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Vorsätze erfolgreich umsetzen!
Rund die Hälfte aller erwachsenen Personen macht jedes Jahr Neujahrsvorsätze. Zu den beliebtesten Vorhaben gehören die Gewichtsabnahme, die Steigerung der sportlichen Aktivität, Schuldenabbau, Sparen oder das Aufhören mit dem Rauchen. In der Regel scheitern die meisten Menschen aber kläglich und alles was bleibt, war die gute Absicht. Schuld daran ist der zu geringe Leistungswille bzw. die mangelnde Selbstdisziplin. Können wir etwas dagegen unternehmen? Ja, wir können!
Was ist Leistungswille?
Niemand würde wohl bestreiten, dass der Leistungswille und die Selbstkontrolle, wesentliche Erfolgsfaktoren sind. Bevor ich ein Ziel erreichen kann, muss ich zuerst den Willen aufbringen den Weg hin zum Ziel auch zu gehen. Nicht selten bekunden wir zwar den Willen eine Leistung zu erbringen, scheitern dann aber kläglich bei der Umsetzung.
Als Leistungswille oder Willensstärke kann die Fähigkeit bezeichnet werden, einer kurzfristigen Versuchung zugunsten eines langfristigen Zieles widerstehen zu können. Oder anders ausgedrückt: Zugunsten eines übergeordneten langfristigen Zieles, auf etwas zu verzichten, das ich Moment zwar gerne möchte, mich aber im Hinblick auf das langfristige Ziel zurückwirft.
Wir begegnen diesen Herausforderungen tagtäglich. Stehe ich am Morgen früher auf und gehe im Hinblick auf mein langfristiges Ziel, nämlich einen Marathon zu absolvieren, eine Runde laufen oder bleibe ich etwas länger im Bett liegen? Verzichte ich am Mittag auf das Dessert um meinem Ziel, das Idealgewicht zu erreichen einen Schritt näher zu kommen, oder gebe ich mich der süssen Versuchung hin? Bilde ich mich jeden Tag eine halbe Stunde weiter, indem ich in einem guten Buch lese, oder schaue ich lieber irgendetwas belangloses im Fernsehen oder streune ziellos durch die Sozialen Medien?
Leistungswille als Prädiktor für ein glückliches Leben
Leistungswille spielt nicht nur eine zentrale Rolle im Zusammenhang mit der Zielerreichung. In einer im Jahre 2010 veröffentlichten Langzeit-Studie[1] konnte auch nachgewiesen werden, dass Leistungswille und Selbstkontrolle zuverlässige Prädiktoren für ein zufriedenes und glückliches Leben sind.
Über 1‘000 Kinder wurden während 32 Jahren begleitet und daraufhin untersucht, welchen Einfluss ihr Leistungswille als Kind auf ihr Erwachsenenleben hat. Die Resultate zeigten, dass anhand der im Kindesalter gezeigten Fähigkeit zur Selbstkontrolle Vorhersagen über den Gesundheitszustand, die finanzielle Situation, das Risiko einer Drogenabhängigkeit und allfällige Straffälligkeit im späteren Leben gemacht werden können. Diese Untersuchung bestätigte die Resultate des berühmten „Marshmallow Experimentes“[2] des in Wien geborenen Psychologen Walter Mischel.
Zwischen Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre nahmen 562 Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten der kalifornischen Elitehochschule Stanford am Marshmallow-Test teil. Die Kinder wurden einzeln in einen Raum geführt, dort wurde ihnen durch einen Versuchsleiter ein Marshmallow präsentiert. Der Versuchsleiter erklärte den Kindern, dass nun ein Spiel beginnt. Mischel beschreibt das Experiment in einem Interview mit der deutschen Zeitung „die Zeit“ wie folgt[3]: „Willst du jetzt ein Marshmallow essen, oder willst du warten und als Belohnung dafür noch einen zweiten bekommen? Wer sich für das Warten entschied, musste allein in einem leeren Raum sitzen, das Marshmallow oder eine andere Süssigkeit vor sich auf dem Tisch. Daneben lag eine Glocke, mit der die Kinder ihren Betreuer herbeiklingeln konnten, wenn sie es nicht mehr aushielten. Dann gab es aber keine Belohnung. Durch die Glasscheibe konnten wir beobachten, was bis dahin geschah.“
Die Forscher wollten eigentlich herausfinden, welche Ablenkungsstrategie die Kinder benutzen würden, um der Versuchung zu widerstehen. Was sie dann aber entdeckt haben ist, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle ein bedeutender Schlüssel zu einem erfolgreichen Leben ist. Jahre später zeigte sich nämlich, dass jene, die schon im Vorschulalter hatten warten können, als junge Erwachsene zielstrebiger und erfolgreicher in Schule und Ausbildung waren. Ausserdem konnten sie besser mit Rückschlägen umgehen, wurden als sozial kompetenter beurteilt und waren seltener drogenabhängig als jene, die dem Marshmallow damals nicht hatten widerstehen können. Die Ungeduldigen dagegen waren emotional instabiler und schnitten in der Schule schlechter ab, obwohl sie nicht weniger intelligent waren.
Alle Jahre wieder: Neujahrsvorsätze
Diverse Untersuchungen[4] haben gezeigt, dass rund die Hälfte aller erwachsenen Personen alljährlich Neujahrsvorsätze macht. Zu den beliebtesten Vorsätzen gehören die Gewichtsabnahme, die Steigerung der sportlichen Aktivität, Schuldenabbau, Sparen oder das Aufhören mit dem Rauchen.
Die Mehrheit der Personen ist überzeugt, dass sie diese Vorsätze auch tatsächlich umsetzen werden. Trotzdem ist die Wahrheit eine andere. Der englische Professor Richard Wisemann[5] von der University of Hertfordshire hat im Jahre 2007 über 3‘000 Personen bezüglich ihrer Neujahrsvorsätze befragt. Gerade mal 12 % hatten ein Jahr später ihr Ziel auch tatsächlich erreicht. Die anderen hatten ihre guten Vorsätze mehr oder weniger rasch fallengelassen.
Die meisten Menschen sind davon überzeugt, dass sie mit dem notwendigen Leistungswillen ihr Leben im positiven Sinne verändern könnten, dass Sie mit genügend Willensstärke und Selbstdisziplin ihre Wünsche und Ziele erreichen könnten. Wir würden öfters trainieren, besser essen, genügend Geld für die Pensionierung auf die Seite legen, eine neue Sprache erlernen u.s.w. wenn wir nur den benötigten Leistungswillen dafür aufbringen könnten.