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Autor: Hans Utz
Die Unterrichtseinheit widmet sich der Zeit des sogenannten traditionellen Imperialismus, der historischen Epoche zwischen 1870 und 1914 mit der Eroberung von Kolonien vor allem durch europäische Mächte. Wie üblich ist sie modular aufgebaut: Die Perspektive der imperialistischen Mächte (20.1) wird kontrastiert durch diejenige einer Kolonie (20.2). Am Beispiel des Krieges gegen die Herero (20.3) stossen die Interessen aufeinander und kreuzen sich die Perspektiven.
Heute mehr Beachtung wird den Mechanismen geschenkt, wie der Imperialismus im europäischen Denken verankert wurde und welche Auseinandersetzung darüber schon vor 1914 stattfand (20.4). Diese Auseinandersetzung leitet über zu einigen Vorschlägen von Gegenwartsbezügen des Themas (20.5). Eine DVD mit Filmen zu den Kapiteln 20.3.3, 20.4.3 und 20.5.5 können Sie hier gratis bestellen.
20.1 Die Sicht der Kolonialmächte, die europäische Sicht verschafft den Schülerinnen und Schülern einen Überblick über das Zeitalter des Imperialismus und die Motive für diese Expansion. Sie erfahren auch Dress-Code und Weltkarte als heutige Relikte dieser europäischen Weltherrschaft.
Am Beispiel des Kaiserreiches Annam, dem heutigen Vietnam, verfolgt die Themeneinheit detailliert, wie sich der imperialistische Zugriff abspielte (informeller und formeller Imperialismus) und wie er sich nicht nur auf die äussere Souveränität des Reiches auswirkte, sondern auch seine Gesellschaft verwandelte.
Nach den ersten beiden überblicksartigen Themeneinheiten konzentriert sich diese auf eine koloniale, brutale Auseinandersetzung, welche die Schülerinnen und Schüler mit Text-, Bild- und Filmquellen zu erschliessen suchen und sich mit der Frage der Schuld auseinandersetzen.
Die Verankerung der imperialistischen Idee verfolgen die Schülerinnen und Schüler am Beispiel der Völkerschauen in europäischen Zoohäusern, wieder mit Text, Bild- und Filmquellen; von der vereinzelten Kritik an diesen Veranstaltungen ausgehend können sie sich mit den damaligen praktisch orientierten Bedenken gegenüber dem Imperialismus auseinandersetzen..
Der europäische Blick auf den Imperialismus fällt uns trotz einer Zeitdifferenz von 150 Jahren leichter als der umgekehrte Blick aus der Sicht der Kolonien. Warum die europäische Durchdringung der Welt noch heute selbstverständlich scheint, ist Thema der Kapitel 1 und 3 und wird die Schülerinnen und Schüler gerade dadurch verblüffen. Dementsprechend gehen die Übersichten über die Ausdehnung (Kapitel 2) und über die imperialistischen Motive (Kapitel 4) zurück auf eine teilweise erschreckende Gedankenwelt (Kapitel 5).
Kapitel 1: Kleidung
Die Schülerinnen und Schüler machen sich anhand der Kleidung von Staaatsmännern Gedanken darüber, wann die «Europäisierung der Welt» eingesetzt hat. Sie suchen weitere Bilder zu Staatsmännern. Als etwas anspruchsvollerer Einstieg kann auch das Kapitel 20.1.3 gewählt werden.
Kapitel 2: Karten
Anhand verschiedener Karten erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler in geplanter Einzelarbeit oder im Klassengespräch die Entwicklung der Weltherrschaft durch die imperialistischen Mächte auf einem relativen abstrakten kartografischen Niveau.
Kapitel 3: Weltkarten
Da dem Kartendossier im vorhergehenden Kapitel die Peters-Projektion zugrundeliegt, wird sie hier thematisiert. Die Schülerinnen und Schüler vergleichen sie mit der Mercator-Projektion und erkennen, dass die Weltkarten selbst Abbild einer bestimmten Sicht auf die Welt sind.
Kapitel 4: Motive
Eine Abstraktionsstufe höher: Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit den Motiven für den Imperialismus, indem sie sich in Wirtschaftsleute und Politiker der damaligen Zeit hineinversetzen. Sie stellen die Motive übersichtlich zu einer Definition des Imperialismus zusammen. Eine Ergänzung findet sich in Kapitel 20.5.4.
Kapitel 5: Textanalysen
Auf moderne Texte folgen Originalstimmen von Seiten der Menschen aus den Kolonialmächten. Sie können Bild und Textquellen kombinieren oder sie den Schülerinnen und Schülern arbeitsteilig zur Analyse zuteilen.
In dieser Themeneinheit wird am Beispiel des Kaiserreiches Annam, das 1883 zur französischen Kolonie Vietnam wurde, ziemlich detailliert durchgespielt, wie imperialistische Herrschaft nicht nur die Unabhängigkeit eines Landes zunicht machte, sondern auch seine Gesellschaft beeinträchtigte. Trotz vieler Vereinfachungen erleben die Schülerinnen und Schüler hier einen Perspektivenwechsel.
Die Themeneinheit können Sie als Planarbeit konzipieren, das heisst, die Schülerinnen und Schüler arbeiten in ihrem eigenen Tempo ein Blatt nach dem andern durch. Das Blatt <ip-pii> kann als Puffer für die schnelleren Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden.
