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Schmerzempfinden ist kulturell beeinflusst
Dass die Kultur einen Einfluss auf das Empfnden, die Erfahrung und den Ausdruck von Schmerz hat, konnte schon in früheren Studien gezeigt werden. Kulturübergreifende Untersuchungen bestätigen auch, dass die Beschreibung und die Wahrnehmung von Schmerz kulturspezifisch sind. Rasse, Ethnizität und Kultur stellen dabei in der Literatur überlappende Begriffe dar, die oft als Synonyme verwendet werden, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Kultur kann als eine Sammlung von Werten, Meinungen, Lebenserfahrungen, Verhalten und erlernten Mustern innerhalb einer bestimmten Gesellschaft bezeichnet werden. Die vorliegende Studie verwendete kulturelle Unterschiede als Synonym für ethnische Unterschiede zwischen Individuen aus drei Ländern, die in ihren Geburtsländern leben.
Interkulturelle Unterschiede bei der Schmerzempfindung finden sich sowohl bei schmerzfreien Personen als auch bei solchen mit chronischen Schmerzen. Ziel der vorliegenden Studie war es, den kulturellen Einfluss auf psychophysiologische Werte nach der Applikation von mechanischen und elektrischen Stimuli bei Patienten mit schmerzhaften temporomandibulären Dysfunktionen (TMD) und entsprechenden schmerz- freien Individuen zu vergleichen. In einer kontrollierten klinischen Fallstudie wurden 122 Patientinnen mit chronischen TMD-Schmerzen (39 aus Saudi-Arabien, 41 aus Schweden und 42 aus Italien) mit der entsprechenden Anzahl gleichaltriger Patientinnen ohne TMD-Schmerzen verglichen. Die Schmerzschwelle und die Schmerztoleranz auf eine einhändige Palpation der Kaumuskulatur wurden bewertet. Die elektrische Schmerzschwelle und die elektrische Schmerztoleranz wurden zwischen Daumen und Zeigefinger gemessen.
Die italienischen Patientinnen zeigten eine signifikant niedrigere Schmerzschwelle im Masseter als die beiden anderen Gruppen (p < 0,001) und im Temporalis als die Saudi-Araberinnen (p = 0,003). Bei den schwedischen Patientinnen wurde eine signifikant höhere Schmerzschwelle in der Daumenballenmuskulatur als bei den beiden anderen Gruppen gemessen (p = 0,017). Die italienischen Patientinnen äusserten eine signifikant niedrigere Schmerztoleranz in allen Muskeln als die Schwedinnen (p ? 0,006) und im Masseter als die Saudi-Araberinnen (p < 0,001). Bei den italienischen Patientinnen wurde eine signifikant niedrigere elektrische Schmerztoleranz als bei den beiden anderen Gruppen festgestellt (p = 0,01). Patientinnen mit TMD zeigten im Vergleich zu den TMD-freien Kontrollen eine niedrigere Schmerzschwelle und eine niedrigere Schmerztoleranz in allen drei Muskelgruppen (p < 0,001).
Schlussfolgerungen: Die vorliegende Studie ergab kulturell bedingte Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen bezüglich der Werte für die Schmerzschwelle, die Schmerztoleranz und die elektrische Schmerztoleranz. Dabei zeigten die italienischen Patientinnen die höchste Empfindlichkeit gegenüber mechanischer und elektrischer Stimulation, während dies bei den schwedischen Patientinnen am niedrigsten war. Die Schwellenwerte der mechanischen Stimulation lagen weiter auseinander als die der elektrischen. Kulturelle Faktoren scheinen einen Einfluss auf das Schmerzempfinden zu haben und sollten bei entsprechenden Untersuchungen berücksichtigt werden.
Al-Harthy M, Ohrbach R, Michelotti A, ListT.The effect of culture on pain sensitivity. J Oral Rehabil 2016;43:81-88.
Zylindrische Interdentalbürsten sind effektiver als konische
Eine effektive, täglich durchgeführte persönliche Mundpflege scheint nicht ganz so einfach zu sein, wie man meinen könnte. Die Reinigung nur mit der Zahnbürste genügt nicht, um Entzündungen des Zahnfleisches zu verhindern. Bei einer Studie mit 10.000 Teilnehmern liess sich der initiale Plaquewert durch den Einsatz einer Handzahnbürste durchschnittlich nur um 42 % reduzieren. Auch die Anwendung von elektrischen Zahnbürsten zeigte in einer neueren Studie nur eine Reduktion der Plaque um 46 %. Aus diesen Gründen werden Hygienehilfsmittel wie Zahnseide, Zahnstocher oder Interdentalbürsten zur zusätzlichen Reinigung der Zahnzwischenräume empfohlen.
In einer randomisierten, kontrollierten klinischen Studie sollte die Wirksamkeit von konischen im Vergleich mit zylindrischen Interdentalbürsten bei Patienten im parodontalen Recall untersucht werden. Zu Beginn und nach 3 Monaten erfolgte eine Erhebung der Werte für Plaque, Sondierungsbluten und Taschentiefen. Die Interdentalbürsten (konisch oder zylindrisch) wurden den Patienten zufällig zugewiesen. Anschliessend erfolgte jeweils eine Instruktion zur korrekten Anwendung und zur Wahl der richtigen Grösse. Nur Zwischenräume mit genügend Platz für den Einsatz der Interdentalbürsten wurden ausgewählt und die entsprechenden Daten getrennt analysiert. Bewertet wurden die approximalen, vestibulären und lingualen Flächen.
51 Patienten nahmen an der Erst- und der Nachuntersuchung nach 3 Monaten teil. Insgesamt ergab sich kein Unterschied zwischen konischen und zylindrischen Interdentalbürsten. Allerdings zeigten die konischen Interdentalbürsten bei der Nachkontrolle signifikant höhere Plaque- und Blutungswerte in den lingualen Approximalbereichen. DieTaschentiefen waren in beiden Gruppen unverändert.
Schlussfolgerungen: In der vorliegenden Studie waren die konischen Interdentalbürsten bei der Entfernung der Plaque im lingualen Approximalbereich weniger effektiv als die zylindrischen. Im Rahmen der parodontalen Erhaltungstherapie sollten zylindrische Interdentalbürsten den konischen vorgezogen werden, um die gingivale Gesundheit um natürliche Zähne zu erhalten.
Larsen HC, Slot DE, van Zoelen C, Barendregt DS, van der Weijden GA. The effectiveness of conically shaped compared with cylindrically shaped interdental brushes – a randomized controlled clinical trial. Int J Dent Hyg 2016 Jan 11 [Epub ahead of print].