Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03259.jsonl.gz/2298

Verein Historisches Erbe Luterbach:
Ein ungewohntes Erlebnis.
Es war Donnerstag, 13. Juli 1944, ein schöner Sommertag und bei Lehrern und Schülern schon ein wenig Vorfreude auf die kommenden Sommerferien. Die 6. bis 8. Klasse bei Lehrer Theo Fluri wohl mit Rechnen beschäftigt, das Schulfach in den ersten Morgenstunden. Fliegeralarm, üblich in der Kriegszeit, den niemand beachtete. Plötzlich rief einer in die Klasse: «Dort ist ein Ballon!» Schnell waren alle an den Fenstern an der Westseite des Klassenzimmers, ich stürmte mit ein paar Kameraden aus dem Klassenzimmer und vor das Schulhaus, wo wir einen Fallschirm sahen, der über dem «Rössli» rasch gegen Norden schwebte. Wir rannten ihm nach über die Bahngeleise bis zum Neuquartier. Auf der Wiese hinter den Häusern des Quartiers erreichten wir einen Soldaten, der mit dem Fallschirm abgesprungen war und sich nun gelassen des Fallschirms entledigte, aus der Uniformjacke ein Paket herauszog und sich eine Zigarette ansteckte. Wir staunten einfach und der Fremde schaute uns wortlos an. Es dauerte nicht lange, kreuzte ein Auto auf, Männer stiegen aus, wechselten ein paar Worte in Englisch und der Soldat verstaute den Fallschirm im Kofferraum und fuhr mit den Männern davon. Wir munkelten: «Vielleicht die Heerespolizei», und trotteten ins Schulzimmer zurück. Wir rapportierten dem Lehrer und den übrigen Schulkameraden unser Erlebnis und erfuhren später, dass ein amerikanisches Flugzeug in Bätterkinden abgestürzt sei. Den genauen Hergang hat Rolf Zaugg aus Utzens-torf sehr sorgfältig dokumentiert und Teile davon in seinem B-17-Museum ausgestellt. Aus diesen Dokumenten geht hervor, dass es sich um einen amerikanischen B-24 Liberator Bomber handelte mit Namen Battlin’ Baby und einer Besatzung von zehn Mann. Das Flugzeug ﬂog an diesem Tag einen Angriff auf die Bahnanlagen in Saarbrücken, wurde dann von Flakgeschossen beschädigt, ﬂog Richtung Schweiz und als sich an Bord Feuer entwickelte, rettete sich die Besatzung durch Fallschirmabsprung. Das Flugzeug explodierte in der Luft und die Trümmer ﬁelen auf ein Feld in Bätterkinden. Die Zehn-Mann- Besatzung rettete sich mit dem Fallschirm. Von den zwei Soldaten, die in Attiswil niedergingen, brach sich einer den Knöchel und wurde ins Bügerspital eingeliefert. Ein weiteres Besatzungsmitglied landete in Luterbach, die restlichen gingen im Raume Biberist/Gerlaﬁngen/Altisberg nieder. Die gesamte Besatzung wurde später in Adelboden interniert.
Dieser von Armin Gugelmann geschriebene Text ist ein Ausschnitt aus der «Reihe Luterbach» und dem Band 6 «Es war einmal in Luterbach». Mehr davon und alle anderen Bände finden Sie im Webshop des Vereins Historisches Erbe Luterbach vhe-luterbach.ch
Michael Ochsenbein, Präsident Verein Historisches Erbe