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Künstlerische Direktion Theater Winterthur
2000 bis 2010
Im Herbst 1999 wurde ich vom Stadtrat Winterthur gewählt, im Mai 2000 trat ich die Stelle an.
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In dieser Funktion übernahm ich die künstlerische Definition und die Programmierung, resp. die Verantwortung für die Ausrichtung des Theaters. Dazu gehörte die Definition der Strategie, die Vernetzung und Präsentation der Spielzeiten, der Projekte und der Künstler/innen und die theaterfachliche Betreuung des Publikums. In den 10 Jahren konnte ich über 1’600 Produktionen einladen, die meisten davon auch persönlich betreuen, einführen und begleiten. Die künstlerische Direktion beinhaltete auch die Definition der Ästhetik des Hauses und die diesbezügliche Schulung des Personals.
Das Theater Winterthur (TW) ist das grösste Gastspieltheater der Schweiz und bis weit in den deutschen Raum hinein. Es programmiert alle Theatersparten über nationale und internationale Einladungen und erreicht ein regionales Publikum aller Altersstufen. In 20 Abonnements bietet es jährlich um 140 bis 160 möglichst hoch stehende Theatervorstellungen, Jazz- und kleine klassische Konzerte und literarische Begegnungen an. Vom hoch stehenden Tourneetheater entwickelte sich das Theater Winterthur zum “Haus der Gäste” und zum Schweizer Fenster für massgebende internationale freie Theaterproduktionen und Theaterhäuser. So gehörten viele wichtige Bühnen zum ständigen Programm: Das Staatstheater Stuttgart, das Schauspiel Frankfurt, das Theater Köln, Mülheim an der Ruhr, das Theater Bremen, das Schauspielhaus und das Thalia Theater Hamburg, das Deutsche Theater Berlin, das Residenztheater und die Kammerspiele München, das Burgtheater mit Burg- oder Akademietheaterproduktionen und viele andere Theater und freie Produktionen deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache … sowie Opernhäuser wie Mannheim, Dessau, Zürich, und internationale Ballettensembles.
In meiner Direktionszeit konnte ich die Zusammenarbeit mit den direkt produzierenden Häusern stark intensivieren und auf die Vermittlung von Produktionen über Agenturen mehrheitlich verzichten. Dies gab mir die Möglichkeit, die Akteure direkt zum Gespräch zu bitten und in Einführungsgesprächen die Häuser und Projekte nahe ans Publikum heranzuführen. Jährliche Begegnungen banden sowohl das Publikum wie auch die Häuser aktiv ans Haus, nach dem Prinzip, dass sich im Theater Winterthur Gäste auf Gäste trafen. Sehen Sie dazu die >>> pdf-Listen nach Datum, Häusern und nach Titeln sowie die Pressetexte … und zur “Erinnerung” das Deckblatt und die Begrüssungen der >>> 10 Spielzeithefte. Diese Informationen werden hier aufgeschaltet, weil sich die neue Direktion mehr für die jetzige Aktualität, Ausrichtung und Zukunft kümmert und das Internet-Archiv des Theaters aufgelöst hat. Einzelne Saisonprogramme für besondere Archive können noch bei mir nachbestellt werden.
Es war eine wichtige Zeit für mich und für viele Zuschauerinnen und Zuschauer, die mit den Jahren eine grosse Treue zum Haus und zur Programmierung pflegen konnten. Eigene Projekte konnte ich nur sehr vereinzelt realisieren in den Jahren und nur mit eigenen Trägerschaften, so >>> Ein Hort, dahin ich immer fliehen möge, >>> Bach 1720, >>> L’Italiana in Algeri, >>> Don Pasquale, >>> Le nozze di Figaro, >>> FEALAN, >>> TemPest und Begegnungen, Besprechungen und Festivals wie die >>> Orientwoche oder die Themenwoche mit Theaterproduktionen mit behinderten Menschen „miteinander und selbstverständlich“ sowie Informations-, Diskussions- und Tagesprogramme sowie Lesungen zu aktuellen Themen und Autor/innen.
