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|Kampagne 99||Solidarität schafft Arbeit|

Arbeiten in der «Sonderwirtschaftszone»
Wie Tausende junger Frauen hatte die 26-jährige Tian Yu ihr verarmtes Land in Szetschuan verlassen, um in die «Sonderwirtschaftszonen im Süden» zu gelangen - Vorreiter des chinesischen Kapitalismus und von der Regierung geschaffen, um ausländische Investoren anzuziehen. Sie war 1990 in der bekanntesten von allen, in Shenzen in der Nähe von Hong Kong, gelandet und arbeitete dort für Zhili, eine Firma, die mit Kapital aus Hong Kong Spielzeug für das italienische Unternehmen Artsana/Chicco herstellt.
Auf dem Papier sollte Zhili die legalen Sicherheitsvorkehrungen erfüllen. Trotzdem brachte ein fürchterlicher Brand in der Fabrik im November 1993 87 Menschen ums Leben und verletzte 46 weitere schwer. Unter ihnen befand sich Tian Yu. «Zwei Drittel meines Körpers waren verbrannt», beschreibt sie. Sie muss sich mit einer Entschädigung abfinden, die nicht einmal die Medikamentenkosten deckt. Tian Yu ist bis heute unfähig zu arbeiten.
Offiziell werden bei Arbeitsunfällen in China jährlich 20 000 Personen tödlich und 10 000 weitere schwer verletzt - nicht zuletzt in Zulieferbetrieben der multinationalen Spielzeugunternehmen, aber auch in der Textil-, Sportschuh- und Elektronikindustrie. Nur zur Erinnerung: Zwei von fünf in der Schweiz verkauften Spielwaren stammen aus China.
Nun haben einige Nichtregierungsorganisationen eine internationale Kampagne lanciert. Motor dieser Initiative ist das «Hong Kong Christian Industrial Committee» (CIC) - Partner der Basler Mission und unterstützt von Brot für alle - das sich für unabhängige Gewerkschaften, für verbesserte Arbeitsbedingungen und für die Opfer von Arbeitsunfällen einsetzt.
So hat die Spielzeugindustrie schliesslich einen Verhaltenskodex entwickelt, der internationale Normen für Sicherheit, Gesundheit und Einkommen garantieren soll. «Auch wenn der Kodex im Moment nur auf dem Papier existiert, ist er ein erster wichtiger Schritt», sagt Chan Ka Wai vom CIC. Zudem hat die Kampagne erreicht, dass Artsana/Chicco einen Kompensationsfonds für die Opfer von Zhili geschaffen hat. Ein Funken Hoffnung für Tian Yu. (me)
Brot für alle/Basler Mission, Projekt 222.1009