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Verbände leben von ihren Mitgliedern. Nicht nur, weil diese mit ihren Mitgliedsbeiträgen einen Grossteil der operativen Kosten decken, sondern auch, weil sie die Arbeit der Verbände legitimieren und ihnen in der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft Gewicht verleihen. Mittels einer Online-Umfrage, die Ende Juni durchgeführt wurde, hat «Swiss IT Magazine» versucht, den Puls der Verbandsmitglieder zu fühlen und hat sie dazu aufgefordert, verschiedene Fragen zu ihrer Zufriedenheit mit ihren ICT-Verbänden zu beantworten. Gleich vorweg lässt sich festhalten, dass die meisten Voten positiv ausfielen und aufzeigen, dass die Umfrageteilnehmer die Arbeit der Verbände grundsätzlich schätzen. Aus den Resultaten geht aber auch hervor, dass die Verbände in einigen Bereichen Nachholbedarf haben.
Im Umfragezeitraum wurden gesamthaft 183 Stimmen für 17 Schweizer ICT-Verbände abgegeben. Damit ist auch gesagt, dass die Umfrage keinen repräsentativen Charakter hat. Interessant ist der Hintergrund der Befragten. So sind 78,1 Prozent von ihnen in einem Unternehmen tätig, das mehr als zehn Jahre alt ist und nur rund 10 Prozent in einem Unternehmen, das zwischen fünf und zehn Jahren auf dem Buckel hat. Weitere 5,5 Prozent arbeiten in einer Firma, deren Gründung drei bis fünf Jahre zurückliegt und 3,3 Prozent in einer, die maximal zwei Jahre alt ist. Die letzten 3,3 Prozent schliesslich haben keine Angaben zum Alter ihres Unternehmens gemacht. In Bezug auf die Firmengrösse ist die Verteilung der Befragten gleichmässig. Die meisten (28,4%) arbeiten in einem Unternehmen mit 11 bis 50 Mitarbeitenden, 27,3 Prozent in einem mit 1 bis 10 Mitarbeitenden und 18,6 Prozent in einer Firma mit 51 bis 250 Beschäftigten. Nur 23 Prozent sind in einem Unternehmen mit einer Belegschaft von mehr als 250 Personen tätig.
Vertretung politischer Interessen
Die Vertretung der politischen Interessen der Mitglieder ist eine wichtige Aufgabe der Verbände. Sie setzen sich im Rahmen von Abstimmungen für Fokusthemen ein, betreiben Aufklärungsarbeit und lobbyieren. Diese Aufgabe meistern sie offenbar gut. Über alle Verbände hinweg betrachtet antworten 48,1 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie sehr zufrieden sind mit der Vertretung ihrer Interessen. 23,5 Prozent sind eher zufrieden, während 16,9 Prozent mit der politischen Arbeit ihres Verbandes nur mässig zufrieden sind. Klar in der Unterzahl sind hier die Unzufriedenen unter den Befragten. 6 Prozent von ihnen sind eher unzufrieden und 5,5 Prozent sehr unzufrieden.
Mit ihrem Verband am zufriedensten sind die Mitglieder von ICT-Berufsbildung Schweiz. 65 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden, 15 Prozent mässig zufrieden, 10 Prozent eher zufrieden und je 5 Prozent eher unzufrieden oder sehr unzufrieden. Beim Verband Suissedigital sind 60 Prozent der befragten Mitglieder sehr zufrieden und bei Swico sind es auch über die Hälfte, nämlich 55,8 Prozent. Knapp dahinter folgt ISACA mit 47,6 sehr zufriedenen Mitgliedern vor Swiss Made Software (41,2%) und Asut (34,8%). Am unteren Ende des Spektrums findet sich SwissICT wieder. Nur 20 Prozent der befragten Mitglieder sind mit der politischen Arbeit sehr zufrieden, rund 27 Prozent eher zufrieden und 33,3 Prozent mässig zufrieden, wobei aber 20 Prozent auch sehr unzufrieden sind. Blickt man auf die übrigen Verbände, so liegt die Quote der sehr zufriedenen Mitglieder bei 37 Prozent. Eher oder mässig zufrieden sind je 14,8 Prozent. Allerdings ist auch rund ein Drittel der Befragten nicht besonders angetan von der politischen Tätigkeit ihres Verbandes: 22,2 Prozent sind eher unzufrieden und 11,1 Prozent gar sehr unzufrieden.
Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer sind mit der Vertretung ihrer Interessen durch ihren Verband sehr zufrieden. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Vertretung wirtschaftlicher Interessen
Für die Verbandsmitglieder von Belang ist auch die Qualität der Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Dass dieser Aspekt wichtig ist, wissen auch die Verbände und legen sich dementsprechend ins Zeug. Das schlägt sich in einer hohen Zufriedenheit unter den Mitgliedern nieder. Mit der Arbeit der Verbände in diesem Bereich sind nämlich rund 90 Prozent der Befragten grundsätzlich zufrieden. Geht man weiter ins Detail, so zeigt sich, dass 39,9 Prozent sehr zufrieden, 31,7 Prozent eher zufrieden und 18 Prozent mässig zufrieden sind. Nur rund 10 Prozent finden, dass die Verbände mehr für die Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen tun müssten, darunter 6,6 Prozent, die eher unzufrieden und 3,8 Prozent, die sehr unzufrieden sind.
Auch in dieser Kategorie sind die Mitglieder von ICT-Berufsbildung Schweiz am zufriedensten. 65 Prozent von ihnen sind sehr zufrieden. Sehr zufrieden sind auch 51,2 Prozent der befragten Mitglieder von Swico. Bei ISACA sind es 47,6 Prozent, bei Suissedigital 43,3 Prozent und bei Swiss Made Software 35,3 Prozent. Bei Asut sind lediglich 34,8 Prozent der Befragten sehr zufrieden und bei SwissICT sind es noch 26,7 Prozent. Die befragten Mitglieder der weiteren Verbände sind zu 25,9 Prozent sehr zufrieden mit ihrem Verband und 22,2 Prozent eher zufrieden. Weitere 25,9 Prozent sind mässig zufrieden, 18,5 eher unzufrieden und 7,4 Prozent sehr unzufrieden.
Nur rund 10 Prozent der Befragten sind mit der Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen durch ihren Verband nicht zufrieden. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Verbandsdienstleistungen
Die Mitglieder finanzieren ihre Verbände über die Mitgliederbeiträge, erwarten dafür allerdings auch ein angemessenes Dienstleistungsangebot. Auch diesen Aspekt beherrschen die Verbände gesamthaft sehr gut. Fast die Hälfte oder 49,8 Prozent aller Umfrageteilnehmer sind diesbezüglich sehr zufrieden mit ihren Verbänden und 29,5 Prozent eher zufrieden. Nur 14,2 Prozent sind mässig, 2,7 Prozent eher und 3,8 Prozent sehr unzufrieden.
Die Rangliste der Verbände führt einmal mehr ICT-Berufsbildung Schweiz an. 70 Prozent der befragten Mitglieder des Verbandes sind mit den angebotenen Dienstleistungen sehr zufrieden. ISACA (61,9%) folgt auf Platz zwei vor Asut (52,2%), Swico (51,2%), Suissedigital (50%), Swiss Made Software (47,1%) und SwissICT (33,3%). Unter den befragten Mitgliedern der übrigen Verbände sind 33,3 Prozent mit dem Dienstleistungsangebot sehr zufrieden. Weitere 33,3 Prozent sind eher zufrieden und 18,5 mässig zufrieden. Je 7,4 Prozent sind eher oder sehr unzufrieden.
Legt man den Fokus auf einzelne Dienstleistungen, die von den Verbänden angeboten werden, so schwingen in der Beliebtheitsskala – wenig überraschend – die Veranstaltungen obenauf. 72,1 Prozent aller Umfrageteilnehmer nehmen an solchen teil, um sich mit anderen Mitgliedern zu vernetzen. An zweiter Stelle folgen die Studien, die von den Verbänden herausgegeben werden, die von 44,8 Prozent der Befragten geschätzt werden. Ebenfalls zentral sind Weiterbildungen, für die sich 37,2 Prozent interessieren. Modellverträge und Vergünstigungen werden von je 19,7 Prozent der Befragten genannt, während 10,9 Prozent von der Möglichkeit Gebrauch machen, Versicherungsleistungen und Rechtsberatung in Anspruch zu nehmen.
Der Grossteil der Befgraten ist mit dem Dienstleistungsangebot ihres Verbandes zufrieden, knapp die Hälfte ist gar sehr zufrieden. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Die von den Verbänden angebotenen Dienstleistungen werden rege genutzt, allen voran die Veranstaltungen. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Informationsarbeit
Aufklärungs- und Informationsarbeit sind für die Verbände zentral und zählen zu den Kernaufgaben einer jeden Organisation. Die Kommunikationskanäle sind dabei vielfältig, wie beispielsweise Online- und soziale Medien, Merkblätter, Newsletter, Verbandsmagazine oder Workshops. Fast die Hälfte (48,6%) der Befragten sind der Ansicht, dass die Verbände gut informieren und aufklären und sind deshalb sehr zufrieden. Weitere 28,4 Prozent sind eher und 15,3 Prozent mässig zufrieden. Nicht einmal jeder zehnte Umfrageteilnehmer findet, dass er unzureichend informiert wird. So liegt die Quote der eher Unzufriedenen bei 3,3 Prozent und die der sehr Unzufriedenen bei 4,4 Prozent.
