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Brennnesselfaser
Geschichte
Die ersten Stoffe wurden um 1000 n. Chr. hergestellt, aus denen edle Gewänder gefertigt wurden. Für gut haltbare Segeltaue fand die Nesselfaser ebenso Verwendung.
In Deutschland gibt es die ersten Belege aus dem 12. Jahrhundert. In den Klöstern des Mittelalters befasste man sich auch mit der Herstellung von Nesselgeweben. Im 15. Jahrhundert gewann die Verarbeitung von Nessel immer mehr an Bedeutung, die bis ins 18. Jahrhundert anhielt. In dieser Zeit gab es in verschiedenen Regionen Mitteleuropas Werkstätten und Manufakturen, die von der Herstellung der Nesselgewebe lebten, u. a. in Süddeutschland und der Schweiz. In Leipzig ist für 1723 eine solche Manufaktur nachgewiesen. In Frankreich konnte sich eine ausgedehntere Nesselverarbeitung sogar etablieren. Im Laufe des 19. Jahrhundert schwanden die Nesselstoffe allmählich vom Markt.
Die Rohstoffknappheit im ersten Weltkrieg und die Bestrebungen Rohstoff-Autark zu werden, brachten die Brennessel als Faserlieferant wieder in den Blickpunkt. Mit der Erkenntnis, dass Aufwand und Nutzen nicht im Verhältnis stehen, kam nach dem Krieg das endgültige Aus für den Rohstoff Nesselfaser, der daraufhin in Vergessenheit geriet.
Zur Fasergewinnung wurde die Brennessel im August geschnitten. Die Stengel mussten gut getrocknet, dann geröstet, gebrochen und gehechelt werden, ähnlich wie beim Flachs. Die Aufbereitung war jedoch schwieriger und erforderte zusätzliche Handarbeit, da die Fasern nicht wie beim Flachs in Bündeln unter der Aussenschicht liegen, sondern einzeln, mit nur geringem Zusammenhalt in den vier Ecken des kantigen Stengels; zudem sind die Brennesseln nicht sehr ergiebig, der Ertrag liegt bei nur etwa 8 % der getrockneten Pflanze.
Das gesponnene Garn besass guten Glanz und Festigkeit und liess sich leicht färben. Gewebt wurde Nesseltuch, das in der Qualität jedoch nicht an Leinen herankam. (Als "Nessel" bezeichnet man heute einen rohweissen einfachen Baumwollstoff in Leinwandbindung, doch ursprünglich war Nessel aus Brennesselfasern hergestellt.) Zudem wurden aus Nesselgarn technische Gewebe wie z.B. Filtertücher für Müllerei-Zwecke oder Segeltuch für die Schifffahrt hergestellt.
Der industriemässige Anbau der Baumwolle seit Beginn des 19. Jahrhunderts und die damit verbundene Verbilligung dieses Rohstoffes verdrängte allmählich die Nesselfaser.
Heute
Stoffe aus Brennnesseln lassen sich heute vereinzelt im Markt finden. Die Fasern stammen jedoch hauptsächlich aus asiatischen Ländern.