Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03297.jsonl.gz/613

zuchtpolizeiliche Sachen innerhalb der ihnen vom Gesetz gesteckten Grenzen. In jedem der 50 Kreise ist ein Friedensrichter
und ein
Statthalter. Er entscheidet über Streitigkeiten, deren Betrag Fr. 60 nicht übersteigt.
Durch Spezialgesetze sollen gewerbliche Schiedsgerichte und besondere Gerichte für Handel, Industrie und Landwirtschaft
geschaffen werden; jetzt existieren nur Flurgerichte und ein kantonales Handelsgericht.
Der Besuch der Volksschule und der Fortbildungsschule ist obligatorisch. Der Staat unterstützt die Erziehung der Blinden,
Taubstummen, Schwachsinnigen und sittlich Verwahrlosten. Die Volksschullehrer erhalten im Minimum Fr. 1500 Besoldung, wozu
noch Alterszulagen bis zu 300 Fr. kommen.
Die verschiedenen Konfessionen ordnen ihre Angelegenheiten selbst, unter Aufsicht des Staates. Die
Pfrund-
und Kirchengüter, welche noch in den Händen des Staates sind, werden gesondert verwaltet, und ihre Einnahmen dürfen nur
für kirchliche Zwecke verwendet werden.
Der Kanton Aargau
wurde 1803 durch die Mediationsakte geschaffen. Er wurde zusammengesetzt aus dem Unteraargau, welcher zu Bern
gehört hatte,
der
GrafschaftBaden, dem
Kelleramte (einst zu Zürich
gehörig) und dem
Frickthal, welches 1801 von Österreich
an Frankreich abgetreten worden war. Die erste Verfassung datiert von 1803; sie enthielt merkwürdige Bestimmungen, wie z. B.
einen hohen Wahlzensus, die Ernennung der Mehrzahl der Grossräte durch das Los u. s. w. Beim Sturze
Napoleons erhielt der
Aargau,
dessen Existenz einen Moment von Bern
bedroht war, eine zweite Verfassung durch die Tagsatzung in Zürich.
Dieser Verfassung
merkte man sehr an, dass sie in der Restaurationszeit entstanden war; daher machte sich eine immer stärkere Unzufriedenheit
geltend.
Als dann 1830 die Regierung sich den demokratischen Forderungen der
Lenzburger Petition wiedersetzte und Truppen
ins
Freiamt schicken wollte, marschierten die Freiämtler nach
Aarau. Die Regierung dankte ab und ein Verfassungsrat wurde
ernannt. Die neue Verfassung wurde 1831 vom Volke angenommen. Sie war wirklich liberal: der Wahlzensus war abgeschafft; die
Kompetenzen jeder Behörde waren genau bestimmt, die Trennung der Gewalten festgesetzt. Pressfreiheit, Handels- und Gewerbefreiheit
waren
garantiert, aber das Prinzip der Parität und ein gewisser Zensus für die Mitglieder des Grossen Rates wurden beibehalten.
Als bei der Revision dieser Verfassung 1841 die Parität gestrichen wurde, brachen im
Freiamt Unruhen aus. Am 11. Januar fand ein
Gefecht bei Vilmergen statt, in welchem die Bauern von den Regierungstruppen unter Frei-Herosee geschlagen
wurden. Am 19. Januar hob der Grosse
Rat die
Klöster auf, was eine nachhaltige Wirkung auf die Eidgenossenschaft hatte. - Nach
drei vergeblichen Versuchen fand eine Verfassungsrevision 1852 statt, andre 1863, 1870, 1876. Sie führten das Referendum
ein, die direkte Volkswahl der höhern Bezirksbeamten, der Bezirksamtmänner und der Gerichtspräsidenten.
Endlich brachte eine letzte Revision 1885 die heutige Verfassung mit folgenden Grundsätzen: Dem Referendum sind unterstellt:
alle Gesetze, alle Verfassungsänderungen;
alle Beschlüsse des Grossen Rates, die eine einmalige Ausgabe von über 250000
Fr. oder eine jährliche Ausgabe von Fr. 25000 bewirken;
alle Beschlüsse, weiche die Erhebung von mehr
als einer halben Staatssteuer bewirken;
die Anleihen von über 1000000 Fr. und endlich alle Beschlüsse, welche der Grosse
Rat von sich aus der Abstimmung unterwerfen will.
Die Abstimmungen finden in der Regel zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst
statt.
Die Frage einer Verfassungsrevision muss dem Volke vorgelegt werden, wenn der Grosse
Rat, nach zweimaliger
Beratung, es beschliesst, oder wenn 5000 Wähler es verlangen. Eine solche Total-Revision ist durch einen Verfassungsrat
vorzunehmen. Eine Partialrevision kann durch 5000 Stimmberechtigte verlangt werden; dann kann der Grosse
Rat die Revision
von sich aus vornehmen oder die Frage der Abstimmung unterbreiten.
hat wenig Spalten; seine Endzunge ist klein. Der Abfluss dieses Gletschers vereinigt sich im Aarboden mit demjenigen des
untern Gletschers. Nachdem man ihn in seiner ganzen Länge erstiegen hat, kommt man auf den Pass des Oberaarjoches und zu der
Schutzhütte des schweiz. Alpenklubs, von wo aus man die Besteigung des Finsteraarhorns unternehmen kann.
Am Fusse des Gletschers ist die Oberaaralp (Ärmliche Alp) welche, obgleich auf Bernergebiet, nur von Walliservieh beschickt
wird.
1879 m. an seinem untern Ende, ist nach dem Aletschgletscher der längste und einer der grössten der Alpen. Oberfläche 39 km2.
