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Grundthematik Verdingkinder
Verdingkinder, meistens Waisen und Scheidungskinder, wurden von 1800 bis in die 1960er-Jahre von den Eltern weggegeben oder von Behörden den Eltern weggenommen und Interessierten öffentlich feilgeboten. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Kinder oft auf einem Verdingmarkt versteigert. Den Zuspruch bekam jene Familie,
die am wenigsten Kostgeld verlangte.
Betroffene beschreiben, dass sie auf solchen Märkten «wie Vieh abgetastet wurden».
In anderen Gemeinden wurden sie wohlhabenderen Familien durch Losentscheid zugeteilt.
Zugeloste Familien wurden gezwungen, solche Kinder aufzunehmen, auch wenn sie
eigentlich gar keine wollten.
Sie wurden meistens auf Bauernhöfen eingesetzt. Dort wurden sie oft wie Sklaven bzw. Leibeigene behandelt und für Zwangsarbeit ohne Lohn und Taschengeld eingesetzt.
Nach Augenzeugenberichten von Verdingkindern wurden sie häufig ausgebeutet,
erniedrigt oder gar vergewaltigt.
Einige kamen dabei ums Leben. Misshandlungen wurden nur sehr
selten verfolgt. Wenn solche behördlich festgestellt wurden, wurde den Pflegeeltern das Recht, neue Verdingkinder zu erwerben, für mindestens fünf Jahre entzogen.