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Nach dem missglückten Olympia-Turnier steht das Nationalteam mit der WM in Dänemark vor dem zweiten Saisonhöhepunkt. Kurz vor dem Start wirft Trainer Patrick Fischer einen kritischen Blick zurück und sagt, was im heutigen Eishockey die Schlüsselfaktoren sind.
Patrick Fischer blickt noch einmal zurück auf die Olympischen Spiele, an denen die Schweiz in den Achtelfinals am späteren Silber-Medaillengewinner Deutschland gescheitert ist. Er gibt im Interview mit der Nachrichtenagentur SDA Fehler zu und erzählt, was er im Nachhinein anders machen würde.
Der 42-jährige Zuger hofft, für seine dritte WM nach jener in Moskau (2016/11. Rang) und Paris (2017/6.) die richtigen Lehren aus Pyeonchang gezogen zu haben. Die Schweizer starten am Samstag gegen Aufsteiger Österreich in die WM.
Patrick Fischer, das Olympia-Turnier im Februar misslang dem Nationalteam. Was würden Sie im Rückblick anders machen?
Patrick Fischer: Wir haben vor dem Turnier in der Trainingsmethodik Fehler gemacht. Wir liessen die Spieler eher ausruhen, mit dem Ziel, dass sie sich erholen. Leider brachten wir sie bis zum Turnierstart nicht mehr auf Touren. Die Intensität des Meisterschaftsbetriebs weiterziehen wäre im Nachhinein wohl die bessere Variante gewesen.
Ihre Spieler kamen – mit anderen Worten – ausgelaugt ins Nationalteam?
Nein, nicht ausgelaugt. Aber wir hatten viele Spieler, die ein strenges Programm hinter sich hatten mit fünf oder sechs Spielen in acht oder neun Tagen. Es ist in der Schweiz noch nicht lange so, dass die Spieler in einer Saison 70, 80 oder 90 Partien zu bestreiten haben. Das ist keine Ausrede, die Spieler sind grundsätzlich fit.
Aber?
Die Voraussetzung, dass wir erfolgreich spielen können, ist die Schnelligkeit, das Tempo und die Hartnäckigkeit. Das hat uns in Südkorea gefehlt. Wir erreichten in den ersten drei Partien nicht das Level, das wir normalerweise erreichen und das wir auch an der letzten WM erreicht haben.
Sie hätten andere Spieler aufbieten können ...
Nein, das Spielermaterial wäre dasselbe, ich vertraue diesen Spielern. Wenn wir noch mehr ändern könnten, wären wir in der Vorbereitung im Herbst anders vorgegangen. Ich hätte den Schlüsselspielern am Spengler Cup wahrscheinlich freigegeben. Der Spieler ist es sich gewöhnt, dass er über Weihnachten eine Pause erhält. Der Spengler Cup war ein super Event, aber irgendwann fehlte den Spielern dann die Erholung.
Was ziehen Sie aus diesen Erkenntnissen für Schlüsse auf die bevorstehende WM hin?
Eine WM ist eine ganz andere Situation. Wir haben eine viel längere Vorbereitung, in der wir die Spieler im Detail vorbereiten können. Klar gibt es zum Beispiel die Playoff-Finalisten, die nach dem Einrücken weniger Zeit haben bis zum Start. Aber sie sind noch im Wettkampfmodus, das kann auch förderlich sein.
Wie haben Sie das enttäuschende Abschneiden von Pyeongchang persönlich verarbeitet?
Es ist schade. Die besten Spieler der Welt fehlten, das erhöhte unsere Chancen. Davon bin ich noch immer überzeugt. Wir haben uns viel vorgenommen, wir waren immer einen Schritt zu spät, das Momentum kippte nicht auf unsere Seite. Das hat am Anfang extrem geschmerzt. Aber so ist der Sport, man kann ihn nicht planen. Man kann nur daraus lernen, analysieren, den Helm richten und weitermachen.
Das tönt nach einer «Jetzt-Erst-Recht-Stimmung» für die WM.
Klar wollen wir es in Dänemark besser machen. Das spürte man auch in der Vorbereitung. Die Spieler sagen nicht ab, sie kommen und wollen die Schweiz wieder gut vertreten. Wir haben es an Olympia nicht geschafft, das motiviert nicht nur mich. Wir wollen die Scharte gemeinsam auswetzen.
Die Kritik fiel nicht zum ersten Mal hart aus nach Olympia. Wie gehen Sie damit um?
