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Die T-Shirts mit dem berühmten Aufdruck "Stan the Man" sind noch da. Doch sie sind weniger zahlreich geworden. Das ist auch logisch, es sind generell weniger Zuschauer, die eben diesem Stan Wawrinka zuschauen. Dennoch, rund um den Court 5 herrscht einiges Gedränge. Die Organisatoren, die Wawrinka und den französischen Qualifikanten Corentin Moutet auf diesen kleinen Nebenschauplatz mit einer Kapazität von gut 1000 Sitzen verbannt haben, scheinen vergessen zu haben, was der 37-jährige Waadtländer für das Tennis geleistet hat. Er glaubt weiter daran, dass nochmals "etwas Grosses" kommt. Die Anzeichen sprechen aber dagegen.
Ratlose Gesichter
In New York gab Wawrinka am Montagabend eine Partie auf, in der er nicht ernsthaft verletzt war, aber angesichts eines 0:2-Satzrückstands nicht mehr an eine Wende glaubte. Ausgerechnet Wawrinka, der Kämpfer vor dem Herrn, wirft ohne zwingenden Grund das Handtuch. Das lässt die Beobachter ratlos zurück, ebenso wie die Erklärungsversuche des US-Open-Champions von 2016. Innert einer Minute widerspricht er sich selber.
"Physisch ging es mir nicht gut", erklärte er den Schweizer Medienvertretern. "Ich hatte Schmerzen im Bein und Krämpfe ein bisschen überall." Eine ernsthafte Verletzung trage er aber nicht mit sich herum, die Aufgabe sei eher eine Vorsichtsmassnahme im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf gewesen. In der nächsten Antwort sagte der Lausanner: "Im Training kann ich zwei, drei Stunden gutes Tennis aneinanderreihen. Ich spüre, dass ich physisch und spielerisch immer besser werde." Das wirft natürlich erst recht die Frage auf, warum er in einem Match bei hohen, aber beileibe nicht extremen Temperaturen bereits nach zwei Sätzen Krämpfe spürt.
Mentale Blockade
Wawrinka ortet das Problem eher im mentalen Bereich. "Mit den Niederlagen, die sich häufen, beginne ich zu zweifeln. Es fehlt das Selbstvertrauen", gibt er zu. "Ich bin natürlich der Erste, der über die fehlenden Resultate enttäuscht und traurig ist." Er wusste, dass das Comeback nach den komplizierten Fussoperationen und einem Jahr Rekonvaleszenz schwierig würde, in seinem Alter erst recht. Dennoch hat er sich mehr erwartet - und tut es noch.
Aufgeben will er nicht. Immer wieder fällt seit Monaten der Satz: "Ich weiss, dass ich wieder Matches gewinnen werde und noch grosse Erfolge vor mir habe." Wawrinka will nochmals ein Turnier gewinnen, und seine Erfahrung sage ihm, dass er auf die Siegerstrasse zurückkehren werde. Es muss ja nicht gleich das US Open sein. Ein kleineres ATP-Turnier wie Genf würde es auch tun. Davon ist er allerdings weit entfernt, und die Uhr tickt. Denn eines weiss der fünftbeste Spieler des vergangenen Jahrzehnts auch: "Es ist klar, dass das Ende meiner Karriere näher rückt."
Und bei Federer?
Wie sehr Wawrinka in seinem Innersten überzeugt ist, dass sein Comeback nochmals von Erfolg gekrönt sein wird, weiss nur er selber. In New York machte er eher einen ratlosen Eindruck. Und als Schweizer Tennisfan fragt man sich unweigerlich und etwas bange, ob Roger Federers Rückkehr in einem knappen Monat erfolgreicher ausfallen wird. Er ist noch vier Jahre älter als Wawrinka und verpasste nach seinen mehreren Knieoperationen sogar 14 Monate.
Eines haben die beiden helvetischen Tennisgrössen in den letzten Jahrzehnten allerdings zur Genüge unter Beweis gestellt: Komplett abschreiben sollte man sie bei allen Zweifeln nicht. Im Moment ist die Hoffnung aber grösser als die Überzeugung.