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Kevin Reynolds Kurzfilm Proof, aus seiner Sudentenzeit 1981 bei USC, wurde von Steven Spielberg gesehen, der kurzum Reynolds anrief und ihm einen Job offerierte aus seinem Kurzfilm einen Kinofilm zu machen. Ja, so sind die Wege Hollywoods wie man sie sich höchstens im Filmemacher-Märchen erträumen würde.
Reynolds 7 Mio. Dollar Film Fandango, mit Kevin Costner, Judd Nelson und Sam Robards als Teil einer fünfköpfigen Studentengruppe, die sich nach ihrem Schlubabschluss einen Trip nach Mexiko gönnen, ehe sie der US Atmy in Vietnam zu dienen haben. Die stimmungsvollen Bilder in Texas zu vertonen, war die nicht ganz einfache Aufgabe von Alan Silvestri, der zu jener Zeit mit Romancing the Stone zu einem gewissen Bekanntheitsgrad kam. Schwierig war die Aufgabe hier, weil Kevin Reynolds sich in die Musik, die er damals bei seinem Kurzfilm verwendete, nahezu verschossen hatte. Silvestris sechs Minuten dauernder „Plane Take-Off“ etwa wird durch Reynolds Favoriten Shostakovich’s 8. Sinfonie ersetzt, selbiges wiederfuhr dem Track „Plane Ride“. Von den insgesamt rund 33 Minuten Score, die Silvestri für Fandango schrieb, blieben nur gerade deren 15 im Film.
Das Intrada Album beginnt mit dem elektronisch gehaltenen, mit Simmons Drums ausgestatteten „Road Trip“, die Fahrt durch die sandigen Strassen Richtung Mexiko begleitend. In „Desert Trek“ wechselt Silvestri auf Orchester: Blech, Schlagwerk, Holzbläser. Danach folgt der verspielte „The Train“, jene Szene umschreibend, in der die Fünf versuchen ihren benzinlosen Wagen zur Weiterfahrt an einen nahenden Zug anzuhängen! Silvestri typische Becken sind zu hören, aber auch Spannungsmusik im Blech und viel Perkussion, wie er es lange Zeit nach Fandango noch verwenden sollte. Gefühlvoll-nachdenkliche Streicherfiguren sind in „Grave Stone“ zu vernehmen, während „Desert Dream“ von elektronischen Spielereien untermalt wird.
„Plane Take-Off“ und „Plane Ride“ bilden die Höhepunkte des Scores. Beide lassen Silvestris grossen Durchbruch, den bald folgenden Back to the Future, erahnen. Doch auch wenn Silvestri Hände ringend versuchte an Reynolds temp track mit Shostakovichs Musik zu bleiben, es sollte nicht sein. Immerhin kriegen wir hier aber Silvestris Versuch zu hören, lohnenswerterweise. Insbesondere das Stück „Plane Ride“ ist ein vorwärts pushender, deftiger Track für volles Orchester, macht wirklich Spass.
„Desert Walk“ ist eines der emotionalsten Stücke der Partitur. Beginnend mit Streichern und Solo-Holzbläsern, gefolgt von einer Passage für Gitarre ehe Holzbläser, Bässe und elektronische Effekte zu einem traurigen, pessimistischen Ende führen. „Fandango“ ist mit viel Gefühl geschrieben für Solo-Klavier. Auch dieser wie der folgende Track „Wedding“ wurden ersetzt durch Stücke von Pat Metheny und Lyle Mays, deren Musik hier als temp track herhielt (und in ProofVerwendung fand) und bis zum Ende des Films spielen sollte. Auch der letzte Track, „Goodbye Friend“ schaffte es nicht in den Film, obwohl Silvestris Fanfare hier einen bleibenden, ergreifenden Eindruck hinterlässt, wenn sich die Freunde ein letztes Mal goodbye sagen.
Nebst den kurzen 33 Minuten des recht abwechslungsreichen Scores von Silvestri wäre noch Platz für einen weiteren Titel auf der Scheibe gewesen, Intrada beliess es aber dabei und fügte 3 Extra-Tracks dazu, so dass die CD (zu immerhin 19.99$) schon nach 41 einhalb Minuten ausklingt. Schade.
Als Silvestri Sammler sollte man Fandango, immerhin ersetzt sie ein Bootleg und einige Minuten fürchterlich gespielter City of Prague Philharmonic Musik auf dem Sampler „Best of Adventure“, schon haben. Und wenn man einen der frühen Silvestri Scores hören möchte, bitte: Fandango ist eine hübsch gemachte, wenn auch recht knapp geratene Angelegenheit.