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Ein Güterzug im Genfersee
Seit über 140 Jahren rosten vier Güterbahnwagen im Genfersee vor sich hin. Der passionierte Lausanner Taucher und Informatiker Gilbert Paillex hat sie dieser Tage mit Hilfe eines Unterwasser-Roboters vor den Gestaden Lausannes in 300 Metern Tiefe geortet.
Die Güterwagons waren am 8. Juni 1859 auf dem Frachter «L'Industriel» in Morges VD in Richtung Le Bouveret VS gestartet. Sie sollten auf der Eisenbahnstrecke in Richtung Italien eingesetzt werden.
Die Wagen kamen jedoch nicht weit. Ein enormer Windstoss setzte der Schiffsreise zwischen Ouchy und Lutry ein vorzeitiges Ende: Die Seile, mit denen die insgesamt sechs Eisenbahnwagen befestigt waren, lösten sich, und vier Wagen im damaligen Wert von 20'000 Franken rutschten ins Wasser. Verletzt wurde niemand.
Wagen in gutem Zustand
Gilbert Paillex hatte es sich in den Kopf gesetzt, dieses Rollmaterial aus dem vorletzten Jahrhundert wiederzufinden. Letztes Jahr machte er sich auf die Suche. «Ich musste etwa 20 Mal rausfahren, um die Wagen in einer Tiefe von 300 Metern lokalisieren zu können», erzählt er.
Mit Hilfe eines selbst konzipierten Unterwasser-Roboters machte er im Juni Filmaufnahmen von den vier Güterwagen. Die Aufnahmen lassen auf einen recht guten äusserlichen Zustand der Bahnwagen schliessen.
Die Wagen sind teilweise im Sand versunken. Zwei von ihnen liegen übereinander, die beiden anderen liegen in etwa 20 Metern Entfernung auf dem Grund. Von den insgesamt 16 Rädern ist gerade ein einziges sichtbar.
Unterwasser-Roboter mit Kamera
Um seiner Passion für immer längere und tiefere Tauchgänge frönen zu können, entwickelte Paillex einen mit Kamera ausgerüsteten Roboter. 1977 konnte er damit einen ersten Erfolg verbuchen: Mit Hilfe des Roboters konnte er zwei vermisste Taucher in 110 Metern Tiefe lokalisieren.
Das erste Roboter-Modell wurde noch mit Hilfe von Kabeln einer Marionette gleich gelenkt. Inzwischen wurde der Roboter weiterentwickelt; er wird ferngesteuert und kann auch Farbbilder liefern.
Es dürfte jedoch eher unwahrscheinlich sein, dass mit Hilfe dieses Geräts Zufallsfunde gemacht werden. Die Sichtweite unter Wasser beträgt vier bis fünf Meter, erklärt der Tüftler.
Ins Wasser gelassen wird der Roboter nur, wenn die auf Paillex' Boot «Deep Eye» installierte Sonde auf dem Seegrund eine Anomalie feststellt. Bei seinen Suchaktioen stützt sich Paillex auf Angaben in alten Schriften oder auf alten Karten.
Wer sucht, der findet
Zur Realisierung seiner Forschungen gründete Paillex die «Sub-rec». Inzwischen gehen 40 Lokalisierungen und 15 Bergungen auf sein Konto. Dazu zählt ein 1'000 Kilogramm schweres Segelboot, das 1993 aus 315 Metern Tiefe geborgen wurde.
Vom Erforscher des Genferseegrunds wurde 1986 auch ein Piper-Flugzeug in 240 Metern Tiefe entdeckt. Zu erwähnen ist auch das 1984 entdeckte Dampfschiff «Rhône», das 1883 gesunken war.
Kaum sind die Bilder der im See versunkenen Eisenbahnwagons gemacht, hat der rastlose Taucher ein neues Projekt. Um was für einen Schatz auf dem Grund des Genfersees es sich handelt, will er indes nicht verraten.
swissinfo und Frédéric Burnand (sda)
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