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Wer finanziert Forschung und Innovation? Mit der Beantwortung dieser Frage wird die Übersicht über die Ausgaben im Bereich Forschung und Innovation (siehe Kapitel 4) ergänzt. Es wird untersucht, woher die Mittel stammen, mit denen die F&E-Aktivitäten realisiert werden (Finanzierung der F&E nach Sektor). Ausserdem wird aufgezeigt, in welchem Umfang sich der Staat an der Unterstützung der F&E (staatliche F&E-Mittelzuweisungen) und die Investoren an der Unterstützung von Jungunternehmen beteiligen (Risikokapital).
5.1 Finanzierung der F&E nach Sektor
Der grösste Teil der F&E-Mittel stammt in allen betrachteten Ländern aus dem Privatsektor (Abbildung B 5.1). Wenn man berücksichtigt, dass in den meisten Industrieländern der weitaus grösste Teil der Aufwendungen für die Durchführung von F&E vom Privatsektor getätigt wird, ist dies nicht weiter erstaunlich (siehe Kapitel 4). In der Schweiz beträgt der Anteil des Privatsektors bei der Finanzierung 64%. Mit Werten über 75% führen Japan, China und Korea die Rangliste an.
In allen untersuchten Ländern ist der Anteil des Privatsektors an der F&E-Finanzierung niedriger als an der Durchführung der F&E. Je grösser diese Differenz ist, desto bedeutender ist die Rolle der staatlichen Unterstützung und / oder der ausländischen Investitionen für die F&E der Unternehmen. Mit 18 Prozentpunkten weisen Österreich und UK die grössten Differenzen auf. Was die Schweiz betrifft, beträgt diese Differenz 8 Prozentpunkte (71% gegenüber 63%). Dieser Wert liegt im Durchschnitt der Vergleichsländer. In Japan, China, Korea und Deutschland bestehen die geringsten Differenzen.
Mit Anteilen über 10% spielt die F&E-Finanzierung aus ausländischen Quellen in UK, Österreich, den Niederlanden, Finnland und der Schweiz eine besonders wichtige Rolle. In den asiatischen Staaten, die bei der Länderauswahl berücksichtigt wurden, erfolgt dagegen praktisch keine Finanzierung aus dem Ausland.
5.2 Staatliche F&E-Mittelzuweisungen
Ausgehend von den staatlichen F&E-Mittelzuweisungen (Government Budget Appropriations or Outlays for R&D, GBARD) lässt sich die staatliche Beteiligung an der Unterstützung der F&E-Aktivitäten im betreffenden Land beurteilen. Sie werden in Prozent des BIP ausgedrückt, um der unterschiedlichen Grösse der Volkswirtschaften in den untersuchten Ländern Rechnung zu tragen.
Mit einer öffentlichen F&E-Finanzierung von 1,2% seines BIP führte Korea die Rangliste im Jahr 2016 an (Abbildung B 5.2). Die Schweiz setzte 2016 0,9% ihres BIP für die öffentliche F&E-Finanzierung ein. Damit lag sie im vorderen Mittelfeld, zusammen mit Dänemark, Deutschland und Finnland.
5.3 Risikokapital
Die Finanzierung der Innovationstätigkeit ist besonders in frühen Stadien der Entwicklung sehr schwierig. Junge Unternehmen benötigen oft finanzkräftige Partner, weil sie die benötigten Mittel in der Regel nicht selber aufbringen können. Risikokapital-Investoren (Venture Capitalists) stellen für die Gründung und die erste Entwicklungsphase innovativer Unternehmen bzw. für die Schaffung von Technologien mit grossem Entwicklungspotenzial Kapital, ihr Netzwerk und ihre Erfahrung zur Verfügung. Die Verfügbarkeit von Risikokapital ist somit ein wesentliches Merkmal einer dynamischen und innovationsfreundlichen Volkswirtschaft.
Die USA wiesen 2016 mit Abstand die höchsten Risikokapitalinvestitionen in Prozent des BIP auf, während die Schweiz im vorderen Mittelfeld lag (Abbildung B 5.3). Da jedoch das Risikokapitalangebot in Bezug auf das Volumen und die Investitionsphasen sehr konjunkturabhängig ist, sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu betrachten. Unter den gegenwärtigen finanziellen Rahmenbedingungen investieren die Risikokapitalfonds bevorzugt in späteren Entwicklungsphasen. Deshalb besteht ein Kapitalmangel in der Gründungs- und Startphase, die durch ein höheres Risiko gekennzeichnet ist. In Italien, Japan, Dänemark und auch in der Schweiz wurde Risikokapital im Jahr 2016 primär in der Startphase investiert. In der Schweiz machte dies drei Viertel des Risikokapitals insgesamt aus.