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Vom König, der zu spät kam
Kurz gesagt geht es in dieser Legende darum, dass zusammen mit den drei Königen Caspar, Melchior und Balthasar auch ein vierter König aus dem Morgenland aufgebrochen war, um dem Stern zu folgen, der ihn zu dem göttlichen Kind führen sollte. Doch er kam zu spät zum vereinbarten Treffpunkt. Sein Reittier lahmte nämlich unterwegs. Er liess sich jedoch nicht entmutigen und begab sich alleine auf die Suche nach dem neugeborenen König. Unterwegs wurde er immer wieder von Menschen aufgehalten, die seine Hilfe brauchten. Und so kam es, dass er eines Tages den Stern am Himmel, der ihm den Weg zeigen sollte, nicht mehr fand.
Artaban, so hiess der vierte König, stellte sich selbst und sein Tun in Frage. Hatte er die falschen Prioritäten gesetzt? War ihm die Suche nach dem neugeborenen König nicht wichtig genug gewesen? Zudem hatte er all seine Edelsteine, die er dem Kind bringen wollte, an Bedürftige verschenkt.
Jahre vergingen. Doch irgendwann leuchtete sein Stern wieder auf. In dieser Nacht träumte er von diesem Stern und eine Stimme rief ihn: „Eile, eile!“ Sofort brach er auf, er kam an die Tore einer grossen Stadt. Aufgeregte Gruppen von Menschen zogen ihn mit, hinaus vor die Mauern. Einen Hügel schritt er hinauf. Oben ragten drei Kreuze. Artabans Stern, der ihn einst zu dem Kind führen sollte, blieb über dem Kreuz in der Mitte stehen, leuchtete noch einmal auf und war dann erloschen. Ein Blitzstrahl warf den müden vierten König zu Boden. „So muss ich also sterben, sterben, ohne dich gesehen zu haben? So bin ich umsonst durch die Städte und Dörfer gewandert wie ein Pilger, um dich zu finden, Herr?“ Da aber traf ihn der Blick des Menschen am Kreuz, ein unsagbarer Blick der Liebe und Güte. Vom Kreuz herab sprach die Stimme: „Artaban, du hast mich getröstet, als ich jammerte, und gerettet, als ich in Lebensgefahr war; du hast mich gekleidet, als ich nackt war!“ Dann neigte der Mann am Kreuz das Haupt und starb. Artaban erkannte mit einem mal: Dieser Mensch ist der König der Welt. Ihn habe ich gesucht in all den Jahren. Er hatte ihn nicht vergebens gesucht, er hatte ihn doch gefunden.
Eine wunderbare Geschichte, die auch uns ermuntern kann, die Suche nach Gott niemals aufzugeben und wachsam zu sein, für seine Anwesenheit in allen Dingen.
Flurina Cavegn-Tomaschett, Pastoralassistentin