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Rico Peter strebt an der Viererbob-WM in Königssee in neuer Besetzung wie im Vorjahr eine Medaille an. Clemens Bracher muss bei seinem WM-Debüt eine Enttäuschung verkraften.
Clemens Bracher hatte am Donnerstag grösste Mühe, seinen Frust zu verbergen. Er gab offen zu, kaum ein Auge zugemacht zu haben, nachdem ihm am Abend zuvor vom Schweizer Verband Swiss-Sliding beschieden worden war, dass er seinen besten Anschieber Michael Kuonen an Rico Peter abtreten müsse. Der Entscheid ist aber aus Verbandssicht durchaus nachvollziehbar. Trotz des verletzungsbedingten Ausfalls seines Stamm-Anschiebers Thomas Amrhein gehört Peter so zu den heissen Medaillenanwärtern, nachdem die Schweizer vor Wochenfrist im Zweier mit den Plätzen 15 (Beat Hefti) und 16 (Peter) schwer enttäuscht hatten.
Die Schlappe mit dem Zweier muss für Peter beileibe kein schlechtes Zeichen sein. So blieb er vor einem Jahr bei der WM in Innsbruck mit dem kleinen Schlitten ebenfalls unter den Erwartungen (10.) und holte eine Woche später mit dem Vierer Bronze. Ähnliches Szenario vor drei Wochen beim letzten Weltcup-Rennen vor der WM: Peter wurde 19. mit dem Boblet und konterte trotz Rückenschmerzen mit einem starken 2. Platz mit dem grossen Schlitten.
In der Vorschau des internationalen Verbandes IBSF ist Rico Peter unverständlicherweise mit keinem Wort erwähnt. Da ist nur von "Favoriten aus Deutschland, Lettland, Russland und den USA" die Rede. Dabei fuhr der 33-jährige Aargauer in dieser Saison in drei von sieben Weltcup-Rennen aufs Podest, gewann in Lake Placid und belegt in der Gesamtwertung ein Rennen vor Schluss den 2. Rang. "Es ist eine blöde Sache, dass ich nicht mit meinem eingespielten Team fahren kann", bedauert Peter. "Aber mit Michael Kuonen habe ich eine superstarke Vertretung." Der Walliser besetzt die vierte Position, sodass die Koordination mit den übrigen Anschiebern nicht allzu schwierig sein sollte.
Peter zeigt im Übrigen viel Verständnis für die Enttäuschung von Clemens Bracher. "Es ist nicht schön, wenn man Leute abgeben muss", weiss er aus eigener Erfahrung. Aber für ihn ist diese kurzfristige Rochade wohl entscheidend. "Der Start ist das Allerwichtigste", sagt er. Und die Gerade nach dem Kreisel dürfe man nicht verhauen. "Sonst kannst du eigentlich gleich aussteigen." Auch in dieser Besetzung ist für Peter klar: "Das Ziel ist eine Medaille."
Bracher: "Das Beste daraus machen"
Eine solche wäre für Bracher auch in Bestbesetzung ausser Reichweite gewesen. Der 30-jährige Emmentaler fährt aber so stark wie noch nie und verdiente sich die WM-Premiere mit dem zweiten Gesamtrang im Europacup und einem 12. Platz bei seinem Weltcup-Debüt vor drei Wochen in Innsbruck. "Ich muss den Entscheid der Selektionsbehörde akzeptieren und werde dennoch versuchen, das Beste herauszuholen", versichert der gelernte Heizungsmonteur und gelegentliche Trainingspartner von Schwinger Christian Stucki. "Wir müssen an unseren Zielen festhalten. Es nützt nichts, zu 'gränne' und die WM schon abzuschreiben." Dieses Ziel lautet: Top 15.
Dabei helfen soll Janne Bror van der Zijde, der routinierte Niederländer, der eigentlich zum Team von Rico Peter gehört. Die einzige gemeinsame Fahrt absolvierten Bracher, van der Zijde und die Stammanschieber Alain Knuser und Marco Dörig am Donnerstag im Abschlusstraining. Bis zum 1. Lauf am Samstag um 15.00 Uhr werde man nun aber "in der Garage noch ein paar Starts üben". "Dann kommt es vielleicht gar nicht so schlecht", gibt sich Bracher zuversichtlich. Mit Startnummer 24 im 1. Lauf hatte er allerdings nicht gerade Losglück.
Deutsche Favoriten
Im Kampf um die Medaillen werden die Deutschen auf ihrer Heimbahn wohl die härtesten Konkurrenten von Rico Peter. Francesco Friedrich würde seinen vier WM-Titeln im Zweier nur zu gerne seinen ersten Sieg in der Königsklasse hinzufügen. Mit dem kleinen Schlitten war er vor Wochenfrist mit einem Vorsprung von 1,2 Sekunden eine Klasse für sich. Vor Jahresfrist verpasste der 26-jährige Sachse das Double gegen den Letten Oskars Melbardis nur um vier Hundertstel. Ebenfalls ganz oben auf der Rechnung haben muss man die weiteren Deutschen Johannes Lochner (aus dem benachbarten Berchtesgaden) und Nico Walther, die vor drei Wochen beim Weltcup einen Doppelsieg feierten. Rico Peter war da lediglich Elfter. Vergangene Saison gelang ihm in Königssee aber auch ein 3. Platz.
SDA-ATS