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Bedeutung: Geschützte Siedlung am See
Kommentar: Genau gleiche Herkunft wie Lausanne.
Kommentar: Das Wort Son könnte von sonn was Hügelfestung, Palisade heisst kommen oder es geht auf son 2 zurück, was Glücklich, wohlhabend bedeutet. Allerdings ist ersteres sicher wahrscheinlicher, sonn ist in etwa bedeutungsgleich mit dur, was gesicherte Siedlung heisst, meist ist noch die alte Höhensiedlung gemeint. (Oppidum)
Siehe im Dictionary of the Irish Language: ló 2
Kommentar: Typisch für alte Siedlungsnamen.
Ort in Irland und Ort in der Schweiz.
Von Gallisch und Altgaelisch bir.
Kommentar: Kommt auch in zusammengesetzten Namen wie Birrwil vor.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bir 2
Kommentar: Im nördlichen Gallisch und im Alt-Gaelischen eher Birr, weniger Ber, welches aber in Frankreich (Chambéry) eindeutig vorkommt. Im Dictionary of Irish Language wird erwähnt, dass „bir 2“ hauptsächlich in den Glossen vorkommt.
Die Tatsache, dass es häufig mit zwei r geschrieben wird, deutet immerhin darauf hin, dass es sich um einen kurzen Vokal gehandelt hat, ganz im Gegensatz zum sehr ähnlichen Ber.
Ein interessantes Wort, da es im späteren Gaelisch eine andere Bedeutung hat, vgl. bir 1, nämlich Speer, Spitze.
Noch spannender ist, dass dieses Wort in mehreren semitischen Sprachen mit einer ähnlichen Bedeutung vorkommt! (Vgl. Aramäisch Biro=Brunnen)
Wenn in der Schweiz nach dem Abzug der Römer noch keltisch gesprochen wurde, stellt sich natürlich die Frage: wie lange noch?
Und die zweite Frage ist, ob es nicht Dokumente gibt, die zeigen, dass es neben dem aufstrebenden Deutschen noch eine andere Sprache gab.
Nun wurde im Frühmittelalter nur wenig aufgeschrieben, aber eines der ersten Zentren der Schreibkunst weit und breit war das Kloster St. Gallen.
Der Leiter der Klosterschule, Ekkehard IV, lebte von 980 bis etwa 1057 und verfasste die Klosterchronik „Casus Sancti Galli“.
In dieser beschreibt er ein Ereignis, welches sich noch unter Ekkehard I, dem früheren Dekan des Klosters St. Gallen wohl um 950 herum ereignet hatte.
Und zwar war ein kranker Mann aus dem Volke auf einem Karren zum Kloster gebracht worden. Es wurde befohlen, den armen Mann zuerst mal zu baden.
Nun sprach der Mönch, der ihn baden sollte aber nur deutsch. Da hat er ihm das Wasser zu heiss gemacht, und der Kranke rief: „cald est“, worauf der Deutsche meinte, es seit zu kalt… und noch mehr einheizte, worauf der Einheimische zu schreien begann, und schliesslich hüpfte der vermeintlich Lahme aus dem heissen Badezuber!
Wegen dem Geschrei kam Ekkehard und erklärte dem Mönch, dass „cald“ im „Romanischen“ dass Gegenteil von kalt bedeutet, nämlich zu heiss!
Aber das entscheidende für unser Thema liegt im Detail, der kranke Mann wird nämlich im Original als „contractum gallum genere“, das heisst „von der gallischen Art“ bezeichnet. Es war also dem Verfasser absolut bewusst, dass es sich nicht um einen Romanisch-Sprecher gehandelt hat, sondern um einen „Gallier“, sprich Kelten, der ein wenig Romanisch resp. Latein sprechen konnte.
Welche Sprache hat der Mann also gesprochen?
|Sprache||Hat er verstanden – gesprochen?||Grund für die Annahme|
|Deutsch||Absolut nicht.||Er verstand den deutsch sprechenden Mönch nicht im geringsten.|
|Romanisch-Lateinisch||Vermutlich wenig gesprochen und verstanden.||Er sagt nur zwei Worte („cald est“), die weder korrekt Latein noch korrekt Früh-Romanisch sind.|
|Gallisch-Keltisch||Seine Muttersprache?||Er wird als „de gallum genere“ bezeichnet.|
Trotzdem haben verschiedene Romanisten aus dieser Episode geschlossen, dass man im 10. Jahrhundert in St. Gallen romanisch gesprochen hat. Ob das nun ein Vulgärlatein, frühes Französisch oder frühes Rätoromanisch war, sei dahingestellt.
Allerdings gäbe es dann mit Sicherheit Orts- oder Flurnamen die Romanisch wären, sowie wohl deutliche Hinweise auf romanisch Sprecher in St. Gallen und ihr späteres Verschwinden.
Der bekannte Romanist Gerold Hilty hat genau das behauptet, und hat einige – offensichtlich nicht deutsche – Ortsnamen in der Ostschweiz als lateinisch zu deuten versucht, allerdings mit wenig überzeugendem Ergebnis1)Gallus und die Sprachgeschichte der Nordostschweiz, St. Gallen 2001 u.a.m..
|1.||↑||Gallus und die Sprachgeschichte der Nordostschweiz, St. Gallen 2001 u.a.m.|
Von gallisch-keltisch Bo.
Kommentar: Das so eine unbedeutende kleine Alp einen eindeutig keltischen Namen trägt zeigt folgendes: Auch Quartier-Flurnamen können keltisch sein, diese kleine Alp wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach der römischen Besetzung der Schweiz benannt, es wurde also auch nach Abzug der Römer zumindest in Teilen der Schweiz noch keltisch gesprochen! (Abzug der Römer um 400 n. Chr.)
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bó
Kommentar: Ganz eindeutig ein einfach zu übersetzendes keltisches Wort. Solche Worte sind für die Deutungsarbeit sehr wichtig.
