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Meister in jeder Situation – Der Meister wandte sich an die Zuhörer und sagte: „Liebe Weggefährten, das Buddha Dharma erfordert überhaupt keine künstliche Anstrengung. Es gibt nichts weiter zu tun, als sich selbst zu sein, so wie man ist. Pinkeln, koten, Kleider anziehen, essen und sich hinlegen, wenn man müde ist. Die Ignoranten lachen mich aus, aber die Weisen verstehen. Die Alten sagten: ‚Wer Wege und Methoden ersinnt, um mit der Aussenwelt zurechtzukommen, ist ein eigensinniger Narr.‘“
Lin-chi spricht hier über ein fundamentales Prinzip, das in China „Wuwei“ genannt wird. Übersetzt bedeutet es „nichts tun“ oder „handeln ohne Absicht“. Lin-chi sagt damit, dass man den Buddhismus nicht zu einem bestimmten Zweck benutzen kann. Geäussert von jemandem wie Lin-chi, der dem Buddha ebenbürtig ist, zeugt diese Aussage von tiefer Einsicht und Verwirklichung. Für diejenigen, deren Einsicht nicht diesem hohen Niveau entspricht, kann der Buddhismus jedoch ein wundervolles Hilfsmittel sein zur Bewältigung des täglichen Lebens.
Man kann mit gutem Grund sagen, der Buddhismus sei zweck- und mühelos. Wir meinen zwar, wir würden uns durch eine bestimmte Praxis selbst stärken; wir denken, wir seien es, die ein Ziel verfolgen oder grosse Ausdauer aufbringen, aber wenn man versteht, dass man nichts aus sich selbst heraus zustandebringen kann, erkennt man die Nutzlosigkeit all dieser Mühen. Alles folgt dem Gesetz des Universums. Eine grosse Kraft treibt alles an.
Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass dieses Eine, das unser Leben bestimmt, am besten mit dem Begriff „Bewusstsein“ umschrieben werden kann, denn Bewusstsein befindet sich in allem – im Mikrokosmos wie im Makrokosmos, in belebten wie in unbelebten Dingen, im Wasser wie im Feuer, in Hunden und Katzen und Menschen, kurz: in der ganzen Existenz.
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Es ist nicht nötig, den Verstand zu bemühen, um zu beweisen, dass wir Bewusstsein haben; wir wissen das einfach. Es zeigt sich in allen Lebensformen und auf allen Entwicklungsstufen. Die verschiedenen Formen bekommen verschiedene Namen wie „Pflanze“, „Tier“, „Mensch“. Sie alle sind Ausdruck von nur einem Bewusstsein. Das Bewusstsein in den, aus unserer Sicht, unbelebten Dingen bezeichnen wir als „latent“ oder „schlafend“. Es wird sich zur gegebenen Zeit manifestieren. Bevor es so weit ist, schlummert es im Verborgenen.
„Es gibt nichts weiter zu tun, als sich selbst zu sein, so wie man ist.“ Bitte versteht dies nicht falsch. Für einen fliegenden Vogel gibt es nichts weiter zu tun, als zu fliegen, das ist seine Natur. Eine Katze braucht nichts zu tun. Ein Vogel in einem Käfig hingegen kann nicht so leben, wie es ihm entspricht; ein Bär, der tanzt, zeigt nicht seine eigene Natur. Versucht nicht, etwas anderes zu sein, als das, was ihr seid. Das ist Lin-chis Standpunkt.
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„Pinkeln, koten, Kleider anziehen, essen und sich hinlegen, wenn man müde ist.“ Lin-chi gibt sich zufrieden mit den Notwendigkeiten des täglichen Lebens. Aber um so weit zu kommen, muss man sich bemühen – und Hilfsmittel benutzen wie z.B. Zazen und Sanzen. Das einzige Bemühen im Zen ist das Bemühen um „Wuwei“ (wörtl. nicht-tun), das intuitive Tun und Lassen in Übereinstimmung mit den gegebenen Umständen. Frei von Wünschen und Absichten.
