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Der deutsche Jesuit und Universalgelehrte Athanasius Kircher forschte und lehrte in einem weiten Themenspektrum, u.a. auch in den Bereichen Medizin und Musik. Er erkannte als erster Mensch den Einfluss von „kleinen Wesen“ auf die Verbreitung der Pest und schuf erste Regeln zu ihrer erfolgreichen Bekämpfung.
Abb. “Antidotum Tarantulae”
In diesem Zusammenhang dokumentierte Kircher als Erster den aus Süditalien stammenden Volkstanz „Tarantella“, im Volksmund abgeleitet von „Tarantula“, einer im Mittelmeerraum verbreiteten Spinne. Der Tanz sollte eine Therapie darstellen, wobei Musiker im Haus eines gebissenen Patienten oder auf den Marktplätzen aufspielten, um den Gebissenen bei seinem wilden Tanz zu unterstützen, mit dem er das Spinnengift aus dem Körper treiben sollte.
Die Abbildung stammt aus Kirchers Werk „Magnes, sive de arte magnetica opus tripartitum“, welches ein langes Kapitel über den „Magnetismus der Musik“ enthält, in dem die Wirkung der Tarantella als Gegengift zum Gift der Tarantel behandelt wird (antidotum tarantulae), womit auch gleich die Verbindung zur Medizin ersichtlich ist. Kircher war in der medizinischen Forschung seiner Zeit voraus; schon vor 1646 setzte er ein Mikroskop ein, um das Blut von Pestkranken zu untersuchen. Er erkannte auch bereits die Bedeutung hygienischer Massnahmen, wie Isolation, Quarantäne, Kleiderverbrennung oder Gesichtsmasken zum Schutz vor Ansteckung.
Das heutige Interesse an Kircher liegt eher auf der ästhetischen Qualität seiner Schriften als auf deren Inhalt, hier belegt durch diesen wunderschönen Kupferstich „Antidotum tarantulae“. Das Werk kann auch auf e-rara aufgerufen werden.