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Eine letzte Border Control, Abschied von den weissen Dünen und ein Vogelparadies ohne Vögel prägten die Tage, bis wir in der grössten Stadt New Mexicos ankamen, wo extreme Waldbrandgefahr herrschte. Es folgten Schlangen, Petroglyphen, Fische und Blumen.
stadt oder land, that’s the question
Das Hotelfrühstück war sehr gut, aber wir vermissten den Peppered Bacon von Tucson. Gestern Abend hatten wir für heute einen Stadtbummel geplant, weshalb wir etwas später dran waren als sonst. «Stadt oder nochmals Park?», war die grosse Frage während des Essens. Trotz der vielen Argumente, die gegen den Park und für die Stadt sprachen, siegten die weissen Dünen. Diesmal fuhr ich und bei der Border Control fragte mich eine sehr nette Frau, ob wir Amerikaner seien. Nein, wir seien Touristen aus der Schweiz. Echt aus der Schweiz? Sie fragte wie der Mann gestern nach einem Visum und als ich die ESTA erwähnte, meinte sie «top!» und wünschte eine gute Fahrt.
Im Visitor Center erfuhren wir in einem interessanten Film, wie die Gipsdünen entstanden waren. Vor ungefähr 12'000 Jahren war das Tularosa-Becken von grossen Seen, Bächen, Grasland und eiszeitlichen Säugetieren geprägt. Durch die Klimaerwärmung hatten der Regen und die Schneeschmelze Gips aus den umliegenden Berge gelöst und in das Becken getragen. Die Seen waren verdampft und Selenitkristalle hatten sich gebildet, die durch die starken Winde aufgebrochen und nach Osten transportiert worden waren. Besonders spannend fand ich die Tatsache, dass im Verlauf der Jahrtausende auch die Tiere eine weisse Farbe angenommen hatten. Und tatsächlich hatte ich das Glück, eine kleine weisse Echse zu entdecken, die in die Büsche verschwand, bevor Reiner oder ich die Kamera zücken konnten.
Sieben Kilometer hinter dem Parkeingang führte ein Holzsteg über das Dünenfeld. Entlang der Promenade informierten viele Tafeln die Besucher über die Gegend und die Tiere, die in der rauen Umgebung lebten. Nicht nur Kinder, sondern auch wir Erwachsene hatten Spass daran, Tierspuren den entsprechenden Tieren zuzuordnen und waren stolz, wenn wir richtig getippt hatten.
Zum Mittagessen hatten wir uns in Las Cruces im Sprouts wie so oft mit Salaten eingedeckt, die wir an einem der zahlreichen Picknickplätze einnahmen. Ein Bus mit der Aufschrift «Baptiste Church» traf ein und eine Horde Jugendlicher stieg aus. Jeder fasste ein Lunchpaket und als sie fertig gegessen hatten, erklommen sie die Dünen, um herumzutollen. Die Betreuer setzten sich derweilen zusammen und plauderten angeregt miteinander. Wir hielten uns noch eine Weile im Park auf. Leider hatte ich Mühe, die Dünen zu besteigen, mein Knie streikte. Aber auf dem feinen, weichen Sand zu fahren, brachte mir unglaublich viel Spass. Wenn mir das jemand vor den Ferien gesagt hätte, hätte ich ihm den Vogel gezeigt.
mesilla und ein prächtiger sonnenuntergang
Den Nachmittag verbrachten wir mit Schreiben, Bilder ordnen und Lesen im Hotelzimmer, bis es Zeit für ein frühes Abendessen war. Für dieses fuhren wir nach Mesilla ins Andele Restaurant. Ich wählte eine Kombination aus mehreren mexikanischen Gerichten und war begeistert. Das war das beste mexikanische Essen, das ich je hatte.
