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Jedes Jahr segeln Abenteurer in ihren Rennyachten um die Welt, nonstop, allein. Sie fahren auf Schiffen, die auf dem neuesten Stand der Technik sind. Über GPS-Tracker kann man ihre Route verfolgen und täglich stehen die Segler in Kontakt mit ihrem Land-Team und ihren Liebsten, senden und empfangen Videobotschaften, geben den Medien Interviews. Sie sind allein und doch nicht von der Zivilisation abgeschnitten.
Das erste Nonstop-Rennen um die Welt
Vor 50 Jahren, 1968, war das ganz anders. Damals starteten neun Segler zur ersten Solo-Weltumsegelung ohne Zwischenstopp. Ausgeschrieben hatte das Rennen die Sunday Times. In die Geschichte ging es als Golden Globe Race ein.
Neun Segler gingen an den Start. Nur einer beendete das Rennen. Der Sieger hiess Robin Knox-Johnston. Damals war er 29 Jahre alt und ein Seemann durch und durch. Knox-Johnston ist ein vierschrötiger Mann, angetrieben wurde er von Patriotismus. Ein Engländer und niemand sonst sollte dieses Rennen gewinnen. Knox-Johnston stach mit seinem selbstgebauten Boot, der 32-Fuss-Ketch Suhaili, von Falmouth aus in See. Nach 312 Tagen kehrte er zurück.
Fünf andere Segler hatten unterwegs aufgegeben. Und einer hatte Schiffbruch erlitten. Auch diese sechs waren Helden, gewissermassen. Doch die Geschichte hat sie vergessen.
Die zwei aussergewöhnlichsten Teilnehmer
Anders zwei Teilnehmer, die zwar ebenfalls nicht zurückkehrten. Deren Geschichten in den 50 Jahren seit dem Rennen aber nichts an Faszination eingebüsst. Sie stehen in extremem Gegensatz zu einander, könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Geschichte des Betrügers und Selbstmörders Donald Crowhurst und die Geschichte des segelnden Eremiten Bernhard Moitessier.
Donald Crowhurst, der buchstäblich in letzter Minute auf seinem Trimaran „Teignmouth Electron“ startete, beging Selbstmord. Er hatte den Atlantik gar nicht verlassen, gab nur vor, um die Welt zu segeln. Sein Plan war, zu warten, bis die Flotte um Kap Hoorn wieder in den Atlantik einbog und sich ihr anzuschliessen. In der Zwischenzeit dümpelte er im Atlantik herum und mühte sich ab, sein Boot über Wasser zu halten.
Er litt unter der totalen Einsamkeit und unter seinem eigenen Betrug. Als es sich abzeichnete, dass er als Gewinner nach England zurückkehren würde und seine Fahrt einer genauen Prüfung unterzogen wurde, verlor er den Verstand. Ein Frachter fand das Boot verlassen vor. Der Segler war aller Wahrscheinlichkeit nach ins Meer gesprungen.
Der andere, Bernhard Moitessier, hätte auf seiner „Joshua“ das Rennen gewonnen, hätte er sich nicht dafür entschieden, sich dem Medienrummel zu entziehen. Anstatt nach England zu segeln, setzte er seine Reise fort, um nach Tahiti zu gelangen. Er wollte seine Seele zu retten, wie er sagte.
Eins mit dem Meer
Moitessier war förmlich eins geworden mit dem Element. In seinem Buch „Der verschenkte Sieg“ schreibt er mit einer solchen Innigkeit über das Meer, seine Farben, Formen, den Wind, die Tiere, wie es nur jemand tut, der in völliger Harmonie mit ihm lebt. Würde ein anderer so schreiben, der auch nur ein wenig in Widerspruch dazu stünde, das falsche Pathos würde ihn verraten, würde die Lektüre unerträglich machen. Doch Moitessier schreibt aus dem Herzen.
Die Einsamkeit ist ihm keine Belastung. Er hat sogar auf die Mitnahme eines Funkgeräts verzichtet, um das Erlebnis nicht zu verderben. Ohnehin war ihm Elektronik nicht geheuer.
Ganz im Gegensatz zu Crowhurst. Dieser hatte geplant, sein Schiff mit ausgeklügelter Technik auszurüsten, mit einem Mechanismus, der den Trimaran daran hindern sollte zu kentern. Sollte es doch geschehen, hatte Crowhurst eine Art Ballon im Mast geplant, der sich aufblasen sollte, wenn das Schiff auf der Seite lag und es wieder aufrichten. Doch nichts konnte vor der Abfahrt fertiggestellt werden. Die ganze Elektronik bestand am Ende nur aus losen Drähten.
So unterschiedlicher wie die Menschen waren auch ihre Schiffe. Um sie zu begreifen, fängt man vielleicht am besten bei den Booten an, beim fragilen Trimaran und der unverwüstlichen Stahlketch.