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Die Forschenden um Nicole Wenderoth von der ETH Zürich haben die Hirnaktivität von autistischen Jugendlichen untersucht. Dabei sind sie auf Unterschiede im Vergleich mit Gesunden gestossen, und zwar in einer Hirnregion, die mit der Fähigkeit zusammenhängt, sich in andere hineinzuversetzen.
Bei den autistischen Probanden war die Aktivität dieses Hirnareals - des vorderen Cingulum - deutlich schwächer als bei einer Kontrollgruppe aus gesunden Jugendlichen, wenn sie beobachteten, dass eine andere Person etwas Unerwartetes erlebte. Dies ergab sich aus Messungen mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRI).
Gefühle Dritter schwer einschätzbar
Die Probanden sollten zunächst ein Computerspiel spielen, bei dem sie zwischen zwei Türen wählen sollten, wie die ETH in einer Mitteilung vom Montag schrieb. Wurde die gewählte Tür grün, gab es einen Preis, wurde sie rot, bedeutete das eine Niete.
Im Laufe des Spiels wechselte jedoch unerwartet die Bedeutung der Farben und plötzlich wartete hinter der grünen Tür die Niete. Nach jeder Runde befragten die Forschenden die Probanden, ob sie den Preis oder die Niete erwartet hatten.
Anschliessend betrachteten die Probanden die Spiele von anderen, während sie im MRI-Scanner lagen. Während die autistischen Probanden nach eigenem Spielen kein Problem hatten, ihre Überraschung über den plötzlichen Wechsel der Spielregeln zu benennen, konnten sie die Überraschung anderer Spieler schlechter einschätzen als die Kontrollpersonen.
Das spiegelte sich auch in der Aktivität des vorderen Cingulum wider: Bei den nicht-autistischen Probanden war diese Hirnregion deutlich aktiv, wenn sie anderen dabei zusahen, wie sie eine negative Überraschung im Spiel erlebten - also wenn die gewählte Tür grün wurde, aber es keinen Preis dahinter gab.
Nervenzellen reagieren kaum
Bei den autistischen Jugendlichen war der Aktivitätsausschlag hingegen sehr schwach. "Die Nervenzellen von Autisten verändern ihre Aktivität nur wenig in Situationen, in denen Mitmenschen etwas Unerwartetes erleben", fasste Studienerstautor Joshua Balsters gemäss der ETH-Mitteilung das Ergebnis zusammen. "Damit ist uns klar geworden, dass das soziale Defizit bei Autismus-Betroffenen mit dieser abnormalen Aktivität im vorderen Cingulum zu tun haben muss."
Die Aktivität des Cingulum wurde bereits in früheren Studien mit der sogenannten "Theory of Mind" in Zusammenhang gebracht. Diese ermöglicht, sich in die Gedankenwelt anderer Menschen hineinzuversetzen. Empathie ist die entsprechende Fähigkeit bezogen auf emotionales Erleben und steht ebenfalls in Verbindung mit der Aktivität des Cingulum.
Die ETH-Forschenden hoffen, mit diesen neuen Erkenntnissen zu besseren Verhaltenstherapien für Personen mit Autismus-Störungen beizutragen. Die Studie ist im Fachblatt "Brain" erschienen.