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Der AcI
Für die Angabe von Inhalten jeder Art benutzt das Lateinische gern den AcI. Was dieser ist, wie er zusammengesetzt und übersetzt wird, kannst du hier lernen.
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Accusativus cum Infinitivo
Der AcI ist ein sprachliches Phänomen, das im Lateinischen ziemlich häufig vorkommt. Wie der Name schon sagt enthält diese Konstruktion einen Akkusativ und einen Infinitiv, jedoch gibt es noch ein drittes, unentbehrliches Element: Das übergeordnete Verb oder Signalverb.
Diese Konstruktion kann man auch im Deutschen nachahmen, aber es gibt nur wenige Verben, die dazu fähig sind:
- Ich beschuldige(1) dich(2) zu lügen(3).
- 1: übergeordnetes Verb
- 2: Akkusativ
- 3: Infinitiv
Der Lateiner kann diesen AcI viel freier verwenden und deutlich komplexere Sachverhalte damit ausdrücken, weshalb man ihn meistens mit einem dass-Satz übersetzt. In dem dass-Satz wird der Akkusativ zum Subjekt und der Infinitiv zum Prädikat; deswegen werden sie auch Subjektsakkusativ und Prädikatsinfinitiv genannt.
- puto(1) te(2) mentiri(3). (Ich glaube, dass du lügst.)
- 1: übergeordnetes Verb
- 2: Subjektsakkusativ
- 3: Prädikatsinfinitiv
Zeitverhältnisse
Es gibt verschiedene Zeitverhältnisse im Acl. Der Infinitiv des AcI bestimmt die sogenannte Zeitstufe, also ihr zeitliches Verhältnis zum übergeordneten Verb. Da der Infinitiv von diesem übergeordneten Verb abhängig ist, richtet er sich nach ihm und kann mit ihm gleichzeitig sein, vorher passiert sein oder erst später folgen: Diese Zeitstufen nennt man dementsprechend Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit.
Ein Prädikatsinfinitiv im Präsens (Aktiv oder Passiv) drückt immer Gleichzeitigkeit mit dem übergeordneten Verb aus, ganz egal, in welchem Tempus es steht. Ein Infinitiv Perfekt (Aktiv oder Passiv) drückt Vorzeitigkeit und ein Infinitiv Futur (Aktiv oder Passiv) Nachzeitigkeit.
Beispiel: volo viros [laudare] (Ich will, dass die Männer [loben.])
Beachte: Infinitiv Futur Passiv wird so gebildet: Supinum I + iri. Das Supinum I sieht aus wie das PPP im Nominativ Singular neutrum, also endet es immer auf -um.
Pronomen
Ein weiterer Unterschied zum Deutschen besteht darin, wenn das Subjekt des übergeordneten Verbs auch gleichzeitig der Subjektsakkusativ des AcI ist: Im Deutschen folgt dann auf das Verb der bloße Infinitiv, im Lateinischen muss das Subjekt noch einmal im Akkusativ wiederholt werden. Es muss dann also ein AcI stehen. Dies wird meistens mit Reflexivpronomen ausgedrückt, das heißt Wörter, die sich auf jemand Genannten oder Gemeinten zurückbeziehen. Im Lateinischen: me, te, se.
Achtung: Wenn im Lateinischen auf das übergeordnete Verb ein Infinitiv ohne Subjektsakkusativ folgt, kann sich bei besonderen Verben die Bedeutung verändern! Folgende Ausnahmen haben bei gleichem Subjekt den bloßen Infinitiv und bei verschiedenem Subjekt ganz normal den AcI: velle, nolle, malle, cupere.
- puto me bonam discipulam esse (Ich glaube, dass ich eine gute Schülerin bin./Ich glaube eine gute Schülerin zu sein.)
Unpersönliche Ausdrücke
Es gibt Fälle, in denen das übergeordnete Verb des AcI unpersönlich ist, also keine Person als Subjekt hat. Im Deutschen: Es ist nötig, man muss, es ist klar...
Folgende lateinischen, unpersönlichen Ausdrücke sind recht häufig und verlangen immer einen AcI:
- constat (es ist bekannt)
- apparet (es ist klar)
- verisimile est (es ist wahrscheinlich)
- perspicuum est (es ist deutlich)
- manifestum est (es liegt auf der Hand)
- apertum est (es ist offenbar)
- me fugit (es entgeht mir)
- me fallit (ich weiß nicht (wörtlich in etwa: es täuscht/verwirrt mich))
- me praeterit (mir ist unbekannt)
- opinio est (die Meinung herrscht)
- spes est (es besteht Hoffnung)
- proverbum (das Sprichwort sagt)
Es gibt weitere unpersönliche Ausdrücke, die sowohl mit AcI als auch mit bloßem Infinitiv stehen können. Bei allgemeinen Aussagen wie "man muss beten" entfällt im Lateinischen der Subjektsakkusativ. Manchmal wird der Sinn jedoch nur durch den Kontext eindeutig bestimmbar:
- oportet homines crebrius adiuvare (Es ist nötig, dass die Menschen häufiger helfen./Man muss die Menschen häufiger unterstützen.)
Wenn dir einmal der unpersönliche Ausdruck im Deutschen zu sperrig ist, kann man in manchen Fällen auch mit einem persönlichen Ausdruck übersetzen, indem man das übergeordnete Verb z. B. in ein Adverb umwandelt oder bei oportet mit "müssen" übersetzt.
- oportet me discere (Es ist nötig, dass ich lerne. -> Ich muss lernen.)
- constat magistrum sapientem esse (Es ist bekannt, dass der Lehrer weise ist. -> Der Lehrer ist bekanntlich weise.)
- proverbium est nomen omen (esse). (Das Sprichwort besagt, dass der Name zukunftweisend ist./Der Name ist sprichwörtlich zukunftsweisend)
Besonderheiten
Nach Verben, die hoffen, versprechen, drohen oder ähnliches heißen, folgt immer ein Infinitiv Futur außer bei posse und velle.
- spero Romanos victum iri. (Ich hoffe, dass die Römer besiegt werden (werden).)
- iuras te pugnaturum esse? (Schwörst du, dass du kämpfen wirst?)
Im folgenden Video kannst du deine erworbenen Kenntnisse gleich mit komplexeren AcI's auf die Probe stellen und vertiefen! Vale und viel Spaß beim Üben!