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Modernes Wundmanagement: Wissenswertes über das Wundmanagement
Es gibt kaum einen medizinischen Fachbereich, in dem das Wundmanagement keine wichtige Rolle spielt. Ob es sich um OP-Wunden, ein aufgeschlagenes Knie oder einen Schnitt in den Finger handelt: Alle bedürfen einer Behandlung. Diese muss individuell auf den Zustand der Wunde zugeschnitten sein. Genau damit beschäftigt sich modernes Wundmanagement.
Wie entstand modernes Wundmanagement?
Dass Wunden gründlich gereinigt und verbunden werden sollten, entdeckte der Mensch schnell. Schon im fünften Jahrtausend vor Christus, als sich das Handwerk der Spinnerei entwickelte, wurden Leinenfabrikate als Vorläufer heutiger Mullbinden eingesetzt.
Selbst Wandmalereien aus dem Alten Ägypten geben Hinweise darauf, dass infizierte Wunden gereinigt wurden. Damals griff man zu diesem Zweck auf Honig zurück, was teilweise auch heute noch praktiziert wird, beispielsweise in Neuseeland.
Andere Völker nutzten kleine Maden als lebendige Helfer. So legten unter anderem die Maya Tücher, die sie in Tierblut getränkt hatten, in die Sonne. Sie warteten darauf, dass Fliegen ihre Eier darauf ablegten und nutzten diese dann zur Wundversorgung.
Sogar die Franzosen griffen während ihres Ägyptenfeldzugs zwischen 1798 und 1801 auf diese Technik zurück. Man beobachtete, dass von Maden besiedelte Wunden tatsächlich besser abheilten. Doch seither hat sich in der Wundversorgung einiges getan.
Eine wichtige Rolle bei der Entstehung des modernen Wundmanagements spielte eine Entdeckung von George Winter und John Scales. Anhand von Tierversuchen wiesen sie 1963 nach, dass feuchte Wunden besser verheilen als trockene. Aus derartigen Versuchen ging die Erkenntnis hervor, dass ein feuchtwarmes, physiologisches Wundmilieu eine entscheidende Rolle bei der Wundheilung spielt.
So richtig Fahrt nahm das moderne, zeitgemässe Wundmanagement ab 1985 im deutschsprachigen Europa auf. Seit Mitte der Neunzigerjahre entwickelten sich eine Vielzahl moderner Therapiesysteme und es begann auch im öffentlichen Bereich das Interesse am Wundmanagement zu wachsen. In den letzten 15 Jahren gab es eine förmliche Explosion vieler ähnlicher Produkte, wodurch die Übersichtlichkeit für den Laien praktisch nicht mehr gegeben war. Der Entwicklung spezialisierter Wundbehandler, welche in spezifisch dafür entwickelten Kursen geschult wurden, begann 1992 durch Gerhard Kammerlander, welcher bis heute auch im deutschsprachigen Europa als einer der Pioniere der Entwicklung des modernen Wundmanagements gilt.
Warum ist der Einsatz des modernen Wundmanagements so wichtig?
Der menschliche Körper leistet jeden Tag Grosses. Er trägt den Menschen durch den Alltag, hält unzähligen schädlichen Umwelteinflüssen stand und schützt sich weitestgehend selbst davor. Ihm wohnen beachtliche Selbstheilungskräfte inne, dank denen er sogar Verletzungen allein versorgen kann.
Ab einem gewissen Punkt kommt aber auch er an seine Grenzen und benötigt Unterstützung. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Wunden sehr tief oder gar infiziert sind. Der Heilungsprozess nimmt dann sehr viel Zeit in Anspruch und kostet den Körper enorm viel Kraft.
Zudem ist es möglich, dass die Wunde immer wieder aufreisst. Der Organismus schafft es nicht, sie schnell fest genug zu verschliessen, um alltäglichen Bewegungen standzuhalten. So muss er seine Arbeit, die er bereits in der Wundheilung geleistet hat, immer wieder von vorn beginnen.
Nicht zu vergessen ist das Thema Narbenbildung. Wunden, die nicht professionell versorgt werden, können unschön zusammenwachsen und teils grosse und unansehnliche Narben zurücklassen.
Um all diese komplexen therapeutischen und diagnostischen Notwendigkeiten zu koordinieren und zielgerichtet Phasen und indikationsgerecht einzusetzen, bedarf es eines klaren Strukturplanes und damit verbundener entsprechender tiefer Fachkenntnisse. Es gibt auf dem Markt dazu viele unterschiedliche Algorithmen bzw. Flussdiagramme.
