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Vergütungsabstimmungen – Wirkungslos gegen masslose Managerlöhne
Seit dem 1. Januar 2014 bestimmen die Aktionäre über die Löhne der Top-Manager. Die Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften regelt, dass die Aktionäre in bindenden Abstimmungen über die Löhne des Managements befinden. Doch ein Grossteil der Unternehmen führt Alibi-Abstimmungen durch, in denen die Aktionäre nur sehr beschränkt mitbestimmen können. Weiter nehmen aber auch die Aktionäre ihre Aufgabe nicht wahr. Sie folgen blind den Anträgen des Verwaltungsrates und beschäftigen sich nicht kritisch mit den Vergütungen. Die Abzocker-Initiative hat ihr Ziel demnach nicht erreicht. mehr
Wer darf bestimmen, wie viel der CEO einer Unternehmung verdient? Liegt diese Aufgabe bei den Mitgliedern der Geschäftsleitung, den Mitgliedern des Verwaltungsrates oder doch bei den Aktionären? Und wer bestimmt, wem diese Aufgabe zufällt? Mit der Annahme der Initiative gegen die Abzockerei schien diese Frage geklärt. Die Initiative verankerte folgenden Satz in der Schweizerischen Bundesverfassung: „Die Generalversammlung stimmt jährlich über die Gesamtsumme aller Vergütungen (Geld und Wert der Sachleistungen) des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung und des Beirates ab.“ Über die genaue Umsetzung dieses Satzes ist man sich aber bei Weitem nicht einig. Im Rahmen der jährlich durchgeführten Managerlohnstudie untersucht Travail.Suisse unter anderem die Vergütungsabstimmungen von 23 Schweizer Unternehmen 1 .
Nur ein Viertel kennt den Idealfall
Eine erste Spezifizierung des Artikels aus der Bundesverfassung lieferte der Bundesrat mit der „Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften“ (VegüV). Darin wurde festgelegt, dass die Aktionäre einzeln über die Vergütungen der Geschäftsleitung, des Verwaltungsrates und des Beirates abstimmen müssen. Wie genau diese Abstimmungen aussehen und wann abgestimmt werden soll, bleibt den Unternehmen überlassen.
Die logische Schlussfolgerung daraus ist, dass in getrennten Abstimmungen über die fixe Vergütung und die Boni entschieden wird. Diese Aufteilung ist notwendig, da die Aktionäre ansonsten keinen Einfluss darauf nehmen könnten, wie hoch die Grundvergütung und wie hoch der Boni ausfällt. Zusätzlich dazu muss die Abstimmung über die Boni retrospektiv, also bezogen auf das vergangene Jahr, durchgeführt werden. Die rückwirkende Abstimmung bei den Boni ist abzuhalten, weil variable Vergütungen leistungsbezogen sind. Diese Leistung müssen die Aktionäre kennen, wenn sich die Löhne darauf beziehen sollen. Ansonsten ist es ihnen nicht möglich, ungerechtfertigte Bonuszahlungen zu verhindern.
An diesem Idealfall orientieren sich aber gerade mal ein Viertel der von Travail.Suisse untersuchten Unternehmen (Roche, Schindler, UBS, Helvetia und Swatch).
Prospektive Abstimmungen verunmöglichen leistungsorientierte Löhne
Die Praxis bei der grossen Mehrheit der Unternehmen zeigt, dass insgesamt gerademal zwei Abstimmungen zu den Vergütungen durchgeführt werden. Dabei werden wichtige Punkte schon bei der Formulierung der Anträge durch den Verwaltungsrat festgelegt und die Aktionäre damit umgangen. Die beiden Abstimmungen beziehen sich einerseits auf die Geschäftsleitung und andererseits auf den Verwaltungsrat. Bei den Anträgen wird nicht zwischen fixer und variabler Vergütung unterschieden. Die Generalversammlung kann deshalb keinen Einfluss darauf nehmen, wie hoch die Basisvergütung und wie hoch die Boni sein sollen. Weiter werden alle Abstimmungen prospektiv, also im Voraus abgehalten. Die Aktionäre befinden somit über die Prämierung von Leistungen, die noch nicht erbracht wurden.
Mit dieser Praxis bewegen sich die Unternehmen im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen, da sie gesondert über die Vergütung des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung abstimmen. Sie behalten sich aber das Recht vor, die Höhe der ausbezahlten Boni zu bestimmen. Da die abgehaltene Abstimmung zu den Boni bindend war, haben die Aktionäre keine Möglichkeit mehr, rückwirkend Einfluss darauf zu nehmen. Aber genau das wäre dringend nötig. Die ausbezahlten Boni machen einen enorm grossen Anteil der Gesamtvergütung aus. So zahlt zum Beispiel Nestlé seiner Geschäftsleitung 58% der Vergütung in Boni aus. Beim Zürich CEO Martin Senn macht der Bonus für das Jahr 2014 66% der Jahresvergütung aus und bei Novartis CEO Joseph Jimenez sogar 80%, das entspricht 10.1 Millionen Schweizer Franken. Alle drei Unternehmen lassen an ihren Generalversammlungen in einer einzigen Abstimmung prospektiv über das Basisgehalt und die Boni abstimmen.
