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Eine Spanienfahrt im Jahre 1956
Louis Krähenbühl, Fotos von Bernardo von Raith
Auch wenn unter den Tractionisten viele schon im fortgeschrittenen Alter stehen, dürften nur wenige von eigenen Fahrerlebnissen im Jahr 1956 berichten. Louis Krähenbühl besass damals nicht nur den Führerschein sondern hatte auch den Mut, mit einem abbruchreifen Fahrzeug von Basel nach Spanien zu reisen.
Der damalige KV-Lehrling Louis Krähenbühl im Buick 1934
Kann man von einem Durchschnittsalter der Tractionisten sprechen? Wenn man die Photos sieht, welche auf den CTAC-Ausfahrten geschossen werden, sind die graumelierten Herren in der Überzahl. Sagen wir mal, dass dieses Durchschnittsalter so um die 50 ist, oder nyt?
Wie war der Strassenverkehr in der Schweiz Mitte der 50er Jahre? Der geneigte Leser möchte sich gerne in die damalige Zeit versetzen. Der zweite Weltkrieg war noch vielen in Erinnerung, Deutschland war kräftig im Wiederaufbau, in Basel gab es Grenzgänger, die jeden Tag mit dem Motorrad zur Arbeit kamen und abends wieder zurückfuhren. Sie konnten 50 g Kaffee pro Tag poschten oder ähnlich. Im Jahre 1956 sang die Katharine Valente ihre Lieder "Bonjour Kathrin, bonjour, ihr Melodien, die dieser schöne Tag, mir bringt." Die Lyss Assia war auch schon da, (die noch heute aktiv ist, wie man sagt) und sang, und im Radio hörte man Lieder wie: Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein, und Italiens, blaues Meer im Sonnenschein. Ferdi Kübler und Hugo Koblet waren die Asse auf den Rennvelos mit Fausto Coppi und vielen anderen. Lelio Rigassi berichtete am Radio über die Tour de Suisse "...jetzt fährt Riese Eugen Kamber und klein Fritzli Schär" und es gab Vivi-Cola. Dann setzte Coca Cola mit einer Riesenpropaganda zum k.o. Schlag gegen Vivi-Cola ein, und Vivi-Cola unterlag der Übermacht. Fernsehen gab es in der Schweiz noch nicht oder kaum, in Basel konnte man fernsehen, aber nur Sender von Deutschland und Frankreich. Man reiste in die Ferien, meistens in den Süden nach Italien, oder nach Südfrankreich, einige wenige fuhren nach Spanien, welches touristisch damals noch wenig nicht erschlossen war.
Auf den Strassen fuhren neue Autos, neben unserer geliebten Citroën Traction Avant sah man die anderen französischen Marken wie Renault, Peugeot, Simca, die Italiener mit Fiat, Lancia, Alfa Romeo, die deutschen mit Opel, Borgward, Ford Taunus und anderen. Der Traumwagen war natürlich ein Mercedes, mindestens einen mit Dieselmotor. Den 180er mit seinen 56 PS war zwar lahm wie eine Ente, aber man konnte mit ihm einige hundertausende Kilometer abspulen und der Motor ging nicht kaputt, und er war erst noch gut weiterverkäuflich. Stau gab es noch keinen, aber Kolonnenfahren schon, weil man nicht überholen konnte.
Daneben aber fuhren noch etliche Vorkriegswagen herum, die alle den Krieg aufgebockt in der Garage oder in einer Scheune,ueberlebt hatten, wie DKW, Adler - beide auch mit Vorderradantrieb - Steyr, Skoda, Engländer wie Austin Seven, Riley und viele mehr. Ich will nicht alle aufzählen, sie sind doch bekannt .... Opel Olympia, Renault Juvaquatre und so fort, auch einige Amerikanerwagen wie Chevys, Ford, Chrysler, Studebaker und andere Marken. Viele Neuautos der Nachkiegsjahre waren Nachbauten der Vorkriegsmodelle. Erst Anfangs der 50er Jahre kam dann der Umschwung. Die ersten Amerikanerwagen wurden überall bestaunt, auch der Besitzer, der sich einen solchen teuren Wagen leisten konnte.
