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Meerwasser ist salzig. Sehr salzig sogar. Pro Liter Wasser sind im Meer durchschnittlich etwa 35 Gramm Salz gelöst. Das ist eine gute Handvoll und dreieinhalb mal mehr als in unserem Körper. Die Salzigkeit des Meerwassers spüren wir mit der Zunge sehr gut. Da Salz an Land rar ist, jedoch alle höheren Tiere eine gewisse Menge an Salz zum Leben benötigen, sind unsere Sinnesorgane so gut im Salzschmecken. Und vermutlich deshalb schmeckt den meisten Menschen salziges Essen eher besser als salzloses. Salz ist kostbar. Aber warum ist das Meer salzig? Und woher kommt das Salz?
Wenn man einen Liter Meerwasser solange einkocht, bis alles Wasser entwichen ist, dann bleiben 35 Gramm einer Salzmischung zurück. Das passiert übrigens in der Gezeitenzone im Hochsommer manchmal, wenn ein kleiner Gezeitentümpel in der Sommerwärme vollständig austrocknet. Es bleibt nur eine Mini-Salzwüste übrig, in der es sich auch als abgebrühtes Gezeitenzonentier nicht mehr leben lässt.
Salzgewinnung auf der Ile d'Oléron - die Salinen bieten vielfältigen Lebensraum
Der grösste Teil des Meersalzes - es sind etwa 90% - ist Natriumchlorid, unser Kochsalz. Den grössten Teil des Rests machen Magnesium-, Kalzium-, Kalium- und Sulfationen aus. Und dann gibt es natürlich noch diejenigen chemischen Komponenten, die es im Meerwasser zwar nur zu geringen Anteilen gibt, die aber für die meisten Meerestiere essentiell sind, die sogenannten Spurenelemente. Insgesamt sind im natürlichen Meerwasser etwa 70 chemische Elemente enthalten, sogar Gold, Silber und Uran.
Meeresforscher - Ozeanographen und Meeresbiologen - benützen heute für den Salzgehalt des Meerwassers die Einheit „Practical Salinity Units“, kurz PSU, welche im Resultat identisch ist mit der früheren Einheit "Gramm Salz pro Liter Meerwasser". Eine gängige Variante ist auch die Angabe des Salzgehalts in Prozent oder Promille. Oft wird - vor allem bei Aquarianern - auch die ungenauere Angabe der Dichte des Meerwassers als Indikator für die Salinität verwendet. Die Dichte ist allerdings nicht nur vom Salzgehalt, sondern ebenso von der Temperatur abhängig.
Der Salzgehalt der Meere ist variabel. Ein Beispiel: In der Ostsee finden wir ein Gemisch aus dem einströmenden salzigen Wasser der Nordsee, dem Süsswasser der Flüsse und des doch reichlichen Regenwassers. Hinzu kommen natürlich die jahrenzeitlichen Schwankungen, vor allem, wenn im Frühjahr das Schmelzwasser Skandinaviens in die Ostsee flutet. Richtung Norden und Osten wird der Salzgehalt in der Ostsee laufend geringer. Er variiert von 15–18 PSU im Westen und nur noch 3-5 PSU beispielsweise in Finnlands Gewässern.
Salzgewinnung in der Südbretagne - hier gibt es viel Lebensraum für Vögel und ihre Nahrung.
Im Roten Meer finden wir Salzgehalte von 36-41 PSU und im Mittelmeer von etwa 38 PSU, lokal bis 40 PSU. Wir sehen, das Meeressalz ist nicht überall gleich verteilt. Aber woher kommt das Salz im Meer denn nun? Welches ist seine Quelle?
Das Süsswasser in Flüssen und Seen ist nicht süss, sondern sehr salzarm. Wir können darin die Salze nicht schmecken. Aber sie sind vorhanden. Ihre Konzentration liegt meist unter 1 PSU. Das Regenwasser enthält überhaupt keine Salze, aus dem Regen können sie also nicht kommen.
Es gibt an vielen Orten auf der Erde Quellen und sogenannte Senken von Meersalz. Regenwasser enthält - weil die Regentropfen durch die Atmosphäre nach unten fallen - geringe Mengen an Kohlendioxid. Sobald dieses in Regentropfen gelöst ist, bildet sich Kohlensäure. Deshalb ist Regenwasser auch leicht sauer, es hat einen pH-Wert von 5,6-5,8. Die Säure löst Mineralsalze aus Boden und Gestein, und über Bäche, Flüsse und Ströme gelangen diese Mineralien ins Meer. Dort verdunsten über die Jahrtausende gigantische Mengen an Wasser, die Mineralien jedoch bleiben gelöst im Meerwasser zurück und machen das Meer salzig.
