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So also sieht sie aus, die weltberühmte Waikiki-Beach: ein seichter Einstieg ins türkisfarbene Meer, ein schmaler Sandstreifen, direkt dahinter Hotelturm an Hotelturm. Man muss diesen Ort durchaus gesehen haben. Aber nur deswegen auf die Hawaii-Insel Oahu zu reisen, braucht man nicht. Niklaus Schweizer (79) ist vor über 50 Jahren von Zürich nach Honolulu gezogen und weiss, dass seine Wahlheimat mehr zu bieten hat: in Honolulu etwa die ehemalige königliche Residenz, den IolaniPalast, Chinatown sowie den Diamond Head, der eine atemberaubende Aussicht auf die Hauptstadt bietet.
Der Auslandschweizer vernahm an einer 1.-August-Feier in den 1960er-Jahren, dass sich die Schweizer Kolonie auf der Hauptinsel Oahu vernachlässigt fühlte; er beschloss spontan, auf die Pazifikinsel auszuwandern. Der Anglizist und Germanist wurde 1972 Honorarkonsul, eine Art Botschafter. Das blieb er bis 2009.
Zum Pflichtprogramm auf Oahu zählt Schweizer auch Pearl Harbor an der Ostküste mit dem Besucherzentrum über den Angriff der Japaner im Zweiten Weltkrieg. «Reisen Sie auch an die Nordküste ins Surferstädtchen Haleiwa mit seinen Beizli und Kunstgalerien», rät er, «und ins typisch hawaiianische Waimanalo im Südosten der Insel.» Die gleichnamige Beach hat einen schwach frequentierten weissen Sandstrand und gilt als schönste Stelle der Insel. Überhaupt ist Oahu abseits von Honolulu erstaunlich unberührt.Schweizer lebt heute ausserhalb der Hauptstadt und gibt an der Universität Vorlesungen über die Geschichte des Pazifiks – auf Deutsch, Englisch und Hawaiianisch. «Die hawaiianische Sprache wird bei den Einheimischen immer populärer», sagt Schweizer, «das Volk findet wieder zu seinen Wurzeln.» Die Hawaii-Inseln waren ein Königreich, bis sie 1893 von den USA eingenommen und 1959 zum 50. Staat erklärt wurden. Englisch war fortan die Landessprache. Erst 1993, unter dem damaligen US-Präsidenten Clinton, wurde es der Bevölkerung im Aloha State wieder erlaubt, die hawaiianische Sprache zu benutzen.
Auf Molokai ists mit Kreditkarten schwierig
Und auf der Nachbarinsel Molokai eröffnet sich das Kontrastprogramm zu Honolulu: Molokai zählt jährlich nur 79 000 Besucher, 70 Mal weniger als Oahu. Es gibt keine Einkaufscenter, keine Lichtsignale, keine Verkehrsstaus. Nur ein paar der ohnehin wenigen Restaurants akzeptieren Kreditkarten, und im besonders ursprünglichen Halawa-Tal im äussersten Osten der Insel hat man keinen Handyempfang. Weisse Sandstrände sucht man auf der fünftgrössten hawaiianischen Insel vergeblich. Trotzdem bietet sie das perfekte Entschleunigungsprogramm. «Slow down» lautet das Motto. Als Hauptattraktionen gelten die Wellen und der Sonnenuntergang an der Kapukahehu-Beach im Westen.
Die Zahl der Einwohner auf Molokai ist in den letzten zehn Jahren von 8000 auf gegen 7000 geschwunden, weil sich die Jungen das teure Leben nicht mehr leisten können oder den ruhigen Lifestyle nicht mögen. 60 Kilometer lang ist «friendly island» und hat kaum touristische Infrastruktur (ein einziges Hotel!). Der dunkle Fleck in der Geschichte der Insel: Auf der Kalaupapa-Halbinsel wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts Leprakranke zwangsisoliert. Noch heute muss man auf der Strasse entlang der Klippen 26 Serpentinen hinter sich bringen, um zur ehemaligen Leprakolonie zu gelangen.
Der beste Strand Amerikas
Die Weiterreise zum touristischen Schwergewicht Maui kommt einem Kulturschock gleich: An der fünf Kilometer langen Kaanapali-Beach im Nordwesten – laut dem Reisemagazin «Condé Nast Traveler» der «Beste Strand Amerikas» – tummeln sich massenhaft Touristen. Hotel reiht sich an Hotel, dazwischen Golfplätze und Einkaufszentren. Und doch verströmt auch Maui mit den üppig bewachsenen Bergen, Wasserfällen, Toprestaurants und springenden Buckelwalen vor der Küste eine eigene Magie. Deshalb wanderte Dominique Martin (52) aus Sissach BL 1992 nach Kihei an der Westküste aus, nachdem er die Insel als surfender Tourist für sich entdeckt hatte. Der gelernte Schlosser führte zuerst ein Café, heute ein Gästehaus mit mehreren Zimmern.
