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Wieso ist die Kreissäge rund? Und Bier so gesund? Und wofür gab es zwei Nobelpreise? Und wieso müssen wir zuhause nicht frieren? Unser (viel zu kleines) Lexikon von Dingen, auf die erst mal eine Frau kommen musste, damit es sie überhaupt gibt.
Nein, es waren keine Mönche, die das Bier erfunden haben, sondern die Frauen Mesopotamiens. Wobei die Sache mit der «Erfindung» in einem Land so weit vor unserer Zeit nicht wirklich ganz felsenfest zu beweisen ist. Klar ist jedoch: Es waren die Frauen, die Bier brauten, verkauften und auch sehr gerne tranken. Letzteres durchaus auch mit der Ausrede, dass der im Bier enthaltene Hopfen äusserst gesund für Schwangere sei. Bei den alten Finnen durften per Gesetz sogar nur Frauen brauen.
Eine junge Frau sitzt an ihrem Spinnrad und sieht den Männern in der Sägerei nebenan dabei zu, wie elend sie sich mit einer normalen Säge zu zweit an einem Baumstamm abmühen. Wäre die Säge der Männer genauso rund wie ihr Spinnrad, denkt sich Tabitha Babbitt (1779–1853), so müsste die Arbeit der Männer doch viel leichter sein. So erfindet sie die Kreissäge.
Gleich geht's weiter mit den Erfindungen. Vorher kurz ein Hinweis:
Und schon geht's weiter mit dem Erfinderinnen-Listicle.
Sie ist das einzige eheliche Kind des promisken britischen Dichters Lord Byron. Ihre Mutter flüchtet sich in die Mathematik. Ada Lovelace (1815–1852) tut es ihr gleich. Und heiratet einen mathematikverliebten Earl. Ihre grössere Liebe gehört jedoch einer komplizierten (nie fertiggestellten) mechanischen Rechenmaschine, für die sie ein komplexes Programm entwickelt, das die Basis für zukünftige Computerprogramme bildet. Sie glaubt an die Lernfähigkeit und die Intelligenz von Maschinen. Und hat Recht.
Stundenlang rührten früher die Glacé-Produzenten von Italien bis Amerika ihre Glacémasse mit Löffeln, Kellen und schlimmen Sehnenscheidenentzündungen in eisgekühlten Gefässen. Doch dann kam Nancy Johnson (1795–1890) auf die Idee, eine Kurbel mit einem grossflächigen Rührkörper einzusetzen, und bequem konnten so mehrere Liter Glacé in unter einer Stunde hergestellt werden. Zwar immer noch von Hand, aber enorm viel schonender, effizienter und dadurch auch hygienischer. Und so geschickt war Nancy Johnson, dass sogar in einem Gerät gleichzeitig zwei verschiedene Sorten Glacé gerührt werden konnten. Vollkommen verrückt.
Sie ist die Mutter der Migrossäcke, die wir alle schon bei einem Wohnungswechsel zum Büchertransport gebraucht haben. Und all der Papiertüten beim Bäcker, die sich raschelnd um knuspriges Gebäck schmiegen. Nachdem Margaret Knight (1838–1914) bereits als Zwölfjährige ein geniales Sicherheits-Tool für eine grosse Baumwoll-Spinnerei entwickelt und vielen Arbeitern damit das Leben gerettet hat, kommt sie 1871 auf die Idee einer hübschen kleinen Maschine, die Papier so schneiden, falten und kleben kann, dass am Ende Papiertüten mit einem viereckigen Boden dabei herauskommen. Böse Männer versuchen, ihr das Patent streitig zu machen, indem sie behaupten, ein Frauenhirn sei dazu schlicht nicht fähig. Doch Margaret Knight ist stärker.
Ein Mann stirbt. Seine Witwe findet in einem seiner Notizbücher einen Hinweis darauf, dass es zwischen Schiffen auf hoher See doch eine bessere Kommunikationsmöglichkeit geben müsste als das blöde Theater mit Flaggen oder schlecht sichtbaren Laternen. Er stellt sich etwas mit Licht und Feuer vor. Martha Coston (1826–1904), die Witwe, ist wild entschlossen, seine Pläne zu verwirklichen. Zehn Jahre lang arbeitet sie mit Chemikern und Pyrotechnikern zusammen, dann ist es soweit: Schiffe blicken einander in die feurigen Augen.
