Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03395.jsonl.gz/1983

Alaskas Nationalpark-System
Chlaus Lötscher, Homer ( Alaska/USA )
Aufteilung, Schutzbestimmungen, Verhaltensregeln Zum Nationalpark-System Alaskas gehören insgesamt 13 Parks, Schutzgebiete ( Preserves ) und schutzwürdige Einzelobjekte oder Orte ( Monuments ) mit einer Gesamtfläche von rund 210000 km2. Sie unterliegen gesetzlich verankerten Schutzbestimmungen unterschiedlichen Grades. Innerhalb eines Parks können noch einzelne seiner Teile zusätzlich als Wildnis bezeichnet sein, was bedeutet, dass diese dann den strengsten Schutzbestimmungen unterliegen, die vom amerikanischen Kongress für eine Landschaft ausgesprochen werden können. Während Parkland, das nicht als Wildnis bezeichnet ist, für Besucher bis zu einem gewissen Grad entwickelt werden darf ( wozu auch die Anlage einzelner Strassen, Campingplätze, Lifte u.a. gehört ), darf Land unter Wildnisschutz in keiner Art verändert werden. Preserves sind ebenfalls Parkgebiete, doch dürfen sie bejagt werden.
Monuments sind landschaftlich, natur-oder kulturhistorisch einmalige Stätten, die ähnlich wie National Parks behandelt werden. Hier wird oft nicht das gesamte Ökosystem, sondern nur eine bestimmte Erscheinung darin, wie zum Beispiel ein Krater, ein bestimmter Berg oder eine archäologische Fundstelle geschützt.
Der Denali National Park — früher Mount McKinley National Park - ist der älteste Park Alaskas. Er wurde 1917 errichtet, nur ein Jahr nach der Gründung des ersten Parks in den USA überhaupt, des Yellowstone National Park. 1980, zwei Wochen vor Ende seiner Amtszeit, unterzeichnete Präsident Jimmy Carter den ( Alaska National Interest Lands Act> ANILCA. Damit wurden bereits bestehende National Parks erweitert und acht neue Parks, Preserves und Monuments etabliert. Das Gesetz wurde vom Staat Alaska und der Wirtschaft schwer bekämpft, muss aber als historisch bedeutendste Land-schaftsschutz-Massnahme in den USA bezeichnet werden und kennt auch weltweit kein Gegenstück.
Wer das Hinterland dieser Parks ohne erfahrenen Partner oder Führer bereisen will, sollte über vielseitige Kenntnisse verfügen, wie er sich zu verhalten hat. Diese sollten sich aber nicht etwa nur auf mehr technische Fertigkeiten im Bergsteigen, Trekken oder Befahren von Flüssen beziehen, sondern auch das Wissen um das Verhalten gegenüber Tieren, insbesondere Bären, einbeziehen. Dabei handelt es sich auch darum, alles zu vermeiden, was die Tiere stören könnte. Da man sich meist mit einem Flugzeug absetzen lässt und erst Tage oder Wochen später wieder abgeholt wird, der Kontakt zu andern Personen oder zur Aussenwelt also für längere Zeit unterbrochen ist, muss man sich in Erster Hilfe gut auskennen. Unterkühlung bildet eine der grössten Gefahren.
Abfall darf nicht zurückgelassen und sollte auch nicht vergraben werden, da Tiere ihn wieder ausbuddeln. Lagerfeuer werden nicht auf bewachsenen Stellen angelegt, sondern auf Schotterflächen oder Sandbänken, denn im alpinen und arktischen Klima wächst die Vegetation nur sehr langsam nach. Die Steinringe der Lagerfeuer sind vor dem Verlassen des Ortes zu beseitigen, und aus der Asche entfernt man alle nicht brennbaren Rückstände wie Silberpapier u.a. ! Vor Beginn einer Tour sollte man sich unbedingt beim jeweiligen National Park-Service nach den bestehenden Vorschriften erkundigen.1 Die meisten dieser 13 Nationalparks verfügen über gebirgige Bereiche, die auch von alpinistischem Interesse sind.
1 Informationen über die Nationalparks Alaskas können beim National Park-Service, 222 W. Seventh Avenue 13, Anchorage, Alaska 99513 ( USA ) eingeholt werden.
75 Jahre Denali National Park Mount McKinley - Kernstück des Parks ( Noch nie war einem Menschen ein noble-rer Anblick vergönnt als von diesem grossen'isolierten'Berg, mit all seinen weit sich hinziehenden Spornen und Graten, seinen Klüften und seinen Gletschern, luftig und mächtig, und doch so tief unter uns. ) So schwärmte Hudson Stuck ( sinngemäss ) in seinem Bericht über die Stunden, die er 1913 zusammen mit seinen Gefährten Harry Karstens, Walter Harper und Robert G. Tatum während der Erstbesteigung auf dem Gipfel des Mount McKinley verbrachte. Zurück im Camp berichtet er aber auch von der Schwerarbeit, die notwendig war, jenes Ziel zu erreichen: ( Ich erinnere mich keines Ta- ges in meinem Leben, der so voll von Plackerei, Qual und Erschöpfung und doch so voll von Glück und grosser Genugtuung war. ) Nicht jedem Bergsteiger, der den Gipfel schafft, ist dieser Anblick vergönnt. In zunehmendem Mass verhüllt Nebel seine Sporne und Grate, als ich mit Bill Baker die letzten Meter hochsteige und schliesslich nur dank vieler eingesteckter Wegmarkie- Mt. Russeis ( Alaska Range ) vom Chelatua Lake aus ( Denali National Park ) Mt. McKinley ( Denali ) und Kesugi Ridge in den Alaska Range ( Denali National Park ) 13 o&ebut*. / v. r-.
