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der innern Stadt werden immer mehr ehemalige Wohnungen in Kaufhäuser und Bureaux umgewandelt, und die an sich rege Bautätigkeit in den Aussenquartieren vermag, abgesehen davon, dass sie vielfach durch Streike unvorhergesehene Unterbrüche erleidet, der stetig wachsenden Nachfrage nicht zu genügen. So kommt es, dass die Mietpreise in den letzten Jahren enorm in die Höhe gegangen sind. Mit 279 Fr. durchschnittlichem Zimmerpreis (1906/07; seither noch höher) - der Durchschnitt inklusive Dachzimmer gerechnet - durfte Zürich so ziemlich an der Spitze der Schweizerstädte marschieren.
Die Stadt ist in richtiger Einsicht dieser Schwierigkeiten bereits dazu geschritten, einen offiziellen städtischen Wohnungsnachweis einzurichten, welcher seit Juni 1906 funktioniert und durch Einblick in die Lage des Wohnungsmarktes eine Wegleitung zu geben geeignet ist für die künftige Gestaltung der Bautätigkeit. Die Stadt errichtet ausserdem eigene Wohnhäuserblöcke. Neubauten wurden im Jahr 1907 im Ganzen 213 errichtet, mit 696 Wohnungen und zu 17,4 Mill. Fr. brandversichert. Im Jahr 1907 zählte man in Zürich 14641 Gebäude. 750 davon sind seit 1899 neu hinzugekommen.
Seit der allgemeinen Abtragung der alten Schanzen und Zuschüttung ihrer Gräben im Jahr 1833 konnte die bauliche Entwicklung der Stadt gedeihen. Sie nahm namentlich durch die Stadtvereinigung im Jahr 1893 einen gewaltigen Aufschwung. Die ungeahnte Zunahme der Bevölkerungsziffern und allgemeine wirtschaftliche Wandlungen waren von grossem Einfluss auf die Bautätigkeit. Ein neues Baugesetz für Ortschaften mit städtischen Verhältnissen (1893) verlangt grössern Abstand der Häuser von den Nachbargrundstücken (3,5 m). Früher baute jeder mehr oder weniger für sich, wie es ihm passte. 1770 waren die Häuser durchschnittlich 2½ Stockwerke hoch.
Dann kamen hohe Mietshäuser. Das neue Baugesetz lässt den 6. Wohnstock nicht mehr zu und verlangt eine minimale Höhe von 2,5 m für Wohnräume. Dazu kamen 1901 die Vorschriften für offene Ueberbauung grosser Distrikte. Dadurch scheint die Rückkehr zum Einfamilienhaus angebahnt zu sein. Vor 1900 waren solche nur 7,6% aller Wohnungsbauten, nachher schon 19,8%. Das System hält eben die Bodenpreise in einem vernünftigen Rahmen zurück. Ums Jahr 1900 zeigte sich allerdings eine Reaktion in Form einer Bau- und Liegenschaftenkrise.
Seit 1809 besteht die staatliche Brandassekuranz mit mustergiltiger Registrierung der Bautätigkeit. Zürich im heutigen Gebietsumfang zählte
|Jahr||Wohnhäuser||Assekuranzwert Mill. Fr.|
|1862||3514||140|
|1892||7338||359|
|1900||9867||552|
|1906||10122||597|
Der Totalassekuranzwert der privaten Gebäude mit und ohne Wohnungen und der behördlichen Bauten betrug im Jahr 1906 681,9 Mill. Franken. Die Wohnbauten nehmen in der Stadt gegenüber industriellen Bauten relativ zu; die Industrie zieht in die umliegenden Orte mit billigerem Boden. Zürich wird dadurch wieder mehr Wohnstadt, mit Ausnahme der Altstadt.
