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Schweine
Das europäische Hausschwein ist wohl das bekannteste rosarote Tier. Schweine sind sehr intelligente und neugierige Tiere. Sie haben einen äusserst guten Geruchssinn, mit dessen Hilfe sie ihre Nahrung in der Erde ausfindig machen. Das Schwein gehört zu den am frühsten domestizierten Haustieren und wurde schon vor etwa 9000 Jahren zur Fleischerzeugung gehalten.
Fakten und Interessantes
Steckbrief
- Das Hausschwein stammt vom Wildschwein ab.
- Das weibliche Schwein bezeichnet man als Sau, das männliche Schwein als Eber und die Jungtiere als Ferkel.
- Schweine haben eine natürliche Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren. Sie können in menschlicher Haltung sogar bis zu 20 Jahre alt werden.
- Gewicht: 300–350 kg (Eber) bzw. 250–280 kg (Sau)
Interessantes
- Schweine sind sehr intelligente und feinfühlige Wesen.
- Schweine können auf einen Namen hören.
- Die Schweine eines Bauern aus Dänemark steuerten mithilfe eines Joysticks die Belüftung und Temperatur im Stall selbst.
- Schweine erkennen sich selbst im Spiegel und haben eine Art Ich-Bewusstsein.
- Der Geruchssinn eines Schweins ist besser ausgeprägt wie derjenige eines Hundes.
- Auch besitzt das Schwein ein sehr gutes Gehör.
- Schweine sind empathische Wesen.
- Schweine sind sehr sensibel und ahnen, was ihnen bevorsteht, wenn sie zum Schlachthof kommen.
- Schweine können nicht schwitzen. Deshalb ist es für sie sehr wichtig, dass sie den Zugang zu schattigen Plätzen haben und sich im Schlamm wälzen können, um sich zu kühlen.
- Schweine kennen ihre einzelnen Kinder genau und sorgen sich liebevoll um ihre Ferkel.
- Jedes Jahr werden in der Schweiz knapp 2 Millionen Schweine gezüchtet, gemästet und geschlacht.
Bedürfnisse
Bewegen
Schweine sind tagaktiv und ruhen hauptsächlich in der Nacht und in den Mittagsstunden. Zur Orientierung brauchen sie Licht. Ausserdem ist ihr Verhalten räumlich strukturiert. Das heisst, dass sie sich für unterschiedliche Aktivitäten an unterschiedliche Orte begeben. So trennen sie bei genügend Platz beispielsweise Schlaf–, Fress–und Kotplatz voneinander. Ausserdem legen Schweine in der Natur täglich mehrere Kilometer zurück. Gerne suhlen sich Schweine auch im Schlamm, wodurch sie sich kühlen und säubern. Wenn sie die getrocknete Schlammkruste abreiben, entfernen sie damit Milben, Flöhe und anderes Ungeziefer.
Ruhen
Am gemütlichsten ist es für Schweine, wenn sie in Seitenlage ihre Beine ausstrecken können. Wenn sie in Bauchlage oder im Futtertrog schlafen, dann ist dies ein Anzeichen dafür, dass ihnen kalt ist. Normalerweise suchen sie beim Liegen Körperkontakt, ausser es ist sehr heiss.
Fressen
Schweine sind Allesfresser, d.h. sie essen pflanzliche sowie auch tierische Nahrung. Schweine wühlen ständig mit dem Rüssel im Boden auf der Suche nach Nahrung wie beispielsweise Knollen, Würmer, Wurzeln oder Sonstiges. Für Eicheln, Kastanien, Äpfel und Kürbisse haben sie eine besondere Vorliebe. In der Natur passen sie ihre Nahrung der Saison an. Zudem haben sie einen sehr guten Geruchssinn, um mögliches Essen in der Erde aufzuspüren. Mit der Nahrungssuche verbringen Schweine im Freiland den weitaus grössten Teil ihrer Gesamtaktivitätszeit. Während der Nahrungssuche wechseln sie immer wieder Ort und Nahrungsart.
