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21. Juni 1948 – 12. Oktober 2023
Ruedi wurde als Karl Rudolf Imlig am 21. Juni 1948 in der Stadt Basel geboren – am längsten Tag, wie er immer sagte. Seine Eltern Rosly und Karl Imlig waren 1947 nach Basel gezogen, um dort eine Molkerei zu führen. In Basel verbrachte Ruedi seine ersten Lebensjahre, und ein Erlebnis zeigte bereits seine lebenslange Leidenschaft für Süsses: Als Kleinkind lief er seiner Mutter in der Stadt davon und wurde vor dem Schaufenster einer Bäckerei gefunden, wo er um Süsses bettelte.
1950 zog die Familie zurück nach Goldau, wo Ruedis Vater Karl die Käserei von seinem Vater übernahm. Ab November des gleichen Jahres leistete Ruedi ein kleiner Bruder Gesellschaft.
Die beiden Buben verbrachten eine schöne Kindheit und so manch ein Abenteuer miteinander. Rauchen im nahe gelegenen Wald, bei dem der Grossvater die Buben überraschte, und ein Pinkelwettbewerb vorm Hintereingang des Elternhauses, der von den Klosterfrauen im Alten Schulhaus beobachtet und sogleich im elterlichen Laden gemeldet wurden, sind zwei Erlebnisse, von denen er uns erzählte.
Die Schule besuchte Ruedi in Goldau und später in Arth. Dabei neckten die Goldauer Buben gerne die Arther Mädchen mit Hagräffli, die sie auf dem Schulweg auf die Mädchenbeine spickten. So verliefen die ersten Zusammentreffen zwischen Ruedi und Margrit wohl eher unromantisch.
Nach der Schule wurde Ruedi auf Verlangen des Vaters nach Freiburg geschickt, wo er Französisch lernen sollte. Als Milchmann hatte er die Aufgabe, Milch an Kunden auszuliefern. Auch ein Mädcheninternat war auf der Liste, und so ergab es sich, dass er bei seinen Besuchen regelmässig Briefe an den Klosterfrauen vorbeischmuggelte, die den Briefverkehr ihrer Schützlinge streng kontrollierten. Ruedi war in dieser Zeit auch oft in der Garage von Rennlegende Jo Siffert zu Gast. Vermutlich begründete sich hier die Freude am schnellen Autofahren, welche seiner Mutter viele schlaflose Nächte bereitete. Trotz dieser schönen Erlebnisse wurde Ruedi im Welschland von grossem Heimweh geplagt und war froh, als er endlich wieder heimkehren durfte.
Der Familientradition folgend, ergriff Ruedi den Beruf des Käsers. Die Lehrjahre verbrachte er unter anderem in Hünenberg und Schenkon. Nach der Lehre verlangte sein Vater die Rückkehr in den elterlichen Betrieb. Dies führte dazu, dass Ruedi auch Milch ans Restaurant Bauernhof ausliefern musste. Dort in der Küche arbeitete ein Mädchen mit schönen Beinen, welches er bald ins Kino Arth ausführte. 1970 läuteten dann die Hochzeitsglocken. Mit seiner Margrit machte Ruedi Reisen nach Österreich, Jugoslawien, England und Italien, wo die beiden mehrere Formel-1-Rennen besuchten.
1971 war die Geburt des ersten Sohnes Roland, und bereits im März 1972 folgte Andreas. 1981 machte Tochter Sarah die Familie komplett.
Ende der 70er-Jahre liebäugelte Ruedi damit, ein Pony zu kaufen. Diesem Unterfangen stellte sich sein Vater Karl aber entgegen, obwohl er selbst der Kavallerie angehört hatte. Er vertrat die Meinung, dass kein Pferd mehr unter sein Dach kommen sollte. Als Karl auf Reisen war, nutzte Ruedi die Gelegenheit, um das ersehnte Pferdchen zu kaufen. Damit begann seine Leidenschaft für das Kutschenfahren. Unzähligen Hochzeitspaaren und Jubilaren bereitete er damit einen unvergesslichen Ehrentag. Bei seinen täglichen Kutschenfahrten durch Goldau und die umliegenden Orte waren die Pferdeglöckchen schon von Weitem zu hören, und so kam es häufig zu spontanen Mitfahrern, über die sich Ruedi immer freute. Das Hobby brachte ihm viele langjährige Freundschaften, und wenn im Kavallerieverein Schwyz Arbeit anfiel, war Ruedi stets zur Stelle.
1983, nach dem Unfalltod seines Vaters Karl, übernahm Ruedi die Käserei, die Schweinemästerei und den Lebensmittelladen. Damit standen ihm harte Geschäftsjahre bevor, die er mühsam meisterte. Die Milchtour bis nach Arth und der Winterdienst, den er viele Jahre lang übernahm, bereiteten ihm aber stets Freude.
Ab 1989 war Ruedi auch politisch aktiv. Acht Jahre war er OAK-Rat und von 1997 bis 2016 Mitglied des Bezirksrats. Diese Aufgaben erfüllten ihn mit Stolz, und er schätzte die Kameradschaften, die er bei der Ausübung dieser Ämter geknüpft hatte.
1994 musste Ruedi aus wirtschaftlichen Gründen seine Käserei verkaufen. Die Schweinemästerei führte er noch bis 2013 weiter.
Früh wurde Ruedi zum ersten Mal Grossvater – er war ein Grossdädi, mit dem man viel unternehmen konnte und bei dem es nie langweilig war. Die fünf Grosskinder waren sein Stolz, und er nahm sie gerne mit, um am Stammtisch zu referieren, Kutsche zu fahren oder mit dem Jeep seine vielen Kollegen und Freunde zu besuchen. Er war oft der Retter in der Not, wenn es galt, unverhofft jemanden von A nach B zu fahren, weil der Bus oder Zug bereits verpasst war.
Nach Aufgabe des Pferdehobbys war Ruedi bei jedem Wetter mit seiner Margrit und dem Hund im Dorf unterwegs. Er genoss die neue Freiheit, die auch wieder Reisen und den Besuch seiner Freunde im Ferienhaus in Italien zuliess. In der Dorfgarage fand er eine neue Aufgabe als stets pünktlicher Znüni-Kurier, Teile-Abholer oder Auto-Vorführer. Familie und Bekannten nahm er mit seinen Entsorgungstouren viel Arbeit ab.
Immer einen Scherz auf der Zunge, immer zu einem Schwatz bereit und stets interessiert am Geschehen rund um ihn herum – so lebendig, mit Schalk in den Augen, bleibt er in unserer Erinnerung.
Papi, wir wünschen dir eine gute Reise. Du hattest es oft nicht leicht, gingst aber immer mit ganz viel Leichtigkeit durchs Leben. Du fehlst uns so sehr!
Publiziert im «Bote der Urschweiz», 9. November 2023