Kapitel 1: Kaiserreich
Die Schülerinnen und Schüler versetzen sich anhand einer gerafften Darstellung der Geschichte des Kaiserreiches Annam in die anders geartete Gesellschaft und die Besonderheit des Kaiserreiches. Sie formulieren die Textinformationen in Schemata um.
Kapitel 2: Missionar
Am Beispiel des französischen Missionars Alexander de Rhodes werden die religiösen Verhältnisse und der schleichende Einfluss Europas auf das Kaiserreich nachgetragen. Die Schülerinnen und Schüler versuchen den Titel des annamitischen Wörterbuches zu verstehen. Als Vertiefung kann eine von Alexander de Rhodes gezeichnete Karte dienen.
Kapitel 3: Korruption
In der Behandlung der ersten Phase eines informellen Imperialismus (1858–1883) versetzen sich die Schülerinnen und Schüler in die unkomfortable Lage eines schwachen Kaisers, in dessen Land unter französischem Einfluss Ämterkauf und Korruption aufblüht.
Kapitel 4: Machtübernahme
Die Schülerinnen und Schüler erleben die formelle Machtübernahme durch Frankreich anhand einer Überblicksliste, eines Verfassertextes, einer Bildquelle oder eines französischen Textes über die Abwehr der Belagerung von Tuyen-Guang, 1884/5.
Kapite 5: Veränderung
Als Fortsetzung des Kapitels 20.2.3 erarbeiten die Schülerinnen und Schüler, wie sich die annamitische Gesellschaft unter französischer Herrschaft veränderte. In der Biografie von Ho Chi Minh schlagen sie den Bogen zum revolutionären, kommunistischen Nordvietnam und damit zum Vietnamkrieg.
Nach der Übersicht über den Imperialismus aus der Perspektive der Kolonialmächte (20.1) und einer Kolonie (20.2) prallen in dieser Themeneinheit beide Seiten aufeinander: Im Zentrum steht die Unterwerfung von Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) durch das Deutsche Reich und der Aufstand der Herero und Nama in den Jahren 1904–1907. Dabei konzentriert sich das Material auf den ersten Krieg, denjenigen gegen die Herero im Jahr 1904.
Anders als in den Übersichts-Themeneinheiten soll hier auf der Ebene der Opfer in Deutsch-Südwestafrika gezeigt werden, welche Einschnitte der Imperialismus für die einheimische Bevölkerung bedeutete.
Die Schülerinnen und Schüler sollen Informationen von Ihnen aus Text- und Bildquellen mit einem Film über den Herero-Aufstand verbinden und sich aus einigermassen umfassender Information ein Urteil bilden.
Kapitel 1: Vortrag
Durch einen Lehrervortrag führen Sie die Klasse in die Situation in Deutsch-Südwestafrika. Die Schülerinnen und Schüler notieren Ihre Erläuterungen in Karten und ein Diagramm.
Kapitel 2: Bildquellen
Die Schülerinnen und Schüler verschaffen sich einen Überblick über den Krieg gegen die Herero 1904. Sie interpretieren vor diesem Hintergrund Bildquellen oder die im nächsten Kapitel aufbereiteten Filmausschnitte
Kapitel 4: Übersicht
Eine abschliessende, informierende Übersicht über die Spannungen, Kriege und Bildung politischer Befreiungsbewegungen in den Kolonien führt das Schwerpunktbeispiel zurück auf die allgemeine Tatsache, dass die Weltherrschaft mit Gewalt verbunden war.
Diese Themeneinheit versucht einen Aspekt hervorzuheben, der ob der spektakulären Ereignisse in den Kolonien oft ausser Acht gelassen wird: die mentale Verankerung des Imperialismus in Europa. Die Erweiterung der Wahrnehmung und Kommunikation in der Zweiten Technischen Revolution machte eine Diskussion dieser an sich nicht unumstrittenen Expansion möglich. Einerseits konnte sie durch Regierungen und interessierte Unternehmen propagiert werden, andrerseits unterstand sie auch der Kritik, die sich erstaunlich früh und prominent zu Wort meldete.
Im Zentrum stehen in den Kapiteln 20.4.2 und 20.4.3 die so genannten Völkerschauen, in denen sich Propaganda für die Herrschaft über andere Menschen, Kommerz und Wissenschaft auf vielfältige Art mischten.
Auch Quellen aus den Kapiteln <ip-pii> und <ip-pii> können hier nochmals beigezogen werden oder Sie können an sie anknüpfen.
Kapitel 1: Grammatikbuch
Als kurzen Einstieg verarbeiten die Schülerinnen und Schüler einen Grammatikbuchtext, der die Schwarzen disqualifiziert. Sie stellen sich selbst Fragen dazu
Kapitel 2: Völkerschauen
So genannte Völkerschauen dienten damals dazu, dem europäischen Publikum Menschen aus Kolonien näher zu bringen und ihren kulturellen Rückstand zu beweisen. Nicht zufällig wurden diese Völkerschauen oft in Zoologischen Gärten, auch in Basel und Zürich abgehalten.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten zuerst Grundinformationen zur Völkerschau und denjenigen im Zoo Basel, dann (zur Auswahl) zwei Reportagetexte, einen einfacheren ersten und einen etwas komplexeren zweiten.
Kapitel 5: Karikatur
Eine kritische Karikatur zur Völkerschau leitet über zu einem kurzen Einblick in die zeitgenössische Kritik am Imperialismus. Die oft komplexen Argumentationen werden für interessierte Schülerinnen und Schüler als stark gekürzte Zitate aufbereitet. Sie können erkennen, wie unterschiedlich und vielseitig die Kritik formuliert wurde.