Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03165.jsonl.gz/1093

Stehende Gewässer
Stehende Gewässer werden grob in perennierende (dauerhafte) und temporäre (nicht beständige) Stillgewässer eingeteilt (vgl. Tab. 1). Dauerhafte Stillgewässer sind Seen und Weiher. Während der See eine durchschnittliche Wassertiefe von mindestens fünf bis sieben Meter aufweist, ist der Weiher meist deutlich weniger tief. Daher ist die Wassertemperatur im ganzen Weiher nahezu ausgeglichen. Der See hingegen weist eine beständige thermische Schichtung auf. Bei periodischen Gewässern wie Tümpeln und Pfützen ist es ganz natürlich, dass sie immer wieder austrocknen und nach Regenfällen oder nach der Schneeschmelze wieder neu entstehen.
Weiher oder Teich?
Weiher und Teiche sind gewissermassen kleine Seen ohne Tiefenbereich, was bedeutet, dass der gesamte Gewässerboden von Wasserpflanzen besiedelt werden kann. Sie unterscheiden sich durch ihre Herkunft: Während Weiher natürlich entstandene Flachgewässer sind, wurden und werden Teiche vom Menschen angelegt. Für den Naturhaushalt wie auch für die Wasserlebewesen scheint diese Unterscheidung bedeutungslos zu sein. Da aber viele Teiche absichtlich so angelegt werden, dass man ihr Wasser bei Bedarf ablassen kann, hat die sprachliche Trennung von Weiher und Teich durchaus einen Sinn.
Die Bedeutung der Begriffe Teich und Weiher wird im Dialekt unterschiedlich gehandhabt. So sind zum Beispiel der Entenweiher der Langen Erlen, der Bogentalweiher am Passwang und der Baslerweiher in Seewen für unterschiedliche Zwecke künstlich angelegte Teiche. Zusätzlich verwirrend ist auch die Bezeichnung Teich in St. Alban-Teich, Mühleteich oder Riehenteich. Diese ist vom baseldeutschen „Dyych“ abgeleitet und meint vom Menschen gebaute Fliessgewässersysteme, Kanalsysteme.
Ihre Lebensräume
Abhängig von Form und Beschaffenheit des Gewässergrunds, der Wassertiefe und des Nährstoffgehalts zeigt jedes stehende Gewässer hinsichtlich seiner botanischen und zoologischen Artenkombination individuelle Züge.
Ein räumliches Nebeneinander entsteht durch die Abnahme der Wassertiefe gegen das Ufer eines stehenden Gewässers hin (Zonation). So entspricht die Wachstumsgrenze der höheren Pflanzen der Grenze zwischen Epipelagial und Bathypelagial in der Freiwasserzone (Pelagial) einerseits und zwischen Litoral und Profundal in der Bodenzone (Benthal) andererseits (vgl. Tab. 2).
Die Armleuchteralgen-Gesellschaft bildet in Form einer «Wiese» einen artenarmen Lebensraum am Gewässergrund. Armleuchteralgen sind für Kolbenenten eine lebenswichtige Nahrungsquelle.
Zu den Laichkrautgesellschaften gehören Wasserpflanzen, die mit ihren Wurzeln zwar den Grund erreichen, jedoch nicht fest verankert sind. Neben dem Laichkraut (Potamogeton sp.)finden sich in diesem Lebensraum Arten wie das Ährige Tausendblatt (Myriophyllum spicata) und die Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis). Typische Fischart dieses Gewässerbereichs ist die Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus), ein Schwarmfisch, der mit Vorliebe seinen Laich auf den obgenannten Pflanzen ablegt.
Die markantesten und augenfälligsten Vertreter der Schwimmblattgesellschaft sind die Weisse Seerose (Nymphaea alba) und die Grosse Teichrose (Nuphar lutea). Sie bieten günstige Laichbedingungen für Fische. Ihre Blütenpracht verleiht diesem Lebensraum aus menschlicher Sicht eine gewisse Attraktivität. Gegen das Ufer hin folgt die schilfbewachsene Röhrichtzone, die wegen ihrer günstigen Lebensraumbedingungen für den Fischnachwuchs von Bedeutung ist. Oberhalb der mittleren Wasserlinie schliessen im nassen bis feuchten Boden Gross- und Kleinseggen an.
Vom Feuer- und Mühle- zum Naturschutzweiher
Eine Erklärung, weshalb die Region um Basel relativ arm an natürlichen stehenden Gewässern ist, lässt sich vor allem durch die geologischen Verhältnisse geben. Es fehlt der wasserundurchlässige Untergrund. So entstanden die wenigen stehenden Gewässer der Region lediglich entlang der Fluss- und Bachläufe. Überschwemmung, fortschreitende Erosion und das Entstehen von Talsperren durch Bergstürze waren Rahmenbedinungen für die Entstehung. In Gebieten mit Lössböden im unteren Kantonsteil existieren stehende Gewässer.
Tümpel sind natürlicherweise temporäre Lebensräume, die mit der Zeit verlanden oder austrocknen. Entlang des Oberrheins bildeten sich solche in Form von Tot- oder Altwassern, abgeschnittenen ehemaligen Armen des Rheins.
Die Blüte der stehenden Gewässer erlebte die Region im 17. bis 19. Jh.. In dieser Zeit entstanden an verschiedenen Orten vom Menschen angelegte Teiche. Die , , , und Hanfrözen hatten unterschiedliche Aufgaben: Sie wurden für Löschwasser genutzt und als Fischzuchtanlagen gebraucht; man setzte sie als Wasserreservoire bei Fabriken ein, um den Betrieb der Mühlen garantieren zu können, nutzte sie zum Flössen von Holz oder zum Einweichen von Hanfstauden (in sogenannten Hanfrözen – Wasserlöcher). Bis zum 20. Jh. wurden die Weiher durch Teiche mit neuen Zwecken ergänzt: Es entstanden Fabrik-, und .
Als man die Nutzung der Weiher und Teiche oft im Zusammenhang mit Meliorationen aufgab oder änderte, verschwanden sie rasch. Mit ihrem Verschwinden nahm auch die Vielfalt der Pflanzen und Tiere dieses Lebensraums in der Region ab. Seit den 1970er-Jahren hat die Zahl der stehenden Gewässer infolge eines intensiven, noch immer anhaltenden Trends zum Bau von einigen grösseren und vielen kleineren «Naturschutzweihern» wieder zugenommen. Heute sind sie als Refugien für viele Amphibienarten, Libellen und weitere aquatische Kleintiergruppen sowie Wasserpflanzen sehr wertvoll.
Wertvolle und attraktive Beispiele aus der Region
Der Baslerweiher bei Seewen zählt zu den grössten stehenden Gewässern der Region. Dort, wo der Seebach in den im Jahr 1870 für die Wasserversorgung der Stadt Basel angelegten Teich fliesst, wächst ein kleiner Auenwald mit verschiedenen Weidenarten, Schwarz-Erlen und Eschen. Neben Rohrkolben und Schilf entdeckt man in der Uferzone überall Grossseggen. Stockenten und Blessrallen schwimmen auf dem Wasser, Graureiher sind auf der Pirsch.
1595 wurde der Bogentalweiher am Passwang gebaut, der bis ins 19. Jh. zum Flössen von Holz diente. Wurde der Teich rasch entleert, konnte das in der Lüssel bereitgelegte Holz mit der Flutwelle bis zur Birs und dann weiter bis nach Basel geflösst werden. Heute gilt der Bogentalweiher als wichtiges Laichgebiet für Amphibien.
Die Naturschutzweiher in den Langen Erlen zwischen Riehen und dem Stadtrand haben eine reiche Wasser- und Uferflora. Insbesondere gilt dies für das Reservat «Am Eisweiher». Ringelnattern, Laubfrösche und verschiedene Libellenarten können dort beobachtet werden.
Als Ersatzlaichplätze für Amphibien wurden im Sormatt-Tal unterhalb von Schloss Wildenstein mehrere Tümpel angelegt. Schon nach kurzer Zeit wurden sie von vielen verschiedenen Organismen besiedelt, und ein dicker Grünalgenteppich entwickelte sich.
Nicht vergessen darf man das Naturschutzgebiet Petite Camargue Alsacienne, das nicht nur aus botanischer Sicht wertvoll ist. In den vielen Altwassern, Tümpeln und Teichen finden nicht nur Pirol, Kuckuck und Nachtigall, sondern auch viele Libellenarten, laut quakende Wasserfrösche und Teichmolche geeignete Lebensräume.
EB