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Internationale Arbeitskonferenz 2015: menschenwürdige Arbeit nach wie vor im Fokus
Die Internationale Arbeitskonferenz, die jedes Jahr Anfang Juni in Genf tagt, ist eben zu Ende gegangen. Als Erfolge zu verbuchen sind dieses Jahr die Annahme einer Empfehlung zur Überführung informeller zur formeller Wirtschaft, die Schaffung von menschenwürdigen und produktiven Arbeitsplätzen in kleineren und mittleren Unternehmen und die Arbeit der Kommission für die Anwendung der Normen, mit besonderer Berücksichtigung der Beschäftigten der Landwirtschaft. mehr
Die informelle Wirtschaft umfasst sämtliche wirtschaftlichen Tätigkeiten der Arbeitnehmenden, die weder per Gesetz noch in der Praxis bestimmten Vorschriften unterliegen – so beispielsweise die Bereiche Gesundheit, Sicherheit am Arbeitsplatz oder sozialer Schutz. Schätzungen zufolge geht mehr als die Hälfte der Beschäftigten weltweit einer informellen Beschäftigung nach, was angesichts des Bestrebens nach menschenwürdiger Arbeit eine enorme Herausforderung darstellt: Die Arbeitnehmenden haben keinen Zugang zu den grundlegenden Prinzipien und Rechten im Bereich der Arbeit sowie zum sozialen Schutz. All dies wirkt sich negativ auf die Entwicklung von nachhaltigen Unternehmen aus. Gemäss Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind 90% der Unternehmen, die zwischen 10 und 250 Personen beschäftigen, im informellen Sektor angesiedelt.
Verabschiedung einer Empfehlung zum Übergang der informellen zur formellen Wirtschaft
Die meisten Personen arbeiten nicht freiwillig in der informellen Wirtschaft. Vielmehr fehlt Ihnen der Zugang zu einer formellen Beschäftigung. Durch die Verabschiedung der Empfehlung, die als internationale Arbeitsnorm einzustufen ist, wird der Übergang von der informellen hin zur formellen Wirtschaft erleichtert. Die Empfehlung sieht Strategien für die Schaffung von qualitativ guten Arbeitsplätzen und das Wachstum des formellen Sektors vor. Sie bietet ein internationales Rahmenwerk, das auch die Anwendung der Grundrechte an der Arbeit, den sozialen Dialog, die Gleichstellung, das Unternehmertum, die Qualifikationen und das Management, den Zugang zu Krediten und zum Markt sowie die Ausdehnung des sozialen Schutzes umfasst.
Die Verabschiedung der Empfehlung zum Thema informelle Wirtschaft hat zum Zweck, Hunderten Millionen Beschäftigten den Weg aus der informellen Wirtschaft zu ebnen und ihnen den Zugang zu einer formellen Beschäftigung zu erleichtern. Das Wichtigste sei die Umsetzung der Empfehlung, betonte Guy Ryder, Generalsekretär der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Verbesserung der Qualität der Arbeitsplätze und der Produktivität der KMU
Die Schweizer Regierung hat sich – in einem Land, in dem das Thema aufgrund seiner wirtschaftlichen Struktur besonders interessiert – in der Kommission zum Thema KMU für die Schaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeitsplätze stark eingesetzt. Denn die Schweizer KMU (bis zu 250 Beschäftigte) stellen knapp 99 Prozent der Unternehmen und rund zwei Drittel der Stellen dar. In unserem Land wurde der Akzent auf die Debatten über den Zugang zu Krediten, Finanzierung, administrative Erleichterungen zugunsten der KMU und die wichtige Stellung der Sozialpartnerschaft gelegt. Dies ist sicher notwendig, aber man darf dabei andere wesentliche Aspekte nicht vergessen, so die Arbeits- und Lohnbedingungen sowie die gewerkschaftliche Vertretung der Kleinunternehmen. Der Bericht des IAA 1 , der als Grundlage für die Debatten diente, hebt hervor, dass in den Kleinunternehmen der soziale Dialog, die Produktivität, die Arbeits- und Lohnbedingungen, die Gesundheit sowie die Sicherheit am Arbeitsplatz einen kleineren Stellenwert haben als in den grösseren Unternehmen.
