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von Brian Cardini
Lachen ist gesund. So lautet zumindest ein altes Sprichwort aus dem Volksmund. Und es tönt plausibel: Bestimmt müssen Sie nicht allzu weit zurückdenken, wenn Sie sich eine Situation vor Augen rufen wollen, in der Humor Abhilfe geschafft hat. Doch was sagt die psychologische Forschung dazu? In der Tat haben verschiedene Studien gezeigt, dass der Gebrauch von Humor mit erwünschten Gesundheitszuständen wie einem gesünderen Immunsystem oder einer geringeren Sterblichkeit assoziiert ist. Allerdings gibt es auch Studien, die keinen oder gar einen negativen Zusammenhang zwischen Humor und Gesundheit gefunden haben. Wie kann das sein?
Die Forschenden Heidi Fritz, Leslie Russek und Melissa Dillon von der Clarkson University argumentieren, dass bisherige Forschung den Humorbegriff zu breit und unpräzise definiert hat, und dies zu inkonsistenten Befunden geführt haben könnte. Sie schlagen vor, anstatt einer allumfassenden Definition einzelne Humorstile zu unterscheiden. Diese Stile unterscheiden sich in zwei Dimensionen: Sie können entweder selbstbezogen oder fremdbezogen sowie entweder wohlwollend oder schädigend sein. Dementsprechend kann man zwischen vier unterschiedlichen Stilen unterscheiden: Mit affiliativem Humor (fremdbezogen und wohlwollend) versucht man, durch harmlose Witze eine Beziehung mit anderen Menschen aufzubauen. Selbstaufwertender Humor (selbstbezogen und wohlwollend) wird verwendet, um das eigene Selbstbild zu stärken, indem man eine heitere Sicht auf das Leben aufrechterhält. Aggressiver Humor (fremdgerichtet und schädlich) dient dazu, sein Selbstbild zu stärken, indem man andere Personen blossstellt und schikaniert. Selbstzerstörerischer Humor (selbstgerichtet und schädlich) dient dazu, eine Beziehung zu anderen Personen herzustellen, indem man sich selber zur Zielscheibe des Spottes macht.
Basierend auf älteren Untersuchungen vermuteten die Autoren, dass affiliativer Humor und selbstaufwertender Humor positiv mit wünschenswerten Gesundheitszuständen zusammenhängt. Dagegen erwarteten sie, dass aggressiver und selbstzerstörerischer Humor negativ mit solchen Gesundheitskonstrukten zusammenhängen.
In einer Studie mit 109 Psychologiestudierenden von der Clarkson University untersuchten die Autoren, wie diese verschiedenen Humorstile mit gesundheitsbezogenen Variablen wie Stress, dem Umfang an sozialer Unterstützung und der Qualität von sozialen Interaktionen zusammenhängen. Zuerst gaben die Teilnehmenden an, wie viel Stress sie im Allgemeinen im Alltag erleben. Danach berichteten die Teilnehmenden darüber, wie sehr die verschiedenen Humorstile auf sie persönlich im Allgemeinen zutreffen. Wie erwartet stellte sich heraus, dass affiliativer und selbstaufwertender Humor negativ mit Stress korreliert ist. Teilnehmende, die in der Regel mehr Gebrauch von diesen beiden Humorstilen machen, gaben an, im Allgemeinen weniger Stress zu erleben als solche Teilnehmende, die weniger Gebrauch von diesen Humorstilen machen. Des Weiteren fanden die Autoren, dass soziale Interaktionen den stresslindernden Effekt von positiven Humorstilen erklären: Wer Gebrauch von wohlwollendem Humor macht, verstärkt dadurch die Beziehungen zu seinen Mitmenschen, und diese bedeutsamen Interaktionen wiederum haben eine stresslindernde Wirkung. Interessanterweise fanden die Autoren keinen Zusammenhang zwischen aggressivem und selbstzerstörerischem Humor und Stress.
Wohlwollender Humor kann also stresslindernd wirken, und dies aus dem Grund, weil diese Art von Humor mit mehr sozialer Unterstützung verbunden ist. Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass diese Ergebnisse von korrelativer Natur sind, also lediglich Zusammenhänge beschreiben, und keine Schlüsse über die Kausalität zulassen. Es bleibt weiterhin offen, ob der Gebrauch von wohlwollendem Humor tatsächlich zu weniger Stress im Alltag führt, oder ob Menschen, die generell weniger Stress verspüren, mehr Gebrauch von wohlwollendem Humor machen. Ebenfalls sollte in künftigen Studien genauer untersucht werden, ob sich diese Zusammenhänge je nach Intensität oder Dauer der Stressoren verändern.
Literaturangaben:
Fritz, H. L., Russek, L. N., & Dillon, M. M. (2017). Humor use moderates the relation of stressful live events with psychological distress. Personality and Social Psychology Bulletin, 43, 845-859.
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