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Annoying Facebook Girl, 2010
Als Memes werden (meist humorvolle) Bilder und Videos bezeichnet, die von Internetnutzer_innen via Soziale Netzwerke (engl. Social Media) geteilt und weltweit, in manchmal auch leicht bearbeiteter Form, verbreitet werden. Die Bilder und Videos werden u. a. online durch einen Meme Generator bearbeitet, in dem man kurze Texte ergänzen kann, die über oder auf das Bild platziert werden. Sie kommentieren in den meisten Fällen auf humorvolle, ironische oder bissige Weise soziale, politische und kulturelle Themen oder aktuelle Ereignisse. Die bekanntesten Memes nennen sich ‹Image Macros› und können leicht erkannt werden: aus dem Internet, die in den meisten Fällen eine rechteckige Form haben, werden mit einem Text überlagert, der üblicherweise in der Schriftart ‹Impact› geschrieben ist. Als gängigste Motive dienen Fotografien oder auch Karikaturen und Comiczeichnungen berühmter Persönlichkeiten, Tiere und Kinder. Dabei eroberten Charaktere wie Philosoraptor, Annoying Facebook Girl oder Success Kid die digitale Welt.
Philosoraptor, 2008
Success Kid, 2007
Das beliebteste Tier für Memes ist die Katze. Der pelzige Vierbeiner erscheint in verschiedenen, humorvollsten Situationen als lolcat (abgeleitet von der Abkürzung laugh out loud, lautes Lachen, und cat, Katze) oder als ceiling cat (vom Englischen ‹Zimmerdecken-Katze›).
Eva & Franco Mattes, Ceiling Cat, 2016
Doch der Begriff Meme wurde ursprünglich in einem anderen Zusammenhang verwendet: Abgeleitet vom Griechischen mimēma, das ‹imitieren› oder ‹nachahmen› bedeutet, wurde Meme das erste Mal 1976 im Buch The Selfish Gene vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins (*1941) als Begriff verwendet. Gemäss Dawkins bezieht sich ‹Meme› auf alle Handlungen des Menschen, die nicht genetisch bestimmt sind, und von Person zu Person in Form von Nachahmung übertragen werden. Dieses nachahmende Verhalten kann in Bräuchen, Handbewegungen, aber auch im Stil von literarischen oder künstlerischen Werken stattfinden. Im Zuge der Digitalisierung wurde Dawkins’ Meme-Definition schliesslich für das virale Internetphänomen der zuvor beschriebenen Bild-Text-Kreationen übernommen.
Viele Unternehmen, wie beispielsweise die Fast-Food-Kette McDonald’s, haben das Meme für sich entdeckt und setzen es in der Werbung ein, um junge Kund_innen anzusprechen. Doch auch in der Kunst haben sich die Memes durchgesetzt. Die Künstlerin Anna Ehrenstein (*1993) nutzt die Smartphone-Apps und die Ästhetik von Memes und stellt hierbei die Frage, wie eben diese kulturellen Phänomene uns und unser ‹wahres Selbst› beeinflussen.
Richard Dawkins, The Selfish Gene, 4. Aufl. (Oxford: Oxford University Press, 2016).
Konstanze Marx und Monika Schwarz-Friesel (Hg.), Sprache und Kommunikation im technischen Zeitalter. Wieviel Internet (v)erträgt unsere Gesellschaft? (Berlin: De Gruyter, 2013).
Kai-Hinrich Renner und Tim Renner (Hg.), Digital ist besser. Warum das Abendland auch durch das Internet nicht untergehen wird (Frankfurt a. M.: Campus, 2011).
Limor Shifman, Memes in Digital Culture (Cambridge, MA; London: The MIT Press, 2014).