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marabu wrote:
Das amerikanische "Problem" wird von "uns" mitgetragen werden müssen. Die Politik hat genügend Fäden, um dies "langsam" zu bewerkstelligen. An einer solchen Lösung sind nicht nur Europa, sondern auch die devisenstarken Staaten im arabischen Raum als auch China interessiert. Sie profitieren alle direkt davon. Auch wenn längerfristig (?) die amerikanische Machtblase schrumpfen wird und muss.
Langfristige Investoren müssten sich an diesen Rahmenbedingungen orientieren.
Das Schuldenproblem der USA besteht schlicht darin, dass die Amerikaner pro Jahr rund $600 Mrd mehr ausgeben als sie erwirtschaften. Dieses Defizit wird über Sparkapital finanziert, das andere Länder (allen voran Japan -1000 Mrd- und China - 750 Mrd) als Überschuss erwirtschaftet haben.
Auch die Schweiz ist mit $190 Mrd (stand 2005) Gläubiger der USA und für uns stellt sich somit zwangsläufig die Frage, ob, wann und wie wir dieses Geld jemals wiedersehen.
Besonders wichtig ist diese Frage für alle Bürger, die ihr Alterskapital in 3. Säule oder Pensionskassen angelegt haben.
Analysieren wir mal die Optionen:
Um Schulden auf "legalem" Wege zurückzuzahlen ist es notwendig, dass der Schuldner weniger ausgibt als er verdient. Von diesem Ersparten kann er dann seine Schulden abstottern. Im Falle der USA beträgt die gesamte Schuldenlast etwa $40'000 Mrd, was dem 4-fachen GDP entspricht.
Um das mal auf verständliche Zahlen runterzubrechen:
Du verdienst pro Jahr Fr. 100'000. Du gibst pro Jahr Fr. 108'000 aus und hast Fr. 400'000 Schulden. Wie willst Du das bezahlen?
Mal angenommen, Du lernst, pro Jahr mit 20% weniger auszukommen. Das wären dann 86'400 pro Jahr. Entsprechend kannst Du Fr. 13'600 für die Schulden-Rückzahlung verwenden. Das alleine würde 25 Jahre dauern, wenn die Fr. 400'000 Schulden zinslos wären. Sind sie aber nicht.
Rechnen wir mit dem typischen Schuldzins für US-T-Bonds von 4.5%, kosten alleine die Zinsen Fr. 18'000 pro Jahr.
Das bedeutet also, dass eine Reduktion Deines Lebensstandards um 20% überhaupt noch nichts bringt. Bei 30% Einschränkung (von 108'000) könnten pro Jahr fast Fr. 25'000 gespart werden. Bei 18'000 Zinsen und 7'000 Amortisation dauert das Rückzahlen der Schulden aber auch 50 Jahre.
Es ist also nicht aus der Luft gegriffen, wenn behauptet wird, die Amerikaner von heute geben Geld aus, das ihre Kinder und Enkelkinder erst noch verdienen müssen.
ist es überhaupt realistisch, dass die Amis ihre Gürtel um 30% enger schnallen? Und wenn ja, was passiert mit der Wirtschaft? Auch mit unserer, jener in China und Japan, die noch export-abhängiger sind als wir?
Sehen wir es realistisch: Jede andere Bananenrepublik hätte bereits längst Bankrott erklären müssen und hätte schon seit Jahren keine neuen Kredite mehr bekommen. Und wenn, dann nur zu zweistelligen Zinssätzen.
Was also macht Amerika so speziell? Warum bekommen die Amis weiterhin täglich rund $2 Mrd neue Kredite von der Welt? Warum fliessen 80% des weltweiten Sparkapitals ins bodenlose Fass USA?
Dafür gibt es mehrere Gründe:
Der Petro-Dollar: Seit Kissinger 1975 mit der OPEC einen Deal ausgehandelt hat, wonach die OPEC-Staaten nur noch Öl gegen Dollars verkaufen dürfen, ist der Rest der Erdöl-importierenden Staaten darauf angewiesen, einen Handelsüberschuss in Dollars zu erwirtschaften. Entsprechend wird der Welthandel in Dollars abgewickelt und die Amerikaner können 3.1 mal soviele Dollars drucken wie im eigenen Land benötigt werden!
Nochmals im Klartext: Für jeden Dollar, den die US-Wirtschaft erarbeitet können die Amerikaner 3.1 Dollar weltweit ausgeben. Das ist wie eine globale Steuer, die die USA der Welt aufbürden für das Privileg, den Welthandel in Dollars zu führen.
Logisch, dass Frankreich, Deutschland und Japan schon seit Mitte der 70er Jahre vergeblich versucht haben, das Petrodollar-Monopol zu brechen. Die "Erfindung" des Euro ist hauptsächlich dadurch motiviert das Dollar-Monopol zu brechen.
