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Laila Helms, Beruf: Lobbyistin der Taliban
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Sie heißt Laila Helms, lebt in Washington, und bei ihren Familienbeziehungen liegt es fast auf der Hand, dass sie nicht abseits der finsteren Winkel unserer Welt bleiben würde. Denn Laila Helms ist niemand anderes als die Nichte von Richard Helms, einem ehemaligen Direktor der CIA und einst Botschafter in Iran. Die Jugend der aufgeweckten Amerikanerin afghanischen Ursprungs war geprägt von den turbulenten Beziehungen zwischen ihrem Herkunftsland und ihrer Wahlheimat. Bereits in den achtziger Jahren, als sie an der Ostküste der USA, lebte, setzte sie sich für die Sache der Mudschaheddin ein, die damals gegen die sowjetische Besatzungsmacht kämpften. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie Mitglied der amerikanischen Organisation Friends of Afghanistan, die - wenngleich regierungsunabhängig - vom State Department und vom Weißen Haus unterstützt wurde und die Sympathie der öffentlichen Meinung für die Mudschaheddin fördern sollte. Eine Art westliche Außenstation des Heiligen Krieges, der in der Ferne gegen die UdSSR geführt wurde. In dieser Funktion organisierte Laila Helms beispielsweise am 20. März 1986 den Besuch des obersten Mudschaheddin Sayyed Muhammad Gailani in den Vereinigten Staaten. Ganz nebenbei hatte der Chef der afghanischen Guerilla im Laufe dieser Reise, genauer am 21. März 1986, in Washington ein langes Gespräch mit dem damaligen George Bush sr. Anm.1
Die Wechselfälle der Geschichte, ihre guten Kontakte zu den religiösen Führern Afghanistans, aber auch ihre Beziehungen haben Laila Helms im Laufe der Zeit bei dem Mächtigen Amerikas zu einer bedeutenden Lobbyistin Afghanistans gemacht. Beeinflusst von der amerikanischen Politik in diesem Teil der Welt, unterstützte sie lange die islamischen Führer, die in der Gunst der US-Regierung standen. Ab 1995 gehörte sie zu den Interessenvertretern der Taliban in Washington, die sich mit dem Segen und den Petro-Dollars Saudi-Arabiens und dem Wohlwollen des amerikanischen State Department anschickten, die Macht in Kabul zu übernehmen.
Im Laufe der letzten sechs Jahre koordinierte sie im Namen der Taliban verschiedene Aktionen, mit denen sich diese Gehör verschaffen wollten, vor allem bei den Vereinigten Nationen. Daran änderte sich auch nach 1996 nichts, als der Taliban-Chef Muhammad Omar (nach Massenhinrichtungen ohne Gerichtsverfahren) in den Augen der amerikanischen Regierung ein weniger guter Umgang geworden war. Unbeirrt verfolgte sie ihren Weg weiter, auch als 1997 die Taliban den Fundamentalistenführer Osama bin Laden Unterschlupf gewährten, und sogar noch nach 1998, nachdem dieser als Auftraggeber der Attentate gegen die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam für schuldig befunden worden war. So drehte Laila Helms im Jahr 1999 für NBC einen Dokumentarfilm über das Leben afghanischer Frauen, für den ihr der Fernsehsender zwei Wochen lang ein Drehteam in Afghanistan zu Verfügung stellte. Anm.2 Das Ergebnis: Ein Propagandafilm, der die Lebensbedingungen der afghanischen Frauen in einem äußerst optimistischen Licht darstellt. Weder NBC noch irgendein anderer amerikanischer Sender hat den Film je ausgestrahlt.
So sonderbar es erscheinen mag, der Aktivismus von Mrs. Helms ist in den USA nichts Außergewöhnliches. Auch andere Vertreter der Taliban genossen dort noch bis vor sehr kurzem durch unterschiedliche, mehr oder minder unauffällige Strukturen offizielle Anerkennung. So zum Beispiel das amerikanische Büro des islamischen Emirats von Afghanistan, eine Art Konsulatsstelle auf der anderen Seite des Atlantiks, die einen halb amtlichen Status besaß, da die Herrschaft der Koranschüler nie offiziell von den Vereinigten Staaten anerkannt wurde. Anm.3 Dennoch verfügte diese Vertretung im August 2001 noch über Räumlichkeiten in einem Haus in Queens, New York, wo Abd-ul-Hakim Mudjahid, informeller Vertreter der Taliban in Nordamerika, residierte.
Nach dem 5. Februar 2001 und dem Antrag auf offizielle Anerkennung der Taliban wurde natürlich Laila Helms damit betraut, in Washington die neuen amerikanisch-afghanischen Beziehungen zu koordinieren. Sie legte dabei ein solches diplomatisches Geschick an den Tag, dass es ihr innerhalb weniger Wochen gelang, ein Treffen zwischen hohen Beamten der Bush-Regierung und Abgesandten Mullah Omars zu arrangieren. Die Kontakte zu ihren ehemaligen Partnern - jetzt Teil der amerikanischen Regierung - aus der Zeit des Kriegs der Mudschaheddin gegen die UdSSR erwiesen sich als äusserst wertvoll. Denn im republikanischen Lager sitzen heute jene Beamten, die einst den Guerillakrieg der Islamisten unterstützt hatten, um Moskau zu destabilisieren, erneut in Schlüsselpositionen - unter diesen Bedingungen wertvolle Verbündete.
