Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03523.jsonl.gz/1102

Das Risiko war ihm zu gross, damals. Roy Hodgson wurde vor 5 Jahren als Fulham-Trainer in einem Pokalspiel auf Ricki Lambert aufmerksam, traute dem Stürmer von Bristol City den Sprung in die Premier League aber nicht zu, und verzichtete darum auf eine Verpflichtung.
Vergangene Woche traute sich Hodgson - und bot den mittlerweile 31-jährigen Lambert erstmals für die englische Nationalmannschaft auf. Das Risiko sollte sich bald ausbezahlen. Hodgson wechselte den Southampton-Stürmer nach 67 Minuten ein. Den Ball hatte Lambert noch nicht berührt, als er 166 Sekunden später vom heiligen Rasen des Wembley-Stadions hochstieg. Er setzte zum wuchtigen Kopfball an und erzielte den 3:2-Siegtreffer Englands gegen Schottland. Der Oldie hatte getroffen und fragte später: «Schöne Geschichte, oder? Schöner, als ich es mir jemals erträumt hätte.»
Mit Randen über die Runden
Einen Nebenjob auf einer Randen-Farm nahm Lambert an, um in den rauen Tiefen des englischen Profifussballs über die Runden zu kommen. 35 Franken verdiente er pro Tag. Darauf werde er in den nächsten Wochen wohl immer wieder angesprochen, ist sich Lambert bewusst. «Es zeigt, von wie weit ich herkam.» In der Jugend des FC Liverpools hatte er sich nicht durchsetzen können, seine Arbeitgeber hiessen Blackpool, Macclesfield, Stockport oder Bristol. Anders ausgedrückt: 3. Liga, 4. Liga, 3. Liga, 4. Liga. Mittlerweile war er 27 Jahre alt.
Mit den Heiligen nach oben
2009 - Nationalmannschafts-Kollege Rooney hatte zu diesem Zeitpunkt im Alter von 24 bereits die Champions League und 3 Mal die Meisterschaft gewonnen - wechselte Lambert zum FC Southampton. Seither personalisiert er den Höhenflug der «Saints». Innert zwei Jahren marschierten die Südengländer aus der 3. Liga durch in die Premier League. Lambert schoss in 87 Spielen 48 Tore. In der höchsten Spielklasse traf er in seiner 1. Saison 15 Mal - und damit öfters als Rooney.
Am Mittwochabend wurde Lambert für den englischen Superstar eingewechselt. Der Rest ist eben Geschichte. «Davon habe ich mein ganzes Leben lang geträumt. Diese Woche war ein einziger Wirbelwind. Ich versuchte, cool zu bleiben. Aber das Kind in mir wollte einfach laut rausschreien.» Kind? Jetzt wird diese schöne Geschichte fast kitschig.
Eine schlaflose Nacht hatte Lambert nämlich diese Woche, unmittelbar vor dem Bekanntwerden seines ersten Nationalmannschaft-Aufgebots. Er war im Spital - wo seine Frau das dritte Kind zur Welt brachte. Die Tochter heisst Bella.