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Nach dem Regen kam der Schnee
Das bereits gestern an dieser Stelle beschriebene Sturmtief `Egon` verlagerte sich von der Bretagne (gestern Abend) über die Benelux-Staaten nach Norddeutschland (heute Mittag). Welche Auswirkungen dieses Tief auf das Schweizer Wetter hatte lesen Sie im heutigen Blog.
Im Gepäck hatte dieses Tief eine Warmfront, welche uns gestern in den Nachmittags- und Abendstunden überquerte. Kurz nach Mitternacht folgte dann die sehr aktive Kaltfront. Diese war begleitet von starken Windböen im Flachland, in leicht erhöhten Lagen gab es Sturmböen und in den Bergen gar orkanartige Winde. Gegen Morgen folgte die Höhenkaltluft, welche die Atmosphäre labilisierte, wodurch sich grössere Quellwolken mit Schnee- oder Graupelschauer bilden konnten.
Sturmwinde mit dem Kaltfrontdurchgang
Die stärksten Winde gab es während dem Kaltfrontdurchgang. Die höchste Windböe im MeteoSchweiz-Messnetz wurde auf dem Säntis mit 154.4 km/h gemessen. Im Flachland fallen besonders die Stationen Cressier am Bielersee und St.-Prex am Genfersee auf. Hier wurden Böenspitzen um 117 km/h aufgezeichnet. Auch in Steckborn am Bodensee wurden 112 km/h gemessen. In der ersten Tageshälfte liessen die Winde etwas nach. Doch weiterhin gab es im Flachland noch Böen zwischen 35 bis 50 km/h. Die Sturmwarnleuchten an den Seen blieben somit weiterhin eingeschaltet.
Kurze Föhnphase in den Alpentälern
Kurz vor dem Eintreffen der Kaltfront, die Höhenströmung hatte noch eine westsüdwestliche Richtung, gab es in einigen Alpentälern (z. Bsp. im Urner Reusstal oder im Rheintal) noch eine kurze Föhnphase. Der Föhn setzte in Altdorf um ca. 22 Uhr ein. Damit stieg die Temperatur sprunghaft von 2.5 auf 8.5 Grad an. Um 1:50 Lokalzeit drehte der Wind innert Kürze von südlicher auf nördliche Richtung und die Temperatur fiel auf 4 Grad zurück. Während der gesamten Föhnphase registrierte die Wetterstation in Altdorf Niederschlag.
Temperaturmaximum kurz nach Mitternacht
Die mildeste Temperatur wurde heute kurz nach Mitternacht gemessen. Im Flachland der Alpennordseite lagen die Temperaturen zu diesem Zeitpunkt bei 6 bis 8 Grad. Am `wärmsten` war es mit Föhneffekten in Vaduz mit 9.4 Grad. Hinter der Kaltfront mit dem Einfliessen weiterer Kaltluft sanken die Temperaturen kontinuierlich ab. Um die Mittagszeit bewegten sich die Temperaturen auf der Alpennordseite zwischen -1 und 2 Grad.
Verschiedenste Niederschlagsformen
In der milderen Luft vor Eintreffen der Kaltfront fielen die Niederschläge grösstenteils noch als Regen. In einer Übergangsphase mischten sich unter die Regentropfen auch zunehmend Schneeflocken. Gegen Morgen wurden diese immer zahlreicher bis es am Morgen ganz in Schneefall überging. Mit Eintreffen der Höhenkaltluft wurde die Atmosphäre am Morgen zunehmend labil geschichtet und es entwickelten sich grössere Quellwolken. Der Niederschlag unter einer solchen Quellwolke konnte dann auch als Graupelschauer fallen.
Erst Schnee, später Nordwind im Tessin
Mit der westsüdwestlichen Höhenströmung wurde auch viel Feuchte Richtung Alpensüdseite transportiert. So setzte auch in diesem Landesteil Schneefall ein. Mit dem Drehen der Höhenwinde auf Nordwest liessen die Niederschläge nach und es kam zunehmend Nordwind auf, der sich ab Mittag bis in die Täler des Südtessins durchsetzen konnte. Bei der Neuschneemessung am Morgen wurden im Nordtessin 10 bis 15 cm beobachtet. Im Mittel- und Südtessin konnte auch noch 4 bis 7 cm Neuschneezuwachs registriert werden.
Stürmischer Winter
Der Winter ist auf der Alpennordseite die stürmischste Zeit im Jahr. In den letzten Jahrzehnten lieferte der Januar die meisten Tage mit Windspitzen von 100 km/h oder mehr. Bei der aktiven winterlichen Sturmtätigkeit können auch die Monate Dezember und Februar mithalten. Im Vergleich dazu sind die Sommermonate wenig sturmaktiv.
Eine Datenerhebung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts kommt für den Messstandort Zürich-Fluntern zu einem vergleichbaren Jahresverlauf (Uttinger 1968). Von diesem Standort sind Messwerte ab 1949 verfügbar. In der aufgearbeiteten Messperiode 1949-1966 hebt sich die Sturmtätigkeit der Wintermonate deutlich von jener der Sommermonate ab. Dass der Dezember die grösste Häufigkeit zeigt, ist möglicherweise zufällig durch die Kürze der Periode bedingt.
Das winterliche Sturmmaximum entspricht nicht der oft gehörten landläufigen Meinung, dass der Herbst besonders stürmisch sei. Das mag daran liegen, dass im Herbst mit der aufkommenden Sturmtätigkeit ruppige Tage besonders auffallen.