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Wie Antidepressiva ihre Wirkungen entfalten
Das Gehirn des Menschen besteht aus Milliarden von Nervenzellen (Neuronen), die unentwegt Signale übermitteln und verarbeiten.
Die Signale laufen als elektrische Ströme durch die Nervenbahnen. Die einzelnen Neuronen stehen über spezielle Kontaktstellen, die Synapsen, miteinander in Verbindung.
Über diese Kontaktstellen werden Signale von einer Nervenzelle auf die nächste übertragen, und zwar mithilfe von bestimmten Überträgersubstanzen, den Neurotransmittern.
Trifft ein elektrischer Impuls an der vor der Synapse liegenden Nervenzelle (präsynaptisches Neuron) ein, so schüttet die Nervenzelle aus ihren Speichern Neurotransmitter in eine mikroskopisch kleine Lücke, den synaptischen Spalt, aus. Diese Botenstoffe wandern zur Nervenzelle, die hinter der Synapse liegt (postsynaptisches Neuron), wo sie an bestimmte Bindungsstellen (Rezeptoren) andocken, was wiederum einen elektrischen Impuls auslöst.
Die Neurotransmitter stehen beim gesunden Menschen in einem bestimmten Gleichgewicht zueinander. Bei Depressionen ist diese Balance zwischen den Neurotransmittern gestört, was in Symptomen wie gedrückter Stimmungslage, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen seinen Niederschlag findet.
Insbesondere kommt es bei depressiven Menschen zu einer verminderten Aktivität jener Nervenzellen, die die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin übertragen. Durch Medikamente zur Behandlung der Depression (Antidepressiva) wird die Konzentration dieser Neurotransmitter an den Synapsen erhöht. Dieser Vorgang benötigt allerdings etwas Zeit, weshalb das Gleichgewicht zwischen den Überträgersubstanzen erst einige Tage bis Wochen nach Therapiebeginn wiederhergestellt ist – und somit auch die depressiven Symptome abklingen.
Text: Helga Grafe 11/2015