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Etwas
polemisch formuliert könnte man sagen: Gewohnheit schafft
Gewöhnlichkeit.
Es ist schlichtweg normal, dass wir wirtschaftsrational
denken. Es ist auch
normal, dass mit Geld hantiert wird, als wäre es nichts
Bedeutsameres als Spielkarten
eines Gesellschaftsspiels (der Spielcharakter dieser
Wirtschaftslogik wiederum widerspiegelt
sich in Gesellschaftsspielen wie Monopoly).
Das Bauprojekt, mit dem wir hier an der Elsässerstrasse konfrontiert sind, ist ein Paradebeispiel für die Wirkkraft eines noch immer dominanten Denkmusters: Der Markt ist eine natürliche und wertneutrale Erscheinung.
Klar. Denken wir an den Markt, wie wir ihn vielleicht noch als Kind vor Augen hatten, als einen Platz an dem Menschen zusammenkommen und Dinge kaufen und verkaufen, ist das eine logische Annahme. Der Markt will nichts. Der Markt ist eine Metapher für eine gängige Praxis des Tauschens (über den Umweg des Tauschwerts Geld). Wenn wir nun aber feststellen, dass Menschen oder Institutionen mit viel Geld, dieses nicht als Tauschwert für den Erwerb von Gütern betrachten, sondern vielmehr damit beschäftigt sind, es zu erhalten oder gar zu potenzieren, liegt es nahe, über dieses spezifische Marktverhalten kritisch zu reflektieren. Weltweit ist dieses Verhalten heute durch Begriff „investment“ repräsentiert. Investment ist der englische Begriff für Investition.
Seit der mächtigen Welle der demokratischen Revolutionen des neunzehnten Jahrhunderts beschäftigen sich Menschen, die ihr Denken den aufklärerischen Idealen von Freiheit und Gleichheit verschreiben, mit dem sozioökonomischen Einfluss der Handelstreibenden. Der sogenannte dritte Stand gewann zu dieser Zeit endlich die lange ersehnte Position innerhalb der politischen Ordnung. Sein ökonomischer Einfluss war alles andere als neu. Der wirtschaftliche Erfolg der italienischen Kaufleute rüttelte schon zu Zeiten der politischen Renaissance an der Ständeordnung der Gesellschaft. Die Schule tradiert heute die Namen der mystifizierten, florentinischen Handelsfamilien: Medici.
Heute gehört das Denken der Kaufleute zur Alltagsmentalität des Durchschnittsmenschen. Wir kennen die blumigen Übersetzungen in die Sprachen der Kultur und Wissenschaft: American Dream; Homo Ökonomikus. Dabei ist es durchaus fragwürdig, den Menschen anthropologisch als egoistisches, zweckrationales und profitstrebendes Wesen zu beschreiben. Jede Sozialwissenschaftlerin würde sich hüten, solche anthropologischen Konstanten zu formulieren. Viele würden sagen: Es gibt ganz einfach keine Natur des Menschen. Und wenn es tatsächlich der Profit wäre, der uns die Erfüllung brächte, so bleibt zu fragen: Was ist das denn bitte, der Profit?
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