Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/218108

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, Artikel 24 des Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetzes (HFKG; SR 414.20) so zu ändern, dass Absolventinnen und Absolventen einer Berufsmatura prüfungsfrei zur Primarlehrerausbildung an den Pädagogischen Hochschulen zugelassen werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Meinung des Motionärs, dass der Förderung der Durchlässigkeit im schweizerischen Bildungssystem eine wichtige Bedeutung zukommt.</p><p>Unser Bildungssystem zeichnet sich durch die Vielfalt der Bildungsgänge auf der Sekundarstufe II und der Tertiärstufe aus: Die Abschlüsse der Berufsbildung führen direkt zu den Bildungswegen der höheren Berufsbildung, die Berufsmaturität und die Fachmaturität zu den Fachhochschulen (FH), die allgemeinbildenden Bildungsgänge mit der gymnasialen Maturität zu den Pädagogischen Hochschulen (PH) und den universitären Hochschulen (UH). Die "Passerellen" (Ergänzungsprüfungen) unterstützen die Durchlässigkeit des Systems. Sie prüfen die verlangten Eintrittskompetenzen und stellen damit auch die Qualität der Lehre und das Profil des Studiengangs und des Hochschultyps sicher.</p><p>Gemäss Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) verlangen universitäre und pädagogische Hochschulen für die Zulassung zur ersten Studienstufe eine gymnasiale Maturität. Berufsmaturandinnen und Berufsmaturanden (BM) sowie Fachmaturandinnen und Fachmaturanden (FM) müssen gemäss HFKG, der Verordnung des Hochschulrates über die Koordination der Lehre an den Schweizer Hochschulen sowie des EDK-Reglements über die Anerkennung von Lehrdiplomen für den Unterricht auf der Primarstufe, der Sekundarstufe I und an Maturitätsschulen sowohl für ein UH- als auch ein PH-Studium eine allgemeine Ergänzungsprüfung ablegen. Zu Ausbildungen für den Unterricht auf der Primarstufe werden Absolvierende der Fachmaturität Pädagogik direkt zugelassen. BM können mittels einer entsprechenden Ergänzungsprüfung ("Äquivalenznachweis zur Fachmaturität Pädagogik"; Äquivalenznachweis FMBP) zugelassen werden. Generell können BM auch aufgrund der Quereinsteigendenregelung mit Aufnahmeverfahren sur-Dossier zu einem PH-Studium zugelassen werden.</p><p>Der Motionär verlangt, analog zur Regelung der direkten Zulassung von Fachmaturandinnen und -maturanden Pädagogik (FM Pädagogik), eine direkte Zulassung von BM zur Ausbildung für den Unterricht auf der Primarstufe. Dieses Anliegen kann der Bundesrat aus folgenden Gründen nicht unterstützen: BM fehlen im Unterschied zu FM mit Fachrichtung Pädagogik, je nach Berufsmaturitätsrichtung die für das PH-Studium notwendigen allgemeinbildenden Kompetenzen in Bereichen wie Geografie, bildnerisches und technisches Gestalten, Musik, Bewegung und Sport, Pädagogik, Ethik, Philosophie, Psychologie, Soziologie und in den naturwissenschaftlichen Fächern. Entsprechende Kompetenzen und Fächer sollen mit dem Äquivalenznachweis FMBP nachgeholt werden.</p><p>Die von der jeweiligen PH organisierten Prüfungen tragen den bereits erworbenen Kompetenzen der BM Rechnung: Je nach Vorbildung können Fächer der Ergänzungsprüfung erlassen werden. BM haben bei der Ergänzungsprüfung somit andere, erleichterte Bedingungen als Berufsleute ohne Berufsmaturität. Der Äquivalenznachweis FMBP würdigt auch die Berufserfahrung von BM, indem sie zeitgleich bzw. im Anschluss an die Berufsmaturität absolviert werden kann. Die Vorbereitung erfolgt im Eigenstudium oder via freiwilligen Vorbereitungskurs. Unter den PH existieren Vereinbarungen, sodass bei einem Wechsel der PH nicht erneut eine Prüfung abgelegt werden muss.</p><p>Die Ergänzungsprüfung bzw. der Äquivalenznachweis FMBP ist aus diesen Gründen keine unnötige Hürde für die Zulassung von BM zur Ausbildung zum Primarlehrer oder zur Primarlehrerin, sondern eine stufengerechte Passerelle, welche sicherstellt, dass BM über die für einen erfolgreichen Einstieg ins Studium breite Allgemeinbildung verfügen. Diese Passerelle hat sich bewährt und wurde von der SHK am 29. November 2019 mit der Verabschiedung der erwähnten Hochschulratsverordnung und dem Verweis auf das EDK-Reglement bestätigt. Im Rahmen der Erarbeitung des EDK-Reglements zeigte sich ebenfalls, dass eine Mehrheit der Kantone und der weiteren angehörten Partner sich gegen eine direkte Zulassung der BM zu den Ausbildungen für die Primarstufe aussprach.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.