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Seit Lily am Vortag ein Stück eines Kauknochens verschluckt hat, geht es dem Hund nicht mehr gut - sie speichelt vermehrt, würgt und macht einen deprimierten Eindruck.
Der klinische Untersuch verläuft ansonsten unauffällig, allerdings besteht aufgrund des Vorberichts und der Symptome der dringende Verdacht, dass das geschluckte Material in der Speiseröhre stecken geblieben ist.
Ein Bruströntgen bestätigt das Vorhandensein eines sehr grossen Fremdkörpers in der Speiseröhre unmittelbar vor dem Übergang in den Magen. Das Herz erscheint dadurch gegen das Brustbein gedrängt und der Magen enthält durch das ständige Würgen etwas Luft.
Lily wird narkotisiert und zum Schutz der Atemwege intubiert (dh mit einem Luftröhrenschlauch versehen). Eine flexible Kamera (Endoskop) wird in die Speiseröhre vorgeschoben - nun ist das weissliche, zähe Material, welches die Speiseröhre blockiert, ersichtlich. Eine gute Viertelstunde wird versucht, den Fremdkörper zu packen - immer wieder reisst die Zange nur oberflächliches, schleimiges Material aus dem Kauknochen. Zuletzt kann das Corpus delicti aber langsam bis zum Schlund gezogen werden - weil aber für die Extraktion aus der Speiseröhre zuwenig Platz im Rachen des Hundes vorhanden ist, muss der Luftröhrenschlauch temporär entfernt werden. Nach der Entfernung wird die Speiseröhre nochmals untersucht: Sie ist im unteren Bereich stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
Schlussendlich wird noch der Magen untersucht - hier werden überraschenderweise zwei weitere Objekte gefunden, welche aber ganz anders aussehen als der Speiseröhrenfremdkörper. Das eine Objekt lässt sich recht einfach entfernen, beim zweiten muss aber nach längerer Zeit kapituliert werden. Mit Rücksicht auf die nun schon sehr lange Narkosedauer und die geschundene Speiseröhre werden die Versuche abgebrochen und Lily erwacht aus der Narkose.
Zum Schutz vor einer möglichen Lungenentzündung (allenfalls könnte bei der Fremdkörperentfernung Flüssigkeit in die Lunge gelangt sein) erhält der Hund ein Antibiotikum sowie Medikamente, welche die Speiseröhrenoberfläche schützen. Dem Hund geht es in der Folge schnell besser.
Eine Woche später wird die Lunge nochmals geröntgt - es sind glücklicherweise keine Hinweise auf eine Lungenentzündung zu sehen. Hingegen berichten die Besitzer, dass der Hund weiterhin (wie offenbar schon seit längerer Zeit) alle paar Tage erbricht - der Verdacht, dass sich im Magen ein weiterer, älterer Fremdkörper befinden könnte, bleibt so bestehen.
Sollte sich das Erbrechen nicht komplett legen, wird empfohlen, unter Narkose eine erneute Magenspiegelung durchzuführen und einen allfälligen verbleibenden Magenfremdkörper zu entfernen - gleichzeitig könnte der Heilungsverlauf der Speiseröhre dokumentiert werden.