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Komödie
Japan 1996
Alternative Titel Shall we dansu?; Shall we ダンス?
Regie und Buch Masayuki Suo
Darsteller Koji Yakusho, Tamiyo Kusakari, Naoto Takenaka, Eriko Watanabe,
Yu Tokui, Hiromasa Taguchi, Reiko Kusamura, Hideko Hara, Hiroshi Miyasaka
Länge 114 Min. (Internationale Fassung) /
136 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 0
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
©
Text Marco, molodezhnaja 15.4.10
© Bilder Daiei, Screenshots molodezhnaja
STORY
Der biedere Buchhalter Shohei Sugiyama (Koji Yakusho) sieht auf dem Heimweg von der Arbeit eine Frau, die am Fenster steht. Sie heisst Mai Kishikawa (Tamiyo Kusakari) und leitet eine Tanzschule. Eines Tages nimmt Shohei allen Mut zusammen und besucht die Schule. Da der der Einzelunterricht im westlichen Gesellschaftstanz, der in Japan stigmatisiert wird, zu teuer ist, beginnt Shohei eine ganz normale Anfängerausbildung - mit zwei anderen Neulingen, Tokichi Hattori (Yu Tokui) und Masahiro Tanaka (Hiromasa Taguchi). Zu Beginn bewegt er sich ungelenk, doch er findet rasch Gefallen an den Schritten. Dass er sich daheim anders bewegt und oft nach Frauen riecht, fällt auch seiner Gattin Masako (Hideko Hara) und seiner Tochter Chikage (Ayano Nakamura) auf. Seine Frau ist sogar so irritiert darüber, dass sie einen Privatdetektiv auf ihn angesetzt. Mutter und Tochter beschliessen, Shohei bei einem Amateurtanzturnier, an dem er teilnimmt, zu beobachten.
REVIEW
Zweimal war ich kurz davor, mir "Shall We Dance?" anzuschauen: Erstmals Ende 1997, als er ins Kino kam, und in der Schweiz zum Publikumsliebling avancierte. Dann ein paar Jahre später, als mit Richard Gere und Jennifer Lopez das Remake erschien. Nun, erst 15 Jahre nach seinem japanischen Release, gönnte ich mir den Film endlich - und wusste schon im Voraus genau, was mich erwartete. Nichtsdestotrotz hat mich Regisseur Masayuki Suo (I Just Didn't Do It) mit seinem Werk verzaubert und gut unterhalten. Es ist leicht zu sehen, warum der Film so beliebt ist: Er hat Herz, es wird getanzt, und er zeigt eine ungewöhnlicherweise Romanze - eine, die eben gar keine ist.
Nicht zuletzt sind es, die Schauspieler, die punkten, allen voran der spätere Superstar Koji Yakusho (Eureka, The Eel, "Babel"), der den biederen Beamten deutlich überzeugender abgibt als Richard Gere im Remake. Er ist steif und zurückhaltend, aber dennoch irgendwie charmant. Und wenn er langsam lernt, sich zu bewegen, dann freut man sich richtig. Ich als chronisch tanzbehindertes Wesen kann es doppelt schätzen, wenn jemand Zeit und Training investiert, um die zwei linken Füsse hinter sich zu lassen.
Doch es ist nicht Yakusho alleine, der überzeugt: die Ballettänzerin Tamiyo Kusakari ist als melancholische Kursleiterin noch zurückhaltender als US-Pendant Jennifer Lopez, Kultstar Naoto Takenaka gibt köstlich den Rumba-King Tomio ab, Reiko Kusamura ist süss als ständig lächelnde Lehrerin, und Hideko Hara gefällt in der Rolle der verunsicherten Ehefrau. Das interessante an "Shall We Dance?" bezieht sich auch auf Haras Rolle, im Remake gespielt von Susan Sarandon (vielleicht die einzige Schauspielerin, die im Remake besser ist). Die Frau ist nämlich lange ausgeklammert aus der Story, es scheint herauszulaufen auf eine Seitensprung-Romanze zwischen Shohei und Mai. Doch in Wahrheit frischt dieses ganze Getanze die Ehe wieder auf.
Die eigentliche Romanze ist die der Eheleute, die also, die erst ganz am Schluss überhaupt deutlich wird. Bis dahin gibt es genug, was amüsiert. Von Tomios exaltierten Tänzen über die unbeholfenen ersten Schritte bis hin zum Witz, der sich aus etlichen Situationen ergibt. Und nicht zuletzt ist es erheiternd, zu sehen, wie die vom Tanzvirus angesteckten Männer in ihrer Freizeit immer mal wieder leise tänzeln, ob im Büro oder auf einem Platz mitten in der Stadt. Das hat gerade im sonst sehr normierten Japan seinen Reiz, weil es einem kleinen Tabubruch gleichkommt.
Die um etwa 20 Minuten gekürzte internationale Fassung offeriert denn auch einen anderen Einleitungsmonolog, der genau diesen Punkt stärker herausstreicht: Dass der Gesellschaftstanz in Japan tabuisiert wird. Die japanische Fassung erklärt dagegen nur den europäischen Gesellschaftstanz in seinen Formen. Welcher Text sinnvoller ist, mag ich nicht beurteilen. Ebensowenig, ob die 20 gekürzten Minuten weh tun - die internationale Fassung funktioniert jedenfalls gut, und mir würde es schwerfallen, jene Stellen herauszupicken, an denen offensichtlich geschnippelt wurde. Angesichts der Überlänge vieler japanischer Filme kommt eine solche Straffung vielleicht gar nicht ungelegen ...
In welcher Version man den Film auch immer sieht: Er ist voller Charme und leisem Witz. Manchen Zuschauern mag die Story zu langsam vorankommen, mögen die Höhepunkte zu dünn gesät sein, mag die Auflösung zu banal sein - doch mir machte das alles hier gar nichts aus. Der Reiz ergibt sich aus anderem, aus dem sympathischen Spiel der Akteure, der Herzlichkeit der Charaktere, der Unaufdringlichkeit der Tänze, der Zurückhaltung beim dramatischen Exzess. Darum gefiel er mir deutlich besser als das Remake. Und ist auch nach 15 Jahren immer noch erfrischend.
MEINE
DVD
Grossbritannien, Code 2, PAL
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Japanisch, Deutsch, Spanisch 2.0 mit deutschen, englischen, spanischen, schwedischen, norwegischen, dänischen, finnischen, portugiesischen und holländischen Untertiteln.
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SCREENSHOTS
Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint
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