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Die derzeit sehr expansive Geldpolitik der Zentralbanken und die explodierenden Haushaltsdefizite zahlreicher Staaten bringen die Preisstabilität in Gefahr. Seit Jahresbeginn wächst deshalb das Interesse der Anleger für inflationsgebundene Anleihen. Denn dieses auch «Linker» genannte Anlageinstrument kann die reale Kaufkraft des investierten Kapitals erhalten, indem es seine Coupons und seinen Nennwert der tatsächlichen Inflation anpasst.
Stellt man eine inflationsgebundene Anleihe einer vergleichbaren nominalen Anleihe gegenüber, sticht ins Auge, dass die reale Rendite beim «Linker» tiefer ist. Da die nominale Anleihe keinen Inflationsschutz bietet, muss die Rendite entsprechend höher sein, um den Anleger für das eingegangene Risiko zu entschädigen. Die nominale Rendite entspricht der realen Rendite zuzüglich der erwarteten Inflation und einer Risikoprämie. Die durchschnittliche Inflation, die der Markt bis zum Endverfall der Anleihe erwartet, entspricht der Differenz zwischen der nominalen und der realen Rendite. Diese Differenz heisst Breakeven-Rendite. Fällt die tatsächliche Inflation schliesslich höher aus, rentiert der «Linker» besser als die nominale Anleihe, da er an die Entwicklung des Konsumentenpreisindex gebunden ist und Coupons und Nennwert entsprechend anpasst.
Finanzkrise drückt Renditen
Diese Beziehung lässt sich am Beispiel zweier repräsentativer deutscher Staatsanleihen - die eine inflationsgebunden (DBRi 1,5% 2016), die andere nominal (DBR 3,5% 2016) - über die letzten drei Jahre zeigen (siehe Grafik). In etwa seit Beginn der Währungsunion bis im Frühjahr 2008 hielt sich die Renditedifferenz zwischen den zwei genannten Anleihen sehr stabil, was die hohe Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank widerspiegelt, die Inflation mittels des fest bei 2% verankerten Inflationsziels zu kontrollieren.
Ein gegensätzliches Bild zeigen die letzten zwölf Monate, in denen die Inflationserwartungen aufgrund von nicht direkt der Zentralbankkontrolle unterstehenden Faktoren (Anstieg des Ölpreises) bis auf 2,67% stiegen, um kurz darauf ins Bodenlose zu fallen. Die Finanzkrise und die damit verbundenen Rezessionsängste drückten die Breakeven-Renditen kurzfristig bis auf 0,45%. Der Markt ging also von einer durchschnittlichen Inflation bis zum Endverfall von lediglich 0,45% aus, was vor dem historischen Hintergrund als wenig realistisch erscheint. Seit letzten Dezember normalisieren sich die Bewertungen und notieren aktuell wieder bei 1,52% (per Ende April 2009).
Steigende Inflation möglich
Die meisten Marktbeobachter sind überzeugt, dass die Massnahmen der Europäischen Zentralbank sowie der Regierungen das Schreckgespenst einer Depression/Deflation abwenden werden. Die Mehrheit der Ökonomen erwartet für das Jahr 2010 bereits wieder einen Anstieg der Inflation auf 1,2%. Es liegt auf der Hand, dass die Notenbanken und Regierungen mit allen Mitteln verhindern wollen, einen beginnenden Aufschwung durch eine restriktive Politik abzuwürgen. Vermutlich nehmen sie das Risiko einer leicht überschiessenden Inflation in den kommenden Jahren in Kauf. Eine höhere Inflation erlaubt überdies, die sich auftürmenden Schuldenberge mit weniger einschneidenden Sparbemühungen abzutragen.
Für Investoren, die mit einer Rückkehr zur Normalität rechnen, sind «Linker» eine interessante Anlagelösung, die ihnen Schutz vor steigender Inflation bietet. Die «Linker» sind zurzeit historisch attraktiv bewertet und bieten Renditepotenzial, da die Breakeven-Inflation noch immer unter dem langjährigen Durchschnitt in Europa liegt. Wer diese Anlagechance nutzen will, wählt mit Vorteil einen breit diversifizierten Fonds, der in inflationsgebundene Staatsanleihen bester Qualität aus verschiedenen Ländern investiert.