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Als «geteilte Todeserfahrungen (GTE)» oder «empathische Nahtoderfahrungen» werden in der Forschung Nahtoderfahrungen bezeichnet, die von Angehörigen, Bezugspersonen oder Betreuern eines Sterbenden gemacht werden. Im Gegensatz zu anderen Nahtoderfahrungen tritt eine geteilte Todeserfahrung also nicht bei einem Menschen auf, der kurz vor dem Sterben steht, sondern bei einem Freund, geliebten Menschen oder Betreuer einer sterbenden oder kürzlich verstorbenen Person. Diese Person erlebt dabei die Anfangsstadien des Eintritts in ein Leben nach dem Tod mit dem Sterbenden zusammen. Geteilte Todeserfahrungen umfassen dabei dieselben Elemente wie Nahtoderfahrungen, wie zum Beispiel ausserkörperliche Erfahrungen, das Durchschreiten eines Tunnels, das Betreten eines hellen Lichts und die Wahrnehmung des Verstorbenen ausserhalb von dessen Körper.
Der Begriff «geteilte Todeserfahrung» oder englisch «Shared Death Experience SDE» wurde 2010 vom US-amerikanischen Nahtod-Forscher Raymond Moody geprägt. Im Rahmen seiner Forschung zu Nahtoderfahrungen ist er immer wieder auf sehr ähnliche Erfahrungen gestossen, die aber von Angehörigen gemacht wurden. Die Forschung zu «geteilten Todeserfahrungen» wird aktuell vom amerikanischen Forscher William Peters und seinem Team im Rahmen der «Shared Crossing» Forschungsinitiative weitergeführt. William Peters unterscheidet zwei Arten von geteilten Todeserfahrungen:
- diejenigen, die von Personen gemacht werden, die sich physisch bei der sterbenden Person aufhalten
- und diejenigen, die aus Entfernung gemacht werden (von einer Person, die sich zum Zeitpunkt des Todes woanders befindet als die sterbende Person).
In seinem Buch «An der Schwelle zur Unendlichkeit» erwähnt William Peters folgende häufige Merkmale von «geteilten Todeserfahrungen»:
- Wahrnehmung der Präsenz der sterbenden Person ausserhalb des physischen Körpers.
- Geschärftes Bewusstsein oder erweitertes Wissen.
- Begegnung mit einem Lichtwesen oder verstorbenen Verwandten oder Freunden.
- Wahrnehmung oder Betreten eines transzendenten Lichts.
- Veränderung in der Wahrnehmung des linearen Raums oder der linearen Zeit.
- Sehen, wie die Seele den Körper verlässt.
- Vision einer himmlischen Landschaft.
- Eine Grenze, die der/die Erlebende nicht überschreiten kann.
- Wahrnehmung ungewöhnlicher Energie.
- Intensive Emotionen der Verbundenheit, Zugehörigkeit und tiefen Liebe.
- Körperliche Empfindungen, die denjenigen zu entsprechen scheinen, die die sterbende Person zum Zeitpunkt ihres Todes hat.
«Geteilte Todeserfahrungen» haben oft tiefe transformative Auswirkungen auf die Menschen, die eine solche Erfahrung gemacht haben. Sie können eine erweiterte Perspektive auf das Leben und den Tod bieten und können sehr unterstützend für den Trauerprozess wirken. Die Integration einer «geteilten Todeserfahrung» kann aber auch sehr herausfordernd sein, insbesondere da viele Menschen ihre Erfahrung zuerst nicht einordnen können und sich oft auch nicht getrauen, mit anderen Menschen darüber zu sprechen.
Wir danken Frau Sarah Friederich für diesen Beitrag und verweisen Menschen mit geteilten Nahtoderfahrungen und dem Wunsch nach Kontaktaufnahme, nach Beratung oder Betreuung gerne an sie: www.wegeinsneue.ch.
Weiterführende Literatur:
- Raymond Moody and Paul Perry, Glimpses of Eternity: An Investigation into Shared Death Experiences. New York: Guideposts, 2010.
- William J. Peters und Dr. Michael Kinsella: An der Schwelle zur Unendlichkeit. Geteilte Todeserfahrungen: Wie Menschen den Tod ihrer Lieben miterleben. München: Ansata Verlag, 2022.
- Shared Crossing Project