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Gregor Strebel
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 7. Januar 1798
Priesterweihe: 11. November 1801
Primiz: 22. November 1801
Lehrer an der Stiftsschule: 1801?–1807?
Pfarrer in Abtwil: 1807–1824, 1831–1854
Pfarrer in Engelberg: 1825–1831
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Stephan Strebel und der Elisabeth Waltenspüel.
Lebensbeschreibung[1]
P. Gregor stammte aus Muri im Freiamt. Er wurde am 28. Januar 1779 geboren und auf den Namen Josef Leonz getauft. Seine Eltern waren Stephan Strebel und Elisabeth Waltenspüel. Am 23. Dezember 1796 gelangte er an das Kapitel des Klosters Engelberg mit der Bitte um Aufnahme ins Noviziat. Er erhielt die Zusage und schon am 7. Januar 1797 begann er das Probejahr. Am gleichen Tag des folgenden Jahres legte er als Fr. Gregor Profess ab. Laut Fragebogen der helvetischen Kommission vom 2. November 1798 hatte er die Inferiora und die Superiora in Engelberg durchlaufen.[2] Seiner Frömmigkeit und seiner Studienerfolge wegen sowie seines guten Benehmens wurde er im Kapitel sehr gerühmt.[3] Die Zeugnisse für die heiligen Weihen liegen nur zum Teil vor. Den Diakonat empfing er von Bischof J. B. Odet von Lausanne am 8. November 1801 in seiner Hauskapelle in Avry, den Presbyterat durch denselben Bischof am 11. November 1801 in der Mariahilfkirche in Freiburg. Die Primiz feierte er am folgenden 22. November 1801. Am 17. August 1806 ging er in Vakanz und erhielt ein Sackgeld von 6 gld.[4] Zunächst wirkte er als Lehrer an der durch Abt Karl Stadler erweiterten und stets geförderten Klosterschule. 1807 war 1824 war er Pfarrer in Abtwil, von 1825 bis 1831 Pfarrer in Engelberg. 1831 kehrte er nach Abtwil zurück. Hier fand er am 2. Mai 1854 sein Grab. Er war der letzte Engelberger Pater, der im Freiamt tätig war.[5]
Am 27. Mai 1851 war er, wohl als Senior, noch Skrutator bei der Wahl des Abtes Plazidus Tanner.[6] In seiner ersten Pfarrzeit in Abtwil war er Schulinspektor für den Bezirk Muri und nahm sich dem Schulwesen an, besonders der Ausbildung der Lehrkräfte im Freiamt.[7] 1811 veröffentlichte er einen Bericht über die Schulen des Bezirks.[8] Er drang aber mit seinen Neuerungen nicht überall durch. Einige Gemeinden hielten an den Reformen von St. Urban fest, während P. Gregor für die Methoden Pestalozzis eintrat. Einen aufschlussreichen Schulbericht erstattete er am 27. Februar 1815, der zeit- und kulturgeschichtlich beachtenswerte Überlegungen enthält.[9] Propst Anton Tanner, der Bruder von Abt Plazidus Tanner, zeigte schon früh eine ausgesprochene Begabung und Liebe zum Studium, sodass die Eltern seinem Drängen nachgaben und auf die hilfreiche Zusage einer begüterten Familie in Arth, des Herrn Bürgi, ihn nach Abtwil ziehen liessen. Denn der Ortspfarrer, P. Gregor Strebel, hatte dort eine Lateinschule für die Gymnasialklassen eröffnet. Aus dieser einfach organisierten Schule gingen mehr als zwanzig Priester hervor.[10]
P. Gregor selbst erhielt seine ersten Lateinkenntnisse bei Kaplan Hildenbrand in Müswangen. Mitschüler war der nachmalige Regierungsrat des Aargaus, Dr. Ammann in Bünzen. Anfänglich wirkte P. Gregor an der Klosterschule in Engelberg. Das mag auch der Anstoss gewesen sein, dass er, um sein kärgliches Einkommen, das sich fix auf 220 gld belief, zu verbessern, ein Progymnasium errichtete, das bis 1824 bestand. Aus dieser kleinen Schule gingen mehr als zwanzig Priester hervor, unter ihnen Doillherr und bischöflicher Kommissar Melchior Schlumpf in Steinhausen, Propst Dr. Anton Tanner in Luzern und Chorherr Rölli in Luzern. P. Gregor eröffnete sein Progymnasium im Jahre 1811 und hatte von da an stets 12 bis 14 Schüler. Seine Lehrmethode entsprach zur Hauptsache jener Pestalozzis. Der Schüler musste unter Leitung des Lehrers meist sich selbst ausbilden und kam so möglichst rasch zu selbständigem Denken und Arbeiten.
