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Gut drei Jahre nach der Schiffskatastrophe der «Costa Concordia» mit 32 Toten ist der damals verantwortliche Kapitän Francesco Schettino zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Schettino habe sich unter anderem mehrfach der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, erklärte der Vorsitzende Richter am Mittwochabend in Grosseto in der Toskana.
Schettinos Anwälte hatten einen Freispruch gefordert, die Staatsanwaltschaft hingegen 26 Jahre und 3 Monate Haft. Der Angeklagte selbst war bei dem Urteilsspruch nicht anwesend, obwohl er das zuvor angekündigt hatte. Er habe Fieber, erklärten seine Anwälte. Eine sofortige Festnahme Schettinos ordnete das Gericht nicht an. Verurteilte müssen in Italien in der Regel nicht ins Gefängnis, bevor ein allfälliges Berufungsverfahren abgeschlossen ist und damit das Urteil rechtskräftig.
Schuldsprüche addieren sich auf über 16 Jahren Haft
Das Gericht in Grosseto hatte nach sieben Stunden Beratungen das Urteil gegen den einzigen Angeklagten im Prozess um die Havarie des Kreuzfahrtschiffs gefällt. Fünf Jahre Haft erhielt Schettino für die fahrlässige Havarie des Schiffes ein. Dazu kommen zehn Jahre wegen fahrlässiger Tötung.
Dass der Kapitän das Schiff mit Minderjährigen und Behinderten an Bord vor ihnen verlassen hatte, trug ihm ein weiteres Jahr Haft ein. Der ehemalige Kapitän der «Costa Concordia» erhielt dazu noch ein fünfjähriges Berufsverbot und wird lebenslang von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen.
Schadenersatz für ehemalige Geliebte
Neben der Haftstrafe muss der verurteilte Schettino Entschädigungen an mehrere Nebenkläger bezahlen. Zu ihnen zählen überlebende Passagiere, Familienangehörige der Todesopfer, die Verwaltungsregion Toskana, das italienische Umweltministerium und die Insel Giglio.
Eine Entschädigung in Höhe von 30'000 Euro erhielt auch die Ex-Geliebte des Kapitäns, die Moldauerin Domnica Tschemortan, zugesprochen. Diese hatte berichtet, einen doppelten Schaden als Passagierin und wegen des «Medienangriffes» aufgrund ihrer Beziehung zum Kapitän erlitten zu haben.
Sie hatte ursprünglich eine Entschädigung von 200'000 Euro verlangt. Tschemortan hatte sich zum Zeitpunkt des Unglücks mit Schettino auf der Kommandobrücke des Schiffes aufgehalten.
(Krokodils)Tränenausbruch vor Urteilsverkündung
Vor der Verurteilung hatte sich Schettino nochmal unter Tränen verteidigt, unter «Krokodilstränen», wie italienische Medien spotteten. «Mein Kopf wurde geopfert, um wirtschaftliche Interessen zu schützen», beklagte er in seinen Schlussworten. Er sei in den Medien falsch dargestellt worden.
«An diesem 13. Januar 2012 bin auch ich zum Teil gestorben», sagte er. «Es ist schwierig, das ein Leben zu nennen, was ich lebe.» Anschliessend versagte dem Unglückskapitän die Stimme, unter heftigem Schluchzen brachte er seine Stellungnahme ab.
Nebenkläger hatten immer wieder betont, dass Schettino nicht alleine für das Unglück verantwortlich gemacht werden könne. Auch die Reederei Costa Crociere treffe eine Schuld, unter anderem wegen technischer Defekte.
Das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» war am 13. Januar 2012 mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der italienischen Insel Giglio auf Felsen gefahren und gekentert. Schettino hatte sich nach dem Unglück zuerst selbst gerettet, bevor die Evakuierung abgeschlossen war. Er hatte immer wieder betont, dass vor allem seine Crew an dem Unglück schuld gewesen sei. Es wird erwartet, dass er Berufung gegen das Urteil einlegt.