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Karate und Schlagzeug
Band bei der Arbeit
die weiteren Veröffentlichungen
Rezeption
Am 16. August 1974 ging Paul mit den Wings ins Studio 2 der Abbey Road, um eine Dokumentation über die Wings zu drehen. Obwohl die Dokumentation nie ausgestrahlt wurde, bildet sie heute den Übergang zum nächsten Album, «Venus And Mars». Regisseur David R. L. Lichtfeld fing dabei mehr als bloss eine Momentaufnahme der Band ein, heute ist «One Hand Clapping» die Dokumentation über Wings Mark IV. David R. L. Litchfield gründete 1976 die Zeitschrift Ritz.
Karate und Schlagzeug
Ein Jahr zuvor, im Sommer 1973, hatten Henry McCullough und Denny Seiwell buchstäblich in letzter Minute vor dem Abflug nach Lagos , wo die nächsten Aufnahmesessions geplant waren, gekündigt. Weshalb Paul und Linda McCartney zusammen mit Denny Laine die Songs für das Album als Trio einspielten. Nach der Veröffentlichung des Albums «Band On The Run», das Paul und Linda McCartney und Denny Laine als Trio eingespielt hatten, weil Henry McCullogh und Denny Seiwell kurz vor den Aufnhamen gekündigt hatten, wollte sie Paul nun ersetzen. So stiess der 21-jährige Jimmy McCullogh als Leadgitarrist zur Band. McCullogh hatte zuvor bei John Mayall gespielt.
Im April und Mai liess Paul 50 Schlagzeuger Probespielen, am Ende wählte er Geoff Britton aus. Britton arbeitete zur Zeit als Karatelehrer in Maidstone. Ein Schüler hatte ihn auf das Probespielen aufmerksam gemacht. Brittons grosse Liebe neben der Musik war Karate. Er kam oft mit einem Kimono bekleidet ins Studio. In «One Hand Clapping» sieht man ihn im Kimono Schlagzeug spielen.
Einblick in das berühmte Studio Nummer 2 an der Abbey Road, wo die Beatles die meisten ihrer Aufnahmen machten. Paul McCartney und die Wings spielen «Jet». Dieses Standbild aus «One Hand Clapping» stammt aus der Deluxe-Version von «Band On The Run».
1974 produzierte McCartney den Film «Empty Hands», bei dem David R. L. Litchfield die Regie führte. Litchfield schreibt in seinem Online-Lebenslauf, dass «Empty Hands» als Kinodokumentation über japanische Kampfsportarten gedacht war. Im Film sieht man ein englisches und japanisches Karate-Team bei einem Wettkampf. Gemäss Litchfield führte John Deakins die Kamera beim Film, der einer bekanntesten Kameramänner Hollywoods wurde. John Deakin war jedoch gemäss Wikipedia ein bekannter englischer Fotograf, der 1972 60-jährig starb. Der Kameramann heisst Roger Deakins, und war bei Hollywood-Klassikern wie «1984», «Dead Man Walking», «Wall E», «Fargo», «The Big Lebowsky», «Oh Brother, Where Art Thou?» oder «Skyfall» zuständig.
«Empty Hands» wurde in Farbe und schwarzweiss gedreht und dauert rund eine halbe Stunde. Paul McCartney schrieb einen Soundtrack dazu, der den Titel «Karate Chaos» tragen sollte. Veröffentlicht wurde er wie «One Hand Clapping», nicht.
Geoff Britton hatte zudem die negative Angewohnheit, Pauls Hintern zu betatschen, was ihn ziemlich nervte. Britton ist auf den 1974er-Veröffentlichungen der Wings, der Single «Junior's Farm» und der mit Chet Atkins eingespielten Single «Walking In The Park With Eloise» zu hören. Als im Februar 1975 die Wings nach New Orleans flogen, kehrte Geoff Britton nach wenigen Tagen nach England zurück. Er erzählte im Melody Maker: «Wir hatten gerade mit der Aufnahme von ‹Venus And Mars› begonnen, als meine Frau anrief und von Trennung und Scheidung sprach, also flog ich nach Hause, um mit ihr zu reden.» Eine offizielle Trennungsmeldung gab es nicht. Viele vermuten, dass Britton, der zusehends mit der Band Friktionen bekam, schlussendlich gefeuert worden war. Dass Paul schon wieder die Band umbesetzen musste, kann ein Grund sein, dass «One Hand Clapping» nicht veröffentlicht wurde.
Band bei der Arbeit
Das Rezept von «One Hand Clapping» lässt sich am einfachsten mit unter der Prämisse Altes und Neues zusammenfassen. In der Dokumentation spielt Paul keine Beatles-Songs, dafür aber die Hits der Wings wie «My Love», «Jet», «Band On The Run» oder «Live And Let Die». Weitere Songs des aktuellen Albums «Band On The Run» wie «Bluebird», das elegische «1985» oder die Single-B-Seite «Country Dreamer» sind zu hören.