Aktionäre nehmen Verantwortung nicht wahr
Die Abzocker-Initiative versprach, dass Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen unter Druck geraten und die Löhne sinken würden, da sie von den Aktionären stärker beaufsichtigt würden. Blickt man auf die Generalversammlungen des Jahres 2015, zeigt sich aber genau das Gegenteil: Die Abstimmungen zu den Vergütungen werden von den Abstimmenden ohne nachzufragen durchgewinkt. Zum Beispiel haben die Aktionäre von Novartis die Vergütung der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates für das Jahr 2015 mit einem Ja-Stimmenanteil von 93.7% beziehungsweise 97.8% angenommen. Bei Georg Fischer lagen die Ergebnisse bei 98.6% und 89.3%. Die Aktionäre von Roche haben die Abstimmung über die Boni der Geschäftsleitung sogar mit 99.75% Ja-Stimmen angenommen.
Die Aktionäre folgen den Anträgen des Verwaltungsrates also auf Schritt und Tritt. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Vergütungen von Seite der Aktionäre findet nicht statt. Und dies, obwohl den Aktionären mit der Annahme der Abzocker-Initiative die Verantwortung für die Vergütung des Managements übertragen wurde. Sie hätten die Möglichkeit, Anträge abzulehnen oder die in den Statuten festgelegten Bestimmungen zu ändern. Da sie dies aber nicht machen und sich auch nicht kritisch mit den Vergütungen auseinandersetzen, nehmen sie die ihnen übertragene Verantwortung nicht wahr.
Ist die Initiative gegen die Abzockerei also gescheitert? Man kann zwar noch nicht sagen, wie sich die Aktionäre in den nächsten Jahren verhalten werden, doch vermutlich wird sich an der heutigen Praxis nichts ändern. Werden keine weiteren Massnahmen ergriffen, so werden die Löhne der Top-Manager in den nächsten Jahren nicht sinken. Die Unternehmen und ihre Aktionäre blockieren jeglichen Fortschritt durch ihre Untätigkeit. Die Unternehmen führen Alibi-Abstimmungen durch, mit denen sie Boni bereits im Voraus festlegen und den Aktionären eine Einflussnahme verunmöglichen. Und die Aktionäre nehmen ihre Verantwortung nicht wahr und winken die Anträge der Verwaltungsräte ohne kritische Hinterfragung einfach durch. Die Abzocker-Initiative ist demnach nicht fähig, Lohnexzesse zu verhindern. Die Generalversammlungen des Jahres 2015 zeigen, dass die Stärkung der Aktionärsrechte nicht ausreicht, um die überrissenen Entschädigungen für Manager in den Griff zu bekommen.
1 Nestlé, Implenia, Zürich, Lonza, Georg Fischer, Roche, Swisscom, Oerlikon, Schindler, UBS, Novartis, Swiss Life, Crédit Suisse, Kuoni, Lindt & Sprüngli, Helvetia, Bobst, Bâloise, Swatch, Clariant, Ascom, Valora und ABB.
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Abgangsentschädigungen – Ein Verbot mit Lücken
Mit der Annahme der Abzocker-Initiative wurde der Bundesrat damit beauftragt, Abgangsentschädigungen zu verbieten. Mit der Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften und der geplanten Revision des Obligationenrechts unternahm er erste Schritte in diese Richtung. Ein Blick in die Geschäftsberichte des Jahrs 2014 zeigt aber, dass immer noch massive Entschädigungen ohne Gegenleistung bezahlt werden. Zusätzlich dazu wird es Unternehmen wohl auch weiterhin möglich sein solche zusätzlichen Leistungen zu bezahlen, da das Gesetz grossen Spiel- und Interpretationsraum lässt. mehr
Wer arbeitet erhält Lohn, so sollte man meinen. Doch es gibt Ausnahmen. Manager von Schweizer Unternehmen erhalten auch im Jahr 2014 noch Abgangsentschädigungen. Eine Gegenleistung müssen sie dafür nicht erbringen.
Doch es wird enger für die ehemaligen Kader. Seit dem 1. Januar 2014 ist die bundesrätliche Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV) in Kraft. Sie ist der erste Schritt des Bundesrates zur Umsetzung der Abzocker-Initiative. Darin werden unter anderem Abgangsentschädigungen verboten. Die Unternehmen haben nach in Kraft treten der Verordnung zwei Jahre Zeit, die Verträge der Mitglieder des Verwaltungsrates, der Geschäftsleitung und des Beirates so anzupassen, dass diese wieder mit schweizerischem Recht konform sind. Diese Frist läuft per Ende 2015 aus.
Die letzten Abgangsentschädigungen
Eine der Unternehmungen, die im Jahr 2014 hohe Abgangsentschädigungen ausbezahlt hat, ist die ABB. Die Mitglieder der Geschäftsleitung der ABB haben in ihren Arbeitsverträgen geregelt, dass sie bei Austritt aus der Unternehmung Anspruch auf eine Entschädigung haben. Diese wird ausbezahlt, bis das ehemalige Mitglied eine alternative Beschäftigung gefunden hat, in deren Rahmen es mindestens 70 Prozent seiner Entschädigung bezieht. Wird keine neue Stelle gefunden, verfällt der Anspruch auf die zusätzliche Vergütung nach 12 Monaten. Im Jahr 2013 sind aus der Geschäftsleitung der ABB drei Mitglieder ausgeschieden. Sie bezogen Abgangsentschädigungen im Wert von insgesamt 4.7 Millionen Schweizer Franken, welche auch im Jahr 2014 noch ausbezahlt wurden. 1 Die Summe, die die ehemaligen Kader in Form von zusätzlichen Vergütungen erhalten haben, entspricht rund einem Jahresgehalt pro betroffene Person. Und die Höhe der Entschädigung hätte noch höher ausfallen könne, wäre die maximale Zeitperiode von zwölf Monaten genützt worden.
