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4 Projektierungsgeschichte: Sachlich oder heimatlich
Wie bereits erwähnt hat Architekt Heinrich Bräm mit dem Kronenblock und dem Spitalgebäude modernistische Modellbauten geschaffen. Wenn er beim Sparkassengebäude plötzlich konservative Formen verwendet, muss er, so vermutete ich, auf Wünsche der Auftraggeberschaft reagiert haben. Die Akten haben das bestätigt; das kann die nacholgende , detaillierte Planungsgeschichte zeigen. Die erhaltenen Quellen erlauben zwar keine lückenlose, aber doch eine aussagekräftige Rekonstruktion der Entscheidungsfindung.
4.1 Quellen
Die Hauptrolle bei dieser Entscheidungsfindung spielten der Vorstand der Sparkasse-Gesellschaft und zeitweise auch eine Baukommission. Beide Gremien scheinen keine Protokolle geführt zu haben, jedenfalls waren solche nicht auffindbar. Erhalten sind dagegen die Protokolle der Versammlungen der Gesellschafter (Abkürzungen: vgl. Kapitel 7 Anhang). Da diese die Komptenz hatten, den Vorstand zu Handlungen zu ermächtigen oder bereits ausgeführte abzusegnen, kann man aus ihren Beschlüssen auf die Aktivitäten des Vorstands rückschliessen – wobei man sich bewusst sein muss, dass dieser öfters mit verdeckten Karten spielte. Auch die Protokolle des Gemeinderats geben wichtige Informationen. Besonders aufschlussreich sind aber die Vorprojekte, die im Archiv der Sparkasse aufbewahrt sind.
4.2 Akteure
Bevor wir zur Projektierungsgeschichte kommen, wollen wir noch die Akteure, die in den Akten auftreten, vorstellen. Es geht vor Allem um die Jahre 1936 bis 1939.
Hauptakteure bei der Realisierung eines Verwaltungsgebäude-Neubaus für die Sparkasse: Architekt Heinrich Bräm (1887–1956); Notar Walter Wild (1892–1982), Präsident der Sparkasse 1934–1956 und später noch einmal 1960–1968; Hutfabrikant Ernst Felber-Rutishauser (1889–1954), Präsident der 1938 gebildeten Baukommission; Wilhelm Bertschmann-Pfister (1890–1978), Verwalter resp. Direktor 1938–1968; Walter Weber-Bürki (1894–1967), Mitbesitzer und Direktor der Brauerei Wädenswil, 1931 bis 1946 Gemeindepräsident von Wädenswil.
Sodann tritt in den Akten immer wieder Notar Walter Wild (1892–1982) auf. Als Notar war er im Dorf eine bekannte und respektierte Persönlichkeit. Seit 1934 war er Präsident der Sparkasse, er übte das Amt bis 1956 und später nochmals von 1960 bis 1968 aus. Als Vizepräsentiert amtete in der uns interessierenden Zeit Friedrich Hauser-Heinrich (geb. 1883).
Wer da, wo es in den Protokollen um den Neubau geht, nicht auftaucht, ist ein Mann, den die Wädenswiler und Wädenswilerinnen eigentlich primär mit der Sparkasse identifizierten: der Verwalter Ulrich Spalinger (1875–1939). Von ihm berichtet die Anekdote, dass er die Kunden, die etwas vom Sparheft abheben wollten, zuerst einer Befragung unterzogen habe, um verschwenderisches Verhalten zu verhindern (Hauser 1991, S. 60). Wenn er für den Sparkassen-Neubau eine Rolle spielte, dann höchstens als Bremser. Am 1. September 1938 folgte ihm Wilhelm Bertschmann (1890–1978) nach; dieser war ein energischer Förderer des Neubaus.
