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Temperaturverhältnissen Amerikas mit Europa-Asien pflegt man meist die einander gegenüberliegenden Küsten heranzuziehen und die geringere Wärme [* 2] der Ostküste Nordamerikas gegenüber der Westküste Europas, das Zurückstehen z. B. der Temperatur von St. John's um 7,3° C. gegen das um mehr als einen Breitengrad nördlicher gelegene Paris [* 3] hervorzuheben. Richtiger aber als die einander gegenüberliegenden und unter durchaus verschiedenen Einflüssen stehenden Gebiete vergleicht man die einander entsprechenden Teile der beiden Erdfesten.
Dann zeigen sich europäische Anklänge auf der West- und ostasiatische auf der Ostküste Nordamerikas. Es ergibt sich, daß auf beiden Kontinentalräumen die Wärme am geringsten im Innern derselben ist, daß sie gegen die Küsten und zwar weit rascher gegen die West- als gegen die Ostküsten zunimmt, daß ferner Nordwestamerika immer noch kühler ist als Nordwesteuropa, Nordostasien wärmer als Nordostamerika, daß endlich die Wärmeabnahme gegen N. in Nordamerika [* 4] eine bedeutend raschere ist als in Europa-Asien. In ähnlicher Weise zeigt die Westküste Südafrikas ebenso klimatische Homologien mit der Westküste Südamerikas, wie sie die entsprechenden Ostküsten zeigen. Die Ursachen dieser Erscheinung liegen in dem ungleichen Charakter der Meeresströmungen, [* 5] welche die betreffenden Küsten bespülen, in der Konfiguration der Festlandsräume, in erster Linie aber in den Einwirkungen der atmosphärischen Strömungen, welche jene Gebiete beherrschen.
Durch sämtliche Klimazonen unsers Planeten, [* 6] mit Ausschluß allein der südlichen kalten Zone, sich hindurch erstreckend, zerfällt [* 7] in eine Anzahl natürlicher klimatischer Provinzen. Von ihnen gehören vier der Nordhälfte des Kontinents an. Die Provinz des Polarklimas umfaßt Grönland, den Arktischen Archipel, Labrador, die Hudsonsbailänder und Alaska. Nach S. reicht diese Provinz bis zu der Jahresisotherme von 0°, die infolge des Einflusses, welchen das den größten Teil des Jahrs unter einer Eisdecke starrende Polarmeer, die warmen Strömungen der West-, die kalten der Ostküste ausüben, im W. unter 60° nördl. Br. verläuft, sich aber gegen O. bis unter 50° nördl. Br. herabsenkt.
Kalte Winter und kalte Sommer und demzufolge äußerst niedrige Jahrestemperaturen charakterisieren dieses Polarklima. Nur im W., in Alaska und am obern Mackenzie, macht sich der Einfluß des Kontinentalklimas geltend; die Sommer sind wärmer, und dem entsprechend reicht die polare Waldgrenze hier über den Polarkreis hinaus, während sie in den Hudsonsbailändern unter den 60. Parallelkreis hinabgeht. Nördliche Winde [* 8] herrschen fast über dem ganzen Gebiet vor.
Über die Menge und Verteilung der Niederschläge ist wenig bekannt. In dem gemäßigten Teil Nordamerikas, welcher von der Isotherme von 0° bis zu der von 20° reicht und den Hauptstamm des Kontinents umfaßt, lassen sich drei Längszonen unterscheiden. Der ersten, östlichen, gehört das Gebiet von der atlantischen Küste bis etwa 100° westl. L. v. Gr. an. Die Wärme nimmt von N. her rasch zu. An der Küste wechseln strenge kontinentale Winter mit kühlen ozeanischen Sommern, im Innern werden die Sommer heißer.
Schroffe Wechsel der Temperaturen stellen sich ein, wobei namentlich die rauhen Nordwinde (nortes) bis zum Golf von Mexiko, [* 9] ja bis Havana [* 10] und Veracruz strengen Frost und Trockenheit bringen. Die Winde treten mit deutlicher Periodizität, monsunartig auf. An der Küste wechseln winterliche Nordwest- mit sommerlichen Südwestwinden, jenseit des Mississippi Nordwest- u. Nordwinde (im Winter) mit Südostwinden (im Sommer). Die Niederschläge nehmen in den atlantischen Staaten von N. nach S. zu, sie sind am bedeutendsten am Golf von Mexiko und verringern sich von da nach N. gegen das Ohiothal langsam, schnell dagegen in westlicher Richtung vom Mississippi.
