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Anlässlich des 75. Jahr Jubiläums wurde die Geschichte des Pontonierfahrvereins recherchiert. Man wollten wissen, wie es zur Gründung kam, was für Höhen und Tiefen es im Laufe der Zeit gab und wer sich besonders verdient gemacht hat. Beim Pontonierfahrverein Mellingen ist es nicht anders. Nur dass es für die ersten 29 Jahre der Vereinsgeschichte keine Unterlagen mehr gibt. Aus Anlass des Jubiläums-Rayonwettfahren 1963 der Reuss- und Limmatsektionen in Mellingen, hat Albert Nüssli über die ersten vier Jahrzehnte des Vereins berichtet. Die fehlenden Daten suchte er in der Verbandszeitschrift „Der Pontonier“ und in den Reussbotebänden bis 1949. Ab 17. März beginnt dann das noch vorhandene Protokollbuch, das mit der Generalversammlung vom 5. Juni 1976 endet. Ab 1977 sind die Protokoll mit Schreibmaschine, später mit Computer auf lose Blätter geschrieben und in einem Ordner gesammelt.
1820 erfolgte die Aufstellung der ersten eidgenössischen Pontoniertrains und einer Kompanie Pontoniere. Die neue Militärorganisation von 1850 sah dann je drei Auszugs- und Reserve-Pontonierkompanien vor. Die Rekrutierung bot keine Schwierigkeiten. Auf Rhein, Aare, Reuss und Limmat herrschte noch reger Schiffsverkehr und so boten sich denn versierten Schiffer, Flösser und Fischer an. Doch als die Eisenbahnen aufkamen, erhielt das Schiffer- und Flössergewerbe harte Konkurrenz. Die Zahl der Wasserfahrkundigen ging dadurch stetig zurück. Die Folge war, dass bald keine vorgebildeten Pontonierrekruten mehr zur Verfügung standen.
Unsere Wehrvereine wie Schützen, Turner, Radfahrer und Reiter, die zur ausserdienstlichen Ertüchtigung gebildet wurden, erkannten, dass unsere Armee eine leistungsfähige Hilfstruppe zum Übersetzten der Flüsse brauchte. Sie machten sich daher an die Gründung von Pontonierfahrvereinen, die Jungmännern die Vorkenntnisse im Flussfahren beibrachten und die Pontoniere ausserdienstlich weiterbildeten. Darum war der Betrieb auch recht militärisch aufgezogen und alle Jahre erfolgt eine Inspektion durch einen Pontonier-Offizier. Solche Vereine entstanden 1877 in Bern, 1880 in Zürich und 1881 in Basel. Der Aargauische Genie-Unteroffizierverein gründete 1880 in Aarau, Aarburg und Klingnau, 1882 in Bremgarten Pontonierfahrvereine. Es folgten Baden 1894, Brugg 1897, im Reussgebiet Luzern 1885 und Ottenbach 1888.
Man kann sich nun fragen, warum in Mellingen erst 1921 ein Pontonierverein entstand. Hier lagen die Verhältnisse etwas besser. Der Waldertrag aus der „Risi“ wurde auf dem Wasserweg zum Städtchen gebracht. Dort fand der Holzverkauf statt. Diese Holztransporte erforderte geübte Fahrer und an solchen fehlte es auch um die Jahrhundertwende in Mellingen nicht, denn der Staatsbannwart Josef Meier war immer für tüchtigen Nachwuchs besorgt. Zwei Mellinger waren jedenfalls dabei, als zu Beginn des 19 Jahrhunderts bie den grossen Manövern die Genietruppen im Reusstal in Büblikon eine Schiffsbrücke schlugen. Diese beiden Pontoniere waren im Zivilleben mit dem Holztransport in Mellingen beschäftigt. Staatsbannwart Josef Meier und Coiffeur Karl Steppacher der ältere verstanden es ausgezeichnet, mit Ruder und Stachel auf der Reuss umzugehen. Wenn sie auch nicht direkt zu den Initianten des Pontonierfahrvereins Mellingen gehörten, so gaben sie wohl indirekt Anstoss dazu, wurden ihre Fahrten doch mit Interesse beobachtet. So kamen denn im Frühjahr 1921 sieben junge Leute im „Hirschen“ zusammen und waren sich rasch einige, in Mellingen einen Pontonierfahrverein zu gründen. Durch ein Inserat im „Reussbote“ wurde auf den 16. April 1921 zur Gründungsversammlung ins Restaurant „Stadttor“ eingeladen. Zehn Anwesende waren spontan zur Mitwirkung bereit und weitere zehn Männer folgten in den nächsten Tagen. Nun konnte das Gesuch um Beitritt zum 1893 gegründeten Schweizerischen Pontonierfahrverein gestellt werden. Dies war nötig, denn nur Mitglieder dieses Verbandes erhielten von der Armee das zum Üben notwendige Schiffsmaterial samt Zubehör zur Verfügung gestellt. In der Augustausgabe des Verbandorgans „Pontonier“ heisst dann der Zentralvorstand den Pontonierfahrverein Mellingen als 28. Sektion willkommen.
