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Geschätzte Meteorbeobachterinnen und -beobachter
Im Namen der Fachgruppe Meteorastronomie FMA bedanke ich mich recht herzlich für die zahlreichen Mitteilungen und ausgefüllten Meldeformulare, die im Zusammenhang mit der Meteor-Bolide vom 15. März 2015 bei uns eingetroffen sind. Das grosse Echo aus der aufmerksamen und interessierten Bevölkerung freut uns sehr.
Inzwischen haben wir unsere eigenen Aufzeichnungen der verschiedenen Kamerastationen mit den detaillierten Augenzeugenberichten verglichen. Dabei haben wir im Allgemeinen eine hervorragende Übereinstimmung gefunden, dies sowohl die Flugrichtung betreffend als auch bezüglich Erscheinungsbild des Meteors. Lediglich die Distanz vom Beobachter zur hellen Leuchterscheinung wird generell erheblich unterschätzt. Dazu im Folgenden mehr.
Bei der Benennung dieser "Teile" haben wir auch gewisse Unsicherheiten festgestellt: Der verursachende Körper heisst Meteoroid. Sobald der Meteoroid in die Erdatmosphäre eindringt, vermag er infolge seiner hohen Geschwindigkeit die Luftmoleküle zum Leuchten anregen. Diese Leuchterscheinung nennt man Meteor oder Sternschnuppe. Man sieht also nicht den Meteoroiden leuchten oder glühen. Es sind vielmehr die Luftmoleküle in seiner unmittelbaren Umgebung entlang des Flugweges, die das beobachtete Licht aussenden. Falls der Meteoroid in der Luft nicht vollständig verdampft, können Bruchteile davon den Erdboden erreichen. Dort bleiben sie dann als sog. Meteorite liegen und werden, hoffentlich, gefunden.
Doch was leuchtete denn überhaupt so hell? Helle Meteore werden üblicherweise von wenigen Millimeter bis Zentimeter grossen Bruchstücken von Kometen und Asteroiden verursacht. Die Bolide vom 15. März dürfte jedoch erheblich schwerer gewesen sein (Grössenordnung mehrere zig Kilogramm). Meteoroide ziehen, wie die Planeten auch, in elliptischen Bahnen um die Sonne. Aufgrund von Bahnstörungen, verursacht z.B. durch den schweren Jupiter oder infolge von Kollisionen untereinander, können diese Meteoroiden auf Bahnen gelenkt werden, die den Erd-Orbit kreuzen. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich beide zur gleichen Zeit am selben Ort befinden und kollidieren. Bei der Kollision mit der Erdatmosphäre vermögen dann die schnellen Teilchen (zwischen 11 und 72 km/Sekunde!) die Luft zu ionisieren, was zu einer grellen Leuchterscheinung, eben dem Meteor (auch Sternschnuppe genannt), führt.
Der Meteor vom 15. März 2015 leuchtete um 20:44 Uhr mitteleuropäische Zeit etwas nord-östlich von Stuttgart in einer Höhe von ca. 88 km erstmals auf. Über Konstanz überflog er die Schweizer Grenze. Danach passierte er Wil/SG, den oberen Zürichsee, das Muotathal und zog zwischen Altdorf und Disentis vorbei, wo er im Grossraum Oberalp erlosch. Dort wies er nur noch eine Höhe von knapp 30 km über Grund auf. Die gesamte Strecke legte er in ca. 10 Sekunden zurück. Da der Meteoroid erheblich schneller als der Schall unterwegs war, verursachte er einen Überschallknall, der je nach Distanz zum Beobachter als scharfen Knall oder Donnergrollen zu hören war. Diese Druckwellen wurden übrigens auch vom Schweizerischen Erdbebendienst SED aufgezeichnet!
Ein Meteor erlischt, wenn er entweder vollständig verdampft ist oder wenn er während seines Fluges durch die Erdatmosphäre so stark abgebremst wurde, dass er die Luftmoleküle nicht mehr zum Leuchten anzuregen vermag. Im letzteren Fall fliegt der Meteoroid im sog. Dunkelflug weiter, geht in den freien Fall über und schlägt auf der Erdoberfläche auf. Ob dies auch bei "unserem" Meteor der Fall war, hängt in erster Linie von der ursprünglichen Masse ab und wird noch weiter untersucht.
Falls jemand vermutet, einen Meteoriten gefunden zu haben, sollte er die Fundstelle markieren resp. die genauen GPS-Koordinaten des Fundortes ermitteln. Auch sollten sofort Fotos des Steins und des Fundortes angefertigt werden, und zwar genau so und in der Lage, wie man ihn vorgefunden hat. Erst danach sollte man ihn aufnehmen, wenn möglich mit Handschuhen, und in eine Aluminiumfolie einwickeln. So wird sichergestellt, dass er nicht verunreinigt oder zerkratzt wird.
Den so eingewickelten Stein kann man für eine erste Begutachtung an die Fachgruppe Meteorastronomie senden (wir haben Meteoriten-Experten im Team. Die Post-Adressen sind unter www.meteore.ch
(Kontakt) aufgeführt). Werden zusätzliche Abklärungen nötig, empfehlen wir, den Stein an das Institut für Geologie der Universität Bern (PD Dr. Beda Hofmann) zu senden.
Unsere vorläufigen Resultate (Foto- und Video-Aufnahmen, sowie eine Karte) finden Sie unter http://www.meteorastronomie.ch/ergebnisse.html
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Nochmals ein grosses Dankeschön für Ihre hilfreiche Berichterstattung. Bei weiteren Fragen stehen wir natürlich gerne zur Verfügung.
Jonas Schenker
Fachgruppe Meteorastronomiewww.meteore.ch