Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03114.jsonl.gz/3602

Basel verpflichtet Seydou Doumbia leihweise für ein Jahr. Mit dem FCB will der ivorische Stürmer endlich die Schweizer Meisterschaft gewinnen.
Willkommen zurück in der Schweiz, Herr Doumbia. Haben Sie die Super League vermisst?
Seydou Doumbia: Ich spielte seit meinem Abschied bei den Young Boys vor sechs Jahren in vielen verschiedenen Ligen in Europa. Jede einzelne Liga hat etwas Eigenartiges, etwas Spezielles. Natürlich auch die Super League. Ich freue mich, wieder hier zu sein.
Warum haben Sie sich für den FC Basel entschieden?
Ich habe während meiner Zeit hier die Schweiz sehr schätzen gelernt. Mir gefällt es hier sehr gut und ich wusste schon bei meinem Wechsel nach Moskau: Hierhin möchte ich irgendeinmal wieder zurückkehren. Als ich das Angebot des FC Basel erhalten habe, musste ich nicht lange darüber nachdenken.
Es gab ja bestimmt auch andere Angebote.
Ja, die gab es. Die AS Roma wollte mich eigentlich für viel Geld nach China verkaufen. Auch ein Angebot aus Katar lag vor. Das waren für mich aber keine Optionen. Ich wollte in einer Liga spielen, die mich auch sportlich fordert.
In China oder Katar kann man gut Geld verdienen.
Das stimmt. Die Saläre in diesen Ländern sind enorm hoch. Aber ich bin lieber glücklich, als dass ich im Geld schwimme. Das Wohlbefinden meiner Familie ist mir wichtiger als Geld. Die Schweiz ist der ideale Ort für meine Familie. Mein Bruder spielt bei Servette, jetzt habe ich auch die Möglichkeit, ihn wieder öfter zu sehen. Ich habe auch noch viele Freunde in der Schweiz aus meiner Zeit bei den Young Boys.
Von den Young Boys wechselten Sie in die russische Liga, wo Sie mit ZSKA Moskau sehr viel Erfolg hatten: 95 Tore in 150 Spielen. Wie war diese Zeit in Russland für Sie?
Ich habe meine Zeit in Russland in sehr guter Erinnerung. Ich bekam, wie zuvor in der Schweiz, sehr viel Spielzeit, und es gelangen mir viele Tore. Ich fühlte mich sehr gut integriert in der Mannschaft und verstand mich ausgezeichnet mit den Russen. Die Sprache habe ich leider nie erlernt, wie während meiner Zeit in Japan. Mir stand aber ein Dolmetscher zur Verfügung, mit dem ich auch den Grossteil meiner Zeit verbrachte. Er wurde in Moskau fast wie ein Bruder für mich.
Hatten Sie keinen Kulturschock? Die Schweiz und Russland sind ja schon zwei sehr verschiedene Länder.
Natürlich, es besteht schon ein Unterschied zwischen den Ländern. In der Schweiz sprechen die meisten Leute Französisch, was in Russland nicht der Fall ist. Das machte die Kommunikation schwierig. Ich hatte auch viele Freunde in der Schweiz, mit denen ich mich austauschen oder gemeinsam etwas unternehmen konnte, wie zum Beispiel Gilles Yapi.
Das fehlte mir in Russland. Ich konnte mich aber sehr schnell in die Mannschaft integrieren, das half mir enorm. Ich fühlte mich schnell wohl in Moskau. Das half mir auch, auf dem Platz die nötige Leistung zu zeigen.
Nach Ihrer erfolgreichen Zeit mit ZSKA Moskau wechselten Sie nach Rom. Dort gelang Ihnen der Durchbruch nie. Wieso?
Vor meinem Wechsel nach Rom hatte ich mit der ivorischen Nationalmannschaft die Afrika-Meisterschaft gewonnen. Es war der erste Erfolg seit 22 Jahren für die Elfenbeinküste. Wir feierten zehn Tage lang durch. Im Anschluss ging es direkt zur AS Roma.