Miles Alaskas 13 Nationalparks 1 Glacier Bay National Park and Preserve 2 Wrangell-St. Elias National Park and Preserve 3 Kenai Fjords National Park 4 Denali National Park and Preserve 5 Lake Clark National Park and Preserve 6 Katmai National Park and Preserve 7 Aniakchak National Monument and Preserve 8 Yukon-Charley Rivers National Preserve 9 Bering Land Bridge National Preserve 10 Cape Krusenstern National Monument 11 Kobuk Valley National Park 12 Noatak National Preserve 13 Gates of the Arctic National Park and Preserve 400 rungsstangen Gewähr habe, den höchsten Punkt erreicht zu haben. Hudson Stuck hatte vom Gipfel ebenfalls eine Stange gesehen, diese aber stand auf dem Nordgipfel und war 1910 von den Goldgräbern Pete Anderson und Billy Taylor ins Gipfeleis gesteckt worden. Es handelte sich um den Stamm einer rund 5 Meter hohen Rottanne, der Beobachtern in Fairbanks den sichtbaren Beweis für den Gipfelsieg hätte liefern sollen. Doch niemand sah die Stange, und weil die Besteiger zunächst berichteten, dass alle vier Expeditionsmitglieder den Gipfel erreicht hätten - in Wirklichkeit kehrte Charles McGonagall knapp unterm Gipfel um, nachdem er die Stange bis dort hinauf getragen hatte, und Leiter Thomas Lloyd hatte schon viel früher aufgegeben -, und die Wahrheit dann aber doch an den Tag kam, zweifelte man am Erfolg jener . Deshalb war es wichtig, das Stuck die Stange sah und damit die in den Saloons von Fairbanks verbreiteten Zweifel zerstreuen konnte.
Kälte von —34° C und ein steifer Wind haben Eiszapfen in Bills Bart gezaubert und meinen Schnauz gefrieren lassen. Wir verweilen deshalb nicht lange auf dem Gipfel, wir müssen ja auch keine wissenschaftlichen Experimente durchführen wie Hudson Stuck, sondern brauchen bloss ein paar Fotos zu knipsen und können uns am Erfolg freuen. Über tausend Bergsteiger versuchen sich heute jährlich am Mount McKinley, wovon aber oft weniger als 50% erfolgreich sind. Am Berg herrscht damit fast der gleiche Rummel wie auf der einzigen in den Park hinein führenden Strasse. Das war im Sommer 1968 noch ganz anders, als ich zusammen mit meinem Freund Heinz Allemann zum ersten Mal am Fusse des Mount McKinley stand, um in den folgenden drei Wochen verschiedene Berge im Gebiet des Ruth-Gletschers zu besteigen. Wohl waren damals bereits fast alle wichtigeren Gipfel der Region betreten worden, auch einzelne grosse Routen, wie die Cassinführe am Mount McKinley, hatte man schon eröffnet. Doch der heute übliche Grossbetrieb war unbe-kannt.2 Wir sahen in jenen drei Wochen keinen Menschen. Es war herrlich, abenteuerlich.
Entstehung des Nationalparks Der , heute wurde 1917 errichtet. Damit war nicht nur der höchste Berg des nordamerikanischen Kontinents, sondern mit der ihn umgebenden Landschaft auch eine der wertvollsten Wildnisse Alaskas geschützt. Das Hauptverdienst dafür gehört nicht einem Bergsteiger, sondern dem Jäger und Naturforscher Charles Sheldon, der den amerikanischen Kongress zu diesem Zweck unermüdlich bearbeitet hatte. Die Zeit drängte schon damals. Die Goldgräberei im Kantishna-Gebiet hatte bereits zu erheblichen Eingriffen in die Landschaft geführt, und Bergschafe, Karibus und Elche wurden kommerziell gejagt. Sheldon hatte das Gebiet nördlich des Mount McKinley erstmals 1906 besucht, und 1907-1908 überwinterte er zusammen mit Karstens. Er eignete sich ein intimes Wissen über die Tierwelt der Region an und wurde so zum geeigneten Führer im Kampf um die Errichtung des Parks.
2 Der Mount McKinley wurde in jenem Jahr siebenmal bestiegen. Mount Foraker erhielt mit der Erstbegehung des Südgrates seine vierte Besteigung.
Mit ANILCA wurde 1980 das Park- und Pre-serve-Land entscheidend vergrössert ( heutige Fläche: 24395 km2 ), wobei unter anderm die im Südwesten liegenden Granitgipfel der Kichatna Spires ins Parkgebiet eingeschlossen wurden. Ein Kletterparadies für den, der wagt, einsame, äusserst abgelegene und technisch schwierige Berge anzugehen -eine im wahrsten Sinne des Wortes urtümliche Herausforderung.
Kenai Fjords National Park Der Schnee ist körnig, butterweich und brusttief. Die mit Fellen versehenen Ski sinken tief ein unter meinem Gewicht und dem meines stark beladenen Rucksacks. Erlenbüsche erschweren den Aufstieg, der auf der einen Seite durch die Spalten des Exit-Glet-schers und auf der anderen durch Felsaufschwünge begrenzt wird und somit kaum Raum zum Ausweichen lässt. Bei einer der mühsamen Spitzkehren wirft es mich um, so dass ich mich samt meinem Rucksack tief im Schnee einzementiert wiederfinde. Ich muss Rucksack und Ski ausziehen, und als ich meinen Weg endlich fortsetzen kann, bleibt eine stark zerwühlte Schneemasse zurück. Schliesslich finden wir in einer kleinen Mulde einen idealen Zeltplatz.
Am nächsten Morgen können wir den Aufstiegsweg auf den Gletscher verlegen. Zwei, drei Bodenwellen versperren uns zuerst noch die Sicht, dann öffnet sich die weisse Hochebene des ca. 1000 m hoch gelegenen Har-ding-Eisfeldes mit seiner Riesenfläche von 80x50 km. 15 Gletscher fliessen vom Har-ding-Eisfeld weg zum Meer, deren längste, Tustumena und Skilak, sich über 32 Kilometer erstrecken. Das vergletscherte Hochland ist von Nunatakern, felsigen Inselbergen, die ringsum von Eis eingeschlossen sind, durchsetzt. Einige zeigen prächtige Pyramidenformen, andere gleichen eher einer Kuppel. Nur wenige Randgipfel tragen Namen. Unser Tagesziel ist eine Kuppe, die wir ziemlich weit hinauf mit Ski besteigen können, ehe wir zu den Steigeisen greifen müssen. Am dunstigen Himmel zeichnet die Sonne einen grossen Halo. Das Licht wird diffus und macht das Eisfeld zu einer konturlosen weissen Wüste.
Es ist windstill, ein seltenes Ereignis entlang des Golfes von Alaska, wo das Meer in tiefen Fjorden in die Bergkette der Kenai Mountains eindringt. Die Küstenlinie ist zerrissen, die Landschaft von abweisender Wildheit, die Felsen sind geprägt und geformt vom steten Schleifen durch die Gletscher, die vom Harding-Eisfeld her direkt ins Meer münden. An ihren Stirnseiten brechen Eisberge ab, auf denen sich Hafenrobben tummeln.
