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So spät noch ein Kind
von Cedric Weidmann
Schau mal da, hinter dir.
Er drehte sich nicht um, sondern presste den Kopf mit geschlossenen Augen ans Sitzpolster als wäre es ein flauschiges Kissen.
Schau mal, das Kind sieht genau aus wie du.
Er blickte stattdessen nach links zum Zugfenster, wo er nur sie, eine junge Frau mit einer konzentrierten Stirnfalte, und ihn, abgerockt und chancenlos müde, im Abteil sitzen sass, weil es draussen dunkel war.
Sie begann in der Tasche zu nesteln.
Aber ganz genau so wie du. Wenn du dich nicht umdrehen willst, werde ich ein Foto machen.
So spät noch ein Kind, sagte er.
Sie hatte das Handy hervorgeholt, einige Tasten gedrückt und kniff ein Auge zu, um besser zu zielen.
Was hast du gesagt?
Es klickte.
So spät noch ein Kind.
Sie wollte ihm das Bild zeigen, doch er war eingeschlafen.