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ISJP- Programm
Interreligious Studies in Japan
Rapport – Rev. Marc Horisberger
Kyoto September 2015- Saint-Légier Februar 2016
ISJP- Programm
Interreligious Studies in Japan
Rapport – Rev. Marc Horisberger
Kyoto September 2015- Saint-Légier Februar 2016
Am Anfang
Nach einer Reise mit Bahn und Flugzeug durch Russland, die Mongolei (mit der Transsibirischen Eisenbahn), China und Korea bin ich endlich am 1. September in Kyoto angekommen.
Da wurde ich von meinem Freund HAN Hyung-Mo, Dr. theol. der Universität Lausanne und ehemaligem Gemeindemitglied aus meiner Gemeinde La Tour-de-Peilz, begrüßt. Durch ihn wurden die ersten Kontakte mit Japan erheblich erleichtert.
Am nächsten Tag traf ich den Direktor des NCC (Zentrum für das Studium der japanischen Religionen), MYASHO Tetsuo Sensei und seine Assistentin für die Koordination-ISJP (Interreligious Studies in Japan Programm), TANIGUCHI Aisha. Gemeinsam fuhren wir zu Bettocho, einem Bezirk im Nordosten von Kyoto.
Ich hatte vor meiner Ankunft gebeten, ein ruhiges Zimmer zu bekommen, aber hatte nicht erwartet, ein echtes Geschenk zu erhalten: nichts weniger als eine Villa mit acht Zimmern. Selbst wenn sie ein wenig alt und ohne Komfort ist - in Kyoto, wie überall im Japan wo Einwohner in kleinen Wohnungen leben, scheint mir dieses Haus ein großer Luxus. Das Haus wird von der EAM (East Asien-Mission) zur Verfügung gestellt. Ich lernte den Leiter der EAM, Koichi Kaneko ein wenig später kennen. Nun noch ein vernünftiges Fahrrad gekauft, um von Bettocho zum NCC Center zu kommen, und einige Küchenutensilien... und ich war installiert.
Eher bereit, Kyoto zu verlassen, da der Unterricht im NCC erst am 21. September begann. Mit Ulrike Schneider-Harprecht, einer Pfarrerin, die ebenfalls am ISJP-Programm teilnimmt, hatten wir die Möglichkeit, die Region Tōhoku mit Sabine Kluger zu besuchen. Sie ist als Pastorin verantwortlich für die Programme der EMS-Mission im vom verheerenden Tsunami vom 11. März 2011 betroffenen Bereich im Norden Japans. Eine bereichernde Reise, auf der wir Landschaften, Situationen und Personen entdecken durften.
Mein JR-Rail Pass erlaubte mir, mich von Norden nach Süden zu bewegen und Entdeckungen auf der Insel Kyūshū, Kagoshima, zu machen, die die ersten portugiesischen Priester sah, und Nagasaki, die Stadt der christlichen Märtyrer, die noch am 6.08.1945 das Feuer der Atombombe kennt.
Zurück in Kyoto traf ich Luca Bergfelder, Richard Jamieson und Anna Seifullina, drei Jugendliche des Teams, das wuchs. Mit Meng Suan Lee, Ingenieur von Singapur, startete dann der Japanisch Unterricht.
Es war ein Zehn-Tages-Kurs, gelehrt von Aisha Taniguchi, brillante Lehrerin, die mein armes Gehirn quälte (im guten Sinn!). Diesmal nicht mehr Urlaub.
In diesem Bericht möchte ich einfach die verschiedenen Elemente aufführen, die in meinem Motivationsschreiben und Lebenslauf vorkamen, und sehen, ob das, was ich in diesem Projekt vorgeschlagen hatte, dem entspricht, was ich hier in Japan erlebte.
Unterbrechung des Alltags
Es gibt keinen Zweifel, der Aufenthalt in Japan erfüllt dieses Ziel voll und ganz. Dieses Land, das keinem anderen ähnelt, bietet diese Unterbrechung des Alltäglichen, das Fremdsein bringt den Geist auf neue Ideen.