Der Kenai Fjords National Park wurde ebenfalls mit der ANILCA ( 1980 ) errichtet und umfasst eine Fläche von 2700 km2. Er verfügt über eine bemerkenswerte Fauna. Im Hochland des Tustumena-Gletschers, an der Grenze zwischen dem National Park und dem Nationalen Kenai-Wildschutzreservat, bietet sich eine grossartige Gelegenheit, Landtiere des Parks zu beobachten. Ich habe bei verschiedenen Besuchen Schwarzbären, Elche, Dallschafe, Schneeziegen, Kojoten und Murmeltiere, aber auch Schneehühner und zahlreiche Singvögel gesehen. Entlang der Fjorde findet man neben den Bären, die in Bächen Lachse fangen, Hafenrobben, See- und Fischotter, grosse Kolonien von Seelöwen, dazu Felsen, die von Zehntausenden von Meervögeln bevölkert sind. Der Kenai Fjords National Park ist im übrigen auch für den Seekajakfahrer interessant.
Lake Clark National Park Bis zum Erreichen des Gipfels des Mount Iliamna fehlen Heinz Allemann und mir vielleicht noch zwanzig Minuten, als eine DC 3 darüber eine Schlaufe zieht und etwas später erneut kreist, doch diesmal bedeutend tiefer. Anscheinend sind wir bei unserem Aufstieg zu diesem Dreitausender gesehen worden und haben das Interesse des Piloten geweckt. Die Maschine verschwindet in einer dicken Cumuluswolke und wir gehen weiter. Doch bald dröhnen die Motoren erneut, diesmal sogar unter uns am Tuxedni-Gletscher, und tatsächlich sticht Augenblicke später das Flugzeug aus einer Wolke hervor, gleitet die Bergflanke hoch, um frech vor unserer Nase vorbeizufliegen. Ich schiesse schnell ein Foto, während Heinz dem Piloten zurückwinkt.
Ein Jahr später erscheint das Foto in einem Buch der Alaska Geographie Society. Der Pilot der betreffenden Maschine stösst auf das Bild und schreibt mir von seinem Wohnort in Virginia aus, wie verblüfft er und sein finnischer Copilot waren, als sie uns am Berg entdeckten. Es sei das eindrücklichste Erlebnis in seiner Pilotenkarriere gewesen, denn nie hätten sie so weit weg von der Zivilisation an einem derart abgelegenen Berg Menschen vermutet.
Der Mount Iliamna, ein aktiver Vulkan des nordpazifischen Feuerrings, erhebt sich in der Tat an einem äusserst einsamen Ort. Im Norden steht, ebenso abgehoben von der umliegenden Landschaft, der Mount Redoubt ( 3108 m ), ein Vulkan, der letztmals 1990 ausbrach. Nach Osten begrenzt das Cook Inlet den Park und nach Süden und Westen blicken wir auf menschenleere Wildnis. Dort, von schroffen Bergmassiven bedrängt, fliesst der Tlikakila River vom Lake Clark Pass zum Lake Clark hinunter, ein Fluss von solcher Pracht und Wildheit, dass er im nationalen Register für
Die eindrückliche Schlauchbootfahrt auf dem Tlikakila River liegt hinter uns, und mit dem letzten Septembertag neigt sich in dieser Ecke Alaskas der Herbst bereits seinem Ende zu. Das Flugzeug, das uns hätte abholen sollen, ist zwar gekommen, aber aus irgend einem Grund nicht auf dem See niedergegangen. Wir schlagen deshalb unsere Zelte ein weiteres Mal im Birkenwald auf. Es wird eine Nacht, die keiner von uns je vergisst. Der Sturmwind prescht mit derartiger Wucht aus den beiden parallel laufenden Tälern des Tlikakila und Chokotonk zum See hinunter, dass das Tal während Stunden von tosendem Lärm widerhallt. Nur dank des Schutzes von Bäumen und Büschen halten unsere Zelte dem Druck stand.
Am Morgen meint einer von uns, nun wisse er wenigstens, wo der Wind geboren würde. Später- nachdem man uns zum südlich davon gelegenen Dorfe Iliamna ausgeflogen hatte - erfahren wir, dass die Windgeschwindigkeit 165 h/km erreicht hatte. Solche Stürme sind in diesem Gebiet, das einerseits dem Einfluss des Beringmeeres im Westen und anderseits jenem des Golfes von Alaska mit dem Cook Inlet im Osten ausgesetzt ist, nicht selten.
Der ebenfalls 1980 gegründete Lake Clark National Park umfasst ein Gebiet von insgesamt 16370 km2. Ein Grossteil ist gebirgig, nur im Nordwesten findet man tieferliegende hügelige Gebiete. Die höchsten Gipfel bilden die beiden Vulkane Redoubt und Iliamna in den Chigmit Mountains. Der Park wird vom Tlikakila River von Nordosten nach Südwesten durchschnitten. Auf der westlichen Hälfte erheben sich die südlichsten Ausläufer der Alaska Range. Das Parkgebiet ist schlecht zugänglich und entsprechend schwierig zu bereisen. Lake Clarke, der dem Park seinen Namen gegeben hat, liegt im Süden, ist ein 64 km langer, meistens nur etwa fünf Kilometer breiter See, an dem verschiedene Lodges stehen, die hauptsächlich von Sportanglern für die Lachsfischerei benützt werden. Hier liegt auch der einzige Ort innerhalb der Parks und Preserves, Port Alsworth. Neben dem Tlikakila eignen sich auch die Flussläufe des Chilikadrotna und des Mul-chatna für Schlauchbootfahrten. Beide führen nach Westen aus dem Park hinaus und münden schliesslich südwärts in die Bristol Bay.
Die Tierwelt umfasst die hier üblichen Arten. Die bereits erwähnten Flüsse dienen dem Lachs als Laichgründe, in den Bergen findet man Dallschafe, und entlang des Tlikakila habe ich verschiedentlich Schwarzbären und zahlreiche Elche sehen können. Der ganze Park gilt zudem als ausgesprochenes Braunbärengebiet.
