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Brunner von Wattenwyl, 1878
- DE: Nadelholz-Säbelschrecke
- EN: Eastern Saw Bush-cricket
- FR: Le Barbitiste des pessières
- Syn.: Barbitistes oltenicus Kis, 1960
Morphologie
Barbitistes constrictus ist ein typischer Vertreter der Gattung Barbitistes. Die Grundfärbung ist vermehrt blaugrün und dunkler als bei einem durchschnittlichen Individuum von Barbitistes serricauda. Es kommen auch bräunliche oder annähernd schwarze Tiere vor. Der Kopf ist bei beiden Geschlechtern im Vergleich zum auffallend kurzen Halsschild sehr breit. Dieses ist am Hinterrand beim Männchen deutlich und beim Weibchen leicht nach oben gebogen und wirkt dadurch sattelförmig. Die Fühler weisen, typisch für die Vertreter der Gattung Barbitistes, in regelmässigen Abständen helle Ringe auf. Der Bauch ist grünlich. Das beste Merkmal für die Arterkennung sind neben dem Gesang die männlichen Cerci. Sie sind s-förmig geschwungen, in der Mitte am breitesten und verschmälern sich in einen spitzen Endzahn. Die Legeröhre des Weibchens ist auf der Unterseite gerade, am Ende nach oben gebogen und deutlich sichtbar gesägt.
Gesang
Der leise Spontangesang von Barbitistes constrictus besteht aus Versen, die in unterschiedlichen Abständen 1-2 Mal pro Minute vorgetragen werden. Ein Vers besteht aus 3-10 Silbengruppen, die ihrerseits aus 6-16 Silben bestehen. Dazwischen werden 1-2 (-3) markant lautere Silben geschoben. Diese können auch unmittelbar vor den Silbengruppen geäussert werden. Das ergibt den für Barbitistes constrictus typischen Rhythmus. Die ersten 1-3 Silbengruppen sind deutlich leiser und bestehen durchschnittlich aus weniger Silben. Die Silben nehmen innerhalb einer Silbengruppe an Lautstärke zu, wie auch die Silbengruppen innerhalb eines Verses. Da die Männchen meistens hoch oben in Fichten singen, ist man bei der Suche auf einen US-Detektor angewiesen. Das Frequenzspektrum zeigt ein breites Maximum bei ca. 25 kHz. In Gesangspausen vibrieren die Männchen oft mit dem Körper.
Spontangesang von Barbitistes constrictus. Vollständiger Vers aus neun Silbengruppen - DE, Bayern, Haselbrunn bei Bayreuth, 20 °C.
Spontangesang von Barbitistes constrictus. Kurzer Vers - DE, Bayern, Haselbrunn bei Bayreuth, 20 °C.
Drei Verse aus dem Spontangesang von Barbitistes constrictus - DE, Bayern, Haselbrunn bei Bayreuth, 20 °C.
Verbreitung
Barbitistes constrictus ist von Mitteleuropa bis Westrussland verbreitet. In Deutschland ist die Art in Sachsen, Thüringen und in Bayern weit verbreitet und erreicht hier die westliche Arealgrenze. In Baden-Württemberg und in der Schweiz wurde die Art bisher nicht festgestellt. Es ist aber anzunehmen, dass sie früher oder später an noch unbekannten Standorten auftreten wird, da sie sich tendenziell ausbreitet. Unentdeckte Vorkommen in der Ostschweiz und in Baden-Württemberg scheinen uns wahrscheinlich.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Individuen von Barbitistes constrictus sind ab Juli bis Oktober zu finden.
Die Weibchen legen die Eier in die Ritzen von Baumrinden ab. Diese durchlaufen eine ein- bis zweijährige Embryonalentwicklung bevor die Larven schlüpfen. Wie bei der Schwesterart Barbitistes serricauda werden vermutlich 5 Larvenstadien durchlaufen. Die Männchen von Barbitistes constrictus beginnen am Nachmittag zu singen. In manchen Teilen Nordbayerns, z.B. im Fichtelgebirge, ist die Art sehr häufig und kann praktisch in jedem kleineren Fichtenbestand gehört werden. Da sich die Imagines vorwiegend in den oberen Fichtenteilen aufhalten, ist es schwierig, die Tiere zu Gesicht zu bekommen. Die Art wird trotz ihrer Flugunfähigkeit als mobil eingestuft und eine Arealerweiterung nach Baden-Württemberg und in die Schweiz scheint möglich zu sein.
Lebensraum
Barbitistes constrictus bewohnt meist Nadelholzbestände wie Fichten- und Kiefernwälder. In Oberfranken und im Naturraum Südliche Frankenalb lebt sie auch in Wacholderheiden bzw. Wacholdergruppen auf Kalkmagerrasen. Seltener ist die Art auch auf Laubbäumen wie Birken zu finden. Wichtig sind angrenzende Krautsäume, in denen sich die Larven entwickeln können. Die Imagines halten sich vorwiegend hoch oben in der Baumschicht auf. Nicht selten hört man singende Männchen in 20-25 m Höhe im Gipfelbereich der Fichten. Es ist möglich, dass die Tiere dort tagsüber von einer grösseren Sonneneinstrahlung profitieren.
Gefährdung & Schutz
Der Lebensraum von Barbitistes constrictus scheint ungefährdet. Die Art kommt auch in angepflanzten Fichtenkulturen vor und kann im Nutzwald gut existieren.
- CH: Abwesend
- DE: * (Nicht gefährdet)
- AT: LC (Nicht gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Barbitistes constrictus ist Barbitistes serricauda sehr ähnlich und kann gemeinsam vorkommen. Bei Barbitistes serricauda laufen die männlichen Cerci allmählich in die Spitze aus und sind in der Mitte nicht verdickt. Sie sind länger und schlanker. Der Kopf des Weibchens von Barbitistes constrictus ist gleich breit oder breiter als die Länge des Halsschildes, bei Barbitistes serricauda ist er etwas weniger breit als der Halsschild lang. Der kurze Halsschild von Barbitistes constrictus ist im Gegensatz zu demjenigen der beiden anderen Barbitistes-Arten eingesenkt und hinten deutlich erhöht. Das Verhältnis von Legeröhrenlänge zu Halsschildlänge ist bei Barbitistes constrictus 2,5 bis 3, bei Barbitistes serricauda höchstens 2,5. Der Gesang ist ein weiteres, sicheres Unterscheidungsmerkmal.
Die Unterschiede der Gattung Barbitistes zu Isophya kraussii sind folgende: Die männlichen Cerci sind bei den Isophya-Arten gerade und am Ende stark einwärts gebogen. Bei den Barbitistes-Arten sind sie s-förmig geschwungen. Die Legeröhre ist bei der Gattung Isophya stetig zum Ende hin nach oben gebogen, bei Barbitistes ist sie am Unterrand gerade und nur am Ende in die Spitze gebogen.