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Hintergrund
02.07.2012
Alle warten stets auf ihn, den Sommer. Doch wo kommt er denn her? Germanist Roland Hofer weiss es. «uniaktuell» beantwortet in seiner Sommerserie wichtige Fragen zur warmen Jahreszeit.
«uniaktuell»: «Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze, und von den Auen dränget uns die Glut» – so beginnt ein Sommergedicht von Goethe. Woher aber stammt eigentlich das Wort «Sommer», und was ist seine ursprüngliche Bedeutung?
Roland Hofer: Sommer ist ein Wort, das in praktisch allen germanischen Sprachen vorkommt und im Mittel- und Althochdeutschen als sumer beziehungsweise sumar belegt ist. Die schweizerdeutsche Lautung Summer behält noch den alten Stammvokal -u- und ist somit näher beim Ursprung als die neuhochdeutsche Form mit -o-, die auf den Einfluss der Lutherischen Bibelübersetzung zurückgeht. Aussergermanisch ist Sommer mit altirisch sam («Sommer») und dem altindischen Wort sámā- vergleichbar, das soviel wie «Halbjahr, Jahreszeit, Jahr» bedeutet.
Im deutschen Sprachraum wurde früher mit Sommer ganz allgemein die wärmere Zeit des Jahres, im Gegensatz zur kälteren, dem Winter, bezeichnet. Das heisst, man unterschied ursprünglich nur zwei Jahreszeiten – die Einführung der Jahreszeiten Frühling und Herbst ist jüngeren Datums. Zwar ist Herbst ein altes germanisches Wort und bedeutete ursprünglich wohl «Ernte» wie auch das englische harvest («Ernte»). Ab wann aber Herbst als Bezeichnung für eine Jahreszeit verwendet wurde, lässt sich kaum ermitteln. Da das Wort Frühling erst seit dem 15. Jahrhundert belegt ist, wurden die vier Jahreszeiten wohl erst danach gebräuchlich.
Das Wort Sommer ist auch verbreitet in Orts- und Flurnamen anzutreffen. Aus der bernischen Namenlandschaft kennen wir zum Beispiel Summeracher, Summerau, Summerhalde, Summermatte oder Summerweid. Solche Namen weisen einerseits auf sonniges, nach Süden geneigtes, südseitiges und somit ertragreiches Gelände hin, andererseits auf Kulturland, das im Sommer genutzt wird. (Roland Hofer/nm)
Dr. des. Roland Hofer arbeitet am Institut für Germanistik an der Forschungsstelle für Namenkunde. Er befasst sich auch mit der Ortsnamenkunde und ist einer der Redaktoren des Ortsnamenbuches des Kantons Bern.