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Dieser Band versammelt die ursprünglich an der gleichnamigen Pentateuchtagung, die im März 2017 an der STH Basel stattfand, gehaltenen Vorträge.
Herausgeber: Ass.-Prof. Dr. Benjamin Kilchör, Fachbereichsleiter für Altes Testament STH Basel, gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Armgardt, Universität Konstanz, und Prof. Dr. Markus Zehnder, Biola University Los Angeles.
Dieser Band versammelt die ursprünglich an der gleichnamigen Pentateuchtagung gehaltenen Vorträge, die im März 2017 an der STH Basel stattfand. Die Herausgeber sind: Ass.-Prof. Dr. Benjamin Kilchör, Fachbereichsleiter für Altes Testament an der STH Basel, gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Armgardt, Universität Konstanz, und Prof. Dr. Markus Zehnder, Biola University Los Angeles.
Die Beiträge zeigen den aus verschiedenen Gründen notwendigen Paradigmenwechsel in der Pentateuchforschung auf. Es ist heute allgemein anerkannt, dass das alte Paradigma, das in seiner klassischen Gestalt in Julius Wellhausens «Prolegomena zur Geschichte Israel» (1878) formuliert wurde, nicht länger eine dominierende Stellung in der Rekonstruktion der Entstehung und Struktur des Pentateuchs beanspruchen kann. Ein Fixpunkt dieses Paradigmas besteht darin, die sogenannten «priesterlichen» Texte, die durch Quellenscheidung von den übrigen Pentateuchtexten unterschieden werden, exilisch, bzw. nachexilisch (6./5. Jh. v. Chr.) zu datieren. Den Pentateuch denkt man sich heute weitgehend als Produkt von Jerusalemer Priesterkreisen, entstanden im 8. bis 5. Jh. v. Chr.
Diese Annahmen werden im Tagungsband von ganz unterschiedlichen Seiten infrage gestellt. Georg Fischer, Richard Averbeck, Joshua Berman und Koert van Bekkum stellen beispielsweise grundsätzlich die Methode und Argumentationskraft der Quellenscheidung, die zur Unterscheidung von «priesterlichen» und «nicht-priesterlichen» Texten geführt hat, infrage. So benennt der jüdische Bibelwissenschaftler Joshua Berman am Beispiel der Sintflutgeschichte in Genesis 6–9, einem «Lehrbuchtext» der Quellenscheidung, acht methodische Fehler der Quellenscheidung. Auch der Rechtshistoriker Matthias Armgardt weist darauf hin, dass man fundamentale Standards rationaler Argumentation verletzt, wenn man ohne Quelle gegen eine Quelle argumentiert.
Die Linguistin Lina Petersson zeigt auf, dass die Linguistik heute anhand klarer Kriterien, die Wortwahl, Semantik, aber auch Syntax betreffen, eine sprachgeschichtliche Entwicklung des Hebräischen nachvollziehen kann, wobei die «priesterlichen» Texte sprachgeschichtlich klar eine vorexilische Sprachstufe repräsentieren. Andere Beiträge (Benjamin Kilchör, Markus Zehnder, Kenneth Bergland, Jan Retsö) argumentieren, dass sich viele Probleme der Pentateuch- und der Prophetenforschung lösen lassen, wenn man den priesterlichen Texten erlaubt, älter zu sein. So untersucht Kenneth Bergland sehr gründlich Jeremia 34 und zeigt auf, dass Jeremia in einer Zeit, in der nach gängiger Theorie die «priesterlichen» Texte des Pentateuch noch gar nicht existieren dürften, Jeremia bereits von diesen Gebrauch macht. Nach Sandra Richter spiegeln die ökonomischen Verhältnisse des Deuteronomiums eine alte Zeit, in welcher noch der Tauschhandel dominiert (mit der seltenen Möglichkeit der Umwandlung von Gütern in Hacksilber, aber noch ganz ohne Münzen), was auch eine Datierung des Deuteronomiums ins 7. bis 5. Jh. v. Chr. unwahrscheinlich macht. John Bergsma weist darauf hin, dass der Pentateuch kein Produkt aus Jerusalemer Kreisen des 8. bis 5. Jh. v. Chr. sein kann, das der Legitimation der Jerusalemer Kreise dient, ist doch Jerusalem nicht einmal erwähnt, und Ephraim (als Person und als Stamm) wird oft Juda vorgeordnet (Sichem vor Jerusalem; Josef/Ephraim vor Juda; Josua vor Kaleb).
In allen unterschiedlichen Positionierungen und Ansätzen der Autoren des Bandes wird doch deutlich, dass in einem neuen Paradigma der Text Vorrang haben muss vor den Theorien und Modellen, die von aussen an ihn herangetragen werden, und dass für die künftige Diskussion empirische Methoden eine wichtige Rolle spielen werden anstelle von subjektiven Kriterien und Ansätzen, die der kulturellen Welt des alten Vorderen Orients fremd sind.