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Nach einer Begrüssung durch Martin Roth, Direktor der Wasserversorgung Zürich und Vorsitzender der FOWA-Fachkommission, die für die Projektauswahl zuständig ist (siehe Kasten), präsentierten Aurélie Schenk und Martin Bärtschi (beide SVGW-Geschäftsstelle) gemeinsam auf Französisch und Deutsch Aufbau, Funktionsweise und Zahlen zum FOWA.
Das Projekt «Verhalten von Nanopartikeln in der mehrstufigen Wasseraufbereitung» ist bereits abgeschlossen (zwei Artikel darüber sind im Aqua & Gas erschienen: A&G 12/2018 und A&G 12/2021) und wurde von Serge Stoll (Universität Genf) zusammengefasst: Mit einer konventionellen Aufbereitung bestehend aus Flockung und anschliessender Sandfiltration lassen sich TiO2-Nanopartikel fast vollständig aus dem Rohwasser entfernen. Ein weiteres FOWA-Projekt befasst sich ebenfalls mit dem Verhalten von Partikeln in der Wasseraufbereitung, diesmal handelt es sich aber um Mikroplastik-Partikel. Auch in diesem Fall ist eine konventionelle mehrstufige Aufbereitung sehr effizient, wie Angel Velasco (Universität Genf) berichtete: Eine Elimination von Mikroplastik des Grössenbereichs zwischen 63 und 125 μm von rund 93% wurde beobachtet. Grössere Partikel (> 125 μm) wurden sogar vollständig entfernt.
Beim Projekt Oxibieau, vorgestellt von Richard Wülser (IWB), wurden zwei Verfahren zur Entfernung von Mikroverunreinigungen (MV) und DOC, nämlich ein weitergehendes Oxidationsverfahren und ein Membranverfahren, miteinander verglichen. Beide reduzieren die MV-Fracht um mindestens 75%. Das oxidative Verfahren ist kostengünstiger als das Membranverfahren. Bei den Umweltauswirkungen spielt der eingesetzte Strom eine zentrale Rolle: Je grüner dieser ist, umso besser schneidet das Membranverfahren ab. Ein Teilprojekt von Oxibieau, das Life Cycle Assessment der beiden Verfahren, wird im Aqua & Gas 6/2022 beschrieben. Ein weiteres Aufbereitungsprojekt dreht sich um die Entfernung von Chlorothalonil-Metaboliten durch optimierte Aktivkohleverfahren. Dabei werden zwei Methoden angeschaut, so Daniel Urfer (RWB Groupe SA): der LUCA-(Layered Upflow Carbon Adsorption-)Filter mit granulierter Aktivkohle (GAK) und das CarboPlus®-Verfahren, wobei mikrogranulierte Aktivkohle im Wirbelbett eingesetzt wird. Die beiden optimierten GAK-Verfahren weisen eine fast doppelt so hohe Eliminationseffizienz im Vergleich zu herkömmlichen GAK-Anwendungen auf. Die Ergebnisse aus diesem FOWA-Projekt werden in der kommenden Aqua & Gas-Ausgabe detailliert beschrieben. Beim letzten Aufbereitungsprojekt ging es schliesslich um die Bildung von Transformationsnebenprodukten bei der Ozonung und deren Verhalten in der biologischen Nachbehandlung (Langsamsandfiltration). Rebekka Gulde (Eawag) schlussfolgerte auf Grundlage der Resultate, die bereits im Aqua & Gas 12/2021 zusammengefasst worden waren: «Die verbreitete Annahme, dass Spurenstoffe nur partiell voroxidiert werden müssen und dann biologisch abbaubar sind, ist nicht immer richtig.»
Carl-Heinz Vôute von der SGK präsentierte die Ergebnisse aus dem FOWA-Projekt «Problematik der Fleckenbildung in Trinkwasserbehältern und Schutzmassnahmen». Durch Aufbringen eines Schutzstromes lasse sich die Fleckenbildung weitgehend unterdrücken. Schon vergleichsweise geringe Stromdichten (≤ 1 mA/m2) sind wirksam. Über Ergebnisse aus einem Vorgängerprojekt wurde bereits im Aqua & Gas 6/2015 berichtet. In Verteilnetzen lässt sich die Druckregelung mit der Stromerzeugung verbinden, was im Projekt «Druckbrecher mit Mikroturbinen und intelligenter Netzsteuerung» untersucht wird. Irene Samora (BG Ingénieurs Conseils) zeigte auf, dass Mikroturbinen gewinnbringend eingesetzt werden können bei Versorgungsgebieten mit mehr als 3000 Einwohnern. Zudem ist eine intelligente Netzregelung (Smart Node) sinnvoll bei einem Stagnationsrisiko im Netz, oder wenn der Bezug von mehreren Quellen geregelt werden muss. Krankheitsbedingt konnte Franziska Rölli von der Hochschule Luzern ihr Referat «Was aus einem FOWA-Projekt alles werden kann» leider nicht halten. Die Ergebnisse dieses FOWA-Projekts, bei dem es um die Entwicklung eines Probenahmekonzepts für Gebäudeinstallationen als Grundlage für Legionellenuntersuchungen ging, wurden jedoch schon im Aqua & Gas 12/2020 vorgestellt.
