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Cusco – alte Inkamauern und spanische Kolonialarchitektur
Das südamerikanische Land Peru verfügt de facto über zwei Hauptstädte – Lima, die spanische Gründung und moderne Kapitale an der Küste des Pazifik und die alte Inkametropole Cusco, die im Landesinneren in einem Hochtal der Anden liegt.
Politisch und wirtschaftlich schlägt das Herz des Landes heute zweifelsohne in der Millionenstadt an der Küste. Cusco ist dagegen vor allem ein Erinnerungsort an die grossartige vorkoloniale Kultur Perus und deren Zerstörung durch die spanischen Eroberer.
Einst Mittelpunkt der Welt
Mit rund 350’000 Einwohnern ist Cusco zwar keine Kleinstadt mehr, der Ort nimmt sich aber gegenüber dem ausufernden Lima vergleichsweise bescheiden aus. Hier geht es ein Stück weit ruhiger und gemächlicher zu als in der hektischen und geschäftigen Küstenmetropole. Dazu trägt sicher auch die Höhenlage bei. Auf 3400 Meter Höhe muss sich der Körper erst einmal auf die dünne Luft einstellen. Da will jede Bewegung sorgfältig überlegt sein. Dem heutigen Besucher präsentiert sich Cusco vor allem als spanische Kolonialstadt mit zahlreichen Kirchen, Klöstern und vielen historischen Gebäuden mit typischen Arkaden, Balkonen und roten Walmdächern. Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass es hier einst noch andere Bauten gab, die ganz anderen Konstruktionsprinzipien folgten.
Bis 1533 war Cusco die Hauptstadt des Inkareiches, eines indianischen Imperiums, das erhebliche Teile der heutigen Staaten Peru, Ekuador, Chile, Bolivien und Argentinien umfasste. Die Herrscher des Reiches, die sich „Inka“ nannten, führten ihren Ursprung auf den Sonnengott Inti und die Sonneninsel im Titicacasee zurück. Wie das Inkareich genau entstand und sich ausbreitete, darüber streiten sich heute noch die Gelehrten. Fest steht, dass das Gebiet um Cusco die Kernregion des Reiches bildete, von der aus sich das Imperium schnell entwickelte. Die Stadt Cusco wurde von den Inka-Herrschern wohl um 1200 gegründet. Der Name „Qusqu“ bezeichnete dabei den Mittelpunkt der Welt. Die Stadt der Inka gliederte sich in zwei Stadtteile, Ober- und Unter-Cusco, mal diente der eine, mal der andere Teil den Herrschern als Residenz.
Spanische Mauern auf Inka-Fundamenten
Wie Cusco damals aussah, lässt sich nur noch erahnen. Die Spanier berichteten von einer grossen Anzahl an prächtigen Palästen, langen und regelmässigen Strassenachsen und einem mitten durch die Stadt laufenden, mit Steinen verkleideten Fluss. Als der schönste und wertvollste Bau wird der Sonnentempel bezeichnet, der mit Goldplatten verziert wurde und von Zeremonialgebäuden und Wohnungen der Priester umgeben war. Unter dem Abenteurer und Eroberer Pizarro konnten die Spanier 1533 die Inka-Hauptstadt einnehmen. Ihnen kam dabei der Umstand zu Hilfe, dass das Inkareich gerade durch einen Bürgerkrieg erschüttert worden war. Die beiden Inka-Brüder Huascar und Atahualpa hatten um die Macht gestritten. Huascar, der in Cusco residierte, unterlag und wurde getötet. Die Stadt selbst wurde für ihre Treue zu dem Verlierer bestraft.
