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Schrebergärten und ihr Ursprung
Wenn auf der eigenen Gartenparzelle die Osterglocken den Frühling einläuten, im Sommer die erste schmackhafte Tomate geerntet werden kann, im Herbst die Trauben reif an den Rebstöcken hängen und wenn an lauen Abenden im Familien- und Freundeskreis Steaks und Würste auf dem Grill zum Essen einladen, dann denkt kaum ein Pächter an den Ursprung dieser Kleingärten.
War doch das Hauptziel dieser Gärten im 18. und 19. Jahrhundert noch, dem Hunger und der Verarmung der ärmeren Bevölkerung entgegenzuwirken, so dienten die Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen „Schrebergärten“ (der Leipziger Arzt Moritz Schreber war übrigens nur der Namensgeber, nicht aber der Erfinder derselben), anfänglich als Spielwiese für Kinder von Fabrikarbeitern, die unter der Betreuung von Pädagogen dort spielen und turnen konnten. Ein Lehrer namens Heinrich Karl Gesell war es dann, der an diesem Platz Gärten anlegte als weitere Beschäftigungsmöglichkeit für die Kinder. Die Gärten entwickelten sich aber bald zu einem Refugium der Eltern und aus den Kinderbeeten wurden Familienbeete, die man später parzellierte und umzäunte.
Familiengartenverein Kaiseraugst – altes Areal
Ende der 70er Jahre erstellte der Pharmakonzern Hoffmann-La Roche südlich der Landstrasse in Kaiseraugst einen für diese Zeit sehr modernen und komfortablen Baukomplex mit über 900 Wohnungen und einer beachtenswerten Infrastruktur, u. a. ein Einkaufszentrum, Hallenbad, usw. Dabei wurde auch der Wunsch nach einem Familiengartenareal laut. Die Hofmann-La Roche stellte ein Gelände zur Verfügung und 1977 erfolgte dann die Gründung des Familiengartenvereins Kaiseraugst. Da es sich bei diesem Areal aber um Bauland handelte, waren die Bedingungen für die Benutzung von Anfang an klar: Es durften weder Bauten erstellt noch sonstige Betonierungen vorgenommen werden und die Eigentümerin konnte jederzeit Eigenbedarf anmelden. Nicht ganz 20 Jahre später war es dann soweit und das Areal wurde dem Gartenverein gekündigt. In X-Frondienststunden wurde das Gelände abgebaut und in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.
Familiengartenverein Kaiseraugst - neues Areal
Mit Hilfe der Gemeinde Kaiseraugst konnte dann in einem steinigen Ackerfeld, angrenzend an die Autobahn A3, ein neues Areal gefunden werden, aus dem dann unter enormen Kosten und grossem Aufwand schlussendlich die jetzigen Gärten entstanden. Einige ehemalige Mitglieder haben das Projekt Familiengartenverein aufs Eis gelegt und gekündigt, aber nicht Wenige waren bereit, den ganzen Umzug mitzumachen.
Niemand wird die Anzahl Stunden gezählt haben, die es brauchte, um ein neues Gartenareal zu erstellen. Da gab es nicht nur die vielen Vorbereitungen und Sitzungen des damaligen Vorstandes mit allen Beteiligten, es galt auch, neue angepasste Statuten und Bauvorschriften zu erstellen, Parzellen zu vermessen, Wasserleitungen zu verlegen, Wege zu bauen und vieles mehr.
Aber auch für den einzelnen, neuen Pächter gab es viel Arbeit, als im November 1995 mit dem Ein- und Umzug ins neue Areal begonnen werden konnte. Abgesehen von den vielen gemeinnützigen Frondienststunden galt es auch, die eigene Parzelle einzurichten. Da galt es, sich Gedanken über die Bepflanzung zu machen, die Parzelle abzugrenzen, die Vorschriften genau zu studieren, Baugesuche einzuholen, und, und, und. Vermutlich war es eine lukrative Zeit für alle Anbieter von Gartenhäusern in der Umgebung, bis (fast) jeder sein Häuschen stehen hatte.
Im Frühling 1996 konnte dann das neue Areal des Familiengartenvereins Kaiseraugst mit einem Tag der offenen Tür feierlich eingeweiht werden.