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Zu Beginn des Monats November gibt es häufig überdurchschnittlich warme Tage. Diese Wärmeperioden sind vor allem in der Schweiz und im Süden Deutschlands unter dem Begriff «Martinisommer» bekannt. Der Begriff orientiert sich am Martinstag, dem 11. November, obwohl die wärmsten Tage in der Regel kurz vor dem 11. November auftreten.
Für Meteorologen ein Plagiat
Der Begriff Martinisommer ist aus meteorologischer Sicht reiner Bluff, spricht man doch erst bei Tageshöchsttemperaturen von mehr als 25 Grad von einem Sommertag. In den vergangenen 30 Jahren gab es im November in unserem Land keinen offiziellen Messwert oberhalb der 25 Gradmarke. Immerhin wurden in Bad Ragaz schon 24,4 Grad gemessen, und auch diese Woche wurden in Giswil 23,2 Grad erreicht. Auch in der Südschweiz wurde die Sommermarke im November noch nie erreicht. Dort liegt der Höchstwert bei 24,6 Grad in Lugano.
Nur gefühlter Sommer
Der Begriff «Martinisommer» ist also relativ zu sehen, da Ende Oktober die Tage oft massiv kühler sind, und sich so die warmen Novembertage schon fast wie Sommer anfühlen. In diesem Jahr ist allerdings schon der ganze Herbst viel zu warm. Ursache für den Martinisommer sind Südwestlagen oder in den Alpentälern Föhnsituationen, wie wir sie auch in den vergangenen Tagen immer wieder erleben durften.
Altweibersommer und Goldener Oktober sind Brüder
Ein ähnliches Phänomen wie der Martinisommer sind der Altweibersommer Ende September oder der Goldene Oktober, in der Regel Mitte Oktober. Auch diesen beiden Phänomenen liegen Südwestlagen zu Grunde, allerdings sind die absoluten Temperaturen auf Grund des steileren Sonnenstandes dann noch deutlich höher. Das Umgekehrte erleben wir im Frühling. Dann sind vor allem Kaltluftvorstösse aus Nordwesten oder Norden bekannt, die ebenfalls gehäuft zu bestimmten Terminen auftreten, so beispielsweise die Eisheiligen Mitte Mai oder die Schafskälte im Juni.
Schon im Jahre 397 ein Martinisommer
Glaubt man der Sage, so gab es in Frankreich schon im Jahre 397 einen Martinisommer. Am 8. November 397 verstarb Bischof Martin von Tours unerwartet im Kloster. Am 11. November wurden seine sterblichen Überreste in die Stadt Tours überführt. Während des Transports soll ein unerwarteter Wärmeeinbruch die Fruchtbäume am Ufer der Loire zum Blühen gebracht haben.