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Krishnamurti Foundation
Jiddu Krishnamurti wurde 1895 in Südindien geboren und starb 1986 in Kalifornien. Mit 11 Jahren kam er nach Adyar, dem Hauptsitz der Theosophischen Gesellschaft, wo er im theosophischen Sinne erzogen und ausgebildet wurde. Anschliessend besuchte er die höheren Schulen in England. Seine theosophischen Lehrmeister (allen voran Annie Besant) waren überzeugt, er sei Avatar («Herabkunft»=Inkarnation einer Gottheit) und zum Weltenlehrer berufen. Sie gründeten für ihn den «Star of the East»-Orden und machten ihn zu dessen Oberhaupt. Die folgenden Jahre des Lernens, Reisens und Lehrens brachten ihm tiefgreifende Erkenntnisse und veränderten ihn völlig. 1929 löste er den Orden auf und distanzierte sich von der Theosophischen Gesellschaft. Er hielt nun Vorträge auf der ganzen Welt und gründete Schulen in England, Indien und Kalifornien.
Sein Denken und Lehren kreiste um die totale innere Freiheit des Menschen, Freiheit von jeglicher Prägung durch Religion, Ideale, Dogmen und Philosophien. Erst wenn der Mensch von diesem Kreislauf der Routine frei wird, findet er ein neues, tiefes Verständnis für den Sinn des Lebens und damit inneren Frieden und Glück. Krishnamurti regt uns zur kompromisslosen Erfahrung mit uns selbst an, mit unseren Sehnsüchten, Idealen und Ängsten. Nur auf diese Weise können wir erkennen, wie wir geprägt sind, können wir Neues entstehen lassen und aus dem ewigen Kreislauf der Routine heraus zu Ruhe, Frieden und Glück finden. Krishnamurti sieht die Wahrheit als grenzen- und pfadloses Land, dem man sich nicht durch eine festgelegte Religion annähern kann. Mit dieser Sicht sprengt er auch die an sich schon weitgefassten Grenzen des Hinduismus. Bis zu seinem Tod sprach er zu Menschen aller Nationen. Dabei war für ihn speziell auch der Prozess des Lernens ein zentrales Anliegen. Wer nicht mehr dazulernt, verliert das Gelernte.
Von 1961 bis 1985 hielt er jeden Sommer Reden in einem grossen Konferenzzelt in Saanen bei Gstaad/CH, wo jeweils bis zu 3000 Zuhörer vieler Nationen und aller Altersgruppen seinen Worten folgten. Die meisten Vorträge und Gespräche sind in Buchform erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Es gibt Krishnamurti-Schulen in Indien, Grossbritannien und den USA und Krishnamurti-Komitees und -Zentren in 38 Ländern. In England z.B. wurde anfangs der 70er Jahre in Brockwood der Krishnamurti Foundation Trust gegründet, ein grösseres Zentrum, in welchem sich auch eine Schule für Kinder befindet. Alle Schulen und Zentren suchen Krishnamurtis Lehre den Menschen zugänglich zu machen und eine Plattform für Gespräche und Diskussionen zu bilden.
Wer sich mit indischen Gurus beschäftigt, wird in Krishnamurti eine Art Antiguru entdecken, einen Menschen, der sich weigerte, den göttlichen Meister zu spielen, als den andere ihn ausersehen hatten. Diese Weigerung verdient umso mehr Beachtung, als die nach hinduistischer und buddhistischer Tradition schon in jungen Jahren zu göttlichen Wesen bestimmten Meister der ihnen zugedachten Rolle nie mehr entrinnen. Von Babaji bis zu den zahlreichen Kinderäbten des tibetischen Buddhismus wächst kaum jemand über das ihm als Kind zugedachte heilige «Skript» hinaus. Dass Krishnamurti aus seinem goldenen Käfig entfloh, verdient mehr als nur beiläufige Beachtung.