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Das Lymphsystem erfüllt viele wichtige Funktionen in unserem Körper. Zum einen ist es Transportsystem, zum anderen für Abwehrmechanismen verantwortlich. Lymphflüssigkeit, Lymphbahnen, Lymphknoten und lymphatische Organe tragen alle ihren unverzichtbaren Teil dazu bei. Was aber, wenn das grosse Ganze plötzlich durcheinander gerät? Wir klären auf!
Folgende drei Aufgaben sind dem Lymphsystem zugeteilt und werden ununterbrochen von genau diesem erfüllt:
- Das lymphatische System ist Teil des Immunsystems und dient der Abwehr und Entsorgung von Erregern und Fremdstoffen. Es wirkt bei Erkennung und Entfernung von Viren und Bakterien mit und spürt veränderte Zellen wie Krebszellen und deren Vorläufer innerhalb des lymphatischen Systems auf und vernichtet sie.
- Das Lymphsystem reguliert den Wasserhaushalt im Gewebe und sorgt für den Abtransport von überschüssiger Flüssigkeit (Lymphe). Ist diese Funktion gestört, kommt es zum Lymphödem (Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe).
- In der Lymphflüssigkeit werden Nahrungsfette vom Darm zu den Körperzellen transportiert. Konsumierte Nahrungsfette werden im Darm aufgenommen. Der Grossteil der Fette wird dabei über die Lymphe abtransportiert und nicht über das Blut, wie andere Nährstoffe. Fette sind nicht wasserlöslich. Im Blut würden dadurch wichtige Funktionen und die Fliessfähigkeit leiden. Die Lymphe hingegen wird durch aufgenommene Fette lediglich milchig und trüb.
Das Lymphsystem in der Kurzfassung
Neben dem Blutkreislauf stellt das Lymphsystem das zweite grosse Kreislaufsystem des menschlichen Körpers dar. Beim Blutkreislauf verzweigen sich die Blutgefässe immer mehr und verästeln sich am Schluss zu Kapillaren. Hier werden Blutplasma und Nährstoffe abgegeben, die so zu allen Körperzellen gelangen. An den Wänden der feinen Gefässe wird also kräftig filtriert und resorbiert – rund 20 Liter täglich. Davon werden 18 Liter wieder in die Blutgefässe aufgenommen und in den Venen zurück transportiert. Die restlichen 2 Liter bleiben als Lymphflüssigkeit (Lymphe) in den Zwischenräumen rund um die Körperzellen. Und genau hier beginnt das Lymphsystem. Seinen Anfang machen fein endende Lymphgefässe, die sogenannten Lymphkapillaren. Sie beginnen blind irgendwo im Körper, nehmen Lymphflüssigkeit auf und vereinigen sich zu immer grösseren Lymphgefässen. Diese verlaufen meistens parallel zu den grossen Venen des Blutkreislaufs. Am Schluss bilden die Lymphgefässe den Brustlymphgang. Dieser ist das grösste lymphatische Gefäss und bringt die Lymphflüssigkeit über die Schlüsselbeinvene wieder zurück in das venöse System. Das Lymphsystem umfasst Organe wie die Thymusdrüse, das Knochenmark, die Milz, die Mandeln, den Blinddarm und die Peyer-Plaques im Dünndarm. Neben den Lymphgefässen und dem Brustlymphgang besteht das Lymphsystem auch aus ganz vielen Lymphknoten. Diese ganzen Bestandteile des Lymphsystems sind entweder über den Blutkreislauf oder die Lymphgefässe miteinander verbunden.
Gewusst? So hilfreich das Lymphsystem ist, es kann auch bei der Metastasierung von Tumorzellen beteiligt sein. Dies geschieht, wenn Tumorzellen in die Lymphbahnen geraten, dort nicht unschädlich gemacht werden können, weitertransportiert werden und an einem anderen Ort Tochtergeschwülste bilden.
Die Lymphe
Wie bereits erwähnt, fängt die Lymphe als Flüssigkeit an, die durch die sehr dünnen Kapillarwände in den Zellzwischenraum eingetreten ist. Sie enthält Substanzen, wie zum Beispiel Eiweisse, Minerale und Nährstoffe, transportiert aber auch abgestorbene Zellen, Fremdkörper, Bakterien, Viren, Fette sowie Stoffwechselendprodukte und zwar zur Entsorgung zu den lymphatischen Organen. Endgültig ausgeschieden werden diese Abfallprodukte dann über die Entgiftungsorgane Leber und Nieren. Die Lymphe ist reich an weissen Blutkörperchen, die sogenannten Lymphozyten, welche stark an der Immunabwehr beteiligt sind.
