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Bei der britischen Labour-Partei kommt es zu einer vorgezogenen Urwahl um das Amt des Vorsitzenden. Dies nachdem die Unterhaus-Abgeordnete Angela Eagle den amtierenden Parteichef Jeremy Corbyn am Montag offiziell herausgefordert hatte. Ein Termin für die Wahl steht noch nicht fest.
Die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin warf Corbyn vor, er sei nicht fähig, die Partei zu führen und Wahlen zu gewinnen. Eagle gehörte zu Corbyns Schattenkabinett, bevor die parteiinterne Revolte gegen ihn losgebrochen war.
Das Exekutivkomitee entschied nun am Dienstagabend nach mehrstündiger Sitzung in der Parteizentrale in London, dass Corbyn auch ohne Unterstützung der Labour-Abgeordneten zur Urwahl antreten kann. Er benötige nicht wie Herausforderer die Unterstützung von mindestens 50 Parlamentariern, befanden 18 Mitglieder des Komitees. 14 stellten sich gegen eine automatische Kandidatur.
Dieses Kriterium hätte sich für Corbyn als schwierig erweisen können, denn er ist zwar in der Parteibasis beliebt, nicht aber bei den Abgeordneten. Diese hatten ihm jüngst mit breiter Mehrheit das Misstrauen ausgesprochen. Skeptiker fürchten bereits, dass der anhaltende Führungsstreit zur Spaltung der Partei führen könnte.
Corbyn gibt sich zuversichtlich und mahnt zur Ruhe
Corbyn gab sich nach der Entscheidung des Komitees optimistisch: «Wir werden über die wichtigen Themen Wahlkampf führen.» Er nannte dabei soziale Gerechtigkeit und Verstaatlichungen.
Der 67-jährige Labour-Chef rief die Mitglieder zur Ruhe auf. Zuvor hatten Unbekannte einen Ziegelstein durch ein Fenster von Eagles Büro geworfen. Auch wenn es starke Differenzen gebe, müssten sich die Mitglieder «mit Respekt und Würde» behandeln, so Corbyn. Er selbst habe Morddrohungen erhalten.
Kritiker werfen Corbyn vor, unter seiner Führung habe die Partei bei den Regionalwahlen im Mai Verluste erlitten. Auch sei man gescheitert, eine Mehrheit für den Brexit zu verhindern. Corbyn war erst im September 2015 mit breiter Mehrheit der Basis an die Parteispitze gewählt worden.