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Alexandre Beuchat
«So lange ich zurückdenken kann, wollte ich nie etwas anderes als Musik machen. Diese andauernde Faszination hat es mir ermöglicht, eine Welt zu entdecken und zu lieben, die grossartig, surreal und ein bisschen verrückt ist.»
Biografie
Meine Ziele
«So lange ich zurückdenken kann, wollte ich nie etwas anderes als Musik machen. Diese andauernde Faszination hat es mir ermöglicht, eine Welt zu entdecken und zu lieben, die grossartig, surreal und ein bisschen verrückt ist. Ich habe das Glück, mein Leben um diesen Mittelpunkt herum konstruieren zu können. Natürlich wünsche ich mir, in dieser Welt zu wachsen und mich zu entwickeln. Doch schon durch die Tastache, diese Leidenschaft mit dem Publikum zu teilen, ist mein eigentliches Ziel erreicht.»
Biografie
Alexandre Beuchat ist 1988 in Delémont geboren. Im Juli 2016 beendet er seinen Master in klassischem Gesang an der Musikhochschule Luzern in der Klasse von Barbara Locher. Eine Violonistenausbildung, Kurse von Wicus Slabert und Edith Lienbacher sowie diverse Masterklassen von Margreet Honig, Klaus Mertens und Ton Koopman vervollständigen seine musikalische Ausbildung.
Als festes Ensemblemitglied am Luzerner Theater während der Saison 2015/16 gibt er die Rollen des Mr. Gedge in «Albert Herring» (Britten) und des Anthony Hope in «Sweeney Todd» (Sondheim). Unterstützt von der Stiftung Czerwenka erhält er ab September 2016 ein Engagement als Solist im Ensemble der Volksoper Wien. Er interpretiert unter anderem die Rollen des Falken in «Die Fledermaus» (Strauss), des Freddy Eynsfeld in «My Fair Lady» (Loewe), des Pappacoda in «Eine Nacht in Venedig» (Strauss), des Wolfram/Schlemihl in der neuen Produktion «Hoffmanns Erzählungen» (Offenbach), des Marquis d’Obigny in «La Traviatia» (Verdi) sowie des Fiorillo in «Il Barbiere di Siviglia» (Rossini).
Repertoireschwerpunkte
- Oper: Figaro, Cote («Le Nozze di Figaro»), Guglielmo («Così fan tutte»), Belcore («L’elisir d’amore»), Dandini («La Cenerentola»), Freddy («My fair lady»), Valentin («Faust»)
- Oratorium: «Matthäus-Passion», «Johannes-Passion», «H-moll-Messe» von Bach, «Die Schöpfung» von Haydn, «Ein deutsches Requiem» von Brahms, «Requiem» von Fauré, «Petite messe solennelle» von Rossini, «Carmina Burana» von Orff
- Lieder: Schumann, Schubert, Debussy, Fauré, Wolf
Auszeichnungen
- 2017: Studienpreis des Migros-Kulturprozent
- 2015: Studienpreis des Migros-Kulturprozent
- 2014: Wettbewerb der Friedl Wald Stiftung– Studienpreis
- 2014: Internationaler Wettbewerb Ernst Haefliger – 3. Platz sowie Studienpreis für den besten Schweizer Künstler
Rezensionen
Singen – mit System
Talent des Monats
1. Juli 2017, Katharina Nill
Dem jungen Bariton Alexandre Beuchat gelingt an der Volksoper Wien ein traumhafter Berufseinstieg. Doch auch Konzerte liegen ihm am Herzen: da ist die Konzertvermittlung des Migros-Kulturprozent ein Geschenk des Himmels.
Aus einem Raum mit der hohen Decke einer Altbauwohnung schaltet sich ein unverschämt gutaussehender junger Mann per Videotelefonie zum Interview. Alexandre Beuchat ruft aus Wien an, wo er seit vergangenem Herbst als festes Ensemblemitglied der Volksoper Wien singt. Er wurde bei einem Auftritt in Luzern «entdeckt» und nach seinem Studienabschluss an die Volksoper geholt. Ein Berufsstart, von dem viele nur träumen können. So sieht das auch der 28-jährige Bariton, der im Gesprächsverlauf immer wieder beteuern wird, «was für ein grosses Glück» er hatte.
