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Theorie
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Zürich is like most cities
It has a somehow small waterfront
Narrow and picturesque lanes in the old part of the town, which date back to the middle-age
Remarkable churches and universities
A public transportation system, over- and underground
New development areas on the outskirts
Once industrial areas, that have now become popular living-districts
Transit problems, too little parking space
Good restaurants with swiss and international food
Zürich is a city like any city
So, why not sit down in Zürich and learn something about cities, about the forces that shape cites and about the way we look at cities, which is by no means as obvious as it may seem.
From Zürich to Zürich
Nach dem riesen Aufgebot an Chalets an der Landesausstellung 1896 in Genf und an der Weltausstellung 1900 in Paris, finden sich wenig Spuren an der jüngsten Selbst-Ausstellung der Schweiz, der Expo02. Wir fanden, ausser einem kleinen Vermerk auf die Menge des verbrauchten Holzes nichts, was in der Architektur auch nur im Geringsten mit den dort genannten Bergchalets zu tun haben wollte.
In den Jahren zurückgehend, scheint es, dass mit den schweizerischen 'Minimalen', den 'Tendenzen' der 90-er im Tessin, den Bauhaus-, Werkbund-Strömungen - eigentlich seit der architektonischen Moderne - eine Spaltung zwischen Machern (die reaktionären Handwerker) und Denkern (die visionäre Avantgarde) vorangetrieben wurde. Eine Polarisierung der Werte, die mit Stadt und mit Land verknüpft werden, tat zur gleichen Zeit in breiten Bevölkerungsschichten das ihre: bös - gut, stinkend - rein, arbeiten - erholen, und Beton - Holz.
So überliessen die eher städtisch orientierten Architekten die Bauaufgabe Chalet, zugunsten der zahlreichen neuen, und prestigeträchtigeren Aufgaben in den städtischen Agglomerationen, gerne anderen, oft gelernten Bauzeichnern, Zimmereien oder Schreinereien. Das Bauen von Chalets fand zwar schon immer in einem handwerklich orientierten Umfeld statt (die anonyme Architektur der Bauernhäuser, die Chalet-Fabriken mit ihren Laubsägeornamenten), doch vielleicht stärker als auch schon distanziert sich die selbsternannte Architekten-Elite von dieser Aufgabe, die zu einengend und wenig herausfordernd erscheinen mag. Dadurch, dass sich nie eine avantgardistische, progressive Strömung um den Typus Chalet bemüht hat, blieb die Entwicklung eine nachvollziehbare, stetige und bruchlose. Das mühelose Wiedererkennen und die Konstanz werden dann auch weitherum geschätzt.
Hierin liegt, wie wir meinen, ein Grossteil der Faszination.
Das Chalet (ursprüngliches Bauernhaus, Hütte, Holzhaus und was sonst noch alles unter dem Begriff subsumiert wird) ist omnipräsent. Seiner Austauschbarkeit, Verwechselbarkeit, dem Verschwinden des Einzelnen in der Masse, im Grossen, stehen die liebevoll gepflegte Einzigartigkeit, im Kleinen, gegenüber. Das Chalet kann sich an Bekanntem messen, es erlaubt Vergleiche, die es - ähnlich den fotographischen Arbeiten der Bechers- durch den Blick für den feinen Unterschied liebenswert und nahbar machen.
Was hier für das kleine Eigen- / Ferienheim als Billig- und Fertigbau verständlich wirkt, diese Konsequenz des 'jeder-kanns-eigentlich-Stils', bleibt aber eine Frage, was die Fassadenarchitektur grosser Hotelbauten und Appartementblock-Siedlungen betrifft. Wie ist es möglich, dass ein solches aus-der-Form-geraten so kommentarlos vor sich gehen kann?
Liegt es daran, dass die Proportionen weitgehend beibehalten werden, es ein eigentliches Aufblasen der Form auf die für den Inhalt benötigte Grösse ist?
Ist das Jumbo-Chalet eine gut-schweizerische Kompromiss-Lösung zwischen bildhaften Erwartungen, Baukosten, Exklusivität? Oder ist das Spezifische daran gerade in der aus vielen Einzelzimmern resultierenden Grösse zu suchen, da es eben spezifisch alpin ist, genauer nord-alpin, im additiven Prinzip zu bauen, wie es im traditionellen Bauernhausbau geschehen ist? Reiht sich da auch dieses Grösserwerden, mit der beschriebenen Stetigkeit, in die Entwicklung des Typus Chalet ein, in diesem Sinne sogar ausserordentlich präzise und sorgfältig - in Antwort auf die Bedürfnisse der Zeit?
Wen schaudert's hier? Ist es die copy- / paste-Mentalität, die alles mit zwangsläufigem Stilmix verwässert (die Tiroler Balkone am Bündner Bauernhaus im Berner Oberland...), dieses 'den-Bruch-nicht-wagen', auch wenn er vielleicht überfällig ist, das hier stört? Ist Gelassenheit oder Empörung am Platz?
Wenn man die Emotionen für einmal etwas zurückstellen will, lässt sich dennoch feststellen, dass dem Monstrum Jumbochalet sowohl die Lieblichkeit, als auch die wahre Grösse zu fehlen scheinen. So als ob durch die übermässige Addition und die darauffolgende Aufgeblähtheit, durch die zwanghafte Repetition der durchaus liebevollen Ornamentik und durch zu häufiges Vergleichen und Angleichen, gerade das, was man am Chalet zu schätzen geglaubt hatte, in Angewidertheit umschlägt.
