Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03546.jsonl.gz/1494

Am 24. August meldet sich Moneybrother nach zweijähriger Releasepause mit einem neuen Album bei einem neuen Label zurück. Nachdem der Sänger und Gitarrist, der als Anders Wendin das Licht der Welt erblickte, in den vergangenen Jahren zwei Alben beim Vorzeige-Indie "Burning Heart" veröffentlichte, gibt er nun sein Major-Debüt bei der SONY-BMG-Division Columbia Deutschland. Der neue Longplayer ist das insgesamt dritte internationale Studioalbum des charismatischen Künstlers, der seine immense Popularität u.a. seinen spektakulären Liveshows verdankt. Wendin, der sich zuvor als Sänger und Frontmann der Bands Superwed und Monster einen Namen gemacht hatte, veröffentlichte unter dem Namen Moneybrother bislang zwei Solo-Alben in englischer Sprache: "Blood Panic" (2003) und "To Die Alone" (2005). Letzteres erreichte Platz 37 der deutschen Charts. Im vergangenen Jahr folgte mit "Pengabrorsan" schließlich ein weiterer Longplayer mit schwedischen Texten, der allerdings lediglich in Wendins Heimat Schweden erschien.
INTERVIEW
Was sind die Hauptunterschiede zum letzten Album?
Moneybrother: "Auf dem letzten Album gab es ein übergeordnetes Thema: Liebe und Verlust. Es war ein sehr langsames und düsteres Album. ?Mount Pleasure' ist mehr ein Rock'n'Roll-Album und beeinflusst von einer Phase in meinem Leben, in der ich ziemlich viel Party gemacht habe und mit Freunden abhing. Solche Sachen."
Gibt es Bands oder Platten, die dich im Hinblick auf "Mount Pleasure" beeinflußt haben?
MB: "Ich höre natürlich sehr viel Mink de Ville, viel The Clash und so was, aber in letzter Zeit habe ich mich etwas mehr dem Westcoast-Rock zugewendet, Songs von Jackson Brown und Randy Newman gehört."
Gab es wieder außergewöhnliche Produktions-Umstände? Das letzte Album hattest du ja in einem ehemaligen Kino aufgenommen.
MB: "Tatsächlich wurde dieses Album in einem ehemaligen Tanzpalast in Stockholm aufgenommen. In den Fünfzigern und Sechzigern war das ein ziemlich beliebter Ort, um tanzen zu gehen. Dann war das Gebäude dreißig Jahre lang geschlossen. Der Typ, der das Abba-Studio ?Polar' gebaut hat, verwandelte den ehemaligen Tanzpalast dann in ein neues ?Polar'-Studio. Wir nahmen dort alle Songs des Albums auf, aber der Hauptunterschied diesmal war: Bei den vorhergehenden Alben schrieb ich alle Songs und ging dann ins Studio - mit Musikern, die diese noch nie zuvor gehört hatten. Ich spielte ihnen die Lieder auf einer Akustik-Gitarre vor und wir fingen dann mit den Aufnahmen an. Ich wollte damals den ersten Eindruck, den der Musiker von einem Song hat, auf Band aufnehmen. Diesmal sollte es anders sein. Ich wollte, dass die Musiker die Songs Dutzende Male vorher gespielt haben, so dass sie die Stücke nicht mehr mit ihren Fingern spielen, sondern mit ihren Herzen. Dass die Musik aus ihren Herzen kommt. Wir übten also ziemlich lange, bevor wir ins Studio gingen und ich arbeitete auf allen Stücken des Albums mit den gleichen Musikern. Das hatte ich vorher noch nie getan. Das ist der Hauptunterschied zu den Alben davor. Dadurch klingen die Songs wesentlich tighter und spontaner - auch wenn das gar nicht der Fall ist."
Sind auch Musiker dabei, die bei den Aufnahmen zu den beiden anderen Alben bereits dabei waren?
MB: "Gustav Bendt am Saxophon ist noch mit dabei und Patrik Anderson am Bass. Patrik spielt allerdings jetzt Gitarre. Und der Schlagzeuger spielte auf zwei Tracks des letzten Albums, aber er war nicht in der Liveband."
