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Fortalezas Herausforderung für die WM 2014
Die Erweiterung des öffentlichen Transportsystems und des sanitären Versorgungsnetzes gehören zu den dringendsten Herausforderungen.
Fortaleza wurde im Jahr 1726 gegründet, in der unmittelbaren Nachbarschaft von 34 Kilometern Meeresstrand, im Nordosten Brasiliens. Die Hauptstadt des Bundesstaates Ceará ist auch die Stadt mit der grössten Bevölkerungsdichte in diesem Bundesstaat und steht damit an fünfter Stelle in Brasilien. Eine Stadt, die inzwischen internationalen Ruhm durch ihre besonderen Naturschönheiten erlangte: Flüsse, Süsswasserlagunen, Mangrovewälder, und Strände – herrliche Sandstrände, die zu den schönsten Brasiliens zählen – und an mehr als 300 Tagen im Jahr Sonne!
Die Hauptstadt ist ebenfalls bekannt wegen der überschäumenden Fröhlichkeit ihrer Bewohner, dem allgegenwärtigen Forró (typisch nordöstlicher Volkstanz) und ihrer eigenwilligen Gastronomie. Andere Attraktionen der Stadt sind zum Beispiel der „Beach Park“ (ein aquatischer Themenpark), der pro Jahr von zirka einer halben Million Touristen besucht wird – das Zentrum „Dragão do Mar“ für Kunst und Kultur, in dem es Museen, Theater, Kinos, Bibliotheken und ein Planetarium gibt – dann natürlich die „Orla“, der Stadtstrand, an dem man zahlreiche Kioske findet, die den Sonnenanbetern Snacks und Getränke anbieten – vielerlei Kunsthandwerk wird auf der Strandpromenade offeriert, und sogar einige Show-Bühnen gibt es hier. Fortalezas Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr – sowohl Einheimische, wie auch Ausländer haben sein besonderes Flair entdeckt – die meisten Besucher von Übersee sind Portugiesen, Italiener und Franzosen.
Die Landesregierung und die Präfektur der Stadt investieren ebenfalls in einen Business- und einen Event-Tourismus. Im Jahr 2007 haben sie gemeinsam ein neues „Centro de Convenções“ hingestellt – einen riesigen Pavillon für Messen und andere Gross-Events.
Die bedeutendsten Stadien Fortalezas sind „Plácido Castelo“– im Volksmund „Castelão“ und das Stadion „Presidente Vargas“ – bekannter unter der Bezeichnung „PV“. Im Castelão werden fast alle Partien der beiden lokalen Spitzen-Teams ausgetragen – dem „Ceará“ und dem „Fortaleza“, gegenwärtig in der Serie B der Landesmeister.
Das „Plácido Castelo“ ist das modernste Stadion im Bundesstaat Ceará, es hat 58.000 nummerierte Sitzplätze. Eingerichtet ist es mit klimatisierten VIP-Kabinen, Umkleideräumen, Künstler-Appartements (mit Bad) und Panorama-Bars. Um den Anforderungen der FIFA zu genügen, müsste das Stadion seinen internen und externen Parkplatz erweitern, sowie das Angebot der Presseräume verbessern.
Das „Castelão“ dürfte demnächst eine Reform erfahren, so wie es aus einem Projekt hervorgeht, welches bereits der FIFA eingereicht wurde – die Finanzierung ist mit Investitionen aus dem privaten Sektor gesichert. Allerdings hängt die Rückführung dieser Investments von einer noch nicht überschaubaren Gleichung ab: der Zahl der durchgeführten Spiele x der jeweiligen Menge der Zuschauer x einem mittleren Eintrittspreis! Eine Lösung wäre, die Einnahmen des Stadions mittels Shows und anderen Commercial Events aufzustocken.
Als Destination einer grossen Zahl brasilianischer und ausländischer Touristen besitzt Fortaleza ein ansehnliches Hotelnetz mit fast 17.000 Betten, verteilt auf mehr als 200 Unterkunftsoptionen, die meisten von ihnen in Strandnähe. Mit einem stetig wachsenden Touristenstrom kann die Stadt auch auf luxuriöse Resorts zählen, welche die Zahl der zur Verfügung stehenden Zimmer noch wesentlich erhöhen dürfte.
