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Bis vor Kurzem wurde Schwangeren angeraten, während der Entbindung keine Stärkung zu sich zu nehmen, also weder zu essen noch zu trinken. Die Empfehlung gründete in der Angst, die Schwangere könnte sich verschlucken und es so zu schlimmen Komplikationen kommen. Doch heute ist diese These längst überholt.
Spätestens seit dem Jahr 2015 gibt es keinen Grund mehr, dieser Empfehlung zu folgen. Damals wies eine Studie aus Kanada eindeutig nach, dass das vermutete Risiko während der Entbindung sehr gering ist. Stattdessen profitieren gesunde Frauen von einem leichten Snack, denn die Wehen- und Geburtsphase sind ähnlich anstrengend wie ein Marathonlauf. Hier käme niemand ernsthaft auf die Idee, den Teilnehmern Essen und Trinken zu verweigern.
Die großen Fortschritte in der Geburtsmedizin erlauben heute eine Stärkung während der Geburt
In ihrer Metastudie untersuchten die kanadischen Wissenschaftler insgesamt 385 Teilstudien. Der Datenlage zufolge kommt es heute nicht mehr vor, dass sich gesunde Gebärende im Lauf der Geburt verschlucken und so Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangt. In Großbritannien beispielsweise hat es im Zeitraum vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2005 keinen solchen Todesfall gegeben. Anders sah die Datenlage in den 1940er Jahren aus. Damals gab es aufgrund der Komplikation 1,5 Todesfälle auf 1.000 Geburten.
Hier käme niemand ernsthaft auf die Idee, den Teilnehmern Essen und Trinken zu verweigern.
Die Empfehlung, dass Frauen während der Entbindung allenfalls ein paar Schlucke Wasser trinken dürfen, geht auf Untersuchungen des US-amerikanischen Arztes Curtis L. Mendelson zurück. Er veröffentlichte 1949 eine alarmierende Studie, die aufzeigte, dass Mütter, die während der Wehen Nahrung und Flüssigkeit zu sich nahmen, ein stark erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen hatten. Das strikte Essverbot lässt sich heute darauf zurückführen, dass es damals üblich war, bei Geburtsstillstand den Frauen für den erforderlichen Kaiserschnitt eine Vollnarkose zu geben. Floss dabei der Nahrungsbrei aus dem Magen zurück in die Speiseröhre, konnte er auch in die Atemwege gelangen und die Gebärende daran ersticken. Inzwischen jedoch hat sich die Geburtsmedizin erheblich weiterentwickelt. Heute werden Kaiserschnitte nur noch sehr selten unter Vollnarkose durchgeführt. Stattdessen wird die Peridural- bzw. Spinalanästhesie präferiert. Hier bleiben die Frauen bei Bewusstsein.
Selbst wenn eine Vollnarkose nötig ist und die Frau vorher etwas gegessen hat, kann das OP-Team jedoch durch bestimmte, medizinische Handgriffe wirkungsvoll verhindern, dass die Gebärende zu ersticken droht. Vor diesem Hintergrund ist es heute auf vielen Geburtshilfestationen eine Selbstverständlichkeit, dass die Frauen während der Geburt selbst bestimmen, ob und wann sie etwas essen und trinken. Es gibt nur wenige Faktoren, die gegen eine Stärkung während der Entbindung sprechen. Dazu zählen starkes Übergewicht der werdenden Mutter, aber auch die Einnahme stark schmerzhemmender Medikamente.
Snacks während der Geburt geben Mutter und Baby ausreichend Energie
Das Essverbot während der Wehen und der Geburt ist in den allermeisten Fällen jedoch völlig unnötig und möglicherweise sogar kontraproduktiv. Die Geburt ist ein energieraubender Prozess, der sich über viele Stunden hinzieht. Kann der Körper dann nicht auf schnell verfügbare Kalorien zurückgreifen, muss er die Fettreserven anzapfen. Die Umwandlung von Fettgewebe in Energie ist jedoch mit einem Anstieg des Säuregrades des Blutes von Mutter und Kind verbunden. Experten vermuten, dass sich dies negativ auf die Wehentätigkeit auswirken könnte. Sind die Wehen nicht ausreichend, um das Kind im Becken weiter voranzuschieben, dauert die Geburt länger als nötig.
