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Fürstbischof von Bamberg 1693–1729 und Erzbischof und Kurfürst von Mainz 1695–1729
Familie und Karriere in der Reichskirche
Geboren am 4. Oktober 1655 in Steinheim am Main als jüngstes von 16 Kindern des Philipp Erwein von Schönborn (1607–1668) und seiner Ehefrau Maria Ursula von Greiffenclau zu Vollrads (1612–1682), wird Lothar Franz zum geistlichen Stand bestimmt. Sein Onkel ist der regierende Erzbischof und Kurfürst von Mainz, Johann Philipp von Schönborn (reg. 1647–1673). Zusammen mit seinem um ein Jahr älteren Bruder Johann Erwein erhält er mit zehn Jahren die Tonsur im Dom von Mainz und gleichzeitig eine Pfründe am Domstift in Würzburg, zwei Jahre später auch in Bamberg. Bei den Jesuiten von Aschaffenburg besucht er das Gymnasium. 1668 stirbt sein Vater, 1673 sein kürfürstlicher Onkel und 1674 sein 16 Jahre älterer Bruder Franz Georg, der von als Mainzer Domkapitular und Statthalter von Erfurt in die Fussstapfen seines geistlichen Onkels treten sollte. Sein früher Tod führt zu neuen Besitzregelungen in der Familie, mit Bevorzugung von Melchior Friedrich und Lothar Franz. Der ältere Bruder Melchior Friedrich (1644–1717), seit 1668 verheiratet und 1674 mit drei Töchtern und zwei Söhnen Hoffnungsträger für die Sicherung der Dynastie, erhält den Besitz um Aschaffenburg. Lothar Franz werden die fränkischen Besitzungen zugesprochen, auch erhält er die Dompfründe seines verstorbenen Bruders in Mainz. Nach der üblichen Kavaliersreise durch Holland, Frankreich und Italien und dem Studium in Wien wird er 1681 ins Domkapitel von Bamberg und 1683 in dasjenige von Würzburg aufgenommen. 1693, mit 38 Jahren, wird er zum Bischof des Fürstbistums Bamberg gewählt. In Mainz kann er sich gegen den neun Jahre jüngeren Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg als Koadjutor des Erzbischofs mit Recht auf Nachfolge durchsetzen. Am 3. März 1695, nach dem Tod des Erzbischofs Anselm Franz von Ingelheim, tritt er die Nachfolge an. Er ist jetzt 40 und steht als Erzbischof und Kurfürst von Mainz an der Spitze der Reichskirche, ist gleichzeitig Erzkanzler des Reiches und präsidiert den Reichstag. Erst nach seiner Wahl zum Erzbischof holt er sich auch die höheren Weihen.[1]
«Pro Deo, Cesare et Imperio»[2]
Wie schon sein Onkel Johann Philipp sieht Lothar Franz die Stärkung der Macht von Kurmainz durch eine enge Anlehnung an das Kaiserhaus. Als Landesfürst ist er bestrebt, den Einfluss der geistlichen Reichsstände zu stärken und in Zusammenarbeit mit dem Kaiserhaus die Expansionsbestrebungen Frankreichs und der protestantischen Mächte, insbesondere Hannovers und Preussens, abzuwehren. Dies gelingt ihm 1711 mit der Wahl von Karl VI. zum deutschen Kaiser. Gezielt fördert er auch die Hausmacht der Schönborns. Er betreut mit grosser Zielstrebigkeit die Lebenswege seiner sieben Neffen, besorgt die Finanzierung der Ausbildung und verschafft ihnen den Zugang zu den Machtpositionen der Reichskirche oder in der Reichsdiplomatie. Den Nichten arrangiert er standesgemässe Ehen, auch hier immer im Hinblick auf einen zusätzlichen Machterwerb der Familie. Dem zweitältesten Neffen Friedrich Carl verhilft er 1705 zur Berufung als Reichsvizekanzler nach Wien und 1708 zum Koadjutor des Fürstbischofs von Bamberg. 1710 erwirbt der Neffe, der Wohnsitz in Wien hat, Besitz, Titel und Ämter der Grafen von Puchheim. Damit tritt die Familie, seit 1701 im Reichsgrafenstand, auch in den österreichischen Adel ein. Einen Rückschlag in der Sicherung der Familienmacht muss Lothar Franz nur bei der Besetzung seiner Nachfolge in Mainz hinnehmen. Hier will er 1710 den gleichen Neffen als Koadjutor einsetzen, scheitert aber an den Domherren, die den 1694 unterlegenen Rivalen von Lothar Franz um diesen Sitz, Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1664–1732) wählen. Unproblematisch verläuft die von Lothar Franz protegierte Wahl des Neffen Damian Hugo, seit 1715 Kardinal, zum Koadjutor in Speyer. Der älteste Neffe Johann Philipp Franz wird 1719 Fürstbischof von Würzburg, scheint aber diese Wahl nicht der Hilfe seines Onkels zu verdanken.
