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1. Ort und Geschichte
|Frauenalb und Herrenalb

Frauenalb wird im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts als Stiftung des Grafen Eberhard III. von Eberstein gegründet und vom Benediktinerinnen-Priorat Berau, einem Frauenkloster der Abtei St. Blasien, besiedelt. Die erste Erwähnung als «sancte Marie, quae site in eposcopatu spriense»» (1193) weist auf das Marien-Patrozinium der Neugründung hin.[1] Sie liegt im Bistum Speyer. Später wird der Klosterort «claustrum inferiore de alba» genannt. Die Bezeichnung von Frauenalb als «unteres» Kloster im engen, siedlungsfeindlichen Albtal des Nordschwarzwaldes wird so mit dem nur eine Wegstunde entfernten «oberen» Kloster, der um 1150 gegründeten Zisterzienserabtei Herrenalb in Verbindung gebracht. Strategische und dynastische Überlegungen der Herren von Eberstein bestimmen beide Klostergründungen. Herrenalb wird ihr Hauskloster und ihre Grablege. Die Gründung von Frauenalb ist durch zwei Schwestern des Hauses Eberstein initiert. Mehrere Äbtissinnen aus der Gründerfamilie sorgen in den folgenden Jahrhunderten für eine weitere Verbundenheit mit dem Kloster.
|Der später ansehnliche Besitz von Frauenalb wächst schon im 14. Jahrhundert auf sieben Ortsherrschaften. Die Schirmherrschaft der beiden Klöster liegt anfänglich bei der Gründerfamilie. Herrenalb verliert diesen Schutz schon früh und kommt im 14. Jahrhundert endgültig an die Grafen von Württemberg. Auf beide Klöster erheben auch die Markgrafen von Baden Anspruch, die ihre Macht 1346 mit dem Niederbrennen der beiden Klöster demonstrieren. Die schwächeren Ebersteiner müssen die Schirmherrschaft im 15. Jahrhundert mit Baden teilen. Anfang des 16. Jahrhunderts hat Baden die Oberhand. Nach der Erbteilung 1536 ist dies vorläufig Baden-Baden, dann ab 1594 der protestantische Markgraf von Baden-Durlach.Herrenalb wird schon 1536 vom Herzog von Württemberg im Zuge der Reformation aufgehoben. 1598 trifft dies auch Frauenalb.Die Vorgänge der Aufhebung durch Baden-Durlach erinnern an heutige Massnahmen von Despoten gegen «Staatsfeinde».|
|Das Territorium der Herrschaft Frauenalb in