Da gab es in Basel vier Lehrlinge, der jüngste war noch keine 18, der älteste 20, zwei davon 19. Wir wollen sie beim Namen nennen. Der Hansueli war der Drogistenlehrling, der Hanspeter - "Hanspele" genannt - und der Louis, beide zukünftige Kaufleute, und der Bernhard "Berny" war Photograph.
Drei hatten das "Billié", wie wir Basler dem Führerausweis für Automobile sagen, im Sack. In den drei knappen Ferienwochen, die Lehrlingen damals zugestanden, wurden, hiess es: "Auf nach Spanien". Ein Jahr vorher wurde ein alter Chevy 1934, der einem Vater von den vieren gehörte, auf Vordermann gebracht. Er hatte eine Wechselnummer. Bei einer Ausfahrt musste also Herr Papa mit seinem neuen Chevy 1950 zu Hause bleiben.
Der Wagen hatte eine hellblaue Farbe, auf den hinteren Türen stand: "Damenabteil", aussen auf der Hinterwand: "Wer seinen Wagen liebt, der schiebt", was auch einige Male getan werden musste. Der Motor war am Ende und eine blaue Rauchfahne kam aus dem Auspuff heraus. Es war also nicht möglich, damit auf die grosse Reise zu gehen.
Also gut, Wagen verkaufen, war die Devise. Bei einer Probefahrt mit einem potenziellen Kaeufer hielt ein Polizist auf dem Motorrad den Wagen an, der Rauch war zu stark, er hielt die Hand ans Steuerrad, welches (im Stand) nachgab und ein Spiel von mehr als zehn Zentimeter hatte. "Jetzt fährt Ihr aber sofort nach Hause und lässt ihn stehen", war die Weisung, die befolgt wurde. Der Wagen blieb dann in der Garage.
Was tun? Mit diesem Chevy 34 konnte nicht mehr gerechnet werden.
Der "Hanspele" war Lehrling in einer Autogarage, dort kaufte ein Kunde gerade einen Opel Kapitaen, damals der "deutsche Amerikanerwagen". Seinen alten Buick 1934 gab er an Zahlung, und der stand zum Verkauf frei. Für 350 Franken erstand dann der Louis den Wagen, hob das Geld vom Sparkonto ab, natürlich ohne was seinem Vater zu sagen.
Im März jenes Jahres wollten die Herren mal eine Ausfahrt wagen. Der Wagen hatte keine Nummer, man lud einfach einen Automechaniker der erwähnten Garage ein. Der kam mit der Wechselnummer unter dem Arm und schnallte sie auf den Nummernhalter, und auf ging es nach Genf an den Autosalon. Von der Ausstellung blieb nichts mehr im Gedächtnis hängen, nur von der Nacht mit Schlafen im Wagen und der Rückfahrt anderntags, wobei die Wasserpumpe ihren Dienst versagte. Mit Ach und Krach und stetigem Kühlwassernachfüllen, um ein Überhitzen zu vermeiden und mit der Batterie am "Arm", weil der Generator nicht mehr laden konnte, erreichte man die Garage.
So, jetzt eine neue Wasserpumpe, natürlich Original, aus der damaligen Agence Americaine in Basel, diesmal bezahlte Hansueli das Ding, und ein Mechaniker, natürlich wieder der erwähnten Garage, montierte sie für 20 Franken. Stillschweigen musste gewahrt werden, weil es für ihn verboten war, private Arbeiten an Autos zu verrichten.
