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Ruth (geb. 17. April 1948) war für mich eine wichtige Frau nach der Scheidung. Sie war sowohl die stärkste, als auch die schwächste aller meiner Freundinnen. Sie lernte mich wieder gehen und deckte alte Vorlieben wieder auf, wie Z.B. die klassische Musik und Fotografie. Sie führte mich auch in Brockenhäuser, wo es immer etwas zu finden gab. In dieser Zeit war ich ein Brockenhaus-Profi. Kannte jedes Haus im grösseren Umkreis von Basel.
Aber trotzdem war sie kein Partner für eine längere Zukunft. Sie lebte in einer anderen Welt, in die sie aber keineswegs passte. Sie war eine Träumerin. Die nachfolgende Episode beschreibt am besten ihren schwierigen Charakter: "Jahre nach unserer gemeinsamen Zeit, anfangs der 2000er-Jahre, drohte sie mir schriftlich in einem eingeschriebenen Brief mit einem Anwalt, weil ich in meinem Tagebuch/Biographie ohne ihre Zustimmung ihren Familien-Namen in der Beschreibung unserer gemeinsamen Ferien in Paris und Italien ausschrieb." Aus diesem Grund verzichte ich auch auf fotografische Illustrationen in diesem Kapitel, denn ich möchte mir weiteren Aerger ersparen.
Ende Januar 1991 lernte ich mit Ruth eine Person kennen, die mein bisheriges Leben grundlegend verändern sollte. Wie schrieb ich doch in einer meiner ersten Tagebuch-Einträge "Ruth ist eine intellektuelle und musische Frau. Sie liebt und lebt mit und für die klassische Musik. Kann ich da mithalten?" In der Zwischenzeit habe ich aber auch festgestellt, dass Ruth noch viele andere Qualitäten und "Schwächen" hat. Sie liebt Camping und die italienische Lebensweise inbegriffen das "dolce far niente", den Wein, den aktiven Sport, geniesst den Garten und macht wunderbare Fotos ....
Ruth hat mich gelehrt, über mich nachzudenken. Sie hat in mir aber auch die Liebe zur klassischen Musik wieder aufgedeckt, die seit meiner späteren Jugendzeit in mir schlummerte, aber während meiner Ehe mit Doris eingeschlafen war. So besuchten wir zusammen unter anderem die Opern "L'Elisir d'Amore" von Gaetano Donizetti, die Verdi-Oper "La Traviata" mit der Rumänin Ana Felicia Filipe in der Rolle als Violetta Valéry und in den Sommerferien 1991 in den Caracalla-Thermen in Rom "Aida". Ein ganz besonderes Erlebnis war bestimmt das Galakonzert am 23. Nov. des London Philharmonic Orchestra unter Leitung von Sir Yehudi Menuhin mit seinem Sohn.
Sie wohnte an der Rosenthalstrasse bei der Mustermesse mit Blick auf den Landhof, dem alten Fussball-Stadion des FC-Basel. Ihre Möbelierung war "alt", eben Brockenhaus. Aber es hatte mir damals gefallen. Erst viel später, als ich mein Haus an der Bollwerkstrasse verkaufte, habe ich mich von dieser Vorliebe getrennt und meinen eigenen Stil entwickelt.
Ruth war eine schwierige Frau. Voller Komplexe betr. ihres Körpers (kleine Brüste), Ausbildung und Niveau, und im höchsten Masse eifersüchtig. Seither bin ich allergisch auf Frauen mit Eifersucht. Es ist ein Zeichen fehlenden Vertrauens. Ich selber bin kein bisschen eifersüchtig, solang mir dazu keine Gelegenheit gegeben wird.
Diese Gelegenheit kam bei Ruth, als im Sommer 1992 ein jüngerer Mann sie im Sommerkino auf dem Münsterplatz begrüsste und sich zu uns setzte. In den Wochen darauf realisierte ich und sie bestätigte es auch nach meiner Nachfrage, dass sie hinter meinem Rücken eine Freundschaft mit einem fremden Mann einging. Dies war dann der Anfang vom endgültigen Aus Ende 1992.
