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Konzerne sind im Zusammenhang mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen oder Klimakatastrophen nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung. Doch dazu müssen sie soziale und ökologische Probleme zum Ausgangspunkt ihres Handelns machen.
Das ist die höchste Stufe im Rahmen eines vier-stufigen Modells, das Thomas Dyllick zusammen mit Katrin Muff, Co-Leiterin der Business School Lausanne, entwickelt hat, um unternehmerische Nachhaltigkeit zu bewerten. Dyllick ist Professor für Nachhaltigkeitsmanagement und Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen.
Das Konzept rekonstruiert den bisherigen Weg, auf dem sich Nachhaltigkeits-Management entwickelt hat, um dann, in die Zukunft gerichtet, Perspektiven zur Weiterentwicklung aufzuzeigen.
Nachhaltigkeit ist irrelevant
Ausgangspunkt ist das rein ökonomische Unternehmensmodell des marktliberalen amerikanischen Nobelpreisträgers Milton Friedman aus den 1960er Jahren. Nach dem Prinzip "the business of business is business" (das Geschäft des Geschäfts ist das Geschäft) stehen allein Unternehmensgewinn und Shareholder-Value im Zentrum; Nachhaltigkeit gilt als irrelevant. Die Autoren nennen dies "unternehmerische Nachhaltigkeit 0.0".
Die darauf folgende Stufe, die für ein einsetzendes Verständnis für Nachhaltigkeit steht, bezeichnen die Autoren als "unternehmerische Nachhaltigkeit 1.0". Hier wird Nachhaltigkeit als Ansatz verstanden, mit dem Unternehmen Chancen und Risiken bewirtschaften, die sich aus wirtschaftlichen Zielen einerseits sowie ökologischen und sozialen Anliegen andererseits ergeben, mit denen sie konfrontiert werden. Die Autoren sind der Auffassung, dass sich die Mehrzahl der Unternehmen auf dieser Stufe befindet.
Ökonomische und nachhaltige Ziele
Darauf aufbauend wird auf der Stufe "unternehmerische Nachhaltigkeit 2.0" das Thema Nachhaltigkeit in den Unternehmen nun zusehends institutionalisiert. Im Unterschied zum Modell, das auf Friedman basiert, sprechen die Autoren hier von einer "dreidimensionalen Wertschöpfung".
Unternehmen verfolgen neben dem Ziel des wirtschaftlichen Erfolgs zudem ökologische und soziale Ziele. Darüber hinaus entwickeln die Unternehmen Strategien und Pläne zur Nachhaltigkeit, die mit Management-Systemen umgesetzt und über deren Erfolg differenziert Bericht erstattet wird. Dabei denken Unternehmen auf dieser Stufe von innen nach aussen: Es geht darum, die negativen Auswirkungen des eigenen Tuns zu reduzieren.
Wenn also der Textilkonzern H&M bis 2030 nur noch wiederverwertete oder nachhaltig produzierte Baumwolle einsetzten will und damit in Kreisläufen denkt, dann verortet Dyllick diese Strategie zwischen den Stufen unternehmerischer Nachhaltigkeit 1.0 und 2.0. Das Projekt von Nestlé und Danone, eine nachhaltige Einwegflasche zu entwickeln, sieht er auf Stufe 2.0.
Nachhaltigkeit als Marktchance
Im Unterschied dazu denken Unternehmen auf der Stufe "unternehmerisches Nachhaltigkeits-Management 3.0" von aussen nach innen. Dieses Denken setzt bei den sozialen und ökologischen Problemen ausserhalb des Unternehmens an und fragt sich: Welche unternehmerischen Chancen und Möglichkeiten ergeben sich aus der Lösung dieser Probleme? Nachhaltigkeit wird also als Aufgabe und Marktchance verstanden.
Die Autoren definieren echtes Nachhaltigkeits-Management: "Es ist nicht an der Verminderung negativer Auswirkungen der eigenen Tätigkeit ausgerichtet, sondern an der Schaffung positiver Lösungsbeiträge für gesellschaftliche Nachhaltigkeits-Probleme."
Für Dyllick hat sich der Konzern Unilever mit seinem "Sustainable Living Plan" (Plan für nachhaltiges Leben) auf den Weg in Richtung 3.0 gemacht und Nestlé könnte ihm nachfolgen mit seiner Ausrichtung an gesunder Ernährung.
Bemerkenswert ist, dass auch das Projekt von Dell, Plastik aus den Ozeanen zu fischen und zu neuen Verpackungen für Laptops zu verarbeiten, durchaus als 3.0-Projekt anzusehen ist. Allerdings ist es nur ein Projekt, nicht Teil einer umfassenden Strategie. Hier wird deutlich, dass zusätzlich zu der Typologie der Autoren auch in Betracht gezogen werden muss, ob Nachhaltigkeit tatsächlich im Kerngeschäft verankert oder nur ein Nebenaspekt ist.