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Der Ölikerbrunn hatte seine Quelle etwas unterhalb der Sandgrueb in Örlikon, etwa dort, wo heute der Polizeiposten steht. Er floss zur heutigen Franklinstrasse hinunter und hinter dem Restaurant Traube vorbei und verlor sich dort im Feisswiesensumpf. So zu erkennen auf der Wildkarte von 1850. Auch auf den Dorfplänen des Örliker Lehrers Reinhold Ochsner von 1865 und 1879 ist er eingezeichnet. Um 1865 bekam er dann einen Graben und eine richtige Einmündung in den Leutschenbach. Bereits 1896 war das Gebiet soweit überbaut, dass man den Bach eindolte. Er verschwand sang- und klanglos. Siehe dazu in der Örliker Orts-Chronik auf den Seiten 160 bis 162. Der Örlikerbrunn galt als Heilquelle und wird erstmals erwähnt um 1684. So steht es in der Orts-Chronik "Örlikon - Geschichte einer Zürcher Gemeinde" von Armin Bollinger. Man findet dort auf Seite 34 einen kleinen Beitrag zu dieser Quelle. Von einem Örliker erfuhr ich, dass der Bach auch Ligusterbach geheissen haben soll und Örlikerbrunn nur die Bezeichnung der Quelle war. Es war nicht der Bach der Beachtung genoss, sondern die Heilquelle.
Thomas Huonker schrieb dazu: "In Oerlikon sprudelte eine Heilquelle auf einem Schuppissengut, das dem Kloster Oetenbach gehörte, bis es nach der Reformation in den Besitz des Zürcher Bürgergeschlechts Hafner gelangte. Dort, wo heute die Polizeiwache Örlikon steht, entwickelte sich ein Badebetrieb. 1684 beschrieb Dr. Salzberger den Chemismus der heute versiegten oder verdeckten Quelle so: "Der Brunn zu Oerlikon führt einen resi-nosischen offenen noch unverschlossenen prim-entischen vitriolischen süssen Schwefel, und etwas steubigen Talks, oder federweissiges vermengt; item ein reines untermengtes Erdsalz, und ist sowohl den kalten feuchten, als hitzigen und trockenen Complexionen dienlich, absonderlich den trockenen, hitzigen, cholerischen, gallsüchtigen Personen, wider langwierige, dreitägliche gallichte Fieber, die Brechsucht von häufiger Gall, das Hirnwüten, das Seitenstechen, Lungenentzündung; item alle scharfe, beissende, in- und um sich fressende, offene gallsüchtige Leibs-Schäden." Mehr dazu siehe unter http://www.thata.net/oerlikonsozialgeschichtlichvolltextmitfussnoten.html
Im balneografischen, statistisch-historischen Wörterbuch der Heilquellen Deutschlands, der Schweiz, Ungarns usw. von 1834 findet man zu dieser Quelle folgenden Hinweis: "Oerlikon, im Canton Zürich, ein unbedeutendes Bad in Hinsicht seiner Einrichtungen und Frequenz, als merkwürdig durch den Reichthum seiner Quelle, die nach (dem Chemiker Dr.) Salzberger eine Mühle treiben kann. Auch hier wird der Wasserreichtum erwähnt.
Die älteste Foto vom Leutschenbach fand ich in einer Broschüre namens Neujahrsblatt Zürich 11/12, vermutlich 1972, Seite 20, wo man sieht, dass der Bach um 1870 oder 1880 herum recht viel Wasser führte. Das meiste davon stammte von einer Quelle namens Örlikerbrunn.
In der Dorf-Chronik von Örlikon findet sich zudem auf Seite 41 ein Kupferstich von 1811 bei der Liegenschaft Schwamendingerstrasse 40/42, welcher den Leutschenbach zeigt. Auch da erkennt man leicht, dass der Bach ganz ordentlich Wasser führte.
Der Örlikerbrunn ist nicht versiegt, wie es gerne heisst, sondern lediglich der Badebetrieb wurde nach 1870 eingestellt. Vermutlich konnte das Bad wegen der geringen Besuchsfrequenzen nicht mehr kostendeckend betrieben werden. Als schon vor 1896 das Baumackergebiet überbaut und die Strassenzüge neu angelegt wurden, hat man den Bach der neu im Aufbau befindlichen Kanalisation zugeführt, wo das reichliche Wasser gute und dankbarte Spülarbeit verrichtete. Die Quelle ist in der geologischen Karte 1091 beim Polizeigebäude an der Baumackerstrasse eingezeichnet.
Dieser Brunnen hat mit Seebach direkt nichts zu tun, denn er liegt ohne Zweifel auf Örliker Boden. Doch hörte die OGS im Laufe ihrer Befragungen, die eine oder andere Sage darüber. Was den Bezug zu Seebach betrifft: Auch Seebacher sollen bis in die 1870er Jahre oft nach Örlikon zum Baden gegangen sein, da die Quelle als Heilbad gepriesen wurde. Im Glauben an die Heilkraft sollen einige sogar wieder gesund geworden sein.
In seinem Buch «Geologie von Zürich» erwähnt Heinrich Jäckli die Quelle ebenfalls, bezeichnet sie als Moränenquelle und platziert sie als bergseits der Schwamendingerstrasse und nahe dem Sternenplatz gelegen. Die Orts-Chronik nennt als Standort: Unweit der Linde beim Ötenbacherhof. Beim Ortsgeschichtlichen Verein Örlikon versicherte man der OGS, dass sie am Salersteig gelegen haben muss. Erwähnt wird sie auch im Ortslexikon der Schweiz von 1862. Jäckli schreibt zum balneotherapeutischen Wert dieser Quelle: Ausschliesslich auf psychologischen und gesellschaftspolitischen Faktoren beruhend. Als Geologe ist er da sicher kompetent, dies festzustellen.
Da die Quelle aber angeblich vielen Menschen die Leiden gelindert haben soll, gilt ein anderer, altbekannter Lehrsatz: Wer heilt hat Recht. Und auf dieser, nicht ganz wissenschaftlichen Basis war es eben doch eine Art Heilquelle. Baden soll ja ganz allgemein gesund sein, unabhängig davon, wie viele Salze usw. darin gelöst sind. Ferner nennt Jäckli die Quelle als nicht von erhöhter Temperatur, was wohl etwa 15 Grad bedeutet und mit früher genannten Temperaturvergleichen übereinstimmt: Im Winter ganz warm, im Sommer kühl. In der Orts-Chronik schreibt Armin Bollinger: Vom «Brunnen» verlor sich jede Spur, sei es, dass die Quelle versiegte oder verschüttet wurde.
Die Informationen zu diesem Bach stammen von folgenden Quellen: - Ernst Ingold jun. - Geografisches Lexikon der Schweiz 1905 - Örliker Orts-Chronik - Geologische Karte 1091 - Ortslexikon der Schweiz 1862 - Geologie von Zürich, Heinrich Jäckli