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Der „CO2-Fußabdruck“ – ein unzuverlässiger Indikator für Umweltverträglichkeit
In den vergangenen Jahren hat sich der „CO2-Fußabdruck“ zu einem populären Ansatz entwickelt, um die Umweltauswirkungen von Produkten, Dienstleistungen oder industriellen Aktivitäten miteinander zu vergleichen. Unternehmen nutzen den Ansatz als Differenzierungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern („Unser Produkt hat einen kleineren Fußabdruck“) oder um Verbesserungen darzustellen („Je kleiner der Fußabdruck, desto besser das Produkt“). Umweltbewusste Einkäufer und Konsumenten greifen auf ihn zurück, um zwischen konkurrierenden Angeboten zu entscheiden. In der Praxis ist ein einfacher Vergleich von Kohlenstoff-Fußabdrücken jedoch selten fair oder wissenschaftlich. Als Maß der Umweltauswirkung oder Umweltverträglichkeit kann der Ansatz sogar irreführend sein. Es gibt drei Hauptprobleme.
Missverständnis
Das erste Problem liegt darin, dass viele Menschen nur eine vage Vorstellung davon haben, was ein CO2-Fußabdruck ist oder was er bedeutet. Der CO2-Fußabdruck misst die Menge an Treibhausgasen (in CO2-Äquivalente umgerechnet), die infolge eines bestimmten Prozesses oder Produktes in die Atmosphäre gelangt. Für sich genommen ist gegen eine solche Berechnung nichts einzuwenden und es gibt fundierte ökobilanzielle Methoden, um ihn zu berechnen (ISO 14040, 14044 und 14064). Der CO2-Fußabdruck sagt jedoch nur etwas über Kohlenstoffemissionen aus, nichts aber über weitergehende Umweltauswirkungen. Um ein umweltgerechtes Gesamtbild zu erhalten, müssen viele weitere Faktoren berücksichtigt werden: Versauerung, Ozonabbau, Energieverbrauch, Bodenverunreinigung, Wasserverschmutzung und vieles mehr.
Viele umweltbewusste Menschen tendieren dazu, die Umweltrelevanz eines Produktes oder eines Prozesses mit seiner Emission von Kohlenstoff gleichzusetzen, obwohl es keine direkte Wechselwirkung zwischen den beiden Faktoren gibt. Vergleicht man Produkte daher nur anhand ihres CO2-Fußabdruckes, werden diejenigen, die „das Richtige“ für die Umwelt tun wollen, dazu verleitet, falsche Entscheidungen zu treffen.
Zu enger Blickwinkel
Das zweite Problem ist, dass der Blick auf den CO2-Fußabdruck zu eingeschränkt ist. Jede seriöse Abschätzung der Umweltauswirkung eines Produkts oder einer industriellen Tätigkeit muss die gesamte Auswirkung im Zeitablauf erfassen, sich also über den gesamten Lebenszyklus erstrecken. Sie muss zudem in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden. Allzu oft wird die Berechnung des CO2-Fußabdrucks auf die Produktionsphase beschränkt, während die Nutzungs- und Entsorgungsphase kaum oder gar nicht berücksichtigt wird. Kontextfaktoren werden ebenfalls vernachlässigt. Zum Beispiel plädieren viele Menschen dafür, dass weniger Waren verpackt werden sollten, weil sie glauben, dass durch den Verzicht auf Verpackungen „Fußabdrücke“ vermieden werden. Doch wenn Güter wegen fehlender Verpackung verderben, sind sämtliche Umweltauswirkungen im Rahmen ihrer Produktion und ihres Transports nutzlos geworden, sodass der relative kleine Umweltnutzen aus dem Verzicht einer Verpackung durch den Verlust der Ware mehr als aufgehoben wird.
Gleiches mit Gleichem zu vergleichen ist kaum möglich
Das dritte Problem besteht darin, dass es oftmals unmöglich ist, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen. Beim Ermitteln eines Fußabdruckes müssen bestimmte Annahmen getroffen werden: zum Beispiel darüber, unter welchen Bedingungen bestimmte Aktivitäten stattfinden oder wie ein Produkt genutzt wird. Die Zuverlässigkeit des berechneten Fußabdrucks hängt ganz wesentlich von der Genauigkeit dieser Annahmen ab. Wird der eine Fußabdruck unter Zugrundelegung realistischer Annahmen berechnet, während dem anderen Fußabdruck zu optimistische oder ideale Szenarien zugrunde liegen, ist jeder Vergleich der beiden unfair und aus Umweltsicht nicht zielführend.
Gefordert ist ein umfassender Ansatz
Aus den oben genannten Gründen stimmt der europäische Aluminiumfolienverband EAFA mit dem Joint Research Centre der Europäischen Kommission und anderen Organisationen darin überein, dass der CO2-Fußabdruck niemals als einzige Grundlage für Einkaufsentscheidungen oder Produkt- und Dienstleistungsverbesserungen verwendet werden sollte. Wird eine nachhaltige Produktion und ein nachhaltiger Konsum angestrebt, müssen viele weitere Aspekte berücksichtigt werden, und zwar nicht nur Umwelt-, sondern auch wirtschaftliche und soziale Aspekte. Aus Umweltsicht ist der CO2-Fußabdruck ohnehin nur einer von vielen Faktoren, die betrachtet werden müssen. So müssen Entscheidungen zum Beispiel über Verpackungen sowohl die Funktionsvorteile der verschiedenen Werkstoffe als auch die Kosten sowie die Entsorgung am Ende des Lebenszyklusses und zahlreiche andere Faktoren in die Betrachtung einbezogen werden.
Das einfache Vergleichen von Fußabdrücken, wie es heute vielfach praktiziert wird, ist kaum besser als das Werfen einer Münze. Die EAFA ist der Überzeugung, dass mit nur geringem Zusatzaufwand und geringen Zusatzkosten unter Berücksichtigung der fast gleichen Daten eine weit umfassendere ökobilanzielle Bewertung möglich ist, die zu einer besseren, genaueren und transparenteren Beurteilung von Umweltauswirkungen führt.
Quelle: EAFA