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Bis 1863 war er ein
Freund des englischen
Selfgovernments und überhaupt ein Reformfreund; aber seit dem
polnischen
Aufstand 1863 nahm die
»MoskauerZeitung«, der nationalen Strömung folgend, eine ganz andre
Stellung ein. Sie forderte
eine gewaltsame Russifizierung
Polens,
Litauens und der
Ostseeprovinzen und verteidigte ihren reaktionären und slawophilen
Bundesgenossen zuliebe Steuerprivilegien, den Agrarkommunismus etc.
Besonders leidenschaftlich trat Katkow gegen das Deutschtum auf. 1866 wurde die
»MoskauerZeitung« wegen ihrer
Ausfälle gegen den
MinisterWalujew unterdrückt, Katkow wurde indes bald wieder amnestiert. Im Streit über eine mehr realistische oder mehr
klassische
Richtung der Gymnasialbildung vertritt Katkow den letztern Standpunkt.
(spr. -kóff), Michail Nikiforowitsch, russ. Publizist,
geb. 1820 zu Moskau, studierte auf der dortigen Universität, in Königsberg und Berlin, wo er ein eifriger Schüler Schellings
war. Nach Rußland zurückgekehrt, wurde er Professor der Philosophie an der MoskauerUniversität, welche
Stellung er 1849 zufolge der von dem KaiserNikolaus angeordneten Beschränkungen der akademischen Lehrfreiheit
aufgab. Er begann 1856 die
Herausgabe des Journals «Russkij Věstnik», worin er die modernen Ideen des Liberalismus und namentlich das engl. Selfgovernment
vertrat, zugleich aber sich als entschiedener Gegner der radikalen und socialistischen Partei zeigte.
Der Aufstand in Polen führte Katkow, der seit 1861 auch die Redaktion der «MoskauerZeitung» übernommen hatte, zu einer Veränderung
seiner bisherigen polit. Ansichten: er wurde jetzt der Apostel des Nationalrussentums. Vornehmlich auf seine Thätigkeit waren
die von der russ. Regierung unternommenen Versuche zur gewaltsamen Russifizierung Polens und zur Unterdrückung
des deutschen Elements und der ständischen Verfassung in den Ostseeprovinzen zurückzuführen.
Außerdem verfocht er mit Professor Leontjew das klassisch-humanistische Unterrichtssystem. Da die beiden Freunde bei dem
damaligen Unterrichtsminister Golownin mit ihren Vorschlägen nicht durchdrangen, begründeten sie 1865 ein Privatgymnasium
zu Moskau, das noch jetzt besteht. Nach dem SturzeGolownins (Mai 1866) bewirkten und Leontjew eine vollständige
Umgestaltung des Gymnasiallehrplans zu Gunsten des Klassicismus; das unter ihrer Mitwirkung zu stande gekommene neue Gesetz
wurde gegen den Widerspruch der übrigen Presse
[* 5] von dem Unterrichtsminister GrafenTolstoj durchgeführt.
Nach dem Tode des KaisersAlexander II. stand Katkow an der Spitze der Partei, die die von demselben beabsichtigte
Einberufung eines Ausschusses der Provinzial-Landschaftsversammlungen verhinderte, die Entlassung der Minister Loris-Melikow,
Abasa und Miljutin und die Befolgung eines zugleich streng nationalen und reaktionär-absolutistischen Systems durchsetzte.
Das ihm angetragene Portefeuille des Unterrichtsministeriums schlug Katkow aus. Wesentlich seinem Einfluß auf den Unterrichtsminister
Deljanow ist die Aufhebung des liberalen Universitätsstatuts von 1863 zuzuschreiben. 1882 stürzte
er durch seine Angriffe in der «MoskauerZeitung» den Minister des Innern Ignatjew und wurde zum Erzieher des Thronfolgers Nikolaus
ernannt. Katkow starb auf seinem Gut Snamenskoje bei Moskau.