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1. Einleitung: Thema benennen, den „Aufhänger“ vorstellen, Vorgehen offenlegen:
Warum ist das Thema, warum sind die Ausführungen dazu von Bedeutung? Worin besteht das nachfolgend zu lösende ‚Problem‘? Die Relevanz des Themas gilt es, hier herauszustellen und dem Leser schmackhaft zu machen. Dazu eignen sich z. B. bekannte oder prägnante Zitate, oder provokante Thesen, aber auch kurze inhaltliche Hinführungen, welche das Problem als solches beschreiben, können angemessen sein (Beispiele: „Obwohl schon seit einem Jahrhundert beendet, ist es eine bis heute umstrittene Frage, wer die Schuld am Ersten Weltkrieg trägt“ – „An was du dein Herz hängst, das ist dein Gott“ – es scheint, als habe schon Luther geahnt, welche Macht der Konsum später mal erhalten wird“).
Der erste Satz eines Essays sollte kurz und prägnant zum Ausdruck bringen, was Sie über das Thema denken und bei den Lesenden eine Reaktion erzeugen.
Dipl.-Psychologin Miriam Spering (2002, S. 5)
Machen Sie danach transparent, auf welche Art und Weise Sie an das Problem herangehen: Welche Inhalte werden folgen, wie wird der Essay aufgebaut sein? Argumentieren Sie im Stil eines linearen Aufsatzes oder einer abwägenden Erörterung? Was ist die Material- bzw. Faktenbasis? Hier darf und sollte erwähnt werden, dass keine Gesamtdarstellung folgt, sondern eine eng begrenzte Argumentation.
Es ist sinnvoll, die Einleitung erst zum Abschluss der Arbeit zu verfassen, da die Relevanz oft erst während der Beschäftigung mit dem Thema deutlich wird. Hier können Sie dann überblicken, wie Sie vorgegangen sind.
2. Hauptteil:
Beschränken Sie sich auf ausgewählte Aspekte – ein Essay ist niemals erschöpfend, sondern nähert sich einem Problem aus einer eng definierten Perspektive an. Achten Sie darauf, dass die Fakten und Argumente tatsächlich einen Bezug zur Fragestellung haben – Qualität geht hier vor Quantität. Warum Sie welche Inhalte darbieten, muss implizit oder explizit deutlich werden, wenn Inhalte mit Blick auf die Fragestellung gewichtet und bewertet werden – erst dann enstehen aus Inhalten Argumente! Eine reine Nennung und Nacherzählung von Inhalten reicht nicht aus. Beispiele: Ist es für die Frage der Schuld am Ersten Weltkrieg wirklich wichtig, wie alt die europäischen Herrscher waren? Bedarf es für das Thema des modernen Konsums der Angabe des BIP? Aus Wikipedia zu kopieren oder aus Fachbüchern abzuschreiben, ist nun wirklich keine eigene Leistung.
Dabei ist auch darauf zu achten, dass die einzelnen Inhalte bzw. Argumente erkennbar miteinander zu tun haben. Eine reine Aufzählung reicht nicht aus. Gelingt keine adäquate Überleitung zwischen einzelnen Aspekten, sollten Sie deren Relevanz für das Thema noch einmal eingehend prüfen – weniger kann in dem Fall auch mehr sein. Achten Sie dabei insbesondere auf Satzanfänge: Findet sich hier zu oft „weiterhin“oder Ähnliches, deutet das auf einen Aufzählungscharakter der Ausführungen hin, den es unbedingt zu vermeiden gilt.
3. Schluss:
Nennen Sie Ergebnis der Ausführungen: Welche sind die Schlussfolgerungen aus dem zuvor Geschriebenen? Beachten Sie dabei erstens die in der Einleitung geöffnete Klammer und verweisen Sie zweitens auf dargebotene Inhalte, aber bieten Sie dabei keine Wiederholung! Ein transparentes und begründetes Urteil ist gefragt – evtl. auch eine explizite eigene Stellungnahme und/oder ein persönliches Wort. Legen Sie dazu ggf. Werte offen, anhand derer Sie urteilen.
Im Schluss müssen sowohl die Einleitung mit der Fragestellung als auch der Hauptteil mit den entsprechenden Inhalten erkennbar verschmelzen. Er sollte so verfasst sein, dass ein Leser auch den Hauptteil übergehen und die Antwort auf die eingangs gestellte Frage plausibel beantwortet finden kann, zugleich ist auf die Inhalte des Hauptteils erkennbar Bezug zu nehmen, ohne dass diese wiederholt werden. Es bietet sich häufig an, auf nach wie vor offene Fragen und/oder weiterführende oder andere verwandte Probleme bzw. Fragen hinzuweisen, die Ihnen nach dem Verfassen des Essays in den Sinn gekommen sind.
4. Form:
Die einzelnen Teile werden nicht durch eigene Überschriften bzw. Gliederungspunkte als solche kenntlich gemacht. Lediglich Absätze kennzeichnen die Übergänge – achten Sie also darauf, dass die drei Teile des Essays sich sowohl inhaltlich erkennbar voneinander abheben als auch (trotzdem) flüssig ineinander übergehen.