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Körperarbeit in der Psychotherapie (Teil II)
Ein Beispiel
Ein junger Mann, 28 Jahre, klagt über Kraftlosigkeit, Gedankenkreisen und Muskelspannungen. Es fehle ihm die Kraft sich zu wehren oder durchzusetzen, bekundete er. Seine Arbeitsstelle habe er wegen Umstrukturierung verloren. Sein Hausarzt habe ihn zur Psychotherapie überwiesen.
Der Therapeut bittet den Klienten, während er ihm von seinen Schwierigkeiten berichtet, sich wahrzunehmen. »Wie sitzen Sie da?«, fragt der Therapeut den Patienten. Und: »Wie kräftig fühlen Sie sich? «
Mit einfachen Körperübungen werden Ratsuchende in das körperorientierte Arbeiten eingeführt. Der Therapeut möchte mit dem Klienten damit einen Ist-Zustand erstellen
Durchführung und Beschreibung des therapeutischen Prozesses
Übung Der Therapeut berührtt mit beiden Händen die Aussenseite der Knie des Patienten und bittet ihn, gegen seine Hände zu drücken, d.h. der Therapeut bittet den Patienten sich zu wehren. Das geht gewöhnlich nicht auf Anhieb, was bedeuten kann, dass der Therapeut mit dem Klienten die Erlaubnis erarbeiten muss, sich zu wehren. Daraus ergibt sich langsam ein Kräftemessen zwischen dem Klienten und seinem Therapeuten. Sobald der Therapeut wahrnimmt, dass der Patient in seine Kraft gekommen ist, bittet er ihn zu sagen, wie er sich nun fühlt. Schon an seinem Gesichtsausdruck ist meistens ersichtlich, dass sich der Patient stärker fühlt. Bestätigt er dies, wird die Situation wiederholt, in der sich der Patient bis anhin machtlos gefühlt hat. Mit dem neuen Gefühl der Kraft, des Handlungsfähigseins erarbeiten Therapeut und Patient neue Reaktionsmöglichkeiten. Um in zukünftigen Situationen von diesem neuen Gefühl gebrauch machen zu können, wird das Körpergefühl verankert.
Kommentar des Therapeuten im vorliegenden Beispiel: Der Klient erfuhr ein Verbot sich durchzusetzen. Da er sich gegen seine Eltern stellen würde, wenn er nicht gleicher Meinung ist und er Angst hat, die elterliche Liebe zu verlieren, entscheidet er sich unbewusst, auf seine Meinung zu verzichten, was ihn mehr und mehr abhängig werden lässt von andern.
Christina Casanova