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Ebenso tödlich wie Rauchen oder ungesunde Ernährung wirkt sich die Luftverschmutzung aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursacht sie jedes Jahr sieben Millionen vorzeitige Todesfälle. Zum Vergleich: Seit Beginn der Pandemie wurden 4,65 Millionen Todesfälle mit COVID-19 in Verbindung gebracht. Jetzt will die WHO neue Smog-Leitlinien.
von Axel Amweg
In keiner der 100 grössten Städte der Welt werden die 1987 festgelegten und 2005 aktualisierten Normen gegen Smog eingehalten. Die WHO hat deshalb beschlossen, neue Leitlinien mit strengeren Standards herauszugeben. Damit soll das Leben von Millionen von Menschen gerettet werden. Um die Luftqualität zu verbessern, empfiehlt die WHO, den Grenzwert für Feinstaub zu halbieren. Feinstaub ist besonders schädlich für die Lunge und die Durchblutung und wird mit Herzerkrankungen und Schlaganfällen in Verbindung gebracht. Bei Stickstoffdioxid, ein Schadstoff, der von Dieselfahrzeugen freigesetzt wird, wurde der jährliche Expositionsrichtwert von 40 auf zehn Mikrogramm pro Kubikmeter gesenkt. Es handelt sich dabei aber nur um unverbindliche Leitlinien, die bei den derzeitigen Verschmutzungswerten wahrscheinlich nicht kurzfristig anwendbar sind.
Alarmierung und Ziele
Es wird Jahre dauern, um die heutigen Werte auf ein akzeptables Niveau zu senken. Aber ohne Alarmierung und klare Ziele kommt es zu keinen Verbesserungen. «Die Luftverschmutzung ist in allen Ländern eine Gesundheitsbedrohung, aber die Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind am stärksten davon betroffen», sagt Tedros Adhanom Ghebreyesus, Leiter der WHO. Würden die neuen Normen heute angewandt, könnte keine der 100 grössten Städte der Welt die Vorgaben erfüllen, was den Feinstaub angeht.
In Neu-Delhi zum Beispiel liegt der Feinstaubwert 16 Mal höher als der neue Grenzwert, in Peking sieben Mal höher, in London zwei Mal höher und in New York 1,4 Mal höher. Die neuen Leitlinien bei der derzeitigen Schadstoffbelastung werden laut Experten in vielen Städten erst in Jahrzehnten erreicht werden können. Das ist fatal in Anbetracht der Todesfolgen, die jährlich weit über den Todesfällen liegen, die bisher mit einer COVID-19-Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden.
Die grösste Schadstoffquelle ist nach wie vor der Strassenverkehr mit Verbrennungsmotoren und Autoreifenabrieb. Aber auch die Heizungsanlagen sind vor allem in armen Ländern gefährliche Schadstoffverursacher. Sie ziehen insbesondere die Gesundheit der Schwächsten in Leidenschaft – Kinder mit Atemproblemen und Wachstumsstörungen sowie Erwachsene mit Herzkrankheiten, Diabetes und neurodegenerativen Erkrankungen. Der WHO-Chef weist auch darauf hin, dass die Luftverschmutzung in Verbindung mit dem Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität aller Menschen habe. «Die neuen WHO-Luftqualitätsleitlinien sind ein praktisches, evidenzbasiertes Instrument zur Verbesserung der Luftqualität, von der alles Leben abhängt», betont Tedros Adhanom Ghebreyesus. «Ich fordere alle Länder und alle, die sich für den Schutz unserer Umwelt einsetzen, auf, sie zu nutzen, um Leiden zu verringern und Leben zu retten.»