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Stehen Sie auch dann zu Ihrer Meinung, wenn viele um Sie rum anderer Meinung sind?
Der Sozialpsychologe Solomon Asch wollte es genau wissen. In den 1950ern führte er eine ganze Serie von Untersuchungen durch. Er zeigte den Teilnehmern der Studie zwei Karten. Auf der ersten Karte war eine vertikale Linie abgebildet. Auf der zweiten waren es deren drei. Eine dieser drei Linien hatte dieselbe Länge wie die Linie auf der ersten Karte.
Der Studienleiter griff in die Trickkiste der Meinungsmanipulation und liess einige von ihm in die Studie eingeschleuste Probanden falsche Antworten geben, bevor er die „richtigen“ Studienteilnehmer befragte. Das erstaunliche Ergebnis: Drei von vier der nachher Befragten schlossen sich der falschen Antwort an.
Schlossen sich die echten Studienteilnehmer der falschen Meinung wissentlich an und fügten sie sich damit bewusst dem Gruppendruck? Oder verzerrte die falsche Antwort der eingeschleusten Probanden die Wahrnehmung der Studienteilnehmer so, dass sie die falsche Linie für die richtige hielten?
Diese Frage konnte Asch wegen fehlender Untersuchungsmöglichkeiten nicht beantworten. In einer späteren Studie und mit der neuen Technologie der bildgebenden Verfahren, der funktionellen Magnetresonanztherapie, konnte der Psychiater und Neurologe Gregory Berns dieser Frage erneut nachgehen. Er erzielte dieselben Ergebnisse wie Asch in seiner ersten Studie.
Berns konnte jedoch zusätzlich darstellen, dass sich die Aktivität die Gehirne der Teilnehmer die sich der falschen Meinung anschlossen (Gruppe eins) stark von der unterschieden, die sich von der falschen Meinung nicht beeinflussen liessen (Gruppe zwei). In der Gruppe eins waren Gehirnareale aktiv, die eindeutig mit der Wahrnehmung verbunden sind. Diese Gruppe glaubt also nicht was sie sieht, sondern sie sieht, was sie glaubt!
In der anderen Gruppe hingegen waren es Areale, die vorab für die Emotionen zuständig sind. Das bedeutet: Gegenüber der Gruppe eine andere Meinung zu vertreten, löst heftige Gefühle aus. Es ist also eine grosse emotionale Anstrengung für Menschen, in der Gruppe eine andere Meinung zu vertreten. Die meisten Menschen, nämlich drei Viertel, sind unter dem Druck der Gruppe nicht in der Lage, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden und sind sich dessen nicht bewusst.
Diese Erkenntnis hat bei politischen Themen eine ebenso erhebliche Bedeutung, wie bei Entscheiden in Unternehmen, die in Gruppen getroffen werden. Es ist wichtig, dass wir uns dieser Beeinflussung bewusst sind und uns dem Gruppendruck soweit wie möglich entziehen respektive uns ihm widersetzen. Hier einige
Tipps
- Lassen Sie die Einschätzung der Leute zuerst schriftlich festhalten und tauschen Sie erst danach mündlich aus, damit reduzieren Sie den Gruppendruck und die nachträgliche Revision des inneren Entscheides.
- Lassen Sie eine hohe Meinungsvielfalt zu und fördern Sie diese bewusst.
- Lassen Sie bei wichtigen Entscheiden Zeit zwischen der Diskussion und dem Entscheid verstreichen.
- Fragen Sie spezifisch nach Kriterien für die Meinung von Menschen: aus welchen konkreten Gründen sehen Sie das so?
- Betrachten Sie ein Projekt oder ein Thema immer aus mehreren Perspektiven, indem Sie entweder verschiedene Leute in verschiedene Rollen schlüpfen lassen oder eine multiperspektivische Methode, zum Beispiel die De Bono Hüte oder ähnliches nutzen.