Zudem hat Beuchat soeben seinen zweiten Studienpreis des Migros-Kulturprozent erhalten. Neben 14´400 Franken bedeutet das, in die Konzertvermittlung des Migros-Kulturprozent aufgenommen zu werden. «Die Konzertvermittlung ist genau das, was ich suche und brauche», sagt der gebürtige Jurassier. «Was für ein tolles Programm! Neben Opern, die ich natürlich liebe, liegt es mir am Herzen, weiterhin Konzerte zu geben: Messen, Requien, Kantanten, Liederabende. Das ist im Rahmen eines Opernhauses nicht möglich und gehört dennoch zur Tätigkeit eines Solisten. Im Konzert kann ich mich voll und ganz der Musik hingeben – anders als bei der Oper, wo Rolle, Bühnenbild und Kostüme meinen Gesang rahmen.»
Von der Violine zum Gesang
Beuchat wächst mit seinen Eltern und zwei Brüdern in Courtételle, einer Gemeinde mit 2600 Einwohnern heran. Als 7-Jähriger beginnt er Geige zu spielen. Im Chor Delémont und der Theatergruppe von Courtételle wird er mit Bühnenauftritten vertraut. «Obwohl ich bis zu meiner Matur keine aussergewöhnliche technische Begabung gezeigt habe, ging ich von klein auf mit dem Gedanken durch die Welt, eines Tages Musik machen zu wollen. Etwas anderes kam mir nie in den Sinn.» Als die erste Aufnahmeprüfung in Violine an der Hochschule Luzern misslingt, entschliesst er sich zu einem Vorstudium als Violinist.
Dort nimmt er das erste Mal Gesangsunterricht – und mit einem Mal ändert sich alles: «Anders als beim Musizieren mit der Geige verspürte ich weder Lampenfieber noch inneren Stress. Es war eine Befreiung. Ich wusste sofort, dass ich das richtige Mittel gefunden hatte, um mich auszudrücken. Ich wollte singen!» In Folge besteht er die Aufnahmeprüfungen für Violine und Gesang – und die Entscheidung für Gesang fällt ihm leicht.
Grundsolide Ausbildung
Fünf Jahre Ausbildung bei Barbara Locher sind die Folge. «Sie hat mich auf Anhieb sehr angesprochen: ihre Art, ihre Technik, ihre Pädagogik.» Während seines Studiums sammelt er Konzerterfahrung als Solist mit Werken von Bach, Händel, Haydn, Schütz, Monteverdi und Mozart. Während seines letzten Studienjahres sogar als Ensemblemitglied am Luzerner Theater: Er steht als Mr. Gedge in Albert Herring, Anthony Hope in Sweeney Todd und Antonio in Il viaggio a Reims auf der Bühne.
Zurückblickend sagt er mit seiner charmanten Sprach- und Akzentmischung aus Französisch, Schweizerdeutsch und Österreichisch: «In Luzern konnte ich mich musikalisch, persönlich und technisch sehr solide und breit entwickeln. Mein Erfahrungsschatz aus diesen Jahren fühlt sich komplett an. Ich war in jeder Hinsicht zur rechten Zeit am rechten Ort und konnte im geschützten Rahmen der Hochschule meinen Fuss nach und nach in die jeweils nächstgrössere Tür setzen.»
