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Zuerst etwas Geschichte
So begann es - wie ich zu meinem Beruf kam
Viehhüter reparieren
Grammo reparieren
Radio reparieren
Antennenbau
Die ersten Tonbandgeräte
Einbau von Autoradios
Reparatur von Fernsehgeräten
Fernsehempfang vom Sender Niederhorn
Radioempfang
Werkzeuge und Hilfsmittel
Bauteile
Gewerbeschule und Lehrabschluss
Zuerst etwas Geschichte
In den
Anfängen des Radios vor dem ersten Weltkrieg (1914–1918) testeten Einzelpersonen,
Universitätsdozenten und vor allem auch das Militär die „drahtlose“ Telegrafie
und Telefonie. Dem Radio wurde eine grosse
strategische Bedeutung zugemessen, da es den Informationsaustausch auch
über Feindesland und über das Meer hinweg ermöglichte. Nach dem Krieg setzte
allmählich die kommerzielle Nutzung
des neuen Mediums ein. Ab 1922 nahmen auch in der Schweiz die ersten lokalen
Radiostationen in Lausanne, Genf, Zürich, Basel und Bern ihren Betrieb auf. Sie schlossen sich 1931 zur „Schweizerischen Rundspruchgesellschaft“ (SRG)
zusammen.
Der Schweizerische Landessender Beromünster wurde 1931 gebaut und 1937 erweitert.
Er verbreitete während Jahrzehnten das deutschsprachige Programm der
halbstaatlichen Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG)
auf Mittelwelle 531 kHz. Seine grösste Bedeutung hatte er während des
zweiten
Weltkrieges (1939–1945)
als Quelle unabhängiger Informationen für das deutschsprachige Europa.
Anfangs war der Radioempfang nur über Kopfhörer möglich. Lautsprecher setzten sich erst in den 1930er-Jahren durch. Sie waren eine wichtige technische Voraussetzung, um aus dem Radio ein Massenmedium zu
machen. Empfangsgeräte mit Lautsprechern wie der Telefunken 343 WL waren
allerdings zu Beginn noch recht teuer (1932 betrug der Katalogpreis in
Deutschland 309 Reichsmark) und folglich häufiger in Restaurants,
Vereinslokalen und Coiffeursalons anzutreffen als in privaten Haushalten. Nach dem Krieg entwickelte sich
das Radio zu einem populären Informations- und
Unterhaltungsmedium. Den Radiohörern stand nun ein breites Programmangebot
aus dem In- und Ausland zur Verfügung.
Die
technische Entwicklung ging in den 50er-Jahren rasant weiter. Sendungen
wurden neu in der Frequenzmodulation auf Ultrakurzwelle
(UKW) ausgestrahlt, was die Tonqualität
erheblich verbesserte. Der erste europäische UKW-Sender wurde 1948 vom
Bayerischen Rundfunk in Betrieb genommen, in der Schweiz starteten im darauf folgenden Jahr erste Versuchsbetriebe. Definitiv in Betrieb genommen wurde der erste
UKW-Sender in der Schweiz im Jahr 1952, auf dem St. Anton
(Appenzell-Innerrhoden).
Neben dem drahtlosen Radioempfang war in der Schweiz zu jener Zeit auch der Telefonrundspruch verbreitet. Der 1931 eingeführte Niederfrequenz-Telefonrundspruch
ermöglichte eine bessere
Empfangsqualität als die herkömmliche Empfang über Mittel- und Langwelle. Ausgewählte Radioprogramme wurden als
Niederfrequenzsignal über das Telefonnetz übertragen und konnten mit jedem
Telefon abgehört werden, wenn ein entsprechendes Empfangsgerät vorhanden war. Das gewünschte Programm konnte per Knopfdruck am Empfänger gewählt werden. Einer
der führenden Hersteller solcher Empfänger war schon bald die Bieler Firma
Biennophone.
1955 wurde der Niederfrequenz-Telefonrundspruch durch den Hochfrequenz-Telefonrundspruch ersetzt. Die ausgewählten Programme wurden nun auf festen Trägerfrequenzen im
Langwellenbereich übertragen. Das neue System hatte den Vorteil, dass der
Radioempfang während Telefongesprächen nicht mehr unterbrochen wurde, zudem konnten
die Programme nun auch mit herkömmlichen Radiogeräten mit Langwellenbereich empfangen werden. Ab 1956 standen
sechs Programme zur Auswahl, Ende der 1960er-Jahre gab es in der Schweiz rund
400'000 Telefonrundspruch-Anschlüsse. Vor allem bei Spitälern, Heimen und
Hotels waren Telefonrundspruch-Empfänger lange Zeit sehr beliebt. Erst 1998 wurde der veraltete Hochfrequenz-Telefonrundspruch abgestellt, da er durch moderne
Übertragungstechniken wie ISDN gestört wurde und die Empfangsqualität weit
schlechter war als über UKW.
