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Allgemeines
Insgesamt ist Spaniens Küste 3 144 km lang. Gleichzeitig hat Spanien jedoch europaweit die zweitgrösste Fläche an Bergland. Da gibt es die Pyrenäen an der Grenze zu Frankreich, das kantabrische Gebirge, das kastilische Scheidegebirge und das Andalusische Gebirge. Der höchste Berg ist der Teide (3 718 m) auf der kanarischen Insel Teneriffa und in der Sierra Nevada soll es europaweit den höchsten mit dem Fahrrad anfahrbaren Punkt geben (Mulhacn). Spaniens Nachbarn sind im Westen Portugal, im Norden Frankreich und Andorra, und Gibraltar als britische Enklave liegt im Süden der Iberischen Halbinsel. Es führen grosse europäische Fahrradwege durch Spanien wie die EuroVelo 1 (Atlantikküsten-Route), 3 (Pilgerroute) und 8 (Mittelmeerroute). Zu Spanien gehören auch etliche Inseln, auf denen es sich wunderbar fahrradfahren lässt (siehe z.B. meine Tour im 2012 auf Mallorca). Galicien, Europas Westzipfel am Atlantik bildet im Süden die Grenze zu Portugal und liegt im Nordwesten Spaniens. Die Küste wird geprägt von den tief ins Landesinnere einschneidenden, fjordähnlichen Meeresbuchten, den "Rias".
Klima
Das Klima in Spanien ist sehr unterschiedlich. Während Alicante im Süden zu den trockensten Gebieten Westeuropas gehört, schickt der Atlantik immer wieder Regenschauer über die Region Galicien. Während meiner Fahrradtour in Galicien im Herbst erlebte ich 4 trockene und meist sonnige Tage sowie 4 wechselhafte mit gelegentlichen kurzen Regengüssen aber auch Sonnenstrahlen. Die Temperaturen fühlten sich durch den Wind teilweise recht kühl an, am Morgen startete ich einmal bei 9 Grad, im Verlaufe des Tages wurde es 18 - 23 Grad warm. Der Wind spielte während meiner Tour glücklicherweise tagsüber keine wesentliche Rolle, einmal stürmte es nachts mit Winden bis 90 km/h.
Sprache:
Spanisch und in den grösseren Touristengebieten auch etwas Englisch oder mit etwas Glück sogar Deutsch. Es kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass immer eine Fremdsprache gesprochen wird, dies waren zumindest meine Erfahrungen in Galicien.
Radfahren in Galicien
Oestlich der Nord-Südachse A Coruna - Santiago de Compostela - Pontevedra hat es viele Strassenpässe welche dafür sorgen, dass täglich ausreichend Höhenmeter bewältigt werden dürfen. Aber selbst ohne auch nur einen offiziellen Strassenpass befahren zu haben, musste ich trotzdem sehr oft zwischen 900 und 1300 Höhenmeter bewältigen, die Anstiege sind jedoch oft nicht sehr lange und nicht besonders steil. Das Verkehrsaufkommen ist recht unterschiedlich, ich empfand die Ueberholmannöver jedoch sehr vorsichtig und angenehm. Der Wind spielte entgegen meinen Befürchtungen keine dominante Rolle, da hatte ich wohl Glück. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in regelmässigen Abständen und auch Restaurants gibt es sogar in den meisten kleineren Orten. Meine schönste Etappe erlebte ich entlang der Rias Baixas von Noia nach Fisterra. Auch wenn offizielle bzw. autofreie Fahrradwege weitgehend fehlen, fühlte ich mich auf den Strassen Galiciens jederzeit gut aufgehoben.
Uebernachtungsmöglichkeiten
Während es entlang der Atlantikküste in Galicien sehr viele Campingplätze gibt, sind diese im Inland eher spärlich vorhanden. Trotzdem sollte es bei Tagesetappen um 80 - 100 km möglich sein den nächsten Campingplatz zu erreichen. Da ich nur 1 Woche in Galicien unterwegs war habe ich mich dazu entschieden Zelt, Mätteli & Schlafsack zu Hause zu lassen und stattdessen in Hostels und B&B etc zu übernachten. Mein Glück, denn wie ich erlebt habe sind ausserhalb der Hauptsaison die Campinpglätze meistens geschlossen! Es gibt auch spezielle Pilger-Herbergen, es braucht dazu jedoch einen Pilgerausweis.
