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Hotelkarten und Prospekte erhältlich sind und dem Fremden Auskunft und Rat erteilt wird.
[A. Zindel-Kressig.]
Schulwesen, Bibliotheken, Museen, wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen.
In Bezug auf die Pflege des geistigen Lebens darf sich die Stadt Schaffhausen wohl mit jeder andern Schweizerstadt von derselben Grösse messen. In erster Linie ist das Schulwesen vortrefflich geordnet und auf einer erfreulichen Höhe. Die oberste Lehranstalt, die Kantonsschule, steht unter der Leitung des kantonalen Erziehungsrates. Die städtischen Schulanstalten stehen unter der speziellen Leitung u. Aufsicht eines aus 7 Mitgliedern bestehenden, von der Einwohnergemeinde auf eine Amtsdauer von 4 Jahren gewählten Stadtschulrates. Die Wahl der Elementarlehrer ist durch die Gemeinde dem Grossen Stadtrat übertragen; Wahlbehörde für die Reallehrer sind der Erziehungsrat und der Stadtschulrat gemeinsam. An der städtischen Elementar- und Realschule ist seit Frühling 1904 die unentgeltliche Abgabe der Lehrmittel an die Kinder der Einwohner der Stadt Schaffhausen eingeführt.
An den Schulen ist die Trennung der Geschlechter durchgeführt, so dass sowohl die Elementar- als die Realschule je in eine Knaben- und eine Mädchenschule zerfällt. Die Elementarschule hat obligatorisch 8 volle Schuljahre; die Knabenelementarschule zählt 19, die Mädchenelementarschule 21 Klassen. Die Realschule schliesst an das zurückgelegte 5. Schuljahr an; die Knabenrealschule hat 4 Schuljahre in 9 Klassen, die Mädchenrealschule 5 Schuljahre in 8 Klassen. Für schwachbegabte Kinder ist eine Spezialklasse errichtet, die im Schuljahr 1903/04 26 Schüler (14 Knaben und 12 Mädchen) zählte. Die Schülerzahl belief sich zu Ende dieses Schuljahres auf: Knabenrealschule 223, Mädchenrealschule 211, Knabenelementarschule 597, Mädchenelementarschule 669, Steigschule (Abteilung der Elementarschule) 484, Spezialklasse 24, zusammen 2208. Dazu kamen: Schüler der obligatorischen Fortbildungsschule 49, der gewerblichen Fortbildungsschule 206, der Töchterfortbildungsschule 214. Die Zahl der Lehrkräfte betrug: an der Knabenrealschule 10, an der Mädchenrealschule 7, an der Knabenelementarschule 12, an der Mädchenelementarschule 10, an der Steigschule 7, an der Spezialklasse 2. Dazu kommen 14 Arbeitslehrerinnen für den Arbeitsunterricht der Mädchen auf den verschiedenen Schulstufen. Der Unterricht an der obligatorischen Fortbildungsschule wird durch 2 Elementarlehrer erteilt; an der gewerblichen Fortbildungsschule unterrichten 14, an der Töchterfortbildungsschule 6 Lehrer und 5 Lehrerinnen. Diesen verschiedenen Schulanstalten stehen 5 zweckentsprechende Schulhäuser zur Verfügung, von denen die zwei letzterrichteten, das grosse Elementarschulgebäude auf dem Emmersberg und das Mädchenschulhaus auf der Steig, auch mit Schulbädern versehen sind. Für den Turnunterricht sind 3 guteingerichtete Turnhallen vorhanden. Lehrmittelsammlungen und Schulbibliotheken sind in gutem Stand.
