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Athen.
[* 2] Das alte
Athen. Athen war im
Altertum vorübergehend
in politischer, stets in kulturgeschichtlicher
Hinsicht der Haupt- und Mittelpunkt des hellen. Lebens, «das
Auge
[* 3] von Hellas», «Hellas von Hellas». Die Stadt liegt um und
auf einer Reihe von felsigen Hügeln in der geräumigsten Ebene der Landschaft
Attika (s. d.), zwischen den
Flüssen Ilisos
und
Kephisos, in gerader Entfernung etwa 5 km vom
Meere, 7 km von ihrem Hafenplatze, dem Peiraieus (Piräus).
Die Überlieferung schrieb dem König
Kekrops
[* 4] die Gründung zu. Die älteste Stadt beschränkte sich auf die obere
Fläche
eines steilen, nur von Westen aus zugänglichen Felshügels, der später während des ganzen
Altertums als die
Burg
(Akropolis,
[* 5] s. die um stehende Abbildung) den politischen und den religiösen Mittelpunkt,
den
Kern der Stadt, bildete.
Die Fläche wurde in früher Zeit künstlich geebnet, sowie mit Mauern umgeben und an der Westseite ein starkes Außenwerk mit neun Thoren hintereinander (Enneapylai) zur Verteidigung des Aufgangs errichtet. Das ganze Werk hieß nach den Pelasgern, denen man es zuschrieb, Pelasgikon oder Pelargikon ( ^[img]. Innerhalb der Burg wohnten die alten Landeskönige dieses Teils von Attika; hier erhob sich auch neben dem Altar [* 6] des stadtschirmenden Zeus [* 7] der älteste Tempel [* 8] (Hekatompedos) der Gottheit, unter deren besondern Schutze die Stadt stand, der «stadtschützenden» Athene [* 9] (Athene Polias), und die Kapelle des die Erde erschütternden Meergotts (Poseidon-Erechtheus, daher Erechtheion (s. d.) genannt).
Ein
Teil der städtischen
Bevölkerung
[* 10] siedelte sich am Fuße dieses Hügels, hauptsächlich an der Südseite an, wo man auch
den Altmarkt von
Athen suchen muß. Der im W. der
Burg vorgelagerte Felsen des
Areopagus (s. d.) mit seinen uralten, den unterirdischen
Göttern geweihten Heiligtümern blieb aber jetzt noch von der Besiedelung ausgeschlossen. Die Unterstadt
erhielt eine Erweiterung, seitdem infolge der
Vereinigung der verschiedenen
Teile
Attikas zu einem staatlichen Ganzen durch
den sagenhaften König
Theseus
Athen zu dessen polit.
Hauptstadt erhoben wurde. Die Stadt dehnte sich allmählich auch auf den Raum am nördl. Fuße des Burghügels aus; Handwerker, namentlich die Mitglieder der Töpferzunft, ließen sich hier nieder, daher ein bedeutender Stadtteil nordwestlich von der Burg später den Namen Kerameikos (Töpferviertel) erhielt. In der Folgezeit machten sich besonders Pisistratus und seine Söhne um die Verschönerung der Stadt verdient. Sie weihten und schmückten den neuen nordwestlich der Burg gelegenen Markt (Agora) durch einen Altar der Zwölfgötter, der zugleich als Centralmeilenstein für das ebenfalls durch die Pisistratiden angelegte Straßennetz diente.
Sie begannen den
Bau eines
Tempels des olympischen Zeus (Olympieion) südöstlich von der
Burg, der aber nach dem
Sturze der
Pisistratiden ins
Stocken geriet und erst durch Hadrian vollendet wurde; sie fügten zu dem alten
Athenetempel
einen Säulenumgang und Giebelgruppen und schmückten den Burgeingang mit einem Festthore.
Pisistratus ließ endlich die südöstlich
außerhalb der Stadt im Ilisosbett entspringende
Quelle
[* 11] Kallirrhoe, die einzige größere des alten Stadtgebietes, in einen
neunröhrigen
Brunnen
[* 12] (daher Enneakrunos genannt) fassen und weihte im Nordosten einen ausgedehnten
Bezirk
(Lykeion) dem
Apollon
[* 13] als Heiligtum, das später durch
Perikles noch erweitert, durch den Staatsmann
Lykurgus zu einem Gymnasium
umgewandelt wurde.
