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Gutes Interviewen - Bausteine
Rabbi Bekri: "Das Zentrum ist vielleicht die Verschiebung der Frage." (Edmond Jabès, zit. nach Derrida, 1976, S. 446)
Zur Einführung in die Methode haben wir die Hinweise und den didaktischen Aufbau von Ginsburg (1987) verwendet. Auf den verlinkten Seiten werden fünf Dimensionen erläutert. Sie sind verankert im Erkennen, im Ethos und im Handeln (Empirie). Zur Vertiefung wird auf Inhelder, Sinclair & Bovet (1974), auf Wittmann (1982) und auf Inhelder & de Caprona (1992) verwiesen. Tipp: Halten Sie sich nicht kleinschrittig an diese Empfehlungen, versuchen Sie von Anfang an differenzierend und schöpferisch zu arbeiten. Die wirkungsvollste Einführung besteht darin, dass man ein flexibles Interview vorbereitet, durchführt und auswertet - inhaltlich - methodisch - methodologisch.
Flexible Interviews erweitern den Handlungsspielraum von Lehrpersonen
Konventionelle Testmethoden oder das Beobachten allein führen auch die Pädagogik rasch an Grenzen der Erkenntnis. Flexible Interviews in Gruppen schaffen offene, operative und erkenntnisorientierte Unterrichtssituationen. Die Methode erzeugt Einsichten bei den Lernenden und den Lehrenden, Einsichten in das Thema und Einsichten in die Methode selber. Wer mit Kindern arbeitet oder spielt, kann diese Prozesse ohne Umschweife erfahren. Diese Webseite enthält theoretische und praktische Beispiele zu diesem Thema. Spiele eignen sich ganz besonders, um den Nutzen der Methode für die Pädagogik und die Fachdidaktik zu erkunden und zu exemplifizieren.
Nachdenken über Bildung wird der pragmatischen Erkenntnistheorie zugeordnet (Rorty, 1987). „Unter Umständen sagt man einfach etwas – man leistet keinen Forschungsbeitrag, sondern man partizipiert an einem Gespräch“ (ebd., S. 402). Ein flexibles Interview zu machen, ist operative Partizipation: "Vamos caminando", man macht sich auf den Weg mit dieser Hebammenkunst. So entwickeln sich Pädagoginnen und Pädagogen auch zu bildenden Philosophen. Die Verhältnisse ähneln dem Menon-Dialog. Bildende Philosophie wäre der Dialog zwischen Sokrates und Menon. Das wäre die theoretische Konversation. Das Pädagogische ist dann die echte Auseinandersetzung mit einer Geometrieaufgabe zwischen Sokrates und dem Knaben. Der operative Dialog würde in einem Text literarisch rekonstituiert. Nach Derrida (2014) symbolisieren die Texte Sokrates in Platon und Platon in Sokrates angesichts einer philosophischen Aufgabe. Bildung erscheint als einzigartiger, existenzieller Akt zwischen Personen und einer Sache, sie erscheint auch als fortlaufende Verschiebung der Fragen, wie es Edmond Jabès dem Rabbi Bekri in den Mund gelegt hat.