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Schweizerhühner sind nachweisbar 1905 in der Schweiz entstanden, und zwar aus englischen Orpingtons und amerikanischen Wyandotten. Das elegante Zwiehuhn zeigt einen langgezogenen Körper. Die Brustpartie ist voll und tief getragen, der Bauch gut entwickelt. Die waagrechte Haltung prägt die typischen Leistungsform und sorgt für eine stattliche Anzahl Eier, die auch im Winter eifrig gelegt werden.
Den Erschaffern war es wichtig, dass die Rasse nicht zu intensive Brutlust zeigt und ihre Küken nicht mehr selbst ausbrütet. Das Körpergewicht der männlichen Tiere von bis zu 3,5 Kilogramm sorgt bei den überzähligen Hähnen für ein ansehnliches Poulet.
In der Aufzucht gelten die Schweizerhühner als widerstandsfähige Tiere, die schnell Federn bekommen. Ihre Augenfarbe ist rot bis orange, die ovalen Kehllappen sind rot gefärbt. Auf dem Kopf sitzt ein Rosenkamm, der breit aufgesetzt ist, den Schädel jedoch nicht überragen sollte. Der Kamm wird waagrecht getragen und steht vom Nacken ab. Ein nackenfolgender Kamm wie bei anderen rosenkämmigen Rassen würde als grober Fehler angesehen. Die Schweizerhühner zeigen einen kurzen, hornfarbigen Schnabel, mit dem sie in der Wiese eifrig nach Futter suchen. Die Läufe mit den vier Zehen sind weiss bis hellhornfarbig und dürfen auf der Seite einen rötlichen Streifen zeigen. Das Federkleid der Schweizerhühner ist weiss mit einem dichten Untergefieder. In der Bewertung würde ein gelber Anflug im Gefieder mit einem Punkteabzug vermerkt, genauso wie bei einer kurzen oder hohlen Rückenlinie oder einer abfallenden Schwanzhaltung.
Zwerge werden beliebter
Die Verbreitung der Schweizerhühner schwankt stark. Seit 1932 waren sie stets an der Nationalen Geflügelschau ausgestellt. Ein genauer Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass 1949 mit 181 Tieren am meisten Rassenvertreter teilnahmen. Die Vertretung in den letzten Jahren lässt sich ebenfalls sehen. So waren 2014 deren 18 Tiere mit von der Partie. Dafür verantwortlich ist der Klub der Appenzeller- und Schweizerhuhn-Züchter. Die Mitglieder tragen Sorge zur Weiterzucht nach dem Beschrieb im Standard und den Erschaffern der Rasse. In der Schweiz gibt es noch weitere Liebhaber der Rasse, die jedoch ihren Schwerpunkt weniger auf den Standard, sondern vor allem auf die Vermehrung legen.
Als kleine Ausgabe der Schweizerhühner existiert seit 1946 die Zwergrasse. In den Rassemerkmalen entsprechen die Zwerg-Schweizerhühner ihren grossen Brüdern mit dem gestreckten Körper und dem rot-weissen Farbbild. Zur Verbesserung der Zucht wurden in der Vergangenheit auch schon weisse Zwerg-Rheinländer eingekreuzt, die mit ihrer waagrechten Form den Schweizerhühnern ähnlich sind. Doch als negative Mitbringsel vererben sich die dunkleren Läufe, die dunkelbraunen Augen und der nackenfolgende Kammdorn, was eine mehrjährige züchterische Tätigkeit voraussetzt. An den Nationalen Geflügelschauen hatte die Zwergrasse besonders in den 1980er-Jahren sowie in den letzten zehn Jahren einen grossen Liebhaberkreis. An der Nationalen 2008 in Basel hatte die Zwergrasse ihren Höhepunkt und war insgesamt mit 39 Tieren vertreten.
In der Schweiz als Rasse ebenfalls anerkannt ist das französische Charollaise-Huhn, das nur einmal an einer Geflügelausstellung gezeigt wurde. Es ist ebenfalls ein weiss gefiedertes Huhn mit einem Rosenkamm, der jedoch dem Nacken folgt und nicht absteht. Die Tiere sind ähnlich von der Gewichtsklasse und tragen den Körper waagrecht mit einem langen Rücken. Über die Verwandtschaft mit den Schweizerhühnern konnte nichts ausgemacht werden.
Ganz anders sieht dies beim Deutschen Reichshuhn aus. Es ist ähnlich in der Postur wie das Schweizerhuhn und soll 1907 entstanden sein. Es ist ein frühreifes und wetterhartes Zwiehuhn mit guter Legeleistung und feinfasrigem Fleisch. Das Deutsche Reichshuhn gibt es heute in neun verschiedenen Farbenschlägen. Die Weissen sind den Schweizerhühnern sehr ähnlich. Einzig der fein geperlte Rosenkamm folgt der Nackenlinie und ist nicht abstehend wie bei den Schweizerhühnern.
Mögliche Verwandte in Deutschland
Noch spannender wird ein Blick in das Buch «Deutsche Reichshühner» von Fritz Hirn aus dem Selbstverlag. In einem Abschnitt werden die beiden Rassen miteinander verglichen. So soll es vor mehr als hundert Jahren in Amriswil einen A. Weiss gegeben haben, der ein umfangreiches Buch über das Reichshuhn herausgegeben hat. Durch Streitereien und wohl auch wegen dem Ersten Weltkrieg waren die «Reichshühner» verpönt, weshalb dann «Schweizerhühner» entstanden sind. In der Versammlung vom 5. Februar 1922 soll der ehemalige Verein der Reichshühner in jenen der Schweizerhühner umgewandelt worden sein.
Die vollständigen Akten zur Geschichte der Hühner fehlen, doch das Bild von einem W. Weiss aus 1926 zeigt Hühner, die den Reichshühnern und Schweizerhühnern ähnlich sehen. Glaubt man dem Schweizerischen Standard sowie auch den Ausführungen von Fritz Hirn, müssten das auf dem Bild Schweizerhühner sein. Verwirrend hingegen ist, dass auf dem Bild fünf Farbenschläge gezeigt werden, die es heute noch beim Reichshuhn gibt, während beim Schweizerhuhn jedoch nur Tiere mit weissem Gefieder gezüchtet werden. Fest steht auch, dass im neuen Schweizerischen Einheitsstandard vom Februar 1922 die Schweizerhühner als eigenständige Rasse aufgeführt sind mit dem Hinweis, dass der Kammdorn vom Kopfe abstehend ist. Die heute noch vorhandenen Unterlagen zeigen kein vollständiges Bild der Geschichte – ausser eine Leserin oder ein Leser könnte hier mit Archivmaterial noch Licht ins Dunkel bringen.