Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03184.jsonl.gz/451

Verbogenes Stadtbild
Sie schlängeln und biegen sich willkürlich durch Berlin, steigen hoch, um Baumkronen zu umwickeln, zwängen sich durch Strassen und Gassen oder ragen meterhoch in die Luft – unübersehbar über den Köpfen der Passant*innen schwebend. Die auffälligen pinken und blauen Röhren tragen seit 2010 ebenso zum Berliner Stadtbild bei, wie es der Fernsehturm oder die beliebten Spätis seit Jahrzehnten tun. Von aussen scheinen sie Teil einer stadtweiten Kunstausstellung zu sein, doch auf kurze Nachfrage bei den Berliner*innen erhält man eine logische, aber etwas enttäuschende, Erklärung: Die Rohre dienten dazu, den Berliner Grundwasserspiegel zu senken, da sich die Stadt auf einem grossflächigen Sumpfgebiet befinde. Ebenfalls seien die Biegungen der Rohre nicht willkürlich, sondern bewahrten im Winter das Wasser vor dem Einfrieren. Einzig die auffällige Farbwahl des freundlichen Pink und Blau stemmt sich gegen die rationale Funktionalität des Rohrsystems. Pollem, ein Bauunternehmen, das zu grossen Teilen für die Rohre verantwortlich ist, habe sich von Psycholog*innen beraten lassen und sich deshalb für die zwei Lieblingsfarben von Kindern entschieden, welche gleichzeitig Erwachsene daran erinnern sollen, jung und verspielt zu bleiben.