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INTERVIEW MIT LAITH AL-DEEN

Foto Peter Boettcher

Foto Peter Boettcher
Bekannt wurde Laith Al-Deen im Jahr 2000 mit den Singles "Bilder von Dir" und "Kleine Helden". Seitdem ist er aus der deutschsprachigen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Sein letztes Album "Für alle" kletterte in Deutschland bis auf die Nummer Eins der Albumcharts. Danach legte er erstmal eine zweijährige Schaffenspause ein. Nun ist er wieder zurück mit seiner Single "Keine wie du". Und zum Anlass der Veröffentlichung seines lang erwarteten neuen Albums "Die Liebe zum Detail" stand uns Laith Al-Deen Rede und Antwort.
hitparade.ch: Zu Anfang ein paar Fragen für die, die dich noch nicht kennen. Dein Name "Laith Al-Deen" kommt aus dem Arabischen. Hat er eine Bedeutung und wenn ja, welche?
Laith Al-Deen: Mein kompletter Name bedeutet übersetzt ungefähr "Löwe der Vollkommenheit der Religion". In den arabischen Ländern ist es traditionell so, dass der Vorname des Großvaters vor den Nachnamen gestellt wird. Mein Nachname "Al-Deen" bedeutet also eigentlich Religion und mein Vorname frei übersetzt "Löwe". Da kann jetzt jeder damit anfangen, was er möchte (lacht).
hitparade.ch: Die Aussprache - gerade mit dem "th" wie im Englischen - wird wahrscheinlich für viele Leute etwas problematisch sein - oder hat sich das mittlerweile gebessert?
Laith Al-Deen: Ja, es hat sich ein bisschen gebessert. Eigentlich verfolgt mich aber die falsche Aussprache schon seit Jahren. Für mich ist das überhaupt nichts neues und ich habe lange damit gekämpft. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und man kann ja auch sagen, dass es natürlich nicht so ganz einfach ist.
hitparade.ch: Dein Vater ist Iraker, aufgewachsen bist du in Deutschland und den USA. Wie ist deine Beziehung zu diesen Ländern?
Laith Al-Deen: Also ich lebe jetzt schon seit 1978 in Mannheim und ich sehe mich nicht nur sehr als Deutscher, sondern eben auch als Mannheimer. Letztes Jahr war ich in den USA. Als ich dort angekommen bin gab es schon so etwas "Heimatliches" und mir kam vieles bekannt vor.
Im Irak war ich bisher erst einmal und das ist inzwischen schon über 20 Jahre her. Ich werde bestimmt noch einmal, wenn sich irgendwann die Gelegenheit ergibt - was im Moment natürlich etwas schwierig ist - ein bisschen "Wurzelfindung" betreiben. Aber ich bin eben schon sehr Deutsch.
hitparade.ch: im Jahr 2002 hast du den Comet in der Kategorie "Hip-Hop/R&B" abgelehnt, um für die Anerkennung deutschsprachiger Popmusik zu kämpfen. Mittlerweile hat sich doch einiges getan. Wie siehst du die gegenwärtige Situation? Bist du zufrieden oder gibt es noch etwas, dass du dir für die deutschsprachige Musikszene wünschen würdest?
Laith Al-Deen: Ja ich denke auch, dass sich einiges getan hat. Zum Beispiel hat sich auch der "Mainstream"-Sektor, der ja eigentlich der schwierigste ist, inzwischen etwas gewandelt. Es ist jetzt so, dass rockigere Sachen, die zu meinen Anfangszeiten eher einen Indie-Charakter hatten mittlerweile schon fast Mainstream sind. Und andere Mainstream-Sachen sind dafür jetzt schon fast Indie. Das finde ich ganz lustig. Aber da könnte sich schon noch mehr tun.
