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Meine Biographie
Zur Welt kam ich im Jahr 1959 in Mainz am Rhein. Meine Mutter, Gitarrenlehrerin am Konservatorium in Wiesbaden, brachte mir als Kind das Spiel der klassischen Gitarre nahe. Von meinem Vater, einem Uhrmacher, stammt meine Begeisterung für technische Geräte, die sich in meinem Tonstudio zeigt.
Meine erste Tätigkeit als Gitarrenlehrer startete 1976 an der Musikschule von Carl Witzel in Wiesbaden-Biebrich. Vormittags ging ich zur Schule, am Nachmittag war ich selbst Lehrer. Nachdem ich an drei weiteren Musikschulen gearbeitet hatte, stellte ich fest, dass ich lieber in privater Atmosphäre zuhause unterrichte.
Zwei weitere Gitarrenlehrer, Peter Preußler und Axel Wieshalla, führten mich weiter und 1979 fand ihr Lehren seine Belohnung in meinem 2. Platz auf Landesebene bei "Jugend musiziert". Bei meinem Musikstudium am Konservatorium Kassel führten mich Joël Betton und Wolfgang Lendle 1985 zur bestandenen Staatlichen Musiklehrerprüfung (SMP) in Gitarre und Musikalischer Grundausbildung für Kinder.
Musik: Blaue Diamanten [Christoph Pampuch] gespielt von Christoph Pampuch, als Solo und Duo enthalten in „Blaue Diamanten” » hm10]
Das anschließende Studium der Philosophie und Erziehungswissenschaft (1995 Magisterexamen M.A.) in Kassel ermunterte mich zur Einbeziehung musisch–philosophischer Themenkreise in die Vermittlung des Harfenspiels an meine Schülerinnen und Schüler. Ich begann zu ahnen, dass das Erlernen eines Instrumentes nicht allein das Training von Fingerfertigkeiten, sondern eher ein Erkenntnisprozess oder eine Geisteshaltung ist — und die Musik aus bereits vollständigen, aber noch unerkannten Tiefen des eigenen Inneren heraus über Finger, Saiten, Holz und Luft im mitwirkenden Ohr der Hörenden entsteht. Überraschend ist hierbei, dass die Spielenden ihre Musik vollkommen anders wahrnehmen als die Hörenden.
Mein eigenes Harfenspiel begann 1980 als Autodidakt, inspiriert vor allem durch die mich spontan packende Musik Alan Stivells und Turlough O'Carolans. Meine Lehrer waren damals Schallplatten, die ich wieder und wieder hörte, bis die Musik in meinen Fingern spürbar wurde. Dazu kamen später zwei Jahre Unterricht auf der Konzertharfe bei Karoline Klute, Harfenistin des Staatstheaters Kassel.
Ab 1997 widmete ich meine ganze Energie der Chromatischen Harfe in Ganztonanordnung (kurz 6/6). Der Klangwerkstatt Markt Wald verdanke ich die Verwirklichung meines Traumes einer mechanisch unkomplizierten und gleichzeitig chromatisch vollständigen Harfe. Ich transkribierte aus vielen Musikstilen für das neue Instrument und erforschte die ungewohnte Spieltechnik, die meine bisherige Fingersatzkultur erweiterte und mich zu einem anderen Harfenverständnis führte. Bald wurde klar, dass das Prinzip der symmetrisch ganztönigen Chromatischen Harfe bereits vor über 150 Jahren von Henri Pape in Frankreich erdacht wurde, aber damals kaum Beachtung fand. Gleichzeitig und unabhängig von mir tauchte dieser Harfentyp (6/6) auch in Nordamerika und Australien auf.
Das weite, offene Feld der unbegrenzten Harmonik faszinierte und erschreckte mich zugleich. Durch die Zwölftönigkeit spürte ich eine Härte im Harfenklang, die sich meiner Suche nach innerem musikalischem Frieden entgegenzustellen schien. Sind zwölf Töne pro Oktave tatsächlich besser als nur sieben? Und wie wäre es dann mit den zweiundzwanzig Tönen der klassischen indischen Musik? Wieviele Töne brauche ich wirklich...
