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Das Dufour-Schulhaus / L' école Dufour II 1818-1827
Das erste Bieler Gymnasium / Le premier gymnase biennoise 1817 - 1836
1815 wurden der Jura und Biel ein Teil des Kantons Bern. die Vereinigungsurkunde sah die Schaffung eines Gymnasiums für den neuen französischsprachigen Kantonsteil
vor. In Biel reagierte man schnell. Bereits 1817 eröffnete man das neue Gymnasium in den Räumen der Burgerschule an der Untergasse 8, und schon 1818 fand es seinen Sitz im ehemaligen
Klostergebäude, während man das Spital in die Untergasse 45 verlegte. 1836 degradierte die Berner Regierung das Bieler Gymnasium zum Progymnasium und damit wurde das ehemalige Johanniterkloster
nun auch Sitz anderer Schulen. *4
En 1815, le Jura et Bienne furent attribués au canton de Berne. L’acte de réunion prévoyait la création d’un gymnase pour la nouvelle partie francophone du canton. À
Bienne, on réagit rapidement à la question de l’implantation du gymnase et, en 1817, la ville inaugurait un nouveau gymnase dans les locaux de l’école des bourgeois à la rue Basse 8. En 1818, le
gymnase avait déjà son siège dans l’ancien couvent et l’hôpital dut être transféré à la rue Basse 45. En 1836 le gouvernement bernois, dans la foulée, dégrada le gymnase de Bienne qui devenait
ainsi le progymnase. Quant à l’ancienne commanderie de l’ordre de Saint-Jean de Jérusalem, elle devint le siège d’autres écoles. *4
Vorgeschichte / Avant-propos
Ein Gymnasium für Biel
Der Wiener Kongress beschloss am 20. März 1815 die Vereinigung des ehemaligen Bistums Basel und der Stadt Biel mit dem Kanton Bern, dessen Territorium unter den Stürmen der Revolution arg zusammengeschmolzen ist. Die eidgenössische Tagsatzung tritt am 27. Mai des gleichen Jahres der Erklärung des Wiener Kongresses bei, und kurz darauf geschah in Biel die Verurkundung dieses Staatsabkommens durch eine von beiden interessierten Parteien zu gleichen Teilen bestellte Kommission. In Artikel 12 der Vereinigungsurkunde versprach die Regierung von Bern, nachdem sie den katholischen Landesgegenden den Fort-bestand ihrer Schulanstalten zugesichert hatte, auf Mittel und Wege bedacht zu sein, die Studien der jungen Geistlichen des Bistums Basel, die sich zur reformierten Religion bekennen, zu erleichtern; diejenigen, die ihre Studien in Bern machen würden, sollten an den von der Regierung errichteten Alumnaten und andern akademischen Benefizien teil haben, wie die Angehörigen des alten Kantonsteils. Für das Schulwesen bedeutete dies gemäss Urkunde: In den Gemeinden, welche die gedachten (katholischen) Kirchhören bilden, sollen sich die Lehrer und Professoren der öffentlichen Schulen zu der katholischen Religion bekennen. Der Schulunterricht wird nur noch den katholischen Lehrern überantwortet. Biel besass aber eine Anzahl Magistraten, die aus dem allgemein gehaltenen Passus bestimmte Folgerungen zu ziehen verstanden, allen voran der Ratsherr Rudolf Neuhaus. Er formuliert zuerst die Idee einer in Biel zu gründenden, auf die Akademie vorbereitenden Schulanstalt. Er fand bei der Stadtbehörde und der Bevölkerung Zustimmung. *2
Un gymnase pour Bienne
Le Jura et Bienne furent attribués au canton de Berne. L’acte de réunion prévoyait la création d’un gymnase pour la nouvelle partie francophone du canton. À Bienne,
on réagit rapidement à la question de l’implantation du gymnase.
Ein Provisorium für 6 Jahre
1816 erfolgt ein Beschluss der Berner Regierung, für Biel und den Südjura in Biel probeweise ein Gymnasium für 6 Jahre zu errichten. Natürlich soll der Besuch nicht auf zukünftige Geistliche beschränkt sein; doch ist nur dieser einen wissenschaftlichen Vorbildung vorgeschrieben. Die Stadt hat das Gebäude samt Ausrüstung zu beschaffen und einen jährlichen Beitrag von Fr. 1,600.- zu leisten, während die Regierung eine Jahressubvention von Fr. 4,025 zusichert. Man denkt zuerst daran, das alte Rathaus (später Brasserie Moll) als Schulgebäude zu benutzen. Es stellt sich aber heraus, dass es sehr reparaturbedürftig ist; darum gibt die Stadtbehörde, der Meinung bauverständiger Leute folgend, diesen Plan schliesslich auf. *2
1er emplacement Rue Basse
Le Gymnase de Bienne, une création quelque peu précipitée, mais géniale pour l'époque. Si d'une part on n'avait pas entrevu toutes les difficultés que devait rencontrer un gymnase bilingue, d'autre part le gouvernement bernois faisait preuve de libéralisme en ouvrant les études supérieures à toute une population qui en était plus ou moins exclue. Le premier conseil administratif, présidé par le bailli Friedrich Fischer, de Nidau, comprenait le pasteur français de la ville, Gibolet, le préfet Heilmann, Jean-Rodolphe Neuhaus et Samuel Perrot-Haag. Plus de 50 candidats se présentèrent aux cinq places de professeurs, et le pasteur Appenzeller fut appelé à la direction, un des promoteurs les plus éclairés de l'instruction publique à Bienne.
