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| Gregor v. Nyssa (†394) - Große Katechese (Oratio catechetica magna)

Kapitel 14. Seine Liebe zu uns veranlaßt Gott, Mensch zu werden.
1.
Aus welchem Grunde wohl, frägt man, stieg Gott zu solcher Niedrigkeit herab, daß unser Glaube wanken möchte, ob Gott, der doch das unfaßbare, undenkbare und unaussprechliche Wesen ist, das über alle Herrlichkeit und Hoheit ist, sich wirklich mit der armseligen Hülle der menschlichen Natur umkleidet habe, so daß durch diese Verbindung mit dem Niedrigen auch seine unendlichen Kräfte in Mitleidenschaft gezogen wurden? Auch hierauf sind wir um eine Antwort nicht verlegen, welche [S. 34] der Hoheit Gottes Rechnung trägt. Du fragst also nach dem Grunde, warum Gott unter den Menschen geboren werden wollte. Wenn du die Wohltaten, die uns Gott erweist, aus unserem Leben streichest, so wirst du kaum noch etwas finden, das dich zur Erkenntnis Gottes führen könnte; denn aus den Wohltaten, die wir empfangen, erkennen wir den Wohltäter. Indem wir nämlich auf das Gute, das uns zuteil wird, unser Augenmerk richten, ziehen wir daraus einen Schluß auf die Natur dessen, der es uns spendet.