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Der 18. Juli 1970 ist ein historischer Tag in der Geschichte der Rockmusik: Am Londoner Imperial College tritt erstmals die Band namens «Queen» auf. Die Setlist des Konzerts ist zwar verschollen. Aber dieses Konzert markiert den Beginn einer Weltkarriere für vier britische Musiker.
Gitarrist Brian May und Schlagzeuger Roger Taylor waren zunächst nicht restlos überzeugt von den Qualitäten des neuen Sängers Freddie Mercury. Taylor fand, er klang anfangs ein bisschen «wie ein sehr kraftvolles Schaf.» Spoiler: Mercury wurde besser. Viel besser.
Der Queen-Sound
Es ist paradox: Die Musik der Band deckt eine grosse stilistische Vielfalt ab – und doch erkennt man die Queen-Songs beim Hören sofort. Das hat mit der aussergewöhnlichen Stimme von Mercury zu tun. Aber nicht nur: Die Band hat es geschafft, einen ganz eigenen, unverkennbaren Sound zu kreieren.
Die Band «Queen»
John Deacon (19.8.1951): Der prototypische stille Bassist der Band war eine Art Geheimwaffe und hat mit «Another One Bites the Dust» die kommerziell erfolgreichste Single komponiert. Er zog sich 1997 aus dem Musikgeschäft zurück.
Freddie Mercury (5.9.1946 – 24.11.1991): Der Sänger wurde als Farrokh Bulsara in Sansibar geboren. Stimme, Charisma und Live-Performances machen ihn zu einem der grössten Rocksänger aller Zeiten. Er verstarb 1991 an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung.
Brian May (19.7.1947): Gitarrist, Soundtüftler und Perfektionist.
May spielt auf seiner «Red Special», die er mit seinem Vater gebaut hat. Typisch sind seine «Gitarrenorchester», die aus zahlreichen übereinandergelegten Aufnahmen bestehen. Hat einen Doktortitel in Astrophysik.
Roger Taylor (26.7.1949): Der Schlagzeuger und Frauenschwarm ist eine wichtige Stimme an den Konzerten, wo er die hohen Passagen der Refrains singt. Legendär ist sein Falsett im Song «Bohemian Rhapsody».
Queen strebten ein möglichst wuchtiges Klangerlebnis an. Gesang und Gitarrenpassagen wurden mehrfach aufgenommen und übereinandergelegt, um einen «epischeren» Sound zu erzielen.
Das erforderte in den 1970er-Jahren viel Innovation. Die Aufnahmetechnik mit 16 respektive 24 Tonspuren reichte nirgends hin. Die Bänder wurden mehrfach überspielt, bis sie fast durchsichtig wurden.
Opulente Chöre und Gitarrenorchester
Ein Musikkritiker des «Melody Maker» lobte in einer Rezension den gekonnten Einsatz von Synthesizern auf dem Debutalbum «Queen». Er lag falsch: Es war das «Gitarrenorchester» von Brian May.
Queen ärgerten sich dermassen über die fehlende Wertschätzung ihrer Soundtüfteleien, dass sie auf den nachfolgenden Alben den Hinweis «No Synthesisers!» anbrachten.
Eine glückliche Fügung war die Harmonie der Gesangsstimmen von Mercury, Taylor und May. Dabei übernahm May in der Regel die tieferen, Mercury die mittleren und Taylor die sehr hohen Stimmlagen inklusive Falsett – gut zu hören in «Bohemian Rhapsody», Stichwort «Galileo».
Bohemian Rhapsody
Der Signature Song «Bohemian Rhapsody» vereint die auf die Spitze getriebene Arrangierkunst der Band und das Kompositionstalent von Mercury.
Das Stück entzieht sich jeder Kategorisierung, hat keinen Refrain, besteht aus sechs Teilen und war 1975 für eine Single eigentlich zu lang. Die Aufnahmen in fünf verschiedenen Studios dauerten drei Wochen, was damals die übliche Aufnahmezeit für ein ganzes Album war.
