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Bericht von Ulrike Niedner-Kalthoff
Vom 18. bis 19.9.07 trafen sich in Sevilla Vertreter von 37 nationalen Koalitionen für kulturelle Vielfalt, um den Internationalen Verband der Koalitionen für kulturelle Vielfalt (IFCCD) zu gründen, zusammen mit Vertretern verwandter Organisationen aus 10 weiteren Staaten, die dieser Verbandsgründung als Beobachter beiwohnten.
Die Arbeit der Delegierten bestand in erster Linie darin, einen Entwurf der Statuten des geplanten IFCCD zu diskutieren und zu verabschieden, die Mitglieder der ausführenden Organe des IFCCD zu bestimmen und eine Erklärung zur Gründung des IFCCD zu entwerfen und zu verabschieden. Weiterhin verständigten sich die Delegierten über Prioritäten in der Umsetzung der Konvention zur kulturellen Vielfalt sowie speziell über die Beteiligung der Zivilgesellschaft an diesem Prozess. Zu diesen Fragen formulierte eine Arbeitsgruppe einen Redebeitrag, den sie am Tag nach dem Gründungskongress den im Rahmen des Jahreskongresses des International Network on Cultural Policy (INCP) ebenfalls in Sevilla versammelten Kulturministern und sonstigen Staatenvertretern vortrug.
Die Statuten wurden ausgiebig und energisch diskutiert; Konflikte entzündeten sich insbesondere an der Frage, wie zu entscheiden sei, wo der Verband seinen Sitz hat, an der Frage der Aufnahme weiterer offizieller Sprachen des Verbandes, insbesondere des Arabischen, und an formalen Verfahrensfragen. Zu einer Einigung gelangte man schließlich durch Einsetzen einer Vierergruppe aus Vertretern jeder Regionalgruppe, die einen Konsenstext erarbeitete.
Die Statuten des IFCCD wurden gemäß den Vorgaben des kanadischen Verbandsrechts ausgearbeitet. Einige zentrale Bestimmungen, die direkt oder indirekt aus den Statuten hervorgehen, sind die folgenden:
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Der Sitz des Verbandes ist in Kanada. Der Verband verfügt über eine Ständige Vertretung bei der UNESCO am Sitz der Französischen Koalition für kulturelle Vielfalt in Paris. Büros in weiteren Ländern sind möglich.
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Die offiziellen Sprachen des Verbandes sind Englisch, Französisch und Spanisch. Die Generalversammlung kann beschließen, weitere offizielle Sprachen hinzuzufügen.
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Die Mitglieder des Verbandes zahlen jährliche Mitgliedsbeiträge. Der Verband ist berechtigt, zusätzliche finanzielle Mittel von außen zu beziehen.
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Die Organe des Verbandes sind die Mitgliederversammlung (Assemblée des membres) und der Verwaltungsrat (Conseil d'administration). Die Mitgliederversammlung tritt alle zwei Jahre, der Verwaltungsrat jährlich zu ordentlichen Sitzungen zusammen; außerordentliche Sitzungen sind möglich. Die Mitgliederversammlung wählt die Mitglieder des Verwaltungsrats, der mindestes vier und höchstens 12 Personen umfasst, je nach Anzahl der Mitglieder in jeder der vier Regionalgruppen.
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Der Verwaltungsrat bildet ein Präsidium (Direction) bestehend aus einem Präsidenten, drei Vizepräsidenten aus den jeweils anderen Regionalgruppen, einem Sekretär und einem Schatzmeister. Der Verwaltungsrat bestimmt darüber hinaus einen Generalsekretär.
Auf dem Bild: vlnr: Rasmané Ouedraogo (Burkina Faso), Präsident; Claude Michel (Frankreich, gehört eigentlich nicht zum Büro); Geraldo Moraes (Brasilien), Vorstandsmitglied; Solange Drouin (Kanada), Vorstandsmitglied, Kassierin; Beat Santschi (Schweiz), Vize-Präsident Europa; Ludovic Njoh Mboule (Kamerun), Vorstandsmitglied; Paulo Slachevsky (Chile), Vize-Präsident Amerika; Peter Shannon (Neuseeland), Vize-Präsident Asien/Ozeanien; Gérard Louise (Mauritius), Vorstandsmitglied, Sekretär; Adamou Mahamadou (Niger).)
