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Weinbau wird allerdings nur an wenigen ausgewählten Stellen betrieben, obwohl die Rebe hier bis zu 1000 m ansteigt. Alpwirtschaft
wiegt bei weitem vor; die Zahl der in der Ebene und an den tiefern Gehängen (Aproz, Baar, Bieudron) lebenden
Bewohner bildet nur 1/9 der gesamten Bevölkerung. Zusammen 307 Häuser, 2289 kathol. Ew. Weit günstiger für den Anbau als
die steilen und bewaldeten untern Hänge über dem Rhonethal sind die höher gelegenen Terrassen, wo links
über dem Wildbach des Val de Nendaz die beiden grössten Siedelungsgruppen Basse Nendaz in 1013 m und Haute Nendaz in 1255 m
(s. diese Art.) stehen.
Grosse Kirchgemeinde, zu der auch noch Veisonnaz gehört. Trotz der Abgeschiedenheit der Gemeinde, die bis jetzt noch nicht
einmal durch eine Fahrstrasse mit dem Rhonethal verbunden ist, hat sich die Zahl ihrer Bevölkerung im Lauf des 19. Jahrhunderts
verdoppelt. 1816: 1132 Ew., 1850: 1599, 1870: 2022, 1888: 2211 und 1900: 2289 Ew. Die Gemeinde betreibt Gemüsebau in grossem
Umfang und dies besonders seit der Gründung der Konservenfabrik in Saxon. Der Obstbau (Nüsse, Aepfel, Birnen, Kirschen,
Aprikosen, Pflaumen und Zwetschgen) wäre intensiverer Pflege wert.
Die Alpwirtschaft steht noch auf einem ziemlich primitivem Standpunkt, indem Butter und Käse meist im
Freien unter einer Arve oder hinter einem Steinblock gesotten werden. Durch rationelleren Betrieb könnte ihr Ertrag mindestens
verdoppelt werden. Der schon jetzt lebhafte Holzhandel kann mit der Zeit ebenfalls noch an Bedeutung zunehmen. Fremdenindustrie
ist im Val de Nendaz sozusagen noch keine vorhanden. In Vétroz am gegenüberliegenden, rechten Hang des
Rhonethales besitzen die Nendards Rebberge, die aber hartnäckig nach veralteten Methoden behandelt werden und deshalb von
den übrigen Weinpflanzungen dieser Gegend sehr unvorteilhaft sich unterscheiden.
Bedeutender und blühender Getreidebau. Grosse Schieferbrüche und Anthrazitminen; 1850-1860 hat man auch silberschüssiges
Blei abgebaut. Das Gebiet von Nendaz hat von jeher die Geschicke von Conthey und Vétroz geteilt und gehörte lange Zeit den
zu Kastvögten der Abtei Saint Maurice bestellten Grafen von Savoyen, die den Edeln von Saxon 1288 auch das Lehen von Cleibe
(rechts über der Prinze) abkauften. Zu Ende des 13. Jahrhunderts besassen die Grafen ferner noch die
Burg Brignon, die zusammen mit der Burg zu Conthey die O.-Grenze ihrer Besitzungen schützte, gegen Ende des nämlichen Jahrhunderts
aber von den Wallisern zerstört wurde.
Auf BurgBrignon sass ein savoyischer Meier (major), während Basse Nendaz und Haute Nendaz ein den La Tour
zustehendes Meieramt (métralie) bildeten. Beide gingen seit 1240 der Reihe nach an die Cavelli aus Conthey, an die Bertherinis
und dann an Simon In Albon, Gouverneur von Saint Maurice, über. Nachdem sich die Gemeinde um die Mitte des 16. Jahrhunderts
von ihren Herren losgekauft hatte, übernahm der Staat die Verwaltung und setzte
einen eigenen Beamten
(Major oder Meier) ein, der in einem Burgturm n. vor dem Dorf Basse Nendaz residierte.
Dieser Turm wurde zu verschiedenen Malen zerstört (so z. B. 1475 bei der Eroberung des Unter Wallis
durch die Ober Walliser), dann
wieder aufgebaut, 1668 vom Staat zurückgekauft und zu einem festen Amtssitz mit Gerichts- und Gefängnisräumen
umgestaltet. Während der das Wallis
trennenden Wirren von 1833 bis 1839 schloss sich Nendaz an den obern Landesteil und die Regierung
in Sitten an. Wie in vielen anderen der grossen Walliser Gemeinden stand auch auf Boden von Nendaz früher ein heute verschwundenes
Dorf, Vegenan genannt, das zur Zeit der grossen mittelalterlichen Pestepidemien ausgestorben sein muss.
Bei Aproz hat man ein altes Kistengrab aufgedeckt. Ein Menhir, Büsserstein (Pierre pénitente) genannt. Der nach Isérables
führende alte Saumpfad heisst Chemin de la Métrallerie. 983: Nenda; 1000: Neinda; 1266: Neinde.
Fionnay ins Bagnesthal hinüber. Das Thal gehört mit allen seinen kleinen Verzweigungen ganz zur Gemeinde Nendaz und kann
in drei gut voneinander geschiedene Abschnitte zerlegt werden: einen obern (Val de Cleuson und Vallon de Tortin) mit den Alpweiden
von Cleuson, Tortin, Noveli, Servais und Siviez;
Die Prinze erhält als grössere Nebenadern einzig von links den Wildbach des Vallon de Tortin und von rechts
die aus den Wäldern über Cleibe und Verrey herabeilende Ogenze. Diese Wildbäche speisen verschiedene Bewässerungskanäle
(bisses), so die drei Bisses de Nendaz, dann denjenigen von Vex und als bedeutendsten denjenigen, der vom WildbachTortin nach
links abzweigt, die Bergflanke umgeht, durch Hindernisse mancherlei Art dem Hang des Val d'Isérables entlang zieht und nach 30 km
langem Lauf auf die Terrassen über den DörfernSaxon und Charrat ausmündet. Das Val de Nendaz ist vor
allem ein Alpweidenthal, liefert aber im milden unteren Abschnitt auch Getreide, Obst (Aepfel, Birnen, Kirschen etc.) und
viel Gemüse, welch' letzteres zumeist in die grosse Konservenfabrik zu Saxon wandert. Schieferbruch. Vorkommen von Anthrazit
und Asbest (oder Amianth).