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Die Nervosität in den Griff bekommen und souverän auftreten...
Im Artikel zur fachlichen Vorbereitung auf einen Vortrag haben wir beschrieben, wie man eine Gliederung, Stichwortkarten und ein Handout erstellt.
Allerdings macht manchen Schüler/innen die Nervosität einen Strich durch die Rechnung. Bereits Tage vorher plagt sie teilweise die Nervosität und sie zweifeln daran, ob sie sicher auftreten können und in der Lage sind, kompetent auf mögliche Rückfragen von Mitschülern oder des Lehrers zu antworten. Doch wie können Jugendliche mit dieser Vortragsnervosität umgehen? Welche Strategien können ihnen helfen sich zu beruhigen? Welche Vortragstechniken runden ein gelungenes Referat ab?
Zu diesen Fragen möchte ich Ihnen heute einige Anregungen geben. Sie können diese Tipps gleich für Ihre Schüler oder Ihr Kind ausdrucken:
Mit der Aufregung umgehen
Nervosität ist in gewissem Maße eine normale körperliche Reaktion auf ein bedeutsames Ereignis. So brauchen Sportler beispielsweise die Anspannung vor einem Wettkampf, um Bestleistungen abrufen zu können. Es ist unschwer erkennbar, dass eine vollkommene Entspannung hier eher kontraproduktiv wäre. Auch bei (mündlichen und schriftlichen) Prüfungen kann eine gewisse Aufregung helfen, konzentriert zu arbeiten. Schlägt die Aufregung jedoch in Angst oder Panik um, kann dies das konzentrierte Vorankommen regelrecht blockieren. Die folgenden Strategien können dir dabei helfen, mit der Angst besser umzugehen:
- Überlege dir im Voraus, was du für dein Referat benötigst. Möchtest du beispielsweise eine Folie mit Bild auflegen oder die wichtigsten Punkte durch eine Powerpointpräsentation untermalen? Notiere dir alles dafür Notwendige.
- Überprüfe zum Anfang der Schulstunde/ vor dem Vortrag, ob alles (Folien, Overhead-Projektor, Laptop, o.ä.), was du für deinen Vortrag brauchst, vorhanden ist und funktioniert.
- Schau, ob es etwas gibt, das dir den Einstieg erleichtert. Manche Schüler finden es beispielsweise schlimm, wenn sie vor der Klasse stehen, sie alle anschauen und sie dann beginnen sollen. Hier kann es helfen, wenn man sich kurz zur Tafel wegdreht, den Titel des Vortrages an die Tafel schreibt, sich dann umdreht und gleich zu sprechen beginnt. Anderen Schülern hilft es, wenn sie einen guten Freund anschauen, der ihnen aufmunternd zulächelt.
Gedankliche Vorbereitung
Du kannst deine Ängste reduzieren, indem du dich fragst, wovor genau du Angst hast und wie du damit umgehen möchtest.
Beispiele:
Angstgedanke: „Was ist wenn ich den Faden verliere?“
Mögliche Lösung: Es kommt oft vor, dass jemand beim Vortragen den Faden verliert. Wenn mir das passiert, dann schaue ich auf meiner Stichwortkarte nach, was der nächste Punkt ist, überlege in Ruhe und spreche dann weiter. Ich kann auch kurz sagen „Oh, jetzt habe ich den Faden verloren, einen Moment...“. Es ist aber auch gar nicht schlimm, wenn während des Vortrags eine kurze Pause entsteht. Tipp: Achte einmal darauf wie oft deine Lehrer oder auch professionelle Vortragsredner den Faden verlieren.
Angstgedanke: „Was ist wenn ich rot werde?“
Mögliche Lösung: Viele Menschen werden bei Vorträgen rot und man kann es nicht verhindern. Alle Jugendlichen und Erwachsenen, die wir bis jetzt gefragt haben, finden das nur bei sich selbst schlimm. Wenn andere rot werden finden sie das weder peinlich, noch können sie sich nach deren Vortrag daran erinnern. Ich sage mir einfach „ Ich werde rot werden und ich darf rot werden“.
