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Kirche St. Theodul
Aus der Baugeschichte der Kirche
Der Grundstein der Kirche wurde am 2. Juli 1809 gelegt. Am 11. November 1810 weihte der Pfarrer von Menznau, Martin Hunkeler, im Auftrage des Bischofs von Konstanz, Karl Theodor, die neue Kirche feierlich ein. Der Bischof hatte als Kirchenpatron den heiligen Theodul verordnet, der im Luzerner Hinterland als volkstümlicher Wetterheiliger verehrt wird.
Den Bau errichteten die Brüder Jost und Franz Bienz aus Hasle nach dem Plan von Elogy Banz. Als Baumaterial diente der unterhalb der Kirche in der Ziberhusweid gefundene Tuffstein und Tuffsand. Der Hochaltar und ein Seitenaltar kamen aus der abgebrochenen Kirche Richenthal. Johann Achermann aus Luzern malte die neuen Altarbilder, Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Christi. Den Wiederaufbau der Kirche unter Verwendung des alten Mauerwerks im Jahre 1825 leitete Josef Händle, der Erbauer der Kirchen von Dagmersellen und Sempach.
Wesentlich verändert wurde die Kirche anlässlich der Renovation von 1910: Das Schiff wurde um fünf Bankreihen verlängert, auf der Nordseite ein dritter Eingang geschaffen und die Sakristei angebaut. Auf der vergrösserten Empore hat die Firma Goll & Cie. in Luzern die heutige Orgel eingebaut. Unter Pfarrer Leo Senn wurde die Kirche 1978/79 erneut renoviert. Viele Mitglieder der Pfarrei halfen dabei in Fronarbeit kräftig mit.
Der Dorfbrand im Jahre 1823 zerstörte die erste Innenausstattung der Kirche vollständig.
Das Äussere der Kirche
Die schlichten klassizistischen Formen passen ausgezeichnet in die Landschaft des Luzerner Hinterlandes. Das Schiff besteht aus vier Jochen, daran fügt sich der eingezogene, dreiseitig schliessende Chor. Im Norden ist der Turm, im Süden die zweigeschossige Sakristei angebaut. Alle Fenster sind stichbogig. Am Giebel ist als unterer Dreiecksschluss ein Klebedach durchgezogen. Das Vorzeichen mit den beiden toskanischen Säulen schützt das Portal. Es trägt am Rundbogen die Jahreszahl 1809.
Der Turm mit seinen Rundbogenfenstern in der Glockenstube trägt eine verschindelte Haube. Daran sind seitlich kielbogig geschweifte Zifferblattgiebel angebracht. Der Turm endet mit einem achteckigen Laternentürmchen mit einem geschweiften Spitzhelm. Die kleine Glocke des um 1945 abgebrochenen Buechäppeli hängt heute auch darin und dient als Taufglöcklein. Diese Kirchturmspitze wurde 1948 erneuert und unter Pfarrer Leo Senn im Jahre 2000 renoviert.
Aktuelle Bilder der Kirche St. Theodul.
Das Innere der Kirche
Eine erste einfache Innenausstattung ist durch den Brand von 1823 vollständig zerstört worden. Die neue, zweite Ausstattung mit schlichten klassizistischen Formen entspricht der einsamen Lage, weitab von reichen Bauerngehöften. Bis zum heutigen Tag hat die Kirche immer wieder durch Schenkungen, Ankäufe und Aufträge Ergänzungen erfahren, die sich aber letztlich doch zu einem harmonischen Ganzen fügen.
Der Raum selber ist eine bescheidene Variante des so genannten Singer-Purtschert-Schemas. Das Schiff ist eine korbbogige Tonne mit steigenden Stickkappen. Nischen bilden eine Überleitung zum ebenfalls korbbogigen Triumphbogen. Der tonnengewölbte Chor besitzt beidseitig Emporen, die konkav geschweift sind. Die Wandgliederung besteht aus flachen Lisenen. Die Hauptempore ruht auf zwei toskanischen Säulen und tritt in der Mitte leicht hervor. Der spärliche Stuck beschränkt sich auf Girlanden um die Deckenspiegel, Stabbündeleinfassung der Stichkappen und Kranzzierden an deren Spitzen.
Der klassizistische Hochaltar ist erst 1843 durch ein Mitglied der Künstlerfamilie Amberg geschaffen worden. Das Altarbild „Madonna mit Kind” stammt von Melchior Paul Deschwanden. Die im ähnlichen Stil gehaltenen Seitenaltäre kamen erst 1849 dazu. Das linke Altarbild stellt „Christus am Ölberg” dar, darüber ein Rundbild im Giebel „St. Agatha”; das rechte Altarbild die „Auferstehung Christi” und im Giebel „St. Theodul”. An den Muttergottesfesten und in den Monaten Mai und Oktober wird der linke Seitenaltar als Marienaltar geschmückt. Die herrliche Statue der Muttergottes wie auch den baldachinartigen Vorhang erhielt der Pfarrer als Geschenk.
