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Unter kohlenhydratarmer Diät LDL kontrollieren
«Keto» assoziiert mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko
Die ketogene Diät, bei der die Zufuhr von Kohlenhydraten stark reduziert ist, erfreut sich vor allem zur schnellen Gewichtsabnahme hoher Beliebtheit. Eine neue Studie zeigt, dass diese aber langfristig bei bestimmten Personen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verbunden sein könnte.
Nimmt man eine Mischkost zu sich, baut der Körper vorzugsweise Glukose zur Energiegewinnung ab. Bei der sehr kohlenhydratarmen ketogenen Ernährung werden zuerst die in der Leber angelegten Glykogenvorräte abgebaut, dann stellt sich der Körper auf einen Hungerstoffwechsel um. Mit diesem werden nun Fette abgebaut, um die namensgebenden Ketonkörper zu erzeugen, die der Körper ebenfalls zur Energiegewinnung benutzen kann. In dieser Phase der «Ketose» tritt bei vielen Menschen eine mitunter starke Gewichtsreduktion ein.
Bereits zuvor konnte gezeigt werden, dass die kohlenhydratarme fettreiche Ernährung (LCHF) bei einigen Menschen zu einer Erhöhung des LDL-Cholesterins führt. Unbekannt war jedoch bislang, ob das auch kardiovaskuläre Konsequenzen hat. Eine neue Studie zeigt, dass das tatsächlich der Fall sein könnte.
Prospektive Beobachtungsstudie
Die Forscher untersuchten prospektiv Daten von 70.684 Probanden in der UK Biobank, die sie über mindestens zehn Jahre weiterverfolgten. Bei Eintritt gaben die Probanden in einem Fragebogen an, was sie in den letzten 24 Stunden gegessen hatten. Ausserdem wurde ihnen Blut abgenommen und ihre Cholesterinwerte untersucht.
Die Antworten von insgesamt 305 Teilnehmern passten auf eine LCHF-Ernährung (siehe Kasten). Diese wurden mit 1.220 nach Alter und Geschlecht angepassten Probanden verglichen, die eine Nicht-LCHF-Diät mit ausgeglicheneren Verteilungen von Fett und Kohlenhydraten im Essen verfolgten (zusammengefasst als «Standarddiät»). Die sich ergebende Kohorte bestand damit zu 73 Prozent aus Frauen, und das Durchschnittsalter lag bei 54 Jahren. In der LCHF-Gruppe betrug der BMI im Durchschnitt 27,7 in der Standardgruppe 26,7.
Verglichen mit Teilnehmern mit einer Standardernährung, hatten Probanden in der LCHF-Gruppe etwas höhere Spiegel bei LDL-Cholesterin (3,80 vs. 3.64 mmol/L in der Standardgruppe, p=0,004) und Apolipoprotein B (ApoB, 1,09 vs. 1,04 mmol/L in der Standardgruppe, p<0,001) ). Nach im Mittel 11,8 Jahren Nachbeobachtung erlitten insgesamt 9,8 Prozent der Teilnehmer in der LCHF-Gruppe ein neues kardiovaskuläres Ereignis, verglichen mit 4,3 Prozent in der Standardgruppe.
Nach Korrektur anderer Risikofaktoren wie Diabetes, Hypertonie, Adipositas oder Rauchen, errechneten die Forscher ein zweifach erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse für die LCHF-Gruppe (HR: 2,18; p< .001). Als schweres kardiovaskuläres Ereignis zählten sie unter anderem einen Myokardinfarkt, Schlaganfall, oder die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK).
LCHF, aber nicht keto
In der Studie wurde eine etwas breiter gefasste Definition von LCHF verwendet. Darin machten die täglichen Kalorien aus Kohlenhydratquellen weniger als 25 Prozent der täglichen Kalorien aus, mehr als 45 Prozent der täglichen Kalorien stammten aus Fetten. Anhänger der ketogenen Ernährung empfehlen gemeinhin, den Kohlenhydratanteil in der Ernährung auf zehn Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien zu beschränken, und rund 60 bis 80 Prozent der täglichen Kalorien aus der Fettverbrennung zu gewinnen.
Menschen reagieren unterschiedlich auf die Keto-Kost
Besonders häufig waren kardiovaskuläre Ereignisse bei Probanden, die bei Eintritt in die Datenbank einen höheren LDL-Cholesterinwert aufwiesen. Für Personen mit einem LDL-Cholesterinwert von mehr als 5 mmol/L (was in der LCHF-Gruppe ungefähr doppelt so häufig wie in der Standardgruppe vorkam), errechneten die Autoren ein sechsfach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (p>0,001).
Ausserdem beobachteten die Forscher, dass Probanden unterschiedlich auf die LCHF-Diät reagierten. Bei den meisten stiegen die Cholesterinspiegel unter der Ernährungsform an, bei einigen Personen blieben die Werte aber gleich oder sanken. «Wir verstehen das noch nicht ganz», sagt Erstautorin Dr. Iulia Iatan, MD, University of British Columbia, im Zuge ihrer Präsentation am Jahreskongress des American College of Cardiology (ACC). «Eine Hypercholesterinämie im Zuge einer Ernährungsumstellung ist aber nie gutartig.». Das Forscherteam vermutet, dass zumindest für bestimmte Menschen die kohlenhydratarme Kost die Herzgesundheit gefährden könnte. Sie könnten möglicherweise durch die Kontrolle der LDL-Spiegel identifiziert werden.
Limitierte Aussagekraft, aber wichtiges Alarmsignal
Da es sich bei der Untersuchung lediglich um eine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich lediglich eine Assoziation zwischen der kohlenhydratarmen Ernährungsweise und dem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko abbilden, erinnert die Autorin.
Weitere Limitationen der Studie sind die eher überschaubare Grösse der LCHF-Gruppe, die nur einmalige Erfassung der Ernährungsgewohnheiten und der Selbstbericht der Diät, der ein genereller Schwachpunkt vieler Ernährungsstudien ist. «Trotzdem sollten wir das weiter in Studien beobachten – immerhin gibt aktuell einer von fünf Amerikanern an, eine Low-Carb- oder Keto-Diät zu verfolgen.»
In Europa ist die Ernährungsform zwar noch nicht in dem Masse angekommen, die Anzahl der Google-Suchen nach Begriffen um die ketogene Ernährung zeigt aber, dass auch in Ländern wie der Schweiz und Deutschland das Interesse an der Diät seit 2019 ungebrochen ist (2).
Referenzen
- American College of Cardiology (ACC) Scientific Session/World Congress of Cardiology (WCC) 2023. Late-Breaking Clinical Trials. 5. März 2023.
- Suchbegriff «ketogene Ernährung» ab 2004, trends.google.com. Abgerufen am 9. März 2023