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US-Schuldenberg steigt um 115'000 Dollar pro Sekunde
115'000 Dollar pro Sekunde, mit diesem Tempo nehmen die Schulden der USA momentan zu. Die Schuldenspirale werde nicht auf ewig so weiterdrehen können, meint Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank. Trotzdem hat er keine Angst vor einem Schuldenkollaps der Amerikaner oder von einem massiven Zinsanstieg.
05.10.2020, 17:09 Uhr
Redaktion: rem
Das US-Finanzamt hat mittlerweile einen Schuldenberg von fast 27'000 Mrd. Dollar angehäuft. Das sind 5'000 Mrd. mehr als noch Anfang 2019. Damals wurde während Wochen die staatliche Verwaltung stillgelegt, weil man sich zwischen Kongress und Weissem Haus nicht über eine Erhöhung des Schuldendeckels einigen konnte. "Fairerweise muss man anfügen, dass in den letzten Monaten vor allem die Corona-Hilfsgelder die Schulden explodieren liessen", sagt Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St. Galler Kantonalbank.
"9/11" – die Zäsur
Er blickt zurück auf den Amtsantritt von Ronald Reagan 1981, als die USA praktisch schuldenfrei waren. Sein missglückter Versuch, durch Steuersenkungen die Wirtschaft so stark anzukurbeln, dass die Steuereinnahmen die Kosten der Steuersenkung mehr als kompensieren, führte zu einem in dieser Zeit spektakulären Defizit von 200 Mrd. Dollar pro Jahr. Um die Jahrtausendwende unter Bill Clinton schrieben die USA letztmals Überschüsse in ihrem Staatshaushalt. Damals machten Berechnungen die Runde, wann der letzte US-Treasury verschwinden wird.
Wie Stucki weiter ausführt, war mit "9/11" und dem nachfolgenden Irakkrieg die Budgetdisziplin in den USA Geschichte. Rasch stieg unter Georg W. Bush das jährliche Defizit gegen 500 Mrd. Dollar. Barack Obama startete nach der Finanzkrise und den damit verbundenen Ausgaben zur Rettung des US-Bankensystems mit einem Minus von 1'400 Mrd. Dollar, bevor er das Defizit zumindest wieder deutlich reduzieren konnte. Mit dem Amtsantritt von Donald Trump wurde das Geld dann wieder mit vollen Händen ausgegeben.
Schulden nicht mehr greifbar, aber finanzierbar
"Die Schulden der USA sind in ihrem Ausmass nicht mehr greifbar, können vom US-Treasury jedoch problemlos finanziert werden. Das gilt auch für die in der Corona-Krise zusätzlich platzierten Staatsanleihen", sagt Stucki. Das hänge auch mit der Gläubigerstruktur zusammen. Mittlerweile ist die Fed bei weitem der grösste Gläubiger. 4'400 Mrd. Dollar oder 16% der ausstehenden US-Staatsanleihen werden von der Fed gehalten, Tendenz steigend. Gefolgt wird die Fed von Japan und China, die jeweils einen Anteil von 4% besitzen. Eine weitere Finanzierungsquelle sind die grossen Anlagefonds und institutionelle Investoren, die für ihre Derivatgeschäfte amerikanische Staatsanleihen als Sicherheit hinterlegen müssen.
Schwieriger Ausstieg
"Die Schuldenspirale wird nicht auf ewig so weiterdrehen können", so der CIO der SGKB. Die Schulden sind mittlerweile auf rund 125% des BIP und damit in die Nähe italienischer Verhältnisse gestiegen. "Die USA werden ihr Budgetdefizit wieder in den Bereich von 500 Mrd. US-Dollar pro Jahr senken müssen, damit zumindest die Schuldenquote im Vergleich zum BIP nicht weiter ansteigt. Trotzdem habe ich keine Angst vor einem Schuldenkollaps der Amerikaner oder von einem massiven Zinsanstieg. Die Finanzierung der Schulden ist stabil abgestützt und viele der Investoren kommen gar nicht darum herum, im grossen Stil US-Staatsanleihen zu halten", kommentiert Stucki.
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