Wohnungen bestanden im Jahre 1906 im Ganzen 35900.
|per Jahr||Wohnungen per Haus|
|vor 1863||9300||2.72|
|erbaut 1863-1892||11600||387||3.12|
|erbaut 1893-1900||12200||1526||4.64|
|erbaut 1901-1906||2800||465||4.30|
|total||35900||wie oben.|
Interessant ist die allgemeine Zunahme der Behausungsziffer (= Einwohner per Haus) im Laufe der Zeiten. Nachstehende Tabelle gibt darüber Auskunft:
|Wohnhäuser||Ew.||Behausungsziffer für die ganze Stadt||Behausungsziffer für die Altstadt|
|1770||10.6|
|Ende 1862||3514||46200||13.2||15.9|
|Ende 1892||7338||106000||14.4||15.2|
|Ende 1900||9867||150700||15.3||13.9|
|Ende 1906||10427||171000||16.4||13.2|
Bibliographie: Ausser den sub. Zürich, Kanton, Abschnitt Bevölkerung, erwähnten Quellen: Die periodischen Berichte des statistischen Amtes der Stadt Zürich in den Tagesblättern. - Wolff, H. Zürichs Bevölkerung seit der Stadtvereinigung (1893-1906). (Statistik der Stadt Zürich 6, 1906). - Geschäftsbericht des Stadtrates für 1907. Zürich 1908. - Der Zuzug in die Stadt nach der kilometrischen Entfernung der Zuzugsgebiete. (Statistik der Stadt Zür. 10, 1908). - Wolff, H. Vortrag über Zürichs bauliche Entwicklung (speziell Wohnungsbau), gehalten in der Statist. volkswirtschaftlichen Gesellschaft des Kantons Zürich. (Referate in der Neuen Zürcher Zeitung, Januar 1908).
5. Hygienische Zustænde.
In früheren Zeiten mochten die natürlichen Wasserverhältnisse von See, Limmat und Sihl einen wesentlichen Einfluss auf die gesundheitlichen Zustände der Stadt ausüben. Es wird überliefert, dass z. B. im Jahr 1344 durch eine Ueberschwemmung das Haus zum Schwert und drei Mühlen weggerissen wurden, deren Trümmer die Brücke beim Hardturm zerstörten. 1553 konnte man mit Nachen im Fraumünster herumfahren, und 1556 lief die Limmat über die Mühlestege weg.
Auch die Sihl ergoss sich gelegentlich über den Platzspitz. 1404 und 1512 dagegen konnte man trockenen Fusses vom Weinplatz, damals Kornhausplatz geheissen, bis zum Rathaus gehen, und der grosse Stein unterhalb der untern (Gemüse-) Brücke war 1580, 1585, 1654, 1740 und 1814 trocken. Heute sind die Wasserstände derart reguliert, dass selbst extrem trockene Jahrgänge, wie sie z. B. die letzten Jahre, inklusive 1908 gewesen, wohl noch ausserordentlich niedrige Pegelstände, aber weiter keine grossen Nachteile mehr mit sich bringen.
Der mittlere Wasserstand des Sees liegt bei 409,2 m über Meer. Maximal erreichte er 411,00 m am minimal 408,50 m am 408,56 m am und 408,60 m am Aehnliche Zahlen hat neuerdings der März 1909 gebracht (Nullpunkt der See- und Limmatpegel 411,28 m). Die mittlere Abflussmenge (Limmat und Schanzengraben) beträgt 87 m3 Sek., ein Maximum wurde am mit 350 m3 Sek., ein Minimum mit 15,5 m3 Sek. am erreicht. (Seefläche 87,78 km2, Wassergehalt 4000 Mill. m3, Einzugsgebiet 1819,7 km2).
Wesentlich gesundheitserhaltend wirkt der See, ausser als allgemein klimatischer Faktor, als Badegelegenheit ¶
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(mittlere Oberflächentemperatur 10,9 °C; maximum 22,0 °C; in 16 m Tiefe 5,9 resp. 11,6 °C). Die Stadt Zürich unterhält 11 öffentliche Badeanstalten im See, in der Limmat und im Schanzengraben, welche jährlich 300000 bis 400000 Besucher aufweisen. Drei davon sind unentgeltlich. Im Jahr 1907 (schlechter Sommer) wurden 289077 zahlende Besucher registriert, im Jahr 1906 343816. Selbst im Winter baden Einzelne im See («Eisbärenklub»),
sogar bei Seegfrörne (Winterschwimmbäder fehlen; ein bezüglicher Versuch wurde wieder aufgegeben). Die Stadt gibt übrigens auch an die Luft- und Sonnenbad-Einrichtungen des Naturheilvereins jährliche Beiträge und hat neulich die Männerbadanstalt am Bürkliplatz für Luftbäder erweitert.
