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Während des Zweiten Weltkriegs ruhte die internationale Turniertätigkeit fast vollständig. Nur gerade drei Nationenpreise wurden während der sechs Kriegsjahre ausgetragen: Im Mai 1940 in Rom (Italien erklärte erst im Juni 1940 den Alliierten den Krieg) sowie im November 1940 und 1941 in New York (die USA traten im Dezember 1941 nach dem Angriff auf Pearl Harbour in den Krieg ein). Die italienische Einladung zum CHIO Rom 1940 nahm die Schweiz, zum Erstaunen vieler, an. Auf der Piazza di Siena trafen sie auf Italien, Deutschland, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Noch erstaunlicher war die Reise von Schweizer Spring- und Dressurreitern 1942 nach Ungarn, wo sie bei den CHI von Kolozsvár und Budapest glänzten. Die Ungarnreise hatte wohl mit dem Remonteneinkauf für die Schweizer Kavallerie zu tun. Denn nach Mai 1940 konnten keine Pferde mehr aus Irland in die Schweiz gebracht werden (Irland hatte seit 1919 praktisch sämtliche Remonten geliefert). Ungarn bot sich nach dem Ausfall Irlands als Lieferland an. Die Reise an die beiden CHI in Ungarn war als Zeichen des guten Willens gedacht.
Wiederbeginn in Dublin
Als der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 zu Ende ging, dauerte es über ein Jahr, bis im August 1946 wieder international geritten werden konnte. Den Anfang machten die «Dublin Horse Show» und die Schweizer Turnierplätze Genf/Bern im August. Anfangs November folgten dann ein dritter Schweizer CHI in Zürich sowie New York und Toronto. Während in Dublin nur die Franzosen und Schweden antraten – selbst die Briten blieben zu Hause – und in Nordamerika die Gastgeber von den erstmals auftretenden Mexikanern dominiert wurden, kam es in der Schweiz dreimal zu einem die Zukunft bestimmenden Zusammentreffen der europäischen Elite. Neben einem Grossangebot an Schweizer Offizieren ritten in Genf, Bern und Zürich ein Dutzend Franzosen, je ein halbes Dutzend Briten, Belgier und Italiener sowie einige Amerikaner. Die Letzteren waren Offiziere der Besatzungstruppen in Deutschland, darunter ein Oberstleutnant James L. Kaiser, von dem noch die Rede sein wird.
D’Orgeix und D’Oriola
Dominatoren der Schweizer Turniererfolge waren zwei junge französische Rotröcke: der Chevalier Jean d’Orgeix und Pierre Jonquères d’Oriola. Der Erstere gewann neben weiteren Prüfungen den GP in Genf vor D’Oriola – der Letztere siegte in Zürich vor D’Orgeix. Die Genfer, die während des Krieges einige nationale Turniere veranstaltet hatten, allerdings nicht im «Palais des Expositions», sondern im Freien auf der «Plaine de Plainpalais», entschieden sich, auch beim internationalen Wiederanfang vom 22. bis 25. August 1946 für die «Plaine de Plainpalais». Erst im darauffolgenden Jahr, 1947, kehrte der Genfer Concours ins «Palais des Expositions» zurück. In Bern wurde der CHI vom 28. August bis 1. September 1946 im Springgarten des Remontendepots ausgetragen. Zwei Monate später, vom 30. Oktober bis 3. November, folgte der CHI Zürich im Hallenstadion. Im GP von Genf siegte d’Orgeix auf Sucre de Pomme im dritten Stechen über 1.70 Meter. Hinter d’Oriola wurde der Romand Louis Servien mit Darius Dritter vor Pierre Musy auf Seigneur. Tags zuvor hatte der St. Galler Arnold Mettler mit Exilé den Prix Vidoudez gewonnen. In Bern gab es im Grossen Preis einen britischen Doppelsieg durch Brigadier General H. B. Scott und Oberleutnant A. B. J. Scott. Hauptmann Mario Mylius wurde mit Basalt Vierter vor Max Stauffer auf Rinaldo. Stauffer hatte mit Rinaldo das Eröffnungsspringen gewonnen. Die beiden waren dann im GP Zürich als Siebte das bestplatzierte Schweizer Paar. Hinter D’Oriola und D’Orgeix wurde der Italiener Sandro Bettoni Dritter vor drei weiteren Franzosen. Auch in Zürich hatte es an den Vortagen einen Schweizer Sieg gegeben, wieder durch Mettler mit Exilé. Erstmals in der Schweiz am Start war in Zürich Leutnant Piero d’Inzeo.
Piero d’Inzeo, Jean d’Orgeix und Pierre Jonquères d’Oriola waren neu in der internationalen Szene. Zusammen mit Pieros Bruder Raimondo, dem Spanier Francisco Goyoaga und dem Briten Harry Llewellyn dominierten sie im ersten Nachkriegsjahrzehnt den Springsport. Dazu kamen für einige Jahre die Mexikaner unter der Führung von Humberto Mariles und ab 1951 – als Deutschland international wieder zugelassen war – Hans Günter Winkler und Fritz Thiedemann. Nicht zu vergessen die britische Amazone Pat Smythe, die später den Basler Samuel Koechlin heiratete. 1947 ging es international bereits mit zehn Nationenpreisen weiter, darunter Luzern im Freien und Genf in der Halle. 1947 war auch das Jahr des ersten «Jumping», im «Vélodrome d’Hiver» in Paris.
Erfolgreiche Dagmar
Zurück zu James L. Kaiser. Der US-Oberst der Besatzungsarmee in Deutschland kam nach seinen drei Schweizer CHI-Starts 1946 auch 1947 und 1948 wieder in die Schweiz. 1947 zum CHIO Genf, 1948 zum CHIO Luzern. 1947 kam er mit der in Deutschland gezogenen Stute Dagmar, mit der er im «Palais des Expositions» als Einzelreiter den Grand Prix gewann. 1948 siegte Kaiser mit Dagmar auf der Hausermatte in Luzern im Preis von Meggenhorn und war dazu mehrmals platziert. Danach wechselte Dagmar in den Stall des St. Galler Textilindustriellen Arnold Mettler. Der Major hatte Ende 1947 Exilé verloren, den Irländerrappen, der eines der populärsten Springpferde jener Jahre war. Mit der damals 19-jährigen Exilé hatte Mettler im Frühjahr 1947 beim CHIO Nizza noch den «Prix de Grand Hotels» gewonnen, bevor Exilé kurz vor dem CHIO Genf starb. Mit der Stute Dagmar hatte Mettler eine Nachfolgerin, die in den darauffolgenden Jahren dem damals rund 50-jährigen Mettler viele Erfolge brachte.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 2/2022)
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