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von Laura Schmid, MSc
Wer kennt den Zustand, wenn man konzentriert an einer Sache arbeiten sollte und dabei immer wieder mit den Gedanken abschweift? Zum Beispiel beim Verfassen einer Mail, während des Zuhörens einer Präsentation oder sogar während dem Autofahren? Auf einmal sind wir mit den Gedanken woanders, weit weg von der momentanen Tätigkeit und entkoppelt von den äusseren Reizen. Dieses Phänomen, wenn Gedanken "wandern", bezeichnet man im Englischen als mind wandering.
Studien haben gezeigt, dass mind wandering die momentane Leistung stark beeinträchtigen kann und in einigen Situationen - wie beim Autofahren - das Risiko von Unfällen steigert. Eine Strategie, das mind wandering zu vermindern, wäre ein Achtsamkeitstraining durchzuführen. Während eines Achtsamkeitstrainings wird versucht, die gesamte Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu lenken und auf die Weise wiederkehrende Gedanken und Sorgen zu reduzieren. Bisherige Studien haben gezeigt, dass ein Achtsamkeitstraining die Häufigkeit von mind wandering verringert und dessen schädigende Wirkung auf die momentane Leistung reduziert.
Xu und Kollegen (2017) der Universität Waterloo in Kanada sind der Frage nachgegangen, inwiefern die Effektivität eines Achtsamkeitstrainings in einer Gruppe von höchstängstlichen Individuen belegt werden kann. Im Rahmen eines Experimentes haben sie untersucht, inwiefern sich ein zehn-minütiges Achtsamkeitstraining auf die Häufigkeit von mind wandering auswirkt und die Leistung in einer Aufmerksamkeitsaufgabe beeinflusst. Um zusätzlich die zugrundeliegenden Mechanismen von mind wandering aufzudecken, haben die Forschenden untersucht, inwiefern ein kurzes Achtsamkeitstraining die Motivation der Teilnehmenden beeinflusst und auf die Weise das mind wandering reduziert.
Für diese Studie wurden Teilnehmende ausgewählt, welche hohe Werte in einem klinischen Test für Ängstlichkeit aufwiesen. Während die Experimentalgruppe zwischen zweier Aufmerksamkeitsaufgaben ein zehn-minütiges Achtsamkeitstraining absolvierte, hörte die Kontrollgruppe für zehn Minuten einem Audiobuch zu. Um zu untersuchen, an was die Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt denken, wurden sie während der Aufmerksamkeitsaufgabe mehrmals unterbrochen und mussten berichten, an was sie momentan dachten. Dabei wurde zwischen aufgabenbezogene Gedanken, reizbezogene Gedanken (z.B. Gedanken über den Computerraum) oder mind wandering (d.h., Gedanken, die weder mit der Aufgabe noch mit den äusseren Reizen zusammenhängen) unterschieden.
Die Untersuchung ergab, dass das kurze Achtsamkeitstraining mind wandering über die Zeit hinweg reduzierte. Ausserdem verminderte es eine Leistungsverschlechterung während reizbezogener Gedanken, jedoch nicht während dem mind wandering selbst. Die Annahme, dass Achtsamkeitsübungen das mind wandering reduzieren, indem der motivationale Zustand des Individuums beeinflusst wird, wurde nicht bestätigt.
In Hinblick auf andere Studien ist der positive Einfluss des Achtsamkeitstrainings bei höchstängstlichen Personen etwas geringer als bei der Allgemeinbevölkerung. Dies könnte jedoch auch daran liegen, dass es sich hier um eine sehr kurze Intervention von zehn Minuten handelt und die Individuen etwas mehr Übung brauchen, um vom Achtsamkeitstraining vollumfänglich zu profitieren. Nichtsdestotrotz kann schon ein zehn-minütiges bewusstes Fokussieren auf das Hier und Jetzt das mind wandering in höchstängstlichen Personen vorbeugen und ein fokussiertes Arbeiten fördern.
Eine ganz einfache Übung, die Sie gerade selber probieren können wäre, dass Sie sich für eine Minute ganz bewusst auf Ihren Atem fokussieren und dabei das Ein- und Ausatmen ganz bewusst wahrnehmen. Wenn Sie Lust haben, finden Sie auf der folgenden Webseite zahlreiche Achtsamkeitsübungen, die Sie bei Gelegenheit ausprobieren können (https://www.powerful-me.de/achtsamkeit/achtsamkeitsuebungen).
Literatur
Xu, M., Purdon, C., Seli, P., & Smilek, D. (2017). Mindfulness and mind wandering: The protective effects of brief meditation in anxious individuals. Consciousness and Cognition, 51, 157-165.
https://doi.org/10.1016/j.concog.2017.03.009
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