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Man mag sich noch an das Drama erinnern, das 1998 die Schweizergarde und den Vatikan erschütterte und zu vielfältigen Spekulationen führte: Der kurz zuvor ernannte Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde und seine Frau wurden am Abend des 4. Mai ermordet in der Kommandantenwohnung aufgefunden. Daneben lag der tote Vizekorporal Cédric Tornay. Er hatte sich offenbar selbst getötet.
Eifersucht und Missgunst
Diese Schreckenstaten gaben den Anstoss, eine Oper in vatikanischen Mauern spielen zu lassen. Die Oper sollte allerdings nicht das Geschehen aus dem Jahr 1998 aufwärmen: Der Vatikan mit seiner Opulenz, mit der klerikalen Hierarchie, mit der Schweizergarde sollte einfach eine hervorragende Kulisse für eine aufwühlende Geschichte bilden, in der allzu menschliche Eigenschaften und Schwächen auf streng religiös tradierte Vorstellungen prallen. Und so schrieb Christophe Passer eine recht einfache Handlung: Konrad begehrt Carlotta, erzeugt Eifersucht, Missgunst, Missverständnisse, die schliesslich zum Absturz, zum Abgrund, zur Katastrophe führen. Carlotta ist eine starke, junge, schöne Frau, wenn auch «nur» Hausangestellte. Sie erhält eine dominierende, prägende Bühnenpräsenz. An ihr entzündet sich das zentrale Gefühl, die Eifersucht.
Musikalische Umsetzung
Die Vertonung des Textbuches durfte der Waadtländer Komponist Dominique Gesseney-Rappo vornehmen. In den letzten zwei Jahren widmete sich Gesseney fast ausschliesslich der musikalischen Umsetzung des Textbuches, das er auch anpassen durfte, wenn es seinen kompositorischen Intentionen entgegenkam. Dominique Gesseney-Rappo erhielt seine musikalische Ausbildung vorwiegend in Freiburg, erlangte das Cello-Lehrdiplom und das Schulmusiklehrerdiplom, studierte Theorie bei Henri Baeriswyl, Orchestration bei Jean Balissat. Neben seinen musikalischen Tätigkeiten als Lehrer, Sänger und Chorleiter war er als Verleger chorischer Kompositionen tätig (Editions Gesseney, die später in die Editions Labatiaz übergingen). Immer bedeutender wurde seine Rolle als Komponist, vorerst vorwiegend als Schöpfer von Chormusik, dann aber auch als Komponist von Instrumentalwerken.
Bewegende Theatermusik
Die Oper sieht Solisten, Männerchor und Kammerorchester vor. Einem Streichquintett stehen einfach besetzte Holzblasinstrumente, je zwei Hörner, Trompeten, Posaunen, eine Tuba, ein Akkordeon und Perkussion gegenüber. Echte, ausdrucksreiche, das Publikum mitreissende und bewegende Theatermusik wollte Dominique Gesseney komponieren–Musik, die wirklich für die Bühne geschrieben ist. Ausgangspunkt ist die französische Textvorlage, die nach den Worten des Komponisten eine facettenreiche, kontrastierende Musik auslöste. Der französischsprachige Text wird mit deutscher und französischer Übertitelung verdeutlicht. Die musikalische Sprache ist vielfältig angelegt, darf sich auch an der Filmmusik orientieren. So können Liebesszenen in einfachem lyrisch-melodischem Gewand erscheinen, fast chansonartig, dramatische Szenen aber eine spannungsgeladene, sich reibende, harmonisch komplexe Musik hervorrufen. Der Komponist war beim Casting der Solistinnen und Solisten dabei, konnte sich bei der musikalischen Umsetzung also auf die Persönlichkeiten der meisten Rollenträger abstützen.
Orchester und Solisten
Unter der Leitung des Dirigenten der Freiburger Oper, Laurent Gendre, spielt das professionelle Freiburger Kammerorchester, das seit seiner Gründung 2009 das eigentliche Freiburger Opernorchester wurde. Die wichtigen und zum Teil anspruchsvollen Opernrollen werden vorwiegend von Solistinnen und Solisten aus Frankreich und der Westschweiz interpretiert. Männer des Freiburger Opernchors ergänzen die musikalische Besetzungsliste und schlüpfen in Gewänder der Schweizergarde.
Programm
Sechs Aufführungen im Equilibre
Die Uraufführung von «Carlotta ou la Vaticane» findet an Silvester statt; danach folgen bis zum 17. Januar fünf weitere Aufführungen im Equilibre in Freiburg:
•Do., 31.12., 19 Uhr.
•So., 3.1., 17 Uhr.
•Fr., 8.1., 19.30 Uhr.
•So., 10.1., 17 Uhr.
•Fr., 15.1., 19.30 Uhr.
•So., 17.1., 17 Uhr.