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Torf erzählt die Lebensgeschichte eines Moores und entsteht durch unvollständig zersetzte Pflanzen bei der Verlandung von seichtem stehendem Wasser. Die Entwicklung von Torf geht sehr langsam vor sich - im Mittel entsteht jährlich eine Schicht von einem Millimeter. Zuerst bildet sich der Weisstorf, bei dem die Strukturen der Pflanzen noch deutlich sichtbar sind. Die weitere Zersetzung bringt den Brauntorf hervor und die älteste, unterste Schicht wird als Schwarztorf bezeichnet.
Torfmaterial kann viel Wasser speichern und reguliert den Wasserhaushalt der Umgebung. Bei starken Regenfällen wird das Wasser zurückgehalten und nur langsam wieder abgegeben. Bei diesem Vorgang wird das Wasser auch gefiltert. Der Torf ist der wichtigste Teil einer Moorlandschaft; eines speziellen und sehr verletzlichen Ökosystems. Es ist Lebensraum vieler stark gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und leistet somit einen nennenswerten Beitrag für die Artenvielfalt.
Vorkommen und Abbau
Weltweit gibt es 400 Millionen Hektar Moorflächen, das sind rund drei Prozent der Landfläche der Erde. Mit Ausnahme der Antarktis gibt es auf jedem Kontinent Torfböden. Mit 135 Millionen Hektar liegt Nordamerika an der Spitze, gefolgt von Europa mit 88 Millionen Hektar und Asien mit 33 Millionen Hektar. Die übrigen 15 Millionen Hektar sind auf den restlichen Erdteilen zu finden.
Der Abbau von Torf hat eine lange Tradition. Bereits zur römischen Zeit wurde Torf als Brennstoff verbraucht. Ab Beginn der Industrialisierung in Europa verwendete vor allem die Bevölkerung vermehrt getrockneten Torf für den Hausgebrauch, da Brennholz knapp wurde. In Skandinavien, Irland und im Baltikum wird noch heute in Torfkraftwerken Energie und Wärme für den lokalen Verbrauch erzeugt. Früher wurde manuell oder maschinell Torf gestochen, heute wird mit Baggern im grossen Stil ausgehoben. Dabei werden ganze Landschaften zerstört. In Europa sind über die Hälfte der Moore unwiederbringlich verschwunden. Allein in Deutschland und in der Schweiz sind es über 90 %.
Torf als Ersatz für fossile Brennstoffe?
Die industrielle Energiegewinnung aus Torf gewinnt heute wieder an Bedeutung. In Kanada wird gar propagiert, dass Torf eine besonders umweltfreundliche Biomasse darstelle, da es aus Pflanzen bestehe. Die Entnahme wird dadurch gerechtfertigt, dass in bereits zerstörten Mooren der restliche Torf abgebaut werde. Die europäische Torfindustrie schliesst sich dieser Argumentation an und erstrebt gar ein Zertifikat, das von der EU als Öko-Label anerkannt werden soll.
Es wird verkannt, dass grundsätzlich jede Entnahme von Torf problematisch ist, auch wenn das Material aus bereits zerstörten Mooren stammt. Während des Wachstums der Moorpflanzen wird Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre aufgenommen. Bei der Vertorfung wird dieses klimaschädliche Treibhausgas nicht abgegeben, sondern eingelagert. Kommt der Torf beim Abbau an die Luft, werden CO2 und Lachgas freigesetzt. Die Torfgewinnung zählt somit zu den klimaschädlichsten Aktivitäten. Das erklärt die bemerkenswerte Bedeutung der Moore. Sie bedecken nur rund 3% der Erdfläche, binden aber etwa ein Drittel der terrestrischen Kohlenstoffvorräte.
Nicht nur durch den Torfstich wurden Moore zerstört. Oft wurden solche Flächen mit Drainagen entwässert, um Forst- und Landwirtschaftsland zu gewinnen. Damit wurde der Torfkörper zerstört. In der Schweiz war es beispielsweise das Grosse Moos im Berner Seeland, das für den Gemüseanbau melioriert wurde.
Ein weiterer Anwendungsbereich ist der Gartenbau, der seit den 1950er Jahren den mit Kalk und Nährstoffen angereicherten Torf einsetzt. Das Substrat kann viel Wasser speichern, ist leicht und frei von Pflanzensamen. Etliche Pflanzen gedeihen am besten in dieser Torfmischung; so beispielsweise Azaleen oder in Gärten angelegte Moorbeete.
