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Die glücklichen Arbeitslosen. Wissenskulturen und Protestpraktiken seit den 1970er-Jahren
Das Glück der Arbeitslosen währte kurz: Anfang des 21. Jahrhunderts existierte in der Bundesrepublik die immerhin medienwirksame Organisation der "Glücklichen Arbeitlosen", die von sich behaupteten, ihr "Glück" hinge nicht von Erwerbsarbeit ab. Sie rehabilitierten das Lafarguesche "Recht auf Faulheit" und behaupteten, glückliches Nichtstun sei möglich. Scheint dieses Anspruchformulierung von unproduktivem Glücklichsein einerseits so alt und selbstverständlich wie das Märchen vom Schlaraffenland, so war die öffentliche Empörung andererseits nicht weniger vorhersehbar. Sie mündete in der Polemik des damaligen bundesdeutschen Kanzlers Gerhard Schröder von 2001, es gäbe kein Recht auf Faulheit. Die Äußerung Schröders steht stellvertretend für die medialen Kampagnen gegen Sozialschmarotzer, die an den Stränden Floridas ihrem unproduktiven Glück fröhnen würden. Glück und Produktivität aber sind nicht erst im gegenwärtigen Reden über Glück eng miteinander verwoben. Seit dem 18. Jahrhundert ist der "pursuit of happiness" mit dem Recht auf Eigentumserwerb und der Produktivität durch Erwerbsarbeit, mithin einem Versprechen eines selbsttätig erworbenen Wohlstands, verwoben. In der organisierten Praxis der Arbeitsgesellschaft war dieses Versprechen immer prekär und sozial klassifiziert, unterlag aber mit Aufkommen der Massenarbeitslosigkeit "nach dem Boom" seit den 1970er-Jahren zeitspezifischen Bedingungen: einer expandierenden "Verwissenschaftlichung des Sozialen", ausdifferenzierten Konsumentenkulturen, alternativen Lebensstilen, aber auch Umstrukturierungen von Arbeitsmärkten und Berufsbiographien.
In diesem Paper sollen zum einen Subjektivierungsprogramme sozialwissenschaftlicher Expertendiskurse hinsichtlich ihrer für Arbeitslose angebotenen Glücksfigurationen untersucht werden. Zum anderen sollen Subjektivierungspraktiken von Arbeitslosen problematisiert werden, wie sie sich in Aktivitäten von Selbsthilfegruppen oder in zeitgenössischen autobiographischen Erzählungen vom Glück oder Unglück der Arbeitslosigkeit wiederfinden.