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der Gewölbe erhielten mitunter derartigen Blattschmuck. Die Formen wurden meist der einheimischen Pflanzenwelt entnommen und nach bestimmten Gesetzen umgewandelt, stilisiert; sehr häufig sind Eichen- und Ahornblätter. Am Aeußern fanden Naturformen noch spärlichere Verwendung. Hier schmücken Kriechblätter (die sogen. Krabben) die Grate der Wimperge und die Kanten der Fialen- und Turmdächer, dagegen Kreuzblumen die Spitzen der Wimperge, Fialen und Türme. Tierformen kommen nur bei den Wasserspeiern - den Ausflüssen der Wasserrinnen - und zwar meist phantastisch umgebildet vor. Die menschliche Figur wird zu dem von der Bauform abhängigen Schmuckwerk nicht verwendet, sondern nur in selbständigen Bildwerken, in Form von Standbildern und in erzählenden Flachbildern.
Eindruck des Aeußeren. Das Aeußere der gotischen Kirchenbauten steht, wie aus der vorhergegangenen Schilderung der Einzelheiten schon ersehen werden konnte, in eben so großem Gegensatze zu den romanischen Kirchen wie das Innere. An der Schauseite äußert sich dies außer in der Durchbrechung mit Maßwerk auch in den vielen aufstrebenden Teilen, den Türmen, Fialen, Wimpergen. Die Seitenwände und die Chorseite erscheinen dagegen durch die vorspringenden Strebepfeiler wie zerklüftet, der einheitliche Eindruck wird jedoch auch hier dadurch gewahrt, daß durch die aufstrebenden Bauglieder gleichwie an der Vorderseite das Auge vor allem auf die allgemeine aufsteigende Bewegung gelenkt wird.
Verwendung der Formen an weltlichen Bauten. Für die weltlichen Bauten fanden im Allgemeinen dieselben Formen Anwendung wie bei den Kirchenbauten, nur war die Verwertung naturgemäß durch die verlangte vorherrschende Gebrauchsfähigkeit beschränkt. Am meisten finden sich die «Kirchenformen» an jenen Bauten, welche neben dem Gebrauchszweck auch den anderen hatten, den Reichtum oder die Vornehmheit der Besitzer zu zeigen, also vornehmlich an Rathäusern oder großen Herrensitzen. Bei einfacheren Burgen und den Bürgerhäusern wurden dagegen neben den herrschenden allgemeinen Zügen die reicheren Zierformen nur in beschränktem Maße verwendet.
Kleinere Werke. Doch nicht nur bei eigentlichen Bauten sind die «gotischen Formen» und besonders die reichen Kirchenschmuckformen zu finden, sondern auch an kleineren Werken, die zum Schmuck des Kircheninnern dienen, wie Sakramentshäuschen und Altäre. Diese gleichen mitunter wirklichen Bauten oder Bauteilen, z. B. Türmen, weisen aber auch sonst nur aus der Baukunst entnommene Formen auf, die nur noch viel zierlicher ausgestaltet wurden. Wenn es sich um Werke aus Stein handelt, wie z. B. bei dem Sakramentshäuschen der Lorenzkirche in Nürnberg,
^[Abb.: Fig. 288. Das Rathaus zu Löwen.] ¶
so scheint es fast, als wollten die Steinmetzen an denselben das verwirklichen, was an großen Bauten auszuführen ihnen versagt bleiben mußte. Der Stein ist in Wahrheit in ein Gewebe aus zarten Maßwerkformen verwandelt worden, das bis in die kleinsten Teile die liebevollste Ausführung zeigt.
Anwendung der Bauformen in der Kleinkunst. Daß bei der Allgemeinherrschaft bestimmter Formen diese auch bei den Werken der eigentlichen Kleinkunst fast ausschließlich auftreten, ist nach diesen Ausführungen wohl leicht erklärlich. Vielleicht hat auch öfters eine Wechselwirkung der Art stattgefunden, daß erst einzelne neue Formen an Werken der Kleinkunst erfunden wurden, die man dann in der Baukunst verwendete. Eine Gefahr bestand (und wurde auch nicht vermieden), daß die aus der Baukunst auf die Kleinkunst übertragenen Formen falsch angewendet wurden, und daß sie infolge des Bestrebens, möglichst Zierliches und Neues zu erfinden, verwilderten.
