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Eine der spannendsten Farben im Farbraum ist das Ultramarinblau, ursprünglich das aller-edelste, in Gold aufgewogene blau vom afghanischen Lapislazuli.
1828 zum ersten Mal synthetisch hergestellt, und von Yves Klein, der in den 50er Jahren monochrom tiefblaue Farben malte, 1957 als «International Klein Blue (IKB)» patentiert. Er entwickelte die Rezeptur auf der Basis eines polyvynilacetates „Rhodopas“ selber – ein derart brillantes, tiefes Blau war damals noch nicht in der Produktion. Der Betrachter sinkt geradezu in das tiefe, leicht rotstichige blau ein.
Ultramarinblau ist in den üblichen Farbsystemen folgendermassen angenähert:
CMYK 100/75/0/20
RGB 51/51/153
PMS Pantone 287 coated / uncoated
RAL 5002 Ultramarinblau
HEX #333399
Das einzige [mir bekannte] Produkt, welches diesen Effekt in seiner ganzen Tiefe erfahren lässt, ist KT 03.001 Y3 Ultramarinblau (kt.color). „Normale“ Farben aus dem Mischcomputer können diese Farbtiefe nur ansatzweise reproduzieren. Im Direktvergleich wirken diese entweder stumpf, zu dunkel oder zu grell…
Übrigens: Echter afghanischer Lapis wird noch immer (Im Kokcha-Tal, Badachschan-Provinz) abgebaut und weiterverarbeitet.
Ich erlaube mir ungefragt daraus zu zitieren:
Das beginnende Mittelalter bezeichnet Blau kurz als „Azur“, ein Wort, das sich in der Form „Lazurium“ zuerst bei einem griechischen Schriftsteller des 6. Jahrhunderts findet. Der gleiche Stamm steckt auch im „Lapislazuli“ und namentlich in der „Lasur“, wo er sich zur Kennzeichnung einer bestimmten Farbeigenschaft gewandelt hat: Wenn eine Farbe den Untergrund durchscheinen liess, sich ebenso verhielt wie der Azur, sagt man sie „lasiert“.
Das Wort kommt aus dem Persischen, wo „Lazul“ oder „Lazur“ die blaue Farbe bedeutet.
[…]
Das Wort „Ultramarin“ wird erst im 14. Jahrhundert zum ersten Mal gebraucht. Die älteste deutsche Quelle für Maltechnik, das „Strassburger Manuskript“, spricht an einer Stelle von „lazur, als man über mer macht“ und der „Neapler Codex für Miniaturmalerei“ nennt in seiner Farbenliste ein „Azurium ultramarinum“ – das ist offenbar beidemal derselbe Ausdruck, und es fragt sich, was er bedeutet. Unbedingt abgelehnt wird durch die deutsche Fassung die Erklärung, die Farbe sei „tiefer als diejenige des Meeres“ und in diesem Sinne ultra-marin, sondern man kann richtig nur deuten „von jenseits des (Mittel-)Meeres“, kurz „überseeisch“.
Sehr die Frage ist es aber, was denn nun als überseeisch bezeichnet wird. Natürlich kam der Rohstoff, der Lasurstein, von „Übersee“ nach Europa, aber das tat er schon das ganze Altertum und Mittelalter hindurch, und man sprach doch nur einfach vom „Azur“.
Es muss also noch etwas hinzugekommen sein, um das Überseeische auszumachen. Da ist es dann wichtig, festzustellen, dass dieser Name erst später auftritt als das verfeinerte Blau, daher ist die Bezeichnung „lazur, als man über mer macht“ wortwörtlich aufzufassen und bedeutet, dass eben diese Verfeinerung und Bearbeitung zuerst jenseits des Meeres vorgenommen wurde. Jahhundertelang kannte man den unvollkommenen Azur aus Lapislazuli, da kam eines Tages ein wundervoll reines Blau statt seiner aus dem Osten, und staunend sprach der Westen von ihm als dem „überseeischen Blau“. Das Wort ist dann in etwa ein Dutzend europäische Sprachen übergegangen.
[…]
Das Verfahren war in aller Kürze folgendes:
500 g geeigneter Stücke Lasurstein werden erhitzt und gleich anschliessend in Essig geworfen, um die Kalkbeimengungen mürbe zu machen.
Nach dieser Behandlung werden die Stücke so weit zerkleinert, wie es mechanisch möglich ist, und schliesslich mit einem eigentümlichem Kitt (Pastello), der den Kern des Geheimnisses ausmachte, zusammengeknetet.
Die Zusammensetzung des Kittes besteht aus Terpentin, Kolophonium, weisses Pech, gelbes Wachs und Leinöl. Diese Bestandteile hat man über einem Feuer zusammenzuschmelzen und der Mischung durch ein feines Sieb das Lasursteinpulver unter ständigem Rühren zuzusetzen, bis eine völlige gegenseitige Durchdringung erreicht ist. Man lässt nun die Masse unter Wasser 14 Tage lang stehen und knetet sie dann in immer erneuertem Wasser stundenlang durch. Dabei zeigt es sich, dass das Blau ins Wasser entweicht, während der Kalk vom Kitt festgehalten wird. Bei jeder Erneuerung des Wassers nimmt die Tiefe der Farbe ab, die ersten Auswaschungen ergeben also die besten Sorten, die letzten ein blassblaues Pulver, die sog. Ultramarinasche.
In den verschiedenen Gefässen setzt sich das reine Ultramarin langsam zu Boden, und man braucht nur noch das Wasser abzuziehen, das Pulver zu trocknen und evtl. gewisse Nachbehandlungen folgen zu lassen, um die Farbe gebrauchsfertig zu besitzen.
Es leuchtet ein, dass diese unendlich umständliche, hier nur in Umrissen skizzierte Behandlungsweise (das vollständige Rezept umfasst nicht weniger als 49 Arbeitsgänge!), zu der noch der hohe Preis des Steines und die geringe Ausbeute an wirklich einwandfreiem Blau hinzukam, nur eine sehr teure Farbe ergeben konnte, wenigstens wenn man die guten Sorten berücksichtigt.