Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03357.jsonl.gz/104

Deaton
ist britisch-amerikanischer Doppelbürger. Er lehrt an der Princeton University,
glaubt an den Fortschritt und hält nichts von Entwicklungshilfe.
Weil sie uns ständig alles Üble prophezeit, wird die Volkswirtschaft im Englischen auch die «dismal science» genannt, die «trostlose Wissenschaft». Angus Deaton, 69, gehört definitiv nicht in diese Schublade. Der an der Princeton University in den USA lehrende Ökonomieprofessor verkörpert den Mensch gewordene Optimismus. Die Botschaft seines letzten Buches «The Great Escape» (Die Grosse Flucht) lässt sich kurz wie folgt zusammenfassen: Alles wird besser.
Deaton’s «The Great Escape» ist eine Hymne auf die Aufklärung und die industrielle Revolution. Dank wissenschaftlicher Erkenntnis und technischem Fortschritt leben wir länger, gesünder und glücklicher. Den Menschen ist es noch nie so gut gegangen – und es wird ihnen künftig noch besser gehen. Selbst wenn die Ungleichheit in einzelnen Ländern zunimmt – beispielsweise in den USA – nimmt sie global gesehen ab.
Verantwortlich dafür ist hauptsächlich die rasante Entwicklung in Asien. Angus Deaton ist jedoch kein kritikloser Schwärmer. Er untermauert seine These mit einer Vielzahl von empirischen Fakten; und er sieht auch nicht alles durch eine rosarote Brille. «Die extreme Ungleichheit in den USA ist zu einem Problem geworden», erklärt er in einem Youtube-Video. «Die Superreichen ziehen die Leiter hinter sich hinauf und lassen die anderen im Stich.» Ebenso weist er auf die Schattenseiten eines ungezügelten Wirtschaftswachstums hin, auf die Gefahr der Klimaerwärmung, beispielsweise.
Wenig Sympathie hat Deaton hingegen für die Entwicklungshilfe. Wie der bekannte Kritiker William Easterly glaubt er, dass westliche Technokraten in der Dritten Welt mehr Schaden als Nutzen anrichten. «Die grosszügigen Hilfsgelder erlauben es den Tyrannen, ihre Bürger auszubeuten, indem es ihnen gelingt, grosse Beträge ins Land zu locken, mit denen sie sich an der Macht halten können», schreibt er in einer Besprechung von Easterly’s Buch «The Tyranny of Experts».
Deaton unterscheidet sich jedoch von Easterly in einem entscheidenden Punkt. Das Problem vieler Entwicklungsländer bestehe nicht darin, dass die staatliche Bürokratie ausufert. Es liegt darin, dass sie für ihre Staatseinnahmen fast ausschliesslich auf Hilfsgelder angewiesen sind und keine Steuereinnahmen generieren können. Sie richten ihre Politik deshalb nach den Wünschen der westlichen Technokraten und nicht nach den Bedürfnissen der eigenen Bevölkerung. Deshalb haben sie auch kaum Anreize, die Bedingungen zu verbessern.