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Das Friedensopfer - 3Mo 3
Inhaltsverzeichnis
Das Friedensopfer - 3Mo 3
I. Das Friedensopfer im Vergleich
- War es ein Opfer zum süßen Geruch und
- der Opfernde, Gott und der Priester wurden durch dasselbe gespeist.
Im ersten Punkt unterschiedet es sich vom Sündopfer, in dem letzteren aber von allen anderen Opfern.
1. Es war ein Opfer zum süßen Geruch (3Mo 3:5 - 3Mo 3:16). Über die Bedeutung dieses Unterschiedes brauche ich hier nur wenig zu sagen, da wir dieselbe schon mehr als einmal betrachtet haben. Ich bemerke daher nur, dass hier, wie beim Brand- und Speiseopfer, d i e Seite des Opfers dargestellt ist, wo keinerlei Rücksicht auf die Sünde genommen wird, vielmehr sehen wir hier, wie der Mensch Gott etwas darbringt, das Ihm wohlgefällig und angenehm ist.
2. Der zweite Punkt, in welchem das Friedensopfer von anderen Opfern abwich, war der, dass hier alle Beteiligten, der Opfernde, der Priester und Gott gespeist wurden. Sie pflegten Gemeinschaft, indem sie sich von demselben Opfer nährten.
Erstens sehen wir den Anteil des Opfernden, sodann Gottes Anteil; endlich des Priesters Anteil und in diesen eingeschlossen, obgleich er für sich erwähnt wird, den Anteil, von dem sich die Kinder des Priester nährten (3Mo 7:31.32; vgl. 4Mo 18:9-11).
Welch einen Einblick bekommen wir hier! Gott, der Mensch und der Priester werden miteinander gespeist und alle finden ihre Befriedigung in dem Opfer. Zuerst bekommt G o t t Seinen Anteil und ist durch das Opfer befriedigt. "Es ist ein Feuer zum süßen Geruch dem HErrn" (3Mo 3:5). Der M e n s c h (in Christo) als der Opfernde bekommt auch seinen Anteil und endlich der P r i e s t e r (das ist Christus in Seinem priesterlichen Amt). Aber auch Seine Kinder (3Mo 7:31) werden mit Ihm gesättigt, und so werden alle miteinander befriedigt! Der Opfernde speist mit Gott, mit Seinem Priester und mit des Priesters Kindern.
a) Nahrung für den Opfernden
In dem Friedensopfer wird der Opfernde genährt, er findet, mit anderen Worten, Befriedigung und zehrt von dem gleichen Opfer, von welchem ein Teil bereits Gott befriedigt hat. Denn ein Teil des Friedensopfers (wie wir dies in der Folge sehen werden) "das Fett, das Blut, die Eingeweide" müssen auf dem Altar verzehrt worden sein, bevor der Opfernde seinen Anteil anrühren darf.
Etwas ähnliches finden wir weder bei dem Brand- noch bei dem Speiseopfer. Dort sehen wir, dass Gott durch das Opfer befriedigt wird; alles wird von Seinem Feuer verzehrt und steigt entweder wie beim Brandopfer zu Ihm auf, oder Er gibt, wie beim Speiseopfer, Seinen Priestern Anteil daran. Der Opfernde selbst erhielt aber nichts, obgleich Gott befriedigt war. Das Brand- und das Speiseopfer waren, wie wir bereits gesehen haben, die vollkommene Erfüllung des Gesetzes. Dort sehen wir, dass der Mensch (in Christo) Gott dasjenige darbringt, was Ihn völlig befriedigt. Gott findet Speise in dem Opfer. Von alledem aber hat der Opfernde selber nicht. Bei dem Friedensopfer sehen wir aber, dass auch der Opfernde befriedigt wird.
Der Opfernde ist hier Christus selbst, und zwar an unserer Stelle stehend f ü r u n s (Eph 5:2). Die Tatsache aber, dass das Friedensopfer für uns unverständlich bleibt, wenn wir nicht erkennen, wie weit wir an dem Friedensopfer beteiligt sind, macht es erforderlich, dass ich hier noch einen Augenblick verweile, ehe ich auf Einzelheiten eingehe. Ich wiederhole, dass in allen Opfern Christus als unser Stellvertreter dasteht. Im Sündopfer, im Brandopfer, im Speiseopfer und im Friedensopfer ist Er der Mensch Christus Jesus f ü r u n s. Für uns ist er außen vor dem Lager, f ü r u n s auf den Altar gelegt, f ü r u n s trägt Er die Sünde, und f ü r u n s wird Er angenommen und befriedigt. Wenn wir sagen, dass Er solches f ü r u n s tat, so meinen wir damit, dass Er an unserer Stelle stand; Er tat dies alles, als täten wir es. Als Er das Gesetz hielt, hielt Er es, als hielten wir es. Als Er verdammt wurde, wurde Er verdammt an unserer Statt. Als Er angenommen wurde, wurde Er angenommen für uns. Die Folge hiervon ist, dass alles, was von Christus gilt, nun auch von den Seinen gelten muss. Was Er tat, wird uns nun zugerechnet, als hätten wir es getan. Was Er genießt, das genießen wir, denn Er genießt es an unserer Statt.
Dieser letztere Gedanke ist nun der, den wir im Friedensopfer ausgedrückt finden. Christus wird befriedigt und gespeist durch Sein Opfer. Hierin aber steht Er an unserer Stelle, und daher sind wir befriedigt, sobald wir Ihn so erfassen können. Dieser Gedanke mag ein wenig schwieriger sein, als derjenige, den wir im Sünd- und Brandopfer finden, er ergibt sich aber aus eben demselben Grundsatz. Gerade wie der schwache Gläubige sieht, dass Gottes Zorn wider die Sünde gestillt worden ist, wenn Er erkennt, das Christus das Sündopfer gebracht hat; gerade wie der schwache Heilige erkennt, das Gott in Seinen Ansprüchen befriedigt ist, wenn Er das Brand- und Speiseopfer erblickt: gerade auf dieselbe Weise erkennt derselbe Gläubige, dass der Mensch durch das Opfer befriedigt wird, wenn er wie Jesus das Friedensopfer bringt. Wie aber das Bewusstsein unserer Annahme davon abhängt, dass wir Ihn, als für uns angenommen, erkennen, so hängt unser Gefühl der Befriedigung und der Gemeinschaft mit Gott davon ab, dass wir erkennen, wie Er in Gemeinschaft steht für uns. Erblicken daher diejenigen, die sich in Christo wissen, das Friedensopfer und erkennen sie, dass vermittelst desselben Christus als Mensch befriedigt wurde, so erfahren sie auch, dass sie selbst durch das Opfer befriedigt werden.
Ich fürchte, dass es nur zu viele Heilige gibt, welche diese Seite des Opfers niemals kennen lernen, und daher niemals jene Befriedigung völlig erfahren, welche das Opfer Christi für uns erworben hat. Nicht sage ich, dass sie den Segen nicht erlangen können; er gehört ihnen, wenn sie i n C h r i s t o sind. Dasjenige aber, was Er für sie erworben hat, wird nicht von ihnen selbst aus eigener Erfahrung geschmeckt. Denn die Erfahrung ist, wie gesagt, nichts anderes als unser Maß an Erkenntnis dessen, was schon in Christo für uns erfüllt ist. Gott sei Dank, dass die Genügsamkeit Seines Werkes nicht von dem Maß unserer Erkenntnis abhängt. Unsere Befriedigung aber hängt vielfach von unserer Erkenntnis ab. Und weil wir so wenig erkennen, haben wir so wenig Trost.
