Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/215933

<h2>SubmittedText<h2><p>Am 23. September wurde in der internationalen Ausgabe der Weltwoche ein bemerkenswerter Artikel eines namhaften Experten im Bereich der Entwicklung von Impfstoffen publiziert mit dem Titel: "Covid-19 Vaccine, Hope and Promise - Safety first!" Berechtigt und notwendig ist das Engagement des Bundes, um für die Schweizer Bevölkerung die Beschaffung eines Impfstoffes gegen Covid-19 sicherzustellen, sobald ein solcher auf dem Markt erhältlich ist. Ebenso berechtigt ist es aber, dabei die Gesundheit der Bevölkerung nicht zu gefährden und Steuergelder, insbesondere im Bereich der Gesundheitsversorgung, sorgfältig einzusetzen. Reinhard Glueck macht in diesem Artikel darauf aufmerksam, dass politische Versprechen, öffentliche Erwartung und Wissenschaft noch nie weiter voneinander entfernt waren in ihrer Einschätzung als heute im Kontext der Pandemie Covid-19. In diesem Zusammenhang stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Wie schätzt der Bundesrat Chancen und Risiken von zukünftigen Vakzinen gegen Covid-19 im Vergleich zwischen rekombinanten und DNA/mRNA-basierten Impfstoffen ein?</p><p>2. Bis zum heutigen Datum gab es trotz grosser Hoffnung und langjähriger Forschung auch auf Seite der Wissenschaft noch nie einen marktreifen Impfstoff der Gruppe der so genannten "Gen Therapie Impfstoffe", wobei abgesehen von den grossen Risiken auch die Logistik bis jetzt eine nicht zu bewältigende Herausforderung darstellt, da sie äusserst instabil sind und nur gekühlt auf minus 20 bis minus 70 Grad überhaupt haltbar sind. Warum hat der Bundesrat genau in diese Technologie gegen Covid-19 Geld investiert?</p><p>3. Wird der Bundesrat die Versorgung mit ersten rekombinanten Impfstoffen gegen Covid-19 für die Bevölkerung sicherstellen?</p><p>4. Wieviel Geld hat der Bundesrat für welche potenziellen Impfstoffe auf der Basis der beiden unterschiedlichen Technologien investiert?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Basierend auf den zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Daten lässt sich nicht abschätzten, ob mRNA Impfstoffe hinsichtlich Sicherheit (Risiken) und Wirksamkeit (Nutzen/Chancen) ein besseres oder schlechteres Profil aufweisen als z.B. DNA-Impfstoffe oder Impfstoffe mit rekombinanten Proteinen. Eine aussagekräftige Beurteilung wird erst möglich sein, wenn die umfassenden klinischen Studien abgeschlossen sind und die Ergebnisse im Rahmen eines Zulassungsverfahren von Swissmedic begutachtet werden. </p><p>Ein allfälliger Einsatz eines Impfstoffes in der Schweiz beruht ausserdem in der Regel auf einer Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF).</p><p>Der Vorteil der mRNA Impfstoffe sind u. a. die schnelle, qualitativ hochstehende Produktion und allenfalls notwendige schnelle Anpassung bei Mutation des Virus. mRNA wird ausserdem nicht in den Zellkern transportiert und die kurze Halbwertszeit der mRNA verhindert einen dauerhaften Verbleib der mRNA Moleküle in der Zelle. Die herkömmlichen protein-basierten (rekombinanten) Impfstoffe können deutlich weniger schnell und flexibel hergestellt werden, sie greifen jedoch auf eine erprobte Technologie zurück.</p><p>2. und 3. Da heute noch nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, wo ein erster erfolgreicher Impfstoff gefunden werden wird, setzt der Bund bewusst auf ein diversifiziertes Vorgehen. Dies erhöht die Chancen auf einen schnellen und sicheren Zugang zu einem zukünftigen Impfstoff. Der Bund setzt daher auch auf verschiedene Technologien, um das Risiko zu minimieren und bereitet sich auf unterschiedliche Szenarien vor. Dabei berücksichtigt der Bund neben Kandidaten mit rekombinanten Proteinen auch vielversprechende mRNA-Impfstoffkandidaten. Diese werden fachtechnisch nicht als "Gentherapien" bezeichnet. DNA Impfstoffe werden zurzeit vom Bund nicht prioritär verfolgt.</p><p>4. Der Bundesrat hat bis anhin über 400 Millionen Franken für die Beschaffung von zukünftigen SARS-CoV-2 Impfstoffen gesprochen. Dabei wurde den einzelnen Technologien kein fixer Betrag zugeordnet. Der Bund verhandelt mit verschiedenen Unternehmen. Um die Position des Bundes in den Verhandlungen nicht zu schwächen, werden diese nicht kommentiert. </p>  Antwort des Bundesrates.