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Fakt ist jedoch, dass in den letzten 25 Jahren Wolfspräsenz nie solche Verhaltensänderungen bei den Tieren nachgewiesen wurden, auch nicht in den Wolfsgebieten. Verschiedene Fälle von verunfallten Alptieren werden zudem bewusst instrumentalisiert, in dem ohne jeden Beweis ein Zusammenhang mit Wölfen hergestellt wird, selbst in Gebieten ohne Wolfspräsenz und um Propaganda für das Jagdgesetz zu machen. Dies zeigt, dass Alpkühe für politische Spiele missbraucht werden.
In der Schweiz leben 1,5 Millionen Tiere der Rindergattung (Milch- und Mutterkühe, Rinder, Kälber), einige Hunderttausend davon werden in den Alpen gesömmert. Rund 400‘000 Kuhartige werden in der Schweiz pro Jahr geschlachtet. Wölfe reissen in der Schweiz gerade mal zwischen 0 und 5 Tiere pro Jahr, ausschliesslich Kälber und Rinder (dies sind 0,01 ‰ der geschlachteten Tiere). Ausgewachsene Kühe wurden nie gerissen. Nüchtern betrachtet, stellt der Wolf kein Problem für die Viehhaltung in der Schweiz dar.
Selbst im europäischen Ausland, zeigt sich: Die Probleme sind verschwindend gering. Beispiel Brandenburg: Dort kommt es jährlich zwar zu Rissen an Kuhartigen im zweistelligen Bereich. Allerdings liegt in diesem Bundesland der Kuhbestand bei hohen über 500‘000 Tieren (davon 90‘000 Mutterkühe) und der Wolfsbestand bei rund 50 Rudeln. Alleine natürliche Totgeburten bei Mutterkühen werden rund 4‘500 Fälle registriert, weitere 6‘500 Kälber sterben in der ersten Lebenswoche. Selbst bei sehr hohem Wolfsdruck wie in Brandenburg, wo die Weidehaltung von Mutterkühen üblich ist, reissen Wölfe nicht einmal 1% der Menge an Kälbern, die tot geboren werden oder in der ersten Lebenswoche natürlicherweise sterben.
Weil Schäden von Wölfen an Grossvieh offenkundig selbst bei hohem Wolfsdruck kaum messbar sind, wird nun von Bauern und Politikern vermehrt mit nicht beweisbaren Verhaltensänderungen bei Kühen Stimmung für das missratene Jagdgesetz gemacht. Verschiedene Fälle von abgestürzten Kälbern und Rindern wurden zuletzt mit Wölfen in Verbindung gebracht, wo es gar keine ansässigen Wölfe gibt (z.B. Obwalden und Prättigau). Auch ein Fall aus dem Oberwallis vom vergangenen Jahr, als bei abgestürzten Rindern zuerst der Wolf verdächtigt wurde, die genetischen Analysen aber einen Hund als Verursacher überführten, beweist die Instrumentalisierung solcher Vorfälle.
Dabei sind Abstürze von Alpvieh aus ganz verschiedenen Gründen seit Jahrzehnten bekannt und dokumentiert, oft konnte dabei auch vor der Rückkehr des Wolfes kein offensichtlicher Grund erkannt werden. Ähnlich ist es beim Phänomen der «nervösen Kühe». Dass Alpvieh aller Art mitunter sensibel auf gewisse Situationen reagiert, ist hinreichend bekannt. Wenn nun dieses Phänomen im Vorfeld der Abstimmung vorschnell auf den Wolf geschoben wird, ist das reine Stimmungsmache für das missratene Abschussgesetz – das zudem weit mehr geschützte Arten bedroht als nur den Wolf.