Wer hat das Album produziert?
MB: "Es gab zwei Produzenten. Einer war Pelle Gunnarfeldt, der das letzte Hives-Album gemacht hat und auch das letzte Monster-Album, meiner Band vor Moneybrother. Er ist ein alter Freund von mir aus Nordschweden. Er ist sehr ruhig und redet nicht viel, aber er ist sehr gut, wenn's um Sounds geht, besonders Gitarren- und Drumsounds. Dafür gibt es in Schweden keinen Besseren. Der andere Produzent heißt Henrik Svensson und war früher in der Liveband. Er ist ein sehr guter Freund von mir und er hat die gleiche musikalische Vision wie ich. Er war mir diesmal eine große Hilfe. Es fällt mir immer sehr schwer, denn ich schreibe keine Noten auf, ich muss den Musikern immer erklären, was sie spielen sollen. Das ist nicht einfach, wenn man alleine ist, doch diesmal war er mir eine große Hilfe."
Wie lange haben die Aufnahmen gedauert?
MB: "Die Proben dauerten natürlich ziemlich lang, die eigentlichen Aufnahmen waren extrem kurz, weil wir die Stücke so gut beherrschten. Wir nahmen zwei Songs pro Tag auf, waren also nach zehn Tagen fertig. Danach verbrachte ich noch einige Wochen im Studio mit Gesangsaufnahmen und Overdubs."
Live-Auftritte sind für Moneybrother ja ziemlich wichtig. Würdest du jemals einen Song aufnehmen, den man nicht live spielen kann?
MB: "Ich könnte das schon tun, aber ich wüsste nicht, wie ich einen solchen Song schreiben sollte. Ich schreibe meine Songs, indem ich auf meiner Gitarre spiele. Aber irgendwann werde ich es schon einmal ausprobieren. ?Good Vibrations' von den Beach Boys ist vielleicht ziemlich schwierig live zu spielen, dennoch ist es ein großartiger Song. Also wenn ich so ein tolles Stück schreiben könnte, wäre ich sehr glücklich und natürlich würde ich ihn dann auch aufnehmen."
Warst du eigentlich nicht versucht, mit dem Majordeal in der Tasche einen Big-Name-Produzenten zu verpflichten und in einem teuren Studio irgendwo auf der Welt aufzunehmen?
MB: "Ich bin tatsächlich in die Staaten geflogen und habe dort mit jemandem zwei Stücke aufgenommen. Der Sound war exzellent, es waren ein paar ziemlich gute Musiker am Start - aber die spielten einfach viel zu gut. Mir wurde klar, dass ich meine eigene Band brauche, um diesen punkigen, aggressiven Vibe hinzubekommen. Das ging mit den Musikern in L.A. natürlich nicht. Ich habe die Aufnahmen dann nicht verwendet. Es war trotzdem eine großartige Erfahrung, in L.A. aufzunehmen. Doch meistens hast du so viele Dinge im Kopf, wenn du eine Platte aufnimmst, dass du das lieber nicht in einer wunderbaren Stadt wie Los Angeles machen möchtest. Man möchte dann lieber in einem Keller in Stockholm sein und sich auf die Musik konzentrieren."
Werden diese Songs jemals erscheinen?
MB: "Die Songs sind ja auf dem Album, nur die Aufnahmen wurden nicht verwendet. Ich weiß noch nicht genau, vielleicht werden sie ja eines Tages veröffentlicht."
Beim letzten Album war die Verwendung von Streichern ein großes Thema - diesmal nicht. Warum?
MB: "Oh ja, auf dem letzten Album hatte ich einen ganzen Haufen Streicher. Aber diesmal wollte ich so wenige Instrumente wie nur irgend möglich haben und ich wollte jedem Instrument so viel Gewicht geben wie möglich geben. Auf dem letzten Album spielten manchmal bis zu zwanzig Leute die gleiche Note. Wenn man eine Gitarre richtig einsetzt, kann das klingen, als wenn hundert Leute Streicher spielen. Mein Fokus lag also darauf, jedes Instrument so gut klingen zu lassen, wie nur irgend möglich. Und so wenige einzusetzen wie möglich."