Galicien aus meiner Sicht
Die Hauptstadt Galiciens ist das bekannte Wallfahrtsort Santiago de Compostela mit der imposanten Jakobuskathedrale, welches nebst Rom und Jerusalem als eines der grossen christlichen Pilgerzielen gilt. Ich empfand dies als wirklich sehr eindrücklich, auf dem riesigen Platz all die Menschen zu sehen (Wanderer / Pilger / Fahrradfahrer / Touristen) welche oft nach einer langen Reise ihr Ziel ereicht haben. Ueberhaupt trifft man Pilger mit ihren Wanderstöcken immer mal wieder auf den Strassen oder den Städten an, vor allem aber auch beim Cap Fisterra oder in Melide. Dadurch trifft man relativ einfach auf Menschen aus der ganzen Welt. Besonders schön empfand ich auch die eindrücklichen Altstädte mit ihren alten Kirchen und grossen Plätzen, den engen Gassen und einladenden Cafés, wo sich oft auch das Leben der Einheimsichen abspielt. Unterwegs im grünen, hügeligen Inland Galiciens fehlen zwar die absoluten landschaftlichen Highlights, aber dafür fährt man stets durch grüne, bewaltete Hügellandschaften und kleine Dörfer mit alten Steinhäusern und typisch für ganz Galicien sind die vielen Getreidespeicher (Horreos), die zum Schutz vor Nagern und Feuchtigkeit auf Steinstelzen stehen, heute aber oft anders genützt werden. Die Routen entlang der Küste bieten eine schöne Abwechslung und auf den teilweise grossen Stränden lässt es sich wunderbar Pause machen oder den Tag in einem Café mit Blick auf die Wellen oder bei einem Spaziergang im Sand den Tag ausklingen lassen. Galicien bietet also nicht nur auf dem Fahrradsattel, sondern gerade auch zwischen den Etappen Möglichkeiten, die spanische / galicische Kultur kennen zu lernen.
Anforderungen
Regen & Winde gehören genauso zu Galicien wie die vielen Höhenmeter welche man "gerne" bewältigen muss.
Persönliche Bewertung
Auch wenn das Landschaftsbild in Galicien nicht so spektakulär ist, bieten die Hügel im Landesinnern sowie einige Küstenabschnitte sehr schöne Fahrraderlebnisse.
Vorwort:
Nach der Tour auf der wunderschönen Fahrrad-Insel Mallorca im Jahr 2012 komme ich nun endlich dazu, auch noch das Festland Spaniens auf dem Fahrradsattel kennen zu lernen. In Anbetracht meiner zeitlichen Ressourcen von 1 Woche sowie einem nötigen Flug ab der Schweiz habe ich mich für die Region Galicien entschieden. Notabene wird diese Region als attraktives Fahrradgebiet gelobt. Zur ungefähren Planung orientierte ich mich an den "landschaftlich schönen Strassen" und dann stellt man relativ rasch fest, dass die Region Galicien sehr viele Strassenpässe hat. Diese sind zwar nicht immens hoch (300 m.ü.M. - 1100 m.ü.M.), doch egal ob die Routen entlang des Atlantiks führen oder durch das grüne Inland mit den diversen Strassenpässen, es werden wohl täglich viele Höhenmeter zu bewältigen sein und da Galicien als sehr feuchte Region bekannt ist, wird wohl auch das Wetter Ende September viel zu meinem Wohlbefinden beitragen. Ich bin sehr gespannt und freue mich, dass es nun los geht.
