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Frauen im Menstruationsalter verlieren ab der Menarche (erste Menstruation) bis zur Menopause (letzte Menstruation) alle vier Wochen regelmäßig Blut (Regelblutung). Dabei geht nicht wenig Eisen verloren. Würde man nämlich alle Regelblutungstage im Leben einer Frau zusammenzählen, käme man ungefähr auf fünf bis sieben Jahre – für Blutverlust eine relativ lange Zeit.
Das verlorene Blut wird zwar vom Körper innerhalb weniger Tage ersetzt, weil in allen Fällen von Blutverlust die Neubildung von Blut im Knochenmark durch das Körperhormon Erythropoetin (EPO) angeregt wird. Für diesen Zweck „holt“ sich der Organismus Eisen aus den Speichern und baut es als Hämeisen ins Hämoglobin ein. Dem Körper zugeführt werden muss dieses Eisen letztlich von außen, normalerweise über die Nahrung. Erfolgt dies aus unterschiedlicher Ursache heraus nicht oder nur ungenügend, gerät der Organismus aus dem Gleichgewicht.
Dass (und weshalb) die Natur dies so eingerichtet hat, lässt sich nicht leicht verstehen, aber es ist bei den meisten Frauen eine Tatsache: Das durch die Nahrung aufgenommene Eisen reicht häufig nicht aus, um den menstruellen Eisenverlust auszugleichen. Dafür ist er in vielen Fällen offenbar zu groß – oder aber die Eisenaufnahme ist zu gering. Eigene Beobachtungen zeigen, dass Frauen oft schon im Alter von zwanzig Jahren nahezu leere Eisenspeicher haben. Frauen im Menstruationsalter, die den Arzt wegen Symptomen aufsuchen, welche auf Eisenmangel schließen lassen, fehlt es offensichtlich nicht nur an Speichereisen (Ferritin), sondern auch an Funktionseisen. Bei den meisten von ihnen, nämlich bei 86 Prozent, ist hingegen noch genügend Hämeisen vorhanden, weshalb sie nicht an Anämie leiden.
Kinder brauchen, weil sie noch wachsen, mehr Eisen als Erwachsene. Insbesondere ihr Gehirn scheint während der Wachstumsphase außerordentlich viel von diesem Element zu benötigen. Die Entwicklung ihrer kognitiven Fähigkeiten scheint besser zu verlaufen, wenn dafür hinreichend Eisen zur Verfügung steht. Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen u. a. Aufmerksamkeit, Erinnern, Lernen, Kreativität, Planen, Orientierung, Argumentieren, Selbstbeobachtung, Wollen, Glauben usw. Diese geistigen Funktionen werden von verschiedenen Wissenschaften untersucht, so von der Psychia¬trie, der Psychologie, der Phi-losophie, den Neurowissenschaften, aber auch von den Disziplinen, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Die verschiedenen Sparten bei der Erforschung der Kognition werden unter dem Begriff der Kognitionswissenschaft zusammengefasst.
Die Eisenzufuhr durch die Ernährung scheint oft auch in unseren, den reichen Ländern nicht zu genügen: So hat etwa die Hälfte aller Schweizer Schulkinder Eisenmangel. Gleichzeitig kommen immer mehr Kinder wegen Konzentrationsstörungen in ärztliche Behandlung, und zwar nicht nur in diesem Land. Der Begriff Aufmerksamkeitsdefizit ist inzwischen ein europäisches und nordamerikanisches Phänomen – man spricht in solchen Fällen auch von den „Ritalin-Kindern“. Ritalin ist eine psychostimulierende Droge (Arznei), die als offizielles Betäubungsmittel nur auf ärztliches Spezialrezept erhältlich ist und von Kindern in der Schweiz, der EU und den USA immer häufiger konsumiert wird.
Wahrscheinlich führt Eisenmangel bei Kindern auf mehreren Wegen zu Konzentrationsstörungen. Einerseits haben die Hirnzellen in diesem Fall ein Energiedefizit, was allein schon eine taugliche Erklärung wäre. Andererseits könnte es auch sein, dass im Frontallappen des Gehirns ein Mangel an Dopamin besteht. Dieses Hormon unterstützt den Hirnlappen dabei, relevante Reize zu erkennen und unwichtige wegzufiltern (Prinzip der selektiven Aufmerk-samkeit). Für die Bildung von Dopamin braucht es jedoch Eisen.
