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Von Bäumen sprechen – Naturalisierungen in den protestantischen arbores des 16. Jahrhunderts
Mit der Reformation finden kanonische Inzestverbote in der Form von arbores consanguinitatis ein abruptes Ende. Seit dem Frühmittelalter hatten Theologen und Spezialisten des kanonischen Rechts Diagramme entwickelt, um Verwandtschaften zu quantifizieren und in Graden zu messen. Im Spätmittelalter fanden die arbores in ihrer Darstellung als naturalisierte Bäume ihre wohl populärste und verbreitetste Form. Auf Luthers Aufforderung, zur alleinigen Autorität der Heiligen Schrift zurückzukehren, folgte in den protestantischen Schriften des 16. Jahrhunderts ein sichtbarerer Bruch mit der kanonistischen Tradition: naturalisierte Bäume und Baumdiagramme verschwanden. Doch ganz ohne Naturalisierungspraktiken kamen auch die protestantischen Verwandtschaftssysteme nicht aus: statt der Diagramme rücken nun sprachliche Naturalisierungen in den Vordergrund. Dieser Vortrag beschreibt und zeigt auf, wie und in welcher Weise Naturalisierungen auf sprachlicher Ebene halfen, protestantische Verwandtschaftssysteme im 16. Jahrhundert zu entwickeln und zu verbreiten.