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<h2>SubmittedText<h2><p>Die nächste Gesundheitskrise ist bereits Realität: Jährlich sterben weltweit etwa 700 000 Menschen infolge einer Infektion, welche aufgrund von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) nicht mehr wirksam behandelt werden kann. Die Tendenz ist steigend: Bis 2050 könnte die Zahl auf 10 Millionen pro Jahr steigen. Dies im Vergleich zu den bis anhin etwa 4,6 Millionen Menschen, welche in den letzten 20 Monaten an Covid-19 gestorben sind.</p><p>Gemäss dem "Swiss antibiotic resistance report", sind Antibiotikaresistenzen für eine erhöhte Morbidität und Mortalität verantwortlich und verursachen erhebliche Kosten im Gesundheitswesen. Alternative Behandlungen können schwerwiegendere Nebenwirkungen haben sowie längere Behandlungen und Krankenhausaufenthalte erfordern.</p><p>Gemäss OECD Daten verursachen AMR in allen OECD-Staaten insgesamt jährlich mehr als 700 Millionen extra Tage im Spital.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie hoch schätzt der Bundesrat die aktuellen durch AMR verursachten Gesundheitskosten in der Schweiz?</p><p>2. Welche (partiellen) Daten stehen zur Verfügung?</p><p>3. Wie hoch schätzt der Bundesrat die durch AMR verursachten indirekten Kosten (z.B. Produktivitätsverlust durch Arbeitsausfall) in der Schweiz?</p><p>4. Welche (partiellen) Daten stehen zur Verfügung?</p><p>5. Mit welcher Kostenentwicklung muss in den nächsten zwei Jahrzehnten aufgrund der steigenden AMR-Tendenz gerechnet werden?</p><p>6. Hat der Bundesrat vor, die Datenerfassung über die von AMR verursachten Kosten in Zukunft zu verstärken?</p><p>7. Welche Massnahmen der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) sind besonders effektiv, um eine durch AMR verursachte Kostenexplosion zu verhindern?</p><p>8. Braucht es zusätzliche Massnahmen, um in den nächsten Jahrzehnten eine durch AMR verursachte Kostenexplosion zu verhindern? Wenn ja, welche Massnahmen kämen in Frage?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat geht mit der Interpellantin einig, dass Antibiotikaresistenzen eine ernsthafte und wachsende Gesundheitsbedrohung darstellen. Ohne entsprechende Massnahmen auf nationaler und globaler Ebene ist mit einer weiteren Verschärfung der Problematik mit längerfristig ernsthaften gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen zu rechnen. Der Bundesrat hat deshalb Ende 2015 die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) verabschiedet, die seither unter der Federführung des EDI umgesetzt wird. Zurzeit wird eine Zwischenevaluation durchgeführt, deren Ergebnisse 2023 vorliegen werden.</p><p>1. und 3. Dem Bundesrat sind keine Studien bekannt, die es erlauben würden, gesamtschweizerisch eine verlässliche Schätzung der durch Antibiotikaresistenzen verursachten Gesundheitskosten und der indirekten Kosten vorzunehmen. Für die Schweiz gibt es Schätzrechnungen zu Gesundheitskosten für einzelne Ausbrüche (beispielsweise Ausbruch mit Vancomycin-resistenten Enterokokken 2018/2019: CHF 7.2 Millionen) und für bestimmte endemische resistente Erreger (beispielsweise Bakteriämien durch Extended-Spectrum Beta-Lactamase (ESBL)-produzierende Enterobakterien: Zunahme von CHF 2.1 Millionen jährlich im 2010 auf CHF 3.5 Millionen jährlich im 2015). Diese Zahlen decken allerdings nur einen kleinen Teil der durch Antibiotikaresistenzen verursachten Kosten ab.</p><p>2., 4. und 6. Die Überwachung der Antibiotikaresistenzsituation in der Schweiz obliegt dem Schweizerischen Zentrum für Antibiotikaresistenzen (ANRESIS) am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern. ANRESIS erhebt im Humanbereich anonymisierte Resistenzdaten aus der Routinediagnostik von 37 medizinischen Laboratorien und stellt somit die wichtigste Datenquelle in Bezug auf die aktuelle Situation der Antibiotikaresistenzen in der Schweiz dar. Auswertungen zur Resistenzlage und zum Antibiotikaverbrauch werden alle zwei Jahre in einem umfassenden Bericht veröffentlicht (Swiss Antibiotic Resistance Report), letztmals im Jahr 2020. ANRESIS schätzt auch, basierend auf einer Modellrechnung, die jährliche Krankheitslast sowie die Anzahl der Todesfälle aufgrund von resistenten Infektionen. Im Weiteren steht ANRESIS in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Kontakt, um abzuklären, inwieweit in einer neuen Studie der OECD (geplant für 2022) eine Abschätzung der durch Antibiotikaresistenzen in der Schweiz verursachten Gesundheitskosten durchgeführt werden kann.</p><p>5. Obschon die Umsetzung der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) in Bezug auf den sachgerechten Einsatz von Antibiotika und die Resistenzraten erste Erfolge zeigt, geht der Bundesrat aufgrund der insgesamt negativen globalen Entwicklung zunehmender Antibiotikaresistenzen davon aus, dass sich in den kommenden Jahren die Wirksamkeit verfügbarer Antibiotika auch in der Schweiz weiter verringern wird. Dies wird voraussichtlich zu einer Zunahme der direkten und indirekten Kosten führen.</p><p>7. Der Bundesrat erachtet im Einklang mit dem "Global Action Plan on Antimicrobial Resistance" der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), sowie den Analysen weiterer Organisationen wie der OECD die Förderung des sachgerechten Einsatzes von Antibiotika im Veterinär- und Humanbereich sowie die Infektionsprävention als sehr wirksame Massnahmen zur Reduktion von Infektionen mit resistenten Erregern. Dies trägt zur Vermeidung von Zusatzkosten bei, die durch die Behandlung solcher Infektionen entstehen. </p><p>8. Der Bundesrat wird nach Vorliegen der Zwischenevaluation im Jahr 2023 und auf der Grundlage der Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms zur antimikrobiellen Resistenz (NFP 72) überprüfen, inwieweit zusätzliche Massnahmen zum längerfristigen Erhalt der Wirksamkeit von Antibiotika notwendig sind und bei Bedarf entsprechende Anpassungen an der StAR vornehmen.</p>  Antwort des Bundesrates.