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Die Rettungsorganisationen: die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG)
Unter dem Einfluss der Körperkulturbewegung in Deutschland kam das Schwimmen Anfang des 20. Jahrhunderts als eigenständige sportliche Disziplin auf. Zunächst war der Schwimmsport Soldaten und Schülern vorbehalten. Doch ab den 1920er- und 1930er-Jahren wurde er von breiten Bevölkerungsschichten ausgeübt und immer beliebter. Im Sommer waren an den Seeufern immer mehr Badebegeisterte anzutreffen. Gleichzeitig wurden die ersten Freibäder errichtet. Doch mit der zunehmenden Verbreitung des Schwimmens stieg auch die Zahl der Badeunfälle. Jahr für Jahr kamen in der Schweiz 200 bis 300 Personen beim Wassersport ums Leben. Da Baden als gefährlich galt und ein Verbot zu befürchten war, wurde eine Gruppe von Schwimmbegeisterten aktiv.
Rettungsschwimmer ausbilden und Badegäste informieren
Fred Jent, Sportredaktor bei der Basler «National-Zeitung», war Autor eines Lehrbuchs zu den Gefahren, die mit dem Schwimmsport verbunden sind. Auf seine Initiative gründeten am 8. April 1933 Persönlichkeiten aus Politik und Sport zusammen mit Gesundheitsfachleuten die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft. Die Gründungsversammlung fand im Restaurant «Zur Kaufleuten» in Zürich statt. Ausbilden und informieren lautete das Ziel der neuen Gesellschaft. Neben Vorträgen und Rettungsdemonstrationen organisierte die SLRG Kurse und führte Prüfungen für Rettungsschwimmer ein. 1935 wurde 257 Personen ein Rettungsbrevet abgegeben. Aus jener Zeit stammt auch das Logo der Organisation: drei grüne Wellen unter einem Rettungsring auf blauem Hintergrund.
Von 1937 bis 1957 stand die SLRG unter der Leitung des Luzerner Arztes Rudolf Bucher. Diese Jahre waren von einem bedeutenden Wachstum und grossen Veränderungen geprägt. Die SLRG entwickelte verschiedene Neuerungen im Bereich der Prävention: Sie gab Informationsbroschüren ab und warnte am Radio und im Kino vor den Gefahren, die im und am Wasser drohen. Auch innovative neue Rettungstechniken wurden eingeführt: Schulung in künstlicher Beatmung, Einführung des Rettungsbretts im Jahr 1947 und Entwicklung der ersten Beatmungsapparate Anfang der 1950er-Jahre.
Zu Wasser und in der Luft
Auch die interne Organisation verzeichnete bedeutende Entwicklungen. Anfänglich gehörten der SLRG nur Einzelmitglieder an. Ab 1938 entstanden in der Deutschschweiz die ersten Sektionen (Innerschweiz, Solothurn, Zürich, Basel, Olten, Weggis, St. Gallen, Aargau, Bern). Die erste Westschweizer Sektion wurde 1946 in Neuenburg gegründet. Fünf Jahre darauf folgte das Tessin mit der Sektion Lugano. Seither wurden regelmässig Wettkämpfe (die heutige Schweizer Meisterschaft der SLRG) veranstaltet, in denen sich die Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer in verschiedenen Disziplinen messen können. Dabei ging es nicht nur um einen sportlichen Leistungsvergleich. Auch die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Sektionen sollten gepflegt werden. In diesem Zeitraum, 1952, entstand innerhalb der SLRG die Schweizerische Rettungsflugwacht. Acht Jahre darauf wurde die heutige Rega eine selbstständige Organisation.
Die SLRG bestand bereits seit 30 Jahren, als ihr 1963 gestattet wurde, das Rotkreuzzeichen auf ihrem Logo anzubringen. Nach einer mehrjährigen engen Partnerschaft wurde sie 1964 als Hilfsorganisation des SRK anerkannt. Mit dem Aufkommen neuer Wassersportarten in den 1970er-Jahren führte die SLRG spezielle Ausbildungen für Taucher sowie Aktivitäten für Kinder und Jugendliche ein. Ausserdem bot sie überregionale Kurse an, um den verschiedenen Ausbildungsbedürfnissen zu entsprechen: Während einige Sektionen den Rettungsdienst an Seeufern übernahmen, stellten andere die Aufsicht in Schwimmbädern sicher.
Prävention von neuen Risiken
Seit 1982 ist die SLRG eine Mitgliedorganisation des SRK. Ihre Delegierten haben daher Einsitz in der Rotkreuzversammlung, dem obersten Organ des SRK. Gestützt auf die Rotkreuzgrundsätze informiert die SLRG weiterhin über die Gefahren, die mit dem Aufenthalt am, im und auf dem Wasser verbunden sind. In den 1980er-Jahren wurde eine Zunahme der Unfälle in Freigewässern verzeichnet. Deshalb setzte die SLRG den Schwerpunkt auf die Ausbildung und den Einsatz von Rettungsschwimmern an Flüssen, Wildbächen und Seen.
Die gesamtschweizerischen Statistiken zu den Ertrinkungsunfällen ermöglichten immer gezieltere Präventionskampagnen: So wurden die Badegäste auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die mit dem Konsum von Alkohol verbunden sind. Als immer mehr Menschen im Winter ertranken, weil sie auf dem Eis zugefrorener Seen einbrachen, wurden entsprechende Sicherheitsempfehlungen abgegeben. Seit den 1990er-Jahren unternimmt die SLRG besondere Anstrengungen, um die Sicherheit von Kindern in der Nähe von Gewässern zu erhöhen. 2006 lancierte sie das Präventionsprogramm «Das Wasser und ich» für Kinder im Vorschulalter. Der SLRG, die ihren Sitz in Sursee (Kanton Luzern) hat, gehören heute 129 Sektionen und über 27'500 Mitglieder in der ganzen Schweiz an.