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Wald
Im verhältnismässig kurzen Zeitabschnitt von 20 Jahren (1990 – 2010) nahmen die Wälder weltweit um eine Fläche von 1.35 Mio km2 ab; dies entspricht etwa der 33-fachen Fläche der Schweiz, oder 3.3% der heute bestehenden Gesamtfläche an Wäldern.
Das Roden von Wäldern schreitet ständig voran mit dem Ziel des Gewinns von Landwirtschaftsland, der Viehzucht, der Palmölproduktion, der Krabbenzucht, der Holzgewinnung, dem Abbau von Bodenschätzen, dem Strassenbau, der Herstellung von Holzkohle und dem Sammeln von Feuerholz.
Waldvernichtung: Zehn Mechanismen:
Quelle: http://www.wissen.allianz.ch/?1305/zehn-methoden-der-waldrodung (teilweise gekürzt)
1. Rodung durch Feuer für Gewinn von Farmland
Unangemessener Kahlschlag, Bevölkerungswachstum und die Ausdehnung der Städte machen die Wälder anfälliger für ausser Kontrolle geratene Feuer.
2. Ausbreitung der Landwirtschaft
Brasilien stellt heute 34 Prozent der weltweiten Sojaexporte, die hauptsächlich für die Herstellung von Tierfutter verwendet werden. Die landwirtschaftliche Massenproduktion ist die größte wirtschaftliche Ursache für die Abholzung. Weil sich mit Nutzholz zusätzliche Gewinne erzielen lassen, dehnt sich die Landwirtschaft bevorzugt in die Wälder aus, anstatt freie Randgebiete zu nutzen.
3. Viehzucht
Die USA, Brasilien, die Volksrepublik China und Argentinien zählen zu den bedeutendsten Rindfleisch-Exporteuren der Welt. Vielerorts ist der Lebensstandard gestiegen, was zu einer erhöhten lokalen und globalen Nachfrage nach Fleisch führte. Daraus entsteht wiederum ein wachsender Bedarf an Weideflächen und Land zum Anbau von Tierfutter.
4. Palmöl-Produktion
Die Flächen, auf denen Ölpalmen angepflanzt werden, haben sich in Indonesien in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht. Malaysia und Indonesien bringen es gemeinsam auf 80 Prozent der weltweiten Palmölproduktion.
Fast jedes zweite Produkt in einem Supermarkt enthält Palmölanteile wie z.B. Margarine, Cerealien, Kartoffelchips, Süsswaren, Backwaren, Seife, Shampoo, Waschpulver und viele Kosmetikartikel.
Quelle: auch: Greenpalm
5. Krabbenzucht
Kommerzielle Züchter holzen Mangrovenwälder ab, um Platz für die Krabbenzucht zu schaffen. Dabei schützen die Mangroven die Küsten bei Stürmen und beherbergen viele einzigartige Tier- und Pflanzenarten. Mangrovenwälder sind besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels wie steigende Meeresspiegel und Dürren.
6. Holzgewinnung
Die Nutzholzgewinnung, besonders die illegale, ist eine der Hauptursachen für die Abholzung der Wälder. In Brasilien und Indonesien werden schätzungsweise 80 bis 90 Prozent des Nutzholzes illegal gewonnen. Laut WWF könnten bis zu 28 Prozent der Holzimporte in der EU illegal sein. Kontrollierte, selektive Holzgewinnung hingegen muss nicht zum Verlust der Wälder führen. Die Ausweitung forstwirtschaftlicher Pflanzungen ist eine weitere Alternative zur illegalen Abholzung.
7. Abbau von Bodenschätzen
Viele Waldgebiete sind reich an Mineralien und daher von der Abholzung bedroht. Das Kongobecken in Zentralafrika beispielsweise birgt große unberührte Vorkommen an Gold, Coltan (COLumbit – TANtalit, Erz für Elektronikgeräte), Diamanten, Uran, Mangan und Kupfer.
8. Strassenbau
Im Bereich Infrastruktur-Erweiterung trägt der Straßenbau am meisten zur Abholzung bei. Der Bau einer Strasse begünstigt Zuwanderung und die Ausdehnung der Landwirtschaft in die Wälder, besonders in abgelegenen Gebieten, wo Eigentumsrechte unklar und kaum geregelt sind.
9. Holzkohle-Herstellung
Holzkohleherstellung als Ursache für Abholzung kommt hauptsächlich in Gebieten Afrikas südlich der Sahara vor. Dort zwingt die Armut viele Menschen, Bäume zu fällen, um Feuerholz zum Kochen zu gewinnen. Besonders der alte Bestand an Harthölzern ist gefährdet, denn aus diesen Bäumen gewonnene Kohle liefert mehr Hitze und brennt länger.
10. Feuerholz sammeln
Ein Drittel der Weltbevölkerung verwendet Biobrennstoffe, hauptsächlich Feuerholz, zum Kochen und Heizen. Angesichts des Bevölkerungswachstums kann das in armen Ländern verheerende Auswirkungen auf die Wälder haben. In der Demokratischen Republik Kongo deckt Holz 80 Prozent des gesamten Energiebedarfs und ist die Hauptursache für die Entwaldung in dieser Region.
Waldvernichtung nach Regionen:
Quelle: Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (gekürzt)
Jedes Jahr werden 13 Millionen Hektar Wald vernichtet – eine Fläche der Grösse Griechenlands. Besonders betroffen sind die Tropenwälder Südamerikas, Asiens und Afrikas. Seit den 1960er Jahren haben hier massive Zerstörungen stattgefunden. Zu den Brennpunkten der Waldvernichtung gehören Brasilien, Indonesien, Nigeria, Tansania und Australien. In China, Europa und Nordamerika nehmen die Waldflächen hingegen zu. Dabei handelt es sich aber häufig um stark veränderte, nicht natürliche Wälder oder Baumplantagen für die Holzproduktion.
Vor allem in armen Ländern werden Wälder durch Brandrodung und Kahlschlag in Agrar- und Weideland umgewandelt, um Soja, Palmöl oder Fleisch für den Export in Industrieländer zu gewinnen. Holz wird in großen Mengen für die Papierherstellung exportiert.
Neben dem Holzeinschlag hinterlässt der Bau von Strassen, Siedlungen und Stauseen weltweit zerstückelte und degradierte Wälder. Auch der Klimawandel macht den Wäldern zu schaffen: Sie sind zunehmend Bränden, Dürren, Überflutungen oder Insektenbefall ausgesetzt. Die Folgen der Waldvernichtung für Mensch und Umwelt sind alarmierend: Sie bedeuten hohe CO2-Emissionen, Artenverlust, Erosion, Naturkatastrophen, Wüstenbildung und für viele Menschen den Verlust ihrer Lebensgrundlage.
(Hinweis: Die in der Tabelle angegebenen Zahlen zur Waldvernichtung sind dem FAO-Bericht „Global Forest Resources Assessment 2010“ entnommen. Die FAO gibt dabei eine Netto-Änderung der Waldflächen an, das heisst Waldverluste und Waldgewinne werden miteinander verrechnet. Die Daten widerspiegeln daher nicht den tatsächlichen, absoluten Waldverlust.
Die Aufteilung der Regionen entspricht der Klassifizierung des FAO-Berichts).
Im verhältnismässig kurzen Zeitabschnitt von 20 Jahren (1990 – 2010) nahmen die Wälder weltweit um eine Fläche ab, die etwa der 33-fachen Fläche der Schweiz entspricht.
|Region

