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So, wie schon angekündigt. Hier noch ein Bericht über die Beobachtungen der beiden Waffenmodelle.
Auf dem Schweizer Markt sind mittlerweile zwei halbautomatische Varianten der russischen Maschinenpistole PP-19-01 Vitjas-SN erhältlich. Die Saiga-9 von Kalaschnikov Konzern (zur welchen die Izhmash nun gehört) und die KR-9 von der Kalashnikov USA.
Von beiden Waffen gibt es einige Ausführungen:
Saiga-9 ist ein 9Para Karabiner mit einem 367mm Lauf. Diese Lauflänge entspricht den minimalen Anforderungen an eine Zivilwaffe in Russland.
In den USA hat man einen ähnlichen Karabiner entwickelt, die „KR-9 Rifle“ allerdings mit einer Lauflänge von 413mm (16.25“), wohl um den Waffengesetzen von gewissen Bundesstaaten zu entsprechen.
Dann gibt es die Ausführungen, welche der originalen Vitjas am ähnlichsten sind, die Saiga9K (wegen der Lauflänge von 237mm in Russland für Zivile nicht erhältlich und wird nur für den Export produziert). In den USA ist es die „KR9 SBR“. Allerdings auch mit einem minimalen Unterscheid in der Lauflänge, nämlich 235mm, wohl um der imperialen Masseinheit von genau 9.25 Zoll zu entsprechen.
Weiter gibt es in den USA noch die KP9 (die Pistolenversion der KR-9 ohne den Kolben), um den mühsamen Erwerbprozess eines SBRs (Short Barreled Rifle) zu umgehen.
In Russland gibt es dafür eine speziell für die IPSC Schützen modifiziere „Saiga-9 LOT Yarovit“ und die TR9 „Paradox“ , welche genau die gleiche Saiga 9 ist, aber in einem exotischen Kaliber .345TK und einem glatten Lauf. Die „Paradox“ Version gibt es nur, weil das russische Waffengesetz vorschreibt, dass ein Gewehr mit gezogenem Lauf erst nach 5 Jahren des Besitzes einer Glattrohrwaffe erworben werden darf. Die Glattrohr Saiga-9 darf dementsprechend sofort erworben werden.
Die meisten hier interessieren wohl die Saiga-9K und die KR-9 SBR Modelle. Die Saiga 9 ist ca. 400-600 Fr. günstiger als die KR9 und wird momentan für ca. 1450 angeboten.
Beide Modelle sehen sehr ähnlich aus und es wird angenommen, dass beide auch genau gleiche Waffen sind, mit dem Unterscheid das eine in Russland und andere in den USA hergestellt wird. Bei näherer Betrachtung gibt es aber ein paar interessante Unterschiede.
Abgesehen von der Lauflänge, den Markierungen und der Beschichtung (Saiga ist tiefschwarz, die KR-9 eher dunkelgrau), haben beide Waffen auch unterschiedliche Laufgewinde - Saiga-9 hat ein 16x1RH und die KR-9 ein ½-28 UNEF. Hier ist die KR-9 leicht im Vorteil, wobei auch für das 16x1 RH Gewinde Adapters zu finden sind.
Der grösste technische Unterschied besteht darin, wie die Waffen gegen das versehentliche Abfeuern gesichert sind. Bei der KR-9 ist eine Schlagbolzensicherung im Verschluss eingebaut. Diese wird vom Hülsenauswerfer, welcher (wie bei der AK) ein Teil der linken Schiene ist, nach oben geschoben und gibt den Schlagbolzen erst dann frei, wenn der Verschluss ist der vordersten Stellung ist. Dadurch wird verhindert, dass sich ein Schuss vorzeitig löst, falls der Hammer aus irgendeinem Grund nicht einrasten sollte und auf den Schlagbolzen schlägt, bevor sich er Verschluss vollständig geschlossen hat.
Bei der Saiga 9 erfüllt diese Funktion der Unterbrecher. Wenn man beide Waffen vergleicht, so fällt es sofort auf, dass die KR-9 über zwei Querbolzen im Verschlussgehäuse verfügt. Die Saiga 9 aber deren drei, wie bei den vollautomatischen AKs. Der hintere Querbolzen hält die Abzugsgruppe, der Mittlere den Hammer mit der Schlagfeder und der fordere Querbolzen hält den Unterbrecher.
Bei den vollautomatischen Waffen löst der Unterbrecher im Seriefeuer-Modus den Hammer aus, wenn der Verschluss nach vorne gleitet und mit seiner Steuerkurve den Unterbrecher nach unten drückt. Bei der Stgw 90 funktioniert es übrigens genau gleich.
Die Saiga 9 ist aber eine halbautomatische Waffe und der Unterbrecher erfüllt hier nur die Aufgabe, den Hammer solange zurückzuhalten, bis sich der Verschluss vollständig geschlossen hat. Bei den AKs oder auch Stgw 90 wird diese Funktion übrigens nicht durch den Unterbrecher erfüllt, sondern durch den hinteren Spitzen Teil des Verschlussträgers, welcher den vorzeitigen Hammerschlag verhindert. Deswegen weisen die halbautomatische AK/Saigas, wie die KR-9 nur zwei Querbolzen auf, und der Unterbrecher ist nicht eingebaut.
