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Alles fing damit an, dass in New York ein Geschäftsmann namens Frank McNamara sich kurz vor dem Abendessen entschied, einen anderen Anzug anzuziehen. Dann ging er aus, fuhr in die Innenstadt, um sich in einem Restaurant namens Major’s Cabin Grill mit Geschäftspartnern zu treffen. Gutes Essen, prickelnde Drinks, angeregte Gespräche. Dann der Ruf: Die Rechnung bitte! Die Hand greift nach der Brieftasche, gleichzeitig klappt vor dem geistigen Auge ein Bild auf: Es zeigt den anderen Anzug, der zu Hause geblieben ist mitsamt der Brieftasche …
Zeit zum Nachdenken
Liesse sich die Bezahlung der Rechnung vielleicht aufschieben? Der Kellner schüttelt den Kopf. Auch der Oberkellner schüttelt den Kopf. Der Wirt bleibt stur: nein, tut mir leid. Dem vergesslichen Geschäftsmann bleibt nichts anderes übrig, als seine Frau anzurufen, die dann in die Innenstadt fahren muss, um ihrem Mann aus der Patsche zu helfen. Der sass dann da, und musste warten, und während er wartete hatte er eine Idee: Was wäre wenn es ein kleines Kärtchen gäbe, das mich als Mitglied eines Clubs ausweist, der in allen Restaurants Kredit geniesst? Der Club würde für die Mitglieder die Rechnungen begleichen, die Mitglieder hätten Zeit bis Ende Monat, um mit dem Club ins Reine zu kommen. So entstand 1950 der Diners Club, der einen Mitgliederausweis herausgab, der bald sehr begehrt war: Das war die erste Kreditkarte. Ende Jahr hatte dieser Club bereits 20,000 Mitglieder, zehn Jahr später waren es mehr als eine Million. Zunächst waren es vor allem Restaurants in New York, die mit dem Club zusammenspannten, bald kamen andere Firmen dazu, andere Regionen, ferne Länder. 1975 lancierte Diners Club die erste Firmenkreditkarte. Konkurrenten traten auf den Plan, bald buhlten viele Finanzinstitute mit eigenen Kreditkarten um Kunden. Heute sind schätzungsweise mehr als drei Milliarden Kreditkarten im Umlauf.
Erklärungsbedarf
Der Mann, der in Manhattan im Major’s Cabin Grill auf seine Frau wartet und während dem Warten etwas erfindet, das wir alle heute stets mit uns herumtragen – es ist eine schöne Geschichte. Sie hat nur einen Fehler: Sie ist nicht wahr. Jedenfalls behauptet das ein gewisser Matty Simmons. Er war nach den beiden Gründern der dritte Mensch, der eine Kreditkarte sein eigen nennen konnte. Er war vom Diners Club als Manager für Marketing und Kommunikation eingestellt worden. Um das neuartige Produkt zu vermarkten, musste er neue Kommunikationsstrategien entwickeln. Er rief einen «Cash free day» aus, lancierte eine Kundenzeitschrift, die dank Inseraten höchst profitabel war, oder er förderte die Produktion einer Filmkomödie – «The Man from Diners‘ Club» mit Danny Kaye –, die das Finanzprodukt popularisierte. Er sei es auch gewesen, so berichtete er, der die Kreditkartengebühr erfunden habe. Es brauchte für die Vermarktung der Kreditkarten neue Kommunikationsstrategien und auch neue Geschichten. Wie eben die von dem Geschäftsmann, der am Ende eines Geschäftsessen wie ein Zechpreller behandelt wird, weil er seine Brieftasche zu Hause vergessen hatte.
Die Geschichte von dem vergesslichen Kreditkarten-Erfinder wird auch heute noch oft herumgeboten[1]. Sie ist nach wie vor beliebt, weil sie es erlaubt, die Entstehung eines weit verzweigten Businessnetzwerks auf die allzumenschliche Schwäche eines Einzelnen zurückzuführen. Es ist ganz offensichtlich so, dass Kreditkarten noch immer als kompliziert und erklärungsbedürftig gelten, und da glauben viele Marketingleute auf die Geschichten, die Matt Simmons sich ausgedacht hat, nicht verzichten zu können.
