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jpv. Seit Mitte November ist in Frankreich und in den umliegenden Ländern viel von den «Gelbwesten» («gilets jaunes») die Rede. Die Bezeichnung leitet sich von den gelben Warnwesten, die obligatorisch in jedem Auto mitzuführen sind, ab, die die Protestierenden als Erkennungszeichen tragen.
Die zunächst über soziale Medien landesweit organisierten Demonstrationen begannen als Protest gegen von Präsident Emmanuel Macron zur Finanzierung und Durchsetzung der Energiewende in Frankreich geplante, zusätzliche Treibstoffabgaben; die Preise waren im Verlauf des Jahres bereits um 18 % angestiegen. Dies war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Seit mehreren Wochen und bis heute versammeln sich Menschen, von denen viele bislang nie gewählt oder demonstriert haben, an zahllosen Verkehrskreiseln überall in Frankreich, um gemeinsam auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die «Ronds-Points» sind zum Herzstück französischer Proteste der einfachen Bevölkerung aus den Landregionen, meist aus der unteren Mittelschicht, geworden, die sich von keiner Partei repräsentiert, von der globalisierten Wirtschaft marginalisiert und von den Pariser Eliten verachtet fühlt.
An den ersten Wochenenden – bevor gewalttätige Übergriffe organisierter Schlägergruppen Überhand nahmen – reisten sie auch nach Paris, um dort ihr «Raz-de-bol» gegenüber der Regierung und speziell dem Präsidenten zum Ausdruck zu bringen.
Historisch gesehen sind die Ronds-Points kein zufälliger Schauplatz. Sie sind Ausdruck einer seit den 1960er Jahren fortschreitenden Zersiedelung mit katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen, die die gegenwärtige Malaise mit verursacht hat. Das alte Dorf, das Gewerbegebiet, die Sozialbausiedlung, die Eigenheimsiedlung, all das liegt verstreut und weit auseinander – und irgendwo dazwischen der Rond-Point. Die Metropolen, in denen die Globalisierungsgewinner über Ökologie und die Zukunft des Verkehrs nachdenken, liegen oft über hundert Kilometer entfernt. Auch von der bäuerlichen Landwirtschaft ist wenig geblieben. Die lokalen Bauern sind weitgehend verschwunden, ebenso die Lebensmittelläden und die Handwerker, die Poststationen und die Bahnhöfe, die Bäckereien und die Cafés. Ohne Auto sind weder der Arbeitsplatz noch die Einkaufsmöglichkeit oder der Arzt zu erreichen. Neu sind die industrielle Landwirtschaft, das Eigenheim im Grünen, der «Hypermarché» (Riesensupermarkt), die alle einen grossen Flächenverbrauch zur Folge haben.
Die folgenden zwei Artikel befassen sich mit der Zukunft der Gelbwesten und der Notwendigkeit einer Re-Industrialisierung Frankreichs.
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