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“Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben.”Chinesisches Sprichwort
Bei meiner aktuellen Lektüre “Leere Hand. Vom Wesen des Budō-Karate” von Kenei Mabuni[1] bin ich auf einen Begriff gestossen, den ich noch nie vorher gehört hatte, den ich aber als langjähriger Karateka durchaus kennen sollte. Nanba Aruki (manchmal auch Namba Aruki) ist die “alte Art des Gehens, wie sie den Japanern zu eigen war”[2].
Bis zur Meiji-Reform war die übliche Gangart der Japaner der Passgang, d.h. Arme und Beine werden in die selbe Richtung bewegt und nicht wie im Westen üblich entgegengesetzt (Wechselgang). Durch diesen Passgang wird die Wirbelsäule nicht ausgedreht wie beim Wechselgang, bei dem Schulter und Becken sich entgegengesetzt drehen.
Die traditionelle japanische Kleidung löst sich durch das Verdrehen der Hüfte beim „westlichen“ Wechselgang. Der Passgang hat aber auch den Vorteil, dass man sich beim Gehen ständig im Profil befindet (Hanmi). Hanmi bietet eine kleinere frontale Angriffsfläche und erleichtert die Verteidigung (Ausweichen), da immer eine ganze Körperhälfte reagiert.
Im Karate wird das Prinzip des Nanba-Aruki z.B. beim Oi-zuki angewendet. Abwehr Techniken (Uke) sowie das Vor- und Rückwärtsbewegen beim Kampf werden ebenfalls meist im Passgang ausgeführt. Das gehen in der traditionellen Fussbekleidungen der Japaner (Zōri und Geta) geht nur im Passgang und durch einen schlürfenden Sohlengang wirklich gut, d.h. im Passgang werden die Fusssohle (Fussspitze) zuerst aufgesetzt. Auch dies sollte uns Karateka bekannt vorkommen.
Im Passganz ist man nicht besonders schnell, aber die als Hikyaku bekannten Boten des feudalen Japan konnten mit diesem Laufstiel die Strecke von Edo nach Kyoto (über 500km) in 6-8 Tagen zurücklegen. Die Anhänger dieser Gangart sind deshalb überzeugt, dass Namba Aruki, wenn man es mal beherrscht, weniger ermüdend und effizienter ist als der westliche Wechselgang. Ich konnte aber bisher keine Studien finden, die diese Aussagen bestätigen.
Versuch doch mal auch ausserhalb des Dojos Nanba Aruki aus, am besten im Sommer wenn du Flip-Flop trägst. Eine Anleitung (auf Englisch) gibt es hier: https://www.tofugu.com/japan/namba-aruki/
Sensei Michel
Quellen:
- [1] Kenei Mabuni :“Leere Hand. Vom Wesen des Budō-Karate”, Deutsche Erstausgabe 2014, Palisander.
- [2] Gabrielle und Roland Habersetzer: “Enzyklopädie der Kampfkünste des Fernen Ostens”, Deutsche Erstausgabe 2019, Palisander.