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<h2>SubmittedText<h2><p>Antibiotikaresistenzen werden immer häufiger und gefährlicher. Alleine in Europa sterben jährlich 25 000 Patientinnen und Patienten, weil sie mit antibiotikaresistenten Erregern infiziert sind - Tendenz steigend. Um diese Entwicklung einzudämmen, muss die Entstehung neuer Resistenzen verhindert und müssen neue wirksame Therapiemöglichkeiten gegen multiresistente Keime entwickelt werden.</p><p>Letzteres geschieht nur in sehr begrenztem Ausmass, da sich Pharmaunternehmen auf die Entwicklung von anderen Arzneimitteln konzentrieren. Zudem wird die Anwendung und Weiterentwicklung vielversprechender Alternativen (z. B. Phagentherapie) dadurch erschwert, dass die geltenden Zulassungsbedingungen zum Teil nicht sinnvoll auf diese anwendbar sind. Handlungsbedarf ist also vorhanden.</p><p>Während das laufende Nationale Forschungsprogramm "Antimikrobielle Resistenz" (NFP 72) einzelne Projekte zur Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten enthält, wird diese Stossrichtung in der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (Star) nur am Rande erwähnt: Forschungsschwerpunkte sollen in diesem und anderen Bereichen definiert und der interdisziplinäre Austausch soll gefördert werden.</p><p>In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen:</p><p>1. Erachtet der Bundesrat die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten nicht als zentralen Baustein in der Bekämpfung multiresistenter Keime?</p><p>2. Aus welchen Gründen sieht die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz kaum handfeste Massnahmen vor, welche deren Entwicklung fördern und erleichtern oder entsprechende Anreize schaffen können?</p><p>3. Welche Massnahmen können getroffen werden, um diese Ziele zu erreichen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Bundesrat erachtet nicht nur die Entwicklung neuer Therapien als wichtig. Grundsätzlich ist es zentral, dass auch in Zukunft wirksame Therapiemöglichkeiten gegen bakterielle Erkrankungen bei Mensch und Tier bestehen. Er hat deshalb Ende 2015 die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz verabschiedet und die Federführung für die Strategieumsetzung dem EDI zugeteilt. Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen dem Bundesamt für Gesundheit, dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, dem Bundesamt für Landwirtschaft und dem Bundesamt für Umwelt. Damit sollen Antibiotikaresistenzen bekämpft und soll die Wirksamkeit der Antibiotika zur Erhaltung der menschlichen und tierischen Gesundheit langfristig sichergestellt werden.</p><p>Die Strategie verfolgt einen breiten, One-Health-basierten, international abgestimmten Ansatz mit verschiedenen Schwerpunkten (umfassende Überwachung, Prävention, sachgemässer Einsatz von Antibiotika usw.). Im Einklang mit dem Global Action Plan der WHO erachtet es der Bundesrat als besonders wichtig, nicht nur auf die Entwicklung neuer Antibiotika und Therapien zu vertrauen, sondern die bestehenden Möglichkeiten zur Prävention und Therapie von resistenten Keimen nachhaltig zu optimieren. Deshalb sollen im Rahmen der Strategieumsetzung u. a. Impfungen gefördert, Richtlinien zur Verschreibung von Antibiotika zuhanden der Ärztinnen und Ärzte erarbeitet, Stewardship-Programme zum adäquaten Antibiotikaeinsatz in den Spitälern etabliert und Patientinnen und Patienten über den korrekten Umgang mit Antibiotika informiert werden.