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In den 90er-Jahren herrschte Goldgräberstimmung in der Musikbranche: Indie-Rock-Krawallbrüder wie Dinosaur Jr. spielten in TV-Nachmittagsshows vor verdutzten Hausfrauen, und Bands, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, erhielten hoch dotierte Plattenverträge. Mittendrin Steve Albini, Toningenieur aus Chicago und Gitarrist und Sänger der Noise-Rock-Band Shellac, mit der er derzeit auf Tour ist.
Nachdem Nirvana mit «Nevermind» über 30 Millionen Alben verkauft hatten, verpflichteten sie 1993 Albini als Produzenten für ihr drittes Album «In Utero». Das Trio wollte, dass die Songs rauer und naturgetreuer klingen als auf dem Vorgänger, also ohne viel studiotechnischen Firlefanz. Da waren sie bei Albini an der richtigen Adresse. Schon 1988 hatte er mit «Surfer Rosa» von den Pixies die Grunge-Ästhetik vorweggenommen. Als Honorar für «In Utero» verlangte er eine Pauschale von 100 000 Dollar und verzichtete auf eine marktübliche Gewinnbeteiligung. Mit dem Resultat der Aufnahmen waren Nirvana unzufrieden, ihr Major-Label Geffen bezeichnete die Songs gar als unverkäuflich. Das Album wurde dann hinter Albinis Rücken auf Massentauglichkeit poliert. Und auch in der Independent-Szene kam die Zusammenarbeit mit dem Major-Act nicht gut an. Obwohl er sich keineswegs angebiedert hatte: Nicht Albini näherte sich dem Mainstream, der Mainstream näherte sich Albini an.
Bis auf wenige Ausnahmen arbeitet er danach nur noch mit Künstlern zusammen, die ihre Werke auf Independent-Labels veröffentlichten. Über tausend Alben sollen es sein.
Live: Fri-Son Freiburg Montag, 6. Juni, 20 Uhr