Weiter zu berücksichtigen ist der Umstand, dass oft weniger die Grösse des Unternehmens ausschlaggebend ist als vielmehr das Tätigkeitsfeld, das nach den Kriterien menschenwürdiger Arbeit Mängel aufweist. Aus diesem Grund war es uns ein Anliegen, dass die Schlussfolgerungen der Kommission auch KMU ansprechen, die in Wirtschaftszweigen mit eher prekären Arbeitsbedingungen tätig sind, beispielsweise die Landwirtschaft, das Gastgewerbe, Reinigungsdienste, Bauwesen und Industriezweige wie das Textilgewerbe.
Die von der Konferenz betreffend der KMU angenommenen Schlussfolgerungen und die Schaffung von menschenwürdigen und produktiven Arbeitsplätzen beleuchten die Hindernisse (Defizite in Sachen menschenwürdige Arbeit, Gesundheit und niedriges Sicherheitsniveau) und empfehlen Massnahmen zur Abhilfe (Zugang zur Finanzierung, Schaffung von Unternehmensnetzwerken, aber auch die Notwendigkeit des sozialen Dialoges und die Unterstützung der öffentlichen Stellen). Die bereits bestehenden Programme der Internationalen Arbeitsorganisation zur Unterstützung der KMU müssten weiterentwickelt werden, aber es müssten auch soziale Partner einbezogen werden, insbesondere Gewerkschaften.
Grüne Arbeitsplätze ebenso im Mittelpunkt der Diskussionen
Dieses Treffen unter dem Titel «Der Klimawandel und die Welt der Arbeit» stand auch im Zeichen einer Debatte unter ranghohen Vertretern wie des französischen Präsidenten François Hollande über die Notwendigkeit, mittels Schaffung von grünen Arbeitsplätzen und Ökoberufen gegen den Klimawandel zu kämpfen. Die ILO ist aufgrund ihrer dreigliedrigen Struktur (Regierungen, Gewerkschaften, Arbeitgeber) besonders geeignet, bei der Förderung grüner Arbeitsplätze und einer nachhaltigen Entwicklung eine wichtige Rolle einzunehmen.
Die Kommission für die Einhaltung der Arbeitsnormen hat sich als Erstes des Schicksals der Landarbeiter angenommen. Unter dem Titel «Den Landarbeitern eine Stimme geben» hat der entsprechende Bericht aufgezeigt, wie wichtig es ist, die Vereinigungsfreiheit von Organisationen, die die Landarbeiter vertreten, zu fördern. Denn die Landwirtschaft ist weltweit nach wie vor ein bedeutender Sektor und umfasst eine bedeutende Anzahl an schutzbedürftigen Arbeitnehmenden, weil die Arbeitsbedingungen und die Löhne – auch in der Schweiz – oft miserabel sind. Der Vertreter der Schweizer Arbeitnehmenden wies darauf hin, es sei in der Schweiz bis heute nicht möglich gewesen, einen Gesamtarbeitsvertrag für die Landwirtschaft zu erarbeiten.
Kampf gegen die Zwangsarbeit in Katar und Eritrea
Die Kommission hat dieses Jahr 24 Länder geprüft, in denen schwerwiegende Probleme in der Anwendung der ratifizierten internationalen Arbeitsübereinkommen aufgetreten sind. Das Augenmerk wurde dabei aufgrund der Verletzung des Übereinkommens Nr. 29 zur Abschaffung der Zwangsarbeit auf Eritrea und Katar gelenkt. Diese beiden Fälle wirken sich direkt auf unser Land aus: im Falle Eritreas ist es so, dass die Zwangsrekrutierung in die Armee, die eine Verletzung des Übereinkommens Nr. 29 darstellt, zu vielen Asylbewerbungen von eritreischen Flüchtlingsgruppen führt. Was Katar angeht, so wird das Kafala-System kritisiert, in dem der ausländische Arbeiter vom Arbeitgeber abhängig gemacht wird. Der Druck, der mit Blick auf die Fussballweltmeisterschaft 2022 auf Katar als Organisator bzw. als Austragungsort ausgeübt wird, damit dort der Zwangsarbeit ein Ende gesetzt wird, ist willkommen und dürfte wirkungsvoll sein. Die Schweiz ist insofern betroffen, als die FIFA mit ihrem Sitz in der Schweiz auf Katar Druck ausüben muss, damit dort auf den riesigen Baustellen menschenwürdige Arbeitsbedingungen eingeführt werden.
