Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03352.jsonl.gz/1195

Da stehen Sie also, lieber Duke of Edinburgh, mit dem Rücken zu den Fotografen. Inmitten einer Delegation der Royal Marines vor dem Buckingham Palast in London. Mit der rechten Hand zücken Sie Ihre Melone - offiziell zum letzten Mal.
Auch das Volk ist gekommen, um Sie mit Ihren 96 Jahren in Ihren sehr wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden. Trotz Ihres stolzen Alters gehe ich nicht davon aus, dass Sie müde sind. Sie haben vielleicht nach all den Jahrzehnten einfach keine Lust mehr.
Ein Fakt, für den Sie bekannt sind. Sie hatten immer wieder mal wenig Bock. Vielleicht haben Sie die Schnauze etwas voll davon, dass man Ihnen stets den undankbaren Schattenplatz an der Seite Ihrer Frau, Queen Elizabeth II., andichtete?
Wer nämlich etwas besser hingeschaut und hingehört hat, weiss: Nein, Prinz Philip und Schatten, das grenzt an Fake News. Sie haben Ihrer Frau, ganz englischer Gentleman, zwar jeweils die grosse Bühne überlassen. Untergegangen sind Sie aber keinesfalls. Selbst auf diesem Bild von gestern strahlt Ihre Einzigartigkeit über dem Blau des Hutes Ihrer werten Frau Gemahlin.
«Ich dachte, orientalische Frauen sitzen den ganzen Tag nur rum, rauchen Wasserpfeife und essen Süssigkeiten»
Die Einzigartigkeit, von der ich rede, betitelt manch einer als Unart. Und meint damit Ihr sehr lockeres Mundwerk, lieber Prinz Philip. Erinnern Sie sich daran, als Sie zum Beispiel im Jahr 2008 einer Gruppe Bauchtänzerinnen Folgendes sagten: «Ich dachte, orientalische Frauen sitzen den ganzen Tag nur rum, rauchen Wasserpfeife und essen Süssigkeiten»?
Im gleichen Jahr stiessen Sie eine slowenische Tourismusexpertin vor den Kopf, als Sie sie mit folgenden Worten konfrontierten: «Tourismus ist nichts Weiteres als nationale Prostitution. Wir brauchen nicht mehr Touristen, sie ruinieren die Städte.»
Noch mehr Sprüche für die Ewigkeit
Schon klar. Politisch korrekt sind solche Sprüche nicht. Und doch kann sie Ihnen keiner so recht übel nehmen. Weil Sie es selten oder nie wirklich böse meinen. Sie sind einfach ein Zyniker. Ein authentisch unaufgeregter dazu. Unvergesen bleiben Sie auch dafür, dass Sie meine Berufskollegen und mich dissten, als Sie sich vermeintlich unbeobachtet fühlten. Sie zeigten auf eine Schar Journalisten und flüsterten Ihrer Frau «Da sind sie wieder, die Reptilien» zu. Ich könnte Sie für Beleidigungen dieser Art kein bisschen mehr lieben.
Haben Sie in jungen Jahren auch nackt Billard gespielt, Prinz Philip?
Wissen Sie auch noch, als Sie mal den nigerianischen Präsidenten trafen? Sie begrüssten ihn mit folgender Offensive: «Sie sehen aus, als wären Sie fertig fürs Bett.» Lassen Sie auch mich Tacheles reden, werter und hochverehrter Prinz. Ich liebe Sie. Und vermisse Sie, bevor Sie überhaupt richtig abgetreten sind. Ich wünsche mir, dass Sie bald wieder kommen. Und das tun, was Sie am besten können: Beleidigen Sie mich. Beleidigen Sie das Fussvolk. Beleidigen Sie die Mächtigen, die Politiker, die Ausländer.
Machen Sie das stets mit Ihrem so berühmten Charme und dem Schalk in Ihren Augen. Grosse Pausen seien Ihnen mehr als gegönnt. Verschwinden Sie einfach nicht ganz. Nutzen Sie doch auch Ihre Ruhephasen dafür, Ihren Enkel Harry - meinen Zweitlieblingsprinzen - in Ihre sehr grosse Fussstapfen treten zu lassen.
Dass Harry der nächste royale Rockstar ist, bewies der 33-Jährige spätestens, als er nackt in Las Vegas Billard spielte - oder irgendwann einmal dabei abgelichtet wurde, wie er eine nackte Brust ableckt. Geben Sie es zu, im Hinterstübli haben Sie den Guten für diese Aktion ge-high-fived.
Jetzt will ich Sie high-fiven, lieber Philip, mich verbeugen, meinen Hut zücken, Danke sagen. Danke, dass Sie die Welt stets zu einem lustigeren Ort gemacht haben. Sie hatte es bitter nötig.
Auf ewig in Verbundenheit,
Ihre Maja