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Die schlimmsten Fehlprognosen stammen oft von den klügsten Köpfen. Doch manches berühmte Zitat wurde (so) gar nie gesagt. Fünf Beispiele.
Der Journalist Matt Novak hat ein spezielles Hobby. Er entlarvt berühmte Zitate und Fotos als Fälschungen, die tausendfach im Netz verbreitet werden. Beispielsweise immer wieder gehörte Zitate von Einstein, Gandi oder Churchill, welche die Herren allerdings nie gesagt haben.
Im Internet besonders gern zitiert werden angebliche Fehlprognosen von Tech-Grössen wie Bill Gates. So soll der Microsoft-Gründer 1981 gesagt haben:
Das Computer-Genie, das sich kolossal irrte. In der IT-Szene wird das Zitat seit über 30 Jahren herumgereicht – und immer wieder nehmen es Medien auf. Als Beweis quasi, dass selbst der reichste Mensch der Welt bei seinen Prognosen fürchterlich daneben lag. Dumm nur, dass das Zitat wahrscheinlich nicht stimmt.
2006 versuchte Fred Shapiro, der Verfasser des «Yale Book of Quotations» die oft zitierte Fehlprognose zu Bill Gates zurückzuverfolgen – ohne Erfolg. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, wo das angebliche Zitat erstmals aufgetaucht ist.
Gates selbst dementierte 1997, den Satz je gesagt zu haben: «Ich habe einige dumme und einige falsche Dinge gesagt, aber nicht das», schrieb er damals. «Niemand in der Computer-Industrie würde je sagen, dass eine bestimmte Menge Arbeitsspeicher für alle Zeiten reichen würde.»
Laut der Webseite Quoteinvestigator ist ein ähnliches Zitat bereits im Januar 1990 im Magazin «InfoWorld» aufgetaucht. In einem Artikel über die Geschichte der PC-Industrie ist der folgende Satz zu finden: «IBM introduces the PC and, with Microsoft, releases DOS (‹640K ought to be enough for anyone› — Bill Gates).» Daraus könnte man schliessen, dass Gates das noch heute verbreitete Zitat tatsächlich gesagt hat.
Allerdings schrieb das gleiche Magazin schon 1985 in einem Vorwort der April-Ausgabe: «When we set the upper limit of PC-DOS at 640K, we thought nobody would ever need that much memory.» Liest man diesen ganzen Satz, ergibt sich in der Bedeutung ein kleiner, aber feiner Unterschied zum Zitat, das heute immer wieder herumgereicht wird.
Die Aussage wurde also wohl nachträglich abgewandelt und Gates in den Mund gelegt. Denn im älteren Artikel von 1985 steht der Satz noch nicht in Anführungszeichen und wird weder direkt noch indirekt Gates zugeschrieben. Erst fünf Jahre später setzte «InfoWorld» die Aussage in gekürzter Form in Anführungszeichen und den Namen Bill Gates dahinter.
Obwohl das Zitat (in der heutigen Form) also nicht stimmen dürfte, wird es garantiert auch in den nächsten Jahren weiter verbreitet. Genau wie die folgenden Zitate:
Zu gut, um wahr zu sein: Ausgerechnet der Beauftragte des US-Patentamts soll anno 1899 gesagt haben, dass bereits alle Erfindungen erfunden worden seien.
Obwohl gefühlt jede zweite Powerpoint-Präsentation mit diesem berühmten Zitat beginnt, gibt es ein kleines Problem damit: Es ist ein Fake. Kein Wort stimmt. Zumindest gibt es bis heute keinen Beweis dafür, dass Charles H. Duell diesen Unfug je über seine Lippen brachte. Der Bibliothekar Samuel Sass konnte das Zitat bis ins Jahr 1981 zurückverfolgen, wo es erstmals im Buch «The Book of Facts and Fallacies» auftaucht.
Dies konnte nicht verhindern, dass über 100 Jahre nach der vermeintlich legendären Fehlprognosen das Zitat immer wieder weiterverbreitet wird. Es klingt eben wirklich zu gut, um wahr zu sein. Und genau das ist auch beim nächsten Zitat das Problem:
Menschen lieben es, Albert Einstein Worte in den Mund zu legen. Was das Jahrhundert-Genie gesagt hat, muss schliesslich klug sein.
