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Lebenssituation der Tamilinnen und Tamilen in der Schweiz
Die Lebenssituation der ersten Generation der tamilischen Bevölkerung ist geprägt von den Folgen gesundheitlicher Belastungen einer Tätigkeit im Niedriglohnsektor und drohender Altersarmut, aber auch von einer grossen Unterstützung durch die Netzwerke in der Diaspora und in der Familie.
Schlussfolgerungen
Die erste Generation der tamilischen Diaspora in der Schweiz hat in der Regel keine Rückkehrpläne mehr. Sowohl die tamilische Gemeinschaft selber wie die Schweizer Altersinstitutionen sehen sich deshalb mit der Herausforderung konfrontiert, geeignete Formen der Altersbetreuung und -pflege für Tamilinnen und Tamilen zu finden. Informationen zu den bestehenden Angeboten und zu den Sozial- und Vorsorgeeinrichtungen sollten niederschwelliger zugänglich sein. Die Akteure in der Altersversorgung müssen sich auf eine neue Anspruchsgruppe einstellen.
Der Alterungsprozess der Tamilinnen und Tamilen in der Schweiz ist mit Ängsten verbunden. Auf Anregung von Fachpersonen beschlossen das Nationale Forum Alter & Migration und das SRK, eine Erhebung in Auftrag zu geben, um die gesundheitliche, soziale und ökonomische Lebenssituation der ersten Generation einzuschätzen. Am 11. Dezember 2018 konnte die Studie im Käfigturm in Bern präsentiert werden.
Fazit: Die Lebenssituation der ersten Generation ist geprägt von den Folgen gesundheitlicher Belastungen einer Tätigkeit im Niedriglohnsektor und drohender Altersarmut, aber auch von einer grossen Unterstützung durch die Netzwerke in der Diaspora und in der Familie. Und: Die Angebote des schweizerischen Gesundheits- und Altersversorgungssystems sind in ihren Grundzügen bekannt, aber es bestehen Informationslücken zu Sozialversicherungsfragen, zur Altersvorsorge sowie zu Gesundheitsförderung und Prävention. Die erste Generation äussert den Wunsch nach Würdigung ihrer beruflichen Leistungen in der Schweiz.
Keine Perspektiven für eine Rückkehr
Perspektiven für eine Rückkehr nach Sri Lanka sieht die erste Generation der Tamilinnen und Tamilen keine mehr. Sie möchte auch im hohen Alter, möglichst bis zum Tod, in einer eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus in der Nähe der Kinder leben, mit externer, ambulanter Unterstützung für Pflege und Haushaltshilfe. Manche haben auch Träume und Pläne für eine Pendelmigration – oder verwirklichen diese bereits, für welche ein Sozialversicherungsabkommen zwischen der Schweiz und Sri Lanka förderlich wäre. Viele können sich ein Leben in einer Altersinstitution schlecht vorstellen, auch weil dies den Ruf der Familie schädigen würde.
Alters- und Pflegeheim als letzte Option
Die zweite Generation macht sich Sorgen, dass sich die erste Generation wegen Verständigungsproblemen mit dem Betreuungspersonal und mit den anderen Bewohnenden in einem Alters- und Pflegeheim entwurzelt und einsam fühlen wird. Ein Alters- und Pflegeheim wird aber von beiden Generationen als letzte Option akzeptiert, sollte jedoch entweder transkulturell geöffnet sein oder aber eine tamilische Abteilung aufweisen. Bedeutend ist in erster Linie, dass gut auf die Bedürfnisse der älteren Tamilinnen und Tamilen nach Verständigung, Pflege der tamilischen Esskultur, Religiosität, geschlechtergetrennte Pflege sowie würdevollem Sterben und einer Abdankung im Sinn ihrer Traditionen eingegangen wird.