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Es gibt nur wenige Grandhotels, die beim ersten Besuch einen so überwältigenden Eindruck auslösen können, wie das im The Westin Grand Berlin der Fall ist. In Paris gelingt dies wohl am ehesten noch dem Concorde Opéra mit seiner grossen Marmor-Halle. Und wem schon im Londoner Ritz die Türe in die Grand Gallery mit dem Palmengarten geöffnet wurde, wird ähnlich beeindruckt gewesen sein. Im Westin Grand in Berlin steht man staunend in der Halle vor der Freitreppe und kann sich nicht satt sehen von dem überwältigenden Eindruck, den der Blick in die 30 Meter Höhe auslöst. So hätte sich Lorenz Adlon wohl sein neues Hotel vorstellen können.
Unser erstes Erlebnis mit diesem Hotel haben wir an einem Samstagnachmittag. Wir nehmen am Fusse der Treppe in der Lobby Bar Platz. Die zwei bestellten Cocktails werden von der Kellnerin, die sich dafür entschuldigt, dass der Barchef erst am Abend da ist, sehr exakt gemixt und wir sind mit dem Bombay Crushed und dem Mai Tai (EUR 13.50) sehr zufrieden.
Dazu wird eine Etagère mit Nüsschen und zusätzliche Papierservietten gereicht. Die Lobby Bar ist am Nachmittag gut besucht. In der grossen Halle verteilen sich die Gäste, es herrscht eine ruhige und gediegene Atmosphäre. Wir sind voll des Lobes über dieses Hotel.
Das Westin Grand steht an der Friedrichstrasse Ecke Behrenstrasse. Hier wird 1873 die Kaisergalerie eröffnet. Genau an dieser Ecke war der Eingang in die dreistöckige und 130 Meter lange Passage im Neorenaissancestil. Der Haupteingang in das Westin Grand befindet sich zwar seitlich an der Behrenstrasse, doch nimmt das Hotel an dieser Ecke die Formensprache der damaligen Galerie auf.
In der Kaisergalerie reihten sich die Läden aneinander, im Zwischengeschoss wurden Büros vermietet und im Obergeschoss standen Restaurants und repräsentative Säle. Die Passage der Galerie wurde durch einen achteckigen Kuppelraum unterbrochen, auf den das Westin Grand mit der Halle zur Freitreppe ebenfalls Bezug nimmt.
Die Passage führte dann in gebrochener Linie weiter zum Boulevard Unter den Linden, wo sich der Eingang zwischen dem Café Kranzler und der Lindengalerie befand. Die Galerie wurde vom damals viel beschäftigen Berliner Architekturbüro „Kyllmann und Heyden“ entworfen und orientiert sich an den grossen Passagen von Paris und Brüssel. Wie mit dem Musée Grévin in der Passage Jouffroy in Paris mietet sich mit Castan‘s Panoptikum auch in der Kaisergalerie ein Wachsfigurenkabinett ein. Die Kaisergalerie wird im Krieg zerstört und die Ruine 1957 abgetragen.
Im Hinblick auf die 750-Jahr-Feier von Berlin im Jahre 1987 initiiert die DDR ein grosses Bauprogramm. So wird das im Krieg zerstörte Nikolaiviertel wieder aufgebaut und Häuser um den Kollwitzplatz saniert. Zu diesem Programm gehört praktisch als Geschenk für die internationalen Gäste der Bau eines „Leading Hotels of the World“. Es wird ein Architekten-Kollektiv unter Führung von Ehrhardt Gisske (1924-1993) mit der Planung und Realisierung dieses Projekts betraut. Gisske fungierte als technischer Leiter beim Bau der heutigen Karl-Marx-Allee. 1979 leitet er die Bauarbeiten des Palasthotels (heute in neuem Gebäude als Radisson-Blu).
Für das neue Projekt können die Beteiligten aus dem Vollen schöpfen. So entsteht wohl das schönste und gelungenste Hotel Deutschlands nach dem Krieg, das an die Traditionen eines Grandhotels vergangener Tage erinnern will. Pünktlich zu den 750-Jahr-Feierlichkeiten am 1. August 1987 kann das „Grand Hotel Berlin“ eröffnet werden. Die Zimmer und Bäder sind sehr gross. Die Suiten nennen sich nach Schinkel, Goethe, Fontane und Bach.
Im Jagdzimmer ist die einzige Hotelorgel Europas untergebracht. Die Restaurants, in denen auch die DDR-Bürger willkommen waren, nennen sich „Die Goldene Gans“, „Café Bauer“ oder „Forellen-Quintett“. Für die 358 Zimmer waren sagenhafte 900 Mitarbeiter zuständig, wobei einige davon in der Hoteleigenen Fleischerei und Schreinerei arbeiteten. Das Haus wurde von der Interhotel betrieben, die in der DDR für Hotels mit internationalen Gästen zuständig war.
Nach 1989 übernimmt Maritim die Leitung des Hauses, ab 1997 wird es als The Westin Grand Berlin geführt. Im Jahr 2008 wird das Haus umfassend renoviert und um 42 Zimmer erweitert. Die Aussengastronomie an der Friedrichstrasse wird durch Ladenlokale ersetzt und das Gourmetrestaurant „Le Grand Silhouette“ geschlossen. Neu gibt es neben der Bar noch das Restaurant Relish.
Restaurants: Restaurant Relish, Lobby Bar; Zimmer: 360 Zimmer & 40 Suiten; Adresse: The Westin Grand Berlin, Friedrichstrasse 158-164, 10117 Berlin / http://www.westingrandberlin.com/