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Sturm-und Drang-Zeit
Dank der Dauerleihgabe der Sammlung von Walter und Maria Strebi-Erni kann das Hans Erni Museum sehr frühe Arbeiten von Hans Erni präsentieren, die bereits auf seine wohl wichtigste Schaffensperiode in den späteren 30er Jahren hinweisen. Diese Arbeiten stammen quasi aus seiner Sturm-und Drang-Zeit, als er seine ausserordentlichen Fähigkeiten als Zeichner aus seiner Lehre als Vermessungstechniker und Bauzeichner und Einflüsse als Student der Kunstgewerbeschule Luzern sowie der Académie Julien in Paris verarbeitete. In diese Zeit fällt auch die vertieftere Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Malerei in Frankreich, die ihn teils beeindruckt und auch stark beeinflusst hat. 1928 und 1929 war er Schüler an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin.
Hans Ernis Pariser Zeit
Wie stark ihn die zeitgenössische Malerei in seiner Pariser Zeit beeinflusst hat, zeigt sich u.a. daran, dass er in jener Zeit seine Werke sowohl unter dem Pseudonym «françois grèques» als auch mit dem Namen Erni unter dem Eiffelturm signierte. Er hatte in jener Zeit Kontakt zu verschiedenen Malern und Bildhauern wie Arp, Brancusi, Calder, Kandinsky, Mondrian u.a.m. Kommerziell waren alle diese Künstler in jener Zeit noch wenig erfolgreich unterwegs und nur dank der Unterstützung seiner Schwester Maria und seines Schwagers Walter konnte Hans Erni die Miete und die benötigten Malutensilien in Paris kaufen. Das morgendliche Baguette aus der nahen Boulangerie war schon auf dem Heimweg meistens zur Hälfte aufgegessen, wie Doris mir einmal erzählt hat. Neben Arbeiten in Öl und Originalskizzen in Tusche und Bleistift finden sich in der Sammlung auch Radierungen. Thematisch umfassen die Werke sowohl Porträts, Tierdarstellungen, Stillleben und mehrfigurige Kompositionen wie Mutter mit Kind – alles Motive, die uns in späteren Werken immer wieder begegnen.
«abstraction-création»
Speziell einige dieser frühen Werke weisen auf die wichtige Arbeitsperiode hin, die unter dem Begriff «abstraction-création» (1933–1938) in die Kunstgeschichte eingegangen ist. Was wäre wohl geschehen, wenn Hans Erni nicht das grosse bilderbuchhafte Wandbild «Die Schweiz, das Ferienland der Völker» für die Landesausstellung 1939 gemalt hätte? Oder, wenn der Krieg nicht ausgebrochen wäre, und er in den folgenden sechs Jahren sich nicht mit dem Bemalen von Holzställen, als getarnte Kriegsbunker, hätte beschäftigen müssen? Diese frühen Werke mögen aufzeigen, wohin seine künstlerische Entwicklung auch hätte gehen können. Vielleicht würde heute, im Metropolitan Museum in New York neben Jean Hélions Arbeit Stehende Figur von 1936 aus Sammlung Joseph Cantor ein Erni aus der gleichen Zeit hängen? Passen würde es allemal.
Textgrundlage: Marco Crameri, Stiftungsrat Hans Erni-Stiftung