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Wirtschaftswachstum wird vielfach als Voraussetzung zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit gefordert und zum Wirtschafts- und Politikziel gemacht. Verschwunden sind die Befürchtungen, dass mit Wirtschaftswachstum immer auch zusätzliche Umweltschädigungen verbunden sind. Ist ein „Nullwachstum“ nicht auch eine Chance, unsere Umweltsituation zu verbessern? Ist Arbeitslosigkeit nicht auch ein Zeichen dafür, dass wir heute so produktiv sind, dass wir es uns leisten können, auf einen Teil des Arbeitseinsatzes zu verzichten, um unsere wirklichen Lebensbedürfnisse befriedigen zu können? Nimmt nicht auch die Wertschätzung der Freizeit und der Musse gegenüber dem immer Mehr an materiellen Gütern zu? Sollten wir die Arbeitslosigkeit aus diesem Grunde nicht viel eher als ein Verteilungsproblem begreifen als ein Wachstumsproblem? Die zunehmende Teilzeitarbeit und Weiterbildungszeit sowie die vielen freiwilligen Frühpensionierungen zeigen, dass viele Beschäftigte es sich leisten können oder wollen, ihren Arbeitseinsatz zu reduzieren und damit auf Lohn zu verzichten, weil ihre materiellen Bedürfnisse auch bei einem kleineren Einkommen befriedigt werden können. Damit können mehr Arbeitskräfte bei gleicher Lohnsumme eingestellt werden.
Wahrscheinlich müssen wir uns in Zukunft aber auch mit einem aufgeteilten Arbeitsmarkt abfinden, einem hochproduktiven Teil, der in der globalen Wirtschaftswelt oder als lokale Nische Bestand hat, und einem geschützten Teil, der vom hochproduktiven Teil gestützt werden muss. Wir haben schon einige Erfahrung, wie dieser geschützte Arbeitsmarktteil organisiert und finanziert werden kann. Nicht nur der Staat, sondern auch die Privatwirtschaft sind hier gefordert, tragfähige Arbeitsmodelle zu kreieren. Ein Beispiel ist die Wiedereingliederung von Teilinvaliden in den Arbeitsmarkt.
Wenn wir die Verteilungsprobleme befriedigend lösen können, ist „Nullwachstum“ eine grosse Chance für die Schweiz, eine bedürfnisgerechte Wirtschaft zu haben, welche nachhaltig und nicht auf dauernde Expansion angewiesen ist.