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Für die Menschen bildete früher der Mondzyklus einen sicheren Zeitrhythmus, an dem sie sich orientieren konnten. Innerhalb von 28 Tagen von Vollmond zu Vollmond ergab sich so ein recht präziser Zeitrechner, der sich leicht im Auge behalten und sogar benennen ließen. Daher bekam jeder der zwölf Vollmonde einen eigenen Namen, die gebietsweise in Deutschland auch variieren konnten. Auch die Algonkin Indianer gaben dem Vollmond Namen, die heute noch bekannt sind.
Dieser Vollmond hieß meist Hartmond oder Eismond. Gebräuchlich war auch Wintermond oder Schneemond, was sich auf die strengen Winterbedingungen im Januar bezog. Bei den Algonkin Indianern hieß der erste Monat auch Wolfsmond, weil die hungrigen Wölfe in den eisigen Nächten in der Nähe von Siedlungen zu hören waren. In manchen Regionen war es auch Februar Vollmond, der Schneemond oder Eismond hieß. Er wurde aber auch als Hungermond und Sturmmond bezeichnet, da in diesem Monat die Vorräte oft zur Neige gingen. Der Februar Vollmond wurde zudem als Narrenmond oder auch letzter Wintermond benannt. Bei den Algonkin wird er aus ähnlichen Gründen als Schneemond bezeichnet.
Im alten Sprachgebrauch trägt der März Vollmond den Namen Lenzmond, was sich von der altdeutschen Bezeichnung ‚lenzo‘ für Frühling ableitet. Manche nennen ihn auch Lenzing und keuscher Mond, Fastenmond und Krähenmond sind ebenfalls bekannt als Namen. Die Algonkin gaben ihm dagegen die Bezeichnung Wurmmond, weil die Erde in diesem Monat taute und die Würmer aus dem Boden krochen. Der April wird meist als Ostermond bezeichnet oder auch als Grasmond. Die Algonkin nannten ihn dagegen nach der pinkfarbenen Pflanze Phlox oder Flammenblume den Pink Moon, die in diesem Monat erblüht.
Noch heute ist der Mai der Wonnemonat und auch Vollmond im Mai trug den Namen Wonnevollmond. Im Althochdeutsch steht ‚wunni‘ für Freude, denn im Mai wurde die Tiere endlich auf die Weiden getrieben. Aber er wurde auch als Milchmond, Mariamond, Blumenmond, Pflanzmond und Hasenmond bezeichnet, weil in diesem Monat die Pflanzen und Tiere aktiv wurden. Bei den Algonkin bekam er aufgrund der erblühenden Natur den Namen Blumenmond. Der Junimond heißt bei den Algonkin dagegen Erdbeermond, weil bei ihnen die Walderdbeeren in diesem Monat reiften. Der Junimond trägt im Deutschen auch die Bezeichnung Brachmond oder Honigmond. In der mittelalterlichen 3-Felder-Wirtschaft wurde im Juni vor allem das Brachfeld bearbeitet. Zudem waren noch Honigweinmond und Rosenmond als Namen gebräuchlich.
Der Juli Vollmond trägt auch den schönen Namen Heumond, was auf das Einbringen des Heus verweist. Bekannt sind auch noch Donnermond, Bärenmond, Sonnenmond und auch Würzmond. Bei den Algonkin heißt dieser Sommervollmond auch Bockmond, denn bei den Rehböcken zeigten sich in diesem Monat die neuen Geweihe. Der August Vollmond ist als Ernting oder Erntemond bekannt und verweist auf die lang erwartete Erntezeit hin. Er trug außerdem die Namen roter Mond, Getreidemond, Ährenmond, Fruchtmond und auch Blitzmond. Bei den Algonkin tauchte der Fisch Stör in ihren Gewässern beim Angeln auf, weshalb dieser Vollmond bei ihnen der Störmond war.
Dieser Vollmond wird gern als Herbstmond oder Herbsting bezeichnet, weil in diesem Monat die zweite Tag-und-Nachtgleiche des Jahres stattfindet. Andere gebräuchliche Bezeichnungen waren Engelmond, Jagdmond und Holzmond. Bei den Algonkin Indianern trug er den Namen Maismond, weil die Maisernte erreicht war. Hin und wieder wurde er auch als Erntemond zeichnet, weil der Mais reif war. Der Oktober ist der Weinmond, weil nun der Wein geerntet wurde. Er hatte auch die Namen Gilbhart, sterbender Mond oder fallende-Blättermond. Die Algonkin nannten ihn Jägermond.
Der November bringt den Nebelmond, der auch Trauermond oder Eichelmond hieß, was alles auf das nasse, kalte Wetter hinweist. Die Algonkin nannten ihn Bibermond und gaben dem Dezember den Namen Kalter Mond, weil es kälter wurde. Im Deutschen ist der Dezember der Julmond als Hinweis auf das Julfest, die Wintersonnenwende, obwohl er auch manchmal Christmond oder Heilmond hieß.
Den Mitte Juni sichtbaren Vollmond nennen viele Menschen auch Erdbeermond. Obwohl der Erdbeermond nicht zwingend von rötlicher Farbe ist, kann der Vollmond in dieser Jahreszeit durchaus einen mehr oder weniger ausgeprägten rötlichen Schimmer aufweisen. Der Name Erdbeermond geht auf die indianische Kultur Nordamerikas zurück, doch der Vollmond im Juni ist auch unter vielen anderen Namen rund um die Welt bekannt.
