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14 pferdiger Motor zum Drehen und ein 25 pferdiger Motor zum Heben, alle mit Gleichstrom von 220 V Spannung betrieben. Herstellerin war die Deutsche Maschinenfabrik A.-G. in Duisburg.
Voraussetzung für die Abmessungen und Leistungen dieses Vollportalkranes war die Hinzufügung eines Schwimmkranes von 50 t
unter Benutzung des gehobenen Griechenschlepps » Nora «, Abb. 22 und 23. Dieses Fahrzeug, im Frühjahr 1918 zunächst als Werkstättenschiff eingerichtet, hat bis zum Ende der rumänischen Besetzung wertvollste Dienste geleistet und wirtschaftlich gearbeitet. Es sollte später, nach Aufbau des Kranes,
Feerster: Der deutsch-rumänische Werftbau Giurgiu.
Abb. 21.
Zeitschrift des Vereinss ́ deutscher Ingenieure.
werden. Den Kern dieser Anlage bildete bildete wiederum wiederum eine Aufschleppe, zu der hier noch ein 30 t-Hochbahnkran treten sollte, dessen Laufkatze bis über tiefes Wasser fahren konnte. Diese Anlage, der aus Schiffahrtkreisen großes Interesse entgegengebracht wurde, ist nur bis zum Entwurf gediehen.
Da die Donauwasserstände in Giurgiu zwischen +1,0 und +6,50 (Ramadan-Pegel) schwanken können, ausnahmsweise sogar zwischen + 0 und +7, da ferner die Breite des Ueberflutungsgebietes und starke Stürme einen hohen Wellengang begünstigen, ist die Werftfläche und die Uferkaiplattform auf +8 gelegt worden. Die Aufhöhung der begonnenen rumänischen, mitten im Ueberflutungsgebiet erbauten Werft war bereits viel früher erfolgt und hatte sich derart gelagert, daß die Gründung der hier neu herzustellenden Bauten nicht bis auf gewachsenen Boden hinabgeführt zu werden brauchte; um die unvermeidlichen Setzungen möglichst gering und gleichmäßig zu halten, wurde die zulässige rechnerische Bodenpressung auf 1,5 kg/qcm beschränkt. Die Nordflucht der Eisenbauhalle fiel außerhalb der alten Aufhöhung; hier mußte bei Gründung der Säulen bis in die tragfähigen und gesunden Schichten des gewachsenen Bodens hinabgegangen werden.
als schwimmende Werkstätte der Werft für Arbeiten >> außer dem Hause< verwendet werden. In Braila ist es u a. infolge seiner elektrischen Schweißeinrichtung von unschätzbarem Werte für die mannigfachen Anforderungen der SchwarzMeer Schiffahrt gewesen. Bei der Räumung Anfang November 1918 wurde es dort den rumänischen Hafenbehörden übergeben.
In Verbindung mit dieser Erweiterung der noch nicht fertigen Werft auf eine Zweigwerkstätte ist ein Wort über die gleichzeitige Entwicklung der Verhältnisse in Turn Severin am Platze. Durch einen Unter-Pachtvertrag zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn war im Rahmen des Friedensvertrages ausgemacht worden, daß Deutschland seinen bisherigen Werftbetrieb noch bis 3 Jahre nach dem allgemeinen Friedensschluß beibehalten und dann unter Ablösung der geschaffenen fest eingebauten Werte einen neuen, 400 m flußaufwärts gelegenen Werftplatz beziehen sollte. Diese nur kleine Reparaturwerkstätte war als Ergänzung von Giurgiu gedacht und sollte geschäftlich und betriebstechnisch in bestimmte Beziehungen zu jener Werft gebracht
Der gewachsene Boden lag mit seiner Oberfläche etwa auf +5 bis +6 und bestand in den oberen Lagen aus schlickigem, wurzeldurchsetztem Sand, unter dem sich festgelagerter Triebsand fand; dieser ging nach unten zu allmählich in scharfen, reinen, sehr tragfähigen Grand über; auf Kote - 12 stand Felsen an.
Für das Ausrüstungsufer ergab sich von selbst die Gründung auf Eisenbetonpfählen; durch gruppenweise Zusammen
Werkstattschiff der deutschen Bergungsgruppe, eingerichtet in Turn Severin für die Zwecke der Werft Giurgiu.
7. Juni 1919.
fassung dieser Pfähle wurde dem Querschnitt des Ufers eine statisch bestimmte Konstruktionsform gegeben, während in der Längsrichtung die Hauptträger als kontinuierliche Träger ausgebildet sind, die nur in der Mitte der Kailänge durch die hier erforderliche Dehnungsfuge unterbrochen werden. Dehnungsfugen wurden auch in der Eisenbauhalle angeordnet, und zwar in Abständen von 30 m; bei den sehr großen Wärmeschwankungen, die die Donauniederung aufweist, war es nicht zu verwundern, daß sofort nach dem Erhärten des Betons ein deutliches Arbeiten der Fugen auftrat.
Zur Ausschaltung der schädlichen Wirkung der Hitze
M. H.!
Zur Normalisierungsfrage."
Von Richard Baumann.
(Vorgetragen im Württembergischen Bezirksverein in Stuttgart am 11. Juli 1918.)
