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ein soziologie.ch blog von sandra
Als ich kürzlich einige Tage in Wien war, stiess ich eher zufällig auf die Ausstellung "Baby an Bord. Mit dem Kinderwagen durch das 20. Jahrhundert." Unter den Besucherinnen und Besuchern hatte es überproportional viele werdende Mütter und Väter. Ein Besuch lohnt sich aber definitiv auch dann, wenn man noch nicht ans Kinderkriegen denkt.
Die Ausstellung rollt die Geschichte des Kinderwagens anhand der drei Fragen Wer produziert?
, Wer kauft?
und Wer schiebt?
auf, weshalb man ganz beiläufig jede Menge Details aus der Geschichte Wiens, Österreichs und Europas erfährt. Die Ausstellung beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts, als die meisten Mütter ihre Kinder noch in Tragtüchern auf dem Rücken transportierten bzw. (von Kindermädchen) transportieren liessen. Enden tut sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wo Mütter und Väter auf Inlineskates multifunktionale Kinderwägen vor sich herschieben.
Was ist dazwischen passiert? Eine ganze Menge:
Die Form des Kinderwagens hat sich grundlegend verändert (von kleinen zu grossen zu kleinen Rädern, von der tief- zur hochgelegten Tragtasche, vom gezogenen zum geschobenen Wagen).
Aus dem Luxusprodukt wurde ein Massenphänomen und aus dem auf dem Schwarzmarkt gehandelten Gut ein Objekt von Fachgeschäften.
Die Nationalsozialisten instrumentalisierten den Kinderwagen zu politische Zwecken (deutscher Einheitskinderwagen!), die 68er Generation machte ihn zum Austragungsort von Geschlechterkämpfen (Wer schiebt? Das Kindermädchen? Die Mutter? Auch der Vater!), die multikulturelle Gesellschaft brachte das Tragtuch wieder ins Spiel (womit sich der Kreis beinahe wieder schliesst).
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