Ähnlich sieht es beim Chemiekonzern Lonza aus. 2014 verliess ein Mitglied der Geschäftsleitung das Unternehmen und erhielt eine Abgangsentschädigung von rund einer Million Franken. Das entspricht Zweidrittel eines normalen Jahresgehalts, für welches der ehemalige Manager keine Leistung erbringen musste. Im Vergütungsbericht wird diese zusätzliche Zahlung lediglich als Kompensation bis zum Ende der Lohnfortzahlungsperiode beschrieben („compensation until the end of the salary continuation period“). 2
Abgangsentschädigungen werden auch im Jahr 2014 immer noch bezahlt. Aber auch weiterhin können solche Zahlungen nicht begründet werden. Wieso soll es gerechtfertigt sein ein zusätzliches Jahresgehalt zu erhalten, ohne einen Tag dafür gearbeitet zu haben? Besonders störend ist, dass die ABB nicht nur fixe, sondern auch variable Entschädigungen bezahlt. Die Grundidee, dass variable Vergütungen gute Leistungen belohnen sollen, wird dadurch völlig untergraben. Denn eine Leistung, welche nicht erbracht wurde, kann auch nicht belohnt werden.
Berater – die neuen Abzocker?
Mit in Kraft treten der VegüV und der Anpassung der Arbeitsverträge, werden Fälle wie diejenigen bei der ABB und Lonza in Zukunft illegal sein. Doch ob die Bestimmungen ausreichen, um Abgangsentschädigungen ganz zum Verschwinden zu bringen, wird sich zeigen müssen. Denkbar wäre es, dass das Verbot mit der Schaffung neuer Mandate und Verträge umgangen wird. Anstelle von Abgangsentschädigungen würden die abtrettenden Kader ein vertraglich geregeltes Mandat übernehmen, welches entschädigt wird aber keine oder kaum Leistung verlangt. Eine Häufung von sogenannten Beratermandaten wäre also durchaus möglich. Im Jahr 2014 gab es bereits Fälle solcher Beratermandate.
Der ehemalige Verwaltungsratspräsident von Roche Franz B. Humer erhielt, zusätzliche zu seinem Salär für drei Monate, in denen er seine ehemalige Funktion noch ausübte, 3 Millionen Franken für die Beratung des Verwaltungsratspräsidiums. 3 Diese Summe entspricht rund Dreiviertel des Salärs des aktuellen Verwaltungsratspräsidenten und dem Dreifachen einer Entschädigung für ein normales Verwaltungsratsmitglied.
Auch bei der ABB gab es im Jahr 2014 einen solchen Fall. Der ehemalige CEO Joe Hogan bezog für die Beratung des Verwaltungsrates als „Senior Advisor“ 4.3 Millionen Franken verteilt über sieben Monate. 4 Diese Entschädigung ist beinahe so hoch, wie das Jahressalär des aktuellen CEO. Würde man Hogans zusätzliche Entschädigung auf ein Jahr hochrechnen, wäre er im Jahr 2014 sogar der bestverdienende Mitarbeiter der ABB.
Die beiden ehemaligen Top-Manager verdienen beinahe so viel wie das aktuelle Kader in den beiden Unternehmungen. Es ist jedoch anzuzweifeln, dass sie auch die gleiche Leistung erbracht haben. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Summe auf die ehemalige Tätigkeit bezieht und eine Abgangsentschädigung ersetzt.
Hintertüren und schwammige Formulierungen
In der VegüV finden sich fast keine Spezifizierungen zum Verbot von Abgangsentschädigungen. Als einziges werden Vergütungen erwähnt, die bei Beendigung der Vertragsverhältnisse noch geschuldet werden. Konkret wird damit auf Lohnfortzahlung während der Kündigungsfrist abgezielt. Diese werden auch weiterhin ausbezahlt werden können.
Der nächste vom Bundesrat geplante Schritt zur Umsetzung der Abzocker-Initiative ist die Revision des Obligationenrechts (Aktienrecht). Damit soll die VegüV ins Gesetz übertragen werden. Jedoch bleibt der Text des Entwurfs nicht derselbe wie bei der VegüV, sondern bringt einige Veränderungen mit sich.
Abgangsentschädigungen werden weiterhin unzulässig sein. Es werden aber zwei neue Aspekte miteinbezogen. Erstens handelt es sich dabei um Konkurrenzverbote. Ehemalige Kader-Mitarbeiter dürfen zwar noch mit einem Konkurrenzverbot belegt werden, wenn ein solches geschäftsmässig begründbar ist. Es darf aber nicht marktunüblich entschädigt werden. Dadurch wird verhindert, dass Manager nach Beendigung des Vertragsverhältnisses hohe Entschädigungen erhalten, welche einer Abgangsentschädigung gleichkommen. Zweitens werden nicht marktübliche Vergütungen in Zusammenhang mit einer früheren Tätigkeit verboten.
