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Weil sie ihn bekämpft hat und seinen Preis kennt, engagiert sich Assya Gendre im Kampf gegen den Krebs. Durch die Gründung eines Vereins und eines Unterstützungsrennens, dem Cassya Run, in Yverdon (VD).
Ein stilvoller schwarzer Canotier und ein himbeerroter Jumpsuit. Assya Gendre ist eine Frau, die in jeder Lebenslage auf Eleganz und Weiblichkeit setzt. Selbst als die Krankheit eines Tages im November 2020 ihren Alltag auf den Kopf stellte. Eine ziemlich aggressive Form von Brustkrebs setzte all ihren Aktivitäten ein jähes Ende. «Der Tumor war bereits sieben Zentimeter gross. Ich musste einen PET-Scan machen lassen, um sicherzustellen, dass sich der Krebs nicht an anderen Stellen ausgebreitet hatte. Das war ein echter Schlag», sagt Assya Gendre, deren Gesicht heute strahlt.
Als sie die schlechte Nachricht erhält, ist sie 43 Jahre alt, voller Energie und hat ein erfülltes Leben als Entwicklungs- und Innovationsbeauftragte bei Démarche, einer Genossenschaft, die im Bereich Ausbildung und berufliche Wiedereingliederung tätig ist. Sie muss mit allem aufhören, eine Pause machen, lernen, geduldig zu sein. Sie, die fast hyperaktiv ist. Und sie muss den langen Behandlungsmarathon auf sich nehmen. Mehrere Monate Chemotherapie, sehr starke Injektionen, die Übelkeit, Schmerzen, Verdauungsprobleme und vor allem den Verlust ihrer Haare verursachen. «Es war eine sehr anstrengende Behandlung, ich hatte Panikattacken und landete mehrmals in der Notaufnahme.» Sie erinnert sich auch an den Wirkstoff, der die Produktion weisser Blutkörperchen anregen sollte, der aber auch starke Schmerzen im Rückenmark verursachte: «Wie ein Hammer, der auf den Rücken schlägt.»
«Ich war erschöpft, ich konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Ich hatte Gelenkschmerzen, als ob ich im Körper einer 80-Jährigen gefangen wäre.» Letzten Sommer musste sie sich einer Mastektomie unterziehen, ihre neue Figur akzeptieren, sich mit dem Ungleichgewicht auseinandersetzen. «Aber die Entfernung meiner Brust tat weniger weh als der Verlust meiner Haare ...», sagt sie sofort.
Doch für diese dynamische Frau kommt es nicht in Frage, sich auf ihre Krankheit reduzieren zu lassen. Sie hat zu keinem Zeitpunkt aufgegeben. Trotz der Schmerzen und der Rückschläge lachte sie weiter, traf sich mit Freunden und organisierte Kochkurse zu Hause. Als wollte sie ihren Krebs bannen. Im freudigen Fluss des Lebens bleiben, statt sich mit ihren Symptomen im Kreis zu drehen. Sie beginnt mit Yoga, versucht es mit Akupunktur, ruft den Osteopathen zu sich nach Hause ... «Der Körper brennt nach der Chemo!»
(Fortsetzung weiter unten…)
Auf Instagram teilt sie ihre Sorgen und Nöte mit Humor und Scharfsinn, verbietet sich aber, in eine Depression zu verfallen oder verbittert und niedergeschlagen auf dem Sofa zu sitzen. Assya Gendre ist von anderer Natur. Eine Kämpferin mit einem grossen Lächeln, einem sprühenden Geist und zahlreichen Ideen. So kam das Bedürfnis, all dem, was sie erlebt hat, einen Sinn zu geben. Der Wunsch, ein Tabu zu brechen: «Eine von acht Frauen ist von Brustkrebs betroffen. Einer von drei Menschen erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Darüber muss gesprochen werden.»
In diesem Sommer hat sie daher einen Verein gegründet, um Menschen zu helfen, die von dieser Krankheit betroffen sind, und ihnen Momente des Wohlbefindens und des Trosts zu schenken. Innerhalb von zwei Monaten waren sie startbereit! Der Verein mit dem Namen La Cassya – «eine Kombination meines Vornamens und einem C für ‹cancer›, Krebs» – mit Sitz in Yverdon (VD) hat sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit und die Unternehmen zu sensibilisieren und zu mobilisieren, um den von dieser Krankheit betroffenen Menschen Hilfe in Form von Akupunktur, Coiffeurbesuchen und Sporttraining anbieten zu können. «Das ist ein Anfang, aber wir würden gerne ein Netzwerk mit anderen Beteiligten wie Heilpraktikern, Kosmetikerinnen oder Ernährungsberatern in verschiedenen Regionen aufbauen.» Wie finden sich die Mittel, um das Programm langfristig zu sichern? Als ersten Schritt haben Assya Gendre und ihr Komitee ein Unterstützungsrennen organisiert, das am 17. Oktober in Yverdon stattfindet und zwei Strecken von 4 und 8 km umfasst. «300 Personen können teilnehmen und 150 haben sich bereits angemeldet! Aber wir suchen immer noch nach Freiwilligen, um die Veranstaltung zu beleben.»
