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Fussball: Eine Würdigung
Fussball schreibt viele Geschichten, Geschichten der Freude und Geschichten des Leids, Geschichten von grossen Siegen und schmählichen Niederlagen. Immer mehr schreibt Fussball aber auch eine Geschichte der Integration. Seit rund zwanzig Jahren engagieren sich in den europäischen Fussballclubs immer wieder Privatpersonen oder Vereine gegen Diskriminierung, Hass und Rassismus. Zusammen haben sie verschiedene gesamteuropäische Netzwerke geschaffen, welche sich dafür einsetzen, dass im europäischen Fussball Fremdenfeindlichkeit keinen Platz hat. Viele dieser Projekte werden von der EU finanziell unterstützt und könnten ohne diese finanziellen Hilfen kaum bestehen.
In England begann alles mit einer Initiative von Howard Holmes, einem Fan des Fussballclubs Sheffield United F.C. Er gründete 1995 die Vereinigung Football Unites, Racism Divides (FURD) und setzte sich fortan für den Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung ein. Die Arbeit von FURD wird beispielsweise im Jahresreport vom Jahr 2000 wie folgt beschrieben:
«Mittels erzieherischer Arbeit in Schulen und Jugendgruppen, mit Strassenaktivitäten (…) ebenso wie mit den Fussballprogrammen der Millenium Volunteers, von Sharrow United und den Somali Blades für junge Menschen, aber auch indem wir Flüchtlingen die Möglichkeit geben, sich in den Gemeinden zu engagieren, zeigt das Projekt von FURD, wie man die unterschiedlichen, sich aber dennoch ähnelnden Probleme der sozialen Exklusion überwinden kann.» [1]
Für Holmes und seine Mitarbeitenden bei FURD ist Fussball ein Spiel, das Menschen zusammenbringt, das hingegen von einigen Wenigen zur Verbreitung von rassistischen und fremdenfeindlichen Parolen verwendet wird. Dort setzen die Aktivisten von FURD an: Sie wollen gewährleisten, dass
«Menschen ohne Angst vor rassistischen Übergriffen und Schikanierung (sowohl in mündlicher als auch in physischer Form), Fussball spielen oder schauen können.»[2]
Bereits im Jahr 1996, ein Jahr nach der Gründung von FURD, begrüsst die Europäischen Kommission unter der Leitung des Luxemburgers Jacques Santer ein Gesuch um finanzielle Unterstützung des Projektes und gewährt FURD für ein Jahr lang einen finanziellen Zustupf. Dieser Beitrag wird schliesslich im folgenden Jahr um ein weiteres Jahr verlängert und ermöglicht FURD den Aufbau einer professionellen Organisationsstruktur[3]. Im Jahr 1999 ermuntert die Europäische Kommission schliesslich die Aktivisten von FURD, allen voran Howard Holmes, zur Gründung der Dachorganisation Fare, die sich europaweit gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, und für die soziale Integration im Fussball einsetzt. Für die Fussballenthusiasten bei Fare ist Fussball ein Spiel, dass über eine integrierende Kraft verfügt.
«Fare hat sich dazu verpflichtet, Diskriminierung durch die integrative Kraft des Fußballs zu bekämpfen. Die Möglichkeit der Inklusion durch Fußball basiert darauf, dass Fußball als beliebteste Sportart der Welt uns allen gehört und somit den Zusammenhalt in der gesamten Gesellschaft fördern kann.»[4]
Fare war schliesslich massgeblich an einer Resolution gegen Rassismus in den europäischen Fussballarenen beteiligt, über welche das Europäische Parlament am 14. März 2006 beriet und welche schliesslich angenommen wurde [5]. Das Europäische Parlament begrüsst dort
«die ausgezeichnete Arbeit, die Organisationen einschließlich der UEFA und des Netzwerks „Football against Racism in Europe“ (FARE) bei der Bekämpfung dieser Probleme geleistet haben» [6]
und fordert alle Beteiligten – Fussballspieler, Schiedsrichter, Fans, Vereine, Ligen etc. – auf, sich regelmässig gegen Rassismus auszusprechen und Diskriminierung im Bereich des Fussballs zu unterbinden.
