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Auswandern: Her mit dem Pensionskassengeld
Mein Freund und ich möchten nach Mallorca auswandern. Wir träumen davon, uns dort ein kleines Landhaus zu kaufen. Da ich nicht viel verdiene, möchte ich mir für den Kauf meine Pensionskasse auszahlen lassen. Wie muss ich vorgehen? E.B.
Ich muss Sie enttäuschen: Das wird, so wie Sie sich das wahrscheinlich vorgestellt haben, kaum möglich sein. Es stimmt zwar, dass man sich sein Vorsorgekapital von der Pensionskasse auszahlen lassen kann, wenn man die Schweiz definitiv verlässt und sich in einem anderen Land niederlässt – also auswandert. Die Regeln sind aber nicht bei allen Staaten gleich. In Ihrem Fall ist eine Auszahlung des obligatorischen Teils Ihres Vorsorgeguthabens nicht möglich. Denn die Insel Mallorca, auf die Sie mit Ihrem Freund auswandern möchten, gehört zu Spanien. Und Spanien wiederum ist Teil der EU. Bei einer Niederlassung in einem EU-Land ist aber bereits seit neun Jahren eine Auszahlung des BVG-Guthabens nicht mehr erlaubt. Auch wenn Sie nach Liechtenstein, Norwegen oder Island auswandern würden, wäre dies nicht mehr möglich.
Den überobligatorischen Teil Ihres Pensionskassenguthabens hingegen dürfen Sie beziehen, auch wenn Sie sich in Mallorca niederlassen. Da Sie mir schreiben, dass Sie nicht viel verdienen, gehe ich allerdings davon aus, dass der Hauptteil Ihres Vorsorgeguthabens auf den obligatorischen Teil entfällt, der für die Auszahlung gesperrt ist. Daher müssten Sie wohl eine andere Finanzierungsquelle für Ihr Landhaus finden.
Mit der Begrenzung der Auszahlungsmöglichkeit wollte der Gesetzgeber sicherstellen, dass jemand auch nach einer Auswanderung zumindest rudimentär eine Altersvorsorge behält. Geht es nach dem Willen des Bundesrates soll die Kapitalauszahlung künftig noch mehr begrenzt oder in den meisten Fällen sogar verboten werden.
Persönlich halte ich diese vom Bundesrat geplante Verschärfung für problematisch, da der Handlungsspielraum der Versicherten für das von ihnen mit Lohnabzügen angesparte Geld dadurch zu stark eingeschränkt würde. Anders als bei einer Auswanderung in ein EU-Land sowie nach Liechtenstein, Norwegen und Island wäre eine Auszahlung auch des obligatorischen Teils Ihres PK-Guthabens übrigens bei einer Niederlassung in anderen Staaten derzeit noch erlaubt.
Wenn Sie also statt nach Mallorca nach Thailand, Australien oder in die USA auswandern würden, um nur drei Beispiele zu nennen, dürften Sie Ihr volles PK-Kapital beziehen. Zumindest vorderhand noch.
Zu viele liquide Mittel zu halten, ist doppelt gefährlich
Ich bin Kunde der CS und wechsle zur Swissquote. Ich entscheide alles selbst und habe ein Wertschriftendepot von 3 Millionen Franken und in Cash 1,3 Millionen Franken und 0,7 Millionen US-Dollar. Was mir Kummer macht: Ist es verantwortungsvoll, den grossen Cashbestand bei der Swissquote zu haben? Die CS und andere Banken sind kaum interessiert, dass ich bei ihnen Geld auf dem Konto lasse, oder? K.M.
Ihr Entscheid zum Online-Broker Swissquote zu wechseln, hat in erster Linie mit den Gebühren zu tun. Sie wollen die Kosten für Ihre Wertschriftentransaktionen deutlich senken. Da Swissquote keine Beratung und wie Konkurrenten wie Saxo Bank oder Degiro geringere Gebührenansätze als die meisten Banken anbietet, dürften Sie Ihr Ziel, Ihre Kosten zu reduzieren, mit diesem Wechsel erreichen. Sie schreiben ja ausdrücklich, dass sie von Ihrer Bank und einem Broker keine Beratung in Anspruch nehmen möchten und alles selbstständig entscheiden.
Swissquote ist an der Schweizer Börse kotiert und seit Jahren operativ erfolgreich. Ich stufe das Institut als sicher ein. Dennoch würde ich aus grundsätzlichen Überlegungen bei den meisten Banken nicht mehr als 100’000 Franken in Cash parkieren. Bei einem Bankenzusammenbruch, der zwar eine geringe Wahrscheinlichkeit hat, aber nie ganz ausgeschlossen werden kann, sind lediglich 100’000 Franken je Kunde konkursprivilegiert geschützt. Daher rate ich davon ab, solch hohe Cashbestände, wie Sie sie halten, bei einer einzelnen Bank zu deponieren. Auch nicht bei einer Grossbank. Ausnahmen sind Kantonalbanken mit voller Staatsgarantie.
Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass Sie bei hohen Cashbeständen Negativzinsen bezahlen müssen. Gerade kürzlich hat auch die Posttochter Postfinance angekündigt, dass Cashpositionen von über einer Million Franken künftig mit Negativzinsen belastet werden. Dies dürfte auch bei anderen Banken vermehrt passieren. Daher würde ich einerseits aus Sicherheitsüberlegungen, anderseits wegen der Negativzinsen die liquiden Mittel auf mehrere Banken verteilen. So erhöhen Sie Ihre Sicherheit deutlich und laufen zumindest vorderhand nicht auch noch Gefahr, Negativzinsen zahlen zu müssen. Wenn Sie die Beträge stückeln, haben Sie kein Problem, diese bei mehreren Banken zu platzieren. Auch bei Ihrer bisherigen Bank können Sie einen Teil zurücklassen. Allerdings würde ich auch prüfen, wie hoch die Kontoführungsgebühren sind.
Noch besser ist es, wenn Sie gar nicht so hohe Cashpositionen halten. Auch punkto Sicherheit. Denn Wertschriften sind, anders als liquide Mittel über 100’000 Franken, auch im Konkursfall jederzeit voll geschützt: Diese bleiben nämlich auch dann in Ihrem Besitz, selbst wenn Ihre Bank zusammenbrechen würde. Dazu kommt, dass Sie in den Wertschriften weit höhere Renditechancen nutzen können, als wenn Sie Ihr Geld einfach auf einem Konto liegen lassen, wo sie ohnehin keinen Zins mehr erhalten. Einen Teil könnten Sie auch in sichere Frankenanleihen und in Gold investieren. Beides bringt zwar keine Rendite, dafür eine hohe Sicherheit für den Fall, dass es an den Finanzmärkten wieder zu grösseren Verwerfungen kommt.
Wie man von den teuren Medikamentenpreisen in der Schweiz profitieren kann
Vor kurzem las ich, dass die Migros mit der Firma Zur Rose ins Medikamentengeschäft einsteigen will. Nun hat aber ein saudisches Unternehmen ein Kaufangebot für die Versandapotheke Zur Rose lanciert. Was bedeutet dies? R.P.
Diese Entwicklungen bedeuten, dass der Schweizer Apothekenmarkt stark in Bewegung kommt: Nachdem der Grossverteiler Coop zusammen mit Galenica bereits mit den Vitality-Apotheken in diesem Segment aktiv geworden ist, dürfte die Kooperation der Migros mit der Versandapotheke Zur Rose den Markt stark aufmischen. In einem ersten Schritt soll im Rahmen eines Shop-in-Shop-Konzeptes in der Migros-Filiale an der Berner Marktgasse ein Zur-Rose-Shop eröffnet werden. Wird dies ein Erfolg, könnten rasch weitere Shops in anderen Migros-Filialen in der ganzen Schweiz aufgebaut werden. Dies würde wohl viele lokale Apotheken in Bedrängnis bringen. Denn die Versandapotheke Zur Rose erhebt den Anspruch, alle rezeptpflichtigen und frei verkäuflichen Medikamente im Schnitt rund zwölf Prozent billiger anzubieten, als es sonst übliche Apotheken tun.
Deshalb arbeitet beispielsweise auch der Krankenversicherer Helsana mit den Versandapotheken Mediservice, Zur Rose, Xtrapharm und Rothaus zusammen und ermöglicht den Versicherten so, Medikamente im Versand günstiger zu bestellen. Auch Coop will mit seinen Apotheken expandieren. Für Sie hat dies den Vorteil, dass die hohen Medikamentenpreise auch hierzulande stärker unter Druck geraten. Weil die Margen auf Apothekenprodukten hierzulande trotzdem nach wie vor hoch und trotz zunehmendem Preisdruck auch künftig lukrativ sind, interessieren sich nicht nur Grossverteiler für den hiesigen Medikamentenmarkt, sondern auch ausländische Investoren.
Vor diesem Hintergrund erfolgte das Kaufangebot der Al Faisaliah Group aus Saudiarabien, hinter dem die saudische Königsfamilie steht. Sie will mit ihrer Matterhorn Pharma Holding eine Beteiligung von bis zu 10 Prozent an der Versandapotheke Zur Rose kaufen. Die Aktien der Zur Rose Group sind zwar nicht an der Schweizer Börse kotiert. Sie werden aber ausserbörslich gehandelt. Die Saudis bieten 76 Franken in Cash je Zur-Rose-Aktie, was einer Prämie von rund 30 Prozent entspricht. Falls Sie Aktien an dem Unternehmen besitzen, könnten Sie somit einen schönen Gewinn realisieren.
Auch wer nicht verkauft, hat meines Erachtens langfristig interessante Perspektiven, obwohl der Titel im ausserbörslichen Handel bereits sehr stark gestiegen und sicher nicht mehr günstig ist. Schon lange wird darüber spekuliert, dass die Zur Rose Group einmal an die Schweizer Börse gebracht werden könnte. Dies halte ich für möglich. Aus meiner Sicht ist die Zur Rose Group gut positioniert, wenn der Preis- und Konsolidierungsdruck im Schweizer Apothekenmarkt an Tempo gewinnt.