P. Gregor war Erzieher und Schulmann, aber auch ein Freund von geselligem, musikalischen Leben. Er spielte vorzüglich Violine. Mit Dekan Häfliger in Hochdorf, Komtur Baron von Ligerz in Hohenrain und Kaplan Kaiser (von Stans) in Müswangen bildete er ein wissenschaftliches Kränzchen, das wöchentlich wenigstens einmal, meist in der Komturei Hohenrain zusammenkam. Auch das Volk sollte dabei seine Freude haben. Jung und Alt der näheren Umgebung fand sich an Sonntag Nachmittagen nach beendetem Gottesdienst zu einem fröhlichen Tanz ein. Es gab natürlich genug Leute, die diese Art Fest einer scharfen Kritik unterzogen. Diese wurden aber von den Teilnehmern selbst in die Schranke gewiesen, auch in späteren Jahren. Als jedoch von den benachbarten Geistlichen Klagen einliefen, dass doch mitunter junge Leute sich durch diesen Zug nach Hohenrain vom Nachmittagsgottesdienst und der Christenlehre abhalten liessen, wurde diese Unterhaltung abgestellt. Einmal versuchten die Studenten Strebels und die Dorfjugend von Abtwil, auf der Bühne aufzutreten. 1816 wurden von ihnen ein Quodlibet aus Lustspielen von Shakespeare zum besten gegeben, bei denen weniger das feine Spiel als die Widerhaarigkeit der Spieler die Zuschauer erheiterte. 1818 schied der Komtur von Hohenrain aus diesem Leben und bald folgte ihm auch das zweite Mitglied des Quartetts, Kaplan Kaiser ins Grab. Die Komturei ging in der Folge als Staatsdomäne an den Kanton über und wurde Sitz des Oberamtes Hochdorf. P. Gregor wurde durch den unerwarteten Verlust tief erschüttert, waren es doch seine besten Freunde. Ohne aber in Traurigkeit zu verfallen, wandte er sich mehr dem aszetischen Leben zu. So wurde aus dem heiteren Spielmann ein Berater und Tröster vieler geistig und leiblich Kranker. Dies wurde nun auch der Anlass, dass mit ihm eine Art "Kulturkampf" aufgeführt wurde.
Zu Anfang der Zwanzigerjahre war ein gewisser Anton Unternährer mit dem Spitznamen "Mettentoneli" aus Entlebuch, der im Kanton Bern eine Sekte begründete, die nach ihm "Antonianer" oder "Antöneler" genannt wurden und noch im 20. Jahrhundert fortexistierte. Bern stellte an Luzern das Gesuch, diesen Mann festzunehmen, da er auf dem Bernbiet grossen Anhang finde und nicht bloss die Landeskirche, sondern auch die sittliche Ordnung gefährde. Unternährer wurde in Luzern im Rosengartenturm verwahrt, und zwar aus Gefälligkeit gegen Bern. Er starb 1824 im genannten Luzerner Gefängnis. Damals waltete in Hohenrain als Oberamtmann Junker von Fleckenstein aus Luzern. Der Handel mit dem Mettentoneli mahnte auch ihm zum Aufsehen in seiner Region. Eben damals trieb sich auch ein alter Eremit, Huwiler von Mühlau, in der Gegend herum, der seine eigene Mystik verbreitete. Junker Oberamtmann aber bezeichnete nicht diesen, sondern die Aargauer Pfarrer Michael Groth in Merenschwand, Pfarrer Anselm Faller in Auw und namentlich P. Gregor Strebel in Abtwil als diejenigen, die "die Untertanen in der Gegend von Hohenrain" mit Sektiererei beunruhigten. Luzern legte darauf eine Beschwerde bei der aargauischen Regierung ein. Sie liess durch das Oberamt in Muri die drei Pfarrherren vernehmen. So konnte Luzern benachrichtigt werden, was den Angeklagten zur Last gelegt werde, beziehe sich auf den Eremiten Huwiler. Sie würden von ihm ebenso belästigt wie das Volk. Alle bisherigen Bemühungen, ihn eines bessern zu belehren, seien erfolglos geblieben. Damit war aber der Junker Oberamtmann von Hohenrain nicht zufrieden. Bei ihm stand fest, Pfarrer P. Gregor Strebel mache sich der Sektiererei schuldig, denn auch er empfange Besuche von kranken Leuten, die ihn um Trost ansprachen und sich in sein Gebet empfahlen, das ziehe bedenkliche Folgen nach sich. Seine Ansicht war, die Ordnung sei erst dann sichergestellt, wenn P. Gregor als Pfarrer von Abtwil entsetzt werde. Der Rat von Luzern ging auf das Ansinnen von Fleckensteins ein und ersuchte die Regierung des Aargau, sie möchte um des lieben Friedens willen beim Abt von Engelberg Schritte unternehmen, dass er P. Gregor ins Kloster zurückrufe.
Abt Eugen von Büren entsprach diesem Ansinnen und betraute ihn 1824 mit der Pfarrei Engelberg.[11] Aber auch für Junker von Fleckenstein ging die Amtszeit in Hohenrain zu Ende. 1831 erschien P. Gregor zum zweiten Mal als Pfarrer von Abtwil. Er pastorierte bis zu seinem Tod am 2. Mai 1854. Er blieb auch bei solchen, die sonst nicht im Rufe übertriebener Religiosität standen, in gutem Andenken.[12]
Professnummer
- Nr. 589
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
- Acta capitularia VI (1798–1800), StiArEbg cod. 278, S. 86.
- Ibidem, S. 630.
- StiArEbg cod. 53.
- Hess, Die Pfarrgeistlichen, S. 118. Die Schweiz. Kirchenzeitung berichtete darüber am 20. Januar 1849.
- StiArEbg, Wahlakten Tanner.
- Rohner, Schule Sins, S. 34.
- Ibidem, S. 41-45.
- Ibidem, S. 50-55, dazu auch Rohner, Aus der Kirchengeschichte von Abtwil 1948, S. 25 ff, dort auch ein Beitrag von J. Balmer, P. Gregor Strebel von Abtwil. Über die Tätigkeit des P. Gregor als Pfarrer liegen aufschlussreiche Notizen von Johann Schmid vor in: Propst Dr. Anton Tanner, in: Katholische Schweizer-Blätter, 9. Jahrgang 1893, S. 563–573; 10. Jahrgang 1894, S. 94–105.
- Weitlauf, Ries, Ignaz Heinrich Reichsfreiherr von Wessenberg – Briefwechsel mit dem Luzerner Stadtpfarrer und Bischöflichen Kommissar Thaddäus Müller, Teil II, Nr. 371, S. 580.
- Akten des Staatsarchivs Luzern.
- Aargauische Biographien 1953.
Bibliographie
- Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 139, Nr. 589.
- StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.