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«Meine Tochter leidet, und ich bin nur ohnmächtig», sagt Mutter Barbara Manser*Bild: Kornel Stadler
Sie schluckt Scherben, wenn sie sich beengt fühlt, springt vom Balkon und verletzt andere: Wie eine 20-Jährige sämtliche Auffanginstitutionen der Schweiz überfordert.
Veröffentlicht am 10. April 2019 - 08:40 Uhr,
aktualisiert am 9. April 2019 - 14:03 Uhr
Für ihre erste Wohnung hat Maria* die Vorhänge selber ausgesucht. In der kleinen Küche mit den schwarzweissen Plättchen setzt sie Spaghettiwasser auf. Dünstet Tomaten, Speck und Zwiebeln. Für die Mama, für ihre erste Einladung, den ersten Gast. Maria ist so stolz. Und endlich frei. Zwei Tage später führt die Polizei sie in Handschellen ab und liefert sie wieder in die Psychiatrie ein.
Das war im November 2018. Seither lebt Maria, 20, in der geschlossenen Abteilung, isoliert in einem Zimmer. Die Diagnose: leichte Intelligenzminderung und eine Impulskontrollstörung. Das Bett ist festgeschraubt, das Fenster geht auf den Innenhof. Sie trägt ein reissfestes Gewand. An schlimmen Tagen bleibt sie ans Bett gegurtet. Fixiert an den Füssen, an den Händen, um den Bauch. Tagelang. Maria, die ihre Freiheit liebt. Maria, die mit ihrer ersten eigenen Wohnung noch so grosse Pläne hatte.