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Wohin bewegt sich unsere Welt? Welche Auswirkungen wird die exponentielle Entwicklung der Rechenkapaziäten auf die gesamte Gesellschaft haben? Entsteht eine galaktische Hyperzivilisation, die sich auf beliebig viele virtuelle Welten gründet?
Mit jedem Jahr werden Computer leistungsfähiger. Fast jedes Jahr verdoppelt sich die Anzahl von Rechenoperationen, die man für einen fixen Preis (zum Beispiel 1000 Dollar) erhält. Die Speicherkapazität entwickelt sich ebenso schnell. Wenn wir so weiter machen, meint etwa Ray Kurzweil, werden wir im Jahr 2020 über so viel Rechenkapazität verfügen, dass wir ein menschliches Gehirn simulieren können. Zehn Jahre später sind es einige tausend Gehirne, zwanzig Jahre später ist bereits die Rechenkapaziät aller Gehirne der gesamten Menschheit übertroffen. Nochmals zehn Jahre später wird der Hauptteil der Rechenarbeit von Maschinen durchgeführt. Halt, werden einige jetzt sagen, es ist überhaupt nicht sicher, dass diese Entwicklung so lange anhalten wird: irgendwann werden Schaltkreise zu klein, können nicht mehr weiter verkleinert werden, ohne drastisch an Leistung zu verlieren. Das ist richtig, doch „integrierte Schaltkreise auf immer kleineren Computerchips“ ist bloss ein Technologie-Paradigma, eine von vielen möglichen Arten, Rechenoperationen durchzuführen. Es gibt andere Möglichkeiten, und diese werden bereits heute Erforscht. Dreidimensionale Chips, Holographische und andere optische Computer, Molekulare Prozessoren… Die Liste der Möglichkeiten ist lang.
In dieser Welt wird die Leistung des Menschen immer unwichtiger und billiger werden – wenn ein Gehirn kostengünstig am Computer simuliert werden kann – wer wird sich dann noch die Mühe machen, Menschen anzustellen? Insbesondere dann, wenn der Computer besser als Menschen arbeitet, oder ein Mensch schlicht und einfach mit der Aufgabe überfordert wäre? Diese pessimistische Sicht wird im Unabomber Manifest vertreten – die Entwicklung von künstlicher Intelligenz könnte demnach das Ende der Menschheit bedeuten, wenn sich eine Elite aus Menschen und / oder Maschinen (je nach dem, wer die Kontrolle hat) zur Überzeugung gelangt, die „Kosten“ für die „Durchfütterung“ der bis dahin „überflüssigen“ Menschen nicht mehr aufbringen zu können.
Als positiver Ausweg bietet sich an, dass diese Elite den Rest der Menschheit „behütet“: die Menschheit lebt, bewusst oder unbewusst, in künstlichen Realitäten, in denen es ihnen an nichts mangelt, und die von künstlichen Lebewesen mitbewohnt werden. Diese künstlichen Realitäten sind sehr einfach und billig zu erstellen, und können doch gleichzeitig von einer riesigen Anzahl an künstlichen Lebewesen bevölkert werden. Auf der Fläche eines Speicherchips könnten eines Tages tausende von virtuellen Welten Platz finden, die jeweils von Millionen von künstlichen, „virtuellen“ Lebewesen bevölkert werden. Die Menschheit würde so eine objektiv „reale“ Welt gegen beliebig viele „virtuelle“ Welten eintauschen, in denen sie gottähnliche Fähigkeiten hätte – ein verlockender Tausch. So könnte es gut sein, dass wir im Sonnensystem zwar nur acht oder neun Planeten haben – aber Abermilliarden von „virtuellen“ Welten.
Bei diesen Überlegungen stellt sich natürlich irgendwann auch die Frage: Was wäre, wenn unsere Welt, die wir für Real halten, bloss eine dieser vielen virtuellen Welten wäre? Vielleicht sind wir eine Simulation, die heraus finden soll, was passiert wäre, wenn George W. Bush zum Präsidenten der USA gewählt worden wäre… oder wenn die Anschläge vom 11. September 2001 geglückt wären… wenn Hitler nicht den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte… die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.
Die technische Evolution, die durch den Menschen gestartet wurde, ist wesentlich schneller und flexibler als die biologische Evolution, die den Menschen überhaupt erst hervor gebracht hat. Genauso wird die Evolution der virtuellen Welten und künstlichen Lebensformen / künstlichen Intelligenzen wesentlich schneller und flexibler sein als die technische Evolution, die sie hervor gebracht hat. Und so wie die Produkte der biologischen Evolution unter der technischen Evolution leiden, werden die Produkte der technischen Evolution (die Menschen) unter der virtuellen Evolution leiden. Die Menschheit wird für Maschinen so unwichtig, so verkäuflich, so unwürdig, so instrumentalisierbar werden, wie es die natürliche Umwelt heute für den Menschen ist. Wir können auf „Menschenschützer“ unter den intelligenten Maschinen hoffen, auf „Menschenschutzgesetze“ – doch wenn wir die Kontrolle über die Welt an die Maschinen übergeben, werden sie die Welt in ihre eigenen Hände nehmen – ohne, dass wir jemals die Möglichkeit zurück erhalten würden, das Ziel der Reise zu bestimmen. Die Entwicklung der intelligenten Maschinen und virtuellen Welten ist das Ende der Entwicklung der Menschheit.
In ferner Zukunft wird die Menschheit als „Katalysator-Zivilisation“ einer galaktischen Maschinenzivilisation gelten. Einige Menschen werden hier und dort immer noch anzutreffen sein (in virtuellen und realen Reservaten vielleicht), und über ein galaktisches Netzwerk verteilt wird es immer noch unzählige Intelligenzen geben, die ursprünglich von einem Menschen abstammen. Doch es wird nicht unsere Zivilisation sein. Die Menschheit wird bloss eine Facette von vielen, ein Mosaik-Steinchen, ein Rädchen unter vielen anderen in dieser galaktischen Hyperzivilisation sein.