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Der Umzug in eine neue Region oder ein neues Land ist keine einfache Entscheidung. In vielen Bereichen muss man bei Null beginnen: ein neues Zuhause finden, einen neuen Arbeitgeber finden und last but not least sich ein neues soziales Netzwerk aufbauen. Yasmine hat diesen Career Change gemeistert, ihren Lebensmittelpunkt vom Waadtland nach Zürich verlegt. Durch ihr ehrenamtliches Engagement hat sie sich ein neues Netzwerk aufgebaut. Wie sie das geschafft hat?
Yasmine, was hat dazu geführt, dass du dich für ein ehrenamtliches Engagement entschieden hast?
Sich am neuen Ort einen Kollegenkreis aufzubauen ist meiner Meinung nach die schwierigste Herausforderung, vor allem, wenn man Erwachsen ist. Ich wusste nicht genau, was ich machen musste, um mich wieder zuhause zu fühlen. Ein Teil meines Lebens war damals noch im Kanton Waadt und ich wollte es zurück – ich hatte Heimweh. Natürlich hätte ich „traditionelle“ Lösungen probieren können wie Sportclub beizutreten, in den Ausgang zu gehen etc. Aber ich war nicht überzeugt, dass diese Aktivitäten meine Situation verbessern würden. Deswegen habe ich angefangen, bei Freiwilligenprojekten mitzumachen, ohne gross zu überlegen. Ich musste etwas Neues probieren.
Welche Art von Freiwilligenprojekten machst du?
Als ich nach zwei Monaten bei einer Privatbank angefangen habe zu arbeiten, habe ich mich beim Jugendrotkreuz gemeldet. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich wirklich machen wollte und wie ich helfen konnte. Als ich mich dort vorgestellt habe, musste ich mich vor fünfzehn Leuten vorstellen. Ich hatte selten so Angst wie in diesem Moment. Mich spontan vor Leuten zu äussern in einer Sprache, die nicht meine Muttersprache ist und über etwas, wovon ich keine richtige Ahnung hatte, war eine riesige Herausforderung.
Was war dein schönstes Erlebnis?
Ich habe bei einem Projekt mitgemacht, das von der Gemeinde Illnau-Effretikon ins Leben gerufen worden war. Das Ziel war, eine Ausstellung mit dem Thema: „zugezogen-angekommen?“ zu organisieren. Da diese Gemeinde immer mehr Migranten in ihrer Bevölkerung zählt, wollte sie die Leute sensibilisieren, wie man mit einer multikulturellen Gesellschaft umgehen kann. Ich gehörte zum Video Team und wir waren dafür zuständig, zwei Videoportraits zu drehen. In diesen Portraits wurde jeweils die Lebensgeschichte eines Einwohners der Gemeinde mit Migrationshintergrund von einem Einheimischen vorgelesen. Danach haben wir die erste Begegnung zwischen diesen zwei Personen gefilmt.
Nach etwa sechs Monaten fand die Vernissage statt. Da ich zuvor nicht viel mit dem künstlerischen Bereich zu tun hatte, fühlte ich etwas Spezielles, als die Besucher sich unsere Videosportraits angeschaut haben. Es brauchte Zeit und viel Geduld, aber es gab mir die Gelegenheit, Leute kennenzulernen, die ich wahrscheinlich ohne dem Schweizer Rot Kreuz niemals getroffen hätte. Die Geschichte von Farid, der ohne seine Eltern von Afghanistan in die Schweiz gekommen ist, hat mich speziell getroffen. Noch heute habe ich Kontakt mit Leuten, die ich dank diesem Projekt kennengelernt habe.
Wie verändert das Engagement deinen beruflichen Alltag?
Nach dieser tollen Erfahrung habe ich mich bei anderen Vereinen engagiert (Übersetzungen von Texten) und bin sogar zur Co-Präsidentin in einem Naturschutzverein gewählt worden. Ich, die vor fünf Jahren noch nichts von der Deutschschweiz hören wollte. Sich freiwillig zu engagieren gibt einem die Gelegenheit, mit Leuten zu arbeiten, die man sonst nicht in seinem beruflichen Umfeld treffen würde. Es gibt einem zudem auch die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Ich bin der Meinung, dass diese Erfahrungen besonders hilfreich sind, da sie nicht alltäglich sind. Aus diesem Grund empfehle ich den Leuten, die ein bisschen Zeit und Lust dazu haben, sich freiwillig zu engagieren. Verlieren kann man nicht viel, aber es gibt so viel zu gewinnen.
Welchen Tipp kannst du Personen geben, die ein ehrenamtliches Engagement planen?
Seit einigen Jahren gibt es eine tolle Plattform für freiwillige Aktivitäten. Auf dieser Webseite gibt es wirklich viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten und man kann sogar mit Suchbegriffen nach einer passenden Aktivität suchen. Zudem gibt es noch die Webseite von grossen Vereinen, die immer neue Freiwillige suchen und die auch offen für Inputs sind. Das heisst, dass neue Ideen um anderen zu helfen willkommen sind. Eine solche Kreativität ist schwierig zu finden in unserem Alltag und dafür schätze ich freiwillige Aktivitäten so sehr. Zudem kann man heute sein freiwilliges Engagement dank dem Dossier „freiwillig engagiert“ offiziell beweisen: was braucht der Mensch mehr!
Fotos: Yasmine Aldeeb