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«Er schaute auf das Meer, hellblau, still lag es da, auf den Strahlenkranz am Horizont, der sich öffnete, auf den Strand der Arenella, Villa Igea, die Schiffswerften, den Hafen, auf die vor ihm ausgebreitete Stadt, die sich langsam zeigte. Seine Stadt, die er liebte, die er hasste. Ränkespiel einer jeden Geschichte, Schauplatz des Widersinns, der Ungerechtigkeit, Tummelplatz der Mächtigen, Hauptstrasse der Versklavten, Zentrum der Apparate, Palast des Fanatismus, mitleidloses Tribunal, Kammer der Folter, Kerker der Bosheit, (…) Zuckung des Krebsgeschwürs …»
Hier geht es um Palermo, Mafiahauptstadt Siziliens. Der nunmehr 75 Jahre alte Sizilianer Vincenzo Consolo gehört zu den wichtigsten literarischen Stimmen im heutigen Italien. Er erzählt in seinem Roman «Palermo. Der Schmerz» die schwierige Rückkehr eines Dichters, den er Gioachino Martinez nennt und in dessen Schicksal autobiografische Züge des Autors zu erkennen sind. Wie Martinez ist Consolo in frühen Jahren nach Mailand ausgewandert, wo er mit «Das Lächeln des unbekannten Matrosen» Aufsehen erregte. Schon damals beschäftigte er sich mit der qualvollen Geschichte Siziliens und seiner Intellektuellen.
Sein neues Buch ist nicht dick, aber dicht: Ein Reigen packender Bilder und literarischer Beschwörungen, unzählige Dichter - von Homer über Dante bis Camus - werden indirekt angesprochen, und natürlich fehlt «der verbitterte Freund» Leonardo Sciascia (1921-1989) nicht, einer der wenigen sizilianischen Schriftsteller, die die Insel nicht verlassen haben. Consolos Buch zeugt von einer intimen Kenntnis Palermos. Anhand der Erinnerungen und Erfahrungen des Rückkehrers Martinez wird die tragische Entwicklung dieser barocken Stadt zu einem Monstrum des modernen Baubooms geschildert, hinter dem die mittlerweile globalisierte Mafia steht. Mit dem Bombenanschlag auf Mafiajäger Paolo Borsellino im Jahr 1992 endet das Buch: «Diese Stadt hier (…) ist ein Schlachtfeld geworden, ein alltägliches Blutbad.»