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Ciriaco Sforza war gerade mal 26 Jahre alt, als er zum ersten Mal Vater wurde. Seine Sandkastenliebe Nicole gebar ihm einen Sohn namens Gianluca. Drei Jahre später, 1999, erblickte Töchterchen Luana das Licht der Welt. Ciriaco, Nicole, Gianluca und Luana – die Familienidylle schien perfekt.
Sforza war stolz auf seine Frau und seine Kinder und hätte gerne viel Zeit mit ihnen verbracht. Das ging allerdings nicht: Der wohl beste und erfolgreichste Schweizer Berufsfussballer der 1990er-Jahre war vor 20 Jahren meistens auf Achse.
Er schaffte mit dem 1. FC Kaiserslautern die Promotion von der 2. in die 1. Bundesliga und führte den Aufsteiger ein Jahr später als Captain, Denker und Lenker zum Meistertitel. Dann holte ihn Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld zu den Bayern. Und mit den Münchnern gewann Sforza 1995 den Uefa-Cup und 2001 den Meistertitel, die Champions League und den Weltpokal.
Keine richtige Jugend
Sforza war in all den Jahren voll im Saft und liess sich wie eine Zitrone auspressen. Der Fussball bestimmte sein Leben. Auf und neben dem Spielfeld. Daran änderte sich auch nichts, als der Sohn italienischer Staatsbürger im Jahr 2006 beim FC Luzern ins Trainergeschäft einstieg. Und daran änderte sich auch nichts, als er zwischen 2009 und 2012 die Zürcher Grasshoppers trainierte.
Ciriaco Sforza funktionierte, funktionierte und funktionierte – der physische und psychische Stress und der immense Druck schienen dem vermeintlich selbstbewussten jungen Mann nichts anhaben zu können.
Doch nach der Entlassung bei GC vor fünf Jahren stürzte Sforza in eine Lebenskrise, die ihn kräftig durchschüttelte. «Ich war platt und total ausgelaugt», blickt er zurück. «Ich wachte nachts oft auf und hatte Todesängste. Es ging nicht mehr.» Sforza war krank und nahm in der Not sogar die Hilfe eines Psychologen in Anspruch.
Jahrelange Leidenszeit
«Das ist alles glücklicherweise vorbei», sagt er. «Heute bin ich gesund. Ich fühle mich pudelwohl. Ich bin als Mensch weitergekommen. Heute weiss ich nämlich, dass mir ein Teil des Lebens fehlte. Ich hatte keine richtige Jugend, weil ich mit 16 Jahren schon als Profi tätig war.»
Nach einer jahrelangen Leidenszeit mit Prüfungen verschiedenster Art brauchte Sforza wohl den Schritt zurück, um ein besserer Trainer zu werden. Er übernahm auf die Saison 2014/15 hin den Challenge- Ligisten FC Wohlen und führte ihn an die Schwelle zur höchsten Spielklasse. Es folgte der Job beim FC Thun, welcher in die Zeit der Geburt von Töchterchen Estelle fiel und deshalb unter einem unglücklichen Stern stand. Nach dem schnellen Abgang nahm sich Sforza ab September 2015 die Zeit, eine zweite Familie aufzubauen.
Heute lebt er mit seiner Partnerin Marlene Meyerstein und der kleinen Estelle glücklich und zufrieden in Wohlen. Sforza geniesst das normale Leben ohne Stress und kann sich wegen seiner finanziellen Unabhängigkeit den einen oder andern kleinen Luxus leisten. So gönnte er sich in diesem Winter Ferien mit Skifahren in einem Nobelhotel in Arosa und Langlauf in La Punt.
Die Familie als Mittelpunkt
Sforza macht einen glücklichen Eindruck. Spricht er über seine Lebenspartnerin und die kleine Tochter, strahlen seine Augen. «Die Geburt von Estelle am 14. Juli 2015 hat mein Leben grundlegend verändert», sagt der 47-jährige Sforza. «Ich setze andere Prioritäten als früher und schätze die kleinen Dinge, die den Alltag ausmachen. Ich bin gerne Vater und darf mir endlich die Zeit nehmen, viele neue Dinge zu lernen. Die Familie ist das Wichtigste in meinem Leben.»
Sforza liebt seine Frau und seine Tochter, verfügt nach eigener Aussage aber auch wieder über die Kraft, auf zwei Strassen zu gehen. «Die Energie ist zurück», sagt er. «Ich bin bereit für einen neuen Trainerjob. Jetzt will ich wieder angreifen.» Dass ihm in den vergangenen Monaten das eine oder andere Jobangebot ins Haus flatterte, versteht sich bei seinem prominenten Namen und Leistungsausweis von selbst. Aber Sforza will sich Zeit lassen, bis er zuschlägt. «Schnellschüsse gibt es bei mir nicht mehr, nie mehr», sagt er.
Es ist gut, zu wissen, dass er wieder voller Tatendrang ist. Er hat viel gelernt. Auch im Umgang mit den Medien. Wie fragte Sforza nach dem Interview mit einem Augenzwinkern so schön: «Haben Sie den Titel des Artikels schon im Kopf? Den will ich unbedingt wissen!»