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Forschungsreisen. Nachstehende Zusammenstellung verfolgt die Ergebnisse der
neuesten Forschungsreisen in den beiden wichtigsten Forschungsgebieten: Afrika
[* 3] und Asien.
[* 4] Die Anordnung des Stoffes ist dieselbe
wie in den vorausgehenden Berichten in Band
[* 5] 17 (S. 9 u. 54), die teilweise auch noch eine Ergänzung in der unten folgenden
Übersicht der neuern geographischen Litteratur finden.
Aus Ägypten,
[* 6] der Libyschen Wüste, Tripolitanien etc. hat im vergangenen Jahre und schon längere Zeit nichts
von größern Reiseunternehmungen verlautet. In der algerischen Sahara hat F. Foureau 1890 die LandschaftMader und das Tademait-Plateau
erforscht und den Nachweis geliefert, daß von Biskra bis In-Salah dem Eisenbahnbau
[* 7] keine bedeutenden Hindernisse
entgegenstehen. In Marokko
[* 8] beschäftigte sich de la Martinière, der Verfasser eines mit gut ausgeführten Kartenaufnahmen
geschmückten Reisewerks über dies Land, neuerdings mit Untersuchungen über die Reste der Römerherrschaft in Mauretanien.
Dagegen ist weiter im Süden der durch seine abenteuerliche Reise in der westlichen Sahara bekannt gewordene Camille Douls auf
einer neuen Reise nach Timbuktu von seinen Tuaregführern ermordet worden (seit anderthalb Jahrzehnten der 20. Reisende, welcher
sein Leben für die Erforschung der Tuaregländer hat lassen müssen). Die That geschah im Februar 1889 an der Westgrenze von
Tidikelt. Die Küste der Sahara zwischen Wed Dra und KapBojador bereisten 1888 die belgischen Offiziere Lahure
und Fourcault, um zu untersuchen, ob sich die englische Handelsfaktorei am Kap Dschuby zu einem Sanatorium für Beamte des
Congostaates eigne.
Ober-Guinea.
[* 10] Von großem Interesse ist das Wenige, was vonL.Wolfs letzter, durch seinen Tod unterbrochenen Reise
jüngst bekannt geworden ist. Dieselbe ging von der von ihm gegründeten Station Bismarckburg in Togoland in nordöstlicher
Richtung nach der LandschaftBorgu oder Barbar am westlichen Ufer des Niger, um von dort in südlicher Richtung
schließlich Dahomé zu erreichen. Die zweite Hälfte dieses Planes auszuführen, hinderte ihn der Tod, der ihn in Dabari (10°
nördl. Br.) ereilte.
Sein Nachfolger in der Leitung der Station ist LeutnantHerold, dem als Gelehrter der BotanikerBüttner beigegeben
ist. Ersterer hat bei Agome Tongbe die neue Station Misahöhe errichtet und von dort aus schon verschiedene Reisen in die Gebiete
von Kpandu und Kunja Ga unternommen. Die inzwischen beigelegte Verwickelung zwischen Frankreich und Dahomé hatte einige kleinere
Reisen in letzterm Gebiet zur Folge: so die Befahrung des Grenzflusses Wheme durch Ballot im Kanonenboot
Esmeraude im November 1888 bis über die Hauptstadt Abome hinaus, und die Reise Bayols nach Abome selbst, welchem es dort freilich
nicht gelang, die Zwistigkeiten zu beseitigen, der aber die Lage des Ortes zum erstenmal genau fixierte.
Wenig verlautete aus dem Gebiete des Niger und des Benuë. Erstern befuhr zu Anfang 1889 der deutsche Konsul
v. Puttkamer bis Bida stromaufwärts. Ein Dampfer der RoyalNiger Companie ging den Benuë und dessen Nebenfluß Majo-Kebbi so
weit hinauf, bis er nicht mehr wenden konnte; die durch H. Barths Erkundigungen auf unsre Karten gekommene Verbindung von Benuë
und Schari durch den Tuburisumpf scheint danach nicht zu existieren. Eine französische Expedition zu
kommerziellen Zwecken unter Leutnant Mizon, deren letztes Ziel der Tsadsee ist, wurde im Oktober 1890 bereits am untern Niger
durch Kämpfe mit den Eingebornen gehemmt, hat aber seitdem ihre Fahrt wieder aufgenommen.
[Westäquatorialafrika.]
Camerun.