Fortpflanzung und Abferkeln
Ein weibliches Schwein ist etwa mit neun Monaten geschlechtsreif und bringt nach 4 Monaten Tragzeit 10–12 Ferkel auf die Welt. Ein Schwein kann zwei Mal im Jahr trächtig werden und ist somit sehr fruchtbar. Dies führt dazu, dass Schweine in der industriellen Zucht ständig geschwängert werden und ihr Leben, bis sie geschlachtet werden, in winzigen Boxen verbringen müssen. Unter natürlichen Bedingungen sondert sich die Sau einige Tage vor der Geburt von ihrer Gruppe ab, um ein Nest zu bauen. Das Wurfnest hat mehrere Funktionen. Es speichert die Wärme, schützt vor Feinden, stärkt die Bindung der Ferkel zur Mutter und erleichtert ihnen das Auffinden der Zitze. Die Ferkel verlassen das schützende Nest zusammen mit ihrer Mutter nach ein bis drei Wochen. Zwischen den Jungtieren gibt es von Anfang an eine bestimmte Saugordnung, wobei jedes Ferkel immer an der gleichen Zitze saugt.
Sozialkontakt
Schweine sind sehr soziale Tiere. Sie leben in Mutterfamiliengruppen mit bis zu 20 Tieren zusammen. Eber, die männlichen Schweine, sind Einzelgänger und gesellen sich in der Paarungszeit zu den weiblichen Schweinen. Das Zusammenleben der Schweine wird durch eine Rangordnung geregelt. Ist diese erst einmal erstellt, bleibt sie über die Zeit relativ stabil. In der industriellen Stallhaltung kommt es jedoch häufig zu Neugruppierungen, wodurch sich keine Rangordnung etablieren kann und es somit zu häufigen Rangkämpfen kommt.
Haltungsformen
Der Gesetzesartikel Art. 7 wird nicht eingehalten. In diesem heisst es, dass Gehege so gebaut sein müssen, dass die Verletzungsgefahr für die Tiere gering ist und auch die Gesundheit nicht beeinträchtigt wird. Zudem müssen die Gehege so gebaut sein, dass sich die Tiere arttypisch verhalten können.
Mastschweine
Die Mastschweine werden hauptsächlich in einer Intensivhaltung, auch industrielle Schweinehaltung genannt, gehalten. Dies ist oftmals eine Stallhaltung ohne Stroh und Tageslicht. Laut der Tierschutzverordnung müssten sich die Tiere jedoch jederzeit mit Stroh, Raufutter oder anderem gleichwertigem Material beschäftigen können. In Wirklichkeit bekommen die Tiere meistens keinen Auslauf, sondern stehen auf verschmutzten Betonplattenböden oder Vollspaltenböden, durch die Kot und Urin hindurch in Sammelbehälter fallen. Die äusserst schlechten Bodenverhältnisse führen zu Verletzungen und Lahmheit. In der Schweiz mussten die Vollspaltenböden bis zum 31. August 2018 umgebaut werden: Ein Drittel Vollspalten und zwei Drittel feste Fläche. Doch auch diese Haltung widerspricht der natürlichen Lebensweise des Schweines.
Normalerweise bewegen sie sich gerne, wühlen den ganzen Tag mit ihrem Rüssel in der Erde oder wälzen sich in Pfützen. Es ist also alles andere als artgerecht und die Schweine können ihren Grundbedürfnissen nicht nachkommen. Die Tiere haben sehr wenig Platz: Ein Schwein, das zwischen 85 und 110kg wiegt, hat laut Gesetz in der Schweiz eine Fläche von knapp 0.9m² zur Verfügung. Durch den geringen Raum steigt auch das Krankheitsrisiko. Die Erkrankung der Atemwege wird durch die Vollspaltböden begünstigt. Denn dadurch sind die Schweine ständig Schadgasen wie beispielsweise Ammoniak ausgesetzt. Die Haltung ohne Einstreu, das Mastfutter sowie der Stress, welchem die Tiere ausgesetzt sind, führen vermehrt auch zur Bildung von Magengeschwüren. Antibiotika zu verabreichen ist Routine, um all diesen Problemen entgegenzuwirken.
