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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1998 von Kurt Rohr
Die Mieter-Baugenossenschaft Wädenswil (MBG) feierte anfangs September 1998, mitten im Jubiläumsjahr, mit einem gediegenen Fest ihr 75jähriges Bestehen.
WOHNUNGSNOT WECKT EIGENINITIATIVE
Dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 folgte eine schwierige Zeit: eine darniederliegende Wirtschaft, Arbeitslosigkeit, Teuerung und Wohnungsnot. Im Wohnungsmarkt herrschte eine besonders schlimme Situation. Die Bauwirtschaft stand nach dem Krieg vor dem Ruin. Die Wohnungen älterer Häuser befanden sich in schlechtem Zustand und konnten nur noch zur Not bewohnt werden. Das Geld für die Unterhaltsarbeiten fehlte. Die Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum war gross und das Angebot bei weitem nicht ausreichend. Immer lauter wurde der Ruf in den Gemeinden nach Bereitstellung von Bauland und Kapital für den Wohnungsbau. Die Öffentliche Hand traf unterstützende Massnahmen durch die Gewährung von Darlehen und den Verzicht auf Anschlussgebühren.
GRÜNDUNG VON BAUGENOSSENSCHAFTEN …
Besonders aktiv und beispielhaft im kommunalen Wohnungsbau war damals die Stadt Zürich. Sie erstellte von 1918 bis 1920 über 700 Wohnungen. Zwar bestanden schon vor dem Ersten Weltkrieg einige Wohngenossenschaften. Eine eigentliche Gründungswelle setzte aber nach Kriegsende ein. Im Jahr 1924 waren 37 Genossenschaften registriert und diese erbauten von 1920 bis 1937 zusammen 5120 Wohnungen, von denen die meisten mit Hypothekardarlehen der Stadt sowie Beiträgen von Bund und Kanton finanziert wurden.
… AUCH IN WÄDENSWIL
Diese vorbildliche Wohnbauförderung hatte auch Auswirkungen ausserhalb der Stadt. In Wädenswil erstellte die neugegründete Wohngenossenschaft Gessner AG 1920/21 an der Zugerstrasse sechs Ein- und zwei Zweifamilienhäuser. Zur gleichen Zeit folgte eine Baugenossenschaft Rutenen mit zehn in zwei Reihen zusammengebauten Einfamilienhäusern an der Schlossgartenstrasse. Die Gemeinde Wädenswil versuchte, durch finanzielle Hilfeleistungen an private Bauwillige den Wohnungsbau zu fördern. Das hatte zur Folge, dass weitere Genossenschaften gegründet wurden Eine Handwerker-Baugenossenschaft erstellte im Boller vier Dreifamilienhäuser und die Baugenossenschaft «Büelen» vier Sechsfamilienhäuser am Gulmenbach mit Beiträgen der Gemeinde. Diese neuerstellten Häuser vermochten aber, wie Gemeindepräsident Ernst Felber am 6. Juni 1923 erklärte, die extreme Wohnungsnot kaum zu mildern. Die Lage auf dem hiesigen Wohnungsmarkt sei schlimmer denn je und werde sich durch den Abbruch einiger Häuser beim Bau des zweiten Eisenbahngeleises weiter verschärfen. Der Bau weiterer Wohnungen sei dringend, wenn man unverschuldet in Not geratenen Familien eine Unterkunft verschaffen wolle, erklärte Felber.
Die ersten Wohnhäuser erstellte die Mieterbaugenossenschaft (MBG) an der Etzelstrasse. Die Wohnungen konnten am 1. November 1925 bezogen werden.
