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Er nimmt Anlauf, rast mit dem Motorrad auf die Klippe zu – und zieht den Fallschirm. Schon zum 7. Mal rettet Tom Cruise als Agent Ethan Hunt die Welt vor der Katastrophe. Und wieder tut er das mit vollem Körpereinsatz.
Wie bei «Top Gun: Maverick» (2022), der 1,5 Mrd. Dollar einspielte, betätigt sich Cruise auch als Retter der Kinos. Ihm ist es wichtig, dass seine Filme im Kino laufen.
Tom Cruise ist ein Phänomen, das dem Zeitgeist zuwiderläuft. «Running in movies since 1981», so beschreibt er sich lakonisch auf Instagram. Der 61-Jährige ist seit 40 Jahren top, sieht noch so proper aus, als hätte er aus einem Jungbrunnen getrunken, und hält sein Privatleben bedeckt. Wegen seines Scientology-Engagements erntet er offene Kritik. Kurz: Man mag ihn oder man mag ihn nicht.
Wie aber schafft er diese Konstanz? Zentral ist sicher sein Perfektionismus, seine Professionalität. Wenn Cruise einen Film dreht, ist er der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Er gilt als kollegial, soll den Technikern gelegentlich auch mal einen Kaffee spendieren.
Und im Gegensatz zu anderen Stars seines Kalibers, die auch mässige Filme drehen (wenn die Gage stimmt), ist Cruise sehr wählerisch. Er entschied sich immer für Top-Regisseure wie Steven Spielberg oder Martin Scorsese, spielte darum auch mit seiner Ex-Frau Nicole Kidman in Stanley Kubricks «Eyes Wide Shut» (1999) mit. 15 Monate dauerte der Dreh in London, Kubrick liess in seinem letzten Film das Paar schmoren – eine gnadenlose Beziehungsstudie.
Cruise, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, interessierte sich früh für Sport (Football) und die Schauspielerei. Nach kleineren Rollen wurde er mit Francis Ford Coppolas Teenie-Drama «The Outsiders» bekannt und hob 24-jährig mit «Top Gun» zum Superstar ab.
Er ist kein Charakterdarsteller, der in jeder Rolle anders aussieht, scheint immer auch sich selbst zu spielen, in sehr physischen Rollen, fokussiert, voller Energie. Passend dazu sein Spitzname: «Laserhead».
Für einen Schauspieler-Oscar war Cruise dreimal nominiert, gewonnen hat er ihn noch nie. Dafür seine Co-Stars: Paul Newman für «Color of Money» (1986) oder Dustin Hoffman für «Rain Man» (1988).
Die Stunts führt Cruise selber aus, riskiert immer wieder Kopf und Kragen. Damit hat er besonders in den «Mission: Impossible»-Filmen das Actionkino nachhaltig geprägt. So auch im neusten Streifen «Mission: Impossible 7 – Dead Reckoning Part One» (hier die Filmkritik).
Statt seelenloser Spezialeffekte regiert bei ihm ehrlicher Schweiss. Wie er an einer Hand am Burj Khalifa hängt oder einen Helikopter durch eine Schlucht steuert, hat bezüglich Realismus neue Massstäbe gesetzt.
Das kann der gelernte Berufspilot – weil er topfit ist und die Stunts akribisch trainiert. Doch eben: Ein Oscar fehlt ihm noch im Palmarès. Verdient hätte er ihn – «weil er Hollywood den Arsch gerettet hat», wie Steven Spielberg bei den Oscars sagte.
Arte | Dokumentation
So., 16. Juli 2023, 22.25 Uhr