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Jung, Escher Briefe, Band 6, S. 82–102.
Lisa Bollinger und Vincent Pick, unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Jung
1Die Korrespondenz zwischen Alfred Escher und Josef Zingg ist für das Verständnis des Gotthardprojekts von zentraler
Bedeutung: Sie ermöglicht neue Einblicke in die Umsetzung des Gotthardprojekts von der Gründung der Gotthardvereinigung 1863 bis
zum Abschluss der Rekonstruktion im Jahre 1878. Zwar ist die Faktenlage
hinsichtlich der Planungs- und Bauphase der Gotthardbahn ebenso wie die Rolle
Eschers hinreichend bekannt. Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg liefert jedoch weitere
Erkenntnisse darüber, wie der Ausschuss der Gotthardvereinigung und vor allem Escher
und Zingg darangingen, politischen
Zuspruch und die Finanzierung der Gotthardbahn im In- und Ausland zu
sichern.1 Die vielfältige und komplexe
Lobbying-Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen, denen sich Escher
und Zingg zu stellen hatten, werden
durch die Analyse des Schriftbestandes in eine umfassende Perspektive gestellt.
Gleichermassen gibt die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg Aufschluss über die Qualität ihrer
Kommunikation, ihres Verhältnisses und ihrer Zusammenarbeit im Rahmen des Gotthardprojekts. Dabei erwies
sich Zingg durch seine Loyalität und
seinen Einsatz als unverzichtbare Stütze Eschers. Seine Fähigkeiten in
Verwaltungs- und Finanzfragen, die Zingg bereits vor 1863 bei der kantonalen Hypothekarkasse und der
Bank in Luzern unter Beweis
gestellt hatte, waren ihm auch als Präsident des Gotthardausschusses und als Vizedirektor
der Gotthardbahn-Gesellschaft und Leiter des Finanzdepartements dienlich. Wie
gross Zinggs Engagement für die Gotthardvereinigung war, zeigt
sich 1878 nach dem Tod des dritten Direktionsmitglieds Johann Weber und dem Rücktritt Eschers
, als Zingg die Geschäfte rund ein Jahr im
Alleingang führte.2 Hauptsächlich von Escher und Georg Stoll vorbereitet und in
Angriff genommen, vollendete Zingg
die finanzielle Rekonstruktion der Gotthardbahn und wirkte noch bis 1891 als
Direktionsmitglied.
3
2Im Kontext des langjährigen Wirkens für das Gotthardprojekt erhielt die Zusammenarbeit
zwischen Escher und Zingg eine
freundschaftliche Note. Die beiden Korrespondenten kamen im Rahmen ihres
geschäftlichen Kontakts durchaus auch auf persönliche Angelegenheiten zu
sprechen, wie das folgende Beispiel zeigt. Als Escher und Zingg im Oktober 1866 zur
Kur in Montreux
beziehungsweise auf der Rigi weilten, bekundeten sie beiderseits grosse Anteilnahme am gesundheitlichen Befinden. So schrieb Escher an Zingg: «Gewiß ist es nun aber nothwendig, daß Sie sich noch einige
Zeit schonen [...]. Nehmen Sie in dieser Richtung ein Beispiel an mir, der ich
gegenwärtig in Montreux mit Nichtsthun
u. s. f. das Ideal eines Spitalbewohners [...] zu verkörpern trachte. Ich habe bereits die Scham, die mich im Anfange
meines hiesigen Aufenthaltes wegen meiner Tagdieberei beschlich, glücklich
überwunden.»4
Dass ihr Verhältnis über das Geschäftliche hinausging, zeigte sich auch
anlässlich des Rücktritts Eschers aus der Direktion der
Gotthardbahn-Gesellschaft im Jahre 1878. Zingg äusserte Bedauern und bekundete grosse Anteilnahme: «Ich komme
mir wie verwaist vor & es ergreift mich eine tiefe Traurigkeit, wenn ich nur
an die Sache denke. Wollen Sie diesen Ausdruk meiner Gefühle gütigst
entschuldigen & überzeugt sein, daß, wenn der Schritt unabwendbar ist, ich
nie die vielen Beweise v. Freundschaft & Wohlwollen vergeßen werde, welche Sie mir während der langen
Periode unseres Zusammenwirkens für das Zustandekommen des großen Werkes haben
zu Theil werden laßen.»5
Der Brief Zinggs an Escher bildete
den Abschluss ihres freundschaftlichen Verhältnisses, das nach dem Rücktritt
Eschers eine merkliche Trübung erfuhr und die Korrespondenz abreissen liess.
3Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg in den Jahren 1863 bis 1879 bildet eine umfangreiche
Quellenlage (562 Briefe, 588 Telegramme). Bezüglich der Anzahl Schriftstücke
lassen sich sowohl bei den Briefen als auch bei den Telegrammen mehrere
Zeitfenster bestimmen. Was die Briefe betrifft, können drei Zeitfenster eruiert
werden. Das erste Zeitfenster mit 346 Briefen umfasst die Jahre 1863 bis 1867.
Diese grosse Anzahl Briefe lässt sich auf eine intensive Phase des Lobbyings
zurückführen und zeugt von einem verstärkten Kommunikationsbedürfnis. Das zweite
Zeitfenster mit 145 Briefen betrifft die Jahre 1868 bis 1871. Im Verhältnis zum
ersten Zeitfenster nahm der Briefaustausch zwar ab, weil Escher und Zingg zunehmend auch auf andere
Kommunikationsmittel zurückgriffen. Die relativ hohe Dichte an Briefen zeigt
aber, dass diese während der Subventions- und Konzessionsverhandlungen sowie der
Gesellschaftsgründung weiterhin von Bedeutung waren. Das dritte Zeitfenster mit
69 Briefen umfasst die Jahre 1872 bis 1879. Der Schriftverkehr reduzierte sich
im Zuge der Institutionalisierung der Gotthardvereinigung massiv. Einen geringen
Anstieg erfuhr die Kommunikation ausschliesslich im Rahmen der Rekonstruktion
von 1876 bis 1878. Während die Korrespondenz der ersten zwei Zeitfenster in
einem gegenseitigen Austausch erfolgte, wurden die Briefe des dritten
Zeitfensters fast ausschliesslich von Zingg verfasst (67 Briefe).
4Bezüglich der Telegramme lassen sich zwei Zeitfenster bestimmen. Das erste
Zeitfenster mit 159 Telegrammen umfasst die Jahre 1865 bis 1866, das zweite
mit 304 Telegrammen die Jahre 1869 bis 1871. Sowohl die Gesamtzahl
an Telegrammen als auch die hohe Frequenz, mit der sich Escher und Zingg vor wichtigen Entscheidungen
oder Sitzungen austauschten, macht deutlich, dass beide den Telegraphen gezielt
einzusetzen wussten. Obwohl die beiden Korrespondenten auf Briefe zurückgriffen,
um Sachverhalte näher auszuführen, nutzten sie die kurze Übermittlungszeit des
Telegramms sowie die gleichzeitige Erhöhung der Aktualität und Diversifizierung
von Informationen, um schnell entscheiden und reagieren zu können. Nach 1871
ging die Anzahl Telegramme aus denselben Gründen wie bei den Briefen stark
zurück.
5Wie die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg zeigt, begann die Gotthardvereinigung ab 1863 in der
Schweiz und im Ausland Unterstützung für die Verwirklichung des Gotthardprojekts zu
suchen. Im Zentrum der Bemühungen Eschers und Zinggs standen dabei Italien und die süddeutschen Staaten, die als Anrainer ein
grundsätzliches Interesse an einer schweizerischen Alpentransversale bekundeten. Daneben setzte sich die
Gotthardvereinigung
auch in anderen europäischen Ländern wie England, Frankreich,
Belgien und Holland für ihre Interessen ein.
6Anstoss für
das Auslandsengagement gab einerseits die «schwankende – sog. neurale [sic!]» Haltung des Bundesrates
gegenüber der Alpenbahnfrage.6
An der Konferenz der Gotthardinteressenten vom August 1863 in Luzern beschloss die Gotthardvereinigung gestützt auf den
Artikel 10 der Bundesverfassung sowie den Artikel 19 des schweizerischen
Eisenbahngesetzes, dass Verhandlungen mit ausländischen Staaten betreffend
das Gotthardprojekt
durch den Bundesrat zu erfolgen haben.7
Nachdem sich die Gotthardvereinigung gemäss dieser Übereinkunft an den Bundesrat
gewandt hatte, entsprach dieser zwar deren Wunsch, den ausländischen
Regierungen die Gründung der Vereinigung mitzuteilen: der Bitte, sich
ausschliesslich für die Gotthardvariante auszusprechen, kam er hingegen nicht nach. Die
meisten Mitglieder des Bundesrats stellten sich auf den Standpunkt, keinen
bestimmten Alpenübergang favorisieren
zu können; sie müssten vielmehr sämtlichen schweizerischen Alpenbahnprojekten Unterstützung zukommen lassen.8
7Andererseits veranlassten die Aktivitäten der Mitglieder der schweizerischen
Konkurrenzprojekte wie des Lukmanier- oder des Splügenkomitees in Italien und den deutschen Staaten Escher und Zingg dazu, das Gotthardprojekt im Ausland aktiv zu
bewerben. So bemerkte Escher im November 1863 in einem Brief an Zingg: «Ich habe in Erfahrung
gebracht, daß Herr a. Landammann & Nationalrath Curti die Süddeutschen Höfe bereist, um
für den Lucmanier zu werben.
Natürlich reist er bloß als Privatperson & betreibt er bloß ein
Privatgeschäft! Wir aber gelangen, um mit dem Auslande in Verkehr zu treten,
bundesgetreu an den Bundesrath: dieser hat uns aber bis zur Stunde vor der
Thüre stehen lassen! – Ich denke, wir warten die Antwort Italiens über die von uns veranlaßte
Anfrage ab. Nachdem sie eingetroffen wird dann aber etwas entschiedener
vorgegangen werden müssen: sonst – – –.»9
8Dementsprechend begann die Gotthardvereinigung 1864, in Italien Agenturen mit ständig
anwesenden Repräsentanten aufzubauen und Delegationen ins Ausland zu
entsenden, die nach erfüllter Mission wieder in die Schweiz zurückkehrten.
Die Planung und Koordination von Auslandsmissionen, die Evaluierung
möglicher Delegierter und Repräsentanten und die mündliche oder briefliche
beziehungsweise telegraphische Instruktion der Gesandten bildeten dabei einen
Hauptaspekt der Zusammenarbeit zwischen Escher und Zingg.
9Im November 1864 gelang es Escher und Zingg nach langwierigen Verhandlungen, den Grossteil der von
ihnen gewünschten Kandidaten davon zu überzeugen, eine Mission oder eine
Agentur zu übernehmen.
