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Informationsverschmutzung
Übermässig viele Worte und wertlose Details erschweren es dem Anwender, nützliche Informationen zu extrahieren. Je mehr Sie sagen, um so weniger Leute werden Ihre Botschaft erhalten.
by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 11.08.2003
Weniger zu sagen ist oftmals mehr. Unser Leben ist vollgestopft mit unwesentlichen Details, die - wie Beispiele meiner kürzlich angetretenen Reisen zeigen - die wichtigen Informationen im Keim ersticken.
- In der Hotellobby des Sheraton in der Nähe des Kennedy Flughafens hängt eine elektronische Anzeige über einem Bildschirm. Die Anzeige hat zwei Zeilen à je 20 Zeichen, die kontinuierlich folgende vier Nachrichten anzeigen:
- Zu Ihrer Information und einfachen Handhabung
- wird der Bildschirm unterhalb
- alle Flüge des Flugplans von allen
- Fluglinien des JFK-Flugplatzes anzeigen
Da der Sinn des Bildschirms für jeden, der sich einmal in einem Flugzeug befunden hat offensichtlich ist, sagt die Anzeige nichts zusätzliches aus. Schlimmer, es vergeudet die Zeit der Leute, weil diese in der Annahme, dass schlussendlich etwas Wichtiges gesagt werden könnte erwägen, durch den kontinuierlich durchlaufenden Text zu gehen. Wenn das Ziel sein soll, die Aufmerksamkeit auf den Bildschirm zu lenken, könnte die Anzeige einfach mitteilen:
Flugpläne aller JFK Flüge
Am Flughafen von San Jose hören Sie, wenn Sie einen Shuttlebus betreten, der vom Terminal zum Parkplatz fährt die Nachricht: "Willkommen am internationalen Flughafen von San Jose". Da Sie gerade nach San Jose geflogen sind, ist diese Information kaum erhellend. Es wäre besser etwas wie "Willkommen. Dieser Bus fährt zu den orangefarbenen Langzeitparkplätzen." zu sagen.
- FastTrak ist ein transponderbasiertes System, welches Sie automatisch die Mautgebühren über die Brücken der San Francisco Bay bezahlen lässt. In der Annahme, dass Ihr Auto einen funktionierenden Transponder besitzt, erscheint eine leuchtende Anzeige mit VALID ETC, wenn Sie eine Gebührenstation passieren. Das Wort "VALID" ist schön: Es gibt zu verstehen, dass die Mautgebühr von Ihrem Konto abgezogen worden ist und Sie weiterfahren können. Aber was bedeutet "ETC"? Ist damit "et cetera" gemeint oder vielleicht "Electronic Toll Collection"? Es ist auf jeden Fall eine irrelevante Belästigung, die im Zusammenhang mit dem Kontext der Anzeige nichts kommuniziert.
Jedes einzelne kleine Stück dieses nutzlosen Geplauders ist relativ unschuldig und raubt uns nur ein paar Sekunden. Der kumulierte Effekt jedoch ist schlimmer: wir nehmen an, dass der Grossteil der Kommunikation etwa gleich nutzlos ist und schalten einfach ab, was dazu führt, dass wir die wichtigen Informationen - die im Durcheinander enthalten sind - nicht mitbekommen.
Warnung: Überflüssige Warnungen sind gefährlich
Der Informationsüberfluss ist eine weltweite Plage, welche nicht nur Reisende quält, sondern jeden. In den Vereinigten Staaten ist es zum Beispiel nicht möglich, sich einen Rasenmäher ohne einen Aufkleber zu kaufen, der besagt, dass Sie ihre Füsse nicht mähen sollten.
Die meisten Handbücher sind voll von "wichtigen" Warnungen, die gegen offensichtliche Dummheiten schützen sollen, die aber tatsächliche Gefahren unter einer Masse von Irrelevanz begraben. Ein Out-Of-Control zugelassenes System hat sich einen Witz über das gesamte Konzept der Warnungen erlaubt; Produkte sind nun weniger sicher, weil sich keiner mehr darum kümmert, die ganzen Warnungen zu lesen.
In der Sprache des Information Foraging ist der Informationsüberfluss genauso als ob man den Wald mit Papp-Kaninchen füllt: Frustrierte Wölfe wären gezwungen woanders zu jagen.
Der Informationsüberfluss im Internet
Das Internet ist mit der grösste Informationsverschmutzer von allen. Spam ist noch nicht einmal Informationsüberfluss, es ist - bezogen auf die Aufmerksamkeit - Diebstahl. Denn sogar gewöhnliche E-Mails werden für mehr Leute kopiert als im Endeffekt nötig wäre, kontaminiert durch übermässige Wortschwalle und endlosen Antwortschleifen.
Das Netz ist ein Verzögerungsapparat: Er kann so viel Zeit wie nötig absorbieren, um sicher zu gehen, dass keine richtige Arbeit gemacht werden kann. Websites überlaufen mit entweder wenig gehaltvollen Postings oder harmlosem Unternehmensgeplauder.
Studien über Content Usability finden typischerweise heraus, dass wenn die Hälfte der Worte auf den Websites entfernt würden, sich der Informationsgehalt, den die Anwender erhalten, um das Doppelte steigern würde.
Lassen Sie uns unsere Informationsumgebung aufräumen. Sagen Sie Dinge, von denen Ihr Kunde profitieren kann oder schreiben Sie nur einfach viele unnötige Worte? Wenn die Anwender das Geschriebene nicht brauchen können, dann schreiben Sie es auch nicht. Helfen Sie so mit, den Informationsüberfluss jetzt zu stoppen.
© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.