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aus dem Kunstmuseum Hamburg
Im Jahre 1906 wurde zu Schwandorf in der Oberpfalz die Bayerische Braunkohlen-Industrie-Aktiengesellschaft gegründet zum Zwecke der Ausbeutung der südlich von Wackersdorf gelegenen Braunkohlenfelder. Sitz der Gesellschaft ist Schwandorf. Das Aktienkapital beträgt 3,6 Millionen Mark: die Obligationsanleihe weist eine Höhe von 2,5 Millionen Mark auf. Das natürliche Absatzgebiet für die Produkte der Gesellschaft ist Bayern und die angrenzenden Länder, wie Württemberg, Baden, Tirol.
Die Fabrikanlagen sind in Wackersdorf östlich von Schwandorf gelegen. Hier grub im Jahre 1800 der Schneidermeister A. Schuster einen Brunnen und traf dabei in einer Tiefe von einigen Metern auf schwarze kohlige Erdmassen und darunter auf dunkelbraune feste Braunkohlen. Daraufhin unternommene Untersuchungen führten zur Aufschließung eines mächtigen Braunkohlenlagers, welches in einer ausgedehnten Eintiefung des älteren Untergrundes unter tertiären Schichten abgelagert ist.
Hier liegt die Braunkohle in meist wenig geneigten Schichten 1 bis 15 Meter unter einer sandigen und tonigen Überdeckung in einer Mächtigkeit bis zu 40 Meter. Schon bald nach der Entdeckung wiesen sachverständige Männer auf die große Bedeutung hin, welche diese Kohlenlager für unser Vaterland gewinnen können und es wurden manche Bergbauversuche zu ihrer Ausnützung unternommen, jedoch mit recht geringem Erfolge. War seiner Zeit der Bedarf an Kohle ein kleiner und bei den noch namhaften Holzbeständen der Holzpreis ein sehr niedriger, so kam dazu, daß die bergbaulichen Unternehmungen unrationell betrieben wurden und so zu keinem Erfolge führen konnten. Vor allem aber genügte die Kohle nicht den Anforderungen, welche man an sie stellte, weil die Feuerungsanlagen, in denen sie verbrannt werden sollte, in keiner Weise den Eigenschaften der Braunkohle entsprachen. Wie jeder Brennstoff, soll er richtig ausgenutzt werden, an die Heizanlage besondere Bedingungen stellt, so auch die Oberpfälzer Braunkohle. Und wenn auch die Einrichtung einer geeigneten Heizvorrichtung dafür einfach ist, so übersah man das Jahrzehnte lang oder war zu bequem, darauf Rücksicht zu nehmen und erzielte mit der Kohle unbefriedigende Resultate. So dauerte es nicht lange, und man hatte ein ungünstiges Urteil über sie gefällt und verschloß dem heimischen Kinde die Türen.
Dennoch ist unserem Heimatlande Bayern in dem Wackersdorfer Kohlenlager ein großer, reicher Besitz geboten, und es kann die Kohle, richtig behandelt und benutzt, ihm von allergrößtem Nutzen sein, da sie billig geliefert und billig bezogen werden kann. Daß sie, wie sie von der Grube kommt, in geeignete Feuerungsanlagen der Industrie verbracht, in völlig zufriedenstellender und in sehr rationeller Weise die Dampfkessel heizt, beweisen die großen Dampfkesselanlagen auf dem Wackersdorfer Werke (15 Kessel á 105 Quadratmeter Heizfläche und 2 Schornsteine von je 67 Meter Höhe und 3,50 Meter untere und 2,50 Meter obere lichte Weite) und die Lokomotiven der Grubenbahnen (6 Stück mit zusammen über 800 PS) daselbst, welche mit eigener Kohle geheizt werden, ferner die Ergebnisse, die man auf anderen Werken erzielt, wo man die Feuerung ihr anpaßte, beispielsweise auf der Maxhütte in Rosenberg. Haidhof und Fronberg, bei dem Portland-Zementwerk Berching A.G. u. a. m. Die Lage an einer der wichtigsten bayerischen Eisenbahnstationen, Schwandorf, wohin von der Grube eine Vollbahn (zirka 7 Kilometer) geführt ist, ermöglicht eine günstige Verfrachtung nach verschiedenen Richtungen für die Orte mit bedeutender Industrie. Für den Hausbrand und für weitergehende industrielle Anforderungen wird die Wackersdorfer Kohle zu Briketts verarbeitet, die unter der Bezeichnung
„Bayern-Briketts“
in den Handel gebracht werden. Die Hausbrand-Briketts haben eine handliche Form, sind fest, von glatten, glänzenden Außenflächen, reinlich und leicht entzündlich. Sie verbrennen mit langer Flamme und entwickeln bedeutende Wärme. Die einzige Sorgfalt, welche ihre Verwendung erfordert, ist die Reinigung des Ofens vor dem Anheizen, da der Rost im Ofen beim Heizen nicht ganz mit Asche bedeckt sein soll. Die Asche der Bayern-Briketts ist sehr leicht und das Brikett quillt beim Verbrennen etwas auf, wobei die Asche außerordentlich langsam verglüht, sodaß die Öfen stundenlang warm bleiben, wenn die Kohle verbrannt ist, ein Vorteil, der bei der Verwendung angenehm empfunden wird.
