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Adis Jahovic (28) war ab Herbst 2012 für etwas weniger als ein Jahr als Leihspieler des FC Wil für den FCZ am Ball, und erzielte in 19 Partien fünf Tore.
Sein Wechsel nach Zürich folgte auf eine Sperre von neun Partien, nachdem der Mazedonische Nationalstürmer zwei Monate davor auf der Neuenburger Maladière im Spiel gegen den FC Biel Schiedsrichter Patrick Winter aufgrund dessen direkter Roten Karte massiv bedroht hatte. Ziemlich genau ein Jahr nach dem Vorfall von Neuenburg flog der Stürmer erneut gegen den FC Biel vom Platz – und verschwand anschliessend in die Ukraine zu Vorskla Poltava, wo er einen lukrativen Vertrag unterschreiben konnte. Die Saison 13/14 beendete er mit seiner neuen Mannschaft in der Premier Liga auf dem 8.Platz und traf dabei auch gegen die Spitzenteams Shakhtar Donezk und Dinamo Kyiv ins Netz. Wegen des Krieges wechselte Jahovic im darauffolgenden Sommer erst nach Kroatien zu Rijeka, und von da weiter nach Russland in die zweithöchste Liga zum Traditionsteam Krylia Sovetov Samara.
Das Herz des Russischen Fussballs schlägt im Süden
Samara ist eine Millionenstadt an der Volga, der Traditionsklub „Flügel der Sovjets“ wurde 1942 für die Fussballer unter den Arbeitern der während des Krieges aus Moskau nach Samara evakuierten Flugzeugfabriken gegründet worden. Im Süden an Volga, Don und im Nordkaukasus schlägt das eigentliche Herz des Russischen Fussballs. Zwar sind die dortigen Klubs sportlich und finanziell gegenüber den Moskauer Klubs und Zenit St.Petersburg schon immer unterlegen und notorisch erfolglos gewesen, verzeichneten aber trotzdem für russische Verhältnisse immer relativ hohe Zuschauerzahlen. Zur Wende im Jahre 1991 stieg Krylia Sovetov in die russische „Premier Liga“ auf und spielte von da an ununterbrochen während 13 Jahren meist im Mittelfeld oder im Kampf gegen den Abstieg. Meist konnte nur der „Volksklub“ Spartak Moskau den Klubs aus dem Süden wie Krylia Sovetov Samara (langfristig rund 20’000 im Schnitt), Alania Vladikavkaz, Terek Grozny, Kuban Krasnodar, Rotor Volgograd, Anzhi Makhachkala oder Fakel Voronezh bezüglich Zuschauerzahlen das Wasser reichen.
Erneut vom Platz geflogen – trotzdem Stammplatz erkämpft
2014/15 half Adis Jahovic, die „Flieger“ nach deren Abstieg sofort wieder in die oberste Liga zu schiessen, was mit dem 1.Platz in der „Natsionalnoi Ligi“ auch souverän gelang. Zurück im Oberhaus fiel Jahovic erst mal bis im Oktober aus und hat sich danach aber schnell wieder einen Stammplatz erkämpft. Dies vor allem mit einem Doppelpack beim überraschenden 2:0-Auswärtssieg bei ZSKA Moskau Ende November. Einen Monat davor war der Mazedonier allerdings im Russichen Pokal zu Hause gegen Dinamo Moskau wieder mal mit zwei Gelben Karten innerhalb von drei Minuten vom Platz geflogen, worauf Krylia Sovetov die Partie in der Schlussphase mit 0:1 verlor. Seine Konkurrenten im Sturm sind ein Chilenischer und ein Weissrussischer Nationalspieler, je ein Französischer und Russischer Ex U21-Nationalspieler – und der vom FC Thun nach Russland gewechselte Berat Sadik. Der wie Jahovic in Skopje geborene, aber albanischsprachige Finnische Nationalspieler muss seit der Rückkehr von Adis auf den Platz tendenziell froh sein, wenn noch ein Sitz auf der Ersatzbank für ihn frei ist. Krylia Sovetov Samara überwintert in der Premier Liga auf dem 12.Platz von 16 Teams.
