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Vor einem Jahr habe ich über die glanzvollen ersten Jahre von 1909 bis 1914 des internationalen Concours Hippique von Luzern geschrieben. Nun folgen Erinnerungen an die letzten Jahrzehnte, mit dem bitteren Ende 2006 dieses einst in der ganzen internationalen Pferdewelt geschätzten Grossanlasses. Neben dem Springsport, der in Luzern immer im Mittelpunkt stand, spielte die Hausermatte an der Halde auch eine Pionierrolle bei drei weiteren FEI-Disziplinen: Dressur, Military und Fahren. Vor allem der «Internationale Concours Hippique Luzern» vom 1. bis 10. Juli 1927 war ein wahrer Premierenanlass: Erstmals wurde ausserhalb der Olympischen Spiele eine internationale Military durchgeführt. Ob mit oder ohne Erlaubnis von IOC und FEI wurde sie als «vorolympische Military» bezeichnet. Am gleichen Anlass testete die FEI ein Dressurchampionat, einen inoffiziellen FEI-Grand-Prix. Auch wurde 1927 in Luzern der erste Nationenpreis auf Schweizer Boden ausgetragen und mit in Luzern dabei waren vier irische Offiziere bei ihrem ersten Auslandsstart überhaupt. 43 Jahre später, 1970, erlebte man, immer noch auf der Hausermatte am See, den ersten CAI nach dem im Jahr zuvor geschaffenen FEI-Fahrreglement. Nach den sechs glorreichen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg begann der organisierende Rennclub Luzern nach Kriegsende vorerst mit nationalen Turnieren, bevor man sich 1924, im Vorfeld der Olympischen Spiele von Paris, wieder zur Internationalität entschloss. Bis 1939 fand der Luzerner Concours alljährlich statt. Als man nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 wieder neu anfing, entschloss man sich zum Zweijahresturnus, vorerst abwechselnd mit Genf.
Enge Platzverhältnisse
In den 60er-Jahren wurden die Probleme der Hausermatte immer offensichtlicher. Sie überschatteten die Schönheit des Turnierplatzes am See mit dem Blick auf den Pilatus. Man verglich den Reiz der Hausermatte zwar immer noch mit der Piazza di Siena in der Villa Borghese in Rom, aber der Boden und die engen Platzverhältnisse wurden immer mehr diskutiert. Der Boden der Hausermatte ist lehmig und wurde bei Regen klebrig – und im Mai, dem Luzerner Turniermonat, regnete es häufig. Überdies war der Boden als Folge von jahrzehntelangen Sandaufschüttungen uneben. Da es neben der Hausermatte nur eine kleine Wiese als Abreitplatz gab, mussten die Pferde auf der Allmend eingestallt und zu jeder Prüfung durch die Stadt zum Turnierplatz gefahren werden. Störend an der Hausermatte waren auch die fehlenden Parkplätze und ebenso das beschränkte Fassungsvermögen für Zuschauer wurde registriert. Zu diesen Unzulänglichkeiten der Hausermatte kam Mitte der 70er-Jahre der Beschluss der Stadt Luzern, vom Carl-Spitteler-Quai bis zum Trottli einen Uferweg zu bauen, notabene zwischen Hausermatte mit Hauser-Villa und dem Vierwaldstättersee. 1974 und 1976 regten heftige Regenfälle während der CSIO-Tage die Diskussion weiter an. Ende 1976 entschied sich der Rennclub Luzern, den CSIO ab 1978 auf die Allmend zu verlegen. Die Allmend, an der Strasse nach Horw, bot viele Vorteile: genügend Parkplätze, Raum für Massenbesuch, öffentliche Verkehrsmittel. Der Boden auf der Allmend war nicht ideal. Bei Regen war er nicht so tief wie auf der Hausermatte, aber bei Trockenheit etwas hart. Immerhin wurden auf der Allmend seit 80 Jahren Pferderennen ausgetragen. Zum CSIO-Debüt 1978 auf der Allmend kam es allerdings nicht. Die Arbeiten am Boden waren nicht fertig. Da auch St. Gallen, nach dem Autobahnbau durch das Breitfeld, noch auf den Umzug ins Gründenmoos wartete und Genf ganz auf den Weltcup setzte, schien die Schweiz für 1978 ohne CSIO zu sein.
Ausweichstadion
Zum CSIO-Retter wurde der St. Galler OK-Präsident Zabi Widmer. Er überzeugte den FC St. Gallen, das Fussballstadion Espenmoos zur Verfügung zu stellen. Um die Bedenken der Fussballer zu zerstreuen, die Pferdehufe würden den Fussballrasen zerstören, säte Zabi Widmer neben seinem Haus in Speicher einen Rasen an, der dann nach CSIO-Ende ins Espenmoos verlegt wurde.
Auftakt mit CSI
Luzern begann so erst 1979 auf der Allmend mit einem CSI, mit Spitzenbesetzung, darunter David Broome und Harvey Smith. Ab 1980 kam es wieder zum Zweijahresturnus, nun abwechselnd mit St. Gallen. 1987, als St. Gallen die EM durchführte, sprang Luzern sogar in einem ungeraden Jahr ein. Um die Jahrtausendwende kamen beim Rennclub Luzern finanzielle Probleme dazu, die bald darauf zur Liquidierung des über 100-jährigen Rennclubs führten. Der CSIO wurde noch einige Jahre vom St. Galler-OK fortgeführt. Aber nach 2006 sahen auch die St. Galler, nicht zuletzt mangels genügend Sponsoreneinnahmen, keine Überlebenschance mehr in Luzern. Seither, also seit 2007, ist St. Gallen jährlicher Austragungsort des Schweizer CSIO. Von 1909 bis 1976 fanden in Luzern 43 Turniere auf der Hausermatte statt, von 1979 bis 2006 deren 16 auf der Allmend.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 39/2017)
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