Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03527.jsonl.gz/3864

gegen S. abnimmt; es besteht, soweit es erforscht ist, aus ausgedehnten, bis auf oasenartig zerstreute und bewässerte Stellen
großenteils wüsten Ebenen, die von hohen, bis in die Schneeregion reichenden Gebirgsketten (Sierra de Famatina, PiksPalo, de
Gualampaja, von Tucuman und Catamarca) durchzogen werden, und geht nördlich in das Hochland von Bolivia
über. Die Sierra de Cordova und die Sierra de San Luis im SO. liegen getrennt davon und von Ebenen umgeben. Den charakteristischen
Hauptzug des Gebiets bilden große Tiefebenen, die sich nach dem Atlantischen Ozean hin immer mehr verflachen.
Gegen die Abhänge der Kordilleren hin sind große Striche mit niedrigen Bäumen und Sträuchern bewachsen, ein nicht geringer
Teil ist öde und wüst. Doch gibt es in den La Plata-Staaten auch sehr fruchtbare Gegenden, namentlich
auf der Ostseite des Parana und in den Gebirgsstrichen des nordwestlichen Teils, wo eine reiche, üppige Vegetation herrscht.
So zieht sich westlich vom Rio Salado eine von NW. nach SO. abfallende Ebene hin, deren nördlicher, mehr hügeliger Teil, die
Ebene von Tucuman, einer der schönsten und fruchtbarsten Landstriche Südamerikas ist, während die südlich
davon gelegene Strecke zwischen dem Rio Salado und dem RioDulce bis zum Parana hin eine fast vegetationslose Wüste bildet. Westlich
davon breitet sich bis zum Fuß der Anden eine heiße Salzsteppe aus, LasSalinas genannt, welche außer Salz
[* 14] und Salzpflanzen
fast nichts hervorbringt und, obgleich 1100 km vom Meer entfernt, kaum 700 m über dessen Spiegel
[* 15] liegt.
Das Klima
[* 20] ist in dem so weit von N. nach S. ausgedehnten Land natürlich verschieden, im allgemeinen
aber gesund. In den nordöstlichsten Teilen herrscht das Tropenklima; die Regenzeit fällt hier in die Sommerzeit, während
der Winter ganz regenlos ist. Die südlichsten Striche reichen bereits in die antarktische Zone; in der Küstenregion herrscht
ein mildes Küstenklima mit verhältnismäßig geringen Temperaturwechseln. Im Mittel entspricht das Klima
dem des südlichen Europa.
[* 21]
Buenos Ayres
[* 22] hat bei einer mittlern Jahrestemperatur von 17,2° C. eine Julitemperatur von
10,4 und eine Januarwärme von 24,3° C. Regen ist im ganzen im Frühling am häufigsten, im Winter am seltensten; die mittlere
Regenmenge beträgt bei Buenos Ayres jährlich 870 mm. Schnee fällt sehr selten, und wenn es drei oder
vier Tage nacheinander friert, so heißt der Winter streng. Die Winde
[* 23] sind heftiger als in den nördlichen Gegenden, besonders
häufig wehen die heißen Nordwinde (Viento Norte, Zonda). Die von den Kordilleren über die Pampas streichenden Südwestwinde
(Pamperos) treten zwar nicht selten als furchtbare Orkane auf, kühlen aber die Luft ab und üben einen wohlthätigen Einfluß
auf die Gesundheit. In denGebirgen wechselt das Klima nach der Erhebung.
Wein wird bereits jetzt in ausgedehnten Gebieten produziert und dürfte in der Zukunft eine große Wichtigkeit erlangen.
Der Obstbau hat seinen Hauptsitz in den ProvinzenMendoza, San Juan, Rioja und Tucuman;
Die Ausfuhr von Rinderhäuten hat bedeutend abgenommen, eine Folge des Aufschwungs der einheimischen Gerbereien;
doch wurden 1883 immer noch gegen 2 Mill. Stück exportiert. Neben der Rindviehzucht wird die Pferdezucht
[* 49] stark betrieben.
