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a) Kurzbiographie
Moshé Pincha Feldenkrais lebte von 1904-1984. Geboren in Slavuta (heutige Ukraine) lebte er in Frankreich, Israel und England. In Paris studierte er an der Hochschule für Ingenieurswesen Mechanik und Elektrotechnik bevor er an der Sorbonne den Doktortitel in Ingenieurwesen erhielt. Er war als Wissenschafter sehr erfolgreich und arbeite u.a. am Radium Institut als Forschungsassistent unter Frédéric Joliot-Curie.
Neben seiner Tätigkeit als Wissenschafter war Feldenkrais aber auch ein Mensch der Bewegung. Als solcher interessierte er sich u.a. für Selbstverteidigung. So war er u.a. der erste Judo-Schwarzgurtträger in Frankreich und schrieb einige Bücher über diesen Kampfsport.
b) Entstehung
In den 1940er Jahren verschlimmerte sich eine Knieverletzung, die er sich in jüngeren Jahren beim Fussball spielen zugezogen hatte. Er konnte nur mit Schmerzen und unter grossen Schwierigkeiten gehen. Die Ärzte gaben ihm wenig Hoffnung, je wieder beschwerdefrei gehen zu können. Operieren lassen wollte Feldenkrais sich nicht, da ein gewisses Risiko bestand, dass das Knie dabei eventuell steif werden könnte. So beschloss er, das Problem selbst anzugehen. Er begann sein Bewegungsverhalten genau zu erforschen, mit der Idee, dass nicht das Knie an sich das Problem war, sondern die Art und Weise, wie er es nutzte. Achtsame Eigenbeobachtung und viele kleine mit Bewusstheit ausgeführte Experimente mit seiner eigenen Bewegung führten schliesslich dazu, dass er sein Knie wieder beschwerdefrei gebrauchen konnte.
So begann Moshé Feldenkrais seine durch praktische Erfahrung an sich selbst gewonnen Erkenntnisse auf andere Menschen zu übertragen und entwickelte so in jahrzehntelanger Forschung die Feldenkrais Methode. Jiu Jitsu sowie sein Verständnis von Physik, Ingenieurwissenschaften, Neurobiologie und deren praktische Umsetzung in Bewegung bildeten dabei den Nährboden. Zusätzlich studierte er funktionale Anatomie, die Funktionsweise des Nervensystems und Verhaltensforschung.
c) Menschenbild und Methode
Feldenkrais verstand den Menschen als ein System, welches aus einem Körper besteht, der sich im Feld der Schwerkraft organisieren muss, einem Zentralnervensystem (Gehirn) und einem Geist, die untrennbar mit dem Körper verbunden sind. Er schrieb zahlreiche Bücher über den Menschen an sich, seine Lernfähigkeit, seine Entwicklung und natürlich über die von ihm entwickelte Methode.
Nach Feldenkrais beinhaltet jede menschliche Handlung immer vier untrennbare Bestandteile: Bewegung, Sinnesempfindung, Gefühle und Denken. Eine Einflussnahme auf einen dieser Teile wird eine Veränderung im Ganzen nach sich ziehen. Feldenkrais rückte die Bewegung als unmittelbarste Äusserung von Leben überhaupt ins Zentrum. Sie dient als Informationsquelle für die Umgestaltung bzw. Umorganisation der sensomotorischen Regelkreise im Gehirn.
Viele seiner Erkenntnisse sind heute wissenschaftlich belegt.
d) Einige Zitate von Moshé Feldenkrais
«Sich selbst zu erkennen, scheint mir das Wichtigste, was ein Mensch für sich tun kann. Aber wie kann man sich erkennen? Indem man lernt zu tun, nicht wie man »sollte«, sondern wie es einem selbst gemäß ist.» – (Moshé Feldenkrais, Die Entdeckung des Selbstverständlichen)
«Meine fundamentale Behauptung ist, dass die Einheit des Körpers und des Geistes objektive Realität ist und, dass diese Entitäten nicht auf die eine oder andere Weise miteinander in Bezug stehen, sondern ein unteilbares Ganzes darstellen. Noch deutlicher gesagt: ich behaupte, dass ein Gehirn ohne motorische Funktionen nicht denken kann.» – (Moshé Feldenkrais: Die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit. München/ Bad Salzuflen)
«Wir handeln nach dem Bild, das wir uns von uns selbst machen. Ich esse, gehe, spreche, denke, beobachte, liebe nach der Art, wie ich mich empfinde. Dieses Ich-Bild, das einer sich von sich macht, ist teils ererbt, teils anerzogen; zu einem dritten Teil kommt es durch Selbsterziehung zustande.» – (Moshé Feldenkrais, Bewusstheit durch Bewegung, Suhrkamp 1978)
«Man kann lernen, sich anders zu bewegen, anders zu gehen, anders zu stehen; aber viele haben das aufgegeben, weil sie meinen, es sei jetzt zu spät, ihr Entwicklungsprozess sei abgeschlossen, sie könnten nichts Neues mehr erlernen, sie hätten keine Zeit oder es fehlte ihnen die nötige Fähigkeit.» – (Moshé Feldenkrais, Die Entdeckung des Selbstverständlichen, Suhrkamp 1987)
«Bewusstheit durch Bewegung führt zur Selbsterkenntnis und zur Entdeckung bislang ungeahnter Möglichkeiten in uns selbst. Statt Fehler zu vermeiden, verwenden Sie sie lieber absichtlich als Alternativen für das, was Sie zunächst als richtig empfinden. Es könnte sein, dass Richtig und Falsch bald die Rollen tauschen.» – (Moshé Feldenkrais, Die Entdeckung des Selbstverständlichen)
«Diese Lektionen haben den Zweck, Fähigkeit zu erhöhen, d.h. die Grenzen dessen zu erweitern, was einem möglich ist; ihm beizubringen, dass er auch könne, was er vermag; ihm das Unmögliche möglich machen, das Schwierige leicht, das Leichte angenehm.» – (Moshé Feldenkrais, Bewusstheit durch Bewegung).