Kommentar: Der Berg mit dem gebogenen Rand, der den fremdartigen Namen Kamor trägt. Der Name ist ganz offensichtlich nicht deutsch, so dass schon viel über ihn fantasiert wurde. In Wirklichkeit ist es ein ganz einfacher und reiner keltischer Doppelname.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: or 1
Kommentar: Sehr häufiger Ortsnamenbestandteil, germanisiert häufig mit führendem H-.
Der keltische Name für Gold – ór – klingt fast gleich, ist aber viel seltener in Ortsnamen.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: camm 1
Kommentar: Bedeutet gebogen aber auch gewunden.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bruach
Kommentar: Häufig ist das Ufer, resp. Ufergelände eines Flusses gemeint. Bruach ist fast klanggleich mit Brug.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: selb
Kommentar: Altgaelisch selb, im Gallischen ein häufiges Wort und ohne -b, also einfach sel.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bró 1b
Kommentar: Viele Leute, eine grosse Gruppe, eine (dicht gedrängte) Menge.
In altgaelisch bró, aber das kann leicht in ein bru verändert werden, da o und u sehr klangähnlich sind.
Altgaelisch von Eir
Kommentar: Die Deutung scheint recht einfach und unbestreitbar, trotzdem ist sie nicht allgemein anerkannt!
Stadt in Irland.
Kommentar: Es ist einfach schwer vorstellbar, dass Dub- hier die Bedeutung schwarz, dunkel hat. Allenfalls hat es die Bedeutung tiefgelegen, unten gelegen. Bei -lin ist hingegen klar, dass es mit dem homophonen linn = Teich nichts zu tun hat, Dublin war nicht ein kleines Dorf am Teich.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: dub
Aber in Ortsnamen scheint es eher ein Verstärkerpräfix zu sein, siehe dazu dub, I (c): great, expressing intensity.
Vom gallischen Wort ued
Kommentar: Einer der zahlreichen Namen die auf ued- zurückgehen, hier uet- geschrieben. Der zürcher Hausbergs ist zugleich der erste Siedlungsort der Kelten in Zürich. Normalerweise ist ue- im Deutschen klanggleich zu ü-, aber es gibt keinen grössern Fehler, als den Uetliberg als Ütliberg auszusprechen… Mit andern Worten: die keltische Aussprache des Namens ist immer noch erhalten!
Der Rest des Namens, also -liberg, ist hingegen deutsch.
Etruskische Überlieferung: eluveitie, dies entspricht klanglich der griechischen Überlieferung: Helvetier.
Das führende H- muss für die Deutung des ursprünglich keltischen Namens wieder entfernt werden, v entspricht u.
Kommentar: Die Helvetier waren offenbar ein reicher Stamm der in vielen Oppida lebte. Das Suffix -ti könnte ein Lokativ sein, das würde dann heissen: Die von den vielen Siedlungen.
Gerade bei Winterthur haben wir einen klaren Unterschied zwischen der römischen Form Vitodurum und den nachrömischen, also deutschen Formen, deren älteste von 856 Wintarduro heisst. Bei allen deutschen Formen gibt es ein Win- am Anfang, während die römische Vit- war.
Sicher ist, dass beide einen keltischen Namen wiederspiegeln. Die Frage ist nun, ist die römische oder die deutsche Form näher am keltischen Original? Oder hat sich der keltische Name gar gewandelt?
Beiden gemeinsam ist das Suffix -dur, im gallischen Keltisch also -duro. Dies deutet darauf hin, dass die älteste deutsche Überlieferung durchaus sehr nahe am keltischen Original ist.
Da es Vit- als keltisches Wort gibt, wenn es auch fälschlicherweise als „Weidenpflanze“ übersetzt wurde, deuten wir einfach beide Varianten:
Kommentar: Es hat also demzufolge ein Oppidum wohl auf dem Lindberg überhalb des späteren galloromanischen Strassendorfs in Oberwinterthur gegeben.
Kommentar: Das -ter- könnte auch keltisch sein, oder aber eben einfach eine Anlehnung an deutsch „Winter“. Keltisch ter heisst Gebiet.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: finn 1 früher resp. gallisch: uin
Kommentar: Da die Farbe weiss auch Symbol für die andere Welt war, kommt der Aspekt des heiligen, gesegneten rein. In den Ortsnamen aber wohl eher mit der Bedeutung schön.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: fúat früher resp. gallisch: uat
Kommentar: Bedeutung ähnlich wie bei ros, ursprünglich einfach Wald, dann Waldlichtung und Rodung, sowie die darin liegende Siedlung.
In der altkeltischen Kultur wohl die Bezeichnung für ein Oppidum.
Fluss in Europa.
Vom gallischen Wort don
Kommentar: Ob die Donau früher Don-aa geheissen hat? Das wäre dann der herrschende Fluss.
Die grossen Flüsse haben die Landschaft beherrscht, viele haben herrschaftsbezogene Namen, die zugleich auch ihre allerhöchste Wertschätzung bei den Kelten ausdrücken.
Gebiet in England, von kymrisch-Sprechern bewohnt, kymrische Bezeichnung denn auch: Cymru.
Vom gallischen Wort Ual
Kommentar: Dass Wales noch den alten gaelisch-keltischen Namen trägt hat zu meiner Theorie der Kymrischen Einwanderung beigetragen. (Noch nicht online)
Kommentar: Es heisst ja im Französischen auch: Le bassin de Paris (Das Becken von Paris).
Das Bar- wurde zu Par. Als Herkunft wird normalerweise der Stammesnamen der Parisii angegeben, aber vermutlich ist es doch eher so, dass dieselben den Namen von ihrer Siedlung her hatten.
