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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)
Zuger Volksblatt, , 32. jg., nr. 127, 3
Aufruf
Am 24. Auguſt d. J. hat die auf Anregung der Unterzeichneten Vereine vom h. Bundesrate einberufene interkantonale Orthographie-Konferenz, an welcher 17 Kantonsregierungen vertreten waren, laut ſoeben erſchienenem offiziellen Protokoll folgende Beſchlüſſe gefaßt:
- Als zukünftige Orthographie der deutſchen Schweiz gilt die in Deutſchland verbreitetſte, die in Dudens „Orthographiſchem Wörterbuchs“ feſtgeſetzte Orthographie.
- Die interkantonale Konferenz ſpricht den Wunſch aus, daß in nicht gar ferner Zeit in der preußiſchen Orthographie die Inkonſequenz in Betreff des th verſchwinden möchte.
- Die Konferenz erſucht die hohen Bundes- und Kantonsbehörden, ihre neuen Druckſachen von jetzt, reſp. 1. Januar 1893, an nur mehr nach der in Dudens „Orthographiſchem Wörterbuche“ feſtgeſetzten Orthographie Herſtellen zu laſſen und derſelben ſo viel als möglich zur Durchführug zu verhelfen.
- Die Konferenz erſucht die kompetenten ſchweizeriſchen Behörden, eine größere Vereinfachung und Vereinheitlichung der Rechtſchreibung in allen Ländern deutſcher Zunge, ſobald die Gelegenheit ſich dazu bietet, nach Kräften zu unterſtützen.
Durch dieſe erfreulichen Beſchlüſſe iſt nach jahrelangen Bemühungen die endliche Regelung der deutſchſchweizeriſchen Orthographie ihrer Verwirklichung um ein Erhebliches nähergerückt.
Jetzt muß die That folgen.
Zunächſt tritt an die Vereine, welche die Initiative ergriffen hatten, die Aufgabe heran, in den Kreiſen ihrer eigenen Mitglieder für die Durchführung zu ſorgen. Wir erachten es als ſelbſtverſtändlich, daß überall da, wo ihnen das Verfügungsrecht zuſteht, die Angehörigen der Preſſe (Redaktoren, Schriftſteller, Journaliſten), des Buchdruckergewerbes und des Buchhandels ſich ſpäteſtens vom 1. Januar 1893 an nur noch der neuen Orthographie bedienen, reſp. Auftrag geben, daß ihre Arbeiten nach der neuen Orthographie geſetzt werden.
Im fernern möchten wir aber auch an ſämtliche Behörden das Erſuchen richten, ſich dieſem Vorgehen anzuſchließen und den Buchdruckereien, welche für ſie arbeiten, wenn nicht aufzutragen, ſo doch wenigſtens zu geſtatten, daß ſie bei den von ihnen ausgehenden Publikationen die neue Orthographie anwenden.
Ganz beſonders rechnen wir auf die Mitwirkung der Schule. Niemand hat ein größeres Intereſſe am Aufhören des jetzigen Durcheinanders als ſie und niemand kann beſſer als ſie gründliche Abhülfe ſchaffen.
Der Verband der ſchweiz. Preſſe hat ſich bereits in dieſem Sinne an alle ſeine Mitglieder gewendet und hat reiche Zuſtimmung gefunden; es läßt dies auf allſeitiges Entgegenkommen in allen Kreiſen hoffen.
Ein Hindernis beſteht noch darin, daß vielfach die Anſicht herrſcht, daß dieſe Orthographie wieder etwas ganz Neues bringen und das Bisherige umſtürzen werde. Es iſt dies nicht richtig. Dieſer Aufruf z. B. iſt nach Dudens „Orthographiſchem Wörterbuch“ gedruckt, was am beſten beweiſt, wie wenig Aenderungen die gewünſchte Reform bringen wird. Wenn den Buchdruckern jetzt einfach freie Hand gelaſſen wird, alle Druckſachen nach der nun beſtimmten Orthographie zu drucken, ſo wird dieſe Orthographie faſt unbemerkt nach und nach allgemein zur Anwendung gelangen.
Durch ſolch einmütiges Vorgehen wird es gelingen, in verhältnismäßig kurzer Zeit aus dem jetzt herrſchenden Wirrwar von mindeſtens drei verſchiedenen Orthographien herauszukommen und der deutſchen Schweiz endlich zu einer einheitlichen Orthographie zu verhelfen.
Wir hoffen zuverſichtlich, daß ſämtliche Behörden, die Schule, kurz jedermann uns in unſern Beſtrebungen thatkräftig unterſtützen werden.
Hochachtungsvoll
Baſel, Bern u. Zürich, 27. Okt. 1892.
Verband der ſchweiz. Preſſe.
Verein ſchmerz. Buchdruckereibeſitzer.
Schweiz. Typographenbund.
Schweiz. Buchhändler-Verein.