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Wenn alle Menschen wüssten, was unser Darm alles leistet, und zwar ständig, würden wir ihn viel besser behandeln…
Das Mikrobiom in unserem Darm
Der Magen-Darm-Trakt, insbesondere der Darm, genoss schon im Altertum grosses Ansehen. Paracelsus erklärte bereits im 16. Jahrhundert „der Tod sitzt im Darm“. Er hatte wohl recht, denn heute wissen wir, wie wichtig der Darm und seine Besiedlung (Mikrobiom/Darmflora) für unseren Gesundheitszustand ist. Das Mikrobiom hat nämlich Einfluss auf die psychische und auf die physische Verfassung.
Der Darm ist ein Schlauchförmiges Organ, das sich aus mehreren Abschnitten des Dünndarms und Dickdarms vom Magen bis zum Anus zusammensetzt. Im Dünndarm wird verdaut, zerlegt, durchmischt und resorbiert, das heisst, die Nahrung wird aufgenommen und über das Blutsystem in den Körper aufgenommen um dort z.B. in der Leber verstoffwechselt zu werden. Im Dickdarm wird das noch Unverdaute weiter verdaut und Wasser entzogen um schliesslich als Kot ausgeschieden zu werden. Im Dickdarm befindet sich auch der grösste Teil des Mikrobioms, unsere Darmflora. Sie besteht aus bis zu 2 Kg Bakterien verschiedener Spezies und ist an zahlreichen komplexen metabolischen und immunologischen Prozessen im Körper mitbeteiligt.
Der Darm hat ein eigenes Nervensystem - das enterische Nervensystem
Ein wichtiger Teil des Verdauungstrakts ist das enterische Nervensystem. Es besteht aus zwei Geflechten von über 100 Millionen Nervenzellen und ist eng mit dem Gehirn und dem Rückenmark verbunden. Das enterische Nervensystem arbeitet aber unabhängig und ist an der Produktion von Serotonin (dem Glückshormon) aus der Aminosäure Tryptophan und anderen Hormonen wie Melatonin (dem Schlafhormon) mitbeteiligt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zwischen intuitiven Entscheidungen, sogenannten Bauchentscheidungen, und dem Informationsaustausch zwischen Gehirn und Darm. Auch die Darmbewegung, die Sekretion von Verdauungssäften und die Aufnahme von zerlegter Nahrung ins Blutsystem wird durch das enterische Nervensystem mitgesteuert.
Die wichtigsten Aufgaben des Mikrobioms sind:
- Verdauung von noch unverdauter Nahrung wie schwer verdauliche Kohlenhydrate und Nahrungsfasern.
- Immunologische Funktion, denn ein Grossteil der Abwehrzellen reift im Darm aus, neue Forschungen gehen davon aus, dass etwa 80% des menschlichen Immunsystems im Darm angesiedelt ist.
- Produktion von Kurzkettigen Fettsäuren, die auch als Energiequelle für die Darmschleimhaut dienen und die Peristaltik (Darmbewegung) fördern.
- Schutzfunktion der Darmschleimhaut durch die Auskleidung des Darms mit der physiologischen Darmflora sowie Schutzfunktion des enterischen Nervensystems. Einige Bakterien kurbeln die Schleimproduktion der Darmschleimhaut an, wodurch Erreger, Schadstoffe und Allergene nicht direkt mit der Schleimhaut in Kontakt treten und so abgewehrt werden können.
- Vitaminbildung (Vitamin B1, B6, B12 und Vitamin K)
- Hormon- und Neurotransmitterbildung wie Serotonin, Melatonin, GABA, Adrenalin etc.
- Entzündungshemmung
- Und noch einige mehr…
Die Darmflora ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, fast wie ein Fingerabdruck. Bereits in der Schwangerschaft werden Botenstoffe der mütterlichen Darmflora über die Plazenta an das Baby weitergegeben. Durch die Geburt und das Stillen wird das Mikrobiom massgeblich beeinflusst und das Immunsystem gestärkt. Doch auch die Genetik, die Ernährung, die Schadstoffbelastung durch z.B. Alkohol und Nikotin, die Einnahme bestimmter Medikamente wie Antibiotika, Stressbelastungen, der Schlaf, das Alter, die Bewegung, die Trinkmenge etc. beeinflussen das Mikrobiom!
