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Die Film- und Theaterschauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) bewegt sich auf dem Zenit ihrer Karriere: internationale Produktionen, Ehrungen, Presserummel. Das bringt aber auch grosse Hektik mit sich, eine Nonstop-Kommunikation auf mehreren Kanälen gleichzeitig – die Assayas denn auch in einer langen ersten, beklemmenden Sequenz vorführt: Enders und ihre persönliche Assistentin Val (Kristen Stewart) sind im Zug nach Zürich unterwegs, während sie auf drei Mobiles teilweise gleichzeitig mit verschiedenen Personen Termine vereinbaren, juristische und finanzielle Belange besprechen, den Ablauf von Anlässen besprechen. Enders versucht zudem, eine Laudatio auf ihren langjährigen Mentor Wilhelm Melchior zu schreiben, dessen Ehrung in Zürich stattfinden wird – da erfahren sie, dass er soeben gestorben ist. Ein geplanter Selbstmord eines Todkranken, wie sich später herausstellen wird.
Das ist der Beginn einer tiefen Krise in Enders’ Leben. Sie beginnt damit, dass sie an eine alte, ihr unangenehme Affäre mit einem Kollegen (Hanns Zischler) erinnert wird, dann soll sie ausgerechnet jene Rolle spielen, die vor 20 Jahren eine (inzwischen verstorbene) Schauspielerin interpretierte, in Melchiors Stück «Die Maloja-Schlange», das von der Abhängigkeit und Hassliebe zwischen zwei Frauen handelt. Melchiors Witwe (ein überraschender Auftritt von Angela Winkler) stellt Enders das Haus in Sils Maria zur Verfügung, um sich auf die Rolle vorzubereiten, wo sie, begleitet und unterstützt von Val, ihre Interpretation einstudiert. Ihre Mühe mit dem Älterwerden und dem damit einhergehenden Rollenwechsel sowie die unterschiedlichen Perspektiven von Enders und Val auf die Bedeutung der Frauenbeziehung lösen Spannungen aus, die sich durch den medialen Hype um das verwöhnte Starlet (Chloë Grace Moretz), das Enders’ früheren Part als junge Frau übernehmen soll, noch verschärfen und schliesslich in eine Explosion münden.
Assayas inszeniert die Auseinandersetzungen zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren im Hausinnern, aber vor allem auch in der Engadiner Landschaft rund um den Silser See, das Fextal und den Malojapass. Dass hinter dem Titel des Melchior-Stücks ein meteorologisches Schlechtwetter-Phänomen steht, enthüllt der Film in atemberaubenden neuen und alten Bildern. Binoche und Stewart liefern sich starke Momente der ungeschminkten Konfrontation zwischen zwei Frauengenerationen; natürlich ist es eine bewusste metafiktionale Konzeption, dass sich auf dieser Ebene das Thema des Stücks spiegelt und zusätzlich Symptome des immer perverseren PR-Zirkus und Jugendwahns vorgeführt werden. Die Anlage ist raffiniert – und doch werden zu viele interessante Erzählfäden im Laufe des Films vernachlässigt, was bewirkt, dass dieser letztlich einen seltsam diffusen Eindruck hinterlässt.