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Georg von Wyss am 19.12.2016
Herr von Wyss, weshalb halten Sie an Ihren Investments bei Monte dei Paschi di Siena fest?
Georg von Wyss: Wir beurteilen die Bank im Prinzip für attraktiv. Das Problem von MPS ist ein Berg schlechter Kredite, die vor Jahren gewährt wurden und sich wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation Italiens angehäuft haben. Der Rest der Bank wurde in den letzten drei Jahren gründlich saniert und ist heute kosteneffizient aufgestellt. Der Grund für die erforderliche Kapitalerhöhung ist ja, dass die EZB den Verkauf bzw. die Bereinigung dieser Kredite forciert. Sobald das erfolgt ist, steht MPS als gesunde Regionalbank mit einer relativ guten Bilanz da.
Wie wird es mit der Sanierung nun weitergehen?
Georg von Wyss: Im Moment versucht die Bank, Kapital bei den Anlegern zu finden. Es ist aber möglich, dass der italienische Staat die schwächsten Banken Italiens rekapitalisieren muss, so wie es Deutschland und Spanien mit eigenen Instituten auch schon gemacht haben.
Wie genau könnte das aussehen?
Georg von Wyss: Für alle Beteiligten am schonendsten wäre eine Zwangskonvertierung der nachrangigen Anleihen – Tier 1 und Tier 2. Das alleine würde über 4 der benötigten 5 Milliarden Euro an frischem Kapital bringen. Dann müsste nicht einmal viel zusätzliches Eigenkapital eingeschossen werden.
Allerdings besteht das Problem, dass Anleihen mit einem Wert von über 2 Milliarden von Privatanlegern gehalten werden. Diese sollen nach dem Willen der Regierung mit Hinblick auf die Erfahrung mit Banca Etruria vor einem Jahr nicht geschädigt werden, oder?
Georg von Wyss: Ja, das ist ein Problem, an dem zurzeit ernsthaft gearbeitet wird. Diverse Lösungen scheinen auf dem Tisch zu sein, z.B. dass die italienische Regierung diese Anleihebestände kauft und dann in Aktien konvertiert, oder dass die Privatanleger mit Beständen im Wert von bis zu 100.000 Euro entschädigt werden.
Wie haben Sie auf die zunehmenden Probleme der Bank reagiert?
Georg von Wyss: Wir haben unser gesamte Position an MPS-Aktien verkauft und dafür nachrangige Anleihen gekauft. Somit sind wir in der Kapitalstruktur aufgestiegen und in einer sichereren Position.
Welches Gewinnpotenzial sehen Sie als Value-Investor bei MPS?
Georg von Wyss: Wenn die Rekapitalisierung gelingt, dann dürfte die Börsenkapitalisierung mittelfristig wieder die Höhe des künftigen Eigenkapitals von rund 9,1 Milliarden Euro erreichen. Die aktuellen Kurse der Anleihen liegen aber bei rund einem Drittel von diesem inneren Wert. Falls andererseits doch der Staat die Bank retten muss, wird er ein massives Interesse daran haben, möglichst viele Anleihen in Aktien umzuwandeln. Das Ergebnis dürfte also in etwa auf das Gleiche hinauslaufen, wobei es möglich ist, dass im Falle der staatlichen Rettung die Umwandlung in Aktien zu weniger günstigen Konditionen erfolgt als bei der marktwirtschaftlichen Lösung – hier besteht eine größere Unsicherheit. Das Risiko eines Verlustes ist für uns jedoch gering, da wir die Anleihen weit unter Pari kaufen konnten. Zudem würde der Staat die Märkte für Bank-Aktien und Bank-Anleihen massiv schädigen, wenn er ohne Not die Anleihebesitzer allzu sehr benachteiligen würde.
Wie werden Sie also mit Ihren Positionen in MPS im Weiteren verfahren?
Georg von Wyss: Wie immer bei unseren Investments – geduldig abwarten und genau analysieren. Wir untersuchen gerade, ob wir neue Aktien in der Kapitalerhöhung zeichnen wollen, weil die aufgeräumte Bank ja, wie gesagt, attraktiv und auf mittlere Sicht günstig ist. Allerdings müssen wir noch einige rechtliche Fragen zur Transaktion klären bevor wir mitmachen.