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Elf Schweizerinnen und Schweizer stranden in einer Abflug-Halle. Der Flug CH 004 (Volo CH 004) kann wegen dichten Nebels nicht starten. So beginnt das Stück des umstrittenen Lega-Nationalrats Maspoli, das vor dem Parlament am Montagabend (19.03.) uraufgeführt wurde.
Auf engem Raum prallen die verschiedenen Welten des Bänklers, der Karrierefrau und der Servierdame aufeinander. Im Hintergrund zieht eine Reiseleiterin die Fäden. Sie veranlasst eine Diskussion über Visionen für die Schweiz.
Der Tessiner Fernseh-Regisseur Vittorio Barino studierte das viersprachige Werk mit elf Schauspielern in dreieinhalb Wochen ein. Maspolis Figuren unterhalten sich über die Sprachgrenzen hinweg. Sie wechseln mitten im Satz von Deutsch ins Französische und fahren in Italienisch fort. Auch ein paar Sätze Romanisch fanden Eingang ins Stück.
Spannender Probeprozess
Diese Vielsprachigkeit sei eine grosse Herausforderung, mache die Vorlage aber interessant, sagte Barrino zu Beginn der Proben. Gab er damals noch Regie-Anweisungen in der Sprache der Schauspielerinnen und Schauspieler, so wurde im Laufe der Zeit Italienisch zur Arbeitssprache.
Maspoli, der die Proben mitverfolgte, spricht von einer sehr schönen Erfahrung. "Da reden Leute miteinander in verschiedenen Sprachen und plötzlich verstehen sie sich".
Weniger erfreut ist der Tessiner Nationalrat über die Polemik, die sich an seiner Autorenschaft entfacht hat. Sein Stück sei zerrissen worden, bevor es zur Aufführung kam. "Ich werde nördlich der Alpen in Schubladen gezwängt", ereiferte sich Maspoli vor der Premiere. "Aber es gibt auch ein Leben neben der Politik".
Proteste im Tessin
Auch im Tessin geriet Maspoli mit "Volo 004" ins Kreuzfeuer der Kritik. Tessiner Schriftsteller der Gruppe Olten wie Alberto Nessi oder Giovanni Orelli protestierten gegen Maspolis Autorenschaft.
Die linke Wochenzeitung "area" kritisierte, seine Angriffe gegen die Bundesbehörden, seine Auseinandersetzungen mit der Justiz sowie seine Schulden seien bei der Auftragsvergabe nicht berücksichtigt worden.
Die Tessiner Regierungspräsidentin Marina Masoni antwortete darauf, Maspoli sei einzig wegen seiner Fähigkeiten als Autor gewählt worden. Der Kanton stellte für die Produktion 200'000 Franken zur Verfügung.
Interesse geweckt hat Maspoli auf jeden Fall. Alle Platzkarten für diese Ur-Aufführung im "Teatro Sociale" in Bellinzona waren vergeben.
swissinfo und Agenturen