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Australien: Mythos Barossa
Der Name Barossa steht für Australiens berühmteste Weinbauregion.
© The Standish Wine Company
Sie ist Australiens berühmteste Rebenregion: Barossa, ein legendäres Weinanbaugebiet im Süden des Kontinents mit Weinen, die zum Teil Weltruhm erlangten. Die Geschichte von Barossa ist untrennbar mit dem Namen George Fife Angas verbunden – ein sehr reicher englischer Reeder und Händler mit ausgeprägten philanthropischen Zügen. Kurz nach der ersten Besiedlung von Südaustralien im Jahr 1836 erwarb Angas einen riesigen Landstrich, der später den Namen Barossa Valley tragen sollte. Zurück in London sah sich Angas der Bitte eines lutherischen Pastors gegenüber, der auf der Suche nach einem neuen Lebensraum für eine Schar schlesischer Bauern und Handwerker war, die der Armut ihrer Heimat den Rücken Richtung Neue Welt kehren wollten.
»Meine Generation ist stolz darauf, die Hüter jener Tradition in Barossa zu sein, die über viele, viele Jahre gewachsen ist.«, Justine Henschke, Henschke Wines
Bereits im Jahr 1842 trafen die ersten Schiffe mit schlesischen Siedlern in Bethany ein, und bald fand man heraus, dass sich das mediterrane Klima ideal für den Obst- und Weinbau eignete. So entstanden auf dem Gebiet der Barossa-Zone bereits im 19. Jahrhundert Betriebe, die heute noch bei Weinfreunden einen guten Klang haben. Unter den deutschstämmigen Gründern waren Johann Henschke mit Henschke Wines, Oskar Seppelt mit Seppeltsfield, Samuel Smith mit Yalumba und Wilhelm (William) Salter mit Saltram.
Dem Bedarf im englischen Königreich Rechnung tragend, wurde lange Zeit eine grosse Menge an fortifizierten Weinen erzeugt, die sich mit den Namen ihrer europäischen Vorbilder wie Port, Sherry, Tokajer oder Muskat schmückten und sehr erfolgreich waren. Im Jahr 1929 kam nicht weniger als ein Viertel der gesamten australischen Weinproduktion aus Barossa. Aber die Gegenbewegung liess nicht lange auf sich warten. Wirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg liessen die Weinproduktion auch in Barossa wegen mangelnder Nachfrage in die Krise schlittern.
Nach dem Kriegsende kündigte sich mit einer tollen Ernte 1947 wieder eine Wende an. Colin Gramp, ebenfalls Spross einer deutschen Einwandererfamilie, kehrte via Napa Valley nach Barossa zurück, wo er vergleichsweise moderne Weinbereitungsmethoden beobachten konnte. Und Gramp kelterte einen revolutionären Wein, und zwar den allerersten trockenen roten Tafelwein seit 1860. Er nannte ihn Special Reserve Claret und wurde mit dieser Cuvée aus mehrheitlich Shiraz und etwas Cabernet Sauvignon zum Vater des modernen Barossa. Seinem Beispiel folgend begab sich der Kellermeister von Penfolds, der legendäre MaxSchubert, nach Bordeaux und entdeckte dort die komplexen Rotweine, die man in kleinen Eichenfässern ausbaute. Er nahm sich ein Beispiel daran und begann im Geheimen, dieses Konzept auf Barossa zu übertragen – mit dem Grange Hermitage 1951 war ein einzigartiger neuer Weinstil in Australien angekommen. 1952 erzeugte Cyril Henschke in den windigen Barossa Ranges erstmals einen Shiraz aus einer Einzellage namens Mt. Edelstone. 1958 liess jene Shiraz-Ikone folgen, die bis heute der Erzrivale von Penfolds Grange bleiben sollte, nämlich Hill of Grace aus einem Weingarten mit uralten Rebkulturen.
