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Die sechs Buchstaben bezeichnen die sechs Disziplinen, die von der FEI, dem internationalen Pferdesportverband, weltweit betreut werden. Wie auch der volle Namen, der FEI «Fédération Equestre Internationale», sind auch die sechs Buchstaben französisch wie folgt:
S Saut Springen
D Dressage Dressur
C Complet Military, Vielseitigkeit, Eventing
A Attelage Fahren
E Endurance Distanzritt, Dauerritt
V Voltige Voltigieren
Als im Mai 1921 die FEI in Lausanne gegründet wurde, unter dem Schirm des schon damals in Lausanne domizilierten Internationalen Olympischen Komitees (IOC, IOK), war Frankreich die dominierende Sportnation. Nicht aufgrund der sportlichen Erfolge, sondern auf Funktionärsebene. Das IOK hatte einen französischen Gründungspräsidenten, den Baron Pierre de Coubertin, und viele der internationalen Sportverbände, die in jenen Jahren gegründet wurden, hatten französische Präsidenten oder zumindest solche, die Französisch oder eine aus der lateinischen Sprachfamilie sprachen. Dazu kam, dass die nächsten Olympischen Spiele von 1924 in Paris stattfanden.
So wurde 1921 ein Franzose zum ersten FEI-Präsidenten gewählt, der Baron du Teil. Und der französische Cmdt. George Hector wurde FEI-Generalsekretär, ein Posten, den er bis 1951 besetzte. In jenem Jahr 1921 wurde auch erstmals der Internationale «Concours Hippique» von Nizza ausgetragen, der sofort zu einem der grossen Pferdesportanlässe Europas wurde. Zusammen mit Rom, Luzern, Aachen, London und Dublin war Nizza einer der bedeutendsten Turniere der Zwischenkriegsjahre.
«Concours Hippique International Officiel»
Nizza nannte sein Turnier «Concours Hippique International Militaire», abgekürzt CHIM. FEI-Generalsekretär Georges Hector wohnte (und arbeitete) in Nizza – obwohl das FEI-Sekretariat offiziell in Paris domiziliert war. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der allmächtige Hector vom Beispiel Nizzas beeinflussen liess, als die FEI beschloss, ihre pferdesportlichen Aktivitäten mit Abkürzungen zu bezeichnen. So wurde der CHIO («Concours Hippique International Officiel») und der CHI geschaffen. Dann die Buchstaben für die Disziplinen. Damals waren es nur drei: Springen (Saut, S), Dressur (Dressage, D) und Military (Complet, C).
Aus «Championat du Cheval d’Armes» wird Eventing
In Bezug auf «C» herrschte schon damals ein Begriffswirrwarr. Die Franzosen, die die Military 1902 als «Championat du Cheval d’Armes» erfunden hatten, kamen später auf «Concours Complet». Die Belgier blieben bei «Military», dies, nachdem der Internationale Concours von Brüssel das Offiziersspringen, seit Jahren Military genannt, 1905 erstmals nach der französischen Formel des «Championat du Cheval d’Armes» durchgeführt wurde. Die Schweizer übernahmen die Bezeichnung Military. In Deutschland hiess die Prüfung Vielseitigkeit, in Schweden Fälttävlan (Feldwettbewerb). Später kamen in englischsprachigen Ländern «Combined Training» und «Horse Trials» dazu. Als die FEI immer mehr zur englischen Sprache wechselte, sprach sie vom «Three Day Event», aus dem sich «Eventing» entwickelte.
Fahren, Voltigieren, Distanzreiten
Als Fahren 1969 als vierte Disziplin in die FEI aufgenommen wurde, blieb man beim Französischen: «Attelage» = A. Anfangs der 80er-Jahre, als das Distanzreiten und das Voltigieren in die FEI aufgenommen wurden, stellte sich die Frage nach der Sprache nicht: «Endurance» war französisch und englisch, Voltige und «Vaulting» hatten zumindest den gleichen Anfangsbuchstaben.
Weltcup
Als die FEI bei der Einführung des Weltcups 1978 sich für einen entsprechenden Buchstaben entschied, war es klar, ein Weltcupturnier ist ein CSI-W («World») und nicht ein CSI-M («Monde»). Zu jener Zeit war Englisch in der FEI gleichberechtigt mit dem Französischen. Das war früher anders gewesen. Da galt die Regel: «Nur der französische Text ist offiziell und bindend.» Ende des letzten Jahrhunderts wurde Englisch die offizielle Sprache der FEI, dies trotz empörend-emotionellen Protesten der französischen Delegation an der FEI-Generalversammlung. Über die Jahre wurden auch Abkürzungen für die Championate eingeführt: WCh = Weltmeisterschaft (WM), ECh = Europameisterschaft (EM), WCF = Weltcupfinal.
Trotz der Anglisierung der FEI wurden die Abkürzungen der Disziplinen nie geändert. Auf Englisch wären es: J Jumping Springen
D Dressage Dressur
E Eventing Military
D Driving Fahren
E Endurance Distanzritt
V Vaulting Voltigieren
Also zwei Doubletten: D für Dressur und Fahren, E für die Military und Distanzritt. Dazu kam es nicht.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 18/2022)
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