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seit 1838 zunächst die Aufhebung der Einfuhrzölle auf Weizen u. s. w., zugleich aber überhaupt die Verwirklichung des Freihandelssystems erstrebte. Die Weizeneinfuhr war in England schon seit 1660 mit oft veränderten Zöllen belastet. 1815, als die lange abgesperrten osteurop. Länder wieder mit großen Zufuhren auf den Markt kamen, ging das Parlament noch einen Schritt weiter, indem die Einfuhr nun gänzlich verboten wurde, sobald der Weizenpreis unter 80 Schill. pro Quarter stand, während sie bei höhern Preisen völlig zollfrei war.
Nach einigen unwesentlichen Umgestaltungen wurde jedoch 1828 dieses System wieder durch eine bewegliche Zollskala ersetzt, deren mit den Preisen veränderliche Sätze zwar sehr hoch stiegen, jedoch ohne daß an einem Punkte ein absolutes Einfuhrverbot eintrat. Die Industriellen befürchteten, daß der Arbeitslohn durch diese künstliche Verteuerung des Getreides auf einer Höhe erhalten würde, die ihnen die Konkurrenz mit der aufblühenden kontinentalen Industrie sehr erschweren müßte.
Jedoch konnten sie sich ihrerseits nur schwer zum Verzicht auf den Zollschutz für ihre Fabrikate entschließen, und eine wirksame Agitation gegen die Korngesetze wurde daher erst am Ende der dreißiger Jahre möglich, nachdem die Fabrikanten sich überzeugt hatten, daß ihre Interessen durch den vollen Freihandel mehr gefördert werden würden als durch das Schutzzollsystem. So wurde 1838 in Manchester [* 2] unter der Führung von Cobden, John Bright, Bowring, J. B. Smith, Prentice u. a. mit sehr bescheidenen Anfängen die Anti-Corn-Law-League begründet.
Man sammelte einen Fonds, zuerst nur 3000 Pfd. St., zur Unterhaltung einer Agitation und beschloß schon im Jan. 1839, die Thätigkeit des Vereins über das ganze Land auszubreiten und nicht eher einzustellen, als bis die Aufhebung der Getreidezölle durchgesetzt sei. In demselben Jahre fand auch schon eine Versammlung von 300 Delegierten in London [* 3] statt, und Villiers brachte im Unterhause zum erstenmal seinen oft wiederholten Antrag auf Abschaffung der Getreidegesetze ein, der freilich mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Um so energischer setzte die Liga ihre Agitation fort, jedoch gelang es ihr erst 1841, Cobden in das Parlament zu bringen. Sie gewann die dissidentischen Geistlichen, die irische Partei und die dem Freihandel zuneigenden Whigs für ihr Programm.
Jedoch erst nachdem 1842 eine durchaus ungenügende Herabsetzung der Zollsätze stattgefunden hatte, entwickelte die Liga eine außerordentlich angespannte Thätigkeit. Cobden verlangte jetzt von seiner Partei die Summe von 50000 Pfd. St., um die Agitation namentlich auch in die Masse der ländlichen Bevölkerung [* 4] zu tragen, und diese Summe wurde in der That zusammengebracht. Auch die irische Partei unter O'Connell reichte der Liga die Hand, [* 5] dagegen stand ihr nicht nur die mächtige, in ihren Interessen bedrohte Grundaristokratie, sondern auch der Chartismus (s. d.) feindlich gegenüber.
In der Parlamentssitzung von 1844-45 hatte Villiers' gewöhnlicher Antrag schon 122, ein anderer von Cobden auf Prüfung der Korngesetze 221 Stimmen für sich. Das Wochenblatt des Vereins zählte 15000 feste Abonnenten. Peel hatte sich für die Freihandelspolitik entschieden und kündigte für die nächste Session bedeutende Reformvorlagen an, zuvörderst in Bezug auf die Korngesetzgebung. Die Liga spannte im Laufe von 1845 ihre äußersten Kräfte an, um sich im Parlament die Mehrheit zu sichern. Im Jan. 1846 brachte endlich Peel unter dem Drucke des irischen Notstandes und im Zusammenhange mit weitern Zollreformen den Antrag vor das Unterhaus, wonach die Einfuhr aller Lebensmittel freigegeben, aber vorläufig noch auf drei Jahre niedrige gleitende Zollsätze für die Getreideeinfuhr bestehen sollten. Die Bill ging im Unterhause, im Juni auch im Oberhause durch und ward Gesetz. Während Peel einige Tage nach diesem Siege seiner Parteistellung erlag, erklärte die Liga auf einer großen Versammlung zu Manchester ihren Zweck für erreicht, verschob aber ihre förmliche Auflösung bis 1849, von wo an der Weizenzoll nur noch 1 Schilling pro Quarter (etwa 34 Pf. für 1 hl) betragen sollte. Später ist auch dieser Zollrest beseitigt worden.