Sodann erscheint in der Planungsgeschichte der Hutfabrikant Ernst Felber-Rutishauser (1889–1954). Wie Wild war auch er eine bekannte Persönlichkeit, als Besitzer der stattlichen, 1910–1911 erbauten Fabrik an der Oberdorfstrasse und als ehemaliger Gemeindepräsident (im Amt 1922 bis 1931). In der Sparkasse war er zwar nicht Vorstandsmitglied, sondern nur Gesellschafter, aber er präsidierte – wie wir sehen werden – die 1938 eingesetzte Baukommission.
Auf Seiten des Gemeinderats hatte – wie sich zeigen wird – dessen Präsident ein besonderes Interesse am Sparkassen-Neubau. Es handelt sich um den Mitbesitzer und die führende Kraft der Brauerei Wädenswil, Dr. Walter Weber-Bürki (1894-1967).
4.3 Projektierungsgeschichte
Will man die Planungsgeschichte der Liegenschaft Seestrasse 103 darstellen, muss man von der Liegenschaft Reblaubenweg 4 ausgehen, die seit ca. 1903 Geschäftssitz der Sparkasse und seit Ende 1920 in ihrem Besitz war (Hauser 1991, S. 65).
Anfangs der 1930er Jahre liess der Vorstand von Architekt August Wernli (Wädenswil) «Vorschläge und Skizzen» für eine Erweiterung der Büros und des Vorstandszimmers ausarbeiten. Es blieb aber alles beim Alten, erst als 1936 die Wohnung im 2ten Stock frei wurde und eine Renovation anstand, beschäftigte man sich wieder mit einer Erweiterung der Sparkassenräumlichkeiten. Erneut war es Wernli, der Projektvorschläge machte (Prot SKW A: S. 312–313, 16.4.1836).
Im Herbst des gleichen Jahres bat der Vorstand das Büro Gebrüder Bräm, Wernlis Pläne zu «revidieren» (Prot SKW B: S. 5, 5.11.1936).
Der Geschäftssitz der Sparkasse am Reblaubenweg 4, von ca. 1903 bis 1939 (Abbildung aus Hauser 1991, S. 55).
1937–1938 führte das Büro Bräm den Umbau durch. Dabei beschränkte man sich auf einen Umbau des Treppenhauses und der Wohnung im Obergeschoss; die Geschäftsräumlichkeiten tastete man nicht an. Im Lauf des Jahres 1936 war nämlich eine Mehrheit des Vorstandes zur Überzeugung gekommen, dass die Sparkasse einen Neubau brauche (Prot SKW A: S. 312-314, 16.4.1936).
Die Brüder Bräm halfen den Neubau-Befürwortern, das Anliegen bei den Mitgliedern der Sparkassengesellschaft beliebt zu machen. Als die Architekten im Dezember 1936 die gewünschten Umbauplänen lieferten, legten sie Skizzen für einen Neubau bei und und wiesen auf die wirtschaftlichen Vorzüge von einem solchen hin. Der Vorstand versicherte zwar, dass die Architekten die Skizzen «von sich aus» gefertigt hätten, aber möglicherweise hat er sie dazu animiert – er war nämlich bereits auf der Suche nach möglichen Bauplätzen (Prot SKW B: S. 11, 10.12.1936).
Am 21.1.1937 berichtete er, noch nicht fündig geworden zu sein (Prot SKW B: S. 18-19, 21.1.1937), aber er muss bereits einen Teil des Postplatzes (also den später tatsächlich erworbenen Bauplatz) anvisiert haben. In zwei vom 3.2.1937 datierenden Vogelschauskizzen der Gebrüder Bräm ist der Neubau nämlich an der Stelle platziert, wo das Armenhaus gestanden hatte.
Vorprojekt der Gebrüder BRÄM für ein neues Sparkassengebäude am Postplatz vom 3. Februar 1937: Vogelschau mit neusachlicher Variante (Archiv Sparcassa 1816 Wädenswil).