Lothar Franz und der «Teufelsbauwurmb»
Seine machtpolitischen Ambitionen verbindet Lothar Franz mit einem ausgeprägten Interesse an Baukunst und Kunst. Er teilt dieses Interesse mit seinem engsten Vertrauten und Lieblingsneffen Friedrich Carl. Der Schriftverkehr der beiden über ihre Bauprobleme ist legendär. 1715 schreibt Friedrich Carl aus Wien an seinen Onkel, dass ihn der «Teufelsbauwurmb» weit tiefer hineingeführt hat, als er jemals geglaubt hat. Und Lothar Franz berichtet seinem Neffen nach Wien, dass ihm angesichts dessen Schilderungen über die Bauten in Wien «das Wasser im Maule zusammenlaufe». Diese verbindende Bauleidenschaft allein würde noch nicht zur überragenden Bedeutung ihrer gemeinsamen Bautätigkeit reichen. Es ist vor allem ihr Gespür für den Beizug begabtester Baumeister und Künstler, verbunden mit einem grossen persönlichen Einsatz, der bei Lothar Franz 1718 beinahe zum privaten Bankrott führt. Er beginnt schon 1694 mit dem Umbau seines Schlosses in Gaibach. Baumeister ist Leonhard Dientzenhofer. Dieser baut ihm nach seinem Regierungsantritt in Bamberg 1697–1702 die «Neue Residenz». Als Erzbischof von Mainz lässt er nach dem Vorbild des französischen Lustschlosses Marly-le-Roi ausserhalb der Festungsmauern von Mainz 1700–1722 die grosse barocke Gartenanlage mit dem Lustschloss Favorite bauen.[3] Er zieht dazu den Kurmainzer Oberbaudirektor Maximilian von Welsch, den «Hofkavalier-Architekten» Philipp Christoph von und zu Erthal, später auch Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Groenesteyn und den Pariser Hofarchitekten Germain Boffrand zu. Die Namen tauchen später bei den Bauvorhaben seiner Neffen an den Residenzen in Würzburg und in Bruchsal wieder auf. 1711 erhält er für seine Mithilfe an der Kaiserwahl 150 000 Gulden.[4] Mit diesem Geld beginnt er seine private Sommerresidenz, das Schloss Weissenstein in Pommersfelden zu bauen. Die Anlage, Inbegriff barocker Palastarchitektur, wird von Johann Dientzenhofer, dem Bruder des 1707 verstorbenen Leonhard, geplant und gebaut. Für das riesige Prunktreppenhaus hat Lothar Franz eigene Ideen und zieht den Wiener Baumeister Johann Lucas von Hildebrandt zu. Johann Rudolf Byss und Giovanni Francesco Marchini erstellen die Fresken. 1718 sind Schloss und Gartenanlage vollendet. Die Gemäldegalerie, für deren Ankauf Lothar Franz fast Bankrott machte, und auch seine Bibliothek sind noch heute vorhanden. Als der Neffe Johann Philipp Franz 1719 den Bischofsstuhl in Würzburg besteigt, schreibt Lothar Franz an Friedrich Carl in Wien, dass ihr «episcopus Herbipolensis» einen Schatz gefunden habe, die Residenz neu bauen wolle, aber weder etwas von der Baukunst verstehe noch Pläne lesen könne.[5] Sie helfen ihm dann mit Konkurrenzplanungen von Maximilian von Welsch und Johann Lucas von Hildebrandt, dem jungen und im repräsentativen Schlossbau noch unerfahrenen Ingenieur-Hauptmann Balthasar Neumann wird ein Studienaufenthalt in Paris ermöglicht. Die Eilkuriere auf den Strassen Mainz–Würzburg–Wien sind täglich mit Schriftstücken und Plänen unterwegs und nicht selten starten am gleichen Tag zwei in die gleiche Richtung. Dies zeigt, wie intensiv Lothar Franz und Friedrich Carl die ersten Planungen zur Würzburger Residenz beeinflussen.
