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1. Definition
Druck auf den Ohren (Ohrendruck) kann viele Ursachen haben. In vielen Fällen treten neben dem Druckgefühl gleichzeitig weitere Ohrenbeschwerden auf.
Eine wichtige Rolle für den Ohrendruck spielt die Ohrtrompete (auch eustachische Röhre oder Tuba auditiva genannt). Sie verbindet den Nasenrachenraum mit dem Mittelohr – genauer gesagt mit der Paukenhöhle. Die Ohrtrompete dient vor allem dazu, das Mittelohr zu «belüften» und dadurch den Druck im Mittelohr an den Aussendruck (also den Luftdruck im Nasenrachenraum) anzugleichen.
Ausserdem kann über die Ohrtrompete Sekret aus dem Mittelohr in den Rachen abfliessen. Die röhrenförmige Verbindung verläuft von der Paukenhöhle aus schräg nach vorne unten in den Nasenrachenraum. Das erleichtert zum einen das Abfliessen, bietet auf diese Weise aber auch einen gewissen Schutz vor Keimen beziehungsweise vor aufsteigenden Infektionen.
Nur wenn das Mittelohr sekretfrei ist und der Druck dem Aussendruck entspricht, kann das Trommelfell ungehindert schwingen und ein normales Hören ermöglichen.
Die Ohrtrompete ist etwa drei bis vier Zentimeter lang. Ihre Wände sind normalerweise zusammengefallen und die Ohrtrompete deshalb der Länge nach vollständig geschlossen. Im geöffneten Zustand beträgt ihr Durchmesser etwa zwei bis drei Millimeter. Sie öffnet sich kurz, wenn man kaut, schluckt oder gähnt. Dadurch gelangt Luft in die Ohrtrompete und sorgt bei ungleichen Druckverhältnissen für einen Druckausgleich. Manchmal hört man ein knackendes oder ploppendes Geräusch, wenn sich die Ohrtrompete öffnet und der Druckausgleich erfolgt. Allein durch regelmässiges Schlucken öffnet sich die Ohrtrompete im Schnitt einmal pro Minute.
Wenn sich die Druckverhältnisse ändern und der Aussendruck im Verhältnis zum Mittelohr steigt, wird das Trommelfell durch den Unterdruck im Ohr nach innen gewölbt. Das kann sich unangenehm anfühlen oder sogar schmerzhaft sein. Betroffene empfinden dann häufig Druck auf den Ohren oder haben das Gefühl, dass etwas in den Ohren steckt und diese ausfüllt.
Je nach Ursache treten bei Druck im Ohr möglicherweise weitere Symptome auf, wie zum Beispiel:
- Schwindelgefühl
- dumpfe bzw. gedämpfte Hörwahrnehmung
- eigene Stimme hört sich beim Sprechen «hallend» oder lauter an
- Missempfindungen im Ohrbereich
- «Völlegefühl» im Ohr bzw. Gefühl, als ob etwas im Ohr steckt
- Ohrenschmerzen
Häufig ist der Druck auf den Ohren harmlos und tritt nur vorübergehend auf – etwa während einer Flugreise beim Starten oder Landen, beim Fahrstuhlfahren in einem Hochhaus oder wenn man mit dem Zug in einen Tunnel einfährt.
Ohrendruck kann jedoch auch im Rahmen bestimmter Erkrankungen auftreten, so etwa bei:
Bleibt der Druck auf den Ohren länger bestehen, sollte man die Ursache ärztlich abklären lassen.
2. Ursachen
Druck auf den Ohren (Ohrendruck) kann verschiedene Ursachen haben. In der Regel entsteht er, wenn die Ohrtrompete nicht richtig belüftet wird beziehungsweise der Druckausgleich zum Mittelohr nicht richtig funktioniert. Ärzte sprechen dann von einer sogenannten Belüftungsstörung oder Tubenventilationsstörung. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die Ohrtrompete
- zugeschwollen ist.
- blockiert ist (z.B. durch eine vergrösserte Rachenmandel).
- sich nicht richtig öffnet.
Ist kein Luftaustausch möglich, kann ein Unterdruck im Ohr entstehen, bei dem sich das Trommelfell nach innen wölbt. Das kann sich unangenehm oder sogar schmerzhaft anfühlen und zu einem Druckgefühl oder einer Art Völlegefühl im Ohr führen.
