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Flüssigkeit. Die Schnelligkeit ist bei verschiedenen Gletschern sehr verschieden; sie wechselt innerhalb des gleichen Gletschers und mit der Jahreszeit. Grosse Gletscher übertreffen im allgemeinen die kleinern;
steile bewegen sich (unter sonst gleichen Umständen) rascher als flache;
im Winter ist die Bewegung langsamer als im Sommer;
kleine Gletscher kommen im Winter auch ganz zum Stillstand.
Verengt sich an einer Stelle das Bett, so fliesst das Eis schneller, in einer Erweiterung langsamer. Die Art der Bewegung gleicht also in allen Beziehungen derjenigen einer Flüssigkeit. Beispiele für die Geschwindigkeit mögen folgende sein:
|Jährlich im Mittel||Täglich im Mittel|
|Unteraargletscher||50-77 m.||0,140-0,211 m.|
|Mer de Glace||80-250 m.||0,217-0,687 m.|
|Rhonegletscher||100 m.||0.274 m.|
|Aletschgletscher||180 m.||0.505 m.|
Durch die Bewegung der Gletscher entstehen ganz gesetzmässig Spalten. Da wo oben der Firn sich von dem Schnee trennt, der auf dem Fels sitzen bleibt, entsteht regelmässig der Bergschrund, der bei Gipfelbesteigungen im Hochsommer oft schwer oder nicht passierbar ist. Auf dem Gletscher selbst bilden sich an steilern Stellen des Bettes regelmässig Querspaltensysteme, indem er in grossen Treppenstufen über den Gefällsbruch hinunter steigt. Unterhalb der steilern Stelle schliessen sich die Spalten infolge der Bewegung auf flachem Grunde wieder zusammen. Wo der Gletscher sich verbreitert, namentlich auch an seinem Ende, bilden sich Längsspalten, welche in der Mitte wirklich in der Axe des Gletschers verlaufen, seitlich aber fächerförmig divergieren.
Die Abschmelzung der Gletscher geschieht von oben, von der Seite und von unten. Von oben wirken Sonne, Wind, Regen und namentlich auch die Taubildung. An den Seiten wird Wärme von den Felswänden reflektiert;
seitliche Bäche münden in das Thal des Gletschers und verschwinden unter demselben;
von unten wirkt die Erdwärme, wenigstens in den untern Teilen des Eisstromes, wo die mittlere Bodentemperatur über 0° ist;
ferner die Luft, welche unter dem Gletscher durchstreicht, und die z. B. die mitunter grossartigen Eishöhlen, «Gletscherthore», am Ende der Gletscher ausschmilzt.
Das oberflächliche Schmelzwasser bildet auf flachen Teilen der Gletscher oft ganz stattliche Bäche, ehe dieselben in eine Spalte hinunterstürzen. An solchen Stellen bilden sich im Felsuntergrunde dann «Gletschermühlen», indem der Sturzbach mitgerissene Felsblöcke unten in drehende Bewegung setzt und mit diesen Mahlsteinen tiefe Erosionskessel aushöhlt. Sämtliche Schmelzwasser vereinigen sich schliesslich am Ende und bilden den Gletscherbach.
Zu den wichtigen Erscheinungen der Gletscher gehört noch der Transport von Schutt, der durch sie ausgeführt wird. Von allen seitlichen Gehängen stürzen Verwitterungstrümmer auf das Eis. Weil dieses sich bewegt, so ordnen sich die Trümmer zu lang gestreckten Wällen an, welche als Seitenmoränen den Gletscher einfassen. Wenn sich zwei Gletscher vereinigen, treffen die linke Seitenmoräne des einen und die rechte des andern zusammen und bilden eine Mittelmoräne.
Wenn drei Gletscher sich vereinigen, entstehen zwei Mittelmoränen etc. (Vergl. Seite 14 Unteraargletscher und Seite 34 Aletschgletscher). Unterwegs fallen durch die Spalten manche Trümmer auf den Grund; sie werden vom Eise gefasst, wie das Hobeleisen vom Hobel und weitergeführt. Dabei schleifen sie sich und den Felsuntergrund ab, bedecken diesen mit Schrammen, die in der Talrichtung verlaufen oder polieren ihn geradezu (Gletscherschliffe). Aus solchen Trümmern und aus abgeriebenem Material bildet sich unter dem Gletscher die Grundmoräne. Was auf und unter dem Eise transportiert wird, gelangt schliesslich ans Ende des Gletschers und häuft sich da zu der bogenförmig quer durchs Thal verlaufenden End- oder Stirnmoräne an. Die Endmoräne wird an einer oder mehreren Stellen durchbrochen vom Gletscherbach, der eine Menge Geschiebe führt und auch beständig durch den feinen Schleifschlamm milchig getrübt ist.
