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Vevey (awp) - Nestlé hat im vergangenen Geschäftsjahr 2015 wachstumsmässig erneut klar unter den eigenen Zielen abgeschnitten. Der Konzern spricht aber von einem profitablen Wachstum und beantragt seinen Aktionären deshalb erneut eine (leichte) Dividendenerhöhung. Für das laufende Jahr geht die Gruppe von einem weiterhin schwierigen Handelsumfeld und entsprechend einem Wachstum in ähnlicher Grössenordnung wie 2015 aus.
Das organisches Wachstum als wichtigste Umsatzgrösse lag im Berichtsjahr bei 4,2% und fiel damit noch etwas tiefer als 2014 (4,5%). Der weltgrösste Nahrungsmittel-Konzern blieb damit - wie allerdings erwartet - bereits zum dritten Mal in Folge unter dem eigenen Langfristziel von 5 bis 6%. Das Wachstum 2015 setzte sich zusammen aus dem internen Realwachstum (RIG) von 2,2% und Preisanpassungen von 2,0%, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. Der Gesamt-Umsatz blieb rund 3% unter Vorjahr und erreichte 88,8 Mrd CHF, wobei sich die Wechselkurse per Saldo mit -7,4% und Zu-/Verkäufe mit +0,1% auswirkten.
Das Wachstum der Gruppe war den Angaben zufolge "breit abgestützt in allen Regionen", mit 5,8% in Nord- und Südamerika (AMS), 3,5% in Europa etc. (EMENA) und 1,9% in Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika (AOA). Das Geschäft in den Industrieländern wuchs um 1,9%, dasjenige in den aufstrebenden Märkten um 7,0%. Unter den Produktkategorien schnitten Wasser (7,0%), Süsswaren (6,2%) oder Heimtiernahrung (5,9%) stark ab, während etwa Fertigprodukte lediglich minim wuchsen (0,1%). Für Nespresso spricht Nestlé von einem "soliden Wachstum in allen Regionen".
Problembereiche waren zuletzt etwa das US-Tiefkühlgeschäft oder generell China. Zu ersterem heisst es, dass der Turnaround erreicht sei, bei letzteren spricht Nestlé von einer "stärkeren Dynamik zum Ende des Jahres".
LEICHTE VERBESSERUNG IM VIERTEN QUARTAL
Nach einem deutlichen Rückgang in der Periode von Juli bis September hat sich das Wachstum im vierten Quartal wieder etwas beschleunigt. Zwar werden keine detaillierten Quartalswerte bekannt gegeben, der Wert dürfte aber - bei 4,2% nach 9 Monaten - ebenfalls etwa dort gelegen haben. Das dritte Quartal war mit nur etwas mehr als 3,5% wegen des Verkaufsstopps für Maggi-Nudeln in Indien und einer neuen Rabattpolitik im Bereich Skin Health schwach ausgefallen.
Die operative Ergebnismarge der Gruppe sank im vergangenen Jahr um 20 Basispunkte (BP) auf 15,1%, zu konstanten Wechselkursen waren es allerdings +10 Basispunkte. Der Betriebsgewinn selbst wird mit 13,4 Mrd CHF (-4,5%) ausgewiesen. Nestlé spricht hier von "substanziell höheren Investitionen" in die Markenunterstützung, den digitalen Bereich, Forschung und Entwicklung sowie die neuen Ernährungs- und Gesundheitsplattformen.
REINGEWINN STARK UNTER VORJAHR
Der Reingewinn fiel mit 9,1 Mrd CHF (-37%) derweil deutlich geringer aus als im Vorjahr, was aber vor allem mit dem Verkauf eines Anteils am französischen Kosmetikkonzern L'Oréal im Jahr 2014 zusammenhängt. Sehr zufrieden zeigt sich der Konzern mit dem operativen Cashflow von 14,3 Mrd CHF sowie dem freien Cashflow von 9,9 Mrd CHF bzw. 11,2% des Umsatzes. Dies sei das Ergebnis der Fokussierung auf die Margen sowie Disziplin bei Kapitalausgaben und Umlaufvermögen, heisst es. Entsprechend hält der Verwaltungsrat an seiner Politik der kontinuierlichen Dividendenerhöhung fest und schlägt eine Erhöhung um 5 Rappen auf 2,25 CHF pro Aktie vor.
Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Schätzungen der Analysten (AWP-Konsens) allerdings vor allem auf Gewinnstufe nicht erreicht.
AUSBLICK VERHALTEN
CEO Paul Bulcke zeigt sich zufrieden in der Mitteilung: "Im Jahr 2015 haben wir ein profitables Wachstum am oberen Ende der Branche in einem nach wie vor herausfordernden Umfeld erwirtschaftet." Das organische Wachstum sei gestützt worden von einer erhöhten Dynamik beim internen Realwachstum, verbunden mit einer fortlaufenden Margenverbesserung. Zusätzlich habe man in den meisten Kategorien und Märkten die Marktanteile gehalten oder ausgebaut.
Nestlé geht davon aus, dass das Handelsumfeld im Jahr 2016 den Vorjahren ähneln wird, mit noch schwächeren Preisanpassungen. So rechne man mit einem vergleichbaren organischen Wachstum wie 2015, mit Verbesserungen der Margen und des nachhaltigen Gewinns je Aktie bei konstanten Wechselkursen und der Kapitaleffizienz, wie es heisst.
Die Nestlé-Aktie hat sich bisher im Jahr sehr gut gehalten, gibt nun aber nach den aktuellen Zahlen vorbörslich 2,3% nach.
uh/ra
(AWP)