Von April bis Ende September wurden wöchentlich ein bis zwei Fahrübungen durchgeführt. Dafür waren die Fahrchefs verantwortlich. Sie waren im Militär selber Pontoniere und holten ihr zusätzliches Rüstzeug in Verbandskursen. Das ist auch heute noch so. Bis im Gründungsjahr die Fahrzeuge der Armee nach Mellingen verbracht waren, behalf man sich mit Weidlingsfahrten. Immerhin konnten dann noch 17 gültige Fahrübungen, also mit Militärschiffen, durchgeführt werden. Mit 84 Prozent Beteiligung der Aktivmitglieder stand die Sektion Mellingen an der Spitze aller Verbandssektionen. Für den Nachwuchs wurden spezielle Kurse organisiert und Jungfahrer-Fahrübungen durchgeführt. Und bereits ein Jahr nach der Gründung waren zwei Jungfahrer soweit, dass sie in die Pontonier-Rekrutenschule aufgenommen wurden. In späteren Jahren zählte der Verein oft ebensoviele Jungfahrer wie Aktive.
Geübt wurde unter Woche an einem Abend und dann am Sonntagmorgen. Diese Sonntagsübungen brachten dem Verein nicht nur Freude. Wer vor dem Krieg während des Gottesdienstes öffentliche Schwerarbeit auf der Reuss verrichtete, der wurde verketzert. Aber auch ohne diese äusseren Schwierigkeiten gab es immer wieder Probleme. Es war ein eigenes Völklein, diese Pontoniere. Wenn nicht gerade ein Fest vor der Türe stand, dann nahm man es gemütlich und besuchte nicht immer die Fahrübungen. Eine Beteiligung von 20 Prozent war nicht selten. Aber wenn es ums Ganze ging, dann war der Einsatz vorbildlich. Da lesen wir etwas im Protokoll, der Fahrchef tadle 20 Tage vor dem Eidgenössischen in Brugg, er habe noch keine einzige Übung mit dem Gesamttrupp durchführen können. Die Moralpauke scheint gewirkt zu haben, denn in der restlichen Zeit war der Besuch 100prozentig und von 30 Teilnehmern erreichte Mellingen immerhin den 25. Rang.
Es war typisch für die Mellinger Pontoniere. Ihr Einsatz schwankte zwischen 20 und über 80 Prozent. Wenn man der Ursache nachgeht, dann liegt es immer im Vereinsgeschehen. Hatte man einen starken Vorstand, dann lief das Geschäft problemlos und die Mannschaft spurte. Umgekehrt liessen die Mitglieder den Kopf hängen, wenn die Leitung nicht Führungsqualitäten aufwies oder Streit herrschte. Aber das ist ja bei jedem Verein das Problem.
