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Mikio Kumada, Global Strategist bei LGT Capital Management, skizziert drei mögliche Szenarien zum Ausgang der US-Wahlen und wirft einen Blick auf die bevorstehende Machtübergabe in China. So dürften gemäss Kumada marktexterne Ereignisse in naher Zukunft einen grösseren Einfluss auf die Finanzmärkte ausüben und zu Stimmungsschwankungen führen, obwohl es an wirtschaftlichen Meldungen nicht mangeln wird. Am 6. November finden die US-Wahlen statt. Zwei Tage später beginnt der Kongress der Kommunistischen Partei Chinas. Auch der im Nordosten der USA tobende Hurrikan «Sandy» könnte die Volatilität an den Kapitalmärkten temporär ansteigen lassen.
01.11.2012, 18:30 Uhr
Redaktion: sek
Die US-Stimmbürger werden am 6. November ihren nächsten Präsidenten, die Mitglieder des Repräsentantenhauses und einen Teil des Senats wählen. Obwohl sich einige US-Konjunkturdaten seit September aufgehellt haben, suggerieren einige Meinungsumfragen und der zuletzt relativ schwache Aktienmarkt, dass die Chancen einer Wiederwahl Barack Obamas gesunken sind.
Drei Szenarien zum Ausgang der US-Wahlen Konkret scheinen derzeit drei Wahlszenarien zu dominieren:
Präsident Obama wird wiedergewählt, während das Repräsentantenhaus in republikanischer und der Senat in demokratischer Hand bleibt (Status Quo). Ein rascher finanzpolitischer Kompromiss wäre damit eher unwahrscheinlich, womit uns die drohende «fiskalische Klippe» als belastendes Thema für eine Weile erhalten bleiben dürfte.
Republikanischer Erdrutschsieg Das Weisse Haus geht an den Herausforderer Mitt Romney und die Republikaner erzielen eine Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Die daraus abgeleitete Aussicht auf eine unternehmer-freundlichere Politik könnte die Marktstimmung zumindest kurzfristig aufhellen. Allerdings könnte hier der Wunsch der Vater des Gedankens sein, da eine Mehrheit der professionellen Marktteilnehmer tendenziell die Republikaner unterstützt. Historisch gesehen hat sich der Aktienmarkt nach einem demokratischen Wahlsieg oder einer Wiederwahl (Stichwort Kontinuität) kurz- bis mittelfristig im Schnitt tendenziell besser entwickelt.
Romney gewinnt, im Kongress bleibt es aber beim Status Quo. Ein etwaiger fiskalpolitischer Kompromiss verzögert sich dadurch noch mehr bis nach der Vereidigung des neuen Präsidenten am 20. Januar. Die Marktreaktion könnte daher sogar etwas volatiler ausfallen, als im ersten Szenario.
Der Vollständigkeit halber sei angemerkt: Ein demokratischer Erdrutschsieg gilt als derart unwahrscheinlich, dass sich kaum jemand Gedanken über mögliche Marktreaktionen danach zu machen scheint. Wie dem auch sei, statt auf konkrete Szenarien zu spekulieren, zieht LGT Capital Management es vor, bei der moderat defensiven Gesamtpositionierung zu bleiben.
Machtübergabe in China mit vielen Unbekannten Politische Meldungen dürften aber auch nach der US-Wahl das Marktgeschehen stark beeinflussen, denn schon am 8. November wird in China der 18. KP-Parteitag eröffnet und die wichtigsten personellen Weichenstellungen an der Spitze der zweitgrössten Volkswirtschaft offiziell in Gang gesetzt. Dabei sollen Xi Jinping und Li Keqiang in Stellung gebracht werden, um während des Nationalen Volkskongresses (März 2013) zum Staatspräsidenten, bzw. Regierungschef gewählt zu werden. Viele Anleger scheinen dieses Szenario mit weiteren wachstumsfreundlichen Reformen und wirksamen Konjunkturmassnahmen zu assoziieren, wie die seit September sehr gute Entwicklung der H-Aktien in Hongkong impliziert. LGT Capital Management bleibt derzeit diesbezüglich noch etwas vorsichtig, nicht zuletzt, weil die Binnenmärkte Chinas (A- Aktien) diese optimistische Vision offenbar noch nicht ganz teilen sie scheinen zu signalisieren, dass bis zum Volkskongress im März möglicherweise doch noch einige politische Hürden zu überwinden sind.
Hurrikan «Sandy» als weiterer Unsicherheitsfaktor Schliesslich könnten auch die Folgen eines Naturphänomens die globalen Aktienmärkte kurzfristig beeinflussen: Der an der Ostküste der USA tobende Hurrikan «Sandy» hat die US-Kapitalmärkte und die Geschäftstätigkeit an der Wall Street seit Montag lahm gelegt. Selbst wenn «Sandy» keine grossen wirtschaftlichen und hoffentlich auch keine humanitären Schäden in den USA anrichten sollte, so hat der Hurrikan das internationale Finanzmarktgeschehen bereits bis zu einem gewissen Grad temporär «verzehrt». Entscheidend könnte dieses Ereignis auch für die kurz bevorstehende Präsidentschaftswahl sein. Obama muss sich als Krisenmanager beweisen und so stellt «Sandy» für den Präsidenten eine Chance, aber auch ein Risiko dar. In diesem Umfeld könnte es nach der Wiedereröffnung der US-Finanzmärkte zu überdurchschnittlichen Kursschwankungen kommen, die wenig über den Trend aussagen. Die moderat defensive Anlagestrategie von LGT Capital Management scheint daher auch im Lichte dieser eher ungewöhnlichen Kombination exogener und kurzfristig möglicherweise einflussreicher Faktoren bis auf weiteres als angebracht.
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