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Der warme Juni habe die schützende Schneedecke schnell schmelzen lassen, erklärt Giovanni Kappenberger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Wenn das darunter liegende Eis des Basòdinogletscher so früh im Sommer zum Vorschein kommt, ist die Schmelzperiode umso länger. "Das war ein schwieriger Sommer für den Gletscher."
Seit 25 Jahren führt der Glaziologe ehrenamtlich Messungen an dem Gletscher durch. Immer im Herbst, vor dem neuen Einschneien, bohrt der seit einigen Jahren pensionierte Kappenberger an zehn Stellen mit einer Eisschraube Löcher von drei Metern Tiefe ins Eis. Darin platziert er Stangen, an denen er regelmässig im Jahresverlauf den "Pegel" des Eises abmisst.
Seit Beginn seiner Messungen ist die Bilanz des Basòdinogletschers fast immer negativ. Allein in den letzten zehn Jahren sei die Eisdecke von durchschnittlich knapp 30 auf 20 Meter geschrumpft, sagt er. Anfang des Sommers, immer im Mai, sticht er zudem Sonden an 50 bis 100 Stellen in den Schnee, um die Schneedecke abzumessen. Ausserdem wiegt er ihn, um aus Volumen und Gewicht die Wassermenge zu bestimmen.
Mit der Messreihe begonnen hat Kappenberger als MeteoSchweiz-Mitarbeiter an der Station Locarno-Monti. Der Gletscher als Untersuchungsobjekt war somit im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, und: "Für das Tessin gab es noch keine Massenhaushalts-Messungen an einem Gletscher." Die Methoden gelernt hatte der Naturforscher bei Aufenthalten in der Arktis während seines ETH-Studiums.
"Der Sommer war so warm, das ich Sorge hatte, die Pfosten könnten umfallen. Dann hätte ich am Ende dieses Sommers keine Daten", sagte Kappenberger bei einem Gang auf den Gletscher an einem Samstag Mitte August. Just an diesem Tag liegt jedoch Neuschnee. "Der beste Schutz für den Gletscher ist, wenn es im Sommer schneit. Da geht die Schmelze gleich auf Null", so Kappenberger.
Eine solche "Atempause" ist jedoch selten. Der Basòdinogletscher wird verschwinden, soviel steht fest. "Wie praktisch alle der kleineren Gletscher in den nächsten Jahrzehnten", sagt der Glaziologe. Dem Tessin geht damit - neben allen anderen - auch sein grösster Gletscher verloren.
Jahrzehntelang betreute der Glaziologe auch die Messung des Claridenfirns, die längste Firnmessreihe der Welt, die 2014 ihr hundertjähriges Bestehen feiern konnte und immer noch fortgesetzt wird. Inzwischen habe er diese Messungen jedoch an Jüngere abgegeben, sagt Kappenberger. Den Basòdinogletscher will er jedoch noch eine Weile weiter verfolgen.
"Die Gletscher sind die besten Indikatoren für die Klimaveränderung", so der Naturforscher. Ihm liege daran, diese Entwicklung zeigen zu können. "Wir erfassen längst nicht alle Veränderungen", ist er überzeugt.
(SDA)