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Die Burgunderkriege
- Montag, 7. Oktober 2013, 11:17 Uhr
Die Expansionsbestrebungen Berns und Burgunds kommen einander in die Quere. Frankreich und das römisch-deutsche Reich verfolgen ebenfalls ihre Interessen – ein Krieg wird unausweichlich.
Andere Herrscher, andere Sitten
Mit der Änderung der Herrschaftsverhältnisse in Bern ändern sich auch die Ansprüche des Kantons hinsichtlich einer Expansion gegen Westen: Im Frühling und im Herbst 1475 lassen Bern und Fribourg, unterstützt von Luzern, Kriegsbanden in das Waadtland ziehen. Dieses gehört zu diesem Zeitpunkt zum grössten Teil Savoyen, das wiederum mit Karl dem Kühnen von Burgund verbündet ist. Die Freischaren erobern innert kürzester Zeit 16 Städte und 43 Burgen. Die übrigen eidgenössischen Orte sind mit diesem Vorpreschen jedoch keineswegs einverstanden. Im Sommer desselben Jahres schliessen sie gar kurzfristig einen Sonderbund gegen Bern. Die Berner weisen allerdings jede Schuld von sich: Sie seien nur aufgrund ihrer Hilfsverpflichtungen gegenüber der anderen beteiligten Orte gegen Savoyen vorgegangen und damit auch mit Burgund in den Krieg getreten.
Die Eidgenossen unter Grossmächten
Herzog Karl der Kühne ist Savoyen gegenüber zur Hilfe verpflichtet. Ausserdem hegt er eigene Expansionsbestrebungen im Elsass und Lothringen: Er will eine territoriale Verbindung zwischen seinen burgundischen und niederländisch-luxemburgischen Besitzungen herstellen. Deshalb geht er nun gegen die Eidgenossen vor. Dem König Frankreichs, Louis XI., sowie Friedrich III., zu diesem Zeitpunkt Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation, ist an einer Schwächung von Karl dem Kühnen gelegen. Deshalb vermittelt Louis XI. zunächst zwischen den Habsburgern und den Eidgenossen und stellt diese dann in den Dienst seiner Politik gegen Karl den Kühnen.
Ein Streit, drei Schlachten, drei Siege
Als Vergeltung für die Freischarenzüge in Waadt zieht Karl der Kühne Anfang 1476 gegen Fribourg und Bern ins Feld. Im letzten Moment eilen die eidgenössischen und elsässischen Verbündeten trotz der Unstimmigkeiten zu Hilfe. In der Schlacht von Grandson wird der Herzog von Burgund in die Flucht geschlagen. Nur drei Monate später erleidet das Söldnerheer Karls des Kühnen in der Schlacht von Murten erneut eine vernichtende Niederlage durch die Truppen der Eidgenossen. Die Eidgenossen bringen beinahe das gesamte Hab und Gut Karls des Kühnen an sich. Seinen dritten Versuch bezahlt der Herzog schliesslich mit seinem Leben: Nach der letzten Schlacht der sogenannten «Burgunderkriege» wird Karl der Kühne bei Nancy von Unbekannten erschlagen.
Zu den drei Schlachten und dem Schicksal Karls des Kühnen existiert auf Deutsch ein bekannter Merkspruch: «Bei Grandson verlor er den Mut, bei Murten das Gut und bei Nancy das Blut.»
Die Beute der Eidgenossen ist gross, der Schatz der Burgunder riesig. Schon bald entflammt ein Streit darüber, wie dieser unter den Orten verteilt werden soll: In Stans werden heftige Diskussionen geführt – ein Krieg unter den Orten kann dank dem Rat des Einsiedlers Bruder Klaus gerade noch verhindert werden.
Nachdem die Eidgenossen die Burgunderkriege gewonnen haben, eilt ihnen ihr Ruf als Krieger in ganz Europa voraus. Sie werden von überall her als Söldner angeworben.
Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz, «Burgunderkriege»
Brockhaus der Geschichte, «Burgunderkriege»
Volker Reinhardt 2006: «Kleine Geschichte der Schweiz», Verlag C.H. Beck, München.