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Shannon Abeda ist 25-jährig und stammt aus Eritrea. Aufgewachsen ist er in Kanada, wo er auch heute noch lebt. Er war der erste Eritreer, der sich für Olympische Winterspiele qualifizieren konnte. Das war 2018 in Pyeongchang. Im Riesenslalom belegte er mit knapp 22 Sekunden Rückstand den 61. Platz, im Slalom schied er im ersten Lauf aus.
Auch an den Winterspielen in Peking ist Abeda mit dabei. Diesmal startet er allerdings nur im Riesenslalom. Im Normalfall bestreitet der Eritreer FIS-Rennen, das ist die dritthöchste Kategorie nach dem Weltcup und Europacup. An den Olympischen Spielen kann sich der 25-Jährige nun mit den Besten messen. Im Interview spricht er über seine Ziele, Schnee in seinem Heimatland und Autogrammjäger im Flugzeug.
Shannon, du bist in Kanada aufgewachsen, startest hier in Peking jedoch für dein Heimatland Eritrea. Wie ist es dazu gekommen?
«Ich fuhr bereits als kleiner Knirps Ski. Im Vorfeld der Olympischen Jugendspiele 2012 in Innsbruck nahm ich mit dem Olympischen Komitee von Eritrea Kontakt auf. Zusammen gründeten wir dann eine Ski-Abteilung, damit ich mein Heimatland bei diesem Grossanlass vertreten kann. Damals wollte ich einfach an den Jugendspielen teilnehmen, ich träumte nicht von den grossen Olympischen Spielen. Als ich dann jedoch gesehen habe, wie die eritreische Bevölkerung und der ganze afrikanische Kontinent reagierten, wollte ich mehr. Und jetzt bin ich hier.»
Es sind bereits deine zweiten Olympischen Winterspiele, doch einen Teamkollegen hast du nicht. Du bist der einzige Athlet aus Eritrea. Musstest du alles selbst organisieren oder wurdest du dabei unterstützt?
«Es ist definitiv keine One-Man-Show. Ich erfahre sehr viel Unterstützung durch die Community und das Olympische Komitee von Eritrea. Ich habe einen guten Trainer, einen Physio, einen Video-Analysten sowie einen Manager. Diese helfen mir, alles zu organisieren und unterstützen mich tatkräftig.»
Interessiert sich die eritreische Bevölkerung überhaupt für dich und deinen Sport? Skifahren ist in deinem Heimatland ja nicht wirklich populär.
«In Eritrea fährt niemand Ski, das ist so. Ich versuche den Leuten daher jeweils zu erklären, was Schnee ist. Doch das ist ziemlich schwierig, denn sie können sich das schlicht nicht vorstellen. Aber das verwundert mich nicht. Denn tiefe Temperaturen mag niemand in Eritrea.»
Werden deine Leistungen in Eritrea wahrgenommen? Du warst schliesslich der erste eritreische Athlet, der sich für Olympische Winterspiele qualifizieren konnte.
«Bei meiner Olympia-Premiere 2018 waren die Leute ziemlich überrascht. Sie dachten: ‹Das ist doch nicht normal.› Denn Skifahren ist in Eritrea, wie gesagt, völlig unbekannt. Aber kurz bevor ich nach Peking abreiste, erhielt ich eine Nachricht auf Instagram. Sie stammte von einem Landsmann, der in Deutschland lebt. Und er sagte mir, dass er daran arbeite, bei den nächsten Olympischen Spielen 2026 im Langlauf starten zu können. Nun hoffe ich, dass wir dann eine grössere Delegation stellen können.»
Das war allerdings ein Landsmann, der wie du im Ausland lebt. Wie nehmen dich die Leute in Eritrea selbst wahr?
«Obschon ich bescheiden bin, muss ich sagen: Ich bin schon berühmt in Eritrea. Vor allem in Sportkreisen kennt man mich gut. Es kam auch schon vor, dass mich jemand im Flugzeug nach Eritrea nach meinem Namen fragte. Nachdem ich gesagt hatte, wer ich bin, musste ich sofort für Fotos herhalten und Autogramme geben.»
Du hast also definitiv etwas ausgelöst mit deinen Olympia-Teilnahmen. Wie wichtig bist du für Eritrea, um der Welt zu beweisen, dass auch ihr Skifahren könnt?
«Es ist sehr wichtig, dass wir auch im Wintersport vertreten sind – nicht nur für Eritrea, sondern für ganz Afrika. In Afrika gibt es so viele Sportlerinnen und Sportler. Diese könnten relativ einfach auf Wintersport umsteigen. Ein Sprinter zum Beispiel wäre perfekt geeignet für den Bobsport. Es ist ein Wunsch von mir, dass wir künftig noch mehr afrikanische Athleten haben, die Wintersport betreiben.»
Zum Schluss noch zum Sportlichen. Am Sonntag findet der Riesenslalom statt, in dem auch du starten wirst. Was sind deine Ziele?
«Ich will in die Top 40 fahren. Das sollte durchaus möglich sein aufgrund der Resultate, die ich in den vergangenen Rennen herausgefahren habe. Wenn mir das gelingt und ich gut Ski fahre, werde ich glücklich aus China abreisen.»