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Thaiboxen ist eine besonders harte Kampfsportart, in dem die Gegner mit Fäusten, Knien und Füssen aufeinander losgehen. Aggression und Kampflaune mögen in diesem Sport als besondere Stärke gelten - ausserhalb des Rings, im richtigen Leben, stellen sie natürlich keine Alternative zur Konfliktlösung dar. In dieser Widersprüchlichkeit befindet sich der etwa zwanzigjährige Protagonist aus Vadim Jendreykos Dokumentarfilm, denn für ihn ist die Gewalt zu einer wichtigen Ausdrucksform geworden. Bashkim weiss sehr genau, dass sie im Alltag keine angemessene Form ist, sich Problemen zu stellen. Aber noch übt die Gewalt gegen Menschen, die ihn unvorhersehbar zur Weissglut treiben, einen Reiz auf ihn aus, dem er sich vorerst nicht entziehen kann: «Wenn man rausfindet, wer man ist und was man will, dann ist man auf dem richtigen Weg. Aber ich bin so weit weg davon ...»
In der Schweizer Thaibox-Szene ist Bashkim auf Grund einiger beachtlicher Siege bekannt geworden, zurzeit trainiert er für einen Durchbruch auf europäischer Ebene. Gleichzeitig kam er in den letzten Jahren zusammen mit seinen Freunden immer wieder in Konflikt mit der Justiz: Als Jugendlicher verübte er eine Reihe von Einbrüchen; zuletzt wurde er wegen schwerer Körperverletzung eines Polizeibeamten zur Rechenschaft gezogen.
Jendreyko fächert die Stationen von Bashkims Leben auf: Die Kindheit verbrachte er im Kosovo, sein Vater kam als Gastarbeiter in die Schweiz und liess später die Familie nachkommen. Wegen der Sprachschwierigkeiten fand sich Bashkim in der Schule nur schwer zurecht.
Als sich der Krieg im ehemaligen Jugoslawien auf den Kosovo ausbreitete, wurde der Besitz von Bashkims Vater und dessen Brüdern weitgehend zerstört; viele Verwandte mussten fliehen. Auf der Flucht ins nahe gelegene Montenegro kamen zwei Cousins von Bashkim ums Leben. Familienvideos aus glücklichen Tagen manifestieren umso deutlicher die bittere Realität des Krieges. Vor diesem Hintergrund bekommt man einen Einblick in mögliche Ursachen für Bashkims Verhalten.
Seine Familiengeschichte, sein Alltag, seine Straftaten und seine Sportlerkarriere werden parallel erzählt. Jendreyko vermeidet es geschickt, die eng verknüpften Aspekte von Familie, Sprachschwierigkeiten, Gefühlen des Fremdseins, Bashkims explosivem Charakter und seinem Kampfsport gegeneinander auszuspielen. So gelingt es dem Film, Bashkim in seiner charismatischen Art nicht als jugendlichen Gewalttäter zu verurteilen, sondern die Vielschichtigkeit und die Tragik dieses jungen Menschen aufzuzeigen, der seinen Platz in der Welt noch suchen muss.