Wie lässt sich das erklären? Der Chalet-Begriff, so denken wir, ist heute auf einen Bautyp übertragen worden, der nicht so sehr aus der Geschichte des Chalets als Bautyp selbst, als vielmehr mit nationaler Identitätsfindung und ökonomischen Entwicklungen (Tourismus) als Hintergrund verstanden werden muss. Da der Begriff aber trotzdem auch die musealisierte Form des Chalet - als Ort der Erinnerung - umfasst, ja diese sogar in der obigen Masse zu verschwinden scheint, ist eine Diskussion ums Chalet nur dann möglich, wenn man ihn differenziert behandelt.
Das geschichtliche Chalet baut auf seiner Vergangenheit auf und steht abseits (auch örtlich) von Entwicklungen, wie sie in unserem Beispiel in Gstaad anzutreffen sind. Es ist Ausdruck seiner Zeit (das 19. Jh.) und in diesem Sinne weder weiterentwickelbar noch in die heutige Zeit in einer anderen Form als der Historisierenden zu übertragen.
Das weitverbreitete und weitherum so genannte Chalet zehrt von denselben Themen, wurde aber in seiner Entwicklung auf einfache stilistische und und konstruktive Elemente und eine ausgesprochene Bildhaftigkeit reduziert. Die inhaltlichen Themen, in unsere Zeit transportiert, basieren immer noch darauf, dass es auf gewisse archaische Bedürfnisse zu antworten vermag. Mit der Verwendung von Holz als dem primitiven Baumaterial wird sowohl Geborgenheit in der Natur als auch in der Geschichte vermittelt. Dieses Chalet ist nicht mehr 'Schweizerstil' in erster Linie, sondern - mindestens europaweit - allgemeingültiger Ausdruck
einer verlorenen und wiedergefundenen Heimat und die Möglichkeit einer eigenen Identität des jeweiligen Besitzers, die für einmal nicht originell, nicht besonders erfolgreich, nicht trendy sein muss. Eine Möglichkeit abzuschalten in einer Welt, in der man sich ständig positionieren muss. Es provoziert nicht, es bestätigt. Es kann als Zweitwohnung dieselbe Funktion haben, die das kitschige WC- Bürsteli in Kaktusform in der Wohnung in der Stadt wahrnimmt: In einem grösseren Massstab ist es ein Stück der Ausstattung eines vielseitigen und vereinbaren wollenden Menschen mit dem Bedürfnis nach Ausgleich. Wer seine Freizeit nicht im Chalet verbringt, verbringt sie im Rustico oder in einer Strandhütte oder geht in eine Bungalow-Siedlung in die Ferien. So ist das Chalet und - in seiner Multiplikation - das gesamte typische Dorf in den Bergen auch Ausdruck von Rückzug oder Zurückgezogenheit vom Gegenpol Stadt (Moderne, Fortschritt, Technik), den man mit Absicht in sicherer Entfernung hinter sich lässt. Dieser Ausdruck und damit eine Identität entsteht in einem solchen Dorf nicht durch einzelne architektonische Meisterwerke. Deswegen kann man auch den Entscheid, auf einen 'Zumthor' in Gstaad zu verzichten, nachvollziehen. Die Identität kann für uns aber ebensowenig durch die Anhäufung von einzelnen Chalets entstehen (s. Abb. Siedlung Kapitel Gstaad), wenn diese so schlecht in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren, d.h. eine funktionierende grössere städtebauliche Figur zu bilden. Das Chalet kreist nämlich vollständig um sich selbst. In dieser Selbstbezogenheit geht die Aussage, die es heute machen kann, nicht über seine unmittelbare Zeichenhaftigkeit hinaus und wird durch seine Verdoppel-/Vermehrfachung in seiner Aussagekraft nicht komplexer, sondern simpler. Dies gilt sowohl für die flächige Ansammlung von Einzelbauten, wie auch für die vertikale Stapelung in Form von sogenannten Jumbo-Chalets.
Für uns ist das Chalet hier aus der Form geraten, wo es im Bereich der miniaturisierten oder der aufgeblähten Objekte, durch Massstabsverfremdung und Multiplikation, nicht in der Lage ist, mehr als ein Gefühl von Lächerlichkeit oder Nostalgie zu wecken.
Auch in die Form gepresste Chalet-Siedlungen (wie sie vielleicht an der Expo 1896 noch nachvollziehbar sind), halten wir für falsch ausgedrückte Wunschvorstellungen nach Rückbesinnung auf eine - nie in dieser Form dagewesene - ländliche Tradition. Das Dorf ist Dorf, und als solches zu behandeln. Hier stehen Holzhäuser verschiedenster Prägung, fähig aufeinander zu reagieren.
Wir können keine Rezepte anbieten; Als Beispiel von Dorfentwicklungen, die auf überzeugende Weise mit dem jeweiligen kulturellen Hintergrund des Architekten, dem gewählten Bautyp und dem Umfeld (Würdigung in der Bevölkerung, in der Fachwelt) funktionieren, möchten wir aber auf Vrin (G. Caminada) und Monte Carasso (L. Snozzi) verweisen.
