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Allgemeine Informationen
Beim Vorhofflimmern schlagen die beiden oberen Kammern (Vorhöfe) des Herzens unregelmässig, ohne Koordination mit den beiden unteren Kammern (Ventrikel) des Herzens. Zwar ist Vorhofflimmern im Allgemeinen nicht akut lebensbedrohlich, trotzdem ist es eine ernste Erkrankung, die ärztlich beobachtet und bei Bedarf entsprechend behandelt werden sollte. Vorhofflimmern kann episodisch (paroxysmal) auftreten, oder sich als dauerhafte (persistierend) Form manifestieren. Eine Komplikation des Vorhofflimmerns ist, dass sich Blutgerinnsel in den oberen Herzkammern bilden können. Diese Blutgerinnsel können im arteriellen Gefässsystem wandern und wie zum Beispiel beim Schlaganfall den Blutfluss wichtiger Organe blockieren.
Die Symptome des Vorhofflimmerns sind vielfältig. Häufig finden sich Herzklopfen, Kurzatmigkeit und Schwäche.
Risikofaktoren
Es gibt Faktoren, die das Risiko erhöhen, Vorhofflimmern zu entwickeln. Einer davon ist das Lebensalter - je älter man ist, desto wahrscheinlicher ist es, an Vorhofflimmern zu erkranken.
Zudem haben Patienten mit Herzklappenproblemen, angeborenen Herzfehlern, Herzschwäche oder koronarer Herzkrankheit, ein erhöhtes Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln. Auch Bluthochdruck, starkes Übergewicht oder chronische Erkrankungen wie Schilddrüsenprobleme oder Diabetes können die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Vorhofflimmern erhöhen. Wer in der Familie Mitglieder hat, die an Vorhofflimmern leiden, hat ebenfalls ein stärkeres Risiko zu erkranken. Bei manchen Menschen können Alkoholkonsum und Rauchen, Schlafentzug oder erhöhter Stress eine Vorhofflimmerepisode auslösen.
Mögliche Symptome
Manche Menschen mit Vorhofflimmern haben keine Symptome und die Krankheit wird zufällig bei einer körperlichen Untersuchung beim Arzt entdeckt. Treten Beschwerden auf, sind sie bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt. Zu den häufigsten Anzeichen gehört Herzklopfen, was sich als rasender, unangenehmer und unregelmässiger Herzschlag oder wie ein Flattern in der Brust anfühlt. Zusätzlich können Schwäche, Ermüdung, Benommenheit, Schwindel, Schwierigkeiten beim Atmen und Brustschmerzen auftreten.
Beim gelegentlichen Vorhofflimmern spricht man von paroxysmalem Vorhofflimmern, bei dem die Symptome kommen und gehen und normalerweise einige Minuten bis wenige Tage andauern. Die Episoden können wiederholt auftreten, gehen aber meist auch von allein wieder weg. Wenn nicht, wird eine Therapie benötigt.
Bei anhaltenden Formen des Vorhofflimmerns normalisiert sich die Herzfrequenz oft nicht von selbst, es wird eine Behandlung benötigt. Symptome können über Wochen, Monate und Jahre auftreten.
Diagnose
Um Vorhofflimmern sicher zu diagnostizieren, ist ein Besuch bei einer Ärztin oder einem Arzt notwendig. Nach Schilderung der Symptome, Darlegung der Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt Tests anordnen, um die Herzrhythmusstörung zu diagnostizieren. Dazu gehört das Elektrokardiogramm, bei dem vom Herz erzeugte elektrische Signale aufgezeichnet werden. Dieser Test ist eines der wichtigsten Instrumente zur Diagnose von Vorhofflimmern. Mit einem tragbaren EKG-Gerät (Holter- oder Langzeit-EKG) kann die Aktivität des Herzens für 24 Stunden oder länger aufgezeichnet werden, was der Ärztin oder dem Arzt eine Beobachtung des Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum ermöglicht.
Eine Ultraschalluntersuchung des Herzes (Echokardiografie) hilft, die anatomischen Dimensionen der Herzkammern, den Funktionszustand der kardialen Muskulatur und der Herzklappen genau zu beurteilen. Bei manchen Betroffenen kann der Grund für ein Vorhofflimmern eine nichtkardiale Ursache wie Erkrankungen der Schilddrüse oder der Lunge haben, was für die Behandlung entscheidend ist. Bluttests, Belastungsuntersuchungen und gelegentlich auch CT – oder MRT-Untersuchungen ergänzen das Repertoire der diagnostischen Möglichkeiten.
Behandlung, Therapie
Die Vorhofflimmerbehandlung hängt unter anderem davon ab, wie lange das Vorhofflimmern bereits vorliegt, wie häufig es auftritt, wie störend die Symptome sind, welche Ursache dem Vorhofflimmern zugrunde liegt und welche beeinflussenden Faktoren oder Erkrankungen für die Behandlung entscheidend sein können.
Die Ziele der Behandlung von Vorhofflimmern sind die Stabilisierung des Rhythmus, die Kontrolle der Herzfrequenz und die Senkung des Schlaganfallrisiko. Bei einigen Patientinnen und Patienten kann das Vorhofflimmern beseitigt werden, indem auslösende Ursachen wie Genussmittelmissbrauch, Übergewicht, Schilddrüsenfunktionsstörungen sowie akute oder chronische Infekte behandelt oder beseitigt werden.
Ist eine ursächliche Behandlung des Vorhofflimmerns nicht möglich, ist es Ziel der Behandlung, die Beschwerden durch das Vorhofflimmerns zu beseitigen. Dafür kommen die Rhythmus- und die Frequenzkontrolle in Frage. Bei der Rhythmuskontrolle wird versucht, das Vorhofflimmern zu durchbrechen und den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen. Die Frequenzkontrolle dagegen beeinflusst nur die Schnelligkeit (Frequenz) des Herzschlages. Das Ziel ist es, den zu schnellen oder zu langsamen Herzschlag auf eine normale Geschwindigkeit einzustellen.
Hört das Vorhofflimmern nicht von allein auf, kann es mit spezifischen antiarrhythmischen Medikamenten (medikamentöse Kardioversion), einem Stromstoss (elektrische Kardioversion) oder einer minimal-invasiven Operation (Vorhofablation) behandelt werden. Bei dieser Behandlungsweise ist das Ziel, den natürlichen Schrittmacher des Herzens (Sinusknoten) anzuregen und in seiner Funktion zu erhalten.
Hat das Vorhofflimmern vor der Therapie bereits länger als 48 Stunden bestanden, wird zunächst mit einem gerinnungshemmenden Medikament behandelt, um einen Schlaganfall vorzubeugen. Trotz einer zunächst erfolgreichen medikamentösen oder elektrischen Kardioversion ist die Wahrscheinlichkeit, dass Vorhofflimmern erneut auftritt, sehr hoch. Statt dauerhaft rhythmuskontrollierende Medikamente, die neben oft erheblichen Nebenwirkungen auch eine niedrige Effektivität zeigen, dauerhaft einzunehmen, empfiehlt sich aktuell eine Katheterablation als schonende und wirksame Behandlungsalternative. In fortgeschrittenen Stadien kann in bestimmten Fällen ein gleichmässiger Herzrhythmus durch eine Operation an der Vorhofmuskulatur des Herzens erzwungen werden.
Expertenstimmen
Erstellt: 27.10.2021 07:00 Uhr
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