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CEASA TRAINSTATION SAO PAULO
5.Semester - Professur Angélil
(Projektarbeit mit Samuel Meier)
Der Wettbewerbsperimeter befindet sich auf dem CEAGESP Marktareal im Nordwesten von Sao Paulo im Distrikt Vila Leopoldina. Einzig durch den Rio Pinheiros getrennt liegt er direkt an der Grenze zum Distrikt Jaguare. Das Marktgelände, welches sich über mehr als 1'800 Hektare ausbreitet, und damit zu den grössten der Welt zählt, wird trotz seiner immensen Grösse in näherer Zukunft aufgrund mangelnden Platzes aus der Stadt hinausverlegt.
Der Stadt bietet sich damit die Möglichkeit ein neues Zentrum auf einem langjährig besetzten und gut gelegenen Perimeter zu erbauen. Im Vordergrund stehen dabei alternative Mobilitätsmöglichkeiten, um der hohen Luftverschmutzung durch den dominierenden Individualverkehr entgegenzuwirken. Bereits jetzt sind Erweiterungen zu den bestehenden Fahrradwegen um den Wettbewerbsperimeter herum in Planung.
Ein Blick auf das Autobahnnetz bestätigt die bevorzugte Stellung des Individualverkehrs. Gleich zwei unterschiedliche Highways und mehrere Hauptstrassen bedienen das Marktareal. Anders sieht es bezüglich des öffentlichen Verkehrs aus. Obwohl eine stark ausgebaute Businfrastruktur vorhanden ist, fehlt eine direkte Anbindung an das Stadtzentrum durch die Metro. Diese ist vor allem im Stadtzentrum effizient, in der näheren Peripherie verläuft sie sich jedoch und wird durch das Zugnetz abgelöst.
Flussaufwärts bedient die Linie 9 Esmeralda die Station Presidente Altino, flussabwärts die Station Villa Lobos-Jaguare, dazwischen die direkt am CEAGESP Marktareal gelegene Station Ceasa. Auffallend dabei ist, dass die Station Ceasa im Vergleich zu anderen Stationen entlang der Linie 9 eine deutlich kleinere Personenfrequenz aufweist.
Konzentriert man sich auf das Bahnhofsgebäude selbst, erkennt man, dass dieses relativ neu erbaut, allerdings nicht situationsspezifisch geplant wurde, sondern sich, entlang der Zuglinie in leicht abgewandelter Variation mehrmals wiederholt. Bei der Betrachtung der Lage, bzw. der Position des Bahnhofes, zeigt sich deutlich, dass dieser ungeeignet platziert ist. Verschiedene Layer zwingen ihn in eine missliche Lage. Zum Marktareal hin unterbricht eine Mauer, eine Zubringerstrasse, sowie die Autobahnauffahrt zum Highway 116 Richtung Norden die direkte Fussgängerverbindung. Obwohl sich die effektive Distanz zum Haupteingang des Marktes nur über einer Luftlinie von lediglich 100 Metern erstreckt müssen Zugfahrgäste einen Fussmarsch von beinahe einem halben Kilometer auf sich nehmen, um den Eingang des Marktareals zu erreichen.
Auf der gegenüberliegenden Seite, also zum Fluss hin, trifft man auf ein ähnliches Szenario. Hier befindet sich ein Fahrradweg, welcher durch Zuggleise und eine fünf-spurige Autobahn vom Bahnhof abgetrennt ist. Das grösste Problem und der Grund für die minimale Benutzung es Bahnhofs liegt allerdings darin, dass es schlichtweg keine naheliegende Möglichkeit zur Überquerung des Flusses und damit der Verbindung zwischen den Distrikten gibt, was das Einzugsgebiet erheblich reduziert. Denn trotz einer Luftlinie von nicht einmal 200 Metern zwischen der Station Ceasa und dem Flussufer auf der gegenüberliegenden Seite, wird der Distrikt Jaguare mangels einer Verbindung zum Ausweichen auf die zwei benachbarten Bahnhöfe flussauf- und abwärts gezwungen.
Wäre eine solche Verbindung gegeben, würde sich das Einzugsgebiet des Bahnhofes mehr als verdoppeln und damit auch die Grundlage für einen „urban hub“ gegeben.
Als weiterer und wohl auch wichtigster Vorteil einer solchen Verbindung sehen wir eine Minimierung der mobilen und sozialen Segregation, welche aktuell durch den fehlenden Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz zusätzlich verstärkt wird. Denn betrachtet man die Verteilung der sozialen Schichten, erkennt man deutlich den hohen Anteil an Haushalten in ärmlichen Verhältnissen seitens des Distriktes Jaguare. Und gerade dieser Bevölkerungsteil ist mangels finanzieller Unabhängigkeit stark auf den öffentlichen Verkehr angewiesen. Die Möglichkeit zur Entwicklung eines lebendigen Stadtzentrums sehen wir deshalb nur in Kombination mit einer effizienten Anbindung und Zugänglichkeit zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Von zentraler Bedeutung ist dabei nicht nur die Berücksichtigung von Fussgängern und Velofahrern, sondern auch deren Bevorzugung gegenüber dem Automobil.
