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Arrival of the Sun (Ankunft der Sonne)
Steinschnitt, 10/50; Inv. Nr. 12743g
Signatur: Kenojuak
Herstellungsjahr 1962
Mit den beiden Farben Gelb und Schwarz wird der Kontrast zwischen der dunklen Polarnacht während des Winters und der zurückkehrenden Sonne im Frühling betont. Die im gelben Zentrum geballte Vitalität teilt sich den verschiedenartigen Lebewesen dieser Bildkomposition mit. Rechts unten ist der Stempel der Künstlerin und der der Druckwerkstatt in Cape Dorset zu sehen.
Kenojuak Ashevak (geb. 1927)
Kenojuak ist wohl die bedeutendste und bekannteste Inuit-Künstlerin. Sie wurde 1927 an der Südwestküste von Baffin Island geboren. In ihrer Jugend zog sie von Camp zu Camp. 1947 heiratete sie Johnniebo Ashevak und zog auch mit ihm von einem Jagdgebiet zum anderen. Sie verlor einige ihrer Kinder, und sie musste etliche Jahre im Süden verbringen, um ihre Tuberkulose auszukurieren. In den 1950er Jahren lebte das Paar in der Nähe von Cape Dorset, und Kenojuak und Johnniebo begannen zu zeichnen und Steinskulpturen zu schnitzen. Das Paar arbeitete bis zum Tod von Johnniebo 1972 zusammen.
Bei ihren ersten Arbeiten beschäftigte sich Kenojuak ab und zu mit der Darstellung des Alltagslebens. Sie experimentierte jedoch bald mit Design- und ompositionselementen, da sie stärker an den ästhetischen als an den inhaltlichen Aspekten einer künstlerischen Arbeit interessiert war.
Ihre Lieblingsmotive sind Vögel, die sie häufig entsprechend ihrer Phantasie umgestaltet; sie stellt aber auch andere Tiere dar sowie transformierte Lebewesen, Geister oder die Sonne.
Birds Stealing Kayak from Man (Vögel stehlen dem Mann ein Kajak)
Steinschnitt, 14/30; Inv. Nr. 12743r
Signatur (in Silbenschrift unten im Bild): LEAH QUMALUK
Herstellungsjahr 1962
Bildlegende in Silbenschrift: Steatit Steinschnitt. Der Vogel hat das Kajak des Jägers requiriert und eine Möwe. Leah Qumaluk Puvirnituq Quebec Kanada
Typisch für die frühen Drucke von Povungnituk war, dass man die ganze Oberfläche der Steinplatte inklusive der Beschriftung in die Gesamtkomposition einbezog. Die Darstellung entbehrt nicht einer gewissen humoristischen Note.
Leah Qumaluk (geb. 1934)
Die 1934 geborene Leah Qumaluk zog 1954 zusammen mit ihrem ersten Mann Jessie nach Povungnituk. Beide haben mit Steinschnitten zu arbeiten begonnen. Leah Qumaluk schneidet ihre Motive selber in den Stein, und in den späteren Jahren hat sie gar darauf verzichtet, vorerst eine Zeichnung anzufertigen.
Ihre Themen sind Inuit-Legenden und persönliche Visionen, manchmal auch eine Kombination von beidem. Daneben stellt sie vielköpfige Monster dar, schamanistische Verwandlungen, aber auch Alltagsszenen.
Images of Myths (Bilder von Mythen)
Siebdruck, 34/58; Inv. Nr. 18887b
Signatur: Norval Morrisseau
Herstellungsjahr unbekannt
Eingang ins Museum 1983
Auf dem Bild sind vermutlich ein Seetaucher und zwei Forellen abgebildet. Jedes dieser laut Morrisseau «mythischen» Tiere zeigt in sich ein weiteres Wesen, in einer Art embryonalem Zustand. Leider verfügen wir über keine weiterführenden Erläuterungen des Künstlers.
Norval Morrisseau (1931–2007)
Norval Morrisseau, ein Ojibwa, wurde 1931 in Port Arthur (seit 1970 ein Teil von Thunder Bay) in West-Ontario geboren. Er wuchs bei seinen Grosseltern mütterlicherseits auf, bei seiner Grossmutter, einer gläubigen Christin, und bei seinem Grossvater, einem Mide-Priester. Der Kontrast zwischen diesen beiden Religionen wurde ein wichtiger Faktor für seine intellektuelle und künstlerische Entwicklung. Er bezog seine künstlerischen Inspirationen vor allem aus Visionen und Träumen.
Morrisseau’s Werk wurde einem grösseren Publikum bekannt, als der Künstler Jack Pollok 1962 eine Ausstellung von dessen Bildern in seiner eigenen Galerie in Toronto organisierte. Eine seiner frühen Auftragsarbeiten war ein grosses Wandgemälde für den kanadischen Pavillon an der Expo 1967 in Montreal, das er mit anderen indianischen Künstlern gestaltete. Dies war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Anerkennung der zeitgenössischen Kunst kanadischer Indianer. Morrisseau starb 2007 im Toronto General Hospital an einem Herzstillstand.
