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Geschichte Mammerns
Eine jungsteinzeitliche und keltische Besiedlung Mammerns ist durch Funde belegt, auf die alemannische Landnahme weist der Name Manburon hin, der erstmals in einer Urkunde von 909 genannt wird. Damals tauschte der Großgrundbesitzer Winidhere sein ererbtes Gut in Mammern mit dem Kloster St. Gallen. Dieser St. Galler Besitz bildete den Kern der nachmaligen Herrschaft Mammern. Hinzu kam noch das Gut der Freiherren von Mammern, ein Geschlecht, das sich zwischen 1100 und dem späten 13.Jahrhundert belegen lässt. Ihre Stammburg erhob sich unweit der Feste Liebenfels (auf der Höhe zwischen Mammern und Herdern) und zerfiel vermutlich bald nach Erlöschen des Geschlechtes. Die Herren von Kastell (bei Tägerwilen), die 1319 Mammern vom Abt als Lehen erhielten, waren gleichzeitig Besitzer der Herrschaft Neuburg, östlich von Mammern. Die Neuburg, ehemals die bedeutendste Burganlage am Untersee, war fortan Sitz des Verwalters der beiden Herrschaften, die bis zum Ende des Ancien regime fast immer vereinigt blieben. Bis Mitte des 15.Jahrhunderts stammten die Besitzer aus zahlreichen badischen und württembergischen Adelsgeschlechtern, worauf der Besitz an die Herren von Hohenlandenberg kam, ein angesehenes und verbreitetes Geschlecht, dessen Stammburgen im Tösstal standen.
1529 hatte der 1. Kappeierfriede in den gemeinen Herrschaften die freie Religionsausübung gesichert und damit die Fortschritte der Reformation im Thurgau gefördert. Unter dem einzigen bürgerlichen Besitzer, Poley Thüringer, später Bürgermeister von Steckborn, trat auch Mammern zum neuen Glauben über. Der Landfriede nach dem 2. Kappelerkrieg 1531 hielt die Parität, die Gleichberechtigung beider Konfessionen, fest. Nach Begehr durfte in den gemeinen Herrschaften der alte Glaube wieder eingeführt werden, Pfründen und Kirchengüter waren im Verhältnis zur Zahl der Gläubigen zu teilen. Unter der evangelischen Gerichtsherrschaft der Herren von Thumb, Erbmarschälle des Herzogs von Württemberg, blieb die Zahl der Katholiken in Mammern zunächst klein. 1586 jedoch bildete der von den katholischen Orten mit Spanien geschlossene Bund und die Tätigkeit des päpstlichen Nuntius Karl Borromäus den Auftakt zur Gegenreformation. Zwar scheiterten erste Vorstösse, die Messe in Mammern wieder einzuführen, doch 1619 musste Gerichtsherr Friedrich von Thumb nachgeben. In Voraussicht kommender Schwierigkeiten bot Thumb, dessen Familie Mammern volle acht Jahrzehnte besessen hatte, die Herrschaft zunächst der Zwinglistadt zum Kauf an. Zürich musste jedoch ablehnen, da die katholischen Orte schon gegen den Kauf von Pfyn und Weinfelden massiv protestiert hatten. Zusätzlich durch Streitigkeiten mit dem Lehnsherrn, dem Abt von St.Gallen, zermürbt, verkaufte Johann Friedrich von Thumb Mammern und Neuburg schliesslich 1620 an die Brüder von Roll aus Uri. Mit den Rittern und Herren zu Böttstein und Bernau, Johann Peter von Roll, Landammann in Uri, und Karl Emmanuel von Roll, thurgauischer Landvogt, sowie dem Ritter und Komtur des St.-Stephans Ordens Johann Walter von Roll, waren erstmals seit der Reformation wieder katholische Besitzer in Mammern. Damit war eine weitere thurgauische Gerichtsherrschaft in katholische Hände zurückgelangt. Obwohl sie sich beim Kauf verpflichten mussten, in religiösen Dingen nichts zu ändern, setzten sie sich getreu der Familientradition rasch und entschieden für die Sache der Gegenreformation ein. Anders als ihre Vorgänger nahmen sie zumindest zeitweise Wohnsitz in Mammern und bauten in den zwanziger Jahren des l7.Jahrhunderts das «Neue Schloss» mit Nebengebäuden und Schlosskapelle. Während das Hauptgebäude im Kern bis heute erhalten ist, wurden die Nebengebäude nach einem Brand 1773 ersetzt, wovon die Toreinfahrt mit Jahrzahl zeugt. Da die Bevölkerung mit wenigen Ausnahmen im Lehensverhältnis zur Herrschaft stand, hatten die Gerichtsherren in der Belehnung ein gewichtiges Mittel, ihre gegenreformatorischen Bestrebungen zu verwirklichen. Wenn die Lehenszeit abgelaufen war oder die Inhaber durch Tod (z. B. 1629 an der Pest) oder Verkauf wechselten, wurden unter den Herren von Roll nur mehr Katholiken berücksichtigt. So schrumpfte innert zweier Jahrzehnte die evangelische Pfarrgemeinde auf fünf arme Haushaltungen zusammen, die durch Eintreiben ihrer Schulden weiter eingeschüchtert wurden.
Die Gerichtsherren stifteten 1621 eine Pfarrpfründe für die Katholiken und drängten auf Abschaffung des evangelischen Prädikanten. Als Johann Walter von Roll 1639 starb, liess ihm sein Sohn im Chor der paritätischen Pfarrkirche ein grosses Grabmal errichten. Alsbald wurden auch die übrigen Kirchenzierden vermehrt und der Chor der Pfarrkirche als katholischer Bereich mit einem Gitter abgeschlossen.
Nach dem Tod Johann Walter von Rolls ging die Herrschaft auf seinen gleichnamigen Neffen und später auf dessen drei Söhne über. Gleichzeitig setzte der wirtschaftliche Niedergang der Herrschaft Mammern ein, so dass der grosse Reichtum der Herren von Roll innert weniger Jahrzehnte verloren ging. Von Schulden bedrängt, sahen sich die Nachkommen 1667 gezwungen, die Herrschaft Mammern an den verschwägerten Wolfgang Rudolf Reding von Biberegg zu verkaufen. Seit 1652 war Wolfgang Rudolf Reding wie schon sein Vater Landschreiber im Thurgau, eine einträgliche Stellung, die der Familie bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft erblich verblieb. Auch die Reding gehörten zu den eifrigen Verfechtern der Gegenreformation. Aus Familienmitteln wurden vor allem in der Innerschweiz zahlreiche Kirchen und Kapellen errichtet, eine bedeutende Stiftung des Landschreibers und seiner beiden Brüder löste 1685 den Bau der Klosterkirche Fischingen (TG) aus, grosszügige Messstipendien und feierliche Jahrzeiten sollten die ewige Ruhe der Familienmitglieder gewährleisten. Die Gattin Wolfgang Rudolfs, Regina Esther von Beroldingen, stiftete 1672 eine Skapulierbruderschaft für Mammern, die ihren Mitgliedern bedeutende Heilsverheissungen zukommen liess. Die feierlichen Prozessionen und das mit mancherlei Annehmlichkeiten begangene Skapulierfest verfehlten auch ihre Wirkung auf die arme evangelische Bevölkerung nicht und förderten den Katholizismus.
Trotz des beschwerlichen Weges nach Frauenfeld nahm Wolfgang Rudolf Reding Wohnung im Schloss Mammern und legte 1685 mit der Aufschüttung im See die Grundlage zum heutigen Schlosspark, den er mit zwei massiven Pavillons abschloss. Doch ehe er überhaupt in den Genuss seines Lustgartens kommen konnte, stiess Reding 1687 die hochverschuldete und unrentable Herrschaft ab. Offenbar von den katholischen Orten gedrängt, übernahm das Kloster Rheinau (ZH) den Besitz, welchem es bald darauf auch Neuburg wieder beigesellte. Reding hatte die Herrschaft Mammern schon mit einem Fünftel Einschlag unter dem Schätzpreis von 50000 Gulden an das Kloster abtreten müssen, doch die allenthalben auftauchenden Schuldbriefe beliefen sich bald auf über 86000 Gulden. Dem standen minime Einnahmen und zahlreiche vom Einsturz bedrohte Gebäude gegenüber. Da der päpstliche Nuntius jedoch offenbar die Erlaubnis zum Verkauf der Herrschaft verweigerte, beschloss das Kloster, den unrentablen Besitz besser zu bewirtschaften. In der Folge amteten durchwegs tüchtige und bewährte Ökonomen als Statthalter des Klosters in Mammern, so dass der jährliche Ertrag auf gegen 1000 Gulden anstieg.
Unterdessen sicherte der 3. Landfriede von 1712 den Evangelischen auf konfessionellem Gebiet Gleichberechtigung, und auch in Mammern erloschen allmählich die offenen Zänkereien. 1749 konnte Statthalter Roman Effinger den Bau einer neuen, grösseren Schlosskapelle in Angriff nehmen, die mit ihrem marianischen Bilderprogramm gewissermassen einen abschliessenden Höhepunkt unter die gegenreformatorischen Bestrebungen in Mammern setzte.
Keine 20 Jahre vergingen nach der Tausendjahrfeier des Klosters Rheinau, als die Abtei 1799 aufgehoben wurde. 1838 musste das Kloster auf Drängen Zürichs einem Verkauf der Statthalterei Mammern zustimmen. Damit endete die längste Herrschaftsperiode, und in raschem Besitzerwechsel verschleuderten Private Mobiliar und Grundbesitz. 1866 kaufte schliesslich der Arzt Dr. Freuler Schloss Mammern und verwandelte es in eine Kuranstalt, deren Nachfolgeinstitution noch heute besteht.