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Wir Frauen haben uns grossenteils daran gewöhnt, sprachlich meist nur mitgemeint zu sein. Doch es gibt Unterschiede in der Frauen- und der Männersprache. Svenja Duhme aus Düsseldorf hat sich mit dem Thema eingehend befasst und dafür die leser/-innenstärksten Magazine «Cosmopolitan» und «Men’s Health» und die jeweilige Leser/-innenschaft akribisch durchleuchtet.
Die Politik, die Wissenschaften, die Künste und selbst das gesellschaftliche Leben, wurden während Jahrhunderten von Männern geprägt, während sich die Frauen eher um Familiäres zu kümmern hatten. Wen wundert es da noch, dass Untersuchungen zum differenten Sprachverhalten der Geschlechter im zwanzigsten Jahrhundert erstmals thematisiert wurden. Der dänische Linguist Jespersen beschäftige sich mit dem Thema und hielt 1925 fest, «dass Frauen harmlose und schönfärbende Wörter und Redensarten ersinnen», um nicht intime Körperteile oder «gewisse natürliche Verrichtungen» benennen zu müssen.
Den verminderten Gebrauch von Kraftausdrücken in der weiblichen Sprache, stellt auch Svenja Duhme im Rahmen ihrer Studien fest. Sie betont, dass nicht Jespersen, sondern Frauen der feministischen Bewegung der 1960er und 1970er Jahre die linguistische Geschlechterforschung vorantrieben. Dabei sieht sie die Frauen auch in der Zwickmühle gefangen, denn «sprechen sie typisch weiblich, werden sie als Frau akzeptiert, bleiben aber machtlos. Sprechen sie dagegen wie Männer, gelten sie nicht als richtige Frau oder werden als Emanze diskreditiert.» Für die Gegenüberstellung des «Cosmopolitan» mit der Männerzeitschrift «Men’s Health» hat sich Duhme entschieden, weil die monatliche Auflage und das redaktionelle Konzept der beiden Zeitschriften sich ähneln, genauso wie die jeweiligen Leser/-innenkreise.
«Allgemein geht aus den Quellen hervor, dass Frauen sich einer ganzheitlich emotionaleren Sprache bedienen, die die Bindung, die menschliche Nähe und die Akzeptanz des Gesprächspartners bzw. der Gesprächspartnerin sucht.»
Svenja Duhme stellt in ihrer Arbeit fest, dass Frauen die persönlichen Erfahrungen häufiger einbringen und dadurch versuchen, Distanzen zu überwinden. Sie wenden gerne mildernde, beschönigende oder verhüllende Umschreibungen und Verkleinerungsformen an. Frauen betonen mit Intensivierungswörtern wie «ehrlich» oder «wirklich», wodurch die Texte emotionaler als jene der Männer wirken. Durch häufiges Verwenden von Ausdrücken wie «finde ich» oder «es scheint» schwächen Frauen ihre Texte leider häufig auch ab, so als wären sie der Sache nicht ganz sicher. Frauen stellen in ihren Texten häufiger Fragen oder fügen einem Satz ein Fragewort wie «oder?» an. Sie beschreiben detaillierter und schreiben grammatikalisch korrekter. Die Sätze der Frauen sind komplexer, die Berichte ausführlicher, während die Männer sich offensichtlicher auf den Informationsgehalt konzentrieren und ihre Ausführungen mit Daten, Zahlen und Fakten unterstreichen.
Auch die Fragen der Männer dienen nur dem Informationsgewinn. Männer betonen die Dominanz, schreiben statusorientierter und benutzen auch mal Kraftausdrücke. «Der Aspekt von Macht- und Wettbewerbsverhalten spielt in der Männersprache eine wichtige Rolle», betont Duhme, die in männlichen Texten ein gehäuftes Gewinner- und Verliererverhalten feststellt. Neudeutsche Anglizismen verwenden Frauen bei den Themen Mode, Schönheit, Fitness und Liebe. Die Männer schreiben sie in Artikeln über Sport und Sex. Umgangssprachliche Wörter verwenden Frauen für Beschreibungen zum Alltag und zur Familie und Männer verwenden sie in Form von Kraftausdrücken.
«Frauenzeitschriften erreichen ihre Zielgruppe mit grossem Erfolg, trotz der Umstände, dass sie seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgrund ihres wiederholenden Inhalts häufiger kritisch kommentiert worden sind.»
Besonders Feministinnen beklagen die Frauenzeitschriften als ständige Wiederholungen eines repressiven Frauenbildes und sehen die Themen auf Kochen, Haushalt, Gewichtsreduktion und Familienplanung reduziert. Eine Beleuchtung politischer und frauenspezifischer Themen fehlt fast ganz. Svenja Duhme ist überzeugt, dass die Zunahme der themenspezifischen Zeitschriften eine Antwort darauf ist.
