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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

18. Buch
26. Zu der Zeit, da nach Ablauf von siebzig Jahren die Gefangenschaft der Juden ein Ende nahm, wurden auch die Römer von der Tyrannei des Königtums befreit.
Um dieselbe Zeit gestattete der Perserkönig Cyrus, der auch über die Chaldäer und Assyrer herrschte, fünfzigtausend Juden die Rückkehr zur Wiederherstellung des Tempels und erleichterte dadurch dem Volke einigermaßen die Gefangenschaft. Die Entlassenen bauten jedoch nur die ersten Grundmauern und den Altar. Wegen feindlicher Einfälle vermochten sie schlechterdings nicht weiterzubauen, und so zog sich der Bau hinaus bis auf Darius. Um dieselbe Zeit trugen sich auch die Begebenheiten zu, die im Buche Judith geschildert sind, das übrigens die Juden, wie ich höre, nicht in ihren Schriftkanon aufgenommen haben. Unter dem Perserkönig Darius sodann, nach Ablauf der siebzig Jahre, die der Prophet Jeremias vorhergesagt hatte, wurden die Juden von der Gefangenschaft erlöst und erhielten die Freiheit wieder; das war zu der Zeit, da in Rom als siebenter König Tarquinius regierte. Nach dessen Vertreibung waren auch die Römer frei von der Willkürherrschaft der Könige. Bis dahin hatte das Volk Israel Propheten, und zwar viele; doch nur von wenigen sind Schriften vorhanden, die bei den Juden oder bei uns als kanonisch gelten. Ich habe am Schluß des vorigen Buches in Aussicht gestellt, in diesem Buch einiges aus den kanonischen Prophetenschriften anzuführen, und das soll hier nun geschehen.