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Fallbeschreibung
Eine 39-jährige Patientin wurde uns aufgrund einer protrahierten Müdigkeit und Zeichen einer systemischen Inflammation nach Erstdiagnose und Therapie einer subakuten Thyreoiditis de Quervain in die Akutambulanz zugewiesen. Die ausführliche Anamnese inklusive Vorgeschichte sowie auch die klinische Untersuchung brachten keine ergänzenden Auffälligkeiten zutage. Mit der Frage nach allfällig vergrösserten Lymphknoten oder einer Splenomegalie wurde eine Abdomensonographie veranlasst.
Die transabdominale Ultraschalluntersuchung zeigte als einzigen auffälligen Befund eine zystisch anmutende Formation mit einer Wandverdickung hinter der Harnblase (Abb. 1).
In der digital-rektalen Untersuchung, die komplettierend nach der Sonographie erfolgte, wurde in identischer Lokalisation eine prallelastische Masse ertastet. Diese konnte überraschenderweise in der gynäkologischen Untersuchung am Folgetag weder im Rahmen der bimanuellen Palpation, noch in der transvaginalen Sonographie reproduziert werden.
Des Rätsels Lösung erbrachte dann die Patientin selbst: Sie habe am Vortag eine Menstruationstasse benutzt, die sie – in Erwartung einer transvaginalen Untersuchung beim Gynäkologen – an diesem Tag nicht eingesetzt habe (Abb. 2).
Somit konnte unser vermeintlich auffälliger Befund in der ansonsten unauffälligen Abdomensonographie nicht mit den erhöhten Entzündungsparametern und der Abgeschlagenheit in Zusammenhang gebracht werden. Diese wurden abschliessend auf die subakute Thyreoiditis zurückgeführt und waren im Verlauf komplett regredient.
Diskussion
Die abdominale Ultraschalluntersuchung ist ein diagnostisches Tool, das zunehmend von Klinikern in Spital und Praxis zur Unterstützung der Diagnosesicherung eingesetzt wird. Wir beschreiben hier den Fall einer Patientin, bei der die transabdominale Abdomensonographie eine primär unklare zystische Läsion hinter der Blase zeigte, die schliesslich als Menstruationstasse identifiziert werden konnte.
Bei der Menstruationstasse handelt es sich um ein wiederverwendbares Hilfsmittel zum Auffangen des Menstruationsblutes. Sie besteht aus Silikon oder Gummi, ist kelch- oder trichterförmig gestaltet und wird vaginal angewendet. Kommerziell erwerbbar seit den 1930gern [1], verzeichnet sie in den letzten Jahren eine zunehmende Beliebtheit als alternatives Produkt im Umgang mit der Regelblutung, nicht zuletzt aus ökologischen Gründen (Vermeidung von Abfall). Aufgrund ihrer Form imponiert die Menstruationstasse wie eine zystische Raumforderung hinter der Blase.
In Anbetracht steigender Verbreitung in der Anwendung können Kenntnisse in Bezug auf das Produkt selbst und seine Präsentation in der Ultraschalluntersuchung dazu beitragen, unnötige Folgeuntersuchungen und Sorgen für Patientinnen zu verhindern.
Die Autoren haben keine finanziellen oder persönlichen Verbindungen im Zusammenhang mit diesem Beitrag deklariert.
Dr. med. Andrea Meienberg
Medizinische Poliklinik, Universitätspital Basel
Petersgraben 4
CH-4031 Basel
andrea.meienberg[at]usb.ch