10 So erklärten sich beispielsweise
der Schaffhauser
Nordostbahn-Direktor Georg Stoll
und der Berner Nationalrat und
Unternehmer Karl
Wilhelm von Graffenried dazu bereit, in den deutschen Staaten bei den zuständigen
Ministerien und Finanzgesellschaften vorzusprechen. Für ähnliche Missionen in Italien konnte unter anderem der Zürcher Nationalrat und
Textilhändler Johann
Heinrich Fierz gewonnen werden.11 In Italien begann
sich 1864 abzuzeichnen, dass «der größte Theil der Subsidien von den Städten
& Provinzen & nicht von der Regierung zu erwarten sein
werde».12
Escher und Zingg begannen daher
in Genua, Mailand und der Hauptstadt Turin (ab 1865 Florenz) ständige Repräsentanten einzusetzen,
um die Interessen der Gotthardvereinigung gegenüber den Stadt- und Provinzräten sowie
der italienischen
Regierung direkt zu vertreten. Zu den Mitarbeitern, welche in den 1860er
Jahren in Italien für die Gotthardvereinigung
wirkten, zählte der Kaufmann Charles
Ducoster und in unregelmässigen Einsätzen auch der Zürcher Ingenieur Gottlieb Koller.13 In den 1870er Jahren sollten der Elsässer Ingenieur Ernest Stamm und der Tessiner Unternehmer Clemente Maraini diese Aufgabe
übernehmen.
10Mittels ihrer Delegierten und Repräsentanten verfügten Escher und Zingg über aktuelle Informationen
zu politischen Entwicklungen oder Verhandlungen und konnten direkt auf
politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger einwirken beziehungsweise
gegen die Anstrengungen der anderen schweizerischen Alpenbahnprojekte antreten. Dies zeigte sich unter
anderem im Sommer 1867, als die Diskussion betreffend die Alpenbahnfrage, die während des Preussisch-Österreichischen Kriegs stagnierte, von
seiten der Schweiz, der deutschen
Staaten und Italien
wieder aufgenommen wurde.14 Wie
Escher im Juli 1867 in Erfahrung bringen konnte, nutzte auch das Lukmanierkomitee diese
Stimmung und verstärkte die Bemühungen in Mailand, «um die dortigen Subventionen für den
Lucmanier [...] erhältlich
zu machen». Escher ersuchte daraufhin Zingg, den in der Schweiz weilenden Gottlieb Koller per Präsidialverfügung
aufzufordern, «beförderlich nach Mailand [zu] gehen & dort gegen diesen Plan [zu] wirken». Wie
vor der Entsendung von Delegierten oder den Verhandlungen der Repräsentanten
üblich, beabsichtigten Escher und Zingg auch in diesem Fall, Koller vor seiner Abreise genau über seinen
Auftrag zu instruieren. Aus diesem Grund bot Escher Zingg an, wenn er «Hrn.
Koller beauftragen woll[e],
vor seiner Abreise noch nach Zürich zu kommen, um nähere Mittheilungen über die Situation von
mir zu empfangen, so bin ich ganz bereit, ihm solche zu geben».15
11Welche Bedeutung Escher und Zingg
den Missionen und den Agenturen im Ausland beimassen, wird anhand ihrer
umgehenden Reaktion auf ungenügende Leistungen ihrer Delegierten oder, wie
im Fall Charles Ducosters,
ihrer Repräsentanten deutlich. Wie zahlreiche Briefe von Escher und Zingg illustrieren, fiel Ducoster im Laufe seiner
Tätigkeit für die Gotthardvereinigung aus zwei Gründen in Ungnade. Zum einen sorgte
seine Berichterstattung bei Escher und Zingg für Unmut. Für den Erfolg der Gotthardvereinigung war es
entscheidend, über aktuelle Angaben zu Beschlüssen verschiedener Staats-
oder Stadtregierungen bezüglich der Alpenbahnfrage zu verfügen.16
Gerade in Italien, wo
die wechselhafte Haltung der politischen Entscheidungsträger gezielte
Gegenmassnahmen erforderte, war eine gute Informationslage für Escher und
Zingg essentiell.
Dementsprechend ungehalten reagierte Escher, als er im Juni 1867 zur Ansicht
gelangte, dass die Berichte des Repräsentanten Ducoster zu den politischen Entwicklungen
und Entscheidungen in Genua, Mailand und anderen Städten
betreffend der Subventionierung einer Alpenbahn ungenügend seien: «Die beiliegende Depesche [Ducosters], welche sich
übrigens lediglich auf eine Zeitungsnachricht stützt, besagt das gleiche,
was wir während der letzten Sitzung des Gotthardausschusses ebenfalls in einer
Zeitung gelesen haben. [...] So lange wir einen Agenten in Italien haben, der jährlich ca
Fr. 5000 bezieht, sollten wir über
Puncte, wie die bezeichneten, renseignirt sein.» Daher forderte Escher Zingg dazu auf, Gottlieb Koller zu
instruieren, Ducoster zu
«gehöriger Berichterstattung [zu] veranlasse[n].»17
12Zum anderen erwies sich Ducoster als ungeschickter Verhandlungsführer. Als der amtierende
italienische
Ministerpräsident Urbano
Rattazzi erklärte, das Gotthardprojekt unterstützen zu wollen,
beabsichtigte Ducoster im
September 1867, mit Rattazzi
Gespräche betreffend die Behandlung der Alpenbahnfrage zu führen. Bestätigt durch Escher, sprach sich Zingg entschieden dagegen aus:
«Dem Hrn.
Du Coster wird man eine
Weisung ertheilen müßen, ob er seinen Plan, wie Italien die Alpenbahnfrage nach seiner Ansicht behandeln sollte,
dem Hrn.
Ministerpräsidenten
vorlegen u entwikeln solle. Ich habe vorläufig den
Eindruk, daß es nicht sehr schiklich wäre, den Hrn.
Ministerpräsidenten, sofern
er der Sache günstig ist u dieselbe befördern will,
über den einzuschlagenden Weg durch D. belehren zu wollen.»18
13Obwohl Ducoster das Vertrauen
von Escher und Zingg als
Repräsentant in Italien
verloren hatte, kam es nicht zur Trennung. Ab 1868 wurde Ducoster in den Konzessions- und
Subventionsverhandlungen im Kanton Tessin als Repräsentant der Gotthardvereinigung eingesetzt. In den
Konzessionsverhandlungen von 1868 leistete er als Unterhändler noch einen
wesentlichen Beitrag dazu, dass die Gotthardvereinigung die
Konzessionverträge
im Februar 1869 unterzeichnen konnte.19 In den Subventionsverhandlungen, welche die
Gotthardvereinigung
mit dem Kanton Tessin im Anschluss an
die internationale Gotthardkonferenz von 1869 führte, sollte Ducoster hingegen durch seine
«Tactlosigkeiten» bei Escher und Zingg jegliche Sympathie verlieren. So äusserte sich Escher
Anfang April 1870 gegenüber Zingg, dass «Ducoster die Weisung ertheilt werden sollte, sich der Thätigkeit
im Gebiete der niederern Diplomatie (Analogon von ‹niedere Chirurgie›)
gänzlich zu enthalten».20 Um die laufenden Verhandlungen nicht zu gefährden,
beschlossen Escher und Zingg
daher, Ducoster endgültig zu
versetzen: «Wenn Ducoster als
eine auf der Gotthardunternehmung lastende Servitut angesehen werden muß, [...] so
sollte er doch dazu angehalten werden, an einem Orte zu vegetiren, wo er uns
nicht, wie dieß im Tessin der Fall
ist, augenfällig schadet!»21
14Neben den Delegierten und Repräsentanten übernahmen auch Escher und Zingg Missionen im In- und
Ausland, um die politische Unterstützung, Subventionsleistungen und die
private Finanzierung für das Gotthardprojekt sicherzustellen. Die Korrespondenz zwischen
Escher und Zingg macht
ersichtlich, dass sich beide in der Schweiz regelmässig mit verschiedenen
Bundesräten austauschten und sich mit Vertretern von Kantons- und
Stadtregierungen trafen, um Einfluss auf die Konzessions- oder
Subventionsverhandlungen in den jeweiligen Kantonen zu nehmen.22
So teilte Zingg Escher in einem
Brief vom September 1865 beispielsweise mit, dass er «was an mir liegt die
Subventionsbeschlüße befördern werde. Ich halte heute eine längere Besprechung mit dem Präsidenten des Stadtrathes v.
Luzern
, der nun die
Sache auch vorwärts treiben wird. Hr.
Landammann Müller hat
mir versprochen, sein Möglichstes zu thun, daß die Sache in Uri vorwärts gehe. [...] Mit Hrn.
