Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03166.jsonl.gz/3196

Da es wirtschaftlich auf den pazifischen Inseln nichts zu holen gab, wandte sich die VOC Richtung Japan. Die 100 Jahre von 1540 bis 1640 können als die hundert Schlüsseljahre für die Meere rund um Japan bezeichnet werden. Portugiesische Händler aus Macao, Jesuitenprieser aus Goa, holländische Händler aus Batavia, chinesische und vietnamesische Seefahrer, Tribute aus dem Königreich der Ryukyus, Konflikte um Korea und die spanischen Überfälle auf die Philippinen: all diese Geschichten drehten sich um Austausch zwischen Kulturen, um Aneignung und Abwehr, Vermischung und Verschmelzung. (S. 89)
Vietnam war geteilt zwischen dem Machbereich der Trinh im Norden und der Nguyen im Süden, Nagasaki auf Kyushu wurde zur Eintrittspforte für frühe portugiesische Händler, japanische Piraten griffen immer wieder die Ming-Häfen an, so dass diese schliesslich für japanische Schiffe geschlossen wurden, was wiederum Zwischenhändlern aus anderen Ländern Chancen gab. Die Portugiesen hatten sich im Perlfluss-Delta in China festgesetzt und wurden dort in Macao von den Chinesen offiziell akzeptiert. Bald gelang es ihnen, das Monopol für den Handel zwischen Macao und Nagasaki zu erlangen, sie waren die ersten, die Feuerwaffen in das im Bürgerkrieg liegende Japan brachten.
Für manche Japaner, die sich von den privilegierten buddhistischen Klöstern unterdrückt sahen, war der Katholizismus durchaus willkommen, 1563 konvertierte der Daimyo Sumitada und konnte so mit portugiesischer Hilfe seine Widersacher fast zwei Jahrzehnte in Schach halten. Als er sich weiter bedroht fühlte, schenkte er Nagasaki den portugiesischen Jesuiten.
Das Chaos der kämpfenden Reiche in Japan wurde bis 1640 durch die drei aufeinander folgenden Reichseiniger Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu behoben. Toyotomi Hideyoshi verbot die Praktizierung des Katholizismus – einerseits fürchtet er die Jesuiten wegen ihrern Kriegsschiffen, vor allem sah er eine innenpolitische Gefahr, falls Hunderttausende Japaner einem fremden Glauben folgen sollten.
Nach der Einigung wandte sich Hideyoshi Korea zu, wo die seit 1392 die Choson-Dynastie an der Macht war und sich durch die konfuzianische Erziehung und eine funktionierende Bürokratie und Landwirtschaft auszeichnete. Unter König Sejong wurde das Alphabet Hangul geschaffen, das aber von den privilegierten Klassen abgelehnt wurde. Hideyoshi startete den von 1592 – 1598 dauernden Imjin-Krieg und wollte den Einfluss der Ming ersetzen und die Beute an seine Samurai-Armeen verteilen (S. 95). Admiral Yi Sun-shin mit seinen «Schildkrötenbooten» besiegte die japanischen Eindringlinge aber mehrmals, so dass sie schliesslich zum Rückzug gezwungen wurden. (Vgl. Reiseblogeinträge zu Seoul und die Blogeinträge zur Geschichte Koreas und zu Nagasaki)
Auch wenn es Japan nicht gelang, so die Kontrolle über Ostasien zu erlangen, verschleppte es doch ein grosse Anzahl von Töpfern und anderen Kunsthandwerkern nach Japan, wo ein neuer Keramikstil entstand. (Vgl. z.B. Wikipedia en zur Karatsu Keramik). Aus dem kaolinreiche Ton wurde Porzellan gebrannt, das mit kobaltblauen Glasuren versehen zu einem wichtigen und verbreiteten Exportgut wurde.
In die Zeit der Imjin-Kriege file auch die Havarie einer Spanischen Galeone vor der japanischen Küste. Ein Mitglied der Besatzung prahlte damit, die Spanier würden Japan bald einnehmen, was zur Kreuzigung von 26 Christen in Nagasaki führte – sie werden heute noch als Martyrer angesehen.
1609 fiel das Inselkönigreich der Ryukyus unter japanische Dominanz, 1879 würde es als Okinawa ganz Japan einverleibt werden. Vorerst wurde es durch den Satsuma-Clan kontrolliert, entrichtete wegen der guten Handelsmöglichkeiten aber weiterhin auch an China Tribut.
Weil die VOC im Gegensatz zu Portugal nicht missionieren, wollte, entschied sich das Shogunat, auf Hirado eine holländische Faktorei zuzulassen, die schnell zur Konkurrenz für Portugiesen und Spanier wurde. 1633 und 1639 wurden dann die Sakoku-Edikte erlassen, Japan schloss sich – immer unter Wahrung eines Fensters in die übrige Welt – weitgehend ab, Japaner durften nicht mehr ausreisen und auch nicht mehr nach Japan zurückkehren. Der Handel und ein gewisser Informationsfluss wurde von den nun auf die künstliche Insel Deshima vor Nagasaki eingeschränkten Holländer und die Chinesen, die ebenfalls in Nagasaki ein Stadtviertel zugewiesen bekamen, sichergestellt. Das Christentum wurde blutig ausgemerzt, die Portugiesen zogen sich nach Macao, die Spanier nach Manila zurück.