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Der Zustand von Seen und Flüssen in der Schweiz ist nach einer Periode ständiger Verbesserung stabil. Heute gibt es eine neue Herausforderung für sie: die Mikroverunreinigungen.
Den Schweizer Gewässern steht jetzt eine Kur auf der Basis von Ozon bevor. Dadurch soll sich die Wasserqualität noch erhöhen.
Die Urbanisierung der letzten Jahrzehnte in der Schweiz hat zu verschiedenen negativen Folgen für das Gewässersystem geführt.
In den 60er-Jahren wurde die Situation kritisch. Dann erwachte das Umweltbewusstsein, und verschiedene Massnahmen führten in den letzten zehn Jahren, vor allem in den 90er-Jahren, zu merklichen Verbesserungen der Gewässerqualität in der Schweiz. Jetzt hat sich die Lage auf gutem Niveau stabilisiert.
Entscheidend dazu beigetragen haben die grossen Investitionen im Bereich der Abwasserreinigung. Doch gibt es keinen Grund, auf den Lorbeeren auszuruhen: Die Herausforderungen, die am Horizont auftauchen, sind gross.
Gefährliche Mikroverunreinigungen
Im Bereich Gewässerschutz muss vor allem das Problem der Immissionen gelöst werden: durch Entfernung organischer Elemente, darunter zum Beispiel chemische Pflanzenschutzmittel, Stoffe in Konsumgütern wie Salben zur Körperpflege, Reinigungsmittel sowie Medikamente.
Diese Substanzen werden als Mikroverunreinigungen definiert. Das sind organische Spurenstoffe, die in sehr tiefen Konzentrationen – Milliardstel- bis Millionstel-Gramm pro Liter – in den Gewässern nachgewiesen werden. Zum Vergleich: Ein Milliardstel-Gramm pro Liter entspricht etwa der Konzentration des Wirkstoffs einer Kopfwehtablette in einem normalen Schwimmbecken mit 25 Metern Länge.
Einige dieser Stoffe können sich bereits in sehr tiefer Konzentration nachteilig auf die Gewässer und ihre Lebewesen auswirken und beispielsweise Geschlechts-Veränderungen bei Fischen hervorrufen.
Moderne und wirksame Massnahmen
Die derzeitigen Gewässer-Reinigungsanlagen sind konzipiert für die Eliminierung von Nitraten und Phosphaten, die ein schnelles Wachstum von Algen und Wasserpflanzen verursachen, die ihrerseits die Sauerstoffreserven im Wasser erschöpfen. Diese Anlagen können aber viele Mikroverunreinigungen nicht oder nur teilweise eliminieren.
Sauberes, klares, süsses Wasser: Um diesen Idealzustand zu erlangen, sind also moderne und wirksame Massnahmen nötig.
Eine Ozon-Kur
Unter diesem Aspekt ist in Regensdorf, Kanton Zürich, im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) ein Versuch gestartet worden, die herkömmlichen Abwasserreinigungs-Verfahren mit so genannter Ozonierung zu ergänzen. So sollen die problematischen Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser entfernt werden.
Als zusätzliche Stufe im Abwasserreinigungs-Verfahren werde die Ozonierung erprobt, sagt Alberto Bianchi, Leiter des Gewässerschutzamtes des Kantons Tessin, gegenüber swissinfo. Aus einem Sauerstofftank werde flüssiger Sauerstoff (O2) in einen Verdampfer geleitet und dann in einem Ozonerzeuger in Ozon (O3) umgewandelt. "Dieses wird dem Abwasser beigemischt und ermöglicht dadurch die Entfernung von Mikroverunreinigungen."
Das Übel an der Wurzel packen
Das Problem der Mikroverunreinigungen ist aber nicht nur technischer Natur. Es handelt sich dabei um weit verbreitete Substanzen, die oft auch verwendet werden, wenn es gar nicht nötig wäre. Ein Beispiel dafür sind Medikamente.
"Die wirkliche Herausforderung liegt in einem vernünftigeren Konsum von solchen Produkten", betont Bianchi. "Man sollte nur dann Medikamente nehmen, wenn es wirklich unabdingbar ist."
Es sei wie bei anderen Umweltproblemen: Neben wirksamen technischen Mitteln brauche es auch immer mehr verantwortungsvolles individuelles Handeln.
swissinfo, Andrea Clementi
(Übertragung aus dem Italienischen: Jean-Michel Berthoud)
Neue Strategie
Um das Einfliessen von Mikroverunreinigungen aus der Siedlungsentwässerung in die Gewässer zu verringern, hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) 2006 das nationale Projekt 'Strategie MicroPol' gestartet. Daran beteiligt sind Partner aus Administration, Forschung und Privatwirtschaft.
Das Projekt umfasst unter anderem gross angelegte technische Versuche in Kläranlagen. Dazu gehört auch der in Regensdorf gestartete Versuch mit dem Ozonierungs-Verfahren.
Ein weiterer Pilotversuch mit einer anderen möglichen Reinigungsstufe, der Aktivkohlebehandlung, ist bereits in Planung.