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Artikel - Sprachgeografie
Sprachgeografie
Die Schweiz ist ein Viersprachiges Land und der Kanton Graubünden ist der einzige dreisprachige Kanton. Dieser zwei Besonderheiten wurde seit 1860 in den Volkszählungen Rechnung getragen, indem auch die Sprache Bestandteil der Erhebungen wurde. Seither hat sich die Anzahl der Romanischsprecherinnen und -sprecher kontinuierlich verringert.
Die Schweiz ist eine politische Willensnation. Im Gegensatz zu ihren Nachbarstaaten ist das Grundelement schweizerischer Identität weder eine gemeinsame Nationalsprache noch eine einheitliche kulturelle oder gar ethnische Tradition. Das schweizerische Staatsverständnis beruht auf gemeinsamen politischen Überzeugungen, welche die Schweizer Bürgerinnen und Bürger trotz unterschiedlicher Sprach- und Kulturtradition teilen. Dazu zählt unter anderem das Bekenntnis zum föderalistischen Bundesstaat, zur direkten Demokratie und zur sprachlich-kulturellen Vielfalt. Neben den vier Landessprachen – Deutsch, Romanisch, Italienisch und Französisch – kommen die zahlreichen Sprachen der Immigrantinnen und Immigranten.
Die Schweiz ist ein Föderativstaat, in welchem die 26 Kantone und Halbkantone über eine grosse Souveränität verfügen. Es gibt 17 deutschsprachige, 4 französischsprachige (Jura, Neuenburg, Waadt und Genf) und einen italienischsprachigen Kanton (Tessin). 3 der anderen 4 Kantone sind zweisprachig (Bern, Freiburg, Wallis) und 1 dreisprachig (Graubünden).
Seit 1848 ist die Viersprachigkeit der Schweiz in der Bundesverfassung verankert. 1938 wurde das Romanische als Landessprache, nicht aber so wie das Deutsche, Französische und Italienische als Amtssprache des Bundes anerkannt. Mit der Anerkennung als Teilamtssprache im März 1996 wurde das Romanische den anderen drei Amtssprachen der Schweiz teilweise gleichgestellt. Der Sprachenartikel 70 (bis 1999 Art. 116) der Bundesverfassung verpflichtet Bund und Kantone, zukünftig noch gezielter für den Schutz und die Stärkung der sprachlichen Minderheiten tätig zu werden. Gleichzeitig soll auch die individuelle Mehrsprachigkeit als Grundlage für eine bessere Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften der Schweiz gefördert werden.
Graubünden ist der einzige Kanton der Schweiz mit drei offiziellen Amtssprachen: Romanisch, Deutsch und Italienisch.
Dazu kommen noch die zahlreichen Sprachen der Gäste, Gastarbeiter und Zugezogenen. So entsteht eine komplexe Sprachlandschaft.
Im 2007 haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Graubündens das Sprachengesetz angenommen. Dieses regelt den Gebrauch der drei Bündner Amtssprachen und sieht unter anderem vor, dass eine Gemeinde als einsprachig gilt, vorausgesetzt dass mindestens 40% der Bevölkerung der angestammten Sprachgemeinschaft angehören. Das bedeutet, dass solche Gemeinden als einsprachige romanische oder italienische Gemeinden gelten, auch wenn die Mehrheit der Einwohner deutschsprachig ist.
Bis um 1850 war das Romanische noch die Mehrheitssprache Graubündens. Die Zahlen von 1880, 1980, 1990 und 2000 zeigen eine stete Zunahme des Deutschen in absoluten und relativen Zahlen, eine unregelmässige Zunahme des Italienischen in absoluten Zahlen (wobei ab 1990 die Frage nach der bestbeherrschten Sprache anscheinend restriktiver als die vorherige nach der Muttersprache wirkt) und eine massive anteilsmässige Abnahme des Romanischen von 40% im Jahre 1880 auf 14,5% als bestbeherrschte Sprache im Jahre 2000 resp. auf 15,4% als Hauptsrpache im Jahre 2017.