Der Schritt ins Profileben
Der Wechsel nach Wien an die Volksoper ist «zwar eine Umstellung, aber nicht so brutal.» Die Kontroll- und Korrekturinstanz «Hochschule» fehlt ihm zunächst ein wenig, doch er lernt mehr und mehr, seinen eigenen Kompetenzen zu trauen. «Ich musste als Einstieg noch drei, vier Vorstellungen aus der vorangegangenen Spielzeit einproben und erlitt zu Beginn doch einen kurzen Schrecken: eine grosse Bühne, viele Leute, ich, ein Zylinder?!» Doch die gute Stimmung an der Volksoper, die Qualität, die Leute sagen ihm auf Anhieb zu. Also springt er ins «halbkalte» Wasser, wie er verschmitzt sagt.
Für die Spielzeit 2017/18, die im kommenden September beginnt, bereitet er neue Rollen für Rusalka und «Die Fledermaus» vor. Er freut sich sichtlich auf die Rolle des Pappacoda in «Eine Nacht in Venedig» und auf Dr. Falke in Die Fledermaus. «Und auch My Fair Lady, wird eine tolle Produktion! Da spiele ich den Freddy.» Alle übrigen Rollen wie Fiorello in Der Barbier von Sevilla oder Cascada in Die lustige Witwe hat er bereits aus der vergangenen Spielzeit im Repertoire.
Sänger mit Struktur
In seiner Vorbereitung entpuppt sich Beuchat als ausgesprochen systematisch: «Der Grossteil besteht aus mentaler Arbeit, gesungen wird erst am Schluss. Nachdem ich das Stück einmal lese, streiche ich mir meine Partien an und schätze die Dauer ein. Daraufhin frage ich mich: ‹Was sage ich? Was ist der Kontext meiner Rolle?› Erst dann setze ich mich zum ersten Mal mit der Melodie auseinander.» Mit dem Singen heute ist es wie mit der Violine damals: «Erst wenn ich mich genügend mit dem Thema befasst hatte und die Melodie auswendig konnte, vermochte ich zu spielen.»
Das Singen selbst übt er am liebsten in seiner Wohnung im 9. Bezirk, die er mit seiner Freundin, ebenfalls Schweizerin und Sängerin, teilt. Der letzte Schliff seiner Vorbereitung besteht darin, seine Schwachstellen zu verbessern. «Hierzu nehme ich Referenzen zur Hand und höre mir an, wie andere Baritone das gemacht haben, was mir gut oder weniger gefällt. Daraus entsteht dann eine eigene Interpretation.»
Vor und hinter dem Vorhang
Zuletzt, hinter dem Vorhang dann, gilt es nur noch die Nervosität zu überwinden. «Doch sobald mein Auftritt beginnt, werde ich zur Rolle selbst, und die Anspannung verfliegt. Ich werde die Rolle.» Teuer ist Beuchat der Moment der Verbeugung: «Das ist Wahnsinn, das sind starke Emotionen!» Danach trifft man sich häufig noch für ein Glas oder ein Essen. «Und plötzlich, ohne jede Vorankündigung, kommt der Moment, in dem der Adrenalinspiegel abfällt. Dann geht nichts mehr und ich muss ins Bett.»
Auf die Frage hin, wie er in seiner Freizeit den Ausgleich zu der Aufregung auf der Bühne schafft, beschreibt Alexandre Beuchat ein recht bekanntes Phänomen: «Es mag seltsam klingen, aber Putzen gibt mir das Gefühl, den Kopf leeren und mich physisch erschöpfen zu können.» Zudem hat er einen Gemüsegarten auf dem Balkon angelegt und arbeitet an der Perfektionierung seines Gulasches. «Am besten wird es, wenn es in Ruhe stundenlang köcheln kann und nicht am gleichen Tag gegessen wird.»
Und was machen Meilensteine, Visionen und Zukunftsmusik? «Ach, eine Rolle wie jene des Grafen in Die Hochzeit des Figaro von Mozart würde ich schon unglaublich gerne mal singen. Aber es entspricht mir viel mehr, in einem jährlichen Rhythmus zu überprüfen, wo ich stehe, um dann zu sehen, wo es als nächstes hingehen könnte.» Das tönt plausibel und vielversprechend für jemanden, der gute Intuition, Systematik und Glück gepachtet hat.
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