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24.06.2018 Montignac-Bergerac
Ich verlasse Montignac Richtung Saint-Leon-sur-Vezere. Es ist Sonntagmorgen, alles ist geschlossen. In Saint-Leon-sur-Vezere ist die romanische Kirche leider auch noch geschlossen. Unweit davon steht das Chateau de Clérans, zwischen so hohen Bäumen und hermetisch abgeschlossen, dass man es kaum sehen kann. Anschliessend daran ist eine zweite Burg, das Manoir de la Salle, die wohl etwas älter sein dürfte und vor Allem aus einem Wehrturm besteht. Ich fahre weiter zur Höhlenstadt La Roque Saint-Christophe. Die Holzteile und die Steinmäuerchen sind allesamt verschwunden, es bleiben nur noch die Löcher in den Felsen und die Vertiefungen. Hier beginne ich den Rundgang: La Forteresse, den Stall, das Schlachthaus (eher Zimmer, rund vier m2), der Fleischtrockenraum, der Tresor (die Türe ist nicht erhalten, nur die rechteckige Vertiefung im Felsen), den Spiegelweg (effektiv ein Tunnel, der für die Besichtigung der Touristen zwischen der Festung und der Wohnstadt getrieben wurde), die Felsenstadt, wo ein Modell 1:30 und eines in einem etwas kleineren Massstab steht, die Felsenkirche und verschiedene Winden zum Heben von Lasten, wie eine Brunnenwinde, eine Tretmühle etc.. Eine Schmiede wurde nachträglich wieder eingerichtet, auch ein Nachbau eines Gerüsts zur Arbeit am Felsen. Die grosse Treppe ist nicht mehr benützbar. Es gibt noch einen Kerker, eine Waffenkammer sowie eine recht grosse Küche, die wohl zur Festung gehörte. Ein Grab aus der Bronzezeit und eine Höhle der Neandertaler schliessen den Rundgang ab. Mein nächster Halt ist beim Maison Forte de Reignac. Zwei schöne, fast völlig identische Hotchkiss-Autos, wohl aus den 1940er Jahren, stehen auf dem Parkplatz. Das Felsenschloss ist nicht nur so eine skurrille Sache, es ist auch skurril eingerichtet. Der Rundgang beginnt mit unzähligen Exponaten aus der Steinzeit, einige davon wohl Kopien, andere echt. Die Grande Salle wurde periodengerecht eingerichtet und mit vielen zusätzlichen Gegenständen vollgestellt. So hat es einen Butterschwinger (effektiv ein Küchenmixer) aus dem 17. Jahrhundert und unzählige Jagdtrophäen an den Wänden. Es gibt auch noch einen Schlafsaal für Bedienstete mit Strohbetten. Eine enge Treppe führt nach oben zum grossen Salon, der eine Felsendecke mit einem Loch als Rauchabzug hat. Auch ein Kerker wurde in den Fels gemeisselt, sowie eine Kapelle. Im herrschaftlichen Schlafzimmer steht noch eine stählerne Geldkiste. Draussen hängt die Glocke von Airain, die nur zu ganz speziellen Gelegenheiten geläutet wurde, z.B. zu Ende der Weltkriege. Eine winziges Zimmer ist die Chambre du féroce et terrible Bouc de Reignac, der dort jeweils sein Recht der ersten Nacht mit den Bräuten seines Herrschaftsbereichs durchsetzte. Zuoberst sind die Terrassen, von denen La grotte des faux-monnayeurs und das Alchimistenzimmer abgehen. Das letzte Zimmer ist dasjenige der comtesse im 19. Jhdt. Sie hatte eine kleine Kanone auf die nach Aussen gehende Türe gerichtet, die mit einem Mechanismus versehen war, dass sie auf jeden, der die Tür öffnete schoss. Am Schluss des Rundgangs ist im neuen Bereich eine Folterkammer eingerichtet worden, wohl eine der vollständigsten Sammlungen von grässlichen Folterwerkzeugen. Als ich weiterfahre, halte ich kurz in les Eyzies de Tayac, weil die Strasse unter einem überhängenden Felsen (le clos du rocher) durchgeht. In Campagne ist soeben ein Flohmarkt (Vide-Grenier) im Gange. Ich halte kurz und kaufe ein paar antike Sachen. Die einschiffige Kirche ist nicht weiter erwähnenswert, doch das Schloss ist wunderbar vom Sonnenlicht angestrahlt. In Le Bugue muss ich nachtanken und esse zu Mittag, mangels offener Läden in einem Restaurant. In der Stadt fällt mir der künstliche Teich vor der Kirche auf, der gegen die Kirche hin von einer Mauer gehalten wird. Nicht weit von La Bugue entfernt ist der historische Ort Limeuil. Bei der Einfahrt sehe ich einen noch weitgehend originalen Panhard. Das Dörfchen ist wie an den steilen Hang angeklebt. Zuoberst ist die Kirche St. Katharina aus dem 14. Jahrhundert. Innen ist sie völlig schmucklos. In Lalinde steht ein eigenartiger, aus einem alten Heuwender gemachter Drachen in einem Teich. Ich gelange nach Bergerac, wo ich den Scooter auf dem Place du Port abstelle. Dann mache ich vorab den gelben Stadtrundgang, der glücklicherweise auf einem Plakat dargestellt ist, so dass ich ihn nur abzufotografieren brauche. Ich beginne bei La Minoterie des Grands-Moulins, einer Grossmühle, komme zum Place de la Mirpe, zur Place du docteur André Cayla. Ueberall hat es schöne, mittelalterliche Fachwerkhäuser. Bei der Ecke Rue des conferences/Rue des fontaines laufe ich erst falsch, bis ich die korrekte Richtung finde. Es findet wohl ein Fechtwettbewerb statt, überall in der Stadt sind die Leute am Fechten. Ich laufe bis zur Kathedrale auf dem Place de la Republique, vor der die Randständigen mit ihren Hunden lagern und Bier trinken, dann zurück zur Place Louis de la Bardonnie. Der ehemalige Mühlenbach wurde weitgehen unterirdisch verlegt, doch sieht man ihn noch ab und zu durch einen Spalt zwischen den Häusern. Auf der site du moulin des cinq cannelles steht eine Turbine aus dem 19. Jahrhundert. Ueber die Brücke gelange ich in den „modernen“ Stadtteil, zur Place de la Madeleine, der von einer neoklassizistischen Kirche dominiert wird. Unten am Fluss ist eine kleine Quelle, die Fontaine de Fonsivade. Auf der anderen Seite der Brücke befindet sich die Place Barbacane, von wo aus man eine schöne Aussicht auf die Altstadt hat. Ich fahre nun zu den rund fünf Kilometer ausserhalb der Stadt in Touterive gelegenen Tentes Tamana Tuquet. Etwas erstaunt bin ich, dass es nur beim Farmhaus eine Dusche und Toilette gibt, während das Zelt rund 200 Meter entfernt ist. Immerhin darf ich das Wifi benutzen, wobei ich in den Privatbereich des Gastgebers muss, denn im Aufenthaltsraum ist es nicht zu empfangen. Er bietet es mir zwar an, ärgert sich aber gleichzeitig ganz heftig darüber und lässt seinem Unmut freien Lauf. Dasselbe gilt für das Nachtessen, denn hier draussen gibt es ja nichts zu kaufen und auch keine Restaurants. Schliesslich kriege ich für 10 Euros doch noch etwas zu Essen. Wie die Nacht im Zelt wohl werden wird?