Er läuft, nördlich von der Kette des Zinkenstocks, parallel mit dem Oberaargletscher. Er wird durch den
Firn des Finsteraarhorns, der Strahlegg und des Lauteraarhorns gespeist. Am Abschwung, 3143 m., am äussersten Ende der Schreckhornkette,
vereinigen sich diese Schneefelder und bilden den eigentlichen Unter-Aargletscher, der auf eine Länge von 17 km. eine Breite
von mehr als 1 km. aufweist. Das Verhältnis vom Firn zum Gletscher ist 1,35:1. Der Unteraargletscher zeichnet
sich durch seine kolossalen Moränen aus, die mittlere hauptsächlich, gebildet am Fusse des Abschwung durch die Seitenmoränen
der drei Firnfelder, misst gegen das Ende des Gletschers hin unfährge ^[richtig: ungefähr] 200 m. Breite auf 40 m.
Höhe.
Von den Eiszeiten, welche man heutzutage annimmt haben nur die vorletzte und die letzte Vergletscherung (grosse und kleine
Eiszeit) Spuren hinterlassen. Die Ueberreste der erstern bestehen nur in einigen erratischen Blöcken in der Umgebung von
Bern
und am Ufer des Thunersees (Kanderdelta). Während der Dauer der grossen Eiszeit wurde der Gletscher, der
durch das schon bestehende Aarethal bis nach Bern
vorrückte, durch den immer grösser werdenden Rhonegletscher aufgehalten.
Schon bei Thun stiessen der Aare- und der Rhonegletscher zusammen, welch letzterer die ganze Zentralschweiz zwischen Alpen und
Jura ausfüllte. Der Aargletscher stieg mit seinen Eismassen bis über den Brünig, 1000 m., und führte
sie dann durch das Unterwaldnerland bis zum Vierwaldstättersee. Während der Interglazialzeit, welche folgte, zogen sich
die Gletscher des Berneroberlandes bis zu ihren früheren Grenzen zurück. Zur letzten Eiszeit, von welcher man sich dank
der guterhaltenen Moränen, ein ziemlich deutliches Bild machen kann, trafen sich der Aare- und Rhonegletscher
wieder bei Bern.
Dieses Mal konnte der Aaregletscher in seinem Thal bleiben.
Erst bei Bern
endete der Kampf der beiden Gletscher bald zum Vorteil des einen,
bald zum Vorteil des andern. Bei seinem vollständigen
Rückzug liess der Aaregletscher zahlreiche Moränen zurück, welche dem Aarethal zwischen Bern
und Thun sein
eigentümliches Gepräge aufdrücken und der ganzen Landschaft einen grossen Reiz verleihen. Soviel man aus den obern Grenzlinien
der erratischen Blöcke schliessen kann, betrug die Dicke des Aargletschers während der grossen Vergletscherung in der Nachbarschaft
des Thunersees 900-1000 m. Der untere Aargletscher ist ein klassisches Gebiet für das Glazialstudium.
Sein leichter Zugang von der Grimsel aus, seine Grösse und seine typischen Formen bestimmten in den Jahren 1840 bis 1846 berühmte
Gelehrte, dort die Lösung für verschiedene Probleme der Gletscherforschung zu suchen. Im August 1840 errichteten Agassiz,
Nicolet, Desor, Vogt, de Pourtales und Coulon am Abschwung unter einem Block der grossen Mittelmoräne
eine Hütte, der sie den pompösen Namen «Hôtel des Neuchâtelois» gaben. Als dieser Block entzwei geborsten war, wurde sie
im Jahre 1844 durch den Pavillon Desor und die Hütte Dollfuss-Ausset ersetzt, welche, auch «la Smala» genannt, auf
einer Höhe links vom Gletscher und ungefähr 5 km. oberhalb seines Endes errichtet wurden. Dollfuss-Ausset
von Mülhausen brachte einige Sommer der Jahre 1844-64 auf dem Gletscher zu, er liess den Pavillon, welcher seinen Namen erhielt,
neu und solid wieder herstellen und liess während eines ganzen Jahres meteorologische Beobachtungen machen. Die Resultate
seiner Studien sind in den folgenden klassischen Arbeiten niedergelegt: Louis Agassiz, Système glaciaire, 1 vol.
mit Atlas. Leipzig und Paris, 1847. - Dollfuss-Ausset, Matériaux pour l'étude des glaciers, 9 vol. mit Atlas, Paris, 1872. Der
erste Pavillon Dollfuss ist heute nur noch eine Ruine.
Zur Seite erhebt sich eine solide Baute, welche 1872 von der Familie Dollfuss dem schweiz. Alpenklub abgetreten
worden ist. Diese Hütte, im Jahre 1894 umgebaut, ist ausserordentlich günstig plaziert und wird oft benutzt. Man geht von
da aus um eine ganze Reihe von Touren ins Finsteraarmassiv zu machen, und das Finsteraarjoch, die Strahlegg und das Lauteraarjoch
zu überschreiten. Sagen wir noch, dass der Solothurner Naturforscher Hugi in den Jahren 1827, 1829, 1830 und
1836-1837 bis in das Firngebiet des Finsteraarhorns vorgedrungen ist. Im Jahre 1827 baute er eine Hütte sogar am Fusse des
Abschwung.
Wenn die glazialen Erscheinungen in ihren grossen Zügen bekannt geworden sind und der Ursprung der Moränen und der erratischen
Blöcke, welche in jetzt gletscherlosen Gegenden vorkommen in ihren grossen Zügen¶