Musikalische Vielfalt
Bereits die grossen Hits decken viele verschiedene Genres ab, was mit den unterschiedlichen Einflüssen ihrer Autoren zu tun hat: Deacons Disco-Funk von «Another One Bites the Dust» ist kaum mit Mays Hardrock-Nummer «We Will Rock You» vergleichbar.
Mercury experimentierte unter anderem mit Rockabilly («Crazy Little Thing Called Love»), und Taylor steuerte nach anfangs raueren Klängen den Pop-Hit «Radio Ga Ga» bei.
Wenn man als Band gleich vier Komponisten in seinen Reihen hat, ist das ein Vorteil. Und ein Problem. Brian May sagte dazu im «Express»:, Link öffnet in einem neuen Fenster «Es gab viel Streit darüber, wieviel Input jeder hatte. Wir waren wie vier Maler mit einem Pinsel, aber nur einer Leinwand.»
Queen – Perlen und Kuriosa
Das musikalische Spektrum von Queen auf ihre Hits zu reduzieren, greift zu kurz. Gerade unter den weniger bekannten Albumtracks finden sich spannende Perlen und Kuriosa.
- I’m in Love with My Car, Link öffnet in einem neuen Fenster (1975) Von Roger Taylor geschrieben und gesungen. Populär vor allem bei Livekonzerten, wo er den Song am Schlagzeug sitzend sang.
- The March of The Black Queen, Link öffnet in einem neuen Fenster (1974) Dieser Titel war sozusagen Bohemian Rhapsody vor Bohemian Rhapsody. Das Ende des sehr komplex arrangierten Stücks erinnert ebenfalls stark an – genau.
- My Melancholy Blues, Link öffnet in einem neuen Fenster (1977) Zeit für etwas Ruhigeres. Diese jazzige Nummer ist für Queen-Verhältnisse sehr reduziert und enthält weder Backing Vocals noch Gitarre. Zeigt nicht nur die Gesangsqualitäten, sondern auch das oft unterschätzte Klavierspiel von Freddie.
- Stone Cold Crazy, Link öffnet in einem neuen Fenster (1974) Dieser fulminante Titel dauert nur etwas mehr als zwei Minuten und wird mittlerweile als Vorläufer des Genres Thrash Metal bezeichnet. Metallica hat den Song später gecovert.
- ’39, Link öffnet in einem neuen Fenster (1975) Musikalisch irgendwo zwischen Skiffle und Folk. Inhaltlich geht es um einen Raumfahrer, der wegen der Relativität weniger schnell altert als seine Liebsten auf der Erde. Wem kommt so etwas in den Sinn? Dem Astrophysiker Brian May natürlich. Er singt den Song gleich selbst.
Die Spotify-Playlist, Link öffnet in einem neuen Fenster enthält weitere weniger bekannte Queen-Songs mit Einflüssen von Music Hall bis Punk.
Das Vermächtnis
Queen machten auch nach dem Tod ihres charismatischen Leadsängers Freddie Mercury 1991 mit Unterbrüchen weiter, auch wenn sich Brian May und Roger Taylor zunächst Soloprojekten widmeten.
Seit einigen Jahren touren sie mit Adam Lambert als Sänger und landeten mit dem Album «Live Around The World» auf Platz 1 der UK-Charts. Wesentlich beigetragen zum wiedererstarkten Interesse an der Band hat zudem der Film «Bohemian Rhapsody» von 2018.
Seit dem Auftritt am Imperial College hat es Queen von der Studentenband zur Rock-Legende gebracht. Brian May erzählte dem «Express», Link öffnet in einem neuen Fenster, weshalb das gerade ihnen gelungen ist: «Wir haben uns alle gegenseitig beeinflusst. Das war das Geheimnis von Queen. […] Wir hatten eine familiäre Beziehung. Es war nicht immer nett, weil Familien nicht immer nett sind. Wir haben manchmal schreckliche Dinge gesagt, aber wir haben gegenseitig das Beste aus uns herausgeholt.»
Ihre Fans bleiben ihnen auf alle Fälle treu. Der offizielle internationale Fanclub hat es als ältester bestehender Band-Fanclub ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.