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| Gregor v. Nazianz († 390) - Reden

VII. Rede
10.
Er wurde unter die erstklassigen Ärzte eingereiht, ohne daß es ihm große Mühe gekostet hätte; er brauchte nur sein Wissen zur Geltung zu bringen, bzw. nur eine kleine Andeutung seines Wissens zu geben. Auch wurde er sofort in den Freundeskreis des Kaisers aufgenommen, wo er die höchsten Ehren genoß. Unentgeltlich bot er den hohen Kreisen seine ärztlichen Dienste an, wohl wissend, daß man am besten durch Tugend und treffliche Bewährung vorwärtskomme. Diejenigen, welche noch über ihm standen, übertraf er vielfach an Ansehen. Wegen seiner Sittenreinheit war er bei allen beliebt und wurde er in vertrauliche Dinge eingeweiht, ohne daß er gleich Hippokrates hätte einen Eid schwören müssen. Selbst die Biederkeit eines Krates konnte mit der des Cäsarius nicht verglichen werden. Es wurden ihm überall noch größere Ehren, als er für seine Stellung erwarten konnte, erwiesen und zwar sowohl von Seiten der Kaiser, wie von Seiten derer, welche diesen zunächst standen. Groß waren die Ehren, deren er bereits gewürdigt worden war; noch größer waren die, welche er erhoffen durfte und deren er würdig erklärt wurde. Das Wichtigste aber ist, daß weder sein Ruhm, noch die irdischen Freuden, die vor ihm ausgebreitet waren, seine reine Seele verderben konnten. Unter den vielen großen Ehrungen, die ihm zuteil geworden waren, schätzte er am höchsten die Würde, Christ zu sein und Christ zu heißen; im Vergleich mit dieser Würde beurteilte er alles andere als Kinderspiel und Tand. Dieses wird bald von diesem, bald von jenem auf einer Bühne gespielt, die schleunigst errichtet und wieder abgebrochen wird, vielleicht noch schneller niedergerissen als aufgeschlagen wird, wie aus den vielen Wechselfällen des Lebens und aus dem ständigen Steigen und Fallen das Glückes zu ersehen ist. [S. 219] Frömmigkeit dagegen ist das einzig wahre, sichere und bleibende Gut.