Oktober ist der Monat des Krebses. Und die Organisation des Cassya Run hat für die Sportlerin, Laufliebhaberin und den Fan des Murtenlaufs auch eine symbolische Bedeutung. Es ist zweifellos dieser Sport, der ihr das mentale Durchhaltevermögen, die «Langstreckenmoral» gegeben hat, die sie heute retten. Eine schöne Art, die Klammer zu schliessen, die ihr Leben verändert hat. «Ich geniesse jetzt jeden einzelnen Sieg, wie das erste Mal, wenn man wieder Auto fahren oder ohne Schmerzen gehen kann. Ein Grossteil der Heilung geschieht im Kopf. Ich habe gelernt, loszulassen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, auf den gegenwärtigen Moment. Ich bin glücklicher und erfüllter als zuvor. Der Krebs hat mich zu mir selbst zurückgebracht. Auch wenn der Weg noch nicht zu Ende ist, liegt der schwierigste Teil hinter mir.»
«Wer an Krebs erkrankt, kann nicht mehr das gleiche Training absolvieren. Aber man darf nicht mit allem aufhören, sonst wird der Körper geschwächt. Es ist wichtig, in allen Phasen der Krankheit körperlich aktiv zu sein: zum Zeitpunkt der Diagnose, um den Körper vorzubereiten und zu stärken, während der Behandlung, um die Verträglichkeit der Medikamente zu verbessern, und danach zur Rehabilitation. Natürlich ist jeder Fall anders, und es kommt auf den sportlichen Hintergrund der Person an. Mehrere Studien haben jedoch die positiven Auswirkungen von Sport sowohl auf die mentale als auch auf die körperliche Gesundheit gezeigt. Bei Menschen mit Krebs arbeitet man vor allem im aeroben Bereich und trainiert die Ausdauer, weniger die Kraft. Spaziergänge und sanfte Übungen werden vorgeschlagen, ohne auf Leistung zu zielen. Ein Training mit niedriger Intensität trägt zur Erhaltung einer guten kardiorespiratorischen Fitness bei. Gehen ist bereits Sport.»
«Manchmal kommen Kundinnen mit Krebs, weil ihnen ihre Perücke nicht gefällt. Diese werden oft sehr grob und ohne jede Finesse geschnitten. Die Farbe ist die richtige, aber die Stufen sind zu grob geschnitten und es sieht aus wie ein Helm. Im Gegensatz zu anderen Coiffeuren bin ich daran gewöhnt, mit trockenem Haar zu arbeiten. Eine Technik, die es mir ermöglicht, die Perücken auszubessern und zu verfeinern, indem ich die Details anpasse, um dem Schnitt Leichtigkeit und Geschmeidigkeit zu verleihen. Ich mache praktisch Skulpturen aus Haar! Und dann versuche ich menschlich zu sein, in diesem für die Person schwierigen Moment, sie zu begleiten, so gut ich kann. Oft haben die Kundinnen das Gefühl, ein bisschen zu sich selbst zurückzufinden, wenn der Perückenschnitt gelungen ist.»
«Akupunktur ist eine ergänzende Therapie, die während und nach einer Krebsbehandlung sehr hilfreich sein kann. Während der Chemotherapie hilft sie, die Übelkeit zu lindern. Sie ist auch sehr wirksam, um wieder Energie zu gewinnen. Durch die Stimulierung der Endorphinausschüttung verbessert sie den Gemütszustand und trägt zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Die Patientinnen und Patienten kommen auch nach der Behandlung, um wieder ein Gleichgewicht zu finden und wieder in die Spur zu kommen. Die Akupunktur behandelt auch Nachwirkungen einer Chemotherapie, wenn zum Beispiel die Sensibilität der Fingerspitzen nachlässt. Sie restimuliert das periphere Nervensystem und reduziert neurogene Schmerzen. Es ist ein eleganter Ansatz, der ohne zusätzliche Medikamente auskommt und den Vorteil hat, dass er Menschen, die oft erschöpft sind, Trost spendet.»