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«Eine Erhöhung der Dividendenbesteuerung wäre eine Alternative.»
Jacqueline Badran
SP-Nationalrätin, in der NZZ vom 27. Januar 2017 zur Gegenfinanzierung der Unternehmenssteuerreform.
Mit der «Alternative» ist es etwas kompliziert. Im Parteienspektrum sind links die Grünalternativen beheimatet, während rechts die «Alternative für Deutschland» strammsteht, ebenso die «Alternative Right» in Amerika. Von dort kommt nun auch noch eine Fülle «alternativer Fakten», womit das Eigenschaftswort «alternativ» ins Lager der negativ verwendeten Begriffe rutscht. Davon war es noch frei, als die deutsche Bundeskanzlerin 2010 die Massnahmen zur Rettung der europäischen Gemeinschaftswährung verteidigte: Sie seien «alternativlos», rief sie, denn wenn der Euro scheitere, dann scheitere Europa. Ebenso wenig konnte einst Margaret Thatcher eine Alternative ausmachen, wenn es um die Wirtschaftsordnung ging. Darin stand sie dem Philosophen Herbert Spencer nahe, der Ende des 19. Jahrhunderts mit Blick auf Markt und Demokratie formuliert hatte: «There is no alternative.» Mit dem «TINA»-Effekt quälen sich heute auch Anleger an den Börsen. Sie sehnen sich bitter nach Alternativen. Alles sehr verwirrend.
Das ist kein Wunder. Mit dem Wort «Alternative» ist der angelsächsische Sprachgebrauch Schlitten gefahren. In Amerika sind Liberale keine Liberalen, sondern Linke; eine Truppe ist keine Truppe, sondern ein Soldat. Und die Alternative ist zum Fall geschrumpft, zur beliebigen Variante, zur freien Option – und stellt damit gerade keine Alternative mehr dar. Dazu gehören zwei. Die Alternative bildet im Entscheidungsbaum einen Knoten, von dem zwei Äste abgehen. Das Wort leitet sich vom lateinischen «alter» ab, dem «Anderen» (von zweien), und von «nascere», geboren werden. Mithin konstituiert sich eine Alternative überhaupt erst in der Gegenüberstellung des einen mit dem anderen.
Dieses «Andere» kann freilich im Programm rechter wie linker Alternativparteien keinen Platz haben, und es fehlt auch als zweite Option zur Ergänzung der höheren Dividendenbesteuerung von Jacqueline Badran. Einen solchen Kategorienfehler begingen Herbert Spencer, Margaret Thatcher und Angela Merkel nicht. Sie wollten verdeutlichen, dass nur ein einziger Ast des Entscheidungsbaums nicht morsch ist, weshalb sich die Wahl von selber treffen sollte. Darüber indes kann man streiten.
Karen Horn
ist Dozentin für ökonomische Ideengeschichte, freie Autorin sowie Chefredaktorin und Mitherausgeberin der Zeitschrift «Perspektiven der Wirtschaftspolitik».