Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/2928

CA 1985 58'
Obwohl Peter Mettler ursprünglich nicht beabsichtigte, EASTERN AVENUE der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist der Film einer seiner schönsten. Schön meint in diesem Zusammenhang kein Verlegenheitswort, weil kein besseres zur Hand ist: Der Film strahlt in jeder Einstellung etwas wie pure Schönheit aus. «Im Frühjahr 1983», erzählt Mettler, «unternahm ich eine Reise in meine Intuition, die mich in die Schweiz, nach Berlin und Portugal führte. Die Mehrzahl der Bilder sind impulsive, intuitive Reaktionen auf die Menschen und Orte, die ich sah.» Und was hat Mettler gesehen? Den Flügel eines Flugzeugs. Wolken. Das Schmuckstück an der Hand einer Frau, die Kette um ihren Hals. Leerstehende Häuser. Die Mauer in Berlin. Menschen beim Skilaufen. Eine Frau beim Malen. Ein Kind im Sandkasten, das dort Strassen angelegt hat für seine Spielzeugautos. Verschiedene Menschen, die er ganz nah an sich heran zoomt. Deutsche Autobahnen. Das Meer in Portugal.
Aber vielleicht geht die Frage «was hat Mettler gesehen» schon am Kern des Films vorbei. Besser sollte man fragen, wie er es gesehen hat. Die Kamera ist erneut flüchtig, «passager» müsste man in Anspielung an eine Wortschöpfung des deutschen Filmkritikers Karsten Witte sagen. Sie gewichtet nicht. Sie hält nicht fest. Und vor allem: Sie erklärt nicht. Sie meint nicht. Nicht sich selbst und auch nicht das Objekt auf das sie gerichtet ist. Sie verzeichnet nur. Am Ende bleibt nichts als die Realität der Bilder, ihr eigener Ist-Zustand, ihr Sein, der Rhythmus, in dem sie geschnitten sind.
"Wieder kommt Mettler fast ohne Sprache aus, über den Filmbildern liegen nur Toncollagen (so zum Beispiel aus dem Inneren des Taj Mahal) und die sanften Klänge eines Cellos und einer Geige. Und zwischendurch schaut auch Mettler selbst in die Kamera, zunächst ernst, dann lacht er, langsam verschwindet das Lachen aus den Mundwinkeln, in den Augen hingegen ist es immer noch zu sehen. Als Mettler schliesslich nach unten verschwindet, ersetzt er sich durch ein Wasserglas und eine Schneekugel mit einem Edelweiss. Und irgendwie erscheint einem das wie eine freundliche Geste."
Veronika Rall