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Chronische Niereninsuffizienz bei Katzen
- Von med. vet. Bianca Valente
- 06.02.2023
Die chronische Niereninsuffizienz ist eine häufige und ernste Erkrankung bei älteren Katzen. Sie betrifft bis zu 30% der Seniorkatzen und kann deren Lebensqualität stark beeinträchtigen. Die Nieren sind lebenswichtige Organe. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind daher von entscheidender Bedeutung, damit die betroffenen Katzen so lange wie möglich ein schönes Leben führen können.
Katzen haben zwei Nieren, die sich auf Höhe des Rippenbogens auf beiden Seiten des Körpers neben der Wirbelsäule befinden. Sie haben zwei grundlegende Funktionen: die Filtrierung des Blutes und die Regulierung des Flüssigkeitshaushalts im Körper.
Das Filtrieren des Blutes ist eine der wesentlichsten Aufgaben der Nieren. Sie filtern dabei Abfallstoffe und Giftstoffe aus dem Blut, indem sie Substanzen, die der Körper braucht, von Substanzen trennen, die er nicht braucht. Die Abfallstoffe und Toxine werden dann mit dem Urin aus dem Körper ausgeschieden.
Darüber hinaus regulieren die Nieren den Wasserhaushalt, indem sie das Gleichgewicht von Flüssigkeiten, Mineralien und Elektrolyten im Körper aufrechterhalten. Dabei wird überschüssige Flüssigkeit in Form von Urin ausgeschieden. Gleichzeitig wird dafür gesorgt, dass Proteine nicht ausgeschieden werden. Die Nieren spielen zudem eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Blutdrucks und der Produktion von roten Blutkörperchen, indem sie ein Hormon namens Erythropoietin produzieren.
Kurz gesagt: Die Nieren sind Organe, deren einwandfreie Funktion lebenswichtig ist. Daher kann jede Störung der Nierenfunktion zu gesundheitlichen Problemen führen. Unter den vielen Nierenerkrankungen, die Katzen betreffen können, ist die Niereninsuffizienz die häufigste.
Was ist eine Niereninsuffizienz?
Mit Niereninsuffizienz wird eine Störung der Nierenfunktion bezeichnet. Es gibt zwei Formen dieser Erkrankung bei Katzen: die akute und die chronische.
Die akute Niereninsuffizienz ist eine plötzlich auftretende schwere Funktionsstörung der Nieren. Sie kann bei Katzen jeden Alters auftreten. Sie wird in der Regel verursacht durch:
- Vergiftungen (giftige Pflanzen, Frostschutzmittel, Haushaltsprodukte, einige Medikamente für Menschen, ...)
- Infektionen
- einen Verschluss der Harnwege
- ein Trauma
- einen plötzlichen Blutdruckabfall.
Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung kann eine akute Niereninsuffizienz oft rückgängig gemacht werden. Ohne rechtzeitige Behandlung kann sie, je nach Schweregrad, auch zum Tod des Tieres oder zur Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz führen.
Die chronische Niereninsuffizienz ist eine Krankheit, die sich meist langsam über mehrere Jahre hinweg entwickelt. In der Regel betrifft sie ältere Katzen ab einem Alter von sieben Jahren. In den meisten Fällen bleibt die genaue Ursache der chronischen Niereninsuffizienz unbekannt. Die häufigsten Ursachen, die bei Katzen festgestellt werden, sind folgende:
- chronische Infektionen und/oder Entzündungen der Nieren
- Erbkrankheiten (prädisponierte Rassen sind Maine Coon, Perser, Abessinier, Siamese, Ragdoll, Burmese und Russisch Blau)
- Bluthochdruck
- durch Gifte verursachte Schädigungen
- Autoimmunerkrankungen
- Krebs
Katzen, die an einer chronischen Niereninsuffizienz leiden, leben oft unbemerkt monate- bis jahrelang mit dieser Krankheit. Erst wenn die Schäden schwer sind, das heisst bei einem Verlust von etwa zwei Dritteln der Nierenfunktion, treten die ersten Symptome auf. Da sich einmal zerstörtes Nierengewebe nicht regenerieren kann, handelt es sich um eine fortschreitende Erkrankung, bei der es keine Heilung gibt und die mit der Zeit zur Schwächung der Tiere und zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führt.