Christus - unsere Nahrung
Unsere geistliche Stärke ist ganz besonders von unserer Erkenntnis jener Seite von Christus abhängig, welche uns durch das Friedensopfer vorgebildet wird; denn Kraft erhalten wir durch Nahrung, und in dem Friedensopfer sehen wir, wie der Mensch durch das Opfer gespeist wird. Aber ach, wie wenig wird diese Seite des Werkes Christi erkannt! Fragt man mich nach der Ursache? Weil so wenige die Annahme bei Gott in Wahrheit erfahren haben. Solange es bei dir irgendwie noch in Frage steht, ob dich Gott angenommen hat oder nicht, wird dein vorherrschendes Verlangen danach stehen, zu wissen, ob Gott v e r s ö h n t ist. Dem Verbrecher gleich, dessen Freisprechung noch nicht verkündigt ist, wirst du nicht fragen: Habe ich für heute Brot? sondern: Ist mir vergeben? So lange du den Tod vor dir siehst, kannst du nicht an Nahrung und Kleidung denken. Ist aber die Frage der Annahme bei Gott in Ordnung gebracht, so wirst du Zeit finden, dem Begehren der neuen Natur, welche genährt und gepflegt sein will, dich hinzugeben. Was kann sie stillen? - nichts, als die kostbare Speise des Altars. Und dass diese in Jesu für uns bereitet ist, erkennen wir, wenn wir Ihn an unserer Stelle das Friedensopfer darbringen sehen.
Beachten wir nun, was es ist, das der Opfernde zur Speise erhält. Er nährt sich von dem Fleisch des Altars. Seine Speise ist das fehlerlose Opfer, welches bereits den HErrn befriedigt hat.
Dieses Opfer aber stellt den Leib Jesu dar (Hebr 10:5-10), in welchem Sein Wandel, Seine Gedanken, Seine Stärke, Seine Triebe eingeschlossen sind. Wie wir es beim Brandopfer sahen, waren dies die Dinge, die Er opferte; und weil sie fleckenlos waren, wurden sie angenommen. Sie befriedigten Gott als ein süßer Geruch. Sie geben aber auch, weil sie makellos sind, dem Opfernden selbst Befriedigung. Christus findet Seine Speise in Seinem eigenen Opfer. Darum, dass Seine Seele gearbeitet hat, wird Er Seine Lust sehen und die Fülle haben (Jes 53:11 - Joh 4:34).
Als Opfernder steht Jesus für uns da, und indem Er sich von dem Opfer nährt, zeigt Er, wie der Mensch Befriedigung findet. Wollte Gott, dass Sein Volk hier lernen möchte, was ganz allein Befriedigung verschaffen kann. Die Menschen suchen sie vielfach in fremden Dingen und nicht bei Gott, ähnlich wie der verlorene Sohn, der sein Gut in einem fremden Land verprasste. Und das ist selbst dann noch der Fall, wenn sie schon anfangen, Gottes Nähe zu suchen. Einige suchen Befriedigung in ihren seligen Gefühlen, andere wieder in ihrer eigenen Gerechtigkeit, in ihrer Enthaltsamkeit oder in ihrem Gottesdienst. Ist dies die fehlerlose Speise des Altars? Hat Christus mit diesen Dingen Gott befriedigt? Wenn nicht, so können diese Dinge auch nicht das Fleisch des Altars sein, wovon wir, die wir der Versöhnung bedürfen, uns mit Gott gemeinsam sättigen können. Konnte Jesus nicht anders mit Gott Gemeinschaft haben als durch ein makelloses Opfer, so vermag es auch keines Seiner Glieder.
Werden sie gespeist so muss es auf dieselbe Weise geschehen, wie es bei Ihm geschah. Ach, wenn wir doch verständiger wären! Denn was hilft es, dass wir unsere Befriedigung in etwas anderem suchen als in Jesus? Er ist der einzige Vollkommene, außer Ihm ist nichts würdig für den Altar. Daher ist auch nichts außer Ihm geeignet, unsere Seelen zu nähren. Wäre es möglich, das Christus mit Gott Sich von dem nährte, was befleckt ist, dass Er von dem, was unrein ist, ein Friedensopfer bereitete, dann und nur dann, lasst uns als unsere Speise suchen, was unrein, zerrissen und befleckt ist. Solange wir aber sehen, dass Er nur mittels Seines eigenen vollkommenen, unwandelbaren Opfers gespeist werden kann, so lasst uns auch alles andere verwerfen und uns von Ihm allein nähren.
Wie wichtig ist die Lehre, die wir hier finden, wie groß ist aber auch die Verantwortung bei der hier so klar ausgesprochenen Wahrheit, das ein Christ, soweit es sich um seine Versöhnung handelt, durch nichts anderes genährt werden kann, als was auch Christus in Seiner Gemeinschaft mit Gott als Speise diente. Wie groß auch unsere Erfahrungen oder unsere Verdienste sein mögen, so können sie doch nicht das Opfer zu unserer Versöhnung oder der Grund unseres Friedens werden. Ja, wenn ein Christ seine Nahrung in diesen Dingen sucht, so ist es so als wenn ein Israelit versucht hätte, sich von seinen Kleidern zu nähren. Der, welcher seine Befriedigung in seinen Verdiensten sucht, tut in der Tat nichts anderes, als dass er das, was seine Kleidung sein sollte, zu seiner Speise macht. Die Kleider eines Israeliten sind das Bild des Betragens und des Wesens eines Menschen (Ps 109:18.19 - Jes 52:1 - Jes 59:17 - Jes 61:3 - Sach 3:3 - Kol 3:8.12 - Offb 3:4 - Offb 16:15).
Auf diese Weise wird dies Bild auch im Neuen Testament gedeutet: "Die Seide aber ist die Gerechtigkeit (Offb 19:8). Dieses Kleid kann leicht befleckt werden. denken wir es uns aber auch rein, so sind doch die Kleider nicht zur Nahrung da. Allein das Fleisch des Altars und dessen süßer Geruch kann befriedigen. Unsere Gebete, unsere Liebe, unsere guten Werke sind den gesäuerten Kuchen gleich (siehe unter: Die Vielfalt des Speiseopfers). Obschon sie angenommen werden, so sind doch alle miteinander befleckt. In einem Sinn sind allerdings unsere Dienste ein süßer Geruch (Phil 4:18), aber nur in dem Sinn, in welchem auch unsere Person gerecht ist. Gerade wie der Sünder, obgleich er an und für sich durch und durch sündig ist, in Christo für gerecht angesehen wird, so werden auch seine Opfer, obgleich sie gesäuert sind, als süß gerechnet wegen des Wohlgeruchs Dessen, durch den sie geopfert werden. Der in Christo angenommene Sünder ist nun in der Tat selbst ein Opfernder und ein Opfer; doch sind selbst dann seine geistlichen Opfer, seien es Werke oder sei es Anbetung, Gott nur durch Jesus Christus angenehm (1Petr 2:5). Gleich den bereits erwähnten gesäuerten Kuchen, würden unsere Werke und unsere Anbetung, weil alles unvollkommen bleibt, niemals angenommen werden können von Gott, wenn Er uns nicht das vollkommene Opfer Christi zurechnet, welches Seiner Heiligkeit völlig Genüge getan hat.
b) Nahrung für Gott
Dies aber führt uns zum nächsten Punkt im Friedensopfer, dass nämlich der O p f e r n d e mit G o t t speist. Der Mensch (in Christo) und Gott finden gemeinsame Nahrung. Sie teilen das Opfer unter sich. Der Gedanke ist hier nicht wie beim Brandopfer der, dass Gott allein Sein Genüge an dem Opfer findet, sondern wir finden hier G e m e i n s c h a f t, denn Gott und der Mensch teilen sich das Opfer. Ich wünschte, dass diese Seite des Opfers den Christen vertrauter wäre, aber den meisten ist sie noch fremd. Der Grund davon ist aber der, dass sie das Friedensopfer noch nicht erkannt haben. Wäre ich nur vom Zorn erlöst! Dürfte ich nur auf Annahme hoffen! Das ist alles, was viele Heilige begehren; dies ist tatsächlich alles, was sie erwarten. Ist dies aber alles, was das Opfer ihnen erworben hat? Ist dies alles, was Christus genießt? Ist dein Erbteil nicht mehr, als Vergebung? Ist Er nicht als Mensch Gottes Erbe und Erstgeborener; der an dem Seine Seele Wohlgefallen hat, der Eine, mit dem Gott ununterbrochen Gemeinschaft pflegt, welchem Er Seinen ganzen Sinn offenbart? Genießt Jesus dieses aber allein? Sind wir nicht in Ihm zu der gleichen Gemeinschaft berufen? Sind wir nicht in allen Stücken Seine Miterben, Seine Freunde, Seine Braut, Seine Glieder?
