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Sitemaps sind ein bewährtes Mittel, um die Struktur einer Website zu visualisieren. Sie leisten aber weit mehr, also nur die Seitenhierarchie abzubilden. In grösseren Website-Projekten ist die Sitemap vom ersten Grobkonzept bis zur abschliessenden Qualitätskontrolle ein unverzichtbares Werkzeug, um Inhalte zu definieren, Navigationspfade nachzuvollziehen, Aufwände abzuschätzen und den Projektfortschritt zu dokumentieren.
Die Sitemap ist quasi der Masterplan eines Website-Projekts: Sie definiert die Inhalte und deren Anordnung, aber auf einer sehr hohen Abstraktionsebene. Jede Webpage wird lediglich als ein Kästchen mit dem entsprechenden Seitentitel in einer hierarchischen Struktur abgebildet. Die Sitemap dokumentiert also weder, was genau auf den einzelnen Seiten publiziert werden soll, noch wie diese Seiten aussehen. Aber sie ist trotzdem ein unverzichtbares Werkzeug für Projektleiter, Designer, Autoren und Entwickler.
Die Mindmap als Vorstufe der Sitemap
Bevor man eine Sitemap erstellen kann, muss man alle Inhalte kennen, welche auf der Website publiziert werden sollen. In einem Workshop werden diese Inhalte oft mit Post-its zusammengetragen; für die weiteren Arbeitsschritte ist dann allerdings ein Mindmap-Tool hilfreich.
Ein Brainstorming innerhalb des Projektteams ist eine gängige Methode, um die Website-Inhalte zu definieren. Wenn man diese Aufgabe etwas systematischer angehen möchte, dann sollte man sich allerdings nicht darauf beschränken. Folgende Quellen liefern ergänzende Hinweise für sinnvolle Inhalte:
- die bisherige Website (wobei man auch die Website-Statistik konsultieren sollte, um beurteilen zu können, welche dieser Inhalte tatsächlich genutzt werden)
- die Liste der SEO-Keywords, für welche die Website optimiert werden soll
- Kundenanfragen (via Kontaktformular, Chat, Social Media, Call Center)
- die Websites von wichtigen Mitbewerbern
- andere Kommunikationskanäle des Unternehmens (z.B. Kundenzeitschrift, Newsletter, Geschäftsbericht)
Wie bei jedem guten Brainstorming sollte man in dieser Phase noch keine Gewichtung oder gar Selektion vornehmen, sondern einen möglichst umfassenden Themenkatalog erstellen. Wenn es beispielsweise um die Website eines Hotels geht, dann könnte das Resultat folgendermassen aussehen:
In einem zweiten Schritt kann man dann Themencluster bilden. Oft orientiert man sich dabei an der Millerschen Zahl und versucht, sich auf 5 bis 9 Cluster zu beschränken, damit die Website später nicht zu viele Navigationspunkte auf der obersten Ebene hat. In unserem Beispiel könnte die Mindmap anschliessend folgendermassen aussehen:
Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass einzelne Themen nirgends so richtig hinpassen wollen (wie «Videos», «Sprachen», «Ratings» oder «Social Media»). Oft ist dies ein Zeichen dafür, dass diese Themen nicht als separate Seiten abgebildet werden sollten, sondern im Header bzw. Footer oder als Teil einer anderen Seite.
Von der Mindmap zur Sitemap
Von hier ist es meist nur noch ein kleiner Schritt zur eigentlichen Sitemap – besonders wenn man ein Tool wie XMind nutzt, das eine Mindmap direkt in ein Organigramm umformatieren kann. Die Titel der Themencluster werden dabei zu den Menüpunkten auf der obersten Navigationsebene, die eigentlichen Themen folgen auf der zweiten Navigationsebene.
Je nach Menge der Themen und nach Umfang der Inhalte kann man weitere Navigationsebenen einziehen. Ausserdem sollte man nun entscheiden, welche Themen nicht in die reguläre Navigationshierarchie integriert, sondern in einer Hilfsnavigation im Header oder Footer untergebracht werden sollen (z.B. die Rechtstexte wie AGB, Impressum oder Datenschutzerklärung, welche in der Regel in der Fusszeile angesiedelt werden).
Die resultierende Seitemap unseres fiktiven Hotels Bellevue könnte somit folgendermassen aussehen:
Falls Sie nun den Eindruck haben, dass unsere Sitemap genau so strukturiert ist wie tausend andere Hotel-Websites: Hervorragend! Bei der Entwicklung von Website-Strukturen geht es nämlich nicht darum, möglichst kreative Lösungen zu finden, sondern sich an Best Practices zu orientieren. Eine Website zu navigieren sollte kein Adventure Game sein, sondern möglichst intuitiv funktionieren. Bei der Website-Konzeption sollte man sich deshalb unbedingt von anderen Websites aus derselben Branche inspirieren lassen.
