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Insel
(lat.
Insula, franz.
Ile), ringsum von
Wasser umflossener Teil der festen Erdoberfläche.
Kleinere
Inseln pflegt
man auch Eilande und die von zwei
Armen eines
Flusses gebildeten
Werder oder
Wörth
[* 3] zu nennen (vgl. auch
Holm,
Schäre). Die
Inseln liegen entweder in der
Nähe der
Kontinente oder fern von ihnen im
Ozean zerstreut.
Bald bilden sie größere
oder kleinere, mehr oder weniger kreisförmige
Inselgruppen (oder Archipele, s. d.),
bald liegen sie reihenförmig hintereinander (
Inselketten).
Die im Ozean verbreiteten Inseln lassen sich als die über die Wasserfläche hervorragenden Kämme, Kuppen und Spitzen von Gebirgen betrachten, deren Fuß unter dem Meeresspiegel liegt. Ein sonst vom Meer umflossenes, nur auf einer Seite mit dem Festland zusammenhängendes Land nennt man eine Halbinsel. Die größten Inseln finden sich in dem Meeresraum, welcher Asien [* 4] von dem australischen Kontinent scheidet; von vielen kleinern umgeben, machen sie den sogen. asiatischen Archipel oder Sunda-Archipel aus, welcher gleichsam die Verbindung zwischen Asien und Australien [* 5] bildet.
Eine ähnliche
Inselbegleitung zeichnet die Ostseite von
Asien aus, wo außer den großen
Inseln von
Japan
[* 6] auch einzelne kleinere
Inseln und endlich lange
Ketten von kleinen
Inseln sich befinden, welche eine
Verbindung mit
Amerika
[* 7] herstellen.
Alsdann ist das
Meer zwischen
Nord- und
Südamerika
[* 8] ebenfalls von größere und kleinern
Inseln erfüllt, die, einen großen
Bogen
[* 9] beschreibend, den Zusammenhang beider Hälften vermitteln. Von ansehnlicher
Größe sind auch die
Inseln bei
Europa,
[* 10] z. B.
Großbritannien
[* 11] und
Irland, und die nördlich von unserm
Erdteil liegenden
Inseln
Island,
[* 12]
Spitzbergen,
Nowaja Semlja;
verhältnismäßig nicht unbedeutend sind auch die
Inseln des
Mittelmeers.
[* 13]
Östlich neben Südafrika [* 14] liegt gleichsam wie ein versprengter westlicher Vorposten der Sundagruppe und des australischen Weltteils die große I. Madagaskar. [* 15] Aber die größte aller Inseln ist wahrscheinlich Grönland, das weder mit dem Festland Nordamerika [* 16] noch mit den im N. desselben liegenden Inseln (Baffinsland, Parryinseln etc.) zusammenhängt. Gering ist die Größe der Inseln, welche fern von den Kontinenten im Ozean zerstreut liegen. Unter ihnen spielen die polynesischen Inseln ihrer großen Zahl und Verbreitung halber die Hauptrolle.
Man kann annehmen, daß die kontinentalen Landmassen einen Flächeninhalt von 127 Mill. qkm, die Inseln dagegen nur von 6,5 Mill. qkm haben. Hinsichtlich der äußern Umrisse kann man langgestreckte und annähernd kreisförmige Inseln unterscheiden. Die langgestreckten, dabei oft sehr schmalen Inseln, deren gegenüberliegende Enden meist in Spitzen auslaufen, finden sich vorwiegend in der Nähe der Kontinente, deren Küsten sie entweder begleiten, oder lückenhaft miteinander in Verbindung ¶
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setzen. Begleitende Inseln sind z. B. die Lofoten, die lange Kette der japanischen Inseln und der Kurilen längs der Ostküste von Asien. Der Form nach gehört auch Madagaskar auf der Ostseite von Südafrika hierher. Verbindende Inseln sind: die Kette der Sundainseln, die ihrerseits durch Neuguinea an Australien, durch die Reihe der I. Formosa, der Philippinen und Molukken an Nordchina angeknüpft wird, ferner die Reihe der westindischen Inseln, welche Nord- und Südamerika miteinander verbindet, sowie die Alëuten zwischen Nordasien und Nordamerika.
Nicht allein ihrer Lage nach, sondern in manchen Fällen auch ihrer geologischen Beschaffenheit halber sind die langgestreckten Inseln gleichsam als Stücke von Kontinenten zu betrachten und daher mit diesen im allgemeinen von gleicher physikalischer Beschaffenheit. In andern Fällen unterscheiden sich jedoch diese Inseln von dem benachbarten Festland besonders häufig dadurch, daß sie thätige Vulkane [* 18] haben; so die Sundainseln, Molukken, Philippinen, japanischen Inseln, Kurilen, Alëuten, Kleinen Antillen etc. Die annähernd kreisrunden Inseln liegen meist vom Kontinent völlig abgesondert und scheinen zum Teil selbständige Bildungen und in sich abgeschlossene Formationen zu sein, die nicht auf die Festländer und den Lauf ihrer Küsten bezogen werden können. Zu diesen runden Inseln gehören namentlich die große Eilandflur des Großen Ozeans, Polynesien, ferner die isolierten Inseln und Inselgruppen des Atlantischen Ozeans, nämlich St. Helena, Ascension, die Azoren, Island; ebenso, trotz ihrer Nähe bei Afrika, [* 19] Madeira, [* 20] die Kanarischen und die Kapverdischen Inseln.
Ferner gehören hierher die Inseln im Indischen Meer: Réunion, Mauritius, Rodriguez, die Comoroinseln, die kleinen Eilande, die Malediven und die Lakadiven. Die runden Inseln sind entweder hoch oder niedrig. Die hohen Inseln haben neben den gerundeten Umrissen eine mehr oder minder vollkommene Kegelgestalt und erheben sich nicht selten zu einer so bedeutenden Höhe, daß sie mit den ansehnlichsten Bergen [* 21] der Erde wetteifern können; so z. B. die Kanarische I. Teneriffa mit ihrem Pico de Teyde (3640 m) sowie Hawai [* 22] im Archipel der Sandwichinseln, die sich im Mauna Loa (4194 m) unter allen runden Inseln am höchsten über die Meeresfläche erhebt.
Bald tragen diese Inseln einen einzigen Kegelberg, bald haben sie mehrere, größtenteils thätige Vulkane und sind wohl immer vulkanisch. Die niedrigen Inseln verdanken im wesentlichen ihre Entstehung der Thätigkeit der Korallentiere, wie z. B. die Inseln in der Südsee und im Indischen Meer (s. Korallenriffe [* 23] und Koralleninseln). Diese Inseln bilden niedrige, ebene Flächen, welche in ihrer Mitte oft vom Wasser bedeckt sind und stets niedriger bleiben als die sie umgebende, an den Ufern aufgeworfene Korallenmauer (Korallenriff). Aufhäufungen von Sand, die wenig über die Wasserfläche hervortreten, oder auch geringer ausgedehnte Erhebungen von nacktem Gestein haben zwar den Charakter von Inseln, werden aber im Meer und in Strömen nicht als solche, sondern als Sandbänke (s. d.) und Klippen [* 24] (s. d.) bezeichnet.
Vgl. Hahn, [* 25] Inselstudien (Leipz. 1883).