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Hast du das Internetphänomen Rickrolling verpasst (so wie derjenige, der heute Samstagsdienst bei watson hat)?
Es ist grossartig! Der Joke existiert seit spätestens Mai 2007 und besteht darin, dass ahnungslose Internetbenutzer mit einem Clickbait-Titel gelockt werden und dann auf dem grossartige Lied «Never Gonna Give You Up» von Rick Astley landen. Die Idee dahinter: Der Refrain soll ein Ohrwurm werden und dem Adressaten oder der Adressatin den Tag
versüssen vermiesen.
Von Phänomen wurden auch die höchsten politischen Spitzen getroffen. So erinnerte Melania Trumps Parteitag-Rede im Jahr 2016 an die Zeilen des Refrains, als sie über Donald Trump sprach: «He will never give up. He will never let you down.»
Die ganze Sache mit dem Rickrolling schlief daraufhin ein bisschen ein, bis jetzt. Der YouTuber TheTekkitRealm ist schon lange für seine Rickrolling-Stunts bekannt. Auf Twitter beschreibt er seine Tätigkeit gar als «Revolutionizing the Rickroll». Sein neuster Versuch traf sehr, sehr, sehr viele Leute: 5'110'932 Menschen, um genau zu sein.
Was hat er getan? Er nahm viel Geld in die Hand. In seinem fast zehn Minuten langen Video erklärt er seinen Stunt Schritt für Schritt: Er meldete sich beim Werbedienstleister von Google an, um Werbung auf YouTube zu schalten, klickte ein bisschen rum und entschied sich dann, 1500 US-Dollar in die Rickroll-Kampagne reinzustecken. So landete ein Kurzvideo, das nur einen kurzen Ausschnitt vom Song «Never Gonna Give You Up» zeigte, bei vielen YouTube-Konsumierenden als Werbeclip, den man ansehen musste.
Die Idee war so weit einleuchtend. Was TheTekkitRealm nicht vorhersehen konnte, wie viele Leute er damit erreichen würde. Die Schätzung von Google im Buchungsprozess lag nämlich weit daneben: Das Rickroll-Werbevideo erreichte über fünf Millionen Ansichten.
Ein paar Opfer dieser Masche fanden den Weg zum eigentlichen YouTube-Clip und kommentierten herzlich bis wütend:
Was TheTekkitRealm aber vorhersehen musste, war YouTubes bzw. Googles Reaktion: Sie haben sein Werbekonto gesperrt – vermutlich, weil es eine offensichtliche Urheberrechtsverletzung war. Im US-Showbusiness versteht man keinen Spass, wenn es um Urheberrechte geht und ein künstlerisches Werk nicht den Zweck der Bildung, «Anregung geistiger Produktionen», Parodien oder Kritik hat. Satire fällt nicht unter das sogenannte «Fair Use»-Recht, das in den Vereinigten Staaten, aber nicht etwa in der Schweiz, Deutschland oder Österreich existiert.
Das Rickrolling-Phänomen ist übrigens von der populärkulturellen Analyse von gesellschaftlichen Dynamiken im Internet ein anerkanntes Ding. Wikipedia führt einen Artikel dazu, der täglich tausendfach konsultiert wird. Dort erfährt man, dass sogar die demokratische US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi im Jahr 2009 kurz nach dem Ausbruch des Phänomens ihren Rickrolling-Beitrag leistete. Sie veräppelte das Internet mit einem vermeintlichen Video über die US-Kapitol-Katze.
(pit)
Was für Wolodymyr Selenskyj das olivgrüne T-Shirt ist, ist für Julia Timoschenko der goldblonde Haarkranz. Ein ikonisches Symbol, unverrückbar mit der eigenen Person und – zumindest eine Zeit lang – mit dem Freiheitskampf eines ganzen Landes verbunden.