Gleichzeitig tritt aus unzähligen hydrothermalen Quellen am Meeresgrund heisses Mineralwasser ins Meer aus, und auch unterseeische Vulkanausbrüche können riesige Mengen unterschiedlichster Salze ins Meer befördern.
So müsste das Meerwasser eigentlich immer salziger werden. Das tut es aber nicht. Heute weiss man, dass die Ozeane seit Hunderten von Millionen Jahren einen mehr oder weniger konstanten Salzgehalt haben. Ein ausgeglichenes Salzbudget scheint sich im Meer durchgesetzt zu haben. Warum bloss?
Der Grund dafür liegt am (Meeres-)Grund. In den Tiefen der Ozeane entstehen aus Meersalz und anderen gelösten Substanzen ständig Mineralien. Diese fällen aus und sedimentieren, und sie gehen nicht mehr oder nur in geringem Ausmass wieder in Lösung.
Auch viele Meeresorganismen entziehen dem Meerwasser fortwährend Kalzium, um ihre Kalkschalen und Skelette zu bilden. Korallenriffe oder Muschelbänke veranschaulichen dies sehr schön.
An manchen Orten taucht der Meeresboden unter andere tektonische Platten. Das können ebenfalls dünnere ozeanische Platten sein oder die viel dickeren kontinentalen Platten. Der Meeresboden besteht zu grossen Teilen aus Gestein und Sedimenten, die salz- und mineralienhaltig sind. So verschwindet ein Teil des Salzes auch ins Erdinnere! All diese Prozesse nennen wir "Salzsenken".
Die Salzkonzentration im Meer kann sich auch verändern, wenn die Wassermenge in den Ozeanen schwankt. In Eiszeiten sind jeweils enorme Wassermassen als Eis gebunden; das Wasser ist gefangen in kilometerdicken Eisschilden auf den Kontinenten und auf Inseln. Die Meeresspiegel können um mehrere hundert Meter fallen. In der letzten Eiszeit sank das Meeresniveau um etwa 120 Meter. Auch wenn die Eisschilde während der Eiszeiten gewaltig waren und die fehlenden Wassermassen das Meer salziger machten, waren die entstandenen Salzgehaltschwankungen doch nur sehr gering. Bei einer Tiefe der Ozeane von durchschnittlich fast 4000 Metern erstaunt das eigentlich nicht; 100 Meter Wasserschicht mehr oder weniger machen nicht viel aus.
Wasser in Seen kann salziger sein als Meerwasser!
Seen, die in heissen Gebieten liegen und keinen Abfluss haben, können einen hohen, manchmal ähnlich hohen Salzgehalt wie die Ozeane haben. Grund dafür ist die hohe Verdunstung. Solche Seen werden durch Zuflüsse ständig mit Mineralien versorgt, das Wasser verdunstet ebenso konstant und es fliesst kein Wasser ab. Folglich nimmt der Salzgehalt ständig zu. Manche solcher Seen sind deutlich salziger als das Meer.
Das "Tote Meer" in Israel und der "Grosse Salzsee" in Utah sind beides Seen. Sie haben die zehnfache Salzkonzentration wie die Ozeane!
Der salzigste See der Erde liegt erstaunlicherweise nicht in einer heissen Wüste: Der winzige "Don-Juan-See" ist nur 300 Meter lang, 100 Meter breit und 10 Zentimeter tief! Er liegt in der Eis-Wüste der Antarktis in einem bitterkalten Trockental. Auch er hat keinen Abfluss. Dafür aber zwischenzeitlich einen Zufluss aus einer Gletschersohle, und der bringt immer etwas Mineralien ein. Die Salzkonzentration des Mini-Sees erreicht 400 PSU (!), sie ist also 11,5 mal so hoch wie Meerwasser. Zufrieren ist bei diesem Salzgehalt selbst bei antarktischen Temperaturen (fast) nicht mehr möglich. Das Wasser des Don Juan Sees gefriert erst bei Minus 51°C!
In der Bretagne wird auch heute noch Salz aus Meerwasser gewonnen. Vor allem in Guérande, in der Nähe von Saint-Nazaire, werden ausgedehnte Salzfelder nach wie vor bewirtschaftet. Das graue Meersalz und das feine "Fleur de sel" sind sehr beliebt. Ich liebe beide. Ich werde darüber bald einen Blogartikel schreiben.
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