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Nachfolgend finden Sie Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung während Ihrer Krebsbehandlung sowie zu ausgewählten Lebensmitteln, einem gesunden Körpergewicht und körperlicher Aktivität. Zudem erhalten Sie Tipps für mögliche Nebenwirkungen während der Therapien.
Viele Betroffene haben den Wunsch, aktiv etwas zur Genesung beitragen zu wollen. Obwohl bekannt ist, dass die Art und Weise der Ernährung Einfluss auf die Krebsentstehung haben kann, gibt es umgekehrt keine Ernährungsform, keine speziellen Lebensmittel oder Inhaltsstoffe, durch die allein eine Krebserkrankung geheilt werden kann.
Unsere Empfehlungen
Essen Sie täglich mindestens 3 Portionen Gemüse/Salat und 2 Portionen Früchte unterschiedlichster Farben. Eine Handvoll Gemüse/Obst entspricht einer Portion.
Fruchtzucker (Fruktose), der Lebensmitteln zugesetzt wird, steht im Verdacht, Krebserkrankungen, unter anderem den Triple-negativen Brustkrebs, zu fördern. Unsicher ist aber, ob dieser Fruchtzucker direkten Einfluss auf die Entwicklung von Krebszellen nehmen kann oder ob er indirekt über die Förderung von Übergewicht zur Krebsentstehung beiträgt. Bei Übergewicht resp. Adipositas, insbesondere am Bauch, senden Fettzellen Botenstoffe (Adipokine) aus, die in die Entartung von Krebszellen involviert sind.
Normale Mengen Fruchtzucker in der Ernährung sind kein Problem. Grosse Mengen werden in den letzten Jahren jedoch über verarbeitete Lebensmittel und Getränke mit Fruktose-Zusätzen aufgenommen.
Verarbeitete Lebensmittel und Getränke, in denen Fruktose als Süssungsmittel zugesetzt wurde, sollten deswegen vermieden werden. Es sollten keine Zutaten wie «Fruktose», «Fruchtzucker», «Fruktose-Glukose-Sirup» in der Zutatenliste enthalten sein.
Die in Früchten und Gemüsen enthaltene natürliche Fruktose ist hingegen unbedenklich. So sollten die täglich empfohlenen 2–3 Portionen Früchte (je eine Handvoll) sowie Gemüse ohne Bedenken gegessen werden, um die wichtigen Vitamine, Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe aufzunehmen.
Positive Wirkungen gegen Brustkrebszellen fanden sich auch bei bestimmten Inhaltsstoffen diverser Gewürze. Dazu zählen Ingwer, Knoblauch, Schwarzkümmel, rote Chilischoten, schwarzer Pfeffer, Safran, Nelken, Rosmarin, Wasabi, Koriander und Kurkuma. Verwenden Sie grosszügig Gewürze bei der Zubereitung Ihrer Mahlzeiten.
Verwenden Sie möglichst natürliche Lebensmittel ohne Zuckerzusätze und essen Sie vorwiegend «komplexe» Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Reis, Kartoffeln und Hülsenfrüchte. Schränken Sie «einfache» Kohlenhydrate wie Weissmehlprodukte (Weggli, Zopf) und die Menge der Süssigkeiten ein.
Essen Sie Lebensmittel, die reich an Nahrungsfasern sind. Dazu zählen:
- Vollkornprodukte, wie Brot aus Vollkornweizen, -hafer, -gerste und -roggen, Vollkornreis und Vollkornteigwaren, Haferflocken und Hirse
- Reis und Kartoffeln
- Hülsenfrüchte, wie Bohnen, Erbsen, Linsen, Kichererbsen
In vielen Ratgebern finden sich Hinweise, kohlenhydratarm oder sogar kohlenhydratfrei zu essen, um den Krebs «auszuhungern». Begründet wird dies damit, dass auch Krebszellen Zucker zum Wachsen benötigen und alle Kohlenhydrate aus einzelnen Zuckerteilchen (u.a. Glukose) bestehen. Ein Weglassen von Kohlenhydraten kann den Krebs jedoch nicht «besiegen». Tumorzellen können Glukose (Traubenzucker) – den Hauptnährstoff auch für Krebszellen – selbst bilden. Sie stellen ihre benötigten Nährstoffe zum Zellwachstum selbst her, unabhängig von ihrer Umgebung. Somit kann eine kohlenhydratfreie Ernährung das Zellwachstum nicht verhindern.
