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Schlieren will separate Grabfelder für Muslime schaffen. Muslime müssen nach ihrem Tod so rasch wie möglich bestattet werden. Was vor und während der Bestattung abläuft , weiss Enver Fazliji, Gründer von zwei islamischen Bestattungsinstituten.
Muslime glauben, dass die Seele den Körper erst verlässt, wenn dieser seine Ruhe in der Erde gefunden hat. Stirbt ein Muslim, muss es deshalb schnell gehen: Die Waschung des Leichnams sollte innert 24 Stunden und die Bestattung innert 48 Stunden stattfinden. «Die Fristen sollten eingehalten werden, damit die Würde des Verstorbenen gewahrt werden kann und die Seele ihre Ruhe findet», sagt Enver Fazliji, der vor acht Jahren im solothurnischen Bellach eines von zwei islamischen Bestattungsinstituten in der Schweiz gegründet hat.
Zu Lebzeiten drei Tote waschen
Jeder Muslim sollte in seinem Leben mindestens drei Tote waschen – strikte nach Geschlechtern getrennt. Frauen werden von Frauen gewaschen, Männer von Männern. Der Leichnam wird dabei zugedeckt, bei Frauen von den Brüsten bis zu den Knien, bei Männern der Genitalbereich. Der Tote wird drei Mal gewaschen, einmal mit Wasser, einmal mit Shampoo, dann die Reinigung, wie sie auch vor dem Gebet durchgeführt werden muss: je drei Mal die Hände, das Gesicht, Mund und Nase. Das Wasser müsse dabei lauwarm sein und der Tote so wenig wie möglich bewegt werden, so Fazliji.
Nach der Reinigung wird der Leichnam in ein weisses Tuch gehüllt. Wird der Verstorbene in der Schweiz bestattet, wird er in einen schlichten Holzsarg gelegt, auf die rechte Seite, das Gesicht gen Mekka gerichtet. Wird der Verstorbene im Ausland beigesetzt, muss der Sarg verplombt und der internationale Leichenpass und die Einreisegenehmigung der jeweiligen Botschaft besorgt werden. Am Flughafen wird der Sarg vor dem Verladen in den Frachtraum in Jute eingenäht, damit die Passagiere sich nicht erschrecken.
Muslimische Friedhöfe sind sehr schlicht gehalten. Auf den Grabzeichen stehen meist nur Vor- und Nachname des Verstorbenen und das Todesjahr. Blumen werden keine gepflanzt. Die Gräber sind auch nicht voneinander abgetrennt, die Gräber sollen zu einem Grabfeld zusammengefasst werden. So will es die islamische Begräbniskultur.
«Schlieren sendet ein Zeichen der Wertschätzung»
Herr Steinmann*, seit 2004 werden auf dem Friedhof Witikon Muslime beigesetzt. Was haben Sie in dieser Zeit für Erfahrungen gemacht?
Rolf Steinmann: Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Wir arbeiten mit zwei muslimischen Bestattungsinstituten zusammen, denen wir bei ihrer Arbeit viel Spielraum bieten. Wir stellen ihnen einen Waschraum zur Verfügung, wo sie ihre Verstorbenen selbstständig waschen und aufbahren können. Das klappt gut, die Muslime halten sich an die Spielregeln.
Im Schnitt werden in Witikon pro Jahr 20 Muslime bestattet. Besteht überhaupt das Bedürfnis nach weiteren Grabfeldern?
Natürlich. Man muss bedenken, dass sich die Bestattungskultur verändert. In fünf bis zehn Jahren, wenn die erste gut integrierte Generation stirbt, rechnen wir mit einem deutlichen Anstieg an Bestattungen. Wir dürfen ausserdem nicht vergessen, dass auch immer mehr gebürtige Schweizer muslimischen Glaubens sind.
Sind es denn hauptsächlich junge Verstorbene, die bislang in Witikon bestattet werden?
Ja, hier werden hauptsächlich Kinder und Jugendliche bestattet. Alte Verstorbene werden nach wie vor meist in ihr Heimatland überführt. Wenn aber Kinder sterben, wollen die Eltern, die ihren Lebensmittelpunkt in der Schweiz haben, ihr Kind in der Nähe haben und nicht in einem anderen Land beerdigen.
Was halten Sie davon, dass Schlieren ein muslimisches Grabfeld schaffen will?
Ich unterstütze das sehr. Es ist ein Signal an andere Gemeinden und entlastet die Städte, die bereits ein muslimisches Grabfeld haben. In erster Linie ist es aber ein Zeichen an die muslimische Bevölkerung, ein Zeichen der Integration. Wir sind es den muslimischen Mitmenschen schuldig, dass sie hier, wo sie geboren sind, wo sie wohnen, arbeiten und sterben, auch bestattet werden dürfen. Die Stadt Schlieren sendet mit der Planung eines Grabfeldes ein Zeichen der Wertschätzung an seine muslimischen Einwohner.
* Rolf Steinmann ist Leiter des zürcherischen Bestattungs- und Friedhofsamts und damit auch für das erste muslimische Grabfeld auf dem Friedhof Witikon zuständig.
© Limmattaler Zeitung / MLZ; 22. Februar 2013, Katja Landolt