Als ich dort ankam, musste ich, aufgrund von vielen verletzen Mitspielern in der Mannschaft, zwei Tage nach meiner Ankunft das erste Pflichtspiel für Rom bestreiten. Ich war nicht richtig vorbereitet und konnte deshalb nicht überzeugen. Das kreierte bereits von Beginn weg eine sportliche Abwärtsspirale, aus der ich nie wieder richtig rauskam in Rom. Trotzdem: Ich habe während meiner Zeit in Italien viele wichtige Erfahrungen machen können, die mich jetzt weiterbringen.
Sie machten nie ein Geheimnis daraus, einmal in der englischen Liga spielen zu wollen. In diesem Frühling lieh die AS Roma Sie nach Newcastle aus. Ist dieser Wunsch damit in Erfüllung gegangen?
Meine Zeit in England war leider nur sehr kurz. Als ich im Februar nach Newcastle kam, war die Meisterschaft voll im Gange. Es war eine schwierige Zeit für mich. Ich habe mich zwar gut integriert und auch fleissig trainiert, sogar der Trainer war zufrieden mit mir. Trotzdem kam ich nur zu drei Einsätzen in der Liga. Warum ich nicht mehr Einsatzzeit bekommen habe, weiss ich bis heute noch nicht. Die englische Liga bleibt weiter eine Traumdestination für mich. Ich schätze die Art, wie dort Fussball gespielt und gelebt wird, sehr.
Während Ihrer Zeit bei den Young Boys wurden Sie zu einer Art Kultfigur. Jetzt spielen Sie für den FC Basel. Im August treffen die Mannschaften zum ersten Mal aufeinander. Werden Sie jubeln, sollte Ihnen ein Tor gelingen?
Die Young Boys liegen mir natürlich immer noch sehr am Herzen. Sie haben mir meine erste Chance, in Europa Fussball zu spielen, ermöglicht. Ich verdanke den Fans, meinen Mitspielern und den Mitarbeitern des Klubs sehr viel. Mein Respekt für diesen Klub ist immens. Aber im Fussball gehört es nun mal auch dazu, dass Spieler zu anderen Mannschaften wechseln und dort ihre Tore erzielen. Jetzt bin ich beim FC Basel, für mich zählt im Moment nur das.
Mit dem FC Basel schaffen Sie höchstwahrscheinlich das, was Sie mit den Young Boys nie erreicht haben: den Titelgewinn. War das auch ein Grund für diesen Wechsel?
Bei den Young Boys waren wir 2010 so nahe dran. Diese Niederlage im letzten Spiel gegen den FC Basel schmerzt heute noch. Natürlich, die guten Aussichten auf einen Titel spielten auch eine Rolle in meinem Entscheidungsprozess.
Ich hoffe, dass ich mit dem FC Basel diese so knapp verpasste Meisterschaft nachholen kann in der kommenden Saison. Auch die Champions League macht das Engagement in Basel sehr reizvoll. Der FC Basel hat in den letzten Jahren in Europa nicht nur mitgespielt, sondern konnte durchaus überzeugen. Bereits mit ZSKA Moskau konnte ich in der Champions League spielen. Dieser Wettbewerb ist für mich sehr bedeutend.
Ihr Karrieren-Verlauf liest sich sehr spannend. Sie spielten schon an verschiedensten Orten, unter anderem auch in Japan. Sind Sie ein Abenteurer?
Ja, meine Karriere ist tatsächlich nicht immer schnurgerade verlaufen (lacht). Es war in der Tat immer ein bisschen Abenteuer mit dabei, vielleicht auch bewusst. Ich liebe einfach diese Herausforderungen – immer wieder etwas Neues anzupacken und auszuprobieren. Daran wächst man ja auch. Ich hoffe, dass mein Abenteuer noch nicht beendet ist. Wer weiss, was die Zukunft noch für mich bereithält? Vielleicht nochmals ein neues Land, vielleicht nochmals eine neue Herausforderung. Ich schaue nie zurück und überlege, was hätte sein können. Ich kenne nur eine Richtung: nach vorne.
Ihr Leihvertrag ist auf ein Jahr beschränkt. Geht es im nächsten Sommer weiter mit diesem Abenteuer?
Im Moment bin ich hier und fühle mich sehr zufrieden. Der FC Basel hat eine Kaufoption für mich. Wir müssen schauen, ob sie diese auch ziehen. Ich würde mich natürlich freuen, noch einige Jahre in der Schweiz zu verbringen.