Bis weit in
die 1950er-Jahre wurden für die elektronischen Schaltungen in den Radiogeräten
Elektronenröhren verwendet. Die Zeit der Röhrenradios ging aber nach der Erfindung des Transistors im Jahr 1947
allmählich zu Ende. Transistoren haben im Vergleich zu den klassischen
Röhren den Vorteil, dass sie nicht stromintensiv geheizt werden müssen, sofort
einsatzbereit sind, wesentlich kleinere Bauformen zulassen, sehr viel preisgünstiger
in Massenproduktion herzustellen und auch sehr robust gegenüber mechanischen Beanspruchungen sind.
Die neue
Erfindung führte dazu, dass sich die Hörgewohnheiten abermals änderten. Zu Beginn
der 1960er-Jahre wurden handliche Transistorradios in grossen Serien
hergestellt, die mit Batterien unabhängig vom Stromnetz betrieben werden
konnten. Damit wurde das Radio mobil:
Das
Fernsehen ermöglichte erstmals die zeitgleiche Übertragung von Ton und Bild. In
Deutschland, Grossbritannien und den USA wurden bereits in den 1930er-Jahren
die ersten Programme ausgestrahlt, in der Schweiz richtete die ETH Zürich an
der Landesausstellung von 1939 einen Versuchsbetrieb ein. Der zweite Weltkrieg
verzögerte die weitere Entwicklung, so dass die öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten in den meisten europäischen Staaten erst ab Anfang der 1950er-Jahre regelmässige Fernsehprogramme
ausstrahlten. Die ersten offiziellen Fernsehbilder der SRG wurden am 20. Juli
1953 aus dem Studio Bellerive in Zürich gesendet.
So begann es - wie ich zu meinem Beruf kam
Als Schüler fing alles mit einem Kristalldetektor an, den ich von einem Nachbar erhalten hatte. Damit war aber nur nachts, wenn es ganz ruhig war, mit viel Geduld und einer Langdrahtantenne im Estrich etwas zu hören, wenn der Silberdraht die richtige Stelle auf dem Bleiglazkristall traf. Der nächste Schritt war der Radiomann-Baukasten, mit dem man als Endziel einen mit einer Röhre bestückten rückgekoppelten Audionempfänger auf einem Hozbrett bauen und damit die ersten Empfangsversuche durchführen konnte. Hie und da pfiff es zum Leidwesen der Nachbarn plötzlich aus deren Lautsprechern, da ich die Rückkopplung an meinem Radioempfängereigenbau etwas zu fest eingestellt hatte.
Im September 1956 ging mein sehnlichster Wunsch in Erfüllung: Ich durfte in die Firma Radio Moser Thun eintreten und im Frühjahr 1957 meine Lehre als Radio-Elektriker beginnen.
Aus dieser Zeit möchte ich als erstes einiges berichten, was damals so auf einen "Radiölerstift" alles zukam.
Aus einem üblichen Tagesablauf des Lehrlings:
Viehhüter reparieren
Mein Lehrmeister hatte selber einen Viehhüter auf elektromechanischer Basis mit einem Schwinganker entwickelt und verkauft. Solche Viehhüter waren in unserer ländlichen Gegend weit verbreitet. So kam im Frühjahr und im Herbst eine grosse Anzahl dieser Geräte zur Wartung in die Werkstatt, und eine Aufgabe der Lehrlinge war es, diese in Stand zu stellen. Zwei grosse 2-Volt- Bleiakkus dienten zur Speisung und reichten im Normalfall für eine Saison aus. Diese Akkus mussten geprüft und geladen werden. An den Geräten mussten die Kontakte gereinigt und wenn nötig die Rückstellfeder ersetzt werden. Von den Säuredämpfen waren die Gehäuse innen oft stark oxidiert und mussten gründlich gereinigt und mit einer Schutzfarbe neu gestrichen werden.
