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Der multikulturelle Hintergrund von Joe Bidens «Running Mate» geht in Zeiten von «Black Lives Matter» gerne unter. Harris ist nicht nur Afroamerikanerin, sie ist auch Asiatin.
Kamala Harris, links, mit ihrer Schwester Maya und ihrer Mutter Shyamala Gopalan in Berkeley, Kalifornien, im Jahr 1970. Die Mutter erhielt das Sorgerecht für die beiden Töchter nach der Trennung von ihrem Mann Donald Harris.
«Die erste Frau! Die erste farbige Frau!» In Zeiten der «Black Lives Matter»-Bewegung fällt Joe Bidens Wahl für seine «Running Mate» auf Kamala Harris. Es ist das erste Mal, dass eine afrokaribische Frau für das Amt der Vizepräsidentin nominiert wird. Ihr Vater stammt aus Jamaica.
Doch als sie vier Jahre zuvor zur Senatorin gewählt wurde, lauteten die Schlagzeilen anders: «Die erste indischamerikanische Senatorin», titelte die Nachrichtenagentur Associated Press damals. Harris hat auch asiatische Wurzeln: Ihre Mutter kam als indische Tamilin in die USA. Harris’ Vorname, Kamala, kommt aus dem Sanskrit, bedeutet Lotus und ist auch ein anderer Name für die Hindu-Göttin Lakshmi. Als Kind besuchte Harris sowohl den hinduistischen Tempel als auch die Kirche.
«Die Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren hat meine Eltern zusammengebracht», erzählte Harris auf ihrer Facebook-Seite, nachdem Biden ihre Nominierung bekanntgegeben hatte. Ihre Eltern lernten sich als Studenten der University of California in Berkeley kennen. Speziell erwähnt Harris im Facebook-Post ihre Mutter, die Krebsforscherin Shyamala Gopalan, die in ihr den Aktivismus eingepflanzt habe. Sie habe zu Harris und ihrer Schwester Maya gesagt: «Sitzt nicht nur herum und beschwert euch. Tut was!»
Harris erreicht Wähler ausserhalb der Black Community
Als Harris sieben Jahre alt war, liessen sich ihre Eltern scheiden. Ihr Vater Donald Harris unterrichtete an der Stanford-Universität als Wirtschaftsprofessor. Die Mutter erhielt das Sorgerecht. In ihrer Autobiografie von 2018 schrieb Harris, dass sich ihre Mutter bewusst war, die Gesellschaft würde ihre beiden Töchter als Afroamerikanerinnen sehen, nicht als Inderinnen. «Sie war entschlossen, uns zu selbstbewussten schwarzen Frauen heranzuziehen.»
Kamala Harris, rechts, nimmt an der Anti-Apartheid-Demonstration teil in Washington im Jahr 1982. Damals war sie im ersten Jahr ihres Jurastudiums an der Howard-Universität.
Gleichzeitig hat gerade der multikulturelle Hintergrund der langjährigen Justizministerin von Kalifornien ihr Wählerstimmen aus verschiedenen Gemeinschaften eingebracht. Ihr Mann, der Anwalt Douglas Emhoff, ist Jude. «Sie ist keine traditionelle afroamerikanische Kandidatin», sagte der Professor für Politikwissenschaften der Loyola-Marymount-Universität in Los Angeles gegenüber Bloomberg. «Ihre gesamte Karriere gründet darauf, dass sie eine multikulturelle Kandidatin ist. Das macht sie beliebter bei der Wählerschaft, die nicht afroamerikanisch ist, und das war ihr Schlüssel zum Erfolg.»
20 Prozent der indischen Amerikaner kennen Harris nicht
Bei den indischstämmigen Amerikanern kann Harris mit ihren indischen Wurzeln punkten: In einer Umfrage zu den Vorwahlen hatten 54 Prozent der Indoamerikaner in Kalifornien eine positive Meinung von Harris. Joe Biden erreichte Zustimmungsraten von 51 Prozent, Trump 36 Prozent. In einer Befragung von 2018 hatten 20 Prozent aller Indoamerikaner jedoch noch nie von Harris gehört. Harris erwähnt ihre indischen Wurzeln nur selten in der Öffentlichkeit, obwohl sie als Kind mehrmals mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in Indien war und auch ein paar Sätze Tamilisch spricht. Mit ihrem indischen Grossvater, einem Beamten, pflegte sie eine enge Brieffreundschaft.
In Indien wurde Harris’ Nominierung zur Vizepräsidentschaftskandidatin kontrovers diskutiert. Auf Google suchten Inder nach der Ankündigung von Biden nach folgenden Suchbegriffen: «Wer ist Kamala Harris’ Mutter?», «Ist Harris eine Hindu?» und «Wie steht Harris zu Kaschmir?».
First Indian and Asian woman to get the nomination as official VP candidate. 👍 https://t.co/zrGa612Rio— Ram Madhav (@rammadhavbjp) August 12, 2020
«Keine Freundin Indiens»
Harris ist eine der wenigen ehemaligen Präsidentschaftskandidaten, die sich zum Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan geäussert hatten. Beide Nationen haben territoriale Ansprüche auf das Gebiet, es kommt immer wieder zu Aufständen. Vergangenes Jahr hob Indien den Sonderstatus Kaschmirs auf und stellte die Region zeitweise unter eine Blockade. Damals sagte Harris: «Wir müssen den Menschen in Kaschmir in Erinnerung rufen, dass sie nicht allein sind auf der Welt. Wir behalten die Situation im Blick und greifen bei Bedarf ein.» Bei vielen Hindu-Nationalisten und Unterstützern des indischen Premierministers Narendra Modi hat sie sich mit dieser Aussage unbeliebt gemacht. «Sie ist keine Freundin Indiens», schrieben sie auf Twitter. «Harris identifiziert sich als Afroamerikanerin, nicht als Inderin», sagten andere. «Sie ist keine Hindu, sondern eine schwarze Baptistin.»
Kamala Harris, hinten links, mit ihren indischen Grosseltern und ihrer Schwester Maya. Die Kinder in der ersten Reihe sind Mayas Tochter, links, und Harris’ Cousine.
Als Harris 2019 ihre Präsidentschaftskandidatur bekanntgab, hielt sie eine Pressekonferenz an ihrer Alma Mater, der Howard-Universität. Ein Journalist fragte sie, ob sie sich als indischamerikanisch oder afroamerikanisch sehe. Sie antwortete: «Ich identifiziere mich als eine stolze Amerikanerin.»