Es erscheint rätselhaft, weshalb die Natur es selbst in reichen Ländern zulässt, dass jedes zweite Schulkind einen Eisenmangel hat, einen Zustand, der nachgewiesenermaßen das Entstehen einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung AD(H)S begünstigt. Vor dreißig Jahren war es in jeder Familie vor einem wissenschaftlich kaum erklärlichen Hinter-grund noch allgemein üblich, den Kindern zum Frühstück eisenhaltige Zusätze zu geben, sei es in Form von Schokolade oder Gemüse- und Fruchtsaft. Leider ist diese Sitte weitgehend in Vergessenheit geraten.
Senioren leiden ebenfalls häufig unter Eisenmangelsymptomen. Grund dafür ist meistens eine schlechtere Ernährung im Rahmen zunehmender Unselbständigkeit und eines sozialen Rückzugs. Dennoch werden auch sie von den ausgebildeten Ärzten nicht als Eisenmangelpatienten erkannt. Schließlich liegt der offiziell gelehrte Normwert für Ferritin bei Senioren zwischen 7 und 700 ng/ml. Und wer sich mit einem Wert von 20 ng/ml schlecht, kraftlos und unmotiviert fühlt, wird von den Ärzten in der Regel als depressiv verstimmt oder einfach als „altersschwach“ diagnostiziert – schließlich hat er ja noch „genügend Ferritin“.
Gleichzeitig besteht bei alten Menschen in zunehmendem Maße die Möglichkeit einer langsamen Sickerblutung im Magen-Darm-Trakt. Solche Blutungen werden durch die den Senio-ren nur allzu gern verordneten Blutverdünner eher noch begünstigt. In jedem Fall von Ei-senmangel wäre deshalb bei ihnen diesbezüglich eine seriöse Abklärung zu empfehlen. Im Alter vermindert sich auch die Oberfläche der Darmschleimhaut, sodass die ohnehin schon schlechte Eisenresorption noch weiter erschwert wird.
Leistungssportler benötigen ebenfalls mehr Eisen. Dies wegen ihrer gegenüber „Durchschnittsbürgern“ stark erhöhten Leistung des Muskelapparates. Bei ihnen besteht der Mehr-bedarf an Eisen vor allem im Hinblick auf folgende drei Funktionen: Blutbildung, Myoglobinbildung und Energiegewinnung. Viele Sportler haben deshalb Eisenmangel und leiden aus diesem Grunde unter einer verminderten Leistungsfähigkeit und einem erhöhten Bedarf an Erholungszeit.
Um diese Situation zu meistern, haben in den letzten Jahren immer mehr Sportler in ihrer Verzweiflung zu unerlaubten Mitteln gegriffen. Mit Hilfe von zugeführtem Erythropoetin – in der Dopingszene als EPO inzwischen mehr als bekannt – wurde ihre Blutbildung im Kno-chenmark angeregt, auf diese Weise die Sauerstoffversorgung des Körpers intensiviert und die Leistungsfähigkeit gesteigert.
Normalerweise ist Erythropoetin (EPO) ein natürliches Hormon, das bei jedem gesunden Menschen in der Niere gebildet wird. Im Fall eines Eisenmangels kann es seine die Blutbildung anregende Funktion allerdings nicht mehr genügend erfüllen, denn diese braucht das Metall gewissermaßen als Baustoff. Die Folge eines Eisenmangels ist dann, dass der Körper immer mehr von diesem Hormon „ins Rennen schicken“ möchte und die Niere zu einer erhöhten EPO-Produktion anregt. Es ist einleuchtend, dass es für Leistungssportler zuträglicher ist, das fehlende Eisen zu substituieren, anstatt sich EPO zu spritzen. Das körpereigene Erythropoetin reicht absolut für eine optimale Blutbildung aus. Doping mit Erythropoetin ist ein künstliches und illegales „Anheizen“ der Blutbildung und nimmt „nur“ auf diese Einfluss. Bei einer Eisenbehandlung hingegen handelt es sich um eine grundsätzlich andere, weil viel umfassendere Wirkung. Der Körper erhält, was ihm fehlt, und wird dadurch in die Lage versetzt, nach seinem eigenen natürlichen Konzept alle eisenabhängigen Funktionen und dabei maßgeblich auch eine optimierte Blutbildung aufrechtzuerhalten.
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Für FrauenBlog von Dr. med. Beat Schaub, Swiss Iron Health Organisation SIHO