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«Ich spare für eine Frau. Darum gehe ich am Wochenende selten in die Stadt. Meist bleibe ich hier und spiele Billard, das kostet weniger. Oft arbeite ich, am Wochenende ist der Lohn etwas besser. Gut verdiene ich aber auch dann nicht, und das Bett im Schlafsaal zahle ich selber. Für das Mittagessen verlasse ich das Fabrikgelände. Wir könnten zwar in die Kantine, die Garküchen vor den Toren der Fabrik sind aber günstiger. Ich mag ein Lokal namens Luoyang, wo sie handgemachte Teigtaschen und Nudeln anbieten. Fast immer esse ich allein. Meine Freunde haben oft andere Schichten, viel Zeit haben wir über Mittag sowieso nicht. Wenn ich sage, dass ich für eine Frau spare, dann meine ich dies: Als Chinese musst du einer Frau etwas bieten. Wenn du keine Wohnung und kein Auto hast, findest du vermutlich nie eine. Selbst wenn du gut aussiehst, bringt das nicht viel. Aber wenn du reich bist, kannst du auch hässlich sein.
Mein Job bei Foxconn besteht darin, das iPhone 6 zusammenzusetzen. Dafür verdiene ich etwas mehr als die Leute, die in den Fabriken nebenan arbeiten und ebenfalls technische Geräte herstellen. Je nach Schichten komme ich auf zweitausend bis dreitausend Renminbi im Monat (300 bis 450 Franken). Die Schlafsäle sind eine halbe Stunde entfernt, wenn man zu Fuss unterwegs ist. Ein Bett in einem Saal für acht Leute kostet hundertfünfzig Renminbi (22 Franken) im Monat. Es gibt auch Säle, in denen nur sechs oder vier Leute übernachten, die sind teurer. Das Fenster unseres Zimmers ist vergittert, um die Fabrik herum steht ein Zaun. Ich komme mir manchmal wie in einem Gefängnis vor. Wir dürfen unseren Arbeitsplatz zum Beispiel nie allein verlassen. Da muss immer der Leiter dabei sein, er führt uns dann hinaus. Es bringt nichts, sich darüber zu beklagen oder gar zu streiken. Die Leute, die nicht mehr hier arbeiten wollen, werden sofort ersetzt. Das ist vielleicht das Problem in China. Es gibt immer genug Leute, die den Mund halten.
Es gibt etwas, das ich sehr bereue. Ich wünschte, dass ich in der Schule besser aufgepasst hätte. Dann könnte ich heute etwas anderes machen. Meine Eltern sind Bauern. Ich habe das Dorf früh verlassen. Am Anfang war ich Bauarbeiter in Tianjin, dann Türsteher eines Nachtclubs in Peking, später wurde ich Lastwagenfahrer in Südchina, und zuletzt arbeitete ich als Mechaniker in einer Autogarage.
Wir hören manchmal seltsame Gerüchte. Zum Beispiel sollen einige der Arbeiter bei Foxconn bald durch Roboter ersetzt werden. Doch weiss ich nichts Genaues dazu. Ich will hier sowieso nicht mehr lange bleiben. Die Arbeit kommt mir öd vor, die Gegend ebenfalls. Der Chef, ein Mann aus Taiwan, ist ein Arschloch. Er enthält uns immer wieder Lohnerhöhungen vor. Noch drei, vier Monate. Dann haue ich ab. Was ich später tun werde, davon habe ich noch keine Ahnung.»