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Die Nummer 1 des Finanzplatzes verzichtet auf die Auslagerung wichtiger Backoffice-Aufgaben in ihrem Geschäft mit den institutionellen Anlegern. Das sind vor allem die Pensionskassen. Die UBS hatte geplant, das sogenannte Reporting und weitere Aufgaben, welche die Bank bis jetzt von Zürich aus erbracht hat, nach Luxemburg zu verschieben.
Bei den Pensionskassen sorgte der Plan für Aufregung. Sie zählen zu den wichtigsten Kunden der UBS und verstanden nicht, weshalb der Finanzmulti ausgerechnet bei ihnen das Messer ansetzt. Die PKs sahen vor allem die Datensicherheit in Gefahr. Sie hätten einen Blankoscheck – einen sogenannten Waiver – ausstellen müssen, damit die UBS ihre Daten neu aus Luxemburg heraus bearbeiten kann.
Es kam zu Interventionen. Grosse PKs und ihre Vertreter wollten nicht einfach Ja und Amen sagen. Nun krebst die Bank zurück. Das ist ungewöhnlich und zeigt, wie gross der Druck war. Die Bank verschickte in diesen Tagen den PKs und weiteren Grosskunden wie Family Offices ein entsprechendes Schreiben, mit dem sie ihren U-turn begründete.
„Im Zuge der weitergehenden Prüfung dieser Pläne haben wir nun beschlossen, die betroffenen Services wie Settlement und Reporting auch weiterhin in der Schweiz zu erbringen“, steht da geschrieben.
Medien
Le Conseil d’Etat genevois a présenté mercredi son projet d’assainissement de la Caisse de prévoyance de l’Etat de Genève (CPEG), avec une recapitalisation de 4,8 milliards de francs et le passage à la primauté des cotisations.
L’assainissement de la CPEG, qui compte 70’000 assurés, est un enjeu majeur pour Genève, a relevé devant les médias le président du gouvernement François Longchamp.
La solution avancée par le gouvernement a l’avantage, selon lui, d’être durable et de régler le problème structurel qui affecte l’institution de prévoyance depuis sa création.
Si rien n’est entrepris, le comité de la CPEG devra trancher dans le vif, sous la pression de l’autorité fédérale de surveillance qui doit donner son approbation à la poursuite des activités. Les conséquences sociales et économiques pour le canton de Genève seraient énormes.
Le comité de la CPEG a préavisé favorablement le projet de loi du gouvernement. Le Grand Conseil va désormais l’examiner en détail et le peuple devra vraisemblablement donner son avis.
D’ici au 30 juin 2018, des mesures d’assainissement de la CPEG devront être adoptées, de façon à ce que la réforme puisse entrer en vigueur début 2019.
Während grosse, umhüllende Kassen mit dem überhöhten UWS dank Anrechnungsprinzip zurecht kommen, bildet er für Kassen nahe dem Obligatorium ein Problem. Der Tages-Anzeiger schreibt dazu:
Probleme haben Kassen, die vor allem Versicherte mit nur gesetzlichen Minimalleistungen haben. 13 Prozent der Versicherten, meist aus Tieflohnbranchen, sind in solchen BVG-nahen Kassen. «Es wäre fatal, wenn die bürgerlichen Parlamentarier nach dem Nein zur Altersvorsorge die BVG-Revision zurückstellten», warnt Sergio Bortolin, Geschäftsführer der Pensionskasse Asga. Die Asga hat viele Versicherte mit Leistungen, die sich am gesetzlichen Obligatorium orientieren. Bei der Asga sind rund 12’000 Arbeitgeber mit insgesamt über 100’000 Mitarbeitern versichert.
Der zu hohe Umwandlungssatz erfordert bei der Asga eine grosse Umverteilung zur Finanzierung der Renten. Bei einer Pensionierung müsse die Asga für einen Rentner zurzeit 20 Prozent des Alterskapitals zusätzlich reservieren, um die Rentenleistung zu garantieren. (…)
Noch grösser ist die Umverteilung von den Aktiven zu den Rentnern bei der Auffangeinrichtung BVG. Bei dieser Vorsorgestiftung sind rund 36’000 Angestellte im Rahmen des gesetzlichen Obligatoriums versichert. Sie fungiert im Auftrag des Bundes als Auffangbecken und Sicherheitsnetz der zweiten Säule. «Wenn der gesetzliche Umwandlungssatz nicht gesenkt wird, geht die massive Umverteilung zwischen erwerbstätigen Versicherten und Rentnern weiter», warnt Marco Bagutti, Direktor der Auffangeinrichtung. Die Erwerbstätigen subventionierten derzeit bei der Auffangeinrichtung jedem Pensionierten die Rente zu rund einem Drittel.
