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Die Antoniuskirche in Basel liegt im St. Johann-Quartier und gehört zur römisch-katholischen Pfarrei St. Anton. Die zwischen 1925 und 1927 erbaute Kirche ist die erste reine Betonkirche der Schweiz. Sie wurde vom Architekten und Professor Karl Moser (1860–1936) und der Baufirma G. Doppler und Sohn in schalungsrohem Sichtbeton errichtet. Am 13. September 1931 wurde sie dem Heiligen Antonius von Padua geweiht.
Die Antoniuskirche gilt heute noch als architektonisches Highlight. Die monumentalen Farbglasfenster tragen wesentlich zum Ansehen dieses pionierhaften Baues der modernen Sakralarchitektur bei. Über 60 Künstler haben an dem im März 1926 ausgeschriebenen Wettbewerb für die Glasfenster teilgenommen (Christ, 1991, S. 89). Ausgeführt wurden sie durch die Basler Künstler Hans Stocker (1896–1983) und Otto Staiger (1894–1967), die den 1. bzw. den 2. Preis gewonnen hatten (vgl. VMR_90
). Die Ausführung zögerte sich bis 1930 hinaus, aufgrund vieler Auftragsumstellungen, Zeitverzögerungen und vieler Anfechtungen, vor allem Seitens des Klerus (cf. Christ, 1991, S. 88 und S. 90). Karl Moser, der sich bei der Planung auch intensiv mit der Innenausstattung befasste, hatte sich schon im Voraus das gesamte Konzept der Fenster, inklusive der Farbgebung, ausgedacht. Sieben Achtel der 66 m2 grossen und mit Betonsprossen unterteilten Fenster sind mit ornamentalen Feldern besetzt. Ein Achtel zeigt jeweils im Osten eine Szene aus dem Leben des hl. Antonius und im Westen gegen die Strasse hin eine aus dem Leben Christi. Diese Komposition der Fenster ist bei Mosers Entwurf für die Farbkonzeption der Langhauswand schon vorhanden (Abb. siehe Christ, 1991, S. 71). Die Glasfenster von Hans Stocker und Otto Staiger sind massgebend für die Erneuerung der sakralen Glasmalerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der innovative Stil, die Monumentalität, die starke Stilisierung und die intensiven Farben haben einerseits beeindruckt, andererseits auch irritiert.
Das Farbkonzept von Moser wurde von den beiden Künstlern, Stocker und Staiger, durch eine kontinuierliche Farbsteigerung umgesetzt. Beim Eingang dominiert blau, in der Mitte grün und der Chor ist in strahlendem Gelb gehalten. Harmonisch mit dem Bau verbunden, wird der Übergang von einem Fenster zum nächsten und von der ornamentalen Verglasung zur figurativen Szene fliessend inszeniert. Hierzu wurden die Farbnuancen und Unregelmässigkeiten in den Glastafeln geschickt und gewollt ausgenutzt.
Etwas Seltenes ist hervorzuheben: Für die Ausführung und Herstellung der Glasgemälde in der Antoniuskirche in Basel haben Hans Stocker und Otto Staiger an Ort und Stelle zwischen 1927 und 1930 eine Glasmalerwerkstatt eingerichtet. Im Mittelalter wurden die Glasfenster der grossen Kathedralen meistens in einer eigens dafür eingerichteten Werkstatt ausgeführt. Zu erwähnen sind die Glasmalereiwerkstätten der Kölner Dombauhütte und diejenige in der Kathedrale von Ely, die beide heute noch aktiv sind. In der Neuzeit jedoch ist dies nur noch selten der Fall. Eine alte Fotografie (Hess, 1944, S. 74) zeigt die Künstler in der Werkstatt bei der Ausführung der Tafeln "Tod des hl. Antonius". Otto Staiger (links) und Hans Stocker (Mitte, hinten) schauen einem Glasmaler zu, der gerade ein Glas zuschneidet. Im Hintergrund sind die Kartons zum Fenster aufgehängt. Das Arbeiten in der Kirche ermöglichte es den Basler Künstlern, bei der Auswahl der Gläser genau auf die Lichtverhältnisse einzugehen, was bei einer Herstellung in einer externe Werkstatt nur schwer möglich gewesen wäre.
Christ, D. (1991). Die Antoniuskirche – Ein Gesamtkunstwerk. In: D. Christ, T. Doppler, T. Ganter, D. Huber, V. Ristic, E. Strebel & A. Wyss, Die Antoniuskirche in Basel (S. 79–124). Basel: Birkhäuser Verlag.
Christ, D., Doppler, T., Ganter, T., Huber, D., Ristic, V., Strebel, E. & Wyss, A., (1991). Die Antoniuskirche in Basel. Basel: Birkhäuser Verlag.
Hess, R. (1944). Neue Glasmalerei in der Schweiz, Das Werk. Architektur und Kunst 31(3), 69–77. Doi: http://doi.org/10.5169/seals
-24985.