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Wegen Überstunden mehr Krippenkosten: Wer zahlt dafür?
Die Antwort auf eine Leserfrage zu Überstundenleistungen.
Ich bin Mutter eines Kleinkindes und arbeite Teilzeit. Mit dem Arbeitgeber habe ich fixe Arbeitstage abgemacht, an diesen ist mein Sohn jeweils in einer Tagesstätte. Unlängst verlangte meine Vorgesetzte von mir einen zusätzlichen Arbeitseinsatz an einem Tag ausserhalb der vereinbarten Arbeitszeit. Ich musste deshalb meinen Sohn einen Tag zusätzlich in die Krippe bringen und dafür auch extra bezahlen. Also erkundigte ich mich später beim Arbeitgeber, ob er die Mehrkosten übernehmen würde. Die sind ja nur entstanden wegen der angeordneten Überstunden. Doch der Arbeitgeber weigerte sich, er sei dazu nicht verpflichtet. Ist er im Recht?
Ja, das ist er. Laut Gesetz muss der Arbeitgeber nur die Auslagen übernehmen, die zur Ausführung der Arbeit notwendig sind. Auch wenn es für Sie persönlich keine Alternative gegeben hat, als Ihr Kind in die Krippe zu geben, um die Überstunden zu leisten, sind die Betreuungskosten nicht direkt wegen der Arbeit entstanden. Ihr Arbeitgeber ist daher nicht verpflichtet, dafür aufzukommen.
Das bedeutet nun aber nicht, dass Arbeitnehmende alle möglichen Unannehmlichkeiten auf sich nehmen müssen, wenn der Chef sie zu Mehrarbeit aufbietet. Sie können sich ihrerseits auf das Gesetz berufen. Dort steht, dass Überstunden zumutbar sein müssen. Sie hätten somit die Mehrarbeit wegen Unzumutbarkeit verweigern können.
Vorgängig mit dem Arbeitgeber klären
Eine andere Möglichkeit wäre, die Überstundenarbeit von der Bedingung abhängig zu machen, dass der Arbeitgeber die Mehrkosten übernimmt. Sollte sich wieder einmal eine solche Situation ergeben, dann könnten Sie sagen, Sie seien bereit, die Überstunden zu leisten, aber nur wenn man Sie für die Krippenkosten entschädige. Dann weiss der Arbeitgeber, was auf ihn zukommt, wenn er auf den Überstunden beharrt. So kann er wählen, ob er sich darauf einlässt oder nicht. Nach Ansicht von Arbeitsrechtsexperten ist es zentral, dies vorgängig mit dem Arbeitgeber zu klären und zu vereinbaren, wenn man nicht riskieren will, auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Überstunden zu erbringen, um Engpässe bei der Arbeit zu überbrücken, gehört zu den Pflichten von Arbeitnehmenden. Manche schrecken deshalb davor zurück, die Überstundenleistung an Bedingungen zu knüpfen; sie fürchten, sich damit beim Chef unbeliebt zu machen. Doch müssen sich Arbeitgeber ihrerseits bewusst sein, dass sie nicht alle Mitarbeitenden gleichermassen flexibel einsetzen können. Das gilt insbesondere für Mitarbeitende mit Familienpflichten. Auf diese ist bei der Festsetzung der Arbeits- und Ruhezeit besonders Rücksicht zu nehmen. Auch das steht im Gesetz.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.06.2017, 18:08 Uhr
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Andrea Fischer
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