In der ersten Skizze sieht der vorgeschlagene Neubau so aus, wie man es angesichts der jüngeren Bauten des Büro Bräm erwarten würde: Er hat die Form eines neusachlich-straffen Flachdachkubus. Das andere Projekt dagegen würde man nicht mit den Gebrüdern Bräm verbinden: Der geplante Bau ähnelt dem Altbau an der Reblaubenweg, also einem spätbiedermeierlichen Satteldachhaus mit Quergiebel! Wollten hier die Architekten jenen Vorstandsmitgliedern entgegenkommen, die am bescheidenen Häuschen an der Reblaubenweg hingen?
Vorprojekt der Gebrüder Bräm für ein neues Sparkassengebäude am Postplatz vom 3. Februar 1937: Spätbiedermeierliche Variante, Grundriss und Vogelschau (Ausschnitt): vielleicht eine Hommage an den bisherigen Geschäftssitz am Reblaubenweg 4 (Archiv Sparcassa 1816 Wädenswil).
Jedenfalls darf man annehmen, dass verschiedene Vorstandsmitglieder eine Abneigung gegen moderne Bauformen hatten. Darauf deutet ein weiteres Projekt des Büros Bräm, das mit dem Datum «I0. II.37» versehen ist (mit der Monatszahl ist wohl der November gemeint). Erneut trägt der Bau ein Satteldach, aber die Gesamterscheinung ist wuchtiger und erinnert vage ans einstige Armenhaus. Aus der gleichen Zeit könnte eine undatierte und unsignierte Skizze stammen, auf welcher der geplante Bau ein neubarockes Mansardwalmdach trägt.
Schaubild der Gebrüder Bräm für ein Sparkassengebäude am Postplatz vom «10.II.37» (wohl 10. November 1937) und undatiertes, kleinformatigeres Schaubild von einem Bau mit Mansardwalmdach (Archiv Sparcassa 1816 Wädenswil).
An der drei Wochen später – am 2. Dezember 1937 – stattfindenden Versammlung der Sparkasse-Gesellschaft fragte alt-Gemeindepräsident Ernst Felber (1889–1954) – vielleicht auf Bitte Heinrich Bräms? – nach dem Stand des Neubauvorhabens. Der Präsident, Walter Wild, versprach, dass der Vorstand der Angelegenheit seine Aufmerksamkeit schenken und «bei passender Gelegenheit an die Gesellschaft gelangen werde». Es sei allerdings vorauszusehen, dass die Ansichten über die Notwendigkeiten eines Neubaus «unter unseren Mitgliedern auseinandergehen» würden (Prot SKW B: S. 82, 2.12.1937).
Nun kam Bewegung in die Angelegenheit; am 28. Februar 1938 lag eine Anfrage der Sparkasse für den Kauf eines Teils des Postplatzes auf dem Tisch des Gemeinderats, und am 17. März 1938 bat Vizepräsident Friedrich Hauser-Heinrich (geb. 1883) die 18 anwesenden Gesellschafter im Namen einer Mehrheit des Vorstandes darum, einen Neubau zu bewilligen.
Um den Eindruck zu vermeiden, der Vorstand habe dem Entscheid vorgegriffen, sagte der Referent nichts von den Brämschen Vorarbeiten; stattdessen liess er «als ungefähres Vorbild» eine Ansicht der Thurgauer Kantonalbank-Filiale in Arbon zirkulieren, die 1928-1929 nach Plänen von Paul Nisoli erbaut worden war. Als Bauplatz empfahl er den Postplatz; als Mieter des ersten Stockes stehe das Notariat in Aussicht; im Dachstock solle eine Wohnung für einen gemeinsamen Hauswart untergebracht werden.
Verwaltungsgebäude der Filiale Arbon der Thurgauer Kantonalbank, erbaut 1928–1929 nach Plänen von Architekt Paul Nisoli (Weinfelden), heute Sitz der Polizei. Fotografie aus der Zeit nach der Einweihung (Besitz Hans Geisser, Arbon).
