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Silvio Caldelari | Präsident HC Siders
Siders | Silvio Caldelari ist erneut Präsident des HC Siders. Ein Gespräch über seine Leidenschaft für den Eishockey-Sport, eine Fusion zum HC Wallis und den Neuaufbau des HC Siders.
Herr Caldelari, als Sie in den Jahren 2000 bis 2004 Präsident des HC Siders waren, wurden Sie wegen ihrer euphorischen Art oft als «verrücktester Präsident der Liga» bezeichnet. Stimmen Sie solchen Aussagen zu?
Ich denke, das entspricht der Wahrheit, jedoch im positiven Sinn. Ich konnte die Leute oft für Projekte des HC Siders begeistern und sie animieren, den Klub zu unterstützen. Ob das verrückt ist, sollen andere beurteilen. Persönlich finde ich es verrückt, täglich 14 Stunden Arbeit in den HC Siders zu investieren.
Das klingt tatsächlich verrückt. Woher kommt die grosse Leidenschaft zum HC Siders?
Das ist der Verdienst meines Vaters. Er nahm mich bereits als Junge immer in die Eishalle mit. Das hat mich geprägt. Hätte er mich in ein Fussballstadion mitgenommen, würde ich nun vielleicht dieselbe Energie in den Fussballsport stecken, wer weiss.
Früher spielten Sie auch selber Eishockey, allerdings nur für kurze Zeit. Weshalb?
Ich war während zwei Saisons Junioren-Torhüter und wurde dabei gar einmal zum besten Goalie gekürt, als ich in einem Spiel drei Tore kassierte. Es kamen jedoch nur drei Schüsse aufs Tor und weil meine Verteidiger Remo Wyssen und Didier Massy (beide spielten später in der ersten Mannschaft beim HC Siders, die Red.) hiessen, war das ein guter Grund für mich, anschliessend die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen (lacht).
Im Jahr 2000 übernahmen Sie erstmals als Verwaltungsratspräsident den HC Siders. Was bewegte Sie damals dazu, das Amt zu übernehmen?
Es gab damals niemanden, der sich dafür bereit erklärte, deshalb bot ich mich an. Als grosser Fan, der inoffiziell gar einmal zum grössten HC Siders-Fan gewählt wurde, lag es mir am Herzen, dass der HC Siders weiter lebt. Bereits vorher half ich bei vier bis fünf Rettungsaktionen mit und unterstützte den Verein. Hätte sich jedoch sonst jemand für das Amt bereit erklärt, ich hätte ihm den Vorzug gelassen. In dieser Zeit als Präsident gründete ich dann schliesslich drei verschiedene Fanklubs.
In Ihrer ersten Amtsperiode wurde Siders einmal Vize-Schweizermeister in der NLB. Damals begeisterte der HC Siders. Die Grabenhalle war gut gefüllt und die Stimmung toll. Diese Saison stehen die Vorzeichen verkehrt. Warum tun Sie sich das überhaupt an?
Weil der Klub sonst tot wäre. Eine andere Lösung wäre eine Fusion mit Martinach gewesen, was mittelfristig ebenfalls das Aus für den HC Siders bedeutet hätte. Im Verein spielen rund 200 Junioren, die Spieler der ersten Mannschaft sind die Helden dieser Kinder, sie wollen Perspektiven haben und kämpfen, um einmal in der ersten Mannschaft zu stehen.
Apropos Martinach. Warum sind Sie derart gegen eine Fusion mit dem HC Red Ice Martinach?
Das ist nicht einmal eine Diskussion wert. Es kann nicht sein, dass wir eine Fusion eingehen, in der gleich zwei Teams sterben. Stellen Sie sich vor, wir spielen eine Runde in Martinach, dann wieder eine in Siders. Wo führt das hin? Der HC Siders würde eher in der 1. Liga einen Neustart wagen, als zu fusionieren.
Was ist Ihr Geheimrezept, um den HC Siders wieder auf Kurs zu bringen?
Wir müssen arbeiten wie eine normale Firma. Dafür benötigen wir Abteilungen in Administration, Marketing, Sport oder rund um die Eishalle. Die einen stehen an der Front, andere helfen im Hintergrund mit. Zusammen versuchen wir mit einem Budget von zwei Millionen Franken bestmöglichst zu wirtschaften.
Dabei werden beinahe zwei Blöcke mit Spielern mit Jahrgang 92 bis 94 gebildet. Dennoch wollen Sie sportlich die Playoff-Qualifikation erreichen. Dafür braucht es mindestens den achten Rang.
Das ist unser Ziel. Ich vermute, dass sich fünf Mannschaften um die Plätze sieben bis elf streiten werden. Da gehören auch wir dazu. Zudem ist es unser Ziel, den Jungen die Möglichkeit zu bieten, sich mit guten Leistungen für höhere Aufgaben aufzudrängen. Ein talentierter und ehrgeiziger Spieler mit guten Leistungen bei uns soll die Möglichkeit auf einen Wechsel in die NLA haben, damit steigt der Wettbewerb innerhalb der Mannschaft.
Selbst wenn Ihre Spieler talentiert sind, sind sie noch unerfahren. Trauen Sie ihnen wirklich die Playoff-Qualifikation zu?
