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Jean Tinguely, Keith Haring, Milton Glaser, David Bowie: illustre Künstler haben in den vergangen 40 Jahren regelmässig Plakate für das Montreux Jazzfestival gestaltet.
Im Gespräch mit swissinfo wirft der Direktor der kantonalen Kunstschule in Lausannne, Pierre Keller, einen kritischen Blick auf die Plakate.
"Eines Tages habe ich zum Festivaldirektor Claude Nobs gesagt: 'Ich kenne mich in der Musik nicht aus, meine musikalische Karriere endete im Spiel der Schweizer Armee. Aber in der Kunst, da kennst Du Dich nicht aus'", erinnert sich Pierre Keller.
Das führte dazu, dass Pierre Keller zu Beginn der 80er-Jahre für die Plakate des internationalen Jazzfestivals Montreux zuständig wird. 1982 gestaltet der Schweizer Künstler Jean Tinguely das Festivalplakat.
"Ich habe ihm gesagt: Zeichne mir ein Festival. Tinguely hat ein Feuerwerk abgeliefert. Das Plakat stiess auf ein enormes Echo. Da haben wir gemerkt, dass der Plakat-Verkauf auch ein einträgliches Geschäft sein kann."
Nana schwarz, Nana rosa
Zwei Jahre nach Jean Tinguely war es 1984 seine Lebensgefährtin Niki de Saint-Phalle, die das Plakat gestaltete. Zusätzlich erhielt sie auch den Auftrag für das Plakat des Detroit Jazz Festivals.
Zum 20. Jubiläum im Jahr 1987 hatte Keller die Idee, das Plakat von Keith Haring in Zusammenarbeit mit Andy Warhol gestalten zu lassen.
"Ich kam an einem Sonntagmorgen in New York an. Wir trafen und zu dritt im Studio von Haring und blödelten ein wenig herum. Und zack – waren drei Projekte fertig. Am Sonntagabend flog ich wieder nach Hause. So einfach ging das."
Der Swing des Keith Haring
Ein Jahr später trifft Pierre Keller in New York den Graffiti-Künstler Keith Haring. "Ich habe ihn gebeten, einen Musiker zu zeichnen. Er hat mir mein erstes Bild gemalt, das ich ihm für 50 Dollar abgekauft habe. Ich habe das Bild immer noch."
Danach habe er Keith Haring den Auftrag gegeben, für das Festival ein Plakat zu gestalten. "Keith Haring ist dann ja auch nach Montreux gekommen und hat während dem Festival in der Stadt Bilder gemalt."
In diesem Jahr verkauften sich die T-Shirts sehr gut, die Plakate hingegen eher schlecht. Pierre Keller behält den Restbestand der Plakate. Ein gutes Geschäft. Heute sind sie zwischen pro Stück 8'000 und 10'000 Franken wert.
Bowie und Phil Collins
In der Folge gestalteten auch die französischen Künstler Francois Boisrond und Robert Combas und der Schweizer Rolf Knie Montreux-Plakate. "Alles ging gut", erzählt Keller, "dann kam Claude Nobs auf die dumme Idee, die Plakate von Musikern entwerfen zu lassen".
Das Plakat von 1995 stammt von David Bowie und stilisiert den Atombombenpilz von Hiroshima. Jenes von 1998 stammt von Phil Collins, der dafür einen Schlagzeuger gezeichnet hat.
"Diese beiden Plakate waren grafisch eine Katastrophe", urteilt Pierre Keller. "Das ist pures Anfängertum. Mann kann nicht überall gut sein. Jedem sein Metier."
Zeugen einer Epoche
Die Kollektion der Montreux-Plakate ist in ihrer Gesamtheit nicht einheitlich. Sie zeugen von der jeweiligen Zeit, in der sie entstanden sind. Die Kollektion erzählt auch die Geschichte des Festivals.
Für Pierre Keller repräsentiert sie vor allem an die gute Zusammenarbeit mit Claude Nobs. "Wir haben uns prächtig amüsiert."
swissinfo, Alexandra Richard
(Übertragen aus dem Französischen: Andreas Keiser)
Fakten
Das Plakat zum 40. Jubiläum wurde vom Engländer Julian Opie gestaltet.
Es zeigt in stilisierter Form die Musiker der Rockgruppe "Deep Purple".
Opie hat auch schon für die englische Gruppe "Blur" und für "U2" CD-Hüllen gestaltet.
In Kürze
Das Jazzfestival Montreux wurde 1967 von Claude Nobs gegründet. Damals betrug das Budget 10'000 Franken.
2005 waren es rund 17 Mio. Franken.
Die 40. Ausgabe des Festivals findet vom 30. Juni bis zum 15. Juli statt.
Direktor Claude Nobs konnte im Februar 2006 seinen 70. Geburtstag feiern.