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Eine Familie für gefährdete Kinder
Im 2016 feierte OM Philippinen 15 Jahre Arbeit mit armen, ausgegrenzten Kindern. Diese Arbeit begann 2001 mit dem Besuch der MV Doulos: Die Mannschaft traf sich mit den Kindern, die in den Strassen von Cebu lebten und erklärten ihnen Gottes Wort. Fünf junge Menschen unter der Leitung von Sally Ababa, einer ehemaligen Schiffsmitarbeiterin und heutigen Leiterin von OM Philippinen, führten die Arbeit weiter, nachdem das Schiff den Hafen verlassen hatte. Die Arbeit wuchs in der Stadt Cebu und breitete sich bald über die ganze Insel aus.
Im Jahr 2009 wurde für die vielen Jugendlichen, die aus irgendeinem Grund nicht mehr zur Schule gehen, das Alternative Learning System (ALS) aufgebaut. OM ist die einzige Hilfsorganisation auf der Insel Cebu, die ALS anbietet. Die meisten Schüler stammen aus armen, nicht funktionierenden oder einfach nicht interessierten Familien. Sie würden ihre Schulabschlussprüfungen ohne die Hilfe und Unterstützung von OM-Mitarbeitenden niemals bestehen.
Viermal wöchentlich werden die Fächer Englisch, Naturkunde und Filipino unterrichtet. Jeden Freitag lernen sie die Bibel kennen. An Wochenenden besuchen die Lehrer ihre Schüler zuhause und bauen Beziehungen zu ihren Familien auf.
Genevieve musste die Schule verlassen, weil ihre Eltern die Schulgelder nicht mehr bezahlen konnten. Zum Glück wurde sie von jemandem auf ALS aufmerksam gemacht. Dank der Unterstützung durch OM-Mitarbeitende konnte Genevieve 2011 die Schule mit einem Diplom abschliessen. Jetzt ermöglicht ihr OM die Ausbildung zur Hotel- und Restaurantmanagerin. Sie träumt davon, ihr eigenes Geschäft zu besitzen und zu führen. „Meine Ausbildung ist ein Segen, aber noch mehr gesegnet bin ich mit Menschen, die mich in meinem persönlichen Wachstum als Frau unterstützen”, erzählt Genevieve.
Der Ruf nach Afrika
Christina aus England wusste, dass sie mit obdachlosen Kindern arbeiten sollte. Eine Missionsgesellschaft versicherte ihr, dass sie wegen ihrer chronischen Krankheit nie in Afrika arbeiten könne. Seit vielen Jahren arbeitet Christine nun aber schon mit OM in Afrika.
1996 begann sie, mit der Hilfe von Freiwilligen, ein Zentrum für obdachlose Strassenjungen im Sudan aufzubauen. Schliesslich umfasste diese Arbeit vier Notschlafstellen, ein Drogenberatungsprogramm und ein Haus mit betreutem Wohnen. Alles diente dazu, den Jungen angemessene Umgangsformen beizubringen und ihnen die Wiedereingliederung in lokale Schulen zu ermöglichen. In einem Zentrum befand sich auch eine Berufsschule.
Das Programm verfolgte das Ziel, die Jungen von der Strasse zu holen, zu rehabilitieren und in ihren Familien wiedereinzugliedern, wo sie bis zu ihrer Mündigkeit bleiben konnten. Über 300 Jungen kamen durch diese Zentren von der Strasse weg und fanden Hoffnung in Jesus.
„Es bereitete uns grosse Freude zu sehen, wie diese Jungs von Süchten und vielen anderen Problemen befreit wurden und sich zu gesunden, wunderbaren Burschen entwickelten, die Gott liebten und ein wertvoller Teil ihrer Gesellschaft wurden“, erzählt Christine.
Als der Sudan 2011 in zwei Länder aufgeteilt wurde, mussten alle ausländischen Christen, inklusive Christine, das Land verlassen. Zwei der Zentren arbeiteten trotzdem weiter; eines unter der Aufsicht einer Partnermission und das andere unter der Leitung einiger der älteren Jungen mit finanzieller Unterstützung eines lokalen Geschäftsmannes. Die Jungen aus den beiden Zentren, die geschlossen werden mussten, konnten in Gastfamilien platziert werden.
