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In der historischen Forschung zur Industrialisierung wird neuerdings dem Wissen eine grössere Rolle zugeschrieben. Insbesondere wird für die erste industrielle Revolution untersucht, wie ökonomische Akteure zu den für ihre Tätigkeit notwendigen Informationen kamen. Spätere Phasen der Industrialisierung geniessen dagegen eine geringe Aufmerksamkeit. Ausgehend von diesem Forschungsdesiderat untersucht der Artikel, wie das schweizerische Patentwesen zwischen 1888 und 1914 als ein Kanal für den Fluss technischer Information gedient hat. In dem offiziellen Publikationsorgan der Patentschriften wurde erstens eine Beschreibung jeder patentierten Erfindung veröffentlicht und durch ein ausgedehntes System verbreitet. Diese Schriften konnten in zahlreichen Bibliotheken kostenlos angesehen werden. Zweitens prüfte das Eidgenössische Amt für geistiges Eigentum die Patentgesuche sorgfältig auf ihre Sprache und Eindeutigkeit, so dass das Bundesgericht kein Patent wegen mangelnder Beschreibung für ungültig erklärte. Aus diesen Untersuchungen geht hervor, dass der Staat auch während der zweiten Industrialisierung eine aktive Rolle im Bereich der Vermittlung und Normierung technischer Information spielte.
Ein Träger der technischen Information. Das schweizerische Patentwesen (1888–1914)(Un support de l’information technique. Le système suisse des brevets d’invention (1888−1914))
Erschienen in: traverse 2015/1, S. 134