Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/2406

Ja zu den bilateralen Verträgen – Nein zu einem EU-Beitritt
In seinem letzten Jahresbericht kam Präsident Jean-Claude Maillard (der nach 16 Jahren Amtszeit mit 42 Jahren aus dem Verwaltungsrat ausscheidet!) auf die Liberalisierung des Milchmarktes ab dem 1. Mai 1999 zu sprechen. Weil alle am Milchmarkt Beteiligten mitgespielt hätten und beim Greyerzerkäse eine grössere Nachfrage festzustellen war, sei dieser Übergang vom alten zum neuen Regime gut verlaufen, sagte er.
Mit der Vorbereitung der Agrarpolitik 2007 kündige sich jedoch eine neue, schwierige Zeit an. Dieses Programm sei eindeutig auf einen EU-Beitritt ausgerichtet und hätte weitere negative Auswirkungen auf das bäuerliche Einkommen. Laut den letzten Zahlen sei das Einkommen im letzten Jahr um 18 Prozent zurückgegangen.
Ein EU-Beitritt wäre für die Bauern eine wirtschaftliche Katastrophe, betonte auch der neugewählte Präsident Godel. Mit den hohen Gestehungskosten könne der Schweizer Bauer nicht zu EU-Preisen produzieren. Von einer Landwirtschaft, die zum Überleben auf Nebenerwerb angewiesen sei, halte er nichts. Für die Verteidigung der Interessen des Bauernstandes könnten gewerkschaftlich organisierte Berufsverbände notwendig sein.
Marketing ist sehr wichtig
Direktor Clément Moret erläuterte den über 200 Delegierten den ausführlichen Geschäftsbericht und die Verbandsrechnung. 0,7 Rappen bezahlen die Produzenten pro Kilo Milch in den Preisstützungsfonds. Für das Marketing werden 0,525 Rappen/Kilo erhoben. In einer Übergangszeit beteiligt sich der Bund noch an den Werbekosten. Zu jedem aufgebrachten Werbefranken leiste er den gleichen Betrag, führte Moret aus. Die Milchproduzenten müssten in der Verwertung mehr Verantwortung tragen. Er rügte deshalb einige säumige Genossenschaften, die sich um diese Aufgabe drücken wollten.
Vorstand neu gewählt
Die Genossenschaft Courmeon wurde in den Verband aufgenommen. In ihrem Betrieb werden 680000 Kilo Milch zu Vacherin und Greyerzer verarbeitet. Die Versammlung wählte den Verbandsvorstand neu, darunter Oskar Lötscher, Schwarzsee, der die deutschsprachigen Mitglieder vertritt. Jean-Claude Maillard prägte die Restrukturierung des Verbandes massgebend mit. Alexis Gobet setzte sich erfolgreich für die Regelung der Probleme der Cremo SA ein. Beide wurden deshalb zu Ehrenpräsidenten erkoren.
Samuel Lüthi, Direktor des Verbandes schweizerischer Milchproduzenten, betonte, die Schweiz sei auf Export von Käse und Milchprodukten angewiesen. Wir brauchten die bilateralen Verträge. Die damit verbundene Marktöffnung sei jedoch mit Begleitmassnahmen abzufedern.
Auch Landwirtschaftsdirektor Pascal Corminboeuf warb für die Annahme der bilateralen Verträge. Im Zusammenhang mit den letzten Entscheiden in Sachen Poulet-Masthallen und den vom WWF verbreiteten Unwahrheiten wolle der Staatsrat beim Bundesrat vorstellig werden, gab er bekannt.
AOC: Käse ist nicht
einfach Käse
Nach Präsident Jean-Claude Maillard kam auch Staatsrat Pascal Corminboeuf auf das AOC-Dossier für den Greyerzerkäse zu sprechen. Er verteidigte das von der Interprofession ausgearbeitete Pflichtenheft. Um den Absatz zu sichern, komme der Qualität höchste Bedeutung zu. Es gehe also um übergeordnete, öffentliche Interessen, denen private zu unterstellen seien. Deshalb verlange der Staatsrat mit seiner Demarche (zusammen mit den Kantonen Waadt, Neuenburg und Jura) beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), dass die Einsprachen gegen das AOC-Dossier allesamt aufgehoben werden.
Laut Philippe Bardet beharrt die Interprofession in ihrer letzten Stellungnahme auf die im Pflichtenheft umschriebenen Anforderungen. Die Haltung der Einsprecher, Käse als Nachahmerprodukte (Generika) zu betrachten und die Herstellung so auch ausserhalb des Produktionsgebietes, gar im Ausland möglich, sei unverständlich. Er verstehe vor allem die Käser nicht, die dieser Version des Verteidigers folgten. Sie müssten doch am besten wissen, was Käse ist. «Wenn der Konsument im Laden Greyerzerkäse will, kann man ihm nicht einfach ein Stück Emmentaler, Tilsiter, Appenzeller oder irgendeinen Käse geben», meint Bardet.
Höchstes
Milchkontingent
In den letzten zehn Jahren nahm die Zahl der Milchproduzenten von 2617 auf 2055 ab. Im gleichen Zeitraum stieg das durchschnittliche Milchkontingent von 78780 auf 103265 kg an. Damit nehmen die Freiburger Milchproduzenten auf nationaler Ebene einen Spitzenplatz ein. Der Verband bewilligte 188 Kontingentsverkäufe mit einer Menge von 6,5 Mio. Kilo, und in 240 Fällen stimmte er Kontingentsvermietungen von 10 Mio. Kilo zu. Im Rahmen des Kontingentshandels konnte der Verband seine Gesamtmilchmenge um 2,8 Mio. Kilo erhöhen. Diese Mengen stammen aus Kontingents-Stilllegungen oder von Produzenten aus anderen Milchverbänden.
Gegenüber dem Vorjahr gingen die Milcheinlieferungen um 2 Prozent auf 206 Mio. Kilo zurück. Von dieser Milchmenge wurden 61,7 Prozent verkäst, 38,3 Prozent gingen an die Industrie. Der Verband zählt 200 (+2) Milchgenossenschaften; davon sind 35 Prozent in der Silozone und 65 Prozent in der Siloverbots-Zone. In den 84 Käsereien wurden durchschnittlich 1,4 Mio. Kilo Milch verarbeitet.- Dem Verband sind noch 39 Produzenten von Alpkäse angeschlossen.