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Es sei zutiefst faszinierend, die epidemiologischen Kurven von Krankheitsausbrüchen vor Hunderten von Jahren zu betrachten, sagte der Epidemiolge und Letztautor der Studie Marcel Salathé gemäss einer Mitteilung der ETH Lausanne (EPFL).
Das Team griff auf Dokumente des venezianischen Stadtarchivs zurück, um Daten aus kalenderartigen Verzeichnisse mit Verstorbenen (sogenannte Nekrologien) und die täglichen Sterbedaten zu ermitteln. Damit gelang es ihnen, die Ausbreitung der gefürchteten Beulenpest in den Jahren 1630 und 1631 in der italienischen Stadt zu modellieren.
Zwei Pest-Wellen
Demnach wiesen die Nekrologien innerhalb dieser zwei Jahre mehr als 43'000 Todesfälle auf, die laut den Forschenden grösstenteils auf die Pest zurückzuführen waren. Und sie beobachteten zwei Pest-Wellen: Ein erster Höhepunkt ereignete sich im Jahr 1630. Damals raffte die Krankheit pro Tag über 400 Menschen dahin. Im Jahr 1631 folgte ein zweite Welle, die zwar weniger schlimm war, aber länger andauerte, wie die Forschenden im Fachmagazin «Scientific Reports» berichten.
Sie erklären sich die zwei Wellen damit, dass einige Todesfälle vielleicht fälschlicherweise der Pest zugeschrieben wurden - oder dass neben der Beulen- auch die Lungenpest in Venedig grassierte. Ebenfalls könnte das Verhalten der Menschen eine Rolle gespielt haben, sodass die Krankheit eingedämmt werden konnte.
https://doi.org/10.1038/s41598-020-74775-6