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Neue Generation, neue Hoffnung
Willkommen in Geba Robi, einem Dorf mit fast 5'600 Einwohnern im Hochland von Westäthiopien. Die üppigen Hügel und die vielen kleinen Genossenschaftsbetriebe, die Kaffee anbauen, sind typische Merkmale dieser Region.
Obaansi (18) wuchs hier auf. Sie ist die älteste der acht Geschwister und die Erste, die zur High School geht. Diese liegt 10km von ihrem Heimatdorf entfernt, in Dembidolo, der Hauptstadt der Region. Obaansi verbringt die meisten Wochentage in Dembidolo und kehrt am Wochenende in ihr Dorf zurück, um ihre Familie zu besuchen.
Aber das Leben hätte für Obaansi etwas ganz anderes bereithalten können: Als sie gerade 14 Jahre alt war, bat ein Mann in der Gemeinde ihren Vater um die Erlaubnis, sie zu heiraten. In den ländlichen Dörfern Äthiopiens ist die Kinderehe noch weit verbreitet – 40 Prozent der Mädchen werden verheiratet, noch bevor sie 18 Jahre alt sind.
Obaansis Vater Biqilan kannte die Risiken der Kinderehe. Eine Sensibilisierungskampagne von Right To Play und einer lokalen Organisation hat ihn auf die negativen Konsequenzen dieser Tradition aufmerksam gemacht. Deshalb wollte er, dass seine Tochter Obaansi weiterhin zur Schule gehen und ihren Abschluss machen kann.
"DIE GEMEINSCHAFT hat erkannt, DASS DIE KINDEREHE NICHT VON DAUER IST UND sich viele dieser Paare trennen müssen " - BIQILAN, OBAANSIS VATER.
Obaansis Leidenschaft für das Lernen überzeugte ihn, den Heiratsantrag abzulehnen und seine Tochter zu ermutigen, die High School zu besuchen. Obaansis Eltern haben beide keine schulische Ausbildung, deshalb macht sie ihre Tochter, die nicht nur die High School absolviert, sondern auch die Kinder ihres Dorfes unterrichtet, unglaublich stolz. Wie viele andere Familien in Äthiopien haben sie die mutige Entscheidung getroffen, einer schädlichen Tradition wie der Kinderehe zu widerstehen. Davon hat nicht nur Obaansi profitiert, sondern auch alle anderen Kinder im Dorf, die von ihr unterrichtet werden.
Nur wenige Kinder in Geba Robi haben so viel Glück wie Obaansi - für die meisten ist der Abschluss der 8. Klasse das Ende ihrer Ausbildung. Viele schaffen es nicht einmal so weit. Aufgrund mangelnder Ressourcen und Infrastruktur beginnen nur wenige Kinder vor dem 8. Lebensjahr mit der Schule. Die meisten können an ihrem ersten Schultag weder lesen noch schreiben.
Viele von ihnen sind in ihrer Familie die erste Generation, die zur Schule geht, deshalb können die Eltern sie nicht auf den Schulstart vorbereiten. Auch wenn die Kinder vorher ein wenig Lesen und Schreiben gelernt haben, führt der abrupte Schuleinstieg bei vielen zur Überforderung. Viele brechen daher nach nur einem Jahr die Schule ab und sehen ohne Ausbildung kaum Perspektiven für ihr Leben, ausser der Arbeit in der Landwirtschaft.
Obaansi und zwei ihrer High-School-Freundinnen aus Geba Robi, sind entschlossen, das zu ändern. Jedes Wochenende laufen sie stundenlang durch Felder und auf staubigen Strassen zurück in ihr Dorf.
Während die Schulen in anderen Dörfern am Wochenende leer stehen, ertönen Gesang und Lachen aus dem kleinen Dorf Geba Robi.
In der Schule des Dorfes helfen Obaansi und ihre Freunde den 6- und 7-Jährigen bei der Vorbereitung auf die 1. Klasse und vermitteln ihnen die Grundlagen des Lesens und Schreibens. Die Unterrichtsstruktur von Obaansi ermöglicht es den Kindern, morgens die Schule zu besuchen und nachmittags auf dem Bauernhof ihrer Familie zu helfen, was entscheidend dafür ist, dass die Kinder dieser ländlichen Gemeinde die Schule besuchen.
"DIE WOCHENENDKURSE MOTIVIEREN DIE KINDER. VIELE aus meinem jahrgang haben die Schule abgebrochen, WEIL ES ZU SCHWIERIG für sie WAR. WIR SIND HIER, WEIL SICH DAS ÄNDERN MUSS" – OBAANSI
Im Klassenzimmer ist Obaansi ein Naturtalent. Sie ist selbstbewusst, hat ein sympathisches Lächeln und eine ruhige und aufmerksame Art, die den Kindern hilft, sich zu konzentrieren und ihre Aufmerksamkeit von einer Aktivität zur anderen zu lenken.
Obaansi lernte das Unterrichten in Geba Robi selbst, wo eine ihrer Lehrerinnen in den Lehrmethoden von Right To Play ausgebildet wurde. Sie lernte von ihr, wie die Lernmotivation der Kinder gefördert werden kann, indem spielerische Methoden im Unterricht angewendet werden.
Nachdem sie mit dem Unterrichten fertig ist, besucht Obaansi ihre Familie, um ihr beim Kochen, Waschen, Putzen und Kaffee-Servieren zu helfen, einem wertvollen Familienritual, das sie zusammenführt. Die Familie ist stolz auf Obaansi - sie hat die High School zwar noch nicht abgeschlossen, unterstützt aber durch ihren Unterricht im Dorf bereits zukünftige Generationen auf dem Weg in eine bessere Zukunft.
Obaansi hat ihre Leidenschaft - das Unterrichten - gefunden und will auch nach ihrem High School Abschluss damit weitermachen. Was sie motiviert, ist die Lernfreude der Kinder. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, ebenfalls von einer besseren Zukunft zu träumen.
*Die Namen wurden geändert, um die Privatsphäre von Obaansi und ihrer Familie zu schützen.