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Leichtes Spiel für Angeber
24. Februar 2013
- von Manuela Specker -
Das kann eine Form von Zweckoptimismus sein – oder aber eine Form übersteigerten Selbstvertrauens. Das Letztgenannte ist im Beruf von hohem Nutzen. Wer sich für leistungsfähiger und intelligenter als andere hält, macht auch eher Karriere, selbst wenn die eigene Einschätzung keineswegs den Tatsachen entspricht. In der Forschung ist unbestritten, dass Führungskräfte eher dazu neigen, sich selber für unantastbar zu halten als Angestellte ohne personelle Verantwortung.
In diesem Zusammenhang müssen sich Wissenschafter allerdings immer wieder die Huhn-Ei-Frage stellen: Ist die Selbstüberschätzung eine Folge der Machtposition, oder ist es die Selbstüberschätzung, die jemanden in eine solche Position hievt? Forscher der University of California in Berkeley sind nun in mehreren Experimenten der Antwort einen Schritt näher gekommen. Auf einer Landkarte von Nordamerika, die mit nur wenigen topografischen Merkmalen ausgestattet war, musste jeder Proband 15 Städte eintragen. Danach wurden die Teilnehmer gebeten, ihre eigene Leistung einzuschätzen. Im Anschluss mussten sie in Zweierteams erneut eine geografische Aufgabe lösen, wobei diesmal die Leistung des Teampartners eingeschätzt werden musste. In ihrer Analyse setzten die Psychologen die Selbsteinschätzung aus der ersten Aufgabe in einen Zusammenhang mit der Fremdeinschätzung aus der zweiten Aufgabe.
«Wer sich selber überschätzt, tritt selbstsicherer auf und macht daher auf andere mehr Eindruck», erläutert der Studienleiter Cameron Anderson das Ergebnis. Diese Leute profitieren also von einem höheren Ansehen und steigern damit ihren sozialen Status.
Die amerikanischen Forscher bestätigen, was die Schweizer Ökonomin Eva-Maria Aulich in ihrer Dissertation an der Universität Zürich nachwies. Sie ermittelte bei 700 Rekruten den Grad der Selbstüberschätzung. Ein Teil der Probanden wurde während des Untersuchungszeitraums zu Unteroffizieren oder Offizieren befördert. Wie sich herausstellte, hatten die Beförderungen nicht zwingend mit der Leistung zu tun. Selbstüberschätzer wurden von ihren Vorgesetzten als kompetenter angesehen und hatten deshalb bessere Chancen auf eine Beförderung. Diese Beförderungspolitik kann fatale Fehlentscheidungen nach sich ziehen. Denn wer sich selber für besser hält, als er tatsächlich ist, ist in der Regel auch viel risikofreudiger und erkennt Gefahren zu spät.
Erfolg macht übermütig; die Selbstüberschätzer glauben tatsächlich, sie seien grandios – sie sind nicht etwa Schaumschläger, die bewusst etwas vorgeben, was nicht der Realität entspricht. Eva-Maria Aulich, die heute als Geschäftsführerin bei der Universität Giessen tätig ist, plädiert deshalb dafür, vermehrt objektive Faktoren in die Entscheide, wer befördert wird, einzubeziehen. Das ist nicht zuletzt im Sinne der Selbstüberschätzer. Zwar haben sie bessere Aussichten auf eine steile Karriere, doch sie können tief fallen, wenn sie wegen mangelnder Kompetenz an ihre Grenzen stossen.
Eine Untersuchung der Personalberatung Kienbaum unter Führungskräften in der Schweiz und Deutschland hat gezeigt, dass deren Scheitern vor allem auf eine unausgewogene Balance zwischen fachlicher und persönlicher Kompetenz zurückzuführen ist. Mangelnde Selbstkritik, überhöhte Erwartungen und Zeitdruck führen dazu, dass eigene Fehler lange unerkannt bleiben.
Das andere Extrem sind die notorischen Zweifler, die sich genauso wenig für eine Führungsposition eignen, da diese kaum andere Leute mitzureissen vermögen. «Die Gratwanderung zwischen Selbstüberschätzung und Selbstbewusstsein ist fliessend», bringt es Personalberaterin Janina Ney auf den Punkt. Ein guter Anhaltspunkt ist der Umgang mit Kritik. Wer taub ist gegenüber kritischen Bemerkungen, gilt als selbstherrlich. Gesundes Selbstbewusstsein hingegen geht damit einher, die eigenen Schwächen durchaus anzuerkennen und aus Fehlern zu lernen.
(Photo: FOTOLIA)
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