Zu den 24 Ländern, die aufgrund schwerwiegender Mängel bei der Einhaltung der Arbeitsnormen im Visier stehen, gehören die Länder, in denen das Travail.Suisse-Hilfswerk Brücke – Le pont Zusammenarbeitsprojekte unterstützt. Die Rede ist von Bolivien in Zusammenhang mit dem Übereinkommen Nr. 138 über das Mindestalter [für die Zulassung zur Beschäftigung] (Kinderarbeit) und von Honduras mit dem Übereinkommen Nr. 81 über die Arbeitsaufsicht [in Gewerbe und Handel] sowie von El Salvador bzw. dem Übereinkommen Nr. 87 über die Vereinigungsfreiheit.
1 Kleinere und mittlere Unternehmen und die Schaffung menschenwürdiger und produktiver Arbeitsplätze. Bericht IV, 76 S. Internationales Arbeitsamt, Genf.
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Schweizer Konzerne in die Pflicht nehmen
Eine Koalition von 60 Organisationen lanciert die Konzernverantwortungsinitiative zum Schutz von Mensch und Umwelt. Unterstützen Sie die Initiative und sammeln Sie Unterschriften! mehr
Katastrophale Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken in Asien und Osteuropa, missbräuchliche Kinderarbeit bei der Kakaoproduktion in Westafrika, tödliche Emissionen in Sambia: Auch Schweizer Unternehmen sind in Menschenrechtsverletzungen verwickelt. Darum hat 2011 eine breite Koalition von Organisationen die Kampagne «Recht ohne Grenzen» ins Leben gerufen und eine Petition lanciert. Weil Bundesrat und Parlament aber weiterhin auf Freiwilligkeit und Goodwill der Unternehmen setzen, fordert jetzt die Konzernverantwortungsinitiative eine Sorgfaltsprüfungspflicht, die präventiv gegen Verfehlungen von Schweizer Firmen im Ausland wirken soll.
Menschenrechte und Umwelt respektieren
Die Initiative fordert konkret:
a) Die Unternehmen haben die Menschenrechte sowie die internationalen Umweltstandards auch im Ausland zu respektieren. Und sie müssen dafür sorgen, dass auch die von ihnen kontrollierten Unternehmen diese Normen einhalten.
b) Die Unternehmen sind zu einer angemessenen Sorgfaltsprüfung verpflichtet, welche die tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen auf die Menschenrechte und die Umwelt ermitteln. Und sie müssen geeignete Massnahmen zur Verhütung von Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden ergreifen.
c) Die Unternehmen haften für die Schäden, die sie und die von ihnen kontrollierten Unternehmen in Ausübung ihrer geschäftlichen Verrichtung verursacht haben.
„Swiss Quality“ dank Sorgfaltsprüfung
Brücke • Le pont, das Hilfswerk von Travail.Suisse, beobachtet immer wieder Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung durch grosse Firmen. Als 2014 im brasilianischen Bundesstaat Piauí Tausende von Menschen gegen die Ansiedlung von Minengesellschaften demonstrierten – aus Angst vor Vertreibung und Umweltschäden – drehten junge Journalisten und Journalistinnen einen Dokumentarfilm. Die jungen Medienschaffenden, die in einem Projekt von Brücke • Le pont ausgebildet werden, informierten auch über Radio und erreichten über eine Million Menschen. Brücke • Le pont ermuntert Sie, die Konzernverantwortungsinitiative zu unterschreiben. Sie nützt den Entwicklungsländern und der Schweiz. „Swiss Quality“ soll in Zukunft auch für weltweit ethisch korrektes und nachhaltiges Wirtschaften der Schweizer Firmen stehen.
Sammeln Sie Unterschriften für die Initiative im Bekanntenkreis und am Arbeitsplatz. Den Unterschriftenbogen können Sie hier downloaden: http://www.bruecke-lepont.ch/fileadmin/user_upload/diverses/de/Kovi-Bogen_A4_DE.pdf
Beachten Sie, dass nur stimmberechtigte Schweizerinnen und Schweizer unterschreiben dürfen – und zwar nach Gemeinden getrennt! Benutzen Sie bei der Unterschriftensammlung also verschiedene Bögen.
Weitere Informationen finden Sie auf www.konzern-initiative.ch. Senden Sie die Unterschriften an Brücke • Le pont, Rue St-Pierre 12, 1700 Freiburg. Travail.Suisse unterstützt die Initiative. Danke!
