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In der Glut des Südens Ein kurzweiliges Porträt dreier Menschen
Kultur
Terrence Malick ist ein Unikum in der Filmwelt Hollywoods. Der Regisseur drehte in fast vierzig Jahren lediglich fünf Kinofilme.
Dies ist auch insofern beachtlich, wenn man darauf hinweist, dass der Kameramann Néstor Almendros während der Dreharbeiten erblindete und vorher geschossene Fotografien bestimmter Einstellungen unter einer starken Lupe ansehen musste, um endgültige Entscheidungen für das komplette Filmen einer Szene treffen zu können. Seine Mühe wurde belohnt, indem er 1979 einen Oscar bekam. Die einzige Statue, die der Film mit vier Nominierungen erhielt. Nachdem Dustin Hoffmann und Al Pacino die Hauptrolle abgelehnt hatten, übernahm Richard Gere die Rolle des Bill, einem armen Versager, der aus einer Fabrik entlassen wird, woraufhin er sich mit seiner Freundin Abby (Brooke Adams) und seiner kleinen Schwester Linda (Linda Manz) den Lebensunterhalt als Erntehelfer verdienen muss.
Sie gelangen zu einem wohlhabenden Farmer, der im Film namenlos bleibt und von Sam Shephard gespielt wird. Unter grossen Anstrengungen treiben sie für ihn die Ernte ein, zusammen mit anderen Gehilfen, doch die Drei bekommen schnell eine Sonderstellung. Bill und Abby geben vor, Geschwister zu sein und so geschieht es, dass der Farmer eines Tages Abby seine Liebe gesteht. Für Bill kommt das sehr gelegen, denn er hat vor einiger Zeit ein Gespräch belauscht, aus dem er schloss, dass der Farmer nur noch höchstens ein Jahr zu leben hat. Bill überredet Abby, ihren Verehrer zu heiraten, damit sie nach seinem Tod sein Vermögen erben können. Aus dieser Situation heraus entwickelt sich eine komplizierte Dreiecksbeziehung…
Dies ist so ein Film, bei dem man sich kaum traut, mit den Wimpern zu zucken, geschweige denn für einen Moment wegzuschauen, da man sonst eines der grossartig fotografierten und berückend schönen Bilder verpassen könnte. Filmkritiker Leonard Maltin schrieb in seinem Filmführer 2011, die Kameraarbeit sei derart faszinierend, dass sie die Handlung in den Hintergrund rücken lässt. Das ist zum Teil durchaus richtig, doch wirken die Bilder niemals erdrückend. Days of Heaven ist davon abgesehen ein hervorragender Lehrer für filmische Ökonomie, denn hier ist kein Satz an Dialog zuviel, keine Szene zu lang, nichts ist unnötig gestreckt.
Das beste Beispiel mag die Szene sein, in welcher der Farmer Abby seine Liebe gesteht. Nach seinem Geständnis erwidert Abby lediglich, wie schön sich das anhöre und Malick blendet ab zur nächsten Szene. Der Zuschauer erfährt in diesen zwei Sätzen alles, was er wissen muss, nichts ist überflüssig oder in die Länge gezogen. Auf diese Weise präsentiert sich hier ein Stoff, aus dem man jederzeit einen zweieinhalbstündigen Film hätte machen können, doch durch diese Zurückhaltung schafft er es mit seinen 90 Minuten perfekt ausbalanciert zu sein sowie niemals zu langweilen.
Dem zu Gute kommt auch die Ausgangssituation dieser Dreiecksgeschichte, denn die ewig kreisende Frage ist, wann der Farmer das Zeitliche segnet, was wie ein Damoklesschwert über der Beziehung hängt. Am Auffälligsten ist aber wahrscheinlich die Symbolhaftigkeit der Villa des Farmers, welche allein auf einem Hügel prangt wie ein verwunschenes Märchenschloss, ein Symbol für die Träume der Erntehelfer, aber auch der rote Apfel der Verführung, dem man verfällt und daraufhin aus dem Paradies geworfen wird.
Bill und Abby trauen sich erst nach langer Zeit in die Nähe dieses Hauses wie zwei Kinder, die gleichzeitig angezogen sind vom Haus der Hexe, der Verführung nicht widerstehen können, aber auch Angst haben vor dem, was hinter der unsichtbaren Grenze lauert. Dementsprechend fühlt sich Bill, als er zum ersten Mal das Innere des Hauses betritt, nachdem seine Freundin den wohlhabenden Farmer geheiratet hat, denn diese Villa bedeutet für den Verlierer Bill gleichzeitig Zerstörung, da er seine Freundin an jemand Anderen verloren hat, aber auch eine einmalige Chance zu Reichtum zu kommen, womit Bill einen Teil seines Zieles bereits erreicht hat, als er in die Diele der Villa tritt.
In der Glut des Südens hat noch mehr zu bieten als Symbolhaftigkeit und tolle Schauwerte – auch die Oscarnominierte Musik von Ennio Morricone verleiht dem Werk einen zusätzlichen Glanz, schmiegt sich gefühlvoll, elegant in ihrer ganzen Ästhetik an die brillanten Bilder Almendros’ an, ohne jemals aufdringlich zu werden. Ein kurzweiliges Porträt dreier Menschen, das vielleicht nicht derart in die psychologische Tiefe geht, wie einige es sich vielleicht wünschen werden, das aber genug andere Aspekte vorzuweisen hat, die diese kleine Schwäche problemlos auszubügeln vermögen. Würde man diesen Streifen mit einem einzigen Wort beschreiben müssen, so wäre wohl „magisch“ am Treffendsten.
USA
1978-
95 min.
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Darsteller: Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard
Produktion: Jakob Brackman, Bert Schneider, Harold Schneider
Musik: Ennio Morricone, Leo Kottke
Kamera: Néstor Almendros, Haskell Wexler
Schnitt: Billy Weber