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Am 21. August 1881 in Berlin als Sohn eines Schweizer Garde-Offiziers geboren, war Guy de Pourtalès in Berlin und Genf aufgewachsen und hatte als Ingenieurstudent in Deutschland Richard Wagner lieben und den preussischen Chauvinismus hassen gelernt. Als angehender Literat – 1910 erschien sein Erstling «La Cendre et la Flamme» («Asche und Flamme») – begeisterte er sich dann in Paris unter dem Einfluss des Nationalisten Maurice Barrès so sehr für Frankreich, dass er im Juli 1911, drei Monate nach der Heirat mit der Bernerin Hélène Macuard, das Schweizer zugunsten jenes französischen Bürgerrechts aufgab, das seinen hugenottischen Vorfahren 1685 aberkannt worden war. Was bedeutete, dass er 1914 von Frankreich mobilisiert wurde, 1915 im flandrischen Le Touquet in einen deutschen Giftgasangriff geriet und in der Folge lebenslang mit einer Lungentuberkulose zu ringen hatte. Obwohl er als Shakespeare-Übersetzer Erfolge feierte und als reicher Erbe materiell gesichert dastand, verpasste er den Anschluss an die Nachkriegsliteratur und resignierte an seinen Möglichkeiten. Bis ihn 1923 eine heimliche Passion zu einer jungen Frau namens E. derart aufwühlte, dass er am Ende Gattin und Familie verlassen hätte, wenn die Beziehung 1930 nicht abrupt zerbrochen wäre. Die zwischen Verzweiflung und Verzückung hin und her pendelnde Stimmung befähigte ihn jedoch, Liszt, Nietzsche, Chopin, Ludwig II. und Wagner vielgelesene Biografien zu widmen, in denen er, ohne dass das Publikum es merkte, den eigenen erotischen Überschwang zum Faszinosum machte. Das Meisterwerk aber gelang ihm 1938 mit dem autobiografischen Roman «La pêche miraculeuse» («Der wunderbare Fischzug»). Da studiert der Musiker Paul de Villars wie de Pourtalès selbst in Deutschland und geht für Frankreich in den Krieg, vermag dann aber 1919 in der Völkerbundstadt Genf die Versöhnungssymbolik des Romantitels ins optimistische Finale seiner «Symphonie lacustre» zu überführen. Pauls Seelenleben ist von zwei Liebesgeschichten bestimmt, die ihn erst mit der diskret zurückhaltenden Louise, dann mit der sinnlich direkten Antoinette verbinden. Für beide Frauen aber ist wieder die geheimnisvolle E. Modell gestanden, die dem Autor, obwohl er sie in zwei Figuren teilt, erneut jene Authentizität ermöglicht, die nur persönliche Erlebnisse hervorbringen. Guy de Pourtalès hatte als Autor wie als Journalist in begeisternder Weise zwischen deutscher und französischer Kultur vermittelt, und es war ein nicht geringer Schock für ihn, als der Zweite Weltkrieg 1940 für Frankreich zunächst mit einer schmählichen Niederlage endete. Längst wieder in der Schweiz, in Etoy am Genfersee, ansässig, war er über das französische Versagen bitter enttäuscht. Und das vielgepriesene Deutschland nannte er im Journal nun hasserfüllt «die eitrige Wunde der Menschheit». Der schwerste Schlag aber traf ihn, als er 1940 erfuhr, dass Raymond, sein einziger Sohn, just in jenem Dorf Le Touquet gefallen war, wo er selbst 1915 seine Verwundung erlitten hatte. Ein Jahr noch hielt ihn sein tägliches Schreiben «wie ein Kompass im Wüten des Zyklons» am Leben. Dann, am 12. Juli 1941, erlag er im Lausanner Hôpital Nestlé 59-jährig seinem Lungenleiden.