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Cortisol: Freund oder Feind? Stresshormon
In der einschlägigen Literatur wird Cortisol, ein Stresshormon der Nebennierenrinde, das bei langem und harten Training vermehrt ausgeschüttet wird, als Feind des Sportlers bezeichnet. Das ist nicht völlig aus der Luft gegriffen, da ein wichtiger Effekt dieses Hormons darin besteht, den Neuaufbau von Protein zu bremsen, sodass unter dem Strich ein vermehrter Proteinabbau zu verzeichnen ist. Ausserdem hemmt Cortisol die Aminosäureaufnahme in die Muskulatur. Von daher ist Cortisol sicherlich eher kontraproduktiv für den Muskelaufbau. Allerdings hat dieses Hormon noch andere Effekte im Körper. Es wirkt entzündungshemmend, sodass es bei niedrigen Spiegeln dieses Hormons vermehrt zu Entzündungsprozessen im Körper (z. B. Sehnenansatzentzündungen beim Sportler) kommt. Cortisol ist auch wichtig, weil es die Lipolyse und damit die Energiegewinnung aus der Fettverbrennung unterstützt. ausserdem gilt es zu bedenken, dass der ständig im Körper stattfindende Proteinabbau dem Organismus freie Aminosäuren zur Verfügung zu stellt, wenn diese unter Stress (auch Training bedeutet zunächst Stress für den Körper) in manchen Geweben vermehrt benötigt werden.
Die Höhe des Cortisolspiegels und damit das Ausmass der Wirkungen dieses Hormons scheint im Wesentlichen von der Blutzucker und Insulinkonzentration abzuhängen. Bei hohem Blutzucker und entsprechend hohem Insulinspiegel zirkuliert wenig Cortisol im Blut, und umgekehrt. So zeigen in vitro Studien (im Reagenzglas durchgeführte Untersuchungen), dass Cortisol erst nach vier Stunden seine den Proteinaufbau Hemmenden und den Eiweissabbau fördernden Eigenschaften entfaltet. Umgekehrt kommt es innerhalb von einer Stunde nach einer Mahlzeit durch den Anstieg des Insulinspiegels zu einer Umkehrung der Wirkungen dieses Hormons. Dies wiederum rechtfertigt die bei Bodybuildern gängige Praxis, alle 3 4 Stunden eine Mahlzeit zuzuführen.
Der Effekt von Krafttraining:
Ohne Zweifel beeinflusst ein regelmässig durchgeführtes Training mit Gewichten den Proteinumsatz und die Aufbauvorgänge im Körper stark. Eine solche Belastung verändert den Auf- und Abbau von Eiweissstrukturen im trainierten Muskel. Allerdings sind die in Gang gesetzten Neusynthesevorgänge stärker als der Verlust, sodass unter dem Strich ein vermehrter Aufbau von Proteinen stattfindet.
Nach dem Training ist ausserdem eine vermehrte Aufnahme von Aminosäuren in die Muskulatur nachzuweisen. Es konnte dabei gezeigt werden, dass die Gabe von Glukose und Aminosäuren zu diesem Zeitpunkt den Proteinaufbau weiter fördert und den Abbau von Muskeleiweiss hemmt. Ein weiteres Ergebnis war, dass die Proteinsynthese nach der Belastung für mindestens 36 Stunden erhöht bleibt. Dies legt nahe, dass eine erhöhte Proteinzufuhr direkt nach dem Training und in regelmässigen Abständen auch in den folgenden 36 Stunden wichtig ist, um diese Prozesse zu optimieren.
(Quelle: Handbuch Protein und Aminosäuren)