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Die Herstellung lederner Handschuhe gehörte in Basel seit Beginn es 15. Jahrhunderts bezeugtermassen in den Arbeitsbereich der Seckler. Noch die Taxordnung von 1646 führt die gewöhnlichen Lederhandschuhe als Secklerwerk auf. Seit den 1630er Jahren kam dann durch Fremde die Manufaktur feiner Lederhandschuhe in Baselauf. Sie wurde durch den 1631 safranzünftig gewordenen Peter de Souppert aus Orange in der Provence eingeführt. Ein im gleichen Jahr um Aufnahme nachsuchender Handschuhmacher Elias Pilletier aus dem Poitou wurde freilich auf Betreiben der Seckler abgewiesen, während 1640 dem von Genf eingewanderten Handschuhmacher Philibert Leurat wiederum Bürgerrecht und Zunft zuteil wurden, unter der Bedingung, dass er sich «einig und allein» seines Handwerks behelfe, d.h. nur Handschuhe fabriziere und keine andere Secklerware wie lederne Strümpfe. Zu diesen Welschen gesellte sich 1658 der Basler Emanuel Russinger jünger, der sein Handwerk in «fremden landen» – zweifellos bei einem französischen Meister – erlernt hatte und darum von der Secklermeisterschaft angefochten wurde, obwohl er erklärte, er halte kein Gesinde und fördere auch keine Lehrjungen, sondern was er mache «were vor den lust »!
Jedenfalls konstituierten sich bald die Handschuhmacher unter Leurat’s Führung zu einer besondern Meisterschaft mit folgender Handwerksordnung:
Ein Lehrjunge, der das Handschuhmachen lernen will, soll vor bestellten, geschworenen Meistern auf vier Jahre aufgedingt und nach Verfluss dieser Zeit vor geschworenen Meistern des Ehrenhandwerks wieder ledig gesprochen werden. Keiner soll zum Meistertum zugelassen sein, er habe denn nach vierjähriger Lehrzeit drei Jahre «vollkommentlich» auf seiner Wanderschaft ehrlich und redlich zugebracht und hernach die Meisterstücke gemacht wie folgt:
«Namblichen ein grosser hendtschen mit grossen stülpen, beedes der stülp und hendtschen mit underschiedlichen zarten eingelegten riemlenen, der stülp insonderheit mit schönen geflämten zierlich geneydt, in massen wann der stülp und händtschen zusammen gesetzt werden, sich gar schön förmblich vergleichen, diesem nach, dass an allen fünf fingern insonderheit noch ein kleiner doch wohl proportionirter hendten sich befinde aus einem stuck geschnitten und mit eingelegten riemlenen an allen orthen, gleicherweis wie der grosse zierlich ausgemacht sein solle.
Item ein hendtschen von gitzin fähl auf englische gattung mit heitern farben zum zierlichsten ausgeneydt, insonderheit der stülp von citronen- oder pomerantzen farben gemacht sein solle.
Item ein bahr weiber hendtschen, auch von gitzifählen, jedoch doplet, von einem stuck ohne geleimbt, also dass das letze orth umbgewendt und auswendig stehen und mit riemlenen an allen orth geneyet, insonderheit gantz schön säuberlich ohnbefleckht, zierlich gemacht sein solle.
Item ein bahr hendtschen von dickhem fähl und von einem stckh, auch doplet aber geleimbt, mit einer dopleten naht geneydt auf die englische gattung wie vorsteht, wie die hendten von einem wilden bockh, an dem aussern orth schön glat, weiss und ohnbefleckht, zierlich gemacht sein solle.
Item ein bahr hendtschen von gitzinfähl mit dopleten spitzen an den gablen, auch mit einer dopleten naht wie die hendschen von einem wilden rhebockh, sauber, glat, weiss und ohnbefleckht, ganz zierlich gemacht sein sollen.
Item ein schwartz bahr hendtschen sehr glitzerig geferbt und dopleter naht.»
