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Kein anderer gutartiger Tumor ist im Säuglings- oder Kleinkindalter so häufig wie das Hämangiom (Blutschwamm): Etwa jedes zehnte Kind ist davon betroffen (ca. 30 Prozent schon bei der Geburt, bei den übrigen entwickelt es sich in den ersten vier Lebenswochen).
Ein Hämangiom entsteht, wenn Blutgefässe wuchern und sich neu bilden. Es gibt verschiedene Blutschwamm-Formen: das aus kleinsten Blutgefässen bestehende kapilläre und das aus weiten Gefässräumen bestehende kavernöse Hämangiom. Bei der sogenannten Hämangiomatose treten mehrere Hämangiome gleichzeitig auf.
Ein Blutschwamm kann überall dort auftreten, wo Blutgefässe vorhanden sind. An der Haut oder Schleimhaut erscheint eine solche Gefässanomalie meist als bläuliche oder rötliche Verfärbung. Da ein Hämangiom der inneren Organe nicht sichtbar ist, erfolgt seine Entdeckung meistens zufällig.
Im Allgemeinen verursacht ein Hämangiom keine Beschwerden. Es kann aber mit kosmetischen Beeinträchtigungen verbunden sein. Eine Therapie ist bei einem Blutschwamm in den meisten Fällen nicht erforderlich, da es sich oft spontan zurückbildet. Schnell wachsende Hämangiome behandelt man jedoch als Notfall.
Ein Hämangiom (Blutschwamm) ist ein gutartiger Tumor, der durch die Wucherung und Neubildung von Blutgefässen entsteht. Er entwickelt sich in der Zellschicht, die alle Blutgefässe bis hin zu den kleinsten Aufzweigungen (den sog. Kapillaren) auskleidet – im sogenannten Endothel. Überall dort, wo Blutgefässe vorkommen, kann demnach auch ein Blutschwamm auftreten, zum Beispiel in der Haut und in verschiedenen inneren Organen (z.B. Leber, Niere, Gehirn, Milz oder Lunge), aber auch im Knochen. Häufig tritt ein Hämangiom bereits in den ersten Lebenstagen oder -wochen auf. In der Regel bildet es sich bis zum fünften Lebensjahr zurück.
Es lassen sich zwei Formen von Hämangiomen unterscheiden: das kapilläre und das kavernöse Hämangiom. Wenn mehrere Hämangiome oder Blutschwämme gleichzeitig vorhanden sind, liegt eine sogenannte Hämangiomatose vor.
Ein kapilläres Hämangiom besteht aus kleinsten Blutgefässen mit sehr kleinem Innendurchmesser (sog. englumige Kapillaren). Es kommt überwiegend in der Haut oder den Schleimhäuten vor. Etwa die Hälfte aller kapillären Hämangiome befindet sich im Kopf-Hals-Bereich. Wegen der vielen Gefässe erscheint das kapilläre Hämangiom rötlich und kann wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter gross sein.
Der Begriff Kaverne bezeichnet einen Hohlraum. Ein kavernöses Hämangiom besteht aus weiten Gefässräumen. Es ist meist bläulich oder rötlich gefärbt und findet sich vorwiegend in der Gesichtshaut oder am Rumpf. Kavernöse Hämangiome der Haut bezeichnet man auch als Feuermal (Naevus flammeus).
Wenn nicht nur ein einzelnes Hämangiom (Blutschwamm), sondern mehrere (multiple) Hämangiome gleichzeitig vorliegen, bezeichnet man dies als Hämangiomatose. Eine Hämangiomatose entsteht wahrscheinlich infolge einer embryonalen Fehlbildung und ist mit anderen Missbildungen Bestandteil einer Systemerkrankung. Zu solchen seltenen Erkrankungen gehören
Das Hämangiom (Blutschwamm) ist der mit grösster Häufigkeit auftretende gutartige Tumor beim Säugling und im frühen Kindesalter. Bei etwa jedem zehnten Baby findet sich eine derartige Veränderung. Bei Frühgeburten sind 22 Prozent der Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter einem Kilogramm betroffen. Von allen Hämangiomen sind etwa 30 Prozent bereits von Geburt an vorhanden. Die übrigen Hämangiome entwickeln sich in den ersten vier Lebenswochen.
Die einem Hämangiom (Blutschwamm) zugrunde liegenden Ursachen sind unbekannt: Hämangiome sind Gefässanomalien, die entstehen, wenn sich Blutgefässe aus bisher ungeklärten Gründen neu bilden und wuchern.
Für einen Blutschwamm kommen jedoch erbliche Ursachen infrage: Bei der Entstehung von Hämangiomen, die am gesamten Körper auftreten, scheinen erblich bedingte Faktoren beteiligt zu sein. Es ist möglich, dass die Anlage, Hämangiome zu entwickeln, auf Vererbung beruht.
Die für ein Hämangiom (Blutschwamm) der Haut oder Schleimhaut typischen Symptome sind rötliche oder bläuliche Verfärbungen, die an der betroffenen Stelle erscheinen. Die Grösse dieser Flecken ist sehr unterschiedlich – sie reicht von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern und hängt von der Form des vorliegenden Hämangioms ab. Ein Beispiel ist das sogenannte Feuermal.
Die Symptome bleiben meist auf die äusserlich sichtbaren Hautveränderungen beschränkt: Ein Blutschwamm verursacht in der Regel keinerlei Beschwerden und verschwindet meist nach ein paar Jahren von selbst, ohne dass Anzeichen für die Gefässanomalie zurückbleiben. Wenn ein Hämangiom allerdings sehr gross und deutlich sichtbar ist, kann es – besonders wenn es sich im Gesicht befindet – aus kosmetischen Gründen auf die Betroffenen belastend wirken.
