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Am Samstagabend anlässlich eines Strassenfestes bin ich in ein interessantes Gespräch mit Eltern verwickelt worden, deren Kinder Erfahrungen mit Computern im Unterricht gemacht haben.
Ein Vater hat von seinem Sohn erzählt, der seit zwei Wochen in die erste Klasse geht. Er hat bereits mit dem Computer im Schulzimmer Erfahrungen gesammelt. Der Vater äusserte sich sehr positiv darüber, dass die Lehrerin zwei Mal pro Woche die Schüler am Computer Arbeiten erledigen lässt. Das macht den Kindern offensichtlich grossen Spass.
Daraufhin spricht mich eine Mutter an, deren Sohn nun das zweite Jahr am Untergymnasium an der Kanti ist. Dieser habe während den ersten fünf Primarschuljahren ebenfalls regelmässig den Computer im Unterricht eingesetzt, jetzt aber habe er während dem ganzen Jahr nicht mehr. Sie hat mich gefragt, ob wir den Computern gegenüber an unserer Schule eigentlich feindlich eingestellt seien, in keinem Schulzimmer habe sie welche stehen sehen.
Leider stimmt dieser Eindruck mit der Realität an unserer Schule überein: bei den allermeisten Lehrpersonen kommt kein Computer zum Einsatz, in Schulzimmern steht höchstens auf dem Pult des Lehrers ein Gerät. In den meisten Zimmern hat es mittlerweile Beamer, aber diese werden grösstenteils für Video- oder DVD-Vorführungen benützt.
Für mich ist klar: in jedem Schulzimmer sollten Computer zur Verfügung stehen, damit man sie auch ohne grösseren Aufwand einsetzen kann. Der Gang in einen speziellen Computer-Raum macht man nur dann, wenn es wirklich nötig ist.
Ein Beispiel aus meinem Unterricht: die Schüler machen Aufsatzübungen. Damit ich die Aufsätze schneller korrigieren und auch leserlich kommentieren kann, verlange ich Computerausdrucke. Ich habe aber nur einen Computer im Zimmer, in den Computerraum will ich nicht, weil dies zu viel Unruhe in die Klasse bringen würde. Aus diesem Grund erstellen die Schüler eine handschriftliche Disposition und verfassen ev. einen Teil des Aufsatzes von Hand. Zu Hause wird er dann abgetippt und ausgedruckt.
Ich werde also in der nächsten Stunde eine Menge von Papier erhalten. Meine Kommentare werde ich anschliessend ebenfalls ausdrucken und den Schülern aushändigen.
Wie würde das in einer moodle-Lernoberfläche aussehen? Die Schüler laden ihre Datei hoch, ich habe jederzeit den Überblick, wer wann den Aufsatz hochgeladen hat. Ich kommentiere die Texte und gebe eine Bewertung ab. Der Schüler erhält eine Nachricht, wenn meine Bewertung sichtbar ist. Wenn es die Klasse wünscht, kann man die Aufsätze den andern digital zur Verfügung stellen. Wer ausdrucken will, kann dies tun, zur Archivierung kann man aber auch auf die digitalen Versionen zurückgreifen. Die nächste Aufsatzübung werde ich sicher so machen lasssen.
Hier ein paar Einblicke in das digitale Leben einer Lehrers während eines normalen Schultages.
Vor dem Unterricht habe ich natürlich meine Emails studiert und – gemäss GTD (getting things done) auch erledigt.
Nebenbei auf Neuigkeiten geschaut, die über meinen RSS-Bandit reingekommen sind.
Ein letzter Blick auf die in den letzten Tagen erstellte Lerneinheit zur Maturarbeit, diese habe ich in einem moodle bereitgestellt. Dazu habe ich moodle in der neuen Version 1.8 installiert mit einem neuem Erscheinungsbild – Autumn theme. Eine gewisse Individualität muss doch sein.
Im Schulzimmer starte ich den Tablet PC, werfe einen Blick in das Archiv der Klasse – erstellt mit dem Programm ELO, die kommen wird. Hier sind alle Unterrichtsprotokolle, Arbeitsblätter sowie viele digitale Aufnahmen von Wandtafelzeichnungen.
Wärend dem Unterricht führe ich das Unterrichtsprotokoll auf dem Tablet nach. Die Schüler haben sich schon daran gewöhnt.
In einer nächsten Doppelstunde geht es um Bölls "Wanderer kommst du nach Spa…" . Die Klasse hat Bilder erstellt, auf denen sie den Gang der Hauptgestalt durch das Schulhaus visualisiert haben. Die Bilder sind in der letzten Stunde erstellt worden, ich habe sie alle mit meiner Digitalkamera aufgenommen und mit dem Programm Snapter bearbeitet. Sie liegen also digital vor. Die Klasse soll nun in einem einfachen Abstimmungsverfahren das beste Bild auswählen. Von diesem werden wir nachher ausgehen und den Aufbau der Erzählung diskutieren. Nach der Wahl kopiere ich das Bild schnell in die vorbereitete Powerpoint-Präsentation. Wir schauen uns dann das Bild in einer Grossaufnahme an.
Während der Besprechung gehen wir dem Gang der Handlung, visualisiert auf dem Bild, nach. Mit meinem Stift markiere ich Stellen auf dem Bild. Zu den einzelnen Punkten haben Gruppen bereits Kommentare vorbereitet, ich habe auf meiner Präsentation Ergänzendes zur Hand. Am Ende der Stunde markiere ich mir im Notizfeld im Powerpoint, wo ich mit der Klasse stehen geblieben bin.
Am Nachmittag scheint eine ICT-freie erste Stunde anzustehen. Ich habe Lösungen zu grammatischen Problemen auf einer Folie von Hand eingezeichnet. Eine Schülerin fragt mich, ob man diese Lösung nicht auch für sie zugänglich machen könnte. Ich verspreche, diese ins Educanet zu legen.
Zu Beginn der folgenden Ethik-Doppelstunde wiederhole ich das Wichtigste der letzten Stunde auf Powerpointfolien. Dann lasse ich in Gruppen Drehbücher zu Konflikten, die die Klasse selber erstellt und inszeniert hat analysieren. Die Drehbücher haben mir die Gruppen über das Wochenende per Email zugestellt, so dass ich sie anschliessend im Word bearbeiten konne.
Nach einer Gruppenarbeit erfolgt die Präsentation der Ergebnisse durch die Gruppen. Anschliessend zeige ich die Videoaufnahme des dargestellten Konfliktes ab Kamera, die Aufnahme habe ich vor 14 Tagen gemacht. Leider hat mir die Zeit nicht gereicht, die Filme zu schneiden. Sonst hätte ich sie natürlich ab DVD oder Computer gezeigt. Mit der Pausenfunktion lässt sich das Video anhalten und kommentieren.
Gegen Schluss fragt mich ein Schüler, ob er nicht meine Powerpoint-Folien haben könnte. Da diese Klasse aus mehrern gemischt ist, ist die Educanet-Lösung hier gar nicht möglich, eine Klasse ist dort noch gar nicht erfasst. Was mache ich? Ich erstelle auf meinem persönlichen WIKI schnell eine Seite, speichere die entsprechende Powerpointseiten als pdf ab und lade sie auf mein WIKI hoch. Dann schreibe ich die Adresse an die Wandtafel.
Ich teile der Klasse noch einen kleinen Reader zum Thema Konfliktlösung aus, es sind drei Seiten aus einem ebook (Pocket Power Konfliktmanagement), das ich anschliessend auch noch kurz vorstelle. Von diesem Buch habe ich gar keine Papierausgabe.
Nach dieser Doppelstunde erscheint meine Gruppe von vier Schülerinnen, die ihre Maturarbeit bei mir schreiben wollen. Für sie Moneygram money transfer habe ich eine moodle-Lerneinheit bereitgestellt. Ich führe sie ein, indem ich per Beamer die Seite vorstelle.
Dann nach Hause, mittlerweile nach 18.00. Dort lade ich nach dem Nachtessen meine Lösungsblätter, die ich vorher noch eingescannt habe, auf Educanet hoch. Dazu noch ein weiteres Übungsblatt mit Lösungen. Ich habe nämlich gesehen, dass Schüler im Educanet online sind, also sollen sie auch noch was zum Üben haben.
Jetzt werde ich noch eine Probe vorbereiten. Diese werde ich mit einem völlig veralteten, aber wunderbaren Programm erstellen, mit dem Pagemaker.
Dann werde ich noch die Unerrichtsprotokolle nachtragen und die digitalen Aufnahmen einbinden.
Emails, Blogs … Das ist klar.
Und zum Schluss werde ich mein persönliches Tagebuch auf OneNote schreiben.
Dies ist eigentlich ein normaler Arbeitstag, ohne Computer für mich eigentlich undenkbar.
1990 haben die Lehrer, die schon technisch versiert waren, mit Standardwebseiten gearbeitet, mit Powerpoint und E-Mail.
1999 erschienen die "course management systems (CMS)", Blackboard und WebCT. Blackboard hat diese Schlacht gewonnen und letztes Jahr WebCT übernommen. Obwohl dieses CMS alles beinhaltet, was man sich wünscht, Diskussionsforum, Chat, File-Management-System, Online-Testverfahren, merke er, dass man immer mehr Zeit damit verwende, um überhaupt den Überblick über die Möglichkeiten dieser Lernplattform zu erhalten als mit der Anwendung.
Schliesslich (2004) sei WIKI erschienen, damit habe er ein so einfaches Tool erhalten, dass er ein wenig verwirrt sei. Warum müsse man denn überhaupt noch ein CMS einsetzen, wenn man ein so einfaches Tool habe?
Der Vorteil von WIKIs liege in der intuitiv einfachen Bedienung, die Barriere sei viel tiefer für Menschen, dort mitzumachen. Da die Universitäten aber so hohe Kosten hatten bei der Einführung ihrer CMS, wollen sie jetzt diese auch unbedingt anwenden. Stewart Mader meint, dass ein WIKI in jedem Fall auch ein komplexes CMS-System ersetzen könne.
Das wird Beat Doebeli natürlich freuen. In einem Blogbeitrag von Martin Hoffmann lese ich dann, dass er sich für seine E-Portfolios für einen Blog entschieden hat:
Für mich ist die Entscheidung längstens gefallen: Ich möchte meinen professionellen KAYWA-Konvergenz-Blog bzw. meine zahlreichen KAYWA-Blogs (siehe Blogroll) nicht mehr missen. Zahlreiche tolle Funktionen erlauben mir praktisch alles, was das Blogger-Herz so begehrt!
Ich arbeite im Moment sehr viel mit moodle, ich werde aber demnächst eine weitere Unterrichtseinheit mit einem WIKI durchführen. Die Einfachheit ist tatsächlich einzigartig. (mehr …)
"Wer will, der kann! Unter dem Motto "moodle für alle" hat das österreichische Bildungsministerium das Projekt edumoodle gestartet. Alle österreichischen Schulen und Bildungsinstitutionen haben damit die Möglichkeit, kostenlos moodle einsetzen zu können ohne selbst einen moodle-Server betreiben zu müssen."