Die Schweinehaltung zielt darauf ab, dass diese in möglichst kurzer Zeit viel Muskelfleisch ansetzen. Durch die leistungsorientierte Zucht, eine energiereiche Fütterung und praktisch keine Bewegungsmöglichkeiten erreichen die Tiere innerhalb von sechs Monaten ihr Schlachtgewicht. Unter natürlichen Bedingungen erreicht ein Schwein dieses Gewicht erst nach drei bis vier Jahren. Dadurch, dass die Tiere in so kurzer Zeit extremes Gewicht zulegen, kommt es oft zu einer Überbelastung des Bewegungsapparates und zu Herz-Kreislaufproblemen.
Sauen
Zum Leid der Zuchtsauen ist das Ziel der industriellen Landwirtschaft, möglichst viele Ferkel für die Fleischindustrie in möglichst kurzer Zeit zu produzieren. Die Sauen gebären pro Jahr etwa 20–24 Ferkel. Dies ist eine enorme Belastung für die Schweine, weshalb sie nach 3–4 Jahren an Herzversagen, Mastdarm–oder Gebärmuttervorfall sterben. Ansonsten werden sie schlussendlich geschlachtet.
Damit es überhaupt möglich ist so viele Ferkel pro Jahr zu gebären, werden die Sauen künstlich befruchtet und mit Hormonpräparaten versehen. Im Gesetz ist verankert, dass Personen, welche im eigenen Bestand besamen über einen Fähigkeitsausweis als Eigenbestandsbesamer verfügen müssen. Zuchtsauen leben abwechselnd in Einzel–und Gruppenhaltung. Doch sie leben immer noch etwa das halbe Jahr in Einzelfixierung. Zuallererst müssen die Sauen befruchtet werden. Dafür sind sie etwa für fünf Wochen in einem Kastenstand mit hartem Boden untergebracht. Ausserdem können sie sich nicht fortbewegen und den grossen Sauen fehlt sogar der Platz, sich seitlich hin zu liegen und sich vollends ausstrecken zu können.
Wie bereits erwähnt, werden den Tieren teilweise Hormone verabreicht, da man nicht den natürlichen Zyklus abwarten möchte. Zudem werden die Sauen eigentlich immer künstlich besamt. War die Befruchtung erfolgreich, dann kommen die Sauen in einen Wartestall und sind in einer Gruppenhaltung. Der Platz ist aber gering, wodurch Rangkämpfe hervorgerufen werden und es zu Verletzungen kommt. Eine Woche vor der Geburt verlegt man die Schweine wieder in Einzelhaltung. In der gängigsten Unterbringungsform ist die Sau teilweise in einem Metallgestell mit hartem Boden fixiert. Oftmals erhalten alle Zuchtsauen auch Hormone gespritzt, damit sie gleichzeitig abferkeln. Die Mutter ist von den Ferkeln getrennt, um das Risiko, dass diese von der Mutter erdrückt werden, zu senken. Jedoch ist durch diese Haltung der Muttersau die typische und so wichtige Geburtsvorbereitung wie beispielsweise der Nestbau verwehrt. Auch nach der Geburt kann die Mutter nur durch Gitterstäbe Kontakt zu ihren Babys aufnehmen. Die Ferkel dürfen nur zwischen 21 bis 28 Tage bei ihrer Mutter bleiben. In der Natur werden diese bis zu 4 Monate gesäugt. Das natürliche Verhalten der Zuchtsauen wird extrem eingeschränkt.
