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Kolumbien
Die Standseilbahn auf den Monserrate in Bogotá/Kolumbien
Bogotá besitzt mit dem nahegelegenen Berg Monserrate eine touristische Attraktion erster Güte. Vom Berg hat man nicht nur eine wunderschöne Aussicht über die Stadt, es befindet sich dort auch eine vielbesuchte Wallfahrtskirche.
Zur Erschliessung des Berges wurde 1929 eine Standseilbahn gebaut. Es ist eine typisch schweizerische Bahn mit zwei Fahrzeugen und einer Abtschen Ausweiche. Dabei sind die jeweils äusseren Räder mit einem doppelten Spurkranz, das heisst mit einer Rille, die inneren als flache zylindrische Rollen gebaut. Die Weichen haben keine beweglichen Teile, und die Konstruktion der Räder bewirkt, dass beide Wagen auf die richtige Seite gezogen werden. Nach schweizerischer Usanz verkehrt Wagen 1 auf der linken Seite und Wagen 2 auf der rechten Seite, in Fahrtrichtung aufwärts gesehen. Hier einige Aufnahme aus der "Schweizer Bauzeitung" von 1933 aus den Anfängen:
Die technischen Daten der Bahn bei der Erstellung
Gleislänge (horizontal gemessen) 684 Meter
Effektive Gleislänge (inkl. Ausweiche) 820 Meter
Untere Station, Höhe über Meer 2692 Meter
Obere Station, Höhe über Meer 3152 Meter
Höhenunterschied 460 Meter
Kleinste Steigung der Bahn 39%
Grösste Steigung der Bahn 80.5%
Mittlere Steigung der Bahn 70%
Fahrtdauer 7,5 Minuten
Die Bahn hat zwei Brücken von 3,8 Meter und 50 Meter sowie 7 Oeffnungen von je 4,7 Meter. Die Länge der Ausweiche beträgt 100 Meter, der Radius der Weiche 200 Meter. Der grösste Radius der Strecke beträgt 300 Meter. Dazu kommt ein Tunnel von 252 Meter Länge mit einer lichten Weite von 4.2 Meter und lichter Höhe von 4,55 Meter über den Schienen. Die Schienen haben eine Spurweite von 1 Meter und keine Ueberhöhung in den Kurven, und liegen auf einer Betonunterlage. Links vom Geleise in Fahrtrichtung aufwärts sind Stufen eingebaut. Die Schienen sind Spezialkeilkopfschienen der Giesserei Bern der Von Rollschen Eisenwerke, welche die Anwendung der üblichen Sicherheitsbremse (Zangenbremse) erlauben, die mit Bremszangen auf die Seitenfläche des Schienenkopfes wirkt. Sie ist mit der üblichen Schnellverschlussvorrichtung versehen, die den Bremsweg reduziert. Eine Aufnahme der Bremse an einem Fahrzeug der 3./obersten Sektion der Schweizer Stanserhorn-Bahn (heute in eine Luftseilbahn umgewandelt, mit Ausnahme der 1./untersten Sektion) und zwei Zeichnungen der Bremse finden sich unten.
Die Schwellen sind Winkelschwellen. Die Seilführungsrollen sind aus Gusseisen. Dazu kommt eine Spindelhandbremse für die Sicherung im Stillstand.
Die Fahrzeuge hatten eine Länge von 9 Meter und einen Radstand (2 Achsen) von 5 Meter. Sie fassten in 4 Abteilen 40 sitzende und 20 stehende Passagiere oder total 60 Passagiere. Das Leergewicht betrug 7, 2 Tonnen, das Bruttogewicht 11.4 Tonnen.
