Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03638.jsonl.gz/1540

Progesteron Arzneimittelgruppe GestageneProgesteron ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Gestagene, der als Arzneimittel unter anderem für die Behandlung eines Progesteronmangels, bei einem prämenstruellen Syndrom, Brustschmerzen, als Wehenhemmer und bei einer Unfruchtbarkeit bei Frauen eingesetzt wird. Die Effekte beruhen auf der Supplementierung des natürlichen weiblichen Hormons und der Interaktion mit intrazellulären und membranständigen Progesteron-Rezeptoren. Die Arzneimittel werden peroral, parenteral, topisch und vaginal verabreicht. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Kopfschmerzen und Veränderungen der Regelblutung. Progesteron ist ein Substrat von CYP3A4. Es kann selten gut- und bösartige Veränderungen der Leber hervorrufen.ProdukteStruktur und Eigenschaften
Progesteron (C21H30O2, Mr = 314.5 g/mol) liegt als weisses, kristallines Pulver oder farblose Kristalle vor und ist in Wasser praktisch unlöslich. Es entspricht in seiner Struktur und Eigenschaften dem natürlichen Sexualhormon. Progesteron ist der wichtigste Vertreter der Gestagene und Vorläufer synthetischer Wirkstoffe aus dieser Gruppe. Es enthält zwei Ketongruppen und trägt deshalb das Suffix -on. Mikronisiertes Progesteron kann peroral verabreicht werden.
Wirkungen
Progesteron (ATC G03DA04 ) bewirkt bei einem ausreichenden Östrogenspiegel die Umwandlung des proliferativen in ein sekretorisches Endometrium. Die Therapie erhöht die Progesteronkonzentration und korrigiert einen Progesteronmangel. Die Halbwertszeit beträgt etwa 6 Stunden. Progesteron interagiert mit intrazellulären und membranständigen Progesteron-Rezeptoren:
Wirkmechanismus der Gestagene, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWikiIndikationen
Zu den Anwendungsgebieten von Progesteron gehören:
- Störungen des Hormongleichgewichts infolge einer Progesteroninsuffizienz, z.B. bei einem prämenstruellen Syndrom oder Menstruationsstörungen als Folge von Ovulationsstörungen.
- Als Ergänzung einer Östrogen-Substitutionstherapie bei vasomotorischen Störungen aufgrund der Menopause.
- Beschwerden und Schmerzen der weiblichen Brust (Mastodynie) → siehe unter Progesterongel.
- Supplementierung der Lutealphase bei In-vitro-Fertilisationszyklen.
- Supplementierung der Lutealphase bei spontanen oder induzierten Zyklen, insbesondere bei durch Ovulationsstörungen bedingter Hypofertilität sowie bei primärer oder sekundärer Sterilität.
Gegenanzeigen bei einer systemischen Anwendung:
- Überempfindlichkeit
- Nicht abgeklärte Vaginalblutungen
- Neoplasmen der Brust oder der Geschlechtsorgane
- Lebertumore
- Akute oder chronische Leberleiden
- Cholestatischer Ikterus
- Porphyrie
- Arterielle oder venöse thromboembolische Erkrankungen
- Hirnblutungen
- Genitalblutungen ungeklärter Ursache
- Verhaltener Abort oder ektope Schwangerschaft
- Herpes gestationis
Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.InteraktionenUnerwünschte Wirkungen
Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Kopfschmerzen und Veränderungen der Regelblutung wie ein Ausbleiben (Amenorrhoe), eine Verkürzung des Menstruationszyklus und Zwischenblutungen.
Gelegentlich kann Progesteron die folgenden Nebenwirkungen auslösen:
- Schläfrigkeit, Schwindel
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung
- Cholestatischer Ikterus
- Hautausschlag, Juckreiz, Nesselfieber, Akne, Chloasma (Hyperpigmentierung der Haut)
Progesteron kann selten bis sehr selten gut- und bösartige Veränderungen der Leber hervorrufen.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, USA, D)
- Cable J.K., Grider M.H. Physiology, Progesterone. 2021, StatPearls Publishing, 2021 Pubmed
- Ciampaglia W., Cognigni G.E. Clinical use of progesterone in infertility and assisted reproduction. Acta Obstet Gynecol Scand, 2015, 94 Suppl 161, 17-27 Pubmed
- Europäisches Arzneibuch PhEur
- Sundström-Poromaa I. et al. Progesterone - Friend or foe? Front Neuroendocrinol, 2020, 59, 100856 Pubmed
- Sykes L., Bennett P.R. Efficacy of progesterone for prevention of preterm birth. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol, 2018, 52, 126-136 Pubmed
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.