In diesen Jahren war meine eigene Inszenierungsarbeit weitgehend ein Inszenieren der Programme, eine künstlerische Dienstleistung an und für andere Theatermacher/innen und Häuser. Und für das Publikum.
Nach 10 Jahren habe ich um meine Entlassung gebeten, um in meiner letzten Form des Protestes, meine Haltung gegenüber der Ausrichtung und Entwicklung des Hauses zu dokumentieren … und vermehrt wieder eigenen Projekten nachgehen zu können – auch wenn ich gerne die bereits skizzierten letzten drei Spielzeiten (bis zu meiner ordentlichen Pensionierung) noch verantwortet hätte.
Die vielfältigen Verdankungen von sehr unterschiedlichsten privaten und offiziellen Personen und Stellen haben mich sehr gefreut. Mir ist in dieser Zeit auch ein Haus mit seinem Personal und all seinen Möglichkeiten ans Herz gewachsen. An der öffentlichen Abschlussfeier Mitte Juni 2010 konnte ich mich so bei der Stadt Winterthur für die wunderbare Arbeitschance bedanken, stellvertretend bei beiden Stadtpräsidenten meiner Zeit Dr. Martin Haas und Ernst Wohlwend, beim Theaterverein, beim Runden Tisch Theater in Winterthur, bei “Freunden des Theaters” sowie bei den Kindern des zuletzt neugegründeten Jugendensembles.
Ausserdem bedanke ich mich herzlich und auch direkt beim Publikum für das Interesse und für die vielen positiven, jedenfalls bereichernden Begegnungen.
Gian Gianotti, Juni 2010
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Pressemeldung der Stadt Winterthur, 7. Dezember 2009
Pensionierung Künstlerischer Leiter Theater Winterthur
Der künstlerische Leiter des Theaters Winterthur, Gian Gianotti, lässt sich auf Ende der Saison 2009/2010 frühzeitig pensionieren. Die Stelle wird im Dezember zur Neubesetzung ausgeschrieben.
Der künstlerische Leiter des Theaters Winterthur, Gian Gianotti verlässt das Theater auf Ende der Spielzeit 2009/10 um sich vorzeitig pensionieren zu lassen. Nach jahrelangem, grossem Engagement möchte sich Gian Gianotti wieder mit mehr Zeit der eigenen künstlerischen Arbeit als Regisseur widmen. Der Stadtrat bedauert, mit Gian Gianotti einen versierten und weit vernetzten Theatermann zu verlieren, hat aber Verständnis für seinen Entscheid.
Gian Gianotti wird die laufende Saison am Theater wie geplant weiterführen und begleiten. Darüber hinaus wird Gian Gianotti auch als Regisseur der bereits publizierten Produktion «TemPest» in Winterthur zu erleben sein. Das Theater Winterthur wird die Nachfolge noch im Dezember ausschreiben, die Stelle soll im Herbst 2010 neu besetzt werden.
Der Stadtrat und die Mitarbeitenden des Theater Winterthur danken Gian Gianotti für seine Hingabe und sein unermüdliches Engagement für das Theaterleben in Winterthur und wünschen ihm bei seinem künstlerischen Schaffen viel Glück und Erfolg.
Gian Gianotti, 1949 im Bergell geboren und aufgewachsen, wandte sich nach dem Studium der Germanistik und Psychologie an der Universität Zürich schon recht bald dem Theaterberuf zu. Er machte erste Erfahrungen in Berlin, Mailand, Paris und am Opernhaus Zürich. Ab 1974 trat Gian Gianotti mit Inszenierungen in Schauspiel-, Oper- und Musiktheater im In- und Ausland in Erscheinung.
