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Live-Kommentar zum Euro-Fussballspiel Italien-Irland beanstandet
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Sie haben mit Ihrer Eingabe vom 23. Juni 2016 die Direktübertragung des EM-Fussballspiels Italien-Irland vom 22. Juni 2016 durch das Fernsehen SRF beanstandet und dabei namentlich den Kommentator Sascha Ruefer kritisiert. Ihre Eingabe erfüllt die Voraussetzungen für ein Beanstandung. Folglich kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
„Diese Beanstandung entspricht weder einem Schnellschuss noch einer unbedachten Aktion. Es ist eher der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, und der mich veranlasst, bei der Ombudsstelle eine Beschwerde einzureichen.
Vorfall
Mittwoch, 22. Juni 2016, 21.00-23.00h – Schweizer Fernsehen, EM Spiel zwischen Italien und Irland, Live-Kommentar Sascha Ruefer
Beanstandung
Mehrfacher und regelmässiger Verstoss des Grundsatzes des Service Public beim Schweizer Fernsehen, im speziellen Fall durch den Kommentator Sascha Ruefer in seiner Funktion als TV-Kommentator.
Beschreibung
Sascha Ruefer hat zum wiederholten Male ein Fussballspiel ohne Schweizer Mannschaften kommentiert, wo er im Übermass tendenziöse und präferenziöse Aussagen machte und damit viele Gebührenzahler mit Regelmässigkeit diskriminiert. Das Schweizer Fernsehen als Arbeitgeber von Sascha Ruefer hat in den letzten Jahren offensichtlich zu wenig unternommen, ihre Angestellten an die Pflichten zu erinnern, die sie gegenüber dem Staat (sprich: Volk) vertreten müssen.
Sascha Ruefer im Auftrag des Schweizer Fernsehens verstösst mit seiner Art zu kommentieren gegen den vom Bundesrat definierten Grundsatz des Service Public:
‚Service public umfasst eine politisch definierte Grundversorgung mit Infrastrukturgütern und Infrastrukturdienstleistungen, welche für alle Bevölkerungsschichten und Regionen des Landes nach gleichen Grundsätzen in guter Qualität und zu angemessenen Preisen zur Verfügung stehen sollen.‘
Kommentar
Es ist inakzeptabel, dass Herr Ruefer in der Erbringung seiner vom Gebührenzahler finanzierten Dienstleistung immer wieder italienische und deutsche Mannschaften mit negativer Behaftung oder auffallend emotionslos betrachtet, kommentiert und beurteilt (zumindest im Vergleich mit den ihm genehmen Mannschaften), in einer Form, die sehr viele Gebührenzahler seit langem verärgert. Es ist äusserst fragwürdig, dass dieser längst offensichtliche Umstand beim Schweizer Fernsehen seit Jahren geduldet wird, und deshalb über Jahre gesehen keine spürbaren Verbesserungen festzustellen sind.
Ein Beispiel
Beim gestrigen Spiel zwischen Irland und Italien hat er feurig für die Irländer kommentiert und dadurch etwa ein halbe Million Italiener (eine nicht unwesentliche Bevölkerungsschicht der Schweiz - und Gebührenzahler) zum wiederholten Male verärgert. Sehr viele Italiener wie ich schauen die Spiele am Schweizer Fernsehen oder besuchen Public viewings, und wir würden erwarten, dass er im mindesten Fall neutral kommentiert (selbstverständlich gilt das nur, wenn keine Schweizer Direktbeteiligung involviert ist). Ein Kommentator möchte ja gerne, dass man ihm zuhört, aber ich kann dem Schweizer Fernsehen garantieren, dass gefühlte 0% Iren das Spiel auf SF geschaut haben, sicher aber viele Schweizer, die eine neutrale Haltung erwarten.
Dasselbe passiert an sämtlichen Champions Leage-Spielen mit deutscher Beteiligung, wo Herr Ruefer seine gekünstelten Emotionen lieber bei jedem spanischen Ballkontakt zum Besten gibt. Beide Bevölkerungsschichten sind ebenfalls Gebührenzahler in der Schweiz und erwarten eine neutrale Berichterstattung, die nicht dazu führen darf, dass man sich vom Schweizer Fernsehen abwendet (...wie gesehen am public viewing in Zürich).
Konklusion
Ich erwarte vom Schweizer Fernsehen, dass
- Live-Berichterstattungen möglichst neutral und nicht diskriminierend gehalten sind;
- ihre Angestellten mit Regelmässigkeit auch nach Kriterien wie ‚direkt angesprochene Bevölkerungsschichten‘ gemessen und beurteilt werden;
- diese Thematik auch ausserhalb des Sports analysiert wird;
- alle nötigen Massnahmen getroffen werden, um möglichst alle Bevölkerungsschichten der Schweiz während der öffentlichen TV-Arbeit gleich zu behandeln.
B. Wie bei Beanstandungen üblich, legte ich Ihre Kritik der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vor. Herr Nök Ledergerber, Stabchef SRF Sport, schrieb:
„Zur Beanstandung betreffend Live-Übertragung des UEFA EURO 2016 Spiels Italien - Irland vom 22. Juni nehme ich im Namen der Abteilung Sport nach Rücksprache mit Chefredaktor Peter Staub gerne wie folgt Stellung:
Grundsätzlich versuchen all unsere Kommentatoren die Rolle des objektiven Zuschauers und vor allem Beobachters, der ergänzt, einordnet, informiert, zu wahren, das ist eine Selbstverständlichkeit. Dass sich der Fokus bei Spielen mit Schweizer Beteiligung zu Gunsten der Schweiz verschiebt, versteht sich. Im Falle des Vorrunden-Spiels Italien - Irland hat Sascha Ruefer, Kommentator der Spiele der Schweizer Nationalmannschaft und anderer Begegnungen während der UEFA EURO 2016, seine Aufgabe aus Sicht der Abteilung Sport gut gemacht. Selbstverständlich gibt es bei einem Live-Kommentar immer Nuancen, und es ist letztlich eine Frage des Geschmacks, ob ein Kommentar gefällt oder nicht. Unsere Kommentatoren erhalten regelmässig Feedback, geniessen gezielte Weiterbildungen mit Fach-Ausbildnern. Zudem war bei jedem Spiel der UEFA EURO 2016 ein erfahrener Kommentator (u.a. Beni Thurnheer) im Haus und stand via Gegensprech-Verbindung in Kontakt mit dem Live-Kommentator vor Ort. Dies, um Fehler zu verhindern und gerade auch bei erkennbaren Tendenzen in der Kommentierung Einfluss nehmen zu können.
Das Spiel Italien – Irland wurde auf SRF info von 160‘000 Zuschauern geschaut, was einem Marktanteil von 12 Prozent entspricht. Das gleichzeitig stattfindende Spiel Schweden - Belgien auf SRF zwei erreichte 424'000 Zuschauer und einen Marktanteil von 31,8 Prozent. Das spielt aber keine Rolle. Wenngleich nicht ‚etwa eine halbe Million Italiener‘ das Spiel geschaut haben, so ist für uns eine tadellose objektive Kommentierung das oberste Ziel.“
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Beurteilung des Verhaltens des Kommentators bei dieser Direktübertragung. Ich habe mir das Video des Vorrunden-Spiels Irland-Italien sehr genau angeschaut und dabei vor allem auf die Rolle, die Kenntnisse und die Aussagen des Kommentators geachtet. Was sind die Anforderungen an einen Fussballkommentator bei einer Direktübertragung eines Spiels? Er braucht
- eine scharfe Beobachtungsgabe. Er muss das Geschehen auf dem Spielfeld genau verfolgen, um die Spielzüge jederzeit analysieren und kommentieren zu können.
- Hintergrund-Wissen. Er muss in der Lage sein, jederzeit Wissen abzurufen über die Fussballgeschichte der jeweiligen beiden Nationalmannschaften sowie der einzelnen Spieler.
- Sprachfertigkeit. Er muss fähig sein, seine Beobachtungen, Kenntnisse und Schlussfolgerungen spontan korrekt und verständlich zu formulieren.
Ich bin der Meinung, dass Sascha Ruefer diesem Anforderungsprofil voll gerecht wird. Er hat das Spiel Irland-Italien genau verfolgt und war jederzeit in der Lage, ein Urteil über die Spielzüge, die taktischen Ideen, die Stärken und Schwächen der beiden Mannschaften und die Entscheide des Schiedsrichters abzugeben. Er konnte viel Hintergrundwissen mobilisieren. Und er war sprachlich präzise. Wenn er sich einmal versprach, entschuldigte er sich sofort dafür und korrigierte die Aussage.
