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Damals und heute
Die Geschichte einer höheren landwirtschaftlichen Bildungsanstalt reicht zurück bis in die Mitte des vergangenen 19. Jahrhunderts. Vor allem die landwirtschaftlichen Verbände setzten sich für eine landwirtschaftliche Disziplin am Polytechnikum ein. Bereits 1860 und 1863 hatten sich die Société jurassienne d'émulation, der Landwirtschaftliche Zentralverein und der Verein schweizerischer Landwirte mit Petitionen an den Bundesrat gewandt. Ein Jahr später stellte auch der Schweizerische Landwirtschaftliche Verein ein Gesuch an die Bundesversammlung. Es sollte noch sieben weitere Jahre dauern, bis im Jahr 1871 die forstliche Abteilung des Polytechnikums zu einer land- und forstwirtschaftlichen Abteilung erweitert wurde.
Bescheidener Anfang
Bald wurden die ersten drei Professoren berufen: Adolf Kraemer für Viehzucht, Anton Nowacki für Acker- und Pflanzenbau und Kraemers späterer Schwiegersohn Ernst Schulze für Agrochemie. Während im Ausland, besonders in Deutschland, die Agrarwissenschaften schon ihren festen Platz an den Universitäten hatten, wurde in der Schweiz bis anhin vor allem Erfahrungswissen vermittelt. Dies sollte sich nun ändern.
Der Stellenwert der landwirtschaftlichen Abteilung war von Anfang an hoch. So bekam die neue Disziplin zwölf Prozent der damaligen Budgetmittel der ETH zugesprochen.
Warum Agrarwissenschaften?
1871 nahmen fünf Studierende das zunächst zwei Jahre dauernde Studium der «Landwirtschaftswissenschaften» auf, wovon vier das Studium abschlossen: Tommaso Galanti aus Venedig, Pietro Masetti aus Florenz, Gilbrecht von Löw aus Florstadt (Hessen) und Joseph Frey aus Oberehrendingen im Kanton Aargau. Was genau sollten sie aus dem Studium mitnehmen? In der «Schweizerischen Landwirtschaftlichen Zeitung» schreibt Professor Kraemer eine Abhandlung über die neue «Landwirthschaftliche Schule des eidgenössischen Polytechnicums zu Zürich».
«Dieses Ziel kann (…) kein anderes sein, als durch eine wissenschaftlich gründliche Behandlung des Lehrstoffes das Beobachtungs- und Urtheils-Vermögen der Schüler zu entwickeln und sie (…) zu befähigen, die Erscheinungen in ihrem Berufe von höheren Gesichtspunkten aufzufassen, um die Betrachtung derselben auf eine gediegene, von Unklarheiten und Unsicherheiten freie Erkenntnis zu stützen und in der Verwerthung, in der Anwendung des Ergebnisses des Wissens auf das praktische Leben die erforderliche Selbstständigkeit zu erringen.»
Heute sind rund 320 Studierende im Studiengang Agrarwissenschaften eingeschrieben. Warum studieren sie Agrarwissenschaften? Zwei Professorinnen und ein Doktorand erklären, was sie an den Agrarwissenschaften an der ETH fasziniert.
Einfache Fragen – Komplexe Antworten
Hunger, Fehlernährung, Umweltzerstörung und Klimawandel gehören zu den drängendsten Themen der letzten Jahrzehnte. Die ETH-Ausbildung in den Agrar- und Lebensmittelwissenschaften trägt dazu bei, diese Fragen fundiert anzugehen. «Wir halten es für selbstverständlich, dass Ackerbau betrieben und Nahrung produziert wird. Natürlich wissen wir, wie das am besten geht. Doch Nahrungsmittel herzustellen ist eine komplexe Angelegenheit», bestätigt auch Achim Walter, Professor für Kulturpflanzenwissenschaften und ehemaliger Studiendirektor der Agrarwissenschaften. «Jede Form von Produktion, jede Ernte, ja jedes Sammeln hat Konsequenzen und Nebenwirkungen, deren wir uns oft erst Jahre oder sogar Generationen später bewusst werden.» Die Agrarwissenschaften denken in die Zukunft, betont auch Nina Buchmann, Professorin für Graslandwissenschaften.
Tauchen Sie ein in die reiche Geschichte dieser vielfältigen Disziplin, schauen Sie unseren Jubiläumsfilm und bleiben Sie informiert über die kommenden Events unter agri150.ethz.ch.