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In den ersten Jahren nach der Gründung der Eidgenossenschaft 1848 tagte der Nationalrat im alten Casino, welches 1895 dem heutigen Parlamentsgebäude weichen musste. Knapp zehn Jahre später (1856) zog der Rat in das neu erbaute Bundesrathaus, das heutige Bundeshaus West um, das gleich neben dem alten Casino zu stehen kam.
Im ehemaligen Nationalratssaal im Bundeshaus West befindet sich heute die Parlamentsbibliothek: Seit der Fertigstellung des Parlamentsgebäudes im Jahre 1902 tritt die Vereinigte Bundesversammlung und der Nationalrat im heutigen Nationalratssaal zusammen.
Nationalrat als Theater
Der Architekt des Parlamentsgebäudes, Hans Wilhelm Auer, legte den Nationalratssaal in der Form eines Segmentbogens an. Auer verwirklichte dadurch seine Idee eines «demokratischen Theaters». Als Vorbild für die Organisation des Nationalratssaales und seiner Nebenräume diente ihm denn auch ein Entwurf seines einstigen Professors, Gottfried Semper, für das Richard-Wagner-Theater von 1865 für König Ludwig II. in München.
An der Front des Saales befinden sich die Plätze des Präsidiums mit dem zentralen Sitz des Nationalratspräsidenten, dem Sitz der Vizepräsidenten, dem Rednerpult für die Räte und den Stühlen für die Bundesräte. Links und rechts neben dem Präsidium befinden sich die halbrunden Pressetribünen.
Während der Nationalrat tagt, blicken dessen Mitglieder auf die «Wiege der Eidgenossenschaft», ein fünf Meter hohes und zwölf Meter breites Wandbild von Charles Giron. Der 1850 in Genf geborene Künstler hat das riesige Gemälde auf Leinwand gemalt. Es zeigt das Rütli als Entstehungsort der Eidgenossenschaft, einen Ausblick über den Vierwaldstättersee und im Hintergrund die Mythen. In dem Gemälde verbergen sich zwei Gestalten, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.
Bei der Vereidigung neu gewählter Bundesräte sorgt das Werk von Giron für grosse Symbolik: Der betreffende Bundesrat steht bei seiner Vereidigung gleichsam auf der Rütliwiese, wo er mit seinem Schwur den Eid der Drei Eidgenossen nachvollzieht.