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Reduktion an Körperfettmasse dank CLA?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA ist verantwortlich für die Evaluierung von gesundheitsbezogenen Aussagen, so genannten «Health Claims», welche durch die Lebensmittelindustrie eingereicht werden und Lebensmittel oder Inhaltsstoffe betreffen.
Sie erstellt wissenschaftliche Gutachten zuhanden der Europäischen Kommission (EC), welche aufgrund dieser Daten die Zulassung oder Ablehnung von Health Claims beschliessen soll. Kürzlich wurde ein ebensolches für CLA (konjugierte Linolsäure) im Bereich Gewichtsmanagement abgelehnt. Es ist ein schönes Beispiel, wie Behörden bestehende Gesetze und Regulierungen verbiegen und brechen, um letztlich das politisch gewollte Resultat zu erhalten. Die Ironie am Ganzen ist ganz grundsätzlich, dass die EFSA mit dem Ziel gegründet wurde, die Werbeversprechen der Industrie nach strikt wissenschaftlichen Grundlagen zu prüfen und zuzulassen bzw. abzulehnen – jedoch keinesfalls, um bereits akzeptierte Health Claims hinterher aus politischen Gründen trotzdem abzulehnen!
Die EFSA schrieb in ihrer Bewertung zu CLA: «Das Panel erachtet es aufgrund der vorliegenden Informationen als nicht belegt, dass eine Reduktion an Körperfettmasse, wenn begleitet durch eine Erhöhung an Indikatoren von Lipidperoxidation und Entzündung, eine vorteilige physiologische […] Wirkung darstellt.» Bemerkenswert ist zuallererst, dass die «Reduktion an Körperfettmasse» per se nicht in Frage gestellt wird. Diese Wirkung wird also anerkannt, jedoch die Nebenwirkungen werden als Grund für die ablehnende Haltung angeführt. Auf den ersten Blick erscheint dies einleuchtend, ja sogar zwingend. Aber schaut man näher hin, dann tauchen gleich mehrere Gründe auf, welche eine korrekte Handhabung und Beurteilung der EFSA im Rahmen der vorhandenen Evaluierungsrichtlinien von Health Claims zumindest sehr fragwürdig erscheinen lassen.
1. Die für den ablehnenden Entscheid verantwortliche Erhöhung von «Indikatoren von Lipidperoxidation und Entzündung» war in ihrem Ausmass nur sub-klinisch und wurde nur in einer Minderheit aller Studien gefunden. Und zwar einzig in solchen Studien, wo nur eine Isomer-Form (c9:t11) von CLA supplementiert wurde, jedoch nie in denjenigen, welche die im Handel erhältliche und für das Health Claim eingereichte Doppel-Isomerform von CLA (c9:t11, t10:c12) verwendeten.
2. Die Sicherheit von diesem Doppel-Isomer und die im Gesuch vorgeschlagene Anwendung von CLA wurde bereits 2010 und nochmals 2012 durch die EFSA geprüft und bestätigt. Notabene unter Berücksichtigung der bereits damals bekannten potentiellen Nebenwirkung.
3. Die Art und Weise der Ablehnung ist bisher nie dagewesen, und explizit auch so nicht vorgesehen! Die EFSA schliesst in seinen wissenschaftlichen Bewertungen zu Health Claims jeweils eine Sicherheitsbeurteilung aus, weil diese eben separat vorgenommen werden müssen. Genauso, wie dies im Falle von CLA sogar zweimal geschah.
4. Im Bewilligungsverfahren von Novel Foods und Health Claims existiert bereits die Möglichkeit potentiellen Vorbehalten Rechnung zu tragen, indem Bedingungen für die Verwendung, Einschränkungen für bestimmte Personengruppen oder Warnhinweise auf Etiketten vorgeschrieben werden. Solche lebensmittelrechtliche Deklarationsvorschriften bestehen zum Beispiel für Betain im Zusammenhang mit dem Blutcholesterinspiegel.
5. Geradezu schizophren mutet schliesslich an, dass CLA weiterhin als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen ist – und zwar basierend auf den beiden erwähnten Gutachten zur Sicherheit von 2010 und 2012! Einzig das Health Claim ist nicht erlaubt worden.
Die politischen Überlegungen hinter dem vorliegenden abweisenden Entscheid zum Health Claim für CLA stehen auch quer zur Begründung eines anderen ablehnenden Entscheids der EC zu einem Health Claim für Glukose (trotz fünf durch die EFSA anerkannten «vorteiligen physiologischen Wirkungen» im Jahr 2012). Denn im Fall der abgelehnten Aussagen zu Glucose argumentierte die EC mit ihrer Gesundheitspolitik, wonach Vorbehalte beständen, über «was ein Health Claim den Konsumenten über Zuckerkonsum vermitteln würde». Solche Claims seien nicht deckungsgleich mit «allgemein akzeptierten Prinzipien zu Ernährung und Gesundheit». Obwohl bekanntlich tatsächlich mehr oder weniger Einigkeit über die Gesundheitsrisiken von übermässigem Zuckerkonsum besteht (namentlich Diabetes, kardiovaskuläre Krankheiten, Übergewicht/Adipositas), so liegt die verquere Logik im politischen Entscheid zu CLA darin, dass genau eine «Reduktion an Körperfettmasse» – dem Effekt einer CLA-Einnahme – diesen Krankheitsbildern entgegenwirkt! Nebenbei: die Argumentation der EC im Fall von Glukose öffnet die Tür für eine andere politische Diskussion. Nämlich darüber, wie eigenverantwortlich und mündig in Ernährungsfragen und -entscheiden Konsumenten zu betrachten sind.
Können gesundheitsbezogene Anpreisungen nicht eingeschränkt und mit Bedingungen verknüpft werden? Die EC teilte in ihrer Entscheidung mit, dass selbst wenn Health Claims mit Auflagen und Vorbehalten wie Warnhinweisen, Anwendungsvorschriften, etc. zugelassen würden, dies «nicht genügend wäre, um die Verwirrung beim Konsumenten zu verringern, und deshalb ein solches Claim nicht erlaubt werden soll». Kapiert, you dummy?
Foto: Lupo (Bild Nr. 2)/www.pixelio.de