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Ärmer, schlechter ausgebildet, häufiger obdachlos: Schwarze Menschen sind in den USA in vielen Bereichen strukturell benachteiligt. Ein Überblick in Grafiken
Seit mehr als einer Woche gehen in den USA jeden Tag Tausende Menschen auf die Strasse, um gegen Rassismus zu demonstrieren. Dabei geht es nicht nur um den gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd, der erstickte, nachdem ein weisser Polizist minutenlang auf seinem Hals gekniet hatte. Die Wut auf das System ist eine grundsätzliche, denn rassistische Ungerechtigkeit zeigt sich in den Vereinigten Staaten nicht nur in Form von Polizeigewalt gegen Schwarze, sondern in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Daten belegen, wie sehr schwarze Menschen noch immer wirtschaftlich benachteiligt sind und diskriminiert werden.
So betrug beispielsweise das mittlere Haushaltseinkommen der schwarzen US-Bevölkerung im Jahr 2018, gemessen am Median, laut Zensus 41'361 Dollar. Es war damit das niedrigste von allen Bevölkerungsgruppen – die Statistik unterscheidet hier zwischen Schwarzen, Asiaten, Hispanics, also Menschen mit spanischsprachigen Wurzeln, und Weissen. Entscheidend ist, wie sich die Befragten selbst definieren, doch die Kategorien sind nicht ganz trennscharf. So können beispielsweise Hispanics auch als Weisse registriert sein.
Das mittlere Einkommen von Weissen – Hispanics herausgerechnet – war mit 70'642 Dollar deutlich höher als das der Schwarzen. Zwar unterscheidet der Zensus hier nicht nach Bildungsstand oder Berufen. Doch die Statistik zeigt, dass Schwarze in den USA auch eher schlechtere Abschlüsse haben als Weisse. Auch das dürfte strukturelle Gründe haben.
Weitere Daten bestätigen die Einkommensunterschiede. Die Arbeitsmarktstatistik zeigt, dass weisse Angestellte ab einem Alter von 16 Jahren einen mittleren Wochenlohn von 979 Dollar erhalten, schwarze Beschäftigte hingegen nur 775 Dollar. Und mehr als ein Fünftel der schwarzen Bevölkerung lebte zuletzt Daten des Zensusbüros zufolge unterhalb der Armutsgrenze. Bei den Weissen waren es deutlich weniger.
Noch deutlicher sind die Unterschiede bei den Vermögen. Einer Erhebung der US-Zentralbank Federal Reserve aus dem Jahr 2016 zufolge haben weisse Familien ein mittleres Vermögen von 171'000 Dollar angehäuft, schwarze Familien aber nur gut ein Zehntel davon, nämlich 17'600 Dollar. Vergleicht man die durchschnittlichen Vermögen statt des Medians, ändert das kaum etwas: Dann besitzen schwarze Familien nur 15 Prozent so viel wie die Weissen. In den vergangenen sieben Jahrzehnten sei es nicht gelungen, die Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen schwarzen und weissen Haushalten zu verringern, schreiben Forscher der Universität Bonn in einer Untersuchung.
Schwarze Menschen in den USA werden ausserdem häufiger arbeitslos. Im Jahr 2019 war die Arbeitslosenquote unter ihnen konstant etwa doppelt so hoch wie die unter Weissen – und die Corona-Krise verschärft die soziale Ungleichheit im Land noch. In den vergangenen Monaten sind die Arbeitslosenzahlen in den USA rasant gestiegen. Binnen zehn Wochen registrierten die Behörden mehr als 40 Millionen neue Arbeitslose, dazu kommt vermutlich noch eine Dunkelziffer von Menschen, die sich nicht melden.
Am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen sind schwarze Frauen. In einer Umfrage im Auftrag der Washington Post gaben 16 Prozent der schwarzen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, sie hätten im Zuge der Pandemie ihren Job verloren. Unter den weissen Befragten waren es nur elf Prozent.
