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ein pyramidal geformter, von
Gletschern rings umgürteter, mit blendend weißem
Firn bedeckter Bergkoloß
der Finsteraarhorngruppe im
Berner Oberland. Der
Berg fällt gegen N. sehr steil ab in das enge
Trümletenthal (der
Wengernalp
gegenüber); nach O. und SO. fallen gleichfalls steile
Hänge zum
Eismeer der
Berner Alpen; der nordwestliche
Fuß, Stellifluh, ruht im Lauterbrunnenthal. Der ganze herrliche
Bau (4167 m hoch) wird durch zwei gegen
NW. vorgelagerte mächtige
Bergstufen, durch das Silberhorn (3690
m) und das östlich danebenliegende Schneehorn (3415 m), in seinem architektonischen
Eindruck noch wesentlich gehoben.
Der größere Teil des Wegs ist mehr ermüdend als gefährlich, dagegen die letzte
Partie über den Roththalsattel
außerordentlich schwierig. Die Eisform des Gipfels ändert fast mit jedem Jahr ihre Gestalt; meist jedoch bildet er ein
kleines, von grobkörnigem
Schnee
[* 8] bedecktes
Dreieck,
[* 9] zu welchem ein nur 18-30
cm breiter, auf beiden Seiten in glatten Eiswänden
steil abfallender
Kamm von etwa 20
SchrittLänge und mit einer Steigung von 60-70° führt.
(Kt. Bern
und Wallis).
4166 m. Weltbekannter Gipfel des BernerOberlandes; im Finsteraarhornmassiv, sw. vom Mönch und rechts
über dem Lauterbrunnenthal; 18 km ssö. Interlaken, das der Jungfrau in erster Linie seinen Aufschwung verdankt. Der Name
Jungfrau für den Gipfel findet sich zum erstenmal bei Thomas Schöpf in seiner 1577 geschriebenen ChorographiaDitionis Bernensis. Der Verfasser erklärt den Namen aus der jungfräulichen Reinheit des den Gipfel umpanzernden Firn- und
Eismantels. (Vergl. dazu Jahrbuch des S. A. C. Bd. 28). Seither ist die Jungfrau oft erwähnt und beschrieben worden.
Sie bildet den höchsten Punkt einer gut umschriebenen kleinen Berggruppe, die begrenzt wird im S. vom
Lauithor, im O. vom Jungfraufirn, im NO. vom Jungfraujoch, im N. vom Kamm nö. über dem Guggigletscher und dem Trümletenbach,
im NW. und W. vom Lauterbrunnenthal und im SW. vom Rotthal. Vom zentralen Gipfel gehen drei Hauptkämme aus: 1. ein S.-Kamm
mit dem Rotthalsattel (3857 m), Rotthalhorn (3946 m) und dem Punkt 3781 m;
2. ein NO.-Kamm, der bis 1902 aller Anstrengungen
der erfahrensten Alpinisten gespottet hat und die Wengern Jungfrau (4060 m; auf der Siegfriedkarte unbenannt) sowie den 1828 so
getauften Sattelkopf (3560 m; auf der Siegfriedkarte unbenannt), eine kleine Eispyramide über dem Jungfraujoch,
trägt;
Der NO.-Kamm sendet noch einen Ausläufer mit dem Schneehorn
(3415 m) nach NW. Von
diesen Kämmen und den dazwischen liegenden Mulden steigen eine Reihe von Eisfeldern ab: nach W. der Hochfirn
und der Rotthalgletscher, nach NW. der Giessen-, Kühlauenen- und Guggigletscher und nach SO. der Jungfraufirn. Zum erstenmal
erreichten den Gipfel der Jungfrau die Brüder Rudolf und Hieronymus Meyer aus Aarau 1811 auf dem Weg über Jungfraufirn, Kranzberg
und Rotthalsattel. Da diese erste Besteigung vielfachen Zweifeln begegnete, wiederholte am Gottlieb Meyer, der Sohn
eines der ersten Besteiger, mit den Führern Joseph Bortis und Alois Volker die Tour.
Zum dritten Mal bezwangen den Gipfel 16 Jahre später 7 Bürger von Lauterbrunnen und Grindelwald unter Führung von
Peter Baumann. Die Ehre der vierten Besteigung (August 1841) kommt den Professoren Agassiz und Desor aus Neuenburg
mit dem Naturforscher
Forbes aus Edinburg zu. Seither ist der Gipfel unzählige Male mit und ohne Führer erreicht worden. Anstiegsrouten gehen aus
von der Konkordiahütte (oder dem dortigen Gasthaus) und der Berglihütte (je 6 Stunden), der Rotthalhütte
(5-6 Stunden) und der Guggihütte.
