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»Großmutter erzählt nicht oft von früher. Ich frage nach ihren Jahren als Hausangestellte in England. Sie nennt einzelne Namen. Aber für jeden Satz, den sie sagt, muss ich mir zehn weitere ausdenken, um zu einer Geschichte zu kommen.«
Zürich 1939: »Bring mir keinen Balg nach Hause«, hatte die Mutter bei der Abreise zu Berta gesagt, und diese hätte schon damals gerne gewusst, wie das eigentlich geht: zu einem Kind zu kommen. Jetzt ist das Dienstmädchen, das eigentlich eine Dame werden wollte, tatsächlich schwanger. Sie verliert ihre Arbeit, kehrt aber nicht zu den Eltern ins Dorf zurück. Der Zweite Weltkrieg beginnt und damit eine Zeit des langen Wartens. Nach dem Krieg lässt Berta das Kind bei Verwandten zurück, um eine Stelle in England anzunehmen.
Bertas Enkelin erzählt das Leben ihrer Großmutter. Wie Berta und Karl in einem Mansardenzimmer zusammenfinden und einander bald wieder verlieren. Wie sich Berta mit dem Leben beeilen will, so kurz vor Kriegsausbruch. Sie berichtet von Bertas Leben in der Schweiz des Aktivdienstes und von der neuen Freiheit eines Schweizer Au-pair-Mädchens im Nachkriegslondon. Sie erzählt aber auch von der Sehnsucht und Wut ihrer Mutter Louise, Bertas Tochter.
Der Roman – in dem die Enkelin manches erfinden muss, weil die Großmutter nur wenig erzählt – ist auch eine Geschichte des Abschiednehmens und Verschwindens: Während die Enkelin sich die Lebensgeschichte von Lady Berta zurechtlegt, zerfallen deren Erinnerungen zusehends in haltlose Bilder, die immer weniger in der Gegenwart verankert sind.