In den letzten Jahren sind traditionelle indianische Namen für die Vollmonde im modernen Sprachgebrauch üblicher geworden. So sehen wir den Wolfsmond im Januar, den Schneemond im Februar, den pinken Mond im April oder den Erdbeermond im Juni. Diese Namen spiegeln eine tiefe Verbindung des natürlichen Jahreszyklus in der nordamerikanischen indianischen Tradition wieder. Der Maine Farmer’s Almanac veröffentlichte in den 1930er Jahren erstmals die indianischen Namen für die Vollmonde im Laufe eines Jahres. Nach diesem Almanach ist der Vollmond im Juni oder der letzte Vollmond des Frühlings als Erdbeermond bekannt. Dieser Mondname ist ein Name, der für nahezu jeden Algonquin-Stamm universell ist. Der Name steht in Beziehung zu der Zeit der relativ kurzen Saison für die Ernte von Erdbeeren im Nordosten Nordamerikas ungefähr Mitte des Monats Juni.
Ein alter europäischer Name für diesen Vollmond, der in der amerikanischen indianischen Tradition Erdbeermond genannt wird, ist auch der Metmond oder der Honigmond. Met ist ein aus dem Mittelalter stammendes, alkolisches Getränk, das durch das Fermentieren von mit Wasser gemischtem Honig, manchmal in Verbindung mit Früchten, Gewürzen, Getreide oder Hopfen, hergestellt wird. Die Tradition, den ersten Monat der Ehe als „Honeymoon“ zu bezeichnen, reicht mindestens bis in das 15. Jahrhundert zurück und kann an diesen Vollmond gebunden sein. Dies geht vermutlich auf die Sitte zurück, im Juni zu heiraten. Andere Forscher ziehen die Verbindung weil der Honigmond auch als der „süßeste“ Mond im Verlauf des Jahres angesehen wird. Einige Schriften besagen, dass der Honig in der Zeit um die Sommersonnenwende Ende Juni herum reif war und bereit war, aus Bienenstöcken oder aus der Wildnis geerntet zu werden, was diesen Mond zum „süßesten“ machte. Die Verbindung von Hochzeiten und Honigmond stammt aus mindestens dem 15. Jahrhundert und es wird vermutet, dass sie aufgrund des Brauchs, im Juni zu heiraten, und der Tatsache, dass der Honigmond zur Zeit vieler Hochzeiten am Himmel war, entstanden ist.
Die Europäer nannten den Mitte Juni erscheinenden oft rötlich schimmernden Vollmond aufgrund seiner besonderen Farbgebung, die in manchen Jahren, aber nicht allen zu sehen ist, auch den Rosenmond. Die meisten Forscher sind sich in ihrer Therorie darin einig, dass die Wahl dieser Namen von der oft rötlich erscheinenden Farbe des Vollmonds zu dieser Jahreszeit herrührt. Warum aber erscheint der Erdbermond aber besonders in der nördlichen Hemisphäre oft rötlich gefärbt. Die Umlaufbahn des Mondes um die Erde befindet sich fast in der gleichen Ebene wie die Umlaufbahn der Erde um die Sonne und ist von dieser nur etwa fünf Grad abweichend. Wenn die Sonne nahe der Sommersonnenwende am Himmel am höchsten erscheint, erscheint der Vollmond gegenüber der Sonne im Allgemeinen am Himmel am niedrigsten. Insbesondere für die höheren Breiten Europas scheint der Vollmond, der der Sommersonnenwende am nächsten ist, durch mehr Atmosphäre als zu anderen Jahreszeiten. Dies kann dem Vollmond eine rötliche oder rosafarbene Farbe verleihen. Interessant zu wissen ist, das aus den gleichen Gründen, aus denen der Erdbeermond rötlich auf uns wirken kann, auch eine aufgehende oder untergehende Sonne an manchen Tagen für unser Auge rot erscheint.
Mit dem Ende des Frühlings und dem Beginn des Sommers verlängern sich die täglichen Sonnenlichtperioden zur Sonnenwende am längsten und verkürzen sich dann wieder. Unsere 24-Stunden-Uhr basiert auf der durchschnittlichen Länge des Sonnentages während des ganzen Jahres. Da die tatsächliche Länge eines Sonnentages unterschiedlich ist, treten die frühesten Sonnenaufgänge des Jahres vor der Sommersonnenwende, der Tag mit der längsten Sonneneinstrahlung und die neuesten Sonnenuntergänge des Jahres nach der Sonnenwende auf. Die Sommersonnenwende fällt in die Nähe des Erdbeermonds.
Auch in anderen Kulturen und Kalendern ist der Vollmond Mitte Juni ebenfalls bekannt. In den Lunisolarkalendern ändern sich die Monate stets mit dem Neumond und die Vollmonde fallen somit jeden Monat in die Mitte der Mondmonate. Der für uns als Erdbeermond bekannte Vollmond in der Mitte des Monats Juni fällt in die Mitte des fünften Monats des chinesischen Kalenders. Im hebräischen Kalender, der auch ein Lunisolarkalender ist, fällt er in die Mitte des Monats Sivan. Im islamischen Kalender beginnen die Monate mit der ersten Sichtung des zunehmenden Halbmondes wenige Tage nach dem Neumond. Der uns bekannte Erdbeermond liegt hier nahe der Mitte des islamischen Monats Shawwal.