Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03346.jsonl.gz/118

Nachdem ich gestern das Logo des Dali Shar Pei Clubs, das 1996 entworfen wurde, in verschiedenen sozialen Medien veröffentlicht hatte, erhielt ich eine Frage dazu. Eine Frage, auf die ich gehofft hatte. Ich habe beschlossen, diese Frage hier zu beantworten, da dies viele Missverständnisse ausräumen könnte.
Frage
Ich wurde gefragt, warum der Kopf des Hundes auf dem Logo wie ein Meatmouth Shar Pei aussieht und nicht den Hunden ähnelt, die ich normalerweise von Hunden in China poste. Ich wurde weiter gefragt, das wenn dieses Bild vom Dali Shar Pei Club verwendet wird, was dann ein echter traditioneller Shar Pei sei?
Die kurze Antwort lautet: Es gibt keinen traditionellen Shar Pei! Die Bedeutung des chinesischen Begriffs "traditioneller Shar Pei" unterscheidet sich sehr von der Bedeutung desselben Begriffs, den wir in der westlichen Welt haben. Während der Begriff im Westen eher als Marketingzweck für für einen bestimmten Typ verwendet wird, bezieht sich die chinesische Bedeutung lediglich auf die Tatsache, dass die Rasse alt ist, eine historische Bedeutung hat und zur chinesischen Tradition gehört. Dies ist der Grund, warum ich diesen Begriff nie benutze, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.
Das Missverständnis dieses Begriffs sorgt für viel Verwirrung. Es gab vor allem die Basis für die Frage "Was ist richtig, was ist falsch?". Um die Rasse wirklich zu verstehen, müssen wir drei wichtige Faktoren betrachten:
- Genetik
- Geschichte der Rasse in Hong Kong
- Geschichte der Rasse in China
Genetik
Dank der modernen Wissenschaft kennen wir die zugrunde liegende Genetik gut genug, um die verschiedenen Erscheinungsformen zu verstehen. Wir wissen, dass in allen SharPeis, chinesischen und westlichen Ländern eine Mutation des regulatorischen Gens HAS2 auf Chromosom 13 mindestens zweimal vorhanden ist. Wir wissen, dass je höher die Anzahl der Kopien der Mutation ist, desto höher ist die Bildung von Hyaluronsäure, die sich im Gewebe ansammelt. Diese Mutation liegt als sogenannte CNV (Copy Number Variation) vor, das heisst, die Anzahl der Mutationen im Individuum variiert. In allen Shar Pei können wir es mindestens doppelt finden, es kann aber auch in höherer Anzahl vorhanden sein. Je mehr Kopien vorhanden sind, desto höher ist die Aktivität von HAS2 und desto mehr Hyaluronsäure wird gebildet und als basische Substanz in das Gewebe eingebaut. Die Haut wird schwächer, dicker, enthält mehr Wasser und produziert mehr Falten und eine charakteristische dicke Schnauze, den sogenannten Meatmouth.
Es gibt also kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur einen Unterschied bei der Anzahl der Kopien. Dies ist eine sehr wichtige Tatsache, die hilft, die Rasse zu verstehen.
Was wir derzeit nicht wissen, ist die Antwort auf die Frage, wann die Mutation ursprünglich aufgetreten ist. Wir wissen auch noch nicht, wie und warum die ursprüngliche Mutation der doppelten Kopienzahl weiter mutiert ist. Aber diese Fragen sind wichtig zu beantworten und Wissenschaftler versuchen aktuell schon diese Frage mit weiterer genetischer Forschung zu beantworten.
China und Hong Kong
Bei Gesprächen mit älteren, sachkundigen und erfahrenen Shar Pei-Enthusiasten in Hongkong und in China über die Rasse in den 1960er und 1970er Jahren stellen wir Unterschiede fest. Vor dieser Zeit gab es keine organisierte reinrassige Shar Pei-Zucht. Nur wenige ältere Menschen wie Huang ZhaoTao und Zhao Qi konnten damals mehr über die rassetypischen Eigenschaften erzählen.