Bereits ein kleinmassstäblicher ergänzender Eingriff könnte also dem Bahnhof und dem Perimeter Zugänglichkeit und damit einen immensen Anstieg des Personenflusses gewähren. Allerdings würden damit auch massive Probleme einhergehen. Denn die zunehmende Aktivierung und die damit verbundene massiv höhere Personenfrequenz, würde die Kapazitäten des bestehenden Bahnhofs sprengen. Die Eintrittssituation im Obergeschoss brächte das Problem mit sich, dass das EG kaum noch benutzt würde. Sämtliche Fahrgäste müssten in der kleinen Halle über den Gleisen abgefertigt werden. Nicht einmal Toiletten fänden Platz. Ganz zu schweigen von der Unmöglichkeit, minimale Annehmlichkeiten wie bspw. Sitzbänke, Bar oder Verpflegungsstände in angemessener Anzahl unterzubringen, um so einen urban hub zu schaffen. Obwohl sämtliche Layer überwunden und damit ein grosses Problem gelöst werden könnte, wäre die Brücke nicht in der Lage orthogonal, und damit wieder einen Umweg bedingend, an die Plattform und zum Marktgelände hin anzuschliessen. Der Zugang auf der Seite des Distrikts Jaguare läge zu weit von der Busstation Catalunha entfernt, die Ankunft auf das Marktgelände wäre nicht zentral genug und der Aufgang der Rampe auf dem Perimeter würde vom Bestand behindert werden. Es wäre ein endloser Kompromiss.
Im Gegensatz dazu bietet uns die Planung einer neuen Struktur die Freiheit den Start- und Endpunkt der Brücke und die Position des Bahnhofs selbst festzulegen. Was die Idee eines möglichst direkten und effizienten Weges zwischen den zwei Distrikten zusätzlich unterstützt. Der Weg soll durch den Bahnhof hindurchgehen um ihn so gleichzeitig als urban hub aktivieren.
Beginnend im Distrikt Jaguare soll der Startpunkt in der Nähe der Busstation Catalunha liegen, auf dem Marktgelände in der Nähe der Markthalle, da sich diese im Zentrum des Perimeters befindet. Eine solche Position würde sich durch ihre Zentralität auch im Falle einer einer kompletten Überbauung des Perimeters als nachvollziehbare und logische Eingangssituation behaupten können, was sie unabhängig und zeitlos macht.
Eine leichte Dachstruktur markiert den Anfang der Brücke im Distrikt Jaguare. Ausgehend von der Hügelkante überwindet sie zuerst eine Zubringerstrasse, dann den Highway 116 Richtung Süden um schliesslich den Rio Pinheiros zu überqueren. Auf ihrem Weg zur neuen CEASA Station nimmt sie die zwei Fahrradwege an den beiden Flussufern auf. Nach der Überquerung des Highway 116 Richtung Norden wird der Weg zur Bahnhofsplattform, welche wiederum durch eine vom Bahnhof unabhängige Dachstruktur markiert wird. Über eine Rampe, bzw. Treppe wird das Perron und die Büroräumlichkeiten für die Angestellten im Erdgeschoss erschlossen. Im Obergeschoss vermischen sich die Durchwegung und die Funktionen des Bahnhofes. Dabei wird die zentrale Idee des mittig durchgehenden Weges durch die Dimension, Ausrichtung und Anordnung der einzelnen Elemente auf der linken und rechten Seite der dreigeteilten offenen Dachstruktur in ihrer Wichtigkeit verdeutlicht. Diese Elemente sind als freistehende Objekte ausgebildet und gehören nicht zur Struktur, sondern werden ihr als „as found“ appliziert. Wobei die einzelnen, die Funktionen beherbergenden Elemente, sich bezüglich Dimension, Anzahl und der Berücksichtigung einer massiven Erhöhung der Pendlerfrequenz aus bahnhofspezifischen Normen und Vorgaben ergeben. So ist beispielsweise die Perronlänge in der neuen CEASA Station auf eine Erhöhung der Wagonanzahl um vier Stück, aktuell sind es acht, ausgerichtet. Im Obergeschoss unterstützen Fahrradunterstände die Idee des Fahrrads als alternatives Fortbewegungsmittel. Sitzbänke und die zentral angeordnete Bar bieten die Möglichkeit zum Verweilen, zeigen die offene Struktur, symbolisieren Zugänglichkeit für alle und wirken als aktivierendes Elemente.
Der Weg zweigt am Ende der Plattform wieder über eine Brücke Richtung Marktgelände ab, überquert dabei zwei Strassen und die das Marktgelände umlaufende Mauer, um, wiederum durch das Dach markiert, auf einem heute als Parkplatz genutzten Platz seitlich der Haupthalle zu enden.