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Glorie,
Gloriola, in der Kunst der Lichtkreis oder Strahlenkranz, der die Gestalt oder das Haupt göttlicher
und heiliger
Personen umgiebt. Liegt er nur um den
Kopf, so heißt er Nimbus, liegt er um den ganzen Körper,
Aureole. Die ovale (mandelförmige)
Einfassung heißt
Mandorla. Bei Ägyptern, Persern,
Indern, Griechen und
Römern war der als
Attribut ihrer
Götter, Heroen und Könige auf
Statuen, Münzen
[* 6] u. s. w. im Gebrauch. Seit dem 4. Jahrh.
eignete sich die christl. Kunst denselben an, indem sie ihn den göttlichen
Personen der Dreieinigkeit, dann auch den Engeln,
Propheten,
Aposteln, der
Jungfrau Maria und den
Heiligen zuteilte. Der Heiligenschein ist,
besonders auf ältern Gemälden, als ein nach außen ohne scharfen
Umriß sich verlierender Strahlenschein, später als kreisrunde
oder elliptische Scheibe, oder, wie meist in der neuern Malerei, nur als eine über dem Haupte der
Heiligen
schwebende helle Kreislinie dargestellt. Charakteristisches Zeichen für die Göttlichkeit ist das Kreuz
[* 7] im Nimbus. –
Über die
physikalische Erscheinung des Heiligenschein s.
Glorienschein.
1)
Kreis
[* 8] im preuß. Reg.-Bez.
Erfurt,
[* 9] hat 433,74 qkm, (1890) 38319 (17340 männl., 20979 weibl.) E., 2
Städte, 67 Landgemeinden
und 28 Gutsbezirke. – 2) Kreisstadt im
Kreis Heiligenstadt, früher Hauptstadt des zu Kurmainz gehörigen Eichsfeldes, links an der
Leine, in 266 m Höhe, an der Linie
Halle-Nordhausen-Cassel der
Preuß. Staatsbahnen,
[* 10] Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts
(Landgericht Nordhausen)
[* 11] nebst
Strafkammer (beide im ehemaligen Schlosse des kurmainzischen
Statthalters),
ferner eines
Katasteramtes, katholischen bischöfl.
Kommissars und Superintendentur, hat (1890) 6183 E., darunter 1026
Evangelische und 68 Israeliten, Postamt erster
Klasse,
Telegraph,
[* 12] zwei kath. Haupt- und drei Nebenkirchen, eine evang.
Kirche (13. und 14. Jahrh.), unter denen die Liebfrauenkirche mit der
got. Annenkapelle sich auszeichnet, ein königlich kath. Gymnasium, 1575 gegründet
(Direktor Dr.
Brüll, 10
Lehrer, 9
Klassen, 231
Schüler), kath.
Bürgerschule, ein kath. Schullehrerseminar mit Präparandenanstalt,
kath.
Kranken- und Waisenhaus, evang. Johanniterkrankenhaus und Hospital für alte Leute; ferner 8 Cigarrenfabriken,
eine mechan.
Weberei
[* 13] und Zwirnerei, Papier-,
Nadel- und landwirtschaftliche Maschinenfabrik und
Ackerbau.
Heiligenstadt bekam 1227
Stadtrechte durch den Erzbischof Siegfried Ⅱ. von Mainz
[* 14] und wurde 1802 preußisch.
nördl.
Vorort von
Wien
[* 15] und seit 1890 zu dessen 19.
Bezirk Döbling gehörig, am Unterlauf des Grinzingerbaches,
hat (1890) 5579 E., eine alte
Pfarrkirche (1095), ein Heilbad mit warmen
Quellen, ein Beethovenmuseum,
einen Beethovenpark mit
Büste des Dichters, der hier seinen Lieblingsaufenthalt hatte, und ist eine beliebte
Sommerfrische
der
Wiener. Heiligenstadt ist sehr alt; die Sage verlegt hierher den Aufenthalt des heil.
Severinus und den Besuch des Odoaker.
In H. wird ein Hauptbahnhof der im
Bau begriffenen
WienerStadtbahn errichtet.
