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Der Spielbetrieb dürfte vermutlich in den ersten Jahren des Bestehens des Klubs nicht sehr intensiv gewesen sein. Man spielte vorwiegend an Wochenenden und Abends solange dies die Lichtverhältnisse zuliessen. Beleuchtungsanlagen kannte man zu dieser Zeit noch nicht. Die Öffnung der Plätze im Frühling erfolgte lange nicht so früh, wie dies heute möglich ist, musste man doch solange warten, bis kein Frost mehr die mit dem Pinsel von Hand gemalten Linien einfror und abhob. Die Linien mussten im Laufe der Saison, wiederum von Hand, nachgestrichen werden. (Plasticlinien gab es erst nach dem Kriege). Im Herbst war nach der ersten kalten Nacht Schluss mit Tennis spielen.
Tennishallen gab es in der Region keine. Unsere Mitglieder spielten erstmals in einer Ausstellungshalle der BEA in Bern, bis die Halle in Münsingen gebaut wurde. Später konnte man Sonntags in der zu einer Armeesporthalle umgebauten ehemaligen Reithalle, an der Ecke Kasernen – Stockhornstrasse beschränkt spielen. Zuständig war ein eigens dazu gegründeter Hallentennisklub, mit vielen Mitgliedern aus unserem Klub, der jedoch mit dem TC Thun nur lose Verbindungen hatte. Mit dem Bau von Tennishallen in unserer Region eröffneten sich viele Möglichkeiten, womit der Hallentennisklub vermutlich aufgelöst wurde. Während einiger Zeit propagierte man „Sport für Jedermann“ bei der, vor allem in den Turnhallen der Armee, billige Sportkurse angeboten wurden. Daraus entstand eine Institution „Tennis für Jedermann“, in der Interessenten günstige Anfänger-Kurse besuchen konnten, ohne sich einem Tennisklub anschliessen zu müssen. Traugott Luchsinger, während einigen Jahren auch Mitglied des TC Thun, leitete diese Kurse und wollte in den Sommermonaten Gruppenkurse aus der Halle auf unsere Plätze verlegen. Dies musste jedoch aus verständlichen Gründen abgelehnt werden, da wir auf den Plätzen Engpässe hatten, unsere Mitglieder einen Jahresbeitrag entrichteten und es damit nicht anging, Nichtmitgliedern Plätze zur Verfügung zu stellen. Wohl wäre für die Benützung ein Betrag entrichtet worden, doch war dies nicht im Sinne eines Klubbetriebes bzw. deren Statuten.
Herr Luchsinger aktivierte darauf die seit Jahren nicht mehr benutzten, privaten Plätze im Baumgarten und „Le Rüdli“, woraus dann der Tennisklub Kyburg entstand. Durch seine Kurse wurden viele Leute auf unseren Sport aufmerksam.
Wohl war Tennis zur Gründungszeit unseres Klubs eine sportliche Betätigung, doch bei der Allgemeinheit mehr als Spiel, denn als Leistungssport angesehen. Ausrüstung und Bekleidung waren relativ teuer, denn man spielte damals ausschliesslich in langen, weissen Hosen, weissen Hemden, Pullovern und Schuhen, bzw. die Damen in langen, weissen Röcken, später auch Blusen und Jupe, mit den entsprechenden Schuhen. Sogar der Balljunge hatte in weissen Turnhosen und Polohemd zu erscheinen.
Nachdem in Wimbledon einige Spieler in Shorts angetreten waren, brauchte es auch im Tennisklub Schadau-Thun einen Vorstandsbeschluss, dass Shorts bei Damen und Herren zugelassen waren. Aus Protokollen geht hervor, dass zu den Anfangszeiten Städtematches ausgetragen wurden. Soweit mir bekannt ist, hat unser Klub damals in Bern, Solothurn und Olten gespielt. Wieweit hier die „Association Suisse de Tennis“, wie damals der übergeordnete Verband hiess, seinen Einfluss geltend machte, ist mir nicht bekannt. Auch waren diese Veranstaltungen vermutlich mehr eine Angelegenheit der männlichen Mitglieder.
