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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde wie in vielen Ortschaften des Kantons in Alterswil eine neue Kirche erbaut. (Etwa zwei Drittel der Freiburger Kirchen wurden zwischen 1870 und 1920 errichtet oder umgebaut).
Dieser Bau war auch Ausdruck des Strebens nach Unabhängigkeit von der alten Mutterpfarrei Tafers. 1885, also nur sieben Jahre nach der Einweihung wurde Alterswil als Rektorat seelsorgerisch unabhängig und 1894 bei der Errichtung der Pfarrei erfolgte die vollständige Trennung.
Ein schwieriger Beginn in einer schwierigen Zeit
In seinen „Erinnerungen aus der Pfarrstube" beschreibt Niklaus Roggo (1844 - 1900; Kaplan 1870 /Rektor 1885 / Pfarrer 1894) die Baugeschichte der Kirche. Die folgenden Zitate stammen aus dieser Schrift.
Niklaus Roggo, 1844 - 1900
Kaplan 1870 - 1885
Rektor 1885 - 1894
Pfarrer 1894 - 1900
Schon wenige Jahrzehnte nach der Erweiterung von 1750 erwies sich die Kapelle zu klein, sie „vermochte kaum zwei Drittel der Kirchgänger zu fassen, die übrigen waren gezwungen beim sonntäglichen Gottesdienste entweder draussen zu bleiben oder die Nachbarkirchen zu besuchen"
Am 8. Dezember 1864 beschloss die Kirchgemeinde auf Initiative von P. Gregor Riedo (Augustiner), der in Alterswil als Kaplan wirkte, einen Bau in Angriff zu nehmen, der den Bedürfnissen der Bevölkerung entspreche. Geplant wurde, die bestehende Kapelle nochmals zu erweitern. Dieses Vorhaben fand aber in Alterswil selber keine breite Zustimmung. Als auch eine Sammlung „der zweifelhaft organisierten Jugendvereine" nur etwa 800 Franken einbrachte, „ging das an sich höchst lobenswerte im Entstehen begriffene Unternehmen in die Brüche - man wagte es kaum mehr noch davon zu sprechen."
Im Oktober 1870 wurde Niklaus Roggo aus Düdingen zum Kaplan in Alterswil ernannt.
Im Zuge der Reorganisation des katholischen Vereinswesen nach den Sonderbundswirren und zu Beginn des Kuturkampfes wurde in Alterswil am 18. Juni 1871 eine Sektion des Schweizerischen Piusvereins gegründet.
Diesem Verein gehörten auch die „gewichtigsten Männer der Kirchengenossenschaft (Umkreis des Kirchganges) an". Kaplan Niklaus Roggo und der Piusverein wollten das Projekt Kirchenneubau erneut aufgreifen. Dabei fanden sie auch die Unterstützung des Gemeinderates. Nach einer ersten erfolgreichen Subskription - sie erbrachte 16'268 Franken- sagte auch der Pfarreirat unter der Leitung von „Ratsherr" Christoph Bäriswyl seine Unterstützung zu. Die Pfarreiversammlung vom 4. Februar 1872 in Tafers stimmte dem Vorhaben und auch der Beteiligung an den Baukosten zu.
Die Diskussion, ob die bestehende Kapelle gegen Süden vergrössert, oder ob eine neue Kirche gebaut werden solle, endete, als eine Untersuchung des Turmfundamentes ergab, dass dieses unsolid und morsch war. (Der alte Turm befand sich etwa auf der Höhe der heutigen Kanzel). Somit war der Neubau beschlossene Sache. Baumeister Johann Müller wurde nach Alterswil berufen, um den Bau zu planen und zu leiten. Die geplante Kirche sollte in ihrer Anlage der Kirche von Düdingen gleichen. Als Baustil wurde, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, die Neogotik gewählt.
Der Bischof hätte eine grössere Kirche gewünscht, doch auch als er seinen Generalvikar nach Alterswil sandte, konnte dieser nichts erreichen und musste seinem Oberhirten melden: „Il parait qu'on ne veut rien d'autre.... l'église de Guin avec les dimensions de celle de Tavel. »
Am 15. Juli 1872 wurde mit den Fundamenten für Chor, Sakristei und Turm begonnen.
Am 4. Juni 1873 waren Sakristei und Chor aufgerichtet. Da Chor, Sakristei und Turm der neuen Kirche vor der alten Kirche standen, konnte die alte Kapelle für die Gottesdienste noch benutzt werden. Um die Fundamente des neuen Kirchenschiffs errichten zu können, mussten die alte Sakristei und „der uralte an Steinmassen ungeheuer dicke Turm der menschlichen Gewalt weichen. Am 17. April 1873, in Gegenwart einer grossen, von ehrfurchtsvollem Schauer ergriffenen Zuschauermenge, neigte sich und sank der von tausend Stürmen und Wettern hohl und grau gepeitschte Alte, todesmutig, wie ein in tausend Schlachten ergrauter und gebräunter Kriegsheld. Tief in die Erde vergrub er sein Haupt als wolle er sein Heldenantlitz verbergen, ob der angetanen Schmach und dem Undanke der Zeiten und Geschlechter."