Dennoch wird empfohlen, Kohlenhydrate nur in moderaten Mengen zu konsumieren und zugesetzten Zucker in grösseren Mengen zu vermeiden. Der Grund dafür ist, dass die Muskeln und die Leber gegessenen Zucker häufig weniger gut verwerten können.
Der Konsum von zuckerhaltigen Getränken trägt wesentlich zu Übergewicht bei, welches das Risiko für viele Krebserkrankungen erhöht. Konsumieren Sie daher keine mit Zucker gesüssten Getränke wie beispielsweise Cola, Eistee oder Energydrinks. Auch Fruchtsäfte sollten nicht in grossen Mengen konsumiert werden, da sie ebenfalls die Gewichtszunahme fördern können – auch ohne zusätzlichen Zuckerzusatz.
Um eine ausreichende Trinkmenge sicherzustellen, ist es am besten, Wasser oder ungesüsste Getränke wie Tee oder Kaffee zu trinken.
Die Wirkung von Sojaprodukten bei Brustkrebspatientinnen ist nicht geklärt. Insbesondere die enthaltenen Isoflavone (sekundäre Pflanzenstoffe) standen in Verdacht, bei Hormonrezeptor-positiven Tumoren ähnlich wie körpereigenes Östrogen zu wirken und diese damit zum Wachstum anregen zu können. Zudem wurden Wechselwirkungen zwischen dem Medikament Tamoxifen und Isoflavonen vermutet. Die in Sojaprodukten enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein scheinen aber eine positive Wirkung gegen Brusttumorzellen zu haben. Der Verzehr von Sojaprodukten wie Tofu oder Sojabohnen ist nach heutigem Wissensstand bedenkenlos möglich. Die Aufnahme von 30 Gramm Sojaprodukten täglich gilt dabei als sicher.
Von der Einnahme isolierter Sojaproteine und Isoflavonen als Nahrungsergänzungsmittel wird hingegen abgeraten!
Es gibt momentan keinen Hinweis, dass der Verzehr von Milch oder Milchprodukten eingeschränkt werden sollte. Milchprodukte sollten als Lieferanten von wichtigen Nährstoffen wie Eiweiss, Vitaminen, Kalzium und Phosphat gegessen werden.
Beschränken Sie «Fastfood» resp. verarbeitete Lebensmittel mit hohem Fett-, Stärke- oder Zuckergehalt auf ein Minimum. Sie nehmen dabei übermässig viel Kalorien und gleichzeitig wenig Vitamine und Mineralstoffe ein. Dazu zählen z. B. Kartoffelchips, Kekse, Süsswaren sowie aus Weissmehl hergestellte Brote, Teigwaren, Pizza, Kuchen und Gebäcke.
Beschränken Sie den Konsum von rotem Fleisch auf maximal 3 Portionen pro Woche. 3 Portionen entsprechen insgesamt etwa 350–500 Gramm. Essen Sie, wenn überhaupt, nur sehr wenig verarbeitetes Fleisch und Wurstwaren wie Cervelat, gepökelten Schinken und Salami. Essen Sie stattdessen fettarmes, unverarbeitetes Fleisch wie Poulet oder Truthahn. Vermeiden Sie die Zubereitung mit grosser Hitze (grillieren, frittieren, scharf anbraten).
Der Verzehr von Fleisch sollte aber nicht vollständig gemieden werden, da es eine wertvolle Nährstoffquelle sein kann, insbesondere für Eiweiss, Eisen, Zink und Vitamin B12.
Es gibt starke Hinweise dafür, dass Alkoholkonsum zur Entstehung sowie zum Wiederauftreten behandelter Krebserkrankungen beiträgt, auch von Brustkrebs. Daher ist es von Vorteil, den Konsum alkoholischer Getränke stark einzuschränken und auf ein Minimum zu reduzieren. Zudem ist Alkohol kalorienreich und kann zur Gewichtszunahme beitragen. Frauen sollten maximal ein Glas, Männer maximal zwei Gläser Wein oder Bier pro Tag trinken. Zusätzlich sollen alkoholfreie Tage eingehalten werden.
