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Wenn man Basel sagt, so denkt man unweigerlich an die Basler Fähren, an den Rheinhafen und an die vielen Frachtschiffe, die täglich rheinauf- und rheinabwärts fahren. Dass es aber in Basel eine traditionsreiche Personenschifffahrts-Gesellschaft gibt, das wissen sogar viele Basler nicht.
Die Basler Personenschifffahrt geht ins Jahr 1832 zurück. Am 28. Juli 1832 legte das Dampfschiff «Frankfurt» unter Kanonendonner und dem Applaus einer grossen Menschenmenge an der Basler Schifflände an. Damit schien die Zeit für die Basler Dampfschifffahrt gekommen. Doch schon siebzehn Jahre später, 1847, musste die Personenschifffahrt auf dem Oberrhein aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Ein Grund für die mangelnde Rentabilität mag auch die Eisenbahneuphorie dieser Jahre gewesen sein – so fuhr am 15. Juni 1844 mit der «Elsässerbahn» schweizweit erstmals eine Eisenbahn in den neuen Basler Bahnhof ein.
Mehr als 50 Jahre später, 1903, legte mit der «Justitia I» wieder ein Personenschiff in Basel an. Dies verdankte man vor allem dem Ingenieur Rudolf Gelpke (1873-1940), der sich ein Leben lang für die Schifffahrt auf dem Ober- und Hochrhein stark machte. Er widersetzte sich erfolgreich den damals gängigen Vorurteilen, denn in jener Zeit der galoppierenden Industrialisierung hatten manche noch nicht erkannt, dass gerade der in der Industrie arbeitende Mensch in seiner Freizeit – damals ein neues gesellschaftliches Phänomen – einen Ausgleich suchte. Und warum nicht bei einer Schifffahrt auf dem Rhein? Gelpke erkannte dies, und der baldige Erfolg der Personenschifffahrt sollte ihm recht geben.
Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges musste der Betrieb aus militärischen Gründen wieder eingestellt werden. Kurz zuvor waren die Kraftwerk- und Schleusenanlagen in Augst fertiggestellt worden, und man hatte die fahrplanmässigen Fahrten bis nach Rheinfelden verlängert.
1924 war es dann erneut Ingenieur Rudolf Gelpke, der mit seiner Initiative die Gründung der Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft in Form einer Genossenschaft ermöglichte. Die Anteilscheine kosteten 100 Franken. Damit wollte man weiten Kreisen der Bevölkerung die Gelegenheit geben, sich an der neuen Gesellschaft zu beteiligen.
Das angestrebte Genossenschaftskapital wurde problemlos gezeichnet, so dass bereits am 14. April 1925 der Stapellauf eines von der Baselbieter Firma Buss gebauten Schiffes gefeiert werden konnte.
Schon bald zeigten sich dem jungen Unternehmen aber erneut schwarze Wolken. 1927 stieg die Basler Rheinschifffahrt-Aktiengesellschaft (BRAG) ins Passagiergeschäft ein. Weil ihre Schiffe in Deutschland billiger gebaut worden waren, konnte sie ihre Fahrten zu günstigeren Tarifen anbieten. Da die Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft eine Betriebsgemeinschaft mit der BRAG ablehnte, schien mit der Liquidation im Jahre 1928 das endgültige Aus für die BPG gekommen zu sein.
1968 wurde die BRAG an einen ausländischen Konzern verkauft. In den vierzig Jahren ihrer Tätigkeit hatte die BRAG weitere Personenschiffe gekauft und die Personenschifffahrt auf dem Oberrhein stark forciert. Glücklicherweise wurde beim Verkauf die Personenschifffahrt ausgeklammert – die Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft wurde in Form einer Aktiengesellschaft neu gegründet. Und mit Hilfe des Kantons Basel-Stadt konnte sogar eine notwendige Flottenerneuerung in Angriff genommen werden. Die Basler Personenschifffahrt bietet zwischen Mai und Oktober Kursfahrten an. Während des ganzen Jahres können Charterfahrten und Unterhaltungsfahrten gebucht werden.
Die Flotte
MS Christoph Merian
Das Flaggschiff der Basler Personenschifffahrt, die MS Christoph Merian, wirkt elegant und futuristisch. Die filigrane Form verleiht dem Schiff eine aussergewöhnliche Leichtigkeit. Die offene Bauweise mit hellen und verglasten Decks lässt eine wunderschöne Panoramasicht zu. Es bietet bis zu 600 Personen Platz. Der Komfort ist beachtlich: Die lichtdurchfluteten Salons im Haupt- und im Oberdeck wirken mit ihrer hellen Täferung aus Birkenholz grosszügig und elegant, ebenso das Vorderdeck mit grosser Bar.
Für Behinderte steht ein Treppenlift zur Verfügung, mit dem die Salons vom Vorderdeck aus erreichbar sind. Eine Klimaanlage garantiert zu jeder Jahreszeit einen angenehmen Aufenthalt.
