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Die Bündner Regierung unterstützt eine weitere Projektstudie zu einer neuen Bahnverbindung zwischen dem Engadin – Münstertal – und dem Südtirol. Mit der Studie soll insbesondere der volkswirtschaftliche Nutzen und die Linienführung der Bahnverbindung abgeklärt werden.
Der Kanton Graubünden beteiligt sich im Rahmen des Interreg-IV-Programmes mit einem Beitrag von 75 Prozent an den Kosten der ersten Bearbeitungsphase. An die Projektträgerschaft wird eine Zahlung von 180’000 Franken ausgerichtet.
Das Projekt für eine Bahnverbindung zwischen dem Engadin und dem Vinschgau bezweckt, eine Lücke im europäischen Eisenbahnnetz zu schliessen. Die Bahnlinie soll zwei bedeutende Wirtschafts- und Kulturräume – das schweizerische Mittelland mit Venedig/Oberitalien sowie Graubünden mit dem Südtirol – verbinden und das bündnerische in das europäische Eisenbahnnetz integrieren.
Die Machbarkeit des Vorhabens wurde bereits 2006 untersucht. 2009 reichten das Verkehrsdepartement der Autonomen Provinz Bozen/Südtirol und der Regionalverband Engiadina Bassa-Val Müstair ein Folgeprojekt ein.
Als erster brachte 1895 der Zürcher Bahnpionier und Verwaltungsratspräsident der damaligen Nordostbahn (NOB), Adolf Guyer-Zeller, die Idee einer Ofenbergbahn ins Spiel. Diese als Normalspur geplante Engadin-Orientbahn sollte Chur via Thusis und das Engadin über den Ofenpass mit Triest verbinden und war vor der schmalspurigen Rhätischen Bahn geplant, welche von Landquart über Chur bis Thusis erst 1896 und von Thusis ins Engadin 1903 erstellt wurde.
Im Jahr 1906 reichte die Bozen-Meraner-Bahn zusammen mit den Stadtgemeinden Bozen und Meran ein zweites Konzessionsgesuch für die gut 52 km lange Bahnstrecke von Mals nach Zernez ein, wo sie auf die damals noch in der Planung befindliche Engadiner Strecke der Rhätischen Bahn gestossen wäre.
Bei der Ofenbergbahn handelte es sich anders als beim ersten Projekt um eine Schmalspurbahn, welche mit elektrischer Energie hätte betrieben werden sollen. Die Konzession hierfür wurde im Jahr 1909 erst nach langem Zögern von der Schweizerischen Eidgenossenschaft erteilt. Das damalige Eisenbahndepartement räumte zunächst der Linie Innabwärts bis nach Pfunds mit Anschluss an die geplante Reschenbahn von Mals nach Landeck eine höhere Priorität ein.
Noch im Jahre 1911 diskutierte man auf Südtiroler Seite engagiert darüber, ob die Bahn in Mals oder Schluderns in die Vinschgaubahn hätte münden und ob man die Ofenbergbahn bis zur Schweizer Grenze als Bahn in Normalspur hätte führen sollen.
Die Aussichten für den wirtschaftlichen Erfolg der Bahn waren nicht schlecht, denn zu dieser Zeit galt im Kanton Graubünden noch ein Fahrverbot für Personenkraftwagen. Dieses wurde erst 1925 in einer Volksabstimmung aufgehoben.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und die Annektierung Südtirols durch Italien machten die Pläne für die Ofenbergbahn aber zunichte. Im Gegensatz zu anderen Anschlussprojekten der Engadiner Bahnlinie wie einer Verlängerung von Scuol bis ins tirolerische Landeck oder einer Malojabahn von St. Moritz ins norditalienische Chiavenna erreichte nur das Bahnprojekt der Ofenbergbahn das Stadium der detaillierten Planung.