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Freskogemälde aus dem 16. Jahrhundert, das die Schlacht bei Sempach nach dem Entwurf des Berner Malers Niklaus Manuel darstellt. Von hier führt eine neu erstellte Treppe zur doppeltürmigen, grossen kathol. Pfarrkirche, die nach dem Brand von 1882 restauriert worden ist. Sie birgt in der Sakristei hervorragende Antiquitäten, wie Reliquienkästchen, Kelche und Altargemälde. Neben der Kirche steigt der höchst sehenswerte Friedhof stufenweise gegen den See hinunter.
Nebenan erhebt sich der majestätische Bau des aus dem 14. Jahrhundert stammenden Schlosses, in dessen Hof die exilierten Polen zum Andenken an ihren langjährigen Unabhängigkeitskampf ein Nationaldenkmal erstellt und in dessen prachtvoll restaurierten Räumen sie seit 1870 ein Nationalmuseum eingerichtet haben, das in seiner Art einzig dasteht. Es enthält die kostbarsten Erinnerungen an Polens Glanzperiode, so Gemälde von polnischen und anderen Meistern, Kameen mit Darstellungen von grossen Ereignissen und Personen aus Polens Geschichte, die verschiedensten polnischen Kostüme und Uniformen, Waffen, Münzen und Medaillen, Meisterwerke der Bildhauerkunst und eine sehr wertvolle Bibliothek (mit Manuskripten) von etwa 70000 Bänden. Je ein Saal ist dem Andenken an Kosziusko und an den Dichter Adam Mickiewicz gewidmet.
Ferner befindet sich in einer Kapelle des Schlossturmes das Mausoleum Kosziusko's (mit dessen Herzen). Am SW.-Ende des Schlosses erhebt sich der Hochwächterturm mit unbeschränkter Bundsicht. Hier beginnt der Lindenhof, der nach W. abfallende und mit mächtigen Linden bestandene Schlosshügel. Prachtvoller Ausblick auf die Seeufer, ihre Umgebung und die Schwyzer, Glarner und St. Galler Alpen. Am Seeufer schmucke Villen und die reformierte Kirche, deren Inneres ein Abendmahl von einem italienischen Meister ziert und von deren Turm ein harmonisches neues Geläute grüsst.
Vom Lindenhof führen zwei Wege hinunter zur neuen Promenade, von denen namentlich der westl. ein überaus malerisches Bild gewährt. Durch ein in mittelalterlichem Festungsstil gehaltenes Tor führen breite und bequeme Stufen an Bastionen und zinnengekröntem Mauerwerk vorbei zum idyllisch am Seeufer gelegenen Kapuzinerkloster hinab. An der S.-Seite des Schlosshügels die neue städtische Badanstalt. An der Stelle des heutigen Rapperswil standen einst am See die zwei Höfe Enstingen oder Engstingen und Endingen, von welch' letzterem wohl der äusserste Felsvorsprung der Halbinsel seinen Namen Endingerhorn entlehnt hat.
Endingen gehörte mit dem Rebgarten dem Kloster Einsiedeln, dem Kaiser Otto II. im Jahr 972 das Eigentumsrecht bestätigte; der übrige, meist bewaldete Teil der Halbinsel war Eigentum der an beiden Seeufern reich begüterten Edeln, deren Stammburg Ratprechtswiler hoch über dem jenseitigen Seegestade bei Altendorf (in der schwyzerischen March) stand. Diese Edelleute erhielten die Vogtei und später das Reichslehen über die reichen Besitzungen und erscheinen als Grafen von Ratprechtswiler zuerst im Jahr 981. Vom Grafen Rudolf wurde Ende des 13. Jahrhunderts auf der dem alten Stammschloss Alt Rapperswil gegenüberliegenden Halbinsel am nördl. Seeufer die Burg Neu Rapperswil gegründet, an die sich in der Folge eine Stadt anschloss, die 1255 durch Emanzipation vom nahen Busskirch eine eigene Kirche erhielt.
Die Grafen von Rapperswil führten in ihrer neuen Residenz einen glänzenden Hofstaat und geboten über zahlreiche Ministerialen, aus denen sie sich ihre Marschälle, Truchsesse, Schenken, Hof- und Wildmeister, Vögte und Amtleute bestellten, woran sich noch ein grosser herrschaftlicher Tross anschloss. Alles dies erforderte die tägliche Befriedigung vielseitiger Bedürfnisse und bleibendes Vorhandensein der nötigen Gewerke und Betriebe. Zugleich wurde der öffentliche Verkehr gefördert und Vielen eine willkommene neue Erwerbsquelle erschlossen, sodass die neue Stadt bald aufblühte und sich ihre Bewohner unter dem Namen der Bürgerschaft von Rapperswil zu einem besondern städtischen Gemeinwesen zusammenschlossen.
