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Philippe Wandeler, Grossrat und Befürworter der «Verkehrshalbierungsinitiative»
Grundsätzlich ist die Verkehrshalbierungsinitiative eine Initiative mit idealistischen Zielen. Heutzutage haben wir eine Riesenmobilität, welche zwar Vorteile hat, daneben aber auch relativ grosse Belastungen verursacht. Die Idee der Initiative ist es nicht, die Mobilität einzuschränken, sondern die Verteilung zwischen privatem und öffentlichem Verkehr anders zu organisieren. Der Strassenverkehr produziert Lärm und Abgase und stellt eine Gefahr für die Fussgänger und Radfahrer dar. Ältere Leute haben oft Angst, über den Fussgängerstreifen zu gehen. Viele von ihnen bleiben lieber zu Hause, als sich dieser belastenden Verkehrssituation auszusetzen. Diese Personen schliessen sich so vom öffentlichen Leben aus. Mit weniger Strassenverkehr erreichen wir eine bessere Lebensqualität.
Ich denke, dass die Sorge bezüglich der Arbeitsplätze berechtigt ist. Allerdings hat sich der Strassenverkehr seit 1970 verdoppelt, die Zahl der Arbeitsplätze hat sich in diesem Bereich seither jedoch etwa halbiert. Die Tankstellen beispielsweise sind schon fast alle automatisiert. Die Idee der Initiative wäre es, auch Arbeitsplätze zu schaffen, zum Beispiel im öffentlichen Verkehr oder bei der Entwicklung neuer Verkehrsmittel. Jeder in den öffentlichen Verkehr investierte Franken schafft doppelt so viele Arbeitsplätze wie im Strassenverkehr. Viele tausend neue Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, und die jetzigen würden sicher nicht alle aufgehoben. Einen Sommer- und Winterservice muss man mit seinem Auto ja machen, auch wenn man damit nur wenige Kilometer fährt. Zudem darf das Ziel nicht Arbeitsplatzerhaltung à tout prix lauten: Durch das Tragen von Sicherheitsgurten gibt es in Spitälern weniger Arbeitsplätze. Niemandem käme es jedoch in den Sinn, Sicherheitsgurten zu verbieten, damit es in den Spitälern mehr Arbeitsplätze gibt.
Es ist schwierig, hier pauschal zu antworten. Verkehrsfreie Skigebiete wie Zermatt oder Saas-Fee sind sehr attraktiv. Das Problem ist jedoch: Alle fahren mit dem Auto in den Schwarzsee oder nach Jaun, und kaum mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine stärkere Nachfrage könnte hier die Versorgung durch den öffentlichen Verkehr steigern. Der Tourismus sollte nicht unter der Verkehrshalbierung leiden. In den Städten hätte man auch im Sommer gesündere Ozonwerte, so dass die Leute weniger Atembeschwerden hätten. Weniger Schadstoffe in der Luft zu haben wäre sinnvoll, Tourismus mit sauberer Luft attraktiv.
Diesen Leuten soll nicht verboten werden, ihre Fahrzeuge zu gebrauchen. Die Idee ist nicht, die Leute in den Randregionen zu plagen. Man muss Anreize schaffen, beispielsweise dass wer wenig fährt, vom Staat Geld erhält. Technisch wäre dies vielleicht über die Steuern möglich. Ich will jedoch nicht jeden Verkehr verteufeln. Es ist sinnlos, das Auto zu nehmen, wenn man genauso gut den Bus nehmen könnte. Aber wer in einer Randregion wohnt, wo nur vier oder fünf Mal pro Tag ein Bus fährt, muss halt das Auto gebrauchen. Dem müsste man im Gesetz Rechnung tragen. Die Initiative will nicht die Randregionen penalisieren, sondern die Ballungszentren. Auch gemeinnützige Autos wie Ambulanzen oder Taxis würden von den Massnahmen nicht betroffen.
Die Initiative geht nicht ins Detail, sie schreibt keine Massnahmen vor. Durch ein Bonus-Malus-System etwa könnte man den Randregionen gerecht werden. Durch attraktive Preise könnte man zudem den öffentlichen Verkehr interessanter machen, so dass die Leute gerne umsteigen würden. Eine weitere Idee ist die Autoteilet. Im Pendelverkehr sitzt häufig eine Person alleine im Auto. Würden vier Personen zusammen fahren, wären Kolonnen und Wartezeit viermal kürzer.
Die Schweiz hat die Probleme aller industrialisierten Regionen. Mit neuen Modellen könnten wir Beispielhaftes schaffen. Die Idee ist, dass die Initiative wirtschaftsverträglich und europaverträglich ist. Die Ausarbeitung der Details muss diesen Aspekten gerecht werden.