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Ein Vergleich der Mathematiklektionen der Westschweiz, des Tessins und der Deutschschweiz zeigt, dass der Mathematikunterricht in den drei Sprachregionen in Bezug auf jene Dimensionen, die von der internationalen Analyse erfasst worden sind (Lektionsgliederung, mathematische Inhalte, Aufgabenbearbeitung) insgesamt sehr ähnlich gestaltet ist. Weiter gehende Analysen im Rahmen der schweizerischen Vertiefungsstudie sind im Gange.
Es werden in diesem Abschnitt wiederum keine statistischen Kennwerte berichtet. Alle im Text erwähnten Unterschiede sind jedoch statistisch signifikant auf dem Niveau von mindestens .05 (vgl. "Ergebnisdarstellung").
Querverweis: Darstellung der Ergebnisse
Die Lehrpersonen: Ausbildung und Arbeitspensum
Die kantonal unterschiedliche Lehrerbildung widerspiegelt sich in den Antworten der Lehrpersonen auf die Frage nach einem Studium in Mathematik auf Hochschulstufe: Im Tessin und in der Westschweiz wird ein signifikant höherer Anteil der gefilmten Lektionen von Lehrpersonen mit Universitätsabschluss in Mathematik unterrichtet als in der Deutschschweiz. Die Angaben der Lehrpersonen über die Zusammensetzung des wöchentlichen Arbeitspensums im Tessin und der Westschweiz weisen auch auf eine deutlich stärkere Spezialisierung und Konzentration auf das Fach Mathematik hin als in der Deutschschweiz.
Einschätzung der gefilmten Lektionen
In allen drei untersuchten Sprachregionen werden die gefilmten Lektionen von den Lehrpersonen weitestgehend als alltäglicher Unterricht beschrieben: 94% der Lehrpersonen in der Deutschschweiz und 90% im Tessin geben an, dass sie so wie immer unterrichtet haben. In der Westschweiz ist der Anteil mit 70% etwas kleiner; die Westschweizer Lehrpersonen unterscheiden sich diesbezüglich signifikant von jenen in der Deutschschweiz.
Unterschiedlich ist teilweise die aufgewendete Zeit für die Vorbereitung der Mathematiklektionen (vgl. Abbildung 1): Die gefilmten Mathematiklehrpersonen im Tessin haben nach eigenen Angaben für die Vorbereitung der videographierten Lektion mehr Zeit aufgewendet als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Deutschschweiz, und sie wenden auch sonst im Durchschnitt mehr Zeit für die Vorbereitung von Mathematiklektionen auf als Deutschschweizer Lehrpersonen (Unterschied zur Westschweiz nicht signifikant).
Unterrichtsgestaltung: Ergebnisse der Videoanalysen
Die Unterrichtsgestaltung erscheint in den drei Sprachregionen auf Grund der internationalen Analysen sehr ähnlich. Die wenigen beobachtbaren Unterschiede betreffen vor allem Merkmale der Unterrichtsgliederung und des Einsatzes von Unterrichtsmedien. Die Unterschiede werden im Folgenden kurz beschrieben.
Lektionsdauer und Zeitnutzung für Mathematik
Im Tessin dauern die Lektionen durchschnittlich länger als in der Westschweiz, und der zeitliche Anteil einer Lektion, der als Lernzeit für Mathematik genutzt wird, ist im Durchschnitt im Tessin ebenfalls etwas grösser als in der Westschweiz.
Aufteilung der Lernzeit auf die verschiedenen didaktischen Grobziele
Der Abbildung 2 ist zu entnehmen, dass in den Tessiner Lektionen im Durchschnitt mehr Zeit für die Einführung von neuen Inhalten aufgewendet wird als in jenen der Deutschschweiz und der Westschweiz. In den Westschweizer Lektionen wird demgegenüber durchschnittlich mehr Zeit für die Repetition von früherem Stoff verwendet als im Tessin. Der Anteil von Lektionen, in denen ausschliesslich früherer Stoff repetiert wird, ist in der Deutschschweiz höher als im Tessin (in Abbildung 2 nicht dargestellt).
Einsatz von Unterrichtsmedien und Sozialformen
Lehrpersonen der Deutschschweiz und der Westschweiz benützen häufiger den Hellraumprojektor als ihre Kollegen und Kolleginnen im Tessin.
Keine Unterschiede konnten in Bezug auf den Einsatz der Sozialformen (Klassenunterricht vs. Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit) festgestellt werden.
Mathematische Inhalte und Aufgabenbearbeitung
Im Zusammenhang mit den mathematischen Inhalten und der Aufgabenbearbeitung zeigt sich bei allen Merkmalen, die in der internationalen Analyse erfasst worden sind (vgl. "Mathematische Inhalte" und "Aufgabenbearbeitung") eine grosse Ähnlichkeit des Unterrichts in den drei untersuchten Sprachregionen. So werden in allen Regionen mehrheitlich Aufgaben von geringer Komplexität bearbeitet. Auch ist der durchschnittliche Anteil an Aufgaben, die einen Alltagsbezug aufweisen und der Anteil an Anwendungsaufgaben durchgehend etwa gleich hoch, und in allen drei Sprachregionen kommen nur in wenigen Lektionen mathematische Beweise vor. In allen drei Sprachregionen wird ausserdem die selbständige Schülerarbeit gleichermassen zum grösseren Teil mit repetitivem Üben verbracht.
Die einzige kleine Abweichung betrifft ein Merkmal der Aufgabenbearbeitung: In allen drei Sprachregionen ist zwar der Anteil an Lektionen etwa gleich hoch, in denen mindestens einmal verschiedene Lösungswege zu einer Aufgabe vor der Klasse präsentiert werden. Hingegen ist der Anteil an Lektionen, in denen die Lernenden bei mindestens einer Aufgabe explizit (durch die Lehrperson, durch den Aufgabentext) zur Entwicklung eines je eigenen Lösungswegs aufgefordert werden, im Tessin kleiner als in der Deutschschweiz und in der Westschweiz (vgl. Tabelle 1).