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Guido Bachmann
1940-2003. Lebte als freier Schriftsteller und Schauspieler in St. Gallen und wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet. Verstorben am 19. Oktober 2003.
(2016)
Werke (Auswahl)
Lebenslänglich. Eine Jugend.
Lenos Verlag, 1997
Die Wirklichkeitsmaschine.
1994
Dionysos.
1990
Der Basilisk.
1987
Echnaton.
1982
Lebenslänglich. Eine Jugend
Lenos Verlag, 1997
Aus: Guido Bachmann. Lebenslänglich. Eine Jugend. Lenos Verlag, 1997
Ich bin kein Schweizer. Meine Mutter blieb bis zu ihrer Heirat Italienerin. Danach wurde sie Schweizerin. Sollte ich mich meines Vaters wegen als Schweizer fühlen? Ich kann mich mit diesem Land nicht identifizieren, obwohl ich einen Schweizerpass habe. Mein Identifikationsvermögen ist ohnehin gering. Ich verabscheue Vaterlandsliebe. Ein Mutterland wäre vorzuziehen. Der Vater meiner Mutter hat nicht gewusst, dass seine Familie 1492 von Ferdinand dem Katholischen aus Spanien vertrieben worden war: mein Grosvater mütterlicherseits war eben ein katholischer Italiener spanisch-jüdischer Herkunft, der als Baumeister in die Schweiz eingewandert und hier Italiener geblieben ist, so dass Schulkinder, es geschah im Luzernischen, meiner Mutter „Tschinggelemore, Dräck a dr Schnore“ nachgerufen haben. Als Knabe hat es mich tief beeindruckt, dass meine Mutter mit Pferdeäpfeln nach den johlenden Kindern geworfen hatte. Sie musste mir das Vorkommnis immer wieder erzählen. In die Bewunderung mischte sich allerdings ein Ekelgefühl; denn es hätte mich gegraust, einen Pferdeapfel in die Hand zu nehmen, obschon ich während des Krieges, Bern war autoverkehrsfrei, zusehen konnte, wie die Zugpferde kackten.
So, 11.05.97, 14:30
Die Wirklichkeitsmaschine
1994
Aus: Jubiläum, unveröffentlicht
1990
Aus: Guido Bachmann. Dionysos. 1990
Der Krieg sei der Vater aller Dinge, sagte Heraklit. Ein kühner Kopf; denn dass technische Errungenschaften durch Kriege verfeinert werden, ist wohl wahr. Man denke an Flugzeuge: die rasante Ent wicklung der Luftfahrt ist dem Bombenabwurf sagen wir mal auf potentielle Passagiere mehr zu verdanken als dem Transport derselben. Beispiele liessen sich beliebig anfügen.
Verhöhnte man Heraklit ein wenig, müsste Vater Krieg, der doch ein alles Erzeugender sei, auch für gewisse Geisteskinder zur Verantwortung gezogen werden, für eine Haltung mindestens, die mit Geist wenig und mit Geld viel zu tun hat.
Er wäre auch Kindsvater des Jubiläumstingeltangels jener ewig gestrigen Gurgeln, die als erinnerungswütige Zukunftskneifer etwas so Schreckliches wie den Ausbruch des zweiten Weltkrieges zu einem gesamt helvetischen Jekami hirnwütiger Nostalgie herabwürdigen und die im Hinblick auf das Dezimalsystem, da vor fünfzig Jahren mobilisiert worden ist, zum historischen Happening emporstilisieren wollen, das sich schon jetzt als gespenstisches Szenario ankündigte.
Diese dekorierten Gralshüter eines geschichtlichen Phantoms sind Fälscher. Die Schweiz, behaupten sie, habe man nicht angegriffen, weil man so gut gerüstet gewesen sei. Das ist ins Reich der Fabeln zu verweisen. Die Schweiz wurde aus kühlem Kalkül heraus nicht angegriffen.
So, 12.05.91, 13:30
Der Basilisk
1987
Aus: Guido Bachmann. Der Basilisk. 1987
Jetzt, da er, Claudio Reich, auf Freuds Couch liege, möge er, Freud, versichert sein, alles, aber auch wirklich alles erzählt zu bekommen! Wie immer sei er, Claudio, vom Basiliskenhaus an der Schönlauterngasse direkt in Freuds Praxis an die Bergstrasse versetzt worden, und allmählich dämmere ihm, Claudio, weshalb ein solcher Schritt in der Zeit und in die Zeit hinein möglich sei, dass der Basilisk, dieses Ungeheuer, dabei eine entscheidende Rolle spiele, müsse eigentlich auch Freud einsehen.
Fr, 29.05.87, 20:00
Echnaton
1982