Grammo reparieren
Die 78-tourigen Platten wurden durch die 45-tourigen Single- und 33-tourigen Langspiel-Platten ersetzt. Vielerorts waren aber immer noch die alten sogenannten Aufzieh-Grammophone im Gebrauch und wurden, wenn defekt, zur Reparatur gebracht. Häufig mussten gebrochene Aufzugfedern, die Fliehkraftreglerfedern und der Dämpfergummi im Tonabnehmer ersetzt werden. Die Reinigung, das Schmieren und das Ersetzen des Plattentellerfilzes beendeten die Reparatur. Ein begehrter Artikel waren die Grammophonnadeln, die in kleinen Blechdosen verkauft und nach ganz kurzem Gebrauch ersetzt werden mussten. Die ersten elektrischen Plattenspieler für die 78-tourigen Platten hatten ein elektrodynamisches Pickup. Dieses war mit einem Auflagegewicht von bis zu 30 Gramm sehr schwer und wurde von uns als "Plattenhobel" bezeichnet. Mit dem Auftritt der leichten piezoelektrischen Tonabnehmer mit Saphir- oder Diamantnadeln, die für die 45- und 33-tourigen Platten notwendig wurden, begann eine neue Zeit für die Musikliebhaber und für uns das Sammeln von neuen Erfahrungen. Mit den modernen Plattenspielern traten nun auch wieder neue Fehler auf. Häufig musste das Zwischenrad zum Plattentellerantrieb, dazu Tonzelle, Saphir, Netzkondensator und Motor oder Motorenlager ersetzt werden. Zur Geschwindigkeitskontrolle diente die Stroboskopscheibe und zur Kontrolle der Saphirnadel ein Mikroskop.
Radio reparieren
Die Auswahl der Radiogeräte, die zur Reparatur gebracht wurden, war sehr gross. Defekte Skalenantriebe waren häufige Mängel, die wir beheben mussten. Dazu stimmten die Senderpositionen der einzelnen Sender auf der Skala oft nicht mehr. Nach dem neuen Wellenplan von 1949 war zum Beispiel die Sendefrequenz des Mittelwellensender Beromünster nach unten verschoben worden. Das Ersetzen der Antriebsaiten, der Skalalämpchen und der Skalascheibe mit dem neuen Raster war eine typische Arbeit für den Stift. In den meisten Fällen waren die Geräte stark verstaubt und verschmutzt und mussten erst einmal gereinigt werden, bevor man an die Reparatur gehen konnte. Die Skalascheibe musste sehr vorsichtig gereinigt werden, sonst war die Beschriftung weg. Mehr als einmal war eine tote Maus, die einen bestialischen Gestank verbreitete, der Grund für den Defekt des Gerätes. Viele Trafos waren mit einer Thermosicherung versehen, die aus gespannten Bronzefedern bestanden und mit Woodschem Metall zusammen gelötet waren (Schmelzpunkt ca. 70 Grad). Bei geöffneter Sicherung war meistens ein Kurzschluss im Gerät die Ursache. Er führte zur Überhitzung des Netztransformators und löste die Sicherung aus. Das Abstimmen der Hochfrequenz- und Zwischenfrequenzstufen und des Gleichlaufs über den ganzen Skalenbereich waren die anspruchsvolleren Arbeiten, die Ferritkerne wurden mit Bienenwachs fixiert. Der kugelgelagerte Drehkondensator musste manchmal justiert werden, und für den Gleichlauf im oberen Empfangsbereich liessen sich die äusseren Platten, die mit Einschnitten versehen waren, leicht verbiegen. Geräte, die während des zweiten Weltkriegs gebaut worden waren, waren zum Teil mit Transformatoren mit Wicklungen aus Alu-Draht versehen, da Kupfer während dieser Zeit rar war. Kratzende Wellenschalter wurden mit Trichlorethylen gereinigt, das in einer metallenen kegelförmigen Spritzdose abgefüllt war. Schlechte Lötstellen und Wackelkontakte waren und sind aber bis heute immer wieder Ursache von Störungen geblieben. Wir nannten uns scherzhaft manchmal auch "Superheterodyn-Schocktherapeuten", da durch Klopfen und Schlagen gewisse Fehler für kurze Zeit verschwanden, aber später wieder auftraten. Wichtig war es also, die Ursache zu finden und sie fachmännisch zu beheben. Ein anderer Spruch lautete auch "eins draufschlagen 2 Franken, und gewusst wo 20 Franken". Auf der rechten Seite sind eine kleine Auswahl von Geräten zu sehen, die zur Reparatur gebracht wurden. Die meisten Geräte, die wir führten, wurden in der Schweiz hergestellt. Bekannte Marken waren zum Beispiel Autophon, Biennophone, Deso, Lenco, Paillard, Philips, Revox, Siemens-Albis, Sondyna und Thorens.