Die Industriebriketts kommen als sogenanntes Semmelformat und als sogenanntes Rollenformat in den Handel. Das erstere Format findet Anwendung für Kesselfeuerungen. die von Hand- oder mittelst Wurfapparaten bedient werden und dann zur Vergasung in Generatoren, wie sie z. B. neuerdings von dem Königlichen Hüttenamt Weiherhammer speziell zur Vergasung von Briketts fabriziert werden. Das Rollenformat, das auf einer speziellen von der Bayerischen Braunkohlen-Industrie-A.G. erfundenen und unter Patentschutz stehenden elektrisch angetriebenen Presse hergestellt wird, dient in erster Linie zur Beschickung von solchen Kesseln, die mit Wanderketten-und Plutostocker-Rosten arbeiten, dann aber natürlich auch für automatische Beschickungsapparate aller Art. Die Verwendungsmöglichkeit ist also eine sehr große, der Absatz steigert sich von Jahr zu Jahr und eine ganz Reihe führender Werke unserer einheimischen Industrie sind ständige und zuiriedene Abnehmer mit zum Teil sehr langen Abschlüssen geworden.
Die Zentrale der Brikettfabrik ist nach dem neuesten Stande der Technik ausgebaut und mit den leistungsfähigsten Maschinen ausgestattet. In derselben arbeiten zwei Zwillings-Compound-Maschinen mit Ventilsteuerung von je 350 PS und zwei Compound-Dampfmaschinen mit Ventilsteuerung von je 250 PS. In diesem Jahre ist eine weitere Dampfmaschine aufgestellt worden, die 1900 PS leistet. Jede dieser Maschinen treibt Dynamos von gleicher Leistung, die elektrische Energie mit einer Spannung von 500 Volt erzeugen. Die Schalttafel für die Verteilung des Stromes ist ebenfalls nach dem neuesten Stande der Technik ausgebaut und mit den besten und zuverlässigsten Apparaten ausgestattet. Die Spannung wird durch einen Spezial-Stromregler der Siemens-Schuckert-Werke automatisch in stets gleicher Höhe gehalten unabhängig von der Beanspruchung der Maschinen. Der für den Betrieb dieser Maschinen und der in der Brikettfabrik erforderliche Dampf wird in 15 Dampfkesseln von je 105 Quadratmeter hergestellt.
Diese Dampfkessel werden auf sogenannten Topfschen Treppenrostfeuerungen mit der eigenen Förderkohle geheizt. Die Kessel haben einen Betriebsdruck von 10 Atmosphären. Der Dampf wird in indirekt gefeuerten Dampfüberhitzern auf eine Temperatur von 350 Grad Celsius gebracht.
Der gesamte Abdampf der Dampfmaschinen der elektrischen Zentrale, sowie von acht in der Brikettfabrik arbeitenden Dampfmaschinen der Brikettpressen von je 150 PS. wird zum Trocknen der Kohle benutzt, nachdem er vorher in einer geeigneten Entöleranlage vom öl befreit ist. Das Kondensat gelangt durch eine Rückleitung wieder in die Kessel und zwar mit einer Temperatur von zirka 130 Grad. Die in der Grube aufgestellten zwei Zentrifugalpumpen werden elektrisch angetrieben. In dem Betriebe arbeiten rund 25 Motore mit insgesamt 1350 PS. Außer den acht mittelst Dampfmaschine betriebenen Pressen arbeiten noch zwei elektrisch angetriebene Pressen eigener Konstruktion. Außer den obengenannten sechs Feuer-Lokomotiven befindet sich noch eine 200 PS feuerlose Lokomotive von J. A. Maffei-München in Betrieb, deren Konstruktion durch die Ausstellung derselben im Jahre 1908 in München in weiten Kreisen bekannt geworden ist.
