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Im Kontext von Digitalisierung, New Work und Agilität befindet sich Servant Leadership immer öfter auf der Tagesordnung. Verpackt in Formulierungen wie „moderne Führung“ oder überzeugende Zitate wird es nahezu als Allheilmittel propagiert. Eine oft herangezogene Aussage stammt von Apple-Mitbegründer Steve Jobs: „Es ergibt keinen Sinn, kluge Leute einzustellen und ihnen zu sagen, was zu tun ist. Wir stellen kluge Leute ein, damit sie uns sagen können, was zu tun ist.“ Dementsprechend werden Führungskräfte aufgefordert, Servant-Leadership-Kurse und Studiengänge zu buchen. Doch ist diese Art der Führung wirklich die Zukunft?
Bei Servant Leadership handelt es sich um einen Führungsansatz. Er geht offiziell auf Robert Greenleaf zurück. 1970 beschrieb er das Wirken von Führungskräften als Dienst und damit als dienendes Führen im Gegensatz zum beherrschenden Führen. „Es beginnt mit dem natürlichen Gefühl, dass man dienen möchte, zuerst dienen möchte“, ist auf der Website des Greenleaf Center for Servant Leadership formuliert. Dann lenke eine bewusste Wahl zum Streben nach Führung. Ein Servant Leader stelle sorgfältig sicher, dass die Bedürfnisse anderer Personen mit höchster Priorität erfüllt werden. Er konzentriere sich in erster Linie auf das Wachstum und das Wohlergehen der Menschen sowie der Gemeinschaften, denen sie angehören. Er teile die Macht, stelle die Bedürfnisse anderer an die erste Stelle und helfe ihnen, sich zu entwickeln sowie so viel wie möglich zu leisten. Er fördere gewissermassen das Potenzial, das in den Mitarbeitern steckt. Damit unterscheide er sich sehr stark von jemandem, der zuerst Anführer sei, um einen Machttrieb zu stillen oder materielle Besitztümer zu erwerben – der traditionellen Führung.
Aus diesem Verständnis hat das Beratungsunternehmen Capgemini spezielle Eigenschaften abgeleitet. Einen Servant Leader kennzeichnen Empathie und Akzeptanz gegenüber allen Mitarbeitern sowie eine integrative, ganzheitliche Sichtweise auf sämtlichen Ebenen. Er verfüge über ein hohes Mass an Selbstreflexion ohne Wertung, über Vertrauenswürdigkeit und Verantwortungsübernahme für das eigene Handeln. Durch Konsequenz, Ehrlichkeit, Integrität und Aufrichtigkeit schaffe er Authentizität und durch Reflexion, Zuhören sowie Erfahrungen strategische Intuition. Er kreiere und stärke das Gemeinschaftsgefühl, Neugierde und Innovationskraft wirken als Treiber von Zielen.
Als Mindset und Führungsstil könne Servant Leadership dabei helfen, eine agile Transformation erfolgreich voranzutreiben. Darüber hinaus hat gelebte dienende Führung positiven Einfluss auf die Teamleistung und verringert Jobwechsel-Absichten. Denn der Servant-Leadership-Ansatz wirkt sich stark auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter aus, wie eine Metaanalyse zahlreicher Studien zeigt. Von 14 untersuchten Führungsstilen war der Zusammenhang zwischen Führung und Jobzufriedenheit bei Servant Leadership am höchsten, heisst es auf Wikipedia. So finde das Prinzip des dienenden Führens in der heutigen Praxis des Managements immer wieder Befürworter. Dennoch sei es umstritten.
Capgemini zufolge wurde der Ansatz vor allem im deutschsprachigen Raum fälschlicherweise mit einem schwachen Führungsbild eines unterwürfigen Dienens verwechselt. So schreibt Unternehmenscoach und Autor Peter Holzer provokant: „… wer dient, muckt nicht auf. Beginnt keinen Konflikt. Sondern macht das, was der Master will.“ Dabei sei die „dunkle“ Seite der Führung die absolute Pflicht eines jeden Anführers: „Der Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Sich gegen die Meinungen von Kollegen durchsetzen, wenn es – trotz Diskussion – der richtige Weg fürs Unternehmen ist. Verstehen, dass Hierarchie nicht per se schlecht ist, sondern die Voraussetzung für Ordnung und Harmonie.“ Dass das Verständnis des Begriffes „Dienen“ zu Problemen führen kann, sieht auch Organisationsberater Dr. Mark McKergow. In einem Interview mit heise gibt er an: „… ich treffe viele Menschen, die damit nicht klarkommen. Was sollen Diener tun? Wie proaktiv können sie sein? Ist es ihre Aufgabe, einfach nur den Kaffee zu kochen? Was bedeutet es heutzutage überhaupt, Diener zu sein?“ Einen Aha-Moment erleben viele Führungskräfte hingegen, wenn ihnen die Alternative angeboten werde, Gastgeber zu sein. Dann können sie das Selbstverständnis nachvollziehen.
Das kennzeichnet auch den Kern des Themas. „Führung ist im Wesentlichen eine Frage Ihrer Haltung – und keine Frage von Methoden und Techniken“, wie Peter Holzer formuliert. Das bedeute, sich zu vergegenwärtigen, dass es um die Führung von Menschen gehe. Es impliziere, sich wie ein Anführer zu verhalten und erfordere erst einmal Selbstführung. Ausserdem sei wichtig zu erkennen, dass kein Mensch „einem Weichei folgen“ wolle – ebenso wenig wie einem Egomanen. Es gehe um Führung auf Augenhöhe: „Hart in der Sache. Fair zum Menschen. Vergessen Sie Position und Titel. Streben Sie nach natürlicher Autorität.“
Die logische Schlussfolgerung: Servant Leadership sollte einen Platz im Führungsverständnis einnehmen – jedoch lediglich als eine unter vielen Möglichkeiten. Denn im Unternehmensalltag geht es nicht immer um Entweder-oder beziehungsweise wie das Greenleaf Center for Servant Leadership erläutert: „Der Anführer-zuerst und der Diener-zuerst sind zwei extreme Typen. Dazwischen gibt es Schattierungen und Mischungen, die Teil der unendlichen Vielfalt der menschlichen Natur sind.“
Natürlich helfen wir Ihnen gern, die Leader zu finden, die zu Ihnen passen. Kontaktieren Sie mich einfach!
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Autor: Jasmine Grabher