einem Ausschnitt der Karte des schwäbischen
Kreises von Johann Lambert Kolleffel (1740),
veröffentlicht von Andreas Pfeffel in Augsburg.
Bildquelle: mapy.mzk.cz
|So werden die Äbtissin und die Priorin gefangen genommen und nach absurden Geständnissen verurteilt. Zwei Frauen flüchten, die verbleibenden werden «begnadigt». In der Klosterherrschaft führt der Markgraf von Baden-Durlach, gemeinsam mit dem inzwischen ebenfalls protestantischen Ebersteiner Graf Philipp III. die Reformation durch. Die Einnahmen aus der Herrschaft teilen sich die beiden.|
Neubesiedlung im Dreissigjährigen Krieg
In einer der ersten Schlachten des Dreissigjährigen Krieges unterliegt 1622 das Heer des Markgrafen von Baden-Durchlach und des Herzogs von Württemberg bei Wimpfen dem Heer der Katholischen Liga unter General Tilly. Der unterlegene Markgraf von Baden-Durlach muss die 1594 annektierte Markgrafschaft Baden-Baden zurückgeben. Die seit 28 Jahren reformierte Bevölkerung wird zwangsweise rekatholisiert. Ein bischöflicher Kommissär sucht Frauenalb auf. Er meldet die Unversehrtheit der Klosterkirche und selbst der Altäre. Den Ort beschreibt er als in einem Tal liegend, in dem man nichts als Himmel und Wald sehen könne, und welchen selbst die in der Nähe hausenden Kroaten nicht gefunden hätten. Der Markgraf hat es allerdings, ähnlich dem bayerischen Kurfürsten in der Oberpfalz, mit der Wiederherstellung der Abtei nicht besonders eilig. Zu sehr locken die Einnahmen der Klosterherrschaft. Diese will er zur Gründung eines Jesuitenkollegs in Baden-Baden verwenden, erhält aber wegen des Widerstands aus Speyer[2] keine päpstliche Genehmigung. 1631 kann der mächtige Fürstbischof und Kurfürst auf Grund des kaiserlichen Restitutionsedikts von 1629 die Wiederbesiedlung von Frauenalb durchsetzen. Er wendet sich an den Abt von St. Georgen im Schwarzwald, welcher Vaterabt der Benediktinerinnen-Priorate Amtenhausen und Urspring ist. Die Konventualinnen aus Amtenhausen lehnt er ab, weil das Adelsprivileg in Frauenalb fortgesetzt werden soll.[3] Vier adelige Frauen des Benediktinerinnenklosters Urspring bilden deshalb den Konvent der Neugründung Frauenalbs. Sie müssen schon 1632 vor den Schweden flüchten, können aber 1634 zurückkehren. Die amtierende Administratorin Johanna von Mandach wird 1635 Äbtissin.[4] Schon 1637 kann sie drei Neueintritte verzeichnen. Die energische Äbtissin muss sich früh gegen baden-badische Übergriffe des bei der Neugründung übergangenen Markgrafen wehren und wendet sich an Kaiser Ferdinand III, der 1640 Frauenalb unter Schutz und Schirm des Reiches nimmt.[5]
Bauäbtissinnen des 17. und 18. Jahrhunderts
Maria Margareta von Greuth[6]
Die 1643 gewählte Maria Margaretha von Greuth (Greith, Grüt) regiert 46 Jahre. Sie beginnt in der Friedensphase nach 1648 mit der eigentlichen Aufbauarbeit und wird nach ihrem Tod als zweite Gründerin des Klosters gelobt. Sie widmet sich hauptsächlich der Wiederbelebung der Klosterökonomie in der Herrschaft, wie dies nach dem Dreissigjährigen Krieg bei allen Abteien Hauptziel ist. In Frauenalb lässt sie die Kirche neu ausstatten. Hier erinnert ihr Wappen an einigen Gebäuden im ehemaligen Klosterareal noch immer an sie. Ihr grösstes noch erhaltenes Bauvorhaben in Frauenalb ist das dreigeschossige Abteigebäude nördlich der Kirchen-Westfront, das sie wahrscheinlich auch als vorläufiges Wohngebäude der noch wenigen Frauen einrichtet.[7]
Marie Salome von Breitenlandenberg[8]
1689 stirbt Äbtissin Maria Margaretha von Greuth im elsässischen Exil, wohin sie sich zu Beginn der französischen Zerstörungsfeldzüge in Sicherheit bringt.[9] Neue Äbtissin wird Marie Salome von Breitenlandenberg. Obwohl die verbleibenden Stiftsdamen ebenfalls mehrmals flüchten müssen, wird das abgelegene Kloster Frauenalb wie schon im Dreissigjährigen Krieg verschont. Noch vor dem Frieden von Rijswijk beginnt die Äbtissin mit dem offenbar bereits länger geplanten Neubau der Konventgebäude, die schon 1622 als «etwas bawfällig» beschrieben werden. 1694 sind für den Neubau-Baubeschluss genügend Finanzmittel vorhanden. Als planenden Baumeister zieht die Äbtissin den Vorarlberger Franz Beer I bei.[10] Sein Palier ist Johann Jakob Rischer, der 1696 in Frauenalb die Ausführung übernimmt.[11] Das neue Konventgeviert wird südlich der bestehenden Kirche anstelle der Vorgängerbauten gebaut. Mit seinem barocken, klar rechtwinkligen Grundriss folgt es nun nicht mehr dem Terrainverlauf. Vor allem der Bereich des südöstlichen Eckrisalits erfordert deshalb umfangreiche Subkonstruktionen. Gebaut wird aber nur der Ost- und Südflügel. Erst 1704 können die Frauen in die zwei neuen Konventflügel einziehen. Die Gründe der Bauverzögerung sind nicht bekannt, für die fehlende Vollendung des Westflügels könnte der noch bis 1714 andauernde Reichskrieg gegen Frankreich verantwortlich sein. Vielleicht sieht die Äbtissin auch keine Notwendigkeit angesichts des kleinen Konvents. Maria Salome erlebt noch den Friedensschluss, stirbt aber 1715.
Maria Gertrud von Ichtratzheim[12]
Die neue Äbtissin Maria Gertrud von Ichtratzheim ist Elsässerin. Der schwelende Streit mit Baden-Baden erreicht schon mit ihrer Wahl einen ersten Höhepunkt, denn der Konvent wählt sie geheim und ohne Genehmigung der nun in Rastatt regierenden Markgräfin. Diese reagiert mit einer 424 Seiten umfassenden, gedruckten Anklageschrift.[13] Der Streit erreicht erst in der zweiten Jahrhunderthälfte den Höhepunkt. Offenbar bremst er auch die Baulust der Äbtissin nicht. Sie plant schon bald den Bau des dritten Konventflügels und einen Kirchenneubau. Zwar ist vordergründig noch immer Franz Beer I planender Baumeister, aber schon 1715 und 1717 ist mit Pater Christoph Vogt[14] aus Ottobeuren ein qualifizierter Berater und überlegener Planer im Spiel. Vogt besucht in diesen beiden Jahren die Äbtissin Maria Gertrud. Beim zweiten Besuch soll er den berühmten Plan einer Doppelhofanlage mit «eingeschriebener» Kirche im Zentrum überreicht haben. Der Plan für Frauenalb wird auch Johann Michael Beer II zugeschrieben. Mehr dazu im Kapitel «Die Architektur».[15] Pater Christoph Vogt lässt seine Projekte vielfach durch Franz Beer I verwirklichen, so 1696–1704 das Kloster Holzen und noch 1716–1719 die Kirche in Ummendorf. Der Beizug Vogts ist aber nicht auf Beer, sondern auf den damals in Frauenalb als Spiritual amtenden P. Sebastian Textor aus Ottobeuren zurückzuführen, der vorher während 29 Jahren an der Universität von Salzburg wirkt und dort die Entstehung der Kirchenbauwerke von Johann Bernhard Fischer von Erlach mitverfolgen kann.[16]
Die Planung wird nicht verwirklicht, sicher aus Gründen mangelnder Finanzen und auch im sinnvollen Verzicht auf eine gebaute Machtdemonstration. Als dann mittels umfangreicher Verkäufe im Elsass das notwendige Kapital vorhanden ist, sind die Baumeister Vogt und Beer verstorben. 1726 schliessen Äbtissin und Konvent deshalb mit dem Vorarlberger Baumeister Peter Thumb[17] den Bauakkord über 17 000 Gulden für den Neubau der Kirche und des noch fehlenden Konvent-Westflügels. Gründe für die Berufung Thumbs sind seine gleichzeitigen Kirchenbauten Ebersmünster im Elsass (1724–1726) und St. Peter im Schwarzwald (1724–1730), die Referenzen der Äbte dieser Klöster, vielleicht auch sein gleichzeitiger Konventbau in Schwarzach, einer Benediktinerabtei, die ähnlich wie Frauenalb im Dauerkonflikt mit den Markgrafen steht.
Die Vorgängerkirche des 15. Jahrhunderts wird im Frühjahr 1727 abgerissen und im Juni kann der Grundstein gelegt werden. Akkorde mit dem Stuckateur und Altarbauer Donato Riccardo Retti[18] und dem Freskanten Luca Antonio Colomba[19] von 1729 zeigen, dass der Rohbau des neuen Kirchenbauwerks in diesem Jahr vollendet ist. Die Ausbauarbeiten dauern noch bis 1733. In diesem Jahr ist auch der Westflügel des Konvents fertiggestellt.
Noch unter der Bauäbtissin Maria Gertrud folgen weitere Ausstattungen der neuen Kirche. 1741/42 baut der Orgelbauer Bernhard Heinrich Fohmann[20] die Emporenorgel. 1749 schliesst sie mit Vinzenz Moehring den Akkord für einen neuen Hochaltar.[21] Viele weitere Neubauten in der Herrschaft und auch einigen Bauten im Klosterareal tragen das Wappen der Bauäbtissin. Bemerkenswert ist ihr 1738 erstelltes Lusthaus, das noch heute über dem abgestuften Garten am Südhang gegenüber der Kirche thront. Die Gartenanlage und ihr bekrönendes Bauwerk sind wahrscheinlich noch Planungen von Peter Thumb. Mit dem 1752 erfolgten Teilrückzug der rührigen Bauäbtissin endet auch die Frauenalber Bautätigkeit.
Die letzten Äbtissinnen und das Ende der Abtei
Die 1761 gewählte Äbtissin Maria Abundantia von Stotzingen[22] ist schon früh mit dem Übergang der Markgrafschaft Baden-Baden an den protestantischen Markgrafen von Baden-Durlach konfrontiert, der zwar grosse religiöse Toleranz zeigt, als aufgeklärter Herrscher für das Überleben der Klöster aber wenig Verständnis hat. Die Prozessschriften zu den alten, inzwischen aussichtslosen Forderungen Frauenalbs nach Unabhängigkeit von Baden erreichen nun den Höhepunkt. Obwohl mit der Aufhebung des Jesuitenordens schon Anzeichen zur Säkularisation vorhanden sind, geht in Frauenalb alles den gewohnten Gang. 1762 und 1763 stattet die Äbtissin die Kirche mit drei weiteren Altären aus. Sie lässt 1763 in Speyer auch vier neue Glocken giessen.[23] Unter den beiden letzten Äbtissinnen, der seit 1774 regierenden Maria Antonia Barbara von Beroldingen,[24] und der noch während der Revolutionskriege 1793 gewählten Äbtissin Maria Victoria Freifrau von Wrede[25] sind keine Neueinrichtungen mehr bekannt.
Die Vorboten der Säkularisation von Frauenalb zeichnen sich früh ab. 1782–1787 lässt Kaiser Joseph II. die Frauenklöster im Breisgau und am Hochrhein auflösen. Er will sogar das alte freiadelige Damenstift Säckingen in ein weltliches Adelsstift nach dem Vorbild von Prag umwandeln.[26] Der Markgraf von Baden, inzwischen auch Landesherr von Frauenalb,[27] arrangiert sich schon 1796 mit den Franzosen, die ihm für seine wenigen linksrheinischen Besitzungen alle geistlichen Territorien zwischen Konstanz und Bruchsal zusichern. Trotzdem baut die Äbtissin Maria Victoria einen neuen Gasthof[28] und nimmt noch Novizinnen auf. 1802 nimmt der badische Markgraf Zivilbesitz von Kloster und Herrschaft Frauenalb. Gleichzeitig ergreift er Besitz von den Hochstiften Konstanz, den rechtsrheinischen Teilen der Hochstifte Basel, Strassburg und Speyer, den Reichstädten Offenburg, Zell und Gengenbach und der Kurpfalz. Schon 1802 kann er seine linksrheinischen «Verluste» auf über das Zehnfache kompensieren und rundet sie 1806 mit dem Zugewinn der vorderösterreichischen Länder auf.
Gegen die Aufhebung wird in Frauenalb kein Protest erhoben, weder von der Äbtissin, noch von der Bevölkerung. Der Konvent in Frauenalb besteht zu diesem Zeitpunkt noch aus der Äbtissin, fünf Frauen, zwei Laienschwestern, zwei Chorfräulein (Novizinnen), sowie dem zum Konvent zählenden Beichtiger, der gleichzeitig auch Organist ist.
Die Gebäude von Kirche und Konvent nach der Säkularisation
Die Ausstattung der Kirche wird nach der Aufhebung an badische Kirchgemeinden verschenkt. Der grosse Kirchenraum ist schon 1804 ausgeräumt. Heute ist von der barocken Ausstattung nur noch die Orgel in Ettlingenweier auffindbar.
In die leeren Klostergebäude nisten sich, gefördert vom badischen Staat, schnell Unternehmer mit neuen und teilweise abenteuerlichen Ideen ein. Nach zwei Misserfolgen folgt 1806 ein Maschinenfabrikant, der einen ersten Versuch im aufgehobenen Kloster Allerheiligen nach drei Jahren wegen der abgelegenen Lage aufgibt und jetzt das gleiche in Frauenalb beginnt. Er wird 1809 durch den Grossherzog Karl Friedrich von Baden ausgebremst, der Frauenalb seiner zweiten Gemahlin schenkt. Deren Söhne versuchen, ohne Erfolg, Manufakturen anzusiedeln. 1819 wird Frauenalb öffentlich versteigert. Das weitere Schicksal unter den neuen Besitzern ist schlecht dokumentiert. Weil 1836 eine Ansicht von Frauenalb erscheint, die Kirche und Türme ohne Dächer zeigen, geht Obser (1918) von einem ersten Grossfeuer schon vor diesem Termin aus.[29] Eine Zeichnung von 1821 zeigt aber die Kirche schon zu diesem Zeitpunkt ohne Gewölbe und ohne Dach, den Türmen fehlt bereits die Haube und zudem ist der Abbruch der Sakristei und des Winterchors deutlich erfasst.[30] Es scheint, dass die Kirche nicht dem Feuer, sondern schon früh dem Abbruch zum Opfer gefallen ist.[31] Offenbar bricht aber in den 1840er-Jahren ein Brand in den noch stehenden Konventflügeln aus, der einen Neubau des Westflügels zur Folge hat.[32] Nach einem weiteren Grossbrand von 1853 wagt sich niemand mehr an den Wiederaufbau. Die Klosterruinen und die noch unversehrten Gebäude gehen 1870 an einen Freiherrn von Babo, der anschliessend das Abteigebäude bewohnt. Dieses dreigeschossige Gebäude der Äbtissin von Greuth, das nördlich an die Kirchenruine anschliesst, ist noch heute erhalten.
Sicherungen der Klosterruinen im 20. Jahrhundert
Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Ruinen der Natur überlassen. Ab 1958 erfolgen längst überfällige, umfassende Sicherungsmassnahmen, die auch notwendige Teilabbrüche umfassen. Seit den 1990er-Jahren sind die noch verbleibenden Ruinen wieder vorbildlich saniert und auch zugänglich. Die Kirchenfassaden und die Wandpfeiler sind in alter Höhe wieder gesichert. Von den Wandpfeiler-Quertonnen, den flachen Emporen-Tonnen und auch vom Hauptgewölbe fehlt jeder Ansatz. Eindrücklich wirkt die fast völlig erhaltene Doppelturm-Westfront. Ihr fehlen nur die Barockhelme. Die Konventflügel sind bis auf einen Teil des Ostflügels und den Südostrisalit verschwunden. Zur Veranschaulichung sind die Fundamente der Süd- und Westflügel sichtbar gemacht.
Die Gebäude im Wirtschaftshof nach der Säkularisation
Einzelne Gebäude wie das Amtshaus, das Jägerhaus und die Pavillons des Abteigartens werden bis 1808 auf Abbruch versteigert. Sie sind zu diesem Zeitpunkt bereits ihrer wertvolleren Materialen beraubt. Nach den gescheiterten Industrialisierungsversuchen beginnt gegen Ende des 19. Jahrhunderts das touristische Interesse am abgelegenen Frauenalb zu erwachen. Seit 1898 kann der Ort mit der Albtalbahn ab Karlsruhe über Ettlingen erreicht werden. Für die nun ankommenden Gäste wird das Kurhotel Klosterhof direkt unter der Kirchenruine errichtet. Das Gebäudekonglomerat entsteht anstelle des abgebrochenen Amtshauses [4], setzt sich über das Schreinerei- und Küfereigebäudes [5] fort und endet als Märchenschloss anstelle des alten Krankenhauses [6]. Die historisierenden Elemente des Kurhauses verschwinden 1936 beim Umbau zur Gauschule der NSDAP, die dann nach dem Zweiten Weltkrieg wieder unsensibel zu einem Sanatorium und Pflegeheim umgebaut wird. Auch der alte Klostergasthof, der jetzt «Zum König von Preussen» [8] heisst, ist in moderner Zeit mit Integration der Klosterschmiede [9] und durch Anbauten auf das Doppelte verlängert worden. Im tiefer gelegenen Teil des Areals, entlang des von der Alb abgeleiteten Mühlbaches, ist auf alten Postkarten ein zwar gekürztes, aber immer noch stolzes Haus unter einem grossen Walmdach als Gebäude von 1733 [12] erkenntlich. Es ist heute durch Umbauten zerstört. Hässlich verändert ist die alte Mühle [14]. Die einzigen im Kern integral erhaltenen Gebäude sind nebst der Abtei [3] nur das Gärtnerhaus beim Abteigarten [16] und das über dem Abteigarten thronende, weithin sichtbare barocke Gartenlusthaus [20].
2. Der barocke Klosterneubau
Unbekannte Vorgängerbauten
Vom Vorgängerkloster und der im 15. Jahrhundert neu gebauten Kirche ist weder ein Beschrieb noch eine Ansicht vorhanden. Nur das dreigeschossige Gebäude der Abtei, ein Neubau von 1673 anstelle eines bereits an dieser Stelle begonnenen Renaissance-Baus, lässt Rückschlüsse zu. Zum späteren streng rechtwinkligen barocken Geviert des barocken Neubaus wirkt der Abteibau wegen seiner Grundriss-Abwinkelung wie nicht zugehörend. Dies, weil er wie alle Vorgängerbauten dem Terrainverlauf folgt. Die alte Kirche, kürzer und ohne Doppelturmfront, ist als einziges Vorgängerbauwerk an gleicher Stelle und in gleicher, geosteter Richtung auf einem natürlichen Plateau gelegen, das auch durch die südlich angefügten Konventbauten des frühen 16. Jahrhunderts genutzt wird. Ihre Anordnung um einen Hof dürfte dabei wieder dem Geländeverlauf geschuldet sein.
Der Konventneubau 1696–1704
