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Parasiten sind hochspezialisierte Lebensformen, die sich von einem Wirt ernähren. Dies kann sich sowohl negativ als auch positiv auf die Fitness des Wirtes auswirken. Es existieren sogar Parasiten, die auf eine bestimmte Parasitenart selber spezialisiert sind. Schätzungen zu Folge sind die Hälfte aller Lebewesen auf unserem Planten Parasiten und unzählige sind noch unentdeckt. Dieser Artikel bietet einen kurzen Überblick über Parasiten bei Reptilien. In der Unterkategorie „Parasiten“ werden in Zuknft einzelne Krankheitserreger genauer beschrieben.
Eigenschaften von Parasiten
Parasiten können also Krankheitserreger sein. Einige Parasiten, die zu den Gliederfüsser zählen, sind mit den menschlichen Auge sichtbar, wie Milben oder Zecken. Andere gehören zur Ordnung der Würmer oder Einzeller, die nur mit Hilfe eines Mikroskops erkennbar sind. Parasiten lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: den Ektoparasiten, die ausserhalb des Organismus agieren, wie Milben, und den Entoparasiten, die im Körper des Wirtes leben.
Bakterien, Viren und Pilze sind zwar ebenfalls Krankheitserreger, zählen aber nicht zu den parasitären Formen.
Nicht alle Parasiten sind für das Reptil gefährlich. Mitunter werden durch die Beutetiere Parasiten aufgenommen, die für die Schlange völlig unschädlich sind. Diese nennt man Darmpassanten. Sie können mitunter für ein falsches positives Ergebnis bei der Analyse von Kotproben verantwortlich sein.
Reptilien in Gefangenschaft sind häufiger von Parasiten befallen als ihre Artgenossen in der freien Natur, da sie in einem ausgeglichen natürlichem Wirt-Parasit-Verhältnis leben. Der Stress in der Gefangenschaft führt zu einer Störung dieses Gleichgewichts zugunsten der Parasiten.
In einem Zweitraum von 10 Jahren verstarben im Detroiter Zoo 1300 Reptilien. 12% starben direkt aufgrund von Parasitenbefall. Insgesamt hatten 50% aller toten Reptilien Parasiten. Im Vergleich dazu hatten nur 15% aller verstorbenen Vögel und 32% aller Säugertiere im gleichen Zeitraum Parasiten. Nikola Pantchev stellte sogar bei 69.9% (1585 Proben) aller untersuchten Reptilienkotproben in seiner Praxis Parasiten fest. (vgl. Pantchev 2008: 14 f.)
Parasiten können unterschiedliche Schäden verursachen. Viele Milbenarten saugen Blut und bewirken so eine Blutarmut. Zecken übertragen gefährliche Viren oder Bakterien auf das Reptil, dessen Immunsystem diese nicht abwehren kann. Die häufigsten Parasiten beschädigen den Darm, wie beispielsweise Haken-, Spühl- oder Zwergfadenwürmer. Sie beissen sich an der Darmschleimhaut fest und können sogar innere Blutungen verursachen. Folglich sterben diese Zellen ab und der Körper kann die wichtigen Nährstoffe nicht mehr verwerten. Die betroffene Schlange verhungert. Pfriemenschwänze hingegen entziehen dem Wirt „nur“ wichtige Nährstoffe. Die Tiere kämpfen mit Wachstumsschwierigkeiten und bei sehr schwerem Befall kann auch dies zum Tod führen. Kokzidien, gehörend zur Ordnung der Einzeller, verursachen Durchfall. Das Tier trocknet aus und stirbt an Nierenversagen. In der Lunge siedeln sich Lungen- und Zungenwürmer an. Die erkrankte Schlange kann keinen Sauerstoff mehr aufnehmen und Kohlendioxid ausscheiden. Dieser Zustand löst ein multiples Organversagen aus.
Die Grösse des Schadens hängt immer von der Menge der Parasiten und deren Entwicklungsstadien ab.
Endogener und exogener Kreislauf
Ein endogener Parasit kann in seinem Wirt alle Entwicklungsstadien durchlaufen. Sie sind auf keine Zwischenwirte angewiesen. Ihnen genügen die im Terrarium vorkommenden Parameter, wie Wasser, Luftfeuchtigkeit und dergleichen. Die Schlange scheidet zwar die Parasiten regelmässig aus, aber durch den begrenzten Raum des Terrariums nimmt sie diese immer wieder von neuem auf. Dadurch vermehren sich endogene Parasiten rasend schnell. Exogene Parasiten sind immer auf Zwischenwirte, wie Beutetiere, angewiesen und vermehren sich deshalb weniger schnell.
Kotproben richtig entnehmen
Kotproben sind am besten frisch und feucht und sollten schnellst möglichst ins Labor gelangen. Manche Einzeller sterben sehr schnell ab und sind deshalb nicht mehr beweisbar. Verunreinigungen mit Substrat muss vermieden werden, denn dies kann zu einer Kontamination mit anderen Kleinstlebewesen im Terrarium führen, die für die Schlange ungefährlich sind. Die allermeisten Parasiten lassen sich aber innerhalb von 24 Stunden im Kot nachweisen. Nur eine exakte parasitologische Diagnose ermöglicht die richtige Therapie des kranken Reptils.
Vorsorge und Therapie
Parasiten zeigen auf wie enorm wichtig eine Quarantäne jedes neuen Tieres ist, bevor es in eine Gruppe integriert wird. Idealerweise dauert dies 3 Monate. Eine Kotuntersuchung ist unabdingbar. Auch sollte vor jeder Winterruhe eine Untersuchung durchgeführt werden. Gerade Pfriemenschwänze verursachen während der Winterruhe grosse Schäden.
Mindesten viermal pro Jahr muss das Kornnatterterrarium komplett gereinigt werden, selbst dann wenn noch keine Parasiten entdeckt wurden.
Die Therapie erfolgt auf drei Ebenen. Die erste Ebene ist die der direkten Parasitenbekämpfung. Hier werden die Parasiten zielgerichtet mit entsprechenden Medikamenten vom Tierarzt bekämpft. Auf der zweiten Ebene werden, ebenfalls vom Tierarzt, die Folgeschäden der Parasiteninfektion (Sekundär-Krankheiten) therapiert. Auf der dritten Ebene muss das Terrarium regelmässig komplett gereinigt werden, bis das Tier wieder gesund ist. Dies ist für die Eindämmung der Parasiten die wichtigste Massnahme.
Liteatur: Schneller, Paul; Pantchev Nikola (2011): Parasitologie bei Schlangen, Echsen und Schildkröten: Ein Handbuch für die Reptilienhaltung.