Das argentinischePferd ist klein und von grobem Bau, aber gelehrig, schnell, sehr ausdauernd und steht allgemein im Gebrauch;
wild kommt es ebenfalls nur noch in kleinen Trupps im S. vor. Die Herden bestehen zumeist aus Stuten (zur
Züchtung) und aus jungen Pferden, die im 3. oder 4. Jahr mit dem Lasso eingefangen und zugeritten werden.
Von den Stuten werden viele um ihrer Haut
[* 50] und ihres Fettes willen getötet, aus dem man ein Brennöl (Potro) bereitet. Die
Zahl sämtlicher Pferde
[* 51] beträgt nahezu 4 Mill., die der ausgeführten Häute 1883: 259,367 Stück, dazu
1,535,247 kg Pferdehaare. Die Maultierzucht ist hauptsächlich in den bergigen Gegenden (in den ProvinzenMendoza, Cordova, Tucuman)
bedeutend, wo sie einen Haupterwerbszweig ausmacht. Die Tiere werden in ganzen Herden nach Chile und Peru geführt.
Man gebraucht die Esel fast ausschließlich zu dieser Zucht. Die Zahl der Esel und Maulesel beläuft sich
auf etwa 200,000. Die Schafzucht treibt man erst seit neuerer Zeit (besonders seit Einführung von französischen Merinos
und neuerdings von feinwolligen Schafen aus Deutschland) mit größerm Eifer und mit solchem Erfolg, daß sie schon jetzt weitaus
den Hauptzweig der volkswirtschaftlichen Thätigkeit des Landes bildet. Die Wolle ist fein, aber nur von
mittlerer Stärke
[* 52] und, weil mit den stachligen Früchten einer sehr häufigen Pampaspflanze vermischt, schwer zu reinigen.
Die Reinigung geschieht gewöhnlich in Europa. Der Wollexport, welcher 1853 etwa 8 Mill. kg betrug, hatte 1883: 118,403,668
kg erreicht, wovon ein äußerst
¶
[* 2] Republik. Die Bevölkerung ist seit 1869 nicht gezählt worden. Sie betrug damals 1,830,214 Seelen, wurde
für Ende 1886 von Latzina auf 3,203,720 Köpfe geschätzt und war bis Anfang 1891 wohl auf 4 Mill. angewachsen. Die größten
Städte sind Buenos Ayres mit 561,160 Einw. Cordova mit 66,247 Einw. im J. 1887 und La Plata
mit 50,803 Einw. im J. 1888. Die Einwanderung ist in den jüngsten Jahren rasch gestiegen. Es wanderten ein und aus:
Dazu kamen die Unredlichkeit der Beamten und die Spekulationswut der herrschenden Gesellschaftsklassen,
welche Aktiengesellschaften und Banken in Masse errichteten. Namentlich beliehen die Hypothekenbanken den Grundbesitz in so leichtsinniger
Weise, daß ihre Pfandbriefe (cedulas) plötzlich stark im Kurse sanken, öfter auf weniger als die Hälfte des Goldwerts. Das
Goldaufgeld stieg so hoch, daß man 300 PesosPapier für 100 PesosGold bezahlen mußte. Obwohl der PräsidentCelman selbst auf Kosten des Landes sich nicht bereichert hatte, so hatte er doch gegen die eigennützigen Umtriebe seiner Beamten
große Schwäche gezeigt und daher den allgemeinen Unwillen auf sich gezogen.
In der Rede, mit welcher der Präsident Pellegrini den argentinischenKongreß eröffnete, wußte er auch nichts
zu sagen, als daß die Regierung jeder neuen Ausgabe von Papiergeld entschieden abgeneigt sei und eine eingehende
Untersuchung der thatsächlichen Lage der Banken vorschlage, um sowohl ohne Einschreiten der Regierung als ohne Auflösung der
Banken eine Neugestaltung derselben zu ermöglichen; infolge der Einführung des Silbers als Münzfuß würden wichtige Änderungen
in der Organisation des Finanzwesens notwendig sein. Gleichwohl beschloß der Kongreß im September mit großer
Mehrheit die Ausgabe von 45 Mill. Papiergeld und die Einführung des Zwangskurses. Um das Unglück voll zu machen, wurde Argentinien 1891 auch
noch von einer verheerenden Heuschreckenplage heimgesucht. Bereits im Oktober sah sich der Kongreß genötigt, seine Beschlüsse
zurückzunehmen, um den Staatskredit nicht völlig zu untergraben.
