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Ging es in Felbers Buch «Neue Werte für die Wirtschaft» (2008) um die Grundlagen eines «Dritten Weges» jenseits von Kapitalismus und Zentralismus, danach in «Kooperation statt Konkurrenz» (2009) wesentlich um Alternativen zum Geld- und Finanzsystem, so ist das neue Buch, wie der Untertitel sagt, ein ausgeführtes Modell für die Gesamtstruktur einer alternativen Wirtschaft mit allem, was dazugehört. Das Faszinierende daran ist, dass dieses Modell nicht abstrakt vorgestellt wird, sondern mit Hilfe von Beispielen, die schon funktionieren. Besonders beeindruckend ist die Liste von 68 Unternehmen, die als ErstunterzeichnerInnen (aus Österreich und Deutschland) das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie unterstützen. Natürlich wird aber auch auf Beispiele wie Mondragon hingewiesen, die schon über sechzig Jahre ein leuchtendes Beispiel des kooperativen Wirtschaftens geben.Welche Rahmenbedingungen entwickelt Felber für die neue Ökonomie?
1. Zunächst gibt er einen Überblick über die Kernelemente: Ausgangspunkt ist ein neuer Anreizrahmen durch eine Kultur, die auch in der Wirtschaft Werte durchsetzt, die wir in zwischenmenschlichen Beziehungen schätzen.
Den Unternehmen wird ein neues Erfolgsziel gesetzt: Gemeinwohl. Dies soll durch einen basisdemokratischen Wirtschaftskonvent definiert werden.
Die Messung erfolgt nicht mehr mit dem monetären BSP, sondern durch die Koppelung sozialer, ökologischer, demokratischer und solidarischer Indikatoren an den wirtschaftlichen Erfolg. Jedes Unternehmen kann so eine Gemeinwohlbilanz vorlegen. Rund dreissig Unternehmen experimentieren schon damit, definieren aber die Gemeinwohlbilanz noch nicht, sondern nur eine Gemeinwohl-Matrix (S. 32f.), da ja erst der demokratische Prozess abgewartet werden muss. Gemeinwohlstreben der Unternehmen wird von der Regierung rechtlich und steuerlich belohnt, aber auch von den Konsumierenden, da alle Produkte in Farben die Gemeinwohlbilanz der Produkte zeigen.
Gewinn wird vom Zweck wieder zum Mittel.
Es gibt erlaubte und unerlaubte Verwendungen von Überschüssen usw. Durch diese und andere Rahmenbedingungen wird die Gier nicht mehr systemisch belohnt wie im Kapitalismus, sondern soziales, ökologisches und demokratisches Wirtschaften.
2. In weiteren Kapiteln werden die Grundsäulen des Wirtschaftens diskutiert und Vorschläge unterbreitet: Über die demokratische Bank wird das Geldsystem dem Gemeinwohl untergeordnet. Mit verschiedenen Mitteln wird das Eigentum gemeinwohlpflichtig gemacht. Die Demokratie wird durch eine Mischung aus repräsentativer, direkter und partizipativer Demokratie weiterentwickelt. Viele Beispiele werden erzählt und schliesslich Vorschläge für Umsetzung und Strategie unterbreitet.
Margret Thatcher wäre vermutlich nach der Lektüre dieses Buches verwirrt. Denn siehe da: Es gibt Alternativen.
Ulrich Duchrow
|Kategorie||Buch|
|Titel||Die Gemeinwohl-Ökonomie, Das Wirtschaftsmodell der Zukunft|
|Bild|
|Autor||Christian Felber|
|Verlag||Deuticke|
|Art||Broschiert (160)|
|Preis||0.00|