Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03324.jsonl.gz/1462

Ein Tonpräparat gegen den Erdfloh in Zuckerrüben 2020
Hintergrund und Versuchsfragen
Seit dem Wegfall der insektiziden Beizung der Zuckerrüben im Jahr 2018 müssen Erdflöhe bekämpft werden, wenn sie an Keimblättern oder den ersten echten Blättern zu grosse Frassschäden verursachen. Zur direkten Bekämpfung sind nur Pyrethroide zugelassen. Da die Larven an den Zuckerrüben keinen Schaden verursachen, müssen die Zuckerrüben nur das Jugendstadium überstehen. Deshalb stellt sich die Frage, ob ein Repellent oder Stoffe, die die Frasstätigkeit hemmen, ausreichen, damit die Zuckerrüben das Jugendstadium überstehen. Aus anderen Anwendungen ist bekannt, dass Tonpräparate sowohl als Repellent wirken, wie auch die Frasstätigkeit hemmen können.
Folgende Versuchsfragen wurden untersucht:
- Wird der Schab- und Lochfrass durch ein Tonpräparat genügend reduziert?
- Kann beim herrschenden Erdflohdruck auf einen Pyrethroideinsatz verzichtet werden?
Methodik
|Anzahl Standorte||Anzahl Versuchsjahre||Anzahl Wiederholungen||Art des Versuchs||Aussagekraft|
|1||1||2||Spritzfenster||*|
Das Versuchsfeld lag im Weinland entlang eines Baches mit einer breiten Hecke. Die Sorte Samuela wurde nach Pflug- und Gareggeneinsätzen am 26.3.2020 in ein gut abgesetztes Saatbett gesät. Am 11.4.2020 waren bereits 80-90% der Zuckerrüben aufgelaufen und das Wetter sprach für einen Zuflug der Erdflöhe in den nächsten Tagen. Deshalb wurde an diesem Tag auch die erste Behandlung mit dem Tonpräparat im Keimblattstadium durchgeführt. Es wurden 6 kg/ha in 300l Spritzbrühe eingesetzt. Am Rand zur Hecke wurde ein grosses Spritzfenster als Kontrolle (Rand 2) angelegt. Die zweite Fahrgasse wurde nicht behandelt und die 3. Fahrgasse wurde wieder behandelt.
Ab dem 11.4.2020 fand der Zuflug statt. Schon am 16.4.2020 hatten sich die zwei ersten echten Blätter voll entwickelt. Deshalb wurde die Behandlung am 16.4.2020 wiederholt.
Am 18.4.2020 erfolgte der erste Herbizidsplit mit 1,5l/ha Médobet und 1kg/ha Metamitron. Da sich die Erdflöhe noch nicht über das ganze Feld verteilt hatten, wurden am 14.4.2020 die Befallshäufigkeit und Befallsstärke von Schab- und Lochfrass nur am Rand an 50 Pflanzen erhoben,. Weil die Bekämpfungsschwelle von 50% der Pflanzen mit Frassstellen am 23.4.2020 überschritten war, wurde 0,075l Karate Zeon zur Bekämpfung eingesetzt. Am 24.4.2020 wurde die Befallshäufigkeit aber auch die Befallsstäke an 50 Pflanzen in Form der Anzahl Schabstellen und Löcher separat auf den Keimblättern und den ersten echten Blättern ausgezählt.
Resultate
Erste Bonitur vom 11.4.2020
In der Kontrolle betrug die Befallshäufigkeit 52%, im behandelten Randabschnitt 28%. Der Einflug hatte von der Hecke her gerade erst begonnen und der Befall war in den äussersten zwei Randreihen grösser als schon ab der 4. Reihe. Da aber zufällig bonitiert wurde war die Varianz sehr gross und es ergab sich keine Signifikanz.
Bei der Befallsstärke waren die Unterschiede weniger gross als bei der Befallshäufigkeit. Im behandelten Abschnitt waren einzelne Pflanzen, die leicht verzögert aufgelaufen waren und wohl einen weniger guten Spritzbelag hatten sehr stark befallen, wohingegen der Befall in der Kontrolle etwas gleichmässiger verteilt war. Auch hier lag der p-Wert weit über 0.05.
