Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03597.jsonl.gz/2028

Zum Begriff
Die Schweiz ist ein Land, das stolz darauf ist, zwei politische Traditionen auf herausragende Weise zu leben: die Demokratie, die als direkte Demokratie sehr bürgernah ist, und den Liberalismus, der seit der Gründung des Bundesstaats 1848 das politische Leben prägt. Demokratie und Liberalismus bilden ein Stück weit das Fundament unserer politischen Identität. Sie aber sagen, dass Demokratie und Liberalismus in einem Spannungsverhältnis stehen.
Sie stehen in einem Spannungsverhältnis, und sie gehören eigentlich nicht zusammen. Im Europa des 19. Jahrhunderts haben Liberale und Demokraten zwar gemeinsame Kämpfe ausgetragen, da sie beide den überkommenen Absolutismus als Gegner hatten. Aber diese Allianz war an den spezifischen Kontext gebunden, sie stellt keine Gesetzmässigkeit dar. Deshalb ist auch nicht richtig, wenn gesagt wird: Länder, die sich demokratisieren wollen, müssen notwendigerweise den Weg der pluralistischen liberalen Demokratie gehen, so wie sie im Westen bestimmend ist. Wenn es darum gehen soll, dass sie sich demokratisieren, kann dies auch geschehen, ohne dass sie sich den Werten des politischen Liberalismus verpflichten.
Worin gründet dieses Spannungsverhältnis?
Um es verkürzt zu sagen: Im Zentrum des politischen Liberalismus steht der Wert der individuellen Freiheit. Im Zentrum der Demokratie steht der Wert der Gleichheit, Gleichheit der politischen Rechte, Gleichheit der Partizipationsmöglichkeiten, Gleichheit der politischen Einflussmöglichkeiten. Das sind die beiden Grundwerte, um die sich alles dreht, und es ist nicht möglich, sie beide gleichzeitig vollständig zu realisieren. Es gibt zwischen Freiheit und Gleichheit immer das, was ich eine agonistische Spannung nenne.
(Binswanger, D. (2018): Wir brauchen einen Populismus von links. Interview mit Chantal Mouffe. https://www.republik.ch/2018/09/08/wir-brauchen-einen-populismus-von-links, abgerufen am 19. Januar 2020)
Zur Person
Oskar Freysinger ist am 12. Juni 1960 in Siders geboren und besuchte die deutsche Primar- und Sekundarschule in Sitten. Nach dem Studium am Lehrerseminar Sitten belegte er an der Universität Freiburg deutsche und französische Literatur und deutsche Philologie. Nach Abschluss des Lizentiats und des Gymnasiallehrerdiploms lernte er Italienisch und Englisch und bestand das „Cambridge Certificate of Proficiency in English“.
Freysinger war zwischen 1997 und 2000 Gemeinderat in Savièse, von 2001 bis 2003 Grossrat im Walliser Parlament und von 2003 bis 2015 Nationalrat. Von 2013 bis 2017 sass er in der Walliser Regierung. Er hat die SVP Wallis 1999 gegründet und war 9 Jahre kantonaler Parteipräsident.
Daneben ist Freysinger auch literarisch tätig. Er hat zahlreiche Werke (Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik) veröffentlicht, Text und Musik von zwei Musicals („Quesada“ und «Morpheo») kreiert, sowie zahlreiche Songs komponiert.
Oskar Freysinger ist seit 1988 mit Ghislaine (geborene Héritier) verheiratet und hat drei Kinder. Er lebt als freischaffender Schriftsteller in Savièse.