Der Antrieb war ein Ward-Leonard-Gleichstrommotor von 750 Volt und 90 PS mit 970 Umdrehungen pro Minute. Die Fahrgeschwindigkeit betrug 1,8 Meter/Sekunde. Der Antrieb war von Hand in der Bergstation, der Kontroller hatte 9 Fahrstufen je Fahrtrichtung, das Anhalten erfolgt dann mit der Handbremse. Falls dies nicht erfolgte, trat die automatische Sicherheitsbremse in Kraft, die aber auch vom Fahrzeug aus mittels eines Pedals ausgelöst werden konnte. Die elektrische Ausrüstung stammte von Brown, Boveri & Cie. in Baden/Schweiz.
Die Stromversorgung erfolgte durch die "Las Empresas Unidades de Electricidad S.A. in Bogotá. Die Unterstation befand sich in der Talstation. Der Strom wurde als Drehstrom von 6600 Volt und 60 Perioden geliefert.
Die Berg- und Talstation wurden im damals üblichen Stil erbaut.
Modernisierung der Bahn
Im Jahre 1955 wurde eine parallele Pendelbahn (Teleférico) mit zwei Kabinen, ebenfalls von der Firma Von Roll, erbaut. Sie verfügt auch über eine Handsteuerung. Sie dient der Entlastung der Standseilbahn.
Im Jahre 1962 wurde die Standseilbahn von der gleichen Firma, die inzwischen ABB Asea Brown Boveri AG hiess (heute hat die Firma Garaventa AG in Gwatt bei Thun/Schweiz diesen Geschäftsbereich übernommen) unter der Leitung von Ingenieur Ernst Wetzel ausgiebig modernisiert. Ein neuer Ward-Leonard-Gleichstromantrieb wurde eingebaut. Der Motor hat eine Leistung von 150 PS bei 970 Umdrehungen pro Minute. Die Fahrgeschwindigkeit stieg auf 2, 5 Meter pro Sekunde, die Fahrzeit dürfte sich auf 5,5 Minuten reduziert haben. Gleichzeitig wurden neue Fahrzeuge in Betrieb genommen. Diese haben eine Länge von 10,15 Meter und einen Radstand von 5,948 Meter (2 Achsen). Die Karosserie stammt von der Firma Carosserie Gangloff AG in Bern. Sie haben 25 Sitzplätze und 57 Stehplätze, total 82 Plätze. Eines der alten Fahrzeuge wurde indessen bewahrt. Neu ist eine automatische Steuerung ab dem Kontrollpult in der Bergstation, doch ist der Handantrieb zusätzlich weiter verfügbar. Vom Fahrzeug aus kann die Notbremse mit einer Taste ausgelöst werden. Die Steuerung und die Sicherheitsanlage stammt von der Firma Kündig AG. in Luzern, die jedoch nicht mehr auf diesem Gebiet tätig ist. Die führenden Leute gründeten eine neue Firma, die Sisag in Altdorf, welche weiterhin solche und automatische Steuerungen herstellt.
Die Standseilbahn (Funicular) und Pendelbahn (Teleférico) befinden sich an der Carrera 2 E, Nr. 21 – 48, Tel.: (0057)-2845700. Betreiber der beiden Bahnen ist heute die Compañía Teleférico Monserrate S.A. in Bogotá.
Die Firma HL Ingenieros mit Hauptsitz in Bogotá hat 1985 das Hauptkabel und das Kontrakabel der Luftseilbahn für einen Betrag von USD130'000 ersetzt. 1991 hat die gleiche Firma bei der Standseilbahn die elektrischen Einrichtungen überprüft und die Stromversorgung und Ueberwachung der elektrischen Anlage erneuert.
Im Jahre 2003 wurden neue Karosserien für die Fahrzeuge der Standseilbahn beschafft. Diese weisen als Neuheit ein verglastes Dach auf, das auch auf der untenstehenden Innenaufnahme erkennbar ist. Auch diesmal wurde eine alte Karosserie bewahrt und aussen aufgestellt. Heute fährt man mit 3,2 Meter pro Sekunde, die Fahrzeit beträgt 5 Minuten.