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Einen Monat vor der Fussball-WM sind viele Einrichtungen, die für eine Verbesserung der Infrastruktur der Stadt vorgesehen waren, immer noch nicht fertig. Die Hauptstadt von Mato Grosso ist eine einzige Baustelle, mit Umleitungsschildern wohin man sieht.
Was den Schutz der Kinder und Jugendlichen betrifft, sieht man zwar der WM mit Sorgen entgegen, jedoch hat man in diesem Fall keine neuen Investitionen machen können: Es fehlen Mitarbeiter und Einrichtungen, um gegen den Missbrauch der Rechte von Kindern und Jugendlichen einschreiten zu können.
Die Präsidentin des Vormundschaftsrates, Suely Silva, berichtet, dass die Denunzierungen von Sexualverbrechen gegen Kinder und Jugendliche, seit Beginn der Arbeiten für die WM, zugenommen haben. Im Jahr 2012 waren es 253 Denunzierungen – im vergangenen Jahr hat sich die Zahl auf 973 Fälle erhöht. “Die Denunzierungen betreffen in erster Linie sexuellen Missbrauch und Ausbeutung. An der Stelle, wo das (Stadion) “Arena Pantanal“ errichtet wurde, haben diese Fälle besonders zugenommen – die Denunzierungen haben sich innerhalb der besagten Periode verdreifacht.“
Daten der Regierung weisen darauf hin, dass in den letzten Jahren mehr als 5.000 Kinder und Jugendliche aus Situationen entfernt wurden, die eine ungesetzliche Ausbeutung von Kinderarbeit in der urbanen Region von Cuiabá darstellten. Ein Fall von Kinderarbeit, der mit einer Versklavung gleichzusetzen ist, wurde von der Polizei vor drei Monaten in der Region von Várzea Grande aufgedeckt, wo sich der Flughafen von Cuiabá befindet.
Regelmässige Teilnahme am Schulunterricht und am Sport sind Wege, welche die Realität der Kinder als Opfer solcher Verbrechen verändern können. Aber in Cuiabá fehlen immer noch Freizeitanlagen, die von der Bürgerschaft genutzt werden könnten.
Der Sekretär für Sport und Jugend von Cuiabá, Carlos Brito, kennt das Problem und gibt zu, dass es eine grosse Herausforderung für die Stadt darstellt.
“Die Realität von Cuiabá, die sich in vielen Städten des Landes wiederholen dürfte, ist, dass der Sport hier nicht als Teil einer effektiven Politik behandelt wird. Folglich befindet sich die Mehrzahl entsprechender Einrichtungen und Ausrüstung in prekärem Zustand. Aber wir befinden uns in einem Prozess der teilweisen Wiederherstellung derselben. Trotzdem ist die Herausforderung gross. Es sind viele Jahre vergangen, in denen man keinen Wert auf ihren Nutzen gelegt hat und folglich sind diese Einrichtungen zunehmend verrottet.“
Einige Initiativen tragen allerdings dazu bei, die Kinder und Jugendlichen von Mato Grosso von einer sexuellen Ausbeutung und Kinderarbeit fernzuhalten. Eins dieser Beispiele kann man auf der “Transamazônica“ kennenlernen – auf dem Weg ins Pantanal von Mato Grosso.
Im “Quilombo Mata Cavalo“ (eine Siedlung von Nachkommen ehemaliger afrikanischer Sklaven), in dem Ort Nossa Senhora do Livramento – 30 Kilometer von Cuiabá entfernt – gibt es eine Schule, die erst seit einem Jahr besteht. Im Curriculum dieser Schule werden Sport und Kultur jener Afrikaner gross geschrieben, die in diesem Bundesstaat einst Wurzel schlugen, inmitten ihres Kampfes um ein Stück Land und ihre Freiheit.
In der neuen Schule können die Kinder der mehr als 400 Familien des “Quilombo“ in der Nähe ihres Zuhauses lernen. Eine Realität, die im Gegensatz zu wenigen Jahren vorher eine enorme Verbesserung im Leben der afro-brasilianischen Kommune bedeutet. Wie der älteste Einwohner, Antônio Benedito, 109 Jahre alt, erzählt: “Bevor die Schule für unsere Kinder hier gebaut wurde, durften Schwarze nicht nach Cuiabá in die Schule gehen. Das war hart, aber durch die Macht Gottes haben die Schwarzen gewonnen.“
Die Schule verbreitet Selbstachtung. Wer lehrt, befindet sich dort aus Liebe zur Sache. Das ist zum Beispiel der Fall bei der Lehrerin Lucilene, die in São Paulo, Brasília und Rio de Janeiro studiert hat und in die Quilombo-Kommune zurück gekommen ist.
“Unsere Kinder schämen sich nicht mehr, ihre Gesichter zu bemalen, zu zeigen, dass sie aus einer “Quilombo-Region“ kommen, ihre Verschiedenheit zu demonstrieren und ihre unterschiedliche Rasse. Sie haben keine Angst mehr vor gar nichts.“
Solange der Ball noch nicht rollt auf dem offiziellen Rasen der WM 2014, hat die berühmte “Pelada“ (inoffizielles Fussball-Match) auf dem Sportplatz der Quilombo-Schule stets genügend Freiraum und begeisterte Kicker. Seit vier Jahren hatten die Schüler keinen Sport mehr praktizieren können – und jetzt haben sie sogar schon Trophäen gewonnen beim Kinder-Fussball im Munizip von Livramento. Einer dieser Starkicker ist Jonatan, 9 Jahre alt. “Wenn ich gross bin, möchte ich Fussballspieler und Arzt werden“, sag der Junge.