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8. März 1971: Muhammad Ali verliert den «Kampf des Jahrhunderts» gegen Joe Frazier. Doch die Niederlage ist der Beginn seines grandiosen Comebacks.
Das Schwergewichts-Boxen ist zum Trauerspiel verkommen. Die Klitschko-Brüder sind abgetreten (Vitali) oder im Herbst ihrer Karriere (Wladimir). Daneben gibt es nur Nobodys, nach denen kein Hahn kräht.
Wie anders war es in den 1970er Jahren: Mitten in der Nacht standen auch in der Schweiz zahlreiche Menschen auf und schalteten den Fernseher ein. Sie wollten die Boxkämpfe in den USA live sehen, und vor allem einen: Muhammad Ali, den «Grössten».
Alis Stern ging vor genau 50 Jahren auf, als er unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay den «Finsterling» Sonny Liston besiegte und den Weltmeistertitel holte. 1967 jedoch geriet Clay, der inzwischen zum Islam konvertiert war und sich Muhammad Ali nannte, in die Mühlen der Politik. Der engagierte Bürgerrechtler verweigerte den Stellungsbefehl für den Vietnamkrieg: «Mann, ich habe keinen Streit mit den Vietcong, kein Vietcong hat mich je Nigger genannt», meinte er.
Das Establishment schlug hart zurück: Ali wurde wegen Dienstverweigerung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt (die er nie absitzen musste), Weltmeistertitel und Boxlizenz wurden ihm entzogen. Im besten Boxeralter war der «Champ» zur Untätigkeit verdammt. 1970 erhielt er die Lizenz zurück. Nun fieberte die Boxwelt seinem Comeback entgegen, und besonders dem Titanenkampf gegen den neuen Weltmeister «Smokin' Joe» Frazier.
Frazier gegen Ali, das war ein Clash der Gegensätze: Harter Puncher gegen begnadeten Techniker, guter Patriot gegen «vaterlandslosen» Rebell. Muhammad Ali, dessen Mundwerk noch schneller war als seine Fäuste, verspottete Joe Frazier als «Onkel Tom», was den Weltmeister erbitterte. Er hatte sich für die Rückkehr Alis in den Ring eingesetzt.
Am 8. März 1971 ist es soweit: Im Madison Square Garden kommt es zum «Kampf des Jahrhunderts», wie er bereits im Vorfeld angepriesen wurde. Die Erwartungen sind gigantisch, beide Boxer haben die Rekordgage von 2,5 Millionen Dollar erhalten. Und die Fans werden nicht enttäuscht, Frazier und Ali liefern sich einen Fight auf höchstem Niveau. Anfangs dominiert der Herausforderer, doch mit zunehmender Dauer zeigt sich seine mangelnde Wettkampfpraxis.
In der 15. Runde muss Muhammad Ali zu Boden. Er kann den K.O. vermeiden, nicht jedoch die Niederlage. Joe Frazier gewinnt nach Punkten und verteidigt seinen Titel. Ali verliert erstmals einen Profikampf, und doch ist er in den Augen der Fans der eigentliche Sieger. Seine charismatische Aura wirkt wie in früheren Zeiten und überstrahlt das Negativ-Image des «Dienstverweigerers».
Von nun an entwickeln sich die Karrieren von Ali und Frazier gegenläufig. «Smokin' Joe» verliert den WM-Titel zwei Jahre später an George Foreman, und der wiederum unterliegt 1974 im legendären «Rumble in the Jungle» gegen Ali, der wieder ganz oben ist.
Im Jahr darauf kommt es zur letzten Begegnung mit Frazier: Der «Thrilla in Manila» wird zum Mythos. Im mörderischen Tropenklima der Philippinen liefern sich die beiden Boxer einen gnadenlosen Fight. Frazier gibt nach 14 Runden auf, am Ende sind beide mehr tot als lebendig.
Im November 2011 starb Joe Frazier mit 67 Jahren an Krebs. Wirklich vergeben hat er Ali die einstigen Demütigungen nie. Der «Grösste» aber kam zu seiner Beerdigung, selber schwer von der Parkinson-Krankheit gezeichnet. Seither wurde auch schon über sein Ableben spekuliert, doch für den heute 72-jährigen Muhammad Ali gilt vielleicht mehr als für jeden anderen: Totgesagte leben länger.