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TRADITION UND NEUE WEGE
Dafür sind wir da
Herzlich Willkommen zur Bürgergemeinde und zu dem, was uns ausmacht. Wir zitieren an dieser Stelle eine schöne und passende Beschreibung zur Bürgergemeinde Oensingen aus dem 1050 Jahre Jubiläumsbuch der Gemeinde Oensingen.
Von Marie-Theres Bobst-Krieger
Geschichte und Aufgaben
Im Jahre 1918 wurde die Bürgergemeinde aus der Einwohnergemeinde herausgelöst. Die Aufgaben der Bürgergemeinde sind durch die Verfassung und die Gesetze des Bundes und des Kantons festgelegt. Sie bestellt die Behörden und Verwaltungsorgane und verwaltet ihre Güter und Wälder. Sie erteilt das Gemeindebürgerrecht oder sichert es zu und fördert die kulturelle und soziale Wohlfahrt.
Die Pflege ihres Waldes und der Liegenschaften waren in den ersten Jahrzehnten die Hauptaufgabe der Bürgergemeinde. Bis ins Jahr 1989 leistete sie aber auch Sozialhilfe für bedürftige Bürger, egal wo diese wohnhaft waren. Die Mittel aus der Waldbewirtschaftung reichten dafür kaum aus, weshalb es nötig war, eine Bürgersteuer zu erheben. Als dann später der Kiesabbau Geld einbrachte, konnte diese Steuer wie der aufgehoben werden.
Die ursprünglich kleine Institution wuchs im Laufe der letzten 30 bis 40 Jahre zu einer stattlichen Einrichtung heran, die heute jährliche Ertragsüberschüsse von mehreren 100 000 Franken erwirtschaftet. Einen sehr grossen Beitrag zu diesem Ergebnis leisten dabei die Erträge aus der Kiesgrube Aebisholz.
Organisation
Organisiert und verwaltet wird die Bürgergemeinde durch den Bürgerrat und die verschiedenen Kommissionen. Der Rat um fasst sechs Mitglieder und drei Ersatzmitglieder. Die Forst- und die Roggenbergkommission unterstützen den Rat und treffen Vorentscheide. Das Rechnungswesen führt ein Verwalter, der von der Rechnungsprüfungskommission kontrolliert wird. Die Protokollführung in allen Gremien übernimmt der/die Bürgerschreiber(in). Während der langjährigen Amtszeit des Bürgergemeindepräsidenten Urs Berger (1977-2013) wurden einige grosse Projekte realisiert. An der Bienkenstrasse entstanden Alterswohnungen. Der Forstwerkhof an der Dünnern und das Bürgerhaus auf dem Roggen wurden gebaut. Das Areal für die Überbauung Leuenfeld wurde an die Firma Schmid verkauft und gleichzeitig die Fernwärmeheizung mit der AEK realisiert. Auch der Neubau des Ferienhauses Bellwald und des Alterszentrums «Roggen-park», das von der Bürgergemeinde gross zügig mitfinanziert wurde, fielen in Urs Bergers Amtszeit.
Unterstützung
Die Bürgergemeinde unterstützt gemeinnützige Institutionen wie die Alterswohnungen, das Schloss Neu-Bechburg mit dem Schlosspark und viele der Dorfvereine mit jährlich bis zu 100 000 Franken. Die Einbürgerung der Ausländer ist eine weitere wichtige Aufgabe der Bürgergemein de. Unter der Leitung der Bürgerschreiberin sammelt ein Ausschuss des Bürgerrates die Unterlagen der Gesuchsteller, führt mit ihnen ein Gespräch und bereitet so den Einbürgerungsantrag für die Bürgergemeindeversammlung vor. Bis heute wurden über 400 Personen aus mindestens 15 Ländern eingebürgert. Weltweit gibt es ca. 3500 Personen, die das Bürgerrecht von Oensingen besitzen. Fast 800 davon leben hier in der Gemeinde.
Forstbetrieb und Wärmeverbund
Forstbetrieb
Der Forstbetrieb pflegt 737 Hektaren Wald, davon 623 Hektaren Schutzwald. Vom Laubholzanteil von 68 Prozent und einem Nadelholzanteil von 32 Prozent können jährlich 4800 Festmeter (Hiebsatz) geerntet werden. Das geschlagene Holz dient als Nutz-, Industrie- und Energieholz für die eigene Fernwärmeheizung. Der Sitz des Betriebes ist der Forstwerkhof Brüggmatt. 1987 begannen die Planungs- arbeiten. 1989 stimmten die Bürger dem Kredit für den Bau von 1997 000 Franken zu. Der Bau wurde 2002 mit einem grosszügigen, gedeckten Unterstand und 2013 mit einem Holzlagerplatz erweitert. Seit 2011 sind die Gebäude mit einer Photovoltaikanlage überdacht.
