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Die Schweiz war bisher in Kambodscha in zwei Bereichen präsent: über den Beitrag an die Kantha-Bopha-Spitäler und einen Programmbeitrag an Schweizer NGO, die vor Ort tätig sind. 2013 wird ein erstes Kooperationsprogramm mit Kambodscha lanciert, das neu zu den Schwerpunktländern der DEZA zählt. Es wird Teil ihres Regionalprogramms für den Mekong. Die Arbeit der DEZA in dieser Region Asiens konzentriert sich auf arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen in ländlichen Gebieten. Ziel ist die Verringerung von Armut und sozialen Ungleichheiten. Mit ihrem Engagement will die Schweiz zu sozialem Frieden und zu Stabilität in der gesamten Region beitragen.
Engagement der DEZA in Kambodscha
Artikel, 21.03.2013
Lokale Gouvernanz, Ausbildung und Landwirtschaft Die DEZA nimmt 2013 ihre Arbeit in Kambodscha auf. Ihr neues Kooperationsprogramm mit diesem asiatischen Land konzentriert sich auf lokale Gouvernanz, Bürgerbeteiligung, Berufsbildung und Beschäftigung sowie Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Das Engagement ist Teil der neuen Kooperationsstrategie für die Mekong-Region 2013–2017 (Vietnam, Laos, Kambodscha).
Lokale Gouvernanz, Ausbildung und Landwirtschaft
Die DEZA nimmt 2013 ihre Arbeit in Kambodscha auf. Ihr neues Kooperationsprogramm mit diesem asiatischen Land konzentriert sich auf lokale Gouvernanz, Bürgerbeteiligung, Berufsbildung und Beschäftigung sowie Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Das Engagement ist Teil der neuen Kooperationsstrategie für die Mekong-Region 2013–2017 (Vietnam, Laos, Kambodscha).
Wiederaufbau der Institutionen nach einem jahrelangen Krieg
Beinahe vierzig Jahre Unsicherheit und interne Konflikte haben Spuren hinterlassen. Die Bevölkerung ist immer noch traumatisiert vom blutigen Regime der Roten Khmer (1975–1979), das die institutionellen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen des Landes zerstört hat. Die internationale Gemeinschaft unterstützt Kambodscha beim Wiederaufbau. Angestrebt wird ein Staat, der gegenüber der Bevölkerung Verantwortung übernimmt, der öffentliche Dienstleistungen für alle bereitstellt und der für politische Stabilität und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum sorgt. Obwohl bereits Fortschritte erzielt wurden, ist der Weg noch lang. Gerade bei der Armutsreduktion, im Gesundheits- und Bildungswesen sowie bei der Rechtsstaatlichkeit gibt es noch viel zu tun.
Die ersten lokalen Wahlen fanden 2002 statt. Aber der Demokratisierungsprozess geht nur langsam voran. Die Förderung der Menschenrechte und die Gesetzgebung müssen gestärkt werden. Eine Staatsreform wurde eingeleitet. Im Vordergrund steht eine Verbesserung der Strukturen der lokalen Gouvernanz. Eine dezentralisierte und bürgernahe Verwaltung soll der benachteiligten Bevölkerung in Zukunft den Zugang zu Schulbildung und Gesundheitsdienstleistungen erleichtern und ihre Teilhabe an Entscheiden über Entwicklungsvorhaben, die sie betreffen, sicherstellen.
Wirtschaftswachstum ja – aber für wen?
Kambodscha weist ein starkes Wirtschaftswachstum auf (6,5% 2012), was namentlich auf die Textilindustrie und den Tourismus zurückzuführen ist. Die Landwirtschaft ist die wichtigste Erwerbsquelle und Grundlage für die Ernährungssicherheit, wobei der Reis als wichtigstes Grundnahrungsmittel eine zentrale Rolle spielt. Vom Wirtschaftswachstum spürt die ländliche Bevölkerung (80% der Gesamtbevölkerung), die immer noch von der landwirtschaftlichen Selbstversorgung abhängig ist, jedoch sehr wenig.
Die Landkonzessionen an ausländische Investoren tragen sicherlich zu diesem Wirtschaftswachstum bei. Aber sie führen gleichzeitig zu Streitigkeiten, Vertreibungen und sozialen Spannungen. Die Regierung hat kürzlich versucht, Abhilfe zu schaffen, indem sie an 350 350`000 Familien Besitzurkunden verteilte. Eine gerechte Landverteilung und ein garantierter Zugang zum Boden sind unerlässlich für ein gerechtes Wirtschaftswachstum in Kambodscha.