Nach einer Planung von Franz Beer I beginnt Baumeister Johann Jakob Rischer 1696 mit dem Neubau. Erst 1704 können Ost- und Südflügel bezogen werden. Den ebenfalls beabsichtigten Neubau des Westflügels stellt die Äbtissin, aus wirtschaftlichen Überlegungen oder wegen des ausgebrochenen Krieges, zurück. Die Konventflügel, die Franz Beer I plant und die dann später von Peter Thumb vollendet werden, bilden ein Rechteck, dessen nördliche vierte Seite die Kirche bildet. Die Flügel sind um einen rechteckigen Innenhof von 13 (S) auf 15 (W, O) Fensterachsen angeordnet. Zwei Eckrisalite von drei auf fünf Achsen betonen die Südfassade, die 19 Fensterachsen aufweist. Der Ostflügel hat in dieser Bauphase nur 18 Fensterachsen, erst mit dem Kirchenneubau wird er als Winterchor und Sakristei auf 26 Achsen verlängert und damit das Rechteck geschlossen. Beer baut die beiden Flügel dreigeschossig über ein hohes, befenstertes Untergeschoss. Dieses ist im abfallenden Gelände im Ostflügel völlig, im Südflügel zur Hälfte freigestellt. Nur der später von Peter Thumb gebaute Westflügel ist nicht unterkellert. Alle Flügel erhalten Satteldächer, die dann über den Eckrisaliten als Zeltdächer gestaltet sind.
Das Projekt für Frauenalb in Ottobeuren
1715 ist der Klosterbaumeister von Ottobeuren, P. Christoph Vogt das erste Mal in Frauenalb und bespricht das weitere Bauvorhaben mit der soeben neu gewählten Äbtissin Maria Gertrud von Ichtratzheim. Der versierte Klosterbaumeister übernimmt die beiden ausgeführten Flügel als Grundlage einer weiterführenden Alternativplanung. Ob das heute in Ottobeuren liegende Projekt wirklich schon 1717 von Vogt vorgestellt wird, wie dies heute vermutet wird, oder ob es vielleicht doch erst ein Beitrag des jungen Johann Michael Beer II von Bleichten ist, ändert nichts an seiner qualitativen Überlegenheit gegenüber der nachfolgenden Ausführung durch Peter Thumb.[33] Der Verfasser schlägt vor, nicht nur den schon gebauten Ostflügel talabwärts auf 45 Achsen zu verlängern, sondern auch dem noch nicht gebauten Westflügel diese Länge zu geben. Die neue Kirche legt er mit zentralisierender Rotunde in die Hofanlagen der beiden Längsarme. Die beiden dreigeschossigen Flügel schliessen die Kirche ein und bilden einen neuen, talabwärts nach Norden geöffneten Hof.[34] Dieser Hof wird zum eigentlichen Ehrenhof vor der Kirche, deren beide Türme zentral vor die Ausbuchtung der Rotunde gesetzt sind und damit dem Ankommenden schon von weitem das Kloster signalisieren. Der Zugang zu Kirchhof und Kloster erfolgt durch einen in die freie Nordseite gesetzten Torpavillon über eine lange Freitreppe. Die beiden neuen Flügel des Nordhofes hätten westlich die Abtei, und östlich das Amtshaus mit Schreinerei und Küferei ersetzt. Der Planverfasser verlängert den Südflügel um drei Achsen und rückt den Westflügel entsprechend gegen den Berg. Dies nicht nur, um einen quadratischen Südhof zu erreichen, sondern vor allem, um die Kirche nicht kürzen zu müssen. Damit hat das zwischengeschaltete Kirchenbauwerk trotzdem die erforderliche Länge. Die Kirche ist als Wandpfeiler-Emporenhalle mit je zwei Jochen beidseits der Rotunde und einem in den Ostflügel eingreifenden Altarjoch geplant. Man kann in diesem Projekt den Einfluss der Salzburger Bauwerke von Johann Bernhard Fischer erkennen, vielleicht auch denjenigen der 1715–1722 in Frauenalb wirkenden Beichtigers.[35] Die späteren Entwürfe für die Stiftskirche St. Gallen von Johann Michael Beer II, Johann Caspar Bagnato und Peter Thumb sind mit diesem Projekt der Klosterkirche Frauenalb eng verwandt.
Kirchenneubau und Südhof-Vollendung 1726–1731
Rationelle Tektonik
Äbtissin Maria Gertrud erteilt 1726 den Auftrag für den Neubau der Kirche und für die Vollendung des Klostergevierts an Peter Thumb. Das verworfene Projekt der Kirche mit der zentralen Rotunde zwischen den verlängerten Flügeln dürfte ihm bekannt sein, denn viele seiner späteren Projekte sind Weiterentwicklungen des Zentralbaugedankens. Grundlage des Auftrages ist allerdings ein stark vereinfachter neuer Riss, der sich im Umfang eng an das Projekt von Franz Beer I anlehnt. Offensichtlich gedenken die Frauen, die im Ottobeurer Plan vorgesehene Zweihofanlage später doch zu bauen, denn die Nordansätze zur Fortsetzung sind noch heute zu sehen. Thumb spannt aber die neue Kirche konventionell mit einer Zweiturmfront in die beabsichtigte spätere Mitte ein. Den Westflügel schliesst er, wie noch von Franz Beer I geplant, an die leicht vorspringende Turmfront an. Die Kirche von Thumb ist ein einfacher, kubisch geschlossener Körper, der dank dem nach Norden verlängerten Ostflügel jetzt in ein klares Gebäude-Rechteck eingespannt ist. Die fünfjochige Wandpfeiler-Emporenhalle mit kurzem Turmvorjoch und durchgehender Mitteltonne hat weder Querhaus noch Choreinzug. Das östlichste Joch ist lediglich durch ein stärker einspringendes Pfeilerpaar als Altarraum ausgezeichnet. Turmjoch und erstes Joch sind auf die volle Breite als «Nonnen»-Empore ausgebildet und mit den Seitenemporen verbunden. Sie setzen sich in gleicher Höhe über das Altarjoch fort und verbinden mit dem zentral hinter dem Altarjoch angebrachten Winterchor im verlängerten Ostflügel. Dieser, und auch die darunterliegende Sakristei hinter dem Hochaltar fallen schon vor 1821 einem Abbruch zum Opfer.
Die rationelle Tektonik der Kirche und das geschlossene Quadrat des Gesamtbaukörpers erinnern stark an das Priorat Hofen (Friedrichshafen), ein Werk des Vaters von Peter Thumb.[36]
Eine Zweiturmfront am falschen Ort
Thumb baut die Zweiturm-Westfront in die schon von Franz Beer I vorgegebene Flucht. Sie ist eine Wiederholung der soeben vollendeten Fassade von St. Peter im Schwarzwald und der schon 1719 errichteten Fassade von Ebersmünster. Vielleicht schreiben die Stiftfrauen die Lösung von St. Peter sogar vor, denn auch Thumb muss die gewaltigen Vorteile des verworfenen Ottobeurer Projektes erkannt haben. «Alles, was St. Peter über den Durchschnitt heraushebt – seine Lage, die freie Wirkung der Doppelturmfront, die auf Fernwirkung konzipierte Masse –, kann sich in Frauenalb nicht entwickeln. Die Fassade kann in dieser Situation keine Wirkung erzielen, da sie gegen einen Steilhang gerichtet ist. Thumb – oder seine Auftraggeberinnen, erweisen sich nicht als wandlungsfähig genug, um aus der örtlichen Situation eine eigenständige Lösung zu erarbeiten» schreibt der Thumb-Biograf Hans Martin Gubler.
Die Substruktionen der Kirche
Noch heute lassen die Gewölbe unter der Kirche staunen. Sie sind im westlichen Emporenbereich als Gruft für die Frauen und im Langhaus als Gewölbekeller gebaut, der ursprünglich als ein fünf Meter hoher Keller mit Längstonne eine niveaugleiche Verbindung mit dem Kellerraum des Ostflügels bildet, aber nach 1836 zum Zweck der Bierlagerung in zwei Geschosse unterteilt wird. Offenbar stört die Unternehmer der längst dem Wetter ausgesetzte Kirchenraum darüber nicht.
Die verschwundenen Stuckaturen, Malereien und Ausstattungen der Kirche
Wenige Jahre nach der Säkularisation sind die Stuckaturen und Deckenfresken durch Gewölbeabbrüche und Wetter zerstört. Weder ein Programm noch ein Beschrieb sind erhalten. Auch die Grösse der Freskenfelder bleibt unbekannt. Eine Idee zur Qualität des verlorenen Raumschmuckes erhält man in der Stiftkirche Schöntal an der Jagst oder im Schloss Ettlingen, in Schöntal mit den Chorgewölbefresken von Colomba,[37] in Ettlingen durch die gleichzeitig mit Frauenalb stuckierten, phantasievollen Régence-Interpretationen von Retti.[38]
Von den Altären und der Kanzel fehlt nach 1802 ebenfalls jede Notiz. Vermutlich sind sie an Ort zerstört worden. Vom Chorgestühl, das nach 1803 der neuen katholischen Gemeinde in Karlsruhe geschenkt wird, ist ebenfalls nicht mehr bekannt.
Nur die Frauenalber Orgel von 1741 ist in Ettlingenweier noch erhalten. Sie besteht aus der fünfteiligen und dreitürmigen Hauptorgel mit Mittenbetonung und aus einem Brüstungspositiv, das den Hauptprospekt im verkleinerten Massstab nochmals aufnimmt. Die Orgeln sind durch reiche Schnitzereien ausgezeichnet. Vor allem die vergoldeten Seitenbärte der Aussentürme beider Prospekte prägen den Eindruck. Das 1977 vom Orgelbauer Martin Vier restaurierte Werk (II/P/17) ist wahrscheinlich in der Disposition nicht mehr original, kommt aber der Orgel von 1741 sicher sehr nahe.
Pius Bieri 2021