Die Grösse der Gletscher ist veränderlich; innert wenigen Jahrzehnten oder sogar Jahren kommen ganz bedeutende Schwankungen vor. Wenn die Abschmelzung die Bewegung des Gletschers überwiegt, so wird das Ende flach, scherbenförmig; es weicht mehr und mehr von der Endmoräne zurück, die Seitenmoränen geraten auf festen Grund und werden so zu Ufermoränen, welche oft hoch über dem Gletscher liegen. Umgekehrt ist es beim Wachsen.
Im allgemeinen rücken die meisten Alpengletscher gleichzeitig vor und weichen gleichzeitig zurück. Immerhin verspäten sich grosse Gletscher dabei meistens;
kleine beginnen und enden die Periode des Wachsens und Schwindens meistens rascher. Im 19. Jahrhundert zeigten sich folgende allgemeine Schwankungen:
|Wachsen||Schwinden|
|1812-1822||1822-1840|
|1840-1858 oder 1855||1855-1880|
Nun hätte wieder ein allgemeines Wachsen eintreten sollen;
es zeigte sich aber nur in geringem Grad und nur bei wenigen Gletschern. So ist der Rhonegletscher seit 1856 beständig zurückgewichen;
sein Ende steht heute fast 1½ km von der Moräne von 1856 ab;
seine Oberfläche liegt stellenweise 100—150 m unter der alten Ufermoräne.
Aehnlich verhalten sich fast alle grossen Alpengletscher; viele davon sind um 500—1000 m kürzer als vor 40 bis 50 Jahren. Der grösste Gletscherstand des 19. Jahrhunderts (1818) war aber für manche Gletscher noch nicht der grösste in historischer Zeit; 1602 reichte z. B. der Untere Grindelwaldgletscher soweit herunter, dass er die Schwarze Lütschine staute.
Die Eislawinen. Sie sind gewissermassen ein Bindeglied zwischen Gletschern und Lawinen; denn von den erstern stammt das Material, während die Art der Bewegung diejenige der Lawinen ist. Wenn nämlich ein Gletscher über eine steile Felswand hinaus vorrückt, so brechen die vorgeschobenen Massen ab und stürzen zertrümmert mit lautem Donner in die Tiefe. Es gibt hunderte von Stellen im Hochgebirge, wo solche Eislawinen regelmässig auftreten. So erfolgen sie z. B. im Sommer täglich mehrmals auf der Nordseite der Jungfrau; in dem Thalkessel der Obersandalp am Tödi hört das Donnern der Eislawinen oft die ganze Nacht nicht auf etc. Die grosse Mehrzahl dieser Eislawinen stürzt in Gegenden, wo sie keinen Schaden stiften. Dagegen entstehen mitunter, namentlich in Zeiten des Gletscherwachstums, ausserordentliche Eislawinen, welche dann verheerend bis tief in die Thäler hinunter brechen. So brach am Biesgletscher (Weisshorngletscher westlich vom Nicolaithal) am eine Eismasse von 13000000 m3 ab, fuhr ins Thal hinunter und zerstörte ¶
Karte der Schweizer Flora
Lf 5.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Verlag von Gebr. Attinger, Neuenburg
^[Karte: 6° O; 47° N; 100 km]
Erklärung:
░ Mittelmeer-Flora
▒ Alpine Flora reich, gemässigt, arm
▓ Glaziale Torfmoore
▐ Zentraleuropäische Flora
___ Grenze zwischen der nördl. u. südlichen alpinen Flora
- - - Südliche alpine Kolonien.
nach Dr. H. Christ
V. Attinger sc
KARTE DER SCHWEIZER FLORA ¶
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durch den Windschlag 113 Firsten im Dörfchen Randa. Indirekt verheerend wirkte im Jahr 1818 der Sturz des Giétrozgletschers. (Val de Bagne, Kt. Wallis.) Er staute nämlich die Dranse zu einem See von 2,5 km Länge. Umsonst versuchte man das Wasser durch einen Stollen zu entleeren. Die letzten ⅔ des Sees (20000000 m3) brachen auf einmal durch und verwüsteten das ganze Dransethal bis Martigny hinaus. Das neueste Beispiel ist der Gletscherabbruch an der Altels, wo am 4500000 m3 etwa 1440 m hoch herunterstürzten, die Spitalmatte und den Gemmiweg verschütteten und 6 Menschen und 158 Stück Rindvieh töteten.
