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Wird Trumps soziales Netzwerk erfolgreicher als seine Steaks?
Mit einem CEO aus Wuhan und einem brasilianischen Aristokraten will Ex-US-Präsident Donald Trump bei Social Media wieder durchstarten.
Seit Donald Trump wegen seiner Aufstachelung zum Aufstand am 6. Januar von quasi allen grossen Social-Media-Plattformen verbannt wurde, sucht der Altpräsident nach einer Heimat im Internet. Mit Klagen gegen Twitter, Facebook und Co. mit dem Ziel, die Sperrungen rückgängig zu machen, blieb Trump erwartungsgemäss bisher erfolglos.
Auf Social-Media-Plattformen, die von Unterstützer*innen oder ehemaligen Mitarbeiter*innen gegründet wurden — wie Parler, Gab oder Gettr —wollte sich Trump nicht anmelden. Sein Blog «From the Desk of Donald J. Trump» wurde nach weniger als einem Monat weniger chronischer Erfolglosigkeit wieder abgeschaltet.
Trump-Medienfirma an der New Yorker Börse
Nun wagt Trump sein bisher grössten Schritt. Mit der «Trump Media & Technology Group» (TMTG) gründet er sein eigenes Medien-Unternehmen. Dessen erstes Produkt nennt sich «Truth Social» und ist ein offenbar an Twitter angelehnter Social-Media-Dienst.
Das neue Unternehmen soll direkt an der New Yorker Nasdaq-Börse starten. Dazu verschmilzt TMTG mit einer sogenannten «Special-Purpose Acquisition Company» (SPAC). Dies sind leere Unternehmenshüllen, die an der Börse Geld sammeln, um dann mit einem anderen Unternehmen zu fusionieren. SPACs haben sich in den letzten Jahren als beliebtes Mittel etabliert, um schnell einen Börsengang ohne den sonst notwendigen Papierkram zu realisieren.
Verbindungen nach Wuhan und Brasilien
Trumps Geschäftspartner haben dabei interessante Biografien. TMTG wird mit einer SPAC namens «Digital World Acquisition Corp.» (DWAC) fusionieren. CEO von DWAC ist Patrick Orlando, früher bei Trumps Hausbank Deutsche Bank tätig. Orlando ist auch CEO einer weiteren SPAC namens Yunhong International, die ihren Sitz im chinesischen Wuhan hat. Das ist natürlich der Ort, an dem laut Trump die Kommunistische Partei Chinas SARS-CoV-2 entwickelt hat.
Der Chief Financial Officer von DWAC, Luiz Philippe de Orléans e Bragança, ist ein brasilianischer Kongressabgeordneter, enger Vertrauter von Präsident Jair Bolsonaro und Mitglied der ehemals herrschenden Familie des Kaiserreiches Brasilien, die bis heute Ansprüche auf den 1889 abgeschafften Thron erhebt. Bei einem Referendum 1993 votierten allerdings nur 13,4 Prozent der Brasilianer*innen für die Wiedereinführung der Monarchie.
Beta-Test bereits nächsten Monat
«Truth Social» soll im November als Beta-Test starten und Anfang 2022 breit verfügbar sein. Laut Selbstbezeichnung ist Truth Social eine Plattform, die «offene, freie und ehrlichen globale Konversationen ermöglicht, ohne gegen politische Ideologie zu diskriminieren».
Trump fühlt sich bekanntermassen ungerecht behandelt von Social-Media-Firmen, die seinen Aufstieg zum Präsidenten erst möglich gemacht hatte. «Wir leben in einer Welt, in der die Taliban eine riesige Präsenz auf Twitter haben, aber euer Lieblings-US-Präsident zum Schweigen gebracht wurde», lässt sich Trump in der Medienmitteilung zum Launch zitieren.
Mit Meinungsfreiheit nimmt es «Truth Social» nicht so genau
Eine völlig absolute Vorstellung von Meinungsfreiheit scheint es allerdings bei «Truth Social» nicht zu geben. Die Nutzungsbestimmungen verbieten es etwa, dass man die Plattform «herabsetzt». Würde Twitter alle Nutzer*innen sperren, die schlecht über die Plattform reden, wäre es dort wohl ziemlich leer.
Trumps Ambitionen enden nicht bei einer Twitter-Kopie. Mit einem Videostreaming-Dienst und einer Podcast-Firma will er es im nächsten Schritt auch mit Netflix, Disney und CNN aufnehmen. Langfristig glaubt TMTG auch Amazon, Google und Microsoft mit eigenen Cloud-Angeboten Konkurrenz machen zu können. Ob Trump damit erfolgreicher wird als bei «Trump Shuttle», «Trump Steaks» oder «Trump Vodka», wird sich bald zeigen.