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Sprachlich haben Angst und Furcht unterschiedliche Bedeutungen. Furcht bezeichnet eine konkrete Bedrohung, während Angst ein unbestimmtes, ungerichtetes Gefühl des Bedrohtseins meint. Im klinischen Gebrauch werden die Begriffe nicht scharf voneinander getrennt.
Furcht und Angst sind jedem Menschen bekannt und helfen, sich risikobewusst mit der Umwelt auseinanderzusetzen. Sie treten als normale Reaktion in objektiv oder subjektiv bedrohlichen Situationen auf. Je nach Intensität kann Angst zu zielgerichtetem, zweckmässigem Handeln führen oder lähmen. Ein gewisses Mass an Angst fördert die Leistung, die bei mittlerer Aktivierung am besten, bei hoher oder niedriger Aktivierung dagegen schlechter ist (Yerkes-Dodson-Gesetz)[1].
Etwa 15–20% der Menschen leiden irgendwann unter einer Angststörung. In der Allgemeinpraxis sind mehr als 10% der Patienten davon betroffen. Weniger als 50% der Fälle werden diagnostiziert und nur ein kleiner Teil wird behandelt[2]. Gründe dafür sind: Scham der Patienten, über Angst zu sprechen, Befürchtungen, als psychisch krank etikettiert zu werden oder einseitige Wahrnehmung körperlicher Symptome. Viele Ärzte sind mit der Diagnose und Therapie von Angststörungen noch wenig vertraut, was zu einseitiger körperlicher Abklärung führen kann[3]. Erschwert wird die Diagnose oft auch durch andere, gleichzeitig vorliegende Störungen (Komorbidität).
Angststörungen machen sich meist schon in der Kindheit oder Adoleszenz, spätestens im frühen Erwachsenenalter bemerkbar. Sie zeigen unbehandelt einen intermittierenden Verlauf mit Neigung zu Chronifizierung und führen oft zu sekundären Depressionen, Suchterkrankungen, sozialer Isolation und zu hohem Suizidrisiko[2]. Unbehandelte Angststörungen erhöhen das Risiko für zerebrovaskuläre, kardiovaskuläre, gastrointestinale, respiratorische Beschwerden sowie für die arterielle Hypertonie[4]. Die Lebensqualität ist oft über viele Jahre massiv beeinträchtigt.