Die Brikettfabrik ist mit einer eigenen Bahn nach Schwandorf (Entfernung zirka 7 Kilometer) mit der Station verbunden. Die Bahn besitzt normale Spur und beginnt bei km 41,1 und 50 der bayerischen Staatsbahn von Regensburg nach Schwandorf. Die stärkste Steigung beträgt 1:100.
Die Leistung der Rohkohlen-Separation, die in diesem Jahre neu erbaut wurde, nachdem die alte durch einen Brand zerstört wurde, beträgt pro Tag 1500 Tonnen, die der Brikettfabrik 500 bis 550 Tonnen.
Ferner ist eine eigene Reparaturwerkstätte. Tischlerei, Schleiferei, Sattlerei und Schmiede auf dem Werke vorhanden; diese Anlagen sind mit den neuesten und modernsten Maschinen ausgestattet. Ein eigenes Laboratorium unter Leitung eines dipl. Chemikers kontrolliert die im Betriebe erforderlichen Materialien sowie die täglichen Erzeugnisse auf ihre Güte.
Zur Zeit arbeiten auf dem Werke gegen 400 bis 450 Arbeiter. Unfern der Werksanlage ist eine eigene Arbeiterniederlassung gegründet worden und 80 Wohnungen mit einem Konsumvereinshause, meist in Einzelwohnhäusern in geschmackvollem, der heimatlichen Bauweise angepaßtem Stile und idyllischer Gruppierung sind entstanden.
Das Wackersdorfer Braunkohlenwerk ist jetzt reichlich fünf Jahre im Betriebe. Mittelst Baggermaschine (Trockenbagger System Lübeck) ist die Überdeckungsschicht auf einer großen Fläche beseitigt und das Überdeckungsmaterial durch eine eigene Grubenbahn beiseite geschafft, so daß das gewaltige Braunkohlenlager freigelegt und durch zirka 30 Meter tiefe Einschnitte aufgeschlossen ist. Täglich arbeitet an dem Rande der gebildeten großen Bucht der Dampfbagger und nimmt Streifen um Streifen der Überlagerung weg. Durch die ins Kohlenlager eingeschnittenen weiten Strecken laufen in langen Reihen Schienengeleise und Kohlenhauer lösen von den hohen Kohlenstößen die schwarzbraune feste Masse in kleineren und größeren Stücken los, welche die Förderer in die Grubenhunte einladen. Diese gelangen durch zwei Kettenbahnen teils zur Kohlenseparation und zum Grubenbahnhofe, teils über eine lange Eisenbrücke hoch hinauf in die obersten Räume der Brikettfabrik. Hier wird die Kohle zerkleinert, getrocknet und in zehn Pressen unter einem Drucke von 2000 Atmosphären zu fertigen Briketts gepreßt. ln weniger als einer Sekunde verläßt ein verladefertiges Brikett die Presse.
Es ist ein lohnender Besuch, das in Wackersdorf gelegene Werk, die größte bayerische Brikettfabrik und eines der größten Unternehmen in Bayern, zu begehen und die in den mächtigen, schwarzbraunen Kohlenpfeilern dastehenden Umwandlungsprodukte von vor Tausenden von Jahren an dieser Stelle in sumpfigen Niederungen emporgewachsenen Koniferen- und Laubbaumstämmen zu durchschreiten, die trefflich erhaltenen Lignitstämme zu betrachten, die stellenweise in den Kohlenflözen eingebettet liegen. Hierbei zieht unwillkürlich die lange Zeit an uns vorüber, die erforderlich war, um diese Baumstämme wachsen, sie vom Alter zermürbt oder von den schweren Schlägen einhertosender Stürme getroffen, stürzen zu lassen, damit neue Bäume darüber schlagen und emporsprießen konnten.