Literatur

Gmelin, Moritz: Urkunden, Regesten und Nachweisungen zu Geschichte des Klosters Frauenalb, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 23 (1871) bis 27 (1875).
|Obser, Karl: Beiträge zur Baugeschichte des Klosters Frauenalb, insbesondere im Zeitalter des Barock, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, NF Band XXXIII. Heidelberg 1918.|
|Lacroix, Emil: Die Kunstdenkmäler Badens, Amt Ettlingen. Karlsruhe 1936.|
|Gubler Hans Martin: Der Vorarlberger Barockbaumeister Peter Thumb. Sigmaringen 1972.|
|Werner Oechslin (Hrsg.): Die Vorarlberger Barockbaumeister, Ausstellungskatalog Einsiedeln 1973.|
|Geiges, Franziska: Das Benediktinerinnenkloster Frauenalb von den Anfängen bis zur Reformation. Diss. Heidelberg 1980.|
|Renner, Martin: «Ohnehin nur noch wenige grossentheils bejahrte adeliche Dames vorhanden». Die Säkularisation des adeligen Damenstifts Frauenalb durch Baden 1802–1803, in: Alte Klöster - Neue Herren, Ausstellungskatalog 2.1, Sigmaringen 2003.|
|Dischinger, Gabriele: Ottobeuren, Bau- und Ausstattungsgeschichte der Klosteranlage 1672–1802. Sankt Ottilien 2011.|
In diesem Aufsatz nicht berücksichtigt, weil weder im Buch- oder Antiquitätenhandel und auch nicht in Bibliotheken der Schweiz aufzutreiben:
Geiges, Franziska: Das Benediktinerinnenkloster Frauenalb vom Dreissigjährigen Krieg bis zu seiner Auflösung, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 147 (1999), Seite 423–437.
|Web

Frauenalb, Streifzug durch 800 Jahre Geschichte. Eine Ausstellung im Landratsamt Karlsruhe. Karlsruhe 2008. PDF
|Michaela Weitzenberg: Adeliges Damen-Stift Frauenalb|
|Frauenalb in Wikipedia|
|Bildindex der Kunst und Architektur ( Bildarchiv Marburg) «Frauenalb» als Suchbegriff eingeben.|
|Für die Biografien der Äbtissinnen 1635–1793 gehe zum Anhang|
|Freiadeliges Damenstift oder Adels-Frauenkloster? Ein Exkurs.|
Anmerkungen
[1] 1727 wird der Grundstein zur neuen Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria, des hl. Johannes Baptist und des Apostels Petrus gelegt.
[2] Philipp Christoph von Sötern (1567–1652), Fürstbischof von Speyer 1610–1652, Kurfürst und Erzbischof von Trier (1623–1652), Reichskammerrichter. Er baut Udenheim als Festung Philippsburg gegen Kurpfalz, Württemberg und Baden aus. Seine Neutralitätspolitik und Anlehnung an Frankreich im Dreissigjährigen Krieg führt 1635-1645 zu seiner Inhaftierung durch die katholische Liga.
[3] Das Benediktinerpriorat Urspring bei Schelckingen brennt 1622, sodass die Besiedlung aus diesem Kloster verständlicher wird. Von 1127 bis 1802 ist Urspring immer ein Priorat der Abtei St. Georgen (Villingen), kein freiadeliges Damenstift, sondern ein Benediktinerinnenkloster, das auch nach dem Dreissigjährigen Krieg in der Regel nur Adelstöchter aufnimmt. Die Fortsetzung dieser Usanz in Frauenalb auf Anordnung eines Fürstbischofs ist für das 17. Jahrhundert ungewöhnlich. Politische Überlegungen des Nachbarfürsten in Speyer und auch ein Druck aus Adelskreisen zur standesgemässen Versorgung der adeligen Töchter können die Gründe sein. Mehr dazu siehe im Exkurs Freiadeliges Damenstift oder Adels-Frauenkloster?
[4] Johanna von Mandach (um 1590–1643), Äbtissin in Frauenalb 1635–1643. Mehr zu Johanna von Mandach siehe im Anhang «Äbtissinnen 1635–1793»
[5] Markgraf Wilhelm von Baden-Baden setzt, völlig unbeeindruckt vom kaiserlichen Schutzbrief, seine Herrschaftsansprüche fort. Die Auseinandersetzung von Frauenalb mit dem Haus Baden-Baden um die Reichsunmittelbarkeit prägt vor allem das 18. Jahrhundert und endet erst 1782 mit der Niederlage des Klosters vor dem Reichskammergericht. Unzählige Rechtgutachten beider Parteien drehen sich damals um heute unverständliche Ansprüche der Markgrafen, wie die Bereitstellung der Klosteruntertanen für die markgräflichen Treibjagden in der Klosterherrschaft. Den Ausgang des Streits nimmt La Fontaine in der Einleitung zur Fabel «Der Wolf und das Lamm» vorweg: «Des Stärkren Recht ist stets das beste Recht gewesen – ihr sollts in dieser Fabel lesen»
[6] Maria Margaretha von Greuth (1618–1689), Äbtissin 1643–1689. Mehr zu Maria Margaretha von Greuth siehe im Anhang «Äbtissinnen 1635–1793»
[7] 1689 sind es erst acht Stiftfrauen, während im 16. Jahrhundert die Zahl noch doppelt so hoch ist. Unter Maria Salome von Breitenlandenberg wird (auch dank des Klosterneubaus) die Zahl von 15 adeligen Frauen wieder erreicht. Diese Zahl sagt aber wenig über den Gesamtkonvent aus, denn dazu gehören auch bis acht Laienschwestern und die Novizinnen, sowie die adeligen Pensionärinnen mit den Klosterdienern.
[8] Marie Salome von Breitenlandenberg (1667–1715), Äbtissin in Frauenalb 1689–1715. Mehr zu Marie Salome von Breitenlandenberg siehe im Anhang «Äbtissinnen 1635–1793».
[9] Im Pfälzischen Erbfolgekrieg überfällt der französische Sonnenkönig Louis XIV 1688 die Ortenau, die beiden Baden, die Kurpfalz und das Breisgau mit Ausnahme des bereits 1677 eroberten Freiburgs. Zwischen 1689 und 1693 lässt er systematisch Dörfer und Städte niederbrennen. So brennen 1689 die nahe bei Frauenalb liegenden Städte Baden-Baden, Rastatt und Ettlingen. Auch die Bischofsstadt Speyer wird wie alle Städte der Kurpfalz niedergebrannt. Mit dem Kriegsbefehl «Bruléz le Palatinat!» geht Louis XIV als Mordbrenner in die Geschichte ein.
Weil das Elsass mit Strassburg schon seit 1681 in französischer Hand ist und kriegsverschont bleibt, geht deshalb die Äbtissin von Greuth 1688 nach Niederentzen im Elsass.
[10] Franz Beer I (1659–1722) aus Bezau ist zu dieser Zeit am Wiederaufbau der 1689 zerstörten Reichsabtei Gengenbach tätig. Zu Franz Beer I siehe die Biografie in dieser Webseite.
[11] Johann Jakob Rischer (1662–1755), Vorarlberger Baumeister in Baden und der Kurpfalz. Zu Johann Jakob Rischer siehe die Biografie in dieser Webseite.
[12] Maria Gertrud von Ichtratzheim (um 1690–1761), Äbtissin in Frauenalb 1715–1761. Mehr zu Maria Gertrud von Ichtratzheim siehe im Anhang «Äbtissinnen 1635–1793»
[13] Liest man die 1722 im Druck erscheinende, 424 Seiten umfassende Anklageschrift der regierenden Markgräfin Franziska Sibylla Augusta gegen die Äbtissin Maria Gertrud, kann auch eine persönliche Animosität der Markgräfin gegen ihre Widersacherin herausgelesen werden. Schon einleitend wird hinterfragt, ob die Äbtissin, die sich mehr zu Franzosen als zu Deutschen hingezogen fühle, nicht von einem fremden Staat unterstützt werde oder ob ihr Verhalten dem angeborenen Stolz, dem Trotz und der Verachtung deutscher Fürsten und Herren zu verdanken sei.
[14] P. Christoph Vogt OSB (1648–1725) aus Dietenheim an der Iller, Klosterarchitekt in Ottobeuren 1679–1723. Seine Projekte verwirklicht er vielfach mit Vorarlberger Baumeistern. Sein grösstes Unterfangen ist der Neubau der Benediktinerabtei Ottobeuren 1711–1725. Mehr zu P. Christoph Vogt siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[15] Der Autor der Biografie von Peter Thumb, Hans-Martin Gubler, schreibt 1972 das Projekt Johann Michael Beer II (1700–1767) zu, der dieses nach seiner Rückkehr 1726 aus Italien «aus einer Laune» und ohne Bauabsichten zeichnet. Auch sieht er keine Übereinstimmung mit dem Bau von Franz Beer I und Peter Thumb. Tatsächlich würde man das Projekt lieber dem jungen Johann Michael Beer II, dem Sohn von Franz Beer II, zuordnen. Die Übereinstimmung mit den bestehenden Bauten in Frauenalb ist aber derart evident, dass der Planverfasser längere Zeit an Ort verbracht haben muss. Es kann sich um keine Fingerübung eines nicht beauftragten Baumeisters handeln. Als Projekt von Peter Thumb wird es aber auch von Hans Martin Gubler nicht gesehen, obwohl Thumb ja den jungen Beer gelegentlich einspannt. Auch wenn das nicht verwirklichte Projekt weit in den Spätbarock weist und tatsächlich an Beer-Entwürfe der 1730er-Jahre mahnt, folge ich hier der Korrektur von Gabriele Dischinger (1973 und 2011). Sie beschreibt den Plan im Klosterarchiv von Ottobeuren als Nachzeichnung eines Projektes von P. Christoph Vogt durch seinen Neffen Franz Joseph Vogt um 1717. Dies klingt auch deshalb plausibel, weil in Ottobeuren nur Pläne liegen, die mit der Abtei und ihrer Herrschaft in Verbindung gebracht werden können. Der Zuweisung an P. Christoph Vogt folgen schon Friedrich Naab und Heinz Jürgen Sauermost in «Vorarlberger Barockbaumeister» (Einsiedeln 1973).
[16] P. Sebastian Textor (1648–1722) aus Mindelheim, Profess in Ottobeuren 1674, 1690–1709 Professor und Prokanzler an der Universität Salzburg, auch Rat und Beichtvater des Fürsterzbischofs Johann Ernst von Thun. Er ist mit den neuen Salzburger Kirchenbauwerken des Hofbaumeisters Fischer von Erlach, insbesondere der Kollegienkirche bestens vertraut. Er ist 1715–1722 Spiritual in Frauenalb. Ihm ist mit Sicherheit der Beizug von P. Christoph Vogt als Planer (1715 und 1717) zu verdanken.
[17] Peter Thumb (1681–1766) aus Bezau im Bregenzerwald. Der Baumeister ist Schwiegersohn von Franz Beer II und auch dessen Schüler. Mit dem Baumeister der vorangegangenen Konventbauten in Frauenalb, Franz Beer I ist er nicht verwandt. Eine Zusammenarbeit von Thumb mit Franz Beer I ist nicht bekannt. Hingegen arbeitet Thumb gelegentlich mit dem Sohn von Franz Beer II, Johann Michael Beer II zusammen. Zu Peter Thumb, Franz Beer II (von Bleichten) und Johann Michael Beer II (von Bleichten) siehe die Biografien und Werklisten in dieser Webseite.
[18] Donato Riccardo Retti (1687–1741) aus Laino Valle Intelvi. Er arbeitet vorher in der Residenz Ludwigsburg, 1728 auch in Schwarzach. Retti ist hervorragender Stuckateur der Régence. Nach Frauenalb arbeitet er im Schloss Ettlingen, dann in der Residenz Mannheim.
[19] Luca Antonio Colomba (1674–1737) aus Arogno im Tessin. Er arbeitet seit 1711 in der Residenz Ludwigsburg, hier 1718 mit Donato Riccardo Retti in der Favorite. Retti und Colomba arbeiten 1730–1731 auch im Ettlinger Schloss der Markgräfin Franziska Sibylla Augusta. Mehr zu Luca Antonio Colomba siehe in der Biografie in dieser Webseite.
[20] Bernhard Heinrich Fohmann, Orgelbauer in Pforzheim und Durlach, wird als Erbauer der heute in Ettlingenweier stehenden Orgel vermutet.
[21] Vinzenz Moehring (1718–1777), Bildhauer in Speyer, 1748 Stiefvater von Franz Conrad Linck (1730–1793).
[22] Maria Abundantia von Stotzingen (1693–1776), Äbtissin 1761–1774. Mehr zu Maria Abundantia von Stotzingen siehe im Anhang «Äbtissinnen 1635–1793»
[23] Die von Johann Paulus Strobel 1763 in Speyer gegossenen Glocken enthalten die Namen der Äbtissin und 11 Frauen. Sie kommen 1806 in die «Kleine Kirche» von Karlsruhe, wo sie 1917 beschlagnahmt und eingeschmolzen werden.
[24] Maria Antonia Barbara von Beroldingen (1737–1793), Äbtissin 1773–1793. Mehr zu Maria Antonia Barbara von Beroldingen siehe im Anhang «Äbtissinnen 1635–1793».
[25] Maria Victoria Freifrau von Wrede (1747–1821), Äbtissin 1793–1802. Mehr zu Maria Victoria Freifrau von Wrede siehe im Anhang «Äbtissinnen 1635–1793»
[26] Kaiser Joseph II. löst 1782–1787 eine erste Säkularisationswelle aus, indem er bis 1786 in Österreich 738 Klöster aufhebt. Sein spezielles Misstrauen gilt vor allem den Frauenklöstern. In Vorderösterreich trifft die Auflösung alle Franziskanerinnen-Klöster. Der Plan des Kaisers, das Fürststift Säckingen als rein weltliches Pfründen-Stift mit Zugang ausschliesslich für österreichischen Adel umzuwandeln, wird erst 1785 dank der nach Wien gereisten Fürstäbtissin nicht umgesetzt.
[27] Die beiden Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durchlach sind seit 1771 vereint. Herrscher der neuen Markgrafschaft Baden ist Markgraf Karl Friedrich, der als Gefolgsmann Napoleons 1803 Kurfürst und 1806, nach der Einverleibung der vorderösterreichischen Länder, auch Grossherzog von Baden wird.
[28] Das Klostergasthaus wird von Freifrau von Wrede gebaut und trägt heute den Namen «Zum König von Preussen».
[29] Der Stich aus Süden in Heunisch «Das Grossherzogtum Baden» (1836 und 1837) zeigt nur einen einzigen Gebäudeteil (Ostflügel) gedeckt, ist aber für Detailaussagen zu ungenau.
[30] Die sehr präzise Bleistiftzeichnung von Karl Joseph Berckmüller zeigt das Kloster von Norden. Veröffentlichung in «Frauenalb, Streifzug durch 800 Jahre Geschichte» durch das Landratsamt Karlsruhe. Falls das Datum der Zeichnung (1821) zutrifft, ist von einem Teilabbruch vor diesem Datum auszugehen. Die Zeichnung ist einziges aussagekräftiges Dokument zur Gestalt von Frauenalb nach der Säkularisation. Obwohl in staatlichem Besitz (Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau in Karlsruhe), ist sie online nicht einsehbar.
[31] Abgebrochen sind die fünf Fensterachsen der Sakristei und des Winterchors im Ostflügel, die in der Verlängerung der Kirche den Abschluss bilden. Wahrscheinlicher als ein Brand ist deshalb der Teilabbruch der Kirche zwischen 1803 und 1819. Die 1820 erfolgte Auflösung der Gruft und die Verlegung der Gräber nach Marxzell sprechen für Abbruchabsichten nach dem Besitzerwechsel 1819. Der Abbruch der Dachdeckungen muss spätestens zu diesem Zeitpunkt erfolgt sein. Biberschwanzziegel und Kupfer sind begehrte Materialen. Jeder Spekulant verkauft sie als Erstes. Offenbar finden die leichter transportierbaren Backsteine des Gewölbes Abnehmer, nicht aber die Hau- und Bruchsteine der Mauern. In Frauenalb benutzt eine Bierbrauerei noch nach 1836 die Gewölbe unter dem Kirchenraum als Lager und baut sie sogar aus, dies bei längst nicht mehr gedecktem Kirchenraum. Die Zeichnung von 1821 zeigt, dass die Brände von 1844 und 1853 für die Kirche keine Bedeutung mehr haben.
[32] Der neue Westflügel steht weit gegen den Berg vorgerückt an neuer Stelle und wird bei den Ruinenrestaurierungen des 20. Jahrhunderts abgebrochen.
[33] Zur Zuschreibung dieses Planes an Johann Michael Beer II von Bleichten siehe die Anmerkung 14.
[34] Bei dieser Art der Kirche in der Mittelachse von zwei Höfen (siehe dazu auch die Ausführungen zum Escorial in dieser Webseite) bleibt die Kirchenfront bisher zentrales Hauptelement (Vorau, Einsiedeln, Wiblingen). Die projektierte Hoffassade von Frauenalb ist angesichts des Steilhangs gegenüber der Westfassade die richtige Antwort auf die Lage im engen Tal.
[35] Zu P. Sebastian Textor siehe die Anmerkung 16.
[36] Die Kirche des Benediktiner-Priorats Hofen (heute Schloss Friedrichshafen) wird von Christian Thumb 1695–1702 gebaut und stellt damals eine sehr fortschrittliche Lösung dar. Gehe zu Hofen (Friedrichshafen) in dieser Webseite.
[37] Die Kuppel- und Chorgewölbefresken in der Zisterzienser-Abteikirche Schöntal erstellt Luca Antonio Colomba 1724–1727. Gehe zum Bild der Deckenfresken in Schöntal an der Jagst.
[38] Erhaltene Deckenstuckaturen von Riccardo Donato Retti (1729/30) im Treppenhaus und in einigen Räumen des ersten Obergeschosses im Schloss Ettlingen.
|Ort, Land (heute)||Herrschaft (18. Jh.)|
|Frauenalb Baden-Württemberg||Herrschaft Frauenalb und Markgrafschaft Baden|
|Bistum (18. Jh.)||Baubeginn|
|Speyer||1696|
|Bauherr und Bauträger|
|Äbtissin OSB Maria Margaretha von Greuth

