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Wenn das Wetter schön ist, muss die Musik warten. Die Sommerbeiz im Treibhaus war gut besucht, der Konzertsaal hingegen menschenleer. Dies änderte sich erst gegen 22:30 Uhr mit dem Auftritt von Urban Junior. Ein hagerer Typ in rot/schwarzer Satansaufmachung und mit Schuhen weit über dem Verfallsdatum, nistet sich ein zwischen einem halben Schlagzeug, einem Synthesizer, einer Loop-Machine und einer Gitarre und beginnt sogleich mit seiner Höllenmusik. Im Hintergrund hängt eine Art Alphüttentischdecke mit Sternenmuster. Wieso auch immer. Zwischen den Zeilen erfährt man, dass Urban Junior seit längerem nicht mehr auf der Bühne stand, seine Musik immer total live ist und er seine Stücke nur ab und zu einübt. Das wichtigste Utensil für die Musikdarbietung von Urban Junior ist sein Megaphonmikrophon. Der Gesang, abwechselnd in Deutsch, Schweizerdeutsch und Englisch, verfällt zwar zu einem Nebenprodukt, fördert aber den Irrwitz der Electro-Clash-Trash-Punk-Performance. Man fühlt sich an eine komprimierte Version von Bonaparte erinnert, getarnt als Ein-Mann-Orchester. Urban Junior kombiniert scheinbar wahllos unterschiedliche Funktionen seiner Instrumente und leistet vollen Körpereinsatz: Hände, Arme, Füsse, Beine, Kopf und Mund sind allesamt gleichzeitig in Aktion und ergeben einen hyperaktiven Lärmpegel. Angefangen hat Urban Junior übrigens als Human Jukebox. Zuschauer konnten irgendwelche Songs wählen und Urban Junior hat sie spontan interpretiert. Das wäre im Treibhaus sicher auch lustig gewesen.
Bob Log III heisst der nächste Alleinunterhalter. Vermutlich direkt eingeflogen aus einer schäbigen Tankstellenbar in Ohio, hat der Typ im schwarzen Overall (mit Münzen bestickt?) und mit Motorradhelm nur eine Absicht heute Abend: Party-Songs. Jeder Song wird als Party-Song angekündigt und jeweils mit einer Supermangeste und einem amerikanischen Klischee-Yeah! abgerundet. Im Hintergrund ein gelbes Gummiboot. Wieso auch immer. Bob Log III verkörpert eine Art menschliche Kanonenkugel, die musikalisch in alle erdenklichen Himmelsrichtungen dröhnt. Der Blues hält die ganze One-Man-Show stets ein wenig zusammen, wird aber oft regelrecht zerfetzt durch Punk und Rock ’n‘ Roll. Wie bei Urban Junior verkommt der Gesang dank der alternativen Mikrophonwahl zu einer unverständlichen Wortmasse ohne Sinn und Zweck. Vielmehr spielen die rasanten Gitarren- und Banjoriffs die Hauptdarsteller in der Trash-Blues Darbietung. Der obligaten Aufforderung an das (weibliche) Publikum, sich während eines Songs auf sein Knie zu setzen, wurde von einer enthusiastischen jungen Dame und einem Herrn nachgegangen. Die Aktion endete jedoch mit einem Sturz von Bob Log III und der weiblichen Kniesitzerin. Ernsthafte Verletzungen gab es indes nicht. Hoffentlich. Die Musik erinnert mit einer gewissen Distanz an die Auftritte des altehrwürdigen Reverend Beat-Man. Bob Log III jedoch ist ein hervorragender Slide-Gitarrist und spielt gleichzeitig mit dem rechten Fuss Bass Drum und eine Mischung aus Tschinellen und weiteren Drums mit dem linken Fuss. Definitiv eine koordinative Meisterleistung wobei man sich fragt, was wäre wenn Bob Log III eines Tags Tentakeln wachsen würden... Einzig das Geheimnis der verzerrten Stimmen hat sich mir im Zusammenhang mit den One-Man-Bands (noch) nicht erschlossen.