Die beiden freiwilligen Fortbildungsschulen der Stadt sind die gewerbliche und die Töchterfortbildungsschule. Beide werden auch vom Kanton und dem Bund unterstützt. In der gewerblichen Fortbildungsschule wird Unterricht erteilt im Freihand-, geometrischen, Projektions-, mechanisch-technischen, bautechnischen und Planzeichnen, im Modellieren, gewerblichen und geometrischen Rechnen, im Schreiben, in Vaterlandskunde, Buchführung und Geschäftsaufsätzen, in gewerblicher Physik und Chemie, in Algebra, Festigkeitslehre und Französisch. Der Unterricht der Töchterfortbildungsschule erstreckt sich zur Zeit auf folgende Fächer: a) Kaufmännische Abteilung: Buch- und Geschäftsführung, Rechnen und Geschäftsbriefe, Französisch, Englisch, Schreiben und Stenographie; b) Hauswirtschaftliche Abteilung: Weissnähen, Kleidermachen, Kochen und Haushaltungskunde. Fakultativ ist an den städtischen Schulen auch der Handfertigkeitsunterricht für Knaben eingeführt. Die Gemeinnützige Gesellschaft Schaffhausen hat die Ferienversorgung armer Kinder mit grossem Erfolg übernommen und auf dem Reiat bei Büttenhard ein vortrefflich gelegenes Ferienheim eingerichtet. Die Kleinkinderschulen sind Gründungen von gemeinnützigen Vereinigungen; sie stehen nicht direkt unter der Aufsicht der Erziehungsbehörden, erhalten aber von der Stadt eine bescheidene finanzielle Unterstützung.
Die Stadt Schaffhausen verfügt über einen Schulfonds im Betrag von etwa 426000 Fr. Die Gesamtausgaben für das Schulwesen beliefen sich im Jahr 1903 auf 202245 Fr.
Für das kaufmännische Bildungswesen sorgt mit Unterstützung des Bundes, des Kantons und der Stadt die Handelsschule des kaufmännischen Vereins Schaffhausen. Sie unterrichtet ihre Schüler nach einem bestimmten Lehrplan in 6 aufeinander folgenden Semesterklassen mit je 6 Wochenstunden und steht unter der Aufsicht einer vom Kaufmännischen Verein gewählten Unterrichtskommission, in der auch die Behörden vertreten sind. Zu den obligatorischen Fächern kommen verschiedene fakultative Fächer (Italienisch, Kalligraphie, Stenographie, Maschinenschreiben u. s. w.). An dieser Unterrichtsanstalt, die einem wirklichen Bedürfnis in erfolgreichster Weise entspricht, wirken gegenwärtig 14 verschiedene Lehrer. Seit 4 Jahren werden alljährlich im Frühjahr kaufmännische Lehrlingsprüfungen nach den Bestimmungen des schweizerischen kaufmännischen Vereins durchgeführt. Als weitere Unterrichtsanstalt ist zu erwähnen die Musikschule am Imthurneum. Sie wird geleitet vom Vorstand der Imthurn'schen Stiftung, die durch den Schaffhauser J. C. Imthurn in London «zur Förderung ästhetischer und wissenschaftlicher Bildung» ins Leben gerufen worden ist und die sich vor Allem durch die Hebung des musikalischen Lebens in Schaffhausen grosse Verdienste erworben hat. An der Musikschule wirken verschiedene vortreffliche Lehrer und Künstler. Sie wird vom Kanton und von der Stadt finanziell unterstützt u. ermöglicht es auch weniger bemittelten Schülern, für ein bescheidenes Schulgeld einen mustergiltigen Musikunterricht zu geniessen.
