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Buch des Monats Juli 2009
«Die liturgische und kirchenmusikalische Landschaft der Niederlande wurde während der vergangenen fünfzig Jahre weitgehend bestimmt durch Texte von Huub Oosterhuis (1933) und durch «seine» Komponisten: Bernard Huijbers (1922-2003), Tom Löwenthal (1954) und Antoine Oomen (1945).» Mit dieser Einschätzung der Bedeutung von Huub Oosterhuis beginnt die Einleitung von Kees Kok in das neuerschienene Buch mit 100 Liedern und Gesängen. In der Schweiz haben die Lieder aus der Amsterdamer Studentenekklesia sicherlich nicht die gleich grosse Bedeutung gehabt, trotzdem haben die biblisch-theologische Dichtung Oosterhuis und ihre Vertonung auch in der Schweizer Kirche ihre Wirkung entfaltet. Das zeigen nicht zuletzt die mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem Kurs zu den neuen Liedern Oosterhuis in der Propstei Wislikofen im Februar 2009.
In das neuerschienene Buch wurden 100 Lieder aufgenommen, die sich in der deutschen Übersetzung liturgisch bewährt haben. Viele Übersetzungen wurden noch einmal überprüft und verbessert.
Die Lieder sind in 5 thematische Abteilungen gegliedert:
1. Mensch auf Erden: über das leben der Menschen, von der Geburt bis zum Tod
2. Wort uns gegeben: über die Gemeinde und das Wort, das sie feiert
3. Gott von Menschen: über den Gott der Bibel, des Mose, der Propheten und Jesu
4. Mitten unter uns: über Jesus, sein Leben und Sterben und seine Sendung
5. Finsternis und Licht: über diese Welt und ihre Zukunft
Die Einteilung gibt auch Hinweise auf den möglichen liturgischen Gebrauch der Lieder: Die erste Abteilung bietet Gesänge zu menschlichen Grundsituationen und zu Passageriten, die zweite Abteilung zur Eröffnung und zum Wortgottesdienst; die Lieder der dritten Abteilung eignen sich für meditative Momente in der Liturgie, die der vierten Abteilung passen zu Weihnachten und Ostern…
Jede Abteilung beginnt mit einem kurzen Text, der in ihren biblisch-theologischen Hintergrund einführt. So entwirft die Einführung in die Abteilung 1, «Der Mensch auf Erden», ein Bild des Menschen auf dem Hintergrund des biblischen Schöpfungsberichtes in Gen 1. Sie reflektiert die biblische Erzählung über Erde und Mensch als Gegenrede gegen herrschende Meinungen das Leben sei nichts als ein Machtkampf. Die Einführung in die zweite Abteilung skizziert die Bibel als «Lernbuch der Lebens- und Glaubenserneuerung … mit beiden Beinen auf dem Boden». Die Einführung in den vierten Teil, «Mitten unter uns», beschreibt Jesus als Parabel des Menschen und als Parabel Gottes. Die kleinen Texte sind selbst Dichtungen, verdichtete theologische Perlen.
Die meisten abgedruckten Lieder sind mit Chorsätzen versehen. Weitere Vertonungen finden sich auf der Homepage www.huuboosterhuis.de. Dort ist auch eine CD-Box mit Aufnahmen der 100 Lieder und Gesänge.
Ausserdem bietet das Buch eine Einleitung, die die Geschichte der Amsterdamer Studentenekklesia skizziert und in das biblische Denken und Dichten Oosterhuis einführt.
Mit dem Buch lässt sich dank zweier Register gezielt bibelpastoral arbeiten. Die alphabetische Liederliste nennt nach jedem Lied die Bibelstelle, auf die es sich bezieht. Ihr folgt ein Bibelstellenregister zu den Liedern, das die biblische Bandbreite der Lieddichtungen zeigt – es werden insgesamt 27 biblische Bücher aufgeführt.
Dem Buch «Du Atem meiner Lieder» ist zu wünschen, dass es in vielen Gruppen und Gemeinden, in Liturgien und Bibelarbeiten, Verwendung findet und Wirkung zeigt und zu dem beiträgt, was im Einführungstext zur fünften und letzten Abteilung der Lieder über die Kirche gesagt wird: «Wenn es recht zugeht, dann sind Kirchen die bestgeeigneten Orten, an denen Menschen lernen, mit dem, was in der Welt geschieht, umzugehen. Nicht in Ergebung, sondern in Hoffnung.»
Peter Zürn – mit Dank an Elisabeth Bernet
Huub Oosterhuis, Du Atem meiner Lieder. 100 Lieder und Gesänge. Herausgegeben von Cornelis Kok, Herder Verlag Freiburg im Breisgau 2009, 220 S. ISBN 978-3-451-32139-9, CHF 30,90 Euro 16,95
Siehe auch Zitat der Woche 27/2009: www.bibelwerk.ch/index.php?&na=3,4