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der Strand am O.-Ende des Sees mit Tausenden von gebleichten Schalen (Planorbis, Bithynien, Valatyn, Pisidien) bedeckt. Auf diesen Strandflächen stehen auch ganze Wälder von Schilfrohr. Die abyssale oder Tiefenfauna ist noch wenig bekannt, da bis jetzt ans einer Tiefe von etwa 60 m blos einige Kruster und Mollusken heraufgebracht worden sind. Die pelagische Fauna endlich zeichnet sich in erster Linie durch ihre ungeheure Individuenzahl aus (Protozoen, mikroskopische Kruster etc.). Im Bulletin de la Soc. Neuch. des sc. nat. (Band 28, 1899/1900) hat Prof. Fuhrmann eine gewissenhafte Arbeit über das Plankton des Neuenburgersees veröffentlicht.
Von Säugetieren ist blos der Fischotter (Lutra vulgaris) zu erwähnen, der sich von Zeit zu Zeit an der Mündung der Areuse zeigt, aber von den Fischern unerbittlich verfolgt wird und deshalb auf den Aussterbeetat gesetzt ist. An den Ufern tummeln sich eine Menge von Strandvögeln, wie Reiher, Rallen, Uferschnepfen, Wasserläufer etc., und auf den Torfmooren ist der Storch ein regelmässiger Gast. Andere Arten, wie z. B. Löffelreiher, dunkelfarbiger Sichler, Silberreiher und Seidenreiher treten nur ausnahmsweise auf. Zu erwähnen sind noch eine grosse Anzahl von Steissfüssen, Enten und Möven.
Nur sehr selten sieht man etwa einen Singschwan (Cygnus ferus) oder einen von S. her gekommenen jungen Flamingo. Wintergäste sind Möven (besonders die Lachmöve und Sturmmöve) und 3 Arten von Tauchern, die oft in den Netzen der Fischer hängen bleiben. An den Ufern findet man nicht selten die Wurzeleidechse (Lacerta stirpium) und die Ringelnatter, die man hie und da auch im Wasser schwimmend antrifft. Die an den See anstossenden Sumpfflächen werden vom grünen und braunen Wasserfrosch und die beim Rückzug des Wassers stehen gebliebenen Wasserlachen vom gefleckten Salamander und zwei Molchen (Bergwassermolch und Teichmolch Triton alpestrus und T. palmatus) belebt.
Ziemlich reichhaltig ist die Fischfauna, die mit 28 Arten vertreten ist: Barsch, Groppen, Karpfen, Barbe, Schleihe, Gressling, Brachsen, Bitterling, Bambeli, Laugeli, Rotten, Schwal, Alet, Hasel, Strömer, Ellritze, Nase, Grundel, Balchen, Pfärrit, Aesche, Seeforelle, Saibling oder Röteli, Hecht, Wels, Aal, Trüsche, Neunauge (mit seiner Varietät Kleines Neunauge). Davon fehlen dem Genfersee Barbe, Brachsen, Bitterling, Nase, Pfärrit, Balchen und Wels und beinahe ganz auch der Aal.
Die beiden für den Neuenburgersee charakteristischen Formen sind der Pfärrit (Palée, Coregonus palea) und der Balchen (Bondelle, Coregonus exiguus var. bondella). Jener bewohnt alle drei Seen während dieser im Murtensee zu fehlen scheint und durch den Coregonus exiguus var. feritus (Ferit) ersetzt ist. Der vorzugsweise im Murtensee, Bielersee und den Gräben der anstossenden Sümpfe lebende Wels zeigt sich im Neuenburgersee nur selten. Die mit der aus Amerika stammenden Regenbogenforelle (Trutta iridea) gemachten Akklimatationsversuche scheinen keinen grossen Erfolg gehabt zu haben.
Ausnahmsweise wird hie und da auch einmal ein Exemplar des Goldfisches (Carassius auratus) gefangen. Dank den Fischereigesetzen und der Tätigkeit der Fischzuchtanstalten scheint jetzt der Fischreichtum des Sees zuzunehmen. Mollusken: die am häufigsten auftretenden Schnecken gehören den Gattungen Limnaea (8 Arten). Planorbis (7 Arten), Bithynia, Valvata, Ancylus und Physa an; ausserordentlich gemein und formenreich sind die Limnaeen, von denen die dem Neuenburgersee eigene Limnaea lacustris im Schlamm und auf Steinen überall zu finden ist.