1998 wurde ein Reviervertrag mit der Bürgergemeinde Oberbuchsiten abgeschlossen. Fortan bewirtschaftet nur noch ein Förster die Waldflächen der beiden Bürgergemein- den. 2006 wurde aus dem Revierabkommen ein Pachtvertrag.
Der Forstbetrieb mit seinem steilen Bergwald, der der für einen Vollernter zum Teil nicht erreichbar ist und deshalb viel Handarbeit erfordert, kann sich nicht selbst finanzieren. Aus der Bürgerkasse muss jährlich ein mehr oder weniger grosses Defizit gedeckt werden. Allein die Neuanschaffung eines Traktors im Jahr 2016 kostete brutto 392 000 Franken.
Der Betrieb ist zuständig für die Wiederaufforstungen und Pflege der nachgefüllten Parzellen der Kiesgrube Aebisholz. Mit Eichen, Winterlinden, Buchen, Birken, Speierlingen, Kirschbäumen, Douglasien und Fichten wächst dort ein junger Mischwald heran.
Leider sind auch immer wieder Sturmschäden zu beklagen und zu beseitigen. Der Orkan Lothar im Jahr 1999 und Burglind 2018 hinterliessen 16 000 Kubikmeter Fall holz.
Der Wald mit seinen Spazierwegen wird als Naherholungsgebiet von der Bevölkerung geschätzt und rege benutzt. Seit kurzem steht im Bergwald östlich des Schlosses ein Waldlehrpfad zur Freude der Spaziergänger bereit.
Wärmeverbund
Das Gemeinschaftsprojekt der Bürgergemeinde mit der AEK konnte im Jahr 2011 ihren Betrieb aufnehmen. Seitens der Bürgergemeinde betrug die Kostenbeteiligung zum Bau der Heizzentrale anfänglich drei Millionen Franken und zusätzlich 3,1 Millionen für die Wärmeleitungen. Schon bald nach der Inbetriebnahme waren es rund 350 Wohneinheiten (Überbauung Leuenfeld), welche mit Fernwärme beheizt wer den konnten. Seit einem massiven Ausbau im Jahr 2013 (Einbau eines zweiten Holzkessels) sind nun um die 1000 Objekte an- geschlossen. Das Fernwärmenetz wurde südwestlich Richtung Bahnhof und südöstlich Richtung Mühlefeld bis zur Kreisschule und der neuen, 2015 eröffneten Sporthalle erweitert.
Im Vergleich zu den fossilen Brennstoffen liegt die Reduktion des CO2-Ausstosses bei 2600 Tonnen pro Jahr. Die Anlage produziert jährlich 9500 Megawattsunden Nutzenergie, welche über Wärmeleitungen von 3,5 Kilometern Länge in die Liegenschaften geführt wird. Der Forstbetrieb der Bürgergemeinde ist Lieferant der Holzschnitzel. Der Holzbedarf beträgt 10900 Schüttraummeter pro Jahr, das entspricht einem Wert von rund 380 000 Franken.
Kieswerk Aebisholz
Erfolgsgeschichte
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Kieswerks in den 70er-Jahren. Der Vertrag mit dem damaligen Betreiber, der Firma Junker, wurde nicht verlängert, um den Betrieb neu auszurichten zu können. Für diese Strategie gab es 1974 eine legendär gewordene Gemeindeversammlung mit 206 Teilnehmern. Es sollten der (oder die) neue(n) Betreiber gewählt werden. Zur Auswahl standen drei Angebote der damaligen Baumeister von Oensingen. Infolge Unregelmässigkeiten bei der Stimmenauszählung wurde der eingereichte Rekurs vom Regierungsrat gutgeheissen und der Entscheid der GV aufgehoben.
Nach einer obligatorischen Frist von drei Jahren konnte die Ablösung des bestehen den Vertrages mit der Firma Junker und die Wahl des neuen Betreibers in Angriff genommen werden. Ein Jahr vor Ablauf der Frist verstarb Herr Junker, und die Betriebsbedingungen wurden neu zur Diskussion gestellt.
