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Die strategische Lage von Rheinau zwang durch die Geschichte hindurch die Einwohner immer wieder dazu, ihre idyllische Stadt durch Befestigungsbauten zu schützen. Davon zeugen noch heute
die Schutzwälle, welche bereits zur Keltenzeit errichtet wurden zusammen mit den Bunker aus der jüngsten Vergangenheit.

Kartenausschnitt Sperrstelle Rheinau und Dachsen (1:25'000) [ Friends only ]
Geschichte
Wegen der Rheindoppelschleife bei Rheinau ist die Halbinsel zusammen mit der Insel im Strom ein idealer Übersetzpunkt über den Rhein. Dieser Tatsache bewusst, wurde diese ‹Passage obligé›
relativ früh - bereits 1937 - vom BBB mittels drei LMG Bunkern und Tankbarikaden befestigt. Zwei der LMG Bunker wurden genau im ehemaligen Graben des Keltenwalls errichtet. Im Zuge der
weiteren Grenzbefestigungen ab 1938/39 wurden auch zwischen Rheinau und Dachsen zahlreiche MG-Bunker und Unterstände erstellt.
Die relative schwache Sperrstelle Rheinau wäre alleine nicht zu verteidigen gewesen. Deshalb wurde ab 1938 bei Berg am Irchel das AW Ebersberg errichtet, welches mit seinen zwei 7.5 cm
Bunkerkanonen direkt auf diese Sperrstelle gewirkt hätte.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dreieck Rheinau - Uhwiesen - Marthalen weiter befestigt. Um einen mechanisierten Vorstoss durch diese Ebene in Richtung Andelfingen zu unterbinden,
wurden in den 1960er Jahren zahlreiche Mannschaftsunterstände (KUBU), Pak-Garagen und zusätzliche Strassenbarrikaden errichtet.
Als 1954 bei Rheinau das neue Flusskraftwerk errichtet wurde, hatte dies auch Auswirkungen auf die Sperre. Um den neuen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, wurde 1956 - in zweijähriger Bauzeit -
ein zusätzliches Infanteriewerk in Form eines Panzerabwehr-Bunkers (A5500 Korbwies) über dem EW errichtet. Das IW war neben einer 9 cm Pak auf mit zwei MG ausgerüstet. Was besonders überrascht
ist die Tatsache, dass bei diesem Werk Schartentöpfe verwendet wurden, und keine Panzerplatten mit höherer Schutzwirkung als die Schartentöpfe. Die Platte hätten nach dem Krieg eigentlich wieder
einfach beschafft werden können. Bereits am 1.10.1979 wurde die 9 cm Pak des Werks auf Befehl des Direktors des BAGF (Bundesamt für Genie und Festung) wieder ausgebaut und im Rahmen des ersten
Umbauprojekts bei der Sperre Stadel neu eingebaut. Auf die gleiche Weise verloren auch die Infateriewerke
in Eglisau, Feuerthalen und Stein am Rhein ihre panzerbrechende Bewaffnung.
Schalungsplan des Bunkers A5500 Kobwiesen
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Rheinau heute
Die Sperrstelle Rheinau ist heute im nationalen Archiv der zu schützenden militärhistorischen Bauten der Schweiz. Dazu zitieren wir die Broschüre der armasuisse: "Die bemerkenswerte
Tatsache, dass der Rheinauer Stadtgraben seit der Keltenzeit immer wieder befestigt wurde, und die typologisch interessanten Anlagen mit teils bemerkenswerter Ausrüstung machen diese
Sperrstelle besonders wertvoll."
Als weitere Besonderheit muss auch die Tarnung des Bunkers A5461 Rheinau-Strasse erwähnt werden. Da er wie ein Rebenhäuschen getarnt wurde, ist er überall nur als Bunker "Räbhüsli"
bekannt. Ein weiteres kleines unbekanntes Juwel sind die beiden Mannschaftsunterstände beim Keltenwall. Die Deckel dieser beiden Unterstände sind mit einem Blechdeckel überzogen und haben
auch einen speziellen Öffnungsmechanismus. Diese sind bei keinem anderen KUBU in der Region zu finden.
Die Anlagen in Rheinau sind heute im Besitz der Gemeine. So hatten wir im Herbst 2008 Gelegenheit diese Bunker auch von Innen zu besichtigen. Hier entpuppte sich der
"Räbhüsli"-Bunker als ein wahres Kleinod. So war dieser Bunker urspünglich nur mit Lmg bewaffnet. Mit dem Bau des Kraftwerks, wurde auch dieser Bunker kampfwertgesteigert und es
wurde ein MG eingebaut. Dazu wurden zwei Lmg Scharten umgebaut und von Aussen eine neue Panzerplatte auf den Schartentopf aufgeschweisst. Eine weitere Besonderheit stellen die zwei noch
eingebauten Lmg Kugellaffeten dar.
Auch der Bunker A5500 "Korbiwesen" zeigt einige Besonderheiten. Aussergewöhnlich ist seine lange Bauzwit von 1956 bis 1958. Erstaunlich, wie viel Zeit man sich für den Bau eines Bunkers
nach dem Krieg doch lies. An anderen Orten sind in drei Jahren ganze Artilleriewerke entstanden. Der Bunker war von Anfang an mit einer Pak ausgerüstet. Diese wurde aber bereits 1968 (!)
wieder demontiert. Speziell zu erwähnen ist bei diesem Bunker die kleine Einbauküche, welche von Beginn an zur Ausrüstung gehörte.
Wir danken an dieser Stelle Herr Stefan Keller sehr herzlich für seine interessante Führung.

Kapitel Hauptseite
Anlagen Rheinau
A5459 / A5460
A5461 "Räbhüsli"
Bunker am Rhein
A5550 Korbwiesen
Anlagen Dachsen
Schiesspanorama 42-70
[Historisches Exklusivmaterial]
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