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Dürfen wir vorstellen: Tyler Toffoli, LA-Kings-Spieler und letztjähriger Sieger des Emery Edge Award (+35). Bild: keystone
Sie ist kompletter Schwachsinn: Weg mit der Plus/Minus-Statistik im Eishockey!
Im Eishockey gibt es unzählige Statistiken. Viele machen Sinn. Die Plus/Minus-Bilanz gehört aber definitiv nicht dazu und gehört abgeschafft.
Laut Wikipedia dient eine Statistik in erster Linie dazu, die Leistungen von Spielern und Mannschaften auf Basis mathematischer Fakten genauer beurteilen zu können. Als Hockey-Experte ist man da gesegnet. In Nordamerika entwickelte man schon früh etliche Statistiken, um die Leistung eines Spielers zu quantifizieren. So findet man im Nu heraus, wie viele Vorlagen zu einem Shorthander geführt haben und an welchem Wochentag ein Spieler am liebsten ins gegnerische Tor trifft. Bei Nino Niederreiter beispielsweise ist es der Donnerstag.
Nebst diesen netten Spielereien kommt in den meisten gängigen Statistiken nach Toren und Vorlagen gleich die Plus/Minus-Statistik. Diese wird in der NHL seit den frühen 60er-Jahren erhoben. Seit der Saison 1982/83 gibt es sogar eine Plus/Minus-Auszeichnung, die «Emery Edge Plus/Minus Award» heisst und derzeit von einer Biermarke gesponsert wird («Bud Light Plus/Minus Award»). Doch diese Statistik ist (zurecht) höchst umstritten.
So funktioniert die Plus/Minus-Statistik:
Ein Spieler bekommt ein Plus, wenn er auf dem Eis steht und sein Team skort (bei nummerischer Gleichheit oder Unterzahl).
Er bekommt ein Minus, wenn er auf dem Eis ist bei einem Gegentreffer (bei nummerischer Gleichheit oder Überzahl).
Die Argumente gegen eine Plus/Minus-Bilanz
- Ein guter Spieler, der mit schwächeren Mitspieler spielt, wird eine schlechte Plus/Minus-Bilanz aufweisen. Hingegen erfreut sich ein schwächerer Spieler bei guten Mitspielern über eine gute Statistik.
- Kein Zufall also, dass 70 Prozent der Spieler, welche die schlechteste Plus/Minus-Bilanz seit 1967/68 aufweisen, zu den jeweils zwei schlechtesten NHL-Teams gehörten.
- Nehmen wir zum Beispiel Alexander Owetschkin: Der Russe wurde nach der Saison 2013/14 trotz seiner 51 Tore für seine angeblich fehlende Defensivarbeit kritisiert, da er mit -35 die schlechteste Bilanz im ganzen Team aufwies. Über die ganze Spielzeit war Washington nicht überzeugend, folglich verfügten die Capitals über ein negatives Torverhältnis (-5).
Eine Saison später hatte «The Great 8» praktisch identische Skorerwerte, doch seine Bilanz lag nun als teaminterner Sechstbester bei +10. Die Capitals hatten auch ein positives Torverhältnis von +38. Es ist also schwer zu übersehen, dass die Teamleistung mit der persönlichen Plus/Minus-Bilanz korreliert.
Plus/Minus-Bilanz als Kaffeesatz lesen. bild: canucksarmy
- Eine Studie untersuchte alle Tore für und gegen die Edmonton Oilers in einem Zeitraum von fünf Jahren (2008-2013). Bei der Plus-Bilanz stimmten etwa 70 Prozent mit dem tatsächlichen Anteil der Spieler zum Torerfolg überein, während die restlichen 30 Prozent eine Belohnung für nur wenig oder gar keinen Anteil am Torerfolg bekamen.
- Der Studie zufolge wird ein Drittel der Plus-Minus-Bilanz nicht den richtigen Spielern angerechnet. Am schlimmsten trifft es dabei die Verteidiger: Dort ist die Rate der falsch verteilten Plus/Minus-Bilanz sogar bei 40 Prozent.
- Bei den Gegentoren fällt das Resultat noch schlimmer aus: Die Hälfte der Minus-Bilanz wird Spielern zugerechnet, denen man einen Fehler nachweisen kann. Die andere Hälfte aber hat entweder keinen Einfluss auf das Spiel oder hat ihre Defensivarbeit «ordnungsgemäss» verrichtet.
- Skurrilerweise kann auch eine positive Plus/Minus-Bilanz negativ ausgelegt werden, wie Boston-Verteidiger Torey Krug darlegt: «Bei einem Offensiv-Verteidiger denken die Leute ‹Ja, er ist vielleicht +5, aber alle seine Teamkollegen haben +25, also macht er offensichtlich seine Defensivaufgaben nicht›. Das stört mich einfach.»
Fazit: Die Plus/Minus-Bilanz gibt nicht viel her. So ist der beste NHL-Schweizer in dieser Statistik Dean Kukan (8 Spiele/+9), während Mark Streit den schlechtesten Wert aufweist (719 Spiele/-62). Was diese Erkenntnis einem Eishockey-Experten bringen soll, ist mehr als schleierhaft.
Die Statistik kann Geld kosten
Trotz diesen einleuchtenden Fakten haben immer noch viele NHL-Spieler eine Klausel in ihren Verträgen, welche neben Skorerpunkten auch für eine hohe Plus-Rate einen Bonus vorsieht.
Als Edmonton-Spieler Patrick O'Sullivan 2009/10 mit -35 die schlechteste Bilanz in der ganzen Liga aufwies, schenkten ihm seine Trauzeugen bei der Hochzeit eine grüne Jacke. Weil er mit -35 über ein fantastisches Golf-Handicap verfüge.
O'Sullivan konnte über den Scherz zwar lachen. Doch er hielt fest, dass die die negative Rekordmarke ihm geschadet habe: «Das war etwas, das mir bis zum Ende meiner Karriere geschmerzt hat.»
Höchste Zeit, die Scherzstatistik Plus/Minus-Bilanz auf den Mülleimer der Geschichte zu kippen.
NHL-Legenden: Der Blick ins Quartett.
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