Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/56442

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Massnahmenplan zur besseren Gestaltung des Übertrittes von der Volksschule in die Berufsbildung auszuarbeiten. Dabei sind u. a. Vorschläge zu machen die:</p><p>- zu einer Verbesserung und Konzentration der Beratungsangebote (Berufsberatung und Regionale Arbeitsvermittlungszentren) führen;</p><p>- sowohl während der Volksschule als auch während der beruflichen Grundbildung ein gezieltes Mentoring derjenigen Jugendlichen sicherstellen, die beim Übertritt aus der obligatorischen Volksschule in die Berufsbildung besonders benachteiligt sind, wie Schülerinnen und Schüler, die lediglich den Schultyp mit den Grundanforderungen der Sekundarstufe I besucht haben, Migrantinnen und Migranten oder generell Frauen;</p><p>- berufsqualifizierende Bildungsangebote für besondere Zielgruppen enthalten, die im Hinblick auf einen Abschluss in der beruflichen Grundbildung zertifizierbar und anrechenbar sind;</p><p>- eine Anerkennung von nicht formal erworbenen Qualifikationen, insbesondere der Herkunftssprachen ausländischer Jugendlicher, ermöglichen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Übergang von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung ist ein bedeutender Schritt für die Jugendlichen. Es ist für sie der Einstieg in die Arbeitswelt und in die Gesellschaft. In den letzten Jahren legten verschiedene Studien und Untersuchungen dar, dass zunehmend mehr Jugendliche beim Übergang auf Unterstützung angewiesen sind. Die Gründe dazu sind vielschichtig: Schulisch schwächere Jugendliche sehen sich mit steigenden Anforderungen in der Arbeitswelt konfrontiert, der Strukturwandel in der Wirtschaft macht vor Wunschberufen nicht Halt, und die Multikulturalität fordert Lehrbetriebe und Jugendliche heraus.</p><p>Im schweizerischen Bildungssystem fällt die obligatorische Schule in die Hoheit der Kantone. Für die Berufsbildung liegt die Regelungskompetenz beim Bund, wobei Kantone und Organisationen der Arbeitswelt im Rahmen der Verbundpartnerschaft massgeblich Aufgaben übernehmen und an der Weiterentwicklung der Berufsbildung beteiligt sind.</p><p>Der Bund und die Kantone haben die Übergangsproblematik bereits seit einiger Zeit erkannt und auf verschiedenen Ebenen Massnahmen getroffen. Im Bereich der obligatorischen Schule hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren 2004 die Nahtstellenfrage neu als Arbeitsschwerpunkt aufgenommen. Ziel ist es, in den nächsten Jahren für zentrale Bildungsbereiche gesamtschweizerisch verbindliche Bildungsstandards zu erarbeiten und zu überprüfen.</p><p>Im Berufswahlprozess können die Jugendlichen heute auf verschiedene Unterstützungsangebote zurückgreifen. Im Lehrstellenmarketing hat sich z. B. die Vermittlung und individuelle Begleitung (Mentoring) bewährt: Jugendliche ohne Lehrstelle werden bei der Lehrstellensuche eng begleitet, erhalten fachliche Beratung und profitieren von den Kontakten der kantonalen Berufsbildungsämter. Als Vorbereitung oder Überbrückung zu einer Lehrstelle bieten sich Übergangslösungen an. Diese reichen von schulischen Angeboten wie dem 10. Schuljahr, über private Zwischenlösungen wie Sprachaufenthalte oder Stages bis hin zu berufsorientierten Brückenangeboten und arbeitsmarktbezogenen Motivationssemestern.</p><p>Es bewährt sich, dass die Kantone für die Berufswahlvorbereitung zuständig sind. Sie kennen die lokalen Bedürfnisse am besten und pflegen den Kontakt zu den Unternehmungen vor Ort. Ein nationaler Massnahmenplan würde den Besonderheiten der regionalen Lehrstellenmärkte nicht gerecht werden. Auch können die Kantone besser abschätzen, wie die Zusammenarbeit zwischen den Berufsberatungszentren und den Regionalen Arbeitsvermittlungsstellen zu optimieren ist.</p><p>Mit dem Anfang 2004 in Kraft getretenen neuen Berufsbildungsgesetz (BBG) sind die Möglichkeiten vorhanden, um den Jugendlichen den Übertritt von der obligatorischen Schule in die Berufsbildung zu erleichtern. In das neue Gesetz sind die Erfahrungen aus den Lehrstellenbeschlüssen 1 und 2 eingeflossen. Zahlreiche Projekte nahmen sich der Nahtstellenfrage an. Dabei wurden die Probleme und Bedürfnisse von schulisch Schwächeren und Jugendlichen ausländischer Herkunft speziell berücksichtigt. Die Gleichstellung von Frau und Mann ist ein weiteres zentrales Anliegen.</p><p>Das neue BBG enthält erstmals eine Bestimmung zum Übergang in die Berufsbildung. Artikel 12 BBG hält fest, dass die Kantone Massnahmen ergreifen, um Personen mit individuellen Bildungsdefiziten am Ende der obligatorischen Schulzeit auf die berufliche Grundbildung vorzubereiten. Der Bund unterstützt die Kantone bei dieser Aufgabe finanziell, sofern die Massnahmen einen klar berufsbezogenen Aspekt aufweisen. Ausserdem stehen dem Bund Gelder für Studien, Pilotprojekte und Evaluationen zur Verfügung, um bestehende Brückenangebote weiterentwickeln zu können.</p><p>Das BBG hält zudem mit der zweijährigen beruflichen Grundbildung mit Attest ein Bildungsangebot bereit, das sich speziell an schulisch Schwächere richtet. Es erlaubt ihnen, einen eidgenössisch anerkannten Abschluss zu erreichen. Im Rahmen dieses Bildungsangebotes besteht auch die Möglichkeit individueller fachkundiger Begleitung.</p><p>Was die Anerkennung nicht formell erworbener Qualifikationen betrifft, so stellt dies eine wesentliche Neuerung des neuen Berufsbildungsgesetzes dar. Das BBG trennt explizit die Vorschriften zum Qualifikationserwerb auf der Grund- und Tertiärstufe von denjenigen zum Nachweis dieser Qualifikationen in Form von Anerkennung bereits erbrachter Lernleistungen, Prüfungen und Zertifikaten (Attest, Fähigkeitszeugnis, Diplome und Fachausweise). Ob eine ausländische Muttersprache als eine berufliche Qualifikation anerkannt wird, kann generell nicht geregelt werden. Dies hängt von den Anforderungen der entsprechenden Branche ab.</p><p>Es wäre verfehlt, der Berufsbildung die Behebung aller Defizite vorangehender Bildungsstufen anzulasten. Auch für Anliegen im sozialen Bereich müssen besondere Lösungen gesucht werden. Andererseits ist die Berufsbildung ein sehr geeignetes Instrument zur Eingliederung der Jugendlichen in die Arbeitswelt und die Gesellschaft. In diesem Spannungsfeld wird der Bund weiterhin gemeinsam mit den Kantonen und unter Einbezug der Organisationen der Arbeitswelt die Möglichkeiten des BBG ausschöpfen, bestehende Angebote permanent optimieren sowie neue Lösungswege suchen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.