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Ein unermüdlicher Helfer
Wiler Tagblatt
12. Oktober 2010
von Silvan Meile
Der Wiler Pater Rolf Schönenberger kämpft seit 18 Jahren gegen Not und Armut im Osten Europas. Noch in diesem Jahr wird der 1500. Lastwagen-Transport mit Hilfsgütern den weiten Weg unter die Räder nehmen.
Pater Rolf aus Wil sagt, er fühle sich überall zu Hause, wo es Menschen gäbe und man helfen könne. Er ist in seinem Leben ein Helfer geworden, der sich unermüdlich für Völker im Elend einsetzt. Dort, wo Regierungen keine Rücksicht auf die Bevölkerung nähmen. Die Problematik, die er antrifft, sehe oftmals aus wie ein Fass ohne Boden. Es sei die göttliche Hilfe, die ihm die Kraft gebe, «den Wagen aus dem Sumpf zu ziehen».
Erfahrungen aus der Sowjetunion
Pater Rolf erzählt, dass er schon früh aus der Heiligen Schrift verstanden habe, dass ihn Gott in Russland einsetzen wolle. Er sah dies als seine Lebensaufgabe, «auch wenn ich lieber ein Land im Süden gehabt hätte», sagt er. 1984 reiste er zum ersten Mal in die damalige Sowjetunion, lernte Russisch und bereiste auch deutsche Dörfer in Sibirien und Kasachstan. Seither unternahm er jeden Sommer weitere Reisen in die Länder hinter dem Eisernen Vorhang. Meist fehlte ihm die Bewilligung, das Stadtzentrum von Moskau zu verlassen. Er reiste trotzdem, kleidete sich wie die lokale Bevölkerung und gab sich während Zugfahrten stumm, um nicht aufzufallen. «Aufgrund der unerlaubten Reisen wurde ich mehrmals verhaftet», erzählt der 57-Jährige.
Schönheiten und Schattenseiten
Auf diese Weise baute er sich in der Sowjetunion ein Netzwerk von Priestern und Kirchen auf. Im Versteckten nahm er im kommunistischen Land an Messen teil. 1990 wurde er angefragt, ob er nicht auch Pilgergruppen aus Westeuropa durch diese Länder führen wolle. Er willigte ein und zeigte diesen Leuten Sehenswürdigkeiten, die Schönheit der Kulturen, aber auch die Schattenseiten dieser Länder, Menschen in Not und Elend. «Die Teilnehmenden der Reise waren schockiert», erzählt Pater Rolf. Sie waren der Meinung, dass man diesen Leuten Hilfsgüter schicken sollte. So fuhr 1992 der erste Lastwagen mit Hilfsgütern nach Russland. 18 weitere folgten noch im selben Jahr. Mittlerweile sind es bald 1500 Fahrten, für die der Weg nach Osteuropa unter die Räder genommen wurde.
Nicht dem Geld nachrennen
«Ich wollte dem Volk in Russland helfen, aber nicht dem Geld nachrennen müssen», sagt der Geistliche rückblickend. «Ich habe immer die Mittel, dass es gerade reicht», erklärt er. Volle LKWs habe er gehabt, aber kein Geld, um loszufahren. Immer seien aber unverhofft Spendengelder eingetroffen, die den Transport ermöglichten. «Das habe ich oft erlebt, es sind keine Zufälle», so der Pater. Gott ziehe die Fäden und führe die Sache zum ZieL Er selbst habe keinen Lohn, «keinen Franken von niemandem», sagt er. Er hätte aber immer auf die Unterstützung seiner Eltern zählen können.
Zu Hause dort, wo es nötig ist
Auch mit 57 Jahren ist Pater Rolf noch immer unterwegs. Er macht mehrmals jährlich Touren durch Russland, die Ukraine und Rumänien, besucht Kinderheime, Invaliden- und Therapieheime, Spitäler, Schulen und Gefängnisse, wo sein Hilfswerk «Triumph des Herzens» humanitäre Hilfe leistet. Er ist ständig unterwegs und stellt auch den Kontakt zu Behörden und Kirchen her. «Ich fühle mich dort zu Hause, wo es Menschen gibt und man helfen kann», erklärt er. In den Menschen begegne er Gott.
Am eigenen Leibe erfahren
Doch während seines Engagements sei er auch schon mehrmals nur knapp dem Tod entronnen. Auf der Strasse in Kiew wurde er niedergeschlagen. Mit einem Schlagring wurde dermassen auf ihn eingeschlagen, dass er mehrere Knochenbrüche im Gesicht erlitt und mehrere Stunden bewusstlos auf dem Trottoir liegen blieb. Fast die Hälfte seines Blutes habe er verloren, bevor er in ein Spital gebracht wurde. Er hätte eine Versicherung gehabt, um in die Schweiz zu gelangen. Selbst die Fürstin von Liechtenstein anerbot sich ihm, den Transport nach Zürich zu bezahlen. «Sind wir zu wenig gut für Sie?», habe der Chefarzt des entsprechenden Spitals in Kiew gefragt. Pater Rolf konnte nicht Ja sagen und liess sich in einem Spital behandeln, das er selbst mit Hilfsgütern in Form von Betten unterstützte. Rechnung hätten sie ihm für die Operation und den zweimonatigen Spitalaufenthalt keine gestellt. Pater Rolf spendete aber 500 Dollar ans Spital. <<Als ich später den Operationssaal sah, sagte ich, dass bei uns in der Schweiz Schlachthöfe schöner aussehen», erzählt er. Und diese Zustände seien dort auch noch heute so. Er hat es nicht nur selber gesehen, sondern am eigenen Leib erfahren und setzt sein Leben weiterhin unermüdlich für die Hilfe im Osten ein.
«Triumph des Herzens»
«Triumph des Herzens» unterstützt seit über 16 Jahren ärmste Familien und Strassenkinder in osteuropäischen Ländern. Das Schweizer Hilfswerk unterhält Kindertagesstätten für die Betreuung von Kindern und leistet Sozialhilfe in Gemeinden und Pfarreien. Jedes Jahr werden über 100 Hilfsgütertransporte durchgeführt, um den täglichen Bedarf an notdürftige Familien und soziale Einrichtungen abzugeben.
In der Ukraine werden über 560 soziale Einrichtungen berücksichtigt, darunter 400 verschiedene Pfarreien und kirchliche Organisationen. In Russland werden rund 60 Kinderheime und Internate sowie soziale Institutionen, Pfarreien, Gefängnisse, Schulen und Spitäler unterstützt. In Litauen und Lettland sind es vor allem christliche Pfarreien und Kirchen. In Rumänien kommt die Hilfe verschiedenen Caritas-Einrichtungen sowie katholischen und orthodoxen Pfarreien und Gemeindezentren zugute.
Das Hilfswerk unterhält in Russland, der Ukraine und Rumänien insgesamt sieben Kindertagesstätten für die Betreuung sozial benachteiligter Kinder.