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Hochparterre 08/2009
Gärtner ohne Grenzen
On Guerilla Gardening, a Handbook on Gardening without Boundaries
Richard Reynolds, Bloomsbury 2008 (deutsch 2009 bei Orange-Press)
Das wunderbare Umschlagbild der englischen Ausgabe führt perfekt zum Thema des Buches: hochglanzlackiertes und buntes Geblüm wuchert aus einer matten, schwarz-grauen Skyline. Der Autor erzählt fundiert und mit viel Witz die Geschichte der grünen Guerillas, die sich seit den 1970er Jahren in Grossstädten rund um den Globus brachliegenden Bodenflächen annahmen, um durch illegale Bepflanzung ihre Stadt lebenswerter zu machen. Der Terminus Guerilla Gardening wurde 1973 in New York kreiert, als junge Leute ein verlassenes Grundstück in der Eastside mühselig zu einem Gemeinschaftsgarten machten. Die Aneignung von öffentlichem Raum in Städten, die von höheren Mächten – Besitz und Verkehr – gelenkt zu sein scheinen, bleibt auch in weniger ideologischen Zeiten sehr aktuell. Der überlieferten Ansicht, dass gärtnern könne, wer Land besitze oder ein Erlaubnis in einem anderen Garten bekomme, stellt Reynolds die Tatsache entgegen, dass heute die meisten Leuten in Städten wohnen und kein Land besitzen. Und er gibt praktische Tipps, mit unzähligen Fotos aus der Feldarbeit illustriert. Als echter Guerillero unterweist er im Bombenbau (Samenbomben), chemischer Kriegsführung (düngen) und vielem mehr. Nicht zuletzt gibt es auch Zürcher, die des Nachts umgehen und erfolgreich Malvensamen streuen!
Text © Barbara Wiskemann