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Die Siedlungskultur unserer Vorahnen entwickelte sich nur sehr langsam und führte immer über zahlreiche Zwischenstufen, auf denen die Völker Jahrhunderte verharrten. So kam auch bei den Kelten und später bei den Alemannen der Übergang vom Nomandentum (Viehzucht mit ausgedehnten Weidegebieten) zum festen Wohnsitz (Ackerbau) nicht plötzlich. Als ersten Bewohnern unseres Gebietes begegnen wir den Helvetiern (keltischer Stamm). Alsdann haben die Römer das Land aus strategischen Gründen besetzt und beherrschten es bis in 5. Jahrhundert nach Christus. Mauerreste und Bodenfunde sind uns als Überbleibsel römischer Niederlassungen und als Zeugen ihrer hohen Lebenskultur sowohl innerhalb der Gemeinde als auch in der näheren Umgebung erhalten geblieben. Vom 4. Jahrhundert an drangen die Alemannen von Norden in unser Land ein und bemächtigten sich langsam der Gebiete südlich des Rheines. Unsere Gegend dürfte erst gegen Ende des 7. Jahrhunderts in Anspruch genommen worden sein, ohne jedoch die alteingesessenen Keltoromanen zu verdrängen. Die alten Ortschaften der römischen Provinz Helvetien mit ihren Steinbauten blieben weitgehend bestehen. Die Alemannen zogen es nämlich vor, sich eigene, strohbedeckte Holzhäuser zu bauen. Das mit Bäumen bepflanzte und mit Aussaat bestellte Land wurde als persönliches Eigentum der Neusiedler betrachtet; der übrige Boden blieb, zum Teil bis in unsere heutige Zeit hinein, Gemeingut (Allmenden). Für die Entstehung der alten Dorfsiedlungen dürften die waldreichen Gebiete (Holzvorrat) und die zahlreichen Wasser/Bachläufe massgebend gewesen sein, denn schon immer hielten sich die Siedler an die Nähe der Gewässer.
Allmählich entwickelten sich die Dorf- und Bürgergemeinschaften zur Verwaltung von Wald und Weide. Flächen dieses Gemeinbesitzes wurden mehr und mehr aufgeteilt und einzeln genutzt. Durch Brandrodungen und Urbarmachung sumpfiger Gebiete wurden die nötigen Lebensgrundlagen geschaffen. Aus dieser Epoche der Sesshaftigkeit sind die "wil"-Siedlungen unseres Gebietes und zahlreiche alte Flurbezeichnungen entstanden. Die Ortszunamen wurden einfacherweise von den alemannischen Hof- bzw. Dorfgründern abgeleitet. So bildete sich aus der "Hofsiedlung des Beino" der heutige Gemeindename Beinwil ( 1153 Beinwilare, 1239 Beinwile, Beinwilere, Bainwilare, Beinwiler, Bainwile); und aus den Niederlassungen des Bruno, des Walah, des Wigo und des Winithari entstammen die Weilernamen Brunnwil (um 1160 Brunwile, Brunwil), Wallenschwil (um 1160 Waleswilare, Walaswile, Waliswile, Waleswil), Wiggwil (1179 Wicwilare, Wicwile, Wichwile, Wigwile, Wecwile, Wigwil) und Winterschwil (1189 Winteswile, Winziwiler, Winterswile, Wynterswile, Wintterswile, Winterschwile).
Die Einzel- oder Gruppenhöfe weisen zum Teil recht interessante Entstehungsgeschichten auf und sind mit der Entwicklung der Gemeinde traditionell verwurzelt. Der Vollständigkeit halber seien die Gehöftnamen in alphabetischer Reihenfolge erwähnt: Allmend, Bäretshalden, Brandhöfe, (Unter-, Ober- und Stotzbrand), Eichrütihof, Eichmühle, Feld, Galizzi, Grod, Grüth, Horben, Lindenhof, Mariahalden, Schürmatt, Sonneri, Steiggi, Tannhof, Tschöpli und Unterhorben. Unterlagen aus dem Archiv berichten aber auch von abgegangenen Heimwesen, so z.B. vom Hof "Hüslimatt" zwischen Wiggwil und Steiggi (1831) oder vom Hof "Luegezen" auf der Anhöhe zwischen Winterschwil und Benzenschwil (1849).
Huwyler-Frei Erhard, Gemeindeschreiber
1987 / 1999 / 09.2006