Screenshot von der Titelsequenz zu «One Hand Clapping».
Immer wieder hört man aus dem Off die Stimmen der Bandmitglieder. So erzählt Paul: «Ich arbeite gerne in einer Gruppe. Hier kann ich mit guten Leuten eine Tasse Tee trinken und an einem Musikstück arbeiten. Ich war nie ein Solokünstler, so ist eine Band natürlich für mich.» Was wie eine Rechtfertigung für die Wings kling. Doch dann relativiert er. «Ich liebe es auch, für mich alleine zu arbeiten. Das habe ich seit dem ‹McCartney›-Album nicht mehr gemacht. Alleine zu arbeiten macht mir fast noch mehr Freude, weil ich da niemandem Rechenschaft schuldig bin.»
Aber auch Linda erzählt Erstaunliches, wohl auf die Frage, ob sie nervös wäre, in einer Band zu spielen: «Es war am Anfang hart für mich» und fügt gleich lachend an: «Aber wenn man die Akkorde kennt, ist es gar nicht mehr so hart». Nach «Soily» sieht man die Band über ihre Aufnahme diskutieren und Linda stellt fest, dass Geof Britton immer einen Schlag zu spät aufschlägt. Bei der Wiederholung klappt es.
Litchfield und seinem Kameramann Deakins ist es gelungen, die Stimmung im Aufnahmestudio einzufangen. Neben Grossaufnahmen und Totalen von den Musikern und der ganzen Gruppe, haben sie das feine Gespür für die kleinen Details. Sie beobachteten beispielsweise Linda McCartney während «Band On The Run», die sich etwas nervös an den Hals fasst. Aber ihren nächsten Einsatz trifft. Köstlich sind die Nahaufnahmen der Orchestermusiker bei «Live And Let Die», so kaut einer Kaugummi, während er sein Mundstück befeuchtet und ein anderer liest gelangweilt die Zeitung.
«Wir haben uns entschlossen, ein simples Stück zu drehen. Wir wollten nur in die Abbey Road gehen und die Stücke spielen, die wir geübt hatten», schreibt Paul in den Liner Notes zu «One Hand Clapping» in der Archive Collection. «Der Charm der Dokumentation heute ist, dass sie authentisch ist (…). Das Schöne an den Wiederveröffentlichungen ist, dass plötzlich Dinge ihre Heimat finden». Das ist mit «One Hand Clapping» als Abschluss der «Band On The Run»-Periode tatsächlich geschehen.
die weiteren Veröffentlichungen
Die musikalischen Aufnahmen vom 16. August wurden auf verschiedenen Bootlegs veröffentlicht. Im Rahmen der Wiederveröffentlichung von «Band On The Run» in der Paul McCartney Archive Collection (ab 2010) erschien «One Hand Clapping» erstmals offiziell und ist auf der Bonus DVD erhältlich. Die Bonus CD zum Album enthält diejenigen Songs, die in der Dokumentation verwendet wurden.
Auch auf weiteren Veröffentlichungen in der «Archive Collection» wurden die in «One Hand Clapping» gespielten Songs digital remastered und in bestmöglicher Tonqualität auf der Bonus CD veröffentlicht:
McCartney (1970)
• Maybe I’m Amazed – 2011
• Suicide (nur auf Bonus DVD) – 2011
Band On The Run (1973)
• Bluebird
• Jet
• Let
Me Roll It
• Band On The Run
• Nineteen Hundred And Eighty Five
• Country Dreamer
auf der DVD:
• One Hand Clapping
Venus And Mars (1975)
• Soily – 2014
• Babyface – 2014
In den 1980er- und vor allem 1990er-Jahren erschienen verschiedene Bootlegs von «One Hand Clapping», die vom Soundboard gemacht wurden.
Rezeption
«One Hand Clapping» wurde nie ausgestrahlt, auch wenn eine Werbebroschüre dafür produziert wurde, für die David R. L. Litchfield das Titelbild zeichnete. Es zeigt einen Engel mit einem Arm und einem Flügel. Deshalb gibt es auch keine Kritiken.
Regisseur David R. L. Litchfield fertigte diese sensationelle Bleistiftzeichnung für das Titelbild der Informationsbroschüre zu «One Hand Clapping» an, die an Fernsehstationen hätte verteilt werden sollen. Abgebildet ist sie ebenfalls in der Wiederveröffentlichung von «Band On The Run» in der «Archive Collection» von Paul McCartney.

Tracklist
One Hand Clapping Theme
Jet
Soily
C Moon
Little Woman Love
Maybe I'm Amazed
My Love
Bluebird
Let's Love
All Of You
I'll Give You A Ring
Band On The Run
Live And Let Die
Nineteen Hundred And Eighty Five
Baby Face
Zwei Bootlegs:
Oben eine CD, dann ein Doppelalbum. Auf Seite 4 finden sich Aufnahmen von einem Wings-Konzert in Perth. Auf der Rückseite wurde eine Zeichnung von Paul verwendet.