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Tausende Liter Farbe hat Eduardo Kobra verpinselt und versprüht und damit für die Olympiade Rio 2016 das wahrscheinlich größte Graffiti der Welt geschaffen. Das ist am “Porto Maravilha“ an einer Wand am “Boulevard Olímpico“ in Rio de Janeiro entstanden und stellt auf 3.000 Quadratmetern die Vereinigung der Völker der fünf Kontinente dar.
“Todos somos um“ (“We are all one“) hat Kobra sein Werk betitelt. In den Medien wird es kurz “Etnias“ (Ethnien) genannt und vom olympischen Komitee “A paz entre os povos“ (Frieden zwischen den Völkern). Zutreffend sind alle drei Titel.
Mit geometrischen Formen und gleichzeitig realitätsnahen Zügen hat der weltweit tätige, brasilianische Künstler auf einer 180 Meter langen und 17 Meter hohen fensterlosen Wand eines antiken Hafengebäudes die Konterfeis von fünf Menschen gemalt und gesprüht. Sie stehen stellvertretend für die Völker der fünf Kontinente und die fünf olympischen Ringe, die wiederum als Symbol für die Vereinigung der Völker gelten.
Für jeden Kontinent hat Kobra eine Ethnie ausgewählt, die diesen repräsentieren soll. Asien wird vom Volk der Karen aus Thailand und Birma dargestellt, Ozeanien von einem Huli aus Papua Neuguinea, Amerika von einem Tapajó-Indio aus dem Amazonas-Regenwald, Afrika von einem Mursi aus Äthiopien und Europa von Chukchi-Eskimos aus Sibirien. Sibirien liegt eigentlich östlich des Urals, der Grenze Europas, und damit in Asien.
Aber es gehört zu Rußland und dessen Hauptstadt Moskau liegt schließlich auf dem europäischen Kontinent. Außerdem soll mit dem Graffiti ja gezeigt werden, dass wir alle eins sind (Todos somos um) und da sind so kleine geographische Fragen nicht wirklich wichtig.
Erstellt haben Kobra und seine Assisten das Gemälde in nur 40 Tagen. Verwendet haben sie dazu Unmengen von Farben. Allein für die Grundierung haben sie 1.800 Liter weiße Farbe verbraucht. Mit 3.000 Sprühdosen und 700 Liter bunter Farbe hat der Künstler dann Dreiecke, Quadrate und die teilweise extrem realitätsnahen Gesichter der Nationen gemalt.
Wer die Entstehung des Werkes verfolgen will, kann dies über ein Video, das in time-lapse-Technik entstanden ist. In ihm schrumpfen die 40 Tage auf eine Minute und 42 Sekunden.
Das Ergebnis der Arbeit ist ein eindrucksvolles Graffiti am olympischen Boulevard, das schon jetzt täglich tausende Neugierige anzieht. Die Zahl der Besucher, die sich dort während der Olympiade aufhalten wird, wird auf 80.000 Menschen aus der ganzen Welt geschätzt.
Sie werden nicht nur das Werk Kobras bestaunen, sondern ebenso über Großbildschirme die Sommerspiele verfolgen. Geboten ist darüber hinaus ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm mit Straßenkünstlern und Konzerten. Wer nicht zu den olympischen Spielen anreist, kann das Gemälde aber auch noch nach der Olympiade bestaunen. Es wird der Cidade Maravilhosa als Legat von Rio-2016 erhalten bleiben.
Auftraggeber des Graffitis waren das Internationale Olympische Komitee (IOC), das Organisationskomitee Rio-2016 und die Präfektur Rio de Janeiros. Die wollten eigentlich, dass der 40-Jährige die Wand mit Sportler versieht. Der hat seine Auftraggeber aber vom Thema der Ethnien der fünf Kontinente überzeugt.
Kobra hat sich in wenigen Jahren mit seinen außerordentlichen Werken weltweit einen Namen gemacht. Zu finden sind Arbeiten von ihm in über 20 Ländern, unter anderem in Städten wie Paris, London, Dubai, Tokio und in mehreren Städten Brasiliens.