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Diese Arbeit versucht, die Geschichte, Methoden und Probleme zu benennen, die sich im Zusammenhang mit den ökumenischen Beziehungen der syrischen Mar-Thoma Kirche mit anderen Kirchen ergeben. Die Annahme, die der Studie zugrunde liegt, ist, dass die Geschichte der Kirche vom Gesichtspunkt ihrer Partizipation in der ökumenischen Bewegung betrachtet werden kann. Andere Fragen, die von der Studie aufgegriffen werden, sind z.B., wie die Kirche bereits eine „weitere Ökumene“ praktizierte bevor der Begriff von der ökumenischen Bewegung geprägt wurde. War es das Ergebnis ihrer Interaktion mit der indischen Kultur, in der „Einheit in der Vielfalt“ einen hohen Stellenwert hat? Der Aspekt der weiteren Ökumene in der Einheit macht langsam einer inklusiveren „Einheit der Menschheit“ für das Allgemeinwohl von Gottes Schöpfung Platz. Die Studie erforscht ausserdem, ob die Kirche ihre Existenz als Resultat einer Inkarnation des Evangeliums im pluralistischen Kontext Indiens sieht. Oder sieht sie die „weitere Ökumene“ als Voraussetzung für ihre Existenz in Indiens multi-religiösem Kontext? Die Dissertation möchte die Offenheit der Mar-Thoma Kirche für eine „Einheit in der Vielfalt“ im Laufe ihrer Geschichte aufzeigen.
Die Dissertation wurde unter dem Titel Ecumenism in Praxis. A Historical Critique of the Malankara Mar Thoma Syrian Church veröffentlicht.
Durch die päpstliche Bulle „Reversurus“ (1867) wurden die eigenkirchlichen Rechte der Armenisch-Katholischen Kirche auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches stark reduziert, was zu einem Konflikt und schliesslich – in der Folge der Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes durch das Erste Vatikanische Konzil (1869-70) – 1871 zu einer zeitweiligen Kirchenspaltung führte. Der Konflikt entfaltete sich bald von der nationalen zur internationalen, von der kirchenpolitischen zur politischen Ebene. Im Verlauf dieser Krise entwickelten die armenischen Katholiken freundschaftliche Beziehungen zur alt-katholischen Bewegung im Deutschen Reich und zur entstehenden Christkatholischen Kirche der Schweiz sowie zur Kirche von England. Gemeinsam bildeten sie eine anti-ultramontane Front gegen den durch das Vatikanische Konzil dogmatisch legitimierten päpstlichen Autoritätsanspruch, seine kirchliche Umsetzung und seine politischen Auswirkungen in den einzelnen Ländern. Eine ausführliche Darstellung dieser Geschichte mit allen ihren Facetten fehlt bis heute. Die Beziehungen der armenischen Katholiken zu den Alt-Katholiken und Anglikanern sind bisher nicht erforscht worden. Dabei gibt es viele Quellen, die der Aufarbeitung harren. Mit dem Dissertationsprojekt soll ein Forschungsdesiderat erfüllt werden, indem die Rolle der Hauptprotagonisten erörtert, die transnationale Bedeutung und Dimension des Konflikts, die eminente Bedeutung des Verhältnisses zwischen armenischer Kirche und osmanischer Obrigkeit sowie die Rolle der osmanischen und verschiedener europäischer Regierungen erhellt werden. Für die Analyse werden die für die Kirchengeschichtsschreibung üblichen historischen Methoden angewendet, ergänzt durch neuere Forschungen im Bereich von Konfliktforschung und transnationaler Beziehungsforschung. Das Projekt leistet einen Beitrag zur modernen armenischen (Kirchen-)Geschichtsschreibung im Osmanischen Reich und zur Geschichte anti-ultramontaner Bewegungen im 19. Jahrhundert, ihren Verbindungen untereinander sowie ihren vielschichtigen Verknüpfungen mit politischen Anliegen europäischer und osmanischer Mächte im 19. Jahrhundert.
Die Dissertation wurde unter dem Titel Zwischen kirchlicher Reform und Kulturimperialismus veröffentlcht.
Das Dissertationsprojekt wurde gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF).
Aufbau und Funktionsweise des Gehirns haben sich in den letzten 2000 Jahren nicht verändert. Was sich jeweils verändert, ist die Einbettung von (religiösen) Erfahrungen – verstanden als biopsychosoziale Phänomene – in unterschiedliche kulturelle und soziale Systeme. Insofern lassen sich z. B. bei Berichten, deren Hintergrund ein traumatisches Ereignis bildet, typische (akute) Traumafolgen-Symptome entdecken, wie sie heutigen diagnostischen Klassifizierungen entsprechen.
Das Projekt sucht nach Spuren solcher Traumafolgen-Symptome in der „Emmausgeschichte“ (Lk 24,13–35), deren Hintergrund die (akut)traumatische Erfahrung von Kreuzigung und Tod des Jesus von Nazareth bildet, und fragt, welche spezifischen Dimensionen der Bewältigung dieser Erfahrung vor dem damaligen soziokulturellen Hintergrund dieser Text widerspiegelt.
