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Diese Droge muss man mehrere Stunden kauen und in der Wange lagern bis man aussieht wie ein Hamster, damit sich ihre Wirkung entfaltet. In einem Land, in dem man verhaftet werden kann, wenn man sich in betrunkenen Zustand auf der Strasse zeigt und Alkohol nur in den Bars der teuersten Hotels konsumiert werden kann, ist sie allgegenwärtig: die jemenitische Volksdroge Qat.
Qat „lagern“
Den besten Qat kauft man morgens frisch vom Markt, die Zweige sind dann erst wenige Stunden zuvor von den zahlreichen Qatsträuchern im Hochland abgeschnitten und in die Hauptstadt gebracht worden. Konsumiert wird das Kraut aber erst nach dem Mittagessen, entweder zusammen mir Freunden in einer Qatrunde oder ganz einfach während der Arbeit. Man nimmt dazu einige der bitteren Blätter in den Mund, kaut sie ein wenig und lagert sie in der Wange. Das ganze wiederholt man so lange, bis die Wange aussieht, als würde sie gleich platzen. Die Jemeniten nennen das «Qat lagern«.
Diäten, Prüfungsstress und Manneskraft
Die Wirkung der Wunderpflanze entfaltet sich während Stunden und kann je nach Stadium sehr unterschiedlich sein, deshalb kauen die Jemeniten die Blätter aus verschiedensten Gründen: Frauen schätzen den Qat wegen seiner appetitthemmenden Wirkung während Diäten, Studenten konsumieren ihn während Prüfungen, weil er in einem bestimmten Stadium ähnlich wie Kaffee wachhält und angeblich gut für die Konzentration ist. «Richtige« Männer schwören auf den Qat, weil er ihnen angeblich grössere Potenz verleiht. Viele aber kauen die Blätter auch ganz einfach, um für einen kurzen Moment glücklich zu sein und die Alltagssorgen zu vergessen.
Wildgewordene Ziegen
Wie die berauschende Wirkung der Pflanze entdeckt wurde und wieviele andere Kräuter, Gräser, Büsche und Bäume zuvor gekaut werden mussten, ist unbekannt. Eine jemenitische Legende besagt, dass ein Hirte die Droge entdeckte, als er seine Ziegen im Hochland weiden liess. Eines Tages frassen diese die Blätter eines Qatstrauchs und legten sich am Abend nicht wie erwartet schlafen, sondern sprangen wie wahnsinnig geworden die ganze Nacht umher. Der Hirte fand die Ursache für das ungewöhnliche Verhalten seiner Herde und entdeckte so den Qat.
Das Qatkauen hat allerdings seine Schattenseiten: viele Jemeniten geben einen beträchtlichen Teil des ohnehin knappen Einkommens für die Droge aus, und das teilweise täglich. Gleichzeitig werden zu viele der wenigen fruchtbaren Flächen des Landes für Qat-Anpflanzungen benutzt, was den Jemen abhängig macht von Nahrungsmittelimporten und in jüngster Zeit sogar in eine Ernährungskrise führte.