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Was alles am Grundnahrungsmittel Getreide hängt, ist uns wieder bewusst geworden mit der dramatischen Entwicklung in der wichtigen europäischen Kornkammer Ukraine und der immer wieder bedrohten Auslieferung. Die Selbstversorgung der Schweiz wurde wieder zum aktuellen Thema. Dem Getreide und der existenziell wichtigen Grundversorgung der Bevölkerung galt immer die besondere Aufmerksamkeit von Politik und Landwirtschaft. Im 19. Jahrhundert reduzierte das Aufkommen von Dampfschiff und Eisenbahn den «Entfernungsschutz» für die inländische Produktion. Bis 1914 nahm die Ackerfläche bis zur Hälfte ab. Sie stieg dann durch den «Zwangsanbau» während dem ersten Weltkrieg um rund 40 000 ha. Durch die massive planmässige Anbauvermehrung im Zweiten Weltkrieg wurde bis 1945 nahezu eine Verdoppelung des Anbaus erreicht, das heisst eine Fläche von insgesamt über 350 000 ha offenes Ackerland. Dank gezielter Anbauprämien konnte die Sicherung der Ackerfläche erreicht werden. Der Stabilisierung im Getreideanbau half eine geradezu dramatische technische Entwicklung. Sie kann am eindrücklichsten durch die Zunahme der motorisierten Zug- und Antriebskräfte dargestellt werden, kurz die Mähdrescher-Expansion. In der Betriebszählung von 1955 fehlten diese Grossmaschinen noch vollständig! Bei der Anbauerhebung von 1960 wurden bereits 600 Stück gezählt und 1969, nur 10 Jahre später, wurde die entsprechende Zahl mit 4177 ausgewiesen! Die Entwicklung der Technik, speziell im Landmaschinenbau, hat alle Erwartungen übertroffen und ist bekanntlich bis heute gross. Die Landwirtschaft wurde dazu gedrängt, durch die zunehmende Verknappung der Arbeitskräfte und durch die stets steigenden Kosten der Handarbeit, sowie schlicht durch die Mühsal, welche früher die Getreideernte bedeutete. Wer selbst als Kind, Jugendlicher oder Familienmitglied die Getreideernte hautnah miterlebt hat – eine Generation die altersbedingt immer kleiner wird – der erinnert sich sehr genau an die vielen Arbeitsabläufe. So die Handmad, damit die von Pferden gezogene Mähmaschine ansetzen konnte, Wegtragen der Getreidehaufen, damit die nächste Mährunde möglich war. Später kamen die Bindemäher, welche die «kleinen Garben» ausspukten. Aufstellen der Garben in sog. «Puppen», darüber eine Deckgarbe für den Witterungsschutz und das Ausreifen des Korns. Schliesslich Auflad und Fahrt zum Hof. Den Garbenstock in der Scheune aufschichten. Dann folgte die eigentliche Drescharbeit im Winter und die Ablieferung in 100 kg-Säcken unter der Regie der Eidg. Getreideverwaltung. Sehr wirklichkeitsnah wurde diese Getreideernte von früher vor einigen Jahren auf dem Bözberg dargestellt. Es war wie eine Freilichtaufführung der besonderen und eindrücklichen Art. Die wirkliche Stress-Situation in der Erntezeit wurde im Fricktal noch erhöht durch die Vielseitigkeit der Erwerbsarbeit. Die Stallarbeit war wie gewohnt zu besorgen und die Kirschenernte war oft im gleichen Zeitraum zu bewältigen. Bild: Mähdrescher 2022 im Einsatz über den «Hurstet»-Höfen in Oberhof. Das Korn konnte direkt ab Feld von der Dreschmaschine im Einmann-Betrieb in den Traktoranhänger gekippt werden. Ausgeklügelte Technik ermöglichte auch immer besser den Betrieb an Hanglagen.