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Eine Maria, ganz schwarz: Da steht sie, die Kopie der in Polen hochverehrten Schwarzen Madonna aus Tschenstochau. Im Museum der Kulturen trägt Maria das blauweiss gestreifte Kleid der Gefangenen und Ermordeten in den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkrieges.
Damit werde Maria zum Bild des Leids, das sie wegen des Todes ihres Kindes erfahren habe, erklärt Kuratorin Tabea Buri. «Und sie wird auch zum Bild des nationalen Schmerzes von Polen über die Opfer im Zweiten Weltkrieg.»
Neben Maria existieren weltweit diverse Gottheiten, die mit einem kleinen Jungen gezeigt werden. Die ägyptische Isis zum Beispiel. Oder die indische Göttin Parvati.
Ein Sohn aus Ton
Parvati ist in der Ausstellung zweimal zu sehen: Einmal als klassisch indische Göttin, die am Boden sitzt und ihren Sohn Ganesha, den Elefantenköpfigen, auf dem Schoss hält. Daneben ist Parvati in einer von christlichen Missionaren beeinflussten Variante ausgestellt.
Parvatis Ehemann Shiva, so geht die Geschichte, hatte keine Zeit für seine Frau. Er musste ständig meditieren. Da hat sich die vernachlässigte Göttin aus Lehm selber einen Sohn erschaffen.
Im Namen der Mutter
Mutter und Kind soll man nicht isoliert anschauen, so Kuratorin Tabea Buri. Deswegen hat sie den zweiten Teil der Ausstellung den verschiedenen Verwandschaftsverhältnissen gewidmet.
Es gibt einige wenige Systeme, in denen der Name der Familie und die Erbschaften und Titel über die Frauen laufen. Im Zuge ihrer Recherchen habe Tabea Buri aber mit Erstaunen festgestellt, dass auch in patriarchalen Gesellschaften die weiblichen Ahninnen eine wichtige Rolle spielen.
Fast alles ausser «Sex»
Amüsant ist der dritte Teil der Ausstellung. Hier geht es darum, den Kindern zu erklären, woher sie stammen. Lustig ist das, weil die Frage lange Zeit so heikel zu sein schien, dass man sich die skurrilsten Erklärungen ausdachte. Bloss nicht das Wort «Sex» oder gar «Geburtsschmerzen» in den Mund nehmen!
Eine Barbie steht da mit einem abnehmbaren Schwangerschaftsbauch. Darunter ist sie schlank und rank – als wäre nichts geschehen. Auch der Storch ist ausgestellt, wie er ein Nest bewacht, in dem ein Kleinkind sitzt.
Die einfachste Geburts- und Zeugungsvariante liefert der sogenannte «Kindlibaum» aus dem Jahr 1850. In seinem Geäst sitzen ein paar Kleinkinder. Darunter steht ein Mann, der am Baum rüttelt, und neben ihm eine Frau, die ihre Schürze aufhält, um das herunterfallende Kleinkind aufzunehmen.
Trauer, Tod und Tränen
Ideal und Realität, Kitsch versus Tabu gegen Ende der Ausstellung: Eine Bilderserie aus dem 19. Jahrhundert zeigt Mütter, die mit verklärtem Blick ihre Kinderschar anhimmeln, vis-à-vis eine bizzare weibliche Figur aus Mexiko, die ein totes Kind auf dem Arm trägt.
«La Muerte» – auf Spanisch ist der Tod weiblich – bringt am Totentag die verstorbenen Kinder für einen Tag zurück zu ihren Eltern. So hässlich Mutter Tod aussehen mag: Ihr rinnen Tränen der Trauer oder auch des Mitleids über die Wangen.
Ausstellungshinweis
Die Ausstellung «Mutter und Kind» läuft noch bis am 5. Januar 2020 im Basler Museum der Kulturen.
Mutter und Kind: Das ist ein universelles, auch weihnachtliches Thema. Im Museum der Kulturen wird es farbenreich, informativ, kompakt und zuweilen mit einem Augenzwinkern präsentiert.
Die anregende Ausstellung ist auch etwas für Kinder, wie der Schluss der Ausstellung zeigt. Hier können die kleinen Museumsbesucherinnen und Museumsbesucher ihre eigenen Familienverhältnisse zeichnerisch abbilden.