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Die Bulimie (Bulimia nervosa) ist eine umgangssprachlich als Ess-Brech-Sucht bezeichnete Essstörung. Kennzeichnend sind Essanfälle und anschliessend gegensteuerndes Verhalten (oft selbst ausgelöstes Erbrechen). Dabei haben die Betroffenen in erster Linie Angst vor einer Gewichtszunahme.
Je nachdem durch welches Verhalten Menschen mit Bulimie nach der Essattacke ein Abnehmen erreichen wollen, lassen sich zwei Typen der Essstörung unterscheiden: Beim häufigen Purging-Typ erbrechen die Betroffenen nach den Essattacken oder greifen zu Abführmittel oder harntreibenden Mitteln, um ihr Gewicht zu senken. Beim selteneren Non-purging-Typ der Bulimia nervosa fasten die Betroffenen zwischen den Essattacken, anstatt zu erbrechen oder Medikamentenmissbrauch zu betreiben, oder treiben übermässig viel Sport.
Im Gegensatz zur Magersucht (Anorexia nervosa) und zur Binge-Eating-Störung sind die Menschen mit Bulimie meist normalgewichtig. Die Essstörung tritt überwiegend bei Frauen auf; etwa 80 Prozent aller Betroffenen sind jünger als 22 Jahre, wenn sie eine Bulimie entwickeln. Die Ursachen der Bulimia nervosa reichen von psychischen und familiären Belastungen über biologische Faktoren bis hin zum gesellschaftlichen Schönheitsideal.
Typische Bulimie-Symptome sind neben den Essanfällen eine Körperschemastörung (d.h. Menschen mit Bulimia nervosa halten sich trotz Normalgewicht für zu dick), starker Leidensdruck und geringes Selbstwertgefühl mit ausgeprägter Neigung zu Depressionen. Daneben kann die Bulimie – vor allem durch das selbst ausgelöste Erbrechen – körperliche Schäden zur Folge haben: Dazu zählen durch Karies geschädigte Zähne, Elektrolytmangel, Heiserkeit und Schluckstörungen bis hin zur Schädigung der Speiseröhren- und Magenwand. Menschen mit Bulimie versuchen, ihre Essstörung geheim zu halten. Daher suchen sie im Durchschnitt erst nach etwa fünf Jahren Hilfe.
Die Behandlung der Bulimie zielt darauf ab, das Essverhalten zu normalisieren und die Ursachen der Bulimie in einer Psychotherapie zu behandeln. Im Einzelfall kommen zusätzlich Medikamente (z.B. Antidepressiva) zum Einsatz. Die Prognose der Bulimia nervosa hat sich in den letzten Jahren verbessert: Wer sich behandeln lässt, hat gute Chancen, die Bulimie zu besiegen – in den meisten Fällen bessern sich die Symptome der Essstörung.
Der Begriff Bulimie (Bulimia nervosa) bezeichnet per Definition eine Essstörung, die durch wiederkehrende Essanfälle gekennzeichnet ist. Bulimie bedeutet sinngemäss Ochsenhunger. Das Wort nervosa deutet auf die psychische Komponente der Bulimie hin. Umgangssprachlich nennt man dieses Krankheitsbild häufig auch Ess-Brech-Sucht.
Menschen mit Bulimie verzehren während einer typischen Essattacke grosse Mengen kalorienhaltiger Nahrungsmittel. Da die Betroffenen sich stark mit ihrem Gewicht beschäftigen und grosse Angst vor der Gewichtszunahme haben, erbrechen sie nach dem Essen häufig oder nehmen Abführmittel ein. Zwischen den Essattacken versuchen die Betroffenen, eine Diät einzuhalten. Das Gewicht liegt bei Menschen mit Bulimia nervosa in der Regel im unteren Normbereich; häufig zeigen sich aber Zeichen der Mangelernährung.
Die Bulimie tritt in zwei unterschiedlichen Typen auf:
Die Bulimie (Bulimia nervosa) findet sich mit grösserer Häufigkeit bei Frauen als bei Männern, obwohl der Anteil der Männer bei den Essstörungen in den letzten Jahren stetig zugenommen hat.
Auffällig ist, dass die Bulimie gehäuft in der Mittel- und Oberschicht auftritt. In der weiblichen Bevölkerung beträgt die Häufigkeit der Bulimie in der Altersgruppe zwischen 18 und 35 Jahren etwa 2,5 Prozent. Bei der Hälfte der Betroffenen liegt eine sogenannte anorektische Bulimie vor – dies bedeutet, der Bulimia nervosa ging eine Magersucht (Anorexie) voraus. Etwa 80 Prozent aller Betroffenen sind jünger als 22 Jahre, wenn sie eine Bulimie entwickeln. Etwa 6 Prozent der weiblichen Teenager berichten, dass sie erbrechen und Abführmittel einnehmen, um Gewicht zu verlieren.
Bei einer Essstörung wie der Bulimie (Bulimia nervosa) ist eine klare Definition als Abgrenzung zu anderen Essstörungen nicht immer ganz einfach.
Eine weitere typische Essstörung neben der Bulimie ist die Magersucht (Anorexia nervosa). Der Unterschied zwischen Magersucht und Bulimie ist oft schwierig zu erkennen: Gemeinsam ist beiden Essstörungen die extreme Angst vor einer Gewichtszunahme. Bei der Bulimie sowie bei der Magersucht können die Betroffenen einen Gewichtsverlust oder das Halten des Gewichts herbeiführen, indem sie hungern beziehungsweise Diät halten und erbrechen oder Abführmittel oder harntreibende Mittel einnehmen. Während jedoch bei der Magersucht starker Gewichtsverlust mit Untergewicht durch verminderte Nahrungsaufnahme im Vordergrund steht, ist das Hauptmerkmal der Bulimie das wiederholte Auftreten von Essattacken. Eine Abgrenzung zwischen Bulimie und Magersucht ist ausserdem über das Körpergewicht der Betroffenen möglich: Von einer Magersucht spricht man erst ab einem bestimmten Untergewicht, während das Gewicht bei der Bulimia nervosa in der Regel im unteren Normbereich liegt.
Die seltene Bulimie ohne Erbrechen (Non-purging-Typ der Bulimia nervosa) lässt sich per Definition von der sogenannten Binge-Eating-Störung abgrenzen, bei der Essanfälle in Verbindung mit Übergewicht, schnellem Essen und Essen ohne Hungergefühl auftreten.
Die einer Bulimie (Bulimia nervosa) zugrunde liegenden Ursachen sind in der Regel schwer zu erfassen, da sie nicht an einer einzigen Begebenheit, Eigenschaft oder einem Erlebnis festzumachen sind. Meist finden sie sich in der gesamten Lebensgeschichte der Betroffenen. Die Bulimie ist eine multifaktoriell ausgelöste Erkrankung – das bedeutet, sie entsteht aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Dabei handelt es sich meist um eine Kombination psychologischer, biologischer, familiärer, erblich bedingter, sozialer und umgebungsbedingter Faktoren.
In vielen Fällen gehen einer Bulimia nervosa belastende Ereignisse voraus – zum Beispiel der Tod eines Angehörigen oder besondere, überfordernde Leistungssituationen. Auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit und Jugend, wie sexueller oder körperlicher Missbrauch, können für eine Bulimie als Ursachen mit infrage kommen.
Das bei einer Bulimia nervosa veränderte Essverhalten hat biologische und psychologische Folgen. Diese führen dazu, dass die Bulimie auch dann bestehen bleibt, wenn die als Ursachen verantwortlichen Faktoren nicht mehr vorhanden sind.
