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Niger ist das zweitärmste Land der Welt. Es besteht überwiegend aus Wüste und kämpft an vielen Fronten.
Niger
Niamey / Zinder / Diffa
Das Land Niger
Niger ist derzeit nach Sierra Leone das zweitärmste Land der Welt, es besteht überwiegend aus Wüste. Die nördlichen Gebiete sind praktisch vegetationslos und die Stein- und Sanddünen reichen bis zum Horizont. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt im Süden, wo der Niger fliesst, an der Grenze zu Benin, Nigeria und Burkina Faso.
Das Land kämpft an vielen Fronten: gegen den Terrorismus der Boko Haram, gegen Epidemien, gegen die Macht und die Ausbeutung durch ausländische Konzerne, gegen Menschen- und Waffenhandel, gegen Hunger, Armut, Korruption und Analphabetismus.
Derzeit leben im Niger 17,6 Millionen Menschen. Das Bruttoinlandsprodukt ist 2015 von rund 8 auf rund 7 Milliarden US-$ gesunken. Die Lebenserwartung eines Menschen im Niger liegt bei knapp über 40 Jahren. Vor allem Mangel- und Unterernährung sind dafür verantwortlich. Sie führen zu Krankheiten, die es in Europa so gut wie nicht mehr gibt. Am stärksten sind Neugeborene und Kinder davon betroffen. Oft sterben sie an den Folgen, obwohl es durch eine einfache medizinische Behandlung verhindert werden könnte. Cleft gehört auch dazu. Im Niger kommt lediglich ein Arzt auf 250'000 Menschen.
Die drei Cleft-Zentren in Niger decken alle Regionen ab
Mit den drei bestehenden Cleft-Zentren sind wir so positioniert, dass alle Regionen des Landes bzw. ihre Cleft-Patienten die Möglichkeit auf eine Behandlung haben. Insofern geht es nicht darum, weitere Zentren aufzubauen, sondern vielmehr darum die bestehenden auszubauen. Dies bedeutet in erster Linie die Ausbildung weiterer Ärzte sowie eine Erweiterung der Infrastruktur. Unser Ziel ist es, in Zukunft 800 Operationen pro Jahr durchführen zu können. Und natürlich soll auch in Niger ein Schulprojekt entstehen.
Es ist uns wichtig, dass die Projekte nicht isoliert voneinander arbeiten, sondern dass eines von den bereits gewonnenen Erkenntnissen und gemachten Erfahrungen des anderen profitieren kann. Das Zentrum in Niamey steht deshalb mit den vier indischen Cleft-Zentren unseres Projektpartners Cleft-Children International (CCI) und den dortigen Gesichtsspezialisten in engem Austausch, was nicht zuletzt für die Ausbildung der nigrischen Ärzte und des medizinischen Hilfspersonals vor Ort von grosser Bedeutung ist. Dies ist für uns eine lebendige Nachhaltigkeit, die sich selbst in Gang halten, erneuern und auch verändern kann, an der nichts dogmatisch ist oder starr, ganz nach dem humanitären Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Operationszahlen der letzten Jahre sprechen für sich:
2015:
Niamey 155, Zinder 62 und Diffa 51
2016:
Niamey 174, Zinder 173 und Diffa 73
Das Ziel für die nahe Zukunft sind 800 erfolgreich durchgeführte Operationen pro Jahr. Das grösste Problem besteht aber nach wie vor in der Information und «Akquisition» der Patienten. Leider findet man nicht täglich eine unkonventionelle Lösung wie in Zinder, wo Habou Kofa der König der Barbiere mit einem von uns bezahlten Pferd durchs Land reitet und das Volk über unsere Tätigkeit aufklärt.
Aufklärung & Information sind zentral
In Afrika ist nach wie vor eine der grössten Herausforderungen, Menschen über die Möglichkeit einer kostenlosen Operation ihrer mit Cleft geborenen Kinder zu informieren. In den abgelegenen Gebieten des Niger bedeutet der Begriff «dörflich» etwas ganz anderes als hier. Die betroffenen Menschen sind dort praktisch von der Zivilisation abgeschnitten. Sie halten sich in kleinen Gemeinschaften mühsam über Wasser und ihr Tag ist damit ausgefüllt, sich das Nötigste zum Überleben zu beschaffen. Ärztliche Versorgung ist ihnen so gut wie fremd.
Selbst wenn es uns gelingt, diese Menschen zu erreichen, ist es noch ein sehr weiter Weg, sie davon zu überzeugen, dass eine Operation ihres Kindes die richtige Entscheidung ist: ein Eingriff, wie sie ihn noch nie erlebt haben, ausgeführt von Menschen, die ihnen vollkommen fremd sind, denen sie sich anvertrauen müssen, noch dazu hunderte Kilometer weit weg, in einer grossen Stadt voller Lärm und Gefahren. Deshalb ist es so wichtig, dass unsere Arbeit immer auch von den Menschen vorort mitgetragen wird und sie sich mit den Zielen der Cleft- Kinder-Hilfe Schweiz identifizieren können. Insbesondere die Ärzte in den Cleft-Zentren, die sich, gerade was die Aufklärung der Bevölkerung betrifft, oft überdurchschnittlich engagieren, die sogar selbst auf die Dörfer fahren und dort mit den Menschen reden. Ihre Botschaft kommt an, denn sie sind selbst Teil der Bevölkerung und allein deshalb schon glaub- und vertrauenswürdig.