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Arbon – Gallus trennt sich von Kolumban
Hans Jörg Willi, ehemaliger Sekundarlehrer/Historiker, Arbon
Von Tuggen, wohl über den Rickenpass und vielleicht via Gossau (Kolumbanshöhle) erreichten Kolumban und Gallus um 610 das als Siedlungsort umgenutzte Kastell Arbor Felix. Zweihundert Jahre zuvor hatten die Römer es verlassen. Hier trafen sie den Priester Willimar. Dieser leitete zusammen mit dem Diakon Hiltibod die älteste Pfarrei am Bodensee. Denn seit dem Verbot der heidnischen Kulte durch Kaiser Theodosius im Jahr 391/392 gab es in Arbon und Chur – anders als in Bregenz – durchgehend eine christliche Gemeinschaft.
Von Arbon zogen Kolumban und Gallus bald als Glaubensboten nach Bregenz weiter. Doch ähnliche Erfahrungen wie in Tuggen und ein Zerwürfnis zwischen den beiden bewirkten ihre Trennung. Laut dem Reichenauer Mönch Wetti sprach Kolumban zu Gallus: «Wenn du die Last (gemeint: der Alpenquerung) nicht mit mir teilen kannst, wirst du zu meinen Lebzeiten die Messe nicht mehr feiern.» Dann zog Kolumban rheinaufwärts, überquerte die Alpen allein und nach Italien ins Langobardenreich. Der dortige König Agilulf war von Kolumban so angetan, dass er vom Arianismus zum Katholizismus konvertierte und ihm in Bobbio in einem Apennintal in der Provinz Piacenza gelegen, eine Stätte zur Errichtung eines Klosters zuwies. Dort in Bobbio starb Kolumban mit etwa 75 Jahren.
Gallus kehrte derweil nach Arbon zurück, wo er sich von einer Krankheit erholte. Wieder bei Kräften zog er mit dem Diakon Hiltibod durch den Arboner Forst Richtung Süden zum Wasserfall im Steinachtal. Hier baute er mit Gleichgesinnten und mit Unterstützung der örtlichen Machthaber zunächst eine Hütte, die bald um weitere Bauten aus Holz erweitert wurde. Gallus besuchte seine Freunde in Arbon regelmässig. Durch ihn wurde Arbon zur Mutterpfarrei des Gebiets zwischen dem Bodensee und dem Alpstein.
Alt geworden, kehrte Gallus nach Arbon zurück. Gemäss der Überlieferung in den Viten war er 95 Jahre alt, als er im südöstlichen Kastellturm starb. Dort wurde später die heutige Gallus-Kapelle errichtet. – Doch seine Freunde bestatteten den Leichnam am Ort von Gallus’ jahrzehntelangem Wirken an der Steinach in St. Gallen.