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Schmelzwasserseen
Die herausragende Besonderheit des Gornergletschers sind neben dem randglazialen Gornersee die Schmelzwasserseen auf der Gletscherzunge. Sie können sich nur deshalb zu ihrer imposanten Grösse entwickeln, weil das Gletschereis «kalt» ist: Das aus den sehr hoch gelegenen Firnbecken des Grenzgletschers zwischen Lyskamm und Monte Rosa zufliessende Eis weist selbst im Zungenbereich immer noch Temperaturen leicht unter Null Grad Celsius aus. Dadurch kann das Schmelzwasser nicht wie bei anderen Gletschern durch Gletschermühlen abfliessen.
«See 1» bei etwa 627.500 / 91.200, Panoramaaufnahme gegen Monte Rosa (links) und Lyskamm (rechts), dazwischen der Grenzgletscher. Der See entwässert durch einen Schmelzwasserkanal nach links zur Mittelmoräne.
«See 1», Panoramaaufnahme gegen Breithorn (Mitte links) und Matterhorn (rechts). Dunkler Kryokonit am Seeboden wurde durch leichte Wellenbewegungen zu Rippelmarken zusammengeschoben.
Schmelzwasserkanal, bei «See 1»; im Eis markante, nahezu vertikal angeordnete Foliation sowie Strandlinie wenige Zentimeter über dem Wasserspiegel, die ein leichtes Absinken des Seespiegels anzeigt.
Detailaufnahme der Foliation am Rand von «See 1»
«See 2» bei etwa 625.300 / 91.500, Panoramaaufnahme gegen Klein Matterhorn und Unterer Theodulgletscher (ganz links), Matterhorn (Mitte) und Riffelhorn (rechts). Von der Mittelmoräne sind grosse Felsblöcke weggewandert und zum Teil gegen den See hinunter gestürzt.
Im Becken beim «See 2», dessen Entwässerung über einen tief eingeschnittenen Schmelzwasserkanal nach links erfolgt. Am diesseitigen Seeufer liegen feinkörnige, angeschwemmte Lockersedimente.
Blick über «See 2» gegen Breithorn und Breithorngletscher. Am jenseitigen Steilufer markante Strandlinien: Im Frühjahr steht das Wasser höher, weil der Abflusskanal im Winter teilweise zugedrückt wird.
Detailaufnahme des «See 2» mit Rippelmarken im untiefen Wasser.
«See 2», Flugbild Bernhard Edmayer, August 2006 ??? Bei einem Kälteeinbruch hat sich auf dem See vorübergehend teilweise eine Eisschicht gebildet. Gut erkennbar ist der nach links oben verlaufende, entwässernde Schmelzwasserkanal mit einem riesigen Moränenblock.
Nebst den grossen Schmelzwasserseen gibt es unzählige kleine Schmelzwassertümpel. Wegen den tiefen Eistemperaturen, die ein Abfliessen des Wassers verhindern, erreichen sie aber weitaus grössere Dimensionen als «normale» Kryokonitlöcher.
Der halbmondförmige Grundriss dieses Kryokonitlochs steht im Zusammenhang mit der bogenförmigen Tagesbewegung der Sonne über den Himmel. Die Gerade Seite des Halbmonds ist auf der Südseite und verläuft in Ost-West-Richtung.
Mancherorts erschweren ganze Scharen grosser Kryokonitlöcher das Begehen des Gletschers und zwingen zum häufigen Ausweichen. Am Boden der kleinen Seen bilden sich noch kleinere Gruben durch das Hineinschmelzen des dunklen, die Sonnenstrahlung absorbierenden Kryokonits.
|Wo nicht anders angegeben: Fotos Jürg Alean, August 2004|