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Der alte Mensch zwischen Würdeanspruch und latenter Entwürdigung
Abstract
Heinz Rüegger konstatiert in seinem Beitrag «Der alte Mensch zwischen Würdeanspruch und latenter Entwürdigung»: «Mit dem Altern haben wir ein Problem.» Er verweist damit auf die widersprüchliche Haltung in Teilen der Gesellschaft, wonach eine Verlängerung der persönlichen Lebensspanne gewünscht und gefordert, zugleich aber ein «Kampf gegen das Altwerden im biologischen Sinne körperlicher und geistiger Veränderungen» geführt werde.
Rüegger verbindet diesen beobachteten Kampf gegen bzw. die Angst vor dem Älterwerden mit einem veränderten Würdeverständnis: Während eine klassische Konzeption Würde als unverlierbar, menschlichem Leben grundsätzlich inhärent und allen Menschen gleichermassen zustehend versteht, so kommt daneben ein fundamental neues Verständnis auf, das Würde als kontingent, von menschlichen Grundeigenschaften (Intentionalität, Selbständigkeit, soziale Eingebundenheit, u.a.) abhängig und somit auch verlierbar erachtet. Dieses Würdeverständnis ist nach Rüegger «fatal», da dadurch «gerade diejenigen Personen aus dem Schutzbereich der Menschenwürde […] heraus[fallen], die ihrer in besonders hohem Masse bedürfen: nämlich hochaltrige Pflegebedürftige.»
Rüegger plädiert entgegen anderslautenden reduktionistischen Vorstellungen für ein Menschenbild, das «das grundlegende Verwiesensein jedes Menschen in seiner Verletzlichkeit und Fragilität auf die Hilfe durch andere als ein konstitutives Element echten Menschseins» anerkennt und damit der vielfältigen «Anti-Aging»-Bewegung mit ihren «rein negativen, monodisziplinären und unidirektionalen Alternsdefinitionen» entgegentritt. Er propagiert vielmehr ein Konzept des «Pro Aging», d.h. ein KOnzept, das «den Lebensverlauf als eine Abfolge von verschiedenen Stufen versteht, die alle ihr eigenes Recht, ihre eigene Bedeutung sowie ihre spezifischen psychosozialen Möglichkeiten und Herausforderungen haben» und die untereinander gleichwertig sind.
So zeigt sich nach Rüegger das Ernstnehmen der Würde gerade älterer Menschen in zwei spezifischen Konkretionen, zum einen in der Frage der Autonomie (u.a. mit der unbedingten Respektierung des Autonomie-Anspruchs einer jeden Person) sowie zum anderen in der Frage der Diskriminierung aus Altersgründen, die sich u.a. in der Festlegung von oberen Altersgrenzen bei Gremien sowie in der Vorenthaltung bestimmter indizierter medizinischer Leistungen aufgrund des kalendarischen Alters manifestiert.
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