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Unter regnerischem Himmel verabschiedete ich mich von Herrn Ito. Frau Kinno fuhr mich weiter nach Ofunato, in ihre Heimatstadt. Im Auto erzählte sie mir, was sie am Katastrophentag auf einer Strasse zwischen Wäldern auf einer Erhöhung weit entfernt vom Meer erlebte.
Als der Tsunami kam, war sie ausserhalb der Stadt mit dem Auto unterwegs und versuchte am Abend nach Ofunato zurückzufahren. Viele Strassen in die Stadtmitte waren mit den Trümmern nicht mehr fahr- sowie fast begehbar. Es war bereits dunkel, plötzlich sah sie eine Menge Menschen entgegen kommen. Sie waren ausnahmslos patschnass und erschöpft, gingen mit blassem Gesicht und schweren Schritten an ihrem Auto vorbei.
Sie entkamen dem monströsen Tsunami knapp, aber wussten nicht, ob ihre Familienangehörigen am Leben waren oder nicht. Diese Menschen waren auf der Suche nach dem Verbleib ihrer liebenden. Am Rand des Scheinwerfers sahen sie wirklich wie Zombies aus, sagte Frau Kinno.
In Ofunato hatte ich um vier Uhr einen Termin bei der Lokalzeitung „Tokai Shinpo“. Frau Kinno pflegt auch Kontakt mit dem Zeitungsverlag. Er veröffentlichte das Fotobuch „Chinkon (Beruhigung der Seelen Verstorbener) in zwei Bändern ein Jahr nach der Katastrophe. Darin sind unzählige schreckenerregende, aber wertvolle Fotos, die auch von Bewohnern geschossen wurden, zu sehen. Es enthält auch eine DVD, eine einstündige Aufnahme der wütenden Bucht von Ofunato mit einer gewaltigen Kraft.
Am nächsten Tag, dem 18. Mai, wollte ich eigentlich wieder alleine in der Stadt herumfahren, aber das Wetter spielte leider nicht mit, und Herr Usui von Tokai Shinpo bot mir eine ganztätige Begleitung mit dem Auto an. Ich war natürlich sehr froh darüber. Allerdings spürt man und nimmt man alles viel besser wahr, wenn man mit eigenen Beinen durch die Stadt geht.
In Ofunato soll der gesunkene Boden 3 m erhöht werden. Das Problem ist überall gleich: Wann beginnt die Arbeit? Was macht man mit dem Grundstück, dessen Besitzer gestorben ist oder vermisst wird? Wie lange dauert die Erhöhungsarbeit? Was ist mit den provisorischen Gebäuden während der Arbeit? Wenn das Grundstück erhöht wurde, vielleicht in sieben oder acht Jahren, kann man dort wirklich wieder Gebäude bauen? Soll ich es warten, oder in einem anderen Ort ein neues Leben anfangen?
In Ofunato weiss man so viel: Zwischen den Gleisen und dem Meer wird kein Wohnhaus mehr gebaut. Herr Suzuki von der Boutique Sumire (siehe Diashow Ofunato) sagte: „Wir haben keine Perspektive. Alle haben Angst, ob wir hier bleiben können.“
Herr Toshiaki Saito, der Geschäftsführer der Firma „Kamome no Tamago“, war auch besorgt darüber, dass die Planung des Wiederaufbaus gar nicht recht vorankommt. Der Hauptsitz seiner Firma war auch vom Tsunami zerstört (siehe Diashow Ofunato). Er machte einen Film mit seinem Handy, als die Erde heftig bebte. In dem kurzen Film ist zu sehen, wie er seine Mitarbeiter auffordert, sofort zu evakuieren, weil er ahnte, dass das Erdbeben ein Tsunami auslösen würde.
In einem kleinen Bach neben dem Hauptsitzgebäude springen unzählige Fische beim Erdbeben platschend hoch.
Video von Kesennuma und Rikuzen-Takata