Die Römer nannten Paris Lutetia, was auch aus dem Keltischen stammt. Ob es ein Nebenname der Siedlung war? Lut hat fast dieselbe Bedeutung wie Bar-Par.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: is 1
Siehe im Dictionary of the Irish Language 2: ísel
Kommentar: isel ist eine Erweiterung von is. Die Abgrenzung von uisce-isch-esch was Wasser bedeutet, ist manchmal nicht einfach. So kann is auch „am Wasser unten“ bedeuten.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bár
Siehe im Dictionary of the Irish Language 2: barr
Kommentar: Bar häufig in Glossen, das sind keltische Anmerkungen in alten lateinischen Manuskripten des Kontinents (gallisch?). Barr ist wohl dasselbe Wort, es hat diversere Bedeutungen, unter anderem: Spitze, Blüte, Anführer.
Drückt allerhöchste Wertschätzung aus. Das ursprüngliche bar hat sich häufig zu ber gewandelt.
Ähnliches Wort: Es gibt ein anderes Wort „ber“ welches ähnlich klingt, allerdings eher zu berr neigend und häufiger bir/birr, es bedeutet „Wasser“.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: lonn 1
Kommentar: Auch als lann und lónd vorkommend, lonn normalerweise mit -nn geschrieben, aber das kann in einem Ortsnamen leicht zu -n werden.
Der Name Russlands kommt von der Kiewer Rus, welche ihn offenbar von den Kelten übernommen hat.
Von kelt. rus
Kommentar: Man würde annehmen, dass Rus- eine slawische Wurzel hat, was aber tatsächlich nicht der Fall ist.
In Wirklichkeit geht sowohl Russland – wie dann auch Russisch – auf eine bekannte keltische Wurzel zurück.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: ros 1
Kommentar: Ursprünglich wohl einfach der Name für Wald, dann aber für Waldlichtung, Waldsiedlung gebraucht.
Ähnlich klingend wie deutsch Ross und Rose, aber in Ortsnamen meist keltischen Ursprungs.
Stadt in Deutschland.
Vom gallischen Wort bon
Kommentar: Obwohl die Abstammung von „bon“ sonnenklar ist, gibt es Wissenschafter die das bestreiten…
Vom gallischen Wort dur
Kommentar: Die grossen Flüsse haben die Landschaft beherrscht, viele haben herrschaftsbezogene Namen, die zugleich auch ihre allerhöchste Wertschätzung bei den Kelten ausdrücken.
Fluss in Russland, namensgebend für die Donkosaken. Es gibt in Europa noch viele weitere, wenn auch kleinere Flüsse mit diesem Namen.
Vom gallischen Wort don
Kommentar: Die grossen Flüsse haben die Landschaft beherrscht, viele haben herrschaftsbezogene Namen, die zugleich auch ihre allerhöchste Wertschätzung bei den Kelten ausdrücken.
Die Tatsache, dass dieser Fluss, Zufluss des schwarzen Meeres, einen keltischen Namen trägt, zeigt, wie weit das keltische Gebiet einst reichte, wobei in solchen – von den Kelten aus gesehen – Randgebieten wie dem heutigen Russland wohl nur erste Handelssitze errichtet wurden.
Vom gallischen Wort dun
Kommentar: Noch heute gibts in Thun eine prominente Festung, allerdings in ihrer mittelalterlichen Form.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: dur
Kommentar: Diese Bedeutung ist nur im Gallischen überliefert.
Im Gaelischen ist nur die Grundbedeutung „hart, massiv“ bekannt, entsprechend dem französischen „dur“.
Orte mit diesem Namen sind wohl in der reinkeltischen Zeit gegründet worden, also vor der römischen Besatzung.
Es ist zudem eines der wenigen Worte, die schon von der bisherigen Ortsnamenkunde als keltisch anerkannt worden sind.
Warum es sowohl beim ähnlichen dun wie bei dur, auch Flüsse mit demselben Namen gibt?
Siehe im Dictionary of the Irish Language: dún
Kommentar: Eine keltische Festung war wohl eine Art befestigtes Hügellager mit Bewachungsfunktion, aber es kann auch einfach Häuplingssitz, Sitz eines Anführers bedeuten.
Orte mit diesem Namen sind wohl in der reinkeltischen Zeit gegründet worden, also vor der römischen Besatzung.
Es ist zudem eines der wenigen Worte, die schon von der bisherigen Ortsnamenkunde als keltisch anerkannt worden sind.
Warum es sowohl beim ähnlichen dur wie bei dun, auch Flüsse mit demselben Namen gibt?
Fluss in Deutschland, namensgebend für das ganze Ruhrgebiet.
Vom gallischen Wort rur
Kommentar: Die grossen Flüsse haben die Landschaft beherrscht, viele haben ähnliche Namen, die zugleich auch ihre allerhöchste Wertschätzung bei den Kelten ausdrücken.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: en
Kommentar: Häufig mit Schluss -s.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: rur
Kommentar: Im Gaelischen als ruiri, wenn wir den typisch gaelischen -ui- Umlaut entfernen kommen wir zum gallischen rur, wohl auch als ruri gebraucht.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bun 1
Siehe im Dictionary of the Irish Language: fonn 1
Kommentar: Alte Form ist Bon, woraus sich sowohl im Gaelischen wie im Gallischen Fon entwickelte.
Das Wort leitet sich wohl von Fussohle oder Baumstrunk her.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: ab 1
Kommentar: Es ist mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dieses gallische Wort ins Althochdeutsche übernommen wurde, es entwickelte es sich zu Aha, Ach.
Daraus hat sich das Wort „Au, Aue“ entwickelt, es kommt in zahlreichen Ortsnamen vor, in der leicht veränderten Bedeutung „am Wasser“, heute bedeutet es „feuchtes, am Wasser gelegenes Wiesenland“1)http://www.dwds.de/wb/Aue#et-1.
|1.||↑||http://www.dwds.de/wb/Aue#et-1|
Siehe im Dictionary of the Irish Language: ar 1 und 5
Kommentar: Die Bedeutung im Gallischen ist recht gut gesichert. Zumindest im Gaelischen selten auch mit der Bedeutung „im Osten“.
