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ein Zweig des
Buchhandels (s. d.), der seine
Kunden nicht im Platz- und Ladengeschäft
hat, sondern dieselben durch
Agenten (Musterreisende, nicht
Kolporteure), gewöhnlich Buchhandlungsreisende (s. Handlungsreisender)
genannt, in ihren Wohnungen und Geschäftsräumen aufsuchen läßt. Er vertreibt weder Zeitschriften noch Hefte oder einzelne
Werke, vielmehr große encyklopäd.
Werke, Klassiker,
Bibeln und teure Prachtwerke und erleichtert den Interessenten die Anschaffung
bei sofortiger Lieferung eines
Teils oder des ganzen subskribierten Wertobjekts durch im Verhältnis zum
Gegenstand geringe
Teilzahlungen (s.
Ratenzahlung).
Efendi (türk.,
d. i. präsidierender Efendi),
Titel, den früher im
OsmanischenReiche die Minister der auswärtigen
Angelegenheiten führten und der von
Mahmud II. abgeschafft wurde. Das Ressort des Reîs Efendi war sehr umfassend,
da außer den Verhältnissen zu den fremden Mächten auch die der Rajahnationen zur
HohenPforte und untereinander dahin gehörten.
Als Ende des 18. Jahrh. die auswärtigen Verhältnisse in der
Türkei
[* 3] eine überwiegende Bedeutung gewannen, wurde der der Reîs Efendider
einflußreichste Pfortenbeamte und verdunkelte den Großwesir, der aber unter
Abd ul-Medschid sein früheres
hohes Ansehen wiedergewann.
Gesamtheit der Gegenstände, die der Reisende zu seinem und seiner
Angehörigen Gebrauch auf
Reisen mit
sich führt. Das Reisegepäck wird in der Regel gleichzeitig mit dem Reisenden in demselben Wagen oder wenigstens
demselben Zuge befördert. Bei Postreisen darf nur eine verhältnismäßig geringe Menge von
Gepäck (im
DeutschenReiche 15 kg) von jedem Reisenden mitgenommen werden, für das keine Bezahlung erfolgt; bei Schiffsreisen, insbesondere
Reisen zur See, ist die Mitnahme erheblicher Mengen, meist ohne Bezahlung, gestattet.
Besondere Bestimmungen für die
Beförderung von Reisegepäck auf den Eisenbahnen sind für das
Deutsche Reich
[* 4] getroffen in den §§. 28 und
30-38 der Verkehrsordnung (s. Eisenbahn-Verkehrsordnung), für
Österreich
[* 5] und
Ungarn
[* 6] sowie für die übrigen Gebiete des
Vereins
deutscher Eisenbahnverwaltungen (s. Eisenbahnverein) in den gleichlautenden Bestimmungen der §§. 28 und
30-38 des
Betriebsreglements. Die Generalkonferenz der deutschen Eisenbahnen (s. Eisenbahntarife, Bd.
5, S. 899 a, 900 a) hat zu einzelnen
Paragraphen der Verkehrsordnung Zusatzbestimmungen festgestellt,
die in dem deutschen Eisenbahn-Personen- und
Gepäcktarif,
Tl. 1 (gültig vom enthalten sind.
Man unterscheidet hiernach zwischen Handgepäck, d. h. dem
Gepäck, das der Reisende in den Wagen mit sich nimmt, und
Gepäck
im engern
Sinne, d. h. dem zur
Beförderung im Packwagen aufgegebenen
Gepäck. Als Handgepäck dürfen nur
kleine, leicht tragbare Gegenstände, die die Mitreisenden nicht belästigen, in der 4. Wagenklaße jedoch auch
Körbe, Säcke,
Kiepen
u. dgl. mitgenommen werden. Auf vielen Eisenbahnen, z. B.
in Süddeutschland,
Österreich,
Ungarn, der
Schweiz,
[* 7]
Italien,
[* 8] ist das Gewicht oder der Raum für diese Gegenstände auf ein
höchstes zulässiges
Maß beschränkt.
