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Unter dem Begriff "geburtsbezogene Urlaube" werden der Mutterschafts-, Vaterschafts-, Eltern- und Adoptionsurlaub zusammengefasst. Der Mutterschaftsurlaub ist im Bundesrecht geregelt. Im Eidgenössischen Parlament werden regelmässig Vorstösse für die Einführung eines im Bundesrecht geregelten Vaterschafts-, Eltern- respektive Adoptionsurlaubs eingereicht. Gestützt auf eine parlamentarische Initiative wird gegenwärtig ein Gesetzesentwurf für die Einführung einer Adoptionsentschädigung ausgearbeitet. Mit Ausnahme des Postulates Fetz (11.3492) hat das Parlament alle übrigen bislang behandelten Vorstösse abgelehnt.
Mutterschaftsurlaub
Erwerbstätige Mütter haben Anspruch auf einen mindestens 14-wöchigen bezahlten Mutterschaftsurlaub.
Seit dem 1. Juli 2005 erhalten erwerbstätige Mütter eine Mutterschaftsentschädigung. Die Höhe der Mutterschaftsentschädigung entspricht 80 Prozent des Erwerbseinkommens, welches die Mutter vor der Niederkunft erzielt hat, jedoch höchstens 196 Franken pro Tag. Die Mutterschaftsentschädigung wird über die Mutterschaftsversicherung finanziert.
Das Arbeitsgesetz sieht nach der Niederkunft einen 16-wöchigen Schutz bei Mutterschaft vor. Während der ersten acht Wochen nach der Niederkunft darf die Mutter nicht beschäftigt werden. In den darauffolgenden acht Wochen kann sie frei entscheiden, ob sie die Arbeit wieder aufnehmen möchte oder nicht.
Vaterschaftsurlaub
Väter sollen innerhalb von sechs Monaten ab Geburt eines Kindes zwei Wochen bezahlten Urlaub beziehen können. Finanziert werden soll der Vaterschaftsurlaub wie die Mutterschaftsentschädigung über die Erwerbsersatzordnung (EO). Dies sieht der indirekte Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» vor. Dagegen ist erfolgreich das Referendum ergriffen worden.
Elternurlaub
In der Schweiz besteht kein im Bundesrecht geregelter Anspruch auf einen Elternurlaub. Einzelne Branchen oder Unternehmen gewähren einen Elternurlaub. Die Dauer und Entschädigung dieser Urlaube variieren.
Adoptionsurlaub
In der Schweiz besteht kein im Bundesrecht geregelter Anspruch auf einen Adoptionsurlaub. Das Eidgenössische Parlament hat der parlamentarischen Initiative Romano (13.478) "Einführung einer Adoptionsentschädigung" Folge gegeben.
Bericht über den Vaterschafts- und Elternurlaub
Der Bundesrat hat am 30. Oktober 2013 den Bericht "Vaterschaftsurlaub und Elternurlaub. Auslegeordnung und Präsentation unterschiedlicher Modelle" in Erfüllung des Postulats Fetz (11.3492) verabschiedet. In diesem Bericht werden unterschiedliche Modelle eines bundesrechtlich geregelten Vaterschafts- respektive Elternurlaubs präsentiert.
Am 30. Oktober 2013 hat der Bundesrat den Bericht "Vaterschaftsurlaub und Elternurlaub. Auslegeordnung und Präsentation unterschiedlicher Modelle" verabschiedet. Mit diesem Bericht erfüllte der Bundesrat das Postulat Fetz (11.3492) "Freiwillige Elternzeit und Familienvorsorge". Ständerätin Anita Fetz ersuchte den Bundesrat, ein Elternurlaubsmodell zu prüfen, welches durch privates Sparen und flankierende Steuermassnahmen finanziert würde.
Bundesratsbericht "Vaterschaftsurlaub und Elternurlaub - Auslegeordnung und Präsentation unterschiedlicher Modelle" (PDF, 772 kB, 03.11.2017)Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats Fetz (11.3492) vom 6. Juni 2011
Analyse von acht verschiedenen Modellen eines Vaterschafts- respektive Elternurlaubs
In seinem Bericht nimmt der Bundesrat eine Auslegeordnung zu den Voraussetzungen und zum geltenden Recht in der Schweiz, auf internationaler Ebene und in verschiedenen europäischen Staaten vor. Auf dieser Grundlage analysiert er acht verschiedene Modelle eines Vaterschafts- respektive Elternurlaubs. Im Bericht werden die wichtigsten Merkmale jedes Modells (Dauer, Leistung, Finanzierung etc.) dargestellt, Kostenschätzungen für alle acht Modelle präsentiert sowie deren Vor- und Nachteile aufgezeigt. Eine Synthese erlaubt den Vergleich der Modelle hinsichtlich Kosten und Auswirkungen.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Einführung eines Vaterschafts- oder Elternurlaubs zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit nicht erste Priorität hat, da im Gegensatz zu den familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten ein solcher Urlaub nur die begrenzte Zeit nach der Geburt des Kindes betrifft. Der Vaterschafts- oder Elternurlaub kann allerdings massgeblich dazu beitragen, dass sich die Mutter und der Vater unmittelbar nach der Geburt gleichzeitig in das neue Familiengefüge einleben und insbesondere Väter von Beginn weg intensiv am Familienleben teilhaben und sich an der Betreuung des Kindes sowie der Hausarbeit beteiligen können. Auf diese Weise können beide Eltern ihre familiären Aufgaben wahrnehmen, ohne gezwungen zu sein, auf die Ausübung ihrer Erwerbstätigkeit zu verzichten.
Niederländische Lebenslaufregelung
Die niederländische „Lebenslaufregelung“ weist Parallelen zu den Vorschlägen der Postulantin Anita Fetz auf. Sie war von 2006 bis 2011 in Kraft und wurde im Jahr 2009 im Auftrag des Niederländischen Ministeriums für Arbeit und Soziales evaluiert.
Letzte Änderung 14.02.2020