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Freitag, 23. Juni 2017
Jean Vanier
Jean Vanier
ist Gründer der Arche, einer Gemeinschaft, in der Menschen mit und ohne geistigen Behinderungen zusammenleben. Sein ursprünglicher Wunsch, eine „intellektuelle Elite“ mit aufzubauen, realisierte sich mit der Zeit immer mehr in Form einer „Elite des Herzens“. 2015 wurde er mit dem Templeton-Preis ausgezeichnet.
Vor allem wenn es darum geht zu erklären, was diese Gemeinschaft, die er gegründet hat, ausmacht. “Die Arche ist im Grunde ein Ort, an dem Menschen zusammenleben. Menschen, mit mehr oder weniger schweren intellektuellen Behinderungen und Menschen, die vielleicht auf eine andere Art und Weise behindert sind. Es macht ihm offensichtlich Freude, es auf diese einfachen Faktoren herunterzubrechen, er wiederholt sie im Laufe des Gesprächs immer wieder. “Gemeinsam Spaß haben!” Alle meine Fragen, aber wie und warum, sind damit aufgehoben, sie gelten nicht mehr.
Aber dann nachdrücklich: “Und irgendwo auch – jedem dabei zu helfen, frei zu werden.
“Wir leben in einer Kultur des Erfolgs, des Wettkampfes. Die Leute sind nicht frei! Sie müssen gewinnen! Also entwickeln sie eine Aggressivität darin, Dinge zu tun. Freiheit kommt dann, wenn wir befreit sind vom Bedürfnis nach Macht. Wenn wir frei sind, einfach nur zu sein.”
Zu sein. Wir sind noch immer bei der Frage: Was ist die Arche? Langsam merke ich, dass es vielleicht hier beginnt, was die Arche ausmacht und etwa von anderen Heimen für Behinderte unterscheidet. Es geht nicht nur darum, sich um behinderte Menschen zu kümmern. Das ist keine Arbeit. Es ist eine Art, die Welt zu sehen. Was es bedeutet, ein Mensch zu sein etwa.
Etwas passiert
“Wir bauen uns unsere Identität auf, zum Beispiel eine Identität der Macht – ich bin jemand, weil ich bekannt bin, weil ich viel Geld verdiene, weil ich ein Gewinner bin. So wie Franz von Assisi, der ein sehr merkwürdiges Leben hatte. Er begann als ein Gewinnertyp. Und dann, eines Tages, ließ er alles zurück, um mit den Leprakranken zu sein. Er hatte eine Identität des Gewinnens und dann entdeckte er die Welt der Ausgestoßenen, der Verlierer. Er lebte mit ihnen und fand heraus, dass sie nicht anders waren als du und ich, einfach wundervolle Leute. Aber in großen Schmerzen. Weil sie verstoßen worden waren. Und als Franziskus sie wieder verließ, merkte er, dass er sich verändert hatte. Etwas war mit ihm passiert.
Veröffentlicht von
Franziska Erni
um
10:08
Uhr