Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/1357

Kapitel 2.4.2 - Ausschlusskriterien
Als Ausschlusskriterien gelten:
- Reine Literaturstudien und Metaanalysen
- Einfache Fallstudien
- Studien, von denen nur die Zusammenfassung (Abstrakt) zur Verfügung stand und mit realistischem Aufwand keine Vollversion aufgetrieben werden konnte
- Studien, welche die HVLA-Manipulationen mit anderen Interventionen kombinierten (z.B.: Mobilisationen)
- Studien mit Interventionsprobanden unter dem 18. Lebensjahr
- Studien, die in einer anderen Sprache als der englischen, der deutschen oder der niederländischen verfasst wurden.
Begründung der Ausschlusskriterien
Retrospektive Arbeiten wie reine Literaturstudien und Metaanalysen sind durch ihr Design dafür geeignet, den wissenschaftlichen Status quo eines Themas zu eruieren. Sie präsentieren zudem Meinungen und Schlussfolgerungen der betreffenden Autoren. Die für uns relevanten Schlussfolgerungen solcher Arbeiten bzw. Autoren wurden jedoch in die Diskussion der vorliegenden Arbeit miteinbezogen.
Spezielle klinische Studien wie einfache Fallstudien (CS/CCS) beschreiben einzelne Behandlungen oder Behandlungsverläufe. Sie haben zum Ziel, empirisch klinische Phänomene zu beschreiben und allenfalls wissenschaftlich zu erklären. Da es sich bei solchen Studien meistens um retrospektive Literaturstudien handelt, die bestimmte Effekte einer definierten Intervention abhandeln, sind solche Fallstudien für die vorliegende Studie nicht zielführen und wurden deshalb nicht berücksichtigt.
Gemäß der Absicht dieser Arbeit, Studien mittels standarisierten Beurteilungsinstrumenten wie der PEDro-Skala auf ihre Qualität zu beurteilen, wurden Artikel, von welchen nur das Abstrakt verfügbar war, nicht in die vorliegende Arbeit aufgenommen.
Die Autoren sind nur der deutschen, der englischen (HL, FR) und der niederländischen Sprache (FR) mächtig. In folge dessen konnten Studien, welche nicht in einer dieser Sprachen zur Verfügung stehen, nicht beurteilt und somit nicht in diese Arbeit integriert werden.
Vertebrale HVLA-Manipulationen an nicht erwachsenen Personen wurden unterschiedlich betrachtet. Obwohl einige Autoren die spinalen HVLA-Manipulationen an Kindern und Adoleszenten befürworten (vgl. Hawk et al. 2009: 639ff) und die Effektivität der spinalen Manipulationstherapie an Kindern als wissenschaftlich bewiesen erachten (vgl. Alcantara et al. 2010: 621ff, vgl. Alcantara/Davis 2011: 28ff.), plädieren andere Autorenteams für mehr wissenschaftlich belegte Untersuchungen (Hartvigsen/Hestbeck 2009: 603ff). Hestbeck und Jensen kamen in ihrer Studie im Jahre 2010 zur Schlussfolgerung, dass „Although the major reason for pediatric patients to attend a chiropractor is spinal pain, no adequate studies have been performed in this area“ (Hestbeck/Jensen 2010: 15). Andere Autoren schätzen die spinale Manipulation an Kindern – sogar unter dem dritten Lebensjahr – als sicher und ungefährlich ein (vgl. Miller/Benfield 2008: 419ff). Wissenschaftlich belegt aber keine einzige Studie bezüglich den Erfolge der spinalen manipulativen Therapie bei nicht vollständig ausgewachsenen Personen. Sogar die American Chiropractic Association ACA sieht die Notwendigkeit von weiteren Untersuchungen auf dem Gebiet der pädiatrischen Manipulationsanwendung (Brassard 2007: 66). Vohra und Koautoren kamen 2007 zur Schlussfolgerung, dass spinale Manipulationen bei Kindern zwar nur selten, wenn durchgeführt aber zu meist schwerwiegenden ungewollten Nebenwirkungen führen können. Dabei ist nicht klar ersichtlich, ob diese therapeutische Maßnahme als sinnvoll einzuschätzen ist. „Pediatric spinal manipulations, although well intended, leave concerned parents and pediatricians with more questions than answers“ (Vohra et al. 2007: 281).
Peeters und Lason meinen, dass Echte Blockaden bei Kindern und Personen unter dem 20. Lebensjahr nicht vorkommen und Manipulation somit nicht notwendig sind (vgl. Peeters/Lason 2009: 248). „Bei einer echten Blockade ist nicht nur die Gelenksfacette fixiert, sonder auch die Bandscheibe beschädigt, so dass eine Verlagerung des Nucleus pulposus möglich ist. Bei Kindern kommt es allerdings nur sehr selten vor, dass die Bandscheibe geschädigt ist. Eine Ausnahme ist die OAA (occipitoatlantale Artikulation). Da es hier keine Bandscheibe gibt, kann eine Subluxation vorkommen.“ (Peeters/Lason 2009: 249).Bis die Wirkung der spinalen high velocity, low amplitude Manipulationen bei Kindern und Adoleszenten wissenschaftlich belegt worden ist, halten wir es für nicht seriös, Arbeiten, welche spinale HVLA-Manipulationen an dieser Interventionsgruppe beschreiben, in diese Arbeit zu integrieren.