Litteratur: Coaz. Die Lawinen der Schweizeralpen. 1881. - Heim. Handbuch der Gletscherkunde. 1885. - Heim. Die Gletscherlawine an der Altels. (Neujahrsblatt der naturf. Ges. in Zür. 1896).
[Dr Aug. Æppli].
E. DIE PFLANZENWELT.
Die durch die zunehmende Höhe über Meer bedingte Wärmeabnahme übt naturgemäss auf das organische Leben einen grossen Einfluss aus, so dass den verschiedenen Höhengürteln je ihre ganz bestimmten und für sie charakteristischen Pflanzenarten und Vegetationsverhältnisse eigen sind.
Wir unterscheiden:
a) Die Hügelregion (200-700 m),
das eigentliche Gebiet des Ackerbaues, mit ausgedehntestem Anbau von Futterpflanzen und Obstbaumzucht. Letztere reicht selten höher hinauf; immerhin findet man an geschützten Lagen den Apfel- und Birnbaum bis ca 900 m, den Kirschbaum bis 1000 m und höher. Das nämliche gilt von der Weinrebe, die zwar ihre hauptsächlichste Verbreitung im schweizerischen Hügellande hat, dank besonderer klimatischen Bedingungen jedoch längs der grossen Thäler noch ziemlich weit in die Alpen hinein vorrücken kann. So verdankt das Rheinthal vom Bodensee bis Chur die ausgezeichnete Güte seines Weines dem herbstlichen Fön; sobald dieser aussetzt, wird die Qualität des Weines eine merklich geringere. Die grossen Weinberge des Rhonethales von Montreux bis Aigle und von Martigny bis Brig zählen mit unter die besten der Schweiz. Noch höher hinauf wird die Weinrebe in den südlichen Thälern angetroffen; im Tessinthale z. B. steigt sie bis Giornico und Olivone, im Maggiathal bis Bignasco u. s. f.
b) Die Bergregion (700-1200 m)
weist noch vereinzelt Obstbäume auf, und auch der Anbau der Cerealien ist noch möglich, doch nimmt er nur mehr kleine Flächen ein und verschwindet in dem Masse, als die Einfuhr von fremdem Getreide eine leichtere wird. Hier finden wir die grossen ausgezeichneten Wiesen und die Maiensässe (franz. mayens, roman. acla), die vom Vieh zu Beginn des Sommers als erste Weide bezogen werden, deren Gras im Hochsommer meist geschnitten wird und die im Spätsommer dem von den Alpweiden heimkehrenden Vieh wieder als Weide dienen.
Der eigentlich bezeichnende Zug der Bergregion ist aber das Auftreten des aus Nadel- und Laubholz zusammengesetzten Mischwaldes. Die wichtigsten Vertreter des letztern sind Eiche, Buche, Esche und Ahorn. Die Eiche tritt sowohl als Stiel- wie als Steineiche auf, bildet aber doch im Alpengebiet nur kleine Bestände - kleinere noch als im Mittelland - und erreicht ihre obere Grenze schon in 800-1000 m. Durchschnittlich um 300 m höher steigt die Buche, die weit häufiger auftritt und grosse Waldungen bildet.
Mit ihrer langen Vegetationsperiode ist die dem feuchten Seeklima angehörende Buche übrigens in den an Niederschlägen reichen Alpen ganz an ihrem Platze. Die Esche kommt bis zur gleichen Höhe vor, wie die Buche (1300 m), immerhin aber ist der für die Bergregion eigentlich charakteristische Baum der Bergahorn, der in der Ebene nicht gut gedeiht, sich dagegen in Höhen von 1000-1600 m besonders schön entwickelt. Dabei sind die nahe der obern Verbreitungsgrenze stehenden Exemplare oft die schönsten und kräftigsten. Meist steht der Ahorn vereinzelt und schaart sich nur hie und da zu lichten Wäldern.
c) Die Alpenregion (1200-2600 m)
besteht in ihren untern Teilen aus Wald und Weide, in den obern ausschliesslich aus Alpweide. An einigen besonders geschützten Stellen der Hochthäler kann der Getreidebau noch bis in eine erstaunliche Höhe vordringen: so gehen z. B. im Engadin Gerste und Roggen bis 1700 m, und 1850 konnte der damals in starkem Vorrücken begriffene Gornergletscher ein noch in 1848 m Höhe gelegenes Weizenfeld zerstören. Es sind dies aber seltene Ausnahmen, und diese kleinen vorgeschobenen Aecker bringen auch nur magern Ertrag.
