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Case Maclaim
[D]
- DAS WERK -
Revolution
TITEL: Revolution
Technik: PINSEL, ROLLE, SPRAY
ENTSTEHUNGSJAHR: 2023
STANDORT: Marie-Anne-Calame 6 (Nordwestfassade des Musée des beaux-arts)
FLÄCHE: 140 m2
Das Wandgemälde des Deutschen Case Maclaim mit dem Titel « Revolution » wurde im Sommer 2023 anlässlich des 175. Jahrestags der Neuenburger Revolution mit Spray, Pinsel und Rolle gemalt. Es ziert die Nordwestfassade des Musée de beaux-arts in Le Locle (MBAL). Der Standort ist kein Zufall, denn das MBAL grenzt an das Hôtel de la Fleur-de-Lis, von dem aus am 1. März 1848 die Revolutionaireskolonne loszog.
Um der Einführung der Demokratie im Kanton Neuenburg zu gedenken, wollte das Exomuseum kein pragmatisch-historisches Fresko in Auftrag geben, das Porträts von Protagonisten der Revolution wie Fritz-Courvoisier (1), Ami Girard (2) oder Alexis-Marie Piaget (3), Republikaner, die die Schweizer Fahne hissen, oder Männer in Waffen zeigt. Um die vergangenen, aktuellen und zukünftigen Revolutionen symbolisch und zeitlos darzustellen, beauftragte das Exomuseum den Deutschen Andreas von Chrzanowski alias Case Maclaim, der mit seiner Fähigkeit, metaphorische Bilder zu schaffen, glänzt.
In der Street Art Szene ist Case Maclaim ein Pionier des Fotorealismus. Seine existentialistischen Fragen veranlassen ihn, die Kämpfe zu illustrieren, die Menschen führen, um ihre Werte und ihre Würde zu verteidigen. Seine Werke basieren oft auf der Darstellung von Details der menschlichen Anatomie, die er überdimensional vergrößert. So hat er zum Beispiel Spass daran, riesige Hände zu malen, die, eine nach der anderen platziert, die Bewegung des Gehens zerlegen. Vor diesen Silhouetten von Schreitenden hat man das Gefühl, eine Parade von Riesen vor sich zu haben.
Als Allegorie auf die Kolonne der Revolutionäre von 1848 symbolisiert diese Abfolge von Händen den Mut und den kollektiven Elan, der die Gesellschaft während einer gewaltlosen Volksrevolution beflügelt. Die Hände marschieren in Richtung La Chaux-de-Fonds, wie die Republikaner aus Le Locle, die 1848 zu Fuß von Le Locle aufbrachen, um sich ihren Kollegen in La Chaux-de-Fonds anzuschließen.
Diese Hände, die Figuren mimen, erinnern an die Ombromanie, also an die Praxis der « chinesischen Schatten », bei der Silhouetten auf eine Leinwand projiziert werden, indem man ihre Hände in einen Lichtstrahl hält. Die Hände von Case Maclaim sind jedoch keine Schatten. Sie tauchen aus der Dunkelheit auf, indem sie Licht ausstrahlen.
Die vom Künstler verwendete Farbpalette hat eine symbolische Bedeutung. Um sie zu verstehen, können wir eine Parabel über das Licht und das Zusammenleben heranziehen. Die Sonne strahlt weißes Licht aus. Wenn es durch ein Glasprisma fällt, zerlegt es sich und zeigt das sichtbare Spektrum, d. h. die Gesamtheit der Farben, die das menschliche Auge sehen kann. Das sind dann unendlich viele farbige Lichter, die an einen Regenbogen erinnern. Wenn man eine Analogie zwischen Licht und menschlichen Gesellschaften herstellt, kann man folgenden Vergleich anstellen: Während weißes Licht die Summe aller existierenden Farben ist, ist unsere Gesellschaft die Summe aller Individuen, aus denen sie sich zusammensetzt. So wird klar, warum der Regenbogen ein Symbol für Toleranz und Verschiedenartigkeit ist.
Wenn wir unseren Blick von rechts nach links über das Fresko schweifen lassen, können wir uns vorstellen, dass die fleischfarbenen Hände der Ursprung des revolutionären Impulses sind. Zwar tragen alle Protagonisten die revolutionären Werte in sich, doch jeder Einzelne interpretiert und verteidigt sie auf seine Weise. Diese Vorstellung von Individualität wird durch einen Farbwechsel induziert.
© exomusée – August 2023 – Redaktion: François Balmer – Übersetzung: Wolfgang Carrier
(1) Fritz Courvoisier
Frédéric Alexandre, genannt Fritz, Courvoisier, geboren am 1. Juni 1799 in La Chaux-de-Fonds und gestorben am 10. Dezember 1854 in Neuchâtel, war ein Schweizer Uhrmacher, Militär und Politiker. Er gilt als militärischer Anführer der Revolution vom 1. März 1848, die die Herrschaft des Königs von Preußen über das Fürstentum Neuenburg beendete.
(2) Ami Girard
Ami Girard, geboren am 6. Februar 1819 in Chézard-Saint-Martin und gestorben am 10. April 1900 in Renan, war eine politische und militärische Persönlichkeit der Schweiz. Er war Rechtsanwalt, Notar und später Architekt und machte eine militärische Karriere, indem er 1867 den Rang eines Obersten erreichte. Er war 1841 Offizier im Aargau-Feldzug, nahm 1844 an der Expedition des Freikorps gegen Luzern und 1847 am Sonderbundskrieg teil. In La Chaux-de-Fonds schloss er sich in der Nacht vom 29. Februar auf den 1. März 1848 Fritz Courvoisier und den republikanischen Führern des Kantons Neuenburg an.
(3) Alexis-Marie Piaget
Alexis-Marie Piaget, geboren am 18. Juli 1802 in Lyon (F) und gestorben am 1. Juli 1870 in Neuchâtel, war ein Schweizer Politiker und Mitglied der radikaldemokratischen Partei. 1848 wurde Alexis-Marie Piaget zum Präsidenten der provisorischen Regierung berufen, die aus der Revolution vom 1. März hervorgegangen war. Er wurde in die verfassungsgebende Versammlung gewählt und gilt als einer der Hauptverfasser der Neuenburger Verfassung von 1848. Anschließend war er von 1848 bis 1860 Präsident des Staatsrats, der Kantonsregierung. Alexis-Marie Piaget saß von 1854 bis 1869 auch im Nationalrat. Als Freimaurer war er Mitglied der Loge L’Amitié in La-Chaux-de-Fonds, die der Schweizer Großloge Alpina1 angehörte.
Rue Marie-Anne-Calame 6 (Nordwestfassade des Musée des beaux-arts)
Die letzten Fürsten von Neuenburg
(4) Eidgenössische Tagsatzung
Bis 1848 werden die Versammlungen der Abgeordneten der Kantone als « Eidgenössische Tagsatzung » bezeichnet.
Die Neuenburger Revolution
Radierung von A. Montandon, erschienen am 28. Februar 1948 im Courrier du Val-de-Travers.
In Le Locle hissten Republikaner am Abend des 28. Februar vor dem Hotel de la Fleur-de-Lis eine Schweizer Fahne. Dieser aufrührerische Akt führte zu einer Auseinandersetzung zwischen den Republikanern und den Gendarmen. Die Gendarmen forderten sie auf, die Fahne abzunehmen, doch die Aufständischen weigerten sich, dem Befehl Folge zu leisten. Angesichts des Zorns und der Entschlossenheit der Republikaner dankte die militärische Führung der Stadt ab.
Wenige Stunden später sprang der Funke der Rebellion auf La Chaux-de-Fonds und das Val-de-Travers über. In beiden Städten in den Neuenburger Bergen organisierten sich Revolutionskomitees mit dem Ziel, eine neue Regierung einzusetzen. Eine Proklamation wurde an das Volk gerichtet. Während die Schweizer Flagge bereits auf den Rathäusern von Le Locle und La Chaux-de-Fonds wehte, schworen Hunderte von bewaffneten Männern der Neuenburger Republik ihre Treue und versprachen, die militärische Disziplin der Schweizerischen Eidgenossenschaft einzuführen.
In Neuenburg wurde die royalistische Regierung von Angst geplagt und sah sich gezwungen, dringende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu ergreifen. Einem ihrer Mitglieder wurde der Auftrag erteilt, nach La Chaux-de-Fonds und zurück zu fahren und die Beschwerden des Volkes in einem Bericht festzuhalten. Als der Staatsrat den Bericht las, erkannte er, dass dringender Handlungsbedarf bestand. Um eine blutige Konfrontation mit den Republikanern zu vermeiden, fasste er den weisen Entschluss, seine bewaffneten Truppen nach der Auszahlung ihres Solds zu entlassen und alle bisher von seinen Soldaten besetzten Posten dem Aufstand zu überlassen. Gleichzeitig befahl er dem Kanzler Favarger, sich nach Berlin zu begeben, um den König über die Lage zu informieren. Er sandte ein Schreiben an das Bundesdirektorium und bat dieses, eidgenössische Kommissare nach Neuenburg zu schicken, die die Autorität der Regierung durchsetzen sollten. Der zweite Zweck dieses Schreibens bestand darin, die Regierungen der Nachbarkantone von der Notwendigkeit zu überzeugen, zu verhindern, dass Republikaner aus deren Gebiet den Neuenburger Aufständischen zur Hilfe kommen.
