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Neuraltherapie
(Auszüge aus www.SANTH.ch) modifiziert durch Markus Güdel
Wie wirkt sie?
Neuraltherapie (NT) ist eine Behandlungsmethode welche die vernetzten Eigenschaften des vegetativen Nervensystems nutzt. Durch eine korrekte Einspritzung von Procain in kleinen Mengen an einer bestimmten Stelle am Nervensystem wird die Selbstregulierung (Autoregulation) stimuliert, so dass die Selbstheilung des Körpers einsetzen kann.
Eine Voraussetzung für die NT bilden Kenntnisse des Nervensystems und dessen Funktionsweise (Neuroanatomie und Neurophysiologie). Das Vegetative Nervensystem spielt dabei eine zentrale Rolle. Es endet in einem feinen Netzwerk im Grundsystem. Das Grundsystem ist ebenfallls ein feines Netzwerk, welches jede Zelle umschließt und im ganzen Körper vorhanden ist. Das vegetative Nervensystem leitet über das Grundsystem Informations-
Die individuell verschiedenen Reaktionen des Körpers auf die neuraltherapeutische Anwendung geben auch wichtige diagnostische Hinweise über den Gesamtorganismus: Der Körper reagiert gelegentlich mit einer Verschlechterung, oft jedoch mit Besserung oder Abheilung der aktuellen Beschwerden. Vereinzelt treten vorübergehende neue Beschwerden an einer anderen Körperstelle auf. Diese entsprechen typischerweise früheren Erkrankungen z.B. Nebenhöhlenentzündung oder Narben durch Verletzungen und Operationen, welche nicht vollständig ausgeheilt sind und in der NT Störfelder genannt werden.
Was ist ein Störfeld?
Ein Störfeld ist eine chronische Reizstelle im Körper, meist im Kopfbereich (Mandeln, Zähne, Kiefer, Nebenhöhlen) oder eine Narbe irgendwo an einer Körperstelle (nach Verletzung oder Operation), welche nicht direkt wahrgenommen wird, aber die Regulation -
Darstellung einer Knochenentzündung an der Zahnwurzel, welche nicht unbedingt Schmerzen verursacht
Bild: Darstellung einer Knochenentzündung an der Zahnwurzel, welche nicht unbedingt Schmerzen verursacht
Was ist Procain® ?
Procain ist ein Lokalanästheticum, ähnlich wie dies täglich beim Zahnarzt angewendet wird. Procain hat verschiedene Vorteile gegenüber den üblich angewendeten Lokalanästhetica: Es hat keine Zusatzstoffe, welche Nebenwirkungen auslösen können, es fördert die Durchblutung an der erkrankten Körperstelle und wird im Körper innert 20 Minuten abgebaut. Es kann auch im Falle einer Schwangerschaft und bei Kindern angewendet werden.
Wann wird Neuraltherapie eingesetzt?
Bei einer akuten Erkrankung ist der auslösende „Reiz“, z.B. eine Infektion oder eine Verletzung, also der Grund für die Krankheit, meist gut erkennbar und wird in der Schulmedizin korrektiv (z.B. durch eine Operation) oder symptomatisch (z.B. mit Antibiotika, Schmerzmitteln) behandelt.
Bei chronischen und insbesondere bei über Jahren anhaltenden Erkrankungen wie chronischen Kopfschmerzen, Gelenkerkrankungen, chronischen Nacken-
Die NT kann neben akuten bei ca. 80% aller chronischen Erkrankungen angewendet werden, nicht aber bei zerstörter Regulation (z.B. Tumoren) , zerstörter Struktur (wie bei Leberzirrhose) oder bei Mangelzuständen wie z.B. Eisen-
Die NT kann mit jedem schulmedizinischen Verfahren kombiniert werden. Sie stellt eine effektive und risikoarme und ganzheitliche Therapiemethode dar.
Wann darf Neuraltherapie nicht oder eingeschränkt angewendet werden?
Die Neuraltherapie darf nicht oder nur eingeschränkt bei Patienten mit blutverdünnenden Medikamenten angewendet werden.
Tut Neuraltherapie weh?
Bei der Neuraltherapie werden sehr feine und daher nicht so schmerzhafte Nadeln für die empfindliche Haut verwendet, so dass die Spritze meist gut vertragen wird.
Wo und wie oft wird Neuraltherapie angewendet?
Die Neuraltherapie wird in erster Linie an der Stelle angewendet, wo der Schmerz oder die Funktionsstörung auftritt. Narben auf der Haut können nach Verletzungen oder Operationen schmerzhaft, empfindlich oder „wetterfühlig“ sein. Hier ist nach 1-
Bei akuten und einfachen Störungen können individuell verschieden 1-
Auf welchen Grundlagen basiert Neuraltherapie?
1925 entdeckten die Ärzte Ferdinand und Walter Huneke aus Deutschland die Heilwirkung des intravenös gespritzten Betäubungsmittels Procain. Durch intensive Beobachtung und Weiterentwicklung der Methode legten sie den Grundstein der Neuraltherapie. Seither werden zunehmend wissenschaftliche Grundlagen zum besseren Verständnis erarbeitet (Regulationspathologie Rickers, Neuralpathologie Speranskis, Arbeiten der Wiener Gruppe Prof. Pischinger etc.).
Das System der Grundregulation
Die Grundsubstanz (= Matrix) besteht aus einem Netzwerk von hochpolymeren Zucker-
Grundsystem = Extrazellulärraum
Grundsystem
Der Stofftransport zwischen Kapillaren und Organzellen geht über das Grundsystem, welches als Molekularsieb wirkt und je nach Anordnung, Porengrösse und elektrischer Ladung Substanzen passieren lässt.
Das Grundsystem durchzieht den ganzen Extrazellulärraum. Es kann als der „peripherste“ Teil des autonomen Nervensystems angesehen werden. Jede Stelle des Organismus ist über das Grundsystem (und den Sympathikus) mit jeder anderen Stelle verbunden („ubiquitäre Synapse“). Es besteht in diesem System eine eigenständige Informationsleitung und -
Das Grundsystem kann als „unterste Stufe“ des autonomen Nervensystems betrachtet werden, da das autonome Nervensystem sich hier in der Peripherie netzförmig, endigungslos ausbreitet und nahtlos ins Grundsystem integriert wird. Nach Van der Zypen kann es „an allen Stellen des vegetativen Maschenwerkes blitzartig zur Übertragung eines Reizes kommen“. Auch dies ist zum Verstehen der neuraltherapeutischen Phänomene (insbesondere des sogenannten Sekundenphänomens nach Huneke) ein wichtiger Aspekt.
Nicht nur strukturell, sondern auch funktionell sind Nervensystem und Grundsystem (Immunsystem) miteinander vernetzt: So zeigt Tracey in einer neuen Arbeit im „Nature“, dass das autonome Nervensystem reflektorisch die Immunantwort steuert und dass eine Kommunikation zwischen Immun-
Ein normal funktionierendes Grundsystem reagiert auf verschiedene Reize (physikalische, chemische, infektiöse oder psychische Reize) ganzheitlich und unspezifisch. Erst die nachgeschalteten parenchymatösen Organe zeigen bei langdauernden Reizen spezifische Veränderungen. Deshalb ist bei vielen Erkrankungen ein unspezifischer Therapieansatz aus pathophysiologischer Sicht logisch, damit sich die Systeme wieder zur physiologischen Mitte orientieren können (Prinzip der Selbstorganisation).