Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03240.jsonl.gz/543

Zürich-Altstetten, 2015–2019
Projektwettbewerb, 2015, 1. Preis
Städtebau und Aussenraum
Das Projekt sieht eine einfache und klare städtebauliche Setzung vor, welche die vorgefundenen stadträumlichen Qualitäten des Quartiers zwischen Badenerstrasse und Hohlstrasse fortschreibt. Vorgeschlagen wird ein langgestreckter, kompakter Baukörper mit durchgehender Traufhöhe (bei leicht abfallender Freihofstrasse). Gleich den Bestandsbauten im Perimeter nimmt das Volumen die Baufluchten an der Freihofstrasse auf und schafft einen wiederum geschlossenen, räumlich ruhigen Strassenraum.
Auf der strassenabgewandten Seite ist das Volumen aufgrund von zwei kurzen Querarmen etwas stärker gegliedert. Die risalitartigen Querarme sorgen für eine gute Belichtung der jeweils drei um ein Treppenhaus angeordneten Wohnungen und eine Zonierung der begrünten Aussenräume, die teilweise den Gartenwohnungen vorbehalten sind, teilweise gemeinschaftlich genutzt werden.
Das Gebäude ist wie alle Bauten im Quartier zur Strasse hin adressiert. Hier finden sich, gefasst von einem ebenfalls quartierstypischen Vorgartenstreifen, die zwei Hauseingänge. Sie sind verglast und verfügen über eine kleine Eingangshalle sowie ein Vordach, was dem Haus eine adäquate städtische Adresse verleiht.
Direkt neben den Eingängen finden sich zwei halbgeschossige Abgänge zu den Veloräumen und Waschküchen. Die Waschküchen erhalten über diese Abgänge natürliches Licht und dienen der Begegnung.
Das Haus weist auf Gartenniveau (N-1) am nördlichen und südlichen Gebäudeabschluss zwei weitere, grosszügige Zugänge auf. Sie dienen den Bewohnern zur Erschliessung der gemeinschaftlichen Räume und des Gartens. Der gemeinschaftliche, mit Laubbäumen besetzte Garten- und Spielbereich befindet sich im Südwesten des Perimeters und verknüpft über den Weg auf Parzelle AL5120 das Haus zusätzlich mit dem Quartier.
Architektur und Ausdruck
In Kohärenz zur städtebaulichen Absicht ist auch die Architektur zurückhaltend vorgesehen. Drei Elemente bestimmen den architektonischen Ausdruck: verputzte, farbige Wandflächen, Lochfenster sowie plastisch ausformulierte, aus vorfabrizierten Betonelementen konstruierte Lauben. Die Lauben sind allseitig in den Gebäudekörper eingebunden und so Teil des Volumens. Die flächigen, verputzten Wandbereiche treten in eine spannungsvolle Beziehung mit dem plastischen Relief der Lauben.
Mit dem architektonischen Ausdruck erhält das Gebäude ein eigenständiges, charakteristisches Gepräge, gleichzeitig wird ein Bezug zu den Bauten der unmittelbaren Umgebung gesucht. Auch diese zeichnen sich durch schlichte, gestrichene Putzfassaden aus, während die Plastizität der Lauben mit ortstypischen Gliederungselementen wie Gewänden, Fensterüberdachungen, Risaliten und Friesen in Verbindung gebracht werden kann.
Die Ziegelfarbe des Kellenwurfputzes wirkt im Kontext der in Ocker- und Brauntönen gestrichenen Bestandsbauten selbstverständlich, soll aber durch einen etwas höheren Buntwert den eigenständigen, zeitgenössischen Charakter des Projektes nicht negieren.
Wohnungen
Die Wohnungsgrundrisse sind kompakt organisiert und weisen eine gute Flächeneffizienz auf (3-Spänner-Erschliessung, keine Erschliessungsflächen innerhalb der Wohnungen). Kernelement und Zentrum der Wohnungen ist ein Koch-/Essraum mit zirka 20 Quadratmetern und einer Breite von 4 Metern (4-/5-Zimmer-Wohnungen), der direkt von einem abschliessbaren Entrée aus erschlossen wird. Daran angelagert finden sich die Individualräume mit durchgehend ähnlichen Flächen, um die 13/14 Quadratmeter.
Das Wohnzimmer ist zum Koch-/Essraum ebenfalls abschliessbar und unterscheidet sich von den Schlafzimmern lediglich durch eine grössere Tür und etwas mehr Fläche. Es kann deshalb auch individuell genutzt werden. Die kleine Flächenvarianz zwischen den Zimmern (13 bis 15 Quadratmeter) ergibt nutzungsneutrale Räume für unterschiedliche Mieterprofile.
Es sind einfache Grundrisse mit einem hohen Gebrauchswert. Hierbei sind insbesondere das abschliessbare Entrée mit angelagertem Réduit und Bad, die gute Möblierbarkeit oder die Wahl der Bodenbeläge zu erwähnen.
Aufgrund der Ost-West-Ausrichtung und der risalitartigen Querarme sind alle Wohnungen von zwei bis drei Seiten gut belichtet. Die grossen Wohnungen verfügen über einen Aussenraum im Osten sowie eine lärmabgewandte Laube im Westen. Die kleineren Wohnungen besitzen einen Aussenraum nach Südwesten.
