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06-2013 Die Marine Frankreichs
15.04.2013 - 20.04.2013
Unter der Reiseleitung von Divisionär a D Dominique Juilland und fachkundigster Begleitung unseres Marinespezialisten Jürg Kürsener sind Verbände, Kommandos und militärhistorische Stätten in der Bretagne Ziel dieser erstmaligen GMS Reise.
„Es scheint, als habe die Natur Frankreich die Herrschaft des Meeres anbieten wollen, da die Lage seiner beiden Küsten so günstig ist und sie in gleicher Weise mit ausgezeichneten Häfen an zwei Meeren, dem [Atlantischen] Ozean und dem Mittelländischen Meere, versehen sind… Es gibt keinen Staat in Europa, der geeigneter wäre, Schiffe zu bauen, als dies Königreich, das einen Überfluss an Hanf, Leinen, Eisen, Tauwerk und an Arbeitern hervorbringt…“
Mit diesen Überlegungen begründet Kardinal Richelieu in seinem „Politischen Testament“ 1629 die Marine Royale als strategisches Machtinstrument.
Unsere beiden Reiseleiter begleiten GMS Reisende auf dieser erstmaligen Exkursion an die bretonische Atlantikküste zu Teilen der aktiven Marine Frankreichs und zu militärhistorischen Stätten. Während des Zweiten Weltkriegs war die nordwestlichste Ecke des europäischen Kontinents auch wichtige Basis deutscher U-Boote und damit Ausgangpunkt zahlreicher Feindfahrten während der Schlacht im Atlantik.
Programm
Montag
Am Morgen Flug ab Zürich via Paris nach Nantes. Transfer nach Lorient. Besuch der Villa Dönitz, dem Hauptquartier des Oberbefehlshabers der Deutschen Kriegsmarine (ab 1943) und Hitlers Nachfolger als Reichspräsident (1. Mai 1945). Von November 1940 bis November 1942 führte Dönitz als Befehlshaber der U-Boot Flotte ab diesem Befehlsstand – der Villa eines Sardinenhändlers und daher auch „Sardinenbüchse“ genannt – die deutschen U-Boot-Operationen während der Atlantikschlacht. Heute dient dieses geschichtsträchtige Gebäude der französischen Marine als Residenz des Kommandanten der FORFUSCO (Force maritime des fusiliers marins et commandos). Abendessen und Übernachtung in Lorient.
Dienstag
Vormittags Besuch des Marine-Infanterie-Kommandos (Marine Nationale) in Lorient, Mittagessen im Cercle Naval. Nachmittags Besuch des Musée Sous-Marins, des U-Bootes „Flore“ und des Kéroman III (K III). Diese maritime Bunkeranlage war Bestandteil des grössten U-Boot-Stützpunktes der Deutschen Kriegsmarine von Juni 1940 – August 1944. Der Abend steht zur freien Verfügung. Individuelles Abendessen (fak.) und Übernachtung in Lorient.
Mittwoch
Besuch der Patrouille Maritime in Lann-Bihoué. Nachmittags Transfer nach Quiberon – Überfahrt auf die Belle-île, der grössten der bretonischen Inseln. Besuch der dortigen Vauban-Festung und des Städtchens von Le Palais. Mittagessen unterwegs. Rückkehr nach Lorient, gemeinsames Abendessen und Übernachtung in Lorient.
Donnerstag
Fahrt über Locronan nach Brest. Hotelbezug und Mittagessen. Nachmittags Besuch des Arsenals und der Präfektur. Gemeinsamer Spaziergang durch die Stadt zur bekannten Hebebrücke, der Pont de Recouvrance. Individuelles Abendessen in der Stadt, Übernachtung in Brest.
Freitag
Besuch des Musée de la Marine in Brest. Anschliessend Transfer zur Port de plaisance du Moulin Blanc, Bootsfahrt durch die Bucht von Brest mit Blick auf die lokale Marinebasis, Mittagessen an Bord. Besuch des Centre Régional Opérationel de Surveillance et de Sauvetage (CROSS) in Corsen. Anschliessend Rückfahrt nach Brest und gemeinsamer Schlussabend in der Stadt. Übernachtung in Brest.
Samstag
Transfer zum Flughafen von Brest. Rückflug via Paris nach Zürich.