Der Wagen wurde dann in der Garage von Hansueli, auf die Reise vorbereitet. Er wurde poliert, die Reifen mit Messer nachprofiliert, d.h. es wurde von Hand ein Profil in die abgewetzten Pneus geschnitten, bis fast auf die Leinwand (so hart waren damals die Bräuche). Man fand einen alten Gepäckträger und montierte ihn auf dem Dach. Der geneigte Leser darf dreimal raten, woher er kam. Der Wagen hatte ein schönes Schiebedach über die ganze Länge. Es war herrlich, nachts von Basel nach Riehen mit offenem Schiebedach zu fahren. Eine Blumenwase war am linken Türpfosten angebracht, und eine 8 Tage-Uhr oben an der Windschutzscheibe gab die Zeit an. Der Wagen hatte ein Lenkschloss an der Lenksäule, und eine "Tempomaten". Man zog einen Knopf am Armaturenbrett heraus und das Gaspedal ging ein wenig herunter. Alles ging über ein Kabel und man konnte im 3. Gang gemütlich mit 60 km pro Stunde bummeln.
Interieur des Buick 1934
Der Motor war ein Reihen-Achtzylinder. Höchstgeschwindigkeit war ca. 115 km/h, Benzinverbrauch 22 Liter, Ölverbrauch bei Vollgas 1 L auf 100 km. Die Auspuffrauchfahne war auch da, aber entsprechend kleiner, und kein Schugger hielt den Wagen an. Der Boden war aus Holz, der Wagen hatte ein Chassis und Carrosserie. Auf dem Trittbrett stand stolz "Body by Fisher". Die Bremsen waren mechanisch und mussten von Zeit zu Zeit genau eingestellt werden, damit der Wagen beim Bremsen auch geradeaus fuhr und nicht auf eine Seite zog. In den vorderen Kotflügeln war je links und rechts ein Reserverad eingekeilt, schön mit Blech abgedeckt und mit einem Schloss gesichert. Die Farbe war ein elegantes Dunkelblau. Der Vergaser hatte ein starkes Ansauggeräusch, das sich verstärkte, wenn man Gas gab. Die Winker links und rechts vorne wurden über einen Bakelitschalter betätigt welcher in der Mitte des Armaturenbrettes oben angebracht war. Nachts waren sie beleuchtet. Das Nummernschild war hinten links beleuchtet, mit einem einzigen Stoplicht. Auf der rechten Seite hinten war das auch nachts beleuchtete CH-Schild fixiert. Die Sitze waren aus braunem Plüsch, schön weich und die hintere Scheibe hatte ein Rouleau, welches man herunterziehen konnte, was bei nächtlichen Ausfahrten mit Damen in den Wald sehr praktisch war. Den Gepäckträger hinten konnte man aufklappen und ohne Gepäckkoffer fahren. Abgeklappt konnte der Metallkoffer aufgeschraubt werden.Das Benzin kostete damals 56 Rappen der Liter. Die Batterie war unter dem Sitz des Fahrers angebracht. Beim Zurueckschalten vom 3. in den 2. Gang musste man Zwischengas geben, wenn es dann kratzte im Getriebe, wurde geflucht, "Anfänger"... und andere Schimpfnamen wurden ausgeteilt. Die vordere Sitzbank war eng, hinten war es dann bequemer. Der Wagen hatte ganze 2 Stromkreise, über 2 Sicherungen abgesichert. Das erkannten wir aber erst später, der geneigte Leser wird es noch erfahren.
Am 1. Juli war es dann soweit; die neue Nummer BS 37523 wurde stolz, montiert. Der Wagen musste nicht mehr vorgeführt werden, da die Ausserbetriebsstellung weniger als ein Jahr zuvor war. Am Samstagmorgen wurde er in in die Garage vom "Hanspele"gefahren. Der Wagen wurde abgeschmiert und männiglich sah sich diese Arbeit an. Dann wurde ein Ölwechsel durchgeführt und bei der Zahlung sagten die Serviceleute: "Haut ab, Ihr seid ueberhaupt nicht hier gewesen".
Stolz fuhr der Louis dann ins Geschaeft und stellte ihn frech vor der Firma ab. Der Geschäftsbesitzer sah den Wagen und meinte: "Jetzt wird es besser, wenn der Lehrling mit einem grösseren Wagen als der Chef selber zur Arbeit fährt" .Er hatte eine Traction 15 Six und einen Mercedes 220.
