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In den vergangenen Jahren haben die Forschungstätigkeiten in der Antarktis zugenommen. Aber nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch zehntausende Touristen bereisen jedes Jahr den Südkontinent.
Russ als Problem
Die zunehmende Nutzung von Schiffen, Flugzeugen, Generatoren und Helikoptern sorgt dafür, dass die Antarktis immer stärker verschmutzt wird, unter anderem mit Russpartikeln aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Das Problem: Russ macht die Schneedecke dunkler, wodurch sie sich stärker erwärmt als eine weisse Schneedecke und deshalb schneller schmilzt. Diesen Effekt konnten die Forschenden anhand von Messungen an 28 Standorten, die meisten davon stark frequentiert, nachweisen.
Der Russpartikel-Fussabdruck eines durchschnittlichen Antarktis-Besuchers beschleunige die Schneeschmelze im Sommer um 83 Tonnen, berichten sie im Fachmagazin «Nature Communications». Sie schätzen überdies, dass der Tourismus für 4,4 Millionen Tonnen geschmolzenen Schnee auf der Antarktischen Halbinsel und den dazugehörigen Archipelen verantwortlich ist. An diesen Orten finden die meisten Forschungs- und Reisetätigkeiten statt.
«Lokal interessant»
Die berechneten Mengen seien für die gesamte Antarktis wenig relevant, lokal jedoch interessant, meint Martin Schneebeli, tätig am WSL-Institut für Schnee- und Lawinen-Forschung SLF, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Allerdings weist er darauf hin, dass die Werte aufgrund von Messunsicherheiten schwierig zu verifizieren seien. Zudem brauche es für eine Schmelze eine insgesamt positive Energiebilanz - sonst erwärme sich der Schnee bloss und werde nicht zu Schmelzwasser. «Aus meiner Sicht stellt die in der Studie angegebene Schmelzmenge deshalb eine obere Grenze dar», so der Forscher, der nicht an der Arbeit beteiligt war.
Um die Belastung durch menschliche Aktivitäten auf dem Südkontinent zu verringern, plädieren die Studienautoren derweil dafür, eine Obergrenze für Touristen einzuführen, auf saubere Energieträger sowie Hybrid- und Elektroschiffe zu setzen und die Grösse von Forschungsstätten zu begrenzen.