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Eine von der Norm abweichende Schlagfolge nennt man Rhythmusstörung. Sie kann belanglos sein, andererseits aber auch Ausdruck einer Erkrankung des Herzens. Das Elektrokardiogramm (EKG), die elektrische Aufzeichnung der Herzaktionen, gibt Auskunft über die Art der Störung.
Normalerweise schlägt das menschliche Herz recht regelmässig, bei Ruhe 60 bis 90 Mal pro Minute, gemessen an der Pulsader. Körperliche Aktivität und Temperaturerhöhung (Fieber) beschleunigen die Herzfrequenz, bei Entspannung und Ruhe wird sie langsamer. Säuglinge und Kleinkinder haben einen höheren Puls, gewöhnlich mehr als 100 Schläge pro Minute.
Die Schlagfolge des Herzens ist schnell (tachykard), über 100/Min. Das Wort kommt aus dem Griechischen: ταχύς (tachys) bedeutet schnell, καρδιά (kardia) ist das Herz.
Bei körperlicher Belastung erreicht die Herzfrequenz Werte zwischen 100 und 200 Pulsschläge pro Minute – was als normal anzusehen ist – und sinkt beim körperlich Trainierten innerhalb fünf Minuten wieder auf den ursprünglichen Wert. Für herzgesunde Menschen gilt als Faustregel: Die maximale Pulsfrequenz soll den Grenzwert „220 minus Lebensalter“ nicht übersteigen.
Bradykardie ist das Gegenteil der Tachykardie, also eine langsame (bradykarde) Herzfrequenz, unter 60/Min.; βραδύς (bradys) heisst langsam.
In Ruhe und im Schlaf schlägt das Herz normalerweise langsamer, gleichzeitig sinkt der Blutdruck ab und erreicht gegen Morgen die tiefsten Werte. Trainierte Personen haben in der Regel auch im Wachzustand eine tiefere Herzfrequenz als Untrainierte; der Ruhepuls ist damit unter anderem ein Massstab für die Fitness. Ist die Bradykardie mit unregelmässigem Puls gekoppelt, spricht man von Bradyarrhythmie. Ist eine solche sehr ausgeprägt (Herzfrequenz unter 40), besteht Verdacht auf eine Blockierung des Reizleitungssystems, über welches das Herz die elektrischen Impulse zur Pumparbeit erhält. Es können dann kurze Episoden von Bewusstseinsverlust auftreten (Synkopen, Bewusstseinsverlust).
Das Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Ursachen von Arrhythmie im engeren Sinn. Arrhythmisch heisst: Das Herz schlägt in unregelmässigen Abständen. Zudem können sich schwächere und stärkere Pulsationen abwechseln. Absolute Arrhythmie bedeutet: gänzlich chaotische Schlagfolge, so dass auch die Pulsfrequenz von Minute zu Minute verschieden ist. Arrhythmien sind Folge einer Störung im Reizleitungssystem oder im Auslösemechanismus der Herzkontraktion (Systole, s. Abb.).
Eine Extrasystole ist eine vorzeitige Herzaktion, die ausserhalb des regulären Rhythmus erfolgt, und zwar einzeln oder in kurzen Serien (Salven). Nachher schlägt das Herz wieder regelmässig. Vereinzelte Extrasystolen haben keinen Krankheitswert, auch wenn sie subjektiv als Herzstolpern, -jagen oder -rollen verspürt werden.
Gefährlich sind gehäufte Extrasystolen bei Herzkrankheiten, insbesondere nach Herzinfarkt.
Geht man aus von den Herzrhythmusstörungen als Symptom, dann lassen sich übergeordnete Ursachen erkennen, die vom Herz-Kreislaufsystem selbst ausgehen, aber auch solche, die von aussen auf das Herz einwirken können.
Rhythmusstörungen können spontan auftreten und wieder verschwinden oder permanent vorhanden sein. Oft bleiben sie unbemerkt. Gelegentlich verspüren die Betroffenen unangenehm den eigenen Pulsschlag, Herzrasen, -jagen oder -stolpern, ein Aussetzen des Herzschlags, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Atemnot, Kopfweh und Schwindel, das Gefühl, ohnmächtig zu werden, Schmerzen im Brustkorb, Angst oder einen Sekunden dauernden Bewusstseinsverlust (Synkope).
Bei der koronaren Herzkrankheit und Herzmuskelschwäche können Rhythmusstörungen schwere Folgen haben. Diese reichen von Benommenheit, Angina pectoris-Symptomen, Herzinfarkt, Blutdruckabfall, Schwindel und Krämpfen bis zu Embolie, Lungenödem, Schock und Kreislaufstillstand.
Umgekehrt sind solche Zustände ihrerseits in der Lage, Rhythmusstörungen auszulösen oder zu unterhalten, so dass sich ein Teufelskreis ergeben kann.
Die ärztliche Abklärung ist angezeigt, wenn Symptome auftreten wie:
Die Art der Rhythmusstörung wird der Arzt mit einem EKG und gegebenenfalls Spezialuntersuchungen ermitteln. Ein wichtiger Parameter für die Entscheidung, ob eine Herzrhythmusstörung gefährlich ist oder nicht, ist die Leistungsfähigkeit (Pumpwirkung) der linken Herzkammer.
Viele Herzrhythmusstörungen, insbesondere vereinzelte Extrasystolen, müssen nicht behandelt werden. Hat die Rhythmusstörung ihre Ursache ausserhalb des Herzens, wird zunächst die Grundkrankheit behandelt. Für das Herz selbst gibt es Medikamente in allen Darreichungsformen, mit unterschiedlichen Wirkstoffen und damit Ansatzpunkten. Manchmal ist zusätzlich eine Antikoagulation („Blutverdünnung“) nötig.
Zu den invasiven Verfahren zählen: