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Der Pansen braucht Phosphor
Fachbericht von Bernhard Bütikofer, Technischer Dienst
Damit der Pansen funktioniert, müssen die Mikroben mit genügend Phosphor versorgt werden. Der Pansen-Phosphor ist oft der limitierende Faktor in der Milchviehfütterung. Mangel wirkt sich auf die Fruchtbarkeit aus.
Die Bedarfsdeckung an Mineralstoffen ist wichtig für den erfolgreichen Verlauf der Laktation. Zur Gesamtration der Milchkuh gehört ein geeignetes Mineralfutter unter Berücksichtigung des Grundfutters, des Ergänzungsfutters und des Fütterungssystems. Mithilfe des Fütterungsplans wird nebst dem Milchproduktionspotenzial die Gesamtverdaulichkeit der Makronährstoffe berechnet. In der Tat funktionieren moderne Fütterungspläne nicht nach rohen Gehaltswerten, sondern nach Verdaulichkeitskoeffizienten.
Recycling mit Speichel
Damit die Pansenmikroben optimal arbeiten, ist Phosphor in erheblichen Mengen lebenswichtig und muss zwingend in genügender Menge in löslicher Form vorhanden sein. Unter dem Begriff Pansen-Phosphor versteht man das genau bekannte Angebot an löslichem Phosphor aus den Futtermitteln, das den Pansenmikroben zur Verfügung steht. Pansen-Phosphor ist oftmals der limitierende Faktor in der Milchviehfütterung. Mit dem Speichel, der beim Wiederkäuen entsteht, "rezykliert" die Kuh einen Anteil Phosphor, der im Pansen den Mikroorganismen wieder zur Verfügung steht.
Egal, ob die Kuh Mineralstoffergänzung erhält oder nicht, für die Produktion eines Liters Milch wird immer die gleiche Menge an Ca, P, Mg, Na oder K mobilisiert. Wenn der Bedarf nicht gedeckt ist, wird die Kuh während der Laktation diese Mineralstoffe bis zur Erschöpfung aus ihren Körperreserven ziehen. Eine allfällige Mangelsituation wird sich in reduzierter Fruchtbarkeit bemerkbar machen, denn die Kuh «schaut» zuerst für sich und erst danach auf die Fortpflanzung. Vor allem in der frühen Laktation bei hoher Leistung muss der Bedarf für Selbsterhalt, Milchproduktion und Fruchtbarkeit sichergestellt werden.
Mengen- und Spurenelemente beeinflussen die Fruchtbarkeit. Stille oder unregelmässige Brunst oder Aborte lassen oftmals auf unzureichende Mineralfutterergänzung schliessen. Da ein Auffüllen der Reserven nur in der Galtzeit ausreichend gewährleistet werden kann, ist es zu spät, erst dann an Mineralfutter zu denken, wenn die Kuh stierig werden sollte.
Vitamin A in den Darm
Beta-Karotin ist die Vorstufe von Vitamin A und gehört zu den lebensnotwendigen Stoffen. In der Startphase ist dieser Bedarf bis zu 50 Prozent höher als in der Produktionsphase. Beta-Karotin ist am Immunstatus, an der Fortpflanzung und am Wachstum bei den Rindern beteiligt. Pansengeschütztes Vitamin A passiert den Pansen, um im Darm vollständig und nutzbringend absorbiert werden zu können. Vitamin E und Selen wirken wie Antioxidationsmittel. Im Falle einer Stresssituation wie beispielsweise beim Kalben muss die Kuh in der Lage sein, diese Stoffe zu mobilisieren. Der Einsatz von organisch gebundenem Selen wird empfohlen, weil dieses sowohl der Kuh wie auch dem Kalb nützt.
Für produktive Kühe werden bestimmte Zusatzstoffe wie Aminosäuren, B-Vitamine, Hefen, Biotin oder Niacin empfohlen. Diese Stoffe schützen die Leber, helfen, den Immunstatus zu verbessern, steigern die Pansen-Effizienz, die Produktivität und sorgen für optimale Fruchtbarkeit.
Einsatz anpassen
Einsatz und Dosierung von Mineralstoffen sind dem Fütterungssystem anzupassen. Bei einer Totalmischration muss der unterschiedliche Verzehr von Erstlings- und Mehrkalbigen, von Startphasen- und bald trockenstehenden Kühen an der gemeinsamen Krippe beachtet werden. Aus Sicht der optimalen Versorgung wird die Mineralstoffdosierung auf die Bedürfnisse der höher leistenden Tiere ausgeglichen.
An der Abrufstation oder im Anbindestall an der Krippe können die Mineralstoffgaben tierindividuell dosiert werden. Dabei sollen die Zucht- und Produktionsziele berücksichtigt werden.
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