Die buddhistische Meditation ist sehr einfach; es geht dabei um nichts anderes, als sich auf den natürlichen Boden des Geistes zu setzen, so wie eine Klangschale auf ihrem Kissen sitzt. In dieser Haltung beobachte man, wie der Geist ganz natürlich funktioniert. So lernt man die Wirkungsweise des eigenen Körpers und des eigenen Geistes kennen. Dazu muss man den Geist allerdings vorübergehend zur Ruhe bringen, andernfalls kann man seine natürliche Funktionsweise nicht wahrnehmen. Der erste Schritt in der Meditation besteht deshalb darin, den Geist zur ruhe zu bringen, indem man keine absichtliche Denkaktivität fördert.
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Man sieht von allen überflüssigen Aktivitäten ab, die das Gemüt in Aufruhr versetzen. Indem man den denkenden Geist eine Weile ignoriert, gibt man den unbewussten Inhalten die Möglichkeit, ins Bewusstsein zu treten und kann allmählich sehen, wie dieses funktioniert. Man kann natürlich nicht alle kleinen Gedankenwellen anhalten, denn diese unterliegen nicht unserem Willen, aber man kann die Bewegungen des Geistes beobachten, ohne davon bewegt zu werden.
Im nächsten Schritt lässt man das Bemühen um Gedankenstille los und lässt die natürliche Bewegung des Geistes gewähren. Dann erkennt man, dass es kein Ego gibt, keinen Geist, der einem gehört. Alles ist Bewegung der Natur. Dann überträgt man diese Haltung auf das tägliche Leben und nimmt wahr, wie man fühlt und reagiert.
„Die Ignoranten lachen mich aus, aber die Weisen verstehen.“ Damit etwas natürlich geschehen kann, müssen Zeit, Ort und Bedingungen zusammenspielen. Wenn es so weit ist, wird es von selbst vollbracht; man braucht nichts zu forcieren. Wer drängt und stösst, wird von der Natur zurückgestossen.
„Wer Wege und Methoden ersinnt, um mit der Aussenwelt zurechtzukommen, ist ein eigensinniger Narr. Wer meint, er müsse sich selbst oder die Aussenwelt manipulieren, um die Wahrheit zu verwirklichen, ist ein Dummkopf. Die natürlichen Gesetze des Universums erfüllen sich von selbst, wir brauchen uns nicht unnötig anzustrengen und einzumischen.
„Werde zum Meister in jeder Situation, dann stehst du, wo immer du bist, auf dem wahren Boden, und es möge geschehen, was will, es kann dir nichts anhaben. Selbst wenn dir noch schlechtes Karma aus der Vergangenheit anhaftet auf Grund von Täuschungen und Gewohnheiten oder weil du die funf schlimmsten Verbrechen begangen hast, dann wird gerade dies zum Ozean der Befreiung.“
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„Werde zum Meister jeder Situation…“ ist einer der zentralen Sätze von Lin-chi Der „Meister“ ist das Bewusstsein, das sich in uns Menschen manifestiert. Im Zen ehren wir diesen Meister „in“ und „hinter“ uns selbst. Wir können dieses Bewusstsein nicht mit beschreibenden Begriffen bannen – wir sind nicht im Stande, etwas zu beschreiben, das nicht von unseren fünf Sinnen abhängig ist, – es ist nicht unser Eigentum. Die Kraft, die unser Bewusstsein lenkt, ist kein Er, kein Du oder Ich, kein separates Individuum. Wir nennen diesen Meister nicht „Gott“, und wir verehren ihn auch nicht als einen Gott. Wir achten die Kraft, die sich von morgens früh bis abends spät in uns manifestiert, in jedem Wort, das wir sprechen und in jeder Tat, die wir achtsam verrichten. Unser religiöses Leben vollzieht sich also den ganzen Tag lang; es gibt keine spezielle Zeit für einen Gottesdienst.
Wer vollkommen frei ist, kann allen Lebensumständen standhalten. Wer seinen Körper meistert, kann selbst im Winter Seide tragen, ohne zu frieren. Wer seine Worte meistert, spricht nie zweideutig. Aber leider ist es beim Menschen so, dass nicht er die Worte benutzt, sondern von ihnen benutzt wird.