In der folgenden Diskussion sprachen sich der Weinhändler Ernst Decoppet-Theiler (geb. 1876) und der alt-SOB-Direktor Jacques Bünzli gegen einen Neubau aus, während sich der Stärkefabrikant Heinrich Blattmann-Ziegler zum Grünenberg (1869-1939), der Seifenfabrikant Dr. Louis Sträuli-Dietliker (1891–1962) und der Hutfabrikant Ernst Felber-Rutishauser (1889–1954) energisch für einen solchen einsetzten. «Nach den bisherigen grossen Vergabungen», argumentierte Blattmann, dürfe die Sparkasse «unbedenklich einmal für sich selbst sorgen».
Mit 14 zu 4 Stimmen nahmen die Gesellschafter den Neubau-Antrag an und autorisierten den Vorstand, den Postplatz-Bauplatz zu erwerben und Architekturpläne einzuholen (Prot SKW B: S. 99–103, 17.3.1938). Dieser setzte daraufhin eine Baukommission ein, bestehend aus Ernst Felber (Präsident), Walter Wild, Carl R. Ziegler (geb. 1879) und Wilhelm Bertschmann (Prot SKW B: S. 186ff., 22.12.1938 sowie S. 229, 23.3.1939).
Was den vorgesehenen Bauplatz betraf, zeichneten sich Schwierigkeiten ab: Etliche Bürger standen einem Teil-Verkauf des Postplatzes an die Sparkasse ablehend gegenüber. Der Vorstand hielt deshalb Augen und Ohren für alternative Bauplätze offen. Am 29. September 1938 konnte er berichten, dass die Erben von Ernst Gessner die Villa Rosenmatt (Gessnerweg 5) oder alternativ das Stallgebäude (Friedbergstrasse 1) zum Kauf angeboten hätten. Die Villa komme als Verwaltungssitz nicht in Frage, aber den Kauf des Stallgebäudes müsse man in Erwägung ziehen, es könne eventuell als Tauschobjekt von Nutzen sein (Prot SKW B: S. 152, 29.9.1938).
Der Kauf des Stallgebäudes erübrigte sich dann aber; am 14. Dezember 1938 stimmte die Gemeindeversammlung dem Verkauf der Nordpartie des Postplatzes an die Sparkasse zu, wenn auch nur knapp und nach heftiger Diskussion.
Obwohl noch ein Rekurs hängig war, nahm die Baukommision die Projektierungsarbeiten wieder auf. Am 12. Januar 1939 berichtete sie, sie habe – statt einen Wettbewerb zu veranstalten – vier Architekten zur Einreichung von Projektskizzen aufgefordert (Prot SKW B: S. 195, 12.1.1939), und am 2. März konnte sie deren Eingang vermelden (Prot SKW B: S. 219, 2.3.1939). Am 23. März 1939 – also rund drei Wochen nach Eingang der Pläne – präsentierte Baukommissions-Präsident Ernst Felber diese den Mitgliedern der Sparkasse-Gesellschaft. Er berichtete, dass man den Architekten Albert Freytag (1880–1945) als Berater beigezogen habe (Prot SKW B: S. 229, 23.3.1939).
Leider sagt das Protokoll nicht, vom wem die Projekte stammten. Eines war sicher von den Gebrüdern Bräm. Sicher ist ebenfalls, dass dem Brämschen Entwurf zwei Projekte von Albert Kölla (1889–1988) gegenüberstanden; von seiner Hand stammen nämlich zwei Plansets im Archiv der Sparcassa, die vom 28. Februar 1939 datieren.
Projekte für ein Sparkassengebäude am Postplatz von Albert Kölla vom 28. Februar 1939. Schaubild oben und Grundriss mitte links: Variante A in Heimatstil; Grundriss mitte rechts und Schaubild unten: Variante B in neusachlichem Stil (Archiv Sparcassa 1816 Wädenswil).