Vollgegessen, wie so oft in den USA, verliessen wir das nette Lokal. Das goldene Abendlicht war wunderbar. Wir streiften durch die Strassen des hübschen Ortes, bis Reiner die glorreiche Idee hatte, für den Sonnenuntergang zum San Augustin Pass Overlook of Whitesands and Tularosa Basin zu fahren. Zwar hatte er die Kamera nicht dabei, aber die Sonne stand schon tief, sodass die Zeit für das Holen des Fotoapparates nicht reichte. Beim Aussichtspunkt angekommen, war ein knallroter Sonnenball gerade dabei, hinter den Hügeln zu verschwinden. Ein super Tag, eine herrliche Aussicht, ein grandioser Sonnenuntergang – was will man mehr?
die letzte border control
Heute gab es andere Speisen zum Frühstück als gestern. Was aber blieb, waren die in New Mexico obligatorischen grünen Chilis, die ich so liebe. Wir checkten aus und liessen uns ein letztes Mal beim US-Border Patrol Checkpoint ausfragen. Dieser Controller nahm es sehr genau. Er kontrollierte sogar die Einreisestempel in unseren Pässen. Als er nichts fand, was er beanstanden konnte, mahnte er uns, vorsichtig zu fahren.
byebye, weisse dünen
Noch vor 9:00 Uhr waren wir wieder im White Sands National Park. Wir befestigen die GoPro auf der Kühlerhaube und ich fuhr zweimal den Loop. Sanfte, pastellfarbige Hügel verschmolzen ineinander, es war ein wundervolles Licht an diesem Morgen. An einem Platz hielten wir und hatten riesigen Spass daran, Selfies zu schiessen. Reiner fuhr den Loop ebenfalls nochmals und dann hiess es Tschüss, wundervoller Park.
In Alamogordo nutzten wir eine Tankstelle für das Auftanken, die Scheiben putzen und einen Fahrerwechsel. Ich steuerte an einer grossen Pistazie vorbei. Reiner behauptet heute noch, er hätte mich darauf aufmerksam gemacht und vorgeschlagen, den beworbenen Laden aufzusuchen, doch ich weiss davon nichts mehr. Schade! Ich liebe Pistazien, da hätte ich bestimmt den Laden leergekauft.
Die Landschaft war sehr abwechslungsreich. Mal kamen wir an Hügeln und Feldern mit braunem Gras vorbei und im nächsten Augenblick befanden wir uns inmitten schwarzem, schroffem Lavagestein.
nachrichten
In Socorro bezogen wir die Unterkunft für die nächste Nacht. Auf dem Parkplatz standen Firmenautos. Wegen Umbaus war der Innenpool nicht in Betrieb. Unser Zimmer war das letzte am Gang, vorbei an Zimmern, in denen Handwerker am Werkeln waren.
Ich checkte die E-Mails. Eine Nachricht von jemandem von der stornierten Unterkunft in Albuquerque war eingetroffen. Er schrieb, dass die Rückzahlung der Anzahlung unterwegs sei. Ein paar Tage davor hatte ich in einem Mail klargemacht, dass ich es nicht in Ordnung fände, dass sie uns so kurzfristig abgesagt hätten und das Geld angefordert. Sie hatten geantwortet, dass sie die Unannehmlichkeiten bedauerten, aber sie hätten Bauarbeiten, die nicht rechtzeitig fertig geworden wären. Ich wurde den Verdacht nicht los, dass sie zahlungskräftigere Gäste gefunden hatten als solche, die über Booking.com gebucht hatten.
Eine andere Nachricht kam von Lynx:
Hi *Name Vorname*
Thank you for choosing Just Stay Vacation Rentals & Design, below are the instructions
for each of your locks. If you have not checked in, please click here to access your
mobile key. No app download required.
Here are the access details:
Start: May, 26. 2022 04:00 PM
End: May, 30. 2022 11:00 AM
109
To lock or unlock, enter the access code followed by "√” key
[X] [X] [X] [X]
To access the common amenities, please login to Guest Portal.
[Login to Guest Portal]
[Share Your VirtualKEY]
For security reasons, you DO NOT share your digital keys/ codes with other guests in
the group. Instead, send them their own access by using Share Your VirtualKEY
Es stand weder um welche Unterkunft es sich handelte noch was die 109 bedeutete. Anhand des Datums konnte ich den Ort zuordnen und die 109 musste die Zimmernummer sein. Lassen wir uns überraschen.