Zufolge Beschlusses Ihres Vorstandes hat mich der Herr Vorsitzende gebeten, heute über die Normalisierungsfrage zu berichten, und ich habe geglaubt, mich dieser Aufforderung nicht entziehen zu sollen, so gern ich das im Hinblick auf andere, dringende Arbeiten getan hätte. Um so mehr hoffe ich, zu der Bitte berechtigt zu sein, mich ganz offen aussprechen zu dürfen, auch da, wo ich zu einer von der Zeitströmung abweichenden Auffassung gelangt bin.
M. H. Wo heute über technische Fragen gesprochen wird, da klingt es uns entgegen: Normalisierung, Spezialisierung, Massenfabrikation, Typisierung, Zentralisierung, Organisation usw. Fragen wir uns, wer hat denn nun den Anstoß zu dieser allgemeinen, immer lebhafter werdenden Bewegung gegeben, so lautet die Antwort kurz und bündig: der Krieg und in ihm das Militär.
Der Hauptanstoß ist vom Fabrikationsbureau Spandau, dem Fabo, ausgegangen, das bekanntlich gegründet worden ist, um die ungeheuern Anforderungen, die die Heeresverwaltung an die deutsche Industrie stellen mußte, erfüllbar zu machen. Angesichts der Außergewöhnlichkeit der Aufgabe waren auch außergewöhnliche Mittel und Wege nötig. Zur richtigen Würdigung der Sachlage müssen wir uns vergegenwärtigen, daß z. B. die Konstruktion und Formgebung der Geschütze und der zugehörigen Munition nicht im freien Wettbewerb zahlreicher Firmen, die eine unbegrenzte Anzahl von Abnehmern zu befriedigen suchen mußten, entstanden und stetig fortgebildet worden ist, sondern daß der Fortschritt unter möglichst weit gehender Beibehaltung des Vorhandenen fast grundsätzlich auf Anordnung von Nichtingenieuren vor sich gegangen ist, bei uns wie bei der naturgemäß beschränkten Zahl der ausländischen Abnehmer. Ein guter Teil der Stücke war deshalb unmittelbar vor dem Kriege, wie vor Jahrzehnten, durch Einzelarbeit, teilweise sozusagen durch Handarbeit herzustellen, so daß die Produktion nur gering sein und in ganz wenigen Werkstätten mit geringer Beschleunigung erfolgen konnte. Aehnlich bei der Munition, deren Bestandteile sich im Laufe der Zeit ebenfalls verändert hatten, wobei jeder Konstrukteur die Teile, Gewinde usw. zur Anwendung brachte, die ihm paßten, ohne darauf zu achten, ob nicht bei geringfügiger Aenderung Teile brauchbar wären, die auch für andere Stücke hergestellt werden mußten, Formen entstünden, die sich leichter bearbeiten ließen usw. Jede Waffengattung hatte sodann von sich aus, ihren Bedürfnissen entsprechend, ihre Geräte ausgebildet, ohne danach zu streben, nach Möglichkeit die gleichen Konstruktionselemente anzuordnen wie andere. So kam es, daß sich ähnliche Teile für gleiche Zwecke oft nur um ein paar Millimeter, Gewinde in der Steigung unterschieden und dergl.. Die Genauigkeitsgrenzen waren nicht festgelegt, die Anforderungen oft willkürlich, kurz, es war unmöglich, in die industrielle Massenherstellung, insbesondere bei Zusammenbau von einzeln bestellten Teilen, einzutreten, auch bei Gegenständen, die in vielen Tausenden, ja Millionen von Stücken gebraucht wurden.
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Da ging mit der Uebernahme des Oberbefehls durch Hindenburg und Ludendorff ein Aufatmen, eine befreiende Welle der Vernunft über ganz Deutschland, und in elfter Stunde wurde erkannt, daß für diesen Zustand nur großzügige organisatorische Arbeit Rettung bringen konnte. Zum Heile des Vaterlandes fiel die Wahl auf die richtigen Männer. In kurzen Monaten wurde eine wahre Titanenarbeit geleistet, und es erfüllt uns mit freudigem Stolz, daß es einer unserer Landsleute, der leider nur zu früh dahingegangene
1) Sonderabdrücke dieses Aufsatzes werden abgegeben. Der Preis wird mit der Veröffentlichung des Schlusses bekannt gemacht werden.
Chefkonstrukteur Schächterle1), gewesen ist, der als die
Das Fabrikations bureau hat in kurzer Zeit Glänzendes
Wer würde nicht beim Blättern in einem der Normalien-
Mit der Normalisierung wird ferner die Typisierung, d. h. die Festlegung vereinbarter Reihen für ganze Maschinen oder, falls dies nicht angeht, für deren Teile Hand in Hand gehen. Als Beispiel wurden hierfür u. a. die Räderkästen bei Drehbänken und dergl. angeführt. Auch dafür werden Sondergeschäfte entstehen. Die Spezialisierung ihrerseits wird ferner die Ausbildung von Geschäften bewirken, die nur eine Art von Maschinen, z. B. Bohrmaschinen, bauen, unter Umständen nur solche von ganz bestimmten Größen. Derartige Sonderfirmen bestehen bereits.
