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Die Kilbi oder auf Französisch Bénichon. Noch so ein einheimisches Wort, das im Wörterbuch der Akademie fehlt, aber im Freiburgischen Wortschatz an erster Stelle steht, nach «Estavayer», Nouvelles Etrennes Fribourgeoises, 1889, S. 78
Diese Weisheit trifft vollkommen zu: Im Kanton wissen alle, was gemeint ist, wenn man von Kilbi oder Bénichon spricht. Hingegen mussten Sie bestimmt schon Nichteingeweihten dieses Fest erklären (die Sie mit grossen Augen anschauten, wenn Sie das Menü aufzählten oder diese Tradition erläuterten). Aber sind Sie wirklich sattelfest, was die Herkunft und die Geschichte der Kilbi anbelangt?
Beginnen wir mit einigen etymologischen Betrachtungen (das ist immer gut): Das Wort Kilbi kommt vom deutschen Kirchweihe. Die Kilbi war ursprünglich ein religiöses Fest, an dem man den Jahrestag der Weihung der Pfarrkirche, d. h. den Jahrestag ihrer Segnung, feierte. Der Ursprung dieses Festes ist schwierig zu datieren: Es geht auf ferne Zeiten, von denen man in den Archiven keine Spur mehr findet, zurück. Der älteste Text, in dem die Kilbi erwähnt wird, stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ausserdem ist es nicht einfacher, den Ursprung des Kilbiessens zu datieren oder zu kennen (hat vielleicht Rabelais etwas damit zu tun?). Anders, als man denken könnte, ist die Kilbi nicht nur ein Freiburger Fest. In der Deutschschweiz findet man zahlreiche weitere Kilbis, die zwar denselben Ursprung haben, sich aber ganz verschieden entwickelt haben.
Sehr schnell wurden diese Weihefeste zur Gelegenheit für weltliche Vergnügen, die immer wichtiger wurden und nach und nach das religiöse Fest in den Hintergrund treten liessen. Während der Reformation gaben die protestantischen Kantone diese Feier (die als «päpstlich» galt) auf, aber das Freiburger Fest entwickelte sich und wurde trotz den zahlreichen Versuchen der Behörden, es zu verbieten oder einzuschränken, weiterhin begangen. Die Kilbi veränderte sich endgültig, als die Behörden im 18. Jahrhundert entschieden, das religiöse Fest vom weltlichen zu trennen. Sie wurde ein ländliches Fest, mit dem das Ende der Feldarbeiten gefeiert wurde. So bekommt das Fest eine neue Ausrichtung: Mit ihm wird in der Ebene das Ende der Feldarbeiten und in den alpinen Regionen die Rückkehr der Herden von der Alpweide gefeiert. Das erklärt teilweise (weil andere Unterschiede nicht daher rühren) die verschiedenen Daten der Feiern, die in der Ebene im September und in den Bergen im Oktober begangen werden.
Obwohl sich die Bedeutung der Kilbi nicht verändert hat, entwickelt sich dieses Fest je nach geschichtlichem, politischem und lokalem Hintergrund weiter. Noch heute gibt es zahlreiche Arten, die Kilbi zu feiern (vom Heukarrenrennen in Charmey zum Cuchaulewerfen in Attalens hat es für jeden Geschmack etwas), diese lebendige Tradition im Kanton Freiburg schlechthin.
Im nächsten Teil werden wir einige besondere oder ungewöhnliche Aspekte gewisser Freiburger Kilbis betrachten. Bis dann zählen wir auf Sie, dass Sie Ihre Tischnachbarin oder Ihren Tischnachbarn zwischen Kohlsuppe und Schinken mit Ihren Kenntnissen über die Geschichte der Kilbi verblüffen.
Links
Die Kilbi, eine lebendige Tradition
Alles über die Kilbi auf Internet
Ein herrliches Buch zeichnet die Geschichte, die Entwicklung und die Gegenwart der Kilbi nach:
– Philipona Romanens, Anne/Papaux, Jean-Pierre (2011) : Chantons, dansons, bénichonnons. Ed. la Sarine, Freiburg, Schweiz.
Bilder: Kollektion des Musée gruérien, Bulle