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Februar 2016
Lima
Astrid y Gaston Restaurant
Anschliessend flog ich nach Lima, wo ich am folgenden Tag das drittbeste Restaurant in Südamerika, das Astrid y Gaston besuchte. Meiner Meinung nach ist dieses Restaurant überbewertet und überteuert. Obwohl die Speisen auf einem hohen Niveau waren, waren sie doch recht traditionell. Der Wow-Effekt blieb grösstenteils aus. Die Weinauswahl zum Menu war international gehalten, aber nicht im absoluten Top-Segment. Ich besuche nicht ein Peruanisches Restaurant, um zum Beispiel eine Deutsche Riesling Spätlese zu kosten, wo es doch so viele Spitzenweine in Südamerika gibt.
Locanda Restaurant
Ein sicherer Wert in Lima ist das Locanda Restaurant im Swissôtel. Es ist kein absolutes Spitzenrestaurant, doch wie die Fotos zeigen, wird in diesem Restaurant eine traditionelle Küche auf hohem Niveau angeboten. Zudem ist es als Hotelrestaurant auch am Sonntagabend offen, wenn die anderen Top-Restaurants geschlossen sind.
Trilogie aus Hummer, Thunfisch und Pilz
Koteletten vom Patagonischen Lamm
Rindsfilet mit Pfefferkruste
Dessert-Variationen
Eigentlich wollte ich zwischen meinen Restaurant-Besuchen in Lima für 10 Tage die Umgebung Lima’s entdecken. Dieser Plan war jedoch schwierig umzusetzen, da die Busse an meine Destinationen oft weit weg von meinem Hotel abfuhren. Lima ist eine riesige Stadt mit 9 Millionen Einwohnern. Zudem war es unmöglich, den Fahrplan dieser Busse herauzufinden. Weiter stellte sich heraus, dass an einer meiner Wunschdestinationen keine Übernachtungsmöglichkeit bestand.
Iquitos und das peruanische Amazonas-Gebiet
Ich suchte nach einer Alternative und fand sie im Amazonasgebiet Peru’s. Vor vielen Jahren war ich im brasilianischen Amazonasgebiet, dessen Atmosphäre mir sehr gut gefallen hatte. Also buchte ich einen Flug nach Iquitos. Mit über 400‘000 Einwohnern ist es weltweit die grösste Stadt, die nicht über Strassen erreichbar ist, sondern nur mittels Flugzeug oder Schiff. Grosse Schiffe können die Stadt nach einer 3‘600 km langen Reise auf dem Amazonas vom Atlantischen Ozean her erreichen. Wie auf der brasilianischen Seite des Amazonasgebietes die Stadt Manaus wurde auch Iquitos, das 1757 von Jesuiten gegründet wurde, vom Kautschuk-Boom geprägt. Mit der Entdeckung der Vulkanisation durch Charles Goodyear erschlossen sich immer neue Anwendungen für diesen Rohstoff. Dieses Verfahren machte Kautschuk zu einem stabilen Gut, das bei hohen Temperaturen nicht mehr klebrig und bei tiefen Temperaturen nicht mehr brüchig war. Dank den Dampfschiffen konnte erstmals auf dem Amazonas Handel betrieben werden, denn mit Muskelkraft ist es unmöglich, gegen den Strom anzukommen. Ab 1870 wuchs das Städtchen sprunghaft. Die Dampfschiffe brachten bei jeder Ankunft weitere Europäische Abenteurer und schon bald wurden 30‘000 Einwohner gezählt. Das Aufkommen der Autos gab der Kautschuknachfrage einen weiteren Schub. Einige Leute erzielten mit dem Export des Kautschuks riesige Gewinne, so dass mitten im Urwald die neueste Mode aus Paris en vogue war. Die Baumaterialien der Häuser der Kautschuk-Barone bestanden fast nur aus importierten Materialien aus Europa. Sogar ein von Gustave Eiffel entworfenes Haus gibt es in Iquitos. Noch heute sind diese Häuser die schönsten in der Stadt. Ich wohnte im Haus des Kautschuk-Barons Morey, das nun ein Hotel ist. Die Suite war riesig, mit einem separaten Salon und einem grosszügigen Bad.
Ich weilte im Haus des Kautschuk-Barons Morey, das nun ein Hotel ist
Morey war ein fairer Chef, der die Eingeborenen, welche das Kautschuk im Urwald einsammelten, gerecht behandelte. Leider gab es andere Kautschuk-Barone, die die Eingeborenen ausbeuteten, um einen maximalen Profit zu erzielen. Julio Arana und sein Bruder waren die brutalsten. Sie stellten bullige Sklaventreiber aus Trinidad und Jamaica ein, damit diese so viele Eingeborene wie möglich fangen, versklavten und sicherstellten, dass diese soviel Kautschuk wie möglich sammelten. Teils wurden die Eingeborenen sogar getötet, wenn sie nicht genug produktiv waren. Immerhin wurde Arana 1913 in London für seine Greueltaten verurteilt, was aber in Peru keinen negativen Eindruck hinterliess, denn 1922 bis 1926 war er Senator des Departments Loreto, das das Amazonasgebiet umfasst.
