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Die Bauten des alternativen Kulturzentrums Rote Fabrik aus den 1890er Jahren sollen saniert und ein 1952 auf der ältesten Halle erstellter Aufbau ersetzt werden. Durch den neuen Aufbau, so wird von den Planern behauptet, werde sich das Erscheinungsbild der Halle wieder dem ursprünglichen Bild nähern. Es ist sehr bedenklich, dass sich nicht einmal die Denkmalpflege von dieser unsinnigen Behauptung distanziert.
Ausschnitt aus einem Plakat der Standard Telephon & Radio AG um 1950. Der Eckrisalit des ersten Baus der Roten Fabrik wird durch eine Kuppel betont. Sie wurde 1952 abgetragen und durch einen flachgedeckten, einstöckigen Aufbau ersetzt.
Die folgenden Bilder zeigen, dass der projektierte neue Aufbau weder in seinen Gesamtproportionen, den Detailformen noch in seiner Funktion etwas mit dem einstigen Kuppelbau gemeinsam hat. Beim Bau der Kuppel ging es nicht wie beim projektierten Aufbau um den Gewinn von Arbeitsräumen. Die Kuppel betonte eine zu einem Risaliten ausgestaltete Ecke des zuerst ausgeführten alleinigen Fabrikbaus. Den von Zürich herkommenden Besuchern und Passanten sollte ein etwas repräsentativeres Gebäude als bloss eine lange, auf dem noch relativ schmalen Streifen Land zwischen Strasse und See stehende Fabrikhalle gezeigt werden. Mit der Ausgestaltung einer Ecke zu einem kuppelbekrönten Risaliten sollte wohl zudem verdeutlicht werden, dass das Gebäude auch einen Büroteil umfasste. Die Massnahme dazu blieb allerdings relativ bescheiden, obwohl - wie ein erhaltener Fassadenentwurf von 1892 zeigt - die Kuppel grösser ausgeführt wurde, als zunächst geplant.
Aktuelle Foto der Situation beim Eckrisaliten der Halle von 1892 mit nach Foto skizzierter Visualisierung des ursprünglichen Kuppelaufbaus.
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Visualiserung des geplanten neuen Aufbaus aufgrund von Bildern in Pressemitteilungen. Der geplante Aufbau hat eine fast 7-mal grössere Grundfläche als der ursprüngliche Kuppelbau (Bild oben).
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Die in verschiedenenen Verlautbarungen wiederholte Behauptung, es werde mit dem projektierten, streng quaderförmigen Aufbau anstelle desjenigen von 1952 eine Annäherung an den ursprünglichen Zustand der ältesten Halle angestrebt, muss nicht ernst genommen werden. Sie dürfte geäussert worden sein, um von der Tatsache abzulenken, dass es in Wirklichkeit nicht nur um eine Sanierung, sondern auch um umfangreiche, kostspielige Umbauten und eine Vergrösserung des Raumangebots geht. Es war von einer "optischen Auffrischung" aber bisher nie von Restaurierungsarbeiten die Rede. Dies fällt sehr auf, da es sich um ein hochwertiges Baudenkmal handelt.
Die mit der Sanierung beabsichtigte "optische Auffrischung" der Roten Fabrik lässt daran zweifeln, dass die bei Eingriffen in ein Schutzobjekt unabdingbare Auseinandersetzung mit der denkmalpflegerischen Bedeutung stattgefunden hat. Ist man der Frage nachgegangen, weshalb es sich um einen wichtigen Zeugen einer historischen Epoche handelt und welche Elemente für diese Eigenschaft bestimmend sind? Wie leider fast immer scheint man es auch hier unterlassen zu haben, zunächst eine grundlegende historische Studie und Bauanalyse in Auftrag zu geben. Sie hätte kaum viel mehr als ein Prozent des sehr grosszügig bemessenen Planungskredits gekostet.
Aktuelle Ansicht mit der 1892 erbauten ersten Fabrikhalle im Vorder- und dem 1896 zugefügten Bürobaus im Hintergrund. Auf dem Dach der Halle ist der anstelle der ehemaligen Kuppel erbaute Aufbau zu sehen. Diese Veränderung im Jahr 1952 war ein deutlich weniger schwerer Eingriff als der jetzt geplante und ausgesteckte (Stangen rot markiert) zweistöckige neue Aufbau.
