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Emma Raducanu schreibt in Flushing Meadows ein Tennis-Märchen
Grossbritannien hat einen neuen Superstar: Emma Raducanu. 18, geboren in Toronto, aufgewachsen in London, Vater Rumäne, Mutter Chinesin, intelligent, mit strahlendem Lächeln - und US Open-Siegerin.
Grossbritannien hat einen neuen Superstar: Emma Raducanu. 18, geboren in Toronto, aufgewachsen in London, Vater Rumäne, Mutter Chinesin, intelligent, mit strahlendem Lächeln - und US Open-Siegerin.
Sogar das britische Königshaus gratulierte. «Ich habe keine Zweifel, dass ihre aussergewöhnliche Leistung und diejenige ihrer Gegnerin Leylah Fernandez die nächste Generation von Tennisspielern inspirieren werden», liess die Queen nach dem 6:4, 6:3-Finalsieg von Emma Raducanu im ersten Teenager-Final an einem Grand-Slam-Turnier seit 1999 via dem offiziellen Twitter-Account der Royal Family ausrichten.
Wesentlich euphorischer und weniger formal reagierte die englische Presse auf den sensationellen Triumph der ersten britischen Grand-Slam-Siegerin seit Virginia Wade 1977. «Total abgefahren», titelte die «Sun», die von einem der grössten britischen Siege überhaupt im Sport sprach. «Hoch lebe die neue Tenniskönigin», schrieb die «Sunday Times». Und die «Daily Mail» meinte kurz und bündig: «Emma schreibt Geschichte.»
Der in der Sportwelt überstrapazierte Begriff traf für einmal zu. Am Tag, an dem New York 20 Jahre danach der Opfer von 9/11 gedachte, schrieb Raducanu 20 Kilometer östlich von Ground Zero ihre eigene Geschichte. Als erste Qualifikantin gewann sie ein Grand-Slam-Turnier. Als erster Spielerin gelang ihr das bei der erst zweiten Teilnahme an einem solchen.
10 Partien, 20:0 Sätze, 121:50 Games
Am 7. Juni hatte Raducanu drei Wochen nach ihren Abschlussprüfungen ihr Debüt auf der WTA-Tour gefeiert. Bereits in Wimbledon versetzte sie die Tennis-Welt ins Staunen, als sie erst im Achtelfinal aus gesundheitlichen Gründen und auf Anraten der Ärzte aufgeben musste. Ihre Auftritte im All England Club waren allerdings nur ein Vorgeschmack auf das, was in Übersee folgen sollte.
Als sie als Nummer 150 des Rankings am Mittwoch vor dem Turnier auf dem Aussenplatz 11 in Flushing Meadows die Niederländerin Bibiane Schoofs in der 1. Runde der Qualifikation 6:1, 6:2 bezwang, ahnte noch niemand, dass diese Story als Märchen enden würde. Raducanu siegte weiter, überstand die Qualifikation, schlug in der 1. Runde Stefanie Vögele und in den Viertelfinals Belinda Bencic, und stürmte als erste Spielerin seit Serena Williams 2014 ohne Satzverlust zum Titel. Ganze 50 Games gab Raducanu in zehn Partien ab.
Cool und unbeschwert
«Auch wenn es auf dem Papier nicht so aussieht, alle Partien waren sehr herausfordernd», sagte Raducanu, als sie im schwarzen Abendkleid und mit der Trophäe zur Pressekonferenz erschien. Nervosität war bei ihr während des ganzen Turniers nie aufgekommen. In den vielen engen Games nicht, und auch nicht, nachdem sie im Final ihre ersten beiden Matchbälle bei Aufschlag Fernandez vergeben hatte oder sich im letzten Game vor einem Breakball wegen eines aufgeschürften Knies verarzten lassen musste. Den dritten Matchball verwertete sie mit einem Ass.
«Mein Vater ist nicht einfach zufrieden zu stellen. Aber heute ist er es», sagte Raducanu - und lachte herzhaft. Der ganze Hype, den sie in ihrer Heimat ausgelöst hat, liess sie kalt. «Als ich jeweils auf den Platz gegangen bin, habe ich mich nur auf das Tennis konzentriert. Darauf bin ich am meisten stolz.» Sie bewege sich in New York in ihrer eigenen kleinen Welt und geniesse den Moment. Sie wisse noch nicht einmal, wann sie nach Hause fliegen werde. «Die Welt ist mir momentan egal, ich liebe einfach das Leben.»
Ihre Unbeschwertheit will Raducanu beibehalten. Sie verspüre absolut keinen Druck, denn sie sei erst 18 Jahre alt und könne befreit aufspielen. «So bin ich jede Partie hier in den Staaten angegangen, so habe ich diese Trophäe gewonnen. Es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern.» Mit Bestimmtheit ändern wird sich aber Emma Raducanus Leben - als Grossbritanniens neuer Superstar.