Als Architekten sollten wir fähig sein, die Wichtigkeit von Gegensätzen und Komplementen, wie sie anhand des Chalets sichtbar werden, zu erkennen und die bauliche Ausformulierung auf beiden Seiten mit derselben Sorgfalt angehen zu können und wollen. Das könnte bedeuten, dass das Chalet, als pointiertes Einfamilienhaus, als ein mit Symbolgehalt aufgeladenes Einzelobjekt seine Daseinsberechtigung im Architekturkanon erhält und ihm als Bauaufgabe Frag-Würdigkeit zugestanden wird.
UrbanWhispers
Urban space whispers. Memories and adventures of everyday life wait to be discovered and collected in someone's common- place- book. The UrbanWhispers project treasures these memorabilia and shares them with the open ears of the audience strolling through the city. UrbanWhispers approaches the subject of perception of urban space through story- telling by composing audible pictures and scenes on the fly from pieces out of an active archive of the mental state of the city. The listener is guided in an ambiguous way and unique stories develop throughout the explorative walk - very unlikely to be told a second time.
In this work We present the narrative concept and the design of a prototype system running on a WIFI and GPS enabled Personal Digital Assistant (PDA). The PDA carries a local copy of the common- place- book that is compiled and edited with a specially designed graphical editor.
Team biography
The UrbanWhispers project team consists of four people with distinct backgrounds sharing the love for uncovering the memories and little secrets of urban space. Kristina Eschler is a conceptual based designer of new media, motion graphics and visual communication. Urs Hugentobler is currently working as a database application developer, with a main interest in integrated information systems. Stefan Kern is a Ph.D. student at the Computational Science and Engineering Lab at the ETH Zurich. Anja Meyer runs an office as an architect interested in practice as much as in theory.
Das Chalet führt kein geruhsames Leben. Im Laufe seiner Geschichte ist das Schweizerhaus unzähligen Interpretationen und Emotionen ausgesetzt gewesen. Wenn nun die Architektenwelt über das Chalet lacht, es als unbedeutende kleine Sünde abtut, als anekdotisches Liebhaberobjekt, welches wohl vor allem die Kultur seines Besitzers widerspiegle, so wurde dies auch schon ganz anders gelesen: Das Chalet als die Urhütte, hoch auf dem Berg, die dem Spiel der Elemente und dem göttlichen Zorn trotzt, ist Zeichen der Eroberung der Freiheit des menschlichen Könnens und Wissens, Symbol gar der Architektur.
Unschuldig und unverdorben ist das Chalet längst nicht mehr. Vielleicht brachte früher noch der Berg den Menschen in seiner Vorstellung Gott näher, vielleicht mag es seit Klara Sesemans Besuch bei Heidi auf der Alp feststehen, dass, je höher der Mensch wohnt, desto gesünder sein Leib und desto besser sein Charakter sei. Heute jedenfalls sind die Alpenregionen konfrontiert mit Menschenströmen, die ohne ihre gewohnte Umgebung eigentlich zu verlassen, einige hochkonzentrierte Tage Chalet-Wohlfühlstimmung tanken wollen.
Wir alle möchten unsere Träume wohlig verpackt wissen, unseren Schlaf aber ebenso sicher beschützt von dem, was oft als eine weitere Haut des Menschen bezeichnet wird, dem Unterschlupf mit dem elementaren Dach über dem Kopf. Viollet-le-Duc wusste, wie das geht, (und wir wissen es immer noch - doch scheint sich die Angelegenheit der Architektur mit dem Aufkommen der Frage nach dem Stil nicht vereinfacht zu haben. Seit sich der Begriff der Mode dazu gesellt hat, ist nun zwar Ersterer wieder salonfähig geworden, die Diskussion um beide aber nichts desto weniger im Gange. Lifestyle heisst das auf Englisch, und es umfasst nicht nur die heikle Frage der passenden Bettwäsche, nein, die Architektur, traditionellerweise als eingebunden in die Zeit verstanden, sieht sich mit Ansprüchen sowohl an Zukunft, Ewigkeit, als auch an das grosse Erlebnis konfrontiert. Welche Rolle spielt hier das Chalet, das treue Aushängeschild der Schweiz?
In loser Anlehnung an die Arbeit Learning from Las Vegas von Venturi, Scott Brown, Iszenour, denken wir, dass diese Themen, die Versuche sich ihnen baulich zu nähern, unseren Alltag prägen, und dass deshalb auch gerade dort, im Alltäglichen und Banalen, nach Ansätzen zu suchen ist, die aufzeigen und erklären können, weshalb die Frage von der einen Seite zwar nur im Flüsterton gestellt, die Antworten von der anderen aber lauthals und in aller Selbstverständlichkeit verkündet werden. Wir sind schulisch daran gehindert worden uns in genannter Wäsche zu verkriechen, unter jenem Dach zu ruhen - warum wir es uns trotzdem - und in guter Gesellschaft - ein wenig wünschen, ist hier die Frage.
“Daraus, dass der Stil sich auch im Beschauer an die Schichten jenseits der rein individuellen wendet, an die breiten, den allgemeinen Lebensgesetzen untertanen Gefühlkategorien in uns, stammt die Beruhigung, das Gefühl von Sicherheit und Unaufgestörtheit, das der streng stilisierte Gegenstand uns gewährt.”
