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Traumatisierte Kinder und Jugendliche in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen
Das Bundesamt für Justiz veranlasste einen Modellversuch zur Abklärung und Zielerreichung in stationären Massnahmen (MAZ.), dessen Ergebnisse und Erkenntnisse im Jahre 2012 publiziert wurden. Diese zeigen auf, dass über 80% der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen in stationären Jugendhilfeeinrichtungen in der Schweiz mindestens ein traumatisches Erlebnis und über ein Drittel mehr als drei traumatische Erlebnisse in der Vorgeschichte aufweisen. Diese Studie wie auch weitere amerikanische, britische und deutsche Studien berichten von einer hohen Anzahl traumatisierter Kinder und Jugendlicher in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Aufgrund dieser Ergebnisse entwickelte sich folgende Fragestellung, mit welcher sich diese Bachelor-Thesis befasst: Inwiefern kann die Entwicklung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen durch sozialpädagogische Fachkräfte gefördert werden?
Dafür benötigen sozialpädagogische Fachkräfte spezifisches Fachwissen bezüglich Traumata. Traumata werden in Typ-I-Traumatisierung und Typ-II-Traumatisierung unterschieden. Die Typ-I-Traumatisierung beinhaltet einmalige, eher öffentliche Traumatisierungen. Beim Typ-II handelt es sich hingegen um eine Reihe von miteinander verknüpften, sequenziellen Traumata wie Vernachlässigung, Kindesmisshandlung oder sexueller Missbrauch. Diese werden meist durch nahestehende Personen über einen längeren Zeitraum und heimlich verübt. Die Typ-II-Traumatisierung ist vermehrt in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen anzutreffen, weshalb dieser Typus in der vorliegenden Bachelor-Thesis fokussiert wird. Bei dessen Folgen ist ersichtlich, dass aufgrund der Typ-II-Traumatisierung mehrere Entwicklungsaufgaben von Kindern und Jugendlichen kaum oder nicht erfüllt werden können. Dies zeigt Auswirkungen auf den pädagogischen Alltag in stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen und stellt die sozialpädagogischen Fachkräfte vor grosse Herausforderungen.
Die Verbindung der allgemeinen pädagogischen Aufgaben und der Folgen der Typ-II-Traumatisierung bei Kindern und Jugendlichen zeigt drei Handlungsansätze auf, welche sozialpädagogische Fachkräfte im pädagogischen Alltag umsetzen können. Es handelt sich dabei um die Begünstigung der Bindungssicherheit und die Förderung der Selbstwirksamkeit. Bei der dritten Umsetzungsmöglichkeit sollen Kinder und Jugendliche unterstützt werden, einen Umgang mit dissoziativen Verhaltenssequenzen zu lernen, welcher für sie längerfristig nützlich ist. Zur Umsetzung dieser Handlungsansätze sind diverse Rahmenbedingungen notwendig, wozu unter anderem eine förderliche Zusammenarbeit der Therapie und Sozialpädagogik, die Gewährleistung des Schutzes vor Retraumatisierungen und ein angemessenes Kompetenzenprofil der sozialpädagogischen Fachkraft gehören.