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Basel, um 1770/80
Inv. 1917.887.
Die vielen hundert Musterbücher, die im Historischen Museum Basel aufbewahrt werden, gehören zu sehr unterschiedlichen Typen und wurden aus verschiedenen Beweggründen angelegt. Die meisten gelten dem Festhalten innerbetrieblicher Abläufe (Kalkulationen, Bestellungsbücher, Dokumentation der eigenen Produktion) und dem Suchen nach künstlerischen Lösungen (Entwürfe, Farbvariationen, Musterkollektionen von Konkurrenzfirmen). Diese Musterbücher sind gross, schwer und äusserlich meist unansehnlich, nur für den Gebrauch in den eigenen Geschäftsräumen geeignet. Daneben haben sich aber auch einige wenige Beispiele von Musterbüchern erhalten, die offensichtlich für den Gebrauch des Firmeninhabers gedacht waren. Diese kostbaren Musterbücher zeigen neben der Produktionspalette auch den Anspruch des jeweiligen Produzenten, handelte er nun mit Seidenstoffen, Seidenbändern oder mit gefärbten Seidengarnen. Auf ornamental gerahmten Blättern sind Musterabschnitte oder Garnproben aufgeklebt, und ein aufwendiger Ledereinband, teilweise mit Goldprägung und Besitzerhinweis, schützt die Seiten. Manche der Exemplare sind mit einer Lederklappe oder einem Schuber versehen; auch das kleine Format machte sie für die Mitnahme auf Reisen geeignet. Bücher wie diese wurden wohl auf wichtige Geschäftsreisen mitgenommen, wenn es galt, vorerst einen guten Eindruck zu machen und mit einem repräsentativen Musterbuch einen Überblick über die Produktion zu geben. Detaillierte Bestellungen konnten dann später anhand umfangreicherer Musterlieferungen erfolgen. Diese Zusammenstellung früher Musterbücher zeigt die besondere Bedeutung der Farben für die Basler Bandindustrie. Die Wirkung der Basler Bänder rührte im 18. und frühen 19. Jahrhundert nicht von aufwendigen Musterungen her, sondern von der reich differenzierten Farbskala, welche die ansässigen Seidenfärbereien zu liefern verstanden. Das reiche Farbenspektrum erlaubte bei sorgfältiger Anwendung bemerkenswerte illusionistische Effekte. Basler Bänder waren keine ausgesprochenen Luxusbänder; sie bedienten vielmehr das mittlere Preissegment und damit den grossen und wichtigen Markt des erstarkenden Bürgertums. Ein Grund für die anfänglich recht einfachen Bänder war ihre Fertigung vorwiegend in Heimarbeit; erst mit der Umrüstung der Webstühle auf die Jacquardtechnik und die Verlagerung der Produktion in grosse Fabriken in der Stadt wurden kompliziertere Muster möglich.