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<h2>SubmittedText<h2><p>Die Nationale Meldestelle gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung erhielt im Jahr 2017 21 Meldungen von sogenannten Loverboy-Fällen. Diese Männer bauen oft via Internet eine Beziehung zu jungen Mädchen und Frauen auf, machen sie emotional von sich abhängig und brechen sie systematisch aus ihrem bisherigen Beziehungsgefüge (Familie, Freunde, Bekannte) heraus. Anschliessend führen sie ihre Opfer in die Prostitution oder zwingen sie dazu. </p><p>Das Phänomen Loverboy weitet sich international und in der Schweiz aus. Zwingend geboten wären präventive Aufklärungsarbeit an Schulen und unter Eltern sowie der Aufbau entsprechender Beratungsfachkompetenz. Verunsicherte Eltern haben sich offenbar bereits an eine Fachstelle in Deutschland wenden müssen. </p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Schätzungen liegen ihm bezüglich Dunkelziffer im Bereich Loverboys vor?</p><p>2. Welche Aktivitäten werden bereits in der Schweiz unternommen, um gegen dieses Phänomen vorzugehen?</p><p>3. Welche Möglichkeiten sieht er, die Kantone in der Präventions- und Aufklärungsarbeit über Loverboy-Methoden zu unterstützen?</p><p>4. Welche Möglichkeiten sieht er, auf nationaler Ebene zur Prävention und Aufklärung über Loverboy-Methoden beizutragen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Menschenhandel hat viele Ausprägungen, Erscheinungen und Ausbeutungsformen. Die Loverboy-Methode ist eine Form davon. Die Loverboy-Methode wird auch in der Schweiz für die Anwerbung von jungen Mädchen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung angewandt. Dabei sprechen junge, erwachsene Männer gezielt Mädchen im schulpflichtigen Alter an und täuschen ihnen eine Liebesbeziehung vor. Im Verlauf der Beziehung fordern die jungen Männer von den Mädchen sexuelle Dienstleistungen zugunsten Dritter. Der Bundesrat setzt sich entschieden für die Bekämpfung der Loverboy-Methode ein.</p><p>1. Menschenhandel und besonders die Anwerbung durch Loverboys finden im Verborgenen statt, und es ist nicht möglich, das Ausmass dieses Dunkelfeldes abzuschätzen. Bereits die im Auftrag des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) durchgeführte Machbarkeitsstudie des Schweizerischen Forums für Migration von 2015 stellte fest, dass es beim gegenwärtigen Wissensstand unmöglich ist, eine verlässliche Schätzung der allgemeinen Verbreitung des Menschenhandels vorzunehmen.</p><p>2. Fedpol hat in der Ausgabe von November 2011 des Lage- und Analysebulletins der Geschäftsstelle der Koordinationsstelle gegen Menschenhandel und Menschenschmuggel und der Bundeskriminalpolizei auf die Gefahr der Loverboy-Anwerbung in der Schweiz aufmerksam gemacht. Anschliessend hat Fedpol über diese Form der Anwerbung an den kantonalen Runden Tischen informiert. Der Nationale Aktionsplan gegen Menschenhandel (NAP) 2017-2020 (<a href="https://www.fedpol.admin.ch/dam/data/fedpol/aktuell/news/2017/2017-04-13/nap-2017-2020-d.pdf">https://www.Fedpol.admin.ch/dam/data/Fedpol/aktuell/news/2017/2017-04-13/nap-2017-2020-d.pdf</a>) stellt die Gesamtstrategie und die aktuellen Massnahmen gegen Menschenhandel dar. So wird der geplante Bericht über die Ausbeutung Minderjähriger gemäss Aktion 12 des NAP auf das Thema Loverboy eingehen und zur Sensibilisierung beitragen. Auch wird in der Erstellung der Identifizierungsrichtlinien für die Polizei gemäss Aktion 14 des NAP die Ausbeutung Minderjähriger samt Anwerbung durch Loverboys behandelt werden.</p><p>3. Die Schulen sind bestrebt, die potenziellen Opfer zu sensibilisieren. Fedpol wird das Phänomen der Anwerbung von Schülerinnen durch Loverboys an den kantonalen runden Tischen gegen Menschenhandel erneut thematisieren und dadurch die kantonalen runden Tische dabei unterstützen, geeignete Massnahmen für die Sensibilisierung an den Schulen zu ergreifen. Fedpol wird dazu in Zusammenarbeit mit Organisationen der Zivilgesellschaft geeignetes Informationsmaterial erarbeiten und zur Verfügung stellen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Fachspezialisten der jeweiligen Kriminalpolizeidienste mit ihrer praktischen Erfahrung einzubinden.</p><p>4. Öffentliche Sensibilisierungsarbeit gegen Menschenhandel, die sich im Kontext der Loverboy-Methode an Eltern und Bezugspersonen des Opfers richtet, wird am besten durch Organisationen der Zivilgesellschaft wahrgenommen, weil diese durch ihre praktische Erfahrung die Informationen glaubwürdig vermitteln können. Gestützt auf die Verordnung über Massnahmen zur Verhütung von Straftaten im Zusammenhang mit Menschenhandel (Verordnung gegen Menschenhandel; SR 311.039.3) kann Fedpol Projekte, welche die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Loverboy-Phänomen zum Ziel haben, finanziell unterstützen. NGO können Gesuche für die Finanzierung solcher Projekte bei Fedpol einreichen.</p>  Antwort des Bundesrates.