Durch meine Lehrtätigkeit auf vielen Harfenfestivals hatte sich eine Menge handgeschriebener Notenblätter angesammelt. Sie zu ordnen und anderen Harfenbegeisterten zugänglich zu machen war im Jahr 2000 meine Motivation zur Gründung des Verlages harpa mundi. Bisher sind insgesamt 54 Harfennotenbücher erschienen, davon 45 für die Diatonische und 9 für die Chromatische Harfe.
Ebenfalls im Jahr 2000 fanden die ersten Harfenferien auf den Kanarischen Inseln statt. Mein lange gehegter Traum wurde Wirklichkeit: Leben und musikalisches Arbeiten am südlichen Meer. Neun Jahre lang gab es einmal im Jahr Harfenferienauf den Kanaren, in Portugal und Spanien, prall mit Meer und Harfenklängen.
„Ich bin auf der Reise zu dem Klang
der die Insel des unendlichen Jetzt
inmitten des steten Flusses der Veränderung
mit Harfensaiten malt”
2005 öffnete sich mir auf der Basis der Forschungen von Ann Heymann ein neuer Weg zum Erkunden der alten irischen Harfenmusik und der historischen irischen Spielweise der Bronzesaitenharfe. Viele Tonfolgen, die mit der klavierorientierten – also die Hände in Begleitung und Melodie aufteilenden – klassischen Spielweise kompliziert zu greifen waren, wurden nun lustvoll tänzerisch spielbar. In mir reifte der Gedanke, eine Spieltechnik zu finden, in der sich die körperorientierte Spielweise der oft blinden irischen Harfner mit den Möglichkeiten der modernen Harmonik und Satztechnik zu einer zeitgemäßen Einheit verbindet.
Mit dem Spiel auf den Bronzesaiten erschloss sich mir eine neue Welt — und gleichzeitig eine Herausforderung: die obertonreichen, lange nachklingenden Bronzesaiten wollten nicht nur gespielt, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt wieder abgedämpft werden, um einen sauberen Zusammenklang zu ermöglichen. Der irische Harfenist Turlough O'Carolan und meine wunderbare, von Rüdiger Oppermann gebaute, Brian-Boru-Harfe führten mich in das geheimnisvolle musikalische Reich der irischen Feen. Im Lauf der Zeit wurde die faszinierende Spielweise der alten Harfner Irlands ein bedeutender Baustein meines Komponierens und Arrangierens auch für die moderne, mit Nylonsaiten bespannte, Keltische Harfe.
2009 verlegte sich mein Lebensmittelpunkt in die Schweiz. Im Harfenduo mit Isabelle Himmelrich entstanden Konzertprogramme, in denen sich die die Klangbilder der fast tausendjährigen irischen Bronzesaitenharfe und der modernen Doppelpedalharfe auf spannende Weise ergänzten. Als unsere Töchter zur Welt kamen, stand für einige Jahre das Familienleben im Vordergrund.
Die vielfältige Schönheit der schweizer Berge und Seen lockt mich im Jahr 2022 auf eine große Reise und ich werde zum Wanderer mit Harfe, fast so wie der irische Harfner Turlough O'Carolan, der vor dreihundert Jahren mit seiner Harfe durch Irland reiste und dabei auf dem Rücken seines Pferdes komponierte. Angesichts der heutigen Verkehrsdichte gehe ich jedoch lieber zu Fuß und trage die Harfe tapfer auf meinem eigenen Rücken. Meinen Verlag harpa mundi habe ich nach zwanzig Jahren Isabelle übergeben, um nun vor allem Harfe zu spielen — und im Hineinlauschen in das Leben neue Melodien für die Harfe zu entdecken.