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Uni Engehalde (Altes Tierspital)
Engehaldenstrasse 4/8, Neubrückstrasse 10, Schützenmattstrasse 14
Wer die Vorgeschichte der heutigen Institute für Informatik und Angewandte Mathematik und des Departements Betriebswirtschaft nicht kennt, würde hinter dem Ensemble an der Engehalde kaum ein ehemaliges Tierspital vermuten.
Dieses wurde im Zug einer Gesamterneuerung 1992-96 in ein unaufgeregt modernes bauliches Ensemble überführt, das zu gleichen Teilen aus sorgfältig restaurierten Denkmälern und präzise gesetzten Neubauten besteht.
Bereits im frühen 19. Jahrhundert hatte die damalige Tierarzneischule (sie wurde erst 1900 Teil der Universität) das Areal, damals noch ausserhalb der Stadtmauern, bezogen und sukzessive bebaut. Die heute bestehenden Altbauten stellen freilich bereits die zweite Generation von Häusern dar. Otto Lutstorf, Begründer eines der produktivsten Berner Architekturbüros überhaupt, hat sie 1891-92 als sein erstes grösseres Ensemble errichtet. (40 Jahre später baute das von ihm gegründete Büro Lutstorf & Mathys für die Universität die Übungsschule.) Die einzelnen Bauten sind: das Hauptgebäude (Neubrückstr. 10) mit dem markanten Treppenhaustürmchen, die ehemals kant. Hufbeschlagsanstalt (Schützenmattstr. 14) und das eigentliche Tierspital (Engehaldestr. 4). Besondere Erwähnung verdienen die Standortbeziehungen zur 1896 errichteten Reitschule und zum 1873-1916 bestehenden Schlachthaus weiter aussen an der Engehalde. Das Tierspital bezog 1966 das Areal am Bremgartenwald.
Die Umnutzung und Sanierung des verwaisten Areals ist vom Architekturbüro Sylvia und Kurt Schenk oft als Stadtreparatur bezeichnet worden. Tatsächlich bewirkte das Projekt nicht nur eine Inwertsetzung des Areals, sondern die Aufwertung einer ganzen Nachbarschaft, die jahrzehntelang unter den Folgen des Verkehrs und der Vernachlässigung gelitten hatte. Während die schon länger abgebrochenen Stallbauten durch moderne Sichtbacksteinvolumen ersetzt und mit dem Tierspitalgebäude unter einem feingliedrigen fliegenden Dach zusammengefasst wurden, wurde die ehemalige Anatomie durch einen schräg an die Engehaldestrasse gesetzten Neubau ersetzt, welcher den Hof räumlich besser fasst und die Lärmimmissionen der nahen Strassen besser abschirmt.
Die architektonische Faustregel, dass schwierige Verhältnisse oft zu besonders befriedigenden Lösungen führen, bewahrheitet sich am Bibliotheksanbau, welcher in das Loch zwischen ehemaliger Hufbeschlagsanstalt und Schützenmattstrasse gezwängt wurde. Mit der Lichtführung wurde das Verhältnis des dreieckigen Raums zu Altbau und Umgebung ausgearbeitet; insbesondere ist das zenitale Licht aus den Oblichtern für die Ruhe und die Stimmung des Raums gekonnt eingesetzt. Mit der Abtiefung der zentralen Fläche entstand ein Raum von hoher atmosphärischer Qualität.
Literatur:
Urs Schatzmann, Bernd Hörning, Jacques Nicolet, Werner Sackmann (Hrsg.), Denkschrift Veterinärmedizinische Fakultät Bern: 1900-2002, Bern (Verlag Hans Huber) 2004
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern, Hochbauamt (Hrsg.), Bern, Uni Engehalde, Um- und Neubauten 1992-1996, Bern 1996