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Die USA befinden sich nach Meinung der Experten von J.P. Morgan AM in einer Spätphase des Konjunkturzyklus. Ob und wann die nächste Rezession kommt, ist jedoch noch nicht abzusehen. Die Experten gehen allerdings davon aus, dass der nächste Abschwung voraussichtlich weniger schwerwiegend ausfällt als in der Vergangenheit. Denn insgesamt sind die Wirtschaftszyklen der führenden Volkswirtschaften der Welt in den letzten Jahrzehnten stabiler geworden. Eine Folge dessen ist aber auch, dass auf eine Rezession folgende Erholungsphasen weniger kräftig ausfallen. Dies sind die Ergebnisse einer Analyse im Rahmen des langfristigen Kapitalmarktausblicks "Long Term Capital Market Assumptions" von J.P. Morgan AM.
Wirtschaftliche Stabilisierung stumpft Werkzeuge ab
Für die Analyse fokussierte sich das Team um David Kelly, Chief Global Market Strategist bei J.P. Morgan AM, auf US-Rezessionen, weil ein Abschwung in den USA häufig auf andere Länder überspringt. Betrachtet wurden Rezessionen seit 1948 – insgesamt elf Abschwünge. "Unser Research zeigt, dass die US-Wirtschaft in den letzten 70 Jahren allmählich stabiler geworden ist", erklärt Kelly. Das Wachstum habe sich erheblich verlangsamt, die Rezessionen seien im Allgemeinen aber moderater und Aufschwünge dafür schwächer geworden. Da geringere konjunkturelle Schwankungen gegenüber der Verlangsamung des Wachstums allgemein überwiegen würden, treten Rezessionen im Laufe der Zeit darüber hinaus weniger häufig auf.
Nach Ansicht von Kelly scheint diese wirtschaftliche Stabilisierung vor allem dadurch bedingt, dass Unternehmen in den USA die Verwaltung ihrer Lagerbestände verbessert haben. Zudem haben moderatere Ausschläge bei den Staatsausgaben sowie bei der Volatilität auf dem Immobilienmarkt für geringfügigere Verwerfungen gesorgt. Ferner hat der Dienstleistungssektor – der stabiler als der Fertigungssektor ist – seit Ende des Zweiten Weltkriegs zunehmend an Bedeutung für die US-Wirtschaft gewonnen. "Genauso wie die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft in den USA abgenommen haben, stumpfen aber auch die Instrumente für eine Stimulierung des Wachstums in den vergangenen Jahren ab", erklärt Kelly. So sei insbesondere der Spielraum der Finanz- und Geldpolitik, einen starken V-förmigen Aufschwung auszulösen, geringer geworden.
Flachere Einbrüche und moderatere Aufschwünge
"Auf der Grundlage der US-Daten für die letzten 20 Jahre deuten unsere Simulationen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für den Beginn einer Rezession erst ab dem dritten Quartal 2022 die Marke von 50% übersteigt – das heisst zwei Quartale später als auf der Grundlage der Erfahrung der vorangegangenen 50 Jahre der Fall gewesen wäre", sagt Kelly. Hervorzuheben sei allerdings, dass diese Analyse nur auf die langfristigen Wirtschaftstrends hinweisen würden. "Sie berücksichtigt weder die derzeitigen, kurzfristigen fiskalpolitischen Anreize für die US-Wirtschaft noch die momentan niedrige Arbeitslosigkeit im Land, die jeweils das Risiko für eine Rezession im Jahr 2019 oder 2020 erhöhen, da die fiskalpolitischen Anreize auslaufen und ein Mangel an Arbeitskräften das Wirtschaftswachstum hemmt", erläutert der Experte.
Trotzdem deuten nach Ansicht von Kelly die Wirtschaftstrends auf lange Sicht darauf hin, dass Anleger im Gegensatz zu früher heute realistisch mit einigen zusätzlichen Quartalen anhaltenden Wachstums im Konjunkturzyklus rechnen können. Anleger können auch davon ausgehen, dass zukünftige Einbrüche weniger dramatisch und die anschliessende Erholung schwächer ausfallen werden. Im Durchschnitt ist die Wirtschaft in den USA in den 11 Rezessionen der Nachkriegszeit real um 1,9% geschrumpft und in den drei Jahren nach Ende einer jeden Rezession um 13,9% gewachsen. Basierend auf dem Verhalten der Wirtschaft in den letzten 20 Jahren könnte eine hypothetische zukünftige Rezession einen kleineren Rückgang von 1,4% vom Höchststand bis zum Tiefststand mit sich bringen. Allerdings müsste eventuell auch davon ausgegangen werden, dass die Wirtschaft in den ersten drei Jahren des Aufschwungs nur mehr um 7,0% wachsen wird.