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Warum sich die Landesgrenzen der Schweiz bis heute verschieben
Nicht nur Krieg, sondern auch Bauprojekte, Klimawandel oder Hochwasserereignisse können zur Verschiebung von Grenzen führen. Auf der Suche nach den Grenzen der Schweiz und ihrer Entwicklung.
Quelle: Alexandra von Ascheraden
Hiermit fing alles an: Dieser Stein am Dreiländereck trägt auf der Rückseite die kryptischen Buchstaben «RM».
Über Jahrtausende mäandrierte der Rhein, wie es ihm gefiel. Nach jedem Hochwasser sah die Landschaft anders aus – Inseln waren verschoben, Felder verschwunden. Dafür hatten sich an anderer Stelle plötzlich Sedimente aufgetürmt. Die Besitzverhältnisse der an seinen Ufern lebenden Menschen kümmerten den Fluss nicht. Die aber gerieten seit uralten Zeiten immer wieder in Streit darüber, wem auftauchende Inseln oder neu angeschwemmtes Land gehören sollten und wer in seichten, fischreichen Nebenarmen fischen gehen durfte.
Da der Rhein schon immer als natürliche Grenze zwischen der
Schweiz und Deutschland sowie zwischen Frankreich und Deutschland fungierte,
verschob sich auch die Grenze nach jedem Hochwasser. Der Verlauf war in alten
Verträgen zwischen dem Grossherzogtum Baden und den Kantonen oder auch der
Eidgenossenschaft als in der «Mitte des Rheins» liegend festgehalten.
Die Grenzlinie zwischen Deutschland und der Schweiz wurde vor einigen Jahren endgültig digital vermessen. Die Landesgrenze am Untersee des Bodensees und im Hochrhein wurde bis vor wenigen Jahren nur in Worten festgelegt. Unterdessen gibt es auch hier digitale Koordinaten.
Talweg oder Hauptgerinne
Je nach Kanton war der Verlauf bis vor wenigen Jahren unterschiedlich definiert. Aargau und Baselland legten die Mitte des Talwegs als Grenze zu Deutschland fest, also die tiefste Rinne in der Mitte des Flussbetts. Thurgau und Zürich orientierten ihre Grenzlinie seit 150 Jahren an der Mitte des Rheins, also der Mitte des Hauptgerinnes. Man hat sich nun darauf geeinigt, einheitlich die Mitte des Hauptgerinnes als Grenze zu definieren.
Vor wenigen Jahren wurde diese überall entlang der Schweizer Grenze nochmals vermessen. Es brauchte zudem acht Arbeitssitzungen zwischen 2007 und 2018. Dann waren sich die Geometer beidseits der Grenze einig. Es kann noch dauern, bis die Grenze hochoffiziell exakt entlang dieser Koordinaten verläuft. Das erfordert einen Staatsvertrag – und der lässt auf sich warten. Es gibt momentan vermutlich Drängenderes auf den binationalen Agenden.