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Anton Liste
(1772-1832)
Biographie: Anton Heinrich Liste wurde am 14. April 1772 in Hildesheim als Sohn des dortigen Domorganisten geboren, der auch sein erster Lehrer war. Listes musikalisches Talent hat sich bald gezeigt. 1789 ging er nach Wien, um sein kompositorisches Handwerk bei Georg Albrechtsberger zu vervollkommnen. Es ist sogar behauptet worden, dass Liste bei Mozart studiert habe, allerdings lässt sich dies nicht beweisen. Drei Jahre später war Liste wieder in Hildesheim, wo er sich mit Stundengeben halbwegs ernähren konnte. Er wurde erst von seinen Geldsorgen befreit, als Graf Clemens August von Westphalen ihn 1793 als Musiklehrer für seine Kinder engagierte. 1798 heiratete Liste Louise Fricke, die aber schon 1801 starb. Listes ein Jahr zuvor geborener Sohn Franz Karl wurde nun von den Grosseltern erzogen.
Dank der Empfehlung des Komponisten und Verlegers Hans Georg Nägeli, der zu dieser Zeit wichtigsten Figur im Zürcher Musikleben, bewarb sich Liste 1804 erfolgreich um die Stelle des Musikdirektors vom Orchester der dortigen Musikgesellschaft. Nach der Probezeit änderte zwar Nägeli seine Meinung, aber seine Kollegen hatten sich inzwischen von den Qualitäten Listes überzeugt, also durfte er bleiben. Liste etablierte sich bald auch als Klavier- und Gesangslehrer. Als er drei Jahre später von seinem Kapellmeisterposten zurücktrat, blieb er in Zürich. Inzwischen hatte er die Schweizer Landschaft lieben gelernt. Er ging gern in die Berge zum Wandern, machte mit Carl Maria von Weber im September 1811 sogar eine Wanderung in den Schweizer Alpen. Liste gab Stunden, spielte noch gelegentlich Bratsche im Orchester und gründete nun auch einen eigenen Chor, die Kleine Musikgesellschaft, mit dem er nicht nur Oratorien von Händel, Haydn und anderen aufführte, sondern sogar Opern wie z.B. Mozarts Zauberflöte und Rossinis Mose in Egitto. Da es damals in Zürich kein Theater gab, war dies die einzige Möglichkeit für das Zürcher Publikum, Opern zu hören. Liste war auch ein engagiertes Mitglied der Zürcher Freimaurerloge "Modestia cum libertate". 1811 schrieb er eine Kantate zur Eröffnung des neuen Logengebäudes, welches heute noch den Freimaurern von Zürich ein Heim bietet. Anton Liste ist am 31. Juli 1832 in Zürich gestorben, laut seinem Bekannten und Biographen Georg Bürkli an einem "Brustleiden".
Zu Listes Oeuvre gehören neben Liedern und Chorwerken mehrere Sonaten für Klavier, eine Grande Sonata für Klavier zu vier Händen und die Sonate op. 3 für Fagott und Klavier. Die Fagottsonate sowie die Klaviersonaten in Es-Dur bzw. in G-Dur sind in der Reihe Musik aus der Zentralbibliothek Zürich bei Guild Music auf CD erhältlich. Diese beiden Klaviersonaten sind 1804 in der von Hans Georg Nägeli herausgegebenen Reihe Répertoire des Clavecinistes erstmals erschienen. Obwohl Zürich damals kaum als Musikstadt galt, gehörte Nägeli zu den bedeutendsten Musikverlegern im deutschsprachigen Raum. In der erwähnten Reihe sind u.a. die Sonaten Pathétique und Waldstein von Ludwig van Beethoven erschienen. Aufgrund des Stils seiner Sonaten muss Liste die Musik Beethovens sehr gut gekannt haben, auch widmete er ihm seine bei Nägeli 1811 erschienene Klaviersonate in A-Dur. Liste experimentierte gern; die G-Dur Sonate für Klavier ist als ein einziger Satz konzipiert, während die bei Breitkopf erschienene Sonate für Klavier zu vier Händen op. 2 sogar mit einer Fuge schliesst. Zu Lebzeiten war Liste gut bekannt. Im Lexikon der Tonkünstler schrieb Ernst Ludwig Gerber 1813: "Nach dem Urtheile mehrerer Kenner gehören seine neuern Klavierwerke sowohl in Hinsicht des originellen und richtigen Satzes, als des anziehenden Styls zu den vorzüglichsten". Die Zentralbibliothek Zürich besitzt die grösste Sammlung von Noten und Dokumenten zu Leben und Schaffen von Anton Liste.