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Der 19-jährige Schweizer Töff-Rennfahrer hat beim letzten Grand Prix der Saison in Spanien die Weltmeister-Krone in der 125er-Klasse erobert.Dieser Inhalt wurde am 06. November 2005 - 17:57 publiziert
In seinem dritten GP-Jahr wurde der schnelle Emmentaler als dritter Schweizer Weltmeister, nach Stefan Dörflinger und Luigi Taveri.
Tom Lüthi hats geschafft: Der 19-jährige Motorrad-Rennfahrer aus dem Emmental hat sich am Sonntag beim Grand Prix von Valencia den Weltmeistertitel in der 125er-Klasse gesichert. Der Berner, dem ein 13. Platz zum Titelgewinn gereicht hätte, beendete das Saison-Finale in Spanien auf Platz 9.
"Ich bin überglücklich, auch wenn das Rennen nicht wirklich Weltklasse war", so der erste Kommentar des Champions, der in der nächsten Saison nicht mehr mit der 12, sondern mit der stolzen Nummer 1 unterwegs sein wird.
Der Schweizer liess in Valencia nichts mehr anbrennen, sondern fuhr mit Köpfchen. Er hielt sich aus den Rangeleien in der Spitzengruppe heraus und absolvierte die meisten Runden auf den Rängen 7 und 6. Gegen Schluss, als er sich gegen hinten abgesichert hatte, liess er sich noch von drei Konkurrenten überholen.
Lüthi ist der erste Schweizer Töff-Weltmeister seit 20 Jahren. 1985 hatte mit Stefan Dörflinger letztmals ein Schweizer die WM-Krone erobert.
"Nutzloser" Sieg Kallios
Der Finne Mika Kallio, einziger verbliebener Titelkonkurrent Lüthis, gewann am Sonntag zwar das Rennen in Valencia, was ihm aber angesichts der Platzierung Lüthis nichts mehr nützte. Vor dem alles entscheidenden Finale hatte Lüthi über ein komfortables Polster von 23 Punkten Vorsprung auf den Finnen verfügt.
Im 1300-Seelen-Dorf Linden, wo Tom Lüthi mit Eltern und Geschwister in einem Bauernhaus wohnt, verfolgten über Tausend Fans die Triumph-Fahrt ihres Idols via Grossleindwand. Sie werden "ihren" Tom am 12. November mit einem offiziellen Empfang samt grosser Party feiern.
Schmid unter ersten Gratulanten
Was Lüthi freuen dürfte: Als einer der ersten Gratulanten, wenn auch nur virtuell, reihte sich Samuel Schmid ein. "Tom Lüthi, Sie sind ein sympathischer Weltmeister! (...) Sie haben diese lange und harte Saison clever und cool absolviert und beendet. Mit Professionalität und Siegeswillen. Und haben oft auf die Zähne gebissen. Châpeau!", schrieb der Bundespräsident und Sportminister umgehend auf seiner Website.
Was Lüthi vielleicht weniger freuen dürfte: Schmid lud ihn gleichzeitig für die Sportler-Rekrutenschule 2006 ein.
Wunder, das keines ist
Weltmeister Tom Lüthi, das tönt wie eine Geschichte aus dem Märchenland. Nachdem er 2003 in seiner ersten kompletten Saison bereits mit einem Podestplatz (als Zweiter) hatte aufhorchen lassen, erfolgte letztes Jahr der Absturz ins Bodenlose: Nur gerade mickrige 14 Zähler standen Ende 2004 auf seinem Konto. Das reichte gerade noch zum bitteren Rang 25 im WM-Endstand.
Doch in dieser Saison hatten es die Konkurrenten mit einem total verwandelten Tom Lüthi zu tun: Nachdem er bei der Saisoneröffnung mit Defekt ausgeschieden war, unterstrich er ab dem zweiten von insgesamt 17 Rennen seine Ambitionen auf einen WM-Spitzenplatz.
Nach seinen Sturz- und Defektserien von 2004 staunte die Fachwelt vor allem ob der grossen Konstanz des auf einmal abgeklärten Youngsters: Er war Dauergast auf dem GP-Podest, und liess sich viermal als Sieger feiern.
