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Nach dem deutlich wärmsten September verzeichnete die Schweiz den zweitwärmsten Oktober seit Messbeginn 1864. Überaus warm zeigte sich vor allem die erste Oktoberhälfte mit anhaltendem Schönwetter. Regional wurde die deutlich wärmste 14-Tagesperiode für den Monat Oktober registriert. Nach der Monatsmitte wurde die Witterung wechselhaft. Vor allem im Süden und im Westen fielen kräftige Niederschläge.
Die Schweiz verzeichnete den zweitwärmsten Oktober seit Messbeginn 1864. Der Monat erreichte im landesweiten Mittel 9,8 °C. Das liegt 3,1 °C über der Norm 1991–2020 (Stand 30.10.2023). Der bisherige Oktoberrekord von 10,4 °C (3,8 °C über der Norm 1991–2020) stammt aus dem Vorjahr 2022.
Am Messstandort Lugano war es mit 2,8 °C über der Norm der wärmste Oktober seit Messbeginn 1864. In Altdorf wurde der Rekordwert von 2,9 °C über der Norm vom Oktober 2006 erneut erreicht. An mehreren Messstandorten mit über 100-jährigen Messreihen blieb der Oktober 2023 nur knapp unter dem bisherigen Rekord.
Der Oktober ist in der Schweiz von der vorindustriellen Periode 1871–1900 bis heute (1994–2023) um 2,7 °C wärmer geworden.
Hochdruckwetter mit Temperaturrekorden
Die ersten 13 Oktobertage waren ausschliesslich hochdruckbestimmt. Sie brachten viel Sonnenschein und rekordhohe Temperaturen. 38 Messstandorte mit längeren Messreihen, verteilt über alle Landesteile, meldeten die höchste Tagesmaximum-Temperatur für den Monat Oktober. Vielerorts gab es Sommertage mit Tagesmaxima von 25 °C oder höher. Die höchsten Werte registrierten Comprovasco mit 29,4 °C am 8. Oktober sowie Basel-Binningen mit 28,7 °C am 13. Oktober und Stabio mit ebenfalls 28,7 °C am 8. Oktober.
Basel-Binningen registrierte neun Sommertage mit einem Tagesmaximum von 25 °C oder höher. Der Oktober brachte hier seit Messbeginn 1897 maximal vier Sommertage (1985, 1942). Bern-Zollikofen verzeichnete fünf Sommertage. Das ist ein einzigartiges Oktober-Ereignis. In der Berner Messreihe ab 1864 gab es bisher nur im Oktober 1985 einen einzigen Sommertag. Genf-Cointrin meldete ebenfalls fünf Sommertage. Das bisherige Maximum von vier Sommertagen stammt aus dem Oktober 1985.
Extreme Warmperiode
Das anhaltend sonnige Hochdruckwetter führte zu einer langen Periode mit extrem milden Bedingungen. Mehrere Messstandorte registrierten die wärmste 14-Tagesperiode für den Monat Oktober. Auf der Alpennordseite lagen die Werte lokal 1 °C oder mehr über den bisherigen Höchstwerten, so in Bern, in Luzern, in Davos oder auf der Grimsel. In Locarno-Monti auf der Alpensüdseite stieg die 14-Tagesperiode vom 1. bis am 14. Oktober 2023 rund 2 °C über die den bisherigen 14-Tages Höchstwert für den Monat Oktober.
Viel Sonnenschein
Vom 1. bis am 13. Oktober brachten die anhaltenden Hochdruckverhältnisse in der ganzen Schweiz viel Sonnenschein. Verbreitet sonnig waren auch der 16. und 17. Oktober sowie der 22. Oktober. In der West- und Zentralschweiz wurde lokal einer der sonnigsten Oktober seit Messbeginn verzeichnet. In Neuchâtel war es der drittsonnigste, in Luzern der viert- oder fünftsonnigste Oktober seit Messbeginn vor über 120 Jahren.
Bis am 29. Oktober erreichte die Sonnenscheindauer auf der Alpennordseite verbreitet Werte über der Norm 1991–2020. In der Westschweiz und im zentralen Mittelland waren es lokal 130 bis 160 % der Norm. Die Alpensüdseite verzeichnete regional um 120 % der Norm.
Starke Niederschläge im Westen und im Süden
Vom 1. bis am 13. Oktober fiel an den meisten Messstandorten von MeteoSchweiz kein oder nur wenig Niederschlag. Etwas Regen gab es am 3. Oktober beim abendlichen Durchzug einer Kaltfront aus Westen. Weiteren Niederschlag brachte eine Kaltfront aus Nordwesten am 14. und 15. Oktober in vielen Gebieten der Schweiz. Dabei fiel regional Schnee bis auf 1700 m hinunter.
Vom 18. bis am 21. Oktober strömte feuchte Luft aus Südwesten zur Schweiz. Über den Alpen stellte sich eine kräftige Föhnlage ein. In der Westschweiz fiel vom 18. bis am 20. Oktober, auf der Alpensüdseite vom 19. bis am 21. Oktober reichlich Niederschlag. In den übrigen Gebieten der Schweiz zeigten sich vor allem der 20. und 21. Oktober nass.
