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Du wurdest ja nicht nur wegen deiner damaligen Frisur oft mit David Beckham verglichen.
Eigentlich spielte ich auf der 10. Diese Position gab es aber bei Manchester nicht. Also wurde ich umgeschult, so dass ich im klassischen 4-4-2 von Ferguson auf der rechten Seite spielte. Wie Beckham eben.
War die Umstellung auf den englischen Fussball gross?
In Deutschland wird mehr Wert auf Taktik und Technik gelegt. Dort wirst du schon in der Jugend in ein Korsett gezwängt. Jeder kennt seine Aufgaben auf seiner Position. In England wird im Nachwuchs darauf geachtet, dass jeder seine Stärken ausspielen kann. Das System spielt erst später eine Rolle.
Gibt es die alte englische Schule überhaupt noch, wo so viele Spieler und Know-How aus dem Ausland importiert werden?
Manchester United hatte Erfolg damit, qualitativ gute Spieler aus dem Ausland zu holen und diese in ihr System einzubauen. Mittlerweile werden englischen Vereinen auf der internationalen Bühne aber oft die Grenzen aufgezeigt, weil sie taktisch einfach unterlegen sind. Das zeigten etwa die Spiele von Basel gegen Chelsea oder Liverpool. Diese taktischen Defizite zeigen sich bei allen englischen Spielern.
Wie nahe warst du bei Manchester an der ersten Mannschaft?
Ich war Captain der Reservemannschaft, mit der haben wir alles gewonnen. Mit 19, 20 trainierte ich eine ganze Saison mit dem Fanionteam mit. Einmal stand ich im Kader für ein Pflichtspiel, blieb aber ohne Einsatz. Anfang kam mir das gar nicht real vor, plötzlich inmitten dieser Weltstars zu sein. Doch bald war es ganz normal, mit van Nistelrooy Tischtennis zu spielen oder essen zu gehen.
An einige dieser Legenden hast du bestimmt spezielle Erinnerungen?
Ich habe noch immer die Handschuhe von Fabien Barthez zuhause. Die hat er mir geschenkt, nachdem ich ihm im Training einen Ball reingehauen hatte. Er meinte: «Ich will, dass du diese Handschuhe nimmst. Nicht einmal diese konnten deinen Schuss halten.» Und ein spezielles Geschenk habe ich auch von Roy Keane.
Wir sind gespannt.
Einmal fuhr er im Car mit der zweiten Mannschaft an ein Auswärtsspiel und signierte auf der Fahrt Autogrammkarten. Ich hatte wie jeder ziemliche Angst vor ihm, nahm aber meinen ganzen Mut zusammen und fragte, ob ich auch eine haben dürfe. Er unterschrieb und reichte mir die Karte. Darauf stand: «Fuck off, Markus». Tja, der englische Humor …
Wurde dir bei Manchester irgendwann nahegelegt, den Verein zu verlassen?
Nein, Alex Ferguson war sehr ehrlich und fair. Er bot mir an, den Vertrag zu verlängern, sagte mir aber, dass ich auf der rechten Seite hinter Cristiano Ronaldo, Fletcher und Bellion nur die Nummer 4 sei und er mir nicht viel Einsatzzeit geben könne. Gleichzeitig hatte ich ein Angebot des MSV Duisburg aus der Bundesliga und Ferguson riet mir, dieses anzunehmen.
Es begann – man kann es nicht anders sagen – ein ziemlicher Abstieg.
In Duisburg war ein ziemlich grosser Hype um mich, was mich noch mehr verunsicherte. Ich spielte kaum, und doch durfte ich trotz Angeboten nicht wechseln. Nach zwei Jahren liess man mich nach Belgien ziehen, wo ich bald Probleme mit dem Trainer hatte. Nach diesen Stationen hatte ich die Freude am Fussball wirklich verloren. Die wollte ich zurückgewinnen, deshalb folgte ich Thomas Strunz’ Ruf zu Rot-Weiss Essen in die 4. Liga.
Eben noch bei Manchester United, nun kamen die Anfragen aus tieferen Ligen. Musstest du da deinen Stolz überwinden?
Ja. Ich kam mir vor wie ein gebeutelter Hund, der durch die Dörfer gezogen wird. Mir war, als würde mich jeder belächeln hinter meinem Rücken. Das Problem waren aber nicht die anderen Leute, sondern die Ansprüche an mich selber. Auch ich sagte mir ja: «Verdammt, du hast bei Manchester United gespielt und jetzt mit Essen gegen Cloppenburg. Und es fällt nicht mal auf, dass du ein besserer Spieler bist!» Zu 90 Prozent ist das ein mentales Problem, weil man den Kopf nicht frei hat.
Hast du was dagegen unternommen?
Ja, ich habe mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet. Das alles alleine zu verarbeiten wäre relativ schwierig gewesen.
Thomas Strunz’ Essen schlitterte auch noch in die Insolvenz. Bei Wacker Burghausen hast du einen zweiten langjährigen Bayern-Spieler als Trainer erlebt. Hast du von diesem oft erwähnten Bayern-Gen etwas mitbekommen?
Diese Siegermentalität, die bekommt man gewiss mit, wenn man im Verein ist. Aber diese dann auch einer Mannschaft einzuimpfen, die nie in so einem Umfeld gearbeitet hat, ist sehr schwierig. In der 3. oder 4. Liga in Deutschland wird Fussball eben wirklich noch gearbeitet, weniger gespielt. Es gibt genügend Beispiele von Spielern und Trainern, die aus der Bundesliga kamen und sich dort überhaupt nicht zurechtfanden.
Mario Basler gehört auch dazu. Mit ihm sollst du dich nicht besonders verstanden haben. Warum?
Basler ist sehr autoritär. Was er sagt, das meint er auch so. Sonst kann ich nichts Positives über ihn sagen. Nachdem er mich das erste Mal hat spielen sehen, fragte er mich, was ich hier mache. Ich sei doch ein Riesenkicker. «Dich bring ich ganz gross raus», versprach er. Zwei Wochen später erlitt ich im Training einen Bänderriss. Er meinte nur: «Tape drum! Morgen trainierst du wieder!» Am nächsten Tag hab ich es versucht, aber ich konnte trotz Schmerztabletten kaum gehen. Es ging einfach nicht. Basler sagte: «Gut, dann mach deine Reha. Mir egal. Wenn du damit durch bist, kannst du dir einen neuen Verein suchen.» Ich hab mir nichts dabei gedacht, machte drei Wochen Reha und erschien dann wieder im Training. Basler teilte mir mit, dass er meinen Spind schon habe räumen lasse und ich nicht mehr erwünscht sei.