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In der Primarschule brachte Emma nur Bestnoten nach Hause. Ich freute mich von Herzen für meine Tochter, wollte diese Freude aber nie als Ansporn für weitere Bestleistungen verstanden wissen. Mir lagen andere Dinge am Herzen – etwa, dass sich meine Tochter ihre gesunde Neugier bewahren möge.
An der Gymi-Prüfung mussten die Schüler über Dinge Bescheid wissen, die sie im Unterricht noch lange nicht behandelt hatten. Eine Freundin meiner Tochter hatte niemanden, der sie beim Vorbereitungskurs aufs Gymi unterstützen konnte. Ich nahm das Mädchen unter meine Fittiche, was der Kursleiter nicht akzeptierte. Wer nicht allein lernen könne, gehöre da nicht hin, sagte er. Das ist eine Farce: Ich kenne kein Kind, das die Prüfung ohne Unterstützung geschafft hat – auch nicht meine Tochter, trotz der Sechsen im Zeugnis. Das finde ich bedenklich.
Nach der Probezeit ist es etwas besser geworden, aber nicht so, wie ich es mir für eine 14-Jährige wünsche. Emma kriegt zu wenig Schlaf, hat zu wenig Zeit zum Leben, sich, die anderen, die Welt kennen zu lernen. Dass sie die Probezeit geschafft hat, trägt wenig zu ihrer Beruhigung bei, vielmehr beschäftigt Emma das Risiko ins Provisorium abzurutschen, obwohl ihre Noten keineswegs darauf hindeuten. Das frappiert mich: Wie kann Lernen gelingen, wenn die Schule den Kindern suggeriert, dass sie sich lieber nicht in Sicherheit wähnen sollten?
Bild: fotolia.com
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