Reiseleitung
Andreas Meyenberg’s Fotogalerie und Reisebericht
Die Marine Frankreichs
(Französische Marine als PDF downloaden)
Marinereisen haben bei der GMS bereits Tradition und finden bei uns Landratten immer wieder grosses Interesse. So wundere ich mich auch nicht, früh am Morgen auf dem Flughafen Zürich wieder viele bekannte Gesichter zu sehen. Man kennt sich bereits von Besuchen bei der Royal Navy in Portsmouth und Yeovilton, der US Navy in Norfolk Virginia und der Deutschen Marine in Kiel und Wilhelmshafen. Die beiden Reiseleiter, Div a D Dominique Juilland, ein profunder Kenner der französischen Armee (u. a. als Verteidigungsattaché in Paris) und Oberst i Gst a D Jürg Kürsener, der Schweizer Marinespezialist schlechthin, versprachen ein sehr interessantes Besuchsprogramm. Es sei vorweggenommen, dass die hoch angesetzten Erwartungen der Reiseteilnehmer vollauf erfüllt wurden.
Nach einem eher mühsamen Umsteigen in Paris Charles de Gaulle geht der Flug weiter nach Nantes und von dort mit dem Car zu unserem ersten Reiseziel Lorient. Hier besuchen wir zuerst das ehemalige Hauptquartier von Vizeadmiral Karl Dönitz, dem Befehlshaber der U-Boote im Zweiten Weltkrieg, ein hübsches Schlösschen am Meer mit Blick auf die U-Bootbunker auf der Halbinsel Kéroman. Kurz nach der Eroberung von Lorient durch die Deutsche Wehrmacht im Juni 1940 wurde der Hafen zu einem U-Boot- Stützpunkt ausgebaut, wie auch die Häfen von Brest, St. Nazaire, La Pallice und Bordeaux. Von hier aus hatte die U-Bootflotte einen direkten Zugang zum Atlantik, Voraussetzung für die Angriffe gegen Geleitzüge aus den USA nach England und Russland. Der Ausbau des Stützpunktes gipfelte im Bau von grossen U-Boot-Bunkern, um die Boote während Wartung und Reparatur gegen Luftangriffe der Alliierten zu schützen. Die Wichtigkeit von Lorient wird unterstrichen durch die Tatsache, dass der Befehlshaber von hier aus von 1940 bis 1942 die U-Boot-Operationen im Atlantik führte. Unmittelbar an das Schlösschen angebaut sind Bunker zur Unterbringung der Führungsräume und des Übermittlungszentrums. Das Schlösschen dient heute dem Kommando FORFUSCO (Force de fusiliers marins et commandos marines), einem Teilbereich der Marine, als Repräsentationssitz. Wir können sowohl das sehr schön, grossenteils noch original eingerichtete Schlösschen als auch die ausgeräumten Bunker unter Führung des Informationsoffiziers besichtigen. Am Abend beziehen wir im Hotel Mercure Quartier.
Der Vormittag des zweiten Tages ist dem Besuch des Kommandos der FORFUSCO gewidmet. Geführt werden wir durch den Stabschef des kommandierenden Admirals, Capitaine de vaisseau Raphael Clivaz. Clivaz ist schweizerisch-französischer Doppelbürger, seine Vorfahren stammen aus dem Wallis. Er stellt uns die fusiliers marins und die commandos marines und ihre Aufgaben. Er schildert die extrem harte Ausbildung, sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht. Typische Einsätze heute dienen dem Schutz von Schiffen der marine nationale und deren Besatzungen in den Häfen und in Krisengebieten. Auf einem Rundgang im Regen durch das Gelände sehen wir dann einige Stationen eines eindrücklichen Ausbildungsparcours mit Soldaten, die im 8º kalten Wasser ihren Einsatz üben. Unter Führung durch einen Offizier des Kommandos können wir anschliessend das interessante Museum besichtigen. Es zeigt Bilder von Einsätzen der fusiliers marins und der commandos in der ganzen Welt, z. B. in Algerien und in Indochina sowie Details ihrer Ausrüstung vom Anfang bis heute. Zum Abschluss des Besuchs können wir das Mittagessen in der Offizierskantine einnehmen.
