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Shared Colonialism
SNF-Forschungsprojekt (2015-2019)
Dieses Projekt hat sich mit der internationalen Verwaltung in der Stadt Tanger (Marokko) im Zeitraum von 1840 bis 1956 beschäftigt. Es betrachtete die Geschichte der Internationalisierung Tangers aus globalhistorischer Perspektive, um komplexe Globalisierungsprozesse im Lokalen sichtbar zu machen.
In der marokkanischen Stadt Tanger übernahmen bereits ab 1840 internationale Organisationen zentrale Funktionen der öffentlichen Verwaltung und Infrastruktur. Zu den Funktionen dieser internationalen Organisationen gehörte neben der Müllentsorgung und dem Seuchenschutz auch ein Leuchtturm am Kap Spartel, der ab 1865 den Zugang vom Atlantischen Ozean zum Mittelmeer und damit den Weg zu den muslimischen Pilgerstätten im Nahen Osten kontrollierte.
Das Projekt hat diskutiert, auf welchen räumlichen Ebenen eine Vielzahl von Akteuren – Institutionen als auch Personen – ihre Handlungsspielräume festlegten. Welche neuen Räume enstanden durch diese politischen Aushandlungsprozesse? Die Internationalisierung von Tanger wurde nicht mehr einseitig als die Entstehung einer „kosmopolitischen“ Stadt verstanden, sondern im Kontext der Kolonisierung und Dekolonisierung Marokkos aus einer Perspektive jenseits des Eurozentrismus beleuchtet. Die Kooperation der Institutionen führte in Tanger zu einem internationalen Setting, das als „shared colonialism“ bezeichnet werden kann. Während Marokko Schritt für Schritt von verschiedenen Staaten kolonisiert wurde, erhielt Tanger 1923 den völkerrechtlichen Status einer Internationalen Zone, den es bis zur Unabhängigkeit Marokkos 1956 führte. Diese Besonderheit von Tanger als internationaler Ort stellte den zentralen Untersuchungsgegenstand des als „shared colonialism“ beschriebenen Konzeptes dar.