Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/203661

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Grünflächen entlang der Nationalstrassen werden regelmässig gemäht, geschnitten und gepflegt. Diese intensive Pflege der Grünräume entlang der Nationalstrassen kostet jährlich rund 35 Millionen Franken. Gleichzeitig nimmt die Artenvielfalt in der Schweiz stetig ab, weil vielen Lebewesen und Pflanzenarten der geforderte Lebensraum nicht mehr oder nur ungenügend zur Verfügung steht. </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Ist es wirklich notwendig, dass alle Grünflächen entlang von Nationalstrassen derart intensiv gemäht und gepflegt werden?</p><p>2. Wäre es möglich, gewisse Grünflächen weniger intensiv zu betreuen, ohne dass die Strassensicherheit beeinträchtigt wird? </p><p>3. Wie viel Prozent der rund 4300 Hektaren Grünfläche wären dazu geeignet, mehr sich selbst überlassen zu werden und nicht mehr regelmässig gemäht und gepflegt zu werden? </p><p>4. Gibt es ein Einsparpotenzial, wenn alle nicht sicherheitsrelevanten Grünflächen nicht mehr regelmässig gemäht und geschnitten werden?</p><p>5. Welche bedrohten Pflanzenarten und Tiere wären potenzielle Nutzniesserinnen einer weniger intensiven Pflege der Grünflächen entlang von Nationalstrassen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Es werden nicht alle Grünflächen entlang von Nationalstrassen gleich intensiv gemäht und gepflegt. Um der Artenvielfalt und der Biodiversität Rechnung zu tragen, hat das Bundesamt für Strassen (ASTRA) 2015 die Richtlinie 18007 "Grünräume an Nationalstrassen" erarbeitet und publiziert. Ziel dieser Richtlinie ist die Sicherstellung einer nachhaltigen Gestaltung und eines nachhaltigen Unterhalts der Grünräume an Nationalstrassen, im Gleichgewicht zwischen den Anforderungen in Bezug auf Sicherheit und Wirtschaftlichkeit und den Anforderungen von Natur und Landschaft. Mit dieser Richtlinie wird insbesondere auch die Umsetzung der Strategie Biodiversität des Bundes im Bereich dieser Flächen sichergestellt. Dabei werden bezüglich der Grünräume insbesondere drei Flächentypen unterschieden: intensive Unterhaltszonen, extensive Unterhaltszonen ohne Biodiversitätsschwerpunkte sowie extensive Unterhaltszonen mit Biodiversitätsschwerpunkten.</p><p>Ziel der Pflegearbeiten in der intensiven Unterhaltszone ist es, die Sicherheit und Verfügbarkeit der Strasse sowie einen wirtschaftlichen Unterhalt zu garantieren. Dazu wird die Vegetation mindestens zweimal pro Jahr zurückgeschnitten.</p><p>Ziel der Pflegearbeiten in den extensiven Unterhaltszonen (mit und ohne Biodiversitätsschwerpunkte) ist es, die Verkehrssicherheit zu garantieren und die ökologische Qualität der Vegetation zu fördern und zu erhalten. Die Pflege erfolgt in längeren Zeitabschnitten: Die Anzahl Schnitte wird reduziert. Zudem werden nicht alle Flächen gleichzeitig geschnitten, um so Kleintieren Rückzugsräume und Überwinterungsmöglichkeiten zu geben.</p><p>Die Strassenunterhaltsdienste setzen die Richtlinie 18007 um. Es braucht jedoch eine gewisse Zeit, bevor der Erfolg sichtbar wird. Schon heute schont jedoch der in der Richtlinie geforderte höhere Grasschnitt Kleinlebewesen am Boden.</p><p>2./3. Die unter Ziffer 1 erwähnte Differenzierung zwischen den drei Flächentypen berücksichtigt die unterschiedlichen Ansprüche an Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sowie die ökologischen Anliegen in bestmöglicher Weise.</p><p>Flächen, die heute als intensive Unterhaltszonen ausgeschieden sind, können nicht weniger betreut werden, ohne dass Abstriche bei der Sicherheit und Verfügbarkeit der Nationalstrassen gemacht werden müssten.</p><p>Rund 20 Prozent der Grünflächen der Nationalstrassen werden als extensive Unterhaltszonen mit Biodiversitätsschwerpunkten ausgeschieden. Sie haben dementsprechend ein grosses ökologisches Potenzial. Grundsätzlich zwingt die immer stärkere Verbreitung von invasiven Neophyten entlang der Strassenböschungen dazu, punktuell regelmässig zu mähen oder andere Massnahmen zu deren Bekämpfung einzuleiten.</p><p>4. Das Einsparpotenzial ist insgesamt gering. Trotz Unterscheidung müssen alle drei Flächentypen gepflegt werden, sonst würden Wiesen zu Gehölz und Gehölz zu Wäldern. Aus Sicherheitsgründen muss Gehölz entlang der Nationalstrassen ab einer gewissen Grösse zurückgeschnitten werden. Bei Vegetationstypen ohne Gehölz wie z. B. Magerwiesen, welche eine artenreiche Zusammensetzung aufweisen, genügt ein Schnitt jährlich oder jedes zweite Jahr.</p><p>5. Das ASTRA hat zur "Erfassung der Biodiversitätsschwerpunkte" eine Untersuchung durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass an Nationalstrassen mit naturnahen Lebensräumen (z. B. Magerwiesen) viele seltene und schützenswerte Pflanzen- und Tierarten profitieren können, wie z. B. Eidechsen, Schmetterlinge, Wildbienen oder Orchideen.</p><p>Zurzeit erarbeitet das ASTRA eine Methode zur Zustandsbewertung der Grünräume an Nationalstrassen. Längerfristig soll ein entsprechendes Monitoring durchgeführt werden. Die Ergebnisse des Monitorings werden die Abwägung zwischen den Interessen zur Förderung der ökologischen Qualität der Vegetation und der Verkehrssicherheit vereinfachen.</p>  Antwort des Bundesrates.