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Zum ersten Mal wurde die Spargel-Sandbiene in der Nordwestschweiz nachgewiesen. Während sie sich in anderen Regionen Europas ausbreitet, ist ihre Zukunft in der Schweiz noch ungewiss.
Die Spargel-Sandbiene (Andrena chrysopus) sammelt den Pollen für ihren Nachwuchs ausschliesslich an Spargel-Arten (Asparagus) und ist in Mitteleuropa ebenso wie ihre Pollenquellen an Wärmestandorte gebunden. Die Weibchen sind durch die stark glänzende Oberseite des Hinterleibs mit breiten, weissen Haarbinden, der orangeroten Endfranse und der leuchtend orangeroten Schienenbürste zu erkennen. Die Männchen sind im Feld nicht von ähnlichen Andrena-Arten zu unterscheiden.1
Im Mai 2022 war der Erstautor Teil eines Filmdrehs für den Dokumentarfilm «Bahnhof der Schmetterlinge» (Fotos folgende Seite), der mittlerweile in den Deutschschweizer Kinos läuft. Während dieses Drehs fand er auf dem alten Badischen Rangierbahnhof in Basel-Kleinhüningen gut zwei Dutzend sammelnde Bienen beider Geschlechter an wildwachsendem Spargel (Asparagus officinalis). Dabei gelang es, ein Weibchen beim Nektar- und Pollensammeln sowie mehrere Männchen beim Nektartrinken zu filmen. Dies in derart guter Qualität, dass eine Bestimmung anhand des Filmmaterials möglich war. Die Wildbienenspezialisten Andreas Müller und Christophe Praz bestimmten die Bienen als Andrena chrysopus. Die Spargel-Sandbiene sammelte zeitgleich mit der Gold-Furchenbiene (Halictus subauratus), die auf dem alten Bahnhof häufig vorkommt und neben dem wildwachsenden Spargel auch diverse andere Blüten besucht. Eine Auswahl der Aufnahmen ist online zugänglich unter: https://vimeo.com/user9894052/andrena
Aus der Schweiz liegen von dieser Art nur einige wenige Nachweise aus dem Oberwallis sowie einer aus dem Tessin vor; nördlich der Alpen gibt es laut den Datenbanken von info fauna und allen angefragten Schweizer Museen keine bekannten Nachweise. In der Roten Liste der Wildbienen der Schweiz wird die Art aktuell als «gefährdet» eingestuft,2 in der nächsten Ausgabe wird sie aller Voraussicht nach sogar als «stark gefährdet» gelten. In Deutschland hat die Art ihren Verbreitungsschwerpunkt im Oberrheingraben und befindet sich derzeit in Ausbreitung, wobei sie anscheinend von neuen Entwicklungen im Spargelanbau profitiert.3 Unweit der Schweizer Grenze, im südbadischen Istein, wurde die Art bereits 1997 nachgewiesen.4 Die Art breitet sich auch in anderen Regionen aus; im Jahr 2018 wurde sie erstmals in Polen gefunden.5 Der Fund passt damit gut zum bisherigen Ausbreitungstrend, unterstreicht aber auch die Bedeutung des Fundorts.
Ob der alte Badische Rangierbahnhof künftig eine Brückenfunktion zu neuen Lebensräumen einnimmt oder ob er bloss der südliche Rand der Oberrhein-Population bleiben wird, ist noch unklar. Wildwachsender Spargel ist in der Nordwestschweiz selten und zerstreut verbreitet.6 Kulturspargel wiederum wird beidseits des Rheins recht häufig angebaut, was eine Ausbreitung erlauben würde. Falls diese Ausbreitung nicht bald passiert oder bereits jetzt unbemerkt läuft, sieht es allerdings düster aus für die Spargel-Sandbiene in der Nordschweiz. Ein Grossteil des Naturschutzgebiets soll, wenn es nach der SBB und dem Kanton Basel-Stadt geht, in den nächsten Jahren für das trimodale Containerterminal «Gateway Basel Nord» und das dazugehörige Hafenbecken 3 geopfert werden. Einige Randbereiche sollen zwar ausgespart werden; die beiden Standorte des wildwachsenden Spargels gehören aber nicht dazu. Andrena chrysopus könnte also kurz nach ihrem Eintreffen in der Nordschweiz schon wieder verschwinden.
Gemüse-Spargel (Asparagus officinalis)
Den Spargel kennt man hierzulande vor allem als eine traditionsreiche Kulturpflanze. Weniger bekannt ist, dass dieselbe Pflanzenart auch an warmen, trockenen Orten in ganz Mitteleuropa wild wächst. Wie alt diese Wildvorkommen sind, ist unklar. Die meisten, wenn nicht sogar alle, stammen von Kulturspargeln ab. Info Flora betrachtet den wildwachsenden Spargel als Archäophyten, als Pflanzenart, die vor langer Zeit mithilfe des Menschen hierherkam. In der Schweiz ist wildwachsender Spargel zerstreut in allen Landesteilen verbreitet. Besonders im Mittelland und im Kanton Graubünden sind viele ehemalige Vorkommen erloschen.
Literatur
- Westrich, P. (2019) Die Wildbienen Deutschlands. 2. Auflage, pp. 451 f. Verlag Paul Ulmer, Stuttgart.
- Amiet, F. (1994) Rote Liste der gefährdeten Wildbienen der Schweiz. In: Duelli et al.: Rote Listen der gefährdeten Tierarten der Schweiz, pp. 38–44. Bundesamt für Umwelt BAFU.
- Burger, R. (2020) Die Spargel-Sandbiene Andrena chrysopus – ein Profiteur des Spargelanbaus. Pollichia-Kurier 37(3): 17–19.
- GBIF (2022) Occurrence, 3 June 1997: Andrena chrysopus Pérez, 1903 (https://www.gbif.org/occurrence/883504666, abgerufen am 25.01.2023).
- Twerd, L. (2020) First record of Andrena chrysopus Perez, 1903 (Hymenoptera: Andrenidae) in Poland. Fragmenta Faunistica 63(2): 119–124.
- Lauber, K.; Wagner, G.; Gygax, A. (2018) Flora Helvetica. Illustrierte Flora der Schweiz. 6. Auflage, p. 1304. Haupt Verlag, Bern.