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([] Korr.) Bahnprojekt Weesen-Amden-Speer. Auf Amden, jener einsamen, originellen Berggemeinde oberhalb Weesen, in einer großen Bergmulde am Abhange des Speer gelegen, hat sich vor zirka Jahresfrist eine amerikanische Gesellschaft niedergelassen, die allem Anscheine nach dort auch festen Fuß fassen will. So machte vor wenigen Tagen die Nachricht die Runde durch die schweizerische Presse, daß ein Architekt Küttel in Luzern sich um die Konzession einer Bahn von Weesen via Amden nach der Rigi der Ostschweiz, dem Speer, sich beworben habe und daß dies wahrscheinlich im Auftrage des Herrn Klein, dem gegenwärtigen Vertreter dieser Gesellschaft, geschehen sei. Das letztere ist unzutreffend: Herr Klein hat unter dem 18. Januar 1904 ein eigenes Bahnprojekt eingereicht und bewirbt sich nun unabhängig von Herrn Küttel ebenfalls um die Konzession. Ein Vergleich der beiden Projekte zeigt bald, daß dasjenige des Herrn Klein viel sorgfältiger ausgearbeitet und durchdacht ist. Als Mängel des Küttelschen Projektes werden uns von Fachleuten bezeichnet: die vorgesehene Benutzung der Straße Weesen-Amden-Durchschlägi, die öfters eine Steigung von 13 Prozent hat; ferner dessen ganz ungenügende Angaben über Finanzierung, Rendite u. s. w. Da die beteiligten Gemeindebehörden von Weesen, Amden und Schänis dem bestimmten Vernehmen nach sich zugunsten des Projektes Klein aussprechen, mag es von Interesse sein, heute schon das wichtigste aus diesem neuesten schweizerischen Bergbahnprojekt zu vernehmen. Als Hauptmotiv, das zu dem vorliegenden Gesuche Veranlassung gegeben, bezeichnet der Konzessionär in seiner Eingabe an den Bundesrat, das Bestreben der Berggemeinde Amden, eine bessere Ver bindung für Personen- und Güterverkehr zu verschaffen und den herrlichen Aussichtspunkt des Speer bequemer zugänglich zu machen; die Bahn habe somit mehr gemeinützigen Charalter und werde aus diesem Grunde zum vornherein auf Rendite nicht gerechnet.
Ueber die Anlage der Bahn sei heute folgendes mitgeteilt: Vom Bahnhofplatz Weesen überschreitet die Bahn zunächst die Kantonsstraße und geht dann außerhalb des Städtchens bis zur Haltstelle des Hotels Schwert, dann noch auf horizontalem Planum bis Station Fly. Von dort an sind folgende Stationen vorgesehen: Grappenhof, Amden-Vorderdorf, Amden-Hinterdorf, Durchschlägi, Hinter-Mattalp und Roßweid; als Haltestellen werden genannt: Hotel Schwert, Villa Seewarte, Eich, Fahren, Hasenboden und Gasthaus Oberkasern. Als Betriebskraft wird Elektrizität verwendet, welche womöglich durch Nutzbarmachung der Bäche auf Amden gewonnen werden soll. Das Betriebssystem ist gemischt, Adhäsions- und Zahnstangensystem; für die oberste Partie (600 Meter mit einer mittleren Steigung von 465 Promille) Oberkäsern bis Speer ist Drahtseilbahn in Aussicht genommen. Besonders hervorzuheben ist, daß die Bahn – im Gegensatz zu Projekt Küttel – überall einen eigenen Bahnkörper erhalten soll und nirgends die Straße benützt wird. In Anbetracht der großen Steigungen (die mittlere Steigung der Zahnradstrecke beträgt 150 Promille, die maximale der Adhäsionsstrecke 850 Promille) werden nur kleine Zugsbildungen vorgenommen, bestehend aus Motorwagen und ein bis zwei Personen- oder Güteranhängewagen. Zur Ueberwindung der größeren Steigungen und für die Güterzüge wird ferner noch eine elektrische Lokomotive in Aussicht genommen, ähntich der Engelbergerbahn. Die Spurweite der Bahn beträgt 1 Meter. Die Gesamtlänge ist 13,7 Kilometer; der Höhenunterschied der beiden Endstationen 1520 Meter. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 5,000,000 Fr. oder 365,000 Fr. pro Kilometer. Was den Bahnbetrieb anbetrifft, so gedenkt der Konzessionär die Strecke Weesen-Amden während des ganzen Jahres, dagegen Amden-Speer nur während der Sommermonate befahren zu lassen.
Da bei der Wahl des Tracees vor allem die landschaftliche Schönheit der Gegend und der freie Ausblick in Betracht gefallen ist, wird sich dem Reisenden auf der ganzen Fahrt eine prachtvolle Aussicht auf den Wallensee und die Glarneralpen darbieten, so daß diese Bahn mit den andern schweizerischen Bergbahnen in bezug auf Naturschönheit rivalisieren darf. Möge sie recht bald zu Nutz und Frommen der Gemeinde Amden wirken.
Neue Zürcher Zeitung, 125. Jahrg., 21. Januar 1904, Nr. 21, S. 2. Online