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Update: 01.04.2014
Der Kontext des islamischen Rechts
Das «islamische Recht» ist kein staatliches Recht, sondern wird je nach Kodifikation in den verschiedenen islamischen Ländern sehr unterschiedlich gelesen und angewandt. Eine Betrachtung der Entstehungsgeschichte ist für das Verständnis der Ausgestaltung und heutigen Funktion unabdingbar. Vorab werden zentrale Begriffe wie Scharia und Koran erläutert.
Scharia, Koran & Co.
Sinngemäss bedeutet das arabische Wort Scharia «Weg zur Tränke/Wasserquelle» und wird als Überbegriff aller aus dem Koran abgeleiteter Gesetze in einem islamischen Idealstaat verwendet, oft auch als islamisches Gesetz oder islamisches Recht übersetzt. Die Scharia ist aber nicht einfach eine Gesetzessammlung, sondern vielmehr eine Methode zur Rechtsschöpfung. Sie ist dabei Gegenstand der Fiqh, der islamischen Rechtswissenschaft.
Hauptquelle der Scharia ist der Koran. Die Heilige Schrift des Islams besteht aus 114 Suren, welche nicht chronologisch, sondern der Textlänge nach geordnet und in sich wiederum in Verse aufgeteilt sind. Weitere Quelle der Scharia ist die Sunna, also die Sammlung der Handlungsweisen des Propheten Mohammed; die einzelnen Überlieferungen des Propheten werden Hadith genannt.
Bruch mit der Stammeskultur
Die im islamischen Recht niedergelegten Vorstellungen stellten zur Zeit ihrer Einführung (7. Jh. n.Chr.) einen Bruch mit den Traditionen der vor-islamischen Gesellschaft dar. Dies betraf insbesondere das Familien- sowie das Strafrecht – auch heute noch die beiden Kernbereiche des islamischen Rechts. Den Frauen verschaffte das islamische Familienrecht teilweise eine bessere Rechtsstellung: So beschränkte der Koran zum Beispiel die Polygamie auf vier Ehefrauen und verlieh den Frauen (begrenzte) Erbrechte, was in gewissen vorislamischen Rechtskulturen nicht der Fall gewesen war. Das islamische Strafrecht brachte ausserdem mit dem vereinheitlichten Strafrecht eine gewisse Rechtssicherheit.
Von europäischen Gesetzen zur Re-Islamisierung
Mit dem Ende des 9. Jh./Anfang des 10. Jh. gilt das klassische islamische Recht als ausgeformt. Im 19. Jh. wurde das islamische Recht nach westlichen Expansionen und Eroberungen weitestgehend durch Kodifikationen europäischen Rechts ersetzt – mit Ausnahme des Familienrechts, welches damit auch zum Symbol islamischer Identität wurde. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. führte die Abgrenzung zu den früheren Kolonialmächten in zahlreichen Staaten (etwa Iran, Libyen, Pakistan, Sudan) zu einer Re-Islamisierung der Gesetze und Verfassungen.
Weiterführende Informationen
- Center for Islamic and Middle Eastern Legal Studies (CIMELS)
Forschungsstelle der Universität Zürich
- Institutionen, Portale und Zeitschriften
Linkliste auf der Seite des CIMELS
- GRIS
Forschungsgruppe zum Islam in der Schweiz