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Gesellschaftsverhältnisse 1924: Die noble Gesellschaft tafelt (Bild oben). Das Dienstmädchen Jane (Odessa Young) bekommt frei am «Mothering Sunday», dem Vorläufer des bekannten Muttertags. Sie verbringt ein Schäferstündchen mit Paul (Josh O'Connor, Bild unten), der standesgemäss Emma (Emma D'Arcy) versprochen wurde. (Ascot Elite)
Ein Festtag zum Vergessen oder eben nicht
Schauplatz Berkshire/England 1924. Traditionell erhalten Bedienstete am sogenannten «Mothering Sunday», dem heutigen Muttertag, dienstfrei, um Verwandte zu besuchen. Auch die 22jährige Waise Jane Fairschild (Odessa Young) hat von ihrem Dienstherrn, Mr. Niven (Colin Firth), frei bekommen, mit dem sie ein fast väterliches Verhältnis zum pflegt. Sie nutzt diese willkommene Freizeit für ein Schäferstündchen mit ihren langjährigen heimlichen Lover Paul Sheringham (Josh O'Connor), Sohn aus betuchtem Haus. Vielleicht zum letzten Mal, denn Paul ist Emma Hobday (Emma D'Arcy) versprochen. An diesem sonnigen Sonntag soll die Verlobung stattfinden. Dazu treffen sich die befreundeten Familien, die Nivens (Olivia Colman und Colin Firth), die Hobdays (Caroline Harker und Simon Shepherd) und natürlich die Sheringhams (Emily Woof und Craig Crosbie). Paul wird dringend erwartet, doch der liebt Jane. Dann lässt er sie allein auf dem Landsitz zurück.
Jane, noch vom Liebesglück erfüllt, tigert allein nackt durchs Anwesen – wie berauscht. Auf dem Heimweg trifft sie Mr. Niven, der ihr – nichts ahnend von Pauls Liebesverhältnis – die Todesnachricht vom verunglückten Paul bringt. Die Zeit vergeht. Jane hat den Verlust überwunden und neuen Lebensinhalt in der Literatur gefunden. Sie ist Schriftstellerin geworden und liebt den Philosophen Donald (Sope Dirisu). Doch auch diese Liebe ist begrenzt.
Hoch betagt erinnert sich Jane (Glenda Jackson) an jenen Sonntag, der so brachial endete. Sie hat das gesellschaftliche Korsett ihrer Zeit gesprengt und als Literatin Karriere gemacht. Anmutig, leicht melancholisch schildert Eva Husson diese altmodisch anmutende, tragische Romanze nach alter britischer Art. Basis bildete der Erfolgsroman «Ein Festtag» (2017) von Graham Swift. Kern bildet jener Muttertag, der zum Schlüsselerlebnis der jungen Jane wird. Sie findet sich und ihre Bestimmung, unabhängig beziehungsweise losgelöst von Männern. Odessa Young trägt als Jane den Film wesentlich mit – sinnlich, sensibel, ohne sentimental zu wirken. Ein Kinogenuss ohne Spektakel oder Popcorn-Action, aber stimmig und intim.
Grossbritannien 2021
105 Minuten
Regie: Eva Husson
Buch: Alice Birch
Kamera: Jamie D. Ramsay
Schauspielerensemble: Odessa Young, Glenda Jackson, Josh O'Connor, Olivia Colman, Colin Firth, Sope Dirisu, Patsy Ferran, Emma D'Arcy
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