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«Heimat stellt ein ökologisches Mikrosystem dar»: Volkskunde und Regionalplanung in den 1970er und 1980er Jahren
Die Forderung nach mehr «Natur» in der Stadt war nur eine Seite der Ökologie-nahen Infragestellung bestehender Raumplanungsparadigmen im späten 20. Jahrhundert. Die Suche nach der umweltorientierten Siedlungsstruktur erfasste auch die eigentümliche Natur «ländlicher» Gebiete: Agglomerationen, zersiedelte Täler, entleerte Dörfer. An ihr beteiligt waren in der Schweiz wie auch in Westdeutschland ethnologisch-kulturwissenschaftliche Forscher*innen, die ihre empirische Feldforschung als wichtige Grundlage für regionales Wissen verstanden und denen es daran lag, dieses Wissen in der jeweiligen Region praktisch einzubringen, öffentliche Aufmerksamkeit dafür zu gewinnen und in Planungsprozessen mitzuwirken.
Der Beitrag widmet sich insbesondere dem Verhältnis von «Heimat» und «Umwelt» in volkskundlichen Forschungsprojekten: Die Frankfurter Kulturanthropologin Ina-Maria Greverus forschte für die «Dorferneuerung» in Hessen, der Zürcher Volkskundler Arnold Niederer untersuchte im Nationalen Forschungsprogramm «Regionalprobleme» (NFP 05 des Schweizerischen Nationalfonds) «Regionale Identität» und sein Schüler Klaus Anderegg war als «Kulturarbeiter» im Wallis am Bau eines «Ecomuseums» beteiligt. Im Beitrag wird argumentiert, dass die Volkskundler*innen auf Wissensbestände zurückgriffen, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg in Feldforschungen in «wirtschaftlich unterentwickelten» Gebieten entstanden sind und die sich als «Modernisierungswissen» beschreiben lassen. Davon ausgehend wird danach gefragt, in welchen Konstellationen zwischen Wissenschaft, Regionalplanung und Öffentlichkeit sich dieses «regionale Wissen» über Heimat und Umwelt in den Jahrzehnten nach dem Boom weiterentwickelte.