Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03605.jsonl.gz/1216

SI online: Moritz Bleibtreu, wieso sind Sie eigentlich Schauspieler geworden?
Moritz Bleibtreu: Mein Weg war vorgegeben. Meine Eltern waren schon Schauspieler. Ich wollte nie was anderes machen und kannte auch nichts anderes. Es war wie eine Art Schicksal. Aus meiner Familie kommen sehr viele Gaukler.
Sie sind Vater eines vierjährigen Sohnes. Ist sein Weg also auch schon klar?
Zum Glück ist es noch zu früh, um einen Weg festzustellen. Ich kann mir für ihn schöneres vorstellen, ehrlich gesagt. Schauspielerei ist nicht etwas, das Eltern ihren Kindern anregen zu tun, weil es sehr hart ist. Aber mein Sohn soll das machen, was ihn glücklich macht.
Wenn es so klar war, dass Sie Schauspieler werden: Hatten Sie überhaupt irgendwelche Ambitionen in der Schule?
Die Schule, auf der ich war, war katastrophal. Ich war auf einer Gesamtschule mit vielen noblen Vorsätzen, die nicht umgesetzt werden konnten. Und alles war, wie die Gesellschaft allgemein, sehr leistungsorientiert.
Sie schrieben also schlechte Noten.
Naja, ich habe mich gelangweilt, weil der Stoff sehr, sehr leicht war. Und welcher junge Mensch findet Schule schon cool. Ich habe dies dann auch ausgenutzt und habe mich in der zehnten Klasse davon abgewandt und in der elften bin ich dann wegen Nicht-Erscheinens sitzen geblieben.
Was haben Sie denn in dieser Zeit gemacht?
Oh, das wollen Sie nicht wissen! Auf jeden Fall war ich nicht in der Schule. Aber ich haben einen Realschulabschluss.
Heute überreichen Sie einen Award an Regisseur und Produzent Tom Tykwer, in dessen Film «Lola rennt» Sie mitgespielt haben. Schauen Sie sich Ihre eigenen Filme noch an?
Nee. Tendenziell nur einmal und nie wieder. Es gibt auch solche, die ich gar nie gesehen habe, vielleicht fast ein Drittel davon. Entweder weil ich wusste, dass sie nicht so gut sind. Oder weil sie auf mich gar nicht mehr neutral wirken können und man vieles findet, was an einem nicht gefällt.
Darf Ihr Sohn eigentlich schon Filme schauen?
Fernsehen tut er sehr dosiert. Dazu eignet sich «Shaun das Schaf» sehr gut. Schön dosiert, immer zehn Minuten. Aber ich gehe mit ihm schon ins Kino. Das erste Mal war eine grossartige Erfahrung. Wir schauten «Der gestiefelte Kater» und ich konnte in seinen Augen richtig sehen wie so viel in ihm passiert.
Haben Sie eigentlich einen Plan B neben Schauspielerei?
Natürlich, aber ich muss mir zum Glück keine Gedanken darüber machen. Aber ich würde Koch werden. Ich bin wirklich ein begeisterter Hobbykoch, wenn Sie so wollen, ich könnte mir sehr gut vorstellen diesen Beruf auszuüben. Die Schauspielerei würde ich dennoch sehr vermissen.
Welche Schweizer Rezepte beherrschen Sie?
Von Region zu Region ist es hier ja so unterschiedlich. Also ein Zürich Geschnetzeltes krieg ich sicher hin, wer nicht! Dieses Jahr habe ich die «Schwarzen Brüder» im Tessin gedreht und das ist auch eine Essenskultur die mich irre, irre fasziniert hat. In den tollen Grottos essen alle zusammen und setzen sich an einen Tisch. Sehr schöne Gegend auch.
Sie sind beinahe Stammgast am Zurich Film Festival. Was tun Sie in der Stadt, wenn Sie nicht geraden Filme anschauen und an Events auftauchen?
Essen, flanieren und vielleicht ein bisschen Schoggi kaufen! Aber so viel Zeit habe ich auch nicht. Ich muss mir noch überlegen, was ich dem Tom Tykwer in der Laudation sagen werde.