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wird am liebsten gesehen, weil sich unter ihr gewöhnlich die reinste Masse findet. Die Beurteilung roher Steine ist, weil eben nicht alles klar vorliegt, eine schwierige, große Übung erfordernde Sache. Es kommt außer dem Grade der Reinheit auch die Form eines rohen Steines sehr in Betracht, die manchmal so unvorteilhaft ist, daß, um eine gefällige Schnittform herauszubringen, ungewöhnlich viel Abfall weggeschlagen werden muß. Die meisten Steine verlieren gewöhnlich durch die Bearbeitung schon ⅓-½ ihrer Masse.
Manche vorher farblos erscheinende Stücke zeigen nach dem Schleifen dennoch eine gelbliche, ihren Wert vermindernde Färbung. Bedeutend entwertet werden sie natürlich durch Unreinheiten aller Art, für deren nähere Bezeichnung die Juweliere eine ganze Reihe von Ausdrücken haben; die Fehler sind Federn, Sprisselchen, schwarze und braune Flecke, matte weiße Tupfen und regenartige Streifen. Man unterscheidet hinsichtlich der Reinheit drei Klassen:
1) Diamanten vom reinsten Wasser, vollkommen klar, farb- und fehlerlos; sie sind in der Regel die kleinsten;
2) vom zweiten Wasser, klar aber mit kleinen Fehlern;
3) vom dritten Wasser, mit größern Fehlern oder irgendwie gefärbt. Steine von ungewöhnlicher Größe und Schönheit heißen Solitairs, Paragons oder Nonpareils. Die Preise der D. richten sich natürlich nach der Größe, Form, Reinheit und sind daher höchst verschieden. - Das kunstgerechte Schleifen der Diamanten datiert erst seit dem Jahre 1460. Durch die Herstellung regelmäßiger Kristallflächen wird das am D. Geschätzte, Klarheit, Glanz und Farbenspiel, erst so völlig zum Vorschein gebracht, wie es früher, wo man sich mit dem Polieren der natürlichen Flächen begnügte, nicht der Fall sein konnte.
Dafür schrieb man aber im Altertum dem Stein geheime Wunderkräfte zu und schätzte ihn dieserhalb. Das Schleifen der rohen D. wird fast ausschließlich in Amsterdam und in Antwerpen ausgeführt, welcher Ort nebst Paris und London auch der eigentliche Sitz des Diamantenhandels ist; neuerdings schleift man auch in Hanau und Hamburg D. Es wiegt aber diese Edelsteinart gegen alle übrigen Artikel des Juwelenfaches so eminent vor, daß auf sie volle 9/10 des überhaupt hierin umlaufenden Kapitals fallen.
Der ganze Juwelenhandel befindet sich seit jeher fast ausschließlich in den Händen der Juden; auch sämtliche Arbeiter der holländischen Schleifereien gehören dieser Nation an. In Amsterdam, wo mehre hundert Schleifmühlen thätig sind, befinden sich außer einem großen Kompaniegeschäft mit etwa 1000 Arbeitern noch mehre ansehnliche Privatschleifereien. Das Bearbeiten der Steine ist ein Geschäft, das so viel Aufmerksamkeit und Ausdauer wie kaum ein andres erfordert.
Dem eigentlichen Schleifen geht nach Umständen das Klieven und Beschneiden vorher. Das erstere besteht eben in dem Abspalten größerer Stücke mit Hammer und feinen Meiseln nach vorher mit D. gemachter Vorzeichnung und ist der schwierigste Teil der Steinbearbeitung. Der Stein liegt dabei in einer Kittlage fest. Das Beschneiden ist ein Abreiben zweier Steine aus freier Hand, sodaß sie sich gegenseitig schleifen. Sie sind hierbei in eine Fassung (den Kittstock) eingesetzt und zwar so, daß die zu entfernenden Teile über die Oberfläche herausstehen.
Das Schleifen selbst geschieht auf einfachen Maschinen, an welchen kupferne Scheiben, die mit Öl und Diamantstaub bestrichen sind, rasch umlaufen. Die Steine befinden sich dabei wieder in einem Halter befestigt, und müssen natürlich, sowie eine Fläche angeschliffen und zu einer folgenden überzugehen ist, entsprechend umgelegt werden. Welche Kleinarbeit dies Schleifen unter Umständen sein kann, geht schon daraus hervor, daß es Rosettensteinchen gibt, deren 1000 auf 1 Karat gehen und deren jedes seine 16 Facetten enthält.
Die gangbaren Formen des Schliffes für den D. sind die Brillant- und die Rosettenform. Die erstere Form, welche das Licht- und Farbenspiel des D. am vollkommensten entwickelt, ist eine niedere beiderseits abgestumpfte Doppelpyramide, enthält also jederseits ein Mittelfeld, umgeben von 2 resp. 3 Reihen 3-, 4-, 5eckiger Facetten, wie sie die speziellere Anordnung ergibt. Hat ein Stein nicht die für ein Brillanten erforderliche Dicke, so gibt er vielleicht einen Halbbrillanten, dem also die untere Hälfte fehlt. Die Rosettenform (Rautenstein) wird angewandt, wenn die Brillantform einen zu großen Materialverlust mit sich bringen würde. Sie besteht aus einer einfachen Pyramide mit runder oder ovaler flacher Basis. Die Spitze bilden eine Anzahl dreieckiger Facetten; andere Felder in verschiedener Anordnung bilden den Sockel hierzu. - Falsche Diamanten. Es gibt keinen andern Stein, der nicht unter D. gemengt von Kennern sofort durch eine einfache Härteprobe herausgefunden würde. Es gibt also im Handel mit Rohsteinen wohl Gutes und Geringes, aber nichts eigentlich Falsches.
Was die Industrie an nachgeahmten Brillanten herstellt, kann den Kenner ebenso wenig täuschen, wird auch im öffentlichen Handelsverkehr nie für echt ausgegeben. Früher wurde solcher unechte Schmuck durch Schleifen sehr reinen Bergkristalls hergestellt, jetzt viel effektvoller und dem echten Stein an Glanz und Farbenspiel wirklich, wenigstens bei Lampenlicht nahekommend aus Glasfluß, in dem das Bleioxyd seine Rolle spielt und die starke Lichtbrechung bewirkt. Solche Bleigläser sind immer sehr weich und hierin dem echten Stein so unähnlich wie nur möglich. - Rohe D. sind zollfrei, bearbeitete s. Tarif im Anh. Nr. 33 c und gefaßte Nr. 20 a; Glaserdiamanten mit Stielen Nr. 33 c.