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CfP 3/2024
Die Macht des Patriziats in Städten. Persistenz und Wandel
Zahlreiche Arbeiten haben sich bereits den Patrizierfamilien in den wichtigsten Städten des vormodernen und modernen Europas gewidmet und dabei unterschiedliche Dimensionen deren Macht aufgezeigt und analysiert.[1] Die patrizische Dominanz auf wirtschaftlicher, politischer, kultureller oder intellektueller Ebene überdauerte sogar den formalen Privilegienverlust des Patriziats im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Obwohl die Problematik der Patrizierfamilien zahlreiche Forschungsarbeiten angeregt hat, sind wichtige Aspekte unerforscht geblieben.
Im anvisierten Schwerpunkt des Heftes sollen verschiedene Fragen zu Persistenz- und Wandelsphänomenen der Macht von Patrizierfamilien in der longue durée beleuchtet werden: Welche Faktoren haben die zeitliche Persistenz der patrizischen Eliten und bestimmter «Geschlechter» begünstigt?Wie konnten neue soziale Gruppen (Fremde, Zugezogene, Klein- und Mittelbürgerliche etc.) vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein in die urbanen Eliten integriert werden? Lassen sich Phasen der Öffnung und Machtbeteiligung beobachten? Wie hat sich das Zusammenleben zwischen alten, traditionellen Eliten und neuen, aufsteigenden sozialen Gruppen entwickelt? In welchen Bereichen und Institutionen war die patrizische Herrschaft besonders ausgeprägt? War die fortschreitende Demokratisierung der Städte mit dem Erhalt patrizischer Macht in elitären Gesellschaften (Zünfte) oder anderen kulturellen oder akademischen Institutionen verbunden? Gerade auch die Zeit der Machterosion des Patriziats seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist kaum untersucht worden und könnte Anlass für erste Fallstudien sein.[2] Darüber hinaus soll in diesem Heft die Bedeutung der familiären Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Patrizierfamilien untersucht werden: Gab es eine relative Offenheit gegenüber anderen sozialen Gruppen, oder bestand im Gegenteil eine starke soziale Endogamie fort? Wurden bei Eheschliessungen strategisch Allianzen zwischen geeigneten Familien gefördert oder folgten sie einer anderen Logik? Welche Stellung hatten Frauen in der patrizischen Machtstruktur und wie hat sich ihre Position im Laufe der Zeit verändert?
Darüber hinaus ist das Heft aber auch offen für Beiträge, die sich kritisch mit dem Begriff «Patriziat» selbst auseinandersetzen, z. B. durch Studien darüber, wie diese Familien selbst Diskurse produzierten, um ihre Machtposition zu legitimieren. Der Call for Papers möchte grundsätzlich zu Beiträgen motivieren, die sich auf verschiedene Zeitbereiche und Länder beziehen.
Bitte reichen Sie Ihren Artikelvorschlag bis zum 15. April 2023 ein. Die deadline für die fertigen Artikel ist der 15.12.2023. Der Schwerpunkt «Die Macht des Patriziats in Städten. Persistenz und Wandel» erscheint in Heft 3/2024 der traverse (ca. November).
Für allfällige Fragen stehen Ihnen die untenstehenden Kontaktpersonen gerne zur Verfügung.
[1] Für die Schweiz vgl. etwa Tanner, Arbeitsame Patrioten ― wohlanständige Damen, 1995; Sarasin, Stadt der Bürger, 1997; Perroux, Tradition, vocation et progrès, 2006; sowie Schläppi: «Patrizitat», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.09.2010, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016374/2010-09-27/ (27.09.2022).
[2] So etwas zu Bern, vgl. dazu Rieder, Netzwerke des Konservatismus, 2008.