Außerdem aber beanspruchte die Argentinische Republik seit 1843 auch Patagonien gegen Chile, bis ein zwischen beiden Regierungen getroffenes
Übereinkommen die West- und Südgrenze folgendermaßen festsetzte: Bis zum 52. Breitengrade bildet die
Wasserscheide der Cordilleren die Grenze; die Südgrenze läuft vom KapDungeneß (Virgenes) im O. der Magalhãesstraße bis
zum Durchschnitt des 70.° westl. L. von Greenwich und des 52. Breitengrades und folgt dann letzterm
bis zur Wasserscheide der Anden. Außerdem gehören zur Argentinische Republik die Osthälfte Feuerlands und alle im Atlantischen
Ocean an der Ostküste Feuerlands und Patagoniens gelegenen Inseln, während Chile alle Inseln im E. des Beaglekanals bis zum
Kap Hoorn und im W. des Feuerlands zuerkannt wurden. Die Magalhãesstraße ward auf immer für neutrales Gebiet erklärt und
die Schiffahrt durch sie allen Nationen freigegeben.
1) Das westl. Grenzgebiet gegen Chile in seiner ganzen Erstreckung erfüllen die Cordilleren (s. d.) oder
Anden. Sie ziehen von S. bis 41° südl. Br. als Grenze in einer Kette (bis 2400 m Höhe), senden nördlich
des Lago Nahuel Queräste nach O. (Palau Mahuida 3340 m) und erreichen dann größere, meist vulkanische Höhen (Tupungato 6178 m,
Aconcagua 6970
m, Cerro del Cobre 5580 m, Copiapo 6000 m). Von Übergängen ist der wichtigste der Cumbrepaß (33°) westlich
von Mendoza in 3900 m Höhe.
Von hier ab nordwärts verzweigt sich das Gebirgssystem und läßt auf argentin. Gebiete ausgedehnten
Plateaus von etwa 4000 m Höhe und zahlreichen Vorketten Raum, die den nordwestl. Teil des Landes erfüllen. Von den einzelnen
Ketten sind die Züge der Sierren Ancaste, Ambato und (unter 23° südl. Br.) Aconquija (bis 4650 m Höhe), die
der Sierra Famatina (6020 m) und Gulumpaja wichtig. Beide Züge vereinigen sich zu einer fruchtbaren und dicht bevölkerten
Hochfläche, der fast quadratischen 180 km breiten Puna de Jujuy mit Gipfeln bis 6000 m. 2) Östlich von diesem Hochland der
Andenregion dehnt sich, im N. über den Pilcomayo nach Bolivia übergreifend, im S. von dem Rio Juramento
oder Salado scharf begrenzt, der Gran
[* 74] Chaco (s. d.) aus, das Jagdgebiet der Indianer. Nördlich vom Rio Vermejo, der das Plateau
von Jujuy entwässert, der Chaco Central, ein 300 m hohes feuchtes Wald- und Weideland, südlich von ihm der Chaco Austral,
ein wasserarmer sumpfreicher Landstrich.
3) Im O. grenzt an dieses Gebiet das Zwischenstromland, einem leicht gewellten Alluvionsboden zwischen dem Parana (Paraguay
im N.) und dem Uruguay (s. d. und La Plata), das reichlich bewässert, fruchtbar und an den
Flußufern sowie in der SierraCentral de las Misiones im NO. (250 m) dicht bewaldet ist.
4) Die Region in der Mitte des Landes wird charakterisiert durch ein in drei geschlossenen Zügen von N.
