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Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2006, Kategorie Jugendbuch und mit Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2006
Als Maria zwölf Jahre alt wird, bekommt sie weisse Handschühchen und Lackschuhe mit Absätzen. Es ist ein wunderbares Geburtstagsfest, die Sklaven bringen Champagner, das erste Mal bekommt auch Maria ein Glas. Die grösste Überraschung aber wird in einer silbernen Terrine auf den Tisch getragen und Marias Papa hebt selbst den Deckel herunter: Es ist ein Menschlein. Ein kleiner schwarzer Junge, Marias erster eigener Sklave! Dolf Verroen erzählt aus der Perspektive eines Mädchens vom Alltag auf einer Teeplantage. Ihren kindlich-naiven Gedanken folgend, die in schlichten kurzen Sätzen formuliert sind, hören wir von Marias Jungmädchen-Träumen. Mit grosser Selbstverständlichkeit findet sie sich in die Rolle der rechtmässigen Besitzerin eines Sklaven, den sie behandelt wie man Sklaven behandelt, den sie verachtet, schlägt, beschimpft, verkauft. Konsequent bleibt Dolf Verroen beim gewählten Blickwinkel, kommentiert nicht, bewertet nicht, erfindet keine positive Gegenfiguren. Dabei schafft er einen Text von grosser Eindringlichkeit, beklemmend und provozierend
Portrait
Dolf Verroen, geb. 1928 in Delft in den Niederlanden, ist Autor, Kritiker, Übersetzer und Essayist. Sein erstes Kinderbuch „Het boek von Jan-Kees“ erschien 1958. Inzwischen hat er rund sechzig Kinderbücher veröffentlicht, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, u.a. dreimal mit dem Silbernen Griffel, der höchsten Auszeichnung für Kinderbücher in den Niederlanden. Zuletzt erschien in Deutschland „Der Bär auf dem Spielplatz“(2002, Beltz & Gelberg) und „Ein Himmel für den kleinen Bären“ (2003, Carl Hanser Verlag), beide mit Illustrationen von Wolf Erlbruch.