Auch ein schöner Rücken... oder BS 37523
Steuer und Versicherung wurde gemeinsam bezahlt. Der Hanspele konnte eine Versicherung durch Beziehungen an seinem Arbeitsplatz für nur 3 Monate zu einem Spezialpreis von Fr. 280.- abschliessen. Länger als 3 Monate konnten sie sich den Wagen nicht leisten. Der Durchschnittslohn eines Lehrlings war damals unter 100 "Schdai".
Dann sollte der Wagen noch getauft werden. Man einigte sich auf den Namen: "Caroline Chérie." Es gab ein Fest beim Hansueli, Freundinnen und Freunde wurden eingeladen, die Taufpatin war Rosmarie K. ebenfalls Jahrgang 1934, und da kein Geld für Champagner da war, musste eine Bierflasche herhalten. Der Name wurde in silberner Farbe auf die linke, vordere Türe gemalt.
Am ersten Wochenende fuhr man aufs Land zu einem Gartenfest und schon kam der erste Blechschaden: Der Louis fuhr nachts rückwaerts in einen Vauxhall. Der Blechschaden von 350 Franken, zahlte die Versicherung (am Vauxhall natürlich, der Buick trug nicht einmal einen Kratzer davon. Nachher entschloss man sich, wenn immer möglich, so zu parkieren, dass nur vorwärts herausgefahren werden kann, weil man nach hinten nachts praktisch nichts sehen konnte. Alles hatte grosse Freude am "motorisierte Gartehüsli", wie die Basler sagten. Bei kleinen Ausfahrten brachte jeder fünf Franken mit, dann wurde getankt und losgefahren.
Anfangs August war es dann soweit. Vorher wurde noch ein 20 L Ölkanister fÜr den grossen Öldurst des Motors gekauft, von einem Kollegen, dessen Vater Grossist einer bekannten Ölfirma in Basel war, zu einem Spezialpreis natürlich. Im Gepäckkoffer wurde eine komplette Mechanikerkiste mit allen nötigen Werkzeugen - natürlich für Zollschrauben - versorgt. Eine alte Autolampe mit Kabel zum Anschliessen an die Batterie, kam auch mit. Unsere 4 Koffer kamen oben auf den Dachträger zusammen mit dem Zelt, und hinten wurden Luftmatratzen eingelegt. Jeder brachte 500 Franken für die Reise mit, auf dem Kühler das Schweizerfähnli und das TCS-Schild.
Als Abschiedslied wurde das Lied: Bonjour, Kathrin, bonjour ihr Melodien, die dieser schoene Tag, mir bringt, gesungen und los ging es über Genf - Annecy - Valence, wo wir nachts den ersten Pneu wechseln mussten, was ohne grosse Probleme geschah, hatten wir doch Reifenwechsel zu Hause ausprobiert. Wir fuhren die ganze Nacht durch, 4 Stunden Fahrt für jeden, 4 Stunden als Hilfschauffeur mit Autokarte, die anderen schliefen hinten. Auch der Hanspele durfte fahren, obwohl er noch keinen Fahrausweis hatte.
Reisebereit
Im Rhonetal staunten wir ueber den Pont d'Avignon und sahen einige französische Oldtimer, einen Citroën Trèfle ist dem Louis noch in bester Erinnerung. In Perpignan auf dem Zeltplatz sah man aber das erste Problem: Die Federn der Hinterräder waren komplett durchgebogen, das maximale Gewicht war klar überschritten. Der Hanspele zog seinen mitgenommen Mechanikerdress an zur Kontrolle. Er ist auf der "Fotti" gut zu sehen.
Zeltplatz Perpignan
Die Fahrt ging weiter, über den französischen Zoll bei Cerbère nach Portbou.
Es soll noch erwähnt werden, dass in der Schweiz sogenannte Benzincoupons für Spanien gekauft wurden. Es gab nicht viel Benzin, musste dort eingeführt werden und so tankten wir zum erstenmal dort Benzin an einer Tanksäule, die noch keiner von uns je gesehen hat. Von Hand wurde das Benzin in ein Schauglas gepumpt, um dann mittels Schwerkraft in den Tank gefüllt.
