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Gustav Klimt - Stehendes Liebespaar / Studie zu "die Erfüllung", ca. 1905-1911
Bleistift auf Japanpapier
55 x 37 cm
Ein wiederkehrendes Motiv in Klimts Werk ist die männlich-weiblichen Paargruppe, welche sich in einigen seiner bekanntesten Werke wie "die Erfüllung", "Kuss" oder "Adam und Eva" wiederfindet, ebenso in dieser Studie, die sehr wahrscheinlich als Vorzeichnung einem dieser Werke diente.
Die Frau wird nackt dargestellt und hängt mit geschlossenen Augen in einem Trance ähnlichem Zustand in den Armen des gekleideten Mannes, dessen Gesichtszüge denjenigen des Künstlers selber sehr nahe sind. Die beiden Figuren bilden eine beinahe tänzerisch anmutende Pose.
Klimt verzichtet auf eine räumliche verortung und konzentriert sich lediglich auf die Darstellung der Körper, deren Bewegung und Spannung modelliert er fast ausschliesslich mit Konturlinien. Ausser den Gesichtszügen des Mannes werden die Details des Paares nicht ausgearbeitet, sie bleiben schemenhaft, vibrierend und in Bewegung. Die Spannung dieser Skizze entsteht in den Gegenpolen, Enthüllung gegen Verhüllung, Erschöpfung gegen Kraft, Zuwendung gegen Abwendung.
Gerade die Ausarbeitung des männlichen Gesichts, dessen Blick fest auf die Frau gerichtet ist, dominieren dieses Bild. Klimts Blick auf den weiblichen Körper, für dessen Zeugnis uns zahlreiche erotische Zeichnungen erhalten sind, manifestiert sich hier als Teil der Darstellung. Klimts erotische Zeichnungen als Werkzeug zur Reduktion der Frau auf ihren Körper zu verhandeln wäre jedoch falsch. Die Frauen, oft dem Betrachter in Gleichgültigkeit abgewandt oder mit einem herausfordernden Blick zurückschauend, sind alles andere als passive Objekte in Klimts Zeichnungen.