Es wird gesagt, dass Japan aus 6852 Inseln - die bei Hochwasser einen Umfang von mindestens 100 m2 besitzen - insgesamt besteht. Japan ist ein Archipel und dies gilt in vielen möglichen Bereichen.
Man könnte von einem sprachlichen Archipel sprechen, wenn wir die Vielfalt und Komplexität, die mit seiner Sprache beginnt, betrachten: vier Schreib-Systeme - und dabei ist es vermutlich nicht geendet - denn wir haben immer das Recht, Neues zu erfinden.
Ein Archipel von Geschmack auch, und ich habe ihn oberflächlich untersucht, weil die Möglichkeiten zur Transformation der Samen, Gemüse und Obst sind endlos, besonders, wenn man an den Reis und die Bohnen denkt.
Und noch konnte man von der Schönheit dieser Inseln namens Gärten sprechen. Große und manchmal sehr kleine Inseln in der Mitte einer Landschaft durch chaotische Urbanisierung verwüstet.
«In Kyoto, wer wirft einen Stein, geht das Risiko ein, einen Lehrer zu verletzen». Dieser Spruch ist mehr als realistisch! So können wir noch von einem Universitätsarchipel sprechen. Allein in Kyoto, gibt es 37 Universitäten. Und man spricht hier nicht von Gymnasien, privaten oder geschäftlichen Instituten, wegen die Universitäten von Städten wie Osaka, Kobe oder Nagoya, die mit Kyoto fast eine einzige Agglomeration bilden.
Aber Japan ist vor allem ein religiöser Archipel mit seinen Dutzenden von Religionen, ihren Hunderten von Sekten und seinen 24.000 (andere Quelle sagen mehr als 60'000) religiösen Bewegungen.
In Japan erscheinen jeden Tag neue Inseln in denen industrielle, künstlerische, kulinarische, sportliche oder religiöse Bereiche vorhanden sind.
In all diesen Bereichen, sind die Japaner und selbst die Götter aus diesem Land auf der Suche nach dem, was noch nicht ans Licht gekommen ist, noch nicht getan, gesagt ist - und nichts ist verboten.
Aber dieses so moderne, so erfindungsreiche Japan an der Spitze der Wissenschaft und Technik kümmert sich um seine Wurzeln und seine Kamis ebenso wie um die neuesten futuristischen und phantastischen Roboter. Japan ist ein Land der Extreme, wo das neueste Smartphone, das der letzte Schrei ist, an ein Amulett stößt, das von der Urahnin geerbt wurde.
Eine ganz unbekannte Kultur kennenlernen
Auch hier hat Japan meine Erwartungen erfüllt. Neben Mut, Fanatismus und Grausamkeit seiner Soldaten während des zweiten Weltkrieges und die Einzigartigkeit seiner Züge mit hoher Geschwindigkeit, seinen Autos und seinen Kameras wusste ich nichts von diesem Land, seiner Geschichte und seinen Gedanken - oder so wenig. Ich habe entdeckt, dass die Menschen hier aufmerksam sind, aber nicht gläubig, denn 80 % der Japaner sagen, sie hätten keine Religion. 107 Millionen sind einem Shinto-Schrein verbunden und 91 Mio. einem buddhistischen Tempel, während die Gesamtbevölkerung doch nur aus 127 Millionen Menschen beträgt.
Hier ist Religion eine Praxis, ein Brauch, bevor sie in einen Glauben, der sich in Worten, einer Institution oder einem Lehr-System verschanzt, ausgedrückt wird. Daher können die Menschen Rituale ausüben ohne Glauben zu haben, und man kann eifrig die komplexeste buddhistische Lehre studieren ohne den Glauben an Gott Doktrinen zu widmen. Das bringt einen zum Nachdenken.
