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Transnationale Energiegeschichte der Alpen
Die Geschichte der alpinen Wasserkraft geht bis ins Jahr 1870 zurück, als die erste Gewichtsstaumauer vor den Toren Fribourgs beim Lac de Pérolles errichtet wurde. Im 20. Jahrhundert gab es neben dem wasserkraftgetriebenen Strom, der sogenannten „Weissen Kohle“, keinen anderen Energieträger, dessen Gewinnung gleichermassen direkt und tiefgreifend in die Biosphäre des Alpenraums eingegriffen hat. Die aus alpinen Wasserläufen gewonnene Energie erzeugte jedoch nicht nur industriewirtschaftliche Profiteure und Nutzniesser, sondern forderte zugleich auch gesellschaftliche Opfer und verursachte nachhaltige ökologische Schäden in den lokalen Einzugsgebieten.
Zwangsumsiedlungen als Folge
Sebastian de Pretto, Forschungsmitarbeiter am Urner Institut Kulturen der Alpen, wendet sich im Projekt dem Wasserbau, dessen Talsperren und den Folgen für die unmittelbar davon betroffenen Berggemeinden und Talschaften im Zeitraum von 1870 bis 1974 zu. Vielerorts kam es zu Zwangsenteignungen und -umsiedlungen, da für den Bau eines neuen Stauwerks nur selten nach dem Einverständnis der dortigen Bewohner und Bewohnerinnen gefragt wurde. Aus der Geschichte der alpinen Wasserkraft kann deshalb zugleich der sozioökologische und -ökonomische Wandel des dichtbevölkerten Gebirges hergeleitet werden. Die Schicksale entlegener Dorfgemeinden und Alpwirtschaften sollen mit dem Projekt aufgearbeitet und die Frage geklärt werden, welche wirtschaftlichen und politischen Prozesse zum Ausbau der Wasserkraft in den Alpen beigetragen haben. Dabei soll aufgezeigt werden, wie der Bau von Talsperren auf die sie umgebenden Ökosysteme einwirkte und welche Konsequenzen die darin lebenden Gemeinschaften davontrugen.
Forschung im Ausland
Die Geschichte der Alpen hat grenzübergreifende Aspekte, die im Projekt in den Blick genommen werden. Die Studie konzentriert sich dazu während 18 Monaten neben der Schweiz auch auf Italien und Österreich, um diesen Gebirgsraum als eine Makroregion zu untersuchen. Im Rahmen des Projekts wird Sebastian De Pretto in den ersten neun Monaten an der Universität Trient und ab April 2022 an der Universität Innsbruck forschen.
Für das Projekt erhält Sebastian De Pretto einen Early Postdoc.Mobility-Beitrag des SNF, welches Postdoktoranden, die am Anfang ihrer Karriere stehen, einen Forschungsaufenthalt im Ausland ermöglichen. Mit der gesprochenen Fördersumme von 80´000 Franken werden der Lohn sowie die Projektkosten für die Dauer von 18 Monaten finanziert.