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Neuauswertung der archäologischen Untersuchungen 1978-1979
Kirchengrabungen
Die archäologischen Untersuchungen, die 1978/79 anlässlich einer durchgreifenden Restaurierung der Kirche durchgeführt wurden, haben mit der Entdeckung einer frühmittelalterlichen Holzkirche die These einer frühen Kirchengründung in Wila bestätigt. Mehrere zugehörige Erdgräber und ein gemauertes Grab belegen, dass rund um die erste Kirche bereits bestattet worden war. C14-Datierungen von Gräbern aus dieser und der nachfolgenden Phase sprechen für eine Existenz der Holzkirche bis in die zweite Hälfte des 8. Jh. Ob sie bereits im 7. Jh. erbaut wurde, ist nicht sicher zu entscheiden. Der Holzbau wurde durch einen einfachen Rechtecksaal ohne ausgeschiedenen Altarraum ersetzt, dessen Mauern die Holzpfostenstümpfe der ersten Kirche überlagerten. Im frühen 13. Jh. brannte der Steinsaal aus. Bei seiner Wiederherstellung hielt man sowohl an der Form als auch an der Grösse fest. Von den wohl ehemals den gesamten Innenraum schmückenden Malereien sind heute noch geringe Überreste an der Nord- und Westwand zu sehen. Eine erste Vergrösserung der Kirche erfolgte um 1300 mit dem Anbau eines axialen Chorturms, in den der Hauptaltar verlegt wurde. Gegen Mitte des 14. Jh. wurde die Kirche nach einheitlichem Plan in zwei Etappen ausgebaut. Mit relativ bescheidenen Mitteln erfolgte in der zweiten Hälfte des 15. Jh. ein Ausbau der Kirche, dessen einzelne Schritte dendrochronologisch datiert sind. Damit einher ging eine Neuausstattung des Innenraums mit Wandbildern, die 1903 noch in grösserem Umfang vorhanden waren und bei den damaligen Renovationsarbeiten grosse Schäden erlitten. Auch die Reste einer jüngeren Malschicht aus dem frühen 16. Jh. sind dabei verloren gegangen. Bemerkenswert ist, dass der Kirchenraum in einem Zeitraum von rund 300 Jahren etwa sieben Mal entweder in Teilen oder vollständig neu gefasst wurde. Die Reformation hinterliess auch in der Kirche von Wila ihre Spuren. 1527 wurde der Abbruch der Altäre eingefordert. Auf dem Hauptaltarfundament stellte man anschliessend den Taufstein auf, der abgedeckt auch als Abendmahlstisch verwendet wurde. Im Zuge der Abschaffung kostbarer liturgischer Geräte und der Reinigung des Gotteshauses von jeglichem Zierrat wurden die Wandbilder übertüncht. Zwei mit erheblichen Eingriffen verbundene grössere Renovationen des frühen 17. und 20. Jh. haben das heutige Erscheinungsbild des Gebäudes wesentlich geprägt. Die fachgerechte und umsichtige Restaurierung von 1978/79 schliesslich hat den Bau von jüngeren, den Blick auf die historische Substanz verstellenden Einbauten befreit und die seit 1903 bekannten, damals aber als künstlerisch minderwertig beurteilten und wieder übertünchten Wandbilder durch Freilegung und erhaltende Massnahmen wieder sichtbar gemacht.
Autorin: Felicia Schmaedecke
Zürcher Archäologie, Heft 22 (2007) 141 S., 142 Abb., 1 Taf. Format: 210 x 297 mm