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Romeo hat Pech in der Liebe
© BOS Foundation | Isna
Diese Geschichte ist schräg, irgendwie lustig aber auch brutal. Sie dreht sich um das Orang-Utan-Männchen Romeo und zwei Weibchen, die sich weigerten, in seiner “Alters-WG” zu wohnen.
Romeo hatte einen traurigen Start ins Leben. Er verbrachte seine ersten Lebensjahre in einem taiwanesischen Zoo und wurde in ein ganz kleines Gehege eingesperrt. 1993, mit sechs Jahren, verbesserte sich seine Situation zum Glück: Er wurde in sein Heimatland Indonesien zurückgebracht und der BOS Foundation übergeben, die ihn im Rettungszentrum von Samboja Lestari untergebrachten. Dort durchlaufen gerettete Orang-Utans ein aufwändiges und jahrelanges Rehabilitationsprogramm mit dem Ziel, sie wieder auszuwildern. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit Romeo. Denn als er zu uns kam, wurde er positiv auf Hepatitis B getestet, eine ansteckende Viruserkrankung, die auf Grund der engen genetischen Verwandschaft zwischen Menschen und Orang-Utans übertragen werden kann.
Das bedeutete, dass positiv getestete Orang-Utans von den gesunden getrennt werden mussten, um eine Epidemie innerhalb der Rettungsstation zu verhindern. Romeo lebte darum in Isolation und konnte nicht am Unterricht der Waldschule teilnehmen. Auch eine Auswilderung war nach damaligem Kenntnisstand undenkbar, damit die wilde Population vor dem Virus geschützt bleibt.
Erst als neue wissenschaftliche Studien zeigten, dass Hepatitis B auch in wilden Populationen vorkommt, wäre eine Auswilderung theoretisch möglich gewesen. Praktisch fehlten Romeo aber die Überlebensfähigkeiten, da er nie die Waldschule besuchte. Trotzdem war klar, dass Romeo nicht bis ans Ende seiner Tage eingesperrt leben soll. Also baute BOS für ihn und die beiden ebenfalls nicht-auswilderbaren Weibchen Fani und Isti eine bewaldete Flussinsel (mittlerweile gibt es davon innerhalb der Rettungsstation Samboja Lestari 13 Stück).
Drama auf der Flussinsel Nr. 5
Trotz der sorgfältigen und tiergerechten Herangehensweise ging der Plan einer harmonischen Alters-WG leider nicht auf: Die dominante Fani wies Romeo entschieden ab. Dabei brach sie ihm sogar das Handgelenk und der arme Romeo musste für kurze Zeit zurück in einen Käfig für die tierärztliche Behandlung. Auch Isti ist kein Fan von Romeo. Sie wählte immerhin einen gewaltlosen Weg, um sich von ihm zu distanzieren. Sie schnappte sich kurzerhand ein Boot des BOS-Tierpflege-Teams und ruderte (!) zu der Nachbarinsel. Das BOS-Team liess sie gewähren, denn Isti war offensichtlich unglücklich mit Romeo. Jetzt lebt sie auf der von ihr selbst ausgewählten Insel. Und Romeo? Er geniesst hoffentlich sein Leben ohne Gitterstäbe und hat gelernt, dass er Fani mit Respekt und Distanz begegnen muss.
© BOS Schweiz | Kimberly Brinker
Unterstützen Sie uns beim Bau und Erhalt von bewaldeten Flussinseln. Damit nicht auswilderbare Tiere wie Romeo trotzdem ein tiergerechtes Leben ohne Käfig verbringen dürfen.