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In der Muttermilch sind viel zu viele Umweltgifte enthalten. Dies hat eine Studie der EMPA ergeben, die der Öffentlichkeit bisher nicht bekannt war.
Im Rahmen einer Analyse sind Muttermilch-Proben von Erstgebärenden aus Bern, Biel, Freiburg, Morges und Basel genommen worden, berichtet «SRF». Sie wurde vom Bund bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) für 210'000 CHF in Auftrag gegeben. Das Resultat: In der Muttermilch sind zu viele Umweltgifte enthalten. Bisher hat der Bund diese Ergebnisse allerdings nicht kommuniziert – erst nach einer Nachfrage des «Kassensturz» äusserte er sich dazu.
Die Prüfung der EMPA ergab, dass ein durchschnittlicher, gestillter Schweizer Säugling Woche für Woche zu viele Dioxine trinkt. EMPA-Chemiker Markus Zennegg führt aus: «Die Menge liegt fast 150 mal über dem Richtwert, am Anfang des Lebens eine relativ deutliche Belastung.» Nebst den Dioxinen konnte die EMPA auch Triclosan nachweisen.
Bei Dioxinen und den dioxinähnlichen PCB handelt es sich um hochgiftige Verbindungen, welche die Fruchtbarkeit, das Immunsystem und die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen können. «Diese Stoffe reichern sich im Fett der Muttermilch an», erläutert Zennegg, «sobald die Mutter stillt, mobilisiert sie das Fett, der Säugling nimmt vor allem am Anfang hohe Konzentrationen dieser Stoffe über die Muttermilch auf».
Dioxine entstehen bei Verbrennungsprozessen (beispielsweise in der Industrie), verbreiten sich über die Luft und lagern sich schliesslich im Boden ab. Dort werden sie von Nutztieren aufgenommen, wo sie sich im Fettgewebe anreichern. Vor allem im Fleisch, Fisch, Eier und Milch sind deshalb höhere Dioxin- und PCB-Gehalte festzustellen. Zu einer Dixion- und PCB-Aufnahme beim Menschen kommt es entsprechend zum grössten Teil durch den Verzehr tierischer Produkte.
Mithilfe von Filtern und Totalverboten konnte das Entstehen von Dioxinen und PCB in Fabriken reduziert werden. Wie eine Analyse der EMPA zeigt, sind die Werte auf einen Sechstel des Niveaus der 90er-Jahre gesunken.
Nachdem eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2017 ergeben hat, dass Dioxine noch toxischer sind als früher angenommen, wurde die tolerierbare Aufnahmemenge nochmals deutlich gesenkt. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, an der sich auch die Schweiz orientiert, reduzierte die Aufnahmemenge von 14 Pikogramm pro Kilo Körpergewicht auf nur noch 2 Pikogramm. 1 Pikogramm entspricht einem Billionstel Gramm.
Gemäss der EMPA-Analyse nimmt ein gestillter Säugling aber jede Woche 294 Pikogramm pro Kilo auf. Es gibt allerdings keinen aktuellen Richtwert für Säuglinge. Gemessen am Richtwert für Erwachsene, wird dieser von einem Schweizer Säugling um das 150-fache überschritten.
Trotz dieser Resultate sei der Nutzen des Stillens grösser als die Risiken, so Zenegg. «Kinder haben durch die Übertragung von Immunoglobinen ein stärkeres Immunsystem und viel weniger Allergien. Dieser positive Effekt überwiegt klar, zumal das Baby ja nur während einer kurzen Zeit eine deutlich höhere Belastung hat.»
Das Bundesamt für Umwelt hielt eine Medienmitteilung über die Studie nicht für notwendig. Sie sei publiziert worden und auf einer Datenbank des Bundes verfügbar, hiess es. (saw)