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|NEWS - Meldungen|
08.10.2002 Seattle/China
07.11.2002 ergänzt
Chinesen publizieren ihre Klonversuche am Menschen in der Fachzeitschrift Fertility & Sterility
Im Rahmen des jährlich stattfindenden Meetings (58th, 12.-17. Okt. 2002) der American Society of Reproductive Medicine (ASRM) wird in Seattle (USA) eine Poster Session stattfinden, die äusserst brisant ist. Die entsprechenden Angaben lassen sich der September Spezialausgabe (Nr. 1001, 2002) der Fachzeitschrift Fertility & Sterility entnehmen (siehe unten).
Yiming Shu und Ganlun Zhuang vom Reproductive Medical Center der Zhongshan Universität in China werden ihre Studie präsentieren, welche sie an ihrem Hospital durchführten. Sie liessen insgesamt 89 aus IVF-Zyklen anfallende unreife Eizellen mit Zustimmung der Patienten in-vitro heranreifen. Die reifen Eizellen wurden entkernt und in diese Zellkerne von Kumuluszellen transferiert. Die Aktivierung der geklonten rekonstruierten Embryonen erfolgte chemisch. Aus insgesamt 54 künstlich herangereiften Eizellen überstanden 32 die Entkernungs- und Nukleustransferprozedur. 13 entwickelten sich zu mehrzelligen Embryonen (zwei 8-zellige, drei 4-8-zellige, acht 2-4-zellige). Keiner erreichte das für die Gewinnung von embryonalen Stammzellen nötige Blastozyststadium. Der Genotyp der geklonten Embryonen entsprach in allen Fällen dem transferierten Zellkern. Gemäss den Autoren handelt es sich um eine vorbereitende Studie.
Die Durchführung dieser Versuche ist zweifellos ethisch verwerflich. Zusätzliche Brisanz bekommt dieser Fall, weil die Studie an einem Universitätsspital anlässlich von Unfruchtbarkeitsbehandlungen durchgeführt wurde, die Publikation in einer Fachzeitschrift einer wissenschaftlichen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin erschienen ist und das Poster während einer Session zum Thema "Reproductive Laboratory Technology" präsentiert wird.
Die Posterpräsentation mit der Abstract ID 101126 und der Publikationsnummer P-511 wird am Mittwoch dem 16. Oktober in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr anlässlich des Meetings der ASRM in Seattle (USA) stattfinden.
Bestimmt wird dem Vorwurf, mit diesen Experimenten zum reproduktiven Klonen des Menschen beizutragen, wiedersprochen. Es wird aber schwer zu widerlegen sein, dass derartige Versuche mindestens indirekt dazu führen, dass über kurz oder lang ein geklontes Kind geboren wird. Den Verantwortlichen der ASRM, welche diese Postersession in dieser Form und in diesem Themenkreis akzeptiert haben, scheinen minimalste ethische Grundsätze völlig fremd zu sein. Dies zeigte sich im April dieses Jahres, als sich die ASRM zum reproduktiven Klonen nur zögerlich und der ethischen Problematik überhaupt nicht angemessen äusserte (siehe link). Es ist zu hoffen, dass sie entsprechende Gegenreaktionen erhalten werden und die Postersession platzt. Die Ergebnisse unterscheiden sich zwar nicht wesentlich von jenen, die die Firma Advanced Cell Technology Ende 2001 im Journal of Regenerative Medicine publizierte, doch müsste diese Publikation und Präsentation im vorgesehenen Rahmen weit grössere Entrüstung auslösen.
Vgl. Fragen zu Berichten und Stellungnahmen über angebliches Klonbaby (07.04.02)
Yiming Shu, Ganlun Zhuang, Preliminary Study on Human Cumulus Cell Nuclear Transfer: Fertil Steril 78 (2002) S286.
Schwägerl Christian, Das Menschenklonen kommt in Mode. Vorerst keine UNO-Resolution. FAZ 2. Nov. S. 3.