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Über die Zukunft nachzudenken ist nichts Neues: Philosophen, Historiker und Dichter spekulieren seit Jahrtausenden über die Zukunft, ebenso wie die Neandertaler, als sie in den nächtlichen Sternenhimmel hinaufblickten. Aber es auf organisierte Weise zu tun und dabei systematisch Methoden anzuwenden, ohne Projektionen auf Religion, ein enges oder einzelnes Interesse oder sich auf eine Ideologie zu stützen, ist etwas relativ Neues in der Geschichte der Menschheit. So wie ein Baum von vielen Wurzeln genährt wird, so hat sich auch die heutige Zukunftsforschung aus vielen Wurzeln entwickelt: die chinesische Schriftsammlung «I Ging», Platons Diskussionen über die Ideenstadt in «Politeia», Leonardo da Vincis Vorstellungen von der Zukunft der Technologie, Jakob Bernoullis Entwicklung der Wahrscheinlichkeitstheorie in «Ars Conjectandi», Thomas Mores Spekulationen in «Utopia», H. G. Wells’ Vorstellung von der soziotechnologischen Zukunft und viele andere.
Die Amerikaner sind der Ansicht, dass die Zukunftsforschung bei der 1948 gegründeten RAND Corporation mit den Szenarien von Herman Kahn und Delphi von Olaf Helmer, Norm Dalkey und Ted Gordon begann. Die Franzosen sagen, es habe mit der «Prospektive» aus Gaston Bergers Studie über die möglichen Zukünfte am Centre d’études prospectives im Jahr 1957 begonnen, und ergänzen, dass Bertrand de Jouvenel 1967 die erste philosophische Abhandlung über das Denken über die Zukünfte in «Die Kunst der Vorausschau» veröffentlicht habe.
Alvin Tofflers «Der Zukunftsschock» aus dem Jahr 1970 verlagerte «die Zukunft» aus dem Hoheitsgebiet von Science-Fiction und Elitedenkfabriken in den zeitgenössischen öffentlichen Diskurs. Dadurch wurde es respektabel, ernsthaft über die Zukunft nachzudenken und darüber, was wir heute tun könnten, um sie besser zu machen.
Das erste Doktorandenprogramm für allgemeine Zukunftsforschung wurde 1969 an der School of Education der University of Massachusetts eingerichtet und ein spezifischeres Doktorandenprogramm für politische Zukunftsforschung an der University of Hawaii. Es gibt immer noch akademischen Widerstand gegen Zukunftsforschung, der argumentiert, dass die Zukunft nicht existiere; wie sollte man sie also studieren können? Ausserdem gibt es keine Qualitätskontrolle oder vereinbarte Standards. Man hat sich noch nicht einmal auf einen Namen dafür geeinigt. Handelt es sich um Zukunftsforschung, Projektion, Futurologie, Futuristik oder Prognostik?
Vorlaufzeit erhöhen
Die Kräfte der Natur, die gesellschaftliche Dynamik, wissenschaftliche Entdeckungen und technologische Innovationen bestimmen weitgehend unsere Zukunft. Da sich die menschlichen Fähigkeiten jedoch weiterentwickelt haben, prägen unsere Entscheidungen zunehmend die Zukunft der Menschheit. Das Tempo des technologischen und medizinischen Fortschritts wurde durch Präsident Kennedys Fernziel verändert, einen Mann auf dem Mond abzusetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde eine Reihe von Technologien erfunden, die wiederum in Satellitenkommunikation, bessere Materialien und medizinische Fortschritte mündeten, die unser Leben veränderten. Das erste Foto der ganzen Erde aus dem Weltraum veränderte unsere Perspektive. Die Gesellschaft kann die Zukunft nicht kontrollieren, aber sie kann den Lauf der Geschichte beeinflussen. Dieser Einfluss macht es die Mühe wert, die Balance zwischen dem, was wir wollen, und dem, was möglich ist, zu berücksichtigen.
Wenn ein Auto nachts langsam fährt, muss die Scheinwerferbeleuchtung nicht sehr weit reichen, um sicher zu fahren, aber wenn man schneller fährt, sollten die Scheinwerfer weiter die Strasse entlangleuchten, damit die Zeit reicht,…