Bevor die Zentren gebaut wurden, hielt OM jeden Freitag einen Nachmittag, an dem sie Drogenberatung anboten. Dabei lernten sie Karl* kennen, einen an Tuberkulose erkrankten Teenager, der am Stock ging. Sie brachten ihn in ein Spital, wo er für sechs Monate auf der TB-Abteilung blieb. Danach zog er ins OM-Zentrum und schloss dort seine Schulbildung im Alter von 21 ab. Anschliessend arbeitete er mit drei weiteren Schulabgängern in einer Fabrik.
Eines Tages war Karl verschwunden. Sechs Wochen später fand ihn das Team in einem Gefängnis. Er war schwer krank. Die Polizei übergab ihn dem OM-Zentrum. Die Ärzte diagnostizierten verschiedene schwere Krankheiten und gaben dem todkranken Karl gerade mal drei Monate zu leben. Heute, 16 Jahre später, lebt Karl immer noch im Zentrum.
Als die Ausländer ausgewiesen wurden, übernahm Karl zusammen mit einem weiteren Mann, der im Zentrum aufgewachsen war, die Aufsicht über das Zentrum. Im Rollstuhl und noch immer mit mehreren medizinischen Problemen arbeitet Karl auch heute noch mit Strassenjungen.
Im 2013 zog Christine nach Sambia und gründete das Africa Area Hope on the streets for Children, ein Schulungsprogramm, welches die afrikanische Kirche auf Strassenkinder aufmerksam macht. „Unsere Vision ist, dass die afrikanische Kirche zu einer guten Familie für die Strassenkinder und Jugendlichen wird”, erklärt Christine. Projekte, die sich aus diesem Programm entwickeln, werden von der Kirche geführt, von Einheimischen verantwortet und bringen so Veränderung in die Gesellschaft.
Ein geistliches Fundament
Mercy Team International (MTI) wurde 2002 als integraler Teil von OMs Arbeit in Südostasien gegründet. MTI möchte, zusammen mit anderen christlichen Organisationen und Personen, Menschen zur Seite stehen, die von Armut und Unterdrückung betroffen sind. An der Grenze Thailand-Myanmar führt MTI die School of Mercy für 130 Mon- und Karen-Kinder, die mehrheitlich aus lokalen Flüchtlingsfamilien stammen. Wegen den herrschenden Unruhen ist es für die Kinder in den Dörfern und in der umliegenden Dschungelregion schwierig, Zugang zu einer Schule zu erhalten. An der Schule von MTI bekommen die Kinder einmal pro Woche eine gute, nahrhafte Mahlzeit. Über 30 Kinder leben im Wohnheim und erhalten dort regelmässig Essen und einen sicheren Ort zum Leben.
Im Dezember 2016 besuchte die OM-Volontärin Kalene Lua mit einem Team die Schule. Sie hatten 300 Geschenke für ein Weihnachtsfest mit den Kindern im Dorf eingepackt. „Als Phaw Phaw Dar eintrat, wurde ich wegen ihres leuchtenden Lächelns auf sie aufmerksam”, erzählt Kalene, die als Schülerin an der School of Mercy Jesus Christus kennengelernt hatte. Phaw Phaw Dar war 12, als sie realisierte, dass Weihnachten nicht bloss eine Zeit der Feste und Geschenke war. „Bevor ich Jesus kannte, war mein Leben von Sorge geprägt”, sagte Phaw Phaw Dar zu Kalene. „Nachdem ich jetzt weiss, was Weihnachten wirklich bedeutet, habe ich nun einen guten Grund, im Glauben fest zu stehen und eine Hoffnung für meine Zukunft zu haben.”
Das Weihnachtsprogramm an jenem Abend begann mit einem Gottesdienst, der im ganzen Dorf zu hören war. Elijah Sim, ein OM-MTI-Vorstandsmitglied, sprach über die Hoffnung in Jesus. „Diese Nachricht ist ergreifend für viele Eltern, die in unglaublicher Armut leben, aber gerne eine bessere Zukunft für ihre Kinder hätten”, sagte Kalene. „Phaw Phaw Dar ist eine Ermutigung für das Schulteam, das versucht, den Kindern und der Dorfgemeinschaft zu dienen, indem sie eine qualitativ hochstehende Ausbildung und ein starkes geistliches Fundament anbieten, das den Kindern eine bessere Zukunft ermöglicht.“
*Name geändert
Rebecca Rempel ist Fotojournalistin und kommt aus Kanada. Sie arbeitet mit dem Kommunikationsteam von OM Afrika, reist durch Afrika, fotografiert und schreibt über die Arbeit, die Gott auf dem afrikanischen Kontinent tut.