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Wieso hat unser Bub Bauchkrämpfe?
Da in dem Fall bereits verschiedene Untersuchungen ohne auffälligen Befund durchgeführt wurden, handelt es sich am ehesten um funktionelle Beschwerden. Wichtig ist es insbesondere folgende Warnzeichen auszuschliessen beziehungsweise weiter abzuklären:
- entfernt vom Bauchnabel lokalisierte Schmerzen
- unerklärlicher Gewichtsverlust
- unklares Fieber
- blutiger Stuhlgang
- chronischer Durchfall (Diarrhö)
- rezidivierendes (wiederkehrendes) Erbrechen
- weitere Begleitsymptome
- Auffälligkeiten bei der klinischen Untersuchung
Ausserdem ist es in der Regel sinnvoll, mit Hilfe von Laboruntersuchungen folgendes zu klären:
- Hinweis auf Erkrankung der Bauchorgane (Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere)
- Hinweise auf chronische Entzündungen
- Zöliakie (entzündliche Glutenunverträglichkeit)
Bei konkretem Verdacht kann auch eine Ultraschall-Untersuchung des Bauchraumes (Abdomen-Sonographie) sinnvoll sein.
Bei funktionellen Beschwerden liegt keine organische Erkrankung wie eine entzündliche oder strukturelle Veränderung des Magen-Darm-Traktes vor. Vielmehr führen an sich normale Vorgänge aufgrund einer gesteigerten Empfindlichkeit der Nervenendungen zu wiederkehrenden Schmerzen. Dies kann sich über Monate und Jahre hinziehen.
Die Schmerzen sind typischerweise mässig bis mittelstark ausgeprägt, diffus, wandernd oder um den Bauchnabel lokalisiert. Sie können begleitet sein von Durchfall oder Verstopfung, da auch eine gewisse Störung der Motilität (nicht bewusst gesteuerte Bewegungen des menschlichen Körpers, wie z.B. im Darm) eine Rolle spielt. Ausserdem leiden viele Patienten an Blähungen. Zwischen den Schmerzepisoden kommen unterschiedlich lange symptomfreien Intervalle vor.
Beeinflussende Faktoren sind unter anderem:
- Infektionskrankheiten, z.B. eine virale Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis)
- Essgewohnheiten
- Stress, z.B. Angst oder Aufregung (auch aufgrund von Freude)
Während den Krämpfen:
- Elterliche Fürsorge
- Wärme- oder Kälteapplikation
- Sanfte Bauchmassagen (im Uhrzeigersinn)
- Entspannung
- Ablenkung
- Allenfalls Phytotherapeutika (Pfefferminz- oder Kümmelöl)
Häufig hilft es den Patienten bereits, wenn sie verstehen, was mit ihnen los ist. Insbesondere, dass der Schmerz nicht in Zusammenhang mit einer gefährlichen Erkrankung steht.
Durch vorübergehende Reduktion und dann erneute Einnahme kann getestet werden, ob Milch- oder Fruchtzucker sowie künstliche Süssstoffe eine Rolle spielen. Bei hartem Stuhlgang kann eine abführende Therapie mit Macrogol helfen, bei sehr weichem Stuhl lösliche Nahrungsfasern. Zusätzlich können auf Verordnung des Kinderarztes pflanzliche Heilmittel (z. B. mit Pfefferminzöl oder Kümmelöl) den Magen-Darm-Trakt beruhigen und die Schmerzen lindern.
Falls belastende Situationen oder Stress vorliegen, sollte eine kinder- und jugendpsychologische Begleitung erfolgen. Dabei muss beachtet werden, dass auch der wiederkehrende Schmerz an sich eine psychische Belastung darstellen kann. Falls im Verlauf neue Aspekte auftreten sollten, lohnt es sich, den Kinderarzt erneut aufzusuchen, um sicherzugehen, dass nicht eine neue Erkrankung vorliegt.