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Das vierte Internationale Polarjahr, das vom 1. März 2007 bis 1. März 2009 stattfindet, steht kurz vor seinem erfolgreichen Abschluss. Zwei Jahre lang haben sich Wissenschafter aus über 60 Nationen zusammengeschlossen, um gemeinsam die Polargebiete zu untersuchen und eine Vielzahl von Forschungsprojekten durchzuführen. Die Faszination der höchsten Breiten der Erde und die Begeisterung für die Schönheit der Arktis und Antarktis zu vermitteln, war auch Aufgabe zahlreicher Polarexpeditionen mit Medienvertretern, Künstlern und Lehrern, die in die Aktivitäten des Polarjahres eingebunden waren. So wurde es möglich, die breite Öffentlichkeit und den Nachwuchs auf diese spannende Reise in unbekannte Eiswelten mitzunehmen.
Das Klimasystem der Erde zu verstehen, ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Die Polargebiete sind dabei als globale Frühwarnsysteme von besonderem Interesse, denn hier ist die Klimaveränderung längst sichtbare Realität. Die Eisbedeckung des Nordpolarmeeres schmilzt im Sommer immer mehr ab, das Inlandeis Grönlands schwindet, südpolare Schelfeisbereiche der antarktischen Halbinsel brechen auf und die Gletscher der Ostantarktis fliessen zunehmend schneller Richtung Meer.
Die dem südlichen Afrika zugewandte Seite der Ostantarktis beheimatet die wohl spektakulärste Gebirgs- und Eislandschaft unseres Planeten: In Queen Maud Land ragen Türme, Pfeiler und Zacken aus dem Eispanzer, wie nirgendwo sonst in Antarktika. Als bizarre Zähne durchstossen diese verwegenen Nunataks das kilometerdicke Inlandeis und erheben sich mit ihrem rötlichen Gestein imposant und unvermittelt aus dem umliegenden Weiss.
Bisher wurden aber erst eine Handvoll der Gipfel bestiegen. Namhafte und schwierige Erstbesteigungen wurden erstmals durch eine norwegische Expedition 1994 mit Nesheim, Caspersen und Tollefsen durchgeführt. Einer National-Geographic-Expedition mit Anker, Lowe, Wiltsie und Krakauer gelang die Erstbesteigung des senkrechten Rakekniven («Rasierklinge»). Am Holtanna («Hohlzahn») biss sich 2000 eine internationale Expedition mit Hubert, Georges und Dujmovits beinahe die Zähne aus. Die Norweger Caspersen und Tollefsen kehrten 2006 mit Gravdal und Hilde zurück, um in 16 Tagen die knapp 1000 m hohe Nordwand des Ulvetanna zu bewältigen. Und zuletzt versuchen Siegrist, T. und A. Huber 2008 schwierigstes Kletterneuland im Queen Maud Land zu erobern.
Nachdem der Norweger Amundsen 1911 vor dem Engländer Scott den Wettlauf zum Südpol gewonnen hatte, kam ein regelrechtes Entdeckungsfieber auf, wobei eine norwegische Expedition 1929 den ausgedehnten Kontinentalrand der Ostantarktis erforschte. Vordergründig ging es um Walfangrechte. Zu Ehren der norwegischen Königin Maud (1869-1938) wurde ein ca. 2,8 Mio. km2 grosses Gebiet, dies entspricht der achtfache Fläche Deutschlands, als Dronning Maud Land benannt und später als norwegisches Hoheitsgebiet beansprucht. Dieser Territorialanspruch wurde aber – wie die aller anderen Nationen – durch den Antarktisvertrag nie international anerkannt, aber auch nicht dezidiert abgelehnt.
Unter militärischer Flagge fahrend und vor der breiten Öffentlichkeit geheim gehalten erreichte die «Deutsche Antarktische Expedition» unter Kapitän Ritscher mit dem Motorschiff «Schwabenland» 1939 die Königin Maud Land-Küste und wies den norwegischen Gebietsanspruch zurück. Durch zwei von Bord des Schiffes katapultierte Dornier Flugzeuge und mittels 11.600 Flugaufnahmen wurden die zentralen Gebirge erfasst und das entdeckte «Neuschwabenland» mit abgeworfenen Hakenkreuzfahnen markiert. Die Gebirgsketten erhielten deutsche Namen wie das Ritscher-Land, die Filchner- und Drygalski-Berge, das Mühlig-Hoffmann- und Alexander-Humbold-Gebirge oder das Wohlthat-Massiv. Zwei Gebirge wurden nach den österreichischen Arktisforschern Payer und Weyprecht benannt, die 1873 Franz Josef Land entdeckten. Besonders bizarr ist die nach dem Flugkapitän benannte «Schirmacher-Oase» mit ihren gefrorenen Süsswasserseen mitten in der antarktischen Eiswüste. Andere Landschaftsformen erhielten ihre Bezeichnung durch norwegische Kartographen wie die Orvin-Berge oder der eindrucksvolle Felsgigant Ulvetanna («Wolfszahn»), das «Matterhorn der Antarktis». Die höchste Erhebung ist die mit einer Eiskappe bedeckte Jokulkyrkia («Gletscherkirche», 3.148 m). Es sind Berge und Landschaften von ungeahnter Schönheit, Weite und Stille.