En 1817, les autorités municipales décident que le gymnase doit être provisoirement installé pour 6 ans dans l'école de garçons de la Rue Basse. La fête d'inauguration eut lieu le 15 septembre 1817 à l'église, et le lendemain, les cours commençaient avec 42 élèves, logés à la maison d'école de la rue Basse et dans des maisons particulières.
Foto links: Die Pension der Witwe Blösch an der Obergasse 22. Rechts: Standort des Gymnasiums an der Untergasse 8.
Photo de gauche : La pension de la veuve Blösch à la Rue Haute 22. A droite : l'emplacement du gymnase à la Rue Basse 8.
1. Standort Untergasse
Die Stadtbehörde beschliesst 1817, dass das Gymnasium vorläufig im Knabenschulhaus an der Untergasse unterzubringen sei. Der Lehrer E. König, der daselbst eine Wohnung inne hatte, wurde veranlasst, dieselbe zu räumen. Das Gymnasium sucht am 1. April 1817 per Inserat: «Ein oberster Lehrer und Direktor mit 1600 Schw. Liv. jährlichen Gehalt, ein zweiter Lehrer mit 1200 Liv. Gehalt, noch zwei Lehrer zu 1000 Liv. und 800 Liv.; unter diesen vier Personen sind die verschiedenen Pensum der Anstalt zu verteilen, welche hauptsächlich den Unterricht der Religion, der Mathematik, Arithmetik, Geometrie, Geschichte und Geografie, wie auch der lateinischem, deutschen, französischen und Anfangs-gründen der griechischen Sprachen enthalten sollen; die Kenntnis der deutsch - und französischen Sprache ist erforderlich. - Dann ein Schreibmeister mit 6 à 800 Liv. Gehalt, zum deutsch- und französichem Schönschreiben; wenn er in der Buchhaltung und in der Zeichnung Unterricht geben könnte, so würde solcher bessere Gedinge erhalten». Von 42 jungen Gymnasiums-Schülern werden 10 Pensionäre von der verwitweten Marie-Louise Bloesch-Moser als Ökonomie-Verwalterin in ihrem Haus an der Obergasse 22 betreut.
An der Untergasse eröffnet im Juli 1817 die neue Anstalt ihre Tätigkeit. Der unmittelbaren Aufsichtsbehörde der Schule, offiziell Verwaltungsrat genannt, eine Bezeichnung, die sich in Biel bis in die jüngste Zeit erhalten hat, gehört zum Beginn an: Oberamtmann von Fischer in Nidau von Amtes wegen, Friedrich Heilmann, Pfarrer Gibolet, Rudolf Neuhaus und Samuel Perrot-Haag. Die feierliche Eröffnung findet allerdings erst am 15. September 1817 in der Kirche statt, weil erst auf diesen Tag das Lehrerkollegium vollzählig war. Ein Vers von den in der Kirche gesungen Melodien lautete:
«Unsere Schulen blühen wieder!
Wissenschaft den Geist erfreut!
Nun, wir säen, teure Brüder.
Samen für die Ewigkeit.»
Als Rektor wird Pfarrer Appenzeller berufen; die übrigen Mitglieder sind Pfarrhelfer Molz, Johann Rickly, Johann Jaques und Peter Girard (152). Der regelmässige Unterricht beginnt am 16. September mit 42 Schülern. Das Eintrittsalter der Schüler wird auf 9 Jahre festgesetzt. Sie müssen in ihrer Muttersprache lesen und schreiben können und die Grundoperationen beherrschen. Wer nur eine Muttersprache spricht, muss Privatunterricht nehmen, bis die andere Sprache so weit erlernt ist, dass dem Unterricht gefolgt werden kann.
Neben den Landeskindern wird das Gymnasium von Deutschen, Franzosen, Engländern und Italienern besucht. Unterrichtet wird Geographie, Schönschreiben, Rechnen. Adam Friedrich Molz gibt von 1817 - 1829 Unterricht in Latein, Deutsch, Griechisch und Religion.
Das Personal
Direktor Johann Conrad Appenzeller (1775-1850)
Fächer: Religion, Gedächtnisübung, Logik, Geschichte, Geographie, Schreiben.
Appenzeller ist der Sohn eines St. Galler Kaufmanns. Als Theologiekandidat war er 10 Jahre Lehrer in Winterthur, wo er dem jungen Archäologen Ferdinand Keller Privatunterricht erteilte. Später war Appenzeller Pfarrer in Brütten. 1817 wird er als Lehrer und Rektor an das neu gegründete Gymnasium in Biel berufen. Seinen pädagogischen Fähigkeiten ist es zuzu-schreiben, dass unter seiner Leitung das Gymnasium zu einer aus der ganzen Schweiz besuchten Bildungsanstalt wurde. 1818 übernimmt Appenzeller auch das Amt eines 1. Stadtpfarrers; seit 1829 versieht er nur noch das Rektorat und den Religionsunterricht und stellte 1831 seine Tätigkeit am Gymnasium gänzlich ein. Schon in Winterthur ist er literarisch tätig gewesen, und in den Jahrgängen der Alpenrosen veröffentlichte er wertvolle Beiträge. Seine 2. Frau ist seit 1810 Anna Dorothea Usteri von Zürich. *7
Lehrer Johannes Rickly
Fächer: Latein, Fran-zösisch, Geschichte, Geographie, Geometrie.
Rickly studierte Theologie in Lausanne. Von 1817 bis 1829 unterrichtet er als Lehrer am Gymnasium. Ab 1836 wird er Lehrer am Progymnasium für Latein und Griechisch. Seine reichhaltige Bibliothek von 4000 Bänden wird 1861 von der Burgerbibliothek angekauft. *7
Lehrer Adam Friedrich Molz (1790-1879)
Fächer: Deutsch, Lateinisch, Griechisch, Arithmetik, Singen.
Molz kam in Biel zur Welt. Er studierte Theologie in Basel und wurde 1810 Lehrer an der Realschule und Pfarrhelfer in Biel. 1816 bis 1817 wirkte er als Lehrer am Knabenerziehungsinstitut Zehender in Gottstatt. Er arbeitet als Pfarrerhelfer in Rüti. Von 1817 bis 1829* ist Molz am Gymnasium als Lehrer tätig. 1823 gründet er die Ersparniskasse mit. Er demissioniert 1829, da er mit dem Reorganisationsprogramm für das Gymnasium nicht einverstanden ist. Molz testierte namhafte Legate an das Bieler Spital sowie an die Erziehungsanstalt Zehender in Gottstatt und an den Tierschutzverein. Teils in poetischer Verklärung, teils in ironischen Verzerrungen vermittelt Molz in seinen Bieler Mundartgedichten ein Bild der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse und Zustände im alten Biel. *7
Lehrer Johann Peter Girard (1769-1851)
Fächer: Schreiben, Zeichnen, Singen.
Girard lebt zur Zeit seiner Wahl als Maler in Biel. Von 1817 bis 1824 stellte er sein Können dem Gymnasium zur Verfügung (siehe unteres Bild).
1829 traten wegen Unstimmigkeiten die hauptamtlichen Lehrer Appenzeller, Rickly und Molz zurück.
2. Standort Johanniterkloster / 2ème emplacement, le couvent des Saint-Jean
Dès 1818, le gymnase et le pensionnat - excellemment dirigé jusqu'en 1836 par Louise Blœsch - furent réunis à l'ancien couvent de la Hintergasse. Les conditions
d'admission n'étaient pas très sévères: connais-sance de la lecture et de l'écriture en langue maternelle, les quatre règles d'arithmétique, à l'âge de 9 ans. Une centaine d'élèves fréquentèrent
l'établissement en moyenne pendant la Restauration. Les Bernois payaient un écolage mensuel de deux francs, les étrangers au canton cent francs par an ; ils étaient une vingtaine. Pendant que
nous en sommes à l'admini-stration, disons que les maîtres étaient payés de 800 à 1200 francs, le directeur 1600 francs. Quant à l'enseignement, il comprenait les branches suivantes :
1° Langues allemande et française, écriture, diction, logique, style.
2° Ecriture allemande et française, dessin.
3° Arithmétique, géométrie, algèbre, mécanique, géographie, mathématique.
4° Géographie ancienne et moderne, histoire générale et histoire suisse, sciences naturelles élémentaires, éducation morale et religieuse, logique.
5° Latin et grec, préparation à l'académie.
6° Chant d'après les dispositions de l'enfant.
Photo du haut: Le gymnase en 1818 : vue du côté nord. Au premier plan, la cour (aujourd'hui rue Dufour). Derrière
le "couvent", comme on appelle aussi le bâtiment, se trouve la grande "tour rouge", où les cadets biennois avaient leur arsenal. A droite, la tour du couvent se trouve dans l'ancien mur du ring.
En 1863, la cour est déplacée du côté nord vers le côté sud.
Das Gymnasium 1818, Ansicht Nordseite. Im Vordergrund der Hof (heute Dufourstrasse). Hinter dem «Kloster», wie das Gebäude auch genannt wurde, steht der grosse «rote Turm», worin die Bieler Kadetten ihr Zeughaus hatten. Rechts steht in der alten Ringmauer der Klosterturm. Der Hof wird 1863 von der Nordseite in die Südseite verlegt.
Reproduktion aus «Das alte Biel und seine Umgebung» von Emanuel Jirka Propper, Heinrich Türler, 1902
1818 zieht das Gymnasium von der Untergasse 8 an die Hintergasse, wo es 19 Jahre bleibt. Äusserlich verursacht die Umnutzung kaum bauliche Veränderungen. Augenfällig wirkt aber die über dem mittleren Eingang angebrachte schwarze Tafel mit der Anschrift «GYMNASIUM» in goldenen Lettern. Darunter, im Rundbogen des Eingangs, prangt jetzt der ebenso ausgestaltete juvenalische Spruch. «NIL DICTU FOEDUM VISUQUE HAEC LIMINA TANGAT, INTER QUAE PEUER EST» («Nichts für Auge und Ohr Unreines betrete die Schwelle, wo eingeht ein Knabe»). Die Stadt Biel verpflichtet sich lediglich, das Dach und die Aussenmauern weiter zu unterhalten. Um das Gebäude – Innere besser dem neuen Zwecke anzupassen, muss die Schulverwaltung unvorhergesehener Weise noch etliche 1000 Franken aufwenden. *9 Im ehemaligen Kloster (später als Schulhaus Dufour-Ost bekannt) sind genügend Innenräume, Kräutergärten für die Kostanstalt und Platz für turnerische Übungen vorhanden.