So sehr auch am Strand die Naturschönheit der Stadt die Tourismus-Dollars anlockt, so offensichtlich treten in den entfernteren Stadtteilen die soziale Ungerechtigkeit und die aus dieser Situation erwachsenden Probleme zutage – die, man sollte der Wahrheit die Ehre geben, auch in vielen anderen Städten Brasiliens nicht totgeschwiegen werden kann. Zirka 1/3 der Bürger Fortalezas leben in Slums, den „Favelas“, die in fast allen Teilen der Stadt ins Auge fallen und stetig wachsen durch eine kontinuierliche Abwanderung aus dem trockenen Interior, dem „Sertão“.
Und so ist auch die Kriminalität in dieser Hauptstadt ein relevanter Faktor, der von der Regierung mit Aktionen, wie einer 24-stündigen Kontrolle durch die Polizei in allen Stadtteilen, eingedämmt werden soll. Besonders die sexuelle Ausbeutung gehört zu den vorrangigen Themen der lokalen und landesweiten Medien – Fortaleza war zum Beispiel die Bühne für Prostitutionsnetze, inklusive mit Minderjährigen, die sich auf ausländische Touristen konzentrierten. Seit 2007 bekämpft das Tourismus-Ministerium diesen Missbrauch mit entsprechenden Aktionen.
Fortaleza verfügt über einen kollektiven Transportverbund mit sieben integrierten Bus-Terminals, zwei weiteren nicht integrierten Terminals und zwei Busbahnhöfen. Um die Besucher der „Copa“ gebührend zu empfangen, plant die Regierung von Ceará eine Erweiterung des strukturellen Strassennetzes der Stadtregion, was 13 Munizipien zugutekäme. Einer Schätzung nach werden 2009 128 Millionen Reais für Reformen und 45 Millionen für Enteignungen ausgegeben werden müssen.
Der internationale Flughafen von Fortaleza verfügt über einen Rangier-Hof von 153.000 Quadratmeter, in dem man zur gleichen Zeit 14 Grossraumflugzeuge abstellen kann. Das Passagier-Terminal ist auf vier Stockwerken untergebracht, mit 31 Abfertigungs-Theken für den Check-in. Nach Auskunft der Projektisten hat das 1998 erst eingeweihte Terminal eine Mindestlebensdauer von 50 Jahren. Die Planung für 2014 der INFRAERO sieht eine Investition von 583,5 Millionen Reais für verschiedene Reformen vor, wie zum Beispiel eine Terminal-Erweiterung, die Vergrösserung der Parkplätze, zusätzlicher Platz für die Wartung von Flugzeugen, und anderes mehr.
Herausforderungen und Möglichkeiten der Stadt Fortaleza und des Bundesstaates Ceará gehen weit über den Worldcup 2014 hinaus – sie versprechen Verbesserungen, die noch viele Jahre danach den Bürgern der Stadt zugute kommen werden. Die grössten Schwierigkeiten der Stadt haben mit historisch bedingten Mängeln der urbanen Infrastruktur zutun, mit Mängeln des Transportsystems, der sanitären Versorgung und der öffentlichen Hygiene. Eine besonders grosse Herausforderung ist der Kampf gegen das „Stigma“ der Stadt als Zentrum der Prostitution, besonders der minderjährigen, was einen unerwünschten Tourismus anlockt. Es ist notwendig, die Erhaltung des neuen Stadions finanziell in den Griff zu bekommen. Das Stadion Castelão befindet sich an der Peripherie der Stadt, umgeben von Wohnungen mit niedrigem Einkommen, was nach einer zusätzlichen, massiven Investition in diese Umgebung verlangt, bevor man sich auf die „Copa 2014“ freuen darf.
Die Hauptstadt von Ceará hielt ihr Seminar „Herausforderungen Fortalezas zur Veranstaltung der Copa 2014“ am 11. März 2009 ab. Ein Publikum von fast 200 Teilnehmern diskutierte, unter anderen Themen, die Situation der Stadien in Ceará und die Mobilität in der Hauptstadt.