Kurze Zeit ist erst vergangen, seit die Arbeiten bei Wackersdorf ernstlich in Angriff genommen wurden und heute herrscht dort regstes Leben. Das vor einigen Jahren noch völlig ebene Gelände trägt auf der einen Seite einen Hügel mit dem aufgeschütteten Abraummaterial. Das mächtige Fabrikgebäude und die Betriebsgebäude ragen in die Luft und eine gewaltige Einbuchtung ist in die Erde gegraben und wird im Verlaufe der Jahre sich noch weit ausdehnen. Der Kohlenvorrat wird eine ganze Reihe von Menschenaltern aushalten.
Die Einführung der Braunkohlenbriketts bezw. der Braunkohlenfeuerung schreitet mit Riesenschritten vorwärts. und zwar führen sich Braunkohlenbriketts nicht nur in Bayern als beliebtes rauch- und rußfreies Brennmaterial in Industrie und Haushalt ein, sondern es ist die gleiche Beobachtung in dem gesamten Deutschen Reiche zu machen.
Nach der Statistik betrug die deutsche Braunkohlenbrikett-Produktion im Jahre:
Hierin liegt ein Aufschwung einer neuen Industrie, der in der gleichen Großartigkeit niemals zu verzeichnen war. Es ist dies ein sprechender Beweis dafür, daß die Braunkohlenbriketts tatsächlich in jeder Weise leistungsfähig und den übrigen Brennmaterialen ebenbürtig zur Seite stehen.
Siehe auch:
Aktien-Papierfabrik Regensburg
Express-Fahrradwerke A.G.Neumarkt in der Oberpfalz
Jesuitenbrauerei Regensburg in Regensburg
Schlüssel-Bleistift-Fabrik J. J. Rehbach in Regensburg
Das Elektrizitätswerk der Stadt Regensburg
Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft Hamburg. Benzinfabrik Regensburg.
Dampfsägewerk Arnschwang
Johann Müller, Perlmutterknopf-Fabrik
Eisengießerei Carolinenhütte
Dampfsäge, Hobel- und Spaltwerk, Kistenfabrik
Staatliche Eisenindustrie in der Oberpfalz Amberg-Weiherhammer-Bodenwöhr
Prinz Rupprecht-Quelle vormals Silvana-Sprudel in Groschlattengrün
Bayerische Granitaktiengesellschaft in Regensburg
Tonwerk Prüfening und Braunkohlengrube Friedrichzeche
Städtisches Lagerhaus Regensburg am Luitpoldhafen
Die Kalkindustrie der Walhallastraße
Kalblederfabrik Furth i. Wald
Bayerische Braunkohle-Industrie
Die Malteserbrauerei in Amberg
Terranova-Industrie C. A. Kapferer & Co. in Freihung.
Königlich Bayerische Hofglasmalerei Georg Schneider in Regensburg
Das neue Gaswerk der Stadt Regensburg
Die Stadt Weiden
Naabwerke für Licht- und Kraftversorgung
Kalksandsteinfabrik Roding G.m.b.H.
Königl. Schwellenwerk in Schwandorf
Bayerische Maschinenfabrik Regensburg
Metallhammerwerk u. Bronzefarbenfabrik in Rothenbruck Opf. Aluminiumbronzefabrik in Rauhenstein Opf.
Die Entwicklung des Fahrrades
Tonwerk Blomenhof, G.m.b.H., Neumarkt i. Opf.
Die Flügel- und Piano-Fabrik von Georg Weidig in Regensburg
Eisen- und Metallgießerei, Maschinenfabrik und Kesselschmiede
Dresdener Maschinenfabrik und Schiffswerft Übigau A.G. Werft in Regensburg
Die Anlagen der Benzinwerke Regensburg
Portland – Cementwerk Burglengenfeld
Bürgerbräu Weiden
Aktiengesellschaft Porzellanfabrik Weiden
Holzhandlung, Werke für Holzimprägnierung und Kyanisierung
Porzellanfabrik Tirschenreuth
Stanz- und Emaillierwerke in Amberg
Bayerische Schlauchfabrik, mechanische Hanf- und Drahtseilerei
Die Wasserversorgung der Stadt Regensburg
Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke
Cahücitwerke Nürnberg. Fabrik in Neumarkt Oberpfalz.