Antennenbau
Ab 1954 war der Fernsehsender Bantiger im Betrieb und lieferte für den Empfang auf dem Kanal 2 (47-54 MHz) des Deutschschweizer-Fernsehens das Empfangssignal in unserer Gegend, zum Teil mit starken Reflektionen, so dass öfters eine Dachantenne notwendig wurde. Der optimale Standort musste mit viel Geduld gefunden werden, und dies war auf dem oft steilen Dach mit dem Mast und mit einer fast 3 Meter breiten Vierelement-Antenne nicht immer ungefährlich. Das verwendete Flachbandkabel (Feederkabel 240 Ohm, später 300 Ohm Impedanz) musste mit Distanzhalterungen montiert werden. Mit Bananenstecker wurde das Kabel am Fernsehgerät angeschlossen. Das Bild wurde zu bestimmten Jahres- und Tageszeiten auf dem Kanal 2 durch Überreichweite von ausländischen Sendern gestört. Zum Beispiel konnte man manchmal das Testbild des Senders Budapest deutlich erkennen, wenn der Schweizer Sender ausser Betrieb war.
Mit dem 4.-Lehrjahr-Lehrling Ueli auf Montage
Mit Eduard Müller, einem meiner Vorgesetzten
Auf diesem Bild ist eine drehbare Kanal-8-Antenne für den Sender Feldberg (ARD) zusätzlich zur Antenne Kanal 2 zu sehen. Diese Installation war aber nur an wenigen Orten und nur mit grossem Aufwand möglich. Dazu war die Bildqualität knapp genügend, die Antenne musste öfters nachgerichtet werden.
Während meiner Lehre machte die Entwicklung in der Elektronik grosse Schritte, kamen doch die transitorisierten Kofferradio-Geräte auf den Markt. Da gab es 1956 zum Beispiel von der Firma Ingelen aus Österreich den Kofferradio "portable TRV110", der für die Niederfrequenzstufe und den Spannungwandler für die Anodenspannung der HF- und ZF-Röhren mit Transistoren bestückt war. Zur Speisung dienten zwei flache 4.5-Volt- Taschenlampen-Batterien. Mit dem transistorisierten Spannungswandler wurde die Anodenspannung gewonnen, die die teuren Anodenbatterien für den Betrieb der sonst mit Röhren bestückten Kofferradios mit einer Spannung von 45 - 90 Volt ersetzten. Bald wurden Transistoren für die Hochfrequenzstufen bis in den UKW-Bereich weiter entwickelt, und schnell folgten volltransistorisierte Geräte. Vom kleinen Taschenradio bis zum mit UKW ausgerüstetem Reiseradio wurden immer neue Modelle entwickelt. Es gab Kombigeräte, die sowohl im Auto mit einer Halterung wie auch auf Reisen verwendet werden konnten. Für Heimgeräte wurden aber noch einige Zeit Röhren verwendet.
Die ersten Tonbandgeräte
Der Radiokombi SG 42 von der Firma Schaub mit Stahldraht-Aufzeichnungsgerät und integriertem Plattenspieler, den Anfang der 50er Jahre zum Beispiel die Firma Radio Steiner unter dem Namen Recordophon verkaufte, wurde schnell durch die Tonbandgeräte ersetzt. Viele Anbieter lieferten immer neue Modelle, und das Aufzeichnen von Sprache und Musik wurde immer einfacher. Mit dem Gerät Revox B 36 begann 1957 eine neue Zeit für die Musikliebhaber. Dieses Gerät war mit drei Motoren ausgerüstet, was den Wegfall von Gummiriemen und sonstigen der Abnützung ausgesetzten Teile ermöglichte. Mit den grossen Spulen von 25 cm Durchmesser (1097m Band) wurde eine Spieldauer von bis zu 180 Minuten bei 9½ cm/s Bandgeschwindigkeit erreicht. Mit 19 cm/s war der Frequenzgang über Band 40 -15'000 Hz. Der Preis für das Modell 36-2-K betrug Fr. 990.-- ohne Zubehör. Als Philips mit dem Kassetten-Tonbandgerät EL3300 auf den Markt kam, wurde die Musikkassette zum Renner. Mit fünf Batterien Typ Baby konnte dieses Gerät überall mitgenommen werden. Das Angebot an bespielten Musikkassetten ergänzte immer mehr das Angebot der Langspielplatten.
