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Die Hinrichtung von Clayton Lockett in Oklahoma verlief nicht nur brutal. Sie wurde mit einer unerprobten Giftmischung durchgeführt. Die US-Bundesstaaten greifen dabei zu immer fragwürdigeren Methoden.
Die qualvolle Hinrichtung des verurteilten Mörders Clayton Lockett in Oklahoma am Dienstag hat Konsequenzen. Der Strafvollzugschef des US-Bundesstaats hat sich dafür ausgesprochen, alle Exekutionen auf unbestimmte Zeit auszusetzen.
In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die republikanische Gouverneurin Mary Fallin, eine entschiedene Befürworterin der Todesstrafe, schrieb Robert Patton, die Hinrichtungsprozeduren müssten vollständig überprüft werden. Er forderte eine «externe Untersuchung» der Umstände der Hinrichtung.
Patton zeichnet in seinem Brief den zeitlichen Ablauf nach. Daraus ergibt sich ein grausames Bild: So habe sich Lockett am Tag vor der Exekution den rechten Arm zerfetzt. Am Dienstagmorgen habe er in seiner Zelle randaliert, weshalb er mit einer Elektroschockpistole betäubt und in die Krankenabteilung des Gefängnisses gebracht wurde.
Um 17.27 Uhr Ortszeit wurde Lockett auf der Liege festgeschnallt. Die Giftspritze sei ihm in die Leiste verabreicht worden, da es an Armen und Beinen keine geeignete Stelle gegeben habe, heisst es im Bericht. Doch die Nadel löste sich offenbar aus der Vene, wodurch der Giftcocktail nicht in den Blutkreislauf des Todeskandidaten gelangte, sondern ins Fleisch injiziert wurde.
Erst nach 21 Minuten wurde der Pfusch entdeckt. Da war bereits das gesamte Gift aufgebraucht. «Der Gefängnisdirektor fragte, ob genügend Medikamente verabreicht wurden, um den Tod herbeizuführen. Der Arzt antwortete: ‹Nein.›», schrieb Robert Patton.
43 Minuten nach Verabreichung der nicht erprobten Giftmischung habe Lockett einen Herzinfarkt erlitten. In der Zwischenzeit rang er nach Luft, bäumte sich auf und wand sich in einem grauenvollen Todeskampf vor Schmerz, wie Medien berichteten. Um 19.06 Uhr starb Clayton Lockett, ganze eineinhalb Stunden nach Beginn der Hinrichtung.
Die am gleichen Tag geplante Hinrichtung von Locketts Mitgefangenem Charles Warner wurde nach dem Vorfall um zwei Wochen verschoben. Der US-Bundesstaat hatte erstmals seit 80 Jahren zwei Hinrichtungen an einem Tag angesetzt. Am Donnerstag erklärte Gouverneurin Fallin, sie erwäge einen weiteren Aufschub um 60 Tage, die maximale Frist, die in Oklahoma gesetzlich möglich ist.
Warners Anwältin Madeline Cohen erhob schwere Vorwürfe gegen die Behörden. «Clayton Lockett wurde zu Tode gefoltert», erklärte die Juristin. Sie forderte eine Untersuchung und eine Obduktion. Zugleich erneuerte sie die Forderung nach «vollständigen Informationen» über Zusammensetzung und Herkunft der Substanzen der Giftmischung.
Der Fall Lockett wirft ein grelles Licht auf die zunehmenden Probleme der US-Bundesstaaten, die für Giftspritzen benötigten Stoffe zu beschaffen. Der wichtigste Bestandteil, das Betäubungsmittel Thiopental, wird seit 2011 in den USA nicht mehr hergestellt. Im gleichen Jahr verhängte die Europäische Union ein Exportverbot für die Vereinigten Staaten.
Weil Thiopental nur vier Jahre haltbar ist, werden die Vorräte spätestens 2015 aufgebraucht sein. Versuche, auch auf illegalen Wegen an das Mittel heranzukommen, wurden weitgehend unterbunden. Deshalb werden vermehrt unerprobte Giftcocktails angewendet. Einzelne Staaten versuchen sogar, deren Zusammensetzung per Gesetz geheim zu halten, wie das Newsportal Vox berichtete.
Die Probleme bei der Giftbeschaffung und eine zunehmende Opposition in der Bevölkerung sorgen dafür, dass die Zahl der Hinrichtungen in den USA abnimmt. 1999, im Rekordjahr seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976, fanden 98 Exekutionen statt, 2013 waren es noch 39.
Die verpfuschte Tötung des 38-jährigen Clayton Lockett, der wegen der Ermordung einer 19-Jährigen verurteilt worden war, könnte den Trend verstärken, denn die US-Verfassung verbietet «grausame und ungewöhnliche Strafen». Jay Carney, der Sprecher des Weissen Hauses, erklärte am Mittwoch, eine Hinrichtung müsse human durchgeführt werden. Der Fall Lockett sei «diesem Standard nicht gerecht geworden».
Mit Material von sda