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Der Präsident und der Sportchef der SCL Tigers haben den Mut, einen Erfolgstrainer nicht zu behalten. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt uns: Beide sind in der NLA angekommen.
Bengt-Ake Gustafsson bekommt in Langnau keinen neuen Vertrag. Obwohl er alles richtig gemacht hat: die Qualifikation und die NLB gewonnen und in der Liga-Qualifikation mit dem Bestresultat (4:0) gegen die Lakers den Wiederaufstieg in die NLA geschafft. Mehr noch: Bei seinem früheren Gastspiel sicherte er in Langnau unter schwierigen Voraussetzungen zwei Jahre die NLA-Zugehörigkeit (1999/00 und 2000/01). Zudem hat er ein Flair für schwierige Spieler. Nie war Todd Elik so gut wie in den zwei Saisons unter dem schwedischen Trainer.
Die SCL Tigers verlängern also den Vertrag mit dem scheinbar perfekten Trainer nicht. Eine Torheit sondergleichen. Nein. Es gibt auch eine ganz andere, weniger polemische Sicht der Dinge. Und die spricht für Präsident Peter Jakob und seinen Sportchef Jörg Reber.
Es gibt nämlich keine Garantie, dass der perfekte Trainer von gestern auch der perfekte Trainer von heute oder morgen sein wird. Was hätte das für ein Geschrei gegeben, wenn der SC Bern nach dem Titelgewinn von 2013 Trainer Antti Törmänen entlassen hätte! Er hatte ja neben dem Titel von 2013 dem SCB auch noch das Finale 2012 beschert. Ein halbes Jahr später wurde der Finne gefeuert und der Schaden, den er angerichtet hatte, war so gross, dass seine Nachfolger den schmählichen Sturz des Meisters in die Abstiegsrunde nicht mehr verhindern konnten. Dem SCB wäre viel erspart geblieben, wenn Antti Törmänen gleich nach der Meisterfeier entlassen worden wäre.
Der HC Lausanne trennte sich 2013 von Aufstiegstrainer Gerd Zenhäusern. Mit dessen Nachfolger Heinz Ehlers sind seither zweimal hintereinander die Playoffs erreicht worden.
Noch ein Beispiel, das zeigt, dass es Sinn macht, sich von einem Erfolgstrainer zu trennen: Simon Schenk verlängerte 2000 den Vertrag mit Meistertrainer Kent Ruhnke nicht. Gross war damals das Geschrei in den Zürcher Medien und das Jammern des Kanadiers. Sein Nachfolger Larry Huras hat dann als bisher letzter Trainer 2001 einen Titel in der NLA verteidigt.
Es ist keineswegs sicher, dass die SCL Tigers ihre Ziele nächste Saison mit Bengt-Ake Gustafsson erreicht hätten. Denn die neue Saison wird ganz anders sein. Bengt-Ake Gustafsson war der perfekte Trainer für ein Spitzenteam in der NLB. Aber nächste Saison sind die SCL Tigers ein Lotterteam in der NLA. Ein Unterschied so gross wie von Bayern München zum HSV, wie vom FC Basel zum FC Aarau.
In der höchsten Liga wird weniger Zeit für Ausbildung bleiben. Der Stress wird sich für Spieler, Trainer, Sportchef und Präsident im Quadrat vergrössern. Die Mannschaft wird viel mehr Spiele verlieren als gewinnen.
Mit der beschaulichen Ruhe, mit dem freundlichen skandinavischen Selbstverantwortungs-Voodoo ist es in der höchsten Spielklasse vorbei. Alles wird schneller, intensiver, rauer, unfreundlicher. Es braucht einen fordernden Chef, der die Spieler immer wieder ans Limit und manchmal darüber hinaus treibt. Die SCL Tigers haben die Pony Ranch der NLB verlassen und müssen sich künftig auf einer sturmumtosten, kargen NLA-Weide behaupten.
Ja, es stimmt: Beng-Ake Gustafsson war vor 15 Jahren in der NLA auch mit den nominell unterlegenen SCL Tigers erfolgreich. Aber seither ist er nacheinander bei den ZSC Lions, in der KHL und in der DEL im rauen Klima von höchsten Spielklassen gefeuert worden. Die Frage ist durchaus berechtigt, ob er wirklich noch für eine höchste Liga taugt.