Das Friedensopfer beantwortet die Frage indem es uns zeigt, dass der Mensch mit Jehovah speist; wenn es uns sagt, dass Christi Platz der unsrige ist, und dass wir in Ihm berufen sind, mit Gott zu teilen. Wie deutlich finden wir in dieser Seite des Vorbildes die Antwort auf die Frage, was Gemeinschaft ist! Gemeinschaft heißt einfach "Anteil haben". Wollen wir daher mit Gott in Gemeinschaft stehen, so müssen wir etwas mit Ihm zu teilen haben, das darf aber, da wir es mit dem Heiligen zu tun haben, nichts Gemeines oder Unreines sein. Daher können auch unsere guten Werke uns keine Gemeinschaft mit Gott sichern, denn auch die besten sind mit Sünde befleckt. Aber, Gott sei Dank, es gibt ein vollkommenes Opfer, das Opfer unseres teuren HErrn Und wollen wir Gemeinschaft mit Gott haben, so ist der einzige Weg dazu der, dieses Opfer mit Ihm zu teilen.
Hier finden wir offenbar den Schlüssel zu der Ursache des allgemeinen und anerkannten Mangels an Gemeinschaft. Verkehr haben wir genug, vielleicht zu viel; Gemeinschaft aber, wie wenig! Der Grund dafür ist der, dass die Gläubigen, wenn sie zusammenkommen, kaum irgendetwas von Jesus haben, worin sie sich teilen könnten. Das gleiche gilt von unserm Nahen zu Gott, denn es kann Verkehr mit Ihm geben ohne Gemeinschaft. Wie oft, wenn wir uns zu Gott nahen, reden wir zu Ihm nur von unseren Gefühlen, unseren Erfahrungen, unseren Sünden, unseren Prüfungen. Das alles ist recht; wie können es nicht entbehren, und wir tun wohl, das alles unserem Vater mitzuteilen. Aber das ist doch noch nicht Gemeinschaft; auch werden wir dieselbe niemals dadurch erlangen, dass wir von diesen Dingen reden. Lasst uns vor Gottes Angesicht kommen, um mit Christo erfüllt zu werden; ganz von Ihm hingenommen zu werden; mit Seinem Leben, mit Seinem Wesen, mit Seiner Lieblichkeit uns zu beschäftigen. Möge das Bekenntnis unseres Nichts und unserer Mängel der Grund sein, Gott zu bitten, uns mit Christus zu erfüllen, so wird unser Verkehr bald in Gemeinschaft verwandelt werden. Möge der HErr uns völliger in Seine Gegenwart einführen, damit wir daselbst lernen, was wir in Jesus haben.
c) Nahrung für den Priester
Ferner speist der Opfernde in dem Friedensopfer mit dem Priester (3Mo 7:29-34). Der opfernde Priester ist, wie ich schon bemerkte, jedes Mal C h r i s t u s in Seinem A m t als M i t t l e r. Wir lernen hier, wie das Opfer, welches Er als Mensch dargebracht hat, Ihn nährt oder befriedigt, und zwar nicht nur als M e n s c h sondern als M i t t l e r. - Um dieses zu verstehen, müssen wir die mannigfachen Beziehungen, in welchen Jesus zu dem Opfer steht, erkennen, denn Er erscheint für uns in vielen verschiedenen Ämtern, nicht nur in einer Beziehung. Allein im Zusammenhang mit dem Opfer sehen wir Ihn, wie schon gesagt, unter wenigstens drei verschiedenen Gestalten. Er erscheint als der, welcher das Opfer bringt, aber Er ist auch das Opfer selbst. Und der, welcher beides, Opfernder und Opfer ist, ist zugleich auch Priester. Sehen wir Ihn als Opfernden, so steht Er als Mensch vor uns, als einer, der in unserer Natur Gott befriedigt. Also ist es vornehmlich Christi P e r s o n , die wir in dem Opfer erblicken. Ein Mensch steht an Stelle der Menschen. Das O p f e r bietet uns einen anderen Gedanken. Hier sehen wir nicht sowohl Ihn Selbst als vielmehr das , w a s Er t u t. Es ist hier nicht sowohl Seine Person, die das Vorbild vorführt, als vielmehr Sein W e r k und Sein W e s e n. Der Priester zeigt uns Christus in S e i n e m Amt als M i t t l e r. Hier ist es weder Christi Person, noch Sein Werk, sondern eines Seiner Ämter, das uns vorgebildet ist.
