Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/1141

[* 3]
(Karre), ein- oder zweiräderiges
Fuhrwerk, als Handkarre von Menschenhand, als Lastkarre von Zugtieren fortbewegt,
die in der
Gabeldeichsel gehen.
LetztereKarren sind auf schmalen, festen Wegen, in
Gebirgen und auf kurze
Entfernungen vorteilhaft,
verlangen aber, namentlich in der
Gabeldeichsel, starkePferde,
[* 4] die bis zu fünf voreinander gespannt werden.
Schieb- oder Schubkarren sind meist einräderig aus
Holz,
[* 5] in neuerer Zeit auch ganz aus
Eisen,
[* 6] finden meist bei
Erd- und Bauarbeiten
Verwendung. Karrenbüchsen, ursprünglich Bezeichnung für fahrbare
Geschütze
[* 7] (Karroballisten der
Römer).
[* 8] König
Karl XV.
von
Schweden
[* 9] konstruierte eine schnell feuernde Bataillons-Hinterladekanone, die er Karrenbüchse nannte.
oder Schratten, französisch Lapier, Lapiaz. So nennt man die auf Kalksteinmassen, die der Nässe ausgesetzt
sind, sich bildenden Vertiefungen und Wasserrinnen, die sich mit der Zeit ausserordentlich erweitern
und verzweigen und dann ganze weite «Karrenfelder» bilden können. Hier
wird die Felsoberfläche bald von engen, bald wieder von weiten, unregelmässigen Rinnen und Löchern durchbrochen. Die dazwischen
stehen gebliebenen Rippen und Kämme sind zumeist scharfkantig und rauh, oft sogar messerscharf.
Dabei behält die ganze ausgezackte und durchbrochene Gesteinsmasse ihren soliden Zusammenhang, so dass
lose Trümmer sich selten finden. Die Ursache der Karrenbildung ist eine chemische Zersetzung des Kalksteins durch Regenwasser
und schmelzenden Schnee. Karren können in jedem feuchten Klima entstehen, finden sich aber hauptsächlich da,
wo Schnee lange
liegt und sein Schmelzwasser die Unterlage während des grössten Teiles des Jahres nass erhält, d. h.
also in der Nähe der Schneelinie.
Viele der hoch gelegenen Karrenfelder werden nach schneereichem Winter in kalten und nassen Sommern überhaupt nicht schneefrei,
während tiefer unten oder in günstiger Lage in warmen Jahren in den Karrenlöchern Humus und Pflanzensamen
sich ansammeln, aus denen dann Alpenpflanzen sich entwickeln, die als kriechende Polster bald ganze grosse Flächen überkleiden
können. «Wunderbar glänzt im Sommer die Farbenpracht der Blüten mitten aus
dem weissgrauen, kahlen Karrenfeld. Die Löcher und Furchen der wilden Gesteinsfläche füllen sich durch das Absterben der
untern Pflanzenwurzeln mehr und mehr mit Humuserde an, die Ast- und Wurzelgeflechte benachbarter Kolonien
verweben sich, und allmählig ragen nur noch die höchsten Karrenkämme steinig rauh aus der immer dichter, dicker und zusammenhängender
wachsenden Pflanzendecke hervor, und endlich ... werden auch diese letzten Rippen unter der schwellenden Pflanzendecke begraben.»
Zu Karren ausgebildet werden namentlich Flächen von reinem Kalkstein (Urgon oder Schrattenkalk und Malm
oder Hochgebirgskalk), während unreine Kalke und andere Felsarten durch Verwitterung und Frost in ein Haufenwerk von Grus
und Trümmern aufgelöst werden (Blockgipfel und Felsenmeere). Sehr schöne und typische Karren sieht man z. B. an der Silbern,
auf der Karren- und Rädertenalp im Kanton Schwyz,
am Mattstock bei Amden, in der Mulde des sog. Grossen Schnees am Säntis,
im Melchthal etc. Vergl. Heim, Alb. Einiges über die Verwitterungsformen derBerge. (Neujahrsblatt der Natur forsch. Gesellsch.inZürichauf 1874).Zürich
1873. - Ferner Schweizer. Idiotikon. Band III, S. 422.