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Pëtr Il’ic Cajkovskij (Tschaikowski/Tschaikowsky) und die europäische Oper des späten 19. Jahrhunderts
Dienstag, 04.12.2018
Kein anderer Opernkomponist des 19. Jahrhunderts ist – bis heute – ästhetisch so umstritten wie Pëtr Il’ic Cajkovskij. Bereits die Zeitgenossen und auch russische Musikjournalisten kritisierten seinen so emotional scheinenden Stil und gewisse dramaturgische Eigenheiten. Dabei war Cajkovskij der erste russische Komponist, dessen Opern bereits zu Lebzeiten außerhalb des Zarenreichs gespielt wurden: nicht nur in Frankreich und Italien, sondern auch in der heutigen Tschechischen Republik und in Hamburg – unter der Leitung keines Geringeren als Gustav Mahler. Schaut man auf die Liste von Cajkovskijs insgesamt elf Opern, scheinen die Motive hinter solchen Kontroversen offensichtlich: Werke wie Voevoda («Der Wojewode», 1867) oder Kuznec Vakula («Wakula, der Schmied», 1876) scheinen sich dem Paradigma einer russischen «Nationaloper» einfügen zu wollen, andere wie Orleanskaja deva («Die Jungfrau von Orléans», 1881) sind unbestrittenen Meisterwerken der (west)europäischen Literatur verpflichtet und folgen musikalisch Modellen sowohl der sogenannten französischen «Grand Opéra» wie der zeitgenössischen italienischen Oper. Heute besonders erfolgreiche Werke wie Evgenij Onegin (1879) oder Iolanta (1891) überraschten Kritik und Publikum durch ungewöhnliche Entscheidungen sowohl in der Struktur des Dramas wie in der Anlage einzelner Szenen und nicht zuletzt in einer hoch experimentellen Zeitgestaltung. Die Vorlesung möchte nicht nur einen Überblick über Cajkovskijs Opernschaffen geben, sondern gleichzeitig auch die Wechselbeziehungen seines Komponierens mit russischen und (west)europäischen Operntraditionen offenlegen, als paradigmatische Beispiele für die Ausprägung neuer ästhetischer Orientierungen und einen zunehmend intensiveren Austausch zwischen verschiedenen nationalen Traditionen am Ende des Jahrhunderts.
|Veranstaltungsart:||Vorlesung/Seminar|
|Dozierende(r):||Prof. Dr. Anselm Gerhard, Dr. Vincenzina Ottomano|
|04.12.2018:||14:15 - 15:45|
|Ort:||

Mittelstrasse 43
3012 Bern
1. Etage, 120, Seminarraum
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