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Herrliberger (18e Jahrhundert)
Der ursprüngliche Name des heutigen Münchensteins lautete Geckingen. Der alte Dorfname wich der neuen Bezeichnung in den 1270er Jahren, nachdem ein Zweig der Münch von Basel sich dort festgesetzt und die Burg auf dem Felsen über der Ortschaft gegründet hatte. Die Münch gehörten wie die Reich und die Schaler zu dem bischöflich-baslerischen Dienstadel, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sich Sitze auf dem Lande zu erwerben oder anzulegen begann. Infolge der verschiedenen neuen Landniederlassungen entstanden bei den Münch ebensoviele neue Linien des Geschlechtes. So ausser den Münch von Münchenstein die Münch von Münchsberg, die Münch von Landskron, die Münch von Stettenberg (im Oberelsass) und die Münch von Büren.
Gleich den Reich und den Schalern waren auch die Münch im Dienste der Bischöfe von Basel emporgekommen. Ihr ursprünglicher Name war Gliss; der spätere Name Münch ist auf das Aufkommen eines Übernamens zurückzuführen, dem sich dann auch das Wappen des Geschlechtes angepasst hat (ein barhäuptiger schwarzer Mönch auf weissem Grunde). Schon bei ihrem ersten Auftreten in der Geschichte waren die Münch als bischöfliche Untervögte im Besitze des wichtigen Amtes der unmittelbaren Handhabung der hohen Gerichtsbarkeit in der Bischofsstadt Basel, und zwar als Statthalter der eigentlichen Inhaber dieser Befugnisse, der Grafen von Homberg. Eine weitere wichtige bischöfliche Beamtung, die des Schultheissen, die in der Ausübung der niedern Gerichtsbarkeit in Basel bestand, befand sich auch zu Zeiten bei den Münch. Und als nach der Einsetzung des Rates als oberste Verwaltungsbehörde der Bischofsstadt das Bürgermeistertum aufkam, waren es wiederum die Münch, die zu Zeiten dieses hohe Amt innehatten.
Die soziale Stellung der Münch wird durch die Tatsache gekennzeichnet, dass sie mit an der Spitze der mächtigen und glanzvollen Basler Adelspartei der Psitticher (Feldzeichen ein grüner Psittich in weissem Felde) gegen die andere Fraktion des Basler Stadtadels der Sterner (weisser Stern in rotem Felde) standen. Waren in den Kämpfen zwischen dem Bischof von Basel und dem Grafen Rudolf von Habsburg die Psitticher die Anhänger des Bischofs, die ihre Gegner, die Sterner, ins Lager des Habsburgers trieben, so hinderte sie das nicht, nach der Wahl Rudolfs zum Könige im Jahre 1273 zu diesem überzugehen und fortan die Spitze der österreichischen Partei in Basel zu bilden. Durch diese Wandlungen traten auch die Münch in Beziehungen zum Hause Österreich, die sich immer enger gestalteten und das Mittelalter überdauerten. Der stattliche Hof der Münch auf dem St. Petersberg in Basel wurde zum bevorzugten Absteigequartier König Albrechts, was dann wiederum zur Folge hatte, dass nach der Ermordung König Albrechts (1308) die entfesselte Wut der österreichfeindlichen Bürgerschaft sich ganz besonders auch gegen die Münch und ihren Hof richtete.
