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Was braucht es, um wirklich glücklich zu sein? Beobachtungen am Lochergut.
Der Himmel ist eine Glasplatte über den Dächern der Stadt, am Lochergut stehe ich, blicke hinauf, sehe in ein einheitlich undefiniertes Blau oder Grau oder Durchsicht über mir, und ich frage mich, warum die Möwen über dem Lochergut fliegen, obwohl sie hier weder Fluss noch See und schon gar kein Meer finden, und warum man so viel zu sein hat in dieser Stadt.
Da ruft der Mann neben mir, die Wände der Hochhäuser entlang. Er ruft, ihr werdet schon sehen, ihr werdet schon sehen, ihr Klimagegner und ihr aalglatten Menschen. Ihr werdet schon sehen, ihr rutscht an euren eigenen Leben ab, dieses ewige Tun und Sein, Kaufen und Streben, das bringt euch kein Glück und euch nicht in das Glück hinein.
Ich stehe und sehe seine Worte in den Himmel gehen, Tauben fliegen auf und vermischen sich mit den Möwen. Eine Frau, auch sie aufgeschreckt wie die Tauben, bleibt stehen, sie hat eine erfundene Nase, ihr Mund ist ein Sofakissen, ihr Gesicht, das vor lauter Botox nicht erschrecken kann, nur die Hände wirft sie in die Luft. Ich stehe neben dem Mann, um den die Frau nun einen Bogen macht.
Lauwarm ist der Morgen. Vor dem Kiosk flüstert ein Junge in 23 Sprachen zu sich selbst, und auch der Mann ist stiller geworden, rutscht an der sauberen Stadt ab, wie er sagt.
Ich bin ein Fleck, sagt er nun leiser und bewegt seine Arme, gerade so, als wären sie mit fünf Kilogramm Mehl gefüllt. Er hat vier Beine, zwei dünne und zwei sehr dünne aus Aluminium, auf denen er sich abstützt. Seine Haare sind ein Vorhang, der ihn vor den Blicken des Vorübergehenden in Funktionskleidung schützen kann.
In einer Stadt wie dieser sind wir unsichtbar, sagt er. In einer Stadt wie dieser werden wir zusammengekehrt, wie übrig geblieben und als hätten wir auch keinen Nutzen und als wären wir Konfetti vom letzten Jahr.
Unter dem Himmel am Lochergut essen sieben Halbstarke ihren Kebab mit Zwiebeln und ohne scharfe Sauce in der Sonne unter einem Kirschbaum. Am Lochergut tragen alte Männer ein Glückslos aus dem Kiosk und Menschen sich selbst in ein Restaurant hinein, das sich Fabrik nennt.
Ach lass mich doch in Ruhe, ruft der Mann zum Hochhaus, und das Hochhaus ruft, ach lass mich doch in Ruhe. Der Mann geht auf seinen vier dünnen Beinen an mir vorüber und verschwindet in einem Hauseingang.
Julia Weber ist Autorin und lebt in Zürich. Für den «Tages-Anzeiger» schreibt sie jede Woche über Zürcher Schlupflöcher.
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