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Die stark gefährdete Kreuzotter (Vipera berus) wurde zum Reptil des Jahres 2024 gewählt. Sie lebt in feuchten Wiesen und Moorgebieten, an sonnigen Waldrändern und auf Geröllhalden in Höhen von bis zu fast 3000 Metern. Kreuzottern sind vor allem tagsüber aktiv und gelten als leicht reizbar. Gereizt stellen sie auch für den Menschen eine Gefahr dar. In der Regel setzen sie das Gift jedoch zur Erlegung von Mäusen, Fröschen oder kleinen Vögeln ein.
Da die Kreuzottern, wie alle Schlangen, wechselwarme Tiere sind, verbringt sie den Winter in einer Kältestarre. Erst im April erwachen sie und verlassen ihren Winterunterschlupf wieder. Kurz darauf begeben sie sich auf die Suche nach einem Partner resp. einer Partnerin. Dafür liefern sich die männlichen Tiere sogenannte Kommentkämpfe. Alle zwei bis drei Jahre bringt das Kreuzotterweibchen dann zwischen 4 bis 18 Jungtiere auf die Welt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Reptilien sind Kreuzottern lebendgebärend. Ausgewachsene Männchen werden bis zu 60 Zentimetern lang; die weiblichen Kreuzottern können eine Länge von bis zu 90 Zentimetern erreichen. Beide Geschlechter haben längs der Rückenmitte ein Zickzackband und dazu je eine Fleckenreihe. Nach der Häutung weisen Männchen ein kontrastreiches schwarzes Muster auf silber-grauem Grund auf, während die Weibchen braun gezeichnet und damit besser getarnter sind. Manchmal werden sie mit der ungiftigen Schlingnatter verwechselt.
Immer weniger geeignete Lebensräume
Die Kreuzotter hat weltweit das grösste Verbreitungsgebiet aller Schlangen: In mehreren Unterarten besiedelt sie ein Gebiet, welches von England bis zur russischen Insel Sachalin reicht. Ausserdem ist sie die einzige Schlange, die noch über dem Polarkreis anzutreffen ist. Damit ist die kälteliebende Kreuzotter natürlich auch ein Leidtragender der Erderwärmung.
In der Schweiz befinden sich die ausgedehntesten Lebensräume in den Nord- und Zentralalpen. Im Mittelland existiert nur noch ein einziges Habitat im Kanton Zürich. Immer seltener werden geeignete Sonnenplätze, an denen die Kreuzotter Wärme und Energie tanken kann. Einerseits wachsen viele solcher Plätze in oder an Wäldern zu. Andererseits werden sie verbaut oder zu intensiv bewirtschaftet. Zudem sind die Territorien, in denen sich Kreuzottern wohlfühlen, oft weit voneinander entfernt. In diesen abgegrenzten und segregierten Lebensräumen treffen sie nur selten auf weitere Tiere ihrer Art, mit denen sie sich fortpflanzen können. Es kommt daher nicht selten vor, dass der Nachwuchs auf Inzucht basiert. Die Bestände werden so anfälliger für Krankheiten.
Schutz für Kreuzottern
Mit dem Titel «Reptil des Jahres 2024» möchte die Beratungsstelle Reptilien (karch) die heute selten gewordenen Kreuzottern mehr in den Fokus der Bevölkerung rücken. In der Schweiz gilt die Schlange als «stark gefährdet», wobei ihre nationale Priorität als mittel eingestuft wird.
Damit die Bestände der Kreuzotter gesichert sind, sind Schutzmassnahmen essenziell. Primär soll der Schwerpunkt auf der Erhaltung und Optimierung der noch vorhandenen Lebensräume liegen. Es sollen Unterschlupf- und Winterquartier-Möglichkeiten sowie lichte Waldhabitate geschaffen und erhalten werden. Daneben sollen die Massnahmen Aufklärungsarbeit, die Vernetzung der einzelnen Lebensräume sowie Bestandsstützungen (durch Freilassung von gezüchteten Tieren) beinhalten.