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Roman Röösli trainiert aktuell in Australien
Artikel - Roman Röösli trainiert aktuell in Australien
Roman Röösli, wie waren Deine ersten Tage in Down Under?
Ich flog zuerst nach Sydney und durfte dort für vier Tage bei einem Schweizer Kollegen wohnen. Neben den klassischen Touristenattraktionen konnte ich auch in zwei der grössten Ruderclubs der Stadt trainieren gehen (Sydney University Boat Club und UTS). Nach dieser «kurzen» Woche reiste ich weiter nach Canberra, um dort mit dem australischen Nationalteam in die neue Saison zu starten.
In der Yarralumla Bay befindet sich die perfekt eingerichtete Ruderbasis der Australier. Im «shed», wie die australischen Ruderer den Komplex nennen, gibt es neben der grossen Bootshalle einen grossen Kraftraum, Ergoraum, Küche mit Aufenthaltsraum, Lernzimmer, Schlafzimmer, Waschküche, Werkstatt, Physiozimmer und viele Büroräume für die Administration. Der 12 Kilometer lange See ist ein gestauter Fluss (keine Strömung), welcher die Stadt Canberra in Nord und Süd teilt.
Wie sehen Deine Trainingstage in Australien aus?
Der Alltag ist vergleichbar mit dem in den Jahren 2015/2016 bei uns in der Schweiz (Anm. der Red.: damals war Ian Wright Schweizer Head Coach). Das erste Training beginnt um 7.15 Uhr, das zweite um 13.00 Uhr und das dritte um 15.30 Uhr. In den ersten beiden Trainings ist meistens Rudern angesagt, gefolgt von einem Kraft- oder Ergotraining am Nachmittag. Dazwischen kochen und essen wir zusammen. Ab und zu nutze ich die Pausen, um an meiner Bachelorarbeit zu schreiben.
Was war Deine Motivation, bis Ende November ans andere Ende der Welt zu reisen?
Am ersten Weltcup dieses Jahres in Belgrad sass ich am Frühstücktisch im Hotel und unterhielt mich mit Simon Cox, unserem ehemaligen Headcoach. Ich erzählte ihm, dass ich mein English verbessern, aber trotzdem auf dem gleichen Standard weitertrainieren möchte, wie ich es in der Schweiz tun würde. Da er vor ein paar Jahren auch mal Trainer der australischen Nationalmannschaft gewesen war, brachte er mich auf die Idee in Australien zu trainieren. Danach fasste ich die Idee ins Auge und arbeitete die Details mit unserem Headcoach Edouard Blanc aus.
Neben dem Verbessern meiner englischen Sprachkenntnisse hatte ich aber auch noch andere Beweggründe: Das Training hier in Australien ermöglicht mir eine Abwechslung zum Alltag. Es ist eine Art Tapetenwechsel. Zudem durfte ich hier ein geniales Team kennenlernen. Neben der hohen Trainingsqualität ergaben sich Freundschaften, die in Zukunft sicherlich anhalten werden. Und zu guter Letzt gibt mir Australien die Möglichkeit, den Sommer etwas zu verlängern.
Über welche Kanäle kam es dazu, dass Du in Australien mittrainieren kannst?
Da Edouard Blanc schon Coach war, als Ian Wright in der Schweiz als Headcoach tätig war, kennen sich die beiden sehr gut. Edouard kontaktierte Ian über E-Mail, und er sagte sofort zu.
In wie fern trainieren eigentlich die australischen Ruderer anders als wir zu Hause in der Schweiz? Wenn ja, was machen sie anders?
Von der Trainingsplanung her trainieren die Australier (Männer) ziemlich ähnlich wie wir momentan in der Schweiz. Sie machen ein paar Kilometer mehr pro Woche, aber bezüglich Intensität und Belastungsprogramm gibt es fast keine Unterschiede.
Im Gegensatz zur Schweiz trainieren die Männer getrennt von den Frauen. Bis Weihnachten trainieren hier alle im Einer. Zudem ist das Team viel grösser.
Die zweite Trainingswoche nach der Saisonpause galt als Selektionswoche. Alle Medaillengewinner der diesjährigen WM waren so oder so selektioniert für das Team. Alle anderen und Anwärter, die das letzte Jahr nicht im Team gewesen waren, hatten die Gelegenheit, sich in dieser Testwoche für das Kader zu empfehlen. So konnte Ian Wright - zusätzlich zu den bereits 16 gesetzten Athleten - aus 22 Kandidaten neun weitere Kadermitglieder auswählen, um die maximale Kadergrösse von 25 Personen zu erreichen. Kleine Randnotiz: Dies beinhaltete nur die Schwergewichte. Aufgrund schlechter Leistungen schickte er alle Leichtgewichte wieder nach Hause.
Gibt es sonst noch Unterschiede - vom Ruderstil her zum Beispiel?
Der Ruderstil ist immer etwas abhängig vom Trainer. So gesehen rudern alle Riemenleute relativ ähnlich wie unser Leichtgewichtsvierer in Rio 2016. Momentan sind jedoch alle Ruderer im Einer. Dabei sind die Trainer wirklich bemüht, dass die Ruderer im Finish keine «Pause» machen und entsprechend eher eine «Skull-Technik» ausführen anstelle einer Riementechnik.
Zudem ist mir aufgefallen, dass praktisch alle Athleten sehr früh zu Bett gehen. Die meisten schlafen um 21.00 Uhr. Im Vergleich zu uns in der Schweiz schlafen sie dafür «nur» ca. 30 Minuten während des Tages.
Was willst Du unbedingt noch unternehmen, so lange Du in Australien bist?
Ich freue mich auf das Achterrennen «Head of the Yarra» am 24. November in Melbourne. Dieses Rennen gibt mir die Möglichkeit, einen Eindruck von Melbourne zu erhalten. Dann werde ich sicherlich auch noch ein bis zwei Mal an die Küste fahren, was sehr schön sein soll. Ansonsten werde ich weiter Ausschau nach Koalas und Krokodilen halten. Sicherlich muss ich in Zukunft noch einmal nach Australien, um dieses einzigartige und faszinierende Land dann richtig bereisen zu können.
Interview: Jolanda van de Graaf