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Ein eisernes Gedächtnis
Im Gebiet von Usseglio gibt es viele vorindustrielle Produktionsstätten. Diese wurden schon vor langer Zeit aufgegeben, doch sie liefern für die Museumspädagogik immer noch sehr nützlich Informationen. Daher veranstaltet das Museo Civico Alpino «Arnaldo Tazzetti» eine Reihe von Workshops für Schüler, Studenten und Jugendliche sowie für Erwachsene und Kulturvereine, die sich traditionellen Produktionsformen widmen, die im Laufe der Jahrhunderte sehr gut dokumentiert worden sind.
Der Workshop Ein eisernes Gedächtnis behandelt die Erzgewinnung im Hochgebirge und die mittelalterliche Eisenmetallurgie. Die traditionelle Form der Erzgewinnung war bis vor ein paar hundert Jahren im Piemont weit verbreitet. Im Mittelalter befand sich in Usseglio einer der größten Eisenbergbaue der Alpen. Dort wurde eine Reihe von Erzadern ausgebeutet, die im Arnas-Tal zwischen 2250 und 2750 Metern Seehöhe zutage treten (= Schutzgebiet des Bergbaukomplexes Punta Corna). Das Erz (Siderit), das an der Oberfläche massiv zu Limonit oxidiert war, wurde durch Tagebau sowie durch Stollen unter den oberflächlichen Schuttablagerungen abgebaut. Der Haupteinschnitt des Tagebaus ist mehrere hundert Meter lang und bis zu 12 Meter breit und tief. Er heißt Taglio del Ferro (Eisenschnitt).
Die Gänge wurden noch vor Einführung von Sprengstoff in die Bergbautechnik händisch aus dem Fels gemeißelt. Das Erz wurde in Forno di Lemie verhüttet und geschmiedet. Von hier wurden die Halbfertig- und die Fertigwaren auf den regionalen Markt gebracht. Zum Beispiel kamen 55 % des Eisens, das 1318 für die Renovierung des Schlosses von Turin (später Palazzo Madama) verwendet wurde, aus Punta Corna.
Der Workshop Ein eisernes Gedächtnis bietet den Teilnehmern Folgendes:
- Praktische Arbeiten im Museum: Beobachtung, Analyse und Katalogisierung von Gestein, Mineralien und Eisenschlacken.
- Sie können Wissen um technologische Prozesse und zu dem Wortschatz der traditionellen Erzgewinnung und Metallurgie erwerben
- Es besteht die Möglichkeit, vor oder nach dem Workshop eine geführte Tagestour zum Taglio del Ferro oder zu anderen mittelalterlichen oder neuzeitlichen Bergbauresten im Schutzgebiet Punta Corna zu unternehmen.
- Sie lernen die wirtschaftsgeschichtliche, strategische und soziale Bedeutung des alten Bergbaus zu verstehen
- Sie können ihre Kenntnisse der alpinen Umweltgeschichte auf der Grundlage materieller Überreste und historischer Dokumente vertiefen
- Sie können ihre eigene Wahrnehmung der Beziehung von Mensch und Umwelt verbessern, indem sie erkennen, wie der Mensch im Laufe der Jahrhunderte seine Umwelt geprägt und verändert hat.
- Theoretische Untersuchung und praktische Beobachtung im Museum und im Umland
- Von der Beobachtung zum Experiment – Synthese aus Theorie und Praxis
Führungen finden bei normalen Witterungsverhältnissen von April bis Oktober statt. Die Tagestour zum Taglio del Ferro wird von Juni bis September angeboten.