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Im vorliegenden Artikel werden die Ergebnisse einer Studie zum Transnationalismus «von unten» erläutert. Ziel der Untersuchung war es, den Umfang der transnationalen Aktivitäten über die bereits bestehenden, nicht systematischen Beobachtungen hinaus abzuklären und diese grenzüberschreitenden Vorgänge bei verschiedenen Gruppen von Migranten in diversen kontinentaleuropäischen Ländern zu vergleichen. Die Besonderheit dieser Untersuchung besteht in ihrer multikomparativen Methode. Angesichts der grossen Bedeutung der Herkunftsländer für die Migranten überrascht es, dass die grenzüberschreitenden Aktivitäten gerade bei jenen Gruppen verhältnismässig schwach ausgeprägt sind, die erst kürzlich und in grosser Zahl eingewandert sind.
Globalisierung und Migrationsströme
Unter Globalisierung versteht man den Prozess der globalen Ausdehnung der sozialen Beziehungen zwischen den Menschen, die den Raum des gesamten Planeten umspannen. Giddens (1990) definiert die Globalisierung als Intensivierung der weltweiten sozialen Beziehungen, die weit voneinander entfernte Orte miteinander verbinden, sodass lokale Ereignisse durch Begebenheiten mitbestimmt werden, die Tausende von Kilometern entfernt passieren, und umgekehrt. Als eines der Merkmale der Globalisierung bezeichnet er die räumliche Aufspaltung des Orts, der physischen Umgebung von der geografisch situierten sozialen Aktivität, da Beziehungen zwischen «abwesenden» Personen bestehen, die in räumlicher Hinsicht unter Umständen weit von der Situation einer direkten Interaktion entfernt sind. Vor diesem Hintergrund bezeichnet er die Migrationsbewegungen als einen der prägenden Aspekte der Globalisierung. Die Globalisierung verursacht nicht nur eine Beschleunigung der Migrationsbewegungen und die Entwicklung der zirkulären Migration, sondern wirkt sich auch auf die Bindungen aus, welche die Migrantinnen und Migranten zwischen ihrem Herkunftsland und der Gesellschaft des Aufnahmelandes pflegen. In den länderübergreifenden Räumen, die durch diese verschiedenen Formen der Migrationsbewegungen entstehen, entwickeln die Migrantinnen und Migranten soziale und wirtschaftliche Beziehungen sowie politische Aktivitäten und Identitäten, die über die klassischen Landesgrenzen hinausgehen und die innerhalb einer in Nationalstaaten unterteilten Welt globale wirtschaftliche Prozesse nutzen (Castles, 2007).
Studie zu transnationalen Aktivitäten von Migranten in Europa
Während die theoretische Literatur zum Transnationalismus gut entwickelt ist (siehe
Kasten 1
Transnationalismus ist die Verknüpfung von staatsbürgerlicher und politischer Zugehörigkeit, von wirtschaftlichem Engagement, von sozialen Netzen und von kulturellen Identitäten, mit der Verbindungen zwischen Personen und Institutionen in mehreren Nationalstaaten geschaffen werden (Glick-Schiller et al., 1992). Die Migrationsbewegungen werden nicht als blosses Ergebnis von makroökonomischen, politischen und sozialen Kräften, sondern vielmehr als Strategien betrachtet, die von Migrantinnen und Migranten angewandt werden, welche innerhalb eines Systems von Sachzwängen agieren und die globalen wirtschaftlichen Chancen und Prozesse nutzen, die sich in einer in Nationalstaaten unterteilten Welt bieten (Portes, 1997). Das Konzept des Transnationalismus scheint jenem der Diaspora sehr ähnlich zu sein, das in die Alltagssprache Eingang gefunden hat. Der Transnationalismus unterscheidet sich jedoch von der Diaspora, da er den Bezug zu einer durch die Geschichte entstandenen und vorbestimmten Gemeinschaft zur Diskussion stellt und die Bildung von Gruppen im Zusammenhang mit ihren grenzüberschreitenden Aktivitäten verzeichnet.), sind die empirischen Grundlagen begrenzt: Es gibt nur wenige systematische Beschreibungen der transnationalen Aktivitäten, insbesondere in Kontinentaleuropa. Weist Europa mit seiner grossen Zahl von Nationalstaaten und seinen bedeutenden Migrationsströmen Formen von Transnationalismus auf, die mit jenen im angloamerikanischen Raum vergleichbar sind? Die hier vorgestellte Studie Für die Durchführung dieser Untersuchung wurde ein Netzwerk gebildet, dem europäische Wissenschaftler angehören, die sich mit den Migrationsbewegungen, der zirkulären Migration und der Integrationspolitik befassen. Diese haben sich im Rahmen des Network of Excellence Imiscoe des sechsten Europäischen Rahmenprogramms zusammengeschlossen ( www.imiscoe.org ). Die Ergebnisse des gesamten Projekts und der Fallstudien werden in einer Spezialausgabe der Revue européenne des migrations internationales präsentiert (Fibbi und D’Amato, 