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Lage
Fährt man in Zürich mit der Forchbahn in Richtung Rehalp, so zeigt sich unmittelbar vor der Station Balgrist ein weisser Pfeiler. Er wächst aus einem kleinen, ebenfalls weissen, würfelförmigen zweistöckigen Bau heraus und hebt sich an sonnigen Tagen mit seiner kegelförmigen Spitze scharf gegen den blauen Himmel ab. Wie eingegossen schmiegt sich die zierliche Moschee der Ahmadiyya-Bewegung direkt an eine Häuserreihe alltäglicher Mietwohnungen. Für die Anwohner ist sie längst zur Selbstverständlichkeit geworden.
Gleich neben der Moschee findet sich eine Bäckerei und auf der gegenüberliegenden Strassenseite der fast zweimal so grosse Turm der evangelisch-reformierten Kirche, in dessen Schatten das Minarett geradezu klein anmutet. Auf der Spitze des 18 Meter hohen Minaretts sitzt ein grünlicher Halbmond. Die Moschee hat ein kleines Kuppeldach von ca. 3.5 Metern Durchmesser, das allerdings von der Strasse aus kaum zu sehen ist. Rechts über dem Eingang verkündet ein schwungvoller arabischer Schriftzug das islamische Glaubensbekenntnis. Im Inneren der Moschee befinden sich eine Wohnung, ein Lehrsaal und der eigentliche Gebetsraum mit Kuppel.
Baugeschichte und Grund der Sichtbarmachung
Weil der Ahmadiyya-Bewegung die Mission ein zentrales Anliegen ist, wollte sie in den 1950er Jahren auch in der Schweiz eine Dependance gründen und beauftragte Sheikh Nasir Ahmad, den damaligen Missionsleiter in der Schweiz mit dem Bau einer Moschee. Am 15. August 1962 legte Nawab Amatul Hafiz Begum, die Tochter des Gründers der Bewegung,den Grundstein zur fünften Ahmadiyya-Moschee in Europa. Bereits ein Jahr später fand die Einweihung statt, geleitet von Zafrullah Khan, dem ersten Aussenminister Pakistans nach der Unabhängigkeit. Anwesend war auch der damalige Stadtpräsident Emil Landolt, der bei den Verhandlungen mit der Stadtverwaltung eine grosse Unterstützung war, wie der heutige Imam (Vorbeter, Gemeindeleiter), Sadaqat Ahmad, sagt.
Das Minarett, was vom Wortsinn her «Leuchtturm» bedeute, sei ein Hinweis darauf, dass man hier in einer Moschee mit dem Licht Gottes in Verbindung kommen könne, kommentiert Sadaqat Ahmad. Kuppel und Minarett zeigten eine öffentliche Gebetsstätte an, in der jede Person zum Gebet willkommen sei.
Gesicht zum Gebäude
Sadaqat Ahmad beschreibt sich selber als «Imam und Missionar der Ahmadiyya-Bewegung des Islams in der Schweiz.» Als Imam führt er nicht nur meistens die gemeinschaftlichen Pflichtgebete an, sondern wirkt generell als Gemeindeleiter. Da die Ahmadiyya-Bewegung in der friedlichen Verbreitung des Islam eine wichtige Aufgabe sieht, versteht sich Sadaqat Ahmad zusätzlich als Missionar.
Nachbarschaft und Konflikte
Nach Angaben von Sadaqat Ahmad ist das Verhältnis zur Nachbarschaft ideal. Die Ahmadiyya-Gemeinde habe nie Probleme mit Bewohnern der Umgebung gehabt, sagt er. Im Gegenteil, die evangelische Kirchgemeinde Balgrist stellt jeden Freitag Parkplätze für das Freitagsgebet in der Moschee bereit, für grössere Veranstaltungen der muslimischen Gemeinde mitunter sogar die Räumlichkeiten der Kirche. Der Imam führt die Moschee als offenes Haus. Zahlreiche Schulen, Bewohner, Politiker und verschiedene Organisationen aus dem Quartier und dem Raum Zürich seien dieser Einladung schon gefolgt, berichtet er.
Den Unterhalt der Moschee besorgen die Gemeindeglieder laut Sadaqat Ahmad pragmatisch: «Die Frauen reinigen die Räumlichkeiten der Frauen, die Männer diejenigen der Männer.» Dasselbe gelte für die Bewirtung von Gästen. Nicht die Art der Arbeit bestimme wer sie erledigt, sondern ob diese für männliche oder weibliche Gäste getan werden muss. Einzig das Kochen bleibt bei Grossanlässen den Männern überlassen.
Religiöse Tradition
Die pakistanische Ahmadiyya-Bewegung («Ahmadiyya Muslim Jamaat») wurde von Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (1839-1908) gegründet. Er glaubte an eine verbindende Wahrheit aller Religionen, deshalb waren für ihn Buddha, Konfuzius, Krischna und Zarathustra Gesandte Gottes, jedoch nicht Verkörperung Gottes. Mirza Ghulam Ahmad erklärte sich zu dem für die Endzeit verheissenen Mahdi (Messias) und Reformer. Seinen Auftrag sah er nicht darin, eine neue Religion zu begründen, sondern den seiner Meinung nach «verkrusteten Islam» wieder zu erwecken. Dieser Anspruch und die missionarische Tätigkeit der Bewegung liessen ihr starke, innerislamische Opposition erwachsen. In Pakistan beispielsweise wird die Bewegung seit 1974 nicht mehr als zum Islam zugehörig betrachtet, und seit 1984 ist sie dort verboten.
In der Schweiz leben rund 500'000 Muslime, unter ihnen rund 30'000 Schiiten. Etwas über die Hälfte der Muslime in der Schweiz stammen aus Ländern des ehemaligen Jugoslawien, knapp ein Fünftel aus der Türkei; mehr als ein Drittel der muslimischen Bevölkerung besitzt die Schweizer Staatsbürgerschaft. Zu erwähnen sind auch die schätzungsweise rund 50'000 Aleviten, meist türkischstämmige Anhänger einer religiösen Tradition mit schiitischen aber auch nicht-islamischen Elementen; sie sind eigenständig organisiert und betrachten sich selber oft nicht als Muslime.