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Einen Plan für seine Laufbahn im Familienunternehmen hatte er nicht, als er vor rund dreissig Jahren anfing, für die Firma zu arbeiten. Er wäre lieber hauptberuflich Torhüter beim Zürcher Fussballclub FC Young Fellows geworden, eine Profikarriere schien möglich. Doch es kam anders – Nicolas Beck, heute 56 Jahre alt, wurde stattdessen Co-CEO und Mitbesitzer von Beck Automation, der Firma seines Vaters Michel.
«Ich bin eigentlich erst seit 1996 kein Lausbub mehr», sagt er. Es war das Jahr, als sein Sohn auf die Welt kam. Drei Jahre später wurde er zum zweiten Mal Vater, diesmal einer Tochter. Doch obwohl eine Zeit lang Sport – zuerst Handball, später Fussball – für ihn das Wichtigste im Leben war, vernachlässigte er die Berufsausbildung nicht. Er machte zuerst eine Ausbildung als Maschinenmechaniker, anschliessend als technischer Zeichner; später bildete er sich an einer Handelsschule betriebswirtschaftlich weiter.
Zusammen mit seinem vier Jahre älteren Bruder Christian, der, sagt Nicolas Beck, zwei goldene Hände habe und der beste Mechaniker sei, den er kenne, gelang es ihm, das Geschäftsmodell der Firma weiterzuentwickeln. Das Unternehmen war in den 1990er Jahren ein Pionier des sogenannten «In-Mould-Labelings» und konnte diese Stellung seither halten. In dieser Zeit ist die Mitarbeiterzahl von zwölf auf aktuell 85 gestiegen.
«Wir backen kleine Brötchen, dafür schön regelmässig.»
Beim IML geht es, verkürzt ausgedrückt, darum, ein bereits bedrucktes Label, ein Etikett aus Polypropylen (PP), in eine Gussform, «Mould» genannt, zu legen, die die Form des fertigen Erzeugnisses hat, zum Beispiel einer Margarinedose. Anschliessend wird das flüssige PP in die Gussform gespritzt, wo der Kunststoff mit dem Etikett verschmilzt, sodass Label und Verpackung ein untrennbares Ganzes bilden.
Nicolas und seinem Bruder Christian gehört das Geschäft zu gleichen Teilen, die Schwester Catherine ist nicht im Unternehmen aktiv. Christian ist aber nicht der Co-CEO, das ist ein anderer Christian, Schönholzer mit Nachnamen und 45 Jahre alt, der nicht zur Familie gehört. «Er ist der Innenminister, ich bin zuständig dafür, die Firma nach aussen zu vertreten», sagt Nicolas Beck.
Eine Besonderheit der IML-Branche ist, dass grosse, marktmächtige Anbieter fehlen. Es gibt keine Amazons, Alphabets oder Apples in diesem Geschäft. Was damit zu tun hat, dass die Wege, die bedruckte Kunststoffformen wirtschaftlich transportiert werden können, beschränkt sind, sagt Beck. Es lohne sich nicht, leere Margarinedosen weiter als wenige hundert Kilometer auszuliefern.
Beck ist stolz auf die Qualität, die er und seine Mitarbeiter, aber auch eine Vielzahl anderer hiesiger Unternehmer anbieten. Er sei ein Fan des Werkplatzes Schweiz. Dennoch öffnete er vor einigen Jahren eine Niederlassung in Portugal. «Die Kosten dort liegen bei vielleicht einem Drittel des Schweizer Niveaus», sagt er. Zurzeit beschäftigt er in der Südwestecke Europas 15 Mitarbeiter, vorgesehen ist aber, die in der Europäischen Union liegende Niederlassung auszubauen.
Beck ist international tätig. Zwar werden aus den erwähnten logistischen Gründen keine fertigen Gebinde ins Ausland verschoben. Hingegen bietet er sein Know-how, Wissen und die von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelte Roboter-Technik für IML-Anwendungen weltweit an – Beck Automation verkauft Anlagen und Beratung etwa in die USA, nach Asien oder Lateinamerika, damit Firmen dort selbst In-Mould-Labeling betreiben können. Dieses Geschäft trägt rund fünfzig Prozent zum Gesamtumsatz seines Unternehmens bei.
Dieses soll auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleiben. «Am Tag, an dem ich einen Investor brauche, höre ich auf», sagt Nicolas Beck. Er glaubt nicht daran, dass fremde Mitbesitzer die gleichen Interessen vertreten würden wie er und sein Bruder. Gegen Fremdkapital hat er keine Vorbehalte, mit Banken, die Kredit geben, könne er gut leben. Finanzinvestoren einen Teil des Unternehmens abzutreten hingegen sei für ihn bloss der erste Schritt zu einem späteren Firmenverkauf. Er habe dies oft in seiner Laufbahn beobachtet. Und das sei auch der Grund, weshalb er nie Wachstum um jeden Preis angestrebt habe. «Wir backen kleine Brötchen, dafür schön regelmässig», sagt er.
Wenn es nach ihm geht, kann es mit der Firma Beck Automation weitergehen, wie es in den vergangenen Jahrzehnten lief. Und Chancen, dass das Unternehmen im Familienbesitz bleibt, gibt es: Seine Kinder, mittlerweile Anfang 20, interessieren sich vielleicht dafür, Verantwortung zu übernehmen, der Sohn etwa lernt Konstrukteur. Christian Beck, Nicolas’ Bruder, hat ebenfalls Kinder, etwas jünger. Doch es eilt nicht mit dem Generationenwechsel, der heutige Chef denkt nicht ans Aufhören. Weshalb sollte er? Den Traum vom Profi-Fussballgoalie wird er kaum mehr verwirklichen, Patron dagegen kann er vorläufig bleiben.