Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03388.jsonl.gz/469

Nathan Englander (US)
Das Ministerium für besondere Fälle
Luchterhand Literaturverlag, 2008
Der jüdische Autor Nathan Englander debütierte im Jahr 2000 mit dem Erzählband „For the Relief of Unbearable Urges“ — eine Sammlung, für die er den unglaublichen Vorschuss von 350.000 Dollar erhielt. Drei seiner Erzählungen wurden in die Anthologie „The Best American Short Stories“ aufgenommen. In seinem ersten Roman „Das Ministerium für besondere Fälle“ erzählt Englander mit Witz und Phantasie die Geschichte einer jüdischen Familie in Argentinien zur Zeit der Militärdiktatur. Die Junta führt einen schmutzigen Krieg gegen die eigene Bevölkerung, lässt Tausende von Dissidenten spurlos verschwinden. Ein aufwühlender Roman über eines der schwärzesten Kapitel der argentinischen Geschichte.
Aus: Das Ministerium für besondere Fälle. Luchterhand Literaturverlag, 2008
So war es immer bei Kaddisch Poznan, irgendetwas ging immer schief. Er schüttelte den Kopf und spuckte, ohne sich weiter darum zu scheren, zwischen den Erdhügeln.
„Das ist eine Leiche“, sagte Pato.
„Wir sind auf einem Friedhof. Da werden die aufbewahrt.“
Da sie sich auf der Seite der Vereinigten Gemeinden befanden, stampfte Kaddisch mit dem Fuss auf. „Hier stehen wir auch auf einer drauf.“ … Nach zweiundfünfzig Jahren in jener Stadt war Kaddischs Blindheit genauso scharf wie sein Sehvermögen. Er hatte gelernt, keine Probleme zu sehen, die nicht zuerst ihn sahen.