Katmai National Park Der Gletscher trägt keinen Namen, er fliesst vom Four Peaked Mountain auf der Westseite des Mount Douglas bis fast in die Kamishak Bay am Cook Inlet hinunter. Über dem zweiten Abbruch bildet er ein grosses Plateau. Auf dieses deute ich jetzt und gebe dabei dem Piloten zu verstehen, dass dieser Platz für uns günstig wäre. Um die Landung vorzubereiten will, er zuerst durch blossen Druck der ( Flugzeug-)Skis den tiefen Schnee etwas verfestigen. Nach einer Schlaufe sticht er hinunter, die Skis fressen sich in den Schnee, eine Wolke feinen Pulverschnees stäubt empor, worauf der Pilot die Maschine hochzieht. Eine weitere Schlaufe wird geflogen, die Piste sieht gut aus, wir landen. ( Hoffentlich sinkt das Flugzeug nicht zu tief ein, wenn es zum Stillstand kommt, sonst müssen wir es ausschaufeln, meint der Pilot. Doch das ist nicht der Fall, und bald können wir, von Schnee und Sonne geblendet, mit unserem Gepäck in die weisse Landschaft hinausstapfen.
Wir sind zu viert. Eine Woche haben wir Zeit, um den Mount Douglas ( 2153 m ), einen schlafenden Vulkan, zu besteigen, und falls das Wetter uns an diesen Apriltagen gut gesinnt ist, sollte uns auch der Four Peaked Mountain und vielleicht der eine oder andere der kleineren, namenlosen Gipfel gelingen. Angsichts der seit Wochen anhaltenden Schönwetterperiode hoffen wir auf ein Ski-tourenfest. Nachdem wir die Zelte im Schnee vergraben und Mauern darum herum errichtet haben, montieren wir gleich die Felle und steigen zu einem kleineren Gipfel auf, von dem aus wir die Sonne farbig über endlosem Niemandsland versinken sehen. Rasch wird es bitterkalt.
Eine Woche später. Vollmond. Die Berge leuchten. Es ist ein Uhr morgens - letzte Chance, den Mount Douglas doch noch zu besteigen. Wir beeilen uns, da das Flugzeug voraussichtlich um 9 Uhr eintreffen wird, um uns abzuholen. Stunden später stehen wir vor einer Senke, auf deren gegenüberliegender Seite es das letzte Stück zum Gipfel zurückzulegen gilt. Doch ein schneidender Wind behindert unser Vorankommen, und die Zeit reicht nicht mehr. Wir müssen umkehren, fahren zum Camp zurück und treffen gleichzeitig mit dem Flugzeug dort ein. Ausser der Besteigung vom ersten Abend und eines späteren nochmaligen Aufstieges auf denselben Gipfel während einer Aufhellung war uns nichts gelungen. Das Wetter im Einflussbereich des Golfes von Alaska hatte uns einen bösen Streich gespielt. Dichter Nebel und heftiger Schneefall schränkten die Sicht manchmal sogar derart ein, dass das eine Zelt vom andern aus nicht mehr zu sehen war. Fünf Tage lagen wir im Zelt oder sassen in einer tief in den Schnee gegrabenen Höhle.
Der Mount Douglas ist der nördlichste aller Vulkane innerhalb des Katmai National Park. Während er zur Zeit in einem Ruhestadium ist, gelten die meisten anderen als aktiv. Mount Martin ( 1844 m ) und Mount Ma-geik ( 2210 m ) spucken regelmässig Dampfwolken aus. 1912 brach der Mount Katmai mit einer gewaltigen Eruption aus, die zwölfmal stärker war als jene am Mount Saint Helens. Der Gipfelbereich wurde weggesprengt, und es entstand ein 1600 Meter tiefer Krater mit einem Durchmesser von 4,8 Kilometern, der sich seither langsam mit dem Schmelzwasser eines darin neu entstandenen Gletschers füllt. Am Ende des vom Berg in westlicher Richtung führenden Tales entstand ein neuer Vulkan, Novarupta, der das ganze 24 km lange Tal mit einer gasgefüllten Aschenlawine überrollte. Die erste wissenschaftliche Expedition, die danach ins Tal kam, sah überall Dampffontänen aus der Asche steigen und nannte es deshalb .
Von der Rangerstation und dem Lodge Brooks Camp ( die nur mit dem Flugzeug erreichbar sind ) können Besucher mit täglich verkehrenden Bussen zum Tal gebracht werden. Von hier aus kann der Novarupta in einer sehr lohnenden Wanderung erreicht werden. An einem heissen Julitag stampfen auch wir über die hartgepresste Asche ins Tal hinein. Im Wechselspiel von Sonne und Wolken ändert sich das Licht ständig und taucht die Landschaft in immer neue Farben: Braun, Grau, Gold, Magenta. Die Rucksäcke Mt. Griggs und das Tal der zehntausend Rauche ( Katmai National Park ) sind schwer, denn wir müssen unser ganzes Material mittragen, das wir für die fünf Tage, die wir im Tal verbringen wollen, benötigen. Nach rund zehn Stunden stehen wir bei einer Fumarole des Novarupta. Die Hitze des hier aus dem Boden quellenden Dampfes ist sogar durch die Schuhe spürbar. Einen schönen Ausblick können wir später vom Gipfel des Trident-Vulkan ( 1849 m ), des jüngsten aller Katmai-Vulkane, geniessen, dessen heutige Gipfelform erst 1975 entstand. Von seinem schwarzen Lavadom steigt pilzförmig eine Dampfwolke empor, fast als paffe er kräftig an einer riesigen Tabakpfeife.
Diese einmalige Vulkanlandschaft wurde bereits 1918 als National Monument unter Schutz gestellt, 1980 zum National Park erklärt und gleichzeitig auf insgesamt 16564 km2 erweitert. Viele Besucher kommen aber nicht nur wegen dieser Landschaft hierher, sondern auch um die Gelegenheit zu nutzen, am berühmt gewordenen Wasserfall des Brooks River Braunbären beim Lachsfischen zu beobachten. Wieder andere wollen vor allem Lachse und Regenbogenforellen angeln. In den Monaten Juni und Juli trifft man im allgemeinen auf die günstigsten Wetterverhältnisse, während im August oft stürmische Winde herrschen. Das Gebiet entlang der Shelikoff-Strasse im Osten ist meist wolkenverhangen und äusserst niederschlagsreich. Es ist zudem schwer zugänglich und extrem abgeschieden. Deshalb sind auch mehrere Gipfel noch unbestiegen.
