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Philippe Furrer, Samuel Walser, Noah Schneeberger – dreimal hat Gottéron bisher im Hinblick auf die nächste Saison auf dem Transfermarkt zugeschlagen, dreimal konnte Christian Dubé einen Spieler unter Vertrag nehmen, der zum Kreis der Schweizer Nationalmannschaft und damit zur gehobeneren Preisklasse zählt. Stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Freiburger Sportdirektor über ein grösseres Budget für die kommende Spielzeit verfügt oder ob er an anderer Stelle den Gürtel enger schnallen muss? «Ich verfüge über das gleiche Budget wie in dieser Saison», versichert Dubé. «Es geht darum, eine Wahl zu treffen. Ich habe lieber ein paar Spieler weniger im Kader, dafür aber qualitativ hochstehende.» Wenn er also die Auswahl zwischen zwei eher mittelmässigen Spielern und einem Top-Spieler habe, entscheide er sich immer für die zweite Variante. «Habe ich die Chance, Spieler vom Kaliber eines Schneeberger zu holen, dann nutze ich sie.» Das geschehe auf Kosten der Breite. Ein Risiko, das sich zuweilen rächen kann, wie das laufende Championat aufzeigt. Bereits jetzt können die Freiburger Ausfälle kaum kompensieren. «Wie wir das im konkreten Fall dann künftig handhaben werden, müssen wir sehen. Es gibt die Möglichkeit, Junioren einzusetzen, aber auch mit B-Lizenzen zu operieren.»
Ein Rechtshänder
Mit Schneeberger, der in seiner sechsten Saison beim HC Davos steht und zuvor die Farben von Langnau (2004-2008), Biel (2008-2011) und Servette (2011/12) getragen hat, habe er erst letzte Woche zu verhandeln begonnen, erklärt Dubé. «Dann ging alles sehr schnell. Unser Projekt hat ihn offensichtlich überzeugt.» Ein wichtiger Faktor für das Engagement des Verteidigers mit WM-Erfahrung (2016), der für rund 15 Skorerpunkte pro Saison gut ist, ist die Tatsache, dass der 187 cm grosse und 85 kg schwere Langenthaler ein Rechtshänder ist. «Nach den Abgängen von Lorenz Kienzle und Andrea Glauser haben wir genau das gesucht.» Eine gute Balance zwischen Rechts- und Linkshändern ist etwa für das Powerplay von nicht zu unterschätzender Bedeutung.
Wie Lugano-Verteidiger Furrer (für drei Jahre) und HCD-Stürmer Walser (für vier Jahre) hat auch Schneeberger einen langfristigen Vertrag über drei Saisons unterzeichnet. «Solche Spieler kommen nicht nur für ein oder zwei Jahre. Sie identifizieren sich mit einem langfristigen Projekt, das Sinn macht. Und auch ich bin daran interessiert, einen soliden Kern an Spielern über mehrere Jahre sicherzustellen.» Zudem seien Furrer (32), Walser (25) sowie Schneeberger (29) im besten Hockeyalter.
Mit dem Zuzug von Schneeberger ist der Defensivsektor Gottérons für die nächste Saison komplett. «Ich wollte die Verteidigung verstärken. Das ist mit den Verpflichtungen der Internationalen Schneeberger und Furrer gelungen», freut sich Dubé und ruft in Erinnerung, dass mit der Offensive zwar Spiele, mit der Defensive jedoch Meisterschaften gewonnen würden.
Albrecht sagte ab
Jetzt kann sich der Sportdirektor der Baustelle Angriff zuwenden. Die Verträge von Michal Birner, Roman Cervenka, Nelson Chiquet, John Fritsche, Nathan Marchon, Laurent Meunier, Killian Mottet, Caryl Neuenschwander und Jim Slater laufen Ende Saison aus. Nach Walser hätte Dubé gerne Yannick-Lennart Albrecht von den SCL Tigers geholt und damit einen weiteren Center mit Schweizer Pass. Albrecht schlug die Offerte jedoch aus und wird wohl beim EVZ anheuern. «Ich bin weiter auf der Suche nach einem Center, ob Schweizer oder Ausländer, wird sich zeigen müssen. Es gibt verschiedene Optionen.» Eine Option, wenn auch wohl eher für die Flügelposition, ist Lukas Lhotak. Der 24-jährige Ambri-Stürmer, der sowohl den tschechischen als auch den schweizerischen Pass besitzt, steht gemäss «La Regione» vor einem Wechsel zu den Freiburgern.
Und schliesslich steht auch hinter der Goalieposition noch ein dickes Fragezeichen. Barry Brust und Ludovic Waeber sind nur noch diese Saison an den Club gebunden. Reto Berra verfügt zwar über einen gültigen Vertrag mit Gottéron über die nächsten zwei Saisons, ob der 30-jährige Zürcher, der im Augenblick zwischen AHL (San Diego Gulls) und NHL (Anaheim Ducks) hin und her pendelt, im Frühling aber wirklich in die Schweiz zurückkehrt, ist weiter offen. «Wir werden uns demnächst sicher treffen, um zu erfahren, was seine Absichten sind», hält Dubé fest.
Saison 2018/19
Kader Freiburg-Gottéron
Torhüter: Reto Berra (zurzeit San Diego Gulls, Vertrag bis 2020).