Beim Bau des Kirchenschiffes blieb etwa ein Drittel des alten Kirchenschiffes stehen (inkl. Seitenaltäre und etwa 6 Bänke). Dort feierte man weiterhin die Gottesdienste, während die Mauern des neuen Kirchenschiffs neben den alten in die Höhe gezogen wurden.
Durchschnittlich waren etwa 30 Maurer und Steinhauer auf der Baustelle tätig. Gebrochen wurden die Sandsteine im Singernwald.
Im Sommer 1873 wurde der Dachstuhl auf das Langhaus gesetzt und am 30. Juli konnte „Ufrichti" gefeiert werden.
Am 2. Dezember 1873 weihte der Regens des Priesterseminars Christoph Cosandey, der spätere Bischof, den Grundstein der neuen Kirche. Theologieprofessor Franz-Xaver Piller las die Messe auf einem provisorischen Altar. Der recht stark verwitterte Grundstein befindet sich hinter dem heutigen Hauptaltar.
Ein Jahr später, im Sommer 1874, war auch der Turm aufgemauert und mit dem Aufrichten des Turmhelms war der Rohbau der Kirche beendet. Die Bedachung der Kirche wurde von den Gebrüdern Christoph und Wilhelm Falk vom Chrommen ausgeführt.
Altäre und Kanzel
Die Altäre und die Kanzel stammen von den Altarbauern Franz und August Müller aus Wil.
Am 29. Juni 1875 war die Kanzel errichtet und wenige Tage später der Hochaltar.
Das Altargemälde stellt den Kirchenpatron, den heiligen Nikolaus von Myra dar. Es gilt als eine der besten Arbeiten von Franz Müller. Auf der rechten Seite findet sich eine Statue des heiligen Josefs und links steht die Statue von Johannes dem Täufer. Über dem Altarbild sehen wir einen Auferstehungschristus.
Die Seitenaltäre wurden erst vier Jahre später in Auftrag gegeben und Ende Oktober 1880 montiert. Der linke Seitenaltar, der Rosenkranzaltar, zeigt die Übergabe des Rosenkranzes durch die Muttergottes an den heiligen Dominikus begleitet von der hl. Katharina v. Siena. Das Altarbild wird flankiert von den heiligen Barbara und Elisabeth (evt. Dorothea; die Legende mit den Rosen findet sich in den Viten der beiden Heiligen. In den Verträgen mit den Altarbauern Müller sind die dargestellten Heiligenfiguren nicht namentlich erwähnt, dies hat zu unterschiedlichen Bestimmungen geführt.) Der Piusverein, der für den Bau der Kirche eine treibende Kraft war, setzte seine Patrone auf den rechten Seitenaltar: auf dem Altarbild den heiligen Karl Borromäus flankiert von Statuen des Landespatrons Niklaus von Flüe und des heiligen Franz v. Sales.
Die Portale, die Kirchenbänke, das Chorgestühl und das Geländer der Empore verfertigte Joseph Jenny von zum Stein. Alle Arbeiten verrichtete Joseph Jenny, der nie eine Schreinerlehre besucht hatte, unentgeltlich.
Glasarbeiten
Die Glasarbeiten führte der Zürcher Glasmaler J. Röttinger aus. Die beiden Chorfenster - sie zeigen auf der linken Seite die heilige Anna zusammen mit Maria und die heilige Katharina von Alexandrien, auf der rechten Seite die Apostelfürsten Petrus und Paulus - wurden im November 1873 eingesetzt, die Fenster im Schiff im Frühjahr 1874. Diese Fenster zeigen in ihrem oberen Teil Darstellungen diverser Symbole (Monogramme von Christus, Maria, Josef, das Gotteslamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln, die Leidenswerkzeuge, den frommen Pelikan).
Kreuzwegstationen
Die Stationen wurden vom gebürtigen Luzerner und in Düdingen wohnhaften Maler Joseph Amberg gefertigt. Sie wurden am 9. April 1876 durch den Kapuziner P. Albert eingesegnet.
Orgel
Vor 125 Jahren spielte Organist Stefan Wicht auf einer kleinen Orgel, die auf Antrag der Chorsänger und nach Beschluss des Gemeinderates 1871 von einem deutschen Orgelbauer Haller in Freiburg für 1550 Franken erworben wurde.