Natürlich. Letztes Jahr hatten wir eine Mannschaft, die um den NLB-Titel mitspielen konnte. Am Schluss war Siders Tabellen Letzter. Es gibt viele Überraschungen während einer Saison. Ich bin überzeugt vom Willen unserer Mannschaft. Eishockey ist und bleibt ein Spiel und wenn unsere Mannschaft spielen und arbeiten will und das mit dem nötigen Respekt verbindet, dann kann das ganz gut kommen.
Ein gutes Omen dürfte auch die Wahl des Trainers sein. Kim Collins war vor genau 10 Jahren bereits beim HC Siders und führte die Mannschaft innerhalb von zwei Jahren in den NLB-Playofffinal. Ist seine Verpflichtung ein Zufall?
Ich weiss, wie Collins arbeitet. Er hatte bei uns grossen Erfolg und verliess uns später in Richtung Biel. Auch im Seeland leistete er sehr gute Arbeit. Collins bringt alles mit, um den HC Siders wieder auf die Erfolgstrasse zu führen.
Nach dem Aufstieg des HC Red Ice Martinach kämpfen gleich drei Walliser Vereine in der NLB. Kann das Wallis wirtschaftlich neben einem Fussball-Spitzenklub noch drei NLB-Eishockeyklubs tragen?
Bei den Finanzen konkurrenzieren sich Visp, Siders und Martinach nicht. Der grösste Konkurrent ist jedoch der FC Sitten. Er arbeitet beinahe mit allen finanziell attraktiven Partnern im Wallis zusammen. Die drei Walliser NLB-Eishockeyklubs sind im Gegensatz zum FC Sitten allesamt kleine Fische und solange Sitten in der Super League spielt, ändert sich das auch nicht. Ich freue mich auf die Derbys gegen Visp und Martinach, das füllt die Eishallen und alle drei Vereine können somit profitieren.
Können Sie sich auch einen HC Wallis vorstellen?
Ich träume davon (lacht). Das ist jedoch nur ein Traum. Es ist schlicht nicht realisierbar, im Wallis 15 bis 16 Millionen fürs Eishockey zu generieren. Dafür ist der FC Sitten zu gross und zu populär. Ein Sponsor des FC Sitten kann sich ausserkantonal jede Woche im Fernsehen präsentieren, da können wir nicht mithalten.
Stichwort mithalten: Wie die Eishallen in Visp und Martinach auch, kann die Grabenhalle nicht mehr lange mit den Anforderungen der Nationalliga mithalten. Es werden Stadionprojekte und neue Eishallen gefordert. Wie geht es mit der Grabenhalle weiter?
Diese Frage müsste der Gemeinde Siders gestellt werden. Der HC Siders ist bereit, bei einer Sanierung oder gar einem Neubau in Siders mitzuhelfen, doch wir wollen der Gemeinde nicht das Messer an den Hals setzen. Unsere Politiker sind diesbezüglich gefordert. Wir warten auf eine Einladung der Gemeinde. Der HC Siders hat kein Geld, um alleine eine neue Arena zu realisieren.
Visp ist dem HC Siders diesbezüglich einen Schritt voraus. Ein neues Stadion soll gebaut werden. Sind Sie neidisch?
Nein. Der EHC Visp benötigte auch seine Zeit, um dorthin zu gelangen, wo er jetzt steht. Wir stehen noch vor diesem Schritt.
Sie arbeiten auf die neue Saison hin mit einem Budget von zwei Millionen Franken. Wie begeistern Sie die Geldgeber für den HC Siders?
Das ist tatsächlich nicht einfach. Wir haben gegenüber der vergangenen Saison 40 bis 50 Prozent Sponsoren verloren. Wir stehen vor einem kompletten Neuanfang. Erst Mitte Juli hatten wir die Gewissheit, dass wir die nächste Saison bestreiten können und versuchen seither, Geldgeber zu mobilisieren. Das haben andere Vereine auch schon erlebt, aber das ist natürlich nicht einfach. Zudem hat die letzte Saison dem Image des HC Siders geschadet.
Sie sind bekannt für Ihren Erfolgshunger. Wo finden Sie die Zuversicht, dass Siders an alte erfolgreiche Zeiten anknüpfen kann?
Ich glaube an unser Know-how. Bei einer zwei- bis dreijährigen Erfahrung kann unsere Organisation das Optimum aus dem Verein herausholen. In fünf Jahren kann Siders wieder eine Top-Adresse im NLB-Eishockey sein. Aber nur, wenn wir ganz gut arbeiten. Priorität hat die Firma HC Siders mit einem geregelten Budget. Dem widmen wir unsere ganze Aufmerksamkeit.
Am 14. September startet der HC Siders beim Spiel gegen den NLB-Meister SC Langenthal in die neue Saison. Spüren Sie Vorfreude?
Wir haben noch viele Baustellen zu bewältigen, ich kann mich noch nicht mit dem Saisonstart beschäftigen. Ich freue mich jedoch, wenns wieder losgeht und insbesondere freue ich mich darauf, wenn unsere Mannschaft erstmals siegen wird.