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Das Einzige, was im Kanton Freiburg mit seiner Kultur der Vielfalt schwarz-weiss ist, ist sein Wappen, lautet ein Bonmot. Und das trifft den Nagel wohl auf den Kopf. Auch der Reisende, der von Genf, Lausanne, St. Gallen oder Zürich am Bahnhof der Kantonshauptstadt ankommt, erblickt auf dem Bahnhofplatz als Erstes die Flaggen der Bezirke: den Saanebezirk mit der Freiburger Stadtmauer, Greyerz mit dem Kranich – französisch «Grue» –, die Broye mit ihrer Rose, den Glanebezirk mit seiner Burg, den Seebezirk mit dem Murtner Löwen, den Sensebezirk mit dem Landsknecht und den Vivisbach mit seinem Adler.
Quadratischer Sonderfall
Flaggen und Wappen spielen in Freiburg tatsächlich eine sehr wichtige Rolle, auch wenn das Kantonswappen in seiner heutigen Form erst zu Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Schwarz und Weiss als Wappenfarben wurden zuvor mit einem weissen Kreuz im schwarzen Feld verwendet. Die dadurch entstandenen vier Abtrennungen im schwarzen Feld symbolisierten die vier mittelalterlichen Stadtpanner (Stadtquartiere) Au, Burg, Neustadt und Spital, welche den Staat regierten. Jede Pfarrei des Freiburgerlandes war damals einem der vier Panner unterstellt. Der Venner jedes Panners übte mit dem Burgermeister und den Weibeln die Polizeigewalt aus, und auch in Kriegszeiten folgten die Wehrfähigen einem der Stadtpanner. Mit der Zeit wurde das Kreuz aus dem Wappen entfernt. Bis zum Zusammenbruch der Stadtpanner wurde das Stadtwappen übrigens zusammen mit dem Kantonswappen verwendet, was zu den alten Kantonsfarben Schwarz und Blau führte, die man heute noch im Logo des HC Freiburg-Gottéron wiederfindet. Der Gottéron-Drache ist freilich viel jüngeren Ursprungs. Erst seit den 1990er-Jahren ziert er das Vereinslogo, inspiriert von der nordamerikanischen Hockeyliga NHL.
Das Freiburger Hochbauamt besitzt gegenwärtig total rund 500 Fahnen und Banner. «Darunter sind Fahnen und Banner der Schweiz, der Kantone, der Bezirke, Europas und der UNO», wie Corinne Rebetez, Kommunikationsverantwortliche der Raumplanungs-, Umwelt- und Baudirektion, festhält.
Die Fahnen und Banner haben verschiedene Grössen, wobei die Flaggen der Eidgenossenschaft und der Kantone traditionellerweise quadratisch sind. Diese Sitte hat ausserhalb der Schweiz nur noch im Vatikanstaat überlebt. Alle anderen Nationalflaggen der Welt sind rechteckig, mit Ausnahme Nepals, deren Fahne die Form von zwei übereinanderliegenden Wimpeln hat.
Das kleinste Format im Besitz des Hochbauamts ist 1,20 Meter mal 1,20 Meter, das grösste 4 Meter mal 4 Meter. Die Oberämter, der Grosse Rat und die Staatskanzlei würden ihre eigenen Fahnen besitzen. Historische Fahnen besitze man beim Hochbauamt nicht. «Bei jedem 1. August und jedem Fronleichnamsfest klettern unsere Mitarbeiter Tausende von Treppenstufen hoch, um die Fahnen zu installieren», so Rebetez weiter. «Beim 1. August handelt es sich etwa um 3700 Stufen.» Auch für jede Sitzung des Grossen Rats würden die Saaldiener Fahnen hissen, ebenso bei kantonalen Wahlen oder beim Besuch einer politischen Persönlichkeit.
In den USA ist man strenger
In anderen Ländern ist der Gebrauch von Staatsflaggen gesetzlich streng geregelt. So ist es etwa in Dänemark Privatpersonen nicht gestattet, ihr Haus mit anderen Nationalflaggen als denen der nordischen Länder sowie der Flagge der Europäischen Union und der Vereinten Nationen zu schmücken.