ein seltsames kompliment
Wir verliessen unser Zimmer und sahen die Handwerker sich auf dem Boden liegend ausruhen. Für uns war Abendessen im 650 Meter vom Hotel entfernten Jackson Ranch Steakhouse angesagt. Eine grosse alte Postkutsche zierte den Eingangsbereich. Wir bestellten Eistee, Reiner ein Steak und ich Garnelen. Ein kleiner Aufsteller pries Margaritas auf Weinbasis an. Oh ja, so einen wollte ich haben. Als Inna die Getränke brachte, orderte ich für mich einen Margarita und sie fragte nach einem Ausweis. Mit grossen Augen schaute ich sie an und meinte, dass ich mit meinen 53 noch nie nach einem Ausweis gefragt worden sei. Sie erwiderte mit ernster Miene, ich sähe aus wie 21 und ich zeigte ihr grinsend meinen Pass. Ich deutete auf das Geburtsdatum und erklärte ihr, dass in der Schweiz erst der Tag und dann der Monat geschrieben würden. Genau wie bei ihnen in Mexiko.
Nachdem sie überzeugt war, dass ich alt genug für Alkohol war, brachte Inna den Margarita, Corn Bread und Honey Butter. Reiner wurde ein Salat und mir eine Tomaten-Basilikum-Suppe zur Vorspeise serviert. Als auch das Fleisch und die Garnelen verspeist waren, fuhren wir zum Bosque Del Apache National Wildlife Refuge.
bosque del apache national wildlife refuge
Im Feuchtgebiet, das vom US Fish an Wildlife Service verwaltet wird, überwintern jeweils riesige Kranich- und Gänseschwärme. Als wir eintrafen, waren sie bereits im Sommerurlaub. Stattdessen erwarteten uns Mückenschwärme. Einige Hirsche grasten auf den Feldern und einzelne hübsche Vögelchen stellten sich unserer Kamera. Felder, Wälder und Sumpfgebiete wechselten sich ab. Am Himmel begann die Sonne ein herrliches Schauspiel zu veranstalten. Auf einmal kam etwas Dunkles aus dem Strassengraben hochgekraxelt. Ein Javelina! Und noch eins und noch eins und noch eins. Eine ganze Rotte überquerte vor uns die Strasse. Ich war so aufgeregt, dass ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich die Schweinchen fotografieren oder filmen sollte und tat beides nicht richtig. Ein spektakulärer Sonnenuntergang beendete einen weiteren wunderbaren Tag.
auf die pirsch
Den Frühstücksraum teilten wir am frühen Morgen mit den Bauarbeitern. Einer von ihnen verblüffte mich, als er nicht nur sein Plastikgeschirr wegräumte, sondern auch mit einem feuchten Lappen den Tisch reinigte.
Nach dem Auschecken fuhren wir erneut in den Bosque del Apache auf die Pirsch. Im Schneckentempo, um kein Tier zu verpassen, schoben wir uns vorwärts. Wieder waren die Hirsche im Feld und einige Vögel stapften im Wasser, sassen auf Zweigen oder flogen in dem Moment davon, als wir sie ablichten wollten. Ein Mini Cooper stand vor uns auf dem Weg. Der Fahrer und die Beifahrerin schauten nach links. Als wir uns hinter sie stellten – vorbeifahren wäre an dieser Stelle nicht möglich gewesen – zeigte der Fahrer mit ausgestrecktem Arm in Richtung der Bäume. Weder Reiner noch ich konnten ein Nest oder einen Greifvogel erkennen. Ein Feldstecher wäre jetzt hilfreich gewesen. Nach einer Weile entfernten sie sich in langsamem Temo und wir stellten uns an deren Stelle. Doch auch von dieser Position aus fanden wir nicht heraus, was sie gesehen hatten. Wir fuhren weiter, um kurze Zeit später wieder anzuhalten. Diesmal stiegen wir aus, um uns den Schildkröten, die Reiner entdeckt hatte, etwas zu nähern.
Auf einmal hörte ich etwas rascheln. Was war das? Waren etwa wieder Javelinas unterwegs? Wir horchten und versuchten, das Geräusch zu orten. Überrascht stellte ich fest, dass das Rascheln von einem kleinen Hörnchen verursacht wurde, das die Bäume hoch- und runterraste.
Inzwischen musste das Visitor Center geöffnet haben und wir fuhren hin, um meinen Stempel abzuholen. Vor dem Eingang klebte ein Schwalbennest an der Decke. Ein Ranger war sichtlich erfreut über den Besuch. Er folgte uns ans grosse Fenster, vor dem Trinknäpfe von zahlreichen Kolibris und anderen kleinen Vögeln frequentiert wurden. Der Ranger schaute sich mit uns das unglaubliche Schauspiel an, das die Tierchen veranstalteten.
