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Wie lautet der historisch korrekte Name des Hauptgebäudes der Basler Papiermühle?
von Peter F. Tschudin, Riehen
sph-Kontakte Nr. 98 | Januar 2014
Abb. 1: Ochsenkopf–Wasserzeichen mit Galliciani-«Wappen» (Hausmarke)
Das Hauptgebäude der Basler Papiermühle, des Schweizerischen Museums für Papier, Schrift und Druck im St. Alban-Tal in Basel, trägt mehrere historische Namen. Urkundlich überliefert ist als älteste Form der Name «Klingentalmühle»; gefolgt von der Bezeichnung «Hammerschmiede» (vor 1453) und dem bis heute gebräuchlichen Namen «Gallician-Mühle». Eine Fassadenmalerei des 16. Jahrhunderts mit Allianzwappen Düring-Ecklin nennt als Bezeichnung «Thüring-Mühle». Nach der Umwandlung in die Tabakfabrik Gebrüder Hugo (1850) war, wenn auch nicht offiziell, von «Tabakfabrik» (Dialektform: «Tubaki») die Rede. Die traditionell wichtigste Bezeichnung, entstanden nach dem Erwerb durch den italienischen Papiermacher Anton Gallizian 1453, gibt für die genaue Namensschreibung Rätsel auf, da in der Schweiz der Name dieser Familie aus Caselle bei Turin in vielen verschiedenen Schreibweisen und teils stark entstellt überliefert ist. Wie lautete er wirklich?
Als Walter Fr. Tschudin, Initiant und Mitstifter unseres Papiermuseums, sein Werk über die Basler Papiermacher und ihre Wasserzeichen schrieb, war unklar, wie der ursprüngliche Familienname der Papiermacher aus Caselle bei Turin lautete, die noch zu Zeiten Heinrich Halbisens sich im Dalbeloch niedergelassen hatten. Angesichts der zum Teil skurrilen Legenden, die sich um den überlieferten Namen Gallizian rankten, hielt er sich an das offizielle, einheitliche Siegelbild der Familie, das Gallizian-Wasserzeichen mit Doppelkreuz und der Letter «C», und die Siegel-Inschriften, die den Familiennamen mit «Galcion» wiedergeben. Mangels anderer Quellen und Nachweise postulierte er den in der Lombardei bezeugten spätmittelalterlichen Familiennamen «Calcione» als Urform dieses Namens.
1974 wies Hans Kälin in seiner Dissertation auf zwei Dokumente hin, die der bedeutende italienische Papierhistoriker Andrea F. Gasparinetti im Turiner Staatsarchiv gefunden und in seiner Besprechung des Monumenta-Bandes angeführt hatte. Demnach wäre erwiesen, dass eine Familie aus Caselle bei Turin «Galliciani» hiess, und dass in dieser Familie dieselben Vornamen gebräuchlich waren, die wir in den Basler Urkunden wiederfinden.
Leider liess sich der von Kälin zitierte Text in schweizerischen Bibliotheken nicht auffinden; erst jetzt ist, dank der Hilfe von Herrn Franco Mariani, Fabriano, eine Kopie nach Basel gelangt, die aber eine Wertung der Einzelheiten nicht erlaubt. Da Gasparinetti die Urkunden weder im Wortlaut wiedergibt noch eine Archiv-Signatur zitiert, sind seine Angaben nicht einfach nachprüfbar. Ein möglicher Zusammenhang mit Basel ist nicht nachweisbar. Fest steht einzig, dass die Familie «Galliciani» heisst und aus Caselle bei Turin stammt. Wie Gasparinetti selbst betont, ist damit lediglich ein Anstoss gegeben, die Papiermacherfamilien von Caselle in Archivstudien genauer zu erforschen.
Wie kommt es aber zum Siegelbild des Basler Zweigs der Familie? Die Siegel sind mit aller Wahrscheinlichkeit in Basel gefertigt worden. Das angebliche «C» im Wasserzeichen entpuppt sich als ein heraldisch geformtes «G», und der Familienname «Galzion» gibt getreulich eine im deutschen Sprachgebiet nicht unübliche Namensverkürzung sowie eine in historischem Baseldeutsch belegte Lautveränderung von «a» zu einem dumpfen «å» wieder, wie man sie noch bis vor kurzem z.B. in der Aussprache des Ortsnamens «Allschwil» auf der Strasse hören konnte.
Wie Gasparinetti und Kälin festgestellt haben, muss also unsere Papiermühle historisch korrekt «Galliciani-Mühle» heissen.
Abb. 2: Siegel des Hans Galliciani, Basel, 1520