Tanken mit 20 Liter Kanister
An der Küste entlang ging es nach Lloret de Mar - schon damals ein bekannter Ferienort. Wir blieben einige Tage, dann Weiterfahrt nach Barcelona, zu den Grosseltern von Louis, dessen Mutter eine Spanierin bzw. Katalanerin war. Er war der Einzige, der Spanisch sprach.
Dort angekommen, wurde festgestellt, dass der grosse Öltank leck war und alle Teile im Koffer hinten im Öl schwammen. Also weg und von da an das billigste Motorenöl benutzen, in Glasflaschen käuflich.
Ölprobleme auf offener Strasse
Jetzt aber hiess es: "Was tun mit der Federung der Hinterachse"?
Der Onkel Francisco von Louis brachte den Wagen zu einem Federnspezialisten für Lastwagen, der einige Federblätter auf jeder Seite einpackte, worauf der Wagen, unbeladen, den Hintern in die Luft streckte, beladen aber normal fuhr.
El Mecanico
Der Berny war blond und hatte natürlich entsprechend Chancen bei den Spanierinnen. Überhaupt hatten die Leute dort das Gaudi, vier junge Kerle mit einem grossen, alten Auto. Der geneigte Leser möge sich einmal zurück in die damalige Zeit versetzen. Von 1936 bis 1939 war in Spanien der Bürgerkrieg. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es vom Westen boykottiert, wobei wir nicht auf die damalige Regierung eingehen wollen, weil da verschiedene Meinungen bestehen. Einzig die Argentinier halfen mit Getreide und dem "corned-beef", Dosenfleisch.
Barcelona, C. Napoles 267 - Blick in den Hinterhof
Spanien war ein Agrarland, die Industrie kam nur langsam auf Touren. Der Hanspele sagte: "Sieh mal, jetzt habe ich einen Fiat 1400 mit "Schofför" gesehen." Es war der 1400 SEAT, das erste in Spanien unter den Fittichen von FIAT Italien gebaute Nachkriegsauto. Der Wagen ist heute ein gesuchter Oldtimer. Alte Vorkriegsauto wurden noch vollrevidiert, man sah übigens auf der Reise noch zwei- dreimal den gleiche Buick, wie wir ihn fuhren.
Die vier Lehrlinge wollten mal etwas erleben. Also - wie wärs mit einem Besuch in einem Nachtklub in Barcelona? Ein Cousin von Louis anerbot sich uns zu belgeiten, man ging hin, viel zu früh, einzig die Tänzerinnen waren da, welche nachher die Show gaben, aber bitte, kein Striptease, alles ganz anständig. Es wurde getanzt und die Damen konsumierten, bis der Hansueli zum Aufbruch mahnte und sagte, weg, sonst bleiben alle unsere "Stütz" hier liegen, also das Lokal verlassen, bevor es richtig losging.
Weiter dem Meer entlang in den Süden, immer auf Zeltplätzen. In Basel vor der Abfahrt erhielten wir eine Liste von allen öffentlichen Zeltplätzen in Spanien, auf einer Gestetner-Maschine vervielfaeltigt - wer kannte diese noch? Ein Abziehbildchen wurde auf die Windschutzscheibe geklebt "en viaje turistico", damit ja jeder weiss, es sind Touristen.
Man beachte das beleuchtete CH-Schild
In Erinnerung ist noch ein Deutscher, braungebrannter Familienvater mit einer Borgward Isabella. Ins Gespräch verwickelt, kam heraus, dass er Pilot der Legion Condor war und JU 52 Flugzeugführer, und uns eine Lektion über seine Flüge im spanischen Bürgerkrieg gab.
Weiter ging es Richtung Süden. Unterwegs mussten wir die Scheibenwischer austauschen gegen welche mit Federung und hatten immer wieder Probleme mit der Benzinpumpe. Es wurde die Membrane gewechselt, aber immer wieder gab es Probleme, weil die Pumpe den "Moschd" nicht genügend aus dem Tank pumpte. Schliesslich wurde einfach improvisiert. Die Pumpe bekam Kühlung mit einem nassen Lappen, oder man wartete, bis sich die Pumpe von selber abkühlte.