Montag, 27.09.2021
Das Flugzeug befindet sich nur noch wenige Hundert Meter in der Luft und eindrücklich zeigt sich mir die bekannte grüne Landschaft Galiciens aus der Vogelperspektive; Wälder, Felder, Hügellandschafen alles in saftigem Grün. Um 15.30 Uhr verlasse ich das Flugzeug bei Sonnenschein, leichtem Wind und Temperaturen um 20 Grad. Nachdem ich mein Fahrrad aus dem Karton wieder fahrradtauglich gemacht habe, mein Covid-19 Einreiseformular gezeigt & mir die Temperatur gemessen wurde, fahre ich die 13 km bis zum reservierten Hotel mitten in der Altstadt von Santiago de Compostela. Als erstes fallen mir einzelne Menschen mit Rucksack, Wanderschuhen und Wanderstock auf, die sich entlang der Strasse wie ich Richtung Stadtzentrum begeben. Eigentlich ein untypisches Bild für eine Stadt dieser Grösse mit aktuell gegen 96 000 Einwohnern. Natürlich aber gilt dies nicht für die hügelige Pilger- und Universitätsstadt Santiago de Compostela. Dies zeigt sich mir später auch eindrücklich auf den schönen, grossen Plätzen rund um die berühmte Kathdrale. Besonders auf dem "Praza do Obradoiro" direkt vor der Kathedrale treffe ich auf viele Menschen, jung und alt, Wanderer (Pilger), Fahrradfahrer welche teils besinnlich, teils euphorisch jauchzend, bäuchlings und auf dem Rücken liegend, kniend oder sitzend und es herrscht eine ganz besondere Stimmung hier. Ich bin fasziniert von diesen Bildern und besuche dann natürlich auch die imposante Kathedrale mit ihren goldigen Figuren und dem wunderbaren Baustil. Bis die Sonne untergeht schlendere ich durch die wunderbare Altstadt mit ihren engen Gassen, den Läden und Restaurants und später mache ich noch einen Spaziergang zum grünen Park Alameda. Es herrscht eine friedliche Stimmung am heutigen Montag Abend. Nun freue ich mich auf die morgige Fahrt ins Landesinnere.
Dienstag, 28.09.2021
Als ich morgens gegen 08.00 Uhr aufwache, bin ich zunächst irritiert, dass es immer noch finster ist. Aber ja, die Sonne geht hier aktuell erst gegen 08.30 Uhr auf und so passt es sehr gut, dass ich nach dem Frühstück erst gegen 09.00 Uhr starten werde. Es ist leicht neblig und mit 11 Grad noch recht kühl. Ich fahre südwärts Richtung A Estrada bzw. Forcarei. Der Nebel nimmt noch etwas zu, so dass ich mein Fahrradlicht montiere. Ein erster Fotostopp gibts bei der alten Steinbrücke "Ponte Abea", über welchen ich schliesslich den Fluss "Ulla" überquere. Die Route ist von Beginn an wiederkehrend hügelig, trotz Nebel bis ca. 10.30 Uhr erkenne ich einzelne Kühe & Schafe sowie Kakteen. Kurz vor der Stadt A Estrada höre ich dann plötzlich ein neues, verdächtiges Geräusch am Fahrrad. Erst nach mehrfachem Suchen der Ursache erkenne ich, dass bei meinem Hinterrad die Felge auf einer Länge von ca. 6 cm herausdrückt und dadurch am Bremsbelag reibt. Ich bin zunächst mal sehr froh, dass ich mich gerade in einem grösseren Ort befinde und so habe ich auch das Glück, dass sich ein Fahrradmechaniker spontan Zeit nimmt, mir ein neues Hinterrad zu montieren, wodurch ich bereits 1 Stunde später gegen 12.00 Uhr meine Tour fortsetzen kann. Wow bin ich dankbar hat dies alles so gut geklappt! Ich fahre nun Richtung Forcarei vobei an schönen Steinhäusern aber auch eher baufälligen Gebäuden und regelmässig fahre ich an für Galicien typischen Getreidespeichern auf Stelzen vorbei. Ein Anstieg dauert nun doch erstmals länger und so bin ich gespannt, ob dies entgegen meiner Planung doch auf einen Strassenpass führt. So habe ich aber ausreichend Zeit und mittlerweile sehr gute Weitsicht, die eindrückliche Hügellandschaften Galiciens zu bestaunen. Bei mittlerweile 19 Grad und teilweise eher kühlen Winden erreiche ich Forcarei und fahre schliesslich auf der Strasse 541 tendenziell leicht abwärts Richtung Pontevedra nahe des Atlantiks. In der Ortschaft Cerdedo fahre ich noch an einer alten Steinkirche vorbei und treffe in einem Restaurant beim Mittagessen erstmals auf eine Mitarbeiterin die etwas Deutsch spricht, so dass mir das Bestellen eines Sandwiches deutlich leichter fällt. Dann erreiche ich gegen 16.15 Uhr die Pontevedra, wo der Fluss "Lerez" bald in den Atlantik mündet und über den in der Stadt diverse Brücken führen. Mich erwartet bereits eine ältere Dame an Gehstöcken, welche bereits vor dem Haus auf mich wartet und mich mit meinem Fahrrad via kleinem Lift in den 5.Stock des Wohnblockes führt. Mein Fahrrad darf ich netterweise in ihrer Wohnung stehen lassen. Ich erhole mich zunächst in meinem Zimmer von den doch über 1200 Höhenmetern heute und möchte dann doch noch etwas die Stadt erkunden. Ich schlendere zunächst entlang des schönen Flusses, beobachte eine Gruppe Kinder beim Kanufahren und begebe mich schliesslich in die sehr schöne Altstadt mit ihren grossen, autofreien Plätzen und engen Gassen. Viele Einheimische jung und alt und natürlich auch Touristen lassen hier bei Sonnenschein den Tag ausklingen. Kinder spielen Fussball auf den Plätzen, fahren mit ihren Skateboards oder Fahrrädern umher, es wird in Büchern gelesen und angeregte Gespräche geführt. Auch ich lasse den Abend ausklingen und auch wenn die Route heute im Landesinnern nicht die grossen Highlights bot, so führte sie doch immer inmitten touristenfreier galicischer Hügellandschaften und immer wieder durch kleine Dörfer mit alten Gebäuden & Kirchen.