Es zeigte sich, dass die drei Baumeister das Kiesvorkommen im Aebisholz aus schliesslich als Kiesabbaugebiet nutzen wollten. Die Hauptbedingungen der Bürgergemeinde (Mindest-Entnahmevolumen pro Jahr 60’000 Kubikmeter und Betrieb eines selbständigen Kieswerks) konnten mit diesem Geschäftsmodell nicht erfüllt werden.
In der Folge gelang es, die Firma Astra da mit dem damaligen Geschäftsführer Hr. Lüscher, und die Firma Fritschi AG für das erweiterte Geschäftsmodell zu gewinnen. Zusätzlich zum blossen Kiesabbau wurden Investitionen für ein komplettes Kieswerk angeboten. Unter diesen Voraussetzungen konnten die Bedingungen der Bürgergemeinde und die gesetzlichen Auf lagen erfüllt werden. So entstand die bis heute erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Betreibern der Anlage, aktuell die Firma Vigier Beton Mitteland AG.
Inertdeponie
Im Jahre 2012 begannen die Abklärungen für eine Inertdeponie im Aebisholz. Angrenzend an die Kiesgrube Aebisholz in Oensingen wird derzeit (2017-2018) eine neue, rund 2,7 Millionen Kubikmeter grosse Inertstoffdeponie errichtet. In der Planungsphase (seit 2012) gingen umfangreiche Vorabklärungen und Variantenstudien voraus, insbesondere stellten die flachen Gefällsverhältnisse für die Entwässerungsleitung eine Herausforderung dar. Die Deponie wird an eine bewaldete Hügelflanke aus Moräne angeschüttet und in vier Etappen errichtet. Sie befindet sich teilweise im Randbereich des nutzbaren Grundwassergebietes des Dünnerngäus. Der nördliche Deponieteil muss deshalb mit einer mineralischen Abdichtung auf einer bis zu 15 Meter hohen Sohlenaufschüttung abgedichtet werden. Der Abtrag im Umfang von insgesamt rund 60 000 Kubikmeter Bodenmaterial erfolgt unter der fachkundigen Leitung von SC+P AG. Das abgetragene Bodenmaterial wird auf einem rund vier Hektaren grossen Bodendepot bis zur Rekultivierung der vierten Etappe rund 15 Jahre zwischengelagert. Zwischenzeitlich erfolgt eine extensive Bewirtschaftung des Bodendepots. Jede Etappe wird einzeln mit einer Grundwasserbohrung regelmässig überwacht.
BUCHTIPP
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch 1050 Jahr Oensingen – werden und wachsen. Dieses Buch ist nach wie vor bestellbar: Das Buch hier bestellen
Schloss und Schlosspark
Ohne die finanzielle Hilfe der Bürgergemeinde hätten die aufwändigen Renovatio-nen unserer Burg kaum bezahlt werden können. Regelmässige Beiträge werden jährlich geleistet, und grössere Summen fallen an, wenn ausserordentliche Sanierungsarbeiten nötig werden.
In Zusammenarbeit mit der Seniorengruppe Roggenfluh wird der Schlosspark gepflegt. Die Bürgergemeinde sorgt dafür, dass geeignete Maschinen und Werkzeuge angeschafft werden können. Im neuen Materialhaus, das 2004 errichtet wurde, kann die Gerätschaft deponiert werden.
Die fleissigen Senioren erhalten jeweils ein Znüni nach dem Arbeitsnachmittag. Mit einer feierlichen Zeremonie auf der Burg werden jedes Jahr Personen, die mindestens 100 Fronstunden geleistet haben, zum Ritter geschlagen. Über 120 Senioren und Seniorinnen dürfen sich heute Ritter von Bechburgnennen und weisen sich mit einem eigens dafür entworfenen Orden aus. Für ihren ganz besonderen Einsatz wurden Franz Baumgartner, Urs Hammer und Hansruedi Baumgartner mit dem Adelstitel «Graf von Bechburg» geehrt.
Roggen und Bürgerhaus
Der Roggen gehört seit 1903, also seit der Güterausscheidung, zur Kernaufgabe der Bürgergemeinde.
