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Vermehrung
Zuerst eine wichtige Regel:
Wenn nicht zwingende Gründe vorliegen, sollte man nicht in gesundes Pflanzengewebe schneiden. Sollte dies trotzdem einmal notwendig sein, z.B. zu Vermehrungszwecken oder um faulende Stellen zu beseitigen, sind die Schneidewerkzeuge vor jedem Schnitt zu desinfizieren, entweder durch Abflammen oder durch Reinigung mit Alkohol!!
Bei Cattleya und ähnlichen Orchideen muss man als Fensterbänkler oft die Rückbulben (älteste Bulben) abnehmen, damit die Pflanzen nicht zu gross werden. Die Pflanze sollte danach aber immer noch aus 4-5 Bulben bestehen. Wenn das abgetrennten Stücke aus 4-5 Rückbulben besteht und ein kräftiges, schlafendes Auge (ist die Stelle einer Pflanze, an der ein Neutrieb entstehen kann) hat, bestehen gute Chancen, dass dieses Auge austreibt und ein neuer Trieb entsteht. Auf diese Weise kann man diese Pflanzen vermehren und an andere Liebhaber weitergeben.
Mit etwas Erfahrung sieht man beim Umtopfen einer Pflanze meist gut, ob und wo sie geteilt werden kann.
Bei monopodial wachsenden Orchideen können ausreichend grosse Kopfstücke mit genügend Luftwurzeln abgetrennt und neu gesetzt werden. Das Kopfstück darf dabei nicht zu klein gewählt werden, und die Pflanze muss gesund sein. Der alte Unterteil bleibt möglichst unberührt im alten Pflanzgefäss und treibt mit etwas Glück neu aus, womit man die Pflanze vermehrt hat.
Dies funktioniert prinzipiell auch bei den monopodialen Phalaenopsen, auch wenn dies in der Literatur nicht erwähnt wird. Das Problem liegt bei dieser Gattung darin, dass die Sprossachse recht langsam wächst, und man so normalerweise immer nur einen Kopfteil hat. Die alten Wurzeln und auch das Stammstück sterben (faulen) normalerweise ab. Wenn man aber als Hobby-Vermehrer von seiner Lieblings-Phalaenopsis unbedingt ein zweites Exemplar haben möchte, kann man es mit folgender Methode probieren. Grundlage für diesen Versuch ist eine Pflanze, welche mehrere Jahre in gut durchlässigem Substrat gepflegt wurde, so dass sie eine längere gesunde Sprossachse hat und die älteren Pflanzenteile (Stamm und Wurzeln) noch vorhanden sind. Den Vermehrungsversuch führt man wie bei den anderen monopodialen Orchideen durch, indem man den Kopfteil abtrennt und das Rückstück im alten Topf belässt. Um dem Rückstück etwas mehr Licht zu geben, und um besser zu sehen, wo ein Neuaustrieb erfolgt, ist es empfehlenswert aus dem Topf einen Teil des Substrates zu entfernen. Wenn das Rückstück kräftig genug ist und ruhende Augen hat, wird es wieder austreiben. Der abgetrennte Kopfteil wird normal eingepflanzt, wobei ein gut durchlässiges Substrat gewählt werden muss, da man vorwiegend Luftwurzeln in das Substrat bringt, welche sich zuerst an diese Lebensweise gewöhnen müssen. Unter Umständen ist es vorteilhaft, die untersten Blätter vorsichtig zu entfernen, damit man das Kopfstück besser eintopfen kann.
Das Bild rechts zeigt ein Rückstück einer Doritaenopsis nach dem Austrieb. Das liegende Blatt und die Wurzeln gehören zur ursprünglichen Pflanze (Rückstück). Die nach oben zeigenden Blätter sind der Neuaustrieb, der noch keine neuen Wurzeln gebildet hat. Es ist unbedingt zu beachten, dass das Rückstück, vor allem, wenn es blattlos ist, nur wenig Wasser braucht. Wenn zu viel gegossen wird, faulen die Wurzeln rasch ab, und der Versuch ist gescheitert. Mit Giessen muss man so lange zurückhaltend sein, bis sich ein neuer Trieb zu bilden beginnt und dieser selbst neue Wurzeln bildet. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Pflanze mehr Wasser sucht.
Da diese Methode bei Phalaenopsis nicht zuverlässig funktioniert, muss man immer darauf achten, dass der Kopfteil eine überlebensfähige Grösse behält!
Einige Orchideen bilden oben an den Bulben (Dendrobium) oder an den Blütenstielen (Phalaenopsis) kleine Pflänzchen (Keikis, Kindel) aus. Wenn diese zu einer lebensfähigen Grösse herangewachsen sind (mehrere Blätter und Wurzeln haben), können sie abgenommen und eingepflanzt werden. Dies ist die einfachste Art der Vermehrung. Je nachdem, wie und wo das Kindel an der Mutterpflanze wächst, kann man es von der Pflanze abdrehen, oder man muss es abschneiden.
Mit dem Vermehren sollte man aber zurückhaltend sein. Wenn man Pflanzen in zu kleine Stücke unterteilt, brauchen sie nachher meist sehr lange, bis sie wieder einmal blühen. Viel zu kleine Stücke haben oft nicht mehr genügend Kraft, um einen Neutrieb auszubilden und gehen dann schlussendlich ein.