(reg. 1643–1689)
|Äbtissin OSB Marie Salome von Breitenlandenberg

(reg. 1689–1715
|Äbtissin OSB Maria Gertrud von Ichtratzheim

(reg. 1715–1761)
Adeliges Frauenkloster mit Benediktinerregel
Das Benediktinerinnenkloster Frauenalb nimmt nie Novizinnen bürgerlicher Herkunft auf. Der Nachweis von mindestens vier adeligen Ahnen väterlicher und mütterlicher Seite ist bei der Aufnahme zu erbringen. In der Regel ist dies reichsritterlicher Adel. Landsässiger Adel wird im 18. Jahrhundert in Ausnahmefällen akzeptiert. Sehr wenige Ordensklöster kennen eine solche Standesexklusivität noch im 17. Jahrhundert. Die Neugründung Frauenalbs als reines Adelskloster, mehrere Jahrzehnte nach den Ordensreformen am Konzil von Trient, ist nebst fürstbischöflichen Machtmanöver auch mit dem Druck aus Adelskreisen zur frühzeitigen Versorgung ihrer vielen Töchter zu erklären.[1] Dass diese nicht mit bürgerlichen Töchtern zusammenleben sollen, kann nur mit Standesdünkel bezeichnet werden, denn in den normalen gemischten Frauenklöstern haben Adelige kaum nachteilige Erfahrungen zu gewärtigen. Dies zeigen die vielen adeligen Äbtissinnen des 17. und 18. Jahrhunderts der «normalen» Benediktinerinnenklöster. Im Gegensatz zu Frauenalb sind deren Konvente nicht nur immer grösser, sie sind zur Zeit der Aufklärung auch selten vom Aussterben bedroht. Der barocke Konvent von Frauenalb zählt nie mehr als 16 Frauen, 1787 sogar nur sieben und diese zudem in der Mehrzahl krank. Der Bischof von Speyer verweigert der Äbtissin aber noch zu diesem Zeitpunkt die Aufnahme bürgerlicher Novizinnen.
Das Leben im adeligen Konvent
Das Leben im Benediktinerinnen-Adelskonvent von Frauenalb ist, im Gegensatz zu einigen freiadeligen Damenstiften, bisher nicht erforscht. Die schon 1634 erfolgte Berufung einer Benediktinerin aus dem Kloster Seedorf[2] und die Anwesenheit von hochqualifizierten Benediktinerpatres als Beichtiger Anfang des 18. Jahrhunderts deutet auf die Befolgung der Ordensregel noch zu diesem Zeitpunkt hin.[3] Es scheint aber, dass Frauenalb im Gegensatz zu jedem anderen Frauenkloster des Benediktinerordens nur dem Fürstbischof von Speyer unterstellt ist. Anzunehmen ist deshalb, dass einige der in adeligen Damenstiften beobachteten Gewohnheiten auch für Frauenalb zutreffen. So ist die standesgemässe Erziehung der Adelstöchter vor dem Eintritt meist der Privatunterricht. Eine umfassende Ausbildung wie bei den Fürstentöchtern der Damenstifte des Hochadels darf in den wenig vermögenden Häusern des Ritteradels aber nicht vermutet werden, die Ausbildung der städtischen Patriziertöchter in den Pensionaten der Ursulinen ist wahrscheinlich umfassender.[4] Für die Aufnahme wird dann in Frauenalb keine weitere Bildung, hingegen aber vermutlich die Eignung für den Chorgesang verlangt. Eine nachträgliche interne Schulung geht nicht über das Notwendige für den Klosteralltag (Gottesdienst, Gesang, Stickereien) hinaus. Eine Einhaltung der tridentinischen Klausurvorschriften, die selbst in Benediktinerinnenkonventen bürgerlicher Zusammensetzung immer umstritten sind, kann in Frauenalb ausgeschlossen werden. Eine Mitwirkung aller Frauen an wichtigen Entscheiden ist Usanz. Nebst der Gestaltung des Gottesdienstes sind sie aber, mit Ausnahme der internen Ämtern, von weiteren Aufgaben entlastet. Insbesondere die Verwaltung der Herrschaft ist Sache des mit der Äbtissin zusammenarbeitenden Amtmanns, der mit umfangreichen Kompetenzen und weiterem Personal diese Aufgabe bewältigt. Zum Konvent zählt auch der Beichtiger, der die Messe liest und als Organist tätig ist. Auch die Laienschwester, deren Zahl zwischen sechs (1751) und zwei (1802) schwankt, sind Konventualinnen. Sie sind unentbehrliche Haushaltshilfen der adeligen Frauen.
Freiadeliges Damenstift oder Adels-Frauenkloster?
Frauenalb wird manchmal auch als freiadeliges Damenstift bezeichnet. Selbst in den Streitschriften des 18. Jahrhunderts um die Reichsunmittelbarkeit wird dieser Begriff manchmal provokativ angewendet, und auch prompt bestritten.
Ein freiadeliges Damenstift ist ein ausschliesslich adeligen Töchtern vorbehaltenes Kanonissen- oder Chorfrauenstift ohne Ordenszugehörigkeit. In der Regel untersteht nur die Äbtissin dem Zölibat. Die Stiftsdamen treffen sich zum Gottesdienst, leben aber nicht gemeinsam. Die meisten freiadeligen Frauenstifte bleiben nach der Reformation reichsunmittelbar und werden teilweise auch in protestantische Stifte umgewandelt. Die Vorsteherinnen sind wie in Buchau und Lindau Fürstäbtissinnen. Ein Benediktinerinnenkloster kann deshalb, selbst mit einem reinen Adelskonvent, kein freiweltliches oder freiadeliges Stift sein. Hingegen sind Umwandlungen von Ordensklöstern in freiweltliche Adelsstifte im 18. Jahrhundert üblich, vor allem um sie in neue Abhängigkeit zum Landesfürsten zu bringen. So wandelt Kaiser Joseph II. viele Ordensklöster in weltliche Damenstifte des österreichischen Adels um. Für Frauenalb ist aber keine solche Loslösung von der Benedikts-Regel und damit vom klösterlichen Leben bekannt.
Selbst die Bezeichnung von Frauenalb als «Adeliges Damen Stift» ist für ein adeliges Ordenskloster irreführend. Aber offensichtlich übt der Adel wieder eine derartige Faszination auf Historikerinnen aus, dass die Bezeichnung «Benediktinerinnenkloster» der Historiker des 19. Jahrhunderts für Frauenalb schon fast vergessen ist.
Pius Bieri 2021
[1] Adelige katholische Familien versuchen in der Regel, die meisten ihrer Söhne, sofern sie nicht die Offizierslaufbahn ergreifen, in Dom- oder Stiftskapiteln unterzubringen. Eine Mehrfachbesetzung ist dabei die Regel. Das Vorgehen gilt auch für diejenigen Töchter, die wegen der geringen Ausstattungsmöglichkeiten der meist überschuldeten adeligen Eltern kaum Aussicht auf eine standesgemässe Heirat haben. Diese «Versorgung» der adeligen Töchter bedeutet aber nicht die Gleichsetzung eines Frauenklosters mit einer Versorgungsanstalt. Das Kloster oder das Damenstift kann einer intelligenten Tochter bedeutende Möglichkeiten für die Selbstverwirklichung bieten, meistens mehr als in einer Ehe.
[2] Johanna Cäcilia Zumbach OSB, 1624–1634 (bürgerliche) Äbtissin in der Benediktinerinnenabtei Seedorf in Uri. Sie wird von der Äbtissin Maria Margaretha von Greuth 1657 zusammen mit Frau Maria Katharina Bachmann OSB nach Frauenalb berufen, «um das dortige Frauenkloster wieder in geordnete Verhältnisse zu bringen». Zumbach stirbt hier 1670 als Priorin. Offenbar wird damals die Verbundenheit mit dem Orden noch dem strengen Adelsprinzip vorgezogen.
[3] Beichtiger in Frauenalb ist 1715 bis 1722 der Ottobeurer Benediktiner P. Sebastian Textor, 1690–1709 Professor und Prokanzler an der Universität Salzburg, auch Rat und Beichtvater des Fürsterzbischofs Johann Ernst von Thun.
Der nachfolgende Beichtiger Johann Baptist Meier (1683–1732) ist ebenfalls bayerischer Benediktiner, vorher Professor in Freising.
[4] Im hauseigenen Unterricht durch Gouvernanten werden den Töchtern Deutsch und Französisch in Wort und Schrift, Religion, Zeichnen, Musik und Handarbeit beigebracht. Von Mathematik, Naturwissenschaften, Geografie und Geschichte hält man die Mädchen im Hausunterricht fern. Die Ursulinen erweitern schon im 17. Jahrhundert den Lehrplan in Anlehnung an die ersten Gymnasiumsklassen der Jesuiten auch mit diesen Fächern.
|Johanna (Anna) Maria von Mandach (um 1590–1643). Sie leistet 1616 Profess in Urspring, ist 1631 nach Frauenalb entsandte Administratorin und dort 1635–1643 Äbtissin. Ihre Eltern sind Christoph von Mandach und Euphrosyna von Thalheim. Der Vater ist Obervogt in Ettlingen. Die Familie aus dem Zürcher Unterland ist seit dem 17. Jahrhundert in Süddeutschland vertreten. 1637 tritt eine Maria Elisabetha von Mandach ins Kloster ein, die 1743 als Priorin amtet, offensichtlich ist sie eine jüngere Verwandte.