Das als Roggenberg bekannte Gebiet hat eine Grösse von 2831 Aren. Bis ins Jahr 2010 wurde die Liegenschaft durch einen Pächter bewirtschaftet, der jeweils das Restaurant und den Landwirtschaftsbetrieb führte. Seit dem Pächterwechsel (2010) werden nun die beiden Betriebe getrennt verpachtet und geführt. In den vergangenen Jahren hat die Bürgergemeinde mit der Roggenbergkommission dieses einmalige Natur- und Erholungsgebiet mit viel Umsicht weiterentwickelt, geschützt und unterhalten. Allein im Jahr 1994 wurden rund 550 000 Franken für Wasser- und Abwasserleitungen zur Liegenschaft investiert.
Die bekannte Roggenfluh ist mit 998 m ü.M. eine der markantesten Plattformen der ersten Jurakette mit freier Sicht ins Mittelland bis zu den Alpen. Im Jahr 2017 wurde die Abschrankung mittels eines Metallgeländers saniert. 2008 konnte der steilste Teil der Zufahrtsstrasse zum Restaurant betoniert werden. 2014 erlaubte die Bürgergemeindeversammlung, die restliche Strecke auf die gleiche Art zu sanieren. Leider wurde diese Sanierung von den kantonalen Behörden angefochten und ein Rückbau verlangt. Die Angelegenheit wird nun vor Gericht entschieden (Stand Dez. 2017).
Seit dem Jahr 2012 fährt jeweils am Wochenende ein Bus (das «Oensingerli») vom Bahnhof auf den Roggen. Der Betrieb wird von der Bürgergemeinde subventioniert.
Bürgerhaus
Das alte, etwas oberhalb vom Restaurant stehende Pfadihaus (LINK) konnte im Jahr 1980 durch die Bürgergemeinde erworben werden und schon bald danach kam der Gedanke auf, an seiner Stelle einen Neubau zu realisieren. Es sollte ein Haus sein, das Familien oder Vereinen als Festlokal oder auch Firmen für Seminare zur Verfügung gestellt werden könnte. 1997 war es dann soweit. Für rund 770 000 Franken entstand ein Bau mit Aufenthalts raum für bis zu 45 Personen inklusive Küche und Schlafsaal. Die Energieversorgung wird durch eine Photovoltaikanlage unterstützt, was natürlich die entsprechenden Dachaufbauten benötigte. Sonnenenergieanlagen waren damals noch nicht so verbreitet, und ein Dach mit Solarpanel bestückt, war ein et was ungewohnter Anblick. Die zuständige kantonale Behörde verlangte prompt den Rückbau mit der Begründung, der Roggen gehöre zur Juraschutzzone, und in dieser Zone seien solche Anlagen nicht erlaubt. Der Rückbau ist bis heute nicht geschehen. Weil die rechte Hand manchmal nicht weiss, was die linke tut, hat eine andere kantonale Behörde für die gleiche Anlage Förderbeiträge ausbezahlt.
Die Bürgergemeinde Oensingen trägt viel zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume bei. Auf dem Roggen und auf der Ravelle bestehen seit längerem bewaldete Naturreservate, in denen auf die Nutzung ganz verzichtet wird. Die Bürgergemeinde hat 13 Prozent des Waldes als «Nichtwirtschaftswald» ausgeschieden. In diesen Teilen des Waldes hat sich ein Naturgebiet von einzigartiger Schönheit mit seltenen und deshalb auch geschützten Pflanzen entwickelt.
Ein schönes Beispiel für eine solche Waldpartie ist das Felssturzgebiet unterhalb der Roggenfluh, bei den Einheimischen «Paradiesli» genannt. Wanderer schätzen die Ruheplätze und Feuerstellen, welche in dieser urwaldähnlichen Zone anzutreffen sind.
Die Aufgaben der Bürgergemeinde
Die Aufgaben der Bürgergemeinde sind über Verfassung und Gesetze durch Bund und Kanton geregelt. Sie bestellt die Behörden und Verwaltungsorgane und verwaltet ihre Güter und Wälder, erteilt auch das Gemeindebürgerrecht oder sichert es zu.
Einwohner und Bürger
Die aktuellen Zahlen der Einwohner und Bürger von Oensingen. Ein Fünftel davon sind Kinder. 30 Prozent davon sind Schweizer, die das Oensinger Bürgerrecht beantragt und erhalten haben. (Stand Dezember 2021):
BUCHTIPP
Buch 1050 Jahre Oensingen – werden und wachsen
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