Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03400.jsonl.gz/141

Dubai erlebt seit einiger Zeit einen massiven Bau- und Tourismusboom. Nach einer Schätzung werden in den nächsten zehn Jahren 300 Mrd Dollar in neue Projekte investiert – einschliesslich des höchsten Gebäudes der Welt und einer künstlich aufgeschütteten Insel in Palmenform mit Luxushäusern. Bei all der Betriebsamkeit hat das Scheichtum am Persischen Golf übersehen, dass es auf ein riesiges Abwasserproblem zugesteuert ist. Dubais einzige, 30 Jahre alte Kläranlage ist den Anforderungen längst nicht mehr gewachsen. Jedes Jahr steigt der Abwasserausstoss um 25%. Nun sucht Dubai Wege, den Abfall anderweitig zu lagern oder die Abwässer wiederaufzubereiten.
In Mirdiff zum Beispiel werden Versitzgruben gebaut, bis der Stadtteil an das Abwassersystem angeschlossen ist. Zwei- bis dreimal im Monat werden sie von Tanklastern leergepumpt. Manchmal laufen sie allerdings vorher über.Jeden Tag stehen hunderte von Tanklastern an den drei Zugängen zur Kläranlage, um Abwässer zu entsorgen. Die Fahrer sagen, sie warteten teilweise bis zu zehn Stunden. Deshalb wären die Abwässer auch schon anderweitig entsorgt worden. «Wir versuchen den Leuten zu erklären, welche Probleme das nach sich ziehen kann», sagt Ijaz Ahmed Thir vom Abwasseramt der Stadt. «Wir haben Angestellte auf der Strasse, die für solche Vergehen hohe Strafen verhängen!»
Aisha al Abdooli, Chefin des Abwasseramts, sagt, dass die Stadt alles unternehme, um mit der steigenden Menge an Abwasser umzugehen. So soll ein Erweiterungsbau die Kapazitäten des Klärwerks deutlich erhöhen, und für 500 Mio Dollar ist darüber hinaus der Bau eines neuen Klärwerks in der Nähe von Jebel Ali geplant. Eine Teilinbetriebnahme der neuen Anlage soll im April 2009 erfolgen.
Bis dahin, so Abdooli, werde das dreimal geklärte Abwasser zum Bewässern der Gärten und Parks genutzt. «Die meisten grünen Bereiche und öffentlichen Parks werden mit diesem Wasser bewässert», sagt sie. Diese Praxis wird zunehmend auch an anderen Plätzen angewandt, sie ist jedoch für viele Besucher aus dem Westen, die keine übel riechenden Rasensprenger kennen, gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus könnten sich gesundheitliche Probleme ergeben, wenn das Wasser nicht entsprechend aufbereitet ist. Viele Eltern bringen deshalb ihre Kinder ins Haus, wenn die Sprenkleranlagen anspringen. «Ich versuche, meine Kinder so weit wie möglich von den Rasenflächen fernzuhalten», sagt eine Engländerin, die in den Arabien Ranches wohnt, einer Wohnanlage mit millionenteuren Domizilen. Der Bauträger der Anlage, Emaar Properties PJSC, gibt an, Wasser von der Dubaier Kläranlage für die Bewässerung zu verwenden, ebenso wie Wasser von seinen eigenen, kleineren Anlagen.
«Wir wissen, dass die Dubaier Behörden Massnahmen ergriffen haben, um das Geruchsproblem einzuschränken, und sie hatten damit auch schon einigen Erfolg», so eine Emaar-Sprecherin. John Robins, Geschäftsführer einer Mediengruppe in Dubai, schliesst jedes Mal das Dach seines Cabrios, wenn er in Dubai auf einem Boulevard fährt, wo Sprenkleranlagen die Grünflächen bewässern. «Der Geruch ist ziemlich widerlich», sagt er.