Jahovic im Interview mit „Futbol“
In der neuesten Ausgabe der russischen Wochenzeitschrift „Futbol“ vom 24.Dezember äussert sich nun Jahovic unter anderem über seine Erfahrungen mit Kriegen in Osteuropa, seinen Charakter, Regeln, Gesetze, Schiedsrichter, seine Zeit in der Schweiz, die Derbies in Sarajevo und Zürich, das Interesse des SC Freiburg, Zukunftspläne, sowie die Gründe für seinen Abgang beim FCZ. Jahovic hat noch nicht mitbekommen, dass Chikhaoui nicht mehr in Zürich spielt, und mit den Zahlen nimmt er es nicht immer genau – die Ausführungen sind aber trotzdem interessant. „Züri Live“ hat die interessantesten Teile des ausführlichen Interviews auf Deutsch übersetzt:
Adis Jahovic, man sagt, dass die Flugreisen in der FNL (zweite Russische Liga) das schwierigste seien…
Die grossen Entfernungen sind eine schwierige Angelegenheit. Ich erinnere mich, dass wir 8 Stunden nach Sachalin flogen. Es war unglaublich langweilig und wir hatten nur Economy-Tickets. Zumindest hatte ich einen Sitzplatz in der Nähe des Notausganges und konnte so meine langen Beine strecken. Die einen schauten Filme, andere spielten – oder schliefen. Ich kann aber im Flugzeug nicht schlafen, egal wie viele Stunden es dauert. Gott sei Dank sind die längsten Flüge in der obersten Russischen Liga nun nur noch maximal drei Stunden.
Krylia Sovetov Samara hat ein ausgezeichnetes Trainingszentrum, viele Spieler wohnen da. Sie auch?
Als meine Familie hier war, hatte ich eine Wohnung gemietet. Jetzt wohne ich im Trainingszentrum. Da sind die Rahmenbedingungen gut: Zimmer, Kantine, Reinigungspersonal. Trotzdem fahren wir ausländischen Spieler jeden Tag zusammen zum Essen in ein Restaurant.
Das Interesse von Freiburg
Sie haben letzte Saison 12 Tore erzielt – gab es Angebote von anderen Klubs?
Der Transfer zum SC Freiburg war zu 90% in trockenen Tüchern, aber dann sind sie aus der Bundesliga abgestiegen, und wir sind mit Krylja Sovetov gleichzeitig in die Premier Liga aufgestiegen. Es hat noch ein paar weitere Kontakte mit anderen Vereinen gegeben. Aber ich war auch verletzt und zu weiteren ernsthaften Gesprächen ist es nicht gekommen.
Der SC Freiburg ist nun auf dem Weg zurück in die Bundesliga, liegt auf dem ersten Platz…
Ich bin jetzt hier und denke an keine andere Mannschaft. Wenn es einen Transfer gibt, dann gibt es ihn – aber all meine Gedanken sind bei Krylia Sovetov.
Jahovic und die Referees
Wo haben Sie so gut Russisch gelernt?
So gut kann ich es noch nicht. Aber als ich in der Ukraine für Vorskla Poltava gespielt habe, habe ich jeden Tag ein paar neue Wörter gelernt. Der Trainer hat mir dies aufgetragen. Russisch ist verwandt mit Mazedonisch, also ist es für mich nicht so schwer, wie für andere ausländische Spieler. Als ich in der Schweiz gespielt hatte, habe ich Deutsch gelernt. Ich kann fünf Sprachen – neue Sprachen lernen fällt mir leicht.
Zu Beginn haben Sie auf Russisch sicherlich vor allem die Schimpfwörter gelernt?
Ja, die Fussballer benutzen vorwiegend Schimpfwörter – aber ich tue dies eher selten.
Im Cupmatch gegen Dinamo aber schon?