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forlaufend
Nach dem Sturz der Tyrannis, mit der Erstarkung und Neugestaltung der Demokratie durch Kleisthenes am Ausgang des 6. Jahrh. v. Chr. erhielt die Stadt auf den westlich gelegenen Hügeln eine neue wichtige Anlage in der Pnyr (s. d.), dem Volksversammlungsplatz. Außerdem wurde nach 500 v. Chr. in dem heiligen Bezirke des Dionysos [* 15] am südöstl. Fuße der Burg ein fester Tanzplatz (Orchestra) und im Abhang ein Zuschauerraum mit Holzbauten für die dramatischen Vorstellungen angelegt.
Ein steinernes Theater
[* 16] mit Bühnengebäude wurde erst zur Zeit Alexanders d. Gr. vollendet. Eine sehr schwere Katastrophe traf
Athen im Perserkriege (480 u. 479 v. Chr.), als die auf Rat des Themistokles verlassene Stadt von dem pers.
Heere des Xerxes vollständig verwüstet wurde. Allein, kaum war durch den Sieg bei Platää 479 v. Chr. die Vertreibung der
Perser entschieden, als die
Athener auf die Trümmerstätte zurückkehrten und zunächst den Bau einer neuen, erweiterten Stadtmauer
begannen, die auf Antrieb des Themistokles in großer Hast ausgeführt und trotz der Einsprache der Spartaner
in kurzer Zeit vollendet wurde.
Sie war ringsum mit Türmen versehen. Noch jetzt läßt sich ihr Gang
[* 17] an mehrern Stellen, besonders an der Westseite, wo sie
sich auf dem Rücken der Felshügel, des Museion und des sog. Nymphenhügels, hinzog, vereinzelt
auch an der Süd- und Ostseite erkennen. Ihr Umfang betrug etwa 8 km. Zehn bis zwölf Thore vermittelten
den Verkehr, von denen noch das Melitische und das Piräische an der Westseite, das Doppelthor (Dipylon), der Ausgangspunkt
der Prozession von
Athen nach Eleusis auf der Nordwestseite, das Acharnische an der Nordseite, endlich das Itonische
an der Südseite nachgewiesen werden können. Nur allgemeiner in ihrer Lage bekannt sind das Armesünderthor (ιερα πυλη),
das zum Richtplatz (dem Barathron) im Westen der Stadt hinausführte,
das Diomäische und Diocharische Thor im Osten und das
Sunische im Süden.
[* 5] ^[Abb.: Äußere Ansicht der Akropolis (Rekonstruktion).]
Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der städtischen Befestigung ging Themistokles an die Befestigung
der neuen Hafenstadt (des Peiraieus), deren Anlage er schon vor dem Perserkriege begonnen hatte. Während die
Athener bis dahin
die nur etwa 5 km von der Stadt entfernte, den Schiffen keinen recht sichern Ankergrund bietende Bucht Phaleron als Hafen benutzt
hatten, veranlaßte sie Themistokles, eine neue Hafenstadt auf der 7 km südwestlich von
Athen gelegenen
felsigen Halbinsel des Peiraieus zu errichten, die drei von Natur ausgezeichnet sichere Häfen darbot: den Haupthafen (Kantharos),
[* 18] dessen enger Eingang durch Ketten geschlossen werden konnte und der in zwei Abteilungen, den Kriegshafen und den Handelshafen
(Emporion), zerfiel, und die beiden an der östl. Seite der Halbinsel befindlichen,
Zea und Munychia.
Eine hohe und starke Ringmauer diente dieser Anlage zum Schutz. 460-456 wurde dann unter Perikles die befestigte Hafenstadt
durch eine 7 km lange Mauer mit der Stadt
Athen verbunden und zugleich eine ähnliche, nur etwas kürzere Mauer
von der Stadt nach der Bucht Phaleron gezogen. Zur weitern Verstärkung
[* 19] wurde 444 v. Chr. noch eine dritte Mauer, in der Mitte
zwischen jenen beiden, der westlichen, von
Athen nach dem Peiraieus führenden parallel, errichtet. Auch weiterhin
sind die großen, die Politik leitenden Männer A.s die Bauherren der Stadt. In der Stadt selbst hatte Cimon
eine neue Burgmauer begonnen, die im Westen, gerade über dem Aufgange zu der obern Burgfläche, durch eine turmähnliche
Bastion (Pyrgos) abgeschlossen wurde. Sie trug den wahrscheinlich erst nach Perikles errichteten überaus zierlichen Tempel der
Athena Nike.