Schwerpunkt dieser Arbeit soll also eine Annäherung an ein, unter Architekten, viel-gescheutes Thema, nämlich der Erfolg sogenannter folkloristischer Elemente und ihre Verselbstständigung, vor allem in der Ferienarchitektur, sein. Hat das Chalet solchen breiten Erfolg, weil es primäre Bedürfnisse, andernorts vernachlässigt, zu stillen vermag?
Filmstar Hugh Grant, wie auch Liz Taylor besitzen ein Chalet in Gstaad im Berner Oberland, auch Modezar Armani möchte sich in der ländlichen Schweiz ein Domizil einrichten. Sie alle schätzen die 'Authentizität' des Schweizerhauses, seine Qualität als Zufluchtsort vor dem garstigen (Stadt-) Alltag, den glitzernden Schnee auf seinem Dach oder die Sommerfrische in seiner Umgebung.
Anders geht es den Bauern, die in derselben Region in ihren Holzhäusern, ebenfalls Chalets, wohnen. Für sie ist Gewohnheit, was für die Stars in Perversion der Wertvorstellungen Exotik geworden ist. Ist das Chalet, das kleine Schloss der freien Eidgenossen zu einer Kulisse der Träume nach frischer Luft lechzender Städter verkommen, oder müsste man grundsätzlich fragen: Was macht ein Chalet zum Chalet? Und: Warum machen Chalets glücklich?
Nun, sicher ist, dass einem scheinbar so eindeutig bestimmbaren Typus Bau, mit einer solchen Breite an Identifikationsmöglichkeiten und Leseweisen, Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Trotz allem Nasenrümpfen und Nicht-Beachten: Seine Relevanz muss wenigsten in einem Bereich ohne Zweifel anerkannt werden. Es ist der Kassenschlager der heutigen Zeit im Baugewerbe der Schweiz und anderer Alpenregionen.
Darüber hinaus, und vielleicht auch: Nichts desto trotz, möchten wir darüber sprechen, welchen zeitlosen Charakter das Chalet hat, wo sich dieser zeigt, und was dies für unsere alltägliche Wahrnehmung bedeutet. In seiner Entwicklungsgeschichte, die an sich auch beinahe als Sozialgeschichte betrachtet werden könnte, finden sich materielle, konstruktive, formale Konstanten, die uns nicht nur interessieren, sondern womöglich sogar in unserem Schaffen in diesem Rahmen Schweiz von Belang sind.
Undifferenziert ? - Architektur für Alle,
Billig? - Architektur am Strassenrand,
Geschmacklos? - Architektur und Essen
Was ist Architektur für Nicht-Architekten?
Was ist Nicht-Architektur für Architekten?
und warum?
Unter dem Titel “undifferenziert?, billig?, geschmacklos?” möchten wir bei einem Essen am Strassenrand über das Haus des Landes sprechen, über das Chalet.
Das Thema “Chalet” soll den Einstieg in die Tiefen der Architekturdiskussion eröffnen, ein Thema, das sich als Ausgangspunkt zu ganz allgemeinen Betrachtungen über das, was die Architektur sein kann, insofern besonders eignet, als es eben gerne “undifferenziert, billig, geschmacklos” genannt und dennoch von Herzen geliebt wird.
Wir sind der Auffassung, dass die Differenz zwischen Kenner-Architektur und Volks-Architektur wenig fruchtbar, ja sogar schädlich ist für die gesunde Entwicklung einer allgemeinen Architektur, die, beginnend mit der Theorie, in der Umsetzung von Objekt bis Städtebau reicht.
Das Pflegen eines bewusst ausschliessenden Diskurses zu welchem Nicht-Eingeweihte weder Zugang haben noch haben sollen, scheint uns zu nichts anderem, als zu einer — wenn auch berauschenden- inter-architektonischen Kreisbewegung zu führen. In einer solchen aber können wir nicht das tun, was Architektur als elementarer Bestandteil (wir sprechen hier von Kernkompetenzen) unserer Gesellschaft kann: einfrieden, umfassen, .............. sich um den Raum kümmern. ( auch: Das Schön- Wohnen ermöglichen).
En Guete: Wir machen Begriffe erlebbar, ohne sie ganz erklären zu wollen und stellen mehr Fragen, als dass wir Antworten geben- und hoffen dennoch, dass es schmecke.
Judith Gessler / Anja Meyer
Diplomwahlfacharbeit Architekturtheorie Prof. Dr. Àkos Moravà¡nszky,
Assistent O. W. Fischer
ETHZ, 2003
Vorwort
Im Zusammenhang mit der momentanen medialen Präsenz des Themas Schweiz und die Frage um ihre Identität, möchten wir als Architektinnen die Rolle des Aushängeschildes Chalet untersuchen.
Ausgangspunkt der Betrachtung sind für uns verschiedene aktuelle à„usserungen wie themenbezogene Zeitschriften, Werbeprospekte und Internetauftritte
Schwerpunkt der Arbeit soll eine Annäherung an ein, unter Architekten, viel-gescheutes Thema, nämlich der Erfolg sogenannter folkloristischer Elemente und ihre Verselbständigung, vor allem in der Ferienarchitektur, sein.
Dass Städter in den Ferien in die Berge in ihr Chalet fahren, scheint eine Vermischung zwischen angestammten, bäuerlichen Hausformen und einer städtischen Lebensweise anzuzeigen. In der Geschichte des Chalet-Begriffes, wo Gegensätzlichkeiten, Projektionen, Internalisierungen auftauchen, sehen wir, dass diese Annahme keineswegs so selbstverständlich ist.
