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In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 stieg ein bärtiger Mann in einer schlichten russischen Militäruniform und hohen Stiefeln in den Keller eines Hauses im sibirischen Jekaterinburg. Auf seinen Armen hielt er seinen dreizehnjährigen Sohn, der ebenfalls eine Militäruniform nebst Stiefeln und Schirmmütze trug. Zusammen mit seiner Frau, den vier Töchtern sowie vier Dienstboten betrat der bärtige Mann einen Kellerraum, den – was er in jenem Augenblick nicht ahnte – keiner von ihnen lebend wieder verlassen sollte.
Die Ermordung der russischen Zarenfamilie gehört zu den grossen Mysterien des 20. Jahrhunderts. Jahrzehntelang blieb die Welt im Ungewissen, was genau sich damals in Jekaterinburg abgespielt hat – zumal keine Leichen gefunden wurden. Erst nach dem Ende der Sowjetunion wurde gründlich und schliesslich erfolgreich nach den sterblichen Überresten der im Wald verscharrten Romanows gesucht.
Das Mysteriöse an dieser ganzen Geschichte, dass eben kaum jemand etwas genaues wusste, war ein gefundenes Fressen für Hochstapler aller Art. Von den 20er bis in die 60er Jahre tauchten überall auf der Welt Leute auf, die behaupteten, ein Mitglied der Zarenfamilie zu sein, welches das Massaker überlebt hätte. Der Zar und die Zarin kamen dabei zwar nie vor, aber „Zarenkinder“ gab es massenweise (wesentlich mehr Kinder, als Nikolaus II. und Alexandra je gehabt haben…). Der berühmteste Fall ist zweifellos derjenige von Anna Anderson alias „Anastasia“ (man denke nur beispielsweise an den Film Anastasia von 1956 mit Ingrid Bergmann und Yul Brynner).
Allen, die sich für dieses Thema interessieren, kann ich Robert K. Massies Buch Die Romanows – Das letzte Kapitel (jetzt bei Buchplanet.ch) empfehlen.