Die Delegierten wählten die nach Regionalgruppen differenzierten Mitglieder des Verwaltungsrats. Alle durch die Regionalgruppen aufgestellten Kandidaten wurden gewählt:
aus der Regionalgruppe der Amerikas
Solange Drouin (Kanada),
Geraldo Moraes (Brasilien),
Paulo Slachevsky (Chile);
aus der Regionalgruppe Afrika
Rasmané Ouedraogo (Burkina Faso),
Gérard Louise (Mauritius),
Ludovic Njoh Mboule (Kamerun);
aus der Regionalgruppe Europa
Pascal Rogard (Frankreich),
Eduardo Bautista (Spanien),
Beat Santschi (Schweiz);
aus der Regionalgruppe Asien/Pazifik
Peter Shannon (Neuseeland).
Der Verwaltungsrat bildete das folgende Präsidium: Rasmané Ouedraogo (Präsident), Beat Santschi, Paulo Slachevsky und Peter Shannon (Vizepräsidenten), Solange Drouin (Schatzmeister) und Gérard Louise (Sekretär). Als Generalsekretär bestimmte der Verwaltungsrat Jim McKee (Kanada).
Nach einigen Auseinandersetzungen um die Frage der Berücksichtigung der Beobachterdelegationen im Text wurde eine Gründungserklärung verabschiedet. Diese nennt die 37 in Sevilla vertretenen Koalitionen als Gründungsmitglieder, erwähnt die Anwesenheit der (einzeln aufgelisteten) Beobachter beim Gründungsakt und betont, dass alle derzeit existierenden 42 Koalitionen Mitglieder des Verbandes sind.
Das kurze Dokument hält einige wesentliche Punkte des Mandats des Verbandes fest, unter anderem:
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die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen weltweit durch die Förderung von Dialog, effizienter internationaler Zusammenarbeit und ausgeglichenem Austausch kultureller Güter und Dienstleistungen fördern;
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den Ratifizierungsprozess der Konvention zur kulturellen Vielfalt unterstützen;
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eine aktive Teilnahme des Verbandes an der Implementierung der Konvention fordern;
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die Teilnahme der Zivilgesellschaft auf allen Ebenen des Implementierungsprozesses verstärken;
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Druck auf Regierungen ausüben, um diese von Liberalisierungszusagen bezüglich kultureller Güter und Dienstleistungen abzubringen.
Prioritäten in der Umsetzung der Konvention als auch insbesondere die Fragen der Beteiligung der Zivilgesellschaft im Umsetzungsprozess waren Gegenstand einer strategischen Sitzung des Kongresses der Koalitionen. Einige der zentralen Anliegen wurden in einen Redebeitrag gegenüber den Teilnehmern am INCP-Jahreskongress aufgenommen, darunter insbesondere die folgenden:
Prioritäten im Umsetzungsprozess:
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angemessene Schwerpunktsetzung auf den Schutz der kulturellen Vielfalt bei der UNESCO selbst, u.a. durch entsprechende Berücksichtigung des Themas in der nächsten "Medium-Term Strategy" und im Budget für 2008-2009;
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regelmäßige und substantielle Beiträge aller Vertragsstaaten zum Fonds für kulturelle Vielfalt;
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verstärkter Austausch und Zusammenarbeit im Bereich der kulturellen Vielfalt zwischen entwickelten und Entwicklungsländern sowie funktionierende Mechanismen der Vorzugsbehandlung für Künstler und Kulturschaffende aus Entwicklungsländern;
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Beachtung der Prinzipien und Vorgaben der Konvention bei allen kulturpolitischen Maßnahmen und bei Freihandelsverhandlungen auf jeder Ebene.
Beteiligung der Zivilgesellschaft:
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Aufbau einer konstruktiven Partnerschaft zwischen Vertragsstaaten und der Zivilgesellschaft, insbesondere dem IFCCD und anderen Zusammenschlüssen von Kulturschaffenden, und zwar auf der internationalen ebenso wie auf der nationalen Ebene;
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Zugang zu und Gelegenheit zu wirksamen Beiträgen in den Diskussionen aller Gremien und Konferenzen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Konvention, d.h. des Zwischenstaatlichen Ausschusses, der Konferenz der Vertragsparteien, relevanter Arbeitsgruppen, Expertentreffen, Gremien des Fonds für kulturelle Vielfalt, öffentlicher Symposien etc.;
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Einberufung - unter Mitwirkung des IFCCD - eines Expertentreffens zur Frage der Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Umsetzung der Konvention, dessen Ergebnisse in die Entscheidungen des Zwischenstaatlichen Ausschusses zu dieser Frage einfließen sollen.
In der Diskussion genannt wurden darüber hinaus noch die folgenden Prioritäten:
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Nutzung bereits existierender Strukturen der Nord-Süd-Kooperation mit den entsprechenden Finanzströmen;
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verstärkte Informationskampagnen sowohl mit Blick auf Regierungen, insbesondere Kulturminister, als auch auf weitere Kreise der Bevölkerung;
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Intensivierung des Kontakts zu Kollegen aus Staaten, die die Konvention nicht unterstützen.
