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ten, die die Namen der Schuldigen und namentlich den des Abbe Sinzendorf erfuhren, machten dem Kanzler, seinem Vater, ihre Meldung «nd dieser «nterließ nichts, um die Sache zu unterdrücken. So gravirlich sie für alle drei Herren war, so brachte sie doch am Meisten den Abb« Sinzendorf ins Gedränge, der eben zum Cardinal ernannt worden war und die Promotion empfangen sollte."
Mit diesem mittelalterlich-abergläubischen alchemistifchen und Teufelsbeschwörung«« Treiben und mit jenem gravitätisch-leichtsinnigen und frivolen Phällken-. teben ging nun die alterthümliche, Frömmigkeit, ja Bigotterie, Hand in Hand, sie vertrug sich ganz gut mit ihr. Der burleske und gröblich burleske Ton ward so allgemein in Wien, daß Stranitzki, der unvergleichliche Erfinder des Wiener Hanswursts, das Volk in diesem Tone eben so zum ewigen Gelächter dahin riß, wie der Augustiner-Pater Abraham aVancta Klara von der Kanzel in der Stephanstirche herab in ihm predigte.
Die doch gar nicht schwierige Lndy Montague bemerkt, daß sie in Wien Stücke habe aufführen sehen, in denen Ausdrücke vorgekommen seien, an denen selbst der rohe Londoner Pöbel Anstoß genommen haben würde. Sie sah unter andern eine Comödie „Amphitryon" aufführen, in welcher ihr auffiel, daß zwei Schauspieler Hhne Weiteres ihre Unterkleider fallen ließen im Angesicht der niit Leuten aus der ersten Gesellschaft gefüllten Logen, die aber mit dem Schauspiel sehr zufrieden waren und der Lady versicherten, Amphitryon sei eine dn schönsten Cotuödien. Director der deutschen so« »§»<« beim Ka«nthnelth«icheatei war danials der Hof» mjllu« Norosini.
Zoseph Anton Stranitzti war der Mann, in Nim entzückte. Er war um 1880 zu Schweidnitz « Vchlesim gebor«« und ftudirte auf einem protestan» lischm Oynmasiin» in Breslau. Die Jesuiten, die tmm «mschlaglichen Kopf in ihm bemerkten, steckten 'hl» Nnlaßbillctte zu ihren Schauspielen zu und setzten H<n zu, sich zu wnvertiren. Sein Schulrector brachte ihn «uf die Universität Leipzig. Hier tt»f Stranitzki H Velcheim'sche Gesellschaft und trat zu ihr. Seine Verwandte» kamen darüber in Allarm und er ging nun nnt einem fchlefischen Grafen auf Reisen nach Italien. H« besuchte er das Theater, so oft er konnte und mcht« die wahren Studien zu seiner späteren Lauf« ö«hn. Zurückgekehrt nach Deutschland trat er wieder m»er eine Schauspielertruppe zu Salzburg und kam «<! iht nach Wien. Hier schwang er sich seit 1796 in einem hölzernen Theater auf dem Neuen« Markte b«ch eiremporirte Burlesken, in denen er mit unüber« ttGchei Laune den Hanswurst spielte, zum Liebling W Volts empor, übernahm l?l2 da« vier Jahre vorher »«„ Stadtrath erbaute Theater am Karnthner Thore »»> starb schon 1727 zu Wien. 1722 gab er das lustige Vuch „oll, polriö» des durchtriebenen Fuchs« Mndl" heraus, aus dem Man sich einigermaßen von bn genialen Art seiner Darftellungen einen Begriff 'Hm kann.
Abraham » 8. Clara, ein gebornerSchwabe, war Hofprcdiger Leopolds I. und der Liebling des gcsammten Kaiserhauses, der durch allezeit schlagfertige Laune und unerschöpfliche Mannigfaltigkeit vierzig Jahre lang die Wiener Hofkanzel mit ungeheulem Zulaufe betrat. Zu was für Possen man die Kanzel damals gebrauchte, kann die Wette beweisen, die dereinst Abraham a Sancta Clara mit einem Grafen Trautmannftorf abschloß, er machte sich anheischig, ihn auf der Kanzel einen Esel zu nennen. Er gewann die Wette, indem ei eine Geschichte von einer dummen Gemeinde erzählte, die einen noch dümmeren Schulzen gewählt habe und die er mit den Worten schloß: „Deur Esel traut man's Dorf." Vom Kaiser erlangte Abra» ham die Gnaden ebenfalls durch W«tze. Als das Kloster Mariabrunn gebaut wurde — dasselbe, bis zu welchem ein Jahrhundert später Joseph den Papst nach seinem Besuche in Wien begleitete und welches er ein paar Stunden nach genommenem Abschied aufhob — erschien der Pater vor Leopolo ganz niedergeschlagen. „Was fehlt dir, Abraham?" fragte der Kaiser. — „Viel, sehr viel! antwortete derselbe, ich leide an Sand und Stein" — und Leopold wies viel, sehr viel Geld zu Baumaterialien an. Allbekannt sind des luftigen Paters: „Merks Wien," sein „Narrcnneft und Narrenspiegel," sein „Judas der Erzschelm," sein „Gemisch gemasch" und viele andere ähnlich betitelte humoristisch« erbauliche Schriften. Er starb I7N9 zu Wien, sieben» undsechzig Jahre alt.