Das Projekt nutzt das Grundstück voll aus, bietet 33 Wohnungen und 2 zumietbare Einzelzimmer (eines davon mit Entrée und Bad) und erfüllt sowohl den Wohnungsschlüssel als auch die Wohnflächenvorgaben. Zwei Zimmer pro Geschoss sind schaltbar, sodass der Wohnungsschlüssel im Planungsprozess noch verändert werden könnte.
Gemeinschaftliche Räume
Trotz des hohen Nutzungsdrucks kommt den gemeinschaftlichen Räumen grosse Bedeutung zu. Die Wasch- und Trockenräume sowie der Veloreparaturraum erhalten natürliches Licht und dienen als Begegnungsorte.
Die übersichtliche Erschliessung und zwei weitere grosszügige Eingänge auf dem Gartengeschoss (N-1) ermöglichen den Bewohnern Zugang zum gemeinschaftlichen Garten sowie Spielplatz und sorgen für ein einfaches Auffinden der drei grossen Veloräume. Schliesslich stehen den Bewohner zwei Dachterrassen zur Verfügung, die das Aussenraumangebot mit Garten und Lauben um eine dritte Qualität ergänzen.
Konstruktion und Materialisierung
Das kompakte Gebäude wird in einer konventionellen (und nach wie vor günstigsten) Massivbauweise erstellt. Sämtliche Innen- und Aussenwände bestehen aus tragendem Backstein, was zu geringen Spannweiten von max. 4 Metern und dünnen Decken in Recyclingbeton führt. Die Lastabtragung erfolgt durchgehend vertikal; es wurde auf eine weitgehende grundrissliche Übereinstimmung von Regelgeschoss zu Attika- und Gartengeschoss geachtet.
Die Backsteinwände der Fassaden sollen in einem dämmenden Einsteinmauerwerk ausgeführt werden. Ein Einsteinmauerwerk ist zwar etwas teurer als eine Kompaktfassade, dafür aber über die Lebensdauer des Gebäudes praktisch unterhaltsfrei; es verhält sich wie Altbaufassaden, bei denen Putze und Farben vielfach über 50 Jahre alt sind. Gegenwärtige Einsteinmauerwerke sind auf die Dämmanforderungen von Minergie ausgelegt. Das Einsteinmauerwerk wird aussen mit einem robusten Kellenwurfputz verkleidet und mineralisch gestrichen. Bei den Fenstern sind sowohl Holz-Metall- als auch reine Holzfenster denkbar. Aufgrund der aussen angebrachten Storenkästen und der Leibungsausbildung wären auch die günstigeren Holzfenster ausreichend vor Witterung geschützt.
Im Innenausbau sollen wenige robuste und langlebige Materialien zum Einsatz kommen. Das Projekt schlägt vor, in den Bereichen Kochen/Essen, Entrée, Bad und Réduit einen Steinzeugplattenbelag zu verlegen. In den Zimmern ist ein Eichenparkett vorgesehen. Für die Wände wird ein feiner Abrieb vorgeschlagen, die Betondecken werden lediglich gestrichen.
Die Lauben sind freistehend und werden aus vorfabrizierten Betonelementen zusammengesetzt. Damit entfällt auch das Aufbringen eines Bodenbelags am Bau. Die Entwässerung erfolgt über aussen liegende Spenglerrohre oder Speier.
Wirtschaftlichkeit und kostengünstiges Bauen
Das Projekt ist in jeder Hinsicht auf eine kostengünstige Realisierbarkeit ausgerichtet. Zunächst sprechen der kompakte Gebäudekörper mit seiner kleinräumigen, vertikal durchlaufenden Tragstruktur sowie die effiziente Erschliessung mit lediglich zwei Kernen für sechs Wohnungen pro Geschoss für tiefe Investitionskosten. Der Verzicht auf eine Tiefgarage erlaubt die Unterbringung der Untergeschossbereiche innerhalb des Gebäudeumrisses und einen optimierten Aushub ohne vertikale Baugrubenabschlüsse entlang der Freihofstrasse.
Im Weiteren wurde darauf geachtet, dass die freistehenden Lauben soweit wie möglich vom Untergeschoss bis zum Attikageschoss durchlaufen, um aufwändige Abdichtungs- und Dämmarbeiten in horizontalen Flächen zu vermeiden. Die Wahl der Lochöffnungen mit gemauerten Brüstungen benötigt keine Geländer vor den Fenstern und ergibt ein gutes Verhältnis von opaken zu verglasten Flächen. Schliesslich wird eine möglichst hohe Standardisierung der Bauteile angestrebt.
Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Julian Fischer, Valentin Surber, Patrick Zeller
Mitarbeit Planung und Ausführung
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Projektleitung: Michael Brotzer, Bauleitung: Michael Reiterer, Christian Franke, Architekt: Sébastien Ressnig, Praktikanten: Kevin Kraus, Charlotte Nobre, Jakub Gondorowicz, Friederike Merkel, Demian Derron
Bauherrschaft
Stiftung PWG, Zürich
Ingenieur: WKP Bauingenieure AG, Zürich
HLSE-Planer: Ospelt Haustechnik, Vaduz
Bauphysiker: Wichser Akustik & Bauphysik AG, Zürich