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Erika S. * (58) hatte eine schwierige Zeit hinter sich. Sie war die Chefsekretärin eines CEOs in einem grösseren Unternehmen. Sie arbeitete seit 25 Jahren in dieser Firma und organisierte von Geschäftsreisen ins Ausland bis zur Reparatur der Kaffeemaschine alles. Aus heiterem Himmel bekam sie das erste Mal die Kündigung.
Sie arbeitete noch ihre hübsche, junge Nachfolgerin ein, danach war sie arbeitslos. Nach 4 Monaten wurde sie vom gleichen CEO wieder eingestellt, da die Neue wieder gekündigt hatte. Nach weiteren 10 Monaten bekam Erika wieder eine Kündigung. Diesmal liess sie sich freistellen, da sie keine Lust darauf hatte, ihre neue, wieder sehr junge und hübsche Nachfolgerin einzuarbeiten.
Wir lernten uns in der Beratung kennen. Ich erwartete eine geknickte Frau, denn die Vorgeschichte war mir schon bekannt. Jedoch weit verfehlt; Erika war eine kleine, gut gelaunte, resolute Frau mit viel Temperament.
58 Jahre ist ein sehr schwieriges Alter für jemand, der auf Stellensuche ist. Eine Frühpensionierung kommt bei den Meisten noch nicht in Frage und die Arbeitgeber suchen nach viel jüngeren Mitarbeitenden. Die Arbeitslosenkasse kann diese Lücke auch nicht überbrücken.
Ich fragte Erika, ob sie schon einen Strategie hätte. Sie meine, ja. In max. 2 Monate werde sie wieder arbeiten. Sie strahlte mich an und lies ihre Behauptung auf mich wirken. Danach erklärte sie mir, dass sie folgendermassen vorgehen werden: Sie rufe alle geeigneten KMU’s in ihrer Umgebung an und offeriere ihnen ihre Arbeit für max. 1 Woche ohne Bezahlung. So könne sie beweisen, dass sie gut und unverzichtbar sei. Erika meinte, nach ein paar Wochen hätte sie bestimmt jemanden überzeugt.
Ob sie denn nicht Angst hätte, ausgenützt zu werden, fragte ich. Klar, meinte sie mit einem Augenzwinkern, das werden die Firmen ausnützen. Das sei ja ihre Chance sich zu beweisen. Ich war etwas skeptisch, aber wieso sollte sie diese Strategie nicht versuchen?
3 Monate später unterschrieb Erika ihren neuen Arbeitsvertrag. Sie fing in einem Kleinunternehmen als Alleinsekretärin an zu arbeiten, machte von der Buchhaltung, Offertenwesen, Kundenbetreuung bis zum Personellen alles und war äusserst zufrieden.
Heute ist Erika pensioniert. Wie immer ist sie gut gelaunt und geniesst ihre neue Freizeit. Sie fährt öfters mit ihrem Cabriolet nach Österreich …
… der Liebe wegen.
(* Namen und ein paar wenige Eckdaten aus Datenschutzgründen geändert)