In der NZZaS erklärt Prof. Raimond Maurer, warum das amerikanische Vorsorgesystem besser sei als das schweizerische.
Umwandlungsätze sind Leistungsversprechen, die den Versicherten sehr teuer zu stehen kommen. Wenn sich die Lebenserwartung und das Zinsniveau verändern – und beide Parameter laufen im Moment gegen unsere Vorsorgewerke -, steigen deren Verpflichtungen empfindlich.
Sobald man solche feste Rentenzusagen mache, müsse man jedes Jahr bilanzieren und die Vermögen den Verpflichtungen gegenüberstellen, sagt Maurer. Die direkte Konsequenz: Nur ein kleiner Teil der Anlagen könne so noch in Aktien gehalten werden, alles andere wäre ein Vabanquespiel.
Jörg Odermatt, directeur de PensExpert, estime que la Suisse est incapable de faire passer de grandes réformes dans le domaine de la prévoyance. L’avenir appartient à la méthode des petits pas. La priorité doit être accordée à l’assainissement de l’AVS
Prof. Silvio Borner kritisiert in der Basler Zeitung die Bemühungen um Kompensation bei der Rentenreform.
Nach dem Nein vom 24. September haben sich vor allem Politologen dazu geäussert, wie man mit einer neuen Vorlage eine Ja-Mehrheit hinkriegt. Einigkeit besteht in diesem Kreis darüber, dass es halt «Kompensationen» braucht, um (angebliche) Verlierer ins Ja-Lager zu holen. Den Ökonomen interessieren aber die harten Fakten, um herauszufinden, wie die schweizerische Altersvorsorge nachhaltig den wirtschaftlichen und demografischen Entwicklungen angepasst werden muss. Denn diese sind entscheidend und nicht die politischen Versprechen auf dem Papier.
Die Lebenserwartung bei Geburt ist seit 1948 rasant gestiegen: für Männer von 65 auf 81 und bei Frauen von 69 auf 85. Die Beitragsjahre sind konstant geblieben, aber die Pensionsjahre haben für Männer um gut 7 und bei Frauen gar um 9 Jahre zugenommen. (…)
Die 2. Säule hat einen grundlegenden Konstruktionsfehler: die politische Garantie des Umwandlungssatzes und damit einer minimalen Rendite. Die Ersparnisse liegen ja bei den Pensionskassen oder Versicherungen, die damit auch die Anlagerisiken übernehmen, jedoch immer mehr auf die Versicherten zurückwälzen. Die 2. Säule sollte deshalb liberalisiert werden mit einer blossen Finanzaufsicht bei gleichzeitiger Lockerung der Anlagevorschriften.
Der Tages-Anzeiger berichtet über den Trend von Investoren, sich vermehrt in Studentenwohnungen zu engagieren. U.a. hat dies bereits die Abendrot getan. Der TA schreibt:
Es scheint keinen valablen Grund zu geben, warum institutionelle Investoren ihr Geld in Studentenwohnungen stecken sollten. Und doch tun Anlagestiftungen, Investmentfonds und Pensionskassen genau dies immer häufiger. Wegen der tiefen Zinsen suchen sie verzweifelt nach Anlagemöglichkeiten. Spezialsegmente wie das «Student Housing» stünden deshalb weit oben auf der Prioritätenliste, berichtete die Unternehmensberatung EY im Sommer. Die Bedeutung von Studentenwohnheimen als Anlageobjekte steige, schreibt auch der Immobilienberater Jones Lang LaSalle ( JLL) diese Woche in einer Studie. (…)
Die zu erwartenden Renditen lägen bei solchen Projekten zwar oft tiefer als in anderen Marktsegmenten, sagt Claudio Rudolf, Partner und Immobilienexperte bei EY. «Aber die Einnahmen sind praktisch gesichert, weil die Nachfrage so gross ist. Und das Risiko deshalb kleiner. » Oft kämen institutionelle Investoren auch für einen Teil oder die gesamten Baukosten auf, und die Hochschulen übernähmen die Wohnobjekte dann zur Generalmiete. Sie zahlen also einen fixen Preis für sämtliche Wohnungen an den Investor und vermieten sie selber weiter. Das Interesse an solchen Lösungen hat laut Rudolf in den letzten Jahren in der Schweiz zugenommen. «Wir sprechen natürlich nicht von einem Milliardenmarkt. Aber von einer interessanten Nische mit Wachstumspotenzial.»
