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Unterbernau am Dorfbächli (2006–2015)
Die Holzindustrie in Leibstadt
Anfang der 1960er-Jahre hiess es in Leibstadt plötzlich «Holz vor der Hütten!» Der deutsche Spekulant und Holzunternehmer Hermann D. Krages war es, der den ersten grossen Industriebetrieb in Leibstadt ansiedelte. Krages besass in seinem Heimatland mehrere Betriebe, die mit rund 1’300 Beschäftigten Holzfaser- und Kunststoffplatten herstellten. Nun wollte er in der Schweiz eine Zweigfabrik errichten, um unter seiner Marke «Thermopal» Kunststoffplatten zu produzieren. Gesagt, getan: Im Jahr 1961 nahm die Thermopal AG im «Steinacker» an der Bahnhofstrasse ihren Betrieb auf. Schon zwei Jahre später zählte das Unternehmen, das mittlerweile um ein Spanplattenwerk vergrössert worden war, bereits 100 Beschäftigte. Doch die Leibstadter Bevölkerung stand dem grossen Arbeitgeber mit gemischten Gefühlen gegenüber. Sie klagten über die Lärm- und Staubbelastung durch die Fabrik. Hinzu kamen Gewässerschutzprobleme. Die Thermopal AG war nicht in der Lage, die verfügten Lärm und Staubvorschriften umzusetzen. Dazu herrschte europaweit eine Überkapazität in der Branche, die sich in einen ruinösen Preiskampf verstieg. 1982 meldete die Thermopal AG Konkurs an. Kein Konkurrent zeigte Interesse, den bankrotten Betrieb zu übernehmen. So verloren alle 165 Beschäftigten, darunter viele Grenzgänger, ihren Arbeitsplatz. Die Konkursliegenschaft ging an den Laufenburger Holzhandelsunternehmer Alfred und George Kuratle, die Maschinen gingen an die Firma Kronotec AG in Luzern, ein Unternehmen der schweizerischen Kronospan AG über.
Die seit 1955 bestehende Laufenburger Kuratle AG hatte sich auf den Handel mit Rundholz, Schnittwaren, Holzwerkstoffe und Parkett spezialisiert. Die Kuratle AG gründete in Leibstadt die «Kuralit AG» und nutzte die ehemaligen Thermopal-Gebäude teils zur Lagerung und Weiterverarbeitung seiner Holzprodukte, teils vermietete er sie weiter. Fünf Jahre, nachdem George Kuratle die Geschäftsführung der Kuratle AG in Laufenburg übernommen hatte, nimmt das Unternehmen 1994 das neu errichtete «Holzwerkstoffzentrum (HWZ)» in Leibstadt in Betrieb. Die verschiedenen Unternehmungen der Familie Kuratle florieren. Im Jahr 1999 werden die «Kuratle AG Laufenburg» und die «Jaecker AG» mit Hauptsitz in Rümlang unter dem Namen Kuratle & Jaecker AG unter dem Holdingdach der «Holzwerkstoff Holding (HWH)», gelegt. Im Jahr 2004 steigt die Holzwerkstoff Holding in die Logistik Branche ein und gründet die Meier Logistik AG mit 13 Fahrzeugen und 15 Mitarbeitern. Konsequenterweise steigt wiederum drei Jahre später, also 2007, in der Leibstadter Bahnhofstrasse die Einweihungsfeier des neu aufgebauten «HWZ Logistikzentrums Leibstadt». Die fast 50 Jahre alten Hallen aus Thermopal-Zeiten werden nun Zug um Zug abgerissen und durch neue ersetzt. Auf diesem Wege wurde Leibstadt zu einer Drehscheibe für den Holzmarkt – und ist es bis heute geblieben. Die KURATLE GROUP ist heute ein international agierendes Familienunternehmen mit Geschäftssitz in Leibstadt. Im Kundenfokus des global denkenden, lokal handelnden Handels- und Logistikunternehmens, stehen die verarbeitende Holz-, Küchen-, Möbel, Boden- und Parkettindustrie, der Wiederverkauf sowie die Baumärkte. Die Tochtergesellschaft
KURATLE & JAECKER AG bedient mit ihrer Schwestergesellschaft Meier Logistik AG, die holzverarbeitenden Betriebe mit einem breiten Sortiment an traditionellen und modernen Holzwerkstoffen schweizweit. Die KURATLE GROUP hat 12 Standorte in der Deutschschweiz und zwei in der Westschweiz. Weitere Niederlassungen befinden sich in Köln, Wien und Cape Town Südafrika. Täglich werden über 2’000 Tonnen Holzwerkstoffe – für Anwendungen ab Betonboden bis zum Dachfirst – umgeschlagen. Das Sortiment beinhaltet Platten, Isolationen, Türen, Parkett, Schichtstoffplatten sowie Balken für den konstruktiven Holzbau. Auf Wunsch werden Produkte, von der weiter in Leibstadt ansässigen Tochtergesellschaft der BUZ AG, industriell vorgefertigt.
Die KURATLE GROUP zählt als Handels- und Logistikfirma zu den grössten Holzwerkstoff-Handelsbetrieben der Schweiz und beschäftigt heute über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schweiz und rund 250 im Ausland.
Das Bänkli
Als Bänklistandort für diese Dekade war ursprünglich direkt vor dem HWZ Logistikzentrum angedacht. Aber in der weiteren Planung hinsichtlich der nötigen baulichen Veränderungen am Wegesrand und unter Einhaltung der erforderlichen Sicherheitsvorschriften vor einem Werksgelände, konnte dieser Standort so nicht weiterverfolgt werden. Auch die Wegesroute musste bedacht werden, so dass aus dem Bänkliweg auch ein „Rundweg“ wird. So entschied man sich für diesen Aussichtspunkt mit Ausblick auf das heutige Werksgelände des HWZ Logistikzentrum, aus deren Sortiment auch diese schöne Holzbank stammt.