Wir hatten sehr gut gespielt, Dinamo hatte keine Chancen. Der Schiedsrichter hat einen Penalty nicht gegeben. Das hat mich aufgeregt, worauf ich Gelb bekam. Und die zweite Gelbe war überhaupt nichts – das wird der Schiedsrichter sehen, falls er sich die Szene im Video nochmals anschaut. Ja, es hat auch mit meinem Charakter zu tun. In der Schweiz war ich einmal lange gesperrt, weil ich einem Schiedsrichter an die Gurgel gegangen bin. Ich möchte dieses Thema hinter mir lassen: in Zukunft werde ich nicht mehr negativ mit dem Referee sprechen – hundertprozentig. Ich kann halt einfach Unwahrheiten nicht ertragen – so haben mich meine Eltern erzogen.
Die ersten Schritte in Mazedonien
Mazedonien war in den 90-er Jahren keine ruhige Region. Hatten Sie eine schwierige Kindheit?
Ja, und das Verhältnis zwischen Mazedoniern und Albanern ist bis heute angespannt. Ein Jahr gab es Krieg mit Albanien, Kosovo. Das hat sich alles 50 Kilometer entfernt von unserem Haus abgespielt. Wir hatten einen Keller, in dem wir uns bei Bombardierungen in Schutz brachten. Aber mich interessiert die Politik jetzt nicht mehr.
Haben die Eltern Sport getrieben?
Papa war ein Handball-Profi, aber in Mazedonien gab es keine finanzielle Basis und Perspektiven, daher hat er damit aufgehört. Heute arbeitet er als Elektriker bei der Eisenbahn – Mama ist Hausfrau. Früher hatten wir zudem einen kleinen Laden, den wir aber schliessen mussten. Sowieso ist es seltsam, dass ich schlussendlich beim Fussball gelandet bin. Mein Vater war wie ich gross gewachsen und er dachte, ich würde ebenfalls einmal ein guter Handballspieler werden. Aber ich habe die ganze Zeit vor dem Haus gekickt. Dafür musste mein Bruder wegen einer Rasenallergie mit dem Fussballspielen aufhören, und betreibt nun Handball.
Euer Vater hat Euch im Sport eng begleitet und trainiert?
Meine Fussballausbildung habe ich bei „Makedonija Gjorce Petrov“ (Klub aus einem Stadtkreis von Skopje: die Red.) genossen. Schon in der Kindheit habe ich die Trainings ernst genommen. Die Eltern sind am Wochenende jeweils an den See raus gefahren und ich blieb in der Stadt, um im Klub nichts zu verpassen. So eine profihafte Einstellung habe ich seit dem Alter von 8 Jahren. Trotzdem war Fussball für mich zu Beginn vor allem eine Freizeitbeschäftigung – wir haben einfach mit Kollegen im Innenhof vor dem Haus gespielt. Mein Freund ging dann in den Klub, und er hat mich überredet, mitzukommen. Ich erinnere mich, dass ich eine halbe Stunde vor dem ersten Training noch zu Hause sass und gut gegessen habe. Das Training war sehr anstrengend, und danach musste ich mich übergeben. So habe ich gleich zu Beginn fürs Leben gelernt, vor dem Training nichts zu Essen.
Haben Sie gleich Fussballschuhe gekauft?
Meine ersten waren Nike, obwohl, vielleicht hiessen sie auch „Nuke“ oder „Naik“. Auf jeden Fall waren es Imitate – und zwei Nummern zu gross. Die Eltern hatten nicht viel Geld, und zudem haben wir zu der Zeit ein Haus gebaut. Ich habe aber auch in diesen Fake-Schuhen meine Tore erzielt. Die ersten echten Markenschuhe hatte ich mit 17.
Wie sieht der Fussball in Mazedonien aus? Ist er etwa auf dem Niveau der FNL (zweite Russische Liga)?
Heute vielleicht schon – früher aber nicht einmal das. Und der Maximallohn war 500 Mark – und dies nur im erfolgreichsten Klub. Für mazedonische Verhältnisse war das damals viel Geld. Heute sind viele Sponsoren dazugekommen. „Vardar“ zum Beispiel hat einen russischen Besitzer. Heute verdienen die Spieler 20‘000 – 30‘000 Euro. Früher haben wir aus Liebe zum Sport gespielt.
