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1Im Weltraum herrscht ein Hochvakuum mit niedriger Teilchendichte. Er ist aber kein leerer Raum, sondern enthält Gase, kosmischen Staub und Elementarteilchen (Neutrinos, kosmische Strahlung, Partikel), außerdem elektrische und magnetische Felder, Gravitationsfelder und elektromagnetische Wellen (Photonen). Das fast vollständige Vakuum im Weltraum macht ihn außerordentlich durchsichtig und erlaubt die Beobachtung extrem entfernter Objekte, etwa anderer Galaxien. (Quelle)
2Schmerz ist eine komplexe subjektive Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist und in der Intensität von unangenehm bis unerträglich reichen kann. Als chronischer Schmerz hat es den Charakter des Warnsignales verloren und wird heute als eigenständiges Krankheitsbild (Chronisches Schmerzsyndrom) gesehen und behandelt. (Quelle)
3Die Bedeutung des Kochens liegt vor allem in den chemischen Reaktionen, die dabei ablaufen: das Zellgewebe wird gelockert, Eiweiße gerinnen, Bindegewebe geliert, Fette verflüssigen sich, Stärke verkleistert, Mineralstoffe werden freigesetzt und Geschmacksstoffe gebildet. Neben der leichteren Verdaulichkeit von Fleisch und Früchten, die bis dahin den Hauptteil der Ernährung ausmachten, bewirkte das Kochen vor allem eine enorme Ausweitung des Nahrungsangebots: Bis dahin schwerverdauliche, ungenießbare oder auch giftige Tiere und Pflanzen konnten durch Kochen genießbar gemacht werden, darunter auch stärkehaltige Gräser und Wurzeln, von deren Nachkommen einige schließlich zu Grundnahrungsmitteln wurden. Quelle)
Die Suche.
Gut hundert Quadratmeter Fläche umspannte der Raum – die hohe Decke war mit Stuck verziert. Einmal hatten Adelige hier gewohnt. Nun war der Raum komplett gefüllt mit Heu. Über zwei Meter hoch war der Haufen und bedeckte jede Ecke des Raums. Nur an der Tür war eine Aussparung – dort, wo jemand mal die Tür aufgezwängt hatte, um zu sehen, was sich hier drin befand.
Eine Frau stand im Türrahmen. Sie hatte das Haus für günstiges Geld erworben, weil es so heruntergekommen war. Dies hier war der einzige intakte Raum1.
Sachte strich sie über den Türrahmen, an dem die Farbe abgeblättert war. Liess ihren Blick über die Decke schweifen.
"Und? Bist du schon fündig geworden?"
Sie zuckte zusammen. "Hast du mich erschreckt!"
Er grinste. "Und? Gefunden?"
Sie schüttelte den Kopf, "Ich hab das ganze Haus abgesucht. Sie muss hier drin sein..." und deutete auf den Raum vor sich.
"Du wirst jetzt aber nicht allen Ernstes hier drin suchen, oder?"
"Doch."
"Du spinnst! Nutz deine Zeit doch für was Besseres!"
"Nein. Ich muss. Ich fühle es, sie MUSS hier drin sein!"
Er lachte schallend auf. "Du willst tatsächlich eine Nadel im Heuhaufen suchen! Ich glaubs ja nicht! Als ob du in deinem Leben nicht schon genug Nadeln gesehen hättest! Und gespürt!"
Sie war Schneiderin. Vor einigen Jahren hatte sie einmal an der Nähmaschine nicht aufgepasst, ihr Finger war unter die Nadel geraten und – Notaufnahme2, die Nadel war komplett durch ihren Finger gedrungen. Seitdem hatte sie Angst vor Nadeln. Hatte daraufhin ihr eigenes Unternehmen gegründet, Schneiderinnen angestellt, die die Näharbeit übernahmen.
Aber diese Nadel war anders. Das wusste sie. Es war die Nadel, die der früheren Baronin dieses Landsitzes gehört hatte. Diese Nadel war über Generationen vererbt worden. Sie hatte Königsgewänder bestickt, sie hatte das Gewand einer Prinzessin zusammengehalten und man sagte, wer mit dieser Nadel nähte, konnte nicht scheitern. Es war ihre einzige Hoffnung, das Nähen irgendwann wieder aufnehmen zu können. Es fehlte ihr. Es war ihre grosse Leidenschaft gewesen. Sie hatte bekannte Designer beliefert, das tat sie auch heute noch, aber es war nicht mehr ihre Nadel, die die Stiche fertigte. Es fühlte sich an, als wäre es nicht mehr ihr Werk.
"Ich werde suchen", sagte sie zu ihm. "Egal, wie lange es dauert."
