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Freitag, 3. April 2015
Hermann Hesse: Der Steppenwolf
Nach über 45 Jahren ist es wichtig einmal wieder zu fragen, wo sind die "Steppenwölfe" (geblieben)? Damals waren sie eindeutig. Sie waren "die neuen" Sozialdemokraten um Willy Brandt. Heute haben sie es geschafft, sich des Ballasts der Quer- und Vordenker geschickt zu entledigen und sich im bourgeoisen "Sumpf" ein kleines Eckchen einzurichten.
Später irrte man darin, daß die Jugend zu "idealisiert" sei, um "Steppenwölfe" hervorbringen zu können. Dieser Irrtum wurde durch das Auftauchen der "Grünen" widerlegt. Dort fanden sich neben den Spontis, wie Fischer und Co, auch eine Kelly, Ditfurth und einige andere. Heute beeilen sie sich ihrer bürgerlichen Klientel gerecht zu werden und die SPD rechts zu überholen.
Doch wo finden sich heute die, die Hermann Hesse in seiner Erzählung (Denkschrift) "Der Steppenwolf" beschreibt? Die Quer- und Andersdenker. Die Studenten, wie in den 68ern, können es nicht sein. Die haben mit Politik, Gesellschaft und Nachdenken nichts "am Hut".
Bleiben wir bei den Parteien. Da CDU/CSU, SPD, GRÜNE, FDP und natürlich auch Vereine wie die AfD wegen nachgewiesener, absolutistischer Bürgerlichkeit ausfallen, bleiben nur noch die "Linken". Eine Wagenknecht, ein Gysi oder Lafontaine und andere Querdenker mit einem durchaus bürgerlichen Habitus, passen durchaus in das Bild das uns Hesse beschreibt. Also gibt es sie doch noch man muß sie nur erkennen.
Hesse definiert sie im "Tractat vom Steppenwolf": "Er (Steppenwolf Harry - Anm. d. Autors), der weit über das dem Bürger mögliche Maß hinaus zum Individuum entwickelt ist, er, der die Wonne der Meditation ebenso wie die düsteren Freuden des Hasses und Selbsthasses kennt, er, der das Gesetz, die Tugend und den common sense verachtet, ist dennoch ein Zwangshäftling des Bürgertums und kann ihm nicht entrinnen."
Warum man ein Werk von Hesse nach 45 Jahren einmal wieder lesen sollte, ein Buch das vor 90 Jahren geschrieben wurde? Die Menschen und die Gesellschaft haben sich nur unmerklich verändert...
Hesses Erzählung erschien zum ersten Mal 1927. Das vorliegende Taschenbuch stammt aus dem "Suhrkamp Verlag", Frankfurt am Main, 1955.
ISBN 3-518-36675-0
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