Am Nachmittag besuchen wir die berühmten U-Bootbunker von Lorient, das Museum und das Museums-U-Boot Flore. Die U-Bootbunker sind eindrückliche Zeugen des deutschen Bunkerbaus mit enormen Abmessungen und Decken, die den meisten Bombenabwürfen der Alliierten Stand hielten. In den zwei ersten erbauten Bunkern wurden die U-Boote mit der Aufschleppanlage auf einem Rollschemel an Land gezogen, auf Schienen seitlich verschoben und dann in einen Unterstand der Bunker K1 oder K2 geschoben. Die Bunker haben die imponierenden Masse von 120 m Länge und 128 resp. 85 m Breite. Der Bunker K3 konnte leider nur von nicht des Französischen mächtigen Teilnehmern besucht werden (accès interdit). Er besteht aus sieben Kavernen mit Direktzugang zum Meer, die wie Schleusen funktionieren und zu Trockendocks umfunktioniert werden können. Zum Schutz vor Torpedobeschuss liegen vor dem Eingang der Bunker zwei auf Grund gesetzte ehemalige Kriegsschiffe. Die Bunker werden heute entweder touristisch oder gewerblich genutzt. Zur touristischen Nutzung gehört auch das französische U-Boot Flore S 645, das auf der Verschiebebühne zwischen den Bunkern Kéroman 1 und 2 ausgestellt ist. Dieses war von 1964 bis 1989 im Einsatz und kann heute ebenso besichtigt werden wie eine weitgehend im Originalzustand erhaltene Übungsanlage für Notausstiege aus getauchten U-Booten. Am Abend schwärmen die Teilnehmer in kleinen Gruppen aus, um die Restaurants der Stadt Lorient zu erkunden.
Am dritten Tag können wir einen weiteren Pfeiler der Marine nationale besuchen, den Marineluftstützpunkt Lann-Bihoué. Dieser Stützpunkt dient der Patrouille maritime als Basis. Stationiert sind hier u.a. 2 Staffeln von U-Bootabwehr- und Seeaufklärungsflugzeugen Bréguet Atlantic und eine Staffel Radarfrühwarnflugzeuge E-2C Hawkeye. Nach einem Briefing durch den Kommandanten des Marineluftstützpunktes, der uns in die Aufgaben der Patrouille maritime und ihre Einsatzmittel einführt, wird uns ermöglicht, eine Bréguet Atlantic 2 von aussen und innen zu besichtigen und uns von Besatzungsmitgliedern über die Details informieren zu lassen. Neben Seeaufklärungsaufgaben, unter anderem in Zusammenhang mit Seerettung und mit dem Schutz der aus Brest auslaufenden strategischen Raketen-U-Boote, sind diese Flugzeuge heute auch über der Wüste im Unruheherd Mali im Einsatz. Sie sind mit modernsten Aufklärungsmitteln ausgerüstet und können mit Lenkwaffen gegen Überwasserziele, sowie mit Wasserbomben und Torpedos gegen U-Boote bewaffnet werden. Die Verschiebung nach Quiberon, dem Ausgangshafen für die Überfahrt auf die Belleîle dient gleichzeitig als Verpflegungspause. Die rund einstündige Überfahrt können wir bei schönstem Wetter an Deck geniessen. Der erste Blick auf die Belle-île zeigt bereits das Ziel der nachmittäglichen Exkursion, die Zitadelle über dem Hafen von Le Palais. Die bereits 1549 erbaute Festung hatte den Zweck, die umstrittene Insel und insbesondere den Hafen von Le Palais zu sichern. Der berühmte Festungsbaumeister Vauban, dessen Spuren wir auf dieser Reise immer wieder begegnen, hat den Ausbau der Festung 1683 selbst geleitet. Nach den Erläuterungen von Reiseleiter Dominique Juilland erkunden wir dann in kleinen Gruppen die Festung und geniessen den schönen Blick auf Le Palais und dessen gut geschützten Hafen. Nach der Besichtigung der Zitadelle bleibt noch genug Zeit für einen Kaffee in einem der idyllischen Restaurants im Hafen.