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Brücke • Le pont dehnt sein Wirkungsfeld nach Honduras aus
Die schwierige Situation, in der sich junge Leute im zentralamerikanischen Honduras befinden, schreit nach Hilfe. Zum Bildungsmangel und zur Arbeitslosigkeit gesellt sich die permanente Gewalt in den Armenquartieren, die den Jugendlichen das Leben mehr als schwer macht. Darum wandern viele in die USA aus, illegal und ohne Kenntnisse, in eine ungewisse Zukunft. mehr
Brücke • Le pont hat mit Jugendprojekten im Nachbarland El Salvador wertvolle Kenntnisse erworben. Drei Partnerorganisationen bieten dort jungen Leuten kurze, praxisorientierte Berufsbildungskurse an und führen mit ihnen Massnahmen zur Gewaltprävention durch. Drei weitere Projekte unterstützen Arbeiterinnen bei der Durchsetzung ihrer Rechte. Diese Erfahrungen werden jetzt auch für das Programm in Honduras genutzt. Im Sommer 2014 starteten die ersten Pilotprojekte in Armenvierteln der Hauptstadt Tegucigalpa. Auch ein Austausch zwischen den Partnerorganisationen beider Länder fand bereits statt.
Berufsbildung schafft gute Basis
Das Angebot an die jungen Leute aus armen Verhältnissen richtet sich nach dem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt und nach den Möglichkeiten der Jugendlichen. Die Kurse dauern nur einige Monate, denn die jungen Leute gehen Gelegenheitsjobs nach, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und können keine lange Ausbildung machen. Aber bereits die kurze, praxisorientierte Ausbildung öffnet ihnen die Tür zu einer besseren Beschäftigung in Restauration, Bäckerei/Konditorei, Coiffure/Kosmetik, Schneiderei, Schreinerei, Informatik, Elektrizität, Buchhaltung oder Kurierdienst.
Auf eigenen Beinen stehen
Dank der Ausbildung finden manche Jugendlich eine fixe Stelle im formellen Arbeitsmarkt. Andere nutzen ihre neu erworbenen Kenntnisse, um im informellen Sektor selbständig tätig zu sein, allein oder mit Gleichgesinnten. Diese „Schattenwirtschaft“ bietet weniger Sicherheit z.B. was die Sozialleistungen betrifft, dafür gewährt sie viel Spielraum für Kreativität und Flexibilität. Damit die jungen Leute bestehen können, enthalten alle Kurse auch Elemente zur Stärkung der Sozialkompetenzen sowie Hilfestellungen zur Arbeitsintegration.
Schule machen
Mit der Ausdehnung nach Honduras exportiert Brücke • Le pont seine guten Erfahrungen und schafft Synergien. In San Salvador sagte Marvin Campos (17), einer der Schüler: „Ich will meine Geschwister nicht allein lassen, sondern hier bleiben und mithelfen, die Gewalt zu überwinden. Und ich will einen Beruf lernen, arbeiten und meiner Familie helfen.“ Diesen guten Willen gilt es zu unterstützen. Mit Ihrer Spende werden Jugendliche auch in Honduras dasselbe sagen können. Lassen Sie sie nicht im Stich! Danke.
Spendenkonto: PK 90-13318-2
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Projekt Ungarn: Empfehlungen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender
Das Projekt «Lösungen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender in Ungarn» wurde im Rahmen des Beitrags der Schweiz zur Verringerung der Ungleichheiten in den neuen EU-Mitgliedsländern finanziert und Ende 2014 abgeschlossen. Als Ergebnis der Zusammenarbeit und eines ausführlichen Dialogs mit den ungarischen Sozialpartnern entstand eine Publikation mit detaillierten Empfehlungen zur Förderung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmender in Ungarn, ausgehend von den Erfahrungen in der Schweiz. mehr
Ungarn gehört zu den EU-Ländern mit einer besonders tiefen Erwerbsquote bei den über 50-Jährigen. Sie liegt bei rund 40%, in der Schweiz liegt sie bei 70%. Auch der Gesundheitszustand der über 50-Jährigen ist häufig schlecht, und entsprechend belegt Ungarn in Europa einen der letzten drei Plätze bei der verbleibenden Lebenserwartung ab dem Alter von 50 Jahren. Die Gewerkschaft MOSZ (nationaler Verband der Arbeiterräte) kontaktierte Travail.Suisse mit der Anfrage, gemeinsam ein Projekt zur Verbesserung der Situation älterer Arbeitnehmender in Ungarn einzureichen, das die Schweiz finanziert.
