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Laufende Forschungen
Ausgabe 8
Zur kulturellen Einbettung von Drogen
Aufstieg und Fall eines anthropologischen Arguments in der Drogenpolitik
Erfolgreiche Konstruktionen öffentlicher Probleme bedürfen in modernen Gesellschaften der gemeinsamen Leistung von Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft. Ein gutes Beispiel einer breit abgestützten Deutungsleistung ist das «Drogenproblem»: In einem ersten Deutungszyklus (von ca. 1970 bis 1990) stellte sich eine grosse Koalition der sozialen Akteure hinter die Strategie, illegale Drogen auf der Basis des Abstinenz- primats und unter Hervorhebung ihrer Risiken vor allem strafrechtlich zu bekämpfen. Ein zweiter, vergleichsweise kontroverser Deutungszyklus im V erlauf der 1990er Jahre definierte Drogenproblem und Lösungsansätze neu. Grob gesagt galt nun nicht mehr die illegale Berauschung an sich als Hauptproblem und die Abstinenz als hauptsächliches Ziel; vielmehr traten die Gesundheit und Sicherheit von Konsumenten und Gesellschaft in den Vordergrund. Diese Deutungsänderung eines öffentlichen Problems steht im Zentrum einer vor ihrem Abschluss stehenden Dissertation. Anhand einer Diskursanalyse des Schweizer Drogenberichterstattung soll ein Beitrag zur Theorie öffentlicher Probleme geleistet werden. Der Fokus richtet sich dabei auf die Identifikation der Akteure, ihrer Deutungsmuster und Motivationen im Prozess der Regelsetzung und -änderung.