3. MAI 1924: GRÜNDUNG DER MIETERBAUGENOSSENSCHAFT
Ein paar mutige Männer aus dem Kreis der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei wollten den Missständen mit der Gründung einer Baugenossenschaft entgegentreten. Sie liessen sich vom erfahrenen Präsidenten der Allgemeinen Baugenossenschaft in Zürich (ABZ) beraten. Gut vorbereitet luden sie auf den 14. Dezember 1923 zur ersten öffentlichen Versammlung ein, an der es zwar nicht an kritischen und vor allem ängstlichen Stimmen fehlte. Das bestellte Komitee nahm die Arbeit auf und wurde an einer zweiten Versammlung beauftragt, die Statuten auszuarbeiten. Mit deren einstimmiger Genehmigung wurde die Gründung der Mieter-Baugenossenschaft Wädenswil (MBG) am 3. Mai 1924 vollzogen. Kernstück der Statuten war der Artikel 3: «Die von der Genossenschaft erstellten und erworbenen Häuser sowie nicht überbaute Grundstücke sollen unveräusserliches Eigentum der Genossenschaft bleiben.»
In den 1938 revidierten Statuten, die sinngemäss den Gründungs-Statuten entsprachen und auch heute noch weitgehend Gültigkeit haben, wurde der Zweck der Mieter-Baugenossenschaft wie folgt umschrieben:
«Die Genossenschaft hat gemeinnützigen Charakter; sie bezweckt die Hebung der Wohnverhältnisse in Wädenswil und sucht dies zu erreichen durch:
a) Bau und Kauf von soliden, zweckmässigen Wohnhäusern und Vermietung von Wohnungen zu möglichst billigen Preisen;
b) Verbindung mit zweckmässigen Verbänden;
c) Wahrung der Mieterinteressen auf andere geeignete Weise.»
Nahezu ununterbrochene Bautätigkeit. Wohnbauten der Mieterbaugenossenschaft entstanden nebst anderen an der Büelenstrasse …
START IM BOLLER
Die Absicht, im Büelen eine Parzelle für Sechsfamilienhäuser zu erwerben, scheiterte. Hingegen gelang es, eine Parzelle Gemeindeland an der neuen Etzelstrasse im Boller sicherzustellen.
Der erste Vorstand
Hermann Vogt, Präsident
Fritz Baur-Weilenmann, Vizepräsident Heinrich Häberli, Kassier
Jakob Meier-Schärer, 1. Sekretär Louis Müller, 2. Sekretär (Protokollführer)
Adolf Vogt und Hermann Häusler, Beisitzer
Dank Beiträgen von Kanton und Gemeinde und der Zusicherung der ersten und zweiten Hypothek durch die Zürcher Kantonalbank konnte das Werk im März 1925 in Angriff genommen werden. Die Wohnungen wurden planmässig fertiggestellt und konnten am 1. November 1925 bezogen werden. Gewisse Sorgen bereitete dem Vorstand die dringend notwendige Erhöhung des Eigenkapitals, wollte man das begonnene Werk weiterführen.
Natürlich mussten die Mieter gemäss Statuten einen Pflichtanteil von Fr. 25 übernehmen. Das reichte aber nicht aus und man tat alles, um auch Handwerker, Firmen und Einzelpersonen als Genossenschafter zu gewinnen.
Der Bedarf an Wohnraum war kaum zu sättigen. Die Unterstützung des privaten Wohnungsbaues war dringend notwendig. Vom Oktober 1925 bis Juni 1926 wurden für 20 Wohnungen 19 000 Franken Barbeiträge ausbezahlt. An ein Nachlassen der Bemühungen war nicht zu denken, wie aus einem Bericht des Mietamtes an den Gemeinderat hervorgeht:
«Es sind im ganzen höchstens vier dieser Familien in der Lage, 1000 Franken und mehr als Jahres-Mietzins auszulegen. Die übrigen können nur etwa zur Hälfte den Zins von 750 Franken zahlen und kommen für die 16 Wohnungen mit einem Jahreszins von 900 bis 1600 Franken schon gar nicht in Frage».
… am Fluhweg und an der Neudorfstrasse.
