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Echo Tutorial
Was ist ein Echo
Töne und Geräusche bringen Luftteilchen in Bewegung. Diese Bewegungen erzeugen in der Luft unsichtbare Wellen. Erreichen solche Wellen unser Ohr, dann hören wir Geräusche und Töne. Alles, was wir hören, nennen wir Schall. Wenn Schall auf ein Hindernis trifft, wird er bei entsprechendem Aufprallwinkel und eher glatten Oberfläche von diesem zurückgeworfen und gelangt wieder an unser Ohr. Schallwellen sind ganz schön schnell: In einer Sekunde legen sie etwa 343 Meter zurück. Prallen sie auf ein schallhartes Hindernis, etwa eine Felswand, werden die Schallwellen zurückgeworfen, den verzögert reflektierten Schall nennen wir Echo. Steht man zu nah an einer Wand, hört man kein Echo. die Schallwellen sind zu schnell für unser Ohr. Ein Echo ist umso deutlicher hörbar, wenn nur eine Fläche oder wenige Flächen reflektieren, also beispielsweise Felswände. Bei vielen reflektierenden Flächen, wie etwa in einer Kirche, in einer Höhle oder unter Brücken werden die Schallwellen so schnell hin und her geworfen, dass wir fast alles gleichzeitig hören und der Eindruck eines Nachhalls entsteht. Auch der Abstand von einem Hindernis spielt eine Rolle: Damit eine Wortsilbe reflektiert wird, muss man in mindestens 17 Metern Abstand von der Wand stehen, für ein ganzes Wort braucht es mindestens 50 Meter Entfernung. Für ein Echo gilt immer: Je einfacher die Struktur der reflektierenden Fläche, desto klarer. Bei einer Vielzahl von Flächen wird das Echo immer dumpfer und leiser. Natürlich wird alles, was wir rufen, auch wieder zurückgeworfen. Verstehen können wir davon aber meist nur das letzte Wort, denn das Echo ist schneller wieder da, als wir mit dem Rufen fertig sind. Deswegen ist des Echos Antwort auf unsere Frage «Soll ich bei ihr bleiben oder gehen?» natürlich klar: «gehen!»
EchoCheck
Beim Ruf in den Berg nimmt man eine oder beide Hände und formt einen Trichter vor dem Mund.
Man achtet darauf, dass man zwar kräftig und lauthals jutzt, dabei aber die Stimme nicht überfordert. Als Ruf eignet sich ein einfaches Intervall mit zwei Tönen, z.B. «hal-lo» oder «jo-ho».
Für einen EchoCheck eignen sich folgende Fragen:
- Mit wie vielen Echos erwidert die Bergwand meinen Ruf?
- Ist es ein Mehrfachecho oder ein Wanderecho? (Beim Wanderecho gleitet das Echo einer Felswand oder Talsohle so entlang, als würde der Ruf in die Ferne entschweben)
- Wie lange dauert es, bis das Echo zurückkommt, bis wir eine Antwort hören?
- Wo muss ich genau stehen, damit das Echo seine ganze Dimension entfaltet?
- Finde ich für meinen Ruf einen noch besseren Standort?
- In welche Richtung muss ich genau rufen, damit sich das Echo optimal entfaltet?
- Wie ist die Wetterlage an meinem EchoOrt (Sonne, Nebel, Wind, Regen, Schnee…)?
- Wer könnte mein Echo hören?
- Wen könnte mein Echo stören?
- Ist der Standort des EchoOrtes gefährlich?
Meteorologische Einflüsse auf das Echo
Das Echo ist launisch, unberechenbar und manchmal nicht zu fassen. Bei schönem Wetter und wenn kein Wind durch das Tal und über den Berg zieht, wird dir das Echo am klarsten begegnen. Hüllt der Nebel die Landschaft ein, so wird auch das Echo ummantelt und offenbart nicht mehr seine ganze Kraft. Kommt dann noch der Regen dazu oder liegt gar Schnee, verstummen die Berge oft ganz. Manchmal in den frühen Morgenstunden oder am Abend in der Dämmerung, wenn die Thermik im Wetterspiel noch ruht oder sich legt, erfährst du die wahre Tiefe, wenn dir der Berg antwortet. Merke: Grösster Spielverderber für das Echo ist der Wind. Vom einen auf den andern Moment kann eine kleine nahe oder auch ferne Böe das Echo zerzausen. Es braucht oft Geduld, ähnlich wie beim Beobachten von Wild, bis sich ein Echo in seiner ganzen Pracht offenbart und mit dir spielt.
Respekt vor der Natur, Rücksichtnahme und Achtsamkeit
Bitte sei dir stets bewusst, dass du in den Bergen und in der Natur nicht allein bist. Achte und respektiere sowohl älplerinnen und älpler als auch Flora und Fauna. Beachte auch die Wildruhezonen! In die Berge zu rufen, ist ein sinnlicher, archaischer Akt. Ein, zwei, vielleicht drei Rufe genügen. Der Berg wird dir antworten – und wer ihn bewohnt, ist dankbar, wenn dem Naturphänomen Echo mit Mass nachspürst. So wird dein Jutz als Ausdruck der Freude verstanden, und es kann sein, dass dir sogar ein anderer Mensch antwortet.
Mythologische Aspekte des Echos
Echo ist in der griechischen Mythologie auch die Stimme der Schöpfung, Tochter der Gaia, eine Oreade und Bergnymphe des Berges Helikon in der griechischen Mythologie. Die Oreaden, zu denen Echo gehört, leben in Grotten, Wäldern und Bergen, sie werden als die Feuchtigkeit der Berge gedeutet. Den Nymphen wird beständige Jugend nachgesagt. Der Mythos von Echo erzählt, dass sie im Auftrag von Zeus dessen Ehefrau Hera mit dem Erzählen von Geschichten unterhalten sollte, damit Zeus Zeit für amouröse Abenteuer hatte und Hera ihm nicht nachspionieren konnte. Als Hera dies entdeckte, soll sie Echo der Sprache beraubt haben. Sie liess ihr lediglich die Fähigkeit, die letzten an sie gerichteten Wörter zu wiederholen.
Die alpine Lautsphäre: Lauschen!
Jede und jeder kennt sie: die Glocken der weidenden Kühe auf den Alpen, das Sprudeln des Bergbachs, die signalhaften Rufe der Bergdohlen, das Röhren der Hirsche, das warnende Pfeifen der Murmeltiere und das Rauschen des Windes, den hingebungsvollen Betruf und Alpsegen eines älplers und das Donnern eines Sommergewitters. Befasst man sich mit dem Klangraum der Alpen, verdichtet sich die alpine Lautsphäre zu einem inspirierenden, berührenden und heilenden Klang in unseren Ohren. Der alpine Raum ist nicht nur eine spektakuläre archaische Architektur oder Laune der Schöpfung; in seinen Räumen klingt auch eine aus Urzeiten entstandene Symphonie des Lebens – und dies ununterbrochen. Wir sind immer eingebettet in dieses launische, epische Verlautbaren der Natur, ob wir wollen oder nicht. Indem wir in die Berge rufen, ruft uns die Natur zurück und lädt uns dazu ein, ihr unser Gehör zu schenken: Lauschen!