Die für Bulimie (Bulimia nervosa) verantwortlichen Ursachen sind unter anderem in der Gesellschaft zu finden: In der westlichen Welt herrscht ein gesellschaftliches Schlankheitsideal vor, das besonders für Frauen gilt. Die Konfrontation mit diesem Ideal findet Tag für Tag statt, beispielsweise in der Werbung. Etwa 20 Prozent aller Frauen machen daher regelmässig eine Diät. Führt sie zum gewünschten Erfolg, hat dies häufig positive Konsequenzen, wie Komplimente oder Respekt. Gewichtskontrolle und Schlanksein können somit zu einer wichtigen Quelle des Selbstbewusstseins werden. Deshalb sind gerade junge Frauen, die während der Pubertät bezüglich ihres Körpers unsicher sind, besonders anfällig für Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie, wenn sie versuchen, ihr Gewicht dem Schönheitsideal anzupassen.
Für die Entstehung von Bulimie (Bulimia nervosa) können als Ursachen auch familiäre Einflüsse eine Rolle spielen: Die Familie von Menschen mit Bulimie weist in ihrer Struktur häufig bestimmte Auffälligkeiten auf. Die von der Essstörung Betroffenen wachsen meist sehr behütet auf. In ihrer Familie herrscht in der Regel ein erhöhter Leistungsdruck; Konflikte hingegen werden selten angesprochen und gelöst. Ob diese Faktoren eine ursächliche Rolle bei der Entstehung der Bulimie spielen, ist umstritten.
Menschen mit Bulimie haben häufig Schwierigkeiten, eine Selbstständigkeit zu entwickeln. Das kann die Folge der Überbehütung sein. Möglicherweise hat aber erst die mangelnde Selbstständigkeit dazu geführt, dass die Eltern sich besonders stark um ihr Kind kümmern.
Für Bulimie (Bulimia nervosa) kommen als Ursachen ausserdem biologische Faktoren mit infrage: Die erhöhten Risikozahlen für Verwandte von Menschen mit Essstörungen weisen auf eine mögliche erbliche (genetische) Ursache einer Bulimie hin. Ist bei eineiigen Zwillingen einer von Bulimie betroffen, hat der andere beispielsweise ein sehr viel höheres Risiko, eine Bulimie zu entwickeln, als normale Geschwister. Ein weiterer Risikofaktor für die Entwicklung einer Bulimie kann ein erblich bedingter niedriger Energieverbrauch sein. In diesem Fall neigen die Betroffenen trotz normaler Nahrungsaufnahme zu einem höheren Körpergewicht.
Die für Bulimie (Bulimia nervosa) typischen Symptome sind die wiederholt auftretenden Essanfälle, die Merkmale von Suchtverhalten zeigen (sog. Ess-Brech-Sucht). Während dieser Anfälle nehmen die Betroffenen in kurzer Zeit grosse Nahrungsmengen zu sich, ohne die Nahrungsaufnahme kontrollieren zu können. Meist sind dies kohlenhydrat- und kalorienreiche Speisen wie Gebäck, Schokolade, Kartoffelchips oder Pudding. Der Kalorienverbrauch kann bei einem solchen Essanfall bis zu 10'000 Kalorien betragen. Die Essattacken treten in der Regel mehrmals wöchentlich, in einigen Fällen täglich auf. Damit ihr enormer Verbrauch an Nahrungsmitteln nicht auffällt, gehen die Betroffenen häufig in viele verschiedene Supermärkte, in denen sie jeweils nur eine kleine Menge einkaufen. 20 Prozent der Menschen mit einer Bulimie begehen Ladendiebstähle, um sich Nahrungsmittel zu besorgen.
Ein häufiges Bulimie-Anzeichen ist die sogenannte Körperschemastörung: Die Betroffenen nehmen sich selbst als dicker wahr, als sie wirklich sind. Menschen mit Bulimia nervosa beschäftigen sich andauernd und übertrieben mit ihrem Gewicht. Ihre Figur ist entscheidend für ihr Selbstwertgefühl. Deshalb erleben bulimische Menschen die nach der Essattacke befürchtete Gewichtszunahme als sehr bedrohlich und greifen zu Massnahmen der Gewichtskontrolle. Dazu führen sie meist ein Erbrechen herbei oder nehmen grosse Mengen harntreibender Medikamente oder Abführmittel ein. Infolgedessen entstehen mit der Zeit verschiedene
Symptome in Form von körperlichen Veränderungen:
Durch das bei Bulimie weit verbreitete Erbrechen entwickeln die Zähne Karies; weitere typische Symptome hierfür sind Schwielen an den Fingern. Manchmal ist bei der Bulimie eine Schwellung der Speicheldrüsen zu beobachten. Weitere mögliche körperliche Folgen von Bulimie sind Heiserkeit und Schluckstörungen; es können Schmerzen in der Speiseröhre auftreten. Durch die bei Bulimia nervosa oft missbräuchlich verwendeten Abführ- oder harntreibenden Mittel kann es zu Nebenwirkungen im Magen-Darm- oder Nierenbereich kommen.
