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Paul McCartney hat in den letzten Jahren einige Brücken hinter sich abgebrochen und dabei zumindest musikalisch wieder zu einer grösseren Harmonie mit sich selbst gefunden. Da ist die Scheidung von Heather Mills zu nennen und auch der Entschluss, nach vier Jahrzehnten die Plattenfirma EMI zu verlassen und über die internationale Kaffeehauskette Starbucks sein 21. Soloalbum zu veröffentlichen.
‚Memory Almost Full’ geht noch weiter als das vor zwei Jahren enthusiastisch gefeierte ‚Chaos and Creation in the Backyard’. Ein konzerttauglicher Stilmix von poppigen und rockigen Uptempo-Songs mit Balladen, die McCartneysche Melancholie, aber keinerlei Selbstmitleid versprühen. McCartney singt über Erinnerungen, so wie als junger Beatle in ‚Penny Lane’. Beatles-Referenzen gibt es viele, ‚Vintage Clothes’ leitet ein Medley ein, wie er es seit ‚Abbey Road’ nicht mehr gemacht habe, Mr. Bellamy sei eine erfundene Persönlichkeit wie ‚Eleanor Rigby’, sagt er in einem Interview. Dass einige Fans schon ein Anagramm im Albumtitel entdeckt haben - "for my soulmate LLM" (wobei LLM für seine verstorbene erste Frau Linda Louise McCartney stehen soll) - nimmt er gelassen. "Es war keine Absicht", sagte er. "Als ich davon hörte, dachte ich bei mir: Sollte ich etwas in der Art sagen wie 'Ich wusste das nicht' oder sollte ich sagen: 'Einige Dinge sollten besser ein Geheimnis bleiben' und dabei unergründlich lächeln?" Dabei äussert er in ‚The End of the End’ schon seinen Wunsch, wie er sich sein Begräbnis vorstellt: "Ich möchte, dass Witze erzählt und Geschichten wie Teppiche ausgerollt werden..." Seine Familie sei von dem Stück sehr gerührt gewesen. Aber erst einmal kann er fröhlich seinen Geburtstag in der Gewissheit feiern, dass die Popwelt diesen kreativen Kopf noch lange braucht.
Veröffentlichung: 5.Juni 2007