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Seit Anfang 2012 übernimmt die Obligatorische Grundversicherung die Kosten für Behandlungen aus den folgenden fünf Zweigen der Alternativmedizin:
Anthroposophische Medizin
Drückt man es vereinfacht aus, ist die anthroposophische Medizin eine Art der Medizin, die den Menschen ganzheitlich in den Mittelpunkt stellt und sich nicht auf ein Leiden oder eine Krankheit fokussiert. Im Zentrum dieser Medizin steht daher auch ein enges Arzt-Patient-Verhältnis. Der Arzt (die Ärztin) zieht seine Schlüsse auf die Art der für den Patienten geeigneten Therapie nicht nur aus Krankheitssymptomen, sondern zusätzlich aus Dingen wie dem Körperbau des Patienten, seinem Schlaf, seinen Bewegungen und seiner Atmung, auch wenn es um keine Erkrankung der Atemwege geht. Grundlage der anthroposophischen Medizin ist die Arbeit von Dr. Rudolf Steiner (1861 – 1925).
Homöopathie
Samuel Hahnemann ist der Begründer der Homöopathie, deren Leitsatz „Ähnliches wird mit Ähnlichem bekämpft“ lautet. Die Symptome, die eine homöopathische Medizin bei einem gesunden Menschen auslösen würde, sollen denen ähnlich sein, an denen der Kranke leidet, der die Medizin bekommt. Weiteres grundlegendes Prinzip der Homöopathie ist die Potenzierung. Die sogenannte Urtinktur mit den Wirkstoffen wird nach vorgelegtem Muster (teils extrem) verdünnt. Laut Lehre der Homöopathie verstärkt das die Wirkung der Arznei.
Neuraltherapie
Die Neuraltherapie wurde von den Ärzten Ferdinand und Walter Huneke entwickelt. Vereinfacht ausgedrückt, setzt man bei ihr Lokalanästhetika (Mittel zur örtlichen Betäubung) an einer Stelle des Körpers ein, damit sie das vegetative Nervensystem beeinflussen und eine Krankheit an anderer Stelle des Körpers lindern oder heilen. Unterschieden werden vor allem die Segmenttherapie und die Störfeldtherapie. Bei der Segmenttherapie wird das Lokalanästhetikum in einer Hautregion eingesetzt, die mit einem erkrankten inneren Organ durch eine „nervale Wechselwirkung“ verbunden sein soll. Bei der Störfeldtherapie geht es um chronische Entzündungen an sogenannten Störfeldern, die den Gesamtorganismus schwächen und auch für Krankheitssymptome in anderen Bereichen des Körpers verantwortlich sein sollen.
Phytotherapie
Die Phytotherapie beschäftigt sich mit der Nutzung von Pflanzen und deren Bestandteilen als Arzneimittel. Zur Anwendung kommen also beispielsweise Wurzeln, Blätter, Blüten, Öle aus Pflanzen, Säfte und Tinkturen.
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Diese Art der Medizin beruft sich auf der aus China stammenden Medizintradition und auf deren Vorstellungen, wie Abläufe im Körper funktionieren. In der traditionellen westlichen Medizin weitgehend unbekannte Diagnoseverfahren wie die Zungendiagnose gehören ebenso zur TCM wie die für TCM typischen Therapieverfahren mit speziellen Massagen und Bewegungsübungen (z.B. Qigong), einer speziellen Diätik sowie einer TCM Arzneitherapie und der Akupunktur. Die Akupunktur nimmt insofern eine Sonderstellung ein, da sie in mehreren westlichen Ländern inzwischen eine allgemein anerkannte und von Krankenkassen bezahlte Therapie ist.
Alternative Medizin heisst nicht zwangsläufig, dass die hier genannten Zweige den Anspruch formulieren, westliche Schulmedizin komplett zu ersetzen. Oft geht es eher um eine Ergänzung. Zudem gibt es bisweilen Überschneidungen, etwa zwischen der TCM und der Phytotherapie. Die Kosten für die hier genannten fünf Zweige der Alternativen Medizin werden bis Ende 2017 von den Krankenkassen in der Obligatorischen Grundversicherung übernommen. Dann soll ihre Wirksamkeit erneut geprüft werden. Akupunktur wird ohne diese zeitliche Einschränkung von der Obligatorischen Versicherung gezahlt. Voraussetzung ist allerdings in jedem Fall, dass die Ärzte, die in einem der genannten Bereiche der Alternativmedizin tätig sind, dafür die Anerkennung der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) besitzen.
Ist eine Zusatzversicherung überflüssig?
Zusatzversicherungen, die Kosten für Alternative Medizin übernehmen, sind vor allem aus zwei Gründen durch die aktuellen Regeln zur Obligatorischen Grundversicherung nicht überflüssig. Einerseits übernehmen Zusatzversicherungen häufig auch die Kosten für mehr als die bisher genannten Zweige der Alternativmedizin. Andererseits übernimmt die Obligatorische Grundversicherung nur dann die Kosten für Alternative Medizin, wenn sie von Ärzten mit passender Zusatzausbildung durchgeführt wird. Die Kosten einer Behandlung bei den wesentlich zahlreicheren Therapeuten auf dem jeweiligen Gebiet trägt bei der Obligatorischen Grundversicherung indes alleine der Patient. Das ist bei den Zusatzversicherungen anders.
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