Berufsbildung und Beschäftigung
Eine weitere Herausforderung liegt in der Berufsbildung und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Hälfte der kambodschanischen Bevölkerung ist unter zwanzig Jahren, 60% der Frauen und Männer haben keinen Primarschulabschluss, 300`000 Jugendliche drängen jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt. Fehlende Schul- und Berufsbildung führen zu lächerlichen Löhnen, zu Ausbeutung und Migration. Die Frauen sind besonders stark davon betroffen. Für das ländliche Kambodscha sind folglich die Förderung der Berufsbildung und die Schaffung von Einnahmequellen der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung. Sie gelten denn auch als Prioritäten der nationalen Entwicklungsstrategie.
Ernährungssicherheit und Entwicklung des Landwirtschaftssektors
Neben der lokalen Gouvernanz und der Berufsbildung ist die Entwicklung des Landwirtschaftssektors die dritte Priorität der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit in Kambodscha. Das Land gehört nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Welt: 40% der Kinder leiden an Unterernährung, und ungefähr ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Auf dem Globalen Index für Ernährungssicherheit belegt Kambodscha von insgesamt 105 Ländern den 89. Rang. Zu den Hauptproblemen des Landwirtschaftsektors zählen eine schwache Produktivität – aufgrund fehlender Bewässerungssysteme und einem ungenügenden Zugang zu Bildung und Technologie – und kaum ausgebaute Märkte.
Die Ernährungsunsicherheit steht auf der Tagesordnung: Zahlreiche Familien leiden unter Hunger und chronischer Unterernährung. In der Grundschulbildung konnten erste Fortschritte verzeichnet werden, aber die Analphabetenrate ist bei Schulabgängern immer noch hoch. Hinzu kommt, dass der Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit für Mädchen und Frauen besonders schwierig ist und dass sie häufig Gewalt ausgesetzt sind.
Fortschritte im Gesundheitswesen
Positive Ergebnisse gibt es teilweise im Gesundheitsbereich. Hier könnte Kambodscha die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) hinsichtlich der Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit erreichen. Die allgemeine Gesundheit und die sanitäre Lage sind jedoch nach wie vor prekär: Zahlreiche Menschen leiden an Tuberkulose und psychischen Krankheiten, der Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen ist namentlich in ländlichen Regionen immer noch ungenügend.
Die DEZA unterstützt die Kantha-Bopha-Spitäler, die 2012 ihr zwanzigjähriges Jubiläum feierten. Die von Dr. Beat Richner gegründeten Kinderspitäler tragen massgeblich zur Verbesserung der Gesundheit der Kinder und des öffentlichen Gesundheitswesens in Kambodscha bei. Im neuen Zusammenarbeitsvertrag zwischen der DEZA und der Kantha-Bopha-Stiftung für den Zeitraum 2013–2015 wurde die Hilfe der Schweiz auf vier Millionen Franken pro Jahr festgelegt. Die DEZA ist jedoch der Ansicht, dass diese Spitäler im Hinblick auf ihren Fortbestand eine breitere Finanzierungsgrundlage finden müssten.
Regionalstrategie
In der Botschaft über die internationale Zusammenarbeit der Schweiz, die 2012 vom Parlament verabschiedet wurde, figuriert Kambodscha als neues Schwerpunktland. Dieser Entscheid steht im Einklang mit der Kooperationsstrategie für die Region Mekong 2013–2017, die drei Länder umfasst: Laos, Vietnam, wo die Schweiz seit vielen Jahren tätig ist, und Kambodscha. Für das DEZA-Programm in Kambodscha sind jährlich zehn bis zwölf Millionen Franken vorgesehen.
Weiterführende Informationen und Dokumente
- Medienmitteilung, 21.3.2013
Die DEZA lanciert ein neues Kooperationsprogramm in Kambodscha
http://www.eda.admin.ch/eda/de/home/recent/media/single.html?id=48224
- Mekong (Vietnam, Laos, Kambodscha, Myanmar)
Die Arbeit der DEZA in der Region Mekong konzentriert sich auf die folgenden vier Länder: Vietnam, L...
- Privatsektorentwicklung und Finanzdienstleistungen
- Gesundheit
- Dezentralisierung
- Demokratisierungsprozess in Kambodscha