Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03302.jsonl.gz/430

Bild Credits: Dokufunk Wien
Versetzen wir uns doch mal in die Lage eines Funkamateurs aus dem Jahr 1965:
Geräte für 2m waren auf dem Markt kaum erhältlich. Und wenn, dann waren es meistens AM-Empfänger. Die Sender hatten selten einen VFO sondern Quarze - wegen der Stabilität.
Die schnellste Informationsquelle war das Radio. Dann die Fachzeitschriften. Internet? Im besten Fall Telefax.
Computer? Nur über die Firma oder Uni.
Und mit diesen Voraussetzungen soll ein Satelliten-QSO ermöglicht werden? Aber sicher doch!
Der Spieltrieb und der damit verbundenen Wettbewerb liegt uns Menschen in den Genen. Dieser macht auch kein halt vor uns Funkamateuren. Auswirkungen in Contests und Diplomen sind deutlich erkennbar. Bei den Satellitenamateuren ist auch eine spezielle Ausprägung deutlich erkennbar, wenn es um die ersten Signale geht, die von und zu einem Satelliten gesendet werden.
1961 wurde mit OSCAR-I das Satellitenabenteuer gestartet. Damals noch ein reiner Bakensender im Orbit, verzückte er tausende Funkamateure weltweit mit seinen HI-Signalen. Quasi als Technologie-Demonstrator zeigte OSCAR-I uns Funkamateure auf, was für Kommunikations-Potentiale im Orbit für uns schlummern. Das Experiment wurde mit OSCAR-II wiederholt. Doch erst mit OSCAR-III wurde der Traum vom eigenen Telekommunikationssatelliten für die Funkamateure wahr.
Diejenigen, welche die Abenteuer der Funkamateure im Weltraum als erstes bestritten, waren die Mitglieder von Project OSCAR Inc. Sie entwickelten und bauten die vier Satelliten OSCAR-I, OSCAR-II, OSCAR-II und OSCAR-IV, welche durch die US-Airforce in den Weltraum befördert wurden. Die Gruppe existiert heute noch. Sie engagiert sich in den Projekten der AMSAT.
Einer der bekanntesten Akteuren dieser Gruppe ist Lance Ginner. Auf Youtube habe ich ein interessantes Video gefunden, in welchem Lance Ginner bei einem Vortrag einige Details aus den Anfängen der OSCARs verriet:
Die aller ersten QSO's über einen Amateurfunksatelliten wurden mit OSCAR-III ermöglicht. Der 16,3 kg wiegende Satellit, mit der Grösse eines Schuhkartons, wurde am 9. März 1965 mit einer Thor SLV-2 Agena-D in den Orbit geschossen. Die Bahnparameter lagen bei Perigäum 884km, Appogäum 917km und einer Inklination von 70.1 Grad. Bei diesen Parameter dauert ein Orbit 103,1 Minuten.
In der veröffentlichten Dokumentation zu OSCAR-III spricht das Team noch nicht von einem Lineartransponder, sondern von einem Translator. Erstaunlich aus heutiger Sicht: Up- und Downlink waren im 2m Band. Jeder der sich mit dem Bau und Betrieb von irdischen Relaisfunkstellen auseinandergesetzt hat, weiss wie gross die Bandpassfilter sind, damit die Interferenzen von RX/TX sind. Das passt natürlich nicht in einen Schuhkarton. Der Empfänger lag auf 144.105 MHz der Sender bei 145.9 MHz. Die Bandbreite liegt bei 50kHz. Der Frequenzabstand zwischen RX und TX liegt somit bie 1,8 MHz. Mit je einem Trap auf 148.9 und 151.9 Mhz, welche in der Endstufe eingefügt waren, wirkte man den unerwünschten Pfeifstellen entgegen.
Die VHF Technik war zu diesem Zeitpunkt eine grosse Herausforderung der Funkamateure. Die Bauteile waren sehr teuer und schwierig zu beschaffen. Trotzdem lagen über 100 Funkamateure weltweit auf der Lauer, als der Transponder zum ersten mal aktiviert wurde. 98 gelang eine oder mehrere erfolgreiche Funkverbindung. Abgesehen von EME hatten die Funkamateure noch keine praktische Erfahrung mit dem Doppler-Effekt. Bahnvorhersagen entsprach auch eher einer Wetterprognose als ein akkurat ermittelter Wert aus unseren heutigen Rechnern. Daher bewundere ich die Leistung der damaligen Funkamateuren ausserordentlich.
Das aller erste QSO hat sich laut mehreren Quellen zwischen DL6EZA (Alfons Häring) und HB9RG (Hans-Rudolph Lauber) während des vierten Orbits von OSCAR-III in CW abgespielt. Das erste Phonie-QSO zwischen DJ4ZC (Karl-Meinzer) und ebenfalls HB9RG (Hans-Rudolph Lauber).
Über den genauen Zeitpunkt des aller ersten Satelliten QSO's habe ich keine Dokumentation gefunden. Die Angabe lautet lediglich 4. Orbit. Somit müsste auf Grund der Umlaufdauer von 110 Minuten pro Orbit diese Funkverbindung in den frühen Morgenstunden um 02:00 Uhr UTC statt gefunden haben.
Ausführlicher Bericht im AMSAT-DL Journal und HB-Radio
Dieser Blogbeitrag skizzierte ich das erste mal im Dezember 2020. Die Recherchenarbeiten wurden mit der Zeit sehr spannend. Daher entschied ich mich, daraus einen Artikel für das AMSAT-DL Journal und (in leicht veränderter Version) im HB-Radio zu veröffentlichen.
Die Leser der beiden Journale hatten nun genügend Zeit, den Beitrag zu lesen. Das HB-Radio wird im Archiv der USKA allgemein zugänglich gemacht. Daher veröffentliche ich nun den Beitrag auch auf meiner Webseite.
Quellen:
DD1US Sounds from Space: http://www.dd1us.de/
Project OSCAR Inc.: https://projectoscar.wordpress.com/about/
Popular Electronics Februar 1978: https://worldradiohistory.com/Archive-Poptronics/70s/1978/Poptronics-1978-02.pdf
http://www.introni.it/pdf/Radio%20Ref%201965_06.pdf
OE WIki, Geschichte UKW Funk: http://wiki.oevsv.at/index.php/Geschichte_UKW_Funk