Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/780

Die Schifflände stellt einen zum Rhein hin offenen Platz zwischen der Mittleren Brücke und dem Beginn des Blumenrains dar. Seine Gestalt geht auf mehrere Veränderungen des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts zurück, zu dem eine vollständige Neubebauung der Platzränder sowie eine erhebliche Aufschüttung des Terrains gehörten. Der Platz erhielt erst relativ spät einen eigenen Namen. Für die Liegenschaften genügten im Mittelalter Ortsbezeichnungen wie "Bei dem Rheintor", "Bei der Rheinbrücke" oder "Bei dem Zunfthaus der Schiffleute". Die Bezeichnung "Schifflände" erscheint erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wurde zunehmend geläufig und 1861 amtlich zum Platznamen erklärt.
Die Schaffung einer Schiffsanlegestelle wurde durch die Topografie an dieser Stelle begünstigt: die Hangkante des Rheinufers senkte sich in der Nähe der Birsigmündung erheblich. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Basler Rheinschifffahrt schriftlich bezeugt; in Basel wurden die aus dem Oberland ankommenden Waren auf grosse Lastkähne für die Talfahrt nach Strassburg und zum Niederrhein umgeladen. Im späten Mittelalter wurde der kurze Uferabschnitt neben der Rheinbrücke deutlich von zwei Turmbauten eingerahmt: links vom Rheintor und rechts von dem so genannten Salzturm mit angebautem Salzhaus.
An der Anlegestelle stand das Zunfthaus zu Schiffleuten; die Doppelzunft der Schiffleute und Fischer war 1354 vom Bischof eingerichtet worden, den Schiffleuten genehmigte der Rat 1402 den Bau eines Hauses am Rhein. 1533 musste das Gebäude nach einem Brand neu errichtet werden. Im Norden des zweigeschossigen Zunfthauses zeigt Merians Stadtansicht eine zinnenbewehrte Mauer, die das Zunfthaus über die Birsigmündung hinweg mit dem Salzturm verband. In ihr befand sich ein rundbogiges Tor zur Mündung; in dessen Nähe befand sich seit dem 15. Jahrhundert eine Brunnstelle mit einem 1572 aufgestellten Stockbrunnen. Er wurde 1754 gegen einen Brunnen mit rechteckigem Becken und einem vierkantigen Brunnenpfeiler mit Maskenreliefs und Kugelbekrönung ausgetauscht. Zur gleichen Zeit wurde die Mauer abgebrochen und durch ein Eisengitter mit Tor ersetzt.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts standen vor dem Schiffleuten-Zunfthaus mehrere drei-, vier- und fünfgeschossige Häuser, zu denen zwei grosse Gasthöfe und Hotels gehörten. Die Fassadenflucht war mehrfach geknickt und zur Einmündung der Kronengasse hin zurückgestaffelt. Bis 1760 bestand als Verbindung zur St. Johanns-Vorstadt nur eine enge Gasse für Fussgänger, die mit einem Steg den Birsiglauf überquerte. 1759 wurde eine Verbreiterung der Gasse und eine Steinbrücke über den Fluss geschaffen, über welche die ab dann "Neue Strasse" genannte Verbindung vor der Schifflandestelle zum Blumenrain führte.
Umgestaltung der Schifflände im 19. Jahrhundert
Der erste Versuch, die 1817 am Niederrhein eröffnete Dampfschifffahrt bis Basel zu führen, scheiterte 1827 aus technischen Gründen, gab aber den Anstoss zur Umgestaltung der Schifflände. 1830/31 wurde der Salzturm teilweise abgebrochen und mit dem Salzhaus verbunden, das zu einem "Rheinlagerhaus" umgebaut worden war. Das Niveau der Anlegestelle wurde um eineinhalb Meter angehoben, der Ausfluss des Birsig überwölbt und vor dem alten Salzhaus ein bis zum Hotel zu den Drei Königen reichender Quai geschaffen. 1838 etablierte sich schliesslich der regelmässige Dampfschiffverkehr, und deshalb mussten am Quai breite Treppen angebracht werden. Im Zusammenhang mit der Verbreiterung der Eisengasse wurden 1839 das Rheintor und 1841 das Zunfthaus der Schiffleute abgerissen. Ein neuer Fahrweg führte vom Blumenrain zur Rheinbrücke, von der tiefer gelegenen Anlegestelle war er durch eine Stützmauer abgetrennt. Andreas Merian schuf 1840 einen neuen Brunnen mit halbkreisförmigem Becken, das sich an diese Mauer anlehnte; ein Delphin mit Dreizack und Schilfkolben zierte das Relief seiner Rückwand.
Umgestaltung der Schifflände im 20. Jahrhundert
Als die Eisengasse das zweite Mal verbreitert und die Marktgasse neu angelegt wurde, wurde auch die Schifflände 1898-1902 auf ein höheres Niveau gebracht, das ungefähr dem der Rheinbrücke entsprach. An der niedrigsten Stelle betrug die Aufschüttung 2,14m. Durch die starke Konkurrenz der Eisenbahn im Personen- und Warenverkehr war die Schifffahrt auf dem Rhein zum Erliegen gekommen, und daher war ein Schiffsanleger nicht mehr geplant. Das Birsigbett wurde begradigt und einige Meter rheinabwärts verlegt; dieser Baumassnahme musste das mittelalterliche, 1861/62 zu einer Gewerbehalle umgewandelte Salzhaus weichen. 1901-1903 entstand hier das neue Gebäude für die Basler Kantonalbank.
Die Häuser zwischen der Eisengasse und der Marktgasse wurden 1904 kollektiv abgebrochen, und die Bauflucht wurde nicht nur begradigt, sondern auch um 13m nach hinten verlegt, wodurch auf der Schifflände ein wesentlich grösserer Platz entstand. 1905 wurde die Tramlinie, die zuvor durch die Eisengasse geführt hatte, über die Schifflände zur Marktgasse verlegt. Die Trottoirs und der Platz zwischen der Strasse und der Ufermauer erhielten einen Asphaltbelag, auf dem freien Raum wurden Sitzbänke aufgestellt und eine doppelte Baumreihe gepflanzt. Erst 1913-1915 errichtete die Basler Baugesellschaft auf dem Abbruchareal neue Häuser nach Plänen des Architekten Hans Bernoulli.