Eine mögliche Entwicklung der Sprachgeschichte für die deutsch-romanische Schweiz zeigt folgendes Diagramm:
Es geht davon aus, dass nach dem Abzug der Römer um 400 immer noch 90% der Bevölkerung keltisch gesprochen hat. Dies ist natürlich nur eine Schätzung. Sie beruht darauf, dass während der römischen Besetzung nur wenig Germanen zugewandert sind.
Hier ist die Lage der Schweiz anders als die in Deutschland, wo die germanischen Stämme vom sowieso nie römisch besetzten Norden schon im 3. Jahrhundert bis in den Süden gewandert sind.
Die Einwanderung der Alemannen in die Schweiz setzte erst im 6. und 7. Jahrhundert in grössern Zahlen ein. Es konnten auch nicht viele einwandern, da die Schweiz zu römischer Zeit schon dicht bevölkert war. Es gab schlicht gar keinen Platz.
Die meisten Germanen zogen ins Wallis (wo man sie nun Walser nannte) und in andere noch nicht besiedelte Bergregionen.
Im Graubünden war die germanische Einwanderung und offenbar auch der Einfluss der germanischen Kultur derart gering, dass sich aus dem Vulgärlateinischen eine eigene Sprache, namentlich das Rätoromanische bildete!
Siehe im Dictionary of the Irish Language: fé 2
Siehe im Dictionary of the Irish Language: táin
Kommentar: Das Vieh wurde im Sommerhalbjahr mit Sicherheit schon in keltischer Zeit vom Tal in die Berge getrieben. Leider ist das Wort klanggleich mit deutsch Tanne, was zu Verwechslungen führen kann.
Im Gaelischen die typische Veränderung von -a- zu -ái-.
Das Wort „Táin“ ist sehr berühmt, da die berühmteste Irische Legende „Táin Bó Cúailnge“ heisst, zu deutsch „Der Rinderraub von Cooley“ in dem „die Connachter den namensgebenden Braunen Bullen von Cooley (Donn Cuailnge) stehlen wollen, wobei ihnen der jugendliche Held Cú Chulainn entgegentritt.“ Zitat aus Táin Bó Cuailnge – Wikipedia. Allerdings bedeutet es dort Viehraubzug nicht Alpaufzug :-).
Siehe im Dictionary of the Irish Language: suide 2
Kommentar: Im Deutschen wie im Keltischen bedeutet dasselbe Wort: der Sitz (zum Sitzen) und der Sitz (eines Königs etc.).
Der Name der Schweiz kommt vom Namen des Ortes Schwyz.
|Name||Jahr|
|Suîttes||1018|
|Svites||1114|
|Suiciis||1178|
Von kelt. Suid
Kommentar: wikipedia meint etwas lakonisch zum Ortsnamen Schwyz: „Da sich der Name der Gemeinde Schwyz weder aus dem Alemannischen noch aus dem Romanischen erklären lässt, muss er aus vorrömischer Zeit stammen.“
Genau und welche Sprache wurde in vorrömischer Zeit im Gebiet von Schwyz gesprochen?
Siehe im Dictionary of the Irish Language: ri
Kommentar: Ri kommt im Gaelischen in diversen Formen vor: rí, ríi, ríg, ríg, ríg, rí, rig, ríg, ríga, riga, rígaib, ríga, rígu, righu, ríghthe, ríogh, rígh, rígh, ríghthe, ríoghaibh – gallische Urform ist ri.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: il 1
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bas
Kommentar: Im Kymrischen bedeutet es Basis bas 2, gleich wie im Lateinischen.
Im Gaelischen gibt es andere Bedeutungen von Bas, namentlich Handinnenfläche und Tod, die aber hier nicht in Frage kommen, es sind homophone gaelische Wörter, vgl. MacBain’s Dictionary.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: bern
Hypothese 2: Von kelt. Bern, was „Spalt, Abbruch, Steilhang“ bedeutet.
Kommentar: Für Hypothese 1 spricht, dass wichtige Orte sehr häufig mit Bar-Ber = Das Beste, der beste Ort gebildet wurden, so Par-is und Ber-lin. Dagegen spricht, dass es keine überlieferte Form von Bern gibt, die das zweite -e- enthält, also Beren oder Beeren. Die Krux an der Überlieferung des Namens Bern ist, dass es keine frühmittelalterlichen Überlieferungen gibt, die älteste Überlieferung stammt aus dem Hochmittelalter, namentlich um 1200, das ist wesentlich später als bei vielen andern Orten. In dieser Zeit war die mögliche alte Form Beren längst von Bern abgelöst worden, schon wegen der Ähnlichkeit mit deutsch Bär.
Allerdings könnte die auf dem Zinktäfelchen von Bern erhaltene Form Brenodur von Beren her kommen. Dies wenn in keltischer Zeit das erste e weniger betont gewesen wäre, oder wenn der Schreiber aus einem andern Grund das erste e weggelassen hätte.
Für die Hypothese 2 spricht die Lage Berns – jedenfalls der zentralen Münsterplattform – über einem Steilhang zur Aare hin. Dagegen spricht allerdings, dass die Kelten ihre Orte kaum nach solchen geographischen Gegebenheiten benannten.
Diese Grundthesen widersprechen zum grössten Teil der traditionellen Ortsnamenkunde. Die meisten von ihnen haben sich im Laufe meiner Deutungsarbeit herausgeschält, es ist also nicht von Thesen im Sinne von vorgestellten Arbeitshypothesen auszugehen. Aber nur dadurch, dass ich schlussendlich diesen Thesen gefolgt bin, konnte ich die keltischen Ortsnamen überhaupt erst neu deuten.
