Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03370.jsonl.gz/2686

Eleonore Frey, geboren 1939. Studierte Germanistik, Romanistik und Komparatistik. Neben ihrer umfassenden schriftstellerischen Tätigkeit ist sie auch als Übersetzerin tätig. Für ihr 2015 erschienenes Werk «Unterwegs nach Ochotsk» wurde Frey mit einem der Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Sie lebt in Zürich.
Behutsam und glasklar erzählt die Autorin die Geschichte von Cristina, deren Lebensweichen früh gestellt sind: Beinahe noch ein Mädchen wird sie schwanger. Die Verwandten verbannen sie der Schande wegen von Lissabon aufs Land. Sofort nach der Geburt wird das Kind zur Adoption freigegeben. Cristina wird Hebamme, bringt Kinder zur Welt und findet eine späte Liebe – doch die Suche nach ihrem eigenen Kind wird nie aufhören. Eine tragische Geschichte, poetisch erzählt.
Warum erzählst du mir nicht einmal ganz genau, wie du zu dem Kind gekommen bist? Wie es kam, dass du, noch kaum aus der Schule, mit einem Matrosen in die Büsche gingst? Als ob du keine Ahnung gehabt hättest vor den möglichen Folgen der Sünde, vor denen man dich zuhause doch dringend gewarnt hat? Und wie es war, als dein Matrose nach Übersee verreiste, als deine Mutter die Schwangerschaft bemerkte, als sie dich abschob zur Tante aufs Land und als du dort das Kind zur Welt brachtest…
Lesung und Gespräch