Seit dem 1. Juli 2007 dürfen in der Schweiz die Mutterschweine nicht mehr tagelang eingesperrt sein und die Kastenstände müssen sich seitlich öffnen lassen.Die Kastenstände dürfen nur während der Deckzeit höchstens während 10 Tagen verwendet werden. Zudem muss den Sauen Stroh oder anderes geeignetes Material zum Nestbau zur Verfügung gestellt werden. Ausserdem muss es möglich sein, dass sich die Sau frei drehen kann. Thomas Giger, ehemaliger Kantonstierarzt von St. Gallen, vermerkte, dass ca. 50% der Züchter ungenügend oder den Sauen gar kein Stroh gaben. Zudem darf die Sau laut Gesetz während der Geburtsphase im Einzelfall fixiert werden.Es sind somit wieder Ausnahmen erlaubt.
Ferkel
Die Wurfgrössen sind in letzter Zeit stark gestiegen, da intensive Zucht betrieben wird und auch Hormone eingesetzt werden. Für die Ferkel bedeutet dies aber, dass viele untergewichtig und weniger kräftig sind. Die Überlebenschancen der Ferkel sinkt und meistens lohnt es sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht, diese speziell zu betreuen. Auch kommt es häufiger zu überzähligen Ferkeln, da die Muttersau zu wenig Zitzen für einen so grossen Wurf hat. Da die Ferkel schon von klein an eine Rangordnung festlegen und jedes Ferkel seine eigene Zitze hat, müssten diese überzähligen Ferkel von einer Ammensau gesäugt werden. Dies ist jedoch mit Mehraufwand verbunden, weshalb diese Ferkel häufig getötet werden. Den neugeborenen Ferkeln werden zudem meistens auch die Eckzähne abgeschliffen und die männlichen Tiere werden oftmals bei vollem Bewusstsein kastriert. Die Kastration der männlichen Ferkel ist in der Schweiz seit 2010 verboten.
Nutzung
Fleisch: Betäubung und Schlachtung
Bevor die Schweine für unseren Fleischkonsum geschlachtet werden, werden sie aus ihrem Gehege getrieben und auf Lastwagen verladen. Der Weg zum Schlachthof bedeutet für das Tier einen enormen Stress: Gedränge, Hitze, Kälte, Enge und Durst. Diesen Weg treten die Schweine bereits im Alter von 5 Monaten an. Sie werden nicht einmal ihr erstes Lebensjahr vollziehen können. In der Massentierhaltung geht es vor allem darum, eine maximale Menge an Fleisch so schnell und billig wie möglich zu produzieren. So wiegt ein Schwein, welches bei seiner Geburt ca. ein Kilo schwer ist, bei seiner Schlachtung bereits etwa 100kg.Diese schnelle Gewichtszunahme ist sehr unnatürlich und führt auch zu gesundheitlichen Schäden, wie beispielsweise Gelenkproblemen.
Schweine dürfen grundsätzlich nur unter Betäubung getötet werden. Wenn die Betäubung nicht möglich ist, sollte alles Notwendige unternommen werden, um die Schmerzen der Tiere möglichst gering zu halten.
In Deutschland werden pro Jahr ungefähr 40 Millionen Schweine vor der Schlachtung mittels Kohlendioxid betäubt. Es können hierbei mehrere Schweine gleichzeitig betäubt werden. Die Tiere werden in einer Gondel in eine Grube befördert, welche mit einer hohen CO2 Konzentration gefüllt ist. Dadurch sollten die Schweine bewusstlos werden, doch die Wirkung des Gases tritt verzögert ein. Bis die Tiere schlussendlich wirklich betäubt sind vergehen 10 bis 30 schreckliche Sekunden. Die Tiere leiden unter Atemnot und ersticken qualvoll und langsam. Dadurch geraten sie auch in Panik, hyperventilieren, schreien und versuchen zu fliehen. Zudem kommt es immer wieder vor, dass ein Schwein wieder erwacht und bei vollem Bewusstsein durch 60 Grad heisses Wasser gezogen wird, welches die Borsten des toten Tiers entfernen. Auch in der Schweiz ist es laut dem Gesetz erlaubt Schweine mit Kohlendioxidgas zu betäuben.
Biomedizinische Forschung
Das Schwein ähnelt in seiner Physiologie dem Menschen, weshalb Schweine auch als Versuchstiere verwendet werden. Viele Organe wie das Herz und das Gehirn der Schweine haben eine ähnliche Form und Grösse wie diejenigen des Menschen.