Die Pensionsanstalt von Marie-Louise Blösch
Die Vorsteherschaft des Pensionats wurde der Witwe Marie-Luise Blösch übertragen, die bis 1836 den Haushalt leitete und ihrer mütterlichen Hingabe wegen von den Internen sehr geschätzt wurde. Es war im Obergeschoss des ehemaligen Klosters untergebracht. Für Kost, Logis, Beheizung, Beleuchtung, Bewaschung, sowie für Besorgungen kleinerer Flickarbeiten bezahlten kantonsangehörige Pensionäre 17, ausserkantonale 21 Louis d’or im Jahr. Die Höhe des Pensionpreises fand auch etwa Beanstandung. So richteten am 9. Dezember 1822 eine Anzahl Notable und Hausväter der Ämter Courtelary und Münster an den Administrationsrat eine Eingabe, in welcher sie die Herabsetzung des Kostgeldes für Landeskinder auf 12 Louis d’or verlangten. Man richte weder in Delsberg noch in Pruntrut so viel aus. Die Administration trat auf eine Reduktion nicht ein. *5
Die Schüler erhielten 4 Mahlzeiten:
Zum Frühstück Suppe oder Milch;
Mittagessen Suppe, Gemüse, Fleisch, Brot;
Abendessen Brot und Milch oder Obst;
Nachtessen Suppe, Gemüse, Fleisch, Brot.
Das Pensionat schreibt den Schülern folgende Ausstattung vor:
18 Taghemden
6 Nachthemden
16 Paar Strümpfe
2 schwarze Halsbinden
18 Nasentücher
2-3 Paar Schuhe
2 Paar Überstrümpfe
2 Paar Unterbeinkleider
2 vollständige Uniformen
1 hellblaue Mütze
1 Tschako
1 Paar Pantalons zum tanzen
Ihr Leben war nach folgender Tagesordnung geregelt:
5
6 ¾
8 - 12
12
13 - 16
16
17 - 20
20
21
Uhr
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„
„
„
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Aufstehen und 5 Minuten später Antreten im Arbeitszimmer; Gebet und Studium
Toilette
Unterricht
Mittagessen; frei bis 13 Uhr
Unterricht
Abendessen; frei bis 17 Uhr
Studium
Nachtessen: freie Beschäftigung innerhalb des Hauses bis 21 Uhr
Gebet und Lichterlöschen
Ohne Erlaubnis des die Aufsicht führenden Lehrers durfte kein Schüler das Haus oder dessen nächste Umgebung verlassen. Die Aufseher:in oder der Inspektor besassen
selbst wenig Bewegungsfreiheit und wird treffend illustriert durch folgenden Brief den Rickly am 21. August 1821 an Rektor Appenzeller richtete:
«J’ai l’honneur de vous prévenir que, préférant les deniers de la liberté aux francs de l’esclavage, les connaissances aux écus sonnants, j’ai pris la ferme et inébranlable résolution de me décharger, une fois pour toutes, du poids de la surveillance au premier avril prochain, de sortir é la même époque de la maison dans laquelle sous tous les autres rapports je me trouve parfaitement bien, et d’aller porter mes pénates je ne sais trop encore où ni chez qui. »
Das Reglement verlangte vom Inspektor die Aufsicht über das Physische, Moralische und Wissenschaftliche der Schüler. Er überwachte sie im Bezug auf die Reinlichkeit des Körpers und der Kleidung, behielt sie beim Zubettgehen im Auge verlangte von ihnen, was Religion, Sitte und Anstand gebieten. Er hatte die Arbeiten für die Schule zu beaufsichtigten und auch der Konversation seine Aufmerksamkeit zu schenken in dem Sinne, dass die Schüler abwechselnd je 14 Tage deutsch und 8 Tage französisch sprechen. Von drei Sonntagen waren zwei für den Besuch des deutschen und einer für den Besuch des französischen Gottesdienstes bestimmt. Die Zahl der Pensionäre hielt sich während der Blütezeit der Schule über 30 und fiel späterhin auf 20 herab. *5
La responsable de la pension Marie Louis Bloesch-Moser (1782-1863)
Elle était la fille du bourgmestre Alexandre Moser et l'épouse du docteur en médecine Alexandre Bloesch. Pendant l'épidémie de typhus et de dysentrie qui sévit à Bienne lors de l'arrêt des troupes de Napoléon, Marie-Louise Bloesch se dévoua sans compter pour soigner les civils aussi bien que les soldats. Deux cents de ceux-ci furent ensevelis dans une fosse commune, et il y eut 127 morts parmi la population. Le médecin Bloesch mourut d'avoir soigné les malades, mais sa femme lui survécut malgré tout. Plus tard, elle fut nommée directrice du gymnase internat et externat. Marie-Louise Bloesch était une femme instruite, distinguée et d'une grande bonté. Grâce à sa charge de «Hausmutter», elle put élever ses trois fils. Il existe un portrait d'elle, peint par Aurèle Robert. En 1962, une rue de Bienne soit appelée la rue Marie-Louise-Bloesch-Moser.
«Im Gedächtnis geblieben ist mir vom Unterricht nichts
als nur eine Anekdote: Als Professor Appenzeller nachdem er einem hustenden
Schüler etwas Gerstenzucker reicht nun hören musste, wie die ganze Klasse
sich in lebhaftes Hustenwetteifer einliess.»
