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Die Petition «Keine Steuergelder für Werbemärchen» prangert an, dass der Bund die Marken «Schweizer Fleisch» und «Suisse Garantie» subventioniert, obwohl ein grosser Teil des in der Schweiz verwendeten Futters importiert wird. Greenpeace Schweiz hat die Petition im Februar 2021 lanciert und sie heute mit 27’849 Unterschriften an das Parlament geschickt. Angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise fordern die Unterzeichner*innen die Parlamentarier auf, das System der Absatzförderung zu überprüfen und die Täuschung mit dem Label «Schweiz» für Tierprodukte zu beenden.
Die Kampagne von Greenpeace Schweiz basiert auf den Erkenntnissen des Berichts «Der Futtermittelschwindel» vom Februar 2021. Forschende des Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen (IUNR) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigen darin auf, wie abhängig die Schweizer Landwirtschaft von Futtermittelimporten ist. Gegenwärtig wird mehr als die Hälfte des in der Schweiz verwendeten Kraftfutters importiert. Diese Importe schaden dem Klima und der Biodiversität gleich doppelt: In den Erzeugerländern (z. B. Brasilien) wird der freien Natur Land für eine intensive Produktion entzogen, was dem Boden, dem Klima und der Artenvielfalt schadet. In der Schweiz ermöglicht die Einfuhr dieses Futters mehr Tiere in den Betrieben, als mit heimischem Futter allein gefüttert werden könnten. Dies führt zu einer Überdüngung wertvoller Ökosysteme mit Ammoniak und zu Emissionen von Methan und Distickstoffoxid; Treibhausgasen, deren Auswirkungen auf das Klima weitaus verheerender sind als die von CO2. Hinzu kommt der jährliche Export von 25’000 Tonnen Gülle in die Nachbarländer.
«Der Bund gibt jedes Jahr Millionen von Franken für die Absatzförderung von landwirtschaftlichen Produkten aus», erklärt Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft und Klima von Greenpeace Schweiz. «Die Ausgaben für die Förderung von tierischen Produkten sind fast fünfmal so hoch wie jene für pflanzliche Produkte (39 gegenüber 8 Millionen CHF). Das bedeutet, dass der Bund den massiven Verbrauch von tierischen Produkten mit öffentlichen Geldern unterstützt, obwohl deren Erzeugung weitgehend von importierten Futtermitteln abhängt – insbesondere bei Schweinen und Geflügel.»
Greenpeace Schweiz setzt sich seit Jahren dafür ein, dass der Agrarsektor reformiert und der Konsum und die Produktion von Tierprodukten reduziert wird. Weltweit gesehen sind die klimatischen Auswirkungen der Nutztierhaltung vergleichbar mit denen des Verkehrs. Die Nutztierhaltung ist auch eine der Hauptursachen für die weltweite Entwaldung, die verheerende Auswirkungen auf das Klima und auf die Artenvielfalt hat. «Das Engagement der Schweiz für die Biodiversität und den Klimaschutz endet derzeit an der Tür der Agrarpolitik», ergänzt Alexandra Gavilano. «Das muss sich ändern. Die Ablehnung der Agrar-Initiativen im Juni darf nicht als Blankoscheck für die Beibehaltung des aktuellen Status quo in der Agrarpolitik verwendet werden. Wir können nicht warten, bis die Biodiversität und das Klima kollabieren. Wir müssen jetzt die Schweizer Landwirtschaft von morgen erfinden, damit sie sich an die globalen Veränderungen auf unserem Planeten anpassen kann. Aus diesem Grund haben wir eine Vision für eine ökologische, nährstoffreiche, widerstandsfähige und tierfreundliche Landwirtschaft entwickelt.»
Die Petition an das Parlament stellt folgende Forderungen:
- Keine Steuergelder für Werbemärchen, also keine finanzielle Unterstützung für das Marketing der umweltzerstörenden Fleisch-, Eier- und Milchindustrie,
- realistische Angaben zur Deklaration von «Schweizer» Fleisch-, Eier- und Milchprodukten,
- die Förderung einer alternativen ökologischen und an den Standort Schweiz angepassten Landwirtschaft, die erheblich mehr wertvollen Ackerboden direkt für die menschliche Ernährung zur Verfügung stellt, weil der grossflächige Futtermittelanbau für Tiere entfällt,
- keine weitere Verzögerung der politischen Diskussion zur Agrarreform; wir brauchen schnellstmöglich eine Transition zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft.