Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03461.jsonl.gz/2932

Nächtliches Fest am Fluss Arti in Indien
DER INDIEN MYTHOS IM WESTEN in Lugano
OLIVIERO TOSCANI – IMMAGINARE in Chiasso
CHRISTA de CAROUGE in Zug
DER INDIEN MYTHOS IN DER WESTLICHEN KULTUR 1808-2017
-21. Januar 18
Lugano LAC www.luganolac.ch
Indien mit seinem alten Wissen, dem vielfältigen Götterkosmos, den reichen Traditionen, dem farbigen Kunsthandwerk und den spirituellen Traditionen bot sich dem Abendland seit langem zur Erweiterung des Bewusstseins, aber auch zu exotischen Projektionen an. Die aufwändige und interessante Tour d’horizon in Lugano untersucht die letzten zweihundert Jahre der Wirkungsgeschichte des Subkontinents auf Europa und Nordamerika. Wie haben die Kolonialisten im 19. Jahrhundert mit dem stereotypen Blick, wie die Sympathisanten Gandhis das Land vor und nach der Unabhängigkeit 1949 erlebt, wie haben bildende Künstler, Psychologen, Schriftsteller, Musiker, Filmregisseure, Choreographen und Fotografen Indien wahr genommen? Was haben die Heilssucher gesucht? Im 19. Jahrhundert stösst man auf Aquarelle, handkolorierte Aquatinta-Drucke und frühe Fotografien des Landes. Um die Jahrhundertwende sind Einflüsse auf den Symbolisten Gustave Moreau, auf die Expressionisten E.L. Kirchner und Max Pechstein auszumachen, aber auch ein Auftrags-Projekt an den Bildhauer Brancusi ist entstanden. Von Hermann Hesse ist aus den zwanziger Jahren die erste Abschrift von Siddhartha zu sehen, wobei die Erzählung ihre Wirkung erst in den 60er Jahren zur Flower-Power Zeit entfalten sollte. Das Rote Buch aus dem Jahre 1919-20 von C.G. Jung mit Mandalas ist zu sehen. Die Reisende und Schriftstellerin Ella Maillart wird erwähnt, welche die Kriegsjahre in Südindien verbrachte, und bei weiteren Besuchen im Jahre 1951 eine dort spielende Erzählung verfasste. Le Corbusier’s Projekt der Stadt Chandigarh – Hauptstadt zweier indischer Bundesstaaten und nach einer hinduistischen Gottheit benannt – wird gezeigt. An ein indisches Mudra lehnt sich sein bekanntes Monument der Offenen Hand an – Symbol für Freundschaft und Frieden.
In der Ausstellung wird das Medium der Fotografie stark gewichtet. Der Schweizer Fotograf Walter Bosshard gelangte zu Beginn der 30er Jahre nach Indien, als der indische Unabhängigkeitskampf wegen des allgemein zunehmenden Reportage-Journalismus in der Presse mehr Aufmerksamkeit erhielt. Der Fotoreporter konnte nicht nur die politischen Aktivitäten Gandhis dokumentieren, sondern hatte auch Zutritt zu dessen Privatleben. In seinem Buch Indien kämpft, bot Bosshard mit Fotografien, Zeugnissen und Gedanken einen aufschlussreichen Blick auf die politische Situation des Landes. Dann sind natürlich eben auch Fotografien verschiedener bekannter Fotografen von Chandigarh – wie z.B. von René Burri – zu sehen. 1947 kam der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson zum ersten Mal nach Indien. Er wurde für eine Stunde von Mahatma Gandhi empfangen und war der letzte Besucher von Gandhi: schon dreissig Minuten später kündigten die aufgebrachten und erschütterten Menschenmassen von Gandhis Ermordung. Eindrückliche Bilder von HCB zeigen dessen Beisetzung. Die Dokumentation wurde danach von LIFE veröffentlicht. Auch in den nachfolgenden Jahren kehrte HCB häufig nach Indien zurück. Eindrücklich sind die Fotografien des humanistischen Schweizer Fotografen Werner Bischofs, der 1951 Indien bereiste, und ein von Hunger, Not und Armut gezeichnetes Land zeigte. Sein tiefer Respekt für die spirituelle Kultur Indiens schwingt mit. Von Sebastiao Salgado, Martin Parr, Steve McCurry und Thomas Ruff liegen auch jüngere Fotografien vor.
Höhepunkt des Indien-Kults waren die 60er Jahre, als sich der Beatnik-Schriftsteller Allen Ginsberg auf den Hippie Trail dorthin begab, und mehr als ein Jahr in Indien verbrachte. Das Ergebnis waren die Indischen Tagebücher mit Texten und Fotografien. Höhepunkt war jedoch1968 der Aufenthalt der Beatles im Ashram des Maharishi Mahesh Yogi. Meditation, psychedelische Praktiken, Yoga und natürlich die Musik Ravi Shankars sollten den Westen zunehmend beeinflussen und erobern. Zeitgenössische Kunstwerke von Frank Stella, Robert Rauschenberg, Francesco Clemente, Richard Long und Luigi Ontani und anderen, die in Indien entstanden sind oder die Eindrücke davon verarbeiten, runden die bewusstseinserweiternde Ausstellung ab.
Lugano 31.12.17
OLIVIERO TOSCANI – IMMAGINARE
Verlängert, – 4.Februar 18
Chiasso m.a.x. museo www.centroculturalechiasso.ch
Die Ausstellung RAZZA HUMANA mit plakatartigen Menschenbildnissen des italienischen Fotografen Oliviero Toscani beginnt in Chiasso schon auf dem Weg zum Museum, im Corso S. Gottardo. Die Fotografien zeigen Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe und kulturellen Zugehörigkeit, und die Typologie ist breit gefächert. Dabei handelt es sich um eine Auftragsarbeit für die Vereinten Nationen für Menschenrechte, mit welcher Toscani vor 10 Jahren begonnen hatte, und die ihn in mehr als einhundert italienische Gemeinden und rund um die Welt führte. Die Ausstellung selber – im engagierten Museum M.A.X. in Chiasso – bildet eine Werkschau über die letzten 50 Jahre des unermüdlichen, lebenshungrigen und vielseitig begabten Fotografen, der 1942 in Mailand geboren wurde, und von 1961-65 an der Kunstgewerbeschule in Zürich Fotografie und Grafik studiert hatte. Seine Auftraggeber waren in der Folge Modelabels wie Esprit, Chanel, Fiorucci und vor allem Benetton, nebst vielen anderen. Ebenso arbeitete Toscani als Modefotograf für die Zeitschriften Elle, Vogue, GQ, Harpers Bazaar und weitere Magazine. Auch filmte er und führte Regie. Er war eines der Gründungsmitglieder der Architekturakademie Mendrisio und lehrte an verschiedenen Universitäten visuelle Kommunikation und schrieb mehrere Bücher zum Thema. Das Besondere an seiner Fotografie ist die Spontaneität der Aufnahmen, die Natürlichkeit der Modelle, aber auch die heftigen Tabubrüche: Toscani scheut nicht davor zurück, zu provozieren, schockieren und Grenzen zu überschreiten. So thematisiert er im Modekontext mit Werbeaufnahmen z.B. Aids, Invalidität, Umweltschäden, Naturkatastrophen, die Todesstrafe und andere kontroverse Themen und Tragödien der Gesellschaft. Gleichzeitig besingt er weltumfassende Verbindungen und globale Vielfalt. Zeitgeist, Atemlosigkeit, sprühende Fantasie und italienische Kreativität verbinden sich in ihm. In den letzten Jahren widmet er sich auch sozialen Projekten – zum Umweltschutz, gegen das Aussetzen von Haustieren, gegen Gewalt an Frauen, und anderen brisanten Themen.
Chiasso 30.12.17
CHRISTA de CAROUGE
-18. Februar 18
Zug Kunsthaus www.kunsthauszug.ch
Die Grande Dame und Modeschöpferin Christa de Carouge bespielt das Kunsthaus Zug in einer Textilausstellung mit den für sie charakteristischen Hüllen und Schichten, die mehr als Kleider sind. In ihren eigenen Worten bedeuten ihre Kleidungsstücke ,Wohnraum für die Menschen, die sich in sie einhüllen‘. Das Denken der 81-jährigen ,Dame en noir‘ wurde weder von Trends noch Modediktaten bestimmt, sondern ab den 70er-Jahren stehen für sie Aufbruch und Freiheit im Mittelpunkt. Der Anspruch an höchste Qualität der Stoffe versieht die Fasern und Gewebe mit taktilen und ästhetischen Qualitäten. Die Schnitte selber sind kühn, radikal und oft abstrakt. Die 1936 in Basel geborene Christa Furrer wuchs in Zürich auf, baute nach beruflicher grafischer Ausrichtung ab 1978 im hübschen Genfer Vorort Carouge ein Atelier auf, und präsentierte 1983 ihre erste Kollektion ganz in Schwarz. Sie liebt die Farbe Schwarz, ,weil diese nicht ablenke, sondern den Blick frei für Eigenheiten und Strukturen der Textilien lasse‘. Seit 1988 (-2013) betrieb sie in Zürich Tiefenbrunnen ein Geschäft mit den exklusiven Gewändern und Hüllen, und die Einrichtung des Ladens trug ebenso ihre minimalistische Handschrift: eine wahre Oase! Die Ausstellung in Zug wird ergänzt durch Skizzen und Fotos, und die BesucherInnen werden ausdrücklich eingeladen, gewisse der ausgestellten Kleider zu berühren und auf ,Tuchfühlung‘ zu gehen. Die Künstlerin Christa de Carouge ist häufig anwesend, hält Führungen und betrachtet die Ausstellung als Vollendung ihres Lebenswerks.
Zug 30.11.17
Christa de Carouge ist in der Nacht auf Mittwoch 17. Januar 18 verstorben.
Bitte überprüfen Sie die Ausstellungsdaten.
© Dagmar Huguenin 08.01.2018