Die Revolutionäre erfuhren jedoch von den jüngsten Beschlüssen des Staatsrats. Am Morgen des 1. März brachen zwei ihrer tausend Freiwilligen starken Kolonnen unter dem Kommando von Fritz Courvoisier und Ami Girard in Richtung Vue des Alpes-Pass auf, wo sie am Mittag Halt machten. Das Wetter war trübe und windig. Es schneite in Böen und das Vorankommen der Kolonne war schwierig. Mit Hilfe von zwei Schneeräum-Dreiecken, die von Pferden gezogen wurden, bahnte sich die Truppe einen Weg durch den hohen Schnee. Im Val-de-Ruz stießen etwa 100 Männer zu ihrer Truppe hinzu. In Malvilliers erzwang sie die kampflose Kapitulation einer kleinen royalistischen Truppe. In Valangin wurden zwei Kanonen erbeutet. Am späten Nachmittag bezog die kleine Armee in Pierre-à-Bot, oberhalb der Stadt Neuenburg, Stellung, um auf Befehle der provisorischen Regierung zu warten. Als diese Befehle am Abend desselben Tages ausblieben und die Royalisten ihnen nicht den geringsten Widerstand entgegenzusetzen schienen, drangen die Republikaner in die stille und ruhige Hauptstadt ein. Unterstützt von Partisanen aus dem Val-de-Travers und anderen Teilen des Kantons nahmen sie das Schloss ohne Schwierigkeiten in Besitz, da die Royalisten geflohen waren.
In der Nacht nahm die neue Regierung mit dem Anwalt Alexis-Marie Piaget an der Spitze, der der erste Präsident der Neuenburger Republik wurde, rasch ihre Arbeit auf.
Bereits am nächsten Tag wurden die Mitglieder der gestürzten Regierung in der Wohnung eines der ihren verhaftet.
Die Neuenburger Republik verfügte über eine Verfassung und wurde bald von der Schweizerischen Eidgenossenschaft anerkannt. Das neue Regime modernisierte die Gesetze und Institutionen und legte den Grundstein für den Rechtsstaat und die Demokratie, die wir heute kennen.
© exomusée – François Balmer – Août 2023
(5) Der Sonderbund Bürgerkrieg
En 1847, la Suisse est secouée par une guerre civile qui dura 27 jours. Du 3 au 29 novembre, le Sonderbund, une coalition de cantons catholiques, conservateurs et sécessionnistes, affronta la majorité des cantons qui défendaient la Confédération suisse. Cette guerre civile fut le point d’orgue de dissensions, vieilles d’un demi-siècle, entre les libéraux favorables à un État central et les conservateurs attachés à l’autodétermination des cantons. La religion fut également un des motifs guerriers. Les libéraux estimaient que la foi était une affaire personnelle, les conservateurs la considéraient comme une affaire publique. Parmi les 22 cantons que comptait la Suisse lorsque la guerre éclata, 7 d’entre eux firent sécession et formèrent la coalition du Sonderbund: Lucerne, Uri, Schwytz, Unterwald, Zoug, Fribourg et le Valais. Seuls 2 cantons restèrent neutres: Neuchâtel et Appenzell Rhodes-Intérieures. La guerre se solda par la défaite du Sonderbund, qui perdit plusieurs batailles. Isolé à l’ouest, Fribourg fut le premier canton à capituler face aux soldats de la Diète, l’armée des Confédérés, menée par le général Dufour. Puis l’armée des Confédérés eut raison du canton de Lucerne, du Valais et des cantons primitifs. À l’issue du conflit, on comptabilisa 93 morts et environ 500 blessés, un bilan plutôt léger pour une guerre civile. Les pillages furent quasiment inexistants. Preuve de l’esprit communautaire du pays, les vainqueurs restèrent ouverts aux doléances des vaincus. L’issue du conflit joua un rôle clé dans l’émergence de la Suisse moderne.
- Der Künstler -
Case Maclaim
(Quelle: Website des Künstlers)
Case Maclaim, Gründungsmitglied der berühmten Ma’Claim Crew, stammt aus Ostdeutschland und ist seit über 20 Jahren ein Pionier des Fotorealismus. Er verwendet hauptsächlich Sprühfarbe, um die Macht der Bewegung durch die Universalität der Hände auszudrücken. « Macht » und « Bewegung » spielten jeweils eine Schlüsselrolle im Rückgrat seiner deutschen Wurzeln und inspirierten ihn dazu, seine starken Botschaften von Einheit und Macht durch das Übereinanderlegen der Hände zu kommunizieren. Die überlagerte « Bewegung » ist nicht nur die physische Bewegung des Körpers, sondern auch die politische Bewegung, die in der Regel ohne besonderen Kontext gelassen wird, in dem der Betrachter die Geschichte und/oder die verbleibende Emotion, bezogen auf seine aktuelle Situation, visualisieren muss. Da er in mehr als 20 Länder gereist ist, hat er buchstäblich in jedem seine Spuren hinterlassen, wobei er fortwährend Bruchstücke einer Sprache hinterlässt, die von allen verstanden wird – schließlich kann eine Handbewegung tausend Worte sagen.
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