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Das Safe and Sound Protocol wurde aufgrund während zwanzig Jahren durchgeführten universitären Studien entwickelt und stützt sich auf die Polyvagal-Theorie von Dr. Stephen Porges, Professor am Kinsey Institute, Indiana University Bloomington und Leiter der Abteilung für Psychiatrie an der University of North Carolina.
Mittels Training der Mittelohrmuskulatur (M. Stapedius) stärkt es dasjenige Nervensystem, welches für Erholung, Gesundheit und Entwicklung zuständig ist. Dieses Nervensystem wird als 'Social Engagement System' bezeichnet und wird vom Ventralen Vagus gesteuert. Es ist eines der drei Nervensysteme, die wir Menschen im Laufe der Evolution entwickelt haben. Das soziale Nervensystem ist ein Subsystem des Polyvagalen Nervensystems und macht uns zu sozialen Wesen. Der Neocortex ist bei Vorherrschung des Sozialen Nervensystems aktiv, und soziale Kommunikation wie auch eine entspannte Wachheit und Aufnahmefähigkeit sind möglich.
Die Verknüpfung von Muskeln und Nerven im Sozialen Nervensystem ist sehr komplex. Ist auch nur eine Funktion dieses Systems beeinträchtigt, leidet das ganze soziale Verhalten und unsere Selbstregulation darunter. Andererseits kann durch das Optimieren der Funktionen eine nachhaltige Veränderung unserer Lebensqualität im sozialen und neuroregulatorischen Bereich erreicht werden. Da setzt das SSP an.
Denn je stärker der Ventrale Vagusnerv ausgebildet ist, desto besser funktioniert der Mensch in seiner Lebenswelt - und desto glücklicher, entspannter und gesünder ist er. Direkt mit dem SES-Nervensystem verbunden sind die Gesichts, Augen- und Mittelohrmuskeln. Auch wichtige regulatorische Nerven gehören dem SES an, darunter die Gesichtsnerven für Mimik und Sensorik. Ebenso Teil dieses Systems ist der Musculus Stapedius im Innenohr, welche für das Differenzieren der angenehmen Stimmfrequenzen von tiefen, bedrohlichen Frequenzen verantwortlich ist.
Der Musculus Stapedius, ein kleiner Muskel im Mittelohr und der kleinste längsgestreifte Muskel der menschlichen Muskulatur, ist dafür zuständig, tiefe Frequenzen aus unserem akustischen Wahrnehmungsfeld herauszufiltern, so dass die menschliche Stimme in den Vordergrund tritt. Innerviert wird er vom 7. Hirnnerv, dem Faszialnerv. Dieser ist ein wichtiger Muskel des Sozialen Nervensystems und während Stress- und traumatischen Zutänden nicht aktiv. Er leitet Impuls ans autonome Nervensystem weiter, welches aufgrund der Informationen entscheidet, ob wir uns in Gefahr oder Sicherheit befinden.
Ist der Musculus Stapedius in seiner Funktion beeinträchtigt, können Frequenzimpulse nicht mehr richtig gefiltert werden. Da tiefe Frequenzen evolutionsbedingt im Hirnstamm als Gefahr gedeutet werden, erfährt das Nervensystem eine Überlastung, die sich durch sozialen Rückzug, Hyperaktivität, Sozialphobie, Depressionen etc. zeigt. Die Umwelt wird als 'zu viel' empfunden. Dieses Gefühl zeigt sich im sozialen Verhalten, es treten Regulationsschwierigkeiten und Geräuschempfindlichkeiten auf.
Das Training vom M. Stapedius lehrt dem Nervensystem, die menschliche Stimme wieder aus Hintergrund- und Nebengeräuschen herauszuhören, zu interpretieren und die Emotionen dahinter zu erkennen. So wird die zwischenmenschliche Interaktion gestärkt, was Sicherheit vermittelt. Es zeigen sich spontanes soziales Verhalten und Engagement, verbesserte Lernfähigkeit und Selbstregulation.
Quelle: Die Polyvagale Theorie, Steven Porges, ISBN 978-3-87387-754-2, www.stephenporges.com