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In der Übersicht
Im 20. Jahrhundert sind viele fremdplatzierte Kinder in der Schweiz schwer, zum Teil tödlich misshandelt worden. Darüber hinaus haben sich viele platzierte Jugendliche und ehemalige Heimkinder in Folge der erlebten Gewalt selbst das Leben genommen oder dies versucht. Dennoch wurde die Aufsicht von Heimen und Pflegefamilien in der Schweiz lange Zeit vernachlässigt. (Tödliche) Gewalt gegen platzierte Kinder und Jugendliche wurde legitimiert oder gänzlich verheimlicht und damit die Interessen der involvierten Institutionen, Fachpersonen und Pflegeeltern geschützt. Dass dies möglich war, kann zu einem gewissen Grad durch Prozesse sozialer Wahrnehmung erklärt werden: Platzierte Kinder hatten einen geringen sozialen Status und bis heute sind negative Einstellungen ihnen gegenüber zu finden.
Bis heute liegt keine systematische Analyse gewaltsamer Todesfälle von platzierten Kindern in der Schweiz und der Rolle der involvierten Institutionen, Fachpersonen und Pflegefamilien vor.
Die vom SNF im Rahmen des NFP 76 "Fürsorge & Zwang" finanzierte Studie verfolgt daher zwei Ziele: (1) Die systematische Analyse und Beschreibung von gewaltsamen Todesfällen (Homizid, Suizid) von fremdplatzierten Kindern in vier Deutsch- und Westschweizer Kantonen, die sich zwischen 1913 und 2012 ereignet haben; (2) Analyse der Aufsichtspraxis und behördlichen Fallbearbeitung sowie der ihnen zugrunde liegenden Einstellungen gegenüber platzierten Kindern. Dabei wird sowohl die institutionelle Perspektive berücksichtigt als auch die ehemaliger platzierter Kinder als Zeitzeug(inn)en.