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Vor 175 Jahren fuhr mit der «Spanisch-Brötli-Bahn» die erste Eisenbahn in der Schweiz. Zu Beginn diente die Bahn primär der wirtschaftlichen Entwicklung und der Landesverteidigung. Im Laufe der Zeit kamen neue Aufgaben hinzu. Mit der «Perspektive Bahn 2050» steht künftig der Beitrag zum Klimaschutz im Zentrum.
175 Jahre Eisenbahn: Aufgaben im Wandel
Nach der Inbetriebnahme der «Spanisch-Brötli-Bahn» vor 175 Jahren erlebte die Eisenbahn in der Schweiz einen raschen Aufschwung. Das Interesse an einer Erschliessung des Landes mit dem neuen Verkehrsmittel war gross, denn damit konnten wichtige Bedürfnisse befriedigt werden. «Nur dieses Verkehrsmittel konnte die dringend gewünschte, verbilligte Versorgung des Landes mit Rohstoffen und damit einer jungen Industrie die erhoffte Entwicklung bringen. Die Eisenbahn war zur wirtschaftlichen Erschliessung des Landes unentbehrlich», schrieb der Bundesrat in einem historischen Rückblick zur Entwicklung der Eisenbahn in der Schweiz, welche er in der Botschaft zum neuen Eisenbahngesetz von 1957 vornahm. «Vorauszusehen war endlich die hervorragende Bedeutung dieses Verkehrsmittels für die Landesverteidigung.»
Im SBB-Gesetz von 1944 wurden die beiden ursprünglichen Hauptzwecke prägnant zusammengefasst: «Die Bundesbahnen haben der Volkswirtschaft und der Landesverteidigung zu dienen.»
Service-Public-Auftrag
Mit der zunehmenden Konkurrenzierung der Bahn durch das Auto geriet die Eisenbahn im 20. Jahrhundert zunehmend in finanzielle Probleme. Es stellte sich insbesondere die Frage, ob die Bahn den Betrieb von technisch veralteten, schwach frequentierten und unwirtschaftlichen Nebenstrecken weiterführen sollte. Für den Bundesrat war klar, dass die flächendeckende Erschliessung im Sinne eines Service-Public-Auftrags sichergestellt werden musste. Das neue Eisenbahngesetz von 1957 schuf die Grundlage für Abgeltungen von Bund und Kantonen an Privatbahnen. Mit der Botschaft über die Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen der SBB von 1970 wurden auch der SBB Abgeltungen für unrentable Grundversorgungsleistungen zugesprochen. Damit waren diese «gemeinwirtschaftlichen Leistungen» als zentrale Aufgabe der Eisenbahn festgelegt.
Ab den 1970er-Jahren wurden der Bahn zudem Aufgaben im Bereich der Energiepolitik und des Umweltschutzes zugedacht. Bald übernahm die Bahn insbesondere auch eine zentrale Rolle in der anwohner- und umweltfreundlichen Abwicklung des Transitgüterverkehrs. Mit der Zuspitzung der Klima-Problematik rückte in den letzten Jahren nicht nur in der Schweiz, sondern auch in der EU zunehmend die Aufgabe der Bahn für ein künftig insgesamt möglichst CO2-armes Verkehrssystem in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang hat der Bundesrat am 22. Juni 2022 einen wichtigen Entscheid getroffen: Mit der «Perspektive Bahn 2050» will er den weiteren Ausbau der Bahn konsequent so ausrichten, dass dieser einen möglichst grossen Beitrag an die klimapolitischen Ziele leistet.
BAV-News Nr. 100 Juni 2022