Schon die Typisierung innerhalb einer Fabrik hat bekanntlich große Vorteile; sie besteht z. B. im Elektromotorenund Kreiselpumpenbau, ist in Aussicht genommen für Hebezeuge, Werkzeugmaschinen aller Art. Denken Sie auch daran, mit welchem Behagen Sie, wenn die Typisierung erst einmal für das ganze Reich durchgeführt sein wird, einem Kunden, der mit Sonderwünschen kommt, erklären können: Leider
1) Vergl. Z. 1917 8. 948.
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unmöglich, es ist typisiert, niemand darf davon abweichen. Wie ruhig Sie an Reihenherstellung herantreten können, weil Sie sicher sind, daß die Konkurrenz nicht, ohne daß Sie rechtzeitig davon erfahren, kleine Verbesserungen anbringen darf, die Ihren Absatz gefährden müßten. Der Kunde freilich wird davon weniger erbaut sein und nicht verfehlen, zu merken, daß durch die Typisierung der freie Fortschritt mit einer Bremse versehen worden ist. Er kann überall nur Durchschnittsware kaufen. Typisierung für den ganzen Erzeugerkreis führt bei der Natur des Menschen auf den Weg zur Erstarrung! Die Kunden mit Sonderwünschen haben uns manche Anregung geben dürfen!
Ganz ähnlich ist es mit der Spezialisierung. Der Kunde kann einfach seine Maschine nicht von der ihm bekannten Firma kaufen, weil diese sie gar nicht mehr bauen darf, sondern vereinbart hat, daß sie alle bei ihr bestellten Maschinen von einer gewissen Sonderfirma geliefert bekommt; sie liefert sie weiter und erhält einen Zuschlag. So kommt es, daß Sie heute schon oft z. B. eine Bohrmaschine beim Händler billiger kaufen als bei der Fabrik.
M. H! Ehe wir uns nun der Besprechung des Gegenstandes zuwenden, müssen wir uns vergegenwärtigen, welche allgemeinen Gründe die mächtige Zunahme der Normalisierungsbestrebungen bei uns hat. Und da ist in der Hauptsache folgendes vorgebracht worden:
Im Ausland hat die Massenherstellung eine außerordentliche Steigerung der Leistungsfähigkeit zur Folge gehabt, hinsichtlich der schon erwähnten Einzelteile, namentlich aber bei ganzen Maschinen, kleineren Apparaten und dergl., für die innerhalb des einzelnen Werkes die Massenherstellung grundlegend eingeführt worden ist. Auch in England ist, ganz wie bei uns, in neuzeitlich arbeitenden Firmen die Herstellung weniger, reihenweise geordneter Typen und die Anfertigung der für möglichst viele Typen gleichen Teile auf Lager mit vollem Erfolge durchgeführt worden. Ich erinnere mich z. B. an stehende Dampfmaschinen der Firma Willans & Robinson in Rugby, bei denen diese Aufgabe glänzend gelöst war. Hand in Hand ging damit eine Vereinheitlichung und bessere Ausnutzung sowie sachgemäße Anordnung der Werkzeuge, Werkzeugmaschinen, Bearbeitungsverfahren und viel genauere Arbeit, eine außerordentliche Verminderung der zu lagernden Teile sowie der Lieferzeit und eine große Steigerung der Erzeugung wie auch des Absatzes.
Diese Grundgedanken haben bei uns volles Verständnis gefunden, und es wird heute wohl kaum ein gut geleitetes Geschäft mehr geben, in dem nicht nach Möglichkeit auf Ordnung in dieser Richtung geachtet würde, soweit es sich mit der Eigenart und der Entwicklung desselben verträgt.
Sehen wir genauer hin, so erkennen wir, daß in den neueren Unternehmungen der Vereinheitlichungsgedanke meist viel folgerichtiger durchgeführt ist als in den älteren. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Um leben zu können, mußten die Maschinenfabriken früher sozusagen alles machen, sie bauten Dampfmaschinen und Hebezeuge, Dampfkessel und Kältemaschinen, Lokomotiven und Webstühle, Schmiedessen und Mostpressen, Wasserräder und Drehbänke, je nach dem Bedarf ihres Kundenkreises. Im Laufe der Zeit gewann der eine oder andere Geschäftszweig solche Bedeutung, daß er nicht mehr fallen gelassen werden mochte; daher rührt die noch heute bestehende Vielseitigkeit der älteren Geschäfte, während die neueren von vornherein, im In- und Ausland, Sonderarbeiten als ihre Aufgabe betrachtet haben. Das ist der springende Punkt. Daß die neuen Sonderfabriken im Ausland wohl verhältnismäßig zahlreicher sind, rührt nicht zum wenigsten von der leichteren Kapitalbeschaffung sowie daher, daß dort solche Gründungen oft nicht gleich für alle Zeiten, sondern zunächst für eine gewisse Anzahl von Jahren geplant und entsprechend eingerichtet werden.
Uebrigens scheint die Neigung zur Vielseitigkeit an sich eine Eigenheit der Deutschen zu sein, denn sie tritt auch im neuzeitlichen Gewand auf. Ich erinnere Sie an die zahlreichen Tochtergesellschaften der AEG: elektrische Maschinen mit allem Zubehör, sodann Dampfturbinen, Automobile, Schreibmaschinen. Daß diese Töchter nach Erhalt der Aussteuer eigene Wirtschaft führen und so die Vorteile der neuen Geschäfte genießen, ist in diesem Zusammenhang Nebensache und nur eine Folge der großen Geschäftsgewandtheit ihres Begründers.
