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Welchen Einfluss hatte die Krise am US-Subprime-Hypothekenmarkt auf die Athener Börse?
Spyros Kapralos: Die griechischen Banken waren von der Subprime-Krise kaum betroffen. Aber natürlich war diese Kreditklemme auch für uns spürbar, weil rund zwei Drittel der Transaktionen an der Athen Stock Exchange (ASE) durch Ausländer getätigt werden. Das sind zumeist Fondsmanager, die am hiesigen Börsenplatz Gewinne realisierten, um damit Verluste im Segment der Financials auszugleichen.
Wie beurteilen Sie die künftige Entwicklung?
Kapralos: Die Aktienmärkte werden noch immer durch eine grosse Nervosität unter den Akteuren geprägt. Bei den Finanzdienstleistungsunternehmen sind weitere Abschreibungen und Gewinnkorrekturen absehbar.
Die Börse hat vor wenigen Monaten neue Räumlichkeiten am Stadtrand bezogen. Welche Konsequenzen hat das?
Kapralos: Die Abläufe werden effizienter, weil nun sämtliche Aktivitäten, vom Handel bis zum Settlement und Clearing, unter einem Dach vereinigt sind.
An den europäischen Börsen verändern sich die Aktionärsstrukturen. Wie rasch kommt die Konzentration voran?
Kapralos: Im letzten Jahr gab es markante Veränderungen. So hat die New York Stock Exchange Euronext übernommen und die London Stock Exchange stieg bei der italienischen Börse ein. Zudem zeichnen sich Veränderungen bei den skandinavischen Aktienplätzen ab. Die amerikanische Nasdaq spielt dabei ebenso eine Rolle wie Finanzkreise aus Dubai und Katar. Zunächst sind die grossen Börsen im Fokus, und danach zeichnet sich auch ein Interesse für die kleineren Akteure wie etwa die ASE ab.
Was erwarten Sie vom Börsenprojekt «Turkoise», das von einigen Grossbanken forciert wird?
Kapralos: Diese Banken versuchen, damit noch effizientere Handelssysteme zu schaffen, damit die Kosten weiter sinken. Es bleibt abzuwarten, ob sich solche Projekte auch wirklich erfolgreich durchziehen lassen.
Ihre Kooperation mit der Cyprus Stock Exchange ist gut ein Jahr alt. Wie sieht die Bilanz aus?
Kapralos: Wir sind sehr zufrieden mit der operativen Tätigkeit auf der gemeinsamen Plattform. Das Handelsvolumen hat sich stark erhöht, vor allem in Zypern. Dort haben sich die Transaktionen innerhalb von einem Jahr verdoppelt, und der Anteil von internationalen Investoren an der Kapitalisierung hat sich von 3 auf über 10% erhöht. Der kleine Inselstaat Zypern weist heute ein grösseres Volumen auf als etwa Bulgarien und Rumänien. Wir hoffen natürlich, dass dies nur ein Anfang ist.
Sie rechnen mit anderen Nachbarländern, die bei der gemeinsamen Börsenplattform mitmachen.
Kapralos: Ja, wir demonstrieren die Lösung in allen Ländern. Die Agenda ist allerdings nicht bei allen Börsenplätzen gleich. Zudem werden diese Handelsplätze noch unter einem stark nationalistisch geprägten Blickwinkel betrachtet. Darum dauert es bis zur Realisierung von gemeinsamen Plattformen meist etwas länger.
Vor Jahresfrist haben Sie Gespräche mit der Bulgarian Stock Exchange aufgenommen.
Kapralos: Damals signalisierte die bulgarische Regierung, dass sie im Zuge einer Privatisierung ein 44%-Aktienpaket abgeben wolle. Mittlerweile ist man von dieser Position abgerückt und will bei der vom Staat kontrollierten Börse bleiben. Anders sieht es in Slowenien aus, wo die Privatisierung bereits vor einigen Jahren eingeleitet wurde und nun eine Mehrheitsbeteiligung zum Verkauf steht. Da bieten wir mit.
Sie möchten einen Handelsplatz für den südosteuropäischen Raum schaffen?
Kapralos: Mit der Zusammenlegung von nationalen Börsen schaffen wir bessere Bedingungen für die internationalen In-vestoren. Diese Anleger können nicht alle Märkte im Auge behalten. Sie suchen eine Plattform, die den gesamten Überblick gestattet.
Wie konkurrenzfähig ist die Athener Börse im Vergleich zu den anderen Aktienmärkten in der EU?
Kapralos: Wir sind immer noch teurer als die Durchschnittsgebühr innerhalb der Europäischen Union. Vor zwei Jahren wurden die Kommissionssätze um einen Drittel abgesenkt. Jetzt reduzieren wir die Tarife nochmals in einzelnen Bereichen. Mit den effizienteren Strukturen ergeben sich für uns auch Preisvorteile. Gleichzeitig hat sich die Transparenz für die Anleger wesentlich erhöht.