</p><p>2. Neue Möglichkeiten zur Prävention (z. B. Impfstoffe), Diagnostik (neue Schnelltests) und Therapie (z. B. neue antimikrobielle Substanzen) sind ebenfalls wichtig im Kampf gegen zunehmende Antibiotikaresistenzen. Die Strategie setzt dabei sowohl auf die Innovationskraft der in diesem Bereich tätigen Unternehmen als auch auf gezielte staatliche Massnahmen. Letztere beinhalten beispielsweise die Forschungsförderung im Rahmen des von der Interpellantin erwähnten nationalen Forschungsprogramms und die internationale Kooperation (z. B. Horizon 2020). Tatsächlich ist die Erforschung und Entwicklung von neuen Antibiotika eine weltweite Herausforderung. Die Schweiz hat deshalb unlängst ihren Unterstützungsbeitrag an die Global Antibiotic Research and Development Partnership (GARDP) für weitere zwei Jahre verlängert. Diese Initiative der WHO und der Drugs for Neglected Diseases Initiative setzt sich auf globaler Ebene dafür ein, dass neue Antibiotika entwickelt werden bzw. die Entwicklung bestehender Substanzen mit antibiotischer Wirkung, die nicht bis zur Marktreife gelangten, wieder aufgenommen wird. Daneben beteiligt sich die Schweiz im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Antimikrobielle Resistenzen" (NFP 72) auch aktiv an der internationalen Forschungsinitiative "Joint International Programming Initiative on AMR (JPIAMR)". Auf nationaler Ebene besteht zudem seit Juli 2017 mit der Swiss Entrepreneur Foundation eine Stiftung, die von diversen Partnern der Privatindustrie mit einem Kapital von 500 Millionen Franken ausgestattet wird und Start-up-Firmen bei der Entwicklung neuer Produkte (z. B. Antibiotika) bis zur Marktreife unterstützen soll.</p><p>3. Die Entwicklung neuer Antibiotika ist in den letzten Jahren ins Stocken geraten. Als Grund wird teilweises Marktversagen aufgeführt. Der Bundesrat ist sich dieser Problematik bewusst. Neuentwickelte Antibiotika werden als Reserveantibiotika eingestuft, um zu verhindern, dass sie bei breiter Anwendung relativ rasch ihre Wirksamkeit einbüssen. Neue Antibiotika werden daher nur beschränkt eingesetzt. Lösungsansätze für die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika müssen weltweit zwischen verschiedenen Regierungen, internationalen Organisationen und Akteuren der Pharmaindustrie gemeinsam gesucht werden. Die Schweiz hat sich mehrfach aktiv auf internationaler Ebene in die Diskussion über mögliche Massnahmen zur Überwindung dieses Marktversagens eingebracht. So hat sie zusammen mit Deutschland und den Niederlanden am diesjährigen WEF in Davos einen runden Tisch auf Ministerebene mit der Beteiligung von verschiedenen Ländern, der Pharmaindustrie sowie privaten Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen organisiert, um einen globalen Dialog zur Anreizsetzung bei der Antibiotikaentwicklung zu fördern.</p><p>In Bezug auf die Entwicklung alternativer Therapien erachtet der Bundesrat die bestehenden Regelungen (z. B. Zulassungsbestimmungen) als genügend. Im Weiteren unterliegen Therapieformen, die nicht zu Antibiotikaresistenzen führen, nicht den gleichen Phänomenen des Marktversagens, wie dies bei neuen Antibiotika der Fall ist. In Bezug auf die Forschung für alternative Therapieformen wie z. B. die Phagentherapie erachtet der Bundesrat die bestehenden Instrumente der nationalen und internationalen Forschungsförderung wie z. B. NFP 72 oder das europäische Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 als genügend. Das Ziel des europäischen Forschungsrahmenprogramms ist es unter anderem, innovative Forschungsideen und deren Umsetzung in marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu fördern. Entsprechend deckt Horizon 2020 fast die gesamte Wertschöpfungskette von Grundlagenforschung über angewandte Forschung bis hin zu technologischer Entwicklung ab. Seit Beginn 2017 ist die Schweiz wieder vollständig an Horizon 2020 assoziiert, und Forschende sowie KMU sind frei, sich für eine Projektteilnahme zu bewerben.</p>  Antwort des Bundesrates.