Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03606.jsonl.gz/2141

Wir schreiben das Jahr 1945. Der Zweite Weltkrieg ist bald vorbei, und die Kapitulation Japans steht bevor. In dieser Zeit werden regelmässig Bomben über den japanischen Städten abgeworfen, so auch über der Fischerstadt Kobe. Dort lebt der Junge Seita mit seiner Schwester Setsuko. Als ihre Mutter schwer verwundet wird und gepflegt werden muss (bevor sie dann stirbt), werden die Kinder zu einer Tante geschickt. Es scheint anfänglich, als würden die Geschwister gut dort aufgenommen, allerdings lernen sie bald, dass die Tante nur noch denjenigen Leuten Essen gibt, die auch dafür arbeiten.
Seita hingegen verbringt stattdessen lieber seine Zeit mit der Schwester, weshalb er sich auch dazu entschliesst, aus dem Haus der Tante auszuziehen und mit Setsuko in einer Höhle zu wohnen. Dort wird das Essen bald knapp, die nächtlichen "Raubzüge" über die Felder werden bald entdeckt und die Kinder leiden unter Hunger. Als dann das kleine Mädchen auch noch immer kranker wird, verschlimmert sich die Situation dramatisch.
Aus dem Studio, das uns traumhafte Filme wie Spirited Away und Princess Mononoke brachte, stammt auch einer der wohl traurigsten (Animations-)Filme aller Zeiten: Die letzten Glühwürmchen. Regisseur Isao Takahata zeigt uns dabei ein Geschwisterpaar, das in den Folgen des Weltkrieges ums Überleben kämpft und dabei an körperliche Limiten kommt. Er holt sich dabei Inspiration aus einem autobiographischen Roman des japanischen Schriftstellers Akiyuki Nosaka.
Die Geschichte von Hotaru no Haka, so der Originaltitel des Films, lässt sich Zeit mit der Erzählung. So werden die Hauptfiguren Seita und dessen kleine Schwester Setsuko sorgfältig mit Charakter versehen, so dass der Zuschauer sie bald liebgewinnen kann. Ihr Leben ist hart, die Bilder aber sind wunderschön. Zwar ist man inmitten des Krieges und die Alarmsirene ist omnipräsent, aber das Geschwisterpaar findet immer wieder Ausflüchte aus dem grauen und brutalen Alltag, was die Zeichner aus Japan hervorragend umsetzen. So auch die titelgebenden Glühwürmchen, die auch gegen Ende immer wieder als letzte Ausflucht aus den Sorgen herhalten müssen: wunderbare Sequenzen, in denen man die Hoffnung der Figuren fast spüren kann.
Dass es ein etwas anderer Animationsfilm ist und deutlich erwachsener daherkommt als die fantasievollen Kollegen, liegt an den Ereignissen, die uns erzählt werden: kein Spass, keine Freude, sondern brutaler Kampf ums Überleben. Zuschauer mit Hang zu feuchten Augen sollten definitiv ein grosses Pack Taschentücher dabeihaben, denn die Macher schaffen es, die Gefühle frontal anzusprechen. Die Ereignisse in diesem Film lassen wohl niemanden kalt.
Fazit: Die letzten Glühwürmchen ist ein Meisterwerk, das ernsthaft und hervorragend animiert daherkommt. Dazu wird uns eine Geschichte geboten, die, vor allem gegen Ende, brutal unter die Haut geht. Da verzeiht man auch die klitzekleinen Längen, die der Film in seinen Startmomenten hat. Das ist ein Klassiker, den man sich anschauen muss!
Die vorliegende DVD hat leider keine Extras zu bieten und bleibt auch technisch höchst durchschnittlich. Den Ton gibt's zwar in drei Varianten, aber allesamt nur im 2.0-Sound. Das Bild ist okay, auch wenn es durchaus noch schärfer und klarer gehen würde.