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Die Bürger wählten neben dem Staatschef auch das Unterhaus des Parlaments in der Hauptstadt Monrovia neu. Dem in der Vergangenheit von Bürgerkriegen und der Ebola-Epidemie erschüttertem Land steht mit der Wahl der erste demokratische und friedliche Machtwechsel seit mehr als 70 Jahren bevor. Der Wahlkampf verlief friedlich.
Rund 2,2 Millionen Liberianer waren am Dienstag an die Urnen gerufen worden. Die Wahllokale sollten um 19:00 Uhr MESZ schliessen. Erste belastbare Ergebnisse werden am Mittwochabend erwartet - Ergebnisse sollen erst am Donnerstag verkündet werden.
Der Ausgang der Präsidentschaftswahl galt als völlig offen. Gute Chancen wurden dem früheren Profi-Fussballer George Weah eingeräumt, der bei den Wahlen 2005 und 2011 gegen Johnson-Sirleaf verloren hatte. Der 51-Jährige gehört zur grössten Oppositionspartei, zur Koalition für Demokratischen Wechsel (CDC).
Als aussichtsreich galten auch die Kandidaturen des 72-jährigen Vizepräsidenten Joseph Boakai von der regierenden Partei für Einheit (UP) und jene des langjährigen 66-jährigen Oppositionspolitikers Charles Brumskine von den Liberalen (LP). Sollte kein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen, wird es am 7. November eine Stichwahl der beiden Bestplatzierten geben.
Ellen Johnson-Sirleaf hatte das frühere Bürgerkriegsland zwölf Jahre lang regiert. Sie war die erste Frau in Afrika, die zur Staatschefin gewählt wurde. Der scheidenden Präsidentin wird zugute gehalten, das verarmte und kriegszerstörte Land stabilisiert zu haben.
Sie war 2011 für ihre Arbeit zur Befriedung des von 14 Jahren Bürgerkrieg zerrütteten Landes mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Nach zwei Amtszeiten durfte sie nicht erneut kandidieren.
"Die Zukunft liegt in Eurer Hand", sagte die 78-jährige scheidende Präsidentin in ihrem Wahlaufruf am Montag. Sie rief die Wähler in dem Vielvölkerstaat auf, nicht nach "Volkszugehörigkeit, Religion oder Stammesgruppierung" abzustimmen, sondern im Interesse des Landes und ihrer Kinder und Enkel.
"Wählen sie die Person und die Menschen, von denen sie glauben, dass sie Liberia zu einem besseren Land machen werden", sagte sie am Vorabend der Wahl in einer Rede an die Nation.
Johnson-Sirleaf hat erfolgreich die Demokratie in Liberia gefestigt, doch ihr Nachfolger wird alle Hände voll zu tun haben, denn die Wirtschaft liegt brach. Die Ebola-Epidemie zwischen 2014 und 2016 hat die Wirtschaft stark belastet - mehr als 4000 Menschen fielen ihr zum Opfer. Das öffentliche Leben stand zeitweise still - das Land wurde um Jahre zurückgeworfen.
Zudem brachen die Preise der wichtigen Exportprodukte Gummi und Eisenerz ein. Liberia zählt nach einem UNO-Index mit 4,6 Millionen Einwohnern zu den 15 ärmsten Ländern der Welt. Der neue Präsident wird nur wenig Mittel zur Verfügung haben, um das Schicksal der Bevölkerung zu verbessern: Liberias Staatshaushalt hat ein Volumen von gut 500 Millionen Dollar.
(SDA)