Landammann Schwarz [Kanton
Aargau] trete ich morgen in Olten zusammen.»23
Im Ausland betätigten sich Escher und Zingg in Italien und Deutschland. So reiste Zingg im Herbst 1877 und Anfang 1878 im Zuge der Verhandlungen
zwischen der Gotthardbahn-Gesellschaft und dem internationalen
Finanzkonsortium über einen Nachvertrag bezüglich der Regelung der Übernahme
der ausstehenden Obligationen wiederholt nach Deutschland.24
15Escher, wegen seiner diplomatischen Fähigkeiten ein geschickter
Verhandlungsführer, wurde von Zingg und vom Ausschuss der Gotthardvereinigung jeweils ersucht,
ins Ausland zu reisen, wenn entscheidende Verhandlungen bevorstanden. Als es
Mitte der 1860er Jahre galt, in Italien und Deutschland um politische Unterstützung für das Gotthardprojekt zu werben, bat Zingg Escher 1864, eine Mission
nach Turin zu übernehmen, da «[d]ie
Entscheidung in Turin [...] von der
eminentesten Wichtigkeit [ist] u wenn irgend Jemand,
so wären Sie im Falle, die vorhandenen Schwierigkeiten zu
überwinden».25
Lehnte Escher diese Mission mit Hinweis auf den Gesundheitszustand
seiner Frau noch
ab,26 traf er im Sommer 1865 in Italien
unter anderem mit Bauminister Stefano Jacini zusammen, um dessen Ansicht bezüglich «der
Übernahme des Tunnels durch Italien & bezüglich des Zeitpunctes der Einzalung der
Subventionen» zu erörtern. Im Anschluss reiste er auf Einladung des badischen
Aussenministers Roggenbach nach Baden-Baden
, um «zu vernehmen, was Deutschland über diese Puncte denkt. Ich
glaube annehmen zu dürfen, daß die Anschauungsweise der deutschen Staatsmänner [...] mit den
ursprünglichen Äußerungen Jacini's & den in unser Subventionsprogramm niedergelegten
Grundlagen übereinstimmen dürfte».27
16Auch während der Phase der Ratifizierung des Staatsvertrages für den Bau und
den Betrieb einer Gotthardbahn durch Italien, die Schweiz und den Norddeutschen Bund sowie
der Verhandlungen zur Bestimmung der definitiven Subventionszahlungen
zwischen 1869 und 1871 ersuchte Zingg Escher wiederholt, Missionen ins Ausland zu übernehmen. Als
im Frühjahr 1870 innerhalb des Norddeutschen Bundes ein Streit über die jeweilige Beitragssumme
der einzelnen Mitgliedstaaten an der Gotthardsubvention entflammte28,
wünschte Zingg, Escher könne
sich entschliessen, «nochmals [...] nach Berlin zu gehen».29
Zingg, der Escher beschied, dass
«[n]och jedesmal, wenn Sie nach Italien oder Deutschland giengen, [...] die Angelegenheit
einen entscheidenden Schritt vorwärts gethan [hat]»30,
war davon überzeugt, dass Escher die Subventionsfrage zu einem definitiven
Abschluss bringen würde.31
Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags durch den Norddeutschen Bund, Italien und die Schweiz im Juni 1870
wurde die Mission Eschers nach Deutschland jedoch hinfällig. Welche Bedeutung Zingg letztlich dem Beitrag Eschers bei der
Erwirkung des politischen Zuspruchs sowie der finanziellen Sicherung des
Gotthardprojekts
zwischen 1863 und 1871 beimass, zeigt sich anhand eines Briefes, den er
Escher im Juni 1871 anlässlich der Ratifizierung des Staatsvertrags durch
das italienische
Parlament schickte: «So wäre denn nach vieljährigem Kämpfen & Ringen
auch diese Position – die schwierigste, aber wie hoffe [sic!] auch die
entscheidende – errungen. Ich gratulire vor Allem Ihnen zu diesem Erfolg,
weiß ich ja, mit welch' unermüdlicher Tätigkeit Sie denselben vorbereitet
haben!»32
17Nach der Gründung der Gotthardvereinigung im Herbst 1863 bemühten sich Escher und Zingg darum, bezüglich der Alpenbahnfrage baldmöglichst einen
Entscheid zugunsten ihres Projekts herbeizuführen. Besonders im Tessin, wo Escher schon im September
eine «außerordentliche Kühle» zu spüren und eine Vorahnung dessen bekam, was
dort an Schwierigkeiten auf ihn und die Gotthardbefürworter zukommen würde,
musste grosse Überzeugungsarbeit geleistet werden.33
Ziel war es, das Gotthardprojekt nicht nur auf politischer Ebene durchzusetzen,
sondern zugleich und schnellstmöglich die für den Bau der Gotthardbahn
erforderlichen Konzessionen zu erwerben. Escher und Zingg befassten sich diesbezüglich vor allem
mit der Planung und der Erstellung einer Strategie und tauschten sich in
ihrer Korrespondenz über aktuelle Ereignisse aus. Als beispielsweise Eschers
Reise nach Bern – wo er sich bei
verschiedenen Parlamentariern über den Stand der Dinge im Kanton Tessin erkundigen wollte – ins Wasser
fiel, ersuchte er Zingg, sich
die notwendigen Informationen vom Tessiner Staatsrat Luigi
Pioda liefern zu lassen. Damit sich Escher anhand der Erklärungen
Piodas selbst einen
Überblick verschaffen konnte, leitete ihm Zingg das Antwortschreiben des
Tessiners
direkt
weiter.34
Andere Beispiele aus der Korrespondenz zeigen auf, wie Escher und Zingg die vor Ort wirkenden
Agenten der Gotthardvereinigung koordinierten.35
18Zu Anfang des Jahres 1865 betonte Escher in seinem Schreiben an Zingg, dass «der verwundbare
Fleck für unsere Bestrebungen zunächst in dem Tessin'schen Bahnnetze [...] zu finden ist».36
Als für die Gotthardvereinigung problematisch erwies sich dabei vor allem die
Tatsache, dass die Konzessionen für den Talbahnbau bereits an die englische European Central Railway
Limited vergeben waren.37 Bald begann sich jedoch
abzuzeichnen, dass die Konzessionsinhaberin ihren Verpflichtungen aus
finanziellen Gründen nicht nachkommen konnte.38 Aus der Korrespondenz zwischen Escher und Zingg geht hervor, dass sich die
beiden deshalb weiterhin für den Erwerb einer Konzession im Tessin engagierten. Vor allem Zingg wirkte dabei auch
persönlich vor Ort. So berichtete er Escher im Juli 1865 über seine
Gespräche mit dem Tessiner Staatsrat
sowie einigen Mitgliedern des Grossen Rats. Er habe den Eindruck gewonnen,
dass das Gotthardkomitee
mit einem Konzessionsgesuch beim Staatsrat auf offene Ohren stossen würde.
Ausserdem hätten ihm seine Gesprächspartner versichert, sich bezüglich eines
allfälligen Konzessionsbegehrens von seiten des Lukmanierkomitees nicht beeilen zu
wollen.39
Nicht zuletzt aufgrund dieser Einschätzung entschloss sich die Gotthardvereinigung im
September 1865, ein solches einzureichen.
40
Bevor das Gesuch vom Tessiner
Staatsrat der zuständigen Grossratskommission zur Vorberatung übergeben
wurde, setzte Escher Zingg
davon in Kenntnis, dass er den Schaffhauser Politiker Johann Friedrich
Peyer im Hof dazu veranlasst habe, als Vertreter der Gotthardvereinigung die
Beratungen vor Ort mitzuverfolgen.41
Die Tessiner Grossratskommission
stellte im Verlaufe der Verhandlungen trotz Zugeständnissen Peyers immer
höhere Forderungen. Des weiteren begann sich abzuzeichnen, dass sie die
beiden Konkurrenzprojekte, den Gotthard und den Lukmanier – für letzteres hatte der in Paris niedergelassene Genfer Bankier Edouard Hentsch unterdessen ein
Konzessionsgesuch eingereicht –, gegeneinander auszuspielen versuchte, um
bestmögliche Konditionen für sich selbst zu erzielen.42 Escher schlug in seinem Brief an Zingg deshalb vor, eine Sitzung
des Ausschusses der Gotthardvereinigung einzuberufen, und echauffierte sich:
«Wahrscheinlich werden sie [die Tessiner] morgen oder an einem andern
schönen Tage beschließen, den Gotthard & den Lucmanier zu conzediren & die Thalbahnen demjenigen
zuzusichern, welcher den einen oder den andern Alpenpaß überschient!»43
19Schliesslich wandte sich der Grosse Rat des Kantons Tessin im Februar 1866 definitiv gegen das Gotthardprojekt, indem er
den Austritt des Kantons aus der Gotthardvereinigung beschloss und der
Hentsch, Lutscher und Compagnie die Konzession für die Lukmanierbahn erteilte.44 Wie aus der Korrespondenz zwischen Escher und Zingg ersichtlich wird,
unterliess es die Gotthardvereinigung deshalb vorerst, im Tessin weitere Schritte zu unternehmen. Im April
1866, als sich unter der Leitung des Tessiner Redaktors und Unternehmers Pasquale Veladini die sogenannte
‹Association› bildete, kamen Escher und Zingg wieder vermehrt auf die Situation im Tessin zu sprechen. Die Association
hatte zum Ziel, das Gotthardprojekt zu fördern und den Kanton Tessin in der Gotthardvereinigung so lange zu
vertreten, wie der Grosse Rat an seiner Stellung festhielt.45
Zingg erläuterte Escher Anfang
April auf detaillierte Art und Weise die Argumente, die für eine
Unterstützung der Association von seiten der Gotthardvereinigung sprachen, und
betonte dabei, dass die «Haltung des Kantons Teßin [...] für unsere Bestrebungen allzu wichtig [ist], als daß
wir uns [...] dürfen abhalten laßen, unsere Stellung in diesem Kanton wieder
zu verbeßern».46
Escher und Zingg einigten sich
daraufhin, die Association zu unterstützen und zukünftig mit ihr
zusammenzuarbeiten. In ihrer Korrespondenz berieten die beiden
anschliessend regelmässig darüber, wie man mittels des Kontakts zu Veladini am besten auf den
Tessiner Staatsrat einwirken
könne. Ebenso diskutierten Escher und Zingg darüber, welche Ideen und Absichten Veladinis zu unterstützen und welche
abzulehnen seien, damit dessen Vorgehen möglichst dem Interesse der Gotthardvereinigung
entspreche.47
Veladini diente des
weiteren als Informant und berichtete Escher und Zingg wiederholt über die Situation im Tessin. So leitete Zingg Escher Anfang Juli 1866 die Nachricht
Veladinis weiter, dass
der Tessiner Staatsrat nun beschlossen
habe, die Konzession für die Lukmanierbahn der Bundesversammlung vorzulegen und für ein
Konzessionsbegehren der Gotthardvereinigung die Hinterlegung einer Kaution in Aussicht
stelle, «wenn man sich nicht vorher mit den Camorristen, die jetzt mit dem
Lukmanierkomite
unterhandeln, abfinde!».48
Vor der sogenannten Camorra hatte auch Escher schon gewarnt, als er Zingg im Mai darauf aufmerksam
gemacht hatte; man müsse gegenüber dieser «Sippschaft» grösste Vorsicht walten
lassen.49
20
In den darauffolgenden Wochen sollte sich die Situation für die Gotthardvereinigung
zunehmend günstiger entwickeln. Die aktuelle Konzessionsinhaberin Hentsch,
Lutscher und Compagnie wurde nämlich durch die Tatsache diskreditiert, weder die Kaution für die
Lukmanierkonzession
bezahlt noch eine Konzession für den Kanton Graubünden beantragt zu haben.50 Dennoch zögerte Escher im Oktober 1866, noch
vor der anstehenden Neubestellung des Tessiner Grossen Rats und der Bundesbehörden ein weiteres
Konzessionsgesuch einzureichen. Weil er sich selbst nicht dazu befähigt sah, die Situation im
Tessin differenziert
einzuschätzen, ermutigte er Zingg, sich an Veladini zu wenden und diesen um Rat zu fragen.51
Zingg informierte Escher umgehend,
sich bereits vor einiger Zeit in dieser Hinsicht erkundigt und den Eindruck
erhalten zu haben, man würde es im Tessin begrüssen, wenn nicht allzu schnell ein neues
Konzessionsgesuch gestellt werden würde. Schliesslich einigten sich Escher
und Zingg darauf, vorerst einmal
abzuwarten.52
Tatsächlich sollte die neugewählte Bundesversammlung der European Central Railway Limited Ende Dezember 1866
die Konzession für den Talbahnbau entziehen.
53
Zingg schlug in seinem Brief an
Escher im Januar 1867 deshalb vor, sich angesichts der günstigen Situation,
die inzwischen auch in Italien festzustellen sei, mit der Frage an Veladini und seine Association zu wenden,
ob diese den aktuellen Zeitpunkt für erfolgversprechend erachte, ein neues
Konzessionsgesuch einzureichen. Schliesslich erteilte der Grosse Rat des
Kantons Tessins den der Association
angehörenden Komitees für die Strecken Chiasso–Lugano und Locarno–Bellinzona–Biasca im Mai 1868 eine Konzession. Die Association trat die
beiden Konzessionen anschliessend wie geplant an die Gotthardvereinigung ab. Zingg und der Luzerner Bundesrichter Jost Weber konnten für die Gotthardvereinigung daraufhin im
Februar 1869 die Konzessionsverträge für die Linien Chiasso–Lugano und Locarno–Bellinzona–Biasca unterzeichnen. Die Konzession für den Bau und
Betrieb einer Eisenbahn zwischen Lugano und Bellinzona
sowie von Biasca bis an die Urner Grenze wurde im Mai 1869 von Oberst
Samuel Friedrich Siegfried im
Namen der Gotthardvereinigung unterschrieben.54
21Im Sommer 1871 waren die Konzessionen wiederum Gesprächsthema zwischen Escher
und Zingg. Weil aufgrund der
noch nicht abgeschlossenen Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft die
Konzessionen nun abzulaufen drohten, bemühten sich Escher und Zingg beim Tessiner Grossen Rat um eine Fristerstreckung.
