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AOR Ltd.,Tokyo

überarbeitet am 14.12.2008

Schräges Design - der AOR AR7030
Als Lowe vor einigen Jahren seinen in England entwickelten und produzierten Kurzwellenempfänger HF- 125 vorstellte wurde dieses Gerät auf dem Festland als Exot bestaunt. Das hat sich inzwischen gründlich geändert. Spätestens seit dem großen Markterfolg des HF- 150 haben sich Kurzwellenempfänger «Made in UK» den Ruf preiswerter aber guter Technik erworben.
Jetzt versucht ein zweiter Hersteller, sich mit einem «englischen» Kurzwellenempfänger auf dem Markt zu etablieren: AOR. Der neue Empfänger AR7030 wurde von AOR UK und John Thorpe, dem ehemaligen Lowe-Entwickler, entworfen und wird auch in Grossbritannien produziert. Das Gerät soll ca. DM 2400.- kosten.
Der AR7030 steht zwar noch nicht in den Läden, aber AOR-Importeur Bogerfunk konnte der ADDX schon ein Testgerät für einige Tage zur Verfügung stellen. Vermutlich handelt es sich um ein Vorseriengerät jedenfalls lag dem Gerät noch eine "vorläufige" Bedienungsanleitung bei. Technische Daten und Features lassen ein Gerät der Spitzenklasse erwarten:
Betrachtet man den AR7030 näher, so glaubt man, den eigentlichen HF-225-Nachfolger vor sich zu haben. Die Größe ist ungefähr gleich. Der AOR ist etwas niedriger, dafür aber tiefer als der Lowe. Auch der Aufbau ist ähnlich. Die Platine mit dem Empfangsteil erstreckt sich über die ganze Fläche. Die Steuerungsfunktionen sind auf einer Platine, die senkrecht hinter der Frontplatte steht, zusammengefasst.
Ab Werk sind vier Keramikfilter eingebaut. Für die schmalste Bandbreite wird ein Murata CFJ455K14 verwendet, das sich schon im Lowe HF-225 bewährt hat. Die anderen Filter stammen ebenfalls von Murata: CFW455IT (von Murata mit 4 kHz angegeben), CFW455HT (6 kHz) und CFU455G (8 kHz). Diese drei Filter von mässiger Qualität werden von vielen Geräteherstellern ab Werk eingebaut. In einem Punkt macht AOR jedoch eine löbliche Ausnahme: die Filter können durch höherwertige ausgetauscht werden. Um die Filter CFW455IT und CFW455HT wurde genügend Platz für grössere, hochwertigere Filter gelassen, so daß ein Austausch problemlos möglich ist. Nicht nur das, es sind auch bereits die Löcher für Filter unterschiedlicher Größe in der Platine vorhanden! Um das CFU455G ist leider kein Platz vorgesehen. Die beiden freien Positionen können ebenfalls mit Filtern unterschiedlicher Größe bestückt werden.
Nach Begutachten der Platine gabs beim Festschrauben des Gehäusedeckels eine böse Überraschung: Für die vier Schrauben sind keine Muttern vorhanden! Die Schrauben werden einfach in das Profil der Seitenteile gedreht. Bereits nach einmaligem Öffnen des Gerätes ist der Deckel nicht mehr ordentlich zu befestigen. Wenn man sich die lange Liste der geplanten Optionen ansieht, wird der Empfänger sicher noch mehrfach geöffnet werden müssen.
