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Konkurrenzmärkte und Selbstversorgung
In der Marktwirtschaftlichen Theorie geht man davon aus, dass in „Konkurrenzmärkten“ nicht nur die Preise durch Angebot und Nachfrage gebildet werden, sondern dass umgekehrt auch das Angebot und die Nachfrage durch Preisänderungen geregelt werden. Auf diese Rückkoppelung kann man sich nicht generell verlassen, es gibt aber Unterschiede. In der Theorie werden die Marktgesetze gern an solchen Waren demonstriert, die wir nicht unbedingt brauchen, z.B. an Speiseeis. Je mehr das Eis kostet, desto weniger kaufen die Menschen davon und desto weniger braucht davon hergestellt werden. Die Märkte für solche Waren sind preiselastisch. Dagegen passen sich in der Landwirtschaft und in der Ernährung das Angebot (Produktion) und die Nachfrage (Konsum) kaum an die Höhe der Preise an; sie sind nicht preiselastisch. Das Essen mag noch so teuer werden, wir müssen es doch kaufen, um nicht zu verhungern. Wenn es extrem billig wird, werden wir uns vielleicht leckere Speisen leisten, aber im Ganzen werden wir nicht mehr kaufen, als bis wir gesättigt sind. Auf der anderen Seite, bei der Produktion, hat es sich immer wieder gezeigt, dass sinkende Preise nicht das Angebot verringern, sondern die Bauern dazu veranlassen, die Produktion zu steigern, damit sie weiter davon leben können. Das geht in der Regel zu Lasten der Natur, die stärker beraubt und geschädigt wird.
Diese Gesetzmäßigkeiten sind ein wesentlicher Grund dafür, dass in reichen Industrieländern der Staat mit Preisstützungen und einkommenswirksamen Subventionen eingreift. Die einzige rein wirtschaftliche Alternative besteht darin, dass die Marktteilnehmer so weit wie möglich das Prinzip der Selbstversorgung anwenden, indem sie entweder direkt beim Bauern kaufen, oder indem sie vom Handel verlangen, dass er die Herkunft der Waren genau deklariert, damit sie wissen, wo ihre Nahrung gewachsen ist. Warum ist das so? Jeder Mensch hat ein Recht auf Boden, auf dem er gehen, arbeiten und schlafen kann und auf dem seine Nahrung wächst. Dieses Recht auf Boden wird heute durch die Art, wie das Bodeneigentum gehandhabt wird, unmöglich gemacht. Es ist aber gültig, auch wenn nicht jeder Mensch die Arbeit am Boden selber macht.
Durch die Arbeitsteilung haben wir uns in der produktiven Arbeit Schritt für Schritt von der Landwirtschaft entfernt. Als Verbraucher dürfen wir uns nicht in der gleichen Weise von der Landwirtschaft unserer Region entfernen. Das tun wir, wenn wir uns mit Lebensmitteln auf einem anonymen Markt eindecken, den wir blind dem Wirken von Angebot und Nachfrage überlassen.
In der gewerblichen Wirtschaft ist Selbstversorgung ungünstig, die Waren verteuernd. Arbeitsteilung dagegen wirkt verbilligend. Auch in der Landwirtschaft ist das zunächst so. Hier kann man aber gut erkennen, dass die Nahrung schlechter wird, je weiter man sich von der Selbstversorgung entfernt. Sie wird zwar billig, aber für das, was sie gesundheitlich wert ist, zu teuer, und als Folge davon wird die medizinische Versorgung so teuer, dass im Ganzen ein Verlust eintritt. Man kann Völker ruinieren, indem man ihnen die Selbstversorgung in der Ernährung wegnimmt. Das schließt nicht aus, dass sich die Wirtschaftsgebiete bei Missernten dank dem weltweiten Verkehr gegenseitig helfen können. Auch in der Industrie tritt durch die Arbeitsteilung Qualitätsverschlechterung ein, sie ist aber hier weniger schädlich und kann durch Qualitätssicherung in Grenzen gehalten werden. Qualitätssicherung vermag aber nichts gegen die Verschlechterung in der denaturierten, industrialisierten Landwirtschaft.
Es kommt also nicht nur bei den Bauern auf das persönliche Interesse an, das sie ihrer Arbeit zuwenden. Auch in der Vermarktung der Produkte kommt es darauf an, denn auch die Verbraucher müssen sich persönlich darum kümmern, wo ihre Nahrung herkommt. Eine möglichst direkte, kleinräumige Vermarktung muss die Hauptrolle spielen. Sie muss nur soweit, wie es nötig ist, durch einen Handel über größere Entfernungen ergänzt werden.