Die Bauaufgabe der Einfamilien- und Ferienhäuser in der Bergwelt ist eine Erfindung des Städters im 19. Jh.
Erst seit da ist er überhaupt in der Lage, diese Welt zu schätzen. Noch die Reisenden des 18. Jh. Waren auf ihren Bildungsfahrten nach Italien froh, die Alpen überwunden zu haben. Die kulturelle “Besetzung” der Alpen durch Landhäuser, Chalets im 19. Jh. Wurde von verschiedenartigsten Wünschen und Vorstellungen begleitet. Folkloristische Elemente aus der ganzen Welt, aber auch vorgefundene bäuerliche Bauten wurden zum “Schweizerstil”, “Chaletstil”. Das Chalet, reduziert auf wenige, einfach zu erkennende äusserliche Merkmale, wurde — präfabriziert — zum Exportschlager der Schweiz. In und um die Schweizer Alpen ist das Chalet auch heute ungebremst erfolgreich.
Wir möchten uns in dieser Betrachtung als örtliche Begrenzung an die Schweiz halten. Eine Region, in der schon im letzten Jahrhundert das Chalet als touristischer Attraktor und als Inspirationsquelle für Künstler diente, ist das Berner Oberland. Hier analysieren wir Gstaad, entstanden als typisches Produkt der touristischen Entwicklung.
Nach einer Auseinandersetzungen mit den Schlagworten, dem Zeitlosen, dem Versprechen, den Beispielen und Vorbildern, geht es uns in einer ersten Begriffsklärung darum, zu zeigen, wie sich schriftlich festgehaltene Definitionen entwickelt haben. (So wird von jeher im französischen Sprachgebrauch der Begriff viel weiter verwendet als im Deutschen, wie z. B. im Wallis).
Wir grenzen den Typ Chalet vom Holzhaus in seinen verschiedenen Prägungen ab und zeigen die Entwicklung seiner Bauweise in der Zeit auf, wobei wir uns hier auf das Berner Oberländer Haus beschränken.
Wir schauen von aussen in einer kunstgeschichtlichen Weise aufs Chalet und nähern uns ihm anhand Fundstücken der Zeit. Mit diesem Hintergrund betrachten wir Gstaad und versuchen typische Entwicklungen und typische Ausformungen zu erkennen. Was das Chalet heute ausmacht und was wir daran faszinierend finden wird schliesslich — aber nicht abschliessend — beschrieben.
Architekten brauchen Wörter. Noch vor dem Bilder suchen und Dinge bauen, ist Sprache zu finden Teil unserer Arbeit. Darum soll es hier gehen — und um ein Wort im Speziellen: Schwund. Als Begriff unserer Zeit taucht er ebenso in Architekturzeitschriften (shrinking cities) auf wie in Schweizer Tagesmedien (verbrachende Alpentäler) — die Kehrseite des Wachstums wird zum Thema. Der Begriff taugt zum Beschreiben von Veränderungen in unserer physischen Umgebung — und geht uns Architekten somit direkt etwas an. Mit einer Gruppe von Architekturstudenten aus verschiedenen Ländern Europas haben wir in einem zweiwöchigen Workshop in Bergün, in den Bündner Bergen, diesem Wort nachgespürt.
Schwund und Architektur
Wachstum und Schwund sind zwei Seiten desselben Prozesses. Je nach dem, von welcher Seite wir einen Veränderungsvorgang betrachten, sehen wir das eine oder das andere. Dennoch stellen wir fest: das Zeitalter der Dampfmaschine, der Ingenieure, der Staumauern und des Fortschritts, das Zeitalter des Wachstumsglaubens, in der Dinge lokal grösser und besser werden, liegt hinter uns. Wir sind in eine Zeit eingetreten, in der die Dinge kleiner werden in längst angelaufenen globalen Prozessen, in der die Dinge sich im Kleinen und Grossen zu ähneln beginnen — wir leben in einer Zeit, deren neue Komplexität nach neuen Begriffen verlangt. Während das alte Zeitalter zwischen den Disziplinen “Städtebau”, “Raumplanung” und “Landschaftsarchitektur” unterschieden hat, beschäftigt man sich heute planerisch mit der “Zwischenstadt”: Das Interesse gilt der Verschmelzung tradierter Gegensätze zu “gebauter Landschaft” und “natürlicher Stadt”. Natur und Kultur beginnen sich zu durchdringen.
Im Städtebau der Moderne wurden Arbeit, Wohnen, Freizeit, Verkehr räumlich von einander getrennt. Heute ist das Ideal von Urbanität (wieder?) eine Stadt der Vermischung, in der die Menschen zur gleichen Zeit am gleichen Ort verschiedenste Funktionen ausführen. Dieser Wechsel ist symptomatisch für unsere Zeit: Aus einer abgrenzende Haltung wird eine integrierende. In der Diskussion über Raum und Zeit interessiert nun neben dem Wachsen, Besetzen, Einfrieden, Einnehmen plötzlich auch das Schwinden, Loslassen und Zurückgeben. Neben Identität und Ort interessieren nun auch Chaos und Unort. Ebenso wie sich Räume und Funktionen zu verflechten beginnen, beginnen die Disziplinen sich (wieder?) zu vermischen. Hier wird der Architekt nicht als Erbauer grosser Gebäudeperlen in der vom Landschaftsgärtner gestalteten grünen Umgebung gebraucht, nicht als Umsetzer von Kostendächern und auch nicht als ein sich in kühnen Strukturen verewigender Selbstverwirklicher. Von Berufes wegen Macher und Denker, Hergebrachtes und Zukünftiges gleichermassen im Kopf, kümmert er sich — als kritischer Generalist — zu aller erst um die menschliche Gesellschaft, deren Begriffe und Bilder. Es ist an uns, die Baustoffe unserer gedachten und gebauten Werke zu wählen — und so gilt es am Anfang die Frage nach den Begriffen zu stellen, mit welchen wir an der Gesellschaft mitbauen wollen.
