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Über die olympischen Erfolge der Schweizer Reiter ist alles bekannt. Erst kürzlich wurden einige der noch lebenden Medaillengewinner bei einer Ausstellungseröffnung im Pferdemuseum von La Sarraz geehrt. Fünf Einzelolympiasieger kann der Schweizer Pferdesport vorweisen: Alphonse Gemuseus und Steve Guerdat im Springen – Hans Moser, Henri Chammartin und Christine Stückelberger in der Dressur. Dazu kommen sechs weitere Schweizer Gewinner von Einzelmedaillen. An Schweizer Mannschaftsmedaillen (keine einzige in Gold) waren 18 weitere Schweizer beteiligt.
Medaillen gab es, mit Ausnahme von vier Teilnahmen (1936, 1972, 1992 und 2004), fast immer: zuerst 1924 und 1928, 1948 bis 1968, 1976, 1984, 1988, 1996, 2000, 2008 und 2012. Was aber ist mit den Spielen, wo die Schweizer nicht teilnahmen, sei es überhaupt nicht oder nur mit einer Teilbesetzung? Als es 1912 erstmals zu richtigen reitsportlichen Wettbewerben bei den fünften Olympischen Spielen von Stockholm kam, stand eine Teilnahme von Schweizer Reitern nie zur Diskussion. Die Schweizer Offiziere hatten erstmals 1909, beim ersten internationalen Concours Hippique von Luzern, internationale Luft geatmet. Es ist anzunehmen, dass die Reitwettkämpfe in Stockholm in der Schweiz kaum zur Kenntnis genommen wurden. Acht Jahre später, als es nach vier Kriegsjahren 1920 in Antwerpen olympisch wieder losging, interessierten sich die Schweizer Offiziere. Im Frühjahr 1920 begannen fünf mit intensiven Vorbereitungen auf dem Gelände des Remontendepots in Bern: die Hauptleute Werner Fehr und Charles Kuhn und die Oberleutnants Henri von der Weid, Max Thommen und Charley Stoffel. Kurz vor der Abreise nach Antwerpen verbot ihnen der Bundesrat die Ausreise. In Belgien herrschte Maul- und Klauenseuche. 1924 machten dann die Schweizer Reiter ihr Olympiadebüt in Paris: Einzelgold für Alphonse Gemuseus und Teamsilber für Gemuseus, Bühler, Von der Weid und Stuber (Springen). 1928 gab es Einzelbronze für Charles Kuhn.
Grosse Depression
1932 verzichtete die Schweiz auf eine Teilnahme in Los Angeles. Da war einmal die lange Reise. Noch mehr ins Gewicht fiel aber die weltweite Depression. 1932 hatten in der Schweiz beide internationalen Turniere, Luzern und Genf, abgesagt werden müssen und in Aachen nahmen 1931, 1932 und 1933 nur jeweils drei Länder am zu jener Zeit bereits prestigeträchtigen Aachener Nationenpreis teil. Auch Deutschland verzichtete auf eine Entsendung seiner Reiter nach Los Angeles – obwohl die Springreiter auf einer fast beispiellosen Popularitätswelle schwebten. Interessant, wie die drei europäischen Länder, die die Reise nach Los Angeles wagten, diese unternahmen. Die Franzosen (drei Dressurpaare) und die Schweden (drei Reiter mit drei Spring- und drei Militarypferden) fuhren mit dem Schiff nach New York und von dort mit der Eisenbahn quer durch die USA. Die Niederländer verschifften ihre drei Militarypaare direkt nach Los Angeles, mit Passage durch den Panamakanal. Zur Konditionierung der Pferde auf der langen Schiffsreise hatten die Niederländer eine Tretmühle gebaut, wie sie einige Jahre zuvor bei der Verfilmung von «Ben Hur» verwendet worden war. Vier Jahre später, 1936 in Berlin, blieben die Schweizer, trotz Vollangebot, ohne Medaille.
Olympiasieger Moser
Für die ersten Nachkriegsspiele von 1948 in London stand eine Springequipe kaum zur Diskussion. Dagegen plante man mit je drei Reitern in der Dressur und der Military. In der Military hatten die Schweizer mit einem Dreifachsieg 1947 in Turin überzeugt. In London wurden die gleichen drei Reiter Teamvierte. In der Dressur baute man auf drei Paare. Zwei der Pferde wurden lahm und nur Hauptmann Hans Moser fuhr mit Hummer und Reservepferd Forban nach London, wo es den zweiten Olympiasieg für den Schweizer Pferdesport gab. Beizufügen ist, dass 1948 die Unteroffiziere (und Amazonen) noch nicht startberechtigt waren. Von 1952 bis 1968 gewannen die Schweizer jedesmal Olympiamedaillen – vor allem dank den Dressurreitern, 1960 aber auch mit der Militaryequipe. 1972 blieben die Schweizer, trotz Vollteilnahme, ohne Medaillen. 1976 kam es zu einen Teilverzicht. Die Militaryreiter standen für Montreal 1976 nicht zur Diskussion, dafür galten die Dressurreiter als fast sichere Medaillenanwärter, nicht zuletzt dank Christine Stückelberger und Granat, die in Bromont nicht nur Einzelgold holte, sondern auch die Schweiz zu Mannschaftssilber zog. Stückelberger und Granat kamen im Grand Prix auf 1869 Punkte (Platz eins) – Ulrich Lehmann und Doris Ramseier erreichten 1425 respektive 1390 Punkte (Plätze 16 und 21 bei 27 Startern). Für heutige Verhältnisse fast unreal, diese Punkteunterschiede.
Wachtablösung im Springreiten
Der Schweizer Springreiterequipe wurde nach enttäuschenden Nationenpreisresultaten in Aachen und Luzern der Olympiastart in Montreal verwehrt. Nur Bruno Candrian durfte als Einzelreiter nach Kanada. Die Springreiter befanden sich inmitten einer Wachtablösung: vom Erfolgssextett Paul und Monica Weier, Artur Blickenstorfer, Max Hauri, Hans Möhr, Frank Lombard zum danach lange dominierenden jungen Quintett um Markus und Thomas Fuchs, Walter Gabathuler, Willi Melliger und Philippe Guerdat. In Luzern aber ritt nur einer der Jungen: Vater Guerdat. Daneben waren es Jürg Friedli, Francis Racine und Kurt Maeder, und deren Resultate genügten nicht für eine Olympiaselektion. Zweifellos eine harte und möglicherweise falsche Entscheidung der Schweizer Verbandsführung. Vier Jahre später kam der Boykott von Moskau 1980. Initiiert vom amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan, reduzierte der Boykott das pferdesportliche Teilnehmerfeld im Reitstadion Bitsa in Moskau zur Farce. Über vierzig Länder, angeführt von den USA, der Bundesrepublik Deutschland und Japan, entsandten überhaupt keine Sportler nach Moskau. Ein Dutzend andere, so die Schweiz, überliessen es den nationalen Verbänden, ob sie teilnehmen wollten oder nicht. Die verwurzelten Traditionssportarten Turnen, Schiessen und Reiten boykottierten. Judo und Radsport entsandten ihre Sportler und gewannen zwei der raren olympischen Goldmedaillen. Seither waren die Schweizer immer dabei. Jedesmal die Springequipe, 1984 bis 2004 auch Dressurreiter, dazu 1984, 1996, 2004 und 2008 die Militaryreiter.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 23/2016)
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