Hansueli am Steuer - oben in der Mitte die Uhr
Es war nachts in der Stadt Castellón de la Plana. Auf einmal fuhr der Waqen nicht mehr, die Benzin-Pumpe war es nicht, also was? Kein Licht! Man standen vor einem Haus, wo getanzt wurde, die Leute sassen draussen und der Benni fragte, ob er mittanzen dürfe, was man ihm gestattete. Unterdessen kamen Spanier und halfen. Der Wagen, hatte, wie bereits erwähnt, zwei ganze Stromkreise mit zwei Glas-Sicherungen. Irgendwie gab es einen Kurzschluss. Die Spanier löteten zwei Drähte auf die Sicherungen und wir konnten weiterfahren, alles um Mitternacht geschehen, Geld wurde keines angenommen.
Weiter ging es nach Valencia, dort wurde dere Kühler gut durchgespühlt. Auf den Zeltplätzen angekommen, wurde jeweils der Gepäckträger abmontiert und auch der Koffer hinten, das Schiebedach nach hinten gezogen, und auf ging es, die Stadt zu erobern.
Granada in Andalusien
Strassenszene in Granada
Granada war auch schön, die Alhambra hat imponiert eine lustige Episode ist noch in Erinnerung.
Wieder einmal wollte die Beninzumpe nicht, mar schlechter Laune. Da kam ein Chevy 51, hellgrau, mit Weisswandreifen und Zürchernummer, worauf man frech den Wagen anhielt und um Hilfe bat, man möge uns bitte zur nächsten Stadt abschleppen. Zusammen mit der Werkzeugkiste gab es ein acht Meter langes Stahlseil,welches angebracht wurde. Der Zürcher fuhr mit gutem Tempo zur nächsten Stadt und liess dort den Wagen auf dem Zeltplatz stehen. Besten Dank. Der Louis schrieb sich die Nummer auf und zurückgekommen, schaute er in der "Bibel" nach, wer denn dieser nette Herr war.
Weiss der Tractionist noch, was es mit dieser "Bibel" hatte? Damals standen alle Autobesitzer drinn.
Also schnell einen Brief geschrieben und nochmals bestens gedankt. Prompt kam auch die Antwort zurück von Herrn X.Y aus XX, "es war mir eine Freunde, jungen Schweizern auf ihrer Ferienfahrt in Spanien zu helfen". Geschrieben auf gutem Papier mit eigenem privaten Briefkopf "en lettres anglaises". Man dachte sich, das muss ein Chef gewesen sein, mit gutem Chevy.
Die Fahrt ging weiter dem Meer entlang nach Süden. Einige Strassen waren voller Schlaglöcher. In Gibraltar angekommen, wollte man gerne auf die Halbinsel, aber oha - da hätte man ein Visum gebraucht. Dazu hatten man kein Geld und keine Zeit.
Der Felsen von Gibraltar
So, langsam zurück nach Madrid, dort wurde in einer Pension übernachtet, wobei die Autos jede Nacht auf einer anderen Strassenseite parkieren mussten. Da man das man nicht wusste, wurde der Wagen von der Polizei abgeschleppt. Die Busse bezahlen und da Auslösen nahmen einen ganzen Vormittag in Anspruch.
Madrid Schloss
Palacio Real in Madrid
Obwohl der Hanspele keinen Fahrausweis hatte, fuhr er auch manchmal. Als er dort in eine Einbahnstrasse fuhr, hielt ein Polizist den Wagen an und verlangte "el carnet de conducir, por favor". Mit todernster Miene zog der Hanspele sein Generalabonnement der BVB in Basel hervor, mit seiner "Fotti", und zeigte es dem "Schugger", der auch mit todernster Miene nicht zeigen wollte, dass er kein Wort verstand, und es zurueckgab und fragte, ob er nicht mitfahren könnte. Er klemmte sich auf den Vordersitz, wo nur zwei Platz haben, und es wurde weitergefahren.
