Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03535.jsonl.gz/1534

Im Innern überrascht die schiere Grösse der Kirche, auch hier ist die symmetrische achteckige (Quer)Anlage sofort erkennbar. Eindrücklich die dreiseitige Holzempore, die an ein Theater oder Opernhaus denken lässt, auch in ihrer Symmetrie und der Konzentration auf den Kanzelbereich, der damit gewissermassen zur Bühne wird. Die Empore wird getragen von sechs Holzpilastern auf hohen Sockeln.
Ein Blick von der Empore zeigt die Organisation des Kanzelbereichs, der streng der reformierten Tradition folgt: Keinerlei Aufstieg zu einem höher gelegenen Bereich, was der strengen Auslegung des protestantischen Predigsaales entspricht, der Gläubige und Pfarrer auf einer Eben agieren lässt.
Im Zentrum steht die an der Wand hängende Kanzel aus Holz, ein polygonaler Korb mit volutenbekröntem Schalldeckel; zu ihr führt eine hölzerne Treppe. Vor der Kanzel, ebenfalls in der Querachse der Kirche der schlichte Taufstein aus Sandstein in Form eines achteckigen Kelchs, der aus dem Zeit vor dem Kirchenbau stammt (vermutlich aus dem 17. Jahrhundert). Er wird von einer ebenfalls achteckigen Längsplatte aus Holz bedeckt, die somit zugleich den Abendmahlstisch bildet.
Die Fenster sind doppelgeschossig organisiert: im Erdgeschossbereich die hochovalen Oculifenster, oberhalb der Empore die Rundbogenfenster. Die drei zentralen Fenster im Kanzelbereich sind mit Glasmalereien des Zürcher Glasmalers Johann Georg Röttinger (1862–1913) geschmückt und stammen aus dem Jahre 1912.
Während im unteren Bereich der Kirche Bestuhlung und Wandstuhlreihen in dunklem Holz erscheinen, verleiht die verspielt wirkende, flache weisse Rokokostuckdecke. Die einzelnen Stuckfelder, drei geschweifte Mittelmedaillons mit ihren Zwickelfeldern, sind mit verschlungenen Akanthusranken in Altrosa verbunden; in der Querachse sind zwei Rollwerkkartuschen mit geflügelten Cherubimköpfchen zu sehen. Die Stuckdecke, unterstützt durch prächtige Kronleuchter, verleiht dem Raum eine heiter-festliche Stimmung. Auch unter der Empore findet sich Deckenstuck. Die Stuckaturen stammen aus der Schule des Architekten, Malers und Stuckateurs Hans Jacob Schärer aus Schaffhausen (18. Jahrhundert), die auch den Deckenschmuck im Zürcher Rathaus geschaffen hat.
Die Orgel, auf der Emporenlangseite und somit gegenüber der Kanzel, stammt Franz Josef Remigius Bossard (1777–1853), dem letzten Spross einer berühmten Orgelbauerdynastie aus Baar ZG, und wurde 1819/20 erbaut, allerdings nicht für die reformierte Kirche, sondern für die Stiftkirche in Zurzach. 1884 wurde sie von der Firma Goll umgebaut und in der reformierten Kirche installiert. Der Orgelprospekt ist ganz in barocker Tradition gestaltet.
Direkt gegenüber dem Eingangsportal, unter der Kanzel, befindet sich ein weiteres Portal, das im Innern mit prachtvollen Beschlägen versehen ist. Diese Türe gewährt den Zugang der Pfarrpersonen ins Innere und zur Kanzel. Dass sich die Aussenseite etwas weniger glanzvoll präsentiert und die dahinterliegende kleine Holztreppe ihre Tücken hat, ist unter Impressionen nachzulesen. Es hat also seinen guten Grund, dass dieser Zugang ins Innere der Kirche der Öffentlichkeit verschlossen bleibt!
Und schliesslich eine Besonderheit in dieser Kirche: die «Fotogalerie» der Konfirmandenjahrgänge in den Wandstuhlreihen zu beiden Seiten des Eingangsportals.
In der Chronik zu den 450 Jahren Reformation in Zurzach von 1988 sind viele Fotos der Konfirmandenjahrgänge seit 1912 bis 1987 zu finden, bei deren Betrachtung man nicht umhin kommt, festzustellen: «Tempora mutantur et mutamur in illis». Die Fotos des jeweiligen Konfirmandenjahrganges seit 1997 an der Kirchenrückwand setzen diese Tradition gleichsam öffentlich weiter. Die schwarzen Rahmen der Fotos verleihen diesem besonderen Wandschmuck einen leicht katholischen Anhauch.