Dem Sieger Atahualpa sollte das allerdings wenig nützen. Er wurde von den Spaniern gefangen genommen und erdrosselt, obwohl er sein Versprechen eingehalten hatte, für seine Freilassung einen Raum mit Gold zu füllen. Die Spanier plünderten und zerstörten die Stadt nach der Eroberung gründlich. So sanken die Tempel und Paläste in Schutt und Asche. Die Reste dienten als Baumaterial für die spanische Kolonialstadt. Die massiven Grundmauern konnten aber selbst die Eroberer nicht schleifen. Sie blieben erhalten und bilden bis heute die Fundamente vieler Bauten im historischen Cusco. In etlichen Strassenzügen der Altstadt sind die Mauern der Inkazeit noch gut zu erkennen, besonders ausgeprägt zum Beispiel im pittoresken Handwerkerviertel Barrio de San Blas. Sie heben sich mit ihren fugenlos zusammengesetzten Steinen deutlich vom späteren spanischen Mauerwerk ab.
Verschwundene Pracht – ein Garten aus Gold
Der zentrale Platz Cuscos, die Plaza des Armas, war bereits in der Inka-Zeit das Zentrum der Stadt. Damals hiess er Huacaypata oder Aucaypata und war doppelt so gross. An ihm wurden von den Eroberern zwei der bedeutendsten Kirchenbauten Cuscos errichtet. Die Kathedrale erhebt sich zusammen mit der kleineren Nebenkirche El Triunfo an der Stelle, an der früher der Palast des achten Inka, Virakocha, stand. Die Jesuitenkirche wurde ebenfalls an der Plaza des Armas anstelle eines weiteren Inkapalastes erbaut. Da sie besonders reich geschmückt ist, wird sie manchmal mit der Kathedrale verwechselt. Alle Kirchenbauten zeigen sich im charakteristischen Stil des spanischen Kolonialbarock, wie er vielfach in Latein- und Südamerika zu finden ist.
Ein besonderes Highlight sind die Kirche und das Konvent Santo Domingo. Sie wurden über dem früheren Sonnentempel – Qorikancha – erbaut. Bei einem Erdbeben im Jahre 1950 traten Reste des alten Tempels zum Vorschein, die danach systematisch freigelegt und restauriert wurden. Sie sind daher heute wieder zu sehen. In der Nachbarschaft des Tempels befand sich einst der „Heilige Garten“ – ein Garten, dessen Pflanzen, Tiere und Gegenstände ausschliesslich aus Gold, den „Schweisstropfen der Sonne“, bestanden und dessen Blumen aus Edelsteinen gefertigt waren. Dieses Kunstwerk überstand die spanische Gier nach Schätzen ebensowenig wie die kostbare Gold- und Silberausstattung des Tempels.
Sacsayhuamán und andere Inka-Zeugnisse
Cusco lebt heute mit und von dem Tourismus. Bunte Märkte, Souvenir-Shops, Hotels, Restaurants und Strassencafés werben um Einkäufer und Gäste. Das Reisegeschäft hat der Stadt nach einer langen Zeit des Niedergangs und Schlafs einen enormen Aufschwung verschafft.
Cusco wird vor allem als Ausgangspunkt für Ausflüge nach Machu Picchu und für Trekking-Touren in die faszinierende Bergwelt der Anden genutzt. Im unmittelbaren Umfeld der Stadt gibt es aber auch noch einige äusserst eindrucksvolle Monumente der Inkazeit zu sehen.
Das gewaltigste ist die Festung Sacsayhuamán, drei Kilometer oberhalb der Stadt. Die riesigen, ohne Mörtel zusammengefügten Steinquader der Anlage versetzen heute noch jeden Betrachter in Erstaunen. Sie formen drei terrassenförmig errichtete Zickzack-Mauern, die wie für Riesen gemacht zu sein scheinen. Obwohl durch Erdbeben nur noch ein Drittel der Festung erhalten ist, lässt sich die einstige Wirkung erahnen. Ein weiteres Zeugnis der Inkazeit ist Tambo Machay, ein ehemaliges Wasserheiligtum mit drei kleinen Wasserläufen, um die sich Legenden ranken. Und auf die ausgezeichneten landwirtschaftlichen Kenntnisse der Hochkultur weisen die Terrassen bei Pisac hin. Die Stadt rund 30 Kilometer nördlich von Cusco wird von einer alten Bergfeste der Inka gekrönt– einer Art Mini-Macchu Picchu. Die Zeit des Inkareichs bleibt in und um Cusco lebendig.
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