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Mit dem Choral schuf Martin Luther gleich in den Anfangsjahren der Reformation eine neue musikalische Gattung, welche für ihre Umsetzung eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Der Gemeindegesang wurde von Luther als „singende Verkündigung“ des Evangeliums und der neuen Lehre hoch geachtet. Im Programm der Newen Mittwochs-Compagney spinnen vier Choräle Martin Luthers den textlichen und melodischen Faden, der durch mehr als zweihundert Jahre Musikgeschichte führt. Beginnend beim einstimmigen Choral von Luther selbst führt der Weg über die kunstfertigen, mehrstimmigen Verrtonungen seiner Zeitgenossen Johann Walter und Caspar Othmayr bis hin zu den immer komplexer ausgestalteten Kantaten des Hochbarock von Dieterich Buxtehude, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach.
Heinrich Schütz (1585-1672), einer der ersten grossen deutschsprachigen Komponisten, hat den damals modernen italienischen Stil „ins Deutsche übersetzt“ und damit einen gerade für die evangelische Kirchenmusik zentralen Werkkomplex geschaffen.
Im Zentrum des Programmes stehen doppel - und mehrchörige Vertonungen aus den „Psalmen Davids“ op. 2 sowie Schütz’ grossangelegte Vertonung des 116. Psalms. Zudem erklingen das deutsche Magnificat und einige ausgewählte Werke aus seinen Cantiones sacrae. Einen spannenden Kontrast dazu bilden die italienischen Madrigale aus seinem Opus 1. Komponierte der junge Schütz quasi avantgardistisch und ziemlich dissonant, so wurde seine Musik im Laufe seines langen Lebens immer konservativer bis hin zu einem abgeklärten, fast zeitlosen Spätstil. Der Kammerchor Winterthur und das Ensemble Lamaraviglia machen in ihrem ersten gemeinsamen Programm die Vielseitigkeit dieses grossartigen Komponisten hörbar und zeigen den gewichtigen Anteil, den seine Musik zur Verbreitung des reformatorischen Gedankenguts beigetragen hat.
Konzerte Zürich 2017/18
Die Erfolgsgeschichte des Genfer Psalters begann 1541 am katholischen französischen Hof mit Clement Marots ersten gereimten Psalmen in französischer Sprache. Bereits zwanzig Jahre später erschien der erste komplette Genfer Psalter, eine Sammlung aller hundertfünfzig Psalmen, versehen mit eigenen Melodien. Diese Sammlung löste einen wahren Boom mehrstimmiger Kompositionen aus, welche sich schnell einer unglaublichen Beliebtheit erfreuten und sich dank Übersetzungen ins Deutsche und sogar ins Rätoromanische in Windeseile im reformierten Europa verbreiteten. Das Ensemble Lamaraviglia folgt in diesem Programm den Wegen des Genfer Psalters durch Länder und Sprachen. Im Kontrast mit weltlichen und geistlichen Madrigalen entsteht ein lebhaftes musikalisches Zeitgemälde.
Konzert 2
DE TOUT MON COEUR
Der Genfer Psalter reist durch Europa
Freitag, 9.3.2018, 19.30 Uhr
Wasserkirche, Zürich
19.00 Uhr Einführung mit Pfr. Christoph Strebel
Ensemble Lamaraviglia
Konzert 1
JAUCHZET DEM HERRN ALLE WELT
Die Psalmen Davids von Heinrich Schütz
Kammerchor Winterthur & Ensemble Lamaraviglia
Konzert 3
ES WOLLT' UNS GOTT GENÄDIG SEIN
Luthers Choräle im Wandel der Zeit
Newe Mittwochs-Compagney
Stephanie Boller, Mezzosopran - Stefan Kahle, Altus - Matthias Deger - Tenor - Ivo Haun, Tenor - Jedediah Allen, Bass
Seraina Perrenoud, Sopran - Stephanie Boller, Mezzosopran - Jan Thomer, Altus -
Benjamin Berweger, Tenor - Jonas Atwood, Bass - Matías Lanz, Orgel
Ensemble auf historischen Instrumenten
Burkhard Kinzler, Leitung - Jessica Jans, Sopran - Stephanie Boller, Mezzosopran -
Stefan Kahle, Altus - Matthias Deger, Tenor - Jedediah Allen, Bass
Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Reformation tauchen wir 2017/18 in drei Konzerten in den reichen musikalischen Kosmos dieser bewegten Zeit ein. Wir folgen der Entwicklung der Gesänge des Genfer Psalters von ihrem Ursprung bis hin zu Jan Pieterszoon Sweelincks komplexen Renaissancesätzen. Wir lernen Martin Luther als Komponist, Dichter und Musikliebhaber kennen, und hören seine Choräle in den Vertonungen so bekannter Komponisten wie Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Georg Friedrich Telemann und Johann Sebastian Bach. Wir werfen einen Blick in die Übungsstuben der Musikkollegien der Schweiz und besuchen eine Abendmusik von Dietrich Buxtehude in Lübeck, und lernen so Musikinstitutionen kennen, die unser Konzertleben bis heute beeinflussen.
Jeweils eine halbe Stunde vor dem Konzert findet eine Einführung mit Pfarrer Christoph Strebel statt, die von der literarisch- theologischen Seite her ins Thema des Konzertes einführt.
Gönnen Sie sich eine klingende Auszeit in der Wasserkirche. Wir freuen uns auf entdeckungsreiche Erlebnisse mit Ihnen.
Stephanie Boller
Künstlerische Leitung
Aufbruch - Umbruch
Die Musik der Reformation