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Als ich letzte Woche meinen Beitrag „Kraftort?“ schrieb, kam mir die in den Centovalli hoch über dem Dörfchen Bordei gelegene Alp Laghetti in den Sinn. Ich würde sie nicht als „Kraftort“ bezeichnen, aber in der Erinnerung ist sie für mich ein Ort mit geheimnisvoller Ausstrahlung. 1896 wurde hier in der Hütte, die längst nur noch eine Ruine ist, die Ziegenhirtin Assunta Turri geboren. „Wie ein Geisslein“, sagte vor Jahrzehnten Rina, die Postina von Rasa, zu mir.
Im Herbst 1962 fand ein Pilzsammler Assunta tot in der Schlucht neben ihrem Maiensäss in Renalo. Ich übersetze aus einem damals im „Giornale del Popolo“ in Lugano erschienenen Artikel: „Eine 66-jährige Frau stirbt unter dramatischen Umständen in den Bergen. Schon oft hatte die Vormundschaftsbehörde versucht, Assunta Turri zum Eintritt ins Altersheim zu bewegen. Leider antwortete die Frau immer mit einem trockenen Nein. Sie zog es vor, unter elenden Bedingungen in einer Hütte zu leben, mit ihren Ziegen, die verwildert waren wie sie… Die Polizei hat das Unglück so rekonstruiert: Assunta Turri verliess vor mehreren Tagen die Hütte, um ihre verwilderten Ziegen zu suchen. Dabei glitt sie auf dem schmalen Weg aus und stürzte 40 Meter tief in die Schlucht, wo sie zerschmettert liegen blieb.“
Wer lesen möchte, weshalb der Kontakt mit Assunta für mich als Heranwachsenden wichtig war, findet auf dieser Website unter „Arbeitstisch“ und „Meine mitgebrachte Kindheit“ einen kurzen Text. Das folgende Foto zeigt meine Mutter um 1960 im Gespräch mit Assunta, die ihre gesammelten Kastanien sortiert.