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Das kleine ABC des Suonenparks
Aschepfi: Anschöpfen. Mit einer «Wehre», einem massiven Mauerdamm, wird das Wasser aus dem wilden Bach abgeschöpft und in einer kastenförmigen Installation reguliert in die Wasserleitung geführt. Die Wehre wurde immer wieder vom reissenden Bach zerstört.
Abschlag: Verteiler aus Holz, heute auch aus Beton, zum einfachen Umleiten des Wassers in einen Seitenkanal – eine Art Schleuse. Abschla: nach Beenden des Wässerns die Dämme öffnen, damit das Wasser wieder seinen geraden Gang fliessen kann.
Bach: Masseinheit (ca. 25 lt/sec = 1 Bach). Längere, grosse Wasserleitungen führen mehrere Bäche, kleinere nur 1 Bach.
Bänna: Aus Holzbrettern oder Metall gezimmerter Kanal, der in den Boden eingelegt ist. Mit der Bänna sollen einerseits das «Ausfressen» des Bodens oder der Wände, anderseits der Verlust von Wasser im Erdgraben verhindert werden.
Bisse: französischer Name für Wasserfuhre.
Chännel: meist aus Holz bestehender, U-förmig in den Lärchenstamm gehauener Kanal, der zum Überwinden von offenen Passagen wie Felswänden oder Mulden dient.
Chrapfu: Hakenförmig gekrümmter Baumstamm, der mittels eines Zapfens in den Fels verankert wurde. In diesen Chrapfen wurde der Chännel gelegt.
Entsander: Mittleres Becken unweit der Aschepfi zur Beruhigung des Wassers, damit sich der Gletschersand aus der «Gletschermilch» absetzen kann. Der Entsander (früher meistens aus Holz, heute eher aus Beton) kann mit einem Schieber an der unteren Talseite entleert werden, womit auch das Sand in den darunter liegenden Bach gespült wird.
Fronarbeitstag: Tag, an dem die Tässelmannen und Tässelfrauen unentgeltlich arbeiten.
Geteilenmeier: Präsident des Geteilrates
Geteilrat: Vorstand der Geteilschaft
Geteilschaft: Zusammenschluss einzelner Bauernfamilien, die für ihre Parzellen das Wasser an einer Leitung nutzen. Der Zusammenschluss geschieht in einer genossenschaftlichen Organisation mit Statuten und eigenem Vermögen, um gemeinsam Bau, Betrieb und Unterhalt des der Wasseranlage zu bewerkstelligen.
Geteiltrunk: Generalversammlung der Geteilschaft
Gemeinwerk: (Gmeiwärch) Unter Aufsicht des Wasservogtes wurden gemeinsam mit je mindestens einem Vertreter jeder Geteilschaftsfamilien Bau-, Unterhalts- und Wiederherstellungsarbeiten getätigt. Zum Saisonstart wurde die Wasserfuhre gemeisam gereinigt.
Gletschermilch: Wasser, das viel sehr feinen Gletschersand mitführt und daher milchig trüb ist. Es wird im Entsander abgelagert und bei Bedarf in den Bach gespült. Der Gletschersand ist sehr mineralienhaltig, was einerseits gut für die Böden ist. Anderseits mahlt zuviel Sand in Gras und Heu die Zähne des Viehs viel schneller ab.
Graben: Durch Erdreich gezogene Wasserleitung, die mit der Wässerhowa herausgeschlagen und nachgezogen wird.
Kehr: Fest zugeteiltes Nutzungsrecht das Wasser eine definierte Zeiteinheit in seine Parzelle zu leiten. Dieses Recht konnte in einem regelmässig wiederkehrenden Abstand von zwei oder drei Wochen (Turnus) wahrgenommen werden konnte. Jede Geteilschaft hatte ihre eigene Kehrordnung, deren Rangordnung in der Reihenfolge der Tässle gehalten wurde.
Latärna: Laterne, die für die langen Wege und Arbeiten während der Nachtzeit leuchtete. Das Licht gab auch manchen Anlass zu ungeheuerlichen Geschichten, die heute noch als Sagen weitererzählt werden.
Rüüss: steiler Kanal, in den das ungebrauchte Wasser geleitet wird.
Schlegel: Der Meldehammer wird durch ein tiefschlächtig durch das Wässerwasser angetriebenes Wasserrad von einem Bolzen angehoben und dann auf einen Holz-Schallkörper fallen gelassen. Pro Radumdrehung meldet so ein Schlag ins Dorf und dem Wässervogt, dass das Wasser läuft und alles in Ordnung ist. Hört der Hammer auf zu schlagen, ist der Wasservogt verpflichtet, die undichte Stelle schnellstmöglich zu suchen, bevor das Wasser grossen Schaden anrichten kann.
Schrapf: Kleinster Wasserkanal, der zu den einzelnen Reben oder direkt in die Wiesen und Gärten führt.
Speiseträger: sorgt für das leibliche Wohl der Tässelmannen und Tässelfrauen
Stollen: schwierige Felspassagen wurden Ende 19., anfangs 20. Jh. durch Felsstollen umgangen. Der Bau dieser Stollen war sehr aufwändig. Allein in Visperterminen dauerte der Druchbruch des 2.8 km langen Stollens vom Nanztal her 19 Jahre und bedeutete für zwei Unternehmen der Konkurs. Die Verlegung dieser Wasserleitenabschnitte in den Fels bedeutete meistens auch das Ende der Geteilschaften. Die Einwohnergemeinden übernahmen den Unterhalt und die Arbeiten werden seither im Lohnverhältnis erledigt.