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Von den Bibliotheken sind in erster Linie zu nennen: 1. Die im Jahr 1636 gegründete Stadtbibliothek Schaffhausen. Sie ist eine öffentliche Bibliothek von wissenschaftlichem Charakter, Eigentum der Stadt Schaffhausen u. wird durch eine vom Grossen Stadtrat ernannte Bibliothekkommission geleitet. Ihre Bändezahl beläuft sich auf etwa 40000. Sie besitzt auch eine Anzahl zurre Teil sehr wertvoller Handschriften u. Inkunabeln. Die Benutzung ist jedem Einwohner der Stadt gestattet; aber auch den Einwohnern des Kantons u. Auswärtigen gegenüber zeigt die Verwaltung der Bibliothek das bereitwilligste Entgegenkommen. Die Benutzung von Seite des Publikums steigert sich von Jahr zu Jahr. 2. Die Ministerialbibliothek. Sie ist gleichsam die Fortsetzung der Bibliothek des früheren Klosters Allerheiligen zu Schaffhausen, jetzt die Bibliothek der Geistlichkeit des Kantons Schaffhausen. Sie besitzt ebenfalls eine Anzahl von wertvollen Manuskripten und Inkunabeln und berücksichtigt in ihren Neuanschaffungen vornehmlich die Gebiete der Theologie und Philosophie. Sie steht unter der Leitung des Konventes der Geistlichkeit des Kantons und wird durch die Beiträge der Geistlichen vermehrt; steht den Pfarrern des Kantons offen, zeigt sich aber auch andern Benutzern gegenüber sehr liberal. Sie hat übrigens ausschliesslich den Charakter einer wissenschaftlichen Bibliothek.
Nicht unbeträchtliche Bibliotheken besitzen auch die Regierung des Kantons, das Obergericht, das Staatsarchiv, das eine besondere Erwähnung verdient wegen seines überaus reichen und in vortrefflicher Weise geordneten mittelalterlichen Urkundenmaterials, ferner verschiedene Vereine, wie der historisch-antiquarische Verein, die naturforschende Gesellschaft, der Juristenverein, kantonale Offiziersverein, Gewerbeverein; der letztere hat ein eigenes Lesezimmer eingerichtet. Dem grossen Publikum dienen mehrere Leihbibliotheken, Lesegesellschaften, die Sonntagslesesäle für Arbeiter, der Arbeiterbildungsverein etc. Die Kasinogesellschaft legt in ihrem Lesezimmer eine grosse Anzahl politischer und wissenschaftlicher Zeitungen auf und steht mit den ähnlichen Gesellschaften der andern Schweizerstädte in Verbindung. Von wissenschaftlichen Vereinen sind hervorzuheben der historisch-antiquarische Verein, der von Zeit zu Zeit als wissenschaftliche Publikation die Beiträge zur vaterländischen Geschichte (bis jetzt erschienen 7 Hefte) und in Verbindung mit dem Kunstverein Neujahrsblätter geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Inhalts herausgibt; er besitzt eine wertvolle Sammlung von Altertümern, die gegenwärtig im Gebäude der Stadtbibliothek aufgestellt ist. Ferner die Museumsgesellschaft, die Eigentümerin des sehr reichhaltigen und interessanten naturhistorischen Museums, die naturforschende Gesellschaft, der Kunstverein mit einer zwar kleinen aber sehenswerten Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Kupferstichen im Imthurneum. Diese drei Sammlungen sind gegenwärtig in durchaus unzureichenden Lokalitäten aufgestellt; wenn das eifrige Bestreben der interessierten Kreise, für sie ein neues, gemeinsames und zweckentsprechendes Ausstellungsgebäude zu erlangen, in Erfüllung geht, dann erst werden diese Sammlungen der Stadt Schaffhausen zu ihrer vollen Wirkung kommen. Eine kleine Sammlung von Altertümern besitzt auch das Staatsarchiv im «Onyxgewölbe», dessen berühmtestes Kabinettstück der «Schaffhauser Onyx», eine prächtige antike Gemme in sehr wertvoller Goldfassung aus dem 14. Jahrhundert, nach der Ueberlieferung ein Beutestück aus der Schlacht bei Grandson, ist. Bestimmte wissenschaftliche Ziele und Bildungszwecke verfolgen auch der Juristenverein, die kantonale ärztliche Gesellschaft, die medizinisch-pharmazeutische Gesellschaft, der kaufmännische Verein, dessen Handelsschule bereits erwähnt worden ist. Von musikalischen Vereinigungen ist vor allem hervorzuheben das Musikkollegium, das alljährlich eine Anzahl bedeutender Abonnementskonzerte im Imthurneum veranstaltet, die Stadtmusik Schaffhausen und eine grössere Anzahl von Gesangvereinen.