Escher, der sich diesbezüglich mit einem Schreiben des Ausschusses an den
Bundesrat und an die bundesrätliche Gotthardkommission gewandt hatte,
zeigte sich in seinem Schreiben an Zingg zuversichtlich, dass die Fristverlängerung bewilligt
werde.55
Zingg hingegen hatte sich mit
Bundesrat Emil Welti ausgetauscht
und informierte Escher, dass ihm ersterer empfohlen habe, einen Vertreter
der Gotthardvereinigung
ins Tessin zu schicken. Falls Escher
dies begrüssen würde, solle er ihm umgehend Mitteilung erstatten.56
Bereits zwei Tage später aber antwortete Escher, dass sich der Tessiner Grosse Rat für die Fristerstreckung
ausgesprochen habe: «Sie werden glauben, was Wunder sie damit gethan
haben!»57
Der langwierige Einsatz für den Erhalt der Konzessionen hatte sich für
Escher und Zingg also
gelohnt.
22Die lange zögerliche Haltung der italienischen Regierung hatte sich für
die Gotthardvereinigung
lange Zeit als problematisch erwiesen. Als sich erstere ab Mitte der 1860er Jahre zunehmend
positiv über das Gotthardprojekt äusserte und die Notwendigkeit einer angemessenen
Subventionierung erkannt zu haben schien, beschloss die Gotthardvereinigung, aktiv zu werden.
Sie wollte die Gunst der Stunde nutzen und machte sich deshalb an die
Erstellung eines vorerst provisorischen Finanzplans, den sie den beteiligten
Kantonen und Eisenbahngesellschaften im August 1865 übermittelte.58 Nebst den privaten Geldgebern, welche den
grössten Teil des Investitionskapitals an das Gotthardprojekt übernehmen sollten,
nahm die Gotthardvereinigung auch die Kantone und Städte in der Schweiz ins
Visier.59 Eine ihrer Aufgaben bestand ab Mitte der 1860er Jahre
folglich darin, die betroffenen Kantonsregierungen davon zu überzeugen, sich
dem Gotthardprojekt
gegenüber finanziell zu verpflichten und eine gewisse Höhe an Subventionen
zu leisten. Aus der Korrespondenz zwischen Escher und Zingg geht hervor, dass die beiden gerade an
den Orten, wo sie selbst über einen gewissen Einfluss und entsprechende
Kontakte verfügten, persönlich das Gespräch suchten, um auf die
Verhandlungspartner einzuwirken.
23Die Beispiele des Kantons und der Stadt Luzern zeigen auf, dass die
Subventionsverhandlungen eine komplexe und anspruchsvolle Angelegenheit
waren, da die jeweiligen Verhandlungspartner die finanzielle Unterstützung
der Gotthardbahn oft an gewisse Bedingungen knüpften. Im Herbst
1865 berichtete Zingg, dass auch
die Randregionen des Kantons Luzern
sich wohl dazu verpflichtet sähen, sich finanziell am Gotthardprojekt zu beteiligen, einer
Subventionierung des Entlebucher Bahnprojekts aber abgeneigt seien. Das Entlebuch hingegen habe angekündigt, das
Gotthardprojekt nur
subventionieren zu wollen, wenn der Kanton auch der Entlebucher Bahn finanzielle Mittel
zusprechen werde: «Hierin liegt unsere Schwierigkeit. Es frägt sich, ob man
ein beide Theile zufriedenstellendes Abkommen treffen kann & wenn nicht, auf welchem Wege man die Betheiligung für das Gotthardtbahnunternehmen
sicherer erreicht.»60 Die einen Monat zuvor gegenüber
Escher geäusserten Befürchtungen Zinggs, dass sich im Luzerner Grossen Rat noch Widerstand gegen die vom Regierungsrat
beschlossenen Subventionszahlungen regen werde, sollten sich also
bewahrheiten.61
Schwierigkeiten kündigten sich gemäss Zingg auch im Luzerner Stadtrat an, da sich einzelne Mitglieder gegen eine
finanzielle Unterstützung des Gotthardprojekts ausgesprochen hätten. Er bat Escher deshalb,
sich mit dem Luzerner Bankier
Kasimir Friedrich
Knörr in Verbindung zu setzen und diesen darauf aufmerksam zu
machen, «wie höchst sonderbar es erscheinen müße, wenn sein nächster Verwandter
& Angestellter (Stadtrath Berchtold) eine oppositionelle Stellung
gegen die Unterstützung des Unternehmens einnehme [...]».62
Escher unterrichtete Zingg
daraufhin, dass er mit dem
Luzerner Bankier eine sehr eingehende Besprechung gehabt habe und
ihm dieser in dieser Beziehung das Beste versprochen habe.63
Weiterer Widerstand wurde in der Stadt Luzern in Form einer Kassationsbeschwerde
geleistet. Da Zingg befürchtete,
es werde daraus eine «Cause célèbre» gemacht, empfahl er dem für das
Gemeindewesen zuständigen kantonalen Beamten, ein Gutachten Johann Jakob
Rüttimanns einzuholen. Die Expertise des juristischen Beraters
Eschers würde dazu beitragen, die Subventionsleistungen an die Gotthardbahn
mit stichhaltigen und überzeugenden Argumenten begründen zu können – schrieb
er in seinem Brief an Escher.64
Die Kassationsbeschwerde wurde schliesslich abgelehnt, und die Stadt Luzern stimmte einer Subvention
für die Gotthardbahn zu.65
24Nachdem an der internationalen Gotthardkonferenz im Herbst 1869 die finanziellen Beteiligungen
Italiens, Deutschlands und der Schweiz
definitiv festgelegt worden waren, handelte es sich für Escher und Zingg darum, die kantonalen Subventionen
abschliessend sicherzustellen. Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg zeigt, dass die beiden den
verschiedenen und in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Einflussbereich für die
Gotthardvereinigung
wirkenden Akteuren Anweisungen hinsichtlich der dort zu führenden
Subventionsverhandlungen erteilten. Escher teilte Zingg beispielsweise mit, dass er den Tessiner Unternehmer Clemente Maraini darum gebeten habe, «mit
seinen dortigen zahlreichen & einflußreichen Freunden im Sinne einer
Betheiligung der Tessin'schen
Hauptstädte bei der Vervollständigung der Schweiz.
Gotthardsubvention
Rücksprache zu nehmen [...]».66
Gerade weil Escher und Zingg in
ihrem Amt als Politiker aber häufig selbst mit den Ansprechpartnern in
Kontakt standen, übernahmen sie auch in diesem Falle die Rolle des
Vermittlers. Escher schrieb Zingg im November 1869, dass er mit den
Regierungspräsidenten
von Thurgau
und Schaffhausen bereits Kontakt aufgenommen habe, um mit diesen
über die Subventionen zu verhandeln.67
25Eine der grössten diplomatischen Herausforderung diesbezüglich stellte der
Kanton Bern dar, da dieser seine
Subventionszusprüche von der finanziellen Unterstützung der Entlebucher Bahn durch den Kanton Luzern abhängig machte. Im November
1869 informierte Escher Zingg
über seine Unterredung mit dem Berner
Regierungsrat Johann Weber
und dass er
diesen davon habe überzeugen können, auf die Luzerner Regierung zuzugehen und sich diesbezüglich verständigen
zu wollen. Zingg sicherte Escher
daraufhin zu, im Regierungsrat – dem er selbst auch angehörte – die Annahme
des Berner Vorschlags zu
beantragen:
«Im Intereße des Gotthardtbahnunternehmens, sowie der Entlebucherbahn [...] werde ich nicht
unterlaßen, nach meiner bescheidenen Kraft zu einer Verständigung
beizutragen.»68
Schliesslich verpflichteten sich die Regierungen der Kantone Luzern und Bern Anfang 1870 dazu, Aktien im Wert von jeweils 2
Mio. Franken zu kaufen und damit rund einen Drittel der Baukosten für
die Entlebucher Bahn zu
übernehmen.69 Ebenso im Frühling 1870
bewilligten der Grosse Rat bzw. die Stimmberechtigten des Kantons Bern die Subventionierung des Gotthardprojekts in der Höhe von 1
Mio. Franken.
