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Ouverture
Die Ouverture ist ein Orchesterstück zur Eröffnung eines Konzerts, einer Theaterveranstaltung oder eines Films.
Um die Kinos zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufzuwerten, wurden sie architektonisch als Theater gestaltet, in dem die Leinwand die Bühne ersetzte, vor der sich ein Orchestergraben oder ein Orchesterpodium befand. Auch Kleintheater hatten eigene Instrumentalensembles, die zu allen Vorstellungen spielten. Als erstes Stück in Theater- wie Filmvorführungen diente die Ouverture, bei der alle mitwirkenden Musiker beschäftigt waren, um einen feierlichen Rahmen zu bilden.
Im Kino wurde eine Ouverture vor dem Film oder während des Vorspanns gespielt. Speziell auf den Film abgestimmte Ouverturen waren im Stummfilm eher selten, weil den meisten Orchestern wenig Probezeit zur Verfügung stand. Beim Tonfilm ergab sich die Gelegenheit, spezifische Ouvertüren aus Motiven der Filmmusik zusammenzustellen oder die Handlung dramatisch zu eröffnen. Dies war bis in die Frühzeit des Fernsehens üblich, als der Titelsong, Jingles oder ein musikloser Anfang als Alternativen hinzutraten. Filmouverturen als traditionelle musikalische Eröffnung gibt es dagegen bis heute.
Schweizer Filmmusik
Als Stummfilmouverture ist Arthur Honeggers Eröffnung zu La roue (Abel Gance 1923) erhalten. Weil das weitere Musikmaterial zu diesem Film fehlt, gibt es die Vermutung, dass nur diese Ouverture spezifisch für den Film komponiert worden ist und die übrige Musik traditionell aus Archivmaterial zusammengestellt wurde. Die Möglichkeiten des Tonfilms nutzten etwa Jack Trommer, der mit seiner Ouverture zum Film Romeo und Julia auf dem Dorfe (Valerien Schmidely 1941) opernhaft in die Handlung einführte, oder Bernard Schulé, der die Bergwelt des Films La fille au fouet (Jean Dréville 1952) mit einer Potpourriouverture aus Schweizer Volksliedern charakterisierte. Ein neueres Verfahren zeigt sich zum Beispiel in der Titelmusik von Heidi und Peter von Robert Blum (Franz Schnyder 1955), mit der keine musikalische Form gestaltet, sondern eher verschiedene Raumeindrücke miteinander montiert werden.
Ausgedehnte «klassische» Ouverturen in Filmen der späteren Zeit haben oft einen betont epischen Charakter: Sie führen in eine «Welt der Erzählung» ein. Auf ironische Weise geschieht das mit der Ouverture von Patrick Moraz zu Claude Gorettas Film L’invitation (1973), die sich aus den diegetischen Klängen eines Transistorradios entwickelt. Die Ouverturen von Jonas C. Haefeli zu Klassezämekunft (Walter Deuber und Peter Stierlin 1988) oder von Balz Bachmann zu Giulias Verschwinden (Christoph Schaub 2009) führen in Filme ein, in denen die Erinnerung an vergangene Zeiten thematisiert wird. (Autor: Mathias Spohr)