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Kosmodrom Baikonur: Der weltweit älteste und grösste Raketenstartplatz inmitten der Steppe Südkasachstans, gebaut in den 50er Jahren im Rahmen des sowjetischen Raumfahrtprogrammes. Wo 1957 der erste künstliche Satellit Sputnik 1, dann die Hündin Laika und 1961 der erste Weltraumpassagier Juri Gagarin unter Gedonner die Erde verliessen, starten noch heute sämtliche nichtchinesischen bemannten Raumfahrten. Wer auf die ISS will, muss über Baikonur. Baikonur ist heute russisches Pachtgebiet; Kasachstan erhält jährlich 115 Mio. Dollar von Russland, das aber seinerseits bereits seit Jahren an einem eigenen, auf russischem Boden befindlichen Weltraumbahnhof in Wostochny arbeitet.
Was Raketen zurücklassen
Während eine Rakete ins All davonzieht, wirft sie nach und nach drei sogenannte Antriebsstufen ab. Diese stürzen zurück auf die Erde. Um das Raumfahrtprogramm so geheim wie möglich zu halten, unternahm die UdSSR stets grosse Anstrengungen, Raketentrümmer zu bergen. Heute scheinen sich diese Bemühungen - ganz zuungunsten der Menschen der Region - nicht mehr zu lohnen. Laut Schätzungen russischer Medien sind bereits mehr als 2500 Tonnen Weltraumschrott auf das Gebiet rund um das Kosmodrom niedergeprasselt. „Wie ein wütendes rotes Auge in der Nacht“, beschreibt ein Bewohner die Trümmer, bei deren Aufprall nicht selten der Boden kurz bebe.
Vierundzwanzig Stunden vor einem Start evakuiert die russische Weltraumorganisation Roskosmos Bewohner, deren Häuser sich im theoretisch von Raketentrümmern betroffenen Landstrich befinden. Schadenersatz gibt es für diese Menschen keinen. Ausserdem: Nicht selten ereignen sich auch Vorfälle ausserhalb der definierten Zone. So verfehlte 2008 ein 4.5 m langes Trümmerstück nur um ein Haar ein nicht evakuiertes Haus.
Wenn Recycling krank macht
Die Angewohnheit der Bewohner, die Trümmer einzusammeln und sie wieder zu verwerteten – zum Beispiel als Bedachung von Hühnerställen – birgt ernsthafte gesundheitliche Risiken. So haftet an den Schrottteilen meist noch Raketentreibstoff mitsamt seinen hochgiftigen Bestandteilen Heptyl oder Hydrazine. Ein Teelöffel davon in einem Schwimmbad, und jeder der daraus tränke wäre tot, erläutert Fabio Caramelli, Ingenieur am Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum. Weil die Menschen stark von ihrem Grund und Boden abhängen, kommen sie auch ohne das Berühren von Trümmern mit den Giften in Kontakt; diese gelangen via Boden in Nahrung und Trinkwasser. Eine 2005 in „Nature“ veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass hormonell bedingte Leiden und Blutkrankheiten bei Kindern in betroffenen Gebieten doppelt so häufig auftreten wie bei Kindern in den Kontrollregionen.
Die russische Regierung bestreitet den Zusammenhang zwischen Gesundheitsproblemen und Raketenschrott. Sie alleine zur Verantwortung zu ziehen, wäre jedoch zu kurz gedacht. Auch die NASA und die ESA bezahlen, um ihre Raumschiffe in Baikonur zu starten…
Quellen und weitere Informationen
Wo Raketenschrott vom Himmel fällt
Seoul untersucht Trümmer von Nordkoreas Rakete
Russland öffnet Weltraumbahnhof für Touristen
Study links sickness to Russian launch site