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Sehnen wir uns danach, mehr im Hier und Jetzt zu sein, mehr Lebendigkeit zu spüren, weniger Angst zu haben und uns weniger Sorgen zu machen, dann ist Meditation das Mittel der Wahl. Sie hilft uns ruhiger, gelassener und selbstbestimmter zu werden. Meditation verändert unser Gehirn und lässt uns die Welt anders wahrnehmen.
Meditation ist kein Zustand, sondern ein innerer Prozess, der mit einer Reihe von physiologischen und neurologischen Veränderungen einhergeht. Gleichzeitig mit diesen körperlichen Veränderungen verändert sich mit dem regelmässigen Üben der Meditation auch das emotionale und geistige Erleben des Übenden, die Empfindungen für den eigenen Körper und die Beziehungen zur Aussenwelt.
Das wesentliche Werkzeug für das Üben der Meditation ist die Achtsamkeit. Der Begriff Achtsamkeit bezeichnet eine bewusst ausgerichtete Aufmerksamkeit, die auf ein Objekt der Wahl gerichtet ist. Das kann ein Mantra sein, ein visuelles Objekt oder aber, wie es in der Tradition der Achtsamkeitsmeditation zu Beginn üblich ist, der Atem.
Wird die Aufmerksamkeit willentlich ausgerichtet, geschieht das vor allem unter der Beteiligung des präfrontalen Kortex, des cingulären Kortex, der Amygdala und des Hippocampus; von Hirnbereichen, die für das Steuern der Aufmerksamkeit, das Ausblenden von Störungen, die Regulation von Emotionen und das Lernen zuständig sind. Dabei scheint die globale Hirnaktivität abzunehmen, während die konzentrierte Hirntätigkeit in diesen bestimmten Bereichen zunimmt. Wer also regelmässig meditiert, verbessert sein Arbeitsgedächtnis, seine Gefühlsregulation, durch die zeitweise Deaktivierung des „Angstzentrums“ (Amygdala), und seine Lern- und Merkfähigkeit (vgl. B. Hölzel).
50-jährige, die regelmässig meditieren, haben eine Gehirnleistung, die sich mit den Gehirnen von 25 jährigen vergleichen lässt, denn die graue Substanz in bestimmten Gehirnbereichen von regelmässig Meditierenden nimmt zu. Gleichzeitig wird einem altersabhängigen Abbau entgegengewirkt. Das bewusste Ausrichten der Aufmerksamkeit auf einen bestimmten „Punkt“ bewirkt ein inneres Erleben von emotionaler Kontrolle und konzentrierter Ausrichtung, das eine neurologische Entsprechung in den übereinstimmenden Hirnregionen aufweist (vgl. U. Ott).
Bei langjährig Meditierenden entstehen zusätzlich auch Erfahrungen von Weite und Offenheit. Durch das Ausbreiten von Gamma-Wellen, die sich über das gesamte Gehirn verteilen, kann es in der subjektiven Erfahrung zu einem „Einheitserleben“ kommen. Solche Zustände entstehen bei einem Anfänger der Meditation eher kurz und selten, tauchen jedoch bei geübten Meditierenden immer häufiger und länger auf. Diese Zustände werden auch Global Binding genannt. Sie erzeugen im Meditierenden ein Gefühl von Verbundenheit und führen im Laufe der Zeit zu einer Desensibilisierung gegenüber negativen Affekten sowie einer Zunahme von Mitgefühl, Offenheit und Gelassenheit (vgl T. Esch).
Durch regelmässiges Training schulen wir in der Meditation unsere innere Wahrnehmung und das Gefühl für unseren Körper. Gleichzeitig nimmt auch die Fähigkeit zu, unsere Aussenwelt immer besser und intuitiver wahrzunehmen. Netzwerke etablieren sich, die in der Lage sind, Gefühle von Stress und Angst zu schwächen, das Erleben von positiven Emotionen zu stärken, Aggressionen zu hemmen und uns zu mehr Gelassenheit und Zufriedenheit zu verhelfen.
Literatur:
Tobias Esch - Die neuronale Basis von Meditation und Achtsamkeit, in: Sucht 60 (1), 2014, 21 – 28