Solange man beispielsweise glaubt, ein Ortsname stamme aus dem Deutschen, obwohl er in Wirklichkeit aus dem Keltischen stammt, ist eine korrekte Deutung unmöglich.
Dies gilt entsprechend auch für andere europäische Gebiete.
Der Grund ist, dass sie meist nur ein lateinisches Derivat des ursprünglich keltischen Namens sind, manche waren gar Phantasienamen, die schnell wieder vergessen wurden. So haben die Römer Arbon „Arbor felix“ also „glücklicher Baum“ genannt.
Römisch-lateinische Ortsnamen haben sich in unserem Gebiet nur sehr wenige bis heute erhalten, als Beispiel mag etwa Konstanz dienen.
Viele keltische Ortsnamen haben eine deutsche Endung erhalten, so wurde zum Beispiel dem keltischen „Thun“ die deutsche Endung „Dorf“ angehängt, was Thundorf ergab, zahllose Ortsnamen erhielten die deutsche Endung -ingen, da sie schon früh germanisiert wurden. 1)Ing oder Ingen wird als althochdeutsch angesehen, sie wurde also vor 1050 vergeben.
Beispielsweise wurde an den Wortanfang vor einen Vokal häufig ein H- gestellt. (Beispiel: Hallwil hiess keltisch Allwil)
Auch die spezifisch deutsche Orthographie muss soweit möglich rückgängig gemacht werden, will man das keltische Ursprungswort erkennen.
Zum Beispiel müssen die spezifisch deutschen Umlaute und Doppelkonsonanten entfernt werden. (Beispiel: Mör-schwil geht auf das Wort „Mor“ zurück)
|1.||↑||Ing oder Ingen wird als althochdeutsch angesehen, sie wurde also vor 1050 vergeben.|
Klar deutsch sind diejenigen Namen, welche aus in Ortsnamen verwendeten deutschen Worten bestehen. So ist beispielsweise der Name „Kirchdorf“, das Dorf um die Kirche, ganz offensichtlich deutsch.
Allerdings sind in der Schweiz nur ganz wenige Ortsnamen die so offensichtlich deutsch sind, häufiger sind Ortsnamen, die deutsch klingen, aber nicht aus dem Deutschen kommen.
Das klingt auf den ersten Blick seltsam, aber Winterthur stammt eben nicht vom deutschen Wort „Winter“ ab, sondern von einem keltischen Grundwort, da sind sich alle Forscher einig. Und zwar ist man sich deshalb im Klaren darüber, da schon die Römer die Stadt Winterthur „Vitodurum“ genannt haben, und zu römischer Zeit gab es in der Schweiz die deutsche Sprache noch nicht.
Hätte sich diese römische Überlieferung des Ortsnamens von Winterthur aber nicht erhalten, so würden ganz ohne jeden Zweifel alle Toponamastiker Winterthur auf das Wort „Winter“ zurückführen!
Ohne konkrete historische Hinweise gibt es im Grunde nur eine Möglichkeit, um die keltische Abstammung eines Ortsnamens zu überprüfen: der Name wird sowohl als keltischen, wie als germanischen Ursprungs gedeutet, sodann kann entschieden werden, welche Herleitung plausibler ist.
Das Zinktäfelchen von Bern wurde im Thormebodenwald in bei der Aare von Raubgräbern in den 1980er Jahren entdeckt. Nur per Zufall ist es in die Hände der Wissenschaft gelangt. Es misst nur 11 mal 14 Zentimeter und ist heute im bernischen historischen Museum prominent ausgestellt.
Auf dem Täfelchen ist in griechischen Schriftzeichen ein vier Worte umfassender Text in Gallisch eingestanzt. Es ist weit und breit der einzige erhaltene Text in gallischem Keltisch, zumindest aus der antiken Zeit. Es handelt sich also um eine Sensation und um eine ganz einzigartige Gelegenheit, die aus Ortsnamen rekonstruierten gallischen Wörter mit einem Text zu vergleichen.
Beim Text handelt es sich um eine kurze Weiheinschrift der wohl in Zusammenhang mit einem Tempel aus religiösen Gründen geschrieben und dann deponiert wurde.
Der Text auf dem Täfelchen lautet:
ΔΟΒΝΟΡΗΔΟ ΓΟΒΑΝΟ ΒΡΕΝΟΔΩΡ ΝΑΝΤΑΡΩΡ
Die übliche Transliteration in lateinische Schrift lautet:
Dobnoredo Gobano Brenodor Nantaror1)wikipedia.de, Berner Zinktafel, am 11.11.2016
Schon die Transliteration des Textes muss korrigiert werden. Wenn der Schreiber sowohl O wie auch Ω verwendet, so wird er aller Wahrscheinlichkeit nach zwei verschiedene Laute gemeint haben, es sei denn man unterstellt eine rein zufällige Auswahl der Buchstaben, was aber unwahrscheinlich ist.
Wenn der Buchstabe O dem lateinischen O entspricht, dann liegt nahe, dass Ω einen andern Laut darstellen sollte, aller Wahrscheinlichkeit u. So wird Brenodor zu Brenodur, womit das -dur offenbar dem bekannten gallischen Wort „dur“ entspricht.
Entsprechend auch beim Η in ΔΟΒΝΟΡΗΔΟ, es handelt sich wohl um den Lautwert i, da das E in ΒΡΕΝΟΔΩΡ vermutlich für den Lautwert e steht.
Die korrekte Transliteration ist also:
Dobnorido Gobano Brenodur Nantarur
Doppelwort, Dobno vom Stamm Dub = schwarz, dunkel, siehe „dub“ im DIL, gemäss Celtic personal names of Roman Britain (CPNRB) „dubno- = deep, underworld“, hier also: tief unten oder eben: in der Unterwelt.
