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In einem Labyrinth
Béatrice Lachaussée im Gespräch mit Christian Kipper
«Béatrice et Bénédict» von Hector Berlioz ist eine Opéra comique, also ein französisches Singspiel mit gesprochenen Dialogen. Man muss also Oper und Schauspiel inszenieren. Angst davor?
Nein.
Berlioz verfasste das Libretto selbst und recycelte dabei die Shakespeare-Komödie «Much Ado About Nothing». Allerdings liess er alle tragischen Töne weg und konzentrierte sich ganz auf die Komödie, den Schlagabtausch zwischen Béatrice und Bénédict. Ist es mehr als eine harmlose Klamotte?
Definitiv mehr, es ist ein sehr feinfühliges Werk, natürlich weit entfernt von der Grausamkeit, die in Shakespeares ursprünglichem Schauspiel als Pendant zur Komik auch vorkommt. Aber die Oper ist wirklich als ein eigenständiges Werk mit einer eigenen Handlung zu betrachten, als ein Substrat quasi. Hier kommen die tragischen Hindernisse nicht von Aussen wie bei Shakespeare, sondern aus dem Inneren der Figuren. Und die Überwindung jener Hindernisse ist äussert spannend. Neben dem permanenten Wortgefecht zwischen Béatrice und Bénédict beinhaltet das Stück einen Initiationsweg der beiden Protagonisten: Sie spiegeln sich zunächst in ihren Schwächen, bis ein Teil ihrer selbst abstirbt, wodurch sie in die Lage kommen, ihre Gefühle empfinden und gestehen zu können. Es geht um einen Prozess der Anerkennung.
Was ist der interessanteste Aspekt an dem Stoff?
Mich interessiert vor allem diese Entwicklung der beiden Titelfiguren, die zunächst in egozentrischen Positionen verharren, in der sie ihre feindlichen Türme aus scharfen Wörtern bauen, dann in Zweifeln herumirren und schliesslich zur Selbstfindung und Liebeserkenntnis gelangen.
Im Zentrum stehen zwei schillernde Charaktere. Wie sieht deren Kurzporträt in den Worten der Regisseurin aus?
Béatrice ist eine sehr vitale Frau. Sie ist stolz, will keinerlei Schwäche zum Vorschein kommen lassen. Sie spricht wenig über Gefühle, verbirgt aber hinter dem erbauten Schutzschloss der Vernunft ein grosses Herz. Dasselbe gilt für Bénédict.
Bleibt da für das zweite Paar, Claudio und Héro, noch Platz?
Ja. Auch wenn ein Paar, das sich von Anfang an gefunden hat, für die dramatische Kurve nicht so interessant erscheint, ist es für den Verlauf des Dramas in dem konkreten Fall ganz wichtig. Denn Claudio und Héro werden quasi zu den Regisseuren der eigentlichen Handlung. Dadurch wächst ihre Agilität, ja sogar ihr Bewusstsein.
Wie verhält sich die Musik zum Stück?
Wie ein festlicher Strudel, der alles auf seinem Weg mitnimmt. Jeder Gemütszustand wird musikalisch verkörpert, behält dabei aber stets seine Leichtigkeit.
Die Geschichte ist natürlich in jeder Zeit vorstellbar. In welcher Zeit wird sie in der Inszenierung angesiedelt?
In einer selbsterfundenen Zeit: inspiriert von Shakespeare, jedoch abstrahiert.
Kenneth Branagh verfilmte das Shakespeare-Stück 1993 mit opulenten Bildern von toskanischen Gärten. In welchen Räumen spielt die Inszenierung in Luzern?
In einem Labyrinth.