Tod und Nachruhm
Am 30. Januar 1729 stirbt er in Mainz im Alter von 75 Jahren und wird im Westchor des Domes in einem reich verzierten Zinnsarg in der nur für ihn hergestellten Gruft begraben.[6] Das in der Nähe angebrachte, von dem davor stehenden Rokokochorgestühl sichtbar gelassene Epitaph ist ein Entwurf Balthasar Neumanns und wird 1745 durch den Würzburger Bildhauer Johann Wolfgang von der Auvera (1708–1756) erstellt. Das Pendant auf der gegenüberliegenden Seite ist das Epitaph des Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn. Auch für den Dom von Bamberg fertigt Auvera ein Epitaph.[7] Ein weiteres Epitaph für Lothar Franz von Schönborn befindet sich in der Schönbornkapelle des Würzburger Doms. Es wird 1736 vom Würzburger Hofbildhauer Claude Curé (1685–1745) geschaffen, dem Vorgänger und Schwiegervater des Johann Wolfgang von der Auvera.
Lothar Franz von Schönborn gehört zu den faszinierendsten Persönlichkeiten des deutschen Barock. Als typischer Fürst der Absolutismus verbindet der den ausgeprägten Sinn für Repräsentation mit zielbewusstem Streben nach Machterweiterung, dies vor allem mit der Sicherung von Schlüsselpositionen durch Familienmitglieder. Der Familienbesitz vergrössert sich während seiner Regierung um das Fünffache, aber auch die Privatschulden wachsen.[8] Denn seine machtpolitischen Ambitionen verbindet er mit einem ausgeprägten Interesse an Kunst und verschuldet sich dafür stark. Die trägt ihm niemand nach, denn er und anschliessend seine Neffen haben nach Georg Dehio für die Baukunst mehr vollbracht als irgendein weltlicher Fürst der Zeit.[9]
Der Wichtigkeit seiner Person angemessen, sind viele Porträts als Stichdarstellungen oder Gemälde erhalten. Schon auf den ersten bekannten Gemälden vor 1695 finden wir den massigen Charakterkopf mit Doppelkinn, der den Betrachter von oben mit wachen Augen leicht ironisch anblickt. Auf allen Darstellungen trägt er keine höfische, schulterlange und feminine Allongeperücke, sondern eine lockige und natürlich wirkende Haarpracht. Die bekannteste Darstellung des nur schon deswegen aussergewöhnlich wirkenden Kurfürsten ist das Ovalbild, von Christian Schilbach 1714 gemalt.[10] Zwar trägt er den geistlichen Kragen, das «Beffchen» und das diamantenbesetzte Brustkreuz, das «Pektorale». Der rote Hermelinmantel und der etwas herablassende Gesichtsausdruck vermitteln aber das von ihm beabsichtige Bild des Fürsten und Herrschers.
Pius Bieri 2011Literatur zu Lothar Franz, Johann Philipp Franz, Friedrich Carl und Damian Hugo von Schönborn:
[1] Diakonatsweihe 30. Oktober 1695, Priesterweihe 1. November 1695, Bischofsweihe 6. November 1695.
[2] Wahlspruch des regierenden Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn.
[3] Die grosse Anlage, mit Wasserspielen und Grotten und ihre Gebäude wird 1793 bei der Belagerung von Mainz komplett zerstört. Sie ist in vielen Stichen und Beschreibungen festgehalten.
[4] 150 000 rheinische Gulden oder 100 000 Taler.
[5] Der Schatz bezieht sich auf Erpressungsgelder gegenüber dem Hofkammerrat des Vorgängers in der unglaubliche Höhe von 640 000 Gulden.
[6] Sie wird 2002 geöffnet. Der Zustand des Zinnsarges ist nach der Gruftöffnung so, als sei er erst vor wenigen Tagen hier aufgestellt worden.
[7] Heute im Mainfränkischen Museum Würzburg.
[8] Der Familienbesitz darf nicht mit Eigentum verwechselt werden. Der Besitz gliedert sich in Lehen und Eigengut. Die Einnahmen aus dem Besitz decken in der Regel die Ausgaben für Erwerb, Repräsentation und Bauten nicht. Grosse Geldschulden bei Lothar Franz und auch bei seinen Neffen sind die Regel.
[9] Dehio, Georg: Geschichte der Deutschen Kunst. III. Band, Berlin-Leipzig. 1926. S. 356.
[10] Christian Schilbach (1668–1742), Öl auf Kupfer, Original in Pommersfelden.
Die Adelsfamilie Schönborn stammt aus der Gegend von Limburg. Auf ihrer väterlichen Burg Eschbach wachsen Philipp Erwein (1607–1668) und Johann Philipp von Schönborn (1605–1673) zusammen mit ihrer Schwester Agatha Maria auf. Die Kinder verlieren 1613 ihren Vater. Die Mutter, eine Freiin von der Leyen, bemüht einflussreiche Verwandte am Hof in Mainz für die Förderung der Ausbildung ihrer Söhne am dortigen Jesuitenkolleg. Besondere Unterstützung erhalten sie von Friedrich Georg von Schönborn, Domkapitular in Mainz und Amtmann in Bingen. Er setzt, wie schon zwei 1615 kinderlos verstorbene Onkel, die beiden Jungen als Universalerben ein. Nach den Gymnasialjahren in Mainz, Studien in Würzburg, Orléans, Mainz und Siena unternehmen die jungen Edelleute eine gemeinsame Kavaliersreise durch Italien und Frankreich. Gut ausgebildet, mit exzellenter Beherrschung der lateinischen, italienischen und vor allem der französischen Sprache kehren sie 1629 zurück, wo Johann Philipp im gleichen Jahr in das hoch dotierte Domkapitel von Würzburg aufgenommen wird. Mit ihm, der 1642 Fürstbischof von Würzburg, 1647 Erzbischof von Mainz und damit Kurfürst und Reichserzkanzler wird, betreten die Schönborn während des Dreissigjährigen Krieges die Bühne der grossen Politik. Die jetzt beginnende aggressive Hegemonialpolitik des «Sonnenkönigs» führt zum Bruch der bisher guten Beziehungen Johann Philipps mit Frankreich. Er schliesst 1668 ein Defensivbündnis mit Kaiser Leopold I. und leitet damit den auf den Kaiser und das Reich ausgerichteten politischen Standort ein, den die Schönborn-Bischöfe der nächsten Generationen vehement vertreten. Seine Kirchenpolitik ist geprägt von der Durchsetzung der Beschlüsse des Konzils von Trient, aber auch von einer ausgesprochenen Toleranz zum Protestantismus. Die Mainzer Bibel-Übersetzung, die er 1661 veröffentlicht, wird von zwei Konvertiten geschrieben und bleibt bis 1830 die am weitesten verbreitete katholische Bibel. Beinflusst vom Jesuiten Friedrich Spee lässt Johann Philipp alle Hexenprozesse in seinen Territorien verbieten.[1]
