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Neun von elf OPEC-Staaten wollen die Fördermengen von Rohöl erhöhen, um die Preisexplosion auf dem Weltmarkt zu stoppen. Wie die Organisation in Wien mitteilte, sollen die Fördermengen um 1,45 Millionen Barrel am Tag oder 6,3 Prozent gesteigert werden.Dieser Inhalt wurde am 29. März 2000 - 10:51 publiziert
Neun von elf OPEC-Staaten wollen die Fördermengen von Rohöl erhöhen, um die Preisexplosion auf dem Weltmarkt zu stoppen. Wie die Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) am Mittwochmorgen (29.03.) nach dem Ende ihrer Gespräche in Wien mitteilte, sollen die Fördermengen zum 1. April um 1,45 Millionen Barrel am Tag oder 6,3 Prozent gesteigert werden.
Iran schloss sich der Massnahme nicht an. US-Präsident Bill Clinton begrüsste den Schritt, wenngleich die Regierung in Washington die OPEC-Staaten aufgefordert hatte, die Fördermengen gar 2 zwei bis 2,5 Millionen Barrel am Tag zu erhöhen.
Nach Einschätzung von Beobachtern reicht die beschlossene Steigerung der neun Staaten nicht aus, um die Preisentwicklung von Rohöl massgeblich zu beeinflussen. Die OPEC-Staaten wollen nun am 21. Juni in einer ausserordentlichen Sitzung erneut zusammenkommen, um die Marktsituation neu zu erörtern und die Produktion gegebenenfalls weiter anzupassen.
US-Präsident Clinton erklärte in Washington, die Entscheidung der OPEC sei Ausdruck einer "positiven Entwicklung". Sie werde zum weiteren Wachstum der Weltwirtschaft beitragen und zu einem besseren Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage nach Rohöl führen.
Normalerweise entscheidet die Organisation im Konsens. Iran weigerte sich als zweitgrösstes OPEC-Förderland aber, den von den anderen neun Staaten beschlossenen Schritt mitzugehen. Zudem ausgeschlossen ist das OPEC-Mitglied Irak, das wegen der Sanktionen der Vereinten Nationen an der von der Organisation in den Vorjahren beschlossenen Drosselung der Fördermengen nicht beteiligt war.
Die elf OPEC-Staaten produzieren insgesamt mehr als 26 Millionen Barrel Öl pro Tag, was rund 35 Prozent des weltweiten Angebots entspricht. Iran hatte angekündigt, es wolle lediglich einer Erhöhung bis zu 1,2 Millionen Barrel pro Tag zustimmen.
Der iranische Ölminister Bidschan Namdar Sangeneh sagte nach dem Abbruch der Verhandlungen, Iran bestehe darauf, dass nur eine massvolle Anhebung der Fördermengen notwendig sei. Bei dem Streit gehe es um das Prinzip und nicht nur um ein paar Barrel.
Saudi-Arabien und Kuwait hatten sich für eine Erhöhung der Produktion um 1,5 bis 1,7 Millionen Barrel pro Tag ausgesprochen.
Die Ölpreise haben sich binnen Jahresfrist auf 34,37 Dollar pro Barrel verdreifacht. Dies war die Folge der OPEC-Entscheidungen von 1998 und 1999, die Fördermengen zu verringern. Wichtige Erdöl fördernde Länder, die nicht der OPEC angehören, wie Mexiko und Norwegen, orientierten sich an der Entscheidung der Organisation. Auch in der Schweiz führte die Reduktion der Fördermengen zu einem deutlichen Preis-Anstieg der wichtigsten Erdölprodukte (Heizöl und Treibstoffe).
Der OPEC gehören neben Saudi-Arabien, Kuwait, Iran und Irak Algerien, Indonesien, Katar, Libyen, Nigeria, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela an.
Erdölprodukte in der Schweiz
In der Schweiz erreichte der Absatz der wichtigsten Erdölprodukte 1999 nach Angaben der Erdöl-Vereinigung (EV) rund 11,7 Millionen Tonnen, was gegenüber dem Vorjahr einer Verminderung von 3,5 Prozent entspricht. Während die Treibstoffverkäufe um 4,5 Prozent zulegten, ging der Heizölabsatz um 12,6 Prozent zurück. Der Gesamtabsatz von Autobenzin erhöhte sich um 3,3 Prozent und erreichte damit praktisch den Stand des Jahres 1992, dem Jahr vor der letzten Mineralölsteuererhöhung von 20 Rappen pro Liter (beschlossen im März 1993).
swissinfo und Agenturen
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