Fast das ganze Gebiet gehört der Waldregion an, nur jenseit des Mississippi beginnt mit der Verminderung der Niederschläge bald das Präriegebiet. In der zweiten Zone gewinnt der Steppencharakter gegen die Abhänge der Rocky Mountains immer mehr die Oberhand, bis sich schließlich in den Hochbecken des Westens echte Wüsten einstellen. Die Temperaturen werden immer exzessiver als im O., die Niederschläge verringern sich mehr und mehr, da die Ketten der Sierra Nevada und der Rocky Mountains der über sie gleitenden Luft die Feuchtigkeit mehr oder weniger vollständig entziehen.
Die dritte Zone umfaßt das pazifische Küstengebiet von Alaska bis gegen 30° nördl. Br. nach S. Das Klima [* 11] hat vielfache Ähnlichkeit [* 12] mit demjenigen Westeuropas. Die kühle Meeresströmung, welche der Küste Oberkaliforniens entlang verläuft, verzögert die sommerliche Wärme, so daß das Wärmemaximum erst im September eintritt. Die Niederschläge sind im N. außerordentlich bedeutend, und zwar fallen sie vorwiegend auf den Herbst. Von 40° nördl. Br. an herrschen subtropische Winterregen bei trocknen Sommern vor. Letzterer Umstand sowie die geringen Temperaturschwankungen begünstigen den kalifornischen Weinbau.
In Mexiko, dem tropischen Mittelamerika und in Westindien [* 13] folgen in vertikaler Richtung einander alle klimatischen Regionen bis zu der des ewigen Schnees. Die Regenzeiten stellen sich mit dem höchsten Sonnenstand ein, doch erhalten die östlichen Gehänge durch passatische Steigungsregen das ganze Jahr hindurch reiche Niederschläge; sie sind deshalb von oft undurchdringlichen Wäldern bedeckt, während die Westgehänge durch Abwechselung von Wald und Savannen einen parkähnlichen Charakter besitzen. In Südamerika [* 14] bilden die Andes eine scharf markierte klimatische Scheide. Im O. derselben erstreckt sich das Tropengebiet bis gegen das nördliche Argentinien.
In der Wärmeverteilung zeigen sich nur geringfügige Schwankungen. Die Regenzeiten fallen mit den Zenithalständen der Sonne [* 15] zusammen. Ausgedehnte, den passatischen Anwehungen offenliegende Gebiete erhalten aber auch außerhalb der eigentlichen Regenzeit reichliche Niederschläge. Dies gilt namentlich von dem weiten Becken des Amazonas, das dadurch zur Urwaldregion par excellence (»Hyläa«) wird. Nördlich und südlich vom Amazonasthal hemmen die Gebirge Brasiliens und Guayanas den Lauf der Passate, die deshalb als trockne Winde die Hinterlande jener Gebirge bestreichen und den Savannen- und Steppencharakter dieser Gebiete zur Folge haben.
Das südlichste Brasilien, [* 16] Argentinien und Patagonien fallen in das Gebiet der gemäßigten Zone. Der Südostpassat beherrscht diese durch heftige Luftbewegungen ausgezeichneten Landstriche, unterbrochen zeitweise nur von dem gefürchteten, stürmisch auftretenden Pampero, einem kalten Südwestwind, oder dem Sondo, einem heißen, aus den überhitzten Steppen des Innern herwehenden Nordwind. Das pazifische Litorale Südamerikas zergliedert sich in vier klimatische Provinzen. Im N. bis gegen 4° südl. Br., bis zum Golf von Guayaquil hin, nimmt es in seinem klimatischen Verhalten teil an dem Tropengebiet Mittel- und Südamerikas. Von der genannten Breite [* 17] aber gegen S. bis etwa unter 30° südl. Br. dehnt sich ein regenarmes, in der Atacama sogar fast regenloses ¶
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Wüstengebiet an den Küstenterrassen aus. Daß im Angesicht des Ozeans das Küstenland in Trockenheit verschmachtet, liegt einmal in seiner Bodenplastik, indem die Mauer der Andes eine ausgedehnte Luftzirkulation nicht gestattet, dann aber namentlich in dem Vorhandensein der die Ufer bespülenden kalten peruanischen Küstenströmung, über welcher die Seewinde erkalten, um dann über dem stark erhitzten Litorale wieder eine Temperaturerhöhung zu erleiden und so zur Regenspendung unfähig zu werden.
