Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03241.jsonl.gz/1785

Es war an einem privaten Abendessen, als mir ein Gast erzählte, wie er auf der Autorennstrecke mit seinem Freund Giusep Fry zusammengestossen sei. Ich wusste nicht, dass Fry Ferrari fährt. Das war natürlich eine pikante Geschichte, denn Rennfahren ist eine umstrittene Freizeitbeschäftigung, vor allem, wenn der Fahrer Probleme mit dem Naturschutz hat.
Der «fröhliche Sünder»
Erst einige Zeit später war der berühmt-berüchtigte Hotelier Giusep Fry dann in den Schlagzeilen: Das Bundesgericht hatte entschieden, dass er einen Teil seines Hotels abbrechen müsse. Fry hatte die Umweltgesetze allzu locker interpretiert. War das Kalkül, Übermut oder Fahrlässigkeit? Wie tickt einer, den die Journalistin Margrit Sprecher in einem Porträt als «fröhlichen Sünder» bezeichnete?
Das interessierte mich. Als ich ihn anrief, wurde ich sofort mit ihm verbunden und wir vereinbarten einen Termin. Fry war interessiert, aber skeptisch und wollte, dass ich mich mit seinem PR-Berater treffe. Das Treffen sollte sicherstellen, dass ich nicht mit Vorurteilen an die Sache ging. Nach viel schlechter Presse wollte Fry nur bei einem Film mitmachen, der «positiv» sei. Das konnte ich natürlich nicht garantieren, aber Fry glaubte mir, dass ich unvoreingenommen vorgehen würde. Er bestritt nicht, dass er ab und zu über die Stränge haue.
Fry gab sich unbekümmert
Als wir dann zusammen drehten wurde mir klar, dass Fry vor allem durch seinen Unternehmergeist getrieben wird – ein Machertyp mit Temperament. Er sei bei weitem nicht der Einzige, der unter der grassierenden Bürokratie leide, sagte er mir, nur stehe er halt unter spezieller Beobachtung.
Ich war überrascht, dass er mich ohne Einschränkung filmen liess, und sogar einwilligte, ihn auf die Rennstrecke zu begleiten. Obwohl sein aussergewöhnliches Hobby nur am Rande ein Thema des Filmes wurde, war es typisch für unsere Begegnung: Fry gab sich unbekümmert, ja provokativ, und wählte trotzdem seine Worte sorgfältig und kontrolliert, so dass ich das Gefühl nicht los wurde, er lasse niemanden so wirklich an sich heran.
Zum Autor
Reto Brennwald (*1963) war Moderator der «Rundschau» und der «Arena» und arbeitet als Videojournalist für «Reporter» und «DOK», vor allem zu Themen der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik.