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In zweierlei Hinsicht war der Naturwissenschaftler Arnold Lang (1855–1914) von grosser Bedeutung für die Universität Zürich. Einerseits legte er als Begründer der zoologischen Sammlung den Grundstein für das heutige zoologische Museum, andererseits war er massgeblich an der Schaffung des Universitätsneubaus beteiligt.
Der grosse Vertreter der experimentellen Vererbungslehre absolvierte sein Hochschulstudium in Genf und Jena. Im Jahr 1876 promovierte Arnold Lang bei Professor Ernst Haeckel (1834–1919), dem berühmten und umstrittenen Verfechter des Darwinismus. Im selben Jahr habilitierte er sich als Privatdozent der Zoologie an der Universität Bern. Danach war er in Neapel an einer Forschungsstation tägig und erhielt daran anschliessend eine Professur in Jena. Der Ruf nach Zürich erfolgte im Jahr 1889. An der Universität Zürich und am Eidgenössischen Polytechnikum lehrte Lang Zoologie und vergleichenden Anatomie. Als Direktor der zoologischen Sammlungen wirkte er ab 1889, eine Tätigkeit, die er bis zu seinem Tod ausübte. In den Jahren von 1894 bis 1896 war Lang als Dekan der philosophischen Fakultät II tätig. Von 1898 bis 1900 übte er schliesslich das Amt des Rektors der Universität aus.
Bei der Planung des Universitätsneubaus war Arnold Lang stark involviert. Bereits in seiner Zeit als Dekan beschäftigte ihn die Lösung der Raumfrage. Indem er ab 1906 der akademischen Baukommission vorstand, wurde er zum Organisator des Neubauprojektes und verteidigte die Ideen und Pläne während der politischen Auseinandersetzungen um den Universitätsneubau. Die Aufgabe der Kommission bestand darin, ein Bauprogramm auszuarbeiten und sich mit Fragen rund um das Bauvorhaben auseinanderzusetzen. Im Hauptgebäude der Universität wurde auf Initiative von Arnold Lang ein Trakt für die Zoologische Sammlung gebaut. Besonders eindrücklich war der damalige Lichthof des Zoologischen Museums. Der zweigeschossige Raum war von einer flachen Glasdecke abgeschlossen. In diesem Raum waren drei Grossexponate ausgestellt: die Skelette eines Mammuts, eines Elefanten und eines irischen Riesenhirsches. Durch den Lichteinfall waren die Beleuchtungsverhältnisse für die Ausstellung der Exponate optimal.
Später fiel das Glasdach aufgrund des Hörsaaleinbaues des Architekten Ernst Gisel (1922–2021) weg. Giesel erstellte in den Jahren 1984–1991 eine Konstruktion aus Eisenbeton, mit der er einen Hörsaal (KO2-F-180) sowie die Bibliothek und Leseräume des Historischen Seminars (in zusätzlichen Obergeschossen) zwischen vier Pfeilern eingehängte. Für die Renovation des Hauses an der Karl-Schmid-Strasse wurden sämtliche Exponate eingepackt und an den Irchel transportiert, wo die Sammlung während der Zeit des Umbaus zu sehen war.
Ausgerechnet Lang, der sich für den Bau so eingesetzt hatte, konnte bei der Einweihung des Universitätsgebäudes 1914 nicht dabei sein. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sich aus der Forschungs- und Lehrtätigkeit zurückziehen. Dafür ist der damals Abwesende nun permanent im Hauptgebäude anwesend: Zu Ehren Arnold Langs wurde eine Büste errichtet, die 1916 im Lichthof des Zoologischen Museums aufgestellt wurde. Heute steht die Büste im ehemaligen Biologietrakt des Hauptgebäudes (Eingangshalle Künstlergasse KOL-D).
Für die Erstellung der Büste war im Januar 1915 der Basler Bildhauer Carl Burckhardt (1878–1923) beauftragt worden. Als Vorlage für die Büste diente neben Fotografien und Abbildungen des Verstorbenen auch die Totenmaske von Lang, die der Bildhauer Julius Schwyzer (1876–1929) im Jahr 1914 angefertigt hatte. Die Tradition der Erstellung von Büsten geht bis in die römische Antike zurück. Die Büsten sollen den Wunsch nach körperhafter praesentia in absentia erfüllen. Sie dienen traditionell der Memoria und ermöglichen es, herausragende Persönlichkeiten zu repräsentieren und deren Leistung über den Tod hinaus zu würdigen. Vor und in der Aula wartet gleich eine Vielzahl von ehemaligen Professoren der UZH in der Gestalt von Bronzebüsten auf Studierende und andere Besucher:innen, u.a. Lorenz Oken (1779–1851), Johann Caspar von Orelli (1787–1849), Richard Avenarius (1843–1896) und Walter Rudolf Hess (188–1973). Die Büste von Lang befindet sich also in bester Gesellschaft. Der ‘anwesende Abwesende’ in Gestalt der Büste begrüsst nun tagein, tagaus die Eintretenden in der Eingangshalle und erinnert an das Schaffen einer aussergewöhnlichen Persönlichkeit.
(UAZ) AB.1.0576 Dozierendendossier Arnold Lang
Amodio, Camillo Renato: Der Zoologe Arnold Lang (1855–1914). Dietikon 1997.
Brunner, Dieter et al.: Die obere Hälfte. Die Büste seit Auguste Rodin. Heidelberg 2005.
Guyer, Ernst Viktor: «Vom Naturalienkabinett der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich zum Zoologischen Museum der Universität». In: Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich Jg. 119, 31.12.1974, S. 361–404.
Kohl, Jeanette/ Müller, Rebecca (Hg.): Kopf/Bild. Die Büste in Mittelalter und Früher Neuzeit. München 2007.
Kuhn-Schnyder, Emil: Arnold Lang 1855–1914. In: Lebensbilder aus dem Aargau 1803–1953. Aarau 1953.
Haus der Wissenschaft: Zoologisches Museum (Kunsthistorische Tour)
Haus der Wissenschaft: Vorprojekt und Wettbewerb (Kunsthistorische Tour)
Bisamratte auf Abwegen (Tier des Monats im Zoologischen Museum)
Messner, Philipp: Akademische Selbstdarstellung um 1914 (Vitrinebeitrag über die Porträtserie von Franz Schmelhaus)