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Konrads an, der im Jahre des Herrn 1139 lebte (reg. 1138-1152), bis zum Jahr des Herrn 1300 war Ulm ohne Mauern gleichsam ein Dorf (villa) gewesen. Die Bürger also faßten Mut, guben ringsherum tiefe Gräben und führten eine Mauer mit Türmen darum auf, indem sie das Wasser der Blatt in Gräben (pag. 141) hinein- und ringsherumführten; und diese Arbeit wäre genügend für ein Geschlecht gewesen. Die Alten sagen aber, daß dies in größter Eile geschah und alle Bürger, Adelige und Nichtadelige, Männer und Frauen das Werk betrieben, weil die Not, wie sich zeigen wird, sehr drängte. - Ein anderes Werk war gleich mit diesem begonnen worden, fürwahr ein großes und herrliches.
Denn weil sie von der Furcht vor einer Belagerung der Stadt gedrängt die Stadt befestigten, verlegten sie auch ihre Pfarrkirche selbst, die außerhalb der Stadt war, herein, damit sie sicher in der Kirche sein könnten, und legten das Fundament einer wunderbaren und großen Kirche, indem sie uns den auf eine Karte gezeichneten Aufriß einer Kirche hinterließen, die sie selbst in großartigem Sinn zu bauen beschlossen hatten. Diese Karte zeigt freilich eine viel kostbarere Kirche als die ist, an der wir heute arbeiten, weil die Neueren in ihrer Kleinlichkeit nicht wagen, die Absicht der Alten auszuführen und täglich vieles, was auf die Kostbarkeit und den Schmuck des Baues hinzielt, weglassen.
Als sie mit diesen Werken beschäftigt waren, kam über sie ein anderes, allzu mißliches und schweres Ungemach. Ludwig der Bayer nämlich, der sich der Reichsgewalt bemächtigt und den der Papst 1) mit allen seinen Anhängern in den Bann getan hatte, kam nach Ulm, und als die Ulmer ihn anfangs nicht aufnehmen wollten, belagerte er die Stadt mit seinem Heere. Als aber einige Fürsten ins Mittel traten, nahmen sie ihn auf, und so ließ er von ihnen ab. Nicht lange nachher kam ein zweiter Bayer, Heinrich, ein Verwandter des ebengenannten Ludwig, dem der Papst die Kaiserwürde übertragen und auch die Kardinäle, der König von Böhmen und der König von Frankreich zugetan waren, nach Ulm mit einer Menge Bayern und verlangte von den Ulmern, daß sie auf seine Seite treten follen; aber da er nichts ausrichtete, hob er die Belagerung auf und zog ab, und bald darauf wurde er aussätzig und starb.
Sodann nach wenigen Jahren schloß Karl IV., der gegen Ludwig den Bayer gewählt und bestätigt worden war, auch Ulm mit einem starken Heer ein, zog aber ab, ohne daß er den Erfolg einer Eroberung der Stadt gehabt hatte. Bei diesen Belagerungen erlitten die Mauern oder Türme der Stadt Ulm keine Gewalt, sondern es wurde nur die Forderung gestellt, Freundschaft zu schließen. Dies alles erreichten die Ulmer mehr durch ihre Tüchtigkeit, hochherzigen Sinn und Klugheit, als durch Kriege und Waffen. Um diese Zeit beunruhigten die Herzoge von Bayern, von Österreich, von Teck und die Grafen von Wirtenberg die Ulmer auf verschiedene Weise, während diese unermüdet bei den von ihnen begonnenen Werken der Mauern und Türme der Stadt und der Kirche der hl. Jungfrau verharrten, wie einst die Kinder Israel unbesorgt um die Anfechtungen der Heiden die Mauern und Türme von Jerusalem und den Tempel bauten, wie bekannt ist (pag. 142).
