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Woran ich merkte, dass meine fünfte Katze von einem anderen Planeten stammt als meine restlichen vier Aliens, und warum ich Nr. 5 nie nach Mitternacht füttere.
Als Katze Nr. 5 Anfang Jahr hier ankam, sah sie mich an und sagte: «Chabchabchab.» Ich dachte erst, sie fauche mich etwas lustlos an – immerhin hatte sie als ehemalige spanische Strassenkatze bisher wohl nicht die besten Erfahrungen mit Menschen gemacht. Ich liess sie also in Ruhe. Als sie meine anderen vier Katzen ebenfalls mit «Chabchabchab» begrüsste, interpretierten die das jedoch offenbar auch als Fauchen und klatschten ihr erstmal eins an die Ohren. Nr. 5 setzte sich resigniert in eine Ecke.
Es muss ermüdend sein, dauernd missverstanden zu werden.
Auch in den folgenden Tagen sagte sie nie «Miau» oder «Mauz» oder was man halt üblicherweise von einer Katze erwarten würde. Sie klang weiterhin konsequent wie ein kaputtes Radio: «Chchhhhhhchblubbergluck, grugruchabrbrrchchhhhh.» Und so begriff ich, dass ihr nicht nur ein Auge, sondern offenbar auch der klassische Wortschatz einer Katze fehlt. Auch ihre vier Kollegen haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass Nr. 5 von einem anderen Planeten stammt als sie selbst und Fremdländisch spricht. Sie gucken sie zwar immer noch etwas angewidert an, wenn sie ins Plaudern kommt, aber zumindest watschen sie ihr nicht mehr dauernd eine.
Während dieser ersten Tage nannte ich meinen neuen kleinen Störsender «UKW». Sie hatte von ihren spanischen Rettern nämlich einen Namen bekommen, der zwar wunderhübsch, aber schon besetzt war, da ein bereits verstorbenes Haustier unserer Familie auch so geheissen hatte. Und das ging nicht. Also überlegte ich an einem neuen Namen herum, aber keiner, der mir einfiel, wollte so recht zu dieser doch ausgesprochen speziellen Katze passen.
Da erinnerte ich mich, dass ich aus irgendeinem mir völlig schleierhaften Grund schon seit ewig einen Kater haben wollte, der «Gizmo» heisst. Dieses Wesen aus dem Achtziger-Jahre-Gruselfilm «Gremlins» hat immerhin eine auffällige Gemeinsamkeit mit Nr. 5: Wenn es redet, klingt es wie ein ertrinkender Goldfisch mit Raucherhusten. Also recht ähnlich wie Nr. 5. Trotzdem konnte ich sie nicht einfach Gizmo taufen – das ist ein Jungenname, und sie ist nunmal ein Mädchen. Also passte das auch nicht.
Nach einer Woche mit namenloser Katze ging ich gedanklich neue Wege: Der erwähnte Gizmo gehört ja zur Art der Mogwai – und wenn man Nr. 5 ganz lange anschaut, dabei die Augen ein bisschen zukneift und eventuell das Licht ausmacht, kann man mit etwas gutem Willen auch optisch durchaus eine gewisse Ähnlichkeit zwischen dem Mogwai Gizmo und der Katze Nr. 5 entdecken. Ausserdem musste ich bald mit ihr zum Tierarzt, und ich konnte sie dort ja schlecht als «Nr. 5» oder «UKW» registrieren lassen. Und so taufte ich sie am zehnten Tag nach ihrer Ankunft Mogwai.
Seither räume ich immer spätestens punkt 23.58 Uhr alle Futternäpfe weg. Denn wer «Gremlins» gesehen hat, weiss, dass man Mogwais nie nach Mitternacht füttern darf, da sie sonst zu fiesen Gremlins mutieren, die Leute attackieren, ganze Städte zerlegen und auch sonst recht übel drauf sind. Obwohl ich natürlich ganz genau weiss, dass meine Mogwai eine harmlose Katze ist. Aber sicher ist sicher.
Autor: Iwon Blum, 16. Jun 2009, beobachter.ch
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