Wie schon die Gebrüder Bräm zwei Jahre zuvor legte KÖLLA eine Heimatstil- und eine neusachliche Variante vor, wobei er jene mit A, diese mit B kennzeichnete. Die Gesellschafter entschieden sich für das Projekt Bräm, verlangten aber Ergänzungen und Verbesserungen. Der ehemalige SOB-Direktor Jacques Bünzli empfand die Hauptfassade zum Postplatz hin als «etwas monoton» und bekrittelte die Platzierung des «Eingangs» auf der Seestrassen-Seite, Ernst Decoppet wollte gegen die Post hin grössere Fenster haben (Prot SKW B: S. 229–230, 23.3.1939). Einen guten Monat später – am 27. April 1939 – konnten die Gesellschafter dann das definitive Projekt absegnen (B: 249 = 27.4.1939). Zweifellos ist dieses Projekt mit dem identisch, das im städtischen Archiv der Baueingabepläne liegt, denn dieses datiert vom 25. April und trägt das behördliche Eingabedatum 28. April.
Baueingabeprojekt der Gebrüder Bräm für die Sparkasse Wädenswil vom 25.4.1939, eingegangen am 28.4.1939, bewilligt am 15.5.1939, später teilweise geändert. Rechts Situationsplan; unten links Hauptfassade Richtung Eintrachtstrasse, unten rechts Eingangsfassade an der Poststrasse (StadtAW Baueingabepläne 816/1939).
4.4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Zum Schluss nochmals zur Frage, wer die Hauptpromotoren des Sparkasse-Neubaus waren. Für Albert Hauser war die Schlüsselfigur Wilhelm Bertschmann, seit 1. September 1938 Verwalter der Sparkasse: Eine der ersten Amtshandlungen dieses wagemutigen Mannes und energischen Modernisierers habe im Planen und Bauen des neuen Verwaltungsgebäudes bestanden (Hauser 1991, S. 81–82). Nun mag Bertschmann als Mitglied der 1938 eingesetzten Baukommission auf die Planung Einfluss genommen und als Verwalter die Bauarbeiten begleitet haben, aber den Anstoss zum Neubau hatten andere gegeben. Denn der Entscheid für einen solchen war ja schon im Lauf des Jahres 1936 gefallen, im Zusammenhang mit dem geplanten Umbau des Geschäftssitzes am Reblaubenweg 4. Eine wichtige Rolle spielte damals sicher Sparkassen-Präsident Walter Wild. Da das neue Verwaltungsgebäude auch als Sitz des Notariats gedacht war, hatte er ein besonderes Interesse am Bau.
Einflussnahme hinter den Kulissen
Wie erinnerlich, ging der Entscheid für einen Neubau mit dem Beschluss einher, den Umbau des Hauses Reblaubenweg 4 Heinrich Bräm statt August Wernli anzuvertrauen – man wollte sich für den geplanten Neubau die Mitarbeit eines renommierten Architekten sichern. Ob Wild einen Draht zu Bräm hatte, wissen wir nicht. Sicher war das aber bei Ernst Felber der Fall, der später – 1938 – Präsident der Baukommission wurde: als Gemeindepräsident hatte er 1930–1931 bei der Planung des Bahnhofgebäudes eng mit Bräm zusammengearbeitet, und wahrscheinlich war er persönlich mit ihm befreundet (für spätere Zeiten ist diese Freundschaft bezeugt). Auch Felber kann deshalb bei der Weichenstellung für einen Neubau mitgewirkt haben, wenn auch eher im Hintergrund. Die ersten erhaltenen Pläne Bräms, datierend vom 3. Februar 1937, gehen bereits vom Postplatz als Standort aus, obwohl die Sparkasse diesbezüglich erst ein knappes Jahr später beim Gemeinderat anfragte. Offenbar hatten schon vor dem Datum des Planes Gespräche zwischen Vertretern der Sparkasse und des Gemeinderates stattgefunden. Auf Seiten des Gemeinderats dürfte Gemeindepräsident Walter Weber der Gesprächspartner gewesen sein. Da das Hotel-Restaurant Du Lac der Brauerei gehörte, war er – wie schon sein Onkel Fritz Weber – an einer Aufwertung des Postplatzes interessiert. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er es war, der die Sparkasse auf den Postplatz als möglichen Bauplatz hinwies. Fazit: Wie Felber dürfte auch Weber hinter den Kulissen den Bau eines Sparkassen-Verwaltungsgebäudes gefördert haben.
