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Im Spätherbst 1830 versammelten sich die Anführer der unzufriedenen Landbevölkerung im Bad Bubendorf und verfassten eine Petition an die Stadt, wonach Stadt und Land gleichberechtigt sein sollen. Im August 1833 unterlag die Stadt dem Land militärisch; fortan sollten die beiden Basel getrennte Wege gehen. Seither floss viel Wasser den Rhein und die Frenke runter. Auch das Bad Bubendorf hat sich weiterentwickelt und präsentiert sich heute als angesehene Adresse. Ein Rückblick:
Im Jahr 1641 wurde dem Quellwasser beim Fels hinter dem späteren Bad eine gute Qualität attestiert. Darum wusste die hiesige Bevölkerung schon lange, nun aber musste die Quelle aufgrund des hohen Andrangs eingefasst werden. Ein medizinisches Gutachten der Universität Basel sah dies später allerdings anders, worauf sich die Lage beruhigte. 1741 wurde eine kleines Badehaus errichtet, kurz darauf aber durch ein steinernes Gebäude ersetzt. Dass zu Badezeiten Wein ausgeschenkt werden durfte, erfreute die Wirte der umliegenden Ortschaften überhaupt nicht. Der Erfolg hielt an. Schon bald wurden 1760 mehrere Bauten hinzugefügt. Die schlechte Fundation des Hauptbaus hatte allerdings einen Abriss und Neubau zur Folge. Liest man den Bericht der Denkmalpflege Baselland, dürften die Baumeister Moritz Bücklin von Satteins beim österreichischen Feldkirch und Anthoni Werckmüller aus Hinderlagen im Allgäu im Wesentlichen für den heutigen Bau verantwortlich sein.
1804 gestalteten die neuen Besitzer die Fassade im Stile des Frühklassizismus um. Als «basellandschaftliches Rütli» ging das Bad in die Geschichte ein, wurde bei Auseinandersetzungen aber auch beschädigt, weil der Wirt in den Augen der Landschäftler offenbar zu sehr mit der Stadt liebäugelte. Ab 1837 wurden Solbäder angeboten. 1948 veräusserten die damaligen Besitzer die Gebäude an die Basellandschaftliche Kantonalbank. Diese restaurierte zwar die Fassade, liess aber unter anderem das nördliche Ökonomiegebäude abreisen und den Dachreiter mit Glocke entfernen. Den Grund dafür kennen wir nicht. 1977 wechselte das Gebäude wiederum den Besitzer. Zwischen 1979 und 1981 fand eine weitere Instandstellung und Restaurierung statt. Der Dachreiter fand seinen Weg zurück, Glocke inklusive.
Soweit zur älteren Geschichte. In jüngerer Zeit wurde der historische Bau um eine Erweiterung ergänzt. Das Architekturbüro W. & R. Leuenberger AG setzte anstelle des ehemaligen Ökonomiegebäudes im Norden einen dreigeschossigen Flachdachbau mit strassenseitiger Holzlattenfassade. Die hölzernen Schiebeläden sollten sich an der Fassade des Altbaus orientieren. Das neue Gebäude reagiert allerdings nur mit der Hauptfassade zur Strasse – wenn überhaupt – auf den historischen Bau. An den restlichen Fassaden ist keine Annäherung spürbar. In direkter Nachbarschaft zum sehr kräftigen, sich an allen Seiten orientierenden Bau mit mächtigem Krüppelwalmdach, bewegt sich der Neubau mit seinen im Erdgeschoss verhältnismässig riesigen Verglasungen zwischen langweiliger Zurückhaltung und political correctness. Eine gewisse Zurückhaltung tut dem Gebäude sicher gut, leider wurde auch der Bestandesbau empfindlich verändert. Die über längere Zeit verwendete Farbigkeit der Fassade – altrosafarbene Gewände mit grünen Klappläden – ist nun grau in grau. Der weisse Putz blieb. Die Klappläden der Dachlukarnen waren vorher schräg rot-weiss gestreift – nun ebenfalls grau. Der Schriftzüge an Fassade und Zugangsschild sind entsprechend angepasst worden.
Das Gebäude erinnert an eine mit Liebe und Lust erstellte Freihandskizze – nur mit völlig ausradierten Hilfslinien, ohne feine Striche und alldem, was den Ausdruck einer lebendigen Zeichnung ausmacht. Trotz allem wirkt der Altbau mit seinen leicht vorstehenden Eckpilastern und die durch Gurtgesimse in Sockel-, Mittelteil und Giebelfeld unterteilte Fassade kräftig. Insbesondere das massive Dach sucht seinesgleichen.
Vis-à-vis auf der anderen Strassenseite steht das kleine Bahnhofsgebäude der Waldenburgerbahn. An der Station mit geschlossenem Teil und offenem Wartebereich lässt sich die Farbigkeit des Altbaus erahnen. Ganz und gar ohne den alten Zeiten nachzutrauern verstrahlt die kleine Station eine gewisse Wärme.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Bad Bubendorf
Adresse: Kantonsstrasse 3, 4416 Bubendorf
Architektur Altbau: Maurermeister Moritz Bücklin und Anthoni Werckmüller
Architektur Neubau : W. & R. Leuenberger AG, Sursee
Baujahr Altbau: 1764
Baujahr Erweiterung: 2007
Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Karten/Luftbild:
– Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Quellen:
– Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler (Online-Inventar)