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Das Zentrum der Arlesheimer Kapitelresidenz bildet der grosszügige «Residenzplatz» vor der Domfassade: Sein Anblick hat sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nur geringfügig verändert. Mit «Residenzplatz» bezeichnete man jedoch damals nicht nur den heutigen Domplatz, sondern auch das gesamte Areal neben dem Dorf Arlesheim, das der Jurisdiktion des Domkapitels unterstand.
Mit dem Bau der Arlesheimer Anlage verfügte das Domkapitel erstmals seit der Flucht aus Basel 1529 über herrschaftliche, individuelle Hofhaltungen, die die Domherren in der Reihenfolge ihrer ersten Possess beanspruchen und bewohnen durften. Nur kleinere Unterhaltsarbeiten hatten sie aus eigenen Mitteln zu bestreiten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es elf Kapitularbehausungen.
Ein grosses Gebäude (Nr. Plan 2), das «Osteinische Schlösschen», stand bereits vor der Niederlassung des Domkapitels in Arlesheim. In diesem Gebäude, später «Blauer Hof» genannt, wurden die Versammlungsräume des Kapitels eingerichtet; ein grösserer Sommer- und ein kleinerer, heizbarer Winter-Kapitelsaal. Gleichzeitig war der «Blaue Hof» auch ein Domherrenhaus. Der «Blaue Hof» wurde insofern bestimmend für die gesamte Anlage, als die Hauptachse des Domes auf seine Hauptfassade ausgerichtet wurde, und zugunsten dieses Bezuges verzichtete man auf die Ostung des Domes: Sein Chor ist nach Südosten orientiert. Der «Blaue Hof» mit Archiv und Nebengebäuden wurde 1820/1821 abgebrochen. Seine genaue Lage und seine Grösse sind daher unbekannt; diverse Ansichten jedoch lassen erkennen, dass er das grösste Wohngebäude des Domkapitels war. Erhalten geblieben sind lediglich die steinernen Torpfosten, die in das Hofareal und zur Hauptfassade führten; sie lassen noch heute die Ausrichtung des Domchores auf das verschwundene Gebäude erkennen.
Ein weiterer Domherrenhof, genannt das «Klösterlein» (Plan Nr 3), schloss von Nordosten her an das Areal des «Blauen Hofes» an; hier befinden sich heute die Gebäude des Kinderheimes «Sonnenhof», und die ursprüngliche Gestalt der Gebäude ist kaum mehr zu erkennen.
Acht Domherrenhäuser in vier Doppelhäusern ( Plan Nr 4-11) flankieren den grossen Platz vor dem Dom; sie wurden alle innerhalb des Jahrzehnts nach der Niederlassung des Domkapitels in Arlesheim errichtet. In einigen von ihnen sind Teile der ursprünglichen Ausstattung erhalten geblieben; die zahlreichen Nebengebäude um ihre Hinterhöfe, die Stallungen, Wagenremisen, Fruchtschütten, Brennholzlager, Waschhäuser und Bedientenwohnungen umfassten, sind hingegen fast vollständig verschwunden. Das Haus unmittelbar rechts der Domfassade (Plan Nr. 4) ) heute «Domhof» genannt, Domplatz Nr. 12) war lange Zeit Wohnung und Amtssitz des Syndicus (der oberste Beamte des Domkapitels)und wurde erst 1780 zum Domherrenhaus
Die Zahl der Kapitularbehausungen wurde 1748 durch den Ankauf der «Haußischen Behausung» (Plan Nr. 13) vermehrt.
Etwas abseits, nordwestlich des heutigen Domplatzes, hatte der wohlhabende Weihbischof Johann Christoph Haus ein grosses Haus errichtet, das sein Bruder und Nachfolger als Weihbischof, Johann Baptist Haus, übernahm. Nach dessen Tod verkaufte es die Familie Haus an das Domkapitel, das es sogleich zur ordentlichen Kapitularbehausung machte. Das Haus ist mit seinen Nebengebäuden erhalten geblieben (Domstrasse 2) – im 19. Jahrhundert um ein Stockwerk erhöht.