nach S. ziehendes, alleinstehendes Gebirge aus Granit, Gneis und Quarz, die Sierra de Cordoba
[* 75] (bis 2350 m hoch), der sich im
W. die Sierra S. Luis vorlagert. Dieser Gebirgszug ist rings von unwirtlichen Salzwüsten und Lagunen
umgeben: im O. liegt z. B. das Mar Chiquita, die Laguna de los Porongos und Laguna Barrosa,
im NW., W. und S. dehnen sich, von Travesias (Sandwüsten) oder Medanos (wandernden Dünen) unterbrochen, die Salinas Grandes
(196 m), die Pampa de las Salinas (350 m) zwischen Sierra S. Luis und Sierra de la Huerta und die Laguna
Bebedero über gewaltige Flächen aus. Von den zahlreichen Flußläufen, z. B. Rio Atuel und Salado inMendoza, Rio Vermejo in
SanJuan, Saladillo in Santiago erreichen nur zwei, der Rio Tercero und Rio Cuarto oder Carcarañal, an der Ostseite der Sierra
de Cordoba, den Parana. Gänzlich wasserlos sind im S. von S. Luis die Travesia Grande und Travesia Puntana.
5) Allmählich geht diese Region nach S. zu, und zwar im O. rascher als im W., in die grasreichen Landschaften der Pampas
(s. d.) über. Diese ist mit unzähligen kleinen Lagunen bedeckt, die nur in der
Nähe der Küste kleinen Flußläufen Raum gewähren.
6) Von den Andenströmen Rio Colorado oder Rio Negro südlich (etwa 39° südl. Br.) beginnt das große Gebiet von Patagonien
(s. d.). Seine von dem Gebirgskamme nach O. sanft geneigten tertiären Kiesterrassen
werden von wenigen Flüssen (darunter der Chubut) zum Atlantischen Ocean entwässert.
Klimatische Verhältnisse. Der Norden
[* 76] des Landes wird von der Isotherme vom 22.° geschnitten, während Feuerland nur 6° mittlere
Jahrestemperatur hat. Außerdem nimmt die Wärme
[* 77] nicht regelmäßig von Norden gegen Süden, sondern mehr gegen Südosten
ab, und ebenso wird das Klima von Osten nach Westen extremer, so daß namentlich die
¶
mehr
Ebenen am Ostfuße der Anden ein hohes Klima haben (San Luis: Januar 24,7°, Juli 7,9°). In der Tiefebene findet sich ein Küstenklima,
in dem das Thermometer
[* 79] selten über +35° C. steigt und selten einige Grad unter Null fällt. In Buenos-Aires ist die mittlere
Temperatur des wärmsten Monats 24°, des kältesten 10°. Die Sonnenhitze ist anhaltend; der Frost dauert
nur ganz kurze Zeit. Nach den häufigen Gewittern und dem Süd- und Süwestwinde ändert sich die Temperatur in der Regel plötzlich,
so daß Temperaturwechsel von 20° in einem Tage nicht selten sind. Da der Winter so milde ist, kann man eigentlich nur
eine warme und eine kühle Jahreszeit unterscheiden, erstere von Oktober bis Mai, letztere von Mai bis September dauernd.
Die wegen der starken und anhaltenden Winde unangenehmsten Monate sind September und Oktober. Auf die heißen Tage folgen, auch
im Sommer, stets kühle Nächte; nur in den nördl. Gegenden wird die Wärme
ermattend, und im Chaco steigt die Temperatur wochenlang am Tage über 37°, ohne daß die Nächte hinreichende Abkühlung gewähren.
Der Herbst ist sehr gleichmäßig warm und ziemlich feucht. Im Juli bis August, also im Winter, schwankt das Thermometer zwischen 9 und
14° C. Selten ist die Luft still. So z. B. weht im Ästuar des La Plata
der Südostwind sieben Monate hindurch.
Virazon nennt man in den La Plata-Gegenden den während der zweiten Hälfte der Nacht wehenden Landwind und den während der
zweiten Hälfte des Tages wehenden Seewind. Der Pampero, ein kalter aus den Anden kommender Südwestwind, ist äußerst trocken,
und ihm schreibt man das außerordentlich gesunde Klima der La Plata-Gegenden zu. Wird der Südost sehr
stark und bringt er Gewitter, so heißt er Suestadas; heftige Regen begleiten ihn. Die Monate Januar bis März ausgenommen,
fällt das ganze Jahr hindurch starker Tau.