Eine weitere Organisation, in welcher sich Fussballbegeisterte gegen Diskriminierung und Gewalt in Fussballstadien einsetzen, sind die Football Supporters Europe FSE, eine Vereinigung von Fussballfans aus bislang 48 Ländern. Die Vereinigung bringt jeweils an Grossanlässen wie den Spielen der Champions League oder während Europameisterschaften die sogenannte Fanbotschaft heraus, eine Botschaft, in der aktuelle Vorkommnisse, etwa Gewalt oder Rassismus aufgelistet und scharf kritisiert werden. Die FSE haben auch während der derzeit stattfindenden Fussballeuropameisterschaft in Frankreich eine Fanbotschaft herausgegeben. Darin distanzieren sich die Fussballfans von der Gewalt, welche zwischen englischen und russischen Fans ausgeübt wurde, hier beispielsweise die Supporter aus Russland:
«Das Team der russischen Fanbotschaft möchte seine Bestürzung über die Krawalle in Marseille ausdrücken, an denen auch russische Fans beteiligt waren. (…) Mit unserer Arbeit möchten wir allen Fans beider Mannschaften helfen, gegenseitigen Respekt fördern und zu einer fröhlichen Atmosphäre während des Turniers beitragen.»[7]
Ohne die finanzielle Mithilfe der EU wären viele dieser hier vorgestellten Projekte gegen Diskriminierung im Bereich des Fussballs nicht realisiert worden. Doch die EU fokussiert mit ihren Unterstützungen für die Prävention von Gewalt und Rassismus nicht nur auf den Fussball, sondern verfolgt einen ganzheitlichen Zugang der alle Sportarten miteinschliesst. So werden dieses Jahr beispielsweise Projekte wie JoinIn! in Holland, ein Projekt zur Förderung der physischen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund[8], oder von Mimosa, einem italienischen Programm zur Integration von MigrantInnen mittels sportlicher Betätigung[9] von der EU mitfinanziert. Für die EU ist heute klar, dass der Sport eine gute Möglichkeit bietet, Minderheiten besser in die Gesellschaft einzugliedern.
«Für die EU ist die soziale Inklusion eine der wichtigsten Prioritäten im Bereich des Sports. Die Werte im Sport, etwa Chancengleichheit und Fairplay, sind auch europäische Werte. Indem der Sport Menschen zusammenbringt, Gemeinschaften fördert und aktiv gegen Xenophobie und Rassismus vorgeht, hat der Sport das Potential, eine wichtige Stütze für die Integration von Migranten in die EU zu sein.»[10]
Hätte nicht im nordenglischen Sheffield ein einzelner Fussballfan mit viel Tatkraft und mithilfe von lokalen Organisationen angefangen, Rassismus und Gewalt in seinem Lieblingsstadion, der Bramall Lane – sagenumwobene Heimat des Sheffield United F.C. –, zu verurteilen und aktiv zu bekämpfen, wer weiss, ob die EU heute in der Förderung des Sports als ein Mittel zur Integration und Inklusion von Minderheiten eine derart entscheidende Rolle sehen würde. So, und ich geh jetzt den Match England – Wales schauen.
[1] FURD, Annual Report 2000-2001, Internetseite, http://www.furd.org/resources/p%201-11.pdf, Zugriff am 16.06.2016, S. 3, Übersetzung Felix Brun.
[1] Ebd., S. 5.
[1] Ebd.
[1] Network Fare, (Deutsch) Über Fare, Internetseite, http://www.farenet.org/about-fare/german/, Zugriff am 16.06.2016.
[1] Siehe Europäisches Parlament, Bekämpfung von Rassismus im Fussball, Angenommene Texte, Dienstag, 14. März 2006 – Strassburg, Internetseite, http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P6-TA-2006-0080+0+DOC+XML+V0//DE, Zugriff am 16.06.2016.
[1] Ebd.
[1] Football Supporters Europe, Fanbotschaft Russland, Internetseite, http://www.fanseurope.org/de/news-2/news-2/1404-violence-in-marseille-at-uefa-euro-2016-statements-from-fans-embassy-england-fans-embassy-russia-ger.html, Zugriff am 16.06.2016.
[1] Siehe: JoinIn!, Netherlands Institute for Sport & Physical Activity, Internetseite, http://international.nisb.nl/activities/2%20, Zugriff am 16.06.2016.
[1] Siehe: Migrant’s Inclusion Model through Sport for All MIMoSA, Internetseite, http://www.mimosaproject.net/?p=192, Zugriff am 16.06.2016.
[1] Europäische Kommission, Sport, Supporting fair play and cooperation in sport, Sport and Migrants, Internetseite, http://ec.europa.eu/sport/policy/societal_role/migration_en.htm, Zugriff am 16.06.2016, Übersetzung Felix Brun.