Wertgegenstände aller Art werden unter besondern
Bedingungen als Reisegepäck befördert. Für das aufgegebene Reisegepäck wird ein
Gepäckschein
ausgestellt,
den der Reisende in Empfang nimmt und gegen dessen Rückgabe am
Bestimmungsort das Reisegepäck ausgeliefert wird. Die Eisenbahnen
haften für
Verlust,
Beschädigung, verspätete
Ablieferung des Reisegepäck im wesentlichen nach denselben Grundsätzen,
die für die Güterbeförderung gelten (s. Eisenbahn-Verkehrsordnung). Zur
Beförderung des Reisegepäck an die Abfertigungsstellen
und die Eisenbahnwagen sowie zur Aufbewahrung des Reisegepäck auf den
Stationen sind meist Gepäckträger angestellt.
Über die für die
Beförderung des Reisegepäck zu zahlende Vergütung s. Eisenbahntarife (Bd.
5, S. 892). Das Handgepäck wird in der Regel unentgeltlich befördert. Auch für eine bestimmte Menge
andern Reisegepäck wird bei vielen Eisenbahnen keine Vergütung erhoben (Freigepäck). Auf den norddeutschen Eisenbahnen
werden auf eine gewöhnliche und eine Rückfahrkarte für Erwachsene 25 kg, für
Kinder 12 kg Freigepäck gewährt, in
Frankreich 30 kg;
in England ist das Gewicht des Freigepäcks erheblich höher, ebenso in den
Vereinigten Staaten
[* 9] von
Amerika,
[* 10] wo auf einzelnen
Strecken über 100 kg Freigepäck auf jede Fahrkarte gewährt werden. In beiden
Ländern ist freilich auch
die
Abfertigung des Reisegepäck einfacher und die Haftpflicht der Eisenbahnen beschränkter.
In den übrigen europ.
Ländern gelten für
dieBeförderung von Reisegepäck ähnliche Bestimmungen wie im Gebiet des
Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen.
Auf den Eisenbahnen des
DeutschenReichs,
Österreichs und
Ungarns ist die
Beförderung von auch ohne Lösung von Fahrkarten zulässig
(§§. 39-41 der deutschen Verkehrsordnung und des österr. und ungar.
Betriebsreglements). (S. auch Expreßgut.)
werden zu verschiedenen Zwecken unternommen, hauptsächlich zu solchen des Erwerbs, der Entdeckung und Erforschung,
der Belehrung, des Vergnügens, der
Heilung oder Besserung
Kranker, sowie aus religiösem Eifer. Die
Entwicklung des Reisens
hängt mit den Kulturstufen der
Völker eng zusammen; es ist erst allmählich zu großer Bedeutung gelangt, der Beginn anderer
als nur kaufmännischer Reisen bezeichnet stets einen vorgerückten Civilisationsgrad. Waren bis
vor kurzem Reisen für manche Zwecke so gut wie unbekannt, so ist jetzt die größte
Entwicklung aller genannten Reisearten eingetreten,
wobei die
Wallfahrten, namentlich in christl. und mohammed.
Ländern, als religiöse Reisen zu bezeichnen sind.
Hauptursachen dieser
Blüte
[* 11] sind die großartige Ausbildung der Verkehrsmittel, zunehmende persönliche
Sicherheit und besonders wachsende Wertschätzung der Reisen. Der Verkehr der
Völker bahnt kosmopolit. Ideen den Weg, stärkt
das
Band
[* 12] der Zusammengehörigkeit aller Nationen; durch die heutige ununterbrochene Berührung mit allen Zonen der Erde wird
unser Ideenkreis erweitert. Indem das Reisen die Nationen miteinander bekannt macht, mindert es den Nationalhaß,
der die
Völker sich gegenseitig Hindernisse bereiten läßt; daher rühmt Ad.
Smith das Reisen als ein Förderungsmittel der Volkswohlfahrt. Die kaufmännischen Reisen teilen als wichtiges
Arbeitsmittel des Welthandels dessen hervorragende Bedeutung für die Vervollkommnung des wirtschaftlichen Lebens; durch
die allgemeine Zunahme auch kleinerer kaufmännischer Reisen ist manche kaufmännische Betriebsweise
wesentlich umgestaltet,
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mehr
so sind seitdem die großen Messen im Niedergange. Die Wertschätzung der Reisen für Herstellung der Gesundheit ist in raschestem
Wachstum begriffen.
