «Ich denke aber nicht, dass ich komplett gesund werde.»
S.O.S. – Sick of Silence
Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.
Jeden Dienstag, 19-20 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.