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Das Grab von Evangelist Lukas
In der Basilika der heiligen Justine in Padua ist das Grab des Evangelisten Lukas
Nach einer alten Überlieferung wurde der Evangelist Lukas, der ein gebürtiger Antiochier war und in fortgeschrittenem Alter (mit 84 Jahren) starb, in Theben, der Hauptstadt der griechischen Region Beotien, begraben. Von dort wurden seine Gebeine in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts – wie auch der heilige Hieronymus berichtet – nach Konstantinopel in die Basilika der zwölf Apostel gebracht.
Im Mittelalter, und zwar im 11. und 12, Jahrhundert, wurden mehrere Leichen von Heiligen auf dem Friedhof von Prato della Valle, neben dem Kloster Santa Giustina, gefunden. Manuskripte des 14. und 15. Jahrhunderts, die auf älteren hagiographischen Texten basieren, berichten von einem letzten Fund im Jahre 1177: Man erzählt. von Wundern (Wohlgerüche, warnende Träume), von der Entdeckung eines titulus (Inschrift mit dem Namen des Heiligen) und des Symbols der drei Kälber auf dem Sarg in dem die Leiche lag. Das alles veranlasste Domenico, Abt des Klosters, und den Bischof von Padua Gerardo Offreducci den Papst ( Alexander III aufzusuchen, der sich damals in Ferrara befand, damit er bescheinige, die Leiche sei diejenige des heiligen Lukas.
Um das Vorhandensein der Leiche in Padua zu erklären, erzählt dieselbe Quelle von ihrer Verlegung aus Konstantinopel, zusammen mit der Leiche des heiligen Matthias, zur Zeit des Kaisers Julian des Apostaten (361-3 n.Ch.). Andere Schriften datieren die Verlegung auf das 8. Jahrhundert, während der iko- noklastischen Verfolgung. In der Tat müssen die Historiker noch die Glaubwünligkeit dieser Erzählungen eingehend prüfen.
Die Benediktinermönche, die sich schon vor dem Jahre Tausend im Kloster Santa Giusina angesiedelt hatten, begannen die Leiche des Evangelisten mit besonderen Ehren zu behandeln. So schufen sie etwa im Jahre 1313 einen Sarkophag aus Marmor in den sie den bleiernen Sarg hineinlegten. Kurz danach, ihn Jahre 1354, ließ sich Kaiser Karl IV. von Luxemburg, König von Böhmen, den Schädel übergeben, der in die Kathedrale des heiligen Veits in Prag, damals die Hauptstadt des Kaiserreichs, gebracht wurde, wo er sich auch heute noch befindet. In unserem Kloster wurden außerdem verschiedene Texte verfasst, einige zu liturgischen Zwecken, welche die Echtheit der Reliquien bestätigen und den Ruhm des Lukas verbreiten sollten.
Im Jahre 1436 wurde dem Maler Giovanni Storlato die Aufgabe übertragen, auf die Wände der dem Heiligen gewidmeten Kapelle eine Reihe von Szenen zu malen, die von seinem Leben, der Verlegung der Reliquien vom Orient und ihrer Entdeckung in Padua erzählen.
Im Jahre 1463 gab es einen Streit mit den Franziskaner Observanten der Kirche S. Giobbe in Venedig, die behaupteten, sie hätten die Leiche des „echten" .Lukas. Sie sei in Folge des türkischen Vormarsches aus Bosnien gebracht worden. Daraufhin wurde jedoch, nach der Durchführung einer sorgfältigen Identifizierung, die Echtheit der von den paduananischen Mönchen aufbewahrten Leiche bestätigt. Ein Jahrhundert später, im Jahre 1562, weil der Bau der gegenwärtigen Basilika schon weit vorangeschritten war, wurde der Marmorsarkophag mit großer Feierlichkeit in den linken Flügel des Transepts verlegt.
Im Jahre 1992 erreichte den Bischof von Padua, Mgr. Antonio MATRAll0, vom Metropoliten (orthodoxer Erzbischof) von Theben, HIERONYMOS, eine durchaus unvorhergesehene Bitte. Er war als Pilger nach Padua gekommen, um den heiligen Lukas zu verehren und bat um die Schenkung „eines bedeutenden Bruchstücks der Reliquien das man dorthin legen wird, wo sich heute das heilige Grab des Evangelisten befindet und (obwohl leer) verehrt wird” an seine Kirche. Er äußerte den Wunsch, dass eine solche Geste als ökumenisch verstanden werde.