In der Schweiz werden seit 1850 alle zehn Jahre und ab 2010 jährlich Volkszählungen durchgeführt, die seit 1860 auch die sprachliche Zugehörigkeit der Einwohnerinnen und Einwohner ermitteln. Unterschiedliche Fragestellungen zum Sprachgebrauch erlauben aber nur beschränkt, die einzelnen Ergebnisse miteinander zu vergleichen. 1860 und 1870 wurde nach der «Hauptsprache der Haushalte», von 1880 bis 1980 nach der «Muttersprache» gefragt. 1990 und 2000 wurden zwei Fragen gestellt:
1. Welches ist die Sprache, in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen? (eine einzige Angabe)
2. Welche Sprache(n) sprechen Sie regelmässig? a) zu Hause, mit Angehörigen; b) in der Schule, im Erwerbsleben, im Beruf (evtl. mehrere Angaben)
Seit 2010 wurde die Volkszählung grundlegend geändert: Sie wird jährlich und in neuer Form vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt und ausgewertet. Die Volkszählung beruht in erster Linie auf den Informationen der Einwohnerregister. Diese werden durch Angaben ergänzt, welche in Stichproben erhoben werden. Neu wird schriftlich oder telefonisch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung befragt (ca. fünf Prozent). Einzig die Informationen, die nicht in den Registern erfasst werden, müssen mit zusätzlichen Stichprobenerhebungen ergänzt werden (Strukturerhebung, Thematische Erhebungen, Omnibus).
Die Strukturerhebung von 2017 zeigt, dass 0,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung (bezogen auf die ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren, ohne Kollektivhaushalte) Romanisch als Hauptsprache spricht (die befragten Personen konnten mehrere Hauptsprachen angeben).
Die neue Volkszählung kann nicht mehr so genaue Informationen über die Rumantschia geben wie diejenigen aus den Jahren 1990 und 2000 (mit zwei Fragen). Es ist nun Sache des Kantons Möglichkeiten zu finden, um diese statistischen Informationen trotzdem erhalten zu können.
Im Vergleich mit den Volkszählungen von 1880 – 1980 ermöglichen jene von 1990 und 2000 eine weit detailliertere Analyse der sprachlichen Situation. Auch diese Volkszählungen vermögen aber den Bedürfnissen des Romanischen nicht gerecht zu werden. Die Romanen, die durchgehend zwei- oder mehrsprachig sind, konnten bei der ersten Frage (Welches ist die Sprache, in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen?) nur eine Sprache angeben. So kommt es nicht selten vor, dass sie das Deutsche als bestbeherrschte Sprache angaben, da sie diese beruflich meist häufiger benutzen und in der Zwischenzeit ebenso gut, wenn nicht besser beherrschen als ihre eigene Muttersprache. Auch die zweite Frage (Welche Sprache(n) sprechen Sie regelmässig? a) zu Hause, mit Angehörigen; b) in der Schule, im Erwerbsleben, im Beruf) erlaubt es nicht, den tatsächlichen Sprachgebrauch zu ermitteln. In vielen Bereichen, die von der Volkszählung nicht erfasst wurden, wird das Romanische regelmässig verwendet.
Casanova, P., Chiotopulos P., Durchblick 2012 – Graubünden in Zahlen,. Banca Chantunala Grischuna, Cuira 2012
Casanova, P., Chiotopulos P., Durchblick 2015 – Graubünden in Zahlen, Banca Chantunala Grischuna, Cuira 2015
Departament federal da l'intern, Uffizi federal da statistica: La nova dumbraziun dal pievel, Neuchâtel 2011
Statistischer Atlas der Schweiz. Disponibel sin: http://www.atlas.bfs.admin.ch (ultim access 15-6-2015)
Die neue Volkszählung, das System. Disponibel sin: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/02.html (ultim access: 15-6-2015)