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Sehnsucht nach Italien
Wie viele seiner Zeitgenossen war auch Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847) begeistert von Italien mit seiner berückenden Natur, der hochstehenden Kultur alter Zeiten und der «reinen» Lebensfreude.
Bereits Wolfgang von Goethe (1749–1832), der Mendelssohns Genie übrigens bewunderte, besang das südliche Land sehnsuchtsvoll: «Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn? Dahin! Dahin». Dem Aufruf folgte auch Mendelssohn, der Italien in den Jahren 1830 und 1831 als junger Mann bereiste, und zwar im Rahmen seiner «Grand Tour», die ihn anschliessend auch in die Schweiz führen sollte.
Venedig, Bologna, Florenz, Rom, Neapel, Pompeij, Ischia, Amalfi, Capri – diese wunderbaren Orte besuchte Mendelssohn auf seiner Reise. Die vielfältigen Eindrücke, die er unterwegs wie ein Schwamm aufsog, verschwammen in Mendelssohns Kopf häufig mit literarischen Vorstellungen, die der belesene Künstler just etwa von Goethe kannte. Zudem inspirierten ihn die Umgebung und Erlebnisse auch zur musikalischen Produktion.
Nachdem ihn eine kurz vorher getätigte Bildungsreise auf der britischen Insel (1829) zur «Hebriden»-Ouvertüre und zur «Schottischen» Sinfonie angeregt hatten, kam in ihm auf der Reise im Süden der Plan auf, eine Sinfonie zu Italien zu schreiben: die «Italienische» Sinfonie.
Damit habe er zwei Sinfonien: «eine aus Schottland, eine aus Italien». Letztere, die er u.a. mit «les charmes de l’Italie» bezeichnete, konzipierte er auch musikalisch gezielt als heiteres Gegenstück zur trübseligen Sinfonie zu Schottland.
«Überhaupt geht es mit dem Componiren jetzt wieder frisch, die Italiänische Sinfonie macht grosse Fortschritte, es wird das lustigste Stück, das ich gemacht habe.»
Mendelssohn in einem Brief vom 22. Februar 1831
Die «lustige Sinfonie», die Mendelssohn «auf das Land Italien» schrieb, reisst einen tatsächlich schon zu Beginn mit ihrem ungestümen und optimistischen Schwung mit. Mit der hellen Tonart A-Dur, dem beschwingten Metrum und den aufspringenden Motiven fasste Mendelssohn diese Stimmung im Kopfsatz passend ein. Der zweite Satz allerdings, ein erhaben voranschreitendes Andante, scheint auf den damals beliebten Topos der Pilgerfahrt anzuspielen. Den dritten Satz gestaltete Mendelssohn als nobles Menuett aus, womit möglicherweise die klassizistische Seite Italiens impliziert ist. Gleichzeitig nimmt es die Idee des Tanzes auf graziöse Weise auf. Dem wird im letzten Satz ein volkstümliches Pendant entgegengestellt: ein irrsinnig schneller Saltarello, bzw. eine Tarantella, bei der man sich gut vorstellen kann, wie das Volk – wie von der Tarantel gestochen – umherspringt und tanzt.
Zum ersten Mal aufgeführt wurde die Sinfonie übrigens nicht in Italien, sondern 1833 in London. Kein Zweifel: Die Sehnsucht nach Italien, die schon damals durch Mendelssohns Musik gesteigert wurde, ist bis heute ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die «Italienische».
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In der Rubrik Mendelssohn finden Sie Konzertaufzeichnungen und weitere Texte über Mendelssohns Reisen nach Italien, Schottland und in die Schweiz.