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«Interview with the Vampire» - so ist die neue Serie nach der Vorlage von Anne Rice
Einst war Tom Cruise als Vampir unterwegs, nun kriegen wir die Geschichte von Lestat in Serienform geboten. In sieben Episoden wird gebissen, getrauert und dramatisch die Haare in den Nacken geworfen.
Worum geht es?
Louis de Pointe du Lac (Jacob Anderson) hat im New Orleans von 1910 eine kleine Kette von Bordellen unter sich, als er auf den charismatischen Lestat de Lioncourt (Sam Reid) trifft. Dieser, geheimnisvoll und attraktiv, verdreht Louis den Kopf und entscheidet sich bald, die Gabe, seine Fähigkeiten weiterzugeben, um dessen Leiden und Sorgen zu beenden. Lestat ist ein Vampir und macht Louis mittels Biss zum Kompagnon und Lebensbegleiter.
Doch während Lestat selbst mit dem Morden und Aussagen keine Probleme hat und das Leben als überlegene Kreatur geniesst, wachsen in Louis die Zweifel. Von seiner Familie entzweit, sucht er nach Alternativen zum Töten und einen Weg, seinen neuen Lebensstil mit seinem Gewissen zu vereinbaren. Als Lestat dann auch noch das Mädchen Claudia (Bailey Bass) erschafft und so mit Louis eine Familie gründet, werden die Probleme der Vampire immer grösser.
Seine Lebensgeschichte erzählt Louis dem Reporter Daniel Molloy (Eric Bogosian), der mit seinen Fragen immer wieder neue Aspekte des Lebens von Louis de Pointe du Lac aufblitzen lässt und weiss, in welche Gefahr er sich für dieses Interview mit dem Vampir begeben hat.
1994, unter der Regie von Neil Jordan, wurde bereits eine gross angelegte Filmfassung von Ann Rices Geschichte veröffentlicht: Interview with the Vampire: The Vampire Chronicles hatte damals das Duo Tom Cruise und Brad Pitt in den Hauptrollen und mit Christian Slater (als Interviewer), Antonio Banderas, Kirsten Dunst oder Thandie Newton einen imposanten Cast zu bieten. Obwohl dieser Zweistünder über 200 Millionen Dollar einspielen konnte, wurde auf ein offizielles Sequel verzichtet. Allerdings kann Queen of the Damned als Fortsetzung der Geschichte der Figur Lestat angeschaut werden. Dort wird er aber von Stuart Townsend gespielt.
Nun kommt diese Story als Streaming-Serie zu uns: Interview with the Vampire besteht in der ersten Staffel aus sieben Episoden, die jeweils knapp 50 Minuten dauern und somit der Geschichte rund um Lestat und seine Kollegen viel mehr Zeit zur Entwicklung geben. Das wird dann auch entsprechend genutzt, um das Leben und die Leiden der Menschen von damals näher zu betrachten. So braucht die Serie dann auch einen Moment, um die Gänge zu kommen, aber mit dem Auftauchen des langhaarigen und gebildeten Vampirs ist auch dieses Problem gelöst.
Was wir nun bekommen, sind Episoden, die einen grösseren Zeitraum abdecken und die steigende Unzufriedenheit in der Vampir-Familie immer deutlicher machen: das anfängliche «grosse» Fressen, die Zweifel an der Lebensart, die problematische Beziehung der Blutsauger und die Entwicklungen, die nebenher passieren und das Leben der Gruppe beeinflussen. Das alles braucht seine Zeit, weshalb einzelne Folgen etwas gar zäh zum Gucken sind. Neuen Drive bekommt die Geschichte mit dem Auftauchen der Tochter, die keinesfalls so unschuldig ist, wie es den Anschein macht.
Die Darsteller sind allerdings sehr überzeugend und im Fall von Sam Reid sogar aussergewöhnlich gut. Der Australier, den wir vielleicht aus The Limehouse Golem kennen, verkörpert den überheblichen Vampir mit Haut und Haar und steht gemeinsam mit Jacob Anderson («Grey Worm» aus Game of Thrones) klar im Mittelpunkt. Diesen Platz kann ihnen höchstens Eric Bogosian als Interviewer streitig machen. Der Rest des Casts ist als solid einzustufen.
Fazit der ersten Staffel
Interview with the Vampire hat sehr gute Momente und kümmert sich weder um Bedecktheit noch um blutleere Aktionen. Der rote Saft fliesst und spritzt, Nacktheit gehört zur Tagesordnung und die Szenen in der Gegenwart (mit einem hervorragend spielenden Reporter Eric Bogosian) sind absolut sehenswert. Dass man aber dieses Tempo nicht durchgehend hält und sich immer wieder Zeit nimmt, die Ereignisse von damals gemächlich und langsam zu erzählen, bringt den Erzählfluss immer wieder ins Wanken. Trotzdem: Wer die Vorlage kennt, den 1990er-Film mag, dürfte hier einiges wiedererkennen. Für Staffel zwei hoffen wir auf eine etwas schnittigere und temporeichere Umsetzung der Geschehnisse.
Interview with the Vampire läuft aktuell exklusiv auf Sky Show, wo alle sieben Episoden abrufbar sind.