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Am 22. Juli 2023 ist der bekannte Schweizer Kardiologe Paul J. E. Erne nach langer Krankheit verstorben. Paul Erne war ein in der Schweiz und darüber hinaus hoch angesehener Kardiologe, dank seiner wissenschaftlichen Arbeit, als ausgewiesener Kliniker, der das Herzzentrum in Luzern aufbaute, und als Lehrer, dank seinem international sichtbaren praktischen Echokardiographie-Kurs in Luzern.
Paul Erne studierte Medizin an der Universität Basel und bildete sich dort in Innerer Medizin und Kardiologie aus, bevor er an die University of Oregon, Portland, in den USA wechselte, um sich mit Kent Hermsmeyer in den Grundlagenwissenschaften und insbesondere mit zellulärem Kalziumstoffwechsel zu beschäftigen. Danach wechselte er an das Hammersmith Hospital, um sich unter der Leitung von Attilio Maseri in der interventionellen Kardiologie und der klinischen Forschung weiterzubilden. Danach liess er sich schliesslich wieder in der Schweiz nieder, um am Universitätsspital Basel als Oberarzt für Innere Medizin und Kardiologie tätig zu werden.
1993 wechselte er nach Luzern, wo die Kardiologie zu dieser Zeit eine One-Man-Show war. Paul Erne gelang es jedoch, zusammen mit Michel Zuber, einem versierten Echokardiologen, ein immer grösseres Team aufzubauen und das Luzerner Herzzentrum zu einer hoch angesehenen Institution zu machen, das heute ein grösseres Patienten- und Interventionsvolumen aufweist als einige andere Universitätsspitäler der Schweiz. Sein jährlicher Echokardiographie-Kurs in Luzern war weithin sichtbar und wurde von mehreren hundert Kardiologen aus der Schweiz und dem Ausland besucht.
Als Wissenschaftler veröffentlichte er zunächst mit seinem Mentor Fritz R. Bühler bahn-brechende und viel zitierte Arbeiten über Kalziumstoffwechsel und Bluthochdruck sowie über natriuretische Peptide bei Herzinsuffizienz, beide im New England Journal of Medicine, und konzentrierte sich später auf die koronare Herzkrankheit. Ein wichtiger Beitrag zu diesem Thema war das SWISSI II Randomized Trial über die protektive Wirkung der perkutanen Koronarintervention bei stummer Ischämie nach Myokardinfarkt, das 2007 im Journal of the American Medical Association veröffentlicht wurde. Ausserdem nahm er an zahlreichen Multicenter-Studien teil, die die Medizin beeinflussten.
Nebenbei leitete er eine profilierte Grundlagenforschungsgruppe am Zentrum für Bildung und Forschung der Universität Basel, die sich unter anderem mit der Biologie von T-Catherin beschäftigte.
Ein wichtiger Beitrag zur Kardiologie in der Schweiz war das von ihm 1997 initiierte AMIS-plus, ein Herzinfarktregister, das seither insgesamt über 75.000 Patienten rekrutiert hat, die die Grundlage für eine Vielzahl hoch zitierter Arbeiten zu dieser Erkrankung bildeten. Sein h-Index von 66 dokumentiert eindrücklich seinen bedeutenden Beitrag zur kardiovaskulären Medizin.
Mit dem frühen Tod von Paul Erne verliert die Schweiz einen ihrer prominentesten und produktivsten Kardiologen.