Stehauf-Männchen
Was vor allem beeindruckte: Lüthi liess sich auch von herben Rückschlägen wie dem schlimmen Sturz in Japan nicht einbremsen. Nur eine Woche, nachdem er sich die Schulter ausgekugelt und die Füsse schwer geprellt hatte, gewann er in Malaysia. Dieses eindeutige "Lebenszeichen" muss die Konkurrenz, allen voran Kallio, einigermassen geschockt haben.
Das Märchen, das aus harter Arbeit an Maschine und sich resultiert, fusst aber nicht nur darauf, dass Tom alle Ratschläge sofort umsetzen kann, wie ihm Teamchef Daniel Epp bescheinigt.
Der Mann im Hintergrund
Das Elit-Team verfügt über eine zweite Schlüsselfigur, die im Gegensatz zum Fahrer diskret im Hintergrund bleibt: Den deutschen Motorentechniker Sepp Schlögel, auch "Herr der Kolbenringe" genannt.
Dass sich Lüthi auf seiner Honda gegen die Meute der drei schnellen KTMs behaupten konnte, ist hauptsächlich das Verdienst des Tüftlers Schlögel. Dieser war bereits in den 1980-Jahren der Meister hinter vielen WM-Titeln, so beispielsweise von Toni Mang.
Sicher auch noch erwähnenswert: Lüthi konnte in diesem Jahr auf einen Coach für Mentaltraining zählen. Was sich voll ausbezahlt hat. "Nur auf dem Tiefpunkt lernst du richtig kämpfen," hatte er am Ende der verpfuschten letzten Saison gesagt. "2005 werde ich die Latte von Beginn weg viel höher legen, und ich weiss, dass ich es schaffen kann", diktierte er staunenden Journalisten damals in die Notizbücher.
Nächste Schritte auf der Leiter
Mit Lüthi hat der konstanteste und beste Pilot das Championnat gewonnen. Der WM-Titel markiert die bisher wichtigste Zäsur in seiner Karriere. Ob er es denn dereinst bis zur Krone in der MotoGP-Klasse, der Krone der Motorrad-Weltmeisterschaft, schaffen wird, steht in den Sternen.
Sicher ist einzig: Die Lehrjahre sind für Tom Lüthi vorbei. Auch wenn er im nächsten Jahr abermals bei den "Kleinsten" antritt. Die Promotion für die Viertelliter-Klasse ist erst für 2007 geplant.
Der junge Emmentaler hat sich als Schweizer Weltmeister auf die Stufe eines Stefan Dörflingers (viermaliger Weltmeister von 1982 bis 1985) und Luigi Taveris gestellt (dreimaliger Titelträger zwischen 1962 und 1966). Nicht zu vergessen natürlich die sieben WM-Titel des Seitenwagen-Piloten Rolf Biland zwischen 1978 und 1994.
Absolutes Talent
Thomas Lüthi, Sohn einer Bauernfamilie aus Linden (zwischen Bern und Thun) hat sehr früh auf sich aufmerksam gemacht. Schweizer Meisterschaft bei den Pocket Bikes, deutscher ADAC-Nachwuchs-Cup, internationale deutsche Meisterschaft lauteten die Stationen vor dem Einstieg 2003 in die WM-Serie.
swissinfo, Renat Künzi
Fakten
Töffrennfahrer Tom Lüthi wurde am Sonntag in Spanien Weltmeister in der Klasse bis 125ccm.
Er ist erst der dritte Schweizer Weltmeister bei den Solo-Piloten.
Lüthi gewann in diesem Jahr vier Rennen (Frankreich, Tschiechien, Malaysia und Australien).
In Kürze
Lüthi bestritt 2002 in Deutschland als damals 16-Jähriger seinen ersten Grand Prix
Den ersten GP-Sieg holte sich der 19-jährige Emmentaler aus Linden im Mai in Le Mans.
Er ist 170cm gross und 53 Kilo schwer. Schon als kleiner Knirps fuhr "Tom" auf so genannten Pocket Bikes (Mini-Töffs) erste Rennen.
Er hat keinen Töff-Führerschein, darf also auf Schweizer Strassen nicht Motorrad Fahren.
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