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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Zweite Rede
34.
Denn wenn schon bei diesen entstandenen und leiblichen Dingen die Zeugungen nicht als Teile der Substanzen, aus denen sie stammen, erfunden werden, und nicht unter Leiden1 ins Dasein treten und die Substanzen der Eltern nicht vermindern, toben sie nicht wieder gegen den unkörperlichen und wahren Gott, wenn sie [in ihm] nach Teilen und Leiden suchen und solche annehmen und dem leidensunfähigen und unveränderlichen Gott Teilungen zuschreiben, um damit die Ohren der Einfältigeren zu betäuben und von der Wahrheit abzulenken? Denn wer kann von einem Sohn reden hören, ohne an das Eigentum der Substanz des Vaters zu denken? Und wer hätte im Anfang des katechetischen Unterrichts vernommen, daß Gott einen Sohn habe, und daß er alles durch sein Wort gemacht habe, ohne es in dem Sinne aufzufassen, wie wir es jetzt verstehen? Als dann die abscheuliche Häresie der Arianer aufkam, wer wurde da nicht alsbald, wenn er ihre Reden vernahm, überrascht, da sie Fremdklingendes vorbrachten und eine andere Lehre verbreiteten als die, welche von Anfang an verbreitet wurde? Denn was von jeher in jedes Herz gelegt wird, ist die Lehre, Gott habe einen Sohn, das Wort, die Weisheit und die Kraft, und dieser sei sein Bild und Abglanz. Aus dem Gesagten ergibt sich aber sofort von selbst das "immer" und das "Sein aus dem Vater", die Ähnlichkeit und Ewigkeit der Zeugung der Substanz, und eine Vorstellung von Geschöpf oder gemachten Wesen findet hier nirgends Raum. Als aber ein feindseliger Mensch die Worte: "Geschöpf" und: [S. 167] "Es war einmal, da er nicht war" und: "Wie ist es nun möglich?" aussäte, da entstand nunmehr wie ein Unkraut die verruchte Häresie der Christusfeinde. Und sogleich trieben sie sich, da ihnen jegliche aufrichtige Gesinnung abgeht, nach Art der Räuber geschäftig herum und erfrechen sich zu fragen: "Wie kann also der Sohn mit dem Vater ewig existieren? Denn die Menschen werden mit der Zeit Söhne von Menschen: so zählt der Vater dreißig Jahre, der Sohn aber nimmt dann mit der Zeugung den Anfang, und es existierte überhaupt nie eines Menschen Sohn, ehe er gezeugt wurde". Dann wieder flüstern sie: "Wie kann der Sohn Wort sein oder das Wort ein Bild Gottes? Denn das Wort des Menschen besteht aus Silben und bringt bloß den Willen des Redenden zum Ausdruck, dann ist es beendigt und verschwunden".
1: Wenn das Zeugen der teilbaren Substanz ein Ausscheiden eines wesentlichen Teiles aus ihr ist, dann bedeutet dieser schmerzende Verlust ein Leiden.