Ist eine US-Flagge beschädigt oder ausgeblichen, so dass sie nicht mehr als Symbol der Vereinigten Staaten geeignet ist, so sollte sie gemäss dem US-Flaggengesetz würdevoll vernichtet werden, vorzugsweise durch eine zeremonielle Verbrennung. Umgekehrt ist es in Saudi-Arabien streng verboten, eine Flagge zu entsorgen, zu vernichten oder auch nur auf halbmast zu setzen, weil auf ihr das islamische Glaubensbekenntnis abgebildet ist.
Hierzulande ist man um einiges toleranter. «Im Kanton Freiburg gibt es kein Gesetz, das vorschreibt, wann oder wo eine Fahne gehisst werden muss», sagt Corinne Rebetez.
«Die Preise variieren»
Das Hochbauamt bestellt seine Fahnen bei der Berner Fahnenfabrik Hutmacher-Schalch AG. «Es gibt sehr wenig Fahnenfabriken in der Schweiz und keine einzige im Kanton Freiburg», so Rebetez.
Die Preise würden je nach Art, Format und Ausführung der Fahnen und Banner variieren. Ebenfalls eine Rolle spiele es, ob es sich um eine in Serie hergestellte Fahne wie die Schweizer Fahne handle oder um eine Sonderanfertigung auf Bestellung hin wie etwa im Fall der Bezirksfahnen.
100 Prozent Polyester
Die Fahnenfabrik Hutmacher-Schalch AG in Bern existiert seit 1880 und ist ein Familienbetrieb in dritter Generation. Inhaber Pierre Karlen ist mit den heutigen Zeiten allerdings alles andere als zufrieden. «Die 1.-August-Fähnchen waren früher einmal ein Geschäft», sagt er. «Mittlerweile kommt alles aus China oder Osteuropa.» Qualität sei bei den Privatkunden nicht mehr gefragt. Es müsse einfach billig sein. «Das ist eben die Globalisierung», seufzt Karlen.
Die Firma habe aus diesem Grund nur noch sechs Mitarbeiter. Sie habe zwar noch eine eigene Näherei, aber die meisten Fahnen würde sie in den Niederlanden produzieren lassen. Dort legten die Hersteller wenigstens noch einen gewissen Wert auf Qualität. Überleben würde die Fahnenfabrik hauptsächlich dank der Schweizer Armee und ihren Waffenplätzen. «Dort spielt die Qualität noch eine Rolle», so Karlen. Das Geschäft mit Fahnen für Firmen und Events sei hingegen ebenfalls drastisch eingebrochen.
Eine Standard-Schweizerfahne besteht gemäss Karlen heutzutage zu 100 Prozent aus Polyester und sei 160 Gramm schwer. Die wichtigsten Anforderungen an eine Fahne seien Wetterfestigkeit und Dauerhaftigkeit. Das gebräuchlichste Format seien 1,50 mal 1,50 Meter für Gemeinden, für grössere Städte auch 2 mal 2 Meter.
Das Rot für die Schweizer Fahne sei das «Ral 320» gemäss der sogenannten Ral-Norm. Für die Freiburger Fahne brauche man ein simples Schwarz. «Ein dreckiges und ein sauberes Leintuch – so sagt man doch in Freiburg?», schmunzelt Karlen.
Zahlen und Fakten
Die Geschichte der Schweizer Fahne
Das Schweizerkreuz wurde bereits von den Alten Eidgenossen als Feldzeichen verwendet. Die früheste dokumentierte Verwendung geht auf die Schlacht von Laupen 1339 zurück. Zwischen 1450 und 1520 entwickelte sich das Schweizerkreuz zum nationalen Erkennungszeichen. Eine erste gesamteidgenössische Fahne existierte während der Helvetischen Republik von 1798 bis 1803. Es war eine grün-rot-gelbe Trikolore nach französischem Vorbild. Das Grün als Farbe der Helvetik findet sich noch in den Fahnen der 1803 neu gebildeten Kantone St. Gallen, Thurgau und Waadt wieder. 1815 wurde das Schweizerkreuz schliesslich zum offiziellen Wappen. 1848 wurde die damalige eidgenössische Militärfahne vom neu gegründeten Bundesstaat übernommen.