Ich fuhr uns nochmals durch das Schutzgebiet, bevor wir Socorro Richtung Norden verliessen. Im Visitor Center vom Sevilleta Wildlife Refuge erkundigten wir uns bei dem ebenfalls sehr freundlichen und hilfsbereiten Ranger nach der Gegend. Er erklärte uns, dass dieses Refuge im Gegensatz zum Bosque del Apache viel rauer und ursprünglicher sei. Er zeigte uns auf der Karte einen Weg, den wir mit Zweiradantrieb fahren konnten. Als wir auf dieser Holperpiste waren, war uns das dann zu ursprünglich, weshalb wir die Wildnis verliessen und nach Albuquerque fuhren.
albuquerque
«Mask on!» stand bei der St. Augustine Catholic Church Isleta mit grossen Lettern auf einer Tafel geschrieben. Wir hatten kein Problem, dass die Natives auf das Tragen von Masken bestanden, aber die Art und Weise, wie darauf aufmerksam gemacht wurde, empfanden wir als Affront. Wir hatten das Gefühl, nicht willkommen zu sein und verzichteten auf den Besuch der Kirche.
Plötzlich quietschten die Bremsen und ich hing in den Sicherheitsgurten. Auch das entgegenkommende Auto hatte scharf abgebremst, weil ein Sheriff ihm die Vorfahrt genommen hatte und von links quer über die Vorfahrtsstrasse in die Sheriffstation zu unserer Rechten gefahren war.
Wir erreichten die Route 66 und mit ihr unser kürzlich gebuchtes Motel. Das Sandia Peak Inn leuchtete in typische Route 66-Manier bunt entgegen. In der kleinen Rezeption war erst niemand, aber nach kurzer Zeit tauchte ein Mann auf, der dem Aussehen nach Wurzeln in der Region um Pakistan oder Indien hatte. Er begrüsste uns sehr herzlich, erzählte, dass er vor fünfzehn Jahren mal in der Schweiz gewesen war und dass dies ein sehr schönes Land sei. Das Zimmermädchen sei noch dabei, die Zimmer zu reinigen, aber unseres sei bereits fertig.
Wir schleppten unser Gepäck in das obere Geschoss und waren etwas enttäuscht, als wir das Zimmer betraten. Es war sehr abgewohnt und dunkel. Noch immer trauerte ich der anderen Unterkunft nach.
Zum Abendessen fuhren wir zu DH Lescombes Winery & Bistro in der historischen Altstadt von Albuquerque. Die Weinbar war 2005 ursprünglich unter dem Namen St. Clair Winery & Bistro eröffnet worden. Wir fragten nach einem Tisch im Restaurant und bekamen nach kurzem Warten einen. Ein Chardonnay wurde uns zum Probieren eingeschenkt. Mir schmeckte der so gut, dass ich den zum Essen dazu bestellte. Reiner und ich teilten uns eine Vorspeise, die wie die Hauptgerichte köstlich war.
fire danger extreme today!
Sah man von der Tüte im Best Western von San Diego ab, war dies das schlechteste Hotelfrühstück der Reise. Der Kaffee war ungeniessbar und es gab lediglich süsse Sachen. Der Raum war sehr klein und die Einrichtung sah aus, als hätte man die übriggebliebenen Möbel hier abgeladen. Das einzig gute waren die Waffeln, die wir uns zubereiten konnten. Vielleicht waren wir aber auch einfach nur verwöhnt von den vorherigen Unterkünften, in denen wir ziemlich viel Glück mit der Verpflegung gehabt hatten.
Ein paar Wolken standen am Himmel, ansonsten war es wieder ein schöner Tag. Ich hatte, wie für die gesamte Tour, auch für Albuquerque im Vorfeld einige Sehenswürdigkeiten notiert. Auf dieser Liste gab es ein Muss und das war der Sandia Crest. Der Bergrücken ist mit 3255 Metern der Höhepunkt der Sandia-Manzano Mountains. Auf dem Crest am westlichen Ende der Sandia Crest Road soll sich ein malerischer Aussichtsbereich befinden.
