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Bischof Elias Al-Debei berichtet über die Lebenssituation der Menschen in seiner Diözese in Südsyrien und erklärt, warum viele Menschen, die an ihre Herkunftsorte zurückgekehrt sind, vor grossen Herausforderungen stehen. Und er blickt zurück, wie alten Menschen durch unser Projekt «Altersarmut Syrien» geholfen werden konnte.
In Syrien leben heute sieben Millionen Binnenflüchtlinge, die grösste Anzahl weltweit – die meisten von ihnen in unzureichenden Unterkünften und Lagern mit begrenztem Zugang zu fliessendem Wasser und Strom. Die Menschen, die an ihre zerstörten Herkunftsorte zurückgekehrt sind, stehen dort vor grossen Herausforderungen, um zu überleben. 9,2 Millionen Menschen sind im Jahr 2021 in Syrien nach dem HNO-Standard der UNO in ihrer Existenz gefährdet. Am meisten gefährdet sind alte Menschen ohne familiäre Unterstützung, Haushalte mit einem weiblichen Haushaltsvorstand sowie Menschen mit Beeinträchtigung und Kinder.
Rasmieh Moufleh
Al-Bathoush Rasmieh ist 80 Jahre alt und lebt im Dorf Khebab im Bezirk Daraa. Sie ist alleinstehend und unverheiratet und wohnt allein im Haus ihrer Eltern. Da sie kein Einkommen hat, ist sie auf die Hilfe ihrer Neffen und Nichten angewiesen. Diese versuchen sie mit Lebensmitteln und medizinischen Hilfsmitteln zu versorgen, doch ihre Möglichkeiten sind beschränkt, vor allem was den Kauf von Medikamenten angeht. Dank der Hilfe des Heiligland-Vereins konnte Rasmieh ihre Herzmedikamente im vergangenen Jahr bezahlen.
Folgen der Verarmung nehmen
dramatisch zu
Kinderarbeit und Kinderheirat nehmen als Folge von Verarmung dramatisch zu. Mit schätzungsweise 12 Millionen Menschen, die von extremer Ernährungsunsicherheit betroffen sind, wird Syrien bis Mitte 2022 zu den zehn Ländern mit der grössten Ernährungsunsicherheit weltweit gehören. Eines der dringendsten Probleme im Land ist der Mangel an ausgebildeten Fachkräften, die für die Aufrechterhaltung grundlegender Gesundheitsdienste oder den Betrieb von Trinkwasserversorgungssystemen erforderlich sind. Die Stromversorgung beträgt nur noch 15 Prozent des Stands vor Kriegsausbruch im Jahr 2011. 70 Prozent der Abwässer werden unbehandelt abgeleitet, und mindestens die Hälfte der Abwassersysteme sind nicht funktionsfähig. Durch Wasser übertragene Krankheiten nehmen ständig zu.
Thouniah Thahra Al-Najem
Thouniah ist 86 Jahre alt und wohnt im Dorf Khebab im Bezirk Daraa. Sie ist seit 15 Jahren verwitwet. Sie lebt in einem einfachen, ärmlichen Haus mit ihrem einzigen Sohn, der sich um sie kümmert und versucht, ihre Ernährung und medizinische Versorgung sicherzustellen. Sie leidet unter chronischen Schmerzen in den Beinen, unter Diabetes, Herzkrankheiten und einem zu hohen Cholesterinspiegel. Thouniah hat drei verheiratete Söhne und drei verheiratete Töchter, die sie regelmässig besuchen. Auch Thouniah konnte dank der Spende des Heiligland-Vereins 2021 einen Teil ihrer Medikamente bezahlen.
Die Situation in der Diözese Bosra
Die Diözese Bosra, Hauran und Jabal al-Arab unterstützt, wie alle anderen christlichen Religionsgemeinschaften in Syrien, objektiv und neutral die Bemühungen der syrischen Regierung, damit die ungerechten internationalen Sanktionen, die gegen das syrische Volk verhängt wurden, aufgehoben werden. Die christliche syrische Bevölkerung aller Konfessionen in unserer Diözese hat in den zurückliegenden zehn Jahren immer das Recht gehabt, ihre politischen, nationalen und religiösen Aktivitäten, ohne jegliche Diskriminierung auszuüben.
Genügend Nahrungsmittel –
zu wenig Geld
Im allgemeinen haben die Menschen in unserer Region in Südsyrien Zugang zu Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln, die sie auf den lokalen Märkten kaufen können. Einige Medikamente und medizinische Geräte sind dort nicht erhältlich, sodass die Menschen dafür nach Damaskus fahren müssen. Obwohl ausreichend Lebensmittel und Hygieneartikel vorhanden sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung allerdings nicht in der Lage, die benötigten Artikel zu kaufen, da das Geld fehlt. Die Preise für Artikel des täglichen Bedarfs sowie für Medikamente sind 29-mal höher als vor dem Krieg. Um Geld zu sparen, schränken viele Menschen ihre Ernährung ein oder verzichten auf die Einnahme lebenswichtiger Medikamente oder notwen-diger medizinischer Eingriffe.
Lateef Ejaj Al-Ekkeh
Lateef ist 88 Jahre alt und lebt in Khebab im Bezirk Daraa. Er ist seit zehn Jahren Witwer und wohnt in einem sehr einfachen Haus in seinem Dorf. Er hat zwölf Kinder, die ihr Bestes tun, um für ihren Vater zu sorgen. Allerdings leiden auch sie unter den grossen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sodass sie kaum den Bedarf ihrer eigenen Familien sichern können. Dank der Spende des Heiligland-Vereins konnte Lateef im vergangenen Jahr seine Nahrungsmittel selbst bezahlen.
Spenden, die ankommen
In unserer Diözese leben zahlreiche Haushalte unter der Armutsgrenze und sind auf jede Art von Hilfe angewiesen. Unser Sozialdienst klärt ab, wer Hilfe benötigt und garantiert, dass Ihre Hilfe bei den notleidenden Menschen ankommt. Wir danken Ihnen für Ihre grosszügige Unterstützung.
Diesen Menschen konnte geholfen werden
200 alte Menschen in der Erzdiözese Bosra konnten von der Spendenaktion des Schweizerischen Heiligland-Vereins im Herbst 2020 profitieren. 14 000’000 SYP bzw. 3500 Euro konnte unser So-zialdienst an Notleidende verteilen. Die Unterstützung erfolgte in Form von Bargeld. Die Begünstigten konnten so frei entscheiden und das Geld für ihre Bedürfnisse ausgeben.
Bischof Elias Al-Debei, Bosra in Syrien