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Angeregt durch die erwähnte Parallele zwischen der Lateralisierung von Gehirnfunktionen und der Yin- und Yang-Polarität, könnte man vermuten, dass die Leistungen der linken Hirnhälfte einem eher männlichen, die der rechten einem eher weiblichen Denkstil entsprechen. Die Ergebnisse, die aus Untersuchungen über Geschlechtsunterschiede gewonnen wurden, sind in dieser Hinsicht aber gerade kontraintuitiv (s. dazu Springer und Deutsch 1985). Interessanterweise sind Frauen nämlich i.a. geschickter bei Aufgaben, die sprachliche Fähigkeiten erfordern, während Männer umgekehrt bei Problemen, die Anforderungen an das räumliche Vorstellungsvermögen stellen, besser abschneiden. Damit ist allerdings noch nichts über mögliche Gründe für solche Unterschiede gesagt, d.h. die Frage, wie weit diese biologischer Natur sein oder aber mit der Erziehung zu tun haben könnten, bleibt offen. Immerhin gibt es Anzeichen dafür, dass sie mit der Art und Weise zusammenhängen, wie die Lokalisierung der fraglichen Funktionen bei Frauen und bei Männern auf die beiden Hemisphären aufgeteilt sind. Es scheint, dass die verbalen und die räumlichen Fähigkeiten bei Männern stärker lateralisiert, d.h. auf die beiden Hemisphären aufgeteilt sind als bei Frauen. Es würde dann bedeuten, dass eine Verbalisierung von Informationen von einer stärkeren Integration zwischen den beiden Hirnhälften (wie sie für Frauen typisch wäre) profitiert, während das räumliche Vorstellungsvermögen umgekehrt bei einer stärkeren Spezialisierung der beiden Hälften besser entwickelt ist.
Es ist also möglich, dass ein stärkeres Zusammenwirken von beiden Hemisphären einem "weiblichen Stil" entspricht. Insofern an der Vermutung etwas dran ist, wonach Frauen besseren Zugang zu Emotionen haben, ist auch der folgende Befund (aus Springer und Deutsch 1985) über deren Perzeption von Interesse. Es gibt Anzeichen dafür, dass die rechte Hirnhälfte eine besondere Rolle bei der Verarbeitung von emotionalen Informationen spielt. Jedenfalls sollen Personen mit Gehirnschäden in der rechten Hemisphäre mehr Schwierigkeiten haben, die mit verschiedenartigen Intonationen von Stimmen verbundenen emotionalen Mitteilungen aufzunehmen als Patienten mit Schäden links. Bei einer Untersuchung über die Leistungen der beiden Hemisphären bezüglich der Perzeption von Wörtern mit und ohne emotionalen Gehalt von Kastenholz (1987) ergab sich, dass die linke Hirnhälfte in jedem Fall, also auch bei emotional geladenen Wortstimuli, die entscheidende Verarbeitungsinstanz ist. In beiden Hirnhälften wurden die Leistungen bei der Präsentation von Stimuli mit emotionalem Gehalt gegenüber einer solchen von Reizen ohne einen solchen Gehalt besser, wobei allerdings der Unterschied grösser wurde, wenn die rechte Hälfte involviert war. Dieses Resultat kann so interpretiert werden, dass Gefühle weckende Wahrnehmungen zu einem stärkeren Zusammenwirken oder mindestens zu einer stärkeren beidseitigen Sensitivierung der beiden Hemisphären führen.