Nur dichte Nebel (garuas) ziehen über diese Gestadelandschaften und nähren hier und da eine spärliche Vegetation. Von 30° südl. Br. erstreckt sich dann das südchilenische Gebiet der subtropischen reichlichen Winterregen bis etwa 40° südl. Br., wo an der Küste Patagoniens bei fast das ganze Jahr hindurch herrschenden Südwest- und Westwinden eins der regenreichsten Gebiete der Erde beginnt. Undurchdringliche Wälder schmücken deshalb diese Westgestade, während sich im O. dürre und unfruchtbare Ebenen ausbreiten. Unter dem Einfluß des Niederschlagsreichtums, der Trübe und Feuchtigkeit der Luft steigen die Gletscher an der Westküste Patagoniens bereits unter 46½°, also etwa in der Breite von Genf, [* 19] bis zum Meer herab (an der Westküste von Nordamerika erst unter 60°), und die Grenze des ewigen Schnees, die an den Andes unter dem Äquator in 4820 m Höhe verläuft, fällt an der Magelhaensstraße bis auf 1100 m.
Pflanzenwelt.
In der vorstehenden klimatologischen Skizze sind bereits die verschiedenen Vegetationsformationen angedeutet, welche unter den gegebenen klimatischen Einflüssen in zur Ausbildung gelangt sind. Es geht daraus hervor, daß der Kontinent alle die Arten der Bodenbekleidung aufzuweisen hat, welche wir auf unsrer Erdoberfläche unterscheiden. Mit seinem äußersten Norden [* 20] ragt Amerika hinein in das Gebiet der Moossteppen, der Tundren; Wälder in den verschiedensten Abstufungen, von denen der nördlichen und südlichen gemäßigten Zone bis zu den tropischen Urwäldern, Steppen mannigfaltigster Art, endlich Wüsten nehmen mehr oder minder umfangreiche Teile des Kontinents ein. Mit Grisebach unterscheiden wir auf dem amerikanischen Festland einschließlich Westindiens 13 Vegetationsgebiete (vgl. dazu die »Pflanzengeographische Karte«).
Die durch die Winzigkeit der Pflanzenformen charakterisierte arktische Flora umfaßt Grönland, Labrador, die Hudsonsbailänder, den Polararchipel und den Nordwestteil des Kontinents (Schouws Reich der Moose [* 21] und Saxifrageen). Laubmoose, namentlich Flechten, [* 22] herrschen vor und setzen oft fast ausschließlich auf Hunderte von Quadratmeilen die Tundren zusammen. Unter den Gräsern walten die Cyperaceen und Caricinen vor. Von Kräutern sind Alpenmohn, blaublütiges Polemonium, Silenen, Steinbrecharten, Zwergkresse vertreten.
Von eßbaren Früchten kommen nur einige Beeren vor, und die Strauchgewächse beschränken sich auf Salicineen, Betulaceen und Koniferen. [* 23] Das nordamerikanische Waldgebiet reicht an der pazifischen Seite vom Jukon River in Alaska bis zum Columbia, [* 24] auf der atlantischen vom 58.° nördl. Br. bis zur Südspitze Floridas und von da binnenwärts bis gegen 100° westl. L. v. Gr. So reich diese Flora ist, und so zahlreiche eigentümliche Formen sie besitzt, so nähert sie sich doch in ihrem Gesamtausdruck der europäischen Flora.
