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Fast hätte das Karibu, das Symboltier auf der kanadischen 25-Cent-Münze, in einigen Gebieten des kanadischen Waldes kaum noch eine Chance gehabt. Durch das grösste Waldmoratorium in der kanadischen Geschichte könnte sich der Bestand des gefährdeten Rentiers nun wieder erholen. Auf einer Fläche fast so gross wie Deutschland werden die führenden Papierhersteller Kanadas auf Druck von Greenpeace und anderen NGOs in den nächsten drei Jahren auf jeglichen Holzeinschlag verzichten.
Die beteiligten Umweltverbände und die Papierhersteller werden gemeinsam in einem dreijährigen Prozess Vorschläge erarbeiten, die den Schutz und die ökologisch nachhaltige Nutzung des Waldes zum Ziel haben. «Unser langer Atem hat sich gelohnt: Mit vielen gewaltfreien Protesten und zahlreichen Gesprächen mit Unternehmensvertretern konnten wir dieses dringend benötigte Abkommen auf den Weg bringen», freut sich Richard Brooks, Leiter der Waldkampagne bei Greenpeace Kanada. Das Abkommen ermöglicht einen dreijährigen Planungsprozess mit dem Ziel, 72 Millionen Hektar borealen Wald in geschützte Flächen umzuwandeln und eine ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft einzuführen. Neben Greenpeace unterstützen acht weitere Umweltschutzgruppen wie Forest Ethics, Canopy und PEW Environmental Group die Verhandlungen und stellen vorerst ihre Kampagnen gegen einzelne Papierhersteller ein.
Die führenden Papier- und Holzhersteller, insgesamt 21 Unternehmen, darunter AbitibiBowater, Kruger und Weyerhäuser, beteiligen sich an dem Einschlagsmoratorium. Einige von ihnen hatte Greenpeace bereits 2007 in einem Report als Hauptverantwortliche für die Urwaldzerstörung identifiziert: Grossteile der von ihnen genutzten Waldflächen sind nicht mehr intakt; Satellitenbilder deckten sogar Kahlschlagflächen größer als Berlin auf. Zellstoff aus kanadischen Wäldern wird für die Herstellung von Papierprodukten auch in die Schweiz importiert.
Der Urwald Kanadas formt zusammen mit den Wäldern Skandinaviens, Russlands und Alaskas das grösste Waldökosystem der Nordhalbkugel. Über die Hälfte des kanadischen Urwaldes sind bereits per Konzession zur Abholzung freigegeben. Mit etwa 28 Millionen Hektar deckt die nun für drei Jahre vor Holzeinschlag geschützte Fläche fast den gesamten Lebensraum der gefährdeten Wald-Karibus ab.