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auftretende bläuliche Färbung der Pottasche rührt von Spuren von Kaliummanganat her. Ausser dieser Beimengung enthält die auf diese Weise bereitete Pottasche ziemlich bedeutende Mengen von Kaliumsulfat (5-40%), Chlorkalium (bis zu 10%), Natriumcarbonat u. a. m. Die Hauptproduktionsländer für diese Sorte sind Illyrien, Kroatien, Ungarn, Russland und vor Allem Nordamerika. Die geschätztesten Sorten sind die illyrische und nordamerikanische, in ihren besseren Sorten Perlasche genannt; am wenigsten geschätzt ist die russische, welche vielfach aus den sonst nicht zu verwerthenden Steppenpflanzen gebrannt wird.
Seit einigen Jahrzehnten sind zwei weitere Bereitungsweisen der Pottasche in Gebrauch gekommen, einmal die aus der sog. Melasseschlämpe, d. h. den Rückständen, welche bei der Vergährung der Zuckerrübenmelasse verbleiben. Diese werden geglüht und wie oben behandelt; zweitens die aus dem Wollschweiss der Schafe. In den 20er Jahren dieses Jahrhunderts entdeckte ein französischer Chemiker, dass die grossen Mengen Kalisalze, welche die Schafe in ihrem Futter zu sich nehmen, zum grossen Theil durch ihren Schweiss ausgeschieden werden und zwar gebunden an Fettsäuren.
Man verarbeitet daher die Waschwasser in den Wollwäschereien auf Pottasche, und die hierdurch gewonnene Quantität wird für Frankreich, wo diese Industrie heimisch ist, auf jährlich 1 Million kg geschätzt. Kleinere Mengen von Pottasche werden auch in den Weingegenden durch die Verbrennung der sog. Weinkämme und der Trester und Drusenrückstände gewonnen. Viel wichtiger als alle diese neuen Methoden wurde die Entdeckung der oben genannten Steinsalzlager, in deren oberen Schichten, den sog. Abraumsalzen, sich unberechenbare Mengen von Kalisalzen, namentlich Chlorkalium vorfinden.
Dieser Lager hat sich alsbald die Chemie bemächtigt, und aus ihnen werden heute schon so grosse Quantitäten Kalisalze gewonnen, dass die Pottaschebereitung aus Holzasche immer mehr und mehr verdrängt wird. Man befolgt, um aus dem Chlorkalium Kaliumcarbonat herzustellen, dasselbe Verfahren wie bei der Leblanc'schen Sodafabrikation (s. d.) Auch das Ammoniaksodaverfahren (s. d.) lässt sich anwenden, ist aber für die Rohpottasche deshalb nicht so praktisch, weil zur Trennung des Chlorammons von Kaliumcarbonat, da Beide im Wasser sehr leicht löslich sind, ein Zusatz von Alkohol erforderlich ist, um die Pottasche abzuscheiden. Sehr rationell dagegen ist dieses Verfahren zur Herstellung des reinen Kaliumcarbonats.
Anwendung. Rohe Pottasche findet technisch eine sehr grosse Verwendung zur Bereitung von Aetzkali und anderen Kalisalzen, ferner von Schmierseifen, Kaliglas etc. etc.
2. Kalium carbonicum depuratum. Gereinigte Pottasche. Für viele Zwecke der Technik ist es nothwendig, die Pottasche möglichst von ihren Beimengungen zu befreien. Dies geschieht am einfachsten in der Weise, dass man sie mit gleichen Theilen kaltem Wasser übergiesst und ¶
24 Stunden unter öfterem Umrühren bei Seite setzt. Die Lösung wird klar abgegossen (das Letzte durch Glaswolle filtrirt), dann in eiserner Schaale unter fortwährendem Umrühren bis zur Trockne eingedampft. Es bildet ein feines, krystallinisches Pulver, welches in gleichen Theilen Wasser fast klar löslich sein muss.
Anwendung findet diese Pottasche medizinisch zu Salben, Waschungen etc.; technisch für Backwaaren etc.
3. Kalium carbonicum purum, Kali carbonicum e tartaro, Sal tartari. Reines Kaliumcarbonat. Rein weisses, krystallinisches Pulver, im Uebrigen von den Eigenschaften wie bei 1. Das Deutsche Arzneibuch verlangt einen Mindestgehalt von 95% Kaliumcarbonat. Es enthält gewöhnlich 4-5% Wasser. Wurde früher bereitet entweder durch Erhitzen von reinem Weinstein, oder noch besser aus einem Gemenge von gleichen Theilen Weinstein und Kalisalpeter, daher der frühere Name Sal tartari; heute dagegen wohl nur noch durch Erhitzen von Kaliumbicarbonat (s. d.)
Anwendung findet es nur für den medizinischen Gebrauch und in England bei der Fabrikation des Flintglases für optische Gläser.
Identitätsnachweis. Die wässerige Lösung braust, mit Weinsäurelösung übersättigt, auf und lässt einen weissen, krystallinischen Niederschlag fallen. Das Salz soll am Platindrahte erhitzt, der Flamme eine violette, dagegen nicht eine andauernd gelbe Färbung geben.
Prüfung. Die wässerige Lösung (1:20) darf durch Schwefelwasserstoffwasser nicht verändert werden. 1 Raumtheil dieser Lösung, in 10 Raumtheilen Zehntel - Normal - Silbernitratlösung gegossen, muss einen gelblichweissen Niederschlag geben, welcher bei gelindem Erwärmen nicht dunkler gefärbt werden darf;
mit wenig Ferrosulfat- und Eisenchloridlösung gemischt und gelinde erwärmt, darf die Lösung sich, nach Uebersättigung mit Salzäure, nicht blau färben. 2 ccm einer mit verdünnter Schwefelsäure hergestellten Lösung des Salzes dürfen, nach Zusatz von 2 ccm Schwefelsäure und Ueberschichtung mit 1 ccm Ferrosulfatlösung, eine gefärbte Zone nicht geben.
Die gleiche wässerige Lösung (1:20), mit Essigsäure übersättigt, darf weder durch Schwefelwasserstoffwasser, noch durch Baryumnitratlösung nach 5 Minuten mehr als opalisirend getrübt werden. - 20 ccm einer wässerigen, mit Salzsäure übersättigten Lösung (1:20) dürfen durch 0,5 ccm Kaliumferrocyanidlösung nicht verändert wurden. - 1 g Kaliumcarbonat soll zur Sättigung mindestens 13,7 ccm Normal-Salzäure erfordern.
Kálium bicarbónicum, Káli carbónicum acídulum.
Kaliumbicarbonat, doppelt kohlensaures Kali.
HKCO3.
Farblose, durchsichtige, säulen- oder tafelförmige Krystalle, geruchlos, von schwach alkalisch salzigem Geschmack; löslich in 4 Th. Wasser, ¶