M. H., für die umfassende Einführung der Typisierung und Spezialisierung werden in unsern Tagen besonders gewichtige Gründe geltend gemacht, denen sich niemand verschließen darf. Insbesondere wird nachdrücklich auf die Lage nach dem Kriege hingewiesen, auf die Zeit, in der es sich darum handelt, einerseits den notwendigen, umfassenden Er>atz an Maschinen und Geräten aller Art in kurzer Zeit her
deutscher Ingenieure.
zustellen, um die frühere Leistungsfähigkeit wieder herbeizuführen, andererseits dafür zu sorgen, daß eine lohnende und große Ausfuhr möglich wird, trotz der Erschwerung des Wettbewerbes infolge des bedeutungsvollen Ausbaues der feindlichen Industrien und der durch Löhne, Abgaben und Rohstoffpreise erhöhten Herstellungskosten. Auch für die Beschäftigung unserer stark ausgebauten Werke ist zu sorgen.
Vereinheitlichung und Spezialisierung, Verminderung der Ausführungsformen, Verminderung der Zahl der Wettbewerber für die einzelnen Erzeugnisse durch Vereinbarung zwischen den bisherigen Erzeugern, die unter sich die einzelnen Lieferungen aufteilen, sollen die Erzeugung vermehren, die Gestehungskosten, Ausgaben für Reklame, das Preisdrücken usw. vermindern, gleichzeitig die Güte der Arbeit und die Gewinne steigern.
Die Erfahrungen der bereits bestehenden Spezialfabriken bestätigen die Richtigkeit dieser Erwartungen, wobei allerdings noch bemerkt sei, daß der höhere Gewinn, den die Spezialfirma abwirft, in der Regel zu einem nicht geringen Teil daher rührt, daß sie kleiner zu sein pflegt, so daß der Verwaltungsapparat übersichtlich bleibt und die leitenden Kräfte viel mehr alle Teile durchdringen können. Große, vielseitige Geschäfte, die im übrigen neuzeitlich eingerichtet sind, pflegen unübersichtlich zu werden, so daß die allgemeinen Unkosten größer ausfallen. Abhilfe dagegen bietet wohl am sichersten die oben erwähnte Trennung der einzelnen Abteilungen in Tochtergesellschaften, deren Durchführbarkeit aber auch von der Kapitalkraft abhängt. Je größer das Geschäft, desto weniger unmittelbar, wird die Arbeit erledigt. Zuviel Organisation ist eines der Grundübel, die vermeidbar sind. Es wird epidemieartig_um sich greifen, wenn die Organisation sich auf das ganze Reich erstreckt. Denken Sie an die Erfahrungen mit so manchen Kriegseinrichtungen!
Bei den bisherigen Beratungen sind diese Gesichtspunkte voll gewürdigt worden, nur wenige der Vertreter haben in allgemeinen Worten vor zu weit gehenden Schritten gewarnt, die schädlich wirken könnten, die meisten waren gegen die Einführung von Zwangsmaßregeln, solche fanden aber doch auch von einigen Seiten in gewissem Umfang Befürwortung. Ein weiterer Fortschritt wurde von der Schaffung von Verkaufsorganisationen. von Abkommen zwischen Abnehmerund Herstellerverbänden, von der Syndizierung, von der kapitalistischen Beeinflussung und Verschmelzung, endlich von der behördlichen Beeinflussung durch Regelung bei Zuteilung der Rohstoffe, durch die Einwirkung bei Vergebung öffentlicher Aufträge, durch die Steuergesetzgebung usw. erwartet. In diesem Zusammenhang erwähne ich eine Stelle aus dem gestrigen Bericht über die Kammerverhandlungen, nach dem in den nächsten Jahren zur Förderung des Handelsschiffbaues je 300 Mill. M ausgeworfen und die Arbeiten auf die einzelnen Bundesstaaten verteilt werden sollen.
M. H. Soweit ich die Literatur durchgesehen habe, an keiner Stelle habe ich gefunden, daß einer der vielen Vertreter der industriellen Werke und der Behörden des Menschenmateriales, der zu erwartenden Rückwirkung der Normalisierung, Typisierung, Spezialisierung und der zuletzt erwähnten wirtschaftlichen Maßnahmen auf dieses gedacht hätte. Alle hatten sie nur die möglichst schleunige Vermehrung der Erzeugung, des Absatzes und des Gewinnes im Auge, was natürlich äußerst wünschenswert ist, zuletzt ertönte zaghaft wieder einmal der Schrei nach der Polizei.
Ingenieure sollten wissen, daß der Natur der Sache nach, wo die Behörde eingreift, die freie Entwicklung in die geregelten Bahnen des Durchschnittes gelenkt werden muß, daß jede solche Lenkung Schädigung des Hervorragenden, Reibungsverluste und Verzögerung bei Einführung von Neuerungen bedeutet ').
