Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03321.jsonl.gz/2130

Er feuerte die Fans an und war der grosse Publikumsliebling beim FC Sitten. Clément Bohnet spricht über 23 Jahre, fünf Cupsiege und zwei Meistertitel im Wallis.
Clément Bohnet, in einer Woche steigt der Cupfinal zwischen dem FC Sitten und dem FC Basel. Wie gross ist Ihre Vorfreude?
Die ist riesengross. Seitdem sich Sitten gegen den FC Luzern für den Cupfinal qualifiziert hat, fiebere ich dem Finaltag so richtig entgegen.
Sie tragen ein T-Shirt des FC Sitten (siehe Foto unten), das Ihnen Captain Reto Ziegler überreicht hat. Wie kam es dazu?
Ich sehe mir jedes Training des FC Sitten an. Es gibt auf dem Gelände einen Stuhl für mich. So kam es dazu, dass im vergangenen Herbst nach einer Trainingseinheit die ganze Mannschaft zu mir kam und sich bei mir bedankte. Der Grund für den Dank war meine Treue während den Trainings. Ziegler überreichte mir dann ein Fan-Shirt mit sämtlichen Unterschriften drauf. Nach dieser Geste hatte ich Tränen in den Augen, denn es bedeutet mir sehr viel, dass die Mannschaft meine Anwesenheit wahrnimmt und mir ein solches Geschenk überreicht.
Sie arbeiteten zwischen 1983 und 2006 für den FC Sitten als Pfleger und Masseur. Wie kamen Sie zum FC Sitten?
Ich war beim Eishockeyklub in Martinach engagiert und besuchte während dieser Zeit einen Massage-Weiterbildungskurs in Lausanne, um den Masseur des Eishockeyvereins ein bisschen zu entlasten. Kurze Zeit später suchte dann der FC Sitten einen Masseur. So begann mein Engagement beim Verein. Es gilt zu sagen, dass ich erst in dieser Zeit ein grosser Fan des FC Sitten wurde.
Es gibt Stimmen, die sagen, Sie seien auch Beichtvater gewesen...
Das stimmt. Während der Massage habe ich mit den Spielern oft gesprochen. Wir haben uns natürlich nicht nur über Fussball unterhalten, weshalb ich über die Privatsphäre eines Spielers meist mehr wusste, als der Trainer.
...Sie sollen zwischendurch aber auch viel geflucht haben?
(lacht) Ja, das habe ich. Jean-Paul Brigger kam eines Tages vor einem Spiel zu mir und sagte, ich solle weniger fluchen. Deswegen hängte er mir seine Halskette mit einem Kreuz um den Hals und sagte: Von heute an fluchst du nicht mehr, Clément. Diese Worte berührten mich so sehr, dass ich fortan kaum mehr geflucht habe.
Ihr Verhältnis zu den Spielern war gut. Gab es auch Ausnahmen?
Nein, die gab es kaum. Als Torhüter Stephan Lehmann zum wiederholten Mal zu spät in die Massage kam, musste ich bei ihm einmal intervenieren, doch alles in allem hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu allen Spielern.
Clément Bohnet, reden wir über den Cupfinal. Sie waren bei den Cupsiegen 1986, 1991, 1995, 1996 und 1997 dabei. Welcher Final war der schönste für Sie?
(überlegt lange) Das ist schwierig zu beantworten. Jeder war schön und jeder war anders. Interessant war, dass ich meist um die Cupfinal-Zeit Geburtstag feierte. Da gibt es eine spannende Geschichte.
Erzählen Sie.
Wir haben uns für den Final 1991 qualifiziert und bereiteten uns in Oberhofen auf das Endspiel vor. Am Morgen des Finals – es war der 19. Mai, einen Tag nach meinem Geburtstag – holte mich der damalige argentinische Trainer Enzo Trossero zu sich. Ich dachte, wir gehen spazieren. Doch er ging mit mir an die Pressekonferenz, wo ich in einem mit Journalisten überfüllten Raum die Mannschaftsaufstellung vorlesen sollte. Ich war jedoch so nervös, dass ich kein Wort sprechen konnte.
Wie ging es dann weiter?