Wie ist es für dich, ein Majorlabel-Artist zu sein?
MB: "Ich bin in Deutschland bei einem Majorlabel. In Schweden, wo ich lebe, bin ich bei keiner großen Plattenfirma, es ist also für mich kein Unterschied zu früher. Auf jeden Fall arbeiten jetzt gleich ein paar Leute in Deutschland an meiner Musik, davor war es lediglich einer. Ich denke, dass ist keine schlechte Sache. Ich habe das ganze Produzieren etc. in Schweden gemacht und bislang verspürte ich keinerlei Unterschied zu früher. Die Art und Weise, wie mit meiner Musik in Deutschland gearbeitet wird, ist natürlich wesentlich professioneller und darüber bin ich sehr glücklich. Solange mein Albumcover genau so aussieht, wie ich das will und mein Album genau so klingt, wie ich das möchte, habe ich überhaupt kein Problem."
Woher kommt der Albumtitel "Mount Pleasure"?
MB: "Ich reiste in der Karibik umher und kam irgendwann auf eine ziemlich kleine Insel namens Bequia. Es leben gerade mal viertausend Menschen dort und in der Mitte der Insel ist ein sehr ein großer Berg. Eines Tages schnappte ich mir mein Fahrrad und fuhr hinauf. Die ganze Insel war ausschließlich von afrikanisch-stämmigen Rastafaris bewohnt, die den ganzen Tag Musik hörten. Dort oben aber sah man allerdings ausschließlich Weiße - die allerdings wie Rastafaris lebten und sprachen. Sie sahen aus wie Piraten, mit Tätowierungen und Bandanas. Ich war fasziniert von diesen Menschen, die vermutlich die vergangenen 300, 400 Jahre völlig unter sich gewesen waren, Nachkommen von Piraten. Ich konnte es nicht glauben. Es war fantastisch. Ich sah mir diese Typen an, die seit so langer Zeit dort lebten, immer im Kampf, genau so leben zu können, wie sie es wollen. Ich fand das wirklich faszinierend und beschloss, das Album "Mount Pleasure" zu nennen, denn das war der Name des Berges."
Wie erklärst du dir deinen großen Erfolg in Deutschland? Es ist bestimmt dein größter Markt, oder?
MB: "Abgesehen von Skandinavien, ja. Ich weiß nicht genau, ich nehme mal an, es ist das einzige Land, in den mein Ex-Label meine Platten veröffentlicht hat. Wir hatten großes Glück, denn die Beatsteaks nahmen uns auf Tour mit und danach schwärmten sie von uns in Interviews. Das ist genau das, was man als Newcomer in einem neuen Land braucht - wenn man den Respekt solcher großartiger lokaler Künstler bekommt. Wir hatten also ziemliches Glück."
"Mount Pleasure" - Track by Track
1. "Guess Who's Gonna Get Some Tonight"
"Das ist ein toller Album-Opener. Mit diesem Song bin ich wirklich sehr zufrieden. Ich wollte ein Lied, das wie ?Summer Of 69' klingt, denke ich."
2. "Down At The R"
"Ein Song übers Rumhängen mit Freunden in einer Bar. Das klingt vielleicht wie ein ziemlich kindisches Thema für einen Song, aber jeder hat so seinen Lieblingsort, wo man gute Freunde trifft und ein guter Abend kann einen ziemlichen Unterschied ausmachen - in einer ansonsten lausigen Woche."
3. "It Will Not Happen Here"
"Diesen Song schrieb ich, als ich mit einem Mädchen in San Francisco war. Wir waren in einem Hotel und sie schlief. Ich konnte den Verkehr draußen hören und ich konnte die Polizei-Sirenen und den Regen hören. Sie hörte nichts davon, denn sie schlief. Und mir wurde klar, dass ich sehr, sehr glücklich war und dass es ein tolle Nacht war."
