Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03369.jsonl.gz/1413

28 Jun Der Staubfänger
Es gab eine Zeit, da waren junge Männer, die sich für Instrumente, Computer oder Bücher interessierten, langweilige Freaks, die vom weiblichen Geschlecht ignoriert und von den männlichen Mitschülern belächelt wurden. Die Nerds der Neuzeit sind die heimlichen Gewinner der New Economy und die Firmenchefs erfolgreicher, weltumspannender Konzerne. Bill Gates, Mark Zuckerberg oder wie in diesem Fall James Dyson, der Daniel Düsentrieb des Industriedesigns – nie waren Streber angesagter als im angehenden 21. Jahrhundert.
Fotos von Ragner Schmuck, Texte von Pia Walter
James Dyson, geboren 1947, wuchs als das jüngste dreier Kinder einer Akademiker-Familie in Norfolk, England auf. Er tendierte schon als junger Mann dazu, sich stets von seinen Mitmenschen zu unterscheiden. James spielte als einziger seiner Schule das Fagott und interessierte sich mehr für Langlauf als für Fußball. Dyson, dessen Eltern wollten, dass er etwas „Ordentliches“ studiert, konnte sie jedoch davon überzeugen, an einer Kunsthochschule besser aufgehoben zu sein, als an der ehrwürdigen Cambridge University. Zunächst studierte er Innenarchitektur und Möbeldesign am Royal College of Art in London, da diese Studiengänge es ihm ermöglichten, unmittelbar mit diversen Materialien und Rohstoffen zu experimentieren. Seine Faszination für Edelstahl und Plastik trieb ihn schließlich dazu,auf Industriedesign und Ingenieurswissenschaften umzusteigen. Eine lebenslange Leidenschaft für funktionelles Designwar geboren. James verliebte sich jedochnicht nur in die Idee, ineffizienten Haushaltsgeräten ein besseres Gerät gegenüberzustellen, sondern verlor sein Herz auch an Deirdre, eine Kommilitonin und Künstlerin,die er 1968 heiratete. Die gleichberechtigte Ehe der beiden, beinhaltete auch dasTeilen der gemeinsamen Hausarbeit. James,der sich bei der Benutzung des Staubsaugers permanent über den Saugkraftverlustdes Gerätes ärgerte, entschied an einer verbesserten, beutellosen Version dieses nützlichen Helfers zu arbeiten. Seine Idee, dieseit 1901 praktisch unveränderte Staubsaugertechnologie zu revolutionieren, führte dazu, dass der besessene Erfinder annähernd 5.000 Prototypen im Schweinestall hinter seinem Haus zusammenschraubte, bis er zu einem befriedigenden Ergebniskam. Trotz der offensichtlichen Verbesserungen im Vergleich zu herkömmlichen Geräten, lehnten Dutzende von Unternehmen seine Idee ab. Nicht zuletzt, um ihr 500 Millionen Dollar schweres Staubsaugerbeutelgeschäftzu schützen. Doch James gab nicht auf.
Mit dem Geld, das er für die Erfindung einer neuartigen Schubkarre und einer Hochgeschwindigkeits-Barkasse bisher verdient und gespart hatte, machte er sich selbstständig. Nach 15 Jahren hartnäckiger Arbeit gelang es ihm schließlich, sein erstes Model, den Dyson DC01, unter seinem eigenen Namen auf den Markt zu bringen. Innerhalb von 18 Monaten wurde dieses Modell zum meistverkauften Staubsauger im Vereinigten Königreich. Eine späte Genugtuung für jemanden, der über sich selbst sagt, dass er nur durch Widerstände und Frustrationen lerne. Ausschlaggebend für seinen Erfolg waren jedoch nicht nur seine ausgefeilten, technologischen Neuerungen,sondern auch seine Sturheit und seine Weigerung nicht Funktionierendes einfach zu akzeptieren.
Dysons Perfektionismus führt nicht nur dazu, dass sein Unternehmen mittlerweile Dependancen in 44 Ländern hat und er selbst mehrfacher Millionär ist, sondern ist auch Motor für die Suche nach ständig neuen Herausforderungen. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum im britischen Malmesbury, seinem Firmensitz,arbeiten Ingenieure und Wissenschaftler stetig daran, neue Produkte und Technologien zu entwickeln. Dyson selbst besitzt für über 150 verschiedene Erfindungen fast 1.100 Patente und Patentanmeldungen.Seine neuesten Erfindungen sind beispielsweise der Dyson Airblade, ein Händetrockner, der nasse Hände hygienisch, ohne den Einsatz von Hitze trocknet, und der Air Multiplier, ein Ventilator, ganz ohne Rotorflügel. Und da Dyson nie viel Wind um seine eigene Person macht, überrascht auch die Antwort auf die Frage nicht, was ihn immer wieder antreibe – Menschen das Leben erleichtern. Nicht mehr, und nicht weniger.