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Ob seine einzigartige Sprechweise, die es zur Wortneuschöpfung «Goldblumism» geschafft hat. Der flamboyante Charme, mit dem er sich den Ruf als liebenswerter wie unberechenbarer Interview-Partner erarbeitete. Oder seine entblösste «Jurassic Park»-Brust samt erotischer Pose: Schauspieler Jeff Goldblum ist nicht nur ein Star auf der Leinwand, sondern ein zuverlässiger Meme-Generator abseits von ihr. Auch wenn es seine infantile Heiterkeit nicht vermuten lässt, so wird der fast zwei Meter grosse Schlacks am 22. Oktober bereits 70 Jahre alt. Sein Werdegang vom «Täter 1», der es sich 1974 mit Charles Bronson (1921-2003) verscherzte, hin zum späten Vater und lieben Disney-Onkel, der uns die Welt erklärt.
Das diabolische Debüt
Gleich mit seinem ersten Auftritt im Kino sorgte Goldblum dafür, dass Action-Ikone Charles Bronson das Gesetz in die eigene Hand nehmen musste. Als einer von drei Verbrechern, genauer gesagt «Täter 1», vergeht er sich in «Ein Mann sieht rot» an der Familie der Hauptfigur - keine gute Idee in einem Rachethriller. Nach einem grösseren Auftritt im Horror-Klassiker «Die Körperfresser kommen» (1978) und einer Hauptrolle in der kurzlebigen Serie «Die Schnüffler», sollte ein Film aus dem Jahr 1986 Goldblums Leben in doppelter Hinsicht verändern: David Cronenbergs (79) «Die Fliege».
Goldblum lieferte in dem ebenso ekelerregenden wie hochgradig tragischen Horrorfilm an der Seite von Geena Davis (66) die vielleicht beste Darbietung seiner gesamten Karriere ab. Der «Body Horror»-Streifen erzählt die Geschichte des sensiblen, wenn auch etwas verschrobenen Wissenschaftlers Seth Brundle, der sich nach einem fatalen Missgeschick während eines Experiments schleichend in ein Scheusal verwandelt - in ein Hybrid aus Mensch und Fliege.
Pech im Oscar-Spiel, Glück in der Liebe
Einen Oscar für das beste Make-up gewann Cronenbergs Mix aus Tragik und Ekel 1987, was für das Horror-Genre allein schon eine Seltenheit darstellt. Obwohl Goldbergs Schauspiel von der nationalen wie internationalen Presse gefeiert wurde und mit der von John Hurt (1940-2017) in «Der Elefantenmensch» verglichen wurde, blieb bei ihm sogar eine Nominierung aus. «CNN sendete die Nominierungen live und so habe ich es herausgefunden», verriet Goldblum 1987. «Bis zur letzten Minute dachte ich mir, dass ich keine bekommen werde. Aber das war wohl mein Weg, um mich selbst [vor der Enttäuschung, Anm. d. Red.] zu schützen.»
Halt gab ihm damals seine «Die Fliege»-Filmliebe Geena Davis, mit der er auch im echten Leben zusammengekommen und von 1987 bis 1990 verheiratet war. Sie war offenbar so wütend über seinen Oscar-Snub, dass Tränen bei ihr flossen: «Es berührte mich, dass sie deswegen so unglücklich war.»
Viele Filme, wenig Preise - und jede Menge Dinos
Als Schauspieler kam Jeff Goldblum seither trotz seines beachtlichen Outputs einer Oscar-Nominierung nie mehr so nahe wie damals. Als Regisseur hingegen durfte er sogar während der Verleihung 1996 mitbangen: Sein Kurzfilm «Little Surprises» war für einen Goldjungen nominiert, ging allerdings leer aus. Und so bleibt die grösste Auszeichnung, die der Star bislang erhalten hat, wohl der Saturn Award - aus dem Jahr 1986 und für «Die Fliege».
Wer mit dem Horror-Genre weniger anfangen kann, beziehungsweise Dinos der gemeinen Stubenfliege vorzieht, dem ist Goldblum spätestens seit 1993 ein Begriff. Als flirty Chaostheoretiker Ian Malcolm, dem auf halber Strecke der T-Rex-Hatz offenbar sämtliche Knöpfe am Hemd flöten gegangen sind, verzückte er die damalige Damen- und heutige Meme-Welt. Von seinen bedeutungsschwangeren Monologen ganz zu schweigen: «Das Leben bahnt sich seinen Weg. Es erobert neue Territorien. Es überwindet sämtliche Barrieren, ob schmerzlich oder gefährlich. [...] Das Leben findet einen Weg.»
Der Schauspieler hatte dabei Glück, dass Steven Spielberg (75) seiner Figur ein anderes Schicksal als in Michael Crichtons (1942-2008) Buchvorlage spendierte - darin schaffte es der Wissenschaftler nicht lebend von der Insel. Dass Goldblum 1997 in «Vergessene Welt: Jurassic Park» gar als Hauptfigur und zuletzt erst 2022 in «Jurassic World: Ein neues Zeitalter» an der Seite seiner Co-Stars Sam Neill (75) und Laura Dern (55) mitwirken konnte, ist also keine Selbstverständlichkeit.
Zwischen Mainstream und Kunstfilm
Die Rollenauswahl des Geburtstagskindes kann als breitgefächert bezeichnet werden. Da wären auf der einen Seite Mainstream-Werke, vom «Jurassic Park»-Franchise über den inzwischen zweiteiligen «Independence Day»-Bombast hin zum allgegenwärtigen Marvel-Universum, in dem Goldblum den koketten Grandmaster in diversen kleinen Auftritten mimte.
Dem gegenüber steht seine Vorliebe für das etwas andere Kino, das wohl niemand so sehr wie Autorenfilmer Wes Anderson (53) verkörpert. Goldblum wirkte schon in Anderson-Werken wie «Die Tiefseetaucher» (2004) und «Grand Budapest Hotel» mit oder lieh in dessen Animationsstreifen «Isle of Dogs» einem der Hunde seine Stimme.
Jazz und späte Freuden
Wenn Jeff Goldblum nicht gerade in einem Blockbuster mitwirkt, spielt er leidenschaftlich gerne das Jazzpiano und eroberte auch schon die Charts mit seiner Musik. Seit 2019 erklärt uns der Star in der Disney+-Show «The World According to Jeff Goldblum» zudem auf seine unnachahmliche Weise die Welt. Zwei Emmy-Nominierungen gab es dafür schon, einen der Preise hat der in dieser Hinsicht ein weiteres Mal glücklose Schauspieler aber noch nicht bekommen.
Vielleicht setzt sich aber lediglich etwas fort, dass schon in anderer Hinsicht zu beobachten war: Goldblum muss zuweilen etwas länger auf gewisse Freuden warten. Seinen Stern auf dem Walk of Fame erhielt er zum Beispiel erst im Sommer 2018. Und nur ein paar Jahre davor (2015) wurde er gemeinsam mit seiner dritten und deutlich jüngeren Ehefrau Emilie Livingston (39) zum ersten Mal Vater. Sohn Charlie Ocean ist inzwischen sieben und hat den fünfjährigen Bruder River Joe zur Seite gestellt bekommen. Wer weiss: Wenn mit über 60 noch zwei Goldblum-Jungs in sein Leben treten konnten - dann ab 70 vielleicht ja auch noch ein Goldjunge?