Was hat es mit den Lymphknoten auf sich?
Bevor sich die Lymphe im venösen System wieder mit dem Blut vereint, passiert sie zahlreiche Lymphknoten. Lymphknoten sind winzige bohnenförmige Organe, die als Sammelzentren der Lymphe dienen. Dort können dann Substanzen wie geschädigte Zellen, infektiöse Organismen oder Fremdstoffe mit Hilfe der weissen Blutkörperchen herausgefiltert und zerstört werden. Lymphknoten verteilen sich über den gesamten Körper. Sie treten meist in Gruppen auf. Zum Teil sind sie in geschwollenem Zustand tastbar (z. B. am Hals, in der Achselhöhle oder in der Kniekehle) oder befinden sich tief im Körper, beispielsweise im Bauch. Zu geschwollenen Lymphknoten kommt es, wenn sich der Körper gegen einen Erreger wehrt. Das Immunsystem läuft dann auf Hochtouren. Angeschwollene Lymphknoten sind also ein Zeichen dafür, dass das Lymphsystem funktioniert, auch wenn dies zum Teil mit Schmerzen verbunden ist.
Lymphom – was zu viele Lymphozyten bewirken
Lymphknoten können auch dann anschwellen, wenn die Produktion von Lymphozyten aus dem Ruder läuft. Zur Erinnerung: Lymphozyten kommen zahlreich in der Lymphflüssigkeit vor. Man spricht dann von einer krankhaft bedingten genetischen Fehlsteuerung. Bei dieser werden entweder mehr Immunzellen produziert, als eigentlich nötig oder sie werden nicht ausreichend abgebaut. Auf diese Art entstehen sogenannte Lymphome, also bösartige Lymphknotenvergrösserungen, die im schlechtesten Fall zu einem lebensbedrohlichen Tumor heranwachsen können.
Wenn das Lymphsystem nicht richtig funktioniert
Werden Lymphknoten beispielsweise aufgrund einer Krebserkrankung entfernt, kann es sein, dass die Lymphe nicht mehr so abfliesst, wie sie soll. Der häufigste Grund: mit der Entfernung der Lymphknoten werden oft auch Lymphbahnen durchtrennt. Die Lymphe verbleibt dann im Gewebe und es entstehen sogenannte Lymphödeme, also Flüssigkeitsablagerungen, meist in den Beinen. Es gibt aber auch angeborene Störungen, die verhindern, dass die Lymphflüssigkeit richtig abfliesst. Dazu gehört eine sogenannte Fettverteilungsstörung. Diese hat ihren Ursprung vermutlich wegen einem zu trägen Lymphfluss oder weil es zu wenige Lymphgefässe im Körper gibt. Kennen tut man die Fettverteilungsstörung unter dem umgangssprachlichen Namen «Reiterhosen», wobei sich ab der Pubertät an Oberschenkel und Hüfte übermässig viel Fett ablagert. In diesem gut durchbluteten Fettgewebe fällt dann viel Lymphflüssigkeit an, deren Abtransport die Lymphgefässe auf Dauer überfordert. Entsprechend lässt die Funktionsfähigkeit der Lymphgefässe mit der Zeit nach und es entstehen Ablagerungen, sogenannte Lipödeme (Fettablagerungen).
Therapie bei Störungen des Lymphsystems
Ob das Lymphsystem krankhaft gestört ist, kann der Hausarzt oder die Hausärztin feststellen. Auch gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die verordnet werden können, beispielsweise die physiotherapeutische Lymphdrainage oder chirurgische Eingriffe. Daneben spielen Ernährung und Bewegung eine wichtige Rolle. Erstere sollte eher fettarm sein, letztere regelmässig.
Haben Sie das Gefühl, Ihre Lymphknoten sind vermehrt geschwollen und schmerzen? Oder leiden Sie an einer Fettverteilungsstörung? Unsere Ärzte und Ärztinnen setzen alles daran, der Ursache auf den Grund zu gehen. Vereinbaren Sie ganz einfach einen Termin.