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Früher waren die Moralvorstellungen strenger und die Voraussetzungen für eine Entmündigung tiefer.
Zum lasterhaften Lebenswandel, der einen Entmündigungsgrund darstellen kann, meint das Bundesgericht in einem Entscheid aus dem Jahre 1957:
„Die im Jahre 1932 geborene Beklagte lernte nach der Entlassung aus der Primarschule keinen Beruf. Sie arbeitete als Hilfskraft in verschiedenen Branchen und wechselte häufig die Stelle. Im Jahre 1951 wurde sie von einem verheirateten Kriminellen geschwängert.“ [BGE 83 II 272, Sachverhalt S. 272]
„Die Beklagte hat sich nach den für das Bundesgericht massgebenden tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz von 1953 bis in das Jahr 1956 als Dirne betätigt und dieses Gewerbe namentlich vom Oktober 1954 an „hemmungslos“ ausgeübt. Sie hat also zweifellos einen lasterhaften Lebenswandel im Sinne von Art. 370 ZGB geführt.“ [BGE 83 II 272 E. 2 S. 274]
Dennoch hält das Bundesgericht abschliessend fest: „Im vorliegenden Falle liegt nichts vor, was erlauben würde, eine konkrete Gefahr als vorhanden anzunehmen. Zwar sagt die Vorinstanz, die Beklagte verstehe es nicht, „dem Geld Sorge zu tragen“. Allein einerseits hat dies mit der Prostitution nichts zu tun, und anderseits liegt dieser Würdigung keinerlei Feststellung über bestimmte Tatsachen zugrunde, die sie rechtfertigen könnten. Dem Urteil und den Akten ist nur zu entnehmen, dass die Beklagte Bedürfnisse hatte, die sie aus dem Haushaltungsgeld nicht bestreiten konnte. Davon aber, dass sie Schulden gemacht oder die Armenbehörden in Anspruch genommen habe, verlautet nichts. Ihre Entmündigung ist daher nicht gerechtfertigt.“ [BGE 83 II 272 E. 3c S. 277]