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Kann aus zwei halben Heimaten eine ganze werden?
Wenn der Muezzin singt, vergräbt Huzur ihren Kopf unterm Kissen. Wenn ihre Kolleg*innen in der Schule im Wedding sie auf ihre türkische Herkunft reduzieren, kommt sie mit Kopftuch zum Unterricht - und wird suspendiert. Wenn ihr ein Fremder am Flughafen von Antalya ein Kind an die Hand gibt, nimmt sie es, ohne zu fragen, mit nach Berlin. Aber dann holt niemand die zehnjährige Zaynab dort ab und Huzur ist plötzlich die einzige Bezugsperson für das syrische Mädchen. Eine Verantwortung, die umso schwerer wiegt, weil Zaynab sie in ihrer Zerrissenheit und Sehnsucht so sehr an sich selbst erinnert. Und auch, weil Huzur selbst noch nicht weiß, wie das eigentlich geht: in Deutschland zu Hause sein.
Nadire Biskin wurde 1987 in Berlin-Wedding geboren. Sie hat Philosophie, Ethik und Spanisch studiert und mehrere Jahre zu Sprachbildung und Mehrsprachigkeit geforscht, heute arbeitet sie als Lehrerin. Ihre Prosatexte sind in zahlreichen Magazinen erschienen. ›Ein Spiegel für mein Gegenüber‹ ist ihr erster Roman.