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Unipublic: Herr Stahel, Sie haben kürzlich gemeinsam mit Divisionär aD Louis Geiger, Chefredaktor der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift (ASMZ), das «Forum Humanitäre Schweiz» ins Leben gerufen. Was ist der Zweck dieses Forums?
Albert A. Stahel: Zweck des Forums ist primär die Unterstützung der Tätigkeiten unserer verschiedenen humanitären Organisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Bundes. Die Bevölkerung und die Politiker der Schweiz sollen über deren Tätigkeiten und Aktionen informiert werden. Gleichzeitig soll aber auch das Ausland, insbesondere die Regierungen und Bevölkerung von Staaten in Krisengebieten, über die Durchführung humanitärer Aktivitäten informiert werden. Dazu gehört die Information über die Ziele und Absichten, die damit verbunden sind.
Ist das Bild der humanitären Schweiz in der Welt trotz IKRK oder der Genfer Konventionen noch nicht bekannt genug?
Leider werden Regierungen und Bevölkerung der erwähnten Staaten durch unsere Behörden nicht immer in vollem Umfang informiert. Der Handlungsbedarf besteht primär in einer besseren Informationspolitik in der Schweiz sowie im Ausland. Die Schweiz sollte sich mehr an der Devise orientieren: Tue Gutes und sprich darüber.
Sie sind Dozent am Institut für Politikwissenschaft, Abteilung Internationale Beziehungen an der Universität Zürich. Trägt auch die Universität Zürich zu den Aktivitäten des Forums bei?
Der Beitrag der Universität Zürich besteht in der Durchführung von Tagungen und Seminarien über die humanitären Aktionen der Schweiz. Dabei werden externe Referenten zu aktuellen Themen eingeladen. Jede Tagung und jedes Seminar soll zuhanden der beteiligten Organisationen auch ausgewertet werden.
Ein konkretes Beispiel für die Tätigkeitsfelder des Forums ist Afghanistan. Wie kann das Forum «Humanitäre Schweiz» den Wiederaufbau in Afghanistan unterstützen?
Bezüglich des Wiederaufbaus von Afghanistan konzentrieren wir uns im Augenblick auf die Förderung einzelner Universitäten. Schrittweise sollen Infrastruktur und Lehrmittel dieser Hochschulen mit Schweizer Hilfe verbessert werden. Dabei wollen wir die direkten Kontakte zwischen afghanischen und schweizerischen Universitäten fördern.
Gibt es bereits Kontakte, bzw. einen Austausch der Universität Zürich mit Universitäten in Afghanistan?
Durch meine Person bestehen Kontakte zu den Universitäten in Bamjyan, Jalalabad, und Herat. In diesem Zusammenhang darf ich erwähnen, dass ich seit kurzem eine ehrenamtliche Funktion als Berater des Ministers für Higher Education inne habe. Nachdem die ETHZ direkt mit der Universität Bamjyan zusammenarbeitet, wäre mein Wunschkandidat für die Universität Zürich die Universität von Herat. Diese ist nicht sehr gross, bietet aber aufgrund der historischen Vergangenheit der Stadt – sie wurde von Alexander dem Grossen gegründet – für uns interessante Aspekte.
Wo liegt der konkrete Nutzen einer solchen Zusammenarbeit für die afghanischen Universitäten?
Die afghanischen Universitäten profitieren vor allem vom Wissenstransfer und der Verbesserung von Lehre und Forschung. Hier besteht aufgrund der Kriege in den vergangenen 25 Jahren ein riesiger Nachholbedarf.
Was hat die Universität Zürich von einer solchen Unterstützung?
Den Nutzen für die Universität Zürich sehe ich vor allem in den Kontakten mit einer islamischen Gesellschaft und der Ausstrahlung dieser Kontakte in unsere Welt. Der Beitrag zur Verbesserung des Rufes unserer Universität in Europa durch solche Aktivitäten darf nicht unterschätzt werden.
Sie kommen soeben von einer Reise aus Afghanistan zurück. Wie sieht die Situation nach den Parlamentswahlen vom 24. September aus?
Die politische Situation in Afghanistan hat sich den Parlamentswahlen eindeutig verbessert, dies obwohl diese Wahlen durch Korruptionsfälle belastet wurden. Nun organisieren sich die Parlamentarier zu Parteien und wollen auch eine Opposition zur Regierung bilden. Ein weiterer Beitrag zur Verbesserung der Lage und der Stimmung im Lande wäre der Abzug der Truppen der USA und ihrer Koalition. Die Amerikaner sind heute als Folge ihres Vorgehens bei Hausdurchsuchungen und willkürlichen Verhaftungen unbeliebt, wenn nicht sogar verhasst. Al-Kaida ist heute in Afghanistan ein Phantom und nur bedingt eine Realität. Ein anderes Problem ist der Anbau von Schlafmohn. Hier hat man den Eindruck, dass seitens der Koalition dieser Anbau bewusst oder unbewusst tatenlos verfolgt wird. Grundsätzlich bin ich aber bezüglich der Zukunft des Landes und seiner gastfreundlichen Menschen optimistisch.