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Der Stillrhythmus: Wie viele Stillmahlzeiten?
Am besten stillen Sie Ihr Baby „nach Bedarf“ (auch "ad libitum" genannt). Das bedeutet, dass Sie es jedes Mal an Ihre Brust legen, wenn es gestillt werden möchte. Sie erkennen das daran, dass es eine angespannte Körperhaltung einnimmt, trotzdem unruhig wird, mit dem Mund sucht, die Händchen ballt, am Finger saugt, sein Köpfchen hin und her dreht, wimmert oder schmatzt.
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Warten Sie nicht solange, bis Ihr Baby schreit! Schreien ist eher ein spätes Hungersignal und praktisch das letzte Zeichen, mit dem es Sie darauf aufmerksam machen möchte, gestillt zu werden. In diesem Fall musste es vermutlich schon eine Weile Hunger oder Durst leiden, wird vielfach nicht mehr einfach anzulegen sein und muss zuerst beruhigt werden. Ausserdem lernt es dadurch, dass es schreien muss, um gestillt zu werden und wird aufhören, sein Bedürfnis auf subtile Weise zu äussern.
Stillen nach Bedarf hat viele Vorteile: Es verbessert die Gewichtszunahme Ihres Kindes, reduziert die Schreiphasen, regt bei Ihnen die Milchproduktion gut an, unterstützt die Kommunikation und die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Kind.
Stillen nach Bedarf kennt keine zeitlichen Grenzen und richtet sich ganz nach dem individuellen Bedürfnis Ihres Kindes. Anfangs braucht ein Stillkind ungefähr 8-12 Mahlzeiten in 24 Stunden, später können es auch weniger sein. Es gibt Säuglinge, die sehr kräftig saugen und in kurzer Zeit viel Milch trinken. Dadurch sind sie eine Weile satt. Andere Babys nuckeln lange und genüsslich oder melden sich bereits nach kurzer Zeit wieder. Besonders abends möchten viele Stillkinder sehr oft und lange an der Brust saugen (sog. Clusterfeeding). Das bedeutet nicht, dass Sie zu wenig Milch haben – vermutlich kann sich Ihr Kind durch das Saugen besser beruhigen.
Sie dürfen Ihr Kind so oft anlegen, wie Sie möchten und müssen sich dabei nicht nach der Uhr richten. Muttermilch ist schnell verdaut und die Grösse des kindlichen Magens ist noch sehr klein. Die früher verbreitete Annahme, dass verdaute und unverdaute Muttermilch im kindlichen Magen zu Koliken führt, konnte wissenschaftlich nie bestätigt werden.
Es lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen darüber treffen, wie oft ein Säugling gestillt werden sollte, da jedes Baby seinen eigenen Rhythmus entwickelt, und sich die Milchproduktion der Mutter entsprechend darauf einstellt. Aber gestillte Babys verlangen in der Regel häufiger zu trinken als „Schoppenkinder“, da Muttermilch schneller und leichter absorbiert und verdaut wird als Fertigmilchprodukte.
In den ersten Tagen, wenn die Neugeborenen Kolostrum zu sich nehmen, schlafen sie aber nicht selten mehrere Stunden zwischen den Mahlzeiten durch. Um den dritten Tag herum kommt dann oft eine Phase, in der Sie das Baby sehr viel häufiger anlegen müssen. Sobald dann die reife Muttermilch produziert wird, können Sie ca. alle 2 - 3 Stunden stillen. Der Stillrhythmus reguliert sich durch Angebot und Nachfrage in der Regel optimal und gestillte Kinder können auch durch häufiges Anlegen nicht überfüttert werden. Und wenn die Milchbildung gut in Gang gekommen ist, nach etwa vier Wochen, kommen die meisten Babys mit 6 - 8 Mahlzeiten (einschliesslich der Nachtmahlzeit) zurecht.
Alle paar Wochen (typischerweise in der dritten bis vierten Lebenswoche und im dritten bis vierten Lebensmonat) kann es zu einer Veränderung des Stillrhythmus kommen. Ihr Baby scheint dann auf einmal nicht mehr satt zu werden und Sie sorgen sich, ob die Milchmenge noch ausreicht. Vermutlich hat es einen Wachstumsschub. Wenn Sie Ihr Kind eine Zeitlang häufiger anlegen, wird über das Saugen an der Brust die Prolaktinausschüttung angeregt. Dadurch können Sie die Milchproduktion ankurbeln.
Die Nachtmahlzeit ist noch eine Weile wichtig für die Entspannung der Brust und als Anregung zur Milchbildung. Trotzdem kann es ganz schön anstrengend werden, wenn Sie Ihr Baby zweimal in der Nacht anlegen müssen. Viele Babys können aber im Alter von drei Monaten die Zeit von Mitternacht bis ca. 6 Uhr morgens durchschlafen.
Für das Stillen nach Bedarf gibt es allerdings eine Ausnahme: Saugschwache, schläfrige Babys (z.B. mit einer Neugeborenen-Gelbsucht) sind oft kaum zum Trinken zu ermuntern und schlafen während des Stillens sehr schnell ein. Dasselbe gilt für Babys, die mit einem niedrigen Geburtsgewicht oder zu früh geboren wurden. In diesem Fall dürfen Sie nicht nach Bedarf füttern, denn dann bekommt Ihr Baby zu wenig Milch. Wecken Sie Ihr Kind regelmässig zum Trinken auf! Häufige und kleine Mahlzeiten sind sinnvoller als lange Pausen und grosse Portionen. Die Beobachtung der Ausscheidung (ca. 5-6 nasse Windeln pro Tag und weicher Stuhlgang) bringt zusammen mit einer regelmässigen Gewichtskontrolle bei der Mütter- und Väterberatung in diesen Fällen die Gewissheit, ob ein Kind genügend Milch erhält.
Manche Mütter brauchen einen gewissen Rhythmus, um sich wohl zu fühlen und/oder ihren Tagesablauf zu gestalten. Viele Kinder lassen sich mit der Zeit auch an einen solchen gewöhnen. Es ist aber auch völlig in Ordnung, weiterhin nach Bedarf zu stillen und Ihrem Kind zu überlassen, wann es trinken/saugen möchte.
Stillen ist weit mehr als Ernährung: Es stillt den Durst, lindert Schmerzen, verbessert das Wohlbefinden, senkt den Blutdruck, intensiviert die Atmung, reguliert die Körpertemperatur, spendet Trost und erleichtert das Einschlafen. Gerade die durch das Saugen an der Brust erfüllten emotionalen Bedürfnisse halten sich verständlicherweise nicht an einen festen Zeitplan. Sie können Ihr Kind nicht verwöhnen, indem Sie sich feinfühlig und zuverlässig um es kümmern! Das heisst nicht, dass Sie es jedes Mal stillen müssen, wenn es unzufrieden ist. Natürlich können Sie es auch durch Tragen und Körperkontakt beruhigen. Mit der Zeit lernen Sie Ihr Kind immer besser kennen und wissen, was es braucht.
Häufige Frage
Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH / BF / SL / CMA