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Morbus wilson
Aus Symptome, Ursachen von Krankheiten
Beschreibung
Morbus Wilson (M.W.)ist eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung. Das bedeutet, daß man das betreffende Gen von Vater und Mutter erben muss, um die Krankheit zu bekommen. Es gibt deshalb viele Genträger, die nicht erkrankt sind. Die Krankheit kommt besonders häufig in Verwandtenehen vor.
Der M.W. beruht auf einer Störung des Kupferstoffwechsels: Das Kupfer aus der täglich aufgenommenen Nahrung (mit der täglichen Nahrung wird im Schnitt 25% mehr Kupfer aufgenommen als der Körper für seine eigenen Stoffwechselprozesse braucht). Ist ein Mensch nun an M.W. erkrankt, gelingt es ihm nicht, das überschüssige Kupfer auszuscheiden; es wird abgelagert und häuft sich dort langsam an, u.a. in Leber, Auge und Gehirn. Es kommt zu einer Kupfervergiftung. Die Leber wird in ihren Funktionen immer mehr eingeschränkt und geht später in den Zustand der Zirrhose über. Im Gehirn bewirken die Kupferablagerungen den Untergang von bestimmten Zellen, die für die Bewegungskontrolle zuständig sind (Basalganglien). Aber auch andere Regionen im Gehirn können durch das Kupfer geschädigt werden; entsprechend fallen die Symptome aus.
Es wird unterschieden zwischen dem
Symptome
Bei der Mehrzahl der Erkrankten äußert sich Morbus Wilson durch Störungen der Leber: Sie vergrößert sich, die Leberwerte im Blut können ansteigen, evtl. tritt eine Gelbsucht auf, der Patient verliert Gewicht, hat eine Anämie, evtl. eine akute oder chron. Leberentzündung. Schließlich kann eine Leberzirrhose folgen. Bei manchen der Patienten komtm es zu einem Leberversagen. Die Leberstörungen zeigen sich im Schnitt früher als die neurologischen Symptome; so um das 12. Lebensjahr herum.
Bei ca. 40% der Kranken zeigen sich als erstes neurologische Sympome, meistens um das 20. Lebensjahr herum. Zu diesen neurologischen Symptomen gehört ein " grobschlächtiges Zittern" (Tremor) der Hände. Oft fällt es schwer, Gegenstände festzuhalten. Dieses Zittern kann auch beim zielgerichteten Einsatz der Hände zunehmen ("Intentionstremor"). Die Sprache kann verwaschen und heiser klingen (Dysarhrie, Dysphonie). Schreitet die Krankheit fort, können Schluckstörungen auftreten (Dysphagie). Es können Bewegungsverminderungen auftreten, die sich im Gesicht zeigen können (Hypomimie), aber auch an Armen und Beinen mit der Folge Fehlstellungen und dadurch bedingten schmerzhaften Verkürzungen von Muskeln und Sehnen. Das Gangbild verändert sich und wird unsicherer. Auch die Psyche kann sich verändern: Psychosen, dementielle Entwicklung mit Lern-, Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen sowie Depressionen können auftreten. Bei manchen Patienten zeigen sich Nierenfunktionsstörungen (Fanconi-Syndrom). Bei anderen führt gehören zu den Krankheitssymptimen Erkrankungen von Knochen und Gelenken (Osteoporose, Arthritis bzw. arthritische Beschwerden.
Bei vielen Patienten, aber nicht bei allen gibt es ein klinisches Kennzeichen für Morbus Wilson,vor allem bei den Patienten mit neurologischen Symptomen, den Kayser-Fleischer-Kornealring. Dieser Ring entsteht durch ringförmige grüngelblichbraune Kupferablagerungen im Auge an der Grenze von der Hornhaut zur Lederhaut. Diesen Ring kann der Augenarzt bei einer Spaltlampenuntersuchung sehen, nicht mit bloßem Auge.
Diagnose
Besteht aufgrund der Symptome und der Blutwerte der Verdacht auf Morbus Wilson, sollten im Labor Parameter des Kupferstoffwechsels untersucht werden. Molekularbiologische Tests können die Ergebnisse der Blutwerte bestätigen und ergänzen. Die Diagnose gilt als ziemlich klar, wenn dabei erniedrigtes Serumcoeruloplasmin (das ist ein Transportprotein für Kupfer im Serum) festgestellt wird. Zusätzlich: erhöhte Kupferausscheidung im Urin und ein Kayser-Fleischer-Ring (nicht bei allen Morbus-Wilson-Kranken). Besteht der Verdacht auf die hepatische Form des Morbus Wilson, muß außerdem eine Leberbiopsie mit Bestimmung des Kupfergehaltes erfolgen.
