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Die Erzählerin befindet sich in einer für sie neuen Situation: der Ort ist fremd, die Menschen sprechen eine andere Sprache. Sie versucht, sich diesen Fremdheiten zu stellen, sie an sich selbst, an ihrer Arbeit zu erproben. Doch eine Person, eine alte energische Frau, erzählt unerbittlich ihre Geschichten. Die Erzählerin ertappt sich dabei, daß jene Art zu denken die eigene Denkart in Frage stellt. Als Frau Gerster selbst in den Träumen überhandnimmt, beschließt die Erzählerin, sich ihr ganz und gar auszuliefern, sich in deren Leben zu versetzen. All die ebenso authentischen wie surreal anmutenden Geschichten bringen die Erzählerin auf die Spur ihrer eigenen Geschichte. In dem, was in Frau Gersters Leben zertrümmert wurde, beginnt die Autorin sich selbst als Opfer zu erkennen, und in Panik geraten, schreibt sie gegen die Zertrümmerung in ihrem eigenen Leben an.
Erica Pedretti wurde 1930 im nordmährischen Sternberk (im heutigen Tschechien) geboren und erlebte dort die Kriegsjahre. Im Dezember 1945 kam sie mit einem Rotkreuztransport zu Verwandten in die Schweiz (ihre Großmutter war Schweizerin) und besuchte in Zürich die Kunstgewerbeschule. 1950 musste sie, da sie keine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz erhielt, das Land verlassen. Erica Pedretti emigrierte in die USA und verbrachte zwei Jahre in New York. 1952 kehrte sie jedoch in die Schweiz zurück und heiratete den Künstler Gian Pedretti aus der Engadiner Künstlerfamilie Pedretti. Seit den 70er Jahren arbeitet sie erfolgreich als bildende Künstlerin.
Auslandsaufenthalte führten sie 1971 nach London und 1988 als Gast an das Istituto Svizzero in Rom. 1989 war sie Writer in Residence an der Washington University in St. Louis. 1994 hatte sie den Swiss Chair an der City University of New York inne. Seit 1988 ist sie korrespondierendes Mitglied in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.
Heute lebt Erica Pedretti mit ihrem Mann in La Neuveville am Bieler See. Sie zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Schweizer Literatur.