Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03401.jsonl.gz/1872

Seit 1872 befindet sich der Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank an der Bahnhofstrasse 9. Nach der ersten Zeit im Provisorium des alten Zeughauses am Paradeplatz (heute Standort der Credit Suisse) konnte die Bank hier das Privathaus Zur Marienburg und mit der Zeit weitere Liegenschaften erwerben. 1902 bezog sie ihren ersten selbst errichteten Neubau, einen «Bankpalast» im Stil der französischen Renaissance, entworfen von Architekt Adolf Brunner. In diesem Gebäude belegte man zuerst nur die unteren Geschosse. Mitten im Ersten Weltkrieg (1916) waren Geschäft und Belegschaft so stark gewachsen, dass auch der zweite Stock genutzt wurde. Zwischen 1919 und 1929 folgten dann Liegenschaften-Zukäufe und zwei Anbauten gegen die Talstrasse. Dabei entstanden eine neue grosse Schalterhalle und ein neuer Kundentresor. 1936 konnte nach dem Konkurs der Schweizerischen Diskontbank (1855–1934, Grossbank mit Stammsitz Genf) das angrenzende Palais Henneberg und 1945 die ebenfalls angrenzende Liegenschaft der Eidgenössischen Bank (1863–1945) erworben werden, sodass man sich zur Planung eines Gesamtneubaus entschloss.
Seit 150 Jahren im Wandel: Die Bahnhofstrasse 9
Der Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank gehört schon über 100 Jahre zum Erscheinungsbild der Bahnhofstrasse in der Stadt Zürich. Er hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Denn vom Privathaus zum heutigen Bau wandelte sich der Ort gewaltig.
Abbruch der Marienburg. Der erste definitive Sitz der Bank wurde 1902 abgebrochen.
Ein Neubau am selben Ort
Diese Planung brauchte ein paar Extrarunden bis schliesslich 1960 der Neubau, konzipiert vom Zürcher Architekten Prof. Ernst Schindler beginnen konnte. Die erste Neubauetappe (1960–1964) umfasste den Gebäudeteil von der Börsenstrasse bis an den Altbau im Henneweg. Damit konnten die räumlichen Voraussetzungen für die elektronische Datenverarbeitung und einen insgesamt modernen Geschäftsbetrieb geschaffen werden, was auch dringend nötig war: die Zahl der Mitarbeitenden stieg von 1945 bis 1964 von 689 auf 1198. Die zweite Bauetappe (1965–1970) erfolgte nach dem Abbruch des alten Kantonalbankgebäudes und eines Teils des Nachbargebäudes, der ehemaligen Eidgenössischen Bank.
««Städtebaulich und architektonisch stand die Bank im Sinne des American Way of Life mit Mensa und Tiefgarage für einen neuen Prototyp Bank in der City.» »
American Way of Life
Für Diskussionsstoff sorgte die von Architekt Schindler vorgeschlagene Rolltreppe. Sie sollte die Kundenhalle im Erdgeschoss mit den Sitzungszimmern im ersten Stock verbinden. Einige Bankräte hätten lieber eine elegante Freitreppe eingebaut und äusserten Zweifel, ob die Kundschaft diese neue Form der Treppe akzeptieren würde, doch der Blick nach Amerika stimmte zuversichtlich: «In den USA erhielten wir die Auskunft, dass das Publikum zu 90 % die Rolltreppen, 9 % die Lifts und nur zu 1 % die Freitreppen benützt.» Mit 10 zu 2 Stimmen wurde schliesslich die Rolltreppe eingeführt. Die erste ihrer Art in der Bahnhofstrasse. Neu und sehr amerikanisch war auch der Einbau einer Kantine; die Mitarbeitenden verbrachten nun auch ihre Freizeit im Unternehmen. Und sie kamen mit dem Auto, das sie in der grosszügigen Tiefgarage parkierten.
Und die Geschäftsstelle wuchs weiter
1984 erweiterte die Zürcher Kantonalbank ihre Büroräume an der parallel zur Bahnhofstrasse liegenden Talstrasse 14–16, wo vier Jahre zuvor Gebäude erworben worden waren. Die historische Fassade des Wohnhauses von 1890 blieb dabei erhalten. 1987–1993 wurde der Hauptsitz umfassend renoviert und saniert: das ganze Gebäude von Asbest befreit, Elektro-, Heizungs- und Klimaanlagen erneuert, das Personalrestaurant umgebaut und die Kundenhalle neu gestaltet. Dank moderner Safe-Technologie mussten nun die Schalter auch nicht mehr verglast sein.
Offen von allen Seiten
Ein weiterer Meilenstein folgte von 2011 bis 2015. Während diesem Zeitraum wurde der Hauptsitz nach MINERGIE®-Standard totalsaniert und so das Gebäude auch besser gedämmt. Ein weiterer Umweltaspekt kam noch dazu: Durch die Nutzung des Seewassers kann die Gebäudekühlung nun viel energieeffizienter erfolgen. Doch nicht nur in der Haustechnik ging man moderne Wege, sondern auch beim Zugang zur Kundenhalle wagte man sich vor: Neu hat diese vier Eingänge in allen Himmelsrichtungen. In Zeiten der Digitalisierung setzte man so ein klares Zeichen, dass die Kundenhalle für alle zugänglich sein soll und ein Ort persönlicher Begegnung ist. Begegnungszonen wurden auch für die Mitarbeitenden eingebaut; jedes Stockwerk verfügt mindestens über eine Cafeteria mit grossen Fenstern und gemütlichen Sesseln. Heute arbeiten am Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank beinahe 800 Personen.
Doch nicht nur Neues entstand beim letzten Umbau 2015. Die Fassade, die gewendelte Treppe in der Kundenhalle, das Schettdach im 5. Stock und der Bankratssaal wurden nur sanft renoviert, denn sie waren 2011 unter Denkmalschutz gestellt worden.
Titelbild: Vor dem ersten Sitz der Bank im Privathaus Zur Marienburg fand der Wochenmarkt statt.