Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03479.jsonl.gz/2205

|Stationen der geschichtlichen Entwicklung des Karate sind Indien, China, Okinawa und Japan.

Karate wurde in den letzten 60 Jahren in Japan zu seiner heutigen Höchstform entwickelt. Der Hauptverdienst daran kommt Gichin Funakoshi, einem Einwohner der Insel Okinawa, zu, der Karate nach Japan brachte und als Vater des modernen Karate gilt.
In Europa begann die Geschichte des Karate 1948 in Paris. 1957 erfolgte die erste Entsendung hochqualifizierter japanischen Instruktoren nach Frankreich. Heute gehört Karate zur Nahkampfausbildung spezieller Militäreinheiten und internationalen Polizeiorganisationen.
Karate wurde auf Okinawa, der größten Insel einer Inselkette zwischen Japan und Taiwan, entwickelt. Man geht davon aus, dass die Techniken und die grundlegende Struktur des Karate von chinesischen Immigranten und von Okinawanischen Kämpfern, die nach China gereist sind, stammen.
Der Shotokan-Stil des Karate entwickelte sich zwischen den Anfängen des 18. und 20. Jahrhunderts in einem langsamen Prozess. Durch Bestrebungen von Itosu und Funakoshi wurde Karate um 1900 in den Lehrplan der staatlichen Mittelschule der Präfektur Shuri sowie der Schule für Lehrerausbildung als Pflichtfach für Leibeserziehung aufgenommen. Der Stil wurde zunächst auf Okinawa und später auch in Japan To-de genannt. Der Begriff Shotokan wurde bis zur Errichtung des Shotokan-Gebäudes im Jahre 1939 nicht gebraucht. Die Japaner, die Shotokan ausüben, haben ihr Karate niemals so bezeichnet. Sie nennen es einfach nur Karate.
Es gibt keine wissenschaftliche oder historische Dokumentation, wie die Kampfsysteme sich entwickelt haben und wie sie nach Asien gelangt sind. Die ältesten Funde, die auf ein Kampfsystem hinweisen, stammen aus Ägypten. Als relativ sicher anzusehen ist, dass der indische Mönch Boddhidharma nach China reiste und dort bestimmte Übungen einführte. Dies wird durch zahlreiche historische Dokumente belegt. Vielleicht gibt es Zusammenhänge zwischen den ägyptischen, griechischen und persischen Kampfsystemen, die irgendwie nach Indien und von dort aus nach China gelangt sind und dort weiter entwickelt worden sind.
Drei Männern wird der Verdienst, Karate nach Japan gebracht zu haben, angerechnet. Gichin Funakoshi, der Begründer des Shotokan Karate, war der erste Okinawaner, der nach Japan eingeladen wurde, um dort zu leben und Karate zu unterrichten. Kenwa Mabuni folgte ihm und brachte seine eigene Methode - Shito Ryu - nach Japan und ließ sich in Osaka nieder. Mabuni und Funakoshi hatten auf Okinawa den gleichen Lehrer: Yasutsune Itosu. Gogen Yamaguchi brachte das Goju Ryu nach Kyoto (Japan). Die meisten anderen Karate-Stilrichtungen sind Untergruppen, die von Leuten entwickelt worden sind, die einen dieser drei Karate-Stile trainiert hatten.
Die Karate-Demonstration vom 6. März 1921, die zu Ehren des Besuchs des damaligen Erbprinzen und späteren japanischen Kaisers Hirohito auf Okinawa gegeben wurde, war der entscheidende Wendepunkt in der Verbreitung des Karate. Der Prinz war derart beeindruckt, dass noch im gleichen Jahr eine Einladung vom japanischen Kultusministerium an die okinawanische Vereinigung der Kampfkünste erging, Karate bei einer großen Kampfkunstdemonstration in Tokyo vorzustellen. Nach langer Beratung wurde Funakoshi für diese Aufgabe ausgewählt, da er sowohl die Kampfkunst gemeistert hatte, als auch ein Meister der Kalligraphie und der Dichtkunst war und in der japanischen Sprache und der okinawanischen Kultur gleichermaßen bewandert war.
Diese Reise Funakoshis im Mai 1922 sollte eine Reise ohne Rückkehr werden. Der damals 53-jährige widmete sich in seinem freiwilligen Asyl den Rest seines Lebens der Verbreitung des Karate.
Im November 1922 veröffentlichte Funakoshi seine erste Arbeit "Ryukyu Kempo Karate". Im wesentlichen beschränkte er sich in diesem Werk auf die Beschreibung der 15 Kata. Dieses erste Buch fand in Japan nicht den gewünschten Erfolg. 1925 veröffentlichte Funakoshi sein zweites Werk mit dem Titel "Rentan Goshin Karate Jitsu", in welchem bereits auch Fotos verwendet wurden. Auch in diesem Buch wurden vorrangig die 15 von ihm ausgewählten Kata behandelt.
Bereits nach kurzer Zeit in Japan erregte Funakoshi die Aufmerksamkeit mehrerer einflussreicher Kreise in Japan. Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle die Künstlervereinigung unter Hoan Kosugi sowie das Judo unter Jigoro Kano. Von Kano übernahm er das Graduierungssystem und schuf auch den Karate-Gi nach dem Vorbild der üblichen Trainingskleidung im Judo. Hoan Kosugi trug wesentlich dazu bei, dass Funakoshi sein Wissen niederschrieb und veröffentlichte. Der Shotokan-Tiger stammt übrigens von eben jenem Kosugi.
Im September 1924 gründete Funakoshi an der Keiyo-Universität den ersten Karate-Verein. Weitere Vereine folgten ab 1926. Zunächst unterrichtete Funakoshi nach okinawanischen Vorbild nur Kata. Die durch das Kendo kampforientierten Schüler suchten neue Herausforderungen, die Funakoshi dazu veranlassten, nach und nach Kompromisse im Training zu suchen. 1935 erschien die erste Ausgabe des "Karate-Do Kyohan - Der Meistertext", Funakoshi's Lehrbuch über das Karate, in dem er für die meisten Fotos noch selbst posierte. Zum ersten Mal stellte er hier einige Kumite-Formen vor. 1936 konnte Funakoshi aus Spenden seiner Schüler das erste Karate-Dojo, das Shoto-Kan, im Meijuro-Viertel eröffnen.
Die Tendenz, Wettkämpfe austragen zu wollen, wächst bei den jungen Schülern. Nach und nach macht Funakoshi Zugeständnisse, jedoch stets darauf bedacht, das Wesen seiner Kunst nicht in Gefahr zu bringen. Um 1943 wurde unter Leitung von seinem dritten Sohn Yoshitaka zunächst Gohon, dann Sanbon und schließlich Ippon Kumite eingeführt.
Der zweite Weltkrieg forderte viele Opfer unter Funakoshi's Schülern. Das Shotokan-Dojo in Tokyo wurde 1945 bei einem amerikanischen Bombenangriff zerstört. Yoshitaka starb an Tuberkulose, wodurch das Shotokan einen seiner wichtigsten Instruktoren verlor. Funakoshi reiste nach Kyushu, wo er zum ersten Mal nach Jahren wieder seine Frau traf, die jedoch schon 1947 verstarb. Danach kehrte Funakoshi 1948 wieder nach Tokyo zurück und beobachte die Entwicklung des Karate an den Universitäten Keiyo und Waseda. Er beauftragte Shigeru Egami, die Kampfkunst in seinem Namen weiterzuführen.
1949 wurde unter maßgeblicher Beteiligung der Meister Nakayama und Nishiyama die JKA (Japan Karate Association) gegründet. Diese beiden erarbeiteten ein Programm für das Wettkampf-Karate, dem Funakoshi aber seine Zustimmung verweigerte, da er befürchtete, dass der Geist des Karate verloren gehen würde.
| „Oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage,

sondern liegt in der Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden.“
Gichin Funakoshi