Wrangell-Saint Elias National Park Es ist Sonntagmorgen, seit letztem Dienstag sitzen Heinz Allemann und ich eng anein-andergedrängt im winzigen Zelt in der alpinen Tundra am Fusse des Mount Drum ( 3661 m ), des westlichsten Gipfels der Wrangell Mountains. Gefangene des lausigen Wetters. Ende August, Regen, nichts als Regen, mit einer Aufhellung jeweils am Abend, die uns bisher aber nur falsche Hoffnung auf eine Verbesserung am nächsten Tag gemacht hat. Doch heute scheint sich die Lage Im Tal der zehntausend Rauche: Der Novarupta- Krater ( Katmai National Park ) Blick gegen den rauchenden Trident-Vulkan ( Katmai National Park ) endlich zu ändern. Zwar ist es noch immer bewölkt, doch der Regen hat aufgehört. Aber unsere Zeit ist abgelaufen. Morgen soll uns drunten im Wald auf einer Wiese bei einer Blockhütte der Buschpilot Jack Wilson wieder abholen. Da bleibt uns für eine Besteigung keine Zeit mehr. Kapitulieren? Das widerspricht hundertprozentig der Denkart meines Kameraden. Sein Argument erstickt meine Sorgen um unsere Finanzen.
Tiefer Schnee liegt auf dem Grat, als wir bei zunächst wolkenlosem Himmel den Grat hochsteigen. Nebel am Gipfel stiehlt uns die Aussicht, aber nicht unsere Freude.Vor vierzehn Jahren war der Berg erstbestiegen worden, und seither hat sich niemand mehr hier oben eingefunden. Nun konnten wir uns getrost in Gulkana an die Strasse stellen. Wir lutschen an der letzten Orange, die steinhart gefroren ist. Es ist der 26. August 1968. Seither hat sich in den Wrangell Mountains, die 1980 Teil des Wrangell-Saint Elias National Park geworden sind, kaum etwas verändert. Das Gebiet der Wrangell Mountains umfasst eine Ansammlung von Gletscherriesen vulkanischen Ursprungs. Mount Blackburn ( 4996 m ) ist der höchste, gefolgt von Mount Sanford ( 4949 m ). Nur Mount Wrangell ( 4317 m ) weist noch vulkanische Aktivität aus, seine eisige Gipfelkuppe schmilzt. Die Jagdlodge am nördlich unseres Landeplat- zes gelegenen Chelle Lake ist geschlossen und im Zerfall begriffen. Karibus, Braunbären, Dallschafe und Elche streifen nun weniger gefährdet durch die Gegend. Im Westen bildet der mächtige Copper River die Grenze des Parks, der 53370 km2 gross ist; rund die Hälfte davon ist Preserve.
Im Osten schliesst das Saint-Elias-Gebirge an die Wrangells an. Mit diesem Gebirge grenzt der Park direkt an den kanadischen Kluane National Park. Beide Parks zusammen sind von der UNESCO als bezeichnet worden. Der höchste Gipfel des Parks, der Mount Saint Elias ( 5490 m ), gibt dem Gebirge den Namen. Verschiedene andere Gipfel sind ebenfalls über 5000 Meter hoch. Südlich der Wrangells und jenseits des die beiden Gebirge trennenden Chitina-Flus-ses liegt die Nordabdachung der Chugach Mountains, die ebenfalls noch zum Park gehört.
Im Südosten erreicht der Park das Meer. Icy Bay und Yakutat Bay dringen als markante Einschnitte vom Golf von Alaska her tief ins Gebirge ein. Die zahlreichen Glet- scher haben z.T. gewaltige Ausmasse und kalben verschiedenerorts direkt ins Meer. Besonders spektakulär ist der Malaspina-Gletscher. Diese riesige Eisfläche gilt als grösster Gletscher der Welt ( ausserhalb der polaren Zonen).3 Mehrere Orte im Park zeugen von Alaskas früherer Geschichte. Im Norden liegt die Geisterstadt Chisana ( sprich Schuschanna ), die Alaskas letzten Goldrausch sah. Westlich von Chisana in Nabesna findet man noch eine modernere, nun allerdings auch zerfallene Untertagmine. Tief in den Bergen zwischen den Wrangells und den Saint Elias Mountains eingekeilt liegt unweit des Örtchens McCarthy die aufgelassene Kupfermine von Kennicott. Von hier aus gab es einst eine Eisenbahn zur kleinen Hafenstadt Cordova. Nach Nabesna und McCarthy führen Strassen. Mehrere Flüsse bieten hervorragende Voraussetzungen für Schlauchboot- oder Kajakfahrten.
3 Dasselbe wird allerdings auch für den Hielo Continental in Patagonien beansprucht. ( Die Red. ) Saint Elias Range: Cathedral Glacier mit Mt. Hubbard und Mt. Kennedy ( rechts ) ( Im Grenzgebiet Wran-gell-Saint Elias National Park, Alaska und Kluana National Park, Kanada ) Saint Elias Range: die Westwand des Mt. Hubbard ( Wrangell-Saint Elias National Park ) Chitina und Nabesna sind unschwierig, Copper und Nizina sind bereits etwas schwieriger zu befahren, und der Tana weist äusserst schwierige Passagen auf, die nur wirklichen Könnern zu empfehlen sind.
Zusammen mit dem Kluane National Park verfügt dieser Park über eine faszinierende Bergwelt, und es ist erstaunlich, wie selten Bergsteiger sich hierhin verirren. Am meisten besucht werden Mount Sanford und Mount Drum. Gelegentlich versucht sich jemand am Mount Saint Elias, und im kanadischen Kluane erhält Nordamerikas zweithöchster Berg Mount Logan ( 6020 m ) jährlichen Besuch. Andere Besteigungen haben Seltenheitswert. Gründe? Ausser Logan und Saint Elias gibt es keine derart attraktiven Prestige- oder Modeberge wie etwa den Mount McKinley. Die Nähe zum Golf von Alaska mit seinen dauernden Schlechtwetterperioden mag viele abhalten, ebenso die hohen Kosten. Wahrscheinlich bleiben diese Gebirge deshalb noch lange den Individualisten unter den Expeditionsbergsteigern vorbehalten.
