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Die Eidgenössische Militärpferdeanstalt (EMPFA) stellte die Pferde für die Armee bereit und bildete die Remonten zu Zug- und Reitpferden aus. 33 Jahre war Pierre-Eric Jaquerod ein Teil der EMPFA und für die «PferdeWoche» erinnert er sich an die Zeit, als die Offiziere zum Reiten noch ihre Militäruniform trugen.
Im Nationalen Pferdezentrum NPZ in Bern – ehemals EMPFA – werden auch heute die Jungpferde noch als Handpferd neben einem Routinier ausgebildet.
1963 trat ich in die EMPFA ein, «eine gute Gelegenheit, richtig reiten zu lernen», meinte mein Vater. Als einer der jungen Reitlehrer Bern verliess, übernahm ich seine Stelle und arbeitete zusammen mit Paul Weier. Als 40-Jähriger wurde ich Chefreitlehrer und mir waren 15 Adjutanten, 120 Bereiter, 30 Fahrer und rund 30 Fahrgehilfen unterstellt. Die EMPFA war sehr straff organisiert und die Bereiterklassen zuständig für die Ausbildung der Remonten. Pro Mann wurden sechs bis sieben Pferde zugeteilt und drei Klassen bildeten einen Remontenkurs mit einem vorstehenden Offizier. Die Hierarchie war genau vorgeschrieben, ein Chefreitlehrer musste mindestens den Rang des Hauptmanns innehaben. Bei 120 Bereitern musste eine Struktur gelebt werden und die Strenge war sprichwörtlich.
Ganz klare Reitbahnregeln
In den 50er Jahren liess diese Strenge jedoch nach. Vieles wurde abgeschafft, auch das «Herr» Leutnant, für die damalige Zeit schon eine enorme Lockerung. Die dreijährigen Pferde kamen hierher, wurden ausgebildet und mit fünf Jahren galt ein Pferd als diensttauglich. Pro Jahr wurden an die 600 Jungpferde ausgebildet. Täglich wurden sie ein bis zwei Stunden geritten und damals noch in Ständen gehalten. In den Lektionen wurde als Gruppe hintereinander geritten, Hufschlagfiguren auf Befehl, ansonsten verteilt auf zwei Volten. Handwechsel und Gangarten wurden bekannt gegeben und die Bereiter konnten einzelne Elemente wie Schenkelweichen ausführen. Es war die Norm, dass 40 Bereiter gleichzeitig in der 22 mal 80 Meter grossen Halle ritten, also 20 pro Volte. Heute eine schier unvorstellbare Tatsache.
Remontenausbildung
Ganz früher wurden die Pferde im Stand gesattelt, in der Bahn sass ein Reiter auf und los ging die Post. Müssig zu erwähnen, dass es einige unschöne Bilder gab in dieser Zeit. So wurde auch mal, wenn Besuch da war, extra stark gegurtet, damit das Pferd buckelte und das Ganze noch imposanter aussah. Ein Umdenken setzte jedoch ein und die Remonten wurden sorgsam an ihre Aufgabe herangeführt, lernten als Handpferd neben einem erfahrenen Reitpferd. Ich habe nie einen Unfall erlebt mit einem Jungpferd. Und die ganze Ausbildung sollte ja auch darauf ausgerichtet sein, dass der Soldat unfallfrei aufs Schlachtfeld kommt.
Pierre-Eric Jaquerod.
Futter für mehr als 1000 Pferde
Wir waren Selbstversorger in der EMPFA mit eigenen Hufschmieden, Gärtnern, Malern, Sattlern und Wagnern. Lediglich Pferdefutter und Stroh wurden auswärts bezogen. Die Armee hatte enorm grosse Lager und die 1200 bis 1500 Pferde hier drinnen halfen diese «umzusetzen». 1963 wurden die Pferde in der Kuranstalt noch ohne Narkoseapparate operiert und als Sedierung gelangte «Curare», ein Pflanzengift-extrakt, zum Einsatz.
Ein Unikum auf Hufen
Es gab viele bemerkenswerte Pferde in der EMPFA. Ein richtiger Allrounder war Böbu, ein Irländer-Wallach, der für wirklich alles eingesetzt werden konnte und jahrelang treue Dienste leistete. Anstatt ausrangiert zu werden, genoss der alte Böbu ein Jahr lang Narrenfreiheit. Seine Boxentüre wurde abgehängt und er durfte auf dem ganzen Gelände frei herumlaufen. Regelmässig machte er seine Inspektionsrunden in der Reitbahn und jeder in der EMPFA kannte ihn, er war hier zu Hause.
Pierre-Eric Jaquerod wirkte ab 1963 an der Eidgenössischen Militärpferde-anstalt (EMPFA) in Bern als Bereiteroffizier, Reitlehrer, Chefreitlehrer und ab 1975 als Betriebsleiter.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 19/2016)
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