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Der junge Verein
Der Verein muss anfangs grosse Anziehungskraft besessen haben, denn die Mitgliederzahl stieg bis 1885 auf 38 an. Doch 1889 waren es nur noch 19. Diese Schwankungen können wir bis zum Jahr 1900 beobachten; erst danach setzte eine stetige, langsam zunehmende Entwicklung ein. Man suchte damals auch durch Listen, die in Wirtschaften auflagen, weitere Mitglieder zu gewinnen. Im Vergleich zu heute bestritten die Schützen ein vielfältiges Programm. Sie schossen mit Ordonnanzwaffen über 225 m, 300 m und 400 m.
Obwohl man 1893 schon beschloss, dem Kantonal-Schützenverein beizutreten, wurde ein entsprechender Antrag erst 1900 verabschiedet, und 1904 trat man bereits wieder aus. Wir gewinnen hier und auch aus späteren Protokollen immer wieder den Eindruck, dass die alten Bettinger Schützen sehr auf ihre Unabhängigkeit bedacht waren. Auch im Umgang mit anderen Vereinen waren sie eher zurückhaltend. Lange schlugen sie die Einladungen zu Schiesswettkämpfen aus; ihre Bescheidenheit liess sie auf eine Teilnahme verzichten. Immerhin beteiligten sie sich 1893 zum ersten Mal an einem Vereinswettschiessen in Basel und kamen bei 13 teilnehmenden Vereinen in den 10. Rang. Schon 1895 verbesserten sich die Schützen und erreichten den 9. Rang am sogenannten „Kantonalen“.
Um jene Zeit schossen auch schon einige auswärtige Vereine gegen eine angemessene Gebühr im Bettinger Stand. Die Vereinskasse scheint mit den Jahren so angeschwollen zu sein, dass der Kassier 1899 den Antrag stellte, das Geld auf die Sparkasse zu bringen. Das wurde jedoch von der Versammlung abgelehnt! 1901 gab sich der Verein neue Statuten mit einer Neuregelung der Gebühren und der Bestimmung, die Vorstandskommission, die aus Präsident, Kassier, Aktuar und Schützenmeister bestand, für jeweils drei Jahre zu
wählen. Diese Statuten wurden 1911 revidiert.
1903 zeichneten sich neue Schwierigkeiten mit dem Schiessplatz ab, denn der Eigentümer,. J.J. Bertschmann-Eger, kündigte den Vertrag. Man pachtete 1904 für Fr. 10.– pro Jahr eine neue Parzelle im Tal. Den möglichen Kauf einer weiteren Parzelle konnte sich der kleine Verein nicht leisten. Immerhin wäre der Gemeinderat zu einer Subvention bereit gewesen. Als aber das ursprüngliche Gelände 1907 wieder angeboten wurde, pachtete man dieses und verlängerte den Vertrag 1912 auf weitere zehn Jahre.
In dieser Zeit herrschte offensichtlich grosse Eintracht, die Protokolle loben die grosse Zahl der Übungen und die hohe Trefferquote; 90 – 93 waren die Regel. Das Vereinsleben blühte, und 1910 gründete man zusätzlich eine Gesangssektion. Die Geselligkeit war das eigentliche Band, das die Leute zusammenhielt, und die Protokollberichte gewinnen sofort an Farbe, wenn die Ausmärsche beschrieben werden. Ueberhaupt schien man sich gerne und oft in den Vereinssitzungen den Kopf zerbrochen zu haben, wohin der nächste Ausmarsch, natürlich verbunden mit einem Schiessen und einem Essen, führen sollte. Um ein wenig die Stimmung solcher Unternehmungen zu erfahren, wollen wir den Protokollführer selbst zu Wort kommen lassen:
„Ausmarsch nach Biel–Benken: Am Sonntag, den 5. Juni 1910, morgens 7 Uhr versammelten sich die Mitglieder des Feld- schützenvereins Bettingen im Lokal (in der „Oberen Wirtschaft“), um kameradschaftlich einen genussreichen Tag zu erleben. Der arrangierte Tambour traf zur bestimmten Zeit ein, und nachdem jeder seinen Frühschoppen gekostet hatte, wurde auf das Signal Sammlung, die Marschbereitschaft bestellt. Hier machte unser Präsident Appell und instruierte die Teilnehmer über den Verlauf des Tages. Um 7:30 Uhr verliessen wir, 22 Mann stark, mit schallendem Trommelklang unser Bergdörfchen und marschierten bei schönster Morgensonne nach Basel, Binningen und Bottmingen, wo wir uns im Gasthaus zur Sonne zu einem Znüni niederliessen. Nachdem wir unsere Kehle befeuchtet und den vom Marsch geschwächten Magen gestärkt hatten, ging es, an der Spitze der Tambour, durch das Leimental.