-rido könnte von mehreren Wörtern her kommen, im Kontext allerdings scheint „ridhe = field, bottom of a valley better righe. See ruighe.“ aus dem schottischen Gälisch, das Wort zu treffen.2)The Highland Society’s [Dictionary of the Gaelic Language], 1828, wie hier gesagt tritt das Wort im Inselkeltischen meist als „rige“ auf, als solches ist es auch im DIL, wo es allerdings als „the act of stretching or distending“ beschrieben wird, das „sich ausdehnende“.
Die Übersetzung als „fahren, reisen“3)Fellmann et al, Das Zinktaefelchen vom Thormebodewald auf der Engehalbinsel bei Bern und seine keltische Inschrift, 1999, AKBE 4A, online unter: https://www.academia.edu/6999462 ist vermutlich falsch, da im Gallischen fahren resp. Weg mit „rot“, „rota“ bezeichnet wurde, wie sich aus diversen Toponymen resp. Hydronymen ergibt. (Bsp.: Rotsee, Rotach)
Es könnte mit diesem ersten Wort also sowohl „das Feld unten“ – das entspräche dem realen Fundort –, als auch die Unterwelt gemeint sein.
Muss „Schmied“ heissen. Im DIL unter gobae aber mit den Formen: gobann, gobha, gabha, gaba, gabann, Gobha. Es kann aber gerade in religiösem Kontext auch der Schmiedgott, der heilige Schmied, gemeint sein.
Doppelwort, Breno- wohl von braine 1: protruding or prominent part – deutsch: hervorragend, hinausragend. Das Wort wurde aber im Gallischen mit Sicherheit auch (oder nur?) als „Stamm, Holz, Stab, Baum“ gebraucht, wie wiederum diverse Toponyme belegen. (Brenner etc.)
Im Endlicher Glossarium als „prenne = grosser Baum” verzeichnet9, gerade wenn man eher an eine grosse Tanne als an eine Eiche denkt, wird die Bedeutungsverwandtschaft zu Stamm/Stab offenbar.
-dur vgl. DIL dúr = hard, rigid, solid, (hart) in Toponymen wie Solo-thurn als -dur = von harter Mauer geschützte Stadt.
Allerdings könnte Brenodur der keltische Name der Stadt Bern sein, aber nur unter der Voraussetzung, dass es von Berenodur her stammt. Dies wäre möglich, wenn das erste -e- unbetont gewesen wäre, oder der Schreiber es aus andern Gründen weggelassen hat, etwa um Platz zu sparen, oder weil es – wie gesagt – wenig betont wurde.
Eine Abstammung von Bren- hingegen ist nicht möglich, weil dann die Veränderung zu Bern nicht nachvollziehbar wäre.
Doppelwort, Nanta- = Tal, diese Übersetzung ist unbestritten, die Trennung in Nant- und -arur aber irreführend. Das Wort ist übrigens, abgesehen vom Gallischen, nur im Kymrischen überliefert.
Im Gälischen findet sich nur: nán = small, a dwarf (klein, Zwerg) was auf Nant- als Bezeichnung eines kleinen oder engen Tals hindeutet.
-rur = ruiri (vgl. DIL: „a king, supreme ruler“ also, Herrscher, König, wobei die weibliche Form Herrscherin, Königin nicht ganz auszuschliessen ist.
Einen Zusammenhang mit dem Namen der Aare, wie ihn manche vermutet haben, ist meines Erachtens praktisch ausgeschlossen.
Vorab muss gesagt werden, dass der Fundort des Täfelchens im tief ausgeschnittenen Tal der Aare vor Bern liegt. Dort unten gibt es eine Halbinsel, eine ebene Fläche wo sich eine Schmiedeesse befunden haben könnte. Jedenfalls war dort der heilige Bezirk, in dem das Täfelchen gefunden wurde.
Zum Zweiten ist der Text aller Wahrscheinlichkeit nach im weiteren Sinne ein magischer Text, er sollte dem, der es geopfert oder geweiht hat, etwas bringen. In unserm Fall ist es entweder der Schmied, der etwas will, da er ja der einzige Handlungsfähige ist, oder es ist ein Unbekannter, der an den Schmiedegott appelliert, in seinem Sinne zu handeln.
Zum Dritten fehlt, wenn man meiner Übersetzung folgt, ein Verb, es ist also kein eigentlicher Satz, sondern eher eine vereinfachte Formulierung eines Wunsches.
Ferner ist nicht zu vergessen, dass die ersten zwei Worte genauer und schöner gestanzt sind, als die zweiten zwei. Wie Stefan Zimmer schreibt: „Nach Ausweis ähnlicher lateinischer Inschriften weist dies nach bisheriger Ansicht auf eine Votivinschrift, deren Anfang bereits vorgefertigt war, und die dann nach Wunsch des bzw. der Kunden (Dedikanten) vollendet wurde.“4)Stefan Zimmer: Dobnoredo Gobano Brenodor Nantaror, in Munus amicitiae, Beech Stave Press, 2014 Dies deutet im übrigen auch ganz klar auf einen galloromanischen Entstehungszeitraum – also ab dem ersten Jh. n. Chr.
|Dobnorido||Unten auf dem Feld/ In der Unterwelt|
|Gobano||Schmied, Schmiedegott|
|Brenodur||Bern oder harter Stab|
|Nantarur||König des Tals (Nicht ganz auszuschliessen: Königin des Tals)|
Wenn Brenodur der alte Name von Bern ist:
Auf dem Feld unten vor Bern
ist der Schmied der König des Tals.
Dies scheint mir im Moment am plausibelsten. Weitere Übersetzungsmöglichkeiten:
Wenn Brenodur „harter Stab“ bedeutet:
Schmiedegott in der Unterwelt (mach dass)
(mein) harter Stab der König des Tales (ist).
Wenn man den Schmied als Person und nicht als Gott ansieht, wäre die Übersetzung:
Drunten auf dem Feld (ist)
der harte Stab des Schmieds der Herrscher des Tals.
oder gar:
Unten auf dem Feld –
der harte Stab des Schmieds im Tal der Königin.
