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|Geschichte|

Die Fallschirmaufklärer Kompagnie 17 (Fsch Aufkl Kp 17) von heute ist aus der Fernspäh Kompagnie 17 (Fernsph Kp 17), welche selbst aus der legendären Fallschirmgrenadier Kp 17 entstanden ist, hervorgegangen. Diese drei Bezeichnungen der einzigen Fallschirmtruppe der Schweizer Armee lösten sich im Laufe der Zeiten ab. Alle aber standen sie für die selbe Einheit, die mit den Jahren ihr Einsatzkonzept änderte. Die "17" war und ist aber in jeder Bezeichnung enthalten. Es wundert daher nicht, dass die "Paras" auch als "17-er" bekannt sind.
In den folgenden Zeilen soll die Geschichte der Fallschirmaufklärer Kp 17 erläutert werden. Der historische Abriss ist in folgende Abschnitte gegliedert: Vorgeschichte, Aufstellung der Fsch Gren Kp 17, die Fsch Gren Kp 17, Literatur.
Die Vorgeschichte
So richtig ins Rampenlicht der Medien traten die "Paras" im Herbst 1964 während der Manöver des 4. Armeekorps. 28 zivile Fallschirmspringer (militarisiert) verschiedener Waffengattungen und militärischen Graden aus der ganzen Schweiz versammelten sich auf dem Militärflugplatz in Dübendorf, um die Aktionen der kommenden Tage vorzubereiten. Jeder brachte seinen privaten Fallschirm inkl. Springerstiefeln mit, da zu diesem Zeitpunkt die Armee noch über keine solchen Ausrüstungsgegenstände verfügte. Als Manövereinsätze waren zwei Absprünge aus der Ju-52 sowie ein Einsatz aus einem gemischten Verband aus Do-27 und Helikoptern geplant. Der erste Einsatz fand an der Weinlandbrücke, auf dem nördlichen Thurufer statt und wurde vom Chef EMD verfolgt. Auftrag: Eroberung des Brückenkopfs; Der Gegner wurde überrascht und innert kurzer Zeit wurde die Brücke in Besitz genommen! Zwei Tage später war der Raum um die Thurbrücke bei Gütighausen das Ziel der hochmotivierten Fallschirmspringer, der Auftrag war derselbe. Auch hier waren die "Paras" erfolgreich. Der dritte Einsatz war eine "Commando-Aktion" gegen einen "feindlichen KP" im Raum Schaffhausen. Der überraschte Gegner wurde überwältigt und der KP eingenommen, obwohl noch während des taktischen Anfluges der Einsatzkommandant die hintersten beiden Al-2 Helikopter an eine echte Unfallstelle befahl. Dort leisteten die Fallschirmer den Schwerverletzten eines Artillerie-Munitionstransportes erfolgreich erste Hilfe.
Dank dem Können und der Begeisterung der ad hoc militärischen Fallschirmspringer konnte diese Premiere als Erfolg betrachtet werden. Weitere erfolgreiche Manövereinsätze ziviler Springer erfolgten 1966.
Aufstellung der Fallschirm Grenadier Kp 17
In der Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung vom 21. Februar 1968 über die Organisation des Heeres wurde zur Aufstellung der Fallschirm Grenadier Kp 17 unter anderem aufgeführt:
"(...) der Luftweg ist jedoch oft die einzige Möglichkeit, um im Kriege kleinere aber entscheidende Aktionen durchzuführen (...) Vorläufig soll nur eine und nach Vorliegen günstiger Erfahrungen, später allenfalls eine zweite Fallschirmgrenadier Kompagnie gebildet werden. Es handelt sich nicht darum, grössere Verbände dieser Art aufzustellen."
Der Verzicht, grössere Verbände aufzustellen, weist auch auf den Charakter der Truppe hin, nämlich: Klein, im Verdeckten arbeitend, effektiv. Die zweite Kompagnie ist bis zum heutigen Tag nicht realisiert worden, obwohl eine grössere Anzahl Fallschirmaufklärer nötig wäre, um den Nachrichtenbedürfnissen der Armee im Operativen Raum nachzukommen.
Die Botschaft des Bundesrates hatte für die einzuführenden Fallschirmsoldaten zwei Hauptaufgaben vorgesehen: 1. Die Aufklärung (die sog Fernspähaufträge dh, Nachrichtenbeschaffung im Feindgebiet) und den Kampf (Jagdkrieg-Aktionen im Feindgebiet, dh. Sabotage wichtiger Objekte). Die Fallschirm Grenadier Kp 17 wurde am 1. Januar 1969 geboren.