Schüler Alexander Schweizer
Alexander Schweizer's Kindheitserfahrungen
Professor Alexander Schweizer: «Weil es für selbstverständlich galt, dass ich, gleich dem Vater, ein Pfarrer werde, so liess man mich als 10jährigen Knaben 1818 in dieses Gymnasium und, trotz der bloss viertelstündigen Entfernung des elterlichen Pfarrhauses, auch in die von Frau Blösch gehaltene Pension eintreten. Mitten unter eine meist ältere Schar von Knaben und Jünglingen, die aus näheren und ferneren welschen und deutschen Landschaften zusammenströmten, unter anderen zwei fast erwachsene junge Männer namens Heim aus dem Appenzellerland, die ich später als Gastwirt und Arzt in Gais wieder gesehen habe. Nur einen bekannten traf ich unter der fremden Schar, Agassiz, und nahm ihn gewöhnlich des Sonntags zum Mittagessen ins elterliche Pfarrhaus mit. Nicht ohne Stolz sind wir in der graublauen Uniform der Bieler Gymnasiasten zu Nidau eingezogen, ich ohne zu ahnen, welche spätere Berühmtheit neben mir einherging. Die Kindheitsspiele blieben nun liegen, Latein, Griechisch, Französisch, Deutsch, Geschichte, Geographie, Mathematik legten ein schweres Loch auf die allzu jugendliche Kraft, daher mir das Griechische wieder erlassen wurde. Wenn ich gleichwohl einen mittleren Platz erlangte und beim Examen sogar ein Prämium davon trug, so mag die Vertrautheit der Lehrer mit dem gastlichen Pfarrhaus des Vaters mehr als meine Fortschritte dazu beigetragen haben. Im Gedächtnis geblieben ist mir von all jenem Unterricht nichts als nur eine Anekdote. Als Professor Appenzeller nachdem er einem hustenden Schüler etwas Gerstenzucker reicht nun hören musste, wie die ganze Klasse sich in lebhaftes Hustenwetteifer einliess. Jedenfalls lernte ich dort Gehorsam, Verträglichkeit und strenge Ordnung. Fürs Mittagessen zum Beispiel waren 10 Minuten anberaumt, daher denn sehr rechtzeitig eine ganze Schar Knaben bereit stand, auf den ersten Ton der Essglocke hin sich in den Speisesaal zu stürzen und rasch zu verschlingen, was man, besser oder schlechter zubereitet, erlangen konnte. Das viele Sitzen, Lernen und Schreiben fand sei Gegengewicht im Turnen, Exerzieren, Baden, Tanzen, gemeinsamen Spaziergängen und Ausflügen. Es war ein regsames munteres Treiben.» Alexander Schweizer wird dann als 11-jähriger nach Basel «verpflanzt». *6
Am 20. Oktober 1819 inserierte das Gymnasium: «Die Zahl der Zöglinge im Gymnasium ist so gewachsen, dass die bisher angestellten 6 Lehrer nicht mehr ausreichen; man
verlangt daher noch einen Lehrer, der im Stande ist in der deutschen, französischen, lateinischen so wie in den Elementen der griechischen Sprache Unterricht zu geben, auch nebenbei einige
Kenntnisse in den mathematischen Wissenschaften, der Erdbeschreibung und Geschichte besässe». Zudem stellte das Gymnasium den Musiker Xavier Dessirier aus Besançon als Gesanglehrer
an.
Das Gymnasium legte 1820 den Grund zu einer naturkundlichen Sammlung, da Pfarrer Wyttenbach der Schule eine Auswahl an Mineralien schenkte. Die Sammlung wurde vermehrt durch den Ankauf des Mineralienkabinetts des in Bern verstorbenen Bieler Bürgers Wysard. *5
Dès 1820, la gymnastique fut enseignée par un maître spécial, l'ex-cordonnier Oesterli, qui avait été en stage chez Heinrich Clias, maître de gymnastique à Berne.
Auparavant, les élèves pratiquaient les exercices physiques dans leurs récréations, sous la surveillance des professeurs. Des engins avaient été mis à leur disposition, ce qui témoigne de la part
des autorités scolaires biennoises un esprit novateur remarquable à cette époque. Dans un autre domaine encore, le gymnase de Bienne manifesta son caractère moderniste : un système de classes
mobiles avait été organisé, permettant aux élèves d'être groupés d'après leurs facilités dans les différentes branches d'enseignement. En réalité, cette tentative ne réussit que partiellement,
des complications insurmontables se produisant dans la répartition des élèves, et le système des classes mobiles ne fut maintenu que pour les langues et les mathématiques.
Le pensionnat attaché au Gymnase — le tiers des élèves étaient internés — avait la particularité d'alterner l'emploi des langues allemande et française dans la conversation courante. Pendant quinze jours on parlait allemand, pendant une semaine français. De même, chaque troisième dimanche, le culte était célébré en français. Par contre, le caractère bilingue du gymnase provoqua bientôt de sérieuses difficultés.
Le corps des cadets
Les élèves du gymnase formèrent dès 1821 un corps militaire, armé de sabres, de fusils venant de Bellefontaine, portant shako et uniforme bleu avec pantalons blancs
les jours de fête. Un groupe de fifres et de tambours fut constitué, le préfet offrit un drapeau et le gouvernement bernois mit deux petits canons à la disposition de la jeunesse biennoise. Le
corps des cadets biennois faisait bonne figure aux rassemblements qui furent organisés à cette époque à Berne, Bienne, Thoune et Berthoud.
Der Kadettenkorps des Gymnasiums
Aus dem mit militärischem kombinierten Turnunterricht des Gymnasiums ging der Kadettenkorps hervor. Ab 1821 erhielten die uniformierten Zöglinge Gewehre und
Säbel. Die Patronentaschen mussten von den Schülern selber bezahlt werden. Der Zutritt zum Gymnasium wurde vielen Knaben durch die hohen Kosten verunmöglicht. *5 Nach einem Beschluss der Kadettenkommission wurde 1919 das Korps in Biel nach 100jährigem Bestand abgeschafft und durch das Jugendkorps ersetzt.*8
Nach vollendeter Probezeit von 6 Jahren petitioniert der Rat 1822 um definitive Bestätigung des Schulgymnasiums. Am 22. Juni zieht das Gymnasium nach Murten um an der Einweihung des Schlachtdenkmals teilzunehmen.
