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USA-Reise, Teil 7: Vom Zockerparadies zur Ponderosa
Nachdem wir den bizarren, fast unwirklich erscheinenden Bryce Canyon verlassen hatten, steuerten wir den Zion-Nationalpark an. Über den Highway 9 näherten wir uns dem Osteingang des Parks, und dabei fiel unser erster Blick auf einen mächtigen Berg aus gelblichem Stein, welcher zahlreiche Längs- und Querfurchen aufwies und sich als gigantische versteinerte Sanddüne entpuppte.
Das nächste Erlebnis erwartete uns vor einem langen Tunnel. Aufgrund der Fahrzeughöhe von Wohnmobilen war eine Durchfahrt nur im Einbahnverkehr möglich, Parkranger regelten den Verkehr. Wir waren nun das letzte Fahrzeug, welches in Richtung Zion Canyon in den Tunnel einfahren durfte. Und nun passierte das für uns Unglaubliche. Der Ranger stoppte unser Fahrzeug, reichte mir einen Stab und gab mir zu verstehen, diesen am Ausgang des Tunnels dem dortigen Ranger zu übergeben. Dieser wusste dann, dass wir das letzte Fahrzeug waren, welches den Tunnel passieren durfte. Quasi Staffellauf auf amerikanisch in einem ansonsten so technisierten Land.
Dies ist ein Bericht über eine siebenwöchige USA-Reise in neun Teilen. Hier das Inhaltsverzeichnis:
Teil 1: Von San Francisco in den Norden Kaliforniens
Teil 2: Vom Redwood NP über die Oregon Coast nach Idaho
Teil 3: Durch Idaho in den Yellowstone-Nationalpark
Teil 4: Yellowstone- und Grand-Teton-Nationalpark
Teil 5: Von Salt Lake City ins Indianerland
Teil 6: Die Canyons von Arizona und Utah
Teil 7: Vom Zockerparadies zur Ponderosa
Teil 8: Vom Yosemite-Nationalpark nach San Francisco
Teil 9: Von der Golden Gate Bridge nach San Diego
Nach diesem für uns einmaligen Erlebnis ging es in engen Serpentinen hinunter in das Tal des Virgin River. In dem üppig grünen Canyon, eine wahre Wohltat für die Augen nach den Tagen in halbwüstenartiger Umgebung, unternahmen wir eine Wanderung zu den Emerald Pools, zum Weeping Rock und als Highlight einen Fussmarsch zu den Narrows. Dies ist eine gewaltige, enge Schlucht, welche der Virgin River geschaffen hat. Sie ist teilweise nur wenige Meter breit, so dass nur im Wasser des eiskalten Flusses gewatet werden kann, um vorwärtszukommen.
Bevor wir den Park in Richtung Nevada verliessen, hatten wir ein weiteres Erlebnis der besonderen Art. Wir steuerten noch innerhalb des Nationalparks einen Parkplatz an. An der Zufahrt wies ein Schild darauf hin, dass nur Fahrzeuge bis zu einer Länge von 21 Fuss abgestellt werden dürften. Da unser Wohnmobil mit 24 Fuss ein Stückchen länger war, zogen wir es nach einiger Diskussion vor, das Fahrzeug am Seitenstreifen entlang der Strasse abzustellen und ein paar Meter zu gehen. Und als wir einige Minuten später über den Parkplatz gingen, staunten wir nicht schlecht. Parkranger machten sich auf dem Parkplatz mit einem Massband zu schaffen und kontrollierten doch tatsächlich die Länge der abgestellten Fahrzeuge. Für die jeweiligen Besitzer, und das schienen uns doch einige zu sein, wurde es sicher ein recht kostspieliges Vergnügen, denn da kennen die Amis keine Gnade.
