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In diesem Jahr findet die UN Klimakonferenz COP 25 vom 2. bis zum 13. Dezember in Madrid statt. Als Vertreter der Wirtschaft ist Gunthard Niederbäumer Mitglied der Schweizer Delegation. Der Leiter des Bereichs Schaden- und Rückversicherung des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV berichtet an dieser Stelle regelmässig von seinen persönlichen Eindrücken aus Madrid und wie er die COP 25 erlebt.
Mittwoch, 4. Dezember 2019 – Abkürzungen an der COP 25
Heute findet das «FWG-AC-LEG-NWP joint event on local and indigenous adaptation» statt. Als jemand, der sich nicht täglich mit den Abkürzungen der COP beschäftigt, ist mir nicht unmittelbar klar, wer an dieser Verhandlung teilnimmt. Eine Recherche auf der Homepage der UNFCCC ergibt folgendes Resultat:
Facilitative Working Group of the Local Communities and Indigenous Peoples Platform (FWG)
Das Gremium wurde mit dem Ziel eingerichtet, das LCIPP weiter zu operationalisieren und die Umsetzung seiner drei Funktionen in Bezug auf Wissen, Einsatzfähigkeit und Strategien und Maßnahmen zum Klimawandel zu erleichtern.
Local Communities and Indigenous Peoples Platform (LCIPP)
Die COP hat erkannt, dass Wissen, Technologien, Praktiken und Bemühungen lokaler Gemeinschaften und indigener Völker im Zusammenhang mit der Bewältigung des Klimawandels und der Reaktion darauf verstärkt werden müssen. In diesem Zusammenhang wurde das LCIPP eingerichtet, um den Erfahrungsaustausch und den Austausch von bewährten Verfahren zur Minderung und Anpassung in einer ganzheitlichen und integrierten Weise zu ermöglichen.
Adaptation Committee (AC)
Der Anpassungsausschuss wurde eingesetzt, um die Umsetzung von wirksamen Anpassungsmassnahmen an die Auswirkungen des Klimawandels zu fördern.
Least Developed Countries Expert Group (LEG)
Die Expertengruppe für die am wenigsten entwickelten Länder ist derzeit damit beauftragt, den Least Developed Countries (LDCs) technische Leitlinien und Unterstützung für den Prozess der Ausarbeitung und Umsetzung nationaler Anpassungspläne (NAPs), die Vorbereitung und Durchführung der nationalen Anpassungsprogramme (NAPAs) und die Umsetzung des LDC-Arbeitsprogramms zu geben.
Nairobi work programme (NWP)
Das Arbeitsprogramm von Nairobi ist ein Mechanismus, um die Entwicklung, Verbreitung und Nutzung von Wissen zur Anpassung an den Klimawandel zu erleichtern. Dies insbesondere zugunsten der Entwicklungsländer.
Nun habe ich eine ungefähre Vorstellung, welche Gremien sich zu diesem Anlass treffen. Ich war übrigens nicht an diesem Treffen, sondern an der Verhandlung zum «SBI/SBSTA informal consultations on report of the Executive Committee of the Warsaw International Mechanism for Loss and Damage associated with Climate Change Impacts and the 2019 review of the Mechanism». Aber darüber werde ich ein anderes Mal berichten.
Zeitplan der ersten Woche: Jedes farbige Feld ist eine Veranstaltung oder eine Verhandlung.
Bild: Gunthard Niederbäumer
Dienstag, 3. Dezember 2019 – Side Events
Neben den eigentlichen Verhandlungen zu Klimaabkommen findet eine grosse Zahl an Side Events statt. Diverse Organisationen und Hochschulen präsentieren ihre Arbeit oder aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Klimawandel. Ich hatte die Gelegenheit, zwischen den Verhandlungen zwei solche Veranstaltungen zu besuchen.
Die Universität Zürich und die ZHAW luden ein zu einer Veranstaltung unter dem Titel «Generating trust in carbon markets: Insight from academic research». In drei Vorträgen wurde erläutert, wie der Emissionshandel funktioniert und welche Gefahren in einem Handelssystem lauern, in dem die Schlupflöcher nicht konsequent geschlossen werden. Axel Michaelowa, Head of Research International Climate Policy an der Uni Zürich, zeigte in seinem eindrücklichen Vortrag auf, welche Bedingungen eingehalten werden müssen, damit ein Emissionshandelssystem funktioniert. Als gutes Beispiel erwähnte er die Stiftung KliK aus der Schweiz, eine branchenweite Kompensationsgemeinschaft für fossile Treibstoffe, die im Jahr 2012 gegründet wurde. Diese Veranstaltung stiess auf sehr grosses Interesse. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt und viele Zuhörer mussten mit einem Stehplatz vorliebnehmen.
Die zweite Veranstaltung wurde durchgeführt vom IPCC, dem wissenschaftlichen Gremium, das für politische Entscheidungsträger den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenfasst. Diverse Autoren stellten den «Special Report on Climate Change and Land» vor. Der Einfluss der Forst- und Landwirtschaft auf den Klimawandel ist nicht zu vernachlässigen. Insbesondere die Abholzung von Wäldern verursacht einen hohen Anteil an zusätzlichem CO2 in der Atmosphäre. Die neuesten Forschungsergebnisse unterstreichen dies eindrücklich. Für mich als Klimatologe war diese Veranstaltung eine Reise in die Vergangenheit, als ich mich an der ETH mit Klimamodellen beschäftigte.
An der Klimakonferenz COP 25 gibt es diverse interessante und gut besuchte Side Events.
Bild: Gunthard Niederbäumer
Montag, 2. Dezember 2019 – offizieller Start der COP
In der Zwischenzeit sind alle Delegierten in Madrid angekommen und wir freuen uns auf den Start der COP 25. Die Konferenz startete bereits am Morgen um 8.00 Uhr mit der offiziellen Eröffnung. Im Laufe des Tages fanden die Opening Sessionen der verschiedenen Gremien statt. Das Delegationszimmer wurde bezogen und wird in den nächsten zwei Wochen der zentrale Treffpunkt der Delegation sein.
Die UN-Klimakonferenz fand 1995 zum ersten Mal statt und wird als «Conference of the Parties, COP» bezeichnet. Seit 2005 findet parallel dazu das Treffen der Mitglieder des Kyotoprotokolls «Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Protocol, CMP» statt. Im Jahr 2016 wurde die Konferenz ergänzt durch die Mitglieder des Übereinkommens von Paris «Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Paris Agreement, CMA». Technische Fragen werden zudem in Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice (SBSTA) und im Subsidiary Body for Implementation (SBI) diskutiert. Manchmal ist es für mich recht anspruchsvoll zu wissen, in welchem Gremium welches Thema besprochen wird. Ich selber darf an den Verhandlungen der SBSTA zu Agendapunkt 4 (loss and damage) teilnehmen.
Am Abend fand das Delegationsessen statt. Bei einem guten spanischen Essen und Wein tauschten wir die Erwartungen an die Konferenz und erste Eindrücke aus. Ich führte viele spannende Gespräche, da in der Delegation Menschen zusammenkommen, die einen sehr unterschiedlichen Hintergrund mitbringen. Die Stimmung im Team ist sehr gut. Ich werde als Vertreter der Zivilgesellschaft sehr gut in die Delegation integriert und freue mich nun auf meine ersten Verhandlungen.
Eingang zum Delegationszimmer der Schweizer Delegation an der COP 25
Bild: Gunthard Niederbäumer
Sonntag, 1. Dezember 2019 – Ankunft
Am Samstag war es soweit und ich machte mich auf den Weg zur Klimakonferenz COP 25 in Madrid. Nachdem Chile vor gut einem Monat die Durchführung in Santiago de Chile absagen musste, war ich gespannt, was die Spanier in dieser kurzen Zeit organisieren konnten. Die Anreise und der Bezug des Hotels klappten bestens. Das Hotel liegt unmittelbar neben dem Konferenzgelände. Wieder einmal eine grossartige Organisation durch das Bafu.
Die Registrierung am Sonntagmorgen verlief ohne Wartezeit, es sind offenbar noch nicht viele Delegierte in Madrid. Der erste Eindruck im noch leeren Konferenzgelände ist überraschend positiv. Bedenkt man, dass die Spanier nur gut vier Wochen Zeit hatten, die ganze Konferenz zu organisieren, bin ich sehr beeindruckt, was schon alles steht und funktioniert. Das Delegationszimmer der Schweiz ist schon bestens eingerichtet mit Kaffeemaschine (sehr wichtig), Kopierer und Besprechungstisch.
Am Sonntag um 9.30 Uhr hatte ich bereits meinen ersten Workshop über Loss and Damage. Zusammen mit einem Kollegen verbrachte ich den ganzen Sonntag bis um 18.00 Uhr in diesem Workshop, der mit etwa 120 Teilnehmenden sehr gut besucht war. Nach fast zehn Stunden Diskussion auf Englisch war der Kopf voll und ich war froh, beim Nachtessen mit zwei Kollegen aus der Schweizer Delegation die ersten Eindrücke des Tages auf Schweizerdeutsch auszutauschen.
Letzte Aufbauarbeiten an der Klimakonferenz in Madrid
Bild: Gunthard Niederbäumer
Gunthard Niederbäumer, Leiter Bereich Schaden- und Rückversicherung des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV
Über Gunthard Niederbäumer
Der Klimawandel stellt die Schweizer Versicherer vor grosse Herausforderungen. Entsprechend interessiert nimmt Gunthard Niederbäumer an der Klimakonferenz in Madrid teil. Er leitet den Bereich Schaden- und Rückversicherung des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV. Bereits 2017 und 2018 war er als Vertreter der Schweizer Wirtschaft an der Klimakonferenz dabei. Als promovierter Klimatologe interessiert ihn der Klimawandel auch persönlich.
Ziele der Klimakonferenz
Ursprünglich war Santiago de Chile als Austragungsort der UN Klimakonferenz 2019 geplant. Innenpolitische Unruhen verhinderten eine Durchführung. Madrid übernahm kurzfristig die Aufgabe, die Konferenz COP 25 (United Nations Framework Convention on Climate Change, 25th Conference of the Parties) durchzuführen. Den Vorsitz der Konferenz behält Chile.
Die UN Klimakonferenz findet zum 25. Mal statt. Nachdem im Vorjahr eine Einigung über die Umsetzungsleitlinien des Pariser Abkommens erzielt werden konnte sollen dieses Jahr weitere Schritte unternommen werden, um das Paris Abkommens vollständig umzusetzen. Insbesondere der Teil zu den Marktmechanismen muss noch ausgehandelt werden.