Trossero erklärte den Journalisten, dass ich einen Tag vorher Geburtstag hatte und diesen heute feiern werde. Die Mannschaftsaufstellung las er dann selber vor.
1991 war ein denkwürdiger Final gegen YB vor 50 000 Fans im Wankdorf-Stadion. Rund 38 000 davon waren Walliser. YB lag 2:0 vor zur Pause.
Ich betrat die Kabine in der Pause, dann kam Lopez zu mir und klagte über Schmerzen am Oberschenkel. Trossero entschied derweil schon, dass Tudor aus dem Spiel genommen wird und Orlando ihn ersetzen werde. Als Trossero Lopez auf dem Massagetisch sah, entschied er schnell, ihn ebenfalls rauszunehmen. Rey sollte für ihn ins Spiel und auch ich bekam meine Aufgabe.
Welche war das?
Trossero schickte mich aufs Feld und sagte mir, dass ich die Fans «heiss» machen solle. Daraufhin nahm ich meinen Fanschal, zwei Pyros und machte vor den Fans «ds Chalb» (lacht).
Die Einwechselspieler Rey und Orlando drehten das Spiel. Sitten siegte 3:2 und Sie konnten Ihren Geburtstag feiern.
Das war der pure Wahnsinn! Das Publikum pushte uns richtiggehend zu diesem Sieg. Als wir den Treffer zum 3:2 in der 79. Minute erzielten...
(Bohnet greift sich an den Kopf und senkt ihn) «Jessus Maria» – ich finde keine Worte, die dieses Gefühl beschreiben können.
Wie war die Fahrt zurück ins Wallis?
Wir feierten durchgehend und als wir in Sitten ankamen, fing nochmals alles von vorne an. Die Fahrt vom Bahnhof bis zur Planta dauerte mehrere Stunden. Wie im Jahr 1991 war es dann auch die darauffolgenden Jahre, als Sitten den Cup gewann. Das Walliser Volk spinnt in diesen Momenten richtiggehend, aber im positiven Sinn.
Sie haben in Ihrer Zeit beim FC Sitten sowohl André Luisier wie auch Christian Constantin als Präsident erlebt. Worin unterscheiden sich die beiden?
Sie unterscheiden sich in jeder Hinsicht. Luisier war sehr introvertiert und sensibel, ein Präsident, der nicht populär sein wollte und die Probleme stets intern löste. Constantin ist wie er ist und hat seine Vision mit dem FC Sitten, dafür unterstützt er den Verein finanziell.
War es richtig, auf die Dienste von Trainer Peter Zeidler zu verzichten?
Es gilt zu sagen, dass derjenige, der zahlt auch befiehlt.
Das heisst, Christian Constantin hat immer recht.
Ja.
Reden wir über den bevorstehenden Final gegen den FC Basel. Vor zwei Jahren beim 3:0-Erfolg zerlegte Sitten den FCB in seinem Stadion in Einzelteile. Ist das heuer nochmals möglich?
Ob sie nochmals so deutlich gewinnen können, ist fraglich, doch ich bin davon überzeugt, dass der FC Sitten das Endspiel gewinnt. Daran habe ich keine Zweifel, auch wenn die Mannschaft zurzeit Probleme hat. Das gab es früher auch schon. Im Final werden wir unbesiegbar bleiben.
Wo sehen Sie die grössten Probleme im Spiel des FC Sitten?
Ich sehe ein grosses Problem auf den letzten 20 Metern. Da läuft in meinen Augen zurzeit sehr wenig zusammen. Doch ein Formtief im Vorfeld eines Finals ist nichts Neues. Ich bin überzeugt: Akolo und Konaté werden am Finaltag zuschlagen.
Moussa Konaté weiss wie es ist, Cupsieger zu sein. Ist das für ihn ein Vorteil?
Auf jeden Fall. Der will das nochmals erleben und wird entsprechend heiss sein am Finaltag in Genf.
Wo werden Sie am Finaltag sein? Ich werde selber nicht ins Stadion gehen. Doch ich werde mich wieder als Kaminfeger verkleiden und der Mannschaft am Tag der Abfahrt nach Genf viel Glück wünschen. Das hat letztmals geholfen und soll auch heuer wieder Glück bringen.
Ihr Resultattipp?
2:1 für den FC Sitten.