Ausserdem kann ein Blutschwamm druckempfindlich sein, wenn es sich zum Beispiel in einer Hautfalte oder in der Achselhöhle bildet. Wenn andere Körperteile oder die Kleidung ständig daran reiben, kann dies vor allem bei schnell wachsenden Hämangiomen manchmal weitere Symptome wie Blutungen, Schmerzen und eine Entzündung der betroffenen Haut auslösen.
Bei einem Hämangiom (Blutschwamm) der Haut gelingt die sichere Diagnose anhand der typischen Symptome: Die von der Gefässanomalie betroffene Hautstelle ist rötlich oder bläulich verfärbt (wie z.B. beim Feuermal), wobei diese Flecken wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter gross sein können.
Bei einem Hämangiom an inneren Organen erfolgt die Diagnose meist zufällig, während Untersuchungen wegen anderer Krankheiten stattfinden. So ist ein Blutschwamm der Leber häufiger Zufallsbefund bei einer Ultraschalluntersuchung oder Computertomographie (CT) des Bauchraums.
Bei einem Hämangiom (Blutschwamm) ist in der Regel keine Therapie erforderlich: Die meisten Hämangiome bilden sich von selbst zurück. Ausgenommen davon sind jedoch Hämangiome im Gesicht (v.a. im Bereich der Augen, Lippe und Nase) und im Genitalbereich: Wenn sich hier ein Wachstum der Gefässanomalie feststellen lässt, ist eine frühzeitige Behandlung ratsam.
Zur Hämangiom-Therapie sind verschiedene örtlich wirkende Methoden verfügbar: Ein Blutschwamm lässt sich zum Beispiel durch Lasern entfernen. Mithilfe der Lasertherapie lassen sich auch sehr grosse Hämangiome verkleinern, wenn geplant ist, sie anschliessend operativ zu behandeln. Eine weitere Möglichkeit, ein kleines, flaches Hämangiom zu behandeln, ist die Kälteanwendung zu therapeutischen Zwecken (sog. Kryotherapie). Diese Behandlung kann jedoch schmerzhaft sein und Narben verursachen. Auf eine Operation sollte man möglichst verzichten. Operation kommen nur in Einzelfällen zur Therapie infrage, zum Beispiel wenn eine nicht-operative Behandlung keinen Erfolg verspricht oder wenn ein schnell wachsender Blutschwamm am Auge dessen Funktion zu beeinträchtigen droht.
Bei einem Hämangiom können zur Therapie auch – ausschliesslich oder zusätzlich – Medikamente zum Einsatz kommen. Eine medikamentöse Behandlung ist vor allem dann ratsam, wenn:
Zur medikamentösen Hämangiom-Therapie sind Kortikosteroide geeignet. Die Behandlung eines Hämangioms mit Kortikosteroiden dauert mehrere Wochen, wobei die Medikamente anfangs höher dosiert sind und die Dosis anschliessend langsam sinkt. Die meisten Betroffenen sprechen auf diese Behandlung an, die allerdings mit Nebenwirkungen und Risiken verbunden ist (z.B. Bluthochdruck, Überzuckerung oder Magen-Darm-Probleme).
Bei einem komplizierten Blutschwamm stellt der Betablocker Propranolol eine mögliche Alternative zu Kortikosteroiden dar: Eine Therapie mit Propranolol kommt zum Beispiel infrage, wenn ein Hämangiom zu tieferen Hautschädigungen führt, mit erschwerter Atemtätigkeit einhergeht oder sich negativ auf den Blutfluss auswirkt. Nebenwirkungen (z.B. verlangsamter Herzschlag, zu niedriger Blutdruck, verminderte Herzleistung oder Verkrampfung der bronchienumspannenden Muskulatur) scheinen bei einer langsam bis zur Zieldosis gesteigerten Dosierung seltener zu sein als bei der Kortisonbehandlung.
Als letztes Mittel gegen einen Blutschwamm kommt eine Therapie mit Zytostatika infrage, wenn sich eine immer schnellere Entwicklung der Gefässanomalie weder mit Kortison noch mit Propranolol aufhalten lässt.
Ein Hämangiom (Blutschwamm) zeigt meist einen selbstheilenden Verlauf und bildet sich von selbst zurück. Der typische Verlauf ist in drei Phasen unterteilt:
Ein kleiner Blutschwamm verschwindet meist, ohne dass etwas zurückbleibt. Bei grösseren Hämangiomen bleiben häufig Hautveränderungen zurück, zum Beispiel sichtbar erweiterte Hautgefässe (sog. Teleangiektasien), Narben oder Bereiche, in denen die Haut schlaff, zu stark oder zu schwach gefärbt (hyper- oder hypopigmentiert) ist.
Bei einem kleinen Hämangiom, das im weiteren Verlauf nicht oder nur langsam wächst, sind Komplikationen unwahrscheinlich. Manchmal kann ein Blutschwamm aber auch schnell wachsen. Dann kann es sehr störend sein und für die Betroffenen aus kosmetischen Gründen belastend wirken. Ausserdem können schnell und verstreut wachsende Hämangiome vor allem dort, wo Hautflächen ständig miteinander in Berührung kommen (z.B. Achselhöhle, Kniekehle, Genitalregion), zu funktionellen Einschränkungen und zu Hautschädigungen führen. Diese gehen mit einem erhöhten Risiko für Blutungen, Schmerzen und weitere Infektionen einher.
Da bisher nicht bekannt ist, warum sich ein Hämangiom (Blutschwamm) bildet, gibt es keine Massnahmen, mit dem man dem Entstehen vorbeugen könnte.