Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03484.jsonl.gz/2752

Das Haus Tellstrasse 2
In einem der Fenster der Hauskapelle stehen einige Daten zur Geschichte des Hauses. Demnach wurde das dreistöckige Wohnhaus im 1887 erbaut. Dem Haus war auch eine kleine Werkstatt angebaut. Über dieser entstand 1934 der Erweiterungsbau, der zur heutigen Grösse des Hauses führte.
Im selben Fenster ist noch zu lesen: "Gründung der Brüderschaft vom gemeinsamen Leben 29. August 1905 Zürich und deren Einzug in dieses Haus 18. Januar 1908". Tatsächlich hatten die Brüder das Haus 1905 erworben, es aber vorerst als "Kost- und Logierhaus" für alleinstehende Männer (meistens Lehrlinge und Wanderarbeiter) eingerichtet. Im Hochparterre wohnten die Hausverwalter und die ehemalige Werkstatt wurde zur Hauskapelle umgebaut. In diesen Räume fand am 30. November 1906 auch die konstituierende Versammlung des "Schweizerischen Diakonieverein" statt. Ledige Brüder und Schwestern, sowie Diakone mit ihren Familien schlossen sich zusammen, in der gemeinsamen Berufung einer überkonfessionellen Diakonie, die sie als Dienst an der Einheit der Kirche und als umfassend gelebte Nächstenliebe verstanden.
Als das "Kost- und Logierhaus" zu klein würde, zügelte es mit seinen mittleren weile 30 Gästen in den neu erworbenen "Erlenhof" an der Lagerstrasse 119, nur einige Strassenzüge entfernt. Ab Januar 1908 wurde das Haus an der Tellstrasse 2 als "Brüderhaus Philadelphia" und zum Sitz der ledigen "Brüder vom gemeinsamen Leben". In einem anderen Fenster der Hauskapelle steht das Wort aus Jeremia 29,7 "Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn". Darin ist ausgedrückt, was die Brüder aus ihre eigentliche Berufung verstanden: betend und praktisch dienend (ora et labora) wollten sie für die Stadt und deren Bewohner einstehen.
Im Laufe der Jahre kamen auch verheiratete Diakone des Diakonievereins ins Haus und gingen von hier aus ihrem segensreichen Dienst in der Stadt nach. Zuletzt Gottfried und Ann-Marie Kienast-Lagerlöf, an die manche im Quartier sich noch heute erinnern. Auch wurden Mitarbeiter des "Pflegezentrum Erlenhof" darin untergebracht, sowie eine Wohngemeinschaft von Studentinnen. Das Hochparterre war für manche Jahre auch das Sekretariat vom "Diakonieverband Schweiz" und danach von "Diakonie.ch/IG-Werke" gemeinsam mit anderen Institutionen.
Das Haus an der Tellstrasse 2 hat heute aber auch wieder zu seiner ursprünglichen Berufung zurück gefunden: War es doch einst als "Brüderhaus Philadelphia" schon so etwas wie ein "Stadt- oder Quartierkloster", auch wenn es damals nicht so bezeichnet wurde, so hat es heute als "Quartierkloster Philadelphia" den einstigen Dienst wieder aufgenommen, "der Stadt Bestes suchen". Heute verantworten dies die Schwester vom "Saronsbund", Utznach.