Die Muscheln sind durch die Gattungen Anodonta, Unio, Cyclas und Pisidium vertreten. Davon lieben die Anodonten besonders den schlammigen Boden, können aber auch etwa auf steinigen Grund gesammelt werden. Sie variieren je nach ihrem Wohnort, so dass Clessin und Dr. Büchner die Art Anodonta mutabilis Clessin oder A. cygnea Büchner in die Unterarten A. cellensis, A. piscinalis, A. anatina und A. lacustrina gliedern. Eine stellenweise sehr gemeine Form ist auch A. Charpentieri, die sich in schönen Exemplaren am O.-Ende des Sees findet. An der Mündung der Broye lebt eine der A. Pictetiana des Lemansees nahe verwandte Form.
Die Gattung Unio besitzt zwei häufig vorkommende Vertreter, U. batavus und U. tumidus (bauchige Flussmuschel); Unterformen des ersteren sind U. neocomiensis (zwischen Steinen) und U. Droueti (an der Mündung der Broye häufig). Der im zentralen und nördl. Europa gemeine U. tumidus fehlt dem Lemansee. Von den Pisidien findet sich in der Tiefenregion eine bisher sonst nirgends angetroffene Art, das Pisidium occupatum Clessin. Die Kruster sind vertreten durch den übrigens ziemlich selten auftretenden Flusskrebs, den unter Steinen häufigen Flohkrebs (Gammarus fluviatilis), den in der Tiefenregion lebenden blinden Niphargus Foreli und viele mikroskopisch kleine pelagische Formen der Copepoden (Cyclops, Diaptomus) und Cladoceren.
Diese durchsichtigen kleinen Wesen suchen die Dunkelheit und steigen erst am Abend und in der Nacht an die Wasseroberfläche auf. Sie bilden einen grossen Teil des Plankton und dienen den Fischen zur Nahrung. Von Einzelformen mögen Daphnia hyalina, Leptodora hyalina und Bythotrephes longimanus hervorgehoben werden. Insekten: zahlreiche Käfer (Hydrophiliden, Dytisciden, Colymbeten) und Schnabelkerfe (Skorpionwanzen: Nepa, Ranatra, Notonecta; dann auch Hydrometra in stillen Seewinkeln) u. s. w.
Im Schlamm, zwischen Steinen oder nahe der Wasseroberfläche leben Insektenlarven in grosser Anzahl. Die Würmer sind noch wenig bekannt: unter Steinen schöne Planarien und verschiedene Arten von Egeln ¶
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(bes. der Rossegel oder Haemopis vorax), sowie eine auf Fischen schmarotzende Piscicola. Die Fische beherbergen überhaupt zahlreiche Schmarotzer, so namentlich oft die Larve des Bandwurms (Bothriocephalus latus). Nennenswert sind ferner verschiedene Formen von Rädertierchen oder Rotatorien, wie Rotifer, Asplanchna priodonta, Synchaeta pectinata, Polyarthra platyptera, Triarthra longiseta, Anurea aculeata und A. cochlearis, Notholca longispina, Gastropus stylifer.
Unter den Moostierchen oder Bryozoen ist die mit ihren vielverzweigten Kolonien die Steine überziehende Fridericella sultana zu nennen. Coelenteraten oder Pflanzentiere: Armpolypen (Hydra viridis und H. fusca) auf Wasserpflanzen, H. rosea unter Steinen in einer Tiefe von einigen Metern und der an Steinen oder am Fuss von Binsen und Schilfrohr angeheftete Kieselschwamm Spongilla fluviatilis. Zahllos sind die Protozoen, von denen der im 28. Band des Bull. de la soc. neuch. des sc. nat. veröffentlichte Katalog 160 Arten namhaft macht, wozu zu bemerken ist, dass der See zweifellos noch deren viel mehr beherbergt. Es sind meist pelagische Tiere der Klasse der Flagellaten, so Dinobryon (4 Arten) und namentlich das sehr häufige und formenreiche Ceratium macroceros.
[Prof. Paul Godet.]
Flora.
Da wir der auf dem trockenen und überschwemmbaren Strand wachsenden Pflanzen schon bei der Besprechung der Flora des Kantons Neuenburg Erwähnung getan, beschränken wir uns hier auf eine kurze Charakteristik der eigentlichen Wasserpflanzen. Davon gehören nur wenige den Phanerogamen an, nämlich Phragmites communis, Schoenoplectus lacustris, Scirpus maritimus; Potamogeton natans, P. lucens, P. perfoliatus, P. crispus, P. pectinatus und P. densus, Ceratophyllum demersum, Myriophyllum verticillatum und M. spicatum, Ranunculus aquatilis und R. divaricatus.