UNGEBROCHENE ENTWICKLUNG
Mit den Bauten im Boller war ein guter Anfang gemacht und die MBG hatte sich eine gute Referenz geschaffen. Die Tätigkeit der Mieter-Baugenossenschaft nahm ihren Fortgang. Nach den Häusern im Boller folgten im Musli sechs zweigeschossige Einfamilienhäuser und an der Büelenstrasse zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 12 Wohnungen, über deren Zuteilung wegen des grossen Interesses das Los entscheiden musste. Die nächste Bauetappe, welcher zähe Landverhandlungen vorausgingen, umfasste das Eckhaus Büelenstrasse/Nordstrasse, in welchem im November 1928 je vier Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen sowie im Erdgeschoss ein Laden mit Magazin und ein Sitzungszimmer für den Vorstand bezogen werden konnten.
Die Gemeinde stellte der MBG das Areal neben dem Sechsfamilienhaus an der Büelenstrasse zur Verfügung, worauf zwei im wesentlichen gleiche Wohnbauten erstellt und bereits ein knappes Jahr später bezogen werden konnten.
Als Folge der Bahnhoferweiterung gingen 42 Wohnungen im Bahnhofbereich verloren, was sich auf die Wohnungssituation ungünstig auswirkte. Der Gemeinderat appellierte an die Baugenossenschaften, die verloren gegangenen Wohnungen durch genossenschaftlichen Wohnungsbau zu ersetzen. Die Behörde stellte Bauland auf der nordwestlichen Kuppe des Büelenareals (heute Fluhweg 2, 4 und 6) zur Verfügung und offerierte die zweite Hypothek zu einem Vorzugs-Zinssatz. Die Sparkasse sicherte die Übernahme der ersten Hypothek zu. Architekt Hans Streuli plante drei Vierfamilienhäuser mit je zwei Mansardenzimmern im Dachgeschoss.
Ein grösserer Bau wurde 1928 an der Ecke Büelenstrasse/Nordstrasse erstellt.
Bereits im Dezember 1930 war der Rohbau unter Dach, und in der ersten Hälfte August 1931 konnten die Wohnungen bezogen werden. Diese sechste Etappe wurde als wahre Meisterleistung bezeichnet.
WIRTSCHAFTSKRISE MIT FOLGEN
Die Anfangstätigkeit der MBG durfte sich wahrhaftig sehen lassen. In gut sechs Jahren hatte sie 66 Wohnungen und einen Laden erstellt. Der Gesamtanlagewert belief sich auf 1 053 801 Franken, wovon 119 069 Franken als Subvention in Abzug kamen. Dann aber kam ein Stillstand. Eine Konsolidierung war zwar nötig. Anderseits brachte aber die schwere Wirtschaftskrise allerhand Probleme mit sich. Die Rechnungsergebnisse waren ungenügend. Sie vermochten nach Abzug der Hypothekarzinsen und Abschreibungen kaum mehr die Nebenkosten zu decken. Der Vorstand befand sich in einem Dilemma; einerseits waren die Mietzinse schon zu tief angesetzt (wie auch eine externe Expertise feststellte) und anderseits vermochten viele in Not geratene Mieter ihren Verpflichtungen kaum mehr nachzukommen.
VERSTÄNDNIS FÜR IN NOT GERATENE MIETER
Trotz der durch die Betriebsverluste unerfreulichen Situation hatte der Vorstand Verständnis für die Mieter, die unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu leiden hatten. Er gewährte von 1934 bis 1937 eine Mietzinsreduktion von 5 Prozent und schuf ab 1938 die Ausrichtung des «Dauermieter-Rabattes» in der Höhe von 1 bis 5 Prozent, je nach Mietdauer. Das fand bei den Mitgliedern Anerkennung. Wohnungswechsel fanden meistens nur innerhalb der Genossenschaft statt.
ANGESPANNTE VERHÄLTNISSE WÄHREND DER KRIEGSZEIT
Eine neue Situation ergab sich mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939. Mit einem durch Militärdienst stark reduzierten Vorstand mussten die vordringlichsten Arbeiten erledigt werden. Um dem noch immer herrschenden Wohnungsmangel entgegenzutreten, war beabsichtigt, eine Wohnbauaktion im Mittelort/Au zu lancieren. Das Vorhaben scheiterte, weil die Gemeinde die dazu notwendigen Kapital- und Mietzinszuschüsse verweigerte.