Neben den Fahrübungen trieben die Pontoniere auch weiteren Sport zur Ertüchtigung. Ruhte anfänglich die Tätigkeit vom Oktober bis März, kam ab 1939 das Wintertraining dazu, das wöchentlich in der Turnhalle Bahnhofstrasse durchgeführt wurde. Ferner wurde im Sommer nicht ausschliesslich nur mit den Schiffen geübt. Der Fahrchef organisierte ein Einlaufen vor den Fahrübungen, kraftzehrende Stachelfahrten nach Bremgarten oder von Windisch und Birrhard nach Mellingen. Besonders in den ersten Jahren wurden ausgedehnte Märsche unternommen, nach Bremgarten, auf den Heitersberg, nach Hägglingen oder um den Hallwilerseee eine Velofahrt. Vor grossen Festen wurde ein Trainingswochenende durchgeführt, auch bei den Jungfahrern. Im Winter organisierte die neugegründete Skiriege ab 1933 Skitouren und mangels Hallenbad trainierten die Schwimmer im kalten Wasser der Reuss. Schwimmen ist auch heute noch eine Disziplin an den Eidgenössischen. Zum jährlichen Ritual gehörten auch das Wassern der Schiffe Ende März. Früher musste man sie in Bremgarten oder Brugg abholen und im Herbst wieder zurückbringen. Danach ging es einfacher im Zeughaus von Mellingen. 1939 wurde dieses Zeughaus erbaut und Mellingen wurde Garnisonsstadt für das Pontonierbataillon 3. Unvergesslich ist wohl für viele Pontoniere der WK in Mellingen ab 14. August, an den der Aktivdienste nahtlos anknüpfte. Fast ein halbes Jahr lang war die Pontonier-Kompanie I71 in Mellingen im Aktivdienst stationiert.
Höhepunkte des Pontonierlebens sind selbstverständlich die Eidgenössischen Pontonierwettfahren, die alle drei Jahre stattfinden. Bereits 1927 gingen die Mellingern Pontoniere ans Eidgenössische nach Bern und erreichten von 29 teilnehmenden Sektionen den 12. Tang. Nur das Eidgenössischen 1952 in Schaffhausen haben sie nicht besucht.
Zwischen den Eidgenössischen fanden Rayon- oder Einzelfahren statt. Auch hier waren die Mellingern Pontoniere fleissig dabei. Über 50 Anlässe wurden in den Protokollen aufgeführt, die besucht wurden, doch dürften es mehr sein, da die Protokolle nicht immer vollständig sind. Mellingen selber hat fünf Rayonwettfahren organisiert, so 1929 verbunden mit der Fahnenweihe, wobei Luzern und Baden Patensektionen waren, 1937 waren die Sektionen Bremgarten, Ottenbach, Baden, Luzern und Brugg dabei. Das Wettfahren 1954 gewann Bremgarten zum fünften Mal hintereinander. Am Rayonwettfahren 1963 wurde das 40jährige Jubiläum des Pontonierfahrvereins Mellingen gefeiert. 1993 wurde zudem die Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere organisiert mit rund 420 Jungfahrern. Gleichzeitig wurde auch das erste Fischessen durchgeführt, welches seit dann jährlich wiederholt wird. Das Jubiläumswettfahren zum 75jährigen organisierte der Verein vom 7. bis 9. Juni 1996.
Höhepunkt der Vereinsgeschichte war ohne Zweifel die Durchführung des XXIII. Eidgenössischen Pontonierwettfahrens vom 8. bis 10. Juli 1967. Als Auftakt fand am 7. Juli eine kurze Fahnenweihe statt. Patensektion war Baden. Alle 42 Sektionen des Schweiz. Pontonierfahrvereins nahmen teil. Auch der Pontonierfahrverein Mellingen beteiligte sich trotz der vorangegangenen umfangreichen Festvorbereitungen an den Wettkämpfen, allerdings ausser Konkurrenz. Mit der Gesamtnote 158.5 hätte Mellingen den 14. Rang erreicht, ein hervorragendes Ergebnis.
