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Die Halbpacht war schon im Altertum bekannt, sie ist noch heute weit verbreitet, namentlich im SüdenEuropas (Frankreich, Spanien,
[* 4] Italien),
[* 5] in einem großen Teil von Asien,
[* 6] neuerdings auch in Südamerika
[* 7] (besonders in Brasilien).
[* 8] Wo die Halbpacht besteht,
kommt sie wesentlich nur bei kleinen Gütern vor, die Pachter gehören der niedern landwirtschaftlichen Bevölkerung
[* 9] an, haben
wenig Vermögen und Bildung, die Verpachter sind große Grundbesitzer. Die Halbpacht kann im einzelnen manche Unterschiede (größere,
geringere Kapitalleistung des Eigentümers, größere, geringere Einwirkung desselben auf die Bewirtschaftung,
größerer, geringerer Pachtzins, längere, kürzere Dauer des Kontrakts) zeigen und zeigt auch thatsächlich solche in den
verschiedenen Ländern und Gegenden, wo sie vorkommt.
Die Halbpacht kann unter Umständen die Vorteile haben, daß Güter, für welche es an Zeitpachtern fehlt, und welche die Eigentümer
nicht selbst bewirtschaften können oder wollen, höhere Erträge als bei der Administration liefern und
dazu Personen, welche sonst Lohnarbeiter sein müßten, selbständige Unternehmer sind. Und möglich ist auch, wie die Halbpachtsverhältnisse
z. B. in Toscana zeigen, bei der ein hoch entwickelter Landbau und eine intensivere Kultur.
Aber in der Regel ergeben sich bei der Halbpacht sehr ungünstige Zustände: geringe Reinerträge, extensive Wirtschaft,
keine Fortschritte in der Produktion, eine klägliche Lage der Pachter. Und das liegt in der Natur der Halbpacht. Der Hauptübelstand
derselben ist die den Leistungen der Kontrahenten nicht entsprechende Teilung des Rohertrags. Diese bewirkt, da jeder höhere
Ertrag, der durch verstärkte Leistungen des einen Kontrahenten erzielt wird, mit dem andern zur
Hälfte zu teilen ist, daß beide Kontrahenten die Steigerung der Kapital- und Arbeitsleistungen unterlassen.
Auf niedern Wirtschaftsstufen machen sich diese Nachteile der Halbpacht weniger geltend, auf höhern erscheint die
Halbpacht wegen derselben im allgemeinen als
eine irrationelle Unternehmungsform und sie verliert auch thatsächlich mehr
und mehr an Terrain. Auch eine Reform derselben, wie sie von manchen (z. B. Sismondi, Fauconnier, W. Hamm)
[* 10] befürwortet wird,
dürfte weniger rationell sein als die Umwandlung von Halbpachtern in Eigentümer, resp. Erbpachter und die allgemeine Einführung
von Zeitpachten.