Der „wahre Boden“ ist das eine, nicht modifizierte Bewusstsein, das alle Formen, Farben und Geräusche erzeugt und belebt. Aber dieses unterscheidet sich vom gewöhnlichen menschlichen Bewusstsein, das nicht mehr im Einklang mit seiner Urnatur steht. Formen und Farben sind Modifikationen des einen Bewusstseins, wenn wir uns von diesen nicht täuschen lassen. Das heisst, wenn wir die Modifikationen nicht für absolut halten, befinden wir uns immer auf dem wahren Boden unserer Existenz. Doch dieses Bewusstsein gehört nicht einem selbst, wir alle sind es! Das ganze Universum ist nur ein Sein. Wenn ihr erfasst, was Bewusstsein wirklich ist, ist das Leiden der Vergangenheit vorbei.
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Die fünf schlimmsten Verbrechen betreffen im Buddhismus das Entwürdigen oder die Tötung der Mutter oder einer vollständig ordinierten Nonne, die Ermordung des Vaters oder eines Heiligen, das Vergiessen des Blutes eines Buddhas und die Zerstörung der Harmonie in der buddhistischen Gemeinschaft, Sangha genannt. Lin-chi sagt, dass selbst die allerschlimmste Tat zum Auslöser der Befreiung werden kann.
„Die heutigen Zen-Schüler kennen das Dharma nicht. Sie sind wie Ziegen, die alles, was ihnen vor die Nase kommt, sofort ins Maul nehmen. Sie sind unfähig, zwischen Gastgeber und Gast zu unterscheiden oder zwischen Meister und Sklave. Ihre Motivation für das Betreten des geistigen Weges ist nicht rein, sie gehen bloss dorthin, wo die grösste Menge hingeht und wo am meisten Glamour herrscht. Man kann sie unmöglich als echte Weltüberwinder bezeichnen. Nein! Sie sind durch und durch weltlich.“
Wenn man das buddhistische Prinzip der „Weltüberwindung“ oder der „Hauslosigkeit“ verstehen will, muss man wissen, was das „Aufgeben der Welt“ beinhaltet. Es ist nicht wichtig zu wissen, dass Shakyamuni Buddha sein Leben als Familienvater aufgegeben hat und ein Einsiedler wurde. Aber es ist wichtig zu verstehen, was Buddhas grosser Beweggrund für sein Tun war, nämlich die Einsicht in die ursprüngliche Natur aller Wesen und das Leben auf dieser Grundlage.
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Für jemanden, der die Welt wirklich aufgegeben hat, ist das Allerhöchste und das Allerkleinste ein und dasselbe. Wenn man wirklich und wahrhaftig im tiefgründigen Verstehen verwurzelt ist, dann gibt es keine Wertunterschiede mehr. Aber wer vor dem Lärm der Stadt flüchtet, fürchtet sich vor seinen Wünschen. Indem er diese unterdrückt, bleibt er im Banne der Wünsche stecken. Sind Wünsche rein und klar, kann man überall leben, jeder Ort ist dann rein und heilig. Wer sich selbst versteht, versteht die Veränderungen seiner Körperschwingungen als Folge der Beziehung zu den anderen Menschen und Umständen. Was er auch sehen mag mit seinen zwei Augen, seine Sicht bleibt unbefleckt. Und dies gilt auch für sein Bewusstsein.
Einige Religionen postulieren die Abkehr von „unreinen“ Handlungen, wie Rauchen oder Sex, und ein weltabgewandtes, zölibatäres „reines“ Leben. Aber Reinheit ist eine Sache des Geistes. Als empfindende Wesen sind wir von Natur aus rein. Werdet diesbezüglich nicht abergläubisch.
