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One-Way-Ticket in die USA: Chanel lebt ihren Traum in Colorado
Sie lebt das Leben eines Cowgirls in einer Kulisse wie im Wilden Westen: Chanel aus Eichberg arbeitet seit vier Jahren auf einer Ranch in Fruita, Colorado. Sie unternimmt täglich Ausritte mit Gästen und sorgt für 32 Pferde. Von der strengen, aber erfüllenden Arbeit erzählt sie im Interview.
Name: Chanel Alter: 22 Wohnort: Colorado (Aufgewachsen in Eichberg) Beruf: «head wrangler» (Viehtreiberin)
Wieso bist du in die USA gezogen?
Als ich fünfzehn war, begann ich mit der Ausbildung an der «Swiss School of Tourism and Hospitality» in Passugg. Teil davon war ein dreimonatiges Praktikum. Es war schon immer mein Traum, auf einer Ranch zu arbeiten. So fand ich einen Platz auf einer Gäste-Ranch in Colorado. Als die drei Monate vorbei waren, musste ich zurück in die Schweiz, um die Schule zu beenden. Danach zog es mich direkt zurück in die USA, um mit Pferden zu arbeiten.
Wieso hast du dich für Colorado entschieden?
Die Landschaft und das Klima in diesem Bundesstaat sind einzigartig. Ich wohne im Westen von Colorado. Zur Grenze nach Utah sind es nur etwa 25 Kilometer. Hier sind Pferde kein Luxusgut, sondern auch Arbeitstiere. Zum Beispiel werden Kühe mit Hilfe von Pferden von einer Weide zur nächsten getrieben – genau so, wie man es aus Western-Filmen kennt.
Wo wohnst du in Colorado?
Ich lebe im Haus meiner ehemaligen Chefin in Fruita, mit ihren sieben Pferden, meinem Hund und meinem eigenen Pferd. Meine Ex-Chefin wohnt nicht mehr hier, da sie ein Job-Angebot, drei Stunden von hier entfernt, erhalten hat. Sie liebt ihre Pferde, konnte sie aber nicht mitnehmen. Deshalb darf ich im Haus wohnen und versorge dafür ihre Tiere.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Ich stehe um sechs Uhr auf, füttere meinen Hund und die acht Pferde zu Hause. Danach fahre ich fünf Minuten zur Arbeit. Dort sattle ich die Pferde für die Gäste. Wenn alle im Sattel sitzen, reiten wir in Gruppen von vier bis acht Personen aus. Ein Ausritt dauert ein bis zwei Stunden. Danach erscheint die nächste Reisegruppe. Zurück im Stall sattle ich alle Pferde ab, wasche und verarzte sie wenn nötig und miste den Stall aus. Dann geht’s zurück nach Hause, um das Feld zu wässern, die Koppel zu misten, die Pferde zu füttern und alles was dazugehört. Manchmal kommt es vor, dass Gäste einen Ausritt bei Sonnenuntergang wünschen. Dann gibt es einen zusätzlichen Abendeinsatz.
Fühlst du dich manchmal einsam?
Nein, ich bin den ganzen Tag unter Menschen und bin froh um die Zeit, die ich alleine verbringe.
Bleibt Zeit für Freizeit bei so viel Arbeit?
Nein, im Sommer nicht wirklich. Die Saison dauert von Mai bis September. In dieser Zeit bin ich praktisch immer auf der Ranch. Im Winter arbeite ich etwas weniger und habe mehr freie Zeit.
Du bist für 32 Pferde verantwortlich. Wie gehst du mit so viel Verantwortung um?
An manchen Tagen kann es wirklich anstrengend sein. Als Ausgleich versuche ich so oft wie möglich in die Berge zu verschwinden, mein Handy auf Flugmodus zu stellen und einfach abzuschalten.
Was ist das Beste an deinem Job auf der Ranch?
Meine Pferde! Sie sind wahnsinnig geduldig mit den unterschiedlichsten Gästen. Sie arbeiten hart im Sommer– dafür haben sie den ganzen Winter frei.
Was magst du nicht an deiner Arbeit?
Nervenaufreibende Gäste, die nicht zuhören und nicht befolgen, was ich ihnen sage. Manche buchen Ausritte an unglaublich heissen Tagen und verstehen nicht, wenn wir Pausen einlegen müssen.
Hast du manchmal Heimweh?
Nicht wirklich. Ich vermisse zwar das Essen, das politische System und natürlich meine Familie und Freunde in der Schweiz. Doch das Leben hier erfüllt mich voll und ganz und ich könnte es mir nicht mehr vorstellen, ohne meinen Hund und mein Pferd zu sein.
Wie oft siehst du deine Familie und Freunde in der Schweiz?
Ich versuche einmal im Jahr meine Familie zu besuchen. Zuletzt war ich im April 2019 in der Schweiz. Eigentlich hätten meine Eltern dieses Jahr über Ostern zu mir kommen sollen, aber wegen der Einreisebeschränkung ging das nicht.
Möchtest du für längere Zeit in den USA bleiben?
Durchaus. Denn momentan kann ich es mir nicht vorstellen, wieder in die Schweiz zurück zu ziehen. Aber man weiss nie, was die Zukunft bringt.