Das zu den ersten Familien Basels aufgerückte Geschlecht kam dann durch Belehnung von Seiten der Grafen von Pfirt in den Besitz des Dorfes Geckingen. Dieses lag zwar im Sisgau, war aber, schon früh aus dem Verbande dieses Gaues ausgeschieden, an die sundgauischen Grafen von Pfirt gekommen und deren Eigengut geworden. Der mit diesem Eigengute in den 1270er Jahren belehnte Hugo Münch erbaute die Burg und trug sie, da auf Pfirter Eigengut errichtet, ebenfalls von den Pfirtergrafen zu Lehen. Als dann ein halbes Jahrhundert später (1324) die Grafen von Pfirt im Mannesstamme ausstarben, ging die Grafschaft Pfirt und damit auch die Lehenshoheit über Münchenstein an das Haus Österreich, als die Erben der Pfirter, über. Im Erdbeben von 1356 nahm die Burg zwar einigen Schaden, wurde aber bald wieder hergestellt. In den 1370er Jahren kam an die Münch von Münchenstein das Lehen der Herrschaft Muttenz-Wartenberg. Eine Eheschliessung mit der Erbtochter der Freien von Löwenberg im Lützeltale brachte den Münch auch die Herrschaft Löwenberg zu. Im Jahre 1415, als König Sigismund über Herzog Friedrich von Osterreich dafür, dass er dem vom Konstanzer Konzil zur Abdankung genötigten Papste Johannes XXIII. zur Flucht aus dem Machtbereich des Konzils verholfen hatte, die Reichsacht verhängte, wäre für Basel die Gelegenheit günstig gewesen, sich des österreichischen Münchensteins zu bemächtigen, in gleicher Weise, wie die Eidgenossen sich damals des österreichischen Aargaus bemächtigt haben. Basel unterliess es aber, von dieser Gelegenheit Gebrauch zu machen, wohl unter dem starken politischen Einfluss der Münch im Rate der Stadt, ein Verzicht, der Basel später noch teuer zu stehen kommen sollte. Zur Zeit der Schlacht bei St. Jakob verhielt sich der damalige Inhaber Münchensteins, Hans Thüring Münch, notgedrungen neutral. Er hielt die Burg gegen jede Kriegspartei geschlossen und liess die Armagnaken und den Adel in Münchenstein nur die Vorburg (das heutige obere Dorf) betreten. Auch Hans Thürings Sohn hielt nach dem Tode des Vaters mit Basel vorerst gute Nachbarschaft, und die Stadt ihrerseits stand nicht an, den Münch trotz der gegen ihn vom Hofgericht zu Rottweil erlassenen Achtserklärung in Basel ein und ausgehen zu lassen. Dagegen wurden die Münch durch Übergriffe des zu solchen Dingen allzeit besonders geneigten Grafen Oswald von Tierstein auf Pfeffingen wiederholt geschädigt und gekränkt, indem der Graf sich die widerrechtliche Ausübung des Blutbannes, des Lachs und des Vogelfanges im Bereich der Herrschaft Münchenstein anmasste.
Hatte sich die Geschichte Münchensteins trotz der verschiedenen Zwischenfälle bisher in verhältnismässig ruhigen Bahnen bewegt, so wurde dies seit den 1460er Jahren anders. Der Mülhauserkrieg, entstanden aus der Bedrängung der Stadt Mülhausen durch den österreichischen Adel des Elsass und der Hülfeleistung an die angegriffene Stadt durch Mülhausens Bundesgenossen Solothurn und Bern (1468), veranlasste Solothurn, sich der als Stützpunkte für den Krieg im Sundgau wichtigen Burgen Landskron und Münchenstein zu bemächtigen. Basel war natürlich über diesen Handstreich Solothurns in seiner engsten Interessensphäre sehr ungehalten, und es kam ihm zu statten, dass auch Bern und Zürich ihn nicht billigten. Namentlich dieser Einstellung der Eidgenossen hatte es Basel zu verdanken, dass es ihm gelang, nach anderthalbjährigem diplomatischem Bemühen Solothurn zur Räumung und Aufgabe Münchensteins zu bringen.
Diesem ersten Unternehmen Solothurns, sich zu Münchenstein festhusetzen, folgte etwa zwei Jahrzehnte später ein weiterer Versuch. Zwischen Basel und Konrad Münch waren Unstimmigkeiten entstanden, die einen langfädigen Prozess auslösten. Noch bevor es zum Spruch kam, verkaufte Münch seine Herrschaft an Solothurn (1485). Basel, seit 1470 im Pfandbesitze Münchensteins, verweigerte aber Solothurn die Herausgabe der Burg. Die eidgenössische Tagsatzung legte sich ins Mittel und entschied den Handel zu Basels Gunsten.
Damit war Basel zum zweiten Male der ihm drohenden Gefahr, durch Solothurn von seinem sisgauischen Territorium abgeschnürt zu werden, glücklich entgangen. Wäre es Solothurn gelungen, seine Absicht zu verwirklichen, so wäre Basel endgültig darum gebracht gewesen, zwischen der Stadt und ihrem Untertanengebiet eine unmittelbare Verbindung herzustellen. Basel war sich auch der kapitalen Bedeutung der Sache, um die es ging, wohl bewusst. Es gab sich darum mit dem Erreichten nicht zufrieden und ruhte nicht, bis die ihm von Solothurn drohende Gefahr end gültig abgewendet war. Darum trachtete es darnach, den blossen Pfandbesitz in unantastbares Eigentum umzuwandeln. Der wirtschaftliche Niedergang der Münch erleichterte Basel die Erlangung dieses Zieles. Das verarmte Geschlecht mochte wohl einsehen, dass es nie mehr in der Lage sein werde, die Pfandschaft wieder einzulösen. Es verkaufte darum ii seine Herrschaften um 660 Gulden an Basel, das damit seinen bisherigen blossen Pfandbesitz in Eigentum umwandelte. Auf Gesuch der Münch und auf Betreiben Basels gab Kaiser Maximilian als Oberhaupt des Hauses Österreich zu diesem Handel seine Einwilligung und verzichtete auf die Oberlehensherrlichkeit über die Burg Münchenstein mit der Vorburg, die Burg Wartenberg, die Hard und den Dinghof Muttenz mit dem Kirchensatz. Der Kaiser behielt sich und dem Hause Österreich, um nicht auf alles zu verzichten, bloss das Öffnungsrecht der Feste vor. Seither ist Basel, von einigen nicht ernst zu nehmenden Versuchen Österreichs und der Münch, Münchenstein und Muttenz zurückzubekommen, in unangefochtenem Besitze dieser Herrschaften geblieben. Sie bildeten unter Zuziehung einiger weiterer Dörfer bis zum Umsturzjahre 1798 das Gebiet der Landvogtei Münchenstein.