Die finanzielle Situation der MBG hatte sich inzwischen wieder verbessert. Das Resultat eines in Auftrag gegebenen Gutachtens über die Finanzlage der Genossenschaft stimmte positiv. Es wurde darin folgendes festgehalten:
«Die Gesamtbelehnung ist von 92,2 auf 75,6 Prozent gesunken. Die Entwicklung war in den vergangenen 20 Jahren, trotz der grossen Mietzinseinbussen der Krisenjahre, noch befriedigend. Bei einer weiteren sorgfältigen Verwaltung kann an einer weiteren gedeihlichen Entwicklung nicht gezweifelt werden».
MIT VOLLEM ELAN AN DIE WEITERENTWICKLUNG
Der genossenschaftliche Wohnungsbau erhielt nach Kriegsende neuen Auftrieb. Zwischen Fluhweg und Büelenweg konnte von der Gemeinde 1948 ein Landstreifen erworben werden. Man plante die siebte Bauetappe. Vorgesehen war die Erstellung von drei Vierfamilienhäusern am Büelenweg (heute Neudorfstrasse 27, 29 und 31). Bei einem heftigen Abstimmungskampf hiessen die Stimmberechtigten einen Beitrag an das Bauvorhaben gut. Damit konnten der Bau planmässig ausgeführt und die Wohnungen am 1. November 1949 bezogen werden. Die MBG hat, dank unermüdlichem Einsatz von 1942 bis 1952, 24 Wohnungen in sechs Vierfamilienhäusern erstellt. Die Unterstützung durch die Öffentliche Hand war eine überaus wertvolle Hilfe und hat wesentlich zur Bekämpfung der Wohnungsknappheit beigetragen. Ab 1951 erfuhren die öffentlichen Beiträge allerdings eine deutliche Reduktion. Trotzdem ging die Entwicklung der MBG kontinuierlich, aber nicht immer reibungslos weiter. Die Verhandlungen für den Erwerb von Bauland und die Finanzierung der geplanten Wohnbauobjekte waren oft schwierig. Und doch erreichte man immer wieder das gesteckte Ziel, die Erstellung von neuem Wohnraum.
Eine grosse Zahl von Wohnungen erbaute die MBG an der Eichweid- und an der Waisenhausstrasse.
BAUBOOM IN DEN SECHZIGER JAHREN
Der Wohnungsbestand der Mieter-Baugenossenschaft erhöhte sich in den sechziger Jahren beträchtlich. Nach mühseligen Landverhandlungen, bei denen kaum erfüllbare Bedingungen gestellt wurden, konnten im Baumgarten, an der Waisenhaus- und an der Eichweidstrasse insgesamt 32 Wohnungen erstellt werden. Bautechnische Probleme brachten nicht nur den Terminplan, sondern auch den Kostenvoranschlag durcheinander. Das Projekt wurde erweitert, um die anfallenden Mehrkosten besser aufzufangen. Die Wohnungen konnten vom August 1961 bis April 1962 bezogen werden.
Sechs Jahre später erfuhr die Überbauung Eichweid eine markante Erweiterung. Die Darlehen der Öffentlichen Hand für die Wohnungen im sozialen Wohnungsbau wurden an der Urnenabstimmung vom 19. Mai 1968 durch den Souverän bewilligt. (Am gleichen Abstimmungssonntag stimmten die Wädenswiler Stimmberechtigten übrigens noch dem Bau des Krankenheims Frohmatt und der Alterssiedling «bin Rääbe» zu.)