Der erste Fall trat häufig ein, indem z. B. die Wände der Geräte (sehr häufig an Weihrauchfässern) ganz aus gotischen Fenstern zusammengesetzt wurden oder Strebebogen u. s. w. als bloßer Zierat benutzt wurden. Die Verwilderung der Formen äußert sich in Künsteleien, die durch die Schwierigkeit ihrer Herstellung Bewunderung erregen sollten. Das Maßwerk wird seltsam verschnörkelt und schließlich in Astwerk verwandelt. Während in der Baukunst, selbst in der Zeit des hochentwickelten Schmuckstiles, der Schmuck der Bauwerke nie deren Zweckmäßigkeit beeinträchtigen durfte, ist das Umgekehrte bei den Kleinkunstwerken häufig der Fall, die durch ihre zu reiche Ausschmückung oftmals zu reinen Prunkstücken ohne Rücksicht auf ihre Verwendbarkeit werden.
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Zeitliche Scheidung in früh- hoch- und spätgotischen Stil. Die gotische Bauweise zeigt natürlich sowohl in zeitlicher, wie in örtlicher Hinsicht eine verschiedenartige Entwicklung. In ersterer unterscheidet man drei Stufen: den frühgotischen oder strengen, den hochgotischen, blühenden oder reichen, und den spätgotischen Stil. Eine scharfe Trennung dieser Zeitstufen ist freilich nicht möglich, da je nach den örtlichen Verhältnissen der Entwicklungsgang verschieden war; im Allgemeinen läßt sich nur sagen, daß die Blütezeit in das 14. Jahrhundert fällt und etwa nach dem Jahre 1430 der Niedergang eintrat. Die nähere Betrachtung dieser zeitlichen Verschiedenheiten wird daher zweckmäßiger mit jener der örtlichen Entwicklung zu verbinden sein, und es mag genügen, nur auf einige Hauptpunkte hinzuweisen.
Die frühgotische Bauweise verwendet einfachere Formen und legt das Hauptgewicht auf die strenge und folgerichtige Durchführung der Baufügung; im einzelnen wird sie namentlich gekennzeichnet dadurch, daß die Grundpfeiler weniger reich gegliedert, die Knäufe mit naturtreuem Blattwerk verziert sind; die Strebebogen erscheinen als einfache Mauerwölbungen, der Rundstab herrscht im Gewölbe wie beim Maßwerk vor.
Bei den hochgotischen Bauten tritt bereits das prächtige Zierwerk augenfälliger hervor, so daß für den ersten Anblick die Wirkung mehr durch dieses, als durch die Baufügung selbst bestimmt wird; letztere ist nun zur vollendeten Feinheit durchgebildet, man gestattet sich größere Freiheit in der Anwendung der Gesetze und geht bisweilen bis zu den äußersten Grenzen, um Leichtigkeit und Schlankheit zu erzielen, alle Massenhaftigkeit aufzulösen. Die Pfeiler erscheinen daher als Bündel von Halbsäulen und Stäben, die Strebebogen werden durchbrochen. Das Blattwerk ist willkürlicher geformt, der Gratstab (Rundstab mit einer schmalen Platte an der Vorderseite) tritt an Stelle des glatten Rundstabes, das Maßwerk wird in rein geometrischen Figuren gebildet.
Den spätgotischen Stil kennzeichnet die Ueberladung mit Zierwerk bei Willkürlichkeit in der Behandlung der Formen, der innere Zusammenhang des ersteren mit der Baufügung wird nicht mehr berücksichtigt, diese selbst kehrt wieder zum Massigen zurück. Anstatt des einfachen Spitzbogens werden der geschweifte oder der umgekehrte angewendet, in den Kreuzgewölben werden Rippen eingefügt, welche für die Baufügung überflüssig sind und nur den ¶