Zu derselben Zeit etwa, als es den edlen Grafen von Helfastein an Mitteln fehlte, fiel nach vielen Umwälzungen und Veränderungen die Burg Helfastein mit der Stadt Geislingen und diese ganze Herrschaft in der Länge und Breite mit ihren Dörfern, Burgen, Höfen, Besitzungen und allen Zöllen den Ulmern zu, die für dies alles eine große Summe Goldes den eben genannten Grafen zahlten. Bei diesem Kauf wurde durch die Hinterlist der Neider dreimal die
1) Johann XXII. ¶
Grafschaft den Händen der Ulmer entrissen und immer wieder mit einem gewissen Schwanken ihnen zurückgegeben, bis der Vertrag durch den Papst und die Kirche, durch den Kaiser, die Kurfürsten und den Adel des Vaterlandes genehmigt und mit den Siegeln aller bekräftigt war, so daß auf keine Weife jemand mehr sich widersetzen kann. Hierauf kamen die erlauchten Grafen von Werdaberg, die von den unseligen Juden, die sich in Ulm aufhielten, Geld auf Zinsen aufnahmen, in solche Schulden, daß sie aus Mangel an beweglichen Unterpfändern unbewegliche Pfänder geben mußten, weshalb die edle Grafschaft Albegg mit der Burg und der Stadt und allem Zugehörigen den Juden verpfändet stand, und nun arbeiteten sie beim Kaiser dahin, daß sie die Herrschaft und die Burg, die nun ihnen gehörten, um in den Genuß ihrer Zinsen zu gelangen, bewohnen und in Besitz nehmen könnten.
Sobald dies die Ulmer erwogen, kauften sie diese Grafschaft aus den Händen der Juden los und besaßen sie bis aus diesen Tag. Es wird aber gemeinhin gesagt, daß ein Graf von Werdaberg diese Grafschaft für Lebkuchen 1) aufgezehrt habe. Er empfing nämlich fortwährend in Ulm bei Zahlungen statt Geld Lebkuchen und seine Schuld wuchs so sehr, daß er sie nur durch den Verkauf der Grafschaft bezahlen konnte. Indessen kam auch zu derselben Zeit die ganze Herrschaft Hochberg mit den Städten. Rotenburg und Horw samt ihren Burgen und Dörfern in die Hände der Ulmer, und viele Jahre besaßen sie diese, bis ein Herzog von Österreich sie wieder kaufte. Wie aber diese Herrschaft in die Hände der Ulmer gekommen und wann sie zurückgekauft worden sei, zeigt die Chronik der Ulmer. So also kauften die Ulmer trotz sehr bedeutender Kosten, die sie auf den Bau der Befestigungen ihrer Stadt, auf die Errichtung der großen Kirche (pag. 143) der hl. Jungfrau und aus die Verteidigung gegen ihre Feinde ringsum verwendeten, große Herrschaften und die edelsten Grafschaften. Daher nannte nach dem Kauf von Helfastein die Frau Gräfin von Helfastein, die auch Königin von Ungarn war, bei jeder Rede, wann sie der Ulmer Erwähnung tat, die Ulmer ihre Kinder und sagte: meine Kinder, die Ulmer, sagen dies oder tun das. Und wenn man fragte, warum sie die Ulmer ihre Kinder nenne, sagte sie: sie werden meinen Mann und mich beerben. Und so geschah es auch.
Das fünfte und letzte, auch zur damaligen Zeit ein Werk von großer Schwierigkeit, griffen damals die Herren von Ulm mit männlichem Sinn an. Da nämlich die Ulmer noch unter der Gewalt der Mönche von Reichenau standen und, wie oben gesagt worden ist, Tag um Tag die Mönche ihre Rechte, Güter, Steuern und Zölle an die Ulmer verkauften und große Schulden machten, suchten die Ulmer Wege, wie sie von den Mönchen gänzlich sich befreien könnten. Als die Ulmer diese Wege nach wiederholter Exkommunikation gefunden hatten, kauften sie mit Zustimmung des Papstes, der Kirche und des Kaisers alle Rechte des Abtes von Au in Ulm und außerhalb Ulms auf vier Meilen mit allen Gütern und allem Zugehörigen und zahlten dem Abt in barent Geld 24,000 Gulden. Und wenn dieser Vertrag und die Zustimmung der Kirche einen Monat hinausgeschoben worden wäre, so hätte der Abt kaum 2) 100,000 Gulden für diese nun verkauften bedeutenden Rechte erhalten, weil seine Augen erhellt worden waren. Der Abt zog nun, nachdem er das Geld erhalten hatte, so von Ulm ab, daß auch nicht eine Klaue, die sein gewesen wäre, darin zurückblieb, während doch das
1) Pro lebetis.
2) Soll wohl heißen «leicht.» ¶