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Das Forschungsprojekt «Gastbaumarten» ist ein internationales Kooperationsprojekt von Forschungsanstalten und Universitäten unter der Leitung der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Ziel des Forschungsprojektes ist, die Eignung von sechs noch wenig bekannten Gastbaumarten für den Anbau in einem zukünftig wärmeren und trockeneren Klima zu testen. Dabei soll auch geklärt werden, ob die Wurzeln der ausgewählten Gastbaumarten am Zielstandort ausreichend mit Mykorrhizen besiedelt werden.
Details zum Projekt
Projektdauer
2011 - 2019
Projektleitung
Das Saatgut stammt aus Bulgarien, der Türkei und den USA. Die Baumarten wurden in einem umfangreichen Prüfverfahren nach ökologischen und ökonomischen Kriterien ausgewählt; es wurde z.B. sichergestellt, dass eine Baumart nicht invasiv und nicht krankheitsanfällig ist und dass sie brauchbares Holz produziert (Schmiedinger et al. 2009). Bei der Auswahl der Baumarten wurde von einer Erwärmung um 2 °C ausgegangen. Die 6 Baumarten werden mit einer standortsheimischen Baumart verglichen, in Mutrux mit der Traubeneiche (Quercus petraea). Die Sämlinge wurden ab Herbst 2009 in Baumschulen angezogen und im Herbst 2012 ausgepflanzt.
Das experimentelle Design ist ein Blockversuch mit 7 Behandlungen (=Baumarten) und 3 Wiederholungen. Die Versuchsfläche bei Mutrux ist rund 3 ha gross, jede der 21 Teilparzellen 0.12 ha. Der Pflanzverband ist 2 m x 2 m. Dieses Design erlaubt es, pro Baumart eine genügende Anzahl Bäume bis ca. ins schwache Baumholz zu beobachten.
Die vegetations- und bodenkundlichen Erhebungen sowie die Erhebungen an den gepflanzten Bäumen werden mit den Projektpartnernabgestimmt (Parameter, Erhebungsmethode, Zeitpunkt, erfasstes Kollektiv), damit die Daten vergleichbar sind. Der Fokus liegt auf dem Baumwachstum, der Mortalität, der Phänologie und auf Krankheiten und Schädlingen. Eine separate Studie wird zur Mykorrhizierung der Sämlinge bei Entnahme aus der Baumschule und ein Jahr später am Wuchsort durchgeführt.
Unter Gastbaumarten versteht man Baumarten, welche in ein Gebiet eingeführt werden, wo sie von Natur aus nicht vorkommen. Gastbaumarten müssen gepflanzt werden, können sich aber später natürlich verjüngen. Ein Synonym für Gastbaumarten sind exotische Baumarten.
Abies bornmuelleriana
Fagus orientalis
Tilia tomentosa
Cedrus libani
Thuja plicata
Tsuga heterophylla
Quercus petraea
Pflanzenliebhaber, Gärtner und Förster experimentieren seit Jahrhunderten mit Gastbaumarten, in Parks, in Gärten und im Wald. Motive dafür waren die Faszination des Fremden, die Bewunderung für mächtige Baumgestalten und ein wirtschaftliches Interesse an rasch wachsenden Holzarten. Die meisten Gastbaumarten haben sich nicht bewährt. Wenige werden aber heute verwendet; weltweit in Plantagen zum Beispiel die Monterey-Föhre (Pinus radiata), bei uns die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) und die Roteiche (Quercus rubra). In der Schweiz gibt es auch Versuchspflanzungen mit der Atlaszeder (Cedrus atlantica). Heute ist das Interesse an Gastbaumarten wieder erwacht, weil infolge des Klimawandels der Ausfall ökonomisch wichtiger Baumarten wie der Fichte (Picea abies) zu befürchten ist. Es wird nach Ersatz gesucht: Baumarten, die ähnliche Holzeigenschaften aufweisen, aber ein wärmeres und trockeneres Klima ertragen.
Erwartete Resultate und Praxisrelevanz
Der Anbauversuch erlaubt es zu beurteilen, wie gut die Baumarten im Quervergleich überleben, wachsen und frei von Krankheiten und Schädlingen bleiben, sowie wie weit ihre Wurzeln mykorrhiziert sind. Aus dem Projekt wird nach wenigen Jahren eine vorsichtige Anbauempfehlung der Baumarten resultieren. Mit zunehmender Beobachtungsdauer werden die Aussagen zuverlässiger. Es wird dabei nicht darum gehen, die Baumarten in der Schweiz auszuwechseln, sondern geeignete Baumarten zu kleinen Anteilen mit bereits erprobten Baumarten zu mischen.