Der Beobachter geht der Frage nach, wie hoch die Umverteilung zwischen Jung und Alt wirklich ist. Bei der Vorsorgestiftung Integral scheint das Problem nicht zu existieren.
Das Volk hat die Vorlage zwar bachab geschickt, doch das Umverteilungsargument ist geblieben. Rechte wie linke Politiker benutzen es, um neue Reformen anzustossen. Die wenigsten bestreiten, dass es wegen der tiefen Zinsen und der gestiegenen Lebenserwartung bei den meisten Pensionskassen eine Umverteilung gibt. Nur kann niemand sagen, wie gross sie ist.
Der Bundesrat beziffert die Umverteilung auf 1,3 Milliarden Franken pro Jahr. Die Zahl errechnete das Bundesamt für Sozialversicherungen anhand einer Studie von 2015. Darin hat Vizedirektorin Colette Nova aber geschrieben: «Die erhobenen Daten sind nicht repräsentativ, eine Hochrechnung für die Gesamtheit der Vorsorgeeinrichtungen ist somit nicht möglich.»
Urs Paul Engeler erinnert in der Handels-Zeitung an die vergessene dritte Säule.
Landauf, landab wird das schweizerische Drei-Säulen-Modell zur Altersvorsorge als der Geniestreich der Sozialpolitik gepriesen. Stolz wird die Kombination von staatlichen, beruflichen und privaten Vorkehrungen zur Sicherung des Lebens im Pensionsalter im Ausland als grundsolide Konstruktion herumgezeigt, zwecks Nachahmung. In der politischen Realität hingegen ist ausschliesslich von zwei Pfeilern die Rede, von der AHV und vom BVG. Schlimmer noch: Starker Druck von links will die Pensionskassen stutzen oder gar abschaffen und die AHV zu einer «Volkspension» ausbauen.
Von der dritten Säule, der privaten Vorsorge, sprechen nicht einmal mehr bürgerliche Politiker. Auch ihr Bestreben geht dahin, rasch die Mehrwertsteuer zu erhöhen, um mit neuen Milliarden die bröckelnde AHV vor dem baldigen Zerfall zu retten. Dass sie damit, Hand in Hand mit den Sozis, das System in Richtung Ein-Säulen-Modell verschieben, ist ihnen entweder nicht bewusst oder egal.
Dabei wäre nach dem Debakel des Projekts «Altersvorsorge 2020» an der Urne nicht der Allparteien- Schrei nach neuen Mitteln angesagt, sondern vertieftes Nachdenken über das helvetische Prinzip der Alterssicherung und die Möglichkeiten, es weiterzuentwickeln. Dabei muss – nicht nur aus liberaler, auch aus ökonomischer Sicht – der privaten Verantwortung eine wichtigere Rolle zukommen.
Der Blick analysiert das Kräfteverhältnis zwischen National- und Ständerat. Dort Rechts-, hier Linksblock. Zum Schluss sitzt der Ständerat am längeren Hebel. Wie sich bei der AV2020 krass zeigte.
Geht es weiter wie in den letzten zwei Jahren, wird der Knatsch-Rekord aus der Legislatur 2007–2011 mit 30 Einigungskonferenzen mindestens egalisiert. In allen Legislaturen zuvor waren es weitaus weniger (siehe Grafik). «Die Fronten haben sich verhärtet », bestätigt der erfahrene CVP-Ständerat Konrad Graber (59). Heute werde weniger nach einem Konsens gesucht, selbst wegen Details komme es zu Einigungskonferenzen.
Dies sagt auch ein langjähriger Vertreter des Nationalrats, Christian Wasserfallen (36, FDP): «Beide Räte haben eine härtere Gangart eingelegt. » Zum grossen Zoff kommt es meist, wenn es FDP und SVP nicht gelingt, die CVP ins Boot zu holen. Zwar können sich die beiden Parteien rechts der Mitte im Nationalrat alleine durchsetzen. Denn seit den Wahlen 2015 haben sie 101 Sitze in der 200-köpfigen Kammer. Im Ständerat hingegen haben FDP und SVP mit 19 von 46 Sitzen wenig zu melden. Im Stöckli dominiert Mitte-links!
