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(Odontalgie), ein je nach Verschiedenheit der veranlassenden Ursache mehr oder minder
heftiger Schmerz, welcher seinen Sitz in den Nerven
[* 3] der Zähne
[* 4] oder den Umgebungen derselben und je nach der Menge der unmittelbar
oder durch Sympathie ergriffenen Nerven eine größere oder geringere Ausbreitung hat. Man unterscheidet im allgemeinen zwei
Arten des Zahnschmerzes: den idiopathischen, welcher seinen Sitz in dem Zahn selbst hat, und den sympathischen,
welcher von mehr oder weniger entfernten Teilen abhängig ist.
Nach seinen Ursachen wie nach seinem Sitz ist der Krankheitszustand, dessen Symptom der Zahnschmerz ist, verschieden, und nach dieser
Verschiedenheit hat sich natürlich auch die Behandlung zu richten, indem sie vor allem die Beseitigung der Ursachen zu erstreben
hat. Die am häufigsten vorkommende Art des idiopathischen Zahnschmerzes ist der durch Nervenentblößung an kariösen Zähnen
entstandene, eine Spezies, die sich namentlich durch klopfende und reißende, bei der Anwendung der Kälte sowohl als der Hitze
an Intensität zunehmende Schmerzen charakterisiert. Bei oberflächlicher Karies wird der schadhafte Zahn am
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besten plombiert. Ist die Zerstörung schon zu weit vorgeschritten, so wird der Zahn extrahiert. Symptomatisch, um eine Abstumpfung
der empfindlichen Nerven zu erreichen, werden in die kariöse Höhle kleine Wattebäuschchen, getränkt mit ätzenden Mitteln:
Nelkenöl, Kreosot etc., oder mit Narkoticis: Chloroform, Morphium, Opium, eingeführt. Ferner kann man die bloßliegenden Nervenendigungen
mit Arsenikpaste oder direkt mit der glühenden Nadel zerstören.
Bei dem rheumatischen Zahnschmerz ist der Schmerz nicht auf einer Stelle fixiert, sondern wandert, und mehrere, auch gesund erscheinende,
Zähne sind oft gleichzeitig befallen. Die Hauptindikation, welche die Behandlung in diesem Fall zu erfüllen hat, ist die
Wiederherstellung der unterdrückten Hautfunktionen, wozu bei angemessenem Verhalten des Kranken innerlich
ein Aufguß von Fliederblüten mit Zitronensaft und äußerlich ein Fußbad mit Senfmehl und Asche zweckdienlich ist.
Eine temporäre Linderung des Schmerzes erreicht man durch Anwendung von Senfteig auf den Oberarm, Kantharidenpflaster hinter
die Ohren oder in den Nacken und bei entzündlichem Charakter des Übels durch innerhalb des Mundes oder
äußerlich applizierte Blutegel;
[* 6] auch die trocknen Kräuterkissen sind von guter Wirkung. Zahnextraktionen sind bei rheumatischem
Zahnschmerz zu unterlassen, da das Übel, und zwar nicht selten mit größerer Heftigkeit, sich auf benachbarte Teile
und zuweilen auch auf edlere Organe, namentlich die Ohren, wirft.
Nicht zu verwechseln mit dem rheumatischen ist der ihm sehr ähnliche gichtische Zahnschmerz, welcher,
wenn er von eingewurzelter Gicht herrührt, häufig auch den wirksamsten Lokalmitteln nicht weicht, bis gegen das innere Übel
erfolgreich angekämpft wird. Als Linderungsmittel werden empfohlen: Kataplasmata von Cicuta und Hyoscyamus, Blutegel, erregende
Fußbäder, Einreibungen in das Zahnfleisch mit Opium- oder Hyoscyamus-Extrakt, im weitern Verlauf mit Opium-
oder Akonittinktur etc., der Gebrauch adstringierender Mundwässer.
Zahnextraktionen sind nutzlos. Periostitischer Zahnschmerz beruht auf Entzündung der Knochenhaut, welche den Zahn in seiner Unterkiefergrube
(Alveole) befestigt (äußere Periostitis oder Periodontitis), er kann rheumatisch, d. h. durch Erkältung, entstehen, sehr
häufig aber befällt er Zähne, welche durch Karies bereits angegriffen sind. Die Entzündung der Zahnwurzelhaut
gibt sich durch einen anfangs dumpfen, später sehr lebhaften klopfenden Schmerz zu erkennen.
Bei der geringsten Berührung ist der affizierte Zahn äußerst empfindlich und scheint dem Patienten länger zu sein als die
übrigen Zähne. Am Zahnfleisch treten vermehrte Röte und Geschwulst auf, welche sich allmählich auf die
benachbarte Wange erstrecken, worauf der Schmerz in der Regel merklich abnimmt; nicht selten bildet sich ein Zahngeschwür, welches
die Mundschleimhaut durchbricht, namentlich wenn man Feigen od. dgl. zur Erweichung darauflegt, das aber oft so schmerzhaft
wird, daß man es besser künstlich eröffnet, den Eiter entleert, worauf gewöhnlich Heilung erfolgt.
Bei Entzündung der Zahnpulpa (innere Periostitis oder Endodontitis) ist der Schmerz flüchtig und stark bohrend, stellt sich
periodisch ein, wird aber später anhaltend und ist nicht selten von Fieber begleitet. Die Entzündung der Zahnhäute geht
gewöhnlich in Eiterung über. Letztere verläuft gemeiniglich innerhalb einer Woche ohne nachteilige Folgen;
es können aber auch Zahnfisteln oder Beinfraß des Alveolarfortsatzes folgen, wenn das Übel vernachlässigt wird.
Bei der Behandlung hat man zuvörderst die Ursachen
des entzündlichen Zustandes zu erforschen: ist der Grund ein schadhafter Zahn, so muß derselbe behandelt oder entfernt werden;
im erstern Fall sind auch ableitende Mittel am Platz. Der nervöse Zahnschmerz hat seinen letzten Grund in einer allgemeinen Verstimmung
des Nervensystems und charakterisiert sich dadurch, daß sich weder Geschwulst noch Röte der umliegenden
Teile zeigen, und daß in seinem Gefolge niemals Zahnfleischabscesse beobachtet werden. Der idiopathisch-nervöse Zahnschmerz gibt
sich durch flüchtige, lebhafte, in unbestimmten Zeiträumen wiederkehrende Stiche in den affizierten Zähnen zu erkennen und
wird so wenig durch kühles als durch warmes Verhalten gebessert. Der sympathisch-nervöse Zahnschmerz unterscheidet
sich von jenem nur dadurch, daß er durch Konsens mit entferntern Organen, von denen die veranlassende
Ursache eigentlich herstammt, hervorgebracht wird. Solche Organe sind namentlich der Darmkanal mit seinen Drüsenapparaten und
die Genitalien, besonders des weiblichen Geschlechts, und man pflegt hiernach gastrischen und hysterischen und den oft mit
der Schwangerschaft verbundenen Zahnschmerz zu unterscheiden. Der nervöse Zahnschmerz ist
auch nicht selten erstes Symptom einer entzündlichen Affektion der Kiefernerven, sogen. Neuralgie des Trigeminus. Auch hier
sind Zahnextraktionen vollkommen nutzlos.