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Weltweit sind mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen von weiblicher Genitalbeschneidung (FGM/C) betroffen. Man geht jährlich von drei Millionen neuen Fällen aus; meist sind es Babys und Kleinkinder. Auch in Europa wurden früher Genitalbeschneidungen durchgeführt. Mit der Migration aus Ländern mit hohen Beschneidungsraten ist FGM/C in Europa wieder ein Thema geworden.
Die weibliche Genitalbeschneidung (Female Genital Mutilation/Cutting, FGM/C) ist vor allem in westlichen, östlichen und nordöstlichen Regionen Afrikas, in einigen Ländern Asiens sowie im Nahen Osten verbreitet. Insbesondere Länder wie Somalia, Eritrea, Sudan, Ägypten, Guinea, Sierra Leone, Mali und Djibouti weisen hohe Beschneidungsraten auf.
Laut UNICEF sind die Beschneidungsraten in den letzten drei Jahrzehnten zurückgegangen. So beziehen sich die Daten der untenstehenden Grafik auf beschnittene Mädchen und Frauen im Alter von 15 – 49 Jahren (ausser Indonesien). Die Zahl der beschnittenen Mädchen, welche jünger als 14 Jahre alt sind, scheint abzunehmen. Doch der Rückgang gestaltet sich sehr unterschiedlich – längst nicht alle Länder machen dieselben Fortschritte. Aus Somalia etwa, wo die Beschneidungsrate bei 98 % liegt, gibt es keine aktuellen Daten bezüglich der Beschneidungsrate der Mädchen, die jünger als 14 Jahre alt sind.
Durch Migration aus Ländern mit hohen Beschneidungsraten ist FGM/C auch in Europa ein Thema. Dabei geht oft vergessen, dass bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts auch in Europa und den USA weibliche Genitalbeschneidung praktiziert wurde. Unter gewissen Umständen wurde die Klitoridektomie als »Heilungsmethode» gesehen. Als Begründungen wurden neben Masturbation auch «lesbische Neigungen» oder Hysterie aufgeführt. Zur Situation in der Schweiz.
Die kosmetische Genitalchirurgie kann unter Umständen auch als eine Art Genitalbeschneidung verstanden werden. Auch wenn es klare Unterschiede zu FGM/C gibt, (FGM/C wird in der Regel an minderjährigen Mädchen durchgeführt, kosmetische Genitalchirurgie nicht), so gibt es auch Gemeinsamkeiten: Es findet ein operativer Eingriff statt, bei welchem gesundheitliche Risiken existieren. Und es gibt in beiden Kontexten gesellschaftliche Erwartungen bis hin zum Druck, die weiblichen Genitalien in irgendeiner Form verändern zu müssen. FGM/C ist in der Schweiz verboten; kosmetische Genitalchirurgie nicht.
Ebenfalls zu erwähnen ist die Thematik der Intersexualität, oder der Geschlechtsvarianten: Nicht alle Menschen lassen sich bei der Geburt eindeutig einer der beiden Geschlechterkategorien Mann oder Frau zuordnen. Dieser Umstand führte zu einer medizinischen Praxis, nämlich der möglichst raschen chirurgischen «Vereindeutigung» des Geschlechts, was menschenrechtlich höchst problematisch ist und dennoch lange Zeit hingenommen wurde. Erst in jüngster Zeit beginnt sich dies dank engagierten Betroffenen, Ethikfachleuten und Empfehlungen von internationalen Menschenrechtsgremien zu ändern.
UNICEF (2016a): Female Genital Mutilation/Cutting: A Global Concern. PDF
UNICEF (2016b). At least 200 million girls and women alive today living in 30 countries have undergone FGM/C. Source: UNICEF global databases, 2016, based on DHS, MICS and other nationally representative surveys, 2004-2015. Website