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Irren ist menschlich, das wussten schon die alten Römer. Die schlimmsten Fehlprognosen stammen oft von den klügsten Köpfen – und das sind die besten Zitate der gescheiterten Orakel.
Auch grosse Strategen scheitern bisweilen kläglich bei der Einordnung technischer Innovationen. Als angeblicher Beweis dafür wird Napoleon Bonaparte bis heute das folgende Zitat in den Mund gelegt.
Dass sich Napoleon für damals neue Technologien wie U-Boote oder Dampfschiffe interessierte, die ihm insbesondere gegenüber England einen militärischen Vorteil verschafft hätten, ist plausibel. Beliebt ist das Zitat, weil es angeblich zeigen soll, dass Napoleon England hätte erobern können, wenn er nicht die Bedeutung des Dampfschiffes für die Kriegsführung verkannt hätte.
So entstand das bis heute überlieferte Zitat vermutlich wirklich: Der US-amerikanische Ingenieur Robert Fulton (1765 – 1815) baute die ersten brauchbaren Dampfschiffe und das U-Boot Nautilus, welches die Aufmerksamkeit Napoleons erlangte. Fulton lebte unter anderem in England und Frankreich. In Paris hat er auf der Seine eines der ersten Dampfschiffe getestet, das kaum schneller als ein Fussgänger war. Um 1803 herum soll er Napoleon Bonaparte um Unterstützung beim Bau seines Dampfschiffs gebeten haben. Napoleons Antwort war angeblich das oben stehende Zitat.
Der Legende nach zog Fulton frustriert von dannen und tüftelte von da an in seiner Heimat weiter an einem kriegstauglichen Dampfschiff.
Ob das Zitat echt ist, lässt sich kaum mehr eruieren. Fakt ist, dass Fulton 1814 in New York das erste dampfbetriebene Kriegsschiff namens Demologos vorstellte. Fulton starb 1815, im gleichen Jahr als Napoleon endgültig besiegt und in die Verbannung nach St.Helena geschickt wurde.
1878 fand die Weltausstellung in Paris statt. 52'835 Aussteller aus 36 Ländern nahmen teil und 16 Millionen Menschen besuchten die Länderpavillons. Die spektakulärste Neuheit war zweifellos elektrisches Licht, beziehungsweise Glühlampen. Doch längst nicht alle glaubten an die elektrische Zukunft, wie das oben stehende Zitat von Sir Erasmus Wilson zeigt.
Wilson war seiner Lebzeiten ein bekannter Arzt in England, der sich für die medizinische Versorgung der ärmeren Bevölkerungsschichten einsetzte. 1881 wurde er für seine Verdienste zum Ritter geschlagen.
William Thomson, besser bekannt als Lord Kelvin, war ein irischer Physiker und Präsident der Royal Society. Ihm wird nachgesagt, er habe Flugzeuge für unmöglich gehalten.
Was steckt wirklich dahinter? Der Flugpionier Otto Lilienthal (1848 – 1896) führte bereits seit 1891 erfolgreich Gleitflüge durch. Kelvin wusste also vermutlich sehr wohl, dass Fluggeräte, die schwerer als Luft sind, fliegen können. Seine Aussage bezog sich höchstwahrscheinlich nicht auf Ballone oder Gleitflugzeuge. Er zweifelte aber daran, dass sich Flugmaschinen mit Motoren so präzise steuern lassen, dass sie für Menschen einen Nutzen haben.
Als gesichert gilt, dass der Physiker am Nutzen der Luftfahrt generell zweifelte: 1902 sagte er in einem Zeitungsinterview: «Kein Ballon oder Flugzeug wird jemals einen praktischen Nutzen haben.» Im gleichen Interview meinte er, dass er es für unmöglich halte, dass ein Luftgefährt über den Atlantik gesteuert werden könne.
Die erste Nonstop-Atlantiküberquerung mit einem Flugzeug von Amerika nach Europa gelang einige Jahre später, am 14. Juni 1919.
Der junge Charlie Chaplin (1889 – 1977) soll einst gesagt haben:
Charlie Chaplin zählt zweifellos zu den einflussreichsten Komikern der Geschichte. Bevor er zum Filmstar avancierte, machte er als Bühnenstar Karriere. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Lichtspielhäuser eröffneten, dürfte der Theaterstar das neue Medium durchaus skeptisch verfolgt haben.