SP, Grüne und CVP können mit 26 Sitzen einem Geschäft locker ihren Stempel aufdrücken. Und das tun sie, wie die grosse Anzahl der Einigungskonferenzen beweist. Doch nicht nur das: Geht es hart auf hart, hat die Kleine Kammer die besseren Karten. Denn der dortige Mittelinks- Block ist stärker als der Rechtsblock im Nationalrat. Nur gerade drei Mal führte das Nachsitzen zu einem echten Kompromiss. In acht der bisher 15 Einigungskonferenzen liess der Ständerat hingegen seine Muskeln spielen und setzte sich durch. Nur gerade vier Nationalratsvorschläge überlebten die Endausmarchung.
Prominentestes Beispiel für die Ständerats-Dominanz ist die Rentenreform. Hier beharrten die Kantonsvertreter eisern auf den 70 Franken AHV-Zustupf. Gebracht hat es nichts: Das Stimmvolk versenkte die Vorlage vor zehn Tagen. Dasselbe Bild zeigte sich bei der Frauenquote in Unternehmen: Die Grosse Kammer wollte diese verschieben, die Kleine gewann das Seilziehen und beauftragte den Bundesrat, das Aktienrecht entsprechend anzupassen.
Die Macht des Ständerats zeigt sich jedoch nicht nur in Einigungskonferenzen. Sie entfaltet schon vorher eine psychologische Wirkung: «Der Nationalrat ist wegen der Stärke des Ständerats zu einem Weicheier-Verband mutiert, der zu schnell nachgibt», ärgert sich Ulrich Giezendanner (63, SVP). «Wie der Bundesrat in Brüssel, der vor Beginn der Verhandlungen schon mal Danke sagt.»
Herr Pfister, vor einer Woche scheiterte die Reform der Altersvorsorge an der Urne. Wo steht die bürgerliche CVP beim nächsten Anlauf – wieder an der Seite der Linken?
Wir dürfen nicht zu schnell sein und sagen: Das machen wir ohne die Linken! Ideal wäre es, wenn auch die Linken mehrheitlich hinter einer neuen Vorlage stehen könnten. Wichtig ist jetzt, dass zuerst FDP und CVP schauen: Was ist unser gemeinsamer Nenner? Dann können wir überlegen, wie wir nach Möglichkeit die anderen Parteien mitnehmen.
Sie haben die FDP vor kurzem als «kalt» bezeichnet …
Abstimmungskämpfe sind hart, aber wenn die Entscheidung gefallen ist, muss man wieder aufeinander zugehen. Die Tonalität hat sich bereits gewandelt.
Wie konnte überhaupt eine Reform scheitern, für die Sie gemeinsam mit der Linken kämpften?
Eine Vorlage, die im Parlament so knapp durchkam und bei der die Fronten derart verhärtet sind, steht an der Urne unter schwierigen Vorzeichen.
Ihre Gegner kritisierten, das Ja-Lager wolle keine Kompromisse eingehen.
Beide Seiten waren ziemlich kompromisslos. Die Gegner haben es uns schwer gemacht, sie wollten von einem sozialen Ausgleich nichts wissen.
Was heisst das für eine kommende Reform?
Mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse muss es unser Ziel sein, mindestens drei Bundesratsparteien auf einen Vorschlag zu verpflichten. Sonst wird es wieder knapp.
Und inhaltlich?
Die CVP setzt sich weiter dafür ein, dass das Frauenrentenalter nur dann auf 65 steigt, wenn dies in irgendeiner Art kompensiert wird. Wir dachten, eine Erhöhung der AHV könnte dieser Ausgleich sein. Aber die ist jetzt vom Tisch.
Also gibt es mit Ihnen keinen AHV-Ausbau mehr?
Für uns war es nie ein Ausbau, sondern eine Kompensation für die Ausfälle bei den Pensionskassen. Wenn wir die AHV isoliert sanieren – und danach sieht es aus –, wird man sie nicht ausbauen können.
Wie sehen Sie eine gemeinsame Reform der ersten und zweiten Säule?
