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Ein antiquarischer Fund macht es möglich. 1954 hat der Allschwiler Athena-Verlag erstmals das Buch «Altes Basel, Neues Basel» herausgegeben. Danach folgten mehrere Auflagen, die neuste wurde 1971 herausgebracht. In diesem Buch wurden Bilder der Basler Fotografen-Dynastie Höflinger gezeigt. Immer ein Bild aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert, das einem aus den 1950er- oder 1960er-Jahren gegenübergestellt wurde. Als wir diesen kleinen Schatz aus dem Antiquariat durchblätterten, ist uns aufgefallen, wie sehr sich unsere Stadt in den letzten 50 Jahren verändert hat. Deshalb haben wir die alten Bilder von Jakob, August und Heinz Höflinger immer durch eines ergänzt, das wir aktuell aufgenommen haben. Heute geht es um die Rittergasse, wo einst der St. Albanschwibbogen stand, der im Volksmund Kunos Tor hiess.
1878
Der St. Albanschwibbogen stand einst am östlichen Stadtausgang und schloss den Münsterhügel gegen das St. Alban-Quartier ab. Er ist gegen Ende des 12. Jahrhunderts gebaut worden. Im Volksmund wurde er als Kunos Tor (ältere Schreibweise: «Cunostor») bezeichnet. Dies ging auf eine Geschichte zurück, deren Wahrheitsgehalt nicht mehr zu überprüfen ist. Ein Bäckermeister namens Kuno sei zum Tod am Strang verurteilt worden, er habe jedoch seinen Kopf aus der Schlinge ziehen können, indem er dieses Tor finanziert habe. Zunächst war das Bauwerk einfach ein Teil der Stadtbefestigung und schützte den vornehmen Münsterhügel. Mit der Zeit wurde es aber auch als Zwinger benutzt, also als besonders schreckliches Gefängnis. Als solches erhielt es seinen zweiten Spitznamen: «Bärehuet».
Überaus gefürchtet war dieses Zuchthaus wegen seiner Folterkammer. Die grausamsten Martern, die im alten Basel angewendet wurden, gehörten hier zum mittelalterlichen Alltag. Der Schwibbogen wurde im Lauf der Zeit mehrmals umgebaut. Als etwa der Lohnhof zum einzigen Basler Gefängnis umgestaltet wurde (vorher wurden dort ja tatsächlich Löhne ausbezahlt), hat man im Kunos Tor Strafvollzugsbeamte untergebracht und Wohnungen für sie eingerichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde eine Uhr mit barockem Zifferblatt am Schwibbogen angebracht. Ab den 1840-iger Jahren gab es Pläne, das Bauwerk abzubrechen. Zunächst wurde dies von den Anwohnern angeregt, während sich andere Kreise der Stadt dem Rückbau vehement widersetzten. 1878 war es dann soweit, Kunos Tor ist in jenem Jahr gefallen, in dem das Foto, das unseren Artikel eröffnet, geschossen wurde.
1958
Unser zweites Bild zeigt die Rittergasse ohne den Schwibbogen, es eröffnet sich die Sicht auf den Eingang der Dalbevorstadt. Der Name der Gasse stammt übrigens tatsächlich von einem Ritterorden, von jenem der so genannten Deutschritter nämlich, der in der Zeit der Kreuzzüge gegründet wurde. Der vollständige Name dieses Kriegerordens, der extrem strengen geistlichen Regeln folgte, dessen Mitglieder allesamt kirchliche Ränge innhatten, lautete: «Ordo fratrum domus hospitalis Sanctae Mariae Teutonicorum Ierosolimitanorum» – also: «Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem». Der Hauptsitz der Ritter war Wien, aber sie spielten in Basel vor der Reformation eine gewichtige Rolle. Es gibt den Orden übrigens heute noch, allerdings ist er um einiges kleiner als in seinen Blütezeiten. Seit 1992 wird er von Ordenspriestern geleitet. Nach kanonischem Recht stellt er nun also einen klerikalen Orden dar.
2017
Unser aktuelles Bild zeigt dann wieder ein anderes Szenario. Am Ende der Rittergasse sehen wir nämlich den neuen Erweiterungsbau des Basler Kunstmuseums mit seinem Mauerwerk aus grauen dänischen Wasserstrichziegeln, der von den Architekten Christ & Gantenbein geschaffen wurde.
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