In der Schweiz geht es sehr schnell in die eine, aber auch sehr schnell wieder in die andere Richtung. Das kenne ich schon aus der Zeit als Spieler. Dass die Kritik nach Olympia kam, war logisch und auch richtig. Die Erwartungen waren gross. Dazu trugen wir auch selbst bei, nicht zuletzt mit der guten WM vor einem Jahr. Wir wollen ja auch mehr erreichen. Ich predige ständig, dass wir lernen müssen, grösser zu denken und auf dem Feld nicht nur versuchen, die Spiele nicht zu verlieren.
Spüren Sie deshalb einen besonderen Druck vor der WM?
Es ist völlig klar, dass wir nach diesen Olympischen Spielen in der Bringschuld sind. Die Ausgangslage vor der letzten WM war genau gleich, nachdem wir ein Jahr zuvor unsere Ziele nicht erreicht hatten.
Das Auf und Ab prägt bisher Ihre Ära als Nationaltrainer. Wie bringen Sie Konstanz hin?
Wir sind in einem Prozess drin. Die Spieler und wir Trainer wissen, was wir verbessern müssen. Wir sprechen seit Jahren vom selben, nämlich dass wir zu wenig effizient sind im Toreschiessen und dass wir im Powerplay schwach sind. Dies lässt sich nicht von einer zur anderen WM verbessern, das braucht Zeit. Es ist eine neue Generation Spieler, die wir versuchen heranzuführen. Letztlich geht es darum, dass wir unser Eishockey weiterbringen und dass wir gegen jeden Gegner auch unsere offensiven Waffen einsetzen können. An der letzten WM ist uns das gelungen, an Olympia nicht.
Wie gross sind die Fortschritte in diesem Prozess?
Vor zehn Jahren waren wir offensiv nirgends. Ich war einst ein offensiver Spieler, gegen die besten Nationen hatten wir aber gar nie die Scheibe. Einen ersten, auslösenden Pass gab es nicht, wir spielten einfach den Puck aus dem eigenen Drittel. Unsere jungen Spieler sind ganz eindeutig besser ausgebildet. Sie haben schon mit 16, 17 Jahren viel mehr drauf, schiessen um einiges besser als meine Generation.
Sie sprechen es an, das Eishockey entwickelt sich weiter. In welche Richtung tendiert die Sportart denn?
Es gibt sogenannte «Generation-Players», wie zum Beispiel Connor McDavid (NHL-Topskorer dieser Saison – Red.). Er ist nicht übermässig gross, dafür schnell und trickreich. Das ist das Eishockey von heute. Die Leute lamentieren, dass die Sportart in der Schweiz weicher geworden ist. Sie ist aber auch in der NHL weicher geworden, es gibt auch dort weniger Checks – und alles ist viel schneller. Es gibt mittlerweile auch in der NHL kleine Verteidiger, die sich mit Skills alleine durchsetzen können. Die grösste Variable im Eishockey ist der Scheibenbesitz. Man benötigt Spieler, die die Scheibe halten können, einen guten Pass spielen können, etwas mit der Scheibe anzufangen wissen. In diese Richtung entwickelt sich das Eishockey, weg von der Härte, mehr in Richtung Tempo und Technik. Und das ist das Spiel, das wir auch mit dem Nationalteam spielen wollen.
Ist die Schweiz denn eine Eishockey-Nation?
In der Schweiz hat der Sport generell nicht ganz dieselbe Bedeutung wie in anderen Ländern. Wir sind ein Uhrenland und ein Schokoladenland, aber nicht bekannt dafür, dass wir eine Sportnation sind. Wir gelten auch nicht als Fussballland. Für unser kleines Land erzielen wir aber in vielen Sportarten gute Resultate, auch im Eishockey. Die Kanadier oder Amerikaner haben einen grossen Respekt vor unserer Ausbildung. Auch sie wissen, dass wir verhältnismässig schmal besetzt sind in der Anzahl Spieler und Eisbahnen. Trotzdem können wir hin und wieder einem «Grossen» ein Bein stellen. Es wurde in den letzten 15, 20 Jahren hervorragend gearbeitet. Dank dieser Arbeit sind wir in der Weltrangliste unmittelbar hinter den Topnationen klassiert. Jetzt geht es um den nächsten Schritt. Je höher rauf du willst, umso schwieriger wird es. Der Weg wird zur Spitze immer steiler. (pre/sda)