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Doch habe ich nicht schon vor 2-3 Wochen im Radio gehört, dass das Frühjahr begonnen hat? Was stimmt den nun?
Der Grund hierfür liegt darin begründet, dass es verschiedene Betrachtungsweisen für den Frühlingsanfang gibt.
Man unterscheidet hauptsächlich zwischen dem meteorologischen und dem astronomischen Frühlingsanfang. Doch gibt es noch weitere Betrachtungsweisen, wie z.B. der kalendarische (auch offizieller genannt), phänologische oder gefühlte Frühlingsanfang.
Doch worin unterscheiden sich diese?
Meteorologischer Frühlingsanfang
In der Meteorologie ist es relativ einfach: man hat jeder Jahreszeit drei aufeinander folgende Monate zugeordnet. Alle meteorologischen Statistiken werden nach Kalendermonaten erfasst und mit der Zuteilung von ganzen Monaten können in der Folge einfach Vergleiche gezogen werden. Diese „willkürliche“ Einteilung wurde von der Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization, WMO) festgelegt.
Der meteorologische Frühling auf der Nordhalbkugel beginnt alljährlich mit dem 01. März und endet am 31. Mai. Die Aufteilung des ganzen Jahres wäre also:
Frühlingsmonate: März, April, Mai
Sommermonate: Juni, Juli, August
Herbstmonate: September, Oktober, November
Wintermonate: Dezember, Januar, Februar
Astronomischer Frühlingsanfang
Astronomisch wird der Frühlingsanfang, wie auch der Herbstanfang, durch die sogenannte Tag-und-Nachtgleiche festgelegt. Die Primär-Tag-und-Nachtgleiche bezeichnet den Zeitpunkt im Jahr, an dem Tag und Nacht erstmalig gleich lang sind, also exakt je 12 Stunden. Dann beginnt auf der Nordhalbkugel der Frühling, auf der Südhalbkugel der Herbst.
Gleiche bedeutet hier, dass der Zeitraum zwischen Sonnenaufgang und Untergang (Tag) genau so lang ist wie der Zeitraum zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang (Nacht).
Der Zeitpunkt der Primär-Tag-und-Nacht-Gleiche ist nicht immer an demselben Tag – der astronomische Frühlingsanfang kann also variieren. Meistens liegt der astronomische Frühlingsanfang auf dem 20. März – seltener auf dem 21. März – ab 2048 erstmalig auch dann alle vier Jahre auf dem 19. März.
Die Tag-und-Nacht-Gleiche wird in der Fachsprache Äquinoktium genannt. Dann überquert die Sonne den Himmelsäquator und steht zu diesem Zeitpunkt exakt senkrecht über dem Erdäquator. Tag und Nacht sind dann überall auf der Erde gleich lang.
Das überprüfe ich doch sogleich mit den Angaben zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in Luzern, die müssten ja nach vorheriger Erklärung exakt 12 Stunden auseinander liegen: Doch aus der Tabelle ist zu entnehmen, dass der Tag 12 Stunden und 8 Minuten lang ist, nämich von 06.30h bis 18.38h, und in der Folge die Nacht 11 Stunden und 52 Minuten sein muss, d.h. eine Differenz von 16 Minuten.
Weshalb diese Abweichung zustande kommt, ist in dem kurzen Film hier erklärt:
Kalendarischer Frühlingsanfang
Dieser wird häufig auch als offizieller Frühlingsanfang bezeichnet. Er hält sich aber nicht streng an den Kalender sondern eigentlich an den astronomischen Frühlingsanfang. Er richtet sich nämlich im Prinzip nach der Position der Erde zur Sonne.
Phänologischer Frühlingsanfang
Der phänologische Frühlingsanfang richtet sich nach den Phänomenen in der Natur. Man beobachtet die Natur bzw. die Naturphänomene. Es handelt sich also um eine IST-Beobachtung. So leitet man den Frühlingsanfang vom Entwicklungsstand der Natur und von verschiedenen regionalen Pflanzenarten ab.
In unseren Breitengraden wird der Frühling dann noch unterteilt in:
Vorfrühling
Schneeglöckchen und die Kätzchen der Hasel bringen mit Gewissheit Kunde vom Vorfrühling. Der Winter ist vorbei.
Erstfrühling
Um den April herum haben wir Ersfrühling. Er wird eingeläutet, wenn die Forsythie blüht und wenn die Stachelbeeren ihre Blätter entfalten.
Vollfrühling
Im Vollfrühling ist die Pflanzenent-wicklung in vollem Gange. Einge-leitet wird diese Jahreszeit durch die Blüte am Apfelbaum und wenn die Stiel-Eiche ihre Blätter entfaltet.
Mehr dazu ist zu finden unter: http://www.naturwissenschaften.ch/topics/seasons/phenological_calendar
Daraus folgt, dass der Frühling, je nach geografischer Länge und Breite, nach Meereshöhe oder Mikroklima unterschiedlich anfängt. Häufig beginnt der Frühling in den Städten etwas früher als auf dem Lande, in den Tälern früher als in den Bergen und im Süden früher als im Norden.
Im Durchschnitt bewegt sich der Frühling mit einer Geschwindigkeit von ca. 40km pro Tag von Südeuropa nach Nordeuropa.
Die maximale Nord-Süd Ausdehnung der Schweiz beträgt 220.1 km. Daraus liesse sich ableiten, dass der Frühling im Tessin rund 6 Tage früher beginnen müsste als im nördlichen Kanton Zürich oder Aargau. Dies gilt es noch zu überprüfen.
Frühling, Frühjahr, Maienzeit, Lenzing oder Lenz
Diese Begriffe werden synonym verwendet. Das altdeutsche Wort Lenzing bezeichnet den dritten Monat des Jahres, also den März, in welchem das Frühjahr beginnt.
Der Frühlingsanfang war in der Landwirtschaft schon immer eine besonders wichtige Zeit. Das wiederspiegelt sich in Volks- und Kinderliedern wie „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt…“ https://www.youtube.com/watch?v=LoJ4_9zyfe4
Im Frühjahr ist der Bauer, oft mit Hilfe der ganzen Familie, damit beschäftigt, die Felder zu bestellen, zu pflügen und anzusäen, die Weiden vorzubereiten usw.
Wer sich also eine schönen Lenz machte, der war ganz einfach nur faul.
Bericht Heidi, HB9GHK 20. März 2017
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