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1969 wurde Rudolf Leiding der neue Mann an der Spitze von Volkswagen do Brasil. Er ist für diesen Auftrag ausgewählt worden, weil er die neuen Produktionsabläufe bestens kannte und zuvor bei der Auto Union arbeitete, jener Firma, die Lizenzen für den Bau der DKW’s bei der brasilianischen Firma Vemag erteilte.
Leiding akzeptierte die Versetzung nach Brasilien unter der Bedingung, dass ihm Nordhoff, der damalige Chef von Volkswagen, die Garantie gab, frei über Projekte entscheiden zu dürfen.
Unter dieser Freiheit entstanden einige eigenständige VW-Entwicklungen. Zum Beispiel der VW 1600 (Zé de Caião)1968, der Variant 1969 und der Karmann TC.
1970 begannen hier die Arbeiten am „Projekt X“ aus dem fast unverändert der VW SP2 hervorging. Ziel war es, ein sportliches Auto zu entwickeln um dem Puma, einem brasilianischen Sportcupé basierend auf einer Käfer-Bodengruppe und einer Karosserie aus GFK, etwas entgegen setzen zu können.
VW SP2 Prototyp
Rudolf Leiding bildete ein Team aus jungen Ingenieuren und Designern um einen zweisitzigen Sportwagen zu bauen. Mit der Leitung des Teams beauftragte er den Ingenieur Wilhelm Schmiemann. Es war Rudolf Leiding persönlich, der die ersten Skizzen für das neue Projekt zeichnete. Im Laufe der Entwicklung prüfte er das Ergebnis immer wieder und legte die Entwürfe auch seiner Frau vor, um sie nach ihrer Meinung zu fragen, denn das Auto sollte auch den Frauen gefallen. In einem späteren Interview antwortete Rudolf Leiding auf die Frage, Sie entwickelten auch noch ein wunderschön gezeichnetes Sportcoupé, das auf den Namen SP2 hörte. Warum gelangte dieses Auto nie in den Verkauf nach Deutschland?
„Na, hören Sie mal, wo gibt’s denn so was: Im Mutterland rappeln die kreuzbraven Käfer vom Band, und plötzlich kommt einer aus Brasilien und zeigt den einheimischen Herren, was man denn aus so einem Käfer alles zaubern kann! Das durfte natürlich nicht sein, nein-nein ... Und eigentlich habe ich den SP2 ja auch nur für meine Frau entworfen ...
(Helga Leiding protestiert an dieser Stelle zaghaft.)
Aber natürlich, für Dich – und die übrige Damenwelt! *
Rudolf Leiding ging noch vor dem Produktionsstart zurück nach Deutschland um dort die Führung des VW-Konzerns zu übernehmen.
Die Designarbeiten um den SP wurden von Márcio Piancastelli koordiniert, er arbeitete bereits unter Roberto Araújo, einem der Vorreiter des brasilianischen Autodesigns. Piancastelli folgte 1962 der Einladung von Luigi Segre, Direktor von Ghia, um in Mailand eine Lehre zu machen. Als er nach Sao Paulo zurückkehrte, bestand seine Arbeit in erster Linie in der Modelpflege. Unter Rudolf Leiding wurden die Stylingabteilungen von DKW und VW zusammengelegt nur das „Projekt X“ wurde unter der Leitung von Piancastelli separat weiter geführt. Weitere Stylisten waren José Vicente Novita Martins, damals gerade einmal 20 jährig und George Yamashita Oba, er war es, der die schwierige Aufgabe hatte, die Zeichnungen in ein Modell umzuwandeln.
Der erste aus Blech geformte Prototyp wurde vom Italiener Giuseppe Accasto in Handarbeit angefertigt, er war als Spezialist für solche Aufgaben von der italienischen Firma Fissore nach Brasilien beordert worden.
Dieser Prototyp war es auch, der im März 1971 als „Projekt X“ an der deutschen Industriemesse in Sao Paulo erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Er hatte als erster Volkswagen das später beim VW 412 kopierte „Haifischgesicht“.
Dieser Prototyp diente zudem der Firma Karmann do Brasil als Vorlage zur Herstellung der benötigten Karosseriebauwerkzeuge, denn die Stahlkarosserie wurde bei Karmann gefertigt und anschliessend zur Lackierung und Endmontage ins VW-Werk in São Bernardo do Campo gebracht.
Innerhalb der drei Jahre zwischen der ersten Skizze und dem Produktionsanlauf im Juni 1972 hatte VW 30 Millionen Cruzeiros in das Projekt investiert. Dies entsprach zur damaligen Zeit rund 16 Millionen Mark.
Diese niedrigen Kosten resultierten aus der Fertigung der notwendigen Werkzeuge und Vorrichtungen im eigenen Hause sowie der weitgehenden Verwendung bereits vorhandener Bauteile aus bestehenden Modellreihen.

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Aus dem Buch "Käferprofile"

Bildquelle: Volkswagen