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Die Besitzerin hat vor 2 Wochen bemerkt, dass der Hund das rechte Auge weniger geöffnet hält als das linke. Zu Beginn schien das Auge teilweise fast ganz geschlossen; in der Zwischenzeit scheint der Hund es wieder etwas weiter geöffnet zu halten.
Der Hund ist in einem guten Allgemeinzustand und verhält sich normal. Er zeigt keine Gleichgewichts- oder Verhaltensstörungen; alle Reflexe der Gliedmassen sind unauffällig.
Die Untersuchung der Kopfregion zeigt, dass das Tier ein Horner-Syndrom aufweist: Bei diesem Krankheitsbild hängt 1. das Oberlid tiefer als normal (Ptosis), 2. ist die Pupille stark kontrahiert und erscheint dadurch kleiner (Miosis) und 3. sinkt der Augapfel tiefer in die Augenhöhle, wodurch die Nickhaut (3. Augenlid) im inneren Augenwinkel vorfallen kann (Enophthalmus).
Die Untersuchung des Augapfel selbst, der Gehörgänge und Trommelfelle sowie eine neurologische Untersuchung der Kopfnerven fallen normal aus. Der Hund sieht auf dem rechten Auge normal, auch die Pupillenreaktion auf Licht erscheint normal.
Das beobachtete Hornersyndrom des rechten Auges kann eine Reihe von Ursachen haben. Der vom Krankheitsbild betroffene Nerv scheint irgendwo zwischen seinem Ursprung (Zentrales Nervensystem) und Ende (Augenmuskulatur) beschädigt worden zu sein (siehe unten). Zur weiteren Abklärung der genaueren Ursachen müssten bildgebende Verfahren wie Röntgen, besser aber noch Magnetresonanz-Tomografie MRT oder Computer-Tomografie CT der Brust-, Hals- und Kopfregion durchgeführt werden. Aufgrund des hohen Aufwandes dieser Abklärungen (Narkose, hohe Kosten) wird beschlossen, auf diese zu verzichten. Stattdessen erhält der Hund ein Antibiotikum zur Bekämpfung von möglichen Infekten des Mittelohres sowie ein Entzündungshemmer.
Nach 2 Wochen präsentiert sich das Problem unverändert, dem Hund geht es abgesehen vom rechten Auge sehr gut. Aus vorgenannten Gründen wird auf eine weitere Abklärung des Hornersyndromes verzichtet; die Besitzer werden den weiteren Verlauf aber genau beobachten.
Neben dem Sehnerv, welcher Informationen vom Auge an das Hirn weiterleitet, wird das Auge von einer Reihe anderer Nerven versorgt. Diese haben unter anderem die Steuerung der Augenbewegung, der Pupille und der Tränendrüse als Aufgabe. Neben Nervenanteilen des sogenannt "somatischen Nervensystems", welche bewusste Vorgänge vermitteln (beispielsweise das Verfolgen eines bewegten Gegenstandes mit dem Auge), sind auch Nervenanteile des "vegetativen Nervensystemes" an der Augeninnervation beteiligt. Dieser Anteil ist nicht willentlich beeinflussbar und steuert beispielsweise die Pupillengrösse.
Einer dieser Anteile ist der sogenannte Sympathikus. Die Anteile dieses Systems, welche unter anderem auch das Auge versorgen, weisen einen sonderbaren anatomischen Bau auf: Die Nervenbahn entspringt im Hirn und Rückenmark. Aus dem Rückenmark in der vordersten Brustwirbelregion entspringt ein Nerv, der ausserhalb der Wirbelsäule den Hals entlang Richtung Kopf läuft. Hier treten Anteile dieses Nerves wieder in den Schädel ein, verlaufen durch das luftgefüllte Mittelohr und treten durch feine Öffnungen im Schädel an das Auge und seine Muskeln heran.
Wird nun dieser Nerv irgendwo beschädigt, treten Ausfallserscheinungen am von ihm versorgten Organ auf - in diesem Fall dem rechten Auge. In der Regel liegt die Schädigung ausserhalb des Rückenmarks - Quetschungen und Nervenrisse nach Unfälle, Tumoren und Entzündungen kommen hier in Frage. Eine häufige Lokalisation des Problemes ist insbesondere das Mittelohr (häufig bei Katzen): Bei eitrigen Gehörgangsentzündungen kann das Trommelfell beschädigt werden, was zu einer eitrigen Mittelohrentzündung führen kann - in solchen Fällen wird häufig der durch das Mittelohr verlaufende Sympathikus-Nerv beschädigt.
Bei Bagus ist und bleibt unklar, wodurch und an welcher Stelle die Schädigung aufgetreten ist. In vielen Fällen wird auch nach einer intensiven Suche keine Erklärung für das Phänomen gefunden. Je nach Ursache kann es zu einer fortlaufenden Verschlechterung (z.B. bei Tumoren), zu einer Chronifizierung oder aber Verbesserung (z.B. bei Entzündungen) der Symptome kommen.