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Die Science Based Target Initiative (SBTi) hat zum Ziel, Unternehmen für ihr Klima-Engagement zu beraten und zu zertifizieren. Dies, indem sie für mehrere Tausend Dollar die Pläne von Unternehmen analysieren und so verändern, damit diese in Einklang mit dem 1,5°C-Ziel des Pariser Klimaabkommens kommen.
Die Funktionsweise
Die SBTi wurde im gleichen Jahr, indem die Pariser Klimaabkommen verabschiedet wurden, gegründet. Dies mithilfe des WWF, des UN Global Pact und des Carbon Disclosure Project. In den Jahren darauf wurden die Zertifikate der SBTi der Standard für Unternehmen, die ihre Klimaschutzziele zertifizieren wollen. Diese Praxis hat verschiedene Gründe. Manche Konzerne lassen sich aus schierer Überzeugung zertifizieren, für viele ist es aber auch eine Möglichkeit für mögliche Investoren besser dazustehen.
Die grundlegende Annahme der SBTi ist die, dass der Welt ein sogenanntes ‚Carbon Budget‘ zusteht. Das Prinzip des CO2 –Budgets ist jenes, dass die gesamte Welt in einem gewissen Zeitraum eine definierte Anzahl an CO2 ausstossen kann, um die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf 1,5°C zu limitieren. So verbleiben der Welt zum Beispiel ab 2018 420 Gigatonnen CO2, um die Erwärmung mit einer 67%igen Wahrscheinlichkeit auf 1,5°C zu limitieren. Bei einer 33%igen Wahrscheinlichkeit wären es 840 Gt.
Die SBTi verteilt nun diese Gigatonnen auf verschiedene Industriezweige und berechnet anteilsmässig ein Budget für diese. Unternehmen aus diesen Branchen kriegen dann jeweils ein eigenes Budget zugesprochen und müssen Pläne vorlegen, wie sie dieses einhalten wollen. Oder aber sie verpflichten sich, ihre Emissionen bis 2030 schrittweise zu reduzieren und diese ab dann zu kompensieren – mit dem weitergehenden Versprechen, ab 2040 keine Emissionen mehr zu generieren. Höchstens 10% der Emissionen dürfen ab diesem Zeitpunkt noch kompensiert werden. Das sind dann auch genau die Pläne die die Schweizer Post verfolgt.
Das Problem der Zertifizierung
Das Unternehmen steht, sicherlich auch wegen seines Erfolgs, vermehrt in der Kritik: Zu lasch die Standards, zu wenig gesichert die Annahmen, zu ungenau die Modelle. Zudem würde nicht auf die historische Verantwortung mancher Unternehmen geachtet: Grosse, etablierte Unternehmen, die schon ihren Teil zu den weltweiten Emissionen beigetragen haben, werden den gleichen Standards unterzogen wie aufstrebende. Auch die fundamentale Auffassung der SBTi, dass der Welt noch ein ‚Carbon Budget‘ offensteht, ist umstritten. Die SBTi erlaubt zwar kein Carbon-Offsetting, also keinen Einkauf von Klimakompensation von externen Unternehmen. Gehören die Offsetting-Projekte jedoch dem eigenen Konzern, erlaubt es die SBTi als sogenanntes Insetting. In mancherlei Augen ist dies einfach eine Umlagerung der Problematik, denn die Emissionen werden trotzdem noch erzeugt. Man kann aber auch eiwnenden, dass man durch Insetting mehr direkte Kontrolle über die Kompensationsleistungen hat, während dies bei Offsetting Projekten oft nicht gewährleistet ist.
Schliesslich ist die Zertifizierung freiwillig. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten sich aber sehr viel mehr Unternehmen den Zielen verpflichten.
Die Antwort der SBTi
Die SBTi verteidigt einige ihrer Praktiken, wie z. B. ihre Modellierungen der Klimazukunft und die Spielräume, die sie den Firmen lassen. Zudem will sie auch das ‚Insetting‘ beibehalten. Andernorts gelobt sie Besserung: Ein ‚Compliance Director‘ wurde angeheuert, der die Beanstandungen in die Zertifizierungspraxis einfliessen lassen soll. Ein technischer Rat soll zudem die Bewertungen auf der Höhe des wissenschaftlichen Diskurses behalten.
Die Frage, ob auf Freiwilligkeit basierende Lösungsansätze zielführend sind, bleibt offen. Bis diese Frage geklärt ist, wird die Debatte, ob die SBTi-Zertifikate sinnvoll oder nur eine weitere PR-Masche von Investoren sind, weitergehen.
Quellen und weitere Informationen:
MIT Technology Review: Inside the little-known group setting the corporate climate agenda
Financial Times: Climate scientists criticise corporate emissions oversight body SBTi
Financial Times: New SBTi boss takes over as criticisms mount