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Anders als klassische Zugänge zur deutsch-jüdischen Literaturgeschichte der Neuzeit und Moderne wählt das vorliegende Projekt den Zugang über die Struktur von Paradigmen.
Das Projekt geht von der These aus, dass die deutsch-jüdische Literatur, die sich seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts entwickelte, dies im Sinne eines komplexen Dialogs mit der Mehrheitskultur tat. Dieser Konstellation werden bisherige Darstellungen der deutsch-jüdischen Literaturgeschichte nicht gerecht, stellen sie doch entweder assimilatorische Aspekte oder gerade eine binäre Trennung zwischen "Jüdischen" und "Nichtjüdischem" in den Vordergrund und sind auch oft einem Kanonisierungsdiskurs verhaftet.
Demgegenüber strebt das vorliegende Projekt eine Annäherung an den Forschungsgegenstand an, der von einer Paradigmenstruktur ausgeht. Sechs Handbücher (je zwei pro Standort) sollen von Autoren- und Autorinnenkollektiven zu folgenden Paradigmen erstellt werden: 1. Tradition und Glauben, 2. Räume und Landschaften, 3. Sprachkulturen, 4. Geschichtsdenken, 5. Wissen und Lernen, 6. Wechselbeziehungen. Auf diese Weise lassen sich verborgene Zusammenhänge, Vergleiche und Querschnitte hinsichtlich thematischer und motivischer Aspekte des Forschungsgegenstandes herstellen. Gezielt sollen dabei auch weniger bekannte, nicht zuletzt auch publizistische, essayistische und feuilletonistische Texte, behandelt werden. Dabei soll im Sinne paradigmatischer Themensetzung bewusst auch die Schwelle zwischen Hoch- und Populärliteratur entfernt werden. Dieses Vorgehen wird es auch erlauben, die Verknüpfung zwischen literarischer und ausserliterarischer Welt als Aspekt der Literaturgeschichte stärker in den Blick zu nehmen und sich von der Fixierung aus der fiktionalisierenden Funktion herauszulösen.
Dabei wird deutsch-jüdische Literatur nicht zuletzt auch als eine erkennbar, die von geographischer und sozialer Mobilität in unterschiedlichen Epochen auf unterschiedliche Weise geprägt worden ist.