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Ösophaguserkrankungen
Werner Schwizer
Achalasie
Obwohl die
Bestimmung der Dehnbarkeit des unteren Ösophagussphinkters mit Hilfe des neuen bildgebenden Systems
«EndoFLIP» bei Patienten mit einer Achalasie eine bessere Korrelation mit der klinischen Symptomatik
zeigte als die Messung des unteren Sphinkterdruckes mittels hochauflösender Ösophagusmanometrie, bleibt
die klinische Beurteilung der Ösophagusentleerung mit der nicht-invasiven, sequenziellen Barium-Ösophagographie
die Methode der Wahl zur Kontrolle des Therapieverlaufs [1].
Eosinophile
Ösophagitis
Zur Frage nach der optimalen Darreichungsform von Kortikosteroiden
zur Behandlung der eosinophilen Ösophagitis ergab eine US-amerikanische Studie mit 25 Patienten, dass
die topische Verabreichung einer viskosen Budesonid-Lösung wegen der längeren Kontaktzeit des Wirkstoffes
mit der Ösophagusschleimhaut zu einer signifikant stärkeren Reduktion der Eosinophilenzahl und der Dysphagiesymptome
nach acht Wochen führte als die topische Anwendung eines Budesonid-Aerosols [2]. Die Bedeutung verschiedener
Nahrungsmittelallergene bei der Pathogenese der eosinophilen Ösophagitis wurde in einer prospektiven
US-amerikanischen Studie untersucht, in welcher der Verzicht auf Milch, Soja, Eier, Weizen, Nüsse, Fische
und Krustentiere nach sechs Wochen bei rund zwei Dritteln der 50 Patienten eine Normalisierung der Eosinophilenzahl
in der Ösophagusschleimhaut bewirkte und die sequenzielle Wiedereinführung einzelner Nahrungsmittel
deren Allergenizität aufzeigte [3].
Barrett-Ösophagus
Die
Inzidenz von Adenokarzinomen des Ösophagus ist in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen, wobei
der Barrett-Ösophagus den wichtigsten Risikofaktor für dieses mit einer hohen Mortalität einhergehende
Karzinom darstellt [4–6]. Zu den Auswirkungen des Rauchens auf die Entstehung eines Barrett-Ösophagus
zeigt eine Metaanalyse von fünf Fallkontrollstudien mit 3'534 Teilnehmern, dass die Raucher im Vergleich
zu den Kontrollpersonen – unabhängig von einer gastroösophagealen Refluxkrankheit – ein um den Faktor
1,7 erhöhtes Risiko für einen Barrett-Ösophagus hatten [7]. Eine gegenüber früheren Angaben wesentlich
niedrigere Inzidenz für Adenokarzinome des Ösophagus von 1,2 Fällen pro 1'000 Personenjahre wurde in
einer dänischen Kohortenstudie mit 11'028 Patienten mit einem Barrett-Ösophagus gefunden, wobei diese
Inzidenz bei einer niedriggradigen Dysplasie 5,1 Fälle pro 1'000 Personenjahre und bei einem Barrett-Ösophagus
ohne Dysplasie lediglich 1,0 Fälle pro 1'000 Personenjahre betrug [8].
Refluxkrankheit
Eine
zur optimalen Strategie für die Diagnose und Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit durchgeführte
offene norwegische Multizenterstudie ergab, dass mit einem symptombasierten Algorithmus, bei dem zunächst
die Wahrscheinlichkeit für eine gastroösophageale Refluxkrankheit mit Hilfe eines Fragebogens erfasst
und danach im Falle einer geringen Wahrscheinlichkeit eine Therapie nach Ermessen des behandelnden Arztes
und im Falle einer hohen Wahrscheinlichkeit mit geringer Symptomatik eine empirische Therapie mit irgendeinem
Protonenpumpeninhibitor und im Falle einer hohen Wahrscheinlichkeit mit schwerer Symptomatik eine empirische
Therapie mit Esomeprazol veranlasst wird, ein ähnliches klinisches Ergebnis bei deutlich geringeren
Kosten erreicht wurde wie mit dem gängigen Ansatz, bei dem die Behandlung aufgrund des Befundes einer
endoskopischen Untersuchung und allenfalls einer pH-Metrie gewählt wird [9]. Zur bedarfsorientierten
Behandlung der mittelschweren gastroösophagealen Refluxkrankheit könnte sich Alginat als wirksam erweisen,
das in einer doppelblinden Multizenterstudie mit 278 Patienten im Vergleich zu Omeprazol eine ähnlich
schnelle Symptombefreiung bei einer langfristig etwas unterlegenen Symptomlinderung bewirkte [10]. Einen
interessanten Ansatz für eine Lebensstilintervention bei der gastroösophagealen Refluxkrankheit liefert
eine prospektive österreichische Studie mit 19 Patienten, in welcher ein regelmässiges Atemtraining
zu einer signifikanten Verkürzung der pathologischen Säureexpositionsdauer sowie zu einer deutlichen
Besserung der Refluxsymptome und damit zu einer Reduktion des Bedarfs an Protonenpumpeninhibitoren führte
[11]. Einen günstigen Verlauf der gastroösophagealen Refluxkrankheit zeigt eine offene prospektive Multizenterstudie
mit 6'215 Patienten, wonach unter einer antisekretorischen Standardtherapie nach einer Nachbeobachtungsdauer
von fünf Jahren bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten eine Stabilisierung oder sogar eine Regression
der Erkrankung verzeichnet wurde, während nur 5,9 Prozent der Patienten mit einer initial nichterosiven
Refluxkrankheit sowie 12,1 beziehungsweise 19,7 Prozent der Patienten mit einer erosiven Erkrankung
vom Grad A oder B beziehungsweise vom Grad C oder D eine Progression zu einem Barrett-Ösophagus erfuhren
[12]. Die laparoskopische Fundoplikation nach Nissen erwies sich in einer kanadischen Studie mit 104
Patienten nach einer Nachbeobachtungsdauer von drei Jahren bezüglich der ösophagealen Säuresuppression
und der Symptomkontrolle als mindestens ebenso wirksam wie die medikamentöse Therapie mit einem Protonenpumpenihibitor,
wobei die Antirefluxoperation aber eine stärkere Verbesserung der retrosternalen Schmerzen und der Lebensqualität
bewirkte [13].
Prof. Dr. med. Werner Schwizer
Oberarzt
Klinik
für Gastroenterologie und Hepatologie
Universitätsspital Zürich
<email-pii>
Literatur
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