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La Mandore – oder: Die Mandore um 1600
Diese Arbeit basiert ursprünglich auf einem Artikel, den uns Christoph Greuter, CH-Solothurn, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Der Artikel wurde dann aber von François-Pierre Goy und Andreas Schlegel grundlegend überarbeitet und in die Form einer kommentierten Quellensammlung gebracht.
Falls Sie als Leserin / Leser dieses Artikels von einer nicht aufgeführten Quelle oder einem Instrument Kenntnis haben, bitten wir Sie um Benachrichtigung. Diese Seite sollte das aktuelle Wissen sammeln – auch wenn es „nur“ bibliographische Angaben zu Arbeiten über die Mandore sind.
Der Artikel ist noch nicht ganz fertig formuliert. Es stehen noch Ergänzungen aus. 22.10.2008
Aufbau:
A Einführung
1. Überblick
2. Terminologie und Geschichte
B Instrumente
3. Erhaltene Instrumente
4. Ikonografische und literarische Quellen und deren Inhalt, chronologisch geordnet
5. Zusammenfassung der bautechnischen Merkmale der Mandore und artverwandter Instrumente
C Die Musik
6. Musikalische Quellen und bekannte Mandorenspieler
1. Überblick
Die Mandore ist ein Diskantinstrument der Lautenfamilie.
Die Wurzeln der Mandore reichen geschichtlich bis weit vor 1500 zurück. Laurence Wright wies die Quinterna als eine Vorläuferin der Mandore nach. Die ersten bekannten Quellen mit Musik für Mandore – Drucke von 1578 und 1585 – sind heute verschollen. Stimmungsangaben sind erst ab Mitte des 16. Jahrhunderts bekannt; Tonhöhen oder Spieltechniken aus den erhaltenen Quellen des 17. Jahrhunderts. Die Quellen mit erhaltener Musik stammen zur Hauptsache aus den 20er-Jahren des 17. Jahrhunderts und sind französischen sowie schottischen Ursprungs. Zu den wenigen erhaltenen Handschriften gesellt sich nur ein einziger erhalten gebliebener Tabulaturdruck für die Mandore (François de Chancy, 1629).
Die Mandore ist vor allem in den nordeuropäischen Ländern beheimatet gewesen. Doch es scheint, dass auch südlichere Länder wie Italien oder Spanien das Instrument kannten, wenn auch unter einer anderen Terminologie und mit anderen konstruktiven Merkmalen. Die Mandore ist primär ein Solo-Instrument, wurde aber – wie aus Philip Mercers Gemälde The Music Party zu schliessen – auch als Ensembleinstrument eingesetzt, das dabei die höchste Stimme übernommen haben dürfte. Die Mandore scheint gegen Ende des 17. Jahrhunderts veraltet gewesen zu sein. Hier versiegen auch ihre Musikquellen.
2. Terminologie und Geschichte
Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass die Sprache einen Teil der Identifikation eines Instrumentes darstellt. Übersetzungen sind oft Quellen von Missverständnissen; z.B. ist die Mandolino im ital. Sprachgebrauch die Neapolitanische Mandoline, während die englisch ausgesprochene „Mandolino“ für die älteren Mandolinentypen steht, die VOR der Erfindung der Neapolitanischen Mandoline existiert haben. Durch die Übernahme eines Begriffes in eine andere Sprache können also begriffliche „Doppelbelegungen“ entstehen. Deshalb sollten Übersetzungen wo möglich vermieden werden.
Für unser hier behandeltes Instrument benutzen wir den Begriff, wie er im Haupverbreitungsgebiet – dem nach Frankreich orientierterten Kulturkreis – verwendet wurde: la mandore resp. der deutschen Orthografie angepasst „Mandore“.
Die Mandore gehört zur Gruppe der Diskantinstrumente der Lautenfamilie.
