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Weg-Wort vom 29. April 2021
Vor wenigen Tagen bin ich aus dem Urlaub heimgekommen. Fast zwei Wochen lang durfte ich in einer kleinen Gruppe mit einem Beduinen-Führer die Wüste Sinai erkunden, teils zu Fuss und teils auf einem Dromedar reitend. Biblisch ist es ein bedeutsames Gebiet: Die Schrift erzählt, dass der Prophet Mose dort vor einem brennenden Dornbusch von Gott berufen wurde und daraufhin das Volk Israel aus der Sklaverei von Ägypten führte, und dass sie vierzig Jahre im Sinai lebten, bevor sie nach Palästina weiterziehen konnten.
Mit dem Wort Wüste wird oft die Vorstellung einer weiten Landschaft mit Sand und vom Wind verwehten Dünen verbunden. Das Sinai-Gebiet ist allerdings zum grössten Teil eine Fels- und Gebirgswüste mit zerklüfteten Steinhängen und unübersichtlichen Tälern. An den wenigen Stellen, wo etwas Wasser an die Oberfläche dringt, kontrastiert das Grün einer kleinen Oase mit den rötlichen Felsen.
Die Wüste gilt als lebensfeindlicher Ort. Zur Mittagszeit brennt die Sonne unbarmherzig, und schattige Plätze sind kaum zu finden. Sobald die Sonne am Horizont verschwunden ist, wird es rasch dunkel und bedrohlich kalt. So unfreundlich die Wüste auch scheint, haben Menschen seit Jahrtausenden gelernt, im Sinai zu leben. Die Beduinen haben sich angepasst mit einem Lebensstil, der auf das Wesentliche konzentriert ist: Wasser, Nahrung, Schutz vor Hitze und Kälte, räumliche Orientierung und sozialer Zusammenhalt. Die Gastfreundschaft und selbstverständliche Gemeinschaft am Lagerfeuer haben mich berührt. Die Begegnung mit der Wüste und mit diesen Menschen hat mir eine Frage mit nach Hause gegeben: Was ist in meinem eigenen Leben wirklich wesentlich?