Der vielfältige Nutzen einer Sitemap
Eine solche Sitemap mag unspektakulär aussehen, sie ist aber in einem Website-Projekt in verschiedener Hinsicht wertvoll:
- Sie definiert die Inhalte der Website.
- Sie definiert die Struktur (und damit auch die Navigation) der Website.
- Sie verdeutlicht den Umfang des Website-Projekts.
- Sie ist ein leicht lesbarer Plan, an dem man sich später die Designer, die Content-Autoren, die Entwickler, die Projektleiter und die Auftraggeber sehr einfach orientieren können.
Die Sitemap ist oft auch ein Frühwarnsystem für strukturelle Probleme einer Website. Wenn bereits die Sitemap unausgewogen daherkommt, dann ist auch die resultierende Website für den Benutzer unübersichtlich. Und wenn man häufig vor dem Problem steht, dass eine Seite eigentlich unter mehrere Hauptnavigationspunkte eingeordnet werden müsste, dann hat man möglicherweise seine Themencluster ungünstig gewählt.
Grenzen von Sitemaps
So vielfältig die Vorteile von Sitemaps sein mögen: In gewissen Fällen stösst man auch an die Grenzen dieses Konzeptionswerkzeugs.
- 1-Pagers – also Websites, die aus einer einzigen, langen Webpage bestehen – lassen sich in einer Sitemap aus naheliegenden Gründen nicht sinnvoll abbilden.
- Überall dort, wo viele gleich geartete Informationseinheiten vorkommen (z.B. Produkte, Mitarbeiter, Kurse), ist es weder sinnvoll noch praktikabel, diese einzeln in der Sitemap einzuzeichnen.
- Sitemaps eignen sich gut für hierarchisch organisierte Informationen – aber sie können schlecht Prozesse abbilden, wie sie in einem Konfigurator, beim Checkout eines Online Shops oder in einer App vorkommen.
User Testing von Website-Strukturen
Wenn man seine Sitemap einmal definiert hat, dann ist man überzeugt davon, die beste und einzig richtige Struktur gefunden zu haben. Die Erfahrung zeigt aber, dass Menschen oft unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie eine Website organisiert sein sollte. Man tut deshalb gut daran, eine Sitemap durch ein User Testing zu validieren. Dies umso mehr, als man heutzutage mit Website-Buildern wie WordPress, Wix, Squarespace oder Webflow innert wenigen Stunden einen navigierbaren Prototypen bauen kann.
Um zu belastbaren Ergebnissen zu kommen, sollte man seinen Testpersonen konkrete Aufgabenstellungen vorlegen, welche auf User Stories basieren. Im Falle unserer Hotel-Website könnten solche User Stories beispielsweise lauten:
- «Als Hotelgast möchte ich Bilder von den Zimmern sowie Preisangaben sehen, um zu entscheiden, ob dieses Hotel für mich in Frage kommt.»
- «Als Hotelgast möchte ich mir einen Lageplan mit Routenempfehlungen anzeigen lassen, um möglichst direkt mit dem Auto anreisen zu können.»
- «Als Vegetarierin möchte ich das Angebot an vegetarischen Gerichten sehen, um zu wissen, ob ich im Hotelrestaurant essen soll oder in der Stadt.»
- «Als Eventmanager möchte ich die Kongress-Infrastruktur verschiedener Hotels kennenlernen, um eine Shortlist für meinen Auftraggeber zu erstellen.»
- «Als Hotelfachangestellte suche ich Stellenangebote für Rezeptionistinnen, um mich allenfalls zu bewerben.»
Anhand solcher User Stories findet man in der Regel schnell heraus, ob die Navigationsstruktur und die Navigationsbezeichnungen intuitiv verständlich sind oder ob die Benutzer die gewünschten Informationen nur über Umwege finden. Weitaus schwieriger ist es dann aber, eine bessere Struktur zu entwickeln, welche nicht nur für einzelne Testpersonen, sondern für die gesamte Zielgruppe optimal funktioniert.
Ihr Spezialist für die Konzeption von Websites
Martin Sauter, der Gründer von Metoki, konzipiert seit über 20 Jahren Websites für Grossunternehmen, KMU und Non-Profit-Organisationen. Als Dozent an der Hochschule Luzern unterrichtet er das Thema «Konzeption von Websites» im Rahmen des CAS Online Communication and Marketing.
Gerne beraten wir Sie bei der Entwicklung von Personas und User Stories, bei Fragen der Informationsarchitektur und der User Experience, bei der Erarbeitung eines technischen Pflichtenhefts sowie bei der Evaluation von Content-Management-Systemen.