70
26Wie die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg zeigt, setzten beide die Presse im In-
und Ausland zwischen 1863 und 1879 gezielt dazu ein, das Interesse der
politischen Entscheidungsträger und der breiten Öffentlichkeit für das Gotthardprojekt zu wecken
und politische Entscheidungen bezüglich des Zuspruchs von Konzessionen und
Subventionen zu beeinflussen. Neben der Publikation eigener Artikel
bestimmten Escher und Zingg
gemeinsam regelmässige Korrespondenten und gaben bei Mitgliedern der Gotthardvereinigung oder
anderen Gotthardbefürwortern Artikel in Auftrag. In der Schweiz erfolgte eine
solche Einflussnahme beispielsweise über den Aargauer Landammann Samuel Schwarz, der sich im Oktober 1865, als im Aargauer Grossen Rat die Beteiligungsfrage
am Gotthardunternehmen
verhandelt wurde, auf Wunsch Zinggs hin bereit erklärte, «[d]ie Aargauische Preße [...] auf den Zeitpunkt besonders zu
bethätigen, nachdem der Regierungsrath seinen Antrag an den Großen Rath
festgestellt haben wird».71
Um die Darstellung der Gotthardvereinigung in der Presse in ihrem Sinne zu beeinflussen,
setzten Escher und Zingg auch
ihr eigenes politisches Gewicht ein. Nachdem sich Escher 1863 darüber
verärgert gezeigt hatte, dass der Luzerner «Eidgenosse» Beschlüsse der Ständigen Kommission der
Gotthardvereinigung
verfrüht und unvollständig publiziert hatte, nahm Zingg mit dessen Redaktor Johann Stocker Kontakt auf.72
Nach dem Gespräch mit Stocker
meldete er Escher zufrieden, dass er die Angelegenheit mit dem Redaktor so
erörtert habe, «daß ich glaube, es werde von dieser Seite her bei
künftige[n] Publikationen in Gotthardtbahnsachen mit aller Sorgsamkeit
verfahren werden».73
27
Im Ausland, vor allem in den für die Unterstützung des Gotthardprojekts wichtigen deutschen Staaten und in Italien, sorgten Escher
und Zingg bereits ab 1863 für
eine verstärkte Pressetätigkeit. Ziel war es, durch sachliche Information
über das Projekt eine gotthardfreundliche Stimmung zu schaffen.74
So beauftrage Escher 1863 Johann Conrad Widmer, «in die Süddeutschen Blätter zu Gunsten des Gotthardtprojectes zu
schreiben».75
Ebenso regte er 1864 gegenüber Zingg an, sich an den italienischen Pädagogen und
Publizisten Carlo Cattaneo zu
wenden, der als «eine der besten Federn Italiens» gelte, um diesen eine Serie
von Artikeln in der Turiner
Zeitschrift «Diritto» verfassen zu lassen.76
Escher schlug zudem vor, mit Hilfe Cattaneos in Italien weitere Personen für die Pressearbeit zu
suchen.77
28Escher und Zingg nutzten die
Presse ebenfalls, um der Polemik der Konkurrenzprojekte und anderen Gotthardgegnern
entgegenzuwirken. Während der 1860er Jahre und der ersten Hälfte der 1870er
Jahre reagierten Escher und Zingg noch gemässigt auf Kritik in der Presse. Als beispielsweise
Zingg Escher 1865 mitteilte,
das er gedenke, den Ingenieur August von Beckh eine Berichtigung auf verschiedene gotthardkritische Artikel
im Berner «Bund» schreiben zu
lassen78,
erwiderte Escher, dass er kein Bedürfnis sehe, solche Massnahmen zu
ergreifen: «Jedermann weiß, daß der ‹Bund› eine ganz einseitige Stellung
gegen den Gotthardt
einnimmt & daß alle die Angaben von Zahlen jeglicher Art, welche in den
eine bestimmte tendenziöse Absicht in der Alpenbahnfrage verfolgenden Blättern erscheinen, keinen Anspruch
auf Zuverlässigkeit machen können. Ich glaube also, daß gegenwärtig
Entgegnungen auf derartige Auslassungen nur ganz ausnahmsweise zu erfolgen
haben &, um eine Ausnahme zu machen, schienen mir die Artikel des ‹Bund›
nicht außergewöhnlich genug!»79
Von dieser Haltung liessen sowohl Escher als auch Zingg ab, als ab 1875 die Kritik an der
Gotthardbahn-Gesellschaft und Angriffe auf ihre Person im Zuge der
Rekonstruktion und der Nachfinanzierung der Gotthardbahn in der
schweizerischen Presse zunahmen.80 So mussten sich Escher und Zingg beispielsweise wiederholt gegen die
Polemiken des Oberingenieurs der Gotthardbahn, Konrad Wilhelm Hellwag, zur Wehr
setzen.81
29Neben der in- und ausländischen Presse setzten Escher und Zingg fundiertes und aufbereitetes
Datenmaterial in Form eines finanziellen sowie eines technischen Gutachtens
ein, um auf politische und ökonomische Entscheidungsträger sowie die
öffentliche Meinung einwirken zu können. Im Mai 1864 bekundete die italienische Regierung
Interesse daran, auch den Gotthard als eine mögliche Alpentransversale zu prüfen, und meldete daher Bedarf an aktuellen
technischen Studien an.82
Zingg und Escher drängten in
der Folge auf die Erstellung eines finanziellen und technischen Gutachtens. Wie
Escher in einem Brief von Juni 1864 gegenüber Zingg bemerkte, galt es die verbesserten
Chancen für das Gotthardprojekt nicht dadurch zu gefährden, dass die Gotthardvereinigung dem
Wunsch von «denen, die es mit dem Gotthardt am besten meinen», nicht
nachkam.83
30Die Gutachten waren jedoch von Beginn weg nicht ausschliesslich für die italienische Regierung
gedacht. Nach ihrer Fertigstellung wurden sie, versehen mit einem auf den
jeweiligen Adressaten zugeschnittenen Begleitschreiben, an verschiedene
Regierungen und Regierungsvertreter, Gesandtschaften, Handelskollegien,
Eisenbahngesellschaften in der Schweiz, den deutschen Staaten, England, Frankreich, Holland
und Belgien gesandt und über
Zeitungsredaktionen und den Buchhandel auch der breiten Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.84 Die erhoffte Wirkung blieb nicht
aus. Die Feststellung der Konkurrenz, welche wie die St. Galler Regierung den Gutachten einen
«gefährlichen Einfluss auf die öffentliche Meinung im In- und
Ausland»85 attestierte, deckten sich mit
der Einschätzung Eschers, dass das Gotthardprojekt durch die Gutachten
«eine Stellung in der öffentlichen Meinung [erhält], die als eine
entschiedene Errungenschaft bezeichnet werden muss».86
Die zunehmende Unterstützung Italiens und der deutschen Staaten gaben Escher recht.
31
Lisa Bollinger und Vincent Pick
32Die Korrespondenz zwischen Escher und Zingg umfasst neben dem Gotthardprojekt auch Themen und Aspekte, mit welchen die
beiden Akteure anderweitig in Kontakt gerieten oder sich auseinanderzusetzen
hatten. Im weitesten Sinne standen aber auch diese Gesprächsthemen meistens
in Zusammenhang mit dem Gotthardprojekt. Wurde gelegentlich auf persönliche und private
Angelegenheiten eingegangen, so kommentierten und analysierten Escher und
Zingg in ihren Briefen
aktuelle politische Ereignisse und Entwicklungen. Die beiden Korrespondenten
sprachen in ihren Briefen darüber, wie sich die Neugestaltung der
politischen Landschaft und die soziostrukturellen Veränderungen auf die
Situation der Liberalen und ihre eigene Stellung als Politiker auswirkten.
Escher äusserte sich gegenüber seinem
Briefpartner zudem hinsichtlich bundespolitischer Ereignisse und
deren voraussichtlichen Folgen für das Gotthardprojekt. Der Schriftverkehr
erfolgte dabei im Sinne eines Informationsaustausches über bestimmte
Vorfälle und die jeweiligen Schlüsse, die aus der Sicht des Korrespondenten
daraus zu ziehen waren. Die Korrespondenz zeugt insbesondere von der
analytischen Schärfe und der weitsichtigen Perspektive, mit welchen Escher
und Zingg politische
Entwicklungen und Situationen einzuschätzen und zu evaluieren wussten.
Vorausschauend und stets mit Fokus auf den Gotthard gelang es Escher und Zingg, detaillierte und
differenzierte Beschreibungen abzuliefern. Die dabei geäusserten
Befürchtungen der beiden Korrespondenten zeigen ausserdem, dass der Erfolg
des Gotthardprojekts zu
einem grossen Teil vom Beziehungsnetzwerk Eschers und seinen liberalen
Zeitgenossen abhing.
33Ein Ereignis, das im Briefwechsel von seiten Eschers eingehend besprochen
wurde, war die Ersatzwahl des Bundesrates vom Juli 1864. In seinem Brief vom
12. Juli
begründete und legte Escher auf
ausführliche Art und Weise dar, weshalb er für den zurückgetretenen Giovanni Battista
Pioda anstatt des radikalen Genfer Staatsrates Jean-Jacques Challet-Venel den
konservativen Freiburger
Alfred von der Weid
gewählt habe. Sein Entscheid beruhte einerseits auf der Idee, den
Forderungen der konservativen Kräfte im Lande durch die Wahl eines ihrer
gemässigten Mitglieder nachzukommen und damit einen «Act der Billigkeit
& auch einer weisen Politik» zu vollziehen: «Meine Stimmgabe konnte
keine enthusiastische sein. Sie war lediglich auf die Überzeugung basirt,
daß man sich mit Vonderweid am besten aus der Verlegenheit ziehe, welche die Wahl
unter den obwaltenden Umständen mit sich bringen mußte. [...] Ein Welscher,
ein Katholik, kein Abenteurer in Fragen der auswärtigen Politik, ein Freund
des Gotthardt.»87
Escher führte aus, dass die Mitwirkung konservativer Politiker im Bundesrat
wie auf kantonaler Ebene die jeweilige Behörde nicht schwäche, sondern sich
vielmehr positiv auf die politische Integration auswirke. Andererseits
bezeugen seine Worte, dass die Frage der Ersatzwahl für Pioda zumindest aus Sicht der «Gotthardisten» bereits im
Zeichen der Alpenbahnfrage stand, und
es galt so früh wie möglich die Weichen zu stellen, die für die
erfolgreiche Realisierung des Gotthardprojekts von entscheidender Bedeutung waren. Schliesslich
ging Challet-Venel aus den sechs Wahlgängen mit 9 Stimmen
Vorsprung als Sieger hervor.88
Von der Weid, der als
Favorit gegolten hatte, scheiterte daran, dass es einigen Parlamentariern
aus Eschers liberalem Lager widerstrebte, einen konservativen Kandidaten zu
wählen. Dass gerade viele Luzerner
Liberale aufgrund unüberwindbarer «politischer
Antipathien» für Challet-Venel und gegen von der Weid stimmten,
wurde besonders von Zingg
bedauert: «Der verknöcherte, [...] kurzsichtige Partheistandpunkt hat [...] zu
einer Mißachtung unserer Intereßen geführt.»89
Mit Eschers Argumenten zeigte sich Zingg vollkommen einverstanden; er befürchtete ebenso, dass die
Wahl Challet-Venels sich nicht zugunsten des Gotthardprojekts auswirken werde: «Die
neueste Bundesrathwahl gewährt wenig Hoffnung, daß der Bundesrath sobald aus
seiner schwankenden – sog. neuralen [sic!] –
Stellung herauskommen &, wie es einer kräftigen Centralbehörde wohl
anstehen würde, auch das schweiz. Intereße
in der Alpenbahnfrage [...] zur gehörigen
Geltung bringen werde.»90
34Ein weiteres Thema, welches Escher und Zingg in ihrer Korrespondenz kommentierten, war die sich ab den
1860er Jahren abzeichnende parlamentarische Debatte über die
Eisenbahnpolitik.91 Im Sommer 1869 bedauerte Escher
es ausserordentlich, dass gewisse Befürworter des Gotthardprojekts dem Bund in bezug auf
die Eisenbahnpolitik die Hauptverantwortung übertragen wollten, gleichzeitig
aber wichtige Fragen wie diejenige der Finanzierung komplett ausser acht
liessen: «Es ist zu beklagen, daß bei einem Theile derjenigen, welche in dem
Gotthardlager stehen,
eine schrankenlose Tendenz obwaltet, eine Omnipotenz des Staates in
Eisenbahnsachen [...] zu begründen. Man denkt nicht an die Schwierigkeiten,
welche die Gewinnung des Privatcapitales darbietet & diejenigen denken
am wenigsten daran, welche sich selbst wohl hüten, einen Franken an die
Gotthardbahn zu wagen! [...] Es ist einem nicht übel zu nehmen, wenn man hie
& da den Eindruck hat, als arbeite man an dem Thurmbaue von Babel!»92
Der grossen Auswirkungen auf das Gotthardprojekt bewusst, bemühte sich
Escher folglich intensiv darum, einen bestmöglichen Ausgang der Debatte zu
erzielen.93
35Escher und Zingg diskutierten in
ihrer Korrespondenz auch politische Entwicklungen auf kantonaler Ebene wie
beispielsweise die demokratische Bewegung in Zürich
94.
