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Die meisten Obstarten sind Fremdbefruchter, das heisst es entstehen nur Früchte, wenn die Blüten mit Pollen einer anderen Sorte bestäubt werden. Wird aber die Blüte eines Baumes der Sorte A mit den Pollen eines Baumes der Sorte B bestäubt, entwickeln sich später aus den Kernen Bäume, die Eigenschaften der Sorte A und B vereinen.
Das haben schon die alten Griechen und Römer gewusst und deshalb die Pfropfkunst entwickelt. Mit dieser Technik lassen sich Bäume so vermehren, dass die Sorteneigenschaften erhalten werden.
Die allermeisten Obstsorten werden deshalb nicht über Samen vermehrt, sondern über Edelreiser. Dies ist ein Zweig, der vom Baum der gewünschten Sorte abgeschnitten wird. Der Edelreiser wird dann auf einen bestehenden Baum gepfropft – auch Veredeln genannt.
So ist es denn auch möglich, dass heute noch Sorten bestehen, die aus der Römerzeit stammen, so etwa die kleine Birne „Sept-en-gueule“ und der Sternapi. Von diesen Sorten muss es also während 2’000 Jahren immer irgendwo einen Baum gegeben haben, der durch Veredeln weitervermehrt wurde.
Es können auch Reiser verschiedener Sorten auf einen Baum gepfropft werden. So entstehen die so genannten Mehrsortenbäume. Sie tragen Früchte mehrerer Sorten.
Zur Ausrüstung beim Pfropfen gehört ein scharfes Pfropfmesser, eine Baumschere und -säge sowie Bast und Baumharz.
Und es braucht eine Unterlage sowie Edelreiser. Diese sollten gut ausgereifte, einjährige Triebe von gesunden, virusfreien Bäumen sein. Die Reiser für die Frühjahrsveredlung werden im Verlaufe des Dezembers oder Januars geschnitten und anschliessend kühl gelagert.
Es gibt verschiedene Methoden, um einen Baum zu veredeln. Die Wahl der Methode hängt von der Dicke der Reiser und der Unterlage ab sowie auch von der Jahreszeit. Das Rindenpfropfen ist eine häufig angewandte Methode, um Hochstamm-Bäume im Feld zu veredeln oder eine zusätzliche Sorte aufzupfropfen.
Beim Umpfropfen von Obstbäumen wird vor allem das Rindenpfropfen im Frühjahr praktiziert. Für diese Methode müssen die Bäume im Saft sein, damit sich die Rinde gut löst. In der Regel ist das um die Blütezeit Ende April. Am Edelreis wird ein flacher Keil angeschnitten. Zum Einsetzen des Edelreises wird am Pfropfkopf ein senkrechter Schnitt in die Rinde gemacht und ein Rindenflügel gelöst. Das Edelreis wird eingeschoben und die Veredlung mit Bast festgebunden (Bild). Danach werden die Schnittstellen mit Harz luftdicht verstrichen.
Die Kopulation ist eine einfache Methode. Voraussetzung ist allerdings, dass das
Edelreis und die Unterlage gleich dick sind. Die Schnittflächen
sollen möglichst lang sein und können mit einer Gegenzunge versehen werden.
Diese Methode kann unabhängig davon verwendet werden, ob die Triebe im Saft sind
oder in der Winterruhe.
Mit dem Geissfussverfahren können auch in dünne Pfropfköpfe kräftige Edelreiser
eingefügt werden. Das Geissfusspfropfen kann schon vor dem Austrieb erfolgen, ohne
dass die Bäume im Saft sind. Dieses Verfahren eignet sich besonders gut für die Herbstveredlung
von Kirschen sowie im Frühjahr bei Zwetschgen, wenn sich die Rinde schlecht
löst. Beim Geissfusspfropfen muss besonders vorsichtig gearbeitet werden, um Unfälle zu vermeiden.
Mit dem Anplatten können kahle Stellen an älteren Bäumen wieder mit Fruchtholz
bekleidet oder Wunden am Baum überbrückt werden.. Ein L-Schnitt ermöglicht
das Anheben der Rinde, so dass das Edelreis darunter geschoben werden kann.
In den Baumschulen sind die Okulation und das Chippen die gebräuchlichsten Methoden zur Herstellung von Jungbäumen.