Das Essverbot während der Wehen und der Geburt ist in den allermeisten Fällen jedoch völlig unnötig und möglicherweise sogar kontraproduktiv.
Ernährungsmediziner empfehlen daher leichte, kohlenhydratreiche Speisen, die ballaststoffreich sind und somit dem Körper über einen relativ langen Zeitraum Energie zur Verfügung stellen. Schokolade mit ihrem hohen Zuckeranteil oder auch Traubenzucker mögen zwar kurzfristig einen Kick geben, doch der ist schnell abgeklungen und dann meldet sich womöglich erneut das Hungergefühl.
Hebammen werfen jedoch zwei Vorteile für die Stoffwindeln in die Waagschale: Sie beobachten häufig, dass Stoffwindel-Kinder schneller sauber werden, denn sie können früher ein besseres Gefühl für ihre Ausscheidungen entwickeln. Auch werden diese Babys automatisch breiter gewickelt, was besser für die Entwicklung der Hüfte ist und Fehlstellungen vorbeugt.
Ideal sind dagegen Toastbrot oder Knäckebrot – gern mit einem leichten Aufstrich. Auch Reis, Nudeln und Kartoffeln liefern wertvolle Kalorien. Frische Früchte aber auch Trockenobst sind ebenfalls optimal. So versorgen Bananen die Gebärende mit viel Energie und wichtigen Mineralstoffen. Doch viele Schwangere nehmen gern auch eine Brühe zu sich. Die leckeren japanischen Ramen sind schließlich nicht umsonst ein Hit. In einer solchen Bowl finden natürlich auch Nudeln und Gemüse ihren Platz. Die sogenannten Powerballs oder Energy Balls schaffen es immer häufiger als Snack für die Geburt in die Kreißsäle. Sie bestehen in der Regel aus energiereichen Nüssen und Trockenfrüchten. Ihr Vorteil: Sie können leicht vorbereitet werden, sodass sie bei „Baby-Alarm“ schnell eingepackt sind.
Bei den Getränken sollte die Gebärende auf stilles Wasser, Saftschorlen und Tees zurückgreifen. Orangen- und Grapefruit-Saft sowie stark kohlensäurehaltige Getränke reizen zu sehr den Magen und können zu Übelkeit führen.
Mehrere kleine Snacks sind besser
Als Faustregel sollte während der Entbindung zur Stärkung immer nur so viel gegessen und getrunken werden, dass die Gebärende sich wohl und nicht belastet fühlt. Im Idealfall wird stündlich ein kleiner Snack eingenommen und ein Glas Wasser getrunken. Das beugt „Versorgungsengpässen“ vor. Im Laufe der Geburt jedoch verändern sich intuitiv die Bedürfnisse der Gebärenden. Spätestens mit Beginn der Austreibungsphase steht keiner Frau mehr der Sinn nach Essen und Trinken, denn jetzt mobilisiert der Körper alle Reserven und vollendet das Wunder der Geburt.
Nach der Geburt halten die frischgebackenen Eltern zum ersten Mal den neuen Erdenbürger in den Armen. Dieses kleine Wunder ist nun endlich real geworden. Es atmet, es strampelt und es schreit. Da im Kreißsaal die Emotionen groß sind, sollten im Vorfeld alle wichtigen Dinge bereits geregelt und mit dem medizinischen Fachpersonal besprochen sein. So gibt es leider nur ein kurzes Zeitfenster für die Entnahme des Nabelschnurblutes, wenn die Stammzellen aus der Nabelschnur vorsorglich eingelagert werden sollen. Von der kleinen Prozedur, der Punktion der Nabelvene durch die Hebamme bzw. den Arzt, bekommen Mama und Neugeborenes in der Regel überhaupt nichts mit. Da die Nabelschnur über keine Nerven verfügt, ist die Gewinnung der Stammzellen vollkommen schmerzfrei.