Wer die wunderbare Arbeitsweise seines Geistes ermessen will, muss wissen, dass dieser alles gleichzeitig durchschauen kann – auch den Geisteszustand eines anderen Menschen – aber nur wenn er ruhig und klar ist. Wir können nichts anderes tun. Wir suchen nicht nach einer tieferen Bedeutung; Bedeutung ist eine Eigenschaft von Worten und weniger von uns selbst. Was auch immer die Bedeutung ist, die ein Wort in unseren Geist trägt, sie hat nichts mit uns selbst zu tun. Deshalb sollt ihr euren Geist pflegen und gesund erhalten, so wie ihr es mit dem Körper tut. Lasst ab von krankmachenden Verwicklungen. Bringt euch selbst jeden Tag für eine Weile in den perfekten inneren Zustand. Misshandelt euren Geist nicht von morgens früh bis abends spät.
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Grabt tief in euren Geist hinein, bis zu seinem Grund und darüber hinaus; macht ihn bodenlos. Klettert auf den höchsten Gipfel des Denkens und darüber hinaus; macht es grenzenlos. Jede Meisterschaft verlangt nach dieser Reinheit. Um sie zu erlangen, muss man sie auf jeder Stufe üben. Beim Fechten kämpft man zuerst gegen Strohpuppen und erst später gegen wirkliche Gegner. Und der buddhistische Lehrling übt sich darin, allen Anleitungen des Lehrers mit klarem Geist zu folgen. Auch die Zen-Koans sind Hilfsmittel, um den Geist von allem Überflüssigen zu befreien, von allen Ideen und unlogischen Überlegungen. Die Hilfsmittel sind jedoch nicht die Essenz des Buddhismus, sie dienen nur dazu, einem über verschiedene Stadien zum wahrhaftigen Verstehen zu verhelfen.
Wenn ihr die Essenz des Buddhismus wahrhaftig versteht, könnt ihr zwischen wahr und falsch unter scheiden. Es gibt z.B. buddhistische Priester und Äbte, die sich in goldene Gewänder kleiden, auf Stühlen mit roten Kissen sitzen, kein menschliches Wort sagen und jedes menschliche Verlangen verleugnen und sich wie lebendige Buddhas verehren lassen. Aber das hat nichts mit dem wahren Buddhismus zu tun. Ihr persönliches Gemütsleben mag dasselbe sein wie das eines ganz gewöhnlichen Laien, dessen Auge für die Wirklichkeit geschlossen ist.
In der Natur sind alle edlen Dinge selten, nach echten Heiligen oder echten Lehrern muss man wie nach Diamanten im Verborgenen suchen. Manchmal dauert es Hunderte von Jahren, bis die Menschen einen wahrhaft grossen Lehrer erkennen. Selbst zu Buddhas Zeiten hatten zwei Drittel der Bewohner von Shravasti keine Ahnung von seiner Anwesenheit. In ganz Indien gab es nur wenige, die seine Stimme hörten, geschweige denn, die ihm wirklich zuhörten. Aber heutzutage kennt fast jeder seinen Namen.
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„Die heutigen Zen-Schüler sind unfähig, zwischen Gastgeber und Gast zu unterscheiden oder zwischen Meister und Sklave.“ Gastgeber und Gast, Meister und Sklave sind hier Analogien für Objekt und Subjekt. Der „Gast“ symbolisiert die veränderlichen Gedanken, Umstände usw. Der „Gastgeber“ symbolisiert die unveränderliche Leere, das Ungeborene. Diese zwei Aspekte unserer Existenz wirken ohne Hindernis zusammen. Wer seine eigene Natur kennt, kann zwischen dem Geist und seinen Inhalten unterscheiden. Die Geistesinhalte sind die Gäste, der Geist ist der Gastgeber. Es gibt kein Feuer ohne Brennmaterial, aber das Brennmaterial und das Feuer sind nicht identisch. Wenn das Holz zu Asche verbrannt ist, dann erlischt das Feuer; wenn die Geistesinhalte weg sind, kehrt Nirvāna, die totale Stille zurück.