Glitzermetropole mitten in der Wüste
Nach den tollen Erlebnissen im Zion-Nationalpark zog es uns dann auf direktem Weg nach Las Vegas und auf dem Interstate Highway 15 ging das auch recht zügig. Dort angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einem Hotel. Das sollte natürlich möglichst zentral in direkter Nähe zum legendären Las Vegas Boulevard mit seinen gigantischen Casinohotels sein. Letztlich entschieden wir uns für das Excalibur, einen mit Türmchen und Erkern verzierten Riesenbau, der uns entfernt an Schloss Neuschwanstein erinnerte. Nachdem wir eingecheckt hatten, führte der erste Weg ins Casino, welches das komplette Erdgeschoss einnahm. Hunderte „Einarmiger Banditen“, Pokermaschinen und -tische standen in dem Saal, und natürlich steckten auch wir die ersten Münzen in solch einen Automaten.
Bevor wir uns aber der Spielsucht hingaben, machten wir uns auf, um den berühmten Strip entlangzugehen. Was wir sahen, enttäuschte uns zunächst zutiefst. Alles wirkte nüchtern, fast schmucklos, und besass überhaupt keinen Charme. Das änderte sich dann schlagartig mit der einsetzenden Dämmerung. Durch die gigantische Beleuchtung, funkelnden Neonreklamen und Lightshows kamen wir uns vor wie in einer anderen Welt. Völlig utopisch und unwirklich, eine in unseren Augen unglaubliche Energieverschwendung.
Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, in einigen dieser Casinotempel vorbeizuschauen, und es dauerte nicht lange, bis wir uns vor einigen Automaten niederliessen, um unser Glück zu versuchen. Ein paar Dollar Gewinn blieben sogar übrig, aber es reichte natürlich nicht, um die Ferien damit zu finanzieren. Spass hat es uns dennoch gemacht.
Wie im Wilden Westen
Nach zwei Nächten in Las Vegas freuten wir uns, wieder „on the Road“ zu sein. Auf dem Highway US 95 ging es in nordwestlicher Richtung. Das Land war karg und trocken. Wir durchquerten nur wenige Nester, Tonopah und Hawthorne waren die einzigen grösseren Ansiedlungen in dieser recht öden Gegend. Da fiel es uns nicht sonderlich schwer, Meilen zu „schrubben“. Unser nächsten Ziel Virginia City war am Abend erreicht. Ideal war hier die Lage des Campgrounds, denn ins Zentrum dieses historischen Städtchens konnten wir bequem zu Fuss gelangen.
In der Main Street angekommen, fühlten wir uns wie nach einer Zeitreise, mitten in den Wilden Westen zurückversetzt. Das Einzige, das nicht so wirklich in die Westernkulisse passte, waren die Autos anstatt der Pferdefuhrwerke am Strassenrand. Ansonsten war es gerade so, wie man es aus zahlreichen Filmen kennt. Vor den malerischen Holzhäusern, in denen sich Saloons, Souvenirshops und allerlei Trödler befanden, führten Holzbohlen entlang. Da wir am Abend nicht mehr unser Fahrzeug bewegen mussten, liessen wir bei einem – oder waren es zwei? – Whiskeys den Tag ausklingen und machten uns zu vorgerückter Stunde auf den Heimweg.
Nach erholsamer Nacht fuhren wir nach dem Frühstück in die Sierra Nevada. Das erste Ziel war der Lake Tahoe, ein malerischer Bergsee. Da die Lufttemperaturen recht angenehm waren, nahmen wir Männer ein Bad. Es war allerdings so erfrischend, es mögen gefühlte zwölf Grad Wassertemperatur gewesen sein, dass wir es nicht lange im Wasser aushielten.
Anschliessend ging es zur Ponderosa Ranch, die sicher vielen älteren Lesern in bester Erinnerung geblieben ist. In den 1970er- und 80er-Jahren war dies die Heimat von Ben Cartwright und seinen Söhnen Adam, Hoss und Little Joe. Jedes Kind kannte die kultige Westernserie, und die Ranch sah ganz so aus, wie wir sie vom Fernsehen her kannten. Fehlte nur noch, das Hop Sing aus der Küche kam und die Cartwrights um die Ecke ritten.
Oberstes Bild: Emerald Bay, Lake Tahoe, Sierra Nevada (© Michael, Wikimedia, CC)