Es werden beispielsweise Transplantationsexperimente durchgeführt, wobei versucht wird, die Organe von Schweinen auf den Menschen zu übertragen, um dem Organmangel entgegenzuwirken. Die Schweine werden hierfür auch gentechnisch verändert, damit der menschliche Körper die Organe besser annehmen kann. Forscher konnten sogenannte Chimäre zwischen dem Menschen und dem Schwein erschaffen. Dies sind Organismen, welche aus genetisch verschiedenen Zellen aufgebaut sind. In diesem Fall enthalten die Chimäre also Zellen vom Menschen und dem Schwein. Es gab auch Experimente, bei denen die Schweine gentechnisch verändert wurden, damit Diabetes genauer untersucht werden konnte. Der Zuckerstoffwechsel von Schweinen ähnelt demjenigen vom Menschen, weshalb beispielsweise neue Diabetes Medikamente an den gentechnisch veränderten Schweinen getestet werden. Ausserdem wurden Schweine bis in die 90er Jahre auch als lebende Crash-Test-Versuchstiere in der Autoindustrie eingesetzt. Und vor ein paar Jahren wurden 29 narkotisierte Schweine unter Schnee begraben, um herauszufinden wie lange es geht, bis Lawinenopfer wirklich tot sind. Diese Aktion musste jedoch abgebrochen werden, da es zu viele Proteste gab. Wie man sieht, werden Schweine für etliche Experimente eingesetzt, wobei sie am Schluss dann meistens unter Narkose getötet werden, da es nicht zumutbar wäre, sie am Leben zu lassen. Doch dies rechtfertigt weder die Versuche, die an ihnen durchgeführt werden, noch die schlussendliche Tötung.
Störungen des Sozialverhaltens
Der Gesetzesartikel Art. 3 wird stark verletzt. Laut diesem sind die Tiere so zu halten, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden.
Schwanzbeissen
Bei dieser Verhaltensstörung beissen sich die Schweine gegenseitig die Ringelschwänze blutig. Es gibt unterschiedliche Ursachen, welche dieses Verhalten hervorrufen können. Entscheidend hierfür sind beispielsweise die Belegungsdichte, die Lüftung, die Temperatur, die Beschäftigungsmöglichkeiten, das Auftreten von Parasiten sowie auch die Fütterung. Oft ist es jedoch auch ein Zeichen von extremer Langeweile und Enge bei diesen sehr intelligenten Tiere. Durch das Schwanzbeissen können Infektionen entstehen, welche auch in den Blut- und Lymphstrom, häufig in den Wirbelkanal, abwandern können. Dadurch kann es zu Abszessen oder auch Lähmungen im Bereich der Wirbelsäule kommen. Schweine sind, wie bereits erwähnt, sehr intelligente und soziale Tiere, doch die unerträglichen Haltungsbedingungen führen dazu, dass sie sich gegenseitig anknabbern, was teilweise auch als Kannibalismus bezeichnet wird. Anstatt die Lebensumstände der Tiere zu verbessern und dadurch diesem Problem entgegenzuwirken, werden den Schweinen die Schwänze kupiert.
Flankenbeissen
Der Begriff Flankenbeissen ist irreführend, da es sich hierbei nicht um ein Beissen handelt, sondern vielmehr um ein Massieren der Flankengegend eines Artgenossen. Diese Verhalten entsteht, wenn die Ferkel zu früh von ihrer Mutter getrennt werden und ihr Saugreflex noch nicht vollständig abgeklungen ist. Oftmals behalten die Jungtiere dieses Verhaltensmuster mehrere Monate bei. Die massierten Tiere wehren sich meistens erst auch, wenn deren Haut dadurch zu stark gereizt ist. Diese Störform kann vermieden werden, indem die Sau mit ihren Jungtieren ausreichend lange beisammensein kann. Entscheidend dafür, ob diese Verhaltensstörung auftritt, ist nach der Trennung von Mutter und Kind unter anderem auch die Anfütterung sowie die Wasserversorgung der Ferkel.
