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Sucre – Erinnerungen an Boliviens Silberreichtum
Nicht jeder weiss, dass Sucre – und nicht La Paz – die offizielle Hauptstadt von Bolivien ist. Umgeben von weiten Bergkuppen liegt Sucre im südlichen Teil Zentralboliviens und bildet in vielerlei Hinsicht das Zentrum der Andennation.
Sucre, die „weisse Stadt“, verdankt ihren Spitznamen den aussergewöhnlich gut erhaltenen, prachtvollen weissen Kolonialgebäuden. Seit 1991 zählt die bolivianische Hauptstadt mit ihrer malerischen kolonialen Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe, und strenge Bauvorschriften haben dazu beigetragen, den einzigartigen Charme der Stadt bis heute zu erhalten.
In Bolivien hat Sucre den Ruf einer aussergewöhnlich ruhigen, entspannten Metropole. Zugleich bietet die Stadt mit ihren erstklassigen Museen, den unzähligen kolonialen Monumenten und ihrem breiten Angebot an Sprachschulen vielfältige Attraktionen für jeden Geschmack.
Sucre – Boliviens alte Silberstadt
Sucre wurde 1538 gegründet und entwickelte sich zum administrativen und wirtschaftlichen Zentrum für die nahegelegene Bergbausiedlung Potosí, die nur weniger Jahre jünger ist als Sucre. Das in Potosí geförderte Silber verhalf beiden Städten zu einem enormen Reichtum, der erst im 19. Jahrhundert endete. Ein Grossteil der heute in Sucre erhaltenen Baudenkmäler stammt aus diesen goldenen Jahren der Stadt und bietet einen Eindruck vom einstigen Reichtum in Boliviens Silberstädten.
Nach der Unabhängigkeit Boliviens im Jahr 1825 wurde Sucre zur Hauptstadt des jungen Staates erklärt und erhielt erstmals seinen heutigen Namen nach dem Freiheitskämpfer Antonio José de Sucre, der für kurze Zeit auch bolivianischer Präsident war, jedoch wenige Jahre nach der Unabhängigkeit ermordet wurde. Sucre ist bis heute die konstitutionelle Hauptstadt von Bolivien. Aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs wurde der Regierungssitz jedoch 1899 nach La Paz verlegt.
Auf den Spuren der ersten Siedler durch Sucres Altstadt
Viele prachtvolle Kolonialbauten zeugen noch heute von den Glanzzeiten der Stadt, und besonders die weissgetünchten Mauern vieler Gebäude verleihen Sucre eine ganz besondere, strahlende Atmosphäre. Rund um grosszügige Stadtplätze und Parkanlagen laden geschichtsträchtige Orte zu einem Besuch ein, allen voran die Casa de la Libertad an der Plaza 25 de Mayo. Hier wurde im Jahr 1825 Boliviens Unabhängigkeit unterzeichnet.
Die Plaza 25 de Mayo bildet nach wie vor das Herzstück der Stadt, und neben den Gebäuden der Stadt- und Regionalverwaltung ist hier auch die Kathedrale von Sucre zu finden. Das altehrwürdige Gebäude wurde zwischen 1551 und 1633 errichtet und beherbergt eines der bedeutendsten Museen für religiöse Kunst in Bolivien.
Das Franziskanerkloster La Recoleta wurde 1601 gegründet und erhebt sich strahlend weiss an den Hängen des Stadthügels Churuquella. Zu Füssen des Churuquella wurde einst die Stadt gegründet, und noch immer bietet der Aussichtspark von La Recoleta einen traumhaften Blick über die Stadt. Das Kloster selbst bezaubert ausserdem mit seinen üppigen Rosen- und Geraniengärten und seinen Säulengängen, die den Besucher in längst vergangene Zeiten zurückversetzen.
Bolivianische Kultur in Sucres Museen entdecken
Sucres Museen bieten einen authentischen Einblick in die bolivianische Kultur, die bis heute eng mit den indigenen Traditionen verflochten ist. Gleich drei Museen in einem beherbergt das Museo de Charcas, das in einem Anwesen aus dem 17. Jahrhundert Ausstellungen zur Kolonialkunst, Völkerkunde und modernen Kunst umfasst. Im Museum für Indigene Kunst erhalten Besucher einen Eindruck von Kunsthandwerk, traditioneller Kleidung und Kultur der regionalen indigenen Volksgruppen.
Auch der Schauplatz der bolivianischen Unabhängigkeit, die Casa de la Libertad, beherbergt heute ein Museum. Die Einrichtung gilt als bedeutendstes Museum in Bolivien und umfasst eine Vielzahl wertvoller Ausstellungsstücke von der Kolonialzeit über die Unabhängigkeit bis in die heutige Zeit. Zentrum der Ausstellungsräume ist der Salón de la Independencia, in dem die Unabhängigkeit unterzeichnet wurde.
Besuch in der alten Silberstadt Potosí
Sucres Geschichte ist untrennbar mit der von Potosí verbunden. Grund genug, der nahegelegenen Silberstadt einen Besuch abzustatten und ein Bergbauzentrum kennenzulernen, das einst zu den grössten und reichsten Städten der Welt zählte. Potosís Reichtum ist bis heute legendär und wurde schon von den Inkas genutzt, die einst am Stadthügel Cerro Rico Silber abbauten. Die grösste Silbermine der Welt versiegte erst ab 1800 und machte den Weg frei für den Zinn-Abbau, der bis heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist.
Die Silberminen von Potosí brachten der Region jedoch nicht nur unermesslichen Reichtum, sondern kosteten vermutlich viele Millionen indigener Zwangsarbeiter das Leben. Nach wie vor sind die Arbeitsbedingungen in den Minen von Potosí fragwürdig; die Lebenserwartung der Arbeiter ist überdurchschnittlich niedrig, und auch Kinderarbeit ist hier nach wie vor Realität. Wer sich selbst ein Bild von der harten Arbeit in Potosís Zinnminen machen möchte, kann einer der Minen auf einer geführten Tour einen Besuch abstatten.
Der jahrhundertelangen Geschichte als Bergbauzentrum verdankt Potosí nicht nur seine unvergleichlich prachtvolle koloniale Altstadt, die zu den schönsten weltweit zählt, sondern auch kuriose Sehenswürdigkeiten wie den Markt der Minenarbeiter. Der „Mercado de los Mineros“ ist wohl der einzige Markt weltweit, auf dem Besucher Dynamit legal kaufen können. Auch 96-prozentiger Alkohol ist auf dem Markt frei erhältlich, ebenso wie die in Bolivien weit verbreiteten Kokablätter, die von den Minenarbeitern gegen Hunger und Erschöpfung gekaut werden. Die Kokablätter sind ebenfalls gegen die Höhenkrankheit wirksam, da die Sauerstoffaufnahme verbessert wird.
Oberstes Bild: „Weisse Stadt“ Sucre bei Nacht (© Pablo Paz / Wikimedia / CC)