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Der US-Konzern General Electric (GE) bekommt bei seinem Versuch, den französischen Industrieriesen Alstom zu übernehmen, Konkurrenz. Die Regierung in Paris sei an den deutschen Siemens-Konzern herangetreten und habe ihn um ein Gegenangebot für Alstoms Energiesparte gebeten, berichtete die Zeitung «Le Figaro» am Samstag.
Siemens hat offenbar Interesse: Wie die Nachrichtenagentur AFP in Berufung auf Branchenkreise berichtete, bereitet das Unternehmen ein Angebot vor.
Siemens teilte am Sonntag mit, der Konzern habe Alstom ein Schreiben übermittelt und «Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit bekundet». Genaueres war zunächst nicht zu erfahren. Die französische Regierung lehnte einen Kommentar ab.
In den vergangenen Tagen machten Gerüchte die Runde, GE wolle den französischen Konkurrenten Alstom kaufen. Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg meldete bereits Bedenken an. Die Regierung in Paris fürchte aus nationalen Gründen um den Verlust eines «grossen Entscheidungszentrums», sagte er am Freitag der Zeitung «Le Monde». Weiter erklärte er, die Regierung arbeite an "anderen Lösungen und Szenarien".
Gleichentags wurden die Alstom-Aktien an der Pariser Börse auf Anordnung der Börsenaufsicht vom Handel ausgesetzt.
GE-Chef Jeff Immelt wird gemäss Medienberichten am Sonntag zu einem Spitzentreffen in Paris erwartet. Er soll Alstom-Chef Patrick Kron sowie andere Konzernvertreter treffen und könnte möglicherweise auch mit Wirtschaftsminister Montebourg sowie Präsident François Hollande oder Ministerpräsident Manuel Valls zusammenkommen. Ebenfalls am Sonntag soll der Alstom-Verwaltungsrat über den möglichen Deal mit GE beraten.
Alstom war 2004 in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und vom Staat gerettet worden. Damals war in den Verhandlungen mit EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti bereits ein Verkauf der Energiesparte an Siemens erwogen worden. Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy sorgte jedoch dafür, dass der Deal nicht zustande kam.
Seit 2006 ist der französische Staat kein Aktionär mehr bei Alstom, doch der Konzern ist stark von staatlichen Aufträgen abhängig. Er stellt unter anderem die TGV-Hochgeschwindigkeitszüge für die Staatsbahn SNCF her und beliefert den Kraftwerksbetreiber EdF.
Alstom beschäftigt in der Schweiz über 6500 Personen. Die Schweiz ist für den französischen Konzern Alstom als Hauptsitz des Sektors Thermische Energie ein wichtiger Standort.
Der Geschäftsteil generiert nach Konzernangaben über 45 Prozent des Gesamtumsatzes. Hauptstandorte sind Baden, Birr, Oberentfelden und Neuhausen am Rheinfall. Unter anderem betreibt Alstom ein Forschungs- und Kompetenzzentrum in der Schweiz. (sda)