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Metritis
Gebärmutterentzündung
Man kann davon ausgehen, dass der Gebärmutterinhalt vor der Geburt steril ist. Durch die Abkalbung öffnen sich die Geburtswege und die Gebärmutter ist daher der Umwelt für einige Stunden mehr oder weniger stark ausgesetzt. Eine bakterielle Kontamination während dieser Zeit muss als normal betrachtet werden. Die meisten Kühe werden in der Folge problemlos damit fertig. In einem ersten Schritt gilt es für sie, die Keime abzutöten und im zweiten das Sekret durch Rückbildung (Verkleinerung) der Gebärmutter und Muskelkontraktionen zu entfernen. Die Verkleinerung der Gebärmutter beginnt unmittelbar nach der Geburt und nach 3 Wochen sollte sie mehr oder weniger abgeschlossen sein.
Gelingt die Elimination dieser Keime nicht, so kommt es zu einer Erkrankung der Gebärmutter. Faktoren, welche eine Gebärmutterkrankheit begünstigen, gibt es viele. Prinzipiell kann man sie in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe erhöht die Keimmenge in der Gebärmutter, die zweite reduziert die Fähigkeit der Kuh, die Keime zu eliminieren und entfernen.
Akute puerperale Gebärmutterentzündung
Sie tritt innerhalb weniger Tage (circa 10 Tage) nach der Geburt auf. Aufgrund einer massiven bakteriellen Kontamination und Keimvermehrung in der Gebärmutter werden Giftstoffe ins Blut abgegeben. Es kommt zu einer Störung des Allgemeinbefindens. Die Kuh friss schlecht, hat leicht- bis hochgradig Fieber und die Milchleistung steigt nur ungenügend. Die Gebärmutter bildet sich nur ungenügend zurück. Der Scheidenausfluss ist, wenn vorhanden, braunrot und stinkend.
Chronische Gebärmutterentzündung
Aus einer akuten puerperalen kann sich eine chronische Gebärmutterentzündung entwickeln. Sie kann aber auch entstehen durch eine ungenügende Elimination der Keime während den Tagen nach der Abkalbung, ohne dass die Kuh offensichtlich krank war. In seltenen Fällen kommt sie durch eine Infektion von aussen zustande (Bsp: unsaubere Besamung oder Gebärmutterspülung) oder durch das Absterben des Embryos oder Feten. Die Tiere zeigen keine Störung des Allgemeinbefindens. Der Scheidenausfluss ist gelblich oder klar mit gelben Fetzen vermengt.
Pyometra
Kann der Eiter bei einer chronischen Gebärmutterentzündung wegen dem (fast) vollständig geschlossenem Muttermund (unter dem Einfluss des Gelbkörperhormons Progesteron) nicht abfliessen, entsteht eine Pyometra. Beide Uterushörner, in seltenen Fällen auch nur ein Horn, sind mit viel flüssigem Eiter gefüllt. Die Kombination „Flüssigkeitsgefüllte Gebärmutter und persistierender Gelbkörper“ führt dazu, dass die Kuh (monatelang) nicht brünstig wird. Man kann von einer „Scheinträchtigkeit“ sprechen.
Diagnostik
Diagnose beim Einzeltier
Akute puerperale Gebärmutterentzündung
Sie tritt innerhalb weniger Tage (circa 10 Tage) nach der Geburt auf und es kommt zu einer Störung des Allgemeinbefindens. Die Kuh frisst schlecht und hat leicht- bis hochgradig Fieber. In schweren Fällen kommt es zur Futterverweigerung, Stillstand der Pansenmotorik und eventuell toxisch bedingtem Durchfall. Mit der Zeit trocknen die Tiere aus und es entwickeln sich die typischen Schocksymptome, inklusive Abfall der Körpertemperatur unterhalb des Referenzbereiches. Der Gebärmutterausfluss ist, wenn vorhanden, braunrot und stinkend.
Chronische Gebärmutterentzündung
Die Tiere zeigen keine Störung des Allgemeinbefindens. Für die Diagnosestellung ist eine Vaginaluntersuchung, am besten mit Hilfe des Röhrenspekulums (siehe Abbildung), unerlässlich.
Wichtige Punkte bei der Beurteilung des Schleimes sind die Menge, dessen Zusammensetzung (klar, klar mit Fetzen, eitrig, blutig) und der Geruch. Dabei muss bedacht werden, dass der vorgefundene Schleim sowohl von der Gebärmutter als auch vom Gebärmutterhals oder der Scheide selber kommen kann. Zusätzlich werden die Befunde der rektalen Untersuchung für die Diagnosestellung miteinbezogen: Grösse (äusserer Durchmesser) von Gebärmutterhörnern und Gebärmutterhals, Asymmetrie der zwei Hörner und eventueller Inhalt in der Gebärmutter. Alle Befunde müssen schlussendlich in Bezug gebracht werden zum Alter der Kuh, der Anzahl Tage nach Abkalbung und dem Zyklusstadium.