Mögen sodann die Vorteile der Syndizierung und der kapitalistischen Beeinflussung in geldwirtschaftlicher Hinsicht noch so groß sein, in menschlicher Hinsicht sind Fortschritte in dieser Richtung tief zu bedauern. Sie werden auch auf die Stellung des Ingenieurs im Leben und auf die technische Leistung nicht ohne nachteilige Folgen bleiben.
Von besonders tief einschneidender Bedeutung aber sind die geplanten Maßnahmen für die Erziehung des Nachwuchses, sowohl der Arbeiter als auch der Ingenieure. Das muß einmal deutlich unterstrichen und offen ausgesprochen werden. Die Mehrzahl der kleinen Spezialfabriken kommt mit ein paar gelernten Arbeitern aus, verwendet im übrigen Handlanger und Mädchen und drückt so den Anreiz zum Lernen, das Bildungsmaß des Durchschnittes herunter, sie be
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teiligt sich nicht an der Erziehung des Nachwuchses an gelernten Arbeitern und an vielseitig gebildeten Ingenieuren. Sie genießt fröhlich die Früchte der Arbeit derjenigen Geschäfte, die einerseits den Arbeitern, anderseits den Ingenieuren eine ausreichend vielseitige Ausbildung und Betätigung gewähren; sie veranlaßt die Ingenieure zu frühzeitiger Spezialisierung, womöglich schon auf der Schule, schließt sie vom Einblick in die verschiedenen Gebiete des Maschinenbaues ab, gestattet ihnen vielleicht nicht einmal das Betreten der Werkstätten, in denen ihre Konstruktionen ausgeführt werden, erzieht sie zur Einseitigkeit und beeinträchtigt dadurch ihr Fortkommen wie ihre Freizügigkeit. Auf die Gefahren der Syndizierung in dieser Hinsicht brauche ich nicht einzugehen.
M. H., diese notwendigen Folgen der Spezialisierung haben heute noch nicht die große Bedeutung, die sie haben werden, wenn die Schematisierung sich auf das ganze Reich erstreckt und nicht auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt bleibt. Sie würden, wenn wir etwas zu gründlich sind und das sind wir Deutschen leicht nicht heute oder morgen, sicher aber im Laufe der Jahre zutage treten und uns die Erhaltung der führenden Stellung unserer Industrie unmöglich machen.
Wir dürfen nie vergessen, daß der weltumfassende Aufschwung unserer Industrie eben durch die Leistungen der älteren Geschäfte und ihrer Ingenieure, die sich frei entwickelt haben und nicht durch Normalien, Typen usw. in ausgefahrene Gleise gewiesen waren, zustande gekommen ist, und daß sich die neueren Geschäfte ganz selbstverständlich alle die Vorteile zunutze machen, die aus der geschäftlich nachteiligen Vielgestaltigkeit der anderen erwachsen; ich habe dabei in erster Linie die Wechselbeziehungen im Auge, die sich aus dem engen Zusammenarbeiten verschiedener Zweige des Maschinenbaues an einer Stelle ergeben. Denken Sie z. B. an die Großgasmaschinen! Sie wurden erst lebensfähig, als der Dampfmaschinenbau seine Gepflogenheiten beisteuerte. Es dürfte wohl kein Zufall sein, daß die Nürnberger Maschinenbaugesellschaft, als Teil der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, hier bahnbrechend wirkte. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse überall, nur treten sie nicht so ausgeprägt zutage. Unsere Ingenieure (und die mit ihrer Ausbildung an den Hoch- und Mittelschulen betrauten Männer) tragen am Baume der deutschen Industrie als fleißige Bienen den Blütenstaub ihrer Erfahrungen von Geschäft zu Geschäft.
Es wäre ein großer Fehler, wenn wir Aenderungen im Wesen unserer industriellen Entwicklung gutheißen würden, die nicht auf dem Boden gewachsen sind, auf dem unsere Industrie erstarkt ist. Wir dürfen unter keinen Umständen blindlings amerikanisieren, weil wir weder Amerikaner sind, noch Amerikaner zu Arbeitern haben, noch auch sonst in amerikanischen Verhältnissen leben, gottlob! Eine gewisse unruhige Aenderungssucht tritt heute auf fast allen Gebieten zutage, gerade als ob sich unsere Einrichtungen im Kriege wer weiß wie schlecht bewährt hätten, während unsere Feinde das Gegenteil zu spüren bekommen. Wir Ingenieure aber sind vor vielen anderen verpflichtet, auf stetige Entwicklung, vorsichtiges Abwägen der Entschlüsse und konstruktive Berücksichtigung des Werdeganges wie der jetzigen Verhältnisse zu dringen. Nur Vorsicht kann uns frommen, Vorsicht besonders auch in menschlicher Hinsicht; denn jeder Fehlgriff kann unberechenbaren Schaden stiften.
M. H., der Blick auf Erfolge im Ausland hat also einen der Gründe für das Streben nach allgemeiner Normalisierung geliefert. Er hat noch einen weiteren ergeben. In England und Amerika ist schon vor dem Kriege dasselbe Streben beobachtet worden, also sagt man müssen wir es nachmachen, um nicht zurückzubleiben. Da ist es nun ganz wesentlich, festzustellen, was in England normalisiert oder, wie man neuerdings sagt, genormt worden ist. Ich finde in einem Vortrag kurz zusammengefaßt angeführt: Walzprofile, Flanschen, Gewinde und Schrauben, Keile, Radreifen, Material verschiedener Art, Erklärungen für die Streck- und Fließgrenze, gußeiserne Rohre, zahlreiche elektrotechnische Artikel, ferner indische Lokomotiven, Motoren für Straßenbahnen, Ampère- und Voltmesser, elektrische Spannungen
usw.
