Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/2066

Mit «Die Geschichte der Schweiz» erschien 2014 nach über dreissig Jahren ein neues Standardwerk zur Schweizer Geschichte. Sacha Zala, Direktor der Forschungsgruppe der Diplomatischen Dokumente der Schweiz, hat als Mitglied des Autor/innenkollektivs an der Entstehung des Sammelbandes mitgewirkt. Aus seiner Feder stammt das Kapitel über die erste Hälfte des 20. Jahrhundert unter dem Titel «Krisen, Konfrontation, Konsens (1914-1949)». Darin schöpft er auch aus dem reichen Quellenfundus an Dodis-Dokumenten zur bewegten Zeit der Weltkriege.
Abstract:
Wirtschaftskrisen, politische Konfrontationen im Inneren sowie gegen aussen und ein aus dieser Ausgangslage entwickelter gesellschaftlicher Konsens prägten die Schweiz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die beiden Weltkriege setzten zwar markante Zäsuren, wurden jedoch von Entwicklungen überlagert, die bezüglich der politischen und ökonomischen Strukturen einige Kontinuitäten zur vorhergehenden Epoche und zur Nachkriegszeit sichtbar machten. Die ungebrochene technische Innovationskraft wirkte sich zunehmend auf alle Bereiche des menschlichen Lebens aus. Der bedeutendste Schritt auf dem Weg zur Konkordanz wurde durch die Integration der Arbeiterschaft in das politische System vollzogen; hingegen scheiterte die politische Gleichberechtigung der Frauen. Die aussenpolitische Orientierung bewegte sich deutlich weg von Frankreich und via Italien hin zu Deutschland. Dieser Prozess verlief nicht ohne innenpolitische Auseinandersetzungen, die sich schon während des Ersten Weltkrieges zwischen den sprachlich geteilten Landesteilen heftig entluden. Mit der Politik der Geistigen Landesverteidigung gelang es, die Kohäsion des Landes gegen innen zu stärken und den faschistischen, nationalsozialistischen und kommunistischen Gesellschaftsentwürfen und Machtansprüchen entgegenzutreten. Diese Politik ging jedoch mit gesellschaftlichen Ausschliessungstendenzen einher. In der Darstellung wird den Krisen und aussenpolitischen Herausforderungen des Zeitraumes besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die jüngeren Forschungen zu Wirtschafts- und Finanzbeziehungen sowie zu Fragen der Sozial- und Geschlechtergeschichte erlauben es, das diese Epoche bislang dominierende Narrativ der Neutralität zu überwinden.