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Prinz Michael, warum ist das Thema Geldsystem aus Ihrer Sicht gerade so aktuell?
Es gibt verschiedene Gründe. Vermehrt kommen Zweifel an der Werthaltigkeit der bestehenden Gelder auf. Das Fiat-Money, also der Euro, der Dollar und die meisten anderen Währungen, die wir heute kennen, beruht auf dem Vertrauen, dass die herausgebenden Institutionen, das heisst die Zentralbanken, das Leitmotiv der Werterhaltung des Geldes verfolgen. Heutzutage ist dies leider nicht mehr der Fall, weil die Zentralbanken häufig unter Einfluss der Politik stehen oder sogar selber Fiskal- und Wirtschaftspolitik betreiben. Zudem werden Währungen immer öfter als Waffe eingesetzt, besonders von den USA. Seit Bretton Woods haben wir ein System mit dem Dollar als weltweiter Leitwährung, die USA nützen das mit Sanktionen und Ähnlichem aus. Die EU verhängt ebenfalls Sanktionen und übt Druck aus, am leichtesten lässt sich das über die Geldsysteme umsetzen. Deswegen versucht nun zum Beispiel China, eine Währung herauszugeben für seine «Belt and Road Initiative», die Neue Seidenstrasse. Einen Korb aus Gold, dem chinesischen Renminbi plus anderen Währungen. Ob das erfolgreich sein wird, weiss ich nicht. Klar ist: Hier handelt es sich um eine Gegenreaktion zum Dollar. Es gibt auch andere Versuche, gewisse Staaten aus dem internationalen System unabhängiger zu machen. Mittlerweile haben wir auch Technologien, die uns erlauben, parallele Währungen zu erschaffen, die auch global tätig sind. Bisher war immer Vertrauen gegenüber einer Institution, über Blockchain haben wir dezentralisiertes Vertrauen in eine Technologie.
«Die grosse Bedrohung wird dann kommen, wenn die Kaufkraft der älteren Bevölkerung stark schwindet.»
Ist die jetzige Situation ein Versagen des Staates oder der Zentralbank?
Ich denke beider. Meiner Meinung nach haben in der ganzen Menschheitsgeschichte die meisten Staaten grosszügig Geld ausgegeben. Der Staat versucht, sich Geld zu beschaffen. Das Römische Reich ist untergegangen, als sie Kupfer in Silbermünzen beigemischt haben, die antike Form von «Quantitative Easing». John Law gab im Frankreich des 18. Jahrhunderts erstmals das Papiergeld heraus, auch hier war keine Wirtschaftsleistung dahinter. Geführt hat das schliesslich zur Französischen Revolution. Die heutige Situation ist also nichts Neues, es ist ein Zusammenspiel mit der Politik. Sobald Geld unter der Kontrolle der Politik ist, ist es ein Problem. Ich befürchte, das wird auch in Zukunft irgendwie bleiben; die Politik wird versuchen, dieses Machtinstrument für sich zu behalten.
Bisher ging ja jede Leitwährung irgendwann zugrunde. Ist es überhaupt realistisch und möglich, eine Leitwährung zu etablieren, die nicht an einen Staat geknüpft ist?
Das wäre wohl das Ideal, ich halte es aber für eine Utopie. Geld beruht ja darauf: Ich verkaufe Ihnen etwas und erhalte dafür 100 Euro. Mein Wert liegt darin, dass ich mit den 100 Euro Waren oder Dienstleistungen in demselben Gegenwert bekommen kann. Ich kann das aber nur bekommen, wenn mein Geld allgemein akzeptiert ist. Ideal wäre eine Währung, die auf universellem Konsens beruht, unabhängig davon, ob das dezentral oder zentral zustande kommt. Immer wieder sehe ich aber das Primat der Politik, welches oftmals fälschlicherweise für demokratisch gehalten wird. Ich befürchte, dass das Primat der Politik auch bei einer universellen Währung versuchen würde, das System für seine Zwecke einzusetzen. Deshalb ist es wohl besser, auf das Ideal der Universalwährung zu verzichten.
Auch keine dezentrale universelle Währung?
Ich denke, es ist immer schlecht, nur ein Pferd im Stall zu haben. Ich glaube stark an den Wettbewerb, auch beim Geld. Wettbewerb ist das beste Korrektiv.
Was ist derzeit die grösste, unmittelbar bevorstehende Gefahr für das jetzige Geldsystem?
Dass das Vertrauen verschwindet. Das beinhaltet die Frage der Staatsverschuldung, die offenen und nicht finanzierten Pensionsansprüche. Mittlerweile ist das so zentralisiert, dass ich Angst habe, dass Staaten sehr leicht auf die Sparguthaben…