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Es ist Sonntag. Während ich die Kaffeetasse zu meinem Mund führe und vorsichtig mich mit der Lippe zur heissen, schwarzen Flüssigkeit vortaste, habe ich plötzlich das Gefühl, mein Herz habe aufgehört zu schlagen. Ich suche verzweifelt mit meinem inneren Auge den ganzen Körper ab, von den Fingerspitzen zur Schulter, zum Herzen und dann an der Aorta entlang hinunter zu den Zehen, um ein Indiz zu finden, dass mein Herz noch schlägt. Nichts. Keinen Puls, den ich spüren könnte. Ich sitze vor dem Computer, starre auf ein leeres Textdokument, das ich gerade offen habe, und ich muss feststellen: Bei Bewusstsein bin ich noch, denn sonst würde ich das nicht mehr sehen. Wohl schlägt das Herz noch, ich spüre einfach im Moment keinen Puls…
Es ist ein lauer Abend, nach dem ersten, warmen Tag einer Schlechtwetterperiode. Der Verkehr auf der Strasse vor dem Haus ist spärlicher geworden – hin und wieder durchbricht das brausende Getöse eines Motorrades die Stille der Nacht. Nicht dass es ganz still wäre, nein, den Herzschlag der Stadt und das ununterbrochene, leise und zärtliche Rauschen ihres Blutes umhüllen die Nacht. Es ist heute das erste Mal, dass ich auf dem Balkon gelesen und einen taiwanesischen Tee zu mir genommen habe. Ich schloss eine der Zimmerlampen einem Verlängerungskabel an, so dass sie mir auf dem Balkon für das Lesen Licht spenden konnte. Immer wieder, nach dem ich einige Abschnitte gelesen hatte, löschte ich das Licht aus und lies meinen Blick über die nächtlich beleuchteten Hausdächer gleiten, bis er seine Aufmerksamkeit ganz dem Sichelmond zugewendet hat, welcher, wegen dem nebligen Dunst, der sich über der Stadt ausgebreitet hatte, einen milchigen Schleier um sich hatte.
Mitch Albom (Autor), Angelika Bardeleben (Übersetzer)
Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: 34. Aufl. (1. April 2002), ISBN-13: 978-3442451753, Originaltitel: Tuesdays with Morrie (Originalausgabe erschien 1997)
Ein berührendes Buch, das durch direkte Konfrontation mit dem rasant nahenden Tod tief existenziell ist. Gemäss Yalom (2010) gibt es vier existenzielle Grundtatsachen: Tod, Sinnlosigkeit, Freiheit und Isolation. Gerade im Angesicht des Todes werden auch die anderen existenziellen Tatsachen lauter, eindringlicher. Wie erfülle ich mein Leben mit Sinn? Wie überwinde ich den unüberwindlichen Graben zwischen mir und anderen Menschen, zwischen mir und der Welt? Wie nutze ich meinen Handlungsspielraum?
Immer wieder gerne tauche ich in die 60iger und 70iger Jahre ein… Beeindruckende, berührende, unmittelbare, authentische Musik – zumindest nehme ich es so wahr. Eine Wirklichkeit, die nicht durch die heutigen Ablenkungen via Facebook, iPhone, etc. getrübt war. Und die 2010er Jahre? Die haben wir in der Hand. Aus denen können wir etwas machen. Wir müssen es selbst machen, selbst anfangen.
Eben wieder einmal via die Internet-Zeitmaschine in die 60iger und 70iger Jahre zurückkatapultiert (oder eher vorwärtskatapultiert?), entdeckte ich das legendäre Isle of Wight Festival 1970 und dabei auch den ebenso legendären Auftritt von Joni Mitchell, die u.a. ihren Song «Big Yellow Taxi» spielte. Diesen Song kannte ich nur von Counting Crows und ich muss sagen, dass er mir nicht besonders gefiel, ich hörte auch nicht richtig auf den Text. Wie so oft, hat das Original einen ganz anderen Geist, da es eben authentisch ist. Der schlug bei mir richtiggehend ein…
Einer meiner ersten Texte, die ich auf dem Computer schön säuberlich abgelegt habe, handelt von sogenannten Live-Situationen. Das ist ein Wort, das mir von Michael am 29. August 1998 entgegen getragen worden ist. Das Wort «live» heisst im Musikbusiness, dem er selbst ja angehört, auf der Bühne sein, vor vielen Menschen Musik zu machen, ohne dass man die Sicherheit eines Playbacks hätte. Jeder hat in seinem Leben schon solche Auftritte gehabt, wenn nicht als Musiker, dann als Primarschüler in einem Krippenspiel oder etwas ähnlichem. Ich hatte einmal einen richtigen Live-Auftritt bei der Neueinweihung der Aula der Musikschule. Dann noch einen kleinen im Tennisclub. Ebenso spielte ich hin und wieder an Geburtstagen auf dem Keyboard des Alleinunterhalters, einmal holten wir sogar noch meine Gitarre von zuhause, wo ich dann mit dem Alleinunterhalter zusammen Blues gespielt habe. Ja, ich hatte schon ein paar solcher Erlebnisse.
Einem weiteren Erlebnis, dass ich im Sommer 2002 hatte, als ich einen Monat in der Schweiz verweilte, möchte ich hier ein bisschen ausführlicher niederschreiben, im Bewusstsein, dass ich damit vom roten Faden abweiche, denn ich wollte ja hier etwas über Live-Situationen schreiben, was ich auch weiter tun werde, doch ich kann es nicht tun, ohne dass ich Zeugnis von diesem speziellen Erlebnis abgelegt habe.
Eine Kurzgeschichte soll ich schreiben? Wer hat mir denn das eingebrockt? Meine innere Stimme. Nicht ganz, denn diese hätte gerne eine lange Geschichte geschrieben, doch das hab’ ich nicht drauf, noch nicht. Und überhaupt: Eine Kurzgeschichte könnte ja auch plötzlich vom geplanten Schluss abweichen und ganz lange werden. Mal sehen.
Das schöne am Schreiben ist, dass ich die Welt so erschaffen kann, wie ich sie gerne hätte, bzw. im Idealfall so, dass sie den Lesern Wirklichkeit, Lebensweisheit vermittelt. Doch leider habe ich diese Weisheit nicht und so erschaffe ich mal diese Welt, wie ich sie gerne hätte.
Der Cursor blinkt, wartet, unerbittlich. Die Freiheit, die beklemmende Freiheit eines neuen Dokuments, eines leeren Blattes. Alles, was gerade noch hätte gesagt sein sollen, löst sich in Luft auf, gleitet aus der Hand. Es gibt kein Entrinnen, ich bin auf mich selbst zurückgeworfen.
(verfasst am 3. Juni 2012)
Diese Website ist noch im Aufbau – wobei: eine Website dieser Art ist immer im Aufbau. Es ist alles immer im Aufbau. Oder auch Abbau. Oder Umbau. Je nach Perspektive. Ich freue mich auf den Prozess, auf das, was sich hier entfaltet, entwickelt.
Das ist mein erster Beitrag. «Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», heisst es doch bei Hesse. Wenn man in Kategorien denkt, z.B. die Kategorie “Beitrag auf meiner Website”, dann gibt es ein erstes Mal. Danach gibt es in dieser Kategorie kein erstes Mal mehr. Ausserhalb von abstrakten Kategorien ist jeder Augenblick wieder ein erstes Mal, ein Anfang, ein Ende, alles in einem. Den Blick dafür zu schärfen, darum geht es in der Achtsamkeit, darum soll es auch auf dieser Website gehen…