Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03358.jsonl.gz/67

Die beiden Burgen Mannenberg und Laubegg, welche 1349 von den Bernern zerstört wurden, sind lange, lange Jahre nach deren Untergang Schauplatz abergläubischer Schatzgräberei gewesen. Von den vielen Versuchen, in deren Ruinen mit beschworenen Geistern Schätze zu heben, entnehmen wir der Chronik folgende Sage:
Frage: „Wie heissest du?“
Antwort aus der Tiefe des Turmes: „Hannes von Schlenggwyl.“
Frage: „Hast du Geld unter deiner Verwahrung?“
Antwort: „Ja! Aber nicht für dich, es gehört jemand anders zu!“
Frage: „Wem gehört denn das Geld?“
Antwort: „Dem Hause Österreich. Nun frag` mich nicht weiter!“
Frage: „Was für ein Unterpfand ist eingesetzt worden?“
Antwort: „Frage mich nicht mehr, ich habe dir alles gesagt, was ich dir sagen will.
Nun lass mich Ruh.“
Der Beschwörer aber wollte es nicht aufgeben, den Geist zu beschwören und fing aufs neue an, ihn zu befragen, erhielt aber keine Antwort mehr. Dagegen drang aus der Tiefe ein schrecklicher Ton und ein unheimliches Gepolter kam herauf. Der Geisterbeschwörer wurde auf der Mitternachtsseite der Burg über die Felsen hinunter geschleudert, so, dass sein weisser Kittel als ein langer Streifen in der Luft erschien. Streun lief voller Schrecken nach Hause, vom Beschwörer aber war nie mehr etwas zu sehen.
Zum Laubeggschloss gehörte auch eine Kapelle. Der Platz , wo sie stand, heisst noch heutigen Tags der Kapelliboden. Von der steilen Strasse, die über den Laubeggstalden führte, ist die Abzweigung, die von der Kapelle nach dem Schlosse führte, noch heute in Spuren sichtbar. Später, als in Zweisimmen eine Kirche stand, wurde diese Kapelle abgetragen. Die Arbeiter, die diese Abtragung zu besorgen hatten, fanden den felsigen Boden, auf dem sie gestanden hatte, schön abgeglättet. Als sie fertig waren, bemerkten sie ein kleines Männchen, das einen schweren irdenen Krug wegtrug und einen solchen Gestank zurück lies, dass sie sich entfernen mussten.
Katharina Berchten von Lenk war eine sehr schöne Dirne und besass ein beträchtliches Vermögen, wozu auch die Langerseiten und andere Güter gehörten. Sie ward der Hexerei beschuldigt. Man sagte von ihr, sie könne das Wetter machen, Menschen und Vieh mit unheilbaren Krankheiten behexen und aus Haaren Hagel machen, in dessen Steinen man Haare gefunden habe, die den ihren glichen und dergleichen Untaten mehr, so dass das Volk noch nach langen, langen Jahren mit Schrecken davon erzählte. Sie soll angeklagt, verurteilt und in Thüll zu Zweisimmen auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sein.
Da es in damaliger Zeit Gesetz war, dass der Fiskus sich des Vermögens der Hingerichteten bemächtigte, so glaubten viele aus dem Volke an die Unschuld der Tryna Berchten und liessen durchblicken, dass ihr Reichtum eine Hauptursache ihrer Verbrennung möchte gewesen sein. Kein Wunder, dass ihr Rachegeist am Langer spuken musste, wovon ein vor mehr als hundert Jahren verstorbener Mann folgendes erzählt haben soll:
„Ich war unter der Präfektur des Kastlan Zehnder einer seiner Knechte. Herr Zehnder war Landwirt und benutzte die Schlossgüter selber und so auch die Langerseiten, die seit dem Tode der Tryna Berchten Schlossdomänen geworden waren. Ich war in der heiligen Nacht mit andern jungen Leuten, die wie ich dort gearbeitet hatten, zur Ruhe gegangen. Um Mitternacht sprangen alle Türen des Gemachs mit grossem Geräusch angelweit auf. Wir wurden aus den Betten hinaus in den tiefen Schnee geschleudert, aus dem wir mühsam wieder herauskrochen und in die warme Stube eilten. Der übrige Teil der Nacht verstrich ruhig, wie auch der übrige Teil unseres Aufenthalts daselbst." Lange Jahre soll die Katharina Berchten auf ihren ehemaligen Besitzungen gespukt haben. Als das Spuken aufhörte, sagten die Leute, Tryna sei nun zur Ruhe gekommen.
Login I CMS Joomla Webdesign by Webhand