Echte Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und ungarischer Gewerkschaft
Das Zusammenarbeitsprojekt wurde im Mai 2013 genehmigt und erhielt einen Beitrag von CHF 125’000. Besonders erfreulich war, dass mit der MOSZ nicht nur eine Gewerkschaft mitwirkte, sondern zusätzlich auch die Arbeitgeberorganisation VOSZ (nationaler Verband der Arbeitgeber und Unternehmer). Von Beginn an stellten die Sozialpartner ihren Willen unter Beweis, zum Erfolg dieses Projekts beizutragen.
Die erste Etappe des Projekts bestand aus einer Studienreise in die Schweiz, die Travail.Suisse im November 2013 organisierte. Eine Delegation von MOSZ und VOSZ erhielt dabei Einblick in die Erfahrungen, die in der Schweiz mit älteren Arbeitnehmenden auf dem Arbeitsmarkt gemacht wurden. Die Studienreise beinhaltete auch Besuche und einen Erfahrungsaustausch mit dem Seco und mit den Sozialpartnern (Syna, Schweizerischer Arbeitgeberverband), mit Forschungskreisen, Unternehmen (z.B. Die Post), mit einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum und mit einer Organisation, die Arbeitslose begleitet.
Anfang 2014 wurden diese Erfahrungen als Grundlage für einen echten Sozialdialog zwischen MOSZ und VOSZ in Ungarn genutzt. Der VOSZ befragte mit einer grösseren Umfrage ungarische Unternehmen dazu, wie gut die älteren Arbeitnehmenden in den Arbeitsmarkt integriert sind. 175 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage, 69 davon mit Schweizer Beteiligungen.
Eine der Schlussfolgerungen der Befragung besteht darin, dass es einen Mentalitätswandel braucht: Die ungarischen Arbeitgeber müssen sich stärker bewusst werden, dass ältere Arbeitnehmende auch Vorteile bieten, was Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Loyalität, Erfahrung usw. anbelangt. In Budapest fanden zusätzlich mehrere Seminarien mit Schweizer Fachleuten sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der ungarischen Regierung statt.
Publikation mit Empfehlungen zum konkreten Handeln
Eine Konferenz im Juni 2014 in Budapest mit Beteiligung des Arbeitsministers bildete den Abschluss des Projekts. Anschliessend verfassten die ungarischen Partner in Zusammenarbeit mit Travail.Suisse ein Dokument , das im ersten Teil eine Vergleichsstudie zur Situation älterer Arbeitnehmender auf dem ungarischen und dem schweizerischen Arbeitsmarkt präsentiert. Die Studie zeigt, dass grosse Unterschiede bestehen (u.a. Erwerbsquote und Gesundheitszustand), aber auch Gemeinsamkeiten: In beiden Ländern haben ältere Arbeitlose am meisten Schwierigkeiten, wieder eine Stelle zu finden, und sowohl in Ungarn als auch in der Schweiz bleiben ältere Erwerbslose länger arbeitslos als im Durchschnitt der OECD-Länder.
Die Publikation stellt anschliessend Methoden vor, die sich in der Schweiz bewährt haben und auch die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmender in Ungarn verbessern könnten. Auf ein besonders positives Echo stiess bei den ungarischen Partnern, dass in der Schweiz diese Probleme demokratisch und konsensorientiert angegangen werden und dass die staatlichen Arbeitsvermittlungsstellen weniger bürokratisch und stärker auf eine aktive Wiedereingliederung ausgerichtet sind. Einen bleibenden Eindruck hinterliess auch die von der Syna mitgestaltete Plakat-Kampagne des Kantons Aargau, die mit den Angaben zum Alter und zur Erfahrung älterer Arbeitnehmender spielt.
Die Publikation schliesst mit Empfehlungen an die betroffenen Akteure, d.h. die öffentliche Hand, die Arbeitgeber, die Gewerkschaft, die NGO, die Medien und die älteren Arbeitnehmenden selbst.
Die MOSZ, die das Projekt initiiert hat, will diese Vorschläge regelmässig auf ihre Tagesordnung setzen und mit staatlichen Einrichtungen und Arbeitgebern diskutieren, damit sie auch wirklich umgesetzt werden. Die Mitglieder des MOSZ werden ermutigt, am Arbeitsplatz auf bessere Arbeitsbedingungen älterer Arbeitnehmender hinzuwirken, damit diese länger leistungsfähig bleiben.