CfP 1/2025
Zu Fuss
Jahrtausendelang waren Menschen mehrheitlich zu Fuss unterwegs. Verschiedenste Formen menschlichen Unterwegsseins basieren wesentlich auf fussgängerischer Praxis: das Marschieren der Soldat*innen, das Spazieren der Flaneur*innen, das Wandern der Handwerksgesellen, das Pilgern, oft auch das Jagen. Zu Fuss unterwegs waren Frauen und Männer, Reiche und Arme, Junge und Alte, Gesunde und Kranke. Von den Reisläufern zur bürgerlichen Wanderlust, über die alpine Transhumanz und die Exerzitien militärischer Einheiten bis zur unerträglichen Grausamkeit der «Todesmärsche» umfasst die Fortbewegung zu Fuss das ganze Spektrum freiwilliger und erzwungener menschlicher Mobilitäten. Erst der Fort-Schritt der letzten zweihundert Jahre hat das freiwillige Zufussgehen teilweise marginalisiert: Auf der «Landstrasse» wurden «Vagabunden» und «Wanderarme» im 19. Jahrhundert einer zunehmend rigiden Kontrolle unterworfen; in den auf Automobile ausgerichteten Städten wurden Fussgänger*innen im 20. Jahrhundert in eng abgesteckte Zonen verbannt. Mit Blick in die Zukunft ist zu fragen: Welche Effekte werden künftige Energie- und Umweltkrisen haben? Werden sie das Zufussgehen wieder zum Normalfall machen?
Das Themenheft nimmt die Vielfalt fussgängerischer Mobilitäten in transepochaler Perspektive, von der Antike bis in die neueste Zeit, in den Blick. Wir fragen nach militär-, sozial-, wirtschafts- und religionsgeschichtlichen Aspekten des Zufussgehens: Mit welchen Intentionen gingen Menschen und Tiere zu Fuss wohin? Wie reflektierten die Fussgänger*innen selbst ihre Fortbewegungsart? Wie nahmen sie ihre Umgebung wahr? Welches Verhältnis entwickelten sie zu anderen zeitgenössischen Mobilitätsformen? Wie sprachen die Fürsprecher anderer Fortbewegungsmittel über das Zufussgehen? Welchen juristischen Einschränkungen wurden Fussgänger*innen unterworfen? Darüber hinaus widmet sich das Heft auch den spezifischen Materialitäten des Zufussgehens: Was trugen die Menschen auf dem Fussweg eigentlich auf und bei sich? Das Schuhwerk (oder dessen Absenz), der Knotenstock, der Rucksack und andere Gegenstände prägten menschliche Fortbewegungspraktiken massgeblich und wandelten sich im Laufe der Zeit, beispielsweise vom notwendigen Reiseutensil zum raffinierten Konsumobjekt. Zuletzt ist die wenig erforschte Geschlechterperspektive einzubeziehen: Welche genderspezifischen Praktiken des Zufussgehens existierten und aus welchen Kontexten sind sie historisch zu erklären?
Mit seiner grossen Bandbreite möchte das Themenheft schliesslich auch einen Beitrag zu gegenwärtigen migrations- und mobilitätsgeschichtlichen Debatten leisten, in denen Fussgänger*innen und das Zufussgehen, trotz ihrer bis 1945 dominanten Stellung in der menschlichen Alltagsmobilität, eine untergeordnete Rolle spielen.
Der geplante Heftschwerpunkt wird als traverse-Ausgabe 1/2025 erscheinen. Die erste Version der Manuskripte erwarten wir bis zum 15. Februar 2024. Die Artikel sollten eine Maximallänge von 30‘000 Zeichen inkl. Leerzeichen nicht überschreiten. Die Beiträge durchlaufen ein double blind peer review-Verfahren.
Für die formalen Richtlinien und die redaktionellen Anweisungen siehe https://revue-traverse.ch/schreiben-fuer-traverse/formale-vorgaben-fuer-traverse/.
Wir laden Interessierte ein, bis zum 15. Mai 2023 ein Abstract (ca. 400 Wörter), ein CV sowie eine Auflistung der Publikationen an Marino Ferri (<email-pii>), Anja Rathmann-Lutz (<email-pii>) oder Tiphaine Robert (<email-pii>) zu senden.