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Man würde vermuten, dass die Burger ihren Familiennamen vom Wohnort Burg bekommen haben. Dem ist aber überhaupt nicht so. Als sich der Stammvater des heutigen Geschlechtes vor mehr als 400 Jahren auf der Burg niederliess, brachte er den Namen bereits mit. Die Übereinstimmung von Familienname und Ortsname ist also ein eigenartiger Zufall.
Woher die Burger ihren Namen wirklich hatten, lässt sich kaum mehr ermitteln, da wir ihre Urheimat nicht kennen. Wir wissen aber, wo sie sich vor ihrem Auftauchen im Oberwynental aufhielten, nämlich auf dem Bözberg, am andern Ende des damals von Bern beherrschten Aargaus. Der erste seines Geschlechts war dort ein Bernhard Burger, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf dem Stalden als Knecht eine Stelle antrat. 1528 musste er in einer Streitangelegenheit als Zeuge vor Gericht erscheinen und erklärte dabei rückblickend, «vorm Schwitzer krieg heige er uff Stalden gedienet». Mit dem «Schweizerkrieg» meinte er das Ereignis von 1499, das in heutigen Geschichtsbüchern als Schwabenkrieg bezeichnet wird. Inzwischen war Bernhard längst nicht mehr Knecht, sondern bewirtschaftete, wie uns 1529 bezeugt wird, selber einen Bauernhof. Er befand sich in Bächle, dem östlichen Ortsteil der heutigen Gemeinde Oberbözberg, und schuldete dem Kloster Königsfelden einen jährlichen Zins von 3 Mütt Kernen. 1512 war noch ein anderer Bauer für den Zins aufgekommen, so dass also Burger den Hof etwa 1520 erworben haben dürfte.
Das junge Paar zog wahrscheinlich bald nach der Heirat auf den Burghof, der sich zu dieser Zeit im Besitz der Familie Hauri befand. Es war damals der einzige Bauernhof im Bereich der heutigen Gemeinde Burg. Er befand sich dort, wo der Weg zur Brugruine von der heutigen Dorfstrasse abzweigt. Das Gebäude an dieser geschichtsträchtigen Stelle (ein altes Vierfamilien-Haus) wurde leider vor wenigen Jahren dem Erdboden gleichgemacht. Martin Burger war nun Grossbauer, hätte aber seinem erlernten Beruf entsprechend gerne auch eine Mühle besessen. Auf der Burg fehlte die nötige Wasserkraft. Deshalb erwarb er eine Hofstatt in Menziken und bezahlte dem bernischen Staat die hohe Konzessionsgebühr von 500 Gulden. Er schaffte Holz und Steine auf den vorgesehenen Platz und verpflichtete Maurer und Zimmerleute. Doch als sein eigener Schwager, Müller und Untervogt Hans Hauri in Reinach, Opposition machte und keine Konkurrenz in nächster Nähe dulden wollte, musste Burger auf Grund eines bernischen Schiedsspruches den schon begonnen Bau gegen eine Entschädigung einstellen.
Der Misserfolg scheint Martin verbittert zu haben, so dass er sich in der Folge kaum mehr um Gebote kümmerte. Häufig musste er sich vor dem Reinacher Chorgericht und dem Lenzburger Landvogt verantworten, weil er schimpfte, fluchte, sich in Wirtshäusern ungebührlich benahm und obrigkeitliche Mandate übertrat. Als er in einer Angelegenheit Zeugen zu falschen Aussagen verleitete, landete er im Kerker auf der Lenzburg und wäre beinahe zum Tode verurteilt worden. Er wurde zwar begnadigt, hatte aber eine Busse von 500 Gulden zu bezahlen und durfte sich in keinem Wirtshaus mehr zeigen. Schon 1598 scheint er mit kaum 50 Jahren gestorben zu sein. Ein Leben, das sehr erfolgversprechend begonnen hatte, endete früh und unerfreulich.
Nicht zu Ende war aber die Geschichte der Familie Burger von Burg, ganz im Gegenteil. Drei Söhne und drei Töchter überlebten den Vater. Bei dessen Tod waren die meisten noch nicht erwachsen, später aber heirateten alle, und die drei Söhne Ruedi, Martin und Hans waren für eine zahlreiche Nachkommenschaft ihres Geschlechts besorgt. Einige Familien sind ihrer Heimat Burg bis heute treu geblieben. Am Ursprungsort Bözberg allerdings sind die Burger schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts wieder verschwunden.