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Die Länder des südlichen Afrika weisen seit jeher den grössten Anteil an Personen mit HIV/Aids auf. Auf dem Gebiet der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC, insgesamt 15 Länder) leben 3% der Weltbevölkerung, aber 20% der HIV-Infizierten der Erde.
Die Zahlen sind noch erschreckender in Bezug auf die Situation in den Gefängnissen dieser Region. Sie sind generell überfüllt, die Belegungsrate beträgt 138%, wobei auf 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner 205 Strafgefangene kommen (gegenüber 82 auf 100'000 in der Schweiz).
Weil es an geeigneten Gesundheitsdiensten fehlt und die Häftlinge über keine Präservative verfügen, führen die häufigen sexuellen Kontakte dazu, dass sich schätzungsweise 50 bis 75% der Gefangenen mit HIV/Aids und Tuberkulose anstecken. Darüber hinaus verhindert der beschränkte Zugang der Gefangenen zu medizinischer Versorgung und lebensnotwendigen Gütern, dass die HIV-Infizierten eine geeignete antiretrovirale Behandlung erhalten, was das Risiko einer Ansteckung der Mitgefangenen weiter erhöht.
Minimalstandards verabschiedet
Auf diese Situation haben die nationalen Behörden der Mitgliedstaaten der SADC bereits 2012 reagiert und eine Reihe von Minimalstandards für die Gesundheit der inhaftierten Personen verabschiedet. Weil diese Standards nur selten Anwendung finden, begann sich die DEZA auch in diesem Bereich zu engagieren, ausgehend von ihrem Fachwissen auf dem Gebiet der staatlichen HIV/Aids-Politik, mit der sie sich im südlichen Afrika seit 2002 befasst.
Die von der DEZA unterstützten Massnahmen in den Gefängnissen sind für die Risikogruppe von entscheidender Bedeutung. Zwei weitere Organisationen, der Voluntary Service Overseas und das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), finanzieren die Massnahmen mit. Gemeinsam sind die drei Institutionen hauptsächlich auf vier Ebenen aktiv:
Auf regionaler Ebene finden regelmässig Treffen mit den Behörden der SADC-Staaten statt, um die Achtung der Menschenrechte der Gefangenen als unerlässliches Kriterium im Denken und im Handeln zu verankern.
Auf nationaler Ebene begleitet das Projekt in einem ersten Schritt die für die Problematik der sexuell übertragbaren Krankheiten im Strafvollzug zuständigen Innen- und Gesundheitsministerien von Malawi, Swasiland, Sambia und Simbabwe bei der Anpassung verschiedener Gesetze und Umsetzungsbestimmungen.
Vor Ort werden für das Gefängnispersonal, für die Strafvollzugsverantwortlichen sowie für verschiedene in Gefängnissen tätige zivilgesellschaftliche Organisationen Weiterbildungen angeboten, bei denen es um die Herausforderungen in Bezug auf HIV/Aids, die Rechte der Gefangenen und die medizinische Versorgung geht.
Ein Teil des Budgets schliesslich ist für den Bau oder die Renovation von Gefängniseinrichtungen vorgesehen: Zentren zur Abklärung von HIV/Aids und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten, sanitäre Einrichtungen, separate Räume für Frauen und Kinder, Flächen für die landwirtschaftliche Produktion usw. In einer ersten Phase werden 26 Gefängnisse in Malawi, Swasiland, Sambia und Simbabwe mit rund 70'000 Insassen entsprechend modernisiert.
Frauen besonders betroffen
Für die DEZA und ihre Partner haben die Gesundheit und die Achtung der Rechte der gefangenen Frauen bei allen Massnahmen absolute Priorität. Eine Situationsanalyse zeigt, dass weibliche Gefangene, die in den Ländern des südlichen Afrika weniger als 3% der Menschen im Strafvollzug ausmachen, regelmässig missbraucht werden. Die Frauen sehen sich zur Prostitution gezwungen, um ein Minimum an Komfort und Nahrung zu erhalten, oder werden von Mitgefangenen oder Wärtern vergewaltigt.
Wegen der Überbelegung im Strafvollzug stellen jugendliche Strafgefangene eine weitere besonders schutzbedürftige Minderheit dar. Diesbezüglich setzen sich die DEZA und ihre Partner mit den zuständigen Behörden dafür ein, die Jüngsten in speziellen Haftanstalten unterzubringen.