Ist die Ohrtrompete verschlossen, kann sich im Mittelohr aber auch Sekret ansammeln und gegen das Trommelfell drücken. Auch das kann Ohrenschmerzen bereiten oder andere Ohrbeschwerden wie Druck im Ohr verursachen. Staut sich Flüssigkeit längere Zeit auf, kann das auf Dauer zu einer Mittelohrentzündung führen. Vor allem kleine Kinder sind häufig davon betroffen, denn bei ihnen ist die Ohrtrompete noch nicht voll entwickelt und im Verhältnis kürzer als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Dadurch kommt es bei ihnen generell rascher zu Entzündungen, in deren Verlauf die Schleimhaut in der Ohrtrompete häufig anschwillt und diese verschliesst.
Bestimmte Faktoren können zu Druck im Ohr beitragen:
- Höhenveränderung: Je nach Höhe liegt auch ein veränderter Luftdruck vor. Normalerweise gleicht die Ohrtrompete den Druckunterschied zum Mittelohr aus. Funktioniert das nicht richtig, spürt man einen unangenehmen oder auch schmerzhaften Druck auf den Ohren. Typische Höhenveränderungen, die zu Druck im Ohr führen, sind zum Beispiel:
- beim Starten oder Landen mit dem Flugzeug
- beim Fahrstuhlfahren in einem Hochhaus
- beim Bergsteigen
- beim Tauchen
- anatomische Begebenheiten: Bei manchen Betroffenen ist die Ohrtrompete von Natur aus enger und kann sich leichter verlegen, wodurch es auch rascher zu Problemen beim Druckausgleich kommen kann. Menschen mit engeren Ohrtrompeten haben meist auch bei Flugreisen eher Probleme durch Druck auf den Ohren – insbesondere während des Landeanflugs. Aber auch eine (meist angeborene) Nasenscheidewandverkrümmung kann zu Druck im Ohr führen.
- Infektionen: Infektionen im Ohr oder im Nasenrachenraum können dazu führen, dass der Ohrendruck steigt. Bei einer Mittelohrentzündung kann sich zum Beispiel Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln (sog. Paukenerguss) und so den Druck erhöhen. Aber auch Atemwegsinfekte wie eine Erkältung können mit Druck auf den Ohren einhergehen, wenn etwa die Ohrtrompete zuschwillt oder durch Sekret verlegt ist (sog. Tubenkatarrh).
- ständig geöffnete Ohrtrompete: Das sogenannte Syndrom der klaffenden (offenen) Tube kann ebenfalls zu Druck auf den Ohren führen. Kommt es zu Veränderungen im Fett- und Bindegewebe um die Ohrtrompete herum, hat das unter Umständen zur Folge, dass die Ohrtrompete ständig offen ist. Das kann verschiedene Ursachen haben, etwa eine Gewichtsabnahme oder ein niedriger Druck in den Venen. Aber auch Veränderungen im Bereich der umgebenden Knorpel oder Muskeln sind möglich.
- Allergien: Im Rahmen einer Allergie können zum einen die Schleimhäute im Nasenrachenraum anschwellen, zum anderen kommt es dabei auch zu verstärkter Schleimproduktion. Das kann die Funktion der Ohrtrompete beeinträchtigen.
Weitere mögliche Ursachen, die zu Druck im Ohr führen können, sind:
3. Diagnose
Um herauszufinden, was die Ursache für länger andauernden Druck auf den Ohren (Ohrendruck) ist, kann der Hals-Nasen-Ohren-Arzt verschiedene Untersuchungen vornehmen.
Mithilfe einer Ohrenspiegelung (Otoskopie) kann er zum Beispiel Veränderungen am Trommelfell feststellen. Unter Umständen erfolgt die Ohrenspiegelung auch kombiniert mit dem Valsalva-Manöver, bei dem der Patient mit geschlossenem Mund und zugehaltener Nase ausatmet und Luft in die Ohrtrompete drückt. Funktioniert der Druckausgleich durch das Valsalva-Manöver, kann der Arzt dies anhand des vorgewölbten Trommelfells erkennen.
Eine andere Methode, mit der man die Funktion der Ohrtrompete testen kann, ist die sogenannte pneumatische Otoskopie. Dabei benutzt der Arzt ein spezielles Otoskop, das den äusseren Gehörgang luftdicht abschliesst, und führt über einen angeschlossenen Ballon Luft in den Gehörgang ein, die danach wieder abgelassen wird. Der Arzt beobachtet währenddessen, wie das Trommelfell auf die erzeugten Druckverhältnisse reagiert beziehungsweise ob es sich bewegt.
Eine Nasenspiegelung (Rhinoskopie) bringt Aufschluss über mögliche Entzündungsvorgänge im Bereich der Nase und ermöglicht es, die Öffnung der Ohrtrompete zu begutachten.
Die Eigenschaften von Trommelfell und Mittelohr lassen sich ausserdem zusätzlich mit der sogenannten Tympanometrie prüfen. Dabei misst der Arzt mit einer kleine Sonde im äusseren Gehörgang den Druck im Mittelohr im Vergleich zum Aussendruck.
