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Kurz nach der Evakuation der Dörfer und Städte in der Exclusion Zone wurde alle dort lebenden Haustiere getötet. Die Kühe und Schafe der Kolchosen, die Katzen und Hunde der Familien – erschossen und begraben. Heute gibt es wieder Hunde in Tschernobyl, es sind keine streunenden Hunde, sondern sie dienen wissenschaftlichen Zwecken.
Von manchen Tierschützern oder Hundehassern, ob sie je in Tschernobyl waren oder nicht, werden die Hunde herumlungernden Hunde als streunende Nachkommen der vor 32 Jahren zurückgelassenen Haushunde bezeichnet. Mit solchen Behauptungen lässt sich natürlich auch Geld scheffeln: Man lanciert in Europa eine Hilfsaktion für die «verlassenen», armen und kranken, grässlich strahlenden Tschernobyl-Hunde. Man wolle sie einsammeln, kastrieren, impfen und hochpäppeln. Der Aufruf verfängt und die TierliliebhaberInnen schieben artig Geld rüber.
Nur, es gibt nichts einzusammeln in Tschernobyl. Es gibt tatsächlich zahlreiche Hunde im Städtchen. Aber wo Menschen leben, gibt es immer auch Haustiere. In Tschernobyl leben und arbeiten ein paar hundert Menschen und die haben u.a. auch Hunde. Sie sind nicht angeleint und lungern halt herum. Sie leben nicht gefährlich weil es keinen grossen Verkehr auf den Strassen gibt. Sie sind alle wohlgenährt, gechippt (sichtbar an der Ohrplaquette), kastriert und geimpft. Sie sind vollkommen zahm und strahlen nicht mehr als jeder Mensch, der sich in Tschernobyl aufhält. Auch nützen sie der Wissenschaft als Versuchskaninchen, bzw. -hunde. Als das Gebiet in der 30km-Zone um das Kraftwerk ab dem 27. April 1986 evakuiert wurde, wurden alle Haustiere getötet, auch das Vieh der Bauern. Somit dürfte es nicht allzuviel bis keine Nachkommen der damaligen Hunde geben. Leider aber scheinen die Hunde ein aktives Nachtleben zu pflegen. Oder sie kommen ihren Pflichten als Schutzhunde nach. Jedenfalls ist es schwierig, im Hotel bei offenem Fenster zu schlafen.