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In der reformierten Kirche der Schweiz kennt man den Namen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). Bonhoeffer war ein deutscher Pfarrer, Widerstandskämpfer und Märtyrer. Einen guten, kurzen Überblick über Bonhoeffers Leben bietet dieser Artikel aus der Spiegel-Online Kolumne einesTages.
Als Student habe ich mich sehr intensiv mit seinen Schriften beschäftigt. Ich habe ausser seiner Dissertation und seiner Habilitation alles gelesen, was von ihm verfügbar war. Dazu mehrere Biographien. Die grosse Biographie von Eberhard Bethge und kürzere Biographien (zB von Ferdinand Schlingensiepen) und Beiträge anderer Autoren. Die neue grosse Bonhoeffer-Biographie von Eric Metaxas habe ich noch nicht fertig. Ich habe mich über die Tippfehler genervt an den Stellen, wo deutsche Texte oder Namen von Kirchenliedern zitiert werden. Ihre deutsche Übersetzung bringt aber einer neuen Generation das Leben Bonhoeffers nahe.
Eine Zeitlang hätte ich völlig frei über sein Leben und seine Theologie einen Vortrag halten können. Doch eines hat mir gefehlt, und das ist mir erst fast zehn Jahre nach meinem Studium aufgefallen. Es fehlt – Berlin.
Berlin fehlt fast vollständig in Bonhoeffers Arbeit und in all den Texten, die Menschen über Bonhoeffer geschrieben haben. Fast. Denn seine Zeit mit den Konfirmanden am Wedding wird stets notiert. Meistens noch die Anekdote, dass er dafür gesorgt hat, dass jeder Konfirmand einen Anzug zur Konfirmation hatte, und dass die Konfirmation am gleichen Sonntag war, wie 1932 die Wahl des Reichspräsidenten. Trotzdem. Es fehlt das Berlin, wie ich es über andere Literatur kennengelernt habe.
Das Berlin mit seinen wüsten Seiten, wie es der Artikel „Berliner Nächte“ beschreibt. Im GEO-Epoche „Die Weimarer Republik“. Carl Zuckmayers Erinnerungen an Berlin. Das Berlin im Roman „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun, wo sich eine junge Frau immer am Rand des Hungers und der Prostitution durchschlägt. Kästners Berlin in seinem Roman „Fabian“ (neu herausgegeben unter dem Titel „Der Gang vor die Hunde“). Döblins Berlin in „Berlin Alexanderplatz“. Sebastian Haffners Erinnerungen 1914-1933, der analysiert, wie Weltkrieg und Inflation das 3. Reich vorbereiteten und wie der Rechtsstaat unterging. Die brutale Realität der Jungen im Roman „Blutsbrüder“ von Ernst Haffner.
Wie gehe ich damit um, dass dieses Berlin und das Leiden der Menschen bei den Theologen so selten vorkommt? Und beim Professoren-Sohn Bonhoeffer, der in der Weltwirtschaftskrise von den Eltern weite Reisen finaniert bekam?
Lesen Sie weiter bei „Bonhoeffer und Berlin Teil 2“