Die drei erstgenannten werden heute von den Touristen bevorzugt, während die vierte ihrer grossen Gefahren wegen nur selten
gewählt wird. Den Anstieg von der Rotthalhütte aus unternahmen zum erstenmal 1860 John Tyndall über das Lauithor, dann 1864 Leslie
Stephen und Andere durch das Rotthalcouloir und 1881 Dr. Dubi über den Hochfirn; von der Guggihütte
aus bezwangen den Gipfel als erste 1865 H. B. George und Sir George Young mit den Führern Christian Almer, Hans Baumann
und Ulrich Almer.
Der Gedanke, den Gipfel der Jungfrau durch eine Bahnanlage allgemein zugänglich zu machen, ist erst
wenige Jahre alt. Die drei ersten Konzessionsgesuche, nämlich die der Ingenieure M. Köchlin und A. Trautweiler 1889 und
Ed. Locher 1890, erhielten zwar die Genehmigung der Bundesversammlung, gelangten aber nie über das Stadium von blossen Projekten
hinaus. Dann folgte 1894 ein neues Projekt des Zürcher Grossindustriellen Ad. Guyer-Zeller, das ebenfalls
die Konzession erhielt. 1895 bestellte Guyer-Zeller eine «wissenschaftliche Jungfraubahnkommission»
(bestehend aus je einem,
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Geologen, Physiker, Meteorologen, Hygieniker, Juristen, sowie aus mehreren Ingenieuren, hervorragenden Alpinisten etc.),
die 1896 ein Preisausschreiben für die besten Lösungen einer Reihe von beim Bau der Bahn in Betracht kommenden Fragen erliess.
Die wichtigste der eingegangenen Arbeiten war die des Ingenieurs E. Strub, dessen neues Zahnstangensystem bei der Jungfraubahn
seine erste Anwendung gefunden hat. Das auf Grund eingehender Studien für die Bahn festgelegte Tracé ist folgendes: Die
Bahn geht von der Station Kleine Scheidegg (2064 m) der Wengernalpbahn zunächst bis zum Eigergletscher.
Diese Strecke führt mit Ausnahme eines kleinen Tunnels von 87 m Länge dem Hang des begrasten Fallbodenhubels
(2175 m) entlang in offener Linie zur Station Eigergletscher (2321 m; 2 km vom Ausgangspunkt), nahe dem Ende des Gletschers
dieses Namens, in dem man eine künstliche Eishöhle ausgebrochen hat. Dann tritt das Tracé in den grossen Tunnel ein, um
ihn von nun an nicht mehr zu verlassen. Dieser Tunnel erhält eine Länge von 10,5 km und, bei einer Breite
von 3,7 und einer Höhe von 4,35 m, einen Querschnitt von rund 16 m2.
Die erste Tunnelstation ist die Station Rotstockwand (2530 m; 2,8 km von der Kleinen Scheidegg), von der aus ein mit einem
Drahtseil versicherter Felsenweg auf den benachbarten (40 Minuten) Rotstock (2668 m) mit seiner schönen
Aussicht auf das Grindelwaldthal erstellt wird. Es folgt in 4,4 km vom Ausgangspunkt die Station Eigerwand (Grindelwaldblick; 2867 m),
die wie alle übrigen nach ihr eine Felsenstation ist. Ein grosser Raum ist hier im Berge selbst ausgehauen; seine Decke wird
durch stehengelassene Felsensäulen gestützt, Wände, Decke und Boden sind mit Holz verkleidet, und der
ganze Raum ist elektrisch beleuchtet und geheizt.
Neben ihm sind Schlafzimmer für Passanten, Wohnräume für den Stationsvorstand und den Restaurateur etc. vorgesehen. Der
Hauptraum hat nach Aussen hin grosse fensterartige Oeffnungen (ähnlich denen an der Axenstrasse) mit
zurückziehbaren Balkonen. Bis hierher wird seit Sommer 1903 die Bahn bereits betrieben. Dann geht der Tunnel dem Projekt
zufolge mit einer Kurve von 550 m Radius weiter, erreicht die SO.-Seite des
Eiger und zieht sich von da unter dem Eigerjoch
durch in direkter SW.-Richtung bis zur Jungfrau.
