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Action Painting
27.01.2008 – 12.05.2008 | Fondation Beyeler
Jackson Pollock prägte als Maler das Künstlerbild des 20. Jahrhunderts und ist der teuerste Künstler der Gegenwart
Von Ulf Küster*
Does it work?» Das war die Frage, die Jackson Pollock seiner Frau Lee Krasner immer dann stellte, wenn wieder ein Bild vollendet war und er sie ins Atelier gebeten hatte, um es sich anzusehen. Lee Krasner – man sieht sie hier auf einem der berühmten Fotos, die Hans Namuth von Pollock bei der Arbeit im Jahr 1950 machte – war sehr kritisch und durchaus in der Lage zu sagen, wenn ihr etwas nicht gefiel. Es ist die besondere Fähigkeit von Hans Namuth gewesen, nicht nur Pollocks Arbeitsweise, das berühmte «Dripping», die Rhythmik seiner Bewegungen und seine Konzentration fotografisch einzufangen, sondern auch die kritische Distanz wiederzugeben, die Lee Krasner gegenüber dem Werk Ihres Mannes haben konnte.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass sie es zuerst war, die das Revolutionäre an der Arbeitsweise ihres Mannes erkannte. Sie, die selbst eine sehr begabte Künstlerin war, wovon man sich in der Ausstellung Action Painting überzeugen kann, stellte eine Zeit lang sogar ihre eigene künstlerische Tätigkeit zurück, um ihn zu unterstützen. In der Phase der Entstehung seiner bedeutendsten Werke hatte sie zudem wichtigen Anteil daran, dass ihr psychisch labiler Mann sein Alkoholproblem zumindest relativ in den Griff bekam. Sie hatte darauf gedrängt, dass beide das schwierige New York mit dem ewigen Konkurrenzkampf der Künstler, mit den ständig zum Verweilen einladenden Bars, gegen die einsame Ländlichkeit von The Springs eintauschten, einem Weiler an der Ostspitze von Long Island, wo sich noch heute das berühmte Wohnhaus der Pollocks mit dem legendären Atelier in der «Barn», der Scheune, befindet. Dort sind ja auch die Fotos und die Filme von Hans Namuth entstanden. Das andere Bild, das Pollock bei der Arbeit zeigt – eines unserer Plakatmotive –, ist auch aus einem anderen Grund interessant: Im Hintergrund sind die Bilder Number 7 von 1950 (Museum of Modern Art in New York) und Out of the Web von 1949 (Staatsgalerie Stuttgart) zu sehen, letzteres bevor Pollock Formen aus den übereinanderliegenden Farbschichten geschnitten hat. Beide Bilder sind in unserer Ausstellung zu bewundern.
Die Ehe der Pollocks war schwierig, und Lee Krasners heilsamer Einfluss hielt nicht lange vor. Schon 1951 kam es zu einem Rückfall in die völlige Alkoholabhängigkeit; Pollocks letzte Lebensjahre waren geprägt von immer häufigeren Alkoholexzesssen, Depressionen und Affären, bis zu jenem fatalen Abend im August 1956, als er volltrunken Auto fahrend von der Strasse geriet, sich mehrfach überschlug und dabei ums Leben kam. Seine ihn begleitende damalige Geliebte überlebte schwer verletzt; deren zufällig anwesende Freundin wurde ebenfalls getötet. Kein Wunder, dass sich Hollywood dieser Geschichte angenommen hat: Ed Harris’ Film Pollock aus dem Jahr 2000 ist übrigens durchaus sehenswert, wenn auch die Szenen, in denen der Maler bei der Arbeit zu sehen ist, keineswegs mit der Realität übereinstimmen: Schon Hans Namuth hatte in seinen Filmen nicht zeigen können, dass es zwischen den Phasen der «Action» langwierige Zeiten der Reflektion gegeben hatte, in denen sich Pollock auf den Akt des Malens und auf die Gestaltung seiner Bilder vorbereitete.
** Ulf Küster ist Kurator der Fondation Beyeler