Mittwoch, 29.09.2021
Ich bin sehr gespannt, was mich heute entlang der Rias Baixas, also der tief ins Land reichende Meeresbuchten, erwarten wird. Ich habe diese Route nordwärts nämlich ausgewählt, weil diese angeblich sehr schön sein soll. Ich orientiere mich also zunächst der Strasse 308 westwärts und nehme erfreut zur Kenntnis, dass es hier erstmals keine nennenswerten Steigungen zu bewältigen gibt. Bis zur Ortschaft Sanxenxo gibt die Route aber abgesehen von einzelnen kurzen Meeresblicken leider nicht besonders sehenswertes her. Erst gegen Ende der Halbinsel deuten erste Campingplätze darauf hin, dass es hier im Sommer touristisch zu und her gehen könnte und ein Grund ist wohl der riesige Strand von Lanzada, einer der bekanntesten in Galicien. In dieser Umgebung geniesse ich das deutlich geringere Verkehrsaufkommen, oft habe ich direkten Blick auf andere Strände und den Atlantik. Es geht dann weiter auf der Strasse 550 nordwärts, doch der zunehmende Verkehr und zu grossen Distanzen zum Meer (-Blick) veranlassen mich, auf kleinere Nebenstrassen (EP 9301) Richtung Atlantik auszuweichen und so fahre ich zufällig durch ein ausgeschildertes Weingebiet. Die Strassen hier sind sehr eng, führen durch kleine Dörfer, die Trauben hängen teilweise links und rechts der Strasse und zusammen mit alten Häusern & den Kakteen gibt das ein wunderbares Fahrraderlebnis. Gegen Mittag erreiche ich Cambados, wo gerade ein Wochenmarkt stattfindet. So nütze ich die lebhafte Gelegenheit mit Blick auf das Meer etwas zu Essen. Ich fahre mit leichtem Gegenwind weiter nordwärts (Strasse 549), die Route durch viele Ortschaften bleibt aufgrund des eher hohen Verkehrsaufkommens eher etwas enttäuschend. Gleich zweimal Glück hatte in einer vielbefahrenen Ortschaft ein Hund, welcher sich seinern Besitzerin loslöste und mitten auf die Strasse rannte, denn ich wie auch ein Autofahrer konnten durch abruptes Bremsen einen "Hot Dog" verhindern. Nach Catoira überquere ich den Fluss "Ulla" und fahre wieder westwärts auf die nächste Halbinsel (Strasse 8001). Es folgt eine schöne, sehr ruhige aber auch hügelige Route bis nach Rianxo. Langsam merke ich, dass mein Energietank abnimmt. Auch wenn mir nicht ganz klar ist weshalb, merke ich mit Blick auf die Uhr, dass relativ viel Zeit vergangen ist und natürlich gerade durch die spontanen Abstecher auch wieder einige zusätzliche Höhenmeter bewältigt wurden. Für die Ueberquerung der Halbinsel bis nach Noia stehen mir jetzt aber nochmals 350 Höhenmeter bevor. Mitten im Anstieg mache ich dann den "Fehler" mittels Google Maps die einfachste (d.h. kürzeste mit den wenigsten Höhenmetern) Route herauszufinden und wechsle deshalb auf eine weitere Nebenstrasse, die wie sich herausstellt, zunächst zwar spannend, dann aber plötzlich nicht mehr asphaltiert bzw. mit Gepäck teilweise nicht mehr fahrbar ist. Ich befinde mich plötzlich auf Waldwegen, immer wieder hat es Abzweigungen und plötzlich habe ich keinen Internetempfang mehr... Zum grossen Glück hatte ich auf die Route auf Google Maps jedoch bereits eingegeben, so dass ich mich trotz fehlender Internetverbindung etwas orientieren kann. Schliesslich gelingt mir die Traverse zwischen den beiden asphaltierten Strassen und so erreiche ich nach 100 km und gegen 900 Höhenmetern gegen 17.00 Uhr erschöpft mein heutiges Tagesziel. Am Abend geniesse ich Sonnenschein und Temperaturen um 23 Grad und schaue mir wie mittlerweile Routine spazierend die nahe Umgebung an.
