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Forscher haben eine zweite Varroa-Milbenart entdeckt, die den Wirtswechsel von der Östlichen zur Westlichen Honigbiene geschafft hat. Wie Varroa destructor kann auch Varroa jacobsoni die Bienen parasitieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese zweite Varroa-Art durch den Import von Bienenvölkern nach Europa kommt.
Die Varroa-Milbe wurde 1903 vom deutschen Forscher Edward Jakobson auf der Insel Java in Indonesien entdeckt: Ein rotbraun gefärbter Parasit, etwa 1,6 Millimeter klein, der sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock vermehrt. Ein Jahr später beschrieb der holländische Zoologe Anthonie Cornelis Oudemans die neue Spezies und gab ihr nach deren Entdecker den wissenschaftlichen Namen Varroa jacobsoni.
Die auf Java lebende Östliche Honigbiene (Apis cerana) konnte sich als Wirtstier über Jahrtausende erfolgreich an den Parasiten Varroa-Milbe anpassen. Sie führen – so makaber das tönt – eine ausbalancierte Parasit-Wirts-Beziehung.
- Varroa-Milben auf Arbeiterinnen entfernen die Bienen durch gegenseitiges Putzen.
- Befallene Arbeiterinnen-Brut wird von den Bienen erkannt und entfernt.
- Von mehreren Mutter-Milben befallene Brut wird mit den Milben «eingesargt».
- Die Varroa-Milben können sich nur in der weniger gut versorgten Drohnenbrut reproduzieren.
Die Varroa-Milbe springt auf die Westliche Honigbiene über
Im Gegensatz zur Östlichen Honigbiene konnte sich die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) nicht an den Parasiten anpassen. Im 19. Jahrhundert wurde sie von der Ukraine über Baschkortostan und Kasachstan bis nach Wladiwostok an der chinesisch-koreanischen Grenze exportiert – und darüber hinaus in Asien verbreitet. Dort konnte die Varroa-Milbe von der Östlichen Honigbiene auf die Westliche Honigbiene als neuen Wirt überspringen.
Die Westliche Honigbiene hatte sich über Jahrtausende mit einem anderen Parasiten arrangiert, mit der mikroskopisch kleinen Tracheen-Milbe. Diese lebt und vermehrt sich in den Atemwegen der erwachsenen Bienen. Über viele Imker-Generationen hinweg verursachte diese Milbe noch im 20. Jahrhundert grosse Völkerverluste. Heute gilt die Tracheen-Milbe bei uns als fast ausgerottet.
Die Varroa-Milbe dagegen, konnte sich bei der Westlichen Honigbiene in der Drohnen- und Arbeiterinnen-Brut erfolgreich vermehren. In der relativ kurzen Zeit von 200 Jahren konnte die Westliche Honigbiene keine stabile Parasit-Wirt-Beziehung zur Varroa-Milbe entwickeln.
1977 wurde die Varroa-Milbe nach Deutschland «eingeflogen»
Mit dem Export von Bienenvölkern aus Asien wurde die Varroa-Milbe weltweit verbreitet. 1964 wurde die Varroa-Milbe erstmals in der russischen Stadt Dalneretschensk festgestellt, nur fünf Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Von dort aus wurde der Parasit mit infizierten Bienenvölkern über ganz Russland, Bulgarien (1967), Tschechien (1971) und Ex-Jugoslawien (1976) nach Westeuropa eingeschleppt.
Als man 1977 die ersten Varroa-Milben in Deutschland feststellte, kamen diese allerdings nicht auf dem Landweg – sie wurden von einem deutschen Bieneninstitut ungewollt mit Völkern der Östlichen Honigbiene direkt aus Asien «eingeflogen». Aber auch ohne dieses Missgeschick wäre die Varroa-Milbe zwei, drei Jahre später bei uns «gelandet».
Die Varroa-Milbe lebt vom Blut (Hämolymphe) der Honigbienen und vermehrt sich in deren Brutzellen. Mit ihren messerscharfen Mundwerkzeugen kann die weibliche Milbe die Haut der Bienenlarven und Bienenpuppen anstechen. Dabei werden neben krankmachenden Bakterien auch Krankheitserreger wie das tödliche Flügeldeformationsvirus übertragen.
Nach der Varroa destructor kommt die Varroa jacobsoni
Es dauerte aber bis ins Jahr 2000, als durch genetische Untersuchungen festgestellt wurde, dass es sich dabei nicht um die von Oudemans 1904 beschrieb Varroa jacobsoni handelt, sondern um eine eigene Art. Die Forscher gaben dieser Varroa-Milbe den wissenschaftlichen Namen Varroa destructor, die niederreissende oder zerstörende Varroa.
Jüngere genetische Untersuchungen zeigen, dass sich seit dem Jahre 2000 einige Stämme der echten Varroa jacobsoni an die Westliche Honigbiene als neuen Wirt angepasst haben. Der Anpassungsprozess der Milbe an ihren neuen Wirt läuft noch – aber die Varroa jacobsoni kann sich schon auf der Westlichen Honigbiene fortpflanzen.
Bisher wurden diese Stämme von Varroa jacobsoni nur auf Papua-Neuguinea nachgewiesen. Durch den Export verseuchter Völker könnte sich die Varroa jacobsoni aber rasant ausbreiten, viel schneller als in den 1960er- und 1970er-Jahren die Varroa destructor.
Quelle
- Purdue University, Fachartikel: BMC Genomics