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Die ersten Guggemusiken kommen
Für die Zeit um die Jahrhundertwende darf die Existenz von Guggenmusiken als sicher angenommen werden, wenn wir beispielsweise 1902 vernehmen, dass die "Wasserwerkler-Musik" am Mittwochnachmittag "grosse Heiterkeit" erzeugte und im Jahr danach eine "Tiroler Damenkapelle" und weitere "kostümierte Musikabteilungen fleissig ihre lustigen Weisen ertönen liessen". Das Wort "Guggenmusik" begegnet uns das erste Mal 1906 im "Verzeichnis der Fastnachtszüge" neben zehn anderen Musiken: Eine "Guggenmusik" spielte als Sujet die Deutschlandreise der "verkrachten" Stadtmusik Concordia aus. Ob sich hinter der Gruppenbezeichnung "Krachauers" auf derselben Liste eine weitere Guggenmusik versteckt, konnten wir nicht herausfinden. Zum Mittwoch-Morgenstreich wurde übrigens in der Presse gemeldet: "An neuen Zügen traten, so viel wir bemerken konnten, eine originelle Katzenmusik auf und ein nicht minder origineller Mandolinenklub". 1907 sah der Berichterstatter am Morgenstreich "einen Trupp Bremer Stadtmusikanten, die auf ihren Instrumenten ein Geräusch erzeugten, das 'Stein erweichen, Menschen rasend machen kann'...". Vom Montag-nachmittag wird dann gemeldet: "Von den einzelnen Wagen, welche durch die Strassen zogen, riefen besondere Heiterkeit hervor die 'Saharet' der Guggenmusik"; ihr Fasnachtszettel hat sich erhalten. Beim Umzug vom Mittwochnachmittag ist ausserdem von einer "Trost-Clique" die Rede, einem Musikkorps in Trauerkleidung, welche das Fernbleiben der Basler Musikvereine ausspielte, die wegen der offensichtlich nicht übergrossen Subvention nicht mitzumachen gewillt waren. Die Clique spielte den Trauermarsch von Chopin "grotesk". Am Morgenstreich 1908 "lässt eine Blechmusik ihre zum Himmel schreienden Weisen erschallen und kaum fünf Schritte weiter lässt es einem die richtige 'Tschinnerättemusik' durch Mark und Bein fahren". Zwischen 1911 und 1914 nahm regelmässig die "Alt-Guggenmusik Horburg" an den vom Comite (gegr. 1910) organisierten und subventionierten Umzügen teil. Diese Guggenmusik setzte sich möglicherweise aus Mitgliedern des Musikvereins Horburg (Industriequartier in Kleinbasel) zusammen. Für 1913 entnehmen wir dem offiziellen Führer des Fasnachts-Comites, dass auch eine weitere Guggenmusik mit dem Sujet "Waggismusik" gemeldet war. An die Beteiligung von Guggenmusiken am Morgenstreich von 1914, dem letzten für mehrere Jahre, kann sich ein alter Fasnächtler noch gut erinnern: "D Melody hesch miesse verroote“.