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2006 erschien der erste Spielfilm über das Leben des Rotkreuz-Gründers Henry Dunant. Der Film erhielt von Kritikern gute Noten. Bemängelt wurde, dass er es mit der Geschichte nicht sehr genau nimmt.Dieser Inhalt wurde am 11. März 2006 - 15:59 publiziert
Juni 1859. Solferino in Norditalien. Auf beiden Seiten einer Strasse kämpfen Österreicher und Franzosen verbissen gegeneinander.
Plötzlich taucht ein merkwürdiger Konvoi auf. Pferde ziehen Panzerwagen mit Verletzten. An der Spitze ein junger Mann mit fiebrigem Blick und einer weissen Fahne mit einem Roten Kreuz in der Hand.
Die Frage steht im Raum: Werden die Gefechte aufhören? Werden die Soldaten das Symbol der Fahne respektieren? Die Antwort ist Ja. Die Geschichte gibt dem jungen Mann, dem Genfer Henry Dunant recht.
Die Szene illustriert Schwächen und Stärken des Films. Auf der einen Seite ist da seine emotionelle, romantische Kraft, auf der andern Seite die Vereinfachung der historischen Zusammenhänge.
"Ich wollte Dunant im Film als strahlende und visionäre Figur darstellen, auch wenn er im Auftreten sicher bärbeissiger und die geschichtliche Realität komplexer war", sagt dazu der Regisseur Dominique Othenin-Girard.
Eine ehrgeizige Produktion
"Henry Dunant – Du rouge sur la croix" ist mit einem Budget von 8,5 Mio. Franken für eine Fernsehproduktion ausserordentlich gut dotiert.
Der Film wurde von France2, dem Westschweizer Fernsehen, dem algerischen Fernsehen und den österreichischen Pale Blue Productions koproduziert und von der Europäischen Fernseh- und Rundfunk-Union (EBU) unterstützt.
Die Regie wurde dem Romand Dominique Othenin-Girard anvertraut. Der französische Schauspieler Thomas Jouannet spielt die Hauptrolle.
Der Film zeigt eine freie Adaption des Lebens von Henry Dunant. So wird das christliche Engagement Dunants während seiner Jugend ausgelassen. "Die Verbindung von Mitgefühl und Christentum hätte dem Film seine universelle Tragweite genommen", erklärt dazu Dominique Othenin-Girard.
Pazifismus und Ehrgeiz
Aber gewisse wichtige Abschnitte im Leben des Rot-Kreuz-Gründers fehlen natürlich nicht. So die Zeit in Algerien wo Dunant ein eigenes Unternehmen gründete. 1859 führen ihn seine Geschäfte am Schlachtfeld von Solferino vorbei, wo sich kurz zuvor die Armeen der Franzosen, der Italiener und der Österreicher bekämpft hatten.
Der Horror von Solferino veränderte Dunants Leben schlagartig. Im Film sieht man ihn in Italien, wo er im Kriegslazarett von Castiglione arbeitet. Später wirbelt er mit seiner Mischung aus Pazifismus und Ehrgeiz die kleinkarierte Moral des Genfer Bürgertums durcheinander.
Dennoch hilft ihm ein Freund vom Journal de Genève, das Buch "Un souvenir de Solferino" herauszugeben. Unterstützung erhält Dunant auch von General Dufour und dem Juristen Gustave Moynier. Dieser war wesentlich an der Gründung des Roten Kreuzes beteiligt und leitete es auch während mehreren Jahren.
Thomas Jouannet spielt Henry Dunant als wahren Helden und in all seinen Facetten: cholerisch, bewegt und zu Allem entschlossen. Dunant – der Gründer der ersten Nichtregierungs-Organisation der Welt – denunziert die Behandlung der Schwarzen, engagiert sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern und kämpft leidenschaftlich gegen die kriegerischen Dummheiten.
swissinfo, Bernard Léchot
(Übertragen aus dem Französischen: Andreas Keiser)
In Kürze
"Henri Dunant – Du rouge sur la croix" wurde in der Schweiz, in Algerien und in Österreich gedreht.
Die französische Originalversion wurde auf Deutsch, Italienisch, Spanisch, Englisch und Arabisch übersetzt.
Der Film wurde vom Westschweizer Fernsehen, von France2, dem algerischen Fernsehen und den österreichischen Pale Blue Productions koproduziert.
Fakten
1828 Geburt von Henry Dunant in Genf
1853 erste Reise nach Algerien
1859 Schlacht bei Solferino
1863 Gründung des Roten Kreuzes
1864 erste Genfer Konvention
1901 Friedensnobelpreis
1910 Tod von Dunant
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