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September 2018
Am 23.11.2017 haben die Schweiz und die EU beschlossen, ihre Systeme im Treibhausgasemissionshandel zu verlinken. Derzeit läuft, auch zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzübereinkommens, die parlamentarische Debatte. Ziel ist die Totalrevision des CO2-Gesetzes. Um letztendlich Klimaneutralität zu erreichen werden Massnahmen in allen Sektoren einschliesslich Industrie getroffen.
Die Verknüpfung der Emissionshandelssysteme (EHS) schafft gleiche Bedingungen für schweizerische und europäische Firmen. Die Unternehmen erhalten durch die große Flexibilität die Chance für die Entwicklung innovativer Lösungen. Die Verknüpfung der EHS der Schweiz und der EU könnte noch in der laufenden Verpflichtungsperiode (2013–2020) vereinbart werden. Die Umsetzung könnte dann ab 1. Januar 2020 nach der Zustimmung der Parlamente in der Schweiz erfolgen. Neben den großen, emissionsintensiven Unternehmen werden auch der Flugverkehr, Verkehr, Landwirtschaft, Müllverbrennung und Gebäudemanagement in das EHS einbezogen.
Wie funktioniert Emissionshandel?
Ein EHS (nach dem Prinzip von Cap and Trade) ist ein Mengensteuerungsinstrument. Das heißt, im Umfang einer Emissionsobergrenze (Cap) gibt der Staat Emissionsrechte aus und teilt diese den am Emissionshandel teilnehmenden Unternehmen für einen gewissen Zeitraum zu. Den Unternehmen wird damit das Recht zugestanden, eine bestimmte Menge an Treibhausgasen kostenlos zu emittieren und mit Emissionsrechten zu handeln (Trade). Dieses System belohnt Unternehmen, die treibhausgaseffizient produzieren (vgl. Grafik oben). Unternehmen A und B erhalten ungeachtet ihrer tatsächlichen Emission gleich viele Emissionsrechte pro Produktionseinheit. Die Über- oder Unterdeckung im Vergleich zur tatsächlichen Emission kann durch den Handel ausgeglichen werden.
Derzeit sind im Schweizer EHS Betreiber von 54 emissionsintensiven Industrieanlagen (u.a. Zement, Papier, Raffinerien, Chemie, Glas, Stahl, Keramik) zur Teilnahme verpflichtet. Im EU EHS hingegen sind es Betreiber von über 11.000 Industrieanlagen und fossil-thermischen Kraftwerken. Seit 2012 ist auch der Luftverkehr eingebunden. Für die EHS-Anlagen soll im Gegenzug die heute geltende Kompensationspflicht entfallen.
Die vollständige Verknüpfung der Emissionshandelssysteme bedeutet auch die vollständige Angleichung der Bedingungen für die Zuteilung von Zertifikaten, für Monitoring und Berichterstattung von Emissionen einer Anlage und für die Prüfung und Verifizierung durch unabhängige, akkreditierte Prüfstellen.
EU-EHS ab 2021
Am 09.04.2018 trat die EU-EHS-Richtlinie in Kraft. Neben einer entscheidenden Verbesserung der Wirksamkeit des Emissionshandels, wurden damit die Regeln und Rahmenbedingungen für den EU-Emissionshandel für die 4. Handelsperiode (2021-2030) festgelegt. Bis Oktober 2018 sollen auf dieser Basis die revidierten Regeln für die kostenfreie Zuteilung beschlossen werden. Diese gelten dann unmittelbar ohne nationale Umsetzung. Basis für die freie Zuteilung sind dabei die Produktionsmengen der Basisperiode in den Jahren 2014-2018. Die Berechnung erfolgt nach Benchmarks von 54 definierten Produkten oder Produktgruppen, nach messbarer Wärme (Prozessdampf, Heizenergie), nach eingesetzter Brennstoffenergie (industrieller Prozess) oder nach Prozessemission (Freisetzung von Treibhausgas aus Rohstoffen, z.B. beim Brennen von Kalk). Auf Grundlage dieser Daten wird die freie Zuteilung für die Jahre 2021-2025 erfolgen. Bis zum 30.09.2019 soll die Datenerhebung für das Zuteilungsverfahren mit Verifizierung durch akkreditierte Prüfstellen abgeschlossen sein. Neben den Produktionsdaten müssen auch zusätzliche Daten für die Emission von Treibhausgasen und für zahlreiche wichtige Begleitparameter berichtet werden. Die Benchmarks werden anschließend aus den besten 10% der Anlagen ermittelt.
TÜV SÜD verifiziert als akkreditierte Prüfstelle seit 2004 Zuteilungsanträge und Emissionsberichte in vielen Ländern Europas. Wenn Sie mehr über dieses Thema lernen wollen, wird eine Präsentation am Infotag, dem 18.10.2018 im Pullman Basel Europe stattfinden!.
Kontakt : Matthias Rizzi