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Der Barcode ist ungemein effizient, und dank ihm weiss der Verkäufer jederzeit, was genau er wann verkauft hat. Erstaunlich genug: Die Erfindung des Barcodes war ein Misserfolg auf der ganzen Linie.
Am Anfang war die Registrierkasse. Die druckte einen Beleg für den Kunden aus und führte dazu ein Journal für den Chef, das säuberlich alle Beträge aufzeichnete. Bloss: Wann was genau verkauft worden war, wussten abends weder die Kasse noch der Chef. Der Direktor einer US-amerikanischen Supermarktkette sprach deshalb 1948 beim Dekan der privaten Drexel University in Philadelphia vor. Ob es denn keine technische Möglichkeit gebe, nicht bloss die Verkaufspreise zu erfassen, sondern auch Informationen über das verkaufte Produkt mit einzulesen.
Der Professor wusste keinen Rat und wies das Ansinnen zurück. Zwei Ingenieursstudenten aber, Norman Joseph Woodland und Bernard Silver, hatten mitgehört und begannen, über die Sache nachzudenken. Ihr erster Einfall, ein Aufdruck mit ultravioletter Tinte, führte zu nichts: Die Tinte war teuer, verblasste schnell, und an ein automatisiertes Erfassen war nicht zu denken. Am Strand in Florida grübelte Woodland weiter. Er zeichnete Morsezeichen vor sich in den Sand – Punkte und Striche – und verlängerte sie dann mit dem Finger nach unten. Die so entstandenen dicken und dünnen Linien, überlegte er, müssten sich doch eigentlich mit Fotozellen optisch auslesen lassen. Woodland und Silver unternahmen erste Versuche mit lichtempfindlichen Röhren, und am 20. Oktober 1949 reichten die beiden die Patentschrift mit dem Titel «Classifying apparatus and method» ein.
Der Weg zum funktionierenden Prototyp indessen war steinig. 1952 – Woodland arbeitete mittlerweile für IBM – bauten die beiden in Woodlands Wohnzimmer in Binghamton, New York, einen ersten richtigen Scanner zusammen. Das Gerät hatte die Grösse eines Schreibpults und musste mit schwarzem Öltuch überzogen werden, damit keine Lichtreflexe den Leseprozess stören konnten. Als Lichtquelle diente ein 500-Watt-Scheinwerfer, dessen abgestrahlte Wärme das Zimmer zur Sauna werden liess; der Leser bestand aus einer lichtempfindlichen Röhre, die ursprünglich Teil des Soundsystems eines Kinos gewesen war. Als Woodland einen Strichcode durch das Scheinwerferlicht bewegte, wandelte die Fotozelle, das Balkenmuster in unterschiedliche elektrische Signale um. Dass die Hitze der Glühlampe das Papier gleich darauf in Flammen aufgehen liess, tat der Genugtuung keinen Abbruch: Der erste Barcode-Scanner der Welt war geboren.
Bloss wollte anfänglich niemand etwas davon wissen. Das Verkaufen von Waren war und blieb ein Fall für mechanische Registrierkassen, und das Problem der fehlenden Informationen blieb ungelöst. Als eines der ersten Unternehmen führte die Migros 1968 erste Versuche mit Barcodes durch – und gab sie, wie andere auch, bald wieder auf: Zu fehleranfällig das Verfahren, zu klobig und zu teuer die Scanner. Erst als die US-Supermarktkette Walmart in den 70er-Jahren Druck auf die Produktehersteller ausübte und erste Scannerkassen in Serie gebaut wurden, kam der Barcode endlich in Schwung. 1977 wurde die erste Strichcode-fähige Kasse in einem Augsburger Supermarkt aufgestellt; in den 80er-Jahren hielt der Barcode Einzug in die Schweiz. Heute sind nahezu 100 Prozent aller Produkte mit einem Barcode bedruckt.
Den kann im Übrigen nicht nur die Kasse lesen. Die 8- oder 13-stellige Zahl unterhalb der Balken ist einmalig und steht für das Produkt. Die ersten Ziffern verraten, woher dieses kommt: 00 bis 13 steht für die USA und Kanada, 30 bis 37 für Frankreich, 400 bis 440 für Deutschland – und 76 für die Schweiz und Liechtenstein.