Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03585.jsonl.gz/407

In der Schweiz wird es kein Verbot von Tierversuchen geben. In einer Volksabstimmung stimmte eine grosse Mehrheit von 79 Prozent der Schweizer gegen ein solches Verbot, berichtet der öffentlich-rechtliche Schweizer Sender SRF. Die Schweiz wäre damit das erste Land der Welt, das Tierversuche komplett verbietet.
Die Ablehnung kommt nicht überraschend. Keine größere politische Partei in der Schweiz befürwortet ein solches Totalverbot. Das Referendum ging von einer Bürgerinitiative aus, die von Tierschützern und einer Reihe von Unternehmen unterstützt wurde. Sie nennen Tierversuche unethisch und unnötig.
Befürworter weisen auf die Bedeutung von Tierversuchen bei der Entwicklung neuer Medikamente hin. Ein Verbot würde daher zu wirtschaftlichen Schäden führen, da die Pharmaindustrie ihre Aktivitäten ins Ausland verlagern würde, wenn sie verboten würde.
Laut SRF ist die Zahl der Tierversuche in der Schweiz in den letzten Jahren zurückgegangen. Im Jahr 2020 wurden rund 556.000 Tiere für die Forschung verwendet; 1983 waren es fast zwei Millionen.
In der Schweiz dürfen die Bürger mehrmals im Jahr für verschiedene Referenden zur Wahl gehen. So gab es in den letzten Jahren eine Abstimmung für die gleichgeschlechtliche Ehe, gegen die Abschaffung der Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der Europäischen Union und für die Einführung eines Burkaverbots. Die Wahlbeteiligung bei den Volksabstimmungen ist oft gering: Heute geben 44 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.
Neben dem Tierversuchsverbot durften die Schweizerinnen und Schweizer über drei weitere Themen abstimmen. Eine Mehrheit von 56, 6 Prozent stimmte dafür, Tabakwerbung für Minderjährige zu verbieten. In der Praxis bedeutet dies, dass nur Tabakwerbung an Orten gezeigt werden kann, an denen nur Personen über 18 Jahren zugelassen sind, z. B. in Nachtclubs.
Die vorgeschlagene Abschaffung einer bestimmten Gewerbesteuer wurde mit 63 Prozent der Stimmen abgelehnt. Die Absicht, notleidende Zeitungen und Zeitschriften mit einem Subventionspaket zu unterstützen, wurde ebenfalls abgelehnt.