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„Fremd- und Vieltuerei“, griech. Allotrio- und Polypragmosyne, bilden ein Begriffspaar, welches auf das 5. Jh. v. Chr. zurückgeht. Bei Platon, Herodot oder Aristophanes, um nur einige zu nennen, wird damit eine Form von gesteigerter Aktivität umrissen, die unmittelbar die gesellschaftliche Ordnung tangiert. Wer sich in dieser Art verhält, dem wird nachgesagt, hyperaktiv zu sein und sich überaus wissbegierig und anteilnehmend in fremde Angelegenheiten einzumischen. Die psychische Disposition des Polypragmons gilt dabei als Ursache für Unruhe und die Herausbildung demokratischer Verhältnisse.
In den frühen Verwendungen ist das Begriffspaar vorwiegend negativ konnotiert und auch in einer langen philosophischen Tradition stehen Fremd- und Vieltuerei in Verruf. Warum? Im vorliegenden Band wird - in kritischer Auseinandersetzung mit den Auffassungen etwa in den Dialogen Platons - untersucht, inwiefern die diskreditierte Fremd- und Vieltuerei allenfalls besser als ihr Ruf ist. Könnte es sein, dass der Fremd- und Vieltuer eine kritische Position gegenüber Machtstrukturen und Autoritäten repräsentiert und so möglicherweise einen konstruktiven Beitrag leistet zugunsten von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat?
Beiträge von: Christine Abbt, Anton Bierl, Fabian Brandt, Clemens Kauffmann, Georg Kohler, Urs Marti, Gunther Martin, Nahyan Niazi, Alexandrine Schniewind, Sebastian Weiner.