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Das Buch ist kein Roman. Vielmehr ein Meer aus Wörtern und Absätzen, die zusammenhängend direkten Sinn ergeben. Es gibt keinen roten Faden. Doch wie kann Dorothee Elmiger mit ihrem Buch „Aus der Zuckerfabrik“, das sogar für den „Schweizer Buchpreis 2020“ nominiert ist, punkten?
Dorothee Elmiger ist 1985 geboren und lebt und arbeitet in Zürich. Nach dem Erscheinen Ihres Debütromans «Einladung an die Waghalsigen» im Jahr 2010, veröffentlichte sie vier Jahre später den Roman «Schlafgänger», mit dem Elmiger den deutschen Hermann-Hesse-Förderpreis gewann.
In diesem Jahr veröffentlichte die mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Autorin schliesslich ein weiteres Werk mit dem Titel «Aus der Zuckerfabrik» Mit diesem Werk ist sie aktuell für den Schweizer Buchpreis nominiert. Elmigers Texte wurden nach Angaben des Schweizer Buchpreises auch schon für die Bühne adaptiert und in diverse Sprachen übersetzt.
Erzählungen, Beobachtungen und Ermittlungen füllen Elmigers Buch „Aus der Zuckerfabrik“, das einem unvollständigen Notizbuch gleicht. Auch gibt es keinen roten Faden. Mit kurzen Absätzen werden Themen wie Rassismus, Kolonialismus, Sklaverei, Gier und weibliches Begehren anhand von Menschen und der Geschichte protokolliert.
Zu Beginn des Buches, befindet sich die Ich-Erzählerin vor einem Gestrüpp. Die Seite ist fertig und wir befinden uns in einer Dokumentation über eine Ananasfarm in der Nähe von Santo Domingo. Gerade wird der Zuckergehalt der Früchte gemessen.
Weiter geht es und wir halten an verschiedenen Stationen an wie z.B. bei Karl Marx, Max Frisch, bei Ellen West, Patientin von Dr. Ludwig Binswanger und unter einer Essstörung litt, wie auch bei Ökonom Adam Smith, um nur wenige zu nennen.
Eine Szene scheint besonders wichtig, denn wir kehren im Verlauf des Buches immer wieder zu ihr zurück. Sie spielt in einem Gasthaus am Thunersee. Werner Bruni, der erste Schweizer Lottomillionär, muss sein Hab und Gut versteigern, nachdem er bankrott ging. Zwei weibliche haitianische Statuen werden versteigert. Mit anzüglichen Bemerkungen über ihre Brüste und Material werden sie dem Publikum schmackhaft gemacht und anschliessend für lächerlich wenig Geld verkauft. Wie die haitischen Sklavinnen auf den Zuckerplantagen.
Immer wieder liest man Haiti. Ein schönes Land in der Karibik, überrollt von der Ausbeutung der Europäer. Der Brite E.G. Wakefield schreibt über die Lohnarbeit in den Kolonien. Karl Marx hingegen findet in den Texten Hinweise über den Kapitalismus in Wakefields Mutterland.
Und so schaut es in diesem Buch aus. Wie man sich denken kann, gibt es auch keinen Plot. Es hört auf wie es begonnen hat, und zwar in der Sicht der Ich-Erzählerin.
Trotz dem fehlenden Faden hat das Buch aber ein Bindeglied. Der Zucker.
Mein Fazit
Wer vorher schon Dorothee Elmiger gelesen hat wusste, was einen erwartet. Doch ich wusste es nicht und habe daher mit viel Verwirrung gekämpft. Ich verstehe, wieso dieses Buch nominiert wurde und warum diese Autorin gerne gelesen wird. Als Leser solltest du deine volle Aufmerksamkeit dem Buch widmen. Für mich als Zeilenüberfliegerin nicht gerade geeignet. Man wird zum kritischen Denken angeregt und mit der hässlichen Realität konfrontiert. Die Idee mit der Ich-Erzählerin gefällt mir. Klar, es ist nichts Neues. Doch in diesem Buch hat diese Figur eine andere Aufgabe. Sie begleitet durch die verschiedenen Fragmente des Buches und verschmilzt mit den Absätzen, die einfach so in den Raum gestellt werden.
Für mich war es aus jeder Hinsicht etwas ganz Neues. Ich war verwirrt, verärgert, angeekelt und gespannt. Das Buch ist anregend und ehrlich.
Nicht für jeden etwas, auch nicht unbedingt für mich. Doch war es sehr erfrischend, in eine ganz andere Lesewelt einzutauchen.
Am 8. November ist die Preisverleihung. Das Tize Team ist gespannt, wer den Schweizer Buchpreis 2020 nach Hause nimmt. Dorothee Elmiger ist eine der Nominierten. ->HIER<- erfährst du mehr darüber.