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Löwe – Der gejagte König der Tiere
Soziale Grosskatze
Er springt bis zu zehn Meter weit und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde. Sein Brüllen kann man auf einer Distanz von fünf Kilometern hören. Viele Menschen verehren den Löwen zwar als König der Tiere, doch gleichzeitig verdrängen wir ihn aus seinem Lebensraum.
Über mehrere hundert Meter pirschen sich die Löwen an eine Gruppe Zebras an. Je näher sie kommen, desto vorsichtiger werden sie. Geschickt nutzen sie jede Möglichkeit zur Deckung. Wenn nur noch wenige Meter zwischen ihnen und den Zebras liegen, greifen sie gemeinsam an. Sie nutzen das Überraschungsmoment, ihre Schnellkraft und ihre Zusammenarbeit – und erlegen schliesslich ein Zebra, das aus der Gruppe ausschert.
Löwen sind die einzig wirklich sozialen Katzen. Sie leben in Rudeln von durchschnittlich vier bis sechs Weibchen und deren Jungen. Die einzelnen Tiere verbringen jedoch auch viel Zeit allein. Die Rudel werden von einem einzelnen Männchen oder einer Gruppe von bis zu sieben Männchen angeführt. Ein solcher Verband von männlichen Tieren hält die Herrschaft über die Weibchen durchschnittlich zwei bis drei Jahre. Danach übernehmen jüngere Tiere die Rudel und töten alle Jungtiere. Nach einer Übernahme sind die Weibchen verstärkt empfängnisbereit, was neuen Männchen eine eigene Vaterschaft ermöglicht.
Einst erstreckte sich das Verbreitungsgebiet der Löwen von Nordafrika bis Südwestasien und von Europa über den Mittleren Osten bis Indien. Heute findet man sie nur noch in Teilen Afrikas südlich der Sahara und einem kleinen Gebiet im Westen Indiens.
Bis zu vier Junge
Weibchen werden mit rund dreieinhalb Jahren geschlechtsreif und bleiben es bis sie etwa 15 Jahre alt sind. Sie bringen etwa alle zwei Jahre ein bis vier Junge zur Welt.
Der Sprinter
Löwen erreichen eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde, die sie aber nur über eine kurze Distanz von 100 bis 200 Metern halten können. Da die potenziellen Beutetiere häufig schneller und ausdauernder sind, schleichen sich Löwen so weit wie möglich an, bevor sie angreifen.
Lose Bande
Das Rudel bei Löwen ist wesentlich lockerer als bei anderen Tieren. Löwen streifen oft tage- oder sogar wochenlang allein oder in kleineren Gruppen umher, bevor sie sich dem Rudel wieder anschliessen.
Wilde Mähne
Junge Löwenmännchen in Afrika besitzen blonde oder rotbraune Mähnen, die mit fortschreitendem Alter dunkler werden. Asiatische Männchen haben bescheidenere Mähnen, so dass die Ohren gut sichtbar sind. Eine kräftige Mähne zeigt eine gute körperliche Verfassung an und ist ein anziehendes Merkmal für Weibchen.
Vielfältige Natur
Löwen teilen ihren Lebensraum mit anderen imposanten Arten wie Elefanten und Nashörnern.
Trophäenjagd und Lebensraumverlust
Die Löwen haben fast ihren gesamten ursprünglichen Lebensraum eingebüsst. Wo einst wilde Natur das Landschaftsbild prägte, weiden heute Nutztiere. Der Rückgang der Populationen von Beutetieren, Konflikte zwischen Menschen und Raubtieren, Wilderei und Trophäenjagd dezimieren die Löwenbestände zusätzlich.
Lebensraumverlust und Konflikte
Die schwerwiegendste Ursache für den Rückgang vieler Populationen ist die Zerstörung von Lebensraum. Die Löwen wurden aus 92 Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets verdrängt. Der Mensch fordert immer mehr Land für die landwirtschaftliche Nutzung ein. Nicht selten erschiessen oder vergiften Viehzüchter Löwen, wenn diese – auch wegen des leichten Zugangs – Vieh aus ihren Herden reissen. Die Nutztierhalter töten die Löwen aber auch aus Angst um ihr Leben.
Mangel an Beutetieren
Der Lebensraumverlust durch den Menschen trifft nicht nur den Löwen, sondern auch seine Beutetiere: Büffel, Gazellen und Zebras werden immer rarer und fehlen als Nahrung für die Raubkatzen. Zudem werden der steigende Konsum von Buschfleisch und die damit einhergehende Wilderei von Beutetieren zunehmend zum Problem. Die Wilderei an Beutetieren bedroht den Löwen aber auch direkt: Löwen sterben qualvoll in Drahtschlingen und Fangeisen, welche die Wilderer für Huftiere auslegen.