Häufig liest man, dass der Körper während einer Krebstherapie einen erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien hat. Ob dies tatsächlich so ist, wurde bisher nicht ausreichend untersucht. Wichtig ist, dass der normale tägliche Bedarf an diesen Nährstoffen durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt wird. Bei Einsatz bestimmter Antitumor-Medikamente kann der Bedarf an einzelnen Mikronährstoffen erhöht sein. Fragen Sie hierzu Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Es wird geschätzt, dass etwa 72 % aller Brustkrebspatientinnen nicht verschriebene Multivitamin-Präparate einnehmen. Nicht immer ist die zusätzliche Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Nahrungsergänzungsmitteln jedoch von Vorteil. Hierbei gilt nicht «Je mehr, desto besser». Nachfolgend finden Sie die aktuellen Empfehlungen zu häufig eingenommenen Mikronährstoffen bei Brustkrebs.
Chemo- und Strahlentherapien zur Behandlung von Brusttumoren wirken über die Entstehung «freier Radikale», die Krebszellen zerstören. Dadurch kommt es häufig zu Nebenwirkungen, die durch sogenannte Antioxidantien reduziert werden sollen. Dazu gehören bspw. Vitamin A, C und E sowie Selen. Welchen Einfluss die Einnahme dieser Antioxidantien auf die Wirksamkeit der Chemo- und Strahlentherapien hat, ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Daher wird deren hochdosierte Einnahme als Supplement oder Infusion während der Chemotherapie nicht empfohlen. Eine regelmässige Aufnahme von Vitamin A, C, E und Selen über natürliche Nahrungsmittel hat hingegen eine schützende Wirkung gegen Krebserkrankungen.
Das fettlösliche Vitamin A (Retinol) ist wichtig für unser Nerven- und Immunsystem, für die Bildung roter Blutkörperchen, die Haut und Schleimhäute, den Knochen- und Zuckerstoffwechsel sowie unsere Fortpflanzung. Ob ein Mangel vorhanden ist, lässt sich anhand des Blutwerts von Retinol kaum fest-stellen. Der Blutspiegel bleibt auch bei unzureichender Aufnahme lange konstant. Ein Hinweis auf einen starken Vitamin-A-Mangel kann eine auftretende Nachtblindheit sein.
Ob die Einnahme von hochdosierten Vitamin-A-Präparaten oder ihrer Vorstufe, dem Betacarotin, das Risiko für Brustkrebserkrankungen senkt oder sogar erhöht, ist nicht geklärt. Daher wird eine Supplementierung von Vitamin A und Betacarotin nicht empfohlen.
Essen Sie hingegen Vitamin-A-reiche Lebensmittel wie Leber, Eier, Milch, Käse und Fisch sowie Beta-carotin-reiche Lebensmittel wie farbige Gemüse und Früchte, v. a. Rüebli, Spinat und Broccoli.
Das wasserlösliche Vitamin C wird im Körper als Antioxidans sowie für die Hormonproduktion gebraucht. Es finden sich während Krebserkrankungen häufig niedrige Spiegel im Blut, da Vitamin C durch Entzündungsprozesse im Körper, den sogenannten oxidativen Stress, verbraucht wird. Der Vitamin-C-Spiegel im Blut ist abhängig von der Aufnahme über die Nahrung. Jedoch haben auch Rauchen, Medikamente, Darmerkrankungen und genetische Faktoren Einfluss auf den Blutspiegel.
Es wird empfohlen, den Bedarf an Vitamin C über Lebensmittel zu decken. Essen Sie täglich mehrere Portionen Gemüse und Früchte, insbesondere Zitrusfrüchte, Peperoni, Beeren, Broccoli, Kohl und Spinat.
Das fettlösliche Vitamin E hat eine wichtige Funktion im Stoffwechsel aller Körperzellen. Der Blutwert von Vitamin E zeigt nicht die Aufnahme über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel an. Ein Grossteil des Vitamins wird an LDL-Cholesterin gebunden und daher im Verhältnis zum LDL gemessen. Bei einer Mangelernährung kann es zu Veränderungen im LDL und somit zu verfälschten Messwerten von Vitamin-E kommen.
Die Einnahme von Vitamin-E-Supplementen zeigten in Studien keine positive Wirkung auf das Brustkrebsrisiko. Vitamin-E-reiche Lebensmittel zeigten hingegen eine schützende Wirkung.
Essen Sie daher regelmässig Nüsse, Samen, Weizenkeime und verwenden Sie pflanzliche Öle.
Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das vor allem in unserer Haut durch Sonneneinstrahlung gebildet wird. Zu kleinsten Teilen wird es über die Nahrung aufgenommen. Vitamin D braucht es für eine optimale Kalziumversorgung des Körpers. Zudem scheint es beteiligt an einer besseren Lebensqualität, geringerem Infektionsrisiko und weniger notwendigen Schmerzmedikamenten bei Tumorerkrankungen. Bei zu wenig Vitamin D und damit Kalzium kommt es zu einem Knochendichteverlust, der durch Chemotherapie-hervorgerufene Wechseljahre und bestimmte Medikamente nach Brustkrebs (Aromatase-Inhibitoren) noch verstärkt werden kann. Dadurch steigt das Osteoporose-Risiko stark an.
Ein Vitamin-D-Mangel ist häufig bei Brustkrebsbetroffenen. Anhand des Blutwerts lässt sich ein Mangel gut feststellen.
Der Mineralstoff Selen wird im Körper für antioxidativ wirkende Enzyme benötigt. Bei Brustkrebspatientinnen findet sich häufig ein niedriger Selenspiegel im Blut. Eine ausreichende Versorgung mit Selen kann eventuell Nebenwirkungen wie Fatigue (Müdigkeit) oder Haarausfall lindern. Um die Verwendung von Selen-Supplementen in der Behandlung von Tumorerkrankungen oder der Prävention von Rezidiven zu befürworten, gibt es jedoch nicht ausreichend Untersuchungen.
Zudem wird die Einnahme von hochdosierten Selenpräparaten nicht empfohlen, da Selen in zu grossen Mengen giftig ist. Symptome bei einer Selen-Vergiftung können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Muskelschmerzen, Müdigkeit, Haarausfall, Verlust von Finger- und Fussnägeln, Hautausschläge oder Nervenschädigungen sein. Eine Supplementation von Selen sollte daher immer nur bei einem festgestellten Mangel und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt erfolgen.
Essen Sie stattdessen selenreiche Nahrungsmittel wie Paranüsse, Kokosmilch, Thunfisch, Lachs, Heilbutt, Fleisch, Kokosflocken, Kokosöl, Sesamsamen, Steinpilze, Sonnenblumenkerne, Innereien, Sojabohnen, Leinsamen, Eier, Getreideprodukte und Milchprodukte.
Diese wirken Entzündungsprozessen und eventuell auch Tumorentstehung entgegen. Sie schützen Körperzellen gegen toxische Chemikalien. Sie können zudem Chemotherapie-bedingte Nebenwirkungen reduzieren, z. B. Knochendichteverluste und Gewichtszunahme, und damit die Lebensqualität verbessern. Obwohl die wissenschaftlichen Daten nicht eindeutig sind, können die Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure als Supplement eingesetzt werden, da keine unerwünschten Nebenwirkungen zu erwarten sind. Omega-3-reiche Lebensmittel sind zudem Fisch (Thunfisch, Makrele, Lachs, Forelle, Sardine), Öle (Rapsöl, Hanföl, Leinöl, Baumnussöl, Chiaöl), Avocado, Nüsse und Samen (Leinsamen, Chiasamen, Baumnüsse, Mandeln) und Soja.
