Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03623.jsonl.gz/85

Hunderttausende Menschen bei der Maidemonstration in Havanna
Foto: Roberto Garaycoa Martínez / Cubadebate
Angeführt von den als »Cuban Five« bekannten »Helden der Republik Kuba« (Ramón Labañino, Antonio Guerrero, René González, Gerardo Hernández, Fernando González) setzte sich in Havanna um sieben Uhr morgens trotz Regens ein kilometerlanger Demonstrationszug aus 700.000 Teilnehmern zum Platz der Revolution im Herzen der Hauptstadt in Bewegung. Als die Spitze dort anlangte, erklommen die fünf ehemaligen Kundschafter die Tribüne vor dem Denkmal des Nationalhelden José Martí, wo sie von Kubas Präsidenten Raúl Castro, den anderen Ehrengästen und dem Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro begrüßt worden. Die Anwesenheit Maduros auf der 1. Mai-Demonstration in Havanna demonstriere die unverbrüchliche Solidarität zwischen der Arbeiterklasse und den Völkern Kubas und Venezuelas, sagte der Generalsekretär des kubanischen Gewerkschaftsdachverbandes CTC, Ulises Guilarte de Nacimiento, in seiner Begrüßung, die er mit dem Ausruf »¡Viva la Revolución! ¡Hasta la victoria siempre!« beendete.
In Havanna und anderen Städten Kubas hatten sich die Straßen noch in der Dunkelheit mit Millionen Menschen gefüllt, die im ganzen Land mit Spruchbändern und Fahnen zu den Mai-Demonstrationen und Kundgebungen unterwegs waren. Aus den Vororten der Hauptstadt waren die ersten der 3.257 Busse, die einen Teil der Teilnehmer beförderten, bereits um zwei Uhr in der Nacht abgefahren. Ob es an der erstmaligen gemeinsamen Teilnahme aller fünf Mitglieder der »Cuban Five«, der Zustimmung zum 1. Mai-Motto »Vereint beim Aufbau des Sozialismus« (Unidos en la construcción del Socialismo) oder vielleicht an beidem lag, dass der Marsch in diesem Jahr noch mächtiger, internationaler, bunter und fröhlicher wirkte, war nicht zu erkennen. Die in ihrer Heimat verehrten und weltweit geachteten Männer waren rund 16 Jahre in US-Gefängnissen festgehalten worden, weil sie sich in antikommunistische Terrorgruppen in Miami eingeschleust und dadurch Anschläge gegen Menschen und Einrichtungen ihrer Heimat verhindert hatten. Am 17. Dezember 2014 waren die letzten drei Kundschafter freigelassen worden und nach Kuba zurückgekehrt.
Wie im Vorjahr marschierten die Beschäftigten des Gesundheitssektors, denen nicht nur in Kuba, sondern weltweit höchster Respekt entgegengebracht wird, in den ersten Reihen der Demonstration in Havanna. Die internationalen Hilfsprogramme kubanischer Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger und ihr selbstloser Einsatz in den Ebola-Gebieten Westafrikas wurde von vielen Teilnehmern der Mai-Demonstration als Beispiel für den Internationalistischen Charakter der kubanischen Revolution. Der Vorbeimarsch an den Vertretern von Gewerkschaften, Regierung, Partei und Organisationen der kubanischen Zivilgesellschaft sowie zahlreichen internationalen Gästen auf dem Platz der Revolution bot ein farbenfrohes Bild der kulturellen Vielfalt Kubas und der zahlreichen Besucher aus allen Teilen der Welt. Zwischen die Sprechchöre der Gewerkschafter und Vertreter sozialer Bewegungen aus allen Kontinenten mischten sich immer wieder auch rhythmische Salsa- und Rumba-Klänge. In dem Meer von roten und kubanischen Fahnen tauchten überall hunderte weitere der Gewerkschaften, Parteien, Organisationen und Länder auf, deren Anhänger und Mitglieder im Zug mitliefen und nicht zu zählen waren. Viele von ihnen bekundeten gemeinsam mit den kubanischen Demonstranten immer wieder lautstark ihre Solidarität mit den Werktätigen und dem Volk von Venezuela in deren Kampf gegen die nationale Oligarchie und US-Einmischung. Auffällig war die große Zahl jugendlicher Teilnehmer, die nicht nur im Block des Kommunistischen Jugendverbandes (Unión de Jóvenes Comunistas, UJC), sondern auch in allen anderen Teilen der Demonstration mitliefen.
Als offizielle ausländische Gäste hatte der kubanische Gewerkschaftsdachverband CTC bereits am Vortag rund 1.900 Repräsentanten von mehr als 200 Organisationen aus 28 Ländern Lateinamerikas und weltweit insgesamt 70 Ländern begrüßen können, eine Rekordzahl. Mit 285 Vertretern stammte die zahlenmäßig größte Gruppe aus den USA, für die Europäer führte Frankreich mit 209 Vertretern die offizielle Gästeliste an. Am heutigen Sonnabend kommen Delegationen und Gäste zu einer »Konferenz der Internationalen Solidarität mit Kuba« in der Hauptstadt zusammen. Themen dabei sind unter anderen die Koordinierung von internationalen Aktionen zur Beendigung der Blockade des US-Imperialismus gegen Kuba, die Unterstützung der venezolanischen Arbeiter und ihrer Gewerkschaften im Kampf für den Erhalt der Selbstbestimmung und des Sozialismus in ihrem Land und die Herausforderung für die Beschäftigten und ihre Organisationen in der Auseinandersetzung mit aktuellen neoliberalen Offensiven.
junge welt
2. Mai 2015
Volker Hermsdorf