Zwei Monate später bahnten sich erste Ergebnisse an. Vom 18. bis zum 23. März 2001 stattete Rahmatullah Hashimi, Reisediplomat der Taliban und persönlicher Berater von Muhammad Omar, den Vereinigten Staaten einen Kurzbesuch ab. Das war kurz nach der Sprengung der 1000jährigen Buddha-Statuen von Bamiyan. Trotz der angespannten Atmosphäre organisierte unsere Lobbyistin verschiedene Treffen für den jungen afghanischen Würdenträger. Nach den Worten des amerikanischen Journalisten Wayne Madsen Anm.4 , Spezialist für Sicherheitsfragen und ehemaliger Offizier des Nachrichtendienstes, erklärten sich mindestens zwei Abteilungen der Regierung zu einem Gespräch bereit: die zentrale Leitung der CIA Anm.5 und der Nachrichtendienst des State Departments. Anm.6 Es gelang ihr, in diesem medienorientierten Land für ihren Kunden zwei Interviews bei Sendern zu organisieren, die sich bei politischen Entscheidungsträgern großer Beliebtheit erfreuen - die ABC und das National Public Radio. Eine ideale Gelegenheit, das Image der Taliban aufzupolieren und somit die Verhandlungen zu erleichtern. Anm.7
Wie ist dieser Besuch nun zu bewerten? Ist er lediglich auf das Geschick von Mrs. Helms zurückzuführen? Wer sind die Auftraggeber? Und vor allem, welcher Logik unterliegt diese Reise?
Tatsächlich waren die Vereinigten Staaten von Anfang 1999 bis August 2001 ständig darum bemüht, die afghanische Frage zu regeln. Einzige konkrete Veränderungen: Die Republikaner beschlossen, die von der Clinton-Regierung eingeleiteten Schritte zu beschleunigen. Die Erklärung des talibanischen Außenministers vom 5. Februar 2001 beweist nur, dass auch die Herren von Kabul zu einer schnellen Einigung zu kommen wünschen.
Auf beiden Seiten waren die Interessen klar definiert. Zugunsten seiner Energiepolitik sollte Washington die schrittweise internationale Anerkennung der Taliban unterstützen. Im Gegenzug würden Letztere eine pazifistischere politische Linie vertreten, dem Fundamentalistenführer Osama bin Laden kein Asyl mehr gewähren und sich bereit erklären, in ihren internationalen Beziehungen die Linie der fundamentalistisch-sunnitischen Staaten zu vertreten. Anm.8 Diese unterstützen außerhalb ihrer Grenzen die Positionen Saudi-Arabien, des größten Finanziers radikaler Sunniten und engsten Alliierten der Vereinigten Staaten in der arabischen Welt.
Herausragende Persönlichkeiten setzten sich für das Zustandekommen dieses Tauschhandels ein, der beiden Seiten gute Dienste erweisen sollte. So traf bereits im Januar 2000 ein leitender Vertreter des State Department in Pakistan mit dem Repräsentanten der Taliban Sayyed Muhammad Muttaqi zusammen. Anm.9 Er nutzte die Gelegenheit auch zu einem Gespräch mit Tom Simons, dem örtlichen Botschafter der Vereinigten Staaten, der nach und nach zur treibenden Kraft der Gespräche werden sollte. Damit begann die letzte Etappe der amerikanisch-afghanischen Verhandlungen. Aus Washingtoner Sicht ging es im Prinzip darum, die ehemaligen Verbündeten auf Linie zu bringen. Denn nicht immer war das Taliban-Regime dem Weißen Haus und dem State Department ein Dorn im Auge gewesen. Ganz im Gegenteil.
Über Jahre war die Bewegung sogar als glückliche Fügung betrachtet worden. Von 1994 bis 1998 zeigten die Vereinigten Staaten relatives Wohlwollen gegenüber den Taliban. Denn von den komfortablen Gebäuden am Ufer des Potomac, von diesem Viertel Washingtons aus, in dem sich die Macht konzentrierte, werden die Ereignisse in fernen Ländern auf eigene Art wahrgenommen. Die finanzielle, politische und militärische Führung - von der Weltbank bis zum Pentagon alle auf wenigen Quadratkilometern gedrängt - verfolgt auf dem Bildschirm die weltweite Entwicklung der Erdölmärkte und überfliegt die diplomatischen Depeschen, welche die Wirren des aktuellen Weltgeschehens zusammenfassen.
Was Afghanistan betrifft, waren diese Indikatoren eindeutig. Das Land ist der Schlüssel zu den Energiereserven Zentralasiens, und eine starke, unangefochtene Regierung ist Voraussetzung dafür, dass diese Situation ungestört ausgenutzt werden kann. Das heißt, selbst nach den Attentaten von Nairobi und Daressalam im Jahr 1998, selbst nachdem die Taliban Osama bin Laden offiziell Schutz gewährten, wurde noch immer verhandelt.
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