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Turin-Nizza-Fähre nach Korsika
03.06.2017 Torino-Nizza (Fähre) Ich habe gestern noch einmal die Abfahrtszeiten der Fähre nachgeschaut und bin der Meinung, dass ich den Besuch des Palazzo Reale heute morgen noch reinquetschen kann, wenn ich um 11 Uhr morgens abfahren kann. So bin ich um halb neun Uhr einer der ersten, der ein Ticket kauft. Leider öffnen die Museen erst um neun Uhr. Ich muss die Zeit im königlichen Garten verplempern, bis die Museen öffnen. Schon im Treppenhaus hat es ein eindrückliches Reiterdenkmal. Ich gelange zur riesigen Halle der Schweizergarde, mit einem gewaltigen Cheminee. Dann folge ich dem ausgesteckten Rundgang durch die Palasträume: Halle der Kürassiere, Raum der Pferdeknechte, Zimmer der Pagen, Thronsaal, Privates Audienzzimmer, Raum des königlichen Rates, Chinesisches Privatzimmer. Die Armeria Reale (königliche Waffenkammer) ist nicht nur mit den feinsten Hieb- und Stichwaffen ihrer Zeit ausgestattet, es hat eine Vielzahl von originellen Helmen und lebensgrosse Pferde mit Reitern in Ritterrüstungen. Am Ende gelangt man zur Rotonda, wo früher ein Durchgang zum Palazzo Madama bestand. Danach muss man alles zurücklaufen und gelangt zum Schlafgemach von König Carlo Alberto, dem Frühstückszimmer, der Daniel Gallerie und dem prächtigen Alkovenzimmer, in dessen einer Wand ein Alkoven eingelassen ist. Vom Medallionzimmer gelangt man zum Ballsaal und schliesslich zum Treppenhaus der Scheren, so genannt wegen eines Ornaments. Jetzt besuche ich die angegliederte Galleria Sabauda. Gezeigt wird die Ausstellung „Le Meraviglie del Mondo“, die Sammlungen von Carlo Emanuele I von Savoyen. Das erste besonders behandelte Bild ist von Giovanni Battista Crespi (Cerano), La Madonna dei Miracoli. Danach kommt eine grosse Sammlung mit fantastischen Werken flämischer Meister, so z.B. Jan Breughel der Jüngere, Antoon van Dyck, Pieter Paul Rubens, David Teniers II oder Cornelis de Vos. Eine Sonderausstellung „L'occhio fedele” zeigt Aquafortes von holländischen Meistern, unter anderem von Rembrandt van Rijn „Landschaft mit Hütte und Baum“. Interessant von Salomon Koninck, ein Prophet oder ein Rabbi. Etwas Lokalkolorit haben Bernardo Bellottos “Blick auf die alte Brücke von Turin“ und „Blick auf Turin von den königlichen Gärten“ (1745). Schliesslich besuche ich noch das Archäologische Museum, dessen Höhepunkte ein Blick auf die Ruinen des römischen Theaters unter dem königlichen Palast, ein Langobardisches Grab (610-640 AD), und der Schatz von Marengo mit einer fantastischen Silberbüste von Kaiser Lucius Verus sind. Für den untersten Stock der Kunstgalerie reicht es nicht mehr. Ich muss mich beeilen, um zum Hostel zurückzukehren. Ich verabschiede mich von meinem netten Gastgeber und packe. Um 11:15 kann ich losfahren. Den Weg hinaus aus Turin finde ich problemlos. In Carmagnola halte ich beim Lidl und kaufe eine Art Salametti (Strolghino) und dunkles Vollkornbrot für das Mittagessen. Ich muss noch eine Stunde fahren, bis ich in Savignano („Die Stadt des Pendolino“) ein wie für mich gemachtes Rastplätzchen finde. Am Flussufer wurde unter einer Laube ein Tisch eingerichtet. Ich esse meine mitgebrachten Sachen; leider habe ich vergessen, Wasser zu kaufen, weshalb ich bei einem Supermarkt noch kurz anhalte und das nachhole. Kurz vor Cuneo sehe ich ein Töffli, das jemand in einem Baum mit Stricken befestigt hat. In Cuneo möchte ich nachtanken, aber alle Tankstellen weisen meine Schweizer Kreditkarte ab. Erst bei der fünften, beim französischen Supermarkt Leclerc, klappt es. Ich fahre nun Richtung Alpes Maritimes, durch Limone Piemonte durch. Vor dem Tunnel de Tende, der nur immer je in einer Richtung befahrbar ist, muss ich 20 Minuten warten und plaudere mit einem italienischen Töfffahrer. Auf der anderen Seite des Tunnels bin ich in Frankreich. Die Fahrt durch die fantastischen Gorges du Saorge ist wunderbar, es ist ein ganz enges Tal mit bizarren Felsformationen. An einer Stelle hat es ein Kraftwerk, dessen Druckleitung von hoch auf dem Berg her kommen. Ueber den Col de Brouis gelange ich nach Sospel und über den Col Saint-Jean und den Col de Braus, wo ich bei der Aire René Vietto kurz halte, aber wegen drohender Regenwolken gleich weiterfahre nach L'Escarene. Der letzte Pass, der Col de Nice ist kaum der Rede wert. So langsam läuft mir die Zeit weg, es ist bereits 17:30 Uhr und das Boarding endet in einer Stunde. Endlich komme ich auf eine Schnellstrasse nach Nizza, die mich direkt ins Stadtzentrum führt. Ich tanke nochmals und folge der Beschilderung zum Hafen. Um 18 Uhr, eine halbe Stunde vor Schluss, komme ich am Hafen an, überhole alle Autos und werde problemlos in die Fähre MEGA ANDREA hineingelassen – sie sind auch froh, dass sie die Motorräder möglichst früh verstauen können. In der Fähre setze ich mich ins Restaurant, sortiere meine Fotos, schreibe das Tagebuch und esse das vorausbestellte Nachtessen – ein fades Gulasch, aber eine riesige Portion und recht preiswert. Ich schaffe gerade noch zwei Kreuzworträtsel, dann lege ich mich im Gang hin und versuche erfolglos, zu schlafen. Es kommt eine Durchsage, dass die überzähligen Kabinen nun für 22 Euro pro Bett zu haben seien. Ich überlege gerade, ob ich noch fit genug sei, um dafür wieder aufzustehen, als schon ein Steward kommt und mich fragt, ob ich denn Interesse habe. Natürlich! erwidere ich und begleite ihn zur Reception. Dort will man mir erst noch zwei Euro draufhauen, was ich nicht gelten lasse, dann kriege ich eine schöne, klimatisierte Kabine mit WC und Dusche ganz für mich allein.