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Briefe aus einer anderen, einer vergangenen Welt. Aus einer faszinierenden, vielschichtigen, nicht immer einfach zu deutenden Welt, aus den Jahren zwischen 1887 und 1889, die Kipling auf seiner verlängerten Heimreise von Indien über Asien und Amerika nach England schrieb. Rudyard Kipling (1865 bis 1936), der in Indien geborene Brite, wurde vor allem berühmt als Autor der „Dschungelbücher“ und erhielt, als solcher, sogar den Literatur-Nobelpreis des Jahres 1907. Aufgewachsen abwechselnd in Indien und England, kam er mit 16 Jahren nach Pakistan und begann dort bei einer Zeitung – „The Civil and Military Gazette“ – zu arbeiten, zunächst als „Mädchen für alles“, bald aber schon schreibend. Ab Mitte der 1880er Jahre verfasste er Reisereportagen, für die er durch ganz Indien tingelte. Dabei war sein Blickwinkel kein einfacher, als englischer Kolonialist und Imperialist, den aber gleichzeitig die Oberflächlichkeit der britischen Kolonialgesellschaft langweilte und der sich offenbar immer wieder von der verwirrenden, in den Augen seinesgleichen sicher „wilden“ indischen Gesellschaft angezogen fühlte. Schließlich war Kipling denn auch wieder britisch genug, um das alles mit einer Portion feinen Humors und Selbstironie zu betrachten.
Wer sich vor diesem Hintergrund in eine literarische Reise in die Vergangenheit einlässt, wird mit einem ganz außergewöhnlichen Lesevergnügen belohnt. In den drei Teilen des Buches – Indien, Asien und Amerika – haben wir es mit ganz unterschiedlichen Texten zu tun. In Indien kennt Kipling sich aus, hier ist er zuhause, während er sich in Asien eher wie ein Tourist gibt und in Amerika, tja, dort wieder in seine Rolle als Brite schlüpft, der die Amerikaner zwar einerseits bewundern mag, sie aber andererseits doch sehr herablassend betrachtet. Allerdings, sein großes Vorbild unter seinen zeitgenössischen Autorenkollegen ist niemand anderes als Mark Twain, den er gegen Ende seiner Reise sogar persönlich trifft. Und der ihm einen, fast könnte man sagen für Twain typischen, Schreibtipp gibt: „Sammeln Sie Ihre Fakten, um sie dann nach Lust und Laune zu verdrehen!“
Was könnte man dem noch hinzufügen. Außer vielleicht, als Inhaltszusammenfassung, diesen Auszug aus dem Verlagstext: „Von den Geisterstädten Rajasthans zu den Hafenspelunken Kalkuttas, von den Handelszentren im Indischen Ozean und Südchinesischen Meer zu den Naturwundern Japans, von der Pazifikküste ins Herz des Wilden Westens: Anlässlich seines 150. Geburtstags liegen diese originellen, fesselnden, manchmal derben, sehr oft amüsanten Texte Kiplings erstmals in einer vollständigen deutschen Übersetzung vor. Sie lassen keinen Zweifel daran, dass Kipling zu den außergewöhnlichsten Reiseschriftstellern seiner Zeit zählt – und seinem großen Vorbild Mark Twain in nichts nachsteht.“
Auch das kann man so stehen lassen. Ergänzt noch um den Hinweis, dass dieses Buch nicht nur inhaltlich ein kleines Juwel ist, sondern auch, wie wir es vom mare-Verlag gewöhnt sind, auch rein äußerlich höchst liebevoll und schön gestaltet und hergestellt ist.