Donnerstag, 30.09.2021
Gemäss Wetterprognosen gibts zum heutigen Monatsende nochmals richtig tolles, fast wolkenfreies Fahrradwetter. Als ich mich gegen 09.00 Uhr auf den Fahrradsattel schwinge, friert es mich jedoch fast etwas. Die Temperaturanzeige bei der Apotheke zeigt bloss 9 Grad. Ich freue mich auf eine weitere, hoffentlich schöne(re) Etappe entlang der Rias Baixas. Ich folge der Küstenroute 550 westwärs und freue mich, dass die Route von Beginn an ziemlich verkehrsarm, grösstenteils flach und wunderschön entlang der Küste mit kleinen Stränden verläuft. Entlang der Strecke entdecke ich wieder eine vielzahl von Getreidespeichern, diese befinden sich z.B. an den Strassen, an den Küsten, in den Gärten und in einem kleinen Dorf hatte es sicher ein Dutzend solcher Bauten direkt nebeneinander. Es folgt die grössere Hafenstadt Muros und gleich danach folge ich einer schmalen Stichstrasse wunderbar nah am Meer zum Leuchtturm von Lougo. Leider wurde dieser Leuchtturm rundum versprayt, doch die 2,1 km lange Strasse hierher sowie die Aussicht mit erstmals richtigem Weitblick ins Meer hinaus hat sich gelohnt. Mit leichtem Gegenwind gehts nun wieder nordwärts, vorbei an ein paar grösseren, menschenleeren Stränden und bereits jetzt erkennt man im Nordwesten das Cap Fisterra bzw. die Ortschaft Fisterra, wo ich heute übernachten werde. Doch zunächst mache ich in Ezaro noch eine kleine Mittagspause. Ich geniesse es, im Schein der Sonnenstrahlen auf einem grossen Stein im Sandstrand zu sitzen und aufs Meer hinauszuschauen und es ist hier an der Zeit, meine Fussspuren im Atlantik zu hinterlassen. Auf den letzten 20 km wird es dann etwas hügeliger und wie erwartet treffe ich am Wegrand einige Pilger an, die ebenfalls auf dem Weg zum Cap Fisterra sind. Der Legende nach soll nämlich der Apostel Jakobus als Toter hier nach Galicien gekommen sein und ein weiterer Reiz ist, dass "Finis terrae" lange als das Ende der Welt galt. Um 15.30 Uhr erreiche ich nach 85 wunderbaren Kilometern die Ortschaft Fisterra, fahre dann aber gleich weiter 3,5 km bzw. 100 Höhenmeter hoch zum Kap. Ich staune dabei, wie viele Pilger ebenfalls am Strassenrand hochlaufen, ein einmaliges Bild zu Zeiten des motorisierten Verkehrs. Auf dem Kap gibts einem Souvenirladen, Kreuze, eine Pilgerstatue und auch eine Café sowie natürlich einen Leuchtturm. Ich lasse mein Fahrrad oben stehen und laufe zu Fuss zum Leuchtturm und zu den Felsen. Die Aus- und Fernsicht ist wunderschön und es sitzen Pilger, jung und alt auf den Felsen, alleine oder in Gruppen, die Stimmung ist ruhig und fast etwas andächtig. Ich möchte auch noch etwas länger an diesem schönen Ort bleiben, hole mir einen Kaffee und sitze auf die Mauer der Restaurantterrasse, damit ich hinaus auf das Meer schauen kann. Dann sause ich wieder die Strasse hinab nach Fisterra und begebe mich zu meinem reservierten B&B. Am Abend geniesse ich noch einen Spaziergang entlang des langen Sandstrandes im Wissen, dass das Wetter ab morgen ändern wird. Die Route heute war für mich ein Highlight.
