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Müdigkeit (Fatigue) ist ein häufiges Symptom, das verschiedene Ursachen haben oder Folge von psychischen sowie körperlichen Erkrankungen und deren Behandlungen sein kann.
Das chronische Müdigkeitssyndrom wird im Gegensatz dazu relativ selten diagnostiziert. Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose. Dies bedeutet, dass die Diagnose erst dann gestellt werden kann, wenn andere Krankheiten, die mit chronischer Erschöpfung einhergehen, durch eine bio-psycho-soziale Exploration der Krankengeschichte (Anamnese), klinische Untersuchung und allenfalls weiterführende diagnostische Abklärungen ausgeschlossen worden sind. Das chronische Müdigkeitssyndrom ist u.a. auch als chronisches Erschöpfungssyndrom, Chronic Fatigue Syndrom (CFS) oder myalgische Enzephalomyelitis (ME) bekannt. Als neue Bezeichnung hat die National Academy of Medicine (vormals Institute of Medicine) im Jahr 2015 «Systemic Exertion Intolerance Disease (SEID)” vorgeschlagen, die zum Ausdruck bringen soll, dass die betroffenen Patientinnen und Patienten vielfältige körperliche, kognitive und emotionale Belastungen schlecht tolerieren.
Symptome
Das CFS/ ME könnte als Ausdruck einer Wahrnehmungsstörung eines übersensiblen Hirns im Sinne einer zentralen Sensitivierung verstanden und den sogenannten Hypersensitivitätssyndromen zugeordnet werden. Dabei prozessiert das Gehirn ein übermässiges und langanhaltendes Müdigkeitsgefühl bei Tätigkeiten, die eine durchschnittliche Person normalerweise nicht oder nur kurzzeitig als ermüdend wahrnimmt. Aus pathophysiologischer Sicht werden eine mitochondriale Dysfunktion, neuro-inflammatorische Mechanismen und erhöhter oxydativer und nitrosativer Stress als wichtige Mechanismen vermutet, die gegenüber körperlichem und psychischem Stress responsiv sind.
Prädisponierende Faktoren können genetisch, früheres Müdigkeitserleben im Rahmen von Infekten, Tumorbehandlungen, Entzündungen oder anhaltendem Stress sein und ein “Fatigue-Gedächtnis” etablieren. Mögliche auslösende Faktoren können vielfältige körperliche, kognitive und emotionale bzw. psychische Stressoren sein (CFS als Systemic Exertion Intolerance Disease, SEID). Sekundäre Stressoren (z.B. drohende Arbeitsunfähigkeit, übermässige Anstrengungen, Komorbiditäten) und unangemessene körperliche Anstrengungen können den Zustand aufrechterhalten und verschlimmern. Patienten klagen oft über nicht erholsamen Schlaf, eine verminderte Schlafqualität und längere Schlafzeiten.
Diagnostik und Therapie
Das CFS
erfordert eine schwierige und aufwändige Diagnostik unter Einbezug mehrerer
Fachbereiche (Neurologie, Rheumatologie, Immunologie und Psychosomatik).
Zu den evidenzbasierten Therapieansätzen
gehört in erster Linie die kognitive Verhaltenstherapie und eine individuell
angepasste körperliche Aktivierung, kann nach Schweregrad allfälliger Begleitbeschwerden
eine medikamentöse Behandlung einer depressiven oder Angstsymptomatik, zur Schlafregulation
oder Schmerzdistanzierung, erforderlich sein.
Kooperation
In Kooperation mit anderen Fachgebieten des USZ (Rheumatologie, Immunologie, Pneumologie und Neurologie) kann durch interne Zuweisung und spezialisierte Abklärungen ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet werden.