Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/84876

<h2>SubmittedText<h2><p>Es ist die Einführung von Qualitätsanforderungen an Praktika zu prüfen, welche die Rahmenbedingungen z. B. betreffend Dauer oder Ausbildungsanteil definieren.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Forderung nach Praktika hat auf allen Bildungsstufen zugenommen. Praktika sollen den Arbeitsweltbezug fördern oder verstärken, sei dies im Vorfeld, während oder im Anschluss an eine Ausbildung. Entsprechend vielfältig sind die Ansprüche. Nicht alle Praktika bedürfen einer staatlichen Regelung und der gleichen Regelungsdichte.</p><p>Grundsätzlich zu unterscheiden sind Praktika im Rahmen einer Ausbildung und Praktika im Übergang von einer Ausbildung zum Arbeitsmarkt. Im Kompetenzbereich des Bundes sind erstere im Berufsbildungsgesetz geregelt, letztere im Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (Avig).</p><p>- Praktika im Rahmen des Arbeitslosenversicherungsgesetzes haben die rasche und dauerhafte berufliche Wiedereingliederung zum Ziel. Die Ziele der Berufspraktika werden in schriftlichen Vereinbarungen zwischen den Teilnehmenden, den Einsatzbetrieben und den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren geregelt. Berufspraktika der Arbeitslosenversicherung sind als arbeitsmarktliche Massnahme nicht Bestandteil einer beruflichen Grundbildung und enthalten insofern auch keine Bildungsziele.</p><p>Andere Praktikumsformen im Rahmen des Avig sind Bestandteil einer übergeordneten arbeitsmarktlichen Massnahme (z. B. Kurzpraktikum innerhalb eines Motivationssemesters). Hier werden die Ziele der jeweiligen Massnahme durch die in der Leistungsvereinbarung zwischen dem kantonalen Arbeitsamt und dem Organisator der Massnahme definierten Anforderungen bestimmt. Die einzelnen Massnahmen weisen eine unterschiedliche Dauer auf und müssen jederzeit zugunsten einer Festanstellung beendet werden. Insgesamt würden zusätzliche Bildungskriterien das Angebot an Praktikumsplätzen senken.</p><p>- Auch in der Berufsbildung gilt es ein ausreichendes Angebot an Praktika bereitzustellen. Hier geht es aber gleichzeitig noch um die Sicherstellung einer hohen Ausbildungsqualität und den Schutz der Lernenden. Insofern bedarf es verstärkter Qualitätsanforderungen. Das Berufsbildungsgesetz hält in Artikel 8 fest, dass "sämtliche Anbieter der Berufsbildung" die Qualitätsentwicklung sicherzustellen haben. Die Verantwortlichkeit gegenüber der lernenden Person ist gemäss Artikel 16 Absatz 4 mit dem Lehrvertrag gegeben bzw. bestimmt sich "in der Regel nach dem Lernort". Bei schulischen Vollzeitausbildungen wie Lehrwerkstätten oder Handelsmittelschulen liegt die Verantwortung folglich bei diesen Anbietern. Die Aufsichtspflicht in der beruflichen Grundbildung ist Sache der Kantone. Die Bildungsziele sind in der eidgenössischen Verordnung der jeweiligen beruflichen Grundbildung festgelegt.</p><p>Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie erarbeitet gegenwärtig einen Leitfaden zur Qualitätssicherung bzw. -entwicklung, der alle Bereiche der Berufsbildung umfassen soll. In diesem Sinn ist der Bundesrat bereit, das Postulat anzunehmen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.