Schlusswort:
Auch wenn die Übersetzung des Täfelchens nie ganz sicher sein wird, hoffe ich doch, dass wir mit diesem Beitrag in ein vergleichsweise enges Feld möglicher Übersetzungen gelangt sind.
|1.||↑||wikipedia.de, Berner Zinktafel, am 11.11.2016|
|2.||↑||The Highland Society’s [Dictionary of the Gaelic Language], 1828|
|3.||↑||Fellmann et al, Das Zinktaefelchen vom Thormebodewald auf der Engehalbinsel bei Bern und seine keltische Inschrift, 1999, AKBE 4A, online unter: https://www.academia.edu/6999462|
|4.||↑||Stefan Zimmer: Dobnoredo Gobano Brenodor Nantaror, in Munus amicitiae, Beech Stave Press, 2014|
Vermutlich ein Präfix.
Siehe im Dictionary of the Irish Language: so, su 2
Namen verbinden die Menschen, wenn ich zum Beispiel erzähle, dass ich mit dem dünnen Dunkelhaarigen an dem Ort war, wo dem Fluss entlang hohe Häuser stehen, so werden mich die Leute verwundert anschauen. Wenn ich aber sage, ich war mit Heinz in Bern, wird sofort alles klar, vorausgesetzt natürlich, dass die Runde Heinz und Bern kennt…
Ob wir vom Finsteraarhorn oder dem Rhein sprechen, die Namen sind ein ganz zentraler Bereich unserer Alltagssprache, und sie sind mit dem Ort, den sie bezeichnen, sozusagen auf ewig verbunden.
Selten ist ein Ortsname leicht verständlich, wie etwa „Tannenwäldchen“, meist ist er alt und kommt aus einer andern Zeit, und vielleicht sogar aus einer andern Sprache.
Der Name eines Ortes verbindet uns immer mit seiner Geschichte, genauer gesagt mit der Zeit in der der Ort seinen Namen bekam. Die Ortsnamen wurden aber nicht in einer abstrakten grauen Vorzeit gegeben, sondern in einem bestimmten Zeitabschnitt, bei einem Ort normalerweise zur Gründungszeit, bei einem Berg oder Fluss ist das etwas schwieriger zu sagen.
Ob dann der Ort dann den „Gründungsnamen“ beibehält oder nicht, also die Frage der Namenskontinuität, ist in jedem Fall zu untersuchen, immer aber hat ein Name eine beharrende Qualität! Sogar wenn die Sprache der Bewohner eines Gebietes sich ändert, bleibt der Name ihrer Stadt und des Hügels daneben, sozusagen an ihnen kleben.
Bei einem Sprachwechsels der Bewohner, wird die Aussprache des nicht mehr verstandenen Ortsnamens der neuen Sprache angepasst, teils wird dazu sogar ein Suffix der neuen Sprache, hier also namentlich aus dem Deutschen, angehängt.
Es hat sich im Laufe meiner Forschungen gezeigt, dass ein Ortsname kaum je ein Phantasiename ist, kaum ein Berg heisst einfach „Pipapo“, fast immer hatte der Name bei seiner Vergabe einen Sinn.
Zwar kann etwa ein Stadtname von dem Gründer derselben her kommen, so etwa im Falle von Karlsruhe. Dies ist aber eine ganz seltene Ausnahme, meist wird bei Ortsnamen die Abstammung von einem Personennamen postuliert, wenn die Ortsnamenforscher schlicht nicht mehr weiter wissen, resp. die Deutung des Namens innerhalb der berücksichtigten Sprachen nicht wirklich möglich ist. So wird Beispielsweise der Ort Menziken auf einen sagenhaften Ritter „Menzo“ zurückgeführt, ohne irgendeinen historischen Hinweis, versteht sich.
Halten wir also fest, ein Ortsname hatte bei seiner Vergabe meist einen Sinn, und er stammt aus der heute oder früher in dem Gebiet gesprochenen Sprache.
Wir müssen also nur wissen, welche Sprachen in einem bestimmten Gebiet gesprochen wurden, und den Ortsnamen auf eine derselben zurückführen und deuten. Dabei müssen wir im Auge behalten, dass beispielsweise das im frühen Mittelalter gesprochene Althochdeutsch, sich doch erheblich von unserem heutigen Deutsch unterscheidet.
Die Anzahl Sprachen, die in einem Land wie der Schweiz gesprochen wurden, ist zum Glück relativ klein, schliesslich wechselt die in einem Gebiet gesprochene Sprache nicht grad alle Tage. Ausserdem stammen die wichtigen Ortsnamen aus dem Mittelalter oder der Zeit davor, lediglich Flurnamen sind im allgemeinen jünger.
Römisch-lateinisch: Turicum, eine frühe, vom Geogr. von Ravenna bezeugten Form: Ziurichi, die der heutigen Form auffallend ähnlich ist.
Frühmittelalterliche Überlieferungen nehmen das lateinische T- von Turicum wieder auf, möglicherweise handelt es sich hier um eine Latinisierung durch die Schreiber, das heisst im Volk hiess die Stadt vielleicht schon damals Z-urih.
|Überlieferte Form||Jahr (teils ca.)||Sprachumfeld|
|Turicum||0||lat.|
|Ziurichi||700|
|Doricum||750||ahd.|
|Torico||800||ahd.|
|Turigo||807||ahd.|
|Zurih||820||ahd.|
|Turicinę||820||ahd.|
|Turego||820||ahd.|
|Zurih||820||ahd.|
|Turigo||821||ahd.|
|Turegum||853||ahd.|
|Zurih||857||ahd.|
Tur-icum, latinisiert Form des keltischen Dur-ico. ‚Dur‘ ist in altkeltischen Ortsnamen sehr häufig und bedeutet „ummauerte Siedlung“. Die Endung -ico bedeutet „die … ist“.