Diejenigen Handschuhmacher, die ihre Meisterstücke an den Orten, wo sie ihre Lehre absolviert hatten, zu machen begehrten, waren von der Anfertigung der beiden «geringsten stuck» unter den vorgenannten befreit. Wegen der Güte des Materials bestimmte die Ordnung, dass keine Arbeit mit verdorbenem Kalk oder aus verfaulten Fellen gemacht werden dürfe bei vier Gulden Strafe. Jeder Meister sollte ungehindert berechtigt sein, das zu seiner Hantierung nötige Material selbst zuzubereiten; doch war er keineswegs befugt, solches anderwärts zu verkaufen.
lm letzten Viertel des 17. Jahrhunderts nahm die Produktion in Lederhandschuhen stark zu und entwickelte sich zur Grossmanufaktur. Als deren Begründer haben die der Zunft beigetretenen Seckler Hans Heinrich Stantz von Brugg und Hans Jakob Werenfels zu gelten. Letzterer war 1678 bei Stantz in die Secklerlehre eingetreten, ging dann auf die Wanderschaft nach Lyon, wo er bei dem Handschuhmacher Coréard gegen das exorbitante Lehrgeld von 150 Reichstalern die französische Handschuhmanufaktur von Grund aus erlernte. Nach Basel zurückgekehrt, erwarb er sich am 28. Januar 1686 die Safranzunft und begann nun mit Hilfe französischer Arbeiter – zumeist Flüchtlingen – die Fabrikation en gros.
Seinem Beispiel folgte sein ehemaliger Lehrmeister Hans Heinrich Stantz, der früher schon einen lukrativen Handel mit französischen Handschuhen getrieben hatte; kaufte er doch jährlich 500-600 Dutzend, die er grösstenteils nach Deutschland absetzte, bis infolge des von Ludwig XIV. heraufbeschworenen Orléans'schen Krieges Deutschland 1689 den französischen Waren den Markt sperrte.
Gleich Werenfels unternahm nun auch Stantz die fabrikmässige Herstellung mit Zuhilfenahme französischen Gesindes, da nach Stantzens Urteil die deutschen zunftehrlichen Gesellen wohl recht anspruchsvoll, aber für seinen Betrieb untauglich waren.
Gegen diese Manufaktur in grossem Umfang erhob sich 1692 das gesamte übrige Secklerhandwerk. Es verklagte Stantz und Werenfels als Stümpeler (!) und verlangte vom Zunftvorstand die Stilllegung ihrer Betriebe. Stantz berief sich darauf, dass schon vor fünfzig und mehr Jahren Lederhandschuhmacher safranzünftig gewesen seien, ohne dass sich die Seckler beschwert hätten. Werenfels führte ins Feld, er habe den Handschuhmacherberuf ordnungsgemäss erlernt und «onmolestiert» seit sieben Jahren getrieben. Gleichwohl beharrte das Secklerlhandwerk unter Bezugnahme dreier Schreiben von Ulm, Frankfurt und Zürich darauf, dergleichen Stümpeler, die nicht zum Handwerk und seinem hergebrachten Brauch hielten, neben sich nicht leiden zu wollen. Wenn auch schon vor Jahrzehnten Handschuhmacher geduldet worden seien, so sei dies kein stichhaltiges Argument, denn «hundert Jahre Unrecht sei nimmer Recht». Die früheren Meister Handschuhmacher hätten auch ihr Gewerbe nicht so stark getrieben wie Stantz und Werenfels, die alles an sich zögen und andere ehrliche Meister an den Bettelstab brächten. Der Secklermeister Gedeon Stutz zu Liestal sei ob solchem Geschäftsgebaren ganz melancholisch geworden!
Den Vorwurf der Kläger, Stantz und Werenfels entzögen dem Handschuhwerk den Lederkauf, entkräftete der gewandte und in seiner Stellung als Zunftsechser gesicherte Stantz mit der bissigen Bemerkung, falls das Handwerk Lust habe, wolle er ihm mehr Leder verschaffen als sie alle zusammen zu bezahlen vermöchten.
Am 19. August 1692 entschieden Meister und Sechs, es sei Stantz und Werenfels die Handschuhfabrikation mit fremdem Gesinde weiterhin zu erlauben, den andern Secklern bleibe unverwehrt ihrem bisherigen Handwerksbrauch ebenfalls Handschuhe zu verfertigen. Wenige Wochen darauf verlangte das Secklerhandwerk eine genauere Erläuterung des gefällten Spruches, mit dem Ansuchen, seinen Widersachern aufzuerlegen, sich allein des Handschuhmachens nach französischer Art zu behelfen, hingegen sich mit keinerlei anderen Secklerarbeit – Pelzhandschuhen, Seckeln und Lederkäpplein – zu befassen.
