Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03093.jsonl.gz/1946

Der globale Stickstoffkreislauf ist überlastet. Mit dem Import von Kraftfutter führt die Schweiz nicht nur Stickstoff ein, sondern exportiert auch Umweltprobleme ins Ausland.
Text: Gregor Klaus
Schweizer Kühe sind Einkaufstouristen. Ein beachtlicher Teil von dem, was sie im Stall an Kraftfutter wie Körnermais, Gerste, Hirse, Acker- oder Sojabohnen fressen, stammt nicht von den heimischen Äckern. Soja wird beispielsweise vorwiegend aus Brasilien importiert. Die inländische Fleischproduktion - beziehungsweise der hohe Fleischkonsum der Schweizer Bevölkerung - beansprucht insgesamt eine Ackerfläche im Ausland, die derjenigen entspricht, die in der Schweiz Jahr für Jahr unter den Pflug genommen wird.
Futtermittel haben es in sich
Die eingeführten Mengen an Futtermitteln tragen massgeblich zur Überlastung des nationalen Stickstoffkreislaufs bei . Ein Teil der Stickstoffüberschüsse gelangt früher oder später in die Umwelt und verursacht an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten gesundheitliche und ökologische Probleme. Das Phänomen ist nicht auf die Schweiz beschränkt. Die Karte links oben zeigt eindrücklich, welche gewaltigen Mengen an Futtermitteln von Süd- und Nordamerika in asiatische und europäische Staaten gelangen.
Die Futtermittelimporte sind allerdings auch für die Exportländer hochproblematisch, weil beim Anbau der Futterpflanzen riesige Mengen an Kunstdünger verwendet werden. Die Pflanzen nehmen aber nur einen kleinen Teil des Stickstoffdüngers auf. Der Rest verbleibt im Boden der Exportländer. Ein beachtlicher Teil gelangt in die Atmosphäre, ins Grundwasser oder mit den Bächen und Flüssen in die Meere, wo es zu ökologischen Schäden kommen kann. Die Kosten für die Umweltschäden zahlen die Exportländer der Futtermittel.
Das BAFU untersucht die Umweltauswirkungen des Konsums der Schweiz und betrachtet dabei auch die Belastungen, die bei der Herstellung von importierten Waren im Ausland entstehen. In diesen Arbeiten wird unter anderem der Stickstoff näher betrachtet, wobei Einträge in die Ökosysteme im Fokus stehen. Die Resultate zeigen eindrücklich, dass mehr als die Hälfte der von uns verursachten Umweltschäden, die auf Stickstoffverbindungen zurückzuführen sind, im Ausland anfallen - beispielsweise bei der Produktion von Soja in Brasilien als Kraftfutter für Schweizer Kühe (siehe Grafik rechts). «Der Stickstoff-Fussabdruck der Schweiz ist beachtlich», sagt Nicolas Merky von der Sektion Ökonomie beim BAFU und Leiter der Forschungsarbeiten. «Es ist uns noch zu wenig bewusst, dass wir mit unserem Konsum auch ausserhalb der Landesgrenzen grosse Umweltschäden verursachen können.»
Globales Stickstoffgefälle
Biologisch aktiver Stickstoff ist eine Schlüsselressource für uns Menschen: Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung wird mithilfe von Kunstdüngern ernährt. Bei einem Blick auf die Karten links fällt allerdings auf, dass die Verteilung des weltweit gehandelten biologisch aktiven Stickstoffs ungleichmässig ist. Das stärkste Stickstoffgefälle besteht zwischen Afrika und Europa. Während der exzessive Stickstoffeinsatz in Europa zu grossen Umweltproblemen führt, fehlen den Bauern in Afrika ausreichende Mengen des wichtigen Pflanzennährstoffs, um die Nachfrage nach Kalorien für viele Mio. von Menschen zu befriedigen. Für die Ernährung von 14 % der Weltbevölkerung stehen nur 3 % der Kunstdüngermenge zur Verfügung. Beat Achermann von der Abteilung Luftreinhaltung und Chemikalien beim BAFU fordert: «Der globale Kreislauf muss dringend optimiert werden.»
Weiterführende Informationen
Links
Dokument
Diese Ausgabe als Download (PDF, 4 MB, 21.05.2014)2/2014 - Stickstoff – Segen und Problem
Letzte Änderung 21.05.2014