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Die Zollfreistrasse ist eine Verbindungsstrasse zwischen den deutschen Städten Lörrach und Weil am Rhein, wovon 738 Meter auf Riehener Boden verlaufen. Der Eröffnung am 4. Oktober 2013 gingen jahrzentelange politische Auseinandersetzungen und heftige Proteste von Naturschützerinnen und Naturschützern voraus.
Die Zollfreie Strasse führt von Weil (D) zuerst durch einen Tunnel der Wiese entlang, bevor sie auf Riehener Boden wieder überirdisch wird. Kurz vor der Grenze zu Lörrach (D) überquert sie die Wiese. Sie verläuft zwar teilweise über Schweizer Staatsgebiet, untersteht aber deutschem Strassenverkehrsrecht.
Die Planungsgeschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und war zeitweise äusserst konfliktreich. 1852 schlossen die Eidgenossenschaft und das damalige Grossherzogtum Baden einen Staatsvertrag über die Weiterführung der badischen Eisenbahnlinien auf schweizerischem Gebiet ab. Dieser Vertrag sicherte Riehen einen Bahnhof und enthielt eine Bestimmung, die den Bau einer zollfreien Strasse zwischen Lörrach und Weil über Schweizer Boden erlaubte. 1861 entstand eine Verbindungsstrasse über die Wiese nach Weil – die heutige Weilstrasse. Da sich das Riehener Zollamt bis 1881 im Dorfkern befand, fungierte diese als zollfreie Strasse, doch hielt man auf badischer und später auf deutscher Seite den Anspruch auf eine gesonderte zollfreie Verbindung aufrecht. Von schweizerischer Seite hingegen wurde dieser Anspruch teilweise bestritten, in den 1960er-Jahren sogar mittels juristischer Gutachten.
Die deutschen Behörden griffen diese Idee nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Gründe waren unter anderem die wachsende Besiedlung auf beiden Seiten der Grenze sowie die Verkehrszunahme. Das Regierungspräsidium Südbaden stellte ab Ende der 1950er-Jahre verschiedene Strassenprojekte vor, die in Riehen stets mit Skepsis aufgenommen wurden.
Die deutsche Seite stellte in Weil-Friedlingen Land für eine Zollanlage zur Verfügung, damit die deutsche mit der Schweizer Autobahn verbunden werden konnte. Im Gegenzug bot die Basler Regierung Hand zur Zollfreistrasse. 1977 unterzeichneten Deutschland und die Schweiz einen neuen Staatsvertrag. Auf deutscher Seite wurde die Strasse in den 1990er-Jahren gebaut.
Bereits in den 1960er-Jahren regte sich vor allem auf lokalpolitischer Ebene Widerstand gegen das Projekt. Ende der 1990er-Jahre schalteten sich auch ökologisch motivierte Protestbewegungen ein. Kurz vor Baubeginn des Abschnitts auf Riehener Boden im Jahr 2004 besetzten Aktivistinnen und Aktivisten das Wieseufer. Es folgten diverse Aktionen und Demonstrationen. 2006 räumte die Polizei das Baugelände und die Bauarbeiten wurden aufgenommen. Auch Bemühungen auf juristischer Ebene, den Bau der Strasse zu verhindern, waren gescheitert.
Autorin / Autor: Nils Widmer | Zuletzt aktualisiert am 7.1.2023
Eichin, Bettina: Ein Brunnen gegen die Zollfreistrasse. In: Jahrbuch z’Rieche 1994. S. 115–119.
Hagmann, Daniel: Transitverbindung mit Konfliktpotenzial. In: Jahrbuch z’Rieche 2011. S. 114–119.
Schenk, Peter: Die Zollfreistrasse ist provisorisch eröffnet. In: Jahrbuch z’Rieche 2014. S. 90–93.
Seiler, Lukrezia: Die Zollfreistrasse. Ein Zwischenbericht. In: z’Rieche. Ein heimatliches Jahrbuch 1984. S. 139–149.
Wüthrich, Dieter: Eine Verbindung scheidet die Geister. In: Jahrbuch z’Rieche 2004. S. 79–85.
Wüthrich, Dieter: An der Wiese nichts Neues. In: Jahrbuch z’Rieche 2006. S. 119–121.
Hagmann, Daniel: Herausforderung Verkehr. In: Schnyder, Arlette et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 156–183, hier S. 167–169.
Kaufmann, Gerhard: Vom Auslaufmodell zur Modellgemeinde. Riehen – Landgemeinde in einem Stadtkanton. In: Hess, Stefan (Hg.): Basel und Riehen. Eine gemeinsame Geschichte. Basel 2021. S. 193–224, hier S. 205f.
Schaubhut, Kurt: Die Zollfreistrasse. In: Das Markgräflerland 1986. Heft 2. S. 99–112.
Wüthrich, Dieter: Ein Hauch von Kaiseraugst. Die Zollfreistrasse – das wohl am heftigsten umstrittene Strassenprojekt seit der Nordtangente. In: Basler Stadtbuch 2004. S. 40–43.