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Der Kanton Zürich hat nun einen staatlich verordneten Solarzwang. Es geht darum, dass alle Gebäude im Kanton mit Solarzellen bestückt werden müssen (ich selber habe seit dem Sommer solche zwanglos auf dem Dach). Alle Gebäude: Hauptbahnhof, Globusprovisorium, Grossmünster.
Während sich die Sonnenenergie die Dächer holt, holt sich die Monarchie die Strasse.
Im Zusammenhang mit den Leuten, die am Montag dem Sarg von Queen Elizabeth nachschritten, frage ich mich, wie man eigentlich erlaucht wird. Erdolcht verstehe ich. Mit einem Lauch erstochen? Oder passiert das, ähnlich wie bei Uriella 1973, beim Sturz vom Pferd auf den Kopf während des Ausritts im schottischen Hochland? Da hatte sie die Erlauchung – ein Erlebnis, das einen zu einer tiefen Einsicht in die Welt des Gemüseanbaus und der Marktfahrerei verhilft. Einzelne werden dann sogar Sprachrohr des Lauchs und verbreiten den entsprechenden Atem unter ihren Anhänger:innen. Der nachträgliche Blick in Wikipedia ernüchtert allerdings, denn «erlaucht» ist eine mittelhochdeutsche Version von «erleuchtet», also ist das alles gar kein Witz. So weit die «Pointe» dieses Abschnitts.
Jeder Mensch hat ein Äderchen beim Fussgelenk, in dem blaues Blut fliesst.
Protest gegenüber der britischen Monarchie verstehe ich nicht. Die Queen war am ehesten auch unsere Königin. Oder wer fühlt sich als Schweizer:in von Japans Kaiser Naruhito, Saudi-Arabiens Salman ibn Abd al-Aziz, Liechtensteins Fürst Hans-Adam oder Thailands König Maha Vajiralongkorn vertreten? Die wenigsten. Jeder Mensch hat, ob er es weiss oder nicht, eine monarchische Seite, ein winziges Äderchen beim Fussgelenk, in dem blaues Blut fliesst.
Bei uns republikanisierten Schweizer:innen wird dieses Äderchen behördlicherseits nur am Dreikönigstag stimuliert. Ich selber habe allerdings seit einiger Zeit einige blaue Adern an den Beinen, die eventuell auf eine königliche Herkunft hindeuten. Ich muss mal zum Hofarzt.
Am letzten Sonntag ist der FC Zürich nach einer Niederlage gegen Lausanne-Sport gestorben. Er erreichte das hohe Alter von 126 Jahren. Am Schluss war er bei seinen öffentlichen Auftritten schwächlich, blau und kreideweiss. Eine ganze Stadt (Zürich) ist in tiefer Trauer. Denn immerhin gab es diesen FC Zürich schon seit ewig, und niemand kannte jemanden, in dessen Leben der FC Zürich noch nicht Fussballklub war. Am nächsten Montag ist die Beerdigung. Der Verein wird das Wochenende über auf einem Katafalk, Katalysator oder Katamaran im Letzigrund ausgestellt und fährt anschliessend, gezogen von 126 Ultras, in einem Trauerzug durch den Kreis vier und über die Limmat zur Greatminster Abbey. Hinter der Sargkutsche schreiten Herr und Frau Canepa, Cheftrainer Franco Foda, seine Schwester Jane Fonda sowie alle Spieler:innen des Vereins. Dahinter folgen 215 Staatspräsidentinnen und Staatspräsidenten, Elton John, King Charles, Mario Fehr und weitere Prominente aus dem Showbiz.
Der FC Zürich wird gleich neben dem schon vorletzte Woche verstorbenen FC Winterthur beerdigt.
Irgendwie lässt mich die Erleuchtung doch nicht los. Man hört ja auch ab und zu «Ihre Durchlaucht», was dann – wir wissen nun um das «leuchten» – Durchleuchtung bedeuten müsste. Ich glaube nicht, dass ein King Charles sich am Flughafen durchleuchten lassen muss, sonst sähe man all die verschluckten Kronen, Schreibfüller und Jagdtrophäen. Vielleicht ist aber auch mehr die mediale Durchleuchtung gemeint. Charles ist ja im Gegensatz zur verschwiegenen Queen in den letzten Jahrzehnten medial so durchleuchtet worden, dass er nun als König so durchsichtig wie eine Qualle ist.
Es ergibt alles keinen Sinn, was meines Erachtens auch der eigentliche Sinn eines Königshauses ist.
Ruedi Widmer ist ziemlich sinnlos in Winterthur.