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Der Waadtländer Skipper gewinnt die Einhand-Weltumsegelung "Around Alone". Nach siebenmonatigem Rennen überquerte Stamm in Newport (USA) als erster die Ziellinie.Dieser Inhalt wurde am 01. Mai 2003 - 15:15 publiziert
Die Schweiz feiert nach dem Sieg der Alinghi im America's Cup einen weiteren Erfolg auf hoher See.
Bernard Stamm hat überlegen die sechste Austragung der Einhand-Weltumseglung "Around Alone" gewonnen. Der 39-jährige Romand entschied auch die letzte Etappe von Salvador de Bahia (Br) nach Newport (USA) mit grossem Vorsprung für sich.
Stamm gewann insgesamt vier von fünf Etappen und sorgte fast genau zwei Monate nach dem Triumph der Alinghi im America's Cup für einen weiteren Schweizer Segel-Grosserfolg.
Der Waadtländer fuhr am Donnerstag um 13:20:10 MESZ in Newport ein. Sein engster Verfolger, der Italiener Simone Bianchetti, lag zu diesem Zeitpunkt rund 420 Seemeilen (778 km) zurück. Stamms einziger ernsthafter Konkurrent um den Gesamtsieg, der Franzose Thierry Dubois, musste sich in der letzten Etappe sogar um über 550 Seemeilen (1019 km) distanzieren lassen.
Den Sieg im vierten Teilstück von Tauranga (Neus) nach Salvador de Bahia hatte Stamm nur verpasst, weil er sein Boot nach einem Kielbruch in Port Stanley auf den Falkland-Inseln reparieren lassen musste und dafür zusätzlich zum Zeitverlust im Hafen 48 Stunden Strafzeit aufgebrummt erhielt.
Selbstgebautes Boot
Der Sieg ist eine schöne Genugtuung für den ehemaligen Holzfäller, der in der Bretagne lebt. Seit Beginn dieses Solo-Abenteuers am 15. September letzten Jahres liess Stamm seinen Gegnern nie auch nur die geringste Chance.
Bernard Stamm hat sein Schiff in einem Hangar im kleinen Ort Lesconil, in der Bretagne, selbst gebaut. Und seine "Nussschale" (Bobst Group - Armor Lux) steht den Formel-1-Seglern der Alinghi fast in nichts nach.
Doch die Seereise des Waadtländer Skippers, der sich aufgemacht hat, solo die Welt auf seinem Einrumpfschiff zu umfahren, ist weniger glamourös und von den Medien weniger beachtet als jene von Ernesto Bertarelli.
Ein Mann wie aus Fels gehauen
Die Geschichte von Bernard Stamm hat nichts mit Prunk, Millionen und Scheinwerferlicht zu tun. Es ist die Geschichte eines Einzelgängers, eines Manns wie aus Fels gehauen, der immer wieder bis an seine Grenzen geht, um eine verrückte Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Dennoch haben viele an ihn geglaubt und ihn unterstützt.
Wie die Bobst Group zum Beispiel. Die auf Verpackungsmaschinen spezialisierte Waadtländer Firma hat sich zum ersten Mal seit ihrer Gründung (1890) ans Sponsoring eines Sportanlasses gewagt. Erstaunlich dabei: Die Aktion war vor allem für die 5000 Angestellten gedacht.
"Wir haben in diesem Mann ein Symbol gefunden, das unser Personal vereinigt", erklärt Direktionsmitglied Olivier Gurdiol. "Sie erleben dieses Abenteuer sehr positiv, und das wird auch im Unternehmensklima spürbar."
Abgesehen von diesem atypischen Sponsoring haben auch mehrere Anonyme ihr Portemonnaie geöffnet und ein paar symbolische Banknoten locker gemacht. Andere haben mit Freiwilligenarbeit im Hangar von Lesconil mitgeholfen, dass das Traumschiff Wirklichkeit wurde.
Ein echter Glückstag
Und jetzt endlich ist der Lohn für die Arbeit und das unablässige Training zwischen den Fischtrawlern vor dem kleinen bretonischen Hafen in Sicht.
"Es ist ein echter Glückstag", erklärt Véronique Guillou, seit fast sechs Jahren Stamms Pressesprecherin. "Etwas wird Wirklichkeit, das beweist, dass Bernard nicht nur ein Träumer ist."
Nach dem Erfolg der Alinghi im America's Cup und der fantastischen Fahrt von Stève Ravussin auf der Route du Rhum ist Bernard Stamm daran, eine neue Seite im goldenen Buch der Schweizer Segelgeschichte zu füllen.
swissinfo, Mathias Froidevaux
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)
Fakten
Bernard Stamm wurde am 29. November 1963 in Saint-Prex geboren.
Er war Holzfäller, Matrose, Werftarbeiter.
Seit 1994 lebt Stamm im kleinen bretonischen Marktflecken Lesconsil.
In Kürze
"Around Alone" ist das längste Rennen der Welt. Insgesamt durchqueren die Segler rund 45'000 Kilometer Meer in einer Serie von fünf Rennen. Ein einziger Segler kämpft mit seinem Boot gegen die Elemente und gegen die Konkurrenten.
Gestartet sind die 13 Boote in zwei Klassen am 15. September des vergangenen Jahres in New York.
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