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von Lea Mörsdorf
Digitale Bildschirme sind in den letzten Jahren zu einem zentralen Bestandteil des Alltags vieler Menschen geworden. Entsprechend prominent ist in Forschung, Praxis und Politik die Frage geworden, ob Zeit am Bildschirm, insbesondere für die heranwachsenden Generationen, negative Folgen hat und wie man diesen allfällig begegnen könnte. Jedoch zeigt Forschung zur Auswirkung der häufigen Nutzung digitaler Bildschirme auf das Wohlbefinden sehr gemischte Ergebnisse. Bisherige Forschung hat sich dabei vor allem auf die Bildschirmzeit, also die an digitalen Bildschirmen verbrachte Zeit, konzentriert. Jedoch wurde die Bildschirmzeit oft im Nachhinein und im Selbstbericht erfragt, was zu systematischen Verzerrungen führen kann. Beispielsweise unterschätzten Leute, die das Internet intensiv nutzten, ihre Online-Zeit, während Leute, die es unregelmässig nutzten, ihre Online-Zeit überschätzten.
Um diesem Effekt entgegenzuwirken, konzentrierten sich Amy Orben und Andrew Przybylski von der Universität Oxford in ihren Untersuchungen auf sogenannte Tagebuchstudien, in denen die Teilnehmenden jeweils angaben, welchen Aktivitäten sie wie lange an einem Tag nachgegangen waren. Für die Untersuchungen standen den Forschenden drei grosse Datensätzen mit Daten von insgesamt 17'247 Jugendlichen im Alter von 12-15 Jahren aus dem Vereinigten Königreich, Irland und den USA zur Verfügung. Sie gingen der Frage nach, ob Bildschirmzeit und Wohlbefinden zusammenhängen, wobei sie einen besonderen Fokus auf die Zeit vor dem Schlafengehen legten. Gemessen wurde das Wohlbefinden mit verschiedenen Fragebögen zu Stimmung und Gefühlen, Selbstwertgefühl und depressiven Tendenzen, die die Jugendlichen ausfüllten. Zudem beantworteten die Eltern Fragen zu potenziellen Problemen der Jugendlichen (z.B. Hyperaktivität, emotionale Probleme, …). Die Bildschirmzeit wurde einerseits mit Selbstberichtsfragebögen erfasst (wie anfangs beschrieben und kritisiert), andererseits auf Basis der Zeitnutzungstagebücher. Genauer gesagt leiteten die Forschenden aus diesen Daten fünf Masse ab: 1) ob die/der Jugendliche an dem jeweiligen Tag einen digitalen Bildschirm genutzt hatte, 2) wie lange dies der Fall war und ob er/sie dies 3) zwei Stunden, 4) eine Stunde und 5) 30 Minuten vor dem Schlafengehen tat. Diese Masse wurden getrennt für Werktag und Wochenende ausgewertet.
Die Ergebnisse zeigten, je nach Datensatz, keinen oder nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Wohlbefinden. Beispielsweise schien im irischen Datensatz mehr Bildschirmzeit mit schlechterem Wohlbefinden einherzugehen, aber vor allem dann, wenn beides im Selbstbericht untersucht wurden. Daraus schliessen die Autoren, dass, wenn überhaupt, ein unbedeutend kleiner Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Wohlbefinden besteht, vor allem in Relation zu anderen Aktivitäten im jugendlichen Alltag. Auch in Bezug auf die Folgen von Bildschirmzeit vor dem Zubettgehen waren die Ergebnisse uneindeutig, sodass die Autoren einen grundsätzlich negativen Effekt der Bildschirmzeit bezweifeln. Abschliessend sollte noch betont werden, dass es sich um eine rein korrelative Studie handelt, also keine Schlussfolgerungen über eine mögliche Wirkrichtung gezogen werden können. Es wäre ebenso möglich, dass Jugendliche mit geringerem Wohlbefinden mehr Zeit mit digitalen Bildschirmen verbringen. Zusammengenommen gibt es anhand dieser Daten also nicht genügend Evidenz, um zu behaupten, Bildschirmzeit mache Jugendliche unglücklich.
Literaturangaben:
Orben, A., & Przybylski, A. K. (2019). Screens, teens, and psychological well-being: Evidence from three time-use-diary studies. Psychological Science, 30, 682-696. https://doi.org/10.1177/0956797619830329
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