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Japans Blick auf Russland
Die russische Invasion in die Ukraine löst auch in Japan grösste Besorgnis aus. Premierminister Fumio Kishida hat noch am Tag des Angriffs erste wirtschaftliche Sanktionen verhängt. Japan ist als Nachbar Russlands von diesem geopolitischen Konflikt direkt betroffen. Denn bis heute haben die beiden Länder keinen Friedensvertrag geschlossen, der einen Schlussstrich unter den Zweiten Weltkrieg ziehen würde. Der Grund dafür liegt in einem territorialen Disput.
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Die Japaner sprechen von den Hoppō Ryōdo, den nördlichen Territorien, welche die vier Inseln Shikotan, Habomai, Kunashiri (Russisch: Kunashir) und Etorofu (Iturup) umfassen. Auf diesen vier Inseln lebten bis 1945 Japaner, bis die Truppen der Sowjetunion in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die gesamte Kurilen-Kette, inklusive die vier Inseln vor Hokkaido, besetzten. Über 17’000 Japaner mussten Shikotan, Habomai, Kunashiri und Etorofu verlassen, die meisten Männer kamen in sibirische Kriegsgefangenschaft. Der Anime Giovanni’s Island von 2014 hat dieses historische Kapitel thematisiert (Asienspiegel berichtete).
Unvereinbare Standpunkte
Japan fordert seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Rückgabe der Nördlichen Territorien, die heute von Russen bewohnt sind. Die Regierung in Tokio argumentiert dabei, dass diese ein fester Bestandteil Hokkaidos sind und nie als Teil der Kurilen-Inseln angesehen wurden, auf die sie 1951 offiziell verzichtete. Tokio beruft sich dabei auf den Vertrag von Shimoda, der am 7. Februar 1855 unterzeichnet wurde. Damals legten die beiden Nationen fest, dass alle Inseln nördlich von Etorofu zu Russland gehörten.
Für Russland hingegen sind Etorofu und Kunashiri Teil der Kurilen-Kette. Dies hat die Regierung in Moskau in den vergangenen Jahren wiederholt betont. Gleichzeitig verweist sie auf die sowjetisch-japanische Erklärung von 1956, die zu einer Normalisierung der Beziehung der beiden Länder führte und lediglich eine Rückgabe der Inseln Habomai und Shikotan im Falle eines Friedensvertrages in Aussicht stellt. Von den anderen zwei grösseren Inseln Kunashiri und Etorofu war in den Augen Moskaus nie die Rede. Das Festhalten Russlands an den Nördlichen Territorien hat wirtschaftliche und politische Gründe. Die umstrittenen Gebiete verfügen nicht nur über reichhaltige Fischgründe, sondern garantieren auch einen direkteren Zugang zum Pazifik.
Der Tag der Nördlichen Territorien
Derweil pocht Japan weiter auf die Rückgabe aller Inseln und stellt sich dabei auf den Standpunkt, dass die Frage um Kunashiri und Etorofu in Friedensverhandlungen erst noch gelöst werden müsse. Damit dieses Problem nicht in Vergessenheit gerät, hält Japan alljährlich am 7. Februar den Tag der Nördlichen Territorien ab.
Die unterschiedlichen Sichtweisen und Interpretationen haben dazu geführt, dass auch 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Japan und Russland keinen offiziellen Frieden geschlossen haben. Der Krieg in der Ukraine führt nun dazu, dass eine Beilegung des Territorialkonflikts in noch weitere Ferne gerückt ist. Viel eher werden die diplomatischen Spannungen mit dem nördlichen Nachbarn zunehmen. Auch für den Fernen Osten ist es eine Zeitenwende mit ungewissem Ausgang.
Der Standort der Nördlichen Territorien
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