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Die Primarschule endet, was nun? Ein neues Projekt ab 2018?
Mit der Primarschule endet für 80% die Ausbildung
Ein Treffen von gut 100 Ehemaligen unsrer Primarschule im Juni 2016 hat gezeigt, dass 80% von ihnen keine weitere Ausbildung machen konnten. Ihren Eltern fehlt das Geld, um sie in die Sekundarschule zu schicken. Diese dauert 6 Jahre, ist sehr theoretisch ausgerichtet und bereitet die Schüler vor allem vor auf die Universitäten. Lehren wie in der Schweiz gibt es im Kongo kaum, und wenn dauern sie nur wenige Monate
.
Modellversuch: 2 jährige Weiterbildung
Mit unsren Leuten vor Ort haben wir lange überlegt, wie wir einigen der Ehemaligen eine Chance geben können. Wir kamen überein, einen Versuch zu wagen mit einer Ausbildung ausserhalb des kongolesischen Bildungssystems: 10-15 Jugendliche ab 16 Jahren lernen ein Jahr lang „für das Leben“ (z.B. angewandtes Rechnen, einfache Buchhaltung, Briefe schreiben, ein Projekt entwickeln). Sie werden auch von erfahrenen Handwerkern ausgebildet und lernen mit unsern Agronomen im Schulgarten. Im ersten Jahr wollen wir sie so weit bringen, dass die im zweiten Jahr mit Coaching ein kleines „Geschäft“ aufbauen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Wir haben während unsres Aufenthaltes ein ähnliches Projekt besuchen können und haben Augustin, der dieses Projekt aufgegleist hat, als Mitarbeiter gewinnen können.
Dieses Projekt können wir nur anpacken, weil Kiwanis Weinfelden uns Starthilfe leistet und und den Erlös ihrer Oldtimer Rallye vom 8.Juli 2017 zur Verfügung stellt. Herzlichen Dank!
2017 Januar / Februar: Zu Besuch in der Primarschule Milondola
Der Besuch unsrer Primarschule Milondola ist jedes Mal eine Freude, so war es auch bei zwei Besuchen während der Planungsreise vom Hansjörg und Peter Staub im Januar/Februar 2017. Seit 2009 gehen dort jedes Jahr über 250 Mädchen und Buben in 6 Klassen zur Schule.
Das LehrerInnenteam ist sehr konstant, nur eine Lehrerin zog nach der Heirat in die Stadt und musste ersetzt werden. Die Schule wird seit Beginn geleitet von Nabintu Lufungulo, die von den Unterrichtenden als „unsre Mama“ bezeichnet wird.
Weiterbildung trägt Früchte
Der Besuch zeigte, dass die Weiterbildung an der „Ecole les Gazelles“ in Kinshasa, die drei unsrer LehrerInnen in den Sommerferien 2016 besuchen konnten, erfolgreich war. An den Wandtafeln sehen wir viele Zeichnungen und grössere Schriften, so dass alle Kinder gut lesen können, die LehrerInnen unterrichten jetzt auch weniger im Befehlston. Die drei sind vom Kurs so begeistert, dass wir diesen Sommer wieder zwei Lehrpersonen nach Kinshasa schicken werden. Sie haben die Chance nicht nur einen zweiwöchigen Kurs bei "Les Gazelles" besuchen, sie können dort auch ein 6 wöchiges Praktikum machen.
Die Schulanlage braucht Unterhalt
Die Schulanlage und auch das Mobiliar zeigen nach 8 Jahren Verschleisserscheinungen: Hocker und Bänke müssen repariert oder ersetzt, die Waschanlagen im unteren Schulgebäude müssen erneuert werden. Dann haben wir mit dem Team auch besprochen, wie Böden und Wände in den Schulzimmern sauber gehalten werden können. Nicht einfach, wenn man weiss, dass es in Ikoma fast täglich regnet und kein Weg gekiest, geschweige denn asphaltiert ist. Wir wollen vorerst in zwei Schulzimmern Lösungen probieren: In den Sommerferien werden wir in einem Zimmer die Wände bis auf Fensterhöhe verputzten und streichn. Im Schulzimmer der Erstklässler, die im September beginnen, wollen wir die Wände mit Stoff (sogenannten Pagnes) verkleiden, und jedes Kind erhält Plastiksandalen (sogenannte Babouches), die sie im Schulzimmer tragen werden.