Die Übergabe des Festes musste erdauert werden. 1941, 1945, 1950 und weitere Male hatte man sich vergeblich beworben. Die Anmeldungen wurden zur Routine ohne grosse vorherige Abklärungen. Und dann war es 1965 plötzlich soweit, die Delegiertenversammlung vergab das Eidgenössische Pontonierwettfahren 1967 nach Mellingen. Der Vorstand war wohl selber erschrocken und stellte in der Eile ein provisorisches OK zusammen mit Stadtammann Marin Frey, Ernst Busslinger, Adolf Ackermann und Kurt Graber sowie vom Verein Präsident Camenzind, Gauch und Giger. Wie Fahrchef und Initiant dieser Bewerbung Karl Bachmann an der nachträglichen Orientierungsversammlung im Verein mitteilte, hatte ihm der Zentralvorstand kurzfristig eine Versammlung in Mellingen angesagt, an der das OK kennen lernen wollte. Ob er gleiche Bedenken hatte wie die Versammlung der Fahrchefs und Präsidenten, wo gefragt wurde, ob das kleine Mellingen ein solches Fest überhaupt organisieren können?
Nachdem aber 1947 Mellingen das Kantonale Musikfest mit über 60 Musikgesellschaften gut über die Runden gebracht hatte, zweifelten die Mellinger selber nicht daran, dass die ganze Gemeinde hinter den Pontonieren stehen würde. Allerdings fand man die ganze Angelegenheit etwas überstürzt.
Es brauchte gewaltige Anstrengungen. Der Verein kam zu acht Versammlungen zusammen, der Vorstand zu weiteren sechs Sitzungen. Das Haupt-OK und Präsident Marin Frey tagte 13mal, meist einen halben Tag. Unglaublich viel Arbeitsstunden brauchte die Herrichtung des Wettkampfgeländes mit Infrastruktur, ja es wurde sogar neue Strassen für das Fest angelegt. Hunderte von Stunden opferten die Pontoniere und weitere Helfer unentgeltlich.
Das Fest lief bestens und praktisch ohne Zwischenfälle. Einzig am Sonntag morgen gab es einige Aufregung, als wegen eines heftigen Gewitters der Wasserspiegel in der Nacht um 70 Zentimeter gestiegen war und riesige Baumstämme im braunen Wasser die Reuss hinunter kamen. In aller Herrgottsfrüh trat das Kampfgericht zusammen, damit gleiche Voraussetzung für beide ungleichen Wettkampftage geschaffen wurden und die Bautrupps änderten die Anlagen.
Hohen Besucht gab es am Festakt. Anwesend waren Oberstkorpskommandanten Hanslin, Hirschy und Nager, die Oberstdivisionäre Maurer und Vischer, Nationalräte und Regierungsräte sowie viel Volk aus der Region.
Nach dem Fest waren der Zentralvorstand und die über tausend teilnehmenden Pontoniere des Lobes voll über dieses tolle Fest. Und der Mellinger Fahrchef Karl Bachmann brachte es wohl auf den Punkt: Es war das schönste Jahr der Geschichte des Pontonierfahrvereins Mellingen. Ein weiteres eidgenössisches Treffen organisierte man am 23. März 1996 die Delegiertenversammllung, 41 Sektionen mit 160 Delegierten und Gästen kamen nach Mellingen in die neue Dreifachturnhalle.
In den ersten Jahren gab es oft Tiefs, ja sogar Streit. Meist waren die mangelnden Finanzen Ursache. Wenn es gut ging, resultierte vielleicht 100 Franken Vorschlag im Jahr. Für 1952 musste man sogar die Anmeldung am Eidgenössischen in Schaffhausen kurzfristig rückgängig machen, da die Festkarte zu teuer und kein Geld in der Kasse sei. Noch 1966, also ein Jahr vor dem Eidgenössischen in Mellingen, hatte man nur ein Vermögen von CHF 2500 und das OK wünschte ein Betriebskapital von CHF 3000! Lottoveranstaltungen halfen über die Runden und polierten in den folgenden Jahren die Kasse auf. Später kam dann die Talfahrten mit Vereinen und Gesellschaften dazu, die jährlich bis CHF 3000 in die Kasse aber auch Arbeit für die Pontoniere brachten. So war es nicht selten, dass einzelne Mitglieder bis 80 Übungen und Einsätze im Jahr aufwiesen. Auch Verbände und Gesellschaften meldeten sich vermehrt zu Talfahrten, so etwas 1961 die Vereinigung „Freie Reuss“ oder 1962 der Aargauische Vogelschutzverein.