Nach dem Einschalten des AR7030 muß man sich erst einmal mit der Bedienung vertraut machen. Fast alle Bedienfunktionen des Empfängers sind in sogenannten Menüs zusammengefasst. Es kann immer nur ein Menü angezeigt und die darin enthaltenen Parameter durch einen Drehregler und vier Tasten (von links nach rechts) unterhalb der LCD-Anzeige verändert werden. Empfangsfrequenz und Betriebsart werden immer angezeigt. Das hochauflösende S-Meter erscheint auf Knopfdruck in der Anzeige. Die S-Meter-Beschriftung ist nicht in der Anzeige, sondern auf dem schwarzen Gehäuse unterhalb der Anzeige angebracht. Die winzigen Ziffern sind nur schwer zu lesen. Die Menüs können nur aufgerufen werden, wenn das S-Meter angezeigt wird. Nach Drücken der Filter-Taste sind folgende Funktionen abrufbar:
Filter-Menü:
Ton-Menü:
Verstärkungs-Menü:
Nach Drücken der RF-IF-Taste sind folgende Funktionen abrufbar:
VFO-Menü:
Nach Drücken der More-Taste wird folgendes angezeigt:
Nach Drücken der Memory-Taste werden folgende Funktionen angezeigt:
Die Menüs können jederzeit wieder verlassen werden, indem man auf S-Meter-Anzeige schaltet (Taste «Menu»). Bei Anzeige des S-Meters wird nur der rechte Teil des Displays überschrieben, so daß die beiden erstgenannten Funktionen des zuletzt beschriebenen Menüs weiterhin verfügbar sind.
PC-Benutzern dürfte diese Bedienungsweise bekannt sein (Fenstertechnik). Wer aber noch nie mit derartiger Technik zu tun hatte, wird sich erst einmal umstellen müssen. Die Menüs können vom Benutzer verändert werden, d.h. jeder kann die Funktionen, die er am häufigsten benutzt, in einem oder zwei Menüs zusammenfassen. Eine Beschreibung hierzu war noch nicht verfügbar.
Wer sich mit den Menüs nicht anfreunden kann, der hat noch die Möglichkeit, den AR7030 mit der serienmässigen Fernbedienung zu steuern. Leider eignet sich diese nicht für Sehbehinderte: die Tasten sind alle gleich groß und haben den gleichen Abstand zueinander. Sie unterscheiden sich nur in der Beschriftung. Überwiegend wird man die Fernbedienung wohl zur Eingabe der Frequenz benutzen. Für diesen Zweck ist die Tastatur des Lowe wesentlich besser geeignet: Die Tasten sind größer und haben einen besser definierten Druckpunkt. Die Tastatur kann neben dem Empfänger liegenbleiben und muß nicht wie die Fernbedienung auf das Gerät gerichtet werden. Ob sich die Entwickler wohl Gedanken darüber gemacht haben, was passiert, wenn mehrere AR7030-Besitzer bei einem DX-Camp in einem Raum sitzen?
Als Vergleichsgerät wurde ein Lowe HF-225 Europa benutzt. Beide Empfänger wurden bei den Vergleichen immer an der selben Antenne betrieben, die über den Antennensplitter RF-Systems SP-2 auf beide Geräte verteilt wurde. Es standen verschiedene Antennen zur Verfügung: RF-Systems MTA, 30 Meter Draht unter dem Dach mit RF-Systems MLB und eine Datong AD270, ebenfalls unter dem Dach.
Die ersten Empfangsversuche abends auf Mittelwelle lösten zunächst Begeisterung aus. Ist die langsame AGC-Konstante gewählt, läßt sich der AOR von Fading so gut wie gar nicht beeindrucken. Die Wiedergabe ist klar und sehr gut durchhörbar. Dies gilt nicht nur für die starken und ungestörten Stationen. Es machte überhaupt keine Probleme das Programm der schwächeren Gleichkanalsender zu verfolgen. Beim HF-225 Europa ist dafür deutlich mehr Konzentration erforderlich.
Leider deutet sich hier gleich eine Schwäche des neuen Empfängers an: die ZF-Filter. Beim Testgerät wurde die Bandbreite der Filter vom Mikroprozessor mit 2.1, 5.9, 7.6 und 9.5 kHz gemessen und angezeigt. Selbst beim Empfang von Mittelwellenstationen kommt es mit dem 7.6-kHz-Filter zu Interferenzpfeifen, so daß nur die 5.9-kHz-Bandbreite benutzt werden kann. Die beiden breiten Filterstellungen sind allenfalls tagsüber bei freien Nachbarkanälen auf Mittelwelle zu gebrauchen. Für die Kurzwelle sind sie ungeeignet.
