Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/59

2015 - Surprise - Download PDF
von Manuela Zeller (Text) und Roland Schmid (Bild)
Der Regisseur Pakkiyanathan Vijayashanthan musste wegen seiner politischen Inszenierungen aus Sri Lanka fliehen. Nun bearbeitet er Schweizer Bühnen, auch wenn das ein Leben am Existenzminimum bedeutet.
«Wenn ich erzähle, dass ich aus Sri Lanka komme und Theater mache, lautet die erste Frage oft: Dann machen Sie sri-lankisches Theater?», erzählt Pakkiyanathan Vijayashanthan. «Dabei verstehe ich nichts von sri-lankischem Theater.» Er mache aber auch kein europäisches Theater, fügt der in Zürich lebende Regisseur hinzu. Überhaupt misstraue er Schubladen und Kategorien. Er verstehe Theater als etwas Politisches. Als Werkzeug, um sich mit Situationen auseinanderzusetzen, Probleme aufzudecken und zu analysieren. Allerdings: Von Propaganda und Ideologie hält sich Vijayashanthan fern. «Ich will Geschichten von Menschen erzählen, die enorme Vielfalt jenseits von Kategorien zeigen», sagt er. Dabei wolle er sein Publikum nicht bloss unterhalten, denn das würde bedeuten, «sich vom Leben mit seinen Herausforderungen abzulenken», ist er überzeugt. Und das sei nicht sein Ziel. Auch Begriffe wie Ästhetik oder Schönheit vermeidet er lieber: «Zu wertend.» Vijayashanthans Theaterarbeit war — in Verbindung mit politischem Engagement — der Grund für seine Flucht aus Sri Lanka. Damals arbeitete der in der nordöstlichen Stadt Trincomalee Geborene als Journalist, Menschenrechtler und Theatermacher an kritischen Projekten mit, wurde deswegen unter Druck gesetzt und schliesslich gekidnappt. Nur Dank eines Bekannten aus der Schulzeit, der ihm im Jahr 2007 heimlich nachts zur Flucht verhalf, hat er überlebt. Über Indien kam er in die Schweiz und bekam hier Asyl. Weiterlesen...