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Unsere tägliche Hauptmahlzeit besteht aus dem Brunch am Vormittag: Früchte, Nüsse, Müesli, Yoghurt, Eier, Brot, Butter, Käse, Konfitüre, Honig, Milch und Kaffee oder Tee.
Die buddhistischen Mönche und Nonnen gingen (und gehen in Asien zum Teil heute noch) in den Dörfern am Morgen auf den Almosengang, um ihre tägliche Nahrung zu erhalten. Hatten sie in ihrer Almosenschale genug für ihre tägliche Mahlzeit, dann gingen sie zurück in ihre Einsiedelei oder in ihr Kloster um zu essen. Die Mahlzeit musste vor zwölf Uhr mittags beendet werden und danach durften sie nichts mehr essen bis zum nächsten Tag.
Wir halten es ein bisschen weniger asketisch, in dem wir uns am frühen Abend um fünf Uhr noch eine einfache Mahlzeit mit Brot, Käse, rohem Gemüse und/oder Salat gestatten (eventuell, vor allem in der kalten Jahreszeit, gibt es auch mal eine Suppe oder Bouillon dazu). Es wird aber in unserem Retreat kein Menu gekocht (Ausnahmen bestätigen die Regel). Früchte, Nüsse und Brot stehen jederzeit zum Verzehr bereit. Wer will, kann auch für sich selber kochen oder in einem Restaurant eine Hauptmahlzeit einnehmen.
Der Buddha lehrte, dass alle Wesen durch Nahrung bestünden und Nyanaponika schrieb dazu, dass dies die einzige Tatsache des Lebens sei, die es verdiene, dass man sich ihrer vor allem anderen erinnere, sie betrachte und verstehe.
Der Buddha meinte damit nicht bloss die essbare Speise, sondern ausser dieser auch noch drei weitere Nahrungsarten, nämlich: die Sinneseindrücke, das willentliche Denken und das Bewusstsein.
Sobald wir auf einen Teil dieser Nahrungen freiwillig verzichten, merken wir, wie sehr wir nach diesen Nahrungen begehren, ja, wie abhängig und gar süchtig wir nach ihnen sind. Und eben genau dies ist der Sinn unseres Rückzugs, unserer Teilnahme an einem Retreat: Dass wir unsere Begehren kennen lernen, unsere Begehren, die laut dem Buddha die Ursache unserer Leiden sind.
Leidbefreiung besteht in der Befreiung unseres Geistes vom Begehren. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nichts mehr essen bis wir am Verhungern sind (so weit hat es der Buddha vor seinem Erwachen getrieben und er hat solcherlei extreme Askese dann verworfen und abgelehnt). Aber es bedeutet, dass wir uns des eigentlichen Sinns der Ernährung bewusst werden, nämlich der gesunden Erhaltung unseres Körpers, nicht mehr und nicht weniger. Und eine Woche Teilfasten (wenn wir es so nennen wollen) wird uns in keiner Weise schaden, ganz im Gegenteil.
Dasselbe gilt für die Dauerberieselung mit Sinneseindrücken und für die nie endenden Willensregungen. Auch diese Nahrungen reduzieren wir im Retreat auf ein Minimum. Indem wir mehrere Stunden täglich formale Meditation im Sitzen und im Gehen praktizieren und unseren Geist auf den Atem und auf das Gehen fokussieren, findet der Geist weniger Möglichkeiten des Sichernährens an Sinneseindrücken und an Willensabsichten. Doch auch hier werden wir zuallererst erleben, wie sehr wir an diese Dauerberieselung und an unser unaufhörliches Wollen und Nichtwollen gewöhnt sind.
Wir werden in den ersten Tagen des Retreats vielleicht Hunger verspüren sowie Sinnenverlangen (Wollen) und Widerstände (Nichtwollen). Und genau diese Begehren und Aversionen werden wir kennen und überwinden lernen. Und wir werden eine grosse Erleichterung und Befreiung verspüren, wenn wir uns nicht mehr als Sklaven unserer Begehrlichkeiten und Gehässigkeiten erleben müssen.
Auch was das Bewusstsein angeht, werden wir uns friedlicher und freier fühlen, indem wir ihm die unermessliche Vielfalt entziehen und es auf ein paar wenige, wesentliche Wahrnehmungen fokussieren.