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22.9.1824 Carouge (GE), 23.2.1892 Rom, kath.; Sohn des Jacques, Bäckers und Gastwirts, und der Pernette geb. Mégard. M. besuchte das kleine Seminar in Chambéry und ab 1841 das von Jesuiten geleitete Kollegium St. Michael und das Priesterseminar in Freiburg. 1847 erhielt er die Priesterweihe und wurde Vikar an der Kirche Saint Germain in Genf. Auf Kollektenreisen nach Paris und in andere franz. Diözesen, während derer er Gelder für den Bau einer neuen Kirche in Genf sammelte, kam sein ausgeprägtes rhetor. Temperament zum Zuge. 1857-64 wirkte er als Pfarrrektor der Kirche Notre-Dame. 1864 wurde er Erzpriester und Pfarrer in Genf und noch im selben Jahr Titularbischof von Hebron und Weihbischof von Bf. Etienne Marilley mit Residenz in Genf; Pius IX. erteilte ihm am 25.9.1864 in Rom die Bischofsweihe. Die Übertragung der Jurisdiktion für den Kt. Genf auf ihn durch Marilley wurde im Kulturkampf als erster Schritt zur Errichtung einer Diözese Genf unter Umgehung der staatl. Stellen angesehen. M.s entschiedenes Eintreten für die päpstl. Unfehlbarkeit auf dem 1. Vatikan. Konzil verstärkte das Misstrauen der radikalen Genfer Regierung. In seiner Ernennung zum Apostol. Vikar von Genf am 16.1.1873 sah sie einen Verstoss gegen die Bundesverfassung; sie wies ihn deshalb am 17.2.1873 aus der Schweiz aus. M. leitete seinen Sprengel vom franz. Grenzort Ferney aus. 1883 wurde er zum Bf. von Lausanne und Genf, 1890 zum Kardinal ernannt. M. besass schon früh ein ausgeprägtes Gespür für soziale und gesellschaftl. Fragen. 1884-89 präsidierte er die von ihm mitgegr. Union catholique d'études sociales et économiques, besser bekannt unter dem Namen Union de Fribourg, welche die Sozialenzyklika Leos XIII. "Rerum novarum" vorbereiten half. Auch erkannte er die Bedeutung der Presse, die er im Sinne des Ultramontanismus förderte.
Literatur
– Gatz, Bischöfe 1803, 501-504
– HS I/4, 179-183
Autorin/Autor: Victor Conzemius