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Eine "Route Napoléon" gibt's nicht nur in Südfrankreich, sondern nun auch im Thurgau; sie ist allerdings nicht ausgeschildert. Aber das war jene von Cannes nach Grenoble 1815 ja auch nicht.
Hoffentlich bleiben Sie - anders als Napoleon I. - nach dieser "Route Napoléon" noch länger als 100 Tage in Amt und Würden!
Eigentlich müssten Sie gar keine Karte mehr auf die Wanderung mitnehmen - aber der Swisscom-Empfang ist in dieser Region derart schlecht, dass Sie sich nicht auf ihn verlassen können. Speichern Sie die Karte deshalb schon vor der Wanderung, damit Sie sie dann offline aufrufen können.
Der Weg ist nicht schwer zu finden, auch wenn er nicht ausgeschildert ist. Am schwierigsten ist vielleicht gleich der Beginn der Wanderung in Salenstein, deshalb habe ich Ihnen den entsprechenden Kartenausschnitt hier noch vergrössert:
Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, diese Wanderung zu begehen, abzuändern oder abzukürzen.
Starten Sie beim Schloss und Napoleonmuseum Arenenberg, wo Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III., aufgewachsen war.
Arenenberg liegt nahe der Bahnstation Mannenbach-Salenstein und verfügt über einen grossen Parkplatz.
Vielleicht besuchen Sie als Auftakt ja gleich das Museum im Schloss; es öffnet allerdings erst um zehn Uhr.
Schon bald kommen Sie beim Schloss Salenstein vorbei, das zu napoleonischer Zeit Charles Parquin gehörte. Er war es, der zusammen mit Louis Napoleon den Bau des historischen Napoleonturms an die Hand genommen hatte.
Als Besitzer dreier Schlösser (Wolfsberg, Salenstein, Sandegg) geriet er allerdings in finanzielle Schwierigkeiten und liess zum Beispiel das halbe Schloss Salenstein abbrechen, um Unterhaltskosten zu sparen.
Frühlingsputz à la française...
Durchs wildromantische Rütelitobel gelangen Sie zur Burgruine Sandegg, von der leider nur noch die Grundmauern erhalten sind, nachdem sie 1833 abgebrannt war.
Louise Cochelet, die Kammerdienerin der Königin Hortense, hatte die Sandegg 1817 für sich gekauft - bis das Schloss nach der Heirat mit Charles Parquin auch in dessen Besitz gelangte.
Übrigens hauste 1000 Jahre zuvor ein Vogt namens Sintlaz auf der Burg - er hatte seinen Besitz, vor allem die Insel Reichenau, auf Geheiss des fränkischen Verwalters Karl Martell dem Mönch und Klostergründer Pirmin überlassen. Die Reichenau hiess denn früher auch die "Sintlaz-Au".
Allerdings war es ihm nicht vergönnt, sich fest auf Eugensberg niederzulassen; er konnte seine Residenz nur zweimal kurz besuchen, bevor er 1824 erst 42-jährig starb.
Das Schloss steht im Moment zum Verkauf. Haben Sie nicht zufälligerweise
35 Millionen übrig...?
Steigen Sie zum Schützenhaus Salenstein beim Adelmoos auf und beachten Sie dort die Aussicht auf die Reichenau und den Untersee.
Diese Sicht können Sie nur noch eine Stunde später vom Turm aus toppen!
Im Forstwerkhof Ermatingen gibt's ein WC und eine Grillstelle.
Bei "Grossanlässen" nehmen Sie bitte vorgängig Kontakt auf mit <email-pii>.
Für Gruppen besteht sogar die Möglichkeit, sich von Familie Meier vom Mostbeizli (s. oben) einen Apéro zum Forstwerkhof bringen zu lassen.
Nach zweieinhalb Stunden gelangen Sie dann zum buchstäblichen Höhepunkt und Ziel Ihrer Wanderung, zum neuen Napoleonturm bei Hohenrain.
Erst geht's lange hinauf...
... doch oben angekommen, können Sie die herrliche Aussicht studieren, fotografieren und geniessen!
(Alles Wissenswerte zum alten und zum neuen Turm sowie zur Aussicht und zum Panorama finden Sie auf dieser Website).
Beim Napoleonturm gibt es leider keine Verpflegungsmöglichkeit und nicht einmal ein WC... Retten Sie sich deshalb ins Restaurant Alpenblick nach Gunterswilen (das aber leider am Wochenende geschlossen ist).
