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| Hieronymus († 420) - Briefe

I. Briefe familiären Charakters
38. An Marcella
[Vorwort]
Der Brief wendet sich an Marcella, die Stütze des aszetischen Frauenkreises in Rom, und handelt von Blesilla, der ältesten Tochter Paulas. Sie war ein richtiges Weltkind und wandelte keineswegs in den Fußstapfen ihrer Mutter und ihrer Schwester Eustochium. Sie war mit dem sonst unbekannten Bruder Furios 1 verheiratet, wurde aber bereits sieben Monate nach der Trauung Witwe. Trotzdem blieb sie bei ihrer oberflächlichen Lebensauffassung und Lebenshaltung. Da überkam sie ein schweres Fieber, und einen ganzen Monat schwebte sie zwischen Tod und Leben. In diesen Tagen der Krankheit trat ein völliger Umschwung bei ihr ein, und die junge Witwe beschloß, von nun an ihr Leben ausschließlich Gott zu weihen. Gewiß haben Marcella und [S. 41] Hieronymus ihren Anteil an dieser Bekehrung. Ganz besonders widmete sich Blesilla dem Studium der Hl. Schrift. Um sie in der Weltverachtung zu stärken, behandelte ihr Lehrmeister mit ihr den Prediger. 2 Es sieht fast aus, als ob Hieronymus bereits damals entschlossen war, Rom zu verlassen. Denn Blesilla ersuchte ihn um eine schriftliche Erklärung, damit sie auch in seiner Abwesenheit das Buch verstehen könne. Aber der Eifer der gelehrigen Schülerin ging noch weiter, erbat sie sich doch eine Übersetzung der 25 Bücher zu Matthäus, der 5 zu Lukas und der 22 zu Johannes, wie sie Origenes herausgegeben hatte. 3
Im vorliegenden Briefe verleiht Hieronymus seiner Freude Ausdruck über den neuen Zuwachs in der geistlichen Familie. Aber er wehrt sich auch gegen seine Gegner, die zum Teil in Blesillas Verwandtschaft zu suchen sind. Ihnen war jede Stärkung der strengen Richtung ein Dorn im Auge, bedeutete sie doch eine Schwächung ihrer eigenen Position.
Der Brief ist im Jahre 384 verfaßt.
1: Vgl. S. 148.
2: Comm. in Eccl. praef. (M PL XXIII 1061).
3: Prol. in Orig. hom. in Lucam (M PL XXVI 229).