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1.1 km
Was aus den Urzeiten bekannt ist
Die Vergangenheit der beiden Inseln, San Pancrazio, die grössere, Sant’Apollinare, die kleinere, bleibt im Dunkeln. Sie liegen auf 193 m über Meer, 900 Meter von Porto Ronco entfernt im Schweizer Becken des Lago Maggiore. San Pancrazio misst rund 55'000 Quadratmeter, Sant’Appolinare ist etwa halb so gross. Auf der Kleineren wurden Spuren gefunden, Reste eines Aphroditetempels, die auf römische Kultstätten schliessen lassen.
Christen kommen – und gehen
Zur Zeit der Christenverfolgung sollen die Inseln den frühen Christen der Gegend als Zufluchtsort gedient haben. Ab 1214 lebten die Angehörigen des Ordens der „Umilitati“ in ihrem Kloster auf den Inseln. Die Grundmauern einer Kirche auf der kleinen Insel sollen auf das Jahr 1250 zurückgehen. Wegen „zu grosser Degenerierung und Entfernung von der christlichen Botschaft“, wie Kardinal Carlo Borromeo bei einem unangemeldeten Besuch im Inselkloster feststellte, löste Papst Pius V. diese Gemeinschaft im Jahr 1574 auf. Die Inseln blieben unbewohnt. Im 18. Jahrhundert wurden sie zu „einem schönen Sommersitz“ des Cavaliere Antonio Borrani.
Armeelager und Dynamitfabrik
1799 diente die grosse Insel als Etappenort für die Soldaten der Armee des österreichisch-russischen Generals Suworow auf ihrem Feldzug gegen Napoleons Truppen in Richtung Gotthard. 1874 flog die für den Bau des Gotthardtunnels erstellte Dynamitfabrik in Ascona in die Luft, sie wurde, an sicherem Ort, auf den Brissagoinseln neu aufgebaut.
Eine Baronessa lässt sich ein Paradies einrichten
1885 kaufte der irische Diplomat, Baron de St. Lèger die Inseln für sich und seine Frau Antoinette, er bezahlte CHF 25'000 dafür. Die Baronessa begann mit der Umgestaltung: Sie liess unzählige Pflanzen aus allen Ecken und Enden der Welt anbauen, bis die grosse Insel zu dem prächtigen Park wurde, der auch heute noch zu bewundern ist. Die kleine Insel überliess sie ganz der Natur, der sie auch heute noch gehört. Die Baronin de St. Lèger lud Künstler, Gelehrte und Intellektuelle auf die Inseln ein, sie bot ihnen viel Extravaganz und schuf damit zum ersten Mal einen Treffpunkt der „Haute Volée“ im Bezirk „delle Isole“, zu dem auch Ascona, Brissago und Ronco s/Ascona gehören. Der Baron verliess seine Frau, er starb 1923 in Neapel. Überschuldet musste die Baronessa 1927 ihren Besitz verkaufen.
Der deutsche Geldadel hält Einzug
Der neue Besitzer, der Hamburger Kaufmann Max Emden, erwarb die Inseln 1927 für CHF 350’000. Er liess alle alten Gebäude sprengen und den prächtigen, heute noch bestehenden Palazzo mit 30 Räumen erbauen. Der Park wurde erweitert und das römische Bad errichtet. Viele Kunstwerke schmückten das Anwesen. Emden pflegte einen ausschweifenden Lebensstil, er soll mindestens zehn Motorboote besessen haben. Er habe sich daran vergnügt, wie junge nackte Frauen, wie die spätere Schriftstellerin Ursula von Wiese, nach den Münzen tauchten, die er für sie ins römische Bad warf und er hatte die Welt bei sich zu Gast. Emden verstarb 1940. Die Inseln blieben unbewohnt.
Die Inseln werden zum öffentlichen Gut
Der Kanton Tessin, die Gemeinden Ascona, Brissago, Ronco sopra Ascona, der Schweizerische Naturschutzbund und der Heimatschutz erwarben sie 1949 für CHF 600’000. Seit 1950 werden sie als einzigartiger botanischer Garten mit über 1’500 verschiedenen Pflanzen gepflegt und dem Publikum zugänglich gemacht. Mehr als drei Millionen Menschen, jährlich an die Hunderttausend, sollen die Inseln bis heute besucht haben. Heutzutage taucht der Name „Isole dei Conigli“, Kanincheninseln, auch im Zusammenhang mit kulturellen Veranstaltungen auf den Inseln wieder auf, man kann ihn auch auf älteren Landeskarten lesen. Seit dem Mittelalter bezeichneten die Einheimischen die Inseln so, weil sich dort seinerzeit Heerscharen von Kaninchen getummelt haben sollen. Das waren andere Zeiten.
Preis
Erwachsene: CHF 8.- Kinder von 6-16: CHF 2.50 Familien: CHF 20.-
9-18 Uhr