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Von seinem Posten im Informationszentrum der friedenserhaltenden Mission der UNO im Kongo verfolgt Olivier Kuster alle Ereignisse in diesem Land.
Aus Neugier, und mit der Unterstützung seiner Familie und seines Arbeitgebers reiste der Neuenburger aus St. Aubin für ein Jahr nach Kinshasa.
Gegen 20'000 Personen aus gut fünfzig Ländern sind zur Zeit in der Demokratischen Republik Kongo stationiert.
Sie arbeiten für die Friedensmission der Vereinten Nationen (Monuc), der grössten friedenserhaltenden Operation der UNO. Das Budget beläuft sich auf eine Milliarde Dollar.
Bolivien, China, Guatemala, Indien, Pakistan, Senegal, Tunesien ... die Liste der Länder, aus der die militärischen Kontingente stammen, die in diesem afrikanischen Staat stationiert sind, ist lang und vermittelt ein Bild des heterogenen Charakters dieser wichtigsten Mission der UNO, die 1999 auf die Beine gestellt wurde.
Unten auf der Liste, unter der Rubrik "Militärbeobachter", stehen auch die Namen zweier Schweizer.
Einen von ihnen, Olivier Kuster, treffen wir am Rand des UNO-Geländes, mitten in Kinshasa. "Ich bin seit Mitte März im Kongo und bleibe ein Jahr hier. Meinen Landsmann verschlug es nach Kisangani, 1000 Kilometer nördlich von hier", erklärt der 35-jährige Soldat.
Arbeiten für den General
Im kleinen Restaurant neben dem Hauptquartier der Mission geniesst Kuster seinen täglichen Kaffee. Zwar sind in diesem Lokal die Preise doppelt so hoch wie ausserhalb des Geländes der Monuc, aber für eine Pause ist es ideal, da es nur ein paar Schritte vom Büro entfernt ist. So ist Kuster sofort zur Stelle, wenn sein Vorgesetzter ihn braucht.
Denn der Neuenburger kommt nicht gern zu spät. "Ich bin der militärische Assistent von General Houdet, dem Leiter des Generalstabs der Monuc-Streitkräfte", erklärt Kuster.
Der junge Schweizer erfüllt hier sehr wichtige Aufgaben. Den Vertrauensbeweis verdankt er seinem Vorgänger: "Den Posten erhielt ich dank der ausgezeichneten Arbeit meines Vorgängers, auch er ein Freiwilliger aus der Schweiz."
Der Kontakt mit den Einheimischen
Die Vereinbarung zwischen dem Kompetenzzentrum der Schweizer Armee für Friedensförderung im Ausland, Swissint, und der UNO hält fest, dass Schweizer Militärbeobachter in Konfliktgebieten nicht im Feld eingesetzt werden dürfen.
Aber Kuster findet es nicht frustrierend, abseits der Spannungszonen zu bleiben, wo die Blauhelme mit bewaffneten Milizarmeen konfrontiert sind.
"Dank meiner Arbeit im Informations- und Kommunikationszentrum kann ich alle Ereignisse hier genau verfolgen", betont Kuster.
Doch für den Freiwilligen zählte vor allem, dass er in eine neue Welt eintauchen konnte. "Ich hatte Lust, einmal etwas ganz anderes zu machen. Wegen der Sprache entschied ich mich lieber für den Kongo als für Georgien, weil ich hier mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt kommen kann."
Ohne Einverständnis seiner Familie und seines Arbeitsgebers wäre er sicher nicht gekommen, fügt der Neuenburger bei.
Kanadische Freunde
So konnte der Mitarbeiter des Strassen- und Schiffsverkehrsamts der Schweizer Armee seine erste Afrikareise antreten. Seine Ankunft in der kongolesischen Hauptstadt hinterliess einen starken Eindruck bei ihm.
"Als ich in Kinshasa ankam, war ich ziemlich verwirrt. Im Flughafen herrschte ein riesiges Chaos, draussen war es Nacht, und die Strasse ins Stadtzentrum war in einem erbärmlichen Zustand", erinnert er sich.
Nach dem ersten Schock ging Kuster auf die Suche nach einer Unterkunft. "Ich musste mich allein durchschlagen, weil die UNO uns nichts zur Verfügung stellt. Nur einige Quartiere sind uns aus Sicherheitsgründen untersagt", so der Soldat weiter.
Zunächst teilte er eine Weile eine Wohnung mit jemandem, der oft abwesend war. Danach zog Kuster in ein grosses Haus, wo bereits eine Gruppe Kanadier wohnte. "Vorher war es deprimierend, da ich am Abend meist allein zuhause sass. Jetzt grillieren wir oft zusammen, und ich vergesse die Sehnsucht nach meiner Familie und meinen Freunden."
Internationale Zusammenarbeit
Während wir unsere Mahlzeit in der Monuc-Cafeteria beenden (Hamburger und Pommes frites), setzen sich ein Blauhelm aus Bangladesh und zwei dänische Soldaten an den Nebentisch.
"Das internationale Klima hier gefällt mir. Ich schaue gerne zu, wie diese Leute aus all den verschiedenen Ländern in einem so komplexen Land wie dem Kongo zusammen auf das gleiche Ziel hin arbeiten", erklärt der Schweizer Soldat.
"Nur in der UNO kann man indische und pakistanische Militärangehörige nebeneinander und zusammen arbeiten sehen. Wenn nur alles immer so sein könnte...", meint Kuster träumerisch.
Er wirft einen Blick auf die Uhr und geht nun schnell zurück an die Arbeit für seinen General. Olivier Kuster möchte für nichts auf der Welt der Erste sein, der hier gegen die traditionelle helvetische Pünktlichkeit verstösst.
swissinfo, Luigi Jorio, Kinshasa
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)
Fakten
1902 lebten 19 Schweizer Staatsangehörige im Kongo, Ende 1959 waren es 1215. 1986 war die Zahl auf 432 gesunken, im Jahr 2000 lag sie bei 160.
Heute sind es knapp 150. Fast alle von ihnen arbeiten für internationale Organisationen.
Zwei Schweizer Soldaten nehmen an der UNO-Friedensmission im Kongo teil. Die Monuc ist die grösste der 18 friedenserhaltenden Operationen, welche die Vereinten Nationen zur Zeit weltweit unterhalten.
Schweiz und Friedensmissionen
Die Schweiz beteiligt sich seit über fünfzig Jahren an Friedensmissionen in der ganzen Welt. 1953 entsandte sie 93 Soldaten nach Korea, im Zusammenhang mit der Überwachung des Waffenstillstands zwischen Nord- und Südkorea.
Das Kompetenzzentrum Swissint in Stans im Kanton Nidwalden ist verantwortlich für Planung, Vorbereitung und Leitung aller Schweizer Militärkontingente sowie für die zur Friedensförderung ins Ausland entsandten Mitarbeitenden.
Zur Zeit sind gut zwanzig Schweizer Offiziere – vom Hauptmann an aufwärts – in Missionen aktiv, die von den Vereinten Nationen im Nahen Osten, in Georgien, der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan und in Äthiopien/Eritrea geleitet werden.
Die Schweiz beteiligt sich mit 220 Freiwilligen – das ist der Maximalbestand – an der UNO-Friedensmission im Kosovo. Schweizer Militärangehörige sind auch in Afghanistan und Bosnien präsent.