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6. März: ein gutes Wort: lasst euch segnen!
Jakobs Kampf am Jabbok
In derselben Nacht stand Jakob auf. Er weckte seine beiden Frauen, die beiden Mägde und seine elf Söhne. Denn er wollte den Jabbok an einer flachen Stelle überqueren. 24 Zuerst ließ er die Frauen und Kinder den Fluss überqueren. Dann brachte er sein Hab und Gut hinüber. 25 Er selbst blieb allein zurück. Plötzlich war da jemand, der bis zum Morgengrauen mit ihm kämpfte. 26 Aber er sah, dass er Jakob nicht besiegen konnte. Da packte er Jakob am Hüftgelenk, sodass es beim Ringen ausgerenkt wurde. 27 Dabei sagte er: »Lass mich los! Denn der Tag bricht an.« Jakob entgegnete: »Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.« 28 Der andere fragte Jakob: »Wie heißt du?« Er antwortete: »Jakob.« 29 Da sagte der andere: »Von nun an sollst du nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel, ›Gotteskämpfer‹. Denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und bist Sieger geblieben.« 30 Jakob bat: »Sag mir doch deinen Namen!« Er erwiderte: »Wozu fragst du noch nach meinem Namen?« Und er segnete ihn dort. 31 Jakob nannte den Ort Penuel, das heißt: Angesicht Gottes. Denn er sagte: »Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und bin am Leben geblieben.« 32 Als Jakob Penuel verließ, ging gerade die Sonne auf. Er hinkte wegen seiner verrenkten Hüfte. 33 Deswegen dürfen die Israeliten bis heute den Muskel über dem Hüftgelenk nicht essen. Denn dort wurde Jakob beim Ringkampf gepackt.
(1.Mose 32: 23-33)
Impuls - von Pfarrerin Annika Schmidt
Es gibt Text oder Lieder, die uns begleiten und immer wieder in unterschiedlichen Situation auftauchen, mit uns wachsen, an Bedeutung gewinnen und sich immer wieder neu entfalten. Ein Text der mich seit Jahren begleitet ist Jakobs Kampf am Jabbok (1. Mose 32: 23-33). Viele kennen die Erzählung unter «Jakob ringt mit dem Engel». Unzählige Künstler haben diese Szene gemalt und in einer meiner Bibeln ist diese Erzählung mit dem Stich von Gustave Doré bebildert. Als Kind ist die Erzählung spannend. Es passiert etwas Handfestes - ein Ringkampf. Aber wirklich begegnet und mich mit der Erzählung auseinandergesetzt, habe ich mich erst in meinem Literaturstudium, als ich mich intensiv mit dem Buch «Jakob ringt mit dem Engel» von dem finnischen Schriftsteller Martti Merenmaa auseinandergesetzt habe. Der Bauer und Inselbewohner Taavetti sieht bei seinem Nachbarn an der Wand das Bild von einem Kampf zwischen einem Engel und einem Mann. Das Bild, vermutlich eine Kopie von Dorès «Jakob ringt mit dem Engel» wird nicht nur zu Taavettis Lebensmotto und Lebenshoffnung, sondern bestimmt das Zusammenleben der finnischen Inselbewohner. Das Ringen mit Gott, um Sinn zu finden ist schmerzhaft.
Auch Jakob verlässt den Kampf nicht unverwundet. Aber es ist eine Begegnung, die alles verändert. Jakob hat viele Fehler begangen. Er ist erfolgreich und reich und trotzdem schmerzt ihn sein schlechtes Gewissen und die Angst wie sein Bruder Esau ihn empfangen wird. Er hat Angst, er zweifelt und er schämt sich.
Man kann mit seinem eigenen Lebensentwurf hadern, mit den eigenen Taten und Fehlern, mit der eigenen Lebensgeschichte. Fast jeder hat auf seine Weise seinen eigenen Kampf mit Gott auszutragen. Selbst Jesus wirft sich vor seiner Verhaftung nachts im Garten Getsemani auf den Boden und bittet: «Abba, mein Vater, für dich ist alles möglich. Nimm doch diesen Becher fort, damit ich ihn nicht trinken muss.» Trotzdem ist für Jesus klar: «Aber nicht das, was ich will, soll geschehen - sondern das, was du willst!» Jakob wiederum wird erst im Laufe des Kampfes klar, mit wem er da eigentlich ringt. Und mir? Häufig wird mir erst im Nachhinein deutlich: Gott steckt dahinter. Es gibt Widersacher und Widrigkeiten im Leben, die sich uns erst später erschliessen. Das Leben läuft nicht nur glatt, aber wir können und dürfen auch mit Gott ringen. Gott geht nicht kaputt. Und auch wenn sich Jakobs Forderung: »Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast.« sehr forsch und eigensinnig klingt, so segnet Gott ihn.
Das Thema Segen und eine Fortbildung hat mich die letzten Tage zurück zu diesem Text geführt. Während die Welt mit Corona und weiteren kleinen und grossen Krisen kämpft, tut es gut sich mit der besonderen Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen zu beschäftigen. Gott schenkt durch seinen Segen Leben, Kraft und Wohlergehen. Und Gottes Segen verspielen wir nicht, auch nicht, wenn wir auf unsere Art mit Gott ringen. Der eine sichtbar und laut - tretend und schreiend, der andere stumm und leise.
Segen
Gott segne die Erde, auf der wir stehen.
Gott segne die Wege, die wir gehen.
Gott segne Dich mit seinem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Amen.
Hier geht zu dem Mitmach-Segen -Video aus unserem Adventskalender. Der Mitmach-Segen ist nicht an die Adventszeit gebunden und kann unter diesem Link aufgerufen werden: https://youtu.be/G5mEmMYHSU0
Für Interessierte geht es hier zu einem Segensvideo von mir auf Finnisch mit deutschen Untertiteln: https://youtu.be/x8xhGgbz-h0
Pfarrerin Annika Schmidt