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Blasenentzündungen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen bei Frauen. Die jährlichen wirtschaftlichen Kosten wurden auf 1,6 Milliarden Dollar geschätzt, wobei 11,3 Millionen Antibiotika verschrieben werden. Trotz umfangreicher Forschung kommen die therapeutischen Strategien nur langsam voran. Gleichzeitig nehmen Probleme mit zunehmenden Antibiotikaresistenzen zu.
Bei Frauen spielen Darm und Vagina eine Schlüsselrolle für das Auftreten von Blasenentzündungen. Die Darmflora (oder genauer Darmmikrobiota) ist die ultimative Quelle für Bakterienstämme, die Blasenentzündung verursachen können.
Der erste Schritt zur Blasenentzündung ist die Besiedlung der Vagina und der Harnröhre mit krankmachenden Bakterien. Daher ist das Verständnis von Faktoren, welche die Scheidenflora («Mikrobiota») der Vagina beeinflussen, der Schlüssel zum Verständnis der Entstehung von Blasenentzündungen und wichtig für Interventionen zur Verhinderung der Blasenentzündungen. Wir haben Hinweise, dass eine gesunde Urinbakteriengemeinschaft wichtig ist, um Blasenentzündungen zu verhindern. Die Anwendung von für Probiotika zur Prävention wäre plausibel und wir sehen teilweise auch sehr gute Erfolge mit entsprechenden Therapien. Aufgrund der geringen Anzahl verfügbarer Studien gibt es aber noch keine endgültigen Beweise.
Kinder mit angeborenen Nieren- oder Blasenmissbildungen können bereits im Säuglingsalter an einer Blasen- oder Nierenentzündung erkranken, unter Umständen muss die angeborene Missbildung operativ korrigiert werden. Knaben und Männer erkranken selten an einer Blasenentzündung.
Bei Frauen kommen, mit zunehmendem Alter Blasenentzündungen häufiger vor, einige anatomische Gründe werden dafür verantwortlich gemacht:
- Ein wichtiger Faktor findet sich in der normalen Anatomie der Frau. Die Harnröhre der Frau ist nämlich mit ca. 2-3 cm sehr kurz und damit wird den Bakterien der Aufstieg vom Darm über die Scheide in die Blase erleichtert.
- Im Gegensatz zum Mann findet sich die Harnröhrenöffnung in unmittelbarer Nähe zum Scheideneingang und zum Enddarm. Die Vorderwand der Scheide grenzt unmittelbar an die Harnröhre.
- Hormonmangel nach der Abänderung macht die Blasenschleimhaut anfälliger für Infektionen. Dieser lokale Hormonmangel ist einer der wichtigsten Gründe, dass es nach der Menopause mit zunehmender Häufigkeit zu Blasenentzündungen kommt. Wichtig ist in diesen Situationen dann die lokale Pflege der Scheide mit Östrogenen. Diese müssen nicht geschluckt werden!
- Schwangere Frauen scheinen anfälliger auf Blasenentzündungen zu sein. In der Schwangerschaft kommt es zudem häufiger zu einer Ausdehnung der Blasenentzündungen auf die Nieren. Harnwegsinfekte müssen deshalb bei der schwangeren Frau sehr ernst genommen und immer antibiotisch behandelt werden. Sie können auch zu einer erhöhten Frühgeburtenrate mit entsprechenden Komplikationen führen. Gewisse Frauen haben ein erhöhtes Risiko eine Blasenentzündung zu bekommen. Es gibt verschiedene Risikofaktoren welche bekannt sind:
- Geschlechtsverkehr scheint die Häufigkeit von Blasenentzündungen zu fördern. Wahrscheinlich werden beim Geschlechtsverkehr mechanisch die Bakterien von der Harnröhre in die Blase massiert. Man kennt sogar in der Medizin den Begriff der sogenannten 'Honeymoon Zystitis', einer Blasenentzündung welche nach turbulenten Hochzeitsnächten auftreten kann.
Typisch ist ein akuter Beginn der Symptome mit starkem Harndrang, häufigem Entleeren mit "Brennen" und Schmerzen sowie meist kleinen Urinportionen. Nach der Menopause können Blasenentzündungen auch "nur" mit Drang und häufigem Wasserlassen, unangenehmem Geruch oder Inkontinenz einhergehen.
Ein sog. «unkomplizierter» Harnwegsinfekt bedarf bei gutem Allgemeinzustand in der Hausarztpraxis keiner (weiteren) Diagnostik, ausser wenn Fieber oder Schüttelfrost angegeben werden und ein Verdacht auf Aufstieg der Entzündung in die Nieren besteht. Dann könnte es auch zur Blutvergiftung kommen.
Im Blasenzentrum untersuchen wir insbesondere bei wiederkehrenden Blasenentzündungen Ihren Urin und veranlassen eine bakterielle Kultur. Dies dient der genauen Erreger-Diagnostik um unnötige Antibiotikaverschreibungen zu verhindern. Damit kann aber auch eine optimale antibiotische Therapie bei Bedarf eingeleitet werden.