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Die Welt der Druckgrafik beinhaltet eine Vielzahl künstlerischer Verfahren. Als grundlegende Gemeinsamkeit erscheint, dass eine Unterlage auf verschiedene Weise eingeritzt, abgetragen und bearbeitet wird und das aus diesem Vorgang entstehende Motiv mithilfe von Druckfarbe auf einen Bildträger übertragen wird.
Druckgrafische Verfahren sind vielfältige und oft sehr komplexe Prozesse. Diese kurze Darstellung vermittelt einige Anhaltspunkte, die ein besseres Verständnis der dabei angewandten Arbeitstechniken ermöglichen.
Hochdruck
Die verschiedenen Hochdruckverfahren eint, dass nach dem Abtragen des Druckträgers nur die reliefartig erhöhten Teile eingefärbt und gedruckt werden. Alle abgetragenen, durch die Bearbeitung vertieften Bildteile bleiben auf dem Bildträger unbedruckt.
– Holzschnitt
Der Holzschnitt (oder Xylographie, aus dem Griechischen xylos, «Holz») ist ein typisches Hochdruckverfahren. In Europa ist er seit dem Ende des Mittelalters bekannt. Das Vorgehen lässt sich an einer Ansicht des Breithorns von Félix Vallotton betrachten. Als Druckstock verwandte der Künstler eine Holzplatte, in der er jene Partien vertiefte, die auf dem Papier unbedruckt bleiben sollten. Schnee und Wolken erscheinen auf dem gewählten Papiergrund deshalb weiss.
Tiefdruck
Bei den Tiefdruckverfahren findet das Gegenteil statt. In einer Druckplatte (oft aus Kupfer) werden jene Bildpartien mit verschiedenen Werkzeugen und Instrumenten vertieft, die später gedruckt werden sollen. Danach wird die Platte mit Druckfarbe bestrichen und die überschüssige Farbe sorgfältig abgewischt. So bleiben nur noch die zuvor geschaffenen Vertiefungen mit Farbe gefüllt. Während des Druckens wird diese unter hohem Druck auf das Papier übertragen.
Man unterscheidet zwei Arten von Tiefdruckverfahren: Bei den trockenen Verfahren wird die Druckplatte manuell mit verschiedenen Metallinstrumenten bearbeitet, ihre Veränderung ergibt sich nur aus der physikalischen Einwirkung.
Bei den nassen Verfahren werden zusätzlich auch chemische, ätzende Mittel verwendet. Beide Techniken können kombiniert werden, wie dies der Fall ist in dieser Ansicht des Staubbachfalls.
– Kupferstich
Der Kupferstich verbreitete sich im europäischen Raum ab dem 15. Jahrhundert. Die Kupferplatte wird mithilfe von unterschiedlich grossen Grabsticheln abgetragen. Die Hand des Kupferstechers bewegt sich dabei jedoch nicht. Vielmehr ist es die auf einem Kissen platzierte Platte, die gedreht wird und aus der feine Linien abgetragen werden. Das Material der Druckplatte wird beim Kupferstich regelrecht herausgeschnitten. Eine genaue Betrachtung der einzelnen Striche zeigt, dass die Linien an den Enden haarfein beginnen und in der Mitte breiter werden. Die Ränder sind glatt und weisen keine Verschattungen auf.
– Mezzotinto
Die Mezzotinto- oder Schwarzkunsttechnik ist nach dem Hell-Dunkel-Effekt benannt, der mit ihr vermittelt werden kann. Die Druckplatte wird dabei nicht allmählich eingraviert, um durch die Vertiefungen das zu druckende Motiv zu erhalten, sondern der Prozess wird umgekehrt. Zunächst wird die anfangs glatte Kupferplatte mithilfe eines Granierstahls (sehr fein gezahntes Instrument) vollständig und ganzflächig aufgeraut. Jene Stellen, die auf dem Abzug heller oder gar weiss erscheinen sollen, werden danach mithilfe eines Schabeisens oder eines Polierstahls geglättet und poliert.
– Kaltnadelradierung
Bei einer Kaltnadelradierung wird die Druckplatte dagegen unter Kraftaufwand mit einer Radiernadel eingeritzt. Diese besteht meist aus Stahl und ist etwas feiner als der Grabstichel. Aus dem Material, dass beim Bearbeiten weggeschoben wird, bildet sich ein Grat. Beim Druck tritt dieser als feiner Schatten in Erscheinung. Er verleiht der Kaltnadelradierung die für sie typische weiche Anmutung.
– Ätzradierung
Bei der Ätzradierung wird die Metallplatte zunächst vollständig mit einem säurebeständigen Abdecklack überzogen. Danach wird die Zeichnung mit einer metallenen Radiernadel in die Platte eingeritzt. Nun kommt die Säure zum Einsatz: Die Platte wird in einem Säurebad versenkt und jene Partien, die nicht vom Abdecklack geschützt sind, werden weggeätzt. Die Stärke der Ätzung hängt von der Zeitdauer der Säureeinwirkung ab. Der Abdecklack kann stufenweise entfernt und es können mehrere Säurebäder nacheinander vorgenommen werden. Sobald das gewollte Resultat erreicht ist, wird der restliche Abdecklack mithilfe eines Lösungsmittels entfernt und die Platte wird wie bei den anderen Tiefdruckverfahren mit Druckfarbe bestrichen.
