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Wörterbuch
der Sozialpolitik
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Ökonomisierung

Der Begriff der Ökonomisierung bezeichnet die organisatorische Neuordnung staatlicher Verwaltungen, bei der durch interne Rationalisierung und die Übernahme marktpreissimulierter Kosten-Ertrags-Kalküle angestrebt wird, die Qualität öffentlicher Dienstleistungen zu verbessern und gleichzeitig deren Produktionskosten zu senken. Ökonomisierungsstrategien wie New Public Management u.Ä. lehnen sich am Modell des privatwirtschaftlichen Konzerns an und kommen vor allem in den öffentlichen Diensten im engeren Sinne (Bildungs- und Gesundheitswesen, Sozialwesen usw.) sowie in den klassischen "hoheitlichen" Bereichen staatlicher Tätigkeit (Polizei, Steuerwesen, Militär usw.) zur Anwendung. Grundsätzlich gilt dabei das Prinzip der Kostenwahrheit: Gebühren und Entgelte werden grundsätzlich gegenüber allgemeinen Steuern bevorzugt, um den Nutznießerinnen und Nutznießern kostengerechte Preise zu verrechnen, welche ihnen den volkswirtschaftlichen Ressourcenverzehr anzeigen und sie zu einer sparsameren Nutzung anregen sollen.
Vertreterinnen und Vertreter von Ökonomisierungsstrategien betonen, dass diese sowohl zu Aufgabenbeschränkungen als auch zu deren Ausweitung führen können. Die Erfahrung der 1990er-Jahre jedoch lehrt, dass Verwaltungsreformen häufig im Kontext finanzpolitischer Sparprogramme eingeleitet werden und die Übernahme des betriebswirtschaftlichen Kostenkalküls auf die öffentliche Verwaltung in der Regel zur quantitativen und qualitativen Einschränkung des Leistungsangebots führt. Die Forderung nach Marktorientierung lässt außerdem die Frage außer Acht, inwiefern eine Steigerung der Effizienz (im betriebswirtschaftlichen Sinne der Mitteloptimierung) eine Erhöhung der Effektivität (im Sinne der Zielerfüllung) garantieren kann. Einzelwirtschaftliche Effizienz als Kostensenkung in kurzfristiger Perspektive kann gesellschaftlich gesehen zu einer hochgradigen Ineffektivität führen, weil beispielsweise die Erhöhung der "Effizienz" eines Sozialarbeiters durch die Verdoppelung der Zahl der in der gegebenen Arbeitseinheit zu betreuenden Jugendlichen sich zwar kurzfristig in einer Kostensenkung niederschlagen wird, langfristig aber die gesellschaftlichen Kosten gerade deswegen überproportional ansteigen können.
Literatur: