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Nicht nur gesunde Menschen können reiten und Freude an Pferden haben. Die Hippotherapie ermöglicht Personen mit geistigen und körperlichen Schwächen den Umgang mit den liebevollen Vierbeinern.
Zuerst einmal zur Entstehungsgeschichte der Hippotherapie:
Der Gedanke, das Pferd als Therapiepartner zu nutzen, entstand in der Schweiz vor ca. 30 Jahren. Jedoch gab es schon früh vereinzelte Fälle, in denen Reiter, die an neurologischen Erkrankungen litten, auf die Idee gekommen sind, einfach weiter zu reiten. Besonders ausgeprägt war diese Methode in England, wo das Reiten als Volkssport gilt. Die ersten Versuche einer neuropsycholgischen Basis für eine gezielte Therapie mit dem Pferd wurden erstmal im Jahre 1966 in Basel an der Neurologischen Universitätsklinik durchgeführt. Dabei wurden die Erkenntnisse aus dem entwicklungsneurologischen Behandlungskonzept von Bobath und der Funktionellen Bewegungslehre von Klein-Vogelbach berücksichtigt. Die damals zuständigen Ärzte gaben dieser neuen Therapieform den Namen „Hippotherapie“. Sobald diese Therapieform ausgereift war, gab es erste Bestrebungen, die Therapie im In- und Ausland auszubreiten. Anfangs verstand jeder etwas anderes unter dem Begriff „Hippotherapie“. Doch durch weitere Bemühungen des Basler Kreises entstand eine gewisse „Unité de doctrine“. Diese wurde durch rege Ausbildungs- und Informationstätigkeit gefördert, wie zum Beispiel durch die Gründung des Fachvereins „Schweizer Gruppe für Hippotherpie“ im Jahre 1976.
Wie sieht es mit den Voraussetzungen des Pferdes aus? Pferde, die für Therapien gebraucht werden, sind oft Kaltblüter. Diese sind ruhiger in ihrem Verhalten und lassen sich weniger schnell aus der Ruhe bringen als Warm- oder Vollblüter. Ausserdem vertragen sie die etwas unbeholfenen Kinder besser. Am Besten werden Tiere mit kleinerem Stockmass18 eingesetzt, weil sich das Kind somit auf einer, für die Arbeit mit ihm, angenehmen Höhe befindet und man auf seinen Körper einwirken kann. Das Wichtigste, was die Pferde als Voraussetzung für die Hippotherapie mitbringen müssen, ist, dass sie unverzüglich und ausnahmslos auf jedes Kommando des Reitlehrers reagieren.
Aber auch der Reitlehrer muss gewisse Merkmale aufweisen. Als Erstes muss ein in der Hippotherapie tätiger Reitlehrer den Eltern erklären, dass Pferde keine Wunder vollbringen können und dass sie ihren Kindern genügend Zeit lassen und viel Geduld mit ihnen haben müssen. Zudem wird vom Reitlehrer viel Geduld verlangt, denn körperlich und geistig auffällige Kinder benötigen mehr Zeit als gesunde. Er muss auch wissen, dass gewisse Sachen von diesen Kindern mehrmals wiederholt werden müssen, bis sie gut gelernt worden sind. Ausserdem muss er das Kind immer wieder in seinem Tun bestätigen, sei es durch verbales Lob oder ein Lächeln. Dadurch wagen Kinder neue Schritte. Therapiekinder müssen zudem behutsam behandelt werden. Wenn ein Pädagoge zu streng und hart mit einem sensiblen Kind umgeht, läuft er Gefahr, dass sich das Kind wieder verschliesst und er von Neuem beginnen muss, dass nötige Vertrauen aufzubauen, sofern das Kind danach überhaupt noch zu ihm in die Reitstunde gehen möchte. Gleichzeitig muss der Reitlehrer das Kind auch fordern. Andererseits muss er ihm den nötigen Freiraum lassen, damit es sich entwickeln kann. Eingeschritten wird deshalb nur dann, wenn etwas falsch ausgeführt wurde oder Gefahr droht. Auf diese Weise lernt das Kind alleine wo seine Grenzen sind und steigert in Folge sein Selbstbewusstsein.
Der Reitlehrer muss fähig sein, das Können des Kindes zu erkennen und die Stunde auf dem richtigen Niveau zu gestalten. Er sollte zudem über die fachliche Kompetenz verfügen, dem Kind ein passendes Pferd zuzuweisen. Ein ängstliches Kind reitet am Besten auf einem älteren erfahrenen Pferd. Mit der Zeit kann es auch ein herausfordenderes Pferd bewegen. Der Reitlehrer muss die richtige Balance zwischen Unter- und Überforderung des Kindes finden. Wenn das Kind zu verstehen gibt, dass es ein bisschen mehr machen möchte, sollte darauf eingegangen werden. Manchmal muss man aber dem Kind erklären, dass es sich überschätzt. Das Kind in solchen Moment zu vertrösten ist eine gute Lösung. In für das Kind frustrierenden Situationen muss man ihm erklären, dass es noch einiges lernen muss, um die von ihm gewünschten Aufgaben lösen zu können. Gleichzeitig muss man ihm Zuversicht und Potential vermitteln. Dadurch entwickelt das Kind Ziele, auf die es hinarbeiten kann.