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Früher war Glion ein stiller und unbekannter Erdenwinkel, der noch ums Jahr 1850 blos ein einziges kleines
Gasthaus, die Auberge du Chamois, aufzuweisen hatte. Heute belegt man Glion mit dem tönenden Namen des Waadtländer Rigi, der
wie alle von der Reklame erfundenen Bezeichnungen übertrieben ist. Obwohl die Aussicht von Glion mit der des Rigi gar nichts
gemein hat, ist sie in ihrer Art doch nicht weniger bemerkenswert. Eugen Rambert vergleicht sie mit derjenigen
der Terrasse vor der Kirche von Montreux, vor der sie aber den Vorzug voraus habe, dass sie von 250 m höher oben genommen
sei und daher die tieferen Berghänge beherrsche, steil in den spiegelnden See hinabtauche und auch noch die in ihrem kühnen
Reiz schon an die Gebirgsgegenden erinnernden ersten Vorhöhen über dem See umfasse.
Glion ist jetzt einer der besuchtesten Kur- und Touristenorte der Gegend von Montreux und weist zahlreiche Gasthöfe und Pensionen
auf. Um den Zugang zu diesem glänzenden Punkt jedermann zu ermöglichen, hat man 1883 die in gerader Linie von
Territet nach Glion hinaufführende Drahtseilbahn eröffnet, die vom Ingenieur Riggenbach aus Olten erbaut worden ist und mit
einer Maximalsteigung von 57% einen Höhenunterschied von 304 m überwindet. Daran schliesst sich in Glion die mit Dampf
betriebene Zahnradbahn Glion-Naye an.
Am Weg Glion-LesAvants steht jenseits des Pont Bridel rechterhand ein bescheidenes Landhaus, das von seinem
Besitzer Michel Mamin 1779 den «Armen der ganzen Welt» vermacht worden ist. In seinem Testament hat der Erblasser bestimmt,
dass der Ertrag des Gutes nach dem Tode seiner Frau von dem Bürgermeister der Gemeinde an die bedürftigsten Armen ohne Unterschied
der Heimat, des Glaubens oder Alters eigenhändig verteilt werden solle. Das Gut steht noch heute unter
der Verwaltung der Gemeinde Les Planches, die von seinem etwa 350 Franken abwerfenden jährlichen Ertrag jedem durchreisenden
Armen eine Unterstützung zukommen lässt. In geologischer Hinsicht steht Glion in einer fossilarmen Liasmulde, die orographisch
eine Schulter des Kammes von Caux darstellt. An der Basis der sehr steil abfallenden untern Liaskalke stehen
Rät und Trias an, die wahrscheinlich auf Flysch und einzelne
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Fetzen von oberem Lias überschoben sind. Da der das Dorf tragende Rücken zu oberst aus den leicht verwitterbaren Schiefern
des obern Lias besteht, weist er sanft gerundete Umrisse auf und bildet einen auffallenden Gegensatz zu den schroffen Formen
seiner tiefern Unterlage. In tektonischer Hinsicht entspricht der Rücken von Glion dem Molésonmassiv.
Sein Sockel aus unterm Lias geht übrigens weiterhin unmittelbar in die Nische des MontCully über. S. diesen Art.