Äußerst unregelmäßig ist die Regenverteilung; die jährliche Regenmenge zu Buenos-Aires schwankt zwischen 455 und 1394 mm,
ebenso ist die Verteilung auf die verschiedenen Jahreszeiten
[* 80] sehr ungleich. Der meiste Regen fällt beim Wechsel der warmen
und kühlen Jahreszeit. Nachts regnet es häufiger als am Tage, und zuweilen fallen ungeheure Wassermengen. Die Gewitter sind
dann und wann von sehr starken Hagelschlägen begleitet. Je weiter nach Norden, desto trockner wird der
Winter, und desto reichlicher fallen die Sommerregen.
Der starke, anhaltende Nordwind, Zonda genannt, ist in den Ebenen der Samum der Travesias oder Wüsten. Dagegen hat die innere
Ebene ein sehr trocknes Klima mit Temperaturextremen von +32 und -4°. Die überreichen Regen, die im Oktober
und November in Tucuman und Santiago del Estero fallen, veranlassen die großen Überschwemmungen des Dulce, Juramento, Vermejo
und Pilcomayo. Dort fällt im November wohl doppelt soviel Regen als im ganzen übrigen Jahre. Die größten Regenmengen haben
die nördl. und nordöstl. Gebiete, die geringsten von nur 100 bis 200 mm jährlich der Ostfuß der Anden,
die Gegend von Mendoza. Ganz allgemein nimmt die Regenmenge von den Anden gegen die Küste zu ab, im südl. Teile des Landes in
derselben Richtung aber zu; die Grenze beider Gebiete bildet der Rio Colorado.
Pflanzenwelt. Die argentin. Flora wird nach Professor Lorentz in Cordoba in neun verschiedene Abteilungen geteilt: Formation
der antarktischen Hölzer, patagon. Formation, Pampasformation, Chañarformation, subtropische Formation, Punaformation,
Chacoformation, Paraguay- und mesopotamische Formation. Erstere Formation reicht etwa bis zum 39.° nördl.
Br., wahrscheinlich bis dahin, wo das Festland nach N. hin sich verbreitert, und ist gekennzeichnet durch Buchenwälder.
Die Hügel, die dem Winde ausgesetzt sind, tragen nur Brombeergesträuch und Gestrüpp. Die patagon. Formation ist eine Mischung
von Kräutern, Stauden und Bäumen. Die Pampasformation ist der Gegensatz zu der vorigen, sowohl in petrographischer
als phytologischer Hinsicht. Die Gräser
[* 83] herrschen vor, und holzartige, dem Gebiete eigentümliche Pflanzen fehlen vollständig.
Diese Formation ist mehr vom Regen begünstigt als die Chañarformation, die sich der patagon. durch ihre Trockenheit und
das Vorherrschen holziger Pflanzen nähert und die den Provinzen Cordoba, Santiago, Catamarca, La Rioja,
SanJuan, Mendoza und San Luis eigen ist.
Sie besteht besonders aus Brombeeren, Gehölz und Gestrüpp. Nach den Dornengewächsen heißt sie auch Espinalregion. Diese
Espinales verlieren jenseit des 40.° südl. Br. allmählich ihren immerhin noch mannigfaltigen Wuchs und laufen in die Geröllflächen
Patagoniens (s. d.) aus, die so gut wie ganz der Kulturansiedelungen
entbehren in solchen Breiten, wo der Norden Amerikas seine reichen Gefilde von Oregon und Neuengland ausbreitet, und der Süden
an der andern Küste durch den Waldreichtum Valdiviens ausgezeichnet ist.
Die subtropische Formation bildet den Garten
[* 84] der Argentinische Republik durch die Pracht ihrer Ländereien und ihre erstaunliche Fruchtbarkeit.
Man unterscheidet mehrere Zonen, nämlich die des subtropischen Waldes, die in den untern Gebirgsstrichen herrscht;
die des
Parklandes, dort wo die Berge in die Ebene übergehen;
die des Quebracho Colorado (LoxopterygiumLorenzii Griseb.) in noch tiefern Gegenden, so
genannt nach einem prächtigen Baume mit dichtbuschiger Krone, dessen Holz
[* 85] für die Industrie hochwichtig
ist;
die der Erle und der Quiñoa, einer Rosacee, in den Bergen
[* 86] und über diesen die Zone alpiner Prärien.