Bevor wir uns auf den Weg zu dem 63 Kilometer entfernten Ziel machten, schaute ich im Internet nach, ob es irgendwelche Einschränkungen gab, fand aber nichts. Von der Route 66 wechselten wir auf die NM-14 und bogen in San Antonito auf die Sandia Crest Road ab. Smokey Bear warnte vor extremer Waldbrandgefahr, das Wegwerfen von Zigaretten oder anderen brennenden Gegenständen war untersagt. Auf einmal war vor uns eine Strassensperre. Zwei Polizisten, eine Frau und ein Mann, hielten das Fahrzeug vor uns an, die Polizistin fotografierte das Nummernschild und liess den Wagen nach kurzer Diskussion passieren. Die beiden kamen zu uns ans heruntergelassene Fenster und erklärten, dass wegen extremer Waldbrandgefahr die Strasse seit gestern gesperrt sei. Die Sperrung würde noch bis Juli andauern. Sie bedauerten sehr, dass sie uns wieder zurückschicken mussten.
petroglyphen
Enttäuscht wendeten wir und setzten uns ein neues Ziel: Das Petroglyph National Monument im Westen der Stadt. Beim Visitor Center, das im Aussenbereich unter einer Zeltplane aufgebaut war, schauten wir uns einen Film an und nahmen von einer Rangerin die Broschüre mit den verschiedenen Beobachtungspfaden entgegen.
Wir fuhren zu Boca Negra, wo es gemäss Beschreibung ein entwickeltes Wegesystem, schattige Sitzbereiche, Picknicktische, Toiletten und Trinkbrunnen gab. Das Highlight seien die ungefähr hundert Petroglyphen, die hier entdeckt werden können.
Erst wollte ich den Mesa Point Trail gehen, aber Reiner meinte, dass ich den nicht schaffen würde. Er war als «anstrengend» gekennzeichnet und führte ziemlich steil in die Höhe, also liess ich es bleiben. Ein paar Meter weiter war der Parkplatz zum Macaw Trail, den sogar ich ohne Probleme bewältigen konnte.
Eine Schulklasse kam vom Cliff Base Trail und rastete im überdachten Picknickbereich. Sie bekamen eine kleinen Erdkundeunterricht, wurden angewiesen, ihre Wasserflaschen aufzufüllen, dann wanderten sie weiter. Der Proviant und eine Betreuungsperson sowie die Trinkflasche eines Kindes blieben zurück. Das Kind kam zurück, holte seine Flasche und bekam eine kleine Schelte der Betreuungsperson.
Zu gerne hätte ich gewusst, welche Petroglyphen sich auf dem Cliff Base Trail befanden, doch auch hier argumentierte Reiner mit meinem Knie, das noch nicht ganz so wollte, wie ich. Deshalb ging er den Weg allein und ich fuhr das Auto zum Ausgangspunkt. Oh, wo sollte ich parkieren? Es gab keinen Parkplatz, also fuhr ich zögerlich zur Eingangsstation, wo ein anderes Fahrzeug vor mir am Ticketautomaten beschäftigt war. Zahlen musste ich nicht, denn der Nationalparkpass, der am Rückspiegel baumelte, war auch hier gültig.
Huch, ich hatte gegen die Einbahnstrasse gelenkt, also setzte ich wieder zurück, um auf die richtige Spur zu kommen. Der Fahrer des vor mir eingefahrenen Autos musste meine Unsicherheit bemerkt haben. Er kam zu mir und fragte, ob ich Probleme hätte. Es war ein Ranger und mir war mein Manöver furchtbar peinlich. Ich erklärte, dass ich auf meinen Mann warten würde und zeigte auf den Wandervogel am Hang. Er gestattete mir, mich ausnahmsweise an den Strassenrand zu stellen und wies mich darauf hin, darauf zu achten, dass andere Autos passieren konnten.
Im Gegensatz zu den Kindern hatten wir kaum Proviant dabei. Uns war nach asiatischem Essen, also steuerten wir ein chinesisches Restaurant an. Bevor wir dieses erreichten, sahen wir ein Gebäude mit Aufschrift «HIBACHI One Japanese Steakhouse Sushi». Das gefiel uns trotz der bescheidenen Aussenseite viel besser, also kehrten wir hier ein. Wir konnten wählen, ob Grill oder Sushi. Als Sushi-Liebhaber war klar, wo wir uns hinsetzten. Das Lokal war erstaunlich gross und sehr nett eingerichtet. Der Kellner war zurückhaltend, aber freundlich, uns gefiel es hier ausgesprochen gut.
