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Wie die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 5.5.2011 schreibt, ging die Fotografie um die Welt: Der amerikanische Präsident Barack Obama sitzt mit versteinerter Miene in einem Konferenzraum des Weissen Hauses in Washington und verfolgt gemäss Informationen der Regierung im Kreise seiner engsten Mitarbeiter die Live-Übertragung der Militäroperation Geronimo, während deren Usama bin Ladin, der meistgesuchte Mann der Erde, in Pakistan gezielt liquidiert wurde.
Der hochrangige Militär in der Bildmitte trägt eine Uniform und Krawatte, doch die meisten der anderen Anwesenden tragen nichts weiter als (zumeist blaue) Hemden mit geöffneten Hemdkragen. Obama sitzt in einem weissen Poloshirt und einem sportiven blauen Lumber in der Ecke.
Zweifellos ein historisches Bild, und zwar auch in Sachen Kostümkunde, denn es dokumentiert eindrücklich, dass die Krawatte, die einst ein universelles (westliches) Symbol für männliche Macht und geschäftige Seriosität war, heute nicht einmal mehr im Weissen Haus eine verbindliche Rolle hat. Zwar trug Barack Obama wenig später, als er vor die Kameras trat und diesen wichtigen militärischen Erfolg vermeldete, zu seinem nachtblauen Anzug ein frisches weisses Hemd und eine dunkelrote Krawatte, doch offenbaren die Fotos aus dem inneren Zirkel des Situation Room deutlich, dass der Präsident es während der Arbeit legerer mag und die textile Ungezwungenheit auch seinen Mitarbeitern gönnt.
Und so könnte dieser historische Moment, der für viele in der Welt ein Moment der Erleichterung und Befriedigung brachte, auch eine tiefschwarze Stunde für die Krawattenhersteller gewesen sein. Denn wenn nicht einmal mehr der mächtigste Mann und seine Entourage bei der Arbeit eine Krawatte tragen, dürfte das für den Rest der westlichen Welt eine Signalwirkung haben.