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Egal, wie dünn man eine Scheibe schneidet, sie hat immer zwei Seiten. So ist es auch mit der Verantwortung – also ab und zu nicht ganz einfach: Manchmal hast du sie und willst sie nicht, manchmal willst du sie, bekommst sie aber nicht.
Im Begriff «Verantwortung» steckt «Antwort» oder «antworten». Er wurde ursprünglich vor allem in der Rechtsprechung verwendet. Dort meinte die Antwort (des Angeklagten) auf eine Anklage, seine Erklärung für ein bestimmtes fehlerhaftes Handeln und für dessen Folgen.
Es gibt viele Arten von Verantwortung – und, es kann nur jemand «Verantwortungsträger» sein, der in seiner Entscheidung frei ist.
Wir haben Verantwortung gegenüber uns selbst
Menschen haben gegenüber sich selbst eine Verantwortung. Diese Verantwortung ist bei Kleinkindern noch sehr gering, bei größeren Kindern oder Jugendlichen schon wesentliche grösser, aber noch nicht ganz so stark wie bei Erwachsenen. In bestimmten Lebenssituationen – z. B bei einer Demenz – kann sie vermindert oder nicht mehr vorhanden sein.
Umstritten ist, wie sehr der Staat Menschen in ihrer Verantwortung gegenüber sich selbst beeinflussen darf und wie weit der Staat den Menschen Eigenverantwortung abnehmen soll.
Dabei geht es z. B. um «Erziehung» zu einem gesunden Lebensstil (Essen, Rauchen, Bewegung, Drogen, …). Oder es geht um die Frage, ob der Staat für eine Pensionsvorsorge sorgen soll oder ob jeder einzelne für sich und seine Altersvorsorge verantwortlich ist. Oder es geht um die Frage, ob der Staat Menschen das Recht zugesteht, im Extremfall (z. B. bei einer zum Tod führenden Krankheit) das eigene Leben zu beenden und sich eventuell dabei helfen zu lassen.
Gedanken sind frei
Kurz gesagt ist ein Gedanke «eine Idee oder Meinung, die durch Denken erzeugt wird oder plötzlich im Kopf auftaucht.»
Die meisten von uns lieben ihre Gedanken und nehmen sie ernst. Was auch immer unsere Gedanken uns anbieten, wir schenken ihnen unser Vertrauen, und halten sie für die absolute Wahrheit. Aber wer hat die Verantwortung für unsere Gedanken?
Wenn du mich um eine Antwort fragen würdest, dann würde ich antworten, für meine Gedanken will ich mal keine Verantwortung übernehmen. Aber ich würde dich einladen, es dir vielleicht etwas einfacher zu machen, und nur die Verantwortung dafür zu übernehmen, wie du mit deinen Gedanken umgehst.
Vielleicht gibt es Instrumente für den Umgang mit den Gedanken. Je nach Kontext und Aufgabenstellung kann man sich neu orientieren und Sinn und Funktion (Auswirkung) seiner gedanklichen Unterschiede jeweils überprüfen und ein entsprechendes «Wofür?» gewichten.
Dies ist eine Sache des Horizonts und aufgeklärter Vernunft, die versteht, dass im Prinzip alle unserer Meinungen zur Debatte stehen.
Über den Umgang mit negativen Gedanken
Es entstehen schmerzhafte Emotionen, wenn wir an negative Gedanken glauben. Gedanken wie:
Ich sollte fitter sein.
Ich bin ein Tollpatsch.
Das habe ich wirklich verbockt.
Ich werde es nie richtig hinbekommen.
Sie ignorieren mich.
Ich bin so unglücklich.
Sie denken, ich bin dumm.
Das ist zu schwer, ich sollte aufgeben.
Das wird ein schrecklicher Tag werden.
Ich bin arm dran.
Zum letzten Gedanken möchte ich addieren: «Lieber Arm dran, als Arm ab.» Die Liste ist natürlich nicht vollständig. Vielleicht ist das Problem dabei, dass wir nicht früh genug gelernt haben, dass wir nicht unsere Gedanken sind. Was sind wir denn dann? Wir sind die Beobachter; die die Kontrolle über den Umgang mit unseren Gedanken haben.
Die Kontrolle über den Umgang mit unseren Gedanken liegt in unserer Verantwortung.
Man kann auch zu viel denken: Menschen, die zu viel denken, lassen ständig Kommentare in ihrem Kopf ablaufen, kritisieren und zerpflücken, was sie gestern gesagt und getan haben, haben Angst, dass sie schlecht dastehen – und sorgen sich um eine schreckliche Zukunft, die sie erwarten könnte.
Das Gegenteil von das Opfer deiner Gedanken zu sein, ist, der Beobachter deiner Gedanken zu sein. Wenn du deine Gedanken beobachtest, dann wirst du feststellen, sie kommen und sie gehen, wie die Wolken am Firmament. Du kannst entscheiden, diese Freiheit haben wir alle, dich entweder mit ihnen zu identifizieren oder nicht, d.h. dich mit ihnen auseinander zu setzen oder eben nicht.
Beobachter meiner Gedanken
Ich lade dich zu einer Übung ein: Mache deinen Kopf für einen Moment frei. Erlaube dir die nächsten Objekte in deinen Gedanken erscheinen zu lassen:
Ein Segelboot.
Einen breiten Fluss mit starker Strömung.
Einen gelben Kreis.
Der Beobachter des Segelboots, des breiten Flusses mit starker Strömung und des gelben Kreises ist derselbe Beobachter, der alle deine Gedanken beobachten kann, die dir so über den ganzen Tag über in den Kopf kommen.
Das bedeutet, dass du auf die gleiche Art und Weise, wie du das Segelboot, den Fluss und den Kreis kontrolliert hast, auch alle anderen Gedanken kontrollieren kannst, wenn du deinem Beobachter Aufmerksamkeit zukommen lässt. Dafür könntest du die Verantwortung übernehmen.
Du bist nicht das Segelboot. Du bist nicht der breite Fluss mit starker Strömung. Du bist nicht der gelbe Kreis. Genauso wenig bist du all die Gedanken, die, wie aus dem Nichts auftauchen. Und das bedeutet, du bist nicht der Gefangene deiner Gedanken – du kannst sie gehen lassen, wann immer du willst. Ganz nach dem Motto: «Der Nächste, bitte!» Keine Sorge, der Nächste kommt, hast du doch zwischen 40- bis 60 Tausend Gedanken am Tag.
Du bist nicht deine Gedanken,
und es liegt nur in deiner Verantwortung, wie du mit ihnen umgehst. Seinen Beobachter darf man pflegen und wertschätzen. Dann meldet er sich auch häufiger
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