Es gibt weitere Untersuchungen zur Diagnosestellung: Z.B. den intravenösen Kupfertest (er ermöglicht auch eine Unterscheidung zwischen heterozygoten Merkmalsträgern und Patienten mit Morbus Wilson). Es gibt auch den Penicillamin-Belastungstest: Damit wird unter Gabe von D-Penicillamin (es wird auch zur Therapie des Morbus Wilson eingesetzt) die Kupferausscheidung im Urin bestimmt. Falls jetzt noch immer nicht klar ist, ob Morbus Wilson vorliegt oder nicht, sollte ein Gentest gemacht werden. In einer Familie, in der ein Morbus-Wilson-Kranker festgestellt wurde, sollten sich auch die näheren Verwandten mit einem Gentest untersuchen lassen, auch wenn sie ohne Symptome sind. Dieser Gentest ist deshalb wichtig, weil dadurch rechtzeitig mit der Behandlung begonnen werden kann.
http://www.psychiatrie-gap.de/index.php?id=1032: Beschreibung des Morbus Wilson und der Diagnostik
Therapie
Da Morbus Wilson auf einem Gendefekt basiert, muß er auch lebenslang therapiert werden. Ziel der Therapie ist eine negative Kupferbilanz. Das heißt, dass ohne Therapie gespeicherte Kupfer wird am besten gleich abgefangen und das bereits gespeicherte Kupfer wird ausgeleitet. Die am häufigsten angewandte (Initial)-Therapie sind Kupfer bindende Medikamente -sogenannte Chelatbildner - wie z.B. D-Penicillamin. Dieser Chelatbildner bindet das Kupfer und bringt es damit zur Ausscheidung, wodurch der Kupferspiegel sinkt. Es dauert ca. 6-12 Monate, bis das berechnete freie Serumkupfer im Normbereich liegt. Danach folgt eine Erhaltungstherapie, mit der die ausgeglichene Kupferbilanz aufrechterhalten werden soll.
Bei der Erhaltungstherapie werden ebenfalls Chelatbildner verwendet, allerdings jetzt niedriger dosiert. Es ist auch eine Behandlung mit Zinksalzen möglich, die über die Darmschleimhaut wirken, indem sie dort letztlich über Metallothioneinen (= Proteine) Kupfer binden. Diese Therapie hat den Vorteil, daß mit der Nahrung aufgenommenes Kupfer gar nicht erst in den Körper gelangt und gleich im Darm abgefangen wird. Es kann auch mit Zinksalzen in Kombination mit D-Penicillamin therapiert werden. Dann sollte allerdings das D-Penicillamin zeitversetzt mit den Zinksalzen gegeben werden. Ein weiteres Mittel zur Therapie ist Trientine, einem Chelatbildner, der das Kupfer im Serum bindet.
Es gibt Lebensmittel, die besonders viel Kupfer enthalten. Dazu gehören Innereien, Nüsse, Pilze, Vollkornprodukte, Kakao, Schokolade und Meeresfrüchte. Bei einer kupferarmen Diät wären diese Lebensmittel zu meiden. Ebenso: Kupfergeschirr zum Kochen sind nicht angeraten; Keramikgeschirr mit kupferhaltigen Glasuren auch nicht. Gebrannte Mandeln sind für Morbus-Wilson-Kranke nicht günstig: sie werden in Kupferkesseln zubereitet. Auch Kupferwasserleitung sind zu meiden, wenn sich in den Leitungen keine Schutzschichten bilden können, wie z.B. bei sehr weichem Wasser.
In einer Schwangerschaft muß die Morbus-Wilson-Therapie unbedingt fortgeführt werden! Bei Absetzen des D-Penicillamin kann es zu einem erneuten Schub kommen, wobei die Leber dann gefährdet ist. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Gefahr für den Foetus durch D-Penicilamin eher gering.
Die letzte Möglichkeit einer Behandlung des Morbus Wilson ist eine Lebertransplantation. Wenn der Kranke auf ein Spenderorgan warten muß, kann evtl. eine Albumindialyse die Leber unterstützen. Auch bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose sollte an eine Lebertransplantation gedacht werden. Da das ein schwerer Eingriff ist, sollte er genau überlegt werden. Außer den Risiken, die damit verbunden sind, ist auch an die anschließend notwendige lebenslange Immunsuppression zu denken.
Es gibt Tierversuche zu einer Gentherapie und Leberzelltransplantationen. Allerdings kann über eine Behandlung des Menschen mit Morbus Wilson noch nichts gesagt werden.
Siehe auch
Forumsdiskussionen
Weblinks
Literatur