Im Mittelpunkt standen dabei aber die Vorgänge im Kanton Luzern.95 Nach den Luzerner Grossratswahlen vom 5. Mai
1867, in welchen die Liberalen die Mehrheit mit 57 zu 43 Sitzen gegen
die Konservativen verteidigen konnten96, zeigte sich Zingg konsterniert. Denn sowohl die respektable
konservative Minderheit als auch der Erfolg der Radikal-Liberalen – die
gestärkt aus den Wahlen hervorgegangen waren – machten auf Zingg einen «wenig erfreulichen
Eindruck». Falls es den Liberalen gelingen sollte, die neue Regierung in
«extremem Sinne» zu bestellen, wolle er selbst nicht mehr als Regierungsrat
wirken. So oder so stehe jedoch fest, dass es «großer Festigkeit &
Klugheit [bedürfe], um das Staatsschiff in der nächsten Zeit ohne zu
stranden durch die Wogen zu führen».97
Um so erfreuter zeigte sich Zingg, als die Liberalen einige Wochen später auch als Sieger aus
den Regierungsratswahlen hervorgingen und die «Versuche, eine extreme
radikale Richtung des Reg[ierungs]R[a]thes zu inauguriren», gescheitert
waren.98
Die Luzerner Kantonsregierung bestand
nun ausschliesslich aus liberalen Politikern, denn auch der konservative
Oppositionsführer Philipp Anton von Segesser wurde nicht wiedergewählt.99 An
dessen Stelle und an diejenige des verstorbenen Johann Villiger
traten Anton Wapf und Josef Vonmatt, zwei Männer «entschieden
liberaler Gesinnung».100
Zingg konnte sich dennoch nur
«mit schwerem Herzen» zur Wiederannahme seines Amtes als Regierungsrat
entschliessen: «Es steht uns eine außerordentlich schwierige Periode bevor,
die um so unerfreulicher sein wird, weil die Partheiverhältniße so gestaltet
sind, daß es fast unmöglich sein wird, mit irgend welchen Vorschlägen [...]
durchzudringen & Positives zu schaffen.» Ausschlaggebend für seine
Entscheidung im Frühling 1867, dennoch weiterhin Mitglied der Luzerner Kantonsregierung zu bleiben,
war nicht zuletzt das Gotthardprojekt: «Hätte ich nicht das Gefühl, daß es eine Pflicht
sei, auch in der schwierigen Stellung auszuharren & wäre mir nicht die
Gotthardtbahnfrage
an's Herz gewachsen, ich würde in der That lieber in's Privatleben
zurüktreten.»101
36Die Grossratswahlen im Jahr 1871 sollten für die längerfristige politische
Ausrichtung des Kantons Luzern
schliesslich von grundlegender Bedeutung sein. Nachdem die 1869
durchgeführte Verfassungsreform zu einer veränderten Wahlkreiseinteilung
geführt hatte, sollte sich erstmals konkret zeigen und erweisen, ob die
Liberalen ihren Vorsprung von 1867 gegenüber den Konservativen bewahren
konnten – der infolge des grossen Erfolgs der konservativen Partei in den
Nationalratswahlen von 1869 in Gefahr zu sein schien. Schliesslich waren es
die Konservativen, welche die Wahl vom 7. Mai 1871
zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Zingg bekundete gegenüber Escher grosse Sorge bezüglich der
dadurch wieder in den Vordergrund tretenden konfessionellen Frage. Besonders im
Zusammenhang mit der Wahl Vinzenz
Fischers als Präsident des Obergerichts befürchtete Zingg eine Verschärfung der
parteipolitischen Gegensätze in Luzern. Fischer war
nämlich für seine engen Verbindungen zum Sonderbund bekannt und setzte sich
in der Luzerner Politik vehement gegen
eine Subventionierung der Eisenbahnen ein – was aus der Sicht Eschers und
Zinggs negativ zu beurteilen
war, weil auch das Gotthardprojekt auf die finanzielle Unterstützung der Kantone
angewiesen war.102
Zingg sprach in seinem Brief vom
8. Mai 1871 ebenso die bevorstehenden
Regierungsratswahlen an, wobei er erneut kundtat, dass er – angesichts der
konservativen Mehrheit nur geringen Aussicht auf politischen Erfolg – sein Amt
lieber aufgeben würde. Zingg bat Escher diesbezüglich um ein Gespräch: «Sie
können sich leicht denken, wie mir unter den obwaltend[en] Umständen, wo ein
fruchtbares Schaffen nicht vorauszusehen ist, eine solche Stellung behagen
kann.»103
37
Lisa Bollinger
38Die Telegraphie, die mit ihrer Einführung in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts die gesellschaftliche Kommunikation weltweit revolutionierte,
kam in der Kommunikation der Gotthardvereinigung während der Umsetzung des Gotthardprojekts eine bedeutende Rolle
zu.104 Die Möglichkeit, Informationen innerhalb kurzer Zeit über
grosse Distanzen hinweg austauschen zu können, bedeutete für ein
internationales Grossprojekt, wie es die Gotthardbahn bereits bei ihrer
Lancierung darstellte, einen entscheidenden Vorteil. Der geschickte Einsatz
dieses neuen Kommunikationsmittels durch Escher und Zingg leistete bei der Planung und Umsetzung
des Lobbyings im In- und Ausland und damit zur Verwirklichung der
Gotthardbahn einen wesentlichen Beitrag.
39Der Durchbruch der elektrischen Telegraphie erfolgte Ende der 1830er Jahre
durch die Verbreitung des von Samuel Morse 1837 entwickelten
Schreibtelegraphen und des Morsealphabets. Morses Erfindung
bildete die Grundlage für ein konstantes und schnelles Kommunikationsmittel,
das den Bedürfnissen der stetig wachsenden Industriegesellschaft entsprach.
Ab Mitte der 1840er Jahre begann weltweit der Aufbau von nationalen Telegraphennetzen und
internationalen terrestrischen Telegraphenverbindungen. Mit der Verlegung
submariner Leitungen zwischen 1858 und 1886 sollten diese Verbindungen bis
Ende des 19. Jahrhunderts die ganze Welt umspannen.105
40Das schweizerische Telegraphennetz wurde zwischen 1852 und 1877 erstellt. Ab 1850 wurde der
volkswirtschaftliche und politische Nutzen der Telegraphie für die Schweiz
von der Wirtschaft erkannt. Der Wunsch, gegenüber dem Ausland wirtschaftlich
konkurrenzfähig zu bleiben, veranlasste schweizerische Wirtschaftskreise
wie etwa das Kaufmännische Direktorium St. Gallen dazu, dem Bundesrat im April
1851 den Antrag zu stellen, die Einführung der Telegraphie
voranzutreiben.106 Gestützt auf das eidgenössische
Gesetz über die Errichtung elektromagnetischer Telegraphen wurde der Bau des
schweizerischen Telegraphennetzes 1852 angegangen. Bereits Ende des Jahres
konnte das Inlandnetz, das sich von Rheineck bis Genf
sowie von Basel bis Chiasso erstreckte und 34
Telegraphenbüros umfasste, in Betrieb genommen werden. 1877 verfügte jede
grössere Ortschaft über eine Niederlassung, und das Telegraphennetz erreichte mit
einer Länge von 6526 km seinen endgültigen Ausbaustand. Ab 1853 wurde das
schweizerische Telegraphennetz systematisch mit den Netzen der direkten
Nachbarstaaten und der restlichen europäischen Staaten verbunden.107
41In den 1860er Jahren war der Ausbau des schweizerischen Telegraphennetzes
weit fortgeschritten und der Anschluss an die Netze von Italien und der deutschen Staaten bereits gewährleistet.
Dieser Ausbau ermöglichte Escher und Zingg eine beschleunigte Kommunikation sowohl in der Schweiz als
auch mit den Delegierten und Repräsentanten der Gotthardvereinigung im Ausland. Der
schnelle Informationsaustausch verkürzte die Entscheidungsfindung von Escher
und Zingg und versetzte sie in
die Lage, unmittelbar auf politische Entscheidungen oder auf Aktivitäten von
schweizerischen Konkurrenzprojekten im In- und Ausland zu reagieren.
Dementsprechend setzten beide zwischen 1863 und 1871 den Telegraphen dann
ein, wenn der unsichere Verlauf von Konzessions- oder
Subventionsverhandlungen und der daraus resultierende Handlungsbedarf
zeitlich keine liche Kommunikation zuliessen.
42Escher und Zingg nutzten die
Telegraphie, um ihre Ansichten und Meinungen zur Gestaltung oder zur
Ausführung des persönlichen oder des gemeinsamen Vorgehens auszutauschen und
damit die nächsten Schritte planen zu können. Sie benützten das Telegramm,
wenn die Situation ihnen kein Handeln mehr erlaubte, sondern entweder eine
«[m]ündliche Rücksprache [...] in Sachen Gotthardtbahn»108 zwischen den beiden nötig machte
oder einen Mehrheitsbeschluss der Ausschuss- und Kommissionsmitglieder der
Gotthardvereinigung
und später der Verwaltungsrats- und Direktionsmitglieder der
Gotthardbahn-Gesellschaft erforderte. So teilte Escher Zingg im Vorfeld der Abschlussverhandlungen
bezüglich der Konzessionen im Tessin
im Januar 1869 telegraphisch mit, dass «die Tessinerangelegenheiten [...] auf einem Puncte angekommen [sind],
der mir nicht mehr erlaubt, von mir aus zu handeln». Aufgrund der
Dringlichkeit der Lage ersuchte Escher Zingg, auf den nächsten Tag eine Sitzung des Gotthardausschusses einzuberufen, und
vermerkte dazu: «Es würde wohl im Interesse der Beschleunigung liegen, wenn
Sie die Einladung directe von Ihnen aus auf telegraphischem Wege abgehen
ließen.»109 Gerade mittels Telegrammen
liessen sich innerhalb weniger Stunden ein Zeit- und Treffpunkt festlegen
oder verschieben sowie die gewünschten Mitglieder und die zur Klärung eines
Sachverhalts erforderlichen Experten aufbieten.110 Gegenüber der lichen
Einladung war dadurch eine erhebliche Zeiteinsparung möglich.
43Nicht zuletzt wurde das Telegramm auch eingesetzt, wenn es für Escher und Zingg galt, Informationen zu
beschaffen, um Entscheide hinsichtlich der Planung oder der Koordination des
Einsatzes der Delegierten und der Auslandsagenturen zu fällen. Zu
diesem Zweck standen Escher und Zingg regelmässig in telegraphischem Austausch mit ihren
Delegierten und Repräsentanten in Italien und den deutschen Staaten. So ermöglichten es ihnen
beispielsweise die Mitteilungen des Delegierten Georg Stoll aus Deutschland
oder des Repräsentanten Gottlieb Koller aus Italien, umgehend über
den aktuellen Stand der politischen Entscheidungen und Entwicklungen und den
Verlauf von Verhandlungen in den jeweiligen Staaten im Bilde zu sein. Im Februar 1866
telegraphierte Zingg Escher,
dass sich laut Koller die
italienische
Expertenkommission nach erfolgter Prüfung verschiedener Alpenpässe klar für den Gotthard als Alpentransversale ausgesprochen habe. Gleichzeitig
hatte Koller
Zingg auf die Aktivitäten des
Lukmanierkomitees in der
tessinischen Presse
hingewiesen.111 Escher war durch diese
Informationen in der Lage, der Delegation der Gotthardvereinigung in Berlin für die dortigen
Verhandlungen Informationen zu liefern. Gleichzeitig konnte er dadurch den
Schaffhauser Nationalrat
Johann Friedrich
Peyer im Hof veranlassen, gegen die Pressetätigkeit der Lukmanier-Befürworter vorzugehen: «Habe
auch unserer Delegation in B.
