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Dass man einen der grössten und bekanntesten Klassiker der Ballettliteratur auch mit Humor erzählen kann, beweist der Schwanensee des Belgiers Stijn Celis. Bildgewaltig in Szene gesetzt, mit federgeschmückten Tänzerinnen, die vom Bühnenhimmel herabschweben, und mit grosser Lust an expressiver Zuspitzung erzählt der Choreograf die Geschichte des Prinzen und seiner verzauberten Schwanenliebsten als Emanzipationsgeschichte eines jungen Mannes von seiner dominanten Mutter. Celis deutet den Schwanenmythos als Symbol für Erotik und die Sehnsucht nach Entgrenzung.
Es ist eine frische und kurzweilige Interpretation des Ballettklassikers, die ganz ohne Spitzentanz und mit den Ausdrucksmitteln des zeitgenössischen Tanzes erstaunlich nahe am Originallibretto bleibt, das 1895 in St. Petersburg in einer klassisch choreografierten Version von Marius Petipa und Lew Iwanow zum Welterfolg wurde. Nicht zuletzt auch wegen Tschaikowskis fantastischer Ballettmusik, zu der auch das Ballett Theater Basel in dieser Produktion tanzt, wurde der Schwanensee zum Inbegriff des klassischen Balletts, das sich während seiner Aufführungsgeschichte stets zwischen den Polen der Rekonstruktion und der Neudeutung bewegt hat.
Der Belgier Stijn Celis choreografierte seinen Schwanensee 2006 in Bern und wird ihn in Basel in einer überarbeiteten Version auf die Grosse Bühne bringen. Celis war von 2004 bis 2007 Ballettdirektor in Bern. Danach choreografierte er freiberuflich, bis er mit der Spielzeit 2014/2015 die Leitung der Ballettkompanie am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken übernahm. Das Ballett Theater Basel tanzte 2013 sein Märchenballett Cinderella.