Angstgedanke: „Was werden die anderen von mir denken?“
Mögliche Lösung: Stelle dir die Frage: „Habe ich schon einmal nur wegen eines Vortrages die Meinung über jemanden geändert?“ Normalerweise ist es doch so, dass einen die Freunde mögen- egal ob man einen schlechten oder guten Vortrag hält und man die anderen auch nicht durch einen tollen Vortrag von sich überzeugen kann. Ich sage mir einfach „Ich gebe mir Mühe und bereite mich gut vor und dann lasse ich es auf mich zukommen.“
Angstgedanke: „Was ist, wenn die anderen Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann?“
Mögliche Lösung: Viele Schülerinnen und Schüler befürchten schon während ihres Referates mögliche Rückfragen von Mitschülern oder Lehrern, die sie möglicherweise völlig aus dem Konzept bringen. Wenn es dir ähnlich geht, kannst du bereits nach deinem Einstieg in den Vortrag dieser Sorge vorbeugen indem du zum Beispiel sagst: „Auf mögliche Fragen gehe ich gerne im Anschluss an den Vortrag ein“. Wenn du eine Frage gerade nicht beantworten kannst, kannst du sie auch zurückstellen indem du sagst „Das fällt mir jetzt gerade nicht ein. Ich würde gerne zur nächsten Frage weitergehen und am Ende nochmals darauf zurückkommen.“ Überlege dir bei der Vorbereitung, welche Fragen gestellt werden könnten und wie eine gute Antwort darauf lauten könnte (Ansonsten kannst du auch mit ein paar Freunden 2-3 Fragen vereinbaren und die Antworten einüben J ).
Den Vortrag üben
Eine weitere wichtige Strategie zur Reduktion von Unsicherheit und Aufregung ist das Einüben des Vortrages. Achte darauf, dass du auf keinen Fall versuchst den Vortrag auswendig zu lernen, das blockiert dich später nur. Nimm dir stattdessen eine Stichwortkarte und frage dich: „Um was geht es hier und wie will ich das erzählen?“. Erzähle dann, was auf der Stichwortkarte steht und überprüfe, ob du an alles gedacht hast. Auf diese Weise:
- Übst du das Formulieren und Erklären der einzelnen Informationen
- Gewöhnst du dich an das freie Sprechen
- Kannst du dir Meinungen von Eltern/Freunden einholen, die dir nach dem Zuhören rückmelden können, ob dein Vortrag verständlich ist oder ob es Verbesserungsmöglichkeiten gibt
- Lernst du dich an die Situation zu gewöhnen, vor anderen zu sprechen
- Kannst du überprüfen, ob du das vorgegebene Zeitlimit einhalten kannst
Je mehr dir der Vortrag Angst macht, desto mehr solltest du das freie Vortragen üben und desto hilfreicher ist es auch, wenn dir schon beim Üben jemand zuhört.
Wir sehen immer wieder, dass Schüler und Studierende, die Angst haben, sich alles aufschreiben wollen und versuchen, den Vortrag auswendig zu lernen. Sie merken dann, wie sie immer wieder eine Stelle vergessen, den Einstieg nicht mehr finden und dadurch immer unsicherer werden. Ich möchte daher nochmals betonen: Tu dir das nicht an! Auswendig lernen macht dich nicht sicherer, sondern unsicherer.
Es ist wichtig, dass der Vortrag so trainiert wird, wie er schlussendlich auch wirklich gehalten werden soll, d.h. mit sämtlichem Material, den dazugehörigen Erklärungen u.ä.
Wer noch mehr darüber wissen möchte, wie man entspannter Referate hält, findet im Buch "Clever lernen" für Schüler/innen von 12 bis 15 Jahren jede Menge hilfreiche Tipps:
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Autorin dieses Artikels: Stefanie Rietzler
Stefanie Rietzler ist Psychologin und Buchautorin. Sie leitet die Akademie für Lerncoaching gemeinsam mit ihrem Kollegen Fabian Grolimund.