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Ich habe Sadaf beim Besuch der Aufnahmeklasse Kappeli vor ein paar Monaten im JULL kennengelernt. Sie hatte ein Heft mit selbst geschriebenen Gedichten mitgebracht. Sadaf kommt aus Afghanistan und schreibt ihre Gedichte auf Dari, der Standardvarietät der persischen Sprache in Afghanistan.
In den kurzen zwei Stunden konnten wir nur ein paar Zeilen eines Gedichtes übersetzen. Die Zeit reichte aber noch für eine Performance im Tonstudio im Keller des JULL. Sadaf las ein Gedicht am Mikrofon und hob dabei förmlich ab. Ich verstand kein Wort, aber die Performance hat mich so überzeugt, dass ich in den kommenden Wochen einige Gedichte mit ihr übersetzen möchte.
Heute hatten wir unser erstes Treffen. Wir haben mit dem Gedicht „Schwarze Nacht“ begonnen. Sobald wir beide mit der Übersetzung zufrieden sind, werden wir es hier publizieren. Sadaf hat mir aber erlaubt, ein Foto von ihrem Heft zu machen.
Sadaf schreibt ihre Gedichte unter dem Namen Muska. Wir haben auch über ihren Schreibprozess gesprochen. Muska setzt sich nicht hin und wartet auf Inspiration. Ihre Gedichte schreibe sie meist in einem Guss. Dann, wenn sie sich melden. Muska sagt:
„Wenn kommt, ich schreibe.
Weiss nicht, ob kommt.
Aber wenn kommt, ich schreibe.“
137 - Ministipendium Nr. 6, Sadaf Murat. Schreibcoach: Jurczok 1001.