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Sie werden wütend, weil er sich verschanzt, und er verschanzt sich wohl, weil Sie wütend werden. Man nennt das ein zirkuläres Muster, weil sich die Betroffenen dabei unfruchtbar im Kreis drehen.
Der wichtigste Ansatz zur Lösung ist die Verfeinerung der Wahrnehmung: Schauen Sie ganz genau hin. Versuchen Sie - wie in Zeitlupe oder unter dem Mikroskop - zu erfassen, wie dieses Muster abläuft. Das hilft bereits dabei, es aufzubrechen. Es geht also nicht darum, Ihren Mann zu ändern, sondern besser zu erkennen, wer Sie sind, was Sie wollen, wovor Sie Angst haben. Wenn Sie sich auf diesen Weg machen, werden Sie sich schon bald sehr viel freier fühlen als jetzt und nicht mehr als Opfer einer ausweglosen Situation.
Konflikte sind nicht nur normal, sagen Kommunikationswissenschaftler, sondern von existentieller Bedeutung. «Ohne Auseinandersetzungen, Belastungen und Schwierigkeiten, die zu einer emotionalen Betroffenheit und zu verschiedenen Beeinträchtigungen führen, ist ein menschliches Leben nicht denkbar. Ein konfliktfreies Leben würde in Erstarrung münden», schreibt etwa der Konfliktforscher Georg E. Becker. Es geht seiner Ansicht nach darum, in und mit Konflikten leben zu lernen.
Befreiung aus dem Clinch
Quälend wird es aber, wenn wie in Ihrer Partnerschaft immer wieder die gleichen Muster ablaufen. Wenn beide bereits wissen, dass die Auseinandersetzung unfruchtbar bleiben wird. Es ist, als ob man immer wieder in dieselben alten Geleise rutschen würde, obwohl man genau das vermeiden wollte. Der Paartherapeut Jürg Willi hat für solche Pattsituationen den Begriff «Kollusion» eingeführt: Interessanterweise kommt man gerade dann nicht weiter, wenn beide Parteien unbewusst den gleichen Grundkonflikt haben, bewusst aber eine völlig gegensätzliche Haltung einnehmen.
Der eine Partner ist zum Beispiel treu und eifersüchtig und möchte den anderen ständig kontrollieren. Der andere dagegen hält sich für freiheitsliebend, kämpft gegen alle Kontrollversuche und gönnt sich hin und wieder einen Seitensprung. Der eine sagt, er sei eifersüchtig, weil der andere untreu sei, und der andere sagt, er sei untreu, weil er das Kontrolliertwerden nicht ertrage. Im Unbewussten aber teilen beide Partner die Meinung, dass sich Freiheit und Treue nicht verbinden liessen, es fehlt also beiden das Vertrauen. Wenn sie das erkennen könnten, würde sich die Verstrickung auflösen. Genauso ist es mit Machtkämpfen: Der eine versucht den anderen zu beherrschen, und dieser begehrt dagegen auf, im Unbewussten aber teilen beide die Meinung, dass es immer einen Sieger und einen Verlierer geben müsse.
Dass beide gewinnen, ist in der Tat nur dann möglich, wenn jeder sich selber kennt, seine Gefühle spürt und ausdrückt und den anderen in seinem ureigenen Wesen zu verstehen versucht. Diese Haltung befreit aus dem unfruchtbaren Clinch, ermöglicht eine klare Abgrenzung und schafft Raum für eine reife Liebe.
Buchtipp
Jürg Willi: «Die Zweierbeziehung - Spannungsursachen, Störungsmuster, Klärungsprozesse, Lösungsmodelle»; Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 1990, 292 Seiten, Fr. 17.90