Veränderung
1990 – 2000
in km2

Veränderung
2000 – 2010
in km2

Veränderung
1990 – 2010
in km2

Veränderung
1990 – 2010
in Anzahl
„Schweizen“
|Nord- und Mittelamerika
||– 28’900
||– 1’000
||– 29’900
||– 0.7

|Südamerika
||– 421’300
||– 399’700
||– 821’000
||– 19.9

|Europa inkl. Russland
||+ 87’700
||+ 67’600
||+ 155’300
||+ 3.8

|Afrika
||– 406’700
||– 341’400
||– 748’100
||– 18.1

|Asien
||– 59’500
||+ 223’500
||+ 164’000
||+ 4.0

|Ozeanien
||– 4’100
||– 70’000
||– 74’100
||– 1.8

|Total
||– 832’800
||– 521’000
||– 1’353’800
||– 32.8

Nordamerika: Kanada
Die Wälder Kanadas, das mit einer Fläche von 310 Millionen Hektar weltweit auf Platz drei der waldreichsten Länder rangiert, haben nach Angaben der FAO seit 1990 nicht abgenommen. Der Grund liegt in den hohen Aufforstungen von durchschnittlich 385’000 Hektar pro Jahr. Doch der Schein trügt, denn insbesondere die riesigen Urwälder, die über die Hälfte der kanadischen Wälder ausmachen, werden immer weiter zerstört. Hauptursache der Waldvernichtung ist die Holzgewinnung, vor allem für die Zellstoffproduktion der Papierindustrie.
Südamerika
Die grössten Ausmaße nimmt die globale Waldvernichtung in Südamerika an. 40 Millionen Hektar Wald verschwanden im Zeitraum zwischen 2000 und 2010. Fast die Hälfte des Kontinents ist mit Wäldern bedeckt, die zu großen Teilen aus Urwäldern bestehen und mit dem Amazonas-Regenwald das grösste Regenwaldgebiet der Erde einschliessen. Brasilien ist das Land mit den weltweit grössten Waldverlusten. Mehr als zwei Drittel der Waldvernichtung Südamerikas findet hier statt. Daneben sind auch Bolivien und Venezuela von immensen Waldverlusten betroffen. Hauptursachen sind die Umwandlung des Tropenwaldes in Weide- und Ackerflächen sowie der Ausbau der Infrastruktur durch Strassen, Siedlungen und Stauseen. Die Erschliessung der Urwälder schafft die Voraussetzungen für Holzeinschlag, Besiedlung durch Kleinbauern und den grossangelegten kommerziellen Anbau von Monokulturen. Besonders Sojafelder und Rinderweiden dienen der Produktion wichtiger Exportgüter.
Europa einschließlich Russland
Zwischen 2000 und 2010 nahmen die europäischen Waldflächen um 6,7 Millionen Hektar zu. Aufforstungen fanden vor allem in Spanien, aber auch in Italien, Norwegen, Bulgarien, Frankreich und Serbien statt. Die neu angelegten Wälder sind jedoch in der Regel keine natürlichen Wälder. So liegt der Anteil artenreicher Mischwälder europaweit bei lediglich drei Prozent. Um eine effiziente Holzproduktion zu erreichen, werden meist nur wenige und schnell wachsende Baumarten gepflanzt. Nirgendwo auf der Welt sind die Wälder so stark auf Produktionszwecke ausgerichtet wie in Europa. Die intensive Bewirtschaftung hat zur Degradierung der Wälder und Artenverlust geführt.
In osteuropäischen Ländern stellt der illegale Holzeinschlag ein gravierendes Problem dar. Im Mittelmeerraum gefährden Brände die Wälder, die oft auf Fahrlässigkeit oder vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen sind, etwa um Bauland oder Weideflächen zu gewinnen. Dürren und Starkregen verstärken hier Bodenerosion und Wüstenbildung. 80 Prozent der Wälder Europas liegen in Russland, doch die borealen Urwälder im waldreichsten Land der Erde sind bedroht – durch Kahlschläge für den industriellen Holzexport.
Letztlich sind die europäischen Länder für die Waldvernichtung in anderen Regionen der Welt mitverantwortlich. Denn für den hohen Bedarf werden Holz- und Papierprodukte sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse in grossen Mengen importiert. Sojaimporte aus Brasilien zum Beispiel, die in der europäischen Massentierhaltung eingesetzt werden, tragen zur Zerstörung des Amazonas-Regenwalds bei.
