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| Salvianus von Massilia († nach 480) - Des Timotheus vier Bücher an die Kirche (Ad ecclesiam)

I. Buch
2. Jede Art der Anhäufung von Schätzen wird zum Verderben
Vielleicht aber wähnen sich manche von dieser Sünde frei, die da ihr Gold und ihr Vermögen zwar nicht in der Erde haben, es aber doch allenthalben versteckt halten. Täusche sich doch niemand mit lächerlichen Ausflüchten! Jeder, der in irdischem Begehren sich müht, seinen Reichtum zu vermehren, vergräbt auf alle Fälle sein Gold in der Erde. Das ist der Sinn des Heilandswortes im Evangelium: „Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde!" 1Und weiter: „Sammelt euch vielmehr Schätze für den Himmel!" Diese Gedanken lassen sich nicht bloß mit dem leiblichen Ohr verstehen. Denn legen wirklich alle Bösen ihren materiellen Reichtum auf der Erde und alle Guten den ihren im Himmel nieder? So ist es wahrlich nicht! So meint der wirkliche Sinn des heiligen Ausspruchs eben nur die Wirkungen und Kräfte von geistigen Vorgängen - etwa folgendermaßen: Insoferne Begierde und Habsucht irdischen und höllischen Lohn, Mitleid aber und Mildtätigkeit himmlischen und ewigen Lohn im Gefolge haben, wurde der Unterschied zwischen einem „irdischen" und einem „himmlischen" Schatz festgelegt, daß alle, die ihrer Begierde und Habsucht zuliebe Reichtümer erwürben, erkennen sollten, sie legten ihre Güter in der Hölle nieder; daß aber diejenigen, die aus Mitleid und Menschlichkeit Schätze sammelten, sich freuen könnten in der Vorbereitung ihrer himmlischen Güter; dorthin werden schon im voraus die Schätze verlegt, wo dereinst ihre Sammler sein werden.
1: Matth. 6, 19. 20.