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Contrapunctus IV
Chiaroscuro Quartett
Menuhin’s Heritage Artist
Alina Ibragimova, Violine
Pablo Hernán Benedí, Violine
Emilie Hörnlund, Viola
Claire Thirion, Violoncello
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Contrapunctus IV aus «Kunst der Fuge» BWV 1080
Aufgezeichnet am 17. Juli 2018 in der Kirche Rougemont
Chiaroscuro Quartett spielt aus Die Kunst der Fuge
1745: Die Preussen belagern Leipzig. Wie Beethoven, der ein halbes Jahrhundert später in einem Keller unter dem Donner der napoleonischen Kanonen komponieren wird, erlebt Bach diese schwarzen Tage bei unablässigem Schreiben. Nach Beendigung des Gefechts begibt er sich nach Berlin, um seinen Sohn zu besuchen. «Der alte Bach ist gekommen», heisst es bei seiner Ankunft. Carl Philipp Emanuels Arbeitgeber lässt ihm nicht einmal Zeit, den Koffer auszupacken: Er beauftragt ihn sogleich, die verschiedenen Fortepianos im Palast zu bespielen und zu beurteilen.
Das schwierige Fugenthema
Bis Bach Friedrich den Grossen bittet, ihm ein Fugenthema vorzugeben, das er jedoch nicht sechsstimmig zu improvisieren vermag. In seiner Ehre verletzt, macht sich Johann Sebastian bei seiner Rückkehr nach Leipzig sofort an die Arbeit und schickt dem König kurz darauf das Stück, das später als Musikalisches Opfer bekannt wird. Folgende Widmung liegt bei: «Eurer Majestät weihe hiemit in tiefster Unterthänigkeit ein Musikalisches Opfer, dessen edelster Teil von Deroselben hoher Hand selbst herrühret […] Es hat keine andere als nur diese untadelhafte Absicht, den Ruhm eines Monarchen, obgleich nur in kleinem Punkte zu verherrlichen.» Bach macht einen weiteren Schritt auf das «Absolute» zu, als er 1747 Die Kunst der Fuge in Angriff nimmt.
Zunehmende Sehschwäche
Der Musiker trotzt nicht nur dem Himmel: Auch seinen Körper, der ihn langsam im Stich lässt, stellt er auf die Probe. Aufgrund einer angeborenen Sehschwäche verliert er das Augenlicht. Der Eingriff des angesehenen englischen Okulisten John Taylor – unter dessen Messer kurz darauf ein anderes Genie der Musik erblindet: Händel – beschleunigt die Dinge. Beide Operationen sind eine Katastrophe. Bach, der das Ende nahen fühlt, diktiert seinem Schüler Altnikol den Choral Vor deinen Thron tret’ ich hiermit. Ein Schlaganfall, gefolgt von hohem Fieber, führt am 28. Juli 1750 zu seinem Tod. Bach ist 65 Jahre alt. Ein posthumer Satz von Carl Philipp Emanuel auf der letzten Seite des unvollendeten Manuskripts von Die Kunst der Fuge liess eine Zeitlang glauben, der Musiker sei gestorben, während er die 14. Und letzte Fuge diktierte, «wo der Name BACH im Contrasubject angebracht worden ist».
Der italienische Begriff «chiaroscuro» steht für die Helldunkel-Malerei des Barock. Starke Kontraste sollen den Bildern mehr Räumlichkeit und Ausdruck verleihen. Im übertragenen Sinn streben auch die Mitglieder des Chiaroscuro Quartetts nach diesem Effekt. Sie musizieren auf Darmsaiten und versuchen, den barocken und klassischen Spielweisen möglichst nahe zu kommen. Das Chiaroscuro Quartett besteht seit gut zehn Jahren und hat sich in dieser Zeit den Ruf eines erstklassigen Ensembles für Musik der Mozartzeit erarbeitet. Der Gewinn des Förderpreises Deutschlandfunk am Musikfest Bremen vor drei Jahren und der Preis der Deutschen Schallplattenkritik im letzten Jahr dokumentieren die Bedeutung des jungen Ensembles. Letztes Frühjahr war das Quartett auf einer ausgedehnten Japan-Tournee, nachdem Einladungen an das Konzerthaus Wien und in den Concertgebouw Amsterdam den Ruf des Quartetts gefestigt hatten. Seit 2009 ist das Chiaroscuro Quartett zudem Artist in Residence am Festival von Port- Royal-des-Champs.