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Hochverehrter Herr & Freund!
Vor mir liegt eine Zeitung, aus der ich die Bedingung 3.)1 entnehme, welche der Bundesrath an eine Bundessubvention für die Gotthardbahn zu knüpfen beschlossen hat. Dieser Beschluss wurde am 19. Vormittags2 gefaßt. Nachmittags hatte ich mit Ihnen & Hrn. Heer die Besprechung über die Differentialtaxen, einen mit der Bedingung 3.) des Bundesrathes nicht zusammen fallenden, aber doch zusammenhängenden Gegenstand.3 Bei dieser Besprechung wurde mir kein Wort von der Bedingung 3.) gesagt. Ich weiss mir diesen Vorgang nicht zurecht zu legen & bitte deshalb | um gütigen Aufschluß.
Was den Inhalt der Bedingung 3.) anbetrifft, so würde in Folge derselben die Gotthardbahn selbst für die Bergstrecken viel ungünstigere Tarifbestimmungen erhalten, als alle andern Schweizerischen Bahnen. Daß unter solchen Umständen das Consortium einen vom rechtlichen & moralischen Standpuncte aus durchschlagenden Grund für die Verweigerung der Abnahme der IV. Obligationenserie4 bekäme & von Beschaffung des weiter erforderlichen Privatcapitales von 12 Millionen Franken5 nicht die Rede sein könnte, steht bei mir außer Zweifel.
Entschuldigen Sie diesen Herzenserguß in spätester Abendstunde: aber ich konnte ihn weder unterdrücken noch verschieben! Morgen früh soll ich nach Luzern zur Sitzung reisen.
Ihr bald zu Tode gehetzter
Dr A Escher
Zürich
23. Janr 1878.