Für das oben stehende Zitat gibt es allerdings keine gesicherte Quelle. Fest seht nur, dass Chaplin auch gegenüber den ab 1929 aufkommenden Tonfilmen zunächst skeptisch eingestellt war. Erst 1940 drehte er mit «Der grosse Diktator» seinen ersten Tonfilm.
Albert Einstein war ein Jahrhundert-Genie, aber auch ein Genie kann sich irren. Die oben stehende Prognose des Physikers stammt aus einem Artikel in der «Pittsburgh Post-Gazette» vom 29. Dezember 1934.
Nur wenige Jahre später, am 2. Dezember 1942 um 15:25 Uhr, gelang dem italienischen Physiker Enrico Fermi an der University of Chicago erstmals eine Kernspaltungs-Kettenreaktion, bei der Energie freigesetzt wurde.
Fermi half später Robert Oppenheimer bei der Konstruktion der ersten Atombombe.
Aus der Ära der Atom-Euphorie folgt das nächste Müsterchen:
Jede Hausfrau und jeder Hausmann saugt bald mit dem eigenen atomar angetriebenen Staubsauger in den eigenen vier Wänden, prophezeite Alex Lewyt, der selbst einen Vakuum-Staubsauger erfunden hatte, 1955 in der «New York Times». Seine gleichnamige Staubsauger-Firma ging laut NZZ 1962 pleite.
T.A.M. Craven war an der Entwicklung der Funktechnologie beteiligt und wurde später zwei Mal in die Federal Communications Commission der USA berufen.
T.A.M. Cravens aus heutiger Sicht kuriose Fehlprognose geht laut «Forbes»-Magazin auf das Jahr 1961 zurück. Als die Sowjets wenige Jahr zuvor, am 4. Oktober 1957 den ersten Satelliten Sputnik 1 ins All schossen, waren Satelliten plötzlich in aller Munde. Während des Kalten Kriegs standen militärische Funktionen im Fokus. Tatsächlich sollte es bis in die 80er-Jahre dauern, bis das Satellitenfernsehen in Europa Realität wurde.
Anfang der 60er versuchte Brian Epstein für seine Pilzköpfe einen Plattenvertrag zu ergattern. Am 1. Januar 1962 durften die Beatles bei Decca Records in London vorspielen. Wochen später sagte das Label der bis heute kommerziell erfolgreichsten Band der Musikgeschichte ab. Die Absage wurde laut Beatles-Manager Epstein damit begründet, dass sie die Musik schlicht nicht mochten und Gitarrenmusik aus der Mode kommen würde.
Die Beatles haben danach mehr als 600 Millionen Tonträger verkauft. Der jungen Band einen Korb zu geben, gilt daher bis heute als einer der grössten Fehler in der Musikgeschichte.
Selbst ein derart renommierter Wirtschaftsexperte, Berater mehrerer US-Präsidenten (u.a. Bill Clinton) und Nobelpreisträger, konnte die zentralen Einflüsse seiner Zeit nicht richtig deuten. 1998 war das Internet alles andere als neu, umso mehr erstaunt es, dass Krugman seine Bedeutung allen Ernstes mit dem des Faxgerätes verglich. Wenn US-Präsidenten so beraten werden, wundert uns auch nichts mehr ...
Am Weltwirtschaftsforum 2004 lehnte sich Microsoft-Mitgründer Bill Gates weit aus dem Fenster, als er sagte, dass das Spam-Problem in zwei Jahren gelöst sein werde. Je nach Schätzung macht Spam jährlich mehr als 90 Prozent des gesamten E-Mail-Volumens aus.
Zwar war seine Prognose richtig, dass Spamfilter uns davor bewahren, in Werbung zu ersticken, aber Billionen Spam-Mails verursachen nach wie vor jährliche Kosten in Milliardenhöhe: Gewaltige Energiekosten durch den Datenverkehr, Arbeitszeit zum Sichten und Löschen des Spams und nicht zuletzt Schäden durch Viren und Erpressungs-Trojaner, die ebenfalls per Mail verbreitet werden.