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Bereits im Altertum und Mittelalter wurden die Gewässerläufe verändert. Diese Anpassungen beschränkten sich jedoch auf lokale Eingriffe. Kleine Bäche wurden oft aus der Talmitte an den Hangfuss verlegt; Wasser hat man aus kleinen Flüssen in sogenannten Dychen oder Gewerbekanälen zu Wasserrädern geleitet. Bis zum 19. Jh. waren die Flussebenen grossflächige Flachmoor- und Auenlandschaften, in denen Malaria übertragende Insekten lebten und die landwirtschaftlich nicht nutzbar waren. Wegen der regelmässsigen Überschwemmungen konnten in Gewässernähe keine Siedlungen errichtet oder Strassen gebaut werden.
Die Industrialisierung im 19. Jh. führte zu einem erhöhten Energiebedarf, der durch die Abholzung von Wäldern gedeckt wurde. Es kam als Folge zu Bodenerosionen und häufigeren Hochwassern. Die stark wachsende Bevölkerung benötigte gleichzeitig Siedlungsfläche, Verkehrswege aber auch neue Produktionsflächen für die Landwirtschaft. Dies alles hat den Wunsch nach Gewässerkorrektionen beschleunigt. Das Wissen der Ingenieure, die an Technischen Hochschulen ausgebildet wurden, ermöglichte nun auch die Korrektion grosser Gewässer. Die Korrektionswerke waren für die Zeit riesige Herausforderungen und stellten hohe Anforderungen an die Finanzierung, den politischen Willen sowie die Ingenieurskunst. Sie standen unter dem Vorzeichen des Fortschritts und dem Ziel, der «wilden Natur» «Ordnung» aufzuzwingen.
Bei der Gewässerkorrektion kommen vor allem drei Strategien zum Einsatz:
(1) Laufverkürzungen: Mithilfe von Durchstichen von Flussschleifen oder Umlaufbergen wird der Flusslauf verkürzt. Das Gefälle und die Fliessgeschwindigkeit nehmen zu und der Fluss kann somit sein Geschiebe besser transportieren.
(2) Umleitung in Seen: Wird ein Fluss in einen nahe gelegenen See eingeleitet, kann er dort sein Geschiebe ablagern. Der See bildet zugleich ein natürliches Ausgleichsbecken bei Hochwasserereignissen.
(3) Kanalisierung: Mit der Schaffung von Dämmen wird der Fluss in ein künstliches Bett gelegt. Angrenzende Gebiete sind so vor Überschwemmungen geschützt. Nebenarme werden trockengelegt; ohne Gegenmassnahmen wie Schwellen tieft sich der Fluss ein.
Im 19. Jh. bis Mitte des 20. Jh. wurden fast alle grösseren Gewässer der Schweiz korrigiert. Auch die Korrektion der Rheinzuflüsse Wiese, Birs und Ergolz fiel in diese Zeit. Mit einer Laufbegradigung und einer Eindämmung wurde die Abflusskapazität der Flüsse erhöht. Mit den Gewässerkorrektionen wurden grossflächig Auen- und Flachmoorlandschaften trockengelegt und in landwirtschaftlich nutzbare Flächen umgewandelt. Im Fall des Unterlaufs der Birs konnte anhand von Untersuchungen alter Herbarbelege gezeigt werden, dass zwischen 1850 und 1900 die meisten Gewässer- und Nasslebensräume verschwunden sind.
Viele Gewässerkorrektionen genügen den heutigen Anforderungen an den Hochwasserschutz nicht mehr. Die erhöhten Fliessgeschwindigkeiten verlagern die Hochwassergefahr flussabwärts. Um die Überschwemmungen an den Tieflandflüssen zu vermeiden, werden deshalb Rückhalteräume in den Flussoberläufen geschaffen.
Der Altrhein soll beispielsweise durch die neu angebotenen Überschwemmungsräume gebremst werden . Neue Massnahmen zum Hochwasserschutz dürfen aufgrund der gesetzlichen Grundlagen nicht mehr auf Kosten der Natur gehen. Gefragt sind Win-win-Situationen. Mit Revitalisierungen werden heute die viel zu starken Gewässerkorrektionen der Vergangenheit erneut korrigiert.
DK