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Berufung zum Weihbischof
Es war im Jahre 1958. Mit einer Gruppe begeisterter Paddelboot-Fahrer befand ich mich im Zug nach Olsztyn (Allenstein). Wir waren im Begriff, unsere Ferien nach dem seit 1953 praktizierten Programm zu beginnen: Einen Teil der Ferien verbrachten wir in den Bergen, meist auf den Bieszczady, und einen Teil an den Masurischen Seen.[...]Ich wandte mich an den, der bei uns als "Admiral" fungierte und sagte zu ihm: "Zdzislaw, bald werde ich das Boot verlassen müssen,
denn der Primas (nach dem Tod von Kardinal August Hlond im Jahr 1948 war das Kardinal Stefan Wyszynski) hat mich zu sich bestellt und mich muss mich bei ihm vorstellen."
[...] In Warschau meldete ich mich zur festgesetzten Zeit im Bischofshaus in der Miodowa-Strasse.[...] Im Arbeitszimmer des Primas vernahm ich dann aus seinem Munde, dass der Heilige Vater mich zum Weihbischof des Erzbischofs von Krakau ernannt hatte.[...]
Als ich die Worte hörte, mit denen der Primas mir die Entscheidung des Apostolischen Stuhls verkündete, sagte ich: "Eminenz, ich bin zu jung, kaum 38 Jahre alt." Doch der Primas antwortete: "Das ist ein Fehler, den Sie bald überwinden werden. Ich bitte Sie, sich dem Willen des Heiligen Vaters nicht zu widersetzen."
Darauf sagte ich nur noch: "Ich akzeptiere." "Dann gehen wir zum Mittagessen", schloss der Primas.
Auf, lasst uns gehen! 2004
Bischofsweihe
Und so kam der 28. September, der Gedenktag des hl. Wenzel. Auf diesen Tag war meine Bischofsweihe festgelegt. Dieses grosse Ereignis steht mir noch immer vor Augen.[...] Nach der Lesung des Evangeliums sang der Chor: "Veni Creator Spiritus,/ mentes tuorum visit:/imple superna gratia,/quae tu creasti pectora..." Ich hörte den Gesang, und in mir erwachte von neuem das Bewusstsein, das ich schon während der Priesterweihe hatte und diesmal vielleicht mit noch grösserer Klarheit empfand, dass nämlich der eigentliche Urheber der Weihe der Heilige Geist ist. Das war für mich ein Trost und eine Ermutigung angesichts all der menschlichen Furcht und Besorgnis, die mit der übernahme einer so grossen Verantwortung verbunden ist. Dieser Gedanke erzeugte in meinem Innern
eine grosse Zuversicht: Der Heilige Geist wird mich erleuchten, mich stärken, mich trösten und mich lehren... War das nicht genau das, was Christus selbst seinen Aposteln versprochen hatten?
Auf, lasst uns gehen! 2004
Czestochowa
Nach der heiligen Messe begab ich mich vom Wawel aus direkt zum Priesterseminar, denn dort war der Empfang für die geladenen Gäste. Doch noch am selben Abend brach ich mit dem „Kreis“ der engsten Freunde nach Czestochowa (Tschenstochau) auf, wo ich am Morgen des folgenden Tages in der Kapelle des Gnadenbildes der „Schwarzen Madonna“ die heilige Messe zelebrierte.
Auf, lasst uns gehen! 2004
Generalvikar
Als ich von meiner ersten Wallfahrt nach Jasna Gora, die ich als Bischof unternommen hatte, nach Kraku zurückgekehrt war, begann ich, die Kurie zu besuchen. Sofort wurde ich zum Generalvikar ernannt.[...]Zunehmend fand ich mich in meine neue kirchliche Rolle ein. Mit der Berufung zum Bischof und der Weihe hatte ich neue Augaben übernommen.
Auf, lasst uns gehen! 2004
Lange Zeit
Mein priesterliches Leben begann im Jahr 1946 mit der Weihe, die ich aus den Händen meines grossen Vorgängers in Krakau, Kardinal Adam Stefan Sapieha, empfing. Zwölf Jahre später, 1958, wurde ich zum Bischofsamt berufen. So sind seit 1958 schon 45 Jahre als Bischof vergangen – eine lange Zeit!…Von diesen 45 Jahren war ich 20 Jahre in Krakau, zuerst als Weihbischof und dann als Domvikar und schliesslich als Metropolitan-Erzbischof und Kardinal.
Audienz für den Klerus der Diözese Rom, 6. März 2003
2. Vatikanisches Konzil
Am 3. Juni 1963 starb Papst Johannes XXIII. Er war es gewesen, der das Konzil einberufen hatte, das am 11. Oktober 1962 eröffnet wurde. Es war mir vergönnt, von Anfang an daran teilzunehmen. Die erste Sitzungsperiode begann im Oktober und endete am 8. Dezember. Ich nahm an den Sitzungen mit den Konzilsvätern als Kapitular-Vikar der Erzdiözese Krakau teil. Nach dem Tod Johannes’ XXIII. wählte das Konklave am 21. Juni 1963 den Erzbischof von Mailand, Kardinal Giovanni Battista Montini, zum Papst, der den Namen Paul VI. annahm. Im Herbst desselben Jahres begann das Konzil mit seiner zweiten Sitzungsperiode, an der auch ich in derselben Eigenschaft teilnahm. Am 13. Januar 1964 wurde ich zum Erzbischof Metropolit von Krakau ernannt. Die Ernennung wurde im Januar 1964 bekannt gegeben, und am 8. März, dem Sonntag Laetare, fand mein feierlicher Einzug in die Kathedrale auf dem Wawel statt.
Auf, lasst uns gehen! 2004
Exerzitien
Ich hielt die Exerzitien im Vatikan vor Paul VI. und seinen Mitarbeitern. In der Vorbereitungs-Phase hatte es ein Problem gegeben. Anfang Februar 1976 rief mich Mons. Wladislaw Rubin an mit der Nachricht, dass Papst Paul VI mich bat, im März die geistlichen Exerzitien zu predigen. So hatte ich knapp zwanzig Tage Zeit, um die Texte vorzubereiten und übersetzen zu lassen. Der Titel, den ich jenen Meditationen gab, lautete: “Zeichen des des Widerspruchs“. [...] Ich erinnere mich an die Tage, die der Vorbereitung gewidmet waren. Zwanzig Meditationen waren zu erarbeiten. Um die nötige Ruhe zu finden, ging ich nach Zakopane zu den grauen Ursulinen von Jaszczurowka. Bis zum Mittag schrieb ich die Meditationen, am Nachmittag ging ich Skifahren, und später, am Abend, schrieb ich wieder.
Auf, lasst uns gehen! 2004
Pastoralbesuche nicht zu Ende geführt
Obwohl ich zwanzig Jahre lang Bischof von Krakau war, konnte ich die Pastoralbesuche nicht rechtzeitig zu Ende führen. Ich erinnere mich, dass die letzte Pfarrei der Erzdiözese Krakau, die ich besuchte, Sankt Josef in Zlote Lany, einem neuen Wohngebiet von Bielsko-Biala war.
[...] Nach der Rückkehr von diesem Pastoralbesuch zelebrierte ich die heilige Messe für den eben verstorbenen Papst Johannes Paul I. und begab mich nach Warschau, um an den Arbeiten der Bischofskonferenz teilzunehmen. Dann reiste ich nach Rom ... ohne zu wissen, dass ich für die Zukunft dort bleiben sollte.
Auf, lasst uns gehen! 2004