Freitag, 01.10.2021
Es geht nun zunächst die selbe Route zurück wie ich bereits gestern gefahren bin. Eigentlich ist dies nicht so mein Ding, aber immerhin ist die Strecke sehr schön und so kann ich die 12 km trotzdem in vollen Zügen geniessen, auch sind bereits am frühen Morgen wieder einige Pilger untewegs zum Cap. Seit gestern schmerzt mein linkes Knie, so dass ich dieses nicht voll belasten möchte, glücklicherweise nehmen die Schmerzen im Verlaufe aber eher ab. Ich treffe schon bald auf einen älteren, niederländischen Tourenfahrer, er ist am 01.09. in den Niederlanden abgefahren und fährt nun noch ein paar Tage. Wir fahren ein Stück gemeinsam nordwärts. Er hat das Ziel Coruna, ich möchte heute jedoch nochmals an die "Costa da Morte" nach Malpica fahren. Wie vermutet und erwartet fängt es im Verlaufe des Morgens an zu Regnen. Die Fahrt im Tal von Viminazo war dann nichts besonderes. Wie geplant verlasse ich hier dann die Hauptstrasse und biege westwärts Richtung Küste ab. Auf der Strasse 429 via Pasarela fahre ich durch ein sehr schönes Waldgebiet bis nach Laxe mit grossem Strand. Die restlichen 25 km bis nach Malpica sind dann wieder gewohnt hügelig und führen mich durch viele kleine Dörfer. Ich bin zeitlich sehr gut dran und so fahre ich noch hoch zur Aussichtsplattform "Santo Adrian" mit Kirche, von wo ich einen herrlichen Ausblick auf den Strand sowie die Halbinsel mit der Ortschaft Malpica geniessen darf. Einen Leuchtturm gibt es hier oben leider keinen zu sehen. Dieser befindet sich nämlich auf der äusseren vorgelagerten Insel, welche nur per Boot erreichbar ist. Schliesslich erreiche ich gegen 15.15 Uhr Stadt, welche mir mit den vielen mehrstöcken und teilweise baufälligen Gebäuden nur mässig gefällt. Trotzdem kann ich mich in einem der kleinen Cafés mit Meeresblick sowie dem grösseren Sandstrand ausreichend verweilen. Durch den Wetterumschwung sind nun auch ein paar Surfer anzutreffen und ich bin froh, blieb es heute zu grossen Teilen trocken.
Samstag, 02.10.2021
Heute steht die kürzeste Etappe an. Bis zum nördlichsten Punkt meiner Tour in A Coruna sind es bloss 50 km. Doch bevor ich starten kann, muss ich noch mein Fahrrad in einem anderen Hotel am anderen Strandende holen. Denn das Hotel wo ich übernachtet habe hat keinen Platz für Fahrräder und zufällig gehören diese beiden Hotels der gleichen Familie. So komme ich nach einem 800 m langen Spaziergang vor Sonnenaufgang entlang des Strandes im anderen Hotel zusätzlich in den Genuss eines Frühstücks. Es ist Samstag, also Wochenende und daher erstaunt es nicht, dass bereits einige Surfer draussen in den Wellen sind. Der Wind heute ist deutlich stärker als in den vergangenen Tagen und in der kommenden Nacht sind Sturmwinde bis 90 km/h gemeldet. Ich bin auch deshalb froh, um die kürzere Etappe und dies wird hoffentlich auch mein Knie nicht zusätzlich belasten. Bei gelegentlichem Nieselregen fahre ich in südöstlicher Richtung durch grüne Landschaft Richtung Carballo. Ich folge dann der Beschilderung nach A Coruna, es folgen gelegentliche Anstiege und bin dann erstaunt, was für eine herrliche Abfahrt hinunter nach Arteixo folgt. Aber wie so oft beginnt dann gleich wieder ein neuer Anstieg und es ist spürbar, dass ich ich immer naher an die 250 000 Einwohner Metropole A Coruna komme. Nach vorwiegend trockenen Phasen erreiche ich bereits um 12.30 Uhr die auf einer Landzunge gelegene Hafenstadt. Zu Fuss erkunde ich über mehrere Kilometer die sehenswerte Altstadt mit den vielen, kleinen Gassen und dem "Plaza de Maria Pita", den grossen Sandstrand, den Hafen sowie den Herkulesturm. Dieser römische Leuchtturm ist der älteste noch intakte und in Betrieb stehende Leuchtturm der Welt (UNESCO).
