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Muslimische Seelsorge in Spitälern ist bis heute vor allem ein Angebot auf Nachfrage und wird meist ehrenamtlich geleistet. Zwischen den Institutionen und Kantonen bestehen dabei grosse Unterschiede. Anbei die wichtigsten Beispiele aus verschiedenen Kantonen:
Im Kanton Genf wurde 2006 eine Partnerschaftsvereinbarung zwischen den Hôpitaux Universitaires Genevois (HUG) und der Association Aumônerie Musulmane (AAM) unterzeichnet. Dieser Verein wurde mit dem expliziten Ziel gegründet, sich um die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten in Bezug auf spirituelle Begleitung zu kümmern. Er kann auf das Engagement von Freiwilligen mit einem religiösen Wissen zählen, die zudem im Zuhören und in der Mediation geschult sind.
Im Kanton Waadt ist die Seelsorge ein Vorrecht der katholischen und der reformierten Kirche. Es gibt jedoch Regelungen für Angehörige nicht anerkannter Religionsgemeinschaften, die sich wiederum zwischen Institutionen wie Spitälern und Gefängnissen unterscheiden. In Spitälern darf nur auf ausdrücklichen Wunsch der Patientin oder des Patienten ein muslimischer Seelsorger oder eine muslimische Seelsorgerin anwesend sein. In diesem Fall fungiert der christliche Spitalseelsorger als Bindeglied zwischen dem muslimischen Seelsorgenden und der hospitalisierten Person. Auf der Website der Spitalseelsorge führt das Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) die beiden muslimischen Organisationen, mit denen es hierfür kooperiert, auf.
Im Kanton Bern führt das Inselspital eine Liste mit Seelsorgenden verschiedener Konfessionen und Religionen und arbeitet zudem mit einem Netzwerk von Imamen und mit Personen muslimischen Glaubens zusammen, die verschiedene Sprachen sprechen. Diese Liste steht den Seelsorgenden der Institution zur Verfügung, die die darauf verzeichneten Personen im Bedarfsfall kontaktieren können. Einmal pro Jahr werden alle diese Personen von der Spitalseelsorge für einen Austausch eingeladen. Seit 2019 wird ein muslimischer Seelsorgender mit einer 10%-Stelle beschäftigt.
Im Kanton Luzern existierte am Luzerner Kantonsspital (LUKS) ein muslimischer Besuchsdienst, der aus einer Gruppe von zwei Imamen und sieben weiteren Personen besteht und in Absprache mit der Islamischen Gemeinschaft Luzern (IGL) seit 2013 angeboten wird.
Seit 2017 regelt im Kanton St.Gallen eine Vereinbarung zwischen dem Kantonsspital St. Gallen (KSSG) und dem Dachverband islamischer Gemeinden der Ostschweiz DIGO das muslimische Seelsorgeangebot. Die muslimische Spitalseelsorge wird von einem gemischten Team aus sieben Freiwilligen getragen. Eine Person des Teams ist einmal pro Woche im Spital präsent und besucht muslimische Patientinnen und Patienten. Die Seelsorgenden werden auch in Notfallsituationen gerufen.
Im Kanton Zürich haben die Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich und der Dachverband der islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) im Jahr 2017 die Trägerschaft QuaMS – Qualitätssicherung der Muslimischen Seelsorge in öffentlichen Einrichtungen gegründet. Diese wird von der Evangelisch-reformierten Landeskirche und Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich in Form einer Begleitkommission unterstützt. QuaMS hat den Auftrag, ein zentralisiertes Angebot und die Qualität der muslimischen Seelsorge in öffentlichen Institutionen sicher zu stellen. Das Angebot von QuaMS steht allen öffentlichen Institutionen wie Spitälern, Gefängnissen, Psychiatrien, Alters- und Pflegeheimen, Schulen, Asylheimen sowie den Blaulichtorganisationen des Kantons Zürich zur Verfügung.