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[* 3] die Hauptstadt der gesamten niederländ. Besitzungen in
Ostindien,
[* 5] Sitz des
Generalgouverneurs und das Hauptemporium
des niederländisch-asiatischen
Handels, liegt am westlichen Ende der
Nordküste von
Java, unter 6° 8' südl.
Br. und 106°
50' östl. L., an der Südseite einer breiten und geräumigen
Bai und am Tschiliwung, einem schmalen und
seichten,
nur fürBoote befahrbaren Wasserlauf, der in
Verbindung mit benachbarten Gewässern in ein weitläufiges Kanalnetz
zerlegt ist, von welchem die Stadt durch- und umzogen wird (s.
Plan).
Derselbe wird nur durch fortwährende Ausbaggerung befahrbar erhalten und seine Mündung durch die sich
bildenden Morastbänke immer weiter in die
See hinausgeschoben, so daß sie sich jetzt bereits 4 km unterhalb der Stadt befindet.
Das alte ursprüngliche Batavia, nach altholländischer Art mit rechtwinkelig sich schneidenden
Straßen gebaut, bildete ein längliches,
von einer
Mauer mit fünf
Thoren und einem Stadtgraben umzogenes
Viereck;
[* 6] hatte eine
Citadelle mit den Regierungsgebäuden
und war bis 1808 das eigentliche
Zentrum der
Bevölkerung;
[* 7] nur die von Eingebornen bewohnten Vorstädte (Kampongs) lagen außerhalb
der Stadtmauern. 1808 ließ der
GeneralgouverneurDaendels die Befestigungswerke der Stadt, die seit der völligen Unterwerfung
der
Insel überflüssig erschienen, abtragen und verlegte, um dem wahrhaft mörderischenKlima
[* 8] der tief
auf Sumpfboden liegenden Stadt zu entgehen, den Sitz der
Regierung nach der 6 km landeinwärts höher und gesünder
¶
mehr
gelegenen Ebene von Weltevreden (»Wohlzufrieden«) wo die Kasernen für das Militär und Gebäude für die Behörden errichtet
wurden. Seitdem bauten sich alle Wohlhabendern außerhalb der Stadt nach Weltevreden zu neu und zweckmäßiger an, erst planmäßig
in Reihen und längs der Kanäle, später zerstreut, bis eine andre, ebenfalls höher gelegene Fläche,
der Koningsplein, mit regelmäßigen Straßen angelegt wurde. Während auf diese Weise hier eine neue Stadt erstand, kam die
alte mehr und mehr in Verfall.
das stattliche,
trefflich eingerichtete Armenhaus, das chinesische Hospital u. a. Außerhalb der Ringmauern am Ufer liegen die Gebäude für
das Flottenwesen.
Die Häuser in der alten Stadt sind unzweckmäßigerweise meist durch Glasfenster geschlossen,
nahe aneinander in die Höhe gebaut und mit kupfernen Dächern versehen.
Jetzt zerfällt die Stadt in sieben Bezirke, von denen der erste die alte Stadt und die daranstoßenden Vorstädte umfaßt.
Zu diesen gehört die arabische Vorstadt an der Rua Malaka, in welcher holländische Häuser mit leichten inländischen Wohnungen
von Bambus abwechseln; hier leben Araber und Mauren zurückgezogen und treiben hauptsächlich Handel mit Gold,
[* 11] Silber, Diamanten,
Perlen etc. Südwestlich stößt an die alte Stadt der zweite Bezirk, Kampongchina, ein meist aus schlechten, kleinen, eng
aneinander gebauten Häusern der Chinesen bestehender, trotz seiner ungesunden Lage sehr volkreicher Stadtteil, dessen Lebhaftigkeit
einen auffallenden Gegensatz zu der ihn umgebenden Öde bildet, und dessen arbeitsame Bewohnerschaft für Batavia von großer Wichtigkeit
ist.
Hier gibt es Handwerker und Läden aller Art,
dazwischen Garküchen, Apotheken; kurz, alle Bedürfnisse für Chinesen, Javaner
und Europäer sind hier aufgestapelt. Von den übrigen, allein von den Europäern bewohnten Bezirken heißt
der dritte Molenvliet. Der eigentliche Stadtteil dieses Namens, der sich am gleichnamigen Kanal
[* 12] hinzieht, überrascht durch
seine Schönheit; die Häuser liegen voneinander getrennt und luftig, wie es das Klima erfordert, zwischen Fruchtbäumen aller
Art; sie sind groß, aber nur ein, höchstens zweistöckig, haben platte Dächer und schöne Veranden.
