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Gut zu wissen
Volle Wasserkraft voraus
100 Prozent Bündner Energie
Das erste Licht, das im Kanton Graubünden durch Wasserkraft leuchtete, erstrahlte 1879 in einem Speisesaal eines Hotels in St. Moritz. Die Energie stammte aus dem Abfluss des St. Moritzersees – eine Sensation! Heute ist Wasserkraft allgegenwärtig und leicht verfügbar. Dies nutzt auch die Rhätische Bahn: Seit Anfang 2014 bezieht sie den gesamten Strom für den Betrieb der Bahn sowie der Immobilien aus Bündner Wasserkraft.
Bahnfahren mit Strom: die RhB als Vorreiterin in Europa
Was heute selbstverständlich ist, war Anfang des 20. Jahrhunderts pure Innovation: Zwischen 1904 und 1907 entstand das Kraftwerk Campocologno 1 am Lago di Poschiavo. Das Kraftwerk mit dem weltweit höchsten Gefälle lockte Besucher aus aller Welt an und versorgte ab 1908 die Berninabahn mit 750 Volt Gleichstrom. Die Rhätische Bahn – die Berninabahn wurde erst 1943 von der RhB übernommen – fuhr damals noch mit Dampflokomotiven. Aufgrund des Kohlemangels stieg schliesslich auch die Rhätische Bahn auf Strom um: Zwischen 1913 und 1922 wurden sämtliche Strecken elektrifiziert, womit die Rhätische Bahn als eine der ersten Vollbahnen Europas vollumfänglich elektrifiziert war. Anfänglich deckte die Rhätische Bahn ihren gesamten Strombedarf mit Strom aus dem Kraftwerk Campocologno. Später kamen Bahnstromgeneratoren in den Kraftwerken Küblis und Thusis hinzu, die zusätzliche Energie ins Bahnstromnetz speisten. Die neue Technik hatte allerdings auch ihre Tücken: Die neuen Triebfahrzeuge benötigten stetig mehr Strom, womit die Stromproduktion jedoch nicht immer Schritt halten konnte. Besonders Ende der 1950er- und 1960er- Jahre war die Energie knapp. Als besonders planungsintensiv erwies sich der Bau der Stromübertragungsleitungen – eine Planungszeit von bis zu 20 Jahren war durchaus üblich. Wo die Energie
herkam, regelten Verträge mit den einzelnen Kraftwerksgesellschaften. 1954 wurde das kantonale Wasserrechtsgesetz revidiert, der Kanton Graubünden erwarb erstmals Beteiligungen an neu entstandenen Kraftwerksgesellschaften. Somit floss 1961 erstmals kantonale Beteiligungsenergie, um die Stromversorgung der Rhätischen Bahn sicherzustellen. Die Energie kam aus dem Kraftwerk Zentrale Sils am Stausee Valle di Lei. Dort produzieren heute noch zwei Generatoren ausschliesslich Strom für die Rhätische Bahn und decken damit rund 40 Prozent des Fahrstromverbrauchs ab.
50 Massnahmen für weniger Energieverbrauch
Heute benötigen die Triebfahrzeuge und Immobilien der Rhätischen Bahn rund 100 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr – dies entspricht in etwa dem Stromverbrauch von St. Moritz. Dieser Energieverbrauch soll trotz
der schrittweisen Einführung des Halbstundentakts und stets steigendem Energiebedarf konstant bleiben. In Zukunft möchte die Rhätische Bahn Energie noch effizienter nutzen und hat rund 50 Energiesparmassnahmen
definiert. Dazu gehört unter anderem modernes Rollmaterial, das Energie, die beim Bremsen entsteht, ins Stromnetz zurückspeist. Darüber hinaus werden ständig alte Leuchtmittel ersetzt und automatisierte Weichenheizungen optimiert.