Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03383.jsonl.gz/2174

Schwindel? Gedächtnislücken? Verwirrtheit? Sturz? – Vielleicht ist es Epilepsie.
Was ist Epilepsie?
Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns. Es gibt zahlreiche Formen epileptischer Anfälle. Die Zeichen reichen von isolierten Bewusstseinsstörungen bei Absencen (kleinen generalisierten Anfällen oder Petit mal
) über kurze unwillkürliche Zuckungen bei erhaltenem Bewusstsein (Myoklonien
) bis hin zu «grossen» Krampfanfällen mit Bewusstseinsverlust (Grand mal
).
Bei Menschen über 60 Jahren, die neu unter Epilepsie leiden, sind die so genannten fokalen Anfälle
mit Bewusstseinsstörung am häufigsten, gefolgt vom «grossen» Anfall, dem Grand mal. Relativ häufig kommt es bei älteren Menschen nach einem Anfall bis zu einigen Tagen anhaltenden Sprach- oder sonstigen Funktionsstörungen.
Ein «grosser» Anfall, der andauert, heisst Status epilepticus
. Er kann mit Krämpfen, bei älteren Menschen jedoch nicht selten auch ohne Krämpfe auftreten, was dann häufig zuerst nicht als Epilepsie erkannt wird. Diese Patienten wirken verwirrt und werden unter Umständen in psychiatrische Kliniken eingewiesen.
Epilepsien werden zu Alterskrankheiten
Nach so genannten Demenzen wie zum Beispiel der Alzheimer-Krankheit und Schlaganfällen sind Epilepsien die dritthäufigste Krankheit des Nervensystems im höheren Lebensalter. Wegen der starken Zunahme älterer Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung und der immer besseren medizinischen Behandlungsmöglichkeiten bei schweren Krankheiten ist der Beginn einer Epilepsie nach dem 65. Lebensjahr inzwischen häufiger als in der Kindheit und Jugend. Epilepsien werden also immer mehr zu einer «Alterskrankheit». Von Epilepsie im höheren Lebensalter spricht man dann, wenn mindestens zwei nicht provozierte epileptische Anfälle im Abstand von mindestens 24 Stunden auftreten.
Ursachen
Die häufigste nachweisbare Ursache von Altersepilepsien besteht in Durchblutungsstörungen des Gehirns (etwa bei jedem zweiten Betroffenen). Andere mögliche Ursachen sind Kopfverletzungen, Hirntumore, Demenz-Krankheiten, insbesondere die Alzheimer-Krankheit, Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten und Entzündungen. Wie in jedem Lebensalter gibt es schliesslich einen gewissen Anteil, bei dem sich keine Ursache nachweisen lässt.
Ältere Menschen können auf bestimmte Arzneimittel sehr sensibel und zum Teil mit einer Senkung der Krampfschwelle reagieren. Daran sollte man denken bei Antibiotika, Neuroleptika etc.
Diagnose
Es ist nicht einfach, bei Patienten in höherem Lebensalter epileptische Anfälle als solche zu erkennen. Häufig werden Altersepilepsien deshalb übersehen und nicht richtig behandelt. Verwechslungen sind zum Beispiel möglich, wenn andere Krankheiten wie Herzrhythmusstörungen oder Diabetes mellitus vorliegen. Auch Verhaltensstörungen, Aussetzer (Synkopen
), Schwindel oder Gedächtnisstörungen können auf Epilepsie hinweisen.
Viele ältere Menschen sind aufgrund von Demenz, Sprachstörungen oder anderen Einschränkungen nicht in der Lage, genau über die Vorzeichen eines Anfalls zu berichten. Wenn sie allein leben, sind auch keine Angehörigen in der Nähe, die ihre Beobachtungen schildern könnten.
Behandlung
Sind Epilepsien im höheren Lebensalter einmal als solche erkannt, sind die Behandlungsaussichten in der Regel gut, sofern die Medikamente vertragen werden. Wichtig ist das niedrige Dosieren und langsame Steigern der Dosis. Oft reichen grössenordnungsmässig halb so hohe Dosen wie bei jüngeren Erwachsenen aus. Wegen meist zahlreichen Begleitmedikamenten ist auch auf die Möglichkeit von Wechselwirkungen mit der Gefahr von Überdosierungserscheinungen als auch Wirkungsabschwächungen oder sogar -verlusten zu achten.
Gerade für ältere Menschen mit Epilepsie haben sich einige der neuen, gut verträglichen Antiepileptika wie Lamotrigin
und Gabapentin
bewährt. Meist besteht kein Grund, dass die neu von Epilepsie Betroffenen deswegen ein bislang aktives und unabhängiges Leben aufgeben. Bei vergesslichen Menschen muss die regelmässige Einnahme der Medikamente gewährleistet werden. Hier hilft vielleicht ein Tablettendosierer.
Check-Liste
- Wurden Vorzeichen des Anfalls bzw. der Episode bemerkt?
- Beschreibung des Anfalls, sofern möglich.
- Trat der Anfall/die Episode mehr als einmal auf?
- Herzrhythmusstörungen?
- Diabetes mellitus?
- Demenz?
- Andere Erkrankungen?
- Medikamente?
Epilepsie kann jeden treffen
Mindestens fünf Prozent der Menschen erleiden in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Knapp ein Prozent der Bevölkerung erkrankt im Laufe ihres Lebens an Epilepsie. In der Schweiz sind dies rund 70‘000 Personen, davon etwa 15‘000 Kinder.
Epilepsie-Liga – vielfältig aktiv
Die Schweizerische Liga gegen Epilepsie
forscht, hilft und informiert seit 1931.
Forschen
Sie fördert die Weiterentwicklung des Wissens in allen Bereichen der Epilepsie.
Helfen
Auskünfte und Beratungen:
- für Fachleute aus den verschiedensten Bereichen
- für Betroffene und Angehörige
Informieren
Die Epilepsie-Liga informiert und sensibilisiert die Öffentlichkeit und unterstützt so die Integration von Epilepsie betroffenen Menschen.
Ist Epilepsie im Alter einmal diagnostiziert, lässt sie sich meist gut behandeln.