Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/2605

Hauptmenü:
Die St. Michaelskapelle
Zum Ensemble des Kirchenbezirkes Oberdorf (Umfriedungsmauern, Friedhof, Kirche, Kaplanei, Pfarrhaus) gehört auch die pittoreske Michaelskapelle.
Die heutige Michaelskapelle wurde im Jahr 1613 (also zeitgleich mit dem Kirchenneubau von 1604 - 1615) durch die Vergabungen der Familien Glutz und von Sury auf den Mauern des vormaligen Beinhauses erbaut, bzw. das Beinhaus erweitert zur heutigen Kapelle.
Die merkwürdige Anordnung der Fenster auf der Ostseite scheint dieses Faktum widerzugeben, ebenso die Spuren des alten Einganges auf der Ostseite (offensichtlich vom Vorgängerbau), der unter dem Verputz bei der Restauration von 2012 hervorkam, sowie das geradezu abenteuerliche Flickwerk von Gemäuer, das sich unter dem Putz bei genannter Gelegenheit offenbarte.
Diese dem Hl. Erzengel Michael geweihte Kapelle wurde wohl als Ersatz konzipiert zum Patrozinium der alten Kirche, die dem Hl. Erzengel Michael geweiht war.
War doch die neue Kirche von Anfang an der Mutter Gottes geweiht. Bereits im 19. Jh. wurde die Kapelle als Totenkapelle benützt, verwahrloste aber zusehends, als das neuere Leichenhaus auf dem Friedhof zu Beginn des 20. Jh. gebaut wurde. Bilder aus den frühen 60er Jahren des 20. Jh. zeigen eine vergammelte, als Gerümpelkammer benutzte Kapelle mit Rissen im Gemäuer und vor allem dem Gewölbe. 1963 wurde das alte Altarbild gestohlen, doch Pfarrer Lüthi liess es mit Hilfe einer Lichtbildprojektion des alten Gemäldes als Vorlage von einem Tiroler Maler neu malen.
1616 malte der Lokalkünstler Gregor Sickinger, wie die jüngsten Untersuchungen der Restauratorin B. Bernd ergeben haben (Initialen), das Gewölbe des Chores mit den vier Apostelsymbolen aus. Ein schöner mit dem Stifterwappen versehener Schlussstein ziert die Mitte des Gewölbes. Der in Schwarz gehaltene, schlichte Altar mit zwei Säulen ist dem Hl. Michael geweiht. Das Altarbild zeigt ihn, als kämpfenden Engel in Rüstung und Helm, mit Schwert und Wage in der Hand, umgeben von einem Kranz von Engeln, wie gesagt gemalt nach dem barocken Original.
Von 1972-1982 wurde die Kapelle vor dem Zerfall gerettet und alle Aussenwände mit einer Betonschickt stabilisiert. Doch diese Betonschicht sonderte Salpeter ab und liess die Feuchtigkeit nicht richtig zirkulieren im Gemäuer.
Die Kapelle wurde 2012 aussen totalsaniert und innen sanft gereinigt und restauriert. Danach wurde die Kapelle von Weihbischof Denis Theurillat wieder neu geweiht (mit Altarweihe am 9. Dez. 2012).
Die Kapelle wird heute wieder als Totenkapelle benützt und einige Male im Jahr findet ein Gottesdienst in ihr statt (Prozessionsbeginn an Maria Lichtmess oder Messe am Michaelstag oder den Hl. Schutzengeln).
Heute präsentiert sich die Kapelle in gepflegtem Zustand und ist eine würdige letzte Stätte der Aufbahrung für die Oberdörfer und Oberdörferinnen.