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Daniela Ryf kann am Sonntagmorgen Schweizer Zeit auf Big Island, Hawaii, zum vierten Mal in Folge Ironman-Weltmeisterin werden.
Die 31-jährige Solothurnerin würde für einen Eintrag in den Geschichtsbüchern sorgen.
Im Erfolgsfall würde Ryf mit der vierfachen Ironman-Weltmeisterin Chrissie Wellington gleichziehen. Die nicht mehr aktive Engländerin war wie Ryf einst vom Australier Brett Sutton zur Ironman-Weltmeisterin geformt worden.
Mehr als vier Mal haben bei den Frauen auf Hawaii nur Ryfs Landsfrau Natascha Badmann (6 Titel) und Rekordsiegerin Paula Newby-Fraser (8) triumphiert. Ausser Newby-Fraser schaffte noch keine Athletin vier Titel in Folge am prestigeträchtigsten Triathlon der Welt. Ein neuerlicher Erfolg der Streckenrekordhalterin stünde zudem im Zeichen des 40-Jahr-Jubiläums des Ironman Hawaii. Ryfs Legenden-Status würde zementiert.
Im Vorjahr hatte Ryf als erste Athletin zum zweiten Mal das Double aus 70.3- und Ironman-WM gewonnen. Nun könnte sie es zum dritten Mal schaffen - und damit auch ihre Herrschaft im Mittel- und Langdistanz-Triathlon ausbauen.
Vieles spricht dafür. Ryf scheint auf dem Zenit ihrer Leistungsfähigkeit. In diesem Jahr ist sie noch ungeschlagen. An der gut besetzten Ironman-EM in Frankfurt im Juli erzielte Ryf trotz einem Radparcours mit Überlänge wegen einer Baustelle (185 statt 180 km) einen Streckenrekord und deklassierte die Konkurrenz um 26 und mehr Minuten. Im Männerfeld wäre Ryf Siebente geworden.
Erste Herausforderin auf Hawaii ist die Vorjahres-Zweite Lucy Charles. Die 25-jährige Engländerin hatte 2017 das Feld bis in der Endphase der 180 Radkilometer angeführt, ehe sie Ryf ziehen lassen musste. Anfang September dieses Jahres hatte sich Charles an der 70.3-WM in Südafrika bis zum Schluss der Radstrecke nicht von Ryf abschütteln lassen. Dennoch konnte sich die auch im Laufen überragende Ryf souverän durchsetzen und ihren WM-Rekord in diesem Format auf vier Siege ausbauen.
Weitere Herausforderinnen sind die dreifache Ironman-Weltmeisterin Mirinda Carfrae aus Australien, die nach einer Babypause zurückgekehrt ist, sowie die Amerikanerin Sarah True und die Deutsche Anne Haug, die im Juli bei ihren Langdistanz-Debüts in Frankfurt hinter Ryf die Ränge 2 und 4 belegten.
Hoffnungsträger Jan van Berkel
Mit Jan van Berkel, Ronnie Schildknecht, Ruedi Wild und Philipp Koutny sind vier Schweizer im Profifeld der Männer dabei. Mehr Athleten aus unserem Land hatten sich seit der Einführung des Kona Pro Rankings (2011) noch nie für den Saisonhöhepunkt qualifiziert.
Van Berkel, Gewinner und Streckenrekord-Halter des Ironman Switzerland gilt aufgrund seiner diesjährigen Formkurve als grösster Schweizer Hoffnungsträger. Der 32-jährige Zürcher Unterländer hat nach einigen Lehrjahren Stabilität auf Top-Level erreicht.
Van Berkel, der seit diesem Sommer mit der ehemaligen Eiskunstlauf-Europameisterin Sarah Meier verheiratet ist, sagt: "Ich bin mental so gereift, dass ich an jedem Renntag das Maximum herausholen kann. Dank meinem Coach habe ich soviel Vertrauen, dass ich einen Ironman-Marathon schnell laufen kann. In diesem Jahr bin ich dreimal durchschnittlich in 2:45 Stunden gelaufen. Gut wäre, wenn ich diesen Schnitt auch hier auf Hawaii schaffe."
Setzt Van Berkel sein Vorhaben in der feuchten Glutofen-Hitze und auf dem hügeligen Kurs in Kona um, dürfte er seine Vorjahres-Klassierung, Platz 22, deutlich verbessern. Letzter Schweizer Mann in den Top Ten war Mike Aigroz, der 2011 Sechster wurde. Ironman-Switzerland-Rekordsieger Schildknecht war vor zehn Jahren Vierter, erreichte seither aber nie mehr die Top Ten auf Hawaii.
Javier Gomez auch über die Langdistanz top?
Auch ohne den zweifachen Ironman-Weltmeister Jan Frodeno, der wegen eines Ermüdungsbruchs nicht starten kann, hat Deutschland zwei heisse Eisen im Feuer. Titelverteidiger Patrick Lange und Ex-Weltmeister Sebastian Kienle gehören wie der Vorjahres-Zweite Lionel Sanders aus Kanada und der spanische Hawaii-Debütant Javier Gomez, der Olympia-Zweite 2012 sowie fünffache Kurzdistanz- und zweifache 70.3-Ironman-Weltmeister, zum engsten Favoritenkreis.
Kienle und Sanders gelten vorab auch als starke Radfahrer - allerdings nicht ganz so stark wie der frühere Radprofi Cameron Wurf aus Australien oder Andrew Starykowicz. Der Amerikaner kämpfte sich nach einem schweren Unfall und monatelanger Rekonvaleszenz zurück - wie der Engländer Tim Don, der im Vorjahr wenige Tage vor dem Rennen in Hawaii angefahren worden war und eine erhebliche Nackenverletzung erlitten hatte. Auch Don ist in Hawaii wieder am Start.