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Die Apartheid ist natürlich die unrühmlichste Geschichte unseres neuen Heimatlandes. Damals herrschte die Trennung zwischen weiss, farbig und schwarz. Eine Trennung zwischen farbig und schwarz war nicht ganz einfach. Deshalb gab es äusserst zweifelhafte Tests. Der eine Test bestand darin, dass der weisse «Tester» dem dunkelhäutigen mit dem Finger auf dessen Fingernagel drückte und anschliessend die Zeit gemessen wurde, bis die Haut unter dem Fingernagel nach Loslassen wieder rot wurde. Je nach Zeitdauer wurde man in «Farbiger» oder «Schwarzer» eingeteilt. Die zweite, auch wiederum äusserst zweifelhaft-wissenschaftliche Variante war der Bleistift-Test. Dem dunkelhäutigen Probanden wurde ein Bleistift in die krause Frisur gesteckt und er musste anschliessend den Kopf schütteln. Blieb der Bleistift drin = Schwarzer, fiel der Bleistift raus = Farbiger. Das Ergebnis dieser Tests war nicht ganz irrelevant, denn ein Farbiger besass immerhin noch ein wenig mehr Rechte als ein Schwarzer. Dies alles führt dazu, dass im südlichen Afrika immer noch ein leicht gestörtes Verhältnis zur Haarpracht besteht. Kurzgeschorene Frauen und Männer sind keine Ausnahme. Ich brauchte mehrere Monate und auch noch Hinweise von Barbara, bis auch ich merkte, dass unsere Maid jeden zweiten Tag mit einer anderen Frisur zur Arbeit erscheint. Sie trägt wie so viele Frauen eine Perücke und ich bin gar nicht sicher, ob ich jemals ihre echten Haare gesehen habe. Da deshalb Perücken sehr weitverbreitet sind, ist wiederum Haar-Diebstahl ein einträchtiges Delikt.
Mit dem Wissen um die Geschichte der Haare in Südafrika erschreckte jüngst ein Protest an einem Mädchen-Gymnasium in Pretoria. Ein Gymnasium, welches zu Zeiten der Apartheid nur weisse Mädchen besuchen durften, zwang eine schwarze Schülerin, ihre langen krausen Haare mittels Chemikalien zu glätten. Der «Afro-Look» gelte als unordentlich. Entsprechend gross war die Empörung unter der Schülerschaft und es folgten erste Proteste und Rassismus-Vorwürfe. Schlimmeres konnte wohl nur noch verhindert werden, weil sich der Bildungspolitiker einschaltete und sich an die Schulleitung wandte.
Generell haben Studentenproteste nun landesweit wieder zugenommen. Bereits zum zweiten Mal diskutiert die Politik eine Erhöhung der Studiengebühren um acht Prozent. Wer soll sich das noch leisten können ausser der weissen, wohlhabenden Bevölkerung? 1500 bis über 10’000 Franken Studiengebühren können an einer Uni in Südafrika anfallen. Als Vergleich zur Uni Zürich mit 1500 Franken ein Hohn. Man sollte dabei berücksichtigen, dass die Kaufkraft zwischen der Schweiz und Südafrika etwa im Verhältnis 1:4 steht. Könnten sich noch alle Schweizer studierende Kinder leisten, wenn sich die Gebühren gegen 6000 Franken pro Jahr bewegen würden? Hinzu kommt noch, dass bereits die einfachste, dürftigste staatliche Primarschule die Eltern Geld kostet. Kein Wunder, schreibt eine schwarze Studenten-Sprecherin, «dass die Zeiten unter Nelson Mandela als Präsident nur eine kurze Atem-Pause der Apartheid waren, bevor die schwarze, unfähige und korrupte Regierung, die eigenen Kinder betröge». Passend dazu ist, dass die Regierung sich selber einen neuen Regierungs-Flieger für umgerechnet fast 300 Millionen Franken leistet.
Wir alle wissen, dass Bildung das kostbarste Gut ist. Frei zugängliche und kostenlose Grundbildung vor allem, und hier fehlt sie heute noch! Darum auch immer mein Tipp an Leute, die helfen wollen: Unterstützt ein Hilfswerk, das gute und kostenlose Schulen in den ärmsten Gegenden anbietet. Bildung ist alles. Als kleines Beispiel: Niemand in der Schweiz würde wohl, wenn er nur zwei Tage pro Woche im Tageslohn angestellt ist, genau an einem dieser beiden einen frei wählbaren Amts-Termin wahrnehmen, oder? Unser Gärtner schon und zwar ohne sich vorher abzumelden. Es war wohl ein spontaner Entscheid. Einfach so. Dabei ist unser Garten zurzeit ein blühendes Paradies.
Man liest sich!