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One life ends, another begins.
Hollywood ist ein Land, in dem eifrig Pflanzen gezüchtet werden. Manchmal gibt es neue Entdeckungen, aber meistens werden einfach vorhandene Gewächse gekreuzt. Wenn man nun «Dances with Wolves» und «The Matrix» mit ein paar Motiven aus den bisherigen Filmen von James Cameron anreichert, dann entsteht «Avatar», ein Drama über eine ferne Zivilisation, die durch Siedler bedroht wird, die in Körper der Eingeborenen eintauchen können. Das neue Geschöpf von James Cameron ist also nicht besonders einfallsreich, aber dennoch sehenswert.
Der gelähmte Marine Jake Sully (Sam Worthington, «Terminator Salvation») hat sich für einen Auftrag auf dem fernen Mond Pandora verpflichtet. Dort fördert ein Unternehmen das wertvolle Mineral Unobtanium, gerät dabei aber immer wieder in Konflikt mit der indigenen Bevölkerung. Die Na’vi haben eine ähnliche Gestalt wie die Menschen, sind aber beinahe doppelt so gross und haben einen Schwanz, blaue Haut und stärkere Knochen. Colonel Quaritch (Stephen Lang) erklärt seinen Soldaten, dass die Na’vi die Eindringlinge von der Erde gerne mit Giftpfeilen ermorden. Seine Aufgabe sei es, das Überleben der Soldaten zu sichern. Doch das werde ihm nicht gelingen.
Die direkte Vorgesetzte von Jake ist aber eigentlich Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver), die wissenschaftliche Leiterin des Projekts auf Pandora. Sie erforscht das Leben auf dem Mond und ist überzeugt, dass die Menschen und die Na’vi in Frieden leben können. Um die Beschaffenheit des Mondes zu erkunden, tauchen Dr. Augustine und ihre Helfer in Gedanken in Avatare ein, die die Gestalt der Na’vi haben. Doch die Expeditionen sind nicht ungefährlich. Gleich bei seinem ersten Ausflug wird Jake von einem seltsamen Monster gejagt und verirrt sich im Dschungel.
In der Nacht stürzen sich weitere Kreaturen auf Jake. In letzter Sekunde wird er von der Einheimischen Neytiri (Zoe Saldana, «Star Trek») gerettet. Sie verabscheut ihn, weil sie wegen ihm einige Geschöpfe von ihrem Mond getötet hat, obschon eigentlich alle Lebenwesen im Einklang miteinander existieren. Trotzdem bringt sie Jake zu ihrem Stamm und führt ihn in die Gewohnheiten und Künste der Na’vi ein. Gleichzeitig erstattet Jake, während sein Na’vi schläft, Bericht an Colonel Quaritch. Der Wohnbaum des Na’vi-Stamms steht nämlich genau auf dem mineralreichsten Boden des Mondes. Was folgt dürfte jeder Person klar sein, die schon einmal einen Western gesehen hat.
«Avatar» sieht zwar auf den ersten Blick wie ein Science-Fiction-Film aus, ist aber viel näher beim Genre Fantasy angesiedelt. Durch die Figuren der Na’vi, die bezüglich Sprache und Lebensweise ganz eindeutig als Indianer angelegt sind, darf der Film sogar als Western bezeichnet werden. Durch den Konflikt zwischen den im Einklang der Natur und ihren esoterischen Traditionen folgenden Eingeborenen und den weissen Eindringlingen vermittelt der Film auch eine ganz deutliche umweltschützerische Botschaft. Die Menschen beuten den fremden Mond nicht zuletzt deshalb aus, weil auf der Erde kein grüner Fleck mehr zu finden ist.
Wiederkehrende Motive in «Avatar» sind auch die Geburt, das Erwachen und die Einführung. Gleich zu Beginn erklärt die Stimme von Jack: «Sooner or later, though, you always have to wake up.» Die Verwendung der Avatare bedingt ein ständiges Einschlafen und Aufwachen zwischen den verschiedenen Realitäten. In seinem Avatar erlebt Jake sozusagen eine Geburt, weil er durch ihn wieder gehen kann. Doch die Metapher der Geburt kommt gegen Ende noch viel konkreter zum Einsatz. Die Na’vi ihrerseits können sich mit den Lebewesen auf ihrem Mond verbinden und kommunizieren. Zudem kennen sie zahlreiche Rituale der Einführung.
Alle diese Elemente deuten auf eine vielschichtige Handlung hin. Doch die Geschichte unterscheidet sich kaum von anderen Erzählungen über das Aufeinandertreffen von Zivilisationen und erinnert durch die Cameron-übliche Ballerei am Ende sogar ein wenig an «Starship Troopers». Bezüglich Struktur imitiert Drehbuchautor lediglich die durchschnittliche Abfolge von Szenen in ähnlichen Filmen, bis hin zum abschliessenden Kampf zwischen dem Anführer der Guten gegen den Bösewicht. Wer den wohl gewinnt? Die Zeichnung der Figuren ist ebenso oberflächlich, und ihre Taten und Reaktionen sind jederzeit vorhersehbar.
Technisch ist «Avatar» hingegen ein Wunderwerk. Ob das auch ohne 3D-Effekt ersichtlich ist, kann ich nicht beurteilen, obschon ich den Film angeblich zu weit weg von der Leinwand betrachtet habe. Die Ästhetik des Films ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, und an die 3D-Perspektiven haben sich meine Augen erst nach knapp zwei Stunden so richtig gewöhnt. Visuell beeindruckend sind in erster Linie aber sowieso die digitalen Fantasiewelten, die in verblüffender Perfektion in bunte Vegetation und schwebende Berge entführen.
So innovativ James Cameron also in technischer Hinsicht ist, so mutlos ist er als Drehbuchautor. Wenn nicht die betörenden Bilderwelten von der eintönigen Handlung ablenken würden, wäre die Geschichte ziemlich einschläfernd, zumal Cameron zwischendurch viel zu selbstverliebt Zeitlupenaufnahmen einsetzt. Wenn ich schon erneut die Einfallslosigkeit des Films betone, darf auch noch James Horner («The Perfect Storm») erwähnt werden. Seine Komposition mit den wirbelnden Fanfaren waren bei «Willow» noch reizvoll. Mehr als 20 Jahre später hätte er sich aber schon noch ein paar neue Klangfolgen ausdenken dürfen.
Fazit: «Avatar» ist ein visuell eindrucksvolles Erlebnis, das auf der Handlungsebene die im Film enthaltene Botschaft des schonenden Umgangs mit den Ressourcen umsetzt.
Bewertung:
(Bilder: ©2009 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved.)
4 Kommentare to “«Avatar» von James Cameron”
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