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Dreissig Jahre nach einem problematischen Investment in USAir hat Berkshire Hathaway Beteiligungen angehäuft, die die Holdinggesellschaft zu einem der bedeutendsten Aktionäre bei den vier grössten US-Fluggesellschaften machen. Im vergangenen Jahr sagte Warren Buffett, er würde nicht ausschliessen eine Airline zu besitzen, was Diskussionen auslöste, welche er sich wohl schnappen würde.
"Eine dieser Fluggesellschaften wäre sicherlich erschwinglich" und ein Deal machbar, wenn Berkshire kaufen wollte, sagte David Kass, Professor für Finanzen an der Robert H. Smith School of Business der University of Maryland. "Aber dann stellt sich die Frage, würde Buffett das wirklich tun wollen?"
Berkshire hat Aktien von Delta Air Lines erworben, die wertvollste Fluggesellschaft der Welt, und hält nun Airline-Beteiligungen im Wert von über 9 Milliarden US-Dollar. Die Marktwerte dieser Unternehmen bewegen sich zwischen 14 und 34 Milliarden US-Dollar, und die jüngsten Kursverluste könnten für Buffett einige günstige Kaufgelegenheiten bieten.
Buffet will die grosse Transaktion
Buffett, 88, ist auf der Suche nach einer grossen Transaktion. Er sagte in seinem jährlichen Brief, der letzten Monat veröffentlicht wurde, dass sein Streben nach einem Mega-Übernahmedeal durch die hohen Preise ausgebremst wurde. Und Berkshire sitzt auf einem Haufen von Bargeld, der zum Jahresende auf rund 112 Milliarden Dollar angewachsen war. Branchenbeobachter sagen, dass Buffett näher an einem Kompletterwerb stehen dürfte.
Buffetts Assistent hat auf eine Bitte um Stellungnahme nicht reagiert und Vertreter von American und United lehnten eine Stellungnahme ab. Ein Delta-Sprecher sagte lediglich, dass das Unternehmen das Investment von Berkshire zu schätzen wisse. Ein Sprecher von Southwest lehnte es ab, sich zu Spekulationen zu äussern, und fügte hinzu, dass die Fluggesellschaft ebenfalls Berkshires Unterstützung zu schätzen wisse.
Airline-Aktien sind günstiger als zuvor. Die Titel von Southwest sind seit ihrem 2018 verzeichneten Hoch von 66,52 Dollar je Aktie um 23 Prozent gefallen, und Delta notieren fast 18 Prozent unter ihrem Höchststand von 61,32 Dollar im vergangenen Jahr.
Während Buffett vorzugsweise Unternehmensbeteiligungen von weniger als 10 Prozent hält, hat sein Anteil an Delta diese Schwelle überschritten mit etwa 70,9 Millionen Aktien oder 10,4 Prozent. Der Anteil ist durch die Rückkäufe von Delta weiter gestiegen. Ein Durchbruch dieser Marke verstärkt die Ansicht, dass Delta zumindest ein Langfristig-Investment ist, so David Sims, Präsident von Sims Capital Management.
Berkshire ist mit einem Anteil im Wert von rund 3,6 Milliarden US-Dollar der grösste Aktionär bei Delta. Das Unternehmen hat für 2,8 Milliarden Dollar Aktien an Southwest Airlines angehäuft, eine 1,78-Milliarden-Dollar-Beteiligung an United Continental Holdings und Aktien der American Airlines Group im Wert von 1,38 Milliarden Dollar.
"Kamikaze-Verhalten"
Buffetts Ansicht zu der Branche hat sich weiterentwickelt. Einmal hat er Fluggesellschaften angesichts eines "selbstmörderischen Wettbewerbs" beim Preis kritisiert und, dass Führungskräfte ein anhaltendes Kamikaze-Verhalten zeigen. Und er hat sich selbst für den USAir-Deal kritisiert, den er immer für einen Fehler gehalten hat, obwohl er letztlich profitabel war.
In den letzten Jahren hat Buffett gesagt, dass Preisgestaltung, arbeitsrechtliche Themen und andere Bereiche sich stabilisiert haben, während der Wettbewerb nachgelassen habe.
Und Berkshire kennt die Luftfahrtindustrie. Das 503 Milliarden Dollar schwere Konglomerat besitzt NetJets, eine Flugzeug-Miteigentümergesellschaft. Eine ihrer neuesten Unternehmen, Precision Castparts bedient den Luft- und Raumfahrtmarkt.
Investoren sehen bei seinen Investments in mehrere Fluggesellschaften Parallelen zu dem Vorgehen von Berkshire im Eisenbahnsektor. An zwei grossen Eisenbahngesellschaften hat Buffetts Holding Anteile vor der Übernahme von BNSF erworben, die eine der grössten Transaktionen von Berkshire war. Jedoch halten sich die Anteile an den Fluggesellschaften bei rund 10 Prozent, während Berkshires Beteiligung an BNSF kurz vor dem Kauf auf über 20 Prozent stieg.
Das bevorzugte Vorgehen von Buffett bei Übernahmen könnte jedoch eine Vereinbarung torpedieren. Er meidet feindliche Übernahmen, was bedeutet, es auf Seiten der Fluggesellschaft Bereitschaft für einen Verkauf geben muss.
(Bloomberg)