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Ich bin Gastwissenschaftlerin an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft und Expertin für die Psychologie von Mensch-Natur- und Mensch-Wildtier-Beziehungen.
In meiner Doktorarbeit habe ich unter die Lupe genommen, warum und wie die intensiven und gegensätzlichen Reaktionen auf Wildtiere entstehen, wie wir sie beispielsweise im Zuge der Rückkehr des Wolfes oder in Bezug auf die aufgrund von Habitatverlust häufiger in Städten nistenden Saatkrähen beobachten können. Dies gehört zur sogenannten "Human Dimensions"-Forschung.
In der Öffentlichkeit werden Wildtiere, die den Erwartungen des Menschen nicht entsprechen oder seiner Ressourcennutzung entgegenstehen, häufig unter Mitwirkung der Medien zu „Problem“-Tieren stilisiert. Doch diese Darstellungen bilden nur die Beziehung eines Teils der Gesellschaft zu diesen Tieren ab: Ein anderer Teil schätzt ganz ausdrücklich Wölfe, Krähen und andere zum „Problem“ erklärte Wildtiere. Manchmal wächst sich diese Wertschätzung zu einer regelrechten Romantisierung aus, wenn etwa die kluge Krähe zum besseren Menschen oder der Wolf zum Inbegriff von Edelmut und Loyalität erhoben wird.
In beiden Fällen, der Problematisierung und der Romantisierung von kontrovers betrachteten Wildtieren, wird offensichtlich, dass die Konflikte ebenso wie viele Appelle für den Schutz der Tiere nicht nur durch die objektiv gegebenen Reibungspunkte oder Chancen definiert werden, sondern maßgeblich durch tiefere psychologische Dynamiken bestimmt sind.
In meinem Promotionsprojekt habe ich herausgefunden, dass unter anderem unterbewusst schwelende Ängste, grundlegend verschiedene Vorstellungen von Natur und symbolische Assoziationen eine Rolle spielen, die jene Tiere aufrufen. Letztlich geht es in herausfordernden Interaktionen mit Wildtieren um nichts Geringeres als um tiefgreifende Fragen des Menschseins.
Diese Ergebnisse vertiefe ich nun und stelle sie in den breiteren Kontext der Beziehungen der Menschen zur "Natur" - oder besser: zur Mitwelt. Die Mitwelt: das ist die Gesamtheit der individuellen menschlichen, tierlichen und pflanzlichen Lebewesen, mit denen wir Menschen die Lebensräume dieser Erde teilen, und das All der natürlichen Prozesse und Systeme, in die wir eingewoben sind.
Ich möchte so zu dem großen Ziel beitragen, dass wir uns dieses Eingewobensein bewusst machen die Logik der (Aus-)Nutzung von "Natur" hinter uns lassen. Mensch-Wildtier-Konflikte zu entschärfen, ihnen vorzubeugen und Möglichkeiten für eine Koexistenz des Menschen mit potentiell „problematischen“ Wildtieren zu begründen, kann uns dabei ein Testfall und Übungsfeld für jenen großen Bewusstseinswandel sein.
Weitere akademische Arbeits- und Interessensfelder
Ehemals aus der Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung kommend, interessiere ich mich auch für die Philosophie des Geistes, genauer: für die Frage, wie und warum Lebewesen verschiedener Arten miteinander kommunizieren und einander verstehen, also erfolgreich Bedeutung austauschen können. Die ist letztlich, psychologisch gesehen, die Grundlage für eine gelingende Koexistenz von Menschen mit anderen Organismen.
Ausserakademische Interessen
Auch über meine akademischen Projekte hinaus engagiere ich mich für gute Mensch-Mitwelt-Beziehungen, etwa indem ich die Feder in diversen praktischen Projekten des Naturschutzes und der Tierrechte führe.