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Zur Erinnerung an Sebastian C. Schroeder: Südseereise
Am 18. Januar 2022 ist Sebastian C. Schroeder verstorben, der als Kameramann und Regisseur zu den profiliertesten Exponent:innen des Neuen Schweizer Films gehörte. Am Dienstag, dem 26. April um 18.30 Uhr zeigt das Filmpodium gemeinsam mit Mitgliedern der ehemaligen Nemo Film GmbH und der Familie Schröder seinen Film Südseereise, eine essayistische Reflexion über die Zerrissenheit eines Filmemachers zwischen den Einschränkungen des wirklichen Lebens und seinen Männerträumen und Utopien. Als Vorfilm ist Schroeders kleine Vignette Cinema (1972) über ein Guckkasten-Wanderkino zu sehen. Der Filmemacher Bernhard Giger wird bei dieser Hommage an Sebastian C. Schroeder über den Cineasten und sein Werk Südseereise sprechen. Ausserdem wirken mit: der Filmemacher Iwan Schumacher, Schroeders Witwe Ursula Klar und Hans Liechti, der Kameramann von Südseereise. Eintritt frei, anschliessend Apéro. Gratistickets bitte an der Kinokasse beziehen.
Sebastian C. Schroeder wurde 1939 in Berlin als Sohn des Schauspielerehepaars Ernst Schröder und Inge Thiesfeld geboren, lebte und arbeitete aber als Kameramann und Filmemacher vor allem in der Schweiz, die er mit einem kritischen Aussenblick beobachtete. Seine cineastische Tätigkeit entwickelte sich im Umfeld der Nemo Film GmbH, die 1971 von Markus Imhoof, Fredi M. Murer, Claude Champion, Alexander J. Seiler, Georg Radanowicz, Kurt Gloor und Yves Yersin gegründet wurde. Schroeder war ein wichtiges Mitglied des Neuen Schweizer Films, dennoch sind seine Filme heute weniger bekannt als diejenigen mancher Weggefährt:innen.
1970 schuf Schroeder mit Albuquerque ein wegweisendes Found-Footage-Porträt einer amerikanischen Durchschnittsfamilie. 1974 war er Kameramann bei June Kovachs legendärem Dokumentarfilm über den Umgang mit sozial benachteiligten Kindern, Wer einmal lügt oder Viktor und die Erziehung. Ebenfalls als Kameramann drehte er mit Iwan P. Schumacher 1979 Verglichen mit früher, das Porträt einer durch einen Verkehrsunfall behinderten Frau, die für ein selbstbestimmtes Leben kämpfte, und mit Alexander J. Seiler Die Früchte der Arbeit (1977), eine Chronik der Schweizer Arbeiterbewegung. Auch bei Beschreibung einer Insel (1979), dem selbstreflexiven Dokumentarfilm von Rudolf Thome und Cynthia Beatt über Vanuatu, stand Schroeder an der Kamera; während der Vorbereitungen zu diesem Projekt arbeitete er an seinem eigenen, halbdokumentarischen Film Südseereise – Das gleichzeitig am gleichen Ort stattfindende Glück (1978), in dem er zusammen mit seiner Frau Ursula Klar in quasi-autobiografischen Rollen auftritt.
Zur TV-Reihe «Die sieben Todsünden» steuerte Schroeder 1980 die Episode Völlerei oder Inselfest bei, in der er die Unfähigkeit des Schweizers zum Hedonismus karikierte. O wie Oblomow (1981) war Schroeders eigenwillige und satirische Adaption von Iwan Gontscharows Roman «Oblomow» (1859), dessen nichts tuender adliger Protagonist im Film als narzisstischer Linker erscheint, der das bürgerliche Fernsehen foppt. In seiner Satire Haus im Süden (1984) konfrontierte Schroeder ein überhebliches deutsches Ehepaar in dessen Ferienhaus in der Toskana mit der selbstbewussten Familie des italienischen Hausverwalters.