Die Gründungserklärung des IFCCD, die Erklärung von Sevilla und eine Presseerklärung der kanadischen Koalition finden sich unten an dieser Seite.
Ulrike Niedner-Kalthoff,10.10.07
Bericht von Beat Santschi, Vize-Präsident Europa
Die Internationale Föderation der Koalitionen für die kulturelle Vielfalt wurde nach zweitägigen lebhaften Verhandlungen am 19. September 2007 erfolgreich gegründet. Offizielle Vertreter/innen von 37 der momentan 42 weltweit bestehenden nationalen Koalitionen für die kulturelle Vielfalt aus allen Kontinenten waren vor Ort vertreten, dazu Beobachter aus 10 weiteren Ländern, in denen solche Koalitionen im Aufbau begriffen sind.
Der Kongress wurde von der spanischen Koalition in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Verbindungsbüro der Koalitionen für die kulturelle Vielfalt organisiert. Eine Arbeitsgruppe, in der die Schweizer Koalition prominent mitgearbeitet hat, bereitete die Gründung der Föderation in ideeller, juristischer und struktureller Hinsicht vor.
Eine finanzielle Unterstützung der DEZA wie auch jene verschiedener spanischer Stellen hat erheblich dazu beigetragen, die Bewegung zu demokratisieren, da die Aktivitäten des Internationalen Verbindungsbüros der Koalitionen bisher fast ausschliesslich von kanadischen und französischen Geldgebern finanziert wurden.
Die neue Föderation hat ihren Sitz in Montréal. Jim McKee, der bisherige Direktor der internationalen Aktivitäten der kanadischen Koalition, wurde einstimmig als erster Generalsekretär gewählt.
Gemäss den verabschiedeten Statuten umfasst die Föderation 4 regionale Gruppen: Afrika, Amerika, Asien/Ozeanien und Europa. Je nach Anzahl der Koalitionen, die eine Gruppe umfasst, erhalten diese zwischen einem und drei Sitzen im Vorstand. Weiter sehen die Statuten eine Präsidentin/einen Präsidenten vor sowie drei Vizepräsidenten jeweils aus den übrigen drei regionalen Gruppen.
In den ersten Vorstand der Föderation wurden folgende Personen gewählt:
Rasmané Ouedraogo, Burkina Faso, Präsident
Ludovic Njoh Mboule, Kamerun
Gérard Louise, Mauritius
Geraldo Moraes, Brasilien
Solange Drouin, Kanada
Paulo Slachevsky, Chile, Vizepräsident Amerika
Peter Shannon, Neuseeland, Vizepräsident Asien/Ozeanien
Pascal Rogard, Frankreich
Beat Santschi, Schweiz, Vizepräsident Europa
Eduardo Bautista, Spanien
Am 20. September war das neugewählte Präsidium der Föderation zur Ministertagung des Réseau International pour les politiques culturelles (RIPC), die ebenfalls in Sevilla stattfand, eingeladen, um den zahlreich anwesenden Delegationen (darunter auch dem BAK) die Positionen der internationalen "société civile" zur Umsetzung der UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen zu präsentieren.
Die Schweizer Koalition für die kulturelle Vielfalt wird durch die Wahl zum europäischen Vizepräsidium eine bedeutende Rolle und eine entsprechend hohe Verantwortung in der Internationalen Föderation übernehmen.
Zürich, 25.9.2007, Beat Santschi, Präsident
Séville, Espagne, 18-19 septembre
Les délégués de 37 coalitions nationales pour la diversité culturelle se sont rassemblés à Séville, en Espagne, les 18 et 19 septembre, pour le congrès de fondation de la Fédération internationale des coalitions pour la diversité culturelle (FICDC). Accompagnés de délégués d'organisations culturelles de 10 pays, qui étaient présents à titre d'observateurs, ils ont convenu :
Dans l'optique de la mise en oeuvre de la Convention de l'UNESCO, les participants au Congrès de Séville ont appelé les États à :
Les participants au congrès ont exprimé leur gratitude pour le soutien financier obtenu du ministère de la Culture et du ministère des Affaires étrangères et de la Coopération d'Espagne, ainsi que du gouvernement régional d'Andalousie et de la Ville de Séville, qui ont permis la tenue de ce congrès de fondation à Séville. Un soutien additionnel est venu de l'Organisation internationale de la Francophonie, de l'Agence suisse pour le développement et la coopération ainsi que du ministère du Patrimoine canadien, du gouvernement du Québec et du ministère de la Culture et des Communications et du Centre National de la Cinématographie de France.
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