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Zürich, Die charakteristische Stadt
Wie lässt sich die Stadt formen? Behörden und Politik in Zürich haben darauf nur bedingt eine Antwort. Es fehlt an den Mitteln und wohl auch am politischen Willen. Es fehlt aber vordringlich an der Vision für eine spezifische Entwicklung.
(… vorher) Im Stadtgebiet wird jährlich eine anständige Zahl an Wettbewerben unter der Mitwirkung der Stadt abgehalten. Allerdings sind diese Projekte im Verhältnis zur gesamten Zahl der Neubauten eine Minderheit. Meist können solche Konkurrenzverfahren nur dann eingefordert werden, wenn die Grundstücke die Arealgrenze von 6’000 m2 überschreiten. Daher reicht die Anzahl nicht aus, um ein ganzes Quartier nachhaltig gestalterisch zu prägen.
Wohin würde sich die Stadt entwickeln, wenn das nicht so wäre? Welche Form nähme die Stadt an, wenn die Kommune die Gestaltungshoheit über alle Parzellen hätte, oder sich die Bauherren und Architekten freiwillig einem übergeordneten Stadtbild unterwürfen?
Geben wir uns dieser kleinen Träumerei für eine kurze Weile hin: Die Stadt bestünde aus Quartieren aus einem Guss. Jedes Gebiet liesse sich sofort an seinem typologischen Ausdruck erkennen und würde seine eigene Charakteristik entfalten. Die Menschen hätten ein klares Bild ihrer Wohnumgebung. Selbst den Laien fiele es nicht schwer, ihren Wohnort zu beschreiben.
Wenn wir davon ausgehen, dass eine solche Stadt erstrebenswert ist, dann stellt sich die Frage durch wen und wie diese Quartierscharakteristik erzeugt werden könnte. Es liegt nahe auch dazu einen Wettbewerb zu veranstalten. Anstelle eines Architekturwettbewerbes könnte so die gesamte Stadt gestaltet werden. Nicht im Sinne detaillierter Gebäude, aber mittels Festlegungen zur Bebauungstypologie und der groben volumetrischen Formulierung.
Wie bereits in der Reihe “Brandet Areas” besprochen, gibt es zurzeit keine solche Planung. Die formalen Eingriffe in die Stadt werden über die Ausdifferenzierung der Bau- und Zonenordnung (BZO), insbesondere durch die Einführung neuer Zonen (W2b) und durch den Fokus auf kooperative Verfahren zu steuern versucht. Diese Werkzeuge werden jedoch nur bedingt zu einer annehmbaren Lösung beitragen können:
Die Definitionen der BZO lassen zum Beispiel die Verdichtung entlang von Strassenzügen zu, was zu einer prägnanteren Stadtform führen kann. Allerdings sind solche Werkzeuge zu wenig präzise, als dass sie auf den Ausdruck der Stadt durchschlagen könnten. In den kooperativen Verfahren wiederum sind gestalterische Fragen Verhandlungssache. Die Potenziale sind durchaus vorhanden. Allerdings bleiben Entscheide im Zusammenhang mit diesen Verfahren auf ein abgegrenztes Gebiet beschränkt.
Letzten Endes wird man nicht darum herum kommen die Stadt tatsächlich planen zu müssen, wenn man eine durchgängige Charakteristik anstrebt. Dazu braucht es Weitblick und Durchhaltevermögen. Eine starke Vision der Stadt kann eine solche Absicht befördern. (Weiter bei …)