Mit Hilfe eines interdisziplinären Ansatzes werden die Vorgänge in Lk 24,13–35 als durch äussere visionäre Ereignisse angestossene, heilsame synergetisch-biopsychosoziale Informationsverarbeitungs- und Rekonstruktionsprozesse gedeutet. Man kann diese Prozesse als narrative Re-Konstruktionen der „Ereignisse in Jerusalem“ (Lk 24,18) unter Zuhilfenahme von damals in der Umwelt zur Verfügung stehenden Wissenselementen verstehen. Der Gang der beiden Jünger von Jerusalem nach Emmaus und zurück ist eine spirituelle Reise (sinngebende Erfahrung), deren lebensverändernde Wahrheit und Wirklichkeit sich jedoch erst in zeichenhaft vermittelten leiblichen Erfahrungen (Embodiment) und intersubjektiven Bestätigungen (resonanzhaften Spiegelungen) erweist.
Die herausgearbeiteten Bewältigungsdimensionen einer traumatischen Erfahrung werden in Bezug zu neueren traumatherapeutischen Ansätzen gesetzt, um daraus das Modell einer „Spirituellen Traumafolgen-Therapie“ auf der Basis des lukanischen Textes zu entwickeln.
Die Dissertation wurde unter dem Titel Der Emmaus-Weg. Trauma-Heilung in der Emmauserzählung (Lukas 24,13-35) und das Modell einer Spirituellen Traumafolgen-Therapie. Eine transdisziplinäre Untersuchung veröffentlicht.
Die kirchenhistorische Dissertation beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie Leben und Sterben von alt- bzw. christkatholischen Männern und Frauen in der Schweiz, in Deutschland und den Niederlanden zwischen 1871 und 1924 erzählt wurden: wie wurde der gute Christkatholik, die gute Altkatholikin im Nachruf, in Grab- und Gedenkreden und in Privatdrucken beschrieben?
Derartige Thanatographien und mehr allgemein die Memorialkultur im deutschsprachigen und niederländischen Altkatholizismus, die bedeutende Personen aus der Kirchengeschichte, aber auch einfache Gemeindemitglieder in die kollektive Erinnerung einschrieb und damit Erinnerungspolitik betrieb, werden hinsichtlich der Funktionen und Konzeptionen von Geschlecht, von sozialen Beziehungen im Allgemeinen und von kirchlicher Gemeinschaft im Besonderen untersucht. Einen weiteren Untersuchungsgegenstand bilden die anthropologischen, ethischen und moraldidaktischen Aspekte in den biographischen Kleinformen. Insgesamt will die Untersuchung die Prozesse der Identitätsstiftung in den alt- bzw. christkatholischen Gemeinden und in den bischöflich-synodal verfassten Kirchen sowie die Erscheinungsformen und Funktionen von gegenderter Erinnerungspolitik darstellen.
Die Dissertation wurde eingereicht.
Die participatio actuosa (tätige Teilnahme) ist eines der Grundprinzipien der liturgischen Entscheide des II. Vatikanischen Konzils. Verankert wurde dieser Grundsatz in der Liturgiekonstitution des II. Vaticanum Sacrosanctum Concilium von 1963. Die Vorstellung, die Gemeinde sei stärker liturgisch in den Gottesdienst einzubeziehen, war bereits im Vorfeld des Konzils ein Grundanliegen der Liturgischen Bewegung.
Die Beteiligung der Gemeinde am Gottesdeienst kann auch als eine Grundprämisse alt-bzw. christkatholischer Liturgik betrachtet werden. Die altkatholischen Kirchen haben sich von Beginn ihrer eigenständigen kirchlichen Entwicklung für ein stärkeres Gewicht der Laien in der Führung der Kirche stark gemacht.
Die Arbeit will einerseits liturgiegeschichtlich die Entwicklungen bezüglich der Gemeindepartizipation in der christkatholischen und der römisch-katholischen Kirche nachzeichnen, anderseits die Gemeindepartizipation im Gottesdienst auf einer systematisch-theologischen und praktisch-theologischen Ebene untersuchen.
In praktisch-theologischer Hinsicht gilt es dabei, die in der liturgischen Bewegung stark thematisierte Spannung von individueller und kollektiver Beteiligung in den Blick zu nehmen. Ebenso scheint auch eine Unterscheidung von „innerer“ und „äusserer“ Beteiligung der Gottesdienstteilnehmenden wichtig zu sein.
Sowohl die „äussere“ wie auch die „innere“ Beteiligung sind nicht voraussetzungslos, sondern abhängig vom liturgischen Verständnis und den liturgischen Fähigkeiten der am Gottesdienst Beteiligten. Deshalb verlangt eine verstärkte Beteiligung der Gemeinde am Gottesdienst – so die Arbeitshypothese der Dissertation – auch eine erhöhte liturgische Kompetenz derselben.
Die Arbeit thematisiert deshalb auch die Frage der Vermittlung liturgischer Kompetenz(en). Sie fragt nach dem geeigneten Ort der Liturgiedaktik, dem Umfang der liturgischen Kompetenzen und der geeigneten Form ihrer didaktischen Vermittlung.
