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| Zusammenfassung

Im Osten der Schweiz wird die helvetische
Schichtreihe in den Unteren und Oberen Glarner Deckenkomplex
unterteilt. Der Obere Glarner Deckenkomplex, gemeinhin als Säntis-Decke
bezeichnet, umfasst die Kreide-Abfolge und ist in den Mergeln
der Palfris-Formation vom Liegenden abgeglitten. Im Unteren
Glarner Deckenkomplex sind die Schichten von (Karbon-) Perm
und Jura zu finden. Sie sind 30km entlang der Glarner Hauptüberschiebung
nach Norden über die tertiären Flysche geschoben worden.
Inkompetentere Serien (Mergel- und Tonschiefer)
ermöglichten innerhalb des Unteren Glarner Deckenkomplexes den
kompetenteren Serien, eine gewisse eigenständige Entwicklung
durchzumachen. Dadurch entstanden Disharmonien, welche ein Perm-Trias–,
ein Lias– und ein Dogger-Malm–Stockwerk unterscheiden lassen.
Die Dogger-Malm–Abfolge ist in mehrere
Schuppen gelegt worden, deren Gerüst durch die kompetenten Kalke
der Quinten-Formation des Malms gebildet wird. Die tonigen Sandsteine
und Kalke des Doggers sind als leicht inkompetentere Schichten
meistens ebenfalls in den Schuppenbau miteinbezogen worden.
Von Norden nach Süden ist ein Wechsel von starrem Schuppen-
zu vermehrt Faltenbau zu beobachten: Während die nördlichen
Schuppen praktisch nicht verfaltet sind, zeigen die südlicheren
Schuppen eine Kombination von Überschiebung und Verfaltung (fault-bend,
fault-propagation und detachment folds). Dabei spielen Mächtigkeitsänderungen,
Änderungen der lithologischen Zusammensetzung, erhöhte Deformationstemperaturen
und -drücke, sowie präexistierende Strukturen, wie etwa synsedimentäre
Brüche, eine wesendliche Rolle. Im obersten Teil der Quinten-Formation
konnten sich vereinzelt dünne Späne abspalten und als eigenständige
kleine Zwischen-Schuppen entwickeln.
Wie verschiedendlich stark abweichende
Faltenachsen zeigen, können rasch axiale Änderungen auftreten.
Diese konnten in der Region des Gonzens dargestellt werden.
Dank der Tatsache, dass im weitläufigen Eisenbergwerk Gonzen
das innerhalb der Quinten-Formation schichtparallel eingelagerte
Eisen- und Manganerz abgebaut wurde, ist ein 3-dimensionaler
Einblick in den Schuppenbau möglich. Mittels des 3D-Modellierungsprogramm
GOCAD wurde der Erzhorizont in einem digitalen 3D-Modell dargestellt.
Es zeigt sich, dass Auf- und Abschiebungen rasch ausklingen
und neu entstehen können. Dasselbe gilt für die zahlreichen
jüngeren Brüche, welche steilstehend das Gebiet ungefähr senkrecht
zu den Faltenachsen NW-SE-streichend durchschlagen haben.
Die N-S verlaufende Überschiebungsrichtung steht rund 30° schräg
zu den Faltenachsen der Dogger-Malm-Schuppen. Gleichzeitig besitzt
sie eine entgegengesetzt gerichtete Abweichung von 35° zur der
in der Trias bei Mels gemessenen Faltenachse. Diese stark abweichende
Faltenachse der Trias kann dem Glarner Faltenbogen angerechnet
werden, welche infolge der Invertierung des Glarner Verrucano-Beckens
entstanden ist. Der Grund für das starke axiale Abfallen der
Faltenachsen der Dogger-Malm-Schuppen nach NE kann ebenfalls
in dem nach Osten auskeilenden Glarner Verrucano gefunden werden.