Der vierte Bezirk, der Oosterdistrikt, umfaßt zunächst die östliche Vorstadt der alten Stadt und den
Stadtteil Dschakatra, in denen fast nur Eingeborne und Chinesen leben; auch das darauf folgende Gunungsahari hat noch wenige
Europäer zu Bewohnern. An letztern Stadtteil stößt die Vorstadt Weltevreden mit einem großen, viereckigen, von Gebäuden
eingeschlossenen Platz, der nach dem daraufstehenden Löwen
[* 13] von Waterloo
[* 14] auch »Waterlooplein« genannt wird. Weltevreden enthält
das Regierungsgebäude mit den Sitzungssälen des Rats von Indien und den Büreaus der meisten Zivil- und
Militärbehörden, das Arsenal, die Artillerieschule, das trefflich eingerichtete Hospital für christliche Einwohner (für
nichtchristliche sind das »Stads Verband«
[* 15] und das chinesische Krankenhaus
[* 16] bestimmt), die Kasernen, das Gefängnis für Europäer,
das Theater
[* 17] etc. Daran grenzt die 1837 gebaute Citadelle Fredrik Hendrik. In der Nähe liegen noch die großenteils
von Eingebornen und Chinesen bewohnten Stadtteile Kamponglama u. Kampongbaru; in dem letztern wird ein großer
Markt abgehalten auf einer weiten, mit Zelten von Bambus, Buden und Bänken bedeckten Ebene, wo Erzeugnisse
des Landbaues und der Industrie ausgestellt werden. Von den übrigen drei Bezirken liegt der Südwestdistrikt, der größte,
der aber nur vier Vorstädte der Eingebornen enthält, südwestlich von Molenvliet, der am wenigsten und bloß von Malaien
und Javanern bewohnte Westdistrikt im W. von Kampongchina; der letzte, Kampongbali, unter dessen Bewohnern nur
wenige Europäer sind, ist der südlichste.
Die Einwohnerzahl der Stadt belief sich auf 196,989 (darunter 5981 Europäer, 65,799 Chinesen und 1179 Araber und
sonstige Asiaten). Die mittlere Jahrestemperatur in Batavia beträgt 26° C. Die Tiefe der Bai, an welcher
die Stadt liegt, beträgt nur 3-7 Faden,
[* 20] der Stadt zunächst sogar nur 2-4 Faden; seewärts nimmt sie allmählich zu bis zu 16 Faden
und mehr. Da die Tiefe der Bai infolge der Anschwemmungen des Tschiliwung noch fortwährend abnimmt und nur Schiffe
[* 21] von geringem
Tiefgang auf der innern Reede ankern können, sah sich die Regierung genötigt, östlich von der Mündung
des Flusses bei Tandschong Priok einen großen Hafen anzulegen.
Derselbe wird durch eine Eisenbahn, eine breite Fahrstraße und einen Kanal mit der Stadt in Verbindung gesetzt. Die Hafenbauten
werden jetzt eifrig betrieben und sollen bis 1887 beendigt sein. Gegen das offene Meer ist die Bai durch
Inseln und Bänke geschützt und daher ein sicherer Ankerplatz, der an 1200 Schiffe fassen kann. Die Inseln sind zum Teil bewohnt
und wurden früher von der IndischenKompanie zu Niederlagen, Werften etc. benutzt. Die wichtigste ist Onrust (Pulo Kapal), früher
das allgemeine Arsenal der Kompanie, bis die Engländer (1800) die Werke und Gebäude darauf zerstörten,
die später jedoch wiederhergestellt sind.
Die Zölle, bis 1866 sehr hoch, sind seither beträchtlich reduziert worden, hauptsächlich in Rücksicht auf
die Differentialzölle. Die Gesamteinfuhr nach Batavia schlägt man auf 18-20 Mill., die Gesamtausfuhr auf 15-17 Mill.
Gulden an, von welchen Summen ungefähr die Hälfte allein auf den Verkehr mit Holland zu rechnen ist. In hat die Hauptbank der
Insel, die Bank von Java, ihren Sitz, die, 1827 mit einem Kapital von 2 Mill. Gulden errichtet, in einem ungemein
blühenden Zustand sich befindet. Ebenso ist Batavia Sitz eines deutschen Konsuls. Eine Eisenbahn verbindet Batavia mit dem 62 km südlicher
gelegenen Buitenzorg (s. d.). - Batavia wurde 1619 von den Holländern auf den Trümmern des ältern, vom StatthalterCoen eroberten
javanischen Dschakatra gegründet; 1811 nahmen die Engländer die Stadt ohne Widerstand ein, gaben sie
aber 1816 nach hergestelltem Frieden den Holländern zurück.
Die Umgegend von Batavia bildet die Residentschaft Batavia (s. Karte »Hinterindien«)
[* 33] mit einem Areal von 6974 qkm (126,8 QM.) und (1883)
919,376 Einw. (darunter 7957 Europäer und 72,035 Chinesen). Sie gehört zu den niedrigsten Landschaften
der Insel, ist morastig und ungesund, ohne Waldungen, aber gut angebaut, reich an Obstbäumen und für die Kultur des Reises
u. der Kokospalme besonders geeignet. Die Bevölkerung spricht malaiisch und die Sundasprache.