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| Tertullian († um 220) - Über die Monogamie. (De monogamia)

5. Cap. Noch mehr macht das Beispiel des letzten Adam, Christi, die Monogamie zur Pflicht.
[S. 459] Soviel nun über die Bezeugung dieser Sache durch den Urstand, die Bestätigung durch die Art unseres Ursprungs und die Fingerzeige der göttlichen Lehre. Sie ist jedenfalls ein Gesetz und nicht bloss ein geschichtlicher Bericht; denn wenn es sich im Urstande so verhielt, dann ergibt es sich, finden wir, dass wir von Christus nur auf den Uranfang hingewiesen werden, Wenn er z. B. bei der Frage über den Scheidebrief sagt, dass derselbe den Juden wegen ihrer Herzenshärte von Moses gestattet worden, dass es aber von Anfang an nicht so gewesen sei, dann führt er ohne Zweifel die Unteilbarkeit der Ehe auf ihren anfänglichen Zustand zurück. Folglich wird Gott dann auch heute die, welche er von Anfang an als zwei zu einem Fleische verbunden hat, nicht trennen.1 Auch der Apostel sagt in seinem Briefe an die Epheser, dass Gott in bezug auf den Ratschluss der Fülle der Zeiten bei sich selbst festgesetzt habe, alles zu seinem Haupte, d. h. zu seinem Anfang zurückzuführen in Christo, was im Himmel und auf der Erde ist in ihm.2 Daher hat der Herr auch die beiden griechischen Buchstaben, den ersten und den letzten des Alphabets, für sich gewählt als Symbole des Anfangs und des Endes, die beide in ihm zusammentreffen, so dass er also, wie man von Α bis Ω fortzählt und von Ω bis Α zurückgeht, in derselben Weise an den Tag lege, dass in ihm der Verlauf, von Anfang bis zum Ende und der Rücklauf vom Ende bis zum Anfang enthalten sei, so dass jegliche Veranstaltung auf das ziele, womit sie angefangen hat, nämlich auf das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, und ebenso aufhöre, wie sie angefangen hat.
Und so findet dann in Christo alles seine Zurückbeziehung auf den Anfang, so dass also auch der Glaube von der Beschneidung zurückkehrt auf die Unversehrtheit des Fleisches, wie es zu Anfang war, sowie auch die Freiheit in bezug auf den Genuss von Speisen und die Enthaltung vom Blut allein, wie es zu Anfang war, die Untrennbarkeit der Ehe, wie sie von Anfang war, und das Verbot des Scheidebriefs, wie es von Anfang war. Zuletzt wird der dann ganze Mensch in das Paradies zurückgerufen, wo er von Anfang war. Warum sollte Christus den Adam nicht auch als Monogamus dahin zurückbringen? Er, der ihn in derselben Unversehrtheit herstellen kann, in der er von dort ausgegangen ist?3 Was also die Wiederherstellung des Uranfangs betrifft, so fordert das innere Wesen des Ratschlusses und deiner Hoffnung von dir das, was von Anfang an gewesen ist, gemäss dem Anfange, der sich dir in Adam darstellt und in Noë wieder vorstellt. Du hast nun zu wählen, welchen von ihnen du für dich als Anfang gelten lassen willst. In beiden drängt sich dir die Monogamie mit ihrer Strenge auf.
[S. 460] Aber auch wenn der Anfang zum Ende hinübergeht, nämlich das Α zum Ω, wie das Ende auf den Anfang zurückweist, das Ω zum Α, und wenn so unser Zustand in Christus hinübergeleitet wird, der psychische in den pneumatischen, weil nicht das Pneumatische das erste ist, sondern das Psychische und danach erst das Pneumatische, dann wollen wir ebenso zusehen, ob du auch diesem zweiten Zustande dieselbe Schuld zu entrichten hast, ob dir auch der letzte Adam in derselben Form entgegentritt wie der erste; denn der letzte Adam, d. h. Christus, ist überhaupt gänzlich unverheiratet, gerade so wie der erste vor seiner Ausweisung. Nachdem der vollkommnere Adam, d. h. Christus, deiner Schwäche die Analogie seines Leibes geschenkt, ist er auch darin vollkommener, dass er unversehrter ist. Wenn du willst, so tritt er dir entgegen als Verschnittener in leiblicher Beziehung. Wenn du dir aber damit noch nicht genügen lässest, so tritt er dir auch entgegen als Monogamus in geistiger Hinsicht, da er ja zur einzigen Braut die Kirche hat, gemäss dem Vorbilde in Adam und Eva, welches der Apostel auf jenes grosse Geheimnis deutet,4 „auf Christus und die Kirche”, dass es der leiblichen Monogamie durch eine geistige entspreche. Du siehst also, wenn du deinen Stand in Christus erneuerst, so kannst du ihn, nicht ohne dich zur Monogamie zu bekennen, in die Rollen eintragen lassen,5 wenn du nicht im Fleische bist, was jener im Geiste war, obwohl du auch im Fleische gerade so sein solltest, wie er war.6
1: Matth. 19, 6.
2: Eph. 1, 9.
3: Die Negation in der letzten Hälfte dieses Satzes ist nach meiner Ansicht zu streichen.
4: Eph. 5, 31 [lies: Eph. 5, 32].
5: Censum deferre, bildlich, zum Eintragen in den Listen durch den Censor.
6: Nämlich in beständiger Jungfräulichkeit.