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Immer am ersten Sonntag im September feiern die Baselbieter Kirchgemeinden den Verenasonntag mit einem besonderen Gottesdienst mit Abendmahl. Denn der 1. September ist der Gedenktag der heiligen Verena. Warum feiern wir reformierten eine Heilige? Die Reformation hat doch die Heiligenverehrung abgeschafft?
Wie es genau dazu kam, dass in der Baselbieter Kirche der heiligen Verena gedacht wird, weiss ich nicht. Doch finde es ich persönlich eine schöne Tradition. Wo im reformierten Kirchenjahr steht sonst einmal eine Frau als Vorbild für den christlichen Glauben im Zentrum? Als Reformierte gedenken wir der Verena nicht als Heilige, von der wir Wundertaten erwarten. Wir gedenken ihr, indem wir ihr Leben als Beispiel nehmen, wie christliches Leben aussehen kann. Doch wer war diese Verena?
Über ihr Leben berichten zwei Legenden aus dem 9. und dem 11. Jahrhundert. Vermutlich hat sie zwischen 260 und 320 n. Chr. gelebt. D.h. es handelt sich um Legenden und nicht um eine Biografie im heutigen Sinn. Verena hat in der Schweiz, grade in unserer Region ihre Spuren hinterlassen. Sie war jedoch keine Schweizerin. Sie stammte aus einer angesehenen Familie aus Theben, einer Stadt in Ägypten. Ihre Eltern liessen sie taufen und von einem Bischof im christlichen Glauben unterweisen. Nach dem Tod dieses Bischofs, reiste sie mit anderen Christen und Christinnen zuerst nach Unterägypten. Dort hat der damalige römische Kaiser Diokletian Soldaten für eine neue Legion ausgehoben. Unter ihnen waren auch Christen, mit denen Verena reiste und mit dieser «thebäischen Legion» nach Italien kam und über Mailand in die Schweiz. Sie liess sich in der nach ihr benannten Schlucht in Solothurn als Eremitin nieder. Sie wurde von Menschen aufgesucht, sie lehrte offenbar auch weitere Frauen, die wie sie leben wollten und sie kümmerte sich um Kranke und sorgte für die Armen. Der Legende nach heilte sie viele kranke Menschen. Darum wird sie oft mit einem Kamm und einem Krug Öl gezeichnet. Mit dem Kamm befreite sie die Menschen vor Läusen mit dem Öl salbte sie Wunden. Da sie so viele Menschen anzog, wurde sie den Römern suspekt und verhaftet. Nachdem sie jedoch einen kranken römischen Hauptmann geheilt hatte, wurde sie wieder freigelassen.
Das Leben der Verena und ihr Dienst aus tiefer christlicher Überzeugung mag sehr weit weg von unserem Leben heute scheinen. Und doch liegt mir der Verenasonntag am Herzen. Mir scheint einiges am Leben der Verena bedenkenswert und ich finde ihr Leben auch äusserst spannend. Sie schien eine recht unabhängige Frau zu sein, die ihre Berufung lebte. Sie nahm für die damalige Zeit beschwerliche und gefährliche Reisen auf sich und kam aus Ägypten nach Europa und in die Schweiz. In welchen Sprachen redete sie mit den jeweiligen Menschen? Wie verständigten sie sich untereinander? Kann man Verena als eine Art interkulturelle Vermittlerin sehen? Sie lebte ein anderes Leben als die meisten ihrer Zeitgenossinnen. Sie lebte ihre christliche Überzeugung und war aus ihr heraus für die Menschen da. Das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen, sich mit seinen Überzeugungen und seiner Berufung auseinandersetzen, und dabei doch auch ein offenes Ohr für die Menschen in seinem Umfeld haben; soziale Fragen zu Fürsorge, Pflege und Armut. Auch wenn Verena 1700 Jahre vor uns lebte, streift sie mit ihrem Leben, wie es überliefert ist, auch heutige Fragen.
Die Kirchgemeinden Diegten-Eptingen und Tenniken Zunzgen feiern jeweils den Verenasonntag gemeinsam in einem regionalen Abendmahlsgottesdienst. Dieses Jahr findet er am 3. September um 10 Uhr in Tenniken statt. Pfrn. Melanie Muhmenthaler