Kautschuk wurde gewonnen, in dem die Kautschuk-Bäume V-förmig eingeritzt wurden und die milchige Flüssigkeit langsam in ein Gefäss floss. Diese Flüssigkeit wurde dann erwärmt, worauf sie fest wurde. Es formte sich ein schwerer, schwarzer Kautschukball, der auf den Dampfschiffen nach Europa exportiert wurde.
Der Boom dauerte rund 30 Jahre bis 1912. Bereits 1876 schmuggelte ein Englischer Forschungsreisender 70‘000 Samen des Kautschukbaumes nach London. Britannien errichtete Kautschukplantagen in Indien, Malaysien und weiteren Ländern. Da die Plantagen viel effizienter waren als die Kautschukgewinnung im Amazonasgebiet, wo die Bäume verstreut im Urwald standen und zudem wegen den Plantagen das Angebot stark zunahm, fiel der Kautschukpreis von 6 auf 0.5 Schilling und machte damit die Kautschukgewinnung im Amazonas unprofitabel.
In Iquitos im Quartier Belen findet jeden Morgen ein faszinierender Markt statt, wo legal und illegal alle Arten von Tieren aus der Umgebung verkauft werden. Ich sah, wie eine Marktfrau mit der Machete Schildkröten zerhackte. Auf den Marktständen konnte ich Kaimane (eine lokale Alligatorenart), Huftiere aus dem Urwald und eine grosse Auswahl an Fischen aus dem Amazonas sehen. Auch Affenfleisch soll im Angebot sein. Da es aber bereits verarbeitet wurde, war es nicht mehr als solches erkennbar. Immerhin jagen die Einheimischen die lokalen Delfine nicht, da sie glauben, dass das Töten eines Delfins einen lebenslangen Fluch nach sich zieht.
Belen Markt: Schildkröten …
… Kaimane, billig zu haben!
Schmetterlinge
Muyuna Lodge
Ich wollte den Urwald in einer möglichst unberührten Landschaft kennen lernen und entschied mich für die Muyuna Lodge, die sich vier Bootstunden stromaufwärts an der Grenze zum Pacaya – Samiria Nationalpark befindet. Die meisten Lodges sind viel näher bei Iquitos und bedienen Touristen, die nur wenig Zeit haben. Die Tiere sind teils gefangen (oft wurden sie als Babies geraubt) oder werden angefüttert, damit sie sich zeigen. Der Muyuna Lodge ist es wichtig, solche Praktiken nicht zu unterstützen. Die Abgeschiedenheit und die Nähe zum Nationalpark garantierten jedoch Tiersichtungen in wirklich freier Wildbahn. Das bedeutete, dass die Tiere oft entfernt waren. Doch mit dem Feldstecher konnte man sie sehr gut beobachten. Da ich kein Teleobjektiv dabei hatte, war es schwierig, die Tiere effektvoll zu fotografieren. Ich sah verschiedene Affenarten, Faultiere, Kaimane, die beiden Delfinarten, viele Arten und Grössen von Papageien und Aras, diverse Fische, Schlangen, Echsen, unzählige Vögel, Ameisen, Termiten, Vogel- und andere Spinnen, Skorpione, grosse wie kleine Frösche, Schmetterlinge, die verschiedensten Pflanzen, Pilze und Millionen von Moskitos.
Ich hatte meinen persönlichen Führer, der im Urwald aufgewachsen war und jede (wirklich jede) Tier- und Pflanzenart und deren medizinische Verwendungen kannte. Er konnte den Ruf von über 200 Vögeln erkennen und imitieren und sah die getarnten Tiere in Sekundenbruchteilen. Das war notwendig, denn im fahrenden Boot blieb nur sehr wenig Zeit, um die Tiere zu entdecken. Bei mir dauerte es viel länger, bis ich das Tier im Dickicht erkennen konnte. Wir unternahmen Bootstouren und Wanderungen, auch in der Nacht. Lange, weite Kleider, vorzugsweise in zwei Lagen und Insektenspray waren essentiell, um Moskito-Stiche so gut wie möglich zu reduzieren. Malaria-Prophylaxe war anscheinend nicht notwendig. Ich nahm die Tabletten trotzdem. Unweit der Lodge befand sich ein Dorf von Amazonas-Bewohnern, von denen einige bei der Lodge angestellt waren, zum Beispiel als Bootsfahrer oder in der Küche. Die Urwaldtiere sind am besten geschützt, wenn die Bewohner der Dörfer nicht hungrig sind und sie daher nicht jagen müssen.
Auf einer Wanderung durch den Urwald haben mein Führer und ich diese ungiftige Schlange angetroffen.
… und diese Rosa-Zehen-Vogelspinne.
Ein Laut-Nacht-Affe mit einem Jungen, eine der vielen Affenarten, die mir begegnet sind.
