Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03573.jsonl.gz/548

Der Solothurner Meister der Baukunst war ein Vordenker und Kritiker der Standardisierung.
Der Solothurner Architekt Franz Füeg war nie ein Mann der vielen Worte, umso präziser setzte er sie in seinen Texten, die das Zeitgeschehen in der Architektur über Jahrzehnte begleiteten. Auch in seinem gebauten Werk verzichtete er auf laute Gesten und auf plakatives Auftrumpfen.
1921 geboren, absolvierte Füeg von 1938 bis 1940 eine Lehre als Hochbauzeichner, um nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Rotterdam 1953 in Solothurn ein eigenes Büro zu eröffnen, das er 1975 nach Zürich transferierte. Von 1971 bis 1987 wirkte er als Professor an der EPF in Lausanne.
Gegen den Schweizer Mainstream
Franz Füeg stand ein für die Architektur von Mies van der Rohe, ein Kennzeichen der sogenannten Solothurner Schule, in der Füeg nebst Fritz Haller die prägnanteste Gestalt war. Damit markierte er eine Position, die nicht zum Mainstream der schweizerischen Architekturszene gehörte. Für die Zeitschrift «Bauen + Wohnen» hatte er, immer noch wohnhaft in Solothurn, von 1958 bis 1961 die Rolle des Schriftleiters inne und verfügte so über ein seine Sicht gewichtig repräsentierendes Sprachorgan. Dezidiert stellte Füeg in der Fachzeitschrift fast ausschliesslich Beispiele der modularen Bauweise vor. Seine Kommentare waren von einer wohltuenden Kürze, ohne jedoch banal oder langweilig zu wirken. Die in seinem Buch «Wohltaten der Zeit» gesammelten Aufsätze aus mehreren Jahrzehnten dürfen nach wie vor zu den wichtigsten theoretischen Auseinandersetzungen in der schweizerischen Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts gerechnet werden.
Die Affinität zur Architektur Mies van der Rohes manifestiert sich vor allem in den frühen Werken, etwa im Schulhaus von Kleinlützel (1957/59). Die strengen Körper der Gebäude für die naturwissenschaftliche Fakultät in Freiburg (1960/68) weisen im Innern teilweise flexible Räumlichkeiten auf: eine Konsequenz aus der Analyse der Möglichkeiten, die die Montagebauweise anbot.
Proportionen und Klänge
Bauen verstand Füeg immer als ein anthropozentrisches Tun, als ein Anbieten von architektonischen Lösungen für die von Ort zu Ort unterschiedlich formulierten Bedürfnisse. Sein Entwurfsprozess folgte immer einer tragfähigen Idee: Diese könne man nicht erzwingen. Vielmehr falle sie einem zu und determiniere das ganze Projekt bis zur Vollendung. Eine solch tragende Idee veranlasste Füeg bei seinem Meisterwerk, der zwischen 1964 und 1966 realisierten Piuskirche in Meggen, zur Wahl der Marmorausfachung, die die Hülle zur diaphanen Haut werden liess. Obwohl er dieses Gotteshaus mit industriell hergestellten Materialien errichtete, adaptierte Füeg gleichwohl die Tradition des domhaften Kirchenbaus, die er in der heimatlichen Ursenkathedrale in Solothurn exemplarisch verwirklicht sah.
In vielen Tönungen strömt das ockerfarbene Licht in den Kirchenraum von Meggen, und auch die Akustik ist besonders. Füeg, der sich gleichzeitig für Wissenschaftsphilosophie und Wahrnehmungstheorie interessierte, stellte am vollendeten Bau fest, dass der Klang der Piuskirche entgegen der Erwartung seiner Kritiker und obwohl alle Oberflächen aus Stahl und Stein sind und es keine Profilierungen gibt, gut war. Seine Gedanken umfassten immer das System und gleichzeitig jedes seiner Teile: So bedachte er, dass die Vorkirche mit ihren kleinen Holzeinbauten, die Orgelempore und vor allem der grosse Holzprospekt der Orgel die Töne streuen und der Kirchenraum so zu seinem angenehmen Klang kommt.
Die Einbeziehung der sogenannten vierten Dimension, die das Innenvolumen als ein Raum-Zeit-Kontinuum definiert, ist wohl der stärkste Ausdruck einer Haltung, die Architektur in den Dienst der menschlichen Gemeinschaft stellen möchte. Franz Füeg ist am 24. November gestorben.