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In der Schweiz spielen vor allem Spulwürmer (Toxocara canis) eine Rolle. In verschiedenen Schweizer Studien hatten sechs bis 16 Prozent der Hunde Spulwürmer. Bandwürmer wie Taenien und Fuchsbandwurm wurden bei einem bis drei Prozent der Hunde gefunden. Auch Lungenwürmer spielen eine Rolle, selten sind hingegen Peitschenwürmer und sehr selten Hakenwürmer. Trotzdem werden sie gelegentlich nachgewiesen.
1. Welche Hunde infizieren sich mit höherer Wahrscheinlichkeit?
Welpen, säugende Hündinnen sowie Hunde, die regelmässig unbeaufsichtigt draussen unterwegs sind. Bei Hundewelpen wird empfohlen, sie ab dem Alter von zwei Wochen regelmässig zu entwurmen.
2. Über welche Art von Futter infizieren sich Hunde?
Wildlebende Mäuse und andere Nagetiere beherbergen oft Parasiten. Auch über rohes Fleisch, rohen Fisch oder Tierkadaver können sich die Vierbeiner anstecken. Hunde, die eine Vorliebe für Schnecken haben, sind besonders gefährdet, sich Lungenwürmer zu holen.
3. Was sollten Hundehalter beachten, die ihre Hunde «barfen»?
Barf ist biologisch artgerechtes rohes Futter. Das Fleisch sollte vor dem Verfüttern mindestens eine Woche lang bei minus 17 Grad tiefgefroren werden. Diese Temperaturen überleben die infektiösen Parasitenstadien nicht. Wie hoch das Risiko einer Ansteckung ist, wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, wissen Forscher allerdings noch nicht. Sicher ist aber, dass Ansteckungen auf diesem Weg vorkommen.
4. Lässt sich das Infektionsrisiko senken, wenn ein Hundehalter das Futter für sein Tier selbst zubereitet?
Ja, indem Fleisch oder Schlachtabfälle mindestens zehn Minuten lang auf 65 Grad oder mehr erhitzt werden.
5. Kann man mit Kotuntersuchungen den Befall feststellen?
Eigentlich wäre es sinnvoll, den Hund nur zu entwurmen, wenn die Kotprobe «positiv» ist, also einen Befall mit Würmern zeigt. Da an manchen Tagen aber nur wenig Wurmeier ausgeschieden werden und an anderen Tagen viele, kann es sein, dass bei einer Kotuntersuchung am «falschen» Tag keine Wurmeier entdeckt werden. Auch falls sich der Hund erst kurz vor der Kotuntersuchung angesteckt hat, fällt die Kotuntersuchung fälschlicher-weise negativ aus. Um die «Trefferquote» bei der Untersuchung zu erhöhen, sollte man Kotproben über drei Tage sammeln und möglichst frisch untersuchen lassen.
6. Wie verlässlich ist die Kotuntersuchung?
In einer US-Studie wurden damit je nach Parasitenart zwischen 44 und über 80 Prozent der wurmbefallenen Hunde erkannt. Wie verlässlich das Ergebnis ist, hängt massgeblich von der Erfahrung der Person ab, welche die Kotprobe mikroskopisch beurteilt. Zu falschen Resultaten kann es auch kommen, wenn der Kot nicht frisch ist oder wenn der Hund Kot von anderen Tieren, beispielsweise von anderen Hunden oder Füchsen, gefressen hat. Die beste Gewähr für eine qualitativ gute Untersuchung bieten Labors, die dafür «iso-zertifiziert» sind.
7. Gibt es weitere Untersuchungsmethoden?
Je nach Parasit werden auch Erreger im Blut nachgewiesen, oder es wird nach charakteristischen Bestandteilen der Parasiten im Blut gesucht. Bestimmte Parasiten wie Herzwürmer und Hautfilarien findet man nur mittels Bluttest.
8. Wie gut ist die «PCR»-Methode?
Bei der «PCR», zu deutsch «Polymerase Kettenreaktion», wird nach dem Erbgut von Parasiten gesucht. Sie wird benützt, um beim Befall mit Bandwürmern herauszufinden, ob es sich um einen «harmlosen» Hundebandwurm handelt oder um den gefährlichen Fuchsbandwurm.
