Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03144.jsonl.gz/492

Im Eishockey gibt es unzählige Statistiken. Viele machen Sinn. Die Plus/Minus-Bilanz gehört aber definitiv nicht dazu und gehört abgeschafft.
Laut Wikipedia dient eine Statistik in erster Linie dazu, die Leistungen von Spielern und Mannschaften auf Basis mathematischer Fakten genauer beurteilen zu können. Als Hockey-Experte ist man da gesegnet. In Nordamerika entwickelte man schon früh etliche Statistiken, um die Leistung eines Spielers zu quantifizieren. So findet man im Nu heraus, wie viele Vorlagen zu einem Shorthander geführt haben und an welchem Wochentag ein Spieler am liebsten ins gegnerische Tor trifft. Bei Nino Niederreiter beispielsweise ist es der Donnerstag.
Nebst diesen netten Spielereien kommt in den meisten gängigen Statistiken nach Toren und Vorlagen gleich die Plus/Minus-Statistik. Diese wird in der NHL seit den frühen 60er-Jahren erhoben. Seit der Saison 1982/83 gibt es sogar eine Plus/Minus-Auszeichnung, die «Emery Edge Plus/Minus Award» heisst und derzeit von einer Biermarke gesponsert wird («Bud Light Plus/Minus Award»). Doch diese Statistik ist (zurecht) höchst umstritten.
Ein Spieler bekommt ein Plus, wenn er auf dem Eis steht und sein Team skort (bei nummerischer Gleichheit oder Unterzahl).
Er bekommt ein Minus, wenn er auf dem Eis ist bei einem Gegentreffer (bei nummerischer Gleichheit oder Überzahl).
Fazit: Die Plus/Minus-Bilanz gibt nicht viel her. So ist der beste NHL-Schweizer in dieser Statistik Dean Kukan (8 Spiele/+9), während Mark Streit den schlechtesten Wert aufweist (719 Spiele/-62). Was diese Erkenntnis einem Eishockey-Experten bringen soll, ist mehr als schleierhaft.
Trotz diesen einleuchtenden Fakten haben immer noch viele NHL-Spieler eine Klausel in ihren Verträgen, welche neben Skorerpunkten auch für eine hohe Plus-Rate einen Bonus vorsieht.
Als Edmonton-Spieler Patrick O'Sullivan 2009/10 mit -35 die schlechteste Bilanz in der ganzen Liga aufwies, schenkten ihm seine Trauzeugen bei der Hochzeit eine grüne Jacke. Weil er mit -35 über ein fantastisches Golf-Handicap verfüge.
O'Sullivan konnte über den Scherz zwar lachen. Doch er hielt fest, dass die die negative Rekordmarke ihm geschadet habe: «Das war etwas, das mir bis zum Ende meiner Karriere geschmerzt hat.»
Höchste Zeit, die Scherzstatistik Plus/Minus-Bilanz auf den Mülleimer der Geschichte zu kippen.
Dank einem 3:1-Sieg in Grenoble steht der SC Bern in der K.o.-Phase der Champions Hockey League. Grenoble liegt nur zwei Stunden von der Schweizer Grenze entfernt – und doch gibt es Franzosen, die das Nachbarland nicht zu kennen scheinen. Denn empfangen wird der SCB mit der schwedischen Nationalhymne und statt der Schweizer Flagge wird auf dem Videowürfel die blau-gelbe Schwedens eingeblendet. Das kommt selbst dem finnischen SCB-Coach Kari Jalonen spanisch vor. (ram)