Nur mit grossem logistischem Aufwand ist es möglich, in den lebensfeindlichen Gebieten der Arktis und Antarktis zu forschen. In Queen Maud Land haben die katabatischen Winterstürme eine Gletscherfläche blank gefegt, die heute als Eislandepiste von russischen Spezialmaschinen vom 4.200 Kilometer nördlich gelegenen Kapstadt angeflogen wird. So können Polarforschungsstationen wie Novolazarevskaja (Russland), Maitri (Indien), Troll und Tør (Norwegen), Wasa und Svea (Schweden), Aboa (Finnland), Sanae IV (Südafrika), Syowa (Japan), Neumayer und Kohnen (Deutschland) sowie Halley (Grossbritannien) in einer logistischen Meisterleistung der Polarfliegerei versorgt werden.
Die Welt für Polarnikis ist riesig, doch die Welt der Polarnikis ist klein. So ist es auch nicht verwunderlich, dass mein Freund Victor Serov, mit dem ich 1993 bei «ORF Arktis-Nordost» auf Franz Josef Land neue Pläne schmiedete und 1997 erstmals eine Skireise am Nordpol leitete, heute diese Antarktis-Operation durchführt. Und mit diesem besonderen Vertrauensverhältnis wird es nun auch möglich, eine dreiwöchige Berg- und Skiexpedition in diese von Bergsteigern noch kaum entdeckte Welt im November 2009 durchzuführen. Als Expeditionsleiter freue ich mich, dafür nun ein Team zusammenstellen zu dürfen.
Eine Polarexpedition nach Queen Maud Land hat auch heute noch alpinistischen Pionier- und Explorationscharakter: Von Südafrika über die wundersame Schirmacher-Oase direkt in den spektakulärsten Teil Queen Maud Lands. Durch die Mitternachtssonne besteht keine Gefahr, in der ausserirdisch anmutenden Eis- und Felsarena in die Dunkelheit zu geraten, das Klima ist verhältnismässig moderat, und viele der schroffen Nunataks haben auch sanftmütige Seiten und können mit Tourenskiern bestiegen werden.
Die Antarktis ist im wahrsten Sinne des Wortes ein wundervolles Gebiet. Und nach bislang zehn Polarexpeditionen bin ich mir sicher: Nicht nur die meisten Wissenschafter sondern vor allem Reisende gewinnen im Eis etwas sehr wichtiges für ihr Leben. Wer die Wildheit, die Abgeschiedenheit und die unvergleichliche Schönheit und Stille der Antarktis eine Zeit lang wirklich erlebt hat, der kommt verändert zurück und nimmt eine gute Portion Gelassenheit, eine gewisse Bescheidenheit vor der Eiswildnis und aus Queen Maud Land die Gewissheit mit, die exotischste Gebirgs- und Eislandschaft der Erde erlebt zu haben.
Nach zahlreichen Reisen in die grossen Gebirge Tibets, Nepals, Xinjiangs, Perus oder Ostafrikas sind heute Expeditionen in Arktis und Antarktis die grosse Leidenschaft des Tirolers. Der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer und promovierte Geograph arbeitete an außergewöhnlichen Polarprojekten mit wie an den Filmexpeditionen des ORF «Arktis Nordost» nach Franz Josef Land (1993, 1994), leitete erfolgreiche Skiexpeditionen zum Nordpol (1997, 2008), zur Durchquerung Grönlands (2003) und Franz Josef Lands (2005), führte fünf Besteigungen des Mt.Vinson in der Antarktis (2000 bis 2003), war sogar zwei Mal der Leiter der US-Polarbasis «Vinson Base Camp» (2002, 2003) und Lektor an Bord des Eisbrechers Kapitan Dranitsyn nach Franz Josef Land (2006).
Am liebsten unternimmt er Expeditionen in die abgelegenen Grenzräume und die bizarre Wildnis der Polargebiete, wo Sonne, Eis, Ruhe und Stille herrschen. Die Queen Maud Land Expedition 2009 ist Christophs 11. Einsatz in den höchsten Breiten der Erde. Christoph Höbenreich engagiert sich in der Sportabteilung des Landes Tirol und als Vizepräsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit für Berg- und Skisport. 2007 erschien sein Bildband «Expedition Franz Josef Land – In der Spur der Entdecker nach Norden».
Für Informationen und bei Interesse an einer Teilnahme an der
Queen Maud Land Expedition 2009 bitte ein E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Queen Maud Land Expedition 2009
www.kobler-partner.ch/pdf/expeditionen/Antarktis.pdf
Vorstellung des Expeditionsleiters auf Explorapoles
www.explorapoles.org/index.php?/polar_explorers/hobenreich_christoph/&uid=526&pg=4
Payer Weyprecht-Gedächtnisexpedition 2005