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In der letzten Szene tritt Millionärin Madam C. J. Walker vor die Tür ihrer New Yorker Villa, um ihre Gäste zur ersten «Walker Beauty Culturists Convention» zu empfangen. Doch da erwartet sie ein wütender Mob: Die Verkäuferinnen von Walkers Haarpflegeprodukten befürchten, dass sie ihre Jobs verlieren, wenn die Haarpomaden im Drogeriemarkt verkauft werden. «Drop your deal with Saunders – or we quit», wird gedroht. Also holt Walker Rat von ihrem Nachbarn, dem Business-Mogul John D. Rockefeller: «Fire ’em – welcome to the neighborhood.
Dabei wuchs Walker selbst nicht im Umfeld von Reichtum auf – im Gegenteil. Sie wurde als erstes von sechs Kindern ihrer afroamerikanischen Eltern 1867 frei geboren. Die vierteilige Miniserie, die auf der Biografie «On Her Own Ground» der realen Madam C. J. Walker basiert, verfolgt Walkers Werdegang von schlechtbezahlter Waschfrau bis zum Höhepunkt ihrer Karriere als erfolgreiche Geschäftsfrau und Philanthropin. Gespielt wird sie von der Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer, die in der Rolle zu überzeugen weiss. Sie porträtiert Walker als eine Frau, die sich nicht beirren lässt: weder von untreuen Ehemännern noch von nichtsnutzigen Schwiegersöhnen oder ehrgeizigen Rivalinnen.
Die erste Episode, «The Fight of the Century», beginnt mit dem Voice-Over Walkers: «It came to me in a dream», sagt sie, während Portäts schwarzer Frauen mit den verschiedensten Frisuren zu Janelle Monáes «Dance or Die» erscheinen. «Hair is beauty», schlussfolgert sie. Und: Haare seien Emotionen, Haare seien ein Kulturerbe. Tatsächlich waren und sind Haare immer schon auch politisch – wie etwa ein kalifornisches Gesetz von 2019 beweist, das Diskriminierung aufgrund von «natural hair» untersagt.
Doch zunächst wird Einblick in das Leben von Sarah Breedlove gewährt – den Namen Madam C. J. Walker übernahm sie erst nach ihrer zweiten Heirat. Bevor sie ihr Schönheitsimperium gründete, litt Walker an Haarausfall, wurde von ihrem gewalttätigen Mann verlassen und konnte sich und ihre Tochter A’Lelia (Tiffany Haddish) kaum durchbringen. Doch im St. Louis von 1908 wendet sich Walkers Schicksal nach einer Begegnung mit Addie Munroe, gespielt von Carmen Ejogo. Dank deren Haarprodukten wachsen Walkers Haare nach – und damit ihr Selbstvertrauen. Nur verkaufen soll sie deren Produkte nicht: Walker entspricht nicht dem Schönheitsideal und soll lieber Munroes Wäsche waschen.
Hier könnte Walkers Geschichte zu Ende sein. Doch Walker will anderen helfen, so, wie ihr geholfen wurde. Nachdem Munroe von Walkers Verkaufserfolg hört, zerstreiten sich die beiden. Also entwickelt Walker ihr eigenes Haarwuchsmittel, das prompt zum Verkaufsschlager wird. Somit ist der Grundstein für ihr Imperium gelegt. Die Eröffnung einer Fabrik in Indianapolis und die Expansion nach New York folgen.
Gerade weil Walkers Werdegang so beeindruckend ist, enttäuscht die Serie in einigen Punkten. So grenzt Self Made nicht selten an Kitsch; der wiederkehrende Boxkampf mit Rivalin Munroe und die paar Musicaleinlagen scheinen willkürlich eingestreut. Schliesslich scheint Walkers Feind nicht in erster Linie eine andere schwarze Frau, sondern eher der Rassismus und Sexismus der damaligen Gesellschaft gewesen zu sein. Und die paar Musicalsequenzen, mit denen Einblick in Walkers Kopf gewährt werden soll, sind zu pink und inkonsequent eingesetzt. Dafür überzeugt der Soundtrack, der mit Liedern von Santigold, Little Simz und Queen Latifah auf jeden Fall hörenswert ist. Zugleich verankert die zeitgenössische Musik die historische Serie im 21. Jahrhundert und erinnert ihr Publikum daran, dass die vielen Hürden, die Walker überwinden musste, teilweise bis heute fortbestehen.
Als Walker am Ende der Serie vor ihre Verkäufer-innen tritt, beweist sie, dass es ihr doch um mehr als ihr Business geht: Sie habe Walker Manufacturing erträumt, doch ihre Arbeiterinnen hätten es realisiert, sagt sie. Und: Sie erinnert sich daran, wieso sie ihr Geschäft aufgebaut hatte – um anderen schwarzen Frauen zu helfen, denn: «We are dismissed, undermined, ignored, stepped over, beaten, or even worse, lynched.» Walker zieht sich aus dem Drugstore-Deal zurück – und entlarvt den Titel «Self Made» als irreführend. Denn ohne ihre «Armee» von Arbeiterinnen hätte sie es nie zur Millionärin gebracht.
Die Miniserie ist seit März auf Netflix verfügbar.
Regie: DeMane Davis, Kasi Lemmons; Drehbuch: Nicole Jefferson Asher, A’Lelia Bundles, Elle Johnson, Janine Sherman Barrois, Tyger Williams; Musik: Larry Goldings; Darsteller_in (Rolle): Octavia Spencer (Madam C. J. Walker), Tiffany Haddish (A’Lelia), Carmen Ejogo (Addie); Streaming CH/D: Netflix.
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