2017: Der Schulgarten floriert. Wo sind all Ziegen? Der neue Agronom
Der Schulgarten zeigte beim Besuch im Februar 17 ein neues Gesicht. Seit Fiston Maheshe die Koordination übernommen hat, sind alle Felder bepflanzt mit Bohnen, Mais, Maniok, Auberginen. Es gibt eine kleine Baumschule, wo Bäumchen wachsen, die später verpflanzt werden, um Erosion am Steilhang zu verhindern; Orangenbäumchen werden vielleicht schon nächstes Jahr Früchte tragen.
Die wundersame Ziegenentmehrung
Damit die Kinder auch lernen können, wie sie Tiere halten können, gibt es in unserm Projekt, Meerschweinchen, Kaninchen, Hühner, ein Schaf und Ziegen. Die Ziegen sind allerdings unsre Sorgentiere. Warum? Sie scheinen sich zu ent- statt zu vermehren. Wir haben vor vier Jahren 30 Ziegen gekauft, die letzten zwei Jahre ist die Herde etwa gleich gross geblieben, dieses Jahr ist sie sogar kleiner geworden. Unsre Leute vor Ort bringen wenig überzeugende Antworten. Auch hier haben wir reagiert.
Augustin, unser neuer Agronom
2015 gaben wir einem jungen Agronomen die Chance nach dem Studium den Eintritt ins Erwerbsleben zu schaffen. Trotz intensivem Coaching war er von der Aufgabe überfordert. Wir haben ihn darum beim Besuch 2017 ersetzt durch Augustin Basimane. Augustin betreibt, selber Landwirtschaft, hat erfolgreich ein Berufsbildungs-Projekt durchgeführt und arbeitet seit Jahren als Korrespondent für Radio Maendeleo.
Patenschaften für Ausbildung
Unsre Idee ganz am Anfang war es, Mädchen zu Schulausbildung zu verhelfen. Wir sahen aber bald ein, dass wir mit unsern beschränkten Mitteln mehr erreichen, wenn wir eine Schule bauen. Noch immer unterstützen wir aber auch Kinder und junge Erwachsene in der Ausbildung.
Auch der Bruder von Nsimire kann wieder zur Schule
Nsimire war etwa 5 Jahre alt, als Sosthène Birali, Journalist und gute Seele unserer Partnerorganisation Milondola, sie auf der Strasse fand. Wir brachten sie zurück zu ihren Eltern. Seither unterstützen wir die Familie. 2015 konnte sie dank unsrer Hilfe ein kleines Haus beziehen. Seit Februar gehen nicht nur Nsimire und ihre Schwester Nabintu zur Schule, das Geld eines neuen Gönners reicht aus, dass auch ihr älterer Bruder nach drei Jahren wieder zur Schule gehen kann. Er steigt mit 13 Jahren wieder in der dritten Klasse ein. Grosse Altersunterschiede sind in kongolesischen Schulklassen ganz normal. Kinder können nur zur Schule, wenn die Eltern das Schulgeld aufbringen können. Und bei acht und mehr Kindern reicht das Geld oft nur für einen Teil der Kinder und/oder nicht für das ganze Jahr.
John kann sein Informatik-Studium fortsetzen
Beim Besuch im Februar erfuhren wir, dass John, der Sohn der Direktorin, sein Studium abbrechen musste, weil das Schulgeld von 500 USD fehlte. Die Direktorin macht seit Beginn einen sehr guten Job, das Lehrerteam bezeichnet sie als "notre maman". Sie hat uns bisher noch nie um Geld oder einen Fotoapparat angegangen - ganz im Gegensatz zu vielen andern - obwohl sie ihre Familie als Witwe seit langem alleine durchbringt. Als wir also von ihrem Sohn hörten, war klar, dass wir auch ihren Sohn unterstützen. Die gleiche Chance hatten auch Kinder anderer unserer Mitarbeiter.
Gracia studiert im dritten Jahr
Gracia und ihre Familie wollten wir davon überzeugen, dass sie an einer Fach-Hochschule studiert, weil das Studium nur drei Jahre dauert und die Jobchancen besser sind. Der Vater meinte, die Tochter gehöre an eine Uni. Wir vereinbarten, dass wir ihr drei Jahre lang Schulgeld zahlen.