Die Punaformation
finden wir über letzterer Zone in den Cordilleren-Regionen,
¶
mehr
eine ärmliche Flora, zusammengesetzt aus Gebüschen von riesigen Actäen und kümmerlicher Kräutervegetation. Wenig östlich
von den Cordilleren beginnt die Chacoformation. An Stelle der subtropischen Büsche treten Bäume von geringer Höhe, das Gestrüpp
ist höher. Gehölz und Gestrüpp wechselt ab mit Grasflächen. Die Paraguayformation breitet sich im Norden der Provinz Corrientes
und auf dem Territorium der Missionen aus und ist wenig bekannt. Gehölze, ähnlich denen der subtropischen Formation, bedecken
diese Gebiete.
In denProvinzen Corrientes und Entre-Rios herrscht die mesopotamische Formation, die von den Pampas durch eine große Anzahl
von Bäumen und Büschen abweicht. Gehölze und Gestrüpp fehlen nicht. Der Ackerbau ist noch wenig entwickelt,
da die Viehwirtschaft besser lohnt als die Bodenkultur. Nur wenige Bodenprodukte kommen in den Handel, doch ist der Getreidebau
im Zunehmen. Die Grundlagen der Kultur oder der Gewinnung wildwachsender Produkte sind naturgemäß nach den fünf unterschiedenen
Regionen sehr verschiedenartig. In Entre-Rios bestehen noch die Kulturbedingungen des südl. Brasilien,
und die von Ilexarten herstammenden Yerba-Mateblätter des sog. Paraguaythees werden gesammelt. In den Pampas ist unter Bewässerung
Gemüse- und Getreidebau lohnend; die subtropische Waldregion zieht Mandioca und Bananen, in den Anden die Cocablätter (von
ErythroxylonCoca Lam.),
die obere Puna die Quiñoa oder nordisches Getreide. Insofern ist der Wert des Landes in der Argentinische Republik sehr
ungleich, und große Strecken sind außerdem durch die Salzwüsten dauernd kulturunfähig.
Tierwelt. Belebt werden die Pampas durch zahlreiche Herden verwilderter Rinder und Pferde, Hirsche
[* 88] und Strauße (Avestruz genannt).
Hauptsächliche Säugetiere der Argentinische Republik sind sieben Fledermausarten, der Jaguar oder die Unze in den Wäldern
an den großen Strömen, der Pumalöwe, die überall verbreitete Felis Geoffroyi Gerc., der große rote Wolf oder Aguara (Canisjubatus Desm.),
der große Fuchs
[* 89] oder Culpeus (Canismagellanicus Gray) und der Zorro (CanisAzaraeWied. und gracilis Gray), der Huron (GalictisvittataBell.), das Chincha(Mephites patagonicus Lichtenst.).
Ferner: ein Fischotter,
[* 90] die Comadrija (Didelphys Azarae Rengg.), Ratten- und Mäusearten, Pampashasen (Dolichotis patagonica
Wagn.), Iguanas und Viscachas, Meerschweinchen, Gürteltiere, Lamas und Vicuñas u. s. w. An Vögeln sind hervorzuheben: verschiedene
Kolibri- und Papageienarten, der häufig vorkommende Rohrhordenvogel (Agelaeus thilius Molin), der Tordo (Icterus sericeus
Wied.), der häufigste Vogel des Landes, u. s. w. Auch finden sich mehrere Schildkröten,
[* 91] Saurier-,
Schlangen- (auch Klapperschlangen) und Froscharten. Mosquitos und Sandflöhe (Nigua) sind Insekten,
[* 92] die hier den Menschen äußerst
lästig werden.
Das Nutzvieh, dessen Zucht für das Land von so großer Wichtigkeit ist, haben erst die Spanier eingeführt, und zwar zunächst
das Pferd, sodann 1553 die ersten Rinder. Von diesen eingeführten Tieren stammen die unermeßlichen Herden
der Pampas, in denen sich das Vieh seit Anfang des 17. Jahrh. verbreitete. Gegen die Mitte
des 18. Jahrh. wurde schon 1 Mill. Häute aus den La Plata-Gegenden ausgeführt; damals tötete man die wild in den Ebenen
umherschweifenden Tiere nur wegen ihres Felles.