Akademische Kontakte mit Studierenden aus dem asiatischen Raum
Dass das NCC umfangreiche Erfahrung auf diesem Gebiet hat, war spürbar. Interreligiöser Dialog ist nur möglich, wenn die, die eine Religion ausüben, dann über sie reden. So waren unsere Lehrer ausgewählt: Priester, Pfarrer, Mönche oder Laien, Christen und Angehörige anderer Religionen. Ohne die akademischen Fähigkeiten zu vernachlässigen, war es ihre Zugehörigkeit zu verschiedenen japanischen Religionen, die einen echten Dialog ergaben.
Ich genoss die Atmosphäre der Offenheit und Offenherzigkeit, offene Fragen und offen sein für Fragen, nicht nur der Lehrer, sondern auch der Teilnehmer des Programms ISJP, junge wie auch ältere.
Dieser Dialog beschränkt sich nicht auf Diskussionen mit den Professoren, er kam sondern auch an verschiedenen Orten bei Treffen mit Studenten an Universitäten oder buddhistischen Seminaren in Kyoto vor.
Beispielsweise haben wir die Arbeit der Seelsorger in Europa den Studenten der Ryūkoku Universität vorgestellt. Vor zwei Jahren hat diese buddhistische Universität einen Lehrstuhl für "praktische und soziale" Theologie nach den Ereignissen des 11. März 2011 - der Tsunami, die der Tōhoku verwüstet - eröffnet. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines "Soziale Handelns" führte diese alte und berühmte Universität zum Nachdenken über die Frage des Zusammenhangs zwischen Bildung und buddhistische Praxis und die "Präsenz in der Welt" in Notsituationen.
Mit Freundlichkeit haben wir einen echten Dialog über unseren Glauben und unsere religiöse Praktik geführt. Ein echtes Bad der Jugend für den alten Pfarrer, der näher vor dem Ruhestand als der Zeit seines Studiums ist.
Praktische Kontakte mit den lokalen Kirchen
Ich hatte das Vergnügen, ein wenig am Leben der Kirche in Korea und Kyoto teilzunehmen, aber der erste Teil meines Aufenthaltes war vor allem dem Unterricht und dem Studium gewidmet.
Zum Glück werde ich am Ende meines Aufenthalts Zeit widmen, um weitere Treffen mit japanischen und koreanischen Pastoren und Christen, und damit mein Wissen über das Leben der Kirche in Japan und in Asien, zu vertiefen.
In Dezember war ich ein paar Tage bei meinen japanischen Freunden, Izumi und Mikiko Kondo, Baptist Pfarrer, in Nasu, nördlich von Tokio.
In Tokyo selbst, haben wir mehrere Pfarrer getroffen und auch ein Weihnachtsfest zusammen gefeiert in dem - von der East Asia Mission -Tomisaka Center.
In Kamakura haben uns einige Kollege durch die Stadt geführt und wir haben zusammen ein sehr gutes Feierabendessen geteilt.
Mit meiner Frau und vier unseren Kindern, werden wir eine unvergessliche Weihnacht in Hiroshima verbringen. Der World Friendship Center wird durch zwei Freiwilligen aus der kleinen amerikanischen pazifisten Kirche « Brethren Church » verwaltet. Dank Maggie und Bernd Phoenix konnten wir am Weihnachtsmorgen mit Sadae KASAOKA, einer Hibakusha (Überlebende Opfer der Atombombe), verbringen, die uns eine starke Botschaft des Friedens übermittelte.
Im Januar haben mich drei Freunde in meiner Entdeckung des Christentums in Asien geleitet. Dr. Hyung-Mo HAN, von dem ich bereits gesprochen habe hat mich in verschiedenen Sitzungen und Besuche lokaler Kirchen eingeführt. Dr. Fujiko KOHATA, Mitglied der Mukyōkai in Osaka hat mich auch eingeladen mit ihr diese Bewegung kennenzulernen.
Meng Suan LEE, mein Kollege vom Studium zu den NCC, gab mir die Gelegenheit, Kirche und „Bible College“ in Singapur zu besuchen.