Ohrenbeissen
Das Ohrenbeissen ist meist keine Störform des Verhaltens, sondern entsteht auf Grund von Durchblutungsstörungen der Gefässe. Wenn solche Durchblutungsstörungen auftreten, stirbt das Gewebe ab, was wiederrum einen Juckreiz auslöst. Die Tiere mögen es dann, an den Ohren beknabbert zu werden. Es handelt sich hierbei oft um eine Infektion.
Stangenbeissen
Schlechte Haltungsbedingungen und mangelnde Beschäftigung führen dazu, dass Schweine in Gitterstäbe beissen. Dies ist eine Verhaltungsstörung, welche sich zu einer Stereotypie d.h. einer gleichbleibenden, wiederholten Handlung entwickeln kann.
Leerkauen
Wie der Name schon sagt, zeigt sich diese Verhaltungsstörung im Kauen, ohne dass die Tiere Futter im Mund haben. Das Leerkauen kann weiter zu Zähneknirschen oder zu Schaumbildung führen. Auch dieses Verhalten tritt aufgrund der enorm schlechten Haltungsbedingungen, den nicht vorhandenen Beschäftigungsmöglichkeiten und der Fütterung auf.
Trauern
Eingriffe
Abklemmen der Zähne
Schon frisch geborene Ferkel besitzen Schneide- und Eckzähne. Diese sind ziemlich scharf und können dadurch zu Verletzungen der anderen Jungtiere oder aber auch der Mutter führen. Deshalb wurden die Eckzähne der Ferkel oftmals mit einer Zange gekürzt. Nun stellte man aber in neusten Untersuchungen fest, dass Verletzungen aus diesem Grund eher selten sind und das Abschneiden der Zähne auch negative Nebenwirkungen mit sich bringt. In der Schweiz ist das Abklemmen der Zähne verboten.Es ist jedoch erlaubt, die Eckzähne ohne Schmerzausschaltung abzuschleifen. Hierfür dürfen nur spezielle Geräte verwendet werden. Trotzdem besteht die Gefahr, dass die Zähne zu stark geschliffen werden, wodurch die sogenannte Pulpahöhle, also der mit Weichgewebe ausgefüllte Innenraum des Zahns, geöffnet wird. Dies bietet Krankheitserreger jeglicher Art Einlass in den Kiefer.
Kupieren der Schwänze
Das Ziel des Kupierens der Schwänze mittels Brenneisen ist, das Schwanzbeissen bei den Schweinen zu vermindern. Dieser Eingriff ist für das Tier sehr schmerzhaft, da dies ohne Betäubung gemacht wird. Ausserdem sollten die Ursachen für das Schwanzbeissen in der Haltung gesucht werden, da dies keineswegs zum natürlichen Verhalten des Schweines gehört, sondern viel mehr aus Platzmangel und Langweile entsteht. Es gibt wissenschaftliche Studien, welche belegen, dass Schweine, welche Beschäftigungsmöglichkeiten haben, kaum zum Schwanzbeissen neigen.
In der Schweiz ist das Kupieren der Schwänze verboten. Die EU hat das Kupieren der Schwänze bereits seit 1994 verboten, doch in Deutschland halten sich nur wenige an dieses Verbot. Es gibt nun einen Aktionsplan, welcher vorsieht, dass bis zum 1. Juli 2019 eine Erklärung zum Nachweis der Unerlässlichkeit des Kupierens abgegeben werden muss.
Einsetzen von Nasenringen und Rüsselklammern
Schweine sind gerne beschäftigt und wühlen mit ihrem Rüssel in der Erde, sei es als Zeitvertreib oder als Futtersuche. Für den Bauer bedeutet dies, dass sein Acker davon Schäden trägt. Deshalb wurden oftmals Nasenringe oder Rüsselklammern eingesetzt. Dadurch erleiden die Schweine beim Wühlen Schmerzen, da ihr Rüssel sehr empfindlich ist und sie werden somit vom Wühlen abgehalten. Das Benutzen von Nasenringen und Klammern ist in der Schweiz verboten.