Alle diese Arten leben mehr oder weniger tief unter Wasser, entfalten ihre Blüten aber oberhalb der Wasserfläche. An geschützten Stellen findet man hie und da auch noch Nymphæa alba und Nuphar luteum. Zwischen Préfargier und La Tène haben sich als letzte Reste einer im Grossen Moos und am rechten Ufer der Zihl vor der Juragewässerkorrektion üppig gedeihenden Wasserflora noch Sagina nodosa und Schoenoplectus pungens erhalten. Im Hafen von Estavayer einige Exemplare der einst ebenfalls weiter verbreiteten Hydrocharis Morsus ranæ.
Ein reicheres Pflanzenleben bieten uns die Algen. Conjugaten und Confervaceen überziehen mit ihrem grünen Fadengewirr die Kalkgerölle, während Bakteriaceen und Diatomeen auf dem Sohlenschlamm in Masse vorkommen und zugleich den grössern Teil des Phytoplankton zusammensetzen. Prof. O. Fuhrmann an der Akademie Neuenburg hat ziemlich viele dieser Algen herauf gefischt und sie von Prof. Chodat in Genf bestimmen lassen (verg. darüber Bull. de la Soc. neuch. des sc. nat. Band 28, S. 92 f.).
An der schlammigen Seesohle leben auch die Characeen, die grössten unserer Grünalgen, von denen im Neuenburgersee folgende Arten konstatiert worden sind: Chara foetida, Ch. hispida, Ch. ceratophylla, Ch. aspera und Ch. fragilis, Nitella syncarpa und N. opaca. Bis jetzt kennt man jedoch die Verteilung dieser Pflanzengruppe im Neuenburgersee nur ungenügend, da die von Alexander Braun vor etwa 60 Jahren darüber unternommenen Studien seither nicht mehr fortgesetzt worden sind.
Zum Schluss wollen wir noch erwähnen, dass im Hafen von Neuenburg auch die Wasserpest (Elodea canadensis) auftritt. Diese aus Nordamerika stammende, in England etc. stark verbreitete und in Neuenburg sehr wahrscheinlich 1869 von Prof. Charles Vouga eingeführte Monokotyle pflegt an neuen Standorten jeweilen während der ersten Jahre derart stark zu wuchern, dass sie Kanäle, Teiche etc. in kurzer Zeit völlig überdeckt und der Schiffahrt sehr hinderlich werden kann. Nach einigen Jahren mässigt sich dann diese üppige vegetative Kraft und schränkt sich in nicht mehr lästige Grenzen ein. Die an Arten und Individuen reichsten Standorte der Wasserflora des Neuenburgersees sind vor der Pointe de Marin, zwischen Auvernier u. Colombier, vor Cortaillod, Bevaix, Yverdon, Estavayer u. Cudrefin.
[Prof. Fritz Tripet.]
Prähistorische Siedelungen.
Von allen schweizerischen Seen hat der Neuenburgersee die grösste Anzahl von Fundgegenständen aus der prähistorischen Zeit geliefert. Man zählt in ihm etwa 70 Pfahlbauten, von denen 45 der Steinzeit und 25 der Bronzezeit angehören. Die wichtigsten Stationen der Steinzeit liegen vor Auvernier, Bevaix, Concise, Chevroux und Estavayer, die bedeutendsten der Bronzezeit vor Corcelettes, Cortaillod, Chevroux und Estavayer. Den Uebergang zwischen beiden Perioden vermitteln die Pfahlbauten von Bevaix und Forel.
Die als Typus einer der Unterabteilungen der ersten Eisenzeit geltende Station von La Tène (nahe dem Ausfluss der Zihl) reicht schon in die historische Zeit hinein (2. und 3. Jahrh. v. Chr.). Die urgeschichtlichen Nachforschungen am Neuenburgersee begannen 1855 und zeitigten namentlich während der Senkung des Seespiegels 1887-1889 reiche Resultate. Schöne Sammlungen der gefundenen Objekte haben Troyon, Morel-Fatio, Desor, Gross, Vouga, Dardel-Thorens angelegt, denen man auch interessante Veröffentlichungen darüber verdankt. Heute befindet sich der grösste Teil der gefundenen Objekte in den Museen von Lausanne, ¶