Gebaut wurden insgesamt 68 Wohnungen (32 Wohnungen im sozialen, 28 im freien und 8 Wohnungen im allgemeinen Wohnungsbau) sowie eine Unterniveau-Garage. Vier Wohnblocks dieser Grosskolonie, der ersten dieses Ausmasses, konnten 1970 bezogen werden, während das fünfte Gebäude an der Walther-Hauserstrasse im September 1972 bezugsbereit war.
Die Forderung des Gemeinderates auf Schaffung eines Quartierzentrums mit Laden und Restaurant konnte aufgrund der Resultate externer Gutachten und mangels Interessenten nicht realisiert werden.
MUSTERGÜLTIGER GEBÄUDEUNTERHALT UND ZEITGEMÄSSER WOHNKOMFORT
Der Vorstand hat sich immer dafür eingesetzt, die Bausubstanz der Liegenschaften zu erhalten. Mit Sanierungen strebte man immer auch eine Betriebsoptimierung an, insbesondere im Energiebereich. Nebst der Umstellung von Kohle-Heizanlagen auf Öl und Erdgas, nutzte man die Gelegenheit, bei Aussenrenovationen durch Isolationen die Wärmedämmung zu verbessern. Die Renovation der aus den Anfängen der MBG stammenden Häuser war mit erheblichen Kosten verbunden, da meistens die gesamten Hausinstallationen erneuert werden mussten.
Bei der Ausführung von Reparaturen und Renovationen war man immer bestrebt, die Wohnungen den sich wandelnden Bedürfnissen nach Wohnkomfort anzupassen.
Stützpunkt in der Au: Mehrfamilienhäuser an der Steinacherstrasse.
Dazu gehörten beispielsweise der Einbau von Badezimmern, die Installierung von Waschautomaten, die Erstellung von Einstellgaragen, usw.
EINE GELUNGENE ÜBERBAUUNG IM NEUDORF
Eine überaus schöne Wohnsiedlung konnte die Mieter-Baugenossenschaft Mitte der achtziger Jahre im Neudorf einweihen. In gefälligen Baukörpern entstanden nach den Plänen von Architekt Hans Bossert 24 Wohnungen. Davon wurden 12 Vierzimmer-Wohnungen im sozialen und 6 Vierzimmer-Wohnungen im allgemeinen Wohnungsbau sowie 6 Zweizimmer-Wohnungen im freien Wohnungsbau (ohne Subvention) erstellt. Bei der Planung tat man alles, um den Energiebedarf und damit auch die Verbrauchskosten minimal zu halten. Die Wohnungen zeichnen sich aus durch günstige Grundrisse und bescheidene Verkehrsflächen, was die Möblierung deutlich vereinfacht. Auf Luxus wurde verzichtet, aber alles Notwendige ist in diesen Wohnungen enthalten.
Eine überaus gelungene Wohnsiedlung im Neudorf wurde 1985 eingeweiht.
In einem der Wohnblocks befindet sich eine lnvalidenwohnung und alle Parterre-Wohnungen können mit wenig Mitteln in rollstuhlgängige Wohnungen umfunktioniert werden.
SINNVOLLE NEUERWERBUNGEN
Die MBG hat nicht nur Wohnhäuser gebaut, sondern auch bereits erstellte, zweckmässige Objekte gekauft. Da und dort ging es um eine Arrondierung bereits bestehenden Besitzes, zum Beispiel beim Haus Weststrasse 1. Eine besondere Gelegenheit bot sich 1991, als die MBG von einer Pensionskasse das Mehrfamilienhaus an der Freiherrenstrasse 4 mit zwölf Wohnungen, sechs Garagen und neun Abstellplätzen zu einem recht günstigen Preis übernehmen konnte.
Mit dem Erwerb der Schwanen-Liegenschaften (Zugerstrasse 25 sowie Blumenstrasse 1 und 2) zum Preis von 11,5 Mio. Franken tätigte die MBG den bedeutendsten Kauf während ihrer bisherigen Tätigkeit. In den Liegenschaften befinden sich 45 Wohnungen in der Grösse von 1 ½-bis 5½-Zimmer, 5 Verkaufsläden und 45 Garageplätze. Die Gründe für den Kauf lagen im wachsenden Druck von Wohnungssuchenden, insbesondere auch von Nachkommen der Genossenschafter, die zentrale Lage sowie die grosse Nachfrage nach Kleinwohnungen. Dazu kommt, dass die MBG damit zahlreiche Wohnungen dem Spekulationsmarkt entziehen konnte.
