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Dem Grauen des Ersten Weltkriegs entkam der 24-Jährige, indem er eine Geisteskrankheit vortäuschte. Wieder «arbeitsverwendungsfähig», teilte man ihn als Aushilfsbriefträger ein. Die BewohnerInnen des Berliner Bezirks Grunewald hatten aber keine Freude an ihm, denn er entsorgte den «Spiesser» kurzerhand im Gully.
Sein Metier war die Grafik, und je länger der Krieg dauerte, desto klarer wurde ihm, dass er sein Können für den Widerstand einsetzen musste. Ein erstes Projekt scheiterte wegen Querelen mit dem Verleger, und so beantragte er eine eigene Verlagskonzession: Else Lasker-Schülers «Der Malik» müsse unbedingt gedruckt werden, das trage zum Sieg der Deutschen bei, log er und erhielt die Genehmigung. Das Werk gab dem Verlag zwar den Namen, erschien aber nie.
Stattdessen brachte er mit seinem Bruder immer radikalere Publikationen heraus. Dabei fielen vor allem seine revolutionären typografischen Collagen und Fotomontagen auf: Ein Foto sage nichts über die Wirklichkeit aus, war er überzeugt, erst die Montage mache Zusammenhänge sichtbar. Und so arbeitete er für die KPD, schnitt und klebte für Willi Münzenbergs «Arbeiter Illustrierte Zeitung», entwarf «sprechende» Bühnenbilder und gestaltete derart aufregende Schutzumschläge, dass diese auch ohne Buch bestellt wurden. Kurt Tucholsky war begeistert: «Wenn ich nicht Peter Panter wäre [eins seiner Pseudonyme], möchte ich Umschlag im Malik-Verlag sein.» 1933 floh der unbequeme Typograf nach Prag, 1938 nach London. 1950 ging er in die DDR, wo er 1968 hoch geehrt, aber kaltgestellt starb.
Wer war der «Monteurdada», der aus Protest gegen den deutschen Chauvinismus einen englischen Namen trug und mit Collagen wie «Adolf, der Übermensch – schluckt Gold und redet Blech» die Nazis erzürnte?
Wir fragten nach Helmut Herzfeld alias John Heartfield (1891–1968). Der Sohn des Schriftstellers Franz Held war Hauptakteur der Berliner Dadabewegung und gilt als Vater der politischen Fotomontage. Sein Bruder Wieland Herzfelde war Verleger des Malik-Verlags, einer der wichtigsten linken Verlage im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Die Nationalsozialisten versuchten immer wieder, Heartfield-Ausstellungen im Ausland zu verhindern. Nach einer Intervention der deutschen Gesandtschaft waren sie in der Schweiz verboten.