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Labinot Sheholli hat in dieser Saison fast die Hälfte der Pflichtspiele verpasst, weil er Sperren absitzen musste. Heute, beim Auswärtsspiel gegen Muri-Gümligen, kehrt der Captain des FC Biel aufs Spielfeld zurück.
Labinot Sheholli, um ein bestimmtes Thema kommen wir nicht herum.
Labinot Sheholli: (schmunzelt kurz) Die roten Karten?
Genau. Sie sind in dieser Saison bereits dreimal vom Platz gestellt worden. Dreimal war es eine Tätlichkeit.
Moment, das stimmt so nicht ganz. Die Aktion im Testmatch gegen La Chaux-de-Fonds war ein Foul. Es war zugegeben ein grobes Foul. Der Schiedsrichter hielt die Szene im Rapport fest und der Verband interpretierte das Geschriebene als Tätlichkeit. Wir sahen das nicht so und haben deshalb auch Rekurs gegen den Entscheid eingelegt…
…der aber abgelehnt wurde.
Aus meiner Sicht war es keine Tätlichkeit. Für mich ist eine Tätlichkeit, jemanden zu schlagen. Das habe ich nicht gemacht.
Und die beiden anderen Platzverweise?
Die zweite rote Karte gegen Lerchenfeld erhielt ich ebenfalls wegen eines Fouls. Das ist im Schiedsrichter-Rapport auch so festgehalten. Und ja gegen Moutier kam es zu einer Rangelei, in der ich involviert war. Das interpretierten die Schiedsrichter als Tätlichkeit – ein strenger Entscheid.
Die Frage ist dennoch angebracht: Haben Sie ein Problem mit der Selbstbeherrschung?
Nein, ich habe sicher kein Problem damit, mich zu beherrschen. Wenn Sie die Statistiken meiner Fussball-Laufbahn studieren, sehen Sie, dass es mehr als zehn Jahre her ist, seit ich zuletzt eine rote Karte gesehen habe.
Wie kommt es denn dazu, dass Sie nun innerhalb kürzester Zeit gleich drei Platzverweise erhalten haben?
Das liegt einerseits daran, dass in die Schiedsrichter in der 2. Liga nicht immer auf einem Topniveau pfeifen. Andererseits interpretieren viele Gegenspieler die Zweikämpfe anders, als ich es von der Challenge League gewohnt bin.
Wie meinen Sie das?
Viele gehen gleich zu Boden und schreien als hätte man ihnen das Bein gebrochen. Das passiert besonders oft, wenn ich in einem Zweikampf involviert bin.
Werden Sie gezielt provoziert?
Ja, definitiv. Es gibt in jedem Spiel herbe Provokationen. Das geht aber nicht nur mir so. Einige Teamkollegen erleben ähnliches.
Wird teamintern besprochen, wie man damit umgehen sollte?
Zu Beginn nicht. Erst als es sich in letzter Zeit gehäuft hat, dass wir auf Provokationen eingegangen sind. Uns ist bewusst, dass wir uns nur auf unser Spiel konzentrieren sollen – aber das ist manchmal einfacher gesagt als getan.
Wie lange dauert es nach einem Spiel, bis Sie sich beruhigt haben?
Das geht sehr schnell. Ich bin zwar ein Aggressivleader auf dem Platz, aber sonst ein sehr ruhiger Mensch. Und wie gesagt: Ich habe in meiner Karriere zwar immer mal wieder gelbe Karten erhalten, die drei Platzverweise in dieser Saison sind jedoch eine absolute Ausnahme. Das darf mir eigentlich nicht passieren… Aber im Fussball gibt es nun mal Zweikämpfe, die ich annehmen muss.
Wegen Sperren haben Sie 10 der 21 Pflichtspiele verpasst. In Ihrer Zweitfunktion als Assistenztrainer stehen Sie dennoch an der Seitenlinie. Haben Sie sich an diesen Platz gewöhnt?
Überhaupt nicht. Ich bin immer enorm angespannt und leide bei jeder verpassten Chance mit. Meist bin ich viel nervöser, als wenn ich selbst auf dem Platz stehe. Ich habe Kurt (Baumann, Trainer FC Biel, die Red.) bereits gefragt, wie er das Wochenende für Wochenende bloss aushält.
Trotzdem lassen Sie sich zum Trainer ausbilden. Momentan absolvieren Sie das B-Diplom.
Ich denke, dass ich ruhiger werde, wenn ich irgendwann nur noch Trainer sein sollte.
Mit dem B-Diplom könnten Sie ein Team der 2. Liga interregional trainieren. Welche Ambitionen hegen Sie?
Ein 2.-Liga-Team zu trainieren, interessiert mich eher weniger. Lieber möchte ich mit einem ambitionierten Juniorenteam erste Erfahrungen sammeln. Ich nehme Schritt für Schritt.
Bis zum UEFA-Diplom?
Das ist das Ziel. Als Spieler habe ich es nicht bis ganz nach oben geschafft, vielleicht schaffe ich es als Trainer.
Sie werden im Sommer 30 Jahre alt. Wann wechseln Sie vom Spielfeld auf die Trainerbank?
So lange ich auf hohem Niveau spielen kann, werde ich das auch tun. Momentan denke ich überhaupt nicht ans Aufhören. Ich würde ich das Fussballspielen zu sehr vermissen. Ich hoffe, dass ich noch fünf bis sechs Jahre spielen kann.
Und dann übernehmen Sie den FC Biel als Trainer?
Ich würde nicht nein sagen. Aber das ist wirklich noch kein Thema.
Was wollen Sie als Spieler noch erreichen?
Es wäre cool, wenn wir uns nochmals für den Cup qualifizieren und auf ein Team aus der Super League treffen würden (das Cup-Spiel gegen GC im letzten September verpasste Sheholli gesperrt, die Red.) – am liebsten auf YB. Und klar: Ich will unbedingt mit dem FC Biel in die 1. Liga aufsteigen. Und wer weiss, was danach noch drin liegt…
Sie wollen in die Promotion League?
Es ist noch zu früh, darüber nachzudenken. Zuerst müssen wir den Aufstieg in die 1. Liga schaffen.