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Le Conseguenze dell'Amore (2004)
Le Conseguenze dell'Amore (2004)
Oder: Hotel Very Welcome
So stellt man sich einen Philosophie-Professor vor. Graues, lichtes Haar, ernste Gesichtszüge und eine Brille, die überdurchschnittliche Intelligenz bescheinigt. Titta di Girolama (Toni Servillo) hat jedoch eine andere Berufswahl getroffen. Er ist Financier im Dienst der Mafia.
Seit acht Jahren lebt di Girolama in einem Hotelzimmer in Lugano, getrennt von Familie und Freunden. Trotz einiger Begegnungen ist er menschlich isoliert. So unterlässt er es etwa tunlichst, Kontakt mit der Bardame Sofia (Olivia Magnani) aufzunehmen, die seit zwei Jahren hinter dem Tresen arbeitet und von seiner Präsenz eingenommen scheint.
Den ganzen Tag verbringt di Girolama mit Rauchen und Kaffeetrinken. Er bezeichnet sich selbst als Mitglied der Insomnia-Sekte - nachts kann er kaum ein Auge zutun. Entspannung findet er nur in einem Schuss Heroin, den er sich stets am gleichen Wochentag setzt.
Der träge Ablauf seines Lebens beschleunigt sich jeweils einmal im Monat. Eine mysteriöse Dame stellt ihm regelmässig einen Koffer voller Geld vor die Zimmertüre. Sofort steigt der Geldwäscher in seinen BMW, düst zur Bank seines Vertrauens und zahlt das Geld - 9 Millionen - ein.
Im Hotel leben, das Geld einzahlen, Sofia ignorieren: So könnte das Jahre weitergehen. Doch eines Tages bricht di Girolama mit der Routine: Er setzt sich an die Bar und fängt mit Sofia an zu reden. Eine Entscheidung mit schwerwiegenden Konsequenzen.
Film-Rating
Toni Servillo ist uns noch bestens präsent als Müll-Tycoon in Gomorra. Schauspielerisch mit der Mafia war er allerdings schon 2004 in Le Conseguenze dell'Amore verbandelt. Mögen die Schauplätze der beiden Filme unterschiedlich sein, so sind durchaus Parallelen ersichtlich. Servillos Figuren sind beide nur schwer durchschaubar und deren Vergangenheit wird kaum offengelegt. Zudem ist die Mafia als solche, also ihre Struktur und Hierarchie, in beiden Filmen praktisch nicht fassbar.
Ein Mann, ein Hotel - was Regisseur Paolo Sorrentino aus dieser Prämisse herauszaubert, ist schlichtweg grandios. Seine Inszenierung ist ruhig, aber fern von behäbig. Stück für Stück und mit wenigen, aber intelligenten Dialogen wird die Persönlichkeit der Hauptfigur zusehends ans Licht befördert. Mit der Zeit bemerkt man eine wachsende Sympathie für den eisigen di Girolama, dessen Misanthropie durchaus seinen Grund hat.
Gleichzeitig werden uns die Eigenwilligkeiten des Mikrokosmos Hotel vor Augen geführt, diesem flüchtigen Ort der Beherbergung, der eigentlich nicht für jahrelanges Wohnen konzipiert wurde. In seinem Hotelzimmer ist di Girolama das hilflose Opfer seiner Schlaflosigkeit - eine Bürde, die seine Isolation weiter unterstreicht.
Le Conseguenze dell'Amore ist ein eindrücklicher Film über Abgeschiedenheit und Relativität von Zeit, dessen Stille durch den hochklassigen Soundtrack immer wieder aufgehoben wird.
OutNow.CH:
08.08.2009 / uas
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