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Informationen gefiltert
Zu einer Zeit, als wir noch kein Internet hatten, war eine der Möglichkeiten sich zu informieren,
das öffentlich rechtliche Fernsehen oder das Radio. Private Sender waren erst im Kommen.
Das war in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Natürlich gab's auch schon Datenfernübertragung und Videotex. In Deutschland hiess dieser Dienst BTX, in Frankreich hiess er Minitel. Wir hatten aber auch schon unsere Mailboxen und Chaträume via DFÜ.
Wer mehr und ausführlicher informiert sein wollte, schaltete das Kurzwellenradio ein und stellte ausländische Sender ein, teilweise sogar mit deutschsprachigem Programm. Dadurch lernte man die Dinge auch mit anderen Augen zu sehen. Vorallem bekamen wir teilweise auch mehr oder andere Informationen als von der eigenen nationalen Nachrichtenagentur. Als "Nachrichtenjäger" hörte ich vorallem folgende Radiostationen ab:
- Radio Schweiz International
- Deutsche Welle
- Radio BBC London
- Radio Schweden
- Radio Moskau
- Voice of America
- Radio Free Europe
- Radio Baghdad
- Radio Tokio
- Radio Hanoi
- Radio Taiwan
Da stand ich nun immer vor der Entscheidung, welcher Information ich mehr Glauben schenken sollte.
Denn je nach politischer Couleur der Länder war der ein und derselbe Sachverhalt anders beleuchtet und gewichtet.
So gelangte ich zur Erkenntnis, dass die eigentliche Rohinformation von den nationalen Nachrichtenagenturen bereits politisch
aufbereitet wurde.
Die Bevölkerung erhält also immer nur eine modifizierte oder eben gefilterte Information. Man will ja schliesslich keine schlafenden Hunde wecken!
Ein Schlüsselerlebnis bestätigte mitte der 80er Jahre meine Vermutung.
Ich drehte am Radio mal wieder über die Bänder und blieb bei Radio Moskau hängen. In den Nachrichten wurde von TASS gemeldet, dass die USA den SALT II Vertrag gebrochen hätten, indem sie den 131. Langstrecken Bomber mit Atomsprengköpfen ausgerüstet und in Betrieb genommen hätten. Vorgesehen laut Vertrag waren nur 130 Langstrecken Bomber.
In den westlichen Nachrichtenagenturen wurde darüber aber nicht berichtet. Erst nach ca. 4 Wochen bestätigten die westlichen Radio- & Fernsehstationen diese Meldung. Es dauerte dann aber nochmals eine Woche bis die USA dies auch verifizierten.
Das Gleiche wiederholte sich einige Zeit später, als die UdSSR ihren 131.Bomber in Betrieb nahm.
Die Filterung von Informationen geht aber noch weiter. Denn je nach politischer Ausrichtung der
einzelnen Radio- oder Fernsehstationen, werden die von den Agenturen gelieferten Nachrichten nochmals nachbearbeitet.
Bei Fernsehsendern kann man das sehr gut beobachten. Sie benutzen teilweise das gleiche Bild- und Videomaterial, versehen es aber mit einem anderen Kommentar. Das führt natürlich zu einem ganz andern Informationsinhalt.
Was sich bei anstehenden politischen Entscheidungen wie Wahlen oder Abstimmungen gravierend auswirken kann!
Zudem stelle ich fest, dass NachrichtensprecherInnen vermehrt die Nachrichten zu moderieren beginnen. Das äussert sich z.B. dass sie eine Nachricht mit der Frageform einleiten oder an Gestik und Mimik. - Das muss nicht sein!
Game- und Comedy-Shows gibts schon genug.
Werner Veigel, Léon Huber, Dagmar Berghoff etc.