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Zahnräder, Pumpen und Rotoren werden auf dem Maag Areal nicht mehr hergestellt. Der Maschinenlärm ist verstummt, Musik hallt durch die renovierten Fabrikgebäuden; Kultur und Gastronomie haben Einzug gehalten. Die Industrie ist verschwunden und Dienstleistungsunternehmen residieren in luftiger Höhe im grössten Gebäude der Stadt. Der Bruch zwischen Moderne und industrieller Vergangenheit zeichnet sich nur an wenigen Orten in Zürich-West so krass ab wie auf dem Maag-Areal.
Wie alles begann
Max Maag (1883-1960) war einer der typischen Technik-Pioniere jener Zeit, in der die Industrialisierung Einzug im einstigen Industriestandort Zürich-West gehalten hat. Er war vor allem im Bereich der Konstruktion von Getrieben tätig und setzte sich mit Problemen bei der Zahnradkonstruktion auseinander. Mit der Entwicklung eines neuen Verzahnungssystems gelang es ihm, Zahnräder von bis dato unerreichbarer Qualität herzustellen.
Anfänge
1913 übernahm Max Maag an der Hardstrasse 219 den Standort der liquidierten Automobilfabrik “Safir” und gründete die Max Maag Zahnräderfabrik, die 1917 in Maag-Zahnräder AG umgewandelt wurde.
Der Erfolg stellte sich dank der technischen Neuentwicklung des Ingenieurs und der angekurbelten Konjunktur durch den 1. Weltkrieg rasch ein. Die anfängliche Belegschaft von 24 Mitarbeitern erhöhte sich in nur drei Jahren auf 160. Zahlreiche Patente konnten in vielen Ländern eingetragen und Lizenzverträge mit ausländischen Industrieunternehmen abgeschlossen werden. Jene Zeit der Firmengeschichte war stark durch die Innovation ihres Gründers und den industriellen Aufbau des Unternehmens geprägt.
Das Streben nach neuen Absatzmärkten und den damit verbundenen Risiken veranlasste Max Maag die Firma 1920 in eine Holding Gesellschaft umzuwandeln. Die Maag-Zahnräder & -Maschinen AG fasste das Unternehmen für die nächsten 70 Jahre zusammen. Unter ihren Aktionären befanden sich neben Max Maag und seinen Mitarbeiter auch die damalige Gebrüder Sulzer AG und die Schweizerische Bankgesellschaft.
Trotz den “Goldenen zwanziger Jahre” waren die ersten Geschäftsjahre der neuen Firma von den Zeichen der sich anbahnende Weltwirtschaftskrise geprägt. Die stark angewachsene Belegschaft von 712 Arbeitern um 1920 wurde auf 200 reduziert.
Neue Wege
So war es nicht überraschend, dass die Hauptaktionäre nach diesen Krisenjahren einen neuen Käufer suchten. Diesen fanden sie schliesslich in Georg A. Fischer, dem seit 1920 tätigen Direktor der Firma. Er reorganisierte 1927 das Unternehmen von Grund auf und übernahm in Folge dessen auch die Aktienmehrheit mit einem Partner. Im gleichen Jahr trat Max Maag aus dem Unternehmen aus und die Lizenzverträge mit ausländischen Unternehmen wurden aufgelöst. Damit konnte die Die Maag-Zahnräder & -Maschinen AG erstmal direkt den internationalen Markt bearbeiten und eine globale Verkaufsorganisation aufbauen. Von 1928-1945 bewegt sich dann auch der Anteil der Exporte zwischen 70 und 90%.
Neben der Weltwirtschaftskrise, die eine starke Auswirkung auf die Maschinenindustrie hatte (Schlechte Wirtschaftslage, Abschottung der Länder, Hoher Franken), stellte sich eine zusätzliche Belastung mit dem Militärdienstpflicht während des 2. Weltkriegs ein. Grosse Verluste entstanden, sodass sich der Firmeninhaber Fischer Privat verschuldete, um die Löhne bezahlen zu können.
Rasante Wirtschaftsentwicklung
In der Nachkriegszeit bis zum Ende der 70er Jahre verhalf der Wirtschaftsboom der angeschlagenen Zahnräderfabrik zu neuem Erfolg. Beträchtliche Gewinne wurden in dieser Blütezeit erwirtschaftet und teilweise reinvestiert. Die Fabrik an der Hardstrasse wurde laufend ausgebaut, neue Grundstücke erworben und die Forschung und Weiterentwicklung neuer Produkte verstärkt vorangetrieben. Das 1968 erstelle Industriegebäude, welches zur Herstellung von Rotoren diente, bietet heute der Maag EventHall neuen Raum. Der Name Maag stand weltweit als Garant für höchste Präzision und Qualität.
Trendumkehr
Mit Beginn der 80er Jahre war man mit neuen Bedingungen auf dem Markt konfrontiert. Die Fünftagewoche wurde eingeführt, Reduktion der Arbeitszeit auf 42h (während Gründerzeiten waren es noch 66 h), Umweltschutz, Internationale Konkurrenz usw.
Die globale Konjunkturwende traf ein und führte zu Umsatzeinbrüchen. Plötzlich wurde neben hoher Präzision auch mehr Produktivität und tiefe Preise verlangt. Die Maag-Zahnräder & -Maschinen AG reagierte mit einer Sortimentserneuerung und offensiver Strategie. Diversifikation war der Kernpunkt der neuen Firmenpolitik. Mit dem Zukauf von in- und ausländischen Firmen gelang es dem Unternehmen Zugang zu neuen Technologien zu erhalten und gleichzeitig Marktführer in Bereichen wie Pulvermetallurgie zu werden.
1987 ging die Firma mit Sitz an der Hardstrasse an die Hauptbörse, was aber nicht über die schlechte wirtschaftliche Lage hinweg täuschen konnte. Getriebe-, Pumpen- und Informatikbereiche wurden in eigenständigen Konzernfirmen weitergeführt, das Werkzeugmaschinengeschäft stillgelegt oder verkauft. Damit verbunden war ein Abbau von 500 Stellen in Zürich.
Neuausrichtung
Die wirtschaftlichen Rückschläge der vergangen Jahre gingen an die Substanz des Konzerns. 1991 erfolgte eine weitere radikale strategische Neuausrichtung. Die Aufsplittung der Maag-Zahnräder AG in Maag Gear AG und Maag Pump Systems AG erfolgte. Man wollte sich wieder auf das Kerngeschäft (Getriebebau, Pumpen- und Feinstanztechnik) konzentrieren; die restlichen Bereiche wurden veräussert. Der erschlankte Konzern wurde in Maag Holding AG umbenannt.
Die nun ungenutzten Fabrikhallen und Gebäude auf dem Maag-Areal an der Hardstrasse wurden an fremde Unternehmen weitervermietet; oder wie im Falle der Maag Halle (2002) umgenutzt.
2004 zog der letzte an der Hardstrasse verblieben Teil der Maag Holding AG nach Oberglatt um. Die Geschichte um die Zahnräder auf dem Maag Areal endete damit, lebt aber ein Stück weit in den Räumlichkeit der renovierten Fabrihallen weiter.
Heute
Gebäude in den alten Räumlichkeiten von Maag:
2002 Maag Halle
2003 Maag EventHall
2004-2009 Umbau der Härterei in den Härterei-Club
Neue Gebäude auf dem Areal
2008 – 2011 PrimeTower
2009 – 2011 Plattform
2009 – 2011 Diagonal (denkmalgeschützter Industriebau)
2009 – 2011 Cubus
In unregelmässigen Abständen werden noch Artikel zu obigen Gebäuden erscheinen.