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SONNTAG 2.OKTOBER
REFORMIERTE KIRCHE ERLENBACH
17:00 Uhr
Schlusskonzert
mit Fiddling Millers,
I Canticelli, Jürg Eichenberger, Katalin Müller,
Zürihorn-Quartett, Wenqi Zhao
Helene Schulthess & Eliza Meyer Wasiak
Duo Helene Schulthess (Querflöte) und Eliza Meyer (Piano)
Musik von drei Komponistinnen
Zwei Romanzen, op. 22
Musik: Clara Schumann (1819 – 1896)
Clara Schumann-Wieck (1819 – 1896) war eine deutsche Pianistin, Komponistin und Klavierpädagogin, von 1840 bis zu dessen Tod 1856 mit Robert Schumann verheiratet. Über ein Jahrhundert stand sie im Schatten ihres ungleich berühmteren Mannes, und erst seit den 1960er-Jahren wird sie erneut als eigenständige Komponistin wahrgenommen. Inzwischen sind nahezu alle ihre Werke wieder greifbar und erfreuen sich grosser Beliebtheit. «Auf das, was folgt, kannst Du Dich ungeniert freuen!» schrieb Clara Schumann Ende 1855 nach der Veröffentlichung von op. 22 an den Violinvirtuosen Joseph Joachim, dem sie ihr Werk widmete. Sie versprach nicht zu viel – die Drei Romanzen op. 22 sind zeitlos schön. Zwei Romanzen aus diesem Zyklus sind hier in einer Bearbeitung für Querflöte und Klavier zu hören.
Klänge des Waldes für Flöte und Klavier
Sofia Gubaidulina (*1931)
Sofia Gubaidulina wurde in eine russisch-tatarische Familie hineingeboren. Sie suchte schon früh einen eigenen Weg als Komponistin und eckte dementsprechend bei der sowjetischen Kulturbürokratie an, weil ihre Werke nicht ins Schema des «sozialistischen Realismus» passen wollten. (Immerhin ermutigte Schostakowitsch sie, an ihrem «Irrweg» festzuhalten.) Aufführungsverbote und endlose Schikanen waren die Folge, ehe Gubaidulina 1992 nach Deutschland ausreisen durfte. Inzwischen gilt sie als eine der bedeutendsten zeitgenössischen Komponistinnen. Ihre Musik lebt von westlichen und östlichen Traditionen, ebenso von tiefer Spiritualität, was ihrer bewussten Hinwendung zum christlich-orthodoxen Glauben zu verdanken ist. Die Klänge des Waldes bieten grossartige Stimmungsmalerei, Stille inklusive.
Air vaudois
Melanie Bonis (1859–1937)
Nur widerstrebend lassen die Eltern Bonis ihre Tochter Mélanie am Pariser Konservatorium studieren. Mit 25 Jahren heiratet sie den 22 Jahre älteren Industriellen und Witwer Albert Domange, der fünf Kinder in die Ehe bringt und mit Mélanie drei gemeinsame Kinder hat. Erst ab 1900 erlauben es ihr die familiären Umstände, sich verstärkt der Komposition zu widmen. Sie tut dies mit aller Kraft und hinterlässt an die 200 Werke verschiedener Gattungen. 1916, mitten im ersten Weltkrieg, komponiert Bonis dieses unbeschwerte Stück für Querflöte und Klavier. Ihr ältester Sohn ist damals als Kriegsgefangener im Kanton Waadt interniert, und die Komponistin dürfte mit «Air vaudois» einen Besuch bei ihm festgehalten haben, als glücklichen Moment in einer schweren Zeit.
Zürihorn-Quartett
Annette Cox, Florian Hunziker,
Kumiko Jöhl-Sekiguchi, Simon Scheiwiller.
Hornquartett in B, op. 38, Alla Marcia – Andante – Presto
Constantin Homilius (1840-1918?)
Wikipedia hält keine Infos zu diesem Komponisten bereit, was etwas erstaunt, denn sein Hornquartett in B op. 38 ist ein oft eingespieltes Werk. 1893 in Leipzig erschienen, kommt es klangschön in spätromantischer Manier daher. Unsorgfältigkeiten bei der Publikation führten zu Verwirrungen, die bis heute anhalten: Das Werk wurde nämlich einem «Friedrich Constantin Homilius» zugeschrieben, den es nie gegeben hat. Gemeint war wohl Friedrich Christian Homilius (1813–1902), der 64 Jahre seines langen Lebens als Hornvirtuose und Musikpädagoge in St. Petersburg verbrachte. Komponiert hat das Werk jedoch sein Sohn Constantin, der als Organist ebenfalls in St. Petersburg wirkte. Er dürfte das Werk für seinen Vater und/oder dessen Hornklasse geschrieben haben. Einmal mehr zeigt sich, wie zählebig Fehler im Internet sind –auf YouTube lächelt einem weiterhin das Phantom «Friedrich Constantin» entgegen …
Drei Quartette für Hörner
Gavotte – Rondino à la Chasse – Oberbayrische Gebirgsweise
Franz Strauss (1822-1905)
Franz Strauss, der Vater des ungleich berühmteren Komponisten Richard Strauss, war einer der bekanntesten Waldhornvirtuosen seiner Zeit, daneben Professor an der Königlich Bayrischen Musikschule. Er arbeitete auch mit Richard Wagner zusammen, obwohl er dessen Musik eher kritisch gegenüberstand. Neben zwei Hornkonzerten und «Charakterstücken» für sein Münchner Hausorchester schrieb er eine Reihe von Quartetten für Waldhorn – musikalische Perlen, in denen er die Möglichkeiten seines Instruments ausschöpfte.