Noch vor Beginn der Pandemie veröffentlichte die Regierung die Obdachlosenzahlen für das vergangene Jahr. Demnach waren 40 Prozent der rund 568'000 Menschen ohne festen Wohnsitz in den USA schwarz – obwohl der Anteil der schwarzen Bevölkerung insgesamt nur rund 13 Prozent beträgt.
In einer durchschnittlichen Nacht im Jahr 2019 waren von 10'000 schwarzen US-Amerikanern 55.2 Personen von Obdachlosigkeit betroffen, aber von 10'000 Weissen nur 11,5, wie die gemeinnützige Organisation National Alliance to End Homelessness errechnete. Dabei geht es längst nicht nur um Erwachsene: 55 Prozent der Familien mit Kindern, die 2019 in Obdachlosenunterkünften lebten, waren schwarz, aber nur 33.7 Prozent waren weiss.
Bildung kann ein Faktor sein, der es ermöglicht, aufzusteigen, mehr Geld zu verdienen und Vermögen aufzubauen. Schwarze Menschen haben jedoch häufig einen niedrigeren Abschluss als weisse. Viele verlassen das Bildungssystem eher nach der Highschool oder dem College. Einen Bachelor- oder höheren akademischen Abschluss erhalten Schwarze seltener als Weisse.
Auch das US-amerikanische Strafvollzugssystem steht immer wieder in der Kritik, rassistische Ungerechtigkeit widerzuspiegeln. Ein Blick auf die Häftlingsstatistik zeigt, warum: Schwarze Männer hatten nach Angaben des US-Justizministeriums im Jahr 2018 gegenüber weissen ein mehr als fünffach erhöhtes Risiko, verhaftet zu werden, bei den Frauen war es immerhin noch zweifach erhöht. Und dass, obwohl die Zahl der inhaftierten schwarzen US-Amerikaner seit 2008 um ein knappes Drittel gesunken ist. Der schwarzen Bürgerrechtsorganisation NAACP zufolge liegt das unter anderem daran, dass schwarze und weisse US-Amerikaner zwar mit etwa gleicher Häufigkeit drogenabhängig sind, Schwarze aber sechsmal häufiger deshalb verhaftet werden.
In den USA gebe es eine Pandemie innerhalb der Pandemie, heisst es in diesen Tagen oft. Gemeint ist damit, dass institutioneller Rassismus in der Corona-Krise besonders deutlich wird. Schwarze US-Amerikaner und US-Amerikanerinnen infizieren sich nicht nur häufiger, sondern sie sterben überproportional häufig an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Das zeigen etwa die Daten des unabhängigen Forschungsinstituts APM Research Lab, das Daten aus 40 Bundesstaaten und Washington D.C. ausgewertet hat. In manchen Bundesstaaten sind die Unterschiede besonders gravierend: In Kansas starben bis Ende Mai mehr als sechsmal so viele Schwarze wie Weisse an Covid-19, in New York waren es dreimal so viele.
Die Gründe vermuten Experten unter anderem darin, dass schwarze Menschen mit grösserer Wahrscheinlichkeit an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes leiden. Das wiederum hängt mit einem weiteren Risikofaktor zusammen: Sie haben oft schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung und sind mit einer beinahe doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit nicht krankenversichert.
Zudem stellt der Arbeitsplatz einen besonderen Risikofaktor für eine Ansteckung dar. Besonders viele schwarze US-Amerikaner arbeiten in systemrelevanten Berufen, die nicht von zu Hause ausgeübt werden können, etwa im öffentlichen Nahverkehr oder in der Pflege, in Supermärkten oder in der Gebäudereinigung. Laut aktuellen Zahlen des Center of Economic and Policy Research war mit 29.7 Prozent fast ein Drittel der schwarzen Arbeiterschicht in diesen sogenannten frontline industries tätig, aber mit 19.2 Prozent nur ein Fünftel der weissen Arbeiterinnen und Arbeiter. Schon vor Corona arbeiteten laut dem Amt für Arbeitsmarktstatistik rund 34 Millionen weisse US-Amerikanerinnen und Amerikaner in Jobs, in denen Homeoffice möglich war, aber nur 3 Millionen schwarze Menschen.
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