Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03646.jsonl.gz/1194

Strickwaren, sprachlich betrachtet
Ob der Winter nun knackig kalt ist oder eher mau und lau: Pullover sind unverzichtbar und begleiten uns auch noch in den Frühling. Großbritannien hat nicht nur viele wunderbare Strickwaren hervorgebracht, darunter das Twinset und den Fair-Isle-Pulli, sondern auch ein besonderes Vokabular. Das schauen wir uns mal näher an. Strickwaren generell heißen übrigens „knitwear“, immer in der Einzahl.
Pullover zum Über-den-Kopf-Ziehen
Der Pullover ist der gängigste Begriff und setzt sich – keine große Überraschung – aus den Worten „pull“ und „over“ zusammen: Man zieht ihn halt über, und zwar in jedem Fall über den Kopf und meist auch über ein T-Shirt, eine Bluse, ein Hemd und dergleichen. Eine Abkürzung wie „Pulli“ gibt es im Englischen nicht. Das Wort „pullover“ ist im britischen Englisch nach wie vor gängig, gilt aber als leicht angestaubt.
Der Jumper, der nicht springen kann
Viel häufiger benutzen die Briten und Britinnen den Begriff „jumper“. Er hat aber, entgegen dem ersten Eindruck, gar nichts mit Springen oder – was wir auch schon gelesen haben – Springreitern zu tun. Das Wort leitet sich aus dem Arabischen ab und bezeichnete ursprünglich ein Gewand. Es ist als „jupe“ auch in die französische Sprache eingewandert, wo es allerdings „Rock“ heißt (in der deutschsprachigen Schweiz auch). In Großbritannien ist
- der Pulli mit dem Schulwappen ein „school jumper“,
- der mit dem Elch ein „Christmas jumper“,
- der mit Rollkragen ein „turtleneck jumper“, Schildkrötenpulli,
- der Häkelpulli ein „crochet jumper“,
- der mit dem tollen Karomuster ein „Argyle jumper“ und so weiter.
Kurioserweise ist ein „jumper“ im amerikanischen Englisch eine Art Trägerrock, wie ihn kleine Mädchen tragen. Das führt manchmal zu Verwirrungen beim Einkaufen.
Mollig warm im Sweatshirt, ohne zu schwitzen
In den USA heißt ein Pullover „sweater“, was mit „Schwitzer“ nicht gerade gut übersetzt ist. Der Begriff hat aber tatsächlich etwas mit Schwitzen zu tun; laut Wortherkunftslexikon bezeichnete „sweater“ ursprünglich ein Kleidungsstück, das Ruderer trugen und das zur Gewichtsreduktion beitragen sollte. Ob das stimmt?
In jedem Fall waren Sportpullover früher aus Wolle. Das änderte sich Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts, als viele Produzenten von Sportkleidung auf weniger warmes, aber ebenfalls atmungsaktives Baumwollgewebe umstiegen. Analog zum „T-Shirt“ setzte sich für diesen Pullityp der Begriff „Sweatshirt“ durch, den wir auch im Deutschen verwenden. Das Sweatshirt und seine Kapuzenvariante, der Hoodie, gehören längst zur Alltagskleidung.
Pullunder sind wieder in
Pullover ohne Ärmel, die über Hemden oder Blusen getragen werden, sind nach einer Zeit der Abstinenz heute wieder modern. Im Vereinigten Königreich heißen sie „tank tops“, in den Vereinigten Staaten „sweater vest“. Der „deutsche“ Begriff Pullunder ergibt eigentlich wenig Sinn, denn man zieht ihn ja nicht drunter, sondern genau wie einen Pullover über den Kopf und über ein anderes Kleidungsstück.
Passt immer: der Cardigan
Strickjacken heißen im britischen Englisch „cardigans“, im amerikanischen Englisch „cardigan sweaters“. Namenspate ist in jedem Fall der 7th Earl of Cardigan, der im Krimkrieg nach einem praktischeren Kleidungsstück als dem bis dato üblichen Frack suchte. So jedenfalls die Legende. Cardigans werden geknöpft oder offen getragen oder manchmal auch gebunden.
Gemischtes Doppel: das Twinset
Ein Cardigan und ein meist kurzärmeliger Pulli bilden das Twinset. Es gilt als Erfindung der Firma Pringle of Scotland und ihres Designers Otto Weisz, allerdings gibt es auch Quellen, die Coco Chanel als Urheberin nennen. Die klassische und noch immer unschlagbar elegante Kombi setzte sich nicht nur in der Berufswelt durch, weil sie bequem und zugleich schick war und die Trägerinnen schön warm hielt. Auch Hollywoodstars wie Grace Kelly und Präsidentengattin Jackie Kennedy wurden in Twinsets fotografiert und trugen zu ihrer Popularität bei.