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Ein Western der ganz anderen Art: Cookie (John Magaro), Koch einer Trappertruppe, und King-Lu (Orion Lee), ein Chinese auf der Flucht, spannen zusammen im Wilden Westen und brillieren mit Gebäck. (Sister Distr.)
Karriere dank einer Kuh im Wilden Westen
Am Anfang wurden zwei Skelette entdeckt, die friedlich nebeneinander ruhen. Dann wird ihre Geschichte erzählt, die sich um 1820 abgespielt haben soll. Die amerikanische Autorin und Regisseur Kelly Reichardt erweckt sie zu Leben 160 Jahre danach …
Wie der Titel schon ankündigt, geht es um eine Kuh, scheinbar die einzige weit und breit im Oregon Territorium (um 1820). Sie wird vom englischen Landlord Chief Factor (Toby Jones) gehalten, um seinen Tee zu «veredeln». Besagte Kuh, exakter ihre Milch, entdecken zwei Männer, die sich in der Wildnis gefunden haben: Otis Figowitz genannt Cookie (John Magaro), der seinen Job als Koch bei Pelztierjägern quittiert hat, und der Chinese King-Lu (Orion Lee), der auf der Flucht ist. Cookie träumt von einem Hotel oder einer Bäckerei, der Chinese von einer Farm. Und so kommt das ungleiche Pärchen auf die grandiose Idee, «Guetzli» zu backen und zu verkaufen – verfeinert mit Kuhmilch. Ihr Gebäck, versüsst mit Honig, wird zum Hit auf dem lokalen Markt. Der Dollar rollt, bis die beiden Produzenten eines Nachts beim Milchklau entdeckt werden …
Die Entdeckung der Skelette bilden quasi den Prolog zu einer Westernromanze (ohne Sex und Schiesserei): Eine junge Frau und ihr Hund stossen 1980 auf ein überwuchertes Grab mit zwei Skeletten, die offensichtlich aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen. Sind es die beiden Partner, deren Coup mit leckerem Gebäck dazumal aufgeflogen war?
In diesen Corona-Zeiten kann der Weg ins Kino lang, sehr lang werden. Kelly Reichardts wehmütiger Western «First Cow» startete im August 2019 an einem Filmfestival in Colorado, wurde dann an den Filmfestspielen in Berlin (dort von mir visioniert) aufgeführt und in Locarno 2020 gezeigt. Er gelangt jetzt in unseren Kinos.
Die amerikanische Drehbuchautorin und Regisseurin Kelly Reichardt liess sich von Jonathan Raymonds Roman «The Half-Life» (2004) inspirieren. Sie ist eine langjährige Wegbegleiterin des Autors, der auch am Film mitarbeitete. Ihr Film «The First Cow» ist nur dem Schein nach ein Western. Er spielt unter Trappern, Pionieren und frühen Siedlern, verzichtet aber auf Westerninsignien und -anleihen. Er beschreibt eine tiefe Freundschaft, die von Vertrauen und Zuneigung getragen wird – eine aussergewöhnliche Episode und poetisches Drama im Wilden Westen zugleich.
USA 2021
122 Minuten
Buch und Regie: Kelly Reichardt (mit Jonathan Raymond)
Kamera: Christopher Blauvelt
Darsteller: John Magaro, Orion Lee, Rene Auberjonois, Toby Jones, Ewen Bremner
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