Kenntniß gegeben und sie entsprechende instruirt. Peyer wird auf das Tessiner Pamphlet, das durch die Lucmanier Presse reproduziert
wird, mit einer actenmäßigen Darstellung des Sachverhaltes
antworten.»112
44Durch den Telegraphen liessen sich somit die Instruktion und die Versorgung
der Delegierten mit Zusatzinformationen beschleunigen und die
Reaktionsfähigkeit und Effizienz der Gesandten erheblich steigern. Dies
zeigt sich beispielsweise im Dezember 1865, als der Tessiner Grosse Rat beschloss, das
Konzessionsbegehren der Gotthardvereinigung für die Tessiner Talbahnen, das die Gotthardvereinigung im Verlauf des Jahres eingereicht hatte,
nicht weiter zu verfolgen.
113
Die Delegierten der Gotthardvereinigung, der Basler Unternehmer Wilhelm Schmidlin und Peyer im Hof, schlugen Escher
daraufhin vor, dass «Conzessionsgesuch mit geeigneten Bemerkungen
zurück[zu]ziehen».114 Da Peyer von Escher wünschte,
noch am gleichen Tag Instruktionen zu erhalten, telegraphierte Escher an
Zingg: «Ich glaube, er
sollte beauftragt werden, einfach und ohne weitere Erklärungen abzureisen.
Bitte um telegraphische Mittheilung Ihrer Ansicht.»115 Rund zwei
Stunden später antwortete Zingg,
dass er eine «einfache Abreise Peyers ohne weitere Erklärung
für das zweckmäßigere [erachte]».116
45Mit der Sicherung der Finanzierung der Gotthardbahn und der Gründung der
Gotthardbahn-Gesellschaft Ende 1871 ging der Telegrammverkehr zwischen Escher
und Zingg erheblich zurück. Für die geringe Anzahl an
überlieferten Telegrammen ab 1872 sind verschiedene Gründe verantwortlich.
Einen wesentlichen Grund bildet die Tatsache, dass Escher und Zingg ab 1872 keine
Lobbying-Tätigkeiten im In- und Ausland mehr zu koordinieren hatten, die
einer schnellen Informationsbeschaffung und -weitergabe bedurften. Ein
weiterer Grund ist in der Institutionalisierung der Gotthardvereinigung zu sehen, die mit
der Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft 1871 ihren Projektcharakter
verlor. Zwar war eine beschleunigte Kommunikation für Escher und Zingg auch nach diesem Zeitpunkt
im gleichen Mass erforderlich wie zuvor. Als Direktionsmitglieder trafen
sich Escher und Zingg nun jedoch
wöchentlich zu Direktionssitzungen.117 Der regelmässige mündliche Austausch führte
dazu, dass beide bis auf die Einladung zu persönlichen Besprechungen nur
noch wenig telegraphierten.118 Der Rückgang der
telegraphischen Kommunikation wurde durch den Umstand begünstigt, dass
Escher und Zingg nach der
Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft Departementen mit verschiedenen
Aufgabenbereichen vorstanden.119 Wie die wenigen ermittelten
Telegramme belegen, griffen Escher und Zingg nur selten auf den Telegraphen zurück, um den
Informationsaustausch zu bau-, finanz- und personaltechnischen Fragen zu
beschleunigen.120 Ein Beispiel
findet sich im Juni 1876, als Escher Zingg anfragte, ob dieser «mit dem Entwurfe zu dem Berichte an
die Generalversammlung betreffend die Finanzlage der
Gotthardbahngesellschaft einverstanden [sei], so daß die Versendung
desselben an die Mitglieder des Verwaltungsrathes erfolgen kann».121
Im allgemeinen erübrigte sich die Nutzung des Telegraphen zwischen Escher
und Zingg jedoch.
46
Vincent Pick
1Zur Entstehung der Gotthardbahn vgl.
Jung, Aufbruch; Jung, Escher; Wanner, Gotthardunternehmen; Wanner,
Gotthardbahn; Prot. Ausschuss
Gotthardvereinigung.
2
Wanner, Gotthardbahn, S. 9.
3Zur
Biographie Zinggs
vgl.
HLS online, Zingg Josef; Gruner, Bundesversammlung I, S. 292;
ADB VL, S. 323–324;
Röll, Enzyklopädie X, S. 477; Mathys, Männer, S. 152–154.
4
Alfred Escher an Josef Zingg, 30. Oktober 1866.
5
Josef Zingg an Alfred Escher, 4. Juli 1878.
6
Josef Zingg an Alfred Escher, 14. Juli 1864.
7
Vgl.
Prot. Konferenz Gotthardeisenbahn 1863.
8
Vgl.
Die Gotthardvereinigung, Absatz 3.
9
Alfred Escher an Josef Zingg, 8. November 1863.
10
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 10. November 1864;
Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 28.
Oktober 1864, 17. November 1864.
11
Vgl.
Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 17. November
1864.
12
Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Mai 1864.
13
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 9. November 1865;
Josef Zingg an Alfred Escher, 12. Oktober 1866;
Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 23. Juli
1865.
14
Vgl.
Die Gotthardvereinigung, Absatz 14.
15
Alfred Escher an Josef Zingg, 25. Juli 1867;
Stoll, Stoll, S.
25–27.
16
Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juni 1867.
17
Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juni 1867.
18
Josef Zingg an Alfred Escher, 8. September 1867.
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 14. September 1867.
19
Vgl.
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 134.
20
Alfred Escher an Josef Zingg, 1. April 1870
21
Alfred Escher an Josef Zingg, 15. April 1870.
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 16. April 1870.
22
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 5. November 1864.
23
Josef Zingg an Alfred Escher, 29. September 1865.
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 13. November 1869;
Josef Zingg an Alfred Escher, 23. November 1869;
Josef Zingg an Alfred Escher, 25. Februar 1870.
24
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 12. September 1877;
Josef Zingg an Alfred Escher, 15. Februar 1878;
Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Absatz 20; Wanner, Gotthardbahn, S. 418–421, 504.
25
Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Februar 1864.
26
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 6. Februar 1864.
27
Alfred Escher an Josef Zingg, 2. September 1865.
– Zu Eschers Missionen in Italien und Deutschland sowie zum Zusammentreffen mit Bismarck
vgl.
Prot. Ausschuss Gotthardvereinigung, 5. Juli 1865,
20. August 1865, 7. September 1865; Jung,
Aufbruch, S. 572; Die Gotthardvereinigung, Absatz 5.
28Der
Streit entbrannte, weil das Grossherzogtum Baden die an der
internationalen Gotthardkonferenz von 1869 versprochene Subvention von 3
Mio. Franken im März 1870
bestätigte, ohne sich mit den anderem deutschen Staaten abzusprechen. Der Norddeutsche Bund
beschloss nach ausgiebigen Debatten trotzdem, dem Staatsvertrag
beizutreten, sprach jedoch nur eine Summe von 10 Mio. Franken, wodurch bei der
festgelegten deutschen Gesamtsubvention ein Fehlbetrag von 7 Mio. Franken resultierte. Vgl.
Die Gotthardvereinigung, Absatz 29.
29
Josef Zingg an Alfred Escher, 18. Mai 1870.
30
Josef Zingg an Alfred Escher, 24. Mai 1870.
31
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 18. Mai 1870.
32
Josef Zingg an Alfred Escher, 15. Juni 1871.
– Zur Ratifizierung der Staatsverträge zwischen der Schweiz, Italien sowie dem
Deutschen Reich
vgl.
Die Gotthardvereinigung, Absatz 34; Die Gotthardvereinigung, Absatz 38; Wanner, Gotthardunternehmen, S. 155–156, 186–188.
33
Alfred Escher an Josef Zingg, 7. September 1863.
34
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 20. November 1863;
Josef Zingg an Alfred Escher, 24. November 1863;
Josef Zingg an Alfred Escher, [29. November 1863].
35
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 20. September 1864;
Josef Zingg an Alfred Escher, 4. Februar 1865;
Alfred Escher an Josef Zingg, 5. Februar 1865.
36
Alfred Escher an Josef Zingg, 22. Januar 1865.
37Zur European Central Railway Limited vgl.
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 125; Schmidlin, Ostalpenbahnfrage,
S. 95; .
38
Vgl.
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 125–126; Schmidlin,
Ostalpenbahnfrage, S.
95–96.
39
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 18. / 19. Juli 1865.
40
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 13. September 1865.
41
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 17. Oktober 1865.
42
Vgl.
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 128.
43
Alfred Escher an Josef Zingg, 17. November 1865.
44
Vgl.
Prot. BR, 6. Juli 1866; Wanner,
Gotthardunternehmen, S.
132–133.
45Die
Assocation «Pro ferrovia Gottardo» war eine Verbindung der
Gemeinden Lugano, Locarno, Mendrisio, Faido, Bedretto, Giornico, Balerna, Coldrerio, Novazzano, Capolago, Airolo, Chironico, Pollegio, Mairengo,
Dalpe, Osco, Calonico und Chiggiogna, acht Patriziaten und Korporationen sowie 135
Personen, von welchen der Grossteil der Tessiner Regierung angehörte und über ein Mandat in der
Bundesversammlung verfügte. Vgl.
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 133.
46
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 1. April 1866.
47
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 6. Juni 1866;
Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Dezember 1866;
Alfred Escher an Josef Zingg, 8. Dezember 1866.
48
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 1. Juli 1866;
Alfred Escher an Josef Zingg, 5. Juli 1866.
49
Alfred Escher an Josef Zingg, 27. Mai 1866.
– Im Tessiner Volksmund wurde
unter «Camorra» ein Zusammenschluss einflussreicher Tessiner Politiker verstanden, welche vom Tessiner Bauunternehmer Pietro Genazzini als
Associés an seinem Unternehmen beteiligt wurden. Aus Angst, ihr bei Genazzini investiertes
Vermögen zu verlieren, engagierte sie sich in der
Vorbehandlungskommission und im Grossen Rat gegen die Konzession der
Gotthardvereinigung. Vgl.
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 129–131.
50
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 132.
51Nebst der Tatsache, dass die aktuelle
Konzessionsinhaberin, die Hentsch, Lutscher und Compagnie, weder die
Kaution für die Lukmanierkonzession bezahlt noch eine Konzession für den
Kanton Graubünden beantragt
hatte, entschieden sich die Bündner Standeskommission sowie die St. Galler Regierung, den Splügen dem Lukmanier als eine mögliche Alpentransversale vorzuziehen und
entsprechend zu prüfen. Vgl.
