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Im Mai ist der Mars der einzige Planet, der in der ersten Nachthälfte zu beobachten ist – obwohl er bereits vor Mitternacht wieder untergeht. Ende Monat wird er dann nur noch für eine kurze Zeit nach Sonnenuntergang zu sehen sein. Schön zu beobachten sind in der zweiten Nachthälfte dafür die beiden Gasriesen Saturn und Jupiter. Letzterer wird von einem Mond umkreist, in dessen Ozeane Leben vermutet wird.
Text Marc Horat
Wer den Jupiter etwas genauer beobachtet – zum Beispiel mit einem ruhig gehaltenen, grösseren Feldstecher oder einem kleinen Fernrohr – wird mit dem Anblick seiner vier grössten Monde Io, Europa, Ganymed und Callisto belohnt. Da sie bereits in der Zeit der Renaissance durch Galileo Galilei mit seinem selbstgebauten Teleskop entdeckt worden sind, sind sie auch als galileische Monde bekannt. Wer Nacht für Nacht ihre Positionen verfolgt, kann die Himmelsmechanik quasi live erleben: Die Anordnung und Reihenfolge der kleinen Lichtpunkte ändert sich stetig, da sie sich auf Umlaufbahnen um den Jupiter befinden. Galilei folgerte aus seinen Beobachtungen dieser Bewegungen im 17. Jahrhundert richtig, dass es sich bei Jupiter um eine Art Mini-Sonnensystem handelt. Diese Ansichten brachten ihn aber in Konflikt mit der Kirche, welche an einem Weltbild mit der Erde im Zentrum allen Seins festhielt und schlussendlich endete der Forscher dafür sogar fast auf den Scheiterhaufen.
Wasser auf Europa
Der kleinste der vier grossen Jupitermonde ist gleichzeitig der interessanteste: Europa ist ein Eismond mit flüssigem Wasser unter der gefrorenen, kilometerdicken Oberfläche. Möglich ist dies nur Aufgrund der Gravitationskräfte, die der Jupiter auf seinen Begleiter ausübt. Diese kneten den Mond ständig durch und zerren an ihm. Die dabei entstehende Reibungswärme verleiht Europa eine innere Aktivität, die ihn trotz der grossen Entfernung zur Sonne warmhält. Der Mond ist einer der wahrscheinlichsten Orte im Sonnensystem, wo ebenfalls Leben existieren könnte und es gibt Pläne, eine Raumsonde in seine Ozeane zu schicken, welche genau das erforschen soll.
Sternschnuppen am Himmel
Ebenfalls in der zweiten Nachthälfte ist der Meteor-Strom Eta-Aquariden im Sternbild Wassermann (Aquarius) zu beobachten. Obwohl sich dieses mit Fortschreiten des Monats immer früher über den östlichen Horizont schiebt, findet ihr Höhepunkt bereits am 6. Mai statt. Dann werden bis zu 20 Sternschnuppen pro Stunde erwartet, diese Zahl nimmt dann im Laufe des Monats ab. Doch um was handelt es sich bei diesen Sternschnuppen genau? Mit Sternen haben sie eigentlich nichts zu tun, es sind vielmehr winzige Staubkörner aus dem Weltall, welche in unserer Erdatmosphäre verglühen. Ihr Ursprung ist überdies kein geringerer als der Schweif des legendären Kometen 1P/Halley (meist einfach Halley’scher Komet genannt), der für das Jahr 2061 zurückerwartet wird. Auf seinem Weg von jenseits der Neptunbahn bis in Sonnennähe verliert der Komet konstant kleine Teilchen, da seine Oberfläche aus Eis und Staub von der Sonne erwärmt wird. Diese Wolke bildet den imposanten Kometenschweif und bleibt als Dreckspur auf der Bahn des Kometen zurück. Wenn die Erde auf ihrer Umlaufbahn eine dieser zurückgelassenen Staubspuren passiert, häufen sich Sternschnuppen an unserem Himmel. Neben den Eta-Aquariden stammen übrigens auch die Orioniden, die aber erst im Oktober zu beobachten sind, von Halley. Einer der stärksten Meteorströme können wir dann im August beobachten: Die bekannten Perseiden oder Laurentiustränen Mitte August mit teilweise über 100 Sternschnuppen pro Stunde, wobei sie dieses Jahr vom hell scheinenden Mond abgeschwächt werden.