Relevanz von Bewegung
Man schätzt, dass regelmässige körperliche Aktivität das Risiko des Wiederauftretens von Tumoren um etwa 20–50 % reduziert. Zudem verbessert Bewegung die Wirkung des Insulins im Körper und beugt damit zu hohen Blutzuckerspiegeln vor. Körperliche Aktivität ist ausserdem wesentlich, um das Körpergewicht stabil halten oder reduzieren zu können und damit die Langzeitprognose zu verbessern. Nicht zuletzt vermindert regelmässige Bewegung Symptome wie starke Müdigkeit während der Therapien und kann die Lebensqualität deutlich erhöhen. Zusammen mit eiweissreicher Ernährung sorgt Bewegung für einen Erhalt der wichtigen Muskelmasse und damit Ihrer Kraft und Vitalität.
Auf unserer Informationsseite «mit Bewegung Energie Tanken bei Brustkrebs» finden Sie Übungsvideos und spannende Informationen zum Thema Bewegung.
Gibt es «Krebsdiäten»?
Sie finden viele sogenannte «Krebsdiäten», die bestimmte Lebensmittel verbieten oder sogar totales Fasten anraten, um den Krebs «auszuhungern». Sie versprechen Dinge wie den «Abbau von Tumortoxinen», die «Aktivierung der gestörten Zellatmung» oder die «Entgiftung des Organismus». All diese Versprechungen sind unseriös und teilweise sogar gefährlich. Wir raten dringend davon ab, solche Diäten durchzuführen. Schauen Sie hier einen Beitrag von «Gesundheit heute» zu diesem Thema.
Übergewicht und Adipositas erhöhen das Risiko für Brustkrebserkrankungen und für das Wiederauftreten behandelter Tumore, insbesondere ab einem BMI (Body-Mass-Index) von 35. Empfohlen wird ein Körpergewicht zwischen einem BMI von 20 und 25. Während der Behandlungen kann es sowohl zu Gewichtsverlust, bspw. durch Appetitlosigkeit bei Chemotherapien, als auch zu Gewichtszunahmen, bspw. durch Antihormontherapien, kommen. Erfreulicherweise hat nur ein kleiner Teil der Brustkrebspatientinnen bereits bei Diagnosestellung eine Mangelernährung. Falls Sie jedoch einen BMI von unter 20 haben oder in den letzten sechs Monaten ungewollt mindestens 10 % Ihres Körpergewichts abgenommen haben, besteht bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung – unabhängig von der Höhe des Ausgangsgewichts. Folgen können eine Schwächung des Immunsystems, schlechtere Verträglichkeit der Behandlungen, längere Aufenthaltszeiten im Spital, eine geringere Lebensqualität sowie eine kürzere Lebenserwartung sein. In diesem Fall können Sie Unterstützung durch die Ernährungsberatung erhalten, um einen guten Ernährungszustand für die Therapien sicherzustellen. Viele Betroffene, die vor der Behandlung übergewichtig waren, sind froh, wenn sie während der Therapien ein paar Kilo verlieren. Eine ungewollte Gewichtsabnahme durch eine verminderte Nahrungsaufnahme führt jedoch auch zu einem Verlust an Muskelmasse. Dies führt wiederum zu weniger Kraft, mehr Müdigkeit und schlechterer Verträglichkeit der Therapien. Falls Sie während der Therapie ungewollt Gewicht verlieren, kann die Ernährungsberatung Sie bzgl. einer ausreichenden Energie- und Nährstoffversorgung unterstützen.
Auch Gewichtszunahmen während und nach den Behandlungen sind ungünstig für die Langzeitprognose. Gründe dafür liegen häufig in einer starken Müdigkeit (Fatigue), die zu weniger körperlicher Aktivität führt. Auch Veränderungen im Hormonhaushalt durch die Therapien, bspw. Antihormontherapien,
die zu gesteigertem Appetit und einem geringeren Kalorienverbrauch des Körpers führen können, tragen zur Gewichtszunahme bei. Empfohlen wird, während der Behandlung nicht mehr als 5 % an Gewicht zuzunehmen. Wenn Sie einen Body-Mass-Index von über 25 haben, kann eine langsame und kontrollierte Gewichtsreduktion sinnvoll sein. Diese sollten Sie während einer Chemo- oder Radiotherapie nur versuchen, sofern die Abdeckung mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen dennoch gesichert ist. Falls Sie Nebenwirkungen durch die Therapien haben, die Ihre Nahrungsaufnahme negativ beeinflussen, ist es besser, das Gewicht zunächst stabil zu halten und mit einer Reduktion zu starten, wenn Sie wieder ausgewogen essen können. Auch hier erhalten Sie Hilfe durch die Ernährungsberatung.
