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Die Schweizerische Nationalbank versuchte, durch zwei Leitzinserhöhungen die Inflation zu dämpfen. Das beschleunigte allerdings den Zinsanstieg und führte zum stärksten Anstieg der Zinsen seit 30 Jahren. Für aktiv Versicherte kann eine inflationäre Entwicklung die Werterhaltung der angesparten Guthaben und damit der zu erwartenden Altersrente schmälern. Diese war in den vergangenen Jahren aufgrund angepasster Umwandlungssätze ohnehin unter Druck. Für Rentnerinnen und Rentner, die Anspruch auf eine nominell feststehende Rente haben, kann sich die Kaufkraft durch die Inflation jedoch spürbar verringern.
Langfristige Sicherung der Kaufkraft als prioritäres Ziel
In der Schweiz kennen wir eine Kombination von umlage- und kapitalbasierten Vorsorgelösungen: Die Leistungen der 1. Säule werden durch die laufenden Beiträge von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden sowie durch Steuermittel finanziert. Ausser einer Liquiditätsreserve, die jedoch kaum eine Jahresausgabe deckt, bestehen in der 1. Säule keine Rückstellungen, die einer inflationären Entwicklung ausgesetzt sind.
In der kapitalgedeckten beruflichen Vorsorge sichern die Kapitalerträge auf den angesparten Vorsorgemitteln mit rund einem Drittel einen wesentlichen Teil der Altersleistungen. In Zeiten hoher Inflation sind die zur Finanzierung der laufenden und zukünftigen Leistungen investierten Mittel dagegen dem Entwertungsrisiko ausgesetzt. Um zu beurteilen, welche Auswirkung die Inflation auf die Stabilität der Altersleistung hat, ist ein Vergleich zwischen der statistisch ermittelten Inflation und den erzielten Kapitalerträgen anzustellen. Die Differenz zwischen Kapitalerträgen und Inflationsrate wird als Realzins bezeichnet. Das bedeutet, dass bei einem positiven Realzins die Werterhaltung der angelegten Vorsorgekapitalien auch bei einer inflationären Entwicklung nicht gefährdet ist.
Wie belief sich dieser Wert in den vergangenen Jahren hinsichtlich der beruflichen Vorsorge in der Schweiz? Langfristige statistische Resultate der gutgeschriebenen Versichertenerträge liegen nicht alle vor. Legt man die ermittelten Resultate der Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen einer Beurteilung zugrunde, kommt man für den Zeitraum 2012 bis 2021 auf eine durchschnittliche jährliche Verzinsung der Altersguthaben der aktiven Versicherten von rund 2,5 Prozent bei teilautonomen Sammelstiftungen und auf 1,5 Prozent bei den von Lebensversicherern angebotenen Vollversicherungslösungen (WHP Pensionskassenvergleich). Vergleichbare Werte dürften auch für die nicht zum Segment der Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen gehörenden autonomen Vorsorgeeinrichtungen feststellbar sein. Die tatsächliche Verzinsung auf Rückstellungen der laufenden Renten war dagegen vielfach höher. Diese Verzinsung wurde nach vorgängiger Äufnung der notwendigen versicherungs- und anlagetechnischen Rückstellungen und Schwankungsreserven gewährt.
Da sich im gleichen Zehn-Jahres-Zeitraum die Inflationsrate nahezu bei null Prozent bewegte, resultierte für aktive Versicherte und Rentnerinnen und Rentner für diese längere Periode eine erfreuliche positive Realverzinsung. Damit konnte die Senkung der Umwandlungssätze zumindest teilweise kompensiert werden. Somit blicken Aktive und Rentnerinnen und Rentner auf eine lange Phase einer positiven Realverzinsung zurück, bei der das kapitalgedeckte Vorsorgekonzept seine Vorteile zugunsten der Destinatäre unter Beweis stellen konnte.
Die Inflationsphase für Versicherte der beruflichen Vorsorge
Es ist unbestritten, dass angesparte Vermögenswerte der Inflation und damit der Gefahr der Entwertung ausgesetzt sind. Die Auswirkungen sind je nach Vermögensklasse allerdings unterschiedlich. Während Nominalwerte wie Kontoguthaben und festverzinsliche Werte der Inflation stärker unterliegen, bieten Realwerte längerfristig einen wirksamen Schutz gegen Inflation. Zu diesen gehören in erster Linie Aktien und Immobilien. Betrachtet man das Jahr 2012, beläuft sich der Wert der Aktien und Immobilien auf rund 48 Prozent der Bilanzsumme aller Vorsorgeeinrichtungen. Dieser Anteil ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich auf 58 Prozent angestiegen (Swisscanto Pensionskassenstudie 2022). Somit sind die Versicherten von schweizerischen Vorsorgeeinrichtungen durch den gesteigerten Sachwertanteil langfristig wesentlich besser gegen Inflationsfolgen gesichert als noch zu Beginn dieser Beobachtungsperiode.
Aufgrund des schnellen Anstiegs der Inflationsrate ist über eine kürzere Zeitdauer jedoch eine negative Realverzinsung zu erwarten. Der Aufbau der Altersvorsorge muss aber als langfristiger Sparprozess verstanden werden. Die Struktur der aktiven Bilanzseite der meisten Vorsorgeeinrichtungen ist aufgrund des hohen Anteils an inflationsresistenten Vermögensklassen in der Lage, die Leistungsansprüche der Versicherten auch in einer inflationären Phase über eine längerfristige Sicht zu schützen.
In der 1. Säule besteht für die Versicherten gemäss den Regeln des Mischindexes (Durchschnitt aus Preis- und Lohnteuerung) ein gesetzlicher Teuerungsanpassungsmechanismus. Ein analoger Anpassungsmechanismus existiert dagegen in der 2. Säule nicht. Eine mögliche Teuerungsanpassung laufender Altersrenten orientiert sich an den finanziellen Möglichkeiten der jeweiligen Vorsorgeeinrichtung. Die aufgrund des zu hohen gesetzlichen Umwandlungssatzes verursachte Umverteilung sowie die hohe implizite Verzinsung verhinderten in der Vergangenheit bei den meisten Vorsorgeeinrichtungen jedoch eine Anpassung der laufenden Altersrenten. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine teuerungsbedingte Anpassung besteht einzig bei den gesetzlichen Mindestrenten für Erwerbsunfähige und Hinterlassene.
Fazit
Da das schweizerische Konzept der Altersvorsorge auf einer Mischung der gegensätzlichen Finanzierungsverfahren Umlage und Kapitaldeckung basiert, bietet diese Kombination auch bei sich verändernden ökonomischen Rahmenbedingungen eine Sicherheit. So stellt der erhöhte Anteil an inflationsresistenten Anlagekategorien in der beruflichen Vorsorge für die Versicherten einen Schutz vor der Entwertung ihrer Alterssicherung dar. Für eine langfristig verlässliche Altersvorsorge sind aber auch realistische Rahmenbedingungen bedeutsam, die auf den ökonomischen und demografischen Gegebenheiten basieren.
Quelle: www.hrtoday.ch/