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| Hieronymus († 420) - Briefe

V. Briefe kirchenrechtlichen und pastoralen Inhaltes
71. An Lucinus aus BaeticaBaetica provincia ist der vom Baetis (Guadalquivir) durchströmte Teil Spaniens (heute Andalusien, Granada und das südliche Estremadura).
5.
Meine kleinen Sachen, welche Du, wie Du schreibst, gerne besitzen möchtest, wohl weniger ihres inneren Wertes wegen als infolge günstiger Beurteilung Deinerseits, habe ich Deinen Leuten zur Abschrift überlassen. Ich habe auch die Blätter nach erfolgter Abschrift eingesehen und die Schreiber immer wieder ermahnt, möglichst sorgfältig zu vergleichen und die gemachten Fehler zu verbessern. Natürlich konnte ich nicht alle die vielen Bände ganz durchprüfen. Dies wäre unmöglich gewesen bei der großen Zahl der Besucher und der Menge der eintreffenden Fremdlinge. Dazu hemmte mich, wie Deine Leute bezeugen können, eine langwierige Erkrankung, die sich langsam in den Tagen der Fastenzeit, als sie die Heimreise antraten, zu beheben anfing. Solltest Du etwa auf Schreibfehler oder auf Lücken stoßen, welche den Sinn entstellen, dann mache nicht mich dafür verantwortlich! Die Schuld liegt bei Deinen Leuten, denen es beim Abschreiben am nötigen Wissen oder an der erforderlichen Sorgfalt gebrach. Diese Art Leute schreibt nicht immer, was sie vorfindet, sondern sie legen ihre Auffassung unter; und während sie sich bemühen, die vermeintlichen Fehler anderer zu verbessern, enthüllen sie ihre eigenen. Wenn man Dir zutrug, ich hätte die Bücher des Josephus und die Schriften der heiligen Männer Papias und Polykarp übersetzt, so war diese Nachricht falsch. Ich habe weder die Zeit noch die Fähigkeit, Werke von dieser Bedeutung [S. 381] in ihrer ursprünglichen Schönheit in einer anderen Sprache wiederzugeben. Wohl habe ich einige Kleinigkeiten aus den Werken des Origenes und Didymus übersetzt, 1 um den Unsrigen wenigstens in etwa zu zeigen, was es mit der Gelehrsamkeit der Griechen auf sich hat. Den Kanon nach dem hebräischen Urtext habe ich den von Dir entsandten Leuten und Kopisten zur Abschrift überlassen, abgesehen vom Oktateuch, 2 den ich zur Zeit unter den Händen habe. Die Ausgabe nach den Siebenzig wirst Du ja, wie ich bestimmt annehme, besitzen, nachdem ich sie sorgfältig verbessert vor vielen Jahren den Interessenten übergeben habe. 3 Auch das Neue Testament habe ich nach dem griechischen Urtext verbessert. Wie nämlich die richtige Lesart der alttestamentlichen Schriften am hebräischen Texte zu prüfen ist, so muß beim Neuen Testamente vom griechischen Urtext ausgegangen werden.
1: Hieronymus übersetzte eine Anzahl von Homilien des Origenes und des Didymus Schrift „De Spiritu Sancto“.
2: Unter Oktateuch versteht Hieronymus den Pentateuch, die Bücher Josue, Richter samt Ruth sowie das Buch Esther (nach L. H. Cottineau in Miscell. Geronim. 67).
3: Von dieser Revision kamen nur die Psalmen und das Buch Job auf uns sowie die Vorreden zu den BB. Chronik, Sprüche, Prediger und Hoheslied. Vor der Veröffentlichung kam Hieronymus ein Teil seines Materials „fraude cuiusdam“ abhanden (ep. 134, 2 ad Aug.).