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Seit Jahr und Tag heisst es, Roger Federer habe einen der besten Aufschläge auf der ATP-Tour. Diese Erkenntnis beruht jedoch auf weichen Faktoren. Bei den wichtigsten messbaren Statistiken (schnellster Aufschlag, meiste Asse, unretournierte Aufschläge, etc.) ist der «Maestro» zwar vorne dabei, aber nirgends gehört er zur absoluten Spitze. Wie gut – oder effektiv – sein Aufschlag wirklich ist, blieb stets ein Rätsel.
Nun wollen Forscher der sogenannten Game Insight Group (GIG) – einem Joint Venture des australischen Tennisverbands und der Universität von Melbourne – jedoch eine neue, genaue Messmethode für Aufschläge entwickelt haben. Beim sogenannten «Serve Value» (Aufschlagwert) werden neben der Geschwindigkeit auch die Platzierung des Balles und der Drall berücksichtigt.
Wie genau die einzelnen Service-Faktoren bewertet werden, wird nicht genauer erläutert. Am Ende steht ein Wert zwischen 0 und 100, der die Qualität eines jeden Aufschlags angibt. Die meisten Asse kriegen einen Wert nahe bei 100 und Aufschläge, die bei tiefen Geschwindigkeiten in der Mitte des Aufschlagsfelds landen, eine Punktzahl nahe bei Null.
Den besten Durchschnittswert am ersten Tag der Australian Open erzielte bei den Männern der amerikanische Aufschlagshüne Sam Querrey, gefolgt von Matteo Berrettini, Milos Raonic, Stefanos Tsitsipas und Novak Djokovic. Nicht in der Liste taucht dagegen Roger Federer auf. Der 38-jährige Schweizer verfügte laut «Serve Value» dafür nach Raonic über den zweitbesten zweiten Aufschlag am Eröffnungstag.
Die Topwerte für einzelne Aufschläge erhielten bei den Männern Sam Querrey (96) und Marin Cilic (91), Serena Williams kam in ihrer Erstrunden-Partie mit einem Ass Mitte des zweiten Durchgangs auf eine starke 87.
«Wir wollten einen Weg finden, um die Service-Qualität für Fans, Spieler und Trainer zu veranschaulichen. Im Tennis sind wir von der Power des ersten Aufschlags fasziniert, haben aber Mühe, die Magie der zweiten Aufschläge der Spieler vollständig zu erfassen. Mit Serve Value können wir dies zum ersten Mal tun», erklärte Machar Reid, Entwicklungschef im australischen Tennisverband, den Grund für die Entwicklung des neuen Systems.
Ob sich die neue Messmethode durchsetzen wird, steht noch in den Sternen. Wichtig wird sicherlich sein, dass den Tennis-Fans verständlich gemacht wird, wie die Messmethode genau funktioniert. An der Undurchsichtigkeit scheiterte nach der Fussball-EM 2016 beispielsweise die sogenannte «Packing Rate». Anhand einer neuen Messmethode wurde damals die Pass- und Dribbling-Stärke von Spielern und Mannschaften dargestellt. Doch für den Zuschauer blieben die Werte ein Rätsel und so blieb es bei einem ziemlich kurzfristigen «Packing»-Hype.