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Der Fotograf Jürg Ramseier lernte Olga Picabia kennen, als sie 84-jährig war. Man habe ihr das verrückte Pariser Leben angesehen, welches sie gelebt hatte. «Sie war stets nobel, elegant angezogen.» Gleichzeitig habe sie etwas Bodenständiges ausgestrahlt, fast etwas Bäuerisches.
Die Tochter des Rubiger Bahnhofvorstands wurde 1905 als Olga Mohler geboren, mit 20 Jahren wollte sie weg: «Ihr war es im Dorf zu eng, sie wollte ein aufregendes Leben», erzählt die Autorin Barbara Traber, die für das Buch ausgiebig recherchiert hat.
In Südfrankreich landete Olga als Kindermädchen im glamourösen Haushalt des Malers Francis Picabia. Nach einiger Zeit erwiderte sie die Avancen des lebensfreudigen Hausherrn, obwohl dieser in einer festen Beziehung war. Dass sie nun die Geliebte in einem Dreieck war, konnte Olga ihrer Familie in Rubigen allerdings nicht erzählen.
Später, als Ehefrau von Francis Picabia, musste Olga selber es aushalten, dass der Charmeur neben ihr noch anderen Frauen den Hof machte. «Sie war eifersüchtig», erzählt Barbara Traber, «aber sie wusste, dass sie ihren Mann nur bei sich halten kann, wenn sie ihm gewisse Freiheiten lässt.» Der chaotische Picabia habe seine Frau Olga gebraucht. Mit ihren typisch schweizerischen Eigenschaften wie der Ordentlichkeit habe sie ihm Halt gegeben.
1953 starb Francis Picabia. Von da an verwaltete Olga Picabia seine Kunstwerke. Ob sie in der Kunstwelt anerkannt wurde? Manche Künstler hätten ihre Kompetenz angezweifelt, sagt Jürg Ramseier. Auf der anderen Seite - «wenn man mit ihr ins Pompidou ging, kamen die Leute angerannt, auch der Chef.»
Olga Picabia starb 2002 97-jährig in Paris. Ein spannendes Leben. Ein gutes Leben? «Auf alle Fälle», sagt Buchautorin Barbara Traber. «Am Anfang ein Märchen. Dann kam die Realität, aber sie hat das geschafft und ja, ich glaube, sie war glücklich.»
Das Buch «Für immer jung und schön» - geschrieben von Barbara Traber und ergänzt mit Fotos von Jürg Ramseier - ist im Zytglogge-Verlag erschienen.