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Historie
Ein Halbes Mass Wein, ein Brot und eine Schüssel Mus
Der Munot mit seinen massiven Mauern und dem gigantischen Gewölbe hat etwas Überwältigendes.
Gebaut für die Ewigkeit wie es scheint, war viel Schweiss nötig, das Befestigungswerk zu errichten. Der Bau auf dem Emmersberg beschäftigte von 1564 bis 1589 zahlreiche Werkleute. Es waren Menschen am Rande der Gesellschaft, die als Maurer, Handlanger und Steinbrucharbeiter gegen wenig Lohn harte Knochenarbeit leisteten. Gearbeitet wurde von 4 Uhr bis abends 18 Uhr mit zwei einstündigen Pausen. Daneben musste auch die Bevölkerung von Stadt und Land Hand anlegen. In Fronarbeit wurde das Material in den Steinbrüchen Fulenwiesen an der Strasse nach Herblingen und in den Mühlinen herangeschleppt. Die Landbevölkerung erhielt dafür täglich pro Person ein halbes Mass Wein, ein Brot und eine Schüssel Mus zugeteilt.
Doch warum hat man den Munot überhaupt errichtet?
Nach dem Beitritt Schaffhausens zur Eidgenossenschaft 1501, und erst recht nach der Reformation 1529, bestand der Wunsch, die Stadtbefestigung zu verstärken. Nach jahrelangem Planen beschlossen die Räte am 6. November 1563 den Bau der neuen Artilleriefestung.
Die am Bau verwendeten Elemente wie Caponnièren, Kasematte mit Lichtschächten und Geschütznischen mit Rauchabzügen entsprachen jedoch schon damals eher dem veralteten Stand der Wehrtechnik. Einiges am Munot deutet darauf hin, dass es den Schaffhausern nicht nur um die Befestigung der Stadt, sondern auch darum ging, ein repräsentatives Bauwerk zu schaffen.
Bald nach der Fertigstellung kamen Zweifel auf, ob der Munot einer immer leistungsfähigeren Artillerie standhalten könnte. Und nur einmal wurde der Munot militärisch besetzt: 1799 verschanzten sich die Franzosen auf dem Rückzug vor den Österreichern dort. Sie ergriffen nach kurzem Scharmützel die Flucht über den Rhein. Dabei wurde die Grubenmannsche Holzbrücke in Brand gesetzt.
Als der Munot über die Jahre mehr und mehr stiefmütterlich behandelt und sogar zeitweise als Steinbruch missbraucht wurde, trat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Johann Jakob Beck auf den Plan.
Lesen Sie hier alles zum «Retter des Munots».
Wussten Sie …
… dass das Gewölbe eine wuchtige Decke von rund vier Metern, aufgefüllt mit Kies, hat. Sie wird von neun Pfeiler getragen. Durch vier kreisrunde Lichtschächte fällt Licht in die Kasematte.
… dass seit 1905 im Graben eine Damhirschkolonie lebt, die jeweils ungefähr aus einem Dutzend Tieren besteht. Der Stier trägt immer den Namen des amtierenden Stadtpräsidenten.
… dass der Munot von einem Rebberg umgeben ist, der der Stadt Schaffhausen gehört. Die 76 Aren sind mit Blauburgunder-Reben und Pinot-gris-Reben (früher Tokayer genannt) bestockt. Je nach Jahr ergibt sich ein Ertrag von 5000 bis 7000 Litern «Munötler».
Das MUnotGlöcklein
«Aus dem Feuer bin ich geflossen Hans Frei zu Kempten hat mich gegossen. Wächter gib Acht mit ganzem Fleiss um die neunte Stunde zur Nacht sollst du mich läuten. Im Jahre des Herrn 1589.»
Inschrift (übertragen) auf dem Munotglöcklein
Im Dachreiter des Turmes hängt das «Munotglöggli» oder «Nüniglöggli».
Es erfüllte im Mittelalter einen wichtigen Zweck: Sein Läuten, damals noch eine Viertelstunde lang, kündigte die Schliessung der Stadttore und das Ende des Schankbetriebes in der Stadt an. Mit einem Sturmläuten ausserhalb dieser Zeit wurde vor Bränden und näher rückenden Feinden gewarnt.
Mehr zum Munotglöcklein …
Heute noch läutet die Munotwächterin oder der Munotwächter jeden Abend um neun Uhr fünf Minuten lang das Munotglöcklein, das einst im September 1589 montiert worden war. Es ist somit die letzte von Hand geläutete Alarmglocke der Schweiz.
Das Munotglöcklein wurde von Hans Meyer («Hans Frei») aus Kempten gegossen. Das Glöcklein hat einen Durchmesser von 90.5 Zentimetern, eine Höhe von rund 70 Zentimetern und ein Gewicht von etwa 420 Kilogramm.
Wie das Munotglöcklein klingt, hören Sie hier.
Das Lied vom GLöcklein
«Auf des Munots altem Turme
schau hinaus ich in die Nacht,
über Dächer, über Giebel,
einsam halte ich die Wacht. (…)»
So wie das tägliche Geläut ist den Schaffhauserinnen und Schaffhausern das Lied vom Munotglöcklein ans Herz gewachsen.
Der Text stammt von Ferdinand Buomberger (1874-1946) und handelt von der enttäuschten Liebe des Munotwächters. Der Dichter hatte sich 1911 vom wehmütigen Klang der Glocke inspirieren lassen und lieferte eine romantische Erklärung für die Entstehung eines markanten Risses. Das Lied fand Eingang in das Schweizerische Liedgut und wurde zahlreiche Male interpretiert.