Entdeckungsreisen, d. h. Reisen, die in der Absicht unternommen werden, um noch unbekannte Länder aufzufinden und ungenügend
bekannte genauer kennen zu lernen, sind oft zu gleicher Zeit kaufmännische und wissenschaftliche Reisen. Im
frühesten Altertum konnten der Natur der Sache nach wissenschaftliche Reisen nicht wohl vorkommen, während zu Entdeckungsfahrten
im Interesse des Handels, z. B. bei den Phöniziern, Karthagern und Griechen, vielfach Veranlassung vorlag.
Bekannte Beispiele sind die Seereisen des Hanno, des Pytheas von Massilia und Nearchs sowie die Landreisen eines röm.
Ritters von Italien nach der Bernsteinküste, der Agenten des Macedoniers Maës Titianos durch Hochasien nach China.
[* 14] Wissenschaftliche
Reisen kann man die vieler griech. Philosophen, Geschichtschreiber u. a. nennen, weil zur Erweiterung des Gesichtskreises und der
Kenntnisse unternommen. Als Frucht einer solchen Reise ist ein großer Teil der Geschichtsbücher des Herodot zu
betrachten.
Aristoteles benutzte die Feldzüge seines großen SchülersAlexander, um im fernen Osten Erkundigungen einziehen und Beobachtungen
sammeln zu lassen. Ganz ähnlich blieben die Verhältnisse unter den Römern. Man reiste, um sich zu bilden und zu belehren,
nicht mit dem Zwecke, ein Land wissenschaftlich zu erforschen und die Resultate dieser Forschung seinen
Zeitgenossen in einer Beschreibung mitzuteilen. Eine eigentliche Reisebeschreibung für Landreisen findet sich auch unter den
noch erhaltenen Litteraturwerken der Römer
[* 15] nicht. Die noch vorhandenen Itinerarien (s. Itinerarium) können nicht dazu gerechnet
werden. Für Seefahrer bestimmt war der um Christi Geburt geschriebene «Stadiasmos», eine Rundfahrt um das Mittelländische
Meer.
Die Abgeschlossenheit des Mittelalters ließ nur wenig Reisewerke hervortreten. Dahin gehören die zur Zeit des Königs Alfred
unternommenen Expeditionen Othars und Wulfstans und die Berichte über die Unternehmungen der Skandinavier nach den Färöer,
Island,
[* 16] Grönland und Vinland (Neuschottland). Diese Entdeckungen haben die Erdkunde
[* 17] nur um die Kenntnis Islands und Grönlands
bereichert, während die Kunde jener Fahrten nach der Neuen Welt das altnord. Sprachgebiet nicht überschritt.
Dagegen hat die arab. und jüd. Litteratur des Mittelalters eine
nicht unbedeutende Reiselitteratur aufzuweisen. Die jährlichen Pilgerfahrten führten Mohammedaner von allen Weltgegenden
zusammen. Mohammed. Fürsten rüsteten selbst Expeditionen zur Lösung naturhistor. Fragen aus, so Harun
Al-Raschid nach Jemen zur Erforschung des Ursprungs und der Natur des grauen Ambra. Die Reisewerke der Araber Massudi, Ibn Foslan,
Ibn Batuta und LeoAfricanus sind wichtige Quellen für die Kunde der mittelalterlichen Verhältnisse zum Teil selbst noch gegenwärtig
schwer zugänglicher Länder.
Von Bedeutung für die Kenntnis Ostasiens sind die Reisen buddhistischer Priester, wie z. B.
des Fahien und besonders des Hiwen-tsang. Die erste Kenntnis Mittelasiens verschafften uns die Sendungen kirchlicher Botschafter
an die Nachfolger Dschingis-Chans; 1240 erreichte die erste päpstl. Gesandtschaft unter Piano di Carpine die Residenz des
mongol. Herrschers. Die Handelsbegünstigungen seitens der Mongolen riefen im 14.