Afrika
Zwischen 2000 und 2010 betrugen die Waldverluste Afrikas rund 34 Millionen Hektar. Damit ist Afrika nach Südamerika der Kontinent mit den zweitgrößten Waldverlusten der Welt. Alleine seit 1990 wurden zehn Prozent der Wälder zerstört. Besonders betroffen sind Nigeria, Tansania, Simbabwe und die Demokratische Republik Kongo. Da viele Länder nur wenig bewaldet sind, wächst die Gefahr einer kompletten Entwaldung. Die Waldvernichtung Afrikas muss im Kontext der stetigen Bevölkerungszunahme, extremen Armut und der zahlreichen Konflikte betrachtet werden. Wo die Holzindustrie den Tropenwald durch Straßenbau erschliesst, erhält auch die arme Landbevölkerung Einzug in diese Gebiete, errichtet Siedlungen und rodet Wälder für Agrarflächen. Wanderfeldbau und Brennholzverbrauch tragen erheblich zu den Waldverlusten Afrikas bei. Holzeinschlag ist die wichtigste Ursache der Waldvernichtung. Da vermarktungsfähige Holzarten nur selektiv wachsen, müssen riesige Waldflächen vernichtet werden. Tropische Werthölzer werden vor allem in die EU und vermehrt auch nach China exportiert. Den illegalen Holzhandel machen sich Kriegsfürsten zunutze, indem sie ihre Kriege aus den Erlösen finanzieren.
Asien
Auf den ersten Blick täuschen die nackten Zahlen: Zwar haben die Wälder Asiens unter dem Strich zwischen 2000 und 2010 um 22 Millionen Hektar zugenommen. Aber gleichzeitig wurde die massive Vernichtung wertvoller Tropenwälder in Süd- und Südostasien unvermindert fortgesetzt. Der Netto-Anstieg der Waldflächen ist in erster Linie auf intensive Aufforstungen Chinas zurückzuführen, wo die Wälder jährlich um drei Millionen Hektar wuchsen, insgesamt seit 1990 um ein Drittel. China versucht mit grossangelegten Baumplantagen die Wüstenbildung einzudämmen, die sich infolge der Abholzungen drastisch ausgebreitet und unter anderem schwerwiegende Flutkatastrophen verursacht hatte. Allerdings werden viele nicht einheimische und gentechnisch veränderte Bäume gepflanzt – das ist ökologisch bedenklich und kann die enormen Tropenwaldverluste Indonesiens, Myanmars (Burma), Kambodschas, Laos´ und Malaysias keinesfalls ausgleichen. Besonders in Indonesien, dem Land mit den weltweit zweitgrössten Waldverlusten, wird Regenwald in Zellstoff- und Palmölplantagen umgewandelt und illegal Tropenholz für den Weltmarkt eingeschlagen. Nicht selten landen die illegalen Hölzer in China, dem weltweit grössten Tropenholz-Importeur. China deckt seine Importe vor allem aus den Tropenländern Asiens, aber auch Afrikas, und forciert so die Waldvernichtung in den betroffenen Ländern. Doch China ist oft nur Durchlaufstation: Viele dort verarbeitete Holz- und Papierprodukte werden exportiert – hauptsächlich in die EU, USA und nach Japan.
Ozeanien
Die Waldverluste Ozeaniens lagen zwischen 2000 und 2010 bei 7,8 Millionen Hektar. Die meisten Wälder gingen in Australien, dem waldreichsten Land Ozeaniens, zugrunde. Massive Waldbrände und Dürren haben hier seit dem Jahr 2000 5,6 Millionen Hektar Wald zerstört und machten Australien zu dem Land mit den zweitgrössten Waldverlusten der Welt. Seit 2005 hat die Waldvernichtung auch in Papua-Neuguinea durch Holzeinschlag sowie Rodungen für Landwirtschaft und Palmölplantagen zugenommen. In den letzten zehn Jahren verlor der Inselstaat mehr als 10 Prozent seiner tropischen Wälder. Die Wälder Australiens und Neuseelands sind besonders durch Holzeinschlag und das Anlegen von Waldplantagen für die Holzproduktion gefährdet. Für industrielle Zwecke, vor allem für die Zellstoff- und Papierindustrie, wurden in den vergangenen Jahren weitere Plantagen errichtet.
JVO, 04/14