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Beunruhigt durch den Wegzug vieler fähiger Wissenschaftler wandten sich Physiker versch. europ. Forschungszentren nach 1945 mit einer Bitte an die Regierungen ihrer Länder. Sie forderten diese auf, sich zusammenzutun und in Europa Forschungslaboratorien zu bauen, die mit jenen der Vereinigten Staaten konkurrieren könnten. Nach einer Diskussion anlässlich der Europ. Kulturkonferenz in Lausanne (Dez. 1949) wurde an der Unesco-Konferenz in Florenz (Juni 1950) in diesem Sinn eine Resolution verfasst. Im Dez. 1951 beschloss die Konferenz von Paris die Gründung eines europ. Kernforschungszentrums. Die Verhandlungen von Genf (Febr. 1952) schufen einen Rat der an diesem Projekt teilnehmenden europ. Länder. Die Schweizer Vertreter Paul Scherrer und Albert Picot schlugen vor, das Forschungszentrum in der Schweiz zu bauen. Die eidg. Räte billigten im Juni einen Kredit in der Höhe von 1 Mio. Fr. Im Oktober entschied man sich in Amsterdam für Genf als Standort. Trotz der Gegnerschaft der Kommunisten und einiger Persönlichkeiten, unter ihnen William Emmanuel Rappard, nahm das Genfer Volk am 29.6.1953 diese Wahl an. Am 1.7.1953 zeichneten zwölf Staaten in Paris den Vertrag zur Schaffung des CERN (Conseil européen pour la recherche nucléaire). Der Schweiz wurde zugesichert, dass die nuklearen Forschungen rein wissenschaftl. Art sein sollten und dass alle Ergebnisse veröffentlicht würden. Das Forschungszentrum sollte sich jeglicher polit. Aktivität enthalten. Sollte es zu einer internat. Krise kommen, so habe der Bundesrat das Recht, alle für die Sicherheit notwendigen Massnahmen zu treffen.
Im Okt. 1954 nahm das Forschungszentrum seine Arbeit auf. In den folgenden Jahren wurde das CERN, das offen ist für wissenschaftl. Zusammenarbeit, stetig erweitert; am Ende des 20. Jh. zählte es 20 Teilnehmerstaaten. Das Jahresbudget beträgt nahezu 1 Mrd. Fr., wovon die Schweiz 4% übernimmt. Ausser tausenden von auswärtigen Physikern, die jedes Jahr die Einrichtungen benutzen, arbeiten 3'500 Personen ständig im Zentrum. Zwei riesige Teilchenbeschleuniger mit einem Kreisumfang von 27 km, der sog. LEP (Large Electron-Positron Collider, zwischen 1989 und 2000 in Betrieb genommen) und der LHC (Large Hadron Collider, 2008 fertiggestellt), machen aus der Genfer Forschungsstelle eines der wichtigsten Zentren physikal. Forschung der Welt.
Literatur
– J. Grinevald et al. La quadrature du CERN, 1984
– A. Hermann et al., History of CERN, 3 Bde., 1987-96
– Infiniment CERN, 2004
Autorin/Autor: Antoine Fleury / AW