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Und: Er zeigt Verständnis dafür, dass die Amerikaner die Schweizer Pharmaindustrie als Trittbrettfahrer sehen.
"In den Augen der Amerikaner profitieren die Europäer davon, dass die Amerikaner bezahlen, während die europäischen Länder die Medikamentenpreise drücken", sagte Thomas Cueni, seit Anfang Monat Generaldirektor der Internationalen Pharmahersteller und -verbände in Genf, im Interview mit der "Sonntagszeitung".
Dahinter steckt die amerikanische Sichtweise, wonach die USA einen Löwenanteil für die Entwicklung neuer Medikamente bezahlten. Vor diesem Hintergrund werde der amerikanische Präsident Donald Trump Druck auf die Europäische Union, Japan, Südkorea und auch die Schweiz aufsetzen.
Cueni erachtet es als "Behinderung des Marktes", wenn in der Schweiz "heute weniger als die Hälfte der 76 von den USA seit 2013 prioritär zugelassenen Medikamente von der Krankenversicherung bezahlt werden". Trump habe den Pharmavertretern deutlich gemacht , dass er diese "Trittbrettfahrer-Mentalität anderer Länder" in Handelsgesprächen thematisieren wolle.
Neue Preismodelle für Medikamente
Deshalb denkt man in Schweizer Pharmachefetagen über neue Preismodelle statt über generell tiefere Medikamentenpreise nach. Cueni führt aus, dass es denkbar wäre, dass Pharmafirmen für den Therapieerfolg eines Medikaments behaftet würden oder dass eine Geld-zurück-Garantie eingeführt werden könnte.
"Ein anderer Ansatz ist, dass Pharmafirmen mit Spitälern und Krankenversicherern einen Vertrag abschliessen", so Cueni. Wenn dann ein Medikament die Behandlungsdauer verkürze , würden sie dafür eine Prämie erhalten. Cueni geht davon aus, dass solche Modelle Schule machen werden.
Zudem geht Cueni davon aus, dass sich die Schweiz darauf einstellen müsse, dass die USA die Gewinnsteuern massiv senken werde, "was die USA für Investitionen viel attraktiver machen"werde. Deshalb müsse auch die Schweiz weiterhin attraktiv bleiben.
Diese Überlegungen stehen vor dem Hintergrund, dass in der Schweiz die Medikamentenexporte rund 40 Prozent aller Warenausfuhren ausmachen. Cueni sieht darin weniger ein Klumpenrisiko als mehr einen "riesigen Vorteil". Denn die Pharmaindustrie sei weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen und"sie hat den Schock des starken Frankens besser aufgefangen", so Cueni.
(AWP)