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1874 wurde die knapp 30 Jahre zuvor gegründete reformierte Kirchgenossenschaft Bremgarten offiziell zur Kirchgemeinde erhoben. Bereits vorher hatte die Regierung verfügt, dass sämtliche Protestanten im Umkreis von Bremgarten der Genossenschaft zugeteilt werden. Später traten noch weitere Ortschaften der Kirchgemeinde bei. 1957 trennte sich die Kirchgemeinde Bremgarten-Wohlen in die beiden reformierten Kirchgemeinden Wohlen und Umgebung und Bremgarten-Mutschellen. 2002 schlossen sich die Protestanten des Kelleramts zu einer eigenen Kirchgemeinde zusammen. Heute umfasst die Reformierte Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen rund 7600 Mitglieder in elf politischen Gemeinden, zwei Kirchen in Bremgarten (1900) und Widen (1968) und einen ökumenisch genutzten Pavillon in Niederwil, in dem seit 1995 regelmässig ein reformierter Gottesdienst angeboten wird.
Wegen des starken Bevölkerungszuwachses war bereits Mitte des 20. Jahrhunderts die Rede davon, dass es neben der Kirche in Bremgarten – also im Tal – auch eine reformierte Kirche auf dem Mutschellen brauche. 1955 wurde zu diesem Zweck ein Kirchenbauverein gegründet, der Ende desselben Jahrs über 165 Mitglieder hatte. Zu jener Zeit begann man, auf dem Mutschellen vereinzelt Gottesdienste in Privathäusern und im Restaurant abzuhalten. 1966 wurde das Pfarramt Mutschellen mit einem Pfarrhelfer besetzt, und zweimal wöchentlich wurden Gottesdienste im Schulhaus Junkholz in Berikon abgehalten.
1956 sicherte man sich im Burkertsäcker 60 Aren Bauland für die Errichtung einer Kirche. Über das Bauprojekt selbst jedoch herrschte Uneinigkeit. Erstens waren die finanziellen Mittel bescheiden, zweitens wusste man nicht, wie sich die Bevölkerungszahl auf dem Mutschellen entwickeln würde. «Darum redete man erst von einer Baracke, dann von einem Kirchlein, dann wieder von einer Kirche mit Kirchgemeindehaus und Pfarrhaus und zuletzt von einem Mehrzweckgebäude», schreibt der damalige Pfarrer Karl Schenk in einem Artikel zum 25-jährigen Bestehen der Kirche.
Schliesslich traf sich eine Delegation des Kantonalen Kirchenrates und des Protestantisch-Kirchlichen Hilfsvereins mit der Kirchenpflege Bremgarten und dem Vorstand des Kirchenbauvereins. An dieser Sitzung wurde beschlossen, eine Kirche mit Pfarrhaus und Kirchgemeindehaus etappenweise zu realisieren. Zu diesem Zweck wurde 1961 eine Baukommission ins Leben gerufen. Doch das Projekt geriet bald wieder ins Stocken. Obwohl man das Bauland bereits besass, gab es nun Diskussionen, ob dieser Standort wirklich der richtige sei. 1964 wählte man eine neue Baukommission, und nur einige Monate später erteilte man dem Zürcher Architekten Benedikt Huber (*1928) den Auftrag, für den ursprünglich vorgesehenen Standort ein Vorprojekt auszuarbeiten.
Die Lage des Bauplatzes an der Verbindungsstrasse zwischen Bellikon und Oberwil-Lieli veranlasste der Architekten zu folgenden Überlegungen: «Die neue Kirche auf dem Mutschellen steht nicht mitten in einem Dorf, denn sie soll Kirche sein von vielen Dörfern. Die neue Kirche steht an einer Strasse, am Weg von einem Dorf zum andern, wie früher Kapellen am Wegrand errichtet wurden, wie eine Wallfahrtskirche an einer besonders schönen Stelle in der Landschaft. Die neue Kirche steht zwischen Wohnhäusern und einer Fabrik am Waldrand, zwischen Wohnen und Arbeiten am Wege zur Stadt. Die Menschen, die hier zur Kirche gehen, verbringen einen Grossteil ihrer Zeit auf der Strasse, auf dem Weg zur Arbeit, auf der Autobahn, auf der Sonntagsausfahrt. So steht auch die Kirche an der Strasse und versucht die Menschen zusammenzuführen zu einer Gemeinde, die vielleicht ihr Dorf verloren hat und unterwegs ist, auf der Suche nach einem neuen Mittelpunkt, nach Wohlstand und Zufriedenheit, nach Zukunft und Friede.» (zitiert aus: 25 Jahre Kirchliches Zentrum Mutschellen, Juni 1993, S. 4.)
Im November 1965 beschloss die Kirchgemeindeversammlung, das Kirchliche Zentrum nach den Plänen von Architekt Huber zu realisieren. Im Herbst 1966 begannen die Aushubarbeiten, die Grundsteinlegung fand am 2. April 1967 statt.
Der Grundrissplan des Dachgeschosses im Massstab 1:200
Am 20. Oktober 1968 wurde das Kirchliche Zentrum Mutschellen mit einem grossem Fest und im Beisein des Architekten Benedikt Huber eingeweiht. Bei der Einweihung verfügte das Zentrum über folgende Räumlichkeiten:
- einen Kirchenraum mit 260 Sitzplätzen und 50 Reserveplätzen
- einen Kirchgemeindesaal mit 90 Plätzen, der als Erweiterung der Kirche genutzt werden kann
- ein Unterrichtszimmer
- ein Jugendraum mit Cheminée
- ein Turm mit Sakristei und Archivraum und einem Geläut mit vier Glocken
- ein Pfarrhaus, das an die Kirche angebaut ist.
Die Baukosten betrugen inklusive Orgelanschaffung 1,3 Millionen Franken.
1980 wurde unterhalb ein Jugendpavillon aufgestellt,
eine ehemalige Militärbaracke.
2009 wurde die Kirche Mutschellen unter der Leitung von Architekt Franz Studer, Fischbach-Göslikon, wärmetechnisch saniert. Die neue Isolation ist an den tiefen Fensternischen und an dem neuen Verputz von aussen erkennbar, ansonsten blieb die Fassade – ebenso wie die Innenausstattung – weitgehend unverändert. Im Zuge der Sanierung wurden auch die Dachziegel ersetzt und eine neue behindertengerechte Toilettenanlage eingebaut. Zudem wurde das Kirchengebäude an die Holzschnitzelheizung angeschlossen, die auch das Regionale Altersheim und das KiBiZi-Gebäude mit Wärme versorgt. Nach dem Ende der Bauarbeiten feierte man mit einem Jahr Verspätung das 40-jährige Bestehen der Kirche.