Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03650.jsonl.gz/617

Der
Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist die wichtigste internationale Studie
zu Unternehmensgründungen. Der Bericht für die Schweiz wurde von der Hochschule
für Wirtschaft in Freiburg verfasst, die über 2’000 Personen zu ihrer
Einstellung zum Unternehmertum und unternehmerischen Aktivitäten des Landes
befragt hat. Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts 2015: Die Schweizer haben
eine positive Einstellung zum Unternehmertum, tun sich aber schwer, selbst ein
Unternehmen zu gründen. Die Antworten wichen je nach Sprachregion leicht
voneinander ab. Es bedarf noch erheblicher Anstrengungen, um den
Unternehmergeist bei jungen Menschen zu stimulieren und Frauen bei der Gründung
eines eigenen Unternehmens zu unterstützen.
Nur
7,3% der Schweizer haben zwischen 2013 bis 2015 ihr eigenes Unternehmen
gegründet.
44% der Schweizer (gegenüber 41% in anderen
innovationsstarken Volkswirtschaften) glauben, dass sie über genügend
Erfahrungen und Kompetenzen verfügen, um ein Unternehmen zu gründen. Nur ein
Drittel von ihnen (gegenüber 40%) würde sich aus Angst vor dem Scheitern von
einer Gründung abschrecken lassen. Dennoch und trotz guter Rahmenbedingungen
haben sich in den vergangenen drei Jahren nur 7,3% in das unternehmerische
Abenteuer gestürzt (gegenüber 8,5% in vergleichbaren Ländern). Fazit: Die
Schweizer haben eine positive Einstellung zum Unternehmertum, zögern aber, sie
in die Tat umzusetzen. Dieser Befund wiederholt sich von Jahr zu Jahr.
Ist die
Unternehmensgründung eine echte Karriereoption?
Für die Mehrzahl unserer Landsleute im Alter
von 18 bis 64 Jahren kommt eine Unternehmensgründung als Karriereoption
keinesfalls in Frage. Nur 40% betrachten sie als echte berufliche Option,
gegenüber 79,2% in den Niederlanden, 64,5% in Israel und 63,4% in Portugal.
Dieser Befund bestätigt sich bei den 18- bis 24-Jährigen, von denen nur 3,1%
einen solchen Weg beschreiten würden. Damit liegt die Schweiz auf dem 18. Platz
von 22 Ländern mit einer innovationsstarken Volkswirtschaft und damit ziemlich
am Schluss des Feldes. Ist mangelndes Selbstvertrauen der Grund? Oder der
Wunsch, vor der Gründung Erfahrung zu sammeln? Oder liegt es daran, dass diese
Altersgruppe ihre Komfortzone nicht verlassen will und den Status eines
Angestellten vorzieht?
Diese Ergebnisse zeigen, dass die
Gründerkultur in der Schweiz ein starkes Entwicklungspotenzial hat. Sie deuten
darauf hin, dass die Anreize, Unternehmer zu werden, und die unternehmerische
Ausbildung heute unzureichend sind. Sie sollten in grösserem Massstab gefördert
werden. Den Jüngsten sollte zudem ab der allgemeinen Schulpflicht nahegebracht
werden, dass eine Unternehmensgründung eine attraktive Karriereoption ist.
Mehrere Initiativen der HSW-FR gehen in diese Richtung und haben zum Ziel, die
unternehmerische Ader von jungen Menschen zu stimulieren: das Sommercamp
ADOPRENEURS, dessen erste Ausgabe im letzten Juli veranstaltet wurde, oder die
Organisation eines Kurses zur Unternehmensgründung.
Stärkere
Gründungsabsichten in der Westschweiz
Der Vergleich der Einstellungen zu
Unternehmensgründungen nach Sprachregion zeigt, dass die Angst vor dem
Scheitern in der Deutschschweiz (31,8%) schwächer ausgeprägt ist als in der
Westschweiz (39%). Dennoch wollen mehr Westschweizer ihr eigenes Unternehmen
gründen (8,8% gegenüber 6,7% der Deutschschweizer). Die höhere
Arbeitslosenquote in den Kantonen der lateinischen Schweiz hat
höchstwahrscheinlich einen Einfluss auf die Absicht, ein eigenes Unternehmen zu
gründen und unabhängig zu werden. Die zahlreichen Hilfsangebote für Start-ups und
die Innovationsförderung, insbesondere in der Genferseeregion, tragen ebenfalls
zur Dynamik des Westschweizer Unternehmertums bei.
Unterstützung
für weibliche Unternehmensgründerinnen
In der Schweiz wurden 2015 im
Gesundheitswesen, in der Bildung sowie im staatlichen und sozialen
Dienstleistungssektor die meisten Unternehmen gegründet (27,2%). Die neuen
Schweizer Unternehmer sind mehrheitlich männlich und zwischen 35 und 44 Jahre
alt. Dieses Profil bestätigt, dass bei der jungen Generation und bei weiblichen
Unternehmensgründerinnen angesetzt werden sollte. Es ist unbedingt notwendig,
in erster Linie die Schweizerinnen bei Unternehmensgründungen zu unterstützen,
zum Beispiel mit Programmen zur Wiedereingliederung nach dem
Mutterschaftsurlaub. Die Wirtschaft der Schweiz kann dabei nur gewinnen.