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Persönliche Stellungnahme zur angedachten Modus-Änderung der SFL
Nach der SFL-Information über die angedachte Modus-Änderung wurde ich von zahlreichen Medien um eine persönliche Stellungnahme gebeten. Entsprechend habe ich verschiedene Interviews gegeben. Allerdings wurden meine Stellungnahmen nicht immer vollständig wiedergegeben. Auch werde ich zurzeit von sehr vielen Fans aus der ganzen Schweiz mit der Bitte kontaktiert, mich gegen die angedachte Playoff-Spiele einzusetzen. Deshalb habe ich beschlossen, hier meine Meinung vollständig und "unzensuriert" wiederzugeben.
Ausgangslage:
Bereits während meiner Amtszeit im Komitee der Swiss Football League war die Modus-Anpassung ein ständiges Thema. Knackpunkt war die Zahl 12. Die Erhöhung auf zwölf Mannschaften war grundsätzlich unbestritten. Allerdings unter der Muss-Bedingung, keine Final- bzw. Abstiegsrunde einführen zu dürfen. Trotz sehr grossem Projektaufwand suchte man deshalb vergebens nach einem intelligenten Meisterschaftsmodus für zwölf Mannschaften.
Nun hat man sich dahin geeinigt, die Super League neu auf zwölf Mannschaften aufzustocken. Die erste Phase (Qualifikation) umfasst 22 Spiele. In einer zweiten Phase wird eine Final- bzw. Abstiegsrunde eingeführt. Die ersten sechs Mannschaften aus der Phase 1 qualifizieren sich für die Finalrunde, die sechs Nächstplatzierten spielen in der Abstiegsrunde. Diese zweite Phase umfasst zehn Spiele. Total würden Phase 1 und Phase 2 somit 32 Spiele umfassen.
So weit so gut.
Nun aber haben Exponenten des Komitees wie auch verschiedene Vereinsvertreter die Idee eingebracht beziehungsweise portiert, in einer zusätzlichen dritten Meisterschaftsphase ein sogenanntes "Playoff" einzuführen. Das heisst alle Plätze von eins bis zehn sollen im Rahmen von K.-o.-Spielen am Schluss der Meisterschaft noch einmal neu ausgespielt werden.
Mein Fazit:
Ich begrüsse die Erhöhung auf zwölf Mannschaften sowie die Einführung einer Final- und Abstiegsrunde. Das Abstiegsrisiko von aktuell 20 Prozent ist zu hoch. Denn bei zehn Super-League-Mannschaften steigt der Tabellenletzte direkt ab, der Zweitletzte muss in die Barrage gegen den Zweiten der Challenge League.
Ich bin aber aus verschiedenen Gründen dezidiert gegen die Einführung dieser dritten Playoff-Phase:
- Wer über die gesamte Saison, notabene nach 32 Spielen, am meisten Punkte gewonnen hat, soll auch verdientermassen Meister werden. Und der Zweite und der Dritte soll für den Europacup qualifiziert sein. Den Meister nun in einem Playoff-Final (Erster gegen Zweiter) ermitteln zu wollen, ist schlicht absurd. Das Gleiche gilt für die Mannschaften, die nach 32 Spielen einen Europacup-Platz erreicht haben.
- Wenn sich selbst der Zehntplatzierte (nach 32 Spielen) noch via Playoff für den Europacup qualifizieren kann, dann ist das sportlich nicht mehr nachvollziehbar. Und wahrscheinlich auch schlecht für das Ranking der Schweiz im Europacup.
- Playoffs in der vorgesehenen Form sind sportlich unfair und ungerecht! Playoff-Spiele am Ende einer Meisterschaft können durch Zufall, Verletzungssituation, gesperrte Spieler, Krankheiten (Corona), fragliche Schiedsrichter- und VAR-Entscheide etc. eine entscheidende und willkürliche Rolle spielen.
- Der Modus muss klar, unkompliziert und für alle nachvollziehbar sein. Und vor allem über die gesamten 32 Spiele für Spannung und Überblickbarkeit sorgen.
- Einen künstlichen "Spannungs-Modus" analog einer "Operetten-Liga" einführen zu wollen ist nicht innovativ, sondern jedem Sportsgeist widersprechend.
- Die Sicherheitsrisiken wie auch die Sicherheitskosten für solche Playoff-Spiele wären extrem hoch. Es besteht auch das Risiko, dass man für diese Spiele keine behördliche Spielbewilligung erhält.
- Im Frauenfussball wurde ein Playoff-Modus eingeführt. Fazit: Unfair, langweilig. Und: Die Meisterschaft ist aktuell sehr spannend, die ersten fünf Mannschaften liegen nur gerade neun Punkte auseinander.
- Mit 32 Spielen (22 Qualifikationsspiele, zehn Final-/Abstiegsrundenspiele) würden auch wieder Termine frei, zum Beispiel um den Schweizer Cup wieder attraktiv zu gestalten (Spiele wieder am Wochenende).
- Auch die oft beklagte terminliche und physische Überforderung der Spieler könnte dadurch abgefedert werden. Mit Meisterschaft, Schweizer Cup, Europacup, Nationalmannschaft und Testspielen kommt ein Spieler derzeit auf über 60 Einsätze pro Saison.
- Der allfällige Hinweis auf die Eishockey-Meisterschaft ist nicht zulässig. Eishockey funktioniert als Event anders als der Fussball. Auch ist die Eishockey-Meisterschaft de facto eine geschlossene Gesellschaft. Und vor allem haben sportliche Erfolge in der Eishockey-Meisterschaft weniger Einfluss auf die wirtschaftliche Situation als dies bei einem Fussballclub der Fall sein kann. Im Fussball geht es um die Qualifikation für den Europacup, um das Rating der Schweiz im UEFA-Ranking und um die Realisierung von Transfereinnahmen. Alles Kriterien, die im Eishockey keine wesentliche Rolle spielen.
- Auch das Argument, dass bei 32 Spielen zwei Heimspiele weniger ausgetragen werden können und dementsprechend die Einnahmen kleiner sind, ist nur die halbe Wahrheit. Verschiedene Clubs der Super League realisieren ihre Zuschauereinnahmen zu einem grossen Teil aus dem Saisonkartenverkauf.
Diese Meinung würde ich auch vertreten, wenn der FCZ aktuell nicht an der Spitze der Tabelle stehen würde. Primär geht es mir um sportliche Fairness, und zwar für alle Vereine, für die ambitionierten wie auch die weniger ambitionierten.
In diesem Sinne hoffe ich, dass die Clubvertreter an der nächsten Generalversammlung ein Einsehen haben und auf die Einführung dieser dritten Playoff-Phase verzichten. Dies alles zum Wohle des Schweizer Fussballs.
Ancillo Canepa
Präsident FC Zürich