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«I like to have a Martini, two at the very most; after three, I’m under the table, after four I’m under my host!» Dieses Zitat von Dorothy Parker, die als bedeutende Sozialkritikerin und Journalistin in die Geschichte einging, ist wahrscheinlich jeder Barfly auf der ganzen Welt bekannt. Ein gewisser Hang zu alkoholischen Getränken, insbesondere zu Gin, wird aber auch vielen anderen englischsprachigen Literatur- und Filmschaffenden nachgesagt.
Der berühmteste unter ihnen war wohl Ernest Hemingway, obwohl der nach ihm benannte «Hemingway Special» eine rumbasierte Daiquiri-Variante ist. Allerdings sagt man dem Autor nach, dass er nach der Befreiung von Paris im Jahr 1944 sofort ins «Ritz» gegangen sei und 44 Martini-Cocktails bestellt habe. Das Multitalent W. C. Fields, der in seinen Filmen meist misanthropische Männer mit kleinbürgerlichen Alltagsproblemen spielte, soll lakonisch bemerkt habe: «Ich trinke nie etwas Härteres als Gin zum Frühstück.» Und der Pulitzer-Preisträger Tennessee Williams verewigte immer wieder den Gin Fizz in seinen Werken.
Von jeher sind Literatur und Film auch Spiegel der Mode, die zu ihrer Zeit angesagt war, und zwar nicht nur, was Ausstattung und Kleidung angeht – nein, auch die Drinks, die teils eine erhebliche Rolle in einzelnen Publikationen spielen, sind Ausdruck des jeweiligen Lebensgefühls und sogar in der Lage, Trends zu kreieren oder zu verstärken.
Von der Entstehungszeit der Filme lassen sich also ziemlich gut Rückschlüsse auf die Barkultur ziehen. Beschäftigt man sich mit dem Erscheinen von Gin-Drinks, wird man bei der Durchsicht alter Klassiker schnell fündig, denn als der Tonfilm in den 1930er-Jahren immer populärer wurde, sparten die Hollywood-Regisseure nicht mit Begegnungen ihrer Figuren an der Bar.
Schon 1934 wurde in «The Thin Man» mit einem Knickerbocker angestossen, und in «Casablanca» (1942) spielen der French 75 und der Singapore Sling eine grosse Rolle. Der von Humphrey Bogart gespielte Café-Besitzer Rick beklagt sich über das Auftauchen seiner Verflossenen Ilsa (Ingrid Bergman) sogar mit den Worten: «Of all the gin joints, in all the towns, in all the world, she walks into mine.»
Bis in die 1960er-Jahre liesse sich die Liste der Gin-Drinks in Filmen fast ins Unendliche fortsetzen, wobei besonders der Martini («Breakfast at Tiffany’s», 1961) oder der Gibson («Der unsichtbare Dritte», 1959) besonders häufig in Szene gesetzt wurden.
Sean Connery alias James Bond leitete hingegen ab 1962 eine Wende ein, denn von nun an wurde der Martini mit Wodka gemacht – und noch dazu geschüttelt, nicht gerührt. Eine kleine Revolution damals, denn Ian Fleming hatte in seinem ersten Bond-Roman 1953 noch folgenden Drink beschrieben: «Three measures of Gordon’s, one of vodka, half a measure of Kina Lillet. Shake it very well until it’s ice-cold, then add a large thin slice of lemon peel.» Diese Kreation tauchte filmisch erst 2006 auf, als James Bond mit Daniel Craig in der Titelrolle quasi neu erfunden wurde.
Den Namen erhielt der Cocktail schliesslich nach der schönen Vesper Lynd (Eva Green), in die sich Bond unsterblich verliebte. Der Wodka verteidigte seine Vorherrschaft in den 1980er- und 1990er-Jahren konsequent, was analog zur Situation des Gins in diesen Jahren passt, als er keine beliebte Spirituose war und eher als antiquiert galt.
1988 wirbelte Tom Cruise das Cocktail-Equipment showmässig herum, als Drink schaute hier nur der Red Eye heraus, eine Bloody-Mary-Variante mit Bier. Und Jeff Bridges, der als legendärer «Dude» 1998 in «The Big Lebowski» Kultstatus erlangte, trank haufenweise White Russians.
Im gleichen Jahr begannen die mondänen Damen der Serie «Sex and the City» rund um Sarah Jessica Parker ihren Cosmopolitan-Kreuzzug, der in sechs Staffeln zunächst bis 2004 und dann dank zweier Kinofilme noch bis 2010 anhielt.
Anfang des neuen Jahrhunderts schien der Gin wieder auf dem Vormarsch zu sein, denn der Brautvater in der Komödie «Meine Braut, ihr Vater und ich» (2000), gespielt von Robert de Niro, flüchtete sich gerne in einen Tom Collins, während sein Schwiegersohn in spe Ben Stiller von einem Fettnäpfchen ins nächste trat. Der Drink selbst kam aber leider nicht vor. Eine weitere Renaissance des Gins kam mit der Rückbesinnung auf alte Stoffe wie F. Scott Fitzgeralds «The Great Gatsby», der – seit 1926 schon viermal verfilmt – 2013 mit Leonardo di Caprio wieder auf die Leinwand kam und den längst vergessenen Gin Rickey zurückbrachte. Man darf gespannt sein, welche Drinks in Zukunft die Kinoleinwände erobern. Ein bisschen Gin wird vermutlich immer dabei sein.
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