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Meine erste Stelle nach dem Abschluss des Theologiestudiums fand ich in der Pfarrei St. Maria zu Franziskanern in Luzern. Ich hatte ein schönes kleines Büro im zweiten Stock des Pfarrhauses. Wenn ich am Schreibtisch sass, sah ich durch das Fenster vor mir auf die Strasse hinter dem Obergericht hinunter. Ich konnte Menschen auf ihrem Weg zum Einkaufen beobachten, den Touristen zuschauen, und manchmal konnte ich mitverfolgen, wie Angeklagte durch den Hintereingang ins Gerichtsgebäude gebracht wurden. In meinem Rücken hatte ich aber noch ein anderes Fenster, das meistens mit Holzläden verdeckt war. Ein altes Fenster mit Butzenscheiben öffnete mir den Blick direkt in den Chorraum der Franziskanerkirche hinunter.
Oft öffnete ich dieses Fenster, wenn in der Kirche Musik gespielt oder gebetet wurde. Mein Büro war bekannt als „Bruder-Klausen-Büro“. Es erinnerte nämlich ein wenig an die Zelle des heiligen Bruder Klaus im Ranft. Auch er hatte darin zwei Fenster. Durch das eine sah er auf den Weg, der vom Flüeli in den Ranft herunterkommt. Und das andere öffnete sich in die obere Ranftkapelle hinein. Die beiden Fenster in der Zelle werden oft als Symbol für die Spiritualität von Bruder Klaus gedeutet. Er pflegte stets sowohl den Blick nach aussen wie auch den Blick nach innen: Sein Blick auf die Welt war vom Gebet getragen, und im Gebet brachte er die Welt fürbittend vor Gott.
Der eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag bietet Gelegenheit, in dieser Weise Gebet und Alltag zu verbinden. Oder wie George MacLeod, der Gründer der Iona-Kommunität in Schottland sagte: «Wir sollten mit der Bibel in der einen Hand und der Tageszeitung in der anderen Hand beten.»
Daniel Meier