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|Inhalt||DUCHAMP|
| Marcel Duchamp

(1887-1968)
|...beginnt als volontär in einer druckerei und besucht 1904-1905 die académie Julian in Paris. Er malt 1912 das futuristisch-kubistische bild "Akt, eine treppe hinabsteigend" (Kritik: "Explodierende schindelfabrik"). 1913 beschliesst er die malerei, diese "besoffenheit mit terpentin" aufzugeben und "etwas intelligenz in die malerei" zu bringen. 1915 geht er nach New York. Als mitglied der jury der Armory-Show sendet er seine "Fontäne" (Ein zum kunstwerk erklärtes urinoir) ein und zeichnet sie mit R. Mutt (name des herstellers). Entrüstet wird das schamlose objekt zurückgewiesen und Duchamp erklärt seinen rücktritt.

Er widmet sich nur noch seinen intellektuellen überlegungen und konzeptuellen untersuchungen zur kunst, die im "Grossen Glas" gipfeln (ab 1915, 1923 endgültig als unvollendet erklärt). Als folge seiner suche nach einer "anti-kunst", die keine "retinale", sondern eine "ideen-kunst" sein soll, schränkt er seine produktion ein und wendet sich dem schachspiel zu.
|Ready Made||...sind alltagsobjekte und werden kunstwerke dadurch, dass der künstler sie dazu ernennt.

Duchamp: "Schon 1913 hatte ich die glückliche idee, das rad eines fahrrades auf einen schemel zu montieren und es drehend zu beobachten. Ein paar monate später kaufte ich eine billige reproduktion einer winterlandschaft, die ich "Pharmacy" nannte, nachdem ich zwei kleine tupfen am horizont eingefügt hatte, einen rot, den andern gelb...
Einen punkt möchte ich besonders betonen, nämlich dass die wahl dieser ready-mades niemals von ästhetischem genussempfinden diktiert war. - Die wahl beruhte auf einer reaktion visueller gleichgültigkeit bei völliger ab-wesenheit von gutem oder schlechtem geschmack.... in der tat eine komplette anästhesie.
Ein wichtiges charakteristikum bestand in der kürze der sätze, mit denen ich gelegentlich meine ready-mades betitelte. - Solche sätze beabsichtigten, die gedanken des beschauers in andere, mehr verbale regionen zu führen.
Manchmal fügte ich ein grafisches detail dazu, das meine lust an alliterationen (Reimen) befriedigen sollte - dann nannte ich es ready-made aided. Ein andermal, um die fundamentale unvereinbarkeit und widergesetzlichkeit von kunst und ready-mades blosszustellen, erfand ich ein reciprocal ready-made: Einen rembrandt als bügelbrett.
Ich realisierte sehr bald die gefahr einer wahllosen wiederholung dieser form des ausdrucks und beschloss daher, die produktion auf eine kleine anzahl pro jahr einzuschränken. Ich war mir damals klar, dass kunst für den beschauer, mehr als für den künstler, ein sucht-verursachendes mittel ist, und ich wollte meine ready-mades gegen solche verunreinigung schützen.
Ein anderer aspekt ist ihr mangel an einzigartigkeit.... Die reproduktion eines ready-made übermittelt die gleiche botschaft... Tatsächlich ist kaum eins der ready-mades, die heute existieren, ein 'original' im konventionellen sinn des wortes.
Noch eine schlussbemerkung zu diesem circulus vitiosus: Da alle tuben mit farbe, die der künstler benutzt, industrielle und 'ready-made' produkte sind, müssen wir folgern, dass alle gemälde in der welt 'ready-made aided' sind".

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