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Ein kleines Softwareunternehmen namens Burst.com hat, wie das Wall Street Journal" berichtet, Microsoft anlässlich einer Patentverletzungsklage beschuldigt, systematisch interne E-Mails zu löschen – auch wenn sie als Beweismittel in Prozessen wichtig wären. Als Beweis führt Burst.com an, dass für seine eigene Klage wichtige Mails verschwunden seien.
Bei der Klage von Burst.com geht es um eine Methode um die Qualität von "Streaming" - über das Internet direkt abgespielten Videos oder Musikclips - zu verbessern. Microsoft, so der Vorwurf von Burst.com, habe die Technologie gestohlen und versuche nun, sie selber patentieren zu lassen. Ausserdem habe Microsoft seinen Media-Player so verändert, dass die Burst-Technologie nicht mehr funktioniere und das kleine Unternehmen dadurch marginalisiert.
Das Löschen von E-Mails an sich ist in den USA nicht illegal, das Löschen von prozessrelevanten Mails schon. Microsoft verteidigt sich, dass seine Aufforderungen an eigene Angestellte, Mails nach 30 Tagen zu löschen, vernünftig seien, da man sonst bald in gespeicherten Mails ertrinken würde. Angestellte, die in einen Prozess verwickelt werden könnten, würden aber ausdrücklich angewiesen, ihre Mails nicht zu löschen.
Einige – nicht gelöschte – Mails, die an die Öffentlichkeit gedrungen sind, ziehen aber zumindest in Zweifel, wie klar Microsoft diese Einschränkung kommuniziert. So schrieb ein Microsoft Manager im Januar 2000 an Windows-Entwickler: "I mean this -- purge every 30 days". (Ich meine es ernst – alle 30 Tage löschen.) Und vom Chef der gesamten Windows-Gruppe, gibt es ein Mail mit dem Wortlaut: "Darüber könnt ihr nicht selbst entscheiden, dies ist eine Unternehmensrichtlinie. Archiviert euer E-Mail nicht. Seid keine Narren. 30 Tage." Erst später schickte er ein zweites Mail mit der gleichen Aufforderung, aber dem Zusatz, dass in Prozesse verwickelte Angestellte ihre Mails nicht löschen sollten. (Hans Jörg Maron)