Bei uns in Deutschland auf jeden Fall. Da gibt es den Xavier Naidoo und zwischen drin noch ein paar kleinere Geschichten wo ich auch zuzuordnen bin. Und dann gibt es noch die Liga mit Juli, Silbermond und Revolverheld. Wobei ich finde, dass gerade Revolverheld und Juli so ähnlich klingen - also entweder schreiben die gemeinsame Songs oder sie haben jemanden, der bei beiden Projekten mitschreibt. Das klingt mir einfach zu nah beieinander. Auf der anderen Seite hat sich dort aber wenigstens etwas etabliert, ganz zu schweigen vom deutschen Hip-Hop. Also ich finde schön, dass sich dort so etwas ähnliches wie eine Kultur einstellt. Es ist eben ein bisschen mehr Wettbewerb als vorher da und das kann - wie ich finde - nur gut sein.
hitparade.ch: Beim Stichwort Wettbewerb kommt deine Beteiligung am Vorentscheid des Eurovision Song Contest 2004 in den Sinn. Mittlerweile ist der Wettbewerb etwas in Verruf geraten, was sowohl die Beitragsqualität als auch die Abstimmungsergebnisse betrifft. Könntest du dir vorstellen, noch einmal am Contest teilzunehmen?
Laith Al-Deen: Das hängt dann etwas davon ab, wo er stattfindet. Nun war ja ganz Deutschland empört, weil man den Balkanländern Schiebung unterstellt hat. Das finde ich ein bisschen lächerlich. Letztendlich haben wir dieses Jahr einen ganz guten Beitrag von Roger Cicero gehabt. Aber man darf nicht vergessen, dass der Grand Prix schon immer eine Veranstaltung für sich war. Und ich finde, Musik für die Teilnahme am Grand Prix zu schreiben ist nicht so einfach, wie man denkt. Ich bin ganz froh, dass der Wettbewerb zumindest aus der Sicht von Deutschland mittlerweile wieder aus der "lustigen" Sicht heraus ist, wo sich jeder beim Vorentscheid lächerlich gemacht hat und der Lächerlichste wurde dann zum Wettbewerb geschickt - das fand ich schlimm. Auf der anderen Seite denke ich, dass der Grand Prix schon immer eine eigene Geschichte war und das auch so bleiben wird. Da braucht man auch nicht daran zu rütteln. Und wenn sich da verschiedene Länder besser miteinander verstehen als wir uns mit ihnen - selber schuld.
hitparade.ch: hitparade.ch ist ja die offizielle Webseite der Schweizer Hitparade. Kommen wir also mal zu den Charts. Deine Alben steigen - gerade auch in Deutschland - meistens um einiges höher in den Charts ein als deine Singles. Kann man davon ausgehen, dass du vielleicht eher eine ältere Käuferschicht ansprichst, die bevorzugt Alben kauft? Wie siehst du da deine Zielgruppe?
Laith Al-Deen: Also ich würde eher sagen, dass ich vernünftige Fans habe (lacht). Ich glaube, die wägen sehr genau ab - und es ist definitiv das Alter. Die letzte Meinungsumfrage bezüglich dessen - wobei ich solche Umfragen eigentlich eher ungern lese - besagt so etwas zwischen 25 und 45 Jahre. Was die Konzerte anbetrifft, geht es da etwas früher los. Wobei es im Prinzip schon ein Mix ist und dabei definitiv zum größten Teil Leute, die lieber ein Album haben anstatt ein Sammelsurium. Wobei wir uns schon Mühe geben, die Singles auch mit Besonderheiten, Specials und Mixen aufzuwerten. Allerdings steht das Album letztlich für mehr und auch mehr für mich. Es repräsentiert eben das ganze Live-Ding. Ich bin da sehr froh drüber, andersherum fände ich es schlimm.
hitparade.ch: Was bedeutet denn ein Charterfolg für dich? "Für alle" war ja auf Nummer Eins in Deutschland. Setzt du dich da fürs neue Album unter Druck?
Laith Al-Deen: Manchmal lasse ich mich da schon von der Euphorie oder Erwartungshaltung um mich herum anstecken. Aber heutzutage kann ja keiner mehr genau sagen, mit welchem prozentualen Anteil man auf Nummer Eins einsteigt. Im Vergleich zu früher kann es da sein, dass es einfach ein lächerliches Kontingent an Alben ist, das man da verkauft hat. Also ich glaube, dass das wirklich keine Bemessungsgrundlage für den eigenen Erfolg ist. Wobei es ein schönes Gefühl ist, dass es da Menschen gibt, die einen nach wie vor unterstützen und auch darauf warten. Das ist ein sehr sehr gutes Gefühl. Allerdings geht es mir da schon immer eher um die Beständigkeit. Ich steige lieber auf der 60 ein und bleibe da erstmal eine Weile. Also mal sehen, wie es dieses Jahr läuft.
hitparade.ch: Du hast gerade schon die geringen Verkaufszahlen erwähnt. Was ist deine Meinung zu Musik-Downloads im Netz? Im Jahr 2005 hattest du den Titel "Warten und Schweigen" als Download-Single veröffentlicht. Ist das für dich die Zukunft oder bist du da eher skeptisch?