Das Problem dieser zusätzlichen Artikel ist, dass die Formulierungen sehr offen gefasst sind. In einem konkreten Einzelfall bleibt enorm viel Spielraum um die Begriffe „geschäftsmässig begründbar“, „marktüblich“ und „Zusammenhang mit einer früheren Tätigkeit“ auszulegen. Travail.Suisse hat darauf schon in der Vernehmlassung zur Aktienrechtsrevision hingewiesen (http://travailsuisse.ch/aktuell/vernehmlassungen). Das gleiche Problem stellt sich bei Mandaten, die von ehemaligen Mitgliedern der Geschäftsleitung oder des Verwaltungsrates innerhalb derselben Unternehmung angetreten werden. Wäre der Zweck eines solchen Mandats, dass eine Abgangsentschädigung ausbezahlt wird, würde dies das Aktienrecht zwar verbieten, jedoch wird es kaum möglich sein zwischen legaler Neu- beziehungsweise Weiterbeschäftigung und illegaler Scheinbeschäftigung zu unterscheiden.
Um Abgangsentschädigungen effektiv zu verbieten, ist es notwendig die Revision des Obligationenrechts (Aktienrecht) möglichst schnell zu beenden und damit die bestehenden Lücken der VegüV zu schliessen. Zusätzlich sind weitere Präzisierungen unerlässlich, um zu verhindern, dass weiterhin Entschädigungen ohne Leistung gezahlt werden können. Es bleibt aber auch weiterhin fraglich, ob mit einer Stärkung des Aktionärsrechts Abgangsentschädigungen und Lohnexzesse erfolgreich eingedämmt werden können. Nach Ansicht von Travail.Suisse besteht immer noch gesetzlicher Handlungsbedarf, um Unternehmen und Manager klare Grenzen zu setzen.
1 ABB Geschäftsbericht 2014, S. 65-67.
2 Lonza Geschäftsbericht 2014, S. 109.
3 Roche Geschäftsbericht 2014, S. 157.
4 ABB Geschäftsbericht 2014, S. 67.
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Die Schere öffnet sich weiter – Politik ist gefordert
Im Jahr 2013 hat sich die Lohnschere der Konzernleitungen von 18 Unternehmen geöffnet, das sind so viele, wie seit 2007 – also dem Jahr vor der Finanzkrise – nicht mehr. Das zeigt die Analyse, die Travail.Suisse dieses Jahr zum zehnten Mal durchgeführt hat. Die Zahlen machen deutlich, dass die Abzockerinitiative keine Wirkung entfaltet. Die Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft geht weiter und die Politik ist gefordert, neue Massnahmen gegen diese bedenkliche Entwicklung zu finden. mehr
Bereits zum zehnten Mal in Folge hat Travail.Suisse, der unabhängige Dachverband der Arbeitnehmenden, die Schere zwischen den höchsten und den tiefsten Löhnen in 27 Schweizer Unternehmen untersucht. Die Analyse zeichnet ein beunruhigendes Bild.
Lohnschere öffnet sich vor allem bei der „zweiten Garde“
Im Geschäftsjahr 2013 hat sich die Lohnschere in vielen dieser Unternehmen wieder leicht geöffnet. Die Firmen Roche, Novartis, Nestlé, UBS und Lindt&Sprüngli fallen noch immer mit Lohnscheren von über 1:200 auf. Zusammen mit Credit Suisse, ABB, Swatch, Zurich, Oerlikon und Clariant sind es 11 Unternehmen, die ihren CEO weit über 5 Millionen Schweizer Franken bezahlen. Die Plätze im „Lohnkartell“ (siehe Plakat) – es sind noch immer 42 – sind alle von Managern dieser Unternehmen belegt.
Die Entwicklung bei der „zweiten Garde“, d.h. bei den restlichen Konzernleitungsmitgliedern, ist noch eindeutiger. Diese zweite Garde profitiert von einem starken Wachstum ihrer Entschädigungen: Bei 22 Unternehmen ist die durchschnittliche Entschädigung gestiegen. Insgesamt öffnete sich die Lohnschere der Konzernleitung in 18 Unternehmen, was die flächendeckendste Öffnung seit 2007 darstellt. Beispielhaft für diese Öffnung der (durchschnittlichen) Lohnschere der Konzernleitung der letzten Jahre ist die Entwicklung seit 2010 bei der ABB (von 1:78 auf 1:101), bei Lonza (von 1:25 auf 1:47), bei Kuoni (von 1:33 auf 1:41) und bei Implenia (von 1:24 auf 1:30).
Abzockerinitiative zeigt keine Wirkung – Politik muss handeln
Die neusten Zahlen der Travail.Suisse-Analyse zeigen, dass die Abzockerinitiative das Problem sicher nicht lösen wird: Im ersten Jahr nach ihrer Annahme haben sich die Lohnscheren der Konzernleitungen fast flächendeckend weiter geöffnet. Da zudem die 1:12-Initiative an der Urne gescheitert ist, sind neue Lösungen gefragt, um der Entfremdung zwischen Bevölkerung und Wirtschaft zu begegnen. Travail.Suisse fordert deshalb folgende Massnahmen:
Lohnschutz stärken: Das Vertrauen in die Wirtschaft kann nur steigen, wenn sich die arbeitende Bevölkerung gerecht behandelt fühlt und keine Angst haben muss vor Arbeitsplatzverlust und Lohndumping.
Tiefsteuerpolitik für hohe Einkommen und Unternehmen beenden: Von den Steuererleichterungen der letzten Jahre profitieren primär Personen mit hohen Einkommen. Gleichzeitig sind mit der Unternehmenssteuerreform III erneut massive Steuergeschenke an die Unternehmen geplant. Diese völlig verfehlte Steuerpolitik ist zu beenden.
