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Volk und Stände haben am 23. September 2012 den Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung mit grosser Mehrheit angenommen. Der neue Verfassungsartikel hat zum Ziel, die musikalische Bildung insbesondere von Kindern und Jugendlichen zu stärken: In der Schule sollen Bund und Kantone für einen hochwertigen Musikunterricht sorgen. In der Freizeit sollen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, sich musikalisch zu betätigen. Junge Menschen mit besonderer musikalischer Begabung sollen speziell gefördert werden.
Vorgeschichte
Ende 2008 wurde die Volksinitiative «jugend + musik» eingereicht. Die Volksinitiative verlangte, die musikalische Bildung zu stärken. Unter anderem sollte der Bund den Kantonen Vorschriften zum Musikunterricht an den Schulen machen. Der Bundesrat und das Parlament teilten im Grundsatz die Anliegen der Volksinitiative, waren aber mit dem Eingriff in die Kompetenzen der Kantone im Schulbereich nicht einverstanden. Deshalb erarbeitete das Parlament als direkten Gegenentwurf einen neuen Verfassungsartikel, über den am 23. September 2012 abgestimmt wird. Das Initiativkomitee zog schliesslich die Volksinitiative «jugend + musik» zugunsten der vom Parlament vorgeschlagenen Lösung zurück. Im Unterschied zur Volksinitiative «jugend + musik» respektiert der neue Verfassungsartikel die heutige Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen im Schulbereich.
Am 23. September 2012 haben Volk und Stände einen neuen Verfassungsartikel zur Stärkung der musikalischen Bildung in der Schweiz mit grossem Mehr angenommen.
1 Bund und Kantone fördern die musikalische Bildung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen.
2 Sie setzen sich im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für einen hochwertigen Musikunterricht an Schulen ein. Erreichen die Kantone auf dem Koordinationsweg keine Harmonisierung der Ziele des Musikunterrichts an Schulen, so erlässt der Bund die notwendigen Vorschriften.
3 Der Bund legt unter Mitwirkung der Kantone Grundsätze fest für den Zugang der Jugend zum Musizieren und die Förderung musikalisch Begabter.
Um die Umsetzung der Verfassungsbestimmung zu koordinieren, hat der Schweizer Musikrat eine breit aufgestellte Koordinationsgruppe (KORG 67a) ins Leben gerufen. Der KORG 67a gehören folgende Personen an:
Christine Bouvard (VMS), Armon Caviezel (VSSM), Johannes Reinhard (EOV), Michael Kaufmann (KMHS), Rosmarie Quadranti (SMR), Stefano Kunz (SMR)
Der Verband Musikschulen Schweiz hat eine Umfrage durchgeführt, um das bestehende System im Bereich der musikalischen Begabtenförderung in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein zu erfassen. Der Schlussbericht zeichnet ein Bild der aktuellen Angebotssituation und zeigt wesentliche Einflussfaktoren für die erfolgreiche (Weiter)Entwicklung der musikalischen Begabtenförderung auf.
Der Verband Schweizer Schulmusik VSSM hat eine Umfrage bei den Kantonen durchgeführt, um in Erfahrung zu bringen, wie es um das Fach Musik in den Volksschulen bestellt ist. Diese Umfrage widmete sich schwerpunktmässig folgenden Themen:
1. Übersicht über den aktuellen Stand der Umsetzung des Lehrplanes 21 in den Kantonen in Bezug auf den Musikunterricht
2. Auswirkungen von Art. 67a der Bundesverfassung (Musikalische Bildung), der in seinem 2. Absatz vorsieht, dass Bund und Kantone sich im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für einen hochwertigen Musikunterricht an Schulen einsetzen
3. Musikausbildung der Primarlehrpersonen in den pädagogischen Hochschulen der Kantone
Ziel und Zweck
J+M ist ein Programm, das der Bund im Rahmen der Umsetzung von Art. 67a der Bundesverfassung ins Leben gerufen hat. Es hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche zur musikalischen Aktivität zu führen und damit ihre Entwicklung und Entfaltung unter pädagogischen, sozialen und kulturellen Gesichtspunkten ganzheitlich zu fördern. Es steht für die Breitenförderung von Kindern und Jugendlichen und ist ein Programm des Bundes. Das Programm basiert auf drei Säulen:
Die Höhe des jeweiligen Bundesbeitrags ist der Entschädigungsregelung zu entnehmen. Träger der J+M-Angebote sind Musikorganisationen, Musikschulen und Schulen.
J+M-Leitungsausbildung
Wer J+M Kurse sowie Lager leiten will, muss die aus drei Modulen bestehende Ausbildung absolvieren (Kursübersicht), die sowohl für Laien als auch für Profis offen ist. Interessierte Musikerinnen und Musiker können sich, wenn sie die Teilnahmevoraussetzungen erfüllen, bewerben. Unter anderem wird ein fortgeschrittenes oder abgeschlossenes Musikstudium an einer anerkannten Musikhochschule gefordert. Aber auch wer kein Musikstudium vorweisen kann, kann die Ausbildung absolvieren, wenn, neben anderen Kriterien, die geforderte musikalische Praxis und auch Leitungserfahrung erfüllt ist. Die Anforderungen sind dem Kompetenzprofil zu entnehmen.
Für die Bewerbung muss das Formular «Bewerbung für die Zulassung als J+M-Leiterin/-Leiter» auf der Webseite des Bundesamts für Kultur BAK ausgefüllt werden. Auf der zweiten Seite dieses Formulars ist angegeben, welche zusätzlichen Unterlagen eingereicht werden müssen (z.B. Motivationsschreiben, Lebenslauf). Die Bewerbungen sind an die Koordinationsstelle des jeweiligen Expertenteams zu richten. Diese Teams sind wie folgt eingeteilt:
Die Mail-Adressen der Koordinationsstellen, an die die Bewerbung geschickt werden muss, finden sich ebenfalls auf der Webseite des BAK. Die Expertinnen und Experten beurteilen die eingegangene Bewerbung, geben eine Empfehlung ab und stellen diese der Vollzugsstelle des Programms J+M zu. Die Vollzugsstelle heisst RPC. Diese entscheidet über die Zulassung zum Programm und teilt den Bewerberinnen und Bewerbern den Entscheid mit.
J+M Kurse
J+M unterstützt Musikkurse für Kinder und Jugendliche, die von einem J+M-Leitenden durchgeführt werden. Die Träger der J+M-Kurse müssen juristische Personen des privaten (z.B. Vereine) oder öffentlichen Rechts sein. Wer einen solchen Kurs durchführen möchte und die Kriterien erfüllt, kann beim BAK online ein Gesuch einreichen.
J+M Lager
J+M unterstützt Musiklager für Kinder und Jugendliche, die von einem J+M-Leitenden durchgeführt werden. J+M Lager anbieten können juristische Personen des privaten (z.B. Vereine) oder öffentlichen Rechts. Wer ein solches Lager durchführen möchte und die Kriterien erfüllt, kann beim BAK online ein Gesuch einreichen.
Bei Fragen hilft die Vollzugsstelle J+M, die RPC in Bern, weiter. Aktuelle und ausführliche Infos sowie die Kontaktangaben sind ebenfalls auf der Webseite des BAK zu finden.