Freundschaftsbegegnungen
Sehr beliebt waren jedoch in der Zeit zwischen der Gründung und dem Kriegsbeginn 1939, die Freundschaftsspiele mit den Tennisklubs Olten und Sandmatt Solothurn. So hatte ich jeweils bei diesen Anlässen auf den Plätzen an der Schadau als Balljunge anzutreten, wobei die Std. mit 20 Rappen entschädigt wurde. Nach 1945 wurden die Freundschaftsbegegnungen wieder aufgenommen, wobei wir vor allem mit den Tennisklubs Viktoria, – die Plätze standen dort wo heute das Gebäude der Generaldirektion PTT beim Rosengarten in Bern steht – Dr. Wander im Liebefeld und dem TC Bellevue Bern ausschliesslich an Sonntagen spielten. Dabei war der Turnus so, dass man im einen Jahr auswärts und dann wieder zu Hause spielte. Je nach Teilnehmerzahl reichte es zu einem Single und einem Doppel während des ganzen Tages! Wer eine Familie hatte, nahm selbstverständlich die Kinder mit. Durch die Vermittlung von Direktor Hermann Stamm, Leiter der Schweiz. Metallwerke Selve, kam unser Klub in Verbindung mit der Tennissektion der „Union Sportive Suisse de Paris“, deren Gründer und Ehrenpräsident Stamm war.
Eine Gruppe von ca. 10 Personen kam 1958 erstmals für ein verlängertes Wochenende nach Thun, wobei die Damen und Herren je ein Einzel und ein Doppel spielten. Alle Teilnehmer aus Paris und Thun waren am Abend im Hotel Falken, Gäste von Direktor Stamm.
Im darauf folgenden Jahr reisten das Ehepaar Keller, Frau Schieb, die Gebrüder Hermann und Guido Wenger, Fred Bertschi und der Schreibende an Pfingsten mit der Bahn zum Gegenbesuch nach Paris. Nach einer langen Nachtfahrt wurden bereits am Samstagmorgen um 10.00 Uhr die Einzel ausgetragen. Am Abend besuchten wir die Aufführungen im Folies Bergère und am Sonntag die Kathedrale Sacré Coeur. Die vier Junggesellen besuchten anschliessend im Montmartre einen Catcher-Match. Die Heimreise erfolgte am Montagmorgen, wobei damals zeitweise Dampflokomotiven dem Zug vorgespannt waren. Für alle aufgeführten Anlässe kamen die Teilnehmer für sämtliche Kosten selbstverständlich selbst auf.
Interclub
Mit dem Beginn der Interklubmeisterschaften, wurden die Freundschaftsbegnungen reduziert und hatten für den externen Spielbetrieb, nicht mehr Vorrang. Mit den drei Plätzen an der Schadau konnte nur eine beschränkte Anzahl Mannschaften gemeldet werden. Auch war das Interesse damals nicht sehr gross. Der TC Thun wurde dem Oberland zugeteilt und hatte somit erst in den Gruppenausscheidungen Gelegenheit mit Mannschaften aus der Region Bern zu spielen. Die Mannschaften bei den Herren bestand zu Beginn aus 4, bei den Damen aus 2 Personen, was dann bei den Herren oftmals zu unentschiedenen Resultaten führte. Um solche Resultate zu umgehen, wurde später ein fünfter Spieler zugeteilt, was jedoch nicht ganz befriedigte, da ein Spieler der Mannschaft kein Doppel spielen konnte. Wer Interklub spielte kam für die Spesen selbst auf, auch wurde dem Gastklub keine Verpflegung offeriert da viele Klubs dazu gar nicht in der Lage waren, fehlten doch oft die Einrichtungen. Tennishallen gab es nur in sehr beschränktem Rahmen, so dass Verschiebungen an der Tagesordnung waren. Die Damen spielten wenn möglich an Wochentagen, um die Plätze am Wochenende für die Herrenmannschaften frei zu halten. Schwierigkeiten gab es vor allem dann, wenn in einer Mannschaft eine berufstätige Frau mitspielte. Zu Auswärtsspielen wurde meistens mit der Bahn gereist. Die Spieler waren damals nach Spielstärke A, B, C, und D, eingeteilt, wobei nach dem damaligen Handicap der C-Spieler mit 15.1 der Beste, der mit 15.5 der Schwächste dieser Spielklasse war.