Sie hat mit dieser viele einzelne Pflanzengattungen gemein, und fast alle perennierenden und holzigen Gewächse derselben kommen bei uns im Freien fort und akklimatisieren sich mit Leichtigkeit. Im Wald herrschen Eichen, Ulmen, Ahorne, Birken, Linden, Espen, von Nadelhölzern Föhren, Fichten, Tannen, Wacholder und strauchförmige Taxusarten vor. An mittelmeerische Formen erinnert Thuja, namentlich aber die Cypresse, welche in den südlichen Teilen massenhaft vergesellschaftet auftritt und die eigentümliche Vegetationsformation der »Cypressensümpfe« bildet.
Nadelwälder nehmen die nördlichern Gebiete ein, an sie schließen sich Laubwälder wie bei uns, nur mischen sich schon in hohen Breiten immergrüne Laubbäume denselben bei. So reichen baumförmige Stechpalmen bis nach Richmond, Laurineen bis nach Kanada, der Tulpenbaum und Magnolien gehen über Boston [* 25] hinaus. Robinien, Gleditschien und Walnüsse mischen sich unter die Waldbäume dieses Gebiets. Yukkas und Zwergpalmen dringen bis gegen 35° vor, selbst Bambusarten kommen noch bis an den Ohio vor.
Das niedrige Gesträuch besteht aus Rhamnaceen, Kaprifoliaceen, Kornaceen, Sambukaceen und Grossulariaceen, Reben, Spiräaceen und Rubusarten. Auch von Amygdalaceen und Pomaceen zählt man an 50 Gattungen. Unter den Kräutern herrschen die Kompositen [* 26] mehr vor als bei uns. Schlinggewächse sind wie bei uns durch Hopfen, [* 27] Epheu und Reben, dann aber auch durch die tropischen Bignonien und Smilax vertreten. In Florida kommt schon eine Baumorchidee und Cykadee vor. Die Wälder werden im S. immer üppiger und erlangen oft tropische Dichtigkeit.
Graswiesen unterbrechen namentlich im W. den in dieser Richtung allmählich durch häufigere Lichtungen in die Prärieregionen übergehenden Waldgürtel, der in den Alleghanies von Nordcarolina bei 2000 m seine Höhengrenze erreicht. Das Unterholz der amerikanischen Wälder wird von zahlreichen immergrünen Sträuchern gebildet, unter denen die Rhodoceen und Vaccinien die wichtigsten sind und sich durch Dichte und hohen Wuchs auszeichnen. Farne, [* 28] Flechten, Lebermoose, Lykopodiaceen, [* 29] Equisetaceen [* 30] und Algen [* 31] bedecken wie bei uns den Boden.
Die Kultur der Cerealien dringt weit nach N. vor. Gerste [* 32] liefert noch unter 65° nördl. Br. bei Fort Norman gute Ernten. Mais wird noch in Kanada gebaut. Aus einheimischen Reben wird durch Veredelung ein guter Wein gewonnen, während der europäische Weinstock nirgends mit Glück eingeführt ist. Wie im N. wogende Getreidefelder, so haben im S. große Kulturen von Baumwolle, [* 33] Zucker, [* 34] Tabak, [* 35] Reis den Wald weithin zurückgedrängt.
Das Prärien- und Wüstengebiet reicht von 100° westl. L. bis zu der kalifornischen Sierra Nevada und vom 50. Parallelkreis bis gegen den Wendekreis des Krebses. Im NO. stellen die Prärien grasreiche Steppen dar, auf denen der Baumwuchs auf die Flußufer beschränkt ist. Im S. prangen Agaven und Liliaceenbäume (Yukka), und die Kaktuspflanzen entfalten den höchsten Reichtum ihrer Bildung. Die seltenen Sträucher und Bäume an den Fluß- und Bachufern sind meist vom Waldgebiet aus eingewandert.
Charakteristisch sind noch Mimosengesträuche (Prosopis), welche für sich allein die Formation der Mezquite, mit andern Dornsträuchern vermischt die der Chaparals bilden. Im W. und NW. breiten sich unwirtliche Salzwüsten aus, deren Boden fast völlig nackt ist oder eine Vegetation zeigt, welche fast nur aus zerstreut wachsenden Gänsefuß- und geselligen Beifußgewächsen besteht. Hier und dort unterbrechen aber auch Oasen (z. B. die der Mormonen von Utah) diese Öde. Das kalifornische ¶