Wer drängte auf ein konservatives Design? Wer hatte welchen Anteil an der Gestaltfindung?
Bräm war in Wädenswil als Modernist bekannt; wer ihn ins Spiel gebracht hat, musste mit einem neusachlichen Entwurf rechnen. Wie aus den Plänen vom 3. Februar 1937 ersichtlich ist, hat Bräm dieser Erwartung entsprochen, gleich von Beginn weg aber auch eine konservative Option offeriert. Offenbar erkannten Bräms Förderer im Vorstand und der Architekt selber, dass sie einen Neubau nur durchbringen konnten, wenn sie eine traditionalistische Architektursprache wählten.
Walter Weber etwa hätte ein modernistisches Projekt kaum unterstützt. Als er in den frühen 1930er Jahren einen Architekten für sein Landhaus in der Rietliau suchte, entschied er sich für einen ausgesprochenen Retro-Architekten, für Albert Freytag. Wenn die Sparkasse 1939 eben diesen Freytag als Berater für die Beurteilung der Studien eines beschränkten Wettbewerbs beizog, dürfte das auf Empfehlung Webers geschehen sein.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wer auf die Formfindung Einfluss genommen hat, und in welcher Weise. Dass Bräm im Entwurfsprozess auf Empfehlungen und Wünsche anderer Personen Rücksicht genommen hat, zeigt sich daran, dass das definitive Projekt vom April 1939 stark von den Vorprojekten von 1937 abweicht. Leider ist ja das Projekt, mit dem er im Februar 1939 am Wettbewerb teilgenommen und mit dem er gesiegt hatte, verloren.
Von Bräms Konkurrenten Kölla ähnelte eines der zwei Projekte – das konservative – dem Arboner Heimatstil-Bankgebäude, mit welchem der Vorstand am 17. März 1938 bei den Gesellschaftern für den Neubau des Verwaltungsgebäudes geworben hatten: wie dieses (und wie nachher der ausgeführte Bau) weist es ein markantes Walmdach auf. Es ist wahrscheinlich, dass auch Bräm inzwischen ein Walmdach eingeführt hatte, da der Sparkasse-Vorstand offenbar ein solches wünschte und auch das wenig jüngere Baueingabeprojekt ein solches aufwies. Sicher fehlte aber noch der markante Treppenhausturm auf der Poststrassen-Seite – Bräm hatte den Eingang nämlich auf der Schmalseite zur Seestrasse hin vorgesehen. Man darf annehmen, dass Freytag es war, der einen solchen Turm empfohlen hat, denn er schätzte dieses Motiv. Bräm scheint sich aber nicht am Turm eines Freytag-Gebäudes, sondern an dem der Gerbe in Richterswil orientiert zu haben. Diesem 1828–1829 erstellten Walmdachbau war 1910 – also in der Reformzeit – ein polygonal schliessender Treppenhausturm vorgebaut worden. In der Mitte der 1920er Jahre hatte der Architekt und nachmalige Berufspolitiker Hans Streuli (1892–1970) diesen modernisiert und damit möglicherweise die Aufmerksamkeit Bräms auf den Bau gezogen.
Links: Haus Gerbe in Richterswil, erbaut 1828–1829; Treppenhausturm von 1910, modernisiert 1928. Rechts: Ehemaliges Verwaltungsgebäude der Sparkasse Wädenswil, Eingangsfassade an der Poststrasse, mit späterem Garagenanbau.
Schlussfolgerung
Abschliessend kann man sagen, dass das ehemalige Sparkassengebäude von den Gebrüdern Bräm entworfen wurde, dass dabei Heinrich Bräm die entscheidende Rolle spielte und dass er Anregungen von den Retro-Spezialisten Albert Freytag (1880-1945) und Albert Kölla (1889-1988) aufgenommen hat.