Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/2208

Nicolas Hayek, Steve Jobs, William McKnight: die Kreativitätsrezepte von drei berühmten CEOs mit ganz unterschiedlichen Führungsstilen.
Es gibt verschiedene Managementstile, mit denen sich die Kreativität der Angestellten anregen lässt. Von diesen erfolgreichen Persönlichkeiten kann man eine Menge lernen: William McKnight, ehemaliger CEO der Firma 3M, Steve Jobs, ehemaliger CEO von Apple, und Nicolas Hayek, ehemaliger CEO der Swatch Group.
William McKnight
William McKnight (1887-1978) war einer der ersten CEOs, die Kreativität in ihrem Unternehmen aktiv gefördert haben. Dadurch ist es ihm gelungen, die Minnesota Mining and Manufacturing Company, eine kleine Schleifpapier-Firma, die später in 3M umgetauft wurde, zu einem der innovativsten Konzerne der USA zu machen. Aus dem Unternehmen gingen so verschiedene und einflussreiche Erfindungen hervor wie das Klebeband Scotch und die Post-its, aber auch Touchscreens oder Lithium-Batterien. 3M investiert 8% seiner Einnahmen in die Forschung für neue Produkte, womit es einen der höchsten Anteile innerhalb der Industrie aufweist.
William McKnight, der die Firma zwischen 1929 und 1966 leitete, verstand rasch, wie wichtig es ist, dass seine Mitarbeitenden den Kopf frei bekommen können, und meinte, dies würde ihre Kreativität fördern. Seit seiner Führungstätigkeit bei 3M haben die Angestellten dort das Recht, so viele Pausen zu machen, wie sie möchten. Der CEO hielt es auch für unerlässlich, ihnen Verantwortung zu übertragen, damit ihre Kreativität zum Ausdruck kommen kann. Also gewährte er ihnen die Freiheit, 15% ihrer Arbeitszeit mit einem selbst gewählten Forschungsprojekt zu verbringen.
Des Weiteren hat William McKnight regelmässige Treffen zwischen den Angestellten mit dem Namen "Tech Forum" eingeführt, bei denen alle die Erfindungen der anderen kennenlernen, diskutieren und kritisieren können. Der Erfindungsreichtum ist beeindruckend: 3M verkauft 55'000 verschiedene Produkte, womit beinahe auf jeden Beschäftigten eine Innovation kommt.
Steve Jobs
Steve Jobs (1955-2011) stand an der Spitze von zwei Unternehmen, die zu den innovationsstärksten der Welt zählen: Pixar Animation Studios und Apple. Auf ihn geht die Revolution der Personal Computer zurück. Unter seiner Leitung produzierte Apple im Prinzip eine erfolgreiche Innovation nach der anderen, vom iPod über das iPhone bis zum iPad.
Als er zu Pixar kam, hatte er sogleich die Eingebung, die Mitglieder der verschiedenen Abteilungen (Informatiker, Drehbuchschreiber, Zeichner usw.) in einem Gebäude unterzubringen, um den Austausch zu fördern und so das Endprodukt zu verbessern. Ausserdem hat er täglich stattfindende Kritiksitzungen eingeführt, in denen die Beschäftigten die Arbeit ihrer Kollegen besprechen sollten.
Als Apple-Chef verfolgte Steve Jobs eine andere, strengere Linie, die einige als autokratisch bezeichneten. Jede Entscheidung musste ihm vorgelegt und von ihm abgesegnet werden, vom Design des neuen iPhone bis zum Speiseplan der Kantine. Ein extremes ʺTop-Downʺ-Management, das nur wenig Raum zum Delegieren von Verantwortung liess.
Die Angestellten wurden in erster Linie nach ihrem Fachwissen ausgewählt und weniger nach ihrer Erfahrung: Er bevorzugte hochspezialisierte Fachkräfte und wollte keine "Allround-Manager". Dieser extrem vertikale Aufbau des Managements wurde dadurch ergänzt, dass für jedes Projekt ein DRI (directly responsible individual) ernannt wurde, der für dessen Erfolg zuständig war.
Anders als viele andere Unternehmen im Silicon Valley, die horizontale Interaktion fördern, hütet Apple seine Geheimnisse und verlangt von seinen Angestellten, dass sie möglichst wenig untereinander und mit der Aussenwelt kommunizieren. Auf dem Campus von Apple haben die Mitarbeitenden jeweils nur zu dem Bereich Zutritt, in dem sich ihr Büro befindet, und sie dürfen weder in Expertenblogs noch mit ihrer Familie über ihre Arbeit reden. Ein extremer Stil, der im Widerspruch zu sämtlichen Managementregeln steht, bei Steve Jobs aber funktioniert hat.
Nicolas Hayek
Der Schweizer Unternehmer libanesischen Ursprungs, Nicolas Hayek (1928-2010), wurde zum Retter der Schweizer Uhrenindustrie, als er 1983, in einer Zeit, in der die Branche vor allem wegen der Konkurrenz aus Japan in der Krise steckte, die Swatch auf den Markt brachte. Der Erfolg ist zu einem grossen Teil auf seine Management-Methoden zurückzuführen. Diese basierten auf drei Prinzipien: ein Versprechen gegenüber den Angestellten darf nie gebrochen werden, die Entscheidungen der Leitung müssen transparent und leicht verständlich sein und Entlassungen sind auf ein Minimum zu beschränken, damit dem Unternehmen kein Know-how verloren geht.
Nicolas Hayek folgte dem Prinzip der geschlossenen Innovation. So stellte er sicher, dass alle Schritte im Prozess zur Herstellung einer Uhr im eigenen Unternehmen ausgeführt werden können, und lehnte es zum Beispiel ab, japanische Schaltkreise zu Schleuderpreisen zu kaufen. Er glaubte, dass dies der einzige Weg sei, um die Autonomie seiner Firma und ihren Wettbewerbsvorteil zu erhalten. Zudem war sein Personalmanagement von einem hohen Mass an Vertrauen geprägt: Er vereinbarte mit seinen Managern Ziele, die es zu erreichen galt, liess ihnen bei der Umsetzung jedoch sehr viel Freiheit. Die einzige Bedingung: Bei Problemen mussten sie ihn umgehend benachrichtigen.
Quelle: Preston Bottger, IMD Lausanne.