Gisèle hat ihr Studium 2015 abgeschlossen
Sie konnte dank des Vereins ein dreijähriges Studium für nachhaltiger Entwicklung am ISDR, Bukavu absolvieren.
Marie-Immaculé konnte 2015 ihr Ingenieurinnenstudium abschliessen
Bezahlt hat der Verein das Abschlussjahr ihres Agrar-Ingenieursstudiums an der Université Catholique, Bukavu.
Auf Wunsch können wir Patenschaften vermitteln und durch unsre lokalen Partner garantieren, dass das Geld bei den Kindern ankommt - kontaktieren Sie uns.
2015
Wohin gehen die Spendengelder?
Jedes Jahr erhalten wir gut 15 000 Spenden. Da interessiert es sie natürlich, was mit diesem Geld passiert. Da wir vom Verein alle bisher unentgeltlich arbeiten und auch unsre Projektreisen bezahlen, fallen nur Bankkosten an. Über 98% des Geldes geht an unsre Partner-Organisation, die Fondation Milondola, die wir 2009 gegründet haben. Die lokalen Partner erstellen ein Budget, das wir im Verein und mit den Partnern besprechen und dann genehmigen. Die Partner führen eine Buchhaltung und belegen alle Ausgaben mit Quittungen. Das klappt auch ganz gut. Nur ist es in einem Land wie dem Kongo sehr recht einfach, solche Quittungen zu beschaffen. Wir wären sehr blauäugig, wenn wir glaubten, bei unsern Projekten laufe alles ganz sauber.
Der Kongo ist ein Land,
· in dem sich Politiker und Verwaltung aller Stufen schamlos an der Staatskasse bedienen,
· wo höchstens 10% der Leute eine feste Anstellung haben,
· wo auch in angesehenen Unternehmen monatelang keine Löhne bezahlt werden können (weil z.B. Geldgeber aus dem Norden Zahlungen einstellen),
· wo Familien 10-15 Kinder haben
· wo es erwartet wird, dass jemand der einen Verdienst hat, der ganzen Verwandtschaft hilft: Schulgeld für Neffen, Medikamente für die Tante etc. bezahlt.
Und so mussten auch wir erfahren, dass uns zweifelhafte Quittungen geliefert wurden, was ein Grund war, dass wir 2016 den ersten Koordinator entlassen mussten. 2017 haben wir vor Ort auch einen neuen Buchhalter im Stundenlohn (2 USD!) angestellt, der bereits sehr zuverlässig für einen Schweizer arbeitet, der in Bukavu eine Hilfsorganisation leitet. Wir hoffen, dass damit alles noch korrekter läuft.
2017: Neue Mitarbeiter, neue Organisation vor Ort
Uns war klar, dass wir mit den bestehenden Strukturen keine neuen Projekte anpacken können. Während die Schule von Anfang an gedieh, zahlten wir beim Schulgarten einiges Lehrgeld. Dies zwang uns, 2017 den Agronomen und bereits 2016 den ursprünglichen Koordinator vor Ort auszuwechseln.
Unser Team vor Ort wird entscheidend verstärkt
Pascal Fleury, Westschweizer mit 15 Jahren Kongo-Erfahrung, ist jetzt „unser Mann vor Ort“. Er arbeitet seit Mitte 2016 hauptamtlich in Medienprojekten für La Benevolencija (www.labenevolencija.org). Er hat unsre Projekte besucht und spontan erklärt, dass er mitarbeiten und die Leute vor Ort coachen kann „pour une fondue“ (merci bien).
Für das Finanzwesen ist neu Nielsen Witanene zuständig, ein Mitarbeiter von Pascal.
Bertin Mungombe, Journalist und Filmer übernimmt Kommunikationsaufgaben.
Unser Team, die Fondation Milondola 2017
Präsident: Sosthène Birali,
Koordinator: Fiston Maheshe,
Beauftragter für Finanzen:
Beauftragter für Kommunikation: Bertin Mungombe,
Coach und Vertreter der Vereins Maendeleo: Pascal Fleury
Schulleiterin: Nabintu Lufungulo
Agronom und (künftiger Leiter der neuen Ausbildung): Augustin Mufume