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Alte Hotels, Gastarbeitervillen, unscheinbare Häuser: Viele Seniorinnen und Senioren in Portugal finden in diesen Gebäuden ihr Zuhause. Die Problematik liegt dabei, dass es sich um illegale Bleiben, um illegale Altenheime handelt.
Illegal sind die Heime, weil sie die Auflagen nicht erfüllen, beispielsweise die Anmeldung bei der Gesundheits- und Sozialbehörde oder die Anstellung von ausgebildetem Personal, und nicht legalisiert wurden. In Portugal gibt es etwa 3500 dieser Heime. Portugal kämpft, wie die meisten Länder in Europa, mit der Überalterung der Bevölkerung.
Günstigere Option
Die Regierung habe nicht für ein genug grosses Angebot an Altenheimen gesorgt, sagt Jochen Faget, freier Journalist in Portugal. «Die Renten im Land sind niedrig, die staatlichen Altenheime sind sehr teuer.» Die nicht legalisierten Heime haben die Marktlücke genutzt.
Sie schaffen das Angebot und sind dazu günstiger: «In einem illegalen Altenheim müssen Sie wahrscheinlich nur die Hälfte des Geldes bezahlen, das Sie in einem staatlichen oder in einem offiziellen Altersheim bezahlen müssten.»
Es werden zumindest soziale Kontakte weiter hergestellt.
Ein weiterer Vorteil ist laut Faget der soziale Aspekt. Die Menschen in Portugal ziehen vermehrt in die Grossstädte Lissabon und Porto, die illegalen Altenheime lägen etwa in einem 100-km-Radius um diese Städte. Die Familien können die Senioren also eher besuchen.
Zudem sitzen sie «nicht allein und verlassen in einem Dorf, hunderte von Kilometern entfernt, sondern es werden zumindest soziale Kontakte weiter hergestellt». Auch würden manche Betreiber die Altenheime durchaus ernst nehmen, anständige Pflegekräfte anstellen und sich um die Leute kümmern, so Faget.
Fast 1000 Heime entdeckt
Trotzdem sind diese Heime illegal und die Behörden wurden darauf aufmerksam, vermehrt vergangenes Jahr während der ersten Corona-Welle. Die Bewohnerinnen benötigten zum Teil Intensivpflege und es kam auch vermehrt zu Todesfällen in den illegalen Heimen.
Die Behörden hätten die Senioren dann in Krankenhäuser gebracht und dort gepflegt. Das sei Anlass gewesen, intensiv nach diesen illegalen Altenheimen zu suchen. Und sie hätten seit 2020 fast 1000 dieser illegalen Heime entdeckt. «131 davon wurden geschlossen oder erhielten zumindest Order zu schliessen», weiss der Journalist.
Fehlende Lobby, strenge Kriterien
Mittlerweile hätten auch zaghafte Diskussionen um eine mögliche Legalisierung der Heime begonnen. Probleme stellen dabei laut Faget die fehlende Lobby und die doch recht strengen Kriterien dar – Grösse der Zimmer, Behindertenzugänglichkeit, ärztliche Betreuung, gutes Pflegepersonal. Das sei mit zu hohen Kosten für die Betreibenden verbunden.
Faget rechnet mit einem Kompromiss, «dass die Vorschriften vielleicht ein bisschen zurückfahren werden» und so halbwegs akzeptable Heime mit geringerem Finanzaufwand in den Zustand der Legalität versetzt werden könnten.
Es ist zu befürchten, dass irgendwann die Diskussion verstummt und es weitergehen wird mit den illegalen Altenheimen in Portugal.
Das Problem der Überalterung wäre damit aber nicht gelöst und die portugiesische Regierung unternimmt laut dem Journalisten nicht viel dagegen. Die Regierung sage, sie habe nicht viel Geld, aber sie investiere auch nicht sehr viel im Sozialbereich.
Jochen Faget sieht keine befriedigende Lösung: «Es ist zu befürchten, dass irgendwann, wenn Corona abklingt, auch die Diskussion verstummt und dass es weitergehen wird mit den illegalen Altenheimen in Portugal.»