Von den 14 Stationenbildern weiss man nur, dass sie von Pfarrer Krütlin, Geiss, geschenkt worden sind. Der Maler ist unbekannt. Sie können auch der Nazarener Malerei zugeordnet werden.
Die Denkmalpflege stufte die ursprünglichen Deckengemälde in ihrem künstlerischen Wert gering ein. Der Pfarrer wollte neue schaffen lassen, doch wurde diesem Bemühen erst nach intensivem Bemühen stattgegeben. Bei der Renovation von 1979 brachte Willi Huwiler aus Ruswil neue Deckenbilder an: Im Chor die heilige Agatha, im Schiff übergibt ein Menzberger Bergbauer dem Kirchenpatron St. Theodul die Pfarrkirche. Im Hintergrund öffnet sich die weite Napflandschaft mit der Kapelle St. Joder.
Die Kanzel aus hellem, buntem Stuckmarmor und ovaler Grundform gehört stilistisch dem späten Rokoko an. Drei Evangelisten, einer ist leider verschollen, sind auf den Kanzelbodenwulst gesetzt worden. Diese Figuren wurden vom Eremiten im St. Joder, Michael Achermann, geschaffen, der u. a. auch die Apostelfiguren der Kirche in Schüpfheim und die Fassadenstatuen der Kirche von Hergiswil geformt hat.
Der Taufstein aus schwarzem Marmor in Empire-Form, mit einer Statuette „Johannes der Täufer” bekrönt, ist von Pfarrer Clemens Zimmermann um 1894 erworben worden. Aus dieser Zeit stammt auch der Tabernakel mit dem Bild „Bruder Klaus empfängt die Heilige Kommunion”.
Als sehr wertvoll wird das Kreuz im Chorbogen eingestuft, das von der Pfarrei Richenthal 1826 geschenkt worden ist. Es dürfte aus der Wende 17./18. Jahrhundert stammen. Schon 1811 kam aus der Kapelle des heiligen Philipp Neri in Reussbühl das barocke Ewige Licht nach Menzberg, übrigens als vom Bischof von Konstanz genehmigte Transaktion.
Die erste Orgel bekam Menzberg von Langnau bei Reiden. Die Pfarrei Buttisholz schenkte dann 1832 ein weiteres Instrument. Innerhalb des alten klassizistischen Prospektes wurde 1910 von der Firma Goll & Cie. in Luzern die heutige Orgel eingebaut. Als Schmuck trägt sie Urnen und Draperien.
Turm- und Sakristeitüren im Chor sind mit prächtigen Flachschnitzereien mit Papst- und Bischofsemblemen geziert. Aus dem Kirchenschatz ist der von Pfarrer Bernhard Schnyder von Menznau geschenkte Empire-Kelch von 1810 von Bedeutung.
Aus der Bauzeit um 1825 stammt die Glocke mit Kruzifixus, Madonna, Girlanden und Blattabdrücken und der Umschrift: „Aus milden Beiträgen der Kirche Menzberg zugestellt”. Drei weitere Glocken lieferte in den 1850er Jahren Pius Muchenberger in Luzern.
Seit der Renovation von 1979 finden sich an der Rückwand der Kirche einfache, aus dem Kunsthandel erworbene Statuen der Heiligen Bruder Klaus und Antonius von Padua.
Bei dieser Restauration wurden auch der zum Volk gerichtete Zelebrationsaltar und der Verkündigungsambo neu geschaffen. Die Fassungen sämtlicher Altäre und des Ambo wurden 2001 farblich in Einklang gebracht.
Die Kirche ist klassisch schlicht und sehr harmonisch ausgestattet.
Umgebung der Kirche
Die Dorfkirche St. Theodul ist vom Friedhof umgeben, ein Sinnbild für die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten. Um 1899 wurde der Gottesacker mit einer Mauer umgeben, die heutige Form und Gestaltung erhielt er im Jahre 2001.
Den Friedhof dominiert ein grosses Kreuz mit Korpus, das anlässlich der Volksmission von 1960 errichtet wurde. Auf dem Sockel sind die Jahreszahlen der späteren Glaubenserneuerungen festgehalten. Im Bereich des Friedhofes steht auch die Abdankungshalle, die im Innern mit tröstenden Bildern und Glasmalereien des Ruswiler Künstlers Willi Huwiler aus dem Jahr 1981 ausgestattet ist.
Der Dorfbrunnen, ganz in der Nähe der Kirche vor dem Pfarrhaus, wurde 1996 zu Ehren von Pfarrer Leo Senn errichtet, der hier schon 25 Jahre als Seelsorger gewirkt hatte. Die Plastik „Der gute Hirte” stammt von Rolf Brem, den Brunnen entwarf Vitus Wey. Robert Rösli aus Wolhusenhatte hier 1967 einen Brunnen des Wetterheiligen St. Theodul geschaffen, der jetzt auf dem Friedhof einen neuen und würdigen Platz gefunden hat.
Die Abdankungshalle mit tröstenden Bildern und Glasmalereien.
Der Dorfbrunnen, zu Ehren des Pfarrers Leo Senn, steht vor dem Pfarrhaus.