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11.02-30.04.2007
Sammlung Charlotte Kerr Dürrenmatt
In der Architektur des Dürrenmatt-Zentrums, das Mario Botta entworfen hat, findet diese Ausstellung wie von selbst ihren Platz. Der Architekt präsentiert eine Serie von erstmals öffentlich ausgestellten Zeichnungen von Friedrich Dürrenmatt. Die Ausstellung bildet einen Rundgang in Form eines im Raum schwebenden Labyrinths.
In seiner Kindheit war der kleine Fritz tief beeindruckt von den Erzählungen seines Vaters, der sich sehr für die klassische Mythologie interessierte.
In der Erinnerung des jungen Mannes lagerten die Mythen wie Sedimente, aus denen er sein Leben lang schöpfte. Gestalten, Helden oder Ungeheuer, die sich in seinen Texten, Zeichnungen und Bildern wiederfinden.
Dies gilt vor allem für das Motiv des Labyrinths, einer Metapher für das Gefangensein des Individuums, und für den Minotaurus. Diese Gestalt, halb Mensch und halb Stier, verliert unter Dürrenmatts Feder ihr ursprüngliches abstossendes Aussehen.
1983 nahm er den Mythos des delphischen Orakels, der Pythia, auf, den er literarisch bereits früher in der Erzählung Das Sterben der Pythia behandelt hatte. Es war das Jahr, in dem er Charlotte Kerr begegnete und erstmals nach Griechenland reiste, wo er den Tempel von Delphi besuchte. Er zeichnete eine Reihe von Pythias, die alle Charlotte gewidmet sind. Im Jahr darauf beschäftigte er sich erneut mit dem Thema Minotaurus. Er schuf eine Serie von Tuschzeichnungen als Illustrationen zur gleichzeitig entstandenen Ballade Minotaurus, in der er dem Ungeheuer ein menschliches Gemüt gibt.
Midas, dem König von Phrygien, wurde alles, was er berührte, zu Gold - ein Geschenk der Götter, das sich schliesslich in einen Fluch verwandelte. In seiner Novelle Midas oder die schwarze Leinwand - ein Film zum Lesen stellt der „global Player" Richard Green die moderne Version von Midas dar.
Im erstmals veröffentlichten Manuskript der Schmährede Verfluchte Pythia von 1983 geht Dürrenmatt auf das Fürchterliche der Aufforderung des Orakels ein: Erkenne dich selbst. Er verflucht die Pythia, wirft ihr vor, sie habe ihn noch einmal in die Liebe gestossen, da er schon auf dem Weg in die Einsamkeit war.
Charlotte Kerr teilte das Leben des Schriftstellers während sieben Jahren - sieben Jahren des künstlerischen und intellektuellen Austauschs.
Als besondere Attraktion zeigt das Centre Dürrenmatt vier Werke, die Pablo Picasso 1934 zum Thema Minotaurus geschaffen hat (Sammlung E.W. Kornfeld, Bern).
Diese Ausstellung wurde vom 19. November 2005 bis 12. März 2006 in der Fondation Bodmer in Cologny/Genf und vom 21. Mai bis 10. September 2006 in der Stiftung Querini Stampalia in Venedig präsentiert. Im Juni/Juli 2007 wird sie im Rahmen des Hellenischen Festivals in Athen in Benaki-Museum in Piräus gezeigt.
Hinweis: Das Musée d'Ethnographie in Neuchâtel (MEN) zeigt die Ausstellung Figures de l'Artifice, unter anderem mit Texten von Friedrich Dürrenmatt über Minotaurus und Labyrinth (bis 11. November 2007)
Collection Annette & Peter Nobel / Press Art
19.05. - 02.09.2007
Das Centre Dürrenmatt Neuchâtel (CDN) zeigt aus der Sammlung Annette und Peter Nobel / Press Art Werke, die den Bezug von Text und Bild hinterfragen.
Vertreten sind bedeutende Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts, unter ihnen Hans Arp, Joseph Beuys, Dieter Roth und Daniele Buetti.
Am Rande der Sprache stützt sich auf eine Thematik, die sich an Dürrenmatts Werkverständnis anlehnt, die Welt schreibend und malend (neu) zu denken.
Dass diese Ausstellung im CDN gezeigt werden kann, ist kein Zufall. Peter Nobel war Dürrenmatts Anwalt und vor allem auch ein naher Freund. Es verbanden sie die Liebe zur Kunst, und ein stets wacher, kritischer Blick auf unsere Welt.
Indem die ausgestellten Künstler die Form und den Sinn von Informationen verändern, sie in einen neuen Zusammenhang stellen und somit umdeuten, fordern sie den Betrachter dazu heraus, die Welt kritischer zu betrachten. Den Anspruch, die Welt neu zu denken, sich selbst und alles Sicht- und Hörbare - also auch die Medien und unsere Beziehung zu ihnen - zu hinterfragen, findet sich in der Denkwelt Dürrenmatts wieder, wenn er sagt : Meine Freiheit als Künstler besteht darin, dass ich mit dieser Welt spielen kann.
19.10.2007 - 10.02.2008
Vom 19. Oktober 2007 bis 20. Januar 2008 stellt das Centre Dürrenmatt Neuchâtel (CDN) 49 Zeichnungen des Künstlers Pavel Schmidt aus. Die präsentierten Werke basieren auf Originalmanuskripten von Franz Kafka.
Im Gegensatz zu den traditionellen Regeln der Illustration setzt Pavel Schmidt korrigierte, durchgestrichene Texte, gewissermassen den literarischen Schöpfungsprozess von F. Kafka, mit seiner eigenen bildnerischen Arbeit in Beziehung.
Der 1956 in Bratislava in der ehemaligen Tschechoslowakei geborene Pavel Schmidt, der lange Assistent von Daniel Spoerri war, ist ein Künstler mit vielfältigen Begabungen. Der Maler, Zeichner und Installationskünstler interessiert sich vor allem dafür, wie unsere Gesellschaft die so genannten «klassischen» Meisterwerke verwertet, um sie in alltägliche Konsumobjekte zu verwandeln. Sein ebenso ästhetisches wie diskursives Vorgehen ist darauf ausgerichtet, als trivial betrachteten Objekten einen neuen Status als Kunstwerke zu verleihen. Pavel Schmidt regt uns dazu an, die Zusammenhänge zu hinterfragen, die wir zwischen unserem kulturellen Erbe und den Gegenständen herstellen, die unseren Alltag prägen.
Als Ausgangspunkt seiner Arbeit dienten dem begeisterten Kafka-Leser und intimen Kenner von dessen literarischem Werk Fragmente aus unveröffentlichten Manuskripten. Diesen Texten hat er Bilder zugeordnet und damit die Tradition der Illustration umgekehrt, bei der das Bild im Dienst des Wortes steht.
Pavel Schmidt legt eine sehr nuancierte Arbeit vor, mit der er uns Einblick in die Subtilität und Vielfalt seiner Wahrnehmung gibt und die seine zeichnerische Begabung belegt.
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