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Als ich das erste Mal nach New York flog, erlebte ich erstmals ein Tier bei der Arbeit. Es war auf dem John F. Kennedy Airport. Der Hund trug eine Art Uniform und schnüffelte an meinem Koffer herum. Anfang der achtziger Jahre wurden dann auch auf dem Flughafen Kloten Drogenhunde eingeführt. Gleichzeitig stockten die Polizeikommandos die Anzahl ihrer hündischen Mitarbeiter auf.
Die Spürhunde sind heutzutage die grösste Gruppe der festangestellten tierischen Arbeitnehmer in der Schweiz. Rund 600 Hunde sind für Polizei und Zoll im Einsatz. Allein die Polizeihunde leisteten im vergangenen Jahr exakt 14 394 Einsätze, wie wir aus der Statistik des Schweizer Polizeihundeführer-Verbands erfahren. Ein Drittel des Arbeitseinsatzes entfällt auf Drogenfahndung, gefolgt von Fährtenarbeit.
Tiere in der Armee
Wann sind Tiere besser als wir? Die Frage kann man erst einmal historisch beantworten: wenn es um Leben und Tod geht. Und wo geht es um Leben und Tod? Im Krieg.
Alexander der Grosse und Hannibal waren die Vorläufer. Sie setzten als Erste auf Tiere in der Armee. Ihre Waffe waren Kriegselefanten. Sie hatten die gegnerischen Linien zu durchbrechen und die feindliche Infanterie niederzutrampeln.
Die elefantöse Waffengattung war allerdings nicht sehr erfolgreich. Elefanten sind friedliebende Kreaturen und selten bösartig. In der Antike mischte man deshalb Wein in ihr Trinkwasser, um sie aggressiver zu machen.
In der Schweizer Armee waren Tiere lange Zeit ebenfalls ein fester Teil der Truppe. Es gab vier tierische Abteilungen zur Landesverteidigung: die Kavallerie, die Train-Einheiten, die Militärhunde und der Brieftaubendienst.
Stärker oder intelligenter
Wir sind damit bei einer interessanten Fragestellung. Wann setzt der Mensch Tiere ein, weil ihm Tiere in der Problemlösung überlegen sind? Es gibt zwei Ansätze. Wir setzen Tiere ein, weil sie stärker oder ausdauernder sind. Oder wir setzen Tiere ein, weil sie intelligenter und cleverer sind.
Im ersten Fall, der körperlichen Überlegenheit, war das jeweils eine vorübergehende Geschichte. Die Kriegselefanten des Altertums zum Beispiel wurden schnell von Pferden abgelöst, die in der Feindeinwirkung auf die Bodentruppen viel effizienter waren. Über Jahrhunderte bildete die Kavallerie die grösste Gruppe der Tiersoldaten. Unter Napoleon war sie um die 20 000 Köpfe stark. Nach dem Zweiten Weltkrieg schafften alle Armeen die Kavallerie für den Kampfeinsatz ab.
Die tierische Überlegenheit über menschliche Kompetenz verlagerte sich zu speziellen Erkennungs- und Analysefähigkeiten. Führend sind Hunde. Sie erschnüffeln nicht nur Drogen, sondern auch Schlangenleder, Elfenbein und was sonst noch alles unter das Importverbot fällt. Spürhunde können Substanzen erkennen, wie es kein noch so hoch entwickeltes Computerprogramm und keine ausgeklügelte Röntgenmaschine kann.
«Kleinflugkörper auf biologischer Basis»
Als Tiersoldaten sind darum auch in der Schweizer Armee die Spür- und Katastrophenhunde geblieben, etwa 250 Stück. Die Kavallerie hingegen wurde schon 1972 abgeschafft, die Anzahl Pferde der Train-Einheiten stark reduziert. Die Armeereform von 1995 beendete dann auch die 77-jährige Tradition der Brieftauben in der Armee.
Dennoch bleibt es bis heute ein Sprachgenuss, wie die Dienstvorschrift der Armee die Brieftauben bezeichnete: «Selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit festprogrammierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen.»