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BERN / QUÉBEC - Die Nachfahren von Erstbesiedlern in Québec haben ein höheres Risiko für Erbkrankheiten. Wie Schweizer und kanadische Forscher zeigen, kann die natürliche Auslese in dünn besiedelten Gebieten Genmutationen schlechter ausmerzen.
Die Forschenden am Schweizerischen Institut für Bioinformatik (SIB) an der Universität Bern beugten sich zusammen mit Kollegen der Universität Québec in Chicoutimi (UQAC), der Universität Montréal und der Universität Toronto über die historischen und genomischen Daten von Nachkommen derjenigen Menschen, die sich in der ersten Besiedlungswelle in Québec niedergelassen hatten. Die Geschichte dieser Pioniere ist besonders gut dokumentiert.
Es ist bekannt, dass Personen, deren Vorfahren an vorderster Front an der Kolonialisierung Québecs teilnahmen, ein höheres Risiko für Erbkrankheiten haben. Allerdings waren die Gründe dafür bisher unklar.
Stephan Peischl und Isabelle Dupanloup Duperret vom SIB konnten zeigen, dass sich bei diesen Personen mehr Genmutationen angesammelt haben als etwa bei Menschen, deren Vorfahren in bereits kolonisierten Regionen lebten. Diese verhängnisvollen Mutationen können laut den Forschenden nicht mit der Blutverwandtschaft innerhalb der isolierten Bevölkerungsgruppen erklärt werden.
Es sei vielmehr so, dass die natürliche Auslese in weniger dicht besiedelten Regionen weniger effizient funktioniert und Genmutationen nicht wirksam auslöschen kann.
Die Forschergruppe konnte dies zum ersten Mal für eine so junge Bevölkerungsgruppe zeigen. "Die Tatsache, dass wir diese bedeutenden Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden haben, ist recht erstaunlich, schliesslich müssen sich diese Unterschiede innerhalb von sechs bis neun Generationen ausgebildet haben - evolutionär betrachtet eine sehr kurze Zeit", wird Peischl in einer Mitteilung des SIB zitiert.
Die Befunde, über welche die Forschenden im Fachjournal "Genetics" berichten, könnten dabei helfen, das Auftreten von Krankheiten bei Bevölkerungsgruppen mit Kolonialvergangenheit zu verstehen. Allerdings sind die Wissenschaftler für weitere Forschung auf DNA von diesen Bevölkerungsgruppen angewiesen.
Quelle: SDA - 06.03.2018, Copyrights Bilder: Fotolia.com
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