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Montag, 22. Oktober, 17 Uhr
Cincinnati: Hauptsitz von Procter & Gamble. Die Stadt zieht zwangsläufig eine Reihe von Expats an. Unter ihnen ein paar Frankophone, mit denen wir kurz diskutieren konnten. Ein interessanter Blickwinkel, einerseits geprägt von ihrem Gastland, aber doch etwas distanziert, weniger emotional als die Sichtweise jener, die schon immer hier gelebt haben. Einer wählt Romney, die andere Obama.
Beide haben bei den letzten Wahlen für Sarkozy gestimmt. Für die eine stehen Sarkozy und Romney für dieselbe Sache ein. Für den anderen stünde Sarkozy in den USA links von Obama. Amüsant. Auch wenn die Umstände verschieden sind, für mich sind die Gemeinsamkeiten zwischen den Demokraten und den europäischen Sozialisten und Sozialdemokraten offensichtlich: aktive Rolle des Staates bei der Reduktion der Ungleichheiten, Wille, die Finanzmärkte zu regulieren, Entwicklung der Sozialversicherungen als Mittel zur Umverteilung (die berühmte Obamacare), Verteidigung eines progressiven Steuersystems.
Montag, 22. Oktober, 20 Uhr
"The Final Debate" zwischen Obama und Romney zum Thema Aussenpolitik. In Feindesland, irgendwo in einem schicken Vorort bei einem "Public Viewing", organisiert durch die Kampagne von Mitt Romney. Ein paar Hundert Leute, ein American Football Star, um den Saal aufzuheizen, die republikanischen Kandidaten für das Repräsentantenhaus, den Senat, der Boss der lokalen Tea Party: Der gesamte Heerbann des republikanischen Cincinnati ist zusammengekommen. Wie im Fall der jungen Frau, die seit Wochen ihre Tage in der Anrufzentral der Republikaner verbringt, um pausenlos die Unentschlossenen anzurufen (die sich übrigens langsam beklagen: Sie erhalten über ein Dutzend Anrufe am Tag...).
Eine Stimmung wie an einem Fussballmatch, Buhrufe, Applaus, wenn Romney mal ein wenig punkten kann.
Obama sticht seinen Gegner aus: "We have fewer ships than we had in 1916, well, Governor, we also have fewer horses and bayonets".
Am Schluss der Debatte leert sich der Saal rasch. Ist es, weil die Leute gespürt haben, dass ihr Leader ins Straucheln gekommen war? Zu seiner Entlastung muss gesagt werden, dass die Position des Herausforderers beim Thema Aussenpolitik fast hoffnungslos ist. Der amtierende Präsident hat vier Jahre damit verbracht, tagtäglich die internationalen Geschäfte der USA zu führen. Damit hat er grosse Glaubwürdigkeit und detaillierte Kenntnisse des diplomatischen Räderwerks erlangt. Wir erinnern uns an die Schwierigkeiten bei demselben Thema von François Hollande gegenüber Sarkozy in Frankreich... Nun, mitten in diesen fast ausschliesslich weissen Republikanern, während die Stadt fast 50% Vertreter von Minderheiten zählt, empfinde ich ein wenig Schadenfreude, wie da Romney vorgeführt wird.