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Die COMPASS-Studie war eine sehr gross angelegte, randomisierte Studie mit über 27 000 Patienten in über 60 Ländern, die alle an einer arteriosklerotischen Gefässerkrankung litten, entweder an den Herzkranzgefässen oder in den Beinarterien. Wir sprechen von der koronaren Herzkrankheit bzw. der peripher-arteriellen Verschlusskrankheit, der sogenannten Schaufensterkrankheit. In dieser Studie wurde untersucht, ob das Hinzufügen eines zweiten tief dosierten Blutverdünnungsmittels zum altbekannten Aspirin den Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen kann. Die Patienten, welche das zusätzliche Blutverdünnungsmittel erhielten, erlitten weniger schwere Ereignisse wie Herztod, Herzinfarkt oder Hirnschlag. Auch schwere Durchblutungsstörungen in den Beinen wurden durch diese neuartige Therapie reduziert. Als Nebenwirkung mussten die mit dem zusätzlich tief dosierten Blutverdünnungsmittel behandelten Patienten eine Zunahme der Blutungsereignisse in Kauf nehmen. Die gefürchteten Hirnblutungen oder sogar tödliche Blutungen waren jedoch nicht gehäuft. Aufgrund des guten Effekts der neuen Behandlung wurde die Studie sogar vorzeitig abgebrochen.
Vor- und Nachteile besprechen
Wenn ich Patienten mit chronischen Durchblutungsstörungen am Herzen oder in den Beinen in meiner Sprechstunde sehe, muss ich in jedem Einzelfall überlegen, ob der Betroffene von der zusätzlichen Behandlung profitiert oder nicht. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Therapie nicht allen Patienten mit diesen Gefässkrankheiten angeboten werden soll, sondern nur jenen, die als Hochrisiko-Patienten eingestuft werden müssen. Bei diesen Patienten muss ich Vor- und Nachteile der neuartigen Behandlung besprechen und herausspüren, ob sie bereit sind, die zusätzlichen Medikamente einzunehmen, um ihr zukünftiges Risiko zu senken. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass es sich um eine Langzeittherapie handelt. Das heisst, die Patienten müssen bereit sein, die zusätzlichen Medikamente über Jahre einzunehmen.
Risiko eruieren
Die Schlüsselfrage lautet: Wer hat ein hohes Risiko und wer nicht? Schaut man die Gesamtmenge aller Patienten in der Studie an, war der Gewinn durch die Behandlung vergleichsweise bescheiden. Man müsste etwa 80 Patienten während dreier Jahre behandeln, um einen Gewinner zu finden. Weitere Analysen der Studie haben aber gezeigt, dass bei Patienten mit einem höheren Grundrisiko auch der risikosenkende Effekt der Behandlung höher ist. So fiel bei Patienten mit einer Gefässerkrankung sowohl am Herz wie auch in den Beinen oder bei Patienten mit Begleiterkrankungen wie Diabetes, Hirnschlag in der Vergangenheit oder einer Herzschwäche der Vorteil der neuartigen Behandlung deutlich höher aus. Sofern diese Personen mit hohem Risiko keine bekannte Blutungsneigung haben, können sie von der zusätzlichen Blutverdünnungstherapie profitieren.
Der wichtigste Nachteil der niedrig dosierten Blutverdünnungstherapie ist naturgemäss das erhöhte Risiko für Blutungskomplikationen. Die Gefahr, einen Hirnschlag, Herzinfarkt oder Herztod zu erleiden, kann man zwar senken, aber nur unter Inkaufnahme einer erhöhten Blutungsneigung. In der Studie waren es in erster Linie Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Wenn man die positiven wie negativen Aspekte der Behandlung bilanziert, zeigte sich schon in der Gesamtpopulation der Studie, dass die zusätzliche Therapie vorteilhaft war. Wenn man speziell die Patienten mit dem höchsten Risiko anschaute, war der Profit noch grösser, während das Blutungsrisiko nicht im gleichen Mass zunahm. Alles in allem hatten die Hochrisiko-Patienten mit der niedrig dosierten Blutverdünnungstherapie das beste Nutzen-Risiko-Verhältnis.