> Gesamte Broschüre siehe unten (nur auf Französisch)
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Brasilien: Kommunikation im Dienst der Entwicklung
Das Institut Comradio fördert über das Radio die Entwicklung auf dem Land. Brücke ∙ Le Pont, das Hilfswerk von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, unterstützt das Projekt. mehr
Kommunikation ist für die Entwicklung unabdingbar, denn wer von Verkehrswegen abgeschnitten und vom Informationsaustausch ausgeschlossen ist, kann sich nicht entwickeln. Für Brücke • Le pont ist diese Erkenntnis eine wichtige Basis in ihrer Arbeit. Deshalb unterstützt das Hilfswerk das Institut Comradio in Nordostbrasilien. Das Institut stellt den Kontakt zur armen Landbevölkerung her und liefert ihr nicht nur Unterhaltung, sondern thematisiert auch die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der öden Region. Für die Kleinbauernfamilien, die ums Überleben kämpfen, ist dies von unschätzbarem Wert.
Wissen vermitteln
„Gute Praktiken bekannt machen: Das ist unsere grösste Leidenschaft.“ So stellt sich Comradio auf dem Internet vor. Über ein Netz von 20 Radiostationen, das selbst einen Satellitenkanal nutzt, bedient Comradio die abgelegenen Dörfer und Siedlungen der Region. Mit seiner Arbeit unterstreicht das Institut das Recht auf Information. Sie allein ermöglicht es den Menschen, sich eine Meinung zu bilden, sich zu organisieren und ihre Bürgerrechte wahrzunehmen.
Stimme der Sprachlosen
Comradio schafft keine Einbahn-Kommunikation. Es liefert nicht nur Informationen und Expertenwissen von der Stadt aufs Land, es bezieht die Landbevölkerung in die Sendungen ein und gibt ihr eine Stimme. Die Leute vom Land haben in ihrem Überlebenskampf vieles gelernt, was für andere nützlich ist. Über das Radio können sie auch ihre legitimen Anliegen öffentlich machen, damit diese bei den politischen Entscheidungen nicht vergessen, sondern mitbedacht werden.
Die Landflucht stoppen
Weil das Überleben auf dem Land hart und entbehrungsreich ist, zieht es die Bevölkerung in die Städte. Vor allem die Jugend sieht für sich keine Zukunft auf dem Land und sucht Arbeit, Verdienst und Unterhaltung in den Zentren. Diesem Trend wirkt das Projekt von Brücke • Le pont entgegen. Der Austausch von Ideen und Erfahrungen durch Comradio hilft, die Armut auf dem Land zu reduzieren, die Arbeit rentabler und das Leben angenehmer zu machen. Radiosendungen mit positiven Meldungen und Bildern korrigieren allmählich die Ohnmachtsgefühle der Landbevölkerung und das trostlose Image der Landgebiete. Mehr und mehr junge Leute setzen sich für ihre Region und ihre Familien ein.
Erfolgreiches Projekt
Brücke • Le pont finanziert ein 3-jähriges Projekt zur Ausbildung von 240 jungen Leuten aus armen Verhältnissen bei Comradio. Sie haben beste Chancen auf einen anständig bezahlten Job, denn private Unternehmen und öffentliche Stellen benötigen immer mehr Fachleute in Kommunikation. Damit finden sie einen Weg aus der Armut.
h2. Kommunikation erweitert den Horizont
Die Ausbildung in Kommunikation vermittelt den jungen Leuten nebst fachlichem Wissen auch eine neue Sicht auf die Welt, in der sie leben – auf die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten – und motiviert sie, sich zu engagieren. Felipe Reis Alves sagt: “Mit der Ausbildung hat sich mein Leben völlig verändert. Ich entdeckte einen neuen Horizont. Jetzt kann ich klare Informationen und Botschaften zum Wohl der Allgemeinheit verbreiten und so dazu beitragen, eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft aufzubauen.“
Unterstützen Sie dieses innovative Projekt zugunsten der Landbevölkerung, insbesondere der Landjugend! Spendenkonto: Brücke • Le pont, 1700 Freiburg, PC 90-13318-2; Information auf www.bruecke-lepont.ch.
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