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Autor: URS HAENNI
Es war die letzte Intervention unter dem Traktandum «Diverses», als ein Aktionär der Genossenschaft «Laiterie de Gruyères» sich an einen Vertreter des Aktionärs Emmi richten wollte, um zu fragen, warum in Gottes Namen Emmi nun in den USA Greyerzer Käse produzieren wolle.
Philippe Bardet, Präsident der Genossenschaft und Direktor der Sortenorganisation «Gruyère AOC», sagte, Emmi habe sich für die gestrige Versammlung in Pringy entschuldigen lassen, sei aber auch die letzten Jahre nicht oft an die Versammlung gekommen. Dafür ging Bardet gleich selber auf den geplanten Bau einer Emmi-Käserei in Wisconsin (FN vom Samstag) ein: «Emmi kann den Namen Gruyère in den USA legal benutzen, aber alles andere, was die Firma gegenüber dem geschützten Namen Gruyère macht, ist falsch.» Er meinte gegenüber den anwesenden Aktionären und Gruyère-Produzenten, jeder Schritt sei willkommen, um gegen den kurzfristigen Profit und für den langfristigen Nutzen zu kämpfen: «Wenn wir unser Vorgehen koordinieren könnten, so wäre das gut.»
Vorstoss im Parlament
Die von Bardet befürchtete «Verwässerung» der Marke «Gruyère AOC» beschäftigt bereits die Freiburger Politik. In einer Anfrage an den Staatsrat teilt Grossrat Josef Fasel (CVP, Alterswil) die Bedenken.
In seinem Vorstoss bittet Fasel den Staatsrat, «dass dieser sich der Sache annimmt, im Produktionsperimeter der Westschweizer Kantone nach Verbündeten sucht und mit diesen zusammen das Vorhaben bekämpft.» Fasel schreibt, er erwarte vom Staatsrat, dass dieser sofort aktiv werde, da als Folge einer Untergrabung der Marke «Gruyère» Landwirtschaftsbetriebe, die nachgelagerte Verarbeitung und der Handel bedroht seien.
Die an der Versammlung anwesende Grossratspräsidentin Gabrielle Bourguet (CVP, Granges) ging nicht direkt auf den US-Gruyère der Emmi ein, sie berichtete aber, wie positiv der Gruyère am letzten Landwirtschafts-Salon in Paris aufgenommen wurde. «Für die Leute in Paris ist der Gruyère AOC ein Luxusprodukt», so die höchste Freiburgerin.
Das Qualitätsdenken beim Gruyère AOC macht ihn im Ausland zum «Luxusprodukt».Bild Vincent Murith/a
Bilanz: Ein gutes Jahr für den Gruyère und seine Schaukäserei
Die Schweizer Landwirtschaft hat 2011 ein Rekordvolumen von knapp 3,5 Millionen Tonnen Milch produziert. Dies hatte aber einen negativen Effekt auf den Milchpreis, welcher oft unter 60 Rappen pro Liter lag. Positiver präsentierte sich die Lage für den Gruyère AOC, wie Cédric Pharisa im Jahresbericht der Genossenschaft «Laiterie de Gruyères» schrieb. Die für den Greyerzer Käse verwertete Milch erzielte einen Preis von meist über 80 Rappen. Präsident Philippe Bardet ergänzte, dass der Gruyère AOC trotz Frankenstärke einen Rekordumsatz in Ländern der EU generierte. Zurück ging jedoch der Absatz auf dem amerikanischen Markt und in der Schweiz. Daran seien nicht Herr und Frau Schweizer Schuld, sondern Betriebe, die Gruyère weiterverarbeiten. Der importierte Käse stelle in der Schweiz eine immer grössere Konkurrenz dar.
Mehr Besucher in Pringy
Um 0,5 Prozent auf 5859 Tonnen zurückgegangen ist die Käse-Produktion im «Haus des Gruyère» in Pringy. Die 34 Milchproduzenten lieferten je nach Monat unterschiedliche Milchmengen. «Das Ungleichgewicht der monatlichen Lieferungen ist beunruhigend bezüglich der Kapazität der Installationen», meint Cédric Pharisa.
Dafür verzeichnete die Schaukäserei eine Steigerung auf 652000 Besucher. 141000 von ihnen besuchten dabei die Ausstellung der Schaukäserei. Dies macht das «Haus des Gruyère» zu einem der meistbesuchten Touristenziele in der Westschweiz. uh