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Das Schmuckstück erstrahlt in neuem Glanz
Der Auftrag an die Spezialisten der Emil Frey Classics Werkstatt war klar: Das Schmuckstück sollte wieder in möglichst originalem Zustand hergestellt werden. Die Mission wurde präzis und fachmännisch in mehr als 2100 Arbeitsstunden erfüllt. Doch die Geschichte beginnt bereits 1947 – mit einem nackten Chassis.
Es war einmal das Chassis mit der Nummer 611’056, das am 2. Mai 1947 mit dem Zug vom Werk der Jaguar Cars Ltd in Grossbritannien nach Zürich zur Firma von Emil Frey transportiert wurde. Quasi als Handgepäck reiste eine Werkzeugtasche mit, welche die nötigsten Gerätschaften enthielt.
Vorläufige Endstation war jedoch erst in der Carrosserie Langenthal, einem Coachbuilder, bei dem die Kunden massgeschneiderte Karosserien für ihre Chassis in Auftrag geben konnten, wie das zu dieser Zeit oft vorkam. Die Manufaktur war weitherum geschätzt für ihre formvollendeten Cabriolets. Hier kümmerten sich verschiedene Spezialisten um den Auftrag aus Zürich: Der Wagner fertigte ein Holzgerippe, der Fahrzeugschlosser skizzierte die Eisenkonstruktion, der Spengler verkleidete das Ganze mit Stahlblech, das vom Maler lackiert wurde. Derweil fertigte der Sattler das Verdeck und entwarf auch das Interieur.
Nach 1700 Arbeitsstunden war es soweit: Am 12. März 1948 erhielt das Jaguar Cabriolet Mark IV die Zulassung des Strassenverkehrsamtes; die stolze Besitzerin, Maria Wacker aus dem zürcherischen Pfäffikon, durfte das Schmuckstück in Empfang nehmen. Sie fuhr das Cabrio, das mit einem kräftigen 3.5-Liter-Sechszylinder-Reihenmotor bestückt war, bis am 4. Dezember 1955, wie das Swiss Car Register berichtete. Danach verlieren sich die Spuren.
Der Jaguar Mark IV wurde zwischen 1945 und 1949 hergestellt. In den ersten Jahren lief die Baureihe allerdings unter der Bezeichnung Jaguar 1½, 2½ und 3½ Liter. Erst nach der London Motor Show von 1948 wurde sie – auch rückwirkend – in «Mark IV» umbenannt. Der Mark IV basiert auf dem 1935 erschienenen SS Jaguar 1½ und 2½ Liter. 1940 wurde die Produktion kriegsbedingt eingestellt. Hersteller war die SS Cars Ltd in Coventry, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Namen Jaguar Cars Ltd unbenannt wurde.
Die Verwandlung
Viele Jahre später, im September 2015, fand das Jaguar Cabrio von Frau Wacker den Weg in die Werkstatt der Emil Frey Classics AG in Safenwil. Das Fahrzeug war in einem trostlosen Zustand; von der damaligen Handwerkkunst der Langenthaler Carrosserie war nicht mehr viel zu sehen. Doch der neue Besitzer wollte den Klassiker wieder in den Originalzustand zurückversetzt haben.
Das Herzstück des Jaguars, der Motor, wurde komplett zerlegt und original wiederaufgebaut. Die Bremsanlage musste revidiert und überholt werden. Dabei handelt es sich nicht um eine hydraulische Bremsanlage, sondern um rein mechanisch aufwendig konstruierte Bremsen, die durch Zugstangen die Bremstrommeln betätigen. Die Carrosserie wurde entlackt und wieder original, schwarz lackiert. Die Lampen wurden frisch verchromt, die Reflektoren versilbert. Das Stoffverdeck war von Stockflecken befallen und musste entfernt werden. Das Metallgerüst war jedoch funktionstüchtig und konnte neu bespannt werden.
Auch beim Interieur lag der Fokus auf Erhalten statt Erneuern. Das rote Leder der Sitze war jedoch so ausgetrocknet und zerstört, dass es ersetzt werden musste. Dies in der Farbe Beige. Die Sitzfedern konnten jedoch erhalten werden, sodass der stilgetreue Aufbau der Sitzrahmen in Handarbeit möglich war. Jedes Instrument am Armaturenbrett wurde ausgebaut, gereinigt und instandgesetzt. Auf die gleiche Weise konnten Details des Originalstartknopfs erhalten werden.
Mehr als 2100 Arbeitsstunden waren nötig, um dem Schmuckstück ein zweites Leben zu geben. Es läuft wieder wie am ersten Tag im Jahr 1948.