Wir bestellten je eine «California Roll Combo + 2 Rolls», die wir uns teilten. Inklusive Getränke und Tip zahlten wir hier weniger als für manches Frühstück. Die Sushis schmeckten sensationell und die Portion war erstaunlich gross.
schlangen, schlangen und noch mehr schlangen
Mit vollen Bäuchen ging es in die Stadt – genauer in Old Town. Bei Parkplatz Nummer 15 parkierten wir. Aber wie funktionierte das Bezahlen? Da war ein uralter Blechkasten mit nummerierten Schlitzen. Mittels eines am Kasten hängenden Schiebers schoben wir eine gefaltete Fünfdollarnote in den Schlitz Nummer 15 und durften nun für die nächsten fünf Stunden hier stehenbleiben.
Bisher war es uns vergönnt gewesen, eine Klapperschlange in Natura zu sehen, also statteten wir dem Rattlesnake Museum einen Besuch ab. Die Kassiererin - oder war es die Besitzerin? – war gut gelaunt und meinte, wir seien heute die ersten Nicht-Amerikaner. Sie freute sich sichtlich über unser Kommen.
Unzählige Schlangen und ein paar Reptilien lebten in Terrarien, die meiner Meinung nach eine Spur grösser hätten sein dürfen. Neben lebendigen Tieren gab es in dem kleinen, engen Museum einen Giftshop, wo allerlei Krimskrams von Gummischlangen über Käpis, T-Shirts und Schilder verkauft wurden.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir in der Altstadt. Wir schlenderten zwischen den Gebäuden hindurch, setzten uns in den kleinen Park und beobachteten, wie zwei Fahrer von alten Klassikern ihre Runden drehten. Ein Fotograf lichtete schnell ein Brautpaar ab. Ob diese Fotos was wurden? In einem kleinen Schokoladenladen mit mexikanischer Handwerkskunst – was für eine Kombination - kauften wir Getränke und genossen die an einem der zwei Tischchen auf dem hübschen Vorplatz.
Vor dem Nachtessen gingen wir ins Hotel, um uns frisch zu machen. Das Zimmer war nicht gemacht und wir hatten nur eine einzige Rolle WC-Papier. Naja, bis morgen reichte die und dann kam bestimmt jemand, um zu putzen.
Das Abendessen war zum Vergessen. Lausige Bedienung, fades Essen, schmutzig – nichts, was erwähnt werden müsste. Keine Ahnung, wie das Restaurant zu der 4.5-Sterne-Bewertung von über 1'200 Personen bei Google gekommen war.
fische und blumen
Das bescheidene Morgenessen im Motel liessen wir zugunsten eines leckeren Frühstücks im Central Grill and Coffee House sausen. Das war eher ein Imbiss, aber uns gefiel es von der Speiseauswahl über den Geschmack des Essens bis hin zur Atmosphäre in dem Lokal ausgesprochen gut. Als die Tische sich an dem Samstag so langsam zu füllen begannen, machten wir Platz für andere Gäste und gingen zum ABQ BioPark Aquarium und Botanischen Garten, für welches wir gestern Online-Tickets erstanden hatten.
Wir waren früh genug, um das Auto so abstellen zu können, dass es am Nachmittag im Schatten stehen sollte. Es dauerte nicht mehr lange, bis die Tore geöffnet wurden. Der vorgängige WC-Besuch war eher nicht so eine gute Idee, da war manche Raststätte sauberer, aber lassen wir das.
Erst schauten wir uns das Aquarium an, wo es mir besonders die herumtollenden Otter angetan hatten. Leider spiegelte das Glas stark und war milchig trüb, sodass keine gescheiten Bilder zustande kamen. Eine Vielzahl an Quallen und ein Aquarium mit Haien sowie anderen riesigen Fischen waren neben den erwähnten Ottern meine Highlights. Ein übergrosser Blechfisch mit Müll im Mund machte auf Umweltsünden aufmerksam. Auch in Amerika war das Umweltbewusstsein angekommen – leider aber noch wirklich sehr, sehr langsam. Das Aquarium war nicht sehr gross, gefiel mir aber ausgesprochen gut, weil es Exponate zeigte, die es im Basler Zolli nicht gibt.
