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«Wir verschieben das anstehende Wiedersehen getrennter Familien, bis eine normale Atmosphäre für Gespräche und Verhandlungen geschaffen ist». Die Nachricht liess Nordkorea über das im Süden zuständige Regierungskomitee verkünden.
Erst vor wenigen Wochen hatten sich Pjöngjang und Seoul auf die Wiederaufnahme der Treffen geeinigt.
Solange Südkorea die innerkoreanischen Beziehungen mit «Feindseligkeit und Beschimpfungen» behandle, könnten humanitäre Fragen wie die Familienzusammenführungen nicht geklärt werden.
Der Norden kritisierte vor allem gemeinsame Militärübungen des Südens mit den USA. Das südkoreanische Parlament hatte ausserdem Anfang September der Festnahme eines linksgerichteten Abgeordneten wegen mutmasslicher Anstachelung zum Aufruhr im Interesse Nordkoreas zugestimmt. Südkoreanische Vertreter waren am Samstag für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
«Die Enttäuschung ist nicht in Worte zu fassen»
Der 92-jährige Kang Neung Hwan, der seinen in Nordkorea lebenden Sohn besuchen wollte, zeigte sich «zutiefst enttäuscht». «Es wird immer schmerzhafter für mich, darauf zu warten, ihn zu sehen», sagte er der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap.
Der Südkoreaner Koh Jeong Sam sagte, die Enttäuschung seiner 95-jährigen Mutter sei nicht in Worte zu fassen. Sie habe viele Geschenke für ihre Schwestern im Norden besorgt. Auf den offiziellen Listen für die Treffen standen jeweils etwa hundert Süd- und Nordkoreaner.
Auf die Wiederaufnahme der Zusammenführungen hatten sich Nordkorea und Südkorea Ende August geeinigt. Die Familien sollten sich zwischen dem 25. und dem 30. September im Feriengebiet Kumgang in Nordkorea treffen. Das Programm aus dem Jahr 2000, in dessen Rahmen bislang tausende Menschen kurzzeitig ihre Verwandten besuchen konnten, sollte nach dreijähriger Pause wieder aufgenommen werden.
Derzeit stehen etwa 72'000 Südkoreaner auf einer offiziellen Warteliste und hoffen, ihre Familienmitglieder im Norden besuchen zu dürfen. Die Hälfte von ihnen ist bereits über 80 Jahre alt.
Zuletzt hatte es im Jahr 2010 Familienzusammenführungen gegeben, die stets sehr emotional ablaufen. Unter Aufsicht des Roten Kreuzes trafen sich Verwandte, die seit dem Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 auf verschiedenen Seiten der innerkoreanischen Grenze lebten.
Taktisches Manöver
Professor Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien sieht in der Absage aus Pjöngjang ein Druckmittel, um den Süden zur Wiederaufnahme von Touren nach Kumgang zu bewegen.
Seoul hatte die Touren in die bergige Region, eine wichtige Einnahmequelle für den Norden, im Jahr 2008 gestoppt. Damals hatte ein nordkoreanischer Soldat einen südkoreanischen Touristen erschossen, der sich in ein abgesperrtes Gebiet verirrt hatte. Seoul fordert eine offizielle Entschuldigung für den Vorfall.
Die beiden koreanischen Staaten waren durch den Koreakrieg getrennt worden. Sie befinden sich de facto noch immer im Kriegszustand. Zuletzt gab es aber wieder Anzeichen für eine Annäherung. So wurde vor knapp einer Woche die gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong nach mehreren Monaten wieder geöffnet.