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DVD-Review: Einen haben wir immer noch genommen...
Herny Chinaskis (Mickey Rourke) ist ein Alkoholiker, der in Los Angeles lebt. Sein Tagesablauf sieht immer gleich aus: Er steht auf, hört ein wenig Musik, schreibt dabei Gedichte, danach geht er auf dem direktesten Weg in seine Stammkneipe, trinkt dort einen über den Durst, prügelt sich danach mit dem Barkeeper und geht dann wieder nach Hause. Dies ist sein Leben, und es gefällt ihm so eigentlich ganz gut. Sein normaler Tagesablauf wird aber gestört, als er in einer Bar Wanda Wilcox (Faye Dunaway) kennenlernt. Diese ist ebenfalls dem Alkohol verfallen, und ihr einziger Kontakt, den sie pflegt, ist ein Mann, der ihr Geld für Schnaps gibt.
Nach einer gemeinsamen Nacht weicht Herny Wanda nicht mehr von der Seite. Mit dem Versprechen, dass sie beide für die Miete aufkommen wollen, suchen sie Arbeit - mit mässigem Erfolg. Doch dann tritt die junge Verlegerin Tully Sorenson (Alice Krige) an Henry heran. Die findet Henrys Gedichte toll und will mehr über die Seele und die Werke des Alkoholikers wissen. Dummerweise bringt Henry mit dem Kontakt zu Tully seine Beziehung mit Wanda in Gefahr.
Mickey Rourke war schon viele Male ganz unten. Mit viel Botox und einer Karriere als Boxer hat er seinem Image in den Neunzigern sehr geschadet. Erst Robert Rodriguez wagte es wieder, Rourke für einen Leadingpart in einem grossen Film (Sin City) zu besetzen - und er hatte damit Erfolg. Mit der Oscarnomination nur gerade vier Jahre später für The Wrestler war Rourke wieder ganz oben. Der Erfolg mit diesen beiden Filmen beweist etwas: Rourke läuft zur Hochform auf, wenn er die kaputten Charaktere spielen darf. Aber diese Erkenntnis ist nicht gerade neu. Schon in den Achtzigerjahren hatte er mit der Rolle des Henry Chinaski in Barfly einen denkwürdigen Auftritt.
Barfly ist ein Film über zwei Schnapsnasen, die nicht wirklich in die heutige Gesellschaft passen. Doch Regisseur Barbet Schroeder verteufelt die beiden nicht. Er zeigt die Alkoholiker als Menschen, nicht als irgendwelche asozialen Nichtstuer. Dieser Verdienst ist sicher auch Drehbuchautor Charles Bukowski zuzuschreiben, der selbst öfters mal in einer Entzugsklinik zu Gast war.
Obwohl der Film Menschen am Rande der Gesellschaft zeigt, hat er viel Herz. Die Dialoge zwischen Rourke und Faye Dunaway versprühen Wärme, der Umgang miteinander ist liebevoll und zärtlich. Der Film ist keine Liebeserklärung an den Alkohol, sondern eine respektvolle Charakterstudie. Es ist aber vor allem Rourkes Film. Es gibt keine Szene im ganzen Film, in welcher der New Yorker nicht vorkommt.
Eine grossartige Geschichte kann man hier natürlich nicht erwarten. Vielmehr wirkt vieles improvisiert und nicht streng nach Drehbuch inszeniert. Dies lässt das Ganze aber auch sehr authentisch aussehen. Bei so viel Authentizität stört die Nebenhandlung mit der Verlegerin, da sie etwas zu gesucht ist. Die Beweggründe der jungen Frau sind auch etwas schleierhaft und hinterlassen mehr Fragen als Antworten. Aber wie Henry ist dem Zuschauer dies auch bald wieder egal.
Fazit: Barfly ist ein ruhiger Film, der mit einem tollen Hauptdarstellerduo und klasse Dialogen punktet. Wer Charakterfilme mag, wird um dieses Werk nicht herumkommen. Für die Suchtprävention ist der Film aber nicht wirklich geeignet. Er ist ehrlich und nicht belehrend, er zeigt die Menschen, wie sie sind - mit all ihren Fehlern und ihren Schwächen.
Der Film hat schon einige Jährchen auf dem Buckel. Trotzdem ist er für die DVD-Veröffentlichung schön hergerichtet worden. Das Bild rauscht zwar etwas, hat aber trotzdem eine gute Schärfe. Der Ton, obwohl nur in 2.0 abrufbar, ist ebenfalls gelungen. Wer mehr Bonusmaterial braucht als den Trailer und eine Bildergalerie, welche auf der getesteten 1-Disc-Version sind, greift zur 2-Disc-Special-Edition.
Christoph Schelb [crs]
Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.
Wenn ich mich recht erinnere sollte es doch die Verfilmung eine Periode im Leben von Charles Bukowski sein? No se Kritiker? Mir gefiel Faye Dunaway schauspielerisch eigentlich besser und der prügelnde Barkeeper war Frank Stallone, das Brüderchen von Sly, genau so mies als Schauspieler wie als Sänger.