Nicht allein aus Liebe wahrscheinlich?
Mein erster Lohn war 300 Euro. Für mich war das sehr viel Geld! Damit konnte man auch mal mit der Freundin in die Stadt einen Kaffee trinken gehen. Dieses erste Geld habe ich aufgeteilt: 150 Euro für mich – der Rest den Eltern. Zudem habe ich vom Klub gratis Fussballschuhe gekriegt, als ich den Vertrag unterschrieben habe.
„Crazy“ Fankultur in Sarajevo
Warum sind Sie dann so jung nach Bosnien gegangen?
„Makedonija Gjorce Petrov“ hat einen neuen Trainer bekommen, der dem Präsidenten gesagt hat, dass er Adis nicht braucht: „Verringert ihm den Lohn, oder schickt ihn in die Dritte Liga, oder gebt seine Dokumente zurück“. Als mir der Präsident davon erzählt hat, wollte ich weg. Ich war 19, und ein Agent hat mir vorgeschlagen, nach Bosnien zu gehen. Wenn du in ein fremdes Land ziehst, hast Du vorher keine Ahnung, was dich dort erwartet. Ich habe meinen Koffer gepackt, und bin ab nach Bosnien. Bei „Zeljeznicar“ hat der Trainer aber auch nicht auf mich gesetzt. Dafür habe ich bei „Velez Mostar“ gut gespielt, und in 15 Partien 10 Tore erzielt. So hat mich der „FC Sarajevo“ gekauft.
Sind die Fans die speziellste Erinnerung aus dieser Zeit?
Oh, die sind dort wirklich crazy. Als ich beim FC Sarajevo gespielt habe, sind wir in der Europa League weit gekommen, haben aber ein Spiel in der Meisterschaft verloren. In der Folge sind einen Monat lang die Spieler immer zu Hause geblieben. Es war zu gefährlich, allenfalls eigenen Fans auf der Strasse zu begegnen. Zum Glück konnten wir die Situation wieder gerade biegen, so dass wir uns auf der Strasse wieder zeigen konnten.
Zeljeznicar und FC Sarajevo sind grosse Rivalen. Und Sie haben für beide Klubs gespielt…
Das ist das Derby! Das grösste! Man spricht nur über dieses Spiel – es ist der wichtigste Match des Jahres. Vor einem Sarajevo-Derby stirbt im Normalfall jedes Mal mindestens ein Fan. Aber ich habe nur sehr kurz für Zeljeznicar gespielt, darum hat man es mir beim FC Sarajevo nicht krumm genommen. Wenn ich aber jetzt nach Sarajevo zurückgehen würde, wäre es gefährlich – besser sich nicht auf der Strasse zeigen. Was soll man tun, wenn ein Mensch seine Mannschaft liebt und alles für sie gibt?
Die Fans in Russland halten den Spielern häufig vor: „Wir reisen durchs Land, frieren und feuern euch an – und ihr….?“
Das ist ja die Wahrheit. Als ich in Bosnien gespielt habe, habe ich gemerkt, dass man auf dem Platz zeigen muss, dass man gewinnen will. Für eine Niederlage muss man sich nicht schämen, das ist Fussball, aber man muss immer mit ganzem Herzen bei der Sache sein. Die Leute lieben das.
„Echt abgefahrenes Zürcher Derby – aber wegen jedem kleinen bisschen kommt die Polizei“
Warum haben Sie bis zum Alter von 22 Jahren den Durchbruch nicht geschafft?
Meine Karriere hat erst richtig begonnen, als ich in die Schweiz gekommen bin. In Bosnien hatte ich keinen guten Agenten und PR-Unterstützung, und so war ich nicht im Schaufenster. Wenn über mich mehr geschrieben worden und im Fernsehen berichtet worden wäre, hätte der Durchbruch auch schon viel früher kommen können. Meine Karriere hat also erst mit 24 angefangen – viele Tore für Wil, dann FC Zürich, gleichzeitig habe ich angefangen, für die Nationalmannschaft von Mazedonien zu spielen. Ja, und wenn du älter wirst, denkst du etwas mehr, bevor du handelst.
