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Die neue Oberaarjochhütte
Wohl kaum eine Gegend im Hochgebirge zeigt die Entwicklung der alpinen Unterkunftsgelegenheiten im vergangenen Jahrhundert so deutlich wie das Gebiet unmittelbar um das Finsteraarhorn und speziell die Firnmulde vom Oberaarjoch weg bis zum Finsteraarrothorn. Die erste primitive Unterkunftshütte erstellten im Jahre 1812 Eudolf Meier aus Aarau und seine Begleiter auf dem Finsteraarrothornsattel, der sogenannten Gemslücke, bei Anlaß der ersten Besteigung des Finsteraarhorns. Die Entfernung von der Grimsel war eben zu weit, um in einem Tag den höchsten Gipfel der Berner Alpen zu bezwingen. Es wurde als Nachtlager daher jene passende Stelle gewählt und ein primitiver Unterschlupf hergerichtet. Den gleichen Lagerplatz benutzte 1829 Professor Hugi, ebenfalls bei seinen dreimaligen Versuchen, den Gipfel des Finsteraarhorns zu erreichen. Mit dem Jahr 1840 begannen die Gletscheruntersuchungen von Agassiz, Desor, Vogt und Genossen auf dem Unteraargletscher, wo beim Abschwung das Hôtel des Neuchâtelois als Standquartier für Besteigungen in der Umgebung diente. Auch in jener Zeit, 1842, wurde der Finsteraarhornsattel von Sulger als Lagerplatz anläßlich seiner Finsteraarhornbesteigung benutzt. Mit den Fünfzigerjahren trat als Nachtlagerplatz der Faulberg am Aletschgletscher mehr in den Vordergrund und wurde in jener Zeit, mit dem Eggishornhotel als Basis, als vorgeschobener Posten im Hochgebirge bevorzugt, bis die Konkordiahütte erstellt wurde. Mit der Gründung des S.A.C. und in den darauf folgenden zwei Dezennien kam das Rotloch, eine Höhle am Fuße des Finsteraarhorns, gegen den Studerfirn zu, als Biwakplatz in Gebrauch. Manchem der ersten Pioniere des S.A.C. hat jene Höhle am Gletscherrand bei seinen alpinen Unternehmungen Unterkunft geboten, und mancher hat auch dort sich Rheumatismus geholt wie Papa Lindt selig.
Der zunehmende Verkehr und der Aufschwung des Alpinismus überhaupt führten zur Errichtung der ersten Oberaarjochhütte im Jahr 1883 südwestlich vom Oberaarjoch auf einem Felsvorsprung des Absturzes Dì-. A. Bähler.
des Oberaarrothorns zum Studerfirn. Dieselbe wurde auf Veranlassung des damaligen Grimselwirtes und Großrates Nägeli durch die Führerschaft von Oberhasli erstellt und von der Sektion Biel im Jahr 1884 übernommen. Volle 20 Jahre hat diese kleine Clubhütte, eine der ersten vollständigen Holzkonstruktionen, Wind und Wetter und den Unbilden des Hochgebirges getrotzt und zu wiederholten Malen innere und äußere Auffrischung erfahren. Doch bot sie höchstens Raum für 8-12 Personen, war aber in den letzten Jahren häufig mit über 20 Personen belegt. Die vermehrte Frequenz zwang die Sektion Biel, eine Vergrößerung, resp. einen Neubau vorzunehmen. Wegen des ungünstigen Baugrundes mußte nach gründlicher Prüfung der Sachlage der Gedanke einer Vergrößerung der alten Hütte endgültig fallen gelassen werden, und es trat die Notwendigkeit eines Neubaues immer mehr in den Vordergrund. Als Bauplatz für die neue Hütte wurden die Felsen des Oberaarhorns, zirka 30 in. über dem Oberaarjoch, gewählt und derselbe durch Sprengarbeit zweckmäßig hergerichtet. Mit tatkräftiger Unterstützung durch die Zentralkasse, sowie durch die Opferwilligkeit unserer Mitglieder und weiterer Kreise, Korporationen und Gesellschaften gelang es, die nötige Bausumme in kurzer Zeit zu beschaffen. Der Bau wurde ausgeführt durch die Gebrüder Abplanalp, Unternehmer in Meiringen. Den Transport hatte die Führerschaft von Oberhasli übernommen. Die neue Hütte, nach den Plänen der Mischabelhütte des akademischen Alpenclubs in Zürich er- stellt, bietet genügend Platz für 30 Personen. An eine geräumige und wohlassortierte Küche schließt sich rechts ein verschließbarer Raum mit 8 Schlafstätten, wovon 4 als Damenraum abgeschlossen werden können. Von der Küche führt eine Treppe in das Dachgeschoß, wo auf zwei Britschen weitere 24 Personen untergebracht werden können. Auch der Dachraum besitzt sowohl Heiz- als Kocheinrichtung. Die neue Hütte wurde mit einem Kostenaufwand von Fr. 13,645 erstellt und ist durch die Munifizenz einiger Gönner mit Mobiliar, Kücheninventar u. s. w. splendid ausgestattet worden. Möge die neue Oberaarjochhütte in diesem Jahrhundert der jüngeren Generation des S.A.C. die gleichen Genüsse und Vorteile bieten, wie das alte Oberaarjochmusterhüttli den Veteranen des vorigen Jahrhunderts. Diese alte Oberaarjochhütte ist baulich, da sie zu wiederholten Malen neu verschalt wurde, noch in gutem Zustand, nur war sie eben angesichts des Touristenverkehrs, von der Grimsel zum Eggishorn und umgekehrt, den Raumbedürfnissen nicht mehr gewachsen. Es war daher ein guter Gedanke, den die neugegründete Sektion Oberhasli hatte und zur Ausführung bringen will, nämlich, die alte Hütte abzubrechen und auf der Nordwestseite des Finsteraarhorns wieder aufzustellen. Wann diese Zeilen erscheinen, ist vielleicht die Hütte schon an ihrem neuen Standort aufgestellt, nämlich auf der Nordwestseite des Finsteraarhorns, in der Nähe des allen Finsteraarhornbesteigern bekannten Dejeunerplatzes. Diese neue Finsteraarhornhütte wird nicht nur die Besteigung des höchsten Gipfels der Berner Alpen wesentlich abkürzen und erleichtern, sondern noch eine Reihe von Besteigungen im Finsteraargebiet ermöglichen. Wir rufen bei dieser Gelegenheit unserer neuen sowie der alten Hütte ein bergfrohes „ Glück auf zu.
Dr. A. Bähler, Sektion Biel.
H. Wylemann.