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Tech-Umzug (1970)
Meine Verhältnis zu Fremdsprachen war immer gespalten. Meine Eltern schickten mich ins altsprachliche Humanistische Gymnasium (HG) auf dem Münsterberg, was sich als folgenschwerer Fehler erweisen und mich Jahre meiner Jugend kosten sollte. Sie meinten, mit einer humanistischen Ausbildung kann der Maxli jeden Beruf ergreifen und studieren. Sei es den eines Pfarrers, Mediziners oder Juristen.
Das Pech meiner Eltern und vorallem von mir war einzig, dass ich schrecklich Mühe hatte, mir fremdländische Worter einzuprägen. Ueber die Grammatik ganz zu schweigen. Vier Jahr dauerte meine Gymnasiums-Karriere im HG. Eine ewige Zeit, bis es mich endgültig "spickte". In dieser Zeit standen Lateinisch, Französisch und schlussendlich auch Griechisch auf dem Stundenplan. Es war Horror für mich, denn diese Sprachen waren Hauptfächer und standen jeden Tag auf dem Sundenplan. Ich kämpfte täglich ums Ueberleben mit Noten zwischen "ungenügend" und "genügend". Am Ende des 4. Gymnasial-Jahres habe ich die Waffen gestreckt. Ich wollte nicht mehr. Es war mein erster Aufstand gegen meine Eltern, die alle Mittel wie Nachhilfe einsetzten, um mich weiterzubringen.
Nach meinem Abgang gab es keinen Plan B. Ich weigerte mich, eine Klasse zu wiederholen. Ich selber war damals noch absolut unselbständig und hatte keine Ahnung, welche Berufe es gibt, die mir auch gefallen hätten. So steckte man mich eben im April 1958 in die Kantonale Handelsschule. Ein Kaufmann war immer zu gebrauchen. Um jedoch in die Handelsschule eintreten zu können, musste ich Englisch und Französisch nachweisen. Dies bedeutete Englisch büffeln, denn diese Sprache stand nicht auf dem Programm des HG.. Wiederum Nachhilfe-Unterricht mit Peter Schai.
Dies hat mir den absoluten Rest gegeben. Jahrelang bestand mein Leben nur aus Schule, Büffeln und Nachhilfe. Dies nicht nur in der Freizeit sondern auch während der Ferien, während meine Freunde sich im Gartenbad vergnügten. Ich habe alles ningeschmissen und habe die Handelsschule nach einem Semester Im Juli 1958 verlassen. Ich wollte nicht mehr in die Schule und begann im 1959 eine Laboranten-Lehre.
Ich lernte selbständig zu werden. Lange Zeit waren Fremdsprachen kein Thema mehr. Während meiner Laborantenlehrere besuchte ich freiwillig einen Englisch Kurs in der Migros-Klubschule im Gundeli. Ich freundete mich langsam wieder an die Fremdsprachen an, denn hier wurde ganz anders gelehrt als in den dominanten öffentlichen Schulen. Mr. Murray war ein typischer rothaariger Engländer mit unendlich viel Geduld.
Als ich im 1962 mit zwei Freunden zu einer Italien-Reise nach Rom und Neapel aufbrach, verfolgte ich als Vorbereitung den Sprachfernkurs "Benvenuti Italia" im Deutschen Südwestfunk-Radio. Das Erlernte konnte ich bestens in Italien anwenden. Ich war stolz auf die wenigen italienischen Worte, mit denen ich mich verständigen konnte.
Als mein Vater im August 1964 in England anlässlich eines Auto-Unfalls verstarb, erlebte ich am eigenen Leibe, wie wichtig Fremdsprachen-Kenntnisse sind. Ich musste nämlich nach England, um all das, was mit dem Unfall zusammenhing, zu regeln. Während 10 Tagen sprach ich nur englisch, resp. versuchte ich mich zu verständigen. Ich lernte dabei viel Neues. Ich hatte aber das Glück, dass meine Schwester Christina, die hier in einem England-Jahr war, mir bei heiklen Fragen z.B. vor dem Gericht, helfen konnte.
Den nächsten grossen Schritt machte ich am Tech Winterthur bei Penelope "Penny" Scott. Eine liebe Person. Bei ihr lernte ich recht viel. Beim amerikanischen Computer-Hersteller Sperry Univac, bei dem ich nach dem Technikum arbeitete, musste ich erstmals auch beruflich meine immer noch geringen Englisch-Kennnisse einsetzen. Vorallem während meiner Auslandaufenthalte- und Kongresse mit Kollegen aus der ganzen Welt war ich gefordert.
Erst nach und nach bei Sandoz und Norvartis als ich höhere Aufgaben auch international wahrnehmen musste, musste ich oft Englisch sprechen. Am Anfang noch etwas holprig, aber es besserte sich von Tag zu Tag. Als Finanz-Controller für alle weltweiten IT-Kosten war Englisch Voraussetzung. Ich lernte Englisch "on the job"
Ich konnte mich recht gut verständigen, denn ich hatte eine grosse Stärke: Ich hatte keine Angst und und schämte mich auch nicht Fehler zu machen. Ich wusste, meine Gegenüber sprachen keine andere Sprache und waren froh, dass ich sie verstand und mich mit ihnen verständigen konnte. Mein Defizit blieb: Ich konnte keine sauberen Statements und Berichte in Englisch schreiben. Sie waren zwar verständlich, aber auf tiefem Niveau. Ich brauchte dazu Hilfe. Ich war froh, dass ich nach 2 Jahren diesen stressigen Job aufgeben konnte.
Seit Thailand 2008 spreche ich nun auch fliessend Englisch, ohne die Sätze vorher zu konstruieren. Es geht nun automatisch. Mein Wortschatz wurde mittlerweilen grösser. Meine englisch sprechenden Freunde lachten nur noch ganz selten über meine Satz- und Wort-Konstruktionen. Sie meinten, ich sei sehr gut verständlich und sind froh darob.
Wir gut erinnere ich mich an meine ersten Jahre mit Paul Hammond, einem Australier und John Graham einem Kanadier. Sie meinten wohlwollend zu mir: "Wir können nicht für Dich unsere Englische Sprache anpassen!"
So musste ich lernen, dass ich nach dem Radfahren nicht „under the douche“ (unter die Dusche) gehen kann, sondern „under the shower„. Denn das englische Wort „douche“ ist der Intim-Dusche für Damen vorbehalten!!!
Als wir ein neues Renndress für unseren Radrennclub der „Hua-Hin Roadies“ bestellten, gab ich als meinen Bedarf an „I need 2 bike dresses„. Mit schmunzeln musste ich erfahren, dass ein Engländer mit einem „dress“ ein Damenkleid bezeichnet. Ich wollte aber kein Damenkleid, so bestellte ich eben „1 shorts and 1 shirt“, oder „1 bike kit“.
„Please make a photo“ sagte ich nur einmal, als ich fotografiert werden wollte. Denn dazu sagte Paul Graham aus Kanada: daran erkennt man die Europäer. Es muss heissen „take a photo“ „take a shower“ aber „make a baby„
Als ich von Bangkok zurückkam und erzählte, dass mein „money bag“ gestohlen wurde, musste ich hören, dass der Engländer dem Geldbeutel „wallet“ sagt, und weniger „money bag“.
Wusstet ihr, dass das Wort „Showmaster“ im englischen Sprachraum unbekannt ist. Es handelt sich um ein in Europa erfundenes Fremdwort.

Autobiographie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen
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