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Sieben Monate nach ihrem Start hat für die europäisch-russische Raumfahrtmission zum Mars die entscheidende Phase begonnen: Während des Anfluges auf den Roten Planeten löste sich am Sonntag das Testlandegerät erfolgreich von der Sonde der Mission ExoMars 2016.
Das Testlandegerät «Schiaparelli» und das zweite verbliebene Gerät, eine Atmosphärensonde, werden nun getrennt zum Mars weiterfliegen, den sie am Mittwoch erreichen sollen. Dies teilte die europäische Raumfahrtbehörde ESA mit.
«Trennung bestätigt», schrieb der Flugdirektor der Mission, Michel Denis, auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. «Schiaparelli» soll nach den bisherigen Plänen am Mittwoch auf der Mars-Oberfläche aufsetzen, während die Atmosphärensonde in eine Umlaufbahn um den Nachbarplaneten der Erde einschwenken soll.
ExoMars 2016 und die Anschlussmission ExoMars 2020 sollen nach Spuren von Leben auf dem Mars suchen.
Auf dem Roten Planeten wird «Schiaparelli» mehrere Tage lang Technologien erproben, um die spätere Landung eines Rovers - eines Geländewagens - zur Erforschung der Planetenoberfläche vorzubereiten. Diesen Rover soll die zweite ExoMars-Mission zum Mars bringen, deren Start 2020 geplant ist. Nach den USA wäre dann auch Europa mit einem Rover auf dem Mars vertreten.
Kleine Wetterstation
Die Testlandesonde, die nach dem italienischen Astronom aus dem 19. Jahrhundert Giovanni Schiaparelli benannt wurde, ist mit einer kleinen Wetterstation ausgerüstet, die neben Temperatur, Druck und Windgeschwindigkeit auch elektrische Felder auf der Mars-Oberfläche messen soll. Ihre Batterie lässt sich nicht aufladen, deshalb wird ihre Mission nach höchstens zehn Tagen beendet sein.
Die Atmosphärensonde TGO soll unterdessen nach ihrem Eintritt in den Mars-Orbit auf eine kreisförmige Umlaufbahn um den Roten Planeten gebracht werden. Das dauert wegen der dafür erforderlichen komplexen Bremsmanöver ein ganzes Jahr, ihre Wissenschaftsmission kann die Sonde deshalb erst Anfang 2018 aufnehmen. TGO soll die Gase in der Marsatmosphäre untersuchen.
Die Wissenschaftler hoffen insbesondere auf Spurengase wie Methan, denn eine mögliche Quelle des Spurengases könnten biologische Organismen sein - allerdings könnte es auch Vulkanismus sein. Hinweise auf geringe Mengen Methan hatte bereits die 2003 gestartete europäische Sonde «Mars Express» gesammelt.
Messung der Methan-Konzentration
Um die Herkunft des Gases zu klären, soll die TGO-Sonde während ihrer mehrjährigen Wissenschaftsmission nun die geografische und jahreszeitliche Abhängigkeit der Methan-Konzentration messen. Während der Anschlussmission ExoMars 2020 soll der Rover dann mit Hilfe von Bohrungen nach Spuren von früheren Bakterien suchen.
Die Vorstellung von Leben auf dem Mars hat die Menschheit seit jeher fasziniert: Kein anderer Planet des Sonnensystems war so oft Ziel von Raumfahrtmissionen wie der kleine Nachbarplanet der Erde.
Sie alle sollen letztlich das alte Rätsel lösen, ob die heute unwirtliche Mars-Oberfläche früher Raum für mikrobielles Leben bot und ob es tiefer im Mars-Inneren vielleicht sogar bis heute existiert. Eine solche Entdeckung wäre eine wissenschaftliche Sensation.
Ursprünglich hatte die ESA die Mission gemeinsam mit den USA geplant, diese liessen sie aber 2011 aus finanziellen Gründen fallen. Daraufhin ging die ESA eine Partnerschaft mit Russland ein.
Die Kosten der beiden Missionen belaufen sich für die ESA auf derzeit 1.5 Milliarden Euro. Damit dürfte sie jedoch nicht hinkommen, nicht zuletzt auch deshalb, weil die ESA vor einigen Monaten die Anschlussmission um zwei Jahre auf das Jahr 2020 verschieben musste. (sda/afp)