Was ist der FC Wil für ein Klub?
Das ist wie FNL (zweite Russische Liga). In 33-35 Spielen habe ich 25-26 Tore erzielt. Danach habe ich ein Angebot des FC Zürich erhalten. Zwar sind Scouts aus Leverkusen gekommen, als wir gegen den FC Basel gespielt haben, aber ich habe davon nur aus dem Internet erfahren. Ich habe dort mein Photo gesehen mit dem Titel: „Bayer an Jahovic interessiert“. Einen Agenten hatte ich damals nicht. Niemand hat mich kontaktiert. Der Trainer hatte auch irgendetwas gehört, aber alles blieb schlussendlich auf dem Niveau von „irgendjemand hat irgendetwas gehört“.
Was bleibt aus der Schweiz in Erinnerung?
Dort gibt es das Gesetz, und niemand ist höher als das Gesetz, auch der Präsident nicht. Viele Radarfallen und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Fährst du 120 km/h, bist du deinen Fahrausweis los. Darum fahren dort alle nur 50-60 km/h. Was den Fussball betrifft, so gibt es dort technisch gute Fussballer – aber in Bezug auf Kampfgeist und die Physis ist das Niveau tiefer, als in Russland. Es geht alles nur über die Technik. Für den FC Zürich spielte der Tunesier Yacine Chikhaoui. Er hat gut gespielt, kostete etwa 12 Millionen Euro, und dann hat er sich verletzt – und zwei Jahre nicht gespielt. Jetzt kommt er langsam zurück. Er ist zwei Meter gross, aber technisch besser, als Ibrahimovic, dazu schnell. FC Zürich gegen Grasshoppers ist ein cooles, echt abgefahrenes Derby! Obwohl auch hier das Gesetz dem ganzen seinen Stempel aufdrückt: wegen jedem kleinen bisschen kommt die Polizei. Und nun ja, alle wollen für den FC Basel spielen – es ist der beste Klub mit den höchsten Löhnen.
Die Sache mit der Sperre von neun Spielen – auch eine Frage der strengen Gesetze in der Schweiz?
Es war so: ich hatte den Ball bereits nicht mehr und der Gegenspieler hat mir auf die Socken gehauen. Ich wollte auf die gleiche Weise antworten, habe ihn dann aber gar nicht richtig getroffen, nur leicht berührt. Der Schiedsrichter hat dies gesehen und mir direkt Rot gegeben. Ich habe ihn darauf angeschrien: „Warum Rot für mich? Und meinem Gegenspieler hast du gar nichts gezeigt! Du bringst uns noch um!“. Wir hatten damals einen Lauf – in jeder Partie habe ich ein, zwei Tore erzielt. Anschliessend habe ich dem Schiedsrichter gesagt, dass ich ihn umbringe. Dafür hätte mich die Polizei verhaften können, wenn er eine Anzeige eingereicht hätte. Zum Glück hat die FIFA auf den Schiedsrichter Einfluss genommen, und ihn davon abgehalten. Sie haben ihm gesagt: „Deine Karriere steht doch erst gerade am Anfang – das kannst du doch jetzt nicht gebrauchen…“. Der Schiedsrichter war schlecht. Fussball ist nun mal ein aggressiver Sport. Aber als mein Sohn auf die Welt kam, bin ich ruhiger geworden…
Ausser jetzt zuletzt gegen Dinamo…
Ein bisschen was war da. Starke negative Emotionen kommen vor. Als ich die Rote Karte sah, wusste ich, dass wir nun den Match verloren haben.
Von Schweizer Uhren und dem richtigen Timing
Welches war die teuerste Uhr, die Sie in der Schweiz gekauft haben?