Gates of the Arctic National Park Wir benötigen sechs Stunden, um vom Alatna River zu den Arrigetch Peaks zu wandern. Der Weg ist beschwerlich, vor allem im ersten Teil, wo wir uns oft durch dichtes Gebüsch kämpfen müssen. Anschliessend erreichen wir den von früheren Besuchern ausgetretenen und damit bequemer zu begehenden Trampelpfad. Mitte August ist vorbei, das Tal erstrahlt in herbstlicher Farbenpracht, am Himmel zeigt sich keine Wolke.
Eindrucksvolle Granitgipfel schliessen das Talende bogenförmig ab, einen Kranz aus Türmen und Zähnen bildend, die mit ihren scharf geschnittenen Silhouetten, ihren exponierten Kanten und glatten Wänden morgens bei Sonnenaufgang braungolden aufleuchten. Die in der Brooks Range beheimateten Nunamiut-Eskimos nennen diese schroffen Gipfel Arrigetch - die Finger der ausgestreckten Hand.
Geologisch bilden diese um 2000 Meter hohen Zacken eine Art Kletteroase im sonst bröckeligen Kalkgestein der Brooks Range. Sie sind abgelegen, und deshalb kommen selten Kletterer hierher. Wir erreichten das Reich dieser prächtigen Felsformationen von der kleinen Ortschaft Bettles aus. Ein Wasserflugzeug setzte uns zunächst auf einem namenlosen See am Alatna River ab. Nachdem wir mit unserem Schlauchboot den Alatna überquert hatten, begannen wir unsere Wanderung entlang des Arrigetch Creek.
Landschaftlich ist dieses Tal das Bijou des National Park, aber bei weitem nicht sein einziges lohnendes Ziel. In der Woche zuvor befuhren wir mit dem Schlauchboot den Killik River, der vom Brooks-Gebirge nach Norden in die arktische Tundra fliesst und dort in den mächtigen Colville River mündet. Besonders im August bietet die Tundra dem Besucher einen einmaligen Anblick, wenn sie sich wie ein orientalischer Teppich verschwenderisch mit Farben schmückt, wobei das Rot der verwelkten Bärenbeerenblätter durch die eingesprenkelten, golden leuchtenden Wei-denblätter noch zusätzlich intensiviert und veredelt wird.
Ein Teil der zentralen arktischen Karibu-herde, die den Sommer im Bereich der Nordküste verbracht hatte, wanderte nun durch das Killik-Tal zurück über die Brooks Range zu ihren Winterweidegründen. Tausende säumten den Fluss und bewegten sich weitgehend ungestört, da die Grizzlibären sich um diese Zeit an Blaubeeren fettfressen, statt Karibus aufzustöbern. Die Elche waren noch immer scheu und zeigten nicht das unvorsichtige Verhalten wie während der Brunft im September. Mehrmals trafen wir Schwärme von Kanadagänsen auf den Kiesbänken, bereit für den Zug nach Süden. Morgens weckte uns manchmal das Geheul eines Wolfsrudels, abends sang es uns in den Schlaf. Ich habe kaum je auf einer Wildnis-tour in Alaska so viele verschiedene Tiere so nahe beieinander gesehen wie am Killik.
Der höchste Gipfel des Nationalparks ist der Mount Igikpak ( 2594 m ), der im Quellgebiet des nach Westen abfliessenden Noatak River liegt. Der Park wurde ebenfalls 1980 errichtet, ist 34290 km2 gross und erhielt seinen Namen - Tor zur Arktik - von einem Pass im östlichen Teil des Parks und seinen beiden Gipfeln Frigid Crags ( 1892 m ) und Boreal Mountain ( 2032 m ). Der amerikanische Umweltschützer Bob Marshall - er gründete die Umweltorganisation ( Wilderness Society ) -bestieg diese beiden Berge Anfang der dreissiger Jahre und nannte die Gegend ( Tor zur Arktik ). Marshall hatte die Gewohnheit, namenlose Gipfel zu taufen; etwas das in diesem Gebiet heute bewusst unterlassen wird, weil man den Wildnischarakter dieses nördlichsten aller US-Nationalparks bis ins letzte Detail rein erhalten möchte.
Die Eskimosiedlung Anaktuvuk Pass liegt innerhalb des Parks, sonst aber findet sich kaum ein Zeichen menschlicher Präsenz. Ein paar Cabins da oder dort, der Pfad entlang des Arrigetch Creek, das ist alles. Die Parkverwaltung hat sogar eine Lodge für Touristen am Walker Lake aufgekauft und abgebrannt.
Das Reisen in dieser subarktischen und arktischen Wildnis verlangt Erfahrung und Vorbereitung. Ausser vielleicht in den Arrigetch besteht selbst bei einem mehrwöchigen Aufenthalt nur eine geringe Chance, jemandem zu begegnen. Oberhalb der Baumgrenze, wo sich offenes Gelände findet, kommt man meist recht gut voran, während die mit dichtem Buschwerk bewachsenen Waldgebiete vielfach kaum durchdringbar sind. Der Boden ist zudem oft schwammig, so dass man nicht nur vom Regen, sondern auch von den Füssen her nass werden kann. Von Juni bis Anfang August ist die Zeit der Moskitos, die den Wanderer mit grimmiger Kampflust anfallen. Der Herbst kommt bereits früh im August, und zur Monatsmitte fallen die Temperaturen in sternklaren Nächten unter den Gefrierpunkt. Die hellen Sommernächte sind dann schon vorbei, es beginnt wieder, lange finster zu werden. Eine Nacht am unteren Alatna River bleibt mir unvergesslich. Ich hatte abends wohl zuviel Tee getrunken. Um vier Uhr musste ich aus dem Zelt. Es war eiskalt, strahlender Vollmond, das Wasser des Flusses leuchtete stahlblau und spiegelte glitzernd sein Licht. Ein Biber tauchte mit lautem Klatschen ins Wasser, die Stille für einen kurzen Augenblick brechend. Am Himmel hingen Nordlichter wie seidene Schleier, die zu einem Largo tanzten, das ich nicht zu vernehmen vermochte. Eskimos haben mir einmal erzählt, dass man Nordlichter hören könne. Ich muss wohl noch viel lernen, um dazu fähig zu werden.
