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Das Labyrinth ist ein menschliches Ur-Symbol, welches unabhängig voneinander in unter-schiedlichen Formen in allen Kulturen seit ca. 5000 Jahren auftritt. Die interkulturelle Entstehung von Labyrinthen wird als Ausdruck dafür gewertet, dass der Mensch den Kreislauf des Lebens ,,Werden-Sein-Vergehen-Neuentstehen“akzeptiert hat. Ein Labyrinth ist kein Irrgarten, in dem man sich verläuft. In ein Labyrinth führt immer ein Weg hinein und hinaus. Dieser Weg ist pendelförmig, ohne Abzweigungen, hat Wendungen und führt zu einer Mitte. Der Gang durch ein Labyrinth ist wie der Gang durch das eigene Leben: nie gerade und immer voller Wendungen. Es ist ein besinnlicher, erkenntnisreicher, demütiger Weg zur eigenen Mitte und zurück ins Leben.
Wir, eine Gruppe, die im Jahr 2002 ihre Ausbildung bei Dr. Jorgos Canacakis auf Ikaria absolvierten, haben 2012 ein einwöchiges Seminar zum Thema ,,Labyrinth“abgehalten. Die Idee, auf Ikaria ein Labyrinth zu legen, entstand einige Jahre zuvor bei einer der regelmäßig stattfindenden Fortbildungsveranstaltungen, bei der die Gruppe die intensive Wirkung und den Nutzen des Labyrinths für die Lebens- und Trauerbegleitung unmittelbar erfahren hat.
Das Seminar beinhaltete den Bau eines aus Steinen gelegten Labyrinths in einem ausgetrockneten Flussbett in den Bergen nahe von Pezi, sowie meditative Übungen, Labyrinthbegehungen, Labyrinthtänze und theoretische Einheiten zur Geschichte, spirituellen Bedeutung und Konstruktion von Labyrinthen.
Eine unserer Labyrinthbegehungen beschäftigte sich mit der griechischen Mythologie, von der Ikaria durch den Tod von Ikaros unmittelbar berührt ist. Ikaros, Namensgeber der Insel, floh mit seinem Vater Daidalos von Kreta. Daidalos baute im Auftrag von König Minos das Labyrinth für Minotaurus. Theseus tötete Minotaurus und fand mit Hilfe des Ariadnefadens aus dem Labyrinth.
Da ich im Labyrinth nicht dem Ungeheuer Minotaurus, sondern mir selbst begegne, ist die zentrale Frage: Halte ich die Begegnung mit mir, auch mit meinen Schattenseiten, aus.
Alle Seminarteilnehmer/innen waren tief beeindruckt von der Ästhetik und Ausdruckskraft des Labyrinths. Wir alle haben tiefe Erfahrungen für unser weiteres Leben machen dürfen und fühlten uns nach der Seminarwoche geerdet, gestärkt und neu belebt. Wir danken der Insel und ihren Bewohnern, dass ein solches Projekt möglich.
Wir wissen, dass die Regenfälle im Winter unser Labyrinth wegspülen werden.
Alles ist vergänglich, das ist das Leben.
Geschrieben von Stephan Schlebusch, Heinsberg DE. Ich habe 20002 die Ausbildung zum Lebens- und Trauerbegleiter bei Dr. Jorgos Canacakis absolviert, Ikaria kennen gelernt und bin seitdem fast jedes Jahr nach Ikaria gereist und verzaubert von der Ursprünglichkeit und der wildromantischen Natürlichkeit zurückgekommen.
Anmerkung von Ursula
Danke für das wundervolle Labyrinth! Es bereicherte uns und die Insel! Wir haben spontan während unserer Tanzferien im Oktober das Labyrinth besucht und mit der ganzen Gruppe eine alte Ikaria-Melodie summend und im klassischen Labrinthschritt begangen. Es war sehr sehr eindrücklich! Am meisten erstaunte mich, wie lange man unterwegs ist, noch eine Wendung und noch eine, unweigerlich kommt man in eine Art Trancezustand. Ein unvergessliches Erlebnis, welches immer wieder als großartig von den TeilnehmerInnen erwähnt wurde.