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06 Dez 2015 10:36 - 06 Dez 2015 10:54#461 von Yo El Mismo
Liebe Bachfreunde!
Wie stellt man sich Musik graphisch vor, wenn man auf LSD ist? Natürlich meine ich Musik von Bach und es darf auch gerne etwas schwieriger sein. Für eine Vorstellung in Notenform ist man zu benebelt; eine einfache, bunte, graphische, mit der Musik mitfließende Form sollte es sein. Und war es auch! Zumindest für Stephen Malinowski, bei einigen von euch bekannter unter seinem Avatar „smalin“. Malinowski, 1953 in Santa Monica, Kalifornien, geborener Komponist, Pianist, Lehrer, Software-Ingenieur und Erfinder hatte 1974 diesen Rausch während eines LSD-Trips, Bachs Orgelwerke hörend.
Allein für dieses Stück gab es bis zum Schreiben dieses Artikels 25,7 Millionen Klicks!!
Nach weiteren ernsthaften Studien und etlichen Fehlversuchen präsentierte er 1985 seine erste Version der Music Animations-Maschine. Ab 1990 begann er animierte Videos zu verkaufen. Sein Computersystem wurde laufend weiterentwickelt und ab 2012 stellte Malinowski eine Version vor, die in Echtzeit seine Animationen synchronisieren konnte. Die öffentliche Premiere erfolgte mit dem Nürnberger Symphonieorchester am 12. und 13. Oktober 2012. Außerdem entwickelte er eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit Björk. Am 25.10. 2012 überschritt er die Marke von mehr als 100 Millionen Klicks auf Youtube.
Gruß
Yo
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Letzte Änderung: 06 Dez 2015 10:54 von Yo El Mismo.
Beim ersten Youtube-Beitrag, Toccata und Fuge in d-Moll, BWV 565, ist es interessant, sich beide Versionen der Music Animation Machine anzusehen. Das Original ist graphisch noch nicht wirklich gelungen, es zeigt die Anfänge Malinowskis. Bei der zweiten Version (Klick am Anfang) bekommt man die graphisch sehr viel weiter entwickelte Version zu sehen. Für Nichtmusiker eine Augenweide!
mit der Music Animation Maschine habe ich mich vor etwa 5 Jahren beschäftigt. Das ist eine sehr schöne Sache. Ich versuche mal für weitere Interessierte zusätzliche Informationen zu liefern.
Die Music Animation Maschine arbeitet auf Basis von Midi-Informationen. Einige wissen bestimmt, es gibt Dateien mit der Endung *.mid. Diese Dateien können in Windows mit dem MediaPlayer abgespielt werden. Dort wird der Tonzeitpunkt, Tonhöhe, Länge und Anschlagstärke einfach betrachtet mit Werten versehen und mit einem Synthesizer wieder zu einem Ton gemacht. Der Synthesizer von Windows ist einfach und man kann verschiedene Instrumente damit nachahmen.
Die Music Animation Maschine kann auch eine Mididatei *.mid öffnen oder den eigenen Standard *.mamx, wertet die Midi-Informationen aus und macht daraus Grafik. Ton C3 = 60, setze ein Rechteck mit Länge soundso auf den Bildschirm. Nächster Ton D3 = 62 setze ein Rechteck höher usw. Damit eine Animation entsteht werden die Rechtecke im Tempo der Musik auf dem Bildschirm verschoben. Mit einer zusätzlichen Video Capture Software kann man beim Abspielen Bild und Ton aufzeichnen und das Video danach auf YouTube stellen.
Diese Betrachtungsweise von Musik ist besonders einfach verständlich für Nichtmusiker und eigentlich viel direkter. Jeder kann Tonhöhen und Längen der Animation intuitiv erkennen und die Musik verfolgen. Sogar Motive können als graphisches Muster erkannt werden und vieles mehr. Besonders reizvoll ist, die Music Animation Maschine kann etwa 12 verschiedene Animationsformen realisieren (Kreise, Rechtecke). Sie wird damit zu einem sehr umfangreichem Spielzeug, das Laune macht und Langeweile vertreiben kann.
07 Dez 2015 15:23 - 07 Dez 2015 15:24#464 von Yo El Mismo
Hallo Klaus!
Von den drei Video-Beispielen, die ich im ersten Beitrag zeige, sind zwei von Stephen Malinowski performed. Frage an dich: Wo drauf? Die zweite Version von Toccata und Fuge in d-Moll hat der international bekannte Organist Hans-André Stamm gespielt. Wo drauf? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ein Mann von seinem Renommée, etwa auf einem Midiplayer spielt. Du bist doch Fachmann und weißt ganz sicher eine Antwort.
Gruß
Yo
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Letzte Änderung: 07 Dez 2015 15:24 von Yo El Mismo.
sehr richtig, das ist noch erwähnenswert. Beim ersten und zweiten Beispiel hört man natürlich eine Orgel. Ein Drittes sehe ich leider nicht?
Hier hat sich jemand die Mühe gemacht das original Audio (Orgel) mit Midi genau synchronisiert nachzustellen. Die Midi-Datei dient dann als Grundlage für Music Animation Maschine, die das Video produziert. In einem weiteren Schritt, Videobearbeitungsprogramm wird dann das Midi-Audio wieder ersetzt durch das Original.
Was ich erkennen konnte ist im Beispiel "Bach, Toccata and Fugue in D minor, organ", ein stehender 5-stimmiger Akkord wird total synchron beendet, was für eine Midi-Bearbeitung spricht. Ein Organist kann nicht so exakt seine Finger gleichzeitig absetzen. Im gleichen Stück tauchen aber auch liegengebliebene Finger auf. Das heißt an besonderen Stellen wurde mit höherer Sorgfalt Midi bearbeitet an anderen Stellen weniger.
Das zweite Beispiel: "Bach, Passacaglia and Fugue in C minor, BWV 582" enthält echtes Raumrauschen und zeigt mehr liegengebliebene Fingererscheinungen. Der Ton scheint echt.
Beide müssen, um das Video in Music Animation Maschine zu erzeugen, eine Midi-Grundlage haben. Ob beide Audios wieder ersetzt wurden, oder der virtuelle Synthesizer vorliegt, kann ich nur begrenzt bestimmen. Bei anderen Instrumenten wäre das einfacher zu hören.
Noch eine Möglichkeit, es gibt verdammt gute Midi-Keyboards mit Orgelpedal und entsprechend gute Orgel VST's mit Registerzügen und Pille Palle. Das glaube ich in beiden Fällen aber nicht.
Es gibt zur Zeit keine Software, die befriedigend Audio nach Midi umwandeln kann. Das ist dann Handarbeit. Wer eine solche Software dennoch kennt, die das kann, soll sich sofort bei mir melden.