Der Wald der Alpenregion besteht ausschliesslich aus Nadelhölzern, in denen die vier Arten der Rottanne, Föhre, Lärche und Arve weitaus vorherrschen. Die übrigen Arten spielen eine nur untergeordnete Rolle; die Weisstanne (Abies alba Mill.) - empfindlicher als ihre Schwester - wagt sich seltener in die Alpenregion und Wachholder und Taxus treten nur vereinzelt auf. In allen erdenklichen Gestalten und Formen finden wir die Rottanne (Picea excelsa): bald als stolz ragende Säule im geschlossenen Hochwalde;
bald als vereinzelte Wettertanne, knorrig, von Blitz, Sturm und Schneedruck verstümmelt, immer aber mit stets erneuter Kraft gegen die feindlichen Elemente ankämpfend;
bald als verkrüppeltes Buschwerk von konischer Form, in seinem Wachstum durch das die Knospen abweidende Vieh derart gehemmt, dass es trotz einem Alter von oft 20-30 Jahren kaum die zwerghafte Höhe von einem Meter zu erreichen vermag (Geissetännli).
Während die Rottanne durch das ganze Alpengebiet verbreitet ist, bildet die Föhre (Pinus silvestris) nur an einzelnen Stellen der Schweizer Alpen ganze Wälder. Solche finden sich z. B. im Wallis von St. Maurice bis Brig und in St. Gallen und Graubünden von Flums bis Ems. Die Bergföhre (Pinus montana) dagegen gedeiht auf der Lenzerheide, im Davos, Engadin, am Ofenpass etc.
Die Lärche (Larix decidua) kommt überall im Wallis und in Graubünden vor, dann auch im Berner Oberland (Thäler der Saane und Kander), im Weisstannenthal und im östlichen Teil der Säntisgruppe. Sie leidet weniger unter der Trockenheit als die Rottanne, und der jährliche Laubwechsel gestattet ihr, einige Frostgrade mehr ohne Schaden zu ertragen, als die im Mittel sich um 100-200 m tiefer haltende Tanne. Die höchsten Standorte der Lärche sind bei Zermatt (2300 m), Münster (Graubünden) und am Stelvio (2400 m).
Die für die Alpen bezeichnendste Conifere ist aber die Arve (Pinus cembra) mit ihrem kräftigen Stamm, ihrer abgerundeten Krone und ihren gedrängten Nadelbüscheln. Unglücklicherweise ist sie aber heute im allmähligen Verschwinden begriffen, da ihren Früchten, den sog. Arvennüssen, von Liebhabern sowohl im Reiche der Tiere als der Menschen zu häufig nachgestellt wird, als dass ihr eine kräftige Fortpflanzung möglich wäre. Einzig im Val d'Anniviers und ob Sitten sind die für eine natürliche Vermehrung des schönen Baumes notwendigen Bedingungen noch günstige geblieben.
Selten findet sich die Arve in ganzen Wäldern beisammen; meist bildet sie nur kleine Gruppen inmitten ihrer Verwandten, die sie aber mit zunehmender Höhe nach und nach alle hinter sich lässt. Ihre eigentliche Heimat sind die Seitenthäler des Wallis und Engadins, in Gruppen findet man sie auch noch in den Thälern des Berner Oberlandes, selten und nur vereinzelt in der Zentralschweiz, im Kanton Glarus und an den Churfirsten. Kaum unter 1800 m herabsteigend ist die Arve der wahre Typus des alpinen Baumes.
Der Uebergang vom Wald zur Weide wird häufig durch Buschwerk vermittelt, das als Brennmaterial für die Sennhütten der obern Alpweiden seine wirtschaftliche Rolle spielt, aber weit wichtiger ist durch die Fähigkeit, mit seinen Wurzeln das lockere Erdreich der abschüssigen Halden zusammenzuhalten und zu verfestigen. Es sind hier besonders zu erwähnen die Grün-Erle (Alnus viridis, Dros oder Tros der Aelpler) und die Legföhre (Pinus Pumilio). Erstere wird niemals auf Kalkboden angetroffen; letztere dringt weniger tief in den Boden ein, kann aber mit ihren weit ausgreifenden Wurzeln und dem schirmförmig vom Boden aufsteigenden Astwerk den lockern Boden ebensogut zusammenhalten. Am höchsten, bis 2500 m, steigt der Zwergwachholder (Juniperus nana). Der alpine Brüsch (Erica carnea) wird von den Bewohnern der Thäler trotz seiner schönen und zahlreichen Blütenähren im Allgemeinen weniger beachtet als die Alpenrose, die mit ihrem dichten Astwerk weite Hänge bekleidet und ihnen glänzenden Schmuck verleiht. Von ihren beiden Arten ist die rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum) weit verbreiteter als die gewimperte Alpenrose (Rh. ¶