[* 20] Dieser wurde 1687 von den Türken zur Anlage
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forlaufend
einer Schanze abgebrochen, bei deren Wegräumung 1835 jedoch in seinen Bruchstücken fast vollständig wieder aufgefunden und durch die Architekten Schaudert und Hansen unter Leitung des Archäologen Ludwig Roß wieder zusammengesetzt. Außerdem begann Cimon südlich neben dem alten, nach den Perserkriegen wiederhergestellten Hekatompedos einen neuen großen, für die Stadtgöttin bestimmten Tempel, dessen Bau aber durch innere und äußere Wirren in den Anfängen unterbrochen wurde.
Endlich ließ ein Verwandter Cimons, Peisianar, eine prächtige Halle [* 22] auf der Agora aufführen. Der berühmte Maler Polygnot schmückte diese Halle mit Gemälden, nach denen sie die bunte (Stoa Poikile) genannt wurde. Auf die gewaltigen Nutz- und Schutzbauten der cimonischen Zeit folgte dann die glänzende Bauthätigkeit des Perikles, die wesentlich auf die Verschönerung der Stadt gerichtet war. Der früheste Bau war das in der Nähe des Theaters im heil. Bezirke des Dionysos errichtete Odeion (Odeum, s. d., schon vor 447 vollendet), ein Holzbau in der Form eines pers. Königszeltes.
Dann wendete er seine Aufmerksamkeit ganz besonders auf die Ausschmückung der Akropolis, die jedoch nicht ihren Charakter als Citadelle der Stadt verlor. Zunächst ließ er durch den Architekten Iktinus auf den Fundamenten des von Cimon begonnenen Tempelbaues, aber in veränderter Form, einen neuen, prachtvollen Tempel errichten, den Parthenon (s. d.), und nach dessen Vollendung durch den Architekten Mnesikles mit großem Kostenaufwande (angeblich über 9 Mill. M.) einen neuen prachtvollen Eingang zur Akropolis, die sog. Propyläen (s. d.). Der perikleischen Zeit verdankt endlich ein herrlicher, in der nordwestl.
Unterstadt auf einer Erhebung über der Agora, dem Markthügel (kolonos agoraios), gelegener Tempel seine Entstehung,
der, weil er im Mittelalter zu einer Kirche des heil. Georg hergerichtet wurde, noch jetzt vortrefflich erhalten ist. Früher
pflegte man ihn fälschlich dem Nationalheros Theseus zuzuweisen, weshalb er noch jetzt den Namen Theseion führt, wahrscheinlich
aber wurden hier Hephaistos
[* 23] und Athene gemeinsam verehrt. Durch den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges
(431 v. Chr.) wurde die bauliche Thätigkeit in
Athen zwar eingeschränkt, aber
doch nicht ganz unterbrochen.
Namentlich wurde an Stelle der alten, vermutlich auch nach der pers. Zerstörung notdürftig für den Gottesdienst wieder hergestellten Kapelle des Poseidon [* 24] Erechtheus ein neuer Bau, das Tempelchen der Athena Nike (s. oben), aufgeführt und mit neuer prächtiger Balustrade umgeben. Der für Athen unheilvolle Ausgang des Krieges (404 v. Chr.) führte die Zerstörung eines der bedeutendsten Werke herbei: die Athener wurden durch die siegreichen Spartaner genötigt, die Befestigung des Peiraieus und die langen Mauern zu schleifen.
