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Die Schweizer Bertrand Piccard und André Borschberg umrundeten als erste mit einem Solarflieger die Erde. Ihre Mission ist nicht der Weltrekord. Sie wollen für die Möglichkeiten von Sonnenenergie werben. Die Abenteurer aus der Waadt wurden früh vom Flugfieber gepackt.
Der 58-jährige Bertrand Piccard ist Psychiater und Abenteurer. 1999 gelang ihm zusammen mit dem Briten Brian Jones als Copilot die erste Non-Stop-Ballonfahrt rund um die Erde. Piccard ist Enkel des Abenteurers und Erfinders Auguste Piccard (1884-1962). Mit 16 ging Piccard erstmals mit einem Hängegleiter in die Luft. 1985 wurde er mit dem Gerät europäischer Akrobatikchampion. Piccard, der am Unispital in Lausanne gearbeitet und eine eigene Praxis eröffnet hat, ist verheiratet, hat drei Töchter und lebt in der Nähe von Lausanne.
Zusammen mit einem Ingenieur
Für das Projekt «Solar Impulse» hat sich Piccard mit dem Maschineningenieur André Borschberg zusammengetan. Der heute 63-Jährige flog nach der Ausbildung an der ETH Lausanne Schweizer Militärjets und erwarb die Pilotenscheine für Flugzeuge und Helikopter. Bevor er selber zum Unternehmer wurde und mehrere Start-ups gründete, arbeitete er bei der Unternehmensberatungsfirma McKinsey.
Der gebürtige Zürcher bewohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Nyon VD ein energieeffizentes Haus und fährt ein Hybridauto. Vom Fliegen träumte er laut eigenen Angaben schon von Kindsbeinen an.
Piccard hatte seine Idee für eine Erdumrundung in einem Solarflugzeug 2002 der ETH Lausanne präsentiert. Diese beauftragte Borschberg mit einer Machbarkeitsstudie. Danach wurden die beiden Aviatikfans Freunde und trieben das Projekt gemeinsam voran.
Verbrauch halbieren
Piccard ist Präsident und Initiant von «Solar Impulse». Borschberg amtet als Mitbegründer und CEO. Mit ihrem Flug in 17 Etappen um die Welt, bei denen sie sich im Cockpit ablösen, wollen sie für den Einsatz und die Möglichkeiten von «sauberer Sonnenenergie» werben. Der Flieger sei «ein Symbol für die Welt von morgen, das zeigt, was mit sauberer Energie möglich ist».
Der Rekord-Solosolarflug ohne Treibstoff von Japan nach Hawaii während der achten Etappe 2015, der fünf Tage und fünf Nächte dauerte, vermittle eine klare Botschaft, schreiben die Abenteurer auf ihrer Webseite. Alle Menschen könnten auch am Boden die gleichen Technologien einsetzen. Damit könnten sie den weltweiten Energieverbrauch halbieren, die natürlichen Ressourcen schonen und die Lebensqualität verbessern.
Piccard und sein Team sammelten während Jahren insgesamt rund 170 Millionen Franken für das Projekt. Dieses wird von zahlreichen Firmen aus dem In- und Ausland sowie vom Bund unterstützt. Laut Piccard sahen die Firmen in dem Projekt die Möglichkeit, neue Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Für die Schweiz und die Sponsoren ist das Unterfangen Werbung in eigener Sache.
Ein Buch schreiben
Und wie geht es jetzt weiter? Vorläufig bleibt der zierliche Experimentalflieger von Wind und Wetter geschützt in einer Halle am Flugplatz Al-Bateen im Emirat Abu Dhabi. Innert eines Monats wollen Piccard und Borschberg über die nächsten Schritte entscheiden.
Möglicherweise geht «Solar Impulse» für weitere Tests in die Luft. Das Flugzeug dürfte noch rund 1000 Flugstunden absolvieren. Bisher hat es gut 560 Stunden hinter sich. Weiter wollen die beiden Abenteurer ein Buch schreiben, wie sie im Gespräch verrieten. In diesem wollen Piccard und Borschberg auch ihre Erlebnisse während der Erdumrundung schildern.
Zudem kündigten die beiden Schweizer Wissenschaftler die Gründung eines weltweiten Komitees für saubere Technologien an. Die Nicht-Regierungsorganisation soll etwa Firmen in Energiefragen beraten, wie Piccard erklärte. Die Forscher wähnen bereits 400 Partner hinter sich, darunter Fürst Albert II von Monaco, der britische Unternehmer Richard Branson und der ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan.
(sda/ccr)
Erstmals ist ein Flugzeug ohne Treibstoff und nur mit Solarenergie um die Erde geflogen. Der Experimentalflieger «Solar Impulse 2» hat am Dienstag nach 15-monatiger Reise den Rekord geknackt. Das Flugzeug landete am Dienstag um 2.05 Uhr Schweizer Zeit am Ziel in Abu Dhabi: