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Hochgeachteter Herr Präsident!
Von den, seit Ihrer Abreise der Direktion der Nordostbahn eingegangenen Schreiben, ist die Mittheilung des Projektes des Herrn Ingr Müller für die Lenzburgerlinie, durch die Reg. von Aargau, das wichtigste; ich hätte Ihnen diese Akten sehr gerne sofort mitgetheilt, allein die Reg. v. Aargau verlangt bis im August eine Erklärung der Direktion und da hiefür noch sehr viele Vorarbeiten und Berechnungen nöthig sind, so beeilte ich mich die Akten dem Herrn Oberingenieur zu überweisen, der nun sein ganzes Ingenieur Personal angestellt hat, um diese Aufgabe lösen, namentlich eine zuverlässige Kostenberechnung über beide Richtungen gegen Lenzburg vorlegen zu können.
Nach dem Müllerschen Projekt würde zwar der hohe Damm bei Wildegg wegfallen, hinwieder aber diese Ortschaft durch den Tunnel von der Bahn abgeschnitten und genöthiget bei Holderbank die Verbindung mit der Bahn zu suchen, weil die Steigung von 12‰ schon dort beginnen sollte.
Die Direktion der Rheinfallbahn hat bei uns angefragt ob wir einverstanden wären, wenn sie die sämmtlichen Betriebsgeschäfte ihrer Bahn so wie die Controllirung des Brückenbaues in Andelfingen an Herrn Maschinenmeister Kraus in Lindau übertragen würden. Hr. GlSekretär Schweitzer trägt Bedenken über diese Anstellung, indem er voraussetzt dass Her Kraus eine Anstellung auf unbestimmte, muthmasslich nur kurze Dauer nicht annehmen | könne, hinwieder aber nach erfolgter Fusion, im Aprill künftiges Jahr, ein Maschinenmeister für beide Bahnen vollkommen genügen würde; in diesem Sinne ist die beigelegte Antwort abgefasst und ich erlaube mir die Frage, ob Sie den Wortlaut derselben für angemessen erachten.
Nach beigelegtem Schreiben vom 11 dß. glaubt die Direktion der Centralbahn, daß man die Ausstellungen der Reg. v. Aargau über die Konstrucktion des Tunnels bei Aarau einstweilen unbeantwortet lassen und gewärtigen könne, ob dieselbe während des Baues auf ihre Behauptungen zurückkommen wolle, und ich glaube, unvorgreiflich, daß diesem Wunsche entsprochen werden sollte. Der 2te Theil dieses Schreiben beschlägt die Stellung der Direktionen beider Bahnen unter sich und gegenüber der Regierung von Aargau, und wenn ich den Sinn derselben nicht missverstehe, so wünscht die Direktion der Centralbahn, daß wir nur diejenigen ihrer Vorschläge, mit welchen unsere Direktion einverstanden wäre, der Reg. v. Aargau mitzutheilen hätten, nicht aber diejenigen Punkte, über die wir eine abweichende Ansicht hätten; insofern diese Anschauungsweise nicht richtig wäre bitte ich um Ihre gütige Belehrung.
Genehmigen Sie die Versicherung meiner vollkommenen Hochachtung und Ergebenheit
Zürich – 13 Juli. 1856
H. Pestalozzi