Laith Al-Deen: Also ich glaube es ist der neue Markt. Da kann man machen, was man will. Man muss nach wie vor die CD schon auch als einen Fehltritt sehen. Wobei es früher nicht anders war. Die Musik-Kassette hatte ja den LP-Markt auch irgendwie aufgebrochen. Man muss eben lernen, damit umzugehen. Das Internet ist und bleibt das neue Medium der Musik. Aber es gibt auch noch Leute, die gewisse Werte für wichtig halten, also ein Album mit einem Cover in der Hand halten zu wollen und ein Stück weit eine gewisse Identifikation mit dem Act, den sie da unterstützen, zu suchen. Von daher, glaube ich, dass das eine Entwicklung ist, die nicht aufzuhalten ist - macht aber auch nichts. Was nach wie vor passiert ist, dass man wenn man zu lässig mit dem Internet umgeht und den Leuten das Gefühl gibt, dass man sich keine Mühe mit den Veröffentlichungen gibt - dann spürt man das. Radiosender mit denen ich gesprochen hatte, fanden es am Anfang mit dieser Online-Zufuhr von Musik schon sehr schlimm, weil einfach etwas fehlt. Das finde ich sehr schade, aber auf der anderen Seite muss man damit irgendwie umgehen.
hitparade.ch: Kommen wir zu deinem neuen Album. Es erscheint Ende dieser Woche unter dem Titel "Die Liebe zum Detail". Kann man da vielleicht sagen, dass hier der Name Programm ist?
Laith Al-Deen: Ja und Nein, wie man es nimmt. "Die Liebe zum Detail" ist ja ein stehender Begriff, der sich einerseits aus einem Song ergibt, der für viele meiner Erlebnisse des letzten Jahres steht, also ein bisschen zurückziehend und reflektierend. Auf der anderen Seite haben wir auf dem Album auch vielen Spielereien Platz gelassen. Es war also nicht das Ziel zu sagen, wir machen eine Produktion, die man live 1:1 reproduzieren kann und muss, sondern wir machen einfach das, auf was wir Lust haben. Von daher entdeckt man auch beim vierten Durchhören noch einmal Dinge, die einem vorher nicht aufgefallen sind. Und was die Liebe angeht, steht das ausser Frage. Das ist ein dominantes Thema.
hitparade.ch: Kann man sagen, dass der Sound vom Album etwas "bandlastig" ist im Vergleich zu den vorhergehenden Alben? Hast du jetzt deinen Stil gefunden oder möchtest du weiterhin experimentieren, zum Beispiel auch noch einmal in die Elektrorichtung?
Laith Al-Deen: Ich glaube, der Stil bleibt ein Experiment. "Bandlastiger" ist es nicht geworden, da wir festgestellt haben, dass von der Studiosession nur 5 Songs übrig geblieben sind und der "Bandsound", der dann allen Beteiligten am besten gefallen hat, auch ein gutes Stück in die Richtung des eher elektronischen "Plattensounds" ging. Von daher haben sich die Wege da ganz gut getroffen. Das was wir jetzt gemacht haben war auch im Hinblick auf ältere Sachen. Wir haben versucht, dahin zu kommen, wo wir schon einmal gewesen sind, in einer reiferen Form und ich denke, das haben wir geschafft.
hitparade.ch: Du hast 2004 schon ein Duett mit Zoe aufgenommen. Hast du für die Zukunft noch einmal so eine Zusammenarbeit mit einem Künstler geplant?
Laith Al-Deen: Ich hatte für dieses Album letztes Jahr eigentlich schon einige Gespräche geführt. Da hat sich ganz viel zeitmässig nicht ergeben. Und die eine oder andere Geschichte ist aus den üblichen, nervtötenden vertraglichen Konditionen sowie Problemen mit Firmen und sonstigen Menschen nicht zustande gekommen. Und von daher ist mein Plan für das nächste Album, möglichst viele Feature-Geschichten zu machen. Wie viel davon funktioniert steht in den Sternen, aber das mal zu machen habe ich Lust. Da man damit die Möglichkeit hat, letztendlich sehr viele verschiedene Stile auf ein Album zu bringen.
hitparade.ch: Die erste Single aus dem Album ist "Keine wie du". Ist schon ein Nachfolger bestimmt oder steht das noch offen?
