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Der bekannte Journalist Peter Studer ist am vergangenen Samstag im Alter von 88 Jahren verstorben.
In den letzten Jahren wurde es ruhig um Peter Studer, der an gesundheitlichen Problemen litt. Ein Nachruf für den Klein Report von Artur K. Vogel, einem langjährigen Kollegen von Peter Studer beim «Tages-Anzeiger».
Der Jurist und Publizist Peter Studer war von 1978 bis 1987 Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», von 1990 bis 1999 in gleicher Funktion beim damaligen Fernsehen DRS. 2005, er war schon 70 Jahre alt, erhielt Peter Studer zusätzlich zu seinem selber erworbenen Doktor der Jurisprudenz einen Ehrendoktortitel: «Die Universität St. Gallen würdigt damit einen bedeutenden Praktiker des Rechts, der durch sein engagiertes Wirken wesentlich zur Weiterentwicklung des Medienrechts beigetragen und das medienethische Bewusstsein gefördert hat», hiess es in der Laudatio.
Dass Peter Studer Journalist werden würde, war dem 1935 geborenen Luzerner wohl nicht in die Wiege gelegt. Er entstammte einer verzweigten freisinnigen Familie, die in der lokalen Politik und Gesellschaft eine wichtige Rolle spielte, absolvierte sein juristisches Studium in Zürich und Paris und schrieb eine Dissertation über Fragen des Stockwerkeigentums.
Danach erwarb er das Luzerner Anwaltspatent. Eine Laufbahn als Politiker, Advokat und Offizier – Studer brachte es in der Schweizer Armee bis zum Obersten – lag nahe. Doch er entschied sich für die Medien und stieg auf die harte Tour in den Beruf ein, indem er als Journalist in Kinshasa im Kongo arbeitete.
1964 wurde er Redaktor, und zwar nicht bei der freisinnigen «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ), was naheliegend gewesen wäre, sondern beim «Tages-Anzeiger». Dieser zählte damals erst seit vergleichsweise kurzer Zeit zu den ernstzunehmenden Schweizer Tageszeitungen.
Noch während des Zweiten Weltkriegs hatte der «Tagi», im Gegensatz etwa zur «Neuen Zürcher Zeitung», der «Basler National-Zeitung» oder dem Berner «Bund», keine echte politische Redaktion und keine wahrnehmbare Linie gehabt. Der Wandel vom beliebigen Anzeigenblatt zum Informationsmedium war vor allem einem anderen Luzerner zu verdanken gewesen: Walter Stutzer, Chefredaktor von 1963 bis 1978, erfand den «Tages-Anzeiger» in den Sechzigerjahren praktisch neu, baute die Redaktion massiv aus und stellte viele Nachwuchskräfte an.
Peter Studer, Kürzel pst., war zunächst in der Auslandsredaktion in Zürich, dann als Korrespondent in Washington und als Bundeshausredaktor in Bern tätig. Damals galt die Maxime, dass einer «z’Washington gsii und z’Bärn gsii» müsse, um Chefredaktor zu werden.
Tatsächlich folgte Studer 1978 auf Stutzer, und zwar nach einem Wahlverfahren, an dem auch die Redaktion beteiligt war. Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» – das war eine Position, die Diplomatie und Durchsetzungsvermögen, Profil und Flexibilität erforderte. Schon unter Walter Stutzer hatte es, vor allem als Folge von 1968, auf der Redaktion heftige Richtungskämpfe gegeben.
Diese setzten sich zu Peter Studers Zeiten fort: Eine grössere Gruppe jüngerer, tendenziell linker Redaktorinnen und Redaktoren, die «Jungtürken», forderte an episch langen, sogenannten Grossen Konferenzen, kurz «Groko», basisdemokratische Entscheidungen ein; ältere, eher konservativere Redaktionsmitglieder hielten dagegen. Sie wurden vom Jungvolk in Anlehnung an Israels Rechte als «Likud Block» apostrophiert.
Schwierig wurde es vor allem bei den Zürcher Unruhen der 1980er-Jahre. Rapportiert wurden die Ereignisse vorwiegend von den journalistischen Jungspunden, von denen einige mit der «Bewegung» sympathisierten. Ein Teil der Leserschaft, auch Peter Studers Peer Group und vor allem die eigene Geschäftsleitung goutierten diesen Kurs nicht.
Erschwerend kam hinzu, dass in der Hierarchie ein Mann sehr rasch aufstieg, der die Redaktion verachtete (oder beneidete) und an einem Akademikerkomplex litt: Heinrich «Rico» Hächler, ein ehemaliger Schriftsetzer, wurde 1983 Generaldirektor der Firma, die damals noch Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich AG hiess.
1987 gelang es Hächler, Peter Studer auf einen neu geschaffenen Geschäftsleitungsposten als «publizistischer Leiter» weg zu komplimentieren. Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» wurde der führungsschwache, bei der Redaktion trotzdem (oder erst recht) beliebte Viktor Schlumpf, der vier Jahre später ebenfalls über die Klinge springen musste.
Nach zwei wenig fruchtbaren Jahren in der Teppichetage verliess Studer die Tamedia, ob freiwillig oder von Hächler hinausgeekelt, ist eine Interpretationsfrage.
1989 wurde Peter Studer zum Chefredaktor des Fernsehens DRS gewählt, obwohl er sich eher in der Rolle des Direktors gesehen hätte. (Als solcher wurde ihm der kettenrauchende Sozialdemokrat Peter Schellenberg vorgezogen, der diesen Posten volle 15 Jahre lang versehen sollte.) 1993 übernahm Studer auch die Leitung der Abteilung Information und Kultur und lancierte in der Folge Sendungen, die bis heute zu den Eckpfeilern der öffentlich-rechtlichen Television gehören, etwa «10vor10», die «Arena» oder die «Sternstunden».
Zur Kultur hatte Peter Studer einen engen Bezug. Er und seine aus Australien stammende Frau Margaret Studer-Walsh bauten eine beachtliche Sammlung zeitgenössischer, vor allem amerikanischer Kunst auf, die in der grossen Eigentumswohnung in Rüschlikon die Wände dominierte. Studer war von 2007 bis 2012 auch Präsident des Schweizer Kunstvereins.
1999 wurde Peter Studer pensioniert. Für ihn begann aber eine intensive und kreative Phase. Er publizierte zusammen mit anderen Autorinnen und Autoren mehrere Werke über Medienethik, Medienrecht und Medienpraxis, wirkte als Dozent und Rechtskonsulent und präsidierte von 2001 bis 2007 als Nachfolger von Roger Blum den Schweizer Presserat, die Selbstregulierungs-Instanz der Medien.