Die höchsten 3-Tagessummen fielen auf der Alpensüdseite mit 200 bis knapp 280 mm. Vicosoprano im Bergell registrierte mit 209 mm die dritthöchste 3-Tagessumme in der seit 1930 verfügbaren Messreihe. In Nord- und Mittelbünden gab es Höchstwerte von 100 bis 160 mm. Am unteren Genfersee und im angrenzenden Jura stiegen die 3-Tagessummen auf 75 bis 110 mm. In der Nordwestschweiz sowie im zentralen und östlichen Mittelland blieben brachte das Niederschlagsereignis meist weniger als 20 mm, vielerorts auch weniger als 10 mm.
Markanter Südföhn und Scirocco
Die Südwestlage, welche die starken Niederschläge im Süden und im Westen brachte, zeigte sich vor allem am 20. Oktober stürmisch. Am Alpennordhang fegte der Föhn mit Böenspitzen von 100 bis 120 km/h durch die Täler. In Gipfellagen erreichte er 140 bis 190 km/h.
Auf der Alpensüdseite blies ein heftiger Scirocco talaufwärts. Die Böenspitzen lagen meist zwischen 80 und 120 km/h. Am Messstandort Matro auf 2171 m erreichte der höchste Wert 174 km/h. Es war die dritthöchste Böenspitze in der 30-jährigen Messreihe von Matro.
Während der Südföhn und der Scirocco regional für Turbulenzen sorgten, näherte sich aus Westen eine Kaltfront. In deren Vorfeld gab es auf der Alpennordseite kräftigen Westwind. Er brachte Böenspitzen von 50 bis 70 km/h, in erhöhten Lagen um 80 km/h und in Berglagen bis 120 km/h.
Wechselhaftes Monatsende
Nach einem vielerorts sonnigen 22. Oktober folgte wechselhafte Witterung. Vom 24. bis am 27. Oktober fiel verbreitet Niederschlag. Zudem waren der Föhn und der Westwind aktiv. Neben kräftigem Südföhn in den Alpen am 23. Oktober verzeichnete die Alpennordseite vom 25. bis am 28. Oktober in erhöhten Lagen kräftigen Westwind. Der Föhn und der Westwind brachten maximale Böenspitzen von über 100 km/h.
Am 29. Oktober blies über dem Jura und den Alpen ein starker bis stürmischer Südwestwind mit Böenspitzen bis 120 km/h. Durch die Täler der Alpennordseite fegte ein kräftiger Föhn mit Böenspitzen von knapp 100 km/h. Der Föhn hielt auch am 30. Oktober an. Mit dem Südföhn zeigte sich die Alpensüdseite trüb und nass.
Späte Herbstverfärbung der Laubbäume
Hohe Temperaturen im September und Oktober bewirken, dass die Blätter der Laubbäume lange grün bleiben und sich erst spät verfärben. Bei der Blattverfärbung wird das grüne Chlorophyll abgebaut und in den Wurzeln und in den Zweigen gespeichert. Dabei kommen die gelben und orangen Farbpigmente zum Vorschein. Leuchtende Herbstfarben entstehen bei sonnigem Wetter mit tieferen Nachttemperaturen, aber ohne Frost. Diese tieferen Temperaturen fehlten bis jetzt im Oktober, so dass sich die Herbstfarben noch nicht sehr intensiv ausbildeten.
Die ersten verfärbten Bäume zeigten sich ab Ende September. Verfärbte Vogelbeeren wurden schon in der ersten Oktoberwoche beobachtet, während Buchen und Sommerlinden ab etwa dem 10. Oktober häufiger bunt wurden. Ab Mitte Oktober konnte die beginnende Blattverfärbung von Hängebirken, Bergahorn und Winterlinden beobachtet werden, was zeitlich mit dem Rückgang der Temperatur zusammenfällt. In diesem Jahr trafen Meldungen zur Blattverfärbung aus allen Höhenlagen gleichzeitig ein. Normalerweise beginnt sie in den Bergen früher als im Tiefland. Anhand der bis jetzt vorliegenden Meldungen fand die Blattverfärbung 2 bis 6 Tage später statt als im Mittel der Periode 1991–2020.
Die Nadelverfärbung der Lärche wurde erst an wenigen Standorten beobachtet. In Davos wurde sie am 9. Oktober beobachtet, etwas früher als normal und an zwei Stationen im Engadin am 20. und 23. Oktober, mehrere Tage später als normal. Neben dem Wetter und der Tageslänge spielt auch der Standort und die Trockenheit des Bodens eine Rolle für die Blattverfärbung. Im phänologischen Beobachtungsnetz gab es in diesem Jahr nur ganz vereinzelt Meldungen zu einer sehr frühen Blattverfärbung aufgrund von Trockenheit.