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Das Kassationsgericht in Rom hebt die Schuldsprüche für Amanda Knox und Raffaele Sollecito auf.
Fast siebeneinhalb Jahre nach dem Mord an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher ist ein spektakulärer Justizkrimi mit einem doppelten Freispruch zu Ende gegangen.
Das oberste Gericht in Rom hat am Freitagabend letztinstanzlich die US-Bürgerin Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Die Richter kippten damit eine Verurteilung der beiden zu langen Haftstrafen aus voriger Instanz. Damit kommt die Justizsaga um den Mord in Perugia nach insgesamt drei Prozessen und fünf Urteilen in Italien zu einem überraschenden Ende.
Die Richter in Rom urteilten nach stundenlanger Beratung, die beiden Angeklagten hätten das Verbrechen nicht begangen. Die 27 Jahre alte Knox bekam stattdessen eine Strafe von drei Jahren wegen Verleumdung, die sie allerdings schon abgesessen hat. Sie hatte nach der Tat fälschlicherweise den Kneipenbesitzer Patrick Lumumba beschuldigt. Dieser wurde später durch eine Zeugenaussage entlastet.
«Amanda ist glücklich, wir werden Haftentschädigung fordern», sagte Knox' Anwalt Carlo Dalla Vedova, der nach der Urteilsverkündung mit seiner Mandantin in den USA telefonierte.
Die Britin Meredith Kercher war Anfang November 2007 in der italienischen Stadt Perugia vergewaltigt und ermordet aufgefunden worden. Kerchers damalige Mitbewohnerin Knox und Sollecito waren von Beginn an unter Verdacht geraten und schnell festgenommen worden. Beide hatten ihre Schuld jedoch stets bestritten.
Knox, wegen ihres Aussehens auch der «Engel mit den Eisaugen» genannt, verfolgte die Urteilsverkündung des Kassationsgerichtes in Rom von ihrer Heimatstadt Seattle aus. Denn seit einem Freispruch aus dem Jahr 2011 ist sie zurück in den USA. Der Italiener Sollecito erfuhr gemeinsam mit seiner Familie in seiner Heimat Apulien von dem Freispruch.
«Es ist vorbei. Wir weinen vor Freude», sagte sein Vater Francesco. Raffaele Sollecito selbst erklärte: «Ich bin unendlich glücklich, dass dieselbe Justiz, die mich zu Unrecht verurteilt hat, mir heute meine Würde und meine Freiheit zurückgegeben hat.»
Giulia Bongiorno, Rechtsanwältin Sollecitos, begrüsste den Freispruch als grossen Erfolg und als Ende eines Albtraums, der vor acht Jahren begonnen hatte. Den Italiener hatte Bongiorno in ihrem Verteidigungsplädoyer als unschuldigen «Forrest Gump» bezeichnet.
Der Fall hatte die italienischen Gerichte seit Jahren beschäftigt: In erster Instanz wurden Knox und Sollecito zu langen Haftstrafen verurteilt. Nachdem beide rund vier Jahre im Gefängnis waren, wurden sie freigesprochen.
Diesen Freispruch kippte das Kassationsgericht jedoch im Jahr 2013 und verwies den Fall an ein Berufungsgericht in Florenz. Dieses verurteilte Knox zu 28 Jahren und sechs Jahren Haft und Sollecito zu 25 Jahren, worauf die Verteidiger Berufung vor dem Kassationsgericht einlegten.
Damit bleibt der Ivorer Rudy Guede nach einem Teilgeständnis der einzige rechtskräftig Verurteilte in dem spektakulären Fall. Er war nach der Tat in Deutschland festgenommen und später in Italien zu 16 Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt worden. Die DNA des Drogendealers war am Tatort gefunden worden. Den Ermittlern zufolge wiesen die Stichwunden jedoch stark darauf hin, dass es mehr als einen Täter gab.
Francesco Maresca, der Anwalt der Familie Kercher, sagte: «Es ist eine Wahrheit, die schwer zu verdauen ist für die Familie, für uns Verteidiger und für Richter, die zuvor die Verurteilungen ausgesprochen haben.» (sda/dpa/apa)