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Bei Krankheit und bei Unfall war im Mittelalter von der Heilkunde wenig Hilfe zu erwarten. Sie war noch wenig entwickelt, zur Genesung wurde vor allem auf Gebete, Wallfahrten, Anrufung von Heiligen und auf Pilgerreisen gesetzt. Noch heute wird beispielweise der Brauch des Blasiussegens und des geweihten Agathabrotes gepflegt. Sie sollen vor Krankheiten am Hals bzw. an der Brust schützen. Sie sind Beispiele dafür wie früher Krankheitsvorsorge betrieben wurde.
Spenden für Bedürftige
Gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz wurde die Spende von Almosen an Bedürftige im Mittelalter sehr positiv bewertet. Damit hofften vermögende Menschen ihr Seelenheil im Jenseits erkaufen zu können. Im Gegenzug beten die Gabenempfänger für die Spender.
Schicksalsschläge
In den mittelalterlichen Städten galten 10 bis 30 Prozent der Menschen als Geringverdiener oder gar als mittellos. Belagerungen, Missernten, Menschen- und Tierseuchen sowie Feuersbrünste konnten die Menschen in die Armut treiben. Ein exemplarischer Fall ist aus der Kirchgasse im alten Wil bekannt: Dort verlor ein Zinngiesser und seine Familie bei einem verheerenden Brand ihr Hab und Gut. Die Stadt verschaffte dem Handwerker eine Stelle als Turmwächter, wo er seinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Schliesslich musste er diese Arbeit infolge Rheuma aufgeben.
Haus für elende Menschen
Insbesondere die Klöster nahmen sich aus christlicher Nächstenliebe der Armen an. Ab dem 8. Jahrhundert ist etwa im Kloster St. Gallen ein Siechenhaus, ein frühes Krankenhaus, bekannt. Einige Klöster kamen durch ihre Fürsorge für Bedürftige an ihre materiellen Grenzen.
Mit der Gründung verschiedener Städte um 1200 löste sich die Versorgung von Notleidenden etwas von den Klöstern, heisst es im Historischen Lexikon der Schweiz. Es wurden städtische Institutionen für verschiedene Gruppen von Betreuungsbedürftigen eingerichtet, dazu gehörten Armenhäuser, Pilgerunterkünfte sowie Hospitäler.
Der Wiler Chronist Karl Ehrat erwähnt den jungen reichen Wiler Bürger Hermann Kupferschmied, der ab 1353 zusammen mit seiner Frau Ursell Kamerer jährliche eine Spende an arme Leute leistete. 1411 vermachte der Wiler Bürger Ulrich Gubler der Stadt seine Liegenschaft in der unteren Vorstadt als Herberge für Bedürftige. «Doch scheint diesem alten Spital eine solide materielle Basis gefehlt zu haben», schreibt Ehrat.
Am 22. August 1416 richtet die Stiftung des amtierenden Abtes sowie der Rat und die Bürgerschaft von Wil an der Marktgasse «dem allmächtigen Gott zu Lob und elenden Menschen zum Trost, ein Haus und Herberg» ein.
Brot für Bedürftige
Die Haltung der Gesellschaft gegenüber Bedürftigen entwickelte sich allgemein zwiespältig, sie unterteilte sie einerseits in ehrliche kranke und behinderte, andererseits aber auch in arbeitsscheue und betrügerische Arme.
Herumziehende Gruppen von Bettelnden wurden allgemein als Bedrohung wahrgenommen. Gesunde kräftige Bittsteller wurden von den Wiler Torwächtern abgewiesen, Gebrechliche und Familien bekamen ein Brot. Almosenempfänger wurden oft in Wagen in ihre Herkunftsorte zurückspediert. Laut dem Chronisten Ehrat sind beispielsweise für das Jahr 1633 196 derartige Transporte verzeichnet.
Waisenkinder
Menschen die an ansteckenden Krankheiten, wie etwa Lepra, litten, die sogenannten Sondersiechen, waren in einem Gebäude mit Kapelle in der Region der heutige Rudenzburgkreuzung untergebracht. Es wurde als «St. Jakobshaus» bezeichnet. Die Liegenschaft stand ausserhalb der Stadtmauern.
Benachbart war das sogenannte Kindenhaus. Es nahm laut Karl Ehrat Jugendliche auf, «die durch Krieg oder Krankheiten ihre Eltern verloren oder zufolge anderer unglücklicher Umstände Elternhaus und Heimat verlassen hatten und von der Mildtätigkeit der Leute lebten.»