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Er setzte nur vier Monate später ein Konzert an, und bat Gershwin darum, für diesen Zeitpunkt ein Jazzstück für Orchester zu schreiben. Gershwin lehnte ab.
Fünf Wochen vor dem geplanten Konzert erfuhr Gershwin dann aus der Zeitung, dass er offensichtlich doch an einem solchen Stück schreibe. Bei einem Telefongespräch mit Whiteman erklärte ihm dieser, dass ein Rivale ihm die Idee eines experimentellen Konzerts stehlen wolle und keine Zeit für Diskussionen bleibe. Gershwin liess sich überreden und machte sich unter Hochdruck an die Komposition. Bereits vier Tage später lag ein erstes Manuskript für zwei Klaviere vor, das nun instrumentiert werden musste.
Die Konzertidee von Whiteman ging letztlich der Frage nach, was denn US-amerikanische Musik ausmache. Daher war des Arbeitstitel von Gershwins Stück «American Rhapsody». Gershwins Bruder Ira schlug «Rhapsody in Blue» vor.
Unter diesem Namen wurde das Werk denn auch heute vor 97 Jahren in New York uraufgeführt. Der Konzertabend der als «An Experiment in Modern Music» angekündigt war, zog ein zahlreiches und namhaftes Publikum an. Da aber die Rhapsody als vorletztes von 26 (!) Stücken programmiert war, war die Aufmerksamkeit des Publikums bereits ziemlich strapaziert.
Die Kritiken am folgenden Tag waren durchzogen. Trotzdem wurde die «Rhapsody in Blue» quasi über Nacht zu einem äusserst populären Orchesterwerk. Gershwin war es gelungen, die beiden Musikstile Klassik und Jazz zu verschmelzen. Die Rhapsody wurde zu einem musikalischen «Melting Pot» oder Schmelztiegel mitten in der Stadt, die der Inbegriff des Melting Pots ist. Und es ist kein Zufall, dass Woody Allen für seinen Film «Manhattan» die «Rhapsody in Blue» als Filmmusik wählte. Das macht ein grosses Kunstwerk aus: Es vermag den Geist einer Zeit oder eines Ortes so einzufangen, dass es die Menschen unmittelbar verstehen.