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Ich war ein schüchterner Bub und bewunderte Markus für seinen Mut und sein forsches Mundwerk. Er fand Schule überschätzt, trug lange Haare und oft auch im Winter kurze Hosen. Mein Freund war ein Rotzbengel. Heute würde man sein Verhalten als auffällig bezeichnen und ihn vermutlich abklären. Damals war er einfach der wilde Markus.
Manchmal prügelten wir uns, wie das gute Freunde eben tun, um uns bald wieder zu versöhnen. Wir waren unzertrennlich. Bis zu dem Tag, an dem etwas geschah, was mich bis heute beschäftigt. Ich sammelte damals leidenschaftlich Briefmarken, wünschte mir zu Weihnachten und zum Geburtstag nichts mehr als einen Satz Pro Juventute oder Pro Patria. Je älter, desto wertvoller. Markus hielt mir plötzlich einen Umschlag unter die Nase und beim Öffnen bekam ich feuchte Hände. Im Umschlag steckte eine Briefmarke, ein wertvolles Exemplar mit Stempel und intakten Zähnen. Woher er sie hatte, weiss ich nicht. «Willst du sie haben? – «Ja», sagte ich wie elektrisiert. «Was möchtest du dafür?» – «Weiss nicht.» – «Ich geb dir meine Turnschuhe. Und mein Transistorradio.» – «Das ist zu wenig.» – «Meine Rollschuhe. Du kannst meine Rollschuhe haben.» – «Nein», sagte Markus. Dann nahm er die Briefmarke und zerriss das Stück Papier vor meinen Augen.