Steuertransparenz und Solidaritätsbeitrag bei hohen Einkommen: Das Ja zur Abzockerinitiative hat gezeigt, dass die hohen Saläre gesellschaftlich nicht akzeptiert sind. Wenn diese Saläre aber nicht direkt limitiert werden sollen, dann muss die Politik den Nutzen für die Allgemeinheit erhöhen und explizit machen. Dazu fordert Travail.Suisse für Einkommen ab bspw. 500‘000 Franken volle Steuertransparenz und einen Solidaritätsbeitrag.
:
• Martin Flügel, Präsident Travail.Suisse, 079 743 90 05
• Jacques-André Maire, Nationalrat und Vizepräsident Travail.Suisse, Tel. 078 709 48 50
• Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik Travail.Suisse, 076 412 30 53
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Vom Markt und anderen Dingen die wir nicht verstehen
Die diesjährige Untersuchung von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, zur Lohnschere 1 2013 in 27 der grössten Schweizer Firmen zeigt, dass es den meisten dieser Konzerne gut geht. Vermeintliche Marktgesetze führen hier jedoch zu Salärentwicklungen, die weniger erfreulich sind. Dass beispielsweise bei der ABB für eine „solide Performance“ 2 die durchschnittliche Vergütung der Konzernleitung um 16 Prozent steigt, ist nicht nachvollziehbar. Und dass die durchschnittliche Vergütung bei Lonza bei einem Umsatz- (minus 4 Prozent) und Gewinnrückgang (minus 50 Prozent) um 84 Prozent steigt, das widerspricht sogar jeglicher Logik. mehr
Die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz ist trotz diverser Schwierigkeiten weiter erfreulich. Jedoch können nicht alle Schweizer Topfirmen auf ein gutes Jahr zurück blicken. Das in einem funktionierenden Markt eine schlechte Geschäftsentwicklung nicht zwingend negativ auf die Saläre der Führungsetage wirkt, soll an den Beispielen Lonza und Credit Suisse aufgezeigt werden. Dass Führungskräfte nicht nur für ihre vermeintlichen Leistungen entlohnt werden, zeigte letztes Jahr Daniel Vasella vom Pharmakonzern Novartis.
Lonza in der Krise
Im letzten Jahr verloren bei Lonza 854 Personen ihre Arbeit (minus 8 Prozent). Der Umsatz von Lonza ging um rund 4 Prozent zurück. Das Ergebnis vor Ertragssteuern sowie der Reingewinn gingen jeweils um 50 Prozent zurück. Verzeichnete Lonza im Jahr 2010 noch 284 Millionen Gewinn, steht der Konzern heute bei 87 Millionen. In der gleichen Zeitspanne ist die durchschnittliche Vergütung der Konzernleitung von 1.4 Millionen auf 2.5 Millionen gestiegen. Während CEO Richard Ridinger mit 2.2 Millionen in etwa gleich viel wie sein Vorgänger Stefan Borgas im Jahr 2011 erhielt, ist die durchschnittliche Vergütung der restlichen Geschäftsleitung im Vergleich zum Jahr 2012 um 84 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ist darauf zurück zu führen, dass im vergangenen Jahr gleich drei Mitglieder die Geschäftsleitung verlassen haben und mit üppigen Millionenentschädigungen verabschiedet wurden. Dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, dass die abgetretenen Uwe Böhlke, Lukas Utiger, Jeanne Thoma und ein viertes Mitglied, das bereits im Vorjahr ausgeschieden ist, zusammen 5.179 Millionen Franken erhalten haben. Der Betrag setzt sich aus Basissalär und Bonus für einen Zeitraum von maximal 18 Monaten zusammen. Gleichzeitig hat der Konzern Arbeitnehmende entlassen und die durchschnittlichen Löhne sind im vergangen Jahr um rund zwei Prozent gesunken. Im gleichen Jahr erhalten Führungskräfte einen Bonus, obwohl sie nur einen Monat im Konzern tätig waren. Das ist nicht nur absurd, es ist auch ein Hohn für alle Arbeitnehmenden, die ihre Stelle verloren haben.
Grosszügige Abgangsentschädigungen scheinen allerdings Tradition zu haben bei Lonza. So erhielt der 2012 entlassene CEO Stefan Borgas mit 5.7 Millionen. Selbst bei einer Kündigungsfrist von 18 Monat und einem Basissalär von etwa 675‘000 Franken, bleiben damit rund 4.7 Millionen Franken ohne jegliche Gegenleistung.
Vasellas Erbe
Nicht nur Lonza muss sich mit Altlasten beschäftigen. Der neue Novartis Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt, der zuvor auch im Verwaltungsrat von Lonza tätig war, treibt zusammen mit CEO Joseph Jimenez den Umbau des Pharmakonzern voran und trennt sich dabei von der Diversifikationsstrategie des Übervaters Daniel Vasella. Nicht nur bei der Konzernausrichtung schlägt der Verwaltungsratspräsident einen neuen Weg ein. Rund 1.9 Millionen Franken hat Reinhardt für sein Engagement seit dem 1. August 2013 erhalten. Somit kommt er auf ein Jahreseinkommen von 5.4 Millionen Franken, was immer noch einer Lohnschere von 1:90 entspricht. Das ist weniger als die Hälfte der Vergütung die Vasella im Vorjahr erhalten hat (13.1 Millionen) oder der jährlichen Entschädigung von 12 Millionen, die Vasella über 6 Jahre für ein Konkurrenzverbot erhalten hätte. Das Salär von Reinhardt ist auch wesentlich tiefer, als der Betrag, den Vasella im Jahr 2013 von Novartis erhalten hat. So hat Daniel Vasella zusätzlich zu den rund 3 Millionen Franken, die er für die Tätigkeit als Verwaltungsratspräsident bis Mitte Februar erhalten hat, weitere 5.1 Millionen Franken erhalten. Dieser Betrag wurde für „gewisse Übergangsdienstleistungen“ bis Ende Oktober ausbezahlt 3 . Darunter fällt auch die Unterstützung des neuen Verwaltungsratspräsidenten Jörg Reinhardt. Somit hat Daniel Vasella auch im Jahr 2013 rund 8.1 Millionen Franken (1:133) erhalten und das ohne, dass die Generalversammlung darüber abstimmen konnte.
