Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03371.jsonl.gz/2633

Die Tormaschine - Bill McDougall kam 1995 aus der slowenischen Liga zum EVZ und wurde zum gefährlichsten Scorer in der Schweiz.
Grosse Schlagzeilen gab es nicht, als der EVZ im Dezember 1995 Bill McDougall als dritten Ausländer bis Saisonende verpflichtete. Der damals 29-jährige Kanadier hatte zuvor bei Olimpija Ljubljana in Slowenien und für Courmayeur in der italienischen Liga gespielt. Wer in diesen Wurst-und-Brot-Ligen spielt, soll in der höchsten Schweizer Liga für Furore sorgen? fragten sich die EVZ-Fans.
Die Schlagzeilen kamen nachher. Der kanadische Dribbelkünstler brillierte schon bei seinem ersten EVZ-Einsatz als zweifacher Torschütze und entwickelte sich zum gefährlichsten Scorer auf Schweizer Eis. In den zweieinhalb Jahren beim EVZ erzielte er in 134 Spielen nicht weniger als 191 Scorerpunkte. Damit gehört er zu den ganz wenigen Stürmern in der 50-jährigen Klubgeschichte mit durchschnittlich mehr als einem Scorerpunkt pro Spiel (1.42). Mit Tormaschine Bill McDougall gewann der EVZ 1997 den Vizemeistertitel und 1998 den bisher einzigen Meisterpokal.
Die Schlagzeilen, die er neben dem Eis produzierte, sorgten dafür, dass seine Karriere beim EVZ nicht so lange dauerte, wie es von seinem Können her leicht möglich gewesen wäre. Zweimal kam er mit dem Strassenverkehrsgesetz in Konflikt. Beim zweiten Mal wurde er zu 100 Tagen Haft verurteilt, weil er nach einem Selbstunfall zu Fuss nach Hause gegangen war und damit die Blutprobe vereitelt hatte. Nur weil die Haftstrafe in Sozialarbeit umgewandelt wurde, konnte er beim EVZ weiterspielen. Seine häufigen Restaurantbesuche trugen ihm den Übernamen „Whysky-Bill“ ein, obwohl er gar nie Whysky trank. So ging seine EVZ-Karriere mit dem Gewinn des Meistertitels zu Ende. Die Klubverantwortlichen hatten ihm schon vorher erklärt, dass sein Vertrag nicht verlängert würde.
Nach einem kurzen Gastspiel in Kloten und Lugano folgte McDougall EVZ-Meistertrainer Sean Simpson nach München und gewann mit den München Barons einen weiteren Titel. Kurz darauf blieb er wegen eines Hustenmittels, wie er erklärte, in der Dopingkontrolle hängen und wurde vom Spielbetrieb suspendiert. Die Zeit des Spitzenspielers Bill McDougall war vorbei. Was folgte, waren noch ein paar Jahre brotlose Zugaben in Chur, Ingolstadt und bei den Dundas Real McCoys, einer kanadischen Seniorenmannschaft. Nach einer torreichen und bewegten Karriere hängte der Kanadier 2008 seine Schlittschuhe aufgrund von gesundheitlichen Problemen endgültig an den Nagel.
Heute lebt der mittlerweile 51-jährige Lebenskünstler in Sidney auf Cape Breton Island, einer Insel an der Atlantikküste in der Provinz Nova Scotia. Die EVZ-Fans haben ihn trotz seinen Eskapaden als erstklassigen Stürmer und sympathischen, stets gut gelaunten Sportler in Erinnerung.