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|aus: Informationsblatt Nr. 1; Januar 1987

"Der Herold der Christlichen Wissenschaft" enthält in jeder Nummer einige "Zeugnisse christlich-wissenschaftlicher Heilungen". Im Oktober 1986 (S. 445-447) berichtet ein Mann, wie er kurz vor Weihnachten 1981 erkrankte. Mehr und mehr wich die kraft aus seinen Fingern und Gliedmassen, und schliesslich konnte er sich im Bett nur noch mit Hilfe seiner Frau von einer Seite auf die andere drehen. Aber, so schreibt das Mitglied der Christlichen Wissenschaft, "es war offensichtlich, dass ich nicht in ein Krankenhaus gehen oder einen Arzt rufen würde". Und er fährt weiter: "Mir wurde klar, dass die ganze Beschwerde eine lächerliche Illusion war. ... In Wirklichkeit war ich eine vollkommene Idee Gottes, die vollkommene Stärke und Energie von Ihm erhält. ... Und ich sah ein, dass die sterbliche Illusion sich durch das Verständnis von der geistigen Wirklichkeit auflöst". Vom Zeitpunkt an, da der Mann dieser Einsicht folgte, "gab es Anzeichen dafür, dass eine Heilung stattfand". Der Bericht schliesst mit den Worten: "Ich beanspruchte meine gottgegebene Kraft und setzte mich auf. Später konnte ich einen Rollstuhl benutzen... Fünf Wochen, nachdem die Krankheit aufgetreten war, ging ich auf wackeligen Beinen zu einer Mittwochabend-Zeugnisversammlung in unsere Zweigkirche, wo ich öffentlich Gott dankte".
Der Bericht des Patienten vermittelt einen guten Einblick in die Überlegungen von Anhängern der Christlichen Wissenschaft, wie sie in verschiedenen Fällen zur Besserung oder Heilung mit beitragen. Die Erfahrungen und Gedanken eines anderen Mitgliedes in einem Krankenheim mit christlich-wissenschaftlichen Pflegerinnen kann diesen Einblick noch vertiefen ("Der Herold" 1986/10, S. 424ff.). Die Pflegerinnen des Heims haben gute "Grundkenntnisse in der Metaphysik der Christlichen Wissenschaft". Von wesentlicher Bedeutung ist indessen vor allem der mentale Beistand eines "Ausübers" oder einer "Ausüberin". So erinnert sich die Patientin in ihrem Bericht: "Auch die Ausüberin, die mich täglich im Sinne der Christlichen Wissenschaft behandelte, besuchte mich häufig; sie gab mir bestärkende geistige Wahrheitsgedanken und wies falsche Vorstellungen und Furcht zurecht". "Der Ausüber der Christlichen Wissenschaft, der für den Patienten betet und mit ihm arbeitet, hält nicht nur für sich den klaren Begriff der Allheit Gottes aufrecht, sondern er behandelt auch das Denken des Patienten, um ihn zu heilen". Diese Behandlung bleibt nicht auf die Zeit der Anwesenheit des Ausübers am Krankenbett beschränkt. Sie kann auch dann einsetzen, wenn der Ausüber bei sich zu Hause oder anderswo weilt.
Im Fall der Krankenheim-Patientin blieb die körperliche Verfassung zunächst praktisch unverändert. Eines Abends überwältigte sie Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit. Wider Erwarten begegnete ihr die Pflegerin diesmal nicht mit Mitgefühl, sondern "sie stützte die Hände in die Hüfte und wies den Irrtum unnachsichtig zurück. Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und verliess das Zimmer". Das schockierende Verhalten der Pflegerin bewirkte, wie die sich bald besser fühlende Patientin schreibt, ein Umdenken. Es verhalf "den Irrtum energisch zu verurteilen, der sich meinem Denken aufdrängen wollte". Die Pflegerin hatte in Übereinstimmung mit dem höchsten Wirklichkeitsbegriff gehandelt und damit der Patientin zur Erkenntnis des "geistigen Selbst" verholfen. Von nun an machte die Heilung rasche Fortschritte.
Heilungen ohne Anrufung eines Arztes? Die veröffentlichten Zeugnisse entmangeln folgerichtig einer ärztlichen Beglaubigung. Durch die Ausübung der Christlichen Wissenschaft kann manchmal zweifellos eine heilende Kraft mobilisiert werden, obwohl auch Fälle bekannt sind, in denen der Verzicht auf ärztliche Hilfe umgekehrt in tragischer Weise zur Verschlimmerung des Gesundheitszustandes geführt hat. Treten in den obigen Beispielen für den Aussenstehenden nicht vor allem die Mechanismen einer Fremd- und Selbstbeeinflussung deutlich zutage? Die Beschwerden werden als sterbliche Illusion ausgegeben; darauf folgen die Vermittlung bestärkender geistiger Wahrheitsgedanken; ferner die energische Verurteilung des "Irrtums" sowie die Betonung, dass Gott, Geist, Gemüt als umfassendes Prinzip jede Unvollkommenheit und alles Leiden ausschliesst.
In unserer Zeit finden alternative Heilmethoden vermehrt Beachtung. In gewissem Sinne können ihnen auch die Heilungsbe strebungen der Christlichen Wissenschaft zugerechnet werden. Biblische Heilungen, das muss man sich allerdings vor Augen halten, beruhen demgegenüber nach evangelischem Verständnis nicht auf einem konsequent durchgezogenen Monismus, der das Böse und das Leiden gleichsam weginterpretiert und "auflöst". Die neutestamentlichen Heilungen wurzeln im Vertrauensverhältnis zwischen dem Glaubenden und Jesus Christus. Dieses tiefe Vertrauensverhältnis lässt Raum auch für die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe. Es kann darüber hinaus aber auch ohne Befreiung von einem Leiden, d.h. wenn die Krankheit andauert, zur Vollendung kommen.