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Im Jahr 2018 nahmen England (Vereinigtes Königreich), Estland und die Vereinigten Staaten an der Studie teil. Im Rahmen der Studie wurden Schlüsselindikatoren für die Entwicklung und das Lernen von Kindern und ein breites Spektrum an Entwicklungs- und Kontextinformationen von Eltern und Lehrperson erhoben und die «neuen» Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten, die Selbstregulierung und die sozial-emotionalen Fähigkeiten einer repräsentativen Stichprobe fünfjähriger Kinder in registrierten Schulen und Settings der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (ECEC) direkt bewertet.
Die Studie legte deutliche Unterschiede in der frühen Bildung der Kinder in den drei Ländern offen. So zeigten fünfjährige in Estland ein ausgewogenes «Bündel» an Fähigkeiten, mit Stärken in den Bereichen Alphabetisierung, Selbstregulierung und sozial-emotionale Fähigkeiten. Insbesondere Kinder in Estland waren besser in der Lage, die Emotionen anderer zu erkennen als Kinder in England oder den Vereinigten Staaten. Demgegenüber wiesen Kinder in England höhere Fähigkeiten im Rechnen auf als Kinder in Estland oder den Vereinigten Staaten. Die Ergebnisse in England in Bezug auf Lese- und Schreibfähigkeit, Arbeitsgedächtnis und geistige Flexibilität waren ähnlich wie die in Estland. Die Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten von Kindern in den Vereinigten Staaten waren wiederum signifikant niedriger als für Kinder in Estland und England.
In allen drei Ländern wurden geschlechtsspezifische Unterschiede festgestellt. Mädchen hatten in jedem Land einen höheren Alphabetisierungsgrad und ein höheres Niveau an sozial-emotionalen Fähigkeiten als Jungen. Nach Berichten von Eltern und Lehrpersonen verfügten Mädchen über höhere prosoziale Fähigkeiten und verhielten sich weniger störend. In der direkten Bewertung sind – trotz gegenteiliger Berichte von Eltern und Lehrpersonen – keine Unterschiede in der Rechenfähigkeit feststellbar. Insgesamt zeigten Mädchen bei der direkten Bewertung der Selbstregulierung etwas stärkere Fähigkeiten als Jungen, die entsprechenden Berichte der Eltern und Lehrpersonen fielen hierzu für Mädchen positiver als für Jungen auf.
Unterschiede in den Fähigkeiten der Kinder wurden auch im Zusammenhang mit dem sozioökonomischen Hintergrund des Kindes festgestellt: Kinder mit hohem sozioökonomischen Hintergrund hatten in fast allen Lernbereichen der Studie ein höheres Kompetenzniveau als Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Hintergrund. Die geringsten Unterschiede zwischen den Kindern aufgrund des sozioökonomischen Hintergrundes wurde in Estland, die grössten in den USA festgestellt.
Die Studie zeigte auch, dass alltägliche Aktivitäten, das Tun der Eltern, in hohem Masse mit dem frühkindlichen Lernen und der der frühkindlichen Entwicklung korreliert. Förderlich für das Wohlbefinden der Kinder wirkt sich – unabhängig des sozioökonomischen Hintergrunds – tägliches Vorlesen, das Vorhandensein von Kinderbüchern, das Führen von Gesprächen und die Teilnahme an besonderen (Freizeit-)Aktivitäten aus. Jedoch lässt die Studie zugleich erkennen, dass ein moderates Engagement bei den meisten Aktivitäten das frühkindliche Lernen stärker fördert als tägliche Häufigkeit. Zum Beispiel hatten Kinder, die drei- oder viermal pro Woche an besonderen Aktivitäten teilnahmen, höhere Punktzahlen als Kinder, die täglich an solchen Aktivitäten teilnahmen. Einzige Ausnahme war das «Lesen». Die Erkenntnisse zeigen, dass das Lesen mit Kindern an fünf bis sieben Tage in der Woche stärker mit Alphabetisierung und den sozial-emotionalen Fähigkeiten der Kinder korreliert als ihnen weniger häufig vorzulesen.
In England und Estland besuchen fast alle Kinder im Alter irgendeine Form der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. In den Vereinigten Staaten hatten 51% der an der Studie teilgenommenen Kinder ein Angebot der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung besucht. Die Teilnahmequoten an Angeboten der ECEC unterscheiden sich nach sozioökonomischem Status, so nahmen Kinder aus Familien mit hohem sozioökonomischem Status vermehrt an diesen Angeboten teil. Kinder in den Vereinigten Staaten, die an Angeboten der ECEC teilgenommen hatten, wiesen höhere Lese- und Schreibfähigkeiten und viel höhere Rechenkenntnisse als Kinder auf, die nie an solchen Angeboten teilgenommen hatten, unabhängig des sozioökonomischen Hintergrunds der Kinder.
Die Studie zeigte, eine positive Beziehungen zwischen den Dimensionen der frühkindlichen Entwicklung und des Lernens. Frühkindliche Lerngewinne in einem Bereich unterstützen die Weiterentwicklung in einem anderen Entwicklungsbereich. In dem Sinne ist das «Lernen» der Kinder verbindend und sich gegenseitig verstärkend. Insbesondere die Lese- und Rechnungsfähigkeit korrelierten stark, und diese korrelierten auch positiv mit Selbstregulierungsfähigkeiten (insbesondere mit geistiger Flexibilität und Arbeitsgedächtnis). Gleichzeitig gab es positive Assoziationen zwischen kognitiven Aspekten wie der Lese- und Schreibfähigkeit, Rechenfähigkeit sowie Selbstregulierung und den sozial-emotionalen Fähigkeiten der Kinder, insbesondere mit Empathie und prosozialem Verhalten.
Weitere Informationen
OECD (2020). Early Learning and Child Well-being. A Study of Five-year-Olds in England, Estonia, and the United States.