Jahrh.
einen geordneten Überlandverkehr bis nach Peking
[* 18] ins Leben, über dessen Weg Balducci Pegoletti, Handelsreisender
eines Florentiner
[* 19] Hauses, berichtet (1376). Dem Handelsgeiste der Venetianer verdanken wir vor allem die Reisen Marco Polos, während
die Reisen der Gebrüder Zeno wie die des Mandeville auf Erfindungen beruhen. Das spätere christl. Mittelalter hat eine Anzahl
Berichte über das besonders seit den Kreuzzügen von Pilgern häufig besuchte Heilige Land aufzuweisen (vgl. Tobler, Bibliographia
geographica Palaestinensis, Lpz. 1867; Röhricht und Meißner, Deutsche Pilgerreisen nach dem
HeiligenLande, Berl. 1880; Röhricht, Deutsche Pilgerreisen nach dem HeiligenLande, Gotha
[* 20] 1889).
Am Ausgange des Mittelalters trifft man die Periode der größten Entdeckungsreisen, das «Zeitalter
der Entdeckungen», eines Columbus und Vasco da Gama. Die Seereisen bekommen erst Bedeutung nach der Erfindung des Kompasses,
der den Beginn der atlantischen Reiseepoche bezeichnet. Zuerst ermutigte Prinz Heinrich der Seefahrer seine Kapitäne westwärts
und südwärts in das unbekannte Weltmeer hineinzufahren. Vasco da Gama und Columbus wurden auf diesen
Fahrten herangebildet.
Alle diese Reisen wurden zum Ländererwerb und zur Ausbreitung des Christentums unternommen. Nachdem von Columbus, Cortez, Pizzaro
Neu-Spanien, durch Magalhães’ erste Weltreise (1519-22) die Philippinen entdeckt und in span. Gewalt gebracht waren und
Spanier und Portugiesen sich durch die BulleAlexanders VI., die die Demarkationslinie bestimmte, sich in
die bekannten Länder und besonders in die Gewürzinseln geteilt hatten, blieb den im 16. Jahrh. noch zu schwachen Engländern
und Holländern nur der Versuch, um den Norden
[* 21] Europas oder Amerikas nach Kathai (China) und den Gewürzinseln zu suchen.
Sebastian Cabot machte im engl. Auftrage zuerst den Versuch, die nordwestl. Durchfahrt zu finden; er drang
um 1497 bis zum 67.° nördl. Br. vor. Unter seiner Leitung begannen die Engländer 1553 auch die nordöstl. Durchfahrt zu
suchen, wobei Richard Chancellor die Dwinamündung erreichte und die ersten Seehandelsverbindungen mit dem nördl.
Rußland anknüpfte. Der erste, der es wagte, die span. Weltmacht in den Kolonien anzugreifen, war der kühne
Seefahrer Francis Drake, der nach mehrern Beutezügen nach Westindien
[* 22] und Brasilien
[* 23] 1577-80 einen erfolgreichen Kaperzug um
die Erde machte.
Ihm folgte als dritter Erdumsegler Cavendish (1586-88). Die vierte Weltreise wurde von dem Holländer Oliver van Noort 1598-1601
ausgeführt. 1576 beginnen die Nordwestfahrten Frobishers, 1585 die von John Davis, während 1580 Pet und
Jackman ins Karische Meer vordringen. Im Anfang des 17. Jahrh. besuchten schon viele engl.
und holländ. Handelsgeschwader die Philippinen und andere span.
Besitzungen, wo sie teilweise unter harten Kämpfen Handel trieben und Beute machten; erwähnenswert sind die Seefahrer Jacques
Mehn, Cornelius Houtman, van Neck, van Warwick aus Holland und die Engländer Lancaster und Michelbourne.
Hudson begann 1610 die Reise in die nach ihm benannte Bucht; Baffin segelte 1615 in die nach ihm benannte Bai. Am wurde
zum erstenmale das Kap Hoorn umsegelt, vom HolländerSchouten. Den Reisen zur nordwestl. Durchfahrt schließen
sich die Nordpolexpeditionen (s. d.) an, der Erschließung der Südsee die Reisen nach den Südpolarländern (s. d.).
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