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Sport und Literatur bilden ein unzertrennliches Paar. Ein weiteres Beispiel dafür ist «Laufen». So heisst die literarische Verarbeitung der Laufbahn von Emil Zatopek (1922–2000), dem tschechischen Langstreckenläufer. Verfasst hat sie Jean Echenoz, 1947 im südfranzösischen Orange geboren und Goncourt-Preisträger 1999.
«Laufen» ist ein Buch, für dessen Lektüre man weder die Ausdauer noch die Beharrlichkeit Zatopeks benötigt, denn es liest sich so leicht, wie die «tschechische Lokomotive» ihre Konkurrenten abschüttelte. Echenoz’ Erzählung beginnt 1939, mit dem deutschen Einmarsch in Mähren, sie endet im realsozialistischen Prag, als sich der Volksheld längst öffentlich für den Prager Frühling ausgesprochen hatte. Nach dem sowjetischen Einmarsch verlor er seine Stellung in der Armee, wurde zur Arbeit ins Uranbergwerk gezwungen und später als Müllmann zwangsverpflichtet – wobei ihn die Bevölkerung erkannte, ihm applaudierte und er keine Tonne selbst schleppen musste. So sehr wurde Zatopek auch viele Jahre nach seinen Weltrekorden und Olympiasiegen verehrt.
Zu laufen begann er eigentlich nur seinen Freunden zuliebe. Über seine unökonomische Lauftechnik – er ruderte wild mit den Armen und rannte mit verzerrtem Gesicht – schüttelte die Fachwelt den Kopf. Er übertrieb es mit dem Training, gönnte sich kaum Ruhezeit, sondern lief und lief und lief – und rutschte wie zufällig in den Wettkampfbetrieb. Der Sozialismus brauchte HeldInnen, die Leistungen des jungen Offiziers Emil Zatopek waren Munition für die Propaganda. Nach jedem grossen Exploit wurde er befördert, gleichzeitig aber auch streng von der Staatssicherheit überwacht.
Jean Echenoz schreibt über diesen Sportler, der sich alles selbst erarbeitet hat, über seine Instrumentalisierung durch die Diktatur, über seinen Tunnelblick, der ihn erst spät die politischen Realitäten erkennen liess. Ein sprachlich wundervoll lakonisches Buch, keines der grossen Gesten.