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1979 warnte der Bericht Beyond the Age of Waste vor globalen Konsequenzen durch die Verschwendung von Ressourcen.[1] Obwohl es noch nicht gelungen ist, haushälterisch mit Ressourcen umzugehen, kann „Waste“ heutzutage auch als eine Umkehrfigur gedacht werden: Jüngste Entwicklungen wie „Urban Mining“ gewinnen aus „Waste“, d.h. „Abfall“, in aufwändigen Reinigungs- und Wiederaufbereitungsprozessen wieder verwendbare Rohstoffe. Abfall wird als „neue Ressource“ betrachtet, als dynamisch und trans-formierbar.
In Times of Waste interessieren die Transformationsprozesse und Stadien von Objekten und Materialien, deren Reinigung, Aufbereitung und Wiederverwendung respektive Entsorgung sowie die darin involvierten Akteur_innen und Handlungsfelder. Auf den Transportwegen und Recycling-routen, die sich vom lokalen Kontext der Basler Agglomeration in globale Zusammenhänge erstrecken, unterliegen sie nicht nur materiellen Umwandlungen, sondern auch ökonomischen, sozialen, ästhetischen oder rhetorischen Umwertungen. Es ist eine Frage der Perspektive, was zu welchem Zeitpunkt oder in welchem Stadium der Materialität als Abfall betrachtet wird. Und auch eine Frage der Beziehung der nicht-/menschlichen Umwelt zu diesen Materialitäten. Deshalb bieten aktuelle Netzwerk-, Subjekt- und Materialitätstheorien eine wichtige Basis, den Forschungs-fragen dieses vielfältigen Themenkomplexes nachzugehen:
- Wie sehen Transformations- und Umwertungsprozesse von (Abfall-) Objekten oder Stoffen aus?
- Welche Materialitäten durchlaufen sie von ihrer Entstehung bis zur Wiederaufbereitung respektive Entsorgung oder Verlagerung?
- Welche Akteur_innen sind in welcher Form in diese Prozesse involviert?
- Welche Rolle spielen transmediale Ansätze für die Umsetzung, Präsentation und öffentliche Rezeption solcher Inhalte?
Ein interdisziplinäres Team realisiert ‚Objektbiografien’ von exemplarisch ausgewählten Objekten oder Materialien und deren Routen, in den Bereichen e-Waste (Smartphone), Rückbauten (z.B. rezykliertes Material von Gebäuden, kontaminierte Erde) und Gewässerökologie (Nano-Silber). Zur Entwicklung der Biographien arbeiten die Forschenden mit einer wissenschaftlich- künstlerischen Praxis und mit verschiedenen Medien wie Ton, Fotografie, Video und Text. Die recherchierten und bearbeiteten Materialien werden in einem digitalen Archiv gesammelt und veröffentlicht.
Ziel des Projekts ist es, neben dem Aufbrechen kultureller Konnotationen von Abfall den Diskurs um Nachhaltigkeit in dieser Region und darüber hinaus mitzuprägen: aus einer künstlerisch-wissenschaftlichen prozessorientierten Vorgehensweise und ihren ästhetischen Implikationen. Ein Diskurs, der im Kontext globalisierter Entwicklungen zu betrachten ist.
Times of Waste wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert und durch die Projektparter_innen unterstützt. Das Projekt läuft von Januar 2015 bis März 2018 und ist bei der Internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020 vornominiert.
Informationen zum Vorgängerprojekt RhyCycling (2010-2013) sind zu finden unter www.rhycycling.ixdm.ch.
[1] Verfasst für den Club of Rome von Dennis Gabor et al., Beyond the Age of Waste, Elmsford, New York: Pergamon Press, 1979, www.clubofrome.org/?p=1182.