Um 10 Uhr erreichten wir das Ziel, und um 11 Uhr wurde schon mit dem Schiessen begonnen. Um 14 Uhr waren wir im Gasthaus zum Rössli, wo uns ein vorzügliches Mittagessen aufgetischt wurde. Nach dem Essen wurden die Ehrenmeldungen ausgeteilt. Als einige Stunden der Gemütlichkeit verflossen waren, mussten wir uns auf den Heimweg rüsten. Hier ist zu bemerken, dass uns die Gesangssektion fehlte, die im Laufe dieses Jahres noch ins Leben gerufen werden soll. Um 16 Uhr entfernten wir uns von Benken, nachdem wir noch einige frohe Lieder schallen liessen und den von Herrn Kleiber gespendeten Humpen geleert hatten.
Um 18 Uhr bestiegen wir in Oberwil die Birsigtalbahn und gelangten um 19 Uhr in Basel an. Nach einem Marsch durch die Stadt fuhren wir per Tram nach Riehen und um 20:30 Uhr trafen wir in Bettingen ein, wo wir gemütlich noch einige Flaschen leerten. Hoffen wir, auch nächstes Jahr wieder einen solchen Tag erleben zu dürfen und dann mit unserer Gesangs-Sektion auftreten zu können.“
Diese Gesangs-Sektion konstituierte sich im August 1910 unter der Leitung von F. Schäublin. Sie sollte einmal wöchentlich proben. Die Kosten für das gewählte Liederbuch „der Barde“ konnte die Vereinskasse allerdings nicht tragen, und die Sänger bezahlten ihr Büchlein selbst. Bereits 1912 existierte die Gesangssektion aus Mangel an Mitgliedern nicht mehr. Doch in späteren Jahren ist immer wieder eine sangesfreudige Gruppe erwähnt.
Man beschloss nun, dem bis dahin offenen Schiess-Stand ein Dach zu geben, um auch bei schlechtem Wetter üben zu können. Die Gemeinde spendete dazu das Bauholz und später noch 50 Franken. Auch das Kreiskommando Basel-Stadt beteiligte sich mit 100 Franken. Trotzdem musste der Verein noch 200 Franken aufnehmen, um die Rechnungen über 400 Franken bezahlen zu können. Noch im Jahr 1913 schlug man sich mit unbezahlten Rechnungen für Petroleum herum, das man während der abendlichen Gesangsstunden verbraucht hatte. Eigentlich war das kein guter Auftakt, mit fast leerer Kasse ins Jubeljahr 1913 zu gehen. Wir erinnern uns, 1513 war Bettingen offiziell zu Basel gekommen; offiziell, denn in der Praxis hat dieser Vorgang noch bis 1522 gedauert.
Wir zitieren aus dem Protokoll der Vorstandsitzung vom 25.1.1913:
„Es wurde dem Präsidenten unseres Vereines mitgeteilt, dass der Feldschützenverein vom Gemeinderat Bettingen zur Jubiläumsfeier eingeladen ist. Sie soll am 1. Mai dieses Jahres abgehalten werden. Es soll nur für die Aktivmitglieder, welche im Dorfe wohnen, aus der Gemeindekasse per Mitglied ein Franken ausbezahlt werden. Der Vorstand beschloss, denselben gemeinschaftlich zu verbrauchen.“ Nun es sollte sich noch alles zum Guten wenden, denn wir lesen im Protokoll vom 28.4.1913:
„Unserem Verein sowie dem Turnverein wurde schriftlich mitgeteilt, dass beide zusammen aus der Festkasse Fr. 100.– erhalten werden. Auf das hin wurde in dieser Sitzung beschlossen, ein gemeinsames Bankett zu veranstalten. Karl Martin, Wirt, erklärte sich auf diese Anfrage bereit, ein solches zu 2 Fr. 40 Rappen mit einer Flasche Bier pro Mann zu liefern.“
Die Situation war wieder mal gerettet. Doch die Sorgen um
die ewig leere Vereinskasse sollten bald verdrängt werden
durch den 1. Weltkrieg. 1915 konnten keine Ausmärsche und
keine Schiessübungen mehr stattfinden. Ein Jahr darauf war
die Hälfte der Mitglieder im Militärdienst und erst 1918
konnte man sich wieder mit 20 Patronen pro Mann zu einer
Übung treffen.