Laith Al-Deen: Gute Frage. Es gibt da eine Nummer mit dem Titel "Es wird nicht leicht sein" und davon gibt es auch extra eine neue Version, die wir vor kurzem zusammengebaut haben. Das ist momentan unser Favorit. Aber es soll auf jeden Fall etwas sein, das ein bisschen flotter ist und trotzdem sehr für meinen Sound steht.
hitparade.ch: Zur Zeit läuft auf deiner Webseite ein Fanvoting zum besten Track des neuen Albums. Im Netz ergibt sich jetzt auch die Möglichkeit zum direkten Kontakt mit den Fans. Was ist deine Meinung dazu? Schätzt und nutzt du das oder möchtest du lieber eine gewisse Distanz bewahren?
Laith Al-Deen: Ich hab das sehr gern - wenn es gewisse Ausmasse nicht übersteigt. Ich weiss nur, dass ich die ersten eineinhalb Jahre 2000 bis Mitte 2001 sehr auf Gästebucheinträge eingegangen bin. Das hat dann dazu geführt hat, dass ich teilweise privaten E-Mail-Kontakt geführt habe und dadurch mit Sachen konfrontiert wurde, die ich nun wirklich nicht wissen wollte (lacht). Soweit will ich das auf keinen Fall mehr kommen lassen.
Ansonsten, was das Internet an sich angeht, bin ich doch etwas träge. Meine Myspace-Seite (http://www.myspace.com/laithaldeen) wird von mir zum Beispiel auch manchmal ein bisschen alleine gelassen. Ich muss mich da auf jeden Fall schon etwas zwingen, dran zu bleiben, weil es einfach nicht mein Medium ist.
hitparade.ch: Zum Schluss wie immer die aktuellen Top 10 der Schweizer Hitparade. Wenn du uns vielleicht ein paar Kommentare dazu geben könntest?
10. Timbaland, Justin Timberlake & Nelly Furtado - Give It To Me
Laith Al-Deen: Die sind wahrscheinlich in drei Monaten mit vier Nummern in den Top Ten. (lacht).
9. Pink - Dear Mr. President
Laith Al-Deen: Finde ich eine super Sängerin, klasse Musikerin - extrem grossartige Live-Performance.
8. Ville Valo & Natalia Avelon - Summer Wine
Laith Al-Deen: Das Original ist schöner.
7. Mika - Grace Kelly
Laith Al-Deen: Hut ab vor der Gesangsleistung, aber das ist nicht so ganz meins.
6. DJ Ötzi & Nik P - Ein Stern (der deinen Namen trägt)
Laith Al-Deen: Finde ich eine ganz erstaunliche Sache. Ist überhaupt nicht meine Musik, hat sich aber bei uns in Deutschland auch wahnsinnig lange auf der Eins gehalten.
5. Bon Jovi - (You Want To) Make A Memory
Laith Al-Deen: Ich war noch nie und werde nie ein Bon Jovi Fan sein.
4. Nelly Furtado - Say It Right
Laith Al-Deen: (lacht)... Nelly Furtado Overflow. Nettes Album produziert, aber ich hoffe, dass irgendwann nur noch eine Nummer in den Top Ten ist.
3. Beyonce & Shakira - Beautiful Liar
Laith Al-Deen: Ich finde, da hatten sie beide getrennt voneinander schon bessere Songs.
2. Mark Madlock - Now Or Never
Laith Al-Deen: Bei euch auf der Zwei? - OK, das ist ja interessant. Ich finde, er hat schon eine super Stimme, aber ich mag ihn nicht so besonders.
1. Rhianna feat. Jay Z - Umbrella
Laith Al-Deen: Also, ich finde die Nummer irgendwie schon gut gemacht, abgesehen von der Tatsache, dass die vorherige Single schon so unglaublich lange lief und dass ich die Frau so dermassen frostig finde. Ich habe vorher noch nie jemanden gesehen, der so dermassen "funktioniert". Ich glaube, dass sie so ein bionischer Mix ist (lacht), dass da garantiert irgendwelche Metallteile eingebaut sind. Das kann einfach nicht sein. Sie ist einfach zu gut, zu perfekt, zu sauber, zu rund irgendwie. Aber die Nummer an sich ist schon nicht schlecht.
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