Kastrieren von männlichen Schweinen
Männliche Schweine produzieren in ihren Hoden Substanzen wie Androstenon, Skatol und Indol. Dadurch kann beim Erhitzten von Fleisch der sogenannte Ebergeruch entstehen. Dies kann das Fleisch für den Konsumenten ungeniessbar machen. Jedoch bemerkt lediglich ein Bruchteil der Menschen diesen Geruch. Ausserdem tritt der Ebergeruch nur bei ca. zwei bis sechs Prozent der Jungtiere auf. Den Geruch kann man vorbeugen, indem man die Ferkel kastriert. Lange Zeit wurde die Kastration ohne Betäubung durchgeführt, was den Tieren enorme Schmerzen verursacht hat. Die Kastration ohne Schmerzausschaltung ist erst seit 2010 in der Schweiz verboten. Jedoch kommt es immer wieder zu Fällen, wo dieses Gesetz missachtet wir. So stellte das Veterinäramt des Kantons Thurgau im Januar 2016 bei einer unangemeldeten Kontrolle fest, dass ca. 2000 Ferkel ohne ausreichende Betäubung kastriert wurden. Ausserdem hatte diejenige Person, welche die Ferkel kastrierte, eine ungenügende Ausbildung hierfür. In der Schweiz dürfen Tierhalter ihre Ferkel in den ersten zwei Wochen selber unter Anästhesie kastrieren, wenn sie einen Sachkundenachweis besitzen.
In Deutschland wurde nach der Tierschutzgesetzänderung entschieden, dass die Kastration ohne Anästhesie nur noch bis Ende 2018 erlaubt sei. Doch am 30.11.2018 wurde beschlossen, dass die Ferkelkastration ohne Betäubung weitere zwei Jahre erlaubt sein wird. In Deutschland werden jedes Jahr 20 Millionen Ferkel ohne Betäubung kastriert.Durch die Operation entstehen einerseits Schmerzen durch den Schnitt, welcher Haut, Muskeln, Nerven und Gewebe durchtrennt und andererseits entzündliche Wundschmerzen nach dem Eingriff.
Markieren von Schweinen
Das Markieren von Schweinen ist ohne Schmerzausschaltung erlaubt.Das Tätowieren der Schweine dient der Identifikation und der Herkunftsicherung des Fleisches. Doch es versetzt die Tieren in Unruhe und führt zu grossem Stress. Die Schweine sollten bis spätestens vier Wochen vor dem Schlachttermin gekennzeichnet werden, da der Stempeldruck auf dem Fleischgewebe blutunterlaufene Stellen verursacht. Da diese Prozedur Spuren im Fleisch hinterlassen kann, wurde geregelt, dass die Tiere frühzeitig gestempfelt werden. Das alleine sollte aufzeigen, dass die Prozedur des Markierens enorme Schmerzen für die Tiere verursachen muss. Doch auf das Wohlergehen der Schweine wird keine Rücksicht genommen, diese müssen zusätzlich zu dem restlichen Leid auch diese Schmerzen ohne Betäubung ertragen.
Ohrmarken
Die Ohrmarken dienen zur Kennzeichnungs- und Meldepflicht. Das Stechen der Marken fügt den Tieren auf Grund der zahlreichen Nerven in den Ohren grosse Schmerzen zu. Es können Blutgefässe verletzt werden, wodurch es zu Blutungen oder Blutergüssen kommen kann. Ausserdem entstehen dadurch grosse Löcher in den Ohren der Tiere, welche sich auch entzünden können. Zudem empfinden die Tiere die Ohrmarken oftmals als störend und versuchen diese loszuwerden. Wenn die Ohrmarken ausgerissen werden, entstehen tiefe Wunden, die lange brauchen, um zu verheilen.
