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Der Internationale Tennisverband (ITF) plant auf die nächste Saison eine radikale Neuordnung seiner Teamwettbewerbe Davis Cup und Fedcup.
Das Schweizer Fedcup-Team verpasste am Wochenende in Weissrussland nicht nur eine goldene Chance auf den zweiten Finaleinzug nach 1998, weil man gegen einen auf dem Papier deutlich schwächeren Gegner verlor. In den nächsten Jahren wird es deutlich schwieriger, den seit 1963 ausgetragenen Teamwettbewerb erstmals in die Schweiz zu holen - zumindest, wenn es nach dem organisierenden Verband ITF geht. Bereits im nächsten Jahr sollen Reformen greifen, die den Spitzenspielerinnen - und vor allem auch Spielern im Davis Cup - das Antreten für ihr Land schmackhafter machen wollen.
Was die ITF im Davis Cup - und etwas weniger ausgeprägt im Fedcup - plant, ist nichts weniger als eine Revolution der traditionsreichen Teamwettbewerbe. Der Handlungsbedarf ist unbestritten. Am Wochenende standen im Fedcup nur drei (Angelique Kerber, Simona Halep, Johanna Konta) der besten zehn Frauen im Einsatz, bei den Männern war es in den ersten beiden Runden des Davis Cup sogar nur ein (Novak Djokovic) Top-Ten-Spieler. In Minsk erklärten David Haggerty, seit 19 Monaten Präsident der ITF, und der Schweizer ITF-Vizepräsident René Stammbach, wie weit die Pläne für die grosse Revolution bereits gediehen sind. Kurz gefasst: sehr weit. Falls die Generalversammlung der ITF am 4. Dezember in Vietnam zustimmt, treten sie bereits in der kommenden Saison in Kraft.
Wunsch der Topspieler
Ein Wunsch der Topcracks sei sehr deutlich an die Verantwortlichen herangetragen worden, betonte Haggerty. "Sie wollen eine Verkürzung der Einzel auf zwei Gewinnsätze." Der Vorschlag der ITF sieht deshalb vor, dass im Davis Cup ab nächstem Jahr am Freitag und Sonntag jeweils zwei Einzel auf zwei Gewinnsätze ausgetragen werden. Das Doppel am Samstag bleibt im "Best-of-5"-Modus, sodass ein Davis-Cup-Wochenende nach wie vor drei Tage dauert. Haggerty glaubt, dass diese Änderung, die bei Traditionalisten einigen Widerstand hervorrufen wird, durchaus im Sinne der Tennisfans ist. "Es gibt wenige Zuschauer, im Stadion oder vor dem Fernseher, die acht Stunden auf ihrem Sitz kleben wollen", führte der Amerikaner aus. Zudem soll den Finalisten eines Jahres in der 1. Runde des folgenden Jahres ein Heimspiel garantiert werden, damit "diese mit ihren Fans zuhause feiern können".
Noch nicht ganz so weit gediehen sind weitere Ideen Haggertys. Er spricht sich aber klar dafür aus, den Final an einem neutralen Ort auszutragen - "und zwar mindestens drei Jahre am gleichen Ort". Dass darunter der Fanzuspruch oder die Stimmung leiden könnte, glauben Haggerty und Stammbach nicht. "Beim Final in Lille waren 4000 Schweizer dabei, letztes Jahr reisten 4000 Argentinier nach Kroatien." Stammbach, der auch Präsident des schweizerischen Verbandes ist, gibt weiter zu bedenken, dass von einem Final bis jetzt nur das Heimteam profitiere. "Der französische Verband verdiente mit dem Final Millionen, Swiss Tennis hatte nichts davon." Ein Final an neutralem Ort würde der ITF Geld in die Kasse spülen, welche diese dann den Verbänden ausschütten würde. "Wir haben bereits viele Interessenten", betonte Haggerty, "die auch finanziell sehr interessant sind."
Praktisch beschlossen ist im Fedcup die Zusammenlegung der Weltgruppe I und II zu einer Weltgruppe mit 16 Teams - analog zum Davis Cup. "Acht Teams war einfach keine richtige Weltmeisterschaft", erklärte Haggerty. Die Zweiteilung mit acht Teams, die aktuell um den Titel spielen, war einst eingeführt worden, um für die Spielerinnen eine Woche im dichtgedrängten Kalender zu sparen. Dies würde nun mit einem Final-Four-Turnier erreicht, bei dem Halbfinals und Final innerhalb einer Woche ausgetragen würden.
Eine Super-Tenniswoche mit zwei Finals
Das lässt Platz für weitere spannende Überlegungen. Die Krönung für Haggerty wäre eine "Super-Tenniswoche" mit Fedcup- und Davis-Cup-Final in einer Woche am selben Ort: Montag und Dienstag Fedcup-Halbfinal, Mittwoch und Donnerstag Fedcup-Final und Freitag bis Sonntag der Davis-Cup-Final. "Das wäre ein super Schaufenster für das Tennis."
Während die Reduktion auf zwei Gewinnsätze bei den Männern und die Aufstockung der Weltgruppe im Fedcup praktisch beschlossene Sache sind, wird über den Modus der Finals in der nächsten Sitzung des ITF-Vorstands im Juni nochmals intensiv diskutiert. Ziel ist es, der Generalversammlung fundierte und detaillierte Vorschläge zu unterbreiten. Vor allem aus traditionsbewussten Tennisnationen wie Frankreich oder Australien könnte es noch Widerstand geben.
Klar ist auch, dass diese Massnahmen keine Garantie dafür sind, dass Spieler wie Roger Federer, Stan Wawrinka oder Serena Williams in Zukunft wieder öfter zu den Teamwettbewerben antreten. Wichtiger wären dafür ein Kalender, der Davis Cup und Fedcup mehr Platz einräumt, ATP- oder WTA-Punkte und ein höheres Preis- oder Startgeld. Nach Jahren des eisigen Verhältnisses zwischen den Verbänden ist nun wieder Tauwetter angesagt. "Die Zusammenarbeit mit der WTA ist sehr gut - und auch mit der ATP suchen wir das Gespräch, um die bestmöglichen Lösungen für das Tennis zu finden", versicherten Haggerty und Stammbach.
SDA-ATS