Sein Bruder Philipp Erwein wird Reichshofrat und kurmainzischer Oberamtsmann. Verheiratet mit Freiin Maria Ursula von Greiffenclau zu Vollrads (1612–1682), der Tochter eines kurmainzischen Geheimrates und Nichte des 1626–1629 regierenden Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz, ist er auch von Frauenseite mit der Reichskirche verknüpft. 1650 erwirbt er den Ort und das Schloss Gaibach und 1661 die Herrschaft Heusenstamm. 1663 verleiht Kaiser Leopold I ihm und seinen Nachkommen die Reichsfreiherrenwürde. Philipp Erwein hat 16 Kinder. Wenige Monate vor dem Tod Philipp Erweins im Jahre 1668 verheiratet sich sein zweitgeborener Sohn Melchior Friedrich (1644–1717). Er wird später die Dynastie sichern. Der jüngste Sohn, Lothar Franz (1655–1729), ist zu diesem Zeitpunkt 13, aber schon seit 1665 im Besitz einer Pfründe[2] am Domstift von Würzburg. Sein Onkel, der noch amtierende Erzbischof von Mainz, auch Bischof von Würzburg und Worms, wirkt massgebend an der geplanten geistlichen Laufbahn seines Neffen mit. Lothar Franz ist 18, als sein Onkel 1673 stirbt. Wie dieser kommt er nach Studium und Kavaliersreise rasch zu Würden und wird Ende des 17. Jahrhunderts Erzbischof von Mainz, Kurfürst und Erzkanzler des Reichs. Als Oberhaupt der Familie fördert er die Hausmacht der Schönborn durch eine kluge Heiratspolitik und durch die Förderung seiner sieben Neffen. Er wird zur «Fortune» des Hauses Schönborn. Kaiser Leopold erhebt die Familie 1701 in den Reichsgrafenstand. 1705 regiert zum ersten Mal in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches ein Kurfürst als Reichskanzler gleichzeitig mit seinem Neffen. Es ist Friedrich Carl, der in Wien als Reichsvizekanzler amtiert. Höhepunkt dieser Familienpolitik bildet 1711 die Kaiserkrönung Karls VI. im Dom von Frankfurt. Lothar Franz, der zur Wahl massgeblich beigetragen hat, krönt den neuen Kaiser in Gegenwart der wichtigsten politischen und kirchlichen Würdenträger. Der letzte grosse Familienpolitiker im Dienste der Reichskirche, der Neffe Friedrich Carl, kauft 1710 als Reichsvizekanzler den Besitz und die Titel der Grafen von Puchheim, eines alten niederösterreichischen Adelsgeschlechtes. Der Titel wird auch auf seinen Vater Melchior Friedrich übertragen. Damit kann sich die Familie in den österreichischen Erblanden etablieren. Aus Puchheim wird später Buchheim, heute nennen sich die Nachkommen Schönborn-Buchheim. Mit dem Tod des letzten geistlichen Fürsten und Baumäzens Friedrich Carl von Schönborn 1746 geht die grosse Periode einer faszinierenden Familienherrschaft zu Ende.
In der Kirche von Gaibach finden wir die hier erwähnten drei Generationen des Hauses Schönborn vereint auf dem Altarblatt des rechten Seitenaltars.[3] Das Gemälde ist einerseits ein Monument von Familienbewusstsein eines in der Reichskirche so erfolgreichen Geschlechts, andererseits Ausdruck des nicht unbescheidenen Selbstverständnisses des Hauses Schönborn.
Das Wappen der Familie Schönborn finden wir an vielen ihrer Bauwerke.[4] Es stellt in Rot einen auf drei silbernen Spitzen schreitenden, zweigeschwänzten goldenen Löwen dar, der blau bezungt und gekrönt ist. Als Stammwappen wird es so 1670 am Schönborner Hof in Mainz angebracht. Später ist das Wappen komplexer und das Stammwappen wird Herzschild. Das fürstbischöfliche Wappen von Friedrich Carl über dem Hauptportal der 1739 geweihten Kirche von Gössweinstein zeigt das Stammwappen als Herzschild mit Grafenkrone, begleitet von 12 Wappenfeldern.[5]
Pius Bieri 2011
Jürgensmeier, Friedhelm: Johann Philipp von Schönborn (1605–1673), Erzbischof – Kurfürst – Erzkanzler des Reiches, in: Mainzer Vorträge 12, Mainz 2008, S. 85-102.