Auch wenn in Japan Protestanten mit wenigen Ausnahmen vor allem nur eine Kirche, die Nihon Kirisuto Kyōdan bilden, erfuhr ich, dass es in der Tat drei Arten von Kirchen in Asien gibt: die « Singing Church », „singenden Kirche“, wie die aus Taiwan Kirche, die « Praying Church », "betenden Kirche", wie die aus Korea und die « Thinking Church », „denkende Kirche“, die von Japan. Ehrlich gesagt die Formel gefällt mir gut, und es erleuchtet auch mein Verständnis unserer Kirchen in Europa.
Aber Scherz beiseite, Christentum in Asien hat unterschiedlich viel Glück/ verschiedene Schicksale; und die 1 % Christen in Japan sind eine Minderheit, die außerdem lange verfolgt worden ist. Es ist, meiner Meinung nach, die Grundlage der Legitimität eines Zentrums wie der NCC – „Center fort he Study of Japanese Religions“ in Kyoto. Mit seiner Geschichte und seiner Offenheit gegenüber anderen Religionen trägt es wahrscheinlich in einer wesentlichen Weise zum Christentum in Asien und in der Welt des 21. Jahrhunderts
Entdecken,
wie der interreligiöse Dialog im asiatischen Raum geführt wird
Ein Schwerpunkt des Programms ISJP ist der Unterricht über japanische Religionen, hauptsächlich Buddhismus, Shinto und Shinshūkyō (neue Religionen).
Mit Professor Tomomasa TERAMOTO aus der buddhistischen Ryūkoku Universität, werden wir die Tannishō von Shinran (der japanische buddhistische Luther!) lesen. Diese Lesung wird uns helfen, eine Reihe von buddhistischen Begriffen zu identifizieren (den Nembutsu, Amida Buddha usw.) und zu sehen, wie Shinran die Praxis der Jōdo-Shinshū entwickeln hat.
Mit Professor Michael Conway werden wir die Geschichte der Entwicklung der dreizehn esoterischen und exoterischen Schulen des japanischen Buddhismus, und die zentralen Begriffe des Mahayana, entdecken.
Yokei ICHIKAWA, Jōdo shū Priester und Professor und Thomas Kirchner, Zen buddhistischer Mönch amerikanischer Herkunft, werden diesen Ansatz mit ihren Kursen, Exkursionen und der Lehre der Praxis des Zen-Meditation ergänzen. Durch die Einladung von Professor Detlev Schauwecker haben wir den Buddhistischer Priester Naka-san in seinem Tempel in Goma getroffen. Seine ungewöhnliche Ausstrahlung lehrte mir zu allen Zeiten "zen" zu bleiben.
Der Besuch vieler Tempel und buddhistischen Stätten in Kyoto, Nara, Uji, Koya San, Kumano Kodo, Miyajima (Hiroshima), Nikko und Kamakura (im Süden Tokyo) erlaubten mir noch, "Wissen" und "praktischen" Buddhist einander zu verbinden.
Interreligiöser Dialog beschränkt sich aber nicht auf Diskussionen mit Lehrern, die die akademischen Kurse gaben. Da dauert es, bis alles verarbeitet ist, aber der Dialog findet auch während verschiedener Treffen mit Studenten an Universitäten oder buddhistischen Seminaren in Kyoto statt. Besuche im Hauptquartier von drei "neuen Religionen ("Tenrikyō in Tenri, Ōmoto in Ayabe und Kameoka und Risshō Kōsei Kai in Tokyo), werden auch mein Verständnis vertiefen.
Schließlich war da noch der Kurs «Theologie in Dialog» mit David Wider, Professor für christliche Theologie, der hinzugefügt wurde, um diesen Ansatz zum interreligiösen Dialog durch das Lesen und die vergleichende Untersuchung der biblischen und buddhistischen Texte rund um die zentralen theologischen Themen zu vertiefen.
Beginnend mit der ersten Begegnung zwischen Buddhismus und Westlichen Denkens (griechischer Philosophie und Christentum) und zurückgehend in der Zeit, versuchte David Wider uns zu dem Problem der Begegnung zwischen den Religionen und Kultur und den gegenseitigen Einfluss, den sie auf einander haben können, wenn sie in Beziehung treten, zu öffnen.
