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Video
Titel:
Kinderfest Herisau
Thema: Leute
Datum: 02.07.1923
Masse: 12,5 cm Durchmesser
Standort: Filmarchiv Kino Leuzinger, Rapperswil
Urheber/-in: Willy Leuzinger, Rapperswil
Beschreibung:
Stummer Dokumentarfilm vom Kinderfest Herisau am 2. Juli 1923. Gezeigt werden Ausschnitte des Umzugs auf der Bahnhofstrasse. Im Hintergrund ist das heute noch bestehende Geschäftshaus J.G. Nef zu sehen. Vorbei schreiten Blumenmädchen, Blasmusik, Jugendtambouren, Kadetten und Behördenmitglieder. Der ganze Marktflecken ist auf den Beinen und Tausende Erwachsener säumen die Strasse. Darauf folgen Bilder vom Festplatz im Heinrichsbad. Die leichte Talsenke, dort wo sich heute das Sportzentrum befindet, war eine idealer Ort, um Spiele zu veranstalten. Höhepunkt des Films ist die historisierende Erstürmung einer Kartonburg durch die Herisauer Kadetten. Wohl weil das Rapperswiler Kino-Unternehmen Leuzinger den Herisauer Jahrmarkt regelmässig mit einem Wanderkino besuchte, drehte Firmengründer Willy Leuzinger diesen lokalen Dokumentarfilm. Die Herisauer strebten in Scharen in sein Kinozelt, um sich selbst zu sehen und sich bei Spielfilmen zu vergnügen. Kino Leuzinger besass einerseits feste Kinosäle, war 1919-1942 aber auch mit einer mobilen Einrichtung unterwegs. Willy Leuzinger drehte 1920-1929 eigenhändig viele filmische Dokumentationen, um sein Programm anreichern zu können.
Geschichte:
Das Herisauer Kinderfest wurde bis zum 2. Weltkrieg Jugendfest genannt und entwickelte sich aus dem ostermontäglichen Schulexamen heraus. Es wurde 1837 erstmals durchgeführt und fand bald in den meisten Ausserrhoder Gemeinden Nachahmung. Das Kinderfest war lange Zeit der Herisauer Festanlass schlechthin und bildete einen Höhepunkt im Leben der Schulkinder. Feste Bestandteile waren der Umzug durch das Dorfzentrum, die Einladung aller Kinder zum Mittagessen bei Gastfamilien oder in Restaurants sowie die Reigenvorführungen am Nachmittag. Die Kadetten, eine Art Knabenmilitär, erstürmte 1862-1939 jeweils eine aus Karton und Holz erbaute Burg und knüpfte damit an die Tradition der mythologisierten Appenzeller Freiheitskriege an. Auch der Festumzug selbst zeigte wiederholt historische Gruppen, so 1891 zur 600-Jahrfeier der Eidgenossenschaft. Als Festplatz diente bis 1914 das damals noch unbebaute Ebnet und danach das Heinrichsbad.
Die Durchsetzung der Wohlstandsgesellschaft liess die Bedeutung des Kinderfestes nach dem 2. Weltkrieg allmählich absinken. Nachdem der Anlass bis 1969 jedes Jahr durchgeführt worden war, entschlossen sich der Gemeinderat für einen Zweijahresturnus im Wechsel mit dem Kinderfest der Stadt St. Gallen. Die offizielle Note, die das Fest durch die Beteiligung der Behörden aufgewiesen hatte, schwand allmählich zugunsten einer aktiveren Gestaltung durch die Kinder selbst. Seit 1978 erhält jedes Fest ein Motto, das die Schulklassen nach ihren eigenen Ideen umsetzen dürfen.
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Fuchs, Thomas u.a.: Geschichte der Gemeinde Herisau. Herisau 1999, S. 307-309 und 386-388
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