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Externe Berichte, auf die eine von Lonza angestellte Historikerin gestossen war, beschrieben nur einzelne schwere Fälle, erklärte Rémi Luttenbacher, Leiter Umweltprojekte von Lonza, am Samstag auf Anfrage. Er bestätigte damit Meldungen in mehreren Westschweizer Medien sowie dem "Walliser Boten".
Die Lonza-Mitarbeiter seien damals periodisch untersucht worden und hätten "begleitende Massnahmen" erhalten: Dazu gehörten "die kontrollierte Abgabe von Milch", das "Waschen der Arbeitskleider durch den Arbeitgeber" und "Zusatzferien". Gemäss den historischen Berichten ergriff Lonza ausserdem Massnahmen, um den Kontakt der Mitarbeiter mit Quecksilber zu minimieren und die Anlagen zu optimieren.
Lonza habe die Fälle in Zusammenarbeit mit den Versicherern abgeklärt. Sei eine Krankheit als Berufskrankheit anerkannt worden, hätten die Betroffenen eine entsprechende Rente erhalten. Die letzten Angestellten mit einer anerkannten Berufskrankheit seien 2001 und 2002 im Alter von 87 respektive 92 Jahren verstorben. Ihr Tod habe aber nichts mit der Quecksilbervergiftung zu tun gehabt, schrieb Luttenbacher in seiner Stellungnahme.
Publikation erstritten
Quecksilber aus dem Lonza-Werk hatte zwischen 1930 und 1970 auch den Grossgrundkanal mit industriellen Abwässern belastet. Erst Ende letzten Jahres einigten sich die Lonza AG und der Kanton Wallis auf einen Schlüssel für die Kostenübernahmen der Bodensanierungen.
Gemäss "Walliser Bote" hielt der Kanton Wallis den historischen Bericht lange Zeit unter Verschluss. Die Publikation sei vom Westschweizer Fernsehen RTS erst über den Rechtsweg erstritten worden.
Sie seien "schockiert" darüber, dass der Kanton Wallis seit über 40 Jahren von den Quecksilbervergiftungen gewusst aber die Bevölkerung nie informiert habe, teilte Walliser Sektion der Grünen am Samstag mit. Die Behörden hätten die wirtschaftlichen Interessen von Lonza höher gewichtet als die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger.
Staatsrat will prüfen
Die Grünen fordern nun, dass eine umfassende Studie von einer unabhängigen Institution zu den Vergiftungen angefertigt wird. Die bereits 2016 an der Universität Zürich in Auftrag gegebene Studie sei vollkommen unzureichend.
Auch der Walliser SVP gehen die bisherigen Analysen nicht weit genug. Sowohl die Anzahl der untersuchten Personen als auch der Umfang des Gebiets sei nicht ausreichend. Die Partei fordert ausserdem den Kanton dazu auf, sich bei den Angehörigen zu entschuldigen.
Der Walliser Staatsrat Jacques Melly (CVP) sagte gegenüber dem Fernsehen RTS, dass die Fälle "wahrscheinlich" schon damals bekannt gewesen seien. Der für die Umwelt zuständige Regierungsrat fügte in Richtung von SVP und den Grünen an: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man heute noch solche Forderungen stellen kann". Er sei jedoch bereit sie zu prüfen.
(AWP)