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Bright Star (2009)
Bright Star (2009)
Oder: Fanny, I've got no money...
1818: Die Schneiderin Fanny Brawne (Abbie Cornish) lebt mit ihrer Mutter (Kerry Fox) und zwei Geschwistern wohlbehütet in einem Haus im Londoner Stadtteil Hampstead. Durch ihren Nachbarn Charles Brown (Paul Schneider) lernt sie den 23-jährigen Dichter John Keats (Ben Whishaw) kennen. Da sie von der Dichtkunst keine allzu grossen Stücke hält, verhält sie sich anfänglich eher reserviert. Als sie allerdings sieht, wie rührend sich Keats um seinen an Tuberkulose erkrankten Bruder Tom kümmert, kommen sich die beiden näher.
Wie es das Schicksal will, stirbt Tom nur kurze Zeit später. Um John weiter nahe zu bleiben, entscheidet sich Fanny, bei ihm Poesie-Lektionen zu nehmen. Damit beginnt eine Phase der gegenseitigen romantischen Verliebtheit, die John als Inspiration für leidenschaftliche Gedichte dient.
Allerdings wird die zart aufkeimende Liebesaffäre von aussen eher missgünstig beobachtet. Von Charles Brown beispielsweise, der fürchtet, dadurch seinen besten Freund und Schützling zu verlieren. Oder von Fannys Mutter, verfügt doch der mittellose Künstler nicht über das nötige Kleingeld, um bei einer allfälligen Heirat für ihre Tochter zu sorgen. Ausserdem hat der junge Mann in letzter Zeit immer beunruhigendere Hustenanfälle...
Film-Rating
Gute Poesie-Filme sind eher selten. Erstaunlich selten, wenn man bedenkt, dass gerade in der Dichtung der Fundus für packende Filmplots eigentlich unerschöpflich sein müsste. Doch vermutlich verhält es sich da ähnlich wie bei Sportfilmen. Denn wie der Sport oft eine Dramaturgie entwickelt, der mit filmischen Mitteln sehr begrenzt beizukommen ist, ist auch die Magie der Worte nur schwerlich in eine entsprechende Filmsprache zu übertragen. Filme wie Dead Poets Society, Il Postino oder Shakespeare in Love, die dies trotzdem schafften, blieben Ausnahmeerscheinungen.
Der Herausforderung, einen Poesiefilm zu drehen, hat sich nun Jane Campion gestellt, die mit The Piano schon Musik- und Filmsprache kunstvoll miteinander verwoben hat. Keine üblen Voraussetzungen also, doch leider scheitert sie dennoch am offenbar ungleich schwierigeren Experiment "Dichterfilm". In Bright Star lässt sie ihre Protagonisten lediglich verklärten Blickes romantische Verse rezitieren, was seitens des Zuschauers unweigerlich zu grosser Langeweile führt - seien die Bilder noch so hübsch und farbenfroh in Szene gesetzt.
Wie schon in The Piano wandeln auch in Campions neustem Film Menschen mit prachtvollen Kostümen und ausgefallenen Hüten in der Welt des 19. Jahrhunderts - doch fehlen sämtliche weiteren Elemente, die den Goldenen-Palmen-Gewinner von 1993 so unvergesslich machten. So zum Beispiel herausragende Schauspieler. Abbie Cornish ist halt (noch?) keine Holly Hunter und spielt die Rolle der Fanny mit einer behäbigen Schwerfälligkeit. Es fällt dem Zuschauer schwer, ihr die Verliebte abzunehmen. Keats-Darsteller Ben Whishaw (nach I'm not there erneut in der Rolle eines Poeten) gibt wohl sein Bestes, doch ausser sehnsüchtig Gedichte zu rezitieren und hustend vor sich hinzukränkeln verlangt das Drehbuch nicht viel mehr von ihm.
Immerhin bildet Paul Schneider in der Rolle des unsensiblen Charles Brown einen erfrischenden Kontrapunkt zum erzwungen verliebten Gesülze der beiden Hauptdarsteller und bringt mit seiner Präsenz ein wenig Grandezza in einen Film, der dem darin portraitierten Poeten nur sehr ungenügend beikommt. Der im Alter von nur 25 Jahren an den Folgen einer Tuberkulose verstorbene John Keats gehört zu den wichtigsten romantischen Dichtern englischer Sprache. Vielleicht sollte man seine Gedichte künftig einfach für sich selbst sprechen lassen.
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16.05.2009 / ebe
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