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Gretag Imaging hatte sich von der einstigen Ciba-Geigy-Tochter zum Börsenliebling entwickelt.Dieser Inhalt wurde am 23. Dezember 2002 - 14:32 publiziert
Sie setzte aber zu stark auf Wachstum und zerbrach schliesslich an ihrer Überschuldung und an einem Garantie-Fiasko: eine Chronologie.
30. Juni 1990
Das Management von Gretag übernimmt die Gruppe, die seit Ende der fünfziger Jahre zu 100% im Besitz des Basler Chemieunternehmens Ciba-Geigy war.
1. Juni 1992
Die Gretag AG kauft die US-Firma Standard Manufacturing. Diese wird zusammen mit dem Photofinishing-Geschäft der Gretag in die neu gegründete Tochtergesellschaft Gretag Imaging Group eingebracht. Damit bietet die Imaging Gruppe weltweit das grösste Geräte-Sortiment für die Herstellung von Amateur-Farbfotos an.
15. Juni 1998
Gretag Imaging öffnet sich dem Publikum und wird zum ersten Mal an der Börse gehandelt. Der Ausgabekurs beträgt 145 Franken. Die Titel klettern bis im Sommer 2000 auf über 400 Franken.
1. Oktober 1998
Peter Fitzgerald übernimmt den Vorsitz der Gruppenleitung. Der bisherige operative Chef, William Recker wird Verwaltungsrats-Präsident.
4. April 2000
Gretag hat 1999 den Umsatz um 44,8% und den Gewinn um 36,2% gesteigert. Mit der amerikanischen Sienna Imaging verschaffte sich Gretag Know-how in der digitalen Bildverarbeitung und mit der kanadischen Telepix den Zugang zum Internet.
29. November 2000
Der Aktienkurs bricht nach einer unerwarteten Gewinnwarnung um über 50% ein. Hard- und Softwareprobleme bei rund 8000 ausgelieferten Geräten seien erkannt und zum grossen Teil behoben. Dennoch muss Gretag-Chef Peter D. Fitzgerald das Unternehmen bereits nach zwei Jahren verlassen.
15. Februar 2001
Gretag veröffentlicht die dritte Gewinnwarnung innerhalb eines Quartals. Für 2000 wird nunmehr ein Verlust erwartet. Über 200 der weltweit 2600 Beschäftigten verlieren ihre Stelle. Der Kurs des einstigen Börsenlieblings fällt auf 80,00 Franken.
29. März 2001
Gretag ist im Jahr 2000 mit einem Verlust von 46 Mio. Franken tief in die roten Zahlen gerutscht. Ausserordentliche Garantiezusagen rissen ein Loch von 64 Mio. Franken in die Kasse. Hinzu kamen Kosten von 40 Mio. Franken für Reparaturen an bereits installierten Geräten. Nochmals 340 Stellen sollen weltweit gestrichen werden.
20. August 2001
Gretag verzeichnet einen Halbjahresverlust von mehr als 150 Mio. Franken, der Umsatz sackt um 47% auf 265 Mio. Franken ab. Weitere 400 Stellen werden abgebaut, in Regensdorf wird Kurzarbeit eingeführt. Der Börsenkurs stürzt auf 7,70 Franken ab.
9. November 2001
Der Bereich Professional Imaging mit rund 450 Beschäftigten wird an den niederländischen Kopier- und Druckspezialisten Oce verkauft. Der Erlös von 270 Mio. Franken wird zum Schuldenabbau verwendet, im Gegenzug verzichten die Banken auf Forderungen von 170 Mio. Franken. Weitere 250 Stellen werden gestrichen.
1. Januar 2002
Der 45-jährige Patrick W. Jung wird neuer Konzernchef.
5. April 2002
Der US-Fotokonzern Kodak greift Gretag finanziell unter die Arme und erhält dafür die Kontrolle über wichtige Patente.
24. April 2002
Gretag weist für 2001 einen Rekordverlust von 286 Mio. Franken aus. Der Umsatz bricht erneut um fast 50% auf 461 Mio. Franken ein.
15. Oktober 2002
Gretag kündet eine umfassende Restrukturierung und weitere 450 Entlassungen an. Der Konzern soll in kleinere Einheiten aufgeteilt werden.
1. November 2002
Ein Kapitalschnitt soll die finanzielle Rettung bringen. Verwaltungsratspräsident Recker tritt auf Druck des Verwaltungsrats zurück, Nachfolger wird der frühere Bührle-Manager Felix Bagdasarjanz.
3. Dezember 2002
Der Restrukturierungsplan wird radikalisiert: Der Bereich Mikro- und Minilabors soll verkauft werden, nur die Grosslabor-Systeme sollen bei Gretag bleiben. Zum Überleben braucht der Konzern einen weiteren Forderungsverzicht der Gläubiger. Die Schulden betragen rund 110 Mio. Franken.
23. Dezember 2002
Die Verhandlungen mit den Gläubigern sind gescheitert. Gretag deponiert die Bilanz.
swissinfo und Agenturen
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