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Die Bienen
Flora 717 ist eine einfache Säuberungsbiene aus der untersten Kaste in ihrem Bienenvolk, das in einem Obstgarten lebt. Doch obwohl sie nicht gerade dem gängigen Schönheitsideal einer Biene entspricht, ist sie doch schlau und hat viele Talente. Als sie anfängt, ungewollt Eier zu legen, gerät sie in Widerspruch zur strikten Lehre ihres Volkes ("Nur die Königin darf sich fortpflanzen!"). Sie findet aber einen Weg, ihre Individualität auszuleben und trotzdem ihrem Volk wertvolle Dienste zu leisten.
Das Volk der Bienen ist im Buch streng in Kasten eingeteilt, doch nur Flora gelingt der Sprung über die Kastengrenzen hinweg. Sie er- und überlebt eine Menge Abenteuer; religiöse Säuberungen, Wespen- und Spinnenangriffe, aufdringliche Drohnen, vergiftete Tracht, die Heimsuchung des Imkers und vieles mehr.
Zum Teil bewegt sich der Roman eng am biologischen Vorbild. Nicht umsonst hat sich die Autorin von einem Biologen beraten lassen. Dieses Know-How lässt den Imker öfter schmunzeln, weil er weiss, worum es bei den Schilderungen der Geschichte geht.
Bestimmend für die Wahrnehmung von Flora 717 und ihrer Mitbienen sind z.B. Eindrücke von Geruch und Vibration. Es toben rüpelhafte, anspruchsvolle Drohnen durch den Stock, bis sie schliesslich mit dramatischer Brutalität aus dem Stock entfernt werden.
Aber die Autorin hat sich aus Gründen der Dramatik auch eine Menge künstlerischer Freiheiten genommen, die den Imker teilweise befremden mögen. So wechselt nur Flora 717 ihre Tätigkeiten im Laufe ihres Lebens, und sie lässt ihre Altersgenossinnen jeweils zurück.
Die Kasten von Floras Bienenvolks sind dem Bienenzüchter teilweise bekannt. Es gibt Sammlerinnen und Hygienearbeiterinnen (Putzbienen), aber auch befremdliche Kasten wie "Priesterinnen" und die "Fruchtbarkeitspolizei", die mit brutaler Härte darüber wacht, dass sich nur erwünschte Merkmale im Volk vermehren ("Variation ist böse").
Das Weltbild des Bienenvolkes folgt strikten, religiös anmutenden Überzeugungen und Lehrsätzen, die bei jeder Gelegenheit wiederholt werden: "Nur die Königin darf sich fortpflanzen", "Missbildungen sind böse", "Abweichungen sind böse".
Auch zeitkritische Themen wie die wachsende Umweltverschmutzung kommen am Rande vor. Fazit
Das Romandebüt der englischen Autorin Laline Paull ist mit viel Liebe zum Detail geschrieben, gut recherchiert und vollgepackt mit Spannung und Action.
Nichtimker erfahren manches Lehrreiche über das Zusammenleben im Bienenvolk. Doch als Lehrbuch ist der Titel trotzdem nicht geeignet, denn zur Dramatisierung der Handlung greift die Autorin vielfach auf Erklärungsmodelle und Motive zurück, die so im Bienenvolk nicht nachgewiesen sind. Wer weiss zum Beispiel, ob die Herrschaft der Königin tatsächlich von einer eigenmächtigen, verschworenen Priesterinnen-Kaste abgesichert wird, ob Massenhypnose neben den Pheromonen im Volk eine Rolle spielt, und ob die Praxis des Bienenvolkes ein Stück weit den Mustern religiösen Wahns folgt?
Die Autorin schafft es tatsächlich, dass man nach jedem Kapitel sofort das nächste lesen möchte, denn der Spannungsbogen wird konsequent hoch gehalten.
Auch Imker erhalten so unterhaltsame Lesestunden, die im Umfel ihres Hobbies spielt. Das Buch erhält eine Empfehlung als Sommerlektüre für Imker und Nichtimker. Pressestimmen
»Der hinreissendste Roman über eine Biene seit Waldemar Bonsels’ vor 100 Jahren erschienener Biene Maja!«
Denis Scheck, ARD-Sendung "Druckfrisch"