Taufstein
Acht Jahre nach der Kirchenweihe erlangte Alterswil als Rektorat die seelsorgerliche Unabhängigkeit von Tafers. Somit konnte man in der Kirche auch taufen. Der Taufstein wurde von Wilhelm Süess aus Freiburg gefertigt und im Mai 1885 in der St. Nikolauskirche errichtet.
Von diesem Jahr an konnten Verstorbene auch in Alterswil beerdigt werden.
„Die Kirchen- und Schulhausweihe am 7. November 1878 durch den Hochwürdigsten Bischof Stephan Marilley
Zu dieser, seiner schönsten und ehrendsten Doppelfeier hatte sich das Dorf, wie billig, ins schmuckvollste Festgewand gekleidet. Vom Schulhause droben bis hinunter zu den letzten Häusern der Ortschaft reihten sich Kranz an Kranz, Bogen an Bogen. Von den Firsten der Kirche, Häuser und Bäume wehten Flaggen, eidgenössische und kantonale, was alles zur innigsten Freude stimmte, galt es ja, den baldigen Einzug des vielgeliebten Oberhirten festlicher zu gestalten und die Weihe der neuen Kirche zu erhöhen... Am Vorabend um 5 Uhr kündete Glockengeläute der versammelten Volksmenge die Ankunft des mit Sehnsucht erwarteten Bischofs an. Nach kurzer Rast in der Kaplanei besuchte seine Gnaden die Kirche, um nachzusehen, ob alles zur Einsegnung vorbereitet sei.
Des folgenden Morgens, Donnerstag, den 7. November um 8 Uhr wurde die Consekration der Kirche unter Assistenz einer grossen Anzahl Nachbarpriester und Stadtgeistlichen in Anwesenheit einer ungeheuren, von nah und fern herbeigeeilten Volksmenge vorgenommen. Die Festpredigt, gehalten vom Hochw. Herrn Regens Christoph Cosandey, schilderte die Freude und den Trost, Kirchen zu besitzen, verdankte der Gemeinde und der Geistlichkeit den Neubau dasiger Kirche, erinnerte die Gläubigen an die Pflichten gegen das Gotteshaus. Das feierliche Levitenamt auf dem neugeweihten Hochaltar celbrierte Hochw. Herr Dogmatikprofessor Fr. X. Spicher; auf den neugeweihten Seitenaltären wurden heilige Messen gelesen. Nach der hohen Feier vereinigte ein fröhliches Mittagmahl den hochwürdigsten Bischof, die hochw.Geistlichkeit, den Herrn Staatsrat und Erziehungsdirektor Heinrich Schaller, den Gemeinderat in der Kaplanei, wobei es wohlverständlich an geeigneten Toasten und Trinksprüchen nicht fehlte. Der erste galt dem Hochw. Herrn Bischof als Consekrator, vom Ortskaplan; diesem erwiderte der Hochw. H. Bischof, der dritte galt Herrn Staatsrat Schaller, den Herr Schaller beantwortete mit einem Lobe auf die Bemühungen und Opferwilligkeit der Pfarrei für den Bau neuer Schulhäuser und die Pflege der Schulen.
Der Uhrenzeiger stand auf drei Uhr, es ward aufgebrochen in die Kirche zur Besammlung und Ordnung der Prozession nach dem Schulhause, welches in diesem Jahr erbaut wurde und an gleichem Tage mit der Kirche die bischöfliche Weihe empfing. Der Prozession voran die hohen Siegeszeichen unseres Glaubens - Kreuz und Fahne - dann die Schuljugend und der Sängerchor, darauf die Geistlichkeit und der unter dem Traghimmel, von vier in Uniformen gekleideten päpstliche Gardisten begleitete Hochw. Oberhirte, zuletzt die Scharen der Gläubigen. Nach Vollendung des hl. Weiheaktes bewegte sich die Prozession wieder der Kirche zu, wo mit dem Lobgesang ‘Te Deum‘ diese Doppelfeier, die Einweihung unserer neuen Kirche und des neuen Schulhauses, den würdigen Abschluss fand.
Noch einige fröhliche Augenblicke in der Kaplanei und die Glocken ertönten zur Abreise des teuren Oberhirten."
Am Kirchweihfest vom 7. November 2003 feierte die Pfarrei den 125. Jahrestages der Einweihung des heutigen Gotteshauses. Dieser Gedenktag galt in erster Linie all jenen Menschen, die den Kirchenbau erst möglich gemacht hatten, die als Priester, als Baumeister, Künstler, Handwerker und Arbeiter, als Behördemitglieder und als Gläubige des „Kirchgangs" von Alterswil ihren Beitrag zu einem grossen Gemeinschaftswerk geleistet haben.
cf
Quellen:
Archiv der Pfarrei Alterswil
Archiv der Gemeinde Alterswil
H. Schwab: Archäologische Funde aus dem Sensebezirk
B. Handke FGB 1979/80