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Wo lebt es sich schlank?
Die Nachbarschaft entscheidet über den BMI
Dass Menschen in ärmeren Vierteln häufiger einen hohen BMI haben und entsprechend öfter an Folgeerkrankungen wie Diabetes Typ II oder Gelenkschmerzen leiden als Bewohner wohlhabender Gegenden, ist bekannt.
Dr. Stéphane Joost, Experte für Urban Health und Wissenschaftler an der EPFL, hat mit einem Team aus Medizinern und Geografen herausgefunden: Es sind nicht nur äussere Faktoren wie niedrigerer Bildungsgrad und Einkommen, die den BMI in sozial benachteiligten Quartieren erhöhen.
Er erläutert: «Wenn Ihr Nachbar sich ein teures Auto kauft, wollen Sie es ihm gleichtun. Wenn nun viele in ihrem Umfeld rauchen oder häufig bei einer Fast-Food-Kette essen, werden Sie sich in Ihrem Verhalten auch tendenziell anpassen.»
Influencer für eine bessere Gesundheit
Natürlich gilt dies auch für den Umkehrschluss. Wenn der Nachbar also mit dem Velo zur Arbeit fährt oder nach Feierabend joggen geht, kann dies ihr Verhalten ebenfalls positiv beeinflussen. Doch wie kann ein für die Gesundheit positives Verhalten in ärmeren Gegenden erzielt werden, wenn die Mehrheit sich eben anders verhält? Stéphane Joost und sein Kollege Prof. Idris Guessous (HUG), mit dem er die Forschungsgruppe GIRAPH (Geographic Information Research and Analysis in Public Health) gründete, hatten folgende Idee: «Gerade bei jungen Menschen könnte es sinnvoll sein, sogenannte Influencer, also Menschen, die andere beeinflussen können, dafür zu bezahlen, sich gesund zu verhalten. Ihnen also Geld dafür zu geben, dass sie statt Alkohol und Softdrinks künftig Wasser zu trinken».
Stadtplan mit Gewichtsangaben
Für ihre im British Medical Journal Open veröffentlichte Studie haben die Wissenschaftler eine Karte von Lausanne erstellt, die die geografische Verteilung des BMI innerhalt der Stadt illustriert (s. Grafik): Die Quartiere der Mittel- und Oberschicht weisen einen unterdurchschnittlichen BMI auf, jene der benachteiligten Schichten hingegen einen überdurchschnittlichen. Und selbst nach Herausnahme aller äusseren Einflussfaktoren wie Ethnie, Alter, Ausbildung, Einkommen usw. blieb die BMI-Verteilung gleich. Folglich müssen andere, wahrscheinlich stadtbedingte Faktoren eine Rolle spielen, wie beispielsweise die Anzahl der Grünflächen, die geografische Isolation, der Verkehrslärm und eben auch die sozialen Kontakte. Stadtplaner, Ärzte und Gesundheitspolitiker können geomedizinische Daten nutzen, um herauszufinden, in welchen Gebieten welche Erkrankungen besonders häufig vorkommen. «Sobald wir wissen, wo jemand lebt, sehen wir auch die ihn beeinflussenden Umweltfaktoren und die Beziehungen zu seinen Nachbarn. Dadurch können wir auf die Prävalenz von Erkrankungen hinweisen und Probleme identifizieren.
«Künftig wird es wichtiger werden, auch Mediziner bei der Stadtplanung mit einzubeziehen.»
Dr. Stéphane Joost, Experte für Urban Health
Was die Politik tun kann
Für die Planung eines Stadtteils, in dem es sich gut leben lässt, erachtet Stéphane Joost folgende Punkte:
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Die Wohnung an sich: Genügent Platz, Frischluft, Tageslicht und wenig Lärm.
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Gesunde Umgebung: Wenig Lärm, gute Luftqualität, öffentliche Grünflächen, Biodiversität und Spielplätze.
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Mobilität: Sichere Strassen, die Möglichkeit seine Ziele mit dem Velo, zu Fuss oder mit ÖV zu erreichen, wenig Autonutzung.
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Einbindende Nachbarschaft: Medizinisches Angebot, Bildung, öffentliche Gebäude und Plätze, gute Erreichbarkeit lokaler Lebensmittelangebote.
Aus: Vista Gesundheitsmagazin / colaus.ch