Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/68738

<h2>SubmittedText<h2><p>Pressemeldungen über Gewalt und sexuellen Missbrauch an jungen Mädchen erschüttern die Öffentlichkeit. Alarmierend ist dabei die Tatsache, wie jung mittlerweile Täter und Opfer sind. Erschütternd ist auch, dass sich junge Mädchen in der Regel über längere Zeit alleine mit gewalttätigen Übergriffen auseinandersetzen müssen und sich den Angreifern wehrlos ausgeliefert sehen. Mit spezifischen Selbstverteidigungskursen kann das Selbstbewusstsein von Mädchen und jungen Frauen gestärkt werden. Lili Nabholz forderte 1988 in einem Vorstoss, der als Postulat überwiesen wurde, solche Kurse auf verschiedenen Ebenen.</p><p>Fragen an den Bundesrat:</p><p>1. Wie wurde das Postulat Nabholz umgesetzt?</p><p>- Sind spezifische Selbstverteidigungskurse für Mädchen in den Vorschriften des Bundes zur Förderung von Turnen und Sport enthalten?</p><p>- Sind spezifische Selbstverteidigungskurse für Mädchen in den Vorschriften über die Gestaltung der beruflichen Ausbildung für Berufsschulen enthalten?</p><p>- Wie wurde die Forderung nach Selbstverteidigungskursen für Mädchen im obligatorischen Turn- und Sportunterricht umgesetzt?</p><p>2. Werden im Rahmen von "Jugend und Sport" spezifische Selbstverteidigungskurse für Mädchen regelmässig und in der ganzen Schweiz angeboten?</p><p>3. Sollten spezifische Selbstverteidigungskurse für Mädchen nicht ein Teil der obligatorischen Ausbildung werden?</p><p>4. Sollten Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen nicht vermehrt in nationale Aktionspläne und in Präventionsstrategien zu Gewalt an Frauen und sexueller Ausbeutung von Kindern integriert werden?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die gesetzlichen Vorgaben enthalten keine Vorschriften über spezifische Selbstverteidigungskurse für Mädchen.</p><p>2. Im Anschluss an das erwähnte Postulat Nabholz 88.734 hat "Jugend und Sport" bis ins Jahr 2000 Selbstverteidigungskurse für Mädchen angeboten. Gleichzeitig übernahm immer mehr die im Jahre 1994 gegründete Interessengemeinschaft Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen (Pallas) die Verantwortung für diese Ausbildung. Ab dem Jahre 2001 führte Pallas diese Ausbildungskurse selber durch und wurde durch das Baspo dafür jährlich mit 4000 Franken unterstützt. Seit der Neuregelung der Bundesbeiträge mit Swiss Olympic erhält Pallas keine finanzielle Unterstützung mehr.</p><p>"Jugend und Sport" führt die beiden Sportarten Judo und Ju-Jitsu. In beiden Sportarten umfasst die Selbstverteidigung einen wesentlichen Teil der Ausbildung. Mehr als ein Drittel der über 22 000 Teilnehmenden sind Mädchen. Die Entwicklung dieser Sportarten verläuft sehr positiv. Im Judo konnte bei den durchgeführten Kursen 2006 gegenüber 2004 eine Steigerung von 16 Prozent verzeichnet werden. Der Bund richtete 2006 für Judo 900 000 Franken aus, für Ju-Jitsu 75 000 Franke. Darüber hinaus bietet "Jugend und Sport" keine spezifischen Selbstverteidigungskurse für Mädchen mehr an.</p><p>3. Die Aufnahme von Selbstverteidigungskursen in die Lehrpläne des obligatorischen Sportunterrichtes ist prüfenswert; dies müsste allerdings durch die Kantone erfolgen.</p><p>4. Selbstverteidigungskurse können für Frauen und Mädchen eine unterstützende Massnahme gegen Gewalt sein, da u.a. damit auch das Selbstwertgefühl gefördert wird. Innerhalb der von Swiss Olympic geleiteten Kampagne "Keine sexuellen Übergriffe im Sport" sind allerdings keine direkten Kurse für Mädchen vorgesehen. Die Kampagne und die entsprechenden Ausbildungsgefässe richten sich primär an Verbandsvertreter und -vertreterinnen (Prävention bzw. Intervention), die dann die erworbenen Kenntnisse an Vereine weitergeben.</p>  Antwort des Bundesrates.