Sportchef Jörg Reber und der Verwaltungsrat sind zum Schluss gekommen, dass Bengt-Ake Gustafsson nicht der richtige Trainer ist, um die riesige Herausforderung NLA zu meistern. Jörg Reber kennt seine Spieler, ihre Stärken und Schwächen. Er kennt auch das Wesen und Wirken von Bengt-Ake Gustafsson, und er weiss aus eigener Erfahrung um die Schwierigkeiten eines «kleinen» Teams in der NLA. Also ist sein Entscheid zu respektieren. Weil dieser Entscheid nicht auf «Hörensagen», nicht auf guten Ratschlägen und nicht auf politischen Rücksichten basiert. Sondern ganz allein auf seinem eigenen, profunden Insiderwissen. Ein Entscheid, gefällt nach bestem Wissen und Gewissen. Für den Mut zum unpopulären Entscheid verdient er Respekt.
Jörg Reber hat diese Saison Ruhe bewahrt und dem Drängen vieler Kreise nach Verstärkungen während der laufenden Meisterschaft nicht nachgegeben. Weil er aus Erfahrung weiss, dass der Zusammenhalt der Mannschaft im Aufstiegskampf entscheiden wird und jeder Transfer die Chemie in der Kabine verändern kann. Langnaus Sportchef hat bisher alles richtig gemacht. Präsident Peter Jakob vertraut seinem Sportchef und trägt den mutigen Entscheid mit. Dafür verdient auch er nicht Schelte. Sondern grössten Respekt.
Die Empörung über die Verabschiedung von Bengt-Ake Gustafsson ist ein Sturm im Wasserglas. Jene, die jetzt vehement fordern, man müsse den Schweden behalten, werden im Dezember ebenso leidenschaftlich monieren, man wisse ja, dass es selten gut komme, wenn der Aufstiegstrainer bleibe.
Der einzige Vorwurf, den man dem Präsidenten und seinem Sportchef machen kann: Sie hätten nach dem Trennungsentscheid Bengt-Ake Gustafsson sofort informieren sollen. Sie haben diesen Grundsatzentscheid noch drei Tage lang geküchelt und unterschätzt, dass eine Meute Chronisten seit langem gerade auf diesen Entscheid wartete und alles daran setzen würde, die News vor der Zeit zu publizieren. Einer plaudert halt immer. Eishockey ist ein Teil der Unterhaltungsindustrie und lebt vom Interesse und der Neugier des werten Publikums. Wirklich schlimm wäre gewesen, wenn sich niemand dafür interessiert hätte, ob der Trainer in Langnau bleibt.
Ist diese sogenannte Kommunikations-Panne so schlimm? Ach was. Bengt-Ake Gustafsson musste so halt schon am Mittwochabend watson entnehmen, dass er am Donnerstag den Marschbefehl bekommen wird. Na und? Der arme Erfolgstrainer hätte sich ja vorher selber bei Jörg Reber erkundigen können, ob er bleiben könne, statt das Geschäft seinem Agenten zu überlassen. Der weitgereiste Schwede spricht perfekt Deutsch, kennt Langnau so gut wie Stockholm. Man spricht mit Katzen, Hunden und Pferden – dann hätte Langnaus Trainer ja auch mit dem Präsidenten und dem Sportchef reden können. Von Mann zu Mann.
Bengt-Ake Gustafsson verdient Respekt und Anerkennung und einen Ehrenplatz in der Klubgeschichte. Auf Augenhöhe mit Jean Cusson (Meistertrainer von 1976). Nicht weniger. Aber auch nicht mehr.
Wer den Mut hat, eigene Wege zu gehen, auf den Applaus des Tages zu verzichten und riskante, unpopuläre Entscheidungen zum Wohle der langfristigen Entwicklung zu fällen, kommt im Sport weiter als die Angepassten, die Populisten und die Braven. Präsident Peter Jakob und sein Sportchef Jörg Reber haben soeben diesen Mut gezeigt. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Beide sind definitiv in der NLA angekommen.