Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03360.jsonl.gz/1317

Soll ich nochmals die Szene zurückspulen?
Es ist die Szene, in der George und Lucy auf dem Ponte Vecchio stehen,
nachdem sie, unabhängig voneinander, auf dem Markusplatz Zeuge eines
Arbeitermords wurden.
Nun wirft George Lucys blutigen Fotografien in den Arno, er sagt mit dieser Stimme:
Something tremendous is happening. It happens to us. Now.
Das Leben ist der schlechtere Film.
Ich weiss, dass ich einmal über einen spanischen Fischmarkt ging.
Einmal riss ich viel Gras aus dem Boden.
Und mehr als einmal tropfte ich das Spaghettiwasser ab.
Immer im Denken, einer Handlung voraus oder hinteher eilend.
Szenen, die nicht fertig wurden.
Inszenierung im Gehirn.
Die Szenen die wir uns machten, verschlüpft,
Schrumpfszenen mit kleinen Schlümpfen, die einmal glühten.
Immer Vorausrennen im Denken. Was Anbrennen lassen.
Ordnung schaffen, die Entropie schafft.
Du versorgst einen Gegenstand in einer Schublade, da, und
nimmst ihn da nachher, später oder irgendwann wieder hervor.
Viele male ihn anschauen, einmal ihn fort schmeissen.
Schrumpfszenen abgetaucht in lange Bauten, Löcher des
Termitenbaums, vor dem wir standen im Berner Tierpark;
Hast du viele Szenen zurückgespult, von deiner Warte aus,
dem Schluss, sag?
Und wie hast du dir die Szenen angeschaut, mit welchem Auge?
Mit dem luziden Anfangsblick des Kindes oder den schweren
Nebelschwadenlidern eines Verwachsenen?
Gewaltiges Rumohren.
Ich hab nicht genug, um aus dem Leben Szenen zu machen.
Soll ich jetzt zur Szene zurückspulen?
Helena Bonham Carter und Julian Sands über der Brüstung des
Ponte Vecchios, Fotografien im Arno verschwinden, Bilder einer anderen,
Szene sie Zeuge wurden, nur den Markusplatz überquert,
Jeder für sich.
Something tremendous is happen.
(10.10.2020, meine Lieblingsszenen, Julian Sands und Helena Bonham Carter in Room with a View von James Ivory nach E.M. Foster)