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Von der Schlacht zur Predigt
Goldvorkommen und fruchtbare Böden des Umlands waren schuld an dem Jahrhunderte währenden Gezerre zwischen thrakischen Ureinwohnern und griechischen Kolonisten. Diese obsiegten zuletzt, übernahmen sich aber und mussten den Makedonenkönig Philipp II., den Vater Alexanders des Grossen, zu Hilfe rufen. Der König war nur zu willig: Er nahm das Gold und benannte die griechische Goldgräbersiedlung nach sich in Philippoi um.
Makedonien wurde 148 v. Chr, eine römische Provinz. Die Stadt der Philipper florierte dank ihrer Lage an der Via Egnatia, einer wichtigen Verkehrsader des Römerreichs, der Verbindung zwischen Adriaküste und Bosporus. Die Landstrasse (unser Bild), die heute durch das Ruinengelände von Philippi läuft, Theaterdistrikt und Forum trennend, hält sich an die Trasse der Via Egnatia. Die Ermordung Caesars im März 44 v. Chr. hatte das römische Reich in einen Bürgerkrieg gestürzt, der Philippi im November 42 eine Monsterschlacht bescherte. Nach Schätzung von Experten gab es im Altertum keine gewaltigere. Die Caesarmörder Brutus und Cassius massierten in der Ebene von Philippi 19 Legionen und 20‘000 Reiter. Ihnen standen mit 24 Legionen die Rächer Antonius und Octavian gegenüber. In einer ersten Schlacht siegte Antonius; Cassius nahm sich das Leben. In einem zweiten Treffen unterlag auch Brutus und bezahlte ebenfalls mit seinem Leben. Antonius und später auch Octavian hatten mit Philippi Grosses im Sinn. Sie siedelten Veteranen an und benannten die Stadt im Gleichschritt mit deren administrativer Aufwertung mehrmals um.
Der Apostel Paulus kam auf seiner zweiten Missionsreise im Jahr 49 nach Colonia Iulia Augusta Philippensis. Es ist unklar, ob der Schlachtenlärm noch nach hundert Jahren nachhallte. Aber die Friedensbotschaft des Apostels, der in Philippi predigte, fiel offenbar auf fruchtbaren Boden, Philippi wurde zur ersten christlichen Gemeinde auf europäischem Boden. Der Apostel besuchte Philippi auf seiner 3. Missionsreise noch einmal. Die Philipper lagen ihm offenbar besonders am Herzen. Kenner empfinden auch den Brief an die Philipper, den Paulus in römischer Gefangenschaft schrieb, als ausnehmend herzlich. Die chritliche Blütezeit bereicherte die Stadt mit zahlreichen Kirchen, Kapellen und Klöstern, die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum des jungen Christentums. Der Ehrgeiz der Stadtbaumeister lief freilich gelegentlich ihrem Können davon. Die Kuppel eines Baus, der mit der Hagia Sophia in Byzanz rivalisieren sollte, stürzte schon vor der Vollendung ein und blieb Ruine.
Die Unesco holte 2016 lange Versäumtes nach, als sie der Stadt der Philipper Würde und Ehre einer Welterbestätte zuerkannte. Die Redensart „bei Philippi sehen wir uns wieder“ hat von jetzt an für Griechenland-Reisende einen neuen, aufmunternden Klang. – Jahr des Flugbilds: 1997. (Copyright Georg Gerster/Keystone)
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