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Mit Spannung wird eine Erklärung des früheren Premierministers Alain Juppé erwartet, der sich an diesem Montagvormittag (10.30 Uhr) in Bordeaux vor der Presse äussern will. Mehrere Politiker hatten ihn als Ersatzkandidaten für Fillon vorgeschlagen. Das Magazin "L'Obs" berichtete allerdings unter Berufung auf Juppés Umfeld, der 71-Jährige werde dabei seinen Verzicht auf eine neue Kandidatur bekanntgeben, weil er nicht sicher sei, im Fall eines Rückzugs Fillons die Wahl gewinnen zu können.
Am Montagabend spricht zudem das politische Komitee der konservativen Republikaner-Partei, in dem die wichtigsten Parteigrössen vertreten sind, über die Lage. Fillons Wahlkampf wird seit Wochen vom Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope auf Parlamentskosten belastet. Die Justiz ermittelt, Fillon weist die Vorwürfe zurück.
Mit einer Grosskundgebung hatte Fillon sich am Sonntag gegen die Kritik aus seinem Lager gestemmt. Vor Zehntausenden Anhängern prangerte er das Verhalten seiner Kritiker als "Fahnenflucht" an. Im Sender France 2 verwies Fillon darauf, dass er durch seinen Sieg bei der Vorwahl der bürgerlichen Rechten im November demokratisch legitimiert sei. Er sei zu Gesprächen bereit, aber: "Das ist meine Entscheidung." Und seine Entscheidung sei durch den Erfolg der Demonstration in der Nähe des Eiffelturms gestärkt worden. "Ich glaube fest, dass ein Rückzug dieser Kandidatur meine politische Familie in eine Sackgasse bringen würde", sagte er.
Fillon war wegen der Affäre in der Wählergunst abgerutscht. Nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage liegt er für den ersten Wahlgang nur noch bei 17 Prozent, deutlich hinter der Rechtspopulistin Marine Le Pen (26 Prozent) und dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron (25 Prozent). Mit Juppé statt Fillon könnten die Konservativen dagegen hoffen, Macron von Platz zwei zu verdrängen und in die Stichwahl einzuziehen.
Allerdings hatte Juppé in der Vorwahl ganz klar den Kürzeren gegen Fillon gezogen. Während Fillon für stramm konservative Werte steht und ein weitreichendes Spar- und Reformprogramm will, war der 71 Jahre alte Bürgermeister von Bordeaux deutlich moderater aufgetreten und hatte eher Wähler der Mitte angesprochen als die konservative Kernklientel.
Ende Januar war bekanntgeworden, dass Penelope Fillon jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann und dessen Nachfolger in der Nationalversammlung angestellt war. Das ist an sich legal, falls sie auch wirklich gearbeitet hat. Fillon ist für Mitte März von Ermittlungsrichtern vorgeladen, dabei droht ihm die Eröffnung eines Verfahrens./sku/DP/stk
(AWP)