Geist. Das
Alte Testament nennt
GeistGottes oder
Geist des Herrn den lebendig machenden Odem
Gottes, danach im
übertragenen
Sinne die aus Gott auf dieMenschen übergehende geistige Kraft,
[* 18] als die
Quelle
[* 19] der prophetischen
Erkenntnis und alles höhern geistigen und sittlichen Lebens. Im spätern
Judentum wird der
GeistGottes immer mehr als die
Offenbarungsseite des
an sich schlechthin überweltlichen göttlichen Wesens gedacht, ja geradezu poetisch personifiziert,
wozu in der nachexilischen Zeit die
Vorstellungen von der göttlichen Weisheit, dem Schöpferwort und
der Herrlichkeit
Gottes hinzutreten.
Nach
Paulus bildet der Heiliger Geist oder der
GeistGottes das substantielle Wesen des
SohnesGottes überhaupt, die
irdische Menschheit nimmt dieser nur an, um die
Sünde im Fleische zu ertöten, daher der Gekreuzigte in Kraft dieses
Lebensgeistes
von neuem erweckt wird und nun auch den Seinen den Heiliger Geist und durch denselben die
Auferstehung von den
Toten mitzuteilen im
stande ist. Die judenchristl.
Vorstellung dagegen läßt den in Heiliger Geist dem
MenschenJesus nur als in seinem
Gefäß
[* 22] in unermeßlicher Fülle wohnen.
Letztere
Ansicht steigerte sich weiter zu der
Vorstellung von der übernatürlichen Erzeugung der im übrigen noch immer wesentlich
menschlich gedachten
Person Jesu durch den Heiliger Geist, wogegen die paulinische
Anschauung den Sohn
Gottes vorweltlich dachte
und als das himmlische Urbild der vollkommenen Menschheit beschrieb. Beide Vorstellungsreihen wurden in der kirchlichen
Lehre
[* 23] des 2. Jahrh. ebenso verbunden, wie im Matthäus-Evangelium die Empfängnis vom Heiliger Geist und
die Herabkunft desselben auf
Jesus bei der
Taufe nebeneinander hergehen.
Neben der
Lehre vom göttlichen
Geiste als dem übermenschlichen Princip in Christi
Person bildete sich
unter alexandrinischem Einflusse die verwandte
Vorstellung vom ewigen göttlichen Wort (dem
Logos), das die Welt geschaffen
habe und in Jesu Fleisch geworden sei. Da beide Lehrweisen nicht wesentlich unterschieden waren, so konnten viele
Kirchenlehrer
des 2. Jahrh.
Logos und Pneuma als gleichbedeutende
Ausdrücke für das Göttliche in Jesu gebrauchen.
Ursprünglich waren weder der
Logos noch das Pneuma streng persönlich gedacht, aber als ersterer
Ausdruck immer allgemeiner
zur Bezeichnung der vorweltlichen Persönlichkeit Christi verwendet wurde, begann man den Heiliger Geist vorzugsweise
als das übernatürliche Princip alles höhern göttlichen Lebens in den Gläubigen
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zu betrachten. Anlaß hierzu gab vorzugsweise das vierte Evangelium, wonach Jesus als der vom Himmel
[* 25] gekommene und wieder zum
Vater zurückkehrende göttliche Logos den Seinen nach seinem Scheiden den Heiliger Geist, den Geist der Wahrheit, als den Beistand (Parakleten)
verheißt, der sie in alle Wahrheit leiten und sie darüber belehren solle, was sie jetzt noch nicht zu
verstehen vermöchten. Aber schon in der Anschauung des Urchristentums ist es der Heiliger Geist, der den Glauben erweckt, die Gläubigen
von der Sünde reinigt, sie als Gereinigte Gott zueignet und mit neuen Kräften des sittlichen Lebens erfüllt.
Derselbe wird vorgestellt als eine objektive, über dem Menschen waltende und von oben her über ihn kommende
Macht, ohne daß jedoch die gelegentlich vorkommende Personifikation des Heiliger Geist dogmatisch zu nehmen wäre.
Als das die Gläubigen aus der Welt aussondernde und Gott zueignende Princip ward der in der Heiliger Geistin der Taufformel
Matth. 28, 19. vom Vater und Sohn noch unterschieden. Die Summe des christl. Bewußtseins ist hier in dem
Glauben an Gott den Vater, an Jesum Christum, den Sohn Gottes, unsern Erlöser, und an den Heiliger Geist als die in den Gläubigen waltende
Gottesmacht zusammengefaßt. Als Person war der Heiliger Geist auch in dieser Zusammenstellung noch nicht verstanden.