Abendsegen aus: Hänsel und Gretel, 2. Akt
Engelbert Humperdinck (1854-1921)
Humperdincks heutige Bekanntheit beruht auf seiner Oper «Hänsel und Gretel», die seit ihrer Uraufführung im Jahre 1893 unzählige Male aufgeführt worden ist, laut Wikipedia allein im Opernhaus Hannover seit 1964 über 500 Mal! Der «Abendsegen» am Ende des zweiten Akts ist eine Schlüsselszene: Hänsel und Gretel haben sich beim Beerensuchen im Wald verirrt und bekommen plötzlich Angst, als die Dunkelheit anbricht. Da erscheint das Sandmännchen und beruhigt die beiden. Bevor sich Hänsel und Gretel schlafen legen, beten sie ihren «Abendsegen». Humperdinck schrieb das Stück für Sopran und Alt, wir hören es hier in einer wunderschönen Bearbeitung für Hornquartett.
Wengqi Zhao (Piano)
Intermezzo B-Dur, op. 76 Nr. 4
Johannes Brahms (1833–1896)
Capriccio C-Dur, op. 76 Nr. 8
Johannes Brahms (1833–1896)
Die 1879 erschienenen acht Klavierstücke op. 76 von Johannes Brahms bestehen aus je vier Capriccios und Intermezzi. Brahms begann jedoch schon 1871 mit dem ersten Capriccio und arbeitete bis 1878 an der Sammlung. Musikwissenschaftler verweisen auf Einflüsse von Chopin und Schumann, deren Gesamtausgaben Brahms während der 1870er-Jahre betreute. Brahms’ Capriccios und Intermezzi unterscheiden sich deutlich voneinander: Während erstere rasche Tempi bevorzugen, oft energisch und leidenschaftlich klingen, sind letztere langsamer und eher verhalten.
Duo für Violine und Violoncello, op. 21
Tommaso Giordani (ca. 1733–1806)
Katalin Müller (Violine), Jürg Eichenberger (Cello)
Vermutlich 1733 Neapel geboren, reiste Giordani in früher Jugend mit seiner Familie in ganz Europa herum, ehe er 1753 nach London übersiedelte. Bis zu seinem Lebensende war er als Komponist, Sänger, Dirigent und Lehrer vorwiegend in London und Dublin tätig. Sein Duo aus op. 21, um 1780 entstanden, ist im damaligen «galanten Stil» komponiert und musikalisch leicht zugänglich, stellt aber technisch einige Herausforderungen an die Ausführenden.
I Canticelli
Dominique Eichenberger (Violoncello),
Rahel Eichenberger (Violoncello),
Monika Haselbach Eichenberger (Violoncello),
Jürg Eichenberger (Violoncello)
Canon D-Dur
Johann Pachelbel (1753–1806)
I Canticelli
Diese grossartige Komposition ist für viele die Quintessenz von Barockmusik, obschon das sehr vereinfachend ist. Pachelbel schrieb sie 1694 als Canon a 3 violini con basso continuo, vermutlich für die Hochzeit von Johann Christoph Bach, dem älteren Bruder von Johann Sebastian. Der Canon D-Dur wird bis heute in unzählige Bearbeitungen und Adaptionen gespielt – hier in einer ganz speziellen Bearbeitung für vier Celli. Einige Takte des Werks haben übrigens Eingang in berühmte Popsongs gefunden: Von Aphrodite’s Child (Rain and Tears) über Ralph McTell (Streets of London) bis zu Bob Dylan (Workingman’s Blues).
Fiddling Millers
Katalin Müller (Violine),
Tobias Müller (Viola),
Viviane Müller (Violine),
Diana Müller (Violine)
Can you Feel the Love Tonight
Musik: Elton John, 1994, arr. Alex Wilson
Fiddling Millers, Wenqi Zhao (Klavier), Simon Schwarzenbach (Drums), Felix Kübler (Bass)
Elton John schrieb diese inzwischen legendäre Ballade 1994 für den Disney-Zeichentrickfilm The Lion King (Der König der Löwen) und gewann damit 1995 einen Oscar für den besten Filmsong. Das Lied beschreibt die Beziehung zwischen der Hauptfigur Simba und seiner Jugendliebe Nala, die sich nach langen Jahren zum ersten Mal wieder sehen.
