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Silvester à la Hollywood
von Şule Durmazkeser
Rechtzeitig zum Jahresende kommt eine Liebeskomödie in die Kinos, die mit den gängigen Klischees des Genres aufwartet. Hochkarätig besetzt und auf Hochglanz poliert, will «New Year’s Eve» in kleinen Episoden Themen wie Liebe, Verzeihen und Versöhnung vermitteln. Allerdings mangelt es den Geschichten und Charakteren an Tiefe, wodurch den Zuschauern der emotionale Zugang erschwert wird. So ist Garry Marshalls neuestes Werk zwar nett anzuschauen, aber auch nicht mehr als ein Aufguss seines Films «Valentine’s Day».
Silvester 2011: New York bereitet sich auf die grösste Party des Jahres vor, und so auch seine Bewohner, die eigene Neujahrspläne schmieden. New Year’s Eve hebt einige davon aus der Masse heraus und macht sie samt ihrer Probleme zu den Protagonisten dieses Episodenfilms. Gleichzeitig wird versucht, die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle durch einzelne Schicksale abzudecken. Da ist beispielsweise der todkranke Stan (Robert De Niro), dessen letzter Wunsch es ist, zum Countdown noch einmal die Kugel über dem Times Square sinken zu sehen. Im selben Krankenhaus wird der Zuschauer Zeuge des Wettstreits zweier hochschwangerer Paare (Jessica Biel/Seth Meyers und Sarah Paulson/Till Schweiger) um das erste Kind im neuen Jahr und um 25‘000 Dollar Preisgeld. Dann ist da noch Claire Morgan (Hilary Swank), die für die Party am Times Square mit dem berühmten „Ball Drop“ betraut ist und sich im Vorfeld mit technischen Schwierigkeiten und einem abwesenden Rockstar (Jon Bon Jovi) herumschlagen muss. Dieser versucht seine Verflossene, Laura (Katherine Heigl), zurückzuerobern, während seine Backgroundsängerin (Lea Michele) mit ihrem Nachbarn – dem bekennenden Silvestermuffel Randy (Ashton Kutcher) – im Lift steckenbleibt. Zur gleichen Zeit versucht die 15-jährige Hailey (Abigail Breslin) ihrer Mutter Kim (Sarah Jessica Parker) verzweifelt die Erlaubnis abzuringen, alleine ausgehen zu dürfen. Und die verbitterte Sekretärin Ingrid (Michelle Pfeiffer) schmeisst ihren Job hin und engagiert den Kurier Paul (Zac Efron), der ihr dabei helfen soll, ihre Vorsätze umzusetzen.
Spätestens seit dem Erfolg der britischen Liebeskomödie Love Actually (2003) greift Hollywood immer wieder mal auf dessen Erfolgsrezept – die episodenhafte Erzählweise – zurück, um Stars und Sternchen zusammen auf die Leinwand zu bringen. Dabei kommen mehr oder weniger gelungene Filme heraus wie He’s Just Not That Into You oder Valentine’s Day. Selten aber werden starke Vertreter des Genres wie Magnolia (1999) oder Crash (2004) erreicht, Filme, die nicht ausschliesslich auf den Magnet- und Schaueffekt der Schauspieler abzielen, sondern auch mit einem ausgereiften Drehbuch punkten. Nach dem Erfolg seines letzten Films Valentine’s Day (2010) wiederholt Regisseur Garry Marshall hier mit New Year’s Eve ganz einfach das Konzept, verlegt das Spektakel einzig auf einen anderen Feiertag. Marshall, der mit Filmen wie Pretty Woman oder Princess Diaries sein Talent für romantische Komödien unter Beweis stellte, gelingt diesmal jedoch kein Coup. Die einzelnen Geschichten erscheinen zu oberflächlich und die Figuren bleiben trotz Starbesetzung blass. Das ist aber nur bedingt auf die Kürze und die Anzahl der Episoden zurückzuführen. So wirkt die Story insgesamt zu konstruiert und mit Klischees überladen, die einfallslos und nach altbekanntem Schema herunter gespult werden, um die unvereinbar scheinenden Handlungselemente am Schluss durch schnulzige Songs miteinander zu verbinden.
Da jede Episode eine Konfliktsituation beinhaltet, könnte angenommen werden, dass die Figuren eine gewisse Entwicklung durchmachen – in diesem Fall gleiten sie aber nur von einem Stereotyp ins nächste. So wird aus der überbesorgten Mutter schnell einmal die verständnisvolle, „coole Mom“; aus dem Rockstar wird der ideale Ehemann, der für seine Traumfrau auf Ruhm verzichtet, und der Silvestermuffel nimmt der Liebe wegen doch noch an der verhassten Silvesterparty teil. Die Aussage des Films ist klar: Der Jahreswechsel ist die Zeit der Veränderungen, des Neubeginns und der Besinnung darauf, was wirklich wichtig ist. Dies wird in den Neujahrsansprachen von Sam Ahern (Josh Duhamel) und Claire Morgan noch einmal explizit verdeutlicht. Während Ersterer – Spross einer angesehenen und reichen Familie – auf der Party der eigenen Plattenfirma Ahern Records auf die Bedeutung von Liebe und Familie hinweist, gelingt es Claire, die Kugel, die aufgrund einer technischen Panne auf dem Weg nach oben auf halbem Weg steckenbleibt, in ein Symbol des Innehaltens und Nachdenkens zu verwandeln.
Im Zuge der aufkommenden Festtagsstimmung kein ganz so falscher Ansatz, nur bietet Garry Marshalls neuestes Werk wahrlich keine Überraschungen. So sorgt der Film immerhin für lockere, aber belanglose Unterhaltung und punktet fast nur mit der beeindruckenden Besetzungsliste.
[kkratings]
[hr]
[box border=”full”]New Year’s Eve (2011)
New Year’s Eve (2011)
Deutsch: Happy New Year
Land: USA
Regie: Garry Marshall
Drehbuch: Katherine Fugate
Schauspieler: Ashton Kutcher, Robert De Niro, Katherine Heigl, Sofía Vergara, Carla Gugino, Josh Duhamel, Jessica Biel u.a.
Kamera: Charles Minsky
Schnitt: Michael Tronick
Musik: John Debney
Laufzeit: 113 Minuten
Start CH: 08.12.2011
Verleih: Warner Bros. Pictures. All Rights Reserved
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©Warner Bros. Pictures. All Rights Reserved
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