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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Mit «Im Flug» hat er die erste wissenschaftliche Geschichte der Schweizer Luftfahrt geschrieben, mit «Nach Ohio» seinen ersten Roman veröffentlicht. Bei higgs erzählt er in der «Zeitreise» jeden Sonntag Episoden aus der Geschichte der Schweiz. Von den Wanderungen der Helvetier bis Erasmus von Rotterdam, vom Mord in Augusta Raurica bis zu Catherine Reponds tragischem Ende und von Henri Dunant bis zu Iris von Roten.
Bern, 1950, Streit im Parlament. Die ganz links riefen, die Swissair gehöre endlich verstaatlicht, die ganz recht wollten sie lieber dem Markt überlassen – und damit dem Konkurs. Aufgelockert wurde die Debatte durch den Nationalrat und Migros-Chef Duttweiler: Der scherzte, er habe Erfahrung mit bankrotten Firmen und sei drum bereit, die Airline zu übernehmen.
Am Ende unterstützte der Bund die Swissair grosszügig mit Steuergeldern und kaufte ihr zudem zwei neue Flugzeuge. Bedingung: Die Swissair musste sich internationale Partner suchen und endlich regelmässig in die USA fliegen – und die Aktionäre konnten sich 30% ihres Kapitals ans Bein streichen.
In den zwei Jahrzehnten danach machte die Swissair alles richtig. Die Amerikaflüge waren enorm profitabel, Neutralität und Bankgeheimnis brachten attraktive Flugrechte und viele Erste-Klasse-Passagiere. Zuverlässigkeit, Service und gutes Marketing machten die Swissair zu einer der besten Airlines überhaupt und die Angestellten waren so stolz auf ihre Firma, dass sie sich etwa als «Swissair-Sekretärin» im Telefonbuch eintragen liessen. Die Swissair hatte Rückenwind und die Schweiz hatte eine Airline, die rund einen Drittel der Grösse von Air France, British Airways oder Lufthansa erreichte.
1971 kam sie in Turbulenzen. Der Franken stieg dramatisch im Kurs, die Swissair kam unter Druck und sie verschlief wichtige Neuheiten. Zwar baute sie den Betrieb weiter aus, aber die Gewinne stagnierten.
Um 1990 geriet sie in Abwinde. Der europäische Markt wurde liberalisiert, der Treibstoff teurer, die Kunden preisbewusster, die Schweiz sagte Nein zum EWR, Billig-Airlines kamen auf und das Airline-Business wurde unberechenbar. Eine Fusion mit gleich grossen Partnern scheiterte. Dann begann die Swissair kleinere Gesellschaften zu kaufen.
Das war riskant, dreist, verwegen – und kam nicht gut. Verwaltungsrat, Geschäftsleitung, Piloten, Kontrollstellen: niemand kann sich für die 1990er-Jahre ein gutes Zeugnis ausstellen. Der Markt veränderte sich und der Swissair gelang es nicht, darauf die richtige Antwort zu finden.
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Es endete mit grosser Symbolik. Das Ende der Swissair stand bereits fest, als am 3. und 4. Oktober 2001 die Flugzeuge am Boden blieben – CS und UBS hatten den täglichen Kapitalbedarf unterschätzt. Bei der Rettung von 1950 war es um zehn Millionen Franken gegangen – 2001 fehlten über zwei Milliarden. Das war dann auch dem Bundesrat zu viel.
Digital in die Vergangenheit
Dieser Beitrag erschien erstmals auf dem Blog des Schweizerischen Nationalsmuseums.
Der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums publiziert regelmässig Artikel über historische Themen. Diese reichen von den Habsburgern über Auslandschweizer bis hin zu heimischer Popmusik, die es zu Weltruhm gebracht hat. Der Blog beleuchtet viele Facetten der Landesgeschichte in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Mehr dazu gibt es unter: blog.nationalmuseum.ch