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Die Sportnachrichtenagentur wird 100
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Die Sportnachrichtenagentur wird 100
1922: Tarzan (oder Johnny Weissmüller, der den Tarzan in den Filmen spielte) schwimmt die 100 m als erster unter einer Minute (58,6). In Monza, unweit der Schweizer Grenze, wird in 100 Tagen ein Prunkstück des Automobilrennsports gebaut, das Autodrom von Monza. Und in Zürich begegnet Arnold Wehrle auf der Bahnhofstrasse Dr. J. Welti, dem Feuilletonredaktor der NZZ. Falls sich der junge Mann mit dem Gedanken trage, die Sportjournalisterei hauptberuflich auszuüben, könne er mit der Unterstützung der NZZ rechnen.
Das musste niemand Arnold Wehrle (1899 - 1975) zweimal sagen. Seit fast zehn Jahren trug er sich mit diesem Gedanken. In seinen Jugendjahren war er schlicht und einfach ein Fussballfan, in einer Epoche, in der noch keine einzige Zeitung Sportresultate vermittelte. Radio und Fernsehen gab es auch noch nicht, einzig Verbandsorgane. Seinen ersten Artikel schrieb Arnold Wehrle mit 14 aus Wut darüber, dass in der Zeitung des Schweizerischen Fussball- und Athletik-Verbandes (SFAF) kein Wort über das Gastspiel der Tottenham Hotspurs in Zürich zu lesen war. Der Sekundarschüler schickte dem SFAV-Organ aufs Geratewohl einen Bericht vom Spiel FC Zürich – Olympique Lillois, der am 4. Juni 1914 tatsächlich erschien, gezeichnet mit A.W. auf der Titelseite.
Am 1. April 1922 nahm das «Zürcher Sportnachrichten-Bureau Arnold Wehrle» als Einzelfirma mit einem Mitarbeiter den Betrieb auf. Die ersten Abonnenten waren damals die La Suisse, die Basler National-Zeitung, die NZZ und das Luzerner Tagblatt. In den ersten zwei Jahren kamen das der Sport, das Prager Tagblatt und das französische Automagazin L’Auto hinzu. Schon nach einem Jahr wurde aus dem Zürcher das Schweizer Sportnachrichten-Bureau (mit internationaler Ausstrahlung); 1925 erfolgte die Umbenennung in Sportinformation – bis zur Integration in die SDA 2016 die weltweit einzige Nachrichtenagentur nebst dem deutschen Sportinformationsdienst (SID), die sich ausschliesslich auf den Sport konzentrierte.
65 Jahre lang leitete die Familie Wehrle das prosperierende Unternehmen. Arnold Wehrle sen. nahm seine zwei älteren Söhne Arnold jr. (1924 – 1991) und Walter (1926 - 2013) recht früh an die Kandare. Die beiden Knaben erhielten früh Velos, die in der Krise der dreissiger Jahre als Luxusgegenstände galten. Dafür mussten die Buben am Sonntag im Stundentakt Durchschläge von Si-Meldungen per Fahrrad an die Zeitungen und Bars der Innenstadt verteilen.
Arnold «Noldi» Wehrle jr. arbeitete ab 1942 als Stagiaire und Redaktor, er kümmerte sich um die Kunden, war Chef des Auslanddienstes, später Gesamtleiter und Verwaltungsratspräsident.
Walter «ww» Wehrle stiess 1946 zur Sportinformation. Er begann als Buchhalter mit einem Monatslohn von 300 Franken und stieg im Familienbetrieb immer weiter auf: zum Stagiaire, Redaktor, Chef Finanzen, Chef Inlanddienst und zuletzt zum Chefredaktor.
Die Wehrle-Dynastie prägte nicht nur die Sportinformation. Wenn eine Anfrage eines Sportverbands auf dem Tisch lag, konnten die herzensguten Menschen selten nein sagen. Die beiden Arnolds prägten unter Sepp Voegeli die Tour de Suisse mit. Walter Wehrle war neben seinen Aufgaben für die Sportagentur auch Zentralsekretär des Landhockeyverbandes, Zentralpräsident der Sportjournalisten, machte in den Zentralkomitees im Rollsport- sowie im Bob- und Schlittelverband mit, und er schrieb ein vielbeachtetes Buch («Kein Mayday-Ruf von KE 007 – das grösste Verbrechen der Zivilluftfahrt»). Als sein schönstes Werk erachtete er die Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen des Schweizerischen Fechtverbandes.
