Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03604.jsonl.gz/1138

Putzfrau stiehlt Uhren des Königs von Marokko – 15 Jahre Haft. 14 weitere Angeklagte, zumeist Goldhändler oder Mittelsmänner, müssen wegen Hehlerei zwischen 4 und 15 Jahre hinter Gitter.
Zwölf Paläste, 600 Autos, eine Million Uhren. Das Vermögen von Mohamed VI. wird auf über 5 Milliarden Euro geschätzt.
Weil sie dem König von Marokko dutzende wertvolle Uhren gestohlen hat, muss eine Putzfrau für 15 Jahre in Haft. Ein Gericht in Rabat sprach die 46-Jährige in der Nacht zum Samstag des Diebstahls von insgesamt 36 Uhren für schuldig, wie ihr Anwalt mitteilte. 14 weitere Angeklagte, zumeist Goldhändler oder Mittelsmänner, müssen wegen Hehlerei zwischen vier und 15 Jahre hinter Gitter.
Die Putzfrau hatte in einem der Paläste von Mohammed VI. gearbeitet. Am Anfang liess sie die Golduhren noch einschmelzen und verkaufte das geschmolzene Metall an Goldhändler, später aber ging sie dazu über, das Diebesgut im Originalzustand zu verkaufen.
Ende 2019 wurden die 46-Jährige, ein mutmasslicher Komplize sowie die anderen Verdächtigen festgenommen. Diese versicherten vor Gericht, von der Herkunft der Uhren nichts gewusst zu haben.
Der marokkanische Monarch gilt als einer der reichsten Männer der Welt und ist für seinen Hang zum Luxus bekannt. Ein Instagram-Foto vom September 2018 zeigte ihn beispielsweise mit einer mit Diamanten verzierten Uhr am Handgelenk, bei der es sich um ein Modell der Marke Patek Philippe im Wert von rund 1,1 Millionen Euro handeln soll.
Rendevouz mit dem Monarchen
Eines Tages, es war vor 6 Jahren, erhielt ich einen Anruf, ob ich nicht gerne mit meiner Frau Marrakesch besuchen wollte. Da ich an dem Wochenende nichts vor hatte, stimmte ich zu. Was ich jedoch vergessen hatte zu fragen, den Zweck dieser Reise. Wie vereinbart holte uns eine Limousine zuhause ab und brachte uns zum Flughafen Zürich, Terminal – Private Aviation – dort wo die Privatmaschinen parkierten. Mit einem Bus wurden wir zur Boeing 737 (der König besitzt noch eine Boeing 747 und eine Herkules C-130) gebracht. Nach 2,5 Stunden Flugzeit landeten wir in Menara, wo wir mit dem Range Rover abgeholt wurden.
Von dort gings direkt ins Royal Mansour Hotel, das der Monarch 2007 auf einem ehemaligen 1,3 Quadratkilometer grossen Stadtgarten in Marrakech von 15’000 Handwerkern und Künstlern innert 3 Jahren erbauen liess. 500 Mitarbeiter sorgen für das Wohl der Gäste. Der Service ist unsichtbar, da sich das Personal durch unterirdisch angelegte Gänge bewegt, um so die Privatsphäre der Gäste zu gewährleisten. 2011 wurde das königliche Palast-Hotel mit 53 Riads eröffnet. Zu Fuss kann der Jemaa El-Fna Platz nahe der Medina in fünf Minuten erreicht werden.
Äusserst herzlich wurden wir vom Manager des Palasthotels, Jean-Pierre Chaumard, der auch damals die Position des Treasery Minister wahrnahm empfangen und zu unserem Riad geleitet. Unser Gastgeber Monsieur Chaumard fragt höflich, ob er uns am nächsten Morgen nach dem Frühstück stören durfte. „Selbstverständlich“, meinte ich, „ich stehe Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung, ohne den eigentlichen Grund zu kennen“.
Am nächsten Morgen nach meinen obligatorischen „Eauf Bendict“ kam Chaumard auf mich zu und fragte höflich, ob er mir nicht die Uhrensammlung zeigend darf. Plötzlich tauchten 50 Mitarbeiter des Palasthotels auf, jeder trug eine Lederschatulle mit jeweils 50 Uhren vor sich her. Legte die Schatulle bei mir ab, damit ich jede Uhr im Detail sichten konnte. Nach der Präsentation fragte mich mein Gastgeber, ob mich ich gerne um die Uhren kümmern würde, da ich „der Beste“ sei. Soviel Ehre war mir einfach peinlich. Trotzdem stimmte ich zu und übernahm die Wartung der Uhren – die grösstenteils in einem katastrophalen Zustand waren, Kronen waren herausgerissen, die Gläser und Gehäuse hatten Kratzer, etc.. Ich veranlasste die Reparaturen, durchmischte das Portfolio der Sammlung, um so einen Werterhalt respektive Wertvermehrung spricht Perfomance zu erhalten, damit alle Parteien glücklich sind.
Mein Gastgeber Chaumet war darüber sehr glücklich und drückte diese Dankbarkeit mit einer Audience beim König Mohamed dem VI. aus. Was ich dort zu sehen bekam überstieg bei weitem meine Erwartungen, ich muss es leider für mich behalten, da ich eine Vertraulichkeiterklärung über die Sammlung des Königs unterzeichnen musste.
Die massgeschneiderte Bekleidung sowie die skurrilen Accessoires des Royality sind mir bei der Audience nicht entgangen. So trägt er gerne perfekt geschnittene Anzüge, immer kombiniert mit einem Taschentuch in derselben Farbe seines Hemdes zum Anzug. Anzüge und Hemden lässt er bei Federico Banzola in Casablanca – früher Marrakech – schneidern.
Der Monarch hat auch eine Schwäche für Schuhe im Italienischen Stil nach vorne spitz verlaufend. Jean-Michel Davanzo ist hierfür verantwortlich, ich kenne ihn schon lange, er ist hochseriös und macht alles möglich, was der Kunde will.
Die zum Teil exzentrische Garderobe des Monarchen frisst 2 Millionen Euro des Staatshaushalts im Jahr.