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Hannß Carl von Carlowitz (1645–1714) aus Sachsen gilt als Begründer des Begriffes der Nachhaltigkeit. In seinem Buch „Sylvicultura oeconomica" aus dem Jahr 1713 beschreibt er eine nachhaltige Forstwirtschaft, in der nur so viel Bäume geschlagen werden sollen, wie wieder aufgeforstet werden können. Diese Überlegungen erfolgten, alarmiert vom immer grösser werdenden Holzbedarf in Europa.
Von Carlowitz bemerkte, dass wenige Menschen sich einer längerfristigen Ressourcennutzung bewusst waren:
„Verwundern muß man sich wohl, daß die meisten vermögensten Leute auf grosse Häuser, Palläste, Schlösser und dergleichen Baue, ihr meist Vermögen anwenden; wäre aber vielleicht vorträglicher wenn sie ihren Grund und Boden anzubauen, und zu verbessern suchten,...."
(Hanns Carl von Carlowitz, Sylvicultura Oeconomica)
Von Carlowitzs Idee der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern fand denn auch rege Verbreitung in adeligen Kreisen und bildete den Grundstein für die deutsche Forstwirtschaft.
Und in der Schweiz?
Auch in der Schweiz nahm der Waldbestand bis ins 18. Jahrhundert stetig ab. Grund dafür waren einerseits Rodungen zum Ausbau von Weide- und Ackerflächen, andererseits auch Holzschlag für den erhöhten Energiebedarf der wachsenden Bevölkerung. Die einsetzende industrielle Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkte den erhöhten Bedarf an Holz. Der Mangel an Steinkohle wurde in der Schweiz kompensiert durch Holzkohle. Die Eisenverhüttung und auch die zunehmende Mechanisierung verlangten nach immer grösseren Mengen an Holz.
Während bereits im Hoch- und Spätmittelalter Nutzungsbestimmungen oder Bannbriefe bestanden, entstanden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einzelnen Kantonen bereits umfassendere Waldungsmandate, welche einen sparsameren Gebrauch von Holz vorsahen. Doch erst die Bundesverfassung von 1848 bildete die Basis für eine nationale Gesetzgebung in der Waldbewirtschaftung. Ausschlaggebend für eine nationale Regelung waren vor allem auch die erkannten Zusammenhänge zwischen der zunehmenden Entwaldung und den Überschwemmungen, welche vorwiegend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts grosse Schäden verursachten (1834 Graubünden/Tessin/Wallis/Uri; 1837 Emmental; 1839 Täler der Reuss/Rhein/Rhone). 1874 wurde dann die Oberaufsicht über die Wasserbau- und Forstpolizei dem Bund übertragen. Die Kantone waren gezwungen einen Forstdienst aufzubauen und Schutzwälder zu vergrössern und zu erhalten, um eine nachhaltige Holznutzung zu gewährleisten.
In der revidierten Bundesverfassung von 1999 ist die Waldnutzung im Artikel 77 festgehalten. Der Wald soll in seiner Schutz-, Nutz- und Wohlfahrtsfunktion erhalten bleiben.
Im nächsten Artikel wird die Weiterentwicklung des Konzepts „Nachhaltigkeit" aufgezeigt.
https://umweltnetz-schweiz.ch/themen/bildung/item/2172-wie-die-nachhaltigkeit-in-die-forstwirtschaft-fand.html?highlight=WyJob2x6Il0%3D#sigProId3953653d52