Die Schüler des Gymnasiums sollten nicht nur bei Marie-Louise Bloesch ein vorübergehendes Heim finden. Herr Beck, Professor der Mathematik inseriert am 17. September 1824: «Unterzeichneter hat die Ehre hiermit anzuzeigen, dass er nunmehr in den Stand gesetzt sei, Knaben, die das Bielerische Gymnasium besuchen wollen, in Kost und Wohnung aufzunehmen. Für eine durch Vernunft und Liebe geregelte häusliche Erziehung, so wie für gewissenhafte väterliche Aufsicht und wissenschaftliche Nachhilfe, überall, wo es nötig sein könnte, bürgt das seit vielen Jahren ihm als Lehrer und Aufseher geschenkte Zutrauen. Der jährliche Preis ist 30 Louis d'or, worunter die freie Benützung der öffentlichen Lehr-stunden, die in allen üblichen Fächern von 9 Lehrern, in beiden Sprachen, erteilt werden, mit inbegriffen ist. Sollte der eine oder der andere Zögling viele, auf den künftigen Beruf berechnete, auch von andern Lehrern zu gebende Neben-stunden, nehmen sollen, z. B. im Englischen, Italienischen, in Besondern Teilen der Mathematik u. s. w., so wäre der jährliche Pensionspreis 40 Louis d'or.»
1825 gab es in Biel drei Schulgattungen:
1) Primarschule erster Ordnung: Burgerschule und Einsassenschule (Tagesschule)
2) Primarschule 2. Ordnung (Einsassenschule)
3) Gymnasium
Das Gymnasium lässt sich 1826 für die Prämierung der Schüler vom bernischen Münzmeister Christian Fueter eigene Medaillen schlagen. Die grössere Medaille zeigt Vorne
eine sitzende, an das Stadtwappen gelehnte Frauengestalt, in der Linken ein Füllhorn, in der ausgestreckten Rechten ein Lorbeerkranz halten. Die Unterschrift lautet: „Das Gymnasium von Biel“. Auf
der Rückseite, innerhalb eines zur Hälfte aus Eichenblättern, zur Hälfte aus Lorbeerblättern bestehenden Kranzes steht „Der Ausdauer ihre Krone“. Die kleine Medaille trägt die Inschrift: „Dem
aufstrebenden Fleisse“; die Vorderseite trägt auf senk-recht schraffiertem Schild das Stadtwappen und stimmt mit der Umschrift mit der grossen Medaille überein. *5
1827 übergab die Regierung den Kadetten zwei Kanonen. Nach der Aufhebung des Gymnasiums wurde das Obligatorium abgeschafft und eine neue Uniform eingeführt, bestehend aus eine grauen Kleid und einer hellblauen Mütze. Der Kadettenkorps erhält 1828 die Ehre bei der Abreise der Grossfürstin Helena von Russland, als sie zu Nidau eine Barke besteigt, zu paradieren.
Bauliche Veränderungen
Im Jahr 1827 kam es zu einer ersten einschneidenden baulichen Veränderung: Ein Stück Stadtmauer westlich vom Gymnasialgebäude wurde wegen Baufälligkeit abgerissen.
Mit dem spätmittelalterlichen Bauschutt wurde ein weiteres Relikt des Spätmittelalters zum Verschwinden gebracht: Der ehemalige Stadtgraben, der infolge der Erstellung des neuen Schüsskanals
entwässert wurde, füllte man auf. An Stelle des Stadtgrabens entsteht das Scheuergässlein. Ab dieem Jahr erhielt das Gymnasium von der Stadt einen jährlichen Zuschuss von 200 Franken für
Innenreparaturen. *9
Persönlichkeiten
In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts erlebt das Bieler Gymnasium eine erste Blütezeit. Erfolgreiche Schüler erhalten am Ende des Schuljahres, anlässlich der Solennität, Examen Preise. Anfänglich sind jährlich 100 Franken für Examen Preise vorgesehen – unter dem Eindruck vieler ausgezeichneter Leistungen wird das Budget später überschritten: Unter den 90 Schülern sind mehrere künftige Wissenschafter von Weltruf: Graf Gobineau (Orientalist und Schriftsteller), Louis Agassiz (Zoologe und Gletscherforscher), sowie Alexander Schweizer (Theologe) und Albert Galeer als massgeblicher Gestalter des Grütlivereins. *9
Personnalités
Dans les années vingt du 19e siècle, le gymnase de Bienne connaît une première période de prospérité. Les élèves qui réussissent reçoivent des prix d'examen à la fin
de l'année scolaire, à l'occasion de la Solennité. Au début, 100 francs sont prévus chaque année pour les prix d'examen - sous l'impression de nombreux excellents résultats, le budget est ensuite
dépassé : parmi les 90 élèves, on compte plusieurs futurs scientifiques de renommée mondiale : le comte Gobineau (orientaliste et écrivain), Louis Agassiz (zoologue et glaciologue), ainsi
qu'Alexander Schweizer (théologien) et Albert Galeer en tant que créateur décisif du Grütliverein. *9
Naturforscher Louis Jean-Rodolphe Agassiz (1807-1833)
Schüler des Gymnasiums von 1817-1821
