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Thun, im Mai 2013
Kunst
Enstehung der KGT-Edition 2010 von Alois Lichtsteiner
2010 wurden drei weisse Blätter, mit den gleichen, jeweils in unterschiedlichen Grautönen gedruckten Flecken als KGT-Edition herausgegeben. Wie lässt sich diese Arbeit Lichtsteiners in sein Werk integrieren?
2009 fragte ich Alois Lichtsteiner, ob er an der Erarbeitung einer Edition für die KGT interessiert wäre. Grundsätzlich ja, meinte er, doch gab es ein schwerwiegendes Problem: Lichtsteiner hatte sich bei der Gartenarbeit die Hand verletzt, was ihn dazu zwang, ein halbes Jahr auf seine Haupttätigkeit, die Malerei, zu verzichten. Was tut ein Künstler, wenn die Beschäftigung im primären Betätigungsfeld nicht möglich ist? Er sieht sich im Fall von Lichtsteiner nach einer anderen Möglichkeit des bildnerischen Ausdrucks um. Das Gemälde, welches für ihn das sichtbare Endergebnis seiner Arbeit darstellt, ist "nur" das Produkt einer intensiven und persönlichen Auseinandersetzung mit einem bestimmten Themenfeld, in dem das Objekt, seien dies Gefässe, Birken oder Berge, der Ausgangspunkt ist. Deshalb ist das Bild niemals "Abbild", sondern ein Objekt, welches für sich selbst steht.
So kam die Idee eines Holzschnitts auf, welcher sich nach einer Vorzeichnung Lichtsteiners mit einer CNC-Fräse ausgestalten liesse. In der Umsetzung stellte sich jedoch heraus, dass die Maschine nur bis zu einem gewissen Grad fähig war, das angestrebte Ergebnis zu erzielen. Überschritt die Vorzeichnung gewisse Grobheiten, konnte die Maschine sie nicht mehr schneiden. Die Platte musste also von Hand überarbeitet werden.
Nachdem sich im Atelier nach eigenen Probedrucken gezeigt hatte, dass das Druckbild den Vorstellungen entsprach, konnte die eigentliche Erstellung der Edition an den Drucker Nik Hausmann weitergegeben werden. Lichtsteiner wollte die Drucke in Ölfarbe umgesetzt haben. Zum einen ist dies seine bevorzugte Farbsorte und zum anderen ging er davon aus, dass diese, da sie sich nicht mit Rollen auf die Druckplatte auftragen lässt, jedem Bild einen individuellen Charakter verleihen würde. Das Ergebnis der ersten Probedrucke entsprach den Vorstellungen; allerdings wurde die Druckplatte nach ein paar Abzügen durch Auffüllen der feinen Löcher unbrauchbar und musste gereinigt werden. Nach langwieriger Handarbeit fand die Herausgabe der Edition ihr glückliches Ende – die einzelnen Abzüge unterschieden sich noch deutlicher voneinander, als ursprünglich angenommen.
Weil das einzigartige Erscheinungsbild der einzelnen Blätter mit durch den Druck entstanden war, schlug Alois Lichtsteiner Nik Hausmann vor, die Blätter gemeinsam mit ihm zu signieren; doch dieser lehnte ab und meinte, er sei "bloss" Drucker und kein Künstler.
Alois Lichtsteiner ist von dieser neuen Möglichkeit der Bildschaffung so begeistert, dass er inzwischen weitere Motive in unterschiedlichen Formaten umgesetzt hat.
Die letztjährige KGT-Edition bietet Ihnen also nicht nur ein Werk mit Unikatcharakter an, sondern bildet auch den Ausgangspunkt zu einer neuen Etappe im Schaffen eines bedeutenden Künstlers.
Nehmen Sie deshalb die Möglichkeit wahr, sich eines der verbleibenden Exemplare zu sichern!
Ressort Kunst der Kunstgesellschaft Thun
Tobias Schropp
Preis: Mitglieder CHF 650 / Nichtmitglieder CHF 850
zu beziehen bei Tobias Schropp, <email-pii>