[* 11] Im östlichen Hinterlande haben der inzwischen verstorbene Leutnant Tappenbeck
und sein Nachfolger, LeutnantMorgen, in geographischer wie handelspolitischer Hinsicht wichtige Erfolge erzielt, welche noch
in das Jahr 1889 fallen. Schon Tappenbeck hatte im Mai das große, nördlich von der deutschen Jaundestation gelegene Dorf
des Ngila erreicht, wo sich schon sudanische Einflüsse bemerkbar machen, und seine Erkundigungen sich
mit denen Flegels von Norden
[* 12] her berührten. Noch im selben Jahre vollführte LeutnantMorgen binnen zwei Monaten den Marsch von der
Küste nach der Jaundestation, zum Ngila und dann westwärts längs des großen Mbamflusses nach der Küste zurück, indem
er so die Existenz dieses seit 40
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mehr
Jahren auf unsern Karten eingezeichneten Flusses nachwies und zugleich die Sperre der den Zwischenhandel zwischen den Binnenvölkern
und der Küste monopolisierenden Stämme durchbrach. Im Mai 1890 begab sich Morgen nach der Station zurück und gedachte von
dort einen Vorstoß nach Nordosten in das Quellgebiet des Benuë zu unternehmen, von welchem er gegen Ende 1890 nach
der Küste zurückzukehren hoffte. An der Küste von Camerun nahm der deutsche KreuzerHabichtVermessungen vor; das Camerunbecken
selbst und seine Zuflüsse nahm 1885-90 der Bauinspektor Schran auf.
FranzösischerCongo. Erst jetzt sind die Resultate der eingehenden Untersuchungen ans Licht
[* 15] getreten, welche
der französische IngenieurJacob 1887 bis 1888 in betreff der Schiffbarmachung des Kuilu-Niadi und des Baues einer Eisenbahn
durch das Thal
[* 16] desselben nach dem mittlern Congo angestellt hat; die Frage ist von großer Wichtigkeit hinsichtlich der schnellern
Erschließung des nordwestlichen Congobeckens. A. Fourneau unternahm zu Anfang 1890 in Gesellschaft von
P. Dolisie eine nur zwei Monate währende Reise vom untern Ogowe aus in das Quellgebiet des Rio
[* 17] Campo, an dessen Mündung er die
Küste wieder erreichte. Im September erforschte er die Quellen des in den Gabun mündenden Bokowe. Crampel hat zu
Anfang Juli 1890 sich mit einer zahlreichen Expedition auf dem Congo nach dem nördlichsten Bogen
[* 18] des Ubangi (Uëlle) begeben,
um von dort in möglichst gerader Richtung nach dem Tsadsee durchzudringen. Dort angelangt, wird sich die Expedition teilen,
indem die eine Hälfte auf dem Benuë zur Westküste zurückkehren, die andre aber durch die SaharaAlgerien
zu erreichen suchen wird.
Congostaat. Ziemlich zahlreich waren in letzter Zeit die Expeditionen im unabhängigen Congostaat, ohne daß sie indessen Bedeutendes
in der Erforschung oder Kartierung des Landes geleistet hätten. Nachzutragen ist, daß 1889 die Ausnahme des letzten noch
unbekannten, untersten Stückes des Kassai durch Mense ans Licht getreten ist. Ohne wissenschaftliche Resultate
blieb die Durchkreuzung des ganzen Gebietes von Westen nach Osten 1889 durch den französischen Kapitän Trivier, der nur auf
schon betretenen Wegen zog.
Britisches Südafrika.
[* 22] Im J. 1888 unternahm Rev. A. H. Stocker die Besteigung einer Anzahl der höchsten Gipfel im Kahlambagebirge,
welches die Grenze zwischen Natal und Basutoland bildet, und trug dadurch viel zur Berichtigung der Karte bei. Infolge der Annexion
ist das Land derMatabele und Maschona ein beliebtes Ziel britischer Reisender, Goldsucher etc. geworden.
Im Gebiet des Mazoëflusses reiste 1889 der in jenen Gegenden schon weit herumgekommene Selous, in demjenigen des Hanjani
der BischofKnightBruce; eine neue Karte jener Gebiete verdanken wir den Arbeiten und Reisen von Maund und
Ellerton Fry. Nördlich des Sambesi und westlich vom Nyassasee, in jetzt gleichfalls von Großbritannien
[* 23] beanspruchtem, bisher
nie betretenem Gebiet, reiste Sharpe, zuerst 1889, dann zu Anfang 1890; das letzte Mal gelangte er bis zum untern Loangwa,
einem nördlichen Zufluß des Sambesi, und befuhr den erstern im Boote.