Bei allem heidnischen Wohlleben behielt Oestreich fort und fort eine vorherrschend christliche, nämlich chiistlotholische Richtung und Färbung. Keine Woche verging i» Wien, ja es waren nur wenige Tage im 2»iX wo nicht eine oder mehrere Prozessionen aus den Mreichen Kirchen, Kapellen und Klöstern auszogen, nilwedel in eine benachbarte Kirche oder in ein nahes T«rf, «der in einen entfernten Wallfahrtsort bis zu fünfzehn Meilen weit, wie zu dem wunderthäligen Marienbilde zu Marienzell in der Steiermark, wohin die Mmiüchm Frauen der Monarchie ihre Trauringe hm mehrten, aus Aberglauben, um sie nicht zu vcr» Üne». Die Touristen damaliger Zeit berichten, daß W große Devotion Wiens eine Folge der großen Angst bei der Türkengefahr von IL83 gewesen sei. Wien allein hatte elf Mönchs- und sieben Nonnentl»fter. Mönchsklöster gab es 15UU, Nouneuklöstcr 50 N in den Erbstaaten. Die zahlreichsten waren die mnziscaner, die Bcttelmönche, sie hatten an 3UU und die Kapuziner, sie hatten an 2UU Klöster. Die reich» sten Priester waren die spanischen, die Jesuiten. In welchem Grade fanatisch damals das Volt von Wien gewesen sei, beweist ein Vorfall mit der Gemahlin »ei preußischen Gesandten Frau von Brand i« Jahre 1730. Frau von Vrand fuhr mit ihrer Tochter »ui und begegnete der Monstranz, die ein Priester zu einem Kranken trug. Sie ließ ihren Wagen an» Hollen. Das Volk, mit dieser Ehrenbezeugung nicht Mftieden, zwang die beiden Damen aus dem Wagen !" steigen und auf der Straße nlederzuknieen. In und 'Mholb Wien mußte das Jedermann thun nach einem "«ttücklichen Mandat Ferdinand'« III. vom Jahre 1652 „bei Leib« und Gut-Strafe." Der Widerst««' der Frau von Brand und ihr lautester Iuruf, da^ sie die Frau des preußischen Gesandten fei, hälfe, nichts. Man wurde sie noch mehr mißhandelt haben, wen» Nicht einige Priester sich ins Mittel gelegt hätten. De> Wiener Hof ließ ein paar Leute ins Gcfängniß setze, und der König von Preußen begnügte sich, leine andere Satisfaction zu begehren, als daß sie fußfälli< den preußisch«: Gesandten in seinem Hotel um Verzeihung bitten mußten.
Die größte Pracht ward bei Kirchenfesten entfaltet. 1728 sprach der Papst den böhmischen Iohanr Nepomuk heilig. Da strahlte Wien und Prag im allerhöchsten Kirchenglanze. Acht Tage lang dauerte» die Festlichkeiten, an denen der Hof und die ganze Bevölkerung Theil nahm. In Wien war das Innen der Stephanskirche über und über mit Purpur bekleidet. Nach Prag aber strömte fast das ganze böhmische Volk, es kamen über 400 Prozessionen aus den verschiedenen Städten des Landes: Vunzlau mit Granaten und Rubinen, Prachin mit Perlen und Goldfand, Ezaslau mit Silberftufen, Grudim mit Kristallen, Leitmeritz mit Wein, Saaz mit Aehren, Rakonitz mit Salz, Königsgräz mit Fasanen, Pilsen mit einem roeißm Lamme, Kaurziem mit immergrünen Bäumen. Prag mit seinen hundert Thürmen war prachtvvll beleuchtet.