Deswegen beschloss man, auf Auftrag des Bischofs von Padua und mit der Zustimmung der Benediktinermönche, eine gründliche interdisziplinäre Untersuchung. Man durfte den Schädel für einige Tage aus Prag kommen lassen. Der Sarkophag wurde am 17. September 1998 geöffnet in einer versiegelten Bleikiste fand man ein menschliches Skelett in guten, Erhaltungszustand.
Der von Prof. Vito TERRIBILE WIEL MARIN koordinierte wissenschaftliche Untersuchungsausschuss stellte folgendes fest:
1.Beinahe dem kompletten Skelett fehlen der Schädel, die rechte EIIe und wenige weitere kleine Knochen. Man konnte auch feststellen, dass der aus Prag gekommene Schädel sich dem ersten Halswirbel des paduaunischen Skeletts gut anpasst und es wurde so bewiesen, dass die verschiedenen Teile demselben Menschen gehörten.
2. Aus den anthropometrischen Untersuchungen ergab sich, dass das Skelett einem Mann gehörte, der in vorgerücktem Alter starb (zwischen 70 und 85 Jahre alt) und der etwa 163 cm. groß war.
3. Was eventuelle Pathologien betrifft, wurde folgendes festgestellt: eine verbreitete Osteoporose; eine sehr schwere Arthrose der Wirbelsäule, besonders in der Lendengegend; ein Lungenemphysem, das man aus der Kurvatur der Rippen folgerte. Das sind drei typische Verletzungen eines alten Mannes.
4. Die sorgfältige Erhaltung der Knochen nach vielen Jahrhunderten lässt uns denken, dass sie schon in der Vergangenheit als wichtige Reliquien betrachtet wurden, die aller Pflege für eine dauerhafte Bewahrung wert waren.
Das reichliche Nebenmaterial welches man in der Kiste fand (Muscheln, Schlangeneier – Perlchen, Pflanzenfragmente Webwaren, etc.) erforderte Fachkompetenzen in weiteren Bereichen. Aus dem Vergleich zwischen den verschiedenen Ergebnissen werden das Alter der Reste und die orientalische Herkunft einiger Gegenstände (Blütenstaub, Webwaren) bestätigt.
Am 17. September 2000 schenkte eine katholische Delegation (unter denen auch der Bischof von Padua und ein Mönch der Abtei S. Giustina waren) dem Metropoliten Hieronymos von Theben einen Teil einer Rippe, die sich neben dem Herzen befand. Die Geste wurde von der Griechischen Kirche sehr geschätzt.
Die endgültigen Ergebnisse der Untersuchungen wurden auf dem internationalen Kongress vorgestellt, den man in Padua im. Oktober des Jahres 2000 veranstaltete. Die wissenschaftlichen Daten — wie man am Ende dieser Tagung behauptete — stehen nicht in Widerspruch mit der traditionellen Zuordnung der Leiche zu dem heiligen Lukas; sie sind eher genaue Daten, die schriftlichen Quellen ergänzend, mit denen sich in. Zukunft die historische Nachforschung mit größerer Exaktheit beschäftigen kann, besonders zu erklären, wie, wann und warum die Verlegung aus Konstantinopel nach Padua erfolgte.
Wer war der heilige Lukas?
Alte Quellen erzählen von seinem Beruf als Arzt: deswegen haben die Ärzte Lukas als ihren Schutzheiligen ausgerufen. Eine weit verbreitete Überlieferung stellt ihn auch als Maler des Gesichts Jesus und besonders der Madonna dar. Viele byzantinische Bilder in der Welt werden ihm zugeschrieben: echt oder nicht, sie drücken jedenfalls das Volksbewusstsein aus, das ihn als den Evangelisten betrachtet der für uns das schönste literarische Bild Jesus, der Madonna und vieler weiterer Ereignisse des Evangeliums und der Urkirche gemalt hat. Aus diesem Grund ist er auch zum Schutzheiligen der Künstler geworden und, seit dem Jahre 1300, der Schutzpatron dieses Bereichs an der Universität Padua.
Von den Ikonen „des Lukas'' befindet sich eine in dieser Basilika, genau über dem Grab des hl. Lukas: sie stellt die Madonna Hodighitria dar (das bedeutet „diejenige, die den Weg zeigt”: sie zeigt tatsächlich mit einem Finger auf Jesus). Sie wurde etwa ist Jahre 1960 restauriert und vor kurzem wurden ihre Herkunft aus Konstantinopel und ihr Alter (ungefähr 11.-12. Jahrhundert) bestätigt.
Der heilige Lukas wird sowohl von der katholischen Kirche als auch von den orthodoxen Kirchen am 18 Oktober gefeiert.