Es gab im Laufe der Zeit immer wieder Austritte verärgerte Aktivmitglieder. Aber interessanterweise kamen die meisten Pontoniere wieder in den Verein zurück. Die Bindung zum Verein war stärker. Auch Ausschlüsse gab es, wenn ein Aktivmitglied z.B. in den Wirtschaften zu sehr gegen den Verein lästerte. Eher humorvoll liest sich der Protokolleintrag 1953, dass ein Pontonier zu den Passiven versetzt werde, „da er das Wasserfahren ja doch nie erlernen werde“. Auch die Nachfolge im Vorstand war oft ein Problem. Kurz vor der GV traten einige Präsidenten oder Fahrchefs zurück, sodass vorher kein Nachfolger gesucht werden konnte. So gab es dann langwierige Wahlen und es kam oft fast zu „Vergewaltigungen“. Diese Vorstandsmitglieder blieben aber meist nicht lagen im Amt. In den letzten Jahren darf man dann befriedigt feststellen, dass „starke“ Mannen ans Ruder kamen und das Vereinsgeschehen in ruhigere Bahnen lenkte.
Die Mitgliederzahlen liegen denn heute auch bei 20 – 25 Aktiven, je Veteranen und Ehrenmitgliedern sowie 15 bis 20 Jungfahrern.
Die Kameradschaft und dem geselligen Leben wurde im Pontonierfahrverein Mellingen ein hoher Stellenwert zugedacht. Praktisch alle Jahre gab es herrliche Vereinsreisten, oft verbunden mit einem Marsch und einer Talfahrt, wobei die Familien mitkommen konnten. In der Innerschweiz wurden viele Berge bestiegen und als Abschluss erfolgte eine Talfahrt von Luzern nach Mellingen. 1942 platzierte man die 42 Teilnehmer in einem zusammengebauten 3-Teil-Ponton. Doch 1950 steht im Protokoll der folgenschwere Satz: „Talfahrt Luzern – Mellingen, aber diesmal ohne Frauen, da diese immer tonangebend sind...“ Aber auch bei den Pontonieren ging die Frauenemanzipation weiter, den 1985 trat die erste Frau in den Vorstand, Marianne Hertkorn, als Sekretärin. Von der Frühlingsversammlung 1989 wird im Protokoll vermerkt, dass 18 Aktive anwesend sind, ferner 8 Senioren und 15 Jungfahrer, davon ein Mädchen. Aktuell sind gegen 5 Frauen aktiv im Verein.
Einige Versuche wurden mit Wasserfesten auf und an der Reuss sowie Abendunterhaltungen in der Turnhalle unternommen. Dabei muten uns die Kosten für die bekannte Tanzmusik Berth Jud 1952 mit CHF 280 für den ganzen Abend direkt vorsintflutlich an. Der finanzielle Erfolg scheint aber nicht gross gewesen zu sein, denn nach wenigen Anlässen wurde die Idee fallen gelassen. Jährlich fanden aber das Schlussfahren und das Winterschiessen statt, mit der Zeit im grösseren Rahmen mit Limmat- und Reussektionen zusammen. Ebenfalls jährlich traf man sich zum Chlaushock.
Auch an Festen in Mellingen beteiligten sich die Pontoniere immer wieder. 1924 fand am Jugendfest ein Gefecht zwischen den Kadetten und den Freischaren statt. Die Pontoniere verhalfen den Kadetten zum Sieg durch „Übersetzen grössere Kampfverbände“! 1941 wurde am 1. August an der 650-Jahrfeier der Eidgenossenshcaft mitgewirkt. 1946 feierte man in der Turnhalle das 25jährige Jubiläum. 1947 half man am Kantonal-Musikfest, 1951 führte man sogar einen Maskenball durch. 1975 betrieben die Pontoniere eine Hafenkneipe am Halibabfest, 1980 halt man am Regionalturnfest, 1986 am Altstadtfest, 1991 am Jugendfest, 1992 wieder am Regionalturnfest sowie an vielen kleineren Festen in der Gemeinde.
