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Frust und Lust im Freiwilligenengagement
1. Nicht-Gebraucht-Werden
Die Ausbildung wurde mit viel Engagement und Enthusiasmus angegangen, evtl. absolvierte die Freiwillige noch ein Praktikum in einem Alters- oder Pflegeheim und dann vergehen Wochen und allenfalls Monate bis es zum ersten Einsatz kommt. Nicht-Gebraucht-Werden, weil der Hospiz- oder Entlastungsdienst zu wenige Anfragen für Begleitungen erhält, ist für die Freiwilligen frustrierend. Treffend schreiben Stephen und Jane Claxton-Oldfield zu dieser Problematik: „Use them or lose them“ (Claxton-Oldfield, S. & J., 2008, 122).
Die Leitung von Freiwilligengruppen muss daher vorausschauend planen und den tatsächlichen Bedarf realistisch einschätzen (Bedarfsplanung). Gegebenenfalls sollte sie eine Warteliste mit Interessenten führen. Alternativ bietet sich an, dass eine neue Freiwillige eine erfahrene Freiwillige bei ihren ersten Einsätzen begleitet (im Tandem). Schliesslich können regelmässige Treffen der Freiwilligen oder Weiterbildungsveranstaltungen mithelfen, die Motivation der Freiwilligen zu erhalten, auch wenn sie derzeit nur sporadisch zum Einsatz kommen.
2. Erst im allerletzten Moment gerufen werden
Koordinationspersonen und Freiwillige werden oft sehr spät hinzugerufen (in den letzten Tagen oder gar Stunden des Lebens eines Schwerkranken). Das macht es für die Freiwilligen schwierig, eine Beziehung zum Patienten und seiner Familie aufzubauen. Gründe dafür können sein, dass die Hospizgruppe und ihr Angebot zu wenig bekannt sind. Im Weiteren haben manchmal Angehörige Mühe, einer „fremden“ Person intime Einblicke in die familiäre Situation zu gewähren. Lieber versuchen sie, die Begleitung im familiären Kreis zu organisieren und um Hilfe wird erst gebeten, wenn alle internen Kräfte aufgebraucht sind. Diese Befürchtung ist gemäss einer Befragungen von Familienangehörigen, welche den Dienst einer Hospizgruppe in Anspruch nahmen, unbegründet. 95% aller Befragten erlebten keine Störung der Privatsphäre durch die freiwillig Engagierte (Claxton-Oldfield et al., 2010).
Aufklärung über die Ziele und Anliegen der Gruppe, die Sensibilisierung und ein ständiges Sich-In-Erinnerung-Rufen dürfte zum Alltag von Hospizgruppen gehören (beispielsweise durch regelmässige Updates der Hausärzte oder der Spitex). Ansonsten droht die Hospizgruppe vergessen zu gehen.
3. Nicht-Ernst-Genommen-Werden durch die Profis
In der palliativen Versorgung sprechen alle von Teamarbeit. Das Bundesamt für Gesundheit spricht in ihrer aktuellen Broschüre zum Thema Freiwillige in der palliativen Versorgung von der „tragenden Säule“ (S. 2). Dies bedeutet aber auch, dass Freiwillige von den Professionellen akzeptiert, wert-geschätzt und als integraler Bestandteil der palliativen Betreuung betrachtet werden. Die Ergebnisse von Befragungen von Freiwilligenpersonen zeigen, dass Freiwillige von den Patient(innen) und ihren Angehörigen sehr geschätzt werden. Gleichzeitig geben die Befragten jedoch an, diese Wertschätzung von Ärzten, Pflegefachpersonen oder Sozialarbeitende nicht im selben Ausmass zu erfahren.
Profis sollten daher Freiwillige und ihren spezifischen Beitrag wert-schätzen, sie (unter)stützen und ihnen auf derselben Augenhöhe begegnen. Gleichzeitig müssen Hospizgruppen wohl von den Profis und den Versorgungsstrukturen diese Anerkennung immer wieder einfordern: “The volunteers should feel as though their contributions are just as important as anyone else’s” (Claxton-Oldfield, S. & J., 2008, 124).
4. Was darf ich und was nicht?
Manchmal sind Freiwillige unsicher, was sie dürfen und was nicht und welche Aufgaben klar im Zuständigkeitsbereich der professionellen Begleitpersonen liegen. Solche Unklarheiten können für Freiwillige eine Belastung darstellen. Rollen- und Aufgabenklärung ist daher wichtig.
5. Freiwilligenengagement – neben Frust auch viel Befriedigung
Die genannten Stolpersteine haben mit strukturellen Fragen und Fragen nach Klärung zu tun, welche oft die Hospizgruppenleitung bzw. ihr Vorstand angegehen muss. Für einzelnen Freiwilligen stellt die Begleitung von Schwerkranken, Sterbenden und ihren Familien ein wichtige, bereichernde und oft sehr zufriedenstellende Erfahrung dar: Zu spüren, dass man das Leben von Betroffenen erleichtern konnte. Zu Lernen, was einen durch das Leben trägt und was im eigenen Leben wirklich wichtig ist. Oder eine etwas grössere Gelassenheit dem Sterben und Tod gegenüber zu entwickeln (Claxton-Oldfield, 2015). All dies Erfahrungen, welche hoffentlich allen Beteiligten die Kraft gibt, die noch bestehenden Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
6. Verwendete Literatur
Bundesamt für Gesundheit (2014). Formelle Freiwilligenarbeit in der Palliative Care. Empfehlungen für kantonale und kommunale Behörden sowie interessierte Organisationen.
Claxton-Oldfield, S. (2015). Hospice Palliative Care Volunteers: A Review of Commonly Encountered Stressors, How They Cope With them, and Implications for Volunteer Training/Management. Am J Hosp Palliat Care. (
Claxton Oldfield, S., & Claxton Oldfield, J. (2008). Some common problems faced by hospice palliative care volunteers. American journal of hospice & palliative medicine, 25(2), 121-126.
Claxton Oldfield, S., Gosselin, N., Schmidt Chamberlain, K., & Claxton Oldfield, J. (2010). A survey of family members’ satisfaction with the services provided by hospice palliative care volunteers. American journal of hospice & palliative medicine, 27(3), 191-196.).