Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03490.jsonl.gz/342

Wie alles begann....
Mitte der 1860er Jahre trafen sich im Welschland zwei junge Töchter, Louise Elsaesser aus Kirchberg und Barbara Oberholzer aus Wald im Zürcher Oberland. Durch diese Freundschaft lernten sich die beiden Familien kennen und es kam, wie es kommen musste. Der Bruder, Alexander Elsaesser, trat im Alter von 15 Jahren in die Mechanische Baumwollweberei Jakob Oberholzer ein. Er wollte sich als Fabrikant ausbilden. Schwester Louise heiratete im Jahre 1868 Ferdinand Oberholzer, den Bruder der Barbara. Dessen erste Ehefrau war 1866, ein Jahr nach der Geburt der Tochter Louise, gestorben.
Zwanzig Jahre später wurde eben diese Tochter Louise Oberholzer die zweite Gattin von Witwer Alexander Elsaesser. Der Ehe entsprossen 13 Kinder. Mit den zwei Söhnen und der Tochter aus erster Ehe hatte Alexander Elsaesser also eine 16-köpfige Nachkommenschaft.
Der erste unternehmerische Schritt in Kirchberg
1871 gründeten Ferdinand Oberholzer-Elsaesser und die Brüder Alexander und Emil Elsaesser die Mechanische Baumwollweberei. Es war selbstverständlich, dass die neue Weberei in Kirchberg das gesamte Wissens- und Erfahrungsgut der Fein- und Weissweberei in Wald übernahm. Die Fabrikgebäude, die Fertigungs- und Hilfsanlagen, die Energieversorgung mit Wasserrad, Dampfmaschine und Kraftübertragung, alles konnte leicht nachgebildet werden. Bereits Mitte 1872 begannen die Webstühle in Kirchberg zu laufen.
Die soziale Verantwortung
Neben einem Stock von Fachkräften aus Wald waren ausschliesslich Einheimische am Werk. Diese kamen aus Kirchberg selber, aus der Umgebung von Bern, dem Emmental und dem Oberaargau.
Das Fabrikdorf wuchs ständig. Es wurden 64 Fabrikwohnungen gebaut. In einem Nebengebäude, verbunden mit dem Fabrikeingang, entstand ein grösserer Aufenthaltsraum. Darin unterhielt die Firma einen Kinderhort für den Tageshütedienst mit Mittagstisch. Der Raum diente auch für die Proben des Elsaesser-Fabrik-Chors. Es ist der Mutter Louise Elsaesser-Oberholzer zu verdanken, dass in Kirchberg schon früh eine Kleinkinderschule eröffnet wurde. Neben dem Familienwohnsitz an der Landstrasse baute die Firma eigens dafür ein Haus.
Von Hand zu Hand
Nach 20 Jahren (1892) zog sich Ferdinand Oberholzer-Elsaesser als Teilhaber zurück. Bis zum Tod von Alexander Elsaesser-Oberholzer (1916) hiess die Firma „Gebrüder Elsaesser“, nachher „Elsaesser & Cie AG“. Die Geschäftsleitung übernahmen der Reihe nach die Söhne des Mitgründers Alexander Elsaesser, zuerst Willi, dann Alexander jun. gemeinsam mit Georg und Johann Friedrich.
Hans-Beat Elsaesser, Sohn des Johann Friedrich, übernahm 1973 in dritter Generation die Führungsverantwortung bis Ende 2007.
Johann Friedrich Elsaesser machte Druck
Der Markt machte Druck. Der Wirtschaftseinbruch von 1930 veränderte die Nachfrage nach Webstoffen. Die ganz feinen Baumwollstoffe von Elsaesser wurden durch mittelfeine Produktionen für Heimtextilien, wie Bettzeug und Vorhangstoffe, abgelöst. Johann Friedrich Elsaesser hatte ein reiches internationales Fachwissen und wusste, was nun Priorität haben musste. Er entwickelte ein neues Konzept für Textildruck und ging damit zum Maschinenbauer Fritz Buser. Während eines Jahres arbeiteten die beiden an allen Feier- und Festtagen an einer eigentlichen Weltneuheit: der Buser-Filmdruckmaschine.
Johann Friedrich Elsaesser übernahm den Verkauf in der ganzen Welt. Auch zu Hause wurde eine Druckerei angegliedert. Aber der Erfolg der automatischen Webstühle war der Untergang der mechanischen Tradition. Und so baute Hans-Beat Elsaesser, nach dem Tode von Johann Friedrich Elsaesser, das Unternehmen schrittweise in ein Handelsgeschäft mit Heimtextilien, Vorhang- und Dekorationsstoffen um.
Substanzerhalt – innerlich und äusserlich
Die Liegenschaften wirken und sind gepflegt. Man kann sich in die gute alte Zeit zurückversetzen. Daneben wurden seit 1980 auf dem eigenen Areal Mehrfamilienhäuser mit 28 Wohnungen gebaut. Ein Nebengebäude wurde in den Originalzustand zurückrenoviert und dient heute als authentische Fabrikloft.
Besonders stolz ist man auf die eigene Stromversorgung mit einer alten Turbine, welche seit 1929 sicherstellte, dass keine direkten Stromkosten entstehen. Im Sommer 1996 wurde die sehenswerte alte Anlage durch ein modernes Kleinwasserkraftwerk ersetzt, welches die Produktivität um 50% steigerte und ca. 900'000 kWh pro Jahr produziert.
Auf dem Fabrikgelände und in den Räumlichkeiten sind neben dem Heimtextil-Geschäft, welches heute durch die Firma Créasphère geführt wird, noch weitere interessante Partner beheimatet:
Gegenwart– Waebi-Aeral mit Lofts, Wohnungen und Gewerbe
In 2012 und 2013 haben Michael Elsaesser und Susanne Schlund-Elsaesser das Projekt ihres verstorbenen Vaters umgesetzt. Im Hauptgebäude, oberhalb des Vorhanggeschäfts, entstanden auf zwei Etagen vier grosse, authentische Lofts, die vom Charme der alten Weberei leben.
Im Stöckli nebenan, welches früher auch als Sonntagsschule diente, entstand eine wunderschöne 4 ½ -
Zimmer-Maisonettewohnung mit grosser Dachterrasse. Ergänzt wird das Waebi-Areal seit Herbst 2013 durch die Crêperie süss und salzig, welche sich im ehemaligen Lädeli befindet.
Quelle für die historischen Zusammenhänge:
"Kirchberg, Ortsgeschichte zum 1000-Jahr-Jubiläum 1994"
herausgegeben von der Einwohnergemeinde Kirchberg BE