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1970-1974
Krankheit und Tod
Drei Jahre nach dem Ende des KREIS erhielt Karl Meier 1970 eine Hauptrolle im extra für ihn geschriebenen Stück "Das Zirkus-Abenteuer", welches zur Aufführung an der Märchenbühne im Theater am Hechtplatz vorgesehen war. Doch mitten in den Proben erlitt er einen Schlaganfall. Sein Freund und Lebensgefährte Alfred Brauchli / Fredi pflegte ihn fürsorglich zu Hause, doch nach weiteren Anfällen war Karl Meier / Rolf halbseitig gelähmt und geistig zunehmend verwirrt. Die letzten Jahre lebte er im Krankenheim Käferberg.
Am 29. März 1974 starb er.
Dieter Michael Specht als Chefredaktor des Hamburger Homosexuellen-Magazins Him verfasste einen Nachruf, in dem er unter anderem schrieb1:
"In Ehrfurcht und Dankbarkeit verneigen wir uns vor dem mutigen und unbestechlichen Schöpfer und Schriftleiter der Emanzipationszeitschrift Der Kreis. Dreissig Jahre verantwortungsbewusste Arbeit für die Anerkennung homophiler Menschen bleiben unauslöschliches Merkmal eines grossen Lebens. Dass sich Der Kreis - trotz grosser Anfeindungen - während der Dreissiger- und Vierziger-Jahre als einzige Homophilen-Zeitschrift in Europa dauerhaft zu behaupten wagte, war weitgehend sein Verdienst.
Die homophile Publizistik verlor mit 'Rolf' ihren grossen Mann. [...]"
Die schweizerische Zeitschrift hey veröffentlichte einen Nachruf von Eugen Laubacher / Charles Welti2. Darin skizzierte der ehemalige Redaktor des französischen Teils des Kreis - Le Cercle einen prägnanten Rückblick auf die vielen Jahre dieser Publikation unter dem Aspekt des für Rolf typischen "Suchens nach Wahrhaftigkeit und menschlicher Zuverlässigkeit". Dieses Suchen bestimmte nicht nur die Zeitschrift, sondern ebenso die Organisation DER KREIS und die zahllosen Kontakte zu Persönlichkeiten der Wissenschaft und Kultur. Charles schloss mit den Worten:
"Rolf liess es sich nicht nehmen, jeweils anlässlich der Weihnachtsfeiern [...] für jeden im Laufe des Jahres verstorbenen Abonnenten ein paar Worte des Gedenkens zu sagen und [...] symbolisch eine Kerze zu entzünden. Wenn wir zurückblicken auf die Verdienste, die er sich durch sein Wirken gegen die Diskriminierung der Homophilie erwarb, und zwar zu einer Zeit, als dies noch sehr viel Zivilcourage erforderte, so scheint mir, müssen auch wir, die Nutzniesser solchen Mutes, zu seinem Gedenken die symbolische Kerze entzünden."
Ernst Ostertag, März 2004