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London 1935: Der Schlaf der hübschen Dale Tremont (Ginger Rogers) wird durch das Geklapper in der oberliegenden Suite gestört. Als sie reklamiert, steht ein tanzender Jerry Travis (Fred Astaire) vor ihr: «Immer wenn ich alleine bin, verspüre ich den unvermeidlichen Drang zu tanzen» erklärt er ihr schmunzelnd den Grund für den Krach.
Es ist Liebe auf den ersten Schritt. Wenn da nur dieses kleine Missverständnis nicht wäre: Dale verwechselt Jerry mit dem Ehemann ihrer besten Freundin und weist ihn ab. Wie kann er sie dennoch erobern? Ganz einfach: Indem er sich in ihr Herz tanzt.
Hollywoods Musical-Boom in den 30ern
Das Musical gehörte in den 30ern zu den populärsten Genres Hollywoods. Die Filmindustrie wurde zur Traumfabrik. In Zeiten der Wirtschaftskrise waren Tanz- und Singfilme eine Ablenkung von den Alltagssorgen.
Der amerikanische Regisseur Busby Berkeley beherrschte mit seinen Choreographien die damalige Musical-Szene. Er arrangierte Dutzende Showgirls zu geometrischen und kaleidoskopischen Mustern und transformierte mit Vogelperspektive die Bühne in eine Welt der filmischen Fantasie.
Gleichzeitig entstanden singspielartige Musikstücke mit dem Tanzpaar Fred Astaire und Ginger Rogers, die wie ein Gegenentwurf zu Berkeleys Massenszenen wirkten. Ihre Filme zeichneten sich durch eine intimere Eleganz und den Alltagscharakter der Geschichten aus.
Zehnmal stand das ikonische Tänzerpaar zwischen 1933 und 1949 vor der Kamera. «Top Hat» gilt als ihr bester Film. Ein wesentlicher Grund dafür sind die graziösen und federleichten Tanz- und Step-Einlagen, die bis heute als einzigartig gelten.
«All singing, all dancing»
Auch die Gesangsnummern von Starkomponist Irving Berlin («Puttin' on the Ritz») trugen zur Popularität des Films bei. Sein melodienreicher Soundtrack überzeugt mit schwungvollem Rhythmus und Charme.
Die Szene, in der Astaire und Rogers tanzend das Stück «Cheek to Cheek» vortragen, wurde in der Filmgeschichte später vielfach zitiert. Immer als Beispiel für die Kraft des Kinos, die böse Lebensrealität zumindest für einen Moment zu verdrängen.
In Woody Allens «The Purple Rose of Cairo» (1985) schaut sich eine unglückliche Hausfrau die Szene an, in der Verfilmung des Stephen King-Romans «The Green Mile» aus dem Jahr 1999, ein zum Tode verurteilter Häftling. Beide Figuren vergessen, wer und wo sie sind, wenn Ginger Rogers und Fred Astaire sich drehen und schweben, als wären sie im Himmel. Das Publikum ist heute noch verzaubert - wie nahe kann man sonst dem Himmel sein?