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Kaffee ist in unserer Gesellschaft ein alltägliches Produkt, und viele Menschen konsumieren jeden Tag mindestens ein Getränk, das aus dem Kern der Kaffeekirsche besteht. Doch dass die Unterschiede beim Kaffee so spürbar sind, wie beim Wein, das habe selbst ich mir nicht träumen lassen. Seit zwei Jahren gehe ich dem Kaffee sprichwörtlich auf den Grund und versuche zu verstehen, warum ein Kaffee nicht immer gleich schmeckt.
Kaffee, welcher auf den Warenbörsen in London und New York gehandelt wird, gehört zu den wichtigsten Lebensmitteln der Welt. Nahezu 100 Millionen Menschen sind mit dem Anbau und dem Vertrieb der Kaffeebohnen beschäftigt und verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Alle Anbaugebiete von Kaffeekirschbäumen liegen auf der südlicheren Halbkugel der Erde und benötigen ein feucht-trockenes Wechselklima und eine Temperatur von 15 bis 25°C. Allerbeste Qualitäten findet man daher nur in schwer zugänglichen Waldgebieten. Plantagen, die auch maschinell bearbeitet werden können, eignen sich ausschliesslich für einfachere Qualitäten. Die Arbeit in den Plantagen oder Anbaugärten der Kaffeekirschbäume ist sehr aufwendig. Damit gleichmässige Qualität der Früchte garantiert ist, müssen diese in Handarbeit gepflückt werden. Herkunft, weitere Verarbeitung und Gewinnung der Kaffeebohne sind wichtige Merkmale für die Handelsware Rohkaffee.
Die besten Bohnen kommen aus Guatemala, Jamaika, Äthiopien und Indonesien. Die Kaffeebohnen werden meist in Mischungen aus verschiedenen Ländern angeboten, sodass ein gleichmässiger Geschmack über das Jahr hinaus besteht. Allerdings zeigt die Einzel-Cru-Röstung aus nur einem Anbaugebiet die interessantesten und vielfältigsten Aromen, wie zum Beispiel bei einem Lagenwein aus dem Burgund. Die unterschiedlichen Aromen von Zitrusfrüchten, Nüssen, Schokolade und roten Beeren lassen sich durch die Kunst des Kaffeerösters entlocken. Dabei sollte der Röstvorgang maximal 225 Grad Celsius erreichen und je nach Intensität 17 bis 25 Minuten dauern, damit die Aromen nicht verbrennen. Nun liegt die Kunst des Baristas - einem Spezialisten für die Herstellung von Kaffeegetränken - darin, aus den gerösteten Kaffeebohnen die gewünschten Aromen in die Tasse zu brühen. Die Einstellung der Mühle gehört zu den aufwendigsten Arbeiten, da der perfekte Mahlgrad im Zusammenhang mit der Temperatur des Wassers für den Geschmack entscheidend ist.
Die Zubereitung von Kaffee, Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato oder einem anderen Kaffeegetränk geht weit über das Knopfdrücken an der Kaffeemaschine hinaus. Sicherlich haben Sie in verschiedenen Situationen bereits ein schlecht zubereitetes Kaffeegetränk serviert bekommen. Verantwortlich dafür ist die Unwissenheit und fehlende Schulung der Personen, die den Kaffee an der Kaffeemaschine zubereiten. Das Wissen über das Zusammenspiel von Brühtemperatur, Mahlgrad des Kaffees und der Zubereitungszeit muss so optimiert sein, dass keine Fehltöne, wie bei einem fehlerhaften Wein verursacht werden. Hier zeigen frisch geröstete Kaffeebohnen das grösste Spektrum an Aromen. Je länger die Kaffeebohne der Luft ausgesetzt wird desto mehr oxidiert diese, vergleichbar wie bei einer geöffneten Flasche Wein. Ähnlich behutsam sollten wir die gerösteten Kaffeebohnen wie gute Weine behandeln.
Um Müdigkeit zu überwinden, reicht eine herkömmliche Mischung aus, da bedarf es keines teuren Kopi Luwak oder Blue Mountain. Diese Varietäten kann Ihnen der Barista in seiner Facettenvielfalt präsentieren und einen Genuss wie bei einem Rotwein aus dem Burgund oder Bordeaux bieten. Diesen Fachmann für Kaffee kann man in der heutigen Zeit in zahlreichen Kafferöstereien oder guten Kaffeehäusern in der Schweiz finden. Seitdem birgt der Genuss Kaffee für mich auch wieder mehr Facetten und regt an für mehr.