Allein schon 395 zur Zeit des böot.-korinth. Krieges gegen Sparta wurde die Wiederherstellung der für A.s Sicherheit so notwendigen Werke begonnen und durch Conon mit pers. Gelde zu Ende geführt. Ein neuer schwerer Schlag traf Athen, wie das ganze Griechenland, [* 25] durch die Schlacht bei Chäronea (338). Aber die einsichtsvolle Finanzverwaltung des Lykurgus (338-326) ermöglichte wieder die Ausführung bedeutender Bauten auf Staatskosten. So wurde jetzt das längst angefangene steinerne Theater (Zuschauerraum, festes Bühnengebäude mit Wandelhalle) vollendet, in der jenseit des Ilisos gelegenen Vorstadt Agrä wurde ein Stadium zur Abhaltung der gymnastischen Wettkämpfe am Feste der Panathenäen eingerichtet, und im Peiraieus durch den Architekten Philon ein großartiges Seezeughaus errichtet. Auch die private Bauthätigkeit steigerte sich in dieser Zeit, wovon namentlich das 335 auf 334 v. Chr. errichtete, südöstlich von der Burg an der alten Tripoden (Dreifuß-) straße gelegene zierliche Lysikratesmonument (s. d.) Zeugnis ablegt.
Als nach dem traurigen Ausgang des Lamischen Krieges (322 v. Chr.) auch Athen macedon. Besatzung aufnehmen mußte, hörte die Ausführung von Bauwerken durch den Staat wie durch Privatleute fast ganz auf. Allein der alte Glanz, der noch immer die Stadt umstrahlte, veranlaßte nun auswärtige «hellenistische» Fürsten zur Errichtung von Bauwerken, deren Inschriften den Ruhm ihrer Stifter verkündeten. So ließ der König Ptolemäus II. Philadelphus von Ägypten [* 26] (284-246) in Athen ein Gymnasium errichten, in dem sich auch eine Bibliothek befand, König Eumenes II. (197-159) von Pergamum eine jetzt noch in den Fundamenten erkennbare Säulenhalle (Stoa) westlich neben dem Theater, sein Nachfolger Attalus II. (159-138) eine ausgedehnte Kaufhalle am Ostende [* 27] des Marktes, die 1860-62 und 1874 ausgegraben wurde.
König Antiochus IV. Epiphanes (175-164) von Syrien unternahm die Vollendung des seit der Vertreibung der Pisistratiden unterbrochenen Baues des Olympieions, der jedoch infolge des Todes des Königs nicht zu Ende geführt wurde. Auch die röm. Herrschaft hatte anfangs für Athen nichts Drückendes. Als es aber im Kriege der Römer [* 28] gegen den König Mithridates d. Gr. von Pontus die Partei des letztern ergriffen hatte, wurde die Stadt von Sulla erobert (86 v. Chr.). Die Befestigungen des Peiraieus, das große Seezeughaus und die Reste der langen Mauern wurden von dem Sieger geschleift und seitdem nicht wiederhergestellt.
A.s Seemacht verfiel gänzlich, und der Peiraieus sank zu einer unbedeutenden Ortschaft herab. Aus Athen selbst schleppte Sulla, außer einigen Weihgeschenken, eine Anzahl Säulen [* 29] von dem unvollendeten Olympieion fort. Um die Mitte des Jahrhunderts errichtete ein Privatmann, Andronicus, auf einem freien Platze östlich von der Agora ein noch jetzt erhaltenes, vom Volke Turm [* 30] der Winde [* 31] genanntes Bauwerk, das man aber richtiger als Horologium des Andronicus bezeichnet.
Auch die Begründer der röm. Monarchie, Julius Cäsar und Angustus, erwiesen sich, trotz mancher polit. Fehler der Athener, freundlich gegen die Stadt. Aus den von jenen gespendeten Gaben weihten die Athener nordöstlich von der Agora ein Festthor der Athena Archegetis. Dem Agrippa, dem großen Minister des Augustus, errichteten die Athener eine Statue, deren gegen 8 m hohes, ziemlich plumpes Piedestal vor den Propyläen noch jetzt vorhanden ist. Noch bei Lebzeiten des Augustus wurde auf der Akropolis östlich vom Parthenon ein der Göttin Roma [* 32] und dem Augustus geweihter Rundtempel erbaut, in der Kaiserzeit auch ostwärts vom Markt zwischen dem Thor der Athena Archegetis und dem Turm der Winde ein großer von Hallen umsäumter Platz angelegt, der vielleicht als eine Erweiterung des Marktes anzusehen ist. Der größte Wohlthäter A.s aber war der Kaiser Hadrian, unter dessen Regierung die Stadt einen neuen Aufschwung nahm und in reicherm Maße als je vorher durch viele mit Pracht ausgeführte Neubauten verherrlicht wurde. Zunächst vollendete Hadrian den Tempel des ¶