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In jenem Jahr 1977, als Fritz Zorn seine tödliche Krebskrankheit der bürgerlichen Schweiz in die Schuhe schob und Ursula Eggli mit «Herz im Korsett» provozierte, schockierte und berührte, thematisierte auch die 29-jährige Zürcher Anglistikstudentin Claudia Storz die Krankheit, unter der sie litt: Morbus Crohn, ein schweres Darmleiden. Aber schon im «technischen» Titel deutete «Jessica mit Konstruktionsfehlern» an, dass der Roman nicht larmoyant auf Mitleid ausging, sondern sachlich-nüchtern die Lebens- und Liebesgeschichte einer jungen Frau erzählte, die ihren Namen trotzig als «Yes, I can» deutete und am Ende von der Krankheit loskommen würde. Auch literarisch wandte sich Claudia Storz danach vom Thema Krankheit ab, wenngleich sie auch in ihren weiteren Büchern von persönlichen Erfahrungen ausging, eher puzzleartig als linear schrieb und immer wieder Frauen auf Identitätssuche schickte. So liess sie 1981 in «Auf der Suche nach Lady Gregory» für die Anglistin Lanie die im Titel genannte irische Freiheitskämpferin zum Vorbild in Sachen Weiblichkeit werden, während Flora in «Die Wale kommen an Land» (1984) sich nicht nur mit der schleichenden Umweltzerstörung, sondern auch mit der Brüchigkeit von Beziehungen konfrontiert sieht; hat sich ihr Freund doch, als sie schwanger aus einem Kibbuz in Israel zurückkehrt, schon einer anderen Frau zugewandt. Eine gefährdete Beziehung steht auch im Mittelpunkt von Claudia Storzí wohl schönstem Roman, «Quitten mit Salz» von 1999. Am Beispiel von Toni und Jasmin, die ein Kind aus Argentinien adoptieren, führt er in der Optik der kleinen Mayuli auf sprachlich virtuose Weise den Zusammenprall zweier Kulturen vor. Und es ist etwas vom Beglückendsten an diesem Buch, dass am Ende die Beziehung nicht zerbricht, sondern neu gestärkt ist. Auch wenn sie in der Kritik wenig Gegenliebe fand, ist die Auseinandersetzung, die Claudia Storz 1996 in «Burgers Kindheiten» mir ihrem 1989 verstorbenen Kollegen führte, in ihrer mosaikartigen Komposition und ihrer erzählerischen Intensität ein bewegendes Buch. Eines, das viel über Hermann Burger, aber auch viel über die Autorin selbst und ihr Literaturverständnis verrät. Claudia Storz hat nicht nur Prosa, sondern auch Dramen geschrieben, und spät erst publizierte sie auch ihre Gedichte. Wobei sie mit Vorliebe auf die Phänomene Wasser, Fluss und Meer zurückgriff, die sie auch woanders gestaltete: 1989 im Roman «Das Schiff», in dem das Meer auf der Fahrt nach Amerika für eine junge, vor sich selbst fliehende Frau erst zu etwas Surrealem und dann zu etwas Uferlosem wird. Und 1986/1990 im Oratorium «Noahs Tochter», zu dem János Tamás die Musik schrieb und wo die Tochter des ArcheErbauers sich der Rettung widersetzt und der Sintflut überantwortet. Als 2005 der Gedichtband «Federleichter Viertelmond» erschien, enthielt er neben Gedichten von 1969 bis 1987, Natur- und Liebeslyrik, auch das poetische Tagebuch «In sieben Meeren fliesst ein Wasser» über die Begegnung mit Flüssen und Seen in aller Welt. Eine Thematik, die fortgesetzt ist im 2012 publizierten Band «Boote für den blinden Passagier», in dem Gewässer in aller Welt die Autorin zu lyrischen und erzählenden Gedichten inspirieren. Verse, die oftmals den Eindruck wecken, als seien nicht Romane und Erzählungen, sondern diese scheinbar leicht hingeworfenen Gebilde das Beste und Überzeugendste, was Claudia Storz aus ihrer reichen Begabung heraus zu schaffen vermag.