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Förderung von Krankenpflege und Volksgesundheit
Im Januar 1920 trat das SRK der Liga der Rotkreuzgesellschaften bei. In deren Sinn und Geist setzte es nun ein Programm um, das klar auf die Gesundheitsförderung ausgerichtet war. Mit einer breit angelegten Kampagne sollte die Bevölkerung für Gesundheitsfragen sensibilisiert werden.
Bekämpfung von Krankheiten und Epidemien
Ein wichtiges Instrument im Rahmen dieses «Kreuzzugs für die Gesundheit» war die Monatszeitschrift «Das Rote Kreuz»: Mit zahlreichen Hintergrundartikeln, wissenschaftlichen Beiträgen und Zusammenfassungen von Vorträgen zum Thema Gesundheitsförderung wurden den Schweizer Haushalten die neuen Anliegen nahegebracht. Die Überschriften der damals veröffentlichten Beiträge sprechen für sich:
- «Tod den Fliegen!», 1. Mai 1920
- «Schlafen bei offenem Fenster», 15. August 1920
- «Das Rote Kreuz und die Gesellschaft für Volksgesundheitspflege», 1. Dezember 1921
- «Ein angenehmes Kropfmittel für junge Mädchen», 1. April 1924
- «Geschlechtskrankheiten und Alkoholismus», 1. Dezember 1924
- «Hygiene der Kleidung und der Haut», 1. März 1925
- «Regeln für die Ernährung und Pflege des Säuglings», 1. Mai 1925
- «Von der Fettsucht», 1. März 1925
- «Ein drastisches Spuckverbot», 1. Juli 1925
Gestützt auf neue medizinische Erkenntnisse erklärte das Rote Kreuz den Übeln der damaligen Zeit den Krieg. Dazu gehörten die Tuberkulose, verschiedene Geschlechtskrankheiten und der Alkoholismus, die als eigentliche «Volkskrankheiten» galten. Das Ziel bestand darin, nicht nur das körperliche, sondern auch das sittliche Elend auszurotten. In seiner Informationskampagne stellte das SRK sein positives Wirken für die Volksgesundheit in den Vordergrund. Mit der Kampagne sollten auch neue Mitglieder geworben werden. Denn für seine Aktivitäten während des Kriegs hatte das Rote Kreuz bedeutende Mittel eingesetzt: knapp zwei Millionen Franken. Nun waren die Kassen leer. Zudem zeichnete sich ab, dass die zahlreichen neuen «Friedensaufgaben» mit hohen Kosten verbunden sein würden.
1921: Rekrutierung neuer Mitglieder und Mittelbeschaffung
1921 wurden grosse Werbeanstrengungen unternommen. Erstmals in seiner Geschichte lancierte das SRK eine Sammelaktion, die nicht zur Finanzierung einer spezifischen Hilfsaktion diente, sondern für seinen eigenen Bedarf bestimmt war. Im Zuge dieser landesweiten Kampagne fanden verschiedene öffentliche Vorträge und zahlreiche Filmvorführungen statt. Auch die lokalen Sektionen beteiligten sich aktiv und organisierten Basare, Literaturabende und kulturelle Veranstaltungen. Die Firma Attinger stellte fast 500'000 Mitgliederkarten her, die für zwei Franken pro Stück verkauft wurden. Die Werbekampagne verlief sehr erfolgreich. Insgesamt wurden 437'000 Franken für das SRK gesammelt, das sich überdies über eine spektakuläre Zunahme seiner Mitglieder freuen konnte. Innerhalb von zwölf Monaten hatte sich die Mitgliederzahl fast verdreifacht: von 43'056 Mitgliedern im Jahr 1920 auf 126'314 Mitglieder im Folgejahr.
Zum Symbol dieses Kampagnenjahrs wurde das Plakat des Neuenburger Malers Jules Courvoisier. Über der Aufschrift «Nationale Sammlung für das Rote Kreuz» waren darauf eine Krankenschwester mit dem Rotkreuzzeichen und eine Frau in den Landesfarben abgebildet. Indem der Künstler eine Analogie zwischen diesen beiden Frauenfiguren herstellte, schuf er eine Verbindung zwischen dem Engagement für die Volksgesundheit und dem Patriotismus. Mit anderen Worten wurde zum Ausdruck gebracht, dass die Tätigkeit der Krankenschwester ein Thema war, welches das ganze Land betraf.
Als das Rote Kreuz seine Aufgaben in Friedenszeiten ausbaute, mussten auch eine gemeinsame Basis und neue Formen der Zusammenarbeit mit den Samaritervereinen gefunden werden, vor allem im Bereich der Kranken- und Säuglingspflegekurse. In diesem neuen Tätigkeitsgebiet gingen der Schweizerische Samariterbund und das SRK gemeinsam vor. So entstanden enge Beziehungen zwischen den beiden Vereinen, die beide auf ihre Weise das Ideal des Roten Kreuzes verbreiteten.