4. "It Might As Well Be Now"
"Das ist ein Duett mit der norwegischen Sängerin Ane Brun. Ich liebe ihre Stimme. Der Song handelt von mir. Wie ich sitze auf einem Platz, auf dem ich immer sitze. Und man sieht mir an, dass ich nicht der glücklichste Mensch der Welt bin. Und eines Tages öffnet sich die Tür, und der Grund, warum ich nicht der glücklichste Mensch der Welt bin, kommt in die Bar. Ich hätte nie gedacht, dass ich an diesem Ort Angst hätte haben müssen, dass das passiert. Andererseits war mir klar, dass ich ihr irgendwann wieder über den Weg laufen würde. Der Song ist ein Dialog zwischen zwei Menschen. Ich versuche, sie dazu zu bringen, sich doch wenigstens kurz hinzusetzen."
5. "Any Other Heart"
"Der Song handelt von Victor, einem Freund von mir. Er spielte mal in einer Band - er gründete Monster, meine erste Band. Es ist ein Song übers Erwachsenwerden und wie wir darum kämpften, genau die Musik zu machen, die wir machen wollten."
6. "Just Another Summer"
"Ein Song über das Älterwerden. Er erzählt, wie Sommer und die Magie des Verliebens wesentlich größer erschienen, wenn man ein Kind ist. Es ist ein melancholisches Lied, aber trotzdem schnell."
7. "Will There Be Music?"
"Auf jedem Album sollte mindestens ein Thin-Lizzy-Rip-Off drauf sein. Das ist also mein Thin-Lizzy-Rip-Off auf dem Album. Ich bete Thin Lizzy an und ich möchte kein Album machen, auf dem es nicht einen Song gibt, der genau so klingt wie sie. Mein Lieblings-Thin-Lizzy-Rip-Off ist von Nick Lowe und heißt ?So It Goes'. Möglicherweise nahm er seinen Song auf, bevor er überhaupt Thin Lizzy gehört hat, aber es klingt definitiv wie ein klassischer Thin-Lizzy-Song."
8. "It Is Time For Falling Apart"
"Dieser Song handelt davon, zwei Wochen am Stück zu arbeiten, dann sein Mädchen anzurufen und ihr zu sagen, dass es Zeit ist, auszugehen und Spaß zu haben und sich zu betrinken, bis alles auseinander fällt. Darum geht es."
9. "No Damn! I Don't Love You"
"Dieser Song handelt von dem Gefühl, dass man hat, wenn man sich selbst davon überzeugen will, dass man nicht mehr verliebt ist, dass es aus ist, dass man weitergezogen ist und alles vergessen hat. Doch dann erlebt man eine wunderschöne Nacht, aber es ist niemand da, mit dem man sie teilen kann. Da begreift man: Was nutzt eine solche Nacht, wenn man sie ganz alleine verbringen muss?"
10. "I Know It Ain't Right"
"Das ist ein Abschiedssong. Ein Song über Trennung. Ein Song über die letzte Nacht."
?warum ist der Song "Much To Much" (B-Seite der Single "Just Another Summer") nicht auf dem Album? Das ist doch ein fantastisches Lied.
MB: "Ehrlich gesagt, ich weiß auch nicht genau, warum es nicht auf dem Album ist. Ich mag den Song auch sehr. Ich gab ihn einem schwedischen Mädchen, Anna Maria Espinosa. Sie nahm ?Much To Much' auf und hatte damit sogar einen großen Hit in Schweden. Ich schrieb den Song für einen Film, der im vergangenen Jahr in Schweden lief. Sie war allerdings nicht wirklich glücklich mit ?Much To Much', ihr war der Song zu soft oder so. Ich liebe ihn und deshalb beschloss ich, ihn selbst aufzunehmen. Es stimmt, es ist ein tolles Lied und es sollte vielleicht auf dem Album sein. Aber jetzt verwenden wir es als B-Seite der Single. Es war mir sehr wichtig, dass das Album nicht länger als vierzig Minuten ist. Ein gutes Album sollte zwischen 35 und 38 Minuten lang sein. ?Mount Pleasure' ist 38 Minuten, also hätten wir's beinahe verkackt. Nur indem wir etwas Musik am Ende von ?Any Other Heart' weg genommen haben, gelang es uns, die 38 Minuten zu schaffen. Darüber bin ich sehr glücklich."
06/2007