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In der Schweiz leben etwa 1,5 Millionen Katzen, und die Stimmen werden immer lauter, dass unsere geliebten Stubentiger die Artenvielfalt gefährden.
In den letzten Jahren wurden die Berichte immer häufiger, dass unsere Katzen die Artenvielfalt gefährden. So gilt in der Siedlung Fröschmatt in Bern ein Ausgangsverbot für Katzen, denn der naturnahe Innenhof sei den Tieren vorbehalten, die normalerweise auf der Speisekarte der Stubentiger stehen: Eidechsen, Blindschleichen, Schmetterlinge, Vögel und Mäuse. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass im Durchschnitt eine Katze zwischen 7 und 80 Beutetiere erlegt. Streunerkatzen erbeuten in der Regel mehr als gefütterte Hauskatzen.
Der Mensch hat im 12. Jahrhundert die Katzenhaltung eingeführt, vor allem zur Bekämpfung von Ratten und Hausmäusen, die mit dem Ausbau der Handelswege im Mittelalter eingeschleppt wurden. Erst im 18. und 19. Jahrhundert erhielten die Katzen den Status eines Haustieres. Heute leben im Mittelland durchschnittlich 50 bis 60 Katzen pro Quadratkilometer, in der Agglomeration Zürich gemäss Hochrechnungen 430. Katzen sind also viel zahlreicher als alle anderen Beutegreifer zusammen. Weil Katzen, wie alle anderen Beutegreifer, einen hohen Aufwand zur Jagd vermeiden, erbeuten sie vor allem Tiere wie Mäuse und unter den Vögeln, gemäss Birdlife Schweiz, vorwiegend Arten wie Amseln, Rotkehlchen, Meisen, Finken und Sperlinge. Nur selten werden gefährdete Vogelarten erbeutet. Stark betroffen können Frösche, Molche, Eidechsen und Blindschleichen sein, da diese bei kühlem Wetter leicht zu fangen sind. Auch können Katzen die Bestände von Spitzmäusen recht stark dezimieren.
Die Lebensraumqualität hat auf Tierpopulationen aber einen viel stärkeren Einfluss als Katzen und andere Beutegreifer. Das heisst, wenn ein Bestand durch verschiedene Faktoren bereits geschwächt ist, können Katzen zum Erlöschen einer Population in einem Gebiet beitragen. In Gebieten mit einer sehr hohen Katzendichte und gleichzeitig einer schlechten Lebensraumqualität ist es für viele Vogelarten, aber auch für Reptilien inzwischen schwierig bis unmöglich, zu leben und sich fortzupflanzen.
Es ist also nicht die Katze, die die Artenvielfalt gefährden kann, sondern der Mensch, der die Verantwortung für die Miezekatzen trägt, denn durch gezielte Massnahmen, wie beispielsweise eine Kastrationspflicht, könnte bereits viel unternommen werden, auch gegen das Katzenelend in der Schweiz. Denn gemäss Esther Geisser von der Tierschutzorganisation NetAP würde damit Hunderttausenden herrenlosen Katzen, welche auf Bauernhöfen, auf Fabrikarealen und in Schrebergärten vor sich hin - vegetieren mittelfristig geholfen werden. Denn eine Kastrationspflicht würde mittelfristig die Populationen von herrenlosen Katzen reduzieren, und das unnötige Töten durch Erschlagen, Ertränken, Ersticken, Erschiessen oder Einschläfern von jährlich 100 000 Katzen könnte dadurch bald der Vergangenheit angehören. Deshalb setzt sich NetAP auch für eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen ein.
Damit würde nicht nur der Artenvielfalt geholfen, sondern auch den herrenlosen Katzen mittelfristig viel Elend erspart werden.
Text Michael Knaus Fotos Virginia Knaus