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Nur eine Woche nach dem Abgang von Philippe Bruggisser als Konzernchef nimmt auch Paul Reutlinger als Präsident und CEO der französischen SAir-Töchter AOM, Air Liberté und Air Littoral den Hut.
Die Gewerkschaften drücken ihre Beunruhigung aus und appellieren an die Verantwortung des Schweizer Mutterhauses.
In einer knappen Medienmitteilung hatte die SAir Group am Samstagabend den Rücktritt Reutlingers auf Ende Februar bekannt gegeben. Die SAir Group habe den Rücktritt "mit Bedauern" zur Kenntnis, heisst es darin.
Völlige Umkrempelung
Die Demission des 57-jährigen Thurgauers Paul Reutlinger erfolgt nur sechs Monate nach seinem Amtsantritt in Paris, wo er die von der SAir kontrollierten Fluggesellschaften AOM, Air Littoral und Air Liberté fusionieren sollte.
Sein Rücktritt dürfte in einem direkten Zusammenhang mit der Demission der bisherigen Nummer Eins der Gruppe, Philippe Bruggisser, stehen. Der Abschied Bruggissers hat eine völlige Umkrempelung der bisherigen Konzernstrategie der SAir-Gruppe ausgelöst.
Sämtliche Ausland-Beteiligungen, die nach Schätzungen von Experten die SAir-Gruppe bisher 5 Mrd. Franken gekostet haben sollen, werden unter die Lupe genommen. Diese Prüfung hat bereits zum Rückzug der SAir aus dem Privatisierungsprozess der portugiesischen TAP und der Turkish Airlines geführt.
Zu den Gründen für den Rücktritt Reutlingers als Präsident und CEO der drei französischen SAir-Töchter war am Wochenende nichts Konkretes in Erfahrung zu bringen. "Nach 40 Jahren bei der Swissair-Gruppe hat er vielleicht die völlige Neuausrichtung der Gruppe nicht miterleben wollen", sagte SAir-Sprecher Jean-Claude Donzel.
Nach Auffassung von Gilles Nicoli, Sprecher der Gewerkschaft CFDT und Sekretär der Betriebskommission der Air Liberté, könnten Reutlinger auch die jüngsten Kritiken an seiner Führung der Sabena von 1996 bis 2000 in den falschen Hals geraten sein. Wie dem auch sei, die Gewerkschaften machen sich nach dem Rücktritt Reutlingers grosse Sorgen.
"Nötigenfalls kommen wir nach Zürich"
"Die SAirGroup darf uns nicht einfach fallen lassen. Im Gegensatz zur TAP und den Turkish Airlines haben wir nicht den Staat im Rücken. Die Schweizer sind Verpflichtungen eingegangen, die sie nun einhalten müssen", sagte Nicoli am Sonntag (04.02.).
"Wir werden einem Rückzug der SAir Group aus Frankreich nicht tatenlos zusehen. Wenn sie das versuchen sollte, werden wir nach Zürich kommen, um uns Gehör zu verschaffen", kündigte Nicoli an. AOM, Air Littoral und Air Liberté beschäftigen zusammen insgesamt 7'000 Personen.
Hohe Verluste
Die drei Gesellschaften haben im ersten Halbjahr 2000 einen Verlust von rund 100 Mio. Franken eingeflogen. Dies entspricht ungefähr einem Fünftel des kumulierten Umsatzes der drei Gesellschaften. Für das Gesamtjahr gehen Branchenexperten von einem Verlust in Höhe von etwa 400 Mio. Franken aus.
Zusammen mit den Gewerkschaften hatte Reutlinger im vergangenen Dezember einen Fusionsplan ausgearbeitet, den er bis Ende des laufenden Jahres umsetzen wollte. Nach den bisherigen Plänen soll daraus eine einzige Gesellschaft mit einem Anteil von etwa 30 Prozent am französischen Markt entstehen.
Ob es dabei bleiben wird oder die Pläne der Neuausrichtung zum Opfer fallen werden, steht noch nicht fest. "Der Fall Frankreich ist noch nicht spruchreif", sagte Donzel dazu. Die Gewerkschaften ihrerseits erwarten von der SAir-Führung, bereits am Montag klaren Wein eingeschenkt zu bekommen.
swissinfo und Agenturen