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Reichsabt OPraem in Schussenried 1756−1775
Johann Peter wird am 1. August 1718 in Biberach geboren. Sein Vater, der Kaufmann Peter Clauss (Cloos), und seine Mutter Anna Maria Herbrand sind in der schwäbischen Reichsstadt wohnhaft. Erst mit 19 Jahren tritt er ins Kloster Schussenried ein, bringt aber bereits eine Grundausbildung mit. Er nimmt den Klosternamen Nikolaus an und kann nach dem Eintritt in Dillingen Theologie studieren. 1743 feiert er die Primiz. Als Prior des 1750 gewählten, 66-jährigen Abtes Magnus Kleber ist er aktiv am grossen Klosterneubau in Schussenried beteiligt. Von ihm stammt das ikonographische Programm des Bibliotheksaales, dessen Ausführung 1755 dem Füssener Maler Franz Georg Hermann übertragen wird. Als Nikolaus Cloos am 15. März 1756 zum 22. Abt von Schussenried gewählt wird, sind der Ost- und Nordflügel und ein Teil des geplanten Westflügels vollendet. Nur die Bibliothek im Mittelrisalit des Nordflügels harrt noch der Ausstattung. Ihrer Vollendung widmet sich der neue Reichsprälat bis 1766. Die Pläne für den völligen Konvent- und Kirchenneubau nach dem Idealplan des Dominik Zimmermann legt er schon bei seinem Amtsantritt zur Seite. Nicht nur wirtschaftliche Überlegungen, auch die antiklerikalen Strömungen der beginnenden Aufklärung und klosterfeindliche Tendenzen des Kaiserhauses mögen dazu beitragen. Die Mittel werden jetzt, nebst Neubauten des Pfarrhofes und des Kirchturms in Stafflangen[1] , vermehrt für barockes Wohlleben verwendet. Das Kloster durchlebt unter der Regierung von Abt Nikolaus eine wahre Blütezeit in Musikkultur und Geistesleben. Innert weniger Jahre vergrössert sich der Konvent auf 46 Mitglieder. Schussenried wird zu einem Magnet für Besucher und Gäste, das sich auch bei der Beherbergung und Bewirtung nicht lumpen lässt. Die luxuriöse Lebenshaltung führt in den letzten Amtsjahren des Abtes auch zu Konflikten mit den immer anspruchsvolleren Chorherren und der Beamtenschaft des Klosters.
Erstaunlich ist das Eintreten des Abtes für das neue Frauenkloster «Berg Sion» in der Gemeinde Gommiswald hoch über dem oberen Zürichsee. Das Neukloster dient der «Ewigen Anbetung». Die Gründung ist dem religiösen Überschwang des dubiosen Pfarrers Joseph Helg[2] zu verdanken, der bei seinen gegenaufklärerischen Gründungen von Anbetungsklöstern auch vor finanziellem Betrug nicht zurückschreckt. Bei Abt Nikolaus findet er Unterstützung. Schussenried sorgt 1766 für die Besiedlung mit Prämonstratenserinnen und stiftet 10 000 Gulden Gründungskapital, das dann in den Taschen Helgs verschwindet. Abt Nikolaus unterstützt die Neugründung weiter, reist 1772 für Verhandlungen mit dem Churer Bischof und den eidgenössischen Orten in die Schweiz, um das ärmliche Kloster zu inkorporieren. Er erreicht wenig, und das Interesse Schussenrieds an «Berg Sion» erlahmt. Die Geschichte dieser Schussenriedener Tochtergründung wäre kaum der Rede wert, wenn das Kloster nicht bis auf den heutigen Tag überlebt hätte und damit nebst dem Schussenriedener Bibliothekssaal ein weiteres Vermächtnis des Abtes Nikolaus Cloos darstellt.
Am 4. September 1775 verstirbt der Reichsprälat im Pfarrhof Stafflangen im Alter von 57 Jahren. Er wird in der dortigen Kirche von Stafflangen, wo auch noch heute sein Grabstein angebracht ist.
