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Forschungsprojekt der Abteilung für Iberische und Lateinamerikanische Geschichte
September 2015 bis August 2018
Finanziert vom Schweizerischen Nationalfonds
PD Dr. Christiane Berth
Das Aufkommen neuer Kommunikationsmittel und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen sind zentrale Aspekte der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte des Telefons wirft Schlaglichter auf wichtige Veränderungsprozesse in der mexikanischen Gesellschaft: die unterschiedlichen Visionen von Modernität und Entwicklung, die Veränderung von Kommunikationspraktiken und die Reaktionen auf technische Neuerungen. Das Projekt beleuchtet den Symbolgehalt des Telefons, seine Integration in den menschlichen Alltag und die dadurch entstehenden gesellschaftlichen Debatten. Dabei differenziert es zwischen ländlichen und städtischen Regionen, verschiedenen sozialen Schichten und ethnischen Gruppen.
Mexiko hat heute die höchsten Telefontarife aller OECD-Länder. Der Unternehmer Carlos Slim stieg nach der Privatisierung des staatlichen Unternehmens Teléfonos de México (Telmex) zu einem der reichsten Menschen der Welt auf; es war eine Privatisierung, die eine Ausstrahlung auf den ganzen lateinamerikanischen Kontinent hatte. Doch nicht nur deshalb ist Mexiko ein interessantes Fallbeispiel: Der mexikanische Telefonsektor durchlief eine spannende historische Entwicklung, in deren Verlauf ein Duopol internationaler Konzerne erst von einem privaten Monopol und schließlich von einem staatlichen Monopol abgelöst wurde. Insgesamt war die Telefondichte in Mexiko im lateinamerikanischen Vergleich relativ hoch. Außerdem gibt es in den mexikanischen Archiven eine breite Quellengrundlage, die es ermöglicht, die Perspektiven der wichtigsten Akteure zu analysieren: die der staatlichen Institutionen, der Nutzer, der Unternehmen und der technischen Experten. Da die Geschichte des Telefons im Globalen Süden bisher kaum erforscht wurde, leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zu einer globalen Kommunikationsgeschichte.