Vor ihr hatten schon mehrere Männer versucht, eine kommerziell erfolgreiche, (natürlich noch) handbetriebene Geschirrspülmaschine zu bauen, doch erst Josephine Cochrane (1839–1913) schaffte es zur Geschirrspüler-Mogulin. Die Ingenieurs-Tochter kam aus einer Erfinderfamilie, Vater und Grossvater waren fanatische Tüftler, sie selbst gewann 1892 an der Weltausstellung in Chicago für ihren «Dishwasher» den ersten Preis für die beste Erfindung. Josephine Cochrane wagte es, ihre Kunden alleine, ohne die Begleitung ihres Vaters, Bruders oder Gatten aufzusuchen, und sorgte damit für mehrere Skandale.
Die Frau, deren Lebensdaten leider nicht bekannt sind, war besessen von Dingen, die schwimmen konnten: 1878 erfand Maria Beasely eine Maschine, mit der man Fässer herstellen konnte, und wurde richtig, richtig reich, sie verdiente damit nämlich 20'000 Dollar pro Jahr, und das in einer Zeit, da der Jahreslohn einer arbeitstätigen Amerikanerin bei durchschnittlichen 1000 Dollar lag. Dann erfand sie das Rettungsboot. Stapelbar, wie auf ihrem Plan zu sehen ist. Hätte die Titanic davon doch bloss ein paar mehr gestapelt!
Margaret A. Wilcox sorgte dafür, dass im Winter die Autoscheiben von innen auch ohne Sex so aussehen wie in der «Titanic»-Liebeszene zwischen Kate und Leo im Oldtimer. Mrs. Wilcox war derart kreativ, dass sie auch noch eine Maschine entwarf, die gleichzeitig Geschirr und Wäsche waschen konnte. Oder hätte können sollen. Leider wurde das Traumgerät nie gebaut.
Rein gar nichts ist über Laetitia Geer bekannt, die auf die geniale Idee kam, eine medizinische Spritze zu entwickeln, die mit einer Hand zu bedienen ist. Die zweite braucht man schliesslich für was Anderes. Zum Beispiel, um Patienten festzuhalten.
Gleich zwei Nobelpreise gehören der Polin Marie Curie (1867–1934), die in Frankreich zur berühmtesten Naturwissenschaftlerin aller bisherigen Zeiten wurde. 1903 gewann sie einen für Physik, 1911 einen zweiten für Chemie. Mit ihrem Mann Pierre erforschte sie das Phänomen radioaktiver Strahlung, die 1896 von Henri Becquerel im chemischen Element Uran gefunden worden war. 1898 entdeckten die Curies das Element Radium, das 900 Mal stärker strahlt als Uran.
Im Mai 1903 veröffentlicht Marie Curie ihre Dissertation mit dem Titel «Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen», im November gewinnen sie und ihr Mann für ihre Forschung den Nobelpreis. Pierre stirbt 1906. Marie nimmt sich 1910 einen jüngeren, verheirateten Liebhaber, seine Frau droht ihr mit Mord. Die Presse stürzt sich auf den Skandal. Es kommt zu fünf Duellen. Und Marie Curie gewinnt den zweiten Nobelpreis.
Es ist fast nicht vorstellbar, dass vor der Dresdnerin Melitta Bentz (1873–1950) noch niemand auf die Idee mit dem Kaffeefilter gekommen war. Aber sie war die erste. Mit Nägeln bohrte sie Löcher in eine leere Konservendose und legte sie mit Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes aus. Vorher wurde der Kaffee direkt in die Kanne gefüllt, das Resultat war eine bittere Brühe mit Krümeln. Seither prägt Melitta Bentz den Slogan «Melitta macht Kaffee zum Genuss».
