Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03509.jsonl.gz/364

E-Mail-Adresse für den Newsletter
1987 hatte er es geschafft. Charles Bukowski war in Hollywood angekommen. Sein Leben wurde mit Mickey Rourke und Faye Dunaway verfilmt und seine Frau Sarah liebte ihn und er lebte in einem Häuschen in San Pedro L.A. mit 5 Katzen. Was braucht man mehr, um glücklich zu werden?
Sein Roman "Hollywood" entstand zwei Jahre nach den Dreharbeiten zum Film und verwendet andere Namen für Regisseur und Schauspieler. Schließlich sollte es Fiction bleiben, sonst könnte ja einer klagen. Nichtsdestotrotz ist der Roman aber Barbet Schroeder gewidmet. Das Drehbuch zum Film war bereits Anfang der 1980er-Jahre entstanden, aber die Filmfirma stornierte das Projekt mehrmals aufgrund von Geldmangel und "weil keiner das Drehbuch mochte". Das betont Bukowski mehrmals, denn er wurde nicht nur vom Filmteam, sondern auch von den Schauspielern mehrmals gebeten es umzuschreiben. So kam Faye Dunaway übrigens zu ihrer Beinszene. Dabei hat Bukowski einen wirklich guten Sinn für Dialoge, das bestätigen wohl alle seine Short Stories und Romane. Mit dem Vorschuss vom Film machte sich Bukowski dann auch auf die Suche nach seinem Häuschen, nachdem er in L.A. mehrere Jahre in Bruchbuden gelebt hatte. Inzwischen war er 65 Jahre alt geworden. In nur zehn Jahren hatte er es vom Postmann zum Schriftsteller und Drehbuchautor und nicht zuletzt zum Protagonisten eines Hollywood-Films geschafft: "Das Leben beginnt mit 65."
Wer "Hollywood" liest, wird seine Frauengeschichten vermissen, schließlich war Bukowski ja mit Frau und Haus und 5 Katzen seriös geworden. Sein schriftstellerischer Duktus und seine Dialoge fetzen aber immer noch so sehr, dass man auch "Hollywood" nur schwer weglegen kann. Bukowski verrät in vorliegendem Roman übrigens auch sein Wettsystem bei Pferderennen und warum er es mehr als alles andere liebt. Besonders berührend sind die Szenen, wenn er bei den Dreharbeiten sich selbst als jungen Mann sieht und gerne wieder dazugehören würde. Besonders bei seinen legendären Faustkämpfen. Auf seinem Grabstein in der Nähe seines Hauses ist wohl nicht zuletzt deswegen ein Boxer abgebildet und der Spruch "Don’t try!". Charles Bukowski, geboren am 16. August 1920 wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Er starb im Alter von 74 an Leukämie. Sein Leben und seine Zeilen gingen "bim, bim, bim". RIP.