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In der Reihenfolge ihrer urkundlichen Ersterwähnung kommt die Ehrengesellschaft zum Greifen als dritte der drei Kleinbasler Ehrengesellschaften erstmals 1409 zur Erscheinung. Anzunehmen ist, dass die Gesellschaft schon vor diesem Datum bestanden hat. Wie es in jener Zeit üblich war, trugen die Häuser Namen und die darin ansässigen Zünfte oder Gesellschaften benannten sich danach. Die Gesellschaft zum Greifen hiess ursprünglich nach ihrem Haus am Schafgässlein, Gesellschaft "zum Baum". Ihr Wappen war ein grosses weisses Kreuz im blauen Feld und wies darauf hin, dass die Gesellschaftsbrüder ursprünglich Lehensträger der Basler Klöster waren.
1429 erwarb die Ehrengesellschaft ein "Haus zum Greifen", an der Burgergasse das ist die heutige Greifengasse, welches bereits 1363 urkundlich erwähnt wird. Zwischen 1429 und 1444 nahm die Gesellschaft wiederum den Namen ihres Hauses an und nannte sich fortan zum Greifen. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erscheinen in den Zinsbüchern von St. Alban regelmässig die Meister und Gesellen "zem Gryffen", die dem Kloster den auf ihrem Haus, Hof und Garten lastenden Bodenzins zu bezahlen hatten. Nach der Reformation musste diese Abgabe dem bürgerlichen Fürsorgeamt - oder wie es damals hiess - Almosenamt entrichtet werden. 1540 konnte die Gesellschaft ihre Liegenschaft ablösen. Wie die Anfänge der beiden anderen Kleinbasler Gesellschaften liegen auch die Ursprünge der Ehrengesellschaft zum Greifen im Dunkeln. Die rechtsrheinische Bürgerschaft trat in Gemeindeangelegenheiten selbstständig auf und besass einen eigenen Rat und einen Schultheiss. Der Aufbau der ersten sozialen Netzwerke, Befestigungsarbeiten an der Stadtmauer, Rekrutierung, Waffeninspektion und Organisation des Wachtdienstes gehörten zu den Aufgaben der Kleinbasler Gesellschaft. Nach der Vereinigung der kleinen Stadt mit Grossbasel 1392 erlangten die Kleinbasler den gleichen Status wie die Grossbasler Zünfte. Somit wurden ihren Mitgliedern namentlich den Obristmeistern und Mitmeistern die Wählbarkeit in den Rat gewährt. Andreas Ryff schreibt in seinem "Der Stadt Basel Regiment und Ordnung" 1597 folgendes:
"Diese drey Gesellschaften habend einen alten Bruch, den land si nit abgon; ob glichwol oft in der grossen Statt unnötige Kurzwylen verbotten würden, so fahren sie für, jehrlich uff ein gewisser Tag ziechen sie bewöhrt mit ihren Fenlinen in der Statt umb, das Räbhus fiert einen Leiwen, die Härren einen wilden Ma, der Greif einen Greifen, jede Gsellschaft uft ein bsunder Tag an einer Ketten umb mit aller Kurzwylen."
Mit der Zeit gewann neben dem öffentlichen Umgang der Ehrenzeichen das eigentliche Gesellschaftsmahl an Bedeutung. An diesem Anlass nahmen Meister, Vorgesetzte und Gesellschaftsbrüder im Festtagsgewand teil. Kostbares Tafelsilber und prunkvolle, für Trinkrituale bestimmte kostbare Becher schmückten nebst anderen Preziosen die festlichen Tafeln. 1606 wurde vom Goldschmied Sebastian Schilling der heute noch vorhandene Greifenbecher angefertigt. Er ist somit der älteste der drei Meisterbecher. Er besteht aus massivem Silber und ist teilweise feuervergoldet.
Der bei den Hausgenossen zünftige Sebastian Schilling wurde 1605 in die Ehrengesellschaft zum Greifen aufgenommen. Der prächtige Becher zeigt auf einem Sockel einen Greif in aufrechter Körperhaltung. Der Greif, ein bei den Babyloniern, Persern und Griechen bekanntes Fabelwesen, entstanden aus der Verschmelzung Löwe und Adler, findet durch die Jahrtausende hindurch immerneue Darstellungs-formen. Während der Greif ursprünglich mit Adlerkopf und krallenbewährten Füssen dargestellt wurde, zeigt dieser Becher interessanterweise Paarhufe. Der Kopf hat im Gegensatz zu oft dargestellten spitzen Drachenohren, hängende Hundeohren. Eine Erklärung für diese Darstellungsform konnte nicht gefunden werden. Allerdings sei erwähnt, dass im Basler Rathaus noch zwei weitere Greifendarstellungen mit Hufen und Hängeohren zu sehen sind.
Durch die folgenden Jahrhunderte erlebte die Ehrengesellschaft zum Greifen ein blühendes Dasein an der Seite ihrer beiden Brudergesellschaften. Bei allzu grossen Festivitäten geschah es ab und zu, dass ein Loch im Gesellschaftssäckel klaffte. Durch das Einschmelzen und den Verkauf von Teilen des Tafelsilbers wurde die Rechnung jeweils wieder ausgeglichen. Leider blieb das kostbare Silberbesteck bis heute verschwunden und wir nehmen an, es sei einem besorgten Säckelmeister zum Opfer gefallen.
Die Wirren der Helvetik von 1798 bis 1803 schränkten das Gesellschaftsleben erheblich ein und nach dem Sturz der Helvetik wurden nur noch kleine Teile der ursprünglichen Aufgaben weiter ausgeführt. Nach der schmerzvollen Trennung von Stadt und Land erwarben die Gesellschaften 1833 vom Staat das alte Richthaus am Kleinbasler Brückenkopf der Mittleren Rheinbrücke. Zuvor hatten sie ihre eigenen Gesellschafts-häuser verkauft, um zusammen eben diese Liegenschaft zu erwerben. Später befand sich dort das Cafe National, welches wegen seines spitzen Uhrenturmes vom Volk scherzhaft "Cafe Spitz" genannt wurde.
1836 fand dann der erste gemeinsame Umzug aller drei Gesellschaften statt. 1838 wurde das renovierte "Cafe Spitz" bezogen und 1841 fand im grossen Meriansaal das erste gemeinsame Gryffemähli statt. Seit dem Brand und dem Umbau des "Cafe Spitz" findet das Gryffemähli jeweils auf den Tag der Gesellschaft am 27. Januar im grossen Festsaal der Messe Basel statt. Fällt dieser Tag auf einen Sonntag, so wird der Anlass auf den Samstag vorverlegt. Doch nicht nur am Tag des Vogel Gryff zeigen die Ehrengesellschaften Präsenz. Ihr soziales Engagement stellen sie schon seit Jahren mit der aus dem Schosse der Gesellschaften entstandenen Sammlung der Hirten auf dem Claraplatz, mit Vergabungen an wohltätige Institutionen aus dem Zinsertrag des im Baurecht an die CMS vermieteten Café Spitz, aber auch mit der aktiven Mithilfe an Stadtfesten, Wohltätigkeitsbazaren und ähnlichen Veranstaltungen unter Beweis.
Meister
Statthalter
Schreiber
Vorgesetzter
Vorgesetzter
Vorgesetzter
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