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FLOTSAM AND JETSAM "No place for disgrace", Elektra 1988
Das Album hatte keinen leichten Stand; da es 1988 erschien, als die Thrashmetal-Welle so richtig zu überborden begann, gab es viele Bands die in diesem Genre Platten veröffentlichten - darunter neue Bands wie Sadus, Vio-Lence oder Wargasm. Doch auch Thrash-Veteranen wie Metallica, Megadeth, Slayer, Testament oder OverKill warteten mit neuen Scheiben auf; teilweise mit sehr starken, teilweise mit eher schwachen. Dazu kam, und das war der härteste Schlag für Flotsam and Jetsam, dass die treibene Kraft hinter der Band - Jason Newsted - der auf dem Debut "Doomsday for the deceiver" sehr engagiert zu Werk ging, zu den Kollegen von Metallica gewechselt hat um da den verstorbenen Cliff Burton am Bass zu ersetzen und das Album "..and justice for all" einzuspielen, wo man ihn komplett in den Hintergrund gemischt hat... Also alles sehr schlechte und schwierige Vorzeichen für Flotsam and Jetsam.
Doch die Band meistert diese Hürde grandios - zwar ist die Platte nicht mehr gleich aggressiv wie die HC-lastige "Doomsday.." Scheibe, die für mich ihre beste bleibt, dennoch überzeugt mich auch "No place for disgrace"! Die Scheibe wirkt von den Kompositionen her ausgereifter und anspruchsvoller als das freche Debut von 1986, doch fehlt "No place.." ein bisschen die Unbekümmertheit und Spontanität - hier wirkt es wirklich so, als wurde richtig komponiert, nicht einfach rauflos gezockt. So hat die Scheibe einen weitaus "progressiveren" Charakter als der Vorgänger, ist ausgeklügelter und lehnt sich mehr auf die Thrashmetal Seite - allerdings stets melodiös und verdaulich.
Der brillante Opener "No place for disgrace" ist jedenfalls ein sensationeller Starter und auch ein fantastischer Song! Ebenso die Songs "Dreams of death" und das fantastische "N.E. Terror" (beeindruckender Text!!)! Ebenfalls gelungen ist die teils akustische Halb"ballade" "Escape from within" - sehr schön gemacht, druckvoller Speedpart. Und auch das Elton John-Cover "Saturday night's alright for fighting" - relativ gut gelungen, jedoch wie so oft etwas anstrengend gesungen von Eric A.K.! Auch die B-Seite startet brillant; "Hard on you" ist ein stampfender, schwerer Metaltrack mit geilen Riffs und guten Soli - wäre da nur nicht Nervtöter Eric A.K. .... Das Highlight der Platte ist jedoch "Misguided Fortune"; ein Hammersong, besonders der melodiöse, starke, wunderschöne und fast schon traurige Mittelteil - fantastisch! Doch auch das kraftvolle, zügige "P.A.A.B." passt! Sehr gut.
Nun, das Album funktioniert bestens - zum Glück hab ich es mir vor dem Reviewen nochmals 2, 3x angehört - hab es davor längere Zeit nicht mehr abgespielt und hatte es definitiv schlechter in Erinnerung. Klar; vergleicht man es mit dem zornigen Debut, schneidet die Scheibe schon etwas schlechter ab - sieht man das Album jedoch als das was es ist, hat man eine wunderbare Thrashmetal-Platte vor sich; nichts allzu spezielles, aber sicher sehr gutes Handwerk. Vielleicht ein bisschen zu vergleichen mit den Kollegen von Testament und Sacred Reich, stimmlich ist man in der Nähe von OverKill, ohne jedoch die Qualität von dessen Frontschreier Blitz zu erreichen.
Ich mag die Scheibe, auch wenn das starke Songwriting etwas unter Sänger Eric A.K. leidet, den ich einfach nach 3 Songs nervig finde. Aber die Platte funktioniert - auch ohne Jason Newsted! Auch ohne Hardcore Einflüsse - dafür mit vielen Melodien, schönen Parts, akustischen Einlagen und auch gnadenlosem Geknüppel.
Umso tragischer, was dann auf dem folgenden "When the storm comes down" mit der Band passierte... Schlimm! Doch hier war die Welt noch in Ordnung. Straighte 5*!