– Umrissradierung
Da eine Lackschicht wesentlich einfacher zu bearbeiten ist als Metall, ist die Ätzradierung ein zeitsparendes Verfahren. Aber es geht noch schneller! Dies war zumindest die Ansicht des Aquarellisten Johann Ludwig Aberli, der in Bern Ansichten des Berner Oberlandes an Touristen auf der Durchreise verkaufte. Da die Nachfrage das Angebot bald überstieg, kam Aberli auf die Idee, nicht mehr das gesamte Bild, sondern nur noch dessen Umrisse zu radieren.
– Kolorierte Umrissradierung
Reliefs, Schatten, Wiedergabe von Texturen: All diese Elemente sind nicht auf der Druckplatte präsent und nehmen erst mithilfe der Aquarelltechnik Form an. Nach dem Druck wurden die Bilder vom Meister selbst oder durch die Gehilfen seines Ateliers koloriert.
– Aquatinta-Radierung
Mit dem Aquatinta-Verfahren können nicht nur Linien, sondern auch Flächen in allen möglichen Farbabstufungen erzeugt werden. Die Palette umfasst sämtliche Tonwerte und erinnert an lavierte Tuschezeichnungen. Die Druckplatte wird zunächst mit einem pulverisierten Harz bestäubt, das danach erhitzt wird und somit an der Platte anhaftet. Dann werden jene Stellen, die auf dem fertigen Bild weiss bleiben sollen, mit einem Abdecklack überzogen. Die Platte wird nun in ein Säurebad getaucht; die nicht abgedeckten Bereiche werden verätzt. Der Ätzvorgang wird so oft wie nötig wiederholt, und vor jedem erneuten Bad werden jene Bildteile abgedeckt, die nicht angegriffen werden sollen. Je stärker eine Fläche verätzt ist, desto dunkler wird die Farbe beim Druck. Auch das Aquatinta-Verfahren eignet sich für die nachfolgende Kolorierung.
– Kolorierte Aquatinta
Nach dem Druck wurden die Aquatinta oft mit Gouache- oder Aquarellfarben zusätzlich koloriert, um das Motiv besser zur Geltung zu bringen. Aus Zeitgründen wurden Aquatinta vorgängig oft in zwei Farbtönen gedruckt: Schwarz für die Landstriche im Vordergrund, Blau für Partien mit Gewässern, Himmel oder weiter im Hintergrund liegende Bilbereiche.
Das Aquatinta-Verfahren mit seiner typischen Körnung wurde oft kombiniert mit jenem der Umrissradierung, um neben den Flächen auch Linien erzeugen zu können.
– Weichgrundradierung
Für die Weichgrundradierung wird die Druckplatte vor der Bearbeitung erwärmt und dann gleichmässig mit einem weichen Säureschutz beschichtet. Der in dieser Prozedur entstehende «Weichgrund», französisch auch «vernis mou» genannt, dient dann als eigentliche Arbeitsgrundlage für den Radierer. Der Kunstschaffende kann direkt in die Beschichtung verschiedene Strukturen einpressen, oder ein weiches Zeichenpapier über diese Beschichtung legen und darauf eine Zeichnung anfertigen. Die Druckplatte wird nur an den durch das Andrücken entstandenen Vertiefungen freigelegt. Diese Stellen werden später in einem Säurebad weggeätzt. Der Rest der Platte wird durch den Weichgrund geschützt. Die Technik der Weichgrundradierung erlaubt einen weichen, malerisch wirkenden Strich.
– Farbradierung von mehreren Platten
Die Farbradierung kam gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf. Dabei werden mehrere Platten übereinander gedruckt und oft verschiedene Ätztechniken miteinander kombiniert. Die Strichzeichnung eines Bildmotivs wird oft als Radierung bzw. Umrissradierung auf einer einzelnen Platte umgesetzt. Die flächigen Abschnitte des Bildmotivs werden dann auf die restlichen Druckplatten übertragen, wobei je nach Farbe unterschieden wird. Für die flächigen Teile werden oft die Aquatintatechnik, manchmal ergänzend auch die Crayon- oder die Punktmanier genutzt. Für das genaue Übereinanderlegen der einzelnen Platten beim Druck werden Passkreuze eingesetzt, welche die exakte Platzierung der Platte auf dem Druckbogen ermöglichen. Oft sind kleinere Verzerrungen beim Druck des Motivs jedoch nicht zu verhindern, da sich das feuchte Papier bei den einzelnen Druckgängen unterschiedlich ausdehnt.
Flachdruck
Im Gegensatz zu den Hoch- und Tiefdruckverfahren liegen bei den Flachdruckverfahren die druckenden und die nichtdruckenden Bildpartien auf derselben Ebene. Es ist der chemische Gegensatz von Fett und Wasser, der darüber entscheidet, welche Bildpartien gedruckt werden und welche nicht.
– Lithographie
Die am Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte Lithographie (aus dem Griechischen lithos, «Stein») ist eine Drucktechnik, in der eine Druckplatte aus Kalkstein verwendet wird. Das Bild wird mit einer fetthaltigen Farbe aufgetragen und danach mit einem Gemisch aus Säure und Gummi arabicum fixiert. Der weitere Verlauf des Verfahrens erklärt sich durch die gegenseitige chemische Abstossung von Wasser und Fett: Beim Einfärben der zuvor befeuchteten Steinplatte mit Druckfarbe bleibt die fetthaltige Druckfarbe ausschliesslich an dem ebenfalls mit fetthaltiger Farbe angefertigten Druckbild haften. Die restlichen Bildpartien sind dagegen hydrophil und stossen die Farbe beim Druckprozess ab. Anschliessend wird das Bild mithilfe einer Steindruckpresse auf ein Blatt Papier gedruckt.