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Atlantische Lachse wandern zur Fortpflanzung aus dem Nord-Atlantik in die europäischen Flüsse ein. Als weit verzweigtes Flusssystem war der Rhein früher ein wichtiger Lebensraum. Im Rhein und seinen Zuflüssen wanderten die Lachse weit hinauf. So wurde der Lachs in den Seitengewässern der Region Basel wie Wiese, Birs und Ergolz regelmässig gefangen. Die Aare als grösster Rheinzufluss in der Schweiz ermöglichte den wanderlustigen Lachsen den Zugang zu Limmat und Reuss. Sie gelangten so bis in die Linth, Gotthard-Reuss, Kander, Sense oder Broye.
Im Rhein war der Rheinfall schon immer eine natürliche Barriere. Bisher ist nur ein einziger Fall von einem Lachsfang oberhalb des Rheinfalls bekannt. Das Tier hatte sich offenbar bei niedrigem Wasserstand die Felsstufe empor gekämpft und war deutlich geschwächt und zerschunden. Mit einer Sprungkraft von drei bis vier Metern halten die Lachse einen Weltrekord. Sie können so natürliche und künstliche Hindernisse überspringen und in die Oberläufe der Flüsse gelangen.
Lachse bevorzugen für ihr Laichgeschäft groben Kies, der schnell überströmt wird. Mit ihren kräftigen Flossen schlagen die Weibchen hier eine Laichgrube. Nach einem ausgeprägten Balzspiel kommt es zur Ablage der Eier, des «Rogens». Gleich anschliessend geben die Männchen das Sperma, von den Fischern «Milch» genannt, über der Laichgrube ab und befruchten so den Rogen. Nach dem Ablaichen sterben die meisten Lachse. Nur rund fünf Prozent der Lachse erholen sich von der anstrengenden Wanderung wieder und schwimmen zurück ins Meer.
Die Eier entwickeln sich im sauerstoffreichen Wasser der Kieszwischenräume langsam zu Larven (70 bis 200 Tage). Anfangs ist der Dottersack am Bauch noch deutlich zu sehen. Die Nahrungsreserven sind aber rasch aufgebraucht. Die lebhaft dunkel gefleckten Junglachse, auch Buntlachse oder Parr genannt, ernähren sich von Flohkrebsen, Insektenlarven, weiteren Wirbellosen und später auch von kleinen Fischen. Sie wachsen so über ein bis zwei Jahren zu Silberlachsen heran. Diese Smolts, wie sie der Fischer nennt, beginnen darauf mit ihrer Wanderung flussabwärts ins Meer.
Im Nordatlantik unternehmen die Lachse ausgedehnte Wanderungen zwischen Norwegen, Grönland und Neufundland. Sie halten sich in Küstennähe auf und fressen ausschliesslich kleinere Fische. Im Alter von drei bis sechs Jahren starten sie zu ihrer ersten Wanderung in die Flüsse. Vermutlich erkennen die Lachse den Fluss, in dem sie aufgewachsen sind, am Geruch des Wassers. Wandernde Lachse können das ganze Jahr über in einem Fluss angetroffen werden. Während kleine, schnell wandernde Fische im Spätsommer den Fluss hinaufziehen und ablaichen, lassen sich die grösseren Exemplare mehr Zeit, bis sie sich von November bis Januar des Folgejahres fortpflanzen.
In den Gewässern der Region Basel sind ab Mitte des 19. Jh. hohe Fangzahlen belegt. Wer Lachs fischte, verzehrte ihn nur selten selbst. Die kapitalen Fische liessen sich für gutes Geld an eine zahlende Kundschaft verkaufen. Der Lachs galt lange Zeit als Brotfisch der Fischer. Das fettreiche Fleisch liess sich mit Salz gut haltbar machen und konnte so auch gehandelt werden. Es wurde unterschieden zwischen Grossfischerei, die ausschliesslich auf den Fang von Lachsen aus war und der Kleinfischerei, die auch auf die übrigen Arten fischte.
Da Lachse während ihrer Wanderung zu den Laichplätzen keine Nahrung mehr aufnehmen, konnten sie kaum mit Ködern gefangen werden. Zum Fang des einträglichen Fisches wurden verschiedene ausgeklügelte Fallen und Netze erfunden. Senknetze wurden an Hebelarmen befestigt und dienten an Ruheorten der Lachse zum Heraufhieven der ermüdeten Fische. Über die Senknetze war ein dünneres Netz gespannt. Sobald sich ein Fisch darin verfing wusste der wachende Fischer, dass er das Senknetz einholen konnte. Bald wurde dieses System auch automatisiert. Mit einer solchen «Fischwaag» oder «Salmwoog» konnten jährlich bis zu 1000 Lachse gefangen werden. Da männliche Lachse oft ihre Rivalen mit Bissen attackieren, wurden Lachse auch mit Lockfischen gereizt und in die Netze gelockt. Viele weitere Fallen und Fangmethoden zeigen, wie hoch das Interesse der Fischer an diesem wertvollen Fisch war.
Als Folge des Baus der Flusskraftwerke im Rhein und in seinen Zuflüssen im 19. und 20. Jh. und der Gewässerverschmutzung verschwanden die Lachse aus unseren Flüssen. Die Kraftwerke und Wehre waren für die Fische nicht mehr überwindbar. Die ursprüngliche Rheinlachspopulation ist daraufhin ausgestorben. Seit 1983 versuchen engagierte Fischer und Naturschützer aus der Region Basel, diesen Wanderfisch wieder anzusiedeln. Notwendig dafür sind Fischaufstiegshilfen und -abstiegshilfen, natürliche Flüsse mit geeigneten Laichplätzen und einer guten Wasserqualität.
Seit Jahren wird in Fischzuchtstationen eine neue Lachspopulation für den Rhein herangezogen. Die Lachseier stammen von Lachsen aus dem Allier, einem Zufluss der Loire in Frankreich. Die Lachsstämme dieser Flüsse müssen vergleichbare Distanzen zu ihren Laichgebieten zurücklegen und sind daher mit dem ausgestorbenen Rheinlachs am ehesten vergleichbar. 2008 kam es zur Sensation: Mitten in der Stadt Basel wurde ein 90 Zentimeter langer Lachs gefangen. Dieser Lachs hatte Glück bei seinem Aufstieg. Er hat bei den Kraftwerken ohne Fischtreppen offenbar den Weg durch die Schiffsschleusen gefunden. Es war der erste Lachs seit über 50 Jahren. Im Jahr 2011 folgten weitere im Fischpass des Kraftwerks Rheinfelden. Bis die Lachse wieder regelmässig den Weg in die Schweiz finden, müssen weitere Wehre zwischen Basel und Strasbourg durchgängig gemacht werden.
DK / DS