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Erstmals werden in Brasilien zwei Indios ihre Abschlußarbeit eines Studiums in der Sprache ihres Volkes schreiben. Für die Indigenen Brasiliens ist dies ein Meilenstein im Bereich des universitären Ausbildungssystems. Zugelassen wurden die Arbeiten in der Muttersprache der Indios an der Universität Amazonas (Ufam).
Dagoberto Azevedo und Gabriel Maia sind vom Volk der Tukano, das im Nordwesten des brasilianischen Bundesstaates Amazonas an der Grenze zu Kolumbien lebt. Sie sind Studenten des Aufbaustudiengangs “Soziale Anthropologie“. Dass sie ihre Diplomarbeiten in ihrer Muttersprache schreiben, ist einem Prozess zu verdanken, der letztlich mit der Einrichtung von Quoten für Indigene begonnen hat.
Professor Gilton Mendes, der die Diplomarbeit von Gabriel Maia betreut, spricht von wichtigen Denkanstößen durch Diskussionen und die Zusammenarbeit mit den Indios. Er hat die beiden Studenten angeregt und unterstützt, ihre Abschlußarbeiten in ihrer Muttersprache zu verfassen. Genehmigt wurde dies nun auch vom Direktorat der Universität Amazonas.
Sich über abstrakte Themen, Erkenntistheorie oder Philosophie in der eigenen Sprache schriftlich auszudrücken ist schon nicht leicht. Noch schwieriger ist es, dies in einer Fremdsprache zu tun. Hinzu kommt, dass sich viele Ausdrücke und Redewendungen nicht wörtlich übersetzen lassen, da sie mit der Kultur eines Volkes verknüpft sind.
Für Nicht-Indios sind Erde und Wald beispielsweise zwei verschiedene Begriffe. In der Entstehungstheorie der Tukano wird zwischen Erde und Wald indes kein Unterschied gemacht, wie Dagoberto Azevedo erklärt. Der Wald ist auf der Erde, die Erde hängt vom Wald ab und der Wald von der Erde, so Azevedo. In seiner Abschlußarbeit beschäftigt er sich mit der Schöpfung von “Erde-Wald“ aus der Sicht der Tukanos.
Im Amazonasmunizip São Gabriel da Cachoeira ist Tukano bereits seit 2006 als zweite, offizielle Sprache anerkannt. Etwa 90 Prozent der dort lebenden Bevölkerung sind indigener Herkunft. In dem Munizip leben 23 Ethnien, die fünf Sprachstämmen angehören, darunter Tukano.
Bisher ist der Vorstoß der Amazonas Universität einmalig in Brasilien. Auf Bundesebene hat Präsidentin indes erst im Dezember ein Veto zu einem vom Senat verabschiedeten Gesetz eingelegt, mit dem der Unterricht in indigenen Sprachen nicht nur an den Basisschulen, sondern auch in den weiterführenden und den Hochschulen hätte erlaubt werden sollen.