Als es mit den Finanzen etwas besser stand, wagte man sich auch an grössere Fernfahrten und bezahlte den Aktiven einen Teil der Kosten. Im Mai 1980 wurde die elftägige Rheinfahrt Basel-Rotterdam mit 28 Teilnehmern gestartet, die zwölf Tage dauerte und CHF 20'629 kostete. Daran zahlte der Verein CHF 8'500. Vom 8. Bis 13. Juni 1987 wurde eine Aarefahrt von Brienz nach Klingnau unternommen. Im Juli 1988 folgte eine Schlauchbootfahrt von Trun nach Reichenau durch die Rheinschlucht und vom 12 bis 21. Juli 1990 eine Donaufahrt mit 32 Teilnehmern von Ulm nach Wien. Für spezielle Fahrten wurde jeweils ein Kanonier gewäht, der mit einem Kanonenschuss bei Ortschaften das Kommen ankündigte. So nahm Daniel Bichsel auf die Aarefahrt 100 Schuss mit!
Von Anfang an war der „Hirschen“ Vereinslokal. Dort wurden viele Versammlungen – oft recht stürmische – abgehalten, das Vereinsbanner aufbewahrt und Pontoniere trafen sich zu einem Bier. Nach 68 Jahren kam ein neuer Wirt, der sein Gasthof nicht mehr als Vereinslokal zur Verfügung stellen wollte. Offenbar wusste er bereits, dass die Tage des „Hirschens“ gezählt waren und dass er die Räumlichkeiten umfunktionieren wollte. Neues Vereinslokal wurde ebenfalls ein Restaurant nahe der Reuss, die „Schöneck“.
Pontonierfahrvereine haben viel Material, das gut versorgt werden sollte. Bereits 1922 erstellten die Mellinger Pontoniere ein Materialdepot bei der Spittelscheune. Kontinuierlich wurde dieses Holzhaus ausgebaut und verschönert. Anfangs der fünfziger Jahre hatte man grosse Pläne. Im Grüt wurde 1951 durch den Tod eines Einsiedler ohne Nachkommen Land zum Kauf frei. Einen Teil davon erwarben die Pontoniere, nämlich 350 m2 zu CHF 2 / m2. Dazu kamen noch CHF 350 Nebenkosten.
Es sollte dort in Fronarbeit ein Haus erstellt werden mit einer Wohnung. Ein Baukomitee erstellte Pläne und trieb den Hausbau voran. In der Löwengarage konnten mit einer ausgeliehenen Maschine Tuffsteine fabriziert werden. Innert kurzer Zeit waren 500 Steine gestampft zu Selbstkosten von vier Rappen das Stück. Ein Jahr später waren 900 Steine bereite und auch der Dachstuhl für CHF 520 gekauft. Die Umzäunung kostete CHF 200. Doch da gab es Unstimmigkeiten, nicht zuletzt wegen der Vergabe der Wohnung, für die sich zwei Vereinsmitglieder interessierten. An der GV 1953 wurde der Vorstand beauftragt, das Land wieder zu verkaufen „da in den nächsten Jahren aus finanziellen Gründen kein Bau möglich sei“. Es sollte um die CHF 5000 dafür gelöst worden sein.
So begnügte man sich wieder mit dem alten Depothäuschen und frischte es immer wieder auf. Nach den Fahrübungen sass man bei schönem Wetter gerne vor dem Depot und trank Bier. Auch dafür war vorgesorgt. Mit der Brauerei Feldschlösschen war ein 15-Jahresvertrag abgeschlossen worden für die jährliche Lieferung von sieben Hektolitern Bier, was einen beträchtlichen Rabatt einbrachte.
1976 wollte der Gemeinderat das einzige noch bestehende Teilstück der alten Ringmauer vom Kirchturm zum Iberg freilegen. Dadurch musste das kleine an die Ringmauer angebaute Häuschen Nr. 31 abgebrochen werden und das Pontonierdepot weichen. Der Pontonierfahrverein erhielt von der Gemeinde eine Geräteraum in der Spittelscheune und Kellerräume im Iberg, die der Verein selber nett ausbaute. Das alte Depot wurde an ein Vereingsmitglied verkauft. Ab 1989 gab es dann nochmals ein Seilziehen um diese Lokalität.
Die Jahre 1996 - heute wird demnächst recherchiert und die Geschichte wird entsprechend nachgeführt.