Von politischen Zeitungen erscheinen in Schaffhausen und dem benachbarten Neuhausen das Tageblatt, das Intelligenzblatt und das Echo vom Rheinfall, welch' letzteres in erster Linie die Interessen der Arbeiterschaft vertritt. Alle drei werden täglich ausgegeben. Zeitungen katholischer Richtung sind Der Arbeiter und die Schaffhauser Zeitung (letztere erst seit Dezember 1904). Als Fachzeitung wird in Schaffhausen herausgegeben die Schweizerische Milchzeitung. Für die amtlichen Publikationen gibt die Staatskanzlei wöchentlich einmal das Amtsblatt des Kantons Schaffhausen heraus; in seinen Beilagen enthält es die Protokolle der Sitzungen des Grossen Rates und des Regierungsrates.
[Prof. Dr. K. Henking.]
Organisation der Verwaltung.
Die innere Einrichtung der Gemeinde stützt sich auf die Kantonsverfassung, das Gemeindegesetz vom 9. Juli 1892, die Gemeindeverfassung vom 8. April 1894 und die Bürgerordnung vom 14. Juli 1895. Die Einwohnergemeinde ist die öffentlich-rechtliche Korporation für örtliche Zwecke, und es dient ihre Organisation zur Ausübung der eidgenössischen und kantonalen politischen Rechte. Alle Gemeindeangelegenheiten, welche das Gesetz nicht einem andern Gemeindeverband zuteilt, gehören in den Wirkungskreis der Einwohnergemeinde. Stimmberechtigt in derselben sind die im Genuss des Aktivbürgerrechts befindlichen ortsansässigen Bürger und die kantonalen und schweizerischen Niedergelassenen. Die Organe der Gemeinde sind: die Gemeindeversammlung, der Einwohnerausschuss (fakultativ in den Gemeinden) und der Gemeinderat. Als Hauptgeschäfte der Gemeindeversammlung in innern Angelegenheiten sind zu nennen: die Wahlen der Mitglieder des Gemeinderates, des Einwohnerausschusses und der Ortsschulbehörde, wie auch des Friedensrichters; die Festsetzung der jährlichen Voranschläge und die Abnahme der Jahresrechnungen, sowie die Aufsicht über die Verwaltung des Gemeindevermögens; die Bewilligung von Steuern und neuen Ausgaben, die entweder eine einmalige Leistung von mehr als Fr. 30000 oder eine jährlich wiederkehrende von über Fr. 2000 verursachen. Die erweiterte Gemeindeversammlung (Zuzug der kantonalen Aufenthalter bezw. aller ortsanwesenden Schweizerbürger) ist das Organ für kantonale bezw. eidgenössische Wahlen und Abstimmungen. Dem aus 36 Mitgliedern bestehenden Einwohnerausschuss oder Grossen Stadtrat kommt als Hauptaufgabe die unmittelbare Aufsicht über den Gemeindehaushalt und die Amtsverrichtungen des Gemeinderates zu, wie auch die Vorberatung aller an die Gemeindeversammlungen gelangenden Geschäfte. Er trifft sodann auch einige Wahlen, von denen diejenigen der Mitglieder der Aufsichtskommission über die städtischen Licht- und Wasserwerke, der Kommission für Durchführung des Markt- und Hausiergesetzes, der Elementarlehrer und einzelner Beamten hervorzuheben sind. Der Gemeinderat oder Kleine Stadtrat, welcher 5 Mitglieder zählt, besorgt mit den ihm beigegebenen und meist von ihm direkt gewählten Beamten den gesamten Haushalt der Einwohnergemeinde. Einzelne ihm zustehende Obliegenheiten, wie die Besorgung des Vormundschafts- und Teilungswesens, der Flurangelegenheiten, der