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Motivationsprojekt
Erfassung und Veränderung von motivationalen Determinanten von Rückfall und Behandlungsabbruch während einer stationären Entwöhnungsbehandlung – Entwicklung eines motivationalen Monitorings und eines motivationalen Trainings
Kooperation
Universität Konstanz, Sozialpsychologie & Motivation, Prof. Dr. Peter M. Gollwitzer
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Gesundheitswissenschaften, Prof. Dr. Frank Wieber; Prof. Thomas Volken
Universität Hamburg, Pädagogische Psychologie und Motivation, Prof. Dr. Gabriele Oettingen
Ausgangslage
In der Alkoholentwöhnung spielt die Therapie- und Abstinenzmotivation des Patienten eine wichtige Rolle. Doch bisher wurden die Konzepte der Motivationspsychologie ungenügend in der Suchtforschung untersucht. Motivationspsychologische Konzepte erklären menschliches Verhalten als Interaktion von intentionalen und volitionalen Prozessen (Gollwitzer, 1987). Die Intention ist mit der Absichtsbildung gleichzusetzen (z.B. «Ich will abstinent von Alkohol leben! »), eine starke Absicht bedeutet jedoch nicht zwingend, dass diese erfolgreich umgesetzt werden kann. Dafür sind volitionale Prozesse erforderlich, Prozesse also, welche die Selbstregulation und Selbstkontrolle betreffen und für die Überwindung von Hindernissen wichtig sind. Beispielsweise setzt die Volition in Risikosituationen ein und sorgt dafür, dass diese abstinent bewältigt werden können.
Inhalt und Zielsetzung
Das Projekt verfolgt im Rahmen der Pilotphase die Zielsetzung, einzelne Komponenten der Abstinenzmotivation detailliert zu erfassen, in der Hauptstudie wird mittels einer motivationalen Intervention versucht, diese positiv zu verändern, um das Risiko für einen Rückfall oder Behandlungsabbruch zu reduzieren.
Die Erfassung der Abstinenzmotivation erfolgt dabei durch wiederholte Messungen bewusster und verhaltensbezogener Masse der wichtigsten motivationalen Determinanten für die Veränderung abhängigen Verhaltens (z.B. Anreizwert des Alkohols). Diese werden dann mit Konsumereignissen der Teilnehmer während der Behandlung in Beziehung gesetzt. Diese Fragestellung wurde im Rahmen einer Pilotstudie (Januar 2016 bis Juni 2017) verfolgt. Die Ergebnisse dieser Studie sind Grundlage für die Entwicklung der motivationalen Intervention.
Die motivationale Intervention, welche in der Interventionsstudie eingesetzt wird, basiert auf der Methode des "Mentalen Kontrastierens mit Durchführungsintentionen" (englisch: Mental Contrasting with Implementation Intentions – abgekürzt: MCII). MCII besteht aus zwei Techniken: dem Mentalen Kontrastieren und Durchführungsintentionen. Beim Mentalen Kontrastieren geht es darum, sich eine gewünschte Zukunft mit all ihren Vorteilen vorzustellen und diese dann mit der Gegenwert zu vergleichen und so die zielgerichteten Handlungen und erwarteten Hindernisse zu identifizieren. Dieses Vorgehen soll die Zielbindung erhöhen, insbesondere wenn die Erwartungen an eine erfolgreiche Zielerreichung hoch sind. Durchführungsintentionen andererseits spezifizieren wann, wo und wie ein Ziel verfolgt wird. Sie werden in Form eines Wenn-Dann-Planes festgelegt. Die positiven Effekte des Mentalen Kontrastierens mit Durchführungsintentionen auf zielgerichtetes Verhalten, Zielverfolgung und –erreichung wurden bislang für verschiedene Verhaltensbereiche nachgewiesen, dies ist jedoch die erste Studie für den Anwendungsbereich "Abhängigkeitserkrankungen".
Relevanz
Durch die Identifikation von motivationalen Determinanten von Rückfall und vorzeitigem Behandlungsabbruch, sowie Stärkung der Abstinenzmotivation, kann die Vorhersage von Risikosituationen verbessert und das therapeutische Vorgehen angepasst werden.
Literatur
Gollwitzer PM (1987). Suchen, Finden und Festigen der eigenen Identität: Unstillbare Zielintentionen. In H Heckhausen, PM Gollwitzer, FE Weinert (Eds.), Jenseits des Rubikon: Der Wille in den Humanwissenschaften. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.