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Die Praxis der Umbenennung kann als eine Intervention auf Repräsentationsebene auch in eine andere Richtung gedacht werden. Wenn die ehemalige Schweizer Fremdenpolizei jetzt Amt für Migration genannt wird, verdeutlicht sich, dass Bezeichnungen ihre Gültigkeit und Aktualität verlieren können. Mit der Arbeit an der eigenen Repräsentation und im Besonderen am Eigennamen wird deutlich, dass Bezeichnungspraktiken nur für bestimmte Perioden als zeitgemäss, richtig und evident erscheinen. Dieser Status kann verloren gehen, wenn Zeichensysteme sich verändern und sich andere Rationalitäten etablieren.
Umbenennung ist dabei jedoch nicht nur Anpassung an neue Gegebenheiten, sondern Umbenennungen können auch Unsichtbares oder Unbewusstes gezielt sichtbar machen oder die Routinen des kulturellen Gedächtnisses mit ihren blinden Flecken stören. Die hier gezeigte Fotografie hält einen Moment eines Umbenennungsprozesses fest, welcher durch eine Initiative gegen kolonialistische Strassennamen in München angestossen wurde. Dort heisst die Von-Trotha-Strasse seit 2006 Hererostrasse und erinnert an die antikoloniale Erhebung der Bevölkerungsgruppe der Herero gegen die deutsche Kolonialmacht 1904-1905 im heutigen Namibia. General Lothar von Trotha befehligte den unerbittlichen Rachefeldzug der deutschen 'Schutztruppe', der im Völkermord endete.
Mit der Umbenennung wird nicht nur dem Widerstand gegen koloniale Gewalt eine Sichtbarkeit gegeben, sondern es wird auch zur Diskussion gestellt, wer als legitime_r Repräsentant_in eines Landes akzeptiert werden soll, welche Narrationen ein Land mit repräsentieren sollen, was Teil des kulturellen Gedächtnisses sein soll bzw. was weiter als Mythos operiert. In diesem Kontext kann auch die Schweizer Initiative rentyhorn verortet werden, welche mit einer Petition für die Umbenennung eines Schweizer Alpenberges kämpft.
Foto: Grüne Stadtratsfraktion/Rosa Liste