Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03180.jsonl.gz/805

DMZ – WISSEN / GESELLSCHAFT ¦ Marko Kovic ¦
GASTKOMMENTAR
Dietrich Mateschitz, Mitgründer des Red Bull-Imperiums, ist gestorben. Er wird als grosser Geschäftsmann und Philanthrop gefeiert.
Er war aber auch ein Medienmogul mit Hang zu Rechtspopulismus und Verschwörungsideologien.
Die Geschichte von Red Bull beginnt in Thailand. 1975 kam dort der Energy-Drink "Krating Daeng" auf den Markt, den Mateschitz bei einer Geschäftsreise entdeckte. 1984 gründeten Mateschitz und die Yoovidhya-Familie, die Krating Daeng besitzt, die Red Bull GmbH in Österreich.
Kurz nach der Markteinführung 1987 wurde Red Bull dank brillantem Marketing ein Mega-Erfolg. Wir alle kennen die "Red Bull verleiht Flügel"-Kampagne. Das Unternehmen hat sich zudem als Sponsor und Veranstalter von Extremsport-Events sehr öffentlichkeitswirksam positioniert.
Bei den Extremsport-Stunts von Red Bull sterben zwar immer wieder Menschen, aber das ist für das Unternehmen kein Problem; Unfälle werden diskret unter den PR-Teppich gekehrt.
Zum Erfolg von Red Bull haben auch eigene Medienkanäle beigetragen. 2007 wurden die Medienaktivitäten in "Red Bull Media House" gebündelt. Ein Musiklabel, Buchverlag und mehrere Magazine bilden ein crossmediales Tochterunternehmen, das ein Millionenpublikum erreicht.
Sein öffentliches politisches Erwachen hatte Mateschitz 2017. Er beklagte sich über gescheiterte Flüchtlingspolitik und ein "Meinungsdiktat des politisch Korrekten". Das wollte Mateschitz mit neuen Medienprojekten bekämpfen. Z.B. mit "Addendum".
Addendum war ein Recherchemagazin mit Rechtsdrall, das in der Corona-Pandemie querdenkerische Positionen vertrat. Die Texte hatten eine ideologische Ausrichtung, galten aber allgemein als fundiert und ideologisch transparent.
Mateschitz beendete Addendum 2020. Der ehemalige Geschäftsführer vermutet, dass Addendum zu wenig auf Mateschitz' ideologischer Linie war. Mateschitz verlegte seinen Fokus auf zwei andere Projekte: "Pragmaticus" und "Servus TV".
2021 startete Mateschitz mit Prinz (wirklilch) Michael von Liechtenstein "Pragmaticus". Dort schreiben "Expert*innen" oft fundierte und vielfältige Texte. Aber es gibt auch bizarre Inhalte. Zum Beispiel in Richtung Ökofaschismus.
In diesem Text zum Überbevölkerungs-Mythos (das gibt es nicht) wird die irrwitzige ökofaschistische Forderung nach Bevölkerungskontrolle durch eine Weltregierung aufgestellt, um durch weniger Menschen die Umwelt zu schützen.
Mateschitz' mediales Kronjuwel ist Servus TV. Der TV-Sender startete bereits 1995. In der Corona-Pandemie hat Mateschitz Servus TV zu einer Plattform für Verschwörungstheorien und weit rechte bis rechtsextreme Ansichten erweitert.
Bei Servus TV moderiert Roger Köppel, Rechtsaussen-Chef der "Weltwoche", die Sendung zu Pragmaticus. In der Folge zu Überbevölkerung bekundet auch Köppel ökofaschistische Sympathien: Er fragt, ob man Entwicklungshilfe an die Senkung von Geburtenraten binden könne.
Das Gefährliche an Servus TV und Pragmaticus ist, dass die Inhalte nicht einfach pauschal und klar rechtsextrem oder verschwörungsideologisch sind. Es gibt durchaus seriöse Inhalte, die den wirren Inhalten einen Anstrich von Glaubwürdigkeit verleihen.
Fazit: Dietrich Mateschitz reiht sich in die Tradition von Superreichen ein, die ihr Vermögen dazu nutzen, die öffentliche Debatte nach ihren ideologischen Vorstellungen zu verändern. Red Bull verleiht zwar keine Flügel, aber sehr viel sehr bedenkliche diskursive Macht.
Ausflugstipps
Unterstützung
Rezepte
Persönlich - Interviews