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Über 50 Prozent der Weltbevölkerung sind Frauen. Und die Mehrheit der Frauen menstruiert. Trotzdem ist das Thema nach wie vor ein Tabu. Mit zum Teil schweren negativen Konsequenzen.
So gibt es Länder, in denen menstruierende Mädchen und Frauen während ihrer Tage nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen dürfen, weil sie als unrein betrachtet werden. Oder sie setzen sich sogar Gefahren aus, weil sie die Körperhygiene während der Periode unter freiem Himmel erledigen müssen, da es keine Toiletten für Frauen gibt und sie so öfter Opfer sexueller Übergriffe werden. Auch in Nepal ist die Menstruation nach wie vor ein grosses Tabu, wie Annette Vondeling weiss.
Annette Vondeling
Schweizerisches Rotes Kreuz
Sie arbeitet für das Schweizerische Rote Kreuz und war im April in Nepal, um die Bevölkerung für die Bedürfnisse von Mädchen und Frauen im Zusammenhang mit Menstruation zu sensibilisieren.
SRF News: Wie zeigt sich die Tabuisierung der Monatsblutung in Nepal?
Annette Vondeling: Während der Menstruation ist es Mädchen und Frauen oft untersagt, an sozialen Ereignissen teilzunehmen.
Die Mädchen können während ihrer Menstruation nicht in die Schule gehen.
Beispielsweise ist es ihnen nicht erlaubt, in den Tempel zu gehen oder an religiösen Feierlichkeiten dabei zu sein.
Sie werden in dieser Zeit sozusagen gesellschaftlich gemieden und ausgestossen?
Ja, weil man sie während der Menstruation als unrein betrachtet. Das hat sehr oft mit Aberglauben und Mythen zu tun. Wir versuchen hier Aufklärungsarbeit durchzuführen. Die Mythen und Aberglauben müssen endlich ein Ende haben.
Sie haben mit dem nepalesischen Roten Kreuz zusammen an einem Projekt gearbeitet, um die Situation rund um die Menstruation zu verändern. Wie lief das ab?
Wir arbeiten auf verschiedenen Ebenen, mit den Schulen sind wir in einem stetigen Dialog. Oft gibt es an diesen Schulen keine Toiletten oder nur solche für Buben. Die Mädchen können während ihrer Menstruation somit nicht in die Schule gehen. Wir unterstützen diese Schulen, indem sie eine direkte Wasserversorgung bekommen und helfen ihnen beim Aufbau von Toiletten für Mädchen und Buben. Bei den Schulen, die wir nach dem Erdbeben wieder aufgebaut haben, gibt es jeweils Toiletten für beide Geschlechter. Mädchen haben die Möglichkeit, ihre Einwegbinden fachgerecht entsorgen zu können.
Werden bei Ihrer Arbeit auch die Buben miteinbezogen?
Es ist wichtig, dass auch die Buben und Lehrer miteinbezogen werden. Häufig können Mädchen aufgrund zu weniger Binden nicht in die Schule gehen.
Wir merken, dass ein Wandel stattfindet.
Wir unterrichten Mädchen, Buben und Lehrer in Nähworkshops, wo sie selber Binden herstellen.
Wie ist die Reaktion der Bevölkerung auf diese Schritte?
Bei Traditionen braucht es jeweils sehr viel Zeit, die Menstruation ist nach wie vor ein grosses Stigma. Oft fehlen zudem die Ressourcen. Die Leute haben nicht genügend Geld, sich eine eigene Wasserversorgung oder ein eigenes kleines Bad neben der Toilette aufbauen zu können. Aber wir merken, dass in Nepal ein Wandel stattfindet.
In Nepal und weiteren Ländern gibt es die Besonderheit der Menstruationshütten. Bis 2017 waren diese legal, nun sind sie verboten. Wie verbreitet sind diese Hütten in Nepal noch?
Die Hütten gibt es in sehr ländlichen Gebieten nach wie vor, sie sind aber nicht mehr verbreitet. In denjenigen Gebieten, wo das Schweizerische Rote Kreuz tätig ist, gibt es sie nicht mehr.
Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.