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Lehenhof - Vom Armenhaus zum modernen
BIO-Landwirtschaftsbetrieb
Nahe an der Aare, im Rothrister Dorfteil Dietiwart, wurde 1829 im Gemeinwerk der Spittel gebaut. Der Spittel war damals das Armenhaus von Rothrist. 1837 beherbergte es 75 Insassen. Es bestand aus einem grossen Wohnhaus, einem Kuhstall und einem Geräteschopf.
Nach der Auswanderung 1856 wurde der Betrieb des Armenhauses eingestellt und als Bauernbetrieb verpachtet. Im Oktober 1925 brannte der Spittel bis auf den Schopf, welcher weiter weg stand, vollständig nieder. Erst 1928 beschloss die Ortsbürgergemeinde Rothrist das Gebäude wieder aufzubauen. Das Wohnhaus wurde nur halb so gross errichtet, dafür hatte der Kuhstall für doppelt so viele Tiere Platz. Danach suchte die Ortsbürgergemeinde einen neuen Pächter. Unter den 68 Interessierten war auch mein Urgrossvater Gustav Braun. Er und seine Frau Emma wurden auserwählt den Betrieb Lehenhof in Pacht zu übernehmen. Am 15. März 1929 unterschrieben sie den Pachtvertrag. Die Grösse des Hofes war 10 ha. Gustav hatte 10 Milchkühe, 10 Stück Jungvieh, 1 Pferd, 1 Ochsen und viele Kleintiere. Da sie damals noch ohne Maschinen arbeiteten, wurden Pferde und Kühe oder Ochsen vor die Arbeitsgeräte gespannt. Bei grösseren Arbeiten wurden die Pferde von den Nachbarsbauern ausgeliehen. Gustav pflanzte Kartoffeln, Getreide und Gras.
Als die Industriealisierung begann, wurde fruchtbares Ackerland vom Ortsbürgerhof Lehenhof billig an Industrielle verkauft und somit überbaut. Einige nennenswerte Fabriken sind E. Flückiger (1933), Stahlrohrfabrik (1948), Rivella(1954), Chemische Fabrik Schärer& Schläpfer (1947), Silfa AG (1961).
Langsam kam auch die Modernisierung in der Landwirtschaft auf, doch Gustav war das Arbeiten mit den Tieren gewohnt. Erst als mein Grossvater zusammen mit seiner Frau Elisabeth 1963 den Betrieb übernahm, kam der erste Motormäher und Traktor auf den Lehenhof. Hans hatte 15 Kühe, 7 Stück Jungvieh, 2 Pferde und viele Kleintiere. Noch viel arbeitete er mit den Pferden, aber immer mehr kam der Traktor zum Einsatz, da es schneller und einfacher ging.
Als meine Eltern Hans jun. und Sandra 1995 den Betrieb pachteten, wurde vieles verändert. Für eine Familie wäre der Betrieb zu klein gewesen und im alten Stall stimmten die Tierschutzbedingungen nicht mehr. Man entschloss sich für einen Neubau des Kuhstalls im Baurecht. Der neue tierschutzgerechte Laufstall bietet für 33 Kühe Platz. Die Tiere haben die Möglichkeit sich im Winter täglich ins Freie begeben zu können. Im Sommer sind die Tiere Tag und Nacht auf der Weide. In der alten Scheune wurde eine Greiferanlage installiert. Mit diesem Kran kann man die Rundballen einfach an ihrem Platz versorgen. Die 40 Stück Jungvieh werden auf einem fremden Betrieb im Berggebiet aufgezogen. Neben den Kühen halten wir einen Zuchthengst und 2 Zuchtstuten, dazu mehrere Kleintiere (Kaninchen, Ziegen, Schafe und Geflügel).
Wegen dem Neubau des Kraftwerkes Ruppoldingen und dem Neubau der Bahnstrecke Rothrist - Mattstetten fand in der Umgebung des Lehenhofes eine Teilgüterregulierung statt. Dem Lehenhof wurden sämtliche Flächen der Grundwasser- Schutzzonen zugeteilt. Deshalb wurde 1997 auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. So wurden auch die ökologischen Massnahmen stark aufgewertet. Es wurden Hecken gepflanzt, Buntbrachen und Blumenwiesen angesät. Dadurch konnte die Artenvielfalt von Insekten und Vögeln stark ausgedehnt werden. Neben den 8 ha Ökoflächen werden vor allem Kunstwiesen angesät.
Mit diesen Massnahmen konnten wir den Betrieb modernisieren, die Existenz sichern und zudem die Lebensgrundlage verbessern. Zudem erweitertenvwir im Herbst 2006 den Laufstall auf 52 Plätze.
Wohnhaus Alter Kuhstall Laufstall