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Wie erfolgreich ist eine stationäre Behandlung in der Jugendpsychiatrie?
Aktuelle Lebenssituation, Lebenszufriedenheit, subjektiver Behandlungserfolg und Symptombelastung von ehemaligen Patienten und Patientinnen der Jugendpsychiatrischen Therapiestation Kriens
Eine Behandlung in der stationären Jugendpsychiatrie kommt dann in Frage, wenn alle anderen Massnahmen bereits ausgeschöpft wurden, die Krise, in welcher sich ein junger Mensch befindet, aber nicht entschärft werden konnte. Eine stationäre jugendpsychiatrische Behandlung ist für die Jugendlichen und ihr Umfeld eine einschneidende Massnahme. Sie hat das Ziel, die längerfristige Entwicklung des Jugendlichen positiv zu beeinflussen. Dies auch unter dem Gesichtspunkt, dass die meisten psychischen Störungen bereits in der Jugend ihren Ursprung haben. Durch eine frühzeitige Intervention erhofft man sich, die psychische Gesundheit nachhaltig positiv zu unterstützen. Es stellt sich die Frage, ob eine stationäre jugendpsychiatrische Behandlung diesbezüglich erfolgreich ist.
Die vorliegende Studie widmet sich der Evaluation der stationären Behandlung in der Jugendpsychiatrischen Therapiestation Kriens JPS. Es wurden ehemalige Patienten und Patientinnen befragt, welche zwischen März 2012 und März 2014 in stationärer Behandlung waren. Die Studie stützt sich in erster Linie auf eine quantitative schriftliche Befragung. Anhand bestehender Fragebogen zur aktuellen Lebenssituation, dem subjektiven Behandlungserfolg, der aktuellen Symptomatik sowie zur Lebenszufriedenheit wurde der Gesamterfolg der Behandlung evaluiert. Dieser Teil wurde durch die qualitative Auswertung von drei Interviews ergänzt, in welcher das Thema Lebenszufriedenheit vertieft betrachtet wurde.
Die Studie zeigte eine gelingende Lebensbewältigung bei den meisten Jugendlichen und inzwischen jungen Erwachsenen. Die Symptomatik hat sich signifikant verbessert, wenn auch zwei der Studienteilnehmenden gesamthaft bei der aktuellen Erhebung eine Syndrom-Konstellation im klinisch auffälligen Bereich aufwiesen. Die Studienteilnehmenden waren mehrheitlich überwiegend zufrieden mit dem Behandlungserfolg. Dabei konnten gezielte Kritikpunkte beschrieben werden. Die Lebenszufriedenheit war insgesamt im positiven Bereich, lag aber unter dem Niveau der Vergleichsdaten aus der Allgemeinbevölkerung. Die Interviews ergaben, dass insbesondere das Gefühl von Sinnhaftigkeit und Selbstwirksamkeit die Lebenszufriedenheit positiv beeinflussen. Ausserdem wurde die Zufriedenheit mit der Tätigkeit (Arbeit oder Schule) als zentral erachtet.
Für die Praxis bestätigt dieses Ergebnis den hohen Stellenwert einer milieutherapeutischen Ausrichtung, in welcher der Beziehungsaspekt sowohl zwischen Begleitpersonen und Jugendlichen als auch innerhalb der Peergruppe äusserst wichtig ist und Erfahrungsräume geschaffen werden, in welchen die Jugendlichen die Möglichkeit haben, Neues zu erproben und sich in ihrer eigenen Wirkmächtigkeit zu erleben.