Wir wissen, dass die meisten Hunde in Hongkong zu dieser Zeit keine reinrassigen Shar Pei waren. Die existierende Shar Pei wurden hauptsächlich in Hundekämpfen eingesetzt, sie wurden mit jedem anderen Hund gekreuzt, der der Rasse mehr Aggression verlieh, damit sie im Kampfring siegten. Nicht umsonst wurden sie sogar "der chinesische Kampfhund" genannt. Das waren die Hunde, mit denen die frühen Züchter in Hong Kong anfingen zu züchten. Sie versuchten ihr Bestes, um zu reinrassigen Shar Peis zu gelangen. Und sie haben das alles ohne das genetische Wissen gemacht, das wir heute haben. Sie haben es nur getan, indem sie die Hunde genau beobachtet und Schlussfolgerungen daraus gezogen haben.
Zur gleichen Zeit hatten wir in China eine andere Situation. Es lässt sich eine Shar Pei Population zurückverfolgen, die sich bis in die 1960er Jahre über alle südchinesischen Provinzen erstreckte. Interessanterweise mit zwei geografischen Schwerpunkten, dem südlichen Guangdong und dem nordöstlichen Teil von Yunnan, zwischen Sichuan und Guizhou. Da fast alle diese Populationen verschwunden sind, haben wir das meiste heutige Wissen über die Population in der Region Guangdong. Wie in Hongkong gab es fast keine reinrassige Zucht. Der Shar Pei wurde als Gebrauchshund gezüchtet und mit anderen einheimischen Rassen gekreuzt, um seinen Zweck besser zu erfüllen. Und während es in Hongkong hauptsächlich darum ging, aggressive Hunde für die Kampfarena zu erschaffen, gab es in China mehrere verschiedene. Bessere Jagdhunde, bessere Wachhunde oder bessere Hunde für den Hundekampf.
Die Rassen, die an beiden Orten eingekreuzt wurden, waren ebenfalls unterschiedlich. Während in China überwiegend einheimische Rassen genutzt wurden, war die Vielfalt der Hunderassen in Hong Kong bereits viel internationaler.
An beiden Orten gab es in den 1960er und 1970er Jahren einige wenige Menschen, die mit der reinrassigen Zucht begannen, um den Shar Pei zu erhalten und zu schützen, so wie sie ihn kannten. Sie hatten einfach nur einen anderen Bestand an Hunden.
Austausch
1975 kamen die ersten Leute aus Hongkong nach Gunagdong, um nach Shar Pei zu suchen. Aber das Verständnis der Rasse war zu dieser Zeit schon unterschiedlich. Das grundlegendste Wissen über die Rasse an beiden Orten stammte von Zhao Qi. Doch bereits 1975 hatten sich die persönlichen Perspektiven in verschiedene Richtungen entwickelt. Die Shar Pei in Hongkong und China zeigte Unterschiede, die jeweils dem eigenen Bild und der eigenen Vorstellung von der Rasse entsprachen. Wir müssen immer bedenken, dass die Züchter auf beiden Seiten der Grenze aufgrund der verschiedenen Rassen, die zuvor eingekreuzt wurden, mit einem unterschiedlichen genetischen Pool begann. Dies ist wichtig, um zu verstehen, warum es kein Richtig oder Falsch gibt. Nur eine andere Ausgangssituation.
Aber warum unterschieden sich die Hunde? Und was war der Unterschied?
Mythos der meatmouth Kreation
Es gibt Menschen im Westen, in Hongkong und in China, die immer noch an den Mythos glauben, dass "jemand das Meatmouth erschaffen hat". Sogar jetzt, mit unserem heutigen genetischen Wissen, kursieren diese falschen Geschichten und werden von einigen Leuten sogar benutzt, um die "was ist richtig und was ist falsch Frage" zu forcieren. Wenn wir die zugrunde liegende Genetik der Rasse jedoch verstanden haben, können wir diese Frage leicht beantworten.
Aktuell wissen wir noch nicht, was die zwei, bereits mutierten Kopien, veranlasst, weiter zu mutieren. Aber sicher wissen wir, das es in den 1960er Jahren niemanden gab, der bewusst und mit Absicht, in einem geheimen Labor in Hongkong, an Genen herumgespielt hat. Diese weitere Mutation ist einfach passiert und diese Hunde wurden dann auch in der Zucht verwendet. So gab es dann immer mehr meatmouth Hunde in Hongkong und sie wurden populärer.
Das es zum spontanen Auftreten von meatmouth Hunden auch in China in der Vergangenheit kam ist durch mündliche Berichte einiger älterer Chinesen über mehrere Provinzen hinweg bekannt. Alle paar Jahre gibt es in einem Wurf einen meatmouth Welpen hier und da.
