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Er ist Anfang Achtzig und aktiver Kendoka. Fritz Dettwiler hatte schon immer eine Schwäche für Kampfsport. Nach fast zwanzig Jahren Judo-Training stiess er 1959 endlich auf Kendo. Seither ist er den Weg des Schwertes gegangen. In Japan wohl bekannt hat Dettwiler der fernöstlichen Schwertkunst in der Schweiz den Weg geebnet.
Fritz Dettwiler wurde am 6. Dezember 1921 in Sissach geboren und wuchs im beschaulichen Basler Jura auf. Dettwiler ging zur Schule, absolvierte eine Lehre als Konditor und leistete vier Jahre Aktivdienst während dem Zweiten Weltkrieg. Eine für diese Zeit durchaus normale Laufbahn, zu der sich aber schon bald eine eher ungewöhnliche Karriere gesellen sollte. 1943 kam Dettwiler in Basel zum ersten Mal mit Judo in Kontakt. Obwohl er das Training während seiner Militärzeit unterbrechen muss, liess ihn der Kampfsport nicht mehr los. Als er 1948 für zwei Jahre nach Marokko ging, öffnete dort schon bald der erste JudoClub – auf Fritz Dettwilers Initiative hin.
Ende der fünfziger Jahre erfuhr Dettwiler, dass das Shung Do Kwan Dojo in Genf Wochenund Wochenendkurse in Kendo anbietet. Das Fechten hatte ihn schon immer fasziniert, und so reiste er nach Genf, um dort mit einer Handvoll Gleichgesinnter zu trainieren. Zu Hause in Gelterkinden übte er daraufhin jahrelang allein und ohne Anleitung. 1967 gründete Dettwiler das erste Schweizer Kendo Dojo in Gelterkinden. Unermüdlich versuchte er immer wieder, Kendo einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Eine Kendo-Demonstration anlässlich des Judo-Abends im Dorf zeitigte aber nur kurz Wirkung, und der Versuch, in Basel einen Kendo-Club aufzuziehen, scheiterte vorerst ganz.„Zu Beginn kamen 14 Leute; nach Jahresfrist war es noch Einer“, konstatiert Dettwiler und fügt gleichmütig hinzu: „Aber das ist kein Grund, aufzugeben.“
1970 findet in Tokio die erste Kendo-Weltmeisterschaft statt. Die Zen Nippon Kendo Renmei, die Alljapanische Kendo-Föderation, schickte auch eine Einladung in die Schweiz. In Japan trifft Fritz Dettwiler auf Takizawa-sensei. „Der hat sofort gesehen, dass das Quatsch war, was wir da machten“, schmunzelt Dettwiler. Die Höflichkeit verbot es dem Japaner aber, dies offen auszusprechen. So fragte er Fritz Dettwiler, ob der Schweizer bereit wäre, einen japanischen Studenten aufzunehmen. Dettwiler willigte ein. Nach Jahresfrist erreichte ihn ein Schreiben aus Japan, und 1972 traf Kasahara Hiroaki in Gelterkinden ein. Dieser war aber nicht wie erwartet ein Student, sondern Kendo-Lehrer der japanischen Kendo-Föderation. Kasahara-sensei begann, den Schweizern Kendo beizubringen.
Dettwiler selbst unterrichtete weiterhin drei Mal wöchentlich Judo, Aikido und Kendo – neben seiner Tätigkeit als Leiter des eigenen Ingenieurbüros. „Wenn man etwas aufzieht, dann muss man dran bleiben und darf nicht zaudern“, sagt Dettwiler bestimmt. Die Trainings fanden zu Anfang in der Gemeindeturnhalle statt. 1972 ging ein grosser Wunsch in Erfüllung: Fritz Dettwiler baute sein eigenes Dojo. Vor der Einweihung lud er Behörden und Anwohner ein und klärte sie über Sinn und Zweck der Fechthalle und auf – die Nachbarn sollten sich nicht erschrecken, wenn ab und zu einmal Schläge oder Schreie zu hören sein würden. Nun stellte sich die Frage nach der Benennung des Dojo. Dettwiler schrieb an die Internationale und an die Alljapanische Kendo-Föderation, und der Präsident der Letzteren, Kimura Tokutaro, verlieh dem ersten Schweizer Dojo seinen Namen: Renshin Dojo. Ren heisse soviel wie formen, shin bedeute Herz oder Geist. „Ein Dojo ist eine Stätte der Selbsterkenntnis“, erklärt Dettwiler und fügt hinzu, im Dojo werde schliesslich nicht gegen einen Partner gekämpft, sondern gegen sich selber und gegen seine eigenen Fehler und Schwächen. „Aus dem Dojo musst du möglichst viel mitnehmen auf das grösste Kampffeld, und dieses Kampffeld heisst Leben.“
Nach der Weltmeisterschaft in London im Jahre 1976 besuchte eine japanische Delegation das Zentrum des Schweizer Kendo in Gelterkinden. „Von da an kamen immer wieder Meister aus Japan auf Besuch.“ Dettwiler deutet auf die Wand vor ihm. Dort hängen Dutzende Fotos mit Widmungen japanischer Besucher. In einer Vitrine schräg gegenüber sind japanische Schwerter und Lanzen ausgestellt. Dettwiler: „Die habe ich bei Versteigerungen und über Inserate gekauft; die meisten davon zum Nullpreis. Damals hatte ich keine Ahnung – sonst wären es heute garantiert mehr!“
Der heute 81-jährige Fritz Dettwiler trainiert immer noch regelmässig in seinem Dojo, und im Winter 2001 hat er am 13. Internationalen Olten Cup im Gelterkindener Team mitgekämpft.