Am vierten Tag müssen wir vor dem Frühstück die Koffer packen für die Verschiebung nach Brest. Auf dem Weg erleben wir hautnah das klassische Wetter der Bretagne: Beim Verlassen des Cars im mittelalterlichen Städtchen Locronan scheint noch die Sonne – auf dem Rundgang werden wir von einem Regenguss überrascht. Wir benützen die Gelegenheit, in die Kirche zu flüchten und deren schöne Glasfenster zu bewundern. Beim Verlassen der Kirche werden wir bereits wieder von der Sonne geblendet. In Brest angekommen gibt es zuerst ein Mittagessen, bevor wir in der Präfektur im Schloss vom Stabschef des Präfekten (AGAM Laisné Loïc) begrüsst und über das Arsenal und die Marinebasis von Brest informiert werden. Dann geht es weiter durch eine Sicherheitskontrolle, die wir alle problemlos passieren können, zu einer Besichtigungsfahrt im Arsenal. Hier kommen nun die Liebhaber von Kriegsschiffen auf ihre Rechnung: Fregatten, Minenjagdboote und Hochseeschlepper liegen vor Anker. Die Jeanne d’Arc, ein Helikopterträger und Schulschiff der Marine nationale, liegt hier vor Anker, ist aber bereits ausser Dienst gestellt worden und wartet auf die Abwrackung. Auch eines der gewöhnlich in Toulon stationierten französischen nuklearen Jagd-U-Boote, die S 604 Emeraude, liegt an der Mole. Einer der Höhepunkte der Reise ist dann sicher die Besichtigung eines aktiven Kriegsschiffes, der F 792 Premier-mâitre l`Her. Die Fregatte vom Typ Aviso A 69 wird vor allem für die U-Bootjagd benützt und ist original mit Torpedos, Bordkanone 100 mm und Exocet-Lenkwaffen ausgerüstet. Dieses Schiff wurde unter anderem im Rahmen der „Operation Atalanta“ zur Bekämpfung von Piraten im Golf von Aden eingesetzt. Nach der Begrüssung durch Korvettenkapitän Christophe Lucas zeigen uns Besatzungsmitglieder mit Begeisterung ihre Arbeitsplätze im Maschinenraum, in der Operationszentrale und auf der Brücke. Sie freuen sich, in unseren Reihen auch Spezialisten in ihren Fachgebieten zu finden, mit denen fachmännisch diskutiert werden kann. Auch das berühmte Erinnerungsfoto auf Deck darf nicht fehlen. Einige Unentwegte besuchen nach dem Zimmerbezug im Hotel Oceania centre noch die berühmte Hebebrücke, den Pont de Recouvrance. Anlässlich des individuellen Nachtessens in einem der zahlreichen Restaurants kommen einerseits die Liebhaber von Austern auf ihre Rechnung, andererseits auch diejenigen, die dem Rat der Reiseleiter folgend, die lokalen Spezialitäten Crêpes und Cidre versuchen.
Am fünften Tag besuchen wir unter Leitung einer lokalen Führerin das Musée de la Marine im Schloss von Brest. Dann dürfen wir auf einer Bootsfahrt mit Mittagessen durch die Bucht von Brest die verschiedensten Sehenswürdigkeiten dieser grandiosen Bucht geniessen. Bei der Vorbeifahrt an der île longue (fotografieren verboten) kann mit dem Fernglas an der Mole sogar der Turm eines der vier strategischen Nuklear-U-Boote der Marine nationale, ein SNLE NG ausgemacht werden, die hier unter grössten Sicherheitsvorkehrungen stationiert sind. Aus nachvollziehbaren Gründen ist eine nähere Besichtigung leider nicht möglich. Nach dem Ausschiffen geht es weiter mit dem Bus, zuerst über die hohe Brücke über den Penfeld bei Plougastel und dann nach Landévennec. Auf einem kurzen Fussmarsch können wir von einem Aussichtspunkt aus den Schiffsfriedhof von Landévennec besichtigen, wo unter anderen ausrangierten Kriegsschiffen der Kreuzer Colbert und die Zerstörer La Galissonière und Le Duperré vor sich hin rosten. Weiter geht die Fahrt dann nach Camaret, vorbei am militärischen Sperrgebiet von Treyout, wo in Bunkern die nuklearen Sprengköpfe der Interkontinentalraketen der auf der île longue stationierten ballistischen U-Boote lagern. In Camaret-sur-mer schildert Reiseleiter Dominique Juilland den Ablauf der Schlacht bei Camaret 1694, in deren Verlauf dank der Geschütze des von Vauban gebauten und positionierten Wehrturms, der heute als UNESCO-Welterbe gilt, der englisch-holländischen Flotte der Eintritt in die Bucht von Brest verwehrt wurde. Nach der Rückkehr nach Brest findet im Restaurant «Maître Kanter» das traditionelle Schlussessen statt. Dieses endet mit einer Würdigung unserer Reiseleiter Dominique Juilland und Jürg Kürsener und dem verdienten Applaus der Reiseteilnehmer für die bestens gelungene Reiseleitung durch das faszinierende Programm.
Am letzten Tag der Reise besuchen wir noch den Leuchtturm am Pointe de St-Mathieu. Das Wetter ist eigentlich für bretonische Verhältnisse zu schön, so dass wir auf der Plattform des Leuchtturms trocken bleiben. Dann geht es im Bus zum Flughafen Brest, von wo wir über Paris Charles de Gaulle zurück nach Zürich fliegen. Trotz der kurzen Umsteigezeit verläuft der Rückflug problemlos. Während der Wartezeiten ist in den Gesprächen bereits die Vorfreude auf die Marinereise 2014 zu spüren.
Text: Dr. Andreas Meyenberg (Wildegg)