In den 60er-Jahren begann man in Barossa, das Konzept der trockenen Tafelweine weiterzuentwickeln. Das geschah durch technische Neuerungen, aber auch durch die Entdeckung höher gelegener, kühlerer Terroirs, die elegantere Weine, ja sogar finessenreiche Weissweine zulassen. Speziell die im Osten Barossas gelegene Zone Eden Valley erwies sich als für Riesling optimal, Weingüter wie Yalumba, Orlando oder Thomas Hardy gehörten hier zu den Pionieren eines Cool-Climate-Stils, von dem auch der Cabernet Sauvignon profitieren sollte. In jenen Tagen lag der Jahresweinkonsum der Australier bei zwei Flaschen pro Kopf, heute sind es rund 25 Flaschen. In den 70er-Jahren stieg dank erfolgreicher Promotionaktivitäten die Nachfrage speziell bei den Rotweinen stark an.
Das blieb für Barossa nicht ohne Folgen. Die kleineren Familienbetriebe hatten nicht die Mittel mitzuhalten, grosse, überregionale Weinkonzerne begannen, die Trauben aufzukaufen und stiegen sukzessive in die Produktion ein. In den Weingärten wurden Bewässerungsanlagen installiert, die Ernte mechanisch und nicht mehr von Hand durchgeführt, Trauben aus umliegenden Regionen eingeführt und unter dem klingenden Namen Barossa vermarktet. David Wynn erfand in dieser Phase die erste Bag-in-box-Verpackung für Wein. 1975 war der Rotweinboom zu Ende, der Trend ging plötzlich hin zu fruchtsüssen Weissweinen aus Chardonnay und Riesling. Mit einem Mal waren viel zu viele rote Trauben auf dem Markt, die niemand wollte. Die südaustralische Regierung griff ein und setzte ein Programm zur Reduktion der Rotweinflächen in Barossa auf – rückblickend betrachtet leider mit fatalen Folgen. Denn auch viele der teilweise über 100 Jahre alten Weingärten mit Shiraz und Grenache aus den Zeiten der Pioniere fielen den Säuberungsaktionen zum Opfer. In dieser schwierigen Phase nahm eine Handvoll erfahrener Kellermeister und sogar ehemaliger Traubenproduzenten das Heft in die Hand und gründete kleine, qualitätsorientierte Weingüter.
Peter Lehmann war mit Robert O’Callaghan von Rockford einer der ersten in diese Bewegung, es folgten Namen wie Grant Burge, Elderton und St. Hallett. Im Laufe der 80er-Jahre stellte sich der Erfolg ein, und aus einer von wenigen Grosskellereien beherrschten Weinregion entwickelte sich Barossa zunehmend vielfältig, wobei auch ein zunehmender Weintourismus eine Rolle spielte.
Um 1990 begann man, den Stil der roten Barossa-Weine ein weiteres Mal neu zu definieren. Mit einem eher europäischen Ansatz hatte man die verschiedenen Böden und Kleinklimata genau studiert, nun ging man daran, dieses Wissen in Kombination mit den Errungenschaften der eigenen Weinpioniere zu einem kraftvollen, reifen Rotweintypus auszuformen.Aus der Mischung aus reifem Shiraz und süssem amerikanischem Eichenholz entstand der «Barossa Style», und die Weinkritik nahm diesen weltweit begeistert auf. 1994 gründete Dave Powell das heute längst als superlativ eingestufte Weingut Torbreck Vintners. Bereits Mitte der 90er-Jahre waren diese Weine von Sydney bis New York wortwörtlich in aller Munde. Und in deren Fahrwasser lernten die Weinkonsumenten auch andere Rebsorten kennen, die man im Barossa perfekt beherrscht: Grenache, Mataro (Mourvèdre), aber auch Sémillon und Riesling.
