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SRF DOK: Wann hattet Ihr zum ersten Mal die Idee auszuwandern?
Tobias Bayer: Die hatten wir schon recht früh. Michael war noch nicht lange in der Schweiz, da hatten wir schon beide ein Gefühl und fragten uns: Was könnten wir tun? Wir sahen in uns beiden etwas Kreatives und wollten etwas Selbstständiges machen.
Und was gab den Anstoss, den Traum in die Tat umzusetzen?
Er ist nach und nach gewachsen. Wir reisten regelmässig nach Fuerteventura in die Ferien, fast jedes Jahr. Wir merkten: Fuerteventura ist ein guter Ort zum Leben, und um ein eigenes Geschäft aufzubauen, weil Fuerteventura immer 10 bis 20 Jahre hinter den anderen kanarischen Inseln herhinkt. Da gibt es Potential, um etwas Neues aufzubauen. Wir wussten damals aber noch nicht genau, was und in welchem Rahmen es sein sollte.
In welche Richtung gingen die Überlegungen?
Uns schwebten verschiedene Dinge vor: Eine Bar, ein kleines Hostel oder ein Bed and Breakfast. Je nachdem was sich ergeben würde. Den Gedanken mit dem Hostel bzw. dem Bed and Breakfast hatten wir aber recht schnell verworfen, weil es sehr schwierig war, ein geeignetes Objekt zu finden.
Wie seid Ihr vorgegangen?
Wir vermieteten unsere Eigentumswohnung in der Schweiz und zogen dann für ein halbes Jahr zu meinen Eltern, um alles zu kündigen und noch etwas Geld auf die Seite zu legen.
Dann reisten wir mit Sack und Pack auf die Insel, um erstmal Land und Leute besser kennenzulernen, Spanisch zu lernen und die Insel auszukundschaften. Wie ist das preislich? Was muss man in etwa rechnen, wenn man selber etwas aufbaut? Nach drei bis vier Monaten fingen wir an zu jobben, auch um Einheimische kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln.
Am Flughafen in Fuerteventura machten wir Kundenumfragen auf Deutsch, Spanisch, Englisch und Französisch. Ich begleitete Inseltouren mit dem Bus und übersetzte auf Französisch. Ausserdem fuhr ich als Chauffeur kleine Minibusse über die Insel. Michael jobbte in einem Hotel an der Rezeption und ich in einem Immobilienbüro, das Villen vermietete. Dort habe ich mich um die Gästebetreuung gekümmert. Das Ziel war aber immer, uns selbstständig zu machen.
Das klingt nach einem gelungenen Start.
Uns ist eigentlich nur die spanische Wirtschaftskrise in die Quere gekommen. Anstatt dass es hier bergauf ging, sah man wie jede Woche ein, zwei Restaurants, Geschäfte oder Bars dicht machten. Es gab eine Inselflucht – auch von allen anderen Inseln der Kanaren. Die Leute gingen heim, winkten ab und fanden «Jessesgott», jetzt ist nicht die Zeit, um ein Geschäft zu eröffnen.
Das hat uns ein wenig eingeschüchtert. Wir fanden, okay, das ist vielleicht doch nicht der richtige Zeitpunkt. Wir hätten zwar einfach weiter arbeiten können. Michael im Hotel und ich im Immobilienbüro. Wir hätten unseren Lohn gehabt von je 1000 Euro im Monat. Damit wären wir hier gut durchgekommen. Aber wir haben gemerkt, wir kommen so nicht weiter. Und so haben wir nach 10 Monaten die Zelte wieder abgebrochen.
Wie war es für Euch damals in die Schweiz zurückzukehren?
Wir hatten nicht das Gefühl, gescheitert zu sein. Oder dass der Traum geplatzt war. Es ist von Fuerteventura bis in die Schweiz eine fünftägige Reise mit dem Auto. Je näher wir der Schweiz kamen, desto mehr sprachen wir beide davon, dass wir irgendwann wieder gehen würden. Und bevor wir richtig daheim waren, war beiden klar, dass wir das Projekt Fuerteventura nur auf Eis gelegt hatten.
Und 2016 seid ihr es also nochmals angegangen...
Richtig. Und nun wussten wir auch, dass wir etwas mehr Geld sparen müssen und erst gehen, wenn wir das passende Lokal gefunden haben. Denn uns war klar: Ein drittes Mal wandern wir nicht aus.
Die neue Staffel
«Auf und davon» – Vorfreude und Abschiedschmerz, Folge 1, am 6. Januar 2017, 21.00 Uhr, SRF 1