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«Seitdem mein, heute neunjähriger, Sohn Luca* neun Monate alt ist, bin ich alleinerziehend. Ich wurde schwanger während einer noch ganz jungen Beziehung, stand mitten im Beruf, arbeitete 100 Prozent, ging viel in den Ausgang, traf Kollegen und genoss das Leben. Ich war gerade 23 Jahre alt und konnte es kaum fassen, dass ich nun Mutter werden würde. Doch für mich war es niemals ein Thema, das Baby nicht zu behalten. Ich stürzte mich also regelrecht in dieses neue Leben, zog von zu Hause aus und mit meinem Freund zusammen. Anfangs lief es gut, doch waren unsere Auffassungen zu unterschiedlich: Ich wollte nach dem Mutterschaftsurlaub wieder arbeiten gehen, doch mein Freund wollte, dass ich zu Hause bleibe und Hausfrau bin. Immer öfter gerieten wir deswegen in Streit und trennten uns letztendlich.
Nun stand ich da, in einer leeren Wohnung mit dem Kind auf dem Arm. Zum Glück hatte ich meine Familie. Ich kann und konnte auf meine Eltern und meine Brüder bauen, obwohl sie doch selbst ihre Sorgen haben. Mein jüngster Bruder ist cerebral behindert und wird von meinen Eltern gepflegt. Meine Eltern schenkten mir damals eine komplette Wohnungseinrichtung und auch in der nächsten Zeit bezahlten sie dass, was Luca und ich zum Leben brauchten.
Ich fing wieder an, als Serviceangestellte zu arbeiten und Luca war währenddessen bei meiner Mutter. Das ersparte mir die teuren Krippenkosten. Eine neue Lösung musste her, als Luca in die Schule kam. Ich zügelte in die Nähe des Arbeitsplatzes und meiner Eltern, und wir wohnen nun seit vier Jahren in einem schönen Quartier mit vielen Kindern, die Schule ist in sieben Minuten erreichbar.
Doch diese Verbesserung hat einen hohen Preis: Ein grosser Teil meines Gehalts geht für die Miete der Wohnung drauf. So nutze ich jede Möglichkeit, um noch Geld dazu zu verdienen, zum Beispiel wenn Luca bei seinem Vater ist. Das gestaltet sich aber nicht immer einfach, weil ich mich auf Lucas Vater nicht sehr verlassen kann. Ich wünschte, er würde für seinen Sohn mehr Verantwortung übernehmen.
Auch meinem Umfeld fehlt es mitunter an Sensibilität. Obwohl alle wissen, dass ich alleinerziehend bin, wird nach meinem Mann gefragt, wenn es zum Beispiel darum geht, einen Fahrdienst für Lucas Fussball-Mannschaft zu übernehmen. Ich muss dann immer wiederholen, dass ich einerseits alleine bin und andererseits auch gar kein Auto habe. Letztendlich werde ich dann übergangen, niemand fragt, wie Luca und ich zum Match kommen oder bietet uns eine Alternative an. In solchen Momenten fühle ich mich sehr zurück gewiesen und es verletzt mich.
Auch die Aussagen mancher Lehrpersonen ärgern mich. So meinte einer, dass man gar nicht merken würde, dass Luca ein Scheidungskind sei. Das machte mich sehr wütend.
Ich bin froh, dass Luca keine Probleme in der Schule hat, er ist ein guter Schüler, macht allein seine Hausaufgaben und ist sehr selbständig. Das war schon anders, denn im Kindergarten hatte er einige Schwierigkeiten. Er hatte grosse Verlustängste, lief dort weg, zeigte Verhaltensauffälligkeiten und es kam soweit, dass die Lehrpersonen für ihn nicht mehr die Verantwortung übernehmen wollten. Das machte mich damals sprach- und fassungslos, und ich fühlte mich wieder mal allein gelassen. Was sollte ich tun? Einmal mehr unterstützte mich meine Mutter, ging mit mir zur Schule und verlangte ein klärendes Gespräch. Wir bekamen dann Hilfe beim Schulpsychologen und einer Puppenspieltherapeutin. Letztere behandelte Luca während zwei Jahren unentgeltlich, weil unsere Krankenkasse die Leistung nicht übernahm, und selbst hätte ich das nicht leisten können. Dafür bin ich der Therapeutin heute noch dankbar.
Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn. Er gibt mir Kraft und bringt mich zum Lächeln. Aber ich bin auch stolz auf mich, wie ich unseren Alltag meistere und wie ich noch vieles andere schaffen werde – allein!
Francesca, 33 Jahre, aus dem Kanton Zug (*Namen von der Redaktion geändert)
Texte: Caritas Schweiz
Foto: Symbolbild