Demolish (Windigo zerstört unser Zuhause)
Siebdruck, 19/20; Inv. Nr. 18888a
Signatur: Josh Kakegamic
Herstellungsjahr 1977
Windigo ist ein kannibalistischer Riese – oder eine Riesin –, der auf der Suche nach Menschen, die er verschlingen kann, durch den Winterwald streift. Er ist dauernd hungrig, und je mehr er isst, desto hungriger wird er. Wenn Windigo einen Menschen angreift, verbirgt eine Schneewolke seinen Oberkörper, die Luft wird so kalt, dass die Bäume zusammenkrachen, und der Wind verwandelt sich zu einem Blizzard. Um den Windigo ranken sich viele Mythen und Erzählungen. Das Bild zeigt ihn als Riesen mit einem besonders ausgeprägten schnabelartigen Mund mit Zähnen sowie mit krallenartigen Händen und Füssen. Er überragt die konischen Wigwams und die kahlen Bäume bei weitem.
Joshim Kakegamic (1952–1993)
Joshim Kakegamic wurde 1952 in der Sandy Lake Reservation in Ontario geboren. Als Teenager begann er unter dem Einfluss von Norval Morrisseau und Carl Ray zu malen. Mit ihnen zusammen unterrichtete er in den späten 1960er Jahren an verschiedenen Schulen in Ontario Kunst.
Seine Werke signierte er mit «Josh Kakegamic». 1969 wurden seine Arbeiten in North Bay, Ontario, erstmals öffentlich gezeigt. 1993 ertrank er bei einer Rettungsaktion in einem See im Nordwesten Ontarios.
Der Stil von Joshim Kakegamic ist stark von Morrisseau, Ray und seinem Bruder beeinflusst. Wie auch in den Werken von Goyce sind Kraftsymbole häufig; öfter malte er auch Konflikte in der Natur sowie die Schrecken des Windigo.
Die stille Nacht
Der heilige Georg
Holzschnitt, 3/25; Inv. Nr. 16419
Signatur: Falaka Armide
Herstellungsjahr 1964 E.C. (1971/1972)
Wie im gesamten christlichen Orient und im Abendland geniesst der heilige Georg auch in Äthiopien grosses Ansehen. Der Druck zeigt, wie er mit einer kreuzgestielten Lanze den Drachen tötet. Dominantes Motiv ist ein geflügelter Engelskopf. Mit solchen von der Barockmalerei beeinflussten Engelsköpfen ist die Decke der Dreifaltigkeitskirche Debre Berhan (frühes 19. Jahrhundert) bei Gondar bemalt. Typisch für die traditionelle Malerei sind die grossen Augen.
Falaka Armide Yimer
Falaka Armide Yimer wurde 1942 in Nazret (heute Adama), ungefähr 80 km südöstlich von Addis Ababa, geboren und studierte von 1968 bis 1972 an der Fine Arts School in Addis Ababa. Nachdem er mit Drucken des Hamburgers Hansen-Bahia (eigentlich Karl-Heinz Hansen) in Kontakt gekommen war, verlegte er den Schwerpunkt seiner Ausbildung auf Druckgrafik. Der expressive Stil dieses Künstlers beeinflusste ihn stark. Dies kann man leicht an den hier präsentierten frühen Holzschnitten vom Beginn der 1970er Jahre erkennen. Ähnlich wie Hansen schuf er folkloristische Illustrationen des Landlebens, stellte aber auch biblische Figuren, historische Könige und magische Rollen dar.
Nach einigen erfolgreichen Ausstellungen in Addis Ababa und in Salzburg begab sich Yimer in die USA und begann am Howard University College of Fine Arts in Washington D. C. ein weiteres Kunststudium, das er 1980 mit einem MA abschloss. Anschliessend unterrichtete Yimer für vier Jahre als Lehrer für Druckgrafik an der Universität und schliesslich arbeitete er von 1984 bis 1994 als Techniker, Restaurator und Konservator an der Galerie der Howard University. 1994 siedelte er nach Sydney in Australien über, wo er seine künstlerische Tätigkeit erfolgreich fortsetzte. Er unterrichtet als Kunstprofessor noch heute Druckgrafik und Kunst am Campbelltown College of Technology and Further Education und arbeitet auch als Restaurator und Konservator in verschiedenen Galerien und Museen in Sydney.
Noch immer betrachtet er den Einfluss Hansen-Bahias und anderer deutscher Druckgrafiker als entscheidend. Deshalb fühlt er sich nicht als äthiopischer, afrikanischer oder amerikanischer Künstler, sondern als internationaler Kunstschaffender.