Suon: In Teilen des deutschsprachigen Wallis heisst die Wasserleitung «Suon», im Plural «Suonen». Eine der Namensdeutungen geht zurück auf das Wort «Sühne». Hatte ein Dorfbewohner etwas unrechtes getan, war er bei der nächsten gefährlichen Arbeit der Vorderste am «Chänilzug». Hat er’s überlebt, hatte er Sühne getan, fiel er zu Tode – auch.
Tässla: Mitgliederausweis; Holzmarken, auf denen die Wasserrechte eingetragen waren. Auf der Vorderseite in verschieden langen Kerben die Dauer des Wasserrechtes, auf der Rückseite der Brand des Hauszeichens (Familienzeichens). Diese Kreditkarten aus Holz regelten jahrhunderte lang das Leben im Wallis. Neben den Wässertässle gab es auch Viehtässle, Schaftässle, Zehntentässle (Steuerabgaben), Backhaustässle, Nachtwächtertässle, Alptässle usw. In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jh. wurde in den letzten Geteilschaften das System der Tässle durch schriftliche Verträge ersetzt.
Tässelkerber: führt die Rechnung und verwaltet das Vermögen der Geteilschaft
Tässelmannen / Tässelfrauen: Mitglieder der Geteilschaft
Tretschbord: In steileren Passagen und Kurven wird mit Steinplatten, die senkrecht im Boden und auf dem talseitigen Bord eingelegt werden, die Abnutzung minimiert. Erde und Rasenziegel dienen zur Verdichtung. Da diese ständig feucht sind, können darunter Erlen und andere Büsche wachsen, die den Hang verfestigen. Felspassagen mit Tretschbord-Suonen, die im letzten Jahrhundert verrohrt wurden, stürzten ab, weil sie nicht mehr «natürlich» befeuchtet wurden und die festigenden Sträucher und Bäume abgestorben sind.
Wässerbericht: Jahresbericht des Geteilenmeiers
Wässerbritt: Wässerbrett, Wässerplatte. Platte aus Stein, Holz oder Metall, die quer zur Wasserleitung senkrecht eingeschlagen wird, um das Wasser zu stauen und in die eigene Parzelle überquellen zu lassen.
Wässerbrittkratzer: Sekretär der Geteilschaft
Wässerhowa: Wässerbeil. Wichtigstes Werkzeug des Wässermannes: pickelartiges, unscharfes Beil mit einem schmalen, schaufelartigen Rückwärtsarm. Mit dem Beilteil wird die Erdmasse in der Leitung geschnitten, mit dem schaufelartigen Teil herausgehoben. Mit der Wässerhowa wird auch «geschrapft», d.h. es wird ein kleiner Nebenkanal ins Kanalbord gehauen, damit das Wasser gleichmässiger in die Parzelle abfliessen kann.
Wasserleitung: In manchen Oberwalliser Gemeinden heisst der jeweilige Hauptkanal «Wasserleyta», in anderen «Suon» und im französischsprachigen Wallis «Bisse». Die Fuhre beginnt im Bach bei der Aschepfi und kann dutzende Kilometer weit aus verschiedensten Materialien in ein verästeltes System führen. Damit das Wässerwasser einerseits fliesst und anderseits nicht ein- und durchgräbt wurden die Wasserleitungen dem topografisch schwierigen Gelände angepasst mit sehr geringem Gefälle mit verschiedenen Materialien und Techniken gebaut. Wo es der Untergrund zulässt, wird ein Kanal ins Erdreich gegraben und am talseitigen Rand mit Steinen, Erde und Graswurzeln befestigt. Es ist noch heute ein Rätsel, wie diese technischen Meisterwerke schon im Mittelalter ohne genaue technische Hilfsmittel mit einer kaum vorzustellenden Präzision in steile Felswände, Steinschlaggebiete und Schuttkegel in die Landschaft gebaut werden konnten.
Wasserrecht: An ein Grundstück gebundene Wassermenge, die auf einer Tässla eingekerbt und beim Wasservogt im Gegenstück zur Tässla registriert ist. Da eine Bauersfamilie durch die Walliser Erbteilung viele kleine, weit verstreute Parzellen besass, musste die Famile mehrmals wöchentlich zu allen Tages- und Nachtzeiten den Wasserrechten nachgehen.
Wässervogt: Von der Geteilschaft Beauftragter, der für den Ausbau und Unterhalt des Suonenparks zuständig ist.
Wasu: Rasenziegel, der zusammen mit Lumpen zum abdichten der Seitenkanäle dient.
Wärterhüüsi: Das Haus des Wärters. Kleine Hütte, worin der Wasserwärter während der Wässerzeit an einer langen Wasserfuhre weit abseits des Dorfes gewohnt hat, um bei einem Wasserschaden schneller eingreifen zu können. Siehe auch «Schlegel». Der Wasserwärter musste einmal am Tag einen Kontrollgang bis zur Aschepfi machen.
Zettwasser: Wasser, das am unteren Ende der Parzelle abfliesst und in der Zettwasserleita wieder den tiefer gelegenen Parzellen nutzbar gemacht wird. Die Mineralien des Gletschersandes sind auf der Wiese liegengeblieben, doch das Zettwasser hat Mist aus dem Boden gelöst und enthält deshalb auch wertvolle Stoffe.