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Immer mehr Protestanten in Rorschach
1856 wurde Rorschach an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Das brachte zum einen Touristen an den See. Rorschach avancierte kurzzeitig zum Luftkurort.
Aber auch die Industrie zog nach Rorschach. Nach der Erfindung der motorbetriebenen Schifflistickmaschine von Isaak Gröbli setzte in Rorschach ein regelrechter Industrieboom ein. In den besten Jahren fanden bis zu 2000 Leute in der Feldmühle (dem ehemaligen Stickerei-Unternehmen auf dem Grundstück direkt neben der Kirche) ihr Auskommen. Doch auch andere Industriebetriebe, wie Aluminium, Konserven (Roco), Maschinen (Starrag, Schrauben) siedelten sich an.
Mit der zunehmenden Industrialisierung kamen die Arbeiter - und diese waren immer häufiger evangelisch.
Der Architekt: Prof. Albert August Müller
Der Architekt Prof. Albert August Müller (6.2.1846 - 31.12.1912) gewann den 1. Preis des Kirchenbauwettbewerbs für die Kirche Rorschach. Er war damals schon Professor für Architektur in Zürich neben Prof. Gottlieb Semper, dessen Mitarbeiter er in Wien gewesen war. Architekt Prof. Albert August Müller hat den Jugendstil bei Semper gelernt und in Zürich eine Reihe von Jugendstilvillen gebaut hat. Die Kirche wurde im neugotischen Stil erbaut.
Ein feste Burg - die Kirche als Provokation
Viele Katholiken empfanden jedoch den burgähnlichen Bau als Provokation. Gross, mächtig und raumgreifend machte sich neu die Evangelische Kirche im vormals rein-katholischen Rorschach breit. Luthers Kampflied der Reformationszeit "Ein feste Burg ist unser Gott" (RG 32) wurde mit dem Kirchbau dargestellt.
Im Inneren der Kirche wird durch die Architektur vor allem eine neuartige Grundrissordnung möglich. Der Gedanke war, die Gemeinde in der Form des Kirchenraumes widerzuspiegeln. Ein Raum ohne Schranken. Eine Gemeinde ohne Unterschiede vor Gott.
Der Kirchraum war als schlichter Versammlungsraum gedacht, der weder durch Schranken zwischen Chor und Schiff, noch in sich durch Stützen getrennt werden sollte. Abendmahlstisch, Taufstein, Kanzel und Orgel sollten organisch miteinander verbunden werden und im Blickfeld der Gemeinde stehen.