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Alicia Amanda Vikander: Schon der Name klingt nach Rundungen und Kanten, nach Wildheit und Sanftheit, nach Energie und Eigensinn. Und dann der Blick, der einem all dies entgegenzuschleudern scheint. In nur acht Jahren ist aus einer unbekannten Schwedin einer der heissesten Namen in Hollywood geworden.
Die Tochter einer Bühnenschauspielerin und eines Psychiaters wurde in Göteborg geboren, das Stadttheater war oft ihr Kinderzimmer. «Ich spielte oder schlief in den Vorhängen, wir hatten keinen Babysitter», erzählt sie lachend.
Wenn Alicia spricht, ist ihr Gesicht voller Leben. Eigentlich hatte sie sich dem Ballett verschrieben. Dann aber stellte 2008 die schwedische Regisseurin Lisa Langseth ihr Leben auf den Kopf: Sie bot der 20-jährigen ausgebildeten Ballerina gleich die Hauptrolle im Film «Die innere Schönheit des Universums» an.
Vikander griff zu – und war sofort, so die Kritiker, «atemberaubend». Im zweiten Langseth-Film, «Hotell», sah Starregisseur Joe Wright sie zufällig. Und engagierte das Naturtalent sofort als Kitty in «Anna Karenina» neben, oha, Keira Knightley und Jude Law.
Alicia Vikander feiert viele Erfolge
Dann gings Schlag auf Schlag: Nach «A Royal Affair», «Codename U.N.C.L.E.» und «Ex Machina» galt Alicia als das neue It-Girl. Hollywood riss sich um diese spielerische Naturgewalt. Louis Vuitton erkor die so völlig unschwedisch aussehende Schönheit mit der wilden Grazie zum neuen Testimonial.
Alicia lebte aus dem Koffer, reiste von Set zu Set, drehte und drehte: «Inside WikiLeaks» mit Benedict Cumberbatch, «Seventh Son» mit Julianne Moore, «Ex Machina» mit Domhnall Gleeson, «Jason Bourne» mit Matt Damon. Filmmogul Harvey Weinstein war so betört, dass er ihr extra einen Part in die Komödie «Im Rausch der Sterne» schreiben liess.
Der neue Traum der Traumfabrik zu sein, ist Vikander noch immer fremd, gesteht sie. «Noomi Rapace war die einzige Schwedin, die es nach Ingrid Bergman nach Hollywood geschafft hat», begründet sie, und die Grübchen spielen in ihren Wangen Verstecken.
«Schon als ich für einen dänischen Film vorsprach, hatte ich das Gefühl, das sei nun eine internationale Karriere! Beruhigt hat mich erst Matt Damon. Vor einem Pressetermin gestand er mir, dass ihm das Ganze auch oft noch seltsam vorkommt. Das ist ja auch eine völlig andere Welt! Und hat nichts mehr mit ‹normal› zu tun!»
Dass sie genau richtig ist, zeigte sich im März 2016, als sie mit einem Oscar für «The Danish Girl» geehrt wurde. Darin machte die Charaktermimin die Ehefrau des Transgenders Einar Wegener zur eigentlichen Sensation: Sie ermutigt ihren Mann zur Identitätssuche, aus Liebe, und muss aushalten, wie er ihr mehr und mehr entgleitet. In jedes Lächeln legte sie Schmerz, in jeden Blick Empathie.
Michael Fassbender, immerhin elf Jahre älter, hatte «fast so etwas wie Angst», als er Alicia am Set von «The Light between Oceans» traf. «Es war keine Furcht – aber ich spürte ihre rohe Energie», erinnerte er sich, «ihre Kraft, ihre Power, ihren festen Willen, sich voll und ganz auf etwas einzulassen.»
Und das in doppeltem Sinne: Den Drehort, eine winzige Insel vor Neuseeland ohne Handyverbindung, wo gegrillt und im Wohnwagen gewohnt wurde, verliessen die beiden als Liebespaar.
In ihrer neuen Wohnung in London hat die 28-Jährige letztes Jahr «gerade mal fünf Tage» verbracht. Schuld ist ein neues Abenteuer, die Produktionsfirma Vikarious. Ihr erster wirklich eigener Film heisst «Euphoria». Präsentiert wird der am diesjährigen Zurich Film Festival.
Sie und Eva Green spielen darin Schwestern, die zu einem mythischen Ort reisen. «Wir haben wunderschöne Drehorte in Bayern gefunden», schwärmt Alicia, «der Locationscout hat mich immer per FaceTime dazugeschaltet.» Was sie so umhaute: «Die Nähe zu den Alpen. Was für eine Landschaft!»
Natürlich bestimmt eine Produzentin auch den Regisseur. Vikander engagierte Lisa Langseth, die Frau, die als Erste ihr Talent erkannt hat und so die Weichen ihres Lebens umstellte. Wenn sie in Zürich die Premiere von «Euphoria» feiert, schliesst sich für Alicia also ein grosser Kreis.