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Verzell kän Hawass (Habasch)
Im Schweizerischen Idiotikon wird immer wieder das Wort Habasch gesucht – aber nie gefunden. Warum? Der betreffende Band ist im späten 19. Jahrhundert verfasst worden, zu einer Zeit, als es das fragliche Wort noch gar nicht gab.
Den wohl ersten schriftlichen Beleg finden wir in Hanns Bächtolds «Die schweizerische Soldatensprache 1914–1918», herausgekommen 1922 in Basel. Hier wird die Wendung Wolff und Havas aufgeführt und mit der Bedeutung «unwahrscheinliche Nachrichten» versehen. Wolff war eine deutsche, Havas eine französische Nachrichtenagentur – es versteht sich von selbst, dass erstere die Kriegsnachrichten zugunsten Deutschlands und letztere zugunsten Frankreichs geschönt hat. 1938 widmete Meinrad Inglin in seinem «Schweizerspiegel» dem Hawass, wie er das Wort eingeschweizert schreibt, einen kurzen Abschnitt und führt seine Verwendung im Sinne einer irrtümlichen oder falschen Mitteilung ganz konkret auf die widersprüchlichen Meldungen der Agentur Havas im Zusammenhang mit den deutschen, französischen und englischen Truppenbewegungen an der Marne zurück.
Auch wenn die Angaben in Bächtold und Inglin nicht ganz deckungsgleich sind, wird doch deutlich, dass unser Wort unter den Soldaten entstand, die im Ersten Weltkrieg an der Schweizer Grenzbesetzung teilnahmen. Von dort ging Hawass in die allgemeine Umgangssprache über, wurde allmählich zu Habasch verballhornt und stand fortan für «Unsinn, Blödsinn, Lüge» überhaupt. Geläufig ist (oder war) die Fügung verzell kän Hawass (Habasch) oder red kän Hawass (Habasch). Etwas weiter vom Ursprung entfernt ist der personifizierte Gebrauch: En Habasch ist ein «Narr», ein «Tölpel», ein «Taugenichts». Ob zum Lautwandel und zur Personifizierung der Name des einstigen, um 1970 herum aktiven palästinensischen Terroristen George Habasch eine Rolle gespielt hat, lassen wir dahingestellt.
(23. März 2016, CL)