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«Und ich wandte mich um und wollte nach der Stimme sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, da sah ich sieben goldene Leuchter, und mitten unter den sieben Leuchtern Einen, der einem Sohn des Menschen glich» (Offb 1,12–13).
Die Bezeichnung «Sohn des Menschen» finden wir kein einziges Mal in den Briefen des Apostels Paulus an die Gemeinde, aber sehr wohl in Daniel 7,13, immer wieder in den Evangelien, in denen der Herr zum Volk Israel spricht, und einmal in Apostelgeschichte 7,56 als letzte Worte des sterbenden Stephanus an das jüdische Volk. In Hebräer 2,6 wird der «Sohn des Menschen» auch erwähnt, aber dies ist ein Zitat aus Psalm 8 und spricht den Menschen allgemein an.
Der Titel «Menschensohn» oder «Sohn des Menschen» bezieht sich auf die irdische Herrschaft des Herrn. Die Offenbarung richtet sich an die Gemeinde, hat aber als das grosse Thema das Gericht über die Welt und über Israel (Offb 1,7).
Dieser Menschensohn ist «bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füssen reichte, und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und seine Haare waren weiss, wie weisse Wolle, wie Schnee; und seine Augen waren wie eine Feuerflamme, und seine Füsse wie schimmerndes Erz, als glühten sie im Ofen, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser. Und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert hervor; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer Kraft» (Offb 1,13–16).
Diese Beschreibung des Herrn Jesus wiederspiegelt die Erscheinung des Herrn im Alten Testament (z.B. in Ps 93; Dan 7,9; 10,13; 10,5–6.9; Hes 1,1–2,2 usw.). Die Offenbarung ist die Anknüpfung und die letztendliche Erfüllung aller alttestamentlichen Aussagen der Propheten. Der Theologe Robert Haldane sagte dazu einmal: «Dem Volk Israel kann nicht genommen werden, wozu er [Gott] sich ihm gegenüber verpflichtet hat.»
Johannes sieht Symbole für das, was der Herr ist, für Seine Majestät, Seine Ämter und Seine Eigenschaften. Das lange Gewand drückt Würde aus. Der goldene Gürtel um Seine Brust deutet auf das himmlische, göttliche und ewige Hohepriestertum. Sein weisses Haupt und die weissen Haare sind wie das weisse Licht, das in der Schechina, der Wolke der Herrlichkeit Gottes in der Stiftshütte, zu sehen war. Weiss deutet aber auch auf Seine unbestechliche Gerechtigkeit hin – so wie der weisse Thron des Gerichts (Offb 20,11). Seine Augen wie eine Feuerflamme weisen darauf hin, dass Sein Blick alles durchdringt und beurteilt. Nur das, was «feuerfest» ist, kann vor Ihm bestehen: Gold, Silber und edle Steine. «So wird das Werk eines jeden offenbar werden; der Tag wird es zeigen, weil es durchs Feuer geoffenbart wird. Und welcher Art das Werk eines jeden ist, wird das Feuer erproben» (1.Kor 3,13). «Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist enthüllt und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben» (Hebr 4,13).
Seine Füsse gleich glänzendem Erz (Bronze), als glühten sie im Ofen, erinnern an den Brandopferaltar. Gott selbst ist ein verzehrendes Feuer, das alles Antigöttliche verzehrt. Seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser bedeutet, dass Sein Wort alles erfüllt und beherrscht. Wenn Christus spricht, verstummt alles andere.
Die sieben Sterne in Seiner rechten Hand symbolisieren die sieben Gemeinden, die in der Offenbarung angeschrieben werden (Offb 1,20). Was der Herr in Seiner Rechten hält, gehört Ihm; und darüber bestimmt Er alleine. Jesus ist der rechte Arm des Herrn, der Arm der Rettung und der ewigen Erlösung. «Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und der Arm des Herrn, wem ist er geoffenbart worden?» (Jes 53,1). Niemand kann Ihm Sein Eigentum aus Seiner Hand reissen (Joh 10,28–29).
Das zweischneidige Schwert, das aus dem Mund des Herrn hervorgeht, symbolisiert die Schärfe Seines Wortes. Es trennt und schneidet. «Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und es dringt durch, bis es scheidet sowohl Seele als auch Geist, sowohl Mark als auch Bein, und es ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens» (Hebr 4,12). Sein Wort wird auch die Nationen richten (Offb 19,15). Und Sein Angesicht, das leuchtet wie die Sonne in ihrer Kraft, lässt uns an die Verklärung unseres Herrn Jesus denken: «Er wurde vor ihnen verklärt, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiss wie das Licht» (Mt 17,2; vgl. 2.Petr 1,16–21).
Diese vom Alten Testament geprägte Bildsprache zeigt uns auch, dass die Offenbarung mit Israels Erlösung und der Wiederkunft seines Messias Jesus in Herrlichkeit zu tun hat.
«Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füssen nieder wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebende; und ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen! Und ich habe die Schlüssel des Totenreiches und des Todes» (Offb 1,17–18).
Haben Sie schon einmal erlebt, wie Menschen bei einem Herzinfarkt oder Epilepsie-Anfall zu Boden stürzen? So ähnlich erging es Johannes – in gleicher Weise reagierten übrigens auch Hesekiel und Daniel auf die himmlische Herrlichkeit (Hes 1,28–2,2; Dan 10,9). Kein Mensch kann vor dem lebendigen Gott bestehen. Niemand wird aufrecht vor Ihm stehen können. Keiner wird sich rechtfertigen können. Niemand wird sich behaupten können. Seit der Auferstehung des Herrn Jesus muss sich der Tod vor Ihm fürchten.
Aber jetzt sehen wir die Reaktion des Herrn gegenüber dem, der an Ihn glaubt und Sein Diener ist: «Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht!» (Offb 1,17). Alle können und dürfen sich glücklich schätzen, die durch Jesus Christus erlöst sind. Solche müssen sich vor Gott nicht fürchten. Sie werden aufgerichtet und getröstet.
Er, der der Erste und der Letzte ist und von göttlicher Natur, (Offb 1,8) der aus dem Tod auferstanden ist, der selbst von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, der die Macht über den Tod in Seinen Händen hält, dem die Offenbarung gehört und der die Gewalt über alle zukünftigen Ereignisse hat, Er bewahrt und tröstet die, die Ihm gehören. Sie müssen sich nicht fürchten. Ihr Leben und Sterben ist in Seiner Hand. Sie sind nicht dem Schicksal überlassen. Sie gehören Ihm und in Seine Welt.
Für an Jesus Christus Gläubige bedeutet das: Was auch immer geschieht, was auch immer du durchleben musst, fürchte dich nicht!
Und so bekommt Johannes den Befehl: «Schreibe, was du gesehen hast, und was ist, und was nach diesem geschehen soll: das Geheimnis der sieben Sterne, die du in meiner Rechten gesehen hast, und der sieben goldenen Leuchter. Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter, die du gesehen hast, sind die sieben Gemeinden» (Offb 1,19–20).
Vers 19 bildet die Selbsteinteilung der Offenbarung: «Was du gesehen hast» umfasst Kapitel 1; «was ist» Kapitel 2 bis 3; «und was nach diesem geschehen soll» die Kapitel 4 bis 22. Es zeigt uns, dass wir gerufen und berufen sind, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen, Sein Evangelium und das biblisch-prophetische Wort Seiner Wiederkunft, bis Er kommt. «Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, komm, Herr Jesus!» (Offb 22,20).