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Das Landgrabbing nimmt Besorgnis erregende Ausmasse an – in Asien, Lateinamerika, vor allem aber in Afrika. Millionen von Kleinbauernfamilien laufen Gefahr, ihr Land zu verlieren, von dem sie seit Generationen leben.
Es lockt das grosse, schnelle Geld: Investoren aus Europa, Nord- und Südamerika oder arabischen Ländern, Vertreter aus sogenannten Schwellenländern wie China, Indien, den Golfstaaten oder Südkorea, sind weltweit auf der Suche nach Land, das sie pachten oder kaufen. Dort sollen Agrotreibstoffe oder landwirtschaftliche Erzeugnisse für den Weltmarkt angebaut werden.
Die Entwicklung geht immer rascher vonstatten und erhielt mit der Finanzkrise noch grössere Bedeutung. In den vergangenen zehn Jahren wurden über 85 Millionen Hektaren Land im Süden von Investoren gepachtet oder gekauft – mehr als 20 Mal die Grösse der Schweiz. Vor allem in Afrika nutzen die Investoren die Schwäche der Regierungen und die Lücken des Landrechts aus. Beispiel Mosambik: Einem brasilianisch-japanischen Konsortium wurden 90 000 km2 abgetreten, um Mais und Soja für den Export zu produzieren, obwohl es im Land regelmässig zu Nahrungsmittel-Engpässen kommt. Oder Burkina Faso: Im Rahmen eines Weltbankprojektes reissen sich derzeit 700 nationale und internationale Investoren um 18 000 Hektaren Land.
Es werden immer dieselben Versprechen gemacht, um Regierung, Dorfchefs und Bauern zu überzeugen: Arbeitsplätze für die Jungen, höhere Erträge, massive landwirtschaftliche Investitionen, welche die Regionen aus der Armut befreien sollen, Nutzung von «ungenutztem Land». Die Realität aber sieht anders aus: Die Bauern werden enteignet und von ihrem Land vertrieben, das Agrobusiness hält Einzug und zerstört die biologische Vielfalt, Hunger und Mangelernährung nehmen zu.
«Ungenutztes» Land?
Die Betroffenen berichten den SWISSAID-Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika immer wieder von dramatischen Situationen. Die Bauern beklagen den Verlust des Landes und fragen verzweifelt, wie sie ihre Familien nun ernähren können, da auf den Feldern Agrotreibstoffe angebaut werden. In Tansania, wo SWISSAID tätig ist, werden bereits 436 000 Hektar für die Herstellung von Agrotreibstoffen verwendet. Organisationen der Zivilgesellschaft unterstützen dort Bauern, die keine Besitzurkunden für das Land vorweisen können, das sie seit Generationen bewirtschaften. Land, von dem sie vertrieben werden, wenn Investoren aus Europa, China oder Saudi-Arabien den Staat oder den Dorfchefs für das Recht auf dessen Bewirtschaftung bezahlen.
Die äusserst problematische Rolle der Weltbank wird von verschiedenen Seiten kritisiert. Unter dem Deckmantel einer verbesserten Bodenbewirtschaftung und Landnutzung drängt sie zahlreiche Länder zu dringenden Landreformen. Von diesen profitierenvor allem die ausländischen Investoren, die Agrarland kaufen möchten. Ausserdem fordert die Weltbank dazu auf, in von ihr als «ungenutzt» bezeichnetes Land zu investieren. Damit soll insbesondere Afrika seine Ertragslücke («yield gap») verringern können.
Diese Argumente werden allerseits übernommen, um Landkäufe im grossen Stil unter dem Vorwand zu rechtfertigen und zu legitimieren, dass der Boden zu wenig gut genutzt werde. Von diesem Land leben aber Millionen von Kleinbauern, Viehhaltern und Familien von Jägern und Sammlern.