Sonntag, 03.10.2021
Es ist Sonntag und es steht bereits meine letzte ganztägige Etappe in Spanien bevor. Von den stürmischen Winden & dem starken Regen der Nacht ist die Strasse auch am Morgen noch sehr nass und belegt mit Blätter & Aesten. Doch als ich aufs Fahrrad sitze, drückt bereits wieder etwas die Sonne durch die Wolkendecke. Mein Ziel ist die östlich von Santiago de Compostela liegende Stadt Melide. Da die direkte Route etwas zu kurz wäre, fahre ich nach der 2-3 spurigen Stadtausfahrt weiter ostwärts über die Hügellandschaft via Santa Cruz nach Sada am östlichen Ufer der Halbinsel. Ich geniesse es, durch kleine Dörfer zu fahren, während die Sonne mich durch das Nass des Bodens leicht blendet und gelegentlich Wassertopfen ins Gesicht spritzen. Autos hat es auf diesen Nebenstrassen heute nur sehr wenige. In Sada gilt es dann endgültig Abschied zu nehmen vom Atlantik und den Stränden, denn die weiteren Routen führen nur noch durch das Landesinnere. Versehentlich gerate ich dann aber auf eine Route die mich anstatt südwärts wieder etwas nach Westen führt und nochmals einige Höhenmeter mit knackigen Anstiegen mit sich bringt. Auch bei den vielen Autobahnkreuzungen weiter südlich ist die Wegweisung nicht ganz eindeutig, trotzdem finde ich eine autofreie, sehr schöne asphaltierte Route welche durch ein schönes Waldstück und schliesslich wieder zur Hauptroute 840 südwärts führt. Dieser Weg führt dann stetig und ungwohnt lange aufwärts bis auf ca. 580 m.ü.M. wobei neu ist, dass die Route nun auf dieser Höhe fortgeführt wird. Auf den Feldern weiden teilweise Pferde und Kühe, die Landschaft bleibt sich in ihrem grün treu, gelegentlich folgen kurze Regenschauer und es ist nicht ganz einfach sich durch den stetigen Wetterwechsel in der Kleiderwahl zu entscheiden. Nach über 1300 Höhenmetern erreiche ich um 14.45 Uhr die Ortschaft Melide und ich freue mich, hier als erstes etwas zu Mittag essen. In der kleinen Altstadt sowie Abends in den Restaurants sieht und hört man wieder viele Pilger, denn Melide ist eines der letzten Etappen des Jakobsweges, deshalb hat es hier auch viele Pilgerherbergen. Ich übernachte in einem schönen B&B etwas ausserhalb des Zentrums und freue mich nun auf die letzte Etappe morgen.
Montag, 04.10.2021
Ich fahre heute auf der Strasse 547 zum Flughafen von Santiago de Compostela, wo sich der Kreis, also die Rundreise durch Galicien schliessen wird. Ich starte bereits um 08.30 Uhr, denn ich möchte frühzeitig am Flughafen sein und für allfällige Widrigkeiten ausreichend Zeitreserven haben. Wenn es nicht regnen würde, wäre jetzt also die Sonne aufgegangen. Kaum gestartet, treffe ich einen anderen Biker, er heisst Noel und stammt aus Frankreich und ist auf dem Weg via Santiago nach Fisterra. Da wir in die selbe Richtung fahren, machen wir uns gemeinsam auf den Weg. Die Etappe über 45 km ist nicht lange und auch die Höhenmeter sind überschaubar. Es wechselt wieder zwischen Regen und Sonnenschein, die Landschaft bringt nichts Neues und so finde ich es primär nochmals schön, mich während dem Fahren mit Noel über diese und andere Touren auszutauschen. Er begleitet mich noch bis zum Flughafen und wir essen und trinken dort noch etwas gemeinsam. Während seine Tour noch ein paar Tage dauert, mache ich mein Fahrrad flugbereit. Es geht wieder nach Hause, auch darauf freue ich mich. Die Fahrradtour in Spanien endet und so bin ich glücklich und dankbar, habe ich nach der Tour auf Mallorca noch ein weiters spanisches Fahrradabenteuer erleben dürfen.
