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Ich möchte auch diese Woche wieder einen Soundtrack vorstellen, der mir in diesem Jahr sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, genauso wie der dazugehörige Film, auch wenn beide bereits aus 2008 stammen. Es ist ein sehr eigenwilliges Score meines Lieblingskomponisten Joe Hisaishi zum neuesten Werk von Hayao Miyazaki über ein kleines Goldfischmädchen, Ponyo. In diesem Soundtrack beschreitet Hisaishi gewissermassen Neuland, zumindest komponiert er Melodien, die für seine Verhältnisse doch sehr ungewohnt sind.
Der Komponist
Joe Hisaishi ist ein japanischer Komponist, der seit dem Film Nausicaä aus dem Tal der Winde bislang jeden Film des Regisseurs Hayao Miyazaki musikalisch untermalt. So ist Hisaishi auch für die bekannte Totoro-Titelmelodie oder die Musik zu Prinzessin Mononoke verantwortlich. Hisaishi zeichnet sich aber auch für zahlreiche Soundtracks von Takeshi Kitano, besser bekannt als Erfinder und Titelfigur der Spielshow Takeshi’s Castle, verantwortlich, wie beispielsweise Kikujiros Sommer. Diese Zusammenarbeit wurde 2003 jedoch beendet. 1998 konnte Hisaishi ausserdem seinen grössten Erfolg verbuchen, als die Olympischen Winterspiele in Nagano zu seiner Komposition eröffnet wurden. 2009 wurde ihm die Ehrenmedaille am violetten Band, also für herausragende Leistungen im Bereich der Kunst, verliehen.
Der Soundtrack
Was ich an Hisaishi schätze, ist, dass es ihm jeweils sehr gut gelingt, den Grundton der Filme mit seiner Musik einzufangen. Hört man die Musik zu Mein Nachbar Totoro, so hört man kindliche, zauberhafte Klänge; bei Prinzessin Mononoke spürt man dagegen die Verzweiflung und düstere Grundstimmung sofort. Das ist auch bei Ponyo nicht anders und so dominieren auf diesem Soundtrack gefühlvolle, magische, unbeschwerte und nicht zuletzt – wässrige Melodien. Der Titel „Imototachi“ (Ponyo’s Sisters) erklingt in der Szene, als Ponyo Wellen reitet und beginnt mit einem leichten, plätschernden Klavierintro, in das allmählich Streicher einsetzen und das mit der Zeit immer hektischer wird, bis die Wellen zuletzt in Becken- und Paukengetöse brechen. Doch Hisaishi setzt nicht nur die Klänge des Orchesters ein, um die Meeresatmosphäre einzufangen, sondern bedient sich auch bei grossen Komponisten. War es bei Nausicaä noch Händel mit seiner „Sarabande“, so erklingen diesmal zwar nur ähnliche, aber klar an Wagners „Walkürenritt“ angelehnte Melodien, dies nicht zuletzt, weil Ponyo ja auch im Film – ganz passend – Brünhilde heisst. In diversen Stücken erklingen solche Passagen, die an Wagner erinnern, am auffälligsten ist dies aber im Stück „Ponyo No Hiko“ (Ponyo Flies), das – jawohl – Ponyos Flucht untermalt, und dessen Aufbau, mit pompösen Bläsern über Streicher-Tremolos aus der Feder Wagners stammen könnte. Doch genug zu Wagner und seinen Melodien, und zurück zu Joe Hisaishis Komposition, die mehr als nur eine Verneigung vor Wagner ist.
Denn neben diesen wellenbrechenden Klängen zaubert Hisaishi auch ruhigere und magische Klänge aus dem Hut, meist dann, wenn die Gran Mammare oder Fujimoto, also Ponyos Mutter, bzw. ihr Vater, zu sehen sind. Dort setzt Hisaishi auf Chor und sanfte Streicherpassagen oder lässt manchmal die Musik ganz verstummen, um dann nur eine Querflöte herauszustreichen, oder ein Geigensolo hervorzuheben, und dadurch die Stille und Einsamkeit zu illustrieren, wie zum Beispiel beim Titel „Nagareboshi No Yoru“ (A Night of Shooting Stars), der in der Szene erklingt, als Ponyos Mutter und ihr Vater eine Unterredung halten. Für diese beiden Figuren verwendet Hisaishi ausserdem immer das selbe Chorthema, das man ganz zu Beginn hört. Einen Bruch in dem doch sehr verschwommen und ungeordnet wirkenden Soundtrack bilden die Tracks „Sensan Machi“ und „Sensan Machi II“ (March of the Boats, March of the Boats II), die, wie es der Titel bereits verrät, stellenweise sehr militärisch und marsch-mässig gehalten sind. Dies jedoch nicht in einer intensiven und lauten, sondern überraschend und erfreulich zurückhaltenden Art und Weise, dass der Unterschied zum übrigen Soundtrack nicht so deutlich ausfällt. Und Hisaishi wäre nicht Hisaishi, wenn es nicht noch eine gesungene Melodie auf dem Soundtrack gäbe, ein Titellied, das den Abspann würdig untermalt, und das vom Folk-Duo Fujimaki Fujioka und der achtjährigen Nozomi Ohashi eingespielt wird. Ein richtiges Mitdüdellied für alle, die nichts besseres zu tun haben halt. 😉
Dass der Track ausserdem für die US-Version von der kleinen Cyrus-Schwester und dem kleinen Jonas-Brother-Bruder schrecklich vergewaltigt wurde, vergessen wir in diesem Beitrag grosszügig.
Fazit
Hisaishi wagt sich mit der Musik zu Ponyo an einen neuen, symphonischen und weniger traditionellen Stil als in Prinzessin Mononoke oder Chihiros Reise ins Zauberland heran und kommt dabei sehr nahe an die Melodien zu Mein Nachbar Totoro heran, ohne diesen Sound zu kopieren. Ich glaube sogar, dass dieser Soundtrack mein Favorit unter den Miyazaki-Scores ist, weil er die Kombination von fröhlich und ernst sehr gut und überzeugend hinkriegt und damit das Feeling des Films einmal mehr unterstreicht.
Bilderquelle: Filmmusicsite.com