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Der folgende Traum begleitete mich durch meine frühe Kindheit. Ich träumte ihn immer wieder. Im Traum spielt ein Zug die Hauptrolle. Er ist rasend schnell unterwegs, nähert sich in horrendem Tempo einem Tunnel, verschwindet in dessen tiefem Dunkel. Immer endet der Traum damit, dass der Zug am Ende des Tunnels in ein gleissend helles Licht verschwindet und eine Stimme ruft: Gaby. Das Erwachen aus diesem Traum ist verbunden mit der Gewissheit, dass ich krank bin und Fieber habe. Da ich – angefangen bei «Goggolüsche» (Keuchhusten), Masern, «Spitzen Blattern», Pfeifferschem Drüsenfieber und auch Röteln – keine Kinderkrankheit aussen vor liess, war ich zwischen den Kindergarten- und den ersten Sekundarschuljahren häufig krank. Irgendeinmal wurde mir bewusst, dass sich mit jeder Wiederholung dieses Traumes ein nächstes fiebriges Ereignis ankündigte. Das heisst, meist spürte ich beim Erwachen bereits die ersten Krankheitsanzeichen. Dieses Traumgeschehen wurde mir so vertraut, dass ich mich weder gewundert noch gefürchtet habe. Viele Jahre später kam mir zu Ohren, dass Kinderkrankheiten einen Reifeprozess auslösen. Vielleicht war für mich damals jede Fahrt durch den schwarzen Tunnel ein solcher Prozess.
Der Schwerpunkt «Träume» beleuchtet die Redaktion von «und» im Winter16.