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Wie viele "Unpolitische" verkannten die Oppermanns des Charakter der braunen Barbaren. Gustav, Publizist, flieht erst nach dem Reichstagsbrand. Martin, Chef des angestammten Möbelhauses, wird verhaftet, Edgar, der jüngste Bruder, von SA-Leuten aus der Klinik gejagt. Sie und andere Angehörige können sich später retten, aber Berthold, Martins einziges Kind, treibt ein Nazilehrer in den Freitod. Zum politischer Widerstand entschlossen, kehrt Gustav illegal nach Deutschland zurück. Sein hoffnungsloser Versuch endet im Konzentrationslager. Lion Feuchtwanger schrieb diesen ersten Roman über die Judenverfolgung im Dritten Reich hellsinnig bereits im Spätsommer 1933, als ein Holocaust im aufgeklärten 20. Jahrhundert noch jede menschliche Vorstellungskraft überstieg.
Portrait
Lion Feuchtwanger, 1884-1958, war Romancier und Weltbürger. Seine Romane erreichten Millionenauflagen und sind in über 20 Sprachen erschienen. Als Lion Feuchtwanger mit 74 Jahren starb, galt er als einer der bedeutendsten Schriftsteller deutscher Sprache. Die Lebensstationen von München über Berlin, seine ausgedehnten Reisen bis nach Afrika, das Exil im französischen Sanary-sur Mer und im kalifornischen Pacific Palisades haben den Schriftsteller, dessen unermüdliche Schaffenskraft selbst von seinem Nachbarn in Kalifornien, Thomas Mann, bestaunt wurde, zu einem ungewöhnlich breiten Wissen und kulturhistorischen Verständnis geführt. 15 Romane sowie Theaterstücke, Kurzgeschichten, Berichte, Skizzen, Kritiken und Rezensionen hatten den Freund und Mitarbeiter Bertold Brechts zum "Meister des historischen und des Zeitromans" (Wilhelm von Sternburg) reifen lassen. Mit seiner "Wartesaal-Trilogie" erwies sich der aufklärerische Humanist als hellsichtiger Chronist Nazi-Deutschlands.