9. Was ist vom «wurmcheck»-Test zu halten?
Dieser Test weist laut Hersteller unter Laborbedingungen elf verschiedene Parasitenarten mittels PCR nach und wäre somit hervorragend für die Diagnostik geeignet. Dennoch raten sowohl die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin als auch die Europäische Expertengruppe ESCCAP vom «wurmcheck» ab. Denn bislang gibt es keinen Beweis, dass dieser Test der Kotuntersuchung überlegen ist. Gemäss dem Hersteller wurde eine entsprechende Vergleichsstudie bereits vor mindestens vier Jahren initiiert, die Resultate sind bisher jedoch nicht veröffentlicht. Auch wenn ein Test unter Laborbedingungen funktionieren mag, müsste man ihn erst unter Praxisbedingungen testen, um seinen Nutzen abschätzen zu können.
10. Wie oft muss man einen Hund mindestens entwurmen, um auf der sicheren Seite zu sein?
Das hängt ganz davon ab, unter welchen Bedingungen er lebt, wie alt er ist, was er zu fressen bekommt – und was er «nebenbei» noch alles futtert. Ein- oder zweimaliges Entwurmen pro Jahr genügt Fachleuten zufolge in fast keinem Fall. In einer Schweizer Studie wurden über 100 Hunde alle drei Monate entwurmt. Trotzdem fanden die Forscher bei mehr als der Hälfte der Hunde mindestens einmal innerhalb eines Jahres Wurmeier im Kot.
11. Wie kann das sein?
Das Anti-Wurm-Medikament wirkt nur etwa 24 Stunden. Der Hund könnte sich also zwei Tage nach dem Entwurmen erneut mit Wurmeiern anstecken. Nimmt ein Hund beispielsweise Eier von Spulwürmern auf, dauert es gut vier Wochen, bis sich daraus adulte Würmer entwickelt haben, die dann selbst Wurmeier produzieren. Wenn ein Hund, der sich regelmässig damit ansteckt, nur alle drei Monate entwurmt wird, scheidet er also jeweils rund zwei Monate lang Wurmeier aus.
12. Was soll ein Hundehalter tun, der sein Tier nicht so oft entwurmen will?
Je nach Infektionsrisiko könnte er in monatlichen oder vierteljährlichen Abständen eine Kotuntersuchung durchführen lassen – wobei der Hund im letzteren Fall zeitweise Wurmeier ausscheiden wird. Bedenken sollte man, dass einige Hundeparasiten für den Menschen gefährlich sein können, beispielsweise der Fuchsbandwurm. Einer Schätzung zufolge infiziert sich einer von zehn Hunden irgendwann im Lauf seines Lebens damit. Bei Hunden, die auf dem Land leben, steckt sich demzufolge sogar jeder zweite Hund innerhalb seiner ersten drei Lebensjahre damit an.
13. Bringt das Entwurmen die Darmflora des Hundes durcheinander?
Die Bakterien werden durch Wurmmedikamente kaum gestört, weil die Medikamente nicht gegen Bakterien wirken. Die «Wurmflora» indes wird erheblich gestört – was ja das Ziel ist.
14. Gibt es Kräuter oder andere Präparate, die anstelle der Anti-Wurm-Medikamente eingesetzt werden können?
Bisher sind keine Studien veröffentlicht worden, die eine überzeugende Wirkung gezeigt haben.
15. Warum ist es wichtig, den Kot von Hunden im Hausmüll zu entsorgen?
Je nach Parasitenart können die ausgeschiedenen Eier monate- oder jahrelang im Boden überleben und zu Neuansteckungen führen.
Quellen: Manuela Schnyder, Institut für Parasitologie, Vetsuisse Fakultät Zürich; European Scientific Counsel Companion Animal Parasites ESCCAP; Veterinary Parasitology; Saari S. et al.: «Canine Parasites and Parasitic Diseases», Academic Press 2019; Deplazes P. et al.: «Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin»;
www.microscheck.ch; Parasitological Research; Trends in Parasitology