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Klimawandel
Klima bedroht Menschenrechte
Der Klimawandel hat direkte Auswirkungen auf die Menschenrechte, denn die globale Erwärmung und Umweltverschmutzung führen dazu, dass weltweit Dutzende von Millionen Menschen auf der Flucht sind. Diese Menschen haben keinen rechtlichen Schutz, und sie können nicht auf die Sicherheiten der Genfer Flüchtlingskonvention zählen. Zudem haben im Abkommen der Pariser Klimakonferenz von 2015 die politischen Faktoren kaum Gewicht bei der Bewertung der Klimapolitik.
In Ostasien und im Pazifik, in Mittel- und Zentralasien, in Amerika und in Europa fliehen Millionen von Menschen vor Naturschäden, weit mehr als vor Kriegen und Konflikten. Nur in einem Kontinent ist es anders, in Afrika, wo 2017 aus Umweltgründen 2,6 Millionen Menschen geflüchtet sind. Laut Angaben der UNO haben 2017 über 40 Millionen Menschen wegen Konflikten, Diskriminierung, Armut und Naturkatastrophen ihren Wohnsitz aufgegeben.
Laut der Internationalen Organisation für Migration hat sich die Gefahr, wegen Umweltschäden evakuiert zu werden, innert 40 Jahren verdreifacht. Gemäss der Weltbank werden bis 2050 wegen des Klimawandels 250 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes oder über Grenzen hinweg unterwegs sein. Die Studien verschiedener UNO-Organisationen berichten über steigende Durchschnittstemperaturen, eine Häufung von extremen Wetterlagen (Orkane, Dürre, Hitzewellen, Ausdehnung der Wüsten; siehe Grafik), von Umwälzungen der landwirtschaftlichen Produktionsperioden und einem Ansteigen der Ozeane.
Der Klimawandel trifft geschwächte, benachteiligte und diskriminierte Personen am stärksten. Besonders bedroht sind Kinder. «Der Klimawandel ist wegen seiner Auswirkungen auf die Menschen ein Aspekt der Menschenrechte», unterstreicht Kumi Naidoo, Generalsekretär von Amnesty International. «Er verstärkt die Ungleichheiten, und besonders die Kinder erleben im Wachstum seine verheerenden Auswirkungen. Dass der grösste Teil der Regierungen wenig bis nichts tut gegen die sichere gegenseitige Vernichtung, ist eine der grössten Verletzungen der Menschenrechte der Geschichte.»
Der Klimawandel hat einen direkten Einfluss auf die Verfügbarkeit von Trinkwasser und Lebensmitteln, auf die Gesundheit und die Bedingungen eines würdigen Lebens. Er wirkt sich auch aufs Recht der indigenen Völker am eigenen Boden und auf die Staatsbürgerschaft aus. Dieses Szenario gilt besonders für Inselstaaten, die wegen der steigenden Ozeane vom Untergang bedroht sind.
Letztlich geht es um den direkten Einfluss der Wirtschaftsmächte. Amnesty International erinnert daran, wie «in Honduras ein Projekt zur Palmölproduktion mit grossen Plantagen dazu geführt hat, dass die Kleinbauern das eigene Land verlassen mussten. Und indigene Gemeinschaften wurden enteignet, um den Bau eines Staudamms für ein Kraftwerk zu ermöglichen.» Die Menschenrechtsorganisation berichtet über viele solche Fälle, «aber es ist sehr selten, dass darüber in den Ländern gesprochen wird, die für den grössten Teil des Treibhauseffekts verantwortlich sind». Der Klimawandel und die damit verbundenen Naturkatastrophen zerstören Millionen von Leben, aber für die internationale Gemeinschaft scheinen Umweltflüchtlinge nicht zu existieren. Besonders störend ist, dass die zerstörerischen Auswirkungen des Klimawandels vor allem die ärmsten Länder treffen, die selbst am wenigsten zu den Umweltschäden beitragen.
Françoise Gehring
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Übersetzung: Peter Moor
Naturereignisse und ihre Folgen
Naturkatastrophen: Orkane, sintflutartige Regenfälle, Überschwemmungen führen direkt zu vielen Opfern. Zudem zerstören sie die Ökosysteme mit schweren Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung und die Lebensgrundlagen.
Abschmelzen der Gletscher: Das Schmelzen der Polarkappen führt zum Ansteigen der Ozeane. Dies bedroht die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorgung.
Ansteigen der Meere: Eine grosse Gefahr für die Küstenregionen, die in den tieferen Breitengraden unbewohnbar werden; gewisse Inselstaaten werden massiv beschädigt. Eine Gefahr ist die Versalzung der Böden und des Grundwassers, verbunden mit der Verknappung des Trinkwassers. Eine Erwärmung um 2 Grad könnte ein bis zwei Millionen Menschen das Trinkwasser entziehen.
Temperaturanstieg: Eine zwingende Folge sind Dürre und die Ausdehnung der Wüsten, was die Landwirtschaft und den Zugang zu Trinkwasser gefährdet. Die Gefahr der Ausbreitung verschiedener Krankheiten steigt, beispielsweise Malaria in Verbindung mit Überschwemmungen. Hitzewellen und Smog gefährden allgemein die Gesundheit. Wenn die Durchschnittstemperatur weltweit um 2 Grad steigt, werden zwischen 100 und 400 Millionen Menschen zusätzlich unter Hunger leiden, und die Todesfälle wegen Unterernährung werden jährlich um über drei Millionen zunehmen.