Mit einem Hörtest lässt sich zudem abklären, ob möglicherweise Hörprobleme bestehen.
Liegen die Ursachen für den Ohrendruck nicht im Ohr, sondern möglicherweise im Bereich der Kiefergelenke oder der Gaumen- und Kiefermuskulatur, werden in der Regel weitere Fachbereiche (z.B. Zahnarzt mit Schwerpunkt Funktionsdiagnostik) zur Diagnose hinzugezogen.
4. Therapie
Häufig hält der Druck auf den Ohren (Ohrendruck) nur kurze Zeit an und verschwindet von selbst, sodass keine Behandlung nötig ist. In manchen Fällen hält er jedoch möglicherweise tage- bis wochenlang an. Dann kann eine Therapie erforderlich sein.
Gegen Druck im Ohr können kurzfristig oft schon einfache Massnahmen helfen, wie zum Beispiel:
- gähnen, kauen oder schlucken
- das sog. Valsalva-Manöver: Einatmen und dann langsam Ausatmen, während der Mund geschlossen ist und man sich die Nase zuhält – dabei wird Luft in die Ohrtrompete gedrückt und ein Druckausgleich kann stattfinden. Bei erfolgreichem Druckausgleich hört man eine Art leises Knacken oder Klicken.
Wer bei Flugreisen Probleme mit Druck auf den Ohren hat, kann etwa eine halbe Stunde vor dem Start abschwellende Nasentropfen oder auch ein Nasenspray verwenden und so den Druckausgleich im Ohr erleichtern. Bei längeren Flügen sollte man das etwa eine halbe Stunde vor der Landung noch einmal wiederholen.
Verursacht zu viel Ohrenschmalz im Gehörgang den Druck im Ohr, lässt sich das leicht beheben, indem der Hals-Nasen-Ohren-Arzt das Ohrenschmalz entfernt.
Liegt dem Ohrendruck eine Erkrankung zugrunde, sollte diese behandelt werden. Häufig kommen dann (je nach Ursache) auch Medikamente zum Einsatz, wie etwa:
- Antibiotika
- abschwellendes Nasenspray
- antiallergische Mittel
- Glukokortikoide
Entsteht der Ohrendruck, weil sich hinter dem Trommelfell Flüssigkeit angesammelt hat (z.B. durch eine Mittelohrentzündung), kann es notwendig sein, in einem kleinen operativen Eingriff ein sogenanntes Paukenröhrchen ins Trommelfell einzusetzen. Das schafft eine Verbindung zwischen äusserem Gehörgang und Mittelohr, sodass die Flüssigkeit ablaufen kann und ein Luftaustausch wieder möglich ist.
Sind anatomische Begebenheiten (wie eine Nasenscheidewandverkrümmung oder eine vergrösserte Rachenmandel) die Ursache für den Druck auf den Ohren, können operative Massnahmen angebracht sein.
Bei einer dauerhaft verengten Ohrtrompete können ausserdem neuere Verfahren wie eine Ballondilatation infrage kommen, also eine Weitung der eustachischen Röhre durch einen Ballonkatheter. Bei dieser noch recht neuen Methode bringt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt mithilfe eines speziellen Endoskops über die Nase und den Rachen einen Ballonkatheter in die verengte Ohrtrompete ein, der dann kurze Zeit mit physiologischer Kochsalzlösung aufgepumpt wird und diese dehnt. Experten vermuten, dass durch das Dehnen winzige Frakturen im Knorpelgewebe entstehen, das die Ohrtrompete umgibt, wodurch die Ohrtrompete mehr Platz hat und einen grösseren Durchmesser bekommt. Auf diese Weise lassen sich die Belüftungsfunktion des Ohrs und dadurch auch begleitende Ohrenbeschwerden wie Druck im Ohr unter Umständen wieder verbessern. Ob sich eine Ballondilatation auf lange Sicht bewährt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen. Vergleichende Analysen der bisherigen Studien lassen – auch aufgrund der geringen Probandenzahlen – bislang keine schlüssige Aussage zu.
Eine andere neuere Methode ist die sogenannte Lasertuboplastik. Bei diesem operativen Eingriff trägt der Arzt mit einem Laser Gewebe vom Eingang der Ohrtrompete ab und vergrössert diesen dadurch. Das soll sich positiv auf die Belüftungsstörung auswirken. Wie erfolgsversprechend diese Methode ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Vergleichende Analysen bisheriger Studien kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Auch bei den hier verglichenen Studien war die Zahl der teilnehmenden Probanden gering.
«Gesundheit! Danke.»
Macht spät essen dick?