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Die Studie «Nuclear power generation phase-outs redistribute US air quality and climate-related mortality risk» wurde am 10. April 2023 in «Nature Energy» veröffentlicht. Darin untersuchen MIT-Forschende, wie sich das Abschalten von Kernkraftwerken auf die Luftverschmutzung, das Klima und die Gesundheit bei bestehender und alternativer Netzinfrastruktur auswirken könnte. Sie entwickelten ein Ausbreitungsmodell, um die CO2-, NOx- und SO2-Emissionen der einzelnen Kraftwerke in den USA zu simulieren, und speisten diese Emissionen in ein chemisches Transportmodell ein, um die Auswirkungen auf bodennahes Ozon und Feinstaub mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (PM2,5) zu berechnen.
«Unser Szenario des Ausstiegs aus der Kernenergie führt zu einer Kompensation durch Kohle, Gas und Öl, was einen Anstieg von PM2,5 und Ozon verursacht, der zusätzliche 5200 Todesfälle pro Jahr zur Folge hat», heisst es in der Studie. Hinzu kommen die vorzeitigen Todesfälle, die durch die klimabedingten Auswirkungen der zusätzlichen CO2-Emissionen verursacht werden: «Änderungen der CO2-Emissionen führen zu einer um eine Grössenordnung höheren Sterblichkeitsrate während des gesamten einundzwanzigsten Jahrhunderts und verursachen Schäden in Höhe von USD 11 Mrd. bis 180 Mrd. je Emissionsjahr.»
Selbst wenn man die erwartete Zunahme der Verfügbarkeit erneuerbarer Energiequellen berücksichtigt, so das MIT-Team, würde die Luftverschmutzung in einigen Teilen des Landes immer noch leicht zunehmen, was zu insgesamt 260 verschmutzungsbedingten Todesfällen in einem Jahr führen würde.
Das Forscherteam fand heraus, dass sich die Luftverschmutzung in den Regionen im Osten der USA – wo sich die meisten Kernkraftwerke der USA befinden – generell verschlechtern würde, wie in diesem Video des MIT zu sehen ist.
Erstautorin Lyssa Freese, Doktorandin am Department of Earth, Atmospheric and Planetary Sciences (EAPS) des MIT, erklärte, dass bereits Arbeiten über die Auswirkungen des Rückgangs der Kohlenutzung auf die Luftqualität durchgeführt worden seien, aber niemand zuvor die Verbindung zwischen Luftqualität und Kernkraftwerksabschaltungen untersucht habe. «Dies fügt der Gleichung der gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen auf die Umwelt eine weitere Ebene hinzu, wenn man über die Abschaltung von Kernkraftwerken nachdenkt, wo sich die Diskussion oft auf lokale Risiken durch Unfälle und Bergbau oder langfristige Klimaauswirkungen konzentriert», sagte sie weiter.
Laut Noelle Selin, Mitautorin der Studie und Professorin am MIT Institute for Data, Systems, and Society (IDSS) sowie am EAPS, war die Luftqualität bisher kein Thema in der Debatte um den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken. «Wir haben herausgefunden, dass die Luftverschmutzung durch fossile Brennstoffe so schädlich ist, dass alles, was die Luftverschmutzung erhöht, wie z. B. die Abschaltung von Kernkraftwerken, erhebliche Auswirkungen haben wird, und zwar für einige Menschen mehr als für andere.»
Quelle
M.A. nach WNN, 11. April 2023 und MIT News, 10. April 2023