Plaza España mit dem erst gerade fertiggestellten Edificio España und dem Cervantes Denkmal
Madrid by night
Dann aber kam der Moment, wo das Geld weg war. Der Hansueli hatte noch ganze 100 Franken, die er um Mitternacht im Hotel Ritz in Madrid gegen Peseten umtauschte. Dann fuhr man zurück über Burgos, San Sebastian, Besançon, St.Louis nach Basel.
Haben Sie was zu verzollen, fragte der Schweizerzöllner. Nein - und glugg, glugg, gaben die Weinflaschen von sich, die unter dem hinteren Sitz versteckt lagen.
Am 5. August hatte der Hanspele Geburtstag und durchlief am nächsten Tag die Fahrprüfung. Die Feier der Arbeitskollegen hatte zur Folge, dass ihn der Louis heimfahren musste, weil er nicht mehr nüchtern war. Damit war die Spanienfahrt zu Ende, aber die Caroline Chérie konnte ja noch bis Ende September gefahren werden.
Der Hansueli passte beim Anfahren nicht auf, hatte den Rückwärtsgang eingeschaltet und fuhr prompt in den Kühler eines Nachbars, also wieder Blechschaden. Und der Berny streifte in Zürich einen Wagen, damit waren drei Blechschaden perfekt zu 850 Franken bei 280 Franken Versicherungsprämie. Der Versicherer, Freund vom Hanspele bei seinem Arbeitgeber, war natürlich über dieses "Geschäft" nicht sehr erfreut und liess es per Telefon den Louis wissen, und erzählte ihm einiges am Telefon. Dieser wollte das aber nicht auf sich lassen und ging in dessen Büro um die Sache mit ihm zu besprechen. Die Sekretärin erklärte ihm aber, er sei nicht anwesend, was auch sicher besser war. Zufällig war Louis auch Pfadifuehrer und hatte seinen Sohn in seiner Gruppe gehabt.
Dann kam der Moment, wo alles vorbei war, die BS-Nummer abgegeben wurde, und die Caroline Chérie auf den Abbruch gefahren wurde. Der Hanspele nahm die Blumenvase und die Uhr mit sich - er hat sie heute noch - und behielt auch die 70 Franken, die man ihm bezahlte.
Die Geschichte mit dem alten Buick ist aber noch nicht fertig. Die Lehrlinge durchliefen ihre Abschlussprüfung und dann kam für alle die Rekrutenschule und nachher hiess es, auf dem Beruf arbeiten. Spanien hat aber allen so gut gefallen, dass sie wieder dorthin fuhren, dem Louis ganz speziell, hat er doch nachher eine Spanierin geheiratet.
Die Zeit läuft bekanntlich viel zu schnell, und aus den Vieren sind betagtere Herren geworden, nicht mehr so schlank wie damals, weisses oder schütteres Haar, aber die Erinnerung an diese Spanienfahrt kommt immer wieder und von Zeit zu Zeit trifft man sich, und stösst auf dieses Abenteuer an.
Der Vater vom Louis erzählte ihm Jahre später, er hätte von Sulzer Aktien gekauft, deren Kurs aber stark nach unten ging. Er zeigte ihm den vergangenen Geschäftsbericht, u.a. mit einer Photo des stellvertretenden Präsidenten des Verwaltungsrates namens Alfred Schaffner - Und siehe da, es war der gleiche Herr, der damals die Caroline Chérie in Spanien abschleppte, worauf der Louis flugs ihm einen zweiten Brief schrieb und ihn auf das damalige Abschleppen ansprach, worauf er auch antwortete, er hätte sich nicht mehr daran erinnern können, aber seine Kinder schon, und sie hätten sehr gelacht über den Brief.
Wir hatten Glück gehabt, der Motor hielt durch, alles ging gut, ohne Kreditkarte, Handy iPad und weiss ich noch was für weiterem modernen Schnickschnach fuhren wir los und kamen heil wieder zurück. Zurück bleibt die schöne Erinnerung an unsere erste Spanienfahrt."
"Sodeli", jetzt ist aber die Geschichte mit dem Buick fertig, und die nachfolgende, Tausche Bugatti gegen Traction Avant, ist ja bekannt.