Er ging. Das war das letzte Mal, dass sie ihn sehen würde. Am nächsten Morgen stand sie früh auf und begann mit der Arbeit. Sie trennte einen Teil des Haufens ab und schob ihn hinaus in den Flur, wo das Licht besser war. Sie hatte einen Plan. Sie würde zunächst all die groben Stücke aus dem Heu entfernen. Dann zur nächsten "Grobheits-Stufe" übergehen. Dann zur nächsten. Bis am Schluss nur noch die feinsten aller Gräser übrig blieben.
Zunächst griff sie von Hand lose hinein, schüttelte den Haufen leicht, damit die feinen Gräser herausfielen. Und lauschte, ob sie wohl eine Nadel zu Boden fallen hörte. Nichts.
Nach ein paar Tagen besorgte sie sich Siebe unterschiedlicher Grösse. Und einige Dosensuppen, die sie tagsüber kalt löffeln konnte. Die Küche3 in dem Haus war unter einer dicken Staubschicht und diversen Spinnweben verborgen und machte nicht gerade Lust, darin zu kochen.
Die groben Heustücke legte sie zusammen auf einen Haufen im Flur, säuberlich sortiert. Dann holte sie den nächsten Abschnitt. Ihr Rücken begann zu schmerzen, das war ihr egal.
Eines Tages stand sie morgens auf und entdeckte im Spiegel erste Falten im Gesicht. Es waren zwei Jahre vergangen, seit sie mit der Suche begonnen hatte. Der Haufen war von hundert Quadratmeter auf fünf geschrumpft. Sie hatte Hornhaut an den Fingern, dort, wo sie den Stiel des Siebs umklammert hatte. Aber nun würde es nicht mehr lange dauern!
Doch je feiner die getrockneten Gräser wurde, desto sorgfältiger und langsamer musste sie vorgehen, um nicht versehentlich die Nadel zu übersehen.
Zehn Jahre später. Die hundert Quadratmeter waren übersät von winzigen Gräsern, die sie alle einzeln genau betrachten und aussortieren musste. Sie spürte ihre Gelenke schmerzen. Sie war älter geworden. Und spürte langsam eine Verzweiflung. Wenn das so weiterging, würde sie sterben, bevor der Raum leer war. Wenn sie ehrlich war, glaubte sie gar nicht mehr wirklich daran, die Nadel zu finden. Aber sie hatte nun so viel Zeit investiert, hatte viele Freunde verloren, weil sie sich nur noch hier in dem Haus aufhielt – sie konnte nicht aufhören. Nicht nach alledem.
Und dann nahm sie eines Tages den letzten Grashalm vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger. Ein Grashalm. Keine Nadel.
Sie liess sich zu Boden plumpsen und weinte. Alles umsonst! Und das nur, weil sie unbedingt diese dumme Nadel hatte suchen müssen! Wieso hatte sie nicht auf ihre Freunde gehört?!
Schliesslich sass sie nur noch da. Sah sich um. Stand auf, ging in den Flur. "Das ist es...", flüsterte sie leise. "Das ist es." In dem langen Flur war der Heuhaufen – fein säuberlich auf hunderte von Stapeln verteilt, nach Dicke und Länge und Grastypus sortiert. Und als sie den grossen Raum betrat, war es, als sähe sie ihn zum ersten Mal... so viel Raum! Das Licht kam nun durch die hohen Fenster herein, die nicht länger durch das Heu zugestellt waren. Erst jetzt fiel ihr auf, dass das Stuck an der Decke eine gigantisch grosse Nadel abbildete - und in dessen Öhr sah sie etwas glitzern. Sie rannte, nein, raste hinaus zur Scheune, stolperte, stürzte beinahe, schnappte sich die Leiter und schleppte diese mit Einsatz des ganzen Körpergewichts ins Haus.
Fast ehrfürchtig betrat sie die ersten Stufen der Leiter. Was, wenn... sie sich irrte? Fast war sie versucht, die Leiter wegzupacken, um zumindest diese letzte Hoffnung nicht auch noch begraben zu müssen. Doch dann atmete sie tief durch und kletterte die letzten Sprossen hoch. Und da war sie. Eine goldene Nadel, ein wenig fleckig von den Jahren, eingebettet in das Stuck. Vorsichtig tastete sie mit den Fingern darüber, woraufhin die Nadel aus dem bröckelig gewordenen Stuck von selbst in ihre Hand fiel.
Es dauerte Tage, in denen sie nur immer wieder fassungslos die Nadel anstarren konnte. In dem sie durch den leeren, grossen Raum ging. So viel Raum!
Als sie schliesslich mit zitternden Händen zum ersten Mal einen Faden durch das Öhr manövrierte und ein paar erste Stiche machte, musste sie ein bisschen weinen... und freute sich auf jeden Stich, den sie noch vor sich hatte, so lange ihr Leben noch dauern würde. Weil jeder Stich zählte.