Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03589.jsonl.gz/2535

Das Wort "Staad" stammt vom "Gestade" am Seeufer
Ermatingen war schon immer zweigeteilt in den Staad mit den Fischerhäusern und das Oberdorf mit der "Verwaltung", dem Kehlhof, dem Rathaus und dem Adler:
Das Wichtigste zum Staad vorweg: zu allen Belangen der Fischerei (Berufsfischerei, Fischräuchi, Fischhandlung, Fischbrutanstalt, Netzhänki, Segifischerei usw) und der Schifffahrt (Lädinen, Passagierschifffahrt usw) verweise ich Sie auf diese Webseiten:
Grosse Lastensegler, die "Lädinen", konnten in der Flachwasserzone vor Ermatingen das Ufer nicht erreichen; sie mussten mit kleineren Segnern be- und entladen werden, die ihrerseits an kleinen "Stedeli" anlandeten, wie an diesem vor dem Schiff:
So wurde es nötig, einen längeren Landungssteg zu bauen, was 1606 an die Hand genommen wurde - aber mit einem heftigen Streit mit den Triboltingern als Folge, denn die Ermatinger hatten das nötige Eichenholz ohne Rücksprache aus dem gemeinsamen Zwingwald geholt.
In verschiedenen Etappen ab 1905 wurde die Stedi als Damm aufgeschüttet, in Beton gefasst und mit Wellenbrechern geschützt:
Die neue Stedi mit dem bezeichnenden Namen "Fernsicht" ist nicht nur der neue Stolz der Gemeinde, sondern auch ein beliebter Treffpunkt, insbesondere bei Sonnenauf- oder Untergang.
Zur Stedi gehört das Gredhaus: das Lager- und Umschlaggebäude für die Waren, die per Schiff angeliefert oder abtransportiert wurden.
Zu jedem Landungssteg am See gehörte ein solches Gredhaus; das Konzilsgebäude in Konstanz ist das grösste Beispiel in der Nähe.
(Achtung: Sagen Sie "Staadgarten", nicht "Stadtgarten", sonst verstehen Sie die Staader dann falsch!)
Ursprünglich floss der Dorfbach nach Norden, ungefähr an der Fischräuchi vorbei in den See.
Nach einem Unwetter 1861 verstopfte sich das Bachbett (etwa beim heutigen Wohnhaus Loosli); der Bach suchte sich einen neuen Lauf nach Westen.
Wenn Sie in historischen Dokumenten die Bezeichnung "bei der Bachbrugg" finden, dann bezog sie sich auf die Brücke vor der heutigen Fischräuchi.
Das hier sichtbare Grundstück der späteren Villa Moosberger wurde 1934 aufgeschüttet und eine Hafenmauer bis zur Mündung des Dorfbaches gebaut.
An dieser senkrechten Betonmauer prallen die Wellen noch heute wild auf.
Die Mauer am nördlichen Teil wurde dann stark abgeschrägt, um die Energie der Wellen aufzufangen:
Die Bogenform erhielt die Brücke, damit die Gondeln den dahinterliegenden kleinen Hafen und den "Schlipf" aus teurem Rorschacher Sandstein erreichen konnten.
Dieser Hafen ist heute mit Schilf überwachsen.
Von hier hat man einen besonders schönen Blick zu den Vulkanen im Hegau, den weitaus ältesten Zeitzeugen in der Region:
aus E. Büchi, "Als die Moral baden ging":
1873 gründeten Ermatinger die «Seebad-Aktiengesellschaft Ermatingen». Zum Präsidenten wurde Otto Nägeli, Mitglied des Vorstandes der Bürgergemeinde, gewählt. Die durch diese Gesellschaft 1874 errichtete Badeanstalt stand im Bügen, unweit des damals sehr bekannten Hotels «Adler» mit der Villa «Seefeld».
Zunächst musste Seewasser ins Reservoir der Badeanstalt gepumpt werden, damit es für warme Bäder genutzt werden konnte. Die warmen Bäder waren für die Kranken und jene gedacht, «wo da gstört hät, dass d’Mane und d’Fraue im gliche Seewasser badet händ». - Diese Schilderung macht einen der Gründe deutlich, weshalb die Seebadeanstalten in den See hinaus gebaut wurden: So mussten keine Wasserleitungen gelegt werden; das Badewasser konnte direkt mit einer Pumpe gewonnen werden.
Die 1874 errichtete, baufällig gewordene Seebadeanstalt musste 1927 einem Strandbad im Westerfeld weichen.
Die "Badi" im Westerfeld wurde 1928 in Betrieb genommen:
Diese Postkarte mit Stempel von 1936 zeigt das symmetrische Gebäude des «Strandbades Ermatingen», das verschliessbare Einzel- und Grossraum-Umkleidekabinen hatte. Bei Hochwasser standen die Spielgeräte im Wasser.