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Riyaz zu treffen, macht jedes Mal mehr Freude. Er ist immer noch sehr ernsthaft, aber sein Englisch wird immer besser und wir haben uns lebhaft unterhalten. Er sei guter Dinge für seine Prüfungen im Juni und will danach erst einmal einen dreimonatigen Englischkurs in Matara oder Colombo besuchen.
Ich habe ihn auf seinen Brief, den ich im Januar erhalten hatte angesprochen: den hätte er bestimmt nicht selber geschrieben. Verschämt gab er dies zu und ich habe ihm erklärt, dass wir uns mehr über einen fehlerhaften Brief von ihm persönlich freuen würde.
Um Sameela zu besuchen, mussten wir ins Hochland nach Kandy fahren. Als wir der Besitzerin unseres Gästehauses die Adresse von Sameelas Schlummereltern vorlegten, entschlüpfte ihr ein: Das ist aber eine miese Gegend. Wegen meines erschrockenen Gesichts besserte sie nach. Bis vor zwei Jahren seien dort nur Hütten gestanden, aber seither hätte sich die Situation verbessert. Die Schule sei allerdings die Beste in Kandy und wir sollten das Mädchen doch einfach in der Schule besuchen.
Direkt ins Büro des Schuldirektors gehen, lautete der Ratschlag! Da man bekanntlich auf Ratschläge von Einheimischen hören soll, marschierten wir in das Büro der Schule, in der insgesamt 4300 Schülerinnen unterrichtet werden.
Dort empfing uns die Vizedirektorin und entschuldigte wortreich die Abwesenheit des Direktors. Es wurden Tee und Cutlets gereicht und nach Sameela geschickt.
Nicht ohne Stolz wiederholte die Vizedirektorin, sie seien die beste Mädchenschule in Kandy und würden tamilische, singhalesische und moslemische Mädchen von der ersten Klasse bis zur Matur unterrichten.
Sameela kam ziemlich verschüchtert im Büro an und wusste erst einmal nichts mit uns anzufangen. Nach ein paar erklärenden Worten erhellte sich ihr Gesicht und sie sagte: „Theres-auntie!“ Es ist in Sri Lanka eine Ehre mit auntie oder uncle angesprochen zu werden und vielleicht werde ich mich eines Tages daran gewöhnen.
Sameela wird im Juni 2007 ihre Matur mit Schwerpunkt auf Chemie, Physik und Mathematik ablegen. Von 7.45 Uhr bis 14.00 Uhr besucht sie die Schule und am Nachmittag die verschiedenen Zusatzkurse. In den Ferien geht es in einer achtstündigen Busfahrt zu ihren Eltern nach Hambantota, die übrigens immer noch in der Holzhütte im Flüchtlingscamp wohnen.