Das Problem, wir ahnen es: Einstein hat nie so etwas gesagt, wie ein Blick auf die Webseite Quote Investigator deutlich macht. Das Zitat stammt ursprünglich aus dem Film «Powder» von 1995. Genau genommen handelt es sich um eine abgewandelte Version eines frei erfundenen Einstein-Zitats aus besagtem Film.
Anders gesagt: Menschen im 21. Jahrhundert beklagen sich darüber, dass die neuen Technologien die menschliche Interaktion abgelöst haben, indem sie ein Fake-Einstein-Quote aus einem 90er-Jahre-Film über ein fiktionales Genie mit übersinnlichen Fähigkeiten falsch zitieren. Klingt vernünftig!
Dieses zigfach im Internet zu findende Zitat wird oft Thomas Watson zugeschrieben, dem ehemaligen Chef von IBM – allerdings gibt es keine Belege für das Zitat. Laut eines «Spiegel»-Artikels von 1965 wollte Watson zunächst von den neuen Geräten nichts wissen: «Als in den frühen 50er Jahren die ersten Rechenungetüme für kommerzielle Nutzung auftauchten, die mit ihren Tausenden von Röhren ganze Zimmerfluchten füllten und unerträgliche Hitze entwickelten, schätzte Watson den Bedarf der US-Wirtschaft auf höchstens fünf Stück.»
Ob das Zitat stimmt, bleibt wohl für immer im Dunkeln. Höchstwahrscheinlich stimmt es nicht, denn bis heute konnte es nie direkt mit Watson in Verbindung gebracht werden. Erstmals aufgetaucht ist es Mitte der 80er-Jahre in einem Diskussionsforum des Usenets – ein Vorläufer des World Wide Web.
Fest steht heute nur, dass IBM dem Personal Computer (PC) Jahre später zum Durchbruch verhalf.
In den 80er-Jahren war die Digital Equipment Corporation (DEC) hinter IBM der zweitgrösste Computer-Hersteller. DEC-Gründer Ken Olsons Aussage aus dem Jahr 1977 wird wohl fälschlicherweise immer wieder als Paradebeispiel für Fehleinschätzungen der Tech-Geschichte genannt. «Tatsächlich besass er zu Hause selber Computer und bezog sich mit dem Begriff ‹Computer› auf Zentralrechner, die den Haushalt führen», ist in seinem Wikipedia-Eintrag nachzulesen.
Der inzwischen verstorbene Olson versuchte das Missverständnis mehrmals zu erklären, sein vermeintlich kolossaler Irrtum klingt aber so gut, dass auch dieses Zitat wohl nie mehr aus dem Internet zu tilgen ist.
Abschliessend kommen wir nochmals zu Bill Gates. Das folgende Zitat ist zwar keine Prognose, es geistert aber ebenfalls seit Jahren im Netz herum. Angeblich soll Gates einst gesagt haben:
So eine Aussage muss doch von einem berühmten Tech-Boss wie Gates, Jobs oder Zuckerberg stammen, oder?
Computer-Nerd Gates hat mit seiner Firma Microsoft den grössten Software-Konzern der Welt aufgebaut, der heute über 100'000 Mitarbeiter beschäftigt. Kein Wunder also, wird ihm das Zitat bis heute immer wieder in den Mund gelegt. Die Legende besagt, er habe den Ratschlag «nett zu Nerds zu sein» den Schülern einer kalifornischen Schule während seiner Abschlussrede auf den Weg gegeben.
Tatsächlich aber stammt es aus dem Buch «Dumbing Down Our Kids» aus dem Jahr 1996 von Charles J. Sykes. Im Buch listet der Autor goldene Verhaltensregeln auf, die laut ihm in der Schule nicht gelernt würden. In der Vor-Facebook-Zeit verbreitete sich die Liste wie ein Kettenbrief per E-Mail, weshalb das Zitat insbesondere in den USA vielen Menschen geläufig ist.