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Die Königsklasse der 1907 lancierten International Rule hat in allen Segelnationen für Sternstunden gesorgt. Die Sechser bilden nicht nur die älteste, sondern auch die zahlenmässig grösste und internationalste der Meterklassen. Um den rüstigen Damen wieder auf die Beine zu helfen, hat ein Team vom Genfersee die «Challenge lémanique des 6 m JI» ins Leben gerufen. Der Erfolg gibt den Initianten recht.
Text: Jacques-Henri Addor
Fotos: Loris von Siebentha
Die erste 6mR verliess die Werft 1907 – ein Jahr, nachdem die europäischen Segelnationen die International Rule verabschiedet hatten, und im gleichen Jahr, in dem sie in Kraft trat. Seither sind über 1200 Sechser entstanden, 450 gibt es noch immer. Bereits 1908 wurden mehrere Meterklassen olympisch. An den Spielen in London segelten die 6er, 7er, 8er und die 12er um Medaillen. Am längsten hielten sich die Sechser: Sie waren bis 1952 dabei.
An den olympischen Sommerspielen 1952 hatte eine neue, von der 6mR inspirierte Jacht, ihren grossen Auftritt: die 5,5mR oder 5.5m IC. Sie war leichter, sportlicher und günstiger als der Sechser, was dazu führte, dass dieser 1956 in Melbourne definitiv aus dem Olympiaprogramm genommen wurde. Zuvor wurden auch der One Ton Cup und der Seawhana Cup auf 6mR-Jachten ausgetragen. Ausserdem dienten sie als Testboote für den America’s Cup, der auf ihren grossen Schwestern, den 12mR, gesegelt wurde. Nur wenige Bootsklassen können auf eine so erfolgreiche Geschichte zurückblicken.
Vorbereitung auf die EM
Nach dieser Blütezeit schlief die Klasse etwas ein, zumindest in der Schweiz. «Mit nur einer internationalen Regatta pro Jahr lebten die Sechser vom Training», sagt Nicolas Berthoud, Crewmitglied an Bord der Junior und einer der Initianten der Challenge. «In der Schweiz gibt es noch immer sehr viele dieser Jachten, insbesondere am Genfersee. Mit der Challenge, die wir dem spanischen Cup der 6mR abgeschaut haben, wollten wir die Eigner motivieren, die Sechser aktiv zu segeln und sie als Regattaboote wiederzubeleben.»
Zu den Urhebern gehört natürlich auch der vierfache Weltmeister der Klasse Philippe Durr. Die Idee habe schon lange in seinem Kopf herumgespukt, sagt er. «Und da ich das Wort Ruhestand hasse, haben wir die Sache angepackt. Den Ausschlag gab Jan Eckert. Er wollte sich mit seiner neuen 6mR GinkGoToo mit anderen messen. Im März haben wir mit fünf Booten losgelegt. Am Kim Cup waren bereits 17 Sechser am Start, das macht auf dem Wasser rund 100 Personen. Entsprechend gross war der organisatorische Aufwand, den haben wir dank der effizienten Helfer aus Versoix aber gut gemeistert.»
Die 6er-Challenge bietet den Teams hervorragende Trainingsmöglichkeiten unter besten Bedingungen, was von vielen Teams im Hinblick auf die Europameisterschaft im spanischen Sanxenxo vom 10.–18. September sehr geschätzt und auch genutzt wird.
Corinthian Spirit
Louis Heckly, der an der Generalversammlung der Klasse im September das Präsidentenamt der International 6 Metre Association (ISMA) übernehmen wird und als Skipper der Dix Août aktiv segelt, freut sich über das Comeback der rüstigen Damen auf dem Genfersee: «Diese Challenge erweckt grossartige Boote wie die Korrigan, die Saga oder die Farfadet zu neuem Leben. Gleichzeitig steigt das Niveau so bei jeder Regatta etwas mehr. In Sanxenxo wird garantiert auf einem extrem hohen Level gesegelt! In der Klasse tummelt sich eine ganze Reihe von America’s-Cup-Seglern. Da können wir uns auf etwas gefasst machen!» Auf seine persönlichen Ambitionen angesprochen meint der angehende Präsident: «Wir sind mit der Dix Août seit fünf Jahren in den Top 5. Jetzt wird es Zeit für einen Podestplatz. Auf internationaler Ebene ist die Klasse ein Paradebeispiel für den Corinthian Spirit, mit dem in der englischen Sprache die Ideale des hochstehenden und fairen Amateursports bezeichnet werden.»
Das Image der 6-Meter-Jachten und ihrer Teams erhält durch die Challenge neuen Glanz. Während vieler Jahre wurden die Klassenregatten etwas belächelt und als feuchtfröhliches Altherrentreffen abgestempelt. Seit junge, siegeshungrige Segler die Szene aufmischen, hat sich dieses Bild geändert. Einer dieser Segler ist Bruno Engel. Er steuert die Fife-Jacht Saskia aus dem Jahr 1934 und meint stellvertretend: «Wir trainieren die Starts und Positionierungen bei besten Bedingungen. Bei drei bis vier Wettfahrten pro Regattatag können wir uns so jedes Mal steigern.»
Getrennte Wertungen
Die Klasse umfasst sowohl moderne als auch klassische Einheiten. Die modernen sind tempomässig leicht überlegen, trotzdem starten alle teilnehmenden Boote gleichzeitig. Die Ranglisten hingegen sind wie bei den 8ern und 12ern in vier Kategorien unterteilt: die Classics (Rumpf und Mast aus Holz, langer Kiel ohne Flügel, aufgestecktes Ruderblatt und Dacron-Segel), SIRA (Holzrumpf, langer Kiel ohne Flügel, aufgestecktes Ruderblatt, aber frei wählbarer Segelstoff), Modern (keine Vorgaben ausser dem Flügelkiel-Verbot) und Grand Prix Open (analog zu den Modern, aber mit erlaubtem Flügelkiel).
Pierre-Alexandre Nuoffer, Mitglied des Organisationskomitees und Jurypräsident des Kim Cups (25.-27. Juni), erklärt: «Wir haben diese vier Kategorien für die Ranglisten übernommen, um die Klasse zu entstauben und dynamischer zu gestalten, damit sie auch für junge Segler attraktiv wird. Wir müssen für Nachwuchs sorgen. Dass es die Sechser nach fast 115 Jahren immer noch gibt, ist den Menschen zu verdanken, die diese Klassiker unterstützt haben.» 2021 umfasst die Challenge lémanique der 6mR sieben Acts. Der Freitag ist jeweils den Trainings, dem Startprozedere und den Sichtungen möglicher Kurse vorbehalten. An den Wettkampftagen, meist am Samstag und Sonntag, geht es dann ans Eingemachte. Dann wird zwischen drei Bojen verbissen, aber fair gekämpft. Die Organisatoren verfolgen mit der Challenge noch ein weiteres Ziel: Sie wollen den jungen Generationen den Spass an den 6mR vermitteln. Pierre-Alexandre Nuoffer: «Der letzte Act steht daher auch jungen Seglern offen, egal, ob vom CER oder vom Club de Versoix. Wir haben Platz für 25 interessierte Nachwuchssegler, die etwas 6er-Luft schnuppern möchten.»