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In zwei Schweizer Kantonen wird am 21. Mai darüber abgestimmt, ob in der Primarschule eine oder zwei Fremdsprachen unterrichtet werden sollen.
Sowohl im Thurgau als auch im Kanton Zug entscheiden die Stimmberechtigten über entsprechende Volksinitiativen.
Die Entscheidungen in den beiden Kantonen folgen der Abstimmung vom Februar im Kanton Schaffhausen. Die dortige Volksinitiative war damals knapp abgelehnt worden. Gleiche Initiativen sind noch in den Kantonen Zürich und Luzern hängig.
Sowohl im Thurgau als auch in Zug wollen die Initiativkomitees verhindern, dass ab der 3. Klasse eine erste und ab der 5. Klasse eine zweite Fremdsprache unterrichtet werden. Wobei im Kanton Zug das "Modell 3/5" bereits seit Beginn des Schuljahres 2005/2006 umgesetzt wird.
Zug folgt mit diesem Modell dem Beschluss der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Englisch wird dabei als erste, die Landessprache Französisch als zweite Fremdsprache eingeführt.
Die Diskussion um die Bevorzugung des Englischen vor einer der Landessprachen führt nicht nur in der Deutschschweiz zu heissen Köpfen. Entsprechend wird in der französischsprachigen Westschweiz Englisch oft vor Deutsch gelehrt.
In Zug hat das Fremdsprachen-Konzept gleich noch eine zweite Initiative ausgelöst, über die ebenfalls am 21. Mai abgestimmt wird: "Kein Abbau beim handwerklichen Gestalten" will verhindern, dass zu Gunsten der Fremdsprachen Unterrichtslektionen beim Gestalten gestrichen werden.
Überforderung befürchtet
Strittig ist in allen Kantonen, in denen Volksinitiativen eingereicht wurden, nicht der Beginn des Fremdsprachenunterrichts in der 3. Klasse, sondern der Start mit der zweiten Fremdsprache in der 5. Klasse. Die Initiantinnen und Initianten wollen diesen Unterricht erst ab der 7. Klasse, also auf der Sekundarstufe hinzunehmen ("Modell 3/7").
Die Initiativen heissen denn auch in Zug "Nur eine Fremdsprache auf der Primarstufe" und im Thurgau "Nur eine Fremdsprache in der Primarschule". Durch zwei Fremdsprachen auf dieser Schulstufe befürchten die Gegnerinnen und Gegner des "Modells 3/5" eine Überforderung der Schulkinder.
Diese seien meist durch das Erlernen von Hochdeutsch als "erster Fremdsprache" und einer weiteren Sprache bereits sehr stark belastet, argumentieren die Initianten. Die Gegenseite wiederum führt ins Feld, dass das Erlernen von Fremdsprachen umso einfacher sei, je früher damit begonnen werde.
Parlamente knapp dagegen
Die Fronten für und gegen die Initiativen laufen dabei in beiden Kantonen quer durch die Fraktionen in den Kantonsparlamenten. Die Initiative fiel im Zuger Parlament mit 35 zu 30 Stimmen durch, im Thurgauer Grossen Rat mit 65 zu 51.
Bereits die Entscheidung in Schaffhausen gegen die Volksinitiative und für das "Modell 3/5" war im Februar mit 51,3% der Stimmen denkbar knapp ausgefallen. In Zürich soll das Volk spätestens im ersten Halbjahr 2007 über das gleiche Ansinnen entscheiden. Für Luzern ist noch kein Abstimmungstermin bekannt.
Dem von den Initianten bevorzugten "Modell 3/7" haben die beiden Kantone Appenzell Innerrhoden und Nidwalden den Vorzug gegeben. Innerrhoden setzt das Modell bereits um, in Nidwalden liegt ein Parlamentsbeschluss vor. In Schwyz wurde eine entsprechende Motion überwiesen, in Glarus liegt ein Postulat gleichen Inhalts vor.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Der Fremdsprachen-Unterricht wird in der Schweiz seit einiger Zeit kontrovers diskutiert, weil einige Kantone Englisch der Landessprache Französisch vorziehen.
Die Abstimmung in den Kantonen Thurgau und Zug findet am 21. Mai statt, gleichzeitig mit der Eidgenössischen Abstimmung über den Bildungsrahmen-Artikel.
Dieser verlangt eine Änderung der Bundesverfassung, um die kantonal sehr unterschiedlich geregelte Bildung in der Schweiz zu harmonisieren.
Fakten
Thurgau, Zug: Initiativen für erste Fremdsprache in der 3., zweite Fremdsprache in der 7. Klasse ("Modell 3/7")
Zürich, Luzern: Ähnliche Initiativen hängig
Schaffhausen: Im Februar knappe Mehrheit gegen "Modell 3/7"
Appenzell Innerrhoden, Nidwalden: Entscheid für "Modell 3/7"