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Die Diskussion um die richtige Aufbewahrung von Briefmarken, Briefen, Ganzsachen, Dokumenten und Urkunden ist schon alt, aber erst in letzter Zeit so richtig in die Gänge gekommen. Einen guten Einblick geben die Veröffentlichungen von Peter Feuser und Wolfgang Straub. Es ergeben sich daraus für den Philatelisten drei Fragen:
- Wie kann ich bestimmen, aus welchem Material meine Folien tatsächlich bestehen?
- Welches Material ist geeignet?
- Welches Material möchte ich mir anschaffen?
Die zweite und dritte Frage sind ausgiebig diskutiert worden und sollen an dieser Stelle nicht vertieft werden.
Aber die erste Frage lässt sich ganz leicht beantworten. Mit etwas Forschergeist und Material, das in der Küche und im Keller vorhanden ist, lassen sich die vier in Frage kommenden Materialien: Polypropen (PP), Polystyrol (PS), Polyvinylchlorid (PVC) und Polyester im speziellen PET oder PBT leicht unterscheiden. Alle vier Kunststoffe finden in der Aufbewahrung von philatelistischem Material Verwendung.
Sie müssen für diese Experimente nur je ein Albumblatt oder eine Blattschutzhülle opfern.
Schwimmt der Kunststoff?
Nehmen Sie eine Schüssel mit Wasser und geben sie 3 Tropfen Geschirrspülmittel dazu. Rühren Sie vorsichtig um und achten sie darauf, dass sich an der Oberfläche keine Blasen befinden.
Dann schneiden Sie mit der Schere ein Stück Folie zirka 2 cm x 2 cm aus und geben es auf die Wasseroberfläche.
PP schwimmt, die anderen drei Kunststoffe sinken.
Nun geben sie Salz ins Wasser, zirka 100 g/Liter.
PVC bleibt am Boden PS und PET/PBT schwimmen oben auf.
Wird eine Flamme grün?
Für dieses Experiment benötigen sie ein Teelicht, etwas Kupfer-Draht oder einen kleinen Streifen Kupferblech und eine Zange.
Zünden sie das Teelicht an und halten sie den Kupferdraht mit der Zange in die Flamme. Warten sie bis der Draht glüht, dann gehen sie mit dem heissen Draht in eine der Kunststofffolien und halten den Draht, der nun mit Kunststoff belegt ist, wieder in die Flamme.
Wenn sich die Flamme nun grün färbt, handelt es sich um PVC.
Bei den anderen Kunststoffen bleibt die Flamme gelb. Eventuell stinkt es bei diesem Experiment etwas.
Löschen Sie nun die Flamme.
Reagiert der Kunststoff mit Nagellackentferner?
Für dieses Experiment dürfen Sie keine offene Flamme in der Nähe haben.
Besorgen sie sich ein Fläschchen Nagellackentferner, der Essigsäureethylester oder Aceton enthält. Der billigste ist für dieses Experiment am besten geeignet.
Dann nehmen sie ein Wattestäbchen und geben einige Tropfen Nagellackentferner darauf. Nun streichen sie mit dem Wattestäbchen über die Folie.
Wenn sie sich verändert, handelt es sich um PS.
Die anderen drei Kunststoffe sind gegenüber den Lösungsmitteln Essigsäureethylester oder Aceton stabil.
Nun können Sie mit dieser Tabelle ganz einfach herausfinden, um welche Kunststoffsorte es sich bei Ihnen gehandelt hat.
|Kunststoff||Schwimmprobe in Wasser||Schwimmprobe in Salz-Wasser||Brennprobe||Nagellackentferner|
|PP||schwimmt||schwimmt||Flamme gelb||bleibt klar|
|PET/PBT||sinkt||schwimmt||Flamme gelb||bleibt klar|
|PS||sinkt||schwimmt||Flamme gelb||wird trüb|
|PVC||sinkt||sinkt||Flamme gelb||bleibt klar|
Wer ganz sicher gehen möchte, nimmt 4 Kunststoffproben, um das Verhalten der Kunststoffe kennenzulernen und probiert es mit ihnen aus.
Polypropen (PP): Zeigetaschen aus dem Schreibwarengeschäft.
Polyvinylchlorid (PVC): Vordruckblatt Firma Lindner oder Lindner Omnia
Polystyrol (PS): klare Vorderseite einer Hawidtasche oder sonstigen Klemmtasche
Polyester (PET/PBT): klare farblose PET Getränkeflasche, Stella Blattschutzhüllen Firma KABE, Archiv-Hüllen der Firma Secol (www.secol.co.uk; www.oecopak.ch)
Wenn Sie zu Vergleichszwecken eindeutige Plastikmuster und einen kleinen Streifen Kupferblech erhalten wollen, können Sie mir einen an Sie adressierten, frankierten Rückumschlag zusenden.
Mit diesem Verfahren kontrolliere ich die Kunststoffe, mit denen ich meine Marken und Belege aufbewahre.
Persönlich wähle ich, wenn immer möglich, Polyester oder Polystyrol als Aufbewahrungsmaterial. Eine Liste von empfehlenswerten Herstellern gebe ich auf Anfrage gerne ab.
Johannes Hoffner, Hintermatt 9, CH-4417 Ziefen, Mitglied BPP, SBPV
Marie Hoffner, Hintermatt 9, CH-4417 Ziefen (Foto)
|Verwendung||Vorteile||Nachteile|
|Polypropen (PP)||- Prospekthüllen||
- weichmacherfrei

- zäh
- alterungsbeständig
- sehr günstig

- sehr weich

- opak
- nur wenige Formate erhältlich
- Folien meist recht dick
|Polystyrol (PS)||- selbstklebende Einstecktaschen für einzelne Briefmarken oder Blöcke||
- hochtransparent

- keine Weichmacher
- alterungsbeständig

- spröde

- mechanisch nicht besonders stabil
|Polystyrol (PS)||
- ganzseitige Folien in Vordruckalben

- Steckkarten
- Klarsichtstreifen für Steckkarten
- Klarsichtstreifen in Steckalben
- Briefhüllen

- transparent

- mechanisch sehr stabil
- Je nach Fabrikat keine Weichmacher
- gibt es in vielen Formaten
- teils recht günstig
- alterungsbeständig

- kann mit bleihaltigen Farben / Pigmenten reagieren, betrifft insbesondere klassische Marken

- hohes Gewicht
|Polyester (PET, PBT)||
- Steckkarten

- Klarsichtstreifen für Steckkarten
- archivtaugliche Albenblätter
- archivtaugliche Briefhüllen

- hochtransparent

- mechanisch stabil
- alterungsbeständig
- für Archive zugelassen
- geringes Gewicht

- relativ teuer

- nicht alle Formate produzierbar z.B. Einsteckbücher
https://www.feuser-auktionen.de/folienproblematik/
Wolfgang Straub, „Die Farbtönungsunterschiede beim Aulendorfer Aufdruck der Wohnungsbaumarken“ in philatelie Ausgaben 464 und 465, Februar 2016