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Jodmangelstruma
Die Vergrösserung einer Schilddrüse wird als Struma ("Kropf") bezeichnet.
- gesamte Schilddrüse vergrössert: diffuse Struma
- nur teilweise vergrössert: knotige = adenomatöse Struma
Jodmangel (zu geringer Gehalt an Jod im Trinkwasser) ist in Mitteleuropa häufigste Ursache für Entstehung einer Struma = endemische Struma.
Bei Jodmangel wird zu wenig T3 und T4 produziert TSH steigt reaktiv an TSH wirkt wachstumsfördernd diffuse Struma knotige Struma.
Kopressionssyndrome (Tracheomalazie, Schluckstörungen, Kompression der Nerven und der Halsgefässe) bei sehr grossen knotigen Strumen.
Pathogenese
Infolge Jodmangel wird zu wenig T3 und T4 produziert Rückkoppelungshemmung auf die Hypophyse nimmt ab Vermehrte Sezernierung von TSH diffuse Hyperplasie des Schilddrüsengewebes im Verlauf kommt es auch zu Vernarbungen, Einblutungen und Verkalkungen.
Dauernde Wachstumstimulation durch TSH können zu lokalen Mutationen führen.
Entwicklung zu einer TSH-unabhängigen (autonomen) Struma (fokale Autonomie).
Klinik
Initial diffuse Vergrösserung, dann knotige und asymmetrische Vergrösserung.
Einteilung der Schilddrüsen Vergrösserung nach WHO:
- Grad I : Struma tastbar und sichtbar bei Reklination
- Grad II: sichtbare Struma
- Grad III: sehr grosse, aus Entfernung sichtbare Struma
Kompressionssymptome:
- Tracheomalazie (substernale Ausdehnung der Struma kann zu Kompression und der Trachea führen): Dyspnoe, Stridor und Schluckbeschwerden
- Nervenausfälle: Heiserkeit durch Kompression der N. laryngeus recurrens, Horner Syndrom
- Zeichen der oberen Einflussstauung (gestaute Halsvenen)
Rasch wachsende Knoten, ein Hornersyndrom oder eine Rekurrensparese sind malignomverdächtig!
Diagnostik
- Labor: TSH, fT4, TPO-Ak und TRAK
- Bildgebung: Sonografie , evtl. MRT
- Feinnadelpunktion: Knoten > 10 mm
Differenzialdiagnosen
Schilddrüsenkarzinom
Struma mit Hyperthyreose: Morbus Basedow, autonomes Schilddrüsenadenom, Anfangsstadium einer Thyreoiditis.
Struma mit Hypothyreose: Hashimoto-Thyreoiditis, Spätstadium von Thyreoiditiden, genetische Defekte der Schilddrüsenhormonsynthese, ektope Schilddrüse (z.B. Zungengrundstruma).
Schilddrüsenhormonresistenz (selten): periphere Hormonresistenz durch Defekt des Schilddrüsenhormonrezeptors Erhöhung von T4 und T3 bei normalem TSH-Spiegel, meist euthyreote Klinik.
strumigene Substanzen: Lithium, Perchlorat, Meeresalgen (Kelp, stark jodhaltig), Thiozyanate in einigen Kohlarten, Jod in hohen Dosen.
Therapie
Totale Thyreoidektomie bei grossen Strumen oder grossen Knotenstrumen mit mehreren Knoten.
Absolute Operationsindikation: Kompressionssymptome, therapierefraktäre Hyperthyreose bei grosser Struma und deutlicher Grössenzunahme.
Nach totaler Thyreoidektomie oder Radiojodtherapie ist in den meisten Fällen eine lebenslange Substitution mit Thyroxin notwendig.