2008). über den Transnationalismus «von unten» hatte zum Ziel, den Umfang der transnationalen Aktivitäten über die bereits bestehenden, nicht systematischen Beobachtungen hinaus abzuklären und eine komparative Evaluation der transnationalen Aktivitäten verschiedene Gruppen von Migranten in diversen kontinentaleuropäischen Ländern vorzunehmen. Demzufolge stehen nicht die Gemeinschaften (wie im Fall der Diaspora), sondern die transnationalen Aktivitäten der Migranten im Zentrum der Untersuchung, d.h. die kollektive Dimension der grenzüberschreitenden Beziehungen, deren Öffentlichkeit und die institutionellen Konsolidierungsformen der individuellen Aktivitäten «von unten». Gegenstand der Analyse sind drei gesellschaftliche Bereiche, nämlich der wirtschaftliche, der soziokulturelle und der politische Bereich. Trotz der Schwierigkeit einer solchen Aufteilung der Realität und der Durchlässigkeit dieser drei Bereiche sollten möglichst alle Aktivitäten aufgezeigt werden und nicht nur die politischen Aktivitäten, die bislang – insbesondere in Europa – die empirischen Untersuchungen zum Transnationalismus dominiert haben. Die Besonderheit dieser Untersuchung besteht in ihrer multikomparativen Methode. Einige Fallstudien beruhen auf einem unterschiedlichen Ansatz: Die Türken werden in drei verschiedenen Aufnahmeländern – Niederlande, Deutschland und Schweiz – analysiert. Die Einwanderer aus Marokko in Belgien, Frankreich und Italien werden parallel zu einer anderen Gruppe von Migranten im jeweiligen Land beurteilt. Andere Fallstudien sind – entsprechend einem in Migrationsstudien üblicheren Ansatz – als konvergente Vergleiche zwischen zwei verschiedenen Gruppen konzipiert, die sich im gleichen Immigrationsland niedergelassen haben. So werden die Marokkaner in Belgien mit den Chinesen, in Frankreich mit den Senegalesen und in Italien mit den Rumänen verglichen. In den Fällen der Portugiesen und der Rumänen wurden die transnationalen Aktivitäten sowohl aus der Perspektive des Herkunftslandes als auch aus der Perspektive des Gastlandes – d.h. der Schweiz und Italiens – untersucht.
Ergebnisse
Angesichts der grossen Bedeutung der Herkunftsländer für die Migranten wäre zu erwarten, dass die grössten Migrationsströme der jüngsten Vergangenheit durch eine grosse Vielfalt länderübergreifender Beziehungen gekennzeichnet sind. Deshalb überrascht es, dass die grenzüberschreitenden Aktivitäten jener Gruppen, bei denen in letzter Zeit eine permanente Immigration erfolgte, nur verhältnismässig schwach ausgeprägt sind. Besonders auffällig sind die Fälle der Ersteinwanderer aus Portugal in der Schweiz sowie derjenigen aus Rumänien und Marokko in Italien, weil sie auf den ersten Blick kontraintuitiv sind. Selbstverständlich gibt es in jeder Gruppe viele Einzelpersonen, die ihren Familien regelmässig eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen, ihre Ersparnisse für die Vorbereitung ihrer Rückkehr investieren, über telefonische Kontakte oder den Austausch von Briefen die Beziehungen mit ihren Verwandten und Freunden ihres ersten Sozialisierungsortes pflegen oder mit der Lektüre von Zeitungen oder am Fernsehen das politische Geschehen und/oder Sportveranstaltungen verfolgen. Da diese Aktivitäten ausserhalb des privaten Umfelds, der Familie oder der Verwandtschaft ohne Bedeutung sind, werden sie in dieser Studie nicht berücksichtigt. Dies ist umso erstaunlicher, als die Akteure dieser Migrationsströme mehrheitlich die Absicht haben, zu einem späteren Zeitpunkt in ihr Herkunftsland zurückzukehren. Dieses Merkmal trifft jedoch kaum auf alle Gruppen dieser Herkunftsländer zu. So entfalten die Marokkaner in Frankreich und in Belgien intensive transnationale Aktivitäten auf wirtschaftlicher, kultureller und politischer Ebene. Damit gleichen sie den Türken, der zahlenmässig grössten Migrantengruppe in Europa, die sich in einer Vielzahl von Ländern niedergelassen haben. Die auf verschiedenen Ebenen aktiven Türken bilden das paradigmatische Beispiel von Transmigranten in Europa, die mehr wegen ihrer politischen als wirtschaftlichen Aktivitäten intensiv untersucht wurden. Die anderen im Rahmen dieses Projekts untersuchten Gruppen liegen hinsichtlich der Intensität ihrer transnationalen Aktivitäten und insbesondere des Spektrums der entfalteten Aktivitäten in einer Zwischenposition: Die Kapverder in Portugal, die Chinesen in Belgien und die Senegalesen in Frankreich unterscheiden sich durch die Tatsache, dass sie sich in erster Linie im wirtschaftlichen und soziokulturellen Bereich engagieren, während ihre politischen Aktivitäten nur von marginaler Bedeutung sind.