Die Gegenstände der ersten Art, wie Walzprofile u. dergl., sind bei uns im Gegensatz zu England längst genormt, und zwar durch freie Vereinbarung zwischen Erzeuger und Verbraucher auf Grund der Entwicklung des Bedarfes und langjähriger Erfahrungen. Das ist aber etwas ganz anderes als die jetzt geplante Normung von oben herab, bietet jedoch genau die gleichen Vorteile, ohne die Nachteile, insbesondere die Schwierigkeit der jeweiligen Abänderung, aufzuweisen.
Ob man schließlich noch das eine oder andere Profil entbehren kann, darüber läßt sich reden. Auch die Materialfragen werden bei uns schon lange ziemlich einheitlich behandelt, doch müssen wir darauf noch zurückkommen.
Anders liegt es bei der zweiten Gruppe. Indische Lokomotiven haben wir nicht, und es ist kennzeichnend, daß in England nicht die Lokomotiven, sondern die indischen Lokomotiven normalisiert werden sollen, bei denen die Beschaffung der Ersatzteile in ganz anderem Licht erscheint.
Wie weit sich unsere elektrotechnischen Firmen auf eine Normung der Straßenbahnmotoren, Strom- und Spannungsmesser einlassen wollen, wenn es sich um mehr als die äußeren Abmessungen und Anschlußteile handelt, weiß ich nicht, ich weiß auch nicht, wie weit man in England gehen will. Die Spannungen sind meines Wissens längst bei uns vereinheitlicht.
Dieser Vergleich zeigt anschaulich, wie verschieden die Verhältnisse in den einzelnen Ländern in der Friedenszeit lagen.
Ganz ähnlich wie in England bezog sich auch in Amerika ein großer Teil der Normalisierungsarbeit auf die Baustoffe. Wenn wir jetzt für die Kriegszeit anderes hören, so dürfen wir uns dadurch nicht zu Entschlüssen für die Friedenszeit hinreißen lassen, die uns nachher leid tun.
Den dritten hauptsächlichsten Grund des Aufblühens der Normalisierungsbestrebungen haben wir bereits vorweggenommen: die Bedürfnisse der Heeresverwaltung.
Die Männer, welche für den Heeresbedarf zu sorgen haben, empfinden die Pflicht, für Gegenwart und Zukunft dahin zu wirken, daß jede vorhandene Fabrik herangezogen werden kann und imstande ist, diesen Bedarf mit herzustellen. Wir würdigen das vollkommen. Für den Heeresbedarf ist weitestgehende Normalisierung Pflicht; jeder Ingenieur weiß das. Jede Förderung des gegenseitigen Zusammenarbeitens von Heer und Technik, bei dem natürlich einseitige Bindung sorgfältig zu vermeiden ist, kann nur begrüßt werden. Dabei kann aber Ersprießliches für das Gedeihen des Vaterlandes nur erhofft werden, wenn das Verständnis für das Wesen der technischen Leistung in weite Kreise dringt, wenn es uns gelingt, allen maßgebenden Stellen das Bewußtsein einzupflanzen, daß der gewaltige Aufschwung der deutschen Industrie, von dem das Wohlergehen Deutschlands abhängt, darauf zurückzuführen ist, daß wir nicht blindlings normalisiert, typisiert, schablonisiert haben und nicht schablonisiert worden waren, sondern daß in Deutschland die Einzelbearbeitung jeder technischen Aufgabe Grundsatz gewesen ist. Dieser Grundsatz hat auf unsere Ingenieure in erzieherischer Hinsicht wohltätig gewirkt und hat sie daran gewöhnt, bei jeder Aufgabe alle Seiten einer Sache zu beleuchten, zunächst unbeeinflußt durch andere Rücksichten. Sie haben es trotzdem richtig verstanden, in allen den Fällen zur Massenherstellung überzugehen, in denen die Verhältnisse dies zuließen. Unsere Ingenieure stehen deshalb auch geistig höher, als es der Fall sein würde, wenn sie von jeher nach Schablonen hätten arbeiten müssen. M. H., es war gar keine leichte Arbeit, die Schablone aus dem Zeichensaal zu entfernen, nachdem man sie dort jahrzehntelang liebgewonnen hatte. Zu Redtenbachers Zeit und noch lange nachher herrschte sie. Die Abmessungen waren nach bewährten Regeln zu wählen und die Teile nach bestimmten Verhältniszahlen zu vergrößern. Noch heute sind aus der technischen Literatur die Werke nicht verschwunden, die in vielen Zahlentafeln die Einzelabmessungen z. B. der Dampfmaschine enthalten. Kennen Sie den Durchmesser der vorderen Fundamentschraube, so können Sie, um ein übertriebenes Beispiel zu wählen, aus der Tabelle dann den Zylinderdurchmesser entnehmen und mit weiteren Zahlentafeln die Leistung ermitteln. Natürlich ist diese rückwärtige Verwendung der Tafeln nicht beabsichtigt, aber es ist eine alte Lehrerfahrung, daß sie dem Sinne nach gar nicht so selten erfolgte und noch erfolgt. Auch finden bekanntermaßen Bücher, die solche Rezepte enthalten, wie Kochbücher, guten Absatz. Diese äußerliche Auffassung ist den heutigen Ingenieuren nicht mehr geläufig. Ich erlaube mir deshalb, weil sie jetzt neue Bedeutung gewinnen, aus einer früheren Arbeit einige Sätze zu verlesen1).
