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Als Junior war Craciun Weltklasse
Tennis Marly Open – Der Rumäne bezwingt im Final Minutella 6:2, 6:2
Theodor Craciun heisst der Sieger des Marly Open 2004. Als 17-Jähriger gehörte der Rumäne zu den weltbesten Junioren. Mit 24 Jahren backt er heute kleinere Brötchen.
Theodor Craciun ist einer dieser «Tennis-Zigeuner», wie es wohl hunderte gibt: nicht genug talentiert (oder nicht genug Glück gehabt), um an die absolute Spitze zu kommen, aber zu stark, um die Hoffnung aufzugeben. Also reist der 24-Jährige im ganzen Kontinent von Turnier zu Turnier. So bestreitet Craciun in Frankreich die Interclub-Meisterschaft, dann geht es in die Schweiz, nach Spanien oder Italien. Und das Ganze meist nur für ein Trinkgeld. «Dieses Leben gefällt mir. Ausserdem ist das Tennisspielen das Einzige, das ich kann», erklärt der Sieger des Marly Open, nachdem er einen Check über 3000 Franken in seinen Händen hielt. «3000 Franken, das ist, wie wenn ich eine Bank geplündert hätte. Dieses Geld wird mir gut tun. Es ist der Beweis dafür, dass es sich immer lohnt zu rennen …»
Mit 17 Jahren die Nummer 6
Und der unermüdliche Theodor Craciun rennt viel. Natürlich nach den Bällen, aber auch nach seiner glorreichen Vergangenheit. Der nur 1,70 Meter grosse Rumäne, welcher momentan im ATP-Klassement an Position 610 geführt wird, war eine der grössten Hoffnungen weltweit. «Mit 17 Jahren war ich die Nummer 1300 in der Weltrangliste und die Nummer 6 bei den Junioren», präzisiert Craciun, der sich damals etwa mit dem Chilenen Fernando Gonzales (ATP 19) oder dem Spanier Carlos Ferrero (ATP 7), den Sieger von Roland Garros 2003, konkurrenzierte. «Ferrero gewann zu jener Zeit alles. Es war unmöglich, ihn zu bezwingen», erinnert er sich. Die Frage liegt auf der Hand: Weshalb setzte sich Craciun mit seinem Talent nicht ebenfalls durch? Der Rumäne überlegt: «Es ist nicht einfach zu sagen. Rumänien ist ein armes Land. Der Tennis-Verband hat nur wenige Mittel zur Verfügung und hilft den Jungen kaum. Die besten Rumänen, Andrei und Trifu Pavel, wuchsen in Deutschland auf.»
In Erwartung besserer Zeiten bestreitet Theodor Craciun nationale Turniere. Bevor es nach Korsika geht, machte er einen Zwischenstopp in Marly. Finalgegner Pablo Minutella (CT Neuenburg/N2 15), ein Argentinier, der seit zwei Jahren im Neuenburgischen lebt, verlieh seiner Bewunderung für Craciun Ausdruck: «Er ist sehr stark, sehr schnell. Wenn man glaubt, jetzt hat man ihn endlich ausgespielt, findet er immer wieder eine Lösung. Er ist ein Rätsel.» Minutella verlor zum dritten Mal ein Endspiel in Marly. Das Resultat von 6:2, 6:2 spricht eine deutliche Sprache: Der Argentinier hatte keine Chance.
Craciun (N2 15), der kaum Eigenfehler begeht, hat viele Facetten in seinem Spiel. Man glaubt, dass er eine Partie nicht dominieren könne, weil er nicht so hart schlägt. Dies ist falsch. Der Rumäne schloss den Match mit mehreren Assen und zahlreichen Volleys ab und gab so einen Einblick in seine Möglichkeiten. ps/Lib./FN
Premiere für Riner
Im N2/R2-Turnier der Frauen konnte die erst 14-jährige Nicole Riner (TC Allmend Luzern/N4 55) ihren ersten Erfolg auf diesem Niveau feiern. Im Final bezwang sie Hélène Tribolet (TC Ecublens) 6:4, 7:6. Im zweiten führte Riner bereits mit 5:2, musste dann aber doch noch ins Tiebreak. «Ich hatte nicht wirklich Angst. Sie änderte einfach ihr Spiel. Und mit ihrer Erfahrung machte sie keine Fehler mehr», erklärte Riner, die erst am Beginn ihrer Karriere steht. ps/Lib./FN