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Die ‘Cidade da Cultura’ als identitätsstiftenden Ort für die ausgewanderten, die seefahrenden und die ansässigen Galizier zu bauen, das bedeutet einen einprägsamen Ort zu schaffen, ein räumliches Monument zu bauen. Die verwendeten Mittel sind, verglichen mit dem Anspruch wider Erwarten einfach: die Topographie des ‘Monte do Gaias’, vier leicht unterschiedliche Kuben, eine verbindende, platzartige Ebene – sie bilden zusammen die ‘Bühne’. Die ‘Akteure’ sind Sicht, Sonne, Regen, Wind, Wolken, eine sich während der Jahreszeiten verändernde Vegetation und die Menschen. Das ‘Stück’ ist die Kultur Galiziens – die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige.
Wie ‘Leuchtürme’ für das in alle Himmelsrichtungen emigrierte Volk der Galizier sind die vier Gebäude gegen Norden, Süden, Westen und Osten auf dem Grat des ‘Monte do Gaias’ positioniert. Sie spannen einen Zwischenraum auf, der im Vergleich mit innerstädtischen Verhältnissen als riesiger Platz erscheint, aber nur als grosse Fläche wirkt, vergleicht man ihn mit der Weite der umgebenden Landschaft. Die Gebäude markieren den Raum eher, als dass sie ihn begrenzen. Definierend hingegen wirkt die Topographie, die Aussicht nach Westen, in Richtung der Stadt – und der Blick nach Osten in die agrarisch geprägte Landschaft mit ihren implantierten Gärten und kleinen Parks.
Die Gebäude sind einfache Kuben. Sie sind spezifisch geformt aufgrund ihrer unterschiedlichen Nutzungen und ihrer Lage im Terrain. Gemeinsam ist allen Baukörpern, dass sie Höfe besitzen und dass sie steinern sind. Die Höfe vermitteln vom weiten Platz zu den kleinteiligeren Innenräumen der Bauten. Dieser tradierte Gebäudetypus lässt die Volumina für Besucher permeabel werden, ohne dass die Gebäude betreten und entsprechend ihren Funktionen ‘benutzt’ werden müssten.
Die Bauten sind dem Sehen (Museum of Galicia), dem Hören (Opera and Sound & Image Library), dem Lernen/Studieren/Lesen (Library and Newspaper Library) und dem Sprechen sowie der Interaktion (Auditorium, Lecture Hall, Multi-Purpose) gewidmet. Das thematische Zusammenfassen der Nutzungen und die damit verbundene Konzentration der Volumina erzeugt imposante, einprägsame Baukörper mit entsprechender Nah- und Fernwirkung. Gleichwohl erleichtert die Aufteilung in vier Gebäude die etappenweise Realisierung des Projekts.
Die Baukörper sind aus Stein und lagenweise aufgebaut. Verschiedene Steinsorten Galiziens und vereinzelte Steine aus aller Welt werden entweder schichtweise vermauert oder als Lagen in Beton gegossen und durch Sandstrahlen und Schleifen wieder freigelegt. Gemauert oder eingegossen, können die Steine gleichsam als materielles Gedächnis der Geschichte Galiziens verstanden werden. Metallisch reflektierende Fenstergläser kontrastieren mit dem matten Stein. Sie bilden im wörtlichen Sinn Spiegelflächen für die Gegenwart.
Die heutige Agrarlandschaft fungiert als strukturbildende Grundlage für die landschaftsgärtnerischen Interventionen. Wie in ganz Galizien ist sie in diesem Gebiet gekennzeichnet durch Kleinteiligkeit (Microfundismo). Einzelne Gärten und Parkelemente werden entlang den Wegen in das landwirtschaftliche Muster ‘implantiert’: zum Beispiel ein Regengarten, ein Garten für die Bäume des 'Libredon', ein Ort zum Thema des 'Ultramar', ein Garten der Kohlsuppe, ein Maronenhain, das Eukalyptuswäldchen und andere mehr. Das buschartige Matoral-Gebiet westlich der 'cidade' soll sukzessive mit einheimischen Eichen aufgeforstet werden. Ein verdichtetes Wegnetz erlaubt das Wandeln von Garten zu Garten, von Station zu Station.