Ebenfalls etwas unterhalb des Platzes (Plan Nr. 14) heute Domstrasse 3, gegenüber dem Schulhaus) hatte das Kapitel das «neue Schaffneihaus» als Amtswohnung des Hofschaffners errichtet. Seit 1751 wurde es von Domherren bewohnt, die noch keine ordentliche Kapitularbehausung beziehen konnten.
Gegenüber der «Haußischen Behausung» hatte Kaplan Franz Leopold Berger 1761 mit Bewilligung des Domkapitels ein Grundstück zur Errichtung eines Wohnhauses erworben (Plan Nr. 15) heute Domstrasse 1). Als er 1775 zum Beichtvater des neuerwählten Fürstbischofs Friedrich Ludwig von Wangen ernannt wurde und seine Kaplanei aufgab, verkaufte er sein Haus an das Domkapitel, das es an Domherren vermietete, die ebenfalls noch nicht mit einem ordentlichen Domherrenhaus versehen waren.
Ebenso zeitweise an Domherren vermietet war das «alte Schaffneihaus» am Dorfbach (heute Eremitagestrasse).
Die Gebäude der kleinteiligen Überbauung links des Domes (im Zwischenbereich der heutigen Kirchgasse und der Oberen Gasse) wurden im 18. Jahrhundert die Häuser der «Schutzverwandten» oder «schutzverwandte Häuser» genannt (Plan Nr. 18). Das Areal war der Jurisdiktion des Domkapitels unterstellt, die Häuser jedoch gehörten Privaten. Handänderungen und Niederlassung bedurften der Bewilligung des Domkapitels. Verschiedentlich waren Kapläne Besitzer dieser Häuser. Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts kaufte das Domkapitel einzelne davon an und vermietete sie an Kapläne.
Das herrschaftliche Haus links des Domes, in dem heute das Statthalteramt untergebracht ist (Plan Nr. 17) heute Kirchgasse 5), gehörte nie dem Domkapitel. Domherr Franz Xaver von Schnorf hatte es vor seiner zweiten Possess 1762 erbauen lassen und dieses sein Privathaus auch nicht verlassen, als er eine ordentliche Kapitularbehausung beanspruchen konnte. Als er 1786 sein Kanonikat zugunsten seines Neffen Franz Xaver von Maler aufgab, schenkte er diesem auch sein Arlesheimer Haus. Als Wohnung zweier Domherren war auch dieses Privatgebäude der Jurisdiktion des Domkapitels unterstellt.
Rechts des Domes befand sich ein grosses Magazingebäude des Domkapitels (Plan Nr. 16), in dem vor allem Baumaterialien gelagert waren (etwa ein Drittel seiner Grundfläche ist heute vom Haus Domplatz Nr. 14 überbaut). 1781 wurde es nachträglich unterkellert und der neue Keller zur Lagerung der Weine des Domkapitels bestimmt.
Die der Domfassade gegenüberliegende Schmalseite des heutigen Domplatzes war von dem am Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochenen Wachhaus abgeschlossen, das 1760 ein Obergeschoss zur Logierung des Kapitelsboten erhielt (Plan Nr. 12).
Dieser ursprüngliche architektonische Abschluss des Platzes lässt sich heute noch durch den gegenüber seiner Achse verschobenen und schrägen Verlauf des Hauptzuganges von Nordwesten her (heute Domstrasse) erahnen. Der Wachtmeister hatte die Nachtwache auf dem Platz zu halten, die Stunden auszurufen und wurde für diverse kleinere Dienstleistungen herangezogen.
An ihrer nördöstlichen Längsseite schloss die Residenz dicht an die kleinteiligeren Parzellen des Dorfes Arlesheim an, während sie sonst von Grünflächen umgeben war. Wie zeitgenössische Ansichten zeigen, befanden sich dicht um die Residenz mehrere prachtvolle Gartenanlagen – aufwendig angelegte und mit Mauern umgebene Ziergärten, teils mit Springbrunnen versehen. Von der Einbindung dieser Gartenanlagen in das soziale Leben der Domherren zeugen zahlreiche Gartenhäuschen und -pavillons. Die im Unterhalt kostspieligen Gärten sind schon kurz nach dem Verkauf durch den französischen Staat verschwunden. Der letzte Überrest ist heute der Gartenpavillon mit seinem aufwendig ausstuckierten Obergeschoss südlich des Domchores (Plan Nr. 19).