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«Die Tradition respektieren und dennoch wagen, frech zu sein, denn das eine ginge nicht ohne das andere»: Diese Worte stammen von Christian Dior, aber sie passen genauso gut zu Maria Grazia Chiuri, der Chefdesignerin des französischen Hauses. Die Italienerin schafft den Spagat zwischen der Suche nach Authentizität, dem Erbe von Dior und dem Willen, Codes zu brechen. Davon zeugt auch ihre Neuinterpretation eines Klassikers des Hauses, der Saddle Bag. Die ikonische Tasche erschien erstmals in der Prêt-à-porter-Kollektion Frühjahr/Sommer 2000 und wurde vom damaligen Chefdesigner John Galliano entworfen. Das vom Reiten inspirierte Stück in Form eines Pferdesattels, dekoriert mit einem goldfarbenen D, wurde seither von zahlreichen Künstlern und Stars wie Beyoncé, Sarah Jessica Parker (in «Sex and the City»), Elle Macpherson, aber auch Paris Hilton, Nicole Richie und Sienna Miller getragen. Es wurde auch im berühmten «Oblique Toile» gefertigt, mit dem von Marc Bohan in den 1970er-Jahren entworfenen Dior-Logo – den sich überlappenden Buchstaben.
In den 2000er-Jahren war die unter der Schulter getragene, mit den damals aktuellen Cropped Tops kombinierte Tasche ein grosser Erfolg. Zur Zeit des Porno Chic sahen einige darin eine Hommage an Helmut Newtons berühmte Fotografie mit dem Titel «Saddle 1» aus dem Jahr 1976, die eine Frau auf allen vieren auf einem Bett mit einem Pferdesattel auf dem Rücken zeigt. 2007 feierte John Galliano sein zehntes Jahr als Chefdesigner bei Dior mit zwölf Saddle Bags in limitierter Edition. Jede repräsentierte ein Land, von Indien über Japan und Frankreich (aus Toile-de-Jouy) bis Mexiko. 2014 brachte Beyoncé das inzwischen Vintage gewordene Modell wieder ins Rampenlicht. Als Bella Hadid kürzlich mit einem Mini-Denim-Modell abgelichtet wurde, erlebte die Tasche ein nie dagewesenes Revival. Die «Saddle-Manie» wurde im März 2018 endgültig neu entfacht, als Maria Grazia Chiuri an der Modeschau Herbst/Winter 2018/2019 ihre neu interpretierten Versionen zeigte. «Ich wollte sie sehr bunt, bestickt oder mit Perlenfransen, damit sie sich wie ein Chamäleon an alle Situationen anpasst», erklärt die Designerin, die zwei Grössen entworfen hat, mini und etwas grösser, mit abnehmbarem Schulterriemen, um sie in einem offenen und selbstbewussten Look diagonal über den Körper zu tragen.