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Der Ortsname Biel/Bienne lässt sich sprachgeschichtlich auf eine weibliche Namensform *Bĕlĕna zurückführen. Die Forschung hat diesen Namen mit dem gallischen (keltischen) Gott Belenus in Verbindung gebracht, den die Römer dem griechischen Sonnengott Apollo gleichsetzten. Demzufolge glaubte man, Belenus sei der keltische Sonnengott und die keltische Wortwurzel bel- bedeute «hell, glänzend». Nach neuestem Forschungsstand bedeutet bel- jedoch «stark, mächtig». Auch das lateinische bellum, «Krieg», leitet sich davon ab. Entsprechend wäre Belenus der Gott der Macht.
Weil 1846 in der Bieler Brunnquelle, der heutigen Römerquelle, drei- bis vierhundert römische Münzen aus der Kaiserzeit von Cäsar bis Valentinian (1. Jh. v. bis 4. Jh. n. Chr.) gefunden worden waren, sah man in ihr bisher ein dem Gott Belenus geweihtes Quellheiligtum. Doch diese These steht auf wackligen Beinen. Der Belenus-Kult beschränkte sich auf ganz bestimmte Gebiete: Norditalien, besonders Aquileia, die Provence und das Noricum (Ostalpen). Im helvetischen Raum und in den benachbarten Gebieten Galliens ist er nicht bezeugt. Ausserdem reichen die aufgefundenen Münzen nicht aus (pro Jahr durchschnittlich nicht einmal eine Münze), um ein Heiligtum zu belegen. Jedoch ist es durchaus möglich, dass die Quelle selbst dem Ort den Namen gegeben hat, weil sie als stark, mächtig wahrgenommen wurde. Für die Entstehung des Siedlung Biel war sie jedenfalls entscheidend.
Das letzte Wort zur Frage der Herkunft des Stadtnamens ist wohl noch nicht gesprochen. «Beim Belenus!», würde Asterix dazu ausrufen.
Text von Margrit Wick-Werder, Historikerin
Literatur:
Laurent Auberson, in Bieler Geschichte I, Biel 2013, S. 41ff.
Andres Kristol, in: Les Gallo-Romains dans la Suisse du Nord-Ouest, Intervalles 107, 2017, S. 63f.