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"Blaue" CorgisIn der Sommer Ausgabe 2002 von "Our Corgi World" war ein anonymer Beitrag mit folgendem, stark abgekürztem, Inhalt:
Der Pembroke zu meinen Füssen ist blau! Würden Sie einen blauen Corgi erkennen? Im Laufe der Jahre haben viele Corgi-Liebhaber und Richter meinen Corgi gesehen und beanstandeten alle möglichen Fehler, aber nie seine Farbe. Mein Corgi wurde einer langjährigen und respektierten Züchterin/Richterin mit der Bemerkung vorgeführt, dass etwas Merkwürdiges an dem Hund sei. Könne sie sagen, was? Sie konnte nicht.Diese Vermutung ist falsch.
Als mein blauer Corgi noch ein Welpe war, schrieb ich an Pat Curties, eine erfahrene Züchterin, die mit der Abstammung meines Corgis nichts zu tun hatte. Ich legte ein paar Fotos bei und fragte sie um ihre Meinung. Ihre Antwort kam prompt. Bei meinem Hund handle es sich ohne jeden Zweifel um einen blauen Corgi.
Die Farbe blue merle kommt gelegentlich auch beim Pembroke vor, wahrscheinlich weil der Cardigan Corgi in frühen Jahren hie und da mit einem Pembroke Corgi gekreuzt wurde. Eines oder beide Augen können blau sein, obwohl dies selten vorkommt.
1. Die Farbe "blue merle" des Cardigans hat nichts mit der "blauen" Farbe beim Pembroke zu tun! Für das Merlemuster ist die Gen-Gruppe M verantwortlich. "M" bewirkt eine teilweise Auflösung des dunklen Pigments in blau, lässt aber einige Stellen unberührt, während "m" normale Farbe erzeugt. M ist dominant.
Ein blue merle Cardigan ist im Prinzip ein "modifizierter" tricolor. Während ein normaler tricolor Cardigan das Genpaar "mm" hat, ist ein blue merle Cardigan Träger von "Mm", d.h. die schwarze Farbe ist mit kleineren und grösseren blaugrauen Flächen aufgelockert, und die Iris eines oder beider Augen ist oft blau oder blaugefleckt. Die Sehkraft ist normal.
Blue merle Cardigan
Paart man einen tricolor mit einem blue merle Cardigan gibt es theoretisch je zur Hälfte tricolor und blue merle Nachkommen.
Sind hingegen beide Eltern Blue merles, hat theoretisch ein Viertel der Welpen das Genpaar MM.
"Doppel merle" (MM) Cardigan
MM-Welpen sind ebenfalls blue merles aber oft mit einem grossen Weissanteil, oft nicht ganz zutreffend als Weisstiger benannt, die blind und/oder taub sein können. Aus diesem Grund schreibt das Zuchtreglement des SWCK vor, dass blue merle nur mit tricolor oder (phänotypisch!) schwarz-weissen Cardigans gepaart werden dürfen.
2. Bei einem blauen Pembroke, einem sogenannten "bluie" oder "bluey", hingegen ist die Gen-Gruppe D verantwortlich. Das dominante "D"-Gen hat keinen Einfluss auf die Pigmentierung, während "d" farbauflösend wirkt. "d" ist rezessiv, d.h. Mutter und Vater müssen Träger dieses Gens sein, um einen "blauen" Corgi (dd) zu produzieren.
Bei dieser Kombination besteht also die Möglichkeit, dass ein Viertel der Nachkommen eine normale rote Farbe und keine Anlage für blau hat (DD), die Hälfte der Nachkommen sieht normal aus, hat aber die Anlage für blau (Dd), und ein Viertel sind "bluies" (dd).
Einen "bluie" erkennt man an seiner schiefergrauen Nase, Lefzen und Augenrändern und den hellen Augen. Das Haarkleid hat einen bläulichen Stich oder wirkt irgendwie verstaubt. Es ist unbegreiflich, dass dieser Fehler nicht von mehreren Kennern der Rasse erkannt wurde, denn laut einem Artikel von Pat L. Curties, Lees Corgis (gestorben im August 1999), im Welsh Corgi League Handbook 1957 waren "bluies" keine Seltenheit und tauchten in verschiedenen Zuchtlinien auf. Merkwürdigerweise ist weder im englischen Standard noch im "Standard in Detail" etwas von "bluies" erwähnt. Hingegen gehören "bluies" nach dem amerikanischen Pembroke Standard zu den schwerwiegenden Fehlern und in der Schweiz sind "bluies" von der Zucht ausgeschlossen, genau wie die "schieferfarbenen" Cardigans, die ebenfalls die doppelte Anlage "dd" haben.
3. Ein blaues Auge, oder in ganz seltenen Fällen zwei blaue Augen, bei Corgis (Cardigan und Pembroke), wo der merle-Faktor nicht mitspielt, ist auf einen anderen Erbfaktor zurückzuführen, wobei das blaue Auge von zwei rezessiven Genen von jedem Elternteil ausgelöst wird. Falls Vater und Mutter Träger des doppelten rezessiven Gens sind, würde theoretisch nur jeder sechzehnte Welpe und nicht jeder Vierte mit einem blauen Auge geboren. Demzufolge kommen diese unerwünschten blauen Augen relativ selten vor.
4. Schliesslich gibt es noch die Gruppe B, wobei "B" volle Pigmentierung erlaubt, während das rezessive "b" in doppelter Dosis die schwarze Farbe auflöst und eine braune Nase, braune Lefzen und Augenränder und helle Augen zur Folge hat. Diese ebenfalls zuchtausschliessende Farbe ist beim Cardigan bekannt und das Gen "b" scheint recht verbreitet zu sein. Die Farbe wirkt natürlich besonders auffällig bei tricolor Cardigans, die anstatt schwarz rotbraun oder schokoladefarben erscheinen.
Laut Clarence C. Little (The Inheritance of Coat Color in Dogs, 1957) kommt beim Pembroke Corgi nur das Genpaar "BB" vor, d.h. es dürfte keine leberfarbenen Pembrokes geben.
Obwohl Bluies, schiefergraue und schokoladenbraune Cardigans oder Corgis mit einem blauen Auge von der Zucht ausgeschlossen sind, sind diese Corgis völlig normal und gesund. Eine vom Standard abweichende Farbe ist also keine Krankheit.
Leider ist es schwierig, eine Fehlfarbe zu vermeiden, weil man nicht sehen kann, ob ein Hund Träger des unerwünschten Gens ist oder nicht. Erst wenn in einem Wurf ein oder mehrere Welpen mit Fehlfarbe (oder "fluffies") auftreten, weiss man, dass beide Eltern Träger sind. Inzwischen gibt es einen DNA-Test, wenn man herausfinden will, ob ein Cardigan Träger des Leber-Gens "b" ist.
Zum Schluss noch ein Kommentar zu einem verbreiteten "Aberglauben": die Tatsache allein, dass ein tricolor, brindle oder roter Cardigan viele blue merle Ahnen in seinem Stammbaum hat, erzeugt noch keine Fehlfarbe, es sei denn dass sich unter den blue merle Ahnen Träger von "Bb" oder "Dd" befinden.
Danke an alle, die mir erlaubt haben, Fotos ihrer Hunde zu zeigen.
Anita Nordlunde