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Persepolis war 518 v. Chr. von Darius dem Grossen als Residenz mit eher zeremoniellem Charakter gegründet worden. Hier sollten grosse Feierlichkeiten wie Götterfeste und das Neujahrsfest begangen werden. Die Anlage wurde auf einer 400 x 300 m grossen Terrasse errichtet, die fast gänzlich künstlich aufgeschüttet ist, und besteht aus mehreren Palästen. Beim Tode des Darius war lediglich das Apadana fertig gestellt gewesen. Insgesamt liessen noch vier auf Darius folgende Könige die Anlage ausbauen und neue Paläste hinzufügen, insgesamt betrug die Bauzeit 120 Jahre. Darius der Grosse stammte zwar nicht in direkter Linie von den achämenidischen Königen Kyros und Kambyses ab, aber er legitimierte sich als wahrer Herrscher durch die Tatsache, dass er den Anführer der korrupten Priesterkaste der Magier, Gaumata, der während der Abwesenheit des Kambyses die Macht an sich gerissen hatte, beseitigen liess. Nach dem Tode des Kambyses heiratete Darius die Tochter des Kyros und konnte den persischen Thron besteigen. Persien erreichte unter seiner Herrschaft eine nie gekannte Blütezeit, und auf dem Höhepunkt seiner Macht gründete Darius Persepolis. 200 Jahre hatte die Stadt Bestand – 330 v. Chr. liess sie Alexander d. Gr. von seinen Truppen in Brand stecken.
Der Weg zum Eingang des Palastareals führt durch ein Wäldchen über eine Allee, die Reza Pahlavi anlässlich der 2500-Jahr-Feier des persischen Staates als Prachtstrasse hatte anlegen lassen. 1971 hatte der Schah hier am geschichtsträchtigen Ort ein glanzvolles Fest zur Feier des 2500jährigen Bestehens des persischen Staatsgefüges ausrichten lassen. Die Iraner, die indogermanischer und nicht arabischer Abstammung sind, führen ihre nationale Identität immer noch auf die Achämeniden zurück – die Bezeichnung stammt von der griechischen Namensform eines Stammesführers der Perser mit Namen Achämenes.
Der Zugang zum Palastareal beginnt an dessen Nordseite über eine Treppe, die noch aus der Zeit des Xerxes, Sohn und Nachfolger des Darius, stammt. Man betritt das Areal beim „Tor aller Länder“, einem monumentalen Steinbau, der mit gigantischen Skulpturen dekoriert ist: apotropäische Mischwesen, so genannte Lamassu, Stierkörper mit Flügeln und Menschenköpfen – eine assyrische „Erfindung“ – flankieren die Türlaibungen. Typisch für diese Figuren sind die Löckchen am Bauchfell der Skulpturen. Ganz in der Nähe des Tores steht das einzige Greifenkapitell, das in Persepolis gefunden wurde – immer noch das Original. Sein Bild schmückt die Flugtickets der Iran Air. Es ist verwunderlich, dass sich dieses kostbare Stück immer noch an seinem Fundort befindet und nicht schon längst in einem Museum untergebracht wurde. Das ganze Areal wird streng überwacht: sobald ein müder Besucher sich auf einem Palastmäuerchen niederlassen will oder mit einer Säule zu engen Kontakt aufnimmt, ertönt aus einem Lautsprecher eine Stimme mit der Aufforderung, dies zu unterlassen!
An einem Hang oberhalb der Palastanlage sind die Gräber von Artaxerxes II. und Artaxerxes III. in das Felsmassiv des Kuh-e Ramat hineingeschlagen. Die Fassaden der Gräber sind kreuzförmig angelegt und in mehreren Registern mit Reliefs verziert. Das Grab des Ataxerxes III. wurde nie fertig gestellt, und das Grab des Ataxerxes II. wurde schon zur Zeit der griechischen Eroberungen ausgeraubt. Von hier oben hat man den schönsten Blick über Persepolis. Auf dem Weg zurück über die Südseite des Bezirks kommt man an einer Reihe von noch nicht ausgegrabenen Palästen vorbei – sanfte Grashügel. An der Südmauer seines Wohnpalastes hatte Xerxes eine Inschrift dreisprachig – elamisch, altpersisch und babylonisch – anbringen lassen, in welcher er beschreibt, dass er den Palast mit Hilfe des Ahura Mazda hatte erbauen lassen. Die Mauer ist von merkwürdigen Zinnen bekrönt, die am Boden gefunden worden waren, die aber bisher weder datiert noch stilistisch zugeordnet werden konnten.
Der Empfangspalast der achämenidischen Könige, das Apadana, ist das zentrale Gebäude der gesamten Anlage. Zwar hatte Darius den Palast erbauen lassen, aber erst unter seinem Sohn Xerxes war er vollendet worden. Berühmt ist dieser Teil der Palastanlage aufgrund der Reliefs an den Seitenwänden der gegenläufig angelegten Treppen hinauf zur Terrasse des Apadana. Auf diesen Wänden sind die Armee des Darius, die so genannte „Unsterbliche Garde“, und die „Delegationen der Völkerschaften“ dargestellt. In drei Registern sind unglaublich differenziert Angehörige von insgesamt 28 Völkern des achämenidischen Reiches dargestellt. Immer angeführt von einem Würdenträger bringen Meder, Elamer, Armenier, Ägypter etc. ihre Gaben: Schmuck, Waffen, Pferde, Wagen. Den Abschluss einer jeden Gruppe bildet immer ein Baum. Anhand der Trachten lässt sich die Zugehörigkeit zur jeweiligen Volksgruppe identifizieren.
Vom Apadana aus führt einWeg weiter in den Verwaltungsbezirk der Palastareals – in den Hundertsäulensaal und in das Schatzhaus. Dort waren bei Ausgrabungen zwei Platten mit dem bedeutendsten und schönsten Relief der Achämenidenzeit gefunden worden, das so genannte Schatzhausrelief: Darius sitzt unter einem Baldachin auf dem Thron, hinter ihm steht sein Sohn Xerxes und vor ihm steht der Hofmarschall Farnaka, der als Zeichen der Verehrung seine Hand an seinen Mund hält. Umgeben ist der König von Würdenträgern. Die beiden spiegelbildlich gearbeiteten Platten waren ursprünglich im Apadana am Treppenaufgang angebracht gewesen. Eine der Platten hatte man nun hier am Fundort aufgestellt, die andere befindet sich im Nationalmuseum in Teheran.
Einen weiteren Komplex bilden die Wohnpaläste des Darius und des Xerxes. Auch diese Bezirke betritt man durch steinerne Tore, deren Wände mit Reliefs geschmückt sind, die Gebäude sind mit zahlreichen Reliefs geschmückt sind. In den Türlaibungen seines Palastes wird Darius in Begleitung seiner Diener und im Kampf mit Fabelwesen dargestellt, Xerxes übernahm weitgehend für die Ausschmückung seines Palastes die Motive des Dekorationsprogramms seines Vaters.