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An der Erfindermesse in Genf stellt Felix Wirz eine Anlage zur Wasser-Kondensierung vor. Trockene Weltgegenden an Meeresküsten kämen so zum begehrten Nass.
In der Schweiz regnets viel. Auch während der Erfindermesse in Genf. Doch in der Aussteller-Halle stellt ein Schweizer Ingenieur eine Anlage zur Süsswassererzeugung vor. Nicht aus Regenwasser, sondern mittels Kondensierung aus (feuchter) Luft. Ideal für trockene Länder an Meeresküsten.
Felix Wirz stellt mit Überzeugung an der Messe seine "Wasseranlage für trockene Gebiete" vor. Einen kleinen Zettel "Fresh water plant" hat er zur Erklärung aufgelegt und schreibt: "In the newly developed system natural resources are utilised to produce fresh water" (dieses neuentwickelte System braucht natürliche Ressourcen, um Frischwasser herzustellen).
An der Messe in Genf wird seine Erfindung viel beachtet. In sämtlichen Sprachen gibt er Fernseh- und Radioteams Auskunft. Alle versuchen, hinter die verblüffende Technik seines "Fresh water plants", seiner Frischwasser-Anlage zu kommen.
"Süsswasser", sagt Wirz, "ist eine Ressource, von dem weltweit jeder fünfte Mensch zu wenig hat!" Seine Erfindung sei ideal für heisse Trockengebiete am Meer, mit einer hohen relativen Luftfeuchtigkeit. Einfach und billig sei sie auch.
Jemen: Wenig Niederschlag, aber feuchte Luft
"Aden im Jemen", so nennt Wirz ein geeignetes Beispiel, "ist ein sehr trockenes Gebiet mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von nur 4 cm Wasser". Die andern klimatischen Bedingungen in Aden: Eine Jahrestemperatur von 29 Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit von 70%. Wirz: "Die relative Luftfeuchtigkeit in Prozenten umschreibt den Anteil Wasser, welchen die Luft maximal speichern kann."
Vermag man nun die Lufttemperatur um zehn Grad zu reduzieren, halbiert sich die Wassermenge, welche in der Luft gespeichert werden kann. Würde die Lufttemperatur in Aden auf 19 Grad abgekühlt, dann würde es intensiv regnen.
Luft streicht entlang von Kühllamellen
Nun will der Schweizer Erfinder nicht Aden kühler machen. Aber die feuchte Luft dort liesse sich in seinem "Fresh water plant" abkühlen. Wirz leitet Luft durch eine Kammer mit Kühllamellen. Dort wird sie um zehn Grad gekühlt. Resultat: Das Wasser kann kondensieren, und sammelt sich an.
Eine Anlage von fünf Quadratmetern Lamellen, durch die Luft mit einer Geschwindigkeit von acht Meter pro Sekunde strömt, erzeugt 0,3 bis 0,4 Liter Wasser pro Sekunde. In einer Minute rund 20 Liter. In einer Stunde sind es bereits 1200 Liter und in zehn Stunden liefert der "Wirz-Plant" 12'000 Liter Süsswasser.
Mit Tiefwasser kühlen, mit Wind pumpen
Doch gekühlt wird nicht etwa mit Erdöl oder Strom. Die Kühlung erfolgt mit natürlichen Ressourcen und vor Ort: Kühles Meerwasser aus rund hundert Metern Tiefe wird angesaugt. Dort unten ist das Wasser bereits 17 bis 19 Grad kühl. Dieses "Kühlwasser" leitet Wirz durch die Lamellen an denen die Luft vorbeistreicht.
Welche Energie braucht es zum Saugen? "Die physikalischen Gesetze helfen mir", sagt Wirz. Durch den Wasserdruck steige das Wasser praktisch allein bis zur Meeres-Oberfläche. Von dort aus bis zur Anlage müsse er pumpen. "Die Energie dafür liefert der Wind, der auf dem Meer immer bläst und ein Windrad dreht, dessen Rotor den Strom liefert."
Anlage ist nicht teuer
Im Labor läuft die Versuchsanlage problemlos. Felix Wirz hofft, dass er noch in diesem Jahr zwei seiner Wassergewinnungs-Anlagen aufstellen kann. Sofern jemand Geld investiert.
Die öffentliche Schweizer Entwicklungsbehörde DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) kann keines geben. Die Begründung: Es gibt nur Geld für Entwicklungs-Projekte vor Ort. Aber kein Geld für technische Entwicklungen. Doch es gibt sicher andere Interessenten.
Urs Maurer