Ein Schwelleneffekt
Die geringfügigen grenzüberschreitenden Aktivitäten der portugiesischen Ersteinwanderer in der Schweiz wie auch der Rumänen und Marokkaner in Italien sind ein Paradox, wenn man davon ausgeht, dass die Bildung von grenzüberschreitenden Netzwerken gewissermassen eine automatische Konsequenz der Migration ist. Wenn Eine starke Identifikation mit dem Herkunftsland oder der Herkunftsregion kommt bei Erstmigranten in der Praxis nur in grenzüberschreitenden Aktivitäten zum Ausdruck, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Der rechtliche Status der Marokkaner und Rumänen in Italien ist relativ unsicher; auch ihre wirtschaftliche Lage ist oft prekär. Die Gefahr von Ausgrenzung und Verarmung scheint die Entwicklung transnationaler Aktivitäten zu behindern. Mit dem unsicheren Status lässt sich der Unterschied zwischen den Marokkanern in Italien und jenen in Frankreich und Belgien erklären: Während die Ersteren Teil einer verhältnismässig neuen Migrationsbewegung sind, haben sich die Marokkaner in den beiden französischsprachigen Ländern über mehrere Jahrzehnte etabliert. Durch grosse Unsicherheit werden transnationale Aktivitäten besonders dann behindert, wenn die Mitglieder der betreffenden Gruppe nur über geringe persönliche und soziale Ressourcen verfügen. Ein zweiter Faktor scheint ebenfalls entscheidend zu sein: die Heterogenität innerhalb der Immigrantengruppen hinsichtlich der Migrationsart und des soziokulturellen Kapitals. Die marokkanischen Immigranten in Frankreich und Belgien bestehen zwar hauptsächlich aus Arbeitern und ihren Familien, weisen aber trotzdem eine politische Komponente auf, die bei den Marokkanern in Italien weitgehend fehlt. Bezüglich der schwachen transnationalen Aktivitäten der grossen Zahl von Portugiesen in der Schweiz überzeugt jedoch das Argument der Unsicherheit des rechtlichen Status und der sozialen Bedingungen nicht. Die verhältnismässig bescheidenen Aktivitäten, die eine kollektive Dimension aufweisen, sind wohl eher auf die wenig ausgeprägte Diversifizierung innerhalb der betreffenden Migrantengruppe zurückzuführen.
