Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/2930

Der Januar hat im Ski-Zirkus einen besonderen Stellenwert. Es ist der Monat der Klassiker. Nach Adelboden stehen dieses Wochenende die Lauberhornrennen auf dem Programm. Nebst Slalom und Super-Kombination, findet mit der Abfahrt am Samstag der Höhepunkt der Veranstaltung statt.
Startschuss
Der Start der Lauberhornabfahrt befindet sich auf 2315 Metern über Meer. Hier erinnert ein Gedenkstein an den Anfang der Rennen in Wengen. 1930 setzte Ernst Gertsch seine Unterschrift unter die Gründungsurkunde der Lauberhornrennen und im selben Jahr werden die ersten Rennen durchgeführt. Gertschs Name findet sich nicht nur in der Gründungsurkunde, er wird auch in der Gewinnerliste der Lauberhornrennen geführt – Gertsch gewann 1930 den ersten Slalom auf dem Jungfraumassiv.
Hommage à Russi
Nachdem es am Start “recht gemütlich weg geht”, wie es Hans Knauss, siebenfacher Weltcupsieger, bei seiner letztjährigen Kamerafahrt als Experte für den Fernsehsender Sport1 bezeichnete, erreichen die Fahrer den ersten Sprung.
Benannt nach einer Schweizer Skilegende, findet der Russisprung nur zufällig Aufnahme in die Abfahrtsstrecke. Nachdem Bernhard Russi im Zuge einer Fernsehsendung den “perfekten Sprung” an der Lauberhornschulter erbauen liess, wurde dieser kurz darauf zu einem dauerhaften Bestandteil der Rennstrecke. Russi selbst gewann die Abfahrt nie. 1973 belegte er zwar den ersten Platz am Lauberhornrennen, dieses wurde jedoch in Grindelwald ausgetragen. Seine beste Platzierung in Wengen ist der 3. Rang im Jahr 1977.
Gestrichene Frauenabfahrt
Spätestens im Traversenschuss wird auch den Fernsehzuschauenden klar, welches Risiko der Rennfahrer auf sich nimmt. Hier erhöht sich die Geschwindigkeit innerhalb von fünf Sekunden von 100 auf 130 Kilometer pro Stunde. Mit diesem Tempo schiesst der Fahrer auf das Markenzeichen der Abfahrt zu, den Hundschopf. Mit 41 Grad Neigung findet sich hier die steilste Stelle der gesamten Strecke.
Die einzige internationale Frauenabfahrt fand 1947 in Wengen statt. Der Start lag direkt unterhalb des Hundschopfs und die Bündnerin Lina Mittner ging als Siegerin hervor. 1950 plante die Rennleitung sowohl einen Slalom als auch eine Abfahrt für die Athletinnen ein. Allerdings entschied die Rennleitung, dass die Abfahrtspiste zu vereist sei für die Frauen und sagte das Rennen ab.
Trio infernal
Es folgt die Minschkante, wo 1965 der Bündner Josef Minsch schwer stürzte. Unmittelbar darauf eröffnet sich den Fahrern der Canadian Corner, der gleich zwei Kanadiern zum Verhängnis wurde. 1976 warf diese Stelle sowohl Dave Irwin als auch Ken Read aus dem Rennen.
Kaum überstanden, steht bereits der Alpweg und das Kernen-S auf der Strecke. Die drei Meter breite Schikane mit zwei engen Kurven bremst den Fahrer innerhalb von Sekunden von 100 auf 70 bis 80 Stundenkilometer herunter.
Jahrelang war die Passage unter dem Namen Brüggli-S bekannt. 2007 erhielt die Stelle, anlässlich des Rücktritts von Bruno Kernen, einen neuen Namen. Der Lauberhorn-Gewinner von 2003 stürzte 1997 an dieser Stelle schwer, überstand den Unfall jedoch beinahe unverletzt.
Mit 90 bis 100 Kilometern pro Stunde gilt es anschliessend den nur neun Meter breiten Tunnel, die sogenannte Wasserstation, zu treffen, der unter den Gleisen der Wengneralpbahn durchführt.
Verschnaufpause
Das Langentrejen bietet eine willkommene Verschnaufpause. Nach den langezogenen Kurven folgt der Hanneggschuss, der 2013 für die höchste je gemessene Geschwindigkeit im alpinen Skiweltcup sorgte. Johan Clarey erreichte 161,9 Stundenkilometer.
Nach einem Flachstück, dem Seilersboden, überwinden die Fahrer seit 2003 den Silberhornsprung. Gefolgt vom Österreicherloch, wo 1954 drei österreichische Favoriten ihre Siegeshoffnungen begraben mussten. Nebst Toni Sailer, dem vierfachen Gewinner der Lauberhornabfahrt, erwischte es auch Anderl Molterer und Walter Schuster. Gewonnen hat mit Christian Pravda trotzdem ein Österreicher.
Purzelnde Zieleinfahrt
Nach der vermeintlichen Erholung fordert das Ziel-S vom Fahrer die Mobilisierung der letzten Kraftreserven. Mit dem letzten Sprung vor der Zieleinfahrt, dem Zielschuss, gilt es nur noch über die Ziellinie zu fahren. Leichter gesagt als getan. 2007 stürzte Bode Miller im Zielschuss, überquerte purzelnd die Ziellinie und gewann trotzdem. Ein Sturz, der nach knapp viereinhalb Kilometern und 1028 Metern Höhendifferenz verständlich ist.