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Geköpft, geschmäht, verlassen: Meghan Markles Vorgängerinnen
Die 18-jährige Lady Jane Grey legte an einem Wintertag 1554 ihren Kopf laut betend aufs Schafott: «Miserere mei Deus», Gott, erbarme Dich meiner. Der Scharfrichter beendete ihr kurzes Leben schwungvoll mit dem Schwert. Die Protestantin büsste dafür, dass sie als Königin der Katholikin Maria I. – genannt «Bloody Mary» – vor der Sonne stand. Diese war bei Greys Tod bereits gekrönte Nachfolgerin.
Heute ist die Aufnahme in den feinen Kreis der Royals zwar keine Frage von Leben und Tod mehr. Ein historiografischer Blick auf die weiblichen Royals lohnt sich indes alleweil: Rund ein Dutzend Frauen – je nach zählweise – hatten in den letzten 1000 Jahren die britische Krone getragen oder wenigstens das höchste Amt inne. Neben wenigen Berühmtheiten, wie den Königinnen Viktoria und Elisabeth I., handelte es sich dabei oft um Frauen, die auf dem Kontinent nahezu unbekannt geblieben sind, wie eben Lady Jane Grey.
Ihr Beispiel ist erhellend: Sie kam am 10. Juli 1553 auf den Thron und blieb genau neun Tage im «Amt», ohne je gekrönt worden zu sein. Dann wurde sie nach einem Putsch aus ihren Wohnräumlichkeiten im Londoner Tower vertrieben. Sie landete im Verliess der Trutzburg, wo sie bis zu ihrem Ende ein halbes Jahr später darbte. Die tief religiöse Jane Grey war klug und ahnte schon vor ihren neun Tagen, was ihr dräute. Sie wehrte sich gegen die royalistische Würde, denn sie wusste, dass sie als Marionette im Machtspiel der Protestanten die «blutige Maria» verhindern sollte. Alles vergebens, Lady Jane Grey musste büssen.
Margarete mit der Liebe zur Gewalt
Die US-Amerikanerin Megan Markle wird sicher nie selbst auf den Thron kommen und nach menschlichem Ermessen kaum je mit einem König verheiratet sein, Prinz Harry steht an sechster Stelle der Thronfolge. Andere vor ihr haben aber den Sprung aus der zweiten Reihe auf den Thron mit Erfolg geschafft. Zum Beispiel die Französin Margarete von Anjou (1430–1482), die Gemahlin von König Heinrich VI., der bald nach der Hochzeit dem religiösen Wahn verfiel. Er liess sich wochenlang ins Kloster sperren, um für Frieden mit den Franzosen zu beten.
Margarete nutzte das Vakuum, um die politische Macht zu übernehmen, die dem Königshaus im 15. Jahrhundert noch zustand. Sie entwickelte geradezu eine Liebe zur Gewalt. Sie setzte sich in den Rosenkriegen gegen das rivalisierende Haus von York in Schlachten und Scharmützeln durch. Auch unterdrückte sie gewaltsam rebellierendes Volk: Der Landadel vertrieb die Bauern von ihrem Besitz, den er widerrechtlich übernahm und einzäunte. Kam es zu Aufständen, liess Margarete Soldaten zuschlagen. Die typischen englischen Heckenlandschaften zeugen bis heute von dieser Entwicklung. Margarete musste England am Ende dennoch verlassen, als das Haus York eine Weile wieder die Macht übernahm. Sie verstarb in ihrer Heimat.
Charlottes Vermächtnis
Eher durchzogen waren die Erfahrungen, die eine deutsche Adlige mit dem melodiösen Namen Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744–1818) als Queen Charlotte an der Seite von Georg III. machte. Sie war ihrem Mann zwar von Herzen zugetan und hatte 14 Kinder mit ihm. Aber auch er versank im Wahnsinn, eine heute heilbare Stoffwechselkrankheit trübte seine Sinne. Charlotte hatte mit politischen Fragen gar nichts am Hut und verstarb in Bitternis in ihrem Anwesen in Kew Gardens, dem heutigen Botanischen Garten Londons. Charlotte hat allerdings koloniale Spuren hinterlassen, zahlreiche Örtlichkeiten tragen ihren Namen, etwa die Queen-Charlotte-Inseln in Kanada.
Auf ähnlich viele Kinder brachte es König Karl II., nämlich je nach Quelle mindestens 11, höchstens 15. Aber keines stammte von seiner Angetrauten, der portugiesischen Infantin Katharina von Braganza (1638–1705). Das zeugt von einer gewissen Eigenwilligkeit des Monarchen; tatsächlich legte er sich eine Mätresse nach der andern zu. Katharina ertrug die Eskapaden mit Würde, wurde nach und nach zu einer politischen Vertrauten ihres Mannes, die beiden setzten auf eine Art Jobsharing.
Im Fall von Meghan Markle bleibt nun zu hoffen, dass ihr an der Seite von Prinz Harry die schlimmsten Erfahrungen ihrer Vorläuferinnen erspart bleiben. Zumindest was die politischen Herausforderungen angeht, ist das sicher, denn der Prinz könnte nicht unpolitischer sein. Und selbst wenn er es nicht wäre, hätte er nichts zu sagen.