>>Die weite Kluft, welche die heutige Anschauung von der früheren Auffassung scheidet, mußte am deutlichsten sich öffnen bei der Behandlung konstruktiver Aufgaben, welche so außergewöhnliche Verhältnisse zu bewältigen hatten, daß Vorgänge für erfahrungsmäßig bewährte Konstruktionen und Abmessungen fehlten. Solche Aufgaben stellte z. B. die Aus
1) Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie, Jahrbuch des Vereines deutscher Ingenieure 1912 S. 156 u, f.
führung der Dieselmaschine: ihrem Erfinder verdanke ich die folgende Aeußerung:
>>Sie berühren in Ihrem Schreiben ein Thema, welches zu den Leitmotiven meines Berufslebens gehört und über welches ich Ihnen sehr gern meine Meinung sage.
>>Ich habe meine Studien am Polytechnikum in München gemacht, wo Professor L., ein Schüler Reuleaux', uns den Maschinenbau ausschließlich nach dem System der »Verhältniszahlen<< und der »sechsfachen Sicherheit« beibrachte; unser einziges Lehrbuch, Reuleaux' »Konstrukteur«, wurde uns als die Offenbarung, die Bibel des Maschinenbaues, hingestellt. Ich hatte schon als Student, ohne recht zu wissen warum, eine ausgesprochene Abneigung gegen diese unwissenschaftliche, geistlose, unselbständige und mechanische Arbeitsweise, die allmählich in Haß ausartete.
>>Als ich anfangs der neunziger Jahre an die Konstruktion meines Motors herantrat, versagte diese Methode vollständig. Die enormen Drucke, welche in meiner Maschine auftraten, die in solcher Größe bisher noch unbekannten Reibungsarbeiten in den gleitenden Teilen, zwangen mich dazu, die Beanspruchung jedes einzelnen Organes auf das genaueste zu untersuchen und die Materialfrage selbst ein
deutscher Ingenieure.
gehend zu prüfen. Auch nicht die nebensächlichste Einzelheit durfte dem Zufall der »Verhältniszahl« oder der >>Sicherheitskoeffizienten« ausgeliefert werden. Es beschlich mich das beschämende und entmutigende Gefühl, daß ich der mir gestellten Aufgabe nicht gewachsen sei.
>> Als ich mich in meiner Hilflosigkeit in der damaligen Literatur umsah, stieß ich auf die eben erschienene zweite Auflage von C. Bach, Die Maschinenelemente, die mich so begeisterte, daß ich kurz entschlossen meinen Motor liegen ließ und mit Heißhunger Bachs Buch von der ersten bis zur letzten Seite studierte, eine Arbeit, die mich bei meiner sonstigen angestrengten praktischen Tätigkeit -fast ein Jahr in Anspruch nahm.
>>Diese Zeit war aber nicht verloren, denn dann konnte ich so glaubte ich wenigstens - konstruieren; ich hatte aus dem Buch gelernt, förmlich mitzufühlen, was in jedem Machinenorgan vor sich geht, wie ein Turner bei seinen Uebungen fühlt, wie seine Glieder gedehnt, gedrückt, gebogen werden; die Maschine war mir ein lebendes Wesen geworden, das ich ganz verstand und mit dem ich mich eins fühlte«. (Schluß folgt.)
Die Ursachen der Zerstörungen an Wasserrohrkesseln im Turbinenbetrieb und die zu ergreifenden Gegenmaßnahmen.")
Von Marine-Chefingenieur Siegmon, Kiel.
(Schluß von S. 510)
Professor Dr. v. Walther, Dresden, hat Wasser eingehenden Untersuchungen unterzogen und darauf u. a. folgende Hauptsätze aufgestellt:
1) Wasser hat großes Lösungsvermögen, nicht nur für feste Stoffe, sondern auch für Gase. Zu diesen Gasen gehört vornehmlich die atmosphärische Luft.
2) Das Lösungsvermögen des Wassers ist für die verschiedenen Gase verschieden groß. Es ist größer für den Sauerstoff als für den Stickstoff der Luft, so daß Wasser, mit Luft in Berührung gebracht, wesentlich mehr Sauerstoff aus dieser aufnimmt, als der verhältnismäßigen Zusammensetzung der Luft entspricht. Die atmosphärische Luft enthält 79 vĂ Stickstoff und 21 vH Sauerstoff, die im Wasser gelöst gewesene Luft besteht aber nur zu 65 vH aus Stickstoff und zu 35 vH aus Sauerstoff.
