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David Gobber, worum geht es in deiner Abschlussarbeit?
In meiner Master-Thesis «Gestalten in Metaphern» erforsche ich, inwieweit sich metaphorische Konzepte und Denkweisen in der Gestaltung erkennen und beschreiben lassen. Metaphorisches Konzept ist ein Begriff aus den Kognitionswissenschaften und beschreibt eine Art des Denkens, bei der man einen Sachverhalt in den Begriffen und der Logik eines anderen Sachverhaltes denkt. Das klingt im ersten Moment nach einer ganz speziellen Art des Denkens, dabei ist ein Grossteil unseres alltäglichen Denkens metaphorisch. So verstehen wir zum Beispiel Zeit räumlich, wenn wir «anstrengende Tage hinter uns gebracht haben und ein erholsames Wochenende vor uns liegt» oder Texte als Behälter, wenn wir uns fragen «was für einen Inhalt dieser Absatz nun hat und ob man vielleicht eine Aussage aus dem Text *heraus*lesen kann, die dort eigentlich nicht drin steht.»
In der Gestaltung gibt es ebenso metaphorische Konzepte, was sich darin zeigt, dass wir oftmals Plakate wie Fenster in eine andere Welt verstehen oder Bildelemente in der Gestaltung so anordnen, als wären es physische Objekte. Wie ich herausfinden konnte, lassen sich viele sehr originelle grafische Arbeiten auf unkonventionelle metaphorische Konzepte zurückführen. Auf Basis dieser Erkenntnis habe ich eine Methode entwickelt, die Grafikerinnen und Grafiker dabei helfen soll, passende metaphorische Gestaltungskonzepte für ihre Projekte zu entwickeln.
Wie kamst du auf dieses Thema?
In der Auseinandersetzung mit politischer Sprache habe ich vom so genannten metaphorischen Framing erstmals gehört. In der Politik wird vielfach durch eine bewusste Wortwahl eine bestimmte metaphorische Denkweise für ein Thema nahegelegt. Je nach metaphorischem Konzept, scheint die eine oder andere politische Linie vernünftiger. Das zeigt sich beispielsweise an Begriffen wie «Flüchtlingswelle». Wer von einer «Flüchtlingswelle» spricht, legt nahe, dass flüchtende Menschen, wie Wassermassen zu verstehen sind, die sich quasi auf Grund von höherer Gewalt von einem Ort zum anderen bewegen. Die suggerierte Überschwemmung klingt dabei bedrohlich und lässt einem intuitiv Massnahmen der Abschottung vernünftiger erscheinen.
Auf heranströmende Wassermassen reagiert man schliesslich eher mit dem Bau von Dämmen als mit offenen Türen und einer inklusiven Sozialpolitik. Politisch rechte Politik wird durch solches Vokabular gestärkt. Spricht man über die gleiche Thematik mit dem Begriff «Verwaltungskrise», so wird der Aspekt der Abschottung gar nicht impliziert und man beschäftigt sich vielmehr damit, wie man eine effizientere Verwaltung bauen könnte.
Diesen Themenkomplex fand ich äusserst spannend und dies führte mich zu einer intensiven Beschäftigung mit metaphorischen Konzepten. Nachdem in der entsprechenden Fachliteratur immer wieder von davon die Rede war, dass unser Denken weitgehend metaphorisch strukturiert sei, drängte sich mir die Frage auf, ob solche Denkstrukturen auch in der Gestaltung verbreitet sind.
Was ist dein konkreter Beitrag zur Zukunftsgestaltung unserer Gesellschaft als künstlerisch-gestalterisch tätige Person mit Blick auf die ökologischen, politischen und /oder ökonomischen Herausforderungen? Wie siehst Du Deinen Handlungsspielraum?
Ich denke, dass eine Bewusstwerdung über metaphorische Denkweisen in der Gestaltung zu einer sensibleren und präzisieren visuellen Kommunikation führt. Der gezielte Einsatz einer bestimmten metaphorischen Konzeption kann die Gestaltung, den Entwurfsprozess oder gar das Selbstverständnis der Gestalterin und des Gestalters entscheidend beeinflussen. Aus meiner Sicht ist das oftmals ausschlaggebend für eine originelle und wirkungsstarke gestalterische Lösung. In diesem Sinne soll meine Arbeit vor allem Kreative auf einen bedeutenden Aspekt in der Gestaltung aufmerksam machen und sie mit der entwickelten Methode zu konzeptuell stärkeren Arbeiten befähigen.
Wohin geht deine (berufliche) Reise jetzt nach dem Studium?
Man ist bereits mit Aufträgen auf mich zugekommen, an denen ich nach meinem Abschluss arbeiten werde. Langfristig werde ich mich aber um eine attraktive Anstellung in einem kleinen bis mittelgrossen Grafikstudio bemühen.