Zweite Befallserhebung vom 24.4.2020
Da der Befallsdruck von der Hecke her ins Feld hinein auch nach 10 Tagen noch abnahm, konnten die Verfahren nicht statistisch miteinander verglichen werden. In beiden Vergleichen war der Befall in der Kontrolle höher. Dieser Unterschied zur Kontrolle war aber nicht signifikant. Bei immer gleichem Muster kann aber sicher von einer Tendenz gesprochen werden.
Bei der Befallsstärke waren am Rand, wo der Befall zu diesem Zeitpunkt höher und gleichmässiger war, die Unterschiede zwischen Kontrolle und behandelter Variante signifikant. So reduzierten die zwei Behandlungen die Befallsstärke auf den Keimblättern und den ersten zwei Laubblättern um rund 60%. Die Unterschiede im Feld waren aber wieder nicht signifikant.
Diskussion und Schlussfolgerung
Die Behandlungen mit dem Tonpräparat reduzierten die Befallsstärke am Rand signifikant. In allen anderen Verfahren zeigte sich das gleiche Muster, nämlich dass der Befall in der behandelten Variante tiefer lag. Da nicht signifikant kann hier aber nur von einer Tendenz gesprochen werden. Da der Erdflohdruck von der Hecke weg abzunehmen schien, wären die Unterschiede der zweiten und dritten Fahrgasse wahrscheinlich noch kleiner. Da in vergrabenen Gelbschalen keine Rübenerdflöhe gefangen werden konnten, ist eine Abschätzung betreffend Gradient aber nur aufgrund der abnehmenden Befallsstärke in der Kontrolle möglich. Die Reduktion durch den zweimaligen Einsatz des Tonpräparates lag zwischen 20% und 60%. Bei diesem eher tiefen bis mittleren Erdflohdruck wäre eine Pyrethroidbehandlung nach dem Einsatz des Tonpräparates sicher nicht nötig gewesen. Über das ganze Feld gesehen, auch die nicht behandelten Bereiche eingerechnet, war die Bekämpfungsschwelle von 50% nur knapp überschritten. In den nicht behandelten Feldbereichen war sie überschritten, in den behandelten Feldbereichen aber zu keinem Zeitpunkt.
Die Pyrethroidbehandlung wurde auch ausgeführt, da es zum Entscheidungszeitpunkt noch sehr trocken war und die Prognose noch keinen Regen anzeigte, weshalb man von einem schwachen Rübenwachstum und zunehmenden Schäden ausging. Wenige Tage später fiel Regen und die Rüben wuchsen zügig. Auch im Spritzfenster der Pyrethroidbehandlung waren zwei Wochen später im Feld keine Unterschiede sichtbar, wie auch bei Drohnenaufnahmen vier Wochen später. Dies zeigt, dass die Bekämpfungsschwelle bei mittlerem Erdflohdruck bei einem Wachstumsstopp gilt und bei wüchsigem Wetter weit mehr Schaden toleriert werden kann.
Spannend war auch die Beobachtung, dass angefressene Keimblätter nicht die geringste Schädigung durch den ersten Herbizidsplit aufzeigten. Erste echte Blätter, die angefressen waren, zeigten aber recht starke Verbrennungen. Dies könnte durch einen ersten frühen Herbizidsplit im Keimblattstadium verhindert werden. Auch schienen mit Tonpräparat behandelte echte Blätter weniger verbrannt zu werden, wie der Landwirt berichtete, was weiter untersucht werden müsste. Wenn für das Tonpräparat ein Preis von 80 Fr./ha und die Durchfahrt 80Fr./ha gerechnet wird, ergeben sich für die zweimalige Applikation des Tonpräparates im Vergleich zu dem einmaligen Einsatz eines Pyrethroides Mehrkosten von 140Fr./ha.