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Nachdem es mit Steria nicht geklappt hat, nimmt der französische IT-Dienstleistungsriese Bull ins Visier.
Konsolidierung in der französischen IT-Szene: Atos, der grösste französische IT-Dienstleister, möchte Bull aufkaufen. Atos hat ein öffentliches Kaufangebot für die Bull-Aktien publiziert. Der gebotene Preis von 4,90 Euro pro Aktie entspricht einem Aufpreis von 30 Prozent auf den Durchschnittskurs der Aktie in den letzten drei Monaten. Wenn Atos alle Aktien übernimmt, würde dies einem Kaufpreis von 620 Millionen Euro entsprechen. Das Angebot scheint erfolgsversprechend. Der Verwaltungsrat von Bull hat der Offerte bereits zugestimmt, ebenso wie die Besitzer von knapp einem Viertel der Aktien. Das Ziel von Atos ist es, mindestens 50 Prozent plus eine Aktie in seinen Besitz zu bringen. Danach plant Atos, die Bull-Aktien von der Börse zu nehmen, entweder durch einen Merger von Atos und Bull oder durch ein "Squeeze out" der Aktionäre, die nicht verkauft haben.
Atos hat erst kürzlich versucht, Steria, einen weiteren französischen IT-Dienstleister, aufzukaufen, ist aber dabei vom IT-Consulter Sopra ausgestochen worden
.
Atos beschäftigt gegenwärtig 76'300 Angestellte in 52 Ländern und machte 2013 einen Jahresumsatz von 8,6 Milliarden Euro. Das kleinere französische IT-Unternehmen Bull erzielte mit 9200 Angestellten einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Beide sind auch in der Schweiz aktiv. Atos und Bull agieren als klassische IT-Systemintegratoren mit einem Angebot, das von Hardwarebetreuung über Outsourcing bis zu Applikationsmanagement und -Entwicklung reicht, und sind damit teilweise Konkurrenten. Bull hat aber laut Atos auch einige Stärken, die komplementär zum eigenen Angebot sind, insbesondere in den Bereichen Cybersecurity, Cloud Computing und Big Data.
Und die Hardware?
Bull stellt im Gegensatz zu Atos zudem auch eigene Hardware wie Mainframes und Server für High-Performance-Computing her. Interessanterweise erwähnt Atos dieses Geschäft in seiner Mitteilung nicht spezifisch. Dies könnte zu Spekulationen verleiten, dass der Hardwarebereich von Bull nach der Übernahme gefährdet sein könnte. Andererseits wäre Atos nach der Übernahme in einer für Europa einzigartigen Position, wenn das Hardwaregeschäft weitergeführt wird: Das Unternehmen könnte für Cloud- und Big-Data-Projekte Hard- und Software aus einer - europäischen - Hand anbieten und damit das aktuelle Misstrauen gegenüber US-Anbietern
ausnützen.
Etwas Bull bleibt bestehen
Atos glaubt, durch die Übernahme Einsparungen von rund 80 Millionen Euro pro Jahr erzielen zu können. Ob und wie viele Stellenstreichungen dies mit sich ziehen könnte, ist noch nicht bekannt.
Wenn der Kauf gelingt, wird Bull in drei Teile aufgeteilt. Atos will nach der Übernahme einen Teil von Bull in eine neue Einheit einbringen. Diese soll unter dem Markennamen Bull weiter agieren und in den Bereichen Cybersecurity, Big Data und High Performance Computing rund 500 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen.
Der restlichen Geschäftsbereiche von Bull sollen in die Bereiche Managed Services und Systems Integration von Atos integriert werden. Der Umsatz im Bereich Managed Services, worin unter anderem Bulls Mainframe-Services integriert werden, soll dadurch um rund 500 Millionen Euro steigen, der Umsatz im Bereich Systemintegration um etwa 300 Millionen Euro. (hjm)