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12. Juni 2009
Grundsätzlich finde ich die Empfehlungen der SOK sinnvoll und
wünsche mir, dass ihnen möglichst viele Schreiber folgen mögen.
Zu folgendem Punkt habe ich eine Anmerkung:
Bei den Fremdwörtern geben Sie für die Schweiz Empfehlungen ab
nach dem Grundsatz, die Schreibweise in der Originalsprache
beizubehalten. Allerdings erwähnen Sie zwei Beispiele aus dem
Arabischen: Jihad (statt Dschihad) und Mujahedin (statt
Mudschahedin).
Die Schreibung mit j für den Laut dsch entspricht der
englischen Transliteration des Arabischen. Meines Erachtens
gibt es keine Berechtigung, nicht in dem lateinischen
Alphabet geschriebene Sprachen nach den Regeln einer
Drittsprache (des Englischen) wiederzugeben. Mujahedin ist
nicht näher an der Originalsprache als Mudschahedin.
Können Sie mir die Überlegungen erläutern, wie Sie auf
diese Empfehlung gekommen sind?
(Aus ähnlichem Grund leuchtet mir übrigens auch nicht ein,
wieso man Mexico City gegenüber Mexiko-Stadt den Vorzug gibt.
– Obwohl es sich hier nicht um eine Frage der Rechtschreibung,
sondern der Wortwahl handelt.)
D. R.
Sehr geehrter Herr R.,
auf den ersten Blick haben Sie natürlich recht: Transkriptionen aus fremden Alphabeten ins Deutsche sollten in die deutsche Lautung vorgenommen werden. Es sind aber weitere Kriterien zu berücksichtigen, vor allem – wie immer bei den Empfehlungen der SOK – der Usus.
Bei der Transkription arabischer Namen und Ausdrücke sind wir der Regelung der NZZ (und des St. Galler Tagblatts) gefolgt. Die NZZ schreibt in ihrem „Vademecum“:
„Gemäss den Gepflogenheiten der Geographie und Kartographie transkribiert die NZZ Namen in vormals unter britischer Souveränität stehenden Ländern englisch, Namen in vormals unter französischer Souveränität stehenden Ländern dagegen französisch. Die Letzteren sind, was die arabische Welt angeht, Syrien, Libanon, Tunesien, Algerien, Marokko und Mauretanien.
Bei den Vokalen gibt es den einzigen Unterschied, dass der arabische Vokal für ‚u‘ englisch mit ‚u‘, französisch aber mit ‚ou‘ transkribiert wird.
Bei den Konsonanten gibt es den einzigen Unterschied, dass der arabische Konsonant, der dem deutschen ‚sch‘ entspricht, englisch mit ‚sh‘, französisch dagegen mit ‚ch‘ transkribiert wird (z. B. der syrische Aussenminister Charea bzw. Farouk ach-Charea oder Chebaa-Höfe). Das deutsche ‚sch‘ gibt es in Transkriptionen der NZZ nicht.
Merke: Ob englisch oder französisch transkribiert – das deutsche ‚j‘ ist immer ‚y‘, das deutsche ‚dsch‘ ist immer ‚j‘, und deutsches ‚ch‘ ist immer ‚kh‘.“
Ein Probe in Google ergibt, dass die Schreibweisen mit dsch im deutschsprachigen Raum ungefähr 7:3 überwiegen, in der deutschen Schweiz allerdings – wohl aufgrund der NZZ-Regelung – nur mit etwa 6:4. Die SOK hat angekündigt, Richtlinien zu Transkriptionen herauszugeben (nicht zu verwechseln mit Transliteration; während die Transkription eine Annäherung an die Lautung mit Hilfe des lateinischen Alphabets versucht, handelt es sich bei der Transliteration um eine diakritische Zeichen enthaltende Umschrift, die auch eine Rückübersetzung ins fremde Alphabet erlaubt). Dabei werden wir auch die Transkriptionen arabischer Ausdrücke und Namen überprüfen. Transkribierte Namen werden dann in einer separaten Wörterliste erscheinen.
Im Falle von Mexico City liessen wir uns vom Usus leiten. Natürlich scheint es widersinnig, die spanischsprachige Hauptstadt, die nie unter englischer oder amerikanischer Souveränität stand, im Deutschen englisch zu bezeichnen. Dass es trotzdem getan wird, hat neben der Allgegenwart der englischen Sprache wohl auch damit zu tun, dass die offizielle spanische Bezeichnung Ciudad de México in Mexiko selbst ungebräuchlich ist; dort nennt man die Hauptstadt einfach México oder el D.F. (Distrito Federal), geschrieben „México D.F.“ oder – wie in lateinamerikanischen Ländern üblich – la capital. Das Land hat seinen Namen seinerseits von der Hauptstadt und wird meist la República genannt. Eine wiederum bei Google unternommene (und zugegebenermassen nie ganz beweiskräftige) Probe ergibt im deutschsprachigen Raum ein Verhältnis von ungefähr 6:4 zugunsten von City, während das Verhältnis in der deutschen Schweiz praktisch ausgeglichen 5:5 ist. Dies wohl weil die NZZ in diesem Fall sich für die Schreibweise Mexiko-Stadt entschieden hat – auch dies Anlass für uns, die Sache zu überprüfen.
Peter Müller, SOK