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"Ich weiss nicht, ob ich vertrauen kann". Dieser Satz ist uns allen sehr geläufig. Man überlegt sich, ob man einem Menschen oder einer Situation vertrauen kann und sich daher auf diese Situation oder Menschen einlassen darf. Was ist jedoch die Kernaussage vom Satz: "Ich weiss nicht, ob ich vertrauen kann."? Die Kernaussage ist, dass Vertrauen ein "Wissen" voraussetzt. Der Satz legt fest, dass "Wissen" die Grundlage von "Vertrauen" ist. Solange man nicht weiss, kann man nicht vertrauen. Umgekehrt kann man daraus schliessen, dass sobald man "weiss" man "vertrauen" kann.
Was ist das jedoch für ein Vertrauensbegriff? Müssen wir tatsächlich etwas wissen, bevor wir einem Menschen vertrauen können? Müssen wir unseren Verstand benutzen, um auf die Ebene des Vertrauens kommen zu können?
Wenn wir wüssten, bräuchten wir gar kein Vertrauen.
Ist Vertrauen nicht auf einer Ebene wirksam, die dem Verstand verschlossen bleibt?
Vertrauen wird auf der Herzensebene wahrgenommen oder geschenkt und das Herz entscheidet, wem es sich öffnet oder nicht. Vertrauen ist daher die Bereitschaft des Herzens, sich auf eine Situation einzulassen, ohne den Ausgang zu kennen. Diese Entscheidung fällt das Herz nach ganz eigenen Kriterien, die sich dem Verstand nicht immer erschliessen.
Vertrauen setzt daher die Mitarbeit des Herzens voraus.
Wie soll man nun entscheiden, wenn Herz und Verstand nicht gleicher Meinung sind? Herz und Verstand sollten gleichberechtigte Partner sein, die gemeinsam auf eine Entscheidung hinwirken. Das Herz hat eine eigene "Intelligenz", welche für die Entscheidungsfindung sehr wertvoll ist und es braucht das "Wissen" der Verstandes, das die nötigen Fakten bereitstellt. Häufig ist es jedoch so, dass dem Verstand der Vorzug gegeben wird. Die Stimme des Herzens wird überhört und man verlässt sich auf das "Wissen" des Verstandes. Dieses "Wissen" reicht jedoch nicht aus, um verlässliche Entscheidungen zu fällen und zu enscheiden, ob einer Situation oder Menschen vertraut werden darf. Es braucht ebenfalls die "Intelligenz" des Herzens. Es braucht in dem Moment den Mut, die Vormachtsstellung des Verstandes in Frage zu stellen und gleichzeitig die Aufforderung an das Herzen, sich nicht mehr zu verstecken, sondern mitzuwirken in der Entscheidungsfindung. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wird ein Erkennen der Situation oder des Menschen möglich sein.
Wenn Herz und Verstand zusammenarbeiten kann die Aussage: "Ich weiss nicht, ob ich vertrauen kann", ersetzt werden durch die Aussage: "Ich erkenne, ob ich vertrauen kann".
Bild: Vivian Wermuth