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Brom (Br)
Schwimmbäder und Foto-Filme: Brom findet an unterschiedlichen Orten Verwendung.Weiterlesen … Brom (Br)
Gerüche beeinflussen uns in unserem Empfinden mehr, als wir oft wahrhaben. Kein Wunder, dass die Menschheit schon seit Jahrtausenden besonders angenehme Duftstoffe einzufangen versucht und sie als Parfums oder Raumduft verwendet!
Bereits vor rund 7‘000 Jahren wurden in Mesopotamien und Ägypten Harze und aromatische Pflanzen in den Tempeln zu Ehren der Götter abgebrannt. Aus dieser Verwendung leitet sich auch der Name Parfum ab: Er stammt aus dem lateinischen „per fumum“, was soviel heisst wie „durch den Rauch“.
Auch bei den Griechen und Römern nahm das Parfum nämlich einen wichtigen Platz ein. Durch Handelsbeziehungen zu fernen Ländern, später auch mit den Kreuzfahrern und Weltumseglern, gelangten zahlreiche bisher unbekannte Düfte und Gewürze nach Europa. In der Renaissance schliesslich machte die Kunst der Parfumherstellung dank grosser Entdecker und wissenschaftlicher Erfindungen einen enormen Fortschritt. Während neue Rohstoffe wie Kakao, Vanille oder Pfeffer in Europa eintrafen, wurde auch die Kunst des Destillierens weiterentwickelt. Prachtvolle Glasflakons wurden für die wertvollen Duftstoffe hergestellt, und die Verwendung von Parfums wurde bei den wohlhabenden Damen zur allgemein verbreiteten Sitte. Im 17. und 18. Jahrhundert dienten diese Düfte oft auch dazu, mangelnde Hygiene zu verheimlichen, da man in gewissen Kreisen die Badewanne gerne mied – ausgerechnet aus Angst, das Wasser könne Krankheiten übertragen … Im 19. Jahrhundert jedoch entdeckte Europa die Sauberkeit neu, und die Geschmäcker wurden subtiler: Auf die vormals heftig riechenden Parfums folgten nun blumige und frische Duftnoten.
Damals wie heute sind Düfte grösstenteils von der Natur inspiriert. Ein grosser Teil der ursprünglichen Duftstoffe ist pflanzlicher Herkunft. Nicht bei allen Pflanzen sind die Geruchsmoleküle in denselben Teilen konzentriert: Bei vielen Arten sind die Blüten besonders geruchsintensiv, bei anderen jedoch die Früchte, das Harz, die Rinde, die Blätter, die Stängel oder die Samen. Bei wieder anderen, wie z. B. Vetiver oder Iris, wird die Duft-Essenz aus den Wurzeln extrahiert. Beim Orangenbaum wiederum kann jeder Teil der Pflanze verwertet werden und liefert einen spezifischen Duft.
Es gibt jedoch auch Duftstoffe tierischer Herkunft. Diese sind besonders geschätzt, weil sie kraftvolle Basisnoten liefern, die einem Parfum eine ganz spezielle Note verleihen. Die begehrtesten waren Zibet, Castoreum und Tonkin-Moschus (Sekrete von Zibetkatzen, Bibern und männlichen Moschushirschen) sowie graue Ambra. Ambra ist eine Absonderung, die im Verdauungsapparat des Pottwals erzeugt und vom Tier ausgeschieden wird. Sie schwimmt auf dem Wasser und wird gelegentlich an Stränden angespült. Heutzutage werden diese tierischen Rohstoffe jedoch durch synthetische Düfte ersetzt.
Nicht nur bei tierischen Rohstoffen ist es aus Tier- und Umweltschutzgründen sinnvoll, nach Alternativen zur Herstellung eines Duftes zu suchen. Denn viele natürliche Essenzen sind sehr empfindlich, selten und daher teuer: Es braucht eine Tonne Blüten, damit man einen Liter Rosenessenz erhält; die Vanille-Ernte müsste drei- bis viermal so hoch sein, um den Weltbedarf decken zu können; und es gibt bis heute kein Verfahren, mit dem man den Duft eines Maiglöckchens extrahieren könnte.
Statt die Rohstoffe also aus ihren natürlichen Quellen zu extrahieren, spannen Chemiker, Ingenieurinnen und Parfümeure zusammen und entwickeln Techniken, um Düfte genau zu analysieren und im Labor synthetisch nachzubauen. Unter „Headspace“ beispielsweise versteht man eine Technik, mit der man einem Rohstoff seinen „Geruchsabdruck“ abnimmt. Dazu wird eine glocken- oder kugelförmige Vorrichtung über ein duftendes Objekt gestülpt und luftdicht verschlossen. Die gasförmigen Duftmoleküle werden dann abgesaugt und mit geeigneten Methoden „eingefangen“, zum Beispiel in einem Lösungsmittel oder an speziellen adsorbierenden Oberflächen, und auf ihre Zusammensetzung hin untersucht. Auf diese Weise konnte man herausfinden, dass etwa der Duft einer Rose aus einem Bouquet von mehreren hundert Molekülen besteht, die man nun klar trennen und bestimmen kann. Geschickte Chemikerinnen und Chemiker können diese Duftteilchen, deren Struktur sie vorher bestimmt haben, genau nachbauen.
War die Nachbildung natürlicher Stoffe die ursprüngliche Motivation, so hat sehr rasch die Lust am Neuen die Oberhand gewonnen: Bald wurden neue Moleküle erfunden, die Duftnoten liefern, wie sie in der Natur gar nicht vorkommen. Die Herstellung solcher Moleküle erfordert viel Fachwissen und Erfindungsgeist. Dabei muss auch sichergestellt sein, dass keine der freigesetzten Substanzen eine Gefahr für die Umwelt darstellt und die gewünschten Produkte in grossen Mengen und zu einem vernünftigen Preis hergestellt werden können. So werden in den Labors eines grossen Unternehmens von den rund 1‘800 Molekülen, die pro Jahr erzeugt werden, schliesslich nur fünf oder sechs behalten.
Auch die Synthese bekannter Moleküle wird stetig weiterentwickelt – einerseits, um Kundenwünschen nach kraftvolleren Essenzen, länger anhaltenden Wirkungen und niedrigeren Preisen zu entsprechen, aber auch, um die Verfahren ökologischer und die Produkte besser biologisch abbaubar zu machen. Daraus resultieren Substanzen, die unter kontrollierten Bedingungen rein und in stabiler Qualität produziert werden können. Die wenigen Hundert Naturstoffe, die als Grundlage für Parfums dienen, wurden so mit Tausenden von synthetischen Molekülen ergänzt. Es liegt dann beim Parfümeur, dass er wie bei einem Duftnoten-Puzzle jene Kombination aus Molekülen zusammenstellt, die uns genau den einzigartigen Duft eines frisch gepflückten Maiglöckchens wiederfinden lässt.
Quelle: Firmenich / Redaktion SimplyScience.ch