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Der Inselstaat Taiwan wurde von einem schweren Erdbeben erschüttert. Die Messungen schwanken zwischen 7,2 und 7,7 auf der Richterskala. Das Land hat bisher neun Tote zu beklagen sowie fast 60 Verletzte, und mehrere benachbarte Staaten haben Tsunami-Warnungen ausgegeben. Am frühen Mittwochmorgen (Schweizer Zeit) konnten diesbezüglich aber immerhin Japan und die Philippinen Entwarnung geben.
In Taiwan selbst wurden Menschen in mehreren Provinzen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen und die Küstenregionen zu verlassen. Boote sollten festgemacht werden, während solche, die sich bereits auf hoher See befänden, dort bleiben und nicht in Richtung Ufer fahren sollten, hiess es.
Taiwans Wetterbehörde registrierte an der südöstlichen Küste der Insel in einer Tiefe von 15,5 Kilometern eine Bebenstärke von 7,2. Die Erdbebenwarte in den USA (USGS) gab eine Stärke von 7,4 in dem Gebiet an, Japan gab die Stärke mit 7,7 an.
In Hualien, einer Stadt an der Ostküste Taiwans, wurden Gebäude durch die heftigen Erdstösse teils schwer beschädigt, wie lokale Medien berichteten. Auf Fotos war zu sehen, wie ein fünfstöckiges Haus einsackte und in Schieflage geriet. Laut Augenzeugen war das Beben auch in und um die Hauptstadt deutlich zu spüren. In Neu-Taipeh, das die Hauptstadt Taipeh umschliesst, wurden demnach drei Menschen verletzt, als ein Lagerhaus einbrach.
Bewohner der Hauptstadt berichteten, dass in ihren Häusern und Wohnungen Einrichtungsgegenstände und Geschirr zu Bruch gingen. Der öffentliche Nahverkehr auf der Schiene wurde in mehreren grossen Städten der Insel mit mehr als 23 Millionen Einwohnern eingestellt. Auch der Schnellzugverkehr wurde unterbrochen.
Nach dem heftigen Erdbeben vor der Ostküste Taiwans ist die Zahl der Toten auf 7 und die der Verletzten auf mehr als 960 gestiegen. Wie die nationale Feuerwehr-Behörde am Mittwoch mitteilte, galten 736 Menschen als verletzt.
Demnach waren ausserdem 77 Menschen noch in Gebäuden in der am stärksten betroffenen Stadt Hualien an der taiwanischen Ostküste eingeschlossen.
Die Zahl verschiedenster Unfälle, etwa durch Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur, stieg auf über 1100. Wie die offizielle taiwanische Nachrichtenagentur CNA berichtete, hatten laut der staatlichen Taiwan Power Company knapp 367'800 Haushalte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) und damit 99 Prozent wieder Strom. Von den 3500 Einheiten, in denen noch keine Elektrizität vorhanden war, lagen demnach rund 2400 im Kreis um die Stadt Hualien.
Schäden wurden aus verschiedenen Regionen Taiwans gemeldet. Präsidentin Tsai Ing-wen und Premier Chen Chien-jen wurden am Vormittag in der zentralen Notfall-Leitstelle in Neu-Taipeh, das die Hauptstadt Taipeh umgibt, erwartet.
Taiwans wichtiger Halbleiter-Hersteller TSMC hielt die Produktion an, wie die Behörde des Industrieparks der Stadt Hsinchu mitteilte. Die Firma evakuierte laut Berichten Arbeiter während des Bebens aus der Produktion. Gegenwärtig überprüfe die Firma den Zustand der Maschinen.
Zuletzt wurde Taiwan im September 1999 von einem Beben der Stärke 7,3 getroffen. Damals kamen mehr als 2400 Menschen ums Leben. Taiwan liegt in einer erdbebengefährdeten Zone auf der Grenze der eurasischen Platte und der philippinischen Meeresplatte.
Die taiwanischen und japanischen Behörden gaben nach den Erdstössen in der Nacht auf Mittwoch Tsunamiwarnungen aus. Später zogen auch die Philippinen nach. Zuerst gingen die Staaten davon aus, dass hohe Tsunami-Wellen von bis zu drei Metern Höhe die Küsten stundenlang überfluten könnten. Das teilte beispielsweise das philippinische nationale Institut für Vulkanologie und Seismologie (Phivolcs) mit.
Am Mittwochmorgen konnten Japan und die Philippinen dann aber Entwarnung geben. Zuvor hatten kleinere Flutwellen die zum südjapanischen Urlauberparadies Okinawa gehörenden Inseln Yonaguni, Ishigaki und Miyako erreicht, wie die Meteorologische Behörde am Mittwoch bekannt gab. Die Stärke des Erdbebens vor der Küste Taiwans gab sie mit 7,7 an.
Nach der Tsunami-Warnung war der Flugverkehr auf dem japanischen Flughafen Naha auf Okinawa vorübergehend ausgesetzt worden. Die Passagiere wurden aufgefordert, sich in höher gelegene Stockwerke des Terminalgebäudes zu begeben, wie der Flughafenbetreiber mitteilte. Der Flughafen befindet sich an der Küste der Hauptinsel der Inselpräfektur. Die Bewohner wurden immer wieder über Lautsprecher aufgefordert, sich auf höher gelegene Gebiete zu begeben. Auf der Insel Yonaguni wurden die Bewohner in eine Schule gebracht. Das Inselreich Japan ist eines der am stärksten von Erdbeben gefährdeten Länder der Welt.
China hat Taiwan nach dem schweren Erdbeben Hilfe angeboten. Die Behörden in China seien über die Lage sehr besorgt, sagte die Sprecherin des chinesischen Büros für Taiwan-Angelegenheiten, Zhu Fenglian, am Mittwoch in Peking. Das Festland beobachte die Situation und sei bereit, Katastrophenhilfe anzubieten.
Ob Taiwan die Hilfe Chinas annehmen wird, blieb zunächst offen. Zwischen den beiden Staaten gibt es immer wieder Spannungen, weil Peking die Insel zum Gebiet Chinas zählt, obwohl in Taiwan seit Jahrzehnten eine unabhängige und demokratisch gewählte Regierung an der Macht ist.
+++ Update folgt +++
(rbu/con/sda/dpa)