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Hochgeehrter Herr und Freund
So eben geht ein Telegramm1 von Herrn Roth2 ein, worin er meldet Bülow3 habe die Vorstellungen des Bundesrathes gegen seine jüngste Mittheilung günstig aufgenommen und erklärt, dass er die Stellung der Schweiz wohl begreife; er werde sofort mit dem Reichskanzleramt in Verbindung treten und unser Ansuchen erledigen. Also doch wieder ein Lichtblick.
Nun eine andere Angelegenheit. Sie haben aus | den Zeitungen4 ersehen, dass Bamberger5 (der mir noch nicht geantwortet hat) im Ausschuss des Reichstages erklärte, er habe Berichte erhalten, dass man in Frankreich sich mit der Frage der Subvention des Gothard beschäftige. Diese Erklärung, die mir von vornherein missfiel, scheint in den Berliner Regierungskreisen Staub aufgeworfen zu haben, wie ich einer Andeutung des Herrn Röder entnehme. Wenn man dort auch nicht daran glaubt, dass der Bundesrath Schritte in Paris gethan habe, so scheint man doch zu vermuthen, es sei auf irgend einem Wege von der Schweiz aus ver| sucht worden Frankreich in das Interesse zu ziehen. Ich habe Herrn von Röder sofort darüber beruhigt und er wird auch allem aufbieten, um in Berlin einen so verderblichen Verdacht zu beseitigen. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich die Veranlassung des ganzen Geschwätzes auf die Verhandlungen zurückführe, die nach Ihrer frühern Mittheilung, der würtembergische Unternehmer (sein Name ist mir entfallen) mit der Pariser Finanz geführt hat, um sich die Mittel für die eventuelle Übernahme von Gothardlinienbauten zu sichern.6 Möglich wäre es auch, dass die Finanzunterhandlungen der Nord| ostbahn mit dem Gothard in Verbindung gebracht worden sind.
Herzlichen Gruss von
Ihrem Ergebensten
E Welti
Bern den 24. April 1877.