Männerzeitschriften gibt es noch nicht lange, es sei denn, sie wären pornografischer Natur. Seit einiger Zeit aber schiessen Themenzeitschriften für Männer wie Kraut aus dem Boden. Um die Sprache zu analysieren, muss man sich bewusst werden, zu welchem Zwecke sie benutzt wird. Sprachliche Elemente wie Coverzeilen, Headlines oder Themenblöcke sind besonders zu beachten. So muss der Headline-Effekt im Zentrum stehen. Gemäss Studien, entscheiden 44 % der Frauen und 33 % der Männer danach, ob sie den Artikel lesen. Die Schlagworte “Sex, Liebe und Glück” interessieren immer. Die Redaktorinnen der Cosmopolitan verstehen es gut, auch Schwachpunkte, ins Positive zu drehen, wie etwa bei den Titeln: «Traummann aus 2. Hand. So profitieren Sie von seinen Erfahrungen mit anderen Frauen», oder «So finden Sie die Liebe fürs Leben. Singles verraten, wie es bei ihnen geklappt hat». Oder sie wecken die Neugier mit Fragen und Tipps wie «33 Fragen, die Sie im Job wirklich weiter bringen.» Das Cover ist im Aufbau, in der Gestaltung und Formulierung der Headlines stets wiedererkennbar. Typische Cosmopolitan-Titel sind Doppelungen wie «Stark und smart», «Schützende Schätze» oder «Lust auf Lässigkeit». Mit «Endlich an der Po-Position», «Sex-Parties: die neue Lust auf Laster» und «Lustinseln», greift die Cosmopolitan auch heissere Themen auf.
«Mit Hilfe von salopperer Sprache soll durch Men’s Health ein Zugang zum Leser geschaffen werden, damit er sich selbstständig mehr Gedanken über Vorsorge und Gesundheit machen kann.»
«Das schnellste Waschbrett-Workout aller Zeiten», «4 cm mehr Bizeps in sechs Wochen», «Was die 10 wichtigsten Männer Ihnen raten» und «Die 30 besten Gesundheitstipps», sind typische Men’s Health-Titel. Wir erinnern uns: Zahlen, Fragen und Fakten ziehen die Blicke der männlichen Leserschaft an. Der bleibende Eindruck nach sexuellen Kontakten ist ein gern aufgenommenes Thema. «Turbo», will sich der Leser auf Trab bringen – und mit möglichst null Aufwand. Er will erfahren, was die Sex-Partnerin wünscht, wie er auf unkomplizierte Art ihre (und seine) Lust vergrössert, welche Fitnessdrinks sein Wohlbefinden steigern oder «Was die Freundin wirklich taugt». Der Men’s Health-Leser wird über Hoden- und Darmkrebs in einer Form orientiert, die eine Frau schlicht aus den Socken haut. Null Symmetrie, kaum ein Wiedererkennungswert, schlecht lesbare Headlines – und doch ist Men’s Health die beliebteste Männerzeitschrift auf der Welt. Behauptungen, Übertreibungen und schon fast in Stein gemeisselte Aussagen, sind die Stilmittel der Redaktoren. Das Männerblatt strotzt vor sexuellen und sexuell gemeinten Ausdrücken. «Lecken, blasen, sich einen abreiben, flachlegen» und Co. sind die Spitzenreiter der Männerzeitschrift Mens Health. Die Cosmopolitan spricht zu ihrer Leserinnenschaft in Liebesdingen eher von «Selbstbefriedigung, Oralverkehr, streicheln, Akt.»
Das Fazit von Svenja Duhme zum Vergleich der beiden Zeitschriften erstaunt nicht. Während Mens Health fast jeden Aspekt des beschriebenen männlichen Sprachverhaltens in das linguistische Konzept integriere, erzeuge Cosmopolitan mit der freien, kreativen Sprachverwendung ein Frauenbild, das sich von dem braven Rollenverständnis abhebe und doch sexistische und derbe Sprüche auslasse. Beide Zeitschriften erreichten die charakteristische Leser/-innenschaft, doch Cosmopolitan lehne sich an die Vorlagen eines vermeintlichen weiblichen Sprachgebrauchs an, führe ihn weiter und passe ihn der Sprache einer erfolgreichen, selbstständigen und konsumorientierten Frau an. Men’s Health verarbeite die zur Verfügung stehenden Aspekte einer männlichen Sprachverwendung in erheblichem Umfang. Die Texte seien klar strukturiert, durch Reduzierung auf reine Informationsvermittlung schnell erfassbar und von Anglizismen und Umgangssprache beeinflusst. Das Bild des fachlich interessierten, beruflich erfolgreichen Mannes spiegle sich in der Sprache des Männermagazins wider.
Lesen Sie die ganze Seminararbeit!
Die «Cosmopolitan» ist mit einer Auflage von 397’191 Exemplaren (03/2011) Marktführerin im Segment der monatlichen Premium-Frauenzeitschriften und erreicht eine Leserinnenzahl in Millionenhöhe. Die durchschnittliche Cosmopolitan-Leserin ist 37 Jahre alt, beruflich erfolgreich, gebildet, aufgeschlossen, sinnlich und hat Lust auf das Reisen und auf das Leben. www.cosmopolitan.de
«Men’s Health» ist mit 18 Millionen Lesern das verbreitetste Männermagazin. Im deutschsprachigen Raum erscheint es seit 1996. Der durchschnittliche Men’s Health-Leser ist 34 Jahre alt, mental und körperlich fit. Er strebt nach Verbesserungen, lebt in gehobenen Verhältnissen und in führender Stellung. www.menshealth.de