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Sein Name wird in der Schweiz nicht unbedingt mit Erfolg in Verbindung gebracht. In der NHL hat Guy Boucher diesen aber wiedergefunden: Mit den Ottawa Senators steht er im Viertelfinal der Stanley-Cup-Playoffs. Das verdankt er vor allem seinem neuen Führungsstil.
In Bern liessen sie kein gutes Haar an Guy Boucher, als er im November 2015 entlassen wurde. Nach anderthalb schlechten Saisons beim SCB zogen die Verantwortlichen damals die Reissleine und stellten den Kanadier frei. Sein Leistungsausweis: Eine Saison in der Platzierungsrunde, eine Halbfinalserie gegen Davos, die er mit 0:4 verlor, ein Cupsieg sowie die Entlassung, als der SCB unter dem Strich lag.
Umso grösser war die Verwunderung in der Schweiz, als man im Frühling 2016 lesen konnte, dass Guy Boucher einen neuen Job hat: Als Trainer der Ottawa Senators in der NHL. Der ehemalige ZSC-Trainer Marc Crawford reiste gleich mit in die kanadische Hauptstadt, Boucher machte ihn zu seinem Assistenten. Und in der Schweiz fragte man sich: Kann das gut kommen?
Es kann. Boucher führt die Senators in die Playoffs. Das Team ist im Vergleich zum Vorjahr, als Ottawa die Qualifikation für die entscheidende Phase der Meisterschaft kläglich verpasst hat, beinahe unverändert geblieben. Vor Beginn der Saison kamen nur drei neue Spieler hinzu, einer verliess die Sens. Dazu gab es noch einige wichtige Trades während der laufenden Saison.
Die Journalisten in Nordamerika sind sich aber einig: Der Hauptgrund für den Aufschwung ist Guy Boucher. Der 45-Jährige lässt in Ottawa – wie auch schon in Bern oder bei Tampa Bay – ultradefensives Eishockey im 1-3-1-System spielen. Das Ziel: Die Scheibe im Mitteldrittel vom Gegner zurückerobern und den Gegenangriff erfolgreich abschliessen. Dadurch schiessen die Sens zwar nicht extrem viele Tore, sie kassieren aber auch nur wenige.
Teamleader und Verteidiger Erik Karlsson sagt gegenüber CBC das Team sei unter Boucher extrem defensiv geworden und hebt hervor: «Wir spielen dieses Jahr die konstanteste Saison, die ich je in Ottawa erlebt habe.»
Jonas Siegel, Journalist bei «The Canadian Press» ist sicher, dass Boucher sich selbst als Coach und damit auch sein Team weiterentwickelt hat. Während er in seiner Zeit bei den Tampa Bay Lightning noch als harsch galt und seine Emotionen nicht immer im Griff hatte, nimmt sich der studierte Sportpsychologe mittlerweile mehr zurück. Er habe gelernt auch mal etwas loszulassen und Aufgaben an seine Mitarbeiter zu delegieren – unter anderem auch an Marc Crawford.
Boucher selbst sieht das ähnlich. «Die Leute fragen mich, was ich denn anders mache, als noch in der Zeit bei Tampa. Auf dem Eis: nichts. Es geht nicht ums Hockey», sagt Boucher gegenüber CBC. Es seien andere, kleine Dinge die entscheiden. Zudem pflege er auch einen direkteren Kontakt mit General Manager Pierre Dorion. «Schliesslich ist er derjenige, der die Spieler verpflichtet.»
Der Kanadier hat bei Tampa und auch in seiner Zeit in der Schweiz gelernt, auf was es im Eishockey wirklich ankommt. «Von gewissen Dingen dachte ich früher, sie seien unglaublich wichtig. Dabei spielen sie gar keine Rolle» erklärt Boucher weiter.
Der Erfolg gibt ihm recht: Die Senators schafften nicht nur die Playoffs, in der Nacht auf Montag eliminierten sie dort auch die Boston Bruins. Als nächster Gegner warten im Stanley-Cup-Viertelfinal die New York Rangers. Mit Tampa stand Boucher bereits einmal im Conference-Final. Gut möglich, dass ihm dies erneut gelingt.