Bestellen Sie ein "Napoleon-Bier" und beweisen Sie der Wirtin, dass Sie auf dem Turm die Namen der Berggipfel gut auswendig gelernt haben - aber hüten Sie sich vor Hochstaplerei: Frau Wittwer kennt sich aus!
Das Schloss Wolfsberg war vor 200 Jahren eine Fremdenpension des Arenenbergs, die von Charles Parquin geführt wurde: Sie wissen ja jetzt, er war Mitinitiator des historischen Napoleonturms.
Der Wolfsberg ist heute ein Ausbildungszentrum der UBS. Besichtigen Sie das Parquin-Haus und die wunderschöne Terrasse also in "dezenter" Weise, in gebührender Rücksicht auf Seminare, Kurse und Bankgeheimnisse!
Besuchen Sie auch den neu renovierten und sehr eindrücklichen Eiskeller aus napoleonischer Zeit gleich neben der Strasse.
In Ermatingen steigen Sie in der "Auberge Napoléon" ab, dem Gasthaus Adler mitten im Dorfzentrum. Es ist übrigens das älteste Gasthaus im Kanton Thurgau.
Es war vor zweihundert Jahren die "Stammbeiz" von Louis Napoleon - sagen wir einmal eine der wichtigsten von vielen.
In der Auberge Napoléon ein Napoleonbier trinken:
Wenn Sie nicht im "Napoleonstübli" dinieren, trinken Sie sicherlich in der Gaststube unter den gestrengen Blicken von Napoleon I. ein Napoleon-Bier, wenn Sie nicht schon im Alpenblick eines gehabt haben!
(zur Zeit ist der Adler allerdings wegen eines Todesfalls geschlossen)
Werfen Sie noch einen Blick in die Kirche Ermatingen: Hier fand 1837 die Abdankungsfeier für Königin Hortense mit 2'000 Trauergästen statt (die Kirche fasst aber nur 400 Personen...).
1867 schenkte Louis Napoleon, mittlerweile Kaiser Napoleon III., der Kirchgemeinde Ermatingen ein neues Uhrwerk mit doppeltem Stundenschlag.
Schade, heute tönt's wieder gleich wie jedes andere, nämlich 8 Mal um 8 Uhr...
Als ÖV-Benützer nehmen Sie in Ermatingen wieder den Zug.
Sonst geht es aber nochmals zu Fuss weiter, am besten auf dem See-Wanderweg. Kühlen Sie Ihre müden Beine im Strandbad Ermatingen (der "schönsten Badi am Bodensee") ab.
Nachher geht's bald den "Zickzack-Weg", wie wir ihn hier nennen, wieder hoch Richtung Arenenberg. Auf diesem Weg verlief früher die Zufahrt zum Schloss.
Im unteren Teil am Waldrand zweigen Sie aber rechts ab durch den Wald in den restaurierten Schlosspark.
Lustwandeln Sie auf Hortenses Spuren durch die Garten- und Parkanlagen des Schlosses.
Geniessen Sie noch die Aussicht von der Schlossterrasse aus - ein ganz besonders schöner Aussichtspunkt, wie Königin Hortense selbst immer wieder betont hatte.
In Ermangelung eines königlichen Hofmalers machen Sie hier wie die meisten der durchlauchten Herrschaften und holdseligen Schlossdamen mit Ihrem Handy ein Selfie.
Im Bistro "Louis Napoleon" stillen Sie nun Ihren letzten (mittlerweile etwa fünften) Durst oder fragen nach einem abschliessenden "Turm-Kaffee":
Hier schliessen sich also der geschichtsträchtige Kreis und die Wanderroute wieder...
Sie sehen: So viel "Napoleon" bekommen Sie sonst nirgends in fünf Stunden!
Nehmen Sie's nach der anstrengenden Wanderung zum Turm einmal gemütlich und geniessen Sie eine Fahrt auf dem Untersee mit dem Motorschiff "Napoleon" von Steckborn aus - mit Blick hinauf zum Napoleonturm.
Alle Infos und Kontakt zum Kapitän Emil Bügler unter www.unterseeschifffahrt.ch.
Wenn Sie diese Route Napoleon als Wanderung oder Jogging am Sonntagmorgen planen, dann starten Sie so, dass Sie genau um 9 Uhr auf dem Turm sind: dann hören Sie gleichzeitig von allen Seiten die Kirchenglocken, die den Sonntag oder den Gottesdienst einläuten.