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Widerstand gegen ABB-Kraftwerk in Indien
7. Mai 1999
Die Entwicklungsorganisation Erklärung von Bern (EvB) hat die Firma ABB aufgefordert, sich vom Maheshwar-Projekt in Indien zurückzuziehen. Maheshwar ist Teil des umstrittenen Staudammprogramms am Narmada-Fluss, dessen Finanzierung die Weltbank 1993 einstellen musste. Der geplante Stausee würde 20'000 Menschen zur Umsiedlung zwingen. Einige der betroffenen Dörfer bauen biologische Baumwolle für die Ökotextilien von COOP und WWF Panda SA an. Tausende von Menschen haben die Baustelle des geplanten Damms seit 1998 fünfmal besetzt. Vom 12. April bis am 3. Mai protestierten sieben Personen mit einem Hungerstreik gegen das Projekt.
Das Maheshwar-Kraftwerk kann nur mit ausländischer Beteiligung gebaut werden. Mehrere amerikanische und deutsche Firmen zogen sich seit 1995 wegen den ungelösten sozialen Problemen vom Projekt zurück, zuletzt das Bayernwerk und VEW aus Deutschland im April 1999. Die Firma ABB ist bisher mit einem Auftrag von mindestens 60 Millionen Dollar am Maheshwar-Projekt beteiligt. Gemäss der indischen Firma, die das private Kraftwerk betreiben soll, wird sich ABB nach dem Rückzug der deutschen Firmen verstärkt bei Maheshwar engagieren. Ein Sprecher des schweizerisch-schwedischen Kraftwerkkonzerns bezeichnete gegenüber der EvB einen solchen Ausbau des Engagements als "offene Frage". Er liess auch offen, ob ABB für den Maheshwar-Auftrag staatliche Exportrisikogarantien beanspruchen werde. In einem Dossier zum Projekt rief die Erklärung von Bern den ABB-Konzern am 6. Mai auf, nicht zur Kraftwerkfirma mit den tiefsten sozialen und ökologischen Standards zu werden und sich von Maheshwar zurückzuziehen.
Hintergrund: Der Maheshwar-Staudamm soll nahe der Stadt Mandleshwar am Narmada-Fluss im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh gebaut werden. Ein Stausee mit einer Fläche von 57 km2 soll ein Kraftwerk von 400 Megawatt betreiben. Das Projekt soll 436 Millionen Dollar kosten. Der Staudamm ist noch nicht im Bau, doch sind Vorbereitungsarbeiten im Gang. Die indische Bewegung zur Rettung des Narmada ("Narmada Bachao Andolan") kritisiert, dass das Projekt unwirtschaftlich sei und dass keine realistischen Pläne für die Entschädigung und Umsiedlung der betroffenen Bevölkerung bestünden.