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Titel:
Buchbinder auf Wanderschaft
Thema: Wirtschaft
Datum: 15.09.1792
Masse: 35 x 23 cm
Standort: Staatsarchiv Appenzell Ausserrhoden, Pa. 138
Urheber/-in: Syndics et Conseil de la Ville & Republique de Geneve
Beschreibung:
Bei dem Dokument handelt es sich um einen Reisepass aus Genf aus hellgrünem, mehrfach gefaltetem Papier. Das Dokument wurde vorgedruckt und dann handschriftlich ergänzt. Der Briefkopf zeigt das Wappen der Stadt Genf mit lateinischem Wahlspruch „POST TENE BRAS LUX“ („Nach der Finsternis das Licht“) und dem Christusmonogramm IHS. Das Dokument bescheinigt: Wir Syndics und Rat der Stadt und Republik Genf zertifizieren allen, denen er [der Pass] gezeigt wird, dass Hans Conrad Schäfer von Herisau in der Schweiz, Buchbindergeselle, sich auf den Weg nach Deutschland begibt, nach einem Aufenthalt von fünfzehn Monaten in unserer Stadt. Syndics und Rat von Genf bitten, den durch den Pass Identifizierten frei und sicher passieren zu lassen und keine Hindernisse aufzuerlegen. Es soll dem Passträger aber Hilfe geleistet werden, wenn es von Genf gewünscht wird. Genf würde das Gleiche tun, wann immer darum gebeten werde. Das Dokument wurde durch den Sekretär des Syndics und Rats von Genf mit Namen Luevari unterzeichnet. Ein Papiersiegel mit dem Wappen Genfs verifiziert das Dokument.
Geschichte:
Johann Conrad Schäfer wurde 1772 in Herisau als Sohn eines Mousseline-Fabrikanten geboren. Nach dem Besuch der örtlichen Schule begann er 1788 bei Zunftmeister Köchli in Zürich die Lehre als Buchbinder. Nach drei strengen aber lehrreichen Jahren wurde Schäfer von der Buchbinderzunft lediggesprochen. Damit schloss er die Lehre erfolgreich ab und wurde in den Gesellenstand erhoben. Daraufhin kehrte er für kurze Zeit nach Herisau zu seiner Familie zurück. Im Frühling 1791 trat er abenteuerlustig als 19-Jähriger seine Gesellenwanderung an. Die mehrjährige Wanderschaft eines Gesellen, auch Walz genannt, wurde hauptsächlich zum Zwecke der handwerklichen Aus- und Weiterbildung gemacht, hatte aber auch sowohl persönlichen als auch wirtschaftlichen Nutzen. Um Meister seines Handwerks werden zu können, musste ein Handwerker eine gewisse Anzahl Jahre in der Fremde gearbeitet haben.
Schäfer wanderte über Zürich und Bern nach Genf, wo er über ein Jahr bei einem Meister angestellt war. Schäfer genoss die „häusliche Freiheit und die Leichtigkeit des Broterwerbes“. Er scheint in Genf viel gelernt und erlebt zu haben, beispielsweise beim Einbinden des Buches ‚Code Genevois’, welches dem Zeitgeist der „freiheitslüstigen“ Bürgerschaft von Genf damals so gar nicht entsprach, oder seine vorlaute Teilnahme an einer politischen Bekundung, die ihm eine Nacht in Arrest bescherte. Im September 1792 liess er sich von Genf diesen Reisepass ausstellen, um seine Wanderschaft fortzusetzen. Er verliess Genf seinem Reisepass zufolge, mit dem Vorsatz nach Deutschland zu wandern, reiste aber allen Warnungen zuwider ins revolutionäre Frankreich. Unbeirrt von den politischen Wirren liess er sich für zwei Jahre in Strassburg nieder und wanderte 1794 weiter nach Weissenburg im Elsass, wo er ebenfalls zwei Jahre arbeitete und das Buchdruckerhandwerk erlernte. Nach einem kurzen Besuch in Paris, wo er keine Arbeit fand aber dafür die Stadt besichtigte, kehrte er im Jahre 1796 wieder nach Herisau zurück und gründete alsbald eine eigene Buchbinderei an der Bachstrasse.
Autorin: Ursula Butz, Herisau
Chronologie:
1772 Geburt von Johann Conrad Schäfer
1788 - 1791 Lehre als Buchbinder in Zürich
1791 - 1796 Gesellenwanderung mit längeren Aufenthalten in Genf, Strassburg und Weissenburg
1796 Rückkehr nach Herisau und Eröffnung einer eigenen Buchbinderei an der Bachstrasse
1799 Heirat mit Johanna Barbara Enz
1799 Agent des Kantons Säntis und Munizipalitäts-Sekretär des Distrikts Herisau
1800 Distriktskommissär von Herisau
1802 - 1831 Ratschreiber
1805 - 1814 Autor, Herausgeber und Redaktor des „Avis-Blatts für Herisau und die umliegende Gegend“, der ersten Appenzeller Zeitung
1806 Heirat mit Anna Barbara Rechsteiner
1810 Mitgründer der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft
1823 Mitgründer der Appenzellisch-Vaterländischen Gesellschaft
1831 Tod von Johann Conrad Schäfer
Literatur:
StAAR, Pa. 138. Schäfer, Johann Conrad: Nachlass.
StAAR, Mn. S-120. Schäfer, Johann Conrad: Autobiographie (Kopie).
Alder, Oskar: Ratschreiber Joh. Konrad Schäfer, der erste appenzellische Publizist. Ein
Lebensbild aus der Revolutionszeit, in: Appenzellische Jahrbücher 37-38, Trogen 1909. S. 97-167.
Koller, Ernst H. und Jakob Signer: Appenzellisches Wappen- und Geschlechterbuch, Bern
1926.
Fuchs, Thomas: „Johann Conrad Schäfer [Schefer]“, Historisches Lexikon der Schweiz, 2010. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15088.php (5. August 2011).
Transkription:
Teiltranskription:
„Nous Syndics et Conseil
de la ville & rebublique de
Geneve, certifions à tous qu’il appartiendra, que
le Jean Conrad Schafer d’herisau
en Suisse, garçon relieur, allant en
allemagne après sejour de quinze
mois en notre ville
& nous ayant requis de lui octroyer un Passeport
afin qu’un son Voyage il ne lui soit fait aucun déplaisir,
ni moleste. […]“
Aus: StAAR Pa.138, Genfer Reisepass für Johann Conrad Schäfer.
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