Laut David Wider sind wir heute aus der Vergleichsstudie der Religionen zu einem Dialog zwischen den Religionen (einschließlich der atheistische Philosophien) übergegangen.
Das erste Problem ist, die zunächst angenommene Haltung: Welche Ansätze haben wir, wenn wir in dem interreligiösen Dialog eintreten?
Haben wir eine exklusive, inklusive, pluralistische Haltung? … David Wider spricht noch von einem vierten Ansatz, dem wir noch kritisch gegenüberstehen!!
Wenn er zusammen unterschiedliche Theologien im Dialog bringt, zeigte uns David Wider die Schwierigkeiten des Dialogs. Zusätzlich zu den oben genannten Haltungen, entdecken wir, dass zwischen Christentum und Buddhismus und verschiedenen anderen Doktrinen oder Konzepten die Religionen nicht alle von den gleichen Themen sprechen. Im Buddhismus ist beispielsweise das Konzept eines Schöpfer-Gottes sonst unbekannte aus weniger irrelevant, genau wie das von einem persönlichen Gott (Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs).
Also, wenn wir in den interreligiösen Dialog eintreten, entdecken wir nicht nur die Punkte der Kontakte, sondern auch die Grenzen, die durch das Denken, die Kultur oder einfach die Sprache in denen die Religion ausgedrückt stammen. Es ist das bekannte Problem der «Traduttore, Traditore» (der Übersetzer ist ein Verräter)!
Wer in das Abenteuer des interreligiösen Dialogs eintreten will, der muss wahrscheinlich zunächst die Legitimität "religiösen Erfahrung" der Anderen erkennen, und dann anders zu denken lernen. Er muss sich zu der Sprache, der Geschichte, dem Kultur, dem Gedanken, der Kunst usw. öffnen in denen sich diese "andere Religion" ausdrückt.
Dann muss er von diesen Brücken oder Herausforderungen der heutigen Zeit, zusammen eine Rede und Aktivitäten bauen, die uns ein grundlegendes gemeinsames Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Umweltschütz bringt.
Interreligiöser Dialog ist zweifellos eine Herausforderung.
Persönliche Herausforderung, da die betroffenen Religionen, nach meinem Glauben und meiner religiösen Praxis fragen.
Herausforderung für die Religionen, die gefragt sind auf ihre Fähigkeit, ihre Besonderheit zu behalten auch beim Akzeptieren eines Pluralismus oder kritischer Haltung.
Herausforderung für die politische Welt. Es wäre falsch für unsere Politiker zu glauben, dass Religion nur "Privat" ist, und nicht zu sehen, dass ihre Krankheiten eine tödliche Gefahr für alle darstellen kann.
Mein Aufenthalt in Japan, der Kontakt mit David Wider sowie anderen Lehrer und unzähligen Diskussionen zwischen Schülern und Kollegen verschiedener Glaubensrichtungen und Religionen haben mich in meinem Denken über den interreligiösen Dialog viel bereichert.
Die "Field Trips".
Exkursionen und angeleitete Feldarbeit in Begleitung von Lehrern waren bereichernd. Ich habe bereits vom 'field trip’ nach Tenri (Professor Okada) und Ayabe und Kameoka zu Ōmoto (mit Prof.es Tanaka und Yano) gesprochen. Professor Ichikawa, Buddhist Priester, begleitete uns auch auf verschiedenen Exkursionen in und um Kyoto. Zuletzt sollten wir ganz besonders die extreme Bereitschaft von Professor Peter Knecht festhalten, der als emeritierter Anthropologe der Universität von Nagoya uns ermöglichte, mehr zu entdecken, wie das rätselhafte Shinto funktioniert.
Was an diesem Japan-Aufenthalt bewegt mich noch, hat mich verändert?
Zum Abschluss dieses Berichts, ist es notwendig mich zu fragen ob mein Verständnis von Gott, Religion, Glaube oder Kirche sich verändert oder entwickelt hat? Ohne Zweifel. Aber es braucht Zeit, um alles zu prüfen: die vorgetragenen Konzepte und Ideen, die angeschnittenen Themen, die angewendeten Methoden.
