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14. Juni 2018
Welch eine Frau...
Am 14. Juni stellte Gitta Hassler Berty Fride-Malinsky vor. Diese kam 1909 in St. Gallen als zweites von drei Mädchen zur Welt. Die jüdische Familie besass ein Merceriegeschäft im Linsebühl.
Ihre Lehre absolvierte sie beim renommierten Kleidergeschäft Harry Goldschmidt. Die Chefin war sehr streng. Berty war lebenslustig, lehrte ihre Kolleginnen den Charleston, wenn es niemand sah. Als sie merkte, dass die Arbeit für ihre Mutter zu viel wurde, gab sie die gute Stelle bei Goldschmidt auf und half im elterlichen Laden.
Nach ihrer Heirat mit Alex Fride eröffnete sie 1939 ein Stoffgeschäft in der Neugasse. Ihr Schaufenster war revolutionär. Statt wie andere Läden möglichst viel im Fenster zu platzieren, kaufte sie in Paris die modernste Puppe und drapierte den Stoff mit Stecknadeln so, dass der Eindruck eines fertigen Kleides entstand. Dazu stellte sie Objekte aus Museen. Auch bei Modeschauen, z.B. bei der Eröffnung des Flughafens Zürich führten ihre Models „Kleider“ vor, welche sie ihnen innert zehn Minuten mit Stecknadeln auf den Leib modelliert hatte.
Sie war eine strenge aber verständnisvolle Chefin. An heissen Tagen gab es sogar Glace für die Angestellten. Sollte der Laden einmal leer sein, hiess sie zwei Verkäuferinnen die Mäntel anziehen, so dass der Eindruck entstand, es sei Kundschaft da. Sie hatte ein untrügliches Gespür dafür, was einer Frau stand und gewann so Kundinnen aus aller Welt. Natürlich mussten die Angestellten über diese absolutes Stillschweigen bewahren.
Lief es im Geschäft gut hatte sie im Leben weniger Glück. Ihr erster Mann starb früh. Auch ihr zweiter und dritter Mann starben vor ihr. 1968 beschloss sie, ihr Geschäft aufzugeben. Die Firma Sternlicht übernahm die Räume. Noch vor wenigen Jahren ging man durch ihr ehemaliges Badezimmer und die Küche, wenn man im Finnshop den obersten Stock besuchte. Berty Fride-Kopilov starb im Jahr 2000.
Bericht: Hanni Brogle | Fotos: Gitta Hassler