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Leseprobe aus "Der Mann, der nicht ins Kino ging"
Der Mann, der nichts wusste
Der Mann, der nichts wusste, existierte nicht. Er war eine Erfindung, an die all jene glaubten, welche die Vorstellung von ihm mochten. Unerklärlicherweise liebten sie den Mann, der nichts wusste, sehr.
Der Mann, der nicht auf Hochzeiten ging
Der Mann, der nicht auf Hochzeiten ging, fand Hochzeiten schrecklich. Nichts ist schrecklicher als eine Hochzeit, aber niemand scheint es zu bemerken, niemand scheint es sich einzugestehen, alle sind immerzu auf irgendwelchen Hochzeiten anzutreffen, sagte er sich, wenn er sich überlegte, warum er eigentlich nie auf Hochzeiten ging. Alle tun immer so, als eine Hochzeit das Schönste, und seltsamerweise haben sie doch auch recht: Eine Hochzeit ist das Schönste, das Allerschönste überhaupt – und zugleich eben auch das Schrecklichste. Aus diesen Überlegungen heraus hatte der Mann, der nicht auf Hochzeiten ging, sich entschieden, nicht mehr auf Hochzeiten zu gehen. Als er eines Tages fast ein wenig unerwartet geheiratet wurde, blieb er sich treu und der Hochzeit fern.
Leseprobe aus "Die Flucht"
Die Flucht
Nachts erwache ich aus leichten Schlaf. Ich schlüpfe leise in meine Kleider. Niemand hört, wie ich das Haus verlasse. Im Dunkeln schleiche ich mich fort. Kaum bin ich wie ein Schuldiger ein paar Schritte gegangen, fällt mir ein, dass ich allein im Haus war.
Die Weigerung
Der sicherste Weg, nirgendwohin zu gelangen, ist, die Notbremse zu ziehen, sobald man in den Zug eingestiegen ist. Zieht man die Notbremse, so oft man in einen Zug einsteigt, ist dies der sicherste Weg, für verrückt erklärt zu werden. Alles Übrige ergibt sich von selbst.
Die Idylle
Die Idylle ist die Heimat des Menschen. Der Mensch liebt die Idylle und er richtet sich ein in ihr wie in seinem Haus, und sein Haus bleibt sein Haus, auch bei Regen. Jetzt regnet es, und die Blumen im Garten lassen die Köpfe die hängen. Der Regen fällt in die Idylle, es tropft aus den Bäumen und vom Dach, es gurgelt in der Traufe. Scheint die Sonne, richten die Köpfe der Blumen sich auf und die Vogelstimmen kommen ins Leben des Menschen. Jetzt aber regnet es, es gibt keine Vogelstimmen und die Blumen haben keine Farbe. Der Mensch geht in sein Zimmer, er muss sich erinnern. Es ist die Zeit, da die Idylle ihm zur Gefahr wird. Der Tag wird dunkel, die Schatten treten aus den Bäumen und köpfen die Blumen mit ihrem scharfen Gewand. Der Mensch sieht den Tod der Blumen und wird zu einem Kind, das nichts wahrhaben will.