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I, Too
I, too, sing America.
I am the darker brother.
They send me to eat in the kitchen
When company comes,
But I laugh,
And eat well,
And grow strong.
Tomorrow,
I'll sit at the table
When company comes.
Nobody'll dare
Say to me,
'Eat in the kitchen'
Then.
Besides,
They'll see how beautiful I am
And be ashamed -
I, too, am America.
Auch ich besinge Amerika.
Ich bin der dunklere Bruder.
Man schickt mich zum Essen in die Küche
Wenn Gäste kommen,
Aber ich lache
Und esse mich satt
Und werde stark.
Morgen,
Werde ich am Tisch sitzen
Wenn die Gäste kommen.
Niemand wird wagen
Mir zu befehlen:
'Iss in der Küche',
Dann.
Ausserdem
Wird man merken, wie schön ich bin
Und man wird sich schämen -
Auch ich bin Amerika.
aus dem Amerikanischen von Ruth Klüger
schreibt Langston Hughes in seinem Gedicht "I, too", das in vorliegendem Literaturkalender der Edition Momente auf einem Kalenderblatt vollständig auf Deutsch zitiert wird.
Andere Wochenblätter zeigen etwa Lillian Hellman, die Tochter des jüdischen Schuhverkäufers in New York, die glücklich im Feigenbaum sitzt und liest. Oder Boris Pasternak, der um den georgischen Avantgarde-Dichter Paolo Jaschwili trauert. Agatha Christie schippert mit ihrem 16 Jahre jüngeren Ehemann an der dalmatinischen Küste entlang und der Urdu-Dichter Saadat Hasan Manto zerbricht an der Teilung Indiens. Amos Oz läuft jubelnd durch den Kibbuz Hulda oder Leonard Cohen entdeckt Federico García Lorca und singt: "You want it darker, we kill the flame." Womit wir wieder bei Langston Hughes wären:
I, Too
I, too, sing America.
I am the darker brother.
und arbeitete als Schriftsteller für die afroamerikanische Künstlerbewegung Harlem Renaissance. Sein oben zitiertes Gedicht wurde zu einer Hymne der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Er arbeitete auch nach dem Krieg unter anderem mit Kurt Weill am Broadway und mit William Grant Still und schuf mit Street Scene eine der ersten afroamerikanischen Opern. Und so entwickelt sich ein Literaturkalender fast selbständig zu einer Literaturtippquelle, die ganze neue Interessensgebiete erschließt.
52 Wochen hat das Jahr, aber der vorliegende, von Elisabeth Raabe herausgegebene und von Max Bartholl gestaltete Kalender, hat 60 Blätter mit 55 Fotos und Abbildungen. Der Kalender ist farbig und im Format 32,5 × 24 cm, also etwas größer als A4. Er wurde mit dem Gregor Calendar Award 2020 des Graphischen Klubs Stuttgart, dem Award of Excellence, ausgezeichnet. Wie jedes Jahr auch 2020 mit ungewöhnlichen Fotos, detaillierten Text- und Bildinformationen sowie Kurzbiografien. Jede Woche ein Blatt mit einem interessanten Autor oder einer interessanten Autorin, als inspirierender Wochenbegleiter für die Liebhaberinnen und Liebhaber der Literatur oder ganz einfach des Lebens. Denn was wäre letzeres ohne ersteres? Eine Suppe ohne Salz.