Erst die Gnostiker (s. Gnosis) des 2. Jahrh. räumten dem Heiliger Geist eine
Stelle unter ihren mytholog. Gestalten ein, in die sich für sie die göttliche Wesensfülle auseinanderlegte (Äonen), und
in judenchristl. Kreisen fand sich die Auffassung vor, daß der ein Heiliger Geistein Engelwesen sei, obwohl daneben wieder
die Engelwelt nur als die Auseinanderfaltung des im H. G. zur Einheit zufammengefaßten göttlichen Wesens erscheint. Die
Montanisten (s. d.) endlich bezeichneten den Heiliger Geist oder den
Parakleten als den vom göttlichen Logos unterschiedenen Urheber der neuen Prophetie, die der Montanismus verkündigte, und als
das die Kirche über die Gottesoffenbarung in der Apostelzeit noch hinaus zur Periode der männlichen Reife
führende Princip. So wurde der Heiliger Geist seit dem Ende des 2. und Anfang des 3. Jahrh.
auch von rechtgläubigen Kirchenlehrern, wie Irenäus, Tertullianus, Origenes, immer allgemeiner als ein besonderes, vom Logos
unterschiedenes Subjekt gefaßt.
Das Verhältnis der drei Personen zueinander aber ward in der Weise strenger Unterordnung gedacht, der
Heiliger Geist insbesondere als hervorgebracht durch den Sohn und geringer als dieser. Nähere Bestimmungen blieben
bis zum Ende des 4. Jahrh. der Freiheit der einzelnen Kirchenlehrer überlassen. Erst als die volle Gottheit des Sohnes und
dessen Wesensgleichheit mit dem Vater kirchlich festgestellt war, erforderte es die Folgerichtigkeit des
kirchlichen Dogmas, Gleiches auch vom Heiliger Geist auszusagen.
Auf der Synode zu Toledo
[* 27] (589) kam jene Annahme zuerst in den lat. Text des konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnisses, das
die Worte «qui ex patre procedit» durch den Zusatz «filioque» hinter «patre»
vermehrte. Dieser Zusatz ging dann auch in das Athanasianische Glaubensbekenntnis über, wo es heißt: «Spiritus sanctus a
patre et filio procedens». Dieses Ausgehen aber dachte man sich als ein Aushauchen von seiten
des Vaters und Sohnes (spiratio activa), im Gegensatz zu der Zeugung des Sohnes durch den Vater.
In der kirchlichen Dogmatik ist die Lehre vom Heiliger Geist ziemlich vernachlässigt. Dieselbe schreibt ihm eine Reihe von Wirkungen
(Berufung, Erleuchtung, Heiligung u. s. w.) zu, die jedoch gewöhnlich in dem Kapitel von den göttlichen Gnadenwirkungen behandelt
werden. Speciell des Heiliger Geist wurde fast nur in den Lehren
[* 28] von der buchstäblichen Eingebung der Heiligen Schrift
durch den Heiliger Geist und von dem sog. testimonium Spiritus Sancti internum gedacht, worunter man früher die unmittelbar göttliche
Beglaubigung der Wahrheit des Evangeliums im Menschengemüt, später die auf wunderbare Weise vom Heiliger Geist gewirkte Überzeugung
vom göttlichen Ursprung der Bibel
[* 29] verstand.
Von der seit Mitte des 18. Jahrh. erwachten Kritik ward auch die orthodoxe
Lehre vom Heiliger Geist immer entschiedener bestritten. Während der Supranaturalismus zu den unbestimmten Ausdrücken der ältern Väter
zurückkehrte, bekämpfte der Rationalismus die Persönlichkeit des Heiliger Geist überhaupt mit philos. und exegetischen Gründen,
und sah in ihm nur die unpersönliche göttliche Kraft, die uns sittlich erneuert. Den religiösen Gehalt
in der Lehre vom Heiliger Geist hob zuerst Schleiermacher wieder hervor, indem er denselben als den christl.
Gemeingeist oder als die die Gemeinschaft der Gläubigen beseelende und in alle Wahrheit leitende göttliche Lebensmacht
beschrieb. Hegel deutete die Lehre vom Heiliger Geist dahin um, daß sie nur ein Ausdruck sein sollte für seine
Theorie von dem ewigen Göttlichen (dem Vater), das aus seiner Entäußerung in der Welt (dem Sohne) zu sich zurückkehre und
so im menschlichen Bewußtsein zu persönlichem Leben gelange. Gott als Geist ist hiernach der im Bewußtsein der endlichen
Geister gegenwärtige Gott. Neuere spekulative Theologen sind seitdem bemüht gewesen, den Heiliger Geist
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