Anhand der im Darm vorherrschenden Bakterienstämme lässt sich ein sogenannter Darmtyp oder Enterotyp bestimmen. Die wichtigsten Bakteriengattungen dabei sind die Bacteroides (Enterotyp 1), die Prevotella (Enterotyp 2) und die Ruminococcus (Enterotyp 3). Diese Bakteriengattungen verdauen unterschiedliche Nahrungsarten und beeinflussen die Aufnahme von Vitaminen und Mineralien.
Was geschieht, wenn der Darm fehlbesiedelt ist?
Wenn das Mikrobiom fehlbesiedelt wird, entsteht Krankheit. Es gedeihen natürlich nicht nur gesundheitsförderliche Bakterien in unserem Darm, sondern auch krankmachende. Da spielen unser Lebensstiel und unsere Ernährung aber auch all die anderen oben erwähnen Punkte eine wichtige Rolle. Der Darm ist wie die Haut, ein wichtiger Schutz gegen äussere Umwelteinflüsse. Ist die Barrierefunktion gestört kommt es zu einer erhöhten Darmdurchlässigkeit (Leaky Gut) und Schadstoffe gelangen in den Körper. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion und das Immunsystem muss vermehrt arbeiten.
Je nach Fehlbesiedlung und Verhältnis der Bakteriengattungen können andere Erkrankungen und Fehlfunktionen entstehen. Häufige Fehlbesiedlung wird bei folgenden Erkrankungen beobachtet:
- Hauterscheinungen wie Neurodermitis, Ekzeme und Psoriasis
- Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Asthma
- Entzündliche Darmkrankheiten, Reizdarm, Verdauungsstörungen
- Übergewicht (Adipositas)
- Diabetes
- Herz-Kreislauferkrankungen
- Migräne
- Rheumatoide Arthritis
- Psychische Erkrankungen (Alzheimer, Autismus, Schlafstörungen, depressive Verstimmung)
Therapie und Darmdiagnostik
Anhand einer Stuhlanalyse im Labor wird u.a. die Darmflorazusammensetzung, Entzündungsparameter, Störung der Verdauungsfunktion, Unverträglichkeiten, Nahrungsmittelallergien analysiert und dient als therapeutisches Hilfsmittel, die den Therapieplan mitbestimmen. Durch eine Symbioselenkung (sozusagen Korrektur der Darmflora) wird der Gesundheitszustand versucht, wieder herzustellen.
Die Therapie ist individuell und wird in mehreren Phasen durchgeführt. Zuerst wird der Darm und der Körper auf die bevorstehende Kur vorbereitet und gestärkt, anschliessend folgt eine Entgiftung der Leber, Niere, Haut und des Darms, die ca. 14 – 30 Tage dauert. In der Korrekturphase wird die Schleimhaut regeneriert und die Darmflora durch Pro- und Präbiotika korrigiert. Diese Phase dauert je nach Zustand drei bis acht Monate. Anschliessend wird in der Stabilisierungsphase mit weiteren Pro- und Präbiotika, einer angepassten Ernährung und Versorgung mit Mikronährstoffen, Heilpflanzen und einem gesunden, angepassten Lebensstiel die Symbiose gestärkt und stabilisiert. Unterstützend zur Therapie können manuelle Techniken wie Fussrefelx, Schröpfen o.ä. eingesetzt werden.
Die gesamte Therapie dauert in der Regel ein Jahr, um eine langfristige stabile Darmgesundheit anzustreben.
Ich arbeite mit den Labors von Swiss Analysis (Medics) und Orto-Analytic. Die Rezepturen und das Therapiekonzept werden individuelle anhand der Anamnese im Erstgespräch, der Laborbefunde und weiteren Diagnosemassnahmen wie der Zungenbefund, Irisdiagnostik (das Bild des Auges), dem Puls und dem allgemeinen Erscheinungsbild. zusammengestellt. Die Umsetzung braucht viel Zeit, Motivation und Selbstdisziplin! Doch wenn einem bewusst wird, was der Darm alles leisten, ist es das wert.