Als Lungen der Stadt funktionieren eine ansehnliche Zahl freier Plätze, Parkanlagen und Promenaden. Schon die alte Stadt hatte ihren Lindenhof, den «historischen Kernpunkt der Stadt», auf welchem das römische castrum Turicense und später eine königliche Pfalz gestanden haben soll, die Winkelwies auf dem Geissberg und die alte Schützenwiese, jetzt Platzspitz-Promenade. Später kamen botan. Garten, Sihlhölzli, Hohe Promenade, mit altem Kirchhof, Heimplatz, Stadelhoferplatz, Stadthausanlagen hinzu, und die grossen Quaibauten mit den wundervollen Quaianlagen, welche sich als grünes Laubgewinde vom Belvoirpark bis zur Quaibrücke und von da auf dem rechten Ufer bis ans Zürichhorn hinausziehen, dessen freundliche alte Weiden Rudolf Koller so manches schöne Motiv in den Pinsel spendeten. Mit pietätvollem Verständnis hüten die Stadtväter unsre alten Bäume. Allgemeine Bedrückung lag auf den Gemütern, als durch ungewohnten Schneedruck auf die jungbelaubten Zweige am ein grosser Teil der Anlagen Schaden nahm, und wenn irgendwo eine morsche Pappel gefällt oder ein lieb gewordener Ahornstamm den modernen Verkehrserfordernissen geopfert werden muss, so erhebt sich ein Entrüstungsturm in allen Blättern der Stadt.
Wo neue Quartiere entstehen, wird auch für Anlage freier Plätze mit Bäumen und Spielwiesen gesorgt: Limmatplatz, Rotwandareal u. s. f. An verschiedenen Orten sind Tennisplätze angelegt, auch finden sich im Winter Schlitt- und Schlittschuhgelegenheiten.
Der Flächeninhalt der städtischen Anlagen beträgt heute schon über 320000 m2, und in den Alleen der Stadt stehen 4000 Strassenbäume (1905). Dazu kommen etliche Hotelparks (Baur au Lac, Dolder), die vielen Vorgärten der neuen Häuser und die gartenreichen Quartiere mit offener Ueberbauung an den Hängen des Zürichberges und am Uetlibergfuss. Das Allerschönste aber sind die weiten Waldpromenade-Anlagen auf dem Zürichberg, Käferberg und Uetliberg selber, welche vom Verschönerungsverein von Zürich und Umgebung seit dessen Gründung zu Anfang der 1870er Jahre angelegt worden sind.
Ehre solch unentwegter gemeinnütziger Arbeit! Tausende lustwandeln Sonntags in diesen grünen Hallen, freuen sich auf den zahlreichen Ruhebänken der schönen stillen Natur und der verschlungenen Gebüschpfade mit ihren kunstvollen Brücklein und zierlichen Ueberraschungen (Manessebrünneli am Uetliberg, Waldhüsli, Elephant, Grossmutterbuche, Schlachtendenkmal [1799], Wasserfall im Sagentobel, Stöckentobel, am Wehrenbach und auf dem Weidberg). Und der Utogipfel mit seinem Aussichtsturm kann zur wahren Volksversammlung werden, wenn winterliches Nebelmeer über den Thälern liegt, der Grat aber in sonnige Wärme hinaufragt oder wenn am Himmelfahrtsmorgen die Sonne «gumpet».
Bis in den Schwarzwald und die Vogesen hinaus reicht da die Aussicht und weit über die Silberbänder der Aareschlingen in die Jurakämme hinein, nach Norden zu den alten Hegauer Vulkankegeln des Hohenstoffeln und Hohentwiel, und von den Alpen bietet der Uetliberg die vornehmste Uebersicht vom Säntis bis zu den Berner Oberländer Eisriesen. Artig wie ein Riesenspielzeug ausgebreitet liegen zu Füssen gleichsam aus Spelterinis Ballonperspektive das gründurchwirkte Häusergewimmel der Stadt und der blaue See mit seinen geschäftigen Dampfschwalben, den sonntäglichen Ruderboten und eleganten Seglern und Sport-Skiffen; weiter aufwärts die freundlichen Uferdörfer und das waldreiche Sihlthal mit dem grossen Stadtforst Sihlwald und dem städtischen Wildpark.
Mit dem Strassenreinigungs- und Abfuhrwesen darf ¶