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Das Suworow-Häuschen
von Jakob Kubli
Zwischen Netstal und Glarus steht etwas abseits in den Wiesen ein kleines, steilgiebliges Haus. Es wird heute kaum mehr beachtet. Vor Jahrzehnten führte noch die alte Landstrasse am einsamen Haus vorbei. Auf der Ostseite des Hauses erinnert eine schlichte Gedenktafel an die Alpenüberquerung der russischen
Truppen im Jahre 1799. Russische und französische Truppen lieferten sich über Netstal hinweg heftige Artillerieduelle. Dieses Häuschen stand damals im Mittelpunkt des Weltgeschehens, als die Russen und die Franzosen einander die Alpenpässe streitig machten. Die Tafel erinnert daran, dass General-feldmarschall Graf Alexander Suworow vom 1. bis 4. Oktober 1799 mit seiner Entourage hier sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Er hatte sich mit seinen 20 000 Soldaten in mühsamen Kämpfen über den Gotthard, den Kinzig und den Pragelpass geschlagen und gehofft, über den Kerenzerberg aus dem Tälergewirr zu entkommen.
Am 2. Oktober 1799 kamen dann alle russischen Heerführer, darunter auch der Zarensohn Konstantin, in diesem Häuschen zusammen und berieten, ob man die Franzosen bei Mollis nochmals angreifen oder den Rückzug aus dem Sacktal antreten solle. Wenn es nach dem alten Suworow gegangen wäre, hätte man die Franken nochmals gepackt. Dem Zarensohn aber war die Schiesserei verleidet, und so mussten ihm die hohen Offiziere und die 20 000 Soldaten gehorchen und über den tief verschneiten Panixerpass waten.
Aus dieser Zeit erzählt man sich folgende Sage: Jedes Jahr in einer sternenklaren Oktobernacht, wenn es vom Turm der reformierten Kirche Mitternacht schlägt, öffnet sich die Tür des Suworow-Häuschens. Da kommen sie heraus, die alten Marschälle und Generäle Suworows und reiten mit ihrem silberlockigen Feldherrn siebenmal um das Haus, dass die Funken unter den Hufen stieben und Säbel und Orden im Mondschein glitzern. Doch plötzlich ist der Spuk vorbei. Nur von weit her hört man den verhallenden Ruf "Suworow“. Dann füllt die Stille wieder den Raum zwischen den Firnen.