Bald nach dem Übergang Münchensteins an Basel lösten die Münch ihre letzten Beziehungen zur Stadt. Anlass hiezu gab die 1529 in Basel und seinem Gebiete durchgeführte Reformation. Diese entfremdete das Geschlecht der Stadt völlig, und es zog sich auf seine sundgauischcn Besitzungen zurück. Misswirtschaft brachte die Münch im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts schwer herunter. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts sind sie im Mannesstamme ausgestorben.
Aus der Landvogteizeit Münchensteins sind keine geschichtlichen Ereignisse von besonderer Bedeutung zu verzeichnen. Einige wenige Zeitgeschehnisse bloss spiegeln sich in der spätern Vergangenheit dieser Burg. So brachte es der in der Landschaft Basel 1525 ausgebrochene Bauernkrieg mit sich, dass sich auch der Landvogt zu Münchenstein vor den aufrührerischen Untertanen seines Amtes vorzusehen hatte. Im Galgenkrieg von 1531, der aus den Streitigkeiten zwischen Basel und Solothurn um die Handhabung des Hochgerichts in den solothurnischen Besitzungen innerhalb des Sisgaus entstanden war, gehörte Münchenstein zu den gefährdesten Basler Ämtern. Seine Mannschaft wurde darum nicht zum Auszug aufgeboten, sondern zur Verteidigung von Schloss und Amt zur Verfügung des Landvogtes gestellt. Die grosse Bauernunruhe des Jahres 1653, die auch ins Baselbiet übergriff, verursachte dem Landvogt "nicht geringe Müeh undt Arbeit".
1691, im sogenannten Einundneunziger Wesen, jener Empörung der Basler Bürgerschaft gegen die zunehmende Autokratie des Kleinen Rates, kam es zu einem bewaffneten Auszug von 150 Bürgern gegen Münchenstein, auf dem damals ein Gegner der revolutionären Bewegung, der Landvogt Remigius Frey, sass.
Im zweiten Vilimergerkriege von 1712 belegte Basel seine Grenzfeste Münchenstein mit einer ausserordentlichen Besatzung von acht Mann für die Tageszeit und von zwölf Mann für die Nachtzeit; ausserdem erhielt die gesamte wehrfähige Mannschaft des Amtes Befehl, sich mit Ober und Untergewehr in ständiger Bereitschaft zu halten.
Als Sitz eines Landvogtes nahm das Schloss zu Münchenstein den nämlichen Ausgang wie die übrigen Landvogteischlösser der Landschaft Basel. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Beliebtheit des den neuen Anschauungen zugetanen letzten Landvogtes Jakob Christoph Rosenburger bei den Untertanen den Wechsel des Regimes im Revolutionsjahre 1798 im Amte Münchenstein sich in aller Minne vollziehen liess. Das Schloss wurde geräumt, und Mobiliar und Archiv wurden in das Dorf Münchenstein verbracht. Es fiel keiner Brandfackel erregter Menschen zum Opfer, sondern ging mit den Gütern durch Kauf von der Basler Nationalversammlung um 24000 Pfund an die Gemeinde Münchenstein über. Seinen Untergang fand dann das Schloss dadurch, dass es von der Gemeinde auf Abbruch versteigert wurde. Dieses Vorgehen hat mitsamt der Parzellierung der Schlossgüter der Gemeinde Münchenstein seinerzeit zwar das Doppelte des ausgelegten Kaufpreises einge tragen, die Nachwelt aber um eine nach Lage und Bauart gleich ausgezeichnete Höhenburg gebracht, die wir heute nur noch in den Bildern der Merian, Meyer, Kauw und Büchel zu bewundern vermögen.