Symptome einer Niereninsuffizienz
Die Symptome einer Niereninsuffizienz bei Katzen sind, je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung, unterschiedlich. Wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren, sammeln sich giftige Stoffwechselprodukte, wie zum Beispiel Harnstoff, im Blut an. Diese überschüssigen Giftstoffe können zu einer Reihe von Symptomen führen, wie Abmagerung, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und zu einem verändertem Putzverhalten. Da die Nieren den Urin nicht mehr richtig konzentrieren können, setzen die Katzen häufiger und grössere Mengen an Urin ab. Ausserdem kann es zu einem Anstieg des Blutdrucks kommen, was die Funktion anderer Organe, insbesondere der Augen, des Gehirns und des Herzens, beeinträchtigen kann. Schliesslich kann der Verlust von wichtigen Proteinen und Vitaminen über den Urin zu einem abnormalen Stoffwechsel und zu Appetitlosigkeit führen.
Zu den häufigsten Symptomen gehören folgende:
- Erhöhter Durst und mehr Harndrang: Katzen mit Niereninsuffizienz neigen dazu, häufiger und mehr zu trinken und dadurch öfter zu urinieren. Da ihr Körper die Flüssigkeit nicht mehr halten kann, sind sie ständig dehydriert und versuchen, dies durch vermehrtes Trinken zu kompensieren. Manchmal wird die Katze sogar inkontinent.
- Gewichtsverlust: Nierenerkrankungen können zu Appetitlosigkeit und einer verminderten Nährstoffaufnahme führen, was dann wiederum zu Gewichtsverlust führt.
- Erbrechen und Durchfall: kranke Katzen erbrechen häufig aufgrund von Übelkeit und einer Reizung der Schleimhäute des Verdauungstraktes.
- Erschöpfung: die Katzen können sich müde und energielos fühlen.
- Blutarmut: der Verlust der Nierenfunktion kann zu einer verminderten Produktion von Erythropoietin führen, einem Hormon, das die Produktion von roten Blutkörperchen anregt. Die Schleimhäute werden dann blass.
- Verlust von Muskelmasse: die Niereninsuffizienz kann zu Verlust von Muskelmasse führen.
- Verhaltensänderungen: Katzen mit Niereninsuffizienz können Verhaltensänderungen wie Aggressivität oder Verwirrung zeigen.
Wenn Sie bei Ihrer Katze eines oder mehrere dieser Symptome feststellen, ist es wichtig, dass Sie rasch einen Tierarzt aufsuchen, der die Katze untersucht und möglichst rasch Behandlungsschritte einleitet.
Diagnose der Niereninsuffizienz
Die Diagnose einer Niereninsuffizienz bei Katzen umfasst in der Regel verschiedene Labortests zur Beurteilung der Nierenfunktion, vor allem Blut- und Harnuntersuchungen.
Neben diesen Laboruntersuchungen können Tierärzte auch auf Ultraschall oder Röntgen zurückgreifen, um die Grösse und Form der Nieren zu beurteilen und strukturelle Anomalien zu erkennen. In einigen Fällen ist zudem eine Biopsie angezeigt.
Zur Diagnosestellung und Ursachenabklärung gehört auch, dass der Tierarzt Fragen zu den Symptomen, der Krankengeschichte, den Gewohnheiten und der Umgebung Ihrer Katze stellt.
Behandlung der Niereninsuffizienz
Die Behandlung der Niereninsuffizienz hängt von der zugrunde liegenden Ursache, der Schwere der Symptome und dem Stadium der Krankheit ab. Ziel ist es, die Symptome zu kontrollieren, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität des Tieres zu erhalten.
Medikamente und Infusionen
Mit der Behandlung der Niereninsuffizienz soll die Belastung der Nieren verringert, der Blutdruck kontrolliert, der Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten ausgeglichen und giftige Abfallprodukte im Körper reduziert werden. Dies wird normalerweise durch den Einsatz von Medikamenten und intravenösen Infusionen erreicht.
Tiere, die noch gut fressen und keine ernsthaften Anzeichen aufweisen, werden oft konservativ behandelt, indem neue Behandlungen erst nach und nach hinzugefügt werden, wenn neue Symptome auftreten.
Wenn die Krankheit fortschreitet, kann die Behandlung invasivere Methoden wie Dialyse umfassen. Diese Behandlungen sind jedoch teuer und komplex, und können nicht bei allen Katzen in Betracht gezogen werden.