3) Die Löslichkeit der Gase und somit auch des Sauerstoffs ist proportional dem Druck und umgekehrt proportional der Temperatur des Lösungsmittels. Durch Aufheben des äußeren Druckes oder Erhitzen auf Siedetemperatur kann man das Wasser von Gasen befreien.
4) Die Löslichkeit des Sauerstoffs im Wasser ist auch abhängig vom Reinheitsgrad des Wassers. Destilliertes oder Kondensatwasser, das frei von gelösten Stoffen ist, hat ein viel größeres Lösungsvermögen für Sauerstoff als das natürliche, insbesondere hartes Wasser.
5) Die Lösungsgeschwindigkeit des Sauerstoffs im Wasser ist so groß, daß in der Natur kein sauerstofffreies Wasser vorkommt; es ist überhaupt nur mit größten Vorsichtsmaßregeln möglich, sauerstofffreies Wasser zu gewinnen und es sauerstofffrei zu erhalten.
6) Die Kondensation von Wasserdampf und Wassernebel zu flüssigem Wasser bietet für die Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft die allergünstigsten Bedingungen, d. s. größte Oberfläche des kondensierenden Dampfes zur vorhandenen Luft bezw. zum Sauerstoff derselben.
7) In geschlossenen Leitungen führt der Wasserdampf den Sauerstoff des Speisewasser's stets mit sich, so daß ein fortlaufendes Kreisen des Sauerstoffs im ganzen System stattfindet. Hierbei wird der durch eintretende Zerstörung verbrauchte Sauerstoff durch Ergänzungsspeisewasser ersetzt. 8) Findet im Betrieb die Kondensation in den Rohrleitungen statt, so wird durch den dabei entstehenden Unter- : druck innerhalb der Rohre durch undichte Ventile und Rohr
1) Sonderabdrücke dieses Aufsatzes (Fachgebiet: Dampfturbinen) werden an Mitglieder des Vereines sowie Studierende und Schüler technischer Lehranstalten gegen Voreinsendung von 1,65 M (Postscheckamt Berlin, Konto Nr. 49 405), an andere Bezieher zum Preise von 2,20 M postfrei abgegeben. Zuschlag für Auslandporto 5. Lieferung etwa 2 Wochen nach dem Erscheinen der Nummer.
anschlüsse Luft und somit auch Sauerstoff angesaugt, der vom Wasser aufgenommen wird.
9) Gerade das Auftreten von Zerstörungen in Kondensatleitungen beweist, daß der Sauerstoff das zersetzende Element ist, und nicht die Kohlensäure, die wegen ihrer verhältnismäßig sehr geringen Menge gegenüber der Menge von Sauerstoff nur von untergeordneter Bedeutung ist.
In den Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke wird am Schluß ferner aufgeführt:
>Im großen und ganzen kann man vier Hauptursachen unterscheiden, die die Zerstörungen in Kesseln, Ekonomisern und Rohrleitungen hervorrufen:
1) die Verwendung sauer reagierenden Wassers, wie es häufig noch in Betrieben zur Speisung verwandt wird, 2) elektrolytische Vorgänge. (Gegenmittel Zinkschutz
platten),
3) die im Wasser enthaltene Luft,
4) chemische Vorgänge im Kesselwasser, z. B. die Bildung von sauerstoffhaltigen Chlorverbindungen.<<
Zu den v. Waltherschen Hauptsätzen, die besonders für den Turbinenbetrieb Bedeutung haben, bemerke ich folgendes: a) Nach Punkt 1 und 2 stellt sich die vom Wasser aufgenommene Sauerstoffmenge als ganz beträchtlich heraus, wie auch aus Versuchen nachgewiesen werden konnte, die in erster Linie den Zweck verfolgten, bei fortschreitender Wassertemperatur einen Anhalt über die ausgeschiedenen Luftmengen zu schaffen, um hiernach die Höhe der Speisewassertemperatur in den Warmwasserkästen festsetzen zu können.
b) Punkt 3 rechtfertigt den Gedanken, hohes Vakuum im Kondensator zu halten, von dessen Ausführung aber aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen Abstand genommen wurde. Es wurde bei nicht laufender Turbine durch Anstellen reichlichen Stopfbüchsendampfes das Eindringen von Luft in den Kondensator zu verhindern gesucht und die Luftpumpe nur zeitweilig zum Absaugen des sich allmählich ansammelnden Kondensats angestellt. Die Maßnahme, das Speisewasser vor allem in den Warmwasserkästen zur Austreibung der Luft hoch zu erwärmen, was mit den vorhandenen Vorwärmern nicht möglich war, hat ebenfalls ihre Berechtigung, wie dies auch aus Punkt 3 ganz besonders hervorgeht.
c) Punkt 4 und 5 können durch Versuche nachgewiesen werden. Als Gegenmaßnahme dient peinliches Abdichten aller lufteinlassenden Teile.
d) Punkt 6 rechtfertigt daher das Anstellen reichlichen Stopfbüchsendampfes vor allem an den Niederdruckturbinengehäusen. Das Vorlegen einer Stopfbüchsenpackung würde eine weitere Verbesserung sein.
e) Aus Punkt 7 geht die Notwendigkeit hervor, vorhandene oder eindringende Luftmengen durch geeignete Maßnahmen vor Eintritt in den Kessel wieder zu entfernen.