Pünktlich mit dem Millennium schlug für Barossa-Weine bei den amerikanischen Sammlern auch dank sehr hoher Parker-Punkte die Stunde der Wahrheit. Ein Auktionsrekord jagte den anderen, doch mit 9/11 war der Zenit jäh erreicht. Plötzlich gestaltete sich der gesamte australische Weinsektor wieder schwieriger, und Produzenten blieben auf Trauben, der Handel auf den Weinen sitzen. Diskontverkäufe waren die Folge. Grosse, aktiennotierte Konzerne versuchten, ihre Weinmarken wieder abzustossen, für Spekulationen war plötzlich kein Platz mehr. In diese Lücke stiessen jene kleinen bis mittelgrossen Weingüter in Barossa, die die vergangenen zwei Dekaden nutzten, um ihre Marken langsam zu entwickeln. Aber auch ihre Weine präsentierten sich mittlerweile elegant, weltläufiger, eine junge Generation brachte neue Ideen mit ein.
Die junge Generation in Barossa legt keinen Wert auf prunkvolle Weingüter, sie konzentriert sich lieber auf die Pflege ihrer Weingärten, um beste Trauben zu ernten.
Es waren oft die Kinder der Revoluzzer aus den 80er-Jahren, die sich nun ans Werk machten. Viele von ihnen repräsentieren die sechste Generation von Familien, die den Wein von Barossa geprägt haben. Neue Namen wie Suzi Hilder und Wayne Ahrens (Smallfry), Ben Glaetzer, Brett Grocke (Eperosa), Troy Kalleske, Kym Teusner oder Damien Tscharke, allesamt mit Wurzeln in der Region, machen heute mit exzellenten Weinen in limitierten Mengen auf sich aufmerksam. Aber auch für Neuankömmlinge wie Helen McCarthy (Thorn-Clarke), Jason Schwarz oder Peter Schell mit Spinifex gibt es Raum, sich zu verwirklichen. Abel Gibson mit Ruggabellus mischt mit Rieslingen wie Sallio oder Quomodo das Eden Valley auf.
In den letzten Jahren weht eine besonders positive Brise aus Asien über den australischen Weinmarkt, und das legendäre Barossa scheint davon am stärksten zu profitieren. Ob Hongkong, Schanghai oder Seoul, kein anderer Weinexporteur scheint so nahe dran an den boomenden asiatischen Märkten. Für Barossa steht damit das Reich der Mitte heute weiter offen als für irgendeine andere Weinregion der Welt.
FACTS
Barossa
Rebfläche Barossa Valley: 11.370 Hektaren
Rebfläche Eden Valley: 2264 Hektaren
Unter dem Überbegriff Barossa dürfen Weine der Gebiete Barossa Valley und Eden Valley vermarktet werden.
Die Weingärten des Barossa Valley liegen auf einer Seehöhe von 250 bis 370 Meter. Im Barossa Valley dominiert die Rebsorte Shiraz, aber auch weitere Rhônesorten wie Grenache und Mourvèdre (hier Mataro genannt) haben Tradition, man trifft auch in geeigneten Lagen auf Semillon und Riesling, ein sentimentales Erbe der aus Deutschland stammenden Siedler des 19. Jahrhunderts.
Das Eden Valley ist berühmt für delikate Rieslinge und aromatischen Shiraz. Hier wachsen die Reben in höheren und auch etwas kühleren Lagen. Die Weine zeigen nicht die Kraft und Tiefe des benachbarten Barossa Valley, sie punkten dafür aber mit Finesse und Duft wie etwa beim Riesling mit guter Säure.
Top 10 Produzenten
John Duval
www.johnduvalwines.com
Ben Glaetzer
www.glaetzer.com
Greenock Creek
www.greenockcreekwines.com.au
Henschke
www.henschke.com.au
Penfolds
www.penfolds.com
Powell & Son
www.powellandson.com
Chris Ringland
www.chrisringland.com
Standish
www.standishwineco.com
Torbreck Vintners
www.torbreck.com
Two Hands
www.twohandswines.com
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