Politische Aktivitäten
Die türkischen, marokkanischen und senegalesischen Migranten entfalten in ihren jeweiligen Aufenthaltsländern – Niederlande, Deutschland, Schweiz, Belgien und Frankreich – auch transnationale Aktivitäten politischer Art. Die transnationale politische Mobilisierung stellt für die traditionelle Konzeption der Nationalstaaten, die einen abgeschlossenen Rechtsraum bilden, sicherlich die grösste Herausforderung dar. Deshalb überrascht es nicht, dass diese Frage seit Beginn der entsprechenden Untersuchungen oft im Zentrum der Aufmerksamkeit der Forschung stand. Koopmans und Statham (2001) erklären das Bestehen von transnationalen politischen Aktivitäten mit einem ungenügenden Einbezug der Migrantengruppen im Aufnahmeland, was dazu führe, dass diese ihre Forderungen an das Herkunftsland richteten. Im Gegensatz dazu ortet Faist (2000) die Gründe für die politische Aktivierung in den Möglichkeiten, die den Migranten durch den demokratischen Rahmen der Immigrationsländer eingeräumt werden. Aus unseren Fallstudien geht hervor, dass für die politische Mobilisierung der Migranten nicht die vom Immigrationsland gebotenen Möglichkeiten entscheidend sind, sondern vielmehr der Unterschied zwischen den – in der Regel weiter gehenden – Möglichkeiten im Immigrationsland und den – eher eingeschränkten – Möglichkeiten im Herkunftsland. Nur wenn dieser Unterschied verhältnismässig markant ist, sind die Voraussetzungen für eine Mobilisierung erfüllt. Bezüglich der chinesischen Immigranten in Belgien scheint indes der unbestreitbare Unterschied zwischen den politischen Rechten im Immigrationsland und den entsprechenden Rechten im Herkunftsland kaum eine politische Mobilisierung zu bewirken, obschon diese in vielen Fällen eingebürgert werden und sowohl wirtschaftlich als auch sozial gut gestellt sind. Die chinesischen Einwanderer setzen ihre kulturellen und symbolischen Ressourcen hauptsächlich für wirtschaftliche und kulturelle Aktivitäten ein.
Wirtschaftliche und kulturelle Aktivitäten
Die Fallstudien zeigen schliesslich auch Zwischenformen, in denen sich die Immigrantengruppen nicht durch politische Forderungen, sondern über wirtschaftliche und kulturelle Aktivitäten auf transnationaler Ebene als gesellschaftliche Akteure profilieren. Bei dieser Art von Aktivität besteht kaum ein Zusammenhang zwischen Migration und Nationalstaat (Bauböck, 2003). So ist es kein Zufall, dass sich die Migranten der zweiten Generation – speziell die Türken in der Schweiz und die Marokkaner in Belgien – in diesen Bereichen besonders engagieren und dort eine Möglichkeit finden, ihre Loyalität gegenüber dem Herkunftsland zum Ausdruck zu bringen, durch die ihr Status als Daueraufenthalter im Immigrationsland nicht in Frage gestellt wird. Der Einbezug der Zweitgenerationen in diese Aktivitäten gleicht damit mehr den Mobilisierungsformen der Zivilgesellschaft, die auf eine Unterstützung von spezifischen lokalen Besonderheiten im Herkunftsland ausgerichtet sind. Die jungen Menschen der zweiten Generation engagieren sich für die Schaffung neuer finanzieller Kanäle, beispielsweise in Form von Stiftungen, für die Verbesserung der Lebensbedingungen im Heimatdorf. Sie lösen sich von eher politischen Formen der Beteiligung, wie sie bei der ersten Generation vorherrschen, oder von der Pflege der Bräuche und Sitten, die für die Beziehung ihrer Vorfahren zum Heimatdorf typisch sind. Einer der Faktoren, welche das Unternehmertum der Migranten erklären und von dem die transnationale wirtschaftliche Aktivierung ausgeht, ist die Feindseligkeit gegenüber Migrantengruppen in der Gesellschaft. Die Hypothese der ethnischen Benachteiligung wird durch die empirischen Belege in den Beiträgen zu den Türken in der Schweiz und in Deutschland sowie zu den Marokkanern in Belgien bestätigt. Einige der in den erwähnten Studien erfassten Aktivitäten gehen jedoch weit über eine blosse Reaktion auf die Feindseligkeit des Umfelds hinaus. Beispiele dafür sind die Geschäftstätigkeit der Senegalesen oder die Investitionen der Chinesen. Die Erklärungstheorien zu den transnationalen wirtschaftlichen Aktivitäten erfassen die grosse Vielfalt der Situationen nur ungenügend. Die zahlreichen kulturellen Aktivitäten fördern die Identifikation der Migranten mit der Kultur ihres Herkunftslandes und sind gleichzeitig auf die Erarbeitung einer positiven kollektiven Identität im Einwanderungsland ausgerichtet. Indem die Musik – und in einem etwas geringeren Ausmass auch die Sprache – Wechselwirkungen zwischen der Kultur des Herkunftslandes der Immigranten und der Kultur des Aufnahmelandes ermöglicht, leistet sie einen Beitrag zum Verständnis der Logik des Transnationalismus als einzigartigen Raum der sozialen Tätigkeiten, in dem die Migranten nicht mehr entwurzelt sind, sondern sich im Gegenteil in unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Systemen frei bewegen.