[1] Spätere Fürstbischöfe halten sich nicht daran. Noch 1749 lässt Philipp Karl von Greiffenclau die siebzigjährige Subpriorin des Klosters Unterzell, Tochter eines kaiserlichen Generals, als Hexe hinrichten.
[2] Pfründe: Lateinisch praebenda, in der deutschen Literatur auch als Präbende genannt, ist ein kirchliches Amt mit Ertrag auf einer Vermögensmasse des Stiftes.
[3] Das Altarblatt in der Kirche von Balthasar Neumann ist ein Werk des auch in der Würzburger Residenz tätigen Franz Lippold (1688–1768) aus 1745.
Verewigt sind hier nur elf männliche Mitglieder, die das Familienziel, nämlich die Besetzung von Bischofsstühlen oder die Fortpflanzung des Geschlechts, mit Erfolg erreicht heben. Vor ihnen liegen die Insignien der kirchlichen und weltlichen Macht. Sie beginnen links mit Kurfürstenhut, Mitra, Biret, Krummstab und Schwert, in der Mitte liegt die päpstliche Tiara mit Kreuz und Schlüsseln, rechts die Kaiserkrone mit Zepter und Reichsapfel. Der Auftraggeber des Gemäldes, Friedrich Carl, zeigt damit klar die Verflechtungen der Familie und ihren Einfluss auf Kirche und Kaiser. Er selbst kniet als Stifter links im Vordergrund und ist mit einem purpurnen Hermelinmantel bekleidet. In tiefer Verbeugung blicken im Mittelgrund die Vertreter der ersten Generation zum Betrachter. Es sind der Erzbischof Johann Philipp und sein Bruder Philipp Erwein, der einen goldenen hermilingefütterten Mantel trägt. Hinter ihm sein Sohn Melchior Friedrich, darüber zwei Mitglieder der weltlichen dritte Generation. Prominent in der Mitte steht Kardinal Damian Hugo, der Fürstbischof von Speyer und Konstanz. Links und hinter ihm die weiteren drei kirchlichen Würdenträger. Lothar Franz reiht sich hier als zweiter von links bescheiden in die Reihe seiner Neffen ein, die links von ihm mit Johann Philipp Franz beginnt, sich rechts mit dem Kurfürsten von Trier, Franz Georg, fortsetzt und dann mit dem Dompropst von Bamberg und Eichstätt, Marquard Wilhelm, endet. > Bild abrufen.
[4] Zur Wappengeschichte siehe die ausführliche Darstellung mit der übersichtlichen und ausführlichen Familiengenealogie unter http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/schoenborn.htm
[5] Über dem Herzschild mit Grafenkrone der kaiserliche Doppeladler, darunter das Habsburger Stammwappen, und links und rechts je fünf Wappenfelder von fünf Familienherrschaften, den Wappen der Hochstifte Bamberg und Würzburg, sowie des Herzogtums Franken.
|Lothar Franz von Schönborn (1655–1729)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|4. Oktober 1655||Steinheim am Main D||Kurfürstentum Mainz|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürstbischof von Bamberg und Kurfürst von Mainz||1693–1729|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|30. Januar 1729||Mainz D||Kurfürstentum Mainz|
|Kurzbiografie|
|Lothar Franz von Schönborn ist sicher die einflussreichste und wichtigste Person der Reichskirche am Anfang des 18. Jahrhunderts. Sein Selbstbewusstsein als barocker Fürst des Absolutismus zeigt sich in seinen Bauvorhaben in Gaibach, Mainz, Bamberg und Pommersfelden. Den Schlossneubau in Pommersfelden kann er erst mit Geld aus der kaiserlichen Schatulle für seine erfolgreiche Wahlhilfe beginnen, für ihn und seine Zeitgenossen ebenso selbstverständlich wie die gezielte Beförderung seiner drei Neffen in höchste Reichs- und Reichskirchenämter. Er ist nicht nur grosszügiger Bauherr, bezeichnet sich selbst als vom «Teufelsbauwurmb» verfallen, sondern baut auch eine grosse Kunstsammlung auf, die noch heute in Familienbesitz ist.|
|PDF (nur Text)||Aufstieg der Schönborn im 17.Jh.||Biografie||Bildlegende|