Jean Louis Rodolphe Agassiz wurde am 28. Mai 1807 in Motier am Murtensee geboren. Sein Vater Louis war Pfarrer, seine Mutter Rose die Tochter eines Arztes. Als Agassiz 10 Jahre alt war, trat er als Pensionär ins Bieler Gymnasium ein. Er befand sich auf gleicher Stufe wie seine Altersgenossen, denn sein Vater war ein vortrefflicher Lehrmeister gewesen. Die Gesetze in der Bieler Schule waren ziemlich streng, doch Spiele wurden ebenso eifrig betrieben, als das Lernen. Beim Rückblick auf sein Schulleben fragte sich Agassiz oft, ob es in dem Klima oder an der Lehrmethode liege, dass das Leben in den öffentlichen Schulen in den Vereinigten Staaten so viel angreifender für die Gesundheit der Kinder sei, als dasjenige, in dem er aufgewachsen war. In den öffentlichen Schulen von Amerika hält man die Knaben und Mädchen bei einer Unterrichtsdauer von fünf Stunden und ein- bis zweistündiger häuslicher Arbeit für überbürdet. In der Schule von Biel mussten die Knaben neun Stunden arbeiten und waren dabei gesund und vergnügt. Vielleicht liegt das Geheimnis in der häufigen Unterbrechung des Unterrichts; nach zwei bis drei Lernstunden wurde immer eine Zwischenzeit zum Spielen oder Arbeiten eingeschoben. Agassiz behielt sein Leben lang eine angenehme Erinnerung von der Bieler Schule und ihren Lehrern. Neben seinen Studien beschäftigte er sich mit Fischfangen und legte damit den Grund zu seinen späteren Arbeiten. Die 4 Jahre, welche Agassiz dem Wunsch seiner Eltern gemäss in Biel zubringen sollte, gingen rasch zu Ende.
Uhrenfabrikant Auguste Agassiz
(1809-1877)
Auguste Agassiz folgt seinem Bruder einige Jahre später nach und besucht das Gymnasium etwa 2 Jahre. Der spätere Uhrenfabrikant gründet in Saint-Imier ein «Comptoir», für das er nach dem damaligen Brauch Uhren-Rohwerke durch Spezialisten herstellen lässt. Andere Uhrenteile bezieht er von auswärts und liess die Werke an diversen Orten zusammensetzen. Der Betrieb selbst übernimmt die Vollendung, Prüfung und Feinstellung und kann, da Agassiz ein geschickter Kaufmann ist, mit verschiedenen Ländern Beziehungen anknüpfen. 1846 bis 1847 war er Gemeindepräsident von Saint-Imier. Von Jahre 1850 übertrug er seinem Neffen Ernst Francillon aus Lausanne die Leitung des Geschäfts.
Bundesrat Johann Ulrich Ochsenbein (1811–1890)
Schüler des Gymnasiums von 1827-1829
Als zweites von zehn Kindern wurde Johann Ulrich Ochsenbein am 24. November 1811 auf der Schwarzenegg bei Thun geboren, wo seine in sehr bescheidenen Verhältnissen lebenden Eltern eine Wirtschaft mit dazugehörender Landwirtschaft betrieben. Da sein Vater nebenbei auch noch ein sehr gewandter Pferdehändler war, hatte er für die Erziehung der zahlreichen Kinderschar nicht viel Zeit übrig. Diese Aufgabe besorgte die Mutter, von der Ochsenbein immer mit viel Liebe sprach. Sieben Jahre lang verbrachte die Familie Ochsenbein in Granges-Marnand im Kanton Waadt, wo Ulrich in der Schule eines alten, strengen napoleonischen Soldaten die französische Sprache gründlich erlernte. 1825 übernahm Vater Ochsenbein die Wirtschaft zum Stadthaus mit Posthalterei in Nidau, wo sich Ulrich nun dem Studium der deutschen Sprache widmete, so dass er schon nach kurzer Zeit der Erste seiner Klasse war. Durch Lehrer am Bieler Gymnasium erhielt Ochsenbein von 1827 bis 1829 Unterricht in den alten Sprachen, konzentrierte sich besonders auf das Studium der Geschichte und bezog im Frühling 1830 als Student der Rechte die Akademie in Bern. Neben theoretischen Rechtsstudien bildete sich der junge Berner Korpsstudent auf verschiedenen Büros praktisch aus, und auch seine militärische Ausbildung ging parallel mit den Studien. Am 27. Dezember 1834 erhielt Ochsenbein nach bestandenem Examen das Patent eines Prokurators der Republik Bern und nach einer nochmaligen Prüfung im Frühjahr 1841 dasjenige eines Fürsprechers. Als Feldweibel nahm er 1833/34 an der eidg. Intervention im Baselland teil und wurde 1834 zum 2. Unterleutnant der Artillerie befördert. Das Studium des Staatsrechtes und der Staatswirtschaft, die Kunde von der Julirevolution in Paris und die beginnende Regeneration in den schweizerischen Kantonen beschäftigten den Patrioten Ochsenbein. Er betrieb die Lektüre der politischen Tagesblätter, schloss sich aus innerster Überzeugung der gegen das Berner Patrizierregiment gerichteten Reformbewegung der drei Gebrüder Schnell aus Burgdorf an und begrüsste schon als Student die Anträge der Radikalen Partei, deren Stütze und Wortführer er schon bald werden sollte. Infolge der Umwälzungen, die die meisten europäischen Staaten in den dreissiger Jahren durchmachten, suchten und fanden viele politische Flüchtlinge in unserm Land ein Asyl, von wo sie in Zeitschriften für ihre freiheitlichen Ideen Propaganda zu machen versuchten und dadurch die Schweiz in sehr heikle Affären mit den Nachbarländern, namentlich Frankreich und Deutschland, verwickelten. Ochsenbein nahm sich auch dieser Flüchtlinge an und schrieb begeisterte Artikel in «Die junge Schweiz», ein Organ das als Teil vom «Jungen Europa» die Wiedergeburt aller Völker anstrebte. Als Fürsprecher erfreute sich das Advokaturbüro Ochsenbeins in Nidau bald eines grossen Zuspruchs, und als Präsident der Einwohner-, später auch der Bürgergemeinde Nidau, leistete er derselben wertvolle Dienste. Auf kantonalem Boden suchte Ochsenbein im Verein mit Dr. J. R. Schneider, dem «Retter des Seelandes», die Behörden für die Juragewässerkorrektion zu gewinnen. Ganz besonders aber lagen ihm die Revision der bernischen Verfassung und diejenige des Bundesvertrages von 1815 am Herzen.