Die Fallschirm Grenadier Kp 17
Die Fallschirmgrenadiere, heute die Fallschirmaufklärer, werden den sog. "Commando Einheiten" zugeordnet. Sie operieren in Trupps von 4 - 5 Mann, völlig autonom, wenn möglich unsichtbar hinter den feindlichen Linien ohne direkte Unterstützung des eigenen Verbandes analog ausländischer "Special Operation Forces". Ein Vorkurs (VK) der Fallschirmgrenadiere vor dem eigentlichen Umschulungskurs (UK) fand im Herbst 1968 in Locarno statt. Aus diesem Kurs gingen die Kader für den kommenden UK (1969) hervor. Es nahmen vier Instruktoren und drei Milizoffiziere daran teil. Die Instruktoren (2 Of, 2 Uof) hatten vorgängig schon Kurse bei ausländischen Fallschirmeinheiten absolviert.
Im Frühjahr 1969 fand bei den Grenadierschulen in Losone ein 7-wöchiger UK für Fallschirmgenadiere statt. Für diesen Kurs wurden bereits 1967 Wehrmänner aus allen Waffengattungen angeschrieben, die das zivile Fallschirmspringerbrevet besassen und mindestens, nach bestandenem UK, noch 4 WK zu leisten hatten. Viele Anmeldungen gingen ein. Die Anwärter mussten sich im fliegerärztlichen Institut in Dübendorf einer 2-tägigen fliegermedizinischen und psychologischen Eignungsprüfung unterziehen. 48 Anwärter gingen aus diesen Untersuchungen positiv hervor, welche im April 1969 im erwähnten UK ins Tessin einrückten. Es wurden je zur Hälfte Jagdkrieger und Fernspäher ausgebildet. Dieser Dienst war wahrlich kein Zuckerschlecken. Das aus dem VK hervorgegangene Kader schliff die Anwärter im wahrsten Sinne des Wortes, konnten doch nach Ende dieser harten 7-wöchigen Ausbildung nur gerade 22 Wehrmänner das begehrte und wohlverdiente Fallschirm-Grenadier-Brevet entgegennehmen. Die Brevetierung fand im Schlosshof des "Castel Grande" in Bellinzona statt. Der Grundstein der Fsch Gren Kp 17 war gelegt.
Ebenfalls 1969 wurde der erste eigentliche Truppendienst, ein TK (Trainingskurs), der jungen Einheit durchgeführt. Das Ausbildungsprogramm dieses TK umfasste Sport, Schiessen, fremde Waffen, sowie als Hauptteil des Kurses die Sprungausbildung mit Waffen und Lasten bei Tag und bei Nacht (Erhaltung und Steigerung des fallschirmtechnischen Niveaus). Dieser erste Kurs fand auf dem Flugplatz Sitterdorf in der Ostschweiz im August bei schönstem Wetter statt. Der TK ist übrigens (auch heute noch) ein Teil der alljährlich zu leistenden Truppendienste der Paras.
Von Januar bis Juni 1970 fanden die erste Fallschirmgrenadier UOS sowie RS in Losone statt. Bis 1977 wurde die Ausbildung der Fallschirmgrenadiere unter dem Kdo der Abteilung für Infanterie durchgeführt, dh. UOS und RS bei den Grenadierschulen in Losone, ab 1972 in Isone. Die Offiziers-Aspiranten wurden in die Infanterie OS aufgeboten mit Abverdienen wieder in einer Fallschirmgrenadier RS.
Wie bereits erwähnt, wurden im UK 69 die Sparten "Jagdkrieg" und "Fernspäh" ausgebildet. Die Hauptaufgabe der Jagdkrieger bestand in der Sabotage von für den Gegner wichtigen Objekten wie Hochspannungsmasten/Leitungen, Brücken, Trafostationen, Druckleitungen von Wasserkraftwerken, KP, Truppen- Material- Munitionstransporte etc, Blockierung/Unbrauchbarmachung von wichtigen Verkehrswegen wie Bahnlinien und Strassenverbindungen, ev. Entführung wichtiger Persönlichkeiten. Die Jagdkrieger waren berüchtigt für ihre nicht gerade zimperlichen Methoden im Einsatz.
Die Hauptaufgabe der Fernspäher (und heute der Fallschirmaufklärer) ist die Nachrichtenbeschaffung im gegnerischen Gebiet. Sie sind mit den modernsten Kommunikationsmitteln ausgerüstet. Da die Ausbildung zum Jagdkrieger sehr aufwendig ist und die Bedürfnisse der Armee eher auf dem Beschaffen von Nachrichten liegt, wurden ab 1976 nur noch Fernspäher ausgebildet. Die Jagkrieger blieben bis zu ihrem altersmässigen Ausscheiden in der Kompagnie 17 und machten weiterhin bei spektakulären Commando-Aktionen in Manövern von sich reden.
Literatur
Mehr über die Geschichte der Fallschirmgrenadiere / Fernspäher / Fallschirmaufklärer erfahren Sie in folgender Dokumentation / Chronik: