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«Jeder Rappen zählt» sammelt dieses Jahr für Jugendliche in Not in der Schweiz und im Ausland. Kolumbien ist geprägt vom jahrzehntelangen Konflikt zwischen der Regierung und Rebellengruppen. Dabei geraten Jugendliche oft ins Visier der Konfliktparteien, welche vor allem auf dem Land aktiv sind. Viele junge Menschen fliehen auf der Suche nach einem sichereren Leben in die Städte und müssen sich dort eine neue Existenz aufbauen.
Die 19-jährige Cristina schliesst den weinenden Jungen in die Arme und versucht ihn zu trösten: für die jungen Schüler ist die Praktikantin neben der Lehrerin in ihrem Schulalltag zu einer wichtigen Stütze geworden. Die junge Frau lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem kleinen Dorf am Stadtrand von Bogotá und absolviert ein Praktikum in der Dorfschule. Das Praktikum ist Teil ihrer Ausbildung zur Kleinkindererzieherin, die vom Schweizer Hilfswerk Vivamos Mejor finanziert wird.
«Ich liebe Kinder über alles und will mich weiterbilden bis zur Jugendpsychologin. Irgendwann möchte ich dann natürlich auch eine eigene Familie gründen». Cristina verbrachte gemäss ihren Schilderungen eine schöne Kindheit mit der Mutter, dem Stiefvater, ihrer Schwester und ihren zwei Brüdern auf einem Bauernhof auf dem Land. Dort machte sie eine Ausbildung zur Kosmetikerin. Bis zu dem Tag, als ihr Stiefvater, ein erfolgreicher Kaufmann, und ihr Bruder von der Guerilla bedroht wurden und Hals über Kopf fliehen mussten. Die Mutter und der Stiefvater zogen nach Bogotá, um ein Einkommen zu finden.
Die Kinder lebten vorübergehend bei der Grossmutter, bis eines nach dem anderen wieder zu den Eltern ziehen konnte, welche sich inzwischen am Stadtrand von Bogotá ein Stück Land gekauft hatten. Hier haben sie sich wie viele andere ein Haus aus rezykliertem Material (Holz und Blech) gezimmert. Sie haben sich Nähmaschinen angeschafft, auf denen sie nun im Akkord Blusen nähen, um ihr Einkommen zu verbessern und nach und nach ein stabiles Haus bauen zu können. Das Familienoberhaupt arbeitet in der Stadt als Strassenverkäufer und Cristina arbeitet am Wochenende zusätzlich als Kosmetikerin, um die Familie finanziell zu unterstützen.
In den illegal gebauten Quartieren rund um Bogotá werden von den Neuzuzügern zuerst Hütten gebaut, aus denen nach einiger Zeit stabile Häuser entstehen, die über kurz oder lang mit Wasser und Strom verbunden werden. Spätestens dann erhalten die Häuser eine Strassenbezeichnung und -nummer, auch wenn es eher Naturpfade sind, die in die stark verwinkelten neuen Stadtteile führen.
In einer solchen Holzhütte am Dorfrand lebt Cristina mit ihrer Familie. Das grosse Haus auf dem Land, das sie verlassen mussten, ist nur noch Erinnerung. Jetzt leben sie in einem Haus aus Holz, mit Wellblechdach und ohne Boden. Das Klima ist rau und die Hütte bietet ungenügend Schutz gegen die Kälte.
Die junge Frau hat immerhin ein eigenes Zimmer – ganz in rosa gehalten – wo auch Fotos von ihrem Vorbild, der Kolumbianerin Michelle, an der Wand hängen. Der YouTube-Star hat es vom einfachen Leben als Halbwaise über verschiedene Studien ganz nach oben geschafft und versucht nun über das Internet mit ihren Botschaften allen Jugendlichen Mut zu machen. Das beeindruckt Cristina und sie will auf jeden Fall wie ihr Idol weiter studieren.
Cristina fährt jeden Mittag nach der Arbeit in der Dorfschule mit dem Bus Richtung Bogotá und kann dort Ende 2015 neben zehn anderen jungen Frauen ihre Ausbildung zur Kleinkindererzieherin abschliessen. Eine feste Arbeitsstelle hat sie noch nicht. An der Dorfschule klärt man ab, ob das Budget für 2016 eine zusätzliche Lehrkraft zulässt, denn man würde die fröhliche Frau gerne weiter beschäftigen.
Laut dem Schweizer Hilfswerk Vivamos Mejor gibt es für junge Menschen nach ihrer Flucht durchaus Möglichkeiten, eine geregelte Arbeitsstelle und damit eine neue Perspektive im Leben zu finden. Aufgrund von Markanalysen stellen sie fest, in welchen Berufsfeldern Personal gesucht wird und unterstützen dann in Zusammenarbeit mit lokalen Ausbildungsinstituten Berufskurse und komplementäre Ausbildungsgänge für Jugendliche. Apoyar, der lokale Partner von Vivamos Mejor in Bogotá, pflegt auch Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern und hilft den Jugendlichen ein ansprechendes Bewerbungsdossier zu gestalten und sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten.
Die Wirtschaft in Kolumbien macht seit rund zehn Jahren grosse Fortschritte und im Frühling 2016 sollen die bald dreijährigen Friedensverhandlungen mit der grössten Guerillagruppe FARC abgeschlossen werden. Nach über 220‘000 Toten und fast 6 Millionen intern vertriebenen Menschen hoffen viele endlich auf den Frieden. Lokale Organisationen wie Apoyar haben deshalb begonnen, die Menschen in ihrem Einzugsgebiet auch auf den Frieden vorzubereiten, denn
«Frieden schaffen ist ein Prozess, an dem wir jeden Tag arbeiten müssen.»
Spenden Sie jetzt für «Jeder Rappen zählt» und unterstützen Sie Jugendliche in Not wie Cristina aus Kolumbien.