Gegen Ende der Ära Wehrle fehlten bei der Si die Mittel zum Ausbau der Redaktion, die das Ausschwärmen der Mitarbeiter auf Reportagen ermöglicht hätte. Per Januar 1987 übernahm Bernard Reist von der SDA das Zepter. Reist stellte den Laden mit bewundernswertem Elan, grossem Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen innerhalb kurzer Zeit auf eine breitere Basis, ehe er die Chefredaktion 1989 an Peter A. Frei übergab.
Ein kurzgefasstes Résumé der neuzeitlichen Geschichte der Sportredaktion von Keystone-SDA (bis 2016 Sportinformation Si) muss im Wesentlichen die rasante technische Entwicklung der medialen Sphäre zum Inhalt haben. Alles veränderte sich rasant schnell: das Zeitungswesen und - zuerst wegen Radio und Fernsehen, später wegen des Internets - die Art der Berichterstattung.
Aber auch der Sport veränderte sich. Er wurde professioneller, kommerzieller, wichtiger – und das alles zog wieder andere Problematiken mit sich (wie z.B. Doping).
Dem allem hat sich die Sportredaktion nie verschlossen. Sie machte im Lauf der Jahrzehnte die Metamorphose vom gewissermassen biederen Nachrichtenbüro zum leistungsfähigen Medienunternehmen mit.
Trotz aller medialer Probleme blieb der Arbeitsplatz bei der Agentur stets attraktiv. Das letzte Überbleibsel der Ära Wehrle bin… ich. Als eine seiner letzten Handlungen für die Si nahm Walter Wehrle 1986 den Stagiaire Rolf Bichsel, eben mich, unter Vertrag. 36 Jahre später darf ich als Doyen der Sportabteilung diese Zeilen schreiben. Als ich Anfang November 1986 meine Arbeit aufnahm (und schon am Ende des ersten Arbeitstages wusste, dass ich hier bleiben will) waren «Noldi» und «ww» nicht mehr da.
Trotz aller massiver Änderungen im Lauf der Jahre ist eines bei der Agentur für Sportnachrichten gleichgeblieben: Die Verbundenheit der Mitarbeiter zum Job, zum Sport, zur Si, jetzt zur Keystone-SDA. Den Gepflogenheiten des modernen Arbeitsmarkts entspricht es nicht, dass jemand 25, 30 oder wie ich 36 Jahre und noch länger für dasselbe Unternehmen tätig ist. Bei der Sportredaktion von Keystone-SDA sind aber derzeit gleich sechs Redaktoren seit mehr als einem Vierteljahrhundert beschäftigt, vier in Bern und zwei in Lausanne.
Rolf R. Bichsel, Redaktor Sport Keystone-SDA (Autor)
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Die Sportnachrichtenagentur wurde zwar stets von Zürich (und nun Bern) aus geführt, stets aber lag dem Unternehmen auch die Romandie am Herzen. Bereits ab 1924 gab es in Neuenburg ein Büro in der Westschweiz. 1955, 33 Jahre nach der Gründung, bauten die Gebrüder Wehrle schliesslich in Genf eine französischsprachige Tochter auf, die zu Beginn unter der Leitung von Jean-Jacques Faure stand.
Fortan hatte auch «die Minderheit» eine Stimme in der damaligen «Si», wie es der ehemalige und langjährige Chefredaktor Jean Bosonnet in der Chronik zum 75-Jahr-Jubiläum schrieb. Nebst Faure und Bosonnet präg(t)en die Familien Ducret und Pralong die Redaktion, zuerst durch Jacques Ducret (1957 bis 1995, ab 1960 Direktor) und Pierre Pralong (1969 bis 2004, ab 1995 Direktor), später durch ihre Söhne Laurent und Julien. Julien Pralong leitete die Westschweizer Sportredaktion bis vor zwei Jahren, Laurent Ducret ist als stellvertretender Teamleiter noch heute in der Firma.
Die Treue und die Loyalität der Mitarbeitenden zum Unternehmen sind ein Markenzeichen der «Sportler» von Keystone-SDA (siehe auch Haupttext). Die Kolleginnen und Kollegen in Genf (heute in Lausanne) zeichneten sich noch vielmehr als unverwüstliche Arbeitstiere mit teilweise grenzwertigen Pensen aus als ihre Mitstreiter in Zürich oder Bern – stets zum Wohl der Kunden und interessierten Leser von Sportnachrichten. (smh)
Für Rückfragen:
Sandro Mühlebach, Chefredaktor Sport, <email-pii>, +41 79 356 99 35