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„Ich nehme wahr, dass …“ oder „ … das ist meine Wahrnehmung“ sind Aussagen die, treffen sie auf mein Ohr (oder Auge), in mir ein Unruhe und Irritation auslösen. Auf mein Nachforschen, was denn damit gemeint sein könnte, was denn da für wahr genommen wird, ernte ich oft mehr Konfusion als Klarheit. Weshalb denn? Ein Versuch der Klärung.
Beispielhaft der Satz „ich nehme schon wahr, dass hier nicht alles so integer ist wie es sollte“. Zum Einen beinhaltet der Satz in der zweiten Hälfte Urteile des Sprechers. Da ist etwas nicht so, wie es vom Sprecher erwartet wurde oder wird und darüber wird ein Urteil gefällt. Zum Anderen wird das in der ersten Satzhälfte für wahr genommen. Es IST so.
Damit beginnt mein „Schwimmfest“: worauf bezieht sich der Sprechende? Wo ist da die Beobachtung? Was wurde gesagt oder getan was im Sprechenden diese Beurteilung auslöst? Rückfragen münden oft in Rechtfertigung, Ausweichen oder vage Aussagen wie „das spürt man doch“ oder „das ist feinstofflich“. Die Wahrnehmung ist da oft weit von Beobachtungen entfernt.
In mir habe ich ein grosses Ja zu Phänomenen, die wir technisch-wissenschaftlich noch nicht erklären können, Phänomenen zu deren Erkennen wir noch nicht geschult sind um sie zu benennen. Dennoch „geschehen diese Dinge“ in unserer realen Welt und können – zumindest die Wirkungen davon – beobachtet werden. Diese Beobachtungen zu erkennen und zu benennen, würde zumindest mir helfen, mein Gegenüber besser zu verstehen. Ich hätte dann die Möglichkeit, die gemeinsame Basis des weiteren Gespräches zu kennen und zu teilen.
Ähnlich ist das mit sogenannten Doppelsignalen, der Inkongruenz von (zum Beispiel) Aussage und Körpersprache: Jemand sagt „das erleichtert mich aber sehr“ und schaut dabei mit gekreuzten Armen an mir vorbei zu Boden.
Diese Doppelsignale werten wir in der Regel unbewusst aus (weil kaum trainiert, diese Dinge einzeln als Beobachtungen klar zu haben) und hängen bleibt die Inkongruenz. Diese macht uns skeptisch und wir tendieren der Körpersprache zu folgen.
So mag es denn sein, dass ich dann eben „wahrnehme“, dass dieser Jemand eben ein unaufrichtiger und verklemmter Mensch ist. Nein, eine Beobachtung habe ich nicht, doch das spüre ich klar…
Dieses Beispiel zeigt, wie unzulänglich die Wahrnehmung im allgemeinen Sprachgebrauch ist. Und es zeigt auch: Doppelsignale tragen auch Erwartungen in sich. Hier, welche Körpersignale jemand auszusenden hat. Es zeigt auch, wie wenig bereit wir oft sind, genau in diesen Fällen zu verlangsamen und in Verbindung zu gehen: „da hat mich etwas irritiert, nämlich die Körpersprache und ich habe das Bedürfnis nach Klarheit was da zwischen uns abgeht. Magst du mir sagen, wie das für dich ist?“. So lange, bis ich die Verbindung mit dem Gegenüber wieder habe und nicht mehr unbewusst erwarte, urteile und das alles unter „Wahrnehmung“ zusammenfasse.
Ich ermuntere mich und dich als LeserIn: lassen wir die „Wahrnehmung“ und schärfen wir unsere Beobachtungen und Verbindungsfähigkeit! Für mehr Frieden in uns und der Welt.