Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03391.jsonl.gz/1233

1332
P. Athanas (Karl Ludwig) Beutler von Säckingen
Todesjahr: 1683
Kommentar WB/RS, 20.3.07: Planarchiv: topographische Karte von Sonnenberg, 1679, gezeichnet von P. Athanasius Beutler.
Professbuch:
Band B, Nr. 198
Kapitel:
7. Professen unter Abt Augustin II. Reding 1670-92.
P. Athanas (Karl Ludwig) Beutler von Säckingen
Professjahr: 1673
Professbuchtext:
P. Athanas (Karl Ludwig) Beutler von Säckingen. Er war schon 34 Jahre alt, als er sich ins Kloster meldete; offenbar hatte er sich vorher als Maler ausgebildet. Ihm selber war es gleich, ob man ihn als Laienbruder oder als Kleriker annehmen wolle. Das Kapitel ließ ihn am 11. April 1672 zum Noviziate zu, unter der Bedingung, daß er auch als Priester seinem angelernten Beruf als Maler nachkommen könne. Ob er übrigens Priester werden sollte, überließ man dem Abt, auf jedenfall sollte er aber die höhern Studien machen können. Am 19. April 1673 legte er Profeß ab. Priester 30. März 1675.
P. Athanas kam am 23. Juli 1676 nach Bellenz, kehrte aber noch vor Ende des Jahres zurück, um am 26. Januar 1677 neuerdings hinzugehen und dort das Amt eines Prokurators zu versehen. Für die Residenzkirche malte er zwei Altarbilder. Im Sommer 1677 mußte er das Pfäferser Bad besuchen, von wo er über Einsiedeln den 23. August wieder nach Bellenz ging. Den 9. Juni 1678 kehrte er in das Kloster zurück. Mit P. Karl ging er am 11. Juni 1678 wegen dem neuen Hochaltar nach Freienbach. Im Auftrage des Abtes fertigte er im Sommer 1679 einen «9 werkschuh» hohen Stammbaum des Hauses Savoyen auf Pergament an, wozu P. Gregor Hüsser einige Verse machte. P. Athanas überbrachte sein W erk dem savoyschen Gesandten in Luzern zur Weiterbeförderung. «Man wolte verhofen, es würde diser Herr ein nit geringe Verehrung dafür thun. Es wolle Gott, das es geschehe», bemerkt P. Josef Dietrich220
; ob es wirklich geschah, meldet er aber nicht. Am 18. Juli 1679 verreiste P. Athanas, «die Sonnenbergische Herrschaft in Grund zu legen»; sein Werk war den 16. April 1681 vollendet und ist noch vorhanden (s.u.). Den 14. Oktober 1680 besuchte er die Seinen in Säckingen und ging von dort nach Mariastein, von wo er den 9. November zurückkehrte. Den 30. Juli 1681 suchte er Goldschmied Dumeisen in Rapperswil auf, um sich mit ihm wegen den Kapitellen für den Hochaltar und «wegen anderer Arbeiten für die Gnadenkapelle auf die bevorstehende Engelweihe» zu besprechen. 1681 malte er auch in der Schloßkapelle und im Saale zu Ittendorf. Vom 29. April bis zum 23. Juni 1682 suchte er wieder das Pfäferser Bad auf. Mit P. Gallus Göldlin ging er den 27. Dezember 1682 nach Ried, wo sie mit Buchdrucker Hautt von Konstanz eine Zusammenkunft hatten. Er starb nach längerer Krankheit bereits den 7. Mai 1683. «Er war ein guter Mahler von gar glückseeliger und geschwinder Hand, also dass er mit weniger Zeit namhaffte Stuck expediren können; sonderlich war seine Kunst gross in kleinen Landtschäftlin, die er gar nett und sauber ausgemahlet und forderist war er ein frommer, sehr eifriger Religios mit grosser Resignation erga Superiores, gar verträglich mit Patribus und Fratribus, embsig im Gebett und in seiner Arbeit, willig zu allem Gehorsamb, demütig und freundtlich gegen männigklich, Disciplinae monasticae gar fleissig obachtend, in sacrificio Missae gantz inbrünstig, in Discursibus gar facet, freudig und liebreich, konnte darumb ein gantz Compagnia erlustigen, massen dann er manches Mahl unsern Gn. Fürsten und Herren hertzliche Recreation gemachet»221
. Von seinen Werken, die früher, nach Symian, in der Kirche und im Kreuzgang (Mysteria Christi) hingen, befinden sich noch zwei größere Gemälde (Kreuzaufrichtung und Grablegung) beim Stiftsdekanat. Er entwarf auch die von Ph. Kilian in Augsburg in Kupfer gestochenen Bilder des hl. Meinrad und Adelrich, deren Platten sich heute noch in den Stiftssammlungen befinden. Ebenso zeichnete er die verschiedenen Ansichten der Gnadenkapelle, die wahrscheinlich in Basel in Kupfer gestochen wurden222
.
Architektenliste:Arbeitsort:
Einsiedeln
Projekte im Kloster:
Sihltal
Gnadenkapelle
Baudatum:
1680
Quellen:
Kategorienliste, Allgemeines Künstlerlexikon AKL Online
Bemerkungen:
Beutler, Athanasius (Taufname: Carl Ludwig), Maler, Zeichner, Geometer, Benediktinermönch, geboren um 1638 Beromünster, gestorben 7.5.1683 Einsiedeln.
Sohn und Schüler von Caspar B. Wahrsch. Bruder von Clemens B. (gestorben 1682). 1672 Eintritt in das Kloster Einsiedeln, 1675 Priesterweihe. 1675 malte er in der Residenzkirche (Zur schmerzhaften Muttergottes) Bellinzona zwei Altarbilder. Von den grossformatigen Gemälden Geheimnisse Christi für den Kreuzgang im Kloster Einsiedeln sind mit der Kreuzaufrichtung und Grablegung zwei Bilder erhalten, die einen kraftvollen, italienisch geprägten Meister verraten. 1678 zeichnete B. im Auftrag von Abt Augustin Reding von Biberegg einen Stammbaum des Hauses Savoyen auf Pergament (mit Versen von Gregor Hüsser), der in Luzern der savoyischen Gesandtschaft übergeben wurde. Ebenfalls für Abt Augustin Reding nahm er als Geometer ab 1679 Grundrisse (davon 2 erh.) der Herrschaft Sonnenberg im Thurgau auf, die der Abt zuvor erworben hatte. 1680 begleitete B. den Stukkateur Pietro Neurone auf der Suche nach einem Gipslager. Ferner lieferte B. die Vorlagen der bei Philipp Kilian in Augsburg gestochenen Bll. Hl.Meinrad und Hl.Adelrich. Zuschreibbar ist B. die Ill. eines von Johann Baptist Häfelein geschriebenen Graduales (1674), ebenfalls im Stift Einsiedeln. Der Chronist von Einsiedeln hob in der Würdigung beim Tod B.s besonders dessen kleinformatige Landschaften hervor. Bekannt ist jedoch lediglich eine lavierte Tusch-Zeichnung mit Ansicht des Sihltales, die trotz skizzenhafter Ausführung topographische Genauigkeit aufweist.
(Allgemeines Künstlerlexikon AKL Online, Dok-ID: _10123147, 13.07.2010)