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Gletscherüberwachung Weissmies
Ausgangslage
Die bekannten Berge Fletschhorn (3993 m), Lagginhorn (4010 m) und Weissmies (4017 m) sind beliebte Walliser Tourenziele und befinden sich zwischen dem Saastal und dem Simplonpass. Im Tal liegt das Dorf Saas Grund und dazwischen das Skigebiet Hohsaas mit Blick auf den Triftgletscher in der Nordostflanke des Weissmies (Karte unten). Im Sommer 2014 wurde am Hängegletscher eine erhöhte Eisschlagaktivität festgestellt (Meldung auf alpine Sicherheit). Bis vor wenigen Jahren wurde der Hängegletscher durch Eismassen von unten abgestützt, die sich mittlerweile jedoch durch die Gletscherschmelze (Vergleich hier) zurückgezogen hatten. Als Folge drohte ein Teil des Gletschers abzustürzen, was je nach Art und Weise des Absturzes bis nach Saas Grund Auswirkungen haben könnte.
Lösung
Für die permanente Überwachung der Deformation von Felswänden oder Gletschern ist das interferometrische Radar eine geeignete Technologie, da es unabhängig von Tageszeiten oder schlechtem Wetter kontinuierlich Daten liefert. Das Radar erlaubt es, genaue und örtlich hochaufgelöste Bewegungsdaten zu messen. Als idealer Messstandort wurde die Bergstation Hohsaas auf 3141 m eruiert. Die erhöhte Lage stellt dabei höhere Anforderungen an die Geräte und die verwendeten Algorithmen zur Korrektur der atmosphärischen Einflüsse. Seit der Installation lieferte das Radar bei guten atmosphärischen Bedingungen eine Messung pro Stunde. Bei starkem Schneefall oder Wind fielen die Messungen teilweise für einige Stunden aus. Nach 2.5 Jahren ununterbrochenem Radarbetrieb zeigte sich, dass an 95% aller Tage qualitativ gute Messungen verfügbar waren. Während diesem Messzeitraum konnten diverse Gletscherabbrüche jeweils einige Tage im Voraus erkannt werden. Die Interpretation der Gletscherbewegungen erfolgt durch die Gruppe von Prof. Martin Funk an der VAW/ETH Zürich und das Büro wasser/schnee/lawinen in Brig. Hier ein Beispiel einer Eislawine aus dem Jahre 2014.
Die Bewegungen des instabilen Gletscherbereichs nahmen von anfänglich 20 cm pro Tag kontinuierlich auf etwa 5 cm pro Tag ab. Deshalb wurde Anfang 2017 eine neue Langzeitüberwachung mit einer hochauflösenden Kamera mit automatischer Deformationsanalyse parallel zum Radar getestet. Die HD-Kamera lieferte hervorragende Ergebnisse und bewährte sich als kostengünstige Alternative zu den Radarmessungen, soweit Wettereinflüsse keine Rolle spielen. Neben der Bildanalyse konnte diese Kamera zudem bei Tag und guten Sichtverhältnissen zur unabhängigen Überprüfung der Radar-Messdaten verwendet werden. Das Radar wurde nach 2.5 Jahren ununterbrochenem Betriebs im Frühling 2017 abgebaut und die HD-Kamera übernahm die alleinige Überwachung des Triftgletschers.
Gletscherabbruch September 2017
Nachdem Ende August 2017 über ca. 2 Wochen mit den Deformationsanalysen der Kamera eine starke Beschleunigung des instabilen Gletschergebiets festgestellt worden war, wurde am 7. September 2017 notfallmässig wieder das Radargerät installiert. Die Radardaten bestätigten die Kameramessungen und lieferten trotz des schlechten Wetters stündlich Daten. Die Gletscherfliessgeschwindigkeit im instabilen Bereich lag zu Beginn bei ca. 80 cm/Tag und überschritt am 9. September 2 m/Tag. Da bei einem einmaligen Absturz der instabilen Eismassen Auswirkungen bis in Tal und eine mögliche Gefährdung von Saas Grund befürchtet wurden, evakuierten die lokalen Behörden vorsichtshalber den gefährdeten Dorfteil am Nachmittag des 9. September.
Mit den Radardaten und der Interpretation von Fachleuten (Prof. Martin Funk der VAW/ETH Zürich, wasser/schnee/alwinen aus Brig) wurde der Abbruchzeitpunkt auf den Morgen des kommenden Tages (10. September) geschätzt. In der Nacht zum 10. September 2017 beschleunigte sich das instabile Gletschergebiet weiter bis auf über 3.5 m/Tag. Am frühen Morgen des 10. Septembers stürzten schliesslich erhebliche Teile des instabilen Gebiets ab und blieben auf dem darunterliegenden Gletscher liegen. Weil der Abbruch zwischen 5:30 und 6 Uhr in mehreren Paketen erfolgte, stiessen die Eislawinen nicht bis ins Tal vor und die Bewohner konnten weniger Stunden später in ihre Häuser zurückkehren. Die verbleibenden instabilen Gletscherbereiche wurden während einem Monat noch mit Radar überwacht. In dieser Zeit erfolgten mehrere Nachstürze, die alle vorgängig in den Radardaten erkennbar waren. Seit Oktober 2017 erfolgt die Überwachung wieder ausschliesslich mittels HD-Kamera.