Mehr zur den Edlen von Mandach siehe im HLS
Wappen: Geteilt von Weiss und Rot, mit aus der Teilung wachsendem schwarzen Mohr (Zürcher Wappenrolle 1345).
| Wappen der Edlen

von Madach 1345 in der
Zürcher Wappenrolle.
|Maria Margaretha von Greuth (1618–1689). Sie leistet 1637 Profess in Frauenalb und ist dort 1643–1689 Äbtissin. Geboren in Jestetten als Tochter des Hugo Dietrich von Greuth und der Maria Apollonia von Altendorff, gehört sie einer ursprünglich in Schaffhausen ansässigen Familie an, die 1584 von der Abtei Rheinau ein Ritterlehen erhält und hier das Schloss Jestetten erwirbt. Ihre Tante Maria Agnes ist 1621-1658 Fürstäbtissin in Säckingen und führt das Stift durch den Dreissigjährigen Krieg. Eine Schwester ist bis 1664 Äbtissin des freiadeligen Damenstifts Schänis, ein Bruder ist Kapitular in Marbach. Eine Cousine ist Äbtissin in Günterstal. Die Frauenalber Äbtissin Maria Margaretha flüchtet 1688 bei Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekriegs nach Niederentzen im Elsass, wo sie 1689 stirbt. Ihr Epitaph befindet sich in der dortigen Kirche St. Agatha.

Die Genealogie der Familie von Greuth (Greith, Grüt, Grüth) von Zürich und Schaffhausen ist noch nicht aufgearbeitet. Bekannte Vorfahren der Gegenreformationszeit sind Christoph von Grüt, Abt 1549–1564 in Muri, und seine Schwester Sophia von Grüt, Äbtissin von Tänikon. Das Geburtsjahr von Maria Magdalena von Greuth könnte auch 1621 sein, weil sie bei der Wahl 1743 als erst 22-jährig beschrieben wird.
Wappen: In Gold ein entwurzelter, golden beflammter schwarzer Brand (Baumstumpf).
|Wappen Grüth (Greuth).

Ausschnitt aus einer
Bildscheibe (1564|65)
der Äbtissin Sophia von
Grüt (Greuth) der Zisterzienserinnenabtei Tänikon.
|Maria Salome von Breitenlandenberg (1657–1715), Äbtissin in Frauenalb 1689–1715. Geboren in Soultzmatt (Elsass) auf Schloss Wagenburg als Tochter von Franz Adolph von Breitenlandenberg und der Maria Beatrix von Schönau. Eine Maria Salome v. B. in den Konventlisten 1715/1751 ist vielleicht ihre Nichte Maria Ursula[1] Eine Maria Kunegundis v. B. ist 1715 auf der Konventliste, vielleicht die Cousine Catharina Elisabeth?[2] Die Adelsfamilie aus dem Zürcher Oberland mit Stammburg ob Turbental spielt im 17. Jahrhundert in Südwestdeutschland eine wichtige Rolle, die Soulzmatter Linie der Äbtissin vor allem für das Hochstift Basel und für die Abtei Murbach. Zur Familie siehe das HLS .

Wappen: In Rot drei silberne Ringe (unverändertes Stammwappen seit dem Mittelalter)
|Wappen des Wildhans von

Breitenlandenberg im Schloss Greifensee.
Foto: Roland Fischer.
|Maria Gertrud von Ichtratzheim (um 1690–1761), Äbtissin in Frauenalb 1715–1761. Ihr wird wegen Kränklichkeit 1751 die Nachfolgerin Maria Abundantia von Stotzingen zur Seite gestellt. Über die wichtigste Bauherrin Frauenalbs, deren Wappen an vielen Neubauten der Herrschaft prangt, ist praktisch nichts Persönliches bekannt. Sie ist Tochter des elsässischen Mathematikers und Topographen Franz Rupert II. (François Robert) von Ichtersheim, wie die elsässische Familie auch genannt wird. Geadelt ist die Familie erst seit drei Generationen. Der italienische Oberst in österreichischen Diensten, Ascanio Albertini (1564–1639), erhält 1620 das Adelsdiplom als Reichsfreiherr von Ichtersheim und Pannerherr von Hochfelden, entsprechend seinen elsässischen Familiensitzen. Die Familie ist daher auch unter dem Namen Albertini von Ichtersheim bekannt.

Wappen: Geviert, Feld 1 und 4 in Gold am Spalt angelehnt ein halber Adler. Feld 2 in Blau ein linker silberner Schrägbalken, belegt mit einem goldenen Kometen, oben und unten mit gelbem Stern beseitet. Feld 3 in Blau auf goldenem Dreiberg drei goldene Kornähren an zweiblättrigem Halm. Der Wappenschild der Äbtissin ist in der Regel mit zwei Helmen bekrönt, die Helmzier rechts als ganzer Adler und links mit den Kornähren aus Feld 3.
|Wappen der Äbtissin Maria Gertrud von Ichtrazheim

am Pfarrhaus Ersingen.
Foto: Moleskine 2020 in
Wikipedia
|Maria Abundantia von Stotzingen (1693–1776), Taufname Maria Josepha. Profess in Frauenalb 1710, Äbtissin 1761–1774. Als Priorin ist sie seit 1752 Koadjutorin der Äbtissin Maria Gertrud. Sie resigniert 1774 im Alter von 81 Jahren zu Gunsten ihrer Nachfolgerin. Sie ist Tochter des Freiherrn Christoph Sigmund Wilhelm von Stotzingen und der Maria Johanna Hund von Lauterbach. Die Freiherren von Stotzingen sind ein altes schwäbisches Adelsgeschlecht aus dem gleichnamigen Schloss und Städtchen bei Ulm.

Wappen: Das Stammwappen zeigt Blau einen silbernen Becher mit drei goldenen Reifen und goldenem Henkel. Seit 1631 ist es geviert und zeigt in Feld 1 und 4 das Stammwappen, in Feld 2 und 3 in Rot drei silberne Balken.
|Wappen Strotzingen in

Siebmacher 1605.
|Maria Antonia Barbara von Beroldingen (1737–1793), 1755 Profess in Frauenalb, dort Äbtissin 1774–1793.[3] Sie ist Tochter des Joseph Eusebius Anton von Beroldingen und der Maria Anna von Roll zu Bernau. Sie wird auf Burg Waldegg in Straubenzell bei St. Gallen geboren, wo ihr Vater 1731–1743 Landhofmeister der Fürstabtei St. Gallen ist. Ihre Taufpaten sind der Fürstabt von Marbach und die Äbtissin von Schänis. Sie hat sechs Schwestern und sechs Brüder, fünf der Brüder sind Kapitulare an Domstiften (Speyer, Hildesheim, Konstanz) oder Deutschordensritter. Die im Reichsfreiherrenstand stehende Familie stammt aus der thurgauischen Linie eines bekannten innerschweizerischen Geschlechts.

Mehr zu deren von Beroldingen im HLS
Wappen: Das Wappen der Familie von Beroldingen ist seit der Verleihung des Adelsdiploms (1521) quadriert: «1 und 4 in Gold ein blauer Reichsapfel mit schwarzem Ring und Kreuz und von zwei goldenen Sternen belegt. 2 und 3 in Gold aufrechtgehender schwarzer Löwe mit aufgeschlagenem Schwanz und heraushängender Zunge, um die Brust eine blaue Binde tragend. Als Helmzier ein halber schwarzer Löwe mit ausgeschlagener Zunge, zwei goldene Pranken und blauer Binde um Brust».
|Wappen Beroldingen nach

1521, aus Historisches Neujahrsblattt Uri 1927.
|Maria Victoria Freifrau von Wrede (1747–1821), 1772 Profess in Frauenalb, dort 1793–1802 Äbtissin. Geboren in Giessen bei Wetzlar als Tochter einer protestantischen, niederrheinischen Adelsfamilie. Sie konvertiert später zum Katholizismus. Nach der Aufhebung 1802 geht sie vorerst nach Rastatt, dann nach Neckarhausen.

Wappen: Das in Rot und Gelb gespaltene Stammwappen zeigt einen Kranz mit fünf (1:2:2) Rosen verwechselter Farbe. Auf dem Helm mit rot-gelben Decken der Kranz des Wappens zwischen einem offenen, rechts goldenen und links roten Flug.
|Wappen Wrede in GHdA Band 137, 2005 Adelslexikon|
Pius Bieri 2021
[1] In der Genealogie Kindler von Knobloch wird sie als Konventualin von Frauenalb und Tochter ihres zwei Jahre jüngeren Bruders erwähnt. Nimmt sie anlässlich ihrer Profess den Namen ihrer Tante an? Sie müsste dann erst 1715 eingetreten sein.
[2] In der Genealogie Kindler von Knobloch wird Catharina Elisabeth als Konventualin von Frauenalb und als 1697 (?) geborene Tochter des Johann Heinrich v. B. zu Ilzach (Elsass) erwähnt. Den Namen Kunigundis nimmt sie bei der Profess an.
[3] Andere Daten auf dem Grabstein in Marxzell: Geburt 20. März. 1727, Äbtissin Juli 1772, Tod 1792