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|Brian Bader sagte December 2019

«Sicherheit und Freiheit sind die höchsten Güter, die wir zu verteidigen haben.»
Dieser Satz der SVP ist uralt, wird von jedem SVPler gepostet und seit Jahrzehnten immer wieder gerne dem Bürger vor die Nase gehalten. Auch vielen Philosophen diente der Begriff «Freiheit» als Schreibstoff für Abhandlungen. Freiheit zu definieren ist nicht nur ein schwieriges Unterfangen, sondern führt uns auch – weil der Begriff so überaus umfassend und vielfältig ist – möglicherweise in gleich mehreren Sackgassen. Warum? Die Sackgassen sind unauflösliche ethische und politische Gegensätze. Ich denke, dass es unmöglich ist, die Freiheit des Menschen als etwas real Existierendes zu definieren. Schon deshalb nicht, weil wir es hier mit einem Begriff zu tun haben, der schwer beladen mit einer auffallenden theoretischen und politischen Geschichte ist.
Die beiden Wörter „Freiheit“ oder „Unabhängigkeit lassen sich in ihrer Bedeutung beliebig manipulieren und sind in ihrem Inbegriff ambivalent, weil diese Ambivalenz mit dem Widerspruch zwischen der Fähigkeit zu individueller Selbstbestimmung und den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Kräften, die das Soziale als Ganzes festlegen, zugehören.
Man könnte die Freiheit auch als subjektive Illusion bezeichnen, denn wenn mich jemand fragt, ob ich frei bin, würde ich dies aus innerer Überzeugung umgehend bejahen, was aber nichts anderes heisst, dass ich glaube, dass ich frei bin, obwohl ich es in Wahrheit vielleicht gar nicht bin. Schon der Philosoph Spinoza meinte, dass Freisein immer den Prozess der Befreiung bedeutet und kein gegebener Zustand ist. Wir werden nicht frei geboren, können aber noch freier werden. So wie ich das sehe, kann Freiheit einerseits rigoros abgestritten werden und anderseits als wesentliches Menschheitsunterfangen verteidigt werden, was aber nur dann einen Sinn ergibt, wenn Freiheit immer schon eine gegebene politische Realität ist oder wird.
Dass Freiheit eine Illusion sein kann, wie ich oben geschrieben habe, heisst nicht, dass es Freiheit in einem gewissem Spielraum nicht gibt und dass wir nicht danach hinzielen sollten, freier zu leben. Eine wahre Inkarnation von Freiheit gibt es im natürlichen und gesellschaftlichen Leben nicht, was wiederum eine der großen Schwachstellen ist im Begriff von Freiheit, der sich ausschließlich über die Möglichkeit, etwas zu tun, definiert. Absenz von Einschränkungen hin zum Begriff der Selbstregierung, der Selbstbeherrschung - zur Autonomie.
Die individuelle Autonomie wäre dann vorstellbar als etwas, das eine starke Verbindung zum Subjekt als Handelndem einerseits und als automatisiert Funktionierendem andererseits hat. Eine Person führt mithilfe seiner „Maschinerie“ (Körper und Geist) unabhängig Prozeduren durch. Um zu einer annähernd positiven Auslegung zu kommen, scheint mir Autonomie die bessere Bezeichnung zu sein, da sie Bezug nimmt auf die immer nur regionale Unabhängigkeit, mit der ein Individuum innerhalb seines einschränkenden sozialen und politischen Zusammenhangs umgehen muss – eine Unabhängigkeit, die das Individuum trotz ihrer «Unvollständigkeit» fortgesetzt gegen die totale Enteignung durch mächtigere politische, gesellschaftliche und ökonomische gegebene Grössen verteidigt.
Eine ständige Beschränkt- und Abgeschnittenheit reicht meiner Meinung nach als Argument nicht aus, um zu behaupten, dass es «Freiheit» per se gar nicht gibt, denn die persönliche Freiheit kann durchaus gestutzt sein durch interne Faktoren wie vernunftwidrige Bedürfnisse und Begierden, Ängste oder Unwissenheit.