Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03218.jsonl.gz/1610

Das weitherum sichtbare, markante Gebäude am Homberg, auf 600 m Höhe, über dem Dorf Mettmenstetten, wurde in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts als Filiale der Kneipp-Kurhäuser "Lilienberg" und "Arche" in Affoltern erbaut. Erster Besitzer und Gastwirt war der aus Zürich stammende Robert Markstaller-Schmid. Der Ruf des "Paradis" als Erholungsort war in der Folge so gut, dass kurz vor der Jahrhundertwende die Zürcher Gesundheitsbehörden erwogen, im Haus auf dem Homberg das geplante "Kantonale Lungensanatorium" einzurichten. Die etwas höhere Lage und die etwa 48 Stunden mehr Sonnenschein pro Jahr, die zu erwarten seien, gaben dann jedoch den Ausschlag, dass die Gemeinde Wald im Zürcher Oberland zum Zuge kam. Markstaller leitete den Kurbetrieb bis etwa 1910, seine beiden Nachfolger mussten ihre Versuche aus finanziellen Gründen nach kurzer Zeit aufgeben; der Kurbetrieb florierte offenbar nicht mehr.
Nach kurzer Stilllegung übernahm 1912 der Zürcher Weinhändler Emil Landolt (der Vater des legendären Stapi von Zürich) die Gebäude und betrieb dort in der Folge eine Weinhandlung mit Restaurant.
1923 ging die Liegenschaft an die Heilsarmee über, die nach einigen baulichen Veränderungen ein Heim für damals 75 Kinder einrichtete.
Im Laufe der Zeit wurden die Gebäude den heutigen Bedürfnissen angepasst. Während den Umbauarbeiten in den Jahren 1976/77 entstanden drei abgeschlossene, komplette Gruppenwohnungen, ein zusätzliches Treppenhaus und diverse Nebenräume im Untergeschoss. Die baulichen Veränderungen fanden mit der gelungenen Aussenrenovation 1987 ihren Abschluss.
Wie das Wohnheim Paradies zu seinem Namen kam
Das Wohnheim Paradies ist nach dem Flurnamen "Paradis" benannt, der sich ohne "ie" schreibt. Vermutlich hängt die Bezeichnung mit der Präsenz französischer Truppen und Funktionäre in der Zeit der Helvetik im Distrikt Mettmenstetten (1798 - 1803) zusammen. Der "paradiesische" Aussichtspunkt am Homberg gefiel offenbar der französischen Distriktsverwaltung so gut, dass sie diesen nach ihrem Sprachgebrauch mit "Paradis" benannte.