Einbau von Autoradios
Europäische Autos waren um 1956 von den Herstellern höchstens mit einer Blende für den Einbau eines Autoradios vorbereitet. Der Einbau war zum Teil recht knifflig, da zum eigentlichen Radioteil noch ein zusätzlicher Speiseteil einzubauen war. Mit einem elektromechanischen Zerhacker wurde aus den 6 Volt der Autobatterie die nötigen Speisespannungen für die Röhren erzeugt. Die ausziehbare Antenne wurde normalerweise auf dem linken Kotflügel montiert - wo genau, musste vorher gründlich abgeklärt werden. Ohne eine Schablone der Autohersteller war das manchmal eine Lotterie. Besonders anspruchsvoll war die Entstörerei. Für die Zuführung zu den Zündkerzen mussten Filter, sogenannte Suppressoren, angebracht werden. Der Zündverteiler wurde entstört, dazu gab es je nach Auto die verschiedensten Störquellen, die mit Kondensatoren zu entstören waren, wie zum Beispiel den Scheibenwischermotor. Die Räder wurden über Kontaktfedern zwischen den Metallradkappen und Radnabe verbunden. Die meisten Radios waren nur mit Mittel- und Langwelle ausgerüstet, bekannt waren die Marken Becker und Blaupunkt.
Reparatur von Fernsehgeräten
Mit dem Verkauf und der Installation von Fernsehgeräten wurden auch Reparaturen fällig. Zur Weiterbildung auf dem Reparaturgebiet "Fernsehempfänger" suchte ich nach meiner Lehre in einem grösseren Betrieb eine Stelle. Die Gelegenheit bot sich in der Zentralwerkstatt der Firma Radio Steiner in Bern. Mit Messgeräten, die ich nur vom Hörensagen kannte, und der grossen Erfahrung meiner Vorgesetzten wurde ich in dieser Sparte gründlich ausgebildet. Das Spektrum der täglichen Arbeiten reichte vom Bildröhrenwechsel, der mit grossem Respekt jeweils vorgenommen wurde, über das Reparieren aller Stufen bis zum kompletten Abstimmen sämtlicher Kreise mit dem Wobbelgenerator. Neuere Eintauschgeräte wurden gründlich revidiert, und die Bildqualität entsprach danach wieder der ursprünglichen des neuen Gerätes. Nach einem Jahr holte mich mein ehemaliger Lehrmeister in seinen Betrieb zurück und meine Hauptaufgabe war es nun, die defekten Fernsehgeräte zu reparieren. Dazu gehörte der Service bei den Kunden, wenn möglich wurde die Reparatur direkt an Ort und Stelle ausgeführt. Die häufigsten Fehler waren damals defekte Röhren, die leicht ersetzt werden konnten. Das Röhrenköfferli wurde neben dem Werkzeugkoffer ein wichtiger Begleiter.
Fernsehempfang vom Sender Niederhorn
Mit der Inbetriebnahme des Fernsehsenders Niederhorn wurde die Thunersee-Gegend wesentlich besser versorgt. Dieser Sender arbeitete auf dem Kanal 12 (223-230 MHz), doch viele Geräte waren nur für den Empfang der Kanäle 2-11 vorbereitet. Mit einem kleinen Trick wurde der Kanalstreifen des Kanals 11 im Trommelkanalwähler nachgeglichen, wenn der Streifen für den Kanal 12 vom Hersteller nicht geliefert werden konnte.
Radioempfang
Als Alternative zum Mittel-, Lang-, und Kurzwellenempfang, der sehr störanfällig war, bot sich der Telefonrundspruch mit 6 Programmen an: im Niederfrequenzbereich NF-TR und ab dem Jahr 1955 dazu im Hochfrequenzbereich HF-TR auf Langwelle. Der HF-TR hatte den Vorteil, dass nicht wie beim NF-TR bei jedem Anruf das Radioprogramm unterbrochen wurde. Damit waren wohl die Störungen weg, aber der Tonumfang der AM-Radios blieb schlecht. Dieser Umstand wurde mit speziellen HF-TR-Geräten, zum Beispiel dem Biennophone Crans, verbessert. Mit der Inbetriebnahme der UKW-Sender und eines zweiten deutsch- schweizerischen Kontrastprogrammes im Jahr 1956 wurde die Empfangsqualität und die Auswahl wesentlich verbessert. Programme aus dem Ausland waren beschränkt empfangbar, so war der deutsche Südwest-Rundfunk oft nur mit Aussen-Antennen, die auf Reflektionen der dahinter liegenden Bergketten ausgerichtet waren, einigermassen brauchbar. Für den Empfang auf Mittel- und Langwelle wurden die Geräte nun mit drehbaren Ferritantennen ausgerüstet, die elektromagnetische Signale mit geringeren Störungen empfingen als Langdrahtantennen, die wesentlich empfindlicher auf Störungen waren. Deshalb wurden Landdrahtantennen nur noch für den Kurzwellenempfang installiert. Für den internationalen Empfang von Radiosendern stand die Kurzwelle zur Verfügung, besonders für die jungen Zuhörer der Kurzwellensender Monte-Carlo auf dem 49 Meter-Band mit dem legendären Präsentator Camillo Felgen. Leider litt der Empfang unter dem besonders bei Kurzwellen auftretenden Effekt der Feldstärkenschwankungen (feading).
