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|Abt Pankraz Forster (1796-1805)

Abt Pankraz Vorster
Pankraz Vorster, 1796-1805. * am 31.7.1753 (Franz Anton Ignaz Eduard Alois) in Neapel als Sohn des Joseph Zacharias Vorster, Haupt-mann im Regiment Jauch, und der Gräfin Anna Maria Rosa Berni. Schon früh kam er zur Erziehung zu seinem Onkel (Verwandten) Johann Thomas Vorster, der Pfarrer in Grub und in Wittenbach war. Profeß am 19.5.1771. Am 21.9.1774 verreiste er nach Konstanz zur Subdiakonatsweihe. Die Priesterweihe erhielt er am 13.7.1777. Primiz feierte er am 20. Juli. Am 9.8.1780 schickte ihn der Abt zusammen mit P. Johann Nepomuk zu den Disputationen nach Rheinau. Am 26.11.1783 wurde er Professor der praktischen Theologie, am 3.1 1.1784 Brüdermoderator. Zur Kur verreiste er am 4.8.1786 nach St. Moritz. Führend war er in der Opposition gegen Abt Beda ("Urheber", "Anführer der Mißvergnügten") ; als Mitglied der sogenannten "Kommission" hatte er die Angelegenheit zu untersuchen. Nach der Ablehnung des äbtlichen Resignationsgesuches durch Rom versetzte ihn Beda Angehrn am 17.9.1788 zusammen mit P. Gerold Brandenberg nach Ebringen im Breisgau. Hier wurde er am 9.8.1789 Vizestatthalter. Mit 55 Stimmen wurde er am 1.6.1796, aus Ebringen zurückgekehrt, unter Vorsitz des Nuntius Pietro Gravina und im Beisein des Abts Beat Küttel von Einsiedeln und des Exabts Kolumban Sozzi von Disentis zum Abt erkoren. Die Benediktion empfing er erst am 17.11.1804 in Offenburg durch den Basler Bischof Franz Xaver von Neveu. Alsbald unternahm er energische Schritte zur Sanierung der Wirtschaft und zur Reorganisation der Verwaltung. Gegen Ende 1796 reiste er zu Erzherzog Karl nach Offenburg. Am 18.4.1797 kam es in Frauenfeld zu einem Schiedsspruch über die Auslegung des Gütlichen Vertrags von 1795. Am 22.7.1797 verließ Abt Pankraz St. Gallen in Richtung Rorschach. Im August 1797 wurde als Volksvertretung der Landrat geschaffen, dem wichtige Rechte abgetreten werden mußten. Abt Pankraz kehrte am 25.9.1797 über Wil wieder nach St. Gallen zurück. Zu Beginn des folgenden Jahres (Februar) ging wie zuvor im Toggenburg auch in der Alten Landschaft Landeshoheit und Regierung von der Abtei an das Volk über, nachdem das Kapitel am 3. Februar diese Rechte eigenmächtig abgetreten hatte. Der Abt selber verließ am 9.2.1798 in einer zweispännigen Kutsche sein Land und kam in der Folge nach Einsiedeln, Schwyz und Ebringen, wo er jedoch kaum Hilfe fand. Die Administration der Abtei übertrug er P. Beda Gallus. Am 4. März war er in Neu-Ravensburg. Am 29.3.1798 kam er in Wien an, wo er eifrig am Hof konferierte. Von Wien aus erließ er am 9.6.1798 eine Proklamation zur Wahrung seiner Hoheitsrechte und Güter gegenüber der Helvetik, in welcher er die staatsrechtliche Doppelstellung der Abtei betonte. Getragen von den militärischen Erfolgen Österreichs in der Eidgenossenschaft, zog er am 26.5.1799 feierlich in St. Gallen ein, von wo aus er in der Folge die politischen Rechte der Abtei wiederherzustellen versuchte. Bereits am 29. September mußte er jedoch angesichts der rasch vorstossenden französischen Truppen St. Gallen erneut verlassen und nach Mehrerau flüchten. Er sollte St. Gallen nie wiedersehen. Sein ganzes Trachten und all seine Bemühungen waren auch in der Folge auf die Rettung des Klosters gerichtet, dessen Fortbestand er sich nicht ohne die politischen Herrschaftsrechte vorstellen konnte. In diesem Sinne unternahm er immer wieder Vorstösse bei verschiedenen Regierungen, in Wien, aber auch anderswo. Er führte ein wechselvolles Leben und hielt sich auf der Flucht vor den kriegerischen Ereignissen in Österreich, Slowenien, Schlesien und in der Tschechoslowakei auf. Seine Interventionen bei Spanien, Frankreich (Napoleon), England sowie bei den eidgenössischen Kantonen fruchteten für die Zukunft indes wenig. Die "Statuta conventa" (1803), in denen sich ein Teil der Konventualen unter Aufgabe der wichtigsten politischen Rechte mit dem neugeschaffenen Kanton St. Gallen zu arrangieren versucht hatte, verwarf er. Nach dem Reichsdeputationshauptschluß (26.2.1803) unternahm er Anstrengungen, den Stiftsbesitz im Reich zu retten. Baden anerkannte später die Ansprüche St. Gallens auf Ebringen und Norsingen und erlegte für diese Herrschaften 140 000 Gulden. Mit der Aufhebung der Abtei St. Gallen durch den Großen Rat am 8.5.1805 war jedoch das über tausendjährige Schicksal des Gallusklosters besiegelt. Es wurde die Liquidation der Abtei beschlossen. In den folgenden Jahren traten der Kanton und später auch der Katholische Konfessionsteil als Erben auf. Der Wiener Kongreß setzte für den Abt am 20.3.1815 eine Pension von 6000 Reichsgulden fest. In den Jahren 1816/ 17 unternahm der Papst nochmals Versuche zur Wiederherstellung der Abtei. 1819 wechselte Abt Pankraz seinen Wohnsitz Arth am Zugersee, wo sein Konventuale P. Sebastian Enzler Pfarrer war und er selbst seit einigen Jahren (1816) gelebt hatte, mit dem Kloster Muri. Die auf den 2.7.1823 datierte, von Papst Pius VII. ausgestellte Bulle "Ecclesias quae antiquitate" schuf die Voraussetzungen zur Gründung des Doppelbistums Chur-St. Gallen, darf jedoch nicht als kanonische Aufhebung des Klosters St. Gallen interpretiert werden. Am 1.6.1821 stiftete Abt Pankraz sieben Jahrzeiten an verschiedenen Orten des Kantons St. Gallen für alle Äbte, Mönche und Wohltäter des Klosters. Bereits seit 1820 hatte er die Jahrespension bezogen. Er starb am 9.7.1829 in Muri, wo er auch begraben wurde. Seine Überreste wurden schließlich am 30.11.1923 nach Erhebung in der Klosterkirche Muri in der St. Galler Kathedrale beigesetzt.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)