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Kniescheibenverrenkung – eine folgenschwere Verletzung
Die Verrenkung (Luxation) der Kniescheibe (Patella) ist eine sehr häufige Verletzung im Bereich des Kniegelenks – vor allem bei jungen, sportlich aktiven Patienten. Sie kann mit schweren Folgeschäden assoziiert sein.
Die Patellaluxation ist eine Kniegelenkverletzung, bei der die Kniescheibe in der Regel nach aussen aus ihrer Führung springt. Meist bewegt sich die Kniescheibe spontan in ihre Ursprungsstellung zurück (Reposition). Die Patellaluxation ist mit einer Inzidenz von 5.8 / 100 000 bei der Normalbevölkerung eine sehr häufige Kniegelenkverletzung. Typischerweise tritt sie bei jungen, sportlich aktiven Patienten auf, kann sich jedoch bei Personen mittleren Alters auch als subjektive Patellainstabilität einstellen.
Ursache für eine Patellaluxation ist die wahrscheinlich angeborene Fehlbildung des der Kniescheibe gegenüberliegenden Gleitlagers (Trochlea), das bei krankhaft flacher Ausbildung der nach aussen springenden Kniescheibe kein ausreichendes Widerlager bietet. Das Herausspringen kann ausserdem durch einen zu ausgeprägt nach aussen hin orientierten Zug der Kniescheibensehne, welche die Kniescheibe mit dem Unterschenkel verbindet, zusätzlich begünstigt werden.
Bei diesem Verletzungsmechanismus schert der gelenkseitige Teil der Kniescheibe an der Aussenseite des Oberschenkelknochens entlang. Oft kommt es hierdurch zu Knorpelverletzungen / Knorpel-Knochen-Verletzungen (meist komplette Abscherungen grosser Stücke) im Bereich der Kniescheibenrückfläche. Der Knorpel im Bereich des Kniegelenks hat eine wichtige stossdämpfende Funktion und muss daher nach Möglichkeit erhalten bzw. optimal repariert werden. Zusätzlich reisst bei einer Patellaluxation meist das mediale patellofemorale Ligament (MPFL), ein sehr wichtiges Band, das normalerweise die Kniescheibe vor dem Herausspringen bewahrt.
Eine junge Patientin erlitt bei einem Sportunfall eine Luxation der Patella, wobei ein grosses Knorpel-Knochen-Stück aus der Patellarückfläche abgesprengt wurde und das MPFL riss. Ferner wies die Patientin seit der Geburt eine zu weit nach aussen orientierte Zugrichtung der Kniescheibensehne auf. Im Rahmen eines gezielten Eingriffs wurde bei der Patientin initial das grosse Knorpel-Knochen-Stück unter Verwendung von sich auflösenden Zuckerschrauben wieder an der Kniescheibe befestigt. Im nächsten Schritt der Operation die Zugrichtung der Kniescheibensehne durch Neuorientierung des Ansatzes der Sehne nach innen und unten korrigiert. (Abb. 1 – 2, Normalisierung der Zugorientierung durch Versatz des Knochens-Tuberositastransfer- und folgende Schraubenbefestigung).
Zu guter Letzt erfolgt eine MPFL-Ersatzplastik mit einem körpereigenen Sehnentransplantat (Gracilis-Sehne), das ebenfalls aus dem Kniegelenk stammt. Dabei wird die Sehne im Bereich der Kniescheibe als auch im Bereich des Oberschenkels befestigt und verhindert somit ein Herausspringen der Kniescheibe. Nach Abschluss der Rehabilitation ist die Kniescheibe in der Regel stabil und der Knorpel repariert, so dass die Patienten nach drei bis sechs Monaten wieder uneingeschränkt ihrer sportlichen Aktivität nachgehen können.