Auf dem unteren Bild sieht man links den Saiga-9 Verschluss ohne die Schlagbolzensicherung und den KR-9 Verschluss rechts.
Wieso wurden bei den Waffen unterschiedliche Lösungen angewendet? Nun, die Saiga-9 wurde direkt von der Maschinenpistole PP-19-01 Vitjas abgeleitet und da die Produktion der Saiga-9 nur einen Bruchteil der Vitjas Herstellung beträgt, wurden deswegen möglichst wenige Änderungen in die Saiga-9 Konstruktion eingebracht, um die Produktionskosten niedrig zu halten. Und es ist effektiv so, dass die Abzugsgruppe der einzige Unterschied zwischen der Saiga-9 und der Vitjas ist.
Die KR-9 hingegen wurde von Anfang an als Halbautomat entwickelt, deswegen erschien der Einbau einer Schlagbolzensicherung logischer. Es gibt aber auch vollautomatische Version, die KR-9M, welche wiederum drei Querbolzen aufweist. Siehe Vickers Video: https://www.youtube.com/watch?v=yoy3m8MbNfo
Es gibt noch einen kleinen aber wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Waffen, dieser besteht im zusätzlichen Nietnagel auf dem Verschlussgehäusedeckel der Saiga-9
Diesen Nietnagel hat man erst nachträglich begonnen einzubauen ca. 2015. Das Problem liegt in der Natur der Konstruktion. Im Gegensatz zu einer AK, ist die Saiga-9/KR-9 ein Rückstosslader mit Masseverschluss. Das heisst der Impuls der abgefeuerten Patrone wirkt direkt auf den Stossboden des Verschlusses. Der Gegendruck der Schliessfeder ist aber nicht lineal, im Vergleich zur AK, wo die Gasstange und die Schliessfeder auf einer Höhe liegen.
Das hat zur Folge, dass der Verschluss beim Gleiten nach hinten sich leicht nach vorne neigt und kurzzeitig einen übermässigen Druck auf die Führungsschiene ausübt. Mit der Zeit kann es zur Materialermüdung und Rissbildung führen. Über das Problem haben als erste die IPSC Schützen der PCC Division in Russland berichtet, welche schnell die Schussbelastung von über 10‘000 Schuss erreichten. Es kam mehrmals vor, dass nach 10‘000 bis 15‘000 Schuss, sich ein Riss in dem Verschlussgehäuse bildete.
Die Izhmash hat drauf reagiert und als eine Lösung eben diesen vierten Nietnagel eingebaut. Und zwar über der Stelle, wo der Verschluss auf die Schiene den grössten Druck ausübt. Durch den Gegendruck des Nietnagels wurde die Impulsneigung verhindert und der Verschluss gleitete gerade nach hinten. Dass diese Massnahme wirken sollte, hat Kalashnikov Media kürzlich ein Video veröffentlich, wo eine Saiga-9 mit 15‘000 Schuss getestet wurde und das Verschlussgehäuse ständig auf Rissbildung geprüft wurde: https://www.youtube.com/watch?v=HXV3CW1VpJw
Bei der KR-9 fehlt dieser Nietnagel, ich bin aber überzeugt, dass bei Kalashnikov USA dieses Problem ebenfalls bekannt war. Als Indiz dient die verspätete Markteinführung der KR-9 in den USA. Wahrscheinlich brauchte man mehr Zeit, um dieses Problem zu lösen. Ob jetzt dies mit engeren Fertigungstoleranzen, verstärkten Schienen oder anderer Legierung gelöst wurde, ist mir nicht bekannt. Leider hatte ich bis jetzt keine Möglichkeit, die Austauschbarkeit von Saiga-9 und KR-9 Verschlüssen zu prüfen.
Bis jetzt habe ich im Internet keine Hinweise gefunden, dass die Verschlussgehäuse bei der KR-9 ebenfalls reissen würde. Die Waffe ist allerdings noch nicht allzu lange auf dem Markt und bei den amerikanischen IPSC Schützen weit weniger verbreitet.
Da ich selber kein IPSCler bin, werde ich die 10‘000 Schuss mit meiner KR-9 noch lange nicht erreichen, mache mir also wegen der Rissbildung keine Sorgen. Nach ca. 400 Schuss bin ich aber recht zufrieden mit der amerikanischen „fast“ Kopie der Saiga-9. Die Waffe ist handlich und leicht. Für meine Hände ist der Pistolengriff recht ergonomisch, wobei eine Riffelung bei schweissigen Händen vom Vorteil wäre. Der Rückstoss ist angenehm und die Waffe kommt schnell auf die Visierlinie. Der Sicherungshebel ist nicht zu steif und hat an der Spitze eine breitere Fingerauflage, sodass die Manipulationen recht einfach sind. Bis jetzt hatte ich keine einzige Störung und konnte die KR-9 noch nicht auf 50 und 100m testen. Kommt aber bald.