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Passivrauchen schadet wirklich
- m -- Hackshaw AK, Law MR, Wald NJ. The accumulated evidence on lung cancer and environmental tobacco smoke. BMJ 1997 (18. Oktober); 315: 980-85 [Link]
- Kommentiert von: Matthias Egger
- infomed screen Jahrgang 1 (1997)
, Nummer 10
Datum der Ausgabe: November 1997
Studienziele
Schon vor zehn Jahren kamen Wissenschaftler und nationale Organisationen zum Schluss, dass Passivrauchen ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs darstelle. In dieser Meta- Analyse wurde das Lungenkrebsrisiko untersucht, dem Frauen ausgesetzt sind, die nie in ihrem Leben geraucht haben, aber mit einem Raucher zusammenleben.
Methoden
Fünf Kohortenstudien und 34 Fall-Kontroll-Studien über den Zusammenhang von Passivrauchen und Lungenkrebs bei nichtrauchenden Lebenspartnerinnen von Rauchern wurden verglichen. Um festzustellen, wieviel Rauch die Nichtraucherinnen inhaliert hatten, wurden Messungen der Nikotin- und Cotininkonzentration im Urin und im Speichel gemacht.
Ergebnisse
Sieben der 39 Studien zeigten einzeln bereits ein signifikant höheres Lungenkrebsrisiko. Zusammengefasst liess sich ein um 24% erhöhtes Lungenkrebsrisiko errechnen. Verschiedene andere mögliche Einflüsse, z.B. die Ernährung, veränderten das Resultat nicht wesentlich. Aufgrund von Studien, die die Dauer der Rauchexposition berücksichtigten, kann geschlossen werden, dass das Lungenkrebsrisiko von Passivraucherinnen durchschnittlich pro 10 Jahre Zusammenleben mit einem Raucher um 11% zunimmt.
Schlussfolgerungen
Frauen, die selbst nie geraucht haben, haben ein um etwa ein Viertel erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, wenn sie mit einem Raucher zusammenleben. Zudem besteht ein Zusammenhang mit der Anzahl Zigaretten und mit der Zahl der Jahre, die die Frauen dem Rauch ausgesetzt waren. Alle heute bekannten Daten bestätigen, dass Passivrauchen Lungenkrebs verursacht, da die im Rauch enthaltenen Karzinogene durch das Einatmen ins Blut übergehen.
Diese beiden mit Akribie durchgeführten Übersichtsarbeiten sind mehr als nur Meta-Analysen der Studien von Nichtraucherinnen mit rauchenden oder nichtrauchenden Lebenspartnern. Experimentelle Daten und Laborstudien werden ebenfalls berücksichtigt. Dass die vorhandene Evidenz stark für einen kausalen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs spricht, hat auch die Tabakindustrie vor kurzem indirekt zugegeben. Norma Broin, eine amerikanische Nichtraucherin und Flugbegleiterin, die an Lungenkrebs erkrankte, gewann ihren Prozess gegen fünf grosse amerikanische Tabakfirmen.
Eine konsequente Umsetzung dieser Daten in konkrete präventive Massnahmen bleibt jedoch schwierig, wie das erfolgreiche Lobbying des Formel-1-Rennsports in Grossbritannien zeigt. Trotzdem sind die Tage von uneingeschränkter Tabakwerbung und Sponsoring im EU-Raum gezählt. Man kann nur hoffen, dass dies auch in der Schweiz positive Auswirkungen haben wird.
Matthias Egger
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