In der Zeit, als ich für den FC Zürich spielte, hatte ich einen Sponsor. Darum habe ich viele dieser Uhren verschenken können: dem Vater, dem Bruder, an Freunde…
Der „FC Khimki“ wollte Sie verpflichten, warum haben Sie damals die Ukraine gewählt?
Khimki? Die haben mich nie kontaktiert. Als beim FC Zürich ein neuer Trainer kam, sass ich wieder auf der Ersatzbank. Als Joker habe ich fünf Tore erzielt, und der FCZ wollte darauf die Leihe beenden, und mich kaufen. Aber ich habe gesagt, dass ich zurück zu Wil gehen will, um von dort aus den Schritt zu einem grossen Klub zu schaffen. In fünf Spielen habe ich sieben Tore erzielt. Daraufhin hat mich sofort „Vorskla Poltava“ gekauft.
Ist das ein grosser Klub?
Etwa auf dem gleichen Niveau wie „Krylia Sovetov“. Andere Varianten, als die Ukraine, gab es ehrlich gesagt zu jenem Zeitpunkt nicht. Und mir wurde bei Vorskla ein gutes Angebot gemacht.
Das Timing, um in die Ukraine zu wechseln, war dann nicht unbedingt ideal….
Ich hatte einen Vertrag für ein Jahr mit einer Option für zwei weitere, und der Klub wollte diesen verlängern. Ich habe aber abgelehnt, weil der Krieg begonnen hat. Wenn der Krieg schlimmer geworden wäre, hätte ich im Land festsitzen können. Zudem hatte ich Sorgen um meine Frau und das Kind. Am Flughafen Lugansk sind wir auf Soldaten gestossen. Ich habe gerne dort Fussball gespielt, aber ich habe dem Klub gesagt: „Ihr seid im Krieg mit Russland. Das ist keine gute Situation für mich.“ Gleich darauf hat mir Ognjen Vukojevic von Dinamo Kyiv angerufen und mir empfohlen, seinen Agenten zu kontaktieren. Nur wenig später landete ich in Rijeka. Zum Glück ist nicht mehr als ein bisschen Krieg passiert.
Nach der Karriere ein Haus in Deutschland
Haben sich die Fans aus der Ukraine nach Ihrem Transfer zu „Krylia Sovetov“ negativ geäussert?
Ich habe eine Fan-Page – die Fans von Vorskla haben nach dem Sieg gegen ZSKA (mit zwei Toren Jahovics: d.Red.) geschrieben, dass sie mich vermissen, und sich freuen, dass meine Karriere so gut verläuft. „Weil ich mit den Fans immer gut kommuniziert habe“, habe ich nicht ganz Ernst gemeint, geantwortet. Das war nie künstlich. Als Vorskla Dnipro besiegt hat, habe ich dem Klub meine Glückwünsche gesandt und geschrieben, dass ich Poltava vermisse.
Die Nationalmannschaft von Mazedonien kennt man vor allem durch den Namen Goran Pandev. Ist er wirklich so ein seltsamer Typ, wie es nach aussen hin scheint?
Er ist ein sehr positiver Typ, der die Mitspieler unterstützt. Er hat einige Jahre nicht für die Nationalmannschaft gespielt, aber jetzt ist er zurück und meinte:“Ich will nicht zuschauen, wie Mazedonien unten durch muss“. Dies obwohl er genug Geld hätte, um sich auszuruhen.
Und wann wird Adis Jahovic sagen können, dass er genug getan hat, um sich auszuruhen?
Ich habe keine Pläne. Mein Vertrag ist noch zwei Jahre gültig. Wenn es von Krylia Sovetov ein weiteres Angebot gibt – schön! Mir gefällt es in Samara. Sollte es einen Transfer geben – auch gut. Nach der Karriere möchte ich zurück nach Deutschland und ein Haus bauen. Tore erzielen ist auch kein Ziel an und für sich: aber umso mehr, desto besser. Sollten wir aber jedes Spiel gewinnen, ohne dass ich ein Tor erziele – dann ist das trotzdem gut so. Wir brauchen dringend Punkte.