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Bingen am Rhein
- Tor zum Unesco Welterbe "Oberes Mittelrheintal"
Die
Stadt war 2008 Ausrichterin der dritten rheinland-pfälzischen
Landesgartenschau welche in sehr schönen Parkanlagen entlang dem Rhein
immer noch Schatten wirft.
Die Geschichte der
Stadt Bingen reicht weit in die vorrömische Zeit zurück. Hierauf lassen
Funde keltischen Kulturgutes schliessen.
Die Bedeutung des Wortes Bingen ist trotz der grössten Bemühungen noch
ungeklärt; der Name Bingen scheint jedoch weder germanischen noch
römischen, sondern keltischen Ursprungs zu sein.
Bereits sehr früh bestand in Bingen eine christliche Gemeinde. Der Fund
eines frühchristlichen Grabsteines des Priesters Aetherius, vermutlich
aus dem Jahre 400 n. Chr., der dicht hinter den zahlreichen römischen
Gräbern beim Technikum entdeckt wurde, liefert hierfür den Beweis.
Die Römer wurden durch die verkehrsgünstige Lage Bingens dazu
veranlasst, hier am Zusammenfluss von Rhein und Nahe das Castell Bingium
zu errichten. In Bingen teilte sich die aus Mainz kommende Römerstrasse.
Eine Strasse führte weiter rheinabwärts nach Koblenz, die andere nahm
ihren Weg über den Hunsrück nach Trier. Bei Bauarbeiten wurden Funde
einer ehemaligen Römerbrücke, welche im Jahre 77 n. Chr. erbaut wurde,
entdeckt.
Am 14. Juni 983 übertrug Kaiser Otto II. auf dem Reichstag zu Verona aus
Dankbarkeit seinem Kanzler, dem Erzbischof Willigis von Mainz, die
Herrschaftsrechte über die Stadt Bingen und das Binger Land. Dieser
Schenkungsakt ist auch als Reichsakte zu Verona bekannt, welche nach dem
2. Weltkrieg zum historischen Ausgangspunkt für partnerschaftliche
Beziehungen zwischen der Provinz Verona und dem heutigen Landkreis
Mainz-Bingen, in welche die Städte Verona und Bingen eingeschlossen
sind, wurde.
Im Jahr 996 ergänzte Otto III. diese Schenkung, indem er einen Teil des
reichseigenen Kammerforstes im Hunsrück, den heutigen Binger Wald,
hinzufügte.
Während der Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum ein markantes Datum:
Am Weihnachtsabend 1105 wurde Kaiser Heinrich IV von seinem Sohn
Heinrich V auf Burg Klopp gefangen gesetzt, um dessen Abdankung zu
erzwingen.
1147 wurde Kloster Rupertsberg durch Hildegard von Bingen gegründet.
Diese grosse Persönlichkeit des Mittelalters erlangte bereits zu
Lebzeiten hohes Ansehen als Mystikerin, Naturforscherin, Ärztin und
Gelehrte.
In der kaiserlosen Zeit war Bingen an den grossen Städtebünden
beteiligt. Ihre Streitkräfte kämpften stets mit, gegen Räuber zu Wasser
und zu Land und halfen den Landfrieden zu sichern.
Im Zollkrieg 1301 des Königs Albrecht I gegen die rheinischen Kurfürsten
wurde Bingen samt Burg belagert und erobert. Dabei wurde die Burg Klopp
zerstört. 1424 ging Bingen gemäss einem Abkommen an das Mainzer
Domkapitel über.
1403 und 1490 brannte Bingen beinahe ganz nieder. Im 30-jährigen Krieg
wurde die Stadt stark zerstört. Auch die Soldaten Ludwigs XIV äscherten
die Stadt ein. Im 18. Jahrhundert brausten Kriegsstürme über Bingen
hinweg. Im 19. und 20. Jahrhundert nahm Bingen, das zum Grossherzogtum
bzw. später zum Volksstaat Hessen gehörte, am Geschick der deutschen
Länder und danach des Reiches teil.
Die Kriege der letzten 150 Jahre mit ihren Verwüstungen, gerade im
geschichtsreichen Alt-Bingen, sind noch in schlechter Erinnerung.
Manche herausragende Persönlichkeit ist aus Bingen hervorgegangen oder
hat hier gelebt. Genannt sei hier nur der grosse Dichter Stefan George.
Durch Eingemeindungen weist die Stadt Bingen heute neben der Innenstadt
sieben Stadtteile aus. Im Jahr 1969 wurde der Stadt Bingen der Status
einer grossen kreisangehörigen Stadt verliehen. Die Einwohnerzahl
beläuft sich auf rund 25.000.
Seit Jahrhunderten wird in Bingen Weinbau und Weinhandel betrieben.
Bekannte Weinlagen, wie Scharlachberg, Schwätzerchen, Bubenstück und
Sankt Rochuskapelle haben im In- und Ausland einen Qualitätsbegriff
geschaffen. Die in Bingen ansässige Getränkeindustrie stellt einen
wesentlichen Wirtschaftsfaktor dar.
Durch den Ausbau der Fussgängerzone, die eine Länge von rund 1.000
Metern aufweist, wurde die Urbanität der Innenstadt gefördert.
Attraktive Geschäfte laden zu einem gemütlichen Einkaufsbummel ein.
Alles in allem ist die Stadt Bingen am Rhein, auf historischem Boden
gewachsen, doch jung geblieben und voller Dynamik. Sie hat die Funktion
eines Mittelzentrums mit einem Einzugsbereich von rund 50.000 Menschen.
Bekannt ist
Bingen unter anderem durch die Geschichte um den Binger Mäuseturm, in
dem angeblich der Mainzer Bischof Hatto von Mäusen gefressen wurde. Der
Turm wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts als Zollwachturm
gebaut, um das Zoll-Sperrsystem der Burg Ehrenfels zu verstärken und
wurde im Dreissigjährigen Krieg und 1689 zerstört. Der preussische König
Friedrich Wilhelm IV. liess ihn von 1856 bis 1858 nach Plänen des Kölner
Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner und des Architekten Friedrich
Albert Cremer unter seiner direkten Mitwirkung als preussische
Grenzmarke im neugotischen Stil wiederaufbauen. Von 1850 bis 1974 diente
er als Signalturm für die Rheinschifffahrt. Die Wahrschau im Mäuseturm
regelte den Schiffsverkehr an der Binger Loch genannten Engstelle
am Beginn des Rheinengtals. Mit der Verbreiterung der Fahrrinne wurde
diese Funktion 1973/74 aufgegeben.
Fotoalbum Bingen und Rüdesheim