Pyometra
Eine Pyometra zu diagnostizieren, ist ohne technische Hilfsmittel häufig sehr schwierig. Insbesondere dann, wenn keinerlei Gebärmutterausfluss gesehen werden kann. Zwar kann der Tierarzt bei der rektalen Untersuchung die flüssigkeitsgefüllten Gebärmutterhörner spüren, die Abgrenzung zu einer trächtigen Gebärmutter ist aber schwierig. Eine Untersuchung der Gebärmutter mittels Ultraschall kann Klarheit schaffen.
Diagnose im Bestand
In einem gesunden Milchviehbestand werden die meisten Kühe mit der bakteriellen Kontamination der Gebärmutter durch die Abkalbung problemlos fertig. Drei Wochen nach der Abkalbung darf man erwarten, dass die Gebärmutter gut zurückgebildet ist und kein krankhafter Gebärmutterausfluss mehr vorhanden ist. In tierärztlichen Bestandsbetreuungsprogrammen hat es sich bewährt, alle Kühe ab diesem Zeitpunkt auf das Vorhandensein einer Gebärmutterentzündung zu untersuchen. Wird bei mehr als 10 % der untersuchten Tiere eine Gebärmutterentzündung diagnostiziert, so muss das (Bestandes-) Problem genauer abgeklärt werden.
Kühe mit Gebärmutterentzündung ab 21. Tag nach Abkalbung < 10%
Zusätzlich wird der Tierhalter angewiesen, die Kühe die ersten Wochen der Laktation auch speziell in Bezug auf Scheidenausfluss zu beobachten und auffällige Tiere dem Tierarzt zu melden.
Risikofaktoren/Ursachen
Die Risikofaktoren für eine Gebärmutterentzündung lassen sich in zwei Hauptgruppen einteilen. Die Faktoren der ersten Gruppe sind verantwortlich für eine Erhöhung der bakteriellen Kontamination der Gebärmutter, die zweite verschlechtert die Elimination der Keime in der Gebärmutter und die Entfernung derselben aus der Gebärmutter.
Gruppe 1:
- Schwergeburt
- Geburtshilfe mit unsauberen Werkzeugen oder Händen
- Nachgeburtsverhalten
- Schmutzige Umgebung bei der Abkalbung
- Mehrlingsträchtigkeiten
- Kaiserschnitt
Gruppe 2:
- Mangel an Vitamin E und Selen
- Kalziummangel (Festliegen nach der Abkalbung)
- Ketose
- Pansenazidose
- Kein Zyklus, keine Brunst
- Andere Krankheiten
Prophylaxe
Prophylaxemassnahmen zur Vermeidung einer erhöhten bakteriellen Kontamination der Gebärmutter:
Risikofaktor Schwergeburt
Am wichtigsten sind züchterische Massnahmen. Zur Belegung der Tiere sollten nur Stiere eingesetzt werden, welche Nachzuchtgeprüft sind und somit einen guten Geburtsablauf zwar nicht garantieren, aber zumindest erwarten lassen können. Besonders gilt dies für die Belegung von Rindern.
Risikofaktor Geburtshilfe mit unsauberen Werkzeugen oder Händen
Bei einer verzögerten Geburt ist es notwendig, die Geburtswege und die Lage / Haltung des Kalbes oder der Kälber zu kontrollieren. Zur Vorbereitung muss als erstes der Anus-Schamlippenbereich der Kuh gründlich mit (desinfizierender) Seife gereinigt werden. Ebenfalls muss der/die Untersuchende die Hände und Unterarme waschen und danach mit Gleitgel einreiben. Eine Hilfsperson zieht dann den Schwanz der Kuh zur Seite und die vaginale Untersuchung kann beginnen.
Geburtshilfe sollte nur geleistet werden, wenn dies wirklich notwendig ist. Dabei sollte so wenig wie möglich in den Geburtskanal hinein gegriffen werden. Instrumente für die Geburtshilfe sollten sauber sein und vor dem Gebrauch in eine desinfizierende Lösung getaucht werden.
Risikofaktor Nachgeburtsverhalten
Nicht jede Kuh stösst ihre Nachgeburt rechtzeitig ab. Bei bis zu 15 % aller Abkalbungen muss man mit einem Nachgeburtsverhalten rechnen. Die heraushängende Nachgeburt sollte jeweils 10 cm unterhalb der Scheide abgeschnitten werden. Wie intensiv die Therapie bei Nachgeburtsverhalten gestaltet werden soll, ist umstritten. Auf jeden Fall müssen diese Tiere speziell beobachtet werden, damit bei Allgemeinstörungen sofort gehandelt werden kann. Bei einer Selenunterversorgung wird vermehrt Nachgeburtsverhalten beobachtet.
Risikofaktor schmutzige Umgebung bei der Abkalbung
Von der Hygiene her wäre eine Abkalbung auf der Wiese ideal. Im Stall muss durch genügend Stroh eine saubere Umgebung geschaffen werden (siehe auch Geburtsablauf, Abkalbebox).
Risikofaktor Mehrlingsträchtigkeit
Bei Mehrlingsträchtigkeiten gibt es häufiger Geburtskomplikationen und viel häufiger Nachgeburtsverhalten. Entsprechend müssen die Prophylaxemassnahmen auf eine gute Geburtshilfe und ein korrektes Management bei Nachgeburtsverhalten zielen.
Prophylaxemassnahmen zur Vermeidung einer schlechten Ausstossung von Gebärmutterinhalt:
Risikofaktor Kalziummangel (Festliegen nach der Abkalbung)
Das Ausstossen der Nachgeburt und die Gebärmutterrückbildung funktionieren bei Kalziummangel weniger gut oder verzögert. Entsprechende Prophylaxemassnahmen werden im entsprechenden Kapitel beschrieben.
Risikofaktor Ketose
Die Stoffwechselbelastung (insbesondere der Leber) ist so gross, dass die Immunabwehr darunter leidet. Prophylaxemassnahmen werden im entsprechenden Kapitel beschrieben.
Pansenazidose
Die Nährstoffversorgung ist ungenügend und die Stoffwechselbelastung unnötig hoch. Darunter leidet die Immunabwehr. Prophylaxemassnahmen werden im entsprechenden Kapitel beschrieben
Kein Zyklus, keine Brunst
Eine Brunst ist die beste Therapie zur Entleerung der Gebärmutter. Mögliche Ursachen und entsprechende Prophylaxemassnahmen für Brunstlosigkeit sind vielfältig und werden im entsprechenden Kapitel beschrieben.
Andere Krankheiten
Euterentzündungen oder andere Krankheiten führen ebenfalls zu einer grossen Stoffwechselbelastung und einer starken Belastung der Immunabwehr.
Therapie
Akute puerperale Gebärmutterentzündung
Die tierärztliche Behandlung zielt in erster auf das Tier selbst und erst in zweiter Priorität auf die Gebärmutter. Eine systemische Antibiotikatherapie ist angezeigt und je nach Zustand sind energie- und elektrolythaltige Infusionen notwendig. Grundfutter bester Qualität muss angeboten werden. Der Einsatz von entzündungshemmenden und fiebersenkenden Mitteln ist umstritten, da diese die Produktion von denjenigen Hormonen senken, welche hauptsächlich für die Gebärmutterrückbildung verantwortlich sind. Der Vorteil des verbesserten Allgemeinbefindens und damit einhergehend einem besseren Appetit machen diesen Nachteil in der Regel aber mehr als wett. Eine Manipulation der Gebärmutter zur Diagnosestellung oder Behandlung sollte möglichst klein gehalten werten, da die Gebärmutterwand sehr „brüchig“ sein kann. Wenn sich der Allgemeinzustand und die akute Entzündung verbessert haben, kann nach 2 – 3 Tagen die Gebärmutter immer noch nachbehandelt werden.
Chronische Gebärmutterentzündung
Je nach Interpretation des Scheidenausflusses und der Gebärmutterpalpation sind die Therapieansätze verschieden. In den seltensten Fällen ist eine Bakterienvermehrung innerhalb der Gebärmutter das Problem, viel mehr ist es die fehlende Elimination aus der Gebärmutter. Daher ist eine antibiotische Therapie der Gebärmutter nur dann sinnvoll, wenn Bakterienwachstum vermutet wird.
Die Behandlung der chronischen Gebärmutterentzündung muss in erster Linie das Ziel haben, die Gebärmutter zu entleeren, eine Pyometra zu verhindern und die Kuh in Brunst zu bringen. Prostaglandine sind dafür die wichtigsten Medikamente. Sie werden injiziert. Liegt bereits ein Gelbkörper vor, so hat man den Vorteil, dass die Kuh brünstig wird und eine Brunst ist die beste Therapie zur Entleerung der Gebärmutter.
Pyometra
Es muss der persistierende Gelbkörper medikamentell entfernt werden. Dafür werden vom Tierarzt Prostaglandine injiziert. Mehrmalige Injektionen in kurzen Abständen erhöhen die Heilungschancen. Durch die Elimination des Gelbkörpers sollte die Kuh auch brünstig werden und wie schon oben erwähnt, ist eine Brunst die beste Therapie zur Entleerung der Gebärmutter. Der Einsatz von Antibiotika ist selten nötig.