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|MIDI und Notation? (Musical Instruments Digital Interface)|
von Jürg Hochweber
Midi wurde Anfangs der 80ger Jahre, noch vor dem
eigentlichen Computerzeitalter, entwickelt, um Daten zwischen elektronischen
Musikinstrumenten auszutauschen. Midi ist ein Code, eine Sprache, die dem
angesprochenen Gerät oder Programm übermittelt, was es tun soll. Zum Beispiel
meldet MIDI:
spiel jetzt ein Fis'' in der Lautstärke 64, mit dem Nylon-Guitar-Klang, 2 Sekunden lang.
Eine MIDI Datei enthält also nicht direkt Musik wie etwa
eine CD oder eine mp3-Datei, sondern nur Anweisungen, was zu tun ist. Wie das angesprochene Gerät
(z. Bsp. die Soundkarte des Computers) diese Anweisungen interpretiert, ist
seine Sache.
Somit ist MIDI eigentlich eher eine Art Notenschrift in Tabellenform. Die 'Spalten' dieser virtuellen Tabelle enthalten, vereinfacht gesagt, Elemente wie:
|Einsatzzeit||Ende||Lautstärke||Klang||Panorama||Kanal||etc.|
|00:00:03:15||00:00:04:08||64||GuitNylon||86||1|
Weitere Elemente sind Tonbeugung (Pitchbend) ,Vibrato,
Chorus, Instrumentwechsel und mehr.
Die 'Zeilen' enthalten die Werte für diese Elemente.
Aus dem bisher gesagten geht auch hervor, das eine MIDI Datei eben unterschiedlich klingt auf verschiedenen Computern. Heikel ist besonders die Lautstärkenbalance von verschiedenen Instrumenten. Während ein 'Trompetenklang' auf dem einen Computer grundsätzlich viel lauter klingt als ein 'Gitarrenklang', klingen auf einem andern Computer beide fast gleich laut.
Auch Unterschiede zwischen einem lauten und einem leisen Ton des gleichen Instrumentes können auf einem Computer viel krasser sein als auf einem andern.
MIDI Dateien lassen sich sehr leicht bearbeiten (Tempo, Tonhöhe etc.) und sie sind meist mehr als hundertmal kleiner als mp3-Dateien.
MIDI-Dateien können von fast allen Notationsprogrammen und sogenannten Sequenzerprogrammen erzeugt, gelesen und auch bearbeitet werden.
Im Programm 'Cakewalk' kann ich die MIDI Daten in verschiedenen Fenstern sehen und bearbeiten, zum Beispiel im 'Piano-Roll'-Fenster. Hier repräsentieren etwa die Balkenlänge die Tondauer, die senkrechten Striche unten die Lautstärken der einzelnen Töne.
Gitarrennoten und MIDI
Wenn ich mit FINALE (oder einem andern Notationsprogramm) eine Notenseite erstellt habe und als MIDI-Datei gespeichert habe, muss ich in der Regel ziemlich viel Nachbearbeitungen machen, damit es realistischer tönt. Im folgenden Beispiel würde eine unbearbeitete Datei recht trocken tönen, da die Töne nur genau solange klingen wie notiert. In Wirklichkeit ist aber klar, dass es sich um Akkorde handelt, deren Töne weiterklingen sollen.
Weitere Änderungen, die oft nötig sind:
Kürzen der Notenlänge bei Staccato,
Lautstärke muss für einzelne Töne angepasst werden
Leichtes Verschieben von Tönen bei Akkorden, die arpeggiert klingen sollen.
Einbauen von leichten Tonbeugungen (pitch bend).
Spezialeffekte für glissando und perkussive Elemente.
Leichte Temposchwankungen, damit es nicht allzu mechanisch tönt.
Die Notationsprogramme und vor allem die Sequenzerprogramme stellen zwar eine Menge Tools für diese Zwecke bereit, trotzdem ist es eine sehr zeitraubende Arbeit, und schlussendlich wird eine MIDI-Datei nie genau klingen wie eine Live-Aufnahme (ist ja auch gut so). Aber MIDI Dateien sind sehr praktisch, da sie klein und sehr flexibel sind.
Die MIDI Dateien auf meiner Website sind recht unterschiedlich. Einige sind mehr oder weniger im Rohzustand belassen, andere habe ich recht fein aufgerüstet.
Fragen zu MIDI
|Können MIDI Dateien in Audiodateien (wav, mp3 etc.) umgewandelt werden?||Ja, viele Sequenzer-Programme können das, der Klang, das Tempo, etc. werden dann entsprechend der verwendeten Soundkarte oder dem Soft-Synth 'eingefroren'.|
|Können Audiodaten in MIDI umgewandelt werden?||Nein, jedenfalls nicht gut. Ein
natürlicher Klang enthält eine Unmenge von Einzelteilen und Geräuschen,
die kaum herausgefiltert werden können. Es wäre, wie wenn man aus einem
Gespräch in der Bahnhofhalle eine reine Textdatei herstellen wollte.

Es gibt zwar Programme, die in einfachen Fällen Töne erkennen können, doch habe ich noch keines gesehen, das wirklich brauchbar ist.
|Kann man ein Stück auf dem Midi-Keyboard oder auf der Midi-Gitarre spielen und direkt ins Notationsprogramm übernehmen?||Man kann schon, nur ist das Resultat selten bis nie befriedigend. MIDI Dateien enthalten keine Angaben über Art der Balkensetzung, Notenhälse, Artikulationsart etc. Ausserdem kann das Programm nicht wissen, welche Töne welcher Stimme zugeordnet sind. Und das Programm wird zunächst einmal kleinste rhythmische Unsauberkeiten haargenau notieren. Dies lässt sich durch raffinierte Rundungsmethoden (quantisieren) zwar korrigieren, doch wird das Programm auch dann runden, wo es nicht gewünscht ist. Also speziell bei Gitarrenmusik ist es in der Regel schneller, die Noten schrittweise (step by step) einzugeben.|
© Copyright 2002 by Jürg Hochweber