Da sich keine der beiden Parteien der ergangenen Zunfterkanntnis völlig unterwerfen wollte, wies die Zunft die Streitenden vor den Rat als oberste Instanz. Die Seckler forderten nun, dass Stantz und Werenfels als Fabrikanten nur bei «beschlossenen Läden» und beim Dutzend ihre Ware verkaufen sollten, oder falls sie überhaupt ihre neuen Fabriken fortsetzen wollten, sollten sie alle ins Secklerwerk schlagende übrige Arbeit den Secklern allein überlassen.
Mit Recht wies Stantz darauf hin, der Kernpunkt der Streitfrage betreffe das Gesinde; wegen der grossen Kosten bei geringer Arbeitsleistung der deutschen Gesellen sei es ihm unmöglich mit diesen zu werken.
Werenfels, des langen Haders müde, war bereit, sich mit der Gegenpartei zu vertragen. So konzentrierte sich der Zorn des Handwerks auf Stantz, der klagte, aus der «Gütigkeit sei eine Wütigkeit» geworden, indem etliche Meister ihn im höchsten Grad seiner Ehren angetastet und injuriert hätten. Gleichwohl offeriere er, beim Handwerk als Seckler zu bleiben, sein Sohn aber müsse die Zunft empfangen ein Handschuhmacher werden wie Werenfels. Dem letzten Vorschlag widersetzte sich das Handwerk, weil es nicht bräuchig, wenn zwei Meister in einem Hause seien. Die Seckler verharrten hartnäckig auf ihrem ersten Begehren und «das alles mit Ersetzung der ergangenen und noch kommenden Kosten». Da unter diesen Umständen kein Vergleich zu erhoffen war, überantwortete die Zunft die Sache neuerdings dem Rat.
Letzten Endes wurden die Angriffe des Handwerks überwunden mit der Berufung auf die geduldeten Fabriken der Seidenindustrie. Vor allem wirkte die Drohung, wenn man die Manufaktur en gros hier nicht dulden wolle, so würde sie sich einfach ausserhalb des baslerischen Hoheitsgebietes, in den fremden Ortschaften der Umgegend festsetzen, wo niemand die Arbeiter werde hindern können, zu arbeiten. Dieses für Fiskus und Wirtschaft ausschlaggebende Argument verhalf der Handschuhmanufaktur zum Sieg. Gleich den Band- und Strumpffabriken gedieh sie anfangs des 18. Jahrhunderts zu grosser Ausdehnung und bot zahlreichen weiblichen Untertanen im Baselbiet, welche das Zusammennähen der zugeschnittenen Handschuhe besorgten, Arbeit und Brot.
Als um 1700 die Handschuhmacher mit den Kürschnern wegen des Handels mit Gitzifellen in Konflikt gerieten, konnten Stantz und Werenfels vor Rat mit berechtigtem Stolz auf ihre Betriebe hinweisen, die über dreihundert Personen Unterhalt verschafften, die ohne diesen Verlag dem «publico und almosen beschwerlich fallen würden»...
Zu Beginn der 1720er Jahre trübte sich das Verhältnis zu den besten Arbeitskräften der Basler Meister, den Näherinnen von Liestal, «die bei 30 in 40 jahren dahero von unsern eltern und vorfordem daselbst gepflantzet und durch unsere fabrique auch in den allerschwärsten zeiten sich und die ihrigen durchbringen mögen ». Sie weigerten sich plötzlich, die Aufträge ihrer bisherigen Brotgeber auszuführen. Der Grund ihres Verhaltens war folgender: Im Wirtshaus zum Kopf in Basel hatte sich ein fremder Handschuhmacher, Pierre Berniere von Vivis, etabliert und eine Handschuhmanufaktur eröffnet. Berniere, der bei Stantz und Hans Heinrich Haag als Geselle gearbeitet hatte, war aber nur der Strohmann des bedeutenden Lederhändlers Bavier in Chur, der das Basler Handwerk seit langer Zeit mit Leder belieferte. Nun aber schickte er Berniere sein schönstes Leder zum Zuschneiden, der seinerseits durch die Liestaler Frauen die Handschuhe fertig nähen liess. Da er per Dutzend 2 Schilling über den üblichen Lohn bot, war es ihm ein leichtes, die Näherinnen von ihren alten Lieferanten zu «debauchieren». Auf Klage der sechs Basler Meister 11, wurde die fertige Ware in Liestal beschlagnahmt und ins Basler Kaufhaus gebracht zur Feststellung, ob der Pfundzoll davon entrichtet worden sei. Berniere musste als Fremder die Stadt verlassen und den Liestaler Näherinnen wurde kraft einer Ratserkanntnis vom 16. April 1721 verboten, andern als hiesigen Bürgern Handschuhe zu nähen.