Zwei Ziele verfolgt das Projekt «Werkzeuge für die Identifikation von strategisch wichtigen Grundwasserressourcen im Kontext des Klimawandels», das von Marie Arnoux (CREALP) präsentiert wurde: erstens die Identifizierung von Wasserressourcen, die eine nachhaltige Wasserversorgung gewährleisten können, und zweitens die Entwicklung von Entscheidungshilfen für die strategische Bewirtschaftung dieser Ressourcen. Die Forscherin zeigte erste Ergebnisse des laufenden Projekts, die in der Untersuchungsregion des Val des Bagnes gewonnen worden waren. Einige Daten aus dem Projekt «AmphiWell – Umwelt-DNA für die Erfassung der Grundwasserfauna und möglicher Nutzen für die Qualitätskontrolle» wurden bereits im Aqua & Gas 4/2022 publiziert. Momentan wird die Pilotstudie weitergeführt und in ihrem Umfang vergrössert (Verwendung einer grösseren Zahl von DNA-Markern, Ausweitung auf die ganze Schweiz, Untersuchung des saisonalen Einflusses), wie Marjorie Couton von der Eawag ausführte. Ziel ist herauszufinden, welche Faktoren das Vorkommen der Grundwasserfauna erklären können. Dies wiederum ist die Grundlage für eine allfällige Verwendung als Bioindikator.
Die zentrale Frage des von Helmut Bürgmann (Eawag) präsentierten Projekts «HNA-/LNA-Fraktionen und ihre Assoziation zu Risikofaktoren (Antibiotikaresistenz)» lautet: Ist die durchflusszytometrisch bestimmbare Bakterienfraktion «High Nucleic Acid Bacteria» (HNA) mit Antibiotikaresistenz assoziiert? Bürgmann beantwortete diese kurz und knapp mit Ja. Ausführlicher wird das Projekt in der kommenden Aqua & Gas-Ausgabe beschrieben. Ein Artikel über das Vorgängerprojekt «Antibiotikaresistenzen im Trinkwasser?» wurde im Aqua & Gas 10/2017 veröffentlicht. Als Fazit der beiden Projekte kann Entwarnung gegeben werden: Trinkwasser ist weder Gefahrenquelle noch Treiber für die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen. Um die Genotoxizität von Trinkwasserproben zu bestimmen, wurde im Projekt «Gentox-Radar» der wirkungsbasierte Biotest planar-umuC entwickelt. Dieser besteht aus einer Auftrennung der Probe durch Dünnschichtchromatographie und der anschliessenden Durchführung des umuC-Tests direkt auf den Chromatographieplatten, erklärte Andreas Schönborn von der Planar4 GmbH. So erhält man nach wenigen Stunden eine erste, orientierende Bewertung von Trinkwasserproben hinsichtlich Genotoxizität.
Zum Abschluss des Tages stellten sechs Firmen, die den Fowa Innovation Day finanziell unterstützten und auch mit Ausstellungsständen präsent waren, ihre innovativen Produkte vor:
Am 11. Mai traf sich die Fachkommission des FOWA zu ihrer jährlichen Sitzung, um über die Förderung der eingereichten FOWA-Anträge - dieses Jahr waren es vier - zu befinden. Da wiederum mehr Fördergelder nachgefragt wurden, als der FOWA vergeben kann, musste die Kommission genau abwägen, welche Projekte am besten die Kriterien des FOWA erfüllen und gefördert werden können. Sie entschied sich für die Förderung von zwei Projekten: Eines befasst sich mit der Eliminierung von Nanoplastik innerhalb von konventionellen Aufbereitungsstufen, das andere stellt Lösungen für die Bestimmung von Zuströmbereichen mit Hilfe eines semiempirischen Models in Aussicht. Somit werden auch in diesem Jahr wieder Projekte unterstützt, die allen Wasserversorgungen zugutekommen. Es ist daher schade, dass viele Wasserversorgungen noch nicht mitmachen beim FOWA und dazu beitragen, weiterhin die Finanzierung und Durchführung von spannenden, anwendungsorientierten Projekten im Bereich der Wasserversorgung zu ermöglichen.
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