Das Projekt wurde mit dem Ende der Anstellung am Institut für Christkatholische Theologie beendet.
«Der Totentanz op. 12, 2 des Komponisten Hugo Distler als Liturgische Musik und Zeugnis der Befindlichkeit des Komponisten.»
Die Untersuchung von Mathias Kissel stellt die These auf, dass Hugo Distler die Liturgie ein besonderes Anliegen war, dass er aber in ihr ein Defizit ausmachte, das er mit seiner Totentanzmotette zu füllen beabsichtigte. Distler, so lautet die These, sucht in der Liturgie – und ganz bewusst in ihr – einen Ort, in dem sein persönliches Leiden – und mit diesem auch das Leiden anderer Menschen – zum Ausdruck kommen kann, einen Ort, der seiner Auffassung nach in der traditionellen Liturgie bis zum weithin nicht zu erkennen ist.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Briefkorrespondenz des ersten christkatholischen Bischofs, Prof. Eduard Herzog, und seines Kollegen Eugène Michaud hat sich die Dissertation zum Ziel gesetzt, beider briefliche Kontakte mit Drittpersonen aus anderen Kirchen zu untersuchen und sie in Bezug auf die historische Entwicklung der internationalen Beziehungen der christkatholischen Kirche der Schweiz auszuwerten. Dies ist von besonderem Interesse, weil beide Protagonisten eine unterschiedliche ökumenische Programmatik vertreten und sich in ihrer Haltung zu anderen Kirchen unterscheiden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Ekklesiologie, die sich in den internationalen Beziehungen und der Korrespondenz Eduard Herzogs zeigt. So sollen Impulse für heutiges christkatholisches Kirche-Sein und eine christkatholische ökumenische Agenda gegeben werden.
(englischer Titel: The Offices and the Organisation of the Church in the Pastoral Epistles under the Influence of the Hellenistic and Roman Voluntary Associations)
Die moderne Bibelforschung der letzten 35 Jahre hat sich auf die Untersuchung verschiedenster Gesellschaftsformen der Römischen Zeit konzentriert, mit dem Zweck herauszufinden, welche davon bei der Entstehung der Ekklesia am einflussreichsten war.
Die heutige Forschung muss sich neuen Gebieten stellen, allen voran den politischen Dimensionen der christlichen Ekklesia, welche sowohl ihre inneren wie auch ihre äusseren Beziehungen beeinflussten.
Die Arbeit will in erster Linie untersuchen, welchen Einfluss polis/politeia und andere politische Institutionen auf die Organisation der frühchristlichen Ekklesia als Alternativgesellschaft hatten. Dies ist insofern wichtig als es aufzuzeigen vermag, wie Menschen mit verschiedenen Zielen im Römischen Reich in dieser Institution vereint waren.
Von besonderem Interesse ist das Verständnis der lokalen Eigenarten der Ekklesia in Ephesus und auf Kreta, wie sie in den Pastoralbriefen beschrieben werden. Auch die Bedingungen, die zur Bildung der ekklesialen Hierarchie geführt haben, sowie die politischen Einflüsse auf den Gehalt und die Funktion jedes Amtes werden untersucht.
Das Projekt wurde mit einem Stipendium der Christkatholischen Kirche der Schweiz unterstützt und in Griechenland abgeschlossen.
Die Habilitationsschrift von Andreas Krebs wurde im Rahmen einer Assistenzprofessur TT am Departement für Christkatholische Theologie verfasst. Die Habilitation erfolgte 2016 und wurde 2021 unter dem Titel Gottes Verheißung, Gottes Scheitern veröffentlicht.
Untersucht wird Ernst Gauglers Auslegung im zeitgenössischen Kontext der 1930er- und 1940er-Jahre, besonders im Vergleich mit Karl Barths „Kurze(r) Erklärung des Römerbriefs“, um die Eigenart von Gauglers Arbeit als einer ekklesiologisch bestimmten Auslegung zu zeigen. Es soll dargelegt werden, dass und wie in der Auslegung die Fragen nach dem Sein Gottes und nach dem Sein der Kirche eng aufeinander bezogen sind – als wesentliche Voraussetzung dafür, die Frage nach der Offenheit zu klären. Auch wenn in der Entstehungszeit von Vorlesung und (gedrucktem) Kommentar zum Römerbrief die Frage nach einer Begegnung von Christen und Juden „auf Augenhöhe“ noch nicht gestellt wurde (traditionell tauchte sie nur als sog. „Judenfrage“ auf), so enthält die hier untersuchte Auslegung doch implizite, auf diese Begegnung hin offene Antworten; d.h. es soll gezeigt werden, wie die Auslegung einerseits noch Fragmente der christlichen „Enterbungstheologie“ tradiert, anderseits da, wo sie gegen individualistische Engführungen des Glaubensbegriffs Gottes Sein als Geschichte betont, Türen zu einer christlich–jüdischen Begegnung öffnet.
Die Dissertation wurde unter dem Titel Jüdisch-christliche Hoffnung im Abschied von antijüdischer Apathie. Eine Studie zu Ernst Gauglers Auslegung der Israelkapitel im Römerbrief veröffentlicht.