Fazit
Europa kennt mit seinen zahlreichen Nationalstaaten und seinen umfangreichen Migrationsströmen Formen von Transnationalismus, die mit jenen im angloamerikanischen Raum vergleichbar sind. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Beobachtungen über die politischen Aktivitäten hinaus auf den Transnationalismus «von unten» erweitert werden. Allerdings sorgt auf beiden Seiten des Atlantiks lediglich eine Minderheit innerhalb der Migrantengruppen für grenzüberschreitende Aktivitäten. In der europäischen Literatur zum Phänomen des Transnationalismus stösst man immer wieder auf die Frage, ob ein Widerspruch zwischen den transnationalen Aktivitäten und der gesellschaftlichen Integration der Migranten bestehe. Alle Fallstudien deuten darauf hin, dass diesbezüglich kein Antagonismus besteht, da Integration nicht mit dem Verlust der eigenen kulturellen Identität einhergeht, sondern einen stärkeren Einbezug in ein anderes kulturelles und soziales Umfeld bedeutet. Wie die Fälle der Portugiesen in der Schweiz sowie der Marokkaner und Rumänen in Italien zeigen, scheinen fehlende Bindungen kaum ein Indikator für eine stärkere Integration zu sein. Die transnationalen Aktivitäten sind sowohl eine Reaktion auf eine schwierige Ausgangslage als auch eine Möglichkeit, soziales und kulturelles Prestige oder wirtschaftlichen Einfluss zu erlangen. Dies wiederum verbessert die Integrationsbedingungen für die Einzelpersonen wie auch für jene Minderheiten, denen sie angehören.
Kasten 1: Transnationalismus
Transnationalismus ist die Verknüpfung von staatsbürgerlicher und politischer Zugehörigkeit, von wirtschaftlichem Engagement, von sozialen Netzen und von kulturellen Identitäten, mit der Verbindungen zwischen Personen und Institutionen in mehreren Nationalstaaten geschaffen werden (Glick-Schiller et al., 1992). Die Migrationsbewegungen werden nicht als blosses Ergebnis von makroökonomischen, politischen und sozialen Kräften, sondern vielmehr als Strategien betrachtet, die von Migrantinnen und Migranten angewandt werden, welche innerhalb eines Systems von Sachzwängen agieren und die globalen wirtschaftlichen Chancen und Prozesse nutzen, die sich in einer in Nationalstaaten unterteilten Welt bieten (Portes, 1997). Das Konzept des Transnationalismus scheint jenem der Diaspora sehr ähnlich zu sein, das in die Alltagssprache Eingang gefunden hat. Der Transnationalismus unterscheidet sich jedoch von der Diaspora, da er den Bezug zu einer durch die Geschichte entstandenen und vorbestimmten Gemeinschaft zur Diskussion stellt und die Bildung von Gruppen im Zusammenhang mit ihren grenzüberschreitenden Aktivitäten verzeichnet.
Kasten 2: Bibliografie
– Bauböck Rainer (2003): Towards a Political Theory of Migrant Transnationalism. International Migration Review, 37(3): 700-723.- Castles Stephen (2007): Nécessaires Migrations. Courrier de la Planète 81-82 (12-17).- Faist Thomas (2000): Transnationalization in International Migration: Implications for the Study of Citizenship and Culture. Ethnic And Racial Studies, 23(2): 189-222.- Fibbi Rosita und Gianni D’Amato (2008): «Transnationalisme des migrants en Europe: une preuve par les faits. Revue Européenne des Migrations Internationales, 24(2): 7-22.- Giddens Anthony (1990): The Consequences Of Modernity. Cambridge: Polity Press.- Glickschiller Nina, Basch Linda und Szanton Blanc Cristina (1992): Transnationalism: A New Analytic Framework For Understanding Migration. Annals Of The New York Academy Of Science, 645(1-24).- Koopmans Ruud und Statham Paul (2001): How National Citizenship Shapes Transnationalism. A Comparative Analysis of Migrant Claims-Making in Germany, Great Britain and the Netherlands. Revue Européenne des migrations internationales, 17(2): 63-100.- Portes Alejandro (1997): Globalization From Below: The Rise of Transnational Communities: Princeton, Princeton University.