Gesetzesausnahmen
Kontrollierbarkeit der Einhaltung von Gesetzen
Schweinehalter halten sich aus wirtschaftlichen Gründen oftmals nicht an die vorgeschriebenen Gesetze. Es mangelt an Personal, um regelmässig zu überprüfen, ob sich die Tierhalter an die Gesetze halten. So sagt Thomas Giger, ehemaliger Kantonstierarzt von St. Gallen, dass er lediglich zwei Kontrolleure zur Verfügung hatte. Ausserdem fehlt die Unterstützung der Vorgesetzten und anderer Behörden, sodass viele Strafanzeigen versanden. Ein verurteilter Züchter muss auch lediglich mit einer Busse von bis zu 1000 CHF rechnen, was nicht abschreckend genug ist. Mehr dazu findest du unter: Verstösse gegen das Tierschutzgesetz
Auswirkungen des Tierschutzgesetzes
Leider wird im Tierschutzgesetz nicht festgelegt, was man unter den Bedürfnissen von «Nutztieren» versteht. Es ist auch nicht festgehalten, was genau mit Misshandeln und starker Vernachlässigung gemeint ist. Das Gesetz lässt deshalb viel Interpretationsspielraum und schützt die Tiere kaum wirkungsvoll. Privatpersonen und Tierschutzorganisationen haben zudem keine Möglichkeit bei Verstössen gegen Tierhalter zu klagen. Sie können einen Fall lediglich beim kantonalen Veterinäramt melden, der dann die Zustände vor Ort anschaut. Was jedoch fehlt ist ein effizienter Vollzug. Unangemeldete Kontrollen und eine konsequente Durchsetzung der geltenden Tierschutzbestimmungen fehlen, auch die Durchsetzung von empflindlichen Sanktionen gegenüber den Tierhaltern würde helfen zu vermeiden, dass Tierleid sich auszahlt. Genauere Auskunft: Schweizer Tierschutzgesetz
- Wie alt wird ein Hausschwein? von Muders
- Schweinefreunde e.V. Verein und Infos für Schweine
- Das Schwein weiß um sein Ich von Füssler
- Die Intelligenzborste von Muscionico
- Schweinefreunde e.V. Verein und Infos für Schweine
- Zürcher Tierschutz
- Zürcher Tierschutz
- Gesetzesartikel: Unterkünfte, Gehege, Böden
- Schweine: Vollspalten noch bis 2018 erlaubt
- Mastschweine
- Gesetzesartikel: Anwendung künstlicher Reproduktionsmethoden
- Zuchtsauen
- Züchter nehmens nicht so genau
- Agricon
- Gesetzesartikel: Abferkelbuchten
- Tierschutzbund Deutschland
- Die Fleischstücke vom Schwein und ihre Verwendung
- Schlachttiere Schwein
- Gesetzesartikel: Betäubungspflicht
- Forscher erschaffen Chimäre zwischen Mensch und Schwein
- Lebensretter Schwein von Gottschling
- Die Zeit der Crashtest-Schweine ist vorbei
- Lawinenversuche an Schweinen Stellungnahme von Ärzte gegen Tierversuche e.V. zu den Lawinenversuchen der Universität Innsbruck an Schweinen, 22.01.2010
- Gesetzesartikel: Grundsätze
- Störformen im Sozialverhalten von Schweinen
- Zürchertierschutz
- Gesetzesartikel: Verbotene Handlungen bei Schweinen
- Abschleifen Zahnspitzen bei Ferkeln
- Schwanzkupieren beim Ferkel
- Frist für „Aktionsplan Kupierverzicht“ - Tierhaltererklärung schon ausgefüllt?
- Schmerzhafte Eingriffe bei Schweinen
- Mehr als 2000 Ferkel ohne richtige Narkose kastriert
- Ferkelkastration
- Ferkelkastration Schmerzausschaltung vs. Schmerzminderung
- Gesetzesartikel
- Schweineklassifizierung - Identifizierung
- Schweine
- Ohren ohne! - Mikrochips statt Ohrmarken für Klauentiere
- Todesangst bei der Gasbetäubung
- TierundWir
- Hintergründe - Ferkelkastration