Die Reform der AHV ist dringlicher als die der zweiten Säule. Dort herrscht auch grössere Einigkeit: Das Volk hat eine Verbindung abgelehnt. Dennoch sollten beide Pfeiler zeitgleich angegangen werden. Nur so weiss jeder Stimmbürger, wie hoch seine Rente insgesamt ausfallen wird.
Ihre persönlichen Lehren aus der Niederlage?
Unsere Partei darf sich nicht zu früh festlegen. Die Dinge ändern sich.
Wie meinen Sie das?
Die Rentenreform war noch ein Geschäft der Legislatur vor den Wahlen 2015, die den Nationalrat nach rechts rückten. Wir haben dem zu wenig Rechnung getragen. Wir hätten Alternativen zu den 70 Franken vertiefter prüfen müssen. Wir hätten darüber verhandeln müssen, als klar wurde, dass das rechte Lager – gestärkt durch den Wahlsieg – diesen Ausbau der AHV nicht will. Künftig müssen wir länger kompromissbereit sein.
Michael Hermann, Politgeograf und Kolumnist beim Tages-Anzeiger, beschäftigt sich nach dem Scheitern der AV2020 mit Inhalt und Bedeutung des Begriffs “Kompromiss”.
Es sind drei Trends, welche die Fähigkeit zum intelligenten Kompromiss heute untergraben. Der erste liegt in einem gewandelten Politikertyp. Parlamentarier und Parlamentarierinnen, die sich vor allem für die Inhalte der Gesetzgebung interessieren, werden immer rarer. Politik wird vermehrt als Spiel verstanden. Alles dreht sich um clevere Deals, Aussenwirkung und Selbstvermarktung. Statt um gute Lösungen, die «Policies», geht es immer häufiger um «Politics» – um den Prozess der Lösungsfindung. Verhandlungstaktik und Kommunikation sind in der Politik zentral, doch sie ersetzen nicht das Produkt.
Der zweite Trend liegt im Nacheifern der vermeintlichen Wünsche des Volkes. Zermürbt von wiederkehrenden Abstimmungsniederlagen, haben viele Politikerinnen und Politiker den Glauben an die eigene Intuition verloren. Statt auf Überzeugungskraft zu setzen und der Bevölkerung die Wichtigkeit und die Schritte einer notwendigen Reform zu erklären, wird versucht, dem Volk die Wünsche von den Lippen zu lesen – ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist die Rolle der Politik, voranzugehen und die Bevölkerung auf den Weg mitzunehmen.
Die Doppelmoral bei Regulierungen Beim dritten Trend geht es schliesslich um den Umgang mit dem Begriff der Regulierung. (…) Den guten Kompromiss kann es nur geben, wenn das Bedürfnis, klug zu regulieren, wieder einen zentralen Platz im Gesetzgebungsprozess erhält. Es braucht wieder geistige Beweglichkeit für kreative Lösungen, sonst verkümmert die einst zentrale Stärke der Schweiz.
Ein Blick über die Grenze zeigt, dass die meisten europäischen Staaten fähig waren, solche Tabus zu überwinden. Im letzten Jahrzehnt haben sie mit zum Teil umfangreichen Anpassungen auf die Alterung der Gesellschaft reagiert, viel früher, konsequenter und nachhaltiger als die Schweiz. Die Trends in Europa sind eindeutig, wie die aktualisierten Zahlen der europäischen Informationsbasis Missoc (Mutual Information System on Social Protection) deutlich machen.
Das ungleiche Pensionsalter von Frauen und Männern ist europaweit überwunden. Kein Staat hält auf Dauer an einem tieferen Frauenrentenalter fest. Die meisten Staaten haben das Rentenalter der Frauen angeglichen, insbesondere Schwergewichte wie Deutschland und Frankreich (siehe Tabelle). Wo dies noch nicht der Fall ist, wie etwa in Italien, Österreich, Polen oder Grossbritannien, ist die schrittweise Anhebung des Frauenrentenalters auf das Niveau der Männer im Gang, wobei sich nur das Tempo unterscheidet.
Der zweite eindeutige Trend in Europa ist die generelle Erhöhung des Renteneintrittsalters. Fast alle Staaten heben das Rentenalter über eine längere Zeitspanne schrittweise an, um die Arbeitszeit zu verlängern und den Eintritt ins Rentenalter hinauszuschieben. Sie sind dabei von unterschiedlichen Niveaus gestartet und gehen unterschiedlich schnell voran. Aber übers Ganze gesehen hat sich Rentenalter 67 als Zielgrösse herausgebildet. Bereits 2021 werden Irland, Italien und die Niederlande dort angelangt sein, bis 2022 folgen Dänemark und Frankreich.
