Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03160.jsonl.gz/1665

Aus Anlass des «Internationalen Jahres des Planeten Erde (IYPE)» und des Albrecht-von-Haller-Jubiläums wurden dieses Jahr zwei herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der «Geowissenschaften mit Schwerpunkt Alpenforschung» mit dem Schläfli-Preis der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) ausgezeichnet.
Michael Zemp ist 1976 geboren und wuchs im Kanton Aargau auf. Er diplomierte 2002 in Geographie mit Informatik und Glaziologie in den Nebenfächern an der Universität Zürich. Im Anschluss promovierte er 2006 unter der Leitung von Prof. Dr. Wilfried Haeberli und Dr. Martin Hoelzle im Rahmen des EU-Forschungsprogrammes ALP-IMP. Neben seiner Tätigkeit am Geographischen Institut arbeitete Michael Zemp als wissenschaftlicher Assistent im Natural Catastrophe Risk Management der Winterthur Versicherung und später als GIS-Spezialist bei ESRI Schweiz. Seit 2003 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim World Glacier Monitoring Service (www.wgms.ch).
In seiner Dissertation hat Michael Zemp die Veränderungen der Alpengletscher seit dem historischen Gletscherhochstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts, sowie deren mögliche Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten, untersucht. Die Arbeit legt eine integrative, raum-zeitliche Analyse von Feldmessungen, Fernerkundungsdaten und empirisch-numerischer Modellierung der Vergletscherung des gesamten Alpenbogens vor und basiert auf fünf Publikationen in internationalen Journals. Die Resultate zeigen, dass die Alpengletscher in den letzten 150 Jahren rund die Hälfte ihrer Fläche verloren haben, und – bei einem weiteren Anstieg der Sommertemperaturen um 3 °C – wohl weitere 80% der verbleibenen Fläche einbüssen werden.
Cristian Scapozza, geboren 1983 im Tessin, erlangte 2008 seinen Mastertitel (MSc) in Geographie mit Schwerpunkt «Alpine Umwelt» an der Fakultät für Umwelt- und Geowissenschaften der Universität Lausanne. Er arbeitet zurzeit als Doktorand und wissenschaftlicher Assistent für den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) am geographischen Institut der Universität Lausanne. Er ist an einem Nationalfondprojekt unter der Leitung von Professor Emmanuel Reynard beteiligt, welches sich mit der Verbreitung und der Struktur von Permafrost in hoch gelegenen alpinen Schutthalden beschäftigt. Parallel zum Nationalfondprojekt arbeitet Cristian Scapozza an seiner Dissertation zur Stratigraphie, Morphodynamik und Paläoumwelt von Lockergesteins-ablagerungen in Steillagen (Blockgletscher, Schutthalden, Moränenablagerungen) im periglazialen Bereich der Alpen. Zudem arbeitet er in der Lehre im Bereich Geomorphologie an der Universität Lausanne und wirkt bei Feld- und anderen praktischen Übungen der allgemeinen und der Prozessgeomorphologie mit.
Seine mit dem Schläfli-Preis 2008 ausgezeichnete Masterarbeit untersucht die periglaziale Umwelt der Schweizer Südalpen mit zwei unterschiedlichen Forschungsansätzen. Unter dem geographischen Gesichtspunkt untersucht die Studie das Auftreten von Permafrost in den Osttessiner Alpen auf regionaler und lokaler Ebene (im Bleniotal und auf der linken Talseite der Leventina). Unter dem methodischen Gesichtspunkt kommen bei der Untersuchung der periglazialen Umwelt der Alpen zwei elektromagnetische Verfahren der Geophysik (EM 31 und VLF-R) und die Spontane Polarisation (PS) zur Anwendung. Die Zielsetzung der Arbeit bestand somit einerseits darin, das Auftreten von Permafrost in verschiedenen räumlichen Skalen zu bestimmen, und die spätglazialen Gletscherstadien in der untersuchten Region zu rekonstruieren. Andererseits konnte er darin gleichzeitig das Alter der Blockgletscher bestimmen, sowie die Hydrologie des periglazialen Bereichs bestimmter Blockgletscher und Schutthalden untersuchen. Andererseits werden durch die gleichzeitige Verwendung verschiedener geophysikalischer Verfahren deren Grenzen und Möglichkeiten aufgezeigt.
Die Jury für die Ausschreibung 2008 bestand aus Mitgliedern der «Platform Geosciences» und wurde von Dr. Bruno Schädler, BAFU, präsidiert.
Dr. Gilles Borel, Musée cantonal de Géologie, Lausanne
Dr. Frank Preusser, Universität Bern
Prof. Emmanuel Reynard, Universität Lausanne
Dr. Bruno Schädler, BAFU
Prof. Heinz Veit, Universität Bern