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Starker Tobak
Eigentlich wollte ich ja heute über die akute Krise des Wirklichkeitsbewusstseins der Neuzeit in ihren letzten Grundlagen sprechen, meine Damen und Herren, sowie damit verbunden über die Frage, ob Liebe ohne ein Selbst nicht möglich sei, genauso wenig wie Denken. Aber dann wurde das überholt vom Lauf der Zeit, und plötzlich redete alle Welt darüber, was Präsident Trump im Vorfeld seines Besuchs des Vereinigten Königreichs über Herzogin Meghan gesagt oder nicht gesagt hat. Das verursachte ungefähr so viel Aufregung wie dieser «Game of Thrones»-Kaffeebecher im letzten Monat.
Übrigens hat die Dramatikerin Bonnie Greer auf der BBC darauf hingewiesen, dass Donald Trumps Anzüge banal wirken mögen, aber Meisterwerke der Schneiderkunst darstellen. Und das stimmt. Achten Sie mal drauf.
Was ist sonst noch passiert?
Berichten zufolge stellten die Angestellten von Prince Charles in dessen Residenz Clarence House sicher, dass vor Trumps Besuch die gerahmten Fotos von Charles und Barack Obama diskret zur Seite geräumt wurden.
Die Queen, die sämtliche elf US-Präsidenten seit 1952 getroffen hat (mit der Ausnahme von Lyndon B. Johnson), hat kurz vor Trumps Besuch zum ersten Mal eine Supermarkt-Self-Check-out-Kasse besucht. Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der britischen Supermarktkette Sainsbury’s. Ihre Frage dazu: «Can you cheat it?»
Die britische Labour-Partei hat unterdessen ihre Strategie zum Brexit mit folgendem Titel versehen: «Constructive Ambiguity». Kellyanne Conway hätte das nicht schöner sagen können. (In der Tat handelt es sich um einen Rückgriff auf Henry Kissinger.)
Apropos «Game of Thrones»: Die BBC meldete, dass die weiblichen Charaktere in der Serie ungefähr dreimal weniger Text haben als die männlichen.
Apropos Text: Wieso sagen eigentlich in letzter Zeit mehr und mehr Leute «harter Tobak»? Das macht keinen Sinn. Es heisst «starker Tobak».