Sprechen wir von “Schwund”, implizieren wir, dass Wachstum alleine heute nicht mehr das Thema ist. Nicht mehr nur kultureller Fortschritt will geplant und daher gedacht werden, sondern ebenso dessen Gegensätze. Erlahmende kulturelle Energie einerseits, ist Schwund zugleich eine aktive Bewegung der opponierenden Kraft “Natur”. Ihr Verhalten gewinnt heute neue Bedeutung und verlangt neuen Sinn: Wie reagieren wir auf immer häufigere und heftigere plötzliche Ereignisse wie Hurricanes, wie gehen wir um mit schleichenden Erosionsprozessen wie Verbrachung im Alpenraum?
Als Architekten betrachten wir unsere Umwelt mit besonderen Augen, unsere Wahrnehmung ist nicht unschuldig und unvoreingenommen. In unserem Blick durch unsere Tätigkeit beeinflusst, sehen wir unsere Umwelt stets auch als Ort einer möglichen physischen Veränderung. Unser Umfeld genau anzuschauen, zu erforschen, sich als Mensch mit der Umwelt in Bezug zu setzen und dafür einen Ausdruck zu finden, ist dafür notwendiger erster Schritt. Einen Beitrag zu leisten in einem Gespräch über den Raum, in dem wir leben, heisst für uns, zuerst einmal die Fragen zu kennen, die Themen zu orten, anhand derer diskutiert werden wird.
In verschiedenen Zusammenhängen und unter unterschiedlichem Namen ist Schwund heute in aller Munde: Von einer einstmals wachsenden Industrie aufgegebene Areale harren als “Industriebrachen” einer Wiederbelebung, den “shrinking cities” werden Ausstellungen und Bücher gewidmet, und Schweizer Bergtäler kommen als “alpine Brachen” zu unfreiwilliger Medienpräsenz. Trotz der enormen Publizität der Problematik werden jedoch die “Probleme der Planenden besonders dort augenfällig, wo ihre traditionell auf Wachstum
ausgelegten Strategien rezessiven Entwicklungen beikommen sollen.”
Worte gebären Zahlen
Der Beitrag von uns Architekten in einer öffentlichen Diskussion kann verschieden interpretiert werden. Der Naturwissenschafter Peter Baccini bemerkt dazu: “The architect can visualize complex phenomena much more quickly than other persons and much more convincing. But he often mixes up methods, models and metaphors. Still, the architect can put forward problems, can achieve transdisciplinary work and bring together different professions.â€
Aufzeigen wollen, was ist, muss auch heissen, aufzeigen können: Um nachvollziehbar und klar zu bleiben verlässt man sich gern auf Zahlen, die sich addieren, multiplizieren, auswerten lassen — Zahlenflüsse, die man verfolgen kann. Man beruft sich auf Quadratmeter und Geschwindigkeiten, die messbar sind — es entstehen Karten und Grafiken. Auch wir wollen darstellen, doch was gibt es denn darzustellen? Als Illustratoren bekannter Tatsachen, die polemisch inszeniert und graphisch ausgeklügelt daherkommen, wollen wir nicht gelten. Von Fachleuten erforschte Sachverhalte publikumswirksam zu veranschaulichen, das kann nicht die Rolle des theoretisch tätigen Architekten sein. Uns interessieren nicht (ökonomische) Statistiken und deren Kommunikation, sondern in erster Linie jene Faktoren, deren Ausdruck die Zahlen an der Oberfläche der Statistiken überhaupt sind: Wir wollen einen Schritt zurück gehen und einen Blick wagen in eine undurchsichtige Welt von Werten und Idealen, Träumen und Stimmungen, Bildern und Wörtern. Können wir als leidenschaftliche Dilettanten nicht vielleicht auf dieser unterschwelligen Ebene mehr bewirken als im Zahlendschungel der Objektivierung? Wo der Ingenieur eine Kernbohrung vornimmt, schlagen wir uns auf die Seite der Psychoanalytiker und fragen: was sind die Fragen?
Schwund in der Schweiz
Wir nehmen den Ort des Workshops zum Anlass, einen Blick auf den spezifisch schweizerischen, alpinen Kontext zu werfen — Schwundphänomene finden wir hier vor allem in entlegenen Bergtälern. Von einer stagnierenden Landwirtschaft abhängig und mit nur wenig touristischer Infrastruktur, stehen diese Orte heute im Spannungsfeld von Föderalismus und ökonomischer Logik: Auf der einen Seite stehen politische Errungenschaften wie die Gemeindeautonomie und Investitionshilfe für Bergbauern. Vom Gedanken der Erhaltung und Pflege des Landes bis in den hintersten Winkel getragen, zeugen sie von der emotionalen Bedeutung der Landwirtschaft für das Bild der Schweiz. Auf der anderen Seite steht eine Haltung, welche wirtschaftlich nicht funktionierenden Landstrichen eine Existenzberechtigung in heutiger Form abspricht.
Als direkter Anknüpfungs- und Reibungspunkt dient uns die Diskussion, die im ETH Studio Basel unter dem Begriff der “alpinen Brache” initiiert wurde. Einer unter fünf neuen Raumtypen zur Beschreibung der Schweiz, ist er Teil einer Suche nach einem neuen räumlichen Verständnis des Landes, welches im Buch “Die Schweiz — ein städtebauliches Portrait” veröffentlicht wurde. “Die Basler (Jacques Herzog, Marcel Meili, Roger Diener, Christian Schmid, Pierre de Meuron) vertreten grob gesagt, die These, dass die Kraft des Lokalen auch unter den Voraussetzungen weltweiter Vernetzung viel stärker ist, als ursprünglich angenommen und dass man die Beharrungskräfte des Ortes als produktiv wahrnehmen soll.” In der politischen Diskussion wird zuweilen die Aufgabe der durch Ausgleichszahlungen am Leben erhaltenen Tälern gefordert. Der Begriff der “alpinen Brache” will andeuten, dass ein Landstrich, der sich durch Schwund an Kultur auszeichnet, auch ein Potential birgt: Das Land “verbracht”, um der nächsten Generation für etwas anderes wieder zur Verfügung zu stehen.
Von vorne beginnen
Hier möchten wir einsetzen und fragen: was ist es, zugunsten dessen man diese Kultiviertheit aufgeben würde? Wie könnte Erhaltenswertes verknüpft bleiben, um die brachliegende Zeit zu überdauern? Wie liesse sich das Überliefernswerte transportieren? Und wie sind die Grenzen dessen definiert, das man aufgibt?
Kann man schliesslich anhand von solchen Fragen rückschliessen darauf, wie es denn genau um die entsprechenden Gebiete steht? Und welche Rückschlüsse erlauben solche Fragen auf die Werte der Fragesteller und deren geistige Umgebung?
Wir verstehen die Arbeit dieses Workshops als einen Beitrag zur aktuellen Diskussion. Er soll am Anfang des intellektuellen Prozesses stehen, wo eine vermeintliche Lösung zu einem vermeintlichen Problem noch nicht in Reichweite ist. Wir arbeiten als Gruppe, und wenn die erarbeiteten Fragen als einzelne sehr spezifisch erscheinen mögen, so bilden sie doch zusammen den Anfang eines Fragenkatalogs, der als Ganzes Sinn ergibt. Daher auch der Versuch, die Art des Zusammenkommens dieser Fragen zu illustrieren.
Um innerhalb der uns zur Verfügung stehenden zwei Wochen zu einer möglichst breiten und polarisierten Auswahl an Fragestellungen zu kommen, bieten wir den Studenten eine Auswahl an möglichen Rollen an. Diese Rollen, oder Typen, sollen helfen, die verschiedenen kulturellen und persönlichen Hintergründe zu kanalisieren und für unsere Arbeit nutzbar zu machen. Diese weit von einander liegenden Extrempositionen begleiten die Studenten als “Rucksäcke”, wobei zu jedem Titel eine Folge von Beiwörtern, Stichwortsätzen und Vorbildern gehört. Sie heissen “to analyse and classify”, “to find and transform”, ”to contemplate and acknowledge”, ”to compete and achieve”, “to preserve and care for”. In einem nächsten Schritt formulieren die Studenten ihre gewählten Typen auf das Thema ”Schwund” hin — welche generellen Haltungen bergen welche spezifischen Einstellungen zu unserem Thema? Ein zweistufiger theoretischer Zoom-in, in die Schweiz und in das Safiental, sowie ein anschliessender Besuch im Tal, bilden die Grundlage für die Erarbeitung der spezifischen Fragen.
Die Arbeiten
Zur Beschreibung der Situation des Tales unterscheiden wir zwischen den hard facts und den soft factors. Die ersten sind die quantifizierbaren Tatsachen (Schwund an Wertschöpfung, Entvölkerung), die sich in ökonomischen Modellen widerspiegeln. Unsere Arbeitsthese ist, dass diese hard facts nachhaltig beeinflusst werden von soft factors, ähnlich den intangible assets der Geschäftswelt. Einzeln schwer messbar, werden die soft factors gerne vernachlässigt — sie stehen im Zentrum unserer Untersuchungen.
Sebastian Bildstein, Deutschland: Das grundlegende Gedankenmodell des Workshops
In einem ersten Modell formen die hard facts ein geschlossenes Polyeder, in grau. Wir falten es auf und fügen die farbigen soft factors an — das System, komplexer und erweiterbar, kann nicht mehr geschlossen werden.
In einer zweiten Betrachtungsweise bilden die hard facts die Leinwand, auf welche die soft factors projiziert werden. Auf diese Weise erhellen die soft factors gewisse darunter liegende Bereiche, in denen dadurch eine Beeinflussung möglich wird. Je heller der Lichtfleck, desto höher das Potential, und desto mehr werden die hard facts überblendet.
