Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/28946

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Thurgauer Regierung hat vom Bund eine verstärkte Unterstützung der Feuerbrandbekämpfung an Kernobstbäumen beantragt. Unter anderem hat sie die Zulassung des Antibiotikums Streptomycin als Bakterizid im Obstbau verlangt. Von der Humanmedizin wird vor einem Antibiotikaeinsatz in der Landwirtschaft gewarnt, weil dies der Heranbildung antibiotikaresistenter Stämme Vorschub leistet.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie beurteilt er die Feuerbrandepidemie in der Ostschweiz, und welche Unterstützungsmassnahmen des Bundes gedenkt er zu treffen?</p><p>2. Wird er der von der Humanmedizin angezeigten Resistenzbildung durch den landwirtschaftlichen Antibiotikaeinsatz Rechnung tragen? Beabsichtigt er die Medizinerarbeitsgruppe "Antibiotikaresistenz" einzubeziehen?</p><p>3. Ist er bereit, alternative Präparate - wie z. B. solche auf Tonerdebasis (Mycosin u. a.) - zur Feuerbrandbekämpfung (zumindest für Testzwecke) einzusetzen?</p><p>4. Wie beurteilt er die Forderung, dass - sollte trotz aller Bedenken Streptomycin gegen den Feuerbrand eingesetzt werden - dessen restriktive Anwendung einer speziell ausgebildeten Equipe übertragen werden muss? Teilt er die Meinung, dass auf keinen Fall Antibiotika direkt an die Obstbaubetreibenden abgegeben werden dürfen?</p><p>5. Teilt er die Auffassung, dass ein Antibiotikaeinsatz bei Obstbäumen angesichts der Resistenzproblematik zu einer grossen Verunsicherung in der Bevölkerung und zu einem Imageschaden für Kernobst führen wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Beurteilung der Feuerbrandepidemie in der Ostschweiz</p><p>Seit dem ersten Auftreten des Feuerbrandes in unserem Land im Jahre 1989 waren in der Ostschweiz noch nie so grosse Herde zu verzeichnen wie dieses Jahr. Dies zeigt, dass sich die Bakterie Erwinia amylovora weiter verbreitet hat, und zwar stärker, als es die Streuung der bisher entdeckten Herde vermuten liess. Die Krankheit bleibt manchmal latent und bricht erst aus, wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind. Dieses Jahr waren die Witterungsbedingungen während der Blüte der Apfel- und Quittenbäume, in einer Phase also, in welcher die Pflanzen besonders anfällig sind, für die Vermehrung und Verbreitung der Bakterien ausserordentlich günstig.</p><p>Die zur Bekämpfung des Feuerbrandes zu treffenden Massnahmen sind in der Verordnung vom 28. April 1982 über die Bekämpfung der San-José-Schildlaus, des Feuerbrandes und der gemeingefährlichen Obstvirosen (SR 916.22) geregelt. Das Ziel dabei ist, die Krankheit wenn möglich auszurotten oder zumindest das Infektionspotenzial möglichst niedrig zu halten. Zu diesem Zweck sind in der Regel die befallenen Pflanzen zu vernichten. In einzelnen Fällen kann die Entfernung befallener Organe genügen; diese Technik ist jedoch noch nicht ausgereift.</p><p>Bisher wurde kein Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung des Feuerbrandes zugelassen. Ein Gesuch um den versuchsweisen Einsatz von Antibiotika wird von den zuständigen Behörden geprüft.</p><p>2. Gefahr der Resistenzbildung beim Einsatz von Antibiotika</p><p>Die Gefahr der Heranbildung antibiotikaresistenter Stämme bei der Bekämpfung des Feuerbrandes wäre im Rahmen des Zulassungsverfahrens sorgfältig zu prüfen. Dabei würde auf jeden Fall auch die Meinung der auf diesem Gebiet spezialisierten Humanmediziner berücksichtigt.</p><p>3. Einsatz von Mycosin</p><p>Die für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln zuständigen Behörden wurden auch beauftragt, Alternativlösungen zum Einsatz von Antibiotika zu prüfen. Das Produkt Mycosin gehört dazu.</p><p>4. Bedingungen für den allfälligen Einsatz von Antibiotika</p><p>Nach Ansicht des Bundesrates ist die Beantwortung dieser Frage verfrüht. Man sollte den Grundsatzentscheid bezüglich Einsatz von Antibiotika abwarten. Der Vorschlag wird jedoch zur Kenntnis genommen.</p><p>5. Ruf des schweizerischen Obstbaus</p><p>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass der Einsatz von Antibiotika dem Ruf des schweizerischen Obstbaus schaden kann.</p>  Antwort des Bundesrates.