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Der Genfer Architekt Maurice Turrettini (1878–1932) errichtete in den Jahren 1915 bis 1918 im Auftrag des Winterthurer Industriellen Jakob Heinrich Ziegler-Sulzer (1859–1930) in erhöhter Lage am Waldrand die Villa «Am Römerholz». Turrettini orientierte sich bei seiner Planung an dem Typus der Stadtvilla, mit der nun die wohlhabende europäische Schicht, die im Laufe der Industrialisierung als Unternehmer oder Bankiers zu Reichtum gekommen war, ihrem Anspruch auf Repräsentation Geltung verschaffte. Gerade auch die grossen europäischen und amerikanischen Sammler insbesondere der alten Kunst folgten diesem Trend und liessen ihre Residenzen nach demselben Muster bauen. Die Villa «Am Römerholz» weist die im Rahmen dieses Formenkanons verbreitetsten Stilrichtungen auf und bedient sich des bekannten Repertoires historischer repräsentativer Architektur. In der schlichten Gestaltung des Baukörpers klingt die klare Bauweise der italienischen Renaissance an. Dieser Stil bestimmt auch den Hauptraum im Inneren der Villa, dem sich jedoch unmittelbar ein kleiner Salon im Stile des französischen 18. Jahrhunderts anschliesst.
Oskar Reinhart erwarb die Villa im Jahre 1924. Gleich nach dem Kauf beauftragte er Maurice Turrettini mit dem Anbau einer Gemäldegalerie, die sich wie das Haupthaus erhalten hat. Im Gegensatz zu den kleinen und geradezu prunkvoll gestalteten Räumen der Villa besteht die Galerie aus einem grossen geschlossenen Baukörper ohne historisierende Reminiszenzen. Die schlichte Eleganz dieses zentralen Raumes, gekrönt von einer imposanten Seitenlaterne, die eine gleichmässigere Verteilung der Lichtmenge bietet, schuf eine geradezu feierliche, über den Alltag hinaus erhobene Bühne für die Inszenierung der Sammlung. Vergleichsbeispiele für eine solchartige Galeriearchitektur lassen sich besonders im deutschen Sammlermilieu der Jahrhundertwende finden, das den Impressionismus als Moderne feierte.