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Die Kette der Verkaufsstellen in die eigenen Hände nehmen
Daressalaam, 2022-10-28. Wer in Tansania unterwegs ist, kennt Mama Ntilie. «Mama Ntilie» steht stellvertretend für die vielen Frauen, die darauf spezialisiert sind, auf den Strassen, ausserhalb von Industrie- und Hafenanlagen oder bei Baustellen billige Mahlzeiten für die Belegschaften zu kochen. Sie müssen sich oft zu sehr hohen Tagespreisen im Detailhandel eindecken, weil sie mangels Liquidität und Lagermöglichkeiten nicht engros einkaufen können. Auch Fatuma in Kigamboni ist als «Mama Ntilie» beim Einkauf für ihre Garküche auf diese Märkte angewiesen. Was, wenn die Versorgung mit Agrarprodukten aus dem Landesinneren über ein eigenes Netz von Verkaufsstellen in den Städten laufen könnte?
Bahat Tweve mit seiner Handelsgesellschaft TBM pflegt eine jahrelange Zusammenarbeit mit farip und stellt sich schon seit Längerem dieser Herausforderung. Er scheiterte bislang aber immer am Unvermögen, über die 800 km Distanz zwischen den Produzenten und den Verkaufsstellen eine zuverlässige und regelmässige Versorgung zu sichern.
Nun hat TBM bei farip das Konzept für eine Co-Finanzierung eingereicht, entlang der Route des Transportes-nach-Fahrplan kleine Lager einzurichten, wo der Lastwagen kurz anhalten und bestellte Ware abladen kann. Dort könnten dann Kundinnen wie Fatuma ihre Lieferungen lagern und entsprechend ihrem Tagesbedarf für die Garküche abholen. Solche Lager könnten sich zu Verkaufsstellen und darüber hinaus zu so etwas wie kleinen «Logistik-Zentren» entwickeln.
Natürlich sollen solche Verkaufsstellen im Mechanismus des fairen und transparenten TSS-Handels über die gesamte Kette, vom Bauern bis zu «Mama Ntilie» und Fatuma in Daressalaam, 800 km weit weg, funktionieren. Ein zuverlässiger Transport wiederum bedingt die Vernetzung mit dem SCS-Venture, der sicheren und regelmässigen Lieferungen mit dem Transport-nach-Fahrplan.
Um dieses Verkaufsstellen-Konzept zu testen verhandelt farip mit TBM darüber, die Finanzierung von einigen ersten Versuchs-Standorten – auf der Route von Makambako über Ruaha Mbuyuni bis nach Daressalaam – à fonds perdu zu übernehmen, damit TBM die Machbarkeit demonstrieren kann, die Versorgungsketten gewinnbringend in den eigenen Händen zu halten, und die Bauern dabei zu beteiligen.
Ruaha Mbuyuni ist ein wichtiger regionaler Handelsort an der Strasse zwischen Iringa und Morogoro. Etliche unbefestigte Strassen ziehen von dort kilometerweit in die umliegenden Dörfer, mit bewässerten Feldern mit Zwiebeln und Tomaten entlang des Ruaha Flusses. In den Wäldern wachsen «Mbuyu», Baobab-Bäume.
Bahat plant dort den dritten Verkaufspunkt zu lancieren, sobald die beiden in Daressalaam und Makambako funktionieren.
«Mama Ntilie» wird sich über die gesicherte Qualität und die zuverlässige Lieferung samt Lagermöglichkeit an den Verkaufsstellen bestimmt freuen.