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Kognitive Störungen durch HIV – eine versteckte Epidemie?
Die klassische HIV-Demenz ist in der HAART-Aera selten geworden. Hingegen werden von HIV-positiven Menschen immer wieder Konzentrationsstörungen und vermehrte Vergesslichkeit beklagt.
Aufgrund ausführlicher neuropsychologischer Tests wurde schon vor einigen Jahren eine neue Diagnosegruppe definiert, die sogenannte HAND = HIV-associated neurocognitive Disorders. Je nach Schweregrad unterscheidet man:
ANI = asymptomatic neurocognitive impairment
MNDs = mild neurocognitive disorders
HIV-D = HIV-associated dementia
Obwohl kognitive Probleme häufiger bei Personen auftreten, die keine HIV-Therapie einnehmen, werden diese Störungen auch von Personen unter gut wirksamer antiretoviraler Therapie beklagt. Folge dieser Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit sind mitunter Probleme am Arbeitplatz oder unregelmässige Tablettteneinahme.
Simoni et al. haben in Genf und Lausanne 200 HIV-Patienten mit (im Mittel >2 Jahre) nicht nachweibarer HI-Viruslast im Blut bezüglich solcher kognitiver Störungen untersucht. Patienten mit Störfaktoren wie opportunistischer ZNS-Infektion in den vorangegagnene 3 Jahren, persistierendem i.v.-Drogenkonsum oder schwerer Depression wurden ausgeschlossen.
Anhand von 3 Fragen (die allerdings etwas komplex ausgefallen sind) wurde nach kognitiven Störungen gefragt. 27% der Probanden beklagten eine Einschränkung der geistigen Leistungsfähigket.100 Personen (50 mit und 50 ohne bemerkte kongnitive Einschränkung) wurden mit ausführlichen Tests auf das Vorliegen einer HIV-assoziierten neurokognitiven Störung (HAND) untersucht. Bei 74% wurde ein gewisses Ausmass eines HAND gefunden.Bei der Mehrheit derPersonen waren die Einschränkungen aber so mild, dass sie von der betroffenen Person selbst gar nicht bemerkt wurde. Von den Patienten die Defizite beklagten hatten gemäss den durchgeführten Tests 84% ein HAND (ANI 24%, MND 52%, HIV-D 8%). Bei denen, die selbst nicht wahrgenommen hatten, wurde dennoch in 64% ein mildes HAND diagnostiziert (ANI 60%, MND 4%, HIV-D 0%).
Obwohl alle Patienten unter suppressiver HIV-Therapie waren zeigte sich doch ein Unterschied: Bei Personen, die keine Einschränkung verspürten, war die HI-Viruslast im Durchschnitt länger vollständig supprimiert, als bei denen die kognitive Einbussen beklagten.
Die Studie spricht also dafür, dass das HAND v.a. Folge einer zu lange nicht behandelten HIV-Infektion ist. Obwohl eine antiretrovirale Therapie ein HAND nicht vollständig zu eliminieren vermag, scheint sie doch eine Verschlimmerung zu verhindern.
Das Forschungsgebiet ist hochspannend und für HIV-infizierte Menschen natürlich von grosser Bedeutung. Insbesondere interessiert, wie eine grosse Anzahl von Patienten mit möglichchst wenig Zeitaufwund und genügender Zuverlässigkeit auf ein HAND gescreent werden können, und wer genau detailierter abgeklärt werden soll. Wahrscheinlich spielt die ZNS-Gängigkeit der antiretroviralen Therapie eine Rolle bei der Stablisierung einer vorliegenden HAND. Hierzu sind aber noch viele Fragen ungeklärt.
Als möglichen Screeningtest schlagen die Autoren die HIV-Dementia-Scale vor, allerdings mit einem tiefer gewählten cut-off von <=14 Punkten (<= 10 Pkte spricht für eine HIV-Demenz) mit einem Positiv Prädiktiven Wert (PPV) für HAND von 92% bei den Perso:nen die eine kognitive Störung rapportierten und einem PPV von 82% bei jenen, die keine Einschränkung bemerkten.