Kobuk Valley National Park Endlich stehen die Zelte. Wir sind alle müde, denn es war ein strenger Paddeltag, bei dem uns vor allem der Gegenwind auf dem breiten Kobuk River zugesetzt hatte. Unser Camp liegt etwa 3 Kilometer flussabwärts von Onion Portage, der bedeutendsten eiszeitlichen Grabungsstätte Alaskas. Kari-bujäger haben dort vor rund 10 000 Jahren den Tieren aufgelauert, als diese auf ihrer jährlichen Wanderung von der Arktik in ihre Winterweidegründe an dieser Stelle den Fluss durchschwammen und mit Lanzen und Pfeilbogen erlegt werden konnten. Wir befinden uns auf einer kleinen Lichtung im Erlengebüsch. Eine Kiesbank trennt uns vom Wasser. Der Abend senkt sich leise über die Landschaft, als es nahe unserer Zelte im Gebüsch zu rascheln und blöken beginnt. Eine Karawane von Karibus nähert sich auf einem sumpfigen Pfad, tritt zwischen den Erlen auf die Lichtung heraus und trottet dann dem Ufer entlang auf uns zu. Plötzlich wittern uns die Tiere und werden verwirrt. Sie drehen sich und schlendern unschlüssig, immer wieder stehenbleibend und den Wind prüfend, flussabwärts. Bald sind ein paar hundert Karibus versammelt, die nun in den Fluss hin-ausschwimmen. Obwohl sein Wasser nur langsam dahinströmt, treiben sie ab und landen schliesslich vor einer senkrechten Uferbank, die sie nicht erklettern können, worauf sie wieder zurückschwimmen müssen.
Schnell sind wir uns unseres Fehlers bewusst. Die Zelte stehen genau an der Stelle, wo die Karibus seit Jahrtausenden den Fluss überqueren. Wenn wir den Tieren nicht schaden wollen, bleibt uns trotz unserer Müdigkeit keine andere Wahl, als unser Camp ein Stück flussabwärts zu verlegen. Wir tun es.
Der Kobuk Valley National Park wurde 1980 errichtet, ist 7080 km2 gross und schliesst zur Hauptsache die Flusslandschaft entlang einer rund 80 km ( Luftlinie ) messenden Strecke des Kobuk River ein. Nach Norden dehnt er sich über die Baird Mountains aus. Südlich des Kobuk liegen die Kobuk-Sand-dünen, eine für Alaska einmalige Landschaft aus riesigen wandernden Sanddünen. Der Sand wurde von Gletschern und Flüssen vor rund 24000 Jahren in diesem Gebiet abgelagert und wird heute vom Wind stetig weiterverfrachtet.
Der Kobuk River selbst ist ein breiter, träger Strom, der in unzähligen Windungen durch Tannen- und Birkenwälder und durch die Taiga westwärts zum Kotzebue Sound ( bzw. Hotham Inlet ) fliesst. Die eingeborenen Eskimos befahren ihn mit Motorbooten, um zu jagen oder um mit Netzen Lachse zu fangen. Im Herbst, Mitte August bis in den September, steht die Landschaft in voller herbstlicher Farbenpracht, die Birkenwälder gleichen einem Meer von goldenen Blättern. Die Karibus befinden sich auf der Wanderung nach Süden, und im August ziehen die Lachse zu den Laichplätzen. Alpinistisch hat der Park allerdings nichts zu bieten.
Glacier Bay National Park In senkrechten Barrieren endende Gletscherzungen, von denen riesige Brocken losbrechen und als Eisberge hinter der entstandenen Flutwelle in den Fjord hinaustreiben, Buckelwale, die aus dem Wasser hochspringen, Berggipfel, die dann und wann aus einem vielfach verhangenen Himmel herabschauen, Kreuzfahrtschiffe, von denen aus Photo ChlauB Lötscher Hunderte von Touristen diese Naturschauspiele bewundern, Kajakfahrer, die zwischen den Eisschollen herummanöverieren, dies alles gehört zum Naturwunder Glacier Bay. ( Abends, nachdem ich Zeuge der Enthüllung der majestätischen Gipfel und Gletscher und deren Taufe in herunterbrechenden Sonnenstrahlen gewesen war, schien es mir unfassbar, dass die Natur etwas prächtigeres vorzuweisen hatte. ) Der amerikanische Naturforscher John Muir schrieb dies im Oktober 1879 bei seinem ersten Besuch in Glacier Bay.
Glacier Bay ist ein rund einhundert Kilometer langer Fjord mit zahlreichen Nebenbuch-ten, der durch eine Halbinsel mit dem Fair-weather-Gebirge vom Golf von Alaska abgetrennt wird. Die Bucht bestand vor 200 Jahren noch nicht. Als der britische Seefahrer George Vancouver 1794 die Gegend karto-graphierte, war die Bucht mit Eis gefüllt und bildete bloss eine Beule in der Küstenlinie. Hundert Jahre später fand John Muir bereits eine tiefe Bucht vor. Ein John Muir begleitender Tlingit-Indianer, der sich als Bub in der Sum Dum Bay aufgehalten hatte, konnte diese kaum mehr erkennen, so sehr hatte sie sich durch den Rückzug des Eises verändert.
Am Kobuk River ( Gates of the Arctic National Park ) Muir berichtet immer wieder von Lagerfeuern aus ( fossilem Holz>. Glacier Bay muss bereits früher einmal existiert haben, denn dieses ( fossile Holz ) stammt von Wäldern, die von Gletschern überfahren, nach deren Rückzug nun aber wieder freigegeben worden sind. Die Landschaft um Glacier Bay entwickelte sich inzwischen zu einem Freiluftla-boratorium für Naturwissenschaftler, die hier die Abfolge des Pflanzenwuchses auf vorher vegetationsfreien Felsböden studieren können. Zunächst siedelten sich Tundrapflanzen wie Moose, Zwergheideröschen, Schachtel-halme und Dryas an. Später folgten Erlen, Weiden und Pappeln, dann kam die Fichte und schliesslich der Hemlocktree.
Das Wetter in Glacier Bay wird vom Golf von Alaska mit seinem warmen Japanstrom gemacht. Die feuchten Luftmassen führen zu hohen Niederschlagsmengen. Stürmische Winde peitschen oft die Gegend, und es bleibt auch zur Sommerszeit meist kühl. Die Tlingits waren von diesen Wetterlagen beeindruckt, und John Muir erzählt folgendes Ereignis von seiner Reise:
Muir schreibt weiter:
Wenn man diese Berichte liest, mag man staunen, dass die Bergkette , also , heisst. Tatsächlich aber hat Captain Cook diese Berge so getauft, weil endlich einmal das Wetter sich aufhellte und diese Berge sichtbar wurden. Der höchste Gipfel der Kette, Mount Fairweather, ist 4563 m hoch.
