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So heisst eine mässig ansteigende Wiese südlich von Malans. Sie liegt über der Strasse, die von Azmoos her kommt, zwischen dem Gatinabach im Süden und dem Gerschelisbach im Norden, hinter Fanela und unter Partana2. Der Name wird ohne Artikel verwendet: «me goot ge Gapruesch», «döt job ischt Gapruesch». Urkundlich tritt der Name erstmals im Helvetischen Kataster Wartau von 1801 auf, dort als «Gebrusch» und «Gabruosch». Dass die Bezeichnung nicht deutscher Herkunft ist, erkennt man leicht. Aber was steckt in ihr?
Den Seveler Dorfarzt Heinrich Gabathuler, Autor von zwei Büchlein zu den der Orts- und Flurnamen der Gemeinden Wartau und Sevelen (1928 und 1944), haben wir hier schon öfters zu Wort kommen lassen. Er sieht im hinteren Teil des Namens Gapruesch ein angebliches lateinisches Adjektiv bruscus, das ‘rau, knollig’ bedeuten soll. Im ersten Namenteil soll nach ihm entweder lateinisch campus ‘Feld’ oder aber ein mittellateinisches gara ‘Acker’ stecken. Und dann fügt er noch vorsorglich, aber ohne Begründung, bei, dass an den Familiennamen Brusch [= Bruesch] nicht zu denken sei.
Die Darlegungen Gabathulers können nicht unwidersprochen bleiben. Lateinisch campus, romanisch camp, für ‘Acker, Feld’ ist sicher möglich. Das in der mittelalterlichen Literatur gelegentlich erscheinende Wort gara ‘schmaler Landstreifen’ aber gehörte nicht zum alteinheimischen bäuerlichen Wortschatz der Romanen. Es kann also nicht wahrscheinlich gemacht werden. Auch ein Adjektiv bruscus ‘rau, knollig’ kennt weder das Lateinische noch das Romanische. Möglicherweise sieht Gabathuler dabei einen Zusammenhang mit lat. bruscum ‘knorriger Auswuchs am Stamm des Ahorns’, was aber in der angeführten Weise kaum möglich ist.
Die Ruine Wartau, dahinter Gretschins und Malans, links aussen Azmoos. Gapruesch liegt südlich von Malans. - Bild: Hans Jakob Reich.
Warum nun der Familienname Bruesch hier nach Gabathulers Meinung hier nicht in Frage kommen sollte, dazu schweigt sich der Autor aus. Dabei ist gerade diese Fährte aussichtsreich und grundsätzlich annehmbar - immerhin ist die Verbindung von lateinisch campus mit einem Personennamen in der Ortsnamenwelt Graubündens (gemäss dem Rätischen Namenbuch II, S. 68) über 50 Mal bezeugt, und auch im Werdenberg können mit Gampiun (Sevelen: < camp Jon?) und Gapiezla (Wartau: < camp Wetzel?) entsprechende Bildungen zumindest vermutet werden.
In der Tat bieten sich hier gleich zwei alteinheimische Familiennamen an, nämlich: Bruesch (geschrieben Brusch, altverbürgert in Oberschan) und Ru(o)sch (altverbürgert in Sevelen als Ruosch, in Wartau als Rusch). In der romanischen Verbindung, nämlich camp Bruesch ‘Wiese des Bruesch’ und camp Ruosch ‘Wiese des Ruosch’, passen sie beide gleichermassen zu unserem Geländenamen. Gehen wir ihnen noch etwas im Detail nach.
Bruesch geht als Familienname - wie auch die Lautvarianten Brüesch und Brosi - auf den antiken Vornamen Ambrosius zurück; dessen volkstümliche formale Entwicklung verlief über Ambruesch zu Bruesch (während die Form Brosi jünger und kirchlich beeinflusst ist). Der Name des Kirchenvaters Ambrosius von Mailand (gestorben 397; aus griechisch ambrosios ‘der Göttliche, Unsterbliche’) verbreitete sich über den Heiligennamen (dessen Fest auf den 7. Dezember fällt) auch nach Graubünden. Bünden gehörte ja (wie ganz Churrätien, also auch unser Raum) in der Antike noch zur Erzdiözese Mailand. Entsprechend verbreitete sich auch das Patrozinium. So gibt es (nach dem Rätischen Namenbuch III [Personennamen], Bd. 1, 347f.) eine Ambrosiuskapelle in Siat bei Ilanz, früher stand auch eine solche in Schams bei Zillis/Ziraun; eine Ambrosiuskirche aus dem 6. Jh. befand sich ferner einst in Tiefenkastel/Casti Alvra, und in den berühmten Wandmalereien in der Kirche von Waltensburg/Vuorz erscheint Ambrosius als bischöflicher Heiliger (nach Poeschel, Kunstdenkmäler von Graubünden, Bd. 4, S. 328).
Der (wie erwähnt) ebenfalls alteinheimische Familienname Ru(o)sch dagegen ist deutscher Herkunft (vgl. Rätisches Namenbuch III [Personennamen], Bd. 1, 197ff.). Als populäre Kurzform gehört er zum Personennamen Rudolf, dessen Verbreitung hierzulande offenbar auf die Popularität des habsburgischen Königs Rudolf I. (spätes 13. Jh.) zurückgeht.
Kann nun – immer mit Blick auf Gapruesch - zwischen den beiden Personennamen eine Entscheidung getroffen werden? Aufgrund der geschilderten Umstände liesse sich zunächst vermuten, dass im romanischen Flurnamen Gampruesch eher der romanische Personenname Ambruesch weiterlebe – mit Blick auf die sprachlich-kulturelle Einheit der beiden Elemente.
Andererseits bleibt auch zu bedenken, dass zur Zeit, da der deutsche Rufname Ruosch aufkam, in Wartau noch die romanische Sprache vorherrschte und dass gleichzeitig germanische Namen auch bei den Romanen in Mode kamen, so dass also durchaus auch eine Flurnamenbildung des Typs camp Ruosch als möglich erscheint.