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Im Juni 2016 fuhr ich durch das Spiti Valley, ein Gebirgstal im Himalaya, welches stark von der buddhistischen Kultur geprägt ist.
Bürokratie
Um durch das Tal fahren zu dürfen, benötigte ich eine Genehmigung, ein sogenanntes „Protected Area Permit“, welches ich in Reckong Peo, einer Ortschaft, welche sich oberhalb der Hauptstrasse befindet, beantragen konnte. Ich wusste, dass ich in das „DC office“ musste. Als ich im erstbesten Büro nachfragte, wo ich das DC office finde, um mir mein Permit einzuholen, wurde ich zur Touristinformation geschickt, um von dort zu einem Travelagent weitergeleitet zu werden. Da ich für das Permit, welches offiziell gratis zu erhalten ist, keinen Agenten bezahlen wollte, erkundigte ich mich, in welchem Büro die Permits ausgestellt werden und ging dorthin. Doch die Frau dort am Schalter bestand darauf, dass ich mit einem Travelagent wiederkommen müsse! Beim Agenten musste ich ein Formular ausfüllen, dann gingen wir zusammen zum Büro, dort wurde ich fotografiert, danach musste ich mein Formular und meinen Pass abgeben. Der Agent war also absolut überflüssig müsse – verdammte Korruption. Eigentlich hätte ich mein Permit eine halbe Stunde später erhalten sollen. Aufgrund eines Stromausfalls, der in diesem Teil der Welt mehrmals pro Woche vorkommt, konnte man mein Permit aber nicht ausdrucken. Nach ungefähr zwei Stunden erhielt ich dann endlich mein Permit und hatte somit die Erlaubnis, durch das Spitital zu reisen. Auf dem Permit stehen unter anderem folgende Zeilen:
„During the period of transit through the restricted area the permit holder shall not be allowed to leave the National highway and shall not be allowed any night halt at the restricted area.“
„While in transit through the restricted area he/she shall not resort to photography. He/She shall not carry any maps / immagineries / connected material / satellite communication equipment other that route charts approved by ministry of defence.“
Restricted Area
Mit dem abgestempelten Papier im Gepäck fuhr ich weiter, um es am Checkpoint in „Sumdo“ vorzuweisen. Einige meiner Angaben wurden in ein dickes Buch übertragen, dann durfte ich weiterreisen. Ich nahm zwar an, dass man „the permit holder […] shall not be allowed any night halt at the restricted area.“ nicht so streng handhaben würde, trotzdem wollte ich versuchen, die gut 100 Kilometer in der Grenzzone in einem Tag zurückzulegen.
Die Strecke war sehr interessant zu fahren, einige Male erinnerte es mich an den Beginn des Pamir Highways in Tadschikistan. Obwohl ich bei der Vorbereitung für das Spiti Valley mir auch einmal ein Höhenprofil der Route angeschaut hatte, war ich überrascht, als die Strasse auf dem Weg nach Nako relativ lange anstieg. Ausser einigen Energieriegel, die ich für den Notfall dabei hatte, und ein paar Erdnüssen hatte ich kein Essen dabei, das ich nicht kochen musste. Glücklicherweise traf ich in den Ka-Loops, einer Reihe von Haarnadelkurven, einige Strassenarbeiter, welche mir von sich aus Wasser anboten. Die Strasse ging weiterhin berghoch und mir bliess ein starker Gegenwind ins Gesicht. Nach 9.5 Stunden im Sattel, in welchen ich aufgrund der über 2‘000 bewältigten Höhenmetern lediglich 91 Kilometer zurückgelegt hatte, erreichte ich auf einer Höhe von knapp 3‘500 Metern einen Shop, bei welchem ich ein Thali (Reis mit Linsensuppe und Gemüse, in Nepal und anderen Teilen Indiens als „Dal Bhat“ bekannt) essen konnte. Nach drei verschlungenen Portionen war ich einigermassen satt und der Besitzer des Shops erlaubte mir sogar, umsonst in meinem Zelt auf der Veranda zu übernachten.
Die Fahrt am nächsten Tag führte mich weiterhin durch eine Landschaft, die immer wie mehr aussah, als befände man sich auf dem Mond oder auf dem Mars. Das war genau die Landschaft, auf die ich schon so lange sehnsüchtig gewartet hatte. Als ich beim Checkpoint in „Jangi“ die Grenzzone verlassen wollte, musste ich mein Permit vorzeigen. Der Mann beim Checkpoint fragte mich „where did you stay last night? Nako?“, was ich nickend mit einem „yes“ bestätigte, auch wenn es nicht ganz stimmte. Hauptsache der Mann konnte in seinem dicken Buch jedes Feld auf meiner Zeile ausfüllen. Die Tatsache, dass ich in der „Restricted Area“ übernachtet hatte, schien aber niemanden zu stören.
Kunzum La
Zwei Tage später erreichte ich die Ortschaft „Losar“, die letzte Siedlung vor dem 4590 Meter hohen Kunzum Pass. Am Ende von Losar gibt es einen weiteren Checkpoint, wo ich meinen Pass zeigen musste. Auf die Frage, wo ich letzte Nacht übernachtet habe, antwortete ich mit „Kaza“, weil das gerade die einzige Ortschaft war, welche mir einfiel. Der Beamte musste ebenfalls in seinem Buch festhalten, wo ich als nächstes übernachten würde. „Where will you stay tonight? Manali?“, fragte er. Ich musste schmunzeln und sagte daraufhin überzeugt „yes“, obwohl die Ortschaft Manali knapp 150 Kilometer entfernt liegt, dazwischen zwei hohe Pässe zu bezwingen wären und sich Manali gar nicht auf meiner geplanten Route befand. Hauptsache der Mann konnte etwas in sein Buch schreiben.
Die Strasse auf den Pass Kunzum La blieb unasphaltiert und einige Male musste ich Bäche, welche über die Strasse flossen, überqueren. Doch die Aussicht entschädigte für die Strapazen: Vor mir sah ich einige verschneite Bergwände und -gipfel. Da die Höhenangabe auf meinem Velocomputer ziemlich ungenau war, kam es dazu, dass ich schlussendlich, ohne es am Abend zu realisieren, fast auf der Passhöhe campierte.
In der Nacht erwachte ich ziemlich oft und ich hatte einen unruhigen Schlaf. Die Ursache dafür war wohl die Tatsache, dass ich auf knapp 4600 Metern Höhe übernachtete, obwohl eine Faustregel besagt, dass ab einer Höhe von 3000 Metern der Schlafplatz höchstens 300 Meter höher liegen soll als in der Nacht zuvor. Jedoch hatte ich aufgrund der falschen Höhenangabe meines Velocomputers angenommen, dass ich mich erst auf knapp 4400 Metern Höhe befinden würde (was zwar auch etwa 700 Meter höher war als in der Nacht zuvor) und dass ich also noch eine gute Stunde benötigen würde um den Pass zu erreichen, was dazu geführt hätte, dass ich entweder noch höher übernachtet hätte oder in der Dunkelheit den Pass ein Stück weit hätte herunterfahren müssen.
Schlechte Strasse
Auf der Abfahrt vom Pass zum Zeltdorf Batal war die Strasse in noch schlechterem Zustand als die Strecke von Losar aus. Kurz nach Batal war die Strasse extrem schlecht. Die Strasse führte mehr oder weniger durch ein Bachbett. Ich schaltete mein Smartphone ein und schaute auf die Karte und musste feststellen, dass ich tatsächlich noch richtig unterwegs war. Nach einem weiteren Tag auf dieser unasphaltierten Strasse erreichte ich den Manali-Leh-Highway.