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Lead
Die Forderung nach verständlich(er)en Gesetzestexten ist zwar nicht neu, bleibt aber von unverminderter gesellschaftlicher Brisanz. Der Schweiz kommt dabei eine Vorreiterrolle zu: Sie kennt eine Praxis des verständlichen Formulierens von Gesetzestexten, die bis in die Anfänge des modernen Bundesstaats zurückreicht. Erstaunlicherweise ist diese Praxis sprachwissenschaftlich bislang erst spärlich analysiert und reflektiert worden. Das geplante Projekt leistet einen Beitrag zur Schliessung dieser Forschungslücke.
Lay summary
Gesetzestexte enthalten eine auf den ersten Blick überraschende Vielfalt sprachlicher Handlungen: z.B. Verbote, Erlaubnisse, Ermächtigungen und Strafandrohungen, aber auch Präambeln, Zweck-, Gegenstands- und Inkrafttretensbestimmungen sowie Vollziehungsverordnungen, Umsetzungsgesetze und Änderungserlasse. Die konkrete sprachliche Realisierung dieser Handlungsformen beeinflusst, wie verständlich ein Gesetzestext ist und wie bereitwillig er von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert wird.
Das geplante Projekt hat zum Ziel, eine linguistische Beschreibung gesetzessprachlicher Handlungsformen zu entwickeln, die einerseits aufzeigt, wie Gesetzestexte als komplexe, institutionalisierte Sprachhandlungen «funktionieren», und es andererseits erlaubt, verschiedene Varianten der sprachlichen Realisierung mit Blick auf die Verständlichkeit und auf die Haltung, die der Staat darin gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern zum Ausdruck bringt, zu reflektieren.
Das Projekt hat also sowohl eine theoretisch-beschreibende als auch eine praxisorientierte Komponente. Es befasst sich namentlich mit den folgenden Forschungsfragen:
1. Welche Sprachhandlungen kommen in Gesetzestexten vor?
2. Mit welchen Formulierungsmustern werden diese Sprachhandlungen in der schweizerischen Gesetzessprache realisiert?
3. Welche Auswirkung haben die verschiedenen Formulierungsvarianten auf die Verständlichkeit der Texte?
Im Fokus des Projekts stehen die deutschsprachigen Gesetzestexte des schweizerischen Bundesrechts. Wo dies dem Erkenntnisgewinn nützt, werden die dort gefundenen Formulierungsmuster aber zusätzlich mit den Formulierungsmustern in Gesetzestexten anderer deutschsprachiger Länder verglichen.