Verteidiger: Marc Abplanalp (bis 19), Benjamin Chavaillaz (bis 20), Philippe Furrer (von Lugano, bis 21), Jonas Holos (bis 19), Yannick Rathgeb (bis 19), Noah Schneeberger (bis 21), Sebastian Schilt (bis 19), Ralph Stalder (bis 19).
Stürmer: Andrei Bykow (bis 21), Chris Rivera (bis 19), Matthias Rossi (bis 20), Flavio Schmutz (bis 19), Julien Sprunger (bis 20 plus Option), Tristan Vauclair (bis 19), Samuel Walser (von Davos, bis 22).
Abgänge: Andrea Glauser (SCL Tigers), Lorenz Kienzle (Ambri), Larri Leeger (zuletzt trotz Vertrag zu Zug wegtransferiert).
Auslaufende Verträge. Torhüter: Barry Brust, Ludovic Waeber. Stürmer: Michal Birner, Roman Cervenka, Nelson Chiquet, John Fritsche, Nathan Marchon, Laurent Meunier, Killian Mottet, Caryl Neuenschwander, Jim Slater.
Interview
«Ich spiele auch als Gegner immer gerne in Freiburg»
Noah Schneeberger, wieso haben Sie sich dazu entschieden, den HC Davos nach sechs Saisons zu verlassen?
Ich wollte noch einmal eine neue Organisation kennenlernen, eine Erfahrung mehr machen. So ein Wechsel bringt immer wieder frischen Wind in die Karriere.
Hatten Sie das Gefühl, zuletzt stagniert zu haben?
Das können andere wohl besser beurteilen als ich. Aber nein, ich bin rückblickend eigentlich zufrieden mit mir und habe nicht das Gefühl, stagniert zu haben. Doch natürlich kann einem so ein Wechsel manchmal Schub verleihen, weil man im neuen Club vor einer grossen Herausforderung steht, da man sich von neuem profilieren muss.
Es war zu lesen, dass Sie mit dem HC Davos verhandelt haben, sich allerdings nicht einigen konnten. Woran ist es gescheitert?
Die Gründe habe ich bereits genannt. Für mich war es ganz einfach wichtig, zunächst mit meinem bisherigen Club zu reden. Ich bin einer, der korrekt bleiben will. Ich habe auch keinen Agenten, sondern schaue jeweils mit meinem Vater. Es ist übrigens auch das erste Mal, dass ich so früh in der Saison bei einem anderen Club unterschrieben habe. Es wird ja immer wieder thematisiert, es sei problematisch, dass im Schweizer Eishockey immer schon so früh verhandelt wird. Aber letztlich sind die Clubs selbst dafür verantwortlich.
Sie hatten verschiedene Offerten auf dem Tisch. Warum haben Sie sich für Freiburg entschieden?
Gottéron ist eine gute Adresse, ein ambitionierter Club. Ich spiele auch als Gegner immer gerne in Freiburg, die Stimmung ist jeweils sehr gut, das ist bereichernd, man spürt, dass es eine eishockeyinteressierte Stadt ist. Ich habe schon zu Zeiten von Slawa Bykow und Andrei Chomutow ab und zu Spiele von Gottéron live mitverfolgt, mein Bruder war damals Gottéron-Sympathisant.
Hans Kossmann wollte Sie bereits vor einigen Jahren nach Freiburg holen …
Das stimmt, und noch früher hatte ich auch schon mit Serge Pelletier gesprochen. Gottéron war schon mehrmals ein Thema für mich und stets eine Überlegung wert. Diesmal hat nun alles zusammengepasst.
Welche Rolle spielte die Tatsache, dass Gottéron mit Samuel Walser und Philippe Furrer bereits zwei gute Spieler für nächste Saison verpflichtet hat?
Das ist sicher ein schöner Nebeneffekt, zumal Samuel Walser ein guter Kollege von mir ist. Ausserdem zeigt es den Weg, den Freiburg gehen will und dass im Club gut gearbeitet wird.
Darf man auch davon ausgehen, dass Gottéron mehr Geld geboten hat als der HC Davos?
Nein, finanzielle Überlegungen haben bei meinem Entscheid überhaupt keine Rolle gespielt.
Welche Qualitäten werden Sie versuchen ins Team zu bringen?
Zu meinen Qualitäten gehört sicherlich, von hinten heraus mit meinen Pässen das Spiel zu gestalten. Ansonsten sehe ich meine Rolle als Verteidiger in erster Linie darin, Tore zu verhindern. Natürlich bringe ich mich gerne ab und zu in die Offensive ein, aber ich versuche, das stets mit genügend Vorsicht und Intelligenz zu tun.
Kennen Sie Freiburg auch abgesehen vom Eishockey?
Ja, ich habe die Berufsschule in Freiburg absolviert. Während ich als Junior bei Langnau spielte, machte ich in Freiburg vier Jahre lang das Sportler-KV. Deshalb kenne ich auch Gottérons Konditionstrainer Bruno Knutti, er war damals einer meiner Lehrer.
Sie sind nach Yannick Rathgeb bereits der zweite Langenthaler im Team. Kennen Sie sich?
Ja, nicht nur, weil wir beide aus Langenthal sind, sondern weil wir während der WM-Vorbereitung der Nati das Zimmer geteilt hatten.
Sie gehören zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Wie gross sind Ihre Hoffnungen, 2018 an den Olympischen Spielen in Pyeongchang dabei zu sein?
Ehrlich gesagt: Die Chancen sind zwar da, aber allzu grosse Hoffnungen mache ich mir nicht.