Ihr Hauptvorwurf lautet, Sascha Ruefer habe „feurig für die Irländer kommentiert und dadurch etwa ein halbe Million Italiener (eine nicht unwesentliche Bevölkerungsschicht der Schweiz - und Gebührenzahler) zum wiederholten Male verärgert.“ Dem möchte ich auf den Grund gehen. Was war die Ausgangslage des Spiels? Italien stand als Gruppensieger schon fest. Der Coach schickte daher nicht die Standardformation aufs Feld, sondern eine andere Auswahl, die man aber nicht als B-Auswahl bezeichnen konnte, da Italien über genügend Klassespieler verfügt, um ohne weiteres zwei Spitzenmannschaften zu besetzen. Irland hingegen musste gewinnen, wenn es sich für die Achtelfinalspiele qualifizieren wollte. Die interessante Frage des Abends war daher, ob der Außenseiter Irland die Kraft für einen Sieg aufbringen würde. Es war logisch, dass der Kommentator Sascha Ruefer durch das ganze Spiel hindurch diese Frage verfolgte.
Wie könnte der Kommentator gegen die Bestimmungen der Publizistischen Leitlinien und des Radio- und Fernsehgesetzes verstoßen? Er könnte dagegen verstoßen, wenn er sich ohne Grund negativ und damit verächtlich, herabwürdigend, diskriminierend äussert
- über die eine oder andere Mannschaft oder einzelne Spieler;
- über die Fans der einen oder anderen Mannschaft;
- über die eine oder andere Nation.
Wie hat sich Sascha Ruefer tatsächlich verhalten?
Mannschaft und Spieler: Die Iren haben objektiv mehr gekämpft, mehr aufs gegnerische Tor geschossen, sich abgerackert. Sie waren an diesem Abend die bessere Mannschaft, und das hat Sascha Ruefer wiederholt zum Ausdruck gebracht, ohne zu vergessen, dass die Italiener technisch begabter und durchaus noch zu einem Exploit fähig sind. Dass er kritisierte, dass der Schiedsrichter vor der Pause einen Elfmeter zugunsten Irlands nicht gegeben hatte, beruhte auf objektiven Fakten. Dass er das Tor der Iren feierte, war angesichts des Spielverlaufs verständlich. Dass er den irischen Sieg würdigte, war vor dem Hintergrund der irischen Fussballgeschichte logisch. Ich bin überzeugt, dass viele italienische Zuschauerinnen und Zuschauer an diesem Abend von ihrer Mannschaft enttäuscht waren. Aber die Azzuri hatten nichts zu verlieren – außer das aktuelle Spiel. In keiner Minute hat sich Sascha Ruefer diskriminierend über die italienische Mannschaft oder über einzelne italienische Spieler geäußert.
Fans: Der Kommentator lobte die irischen Fans, die eine gute Stimmung an die Euros gebracht hätten, aber er grenzte sie nicht gegenüber den italienischen Fans ab, sondern gegenüber den englischen. Es gehört zur Fussballberichterstattung, dass auch das Verhalten der Fans kommentiert wird, und da gehören sowohl Tadel (gegenüber englischen, russischen Fans) als auch Lob (gegenüber irischen, isländischen Fans) dazu. Es fiel indessen während der Direktübertragung des Spiels Irland-Italien kein einziges herabwürdigendes Wort gegenüber den italienischen Fans.
Nation: Sascha Ruefer hat sich auch über Italien als Land nie diskriminierend geäussert. Er hat sogar seiner Begeisterung für die italienische Nationalhymne Ausdruck gegeben, die er als „Kultsong“ bezeichnete. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Sascha Ruefer Italien und die Italiener nicht mag und dass seine Sympathie einseitig Irland gehört.
Sie haben Recht, wenn Sie einfordern, dass das Fernsehen SRF auch auf die Bedürfnisse der Italienerinnen und Italiener in der Schweiz eingehen soll. Aber man muss sich immer an die Fakten halten. Wenn beispielsweise in der Schweizer Super League der FC Basel gegen den FC Zürich spielt und die Zürcher sämtliche Torchancen auslassen, dann kann man von keinem Kommentator erwarten, dass er mit Rücksicht auf die Million Zürcherinnen und Zürcher den FC Zürich trotzdem die ganze Zeit lobt. Es sind die Fakten, die die Ausgangslage für Kommentare schaffen. Aus diesem Grund kann ich Ihrer Beanstandung nicht beipflichten.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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