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Vokabeln im Schlaf zu lernen ist wohl der Traum jedes Schülers. Ein paar Duftstäbchen helfen dabei.
Manchmal kommen Forscher auf erstaunliche Weise zu neuen Erkenntnissen. Bei Franziska Neumann begann alles mit einer Handcreme, die ihr die Mutter geschickt hatte.
Der Duft dieser Creme weckte bei Neumann Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Die angehende Lehrerin war fasziniert von dieser unerwarteten Wirkung. Sie wollte mehr dazu wissen.
Per Los teilte sie Sechstklässler in zwei Gruppen ein: Eine Hälfte der Kinder erhielt Duftstäbchen, die anderen Kinder dienten als Vergleichsgruppe. Die Stäbchen dufteten so stark, dass es nicht nötig war, sie anzuzünden.
Dann ging es ans Vokabelnpauken. Im Abstand von jeweils einer Woche unternahmen die Kinder vier Experimente, jedes endete mit einem Vokabeltest.
Im ersten Versuch lernten alle 54 Kinder wie gewohnt. Im zweiten legten 27 der Kinder die nach Rosen duftenden Stäbchen neben sich, während sie englische Wörter büffelten. Die anderen Schülerinnen und Schüler lernten wie sonst, ohne Duftbegleitung.
Im dritten Versuch lagen die Duftstäbchen sowohl beim Lernen neben den Kindern als auch nachts während sie schliefen, eine Woche lang, bis zum Vokabeltest. Und im vierten Experiment schliesslich atmeten die Schüler den Rosenduft nicht nur beim Lernen und während des Schlafs ein, sondern auch während der Prüfung. Die kleinen Versuchsteilnehmer legten die Duftstäbchen dazu auf ihr Pult in der Schule.
(Fortsetzung weiter unten …)
Der Duft wirkte: Hatten die Kinder nachts den Rosenduft eingeatmet, waren sie in der Prüfung rund 30 Prozent besser, verglichen mit den Kindern, die so gelernt hatten wie immer. Ist Lernen mit Duftbegleitung also eine Methode, um bessere Noten zu erzielen?
Neumanns Experiment weist jedenfalls darauf hin. Die junge Lehrerin bestätigte damit auch das Ergebnis eines Versuchs aus dem Jahr 2007. Er war aber viel komplizierter.
Damals erhielten die Versuchspersonen das Duftsignal nur während bestimmter Schlafphasen. Das erforderte eine viel kompliziertere Versuchsanordnung in einem Schlaflabor. Das Experiment damals zeigte, dass Erlerntes dank Duftbegleitung besser in den «Langzeitspeicher» im Gedächtnis aufgenommen wird.
Neumann – die als Neuling ohne wissenschaftlichen Hintergrund in die Forschung einstieg – bewies nun, dass es auch einfacher geht. Angespornt von dem Ergebnis will die junge Lehrerin jetzt weiter forschen.
Denn noch sind viele Fragen offen, zum Beispiel: Welcher Duft eignet sich am besten zum Lernen? Hilft der Duft «nur», dass das Erlernte besser abgespeichert werden kann, oder hilft er auch beim Abrufen der Informationen aus dem Gedächtnis?
Quelle: «Scientific Reports» (Link auf Englisch)