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Es setzt der künftigen britischen Energiepolitik vier ehrgeizige Ziele: Die Kohlenstoffemissionen Grossbritanniens sollen bis 2050 gegenüber dem Stand von 1990 um 60% zurückgehen, die Zuverlässigkeit der Versorgung soll erhalten bleiben, die Konkurrenzfähigkeit der Energiemärkte in Grossbritannien soll gefördert werden und es ist sicherzustellen, dass jede Wohnung ausreichend und erschwinglich geheizt werden kann.
Bei den Massnahmen, die zur Erreichung dieser Ziele vorgeschlagen werden, bleibt das Weissbuch indessen recht unverbindlich, indem es die Entwicklung wesentlich dem Markt überlassen will. Immerhin soll laut der Staatssekretärin für Handel und Industrie, Patricia Hewitt, der Anteil der elektrischen Energie aus erneuerbaren Energien von 10% im Jahr 2010 bis 2020 verdoppelt werden. Dazu wolle die Regierung in den kommenden vier Jahren die erneuerbaren Energien mit GBP 348 Mio. (rund CHF 820 Mio.) zusätzlich fördern und Hürden bei der Nutzung beseitigen. Ab 2005 solle zudem ein neues System für den Handel mit Kohlenstoff-Emissionszertifikaten gelten, das den Einsatz sauberer Energien begünstige. Schliesslich sei geplant, rasch strengere Normen für die Energieeffizienz von neuen Wohnungen und Geräten einzuführen. Hewitt sagte dazu: "Der Regierung ist es ernst mit der Minderung der Kohlenstoffemissionen, doch wissen wir, dass dies nicht ohne eine grundsätzliche Neuorientierung bei der Energieerzeugung und dem Konsum zu machen ist. Wir müssen weniger verbrauchen, indem wir die Energieeffizienz verbessern, und wir müssen dies erreichen, indem wir den Anteil der Erneuerbaren stark erhöhen."
Das Weissbuch enthält keine konkreten Pläne zum Bau neuer Kraftwerke. Für den künftigen Mix bei der Stromerzeugung macht das Weissbuch keine konkreten Angaben, weil die Regierung überzeugt ist, der Markt sei dafür zuständig. Die Regierung schliesst indessen nicht aus, dass dies Kernkraftwerke sein könnten: Kernenergie könnte eines Tages nötig sein, um die Kohlenstoff-Emissionsziele zu erreichen, stellt das Weissbuch fest. Die Kernenergie sei zwar kohlenstofffrei, aber "gegenwärtig wirtschaftlich unattraktiv". Laut der Lageanalyse im Weissbuch würde der Anteil der Kernenergie an der heutigen Stromerzeugung von 25% auf 0% zurückgehen und 2025 das letzte britische Kernkraftwerk stillgelegt, wenn die Lebensdauer der bestehenden Kernkraftwerke nicht verlängert wird und der Bau neuer Einheiten unterbleibt. Dies zu ändern, sei freilich nicht Sache der Regierung. Die Industrie müsse Projekte für neue Kernkraftwerke vorlegen. Die Bewilligung zum Bau dieser neuen Kernkraftwerke möchte die Regierung laut Weissbuch auf eine umfassende Vernehmlassung abstützen.
Erste Reaktionen aus Wirtschaftkreisen zum Weissbuch verhehlen nicht eine gewisse Enttäuschung. Zwar anerkennen die Kommentatoren das Bemühen, langfristige Ziele bis 2050 zu setzen und alle Optionen offen zu halten. Aber sie bemängeln das Fehlen konkreter Vorgaben. Die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien sei nicht gegeben. Werde der Mix wie im Weissbuch vorgeschlagen dem Markt überlassen, dürfte Grossbritannien als Ergebnis weiterhin vorwiegend fossile Energien einsetzen, und zwar hauptsächlich importiertes Erdgas, nachdem die eigenen Kohlevorräte in zehn und die Öl- sowie Gasvorräte aus der Nordsee in zwanzig Jahren zur Neige gingen. Eine solche Entwicklung führe in eine Sackgasse, aus der das Weissbuch keinen gangbaren Ausweg aufzeige. Statt die besonders im Kraftwerksektor fälligen Investitionsentscheide vorzuspuren, vertage die Regierung diese auf eine unbestimmte Zukunft.
Quelle
P.B. nach Medienmitteilungen des Department of Transport and Industry sowie des British Nuclear Industry Forum, 24. Februar 2003, und nach NucNet, 24. und 25. Februar 2003
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