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Santería
Die Santería entstand im 17. Jahrhundert in Kuba. Durch den Sklavenhandel wurde eine Vielzahl von Menschen vom afrikanischen Kontinent nach Kuba verschleppt. Dabei befanden sich in den letzten Sklavenverschiffungen vor allem Angehörige der Yoruba, einem Volk aus dem heutigen Nigeria.
Den Sklaven war es verboten, ihre eigene Kultur offen auszuüben. Die katholische Kirche führte in Kuba Bruderschaften ein, wo Heilige verehrt wurden, mit dem Ziel die Sklaven zu missionieren. Da die Bruderschaften nach Ethnien getrennt wurden, boten diese die Angelegenheit zu gemeinschaftlichem Austausch und dem versteckten Praktizieren von Ritualen aus der Heimat. Da die Yoruba ein Pantheon an Gottheiten verehren, fiel es leicht, diese Gottheiten jeweils mit einer katholischen Heiligenfigur zu identifizieren. So machten die Bruderschaften immer den Anschein, katholisch zu sein, was aber nicht der Wahrheit entsprach. Allmählich fand so eine Verschmelzung zwischen der Kultur und Religion der Yoruba und dem Katholizismus statt.
Durch die Auswanderungswelle aufgrund der kubanischen Revolution im Jahr 1959, wurde die Santería nach Nordamerika, Puerto Rico und Venezuela gebracht.
Die Santería verfügt über keine kanonisierten Schriften, sondern beruht auf weitgehend geheimen und mündlich überlieferten Mythen. Sie kennt keine dichotome Unterscheidung zwischen Gut und Böse, teilt aber den Kosmos in zwei sichtbare und unsichtbare Hälften, welche durch Ashé in Balance gehalten werden müssen.
Olódumaré: Olódumaré ist die oberste Gottheit der Santería. Er ist der Schöpfungsgott und allmächtig. Seine Macht ist so gross, dass er weit von den Menschen entfernt ist und weder direkt angebetet noch inkorporiert werden kann. Es kann jedoch mit einem Teilaspekt von Olódumaré, unter dem Namen Olofi bekannt, in Kontakt getreten werden.
Ashé: Ashé ist eine abstrakte Kraft oder Energie, die in allen Dingen und Wesen steckt. Sie kann zu- und abnehmen, wobei das Ziel eine Akkumulierung ist und zu wenig Ashé zu einem Ungleichgewicht führt. Der allmächtige Gott Olódumaré hat Ashé geschöpft.
Orichas: Die Orichas dienen als Vermittler zwischen den Gläubigen und dem erreichbaren Teilaspekt des allmächtigen Gott Olódumaré Olofi. Sie sind Geistwesen, denen verschiedene Eigenschaften, wie Lieblingsspeisen, Rhythmen, Pflanzen oder Farben, zugeordnet sind. In der Santería zählen etwa 20 Orichas zum Kernbereich und sieben davon können inkorporiert werden.
Orakel:
Das Orakel kann durch Babalaos (Priester, die dem Oricha Orula geweiht sind und sich in jahrelangem Studium des Orakels ausgebildet haben) durchgeführt werden. So werden beispielsweise Probleme des Alltags gelöst oder Befragungen zu Krankheiten oder bösen Zaubern gemacht. Es existieren drei Formen des Orakels die unterschiedlichen Zwecken dienen und einen anderen Grad an Schwierigkeit aufweisen.
Ifá-Orakel: Das Ifá-Orakel kann lediglich durch Babalaos (Priester, die dem Oricha Orula geweiht sind) durchgeführt werden, da es einen langjährigen Lernprozess voraussetzt. Durch das Verwenden von 16 Samenkernen oder Nüssen entstehen Strichkonstellationen die anschliessend interpretiert werden. Insgesamt gibt es 4096 mögliche Kombinationen.
Diloggún-Orakel: Beim Diloggún-Orakel werden Kaurischnecken geworfen. Die Aussage des Orakels hängt davon ab, wie die Öffnung der Schnecke landet.
Obbi-/Biagué-Ritual: Dieses Ritual ist weniger ein Orakel, als eine alltägliche Befragung der Orichas und wird daher am meisten verwendet. Dabei wird durch die Kokosnussbefragung über die Art und Ort von Opferritualen oder über die Zufriedenheit der Orichas nachgefragt.
Opfergabe: Wie Menschen, brauchen Orichas Nahrung. Opfergaben können aber, neben Tier- oder Obstopfern, auch in Form von Kerzen oder reinigenden Bädern daherkommen. Durch das Orakel werden Anweisungen bezüglich Art, Menge, Ort und Zeitpunkt der Opfergabe entgegengenommen. Für die Orichas gilt ein von ihnen nicht gewolltes Opfer als extreme Beleidigung.
Trancetänze: Durch die Trance werden die Geistwesen gerufen. Dazu gehören die Orichas, wie auch verstorbene Vorfahren (espiritos). Der Mensch tanzt sich, begleitet durch Trommeln und Gesang, in Trance, bis die Geistwesen von ihm Besitz nehmen. Der Mensch übernimmt die Charakterzüge des Geistwesens und verlässt seine Alltagsidentität.
Initiationsritual:
Durch verschiedene Stufen von Initiationsritualen kann der Gläubige innerhalb der Hierarchie der Santería aufsteigen, da sein Wissen mit jeder Stufe wächst und sich der Glaube entsprechend intensiviert. Begleitet werden sie während der Rituale durch einen padrino (Paten) oder eine madrina (Patin), die selbst anerkannte santeros bzw. santeras (Priester bzw. Priesterin in der Santería) sein müssen.
Stufen:
- Elekes-Initiation: Bei dieser Initiation werden fünf Glasperlenketten verschiedener Farben vergeben. Jede Farbe entspricht einem anderem Oricha. Die vergebenen Ketten schützen so den Initiierten im jeweiligen Machtbereich des Orichas. In manchen Fällen reicht eine einzige Kette, um den Menschen zu schützen.
- Guerreros-Zeremonie: Hier werden die vier Krieger-Orichas empfangen, die den Initiierten vor Gefahren schützen.
- Santero/-a: Um Priester oder Priesterin der Santería zu werden, muss ein 3-tägiges Ritual durchlaufen werden, in welchem der Aspirant zuerst einen symbolischen Tod stirbt, als Santero oder Santera neu geboren wird und anschliessend durch einen Oricha besessen wird. Danach bleibt der Gläubige ein Jahr Novize, in welchem einige Tabus herrschen.
- Babalao: Ein Babaloa ist ein Hohepriester. Dies gilt als höchstes Amt in der Santería und ist nur Männern vorbehalten. Die Initiation findet unter strengster Geheimhaltung statt.
Magie: Zaubereien werden durch die Santeros oder Santeras praktiziert. So existieren beispielsweise Zauberformeln für die Liebe oder den Gelderwerb. Die Orichas sind dabei die bestimmenden Wesen.