Tijana Stevanovic, Serbien: Ein Stilleben der Zeit — wo die Zukunft, die schon hier ist, sich versteckt
Was ist das Jetzt? / Was sind die Tendenzen der Zukunft? / Wie viele zukünftige Welten lassen sich im Existierenden finden? / Was ist vom Vergangenen gegenwärtig? / Wie viel Möglichkeit liegt vor uns? / Kann es ein kohärentes Bild von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem geben? / Wie beeinflusst der Blick die Handlungen? — Tijana fängt mit kurzen Filmsequenzen Momente ein. Sie testet Geschwindigkeiten und Richtungen, Blickwinkel und Überlagerungen. Ihr Interesse liegt da, wo die Art der Betrachtung vieldeutig ist und “re-framing”, “re-thinking” zulässt.
Tiina Merikoski, Finnland: Zugehörigkeit zu einem Ort kann erschaffen werden
Was produziert Rahmenbedingungen, die Zugehörigkeit ermöglichen? / Gibt es eine Infrastruktur der Zugehörigkeit? / Wie können vorgefundene Ideen und Strukturen wiederverwertet werden? / Wie drückt sich das in demographischen Bewegungen aus? / Gibt es eine wechselseitige Beziehung, wo der Ort dem Bewohner etwas gibt und der Bewohner dem Ort? — Tiina gibt den Umrissen des Ortsplans ein Gesicht. Sie interessiert sich für die Physiognomie der Häuser und Fassaden und wie diese mit den Bewohnern zusammenhängt. Sie sucht Kriterien und stellt Dichten und Variationen fest.
Ivonne Weichold, Deutschland: Die Schönheit der Landschaft bleibt
Wie drückt sich landschaftliche Schönheit aus? / Ist die totale à„sthetisierung der Landschaft ein gangbarer Weg? / Kann man die Zeit vernachlässigen? / Wie beeinflusst Schönheit den Tourismus und die Bevölkerung ? — Ivonne knüpft an romantische Gedichte an, um Schönheit zu sammeln. Sie interessiert sich dafür, wie Wissen und Gefühle das beeinflussen, was man sieht. Sie experimentiert mit Textstruktur, schüttelt und ordnet — bleibt der Ausdruck von Schönheit erhalten? Ist eine Konstante ausmachbar?
Lovisa Ohlsson, Schweden: Unter der Oberfläche existiert eine Welt der Worte
Welche Kraft haben Geschichten, Gerüchte, Mythen? / Welche Orte schafft verbale Kommunikation? / Wie verändert emotionale Zugänglichkeit den Wert eines Ortes? — Lovisa geht der Tradition der mündlichen Tradition nach. Welche Werte und welche Kraft sie findet, illustriert sie mit Kürzestgeschichten, die sie der Gruppe erzählt. Welche Auswirkung dies auf Orte hat, und wie sich diese Kräfte manifestieren, ist Thema ihrer Untersuchungen.
Attila Jakab, Ungarn: Sprache kann alles verkaufen
Werden in einer globalisierten Sprache Wörter als Produkte verkaufbar? / Sind durch die Regeln von Marketing und Verkauf Massstabssprünge, Systemsprünge denkbar? Wie können durch Verkaufsstrategien, durch Worte Tourismus, Einnahmen und Wohlstand eines Tals beeinflusst werden? — Attila ist überzeugt, dass sich “Schwund” verkaufen lässt unabhängig von oder auch verknüpft mit einem spezifischen Ort. Dieses Marketing verändert das Bewusstsein, und Werbebilder werden wahr.
Natasha Dozdeva, Lettland: Die Natur kommt mit einer Verzögerung zurück
Gibt es einen Spielraum für Eingriffe im Kräftemessen von Natur und Kultur? / Welche Verzögerungstaktiken werden benutzt, um die Natur in ihrer “natürlichen Kurve” zu verlangsamen? / Kann man von der Analyse vergangener Prozesse auf die Zukunft schliessen? — Natasha analysiert den Prozess des Wachsens und Schwindens in Natur und Kultur. Sie identifiziert Phasen und versucht, eine Kurve zu zeichnen, die von Vergangenem in Zukünftiges läuft. Dabei setzt sie sich mit Denkmodellen und Analogien auseinander, anhand derer eine solche Kurve zustande kommen könnte.
Fragen als Basis
Ob das Safiental, das in ökonomischer und demographischer Hinsicht schwindet, in seiner heutigen Form erhaltenswert ist oder nicht, können und wollen wir hier nicht beantworten. Was wir gefunden haben, sind Fragen, die ausserhalb ökonomischer Argumentation Möglichkeiten und Potentiale aufzeigen. Damit möchten wir Diskussionen anregen — wie jene mit GesprächspartnerInnen in Bergün, Tenna und Safien-Platz.
Fragen, Wörter, Sprache verstehen wir nicht als sekundär beschreibendes Mittel, sondern als primäre Kraft. Wenn wir die richtigen Worte gefunden haben, haben wir bereits die Grammatik unserer Arbeit entdeckt. Mit Worten können wir unsere Umwelt nicht nur beschreiben, sondern auch beeinflussen. Fragen zu formulieren und Begriffe zu prägen zu Themen unserer Umwelt, sehen wir deshalb als ein Handlungsfeld heutiger Architekten. In dieser geistigen Auseinandersetzung, glauben wir, schlummert eine körperhafte Architektur mit solidem Fundament.