Die sich bei der Bulimia nervosa abwechselnden Essanfälle und Diäten können zu starken Gewichtsschwankungen führen. Im Durchschnitt bleibt das Gewicht jedoch im Normalbereich. Trotzdem treten bei der Bulimie Symptome der Mangelernährung auf. Es kommt zu Veränderungen im Vitamin- oder Elektrolythaushalt. Durch Kaliummangel können in ausgeprägten Fällen Herzrhythmusstörungen entstehen. Die Fehlernährung bei der Bulimie führt ausserdem zu hormonellen und Stoffwechselveränderungen, die den Energieverbrauch herabsetzen. Unter diesen Bedingungen nehmen die Betroffenen bei normaler Kalorienzufuhr kurzfristig an Gewicht zu. Da sie nun versuchen, ihr Gewicht verstärkt zu kontrollieren, entsteht ein Teufelskreis, der für Bulimie typisch ist.
Bei bis zur Hälfte aller Menschen mit Bulimie zeigen sich depressive Symptome. Im Zusammenhang mit den Ess- und Brechanfällen treten Stimmungslabilität, Schuldgefühle und Selbstmordgedanken auf. Essanfälle bedingen Selbstvorwürfe – die Betroffenen sind der Meinung, sich selbst nicht ausreichend unter Kontrolle zu haben. Das Gefühl der Erleichterung nach dem Erbrechen ist von kurzer Dauer und weicht einer Niedergeschlagenheit. Das gestörte Essverhalten bei Bulimia nervosa geht häufig mit einem veränderten Sozialverhalten einher. Die Betroffenen ziehen sich von Freunden und Familie zurück und verlieren zunehmend das Interesse an anderen Dingen. Diese Isolierung kann den Mangel an Selbstwertgefühl verstärken, was die Betroffenen wiederum motiviert, durch die Gewichtskontrolle ein vermeintlich attraktiveres Äusseres zu erreichen.
Bei der Bulimie (Bulimia nervosa) erfolgt die Diagnose anhand der Symptome sowie festgelegter Diagnosekriterien. Hilfreich ist ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen und mit einer oder mehreren nahe stehenden Menschen, um das Essverhalten und das Körperbild einschätzen zu können. Mithilfe von testpsychologischen Verfahren kann es gelingen, neben der Bulimie mögliche Persönlichkeitsstörungen aufzudecken.
Die körperliche Untersuchung ermöglicht es, die Bulimie sowohl zu diagnostizieren als auch die durch die Essstörung entstandenen Folgen einzuschätzen. Dabei beurteilt der Arzt das Körpergewicht mithilfe des Body-Mass-Index (BMI). Des Weiteren können charakteristische Veränderungen zur Bulimie-Diagnose beitragen: Typischerweise sind bei einer Bulimia nervosa die Zähne geschädigt, die Speicheldrüsen geschwollen und die Hände verändert. Anschliessend misst der Arzt Puls, Blutdruck und Temperatur; ausserdem führt er eine neurologische Untersuchung durch. Im Blut erfolgt neben Routineuntersuchungen eine Überprüfung der Elektrolyte oder auch der Nierenwerte. Ob der infolge einer Bulimie häufig auftretende Kaliummangel Herzrhythmusstörungen verursacht, ist mit einem EKG überprüfbar.
