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Die grossen Fragen treiben Heinz Helle in seinem Roman um: Was soll das Leben, was sollen wir auf dieser Welt? Kein Wunder, der Schriftsteller ist auch Philosoph. Er erzählt in seinem Roman Die Überwindung der Schwerkraft die Geschichte zweier Brüder, die sich auf eine Kneipentour begeben. Neben Treblinka, Stalingrad und Marc Dutroux kommt die Sprache auch auf das Vaterglück. Nach dem plötzlichen Tod des älteren Bruders begibt sich der jüngere auf die Suche nach seinen Spuren. Die Erinnerungen sind genauso luzide geschrieben wie gehaltvoll. Es handelt sich, mit den Worten von Paul Jandl in der NZZ, um «einen der schönsten Brüderromane der jüngeren deutschen Literatur».
Heinz Helle, geboren 1978, lebt und arbeitet in Zürich. Er ist Philosoph und Absolvent des Schweizerischen Literaturinstituts in Biel. Der Roman Die Überwindung der Schwerkraft war nominiert für die Longlist des Schweizer Buchpreises.
Gallus, der Wandermönch aus dem 7. Jahrhundert – und spätere Namensstifter der Stadt St. Gallen – verlässt seine irische Heimat. Er bricht alle Brücken hinter sich ab, durchwandert halb Europa und lässt sich in der Wildnis am Bodensee nieder. Jahre später besucht ihn eine Frau und durchlöchert ihn mit ihren Fragen. Sie zwingt ihn damit, sich der Vergangenheit zu stellen. Gallus, man könnte ihn den «Aussteiger des Mittelalters» nennen, ist eine sperrige Figur. Die Autorin beherrscht auch in diesem Roman die Kunst, sich der historisch verbrieften Figur durch fiktive Situationen behutsam anzunähern. Viel weiss man zwar nicht, aber die Thematik ist überraschend modern: Wer sind die Menschen, die zu uns wollen? Welchen Fragen müssen sie sich stellen – und wir uns?
Gabrielle Alioth, geboren 1955 in Basel, war als Konjunkturforscherin und Übersetzerin tätig, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. 1990 publizierte sie den preisgekrönten Roman Der Narr. Es folgten zahlreiche weitere Bücher, darunter auch Geschichten für Kinder, Reiseberichte und Theaterstücke. Daneben ist sie journalistisch tätig und unterrichtet an der Hochschule in Luzern. Seit 1984 lebt Gabrielle Alioth in Irland und der Schweiz.
Die unmittelbare Nachkriegszeit in einer deutschen Kleinstadt. Der literarische Chronist der alten Bundesrepublik lässt in Direkt danach und kurz davor mehrere Stimmen erfragen, was möglicherweise geschah. Egal, wo man das Buch aufschlägt, man taucht, ertastet und erfühlt Versatzstücke von Erinnerungen, die nebeneinander und zusammen einen Raum von Stimmungen ergeben. Im zehn Jahre früher entstandenen Roman Vondenloh, der nun von Matthes & Seitz neu aufgelegt worden ist, hören wir durch eine einzelne Erzählstimme eines 40jährigen Schriftstellers über das Leben und Werk der fiktiven Autorin Bettine Vondenloh, deren Romane die Seitenzahl 120 nie überschreiten und stets Bestseller werden. Ein amüsanter und absurder Roman über den deutschen Literaturbetrieb. Aber natürlich landet man auch hier, ehe man sich versieht, in den Archiven der deutschen Geschichte und steht am Ende vor der Frage, was nun eigentlich die Wahrheit ist.
Frank Witzel, geboren 1955, lebt und arbeitet in Offenbach. Für seinen Roman Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 bekam er den Robert Gernhardt Preis und den Deutschen Buchpreis 2015. Für seinen Roman Direkt danach und kurz davor war er nominiert für den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2017.