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Die Komplott-Theorie der «Rundschau» sei von der SRF-Sendung konstruiert worden, hielt der Urner Oberstaatsanwalt Imholz im Fall Ignaz Walker vor Gericht fest. Das beweise ein Aktenstück, das an Walkers Wohnort sichergestellt worden war.
Linus Jaeggi, der Verteidiger von Ignaz Walker, hatte am Mittwoch dargelegt, dass sämtliche Akten des Falls «vergiftet» seien. Dies, da man nun, nachdem die Staatsanwaltschaft offenbar die Unwahrheit bezüglich Peeters gesagt habe, nicht mehr wisse, was in den Akten nun wahr ist oder nicht. Oberstaatsanwalt Thomas Imholz ging in seinem Parteivortrag am Freitag, 30. Oktober, vor Gericht nicht gross auf die Ausführungen von Linus Jaeggi ein. Viel wichtiger sei das Dokument, das am Mittwoch zu den Akten genommen wurde.
Es handelt sich um einen Brief von Sindelic an die «Rundschau», welcher im September in Walkers ehemaliger Wohnung in Ebikon gefunden worden war. Damit sei der Beweis erbracht, dass Walker und Jaeggi direkten Kontakt mit Sindelic oder der «Rundschau» hatten – und das Interview von Sindelic in der «Rundschau» zur Verteidigungsstrategie von Jaeggi gehört habe, so Imholz. Die ungeschwärzte Version, die Sindelic der «Rundschau» im April schilderte, enthalte auch keinen unbekannten Schützen. Vielmehr nenne Sindelic hier den Freund von Nataliya K. als Schützen.
Da diese Version nicht aufgegangen sei, so Imholz, musste ein unbekannter Schütze her. Dieses Schreiben sei auch für die «Rundschau» «mehr als peinlich», so Imholz. Es bedeute nämlich den endgültigen Beweis dafür, dass die Story vom Mordkomplott konstruiert und Sindelic zu Aussagen gedrängt wurde. Claudia Zumtaugwald, die Anwältin von Nataliya K., ging sogar noch weiter. Die «Rundschau» habe mit diesem Vorgehen aktive Hilfe zu Falschanschuldigungen geleistet. Vielleicht aus Dummheit oder Unbedarftheit, so Zumtaugwald. Oder aus der bösen Absicht, die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen.
Jaeggi wies die Vorwürfe zurück. Er sei von der «Rundschau» mit dem Brief von Sindelic konfrontiert worden und habe seine Zweifel geäussert, dass wirklich Claudio V. der Schütze sein könne. Dann, so Jaeggi, habe die «Rundschau» weiter recherchiert und sei so nach und nach zur Wahrheit gestossen. Ausserdem handle es sich bei dem Brief um Anwaltspost, die nicht zu Ungunsten von Walker gewertet werden dürfe.
Der Verteidiger bekräftigte daraufhin noch seine bereits am Mittwoch vorgetragenen Beweisanträge: Die Akten Peeters vollständig beizuziehen und Heinz Gisler vom Landgericht zu befragen. Er soll sagen, von wem er im Oktober 2012 erfahren hatte, dass Peeters möglicherweise in U-Haft sitzt. Sowohl Imholz als auch Zumtaugwald wehrten sich gegen die Beweisanträge.
Auf die erneute Frage von Jaeggi an die Adresse von Imholz, wieso er sein Wissen um Peeters nicht preisgegeben hatte, wich Imholz aus. Bereits 2012 habe sowohl das Gericht als auch die Verteidigung gewusst, dass Peeters möglicherweise in U-Haft sitze. «Zum Zeitpunkt, als Peeters gesucht wurde, kannte die Staatsanwaltschaft den Aufenthaltsort nicht. Sonst hätte sie ihn genannt», so Imholz.
Ob die Beweisanträge gutgeheissen werden oder nicht, hat das Gericht noch nicht entschieden. Am Nachmittag hält Ignaz Walker das letzte Wort.
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