Mittlerweile wird das Petrodollar-Monopol mehr und mehr durchbrochen. Venezuela akzeptiert nur noch Euros, Iran akzeptiert Dollar, Euro und Yen und erst kürzlich haben sich auch die Arabischen Emirate entschlossen, Euros und Yen zuzulassen.
Die Konsequenz wird sein, dass der Welthandel nicht mehr auf Dollars angewiesen ist. Entsprechend müssen auch Staatsreserven nicht mehr ausschliesslich in Dollars gehalten werden. Viele Staaten (angeführt von Russland) reduzieren langsam ihre Dollarbestände zugunsten von Euros und Yen.
Das führt dazu, dass es ein Überangebot von Dollars auf diesem Planeten gibt. Das Angebot von Dollars muss also reduziert werden oder der Dollar verliert an Wert.
Viele Länder sind vom Export nach Amerika abhängig weil sie einen zu kleinen Binnenmarkt haben (China). Es bleibt ihnen also gar nichts anderes übrig, als Waren auf Kredit zu verkaufen. Die Chinesen sind sich wahrscheinlich bewusst, dass ihre Dollars an Kaufkraft verlieren werden. Aber solange das Vertrauen in den Dollar und die USA noch Bestand hat, lassen sich mit den Dollars Rohstoffreserven aufkaufen.
Das intelligenteste, was man mit seinen Dollar-Reserven tun kann ist also, die Dollars möglichst rasch - wenn auch marktschonend - in nicht-inflationierbare Rohstoffe zu tauschen. Möglichst Metalle, denn die lassen sich lange lagern. Die Chinesen und Araber sind entsprechend recht glücklich darüber, dass unsere pissblöden europäischen Nationalbanken pro Jahr 500 Tonnen Gold gegen Dollars verkaufen.
Der Dollar wird mehr und mehr seine Funktion als Weltleitwährung verlieren. Wir werden bereits jetzt von Dollars überschwemmt und je mehr Länder/Investoren merken, dass Dollars keine Reserve sondern eine Hypothek sind, die man möglichst rasch loswerden sollte, umso mehr Wert wird der Dollar verlieren.
Was also tun mit all den Dollars?
Die USA haben zwei Möglichkeiten: Sie könnten die Dollars zurücknehmen und vernichten. Die Geldmenge also Deflationieren und somit den Wert des Dollars erhalten.
Oder sie können mit den wertloser werdenden Dollars ihre Schulden bezahlen. Dann haben wir die Arschkarte: $190 Mrd, die in 5 Jahren vielleicht noch einen Viertel der jetzigen Kaufkraft haben. Entsprechend werden alle Sparer ausserhalb der USA kaufkraftmässig um 75% entreichert.
Auch wenn die USA als Krisenherd auszumachen sind, haben die USA doch unter dem Strich die besten Karten im Ärmel:
1. Die Schulden der USA lauten in Dollars. Also jenen grünen Papierscheinchen, die die Amis beliebig drucken können. Die Amis sind also jeder Zeit in der Lage, ihre Schulden zurückzuzahlen. Die Frage ist nur, was die Dollars dann noch für eine Kaufkraft haben werden.
2. Die USA sind das einzige westliche Land, das niemals auch nur eine Unze Gold verkauft hat! Von den weltweiten Reserven von 80'000 Tonnen besitzen die USA 32'000 Tonnen.
Mögliches Szenario: Die Amis reiten den Dollar in den Boden, es gibt einen weltweiten Vertrauensverlust in ungedeckte Papierwährungen und eine internationale Finanzkrise.
Die Bürger werden erkennen, dass fast alle Währungen nur reine Papierwährungen sind, die durch nichts gedeckt sind. Entsprechend wird auch das Vertrauen in Euro, Yen und Franken schwinden.
Als Retter in der Not könnten die USA nun anbieten, aus den Überresten von Dollar, Euro und Yen eine neue Weltwährung zu kreieren, die durch einen Korb aus Edlemetallen und Rohstoffen gedeckt ist. Die Deckung ist notwendig, um das Vertrauen in die neue Währung aufzubauen.
Entsprechend hätten jene Länder die besten Karten, die am meisten Gold, Silber und Rohstoffe besitzen. Das wären dann die USA, Russland, Arabien und China. Europa würde es bitter bereuen, seine Goldreserven so billig verschachert zu haben.
Fazit:
Ich halte es für ausgeschlossen, dass die USA ihre Schulden durch "Gürtel enger schnallen" abtragen werden. Es ist viel plausibler und politisch in den USA auch einfacher durchsetzbar, dass die Schulden durch Entwertung des Dollars abgetragen werden. Ähnlich - wenn auch nicht so krass - wie es das Deutsche 1922/23 getan hat: Kriegsschulden, wurden einfach durch gedrucktes Geld bezahlt, das innert kürzester Zeit keinen Wert mehr besass.
Wohl dem, der vor der Krise seine Dollars in sichere Werte investiert hat.