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(synonym: Ermüdungsbrüche)
Einleitung
Unsere Knochen sind trotz Ihrer überragenden Festigkeit relativ elastische Stützelemente, welche sich im Vergleich zu Stahlverstrebungen bei Wolkenkratzern 10-20x flexibler den jeweiligen Belastungen anpassen können. Knochen bestehen neben Wasser etwa zur Hälfte aus Kalksalzen und organischen Materialien (vor allem Kollagen). Beide Baumaterialien werden von den Knochenzellen gebildet, welche fortwährend bis ins hohe Lebensalter unsere Knochen ständig wieder auf- und abbauen und somit erneuern. Knochen ist aufgrund dieser Eigenschaft viel besser in der Lage zu regenerieren als Knorpel- oder Sehnengewebe.
Das Problem bei Stressfrakturen
Allerdings kann die hohe Regenerationsfähigkeit unserer Knochen auch überfordert werden. Wenn Trainingsintensitäten zu schnell gesteigert werden, die Belastung allgemein zu hoch ist (Übergewicht, zu schwere Arbeit), falsche Schuhe getragen werden oder die Knochensubstanz aufgrund innerer Erkrankungen zu weich ist (Beispiele: Osteoporose, Vitamin D Mangel, Östrogenmangel bei Anorexie), schafft es das Knochengewebe nicht mehr, durch zu grosse Trainingsreize gesetzte Mikroverletzungen des Knochengewebes schnell genug auszuheilen. Bevor die Knochenzellen mikroskopische Frakturen reparieren können, entstehen durch ein zu frühes Anschlusstraining bereits schon weitere Mikrofrakturen, welche zusammen zu einen Ermüdungsbruch führen. Bei einer Stressfraktur (Ermüdungsbruch) hat sich bereits eine durchgehende Bruchlinie (Haarriss) durch den Knochen durchgezogen, der Knochen wird an dieser Stelle instabil und schmerzt.
Im Gegensatz zu einem traumatischen Knochenbruch kommt es zwar kaum zu einem echten Auseinanderbrechen des Knochens, in der Bildgebung ist jedoch wie bei einer traumatischen Fraktur eine Bruchlinie zu erkennen. Vorstufen, bei welchen noch keine durchgehende Bruchlinie zu erkennen ist, werden knöcherne Stressreaktionen genannt.
Häufig betroffene Stellen
Ermüdungsbrüche betreffen hauptsächlich die unteren Extremitäten, da hier wesentlich höhere Kräfte einwirken, als auf die Arme.
Grundsätzlich wird zwischen Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Stressfrakturen unterschieden.
Die Unterscheidung betrifft das Risiko, dass der Ermüdungsbruch von alleine nicht mehr abheilen kann und unter Umständen sogar in einen Komplettbruch übergehen könnte.
Generell sind Stellen, auf welche hohe Zugkräfte einwirken (Beispiele: Schenkelhals an der Hüfte, Oberschenkelvorderseite, Schienbeinvorderkante), bei Stressfrakturen gefährlicher und zählen zu den Hochrisiko-Stressfrakturen. Auch an den Fussknochen gibt es Ermüdungsbrüche, welche problematischer sind als andere.
Symptome
Anfänglich entstehen Schmerzen nur unter Belastung an Hüfte, Oberschenkel, Unterschenkel oder der Fussregion, welche sich durch eine Sportpause bessern und bei normalem Gehen noch nicht eindrücklich sind. Bei einer Stressfraktur schmerzt die betroffene Stelle bereits schon bei normalen Gehen und teilweise auch in Ruhe. An der Schienbeinregion oder am Fuss kann sich eine leichte Schwellung rund um die betroffene Stelle bilden.
Diagnostik
Neben einer exakten Anamnese (Wann, Wie, Wo?), bei welcher auch nach Ernährungsgewohnheiten und hormonellen Problemen gefragt wird, erfolgt eine genaue klinische Untersuchung, um die betroffene Region zu erfassen und mögliche Differentialdiagnosen (Erkrankungen der Gelenke, Muskeln und Sehnen) zu erkennen. Röntgen und Ultraschall (vor allem am Fuss) sind bei uns Standard. MRT und CT können die Diagnostik komplettieren. Es existieren Klassifikationen, welche den Schweregrad der knöchernen Stressreaktion beurteilen helfen. Laboruntersuchungen können spezifische Gründe für eine Knochenerweichung erkennen.
Eine instrumentelle Video Lauf- und Ganganalyse kann funktionelle Fehlstellungen erkennen.
Therapie
Allgemein gilt es Ernährungsfehler (Vitamin C und Calciummangel) zu beheben. Ein Vitamin D Mangel muss ausgeglichen werden, ebenso ist eine Osteoporose medikamentös gemäss Leitlinien zu behandeln.
An physiotherapeutischen Massnahmen kommt vor allem der Stosswellentherapie Bedeutung zu, da die Anwendung der extrakorporalen Stosswelle die körpereigene Abheilung von Stressfrakturen beschleunigen kann.
Liegen Beinachsfehlstellungen oder Fussfehlstellungen (z.B. Plattfuss) vor, ist eine Einlagenversorgung zwingend erforderlich.
Knöcherne Stressreaktionen an Knochenregionen mit niedrigem Risiko erfordern eine Reduzierung/Anpassung der sportlichen Belastung, meistens einen vorübergehenden Sportdispens. Bei Stressfrakturen wird eine mehrwöchige Gehtstockentlastung (CAVE: Thromboseprophylaxe) in Kombination z.B. mit einer Gips- oder Orthesenruhigstellung erforderlich.
Bei Hochrisiko-Stressfrakturen besteht eine hohe Versagensrate unter den oben genannten Therapieformen. Zur Hochrisikogruppe gehören Stressfrakturen an folgenden Lokalisationen:
- Schenkelhals
- Vorderkante Femur- und Tibiadiaphyse
- Innenknöchel
- Naviculare (ein Fusswurzelknochen)
- Basis Mittelfussknochen 5
- Mediales Sesambein
Derartige Hochrisiko-Stressfrakturen heilen unter konservativer Therapie häufig nicht stabil aus, weshalb frühzeitig eine operative Stabilisierung der geschwächten Knochens mit Ihnen als Patientin/Patient besprochen werden muss. Dies gilt umso mehr bei Profisportlern, aber auch bei Menschen mit schwerer körperlicher Arbeit, da bei Versagen einer konservativen Therapie monatelange Sport- und Arbeitsunfähigkeiten resultieren können.