Ihre eigene krankhafte Eifersucht hatte sie bereits vorher gezeigt, als wir im April 1991 in Paris waren. Denn dammals las sie hinter meinem Rücken mein handgeschriebenes Tagebuch und entdeckte, dass ich zu Beginn meiner Beziehung mit ihr noch ein Techtel-Mechtel mit Miranda hatte. Dieser Vertrauensmissbrauch hat mich zutiefst schockiert. Daraufhin habe ich mich von ihr getrennt. Ein paar Monate später hat sie mich mit einem Brief wieder um die Finger gewickelt und wir begannen nochmals eine intensive Zeit.
Wir machten zusammen gemeinsame Ferien mit dem Wohnwagen in Italien: Rom und Neapel. Sie organisierte Tickets für die Aida in den Caracalla-Thermen in Rom.
Ruth nahm keine Antibaby-Pille. Aus diesem Grund hatten wir nur Sex an den unkritischen Tagen und mit Gummi. Mich hat dies stark gestört. Ich gestehe, ich hatte oft Angst und manchmal Probleme mit meiner Männlichkeit. Dies entging auch nicht Ruth. Sie forderte von mir, dass ich mich sterilisieren lasse. Ich gebe zu, dieser Gedanke hat mich schon nachdenklich gestimmt. Was war mit meiner Männlichkeit? Aber bald wurde mir klar, ich wollte keine Kinder mehr. Ich glaubte auch Ruth, dass dieser Eingriff nur ein kleiner Schnitt war. Und er war es auch.
Nach telefonischer Anmeldung erhielt ich recht kurzfristig einen Termin bei Dr. XYZ. Den Namen habe ich leider vergessen. Wie ich erst nachträglich erfahren habe, war dieser Urologe stadtbekannt. Er hat die meisten meiner Freunde, ja die die halbe Basler Männerwelt sterilisiert. Ich begab mich in die Praxis und kam nach einer partiellen Anästhesie bereits nach 1 Stunde wieder aus dem Hause. Ich hatte zwar gefühlsmässig geschwollene Hoden, aber fuhr mit dem Tram nach Hause. 2 Wochen durfte ich keinen Sex haben. Dann musste ich mich bei ihm wieder melden und ein kleines Fläschchen mitbringen, in das ich zu Hause gespritzt hatte. Er testete dieses, ob wirlich keine Spermien mehr aufzufinden wären, denn dann hätte er den falschen Faden durchgeschnitten. Aber es war gut und er gab mir Feuer frei, ohne Gefahr jemanden zu schwängern.
Ruth hat es an keiner Arbeits-Stelle lang ausgehalten. Niemand konnte ihre Ansprüche und Erwartungen erfüllen. Zudem denke ich, dass man sie überall schnell durchschaut hat.
Sie hat über alles mitgesprochen, aber das meiste gar nicht verstanden. Sie war eine typische Frau, die gerne studiert hätte, ihr dazu aber die Intelligenz oder das notwendige Sitzleder fehlte.
Ihr Bruder "Chicco", wohnhaft in Zürich, war nicht viel besser. Nein, sogar noch schlimmer. Er war Lehrer, aber hatte einen Tick! Er war wahrscheinlich hochintelligent, aber kein Praktiker. Er lebte wie Ruth in einer anderen Welt.
Ruth war stolz auf ihre Familie. Ihr Vater soll Gerichtspräsident in Zürich gewesen sein und grosse Prozesse geführt haben. Bundesrat Hürlimann sei ein Familienfreund gewesen. (Alleine diese Aufzählung zeigte die Komplexe von Ruth).
Genau 10 Jahre nach unserer Trennung haben wir uns wieder einmal getroffen. Es war ein schockierendes Wiedersehen. Sie war schlimmer und schwieriger als zu unserer Zeit. Wie konnte ich sie nur einmal nett gefunden haben.
Einige weitere Jahre später, sie arbeitete bei der AHV/IV-Stelle in Binningen, erhielt ich dann unverhofft einen eingeschriebenen Brief von ihr, in der sie mir mit einem Anwalt drohte, und von mir verlangte, dass ich ihren Namen aus meiner Homepage lösche. Klar, ich erwähnte sie in meinen Ferienberichten wie den Wohnwagen-Ferien in Italien, der Städtereise nach Paris etc. Sie wollte nicht, dass ihre Privatsphäre im Internet nachlesbar sei. Typisch Ruth.

Autobiografie von Max Lehmann

Schafmattweg 13, CH-4102 Binningen

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