„Wir glauben, dass die Vergütung des Präsidenten von Novartis den am Markt üblichen Grössenordnungen entspricht.“ Dies stand in der Einladung zur diesjährigen Generalversammlung bezüglich des Salärs von Jörg Reinhardt. Das gleiche Mantra, das die Vergütung von Daniel Vasella in der Vergangenheit oder das aktuelle Gehalt von Joseph Jimenez (1:217) rechtfertigt. Das Beispiel von Daniel Vasella und Jörg Reinhardt legt die Vermutung nahe, dass die Machtposition innerhalb eines Konzernes einen wesentlich höheren Einfluss auf das Salär hat, als der Markt.
Credit Suisse auf Abwegen
Für all jene, die Mühe bekunden, die Lohnentwicklung in Schweizer Konzernen zu verstehen, soll die folgende, vereinfachte Erklärung Klarheit schaffen: «Eine Bank, die in der Champions League spielt, muss marktgerechte Saläre zahlen, um die besten Mitarbeiter für sich zu gewinnen» – so die Rechtfertigung von Credit Suisse Verwaltungsratspräsident Urs Rohner an der diesjährigen Generalversammlung der Grossbank. Ob die Credit Suisse überhaupt noch in der Champions League spielt ist hierbei allerdings umstritten. Viele Banken aus der von der Credit Suisse definierten Bezugsgruppe 4 , wie etwa die britische Barclays oder die UBS, haben sich seit der Finanzkrise wesentlich besser entwickelt und sind wohl bald nur noch bezüglich Managersalären vergleichbar.
Wie die UBS im Jahr 2009 hat auch die Credit Suisse in der USA eine Busse für Beihilfe zu Steuerbetrug erhalten. 2.6 Milliarden Franken muss die Schweizer Grossbank bezahlen. Dies sind rund 300 Millionen mehr als der Gewinn von 2013 (2.326 Milliarden). Die Credit Suisse hätte die Busse auch aus den 3.6 Milliarden Franken bezahlen können, die sie im Jahr 2013 an ihre Mitarbeiter als Boni ausgeschüttet hat. Die die Talfahrt der Credit Suisse hat keine Konsequenzen für die Führungskräfte um CEO Brady Dougan. Dieser hat im vergangenen Jahr mit 9.43 Millionen Franken (1:175) 25 Prozent mehr erhalten als im Vorjahr. Auch der Rest der Konzernleitung bezieht fürstliche Gehälter mit durchschnittlich 6.75 Millionen Franken (plus sieben 7 Prozent). Im Anbetracht der diversen Probleme und dem Milliardenbussgeld der Credit Suisse, sind die steigenden Saläre einmal mehr etwas, das schwer nachvollziehbar ist.
1 Der Unterschied zum tiefen Lohn innerhalb der Firma.
2 ABB, Geschäftsbericht 2013, S. 4
3 Novartis, Geschäftsbericht 2013, S. 129
4 Credit Suisse, Geschäftsbericht 2013, S. 202
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Keine Gehaltsbegrenzung in der Teppichetage
Die diesjährige Untersuchung von Travail.Suisse, dem unabhängigen Dachverband der Arbeitnehmenden, zur Lohnschere 2013 in 27 der grössten Schweizer Firmen zeigt, dass die Gehälter der Manager in der Versicherungs- und Bankenbranche weiter steigen. Nach der vermeintlichen Stabilisierung 2012 ist die Lohnschere 1 in diversen Grossfirmen wieder aufgegangen. So öffnete sich die Schere bei Bruno Pfister, CEO von Swiss Life, um 26% auf 1:76, während im Bankensektor sogar wieder Lohnscheren von über 1 zu 200 erreicht werden. mehr
Trotz des schwierigen Umfeldes können die untersuchten Banken und Versicherungen 2 auf ein gutes Jahr 2013 verweisen. Die erfreulichen Ergebnisse spiegeln sich auch in der Vergütung der Manager und Verwaltungsräte wieder, die sich teilweise über unverschämte Erhöhungen ihrer Saläre freuen dürfen. Weniger erfreulich war das Jahr für die Arbeitnehmenden, deren Arbeitsplätze auf Grund von Restrukturierungen und geplanten Verlagerungen ins Ausland in Gefahr sind und deren Löhne stagnieren.
