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Wenn es kalt wird:
Wintersportkarte der Schweiz, Kümmerly & Frey um 1935
Wer vor dem 2. Weltkrieg Wintersport betreiben wollte, hatte die Qual der Wahl. Da kam eine Karte der Schweiz gerade richtig, in der die Winterkurorte, ihre Skigebiete und die im Ort angebotenen Sportarten vermerkt waren. Wenig überraschend befanden sich die Kurorte hauptsächlich in den Alpen. Doch auch in den Voralpen und im Jura hatte es damals noch genügend Schnee, um dem Skifahren frönen zu können. Wobei die Skigebiete grundlegend anders aussahen als heute, denn es gab noch kaum Bergbahnen und Skilifte – der erste Bügelskilift der Welt war 1934 in Davos eröffnet worden. Für das leibliche Wohl sorgten lediglich einfache Berghütten und einzelne, etwas besser ausgestattete Berghotels. Die Kurorte selbst glänzten dafür umso mehr mit stilvollen Bars und Restaurants für die vermögenden Gäste aus dem In- und Ausland. Gern gesehen waren seit dem 19. Jahrhundert die Briten, die in der Schweiz so ziemlich alle Wintersportarten einführten. Sie gründeten den ersten Skating-Club (Davos 1870) und den ersten Curling-Club der Schweiz (Davos 1880), bauten die erste Schlittenbahn (St. Moritz 1872) und waren am ersten reinen Bobrennen beteiligt (St. Moritz 1892). Auch das ersten Skirennen des Landes mit grosser Abfahrt wurde von Briten veranstaltet (Crans-Montana 1911). Damen waren übrigens immer mit von der Partie. Interessanterweise richtete sich die Wintersportkarte aus dem Hause Kümmerly & Frey gerade nicht an die britischen Gäste, sondern an Einheimische oder Touristen des nahen Auslands. Nur so lässt sich erklären, weshalb der Kartentitel lediglich auf Deutsch und die Legende auch nur zweisprachig (deutsch und französisch) abgedruckt ist. Bedeutsam ist ebenfalls, was die Karte nicht zeigt. Wo heutige Skitourenkarten in den Alpen fast flächendeckend Routen enthalten, fehlen thematische Eintragungen in weiten Teilen der Kantone Tessin, Wallis und Uri fast völlig. Drückt sich hier die fehlende touristische Infrastruktur aus? Oder ist die Karte nicht auf dem aktuellen Stand des Jahres 1935? Im Weiteren fehlen in der Kartenlegende beispielsweise Sportarten wie Skijöring und Eishockey, obwohl sie mit einem Bild auf dem Kartentitelblatt vertreten sind. Ist das Konzeptlosigkeit oder eine bewusste Entscheidung, in der Karte keine Mannschaftssportarten darzustellen? Zuletzt noch ein Wort zu den Einzelsymbolen. Zu finden ist ein unbeholfener und schwer lesbarer Mix aus bildhaften (z.B. für Curling), geometrischen (z.B. für Berghütten) und Text-Symbolen (z.B. für Bobbahnen). Erst Jahrzehnte später kamen einheitlich gestaltete Piktogramme in Mode.
Bibliografische Angaben
Wintersportkarte der Schweiz. Bern: Geograph. Anstalt Kümmerly & Frey, um 1935.
Bildauswahl und Text
Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich