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Stöbern im buchplanet lohnt sich, geneigte Blog-Leser. Das durfte ich wieder einmal in dieser Woche erfahren. Denn ich stiess auf ein Buch, dass eine Zeitschrift porträtiert die mich wegen ihren Autoren und dem damit verbundenen Intellekt immer schon fasziniert hat.
Gemeint ist die Weltbühne, das rote kleine Heft. 1905 als reine Theaterzeitschrift aufgrund einer Plagiatsaffäre die Siegfried Jacobsohn betraf, von ihm gegründet, entwickelte sie sich nach ihrer Umbenennung am 4.April 1918, zu dem Forum der radikaldemokratischen bürgerlichen Linken der Weimarer Republik.
Bekannte Literaturgrössen fanden bei dieser Zeitschrift ihre publizistische Heimat; Lion Feuchtwanger, Erich Mühsam, Else Lasker-Schüler, Carl Zuckmayer, Arnold Zweig, Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky, um hier nur einige zu nennen.
Aber trotz diesen klangvollen Namen war es ein steter, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, „Überlebenskampf“ für die Weltbühne. Schon zu Zeiten des ersten Weltkrieges, als, wie schon erwähnt, sie noch „nur“ eine Theaterzeitschrift war, drohte die Zensur. Die schlug am 23. Dezember 1915 zu. Mittlerweile, genauer gesagt ab Weltkriegsbeginn August 1914 wurde das Heft mit einem politischen Leitartikel bestückt. Als der Journalist Robert Breuer ab November 1915 unter dem Pseudonym „Cunctator“ die Politik der Reichregierung ins Visier nahm und den Beitrag „Die Krise des Kapitalismus“ mit dem Satz krönte; „Nur die Internationale des Proletariats kann die Krise des national verbrämten Kapitalismus überwinden“, war es vorbei mit lustig.
Denn eben der besagte Zensurhammer schlug zu. Die Zeitschrift wurde verboten und Siegfried Jacobsohn konnte diesen Bann nur damit umgehen, indem er einer Vorzensur einwilligte. Zum Überleben des Heftes in dieser Zeit trug anscheinend und zwar nicht unmassgeblich, schlussendlich bewiesen ist es aber nicht, die Bezahlung der Anzeigen für Kriegsanleihen, die in Regelmässigkeit in Blatt annonciert wurden.
Nach der Umbenennung zur Weltbühne wurde das Heft zu einem der wichtigsten Befürworter der Weimarer Republik.
Die nächste Existenzgefährdung des Heftes entstand, als der Gründer Siegfried Jacobsohn am 3.Dezember 1926 plötzlich starb. Kurt Tucholsky einer der prägenden Gestalten der Zeitschrift wurde, wie er es selber spöttisch nannte, „Oberschriftleitungsherausgeber“ und die Witwe Jacobsohns, Edith, übernahm die Verlagsleitung und setzte damit das Lebenswerk ihres Mannes fort. Aber Tucholsky war in erster Linie Publizist und kein Herausgeber. Demzufolge löste Ihn Carl von Ossietzky, der andere prägende Kopf der Weltbühne von dieser Position 1927 ab. Auf dem Titelblatt hiess nun; „unter der Mitarbeit von Kurt Tucholsky“, während Carl Ossietzky offiziell all Herausgeber fungierte. Reibungslos ging die Zusammenarbeit zwischen dem beiden Persönlichkeiten nicht von statten, erst 1932 gestand Tucholsky, dass Ossietzky dem Blatt einen „gewaltigen Auftrieb gegeben“ habe.
Verzweifelt versuchte das Blatt in den letzten Jahren der Weimarer Republik, die „Reise ins Dritte Reiche“ (Tucholsky) zu verhindern. Es war hoffnungslos, es wurden zwar etliche aufsehenerregende Artikel antimilitaristischer Natur veröffentlicht, die dann dazu führte, dass das Blatt sich quasi im juristischen Dauerclinch mit dem Reichswehrministerium befand.
Ossietzky musste deswegen im Mai 1932 wegen des Vorwurfes der Spionage eine 18 Monate Haft antreten, wurde aber aufgrund einer Amnestie an Weihnachten des gleichen Jahres wieder entlassen. Als aber ab dem Januar 1933 die braune Brühe anfing zu wüten, war es nur eine Frage der Zeit wann Carl von Ossietzky verhaftet, beziehungsweise die Weltbühne verboten werden würde. So geschah es dann auch. Ossietzky wurde in der Nacht des Reichstagsbrandes, vom 27. auf den 28. Februar 1933 verhaftet. Damit begann für ihn eine unvorstellbare Leidenszeit, aber auch unter der schlimmsten Folter war er nicht bereit sich zu Hitler zu bekennen. Zu Recht wurde ihm 1936, rückwirkend für das Jahr 1935 der Friedensnobelpreis zugesprochen. Die Weltbühne selber erschien zuletzt am 7.März 1933, die Ausgabe vom 14.März wurde zwar gedruckt, konnte aber nicht mehr ausgeliefert werden. Der letzte Satz der letzten ausgelieferten Ausgabe lautete: „Denn der Geist setzt sich doch durch“.
Das war also ein kurzer Abriss über die Weltbühne. Wenn Sie, geschätzte Blog Leser noch einen vertieften Einblick, auch was vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Zeitschrift geschah, erhalten wollen, empfehle ich ihnen das Buch das mir eben im buchplanet in die Finger kam. Es stammt von Ursula Madrasch- Groschopp. Sie trat 1946 als Redaktionsassistentin der Weltbühne Redaktion bei und war dann anschliessend 27 Jahre lang Stellvertretende Chefredakteurin des Blattes.