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Ein Erfahrungsbericht von Baptiste Marmier
Bevor ich zur Schweizer Tafel kam, war ich in humanitären NGO’s tätig, die ihren Sitz in Genf hatten. Ich habe in den Bereichen Entwicklungsarbeit und während internationalen Krisen mehrere Einsätze geleistet. Eines dieser Projekte war beispielsweise die Entwicklungsarbeit in Kenia. Ich war für drei Jahre vor Ort und koordinierte ein Projekt, das den Kampf gegen die Beschneidung von Frauen aufnahm. Diese Zeit war sehr spannend, aber auch extrem kompliziert. Das Projekt war lokal orientiert. Das heisst, ich arbeitete mit den Menschen vor Ort, bildete sie aus, um ihnen schliesslich die volle Verantwortung des Projekts zu übergeben. Da die Ergebnisse schwer zu messen sind, werden wir wohl erst in 20-30 Jahren erfahren, ob das Projekt erfolgreich war. Nach meiner Arbeit in Kenia arbeitete ich in der humanitären Katastrophenhilfe. Aus dem Hauptsitz der NGO in Genf koordinierten mein Team und ich in Krisenfällen die humanitäre Hilfe in den Krisengebieten. Wir organisierten die Einsatzkräfte und die Finanzierung. Dies gelang dank weltweit 270 Standorten und deren Mitgliedern.
Ich durfte bei den verschiedensten Projekten mitwirken und bleibende Erfahrungen sammeln. Doch ich realisierte auch, dass mir in gewissen Fällen die Transparenz fehlte. Es wurden teilweise enorme Summen bewegt, doch was ging davon an die betroffenen Personen?
Daher entschied ich mich, mich wieder nach einer kleineren NGO umzusehen, die transparent agierte und sich in der Schweiz engagierte. So stiess ich auf die Stiftung für Menschen in Not. Die Stiftung suchte damals einen Leiter für die Region Waadt. Bisher wurde die Region von den drei Freiwilligen Philipp, Hansjörg und Hans geleitet. Die drei Freiwilligen waren ehemalige Manager von grossen Firmen und wollten sich nach ihrer Pensionierung einem guten Zweck widmen. Sie hatten in Eigeninitiative bei Yvonne Kurzmeyer angefragt, ob sie im Kanton Waadt einen Standort eröffnen durften. So entstand die Waadtländer Tafel in Saint-Sulpice. Dies funktionierte lange Zeit sehr gut. Denn die Tafel profitierte von der Partnerschaft mit dem Atelier93, dass Fahrer für die Sammeltouren zur Verfügung stellte.
In den darauffolgenden Jahren wuchs die Region Waadt und parallel dazu die ganze Stiftung. In der ganzen Schweiz wurden Regionen eröffnet. Es gab mittlerweile Tafeln in Zürich, Bern, Basel, Luzern, Aargau-Solothurn und in St. Gallen. Als es im Jahr 2009 darum ging, die Stiftung zu professionalisieren, freuten sich die drei Freiwilligen in Waadt über meine Anstellung. Ich war sehr froh, darüber, dass ich noch vom Know-how und den bisherigen Erfahrungen profitieren konnte. Zudem engagierten sie sich noch lange als freiwillige Fahrer. Heute besuchen sie mich ab und zu auf einen Kaffee.
Im Jahr 2009 kam es noch zu weiteren Anstellungen, wie beispielsweise einer neuen Geschäftsleiterin. Yvonne Kurzmeyer war weiterhin im Stiftungsrat aktiv und ich durfte die neue Geschäftsleiterin unterstützen.
Eine meiner ersten Aufgaben, nebst der Leitung der Region Waadt, war es, die bisher eher selbständigen und lokal verankerten Regionen zu einer nationalen Zusammenarbeit zu bewegen. Dies war keine leichte Aufgabe. Ich begann mit dem Aufbau eines gemeinsamen Netzwerks, einer zentralen Datenbank. Ziel war es, dass jede Region auf dieselben Dokumente zugreifen konnte und so Prozesse und Standards vereinheitlicht werden konnten. In meiner Region richtete ich mit Unterstützung meines Bruders einen zentralen Server ein. Das haben wir in unserer Freizeit freiwillig gemacht. Die Stiftung konnte sich damals derartige Informatik-Kosten nicht leisten. Wir konnten es für CHF 1000.00 umsetzen. Zu der Zeit war diese Technologie noch kein Standard und ziemlich neu. Es wurde auch noch viel gebastelt. Heute wäre das unmöglich, so umzusetzen. Zum Glück wurde dieser Server dann auch von einem ganzheitlichen Informatikprojekt in Zusammenarbeit eines externen Partners abgelöst.
Parallel wurde aus der Geschäftsstelle mit Hilfe des Stiftungsrats die Identität der Stiftung neu überdacht. Die Stiftung Hoffnung für Menschen in Not stand zwar als Name noch im Handelsregister, doch sollte zukünftig nach Aussen die Stiftung mit dem neuen Namen Stiftung Schweizer Tafel auftreten. Die neue Identität wurde in allen Regionen angepasst. Dies war ein Meilenstein für die Stiftung.
In den nächsten Jahren sollte die Stiftung weiterwachsen und neue Regionen eröffnen. Im Jahr 2011 wurde beispielsweise die neue Region Neuenburg eröffnet. Ich durfte damals das Projekt leiten. Wir bereiteten ein Konzept vor, fanden einen passenden Standort und stellten ein Fahrzeug zur Verfügung. Nun fehlte noch der passende Partner. Mit Job Eco fanden wir diesen Partner, der ab nun in unserem Namen die Region Neuenburg bediente.
Leider kam es im Jahr 2011 auch zur Schliessung einer Region. Der Leiter der Region Aargau-Solothurn ging in Pension. Da die Region eher klein war, entschloss sich die Stiftung die Region Aargau zukünftig durch die Region Zürich abzudecken, die Region Solothurn wurde durch die Region Mittelland beliefert.
Weitere Projekte, die ich betreuen durfte, waren die Plattform Food Bridge und eine Tourenplanungs-Software. Die Plattform Food Bridge existiert noch heute und wird fortlaufend ausgebaut.
Während meiner Zeit bei der Stiftung habe ich viel erlebet. Ich begann als die Stiftung noch ein neues Projekt und das Team voller Energie war. Wir hatten tausende Ideen. Danach konnte ich miterleben, wie die Stiftung Analysen durchführte, kritisch hinterfragt wurde, wo die Stiftung stand und wo sie hinwollte. Die Stiftung wuchs und war auf dem richtigen Weg, sich zu professionalisieren. Wie in jedem Business durchlief aber auch unsere Stiftung Krisenzeiten. Leider ging in solchen Phasen viel Wissen verloren und Möglichkeiten wurden verpasst. Heute sind wir zum Glück wieder an einem Punkt angelangt, an dem unsere Stiftung über eine solide Basis verfügt, das Team ist top motiviert und es mangelt auch nicht an kreativen Ideen. Ich bin zuversichtlich, dass das Potenzial der Stiftung in den nächsten Jahren ausgeschöpft wird.
Genau das macht die Stiftung Schweizer Tafel aus. Egal, mit welchen Krisen sie konfrontiert wird, das Tagesgeschäft, täglich von Armut betroffenen Menschen mit Lebensmitteln zu helfen, geht weiter.
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