1999 wählte der Stadtrat Gian Gianotti zum künstlerischen Leiter des Theaters Winterthur. Das damalige «Theater am Stadtgarten» war ein klassisches Gastspielhaus, in dem vor allem Agenturproduktionen gezeigt wurden. Gian Gianotti entwickelte ein neues Konzept für das Theater als «Haus der Gäste» und ergänzte das bisherige Programm um hochkarätige Produktionen der führenden Bühnen Europas. Er zeigte dem Publikum in Winterthur Vorstellungen des Burgtheaters Wien – «Der Weibsteufel» mit Birgit Minichmayr in der Regie von Martin Kušej vom vergangenen März dürfte noch in bester Erinnerung sein -, des Deutschen Theaters Berlin, des Staatstheaters Stuttgart, des Thalia Theaters Hamburg, des Schauspielhauses Hamburg und vielen anderen mehr. Auch die Zusammenarbeit mit dem Opernhaus Zürich und internationalen Opernbühnen aus ganz Europa hat Gianotti intensiv gefördert. Diese Pflege einer neuen internationalen Theaterqualität in allen Sparten brachte Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz und auch aus dem süddeutschen Raum ins Theater Winterthur.
Das Theater Winterthur hat sich unter der künstlerischen Leitung von Gian Gianotti den Ruf eines erstklassigen Gastspielhauses verschafft. Regelmässig konnte man am Theater Winterthur auch Gianottis Regiearbeiten verfolgen – die Opern «Le nozze di Figaro» (Mozart) und «Don Pasquale» (Donizetti), beide realisiert mit der bulgarischen Staatsoper Rousse, aber auch das Kinderoper-Projekt «Fealan», das soeben in Köln mit dem internationalen «junge ohren preis» ausgezeichnet worden ist, sind als jüngste Beispiele zu nennen.
Kultur in Winterthur
07.12.2009, Birgitta Borghoff
Quelle: www.kultur.winterthur.ch
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Zur Geschichte des Theaters Winterthur, ab 2000
Unter der Direktion von Gian Gianotti (2000 – 2010) vermehrte Zusammenarbeit mit direkt produzierenden Häusern, weitgehender Umstieg vom Tournee- hin zum Gastspieltheater als Haus der Gäste. Reduktion des Angebots Kleinkunst, um das 2001 neueröffnete Casinotheater nicht zu konkurrieren, ansonsten Beibehaltung der Sparten- und Sprachenvielfalt, Aufbau der Schiene für die Jugend und der Lesungen am Nachmittag. Ausbau der Vermittlungsarbeit mit Einführungs- und Publikumsgesprächen. Jährliche Realisierung, resp. Einladung eines eigenen Projektes bis hin zu FEALAN mit über 900 Winterthurer Schulkindern im Mai 2009. Begegnungen, Themenwochen und Festivals. Stadtkulturpolitisch wurde im Herbst 2000 der Runde Tisch zum Theater gegründet und die stehende Kunst am Bau neu zur jährlich wechselnden Installation definiert.
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Gäste im Haus der Gäste
pdf der Veranstaltungen im Theater Winterthur, von September 2000 bis Mai 2010:
>>> Veranstaltungen Sept. 2000 bis Mai 2010 ohne Vermietungen– pdf, 40 Seiten
>>> Nach Theater
>>> Nach Sparte
>>> Nach Autoren
>>> Nach Agenturen
Pressetexte
>>> Ankündigung und ein Gespräch, Der Landbote, Karin Landolt, Herbert Büttiker 14.1.00
>>> POTENTIAL NOCH NICHT AUSGESCHÖPFT Der Landbote, Karin Landolt 13.12.01
>>> Eine Vorzeigebühne internationaler Vielfalt, NZZ-Online, Daniele Muscionico 10.5.2005
>>> Intendant Gian Gianotti will dem Theater Winterthur Tiefgang verpassen NZZ-Online, Daniele Muscionico 21.11.2006
und zu meiner Kündigung, eine erste Reaktion von Stefan Busz
>>> Die “Räuber” rockten das Theater Winterthur, vom Thalia Der Landbote, Stefan Busz 11.12.09
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Sehen Sie dazu die Jahresprogramme
>>> 10 Jahresprogramme mit ihren Begrüssungen, stellvertretend für die 10 Spielzeiten, die ich zusammenstellen durfte
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Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen allen: Gäste, Beteiligte und Mitarbeitende.
Sie erst haben unser Theater Winterthur zum KULTUR-HAUS DER GÄSTE gemacht.
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Gian Gianotti, Herbst 2010
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