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Als Bencic in Tokio gefragt wurde, ob sie und Viktorija Golubic bereit dafür seien, die seit 2008 anhaltende Medaillenserie von Swiss Tennis an Olympischen Spielen fortzusetzen, «lachte ich euch am Anfang beinahe aus, dachte ich, das wird wahrscheinlich schwierig.» Nun gewann sie Gold im Einzel und Silber im Doppel, womit sie die erfolgreichste Schweizerin an diesen Spielen ist.
Der Erfolg hatte sich insofern nicht abgezeichnet, als Bencic zuvor in diesem Jahr trotz zweier Final-Qualifikationen bloss 17 von 31 Partien zu ihren Gunsten entschied. In Wimbledon, dem letzten Turnier vor Tokio, wo sie sich jeweils gute Chancen ausrechnet, war sie in der ersten Runde sang- und klanglos an der Slowenin Kaja Juvan (WTA 102) gescheitert. «Das war für sie eine schwierige Situation», sagte ihr Freund und Fitnesstrainer Martin Hromkovic. Danach hatte sie vier Tage frei, die beiden redeten viel, weinten viel. Das Motto lautete, alles Schlechte zur Seite zu legen.
In der Folge trainierte Bencic intensiv in der Slowakei und in der Schweiz. Als sie dann im olympischen Dorf ankam, für sie eine Premiere, gab ihr das eine «wahnsinnige Energie», wie sich Hromkovic ausdrückt. Für einen Sportler gebe es keinen besseren Ort. Diese Energie trug die 24-jährige Ostschweizerin im Einzel zu vier Dreisatz-Siegen in Serie und dem grössten Erfolg in ihrer bisherigen Karriere.
Früh gefördert
Diese Karriere ist geprägt von Auf und Abs. Bencic wurde früh von ihrem Vater gefördert. Schon mit sechs Jahren trainierte sie ein halbes Jahr in Florida in der Akademie des legendären Nick Bollettieri, der zahlreiche Topspieler ausgebildet hat. Die Erfolge stellten sich rasch ein. Mit 17 Jahren stand sie am US Open im Viertelfinal, kurz vor ihrem 19. Geburtstag schaffte sie im Ranking zum ersten Mal den Sprung in die Top Ten - aktuell ist sie die Nummer zwölf. Ihre Zukunft schien rosig zu sein, doch sie wurde immer wieder von Verletzungen gestoppt. Am 11. September 2017 ist sie nur noch die Nummer 318 der Welt. Viele schreiben sie schon ab. Doch sie kämpfte sich zurück.
Das hat auch mit Hromkovic zu tun, der sie dank gut getimtem Training nicht nur fitter gemacht hat, sondern auch ihr Psychologe und wenn nötig Coach ist. «Sein Anteil ist riesig», sagte Bencic. «Er ist ebenfalls Sportler (Fussball, die Red.), versteht mich, weiss genau, wie ich mich in welchem Moment fühle. Und obwohl wir ein Paar sind, ist er im Training hart zu mir. Das ist mega wichtig.» Hromkovic hebt ihren Fokus während den Einheiten hervor: «Sie gibt immer 110 Prozent.»
Ein Schlüssel zum Triumph in Tokio war Bencics Widerstandsfähigkeit, in der Psychologie Resilienz genannt. Sie liess sich nie unterkriegen, befreite sich immer wieder aus kritischen Situationen. Arbeitet sie speziell diesem Bereich? «Es ist unser Job, mental stark zu sein. Ich denke, jeder Spitzensportler hat das in sich», denkt sie. «Auf der anderen Seite härtet dich die Tour ab. Durch die vielen Spiele arbeiten wir automatisch daran, diesbezüglich ist das die beste Schule. Aber logisch mache ich auch separat etwas in diesem Bereich.»
Mit sich im Reinen
Zwar ist für Bencic eine Niederlage «das schlimmste Gefühl», sie hat jedoch gelernt, mit solchen umzugehen, «Rückschläge gibt es in jeder Karriere, glaube ich.» Das Wichtigste ist für sie, mit sich im Reinen zu sein, «alles für seinen Traum zu tun. Wenn man immer alles gibt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, irgendwann belohnt zu werden.»
Dass dem so ist, hierfür ist Bencic der beste Beweis. Ihre Beharrlichkeit, der Wille nie aufzugeben, hat sich in Tokio ausbezahlt. «Ich brauche nun etwas Zeit, um all das zu verdauen, werde nun feiern und glücklich sein», führte sie aus. Deshalb hat sie das am 9. August beginnende Turnier in Montreal abgesagt. Doch egal was nun noch kommt, «auch wenn ich kein Spiel mehr gewinnen sollte, das kann mir niemand mehr nehmen.»