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Unterhaltung
"The Messenger must be silenced"
Der Film, der 1999, also kurz vor der Millenium-Bug-Hysterie entstand und in den USA erstmals im selben Jahr gezeigt wurde, ist mit seiner hochkarätigen Besetzung und einer Art MTV-Musikvideoästhetik (Skip Bleaching) in die Filmgeschichte eingegangen. Frankie Paige (Patricia Arquette), der die fünf Stigmata von Jesus Christus widerfahren, ist zunächst eine junge, lebenslustige und durch und durch unreligiöse Friseurin, bis ihr der Rosenkranz von Pater Alameida von ihrer Mutter aus Brasilien geschickt wird. Von diesem Moment an widerfahren ihr epileptische Anfälle, die sie mit allen fünf Wundmalen Jesu Christi gebrochen zurücklassen. Bis auf die letzte Wunde, die des Speers ins Herzen, werden alle in ihrer vollen Blutigkeit gezeigt, aber vielleicht ist die letzte Wunde ja die des gebrochenen Herzens? "The fifth wound is the spear" und die größte Sünde ist wohl die Verführung eines Priesters. So etwas kann nur der Teufel wollen oder von wem ist Frankie eigentlich besessen?
Millenium-Bug-Hysterie
"What kind of scientist is a priest anyway?", fragt die besessene Frankie Pater Andrew Kiernan. Kiernan (Gabriel Byrne), der vom Vatikan in Rom nach Brasilien geschickt wird, um eine Blut weinende Marienstatue zu untersuchen, ist schon lange im Widerstreit mit sich selbst: einerseits ist er Wissenschaftler, andererseits ein Priester und nun soll er sich mit Frankie befassen und soll ihr helfen, ihre Stigmata zu verstehen, dabei leidet er selbst unter den Zweifeln an seiner Berufung. ("I have exchanged one set of complications with another. (...) I wasn’t born a priest", meint er Frankie gegenüber, als sie versucht ihn zu verführen.) Hinzu kommen die Machenschaften des zwielichtigen Kardinals Daniel Houseman (Jonathan Pryce), der dem religiösen Aspekt des Films, nämlich dem Exorzismus à la "Der Exorzist" (1973) auch noch die Theorie einer Vatikan-Verschwörung hinzufügt. Ein Teil des Evangeliums ist nämlich verschwunden und befindet sich an einem versteckten Ort und nur der verstorbene Pater Alameida weiß wo genau. Doch durch Alameidas Werkzeug Frankie kann Andrew das Versteck ausfindig machen und das wahre Evangelium verkünden, das in etwa lautet, dass es keinen Vermittler zwischen Gott und dem Individuum braucht. Natürlich ist das der Amtskirche ein Dorn im Auge und deswegen wird Frankie die Dornenkrone aufgesetzt, denn auf ihrem Rücken wird das alles ausgetragen. Eine der ersten Stigmata sucht sie übrigens in der Badewanne heim, was eine reizvolle filmische Montage zur Folge hat.
Ein Film wie "Apocalyptic Grunge"
Der reale Hintergrund der "Stigmata" wird in dem dem DVD-Mediabook beigefügten Booklet näher untersucht und der Filmkritiker Christoph Kellerbach, der es verfasste, erkennt in der Figur des Alameida den tatsächlich in Italien wirkenden Padre Pio, der 1968 gestorben war und 100'000e in seinen Bann gezogen hatte. Auch das im Film erwähnte Evangelium beruht auf der im ägyptischen Nag Hammadi gefundenen Thomasevangelium. Der Soundtrack des in einer Art "apocalyptic grunge" gehaltenen Films ist tatsächlich unter Mitarbeit einer seiner Ikonen entstanden: Billy Corgan (Smashing Pumpkins) steuerte den Song "Identify" bei. Der den Film bewerbende Spruch "The Messenger must be silenced" passte perfekt in die Atmosphäre seiner Entstehungsgeschichte und sorgte auch anderswo für Furore: als "messenger" - also Botschafter - empfanden sich einige Weltuntergangsapostel des Milleniums allemal. Rupert Wainwright wurde übrigens wenige Zeit nach Stigmata auch in Europa bekannt, mit "Fog, Nebel des Grauens".