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Warum 1,5°C?
Das 1,5°C-Ziel wurde im Pariser Abkommen von 2015 festgelegt, um ernsthafte Klimafolgen zu vermeiden. Wissenschaftler warnen, dass eine Erwärmung darüber hinaus gravierende Auswirkungen für Mensch und Natur hat. Kurzfristiges Überschreiten gab es schon, doch langfristig soll dies vermieden werden, um irreversible Schäden zu begrenzen.
Was wären die Folgen einer Erwärmung um 1,5°C?
Die Emissionen müssen drastisch gesenkt werden, wenn das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden soll. Bis 2030 müssen sie nach Schätzungen des IPCC gegenüber 2019 um 43% sinken.
Andernfalls werden extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und starke Regenfälle häufiger auftreten.
So nimmt beispielsweise die Häufigkeit extremer Hitzewellen, die Ende des 19. Jahrhunderts nur alle 50 Jahre auftraten, bei einem +1,5°C-Szenario um fast das Neunfache zu.
Diese aussergewöhnlichen Ereignisse und Naturkatastrophen werden weltweit immer mehr Opfer fordern und zu einem Verlust der Artenvielfalt führen.
Ausserdem verringern sie die Ernteerträge und zwingen immer mehr Menschen, in fruchtbarere, vor dem Anstieg des Meeresspiegels geschützte Gebiete auszuwandern.
Die folgende Infografik veranschaulicht die Auswirkungen einer globalen Erwärmung um 1,5 bzw. 2 Grad Celsius auf die Bevölkerung und die Ökosysteme.
Was wären die Auswirkungen in der Schweiz?
Die Schweiz ist bereits stark vom Klimawandel betroffen, mit langen Hitze- und Trockenperioden im Sommer, unaufhaltsam schmelzenden Gletschern und schneearmen Wintern.
In den letzten Jahren hat das Land «eine Vorwegnahme extremer Phänomene erlebt, die sich in naher Zukunft verschlimmern und ausbreiten könnten», so Erich Fischer, Forscher am Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETHZ und Mitautor der IPCC-Berichte.
Die Schweiz hat ein kontinentales Klima. Sie kann also nicht von der kühlenden Wirkung der Ozeane profitieren. Zudem befindet sie sich in mittleren Breitengraden.
Im Allgemeinen werden die Regionen an den Polen wärmer als die Regionen am Äquator. Auch Schnee und Eis spielen eine Rolle: Wenn sie schmelzen, reflektiert die exponierte Oberfläche weniger Sonnenlicht und absorbiert mehr Wärme, was zum Temperaturanstieg beiträgt.
In der Schweiz wurde der Schwellenwert von 1,5°C bereits um die Jahrtausendwende überschritten, und die durchschnittliche Erwärmung für den Zeitraum 2013-2022 beträgt laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie 2,5°C. Sie ist damit fast doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt.
Eine globale Erwärmung von 1,5°C würde in der Schweiz etwa +3°C entsprechen. In diesem Szenario wird sich das Abschmelzen der Alpengletscher beschleunigen und es wird weniger Schnee in tieferen Lagen geben.
Generell wird es im Sommer, wenn die Landwirtschaft am meisten Wasser braucht, weniger und im Winter mehr regnen, erklärt Samuel Jaccard von der Universität Lausanne.
Wir alle haben schon extreme Wetterereignisse erlebt, sei es eine Hitzewelle oder ein verheerender Sturm wie der von La Chaux-de-Fonds im Juli letzten Jahres, sagt Jaccard.
«Mit der Vervielfachung dieser extremen Ereignisse beginnen wir, messbare und greifbare Auswirkungen auf unser tägliches Leben zu sehen.» Jaccard verweist zum Beispiel auf den Anstieg der Sterblichkeitsrate bei Hitzewellen oder den Anstieg der Preise für bestimmte Lebensmittel aufgrund von Dürreperioden.
Es ist jedoch noch nicht zu spät, das schlimmste Szenario zu vermeiden. In seinem jüngsten Synthesebericht betont der IPCC, dass es mehrere «machbare und wirksame» Optionen gibt, um die Emissionen zu reduzieren und eine lebenswerte Zukunft auf der Erde zu sichern.