Jetzt trägt der größte Teil des Viehs das Zeichen seines Besitzers und
wird unter den Augen behalten. Die Zahl der Pferde,
von denen ehemals ebenfalls ganze Herden verwildert waren, hat sehr abgenommen. Dieselben schweifen noch setzt, wie das Rindvieh,
frei umher, bis man sie einfängt, um sie zu gebrauchen. Der Gaucho fängt die Pferde mittels des Lasso
oder der Bolas. Der Esel ist für die Zucht der Maultiere von Bedeutung, die als Lasttiere von den Estancias nach den verschiedensten
Seiten hin in Menge ausgeführt werden.
Mit der Zucht der Schafe beschäftigt man sich erst in neuerer Zeit ernstlicher. Ziegen sind sehr verbreitet,
namentlich beim armen Volke. Das sich schnell vermehrende Lama ist in den Anden Haus- und Lasttier. Schweine zieht man wenig,
Federvieh überall. Auch Bienen-, Seiden- und Cochenillezucht findet sich hier und da. Zu den Ausfuhrartikeln aus dem Tierreiche
gehören die Felle des Fischotters und des Chinchilla, erstere namentlich aus der Laguna de los Porongos,
letztere aus den Anden auf der boliv. Grenze, sodann Straußfedern, Wachs und Honig. Die großartigste Ausbeute aber liefert
die Rindviehzucht. Es giebt Saladeros oder Schlachthäuser, die täglich 400 Stück Vieh schlachten. 1893 gab es in der Argentinische Republik etwa 80000000
Schafe, 1 960000 Ziegen, 22000000 Rinder, 5 200000 Pferde, 450000 Esel und Maultiere, 405000 Schweine u. s. w.
Am stärksten ist die Viehzucht in den ProvinzenEntre-Rios, Buenos-Aires, Santa Fé, Corrientes, Cordoba.
Bevölkerung. Der Census vom Dez. 1869 ergab 1 812 490 E., mit Ausschluß der Indianer, deren Zahl man in Chaco und in
Patagonien zusammen auf etwa 80000 rechnete. Die Einwohnerzahl wurde amtlich (1888) auf 3 807 530,
von Latzina (1889) auf 3 874000 geschätzt, darunter 400000 Italiener, 150000 Spanier, 150000 Franzosen, 35000 Engländer, 25000 Deutsche
und 300000 Mischlinge. 1892 berechnete man schon 4 257000 E. Am dichtesten bevölkert (über 50 E. auf 1 qkm)
ist die Umgebung der Hauptstadt Buenos-Aires; viel geringer die Umgebungen der übrigen Städte mit 20-30 E. auf 1 qkm, dann
die Landschaften an den großen Strömen, sowie die ProvinzenSan Luis, Cordoba, La Rioja, Mendoza, Santiago und besonders Tucuman,
Jujuy, Salta. Dagegen sind der Chaco, die Pampas und Patagonien so schwach bevölkert, daß auf dieselben
weniger als ein Bewohner auf 10 qkm kommt. - Von einheimischen Indianerstämmen hausen im Becken des La Plata im NO., im Territorio
de Misiones Occidentales, zwischen den FlüssenUruguay und Parana, die sehr friedlichen Guayana und die Tupi, die Reste der alten
Tupinamba Brasiliens und der Guarani.
Im N. am Paraguay wohnen die Guato, die auf den Flüssen leben und fast alle portugiesisch sprechen; ferner die Guana und die
mit diesen eng verbundenen Mbaya. Im Chaco schweifen zwischen dem Pilcomayo und dem Paraguay die verwandten Stämme der Guaycuru,
Lengua und Toba, volkreiche aber wilde Stämme, die noch in jüngster Zeit durch die Ermordung des Reisenden
Creveaux sich einen traurigen Namen gemacht haben. Südlich vom Pilcomayo am Rio Vermejo leben die unberittenen Stämme der
Lule und der Vilela und die Mataco, die auch nach den Pflanzungen auf Arbeit ziehen. Die Chiriguano, ein zur großen
Guaranfamilie gehöriger Stamm, wohnen auf den östl. Abhängen der Anden und im Chaco. Diese Indianer, in Bolivia Camba genannt,
sind in Viehzucht und Ackerbau sehr vorgeschritten. Die immer
¶