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«Glücklich kann sich gegenwärtig derjenige schätzen, der einen Stall voll Vieh besitzt!» Die Gemeinde Grindelwald und die Auswirkungen der Nahrungsmittelknappheit im Berggebiet der Schweiz während des Ersten Weltkrieges
Als Gemeinde im alpinen Raum war Grindelwald einerseits landwirtschaftlich geprägt, der Ort war jedoch seit Ende des 19. Jahrhunderts auch auf den Fremdenverkehr ausgerichtet. Bereits im Jahr 1900 machte der touristische Nebenerwerb der Landwirte 30% ihres Gesamteinkommens aus. Gemäss den Untersuchungen von Christian Pfister war die Lebensmittelproduktion des Oberlandes ab Mitte des 19. Jahrhunderts nur noch knapp bedarfsdeckend. Entsprechend war auch Grindelwald von der Zufuhr von Nahrungsmitteln abhängig und damit Teil einer überregionalen Austauschwirtschaft. Dies konnte im Fall eines globalen Konfliktes wie des Ersten Weltkrieges nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Ziel der vorliegenden Präsentation ist es, am Beispiel von Grindelwald die Nahrungsmittelversorgung im Berggebiet der Schweiz während des Ersten Weltkrieges zu thematisieren. Im Zentrum stehen sollen der lokale Anbau, die Rationierungs- und Verteilungsmassnahmen, die Rolle der Gemeindebehörden sowie die Auswirkungen auf das tägliche Leben der lokalen Bevölkerung. Gerade in letzterem Punkt zeigen die vorhandenen Quellen, wie sehr der Alltag geprägt war von sparen, sammeln, anpflanzen, einkochen, dörren, rationieren und dem Abholen von Lebensmittelmarken. Auf der Grundlage von Quellen aus dem Gemeindearchiv sowie der Lokalzeitung «Echo von Grindelwald» will die vorliegende Präsentation das Zusammenspiel naturräumlicher Faktoren und menschlichen Handelns in einer Region zu klären suchen, die bisher kaum im Fokus der wissenschaftlichen Analyse stand. Sie schafft damit eine Brücke zwischen einer Mikrogeschichte auf der Ebene einer Gemeinde sowie der dort ansässigen Menschen einerseits und einer Sozial-,Kultur- und Umweltgeschichte des Ersten Weltkrieges andererseits, in welcher die Beziehung zwischen Mensch und der ihn umgebenden Natur in Zeiten des Krieges zentrale Elemente bilden.