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Der sogenannte «Theaterdonner» gehört seit jeher zur Geräuschkulisse der internationalen Politik. Er ist eine martialische Drohung, die in erster Linie fürs einheimische Publikum gedacht, aber nicht wirklich ernst gemeint ist – dem Polterer geht es darum, als starker Mann dazustehen, ohne das Risiko eines echten Konflikts eingehen zu müssen.
Die Bretter, die die Welt bedeuten: Das Theater war immer schon eine Illusionsmaschine. Der grosse griechische Ingenieur Archimedes von Syrakus oder der erste Automatenbauer der Geschichte, Heron von Alexandria, dachten sich komplizierte Hebekräne und Spezialeffekte für die Bühne aus. Deren Krönung war seit jeher das Gewitter: Der Klang von Regen wurde mit einer lederbespannten und mit getrockneten Linsen gefüllten Walze erzeugt, der Einschlag eines Blitzes mit herabfallenden, flach aufschlagenden Brettern oder mit Schiesspulver. Ganz besonders erfinderisch machte der Donner: Mächtige, mit Fäusten bearbeitete Donnerbleche; mit Steinen gefüllte Fässer oder schwere Eisenkugeln, die auf dem Schnürboden hin und her gerollt wurden; schwer beladene Donnerwagen mit kantigen Rädern; Donnerrinnen, durch die Steine in die Tiefe polterten; Donnerpauken, deren Fell mit Kies belegt war, damit der Donner auch ordentlich nachgrollte. Um 1800 wurde gar eine eigentliche Donnermechanik erfunden, die mit Filz bespannte Zahnräder über einen Resonanzboden laufen liess.
Ob Politik oder Theater – so täuschend echt Theaterdonner auch grollen mag: Er grollt stets zum Schein.