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Wollten in den sechziger Jahren die Berner Nonkonformisten eine Veranstaltung durchführen, mieteten sie ganz selbstverständlich einen Raum und entrichteten den Behörden die Billettsteuer (vgl. hier, S. 168). Und pünktlich nach dem ersten Auftritt von Konrad Farner – einem richtigen Kommunisten, man denke! – im Diskussionskeller Junkere 37, eröffnete der schweizerische Staatsschutz eine Junkere 37-Fiche (vgl. hier, S. 322).
Seit den 1970er Jahren werden in Bern dann Häuser besetzt. Zum Wohnen, klar. Aber auch, um so zu leben, wie man leben will: Insbesondere unter kritischen jungen Leuten wird der versteinerte bürgerliche Kulturbegriff in Frage gestellt. Kultur hat nun etwas mit dem eigenen alltäglichen Leben zu tun. 1980 schwappt die Zürcher Jugendbewegung schnell auf Bern über, und auch hier erkämpft sie ein Autonomes Jugendzentrum, das am 16. Oktober 1981 eröffnet, jedoch bereits am 14. April 1982 wieder polizeilich geräumt wird.
In den folgenden Jahren sammelt sich die Protestbewegung erneut um besetzte Häuser, deren Namen nun ideologische Programmatik verraten (Frauenhaus, Punkhaus, Freakhaus, Antiimpi-Haus, ZAFF). Die Räumung des ZAFF am 8. Juli 1985 führt zur Gründung der Hüttendorfsiedlung Zaffaraya auf dem Gaswerkareal.
1987 spitzt sich der Kulturraumkampf zu. Mit sogenannten Strafbars besetzt man kurzzeitig Areale, um Feste zu feiern und so auf die Kulturraummisere hinzuweisen. Solche Strafbars gibt es auf der Kohlenhalde im Gaswerkareal, in einem Käsekeller, in der Dampfzentrale, in den Reitställen des Reitschulareals, auf dem kleinen Schänzli und schliesslich in der grossen Reithalle. Umstrittene Liegenschaften sind in diesen Monaten die Toblerfabrik in der Länggasse, das Meerhaus an der Effingerstrasse oder die Dampfzentrale – vor allem aber Zaffaraya und Reitschule. Dieser Kulturraumkampf ist gegen die bürgerliche Stadtregierung erstaunlich erfolgreich und steht aus heutiger Sicht wie ein Wetterleuchten vor der politischen Wende. Seit 1991 wird Bern rotgrün regiert.
Ich arbeitete damals zusammen mit Urs Frieden und Marie Josée Kuhn auf der WoZ-Redaktionsstelle Bern. Zusammen mit einer Gruppe von freien MitarbeiterInnen unterstützten wir diesen Kulturraumkampf mit anwaltschaftlichem Journalismus. Im Herbst 1987 zeichneten wir die intensiv gewordene Berichterstattung nicht mehr namentlich. Darum danke ich für die Einwilligung zur Zweitveröffentlichung unserer gemeinsamen Arbeit neben Frieden und Kuhn insbesondere auch Anita Krattinger, Tanja Messerli, Bernhard Ott, Christine Sieber, Lisa Schäublin (die als Fotografin für die Bildstrecken unserer Berichterstattung sorgte) und Simon Thönen.
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• Doppelte Mogelpackung. Zur Stadtberner Abstimmung über die Initiative «Reitschule für alle». WoZ, Nr. 37 / 2000 (mit einer Übersicht über die bisher sechs gescheiterten rechtsbürgerlichen Versuche, das Reitschulprojekt zu beenden).