„Ihre Motivation für das Betreten des geistigen Weges ist nicht rein … “ Manche Leute praktizieren den Buddhismus nicht auf Grund von Mitgefühl mit allen Menschen, sondern aus niedrigeren Motiven. Sie hassen die Welt. Weil nichts ihren Wünschen gemäss ist, halten sie alles für unrein, dabei ist nichts unrein ausser ihr eigenes Denken. Sie mögen sich in einer Höhle, in einem Tempel oder auf einem Berg verstecken, aber sie können sich nicht vor ihrem eigenen unreinen Geist verstecken. Der Buddha begab sich auf den Weg aus Liebe für diejenigen, die in der Dunkelheit leben. Um sie zu erleuchten, zu unterweisen und zu befreien, zeigte er ihnen, wie sein klarer Geist wirkte. Die Frage nach dem wahren Wesen der Existenz war sein grosses Thema. Seinetwegen gab er alles auf, was die Welt eines Hausvorstehers zu bieten hatte.
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„Man kann sie unmöglich als echte Weltüberwinder bezeichnen.“ Für Lin-chi bedeutet der rein äusserliche Rückzug aus der materiellen Welt keine echte Überwindung der Welt. Es ist als ob jemand auf die Benutzung der neuesten Transport und Unterhaltungsmittel oder auf den Besuch von Gaststätten verzichten würde, ohne die weltlichen Einflüsse und Wünsche aus seinem Geist zu verbannen.
„Diejenigen, die geltend machen, sie hätten die Welt aufgegeben, sollten sich darum bemühen, echte Klarsicht zu erlangen. Dann können sie wahre Erkenntnis (Buddha) und Selbsttäuschung (Mara), falsch und echt, weltlich und geistig, deutlich unterscheiden. Nur wer dies zweifelsfrei tut, darf zurecht als jemand bezeichnet werden, der die Welt überwunden hat. Aber wenn er nicht zwischen Buddha und Mara unterscheiden kann, dann hat er sein Haus bloss durch ein anderes ersetzt. Man kann ihn als ein Karma-erzeugendes Lebewesen titulieren, aber sicher nicht als jemand, der alles aufgegeben hat.“
In der traditionellen Zen-Schulung ist es üblich, dass der Zen-Meister fragt: „Was warst du vor Vater und Mutter?“ oder „Was ist deine Urnatur vor Vater und Mutter?“ Zuerst antwortet man mit allen möglichen gedanklichen und philosophischen Ideen, aber diese zeigen nur, wie man über die Realität und die ursprüngliche Natur denkt, nicht was sie wirklich ist. Deshalb ist es nötig, sich von jeder Philosophie, von jedem bekannten Gedanken zu trennen. Die Urnatur ist keine Idee. „Urnatur“, „das Wesen vor Vater und Mutter“, „Buddhanatur“, das sind alles Namen für die namenlose Wirklichkeit.
Ein Mönch fragte den berühmten chinesischen Zen-Meister Chaou-chou (jap. Joshu): „Hat ein Hund Buddhanatur?“ Chaou-chou sagte: „Nein!“ Das japanische Wort für dieses „Nein“ ist „Mu“. Versucht man diese Antwort mit dem Verstand zu begreifen, kommt man nicht zum Erfolg. Sie besteht aus einem Wort, aber sie enthält unendlich viele Bedeutungen, die alle reduziert werden zu diesem „Mu“.
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„Nur wer dies zweifelsfrei tut, darf zurecht als jemand bezeichnet werden, der die Welt überwunden hat.“ In den Augen von Lin-chi ist der Mensch, der das Wesen der Existenz versteht, ein echter Überwinder der Welt, auch wenn er in der Welt lebt. Wenn man die Buddhanatur erfasst, löst man sich von zwei „weltlichen Häusern“, das erste beherbergt die Verwandtschaft – Vater, Mutter, Ehepartner usw. –, das zweite beinhaltet alle Erinnerungen und Geistesinhalte. Der leere Geist ohne Inhalte ist Buddha. Das Verstehen kann in jedem Moment geschehen, aber es muss aus einem selbst kommen. Es ist nicht nötig, lange zu meditieren, seid einfach achtsam, und dann, in einem Augenblick: „Ah, so ist es!“
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- Es gibt nichts zu tun Thich Nhat Hanh
- Lichtgestalten des Zen: Lin-chi