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Ein Interview bei der Umweltschutzagentur braucht Nerven.
Weinroter Teppich, hellgrüne Wände, geschlossene Vorhänge und hohe Zeitungsstapel auf dem Tisch – ich kenne mittlerweile jedes Detail dieses Büros. Leuchtstoffröhren und eine laute Klimaanlage machen den Raum kühl. Meine Stimmung ist auf dem Gefrierpunkt. Bereits zum vierten Mal sitze ich bei der Umweltschutzbehörde und warte.
Angefangen hatte es einige Wochen zuvor. Für einen Beitrag über Elektroschrott in Ghana wollte ich nicht (wie die meisten Medien) nur Umweltorganisationen zu Wort kommen lassen, sondern auch einen Vertreter des Staates. Ich könne am Montag vorbeikommen, sagte mir die nette Dame aus der PR-Abteilung am Telefon.
Voller Zuversicht (eine Behörde mit PR-Frau!) erschien ich bei der Umweltschutzbehörde. Der zuständige Herr würde mit mir sprechen, meinte die PR-Frau. Der Herr sprach dann zwar, aber erstens sehr leise und zweitens wollte er keine Aussage auf Band machen. Dafür müsse ich zuerst einen Brief schreiben an den Direktor. Und damit morgen wiederkommen.
Zwei Tage später bin ich mit dem Brief wieder vor Ort, ein Weg dauert jeweils eine gute Stunde. Leider sind jedoch alle Zuständigen ausgeflogen. Ich kann immerhin meinen Brief deponieren.
Einige Tage später habe ich einen weiteren Termin bei der PR-Dame. Leider ist nur ihre Assistentin da. Die schafft es immerhin, mich wiederum an denselben Herrn zu verweisen. Dessen Stimme ist noch leiser, er habe Kopfweh, flüstert er kaum hörbar, ich solle am nächsten Morgen wiederkommen. Als ich etwas insistiere, gibt er an, einen Brief von mir sowieso nie gesehen zu haben. Ich beklage mich noch etwas bei der Assistentin der PR-Dame, als die Chefin wieder auftaucht. Sie hört mir verständnisvoll zu und sagt, der Herr werde jetzt mit mir sprechen, das garantiere sie mir. Dann wendet Sie sich anderen Aufgaben zu.
Nach zehn Minuten entdeckt sie, dass ich ihr immer noch gegenüber sitze, und sagt, wenn ich morgen Vormittag wiederkomme, könne ich mit dem Herrn sprechen. Eine ghanaische Journalistin, die ich zufällig treffe, gibt sich unbeeindruckt von meiner Klage, nun würde ich erst beim vierten Anlauf ein Gespräch erhalten. Vergangene Woche war sie fünf Mal bei der Umweltschutzbehörde, und hat trotzdem kein Interview gekriegt.
Am Dienstagmorgen erscheine ich pünktlich. Die PR-Dame ist nicht da, ein dringendes Meeting. Ich sitze mit finsterer Mine in ihrem düsteren Büro. Eine Stunde später kommt sie, und schickt mich ins Büro des Herrn mit der leisen Stimme. Er ist nicht da. In jedem ghanaischen Büro hat es jedoch Sessel, in welchen man warten kann.
Als der Herr kommt, wirft er mir vor, ich sei am Vortag grundlos verärgert gewesen. Schliesslich habe er auch noch anderes zu tun. Dann gibt er mir das Interview. Es dauert zehn Minuten, er kann mir keine konkreten Zahlen zum Thema nennen. Investiert hatte ich über zehn Stunden auf mehrere Wochen verteilt. Im Beitrag über Elektroschrott kommt der Herr mit der leisen Stimme genau 17 Sekunden zu Wort.
Vielleicht frage ich das nächste Mal doch lieber bei einer Umweltorganisation nach.