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Der Unfalltod von Basketball-Ikone Kobe Bryant beschäftigt Menschen auf der ganzen Welt. Besonders jene, die ihn persönlich kannten und schätzten, trauern um den 41-jährigen Amerikaner.
Als am Sonntagabend die Nachricht vom Tod Kobe Bryants bei einem Helikopterabsturz in Kalifornien die Runde macht, meldet sich auch watson-User zico77 in der Kommentarspalte. Er trauert wohl noch mehr als andere Fans der Legende der Los Angeles Lakers: Er kannte den Basketball-Champ persönlich.
Da Kobe Bryant, dessen Vater bereits Basketballprofi war, in Italien aufwuchs, liegt der Gedanke an eine gemeinsame Schulzeit in unserem südlichen Nachbarland nahe. Doch falsch gedacht: Patrick Fasel drückte 1995/96 an der Lower Merion High School im Grossraum Philadelphia für ein Jahr die Schulbank mit dem späteren Sport-Superstar.
Auf watson schildert der gebürtige Freiburger, der dort den Gottéron-Fans wegen seines Eishockey-Blogs ein Begriff ist, seine Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit:
Als ich 17 Jahre alt war, lebte ich ein Jahr lang in einem Vorort von Philadelphia. Nach zwei Wochen in der Schule kam ein grosser, schwarzer Junge auf mich zu und fragte mich, ob es wahr sei, dass ich aus der Schweiz komme. Kobe erklärte mir, dass er Italienisch spricht, aber mit niemandem mehr Italienisch sprechen könne, weil in seinem Umfeld nur noch Englisch gesprochen werde. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung davon, wer dieser Junge war.
Er erzählte mir, dass er ab und zu in der Schweiz weile, und im Sommer in einer Sportakademie in der Nähe von Basel trainiert. Er wollte wissen, warum ich in den USA lebe, und so sprachen wir regelmässig zusammen Italienisch. Er erzählte mir, dass sein Vater Joe nach einer NBA-Karriere Basketball-Profi in Italien gewesen sei, deswegen sprach er fliessend Italienisch. Er sagte, auch er spiele Basketball und ich meinte zu ihm, er könne eines Tages für Fribourg Olympic spielen, das Team aus meiner Stadt sei Serien- und Rekordmeister. Er hat es nie komplett ausgeschlossen.
Da wir gemeinsam Physik und Englische Literatur besuchten, traf ich ihn jeden Tag am Morgen und am Nachmittag. Für Physik hatte er, glaube ich, nicht viel übrig, in Englischer Literatur war er aber ein sehr interessierter Zuhörer und anregender Gesprächspartner. Nach ein paar Wochen realisierte ich langsam, dass dieser sympathische und schlaue Junge anscheinend «The Next Big Thing» ist, dass er der nächste Michael Jordan werden könnte.
Zwei Mal pro Woche hatte ich auch noch Sport mit ihm. Ich glaube, der Sportlehrer krempelte den Lehrplan speziell für Kobe komplett um. Entweder spielten wir Basketball oder wir liefen einfach Runden ums Spielfeld. Zu meinen persönlichen Sportler-Highlights gehören bis heute sicherlich meine Siege im Badminton gegen ihn. Dass ich seinen Schulrekord in einem Sprint-Stop-and-Go-Parcours geschlagen habe, hat ihm sehr imponiert. Und im Basketball erzielte ich etliche Punkte auf Assist von Kobe Bryant – das hört sich bis heute noch sehr gut an!
Da der Schulsport in den USA viel wichtiger ist als überall anders auf der Welt, kam ich auch an schulischen Sportanlässen oft mit ihm in Kontakt. Wir spielten für die Lower Merion Aces. Kobe war der absolute Überflieger der Basketball-Liga, ich war ein solider Skorer in der Eishockeymannschaft. Er sprach mich immer wieder auf unsere Spiele an, verfolgte und lobte auch meine nicht mit seinen vergleichbaren kleineren Erfolge.
