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«Warum heisst Ihr Buch ‹Leonardo DiCaprio trifft keine Schuld›?» Bei Lesungen werde ich dies immer wieder gefragt. Tatsächlich ist der Titel ungewöhnlich, denn das Buch dreht sich um Panikattacken. Und diese scheinen mit dem Interview, das ich Mitte der 2000er-Jahre mit dem Schauspieler geführt habe, wenig zu tun zu haben. Aber es war eine der skurrilsten Begegnungen, die ich während meiner langjährigen Arbeit als Journalistin mit Stars führte.
Bevor ich den «Titanic»-Star in einem Luxushotel in London interviewen konnte, musste ich mit einem Dutzend anderer Journalisten stundenlang in einem abgedunkelten Zimmer warten – ohne Getränke, ohne Knabbereien. Eine Unterzuckerung, der Mangel an Sauerstoff und eine plötzlich auftauchende Panikattacke sorgten dafür, dass ich einen leichten Schwächeanfall erlitt, als wir endlich das Hotelzimmer betreten durften, in dem das Interview stattfinden sollte. Und so setzte ich mich nicht auf einen der Stühle, die für die Journalisten aufgestellt waren, sondern fiel der Länge nach über die Stuhlreihe, bevor mich die Dunkelheit umfing. Als ich wenig später verwirrt die Augen öffnete, erblickte ich ein Stück Himmel. Halleluja! Doch ich war nicht im Jenseits gelandet, sondern sah in die sehr irdischen, himmelblauen Augen von Leonardo DiCaprio, der sich besorgt über mich beugte und auf Deutsch fragte: «Geht es Ihnen gut?»
Diesen sehr besonderen Moment und den offensichtlichen Neid der anwesenden Journalistinnen konnte ich allerdings erst nach einiger Zeit geniessen. Obwohl ich mich schnell erholte und am Gruppeninterview teilnehmen konnte, war mir das Ganze furchtbar peinlich. Heute wünsche ich mir, ich wäre noch etwas länger ohnmächtig geblieben: Vielleicht wäre es dann zu einem Wiederbelebungsversuch gekommen. Eine andere verwirrende Situation erlebte ich, als ich Demi Moore nach ihrem Filmerfolg «Ghost – Nachricht von Sam» im französischen Deauville interviewte. Vielen ist die Filmszene in Erinnerung, in der Moore, gemeinsam mit dem «Geist» ihres verstorbenen Ehemannes, gespielt von Patrick Swayze, ein Objekt aus Ton formte. Keine hohe Kinokunst, aber eine sehr erotische Szene. Dies fand auch Demis damaliger Ehemann Bruce Willis, der aus Eifersucht Swayze verkloppt haben soll.
Ich freute mich auf Demi Moore, die im Film mit ihrem dunkelbraunen Kurzhaarschnitt und den weiten Jeans-Latzhosen einen Modetrend gesetzt hatte. Ich betrat also das Hotelzimmer. Im Raum warteten aber nur zwei Damen von der Presseabteilung, die kontrollieren würden, dass das Interview nicht länger als 20 Minuten dauert. Ich setzte mich also und wartete. Bis eine der beiden Frauen ziemlich scharf sagte: «Let’s start!» Plötzlich durchfuhr es mich siedend heiss: Vis-à-vis sass keine PR-Mitarbeiterin, sondern Demi Moore herself! Ich hatte sie nicht erkannt, weil ihre Haare in platinblonde Marilyn-Monroe-Wellen gelegt waren; ihre Nase wirkte plötzlich schmaler, dafür war ihre Oberweite scheinbar auf das Doppelte angewachsen. Mein Interview dauerte nur zehn Minuten: Ich war sehr verwirrt und schaffte es nicht, sinnvolle Fragen zu stellen. Lange nagte meine Unprofessionalität an mir. Heute kann ich über meine damalige «Sehstörung» lachen. Denn wie hätte ich damals, noch ohne das Internet, herausfinden sollen, dass sich der androgyne Star innert eines knappen Jahres zu einer Sexbombe gewandelt hat?