Schwanen-Liegenschaften, Seite Türgass.
EIN FINANZSTARKES UNTERNEHMEN
Das Wachstum der MBG wird auch in der finanziellen Entwicklung ersichtlich. Die Bilanzsumme stieg von 10,12 Mio. Franken im Jahr 1973 auf 47,61 Mio. im Jahr 1997. Das Anlagevermögen betrug 1973 9,61 Mio. und 1997 48,61 Mio. Franken. Ein deutliches Indiz für das grosse Wachstum der MBG sind auch die Mietzinseinnahmen. Diese betrugen 1973 noch 777 545 Franken und werden in der Betriebsrechnung von 1997 mit 4,27 Mio. Franken aufgeführt. Der Versicherungswert aller Liegenschaften der MBG betrug Ende 1997 66,17 Mio. Franken bei einer hypothekarischen Belastung von 43,29 Mio. oder gut 65 Prozent. Das Anteilscheinkapital erhöhte sich von 1973 mit 562 000 Franken auf 1,84 Mio. Franken im Jahr 1997.
Welches Vertrauen der Verwaltungsrat bei den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern geniesst, zeigte sich an der 65. Ordentlichen Generalversammlung vom 28. April 1990. Die Mitglieder hatten über zwei Anträge zu befinden. Der eine betraf eine Statutenänderung, wonach der Verwaltungsrat ermächtigt wurde, auch in den umliegenden Gemeinden tätig zu sein, sofern dies im Interesse der MBG liegen sollte. Mit dem zweiten Antrag erhielt der Verwaltungsrat eine auf fünf Jahre befristete Finanzkompetenz von 10 Mio. Franken zwecks Erwerb von Bauland und Liegenschaften. Damit wurde Spielraum geschaffen, um die Verhandlungen zur Übernahme der Schwanen-Liegenschaften abzuschliessen.
SOLIDARITÄT ALS GRUNDLAGE
Der Wille zu Selbsthilfe und Solidarität führte vor 75 Jahren zur Gründung der Mieter-Baugenossenschaft Wädenswil. Diese Philosophie gilt auch heute noch. Die Mitglieder der MBG haben die statutarische Pflicht, gemäss benütztem Wohnraum Anteilscheine zu erwerben. Diese betragen heute 2000 Franken für eine Einzimmer-, 3000 Franken für eine Zweizimmer-, 4000 Franken für eine Dreizimmer-, 5000 Franken für eine Vierzimmer- und 6000 Franken für eine Fünfzimmerwohnung. Die Mieter verhelfen damit ihrer Genossenschaft zu einem angemessen verzinslichen Eigenkapital.
Eine Aussage im letzten Jahresbericht von Walter Langenauer, der 1981 zurücktrat und leider am 21. Dezember 1995 im Alter von 77 Jahren verstarb, ist wie ein für alle Zeiten gültiges Vermächtnis: «Eine aktive Genossenschaft muss sich, um der Verantwortung für die Zukunft gerecht zu werden, der Gegenwart anpassen. Die Werterhaltung der Liegenschaften durch einen guten Unterhalt, durch eine Anpassung an die veränderten Verhältnisse auf dem Energiesektor, verlangt grosse finanzielle Mittel und zwingt die Genossenschaft zu kaufmännischem Handeln. Gegenüber dem spekulativen Wohnungsbau bietet die Genossenschaft viele Vorteile, nämlich gesichertes Wohnen, gerechten Mietzins, keine ungerechtfertigte Kündigung und keine willkürliche Behandlung.
