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Das Wort ist nicht seebachstämmig, aber es gab im Seebach der 1950er Jahre immer wieder Fuhrwerke zu sehen, welche nicht nur von einem Chauffeur, sondern auch noch von einem Wepfer gesteuert wurden. Es gab dabei zwei Fuhrwerke, an die ich mich noch gut erinnern kann. Das eine war ein Langholzwagen, welcher besonders lange Baumstämme transportierte. Dazu verwendete man einen Lastwagen des Typs Sattelschlepper. Der einachsige, doppelt bereifte Anhänger unterschied sich von einem gewöhnlichen, einachsigen Anhänger dadurch, dass seine Hinterachse steuerbar war.
In den 1950er Jahren ging das noch nicht elektronisch, sondern nur mechanisch. Dazu brauchte es den Wepfer. Er sass auf einem eisernen Sattel hinter der Hinterachse und ein wenig neben (!) dem Fahrzeug und hatte vor sich eine Art Kurbelrad, einem Steuerrad mit Handgriff ähnlich, mit welchem er in Kurven die Hinterachse so steuerte, dass der Anhänger in den Kurven keine «Abkürzung» machte. Er musste also das Steuer so drehen, dass die hintere Achse etwas mehr ausschwenkte und einen weiteren Radius beschrieb. Damit der Wepfer vor unaufmerksamen Autofahrern trotzdem geschützt blieb, war am Kotflügel der Führerkabine eine lange, knallrote Gummikelle angebracht, welche schon von weitem sehr gut erkennbar war und etwa einen Meter auf die Strassenmitte hinausragte. Diese auffällige Kelle sorgte dafür, dass kreuzende Autofahrer dem Transportfahrzeug in genügendem Abstand begegneten. Dennoch war es eine gefährliche Arbeit. Im Idiotikon steht, dass dieser Sitz auf der rechten Seite am Fahrzeug angebracht war, meine Erinnerung aber war, dass der Wepfer auf der gleichen Seite sass wie der Chauffeur. Es kommt offenbar darauf an, ob man das von vorne oder von hinten sieht.
Das zweite Fahrzeug, welches ich mit einem Wepfer gesehen habe, war ein Sattelschlepper mit Eisenstangen, welcher von einem Zürcher Eisenwarenhändler betrieben wurde, dessen Name vermutlich Pestalozzi lautete und mit der heutigen, gleichnamigen Firma Pestalozzi & Co. AG in Dietikon ZH identisch sein dürfte.
Der Beruf des Wepfers hat allerdings zwei unterschiedliche Bedeutungen:
1. Das Wort leitet sich vermutlich von 'wippen' ab mit der Bedeutung von hin und her hüpfen. Es ist lautlich mit weben verwandt. Unter einer Wepfe oder einem Wepfen verstand man ursprünglich ein für den Webstuhl zugerichtetes Zettelgarn. Diese Bedeutung des Wepfers wird in J. K. Brechenmachers Etymologischen Wörterbuch der deutschen Familiennamen beschrieben. Brechenmacher forschte hauptsächlich im süddeutschen Raum. Der Wepfer arbeitete vorwiegend für den Weber und war zuständig für den Wepfen, das für den Webstuhl zugerichtete Zettelgarn. In den Krisen des 15. Jahrhunderts setzte sich in Augsburg eine neue Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land durch: Das Land wurde neben der Flachsproduktion und dem Spinnen des Garns auf die Herstellung von Wepfen - die nach Stärke, Zahl und Länge vorgefertigte Kette - abgedrängt. Auch in Dokumenten aus Ulm und Memmingen wird der Wepfer erwähnt. (Dieser Abschnitt stammt von Christine Lienhart-Racine).
2. Die zweite Bedeutung des Wepfers bzw. des Wepfs geht etymologisch auf die gleiche Herkunft 'wippen' zurück, aber vermutlich über den Umweg des Wipfs. Ein Wipf ist der hintere gabelförmige Teil des Pfluges. Es wäre denkbar, dass die zweite Bedeutung mit eine Rolle gespielt hat. In früheren Zeiten, wo der Name auch entstanden ist, ging der Wepfer zu Fuss hinter dem Pferdefuhrwerk her und hielt eine Art Deichsel, das sogenannte Wepf, welches mit der beweglichen Hinterachse verbunden war. Das Wepf sah ähnlich aus, wie die Deichsel, welche man bis in die 1950er Jahre noch vom Leiterwagen her kannte. Diese Bedeutung des Wepfers dürfte die jüngere der beiden sein.
Wepf, Wepfe, Wepfen und Wepfer sind heute weitgehend in Vergessenheit geratene Wörter, ausser im Familiennamen Wepfer, den es immer noch gibt. Der Wortstamm Wepf ist im Hochdeutschen in dieser Schreibweise heute unbekannt und findet sich weder bei Duden, Brockhaus, Langenscheidt und Kluge, auch nicht in etwas älteren Auflagen. Die bisher einzige Ausnahme ist das bereits erwähnte Etymologische Wörterbuch der deutschen Familiennamen von J. K. Brechenmacher. Das lässt vermuten, dass Wepf, Wepfe, Wepfen und Wepfer entweder mundartliche Begriffe sind und offenbar nur im Oberdeutschen vorkommen oder aber, dass sie früher einmal gemeingermanisch waren und im Hochdeutschen als veraltet in Vergessenheit gerieten.
Immerhin wird das Wort im Zürichdeutschen Wörterbuch von Weber/Bächtold als «Wäpfe» von 1968 erwähnt und dort als hintere Lenkstange bezeichnet. Auch im Schweizer Idiotikon wird es erwähnt, dort mit beiden Bedeutungen.
Die Familiennamen Wepf und Wepfer gehören somit zu jener Gruppe von Personen, welche nach ihrem Beruf Weber/Garnmacher oder später auch als hinterer Deichselführer benannt wurden. Die älteste Erwähnung dieses Familiennamens in der Schweiz ist für 1315 in Eglisau überliefert. Der Name stammt aus der Gegend des Zürcher Weinlandes und kommt besonders häufig in Seuzach und Stammheim vor. Der bekannteste Wepfer ist heute der Inhaber der Firma Wepfair in Andelfingen, welcher eine Windturbine entwickelte, die bei recht grosser Leistung sehr leise und effizient arbeitet und wegen ihrer relativen Kleinheit das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt. In Deutschland ist der Familienname in Lörrach, Esslingen und Stuttgart bekannt, dort allerdings deutlich seltener.
Quellen: - Jakob Wirz - OGS-eigene - Idiotikon Bd. 16, Seiten 789,790 - Zürichdeutsches Wörterbuch, 1968, Seite 252 - ZKB-Büchlein «Zürcher Familiennamen», 1994, Seite 173 - www.verwandt.ch/ (Verbreitung des Namens) - Christine Lienhart-Racine (lieferte alle Hinweise zur 1. Bedeutung und den Hinweis auf das Etymologische Wörterbuch der deutschen Familiennamen)