Müller, Alpenbahn-Bestrebungen, S. 105–109; Wanner,
Gotthardunternehmen, S.
132.
52
Josef Zingg an Alfred Escher, 12. Oktober 1866;
Alfred Escher an Josef Zingg, 19. Oktober 1866.
53
Vgl.
Kern, Repertorium I, S. 199; Gygax, Wirth-Sand, S. 28–29.
54
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 29. Januar 1867;
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 133–134.
55
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juli 1871;
Alfred Escher an Josef Zingg, 11. September 1871.
56
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 17. September 1871.
57
Alfred Escher an Josef Zingg, 19. September 1871.
58
Vgl.
Die Gotthardvereinigung, Absatz 7;
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 113–116.
59
Vgl.
Jung, Aufbruch, S.
657–659.
60
Josef Zingg an Alfred Escher, 1. Oktober 1865.
– Der Grosse Rat des Kantons Luzern sprach sich beim definitiven Subventionszuspruch für
das Gotthardprojekt
am 8. November 1865 für eine «angemessene
Betheiligung bei Erstellung einer Schienenverbindung durch das Entlebuch» aus; zit.
Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 582.
61
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 2. September 1865.
62
Josef Zingg an Alfred Escher, 10. September 1865.
63
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 17. Oktober 1865.
64
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 10. November 1865.
65
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 2. Dezember 1865.
– Die Stadt Luzern
leistete schliesslich einen Subventionsbeitrag von 1,15 Mio. Franken. Vgl.
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 162, 166.
66
Alfred Escher an Josef Zingg, 11. September 1871.
67
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 13. November 1869.
68
Josef Zingg an Alfred Escher, 23. November 1869.
69
Vgl.
Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 582.
70
Vgl.
Junker, Geschichte
Kt. Bern II, S. 184.
71
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 1. Oktober 1865.
72
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 2. Oktober 1863.
73
Josef Zingg an Alfred Escher, 9. Oktober 1863.
74
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 23. Januar 1865.
75
Alfred Escher an Josef Zingg, 9. November 1863.
76
Alfred Escher an Josef Zingg, 25. September 1864.
77
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 22. Januar 1865.
78
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 15. Januar 1865.
79
Alfred Escher an Josef Zingg, 22. Januar 1865.
80
Vgl.
Jung, Escher, S.
420.
81
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 3. März 1877;
Josef Zingg an Alfred Escher, 19. Juli 1878;
NZZ, 21. April 1876, 22. April 1876; Jung, Aufbruch, S.
681–686; Die Rekonstruktion der Gotthardbahn, Probleme mit Oberingenieur Hellwag.
82
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 5. Mai 1864.
83
Alfred Escher an Josef Zingg, 12. Juni 1864;
Vgl.
Alfred Escher an Josef Zingg, 18. Juni 1864.
84
Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 27. September 1864;
Alfred Escher an Josef Zingg, 17. Mai 1865;
Josef Zingg an Alfred Escher, 19. Mai 1865;
Josef Zingg an Alfred Escher, 22. Mai 1865;
Wanner, Gotthardunternehmen, S. 88.
85St.
Gallisches Regierungsratsprotokoll vom 14. September 1864, Nr. 2184; zit.
Müller, Alpenbahn-Bestrebungen, S. 75.
86
Alfred Escher an Josef Zingg, 26. Februar 1865.
87
Alfred Escher an Josef Zingg, 12. Juli 1864.
88
Vgl.
Altermatt, Bundesräte, S.175; Gagliardi, Escher, S. 472–473.
89
Josef Zingg an Alfred Escher, 14. Juli 1864.
90
Josef Zingg an Alfred Escher, 14. Juli 1864.
91
Vgl.
Schneider, Bundesstaat, S. 498–501.
92
Alfred Escher an Josef Zingg, 21. Juli 1869.
93Der Bund übernahm erst mit dem
Eisenbahngesetz von 1872 die bisher den Kantonen übertragenen
Kompetenzen. Vgl.
Röll, Enzyklopädie VIII, S. 440.
94 Escher äusserte sich zur demokratischen Bewegung
dahingehend: «Es wird sich eben vielleicht zeigen müssen, daß die ‹reine
Demokratie› der Erfüllung großer Staatsaufgaben nichts weniger als
förderlich ist!» Alfred Escher an Josef Zingg, 18. Februar 1868.
– Vgl.
Josef Zingg an Alfred Escher, 26. November 1867.
95Zum Wahlsieg der Konservativen in Luzern
vgl.
Bossard-Borner, Spannungsfeld; Kopp, Konservative Partei; Letter,
Wahlkampf.
96
Vgl.
Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 646.
97
Josef Zingg an Alfred Escher, 13. Mai 1867.
98
Josef Zingg an Alfred Escher, 24. Mai 1867.
99
Vgl.
Kopp, Konservative Partei, S. 174–175; Bossard-Borner,
Spannungsfeld, S. 648.
100
NZZ, 29. Mai 1867. – Weil Vonmatt sein Nationalratsmandat nicht verlieren wollte und
deshalb auf das Amt als Regierungsrat verzichtete, wurde er durch Jost Weber ersetzt. Vgl.
Bossard-Borner, Spannungsfeld, S. 648.
101
Josef Zingg an Alfred Escher, 24. Mai 1867.
102
Vgl.
Gruner, Bundesversammlung I, S. 259; Bossard-Borner, Spannungsfeld,
S. 681, 717–721.
103
Josef Zingg an Alfred Escher, 8. Mai 1871.
104Zur Beschleunigung und zum Medienwandel im 19. Jahrhundert
allgemein vgl.
Osterhammel, Verwandlung; Kaschuba, Überwindung; Faulstich,
Medienwandel. – Zur Telegraphie und ihren Auswirkungen im 19.
Jahrhundert vgl.
Standage, Viktorianisches Internet; Ahvenainen, Role, S.
73–80; Walter, Kommunikationsrevolution, S. 179–190; Neutsch,
Briefverkehr, S. 129–155; Wobring, Globalisierung. – Zur Einführung der
Telegraphie in der Schweiz vgl.
Giacometti, Einführung; Generaldirektion PTT, Hundert Jahre; Schweizerische Telegraphen-Direktion, Telegraphen- &
Telephonwesen; Balbi et al., Voie
suisse, S. 435–453; Buser, Entwicklung; S.
21–26.
105
Vgl.
Generaldirektion PTT, Hundert Jahre, S. 98–115; Osterhammel,
Verwandlung, S. 1025; Standage, Viktorianisches Internet, S. 89, 112–113.
106
Vgl.
Buser, Entwicklung, S. 23–24; Schreiben des Kaufmännischen Direktoriums in St.
Gallen an den Hohen Bundesrat in Bern (mit Unterschrift der 18
angesehensten Zürcher Handelshäuser) vom 21. April 1851, zit.
Generaldirektion PTT, Hundert Jahre, S. 123–126; Balbi et al.,
Voie suisse, S. 440–451.
107
Vgl.
Generaldirektion PTT, Hundert Jahre, S. 127–135, 257–309; Schweizerische Telegraphen-Direktion, Telegraphen- &
Telephonwesen, Tabelle IV, V; Giacometti,
Einführung, S. 46–47, 50–51. –
Escher brachte sich massgeblich in die Behandlung des Gesetzesentwurfs
zur Einführung des Telegraphen ein. Er vertrat die Ansicht, dass das
Telegraphenwesen die Angelegenheit des Bundes sei, der Bund für den
Unterhalt aufkommen sollte und die Erteilung von Konzessionen für
Telegraphenlinien der Bundesversammlung zu überlassen sei, stellte jedoch
den Antrag, dass sich die Standortgemeinden von Telegraphenbüros
massgeblich an den Errichtungskosten beteiligen. Der Antrag Eschers
wurde als Artikel 5 im Gesetzesentwurf aufgenommen. Vgl.
Wiederkehr, Aufbau, Kapitel Telegraphenwesen; Dossier Telegraphenfrage
1851 (BAR J I.67-4.3.34).
108
Telegramm Escher an Josef Zingg, 10. April 1871
(SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_054).
109
Vgl.
Telegramm Escher an Josef Zingg, 27. Januar 1869
(SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_010).
110
Vgl.
Telegramm Escher an Josef Zingg, 13. September 1865
(SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_005);
Telegramm Escher an Josef Zingg, 9. Juni 1870
(SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_054);
Telegramm Josef Zingg an Escher, 9. Juni 1870
(SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_054).
111
Vgl.
Telegramm Josef Zingg an Escher, 11. Februar 1866
(SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_005).
112
Vgl.
Telegramm Escher an Josef
Zingg an, 11. Februar 1866 (SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_054).
113
Vgl.
Wanner, Gotthardbahn, S. 131;
Die Gotthardvereinigung, Absatz 10.
114
Telegramm Escher an
Josef Zingg, 16. Dezember 1865 (SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_004).
115
Telegramm Escher an Josef Zingg, 16. Dezember 1865 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_004).
116
Telegramm Josef
Zingg an Escher, 16. Dezember 1865 (SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_010).
117Zur Häufigkeit der Sitzungen des
Direktoriums vgl.
Prot. Dir. GB, 1871–1878.
118
Vgl.
Telegramm Josef
Zingg an Escher, 22./23. Februar 1872 (SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_061); Telegramm
Escher an Josef Zingg, 26. Dezember 1874 (SBB
Historic VGB_GB_SBBGB03_066); Telegramm Escher an Josef Zingg, 27. Juli 1875 (SBB
Historic VGB_GB_SBBGB03_001).
119Escher übernahm das erste Departement,
welches sämtliche eisenbahnpolitischen Angelegenheiten und das gesamte
Bauwesen ohne den Hochbau und die Beschaffung des Rollmaterials
umfasste. Zingg war
verantwortlich für das zweite Departement, das sich dem Finanzwesen, der
Beschaffung des Baukapitals, dem Rechnungs-, Kautions- und Taxwesen, der
Tarifierung sowie dem Hochbau widmete. – Zu den einzelnen Departementen
der Gotthardbahn-Gesellschaft vgl.
Wanner,
Gotthardbahn, S. 9–13.
120
Vgl.
Telegramm Josef Zingg an
Escher, 8. Januar 1872 (SBB Historic
VGB_GB_SBBGB01_054); Telegramm
Josef Zingg an Escher, 30. Oktober 1873 (SBB
Historic VGB_GB_SBBGB02_062); Telegramm Escher an Josef Zingg, 5. März 1875 (SBB
Historic VGB_GB_SBBGB01_061).
121
Telegramm Escher an Josef Zingg, 13. Juni 1876 (SBB Historic VGB_GB_SBBGB01_017).
© Alfred Escher-Stiftung
Alfred Escher-Stiftung, c/o Zentralbibliothek Zürich, Zähringerplatz 6, 8001 Zürich, Schweiz
Zitiervorschlag: Jung Joseph (Hrsg.), Digitale Briefedition Alfred Escher, Launch Juli 2015 (laufend aktualisiert), Zürich: Alfred Escher-Stiftung.
https://briefedition.alfred-escher.ch/kontexte/uberblickskommentare/Korrespondenz_Escher-Zingg/