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Soll ein gutes Mineralwasser a) dem Körper Mineralstoffe zur Verfügung stellen, oder b) den Zellen helfen, Schlacken auszuscheiden? Probieren geht über studieren. Nach wenigen Tagen weiss man Bescheid.
Wenn der Kassensturz oder K-Tipp Mineralwasser testen, siegt immer das mit den meisten Mineralstoffen, mögen die anderen auch genau so rein sein. „In diesem und in fünf weiteren Produkten wurde aber sehr wenig Kalzium und Magnesium gefunden. Diese Stoffe sind wichtig für die Gesundheit des Menschen, denn sie stärken Knochen, Zähne und Muskeln“, liest man etwa im letzten Test von Ende 2014.
Doch stimmt das überhaupt? Sind Mineralwasser darum wichtig und gesund, weil sie im Gegensatz zu gewöhnlichem Wasser – wie der Name sagt – wichtige Mineralstoffe enthalten? Oder ist der hohe Mineralgehalt sogar eher schädlich und hebt den Vorteil der Reinheit (weniger Schadstoffe) auf? Diese These ist in jüngster Zeit populär geworden. Vertreten wird sie von unabhängigen Forschern, aber auch der Mineralwasserquelle Lauretana und von den Herstellern von Wasserreinigungsgeräten nach dem System der Molekularfilterung.
Drei Argumente werden dafür vorgebracht: Das erste bezieht sich auf das Bindegewebe. Hartes Wasser enthalte anorganische Mineralstoffe (vor allem Kalzium in Form von Gips), die vom Körper nicht verstoffwechselt werden und im Bindegewebe als Salze bzw. als schädliche Schlacke liegen bleiben. Das zweite Argument zielt auf Magen und Darm. Ein hoher Mineralstoffgehalt bedeutet, dass das Wasser leicht basisch ist. Es geht deshalb mit dem sauren Magensaft Verbindungen ein. Weiches Wasser ist hingegen leicht sauer und reagiert mit dem sauren Magen nicht. Es gelangt unverändert in die Därme und hilft diesem, Nährstoffe besser aufzunehmen.
Das dritte bezieht sich auf die Zellen: Die Zellen müssen Schadstoffe abbauen, darunter auch viele Mineralien. Sie sind deshalb tendenziell mit Mineralstoffen überlastet und diese erhöhen die Leitfähigkeit des Zellwassers. Damit die Giftstoffe die Zellen verlassen können, muss das Wasser ausserhalb der Zellen weniger leitfähig sein als das Zellwasser. Im Fachjargon: Es braucht einen osmotischen Druck. Die Leitfähigkeit des Wassers wird in Mikrosiemens gemessen. Die meisten Mineral- oder auch Hahnenwässer haben zwischen 400 und 15.000 Mikrosiemens. Gemäss den Vertretern dieser These muss ein Wasser weniger als 130 oder besser noch bloss etwa 40 Mikrosiemens (und entsprechend sehr wenig Mineralstoffe) aufweisen, um genügend osmotischen Druck auszuüben, bzw. um eine entschlackende Wirkung zu haben.
Zur Stützung ihrer These zitieren die Befürworter der weichen Wasser gerne eine nicht mehr ganz junge Studie des französischen Ingenieurs Louis Claude Vincent von der Universität Paris im Auftrag der französischen Regierung. Er untersuchte 12 Jahre lang die Qualität des Leitungswassers in den unterschiedlichsten Städten Frankreichs und setzte dies ins Verhältnis zu dem Gesundheitszustand der Bevölkerung. Er fand heraus, dass an den Orten mit sehr hartem, d.h. kalk- und mineralreichem Trinkwasser, die Zahl der Herz-Kreislauf-und Krebserkrankungen signifikant höher lagen als an Orten mit weichem, gering mineralisiertem Wasser. Auch Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln, sagt: „Dass Mineralien im Wasser dem Menschen von Nutzen sein sollen, ist bis heute nicht bewiesen.“ Im Gegenteil, Wasser solle möglichst rein sein, um seinen Aufgaben des Transportierens und Lösens nachzukommen.
Doch reicht es denn nicht, wenn wir einfach genügend Wasser trinken, wie das etwa der indische Arzt Fereydoon Batmanghelidj (Sie sind nicht krank, Sie sind durstig!) und andere „Wassergurus“ fordern. In Büchern und Webseiten liest man Dutzende von Beispielen, in den Wasser heilt. Vom Härtegrad ist da nirgendwo die Rede. Damit das Wasser auch in die Zellen gelange, genüge eine Prise Meersalz. Kann man also mit Leitungswasser plus Meersalz für weniger Geld gleich viel erreichen, wie mit (teuren) weichen Wassern oder mit dem Kauf eines Molekularfiltersystems für mehrere 1000 Franken?
Gemäss Alexander Glogg vom Gesundheitszentrum QuantiSana zeigt sich die Wirkung von weichem Wasser in kurzer Zeit: „Der Urin ist für einige Tage gelber und stinkend. Nach einer Woche hat man ein anderes Gefühl zu seiner eigenen Haut. Sie ist straffer, sie wirkt voller. Leicht übergewichtige Menschen können innert 2 Monaten rund 5 Kilo entschlacken.“ Auch chronische Muskelschmerzen, Übersäuerungen, Blasenentzündungen oder auch Akne sollen sich schon nach Wochen bessern.
Klar, das sind Anekdoten und keine Doppelblindversuche. Aber vielleicht besteht ja die Chance, dass man selbst zur Anekdote wird und zu den Menschen gehört, bei denen das weiche Wasser den wunden Punkt wegspült. Ein Versuch könnte sich lohnen und kostet nicht viel. QuantiSana hat ein Netz von Wassertankstellen aufgezogen. Zwei Dutzend Besitzer von Filtergeräten im Raum Zürich haben sich bereit erklärt, reines Wasser gratis abzugeben. Email, Termin vereinbaren, mit einem Kanister vorbeigehen. Ich habe den Test gemacht und zugleich die Leitfähigkeit „meiner“ Wässer (Hahnenwasser und Wasser aus Aktivkohlefilter) gemessen und mit dem „QuantiSana“-Wasser (powered by BestWater) vergleichen lassen. Das Ergebnis war klar: Je rund 400 gegen rund 30 Mikrosiemens. Inzwischen führe ich den Test mit Lauretana-Wasser (1,5 Liter für CHF 1,90; 15 Mikrosiemens) weiter. Nach fünf Wochen sehe ich folgende „gefühlte“ Veränderungen: Stabilere Verdauung, tieferer Schlaf, weniger Harndrang in der Nacht. Kann natürlich auch bloss Zufall sein.