Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03637.jsonl.gz/900

Durch abermaliges Erhitzen und langsames Abkühlen erhalten die angelassenen Sachen ihre frühere Härte wieder. Die Bronze ist
mit 99-90 Proz. Kupfer kupferrot oder dunkel rotgelb, mit 88 Proz. orangegelb, mit 85 Proz.
rein gelb, mit 80 Proz. gelblichweiß, von da an weiß, bei 50-35 Proz.
grauweiß, bei noch geringerm Kupfergehalt wieder weiß und zinnähnlich. Beim Erstarren scheiden sich aus den kupferreichen
Bronzen leicht zinnärmere strengflüssige von zinnreichern leichtflüssigen. unter der Lupe
[* 12] kann man oft an einem Gußstück
beide Legierungen deutlich unterscheiden. Man muß auf dies Verhalten beim Guß der Bronzewaren und namentlich der Geschütze
[* 13] Rücksicht nehmen. Legierungen mit 67,7, mit 50 und 33,3 Proz.
Kupfer sollen stets homogen bleiben. Zusatz von Blei macht Bronze leichtflüssiger, zäher, leichter feil- und drehbar, befördert
aber auch die Ausscheidung des Kupfers; durch einen kleinen Eisengehalt wird Bronze härter, zäher und weniger zur Blasenbildung
geneigt, mehr als 2 Proz. Eisen¶
mehr
wirkt aber nachteilig. Ähnlich verhält sich ein Zusatz von 2 Proz. Zink, größerer Zinkgehalt erhöht die Farbe und nähert
die Bronze dem Messing. Über den Einfluß des Mangans auf die Bronze s. Manganlegierungen. Am meisten wird die Bronze durch einen Zusatz
von Phosphor beeinflußt (s. unten).
Die moderne Bronze (bronzeartiges Messing) besteht aus Kupfer und Zink mit untergeordneten Beimengungen von Zinn und Blei und steht
in ihren Eigenschaften zwischen Messing und Bronze; sie enthält selten unter 80 Proz. Kupfer und ist um so fester, hämmerbarer,
dehnbarer und schöner gefärbt, je mehr das Kupfer vorherrscht. Sie muß in geschmolzenem
Zustand dünnflüssig
sein, um die Form gut zu füllen, sich leicht ziselieren lassen (was durch einen Bleigehalt begünstigt wird) und sich mit
schöner Patina bedecken. Als Normalbronze kann man annehmen: 86,6 Kupfer, 6,6 Zinn, 3,3 Blei und 3,3 Zink. Einige Beispiele von der
Zusammensetzung moderner Statuenbronze gibt folgende Tabelle:
Jedenfalls wird durch den Phosphorgehalt die Homogenität der und damit ihre Verwendbarkeit ganz bedeutend erhöht. Auch
wird der Farbenton, sobald der Phosphorgehalt 0,5 Proz. übersteigt,
wärmer, dem des stark mit Kupfer legierten Goldes ähnlicher; das Korn des Bruches nähert sich dem des
Stahls, Elastizität, absolute Festigkeit und Härte werden bedeutend erhöht, das geschmolzene Metall ist sehr dünnflüssig
und füllt die Form in ihren feinsten Details vollständig aus.
Der Gebrauch der Bronze ist uralt, wenn auch immer einer spätern Periode angehörig als die erste Benutzung
von Gold, Silber, Kupfer und Zinn. Die Herstellung der Bronze erfordert schon mannigfache Erfahrungen, und das Vorkommen von Bronzearbeiten
kennzeichnet daher stets eine höhere Bildungsstufe. So konnte die Bronze einer eignen Epoche des Kulturlebens der Menschen ihren
Namen verleihen (s. Metallzeit),
[* 29] und diese Epoche kennzeichnet sich durch ein gewisses künstlerisches Streben, welches durch
die wertvollen Eigenschaften der Bronze sehr begünstigt wurde.
Die Bronze ist in diesem Sinn ein wesentliches Bildungsmaterial für die Menschheit gewesen, und nur da, wo wir in dem Entwickelungsgang
einer Nation die Bronzearbeit als eine Zwischenstufe eingeschaltet finden, zeigt sich auch jene Vollendung
in allen übrigen. Künsten und Gewerben, zu deren Hervorrufung selbst reichhaltige Hilfsmittel andrer Art nicht genügt hätten.
Die Verarbeitung der Bronze zu Kunstgegenständen im engern Sinn mittels des Gusses reicht ebenfalls bis in die ältesten Zeiten
hinauf.
Die Überlegenheit der französischen Bronzeindustrie über diejenige aller andern Länder beruht nächst der durch die Nachfrage
bedingten Produktion auf der Förderung des Bronzegusses durch
den Staat. In keinem Land werden so viel figürliche Bronzen erzeugt
wie in Frankreich, in keinem Land wird bei öffentlichen Bauten die Bronzeindustrie in dem Maß herangezogen
wie dort. Diese großen vom Staat gestellten Aufgaben haben es ermöglicht, ein künstlerisch geschultes, manuell geschicktes,
mit den künstlerischen Formen vertrautes Personal heranzubilden.
Die französischen Fabrikanten experimentieren nicht in verschiedenen Stilarten; sie haben ihren StilHenri II und die Formen der französischen Renaissance, deren einzelne Phasen nach den Regenten genannt werden (s. Tafel,
[* 27]
Fig.
1, 5, 8, 10 u. 14). Den ornamentalen zierlichen Formen jener Zeit, die für unsern Geschmack häufig zu zierlich erscheinen,
oft auch wirklich nicht unter Beobachtung des richtigen Maßstabes Verwendung finden, entsprechen eine
ganze Reihe speziell in Frankreich gebräuchlicher, durch dortige Wohnungsverhältnisse bedingter Geräte.
Zunächst die Kamingarnituren, welche in keinem besser situierten Haus fehlen und seit langem eine reiche Ausbildung erfahren
haben; ferner ist ein unentbehrliches Requisit der französischen Wohnung der Spiegel,
[* 43] dessen Umrahmung vielfach aus Bronze besteht.
Ein sehr reiches, Deutschland gänzlich unbekanntes Gebiet sind die bronzenen Möbelbeschläge, auf deren
sorgfältige Ausführung man ein besonderes Gewicht legt. Neben diesem von den Franzosen selbst als »pariserisch« bezeichneten
Bronzestil trat seit 1878 der Einfluß der japanischen Kunst hervor, der so mächtig geworden ist, daß die großen Fabrikanten
geradezu in zwei Stilarten arbeiten: im Pariser und japanischen. Dieser Einfluß von Japan
[* 44] ist der überaus
großen Geschicklichkeit der Japaner, die Metalle farbig zu behandeln, zuzuschreiben.
Die Japaner sind auf dem Gebiet der Bronzearbeit die größten Meister der Welt; in der künstlerischen Behandlung dieses edlen
Metalles kommt ihnen keine Nation gleich. Zunächst hat das Färben der Metalle, meist nur ihrer Oberfläche,
in Europa
[* 45] von jeher große Schwierigkeiten gehabt; erst durch die genauere Kenntnis der japanischen Metallarbeiten und Erkenntnis
ihrer Herstellung sind auch in Europa angestellte bezügliche Versuche von Erfolg gekrönt gewesen.