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Fotographen sehen Jean Tinguely: Pierre Descargues, Monique Jacot
30. Juni 1999 – 24. Oktober 1999
Pierre Descargues und Monique Jacot im Museum Jean Tinguely in Basel
In seiner neuen Sonderausstellung präsentiert das Museum Jean Tinguely in Basel während des ganzen Sommers (30. Juni bis 17. Oktober 1999) Fotografien des Franzosen Pierre Descargues und der Westschweizerin Monique Jacot. Die Ausstellung gehört in die Reihe Fotografen sehen Jean Tinguely und zeigt zur Hauptsache Fotografien aus den Sechzigerjahren, in denen Jean Tinguely zusammen mit Niki de Saint Phalle in Soisy-sur-Ecole bei Paris lebte und arbeitete. Mit der Ausstellungsreihe dokumentiert das Museum entscheidende Phasen der künstlerischen Entwicklung Tinguelys.
Die Person und das Schaffen von Jean Tinguely werden in einer Zeit gezeigt, in der sein Werk zu Beginn der Sechzigerjahre zunächst in Paris Beachtung fand, bevor er mit Heureka 1964 in Lausanne auch in der Schweiz auf sich aufmerksam machte. Der Kunstkritiker Pierre Descargues, Verfasser von Studien und Monografien zur älteren wie zur modernen Kunst, realisierte als Korrespondent verschiedener Zeitschriften und Radiosendungen zahlreiche Interviews mit Künstlern wie Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle oder Yves Klein. Die während seiner journalistischen Arbeit entstandenen Fotos, zum grossen Teil unveröffentlicht, sind geprägt von einer freundschaftlichen Nähe zum Künstler und einer spontanen Neugierde für das Zeitgeschehen. So hielt er mit seiner Kamera die ersten grossen Erfolge Tinguelys in Paris fest, als dieser 1959 mit den Méta-Matics, den Zeichenmaschinen, an die Öffentlichkeit trat. Descargues entwickelte eine Vorliebe für das Porträt des Künstlers und für die spontane Fotoreportage von Tinguelys Arbeit in seinem Atelier. Immer war es auch die attraktive Gestalt Niki de Saint Phalles, der Lebensgefährtin des Künstlers, die das Auge der Kamera einfing und uns spontane Bilder ihres gemeinsamen Wirkens hinterliess. Diese Dokumente des künstlerischen Alltags in Paris entstanden, noch bevor Tinguely 1968/69 wieder Wohnsitz in der Schweiz nahm. Sie vergegenwärtigen uns einen selbstkritischen, strebsamen wie auch ernsten Künstler auf dem Weg zum Erfolg.
Monique Jacot arbeitete als unabhängige Fotografin für wichtige schweizerische und ausländische Zeitschriften. Sie lernte Tinguely 1963 im Zusammenhang mit einem Bericht über Niki de Saint Phalle kennen. Auch Monique Jacot erkannte die verführerische Ausstrahlung der jungen Künstlerin und die Bildkraft ihrer Werke. Sie entdeckte dabei aber ebenso die aussergewöhnliche fotogene Präsenz Tinguelys wie auch seiner Eisenskulpturen, die beinahe unerschöpfliche, spannende Bildvarianten zu liefern schienen. Oft sind es dieselben Werke und Ereignisse wie bei Pierre Descargues, die hier eingefangen sind. Monique Jacot entwickelte jedoch besonders in der fotografischen Zwiesprache mit der im Entstehen begriffenen Heureka in Lausanne eine Bildleidenschaft, die sich weder um den damals noch geringen Bekanntheitsgrad des Künstlers noch um die künstlerische Wertung des Werks zu kümmern schien.
Die Medien waren stets begehrte Mittel, doch entstanden in der Nachkriegszeit viele Fotoreportagen noch ohne Auftrag. Sie wurden daher nicht finanziert und lagern im privaten Archiv des Fotografen. Mit seiner Ausstellung Fotografen sehen Jean Tinguely: Pierre Descargues und Monique Jacot ermöglicht das Museum Jean Tinguely dem Besucher einen Einblick in jene privaten Sammlungen und Archive, die eine wertvolle Bereicherung darstellen, das Bild des Künstlers vervollständigen und dem Umfeld und der Zeit ihres Schaffens neue Dimensionen verleihen.