Schutz der Moore
2016 haben sich 27 weltweite Organisationen - wie WWF, Universitäten, FAO, UN environment - zur Global Peatlands Initiative zusammengeschlossen und setzen sich dafür ein, Moore als den bedeutendsten Kohlendioxidspeicher zu schützen und Massnahmen zu initiieren, damit das Gas nicht mehr in die Atmosphäre entweicht. In einem ersten Schritt wird der Zustand von Moorgebieten untersucht, ebenso die Bedeutung für die Wirtschaft. Auf nationaler Ebene geht es vor allem um die Wissensvermittlung und die Ausarbeitung von Möglichkeiten, die Zerstörung von Mooren zu reduzieren.
Im März 2019 verabschiedete die Umweltversammlung des UN-Umweltprogrammes die Resolution “Schutz und nachhaltiges Management von Mooren“. Damit wird anerkannt, dass die Zerstörung der Moorgebiete zu einem Verlust der biologischen Vielfalt, zur Umweltzerstörung und zu einem erheblichen Ausstoss von Treibhausgasemissionen führt. Die Mitgliedstaaten werden aufgerufen, Moore zu erhalten, nachhaltig zu bewirtschaften und wieder herzustellen. Zudem wird eine bessere Koordination der Bemühungen gefordert.
Auch wenn solche Übereinkommen und Initiativen keinen zwingenden Charakter haben, stossen sie vielfältige Projekte und Aktivitäten an. In Deutschland beispielsweise gibt es kein generelles Verbot für die Torfgewinnung. Dennoch stehen noch intakte Moore unter Schutz und neue Abbaulizenzen werden aus Umwelt- und Klimaschutzgründen so gut wie nicht mehr vergeben.
Situation in der Schweiz
Mit der Annahme der Rothenthurm Initiative 1987 wurden alle Moore in der Schweiz unter Schutz gestellt und in der Folge der Torfabbau verboten.
„Moore und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung sind Schutzobjekte. Es dürfen darin weder Anlagen gebaut noch Bodenveränderungen irgendwelcher Art vorgenommen werden.“
Bundesverfassung Art. 24sexies Abs. 5
Dies hatte aber keinen Einfluss auf die Verwendung von Torf im Gartenbau. Die nachgefragte Menge wird nach wie vor importiert aus Ländern, die weiterhin Moorflächen für unseren Konsum zerstören. Dieser Widerspruch veranlasste die damalige Ständerätin Verena Diener, im Jahr 2010 ein Postulat einzureichen. Damit beauftragte sie den Bundesrat, Massnahmen zu ergreifen, um den Import und die Verwendung von Torf in der Schweiz zu reduzieren oder sogar zu verbieten. Der Rat reagierte darauf mit der Verabschiedung eines Torfausstiegskonzepts. In einer ersten Phase wird auf Freiwilligkeit der Branchen gesetzt. Wird damit das Ziel bis 2030 nicht annähernd erreicht, sollen in einer zweiten Phase handelspolitische Massnahmen geprüft werden – das heißt Torfimportverbote oder -restriktionen.
Im Rahmen dieses Ausstiegskonzeptes haben neun Anbieter von Pflanzerde für Endverbraucher eine Absichtserklärung unterschrieben und erklären sich damit bereit, keine torfhaltigen Produkte mehr zu verkaufen. Für den Hobbygartenbau ist deshalb kaum mehr torfhaltige Erde erhältlich.
Torfersatzprodukte
Weit schwieriger gestaltet es sich im Erwerbsgartenbau. Beispielsweise werden im Ausland bezogene Setzlinge und Jungpflanzen in Töpfen mit Torferde geliefert. Für die eigene Anzucht wird nach wie vor auf Torf gesetzt, da die geringere Qualität und der höhere Preis von Alternativprodukten Kosten verursacht. Doch der weltweite Druck auf den Torfabbau steigt zunehmend und gleichwertiger Ersatz muss dringend gefunden werden.
Die ZHAW in Wädenswil testete im Rahmen eines Forschungsprojekts zehn alternative Substrate und verglich Eigenschaften, Verfügbarkeit, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Auswirkungen. Maisfasern, Holzfasern und Rindenkompost schnitten am besten ab. Weitere Forschungen sind aber nötig, um deren Einsatz als Torfersatz zu ermöglichen.
Doch nicht nur in der Schweiz ist man darum bemüht, Moore zu erhalten und Torf zu ersetzen. Ein vielversprechendes Projekt ist die Paludikultur in Deutschland. Unter anderem wird versucht, mit der Kultivierung von Torfmoosen Torfersatz für den Gartenbau zu gewinnen. Es bleibt zu hoffen, dass der klimaschädigende Torfabbau bald der Vergangenheit angehört.
Quellen und weitere Informationen:
Entstehung Torf
UN Resolution “Conservation and Sustainable Management of Peatlands“
Torfausstieg BAFU
Paludikultur