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1945 sprachen zwei Feldprediger bei der Zürcher Kantonalbank vor und machten sie auf folgendes Problem aufmerksam: Mancher ledige oder jung verheiratete Wehrmann habe infolge seines Aktivdiensts und des damit verbundenen Verdienstausfalls keine oder sehr geringe Ersparnisse. Das Geld reiche nicht, um einen Hausstand zu gründen und das neue Heim adäquat einzurichten. Die Zürcher Kantonalbank reagierte sofort, um jungen Heiratswilligen aus der finanziellen Klemme zu helfen, galt doch die Ehe als einer der Grundpfeiler des Staates und der Gesellschaft. Das neu geschaffene Ehestandsdarlehen erlaubte den Paaren die sofortige Möblierung ihrer Wohnung. Der Höchstbetrag wurde auf 3000 Franken festgesetzt. Als die Teuerung anzog, wurden die Limiten kontinuierlich erhöht. Um die «oftmals unerfahrene Käuferschaft vor unzweckmässigen Anschaffungen zu bewahren», wie es im Geschäftsbericht von 1950 hiess, waren explizit nur Gebrauchsmöbel zugelassen «unter Ausschluss von Luxusgegenständen irgendwelcher Art». Zum Beweis seiner Kreditwürdigkeit musste der Käufer eine Anzahlung von 20 Prozent leisten. Als Sicherheit blieb auf den eingekauften Möbeln bis zur kompletten Abzahlung ein Eigentumsvorbehalt bestehen. Die Möbelhändler wurden in diesem Sinn verpflichtet, die Ware schlimmstenfalls zurückzukaufen. Sie erhielten dafür von der Bank sofort den gesamten Betrag für die eingekaufte Ware in bar.
Eheglück dank vorfinanzierten Möbeln
Der Aktivdienst im Zweiten Weltkrieg führte bei vielen Männern zu grösseren Verdienstausfällen. Frisch verheirateten Paaren reichte folglich das Geld nicht, um eine gemeinsame Wohnung einzurichten. Die Zürcher Kantonalbank half ihnen mit dem Ehestandsdarlehen aus der Patsche.
Werbung für Ehestandsdarlehen und Kleinkredite in den 1950er Jahren.
Mehr Verdienst, weniger Anträge
Mit den guten Verdienstmöglichkeiten junger Leute in den 1960er Jahren gingen die Anträge für Ehestandsdarlehen zurück. Zudem war das Bundesgesetz über den Abzahlungs- und Vorauszahlungsvertrag in Kraft getreten, das die Bedingungen für solche Möbelkaufverträge verschärfte. Das Kleinkreditgeschäft blieb dagegen vorerst wenig reguliert und gewann an Attraktivität. Ab 1980 wurden bei der Zürcher Kantonalbank folglich die Ehestandsdarlehen abgeschafft und neu als «Privatkredit» geführt, genauso wie andere Kleinstfinanzierungsgeschäfte.