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Seit zwei Dekaden nehmen winterliche Trockenperioden im Mittelmeerraum signifikant zu. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von NOAA Wissenschaftler zeigt, dass dafür auch der Anthropogener Klimawandel verantwortlich gemacht werden kann.
Anfangs November verursachte eine über mehrere Tage andauernde Föhnlage sintflutartige Regenfälle auf der Alpensüdseite. Hart getroffen wurden die französische Mittelmeerküste, die Poebene sowie der Golf von Genua. Der mehrtägige Dauerregen brachte dem Tessin bis zu 280 Liter Regen pro Quadratmeter, wie eine Auswertung von MeteoSchweiz zeigt. In Norditalien waren es verbunden mit heftigen Gewittern lokal noch grössere Mengen. Die enormen Niederschlagsmengen führten deshalb in Norditalien auch zu verheerenden Überschwemmungen. Intensive Niederschlagsmengen und Dauerregen sind auf der Alpensüdseite keine Seltenheit, trotzdem hat der Mittelmeerraum in den letzten Jahren im Sommer und im Winter häufiger mit ausgeprägten Trockenperioden Schlagzeile gemacht. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Forschern der NOAA und Kollegen des CIRES zeigt, dass Trockenphasen im Winter im Mittelmeerraum in den letzten zwei Dekaden signifikant häufiger auftraten. Zehn der zwölf trockensten Winter in der mehr als 100-jährigen Messreihe wurden in den letzten 20 Jahren beobachtet. Die Intensität und die Häufigkeit, so die Forscher, können kein Zufall sein und lassen sich nicht allein mit natürlicher Variabilität erklären. Die Natur erlaubt trockene und nasse Jahre, doch der beobachtete Trend wurde durch einen externen Antrieb hervorgerufen.
Winterzeit ist Regenzeit
Das ist eine Hiobsbotschaft für den Mittelmeerraum, eine Region, welche den Grossteil der dringend benötigten Niederschläge im Winter registriert. Von Gibraltar bis in den Mittleren Osten haben zwischen 1971 und 2010 die winterlichen Trockenperioden deutlich zugenommen. Die Wissenschaftler nutzten Beobachtungen und Klimamodelle, um die häufigere Winter-Trockenheit zu ergründen. Sie analysierten natürliche Variabilität, welche vor allem durch die bekannte Nordatlantische Oszillation (NAO) ausgelöst wird und den durch Treibhausgasemissionen verursachten Klimawandel. Der anthropogene Klimawandel macht gemäss den Forschern rund die Hälfte der zunehmenden Trockenperioden zwischen 1902 und 2010 aus. Andere Faktoren, wie die NAO, haben möglicherweise auch ihren Beitrag beigesteuert. Zudem zeigt sich, dass die markanten Veränderungen im Winter plötzlich von einem Jahr aufs andere stattgefunden haben. Diesen „Klimasprung“ konnte die Forschergruppe mit einem Model beweisen. Einen analogen Klimasprung erlebte die Schweiz im Winter 1987/88. Seither sind die Winter sprunghaft wärmer und es wurden keine richtigen Kaltwinter mehr beobachtet.
Der Grund liegt im Meer
Treibender Faktor für die Abnahme der Winter-Niederschläge im Mittelmeerraum ist die markante Erwärmung des tropischen Atlantiks, welcher sich im Zuge der vom Mensch verursachten, globalen Erwärmung in den letzten Dekaden stärker erwärmte, als andere Gebiete im Ozean. Dies führte zu einer Verstärkung und einer Nordverlagerung des subtropischen Hochs und somit zu mehr Trockenheit. Das Auftreten der Temperaturänderung im Meer und der Trockenperioden ist konsistent.
Der Mittelmeerraum wurde bereits in den letzten Jahren als „Hotspot“ des Klimawandels identifiziert, da es in den kommenden Dekaden zu grossen Veränderungen bei Temperatur und Niederschlägen kommen wird. Der bereits bekannte Wasserstress und die rasch wachsende Bevölkerung sind weitere Indizien dafür, dass dem Mittelmeerraum im Zuge des fortschreitenden Klimawandels schwierige Zeiten bevorstehen. Anpassungszeit bleibt kaum, denn der Klimawandel hat bereits eingesetzt.