Nicht nur die Fjorde und die Hochgebirgslandschaft des Parks sind von spektakulärer Einmaligkeit, sondern auch die Meeresfauna, die u.a. aus Buckelwalen, Orcas, Grauwalen, Tümmlern, Seelöwen, Robben und Ottern besteht. Zu Land findet man sämtliche wichtigen Landsäuger Alaskas, und viele Flüsse sind Laichgründe für Lachse. Der Alsek im Norden ist ein anspruchsvoller Fluss für Ka-jak- oder Schlauchbootfahrer.
Glacier Bay wurde 1925, nicht zuletzt dank John Muirs Bemühungen, zum National Monument und 1980 zum National Park erklärt, wobei das Gebiet gleichzeitig erweitert wurde und heute 13080 km2 einschliesst.
Aniakchak National Monument Aniakchak ist eine Caldera ( vulkanischer Krater ) mit einer Fläche von rund 48 km2 und gilt damit als eine der grössten der Welt. Innerhalb der Caldera erheben sich verschiedene Vulkankegel. Wissenschaftler glauben, dass die Caldera weniger als 10000 Jahre alt ist. Die letzte Eruption fand 1931 statt. Was vorher als
Aniakchak, das sich wettermässig im Einflussbereich des Beringmeeres und des Gol- Goldregenpfeifer in der arktischen Tundra ( Gates of the Arctic National Park ) fes von Alaska befindet, ist meist bewölkt und vernebelt und erhält viel Niederschlag. Besucher im Monument sind selten. Im See können, wenn die meteorologischen Verhältnisse es erlauben, Flugzeuge wassern. Der vom See nach Osten wegfliessende Aniakchak River kann mit Kajaks oder Schlauchbooten befahren werden. Die Durchbruchstelle durch die Calderawand ist jedoch schwierig.
Cape Krusenstern National Monument Die Besiedlungsgeschichte Alaskas durch Eskimos ist der Hauptgrund, weshalb Cape Krusenstern zum National Monument erhoben wurde. Archäologen stiessen am Cape auf Überreste, die von einer Besiedlung vor rund 6600 Jahren zeugen. Es Messen sich hier 114 hintereinandergestaffelte Küstenlinien unterscheiden, die um so älter sind, je weiter sie vom heutigen Ufer entfernt liegen. Die Eskimos lebten vom Meer und haben jeweils, nachdem sich am Ufer neue Kieswälle aufgebaut hatten, ihre Häuser von neuem zum Meer hin verschoben.
Cape Krusenstern liegt an der Tschuk-schen-See, nördlich der heutigen grossen Ortschaft Kotzebue, und umfasst 2662 km2. Das Monument wurde 1980 unter Schutz gestellt. Entlang seiner Ufer verbringen auch heute noch Eskimos den Sommer mit Jagen und Fischen.
Bering Land Bridge National Preserve Während der letzten Eiszeit bestand zwischen Sibirien und Alaska eine Landbrücke, das Land Beringia, und dieses Monument ist Zeuge jener Zeit. Es handelt sich um eine vulkanische Landschaft mit heissen Quellen und von der Erosion bearbeiteten Lavadecken, auf denen sich eine baumlose Tundra erstreckt. Es gibt Uferklippen mit riesigen Brutkolonien der verschiedensten Meervögel, und entlang anderer Küsten finden sich archäologisch interessante Spuren früherer Eskimosiedlungen. Die heutigen Eskimos halten auf dem Gebiet Rentierherden.
Das Preserve wird in Zukunft eine noch grössere Bedeutung erhalten, wenn man auf der gegenüberliegenden sibirischen Seite 108der Beringstrasse sein landschaftliches Gegenstück ebenfalls unter Schutz stellen wird. Denn damit wird dann das gesamte Land Beringia zum Schutzgebiet.
Das Preserve umfasst eine Fläche von 11270 km2 und kann von der Ortschaft Nome her mit Flugzeug oder auf einer Strasse, die bis nahe zur südlichen Grenze führt, erreicht werden.
Noatak National Preserve In diesem Preserve werden der 340 km lange Noatak River und seine nördlich in den Delong Mountains und südlich in den Baird Mountains liegenden Einzugsgebiete geschützt. Das eigentliche Quellgebiet des Flusses liegt noch innerhalb des Gates of the Arctic National Park, gleich westlich von Mount Igikpak, die Mündung befindet sich im Kotzebue Sund. Es ist eine arktische und subarktische Wildnis mit alpiner Tundra oberhalb der Baumgrenze und Fichten, Birken und Weiden im bewachsenen Talboden. Gemeinsame Grenzen bestehen mit Gates of the Arctic und Kobuk Valley Park. Das Preserve ist 26544 km2 gross und wurde 1980 errichtet. Die UNESCO hat das Gebiet aufgrund seines Stellenwertes für die Forschung und seines für die Tundralandschaft Alaskas typischen Charakters als ( Biosphärisches Reser-veland ) bezeichnet.
Der Noatak-Fluss ist ein begehrtes Ziel für Flussfahrer, er ist im nationalen Register der
Yukon-Charley Rivers National Preserve Mit diesem 10226 km2 grossen, ebenfalls 1980 errichteten Preserve hat man die Flussgebiete des Charley und des angrenzenden Teiles des Yukon unter Schutz gestellt; Gebiete, die besonders für Alaskas Goldrausch- zeit von geschichtlicher Bedeutung sind. So wurde in der Hügellandschaft am Unterlauf des Charley sogar noch bis vor kurzem nach Gold gegraben. Auf einer Strecke von fünf Kilometern ist der Talboden von Goldbag-gern umgegraben worden und zeigt dabei das dafür typische Bild eines weit sich hinziehenden Gewirrs von eng aneinandergereihten Schutthaufen und -wällen. Der Rest ist unberührte Wildnis mit riesigen Fichten-und Birkenwäldern.
Der fast 200 km lange Charley eignet sich für Kajak- und Schlauchbootfahrer, während auf dem viel grösseren Yukon Motorboote eingesetzt werden können. Früher fuhren hier grosse Raddampfer. An Wildtieren findet man neben Elchen und gelegentlich einem Bären auch verschiedene Vogelarten. In einem besonderen Schutzprogramm wurde am Charley der gefährdete Wanderfalke wieder eingesetzt.
Ein letzter Blick zurück zum Denali National Park: Mt. Huntington