Für Ochsenbein hatte die Bekanntschaft mit dem Prinzen Louis Napoleon Bonaparte, dem spätem Kaiser von Frankreich, eine ganz besondere Bedeutung. Er lernte ihn durch einen Zufall kennen. Ein Biograph Ochsenbeins, Dr. Hans Spreng, schrieb darüber: «Im August des Jahres 1834 wurde der Prinz auf der Durchreise ins Lager nach Thun, an welchem er als bernischer Artilleriehauptmann sich zu beteiligen hatte, in Kirchberg von einem starken Gewitter überrascht und musste in einem Gasthof Quartier nehmen. Während der Nacht schlug der Blitz in das Haus von Ochsenbeins späterem Schwiegervater, Dr. med. Surys. Der Prinz war nun einer der ersten auf dem Brandplatz und half bei der Löscharbeit und der Rettung des Mobiliars und der Bibliothek.» Dem Prinzen Louis Napoleon zu Ehren veranstalteten die Artillerieoffiziere der Militärschule von Thun einen grossen Empfang, an dem auch Unterleutnant Ochsenbein teilnahm. Ein Jahr später war dieser mit Artilleriehauptmann Bonaparte Schüler des Obersten Dufour, der den jungen Schweizer Offizier seines grossen militärischen Wissens schätzte. Als frisch gebackener Leutnant nahm Ochsenbein im Jahre 1836 an der Besetzung des Berner Juras teil, dessen Bevölkerung durch die sog. «Badener Artikel» in die grösste Aufregung versetzt worden war. Zwei Jahre später stand die Schweiz am Rande eines bewaffneten Konfliktes mit Frankreich, dessen Regierung gebieterisch die Ausweisung des Prinzen Louis Napoleon Bonaparte verlangte. Jedoch hatte man es in der Schweiz satt, sich wie eine französische Provinz behandeln zu lassen, und das französische Ansinnen wurde höflich aber bestimmt zurückgewiesen. Als darauf Frankreich gegen die Schweiz Truppen in Bewegung setzte, um den «voisin turbulent» zu bestrafen, rüsteten die zunächst bedrohten Kantone Genf und Waadt zur Gegenwehr. Bern folgte ebenfalls und so erhielt auch die in Thun garnisonierende Batterie Ochsenbein den Befehl zum Abmarsch an die französische Grenze. Bekanntlich hat dann Prinz Louis Napoleon dem Streit selber ein Ende gemacht, indem er die Schweiz freiwillig verliess. *11 Im Kanton Bern amtierte er von 1845-1846 als Grossrat, 1846 als Präsident des bernischen Verfassungsrats und 1846-1848 als Regierungsrat. Nach seiner Wahl zum Bundesrat 1848 übernahm Ochsenbein das Militärdepartement. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 übernahm er ein Divisionskommando und das Platzkommando von Lyon.1882 gehörte Ochsenbein zu den Mitgründern der Konservativen bernischen Volkspartei Ulrich Dürrenmatts, Höhepunkt seines Erfolgs und seiner Popularität war nicht die Tätigkeit im Bundesrat, sondern sein Wirken als Führer der Freischaren und als Wegbereiter der Bundesverfassung von 1848. *10
Quellen/Sources: 2) Jacob Wyss, Die alten Wohnstätten des Gymnasiums in Biel zur Erinnerung an den in Frühling 1910 erfolgten Umzug dieser Anstalt, Biel, 1910, Sammlung ZB Solothurn; - 4) Pietro Scandola, Häuser erzählen ... die Geschichte Biels vom Mittelalter bis heute, Biel: Museum Neuhaus, 2010, S. 6ff; - 5) Jacob Wyss, Das Bieler Schulwesen während der ersten hundert Jahre bernischer Zugehörigkeit, 1815-1915, Biel 1926; - 6) Alexander Schweizer: biographische Aufzeichnungen, von ihm selbst entworfen, Zürich 1889, S8f; - 7) Werner Bourquin und Marcus Bourquin, Stadtgeschichtliches Lexikon, Biel 1999; - 8) Marcus Bourquin, Biel im Wandel der Zeiten, Bern 1980, S137; - 9) Christoph Lörtscher, Dufour Ost und Dufour West: 660 Jahre Stadtgeschichte: Biel, 12. März 2000; 10) Beat Junker: «Ochsenbein, Ulrich», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 01.12.2020, abgerufen 12. 8. 2022; 11) Schweizer Soldat : Monatszeitschrift für Armee und Kader, Nr. 9, 1940, S. 179ff
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