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Eine bevorstehende Geburt kann anhand der Belegung vorhergesagt werden. Die Sau zeigt aber auch typische Anzeichen (Tabelle 1). Die Trächtigkeitsdauer beträgt durchschnittlich 114 Tage mit Schwankungsbreiten von etwa zwei Tagen. Die darauffolgende Geburt wird in die drei Stadien Vorbereitungs-, Öffnungs- und Austreibungsstadium unterteilt. Das Vorbereitungsstadium beginnt bereits einige Tage vor dem Abferkeln. Sauen zeigen Nestbauverhalten, das Gesäuge bildet sich deutlich an und schlussendlich kommt es zum Milcheinschuss unmittelbar vor der Geburt (ante partum). Das Öffnungsstadium ist der eigentliche Beginn der Geburt, bei dem sich der Muttermund zunächst passiv öffnet und im weiteren Verlauf die Wehen einsetzen. Die letzte Phase, das Austreibungsstadium beginnt mit dem Sprung der Fruchtblase der ersten Frucht und ist charakterisiert durch starke und häufige Presswehen. Beim Schwein dauert das Austreibungsstadium, aufgrund der Geburt vieler Ferkel, lange. Im Laufe dessen wird alle zehn bis 30 Minuten ein Ferkel geboren. Die Gesamtdauer des Austreibungsstadiums beträgt durchschnittlich vier Stunden und sollte sechs Stunden nicht überschreiten. Der Nachgeburtsabgang geschieht entweder nach jedem Ferkel, oder es gehen zwischen der Geburt zweier Ferkel mehrere Nachgeburten ab. Innerhalb von vier Stunden nach der Geburt (postpartal) sollte der Abgang aller Nachgeburten erfolgt sein.
Ab wann spricht man von Komplikationen?
Die intensive Geburtsüberwachung ermöglicht frühzeitiges Eingreifen bei Problemen und erhöht die Überlebensrate der Ferkel. Eine visuelle Geburtsüberwachung sollte alle 30 bis 60 Minuten erfolgen. Werden eine oder mehrere der in Tabelle 2 genannten Parameter beobachtet, ist von einem gestörten Geburtsverlauf auszugehen. Bei verzögerten Geburten wird zudem häufig eine Verschmutzung des Fruchtwassers mit Mekonium (erster Kot der Ferkel) beobachtet.
Bei Schweinen kommen Geburtsstörungen (Dystokien) seltener vor als bei anderen Nutztieren. Studien bei Hausschweinen zeigen Komplikationen bei etwa 0,25 bis 2,9 Prozent der Würfe. Geburtskomplikationen können maternalen (von der Mutter) oder fetalen (vom Ferkel) Ursprungs sein. Bei maternalen Dystokien sind mechanische Geburtshindernisse häufig die Ursache. Übermässige Beckenbemuskelung oder die Trächtigkeit unterentwickelter Jungsauen stellen mögliche Ursachen für eine zu enge Beckenpassage dar. Bei mechanisch bedingten Geburtshindernissen, sind häufig im Becken eingekeilte Ferkel fühlbar. Eine andere Ursache für maternale Dystokien kann eine Wehenschwäche darstellen. In diesem Fall ist im Bereich des Beckens kein Ferkel zu fühlen.
- Zu grosse Ferkel (fetomaternales Missverhältnis)
- Fehllage oder -stellung des Fetus
Zu grosse Ferkel sind äusserst selten und treten meist in Zusammenhang mit geringen Ferkelzahlen bei körperlich unterentwickelten Jungsauen auf. Ferkel können in Vorder- (Kopf zuerst) und Hinterendlage (Hinterbeine zuerst) in oberer (Rückenlinie nach oben) und unterer (Rückenlinie nach unten) Stellung entbunden werden. Einzig die Querlage bedarf ein manipulatives Eingreifen.
Was tun wenn’s harzt?
Geburt einleiten
Beträgt die Trächtigkeitsdauer bereits mehr als 116 Tage, kann die Geburt eingeleitet werden. Eine Geburtseinleitung vor dem 113. Trächtigkeitstag ist in jedem Fall zu vermeiden, da die Ferkel aufgrund der nicht abgeschlossenen Lungenreifung nicht überlebensfähig sind. Für die Geburtseinleitung kommt Prostaglandin Typ F– 2-alpha oder Clostropenol zum Einsatz. 24 Stunden später wird Oxytocin verabreicht, woraufhin nach einer bis drei Stunden in der Regel die Geburt beginnt.
Manuelle Geburtshilfe
Ist die Geburt verzögert oder ist dem Fruchtwasser viel Mekonium beigemengt, ist unverzüglich eine manuelle Geburtshilfe durchzuführen. Hierbei wird zunächst die äussere Scheide mit einem trockenen Papiertuch grob gereinigt. Anschliessend werden die Hände und Arme bis zu den Schultern gewaschen und ein Rektalisierungshandschuh angezogen. Unter Verwendung von viel Gleitmittel wird vorsichtig die Hand in den Geburtskanal eingeführt. Hierbei wird versucht, eventuelle Geburtshindernisse zu ertasten und wenn möglich zu entfernen. Wenn beim Eingreifen ein Ferkel entbunden wird, ist zu warten, bis ein weiteres Ferkel von selbst geboren wird. Kann kein geburtsverzögerndes Hindernis ertastet werden, kann Oxytocin verabreicht werden.
Oxytocin verabreichen – die medikamentöse Geburtshilfe
Oxytocin ist ein Wehen stimulierendes Medikament, welches bei verzögerten Geburten oder der Geburtseinleitung eingesetzt werden kann. Dem Einsatz von Oxytocin im Rahmen der Geburtshilfe geht immer eine manuelle Geburtshilfe voraus. Ist dies nicht der Fall, kann ein den Geburtskanal blockierendes Hindernis (z. B. ein steckendes Ferkel) die Geburt von Ferkeln trotz Wehentätigkeit verhindern. Dies kann im schlimmsten Fall zum Riss des Uterus und zum Tot der Sau und des gesamten Wurfes führen.
Ist der Geburtskanal frei, wird 0,7 ml Oxytocin bei Jungsauen oder maximal ein Milliliter Oxytocin bei Altsauen intramuskulär hinter dem Ohr verabreicht. Daraufhin kommt es in der Regel innerhalb von 15 Minuten zur Geburt eines oder mehrerer Ferkel. Ist dies nicht der Fall, kann nach erneutem Eingreifen nach zirka 20 Minuten nochmals Oxytocin verabreicht werden. Auf keinen Fall darf mehr als zwei Milliliter Oxytocin auf einmal oder innerhalb von 20 Minuten verabreicht werden, da dies den Uterus für die Wehenstimulation für mehrere Stunden unempfindlich macht und die Geburt somit zum Stillstand kommt.