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Während der französische Keramiker Taxile Doat (1851–1938) für die Porzellanmanufaktur in Sèvres Girlanden und Putten in klassischen Dekors inszenierte, zeugt die naturalistische Kürbisvase von seinen experimentellen Arbeiten im Rahmen des privaten Keramikstudios.
Unter dem Einfluss des Japonismus wandte sich Taxile Doat in den 1880er-Jahren neuen keramischen Formen zu. Inspiriert durch japanisches Steinzeug, setzte er eine Kürbisfrucht in naturalistischer Weise als Vase um. Minutiös formte er die kräftigen Rippen und Warzen nach, bildete den Stengel als kurzen Vasenhals mit wulstigem Abschluss aus und band die organischen Details in einer kristallin glänzenden Laufglasur ein. Schnell galt er als erfolgreicher Studiokeramiker, der sämtliche Schritte selbst ausführte. Er beherrschte die Planung des Werkstücks auf Papier, das komplexe Befeuern des Ofens, Dreh- und Giesstechniken und experimentierte erfolgreich mit Ton- und Glasurrezepturen. Auch allfällige Bemalungen führte er eigenhändig aus. Seine Erkenntnisse hielt Doat in einem Lehrbuch fest, das er nach seiner Berufung an die University City in Missouri 1909 publizierte. Bis 1905 war Doat an der Staatlichen Porzellanmanufaktur in Sèvres tätig gewesen, wo er seit 1877 wirkte. Hier entstanden elegante klassizistische pâte-sur-pâte-Erzeugnisse, deren aufwendige Technik vom Gestalter ein dekoratives Programm für das kleinteilige Reliefdekor verlangte. Dieses basierte auf dem formalen Fundus der Mythologie und stellte im besten Fall einen amüsanten Link zur zeitgenössischen Gesellschaft her. Ideale Vorgaben für den humorvollen und einfallsreichen Doat, der schnell zu den Meistern des «grand feu», also des auf hohen Temperaturen gebrannten Porzellans und Steinzeugs, avancierte. (Sabine Flaschberger)