Bei einer Bulimie (Bulimia nervosa) kann die Therapie in der Regel ambulant erfolgen. Eine stationäre Behandlung der Ess-Brech-Sucht ist erst dann nötig, wenn medizinische Komplikationen auftreten, die Betroffenen psychisch start belastet sind oder die ambulante Behandlung unwirksam ist.
Die Behandlung einer Bulimie besteht zum einen darin, körperliche Beschwerden oder Veränderungen (z.B. Elektrolytstörungen) zu beheben. Zum anderen zielt die Therapie darauf ab, den Auslöser der Bulimia nervosa zu behandeln. Da anzunehmen ist, dass eine Bulimie eine tiefer liegende psychische Ursache hat, liegt der Schwerpunkt der Behandlung darauf, auf psychischer und verhaltensbedingter Ebene Wege aus der Essstörung und dem damit verbundenen Suchtverhalten zu finden.
Bei Bulimie (Bulimia nervosa) besteht ein wichtiges langfristiges Ziel der Therapie darin, das Essverhalten zu ändern. Dabei ist nicht nur auf eine ausreichende Kalorienzufuhr zu achten, sondern auch auf eine angemessene Nahrungszusammensetzung und zeitliche Verteilung der Nahrungsaufnahme. Dazu untersuchen Therapeuten zunächst das Essverhalten. Anschliessend erfolgt eine Aufklärung über die biologischen und psychologischen Konsequenzen der Mangelernährung. In einer abschliessenden Übungsphase strukturieren Therapeuten und Betroffene die Nahrungsaufnahme. Häufig ist es beim Ernährungsmanagement erforderlich, die von Bulimie Betroffenen stark zu kontrollieren, da diese sich zwar oft scheinbar auf die Umstellung der Ernährung einlassen, aus Angst vor einer Gewichtszunahme aber heimlich gewichtsreduzierende Massnahmen ergreifen. Es ist daher erfolgversprechend, Belohnungen für das Einhalten der Therapie zu entwickeln.
Bei einer Bulimie (Bulimia nervosa) kommen zur Therapie auch kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden zum Einsatz. Im Laufe ihrer Essstörung haben bulimische Menschen aufgrund ihrer Angst vor der Gewichtszunahme gewichtsregulierende Massnahmen als eine Art der Problemlösung anerkannt. Nun sollen sie lernen, auch ohne schlechtes Gewissen Nahrung zu sich zu nehmen und nicht durch Abführmittel oder Erbrechen in den normalen Prozess der Verdauung einzugreifen.
Darüber hinaus ist es wichtig, bei der Therapie die der Bulimie zugrunde liegenden irrationalen Annahmen zu bearbeiten. So kann zum Beispiel die Überzeugung, nur schlank liebenswert zu sein, ein Motiv für die strikte Gewichtskontrolle bei Bulimia nervosa sein. In diesem Fall erarbeiten Therapeuten und Betroffene gemeinsam, welche anderen Eigenschaften einen Menschen liebenswürdig machen. Es ist ausserdem ratsam, durch kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden geeignete Strategien zu erarbeiten, um die Menschen mit Bulimie unabhängiger von der Meinung anderer zu machen. Alternative Lebensinhalte und Quellen der Befriedigung sind dabei eine grosse Hilfe. Übungen sollen dazu beitragen, die bei der Bulimie bestehende Körperschemastörung zu beseitigen oder zu vermindern.
Bei einer Bulimie (Bulimia nervosa) es für die erfolgreiche Therapie wichtig, Strategien zur Problemlösung zu lernen. Da Ess- und Brechanfälle bei der Bulimie häufig nach Belastungssituationen auftreten, erhalten die Betroffenen Hilfe im Umgang mit solchen Situationen. So sollen sie bei der Behandlung der Bulimie andere Problemlösungsstrategien einüben, die ihnen den Umgang mit Stress und Problemen ermöglichen. Die gelingt zum Beispiel durch Erschaffen einer Situation, die gewöhnlich einen Essanfall auslöst. Dieser Anfall ist dann aber zu verhindern, und die Betroffenen können zur Problemlösung stattdessen ein anderes Bewältigungsverhalten (z.B. eine Entspannungsübung) ausführen.
