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Die kürzliche Publikation der Biografie des Basler Chemieindustriellen Samuel Koechlin gibt die Gelegenheit, dessen reitsportlichen Leistungen in Erinnerung zu rufen sowie die seiner zweiten Ehefrau, der legendären britischen Springreiterin Pat Smythe. Samuel Koechlin, genannt «Sämi», und Patricia Smythe, als «Pat» in Reiterkreisen bekannt, heirateten 1963. Sieben Jahre zuvor waren die beiden bei den Olympischen Spielen gestartet. In jenem Jahr 1956 wurden die Reitwettbewerbe, losgelöst vom olympischen Programm, in Stockholm ausgetragen, weil die australischen Importbestimmungen für Pferde eine Reise der Pferde nach Melbourne praktisch verunmöglichten. Samuel Koechlin startete in Stockholm mit einer Schweizer Offiziersequipe in der Military. Er belegte Platz 33 – das Schweizer Trio mit Samuel Koechlin, Milo Gmür und Roland Perret wurde Achtes bei 18 Nationen. Pat Smythe bestritt für Grossbritannien 1956 in Stockholm die Springprüfung. Mit ihrem wohl erfolgreichsten Pferd Flanagan, damals achtjährig, wurde sie Zehnte. Zusammen mit Wilf White auf Nizefela und Peter Robeson auf Scorchin gab es für die Briten Mannschaftsbronze hinter Deutschland (mit Hans Günter Winkler, Fritz Thiedemann und Alfons Lütke-Westhues, sowie Italien mit den Brüdern D’Inzeo und Salvatore Oppes. Bei ihrem zweiten Olympiastart, 1960 in Rom, wurde Pat Smythe, immer noch mit Flanagan, Elfte.
Amor Oberst Haccius
Bei ihrer Heirat waren die beiden 38 respektive 35 Jahre alt. Kennengelernt hatten sich Sämi und Pat bereits vor Stockholm. 1949 hatte sie Oberst Haccius miteinander bekannt gemacht. Samuel Koechlin war auch Springreiter, der mit der Schweizer Equipe mehrere Nationenpreise bestritt. Pat Smythe ritt von 1952 bis 1962 für Grossbritannien in 34 Nationenpreisen. Dass sie erst 1952 zu ihrem ersten Nationenpreisstart kam, hatte damit zu tun, dass die FEI erst an der Generalversammlung im Dezember 1951 die Nationenpreise für die Frauen öffnete. Dass die US-Amerikaner bereits 1950 Frauen in ihre Equipen aufnahmen, war damals der FEI entgangen. Pat Smythe ritt mit der britischen Equipe mehrmals beim CSIO Luzern auf der Hausermatte, so 1956, als sie zusammen mit Dawn Palethorpe, Peter Robeson und Wilf White der siegreichen britischen Equipe angehörte, und 1962, als die Briten erneut gewannen, wieder mit Pat Smythe und Peter Robeson sowie Valery Clark und David Barker. 1960 gewann Pat Smythe mit Flanagan den Grossen Preis von Luzern.
Von Geigy zu Novartis
Samuel Koechlin, 1925 geboren, war der Enkel von Carl Koechlin-Iselin, der 1883 in die von seinem Onkel, Johann Rudolf Geigy, geleitete Chemiefirma J. R. Geigy eintrat. Dessen Sohn, Carl Koechlin-Vischer, ging ebenfalls zu Geigy und wurde bereits 1918 Direktor. Bis 1968 präsidierte er den Verwaltungsrat. Der Vater von Samuel war ein begeisterter Pferdemann, 1905 absolvierte er die Kavallerie RS und dann die Uof.- und Off.-Schulen. Ein Unfall beendete seine militärische Laufbahn. Carl Koechlin-Vischer hielt Pferde und war als internationaler Dressurrichter im Einsatz. Pferde und J. R. Geigy prägten auch das Leben von dessen Sohn Samuel. Als Konzernverantwortlicher von J. R. Geigy orchestrierte Samuel Koechlin 1970 die «Basler Heirat», den Zusammenschluss von Ciba und Geigy. Der neue Chemiegigant Ciba-Geigy wurde 1996 mit Sandoz zu Novartis vereinigt. Zu bemerken ist, wie sehr die Basler chemische Industrie mit dem Pferdesport verbunden war: Christian Landolt, aus der Besitzerfamilie von Sandoz, war FEI-Militaryrichter bei den Olympischen Spielen von 2008 in Hongkong. Früher hatten männliche Mitglieder der Familie Geigy Frauen der Familien Gemuseus und Schlumberger geheiratet, von denen Angehörige 1924 bei den Olympischen Spielen in Paris ritten. Nicht zu vergessen die Familie Mylius: Vater Albert als FEI-Richter bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin, Sohn Mario als Olympiareiter von 1936 und die mit der Familie verbundene Georgette Simon. Samuel Koechlin starb 1985 59-jährig. Seine Witwe zog zurück nach England, in die Cotswolds, wo sie aufgewachsen war. Pat Smythe starb 1996 67-jährig.
Viermal Europameisterin
Pat Smythe war in ihrer relativ kurzen internationalen Reitsportkarriere die wohl erfolgreichste Amazone. Viermal (1957, 1961, 1962, 1963) gewann sie den Europameistertitel der Amazonen, 1959 wurde sie Zweite. Bereits 1969 siegte sie mit Nobbler im Grossen Preis von Brüssel. 1953 folgte der GP von Harrisburg mit Prince Hal und 1954 der Sieg im GP des Jumping de Paris. Viermal gewann sie den Siegerpreis von London, den «Daily Mail Cup». Ebenfalls in London siegte sie je einmal im «Queen Elizabeth II Cup» und in der «John Player Trophy». 1962 gewann sie mit Flanagan das britische Springderby in Hickstead. Neben den erwähnten Flanagan und Prince Hall gehörten Tosca und Scorchin zu ihren Spitzenpferden.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 38/2017)
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