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4. Bedeutung für unsere Praxis
Es ist wichtig, dass den Konfliktparteien bewusst wird, dass sowohl die Erwartungen für eine hohe Qualität als auch die Risikobereitschaft legitim sind, dass aber „zu viel des Guten“ für beide Werte nicht zielführend ist. In der Suche nach Genauigkeit und Qualität sollte man Fehler tolerieren, um aus den Fehlern zu lernen. Andererseits ist das Ziel, das Fehlerpotential so weit wie möglich unter Kontrolle zu halten abhängig vom Aufwand und der Wirtschaftlichkeit.
Die Konfliktparteien selbst sollten die Fragen nach dem „guten im schlechten“ in den jeweiligen Übertreibungen beantworten. Dabei können sie darüber nachdenken, wie sie ihre Haltung zwischen „Genauigkeit“ und „pingelig sein“ oder zwischen „Risiko“ und „schluderig sein“ einordnen sollen. Tatsächlich wurde während der Diskussion ein kurzes Zögern zwischen den beiden Konfliktparteien beobachtet, gefolgt von einem Rückgang der Spannung und einem Gefühl der Akzeptanz.
Die Anpassung der individuellen Perspektive der Konfliktparteien erfolgt auf mindestens zwei Ebenen: Von unten nach oben lernt die chinesische Mitarbeiterin, was der Vorteil im „pingelig sein“ sein könnte, nämlich die Kundenzufriedenheit. Auf der anderen Seite, der Schweizer Kolleg lernt, was der Vorteil von „schluderig sein“ ist, nämlich die pünktliche Lieferung. Von oben nach unten sieht jede Konfliktpartei, dass positive Werte einen negativen Einfluss haben, wenn sie in übertriebenem Mass angewendet werden. In der Horizontalen wird deutlich, dass nur eine gute Balance zwischen den positiven Werten zu einem optimalen Ergebnis führt. Gleichzeitig führt diese Verschiebung der Perspektive zu einer Verringerung der Polarisierung und einer Entspannung des Konflikts auf beiden Seiten.