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Trotz Antibiotika hat eine 18-Jährige täglich Fieberschübe und vergrösserte Lymphknoten. Ihre Ärzte denken an Infektionen und bösartige Krankheiten. Erst auf Umwegen gelangen sie zur richtigen Diagnose.
Es scheint ein schwerer Infekt zu sein, den die 18-Jährige einfach nicht loswird. Die blasse Frau hat schon seit einem Monat täglich Fieberschübe, nach denen ihre Kleidung immer komplett durchnässt ist. Zeitgleich schwellen ihre Lymphknoten im Nacken an, schrumpfen aber wieder auf normale Grösse, wenn das Fieber abklingt. Ausserdem schmerzen ihre Gelenke morgens, oft fühlen sie sich eine Stunde lang steif an, bis die Patientin ihre Gliedmassen wieder wie gewohnt bewegen kann.
Der Hausarzt hat der jungen Frau aus Sri Lanka bereits zweimal Antibiotika gegeben – ohne Erfolg. Es geht ihr immer schlechter, innerhalb eines Monats verliert sie acht Kilogramm. Für Infekte typische Symptome wie Halsschmerzen, Husten, Hautausschlag oder Verdauungsprobleme hat sie aber nicht. Auch Vorerkrankungen sind bei ihr nicht bekannt, sie hatte noch keinen Geschlechtsverkehr und auch keinen Kontakt zu Tuberkulosekranken.
Bei der Untersuchung in der medizinischen Fakultät der Universität von Peradeniya, einer Kleinstadt im zentralen Bergland von Sri Lanka, hat die Patientin leicht erhöhte Temperatur. Die Ärzte tasten mehrere vergrösserte Lymphknoten an Hals und Nacken – einer ist etwa so gross wie eine Kidneybohne. Ihre Knöchel sind leicht geschwollen.
Bei den ersten Blutanalysen fällt den Medizinern insbesondere die ausgeprägte Blutarmut auf, auch Anämie genannt: Normalerweise haben Frauen einen Hämoglobinwert zwischen 12 und 16 Gramm pro Deziliter, bei der Patientin liegt er nur bei 7,4. Die weissen Blutkörperchen hingegen, die etwa bei Entzündungen aber auch bei anderen Erkrankungen verändert sein können, sind erhöht ebenso wie das Protein CRP, das unspezifisch auf Entzündungen oder auf Tumore hinweisen kann. Nieren- und Leberwerte sind normal, eine Röntgenaufnahme der Lunge unauffällig.
Nachdem die Ärzte ihr noch zusätzlich Blut abgenommen haben, um gezielt nach Erregern zu suchen, und auch Urinproben ins Labor geschickt haben, beginnen sie probehalber mit einer weiteren, breit wirksamen Antibiotikatherapie. Aber das Fieber kehrt zurück, jeden Tag. Und auch die Erregersuche bleibt erfolglos, wie sich kurze Zeit später zeigt.
Nun müssen die Mediziner nach weniger wahrscheinlichen Ursachen suchen. Handelt es sich um Malaria oder doch um Tuberkulose? Um eine Autoimmunkrankheit? Oder Blutkrebs? Einiges davon scheint nach weiteren Bluttests unwahrscheinlich: Malaria und Tuberkulose können die Ärzte weitgehend ausschliessen, auch eine Autoimmunerkrankung erscheint unwahrscheinlich.
Weil die Patientin aber so viel Gewicht verloren hat, immer wieder stark schwitzt und bestimmte Blutwerte darauf hinweisen, dass Zellen in ihrem Körper zerstört werden, erscheint ihnen ein sogenanntes Lymphom sehr wahrscheinlich. Dabei handelt es sich um einen Überbegriff für verschiedene Tumore, die vom lymphatischen System ausgehen, das für die Immunabwehr wichtig ist. Diese können sowohl gut- als auch bösartig sein. Auch ein sogenanntes Still-Syndrom, bei dem Fieber und Gelenkschmerzen im Vordergrund stehen, halten die Ärzte für möglich.
Als nächstes entnehmen sie eine Gewebeprobe aus einem Lymphknoten am Hals. Die typische Struktur darin ist verschwunden, es gibt mehrere Areale, in denen viele Zellen abgestorben sind, wie die Mediziner im «Journal of Medical Case Reports» berichten. Mit den detailreichen Beschreibungen und der Hilfe der Pathologen finden sie schliesslich die richtige Diagnose: Es handelt sich um die sogenannte Kikuchi-Fujimoto-Krankheit, ein sehr selten auftretendes Syndrom, das vor allem in Südostasien und Japan vorkommt.
Was die Krankheit auslöst, ist noch unklar. Wiederholt hatten Wissenschaftler unterschiedliche Bakterien und Viren in Verdacht, ein ursächlicher Zusammenhang konnte bislang allerdings nicht bewiesen werden. Viele der Betroffenen sind junge Frauen, sie leiden typischerweise unter Fieberschüben, Lymphknotenschwellungen im Nacken, Gelenkschmerzen und Anämie.
Das Gute an der schweren Krankheit ist: Sie verschwindet in den meisten Fällen innerhalb von ein paar Monaten von alleine wieder. Aus Fallberichten und kleinen Studien ist bekannt, dass antientzündliche Medikamente wie Prednisolon helfen. Schon 24 Stunden nach der ersten Einnahme ist die junge Frau fieberfrei, es geht ihr jeden Tag besser. Einen Monat später hat sie kaum noch Beschwerden und reduziert langsam ihre tägliche Medikamentendosis.
Die Ärzte schreiben in ihrem Fallbericht: «Auch wenn die Kikuchi-Fujimoto-Krankheit von alleine wieder vergeht, täuscht sie wie ein Hochstapler gefährliche Erkrankungen vor. Man kann sie leicht für Tuberkulose, ein Lymphom oder anderes halten.» Besonders wichtig sei es daher, so früh wie möglich die richtige Diagnose zu finden, um überflüssige Untersuchungen und Therapien zu vermeiden.