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Jede Stimme zählt
“Swing Vote” von Joshua Michael Stern
Wohl nicht ganz zufällig und nicht ganz ohne politische Hintergedanken startete der Film “Swing Vote”, in dem ein einziger Wähler über die Zukunft des Landes entscheiden kann, im August 2008 in den Amerikanischen Kinos. Im Kleid einer Komödie wird dafür geworben, vom Wahlrecht bei Präsidentschaftswahlen auch wirklich Gebrauch zu machen. Ein Propagandafilm eigentlich ausschliesslich für Amerikanische Politmuffel. Wären da nicht Kevin Costner und Jungtalent Madeleine Carroll.
Von Annika Janssen.
Die Amerikanischen Präsidentschaftswahlen von 2000 haben gezeigt, dass das Schicksal eines Landes manchmal eben doch in den Händen von nur sehr wenigen Wählern liegt: mit nur gut fünfhundert Wählerstimmen mehr schaffte George W. Bush den Sieg in Florida und entschied damit die Wahl für sich. “Swing Vote” geht noch weiter und erzählt von einer fiktiven Präsidentschaftswahl, in welcher nur einer Stimme entscheidet, jene des gutherzigen aber verantwortungslosen allein erziehenden Vaters Bud Johnson. Dessen 12jährige Tochter Molly ist überzeugt, dass in den Wahlen jede Stimme zählt, und als ihr Vater nicht im Stimmlokal erscheint, wählt sie kurz entschlossen für ihn. Doch als sie in der Wahlkabine entdeckt zu werden droht, bricht sie den elektronischen Stimmprozess ab und flieht. So kommt es, dass nach Auszählung der Stimmen beide Präsidentschaftskandidaten genau gleich viele Stimmen haben – wobei ein Stimmvorgang ungültig ist und wiederholt werden muss: jener von Bud Johnson.
Verrat an Idealen für die eine Stimme
Die nächsten zehn Tage sind für Bud der Himmel und für Molly die Hölle. Beide Kandidaten versuchen bis zur Wahlwiederholung Bud auf ihre Seite zu bringen – und gehen dabei politische Kompromisse ein, welche ihr Wahlprogramm der Lächerlichkeit preisgeben. Buds vage Äusserungen zu politischen Themen veranlassen den republikanischen Kandidaten, eine Pro-Schwulen Kampagne zu starten, währenddem der demokratische Kandidat rassistische Werbespots für die Schliessung der mexikanischen Grenze dreht. Für Buds Stimme geben sich die beiden Anwärter auf das höchste Politische Amt des Landes der Lächerlichkeit preis, doch auch Bud wird vom Helden bald zum Buhmann, da ihn seine politische Unerfahrenheit in den Medien blossstellt. Am meisten aber leidet Molly, welche im Werben um die Gunst ihres Vaters den Zusammenbruch all jener politischen Werte sieht, für welche sie einstehen möchte.
Wie nicht anders zu erwarten kommt am Schluss alles gut und der Zuschauer über die Wichtigkeit des Wählens belehrt. Obwohl die niedrige Wahlbeteiligung auch bei uns bedauernswert ist, lässt sich “Swing Vote” bei uns eher weniger für politische Stimmungsmache einsetzen. Macht die DVD-Veröffentlichung hierzulande also überhaupt Sinn? Die Story an sich hat tatsächlich wenig an Originalität und Überraschung zu bieten. Unterhaltsam ist der Film aber trotzdem, und zwar dank den beiden Hauptdarstellern: Kevin Costner als fluchender, politisch ignoranter Alleinerzieher und Madeleine Carroll als frühreife Tochter, die ihren Vater deutlich mehr erzieht als er sie, harmonieren herrlich zusammen. Geschickt wird diese wirklich komische Vater-Tochter-Geschichte mit Politsatire verknüpft, die auch einiges an Biss zu bieten hat. Dank vielen Lachern sieht man so über die absehbare Story und die Anflüge von Kitsch und Klischee gerne hinweg und geniesst eine durchaus sehenswerte Komödie.
Ausstattung
An Bonusmaterial lässt sich die DVD nicht lumpen; obwohl der Film nicht in unseren Kinos zu sehen war, erscheint sie in einer 2-Disc Edition. Zu finden sind unter anderem ein ‘Making of’, diverse Kurz-Interviews, nicht verwendete Szenen, Featurettes und TV-Spots und B-Roll Aufnahmen. Deutlich wird in den Kurzdokumentationen vor allem, dass Hollywood mit Madeleine Carroll ein Jungtalent mit fast unheimlichem Talent gefunden hat; die Professionalität der beim Dreh 12Jährigen verblüfft und lässt auf eine viel versprechende Karriere hoffen.
Seit dem 27. Februar 2009 im Handel.
Originaltitel: Swing Vote (USA 2008)
Regie: Joshua Michael Stern
Darsteller: Kevin Costner, Madeleine Carroll, Dennis Hopper, Stanley Tucci
Genre: Komödie
Dauer: 115 Minuten
Bildformat: 2,35:1
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Audio: Dolby Digital 5.1
Bonusmaterial: Audiokommentar, Making of, Featurette, Interviews, “Hinter den Kulissen”, Deleted & Extended Scenes, Musikvideo, TV-Spots, Trailer
Vertrieb: Impuls
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