«Als ich vor über 30 Jahren hier ankam, gab es keine Shoppingmalls, keine Fussgängerstreifen, viel weniger Verkehr und viel weniger Touristen», erzählt Martin. Mit der Ruhe sei es vorbei. Trotzdem sei für ihn Maui noch immer die schönste Insel, weil Regenwald, sonnige Strandabschnitte und Berge in zwei Stunden erreichbar seien. Martin sagt: «Hier lebe ich viel entspannter als in der Schweiz, nehme mir tagsüber mal Zeit für einen Kaffee oder abends, um den Sonnenuntergang zu geniessen.» Er schwärmt von Wanderungen rund um den Haleakala-Krater auf 3000 Metern und von vulkanischen «Mondlandschaften».
Fisch, Schokolade und 600 Kurven
An der nördlichen Westküste von Maui liegt das ehemalige Walfängerdorf Lahaina, in desssen Bucht bis zu 550 Walfängerschiffe überwinterten. Heute dominieren Galerien und Restaurants. Das beste auf Maui heisst Lahaina Grill des Schweizers Jürg Münch (60). Neben Ossobuco und Filet Mignon steht der Inselklassiker Ahi Poke auf der Speisekarte. «Ahi» steht für Thunfisch, «poke» für geschnitten oder gestückelt. Zum Fisch werden scharfe Mayonnaisen, Sojasaucen, Ingwer und Sesamsamen gereicht. Wer Schokolade mag, sollte hier «Road to Hana» bestellen. Der Name des Desserts beruft sich auf die Fahrt vom historischen Surferstädtchen Paia durch 600 Haarnadelkurven und über 50 einspurige Brücken nach Hana im Osten der Insel, in ein Dörfchen mit stillen Gärten und einsamen Buchten. Regenwälder, riesige Farnbäume und Wasserfälle machen die Route zur spektakulärsten der Insel.
Ein paar Gehminuten von Jürg Münchs Bistro entfernt, im kleinen Hafen von Lahaina, starten von November bis Anfang April Walsafaris. Maui gilt als bester Ort der Welt, um Buckelwale zu beobachten.
Die Insel der Promis
Auf der südlichsten Insel, Big Island, sind elf der weltweit insgesamt 13 Klimazonen anzutreffen, und hier befinden sich die aktivsten Vulkane der Welt. Im Mai wars wieder so weit: Lava floss aus dem Vulkan Kilauea und bis weit ins Meer hinaus. Solche Ausbrüche lassen die Landmassen von Hawaii stetig wachsen. Kilauea spuckt aber fast jede Nacht ein wenig Feuer und sorgt so für optische Spektakel, sich ständig verändernde Landschaften und oft gesperrte Strassen.
Ganz anders zeigt sich die Westseite der Insel rund um Kona, dem Start des legendären Ironman. Diese Gegend ist bekannt für ihre Strände und eine der teuersten Kaffeesorten der Welt, den Kona Coffee. Insgesamt wirkt die grösste hawaiianische Insel gemütlicher und weit provinzieller als Maui. 30 000 Dollar kostet ein Stück Land auf Big Island – auf Maui muss man für eine schäbige Hütte eine halbe Million hinblättern.
Für Naturliebhaber ist Kauai im Norden der Inselgruppe perfekt. Nur 20 Prozent der Garteninsel sind mit dem Auto erreichbar, es empfiehlt sich eine Bootsfahrt entlang der bekannten Napali-Küste. Sängerin Bette Midler, «Mr Facebook» Mark Zuckerberg und James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan besitzen hier Anwesen. Der Wailua River auf Kauai ist der einzige hawaiianische Fluss, den man mit grösseren Booten befahren kann.
Auf der Insel befinden sich auch drei der fünf tropischen botanischen Gärten der USA. Die wichtigste Einnahmequelle von Kauai war bis Mitte der 1980er-Jahre der Anbau von Zuckerrohr. Heute sind es die jährlich 1,2 Millionen Touristen. Viele von ihnen lernen im Südosten der Insel ausserhalb von Lihue die Zuckerseite der Insel auf berauschende Art kennen: Auf der Kilohana Plantation gibt es Rumdegustationen.
Die Recherche dieser Reise wurde unterstützt von Hawaii Tourism Authority, gohawaii.com