Weiterer Austausch
Im Herbst 1989 brachten einige Hongkonger meatmouth Shar Pei nach Dali, und die Zucht mit diesen Hunden wurde gefördert und vermarktet. Zu dieser Zeit gab es keine organisierte Zucht und das Konzept der reinrassigen Zucht war für viele noch neu. Eine Handvoll chinesischer Züchter, die den Shar Pei, wie sie ihn kannten, als ihr kulturelles Erbe betrachteten und über Möglichkeiten nachdachten, den chinesischen bonemouth Typ zu schützen, gründeten dann den Dali Shar Pei Club. Der erste Präsident des Clubs war ein Mann namens Yan Runhe. Leider starb er nur ein Jahr nach der Gründung des Clubs.
Da es in China zu dieser Zeit aufgrund des politischen Systems nicht möglich war, einen echten Privatclub zu gründen und zu verwalten, musste der Club politischen Richtlinien und Strategien folgen die vorgegeben waren.
Mit dem zweiten Präsidenten verschwanden die meisten ursprünglichen Absichten des Clubs, wirtschaftliche Interessen dominierten und der lokale politische Einfluss auf den Club war hoch. Hunde Händler aus Hongkong gewannen mehr Einfluss und der meatmouth Shar Pei wurde in China noch intensiver beworben und vermarktet.
1997 fusionierten der Shar Pei Club von Dali und der Club in Hongkong. Meatmouth Shar Pei wurden jetzt in Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften in ganz China beworben. Nach Jahren der gemeinsamen Vermarktung durch beide Clubs kursierten viele falsche Informationen über die Rasse. Heutzutage denken viele Leute, dass der Meatmouth der einzig richtige Typ ist und der bonemouth Shar Pei ist fast unbekannt. Die Genetik der Hunde ist den meisten Leuten unbekannt, sie sehen nur zwei verschiedene Typen. Von denen in den Köpfen der Menschen einer richtig und einer falsch sein muss.
1996 veröffentlichte der Dali Shar Pei Club seinen Shar Pei Standard und schuf das Logo, das die ursprüngliche Frage aufwarf, die ich mit diesem Artikel zu beantworten versuche. Ein Standard, der zu einem grossen Teil die Vorstellungen über die Rasse aus Hongkong widerspiegelt und weniger die aus China. Gleiches gilt für das Logo.
Veränderungen
Seitdem haben sich einige Dinge geändert:
-
Der Dali Shar Pei Club ist heute ein größtenteils privater Club, der zwar noch ein wenig eingeschränkt ist, aber der Schutz des chinesischen Typs steht wieder auf der Tagesordnung.
-
Das gegenseitige Verständnis der unterschiedlichen Ausgangssituation, als auf beiden Seiten der Grenze die reine Shar Pei Zucht begann, wächst durch mehr Austausch.
-
Das genetische Wissen, das wir heute über die Rasse haben, hilft, die verschiedenen Erscheinungsformen der Rasse zu verstehen. Und dieses Verständnis macht die "was ist richtig und was ist falsch Frage" überflüssig.
Fazit
-
Ein Shar Pei ist ein Shar Pei, solange er dem Standard entspricht und alle seine einzigartigen Eigenschaften aufweist.
-
Es gibt kein Richtig oder Falsch.
-
Ein traditioneller Shar Pei mit der Bedeutung, die wir im Westen von ihm haben, existiert nicht, es ist nur ein Marketingbegriff, der von einigen verwendet wird.
Zukunftsaussichten
In der Vergangenheit wurde ein Keil zwischen China und Hong Hong getrieben, der die gesamte Shar Pei Szene auf beiden Seiten belastet und verändert hat. Jetzt ist es Zeit, diesen Keil herauszuholen, die Wunden zu heilen und in die Zukunft zu schauen. Es ist Zeit, zusammen zu wachsen, nicht mehr über richtig oder falsch zu kämpfen und einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden.
Mit diesem Hintergrund haben wir uns entschlossen, 2020 eine Shar Pei Konferenz in China abzuhalten, die vom Dali Shar Pei Club und mir, als Mitglied dieses Clubs organisiert wird. Wir werden Vorträge und Diskussionen zu verschiedenen Themen halten, von Genetik bis Gesundheit, über Standard bis Geschichte. Wir versuchen, alle Bereiche abzudecken. Wir glauben an Zusammenarbeit als den besten Weg für die Zukunft der Rasse.