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Die Ansiedlung von stark frequentierten Einrichtungen - zum Beispiel Einkaufszentren - basiert nicht immer auf offensichtlich nachhaltigen Kriterien: Oft auf der grünen Wiese oder in der Peripherie angesiedelt, sind sie schlecht an den öffentlichen Verkehr angebunden und in manchen Fällen relativ weit von den Einzugsgebieten entfernt, was zu einem Anstieg des motorisierten Individualverkehrs und damit zu Lärm- und Schadstoffbelastungen führt. Die Einkaufszentren verbrauchen - nicht zuletzt durch die hohe Anzahl der benötigten Parkplätze - viel Fläche. Zudem konkurrenzieren sie den Einzelhandel in den Kernstädten, wodurch die Gefahr besteht, dass diese an Attraktivität und Wirtschaftskraft verlieren. Hier setzt das Modellvorhaben «Standortstrategien für publikumsintensive Einkaufseinrichtungen (PEE)» des Kantons Waadt an: Dank dem Modellvorhaben gelang es, anhand von Kriterien aus den Bereichen Städtebau, Verkehr und Umwelt eine Strategie für die Ansiedlung von publikumsintensiven Einkaufseinrichtungen im Kanton Waadt zu entwickeln, die einerseits nachhaltig ist und andererseits dazu beiträgt, die Vitalität der Stadtzentren zu sichern.
Erarbeitung der kantonalen Kriterien für die Ansiedlung
Die Kriterien für die Ansiedlung von publikumsintensiven Einrichtungen wurden anhand einer Analyse im Raum Lausanne-Morges erarbeitet und verifiziert. Als zweites Testgebiet diente die Agglomeration Yverdon-les-Bains. Anhand verschiedener kartografischer Überprüfungen wurden die Vorschläge weiterentwickelt. Nach diesen Tests sowie den notwendigen Anpassungen wurde die Strategie in den kantonalen Richtplan aufgenommen. Sie ist Teil der dritten Richtplananpassung, die dem Kantonsrat demnächst vorgelegt wird.
In der Analyse wurden verschiedene Typen von publikumsintensiven Einrichtungen identifiziert, für die jeweils unterschiedliche Anforderungen gelten. Die Strategie basiert dabei auf zwei Schritten: In einem ersten Schritt werden nach verschiedenen quantitativen Kriterien - beispielsweise Erreichbarkeit mit dem öV, nahe gelegene Einzugsgebiete oder Strassenerschliessung - mögliche Standorte nach Typ von PEE bestimmt. Im zweiten Schritt kann dann anhand einer auf qualitativen Kriterien des PEE-Projekts beruhenden Interessenabwägung beurteilt werden, ob der gewählte potenzielle Standort tatsächlich zweckmässig ist, ob das Projekt zu einer Aufwertung des Gebiets beiträgt und ob es mit den gewählten Strategien auf Ebene der Region oder der Agglomeration übereinstimmt.
Machbarkeit vs. Zweckmässigkeit
Diese Beurteilungsstrategie, die auch auf andere Regionen in der Schweiz angewendet werden könnte, umfasst demzufolge nicht nur Kriterien, welche bestimmte Flächen als Standorte für grosse Einkaufszentren ausschliessen, sondern es wird auch die Machbarkeit beurteilt. Damit wird auch der föderalen Arbeitsteilung Respekt gezollt: Der Kanton hat einen Katalog von Ausschlusskriterien definiert, überlässt aber gleichzeitig den Behörden in den Regionen und Agglomerationen die Definition der Kriterien, welche dann für konkrete Projekte vor Ort angewendet werden. Dank dieser modellhaften Regelung konnte der Kanton Waadt im heiklen Bereich der publikumsintensiven - und damit verkehrsreichen - Einkaufseinrichtungen ein Plus an Planungssicherheit gewinnen; zum Vorteil der Gemeinden und Agglomerationen, aber auch zugunsten der Investoren sowie Anwohner und Nutzer von künftigen Einkaufszentren.