Bei einer Bulimie (Bulimia nervosa) kann ein Teil der Therapie auch in einer Gestaltungstherapie bestehen. Die Mal- oder Musiktherapie soll den Betroffenen die Möglichkeit bieten, Gefühle und Konflikte auszudrücken, die sie nicht direkt mitteilen möchten oder können. Ein gemaltes Bild kann für Therapeuten einen wichtigen Zugang zu dem Erleben der Bulimie bedeuten.
Bei Bulimie (Bulimia nervosa) spielt die Therapie durch Medikamente eine untergeordnete Rolle. In manchen Fällen kommen zur Behandlung der Essstörung jedoch trizyklische oder serotonerge Antidepressiva und Monoaminoxidase-Hemmer zum Einsatz. Der Hauptgrund für eine medikamentöse Therapie bei der Bulimie ist eine depressive Symptomatik oder die Prophylaxe eines Rückfalls. Dabei führten bisher vor allem serotonerge Antidepressiva zu guten Ergebnissen.
Bei einer unbehandelten Bulimie (Bulimia nervosa) wechseln sich im weiteren Verlauf Phasen mit geringer und stark ausgeprägter Symptomatik ab. Im Durchschnitt besteht die Bulimie bereits fünf Jahre, ehe der erste Behandlungsversuch erfolgt. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Betroffenen häufig versuchen, ihre Essstörung zu verheimlichen.
Wer die Bulimie in einer entsprechenden Klinik behandeln lässt, hat gute Chancen, die Essstörung zu besiegen: Nach einer stationären Bulimie-Therapie in einem Fachzentrum zeigen fünf Jahre später etwa 40 Prozent der Behandelten eine deutliche Besserung und 20 Prozent eine teilweise Besserung. Bei den übrigen 40 Prozent bleibt ein Behandlungserfolg aus. Ein solcher chronischer Verlauf der Bulimie kommt besonders bei zusätzlichen weiteren psychischen Störungen (depressive Symptome, Angst- oder Zwangstörungen) vor. Die Sterblichkeit ist bei der Bulimia nervosa gering und liegt bei 1 Prozent in einem Beobachtungszeitraum von fünf Jahren.
Bei einer Bulimie (Bulimia nervosa) können im weiteren Verlauf verschiedene Komplikationen auftreten. So hat das bei der Bulimie typische Erbrechen medizinische Schäden zur Folge: Der durch das wiederholte Erbrechen häufig entstehende Kaliummangel kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Weitere mögliche Folgen der Bulimie sind Speiseröhrenentzündungen, Magenwandschädigungen, Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen, erhebliche Schäden am Zahnschmelz und Veränderung an Haut und Haaren. Beim selbst ausgelösten Erbrechen können die Betroffenen ihre Mundhöhle verletzen; ausserdem besteht Erstickungsgefahr, wenn Mageninhalt in die Luftröhre gelangt.
Nehmen Menschen mit Bulimia nervosa harntreibende und abführende Mittel missbräuchlich ein, kommt es – neben dem Kaliummangel – zu weiteren schweren Störungen des Mineralstoffwechsels. Die bei Bulimie mögliche Mangelernährung hat negative Folgen für das Hormonsystem. Im weiteren Verlauf entstehen weitere Komplikationen: Die Menstruation bleibt aus, es kommt zu Unfruchtbarkeit, Energiemangel und Kälteempfindlichkeit. Aufgrund der immensen Ausgaben für Lebensmittel und Abführmittel kann eine Bulimie darüber hinaus finanzielle Schwierigkeiten verursachen.
Es gibt keine Massnahmen, mit denen Sie einer Bulimie (Bulimia nervosa) im klassischen Sinn vorbeugen können. Fällt Ihnen im Familien- oder Freundeskreis ein Verhalten auf, das auf eine mögliche Bulimie hindeutet, können Sie versuchen, die Betroffenen zu einer Beratung zu motivieren. Dadurch sind möglicherweise die Ausprägung und der Verlauf der Bulimie positiv beeinflussbar.