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Fünf Klassiker der erotischen Literatur
Ovid – «Ars Amatoria»
Wie will eine Frau erobert werden? Wie soll ein Liebhaber seinen Körper pflegen? Welche Zeiten und Orte eignen sich fürs Anbändeln und für das Liebesspiel? Publius Ovidus Naso, kurz Ovid genannt, römischer Dichter zur Zeit um Christi Geburt, gibt in gediegener Versform detaillierte Ratschläge über die Kunst der Liebe. Grösstenteils für den Mann, aber rund ein Drittel der Verse richten sich an die Frau. In Ovids «Ars amatoria» ist die Liebeskunst ein gesellschaftliches Spiel, in dem alle Beteiligten gewinnen sollen. / Ovid: «Über die Liebe. Amores. Ars amatoria.» Lateinisch/Deutsch. Reclam Bibliothek, 2015.
John Cleland – «Die Memoiren der Fanny Hill»
Die Lebenserinnerungen der Prostituierten Fanny Hill, 1749 vom Engländer John Cleland veröffentlicht, ist ein für die damalige Zeit unerhörter erotischer Briefroman. Fanny Hill schildert zwar ihr früheres Leben aus der Warte einer gesitteten Ehe heraus und einer Freundin zur Warnung. Aber der begeisterte, lustvolle und ausschweifende Rückblick auf ihre erotischen Erlebnisse lässt keinen Zweifel daran, dass Sexualität nicht des Teufels ist, sondern eine Empfehlung fürs Leben. Trotz der weiblichen Erzählfigur beschreibt Cleland eher männliche Phantasien. Aber die geschilderten erotischen Szenen gehen in ihrer erzählerischen Raffinesse weit über das Mechanistische platter Pornographie hinaus. / John Cleland: «Fanny Hill oder Geschichte eines Freudenmädchens.» Hofenberg-Verlag, 2014.
Marquis de Sade – «Justine oder die Leiden der Tugend»
Zwei Schwestern, eben zu Waisen geworden, müssen ihr Leben selbst in die Hand nehmen: Juliette wird Prostituierte, Justine aber will tugendhaft bleiben. Gutherzig und leichtgläubig, wie sie ist, gerät sie in die Hände von Sadisten und Ausbeutern, die sie misshandeln. Marquis de Sade schrieb die erste Fassung von «Justine» 1787, als er in der Bastille inhaftiert war. In drastischen Worten lässt der Autor keine sexuelle oder gewalttätige Schandtat aus für seine amoralische Botschaft: Verbrechen lohnt sich, das Gute ist abnormal, geradezu unnatürlich. Auch heute noch ein Buch von faszinierender Abgründigkeit. / Marquis de Sade: «Justine oder Die Leiden der Tugend.» Insel-Taschenbuch, 2014.
Anaïs Nin – «Das Delta der Venus»
Sinnliche, erotische und pornografische Literatur aus der Feder einer Frau. «Schamlos schön», urteilte Henry Miller, selber Verfasser erotischer Texte. Zur Zeit der Entstehung von «Das Delta der Venus» um 1940 waren Miller und Anaïs Nin ein Liebespaar. Um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu verdienen, übernahm Nin den Auftrag eines privaten Sammlers und schrieb für ihn Erotik – für einen Dollar pro Seite. Daraus entstanden die 15 Episoden dieser leidenschaftlichen Prosa, in welcher die weibliche Sexualität und die Liebe gefeiert werden. / Anais Nin: «Das Delta der Venus.» Fischer-Taschenbuch, 2013.
Nicholson Baker – «Haus der Löcher»
Das «Haus der Löcher» ist ein ganz besonderes Ferienresort, wo die geheimsten sexuellen Wünsche erfüllt werden, ein surreales Sexparadies irgendwo im prüden Nordamerika. Lustvoll und saftig reihen sich pornographische Sequenzen aneinander. Aber die Geilheit bleibt gedeckelt. Einrichtungen wie Stöhnzimmer, Peniswaschanlage und Masturboot entlarven die schöne Welt der Erotik als kapitalistischen Alptraum entseelter, rein funktionaler Körper. Aber Baker entwirft diese Porno-Welt mit Kreativität und Witz und offensichtlichem Vergnügen. / Nicholson Baker: «Haus der Löcher.» Rowohlt-Verlag, 2012.
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