Swiss Life: schwankendes Gehalt des CEO
Auf ein gutes Geschäftsjahr kann die Swiss Life zurück blicken. Mit 784 Millionen Franken Reingewinn hatten sie das beste Ergebnis seit der Finanzkrise. Von dem profitierte CEO Bruno Pfister, dessen Lohn um rund 26% auf 4.24 Millionen Franken stieg. Mit diesem Anstieg hat er die Verdiensteinbusse des Vorjahres mehr als kompensiert: Im Vorjahr erhielt der Manager 19% weniger Salär, was auf Abschreibung von 578 Millionen Franken bei der AWD zurückzuführen ist. Bruno Pfisters Wirken im Konzern wird somit in etwa gleich vergütet wie bei Antritt der Stelle im Jahr 2008. Es bleibt hierbei abzuwarten, ob sich das Salär in dieser Höhe einpendelt (1:75) oder der Nachfolger, des zurücktretenden Bruno Pfisters, die 1:100 Marke in den nächsten Jahren knackt. 1:39 beträgt das Verhältnis zum Durchschnitt der Konzernleitung 3 , die mit einer Salärerhöhung von 16.5% neu 2.175 Millionen erhielt.
Über eine Erhöhung der Vergütung um rund 5% kann sich Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig freuen. Er war bis 2008 der CEO von Swiss Life und ist ausserdem aktuell Verwaltungsratspräsident der Adecco, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Kaba Holding AG, Verwaltungsrat der Danzer AG und der Walter Frey Holding AG. Seine Tätigkeit in der Swiss Life AG wurde mit 1.8 Millionen vergütet, was dem 32-fachen des tiefsten Jahreslohnes innerhalb der Firma entspricht. Die übrigen Verwaltungsräte verdienten durchschnittlich 192‘000 Franken.
Zurich: Bescheidenes Wachstum führt zu massiven Lohnerhöhungen
Nicht nachvollziehbar ist die Salärentwicklung der Zurich Insurance Group. Umsatz und Reingewinn stiegen nur marginal (1.12%, beziehungsweise 0.34%) während der durchschnittliche Lohnaufwand pro Konzernleitungsmitglied um 11.37% stieg. Dies entspricht einer Vergütung von rund 4 Millionen Franken im Jahr. Die „wahre Liebe“ der Zurich scheint einseitig auf die Führungscrew verteilt zu sein, betrachtet man die jüngsten Entwicklungen. So hat der Versicherer Mitte März angekündigt, 800 Stellen bis Ende Jahr abzubauen, um im Zuge von Restrukturierung 250 Millionen Franken einzusparen. Nicht überraschend ist hierbei, dass CEO Martin Senn den Gürtel nicht enger schnallen muss und weiterhin 7.6 Millionen Franken erhält (1:137). Das vermeintliche unternehmerische Risiko tragen in diesem Fall die Arbeitnehmenden, die sich einen neuen Job suchen müssen.
Im Verwaltungsrat der Zurich kam es anfangs August zu personellen Veränderungen. Josef Ackermann, berühmt durch das Renditeziel von 25 Prozent auf das Eigenkapital bei der Deutschen Bank, trat als Präsident des Verwaltungsrats zurück, was einige Fragen aufwarf. Klar ist, dass Ackermann bis zu diesem Zeitpunkt 667‘000 Franken erhalten hat. Dies wäre auf ein Jahr aufgerechnet eine Lohnerhöhung um 35% auf 1.143 Millionen Franken für das Mandat. Das Amt übernommen hat ad Interim Tom de Swaan, der an der vergangen Generalversammlung mit einer Zustimmung von 89.69% in diesem Amt bestätigt wurde. Erhalten hat de Swaan 669‘000 Franken, es ist aber anzunehmen, dass die Vergütung der neue Position sich für das Jahr 2014 der Million annähern wird. Die durchschnittliche Vergütung des Verwaltungsrates sank um rund 1% auf 332‘000.
Helvetia und Bâloise: Frühzeitige Umsetzung der VegüV
Auf ein solides Jahr kann die Bâloise zurückblicken. Zwar konnte der Reingewinn nicht mit dem sehr guten Vorjahresergebnis mithalten (- 6.1%, was 455.4 Millionen Franken entspricht), das Geschäftsvolumen wurde dafür um 7.8% auf 9‘009 Millionen Franken gesteigert. Diesem Resultat entsprechend, ist auch die Vergütung des CEO Martin Strobel kleiner geworden. Dieser erhielt mit 2.728 Millionen rund 3% weniger als 2012, was aber immer noch einer Lohnschere von 1:50 entspricht. Der Gehalt von Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt betrug 2013 unverändert 1.379 Millionen oder 1: 25. Eine saftige Lohnerhöhung hat hingegen Jan de Meulder, der den Konzernbereich in Deutschland führt, erhalten: Mit 2.2 Millionen Franken erhielt er rund 12% zusätzlich.
Mit der raschen Umsetzung der Verordnung gegen übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften (VegüV) nahm die Bâloise nicht den gesetzlich möglichen zeitlichen Spielraum wahr, was als positiv zu werten ist. So konnten die Aktionäre bereits in diesem Jahr bindend über die Vergütung der Konzernleitung und des Verwaltungsrates abstimmen, was jedoch zu keinen grösseren Diskussionen geführt hat. Negativ zu bewerten ist hingegen die vorgängige Abstimmung über die flexible Vergütung. Somit können die Aktionäre nicht mitentscheiden, ob sich die für ein Geschäftsjahr ausbezahlten Boni im Einklang mit der Geschäftsentwicklung befinden.
Einen Schritt weiter ging hier die Helvetia, die ebenfalls bereits dieses Jahr bindend über die Saläre der Führungsetage abgestimmt hat. Im Gegensatz zur Bâloise wird der flexible Teil der Vergütung erst im Nachhinein verabschiedet. Die Aktionäre sprachen sich allerdings mit einer grossen Mehrheit für die Erhöhungen der Vergütungen von Geschäftsleitung (7%) aus. Somit verdient CEO Stefan Loacker neu 1.634 Millionen Franken und somit das 27-fache des tiefsten Lohnes.
