Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03531.jsonl.gz/2137

Filmkritik: Der unanständigste Weihnachtsfilm aller Zeiten
Willie (Billy Bob Thornton) und Marcus (Tony Cox) haben den Dreh raus. Immer zur Adventszeit lassen sie sich für einen Hungerlohn von einem Einkaufszentrum als Samichlaus und Kobold anstellen, um die Wünsche der Kinder entgegenzunehmen. Die Maskerade vertuscht aber nur ihre eigentliche Absicht: den prallvollen Tresor in der Nacht vor Weihnachten zu plündern.
Mehrere Jahre drehen sie ihr Ding, ohne überführt zu werden und haben finanziell jeweils ausgesorgt bis zum nächsten Advent. Willies Alkoholproblem, die frappante Inkompetenz im Umgang mit Kindern und seine extensiv ausgelebte sexuelle Vorliebe für Damen in Übergrössen drohen das diesjährige Projekt in einer Mall in Phoenix scheitern zu lassen. Der Ladendetektiv (Bernie Mac) wird misstrauisch.
Ausserdem freundet sich ein geistig unterentwickelter Knabe mit dem depressiven Willie an, in der falschen Annahme es handelt sich um den richtigen Samichlaus, dem die Haare ausfielen, weil er sich beim Beischlaf mit der Schwester von Samichlaus' Ehefrau eine ansteckende Krankheit geholt hat. Es ist der Beginn einer Freundschaft, die sogar in Willie weihnachtliche Gefühle aufkommen lässt.
Der Trailer in den Schweizer Kinos, welcher nicht der genau gleiche ist, den man sich auf dieser Seite angucken kann, verkündet es in grossen Buchstaben: Von den Machern von Fargo, The Big Lebowski und Intolerable Cruelty. Ganz so als hätten die Coen-Brüder, die damit gemeint sind, nicht schon vor 1996 gute, wenn nicht bessere Filme gedreht. Bei Bad Santa ist dies nur die halbe Wahrheit. Joel und Ethan Coen sind zwar ausführende Produzenten und haben so sicherlich auch das Drehbuch durchgelesen, aber die grosse Ankündigung in der Vorschau ist nur ein billiger Trick, um die Leute in einen Film zu locken, der so alt ist, dass er sogar schon von Eminem in seinem neusten Videoclip "Just lose it" veräppelt wird. Richtig, das ist der mit Michael Jacksons Nase.
Die einjährige Verspätung bei der Kinoauswertung hat wohl auch mit der Thematik des Streifens zu tun. Weihnachtsfilme laufen naturgemäss nicht im Frühling und haben seit Charles Dickens' "Christmas Carol" auch schematische Ähnlichkeit: Heiliger Abend in einer Bar. Eine einsame Seele ist noch depressiver als zur restlichen Zeit des Jahres. Doch dann kommt ein guter Geist und bringt Frohgemut ins Leben. Bad Santa ist da keine Ausnahme - und trotzdem irgendwie anders. Womit der Beizug der Coens in der Werbekampagne doch wieder nicht wo weit hergeholt wäre. Sie biegen in ihren Filmen normalerweise die Genrekonventionen bis man von "schrägem" Humor sprechen kann.
Und den gibt es auch beim Film von Terry Zwigoff (Ghost World) des öfteren. Angefangen von der Grundidee, den Rummel um Santa mit einem Alkoholiker und einem Kleinwüchsigen irre zu leiten, über die sexuelle Faszination an Männern im Santa Kostüm (Monica aus Friends "leidet" auch darunter) bis zu den Interaktionen des gutgläubigen Jungen und "Santa" Willie, welche zu den Höhepunkten des Films gehören. Das Frage- und Antwortspiel zwischen Brett Kelly und Thornton kann zur Belustigung bestens zu Hause nachgespielt werden. Billy Bob Thornton soll übrigens gemäss eigenen Aussagen wirklich besoffen am Set erschienen sein. Bernie Mac bei der Pedicure ist ein garantierter Lacher. Und Tony Coxs Bild sollte nach diesem Film im Dix unter "Giftzwerg" erscheinen. Nur Lauren Graham bekommt vom Drehbuch wenig mehr zu tun, als einen Santa-Fetisch auszuleben. Aber auch der hastig zusammen geschusterte Schluss und eine Szene mit einem Inder ist etwas holperig geraten. Da merkt man dann doch wieder, dass es kein 100% authentisches Coen-Weihnachtsgeschenk ist.
Nichtsdestotrotz unterhält Bad Santa nicht nur Weihnachtsmuffel hervorragend und sollte denen, die derbe Spässe mögen, munden wie Weihnachtsguetzli aus dem Beate Uhse-Shop.
Ist wohl so ähnlich wie mit Fear and Loathing...; Bad Santa findet man einfach cool weil ihn alle anderen cool finden. Ich hab keine Ahnung was an dem Streifen so toll sein soll. Bietet abgesehen von einem tollen Billy Bob Thornton nur einen gelungenen Witz (Holzgurke). Nicht mein Ding.