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Immer wieder müssen Spitzensportlerinnen und -sportler ihr Land verlassen, das hat der Fall um die belarussische Leichtathletin Kristina Timanowskaja eben erst gezeigt. Um diesen Athleten eine Fortführung ihrer Karriere zu ermöglichen, hat das IOC das Flüchtlingsteam gegründet.
In Tokio war zum 2. Mal ein solches am Start. Im Vergleich zu den Spielen in Rio 2016 wuchs es von 10 auf 29 Athletinnen und Athleten an. Drei olympische Diplome gab es heuer, auf die erste Medaille wartet das Team weiter.
Symbolträchtiger Erfolg
Das Aushängeschild des Teams, Taekwondo-Kämpferin Kimia Alisadeh, hatte zwei Gelegenheiten, das historische Edelmetall zu holen. Doch die 23-Jährige verlor in der Kategorie bis 57 kg sowohl ihren Halbfinal als auch den anschliessenden Bronze-Kampf.
Zuvor hatte die 2020 aus dem Iran nach Deutschland geflohene Alisadeh drei Siege gefeiert, ausgerechnet gegen die Iranerin Nahid Kiani sowie gegen die an Nummer 1 gesetzte Jade Jones (GBR). 2016 hatte Alisadeh – damals noch für ihr Geburtsland – bereits Bronze geholt.
Irak-Österreich-Tokio-Paris?
Ebenfalls aus dem Iran stammt Karateka Hamoon Derafshipour. Der 28-jährige WM-Dritte von 2018 feierte in der Disziplin Kumite bis 67 kg zwei Siege. Für einen Halbfinal-Platz reichte dies nicht, Rang 5 bedeutet aber ein Diplom.
Auch Ringer Aker Al Obaidi holte ein Diplom. Der gebürtige Iraker kam nach einem Sieg und einer Niederlage in der Kategorie Griechisch-Römisch bis 67 kg auf Rang 8. Er wolle nun die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben und versuchen, sich für das österreichische Ringer-Team der Spiele in Paris 2024 zu qualifizieren, kündigte der 21-Jährige an.
Schweizer ohne Exploit
Aus der Schweiz waren zwei Flüchtlinge in Tokio vertreten: Radfahrer Ahmad Wais und Schützin Luna Solomon. Der gebürtige Syrer Wais, ehemals mit der Schweizer Silbergewinnerin Marlen Reusser liiert, musste sich im Zeitfahren mit Rang 38 bescheiden.
Die 27-jährige Solomon, 2015 aus Eritrea in die Westschweiz geflohen, blieb in der Qualifikation des 10-m-Luftgewehr-Wettkampf mit 605,9 Punkten hängen – in jenem Wettbewerb, in dem Nina Christen wenig später der Schweiz die erste Olympia-Medaille sicherte.
Todesdrohungen wegen Selfie
Die Gründe, weshalb die Athleten ihr Land verlassen mussten, muten teilweise absurd an. Kanute Saeid Fazloula wurde im Iran von religiösen Fanatikern mit dem Tod bedroht, weil er im Rahmen der Kanu-WM 2015 ein Selfie vor dem Mailänder Dom gemacht hatte. Man warf ihm «Abkehr vom Islam» vor. In Tokio blieb der in Karlsruhe lebende 28-Jährige über 1000 Meter im Viertelfinal als 4. hängen.
Am Start waren nicht nur Flüchtlinge aus westlichen Ländern. Gleich mehrere südsudanesische Leichtathleten des Teams leben in Kenia. Den besten Auftritt legte der in Israel lebende Jamal Eisa Mohammed hin. Er lief über 5000 m in 13:42,98 Minuten persönliche Bestzeit und war damit schneller als der Schweizer Jonas Raess, verpasste aber die Finalqualifikation um 5 Sekunden.
Sogar einen Sieg feierte 100-m-Sprinter Dorian Keletela. Der gebürtige Kongolese gewann in 10,33 Sekunden die Vorqualifikation vor 8 Konkurrenten. Im regulären Vorlauf konnte der 22-Jährige die Leistung nicht bestätigen und schied in 10,41 aus – 13 Hundertstel langsamer als der im selben Heat startende Schweizer Silvan Wicki.