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Rubrikübergreifendes
Marlon Brando hat ausgespielt
Der Hollywood-Schauspieler starb 80jährig am Donnerstag, 1. Juli 2004, in einem Spital von Los Angeles, wie Radio DRS in den Nachrichten am Freitag, 2. Juli 2004, berichtete
Von Jürg-Peter Lienhard
«Eigentlich hätte ich meinen Psychoanalytiker im Vorspann nennen müssen», sagte Bernardo Bertulucci bei seinen Dreharbeiten zu «The Last Tango In Paris». Ursprünglich hatte er für die Rolle der Jeanne Dominique Sanda und Jean-Louis Traintignat für Paul vorgesehen - der Film hätte mit dieser Besetzung anstelle von Marlon Brando und Maria Schneider wohl kaum Furore gemacht.
LOS ANGELES.- Der zweifache Oscar-Preisträger feierte am 3. April 2004 seinen 80. Geburtstag. Als Todesursache habe sein Anwalt eine Lungenembolie genannt. Brando galt in seiner Schaffenszeit als herausragender Schauspieler, der jeder Rolle sein eigenes vom ihm gestaltetes Gepräge geben konnte.
Selbst in Nebenrollen machte er sich unvergesslich. So in Francis Ford Coppolas «Apocalypse Now», wo er den verrückten Obersten Kurtz spielte (Anm. jpl: eine Figur, die Coppola übrigens aus Joseph Conrads Buch «Herz der Finsternis» klaute und dem Henry Miller in seinem Roman «Im Wendekreis des Krebses» ebenfalls einige Zeilen widmete).
Seine grössten Triumphe feierte er 1947 in der Theaterfassung von Tennessee Williams‘ Drama «Endstation Sehnsucht», wodurch der damals unbekannte Schauspieler direkt vom Broadway nach Hollywood katapultiert wurde. Dort spielte er in den unvergesslichen Filmen «Die Faust im Nacken», «Desirée» und in seiner ersten oscarprämierten Rolle in «The Wild One» (1953, Regie: Elia Kazan), die ihn international berühmt machte.
Unvergesslich auch seine 1972 gespielte Darstellung eines Gestrandeten in Bernardo Bertoluccis Film «The Last Tango in Paris», der wohl weniger wegen des entfachten Skandals um die freizügigen Sexdarstellungen umstritten ist, sondern weil dieser «Skandal» äusserst raffiniert inszeniert und vermarktet wurde. (Anm. jpl: «Der letzte Tango in Paris. Der Mythos eines Skandals und wie er gemacht wurde», Herausgegeben von Florian Hopf unter Mitarbeit von Christine de Loup, erschienen 1973 im Heyne-Verlag, München.)
Der «Wilde», Brando, in den Filmen, hatte privat eine zartbesaitete Seite. Er war öfters mit exotischen Frauen liiert und hat wohl auch deswegen aus Protest gegen die Unterdrückung der amerikanischen Indianer den zweiten Oscar für seine Rolle als Don Corleone in Coppolas «Der Pate» abgelehnt.
Brando spielte auch unter der Regie von Charlie Chaplin in «Die Gräfin von Hongkong» (mit Sophia Loren), einem farbigen Tonfilm, der bei der Kritik überall durchfiel, worauf sich Chaplin verbittert aus dem Filmgeschäft zurückzog. Immerhin war die Dokumentation über Chaplin als Regisseur viel spannender als der Film…
Brando war in Rollen sowohl amerikanischer Offiziere wie auch Nazis ekelhaft. Im Hollywood-Schinken «Die Meuterei auf der Bounty» glänzte er in der auf seinen Leib geschnittenen Rolle des Rebellen. Er spielte aber auch höchst dramatische Rollen wie im Film «Morituri» des Schweizer Regisseurs Bernhard Wicky. Die Entgegennahme des zweiten Oscars für die Rolle des Mafia-Padrones Don Corleone in Coppolas «Der Pate» lehnte er aus Protest gegen die Unterdrückung der amerikanischen Indianer ab.
Sein Privatleben war öfters ebenso «wild» wie seine Filmrollen: Mord und Selbstmord brachen den insgeheim doch sehr sensiblen Mann, der gegen sein Lebensende enorm fett, verbittert und verarmt geworden war.
Von Jürg-Peter Lienhard