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Seit der öffentlichen DIskussion um die Erhaltung der Fabrik in den 1970er Jahren sind zwar die wichtigsten Daten über die Entwicklung des Komplexes und den Ingenieur/Architekten Carl Arnold Séquin (1845 - 1899) bekannt, aber noch immer fehlt eine detaillierte Studie zu den technischen und und gestalterischen Einzelheiten. Die Behauptung allerdings, dass noch immer nicht ganz sicher feststehe, dass Séquin auch der Erbauer der ersten, jetzt besonders interessierenden Halle mit dem kuppelbekrönten Eckrisaliten war, ist wohl aus der Luft gegriffen. Unbekannt ist hingegen, welchen Einfluss allenfalls der Bauherr, der Seidenhändler und -fabrikant sowie grosse Kunstmäzen Henneberg, auf die Gestaltung ausübte. War er es, der gegenüber einem ersten Entwurf der Halle eine etwas grössere Kuppel auf dem Eckrisaliten haben wollte und war deren Gestaltung von Beispielen des französischen Neubarocks angeregt worden? Dachte man damals noch gar nicht an die Errichtung eines so grossen Büroblocks, wie er dann doch schon bald nebenan realisiert wurde? Dies sind alles Fragen, die vor der Projektierung der jetzigen Sanierung gestellt und wenn möglich beantwortet werden sollen.
Siegfriedplan von 1880 mit rot eingetragener heutiger Überbauung. Der Areal der Roten Fabrik (unter dem Namen Rumpump) liegt noch im Seegebiet; es ist erst für den Bau der Fabrik durch Auffüllungen zum Festland geworden.
Inserat der von C.A.Sequin gegründeten Firma in Rüti, eingerückt in die Schweizerische Bauzeitung 1899, einen Monat nach seinem Tod.
Die Stellung der Roten Fabrik im ganzen Werk Séquins, der gemäss einem Nachruf in der Schweizerischen Bauzeitung (1899, S. 215-216) "einer der bedeutendsten und meistbeschäftigsten Specialisten des europäischen Kontinentes für Fabrik-Anlagen" war, scheint nie behandelt worden zu sein, obschon sich während der Zeit seines Schaffens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Entwicklung zu reicherer Ausgestaltung der Fabrikarchitektur vollzog. Der 1896 erbaute hohe Bürobau der Roten Fabrik scheint zu der aufwändigeren Gestaltung überzuleiten, welche die Firma Séquin & Knobel beim Bau des Werkes III der Mechanischen Baumwollspinnerei und -weberei Augsburg in den Jahren 1895/98 gewählt hat.
Da in den letzten Jahrzehnten manche Fabriken abgerissen worden sind, deren Konstrukteur der international bekannte Carl Arnold Sequin war, kommt der Roten Fabrik heute weit grössere Bedeutung als Zeuge von dessen Schaffens und als Denkmal der Industriearchitektur zu, als zur Zeit ihrer Unterschutzstellung. Sequin hat z.B. nicht nur 1889 das vor zwei Jahren verschobene grosse Bürogebäude der Maschinenfabrik Oerlikon, die Automobilfabrik FBW in Wetzikon, die 1897 erstellten und 1992 bei einem Grossbrand zestörten Shedhallen der sogenannten Fabrik am Wasser in Zürich, sondern wie eine überraschende Entdeckung erst 1994 ergab, auch die Bauten der damals gegründeten BBC in Baden entworfen (vgl. Norbert Lang, Zur Frühgeschichte des BBC-Areals, Badener Neujahrsblätter 1994, S. 10 ff). Der 1894 von Séquin erbaute dreistöckige Fabrikbau der Tuchfabik Wädenswil (später TUWAG) ist erhalten geblieben und für einen Hochschulbetrieb eingerichtet, seine ehemaligen Backsteinfassaden jedoch gelb verputzt worden. Grosse Bedeutung kommt natürlich nicht nur den Fassaden der Roten Fabrik zu, sondern auch allen erhaltenen originalen Konstruktionselementen. (ur Aug.14)