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Zum Buch:
Die in diesem Buch publizierten Briefe erlauben die umfassende Schilderung einer wichtigen Lebensphase von Wilhelm von Knobelsdorff (1769 - 1848) und seiner Gattin Franziska, geborene von Brenkenhoff (1775 - 1858). Wilhelm meldete sich 1813 mit 44 Jahren, also als bestandener Mann, freiwillig als Rittmeister zur Landwehr Kavallerie. Seine Frau musste ohne ihren erfahrenen Gatten und ganz allein mit Alten und Kranken das grosse Landgut verwalten, zusätzlich zur Haushaltsführung und Betreuung ihrer eigenen acht Kinder.
Militärhistorisch verfolgen wir Wilhelms Eskadron im 1. Neumärkischen Landwehr-Kavallerie-Regiment von dessen Aufstellung (April 1813) über die Kämpfe unter den Generalen Blücher und Yorck an der Katzbach ( 17. bis 26. August 1813) und bei der Völkerschlacht von Leipzig (16. Oktober 1813), beim Rheinübergang mit Blücher bei Kaub (1. Januar 1814) und dann bei einer ermüdenden Belagerung der französischen Festung Saarlouis (vom 10. Januar bis 14. August 1814), schliesslich beim glücklichen Rückmarsch in die Heimat im Mai und Juni 1814. Die Probleme und Schwierigkeiten der Landwehr, aber auch ihre militärische Wichtigkeit neben den Linienregimentern werden aufgezeigt und machen auch in dieser Hinsicht die Briefe zu einer Quelle ersten Ranges.
Für allgemeingeschichtliche Interessierte beschreiben die Briefe die grosse Zeit des Aufbruchs 1813/14 der deutschen Heimat gegen Napoleon, das Schicksal einer adeligen Gutsfamilie sowie der Dorfgemeinschaft, welche stellvertretend für viele andere angesehen werden können.
Von mentalgeschichtlichem Interesse sind die Briefe, weil sie Öffentliches und Privates betreffen, die Herzensbewegungen der beiden Protagonisten durchscheinen lassen, aber auch aufzeigen, wie die Stellung von Mann und Frau innerhalb der Gesellschaft und besonders in dieser schwierigen Zeit gesehen wurde.
So vermischen sich Anfragen und Berichte in Bezug auf die mit grossen Schwierigkeiten belastete Gutsführung mit Liebesbezeugungen und militärischen Informationen in einem romantisch-gefühlvollen, zugleich hoch sachlich geführten Briefwechsel.
Zum Autor:
Dr. phil. Benno von Knobelsdorff-Brenkenhoff, Oberstleutnant a.D., 8.12.1915 bis 28.5.2002. Nach schweren Verwundungen und 5jähriger russischer Kriegsgefangenschaft Studium und später Assistent an der Pädagogischen Hochschule Oldenburg, Lehrer in Wilhelmshaven. Ende 1955 Eintritt in die Bundeswehr, Innere Führung, u.a. Stellvertretender Brigadekommandeur in Hamburg. Nach der Pensionierung Studium an der Universität Bonn, zugleich Erlernung der polnischen Sprache, Promotion. Zahlreiche historische Veröffentlichungen und Vorträge über Mitteldeutschland und die ehemaligen deutschen Ostgebiete.
Freundschaftliches Geleitwort von Prof. Dr. Walter Schaufelberger:
Als im Frühjahr 1813 Preussen sich erhob und alsdann, im Bündnis mit den übrigen europäischen Grossmächten und Schweden, den Befreiungskrieg gegen die Gewaltherrschaft Napoleons begann, da zog unter den Generälen Yorck und Blücher auch der Königlich Preussische Rittmeister der Landwehr-Kavallerie Wilhelm von Knobelsdorff ins Feld und liess seine Frau Franziska, geborene von Brenkenhoff, mit der Verantwortung für die zahlreichen Kinder und das Gut Mansfelde bei Friedeberg in der Neumark zurück. Die während eines bewegten Jahres zwischen den beiden Eheleuten gewechselten Briefe, im Januar 1945 auf Mansfelde gerade noch vor den anrückenden sowjetischen Truppen in Sicherheit gebracht, veranlassten einen direkten Nachfahren, Herrn Fr. Benno von Knobelsdorff-Brenkenhoff, vor knapp zwei Dezennien, die grossen und kleinen Zeit- und Lebensumstände rund um die Briefe, die "laute" und die "leise" Geschichte um dieselben in einem gediegenen Bändchen zu erzählen, ohne allerdings den fortgesetzten Gedankenaustausch seiner Urahnen in extenso zu veröffentlichen. Was damals der Verfasser in der im Selbstverlag in Bonn erschienenen Darstellung bescheidenerweise unterlassen hat, wird hiermit dank der Unterstützung durch den Thesis Verlag in Zürich unter Leitung von Herrn lic. phil. Stephan Zurfluh in verdienstvoller Weise nachgeholt. Dass sich Bonn und Zürich bei diesem Unternehmen in gemeinsamen militärhistorischem Interesse die Hände reichen, kommt nicht ganz von ungefähr. Seit Jahren gehört der Verfasser - wie auch der Verleger - einem aus den Hauptseminarien der Universitäten Bonn und Zürich unter Leitung von Professoren Walther Hubatsch und Walter Schaufelberger herausgewachsenen Arbeits- und Freundeskreis an, dessen alljährliche Treffen er nicht nur durch sein stets frohgemutes Wesen, sondern auch durch manchen erinnerungswürdigen Beitrag, übrigens auch zur schweizerischen Militärgeschichte, menschlich und fachlich bereichert hat. Trotz der illustren Ahnengalerie bist zurück in die nächste Umgebung König Friedrichs des Grossen hat der Verfasser für die Geschichte der republikanischen Schweiz und auch für die zeitgenössischen Schweizer sehr viel Verständnis und Sympathie.