Nierendiät
Die Behandlung der Niereninsuffizienz bei Katzen sollte immer auch unterstützende Massnahmen umfassen, um die Lebensqualität des Tieres zu erhalten. Eine wichtige Komponente davon ist eine speziell auf die Bedürfnisse der Nieren eingestellte Ernährung mit reduziertem Proteingehalt, geringem Phosphorgehalt und hohem Gehalt an essentiellen Fettsäuren und Antioxidantien. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, dass Katzen Schwierigkeiten haben, solches Nierendiätfutter zu akzeptieren. In diesem Fall ist Geduld gefragt und es ist wichtig sicherzustellen, dass das Tier weiterhin frisst. Eine nierenkranke Katze, die nicht mehr frisst, sollte unbedingt zum Tierarzt gebracht werden, da die Anorexie die Nierenerkrankung verschlimmern kann. Um die Chancen zu erhöhen, dass die Katze das Futter akzeptiert, empfehlen wir eine ganz langsame, schrittweise Nahrungsumstellung, die auf die Vorlieben des Tieres bezüglich Temperatur, Beschaffenheit und Geschmack des Futters abgestimmt ist. Wenn die Katze aufgrund der Niereninsuffizienz an Übelkeit und Erbrechen leidet, sollte mit der Umstellung auf die Nierendiät gewartet werden, bis es der Katze wieder besser geht. Lesen Sie dazu auch weitere Tipps im Ratgeberbeitrag: "Was tun, wenn die Katze nicht frisst".
Wasseraufnahme fördern
Bei Katzen mit Niereninsuffizienz ist es wichtig, einen guten Flüssigkeitshaushalt aufrechtzuerhalten, um eine Dehydrierung zu vermeiden, die Ausscheidung von Giftstoffen zu fördern und der Bildung von Nierensteinen vorzubeugen. Dazu wird empfohlen, das Wassertrinken der Katze zu fördern, indem man ihr mehrere Näpfe mit frischem Wasser sowie Trinkbrunnen zur Verfügung stellt. Auch die Wahl eines überwiegend feuchten Futters ist sehr hilfreich, denn Nassfutter ist nicht nur schmackhaft, sondern versorgt die Katze auch mit bis zu 75 % Wasser.
Nahrungsergänzungsmittel
Es gibt Nahrungsergänzungsmittel, die reich sind an Fettsäuren und Antioxidantien und eine entzündungshemmende und damit nierenschützende Wirkung haben, sowie Nahrungsergänzungsmittel, die die Aufnahme von Phosphor und Vorläufern urämischer Toxine verringern. Diese können einfach dem täglichen Futter der Katze beigemischt werden.
Wenn die Krankheit fortschreitet und die Katze keinen guten Appetit mehr hat, ist es auch sinnvoll, ihr ein mit Nährstoffen und Vitaminen angereichertes Ergänzungsfutter zu geben, um Mangelerscheinungen vorzubeugen und Energie zuzuführen.
Wenn bei Ihrer Katze eine Niereninsuffizienz festgestellt wird, ist es wichtig, ihre Gesundheit sorgfältig zu überwachen, indem Sie regelmässig Blut- und Urintests beim Tierarzt durchführen lassen. Sollten Sie Veränderungen im Verhalten oder andere ungewöhnliche Symptome beobachten, zögern Sie nicht und wenden Sie sich so schnell wie möglich an Ihren Tierarzt.
Prognose und Prävention
Manche Katzen sprechen sehr gut auf die Behandlung der Niereninsuffizienz an, andere hingegen nicht. Die Prognose der Lebenserwartung bei Niereninsuffizienz ist daher sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Ergebnisse in Bezug auf Lebensqualität und Überleben umso besser sind, je früher die Diagnose und Behandlung der Niereninsuffizienz erfolgt. Es ist deshalb sinnvoll, mit älteren Katzen regelmässig beim Tierarzt einen Alterscheck durchzuführen, bei dem ein eventueller Gewichtsverlust und andere Frühsymptome erkannt werden können.
Katzen, die an einer chronischen Nierenerkrankung leiden, werden gute und schlechte Tage haben. Da es sich um eine unheilbare Krankheit handelt, werden sich die Symptome und der Zustand des Tieres allmählich verschlechtern. Wenn die chronische Niereninsuffizienz zu schwerwiegenden Symptomen führt und sich diese unter der Behandlung nicht mehr verbessern, kann man leider auch vor die schwierige Entscheidung gestellt werden, sein Haustier zu erlösen.
Vorbeugung ist der beste Weg, seine Katze vor einer Niereninsuffizienz zu schützen. Dies kann durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, sowie durch regelmässige tierärztliche Untersuchungen und die sofortige Behandlung aller zugrunde liegenden Krankheiten erreicht werden. Es ist auch wichtig, Ihre Katze vor potenziellen Giftstoffen in ihrer Umgebung zu schützen, indem Sie beispielsweise auf giftige Blumen oder Pflanzen im Haushalt verzichten. Auch mit diesen Massnahmen lässt sich leider eine Niereninsuffizienz nicht immer verhindern. Sie können damit aber das Risiko und die Folgen der Erkrankung etwas abmildern.