Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03163.jsonl.gz/1784

(Linnaeus, 1758)
- DE: Grünes Heupferd | Grosses Grünes Heupferd
- EN: Great Green Bush-cricket
- FR: La Grande Sauterelle verte
- IT: Locusta verdissima | Cavalletta verde
- Syn.: Tettigonia viridis cantatrix De Geer, 1773 | Tettigonia caudata flava Nedelkov, 1907 | Agraecia incognita Piza, 1970 | Tettigonia paoli intermedia Jannone, 1937 | Tettigonia viridissima meridionalis Shugurov, 1912 | Conocephalus ambiguus macroptercus Bolívar, 1890 | Tettigonia paoli Capra, 1936 | Tettigonia trinacriae Jannone, 1937
Morphologie
Tettigonia viridissima gehört zu den grössten und häufigsten Heuschrecken Mitteleuropas. Die Grundfarbe ist hellgrün oder seltener gelblich, vor allem bei älteren Individuen. Besonders die Beine sind manchmal gelblich und die Hinterschenkel-Unterseite ist oft deutlich heller bis fast weiss. Kopf- und Halsschild-Oberseite und speziell das Gesangsorgan sowie die Flügeloberkante sind bräunlich bis schwarz. Die schmalen Flügel sind lang und überragen die Hinterknie meist deutlich um rund 2 cm, was sie von der ähnlichen Tettigonia cantans unterscheidet. Die fast körperlange Legeröhre des Weibchens ist leicht nach unten gebogen und kann in Ausnahmefällen auch gerade bis leicht nach oben gebogen sein. Sie wird oft durch die Flügel verdeckt. Die männlichen Cerci sind schlank, leicht nach innen gebogen, laufen stetig in die verrundete Spitze und tragen im ersten Drittel einen kleinen Innenzahn. Sie überragen die Styli etwa um deren Länge.
Gesang
Der Spontangesang von Tettigonia viridissima kann schon aus 100-200 m Entfernung gehört werden. Die Tiere sitzen meist erhöht in Hochstauden, Büschen oder Bäumen. Unterschiedlich lange Strophen aus gleichartigen, 2-silbigen Versen reihen sich aneinander. Beginn und Ende der Strophen sind abrupt. Seltener dauern die Strophen pausenlos über Minuten. Das Frequenzspektrum liegt im Bereich von 5-40 kHz (Tettigonia viridissima übertönt im Ultraschall-Detektor viele andere Arten) und zeigt ein Maximum bei 9,7-12,5 kHz. Bemerkenswert ist der Gesangsunterschied bei hohen gegenüber tiefen Temperaturen. Interessant ist, dass die Strophendauer nicht stark durch die Temperatur beeinflusst wird, die Strophen enthalten lediglich eine unterschiedliche Anzahl Verse. Bei Temperaturen von 33 °C werden bis 22 Verse pro s, bei 10 °C nur noch 4-5 Verse pro s erzeugt.
Spontangesang von Tettigonia viridissima bei hohen Temperaturen - AT, Niederösterreich, Eichkogl bei Mödling, 33 °C, sonnig.
Spontangesang bei mittleren Temperaturen von Tettigonia viridissima - CH, SG, Schmerikon, 17 °C (Aufnahme Bruno Keist).
Spontangesang bei tieferen Temperaturen von Tettigonia viridissima - CH, TI, Mendrisio, 18 °C, abends.
Vier zweisilbige Verse aus dem Spontangesang von Tettigonia viridissima - CH, TI, Mendrisio, 18 °C, abends.
Verbreitung
Tettigonia viridissima ist von Portugal über die Iberische Halbinsel und Mitteleuropa bis in den zentralasiatischen Raum verbreitet. Die nördliche Verbreitungsgrenze erreicht den Süden Englands und Skandinaviens. In der Schweiz ist sie in allen Landesteilen unterhalb von 1000 m weit verbreitet, in Deutschland flächendeckend über das ganze Land. Sie fehlt lediglich in den höheren Lagen oberhalb von rund 1500 m.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Tettigonia viridissima finden sich in Mitteleuropa von Juni bis Oktober.