Die Bordküche erfüllt höchste kulinarische Ansprüche. Speiselifte sorgen dafür, dass jedes Gericht «à la minute» serviert werden kann.
Die MS Christoph Merian zeichnet sich zudem durch einen schnellen, leisen und vibrationsfreien Lauf und ihre Umweltfreundlichkeit aus.
Seit ihrem Stapellauf am 19. Juni 1992 hat die MS Christoph nicht nur die Blicke auf sich gezogen, sie hat auch viele Fahrgäste angelockt.
MS Lällekönig
Der MS Lällekönig (Baujahr 1980), der grosse Bruder des MS Baslerdybli, wirkt elegant und bietet bis zu 500 Personen Platz. Seine hellen Innenräume, geschmückt mit Bildern aus dem alten Basel, vermitteln dem Gast ein Gefühl der Geborgenheit und der Behaglichkeit.
30 Personen können im Vorderdeck die Aussicht geniessen. Über eine Treppe gelangt man zum Hauptdeck, dem eine dunkel gebeizte Mahagonitäferung und eine weiss bemalte Kassettendecke eine festliche Stimmung verleihen. Ins Auge fällt auch ein Bild des Rheintors, des Tors des Königs, in stark vergrösserter Darstellung nach Originalen von J. J. Schneider (1822–1889).
Gegenüber dem Buffet befindet sich der «Admiral’s Table», an dem zwölf Personen in einer ausgebauten Nische in Ruhe diskutieren können. Sie ist abgetrennt durch eine Wand mit dem Kopf des «Lällekönigs». An der Abschlusswand erinnert das Wandbild des Raddampfers mit dem Namen «Stadt Basel», der in den Jahren 1838–1842 auf dem Rhein verkehrte, an Wagemut und Abenteuer früherer Zeiten. Die Innenmaterialien des kleineren Oberdecks sind denjenigen des Hauptdecks ähnlich. Eine andere Farbgebung und hell behandeltes Mahagoniholz ergeben einen stark veränderten Raumeindruck.
Im Sommer bieten einige überdachte Essplätze im Freien zusätzliche Sitzkapazität. Dank der grossen Bordküche im Vorschiff kann man sich in einer gediegenen Atmosphäre gastronomisch verwöhnen lassen.
NEWS 07.09.2018: Der Lällekönig wird verkauft. Artikel in der Basellandschaftlichen Zeitung
MS Baslerdybli
Das MS Baslerdybli ist das kleinste und gemütlichste Schiff der Basler Personenschifffahrt. Es wurde im Nostalgielook der Dampfschiffära gebaut. Bis zu 140 Personen können aufgenommen werden. Zahlreiche aufwendige Details wie Mahagonihandläufe und hölzerne Fensterrahmungen betonen den Dampfschiffcharakter des Schiffes Die Ausstattung lehnt sich stark an alte Vorbilder an – beim Bau wurden sogar Originalteile traditionsreicher Schweizer Schiffe mit verwendet.
Das MS Baslerdybli zeichnet sich durch eine grosse, vibrationsfreie Laufruhe sowie eine überdurchschnittlich hohe Manövrierfähigkeit aus. Um einen möglichst ungestörten Betrieb bei niederen Durchfahrtshöhen zu erreichen, sind das Steuerhaus-Oberteil, der Radarmast und die Flaggenmaste hydraulisch absenkbar und der Schornstein hydraulisch umlegbar.
Die Schiffe werden längst nicht nur für Kaffeefahrten oder einen Firmenanlass gechartert. Seit 1981 findet die Jugendbuchausstellung auf einem Schiff der Basler Personenschifffahrt bei der Schifflände statt und trägt dazu bei, dass dass das erste Leseerlebnis in sinnlicher Erinnerung bleibt. Das Bücherschiff wird jährlich von Tausenden von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen besucht, darunter auch viele Schulklassen und Lehrpersonen, die sich über das aktuelle Bücherangebot informieren. 2006 wurden auf der «MS Christoph Merian» mehr als 1500 Kinder- und Jugendbücher dem interessierten Publikum vorgestellt.
Den erwachsenen Besuchern ist jeweils im Frühling das «Wyschiff» vorbehalten. Die schwimmende Bar bietet die Möglichkeit, über 300 Weinspezialitäten von 40 verschiedenen Rebsorten aus der Schweiz zu degustieren, oder mit den stets anwesenden Weinbauern zu diskutieren. Viele der teilnehmenden Winzer haben sich in den letzten Jahren durch höchste Medaillenränge ausgezeichnet. Wann das «Bücherschiff» oder das «Wyschiff» bei der Schifflände ankert, entnehmen Sie der Linkliste im Anhang.
Artikel über das Whyschiff auf onlinereports vom 27.03.2014.