Diese Darstellung zeigt eine Seite über 25 Jahren bewährte Darstellung, welche im Zusammenhang für das Bildungsprogramm WM(R)/WDA(R)/ZWM(R) und die Lizenzprojekte für die Praxis AHW(R)/WZ(R)/WKZ(R) https://www.akademie-zwm.ch/ von G. Kammerlander entwickelt wurde und fortlaufend jährlich überprüft und wenn notwendig fein adaptiert wurde. Mehrere tausend Fachpersonen aus dem Pflege- und Arztbereich wurden damit die letzten 25 Jahre instruiert und erfolgreich im deutschsprachigen Europa geschult.
Wie sind die verschiedenen Wunden im Rahmen des modernen Wundmanagements zu versorgen?
Jede Wunde ist individuell. Das liegt einerseits daran, dass jede Wunde auf unterschiedliche Art und Weise entsteht. Andererseits spielen auch die körperlichen Gegebenheiten des Betroffenen eine Rolle, wie beispielsweise seine Wundheilungskräfte. Demnach muss jede Wunde ganz individuell begutachtet und versorgt werden. Zunächst ist zu prüfen, welche Eigenschaften die Wunde aufweist:
- Wie tief ist sie?
- Ist sie verschmutzt?
- Sind Teile des Gewebes abgestorben?
- Besteht Infektionsgefahr?
- Haben sich Taschen oder Fistelgänge gebildet?
- was sagt uns die Anamnese aus der Vergangenheit und Diagnostik der Gegenwart
Frische und unkomplizierte Wunden
Wunden, die erst wenige Stunden alt sind, wird eine primäre chirurgische Wundversorgung zuteil. Sie werden erst einmal gründlich gereinigt. Sind Teile des Gewebes abgestorben oder werden nur noch sehr schlecht durchblutet, dann werden diese entfernt. Zurück bleibt ausschliesslich gesunde und steril gereinigte Haut.
Tiefe Wunden werden anschliessend je nach Bedarf mit Klammern oder Nähten verschlossen, damit sie richtig zuwachsen können. Bei Verletzungen an Körperstellen, die starker Spannung unterliegen, besteht die Gefahr, dass die Haut an Klammern und Nähten wieder aufreisst. Dank Intrakutannähten, die knapp unter der Hautoberfläche verlaufen, kann dies umgangen werden. Verletzungen im Gesichtsbereich werden zum Beispiel im plastisch-chirurgische Bereich gerne mit Wundnahtstreifen oberflächlich verschlossen, um ein möglichst sauberes und möglichst unsichtbares Narbenbild zu entwickeln.
Wie sieht modernes Wundmanagement bei komplizierteren Wunden aus?
Tiefe Wunden, die unter Umständen eine erhöhte Infektionsgefahr aufweisen, benötigen etwas mehr Aufmerksamkeit. Im ersten Schritt ist eine Wundspülung vorzunehmen, die das tatsächliche Ausmass der Wunde aufzeigt. Die Spülung läuft mit leichtem Druck ab, sodass auch zerklüftete Stellen gründlich gesäubert werden. Kommen Taschen oder Fistelgänge zum Vorschein, dann werden sie mithilfe eines Katheters oder einer Knopfkanüle gereinigt.
Hierbei muss indikationsgerecht entschieden werden, welche Typen von Antiseptika und oder modernen antimikrobiellen Wundspüllösungen verwendet werden.
Es schliesst sich die Wundtoilette an. Fremdkörper sowie abgestorbene und infizierte Gewebeteile werden entfernt. Bei schweren Verletzungen ist dieser Schritt regelmässig durchzuführen. Nur so kann gewährleistet werden, dass lediglich gesundes und lebendiges Gewebe übrigbleibt, das die Wundheilung erfolgreich vorantreibt.
Danach kann ein phasengerechter Wundverband appliziert werden. Je nachdem, welche Eigenschaften die Wunde aufweist, kommen hier verschiedene Wundauflagen, Feuchtverbände und und diverse weitere Verfahren infrage.
Vakuumverband/Unterdrucktherapie kann ebenfalls zum Einsatz kommen. Sie saugen die austretende Wundflüssigkeit und darin gelöste Zelltrümmern und Bakterien auf und schützen die Verletzung vor Infektionen, bzw. helfen bestehende Infektionen dadurch auch rascher zu kontrollieren.
Nicht zu vergessen sind dabei auch die sogenannten WF-Wundfüller (Alginat, Hydrofaser, Kollagen, medizinischer Honig etc.), sowie sogenannte WA-Wundabdeckungen (Folienverband, Schaumstoffverband, Absorberkompressen, Superabsorberkompressen etc.) Sie beeinflussen den Feuchtigkeitsgehalt sowie die Temperatur der Wunde. Dadurch werden Voraussetzungen geschaffen, dass sich eine Wunde rascher reinigen, rascher granulieren und damit am Ende auch schneller epithelialisieren kann.
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