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Fotografin Margaret Bourke-White und ihr «Auge der Zeit»
- Mittwoch, 23. Januar 2013, 16:55 Uhr
Margaret Bourke-White rang Stalin ein Lächeln ab und fotografierte als erste US-amerikanische Kriegsreporterin im Konzentrationslager Buchenwald. Nun sind 150 ihrer berühmten Arbeiten in Berlin zu sehen – neben Briefzeilen an Ansel Adams und Winston Churchill.
Margarete Bourke-White war am 11. April 1945 dabei, als das KZ Buchenwald befreit wurde. Beharrlich schuf sie als erste Kriegsreporterin der US-Armee ihre späteren Ikonen der Fotografiegeschichte, darunter das Foto «Die lebenden Toten von Buchenwald».
Den Horror der Leichenberge und der ausgemergelten Leiber der KZ-Häftlinge, die überlebt hatten, all das konnte sie nur ertragen, weil die Kamera als Instrument zwischen ihr und dem grauenvollen Geschehen fungierte. «Sie begriff erst, was sie fotografiert hatte, als sie später die Abzüge ihrer Buchenwald-Bilder sah», sagt Oliva María Rubio die Kuratorin der Ausstellung im Martin-Gropius Bau in Berlin.
Die Ausstellung
Die Ausstellung «Margaret Bourke-White. Fotografien 1930-1945» zeigt 150 ihrer Arbeiten und Briefe an berühmte Persönlichkeiten. Neben Porträts von Josef Stalin und Winston Churchill sind unter anderem Fotografien ihrer Industriereportagen aus Deutschland und der Sowjetunion zu sehen. Bis zum 14. April 2013 im Martin-Gropius Bau in Berlin.
Margaret Bourke-White war in ihrer Karriere immer wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wie etwa am 19. Juli 1941, als Hitler-Deutschland die Sowjetunion angriff. Sie stand auf dem Dach der amerikanischen Botschaft in Moskau und hielt den Bombenangriff mit ihrer Kamera fest. So wurde sie, was sie werden wollte: Das Auge der Zeit. Eigentlich war sie damals auf Reportagereise, um das aufstrebende sowjetische Industrie-Imperium zu porträtieren.
Erste Reporterin in Fliegermontur
Als sie ihre Karriere bei den Fotomagazinen «Fortune» und später bei «Life» begann, hatte Margaret Bourke-White sich bereits einen Namen als herausragende Industrie- und Architekturfotografin gemacht. Das uneingeschränkte Glücksversprechen der Industrialisierung der USA hatte sie fasziniert. Fortan interessierte sie die Schönheit von Generatoren oder Stahlseilspindeln mehr als die von Perlenketten. Mit Hingabe porträtierte sie Maschinen und Industrieanlagen mit ästhetischer Präzision, genau so wie später berühmte Persönlichkeiten.
Mit der Arbeitsweise, ihre Motive kühl, präzise und mit ausgefeilter Bildkomposition abzulichten, begründete die Ausnahme-Fotografin ihren Ruhm. «In den 1930er-Jahren zählte Margaret Bourke-White zu den zehn berühmtesten Frauen der USA», sagt die Kuratorin Oliva María Rubio.
Damals wurden nicht nur ihre Fotoreportagen verehrt. Auch sie selbst galt als Protagonistin der Zeit und der Nachrichten. Als «einziges angezogenes Pin-Up-Girl» ging sie in die Geschichte ein, als die «Life»-Reportage «Bourke-White Goes Bombing» an US-amerikanischen Kiosken zu kaufen war. Im Magazin präsentierte sie sich in Fliegermontur als erste Reporterin an Bord eines Bombers im Zweiten Weltkrieg.
Auf Augenhöhe mit den Berühmtheiten ihrer Zeit
Aus den in Berlin gezeigten 150 Fotografien ihres schwer zu umfassenden Oeuvres atmet der unermüdliche, kämpferische und selbstbewusste Geist der Fotografin. Der ist nun auch aus den Briefen an Premierminister Winston Churchill oder Fotograf Ansel Adams herauszulesen. Letzteren grüßt sie liebevoll als Genie, um dann auf Augenhöhe mit dem berühmten Natur-Fotografen technische Details von Belichtungsmessern auszutauschen.
Margaret Bourke-Whites unerschrockener Umgang mit berühmten Persönlichkeiten und ihre noch immer herausragenden Fotografien verschaffte ihr einen Platz in der «Hall of Fame» der Reportagefotografie und machte sie zu einem Vorbild der Frauenbewegung.