In Liestal gab es aber nicht nur Handschuhnäherinnen, sondern auch ein eingesessenes Handschuhmachergeschlecht Pfaff, das dankseiner guten Arbeit rasch emporkam und zahlreiche fremde Aufträge erhielt. Die betriebsamen Brüder Niklaus, Johannes und Heinrich Pfaff, deren Mutter die erste Frau in Liestal gewesen, die Handschuhe genäht und es andere gelehrt hatte, waren den städtischen Meistern ein Dorn im Auge. Sie setzten alle Hebel in Bewegung, sich diese Konkurrenz vom Halse zu schaffen. Im Jahre 1726 kam es durch die Vermittlung einer Ratsdeputation mit Johannes Pfaff zu einer Abmachung. Unter der Bedingung, der Ratserkanntnis von 1721 geflissentlich nachzukommen, keine Gesellen und Lehrlinge zu halten und zwischen den Fronfastenmärkten sich alles Hausierens zu enthalten, sollte ihm und den Seinigen erlaubt sein zu verkaufen, was sie mit eigener Hand verfertigten.
Der zweite Bruder, Niklaus Pfaff, liess sich nicht so leicht unterkriegen. In einem Schreiben an den Basler Rat hob er hervor, der Hauptvorwurf seiner Gegner gehe dahin, dass er ein Untertan sei, «als ob unter diesem Titel alle Rechte und Gerechtigkeit verborgen wären». Er setzte es 1736 auch durch, dass ihm die Obrigkeit zubilligte, mit einem Gesellen zu arbeiten, falls er keine fremden Kommissionen annehme.
Der dritte Bruder, Heinrich, kümmerte sich überhaupt nicht um das Basler Handwerk, so dass dieses einige Jahre später entrüstet lamentierte, anstatt eines «seien nun drei Pfaffen in Lieschstal», die uneingeschränkt die Manufaktur trieben, nach Belieben fremde Aufträge annähmen und den Baslern die Felle verteuerten und die Gesellen und Näherinnen abspenstig machten. In einem Bedenken an den Rat nahm die Zunft Stellung zu diesem Streit. Die Argumentationen der Vorgesetzten sind überaus typisch für das damalige Wirtschaftsverständnis der Stadt zur Landschaft, gipfelten sie doch in den prinzipiell-dogmatischen Ausführungen: «Obwohl die Handschuhmacher in Basel keine Handwerksordnung unter sich hätten, sondern frei seien, so folge dennoch nicht, dass ein Untertan dem Burger vorgezogen, viel weniger eine Fabrik, die in die Stadt gehöre, auf dem Land von Untertanen auch errichtet werde ».
Den Bitten der Pfaff, jedem wenigstens zwei Gesellen zu gewähren, da sie sonst nicht fortkommen könnten, wurde kein Gehör geschenkt. In reaktionärer Gesinnung ordnete 1760 die Zunft kraft einer Ratserkanntnis die Beziehungen zwischen den hiesigen Meistern und den zu Liestal sitzenden Handschuhmachern. Der abgeschlossene Vergleich bestimmte, dass fortan in Liestal vier Handschuhmacher mit je einem Gesellen den Beruf treiben durften unter der Bedingung, keine fremden Jungen zu lehren und zu keinen Zeiten und unter keinem Vorwand eine Vermehrung der Meister zu begehren. Als Liestaler Handschuhmacher unterzeichneten Niklaus Pfaff, Johannes Pfaff, Heinrich Pfaff, Vater, Heinrich Pfaff jünger und Johann Adam Pfaff.