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Das Dichter ABC: Lasker-Schüler, Else
Ihr schillernder Aufzug bleibt nie unbemerkt, wenn sie ihre Runden um ihre Lieblingsorte Café Select, Kino Nord-Süd und «Bodega» dreht.
Starrt man Else Lasker-Schüler etwas lange an, wird man rüde angeherrscht und des Spitzeltums verdächtigt. Oft nicht zu unrecht.
«Der schwarze Schwan Israels», wie Peter Hille, Freund und Förderer aus der Berliner Bohème sie nannte, hat im April 1933 in Zürich vor den Nazis Zuflucht gefunden.
Die ersten Tage verbringt sie nach eigenen Angaben unter einem Baum am See, wohnt dann im Augustinerhof an der St. Peterstrasse 8, drei Jahre später im Hotel Seehof an der Schifflände 26/28.
Dank der Unterstützung von Freunden und Fürsprechern, gelegentlichen Lesungen und Veröffentlichungen wie in der NZZ und in Klaus Manns Zeitschrift «Die Sammlung» hält sie sich knapp über Wasser: Die grosse Lyrikerin Deutschlands darf ihre Erwerbstätigkeit nur in beschränktem Masse ausüben. Ihre Armut und die Furcht vor «Überfremdung» sind denn auch die Gründe, warum ihr der längere Aufenthalt von den Behörden untersagt wird. Prinz Jussuf von Theben, wie sie auch heisst, muss immer wieder aus Zürich ausreisen, um erneut eine Bewilligung zu beantragen. Den Strapazen zum Trotz zeichnet sie viel und schreibt ihr Stück «Arthur Anonymus und seine Väter», das im Dezember 1936 unter der Regie von Leopold Lindtberg am Schauspielhaus aufgeführt wird.
Auch ihre Briefe sind zahlreich; besonders lieben Menschen legt sie gerne Murmeln, Sand oder Blütenblätter bei. Jene hingegen, die ihrem wahren Alter auf die Schliche kommen, beschimpft sie «der Taktlosigkeit ersten Ranges» gegenüber der Alterslosigkeit von Künstlern und Kunst.
1939 muss sie Zürich endgültig verlassen und zieht nach Jerusalem, wo sie einen Vortragsring gründet und 1945 im Alter von 76 Jahren stirbt.
Nadia Ghidoli
Else Lasker-Schüler: Gesammelte Werke.
Frankfurt a. M. 1996