Auf den oberen Kurzwellenbändern (31 bis 13 m) kann sich der AR-7030 ebenfalls glänzend in Szene setzen. Im direkten Vergleich zieht der Lowe nahezu immer den kürzeren, obwohl er zumindest von den Filtern her (2.2, 3.5, 4.5 und 7 kHz) besser gerüstet ist.
Ein grosser Anteil an dem guten Ergebnis ist, neben der sehr guten AGC, dem Synchrondetektor zuzuschreiben. Dieser bietet eine Neuheit: er sucht sich den nächsten Träger selbst. Es ist schon faszinierend zuzusehen, wenn sich der Empfänger, wie von Geisterhand bedient, genau auf den Träger abstimmt. Dazu muß man nur in die Nähe eines Senders abstimmen und auf "AM Sync" schalten. Die Frequenzanzeige läuft in Richtung des Senders, darüber hinaus, wieder zurück und nach ein paar Sekunden rastet der Synchrondetektor ein. Ist der Synch einmal eingerastet, dann hält er den Sender zuverlässig fest, auch bei Fading oder Nachbarkanalstörungen. Während des ganzen Tests hat er, nachdem er auf den Träger eingerastet ist, kein einziges Mal die Synchronisation verloren. Das Seitenband kann nicht geschaltet werden. Statt dessen kann mit dem Passband-Tuning fast stufenlos auf das untere oder das obere Seitenband abgestimmt werden. Selbst dabei verlor der Synch in keinem Fall die Synchronisation. Daran sollten sich die Entwickler von Drake und JRC einmal ein Beispiel nehmen!
Einen Kritikpunkt gibt es dennoch. Der Drehregler, der u.a. für das Passband-Tuning benutzt wird, sowie der Lautstärkeregler sind zu klein und zu schwergängig geraten. Die Regler des Lowe sind wesentlich besser zu bedienen.
Der schaltbare Vorverstärker ist ebenfalls ein ganz klarer Pluspunkt für den AOR. Er verbessert die Verständlichkeit schwacher Sender auf den oberen Bändern enorm. Der Verstärker sollte nur dann eingeschaltet werden, wenn er wirklich gebraucht wird. Beim Test traten abends hin und wieder erste Anzeichen von Großsignaleffekten auf. Das macht sich dadurch bemerkbar, daß nach Einschalten des Verstärkers die Verständlichkeit schwacher Stationen schlechter wurde oder SSB-Stationen nicht mehr sauber abzustimmen waren. Ohne Verstärker gab es keine Probleme bezüglich des Großsignalverhaltens. Leider ist der hochohmige Verstärker für die Teleskopantenne genauso wenig großsignalfest wie bei den Lowe-Geräten. Viele Lowe-Besitzer schwören auf den hochohmigen Verstärker, da er sowohl die Empfindlichkeit drastisch erhöht als auch das Rauschen fast völlig eliminiert.
Nachdem der AOR bisher bei diesem Vergleich so gut abgeschnitten hat, erwarteten wir dieses Ergebnis natürlich auch auf den schwierigeren Bändern 90, 60 und 49 m. Leider erfüllt der AOR-7030 hier die hohen Erwartungen nicht ganz. In den Tropenbändern geht der Vergleich unentschieden aus: mal ist der AOR etwas besser, mal der Lowe. Im 49-m Band kehrt sich das Bild um. Bei starken oder ungestörten Stationen konnte der AOR wieder, wie erwartet, die Vorteile seiner sehr guten AGC und des Synchrondetektors ausspielen. Die vielen schwachen Stationen, die im 49-m Band zwischen den extrem starken Sendern regelrecht eingeklemmt sind, werden aber in der Mehrzahl der Fälle von HF-225 Europa mit besserer Verständlichkeit empfangen. Was ist die Ursache hierfür? Zunächst fällt auf, daß der Synchrondetektor in diesen Extremsituationen arge Probleme hat: entweder er rastet nicht sauber auf den Träger ein oder er läuft zu einem der stärkeren Nachbarkanalsender über. Die Automatik läßt sich laut Bedienungsanleitung abschalten. Da in der vorliegenden Version aber noch nicht beschrieben war, wie das geht, konnte nicht überprüft werden, ob mit "Handbetrieb" bessere Ergebnisse möglich sind.