Wilderei für Trophäen und asiatische Medizin
Nach wie vor gehört der Löwe zu den begehrtesten Jagdtrophäen Afrikas. Die regulierte Jagd kann wichtige Einnahmen für den Naturschutz generieren. Aber die Erträge daraus müssen der lokalen Bevölkerung und einem professionellen Schutzgebiet-Management zugutekommen. Jagdquoten sind oft zu hoch angesetzt und gefährden damit den Löwenbestand. Zudem wird die Einhaltung der Jagdquoten oft nur ungenügend kontrolliert, so dass mehr Löwen als erlaubt geschossen werden.
Eine eher neue Bedrohung ist der wachsende Handel mit Löwenknochen und anderen Körperteilen für die asiatische Medizin als Ersatz für Tigerprodukte.
Die Tötung nur schon eines einzelnen Löwen kann weitreichende Folgen haben. Da bei der Trophäenjagd die Männchen geschossen werden, führt das oft zu neuen Rudelherren. Die neuen Anführer töten mit der Übernahme des Rudels alle Jungtiere, und so kann der Abschuss eines Löwenmännchens zu weiteren toten Löwen führen.
Krankheiten
Eingeschleppte Krankheiten haben immer wieder dramatische Folgen für die Löwen. 1994 tötete der Erreger der Hundestaupe rund ein Drittel der Löwen in der Serengeti. Seit 1995 ist nachgewiesen, dass Löwen in Südafrika an Tuberkulose sterben, die von infizierten Hausrindern über Büffel auf Löwen übergeht. FIV, ein Virus, dessen Wirkungsweise der des HIV sehr ähnlich ist, stellt eine weitere Bedrohung für die wildlebenden Grosskatzen dar.
Das Zusammenleben ermöglichen
Schutzgebiete und Wildtierkorridore stellen die Basis für die Erhaltung der Löwenbestände dar. Um die Löwen vor dem Menschen zu schützen, muss man die Nutztiere des Menschen vor den Löwen schützen.
Kaza (Kavango-Zambesi) ist das grösste grenzübergreifende Schutzgebiet-Netzwerk der Erde. Es liegt in der Grenzregion der Länder Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Kaza soll 36 Nationalparks und Wildreservate durch Korridore miteinander zu einem zusammenhängenden Naturraum verbinden – und Löwen sowie anderen Tieren ungehinderte Wanderungen in ihre ehemaligen Verbreitungsgebiete ermöglichen. Der Einbezug der lokalen Bevölkerung ist einer der wichtigsten Pfeiler, um die Existenz und Akzeptanz der Schutzgebiete nachhaltig zu sichern.
Die Arbeit des WWF setzt beim Schutz der Herden an. Der WWF entwickelt mit den Viehbesitzern bessere Zäune und testet den Einsatz von Bewegungsmeldern mit Blitzlicht zur Abschreckung der Löwen. So können die Tierhalter ihre Herden schützen, ohne die Löwen zu erschiessen oder zu vergiften. Der WWF setzt sich zudem für Wildtier-Korridore ein, damit Wanderungen der Grosskatzen und ihrer Beutetiere zu Wasserstellen und Nahrung möglich bleiben. Einige ländliche Gemeinden unterstützen diese Bemühungen: Denn wenn Wildtiere auf ihrem Gebiet leben, profitieren sie vom Tourismus. In Namibia fördert der WWF sogenannte Hegegebiete für die Gemeinden. Dabei erhalten diese die Verwaltungsrechte über Gebiete, in denen sie eine nachhaltige Nutzung von Tieren und Pflanzen zusichern. So wurde die lokale Wilderei in Namibia erfolgreich bekämpft.
Der WWF und Traffic setzen sich für einen nachhaltigen Handel mit wild lebenden Arten ein und arbeiten an der Einschränkung des illegalen Handels. So werden speziell für Zoll- und Ermittlungsbehörden Trainings angeboten. Die Aufklärung der breiten Öffentlichkeit stellt einen weiteren wichtigen Aspekt dar, der durch zahlreiche nationale und globale Kampagnen erreicht wird.
Der Stolz Kenias
Der WWF Kenia unterstützt das «Mara Lion Project», das den Schutz der Löwen im «Greater Mara Ecosystem» zum Ziel hat.
Effektive Zäune
Der WWF entwickelt mit den Viehbesitzern mobile Zäune. Der Löwe riecht zwar das Vieh innerhalb des Zauns, traut sich aber nicht darüberzuspringen, weil er nicht sehen kann, was ihn erwartet.
Schulbildung
Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Der WWF unterstützt die Aufklärungs- und Bildungsarbeit in Schulen.
Tourismus
Der WWF unterstützt nachhaltigen Tourismus: Die Gemeinden treten einen Teil ihres Landes an touristische Dienstleister ab, die im Gegenzug Lodges errichten. Das schafft Arbeitsplätze und verhilft den Gemeinden zu notwendigen Einnahmen.
Schutz für den König der Tiere
Der WWF setzt sich für den Erhalt der Löwen in ihrem natürlichen Lebensraum ein. Dafür unterstützt er Nationalparks und andere Schutzgebiete. Hilfe brauchen aber nicht nur die Löwen. Der lokalen Bevölkerung und insbesondere den Viehzüchtern zeigen wir auf, wie sie Konflikte mit Löwen reduzieren können.