Auf einer Nachtwanderung ist uns dieses nachtaktive Schwarze Skorpion begegnet
… diese Spinne
… und dieser Smoky Jungle-Frosch.
Frische Spuren eines Jaguars. Menschen greift dieses Tier nicht an.
Ein Weisser Reiher
Ein Bewohner am Amazonas
Der Graue Amazonas Delphin. Es gibt auch eine rosarote Art.
Das Dorf San Juan de Yanayacu liegt ein paar Hundert Meter von der Lodge entfernt. Hier gibt es weder Elektrizität noch Mobiltelefonempfang. Einige Leute aus dem Dorf sind bei der Lodge angestellt.
Du hast vom vorbeifahrenden Boot aus eine Zehntelsekunde Zeit, ein Tier im Urwald zu entdecken. Findest Du es?
Mein Führer sah es sofort. Auf dem Bild ist es einfacher als in freier Wildbahn, da die Kaiman-Echse in der unteren Hälfte fast in der Mitte des Fotos ist.
Mein Führer jagte Fische mit der Harpune. Dieser ist ein Pfauen-Barsch. Ich sah im trüben Amazonas-Wasser keine Fische.
Der Schwarz-Kragen-Falke ist im Amazonas-Gebiet häufig zu sehen.
Nach meiner Rückkehr aus der Lodge blieb ich noch eine Nacht in Iquitos. Dort traf ich eine Wienerin, die zwei Wochen bei einem Schamanen im Urwald lebte, um die Amazonasdroge Ayahuasca einzunehmen. In gewissen westlichen Kreisen scheint das der neue Kick zu sein. Bei ihr hat der Trank trotz negativen Nebenwirkungen nicht wie gewünscht gewirkt. Das sei am Anfang aber normal. Sie hat mir auch erzählt, dass sie in Lima im Hotel-Mini-Bus ausgeraubt wurde. Der Räuber hat als Motorrad-Mitfahrer die Seitenscheibe eingeschlagen, ist mit dem Oberkörper durch die zerbrochene Scheibe ins Businnere eingedrungen und hat ihre Tasche geschnappt. Sie war dummerweise so naiv, dass sie den Pass und die Kreditkarten in der Tasche hatte. Ich benutze für diese Dinge eine Bauchtasche, die ich unter den Kleidern trage. Das Vorgehen der Räuber ist extrem dreist und hat mich überrascht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein kleines Gepäck mit den wichtigen Sachen immer im Taxi-Innenraum, da ich glaubte, dass es dort sicherer sei. Von nun an staue ich es mit dem Koffer in den Kofferraum, wo man es nicht sehen kann.
Central Restaurant – Lima
Zurück in Lima besuchte ich noch am gleichen Abend das Central, gemäss Rangliste das beste Restaurant Südamerikas. Der Unterschied zwischen den beiden Welten könnte nicht grösser sein! Das grosse Menu hiess noch gleich wie im letzten Jahr, Mater Elevations, und auch das Prinzip, dass pro Gang Nahrungsmittel der gleichen Höhenstufe serviert werden, blieb unverändert. Waren vor einem Jahr die Gänge sehr innovativ und manchmal zu experimentell, haben Virgílio Martínez und seine Frau Pia sich dieses Jahr für eine genussvollere, wenn auch weniger Überraschungen bietende Speiseauswahl entschieden. Auch dieses Jahr fehlte das Coca-Brot nicht. Viele Gänge bestanden aus endemischen Südamerikanischen Pflanzen, die noch von lokalen Kleinbauern angebaut werden, für das internationale Nahrungsmittelgeschäft aber nicht lukrativ sind und daher kaum angeboten werden. Die Weinauswahl war dieses Mal international inklusive Europäischer Weine. Die Trouvaillen aus Peru waren nicht mehr dabei. Für mich war das BORAGó in Santiago de Chile die Nummer 1 in Südamerika, weil es kreativer und überraschender war und die Weine wirklich top waren. Zudem ist das BORAGó um einiges weniger teuer als das Central oder das Astrid y Gaston – was sich bei diesem Erfolg wohl bald ändern wird.
Brotauswahl mit Coca-Brot
Hier einige der Gänge
860 m – Hochland Regenwald: Yacon (Wurzeln einer südamerikanischen Gänseblumenart), Geräucherte Ente, Zapote Frucht, Naturtium Blumenblätter
3’900 m – Anden-Plateau: Tunta (natürlich gefriergetrocknete Kartoffel), Annato (wird aus den Samen des Achiota-Baumes hergestellt und ist für die gelbe Farbe verantwortlich) und Kräuter
2‘875 m – Extreme Stengel: Peruanische Erdknollengewächse Ocas, Ollucos, Mashwas und Sauco, eine süd- und zentralamerikanische Holunderbeerenart
Als nächstes stand mein bisher längster Flug auf die andere Seite der Erdkugel auf dem Programm. 33 Stunden und 20 Minuten war ich mit der KLM von Lima via Amsterdam nach Manila unterwegs, inklusive 5.5 Stunden Aufenthalt in Amsterdam.