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Viele Leute verbinden mit dem Gedanken an die Schweiz Wilhelm Tell, der zu einer Symbolfigur des Landes geworden ist. Die heute weltbekannte Sage, deren Entwicklung im 16. Jahrhundert ihren Anfang nahm, erfreute sich vor allem im 19. Jahrhundert grosser Beliebtheit.
Frontispiz des Basler Drucks von 1734-1736; Kupferstich mit allegorischer Darstellung, im Medaillon unten Stauffacher, Fürst und Melchthal beim Rütlischwur
Titelblatt des Basler Drucks von 1734-1736
Mit dem Chronicum Helveticum verfasste der Glarner Staatsmann und Gelehrte Aegidius Tschudi (1505-1572) eine ausführliche Abhandlung in deutscher Sprache über die Geschichte der Schweiz vom Jahr 1000 bis 1470. Sein zu Lebzeiten als Manuskript vollendetes und erst 1734-1736 im Druck erschienenes Werk machte ihn berühmt und fand grossen Anklang. Tschudi wurde mitunter sogar als der „Schweizer Herodot” bezeichnet. Er stellte die geschichtlichen Ereignisse seiner Zeit entsprechend sehr subjektiv dar, indem er „wenn nötig” historische Dokumente seinen politischen Ansichten entsprechend „anpasste”. Auf diese Weise erweiterte Tschudi die Tell-Sage zur Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft.
Johann Wolfgang Goethe, der 1775, 1779 und 1797 die Schweiz bereiste, lernte hier die Tell-Sage kennen. Er ermunterte schliesslich seinen Dichterkollegen Friedrich Schiller, ein Stück über den Freiheitskämpfer zu schreiben. 1804 erschien das Drama Wilhelm Tell, zu dem Schiller vor allem das Chronicum Helveticum als historische Quelle gedient hatte. Das literarische Meisterwerk wurde im Laufe der Zeit in über 30 Sprachen übersetzt und 1829 vom Komponisten Gioachino Rossini (1792-1868) in die gleichnamige Oper umgesetzt.
So fand die Geschichte von Tell und der Entstehung der Schweiz, wie sie Aegidius Tschudi in seinem Chronicum festschrieb, Eingang in Literatur und Musik und lebt bis heute auf der Bühne weiter.
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Informationen zu Aegidius Tschudi
3 Gedanken zu „Aegidius Tschudi, Chronicum Helveticum (Basel, 1734-1736)“
“Die heute weltbekannte Sage, deren Entwicklung im 16. Jahrhundert ihren Anfang nahm” -> richtig wäre gewesen: im 15. Jh. oder vorher, siehe Weisses Buch von Sarnen.
Zwischen Tschudi und Goethe/Schiller gibt es noch einen Vermittler, nämlich Johannes (von) Müller. Schiller kannte die Tellengeschichte vor allem in Müllers Version, der allerdings kannte seinen Tschudi ausgezeichnet! Siehe zu Müller: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D16568.php
Goethe weilte im Spätsommer des Jahres 1797 bei Professor Heinrich Meyer, in Stäfa im Kanton Zürich. Hier befasste er sich auch mit der Natur und Geschichte der Schweiz. Dabei wurde er auch auf einen poetischen Stoff aufmerksam:
Die Fabel von Wilhelm Tell.
Goethe war der Meinung, man könnte daraus ein Epos schreiben und teilt seinen Plan Friedrich Schiller mit. Schiller reizte der Stoff ebenso wie Goethe.
Neun Monate später war Goethe mit einem Entwurf zu dieser Fabel beschäftigt. Er wollte den Tell als einen kolossalen Lastenträger darstellen, der Tierfelle und sonstige Waren durch das Gebirge schleppte. Ein reiner Naturmensch und völlig unpolitisch. Der Vogt Gessler war bei ihm ein behaglicher Tyrann, der sich in einem Anfall humoristischer Laune zu irgendwelchen Taten verleiten ließ, ohne irgendwelche Folgen zu bedenken. Goethe kam nicht über den Plan hinaus. Er fand keinen Anfang und verlor mit der Zeit das Interesse an dieser Geschichte.
In der Zwischenzeit war seine Absicht aber an die Öffentlichkeit gedrungen und im Jahr 1801 stellten mehrere Theater Anfragen, wie es um das Drama „Wilhelm Tell“ denn stehe. Der Gegenstand war schon von anderen Dichtern behandelt worden, so zum Beispiel in der 1760 erschienen, anonymen Schrift: „Guillaume Tell, une fable danoise“. Auch die Johannes von Müllers Geschichte der Schweizer Eidgenossen war in aller Händen. Der Gegenstand hatte sich also bereits ein allgemeines Interesse erworben. Was lag also näher, diesen auch auf einer Theaterbühne zu sehen.
Da fiel Friedrich Schiller das Werk von Aegidius Tschudi „Chronicon Helveticum“ in die Hände. Dieses wurde um 1532 veröffentlicht, aber erst zwischen 1734 und 1736 wurde die erste Fassung gedruckt. Darin fand Schiller den besprochenen Stoff fast dramatisch zurecht gelegt. Er besprach dies mit seinem Freund Goethe und dieser trat die Geschichte sozusagen an Schiller ab. Schiller begann damit um 1802, war damals aber noch mit der Bearbeitung seiner „Braut von Messina“ beschäftigt. Im Juni 1803 begab er sich nach Jena, wo er in Goethes Zimmern wohnte und sein neues Drama begann.
„Wenn die Götter mir günstig sind, das auszuführen, was ich im Kopf habe, soll es ein mächtiges Ding werden und die Bühnen Deutschlands erschüttern.“
Das fertige Manuskript schickt Schiller am 19. Februar 1804 an Goethe ab. Dessen Antwort war: „Das Werk ist vortrefflich geraten und hat mir einen schönen Abend verschafft“. Für Schiller war dies der erste Lohn, den er für sein Meisterwerk erntete. Am 17. März 1804 fand diese erste Aufführung von Wilhelm Tell unter großem Beifall im Hoftheater in Weimar statt. „Der Apfel“, schrieb der dortige Theaterdirektor an Goethe, „schmeckt uns nicht schlecht, und die Kasse verspricht sich einen guten Handel.“ Und welche Theaterintendantur wüsste nicht, dass der Tell seit seinerzeit ein Kassenschlager geblieben ist.
(C) Medy