Ob es Zufall ist, dass ab 850 zwei drei mal Turegum überliefert ist? Es scheint, dass die Gleichheit von Rex, Regis (lat. König) und Rig- (kelt. König) noch recht lange bekannt war. Den gleichen Fall finden wir beim Rigi, der als Montus Regum überliefert ist.
Ortsnamenbestandteile: Dur, Dor
Dies ist die Frage nach der Sprachgeschichte.
Die Sprachgeschichte verläuft je nach Land, ja, je nach Gebiet unterschiedlich.
Aber festzuhalten ist, dass in weiten Teilen Europas die erste greifbare, benennbare und bekannte Sprache das Keltische ist. Das Keltische taucht mit den Kelten untrennbar verbunden um 800 v. Chr. auf. Sicher wurde schon vorher eine Sprache gesprochen, aber über sie können wir bloss vage Vermutungen anstellen, etwa dass sie wohl eine indogermanische Sprache war.
Wenn man die Leute auf der Strasse fragte, welche Sprache wurde vor dem Deutschen gesprochen, würde kaum einer die richtige Antwort geben. Aber auch unter Wissenschaftern und in der Toponomastik selber, wird dieser Tatsache viel zu wenig Rechnung getragen.
Die Sprachgeschichte für die Schweiz kann in folgende Hauptphasen eingeteilt werden, die Zeitangaben sind als ungefähr anzusehen.
|Geschichtsphase (Sprachphase)||dauerte bis um||Sprache|
|Präkeltische Zeit||800 v. Chr.||???|
|Rein Keltische Zeit, entspricht der Eisenzeit||um 0||Keltisch|
|Galloromanische Phase, Kelten unter||um 400||Keltisch, Lateinisch oder "Galloromanisch"?|
|Spätantike1)früher eher Völkerwanderungszeit genannt, heute häufig dem Frühmittelalter zugeordnet.||um 700||Keltisch oder Germanisch oder Vulgärlatein?|
|Frühmittelalter||1050||Althochdeutsch, Keltisch?|
|Hochmittelalter||1350||Mittelhochdeutsch|
Die Gretchenfrage ist, wie lange nach der Eroberung durch Cäsar noch keltisch gesprochen? Es ist erstaunlich, wie wenig diese Frage die Wissenschaft beschäftigt. Als eher skuril würde ich die Auffassung bezeichnen, nach der praktisch sofort nach der Eroberung durch die Römer nur noch Latein oder eine lateinisch-keltische Mischsprache gesprochen wurde, das sogenannte „Galloromanisch“.2)Die Entwicklung einer Mischsprache, einer sogenannten Kreolensprache, ist ein äusserst seltenes Phänomen, welches vor allem in Zusammenhang mit dem Sklavenhandel, etwa in der Karibik auftrat.
Wir dürfen die Tatsache, dass sich die keltische Kultur mit der römischen Kultur zur Gallorömischen entwickelte, niemals mit der Sprache gleichsetzen!
Die Geschwindigkeit, mit der überhaupt römische Kulturelemente von den einheimischen Stämmen übernommen wurde, wird generell überschätzt. Gerade die Helvetier, der Hauptstamm auf dem Gebiet der heutigen Schweiz, waren nicht Untertanen der Römer, sondern Konföderierte. Das heisst, es wurde ihnen ein gewisses Mass an Selbständigkeit weiterhin zugestanden. Das Kurzzeichen der Schweiz ist ja bekanntlich CH, was von Confoederatio Helveticae kommt.
In Zusammenhang mit der Ortsnamenforschung ist wichtig festzustellen, dass die keltischen Oppida, die Hochsiedlungen auf Berg- oder Hügelspitzen an Bedeutung verloren und wohl bald aufgegeben wurden. Man zog ins Tal zu den Verkehrswegen, es entwickelten sich Strassendörfer und Siedlungen entlang der eminent wichtigen Wasserstrassen.
So zog man in Zürich vom Oppidum Uetliberg auf der Uetliberghöhe, in die Gegend des Lindenhof-Kastells an der Limmat unten. Diese Entwicklung gab es bei allen Oppida oder kleinern Höhensiedlungen, es ist mit Sicherheit zum Beispiel auch in Winterthur oder Solothurn passiert.
Die keltische Sprache aber, hat unter der römischen Besatzung sicher weitergelebt! Zwar haben einige Leute Lateinisch gelernt, gerade unter den Adligen und Vornehmen, andere dienten in der römischen Armee in fernen Ländern, wo sie von den Offizieren Latein lernen konnten. Auch war das Lateinische, ähnlich wie heute das Englische Handels- und Verkehrssprache, was ohne Zweifel zu einem Anstieg der Zweisprachigkeit führte. Aber die einheimische Bevölkerung sprach bis zum Ende der römischen Besatzung mit Sicherheit keltisch3)Von den romanischen Sprachen, also etwa dem Französischen, konnte hier noch keine Rede sein, aber es entwickelte sich aus dem klassischen Latein das Vulgärlatein, aus dem sich später die romanischen Sprachen etwickelten.
Doch was geschah nach dem Abzug der Römer? Diese Frage beschäftigt uns im Teil II.
|1.||↑||früher eher Völkerwanderungszeit genannt, heute häufig dem Frühmittelalter zugeordnet.|
|2.||↑||Die Entwicklung einer Mischsprache, einer sogenannten Kreolensprache, ist ein äusserst seltenes Phänomen, welches vor allem in Zusammenhang mit dem Sklavenhandel, etwa in der Karibik auftrat.|
|3.||↑||Von den romanischen Sprachen, also etwa dem Französischen, konnte hier noch keine Rede sein, aber es entwickelte sich aus dem klassischen Latein das Vulgärlatein, aus dem sich später die romanischen Sprachen etwickelten.|