Gottfried Bernhard Göz malt Abt Nikolaus Cloos 1758 im Alter von 40 Jahren. Er steht im Prämonstratenserhabit und mit einer weissen Kappe an einem Tisch und hält in der linken Hand die auf dem Tisch aufgestellte Bibel. Mit der rechten Hand weist er auf eine geöffnete Bücherwand im Hintergrund mit dem monochromen Wappen Schussenried und Cloos. Die Inschrift SEDES SAPIENTAE auf einem Buchrücken weist auf seine neue Bibliothek hin. Hinter seinem Rücken sind die Insignien des Abtes, die Mitra und der Krummstab, zu sehen.
Sein Wappen, in Rot drei goldene Ringe, finden wir auch im Bibliotheksaal.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Kasper, Alfons: Das Prämonstratenser-Stift Schussenried, Teil 1 und 2, Schussenried 1960.
Kaufmann, Karl: Die Äbte des Prämonstratenser-Reichsstifts Schussenried 1404–1803, Schussenried 1985.
Dora, Cornel: Berg Sion, in: Helvetia Sacra, Abteilung IV, Band III, Basel 2002.
Anmerkungen:
[1] Der Pfarrhof, als dreiflügliges «Pfarrschloss» auf einer Anhöhe hinter der Kirche gelegen, dient auch als Sommerfrische für die Konventualen von Schussenried. Die Anlage wird im 19. Jahrhundert bis auf den Südwestpavillon, dem heutigen Pfarrhaus, abgebrochen.
[2] Joseph Helg (1721--1787), stifts-sanktgallischer Kaplan in Mosnang, propagiert seit 1750 die aus Frankreich überschwappenden Ideen der Ewigen Anbetung des Heiligsten Sakraments. Gründerin ist die Pariser Benediktinerin Mechtilde (Catherine) de Bar (1614–1698). Joseph Helg findet die Unterstützung des stifts-sanktgallischen Offizials P. Iso Walser. In Libingen kann Helg 1754 sein erstes Anbetungskloster gründen, kommt aber bereits hier wegen Geldprellerei in die Fänge der St. Galler Justiz. Deshalb muss er seine Tätigkeiten jetzt ausserhalb des St. Galler Herrschaftsgebietes ausüben, so die Gründung von Berg Sion ob Gommiswald, Berg Tabor in Jestetten und Neu Maria Einsiedeln in Rom. Die Neugründungen in Jestetten und Rom finanziert er mit dem Geld von Berg Sion, wo er als Verwalter auch die Bilanz fälscht. Die Gründungen sind ein reines Fiasko und nur dank Hilfe des Offizials P. Iso Walser kann das Kloster Libingen mit der Verlegung nach Glattburg gerettet werden. Zudem führt P. Iso Walser die Ewige Anbetung in den meisten Frauenklöstern der Fürstabtei St. Gallen ein. Von den ausserhalb des Fürstenlandes gegründeten Klöstern überlebt nur Berg Sion. Das Kloster in Jestetten wird 1779, dasjenige in Rom 1781 aufgehoben.s
|Nikolaus Cloos (1718–1775) , Abt in Schussenried 1756–1775|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|1. August 1718||Biberach Baden-Württemberg D||Reichsstadt Biberach|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Pämonstratenser-Reichsabtei Schussenried||1756–1775|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|4. Sept. 1775||Stafflangen Baden-Württemberg D||Reichsabtei Schussenried|
|Kurzbiografie|
|Abt Nikolaus Cloos ist der Rokoko-Prälat der Reichsabtei Schussenried. Schon als Prior des Vorgängerabtes befasst er sich intensiv mit den laufenden Neubauten um den zukünftigen Nordhof. Für die neue Bibliothek entwirft er das ikonographische Programm und begleitet die Künstler bis 1766. Auf den Weiterbau der grossen geplanten Klosteranlage verzichtet er aber schon beim Amtsantritt. Nicht mangelnde Finanzen, sondern der Beginn von klosterfeindlichen Strömungen auch im Kaiserhaus halten ihn davon ab. Er kann die Mittel anders einsetzen, sodass Schussenried unter der Regierung von Abt Nikolaus eine wahre Blütezeit in Musikkultur und Geistesleben durchlebt.|