Als nächstes gingen wir in den nebenanliegenden botanischen Garten. Eine ganze Weile verbrachten wir in den Gärten der alten Welt. Der spanisch-maurische Garten erinnerte uns an Andalusien, was keine Überraschung war, denn der maurische Stil, der seinen Ursprung in den Wüsten Nordafrikas hat, war von den Mauren nach Spanien und von den Spaniern nach New Mexico gebracht worden. Schattenspendende Mauern und Bäume, eine sparsame, aber ästhetische Verwendung von Wasser, farbenfrohe Kacheln und aromatische Pflanzen prägen diesen Stil.
Als wir die Tür zum Desert Conservatory öffneten, sass mitten auf dem Weg eine dicke Kröte. Die liess sich von uns nicht stören und ich hoffte, dass keiner auf das Tier trat. Die Pflanzensammlung bestehend aus Saguaro-Kakteen und Palo-Verde-Bäume aus der Sonora-Wüste, Kreosot und Yucca aus der Chihuahua-Wüste und die Elefantenbäume aus Baja kam uns sehr bekannt vor.
Nordöstlich der Wintergärten trafen wir auf die Rio Grande Heritage Farm, wo ein grosser Küchengarten, Feldfrüchte, ein Obstgarten, Weinberge und Beerensträucher ein Bauernhaus aus Lehmziegeln umgaben. Alpenziegen, Navajo-Chuorro-Schafe und die Dominique-Hühner waren zu Hause.
Beim Betreten des Sasebo Japanese Garden kamen wir am grossen Glockenturm vorbei und gingen durch riesige Holztore. Wir kamen an einen Koi-Teich mit einem majestätischen Wasserfall. Für die Kinder waren die bunten, dicken Karpfen besonders spannend und als ein Besucher Brot zum Füttern verteilte, war die Freude riesig – zumindest bei den kleinen Gästen, denn ich weiss nicht, ob Brot die richtige Fischnahrung darstellt. Dieser Bereich des BioParks war besonders hübsch mit japanischen und einheimischen Pflanzen, Steinlaternen und Pagodenskulpturen ausgestaltet. Stein- und Holzbrücken überspannten kleine Bäche.
Kurz überlegten wir, uns im High Desert Rose Garden Café eine Erfrischung zu gönnen, aber die Preise waren so astronomisch hoch, dass wir dies bleiben liessen. Kein Wunder wurde das Café kaum von Gästen frequentiert.
Im Schmetterlingshaus war eher weniger los, deshalb waren wir da ziemlich schnell wieder weg. Dafür fand ich das Bugarium äusserst spannend. Ich konnte mich kaum sattsehen ab den riesigen Käfern in verschiedensten Formen und Farben. Zum Glück waren die Viecher hinter Glas, sonst wäre ich vermutlich schreiend weggerannt.
Nicht nur die Kinder, sondern auch ich war vom Eisenbahngarten angetan. Zwei grosse Schleifen aus Messingschienen der Spur G führte die Züge an Dörfern vorbei, über Brücken und durch Tunnel. Sehr schön war auch der Dragonfly Sanctuary Pond, wo ein süsses kleines Mädchen herkam, uns ihr Glace zeigte, uns ihren kleinen Bruder vorstellte und uns die Welt erklärte.
Sechseinhalb Stunden später setzten wir uns ins angenehm kühle Auto und fuhren für ein frühes Abendessen zu El Patio De Albquerque. Das Restaurant servierte seit 1977 feinste traditionelle Hausmannskost im Stil des Südwestens. So stand es auf der Website geschrieben. Wir setzten uns in den netten Innenhof unter schattige Bäume. Als Apéro gab es Chips mit Guacamole und danach liess ich mir Green Chili Enchiladas schmecken. Als ich zu platzen glaubte, kam die herzliche Bedienung mit Sopadillas an, die gemäss ihrer Aussage die besten der Stadt seien und denen ich nicht widerstehen konnte.
Im Hotel angekommen war das Zimmer wieder nicht gemacht worden. Reiner ging zur Rezeption, um mehr WC-Papier zu holen, da meinte die Besitzerin, dass sie sich schon gewundert hätte, dass wir kein Housekeeping bestellt hätten. Oh – «housekeeping on request» stand auf einem Schild geschrieben. Wer lesen kann …
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