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Chef der kenianischen Leichtathleten muss Rio verlassen
- Sonntag, 7. August 2016, 1:22 Uhr, aktualisiert um 10:52 Uhr
Der Delegationsleiter der kenianischen Leichtathleten ist wegen Doping-Anschuldigungen von den Olympischen Spielen in Rio abgezogen worden. Er war in einem Fernsehbericht beschuldigt worden, gegen Geldzahlungen Sportler seines Landes über anstehende Doping-Kontrollen informiert zu haben.
Kaum haben die Olympischen Spiele begonnen, muss der Delegationsleiter der kenianischen Leichtathleten, Michael Rotich, bereits die Heimreise antreten. In einem Fernsehbeitrag der ARD-Dopingredaktion und der «Sunday Times» bot Rotich vor versteckter Kamera an, den Zeitpunkt von Doping-Kontrollen an betroffene Sportler zu verraten.
«Wir haben sofort reagiert und den Teammanager zurückgezogen, so dass wir untersuchen können, welche Rolle er spielt», sagte Evans Bosire, Sprecher des nationalen Verbandes Athletics Kenya (AK).
Informationen für 10'000 Pfund
In dem am Samstag ausgestrahlten Film sagt Rotich, dass er zwölf Stunden vorher wisse, wann Kontrollen stattfänden. Das Gespräch wurde mit versteckter Kamera gefilmt. Auf die Frage, ob er dieses Wissen für drei Monate für eine Pauschale von 9000 englischen Pfund weitergeben würde, antwortete er: «Sagen wir 10'000 Pfund.»
Dies seien schwerwiegende Anschuldigungen. Deshalb könne man nicht dulden, dass «jemand mit so einem Charakter unser Team managt», erklärte Bosire. Gemäss dem Verbandssprecher werde nun geprüft, ob man die Sache der Polizei übergebe. Die Entscheidung, Rotich nach Hause zu schicken, sei zusammen mit dem Nationalen Olympischen Komitee Kenias getroffen worden.
Der ehemalige Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound, forderte in der ARD eine genaue Untersuchung des Falles: «Meiner Ansicht ist dies ausreichend, damit Kenia genauso untersucht wird wie Russland.» Pound hatte als Vorsitzender der unabhängigen Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur im vergangenen Jahr systematisches Doping in der russischen Leichtathletik enthüllt.
Die Läufernation wieder in der Kritik
Erst am Donnerstag hatte die WADA die Läufernation Kenia wieder als «regelkonform» eingestuft. Wegen der zuvor unzureichenden Gesetzgebung hatte den Afrikanern vorübergehend auch der Ausschluss von den Sommerspielen in Rio gedroht.
Ohnehin steht Kenia wegen zahlreicher Dopingverfehlungen in der Kritik. Dutzende Sportler, darunter auch die dreimalige Boston-Marathon-Siegerin Rita Jeptoo, wurden in der jüngsten Vergangenheit wegen Dopings gesperrt.
Ermittlungen gegen Top-Funktionäre
Zusätzlich wird weiterhin gegen drei derzeit suspendierte Top-Funktionäre ermittelt. Ihnen wird vorgeworfen, den Anti-Doping-Kampf in ihrem Land behindert sowie Sponsorengelder veruntreut zu haben.
Kenia war bei der WM 2015 in Peking mit 16 Medaillen, darunter sieben aus Gold, das Leichtathletik-Land Nummer eins.
Kenia ist nicht die einzige Nation, die an den noch jungen Olympischen Spielen in einem zwielichtigen Licht steht. Gastgeber Brasilien hatte kurz vor den Sommerspielen die Dopingtests für einen Monat eingestellt. Einen entsprechenden Bericht der britischen Zeitung «Times» bestätigte das Sportministerium.
Brasilien stellte Dopingtests ein
Das Internationale Olympische Komitee, dass im russischen Doping-Skandal unter Druck geraten ist, findet diese Kontrolllücke nicht so erheblich. «Wir vertrauen sehr darauf, dass die Brasilianer ordnungsgemäss getestet wurden», sagte IOC-Sprecher Mark Adams.
Auch der Sprecher des Organisationskomitees der Rio-Spiele, Mario Andrada, versicherte, die Mannschaft sei den Regeln entsprechend kontrolliert worden. «Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Carlos Nuzman, hat noch einmal bekräftigt, dass bei Doping null Toleranz gilt», sagte Andrada. An den olympischen Heim-Spielen schickt Brasilien insgesamt 465 Athleten in die Wettbewerbe.
Sendungsbeitrag zu diesem Artikel
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Russisches Doping-Roulette an der Olympiade
Aus 10vor10 vom 4.8.2016
Dabei sein ist alles - das ist der Olympische Gedanke. Über 10'000 Athleten sind bereits in Rio, doch der Doping-Skandal lässt über eine russische Beteiligung immer noch spekulieren.
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