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Wer bauen will braucht Pläne.
Die Maria Lourdes Kirche wurde 1934 erbaut. Ein Blick zurück ins junge 20. Jahrhundert zeigt die alte Stadt Zürich am See. Sie wächst mit der Zunahme der Maschinenindustrie die Hänge der umliegenden Hügel hoch und über den Milchbuck hinaus nach Norden. Ebenso breitet sich die Bevölkerung aus durch Immigranten, die aus den katholischen Ländern des Südens, aus der Innerschweiz und den Tälern Graubündens in den Zürcher Fabriken und den Giessereien von Oerlikon zu Lohn und Arbeit kommen.
Es entstand ein riesiges Bauvolumen das vom Zürcher Baugewerbe allein nicht zu bewältigen war. Schon früh treffen wir auf unzählige Namen wie Cellere, Scotoni und Piatti. Wir erinnern uns zum Beispiel an die Bonomo, Pini und Turrin, die später namhafte Bauunternehmer wurden und am Bau von Maria Lourdes beschäftigt waren.
Wir riefen Arbeiter und es kamen Menschen. Max Frisch
Die Idee vom Bau einer Kirche in Seebach stammt wohl aus dem Pfarrhaus in Oerlikon. Die Priester von damals, unter ihnen bereits Vikar Franz Xaver Föhn, der spätere erste Pfarrer in Seebach, haben die fehlende notwendige Betreuung der schnell wachsenden katholischen Bevölkerung erkannt und rasch gehandelt. Und ein greiser Bischof von Chur, Georgius Schmid, soll anlässlich einer Pilgerreise in der Grotte von Lourdes der Madonna den Bau einer Maria Lourdes Kirche in Zürich versprochen haben. So war Maria Lourdes in Seebach entstanden - aber noch nicht gebaut.
Auf den Wiesen zwischen Oerlikon und Seebach wuchs die Industrie. Schnell wuchs auch das Bedürfnis nach Wohnungen und öffentlichen Bauten. Architekturwettbewerbe wurden ausgeschrieben, Wohnungen und Schulhäuser wurden gebaut. Namhafte Architekten gewannen Preise für berühmte Bauten wie das Hallenstadion und das Schulhaus Buhnrain.
Und wie entstand das Projekt Maria Lourdes?
An der Jahreswende 1932/33 war unter eingeladenen Architekten ein beschränkter Wettbewerb zur Erlangung guter Entwürfe für den Bau einer Kirche in Seebach ausgeschrieben worden. Unter allen eingereichten Projekten gefiel am besten jenes von Architekt Fritz Metzger, wohnhaft in Oerlikon. Ihm wurde denn auch, sozusagen ohne jede Änderung, die Ausführung des Werkes anvertraut.
Aus: W.K. Kälin: Festschrift zur Kirchenweihe, 26. Juni 1960
Warum wurde - wie damals in kirchlichen Kreisen nicht unüblich - kein direkter Architekturauftrag zum Bau der Kirche erteilt? Wer hat den Wettbewerb ausgeschrieben, wer die teilnehmenden Architekten bestimmt? Aus welchen Persönlichkeiten bestand die Jury?
Was bis heute verborgen blieb: Wie sahen die nicht prämierten Projekte aus?
Im Juli 2008 sind im Pfarreiarchiv von Herz Jesu Oerlikon Pläne aufgetaucht, die freundlichst der Pfarrei Maria Lourdes übergeben wurden. Es handelt sich dabei um die Originalpläne von zwei Wettbewerbsentwürfen, dem ausgeführten Siegerprojekt von Architekt Fritz Metzger, und einem nicht prämierten Projekt eines anonym gebliebenen Teilnehmers. Somit sei bekannt: Es gab mindestens zwei Wettbewerbsteilnehmer oder mehrere, und, im zweiten Fall, wären uns dann nur die zwei besten, zur endgültigen Auswahl stehenden Projekte erhalten geblieben.
Die Maria Lourdes Kirche wurde 1935 eingesegnet. Seither ist die Kirche aus dem Siedlungsbild von Seebach nicht mehr wegzudenken. Ihr Anblick ist uns vertraut. Könnten wir uns hier eine andere Kirche vorstellen, wie z. B. die im unterlegenen Projekt des anonym gebliebenen Architekten, mit einem kleineren Turm unten, an der Seebacherstrasse, einem Zugang beim Höhenring über einen geschlossenen Kirchhof mit Eisentor, anstelle des heutigen, grosszügigen Kirchenplatzes? Vorgelagerter Saal, Stil usw.
Wäre ein anderes Erscheinungsbild als das heutige möglich?