Meine Route im Jahr 2021
|Datum||Strecke||Distanz||Fahrtag||Nacht|
|27.09.2021||Flughafen - Santiago de Compostela||13 km||Hotel|
|28.09.2021||Santiago de Compostela - Forcarei - Pontevedra||92 km||09.00-16.15 Uhr||B&B|
|29.09.2021||Pontevedra - Noia||100 km||09.00-17.00 Uhr||Hotel|
|30.09.2021||Noia - Fisterra (inkl. Fahrt zum Cap)||92 km||09.00 - 16.45 Uhr||B&B|
|01.10.2021||Fisterra - Vimianzo - Malpica (inkl. Fahrt zum Cap)||83 km||09.00 - 15.15 Uhr||Hostel|
|02.10.2021||Malpica - A Coruna||50 km||09.15 - 12.30 Uhr||Hotel|
|03.10.2021||A Coruna - Sada - Betanzos - Melide||85 km||09.00 - 14.45 Uhr||B&B|
|04.10.2021||Melide - Flughafen Santiago de Compostela||45 km||08.30 - 11.15 Uhr|
|Total||560 km|
Spanien 2021
Santiago de Compostela, die Hauptstadt Galiciens
Kathedrale und Wallfahrtsziel - für viele das Ende ihrer Wanderung oder Tour
Sehr schöne Altstadt mit vielen Gassen und grossen Plätzen
Ich fahre südwärts via A Estrada - Forcarei nach Pontevedra
Ponte Abea mit dem Rio Ulla im Morgennebel
der Himmel reisst auf, die typisch grüne Hügellandschaft gut erkennbar
Die heutige Etappe im ewigen auf und ab mit über 1200 Höhenmetern
Kirche in Cerdedo
Ankunft in Pontevedra
Kanufahren auf dem Fluss Lerez
Altstadt von Pontevedra
Route nach Noia teilweise entlang der Rias Baixas am Atlantik
Schöner, grosser Strand von Lanzada
Ich wechsle von der Hauptstrasse auf die ruhige Weinroute
Wochenmarkt und schöne Plätze in Cambados
Eisenbahnbrücke
Ich fahre durch kleine Dörfer
über einen Hügel nach Noia (ungewollt auf Schotterpiste)
Kirche San Martino in Noia
Es folgt die sehr schöne Route entlang der Rias Baixas bis nach Fisterra
Auf der Tour immer wieder gesehen: Getreidespeicher, heute oft in anderer Funktion
die heutige Etappe mit ganz viel Atlantik-Blick
Blick auf den Monte Louro, dortin mache ich einen Abstecher
Auch in Carnota hats nebst Palmen einen schönen Strand
Neues Landschaftsbild dank dem 600m hohe Gebirge "Monte do Pindo"
Bei Ezaro geniesse ich die Sonne, das Mittagessen und ein paar Schritte im Meer
Fisterra und das Cap -> dorthin möchte ich heute
Der Leuchtturm vom Cap Fisterra erbaut im 1868
Für viele Pilger ist dies nebst Santiago de Compostela das letzte Ziel ihrer Reise
die Weitsicht und die Stimmung hier ist besonders
In der Ortschaft Fisterra läd der Strand zum Spazieren ein
In grüner Landschaft gehts hoch in den Norden nach Malpica
Schöne Lage der Ortschaft Malpica
Aussichtspunkt Santo Hadrian
Malpica - Stadtbild solala aber schöner Strand und gemütliche Cafés
es folgt eine kurze Etappe nach A Coruna
auch A Coruna mit sehr schöner Altstadt
Plaza de María Pita (eine Stadtheldin)
Das Wahrzeichen der Stadt - der Herkulesturm, ein römischer Leuchtturm
Das Wetter wird stürmisch - ideale Surferbedingungen
Mein nächstes Ziel ist Melide, das östlich von Santiago de Compostela liegt
Ein letzes mal am Atlantik (Strand von Sada)
Das Wetter wechselhaft mit Sonne und Regen
nochmals viel Grün - die Farbe Galiciens
Ich erreiche Melide, Ortschaft auf der Pilgerroute
Meine letzte Etappe zum Flughafen fahre ich mit Noel aus Frankreich
Nach 560 km endet meine Rundtour in Spanien.