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Roland Kurath v/o Spurt, 01.08.1928 – 16.10.2016
16.10.2016 - Oscar Gemsch v/o Tenno
Nachruf
Dipl. Ing.-Agr. ETH
Roland Kurath v/o Spurt
Kyburger, Corona Sangallensis
01.08.1928 – 16.10.2016
Im ersten Teil meines Rückblickes auf das Leben von Spurt möchte ich ihn persönlich mit seinen Eintragungen im Goldenen Buch zu Worte kommen lassen (seinem Hobby „Journalistik“ entsprechend, hat er seinen Beitrag m.E. sehr gekonnt formuliert):
„Als in den ersten Tagen des Monats August 1929 – mein Geburtstag fällt gerade auf den Nationalfeiertag – AH Turiciae Hoby v/o Fink dem jüngsten Flumser Pate stand, ahnte er wohl kaum, dass 20 Jahre später sein eigener Sohn (Hoby v/o Fort) für denselben Sprössling die Leibburschenschaft bei den Kyburgern übernehmen würde.
Aber wer weiss, vielleicht spürte später der junge Pennäler noch etwas von jener ersten Begegnung mit dem St.V., als er sich entschloss, diesem Verein beizutreten.
Aber noch war es nicht so weit. Vorerst erlebte ich mit meinem Bruder, zu dem sich später noch ein Schwesterchen gesellte, eine ungetrübte Jugendzeit. Aber schon im 9. Lebensjahr verdüsterte ein grosser Schatten unser Lebensbild: mein lieber Vater, der am Flumserberg als Lehrer und Bauer sein Brot verdiente, nahm Abschied von dieser Welt und hinterliess uns 3 unmündige Kinder der Mutter zur Erziehung. Diese, selbst Lehrerin, nahm ihre Aufgabe gründlich in die Hand: den Bruder schickte sie ins Lehrerseminar, während meine Neigungen, die eher landwirtschaftlich orientiert erschienen, ihr Ziel im Studium des ing.agr. finden sollten.
So bezog ich denn im Frühling 1944 die technische Abteilung der Kantonsschule St. Gallen. Zwei Jahre später liess ich mich davon überzeugen, dass ein Katholik, gerade an einer neutralen Schule, in die kath. Verbindung gehöre. So trat ich denn der Corona Sangallensis bei, als deren Kandidat ich 1947 in Einsiedeln in den St.V. aufgenommen wurde.
Kaum hatte ich im Herbst 1948 die C-Matura bestanden, trat ich in die Praxis ein. Im Sommer 1949 rief mich dann zum ersten Mal das Vaterland. Während 17 Wochen bemühten sich die Herren Offiziere mit mehr oder weniger Erfolg, aus mir einen brauchbaren Kanonier zu machen. (Einzufügen ist hier, dass Spurt es später bis zum Oberstleutnant gebracht hat).
So kam ich nach der Rekrutenschule mit einer Verspätung von 2 Wochen nach Zürich. Hier traf ich meine Kyburgerfreunde und bald war der Entschluss gefasst: du wirst Kyburger!Während 2 ½ Semestern habe ich nun versucht, das Wesen unserer Verbindung zu erfassen. Die Anfangszeit dauerte bei mir vielleicht etwas lange, war ich doch während dem ersten Semester noch weitere 4 Wochen im Militärdienst, wo ich zum Korporal befördert wurde. Nach den 2 ½ Semestern hatte ich aber das Gefühl, dass meine Einstellung genügend gefestigt ist und ich den Eintritt als ordentliches Mitglied der Kyburger mit gutem Gewissen verantworten kann. Ich war mir bewusst, dass damit eine neue Periode meines Lebens beginnt, denn Kyburger sein heisst tapfer und treu zu unseren Idealen zu stehen, nicht nur, wenn es
angenehm ist.“
Soweit seine eigenen Einträge im Goldenen Buch.
Im zweiten Teil des Rückblicks nun ein paar Stationen seines Lebens: Spurt studierte an der ETH Agronomie und schloss 1953 als Dipl.Ing.agr. ETH ab.
In der Verbindung hat Spurt im SS 1951 das Amt des Conseniors bekleidet; weiter war er während 2 Semestern nacheinander, im SS 1952 und WS 1952/53 Burggraf. Sein Leibfuchs war Müller v/o Klio, der dann der Leibbursche von Dom wurde. 1953 trat Spurt in den Altherrenverband über.
Die Wege von Spurt und Dom hatten sich mehrere Male gekreuzt; so haben sie miteinander in Frauenfeld die Offiziersschule besucht und 1955 gemeinsam den Leutnant in Sitten abverdient. Während dieser Militärzeit lernte Spurt seine grosse Liebe kennen. Das ging so: Da er in der Ehrenkompagnie an der Fronleichnamsprozession teilnahm, war er dort zum Mittagessen eingeladen. Dabei lernte Spurt die Tochter des Baudirektors des Kt. Wallis, unseres AH Karl Schmid v/o Harras, kennen. Dies kam zustande, da Doms Vater Albert Schmid v/o Rottu und Harras befreundet waren. So wurde Dom quasi zum ‚Enabler‘ für diese Verbindung und in der Folge 1957 an die Heirat von Spurt mit Marie-Theres Schmid in Sitten eingeladen. Der Apéro fand am unterirdischen See von St. Léonard statt. Spurt und Dom machten viele gemeinsame Bergwanderungen, später auch mit beiden Familien in den Flumserbergen und Davos. Dom versuchte jedoch mehrmals vergeblich, Spurt für die Wandernieren zu begeistern.
Auch von schweren Schicksalsschlägen blieb Spurt nicht verschont: in jungen Jahren starb einer seiner beiden Söhne und in den ersten Jahren seiner Pensionierung musste er seine Frau zu Grabe tragen.
Noch ein paar Worte zu seiner beruflichen Laufbahn: Als junger Ingenieur-Agronom kam er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Herdebuchstelle für Braunvieh nach Zug. 1957 wechselte er zur Kali AG nach Bern. Als die Abteilung für Landwirtschaft im EVD im Winter 1959/60 einen Mitarbeiter für den Bereich des Agrarkredits suchte, bewarb sich Spurt. Am 15. März 1960 trat Spurt in die Dienste des Bundes ein und blieb dort nahezu 35 Jahre. In enger Zusammenarbeit mit den Kantonen entwickelte er ein Kreditsystem für die Landwirtschaft. Am 1. November 1970 wurde er zum Chef der Unterabteilung Pflanzenbau gewählt und per 1. Januar 1976 zum Vizedirektor und Chef der neuen Abteilung Pflanzenbau befördert. Er befasste sich u.a. mit der Futtermittelbewirtschaftung, mit Fragen der nachwachsenden Rohstoffe für die Energieproduktion und später mit der Reduktion des Getreideanbaus. In seinen letzten Tätigkeitsjahren übernahm er die neugeschaffene Hauptabteilung Forschung, Bildung und Beratung und musste sich vor allem mit Fragen der Redimensionierung und Neustrukturierung der eidgenössischen landwirtschaftlichen Forschungsanstalten auseinandersetzen.
Spurt war auch nach der Pensionierung (Ende August 1994) immer wieder bei Kyburgeranlässen dabei. In den letzten Jahren schwanden seine körperlichen und geistigen Kräfte zusehends und am 16. Oktober 2016 hat er sich für immer von uns verabschiedet.
Wir haben einen lieben, treuen Kyburger und Freund verloren, er ruhe in Frieden!