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Der steigende Ressourcenverbrauch und die zunehmende Ungleichheit in städtischen Gebieten des globalen Nordens und Südens stellen dringende sozio-ökologische Probleme in Bezug auf die Nachhaltigkeit dar. COMMONPATHS konzentriert sich auf städtische Ressourcen, die als Commons verwaltet werden - in Ghana und in der Schweiz - und untersucht, wie die Kollektive, welche diese Ressourcen verwalten, dazu beitragen, die Herausforderungen des übermässigen Konsums und der Ungleichheit zu bewältigen. Das Projekt untersucht die Entstehung, Organisation, Auswirkungen und Erfolgsbedingungen von drei Prozessen zur Schaffung neuer Commons, die darauf abzielen, (1) Städte zu begrünen, (2) bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und (3) gemeinschaftliche Initiativen im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu unterstützen. Durch den Fokus auf die Governance dieser drei Ressourcensysteme will COMMONPATHS die Bedingungen analysieren, unter denen diese Bewegungen wirksam zur starken Nachhaltigkeit beitragen. Mit einem inter- und transdisziplinären Ansatz will COMMONPATHS zeigen, dass selbsterklärte Kollektive zudem Formen sozioökonomischer Organisationen sein können, die sozial, ökologisch und ökonomisch akzeptable Formen von Postwachstum fördern.
Während die Vergabe von Landtiteln oft als zentrale Voraussetzung für die landwirtschaftliche Entwicklung beschrieben wird, führt sie zu Ausschluss und Ausgrenzung, was erhebliche Auswirkungen auf den geschlechtsspezifischen Zugang zu Land und den damit verbundenen Ressourcen hat. Dieses Projekt will einen Beitrag zur Debatte der investitionsbedingten Formalisierung von Landtiteln leisten, indem es sich auf alternative Formen von Besitzverhältnissen konzentriert, die eine kollektive Ressourcennutzung, Entscheidungsfindung und Verantwortung ermöglichen. Untersucht werden insbesondere formalisierte Arrangements von kollektivem Besitz (engl. formalized arrangements of collective tenure FACT). Sie bieten die Vorteile dreier Eigentumsformen – Privateigentum, Staatseigentum und traditionelle Eigentumstitel – und minimieren gleichzeitig deren negative Auswirkungen auf soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. In einem Mixed-Methods-Forschungsansatz werden vertiefte Fallstudien und fallübergreifende vergleichende Analysen kombiniert. Das Projekt wird zur Institutionalisierung von FACTs als praktischem Ansatz zur Sicherstellung einer Multi-Stakeholder-Landverwaltung beitragen. Zudem sollen dadurch anpassungsfähige und geschlechtersensible integrative Modelle gefördert werden, um das Ausmass von Landerwerb, geschlechterspezifischer Enteignung und Ausschlüssen zugunsten von integrativen, gemeinschaftsbasierten Alternativen für Kleinbauern in Ghana und darüber hinaus zu verringern.
Das derzeitige globalisierte Nahrungsmittelsystem funktioniert nach dem Prinzip des extraktiven Kapitalismus, was Ungleichheiten zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen sowie zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wesen stetig verschärft. Dennoch haben sich gemeinschaftlich selbstorganisierte Formen der Bewertung, Verwaltung, des Teilens und Verkaufens von Lebensmitteln durchgesetzt und neue haben sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet: Sie verknüpfen die die Landwirtschaft mit anderen wirtschaftlichen und nichtwirtschaftlichen Aktivitäten, weisen den Erzeuger:innen und Verbraucher:innen Entscheidungsbefugnisse zu und stellen eine Beziehung zwischen Erzeuger:innen und Verbraucher:innen her. Dieses Projekt zielt darauf ab, solche Food Commons mit einer Kombination aus Neo-Institutionalismus und Politischer Ökologie besser zu verstehen. Anhand einer vergleichenden Fallstudie über verschiedene Marktstrategien von Food Commons in der Schweiz und in Peru untersucht dieses Forschungsprojekt, wie gemeinschaftlich selbstorganisierte Landwirt:innen das Spannungsverhältnis zwischen der monetären Bewertung von Lebensmitteln und den vielfältigen Beiträgen von Nahrungsmitteln und Landwirtschaft für Gesellschaft und Umwelt in Einklang bringen.
September 2018 – Januar 2022
Ghana verfügt über ein duales Landrechtssystem, aber die Verbindung zwischen der Verwaltung von Landrechten, die durch Gewohnheitsrecht entstanden sind, und formellen Landtiteln ist schwach bis nicht vorhanden. Mit diesem Projekt soll die gängige Auffassung von Dezentralisierung, in Frage gestellt werden. Diese beschreibt, dass öffentliche Interventionen, auf der Ebene durchgeführt werden sollen, auf der sie am wirksamsten auf lokale oder regionale Herausforderungen eingehen können. Die übergreifende Hypothese dieses Projekts ist, dass die Dezentralisierung die Effizienz der öffentlichen Intervention verbessert, indem sie bestimmte Akteure - einflussreiche Häuptlinge auf Kosten anderer armer Landbesitzer - stärkt. Dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Verwaltung der natürlichen Ressourcen, da die Zugangsrechte zu Land neu geordnet werden. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Dezentralisierungsprozessen, lokalen Entscheidungsprozessen und den Auswirkungen auf die Nutzungs- und Zugangsrechte zu Land zu analysieren. Konkret geht es darum, eine Debatte über die Umstrukturierung des Staates mit Ressourcennutzungsmustern zu verbinden, die komplexen Verbindungen zwischen modernen staatlichen Institutionen und gewohnheitsrechtlicher Macht zu verstehen und diese umfassenden Prozesse der staatlichen Umstrukturierung mit Nachhaltigkeit und Umweltgerechtigkeit zu verbinden. Ansätze der neuen institutionellen und politischen Ökologie (New Institutional and Political Ecology, NIPE) werden eingesetzt, um die Auswirkungen von Veränderungen auf den Zugang zu und die Nutzung von Land und landbezogenen Ressourcen zu analysieren.
Das Projekt verfolgt das Ziel, in vier vergleichenden Fallstudien in Afrika (Marokko, Ghana, Tansania und Sambia) Grossinvestitionen auf ihre Rolle bei der Veränderung der Geschlechterbeziehungen und der Ernährungssicherung zu untersuchen. Mittels sozialanthropologischen und geographischen qualitativen Forschungsmethoden werden die Auswirkungen von Landinvestitionen auf die Geschlechterbeziehungen erforscht.
Das Projekt soll die Lücke in der Forschung von veränderten Landrechts- und Investitionsbedingungen in Afrika und die damit zusammenhängenden Geschlechterbeziehungen schliessen. Insbesondere fehlen Fallstudien, die lokale Sichtweisen der Geschlechter thematisieren. Ebenso fehlt der theoretische Einbezug des neoinstitutionellen Ansatzes, der die Ausgestaltung von Institutionen beim Zugang zu Ressourcen unter asymmetrischen Machtbeziehungen und legitimationsstiftende Ideologie thematisieren. Die Forschung verspricht vergleichende qualitative Ergebnisse für spätere quantitative Forschung.