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Vor den Medien in Bern sagte Pachauri zum Thema Kernenergie, dass er in dieser Technologie ein Wachstumspotenzial sehe, auch wenn es noch einige Probleme gebe. Vordringlich sei, die Armen mit effizienter und sauberer Energie zum Kochen sowie für die Beleuchtung und Lebensmittel-Kühlketten zu versorgen. Pachauri hat in den USA in den Ingenieurwissenschaften und in Ökonomie den Doktortitel erworben und ist seit 2001 Generaldirektor des 1974 in Indien gegründeten «The Energy and Resources Institute» (Teri), das sich mit den Fragen der Nachhaltigkeit im Energiebereich befasst.
Technologiewahl beim Strom extrem wichtig
Bereits zuvor hatte sich Pachauri klar für die Nutzung der Kernenergie ausgesprochen. An der Jahresversammlung des Japan Atomic Industrial Forum (JAIF) am 12. April 2007 in Aomori, Japan, wies er auf den stark steigenden Energiebedarf vor allem in den sich schnell entwickelnden Volkswirtschaften Asiens hin. «Insbesondere im Stromsektor spielt die Technologiewahl eine extrem wichtige Rolle», mahnte er und wies darauf hin, dass bis 2030 bei der gegenwärtigen Ausgangslage allein China und Indien für mehr als die Hälfte der Zunahme der weltweiten CO2-Emissionen aus der Stromproduktion verantwortlich sein werden.
Kernenergie als Teil der Lösung
Grundlage der Überlegungen Pachauris ist der Umstand, dass sich der CO2-Ausstoss in einem Land aus der Multiplikation von Bruttosozialprodukt, Energieintensität (Watt pro Dollar) und Kohlenstoffintensität (CO2 pro Watt) ergibt. Da wohl kaum ein Land sein Bruttosozialprodukt reduzieren wolle, liege der Fokus in erster Linie auf der Verbesserung der Energieeffizienz, aber auch auf der Ablösung der herkömmlichen fossilen Brenn- und Treibstoffe durch kohlenstoffarme Energiequellen. «Die Kernenergie eröffnet uns die Möglichkeit, die Kohlenstoffintensität substanziell zu reduzieren», und zwar nicht zuletzt deshalb, weil sie ökonomisch sehr attraktiv sei, sagte Pachauri
Im dritten Teilbericht «Mitigation of Climate Change» zum aktuellen vierten Lagebericht («Fourth Assessment Report») des IPCC wird daher erstmals auch die Kernenergie unter den möglichen Strategien zur Abschwächung des Klimawandels aufgeführt. «Ich bin sehr glücklich, dass ich die IPCC-Gemeinschaft davon überzeugen konnte», erklärte Pachauri, «denn die Kernenergie muss als relevante Option zur Linderung der Klimaproblematik betrachtet werden». Dabei sei allerdings die Gefahr ihres Missbrauchs zu unfriedlichen Zwecken stets im Auge zu behalten.
Kernenergieanteil im globalen Strommix beibehalten
In diesem dritten Teilbericht, der im Mai 2007 publiziert worden ist, wird die Kernenergie ausdrücklich als eine der Schlüsseltechnologien zur Bewältigung des Klimaproblems aufgeführt. Der Bericht geht davon aus, dass im Stromsektor bei einer Verteuerung der kohlenstoffintensiven Energien auf bis zu USD 50 pro t CO2-Äquivalent der Anteil der erneuerbaren Energien an der weltweiten Stromerzeugung von 18% im Jahr 2005 auf 30-35% im Jahr 2030 gesteigert werden könnte und der Anteil der Kernenergie von heute 16% auf 18%. Angesichts der erwarteten starken Zunahme der Stromproduktion in den kommenden Jahrzehnten würde dies laut einer Schätzung der World Nuclear Association (WNA) praktisch die Verdoppelung der weltweiten nuklearen Produktionskapazität bis 2030 bedeuten.
Bis im Dezember 2007 will der IPCC eine Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen als Grundlage für die Verhandlungen über die Weiterführung des Kyoto-Prozesses nach 2012 vorlegen.
Quelle
M.S. nach Medienberichten, 16./17. Oktober 2007, und JAIF, Dokumentation, 18. Oktober 2007
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