Eine Hauptschwierigkeit besteht in der nicht kohärenten Terminologie, die zu vielen Ungenauigkeiten und Verwechslungen geführt hat:
Zu diesen Diskantinstrumenten der Lautenfamilie gehören etwa
• die Quinterna,
• die Citola - beides Instrumente des Mittelalters, deren Ursprung aber bis in die Antike zurückreichen dürfte - oder
• die Mandore des 16. und frühen 17. Jahrhunderts
• Mandolinenähnliche wie die sogenannte „Barockmandoline“ (ein moderner Begriff!) oder andere aus der Lautenbautradition entwickelte Typen – nicht jedoch die Neapolitanische Mandoline mit vier Chören, welche erst 1751/52 entwickelt wurde [1] .
Neben der Namensgebung besteht ein weiteres Problem darin, dass ein Instrument mit gewissen baulichen Merkmalen durchaus in verschiedenen Rollen zu verwenden ist: in unserem Fall als in Quarten und Terz gestimmte Diskantlaute mit weniger als 6 Chören oder als Mandore mit Quint/Quart-Stimmung. Das Aussehen alleine kann also nicht zur definitiven Zuordnung führen: Erst die Stimmung gibt dem Instrument – nach den baulichen Voraussetzungen – seine eindeutige Identifikation. Da aber selten die ursprüngliche historische Besaitung erhalten resp. die verwendete Stimmung ersichtlich ist, sollte in den schwierig abzugrenzenden Gebieten eher der übergeordnete Begriff – hier „Diskantinstrumente der Lautenfamilie“ – verwendet werden.
Laurence Wright [2] belegt in seiner Recherche, dass das Instrument, das wir hier „Mandore“ nennen, als kleines lautenähnliches Instrument im Mittelalter Quinterna, respektive Gittern (engl.) oder Guiterne (franz.) genannt wurde. Bowles [3] scheint sich konsequent daran zu halten, wenn er sämtliche Quinternas in Ikonografien des 15. Jahrhunderts als Mandore (engl.) bezeichnet. Verwirrend aber ist, dass Gittern oder Guiterne resp. Guiterre (franz.) später im 16. Jahrhundert auch als generelle Bezeichnung für die 4-chörige Renaissancegitarre benutzt wird.
Ihre Blüte erfährt die Mandore um 1600. Auch in dieser Zeit existierten für dasselbe Instrument verschiedenste Namen: Mandore, Mandora, Mandolini (sic!) oder Mandürinichen (Praetorius). Die Mandore scheint gegen Ende des 17. Jahrhunderts veraltet zu sein. Denn ab diesem Zeitpunkt versiegen sowohl ikonografische wie musikalische Quellen. Die erhaltenen und bekannten (aber verschollenen) Mandore-Tabulaturdrucke und -handschriften lassen schliessen, dass die Mandore primär in Beziehung zu Frankreich und Schottland steht. Sie ist durch die jahrhundertelange politische, wirtschaftliche und folglich auch kulturelle Beziehung dieser beiden Nationen zu erklären. Doch auch in Italien existiert unter dem Namen Mandola ein ebensolches Instrument, das gegen Mitte 17. Jahrhunderts die spezifischere Bezeichnung Mandolino erhielt, ab da aber in ihren baulichen Merkmalen mehr oder weniger deutlich von unserer Mandore unterschieden werden kann: die Mandore hat normalerweise mehrere einzeln besaitete höchste Chöre, während die Diskant- und Oktavlauten sowie die Mandolinentypen normalerweise doppelchörigen Bezug – oft auch bei der Chanterelle – aufweisen.
Im 18. Jahrhundert bekam der Begriff „Mandora“ ein neuartiges Instrument zugewiesen: das Lauteninstrument in Tenorgrösse. Zu unterscheiden ist die Mandora, welche meist in d’ (auch oft Gallichona genannt) oder e’ (meist Mandora genannt) vom Instrument in a, das im Prinzip den gleichen Korpus wie eine Mandora hat, aber einen viel längeren Hals und Galizona genannt wird (auch Colachon, bei Telemann Calcedon u.ä.). D
Zum Thema Mandora / Galichon siehe auch die nächste Seite „Mandora / Galizona / Colascione“.
In diesem Aufsatz wird die bis zum 17. Jahrhundert verwendete Instrumententyp „Mandore“ (franz./engl.) genannt, um eine Differenzierung zur „Mandora“ des deutschsprachigen Raumes im 18.Jahrhundert vorzunehmen. Somit wird die Sprache zu einem Unterscheidungskriterium.