Was der erste Abbruch noch übrig gelassen hat, ist dann im Laufe des 19. Jahrehunderts zum Verschwinden gebracht worden. Das spärliche Mauerwerk, das sich in unsere Tage hinüber gerettet hat, beschränkt sich auf einige wenige Partien: die früher vom Nordtor der Vorburg zum untersten Höflein der Burg reichende gestaffelte Mauer, ein Stück der Zinnenmauer des frühern "Grieners" auf der Ostseite der ehemaligen Schlossanlage, auf deren Südseite die gestaffelte Ringmauer, die ehemals Schloss und Vorburg verband und im Westen endlich, nur als Fundamentmauern noch erhalten, Reste des Unterbaues des ehemaligen Ritterhauses, des alten Auf' stieges zum Schlosse und des ehemaligen Torbaues mit kurzer anschliessender Partie. Alles übrige ist verschwunden. Was man heute an Gebäulichkeiten auf der Höhe erblickt, erhebt sich auf den ehemaligen Umfassungsmauern der früher dem Ritterhause nordwärts vorgelagerten Höfe und stammt erst aus dem 19. Jahrhundert. Das Baumaterial zu diesem heute als "Schloss" bezeichneten Gebäudekomplex wurde zweifelsohne aus dem Abbruch des alten Schlosses, namentlich das Ritterhauses, gewonnen.
Eine Anschauung von der alten Burganlage vor ihrer Zerstörung erhalten wir durch das reiche, aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf uns gekommene Bilder, material. "Alle diese Bilder zeigen die prächtige Burg reich gegliedert auf dem überragenden Felsen, südwärts sturmfrei durch den jähen Absturz des Felsens, nordwärts in wehrhaften Abschnitten bis in die Vorburg hinabsteigend. Östlich fiel der Felshang ebenfalls steil ab, und westlich konnte kaum für die Treppenanlage Raum gewonnen werden. Die am Fusse des Schlossfelsens auf einer kleinen Anhöhe gelegene Vorburg bestund aus einer vom untern zum obern Tore führenden Hauptgasse mit einem Brunnen in der Mitte. Nördlich diente ein natürliches, von einem Bache durchflossenes Tobe! als Graben, östlich und südlich war er künstlich angelegt, westlich aber diente die steile Böschung der Vorburg als Schutz."
In der Vorburg stand unmittelbar hinter dem gegen den Kirchbühl blickenden Nordtor das Pfarrhaus. In der Mitte der Vorburg an der Stelle, wo der Aufstieg zum Schlosse seinen Anfang nahm, die Zehntentrotte. Ausserhalb der Vorburg vor dem Südtor das stattliche Wirtshaus. Etwas unterhalb gegen die Niederung der Schlossgarten mit den Gemüsebeeten. In der Niederung selbst nahe der Birs der Landsitz Gstad.
Die Hochburg war mit der Vorburg im Norden und Süden durch Ringmauern verbunden. Vom Nordtor erklomm die gestaffelte Ringmauer den Burgfelsen bis zum untersten ummauerten kleinen Hofe, dem sich südlich und höher gelegen ein grösserer, ebenfalls mit einer Zinnenmauer bewehrter, als "Griener" bezeichneter Hof anschloss. Es folgte ansteigend unmittelbar in südlicher Richtung als Kern der Anlage das grosse Ritterhaus (der Palas). In dessen Erdgeschoss befand sich die sogenannte ,,Schlossstube". Ein grosser, die ganze Breite des Baues einnehmender Saal, dessen Balkendecke in der Mitte von einer starken Holzsäule getragen wurde, dessen Fenster in tiefen, der Mauerdicke entsprechenden Nischen sassen, und dessen Wände oben weiss getüncht und unten mit einem Getäfer aus Tannenholz bekleidet waren. Die Ausstattung des Saales bestand aus langen, der Wand entlang gehenden Bänken und einem grossen Ofen aus Eisengussplatten. Das Ritterhaus war in seiner Nordwestecke durch einen bis zur Dachhöhe reichenden und oben mit einem Zinnenkranz abschliessenden runden Eckturm verstärkt. Betreten wurde das Ritterhaus aus südlicher Richtung von einem kleinen Hofe her. Dieser war nach Westen durch einen Torbau abgeschlossen, in welchen der Aufstieg von der Vorburg ausmündete. Südöstlich erhob sich aus dem Felsen der runde, die ganze Wehranlage beherrschende Bergfried, und als südlicher Abschluss ein Wohngebäude mit westlich vorliegendem Hoflein, dessen Ringmauer einen Erker trug, unterhalb dem ein eingemanteltes Terrassengärtlein lag. Der Bergfried hing mit dem Palas baulich zusammen und war von diesem aus durch einen Verbindungsbau in der Höhe zugänglich. Endlich leitete auch auf der Südseite eine gestaffelte Ringmauer zum Tore der Vorburg hinab. Die Anlage erinnert, auch abgesehen von der Ver bindung von Burg und Vorburg bzw. Städtchen, in der baulichen Anordnung stark an die Waldenburg.
Bibliographie