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Die bürgerliche Musik: Sô, Kotomusik und Sankyoku
Die vielleicht uns am vertrautesten, für viele Hörer auch die typischste Musik aus Japan mag die Kotomusik sein. Diese Musik mit ihren leicht wirkenden Melodien und meist von japanischen Frauen im traditionellen Kimono anmutig gespielt erfreut sich in touristischen Kreisen in Japan und an japanischen Kulturanlässen grosser Beliebtheit.
Das Instrument und die Musik haben eine lange Geschichte, die sich etwa im neunten Jahrhundert verliert. Ein Vorläufer des modernen Koto, das Gaku-so spielt eine Rolle als Begleitinstrument im höfischen Gagaku-orchester (s.u.). Als Soloinstrument wurde es der Legende nach von Fujiwara Sadatoshi im 9.Jh. von China nach Japan eingeführt. In der Literatur und auf Holzschnitten taucht das Koto immer wieder auf. Verschiedentlich wird das Instrument auch in einem der berühmtesten Bücher der alten japanischen Literatur dem "Prinzen Genji" der Hofdame Murasaki Shikibu [1], geschrieben im 11.Jh. (Heian-Zeit), erwähnt. Über die damalige Musik selbst ist wenig bekannt, es lassen nur sich über die literarischen Beschreibungen der Musik und ihrer Wirkungen vermuten, dass die Musik eine melancholische und tief bewegende Note hatte und das Kotospiel am Hofe mit der gleichen Feinheit und Akkuratesse wie die anderen Künste gepflegt wurde. Schöne Beschreibungen dieser Bedeutung der Künste, vor allem der Kalligraphie, bietet neben dem erwähnten "Prinzen Genji" das "Kopfkissenbuch" der Dame Sei Shonagun [2].
Die Musik, welche heute noch auf dem Koto gepflegt wird hat ihren Ursprung im 17. Jahrhundert und ist verbunden mit dem Namen von Yatsuhashi Kengyo, einem blinden Musiker, welcher das Instrument von einem Spieler aus Kyûshu erlernte und diese nach Kyoto brachte und damit die Yatsuhashi-schule begründete. Das gehörte Beispiel "Rokudan", eines der bekanntesten Kotostücke überhaupt, wurde von ihm komponiert. Von anderen Meistern, wie Ikuta Kengyo, welcher der Funktion der Kotomusik als Tanzbegleitung mehr Bedeutung gab und Yamada Kengyo, welcher mehr Gewicht auf den erzählenden Gesang legte, werden bis heute noch Stücke gespielt und in den Ikuta-schulen resp. Yamada-Schulen weiter unterrichtet und gepflegt. Dem Soloinstrument werden im Laufe der Zeit eine Stimme, Shamisen (ein dreisaitiges, im weitesten Sinne banjoartiges Instrument s.u.) und Kokyû (eine Art "Knievioline") oder Shakuhachi zur Seite gestellt, die aus der Solomusik eine Ensemblemusik entstehen lassen. Da häufig drei Instrumente zusammen spielen, wird die Musik auch "Sankyoku" [3] genannt.
Im 19.Jh gehörte es zur guten Erziehung der Töchter des Hauses, dass sie sich im Kotospiel übten. Seit der Meiji-Zeit [4] wurde immer mehr das westliche Klavier zu diesem Zwecke verwendet. Bis heute noch findet sich eine enorme Anzahl an Pianistinnen in Japan, welche das Klavierspiel zu ihrer schulischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Ausbildung zählen und damit wichtige Kulturträgerinnen und -vermittlerinen darstellen.
Das Instrument
Das Koto ist eine dreizehnsaitige Wölbbrettzither aus dem Holz der Paulownia, welche mit Plektren an den Fingern der linken Hand gespielt werden. Auffällig sind die hohen Stege, über die die Saiten verlaufen und welche eine Beeinflussung der Tonhöhe durch Hinunterdrücken mit der rechten Hand während des Spielens ermöglichen. Damit lassen sich auch feine Intonationsmodulationen erreichen, die dem Spiel und der Musik Weichheit und Geschmeidigkeit geben. Die Saiten aus Seide sind alle gleich dick, so dass bei den hohen Tönen gerne eine gewisse Schärfe des Klanges entsteht und die Tiefe etwas dünn ausfällt. Hier lässt sich schon bemerken, dass es beim Instrumentenbau der traditionellen Instrumente nicht nur um die Vereinfachung der Spielweise und der Tonerzeugung geht, sondern dass noch andere Prinzipien eine Rolle zu spielen haben (s.u.).