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Jedes Jahr werden Millionen von männlichen Küken in der Legehenne-Industrie getötet, weil sie für die Eier-Produktion nichts nützen. Seit letztem Jahr ist das Schreddern der Eintages-Küken in der Schweiz verboten. Verbreitet ist heute das Vergasen der Tiere. Ein neues Verfahren der Geschlechterbestimmung im Ei macht es möglich, dass männliche Embryonen erkannt und eliminiert werden.
Als erster Schweizer Detailhändler hat Migros nun angekündigt, dass sie «Respeggt»-Eier anbietet. Das sind Freilandeier, bei denen die männlichen Embryonen mittels einer Punktion des Eis mit einer Nadel frühestens am neunten Brütetag identifiziert werden.
Für den Schweizer Tierschutz ist der Zeitpunkt der Geschlechterbestimmung aber zu spät: «Man geht davon aus, dass die Embryonen zu diesem Zeitpunkt bereits Schmerz empfinden», erklärt Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz.
Vielversprechende Forschung in Deutschland
Eben wurde in Deutschland von der Bundesregierung ein Gesetz entworfen, welches das Abtöten des Embryos im Ei nach dem sechsten Brütetag verbieten soll. Das Töten der männlichen Küken soll bereits ab nächstem Jahr gänzlich verboten werden.
In Deutschland ist es aber offenbar gelungen, mittels einer anderen Methode, das Geschlecht des Embryos viel früher zu bestimmen – durch das sogenannte spektroskopische Verfahren. Hier werden die Eier etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein spezieller Lichtstrahl durch ein Loch in der Schale in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt.
Sowohl die Früherkennung des Geschlechts im Ei, als auch die Bruderhahn-Aufzucht sind gute Wege, um das Problem langfristig zu lösen.
Alternativen in der Bio-Produktion
Alle, die in der Schweiz Bio-Eier konsumieren, sind sich vielleicht zu wenig im Klaren, dass in der Produktion nach wie vor männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet werden.
Eine Ausnahme bei den Labels sind Demeter-Eier oder Eier der Marke Henne&Hahn. Diese Labels produzieren nach dem Konzept der Bruderhahn-Aufzucht: Hier werden die Brüder der Legehennen aufgezogen und gemästet, das Fleisch wird weiterverarbeitet. Die Tiere setzen weniger Fleisch an und benötigen mehr Zeit als Masthähnchen. Durch den recht hohen Preis für ein Ei (mehr als ein Franken) wird die Aufzucht des Hähnchens quersubventioniert.
Eine Möglichkeit für Konsumentinnen und Konsumenten sind Zweinutzungs-Hühner. Unter Zweinutzungshühnern versteht man eine Hühnerrasse, die sowohl zur Ei- als auch zur Fleischerzeugung genutzt werden kann. Hennen dieser Rasse legen weniger und teilweise kleinere Eier als konventionelle Legehennen. Die Hähne werden gemästet, wachsen aber langsamer und weisen einen kleineren Brustmuskel auf als konventionelle Masthühner.
Biosuisse, der Dachverband der Schweizer Bio-Knospe-Produzenten, verfolgt alle Alternativen zum Küken-Töten. Wie David Herrmann von Biosuisse gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» sagt, seien sowohl die Früherkennung des Geschlechts im Ei, als auch die Bruderhahn-Aufzucht gute Wege, um das Problem langfristig zu lösen.