Werden diese wesentlichen Vorteile von unseren Genossenschaftern noch anerkannt oder ist es nicht so, dass das Privileg, eine Genossenschaftswohnung mit all ihren Vorteilen zu bewohnen, zur Selbstverständlichkeit geworden ist?»
BREITES WOHNUNGSANGEBOT
Seit der Gründung der Mieter-Baugenossenschaft hat sich das Angebot an unterschiedlichem Wohnraum laufend erweitert. In den letzten 25 Jahren ist die Zahl der Wohneinheiten von 195 auf 313 gestiegen. Das Angebot an Wohnungen und anderen Objekten, die aber meistens zur Infrastruktur gehören, ist aus der Tabelle unter «Mietobjekte 1997 nach Quartieren» deutlich ersichtlich.
GROSSER PERSÖNLICHER EINSATZ
Immer wieder waren Männer bereit, sich im Vorstand (heute Verwaltungsrat) der MBG für die Bereitstellung preisgünstiger Wohnungen mit voller Kraft einzusetzen.
DIE PRÄSIDENTEN
Folgende Präsidenten prägten die zielgerichtete Entwicklung der Mieter-Baugenossenschaft Wädenswil:
Emil Gagg gehörte zu den Initianten und war Vorsitzender des Gründungskomitees.
Hermann Vogt war der erste Präsident, der die Aufgabe recht energisch anpackte.
Rudolf Billeter-Pfister führte das Werk ab 1928 in einer schwierigen Zeit souverän und zielstrebig fort. Unter seiner Leitung entstanden die fünfte und sechste Bauetappe.
Robert Müller-Streuli war ab 1944, in der Zeit des neuen Aufschwunges nach Kriegsende, ein überaus initiativer Präsident und ein ebenso hartnäckiger wie erfolgreicher Verhandlungspartner.
Walter Langenauer wurde, nach 11 Jahren Vizepräsident, im Jahr 1972 zum Präsidenten gewählt. Er hat sich in besonderer Weise um das Wohl und die Probleme der Mieter gekümmert. Während seiner Amtszeit wurde die grösste Überbauung der MBG in der Eichweid mit 68 Wohnungen erstellt. Walter Langenauer hat sich auch für die dringend notwendigen Erneuerungen der älteren Wohnungen eingesetzt.
Hans Jsler ist seit 1981 ein fachkundiger und tatkräftiger Präsident. Er hat der MBG durch sein engagiertes Wirken den Stempel aufgedrückt. Mit wachen Sinnen und voller Kraft setzt er sich, von einem ebenso dynamischen Verwaltungsrat unter- stützt, für das im Dienst der Mieter stehende, genossenschaftliche Unternehmen ein.
Alfred Nicolai war zwar nie Präsident der MBG, aber mit Leib und Seele Genossenschafter und in verschiedenen wichtigen Funktionen tätig. Er diente der MBG von 1931 bis 1936 als Kassier und von 1936 bis 1971 als Buchhalter. Von 1943 bis 1953 und von 1959 bis 1970 besorgte er nebenbei auch noch das Sekretariat. Als Buchhalter wurde er dann 1971 durch Walter Vogelbacher abgelöst, der heute noch für das inzwischen überaus umfangreiche Rechnungswesen verantwortlich ist.
HOFFNUNGSVOLLER AUSBLICK
Die Mieter-Baugenossenschaft Wädenswil hat sich in den 75 Jahren stets vorwärts entwickelt, hat schwierige und gute Zeiten vorbildlich gemeistert und ist heute eine Institution in Wädenswil, auf die man stolz sein kann. Sie hat Wohnungen für unterschiedliche Bedürfnisse anzubieten und verfolgt die Situation im Wohnungsmarkt mit grosser Aufmerksamkeit. Die MBG ist in Wädenswil breit verankert und steht finanziell auf sicherem Grund. Die leitenden Organe sind überzeugt, dass der im Interesse der Mieter eingeschlagene Weg auch in Zukunft zum richtigen Ziel führen wird.