Grosses Sparpotenzial
Müssen Kreditkarten kompliziert sein? Das Zürcher Fintech-Unternehmen Yokoy glaubt: nein. Mit einer Lösung für die hochautomatisierte Spesenverwaltung bekannt geworden, hat Yokoy den Schritt zur umfassenderen Ausgabenverwaltung vollzogen und offeriert nun auch eine Firmenkreditkarte. Diese Prepaid Business Mastercard ist sehr viel günstiger als die Kreditkarten anderer Anbieter. Das Schweizer Unternehmen Yokoy wurde im März 2019 gegründet mit der Vision, die Spesenabrechnung zu vereinfachen. Das klingt bescheiden. Ist es aber nicht. Denn wenn eine Mitarbeiterin täglich anstatt mehreren Minuten nur ein paar Sekunden für die Abrechnung von Spesen aufwendet, kann das in mittleren oder grossen Firmen ein gewaltiges Sparpotenzial freisetzen. Und wenn aus den Kassenzetteln zusätzliche Informationen extrahiert werden können, eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Ausgabenverwaltung. Hinter Yokoy steht ein Team von Gründern, das Kenntnisse aus sehr unterschiedlichen Disziplinen und Branchen vereint: Praktische Berufserfahrung im Bankwesen, in der Pharmaindustrie oder im Startup-Umfeld ergänzt theoretisches Fachwissen, wie es an der Hochschule St. Gallen oder an der ETH Zürich vermittelt wird. Philippe Sahli als CEO, Devis Lussi (CTO), Thomas Inhelder (CFO), Lars Mangelsdorf (CCO) und Melanie Gabriel (CMO) brachten nicht nur ihr Können und ihre Kreativität in die junge Firma ein, sie engagierten sich auch finanziell. Schon bald fanden sie Unterstützung durch grosse Investoren, darunter Swisscom Ventures und SIX Fintech Ventures. Yokoy fand rasch viele Kunden, zu den ersten Anwendern gehören Mitarbeitende von Stadler Rail, Swissquote oder Kägi. In der Geschichte der Kreditkarte spielt das New Yorker Restaurant Major’s Cabin Grill, in der Nähe des Empire State Building gelegen, sehr wohl eine Rolle. Es ist zwar nicht der Ort, an dem die Kreditkarte erfunden wurde, aber es wurde hier – am 9. Februar 1950 – erstmals eine Kreditkarte eingesetzt. Man überreichte dem Gast die Rechnung in dreifacher Ausführung. Eine Kopie durfte er behalten, eine andere blieb im Restaurant, das Original ging zum Diners Club, der dem Wirt 93 Prozent des Rechnungsbetrags erstattete. Man kann sich nun vorstellen, wie McNamara diese Quittung sorgfältig zusammengefaltete und sie sich in die Anzugtasche steckte. Später, in seinem Büro, legte er die Quittung auf den Tisch und übertrug den Betrag in seine Buchhaltung. Ein paar Wochen später kam dann die Rechnung vom Diners Club, jetzt galt es, die Quittung und den Eintrag in der Buchhaltung und allenfalls noch die Kopie der Rechnung erneut zu prüfen. Irgendwann stellte sich dann auch noch die Frage, unter welcher Rubrik die Kreditkartengebühren zu erfassen wären.
Entlastung von Routinearbeiten
Es hat sich seit den frühen 1950er Jahren vieles getan. Die erste Kreditkarte war noch aus dünnem Karton, heute ist Plastic das Material der Wahl. Vor allem aber ist es gelungen, die verschiedenen Transaktionen, die mit der Benutzung einer Kreditkarte in Zusammenhang stehen, zu automatisieren. Bei Yokoy kommen dabei die neuesten Verfahren der künstlichen Intelligenz – genauer: des Machine Learning – zum Einsatz. Die verschiedenen Komponenten einer Zahlung – Betrag, Mehrwertsteuer, Trinkgeld – werden extrahiert, analysiert, an eine Standard-Software für die Finanzbuchhaltung transferiert und anschliessend archiviert. Die Beträge werden dabei automatisch einer Kostenstelle oder einem Projekt zugeordnet. Die Buchhaltungsabteilung wird so von Routinearbeiten entlastet und kann sich gezielt um jene Abrechnungen kümmern, die auffällig sind und nicht dem Spesenreglement zu entsprechen scheinen. Diese Abrechnungen werden dank der künstlichen Intelligenz treffsicher erkannt und markiert. Die Yokoy Prepaid Mastercard erleichtert nicht nur die Benutzung, sie erlaubt es auch, den Aufwand bei der Verwaltung der Karte zu verkleinern. Die Bereitstellung von Karten, die Sperrung von Karten, die Festlegung von Limiten oder ihre Anpassung – all diese Kreditkartenprozesse lassen sich über ein Web-Interface steuern. Es braucht dazu keine Formulare, keine umständlichen Postsendungen hin und her.
Die Yokoy-Karte ist günstig und gleichzeitig auch sicher. Denn hinter der Karte steht neben Yokoy die Hypothekarbank Lenzburg. Das Geld, das eine Yokoy-Karte ausmacht, liegt auf einer Schweizer Bank, und so sind diese Einlagen durch eine staatliche Garantie geschützt. Yokoy-Kunden müssen somit kein Risiko auf sich nehmen. Die Yokoy-Kunden profitieren zudem auch von der Durchlässigkeit der Open-Banking-Plattform der Hypothekarbank Lenzburg. Alle Transaktionsdaten der Yokoy Prepaid Business Mastercard können sicher und ohne Reibungsverluste in die eigene Finanzbuchhaltung übernommen werden. Für die Benutzung dieser Schnittstellen werden keine Gebühren verrechnet.
Es sind für die Yokoy Business Mastercard keine Karten-Gebühren zu bezahlen und auch ein Fremdwährungszuschlag ist nicht vorgesehen: Für die Kursumrechnung gilt der Interbank Exchange Kurs ohne Extrakosten. Laut Yokoy können Kunden mit der Yokoy Prepaid Business Mastercard pro Karte jährlich mehrere Hundert Franken sparen. Auch wenn derzeit Geschäftsessen in Manhattan nicht angesagt sind.
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