Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03434.jsonl.gz/263

Donnerstag, 16. April 2009
29. April – 23. Mai 2009
Les Complices*, Anwandstrasse 9, 8004 Zürich
Salomania rekonstruiert einen Tanz: Den Tanz der Sieben Schleier aus dem Stummfilm Salomé von Alla Nazimova aus dem Jahr 1923. Gezeigt und geprobt werden auch Ausschnitte aus Valda’s Solo, das die Choreographin und Filmemacherin Yvonne Rainer 1973 entwarf, nachdem sie Nazimovas Film gesehen hatte. Die Installation beschäftigt sich mit Salome als einer Transgender-Figur und mit dem Motiv einer queeren Aneignung des Exotischen. Performer_innen sind Wu Ingrid Tsang und Yvonne Rainer.
Salomania, Film und Installation
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine Welle der Begeisterung für die Figur der Salome, die bald den Namen ‚Salomania‘ erhielt. Frauen trafen sich und imitierten den Tanz der Sieben Schleier. Eine Reihe von Tänzerinnen wurde mit Darstellungen der Salome berühmt. Die Figur der Salome stand für unternehmerische Unabhängigkeit und sexuelle Freiheit und wurde zudem zu einer Ikone ‚sodomitischer’ Subjektivität.
Das Skript des Stummfilms Salome basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Oscar Wilde und folgt der biblischen Geschichte der jüdischen Prinzessin Salome. König Herodes begehrt seine jugendliche Stieftochter Salome. Sie wiederum interessiert sich für den Missionar, Johannes (den Täufer), der sie jedoch zurückweist. Sie entspricht dem Wunsch des Herodes, für ihn zu tanzen, und fordert als Lohn den Kopf des Johannes, der ihr auf einem Tablett präsentiert wird. Sie küsst den abgeschlagenen Kopf.
Die Installation Salomania greift Motive des Stummfilms wie die Choreographie der Blicke, das aktive Begehren von Salome und die Figur des Schleiers auf. Aber auch Elemente des Art Deco, die der Film zelebriert: Dieses vorherrschende Design der 20er und 30er Jahre verwendete moderne Werkstoffe und Bilder technologischen Fortschritts. Warum mischte es sie jedoch mit Materialien und Bildern des ‚Orientalischen‘ wie Straußenfedern oder Palmen?
Während die entstehenden Bilder des ‚Fernen’ und des Technologischen als Teil kolonialer Politiken betrachtet werden können, die Betrachter_innen mit der ‚Fremdheit‘ der Kolonien weiter bekannt machen und koloniale Vorherrschaft rechtfertigen sollen, wurden sie im Film Salomé zugleich transformiert. Sie sind hier als Bilder etabliert, die weibliche, queere oder Transgender-Phantasien erlauben: ein Raum zwischen den Geschlechtern und zwischen Orient und Okzident erscheint möglich.
Pauline Baudry ist Dozentin in der VMK.
Öffnungszeiten der Ausstellungen
Do, Fr, Sa: 14 – 18
und nach Vereinbarung über die Nummer 076 367 83 73 (Andrea Thal) oder <email-pii>
www.lescomplices.ch