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Tschernobyl-3 war am 1. Juli 1999 für umfangreiche Revisions-, Reparatur- und Nachrüstarbeiten abgestellt worden. Unter anderm wurden eine grössere Anzahl defekter Schweissnähte an Kühlrohren instandgestellt, Arbeiten im Hinblick auf die Jahr-2000-Tauglichkeit der Anlage durchgeführt und eine Reihe von Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit getroffen, die in einer Kreditvereinbarung mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) festgehalten sind.
Der gegenwärtige Winter könnte der letzte sein, in dem der einzige noch laufende Block von Tschernobyl zur Stromversorgung der Ukraine beiträgt. Wie Oleksandr Smyschljajew, Chef der Kernenergie-Sicherheitsbehörde SNRA (State Nuclear Regulatory Administration), erklärte, nähern sich verschiedene Systeme von Tschernobyl-3 dem Ende ihrer technischen Lebensdauer. Die Bewilligung für den Leistungsbetrieb könne gemäss Beschluss der SNRA vom 24. November 1999 höchstens für 200 Volllasttage erteilt werden, was im Übrigen dem im Werk vorrätigen Brennstoff entspreche. Für einen darüber hinaus gehenden Betrieb wären grössere Ertüchtigungsarbeiten und Sicherheitsmassnahmen und damit auch substanzielle Investitionen erforderlich. Laut Smyschljajew wäre es daher folgerichtig, wenn die Betreiberin Energoatom der Regierung einen Vorschlag für die Vorbereitung eines Stilllegungsbeschlusses unterbreitete. Die Ukraine hat das im Dezember 1995 in Ottawa mit der Gruppe G-7 der grossen Industrieländer unterzeichnete Memorandum über die Schliessung des Kernkraftwerks Tschernobyl bis zum Jahr 2000 (Bulletin 2/1996) verschiedentlich als nicht bindend bezeichnet.
Quelle
P.H. nach Mitteilung des International Chornobyl Centre, 26. November 1999