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Der Boden ist die wichtigste Ressource der Schweiz. Sie ist nicht unendlich verfügbar. Besonders ab 1950 nahm die Überbauung des Bodens rasant zu. Gründe dafür waren die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg sowie der steigende Wohlstand, aber auch die wachsende und zunehmend mobilere Bevölkerung. Heute wachsen Siedlungsflächen rascher als die Bevölkerung, weil die beanspruchte Fläche pro Person ansteigt. Anfangs der 1980er-Jahre lag diese noch bei 382 Quadratmeter pro Person. Inzwischen ist die Fläche auf 407 Quadratmeter pro Person gestiegen. Diese Zahl entspricht dem Maximum, das der Bundesrat in der Nachhaltigkeitsstrategie 2008–11 festgelegt hat.
Mit dem Bau der Siedlungen wurden auch die Bahn und das Strassennetz erweitert. Insbesondere mit dem Erstellen von Einfamilienhausquartieren, Gewerbegebieten sowie Einkaufs- und Freizeitzentren, die mit ihren Parkplätzen grossflächig die grüne Wiese verbauten, nahm die Bodenversiegelung ihren Lauf. Zu den versiegelten Flächen gehören Gebäudeflächen wie Flach- oder Steildächer, Verkehrswege, Vorplätze von Gebäuden, Parkplätze, Deponien, Kläranlagen, Flugplätze oder Lagerplätze.
Unser Boden benötigte Jahrtausende, um ein fruchtbarer Boden zu werden. Wird der Boden dauerhaft luft- und wasserdicht abgeschlossen, geht die Bodenfauna zugrunde. Diese erfüllt aber wichtige Funktionen für den Erhalt und die Neubildung von Boden und bildet die Grundlage für den Anbau von Nahrungsmitteln. Die fortschreitende Bodenversiegelung beeinträchtigt deshalb die Fruchtbarkeit des Bodens massiv. Aber auch das Regenwasser kann nicht oder weniger gut versickern und die Grundwasservorräte auffüllen. Damit wird die Trinkwasserversorgung einer Siedlung gefährdet. Bei starken Regenfällen besteht das Risiko, dass die Kanalisation die oberflächlich abfliessenden Wassermassen nicht fassen kann und dass es deswegen zu lokalen Überschwemmungen kommt.
Auch das Mikroklima wird negativ beeinflusst. Asphaltierte Böden verdunsten im Sommer kein Wasser, weshalb sie nicht zur Kühlung der Luft beitragen. Zudem wächst auf diesen Flächen auch keine Vegetation, die kühlend wirken könnte. Dadurch heizen sich die Siedlungen im Sommer vermehrt auf, das Lokalklima wird heisser und trockener.
Die Bodenversiegelung ist nur mit hohen finanziellen Kosten wieder zu beseitigen. Aber auch im Anschluss an eine Entsiegelung bleibt die natürliche Struktur des Bodens gestört. Häufig bleiben Reste von Fremdstoffen wie Beton oder Asphaltbrocken, Kunststoffsplittern oder sonstigen Schadstoffen zurück. Eine neue Bodenfauna bildet sich nur über längere Zeiträume, so dass sich auch die natürliche Bodenfruchtbarkeit verzögert und die ursprüngliche Bodenqualität nicht mehr herstellbar ist. Immerhin ist der Bodenschutz seit 1983 im schweizerischen Umweltschutzgesetz verankert.
Die versiegelte Fläche wächst heute auf zwei Arten: Einerseits wird in Städten und Dörfern verdichtet gebaut. So werden die letzten offenen Parzellen überbaut. Andererseits wächst der Siedlungsdruck auch am Stadtrand und am Rand bestehender Siedlungen und verschiebt deren Grenzen weiter ins Kulturland. Laufend entstehen so neue Gebäude, Strassen oder Schienenwege auf Kosten von landwirtschaftlich genutztem Boden. In der Schweiz geht deshalb jede Sekunde ein Quadratmeter Landwirtschaftsfläche verloren.
Waren bis in die 1990er-Jahre Birstal-Gemeinden wie Dornach, Pfeffingen, Aesch, Reinach oder Therwil durch unverbautes Kulturland getrennt, zieht sich heute die Agglomeration in der Form eines durchgehenden Siedlungsbandes von Basel bis nach Pfeffingen. Das gleiche Bild zeigt sich auch im Leimental oder im Ergolztal. Dort ziehen sich die Siedlungen von Basel über Liestal bis nach Gelterkinden. Auch in der Rheinebene ist das Siedlungsband beidseitig des Rheins bis nach Rheinfelden zu beobachten.
Um der Versiegelung Einhalt zu gebieten, gibt es verschiedene Möglichkeiten – zum Beispiel durch eine naturnahe Oberflächengestaltung. Plätze und Wege, Flachdächer und Parkplätze, Hinterhöfe und Feldwege müssen nicht um jeden Preis asphaltiert sein. Gärtner, Landschaftsarchitekten oder Gartenbauer verwenden heute durchlässige Naturmaterialien wie Schotter oder Kies, aber auch Pflastersteine. Auch Dächer werden heute vermehrt begrünt.
Als weiteres Mittel zum Schutz des Bodens ist das schweizerische Raumplanungsgesetz gedacht. Zwar hat das Raumplanungsgesetz von 1979 Bauzonen und Nichtbauzonen unterschieden, der Gesetzes-Vollzug hat jedoch versagt: Die Bauzonen waren in vielen Gemeinden zu gross. Die Gemeinden erteilten zudem zu viele Ausnahmebewilligungen. Diese ermöglichten es dem Gewerbe, weitab vom Zentrum, auf Kulturland zu bauen. Auch der Traum vom Eigenheim förderte die flächendeckende Zersiedelung. Die Revision des Raumplanungsgesetzes 2014 will den Landverschleiss bremsen und eine kompaktere Siedlungsentwicklung garantieren, indem zu grosse Bauzonen verkleinert und bestehende Baulandreserven besser genutzt werden.
MJ