Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/3253

Zuckerraffinerie
oder Raffinerie schlechthin, die Umarbeitung und Reinigung des Rohzuckers (s. Zuckerfabrikation). Der zur Verarbeitung gelangende Rohzucker wird meistens der Vorreinigung (s. d.) unterworfen und dann in möglichst reinem heißem Wasser zu einer ziemlich konzentrierten Lösung «geschmolzen». Darauf wird diese Lösung heiß über Knochenkohle (s. d.) filtriert und hierdurch sowohl chemisch wie mechanisch gereinigt. Einen Knochenkohlenfilter zeigt die Tafel: Zuckerfabrikation II, [* 1] Fig. 1. Die heiße Zuckerlösung läuft gewöhnlich über zwei oder drei Filter und ist dann genügend gereinigt, um als Kochkläre zur weitern Verarbeitung zu gelangen. In letzter Zeit hat man bei sehr guter Vorreinigung des Rohzuckers von der Filtration über Knochenkohle Abstand nehmen können, da eine entfärbende Wirkung wegen des zur Verwendung gelangenden gereinigten Rohmaterials nicht mehr notwendig ist.
Man hat an Stelle derselben eine rein mechan. Filtration durch Filterpressen nach Patent Soxhlet angewandt, wobei die fangende Schicht aus Holzmehl und Kieselgur besteht. Durch diesen Wegfall der Knochenkohlenarbeit wird eine bedeutende Ersparnis erzielt. Die auf die eine oder andere Weise hergestellte Kochkläre wird dann im Vakuum entweder auf recht grobe Krystalle verkocht, die geschleudert werden, oder auf feinkörnige Füllmasse, die dann recht heiß in Formen (Brotformen) gefüllt wird.
Der so aus der Kochkläre gewonnene Zucker [* 2] heißt Raffinade. Da die Füllmasse sehr rein ist, so besitzt auch der die kleinen Krystalle umgebende Sirup eine sehr bedeutende Krystallisationsfähigkeit und verkittet beim Erkalten die ganze Masse zu einem festen harten Brot [* 3] (Brotzucker, Brotraffinade, Raffinadebrot). Die in den Formen befindliche Masse wird in denselben zur Entfernung des letzten Restes von Sirup mit ganz reiner konzentrierter Zuckerlösung (Deckkläre) gedeckt, darauf aus den Formen geschlagen und in Trockenstuben getrocknet; in Papier verpackt bildet sie den bekannten Hutzucker.
Die beim Decken ablaufenden Sirupe werden je nach ihrer Reinheit entweder wieder in Raffinade verkocht (Decksirup) oder die geringern Sirupe (Grünsirup) in gleicher Weise zu Melis (Melisbroten). Früher wurden aus diesen Broten die guten Würfel (s. Verbrauchszucker) durch Zersägen in Platten, Streifen und Zerkleinern der letztern hergestellt. Später wurde jedoch diese reine Raffinadefüllmasse direkt in solche Formen eingefüllt, welche bei einem nach dem Erkalten folgenden Centrifugieren und Decken in den Formen direkt Zuckerplatten geben, die dann auf Würfel verarbeitet werden (Verfahren von Langen, Adant u. s. w.). Der Grünsirup der Melisbrote wird auf Korn gekocht und giebt nach dem Schleudern einen geringern Farin (s. d.); die Abläufe davon werden wie die Sirupe der Rohzuckerfabrik verarbeitet; als Restprodukt verbleiben etwa 8 Proz. vom verarbeiteten Rohzucker an Melasse.