Werkzeuge und Hilfsmittel
Zum Reparieren der alten Radiogeräte genügten 1957 meistens noch ein gutes Mulimessgerät (in meinem Fall ein Simpson 260 mit 20'000 Ohm/Volt), ein 60 Watt-Lötkolben mit Lötzinnstange und Lötfett und eine Werkzeugtasche von Bernstein mit drei Zangen, fünf verschiedenen Schraubenziehern Grösse 0 bis 5, einem Röhrenhammer und einer Kontaktfeile. Die Lötkolbenspitze musste regelmässig nachgefeilt werden. Die grosse Schemasammlung von Thali durfte auch nicht fehlen. Zum Reinigen der Schalterkontakte hatten wir, wie schon erwähnt, eine metallene Spritzflasche mit Trichlorethylen.
Bauteile
Eine grosse Auswahl an Röhren musste am Lager gehalten werden; immer noch gebräuchlich waren im Jahr 1956 unter anderen Röhren der A-Serie (4 Volt Heizung) mit dem Topfsockel (schön rot), die deutschen Stahlröhren der 11er-Serie, solche mit dem Rimlocksockel der 40er-Serie (6.3 Volt), für die Allstromgeräte die U-Serie (100mA), der amerikanische Typ mit sieben Sockelstiften und die mit neun Stiften versehenen Röhren der 80er-Serie (6.3 Volt). Es folgten die Röhren der Serie P (300 mA Serieschaltung für TV-Geräte). Nicht vergessen durfte man die Gleichrichterröhre 80 und die Röhre vom Tip AZ 1, die durch den Selengleichrichter, der im Fehlerfall grauenvoll stank, ersetzt wurde. Remixwiderstände und Kondensatoren der Firma Wima (die braunen) waren oft Quellen für Störungen, und so war ein Sortiment Widerstände und Kondensatoren am Lager. Potentiometer mit und ohne Netzschalter (lin. und log.) für Lautstärke und Tonblenderegelung, Skalasaiten, Lautsprecherstoff, Saphir- und Diamantnadeln und diverse mechanische Ersatzteile ergänzten das Lager. Einige dieser Teile können Sie sehen, wenn Sie auf diesen Link oder auf das nebenstehende Bild "Bauteile" klicken.
Gewerbeschule und Lehrabschluss
Die Ausbildung in der Gewerbeschule war zur Hauptsache auf den Grundlagen der Radio- und Elektrotechnik aufgebaut. Die Berechnung von Bauteilen und Schwingkreisen, die Barkhaus'sche Röhrengleichung und viele andere Formeln wurden uns eingetrichtert. An der Lehrabschlussprüfung durften keine Formelsammlungen verwendet werden. Alle Berechnungen mussten aus den auswendig gelernten Grundformeln abgeleitet werden. Gerechnet wurde mit dem Rechenschieber. Über Frequenzmodulation und Transistortechnik wurden noch keine Aufgaben gestellt, dagegen waren Röhrenkennlinien gefragt. Die praktischen Arbeiten sahen so aus: Als erstes mussten wir ältere Radiogeräte instand stellen. Darauf folgten präparierte Radios mit diversen Fehlern, die ausgemessen werden mussten. Der Messvorgang musste schriftlich protokoliert werden. Schaltschemas lesen und die Schaltung interpretieren war eine weitere Aufgabe. Als Abschluss musste nach vorgegebener Skizze eine Aluplatte ausgesägt, gebogen und bearbeitet werden. Mit den beigelegten Bauteilen richtig verdrahtet ergab sich so ein funktionierender Multivibrator mit der Röhre ECC40.
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Kristalldetektor