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Stephen G.Rhodes / The Law of the Unknown Neighbor
Zürich (ots) - 9. Februar - 21. April 2013 Eröffnung 8. Februar 2013, 18-20 Uhr
Die raumfüllenden Installationen des amerikanischen Künstlers Stephen G. Rhodes (*1977, Houston, USA, lebt und arbeitet in Berlin und New Orleans) zeichnen sich durch eine Zusammenführung unterschiedlicher Medien aus und basieren auf Quellen aus Geschichte und Kultur. Rhodes schafft eigene, ruhelos-elliptische Systeme, in denen er Themen wie Verdrängung und Trauma verhandelt. Das Migros Museum für Gegenwartskunst zeigt mit The Law of the Unknown Neighbor die erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers in Europa.
Für seine Rauminstallation The Law of the Unknown Neighbor nutzt Rhodes Aby Warburgs (1866 - 1929) berühmten Vortrag «Das Schlangenritual. Ein Reisebericht» (auch bekannt als «Bilder aus dem Ge- biet der Pueblo-Indianer in Nordamerika»), den dieser 1923 als Patient in der Heilanstalt Bellevue in Kreuzlingen hielt. Darin untersuchte Warburg das Schlangenritual der Hopi-Indianer aus kunsthistorischer und religionswissenschaftlich-anthropologischer Perspektive. Seine Aufmerksamkeit galt dabei besonders der Schlange als Blitzsymbol. Anhand der von Schlangen verkörperten Zweideutigkeit von Angst und Vernunft, tödlicher Bedrohung und heilender Kraft entwickelt Warburg das Konzept einer bei jedem Symbol erkennbaren Polarität. Rhodes' Interesse erstreckt sich über den Inhalt des Vortrags hinaus und bezieht dessen Entstehungsgeschichte und historischen Kontext mit ein: Ende des 19. Jahrhunderts - zur gleichen Zeit, als Warburg in den Südwesten der Vereinigten Staaten reist, um als Beobachter am Schlangenritual der Hopi teilzunehmen - kommen die Vertreibung und der Genozid an der amerikanischen Urbevölkerung, welche das ganze 19. Jahrhundert über andauerten, zu einem Ende. Warburg wiederum musste sich 1921 in die Nervenheilanstalt Bellevue in Kreuzlingen begeben, weil er unter einer sogenannten bipolaren Störung litt. Der Psychiater Ludwig Binswanger sah in Warburgs Gelehrtentätigkeit im Rahmen seines Klinikaufenthalts ein «therapeutisches Potential» und die konkrete Arbeit an dem Vortrag als «Heilungsprozess». Zudem widmet sich Rhodes der von Warburg aufgebauten «Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg», die 1933 - kurz nach dessen Tod - von Hamburg nach London verlagert werden musste, um die Bücher vor den Nationalsozialisten zu schützen. Rhodesʼ Interesse an Warburg gilt nicht dem Nachzeichnen von Daten und Fakten, sondern geht darüber hinaus. So erklärt der Künstler: «Das Thema Aby Warburg bildet hier das biografische 'détournement'. [Es] handelt sich um ein freies Weiterspinnen des Subjekts und seiner Reise in den Westen, wie es im Sanatorium aus der Erinnerung noch einmal neu imaginiert wird und sozusagen auch aus meinem eigenen Sanatorium heraus. Ich benutze die in Warburgs Biografie skizzierte elliptische Zeitlinie als Raster, das meinen assoziativen Abschweifungen zugrunde liegen soll. Es gibt drei Ereignisse in Warburgs Leben, deren ich mich zur Schaffung einer formalen Struktur bediene: die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg und ihre Verlagerung von Hamburg weg; Warburgs Amerikareise und seine Flucht in den Südwesten und schliesslich seine Rückkehr in Binswangers Obhut in der Nervenheilanstalt Bellevue. Der elliptische Kreislauf dieser Ereignisse bildet ein schwer zu fassendes Dreieck. Bei allen dreien handelt es sich um entscheidende Momente und Bewegungen des Rückzugs oder der Übertragung.»
The Law of the Unknown Neighbor besteht aus Einrichtungsobjekten wie Krankenhausvorhänge und Bücherregale einer Bibliothek. Zudem projiziert Rhodes kurze Loop-Sequenzen auf Wände und Vorhänge - eine Präsentationsform, die in der Tradition des Expanded Cinema verortet werden kann. Rhodes: «In meinem Werk dehnt sich d[er] [Loop] aus, [...] strahlt in einigen Fällen auf die zweidimensionalen Werke und natürlich auch auf die Choreografie der Narration und des Zitierens, das Geschichtenerzählen, aus.» Der dadurch erzeugte Mangel an Kontrolle und Beherrschung verweist auch auf das zentrale Thema des Traumas in Rhodes' Werk. Für Rhodes stellt das Trauma eine Form von Geschichtsschreibung dar, die sich durch Nichtlinearität auszeichnet.
Stephen G. Rhodes hatte Einzelausstellungen u. a. in der Galerie Isabella Bortolozzi (2012), Berlin, im Hammer Museum, Los Angeles (2010), und nahm 2009 an der New-Museum-Triennale in New York teil. Zur Ausstellung erscheint bei JRP|Ringier erstmals eine monografische Publikation mit Beiträgen von Raphael Gygax, Brian Price, John David Rhodes, Stephen G. Rhodes, Laurence A. Rickels und Keston Sutherland.
Kuratiert von Raphael Gygax, Kurator, Migros Museum für Gegenwartskunst
Migros Museum für Gegenwartskunst, Limmatstrasse 270, Postfach 1766, CH-8005 Zürich Eine Institution des Migros-Kulturprozent
Medienkonferenz: 8. Februar 2013, 11 Uhr
Kontakt:
René Müller, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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T +41 44 277 27 27