Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03604.jsonl.gz/451

Diskussionsabend mit Melanie Altanian zu Genozid und Vergangenheitsbewältigung
Was heisst es, Verantwortung für historische Ungerechtigkeit zu übernehmen? Inwiefern können wir von einer gegenwärtigen Gesellschaft und ihren individuellen Mitgliedern erwarten, vergangene Verbrechen aufzuarbeiten, die im Namen einer Gruppe, eines Staats und seiner Institutionen begangen wurden? Und wie kann die Philosophie zur Klärung dieser Fragen beitragen?
Dieser Diskussionsabend zum Thema Genozid und Vergangenheitsbewältigung soll dazu dienen, Missverständnisse über die Verantwortungsfrage für historische Ungerechtigkeit aufzudecken und eine differenzierte Betrachtung von Verantwortung zu ermöglichen. Dadurch soll gemeinsam die Reichweite der persönlichen Verantwortung für nicht selbst verursachte Ungerechtigkeit beleuchtet werden. Dies ist Bedingung dafür, so die zugrundeliegende Annahme, um der Gefahr defensiver Reaktionen oder gar der Gleichgültigkeit gegenüber historischer Ungerechtigkeit entgegentreten und uns als moralisch und politisch verantwortliche Akteure etablieren zu können.
Melanie Altanian schliesst demnächst ihr Doktorat am Institut für Philosophie der Universität Bern ab, wo sie auch ihr Studium der Philosophie und des Masterprogramms Political, Legal, and Economic Philosophy absolviert hat. In ihrer Doktorarbeit hat sie erforscht, inwiefern die systematische Leugnung von Genozid durch den Nachfolgerstaat als eine spezifische weitere Ungerechtigkeit sowohl gegenüber der ehemaligen Opfergruppe, als auch für die post-genozidale Gesellschaft insgesamt bewertet werden kann.