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Video
Titel:
Begräbnis von Landammann Raymond Broger
Thema: Politik
Datum: 01.03.1980
Masse: 12,5 cm Durchmesser
Standort: Filmarchiv SF DRS
Urheber/-in: SF DRS
Beschreibung:
Ausschnitt aus der Berichterstattung des Schweizer Fernsehens über das Begräbnis von Landammann Raymond Broger (1916-1980) am 31. März 1980. Wegen seiner zahlreichen Ämter war der verstorbene Magistrat weitherum bekannt. Die Trauergemeinde war derart zahlreich, dass in der geräumigen Pfarrkirche St. Mauritius zwei Abdankungs-Gottesdienste abgehalten werden mussten. Innerrhoden schien beim Tod des ebenso populären wie machtbewussten Politikers gleichsam in Trauer erstarrt. Selbst der Schulunterricht setzte für einen Tag aus.
Geschichte:
Landammann und Ständerat Raymond Broger (1916-1980) war über seinen Tod hinaus eine weitum geachtete aber auch gefürchtete Persönlichkeit, die den politischen Konservatismus gleichsam verkörperte. Mit seinem Auftreten und der Vielzahl der von ihm bekleideten Ämter bildete er ein Synonym für Innerrhoden als Kanton, der seine Eigenständigkeit selbstbewusst betont. Einen Raymon Broger in dieser Form konnte es allerdings nur geben, weil die Gewaltentrennung zwischen der Standeskommission und dem Grossen Rat erst 1995 konsequent vollzogen wurde.
Schon sein Vorname wies ihn als etwas Besonderes aus. Im Appenzeller Familienregister ist der mitten im Ersten Weltkrieg geborene Sohn eines Stickereizeichners, Kunstmalers und späteren Wirts als Remund Georg Broger eingetragen. Seine Eltern gaben ihm den Namen aus Bewunderung für den französischen Politiker Raymond Poincaré. Für die Innerrhoder, auch für solche, die ihm weit entfernt standen, war er zeitlebens nur "de Remo".
Schon während seiner Gymnasialzeit bei den Kapuzinerpatres in Appenzell und in Stans war er der Literatur zugetan und zeigte eine schriftstellerische Ader. Man sah ihn nie, ohne dass er ein Buch bei sich trug, und später umgab er sich mit einer riesigen Bibliothek. Brogers juristische Dissertation trug den Titel "Der Grosse Rat im innerrhodischen Recht". Er heiratete die um einige Jahre jüngere Arzttochter Emma Elmiger, die ihn mit seltener Hingabe in allen Tätigkeiten unterstützte, aber auch Einfluss ausübte. Zugleich tat er erste Schritte in seiner Tätigkeit als Anwalt. Seine grosse politische Karriere startete Broger mit der Wahl zum regierenden Hauptmann des Bezirks Appenzell. Damit war er auch automatisch Mitglied des Grossen Rates. Rasch fielen dort seine Überzeugungs- und Durchschlagskraft sowie seine rhetorische Begabung auf.
Ein erster Versuch, in die Standeskommission zu gelangen, misslang 1957. Dabei wurde ihm eine unüberlegte Bemerkung über ein Regierungsmitglied zum Verhängnis. Drei Jahre später wurde er schliesslich Landesfähnrich (Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements). Bereits 1956 hatte er die Redaktion des "Appenzeller Volksfreunds" übernommen und damit ein Sprachrohr für seine politischen Ansichten gewonnen. Seine politischen Ämter aber verwaltete er nicht einfach, er prägte sie. Dem Frauenstimmrecht stand er anfänglich negativ gegenüber, revidierte dann aber seine Meinung. Als er 1966 erstmals regierender Landammann wurde und zusätzlich das Erziehungswesen übernahm, war er im Kanton auf auf dem Höhepunkt seiner Macht: Der Landammann leitete zu jener Zeit noch die Verhandlungen des Grossen Rates, was Broger ebenso souverän wie autoritär tat. Seit 1964 amtete er zudem als Nationalrat. Von 1971 bis zu seinem Tod 1980 vertrat Broger seinen Kanton im Ständerat.
Brogers Machtballung wurde im Kanton kaum hinterfragt, wohl aber bot sie Stoff für auswärtige Karikaturisten, Kabarettisten und Publizisten. Legendär geworden ist die Reportage von Niklaus Meienberg, eines ähnlichen Charakterkopfs wie Broger aber mit konträrer politischer Grundanschauung. Meienberg bezeichnete Broger als "Innerrhoder Saftwurzel", "appenzellische Landesgottheit" und "politischen Alpenbitter". Bei aller Polemik ist aber auch Respekt und Anerkennung für einen gleichwertigen Antipoden spürbar. Im Appenzeller Volksfreund regte man sich zwar mächtig auf über Art und Stil von Meienbergs Reportage. Broger selber aber fand sie "hervorragend". Dass er in diesen Belangen tolerant war, zeigte auch die Verleihung des Karnevalsorden wider den tierischen Ernst in Aachen (1977).
Autor: Hanspeter Strebel, Herisau
Literatur:
Bischofberger, Hermann: Broger, Raymond. In: HLS. Version 30.12.2002. URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D5616.php (31.01.2013)
Meienberg, Niklaus: Gespräche mit Broger und Eindrücke aus den Voralpen. in: Magazin des Tages-Anzeiger, Nr. 19, 1973, S. 14-23
Sutter, Carl: Die Standeskommission des Kantons Appenzell Innerrhoden. Kurze Biographien der Mitglieder der Standeskommission von Appenzell Innerrhoden von 1873-1988. In: Innerrhoder Geschichtsfreund 31 (1988), S. 102
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