Die Eier werden in den Boden abgelegt und können bis zu fünf Jahre überdauern, ehe sie schlüpfen. Diese Tatsache erklärt, weshalb Larven an Stellen auftauchen können, an denen sich in den Vorjahren keine ausgewachsenen Tiere aufhielten. Die Embryonalentwicklung dauert im Minimum 1,5 Jahre, die Eier überwintern also mindestens zweimal, bevor die Larven schlüpfen. Die Eier sind wesentlich besser an Trockenheit angepasst als jene von Tettigonia cantans, weshalb die beiden Arten selten in denselben Lebensräumen anzutreffen sind. Die Larven von Tettigonia viridissima durchlaufen 7 Stadien. Die Larven halten sich vorwiegend in der Krautschicht auf, während die ausgewachsenen Tiere oft in der Strauch- und Baumschicht anzutreffen sind. Auf der Suche nach geeigneten Singwarten steigen die Männchen bis in die Baumkronen. Tettigonia viridissima ernährt sich räuberisch von kleinen Arthropoden und von pflanzlicher Kost. Die Art ist für einige Vögel wie Zwergohreule, Steinkauz, Turm- und Rötelfalke, Weissstorch und verschiedene Würgerarten eine beliebte Beute.
Lebensraum
Solange ausreichend Wärme vorhanden ist, stellt Tettigonia viridissima geringe Ansprüche an den Lebensraum. Es werden Waldränder, lichte Wälder, Hecken, langgrasige Wiesen, Ruderalstandorte und Gärten besiedelt. Im Siedlungsgebiet zählt die Art zu den häufigsten Heuschrecken und ist gelegentlich auch in Gebäuden anzutreffen. Im Kulturland werden Getreide- und Kartoffelfelder, Brachen, Fettwiesen, Strassen- und Bahnböschungen besiedelt, sobald ausreichend hohe Vegetation vorhanden ist.
Gefährdung & Schutz
Tettigonia viridissima kann aufgrund ihrer geringen Lebensraumbindung fast überall ein Auskommen finden. Selbst in dicht besiedeltem Gebiet kann sie existieren, wenn Einzelbäume und vereinzelte Grünflächen vorhanden sind. Daher ist die Art weder im gesamten Verbreitungsgebiet noch lokal gefährdet.
- CH: LC (Nicht gefährdet)
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Tettigonia viridissima kann mit den beiden anderen Arten der Gattung Tettigonia verwechselt werden. Bei Tettigonia cantans reichen die Flügel nur knapp über den Hinterleib und die weibliche Legeröhre ist bei Tettigonia cantans leicht nach oben gebogen. Tettigonia caudata ist im Unterschied zu Tettigonia viridissima bis auf das Gesangsorgan einheitlich grün und weist in beiden Geschlechtern auf der Hinterschenkel-Unterseite grosse, schwarze Dornen auf, die Tettigonia viridissima fehlen. Grüne Individuen von Ruspolia nitidula sind einfarbig, schlanker als Tettigonia viridissima und weisen einen spitzen Kopfgipfel auf. Der Gesang von Tettigonia viridissima kann tagsüber am ehesten mit demjenigen von Decticus verrucivorus verwechselt werden. Decticus verrucivorus singt jedoch ohne Unterbruch und die einzelnen „zick“-Laute sind schärfer. Bei tiefen Temperaturen in der Nacht erinnert der Gesang an denjenigen von Tettigonia cantans. Die Strophen von Tettigonia viridissima werden aber immer wieder durch kurze Pausen unterbrochen, zudem kann man die einzelnen Verse gut getrennt wahrnehmen. Tettigonia cantans singt bei tiefen Temperaturen ununterbrochen oder zumindest deutlich länger anhaltend.