Und wieder sind es die Mitglieder von ICT-Berufsbildung Schweiz, die mit ihrem Verband am zufriedensten sind. Ganze 75 Prozent von ihnen sind sehr zufrieden und 10 Prozent eher zufrieden. Auch bei Suissedigital ist der Zufriedenheitsgrad hoch. 70 Prozent der Mitglieder sind sehr, 16,7 Prozent eher zufrieden. Bei ISACA sind 57,1 Prozent der Mitglieder sehr zufrieden und 23,8 Prozent eher zufrieden. Swico wiederum hat 51,2 Prozent der Mitglieder, die sehr zufrieden sind und 25,6 Prozent, die eher zufrieden sind, während diese Werte unter den Mitgliedern von Swiss Made Software bei 41,2 Prozent und 29,4 Prozent liegen. Bei Asut sind es 34,8 Prozent und 30,4 Prozent, die sehr respektive eher zufrieden sind. Etwa gleichauf liegt SwissICT mit 33,3 Prozent sehr zufriedenen und 33,3 Prozent eher zufriedenen Mitgliedern. Die Mitglieder der weiteren Verbände sind im Vergleich unzufriedener. Nur 18,5 Prozent sind sehr zufrieden, 44,4 Prozent eher und 22,2 mässig zufrieden. Die Quote der sehr Unzufriedenen liegt hier bei 14,8 Prozent.
Die Verbände leisten gute Informations- und Aufklärungsarbeit. Fast 50 Prozent der Befragten sind sehr zufrieden, weitere 28,4 Prozent eher zufrieden. (Quelle: Swiss IT Magazine)
Mehrwert für die Mitglieder
Führt man sich die bisherigen Ergebnisse vor Augen, dann lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Verbände ihren Mitgliedern in den meisten Bereichen einen Mehrwert bieten können. Die Zahl der unzufriedenen Mitglieder hält sich in Grenzen. Kaum erstaunlich also, dass die meisten Befragten die Frage bejahen, ob sich eine Mitgliedschaft lohnt. 71 Prozent von ihnen würden ihren Verband weiterempfehlen, während 21,9 Prozent mit «geht so» antworten. Immerhin 7,1 Prozent geben aber auch an, dass sich eine Mitgliedschaft in ihren Augen nicht lohnt, und dass sie demnächst aus dem Verband austreten werden.
Ganze vier Fünftel der Mitglieder von Suissedigital (80%) würden ihren Verband weiterempfehlen und 16,7 Prozent nur bedingt. Bei ICT-Berufsbildung Schweiz liegen diese Werte bei 75 respektive 15 Prozent, bei ISACA bei 76,2 und 14,3 Prozent, bei Swico bei 74,4 und 11,6 Prozent, im Fall von Asut bei 69,6 und 17,4 Prozent, bei Swiss Made Software bei 64,7 und 23,5 Prozent und bei SwissICT bei 40 und 46,7 Prozent. Ihren Verband nicht weiterempfehlen oder den Austritt geben wollen bei SwissICT 13,3 Prozent der Befragten. Bei Asut sind es 13 Prozent, bei Swiss Made Software 11,8 Prozent, bei ICT-Berufsbildung Schweiz 10 Prozent, bei ISACA deren 9,5 Prozent, bei Swico 7 Prozent (wobei weitere 7 Prozent keine Meinung zur Frage hatten) und bei Suissedigital lediglich 3,3 Prozent. 51,9 Prozent der Mitglieder der übrigen Verbände würden eine Mitgliedschaft empfehlen, 33,3 Prozent haben darauf mit «geht so» geantwortet und 14,8 Prozent würden ihren Verband nicht weiterempfehlen und möchten demnächst austreten.
Interessant ist schliesslich auch, dass rund drei Viertel (76%) aller der Umfrageteilnehmer finden, dass der Mitgliederbeitrag in ihrem Verband angemessen ist. 4,9 Prozent sind gar der Ansicht, dass er eher zu niedrig ist. Für 19,1 Prozent der Befragten ist der jeweilige Mitgliederbeitrag jedoch zu hoch angesetzt. Über die Gründe für diese Einschätzungen kann allerdings nur spekuliert werden.
(luc)
Die meisten Befragten halten die Höhe der Mitgliederbeiträge ihres Verbandes für angemessen. Knapp 5 Prozent finden diese gar zu niedrig. (Quelle: Swiss IT Magazine)