Nach längeren Vergleichen finden sich auch deutliche Unterschiede in der Qualität der NF-Wiedergabe. Bei starken ungestörten Stationen fällt lediglich auf, daß der AOR heller klingt als der Lowe. Dies ist keine Frage der Qualität, sondern eher der persönlichen Vorlieben. Die Lautsprecher beider Geräte sind eher von mässiger Qualität und die Verständlichkeit ist ungefähr gleich gut. Je schwächer und gestörter die empfangenen Sender jedoch werden, umso größer sind die Unterschiede in der Verständlichkeit zugunsten des HF-225 Europa. Obwohl beim AOR Bass und Höhen getrennt eingestellt werden können, kann er daraus keinen Vorteil gegenüber der Tonblende des Lowe ziehen. Im direkten Vergleich wirkt die Wiedergabe des AOR-7030 rauher, auch beim Vergleich im Kopfhörer. Ob die voll digitale Steuerung des Empfängers (auch Lautstärke, Bass und Höhen werden digital geregelt) Einstreuungen in den NF-Zweig verursacht?
Was ist sonst noch erwähnenswert? Die variable Abstimmgeschwindigkeit ist gut gewählt. Sie eignet sich sowohl zum schnellen "über das Band drehen" als auch zur feinfühligen Abstimmung. Der AOR zeigt sich von Prassel- und Impulsstörungen nahezu genausowenig beeindruckt wie die Lowe-Empfänger. Der AR7030 läßt sich zwar bis 0 kHz abstimmen, unterhalb von etwa 5 kHz treten aber starke Eigenstörungen auf, die unter 2 kHz Vollausschlag auf dem S-Meter erreichen.
Im Laden von Charly Hardt konnte der AOR kurz mit einem Drake R8A verglichen werden. Als Antenne diente eine FD-3, die über den Splitter SP-2 auf beide Geräte verteilt wurde. Der AOR ist minimal empfindlicher als der Drake, was in der Praxis aber keine Rolle spielen dürfte. Größere Unterschiede gibt es beim Vorverstärker, der AGC und beim Synchrondetektor. In allen drei Punkten ist der AOR klar besser. Der Synchrondetektor des R8A verliert bei Fading oft kurzzeitig die Synchronisation, was sich durch ein kurzes Aufheulen bemerkbar macht. Der Passband-Regler muß sehr vorsichtig bedient werden, sonst tritt das gleiche Problem auf. Bei schmalen Bandbreiten ist das Passband-Tuning kaum noch einsetzbar, ohne den Synchrondetektor zu beeinträchtigen. Im Gegenzug kann der Drake bei der NF-Wiedergabe über Lautsprecher und Kopfhörer voll punkten. Abgesehen von einem leichten Brumm im Kopfhörer, kann er mit einem zwar etwas basslastigen aber trotzdem klaren Klang überzeugen. Die NF-Wiedergabe erinnert an den Sound der Röhrenradios aus den 50er Jahren. Die Mehrzahl der Tester hielt die NF-Wiedergabe des AR-7030 im direkten Vergleich für dünn bis quäkig.
FazitDer AOR AR7030 ist in der Summe seiner Eigenschaften ein empfehlenswerter Empfänger. Hat man sich erst einmal an das Bedienungskonzept gewöhnt, kann kann der Empfang mit Synchrondetektor und Passband-Tuning, schaltbarer AGC und Vorverstärker in kritischen Situationen relativ einfach optimiert werden. Der Kauf von zusätzlichen 3- bzw. 4-kHz-Filtern ist dringend zu empfehlen. Aufgrund des kräftigen Klanges bei nur geringfügig schlechterem Empfangsergebnis sollte auch der Drake R8A in die engere Wahl einbezogen werden. Für den Dxer gehört auch der Lowe HF-225 Europa noch nicht zu alten Eisen.
KURIER-Urteil: empfehlenswert.
© kurier 9 / 96; Text: Joachim Salisch Fotos: Charly Hardt Empfangsvergleiche: Jürgen Bast, Uwe Bräutigam, Charly Hardt, Joachim Salisch