Dieses gab sich eine Obrigkeit, an deren Spitze ein vom Grafen gewählter Schultheiss stand. Das Vorhandensein von Stadt und Bürgerschaft Rapperswil schon im Jahr 1229 bestätigt eine vom Grafen an das Kloster Rüti gemachte Vergabung, bei welcher Schultheiss und Bürger zu Ratprechtswiler als Zeugen erscheinen. Nach dem Erlöschen des Grafengeschlechtes kam die Grafschaft 1283 an die Grafen von Homburg und später an die Grafenlinie Habsburg-Laufenburg. Als Rapperswil die von Bürgermeister Brun vertriebenen Zürcher aufnahm, zog dieser 1337 vor Rapperswil, ohne aber die Stadt einnehmen zu können, und als ¶
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von Rapperswil aus die Zürcher Mordnacht veranstaltet wurde, belagerte Brun die Stadt 1350 von neuem, die er diesmal eroberte und zerstörte. 1354-1415 regierten hier die Herzoge von Habsburg-Oesterreich, und nach der Schlacht von Näfels 1388 wurde Rapperswil als Hauptquartier der Oesterreicher von den Eidgenossen belagert, doch ohne Erfolg. Zur Zeit des Konzils von Konstanz 1414 entband der mit Herzog Friedrich in Fehde geratene Kaiser Sigismund die Stadt Rapperswil ihres Eides gegen diesen und erhob sie 1415 zur unmittelbaren Reichsstadt. 1443 wurde sie von den Eidgenossen neuerdings belagert und zwar zum drittenmal ohne Erfolg.
Auf dem Heimzug der Eidgenossen aus dem Plappartkrieg schloss sich Rapperswil 1458 an sie an und beschwor 1464 den Bund mit den drei Waldstätten und Glarus. Die vierte vergebliche Belagerung fand im ersten Villmergerkrieg statt, während die Stadt im zweiten Villmergerkrieg 1712 bezwungen wurde und nun unter die Herrschaft von Zürich, Bern und Glarus kam, nachdem man ihr das Gebiet von Jona einverleibt hatte. 1798 teilte man Rapperswil dem helvetischen Kanton Linth und 1803 zufolge der Mediationsakte dem heutigen Kanton St. Gallen zu, indem man zugleich Jona zur eigenen Gemeinde erhob. Während der neuern Zeiten entwickelte sich um Rapperswil eine bedeutende industrielle Tätigkeit, wodurch namentlich auch viele Reformierte sich hier ansiedelten, die sich 1838 eine eigene Pfarrkirche erbauten.
Rapperswil ist die Heimat mancher hervorragender Männer, von denen hier genannt werden mögen der Goldschmied G. Domeisen (17. Jahrhundert), der Porträtmaler Felix Diog (Ende des 18. Jahrhunderts);
Professor Franz Josef Greith (1799-1869), Komponist des Rütliliedes, und sein Sohn Karl Greith (1828-1887), ebenfalls Komponist und Musiker;
der zweite Bischof von St. Gallen Dr. Karl Greith (1807-1882), Verfasser von zahlreichen theologischen und philosophischen Schriften;
Franz Curti (1854-1898), Komponist von Opern, Kantaten und Chören;
der Politiker, Historiker und Dichter Theodor Curti, gegenwärtig Redaktor der Frankfurter Zeitung.
Im See etwas unterhalb der Stadt glaubt man einen Pfahlbau aus der Steinzeit entdeckt zu haben, während man in der Stadt selbst stellenweise römische Münzen aufgedeckt hat. 972: Raprehtswilare; 1018: Raprehtiswilare; 1233: Raprechtiswile.
Bibliographie.
Rothenflue, Franz. Alt oder neu; ein Zeitbild aus der Reformationsgeschichte Rapperswils. Rapperswil 1876; Dierauer, Joh. Rapperswil und sein Uebergang an die Eidgenossenschaft. (Neujahrsblatt, herausg. vom histor. Verein St. Gallen.) St. Gallen 1892; Eppenberger, Herm. Die Politik Rapperswils 1531-1712. Diss. Biel 1894; Keller, Ferd. Beschreibung von Alt und Neu Rapperswil. (Mitteilungen der Gesellschaft für vaterländ. Altertümer in Zürich. 13). Zürich 1849; Rikenmann, Xaver.
Geschichte der Stadt Rapperswil. St. Gallen 1855; Helbling, Felix. Das Rathaus der Stadt Rapperswil. Rapperswil 1850; Rikenmann, Berthold. Episoden aus der älteren Vergangenheit Rapperswils. 3 Dramen. Rapperswil 1870; Nägeli, Dr., und Dr. A. Mächler. Die Fischereiverhältnisse von Rapperswil. St. Gallen 1892; Souvenir zur Eröffnung des Seedammes von Rapperswil. Rapperswil 1878; Führer von Rapperswil und Umgebung, herausg. vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Rapperswil.