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Am Sonntagabend, dem 25. Oktober 2020, wurde im Sernftal (südwestlich von Elm (GL)) eine Erdbebensequenz reaktiviert, die bereits im Frühjahr dieses Jahres spürbare Beben verursacht hatte. Das aktuell stärkste Beben mit einer Magnitude von 4.4 ereignete sich am späteren Sonntagabend um 20:35 Uhr. Es wurde in der Ostschweiz verbreitet deutlich verspürt. Der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich (SED) hat in der Folge zahlreiche Nachbeben aufgezeichnet, welche teils ebenfalls verspürt wurden. Das zurzeit stärkste dieser Nachbeben ereignete sich um 20:43 Uhr und erreichte eine Magnitude von 3.6.
Die Grafik oben zeigt, wie sich die Bebenaktivität seit der Reaktivierung am 25. Oktober bis am 26. Oktober um 2 Uhr entwickelt hat. Die Abbildung umfasst Beben, welche bislang manuell lokalisiert werden konnten (rot umrandet), einige dieser Nachbeben wurden ebenfalls lokal verspürt. Zudem sind mehrere hundert sehr kleine Ereignisse abgebildet (blau eingefärbt), welche zusätzlich durch einen systematischen Vergleich der Seismogramme mit Hilfe einer sogenannten «template-matching»-Methode identifiziert wurden. Die Seismogramme der kleinen Beben weisen ähnliche Muster auf wie die der standardmässig aufgezeichneten Musterereignisse und können deshalb leichter gefunden werden. Diese kleinsten Ereignisse zeigen, wie die Nachbebenaktivität bislang stetig abnimmt.
Wie einleitend erwähnt, traten die Beben der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober als Teil einer schon länger bekannten Erdbebensequenz auf, die bereits im Frühling 2020 aktiv war. Das damals stärkste Beben ereignete sich am 26. Mai 2020 und erreichte eine Magnitude von 3.1. Aufgrund dieser Sequenz hatte der SED sein Messnetz in der Gegend von Elm temporär verdichtet, was die Auswertung der aktuellen Erdbebenserie unterstützt. Wir haben inzwischen eine weitere Station in der Region installiert. Die Beben treten entlang einer fast senkrechten, ungefähr ost-westlich orientierten Bruchzone auf. Diese Störung ist vermutlich auch für die «Steinibach-Sequenz» verantwortlich, die im Jahre 1987 auftrat. Die Störung liegt nach derzeitigen Kenntnissen vermutlich im Übergangsbereich zwischen dem kristallinen Grundgebirge des Aar-Massivs und der sedimentären Deckschichten in eine Tiefe von ca. 1 bis 2 Kilometern.
Solche Erdbebensequenzen - also zeitliche Häufungen von Erdbeben in einem Gebiet - sind in der Schweiz regelmässig zu beobachten. Es ist auch nicht aussergewöhnlich, dass solche Sequenzen phasenweise aktiv sind und es dann wieder ruhiger wird. In der Regel nimmt die Anzahl und Stärke der Beben mit der Zeit ab, in seltenen Fällen kann sich aber auch ein grösseres Beben ereignen. Da die Gegend um Elm im schweizweiten Vergleich eine mittlere Seismizität aufweist, befindet sie sich in der Erdbebenzone 2 der Erdbebenbaunormen der SIA, welche kürzlich aktualisiert wurden.
Direkt nach dem Hauptbeben war für kurze Zeit die Meldung eines Bebens mit einer Magnitude von 2.7 bei Gelterkinden (BL) ersichtlich. Dabei handelte es sich um eine Fehllokalisierung, die durch die zahlreichen, sich zum Teil überlagernden Nachbeben der Erdbebensequenz im Glarnerland ausgelöst wurde. Die erste, automatische Herdlokalisierung und die zugehörige Erdbebenmeldung geschehen jeweils innerhalb einer Minute. In seltenen Fällen kann es daher vorkommen, dass die automatischen Auswertungen fehlerhaft sind. Daher werden alle Beben im Anschluss manuell von Seismologinnen und Seismologen überprüft und gegebenenfalls korrigiert. In der Regel geschieht dies innerhalb einer Stunde nach Auftreten eines Bebens.
Direkt nach dem Magnitude-4.4-Beben erreichten unsere Web-Server extrem viele Anfragen, was zu einer kurzfristigen Überlastung unserer Webseite führte. Sobald ein Beben verspürt wird, schnellen die Zugriffzahlen in die Höhe; in der ersten Minute nach dem Magnitude-4.4-Beben waren es bereits 80'000. Mit diesen plötzlichen Lastspitzen kämpfen Erdbebendienste weltweit, und wir sind stets bemüht, die Kapazitäten unsere Infrastruktur auszubauen, um solche Überlastungen weitestgehend zu vermeiden. Informationen zu aktuellen Erdbeben finden Sie neben unserer Webseite aber auch jederzeit auf unserem Twitter-Kanal (@seismoCH_D), auf der MeteoSchweiz-App sowie auf naturgefahren.ch.