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Herr Schröder macht sein Leben öffentlich. Nein, nicht irgend ein Herr Schröder: Der Herr Schröder, Gerhard mit Vornamen, seines Zeichens Bundeskanzler a. D. der Bundesrepublik Deutschland. Zum Beispiel breitet er in den Medien sein Leben aus. Korrektur: Er breitete nicht sein Leben aus, sondern weil er – wie alle gewesenen Grosspolitiker – eine Autobiographie geschrieben hat, Korrektur: weil er wie alle gewesenen Grosspolitiker sein Leben ausbreiten lässt, spricht er bei seinen Medienauftritten über das Buch, das er zwar nicht selbst geschrieben, das aber ein anderer in seinem Sinn verfasst hat.
Er hat dieses Buch, mit dem er jetzt sehr viel Geld verdient, nicht selbst geschrieben, weil er anderen Geschäften nachgehen musste. Er musste Geld verdienen, um den Ghostwriter bezahlen zu können. Und deshalb hat sich Herr Schröder mit Russlands Präsidenten Putin, der auch in diesem Buch vorkommt, als Tankwart an dessen Zapfsäule gesetzt und sich gleichzeitig vom Schweizer Medienkoloss Ringier, der ihm an der Zürcher Dufourstrasse ein Büro – Tür an Tür mit Herrn Meyer – zur Verfügung stellt, als Türöffner (von Herrn Meyers Bürotür?) engagieren lassen. Und da, wie wir alle wissen, eine Tür die andere öffnet, liess sich Herr Schröder von Herrn Meyer via die Sendung «Vis-à-vis» gleich auch noch die Pforten zum Schweizer Fernsehen aufstossen.
Der Mann, Schröder natürlich, ist sich für nichts zu schade. Schliesslich hatte er sein Ohr immer nah beim Volk und kannte dessen Wünsche und Sehnsüchte. Er gab dem Volk, was es verlangte: Schröders Autobiographie. Der fixe Alt-Bundeskanzler stillt unser Verlangen nach der Wahrheit und nur der Wahrheit. Diese vertrat er kürzlich auch in der ARD-Talkshow von Sabine Christiansen, wo es sehr manierlich zu- und herging und wo sich Herr Schröder verdankenswerterweise auch über die Mechanismen in der Politik äusserte, über das Spiel, das dort gespielt wird: «Fang den Hut».
Als dann Herr Schröders etwas feister gewordenes Gesicht nach anderthalb Stunden vom Bildschirm verschwunden war und mit ihm auch Herrn Geisslers mild-ironisches Lächeln, da waren wohl alle Zuschauerinnen und Zuschauer beeindruckt von so viel Offenheit, und man war wirklich dankbar dafür, dass der Kanzler a.D. keine Mühen und keine Kosten gescheut hatte, uns so schnell aufzuklären über das, was hinter den Kulissen läuft.
Endlich wissen wir’s! Danke, Herr Schröder. Und Danke auch, dass Sie sogar Privates preisgegeben und uns einen rührenden Einblick in das Leben daneben gewährt haben. Sie durfte nicht unerwähnt bleiben, die Frau an Ihrer Seite: Doris! Wir alle haben ja diese Frauen an der Seite der Protagonisten der Politszene – den Medien sei Dank! – schätzen und lieben gelernt.
P.S.: Herr Schröder, fragen Sie doch in diesem Zusammenhang bei ihrem nächsten Schweizer Abstecher Ihren Kollegen C.B, auf dessen Autobiographie wir schon lange warten.
Peter Zeindler ist Schriftsteller und Journalist.