Unser Klub hatte bis zur Umkrempelung der Klassierung durch den Tennisverband, keine B-Spieler. Der D-Spieler war für eine Mannschaft in der C-Klasse einmal „oben“ spielberechtigt, jedoch der C-Spieler nicht in der unteren Liga. Unsere Mannschaften kamen meistens bis zu den Ausscheidungen in den Gruppen, einzig die Mannschaft Herren D, mit den Spielern Dr. Walter Wiesmann, Daniel Uhlmann, Hans Müller, Hans Heiniger, und Rolf Lauener, wurden 1958 D- Meister der Region Zentralschweiz. In der D- Klasse gab es damals noch keinen Schweizermeister. Interklub war in den ersten Jahren eher Plausch und Gelegenheit auch mit anderen Klubs spielen zu können. In der Gruppe „Berner Oberland“ eingeteilt, spielten wir vor allem mit den Klubs Adelboden, Gstaad, Interlaken, Lenk und Spiez. Dabei hatte auch das „Gesellschaftliche“, so vor allem in Gstaad, einen wesentlichen „Anteil“ am Spielbetrieb.
So habe ich einmal als 17- jähriger mit einer Mannschaft in Gstaad gespielt, wo wir gegen die Lokalmannschaft 5 : 1 verloren. Die Einzel am Vormittag gespielt, verliefen im normalen sportlichen Rahmen. Dann waren wir bei der Familie Hermenjat Sports – der spätere Leiter des Internationalen Turniers „Köbi“ war damals noch ein Knabe und unser Ballboy – zum Apéro eingeladen. Anschliessend Mittagessen im Hotel Bernerhof nach „Oberländer Art“ und schlussendlich zum Kaffee-„avec“ im Hotel Olden bei der Sängerin Hedy Müllener. Als Gäste des Kurvereins Gstaad kam diese für die Kosten auf. Verständlich wenn die Doppelpartien nach dem „gepflegten, ausgiebigen Mittagessen auf dem damaligen „Centercourt“ nicht ganz „unseren Erwar- tungen“ entsprachen. Bis zur Abfahrt des Zuges waren wir zur Erholung noch Gäste in „Charly`s Tea Room“ unmittelbar neben den heutigen Tennisplätzen!
Nicht eben einfach war es für die Winterkurorte ihre Plätze im Frühjahr rechtzeitig für die Interklubmeisterschaften bereit zu stellen. So waren wir einmal an einem Samstag in Adelboden, wo die Spieler der Heimmannschaft bei unserem Eintreffen den letzten Platz mit Sand bestreuten! Spielpraxis hatten sie verständlicherweise noch keine, doch aber Kondition vom Skifahren. Mein Einzel endete damals mit einem „Tischtennis-Resultat“ von 20 : 18 im ersten Satz und wurde wegen Armschmerzen meines Gegners nach etwas über zwei Stunden abgebrochen!!
„Tiebreak“ gab es zu dieser Zeit noch nicht. Unsere Mannschaft spielte einmal beim TC Neufeld in Bern, wo ich die Nr. 1 in der D-Mannschaft zu spielen hatte. Mein Gegner war ein etwa 70 -jähriger Herr, den ich im „jugendlichen Elan“ vom Platz zu „fegen“ glaubte. Nach etwas mehr als 45 Minuten war die Partie mit 6 : 0, 6 :1, für den „älteren Herrn“ entschieden!! Im Klubhaus tröstete mich ein Berner, der mir erklärte, dass mein Gegner kein anderer war als der ehemalige Serie A -Spieler Nietlisbach der, durch das damals „hohe“ Alter, in die D-Klasse zurückversetzt wurde.
Die besten Spieler unseres Klubs, die z.T. nun auch in der B – Klasse eingeteilt waren, beklagten sich über die wenigen Spielmöglichkeiten zur Erlangung der notwendigen Klassierungs-Resultate. Freundschaftsspiele oder Klubmeisterschaften wurden vom Tennisverband für die Klassierung nicht berücksichtigt. Dies war dann das Ende unserer Freundschaftsspiele wie auch das Ende der Teilnahme am Dreitannen-Cup, zu dem unser Klub seinerzeit durch den damaligen Präsidenten des Schweizerischen Tennisverbandes, Dr. Max Gubler aus Olten, eingeladen worden war.
Die Klubs aus Bodio, Luzern und Olten hatten Mitglieder, die bei den Elektrizitätswerken ATEL an führender Stelle arbeiteten und untereinander Tennis spielten. Diese suchten noch einen Partnerklub, worauf Dr. Gubler, als damaliger Präsident von Olten, Thun vorschlug, waren doch seine Schwiegereltern (Hr. &. Frau Hoffmann) ehemalige Gründer unseres Klubs.
Anstelle dieser Veranstaltungen wurden erstmals 1975 die Thunermeisterschaften ausgeschrieben, die seither ununterbrochen durchgeführt wurden und ein fester Bestandteil im Turnierkalender sind.