Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03659.jsonl.gz/946

Als Empiriokritizismus bezeichne ich einen erkenntnistheoretischen Ansatz, der Schlüsse über den Erfahrungshorizont hinaus in die Realität als metaphysisch ablehnt. Erfahrungen gelten darin als die alleinigen Gegenstände, von denen ausgehend sich Wissenschaft befassen soll. Basierend auf Überlegungen über die Natur der Empfindungen, die nicht als Information, sondern physisch und psychisch konstituiert gedacht wurde, resultierte ein Konzept in welchem die Untersuchung von Erfahrungstatsachen und ihrer Beziehungen zu einem „natürlichen Weltbild“ führen sollte. Diese, den Empirismus radikalisierende Denkweise wird auch als „subjektivistischer Positivismus“ bezeichnet.
Als Begründer dieser Richtung gelten Richard Avenarius und E Mach. "Die Analyse der Empfindungen" (1886) fanden um 1900 weite Verbreitung. Weitere Vertreter waren A. Bogdanow und Carstanjen. Im positiv kritischen Dialog stand auch W. Wundt.
Nachdem der Empiriokritizismus auch unter Marxisten, z. B. Anatoli Lunatscharski, Anhänger fand, kritisierte Lenin diese Richtung sehr heftig mit der Streitschrift Materialismus und Empiriokritizismus (1908) und warf ihr darin u. a. einen Rückfall in den frühen Idealismus bis zu Berkeley vor. Weitere Kritik stammte u. a. von Husserl und Hönigswald.