[Ostäquatorialafrika.]
Portugiesisch-Ostafrika. Am Neujahrstag 1889 hat der schottische Missionar R.
Cleland von seiner Station Tschiradzulo aus den Westabhang des 2800 m hohen Milandschigebirges bis zu einer Höhe von 2300 m
erstiegen. Auch sind 1890 die Ergebnisse von J. T. Lasts¶
mehr
großer Expedition nach dem Namuligebirge, welche er 1885-87 auf Kosten der Londoner Geographischen Gesellschaft unternommen
hatte, erschienen. Im Auftrag der portugiesischen Regierung hat sich der Ingenieur Angelvy in das Gebiet zwischen den FlüssenRovuma, Msalu und Ludschenda begeben, um weiter nach Steinkohlen zu suchen, deren Existenz er schon im J. 1884 dort
nachgewiesen hat.
Britisch-Ostafrika. In ihrer ersten Hälfte auf jetzt britischem, in ihrer zweiten auf deutschem Gebiet verlief die Expedition
Peters', welche ihren eigentlichen Zweck, Emin Pascha in Wadelai Hilfe zu bringen, freilich ganz verfehlte.
In Band 17 hatten wir dieselbe bis in die Gegend des Kenia begleitet. Hier, am obern Tana, wo sie in Oda Borru Ruwa eine Station
errichtete, hatte sie unerforschtes Gebiet gekreuzt; weiterhin aber bewegte sie sich seit November 1889 durchweg auf schon
bekanntem: sie zog vom Baringosee nach Uganda, fuhr an der Westküste des Victoria Nyanza hin bis zu dessen
Südspitze und zog dann durch Unjamwesi, Ugogo und Deutsch-Ostafrika nach der Küste. Am traf der Reisende in Sansibar
[* 29] ein.
Madagaskar.
[* 30] Die von der französischen Regierung entsandte Expedition des Marinearztes Catat und des IngenieursFoucart
(vgl. Bd. 17, S. 13), denen sich Maistre anschloß, während Foucart später ausschied, hat 2. Jahre lang,
1889-90, die Insel durchzogen, namentlich die östliche Hälfte, von der Bai Antongil im Norden an bis FortDauphin im Süden,
also fast in ihrer ganzen Erstreckung. Auch kreuzten sie die ganze Breite
[* 31] der Insel, indem sie die Westküste in Modschanga
berührten. Sie haben namentlich wichtige geographische Entdeckungen, naturwissenschaftliche und ethnographische
Beobachtungen gemacht. Endlich unternahm der englische Missionar F. O. McMahon im J. 1888 zwei Reisen zu dem Sakalawenstamm der
Betsiriry im westlichen Madagaskar durch bisher ganz unerforschte Gebiete; doch waren beide, wissenschaftlich wie vom Missionsstandpunkt
aus, erfolglos.
Unlängst beendete J. Makerow seine zweijährigen geologischen Forschungen im Sajanischen
Gebirge, dem Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei, wobei er sein Augenmerk besonders auf das Goldvorkommen gerichtet
hat. Im Sommer und Herbst 1889 bereiste Jelissejew das russische Ussuriland und Teile der benachbarten Mandschurei zu anthropologischen
Zwecken und namentlich zur Untersuchung knochenführender Höhlen. Im Ussurigebiet fand er über 16,000
russische Ansiedler, meist Kleinrussen aus den Gubernien Poltawa und Tschernigow, die sichtlich gedeihen. - Die Bestrebungen,
einen Seeweg nach der sibirischen Nordküste zu eröffnen, sind 1890 erfolgreich gewesen; die von England ausgefahrenen Schiffe
[* 32] haben den Jenissei erreicht.
Hier wird der Hochgebirgsforschung, wie sie jüngst namentlich von englischen und einzelnen
magyarischen und italienischen Alpinisten in Angriff genommen worden ist, seit 1886 kräftig von den offiziellen Mappeuren
unter General Shdanow vorgearbeitet, nachdem die Fehlerhaftigkeit der ältern Karte (in 1:210,000) im Hochgebirge erkannt und
eine Neuaufnahme seitens des Generalstabs angeordnet worden war. Die Aufnahmen (in 1:42,000) umfassen bis jetzt die
südlichen und östlichen Abhänge des Elbrusmassivs, das nördliche Gebiet des gletscherreichen obern Bessingithals mit
den mächtigen
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