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Die Studie wurde am Montag im Thurgauer Staatsarchiv in Frauenfeld vorgestellt. Ein unabhängiges, interdisziplinäres Forschungsteam unter der Leitung der Professorin Marietta Meier von der Universität Zürich hat das rund 300-seitige Buch verfasst. Der Bericht gibt einen detaillierten Überblick über die Medikamentenversuche.
Behörden liessen Chefarzt gewähren
Kllinikdirektor Roland Kuhns (1912 bis 2005) Forschungsmethode habe spätestens ab Mitte der 1960er Jahre den wissenschaftlichen Standards nicht mehr genügt, sagte Regierungspräsident Jakob Stark an der Medienkonferenz. Trotzdem hätten die Behörden und die Pharmaindustrie Kuhn weiterhin gewähren lassen und ihn für die Versuche bezahlt.
Als besonders irritierend bezeichnete Stark «das schiere Ausmass der Tests» sowie die Tatsache, dass Testpräparate auch Patientinnen und Patienten abgegeben wurden, die nicht zu den Testpersonen gehörten. «Sehr betroffen macht, dass auch besonders vulnerable Patientengruppen wie Kinder, Jugendliche und Schwerst- und Chronischkranke in die Tests miteinbezogen wurden.»
Regierung entschuldigt sich
Die Thurgauer Regierung entschuldigte sich in einer Erklärung «bei allen Betroffenen von Medikamententests in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen zwischen 1940 und 1980». Den Betroffenen werde ein «Zeichen der Erinnerung» auf dem ehemaligen Spitalfriedhof von Münsterlingen gewidmet, heisst es in der Erklärung.
Nicht bestätigt habe sich die anfängliche Mutmassung, auch Kinder und Jugendliche aus Kinderheimen seien planmässig und in grosser Zahl in Münsterlingen für Medikamententests missbraucht worden, erklärte Regierungsrat Walter Schönholzer.
Forschungsarbeit kostete eine Million Franken
Das Forschungsprojekt im Auftrag des Kantons dauerte dreieinhalb Jahre und kostete rund eine Million Franken. Als Quellen dienten das Archiv der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen seit 1840, der Nachlass von Roland und Verena Kuhn-Gebhart sowie Quellenbestände aus dem Konzernarchiv von Novartis Schweiz.