Unsere Basketballmannschaft stiess in der Saison 1995/96 nach 30 Siegen in Serie bis in die State Finals vor. Im Final gegen die Erie Cathedral Prep lagen wir dann schon nach ein paar Minuten unfassbar chancenlos mit 0:20 hinten. Kobe misslang jeder Schuss, es war surreal für einen, der sonst im Schnitt über 30 Punkte pro Partie skorte. Das Team rappelte sich aber auf, kämpfte sich zurück ins Spiel und gewann schlussendlich Spiel und Titel mit 48:43. Ironischerweise war dies im Nachhinein eines der schlechtesten Spiele, welches Kobe Bryant jemals bestritt.
Ich erinnere mich an einen smarten, charmanten und zielbewussten jungen Mann, der schon früh als Jugendlicher ein Ziel hatte, und sein Leben diesem grossen Traum unterordnete. Ich hatte immer das Gefühl, dass er wusste, dass er es schaffen würde. Nichtsdestotrotz blieb er «laid back» und freundlich zu allen. In Literatur umarmte er beim Betreten des Klassenzimmers immer unseren Lehrer John Osipowicz. «Mr. O.» war ein älterer Herr, der uns Kurzgeschichten zu lesen gab, die wir dann in der Schule diskutierten. Und in diesen Klassengesprächen erkannte ich, dass Kobe ein intelligenter Mann war, der einen Karriereplan hatte und wusste, wohin er wollte, und dass er trotz wahrscheinlicher NBA-Karriere mit beiden Füssen auf dem Boden bleiben würde.
Auch seine Meinungen und Ideen zu den literarischen Texten fand ich sehr anregend. Als Kobe vor zwei Jahren dann nebst seinen zahlreichen Sporttiteln auch noch einen Oscar gewann, konnte ich nur noch schmunzeln. Dieser Typ hat wirklich alles und noch mehr erreicht in seinem Leben. Che grande uomo!
Es war sehr speziell, einen der grössten Sportstars unserer Zeit so kennenzulernen, abseits von Trubel und Fotografen, ein fast gewöhnlicher 17-Jähriger kurz vor dem ganz grossen Karrieresprung. Ich habe nach der Highschool kein NBA-Spiel live im Stadion erlebt, habe aber seine Karriere ganz genau aus der Ferne mitverfolgt. Auch an den Olympischen Spielen 2008 und 2012 schaute ich mir alle Spiele der US-Mannschaft im TV an.
Ich würde nicht behaupten, dass wir Freunde waren, aber Kollegen allemal. Ab und zu tauschten wir einige Sätze via Facebook aus, aber richtig eng in Kontakt blieben wir nicht. Er würde sich melden, wenn er mal wieder in die Schweiz komme, versprach er. Dazu wird es nun leider nie mehr kommen.
Kobe Bryant war für mich einer der grössten Sportler unserer Zeit, auf einer Stufe mit Roger Federer, Tiger Woods, Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Aber eben greifbarer und vertrauter, weil ich ihn in jungen Jahren kennenlernen durfte.
Ich sass am Sonntagabend bis um Mitternacht ungläubig vor dem Fernseher, die Nachrichten hin und her schaltend zwischen CNN, BBC, L’Équipe und RMC Sport. Ich hatte Kobe gekannt, bevor er ein Superstar wurde, habe seine sportliche Laufbahn stets verfolgt und dann stirbt er so tragisch, viel zu jung, erst 41 Jahre alt.
«Only the good die young», ich weiss. Doch er war der Beste, und für alle, die ihn kannten, eine riesige Inspiration, ein wahres Vorbild.
Fu un onore conoscerti, Grande Uomo. R.I.P. Kobe.
Es war mir eine Ehre, dich kennenzulernen, grosser Mann. Ruhe in Frieden, Kobe.
(Redaktionelle Betreuung: Ralf Meile)