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Die Besitzerin hat zwischen der 2. und 3. Zehe der rechten Vorderpfote des Hundes einen Knoten entdeckt, an welchem das Tier auch häufig leckt. Zwischenzeitlich wurde die betroffene Pfote auch entlastet.
Es handelt sich beim Knoten um einen Zwischenzehenabszess. Der Abszess wird gespalten und inspiziert, der Eiter ausgespült und die Abszesshöhle mit einer Wundsalbe versehen. Der Hund erhält ein Antibiotikum sowie tägliche Pfotenbäder.
Bei der Kontrolluntersuchung nach 5 Tagen ist der Abszess nicht verheilt. Zusätzlich hat sich auf der Oberseite der Mittelhandknochen eine leichte Schwellung gebildet. Bei Kompression dieser Schwellung tritt schleimiges Sekret aus der Abszessöffnung aus: Eine Fistel (unnatürliche, bleibende Verbindung zur Körperoberfläche) ist entstanden. Die ausbleibende Heilung und neu entstandene Schwellung weckt den Verdacht, dass ein Fremdkörper in der Wunde vorhanden ist. Das Antibiotikum wird abgesetzt, um die Sekret- und Eiterbildung zu fördern und so möglicherweise ein „Ausschwemmen“ des Fremdkörpers zu ermöglichen; zusätzlich wird die Haut mit Zugsalbe versehen. Aber auch diese Behandlung bewirkt keine Besserung der Situation, worauf das Problem chirurgisch angegangen wird:
In Vollnarkose wird, ausgehend vom ursprünglichen Zwischenzehenabszess, ein Hautschnitt bis in die Schwellung im Bereich der Mittelhand geführt. Mit einer Sonde kann der Fistelkanal dargestellt und sorgfältig freipräpariert werden. Da die Wunde stark blutet, werden mit dem Elektrokauter mehrere kleine Blutgefässchen verödet, um einen besseren Überblick zu schaffen. Anschliessend wird der Fistelkanal genau inspiziert – und tatsächlich ist etwa 5 cm proximal (körperwärts) des Zwischenzehenabszesses in der Region der Mittelhand eine Pflanzenrispe von etwa 1.5 cm Länge zu finden! Mit ihren rückwärts gerichteten, faserigen Fortsätzen und Widerhäkchen hat sich der Fremkörper wie ein Pfeil allmählich im Unterhautgewebe aufwärts gearbeitet und liegt mittlerweile weit vom Eintrittspunkt entfernt zwischen den Mittelhandknochen.
Der Fistelkanal wird ausgekratzt, um Totgewebe und Bakterien zu entfernen, gespült und die Abszess-Wundränder aufgefrischt; danach wird die Wunde genäht. Sie heilt in der Folge unter Antibiotikumtherapie problemlos ab.
Zwischenzehenabszesse sind ein häufiges Problem bei Hunden. Meist werden sie durch eingetretene Pflanzenbestandteile ausgelöst. Wenn die Eiterbildung das Pflanzenmaterial „ausschwemmen“ kann, können diese Abszesse spontan wieder abheilen. Ist jedoch der Fremdkörper zu gross oder ungünstig geformt, so kann der Körper ihn möglicherweise nicht abstossen und es kommt zu einer Fistelbildung.
Pflanzenrispen mit Widerhaken oder entsprechend geformten Fortsätzen können sich in erstaunlicher Weise durch den Körper bohren. Es sind Fallberichte von Hunden vorhanden, bei welchen sich in der Speiseröhre steckengebliebene Pflanzenteile quer durch die Speiseröhrenwand, Lunge und Brustwand in die Brusthaut gearbeitet hatten und dort eine Fistelöffnung bildeten. Bei Zwischenzehenabszessen ist ein Fremkörperverdacht immer gegeben, häufig wird in unkomplizierten Fällen aber eine Heilung mit symptomatischer Therapie erreicht. Bei chronischer Fistelbildung ist eine chirurgische Eröffnung der Wunde anzustreben; manchmal ist jedoch ein Fremdkörper nicht (oder nicht mehr) auffindbar.