Umsetzung der VegüV
Die bisherigen Generalversammlungen diverser schweizerischen Grossfirmen weisen darauf hin, dass das Ziel der Minderinitiative, Abzockerei zu stoppen, mit der Umsetzung der VegüV kaum erreicht wird. So führten bisher alle bindenden wie auch alle konsultativen Abstimmungen, die ebenfalls die Ansichten der Aktionäre abbilden, über die Vergütung zu klaren Mehrheit für die von den Konzernen vorgeschlagenen Saläre. Dies trotz der Tatsache, dass sich die Schweizer Pensionskassen sowie Anlagestiftungen, insbesondere Ethos, oft gegen die hohen Vergütungen stellen. Internationale Grossinvestoren und ausländische Investorenvertreter, hervorzuheben sind insbesondere die US-Stimmrechtsberater ISS, die bis zu 30% der Stimmen bewegen können, haben hingegen andere Prioritäten. So setzen sich diese für vorgängige bindende Abstimmungen ein, auch beim flexiblen Teil. Diese Variante wird bevorzugt, um Unsicherheit zu vermeiden, was auch die hauptsächlichen Interessen der internationalen Investoren wiederspiegelt. Die Investition in Schweizer Grosskonzerne geschieht hauptsächlich mit finanziellen Zielen und bei einer günstigen Entwicklung von Rendite und Aktienkursen ist kaum damit zu rechnen, dass sich diese gegen die Saläre der Manager stellen. Dies wäre aber gerade bei jenen Konzernen notwendig, die Vergütungen im höheren 7- oder gar 8-stelligen Bereich zahlen, da ohne die internationalen Investoren kaum eine Mehrheit gegen diese Missstände gefunden werden kann.
Lohnexzesse bei Grossbanken: Keine Stabilisierung in Sicht
In der kommenden Woche haben mit der UBS und der Credit Suisse, gleich zwei dieser internationalen Riesen ihre Generalversammlung. Beide lassen konsultativ über die Vergütung der Konzernspitze abstimmen und beide verzeichneten eine absurde Zunahme der Saläre. So hat CEO Sergio Ermotti eine Gehaltserhöhung von 21% erhalten, somit die 10 Millionengrenze durchbrochen und sein Salär ist mit 10.7 Millionen Franken sogar grösser, als jenes seines Vorgängers im Jahr 2007. Somit müsste der Arbeitnehmer der UBS mit dem tiefsten Lohn 214 Jahre arbeiten, um denselben Lohn zu verdienen, den der CEO scheinbar in einem Jahr für die Bank wert ist. Es ist augenfällig, dass die UBS Chefetage zumindest was die Vergütung ihrer eigenen Positionen betrifft keine Lehren aus der Finanzkrise, der anhaltenden Schuldenkrise sowie dem labilen Zustand des schweizerischen Finanzsektors gezogen hat. Im Gegenteil: Mit Andrea Orcel bezieht gerade der CEO des in der Kritik stehenden Investment Bankings mit 11.43 Millionen Franken die höchste Vergütung innerhalb der UBS. Gesamthaft sind die Saläre der Konzernleitung um 20% gestiegen, was 7.16 Millionen Franken pro Jahr entspricht. Auch Axel Webers Position als Verwaltungsratspräsident wurde mit 6 Millionen Franken (+12%) vergoldet.
Vergleichbare Tendenzen sind bei der Credit Suisse zu erkennen. Der Grossbank, die in letzter Zeit vor allem durch anhaltende gerichtliche Streitigkeiten auffällt, ist die Arbeit ihres CEO ebenfalls beinahe 10 Millionen Franken wert. Mit 9.43 Millionen Franken (1:175) erhielt er letztes Jahr 25% mehr als im Vorjahr und sogar 75% mehr als vor zwei Jahren. Gestiegen sind auch die durchschnittlichen Saläre der Konzernleitung. Diese erhielten mit 6.57 Millionen rund 7% mehr als im Vorjahr. In dieser Runde beinahe bescheiden wirkt Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, der mit stolzen 4.9 Millionen Franken 6% weniger als im Vorjahr erhielt.
Die Lohnexzesse bei den Grossbanken scheinen sich somit nicht zu stabilisieren und es ist abzuwarten, ob sich die Aktionäre gegen diese Entwicklung stellen. Wenn nicht jetzt, angesichts dieser Gehaltsexplosionen, wann dann soll die neue VegüV wirken? Es bleibt aber die Vermutung, dass die VegüV nicht zur gewünschten Demokratisierung der Konzerne mittels der verstärkten Position der Generalversammlung führt. Eher führt sie zu einer Aktionärsplutokratie, bei der sich reiche und internationale Grossinvestoren für noch mehr Reichtum einsetzen, ohne sich an den Superreichen der Konzernspitzen zu stören. Somit sind die eigentlichen Probleme, gegen die sich die Schweizer Bevölkerung mit einem klaren Ja zur Abzocker-Initiative gestellt hat, ungelöst. Es müssen neue Lösungswege gefunden werden, damit der Graben zwischen der Bevölkerung und der Wirtschaftselite nicht weiter aufgeht.
1 Der Unterschied zum tiefen Lohn innerhalb der Firma.
2 Zurich Insurance Group, Bâloise, Helvetia, Swiss Life, UBS und Credit Suisse.
3 Ohne CEO.
Anhang Grösse