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Möchtegern-Militärpilot 1914
Heinrich Kramer wurde 1892 in Biel geboren. Er wanderte 17-jährig nach Amerika aus, war vorerst Trainer beim Stall Wyatt. Befasste sich aber schon bald mit dem Automobilismus. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz trat er 1912 in die Farman-Fliegerschule ein und bestand in Rekordzeit von drei Tagen die Fliegerprüfung, drei Tage danach erwarb er das Fliegerbrevet Nr. 31. Auf einem Farman-Doppeldecker, erfolgten ab Juni 1973, seine ersten Postflüge zwischen Villeneuve und Ouchy in jeweils Rekordzeiten von 18 bis 22 Min. Im selben Monat überraschte er anlässlich einem Flugmeeting in Vevey mit einer eindrücklichen Flugschau. Im August erfolgte mit einem Sommer-Doppeldecker Hydro, 80- PS-Salmson-Motor, ein sensationeller Überflug des Genfersees, von Villneuve nach Genf. Der damalige Oberstkorpskommandant FAK 1, Audéoud war ein Tag später in Genf beim Flugmeeting sein vornehmer Passagier. Er war ein bekannter Förderer der Schweizer Militärfliegerei. Als Kunstflieger wirkte er an allen Flugmeetings meisterhaft mit.
Kramer holte 1914 in Frankreich ein Doppeldecker Sommer, in den er einen Oerlikoner 50 PS-Motor einbaute. Im selben Jahr war er Fluglehrer bei der Ecole Suppérieur Aèro Lausanne. Zusammen mit dem bekannten Pilot Favre führte er bei dieser Fluggruppe, der Schweizer Militärkommission, ein Flugzeug Ponnier vor.
Der Traum, Militärpilot zu werden
Zu den ersten neun Piloten, welche im August 1914 in Bern/Belp einrückten und die erste Militärgilde der Armee bildeten, meldeten sich bald darauf zwei, drei weitere, aber der Pilotenrat erachtete keiner dieser Piloten als fähig genug. Zudem schienen ihre Flugapparate zu wenig tauglich, auch wollte man zur Zeit sowieso keine weiteren Piloten aufnehmen. Einer davon war Kramer, welcher sich, als vielseitiger Pilot, zur Schweizerischen Militäraviatik berufen fühlte. Er war über seine Abweisung untröstlich. Es muss aber doch erwähnt werden: Es war Kramer, welcher nach inständigen Bitten und Empfehlungen der Piloten, doch aufgenommen wurde. Kramer selbst stellte dabei die Bedingung, dass für ihn seinen „alten“, verunfallten Sommer-Zweidecker, wieder flott gemacht werde. Sollte es nicht gelingen, müsste er wieder zurück an die Grenze zu seinem „Train“. Kramer gab sein Bestes. Er riskierte mit seinem reparierten Flugapparat bei den Flugversuchen, auch sein Leben. Obschon der “Sommer” wirklich zum Fliegen kam, als kriegstüchtig wurde das Flugzeug nicht qualifiziert. Trotz allem: Kramer blieb beim Fliegerkorps als Flugzeugmechaniker und –Wart.
Kramer`s weitere Laufbahn
Kramer erwarb 1916 das Flugverkehrsbrevet Nr. 6, wurde Chef der Fliegerschule Lausanne. Ab 1916 bis 1918 wirkte er als Flugzeug-Instruktor und war Abnahmeflieger der italienischen Regierung. Er bildete 157 Piloten aus und machte über 300 Flugzeugabnahmen. Durch unzählige Passagier- und Spezialflüge mit verschiedensten Flugzeugtypen und Vorführungen an Flugmeetings wurde er sehr bekannt. Ab 1922 bis 1924 war Kramer Chefpilot und Direktor des Flugplatzes Blécherette/Lausanne.
Unermüdlicher Propagandist für die Nationalspende
Kramer half bei der Propagierung für die Nationale Flugspende der Offiziersgesellschaft an zahlreichen Flugtagen beispielslos mit. Bis zum 9.Mai 1914 konnte bekanntlich die ansehnliche Summe von Fr. 1 728 516 vermeldet werden.
Text: Felix Zbinden/ Bilder: Archiv MHMLW