Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/665

Geschichte
Die heutige Villa wurde im 19. Jahrhundert gestaltet. Ursprünglich befand sich an ihrem Standort ein 1711 von Alexander Löffel erbautes barockes Landschlösschen, von dem eine Zeichnung von Emanuel Büchel von 1754 einen anschaulichen Begriff vermittelt. Es war - im Gegensatz zu anderen ländlichen oder städtischen Gebäuden - im Landschaftsbild ausgezeichnet und hervorgehoben durch einen Hofplatz vor der Nordfassade und durch einen Baumgarten im Süden. Ein Walmdach bedeckte den zweigeschossigen Bau, dessen fünfachsige Fassade durch eine Mittelachse und ein reich verziertes Portal sowie einen Dachaufbau betont war.
Auf der Westseite waren ein Abortturm und ein Gärtnerhaus und auf der Rückseite ein polygonaler Treppenturm angebaut. Unter Johann Jakob Thurneysen erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Umbau im Stile des Frühklassizismus. Treppen- und Abortturm wurden entfernt und die Treppe ins Innere des Hauses verlegt. Auf der Rückseite entstand eine Gartenhalle mit einer Laube darüber. Ein über dem alten Dachstuhl eingezogenes und aufgesetztes Attikageschoss und ein Säulenportikus vor dem Eingang verliehen dem Haus einen klassizistischen Charakter, den die Anlage eines englischen Parks unterstrich.
Ein Jahr vor seinem Tode beauftragte Christoph Merian den Basler Architekten Johann Jakob Stehlin mit dem Umbau der Villa im Stile des Second-Empire. Anstelle des vermutlich vom Architekten vorgeschlagenen vollständigen Neubaus beschränkte man sich in den Jahren 1858-1859 auf eine Ummantelung und Kaschierung des alten Mauern Kerns mit Verputz, Stuck und Gusseisen. Die Verkleidung des Erdgeschosses mit Quaderimitationen verlieh ihm den Aspekt eines Sockelgeschosses. Die Fenster im Obergeschoss wurden durch Verdachungen mit Akroterien bereichert. Gesimsbänder unterteilten die Geschosse, flache Lisenen fassten die Ecken ein. Anstelle des zurückgesetzten Attikageschosses entstand eine fassadenbündige Attika mit einem flachen Walmdach, dessen First ein Glockentürmchen im Neurokokostil bekrönt. Den Portikus vor dem Eingang ersetzte man durch einen zweigeschossigen, gusseisernen Pavillon, der als Vordach und Balkon dient und mit seiner reichen Ornamentik und dem neubarocken Brüstungsgeländer die Eingangsfassade bestimmt.
Auf der Rückseite gegen den Garten entstand anstelle der Laube ein dreiachsiger gusseiserner Mittelteil mit einer offenen Halle, die mit Kunstmarmor verkleidet ist. Im Innern erstellte man eine neue, elegantere Treppe mit kunstvollen gusseisernen Stäben. Die Raumeinteilung blieb nahezu unverändert. Östlich der Gartenhalle entstand ein neuer Raum für ein Boudoir mit bemalter und stuckierter Decke, bemalten Boiserien, einem Supraportenmedaillon, Parkett und Glastüre im zierlichen Pariser Stil des Second-Empire. Die beiden Salons im Erdgeschoss erhielten kostbare Parkettböden, klassizistische Turmöfen und Stuckdecken, im vorderen Raum mit einem anmutig ausgemalten Deckenmedaillon und vergoldeten Verzierungen. Mit dieser neuen in kleinere, aber luxuriös ausgestattete Salons. Anlässlich der Gesamtrestaurierung der Villa in den Jahren 1969-1971 entfernte man die gusseisernen Veranden auf den bei den Schmalseiten des Hauses, legte aber Wert auf die Instandstellung der übrigen gusseisernen Bauteile und der Innenausstattung.
Der Besucher, der die Merian Villa von Vorder-Brüglingen her kommend betritt, wird von einem Gartentor mit doppelten Podesten und Vasen begrüsst und entdeckt auf einem grosszügigen Vorplatz einen prächtigen steinernen Delphin-Brunnen mit einem weit ausladenden runden Becken. Unter der hohen Blutbuche am westlichen Abhang verbirgt sich ein lauschiger Gartenpavillon in Holzkonstruktion mit Backsteinen. Im Süden der Villa faltet sich ein englischer Garten mit reichem altem Baumbestand und einem kurvig geschwungenen Weiher aus, in welchem im Sommer Seerosen üppig wachsen und blühen. Auf der Ostseite, auf dem Weg hinunter zur Mühle, ist die Stützmauer aus roten Sandsteinquadern unterhalb der Villa mit einer Treppe und einer Vorhalle zum gewölbten Keller zu erkennen.
Quelle: Christoph Merian Stiftung