Weil Frauen nicht nur im Auto, sondern auch zuhause gerne frieren, ist es kein Wunder, dass sich eine Frau um die Ablösung der grobmotorischen Holz(kohle-)Heizung und um das revolutionäre Übergangsmodell zur Zentralheizung kümmern musste. Das Wunder ist allerdings, dass wir die Erfindung der regulierbaren Gasheizung einer der wenigen afroamerikanischen Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts überhaupt studieren durften, verdanken. Alice H. Parker heisst das junge Genie aus New Jersey, dessen Erfindung am 23. Dezember 1919 patentiert wurde. Und das ist auch schon alles, was die Welt über sie weiss.
Sie war – unendlich schön. Und unendlich klug. So schön, dass Metro-Goldwyn-Meyer sie in den 30er-Jahren als «schönste Frau der Welt» vermarktete. Und so klug, dass sie erstens das Schönsein und die Schauspielerei als Dummheiten abtat und zweitens mit einem technisch ebenfalls hochbegabten Komponisten das «frequency-hopping» oder das «Frequenzsprungverfahren» erfand, eine störungssichere Funktechnik. Und weil Hedy Lamarr, die nach London ausgewanderte Tochter österreichischer Juden einmal kurz mit einem Waffenhändler der Nazis verheiratet gewesen war und einiges über den Krieg und seine Gerätschaften wusste, stellte sie ihre neue Erfindung nun in den Dienst der Alliierten. Und verwandelte sie in eine Funkfernsteuerung für Torpedos.
Und noch eine Heizung! Jetzt von der «Sonnenkönigin». Die ungarische Naturwissenschaftlerin Maria Telkes (1901–1996) wanderte 1925 nach Amerika aus und entwickelte für die Navy im Zweiten Weltkrieg eine solarbetriebene Entsalzungsanlage, die vielen abgeschossenenen und auf dem Meer treibenden Soldaten das Leben rettete. Der Coup mit den Solaranlagen für Privathäuser gelang ihr gemeinsam mit der Architektin Eleanor Raymond. In Dover, Massachusetts, bauten die beiden das erste Haus der Welt, das ganzjährig nur durch Solarenergie geheizt werden konnte.
Der Rechner, mit dem die Mathematikerin und Physikerin Grace Murray Hopper arbeitete, hiess Mark I und füllte einen ganzen Raum. Eines Tages gab es eine Störung, die Ursache: Eine Motte war in den Rechner geflogen. «Oh, we have a bug!», oder so ähnlich lautete die Reaktion von Mrs. Hopper, und ab sofort wurden Fehler, die sich von aussen ins System geschlichen hatten, in der Computerwelt «Bug» genannt. Doch dies ist nur die populäre Fussnote im Werk einer Frau, die neben Tonnen von Software auch noch die bedeutende Programmiersprache COBOL erfunden und sowieso Unendliches geleistet hat. Wir verweisen deshalb auf die Grace-Murray-Hopper-Seite der Universität Yale.
Sie macht harte Kerle härter. Die polnisch stämmige Chemikerin Stephanie Kwolek (1923–2014) entdeckte im Dienst der Firma DuPont in Delaware nichts anderes als die zähste synthetische Faser der Welt. Kevlar ist fünfmal stärker als Stahl, wird für Feuerwehrstiefel, schusssichere Westen und zur Bespannung der Tennisschläger von Roger Federer verwendet. Die Familie DuPont ist dank Kwolek 2015 auf Platz 14 der «Forbes»-Liste mit den reichsten Familien Amerikas.
Und da kommt sie! Die Schweizerin in dieser Liste! Heute ist sie «über 80» und arbeitet – mit einem bahnbrechenden Umweg über Amerika – in Dübendorf. Doch mit 24 wanderte Jacqueline Urbach nach Amerika aus. Ihr Traum: Filmregisseurin. Ihre Realität: Brillenverkäuferin. Bald wanderte sie weiter nach L.A. Und dachte sich, dass Kontaktlinsen im Filmgeschäft, besonders farbige, doch eigentlich ein Erfolg sein müssten. Sie pröbelte und schuftete und hatte Recht – und erfand kurz darauf auch noch als Erste brauchbares Material für weiche Kontaktlinsen. Ihre Patente verkaufte sie später an die Novartis, ihr Sohn führt heute den Kontaktlinsengiganten Discountlens.