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Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D, zurzeit in Rajasthan, Indien
Jitu Solanki lebt im Norden von Indien in Rajasthan – in der 600 000-Einwohner-Stadt Bikaner. Er ist verheiratet und hat 2 Kinder. Die Grosseltern leben ebenfalls mit ihnen zusammen.
Jitu hat Zoologie studiert. Seine Familie besitzt eine Gastherberge, das Vinaayak Guest House mit 5 Räumen. Die Räume sind klein und einfach. Deshalb ist die Übernachtung sehr preiswert; sie kostet 7 bis 8 Euro die Nacht.
Bikaner liegt in der Wüste Thar. Diese Wüste erstreckt sich über ein riesiges Gebiet und wird von der Grenze zu Pakistan durchschnitten. Bikaner ist eine alte Stadt und hat einige Sehenswürdigkeiten, ein altes Fort, eine wunderschöne Altstadt mit verschlungenen Gassen und grossen Havelis, alte mehrstöckige Herrenhäuser mit sehenswerten Steinmetzarbeiten, und 2 sehr alte Jain-Tempel. Am Rande der Stadt findet man eine Kamelzuchtstation mit mehreren Hundert Kamelen. Dort, auf der Kamelzuchtstation, hat Jitu seine zweite Arbeitsstelle. Er ist Angestellter in einem Souvenir-Laden, der vor allem Artikel aus Kamelleder verkauft. Diese werden in den umgebenden Dörfern hergestellt. Gemeinnützige Organisationen wie Oxfam empfehlen den Laden. Nicht weit von der Stadt befindet sich der sehenswerte Rattentempel.
Jitu organisiert und führt Safaris mit Touristen und seinen Gästen in die Wüste Thar durch. Er unternimmt Kamelsafaris, ein- oder mehrtägig, mit Übernachtung mitten in der Wüste. Man kann unter freiem Himmel schlafen oder in einem Zelt. Als Zoologe verfügt er über ein umfangreiches Wissen über die Tiere, die in der Wüste leben, sowohl über die Vierbeiner als auch über die vielfältige Vogelwelt. Jitu ist für Umweltschutz. Er sorgt sich um die Tiere, für die er manchmal etwas Futter mitbringt, beobachtet sie und achtet darauf, dass sich die Population nicht verringert. Darüber berichtet er in seinen Wild-Life-Safaris, bei der man viele interessante Tiere beobachten kann und Wissenswertes über die Wüste Thar erfährt.
Die Saison beginnt etwa November und geht Mitte bis Ende März zu Ende. Dann wird es zunehmend heisser; anschliessend folgt die Monsunzeit, es ist sehr warm und schwül.
In dieser Zeit hat Jitu in der Regel keine Gäste, und es gibt auch wenig Touristen, die sich die Kamelstation ansehen. In dieser Zeit studiert Jitu Zoologie der Wüste und will sich auf Schlangen spezialisieren, die in der Wüste leben.
Man kann sich vorstellen, dass so ein Leben nicht einfach ist. Sein Vater ist pensionierter Angehöriger der Air Force von Indien. Dessen Pension wird auch nicht besonders hoch sein.
Die Safaris erfordern einen Jeep. Ausserdem benötigt Jitu noch ein kleines Motorrad. Das Auto der Familie gehört dem Vater.
Wie er in den Monaten ohne Einkommen seine Familie finanziell über Wasser hält, hat er mir nicht gesagt. Er macht sich immer Sorgen, wenn die Gäste ausbleiben. Er ist stolz darüber, dass mehrere Reiseführer im Ausland, auch in Deutschland, sein Guesthouse und auch die Safari-Angebote in ihre Beschreibung von Bikaner aufgenommen haben.
Jitu ist ein sehr angenehmer Mensch: Sicher will er keine Touristen „abzocken“. Für alle Fragen und Wünsche hat er ein offenes Ohr und hilft gern. Er wurde mir von einem Freund, dem Leiter einer besonderen Dorfschule am Rande der Stadt, die ich besucht habe, empfohlen. Deshalb war ich gemäss dem Motto „der Freund meines Freundes ist auch mein Freund“ ebenso seiner. Ich habe mich beim ihm wohlgefühlt.
Es ist schön, dass es in der umkämpften Branche noch solche Menschen gibt!
Informationen
Vinaayak Guest House, Near Junagarh Fort, Old Ginnani , Bikaner-334001
Rajasthan, India; +91-9414430948, +91-946078
Hinweis auf weitere Indien-Berichte von Richard Gerd Bernardy