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Die US-Regierung will der steigenden Ölnachfrage entgegenkommen und in Alaska neue Gebiete für Ölbohrungen erschliessen. Die Republikaner wollen von den eigenen Ressourcen Gebrauch machen, um nicht mehr so sehr von den ausländischen Importen aus Russland, Venezuela und dem Mittleren Osten abhängig zu sein. Jahrelang kämpften die Republikaner bereits für die Ölerschliessung im ANWR (Arctic National Wildlife Refuge). Nun erweckten sie die Idee – als Beihilfe zu den versprochenen Steuersenkungen von Donald Trump – wieder zum Leben. Die Ölerschliessung in Alaska ist ein Teil der „America First“ Politik. Ende letzten Jahres meinte der US-Präsident, dass er die Hürden für die Ölsuche senken will. Das Schutzgebiet ANWR sei ein kleines Gebiet mit grossem Potential. Die Befürworter der Ölbohrungen sehen darin eine grosse Chance, Alaskas Wirtschaft zu fördern und viele Arbeitsplätze zu schaffen (ca. 130‘000). Der Gewinn wird von ihrer Seite auf 440 Millionen Dollar geschätzt.
Gegner legen andere Werte fest
Jedoch sind diese Erträge nur Schätzungen. Die Gegner rechnen mit anderen Zahlen und denken nicht, dass die Bohrungen den geplanten Ertrag einbringen würden: Sie schätzen den Gewinn auf nicht mehr als 37.5 Millionen Dollar in 10 Jahren. Dies würde nicht ausreichen, um die Steuersenkungen auszugleichen. Auch die Auswirkungen auf den Weltölpreis sind unklar. Ein weiterer Vorwurf ist, dass die Regierung dabei mehr auf die Industriellen höre, welche den Wahlkampf finanziert haben, als auf die Bürger. Ein weiteres Argument ist die Gefahr durch auslaufendes Öl. Was aber vor allem gegen die Ölbohrungen in diesem Gebiet spricht, ist die Zerstörung der Wildnis und des Ökosystems sowie der dauerhafte Schaden an der Küstenebene.
Auswirkungen der möglichen Bohrungen auf die Umwelt
Das ANWR Schutzgebiet, das es seit 1960 gibt, besitzt eine sehr grosse Artenvielfalt: Es gibt dort rund 42 Fischarten, 37 Arten von Landsäugetieren, 8 Arten von Meeressäugetieren und über 200 Vogelarten – um nur die augenfälligsten zu nennen. Namhafte Spezies sind die Polarbären, die Karibus und die Moschusochsen. Diese wären einer grossen Bedrohung ausgesetzt. Die Küstenebene ist sehr geeignet für das Kalben der Karibus, da sie schneefrei ist und viel Vegetation bietet. Diese fördert die Tarnung und verringert die Gefahren durch Raubtiere. Störungen durch Ölbohrungen und die dazugehörende Infrastruktur (Pipelines, Strassen, Quellen) würden die Population der Karibus also verkleinern und die Herde an einen weniger passenden Ort ausserhalb dieses Gebietes verdrängen. Auch Moschusochsen würden in ihrem lebenswichtigen Winterschlaf gestört.
Auch die Kultur der Gwich’ins wäre gefährdet. Sie sind die ca. 7‘000 Eingeborenen. Die Gwich’ins sind von den Karibus existenziell abhängig und die Tiere haben auch eine spirituelle Bedeutung in ihrem Leben. Ein fundamentaler Glaube ist, dass jeder Karibu ein Stück menschliches Herz in sich trägt und umgekehrt jeder Mensch ein Stück Herz eines Karibus in sich trägt. Die Karibus dienen vor allem als Nahrung, aber auch für die Herstellung der Kleidung.
Die geplanten Ölbohrungen im Schutzgebiet ANWR bleiben also höchst diskutabel, da sie grosse Auswirkungen auf die Umwelt hätten. Der erhoffte Gewinn durch die Ölerschliessung stellt uns einmal mehr vor die Frage, wo wir unserem Energiehunger eine Grenze setzen.