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Srila A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada, (1896 bis 1977) Bhakti-Yoga Lehrer
Der Herr beherrscht und besitzt alles Beseelte und Unbeseelte im Universum. Der Mensch soll daher nur die Dinge annehmen, die er braucht und die ihm als Anteil zur Verfügung gestellt sind. Er soll nicht andere Dinge nehmen, weiss er wohl, wem sie gehören. (Sri Isopanisad, Erster Mantra)
Niemand will sterben, sondern ein jeder möchte leben, solange er sich noch irgendwie dahinschleppen kann. Diese Neigung ist nicht nur bei Einzelnen zu beobachten, sondern auch bei Gemeinschaften, Gesellschaften und Nationen. Alle Arten von Lebewesen stehen in einem schweren Lebenskampf, und in den Vedas (den Heiligen Texten Indiens) heisst es, dass dies durchaus natürlich ist. Das Lebewesen ist seiner Natur nach ewig, doch weil es im materiellen Dasein gefangen ist, muss es immer und immer wieder seinen Körper wechseln. Diesen Vorgang bezeichnet man als "Seelenwanderung", und diese Wanderung ist auf Karma-bandhana oder Bindung an das eigene Tun zurückzuführen.
Nach dem Gesetz der Natur muss das Lebewesen tätig sein, um für seinen Unterhalt zu sorgen. Wenn es dabei nicht seinen vorgeschriebene Pflichten gemäss handelt, übertritt es die Naturgesetze und bindet sich immer mehr an den Kreislauf von Geburt und Tod.
Das menschliche Leben unterscheidet sich vom tierischen durch die grossen Verantwortungen, die es mit sich bringt. Andere Lebensformen sind ebenfalls an den Kreislauf von Geburt und Tod gebunden, doch wenn das Lebewesen einen menschlichen Körper bekommt, bietet sich ihm die Möglichkeit, vom Gesetz des Karma frei zu werden.
Handlungen in Übereinstimmung mit den in den offenbarten Schriften erwähnten vorgeschriebenen Pflichten, werden als Karma bezeichnet. Handlungen, die das Lebewesen vom Kreislauf der Geburten und Tode befreien, nennt man Akarma, und Handlungen, die durch den Missbrauch der eigenen Freiheit entstehen und zu einem Leben in niederen Arten führen, heissen Vikarma. Von diesen drei Arten der Handlung bevorzugt ein kluger Mensch solches Tun, welches von der Bindung an das Gesetz des Karma befreit.
Gewöhnlich möchten Menschen Gutes tun, um anerkannt zu werden und in dieser Welt oder im Himmel eine höhere Lebensebene zu erreichen. Doch bedachte Menschen möchten von den Aktionen und Reaktionen des Tuns völlig frei werden, denn sie wissen genau, dass sowohl gute als auch schlechte Werke in gleichem Masse Ursachen der materiellen Leiden des Lebens sind.
Im Grunde braucht niemand mehr zu tun, als dem Herrn in Hingabe zu dienen, doch fühlt man sich meist nicht sogleich imstande, sich den Tätigkeiten des hingebungsvollen Dienstes zuzuwenden, noch vermag man, frei von jedem Selbstzweck zu handeln. Wir sind es gewohnt, zur Befriedigung unserer Sinne zu handeln, für unser eigenes, selbstsüchtiges Interesse, sei dieses unmittelbar auf die eigene Person bezogen oder auf andere ausgedehnt. Gewöhnlich arbeitet der Mensch, um die eigenen Sinne befriedigen zu können. Wenn er diesen Grundgedanken der Sinnenfreude ausdehnt, um seine Gesellschaft, seine Nation oder die Menschheit im allgemeinen miteinzubeziehen, entstehen solch vielversprechende Begriffe wie Altruismus, Sozialismus, Kommunismus, Nationalismus und Humanismus.
Diese "Ismen" sind zweifellos sehr anziehend wirkende Formen des Karma-bandhana (bindenden Tuns), doch die vedische Unterweisung der Isopanisad lautet, dass jemand, der wirklich für einen der oben genannten "Ismen" leben möchte, Gott in den Mittelpunkt dieses "Ismus " stellen soll. Es schadet nichts, wenn man ein Familienvater, ein Altruist, Sozialist, Kommunist, Nationalist oder Humanist wird, vorausgesetzt, man handelt in einer Lebensauffassung, die Gott in den Mittelpunkt stellt.