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SNF-Forschungsprojekt zur Basler Mission
Der Schweizerische Nationalfonds fördert ein neues Forschungsprojekt des Europainstituts. Der Stipendiat Matthäus Feigk wird sich in den kommenden drei Jahren mit der Basler Mission als globalen Akteur im Zeitraum zwischen 1910 und 1925 befassen. Geleitet wird das Projekt von Institutsdirektorin Madeleine Herren-Oesch.
Missionare waren im ausgehenden 19. Jahrhundert global bestens vernetzt und die 1815 gegründete Basler Mission einer der bedeutendsten Global Players dieser Zeit. Die grenzüberschreitenden Kompetenzen der Missionsangehörigen wurden über die Verbreitung christlich-abendländischer Werte hinaus weltweit nachgefragt. Sie standen in Kontakt mit verschiedenen Kolonialverwaltungen, waren an globalen Handels-, Bank- und Kreditgeschäften beteiligt und gründeten konfessionsübergreifende internationale Organisationen. Das Forschungsprojekt "Zwischen Glaube, Handel und Internationalismus: Die Basler Mission als globaler Akteur, 1910-1925" stellt die Basler Mission in einen globalen Kontext und geht dabei über die Missionsgeschichte hinaus.
Inhalt und Ziele
Die Geschichte der Basler Mission erlaubt aus globalhistorischer Sicht Erkenntnisse über die Entwicklung globaler Kompetenzen zu gewinnen, die bereits im 19. Jahrhundert weit über das Ziel der Verbreitung christlich-abendländischer Werte hinausgingen. Am Beispiel der Basler Mission lässt sich die offensichtliche Vernetzung der Welt verdeutlichen, deren Einfluss auf die Kolonialverwaltungen aufzeigen und deren Beteiligung an globalen Handels-, Bank- und Kreditgeschäften diskutieren. Zur Stärkung grenzübergreifender Handlungsmöglichkeiten wählten religiöse Bewegungen auch die säkulare Form der internationalen Organisationen, wie die 1877 gegründete Alliance of Reformed Churches und der 1920 gegründete Internationale Missionsrat. Wir fragen nach der internationalen Vernetzung der Entscheidungsträger und testen die gewonnenen Aussagen an Widerständen und Grenzen. Dabei stehen die britische Internierung von Angehörigen der Basler Mission während des Ersten Weltkriegs und die Blockierung der Güter der missionseigenen Handelsgesellschaft in den britisch besetzten afrikanischen Territorien und in Indien im Zentrum des Interesses.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext
Das Projekt untersucht die Entstehung globaler Expertise sowie die Entwicklung transkultureller Handlungskompetenzen jenseits nationalstaatlicher Institutionen. Damit leistet es einen Beitrag zu Verständnis und Bedeutung der Globalisierung und deren Erscheinungsformen im Kontext einer in der Schweiz beheimateten und mit dieser eng vernetzten, international tätigen Organisation.
Über die Wissenschaftler
Matthäus Feigk ist neuer Stipendiat am Europainstitut und gehört zudem dem Departement Geschichte der Universität Basel an. Er studierte Mittlere und Neuere Geschichte, Deutsche Philologie und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Heidelberg. Daneben arbeitete er als studentische Hilfskraft an der Digitalisierung des Orbis Latinus am Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften. Überdies wirkte er am Forschungsprojekt „Der Reisebericht Hans Dernschwams (1553 – 1555)“ am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg mit. Außerdem war er am Deutschen Apotheken Museum beschäftigt.
Madeleine Herren-Oesch ist Direktorin des Europainstituts und Professorin für Geschichte. Zu ihren Forschungsinteressen gehören die Europäische Geschichte und Globalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die Geschichte internationaler Organisationen, die Entwicklung transnationaler Netzwerke und grenzüberschreitender zivilgesellschaftlicher Aktivitäten, Enzyklopädien, Wissenstransfer und Informationskulturen, sowie Methoden und Theorien der Geschichtswissenschaft im digitalen Zeitalter.
Der Schweizerische Nationalfonds
Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) fördert im Auftrag des Bundes die Grundlagenforschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen, von Geschichte über Medizin bis zu den Ingenieurwissenschaften. Er unterstützt jährlich über 3400 Projekte mit rund 14000 beteiligten Forschenden. Der SNF ist damit die wichtigste Schweizer Institution zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.