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Wie prägt der Zeitgeist unsere Gottesdienstkultur? Ich wagte den Versuch einer Beschreibung anhand von sieben Kriterien. Der Aufsatz erschien in der Bekennenden Kirche (2/2015, Nr. 61):
Der US-amerikanische Bibellehrer R.C. Sproul schrieb darüber, dass in vielen Sonntagsschulen (Kindergottesdiensten) den Kindern zwei Kernbotschaften vermittelt würden. Erstens erschallt der optimistische Ausruf “Du bist genial!” Dann folgt die Aufforderung “Sei nett!”. Im Refrain eines Kinderliedes kommt die optimistische Einschätzung des Menschen zum Tragen: “Du bist ein Mensch nach Gottes Phantasie, du bist genial.” Solche Lieder rahmen die Botschaften ein, die da lauten: Lerne gut zuzuhören, werde ein besserer Freund, sei anständig zu deinen Eltern und entfalte dein Potenzial in der Schule. Es geht zusammengefasst um Persönlichkeitsentwicklung. Dieselbe Botschaft ist auch in vielen Gottesdiensten zu hören.
Ich sage nicht, dass diese doppelte Nachricht gänzlich falsch ist. Der Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen und durch diesen Bezug mit Würde ausgestattet. Dies darf jedoch von der zweiten Botschaft nicht isoliert werden: Der Mensch ist in Sünde gefallen und darum unendlich weit entfernt davon, “genial” zu sein. Er bildet es sich aber oft in seinem Stolz ein.
Im Kleinen Kinderkatechismus, den ich mit meiner Familie durcharbeite, stehen mehrere Fragen zur Sündenerkenntnis. Der Heilige Geist deckt Sünde auf, bewirkt, dass wir die Sünde hassen und wirkt in uns den Wunsch, von ihr zu lassen, also sie nicht mehr zu tun. Dieser Heiligungsprozess wird jedoch erst in einem durch Wiedergeburt und Bekehrung erneuerten Menschen möglich.