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Geschichte
Am östlichen Hang des Siggenberges quer in einer Talmulde gelegen, ist Freienwil (465 m.ü.M) ein bis heute gut erhaltenes Bauerndorf. Als «Hofsiedlung des Freien» oder «Weiler des Frîo» im achten Jahrhundert im Zuge der alamannischen Siedlungsnahme gegründet, wurde das Dorf in einem Einkünfteverzeichnis des Neugegründeten Klosters Wettingen im Jahr 1247 erstmals erwähnt. Der klösterliche Einfluss war aber gering; es scheint sich eher um eine kompakte Twingherrschaft von habsburgischen Adelsfamilien gehandelt zu haben. Das Weiherhaus, eine bis vor 200 Jahren nachgewiesene kleine Weiherburg, von der heute aber alle Überreste fehlen, war der Herrschaftssitz des Freienwiler Twingherren. Von 1367 bis 1506 gelangten diese Rechte in den Besitz von Badener Bürgergeschlechtern.
Im Jahre 1506 konnte sich die Freienwiler Dorfschaft loskaufen. Für 615 Gulden, eine für die damalige Zeit ausserordentlich hohe Bargeldsumme, übernahm die offenbar wohlhabende Dorfschaft den Besitz des Weiherhauses und das Recht zur selbständigen Abhaltung des Dorfgerichts. Eine grosse mittelalterliche Urkundensammlung im Gemeindearchiv zeugt vom Bestreben, dieses im Aargau einzigartige Privileg rechtlich abzusichern. Die Selbständigkeitsbestrebungen griffen bald auch auf die Kirche über. Seit jeher der Lengnauer Grosspfarrei zugehörig, erkämpfte sich das Dorf im Jahr 1648 eine eigene Kapelle.
Nach 1600 vergrösserte sich die Bevölkerung über das erträgliche Mass hinaus, so dass die Armut um sich griff. Da die Gemeinde auch zunehmend von den Verkehrswegen abgeschnitten wurde, stockte die wirtschaftliche Entwicklung. Zahlreiche Freienwiler Bauern sahen sich zur Heimarbeit und seit 1800 zur Auswanderung gezwungen. Auch das verbreitete Fabrikbauerntum in der Badener Industrie konnte nicht verhindern, dass einem Bevölkerungshöchststand von 506 Einwohnern im Jahr 1850 mehr als ein Jahrhundert bevölkerungsmässiger Stagnation folgte.
Erst die Güterzusammenlegung nach 1957 und der damit verbundene, verspätete Anschluss an das Strassen- und Busnetz im Jahr 1962 legten den Grundstein für eine sanfte bauliche Weiterentwicklung. Heute zählt das Dorf zur Agglomeration Baden, denn die Mehrzahl der Erwerbstätigen findet ihren Verdienst in Industrie und Gewerbe des Raums Baden-Zürich. Nach einem Tiefstand von 366 Einwohnern im Jahr 1960 hat sich die Bevölkerungszahl bis 2007 mit 900 Einwohnern mehr als verdoppelt. Gerade in jüngster Zeit zeigte sich die Attraktivität des ländlich gebliebenen und dennoch stadtnahen Dorfes in einer lebhaften Wohnungsnachfrage. Einwohnerstand heute 1'050.
Urs Rey, Gemeindestatistiker