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Der Held, den es nie gab
Aus der vermeintlichen Lebenszeit von König Artus, dem fünften und sechsten Jahrhundert, gibt es keinerlei aussagekräftige Quellen zu seiner Person. Und Details zu seinen Taten und seinen Rittern der Tafelrunde finden sich erst in Texten aus dem 12. Jahrhundert.
König Artus lebt! Die letzten Jahrhunderte konnten dem britischen Helden nichts anhaben. Der Stoff um Artus und seine Ritter der Tafelrunde wurde und wird noch immer regelmässig verfilmt. Gerade startet die Fantasyserie „Game of Thrones“ mit einer ganzen Reihe von Einflüssen des Artus-Stoffes.
Dabei gibt es aus dem fünften und sechsten Jahrhundert nur sehr wenige und ungenaue Hinweise auf eine Existenz eines Artus. Quellen zu einem König existieren nicht. Die Ritter einer Tafelrunde sind nicht belegt. Wo Artus Schloss Camelot stand, ist ebenfalls unbekannt. Auf den ersten Blick lässt dies vermuten, Artus, seine Getreuen, sein Schwert und sein Schloss seien nur eine Erfindung.
Wer einen genaueren Blick auf die Legende wirft, muss allerdings eine Grenze zwischen den Quellen vor und denen nach dem 12. Jahrhundert ziehen: Ein früher Artus aus dem fünften und sechsten Jahrhunderts in Britannien findet zwar Belege in Geschichte und Archäologie. Diese Quellen nennen jedoch meist nur einen Namen und bieten keinerlei Hinweise, wer dieser Artus war oder wo er lebte. Frühestens aus der Mitte des zwölften Jahrhunderts stammen dagegen Beschreibungen eines ritterlicher König Artus im Britannien des fünften oder sechsten Jahrhunderts.
Steine, Namen und Indizien
Eines der ältesten Zeugnisse ist eine Inschrift in einem Marmorbogen. Er befindet sich in einer Kapelle in der in der Nähe von Split. Die Inschrift nennt einen römischen Offizier namens Lucius Artorius. Der Text handelt von den Eroberungen Kaiser Marc Aurels Ende des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Diese Datierung ist für den Artus, wie wir ihn heute kennen, zu früh. Allerdings bringt die Inschrift Artus in direkte Verbindung mit Britannien und spricht ihm auch den Adelstitel dux zu. Damit kommt dieser Artus dem Helden, wie wir ihn heute kennen, am nächsten.
Verschiedene weitere Versionen des Namens tauchen Ende des siebten und Anfang des achten Jahrhunderts in Irland auf, zum Beispiel in der Lebensgeschichte des heiligen Columba oder in den Annalen von Ulster, einer mittelalterlichen Chronik zur Geschichte Irlands. In späteren Quellen ist der Name auch in Wales, in der Bretagne und in England genannt.
Nennius, ein britischer Autor aus dem frühen neunten Jahrhundert, nennt einen Heerführer mit Namen Arthur, der die Schlacht am Berg Badon gewinnt. Dabei handelt es sich um eine entscheidende Schlacht gegen die Sachsen wenn man Gildas, einem Autor aus dem frühen sechsten Jahrhundert, glauben möchte. All diese Quellen enthalten jedoch kaum mehr Informationen als den Namen Artus. Es ist nicht klar, ob es sich um eine oder mehrerer Personen handelt. Die Identifikation mit der Heldenfigur eines König Artus ist dabei reine Interpretation. Der ritterliche Artus als König auf Schloss Camelot erscheint erst in späteren Werken.
Turniere, Ritter und die Sachsen
Zum Beispiel in der historia regum Britanniae aus dem frühen 12. Jahrhundert, einem Werk von Geoffrey von Monmouth. Durch diesen Text nimmt die Legende um Artus schliesslich ihren Lauf: Daraus entspinnt sich eine ganze Tradition von Artuserzählungen, die sich über den gesamten europäischen Kontinent erstreckt.
Auch in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters wird die Artusgeschichte durch Autoren wie Hartmann von der Aue oder Wolfram von Eschenbach aufgenommen. Der französische Dichter Chrétien de Troyes übernimmt die Artusfigur im 12. Jahrhundert ebenfalls in seiner Arbeit. Ein Zusammenhang mit dem Werk Geoffreys von Monmouth kann hier allerdings nicht nachgewiesen werden. Dies wurde und wird als Indiz dafür verstanden, dass die Geschichte um Artus nicht durch Geoffrey erfunden wurde. Vielmehr wird noch heute davon ausgegangen, dass der Mythos durch mündliche Verbreitung in Britannien und Frankreich, eventuell durch reisende Normannen, bereits seit Generationen im Umlauf war.
Muss ein Held gelebt haben, um zum Helden zu werden?
Seit dem 12. Jahrhundert verbreitete sich die Artuslegende auch nach Skandinavien und Osteuropa. All diese Traditionen und eine sich immer wiederholende Aufnahme des Stoffes für Literatur, und schliesslich in Kino und Fernsehen kann jedoch kaum über den 600 Jahre breiten Graben zwischen vermuteter Lebenszeit und den ersten Quellen des König Artus, wie er uns heute begegnet, hinwegtäuschen.
Die Figur Artus verändert sich seit nun mehr als 1500 Jahren und entwickelt sich noch immer weiter. Der Prozess der Heldenmachung ist bis heute nicht abgeschlossen..
Bedeutung des Namens Artus
Der Name Artus taucht in der Geschichte immer wieder auf und ist im Altertum insgesamt elf Mal belegt. Die Quellen geben jedoch kaum weitere Informationen zu dieser oder diesen Personen. Die Bedeutung des Namens ist dabei unklar Es handelt sich um einen lateinischen Namen, vielleicht könnte er mit „der Zusammenfüger“ übersetzt werden. Alternativ könnte es sich um einen keltischen Namen mit dem Ursprung im keltischen Wort artos handeln, was übersetzt Bär bedeutet. Solche telling names, also Namen mit einer besonderen Bedeutung, die häufig Charakteristika der jeweiligen Person beschreiben, sind im Keltischen sehr häufig.