Wichtig ist, dass das Körpergewicht allein nichts darüber aussagt, woraus die Körpermasse besteht. Entscheidend für die Verträglichkeit der Therapien und die Langzeitprognose ist die Körperzusammensetzung. Zu wenig Muskelmasse und ein zu hoher Anteil des Körpers an Fettmasse können sich negativ darauf auswirken. Das Ziel ist daher, die Muskelmasse zu erhalten oder sogar zu steigern und eine Zunahme der Fettmasse zu vermeiden. Dies erreichen Sie durch ausreichend körperliche Aktivität.
Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte, die aus Nährstoffen oder sonstigen Stoffen in konzentrierter Form bestehen. Das können Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, Aminosäuren, aber auch Ballaststoffe, Pflanzen- oder Kräuterextrakte sein. Da es sich nicht um Arzneimittel handelt, müssen Hersteller keinen Nachweis über die Wirksamkeit sowie über die Unbedenklichkeit und Sicherheit erbringen. Häufig werben die Hersteller auch mit «krebshemmender» oder «immunstimulierender» Wirkung der Produkte.
Insbesondere bei der Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten sind viele Menschen eher unkritisch und wollen ihrem Körper damit etwas Gutes tun. In Studien zeigte sich jedoch kein vermindertes Risiko für Brustkrebs sowie für Rezidive durch die Einnahme von Multivitaminpräparaten oder einzelnen Nährstoffen. Für einzelne Vitamine und Mineralstoffe ist zudem noch nicht abschliessend geklärt, ob diese die Tumorzellen sogar weniger sensibel gegenüber den Chemotherapeutika oder auch bestrahlungsresistenter machen. Damit könnten sie die Wirksamkeit der Therapien herabsetzen – vor allem hochdosierte Präparate. Daher kann die Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten derzeit nicht empfohlen werden. Die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit allen Mikronährstoffen sollte stattdessen über eine ausgewogene Ernährung erfolgen.
Bei einer unzureichenden Nahrungsaufnahme aufgrund von Appetitlosigkeit oder einer nicht ausreichenden Aufnahme in den Körper bei starken Durchfällen oder Erbrechen kann die gezielte Einnahme eines Multivitaminpräparats im Einzelfall sinnvoll sein. Eine Aussage, welcher Mikronährstoff bei einer unzureichenden Aufnahme genau fehlt, kann kaum getroffen werden. Multivitaminpräparate sollten normale Tagesdosen enthalten und nicht hochdosiert sein.
Die Behandlung von Hormonrezeptor-positiven Tumoren mit Antihormontherapien (Aromatase-Inhibitoren und Antiöstrogene), insbesondere nach Chemotherapie, führt zu einer vorzeitigen Menopause und kann dadurch einen Knochendichteverlust bewirken. In diesen Fällen sollte eine regelmässige Knochendichtemessung erfolgen. Zudem sollte der Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmt werden. Bei einem Mangel sollte Vitamin D in Kombination mit Kalzium supplementiert werden. Bei einem starken Knochendichteverlust oder bereits entstandenen Knochenbrüchen können weitere Medikamente notwendig werden.
Viele Betroffene fragen sich, was sie nach der Tumorbehandlung tun können, um das Risiko eines Wiederauftretens der Erkrankung zu vermindern. Dies nennt man Sekundärprävention. Dafür gelten die gleichen Empfehlungen, wie sie unter dem ersten Kapitel «Während der Therapie» beschrieben wurden. Für die Langzeitprognose wurden in Untersuchungen drei Faktoren als besonders wichtig herausgefunden:
- Ein gesundes Körpergewicht und Vermeiden einer Gewichtszunahme.
- Eine geringe Aufnahme von alkoholischen Getränken.
- Regelmässige körperliche Bewegung.
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