Der Verfasser hat in seiner Jugend die Soldatenlaufbahn eingeschlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg und mehrjähriger sowjetischer Kriegsgefangenschaft trat er 1955 in die im Aufbau begriffene Bundeswehr ein, diente daselbst im Verteidigungsministerium und an der Schule für Innere Führung, zuletzt in Generalstabsverwendung, und war zwischenzeitlich Batallions- und stellvertretender Brigadekommandeur. In das Zivilleben zurückgekehrt, studierte er an der Universität Bonn Geschichte, Historische Geographie und Pädagogik und schloss die Studien mit dem Doktorexamen ab. Mit militärgeschichtlichen, landesgeschichtlichen und familiengeschichtlichen Forschungen, Publikationen und Vorträgen ist er bis zur Stunde unermüdlich tätig geblieben.
Als Militär - nicht zuletzt als Chef einer pferdebespannten Maschinengewehrkompanie im Krieg - wie als Historiker und historischer Geograph sowie durch die familiäre Verbundenheit verfügt der Verfasser über ideale Voraussetzungen zur erfolgreichen Bewältigung seines Themas. Die ihm eignende liebevolle Besorgtheit um das Detail kommt sowohl dem militärischen wie dem historischen Teil zugute. Mit der Erziehungswissenschaft hinwieder hat die Gabe der anschaulichen Präsentation zu tun. Letzterer ist vor allem die informative und sehr ansprechende Illustrierung des Buches zu verdanken: Kartenausschnitte und Planskizzen von Märschen, Gefechten und Schlachten, Facsimila von Briefen und Zeitungsausschnitten mit Quellenwert, historische Modelle und Ansichten und - besonders erwähnenswert - zahlreiche Photographien, die der Verfasser an allen wichtigen historischen Stätten persönlich aufgenommen hat, eingedenk der Tatsache, dass gerade bei militärgeschichtlichen Themen die Geländebegehung einen zusätzlichen Weg zum historischen Verständnis erschliesst.
Der historisch gebildete deutsche Leser, mit der Kavallerieschlacht an der Katzbach, der "Völkerschlacht" von Leipzig und den legendären Rheinübergang Blüchers bei Kaub in der Neujahrsnacht 1813/14 von der Schule her vertraut, wird in den Kapiteln der "lauten" Geschichte kaum Neues finden. Hingegen erfährt er aus den Briefen des Rittmeisters mancherlei aus dem alltäglichen militärischen Betrieb, von den Tätigkeiten, Erfolgen und Nöten des Chefs und seiner Escadron, aus en Briefen der tapferen Gutsfrau von den Sorgen um Familie und Gutsbetrieb in Kriegs- und Krisenzeiten, wobei mit der historischen Reminiszenz auch der Gegenwartsbezug zum deutschen Osten zusammenhängt.
Der schweizerische Leser hingegen mag im Zusammenhang mit dem deutschen Befreiungskrieg zunächst einmal an Ferdinand Hodlers "Aufbruch der Jenenser Studenten 1813" denken und über der Lektüre des vorliegenden Buches seine Kenntnisse des Geschehnen in angenehmer Weise erneuern oder ergänzen. Darüber hinaus aber wird er mit besonderer Aufmerksamkeit die zahlreichen wertvollen Informationen über die in der preussischen Militärgeschichte erstmals aufgerufenen Landwehr verfolgen und gern zur Erkenntnis nehmen, dass diese, selbst die Kavallerie mit anspruchsvollem Dienst, sich an Kampfwert trotz mancherlei Unzulänglichkeiten der Ausrüstung, Bewaffnung und Ausbildung der Truppen des stehenden Heeres als ebenbürtig erwiesen hat, wie der Verfasser immer wieder betont und belegt. Die Wesensverwandtschaft der preussischen Landwehr mit der heimischen Miliz vor Augen, wird der militärisch Interessierte hierzulande Herrn Dr. Benno von Knobelsdorff-Brenkenhoff für die indirekte historische Rechtfertigung der eidgenössischen Wehrverfassung zusätzlich dankbar sein.
Professor Dr. Walter Schaufelbberger,
Zürich
kartoniert - broschiert | 236 S. | 1998