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An der Veranstaltung «Supporting the Energy Transition in Africa» wurde auch die Ausgabe 2022 des Berichts «Climate Change and Nuclear Power» vorgestellt. Der Bericht wird alle zwei Jahre aktualisiert und enthält zahlreiche technische Informationen und Daten über die Vorteile der Kernenergie als Beitrag zum Erreichen von Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2050. Die diesjährige Veröffentlichung enthält ein Kapitel über Kernenergie in Afrika, über das der IAEO-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi mit Vertretern aus Ägypten, Ghana, Kenia und Südafrika diskutierte.
«Überall höre ich dieses globale Gespräch über Energiesicherheit, Klimawandel und Kernenergie. Ob aufgrund von Veränderungen der Rahmenbedingungen, des Klimas oder der Sicherheitsbedürfnisse, es ist ziemlich klar, dass die Kernkraft jetzt einen Platz am Tisch hat», sagte Grossi. «Was mir an dieser Diskussion gefällt, ist, dass es ohne Afrika keine Diskussion gibt. Die Afrikaner haben selbst gesagt: ‘Wir müssen einen Beitrag leisten und wir brauchen unsere eigene spezifische Analyse, wie diese nukleare Technologie für die afrikanischen Volkswirtschaften genutzt werden kann.’»
Laut der neuen Veröffentlichung haben etwa 600 Millionen Menschen und 10 Millionen kleine Unternehmen in Afrika keine zuverlässige Stromquelle, und der Anschluss an ein nationales Stromnetz ist zunehmend keine Garantie für die Stromversorgung. Stromausfälle werden immer häufiger, und in Subsahara-Afrika berichtet die Weltbank, dass fast 80% der Unternehmen unter Stromausfällen leiden. Unterdessen steigt Afrikas Energiebedarf doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, was hauptsächlich auf das Bevölkerungswachstum in den Städten zurückzuführen ist.
Vor diesem Hintergrund prüfen mehrere Länder in Afrika die Möglichkeit, Kernkraft in ihren Energiemix aufzunehmen, wobei Ägypten kürzlich mit dem Bau seines ersten Kernkraftwerks begonnen hat. Südafrika, der einzige Nuklearbetreiber auf dem Kontinent mit zwei Reaktoren mit einer Gesamtleistung von fast 2000 MW, erwägt den langfristigen Betrieb des Kernkraftwerks Koeberg und die Ausweitung seines Kernkraftprogramms.
Ägypten, Gastgeber des nächsten UN-Klimagipfels oder COP27 im November, hat kürzlich den Spatenstich für den ersten von vier 1200-MW-Reaktoren gemacht, die es in El-Dabaa bauen will. «Ägypten hat sich für die Kernkraft entschieden, weil sie eine jahrzehntelange stabile Energiequelle darstellt», sagte Mohamed H. El Molla, Ägyptens Repräsentant bei der IAEO.
Auch Ghana strebe die Einführung der Kernenergie an, um die notwendige Energiesicherheit für den zukünftigen Bedarf zu gewährleisten, sagte Kwaku Afriyie, Ghanas Minister für Umwelt, Wissenschaft, Technologie und Innovation. «Unser Wasserkraftpotenzial ist fast erschöpft, und deshalb besteht unser Interesse an der Kernenergie darin, sicherzustellen, dass wir Energie für unseren Übergang und unsere Entwicklung haben.» Ghanas Strom stammt derzeit noch zu 40% aus Wasserkraft. Durch den Klimawandel ändere sich auch die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Wasserversorgung. Und Afrika sei für diese Veränderungen besonders anfällig. Die IEA prognostiziert, dass der Klimawandel in der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Sambia und Simbabwe bis zum Ende des Jahrhunderts zu einem erheblichen Rückgang der Wasserkraftkapazität führen wird. Viele andere Nationen werden unter unvorhersehbaren Schwankungen ihrer Wasserversorgung leiden.
Internationale Finanzierung von entscheidender Bedeutung
Wenn die Stromnachfrage weiter wächst und der Klimawandel zu einer geringeren Produktion von Wasserkraft führt, werden diese Länder Grundlaststrom nur durch fossile Energiequellen oder Kernkraft sichern können. Aber laut Weltbank sind viele afrikanische Länder nicht in der Lage, grosse Infrastrukturprojekte selbst zu finanzieren. «Das bedeutet, dass die internationale Finanzierung von entscheidender Bedeutung sein wird», sagte Henri Paillere, Leiter der Abteilung für Planungs- und Wirtschaftsstudien der IAEO. Die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen mit massgeschneiderten Wirtschaftsvorschriften, die auf lokaler, zuverlässiger Infrastruktur aufbauen, wäre eine Möglichkeit, ausländische Investitionen anzuziehen. Solche Zonen könnten dann als Knotenpunkte für saubere Energie dienen, die den umliegenden Gemeinden zugute kommen und als Katalysator für die Energiewende auf nationaler Ebene wirken würden. Neue Technologien wie kleine modulare Reaktoren (SMR) mit geringeren Anschaffungskosten und einfacherer Finanzierung als herkömmliche Reaktoren könnten eine Option darstellen und besser zu den kleinen Stromnetzen in vielen afrikanischen Ländern passen.
Rafael Grossi sicherte den Ländern in Afrikas, die Kernenergie in Betracht ziehen, die volle Unterstützung zu: «Die IAEO wird Sie bei jedem Schritt begleiten.»
Quelle
S.D. nach IAEO, 28. September 2022