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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

69. Vortrag
4.
4. Vernehmet ein, wiewohl nicht ganz passendes [S. 860] und sehr verschiedenartiges Gleichnis, um doch einigermaßen Gott zu verstehen, aus dem, was in unserer nächsten Nähe Gott unterworfen ist. Siehe, ich bin in bezug auf meinen Geist, obwohl ich das bin, was auch ihr seid, wenn ich schweige, bei mir selbst; wenn ich aber zu euch rede, was ihr versteht, so gehe ich gewissermaßen zu euch aus, und doch verlasse ich mich selbst nicht, sondern ich gehe sowohl zu euch hin, als auch entferne ich mich nicht, wenn ich ausgehe. Sobald ich aber schweige, kehre ich gewissermaßen zu mir zurück; und ich bleibe gewissermaßen bei euch, wenn ihr behaltet, was ihr in der Rede gehört habt, die ich halte. Wenn dies schon das Bild vermag, das Gott gemacht hat, was vermag dann erst das von Gott nicht gemachte, sondern von Gott geborene Bild Gottes, das selbst Gott ist, dessen Leib, in welchem er zu uns ausgegangen ist, und in welchem er von uns zurückgekehrt ist, nicht wie mein tönendes Wort verging, sondern dort bleibt, wo er nicht mehr stirbt und der Tod keine Gewalt mehr über ihn hat?1 Noch vieles konnte und sollte über diese evangelischen Worte vielleicht gesagt werden, allein eure Herzen dürfen nicht mit geistigen, wenn auch süßen Speisen überladen werden, zumal da der Geist willig, das Fleisch aber schwach ist2.
1: Röm. 6, 9.
2: Matth. 26, 41.