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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

16. Buch
1. Lassen sich nach der Sündflut in der Zeit von Noe bis Abraham Familien von Gottesmenschen nachweisen?
Es hält schwer, aus den Angaben der Schrift mit völliger Klarheit ausfindig zu machen, ob sich in der Zeit nach der Sündflut die Spuren des sich entwickelnden heiligen Staates fortsetzten oder ob sie sich in den hereinbrechenden Zeiten der Gottlosigkeit so gänzlich verloren, daß es unter den Menschen keinen einzigen Verehrer des einen wahren Gottes mehr gab. Denn nach Noe, der mit Gemahlin und drei Kindern und ebenso vielen Schwiegertöchtern durch die Arche von der Verheerung der Sündflut gerettet zu werden verdiente, finden wir in den kanonischen Büchern bis herab zu Abraham niemand, dessen Gottseligkeit durch Gottes Mund ausdrücklich gerühmt würde; nur daß Noe zwei seiner Söhne, Sem und Japheth, durch prophetischen Segen auszeichnet, wobei er in ferner Zukunft liegende Dinge schaute und vorhersah. So hat er auch seinen mittleren Sohn, d. i. den, der jünger war als der Erstgeborene und älter als der jüngste, ob dessen Sünde wider den Vater zwar nicht in eigener Person, sondern in dessen Sohne, seinem Enkel, verflucht mit den Worten1 : „Verflucht sei Chanaan, der Bube; Knecht wird er sein seinen Brüdern“, Chanaan war der Sohn jenes Cham, der die Blöße seines Vaters nicht nur nicht zugedeckt, sondern selbst verraten hatte. Wenn daher Noe im Anschluß daran den Segen über seinen Ältesten und seinen Jüngsten ausspricht und sagt2 : „Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, und Chanaan soll sein Bube sein; ausbreite Gott Japheth, und er wohne in den Häusern Sems“, so ist das ebenso prophetischen Sinnes voll und mit prophetischem Schleier verhüllt wie bei Noe selbst die Pflanzung des Weinberges, die Berauschung an dessen Frucht, die Entblößung im Schlafe und was sonst noch dabei geschah und aufgezeichnet wurde.
1: Gen. 9, 25.
2: Ebd. 9, 26 f.