Aber die Präsentation von Roger Munsi, Kongolesen Professor für Anthropologie aus der Nanzan Universität in Nagoya hat mich herausgefordet. Er hat seine Doktorarbeit - auf japanisch - über den Kakure Kirishitan (verborgene Christen) geschrieben.
Diese Gemeinschaft von Christen aus kleiner Inseln im Süden der japanische Archipel hat im Rahmen der Verfolgung und Isolierung seinen Glauben kultiviert und übermittelt während mehr als 250 Jahren. Ohne Bibel, manchmal ohne andere schriftliche Texten, ohne Priester und ohne Beziehung auf andere Christen.
Manche von diesen Kakure Kirishitan bekennen sich heute nicht zur Kirche und wollen sich nicht dazu beziehen, obwohl es kein Hindernis mehr gibt. Die katholische Kirche will auch kaum diese Christen ohne andere erkennen.
Diese außergewöhnliche Situation möchte ich hervorheben, die Frage der kirchlichen Verbindung, von der Notwendigkeit der Ökumene unter den Christen der verschiedenen Konfessionen und dem Dialog zwischen den Religionen.
Die Studie des Einzelfalls von den Kakure Kirishitan scheint mir eindeutig nachzuweisen, dass wir mit denen, die unseren Glauben teilen oder andere Pfade folgen Verbindungen knüpft müssen und dass wir im Dialog mit den anderen bleiben müssen.
Um meinen Glauben auszudrücken, ist es notwendig anderen Gläubigen, die Gläubigen anderer Religionen und sogar Nichtchristen zu treffen. Dies trifft auf individueller Ebene, sondern auch auf institutioneller Ebene.
Was wäre denn mein Glaube, und der Glaube der Kirche ohne Austausch, ohne Widerstand, ohne Konfrontation auf lange Sicht??
Um meinen Glaube anzupassen und zu vertiefen soll ich einen beständigen, mutigen, respektvollen Dialog der Unterschiede mit demjenigen führen, der in einer anderen religiösen Dimension lebt.
So können wir eine persönliche und institutionelle spirituelle Identität in einem Pluralismus der die Unterschiede nicht nivelliert schmieden.
So können wir die spirituellen Erfahrungen jedes einzelnen und das Rätsel um ein "Deus Absconditus" von einem verborgenen Gott respektieren.
Durch die Erlernung der japanischen Sprache, das Studium der mehr oder weniger glücklichen Begegnung des Christentums und der asiatischen Religionen und der Ansatz des japanischen Buddhismus sind in mir viele Arten von Reflexionen über Glauben, meinen Glauben, entstanden.
Wie in einer anderen Kultur, in einer anderen Sprachstruktur, in einem anderen religiösen denken? Was dies in mir bewirkt, wenn ich Leute, mit Überzeugung von ihrer spirituellen Erfahrung sprechen höre?
Ich habe die Überzeugung in mir verstärkt, dass man nur im Verhältnis zu anderen sich selbst verstehen kann, einschließlich zu deren, die ich die gleichen Quellen teilen.
Durch das Lernen über den Glauben eines Anderen lerne ich, meinen besser zu verstehen und zu vertiefen. Ich weiß aber, dass ich das Risiko ein "Ketzer" zu werden eingehe, weil es möglich sein wird, dass ich im Dialog eine Wahrheit der Anderen entdecken werde, die mich ändern kann.
Interreligiöser Dialog, die Öffnung für das Verständnis einer anderen Religion gilt manchmal als eine Bedrohung des Glaubens in unseren kirchlichen Gemeinden. Ich bin aber überzeugt, dass das Durchführen eines interreligiösen Dialogs mit Sorgfalt und Respekt für den Anderen, eine Chance für all jene ist, die ihn ausüben wird und heute mehr denn je wahrscheinlich eine Voraussetzung und Herausforderung ist.
Das ist es, was von meinen Aufenthalt im "Land der Götter" weiterhin in mir vertiefen wird.
Marc Horisberger, April 2016