Werner Enz kommentiert in der NZZ die Pläne der basellandschaftlichen Pensionskasse und die darauf folgenden Reaktionen zur Senkung des technischen Zinses auf 1,75%.
Es braucht noch Aufklärung, wie skurrile Positionsbezüge der Grünen-Unabhängigen des Landkantons vermuten lassen. Die Partei läuft Sturm gegen das Senken des technischen Zinses von 3,0% auf 1,75%, wie ihn die Kassenverantwortlichen mit Gültigkeit auf Anfang 2018 beschlossen haben. Wenn der Zins so stark gekürzt werde, würden die Rentenzahlungen nur noch bis zum 84. Lebensjahr ausreichen; aus diesem Grund sei man auch gegen das Kürzen des Umwandlungssatzes von 5,8% auf 5,0%.
Wenn es doch so einfach wäre – de facto ist eben ein technischer Zins von 3,0% mit Blick auf die zu erwartenden Anlagerenditen viel zu hoch angesetzt. Und ein Absenken des Umwandlungssatzes auf 5,0% ist die logische Folge davon, dass jetzt der technische Zins gesenkt wird. Die beiden BVG-Parameter sind siamesische Zwillinge.
Auf der anderen Seite sind Fragezeichen hinter das Vorgehen der Kassenverantwortlichen zu setzen. Sie beliessen den technischen Zins viel zu lange bei 4,0%, senkten ihn dann zackig auf 3,0% (2015) und im Branchenvergleich sehr tiefe 1,75% (2018). Das ruft nach Kompensationsmassnahmen. Ein Deckungsgrad von konsolidiert 103,0% per Ende 2016 zeigt an, dass ohne Kapitalzuschüsse harte Sanierungen warten; sechs Vorsorgewerke wiesen schon so eine Unterdeckung auf. Letztlich geht es darum, dass der Kanton als Arbeitgeber für Lehrer, Polizisten, Beamte und viele Teilzeitbeschäftigte seinen Beitrag wird leisten müssen.
Die Pensionskassen in der Schweiz stehen vor riesigen Umwälzungen. Die Rentendebatte wird mehr und mehr auf sie überschwappen. Nun zeigt sich, wie die PKs sich im Immobilien-Boom vergaloppiert haben. Sie setzten in den letzten Jahren voll auf Real Estate. Und voll zur falschen Zeit. Das Land steht vor einer Abkühlung ihres heissesten Marktes. Und ihre 2. Säule steckt bis zum Hals drin.
Drei Beispiele zeigen auf, was passiert ist. Zunächst die Pensionskasse der Migros, des Retail-Riesen und grössten Arbeitgebers der Schweiz. Im Bericht 2016 findet sich ein Anstieg des Immo-Anteils auf über 31 Prozent. Fast ein Drittel des ganzen PK-Vermögens ist in Bricks and Stones investiert. Gemäss Migros-PK ist das super. Man habe mit den Liegenschaften eine Rendite von 7 Prozent erwirtschaftet.
Wirklich? Die effektive Cash-Rendite lag bei knapp 4 Prozent. Die stolzen 7 Prozent kamen nur zustande, indem die Migros-PK die Immobilien höher bewertete.Einmal mehr. So wie fast immer in den letzten Jahren dieses einzigartigen Häuser-Anstiegs im kleinen Alpenland. Die stolz ausgewiesenen Zahlen, die alle nach oben zeigen, haben kein Fundament. Sie basieren auf Luft und Hoffnung.
Das geht aus einem einzigen, schwer wiegenden Fakt hervor. Der Veränderung beim Leerstand in den Rendite-Liegenschaften und den Mietverlusten. Da musste die Migros-PK im Kleingedruckten weniger Erfreuliches ausweisen. Einen Anstieg um 16 Prozent. Das Vorsorgewerk des grössten Retailers der Schweiz steht mit dieser Scherenbewegung – hier steigende Assetbewertungen beim „Betongold“, da steigende Leerstände und Mietverluste – nicht alleine da.
Die Swisscanto, eine grosse Fondsgesellschaft, die inzwischen der Zürcher Kantonalbank gehört, macht ebenfalls eine solche Entwicklung durch.