Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03297.jsonl.gz/1833

Beispiel 1: Mehr fragen, weniger sagen
Wenn Sie jemanden coachen, verfügen Sie wahrscheinlich über Erfahrung und Wissen. Sie sind es wahrscheinlich auch gewohnt, situationsflexibel zu agieren und Probleme von anderen bzw. für andere zu lösen. Beim Coaching kann dies sehr verlockend sein, dem Coachee einfach eine direkte Antwort zu geben. Wenn Sie jedoch die Herausforderung Ihres Coachees für ihn lösen, dann coachen Sie ihn nicht. Sie sind dann eher im Beratungsmodus, leiten, instruieren, aber Sie coachen nicht.
Das Problem bei der Behebung des Problems Ihres Coachees besteht darin, dass nur weil Sie die Antwort kennen und in der Lage wären, diese umzusetzen, dies nicht bedeutet, dass Ihr Coachee dies auch kann. Coaching ermöglicht es Ihnen, die beste Antwort zu finden, die Sie gemeinsam mit Ihrem Coachee erarbeiten. Und genau dort, wo sich Ihr Coachee gerade befindet, zusammen mit seinen eigenen einzigartigen Talenten, Erfahrungen und seinem Stil. Die richtige Lösung für Sie ist möglicherweise nicht die richtige Lösung für Ihren Coachee. Selbst wenn Ihre Lösung korrekt ist, bedeutet das jedoch nicht, dass Ihr Coachee bereit ist, sie zu implementieren. Coaching ermöglicht es Ihnen und Ihrem Coachee, herauszufinden, welche Herausforderungen vor ihm liegen.
Teilen Sie Ihre Idee mit, aber lassen Sie den Kunden entscheiden, ob er bereit ist, sie anzunehmen. Entscheiden Sie dann, ob Sie weiterhin als Berater tätig sein oder wieder zum Coach zurückkehren sollen. Letzteres bedeutet, dass Sie erneut offene Fragen stellen, je nachdem, was Ihr Coachee tun möchte. Ersteres bedeutet, dass Sie Fakten und Logik verwenden, um Ihren Standpunkt zu untermauern. Sagen Sie Ihrem Coachee deutlich, ob Sie den Hut eines Beraters, Lehrers, Managers oder Coaches tragen. Andernfalls könnte Ihr Kunde verwirrt werden.
Beispiel 2: Wen Sie die Antwort kennen, nicht zu viel fragen!
Wenn Sie die Antwort eines Problems bereits kennen, dann empfi ehlt es sich, dass Sie Ihren Coachee nicht mit einer Vielzahl von Fragen traktieren, es selbst herauszufi nden. Denn das ist kein Coaching. Das tendiert dann eher in Richtung Manipulation, wenn Sie Ihren Coachee dazu bringen, zu denselben Schlussfolgerungen zu kommen wie Sie. Aus der Sicht des Coachees kann so ein Verhalten als überheblich, besserwisserisch und herablassend wirken. Es fühlt sich nicht gut an, eine Reihe von Fragen ertragen zu müssen, in dem Wissen, dass der Coach bereits die Antwort hat.
Nicht endlos fragen, das ist kontraproduktiv
Coaching ist für Situationen, in denen Sie sich mit Ihrem Coachee auf unbekanntes Terrain wagen. Daher bietet es sich an, nicht endlos Fragen zu stellen, wenn Sie bereits die Antwort kennen. Dann sagen Sie die Antwort nach einem gewissen Fragen, wenn Ihr Gegenüber nicht selbst draufkommt.
Ich hatte einen Manager im Coaching, der dazu neigte, diesen Fehler zu begehen. Nachdem ich mit seinen Mitarbeitern gesprochen hatte, stellte sich heraus, dass sie dieses Vorgehen als «quälende Selbstverwirklichung» bezeichneten. Sie schätzten zwar seinen Führungsstil, wenn es für ihn sinnvoll war, sie zu coachen, aber als er die Antwort bereits kannte, fanden seine Mitarbeiter seinen Ansatz unauthentisch, langweilig und eine ineffiziente Zeitnutzung.
Beispiel 3: Nicht unterbrechen
Unterbrechen Sie Ihr Gegenüber nicht, wenn Sie coachen. Diese relativ einfache Empfehlung kann für Coaches, die naturgemäss Informationen schnell verarbeiten, eher schwierig sein. Wenn Sie unterbrechen, unterbrechen Sie Ihr Gegenüber möglicherweise gerade dann, wenn es etwas Entscheidendes sagen will.
Nutzen Sie die Stille. Machen Sie sich die Stille zu Ihrem Verbündeten. Warten Sie einfach drei, vier oder fünf Sekunden. Auch wenn Ihnen das lang erscheinen mag und es den menschlichen Refl ex gibt, die Stille auszufüllen, halten Sie diese aus. Damit stellen Sie sicher, dass Ihr Kunde auch wirklich fertig gesprochen hat. Manchmal ist Schweigen die beste Coaching-Technik-Frage, weil sie den Coachee ermutigt, tiefer über das Thema nachzudenken, hineinzutau-chen und über das Übliche, also über den Tellerrand hinauszublicken.