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Seit ich denken kann, trage ich eine Geige in meinen Händen. Mein Vater ist Dirigent und Pianist und organisierte ab 1984 Meisterkurse mit Tibor Varga - viele seiner Studenten, wie z. B. Latica Honda Rosenberg, wohnten bei uns, daher bin ich quasi mit dem Klang der Geige aufgewachsen und habe auch sehr früh angefangen, bei Tibor Varga in Sion zu studieren.
2002 bekam ich die grosse Chance, meine Studien unter Zakhar Bron an der ZhdK fortzusetzen. Nachdem ich 2007 mein Solistendiplom erworben hatte, gewann ich das Probespiel als erste Konzertmeisterin im Sinfonieorchester St Gallen. In dieser Zeit dachte ich, mein Ziel als Musikerin erreicht zu haben und in Ruhe leben zu können.
2009 jedoch traf ich jemanden, der mein Leben massgeblich verändern sollte: Reinhard Goebel, den ich durch David Stern, damals Chefdirigent in St Gallen, kennenlernte und welcher, so Stern, Antworten auf all meine Fragen hätte. Also traf ich den berühmten Barockgeiger und nach zwei Tagen, in denen er mir zahlreiche Bücher und Manuskripte gezeigt hatte, wurde ich mir einer Sache bewusst: Ich hatte sehr viel zu lernen.
Mein erstes Studienjahr bei Reinhard Goebel verlief ganz ohne Geige – ich las, analysierte, suchte, forschte. Es war faszinierend! Nach einem Jahr ausgiebiger Studien durfte ich zum ersten Mal eine Barockgeige in die Hand nehmen und es eröffnete sich mir eine neue Welt. Auf Darmsaiten zu spielen ist so anders! Ich veränderte meine Technik total und musste lernen, mit dem Bogen zu sprechen, zu artikulieren und mich mit wenig Vibrato der linken Hand auszudrücken, zu improvisieren, zu verzieren, Kadenzen zu schreiben etc. Auch auf späteres Repertoire hatte diese neue Art, mit der Musik umzugehen, einen sehr grossen Einfluss.
Auf meiner ersten CD „Time Reflexion“ nahm ich Werke des 18. und 21. Jahrhunderts auf, sowohl auf der Barockvioline als auch auf der modernen Violine. Noch immer gibt es einen großen Spalt zwischen diesen Welten; dennoch bin ich mir sicher, dass es möglich ist, eine Brücke zu schlagen und dass historische Aufführungspraxis und Virtuosität sich einander nicht ausschließen.
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