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Der Bundesrat muss die Zulassung der Insektizids Clothianidin genauer prüfen. Grund dafür sind die umstrittenen Auswirkungen auf die Bienen. Im badischen Rheintal stellten die Imker im Jahr 2008 ein massenhaftes Bienensterben fest. Der Verdacht fiel auf Clothianidin: Mit dem Mittel wird unter anderem Maissaatgut gegen den Schädling Maiszünsler gebeizt, und das Bienensterben ereignete sich in den Tagen, nachdem in der Gegend der Mais ausgesät wurde. Kurz darauf wurde Clothianidin von den deutschen Behörden verboten. Auch in Italien und Frankreich ist das Mittel inzwischen verboten.
Für die Bienen giftig
Für die Baselbieter Grünen-Nationalrätin und Biobäuerin Maya Graf ist das Grund genug, das Mittel auch in der Schweiz zu verbieten. Eine Motion von ihr, die verlangt, dass das Mittel sistiert und langfristig nicht mehr zugelassen wird, war im Dezember 2009 vom Nationalrat angenommen worden. Der Ständerat lehnte am 11. März 2010 zwar die sofortige Sistierung ab, verlangt vom Bund aber eine Überprüfung des Mittels.
Die Imker stellen sich auf den Standpunkt, dass das Nervengift Clothianidin zumindest in der Schweiz gleich behandelt werden sollte wie in den Nachbarländern. Neben Deutschland sei Clothianidin auch in Italien und teilweise in Frankreich verboten, sagt Richard Wyss, Präsident des Vereins der deutschsprachigen und rätoromanischen Bienenfreunde (VDRB).
Für die Ackerbauern wichtig
Die Ackerbauern kennen das Clothianidin von Präparaten, die "Poncho", "Elado" oder "Modesto" heissen. "Clothianidin gehört zur Gruppe der Neonicotinoide", sagt Olivier Sonderegger, Geschäftsführer des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes. "Ein Verbot all dieser Wirkstoffe würde nicht nur den Maisanbau, sondern auch den Raps, die Zuckerrüben und das Getreide betreffen." 99 Prozent des Rapssaatgutes und über 95 Prozent des Zuckerrübensaatgutes würden mit diesen Wirkstoffen gebeizt und bis zu 15 Prozent der Wintergerste. Auch Gemüse- und Obstbau wären von einem Verbot betroffen.
Man vermutet, dass die Bienen im deutschen Rheintal durch Staubentwicklung bei der Saatausbringung mit dem Clothianidin in Kontakt gerieten. Das Clothianidin haftete zu wenig stark am Saatgut. Vor diesem Hintergrund hat Deutschland inzwischen ein Granulat mit dem gleichen Wirkstoff unter bestimmten Bedingungen wieder zugelassen. Sonderegger hält dies für keine gute Lösung: Der Wirkstoff könne so viel weniger gezielt ausgebracht werden, die Bodenfläche, die mit dem Mittel in Kontakt käme, wäre neun Mal grösser als mit gebeiztem Saatgut.
Sicherheitsmassnahmen
Das Bundesamt für Landwirtschaft hat im letzten Jahr in einem Praxisversuch untersucht, unter welchen Bedingungen die Bienen welchen Gefahren ausgesetzt sind. Und kam zum Schluss, dass für die Bienen keine Gefahr besteht, wenn die Richtlinien für die Ausbringung eingehalten werden. Um ganz sicher zu gehen, führte das BLW die Pflicht ein, das Saatgut ordnungsgemäss zu beizen und bei den Sämaschinen so genannte Deflektoren anzubringen, eine Art Metallplatten, die dafür sorgen, dass entstehender Staub in Richtung Boden gedrückt wird. Sonderegger ist überzeugt, dass die meisten Maschinen in der Schweiz inzwischen damit ausgerüstet seien.
Die Prüfung des Clothianidins sei vielleicht gar nicht so schlecht, sagt Sonderegger. Dann habe man Klarheit und könne sich auch gegenüber den Imkern absichern. Das sei wichtig, denn: "Es gibt keine Alternative."