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Burg Reichenstein in Arlesheim – hier können Sie in einem Denkmal heiraten
Zum Inventar der Kulturdenkmäler im Kanton Basel-Landschaft gehört auch die Burg Reichenstein. Neben dem Dom und der Ermitage ist sie das dritte Wahrzeichen der Gemeinde Arlesheim aus historischer Zeit. Die Anlage aus dem Hochmittelalter befindet sich nordöstlich des dörflichen Zentrums auf einem Felsensporn des Reichensteiner Berges. Durch natürliche Gegebenheiten ist sie von allen Seiten gut geschützt, im Süden von einer Senke, im Norden, Osten und Westen durch aufragende Felswände.
Vom Birstal her ist die Burg mit ihrer kompakten Bauweise durch die Bäume hindurch gut zu erkennen. Wer sie heute besuchen möchte, kann sie zu Fuss oder mit dem Auto erreichen. An der Strasse zwischen Arlesheim und Schönmatt gibt es eine Abzweigung etwa auf der Höhe des Schlosses Birseck.
Reichenstein ist Teil eines Ensembles aus ehemals drei Burgen. Rund 200 Meter südlich stand früher die mittlere Burg („castrum medium“ oder Mittel-Birseck). Deren Befestigungen wurden aber schon relativ früh aufgegeben und sind wegen der sehr geringen Mauerreste historisch heute nicht mehr einzuordnen. Nochmal 300 Meter weiter steht die Burg Birseck, die auch als vordere oder untere Burg bezeichnet wird.
Ein Wohnturm mit vier Geschossen und einem angebauten, etwas höheren Bergfried dominiert die Anlage bis heute. Die lichte Weite des Bergfrieds ist dabei so gering, dass eine Bewohnung wohl ausgeschlossen werden kann. Er diente mit seinen zwei Meter dicken Mauern lediglich dem Schutz des Wohnturms. Die unteren Geschosse wurden wahrscheinlich auch als Keller und zur Vorratshaltung genutzt. Zu späterer Zeit erhielt der Wohnturm einen weiteren Anbau mit zwei Stockwerken, das „untere Haus“. Sein Zweck und seine Ausstattung können aber leider nicht mehr rekonstruiert werden.
Die Burg Reichenstein erfährt ihre erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1239 unter dem Namen „Castrum Birseke superior“, also „obere Birseckburg“. Erbaut wurde sie allerdings schon um das Jahr 1200 herum, zusammen mit dem „castrum medium“, durch die Grafen von Frohburg, die mit der Errichtung ihr Einflussgebiet in der Region erweitern wollten. Dieser Versuch scheiterte, so dass die Frohburger unter Graf Ludwig die Burgen an den Bischof von Basel abtreten mussten. Der Bischof wiederum vergab die obere Burg als Lehen an das Adelsgeschlecht der Reich, woraus sich der Name Reichenstein ableitete.
Die Reichs waren zwischen 1250 und 1400 über fünf Generationen im Basler Rat vertreten, ausserdem kamen sechs Basler Bürgermeister aus ihren Reihen sowie ein späterer Bischof des Basler Bistums, Peter Reich. In seiner Amtszeit von 1286 bis 1296 erhielt die Familie auch die mittlere Burg als Lehen zugesprochen. Neben den Wehranlagen waren für den Adel aber vor allem die dazugehörigen Güter samt Betrieben und Landbesitz, die Einkünfte aus Steuern sowie die Erlaubnis zur Rechtsprechung interessant.
Nach dem Basler Erdbeben von 1356 mussten Teile der Burg Reichenstein wieder instandgesetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt war die mittlere Anlage wahrscheinlich schon nicht mehr besetzt. Als die Reichs sich schliesslich im 15. Jahrhundert von der Stadt Basel lösten, verloren sie weitgehend das Interesse an ihrem Stützpunkt. Umkämpft war die Burg noch einmal im 16. Jahrhundert. Sowohl Solothurn in seinem Bestreben, nach Norden zu expandieren, als auch Basel wollten Reichenstein in ihren Besitz bringen, aber beide scheiterten mit ihrem Vorhaben.
In der Folgezeit verfiel die Burg mehr und mehr, gehörte jedoch auch als Ruine noch zum Lehen des Geschlechts Reich. Nach der Auflösung des Bistums Basel im Zuge der Französischen Revolution und der Auseinandersetzungen mit Frankreich kaufte der Basler Seidenfabrikant Johann Forcart im Jahr 1813 das Anwesen samt den dazugehörigen Waldungen. Danach gab es noch weitere Besitzerwechsel, die aber keine nennenswerten Veränderungen an dem Gelände ergaben. Erst als der damalige Direktor der Ciba, Dr. J. Brodbeck, 1932 die Burg kaufte, wurden die Weichen für die Zukunft gestellt. Brodbeck beauftragte den bekannten Zürcher Architekten und Burgenforscher Eugen Probst, Reichenstein als Sommersitz wieder aufzubauen, beschränkte sich allerdings auf eine Rekonstruktion des ehemaligen Wehrturms. Leider geschah die Restauration, ohne dass historische oder archäologische Untersuchungen durchgeführt wurden. Ein grosser Teil der ursprünglichen Bausubstanz wurde zerstört, um die romantischen Ideen von Eugen Probst zu verwirklichen. 1938 floss der Besitz in eine Familienstiftung ein, die 1972 eine Umwandlung in eine öffentlich-rechtliche Stiftung erfuhr. Seit diesem Zeitpunkt dient die Burg der heute noch aktuellen Nutzung.
Besucher gelangen über eine hölzerne Brücke und durch das Burgtor in den Innenhof und weiter zum Eingang. Im zweiten Stockwerk befindet sich ein grosser Saal, der mit Eichentäfer, Balkendecken, Cheminée und Kachelofen ausgestattet ist. Ein Wandgemälde von Niklaus Stoecklin zeigt eine Szene aus einem Turnier. Das Turmzimmer erreicht man über eine steinerne Rundtreppe. Hier ziert ein bunter Fries mit einer Heereszugdarstellung die runde Decke. Zudem gewährt der Raum bei schönem Wetter einen herrlichen Ausblick auf das Birstal, die Vogesen und sogar über Basel hinweg bis zum Schwarzwald.
Die Stiftung vermietet die Räumlichkeiten der Burg für Anlässe mit bis zu 50 teilnehmenden Personen, zum Beispiel für Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Tagungen, Firmenanlässe u.ä. Ausserdem führt das Zivilstandsamt Arlesheim auf Wunsch Trauungen in der Anlage durch.
Oberstes Bild: Burg Reichenstein in Arlesheim (© Roland Zumbuehl, Wikimedia, CC)