Chromatic Syncopation
Werner Thomas-Mifune (1941-2016)
I Canticelli
Werner Thomas-Mifune war ein bekannter Cellist, der auch als Komponist, Musikwissenschaftler und Musikkabarettist in Erscheinung trat. Sein kurzes Stück ist definitiv von den «Rags» des grossen amerikanischen Komponisten Scott Joplin inspiriert, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts afrikanische und europäische Musiktraditionen miteinander verschmolz und mit dem «Ragtime» eine Stilrichtung begründete, die als Vorläufer des Jazz gilt.
Skyfall
Adele Adkins/Paul Epworth, arr. Alex Wilson
Fiddling Millers, Jürg Eichenberger (Cello), Wenqi Zhao (Klavier), Simon Schwarzenbach (Drums), Felix Kübler (Bass)
Der Titelsong des James-Bond-Films Skyfall hört sich an wie eine Hommage an die grossen Bond-Songs der Sechziger- und früheren Siebzigerjahre. Kein Zufall, denn mit Skyfall feierte man 2012 das Goldene Jubiläum des ersten Bondfilms (Dr. No, 1962). Adele Adkins und Paul Epworth erhielten einen Oscar und einen Golden Globe für diesen starken Titelsong, bei dem im Hintergrund das altbekannte James-Bond-Thema mitschwingt. Er beginnt langsam-soulig und schwingt sich im Refrain zu grosser Intensität auf – gerade das Richtige für die Fiddling Millers und ihre Ad-hoc-Begleitband!
Hallelujah
I Canticelli
Eines der Meisterwerke des kanadischen Sängers und Songwriters Leonard Cohen, 1984 in seinem Album «Various Positions» veröffentlicht. Das stark biblisch inspirierte Lied wurde einige Jahre wenig beachtet, ehe es durch die Cover-Versionen von John Cale, Jeff Buckley und anderen zum festen Bestandteil der modernen Pop-Kultur wurde. Das Arrangement für vier Celli lotet neue Tiefen in diesem zeitlosen Werk aus.
Crystallize
Lindsay Stirling, 2012, arr. Alex Wilson,
Fiddling Millers, Wenqi Zhao (Klavier), Simon Schwarzenbach (Drums), Felix Kübler (Bass)
«Crystallize» ist eine Komposition der amerikanischen Geigerin Lindsey Stirling (*1986), veröffentlicht auf ihrem Studioalbum «Lindsey Stirling» (2012). Stirling gehört zur neueren Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die ihren Lebensunterhalt nicht nur mit Konzerten und Tonträgern verdienen, sondern auch mit Musikvideos auf YouTube. Bereits zwei Jahre nach Erscheinen hatte Stirling allein mit Cystallize unglaubliche 100 Millionen Aufrufe. Der Titel verweist auf die Untersuchungen eines japanischen Wissenschaftlers zur Kristallisation von Wasser in verschiedenen Umgebungen. Positive Gedanken sollen Wasser dazu anregen, wunderschöne Eiskristalle zu bilden. Wie auch immer das sein mag – Stirlings «musikalische Kristallisation» ist ein ganz besonderes und eindrückliches Werk.
Viva la Vida
Text/Musik: Christopher A. J. Martin / Guy Rupert Berryman / Jonathan Mark Buckland / William Champion, © Universal Music Publishing Group, 2008, arr. Alex Wilson
I Canticelli, Fiddling Millers, Wenqi Zhao (Klavier), Simon Schwarzenbach (Drums), Felix Kübler (Bass)
Dieser Erfolgssong der Rockband «Coldplay» hat nach Angaben der Bandmitglieder einen Bezug zu einem der letzten Gemälde der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, auf dem Wassermelonen in starken Rot- und Grüntönen zu sehen sind. Der Zusammenhang erschliesst sich nicht sofort –sind es die vordergründige Einfachheit und die prallen Farben, die die Musiker zu diesem eingängigen, schnörkellosen Song inspiriert haben? Der Songtext dreht sich nämlich um den Fall eines mächtigen Königs, der jetzt als Strassenfeger auf seine Vergangenheit zurückblickt. Und zur Erkenntnis gelangt, dass es die einfachen Dinge sind, die das Leben lebenswert machen. Wie auch immer: Viva la vida – «Das Leben leben» oder «Es lebe das Leben» – wurde 2008 gleich nach seiner Veröffentlichung zu einem grossen Hit und ist seither vielfach gecovert worden – so auch hier mit einem neuen Arrangement.