Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03096.jsonl.gz/209

Er weiss nicht genau, wie viele Geschwister er hat – er schätzt, es sind über 50. Denn Jackson Ole Sapit wurde in eine polygam lebende Massai-Familie hineingeboren. Sein Vater hatte elf Frauen, Jacksons Mutter war die Nummer sieben. Jackson ist noch sehr jung, gerade einmal 4 Jahre alt, als sein Vater stirbt. Die älteren Halbbrüder verstossen ihn daraufhin zusammen mit seiner Mutter und den Geschwistern – sie wollen das Land für sich behalten. Von nun an sind Jacksons Mutter und ihre Kinder auf sich selbst angewiesen.
Zur Schule geht Jackson nur, weil in Kenia die Schulpflicht herrscht. Denn eigentlich glaubt die Massai-Dorfgemeinschaft nicht an den Wert einer Schulbildung: die Buben sollten Kühe hüten, die Mädchen zuhause aushelfen.
Unterstützung in Zeiten der Dürre
Jackson ist ein guter Schüler und ein Jahr nach seiner Einschulung bekommt er von World Vision Pateneltern vermittelt. Als sein Dorf von einer Dürre heimgesucht wird, erhält seine Familie Unterstützung von World Vision: «1976 hatten wir eine extreme Dürre», erinnert er sich. «Die Leute bekamen Nahrungsmittel: Mais, Bohnen und dazu noch Speiseöl. Das hat uns geholfen, die Dürre zu überleben – alle haben davon profitiert.» Um nachhaltig zu helfen, unterstützte World Vision die Familie ausserdem beim Anlegen eines eigenen Gemüsegartens.
Über Umwege zum Ziel
Trotz seiner eigentlich ganz guten Schulleistungen hat Ole Angst davor, den Anforderungen nicht gerecht werden zu können. Er kehrt in sein Heimatdorf und zu einer traditionellen Lebensweise zurück: Er handelt mit Kühen. Dann kommt der entscheidende Wendepunkt. Er lernt eine Engländerin kennen, die eine mobile Klinik der Anglikanischen Kirche leitet. Für sie arbeitet Jackson als Massai-Übersetzer. Er hilft anderen jungen Massai-Männern dabei, Lesen und Schreiben zu lernen – und merkt: es ist seine Leidenschaft, anderen Menschen auf ihrem Weg zu helfen.
Von der Klinikleiterin und dem lokalen Pastor dazu ermutigt, macht sich Jackson an die Ausbildung zum Priester. Er schliesst seine Ausbildung ab und arbeitet ausserdem für das Hilfswerk Tearfund. Hier lernt er viel über Entwicklungsarbeit und Projektmanagement. Seine Arbeit führt ihn nach England, wo er an der Universität Reading einen Master in «Social Development» abschliesst.
Nach seinem Studium in England wird er zum Bischof befördert. 2016 folgt die Wahl zum Erzbischof der Anglikanischen Kirche Kenias. Wieder glaubt er, dass er es nicht schaffen wird, die Last ist zu gross. Doch als unzählige Bischofe ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen, nimmt er die Position an. Heute lebt Jackson Ole Sapit in der gleichen Nachbarschaft wie der kenianische Präsident. Er reist viel und setzt sich zum Beispiel für die Versöhnung der Kriegsparteien im Südsudan ein.
Hilfe zur Selbsthilfe
Seine Zeit als Patenkind habe ihm geholfen, eine Vision für sein Land zu entwickeln, sagt der Bischof heute: «Eine Stärke von World Vision ist das Befähigen von Dorfgemeinschaften. Wir müssen den Menschen helfen zu verstehen, dass sie in Beziehung zu ihrer Umgebung und zu Gott leben. So können sie sich ihre eigene Zukunft vorstellen und World Vision kann ihnen das Werkzeug dazu geben.»
Unterstützen auch Sie mit einer Patenschaft den nächsten Jackson. Gemeinsam mit Ihnen schaffen wir Schritt für Schritt eine Welt für Kinder.