Haben wir nun diese einfachen Unterschiede erfasst, so gehen wir nun weiter. Es gibt Opfer, bei welchen der Priester Nahrung findet, an denen jedoch der Opfernde selbst keinen Anteil hat. Dies ist z.B. beim Sündopfer der Fall, von dem der Priester essen durfte, nicht aber der Opfernde (vgl. 3Mo 6:25-30). d. h. Christus findet als M i t t l e r Befriedigung darin, aber als M e n s c h, als Opfernder, gibt es Ihm keine Nahrung, als Mensch bekennt Er in demselben nur die Sünde. Der Priester, Gottes Diener, in Seinem Amt ist befriedigt, weil die verletzte Gerechtigkeit gerächt wird, aber der M e n s c h , der in seinem Opfer die Sühne zahlt, findet keine Befriedigung in dieser Handlung. Das Friedensopfer bietet uns eine ganz andere Anschauung von dem Opfer. Hier wird ebenso der Mensch als der Priester befriedigt. Hier teilt der Opfernde das Opfer mit Gott, und auch der Priester hat teil daran; auch Ihm gibt das Friedensopfer Nahrung. Fand Christus als Priester Befriedigung in dem Sündopfer, in jenem Opfer, welches nur der verletzten Gerechtigkeit Genugtuung leistete, so können wir erwarten, dass Er ebenso sehr Seine Befriedigung fand, in dem Opfer, welches beide, Gott und Menschen speist. Das Friedensopfer tut kund, dass dem so ist. Gott und Mensch essen in Frieden miteinander, und der Priester, der gemeinsame Freund beider, wird auch befriedigt, indem Er sie befriedigt sieht.
Wie kostbar ist der hier geoffenbarte Gedanke! Wie erschließt sich uns hier das Herz Christi und die Freude, die Er als Mittler genießt, wenn Er die Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen hergestellt sieht! Wahrlich, wir verlieren viel von der Freude der Gemeinschaft, wenn wir die Freude und die Befriedigung vergessen, welche der Mittler darin findet, dass Er den Menschen im Frieden mit Gott sieht.
Der, welcher den vollen Wert des Opfers erkennt, vergisst niemals, dass der Priester durch dasselbe gespeist wird. Erhöht die Gegenwart geliebter Freunde die Erquickung jeder irdischen Segnung, und beraubt die Abwesenheit derer, die wir lieben, den vollen Becher der Hälfte seines Genusses, wie sehr muss es nicht unsere Freude erhöhen, zu wissen, dass Der, welcher uns liebt, mit uns speist. Wie viel müssen diejenigen an der Freude der Gemeinschaft verlieren, welche vergessen, dass auch Christus sich der Gemeinschaft mit uns freut. Noch heute sagt Er, wie auch einstmals: "Mich hat herzlich verlangt, dies Opferlamm mit euch zu essen" (Lk 22:15). Sollten wir denn Seiner Freude nicht gedenken; sollten wir der Befriedigung vergessen, welche Er in dem Opfer findet? Wer das kann, hat erst wenig von dem Friedensopfer gelernt, denn in demselben wird der Priester gespeist.
Lies weiter hier: 2. Teil: b) Die Vielfalt des Friedensopfers