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Die USADA nennt Armstrongs Akten das "professionellste Dopingprogramm", das "die Sportwelt jemals gesehen hat". Die Übergabe an den UCI erfolgte am Mittwoch.
Lance Armstrong gewann 1999 zum ersten Mal die Tour de France
New York/München - Eine vernichtende Urteilsbegründung für seine lebenslange Dopingsperre hat das gestürzte Rad-Idol Lance Armstrong vor der Weltöffentlichkeit an den Pranger gestellt.
Der Texaner und sein früheres Team US Postal haben nach Einschätzung der US-Antidoping-Agentur USADA "das hochentwickeltste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm durchgeführt, das die Sportwelt jemals gesehen hat".
Ihre an Deutlichkeit nicht zu überbietende Einschätzung veröffentlichte die USADA am Mittwoch im Zuge der Aktenübergabe an den Radsport-Weltverband UCI.
Die Beweislast gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger sei "überwältigend", heisst es in der Mitteilung zur offiziellen Urteilsbegründung der lebenslangen Sperre für den US-Amerikaner.
Einstige Edelhelfer belasten Armstrong schwer
Der Bericht der USADA umfasst mehr als 1.000 Seiten und beinhaltet unter Eid geleistete Zeugenaussagen von 26 Personen, darunter 15 Radfahrer.
Erstmals veröffentlichte die Agentur dabei auch die Namen der früheren Teamkollegen und jetzigen "Kronzeugen": Tyler Hamilton, Floyd Landis, Levi Leipheimer - die Aussagen seiner einstigen Edelhelfer sollen Armstrong schwer belastet haben.
Neben diesen pikanten Ausführungen beinhaltet die Akte zudem E-Mails, wissenschaftliche Daten, Labortests und Zahlungen, die Armstrong "den Besitz, den Gebrauch und die Weitergabe von leistungssteigernden Mitteln" nachweisen sollen.
Gleichzeitig werde hierdurch laut USADA die "traurige Wahrheit über die trügerischen Machenschaften eines Teams, das unzählige Millionen Dollar an Steuergeldern erhalten hat", offengelegt.
USADA sperrt Armstrong lebenslänglich
Der komplette Bericht sollte zunächst der UCI, der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und der World Triathlon Corporation (WTC), die unter anderem den Ironman auf Hawaii ausrichtet, übergeben werden.
Erst danach wird das Dossier auf der Internetseite der USADA veröffentlicht.
Bereits Ende August hatte die USADA eine lebenslange Sperre für Armstrong ausgesprochen und beantragt, dass alle Ergebnisse seit dem 1. August 1998 inklusive seiner sieben Siege bei der Tour de France gestrichen werden.
Weltverband wird Titel wohl aberkennen
Die Titel kann allerdings nur die UCI offiziell aberkennen.
Nach Erhalt der Unterlagen hat der Verband 21 Tage Zeit zu entscheiden, ob sie dem Vorschlag folgen wird.
UCI-Präsident Pat McQuaid deutete aber unlängst an, den vorgeschlagenen Sanktionen der USADA entsprechen zu wollen.
"Solange die Dokumente keine erheblichen Mängel aufweisen, hat die UCI nicht die Absicht, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen. Wir brauchen aber Zeit zur Überprüfung", hatte der Ire gesagt.
Heftige Vorwürfe von Armstrongs Verteidigern
Armstrongs Anwälte hatten das Vorgehen schon vor der Aktenübergabe scharf kritisiert. So sei die USADA in ihrer Absicht, Armstrong zu sperren, als "Ankläger, Richter, Geschworener, Berufungsrichter und Henker" gleichzeitig aufgetreten.
Die vermeintlichen Doping-Belege seien "einseitig verfälscht" und stellten "eine ungeprüfte Version der Ereignisse" dar.
Auch die Aussagen der angeblichen Kronzeugen könnten nach Ansicht der Anwälte nicht verwendet werden.
"Die USADA hat die Geständnisse durch Drohungen und unseriöse Deals erzwungen", warf Verteidiger Timothy J. Herman der Agentur vor.
Armstrong ebnet selbst Weg zur Sperre
Allerdings hatte ein ordentliches Gericht eine Klage des einstigen "Dominators" gegen die USADA-Ermittlungen abgewiesen.
Danach ebnete Armstrong selbst durch seinen Verzicht auf die Möglichkeit einer Aufarbeitung der Vorwürfe in einem Schiedsgerichts-Verfahren den Weg zu seiner Sperre.
Auch Hincapie gesteht Doping
Unterdessen haben auch der frühere US-Profi George Hincapie und weitere ehemalige Weggefährten Armstrongs die Einnahme leistungssteigernder Mittel öffentlich gestanden.
"Wegen meiner Liebe zu diesem Sport fällt es mir unheimlich schwer, zugeben zu müssen, dass ich während eines Teils meiner Karriere verbotene Substanzen eingenommen habe", hiess es am Mittwoch in einer Erklärung Hincapies.
An der Seite von Armstrong war der 39-Jährige lange Zeit für das Team US Postal gefahren und gehört zu den Zeugen, auf die sich die Agentur in ihrer Urteilsbegründung beruft.
Hincapie, mit 17 Tour-de-France-Teilnahmen alleiniger Rekordhalter beim wichtigsten Radrennen der Welt, hatte im Juni angekündigt, nach der Saison seine Karriere beenden zu wollen.
Hincapie: Ohne Hilfsmittel nicht in der Spitze
Zu Beginn seiner professionellen Laufbahn sei Hincapie zudem klar geworden, dass er ohne diese Mittel nicht mit der Spitze hat mithalten können.
Seit sechs Jahren habe er den eigenen Angaben zufolge keine verbotenen Substanzen mehr zu sich genommen.
"Glücklicherweise ist diese Sache in unserem Sport heute kein Thema mehr und die jungen Fahrer stehen nicht vor solch einer schweren Entscheidung", schrieb Hincapie abschliessend.