Alle Zwischenstationen werden dem Reisenden eine prachtvolle, von Punkt zu Punkt wechselnde Aussicht bieten. Wohl am meisten
Anziehungskraft wird die Station Jungfraujoch mit ihrem doppelten Ausblick auf die Berner und die WalliserSeite haben. «Nach
N. sehen wir das Mittelgebirge mit seinen grünen Matten, dunkeln Wäldern, lieblichen Thälern und Seen, unmittelbar unter
sich die Kleine Scheidegg mit den Häusern, die einem so klein vorkommen wie Nürnberger Spielzeug ... Nach
S. hin bietet sich dem Auge ein ganz anderes Bild: eine Welt ohne Leben, die Region des ewigen Schnees und Eises. Der erste Schritt
zur Station hinaus führt uns direkt auf den Jungfraufirn. Mit Bequemlichkeit und ganz ohne Gefahr erreichen wir von hier
aus das Ewig Schneefeld, das wie der Jungfraufirn als Rennplatz für Skiläufer, Rennwolffahrer, überhaupt
für jeden Schlittensport geradezu wie geschaffen erscheint. Leicht erreicht man über den Konkordiaplatz den Grossen Aletschgletscher ... Es
wird sich voraussichtlich von Station Jungfraujoch ein nicht unbedeutender Verkehr nach dem Rhonethal entwickeln ...»
Die Gesamtlänge der Bahn beträgt 12,2 km, die gesamte zu überwindende Höhendifferenz 2102 m. Als
elektrisches Betriebssystem ist dreiphasiger Wechselstrom gewählt, der von den beiden Elektrizitätswerken zu Lauterbrunnen
und Burglauenen geliefert wird. Jenes beutet die Wasserkraft der Weissen Lütschine, dieses die der SchwarzenLütschine aus.
Das Gefälle beträgt dort 38, hier 150 m,
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die verwertete Wassermenge an beiden Orten 6 m3 pro Sekunde. Im Ganzen stehen der Bahn über 11000 PS zur Verfügung.
Nach Vollendung der Bahn wird auf der Jungfrau oder dem Mönch ein meteorologisches Observatorium errichtet werden.
Guyer-Zeller hat für die Ausführung seines Projektes 10 Millionen Franken budgetiert und die Gesamteinnahme
pro Jahr zu 722000 Fr., den Einnahmenüberschuss zu 512000 Fr. berechnet. Man rechnet auf 2000 Passagiere bis zum Eismeer, 5000 bis
zum Jungfraujoch und 10000 bis zum Gipfel. (Vergl. Wrubel, Friedr. DieJungfraubahn in der Deutschen Rundschau. Jahrg. 23, 1897. -
Wrubel, Friedr. Ein Winter in der Gletscherwelt;Skizzen vom Bau derJungfraubahn. Zürich
1899).
[H. Br.]
Geologie.
Die Gebirgsgruppe der Jungfrau steht an der n. Grenze des krystallinen Aarmassives und am Kontakt mit dessen sedimentärer
Randzone, die als wiederholt übereinander gelegte liegende Falten die Bergketten zu beiden Seiten der Thäler der Weissen
und SchwarzenLütschine bildet. Zwischen den krystallinen Gesteinsarten des Aarmassives und den ihm vorgelagerten
Kalkketten bestehen enge tektonische Verbindungen, indem beide oft in einander übergreifen. Die Sedimente (Jura, Trias, Perm)
dringen in Form von oft sehr spitzen Keilen in die stets nach S. fallenden krystallinen Gesteine (Gneis, Granitgneis, Protogin
und Glimmerschiefer in verschiedener Ausbildung) ein. An der Jungfrau kennt man zwei solcher Kalkkeile,
während am Gstellihorn Gneis und Kalk fünfmal miteinander abwechseln.
Der Gipfel der Jungfrau selbst besteht aus Gneis, der die Kalkmassen auf eine Breite von mehr als 3 km überlagert. Diese
bestehen der Hauptsache nach aus Malm, schliessen aber in den Muldenkernen auch noch Eocän mit ein.
Längs der Kontaktzone zwischen den Jurakalken und dem Gneis verläuft ein schmales Band von Dogger, Rötidolomit (Trias)
und Perm (in Form von schiefrigem Sernifit, Quarzit und roten und grünen Schiefern). Vergl. Baltzer, A. Der mechanischeKontakt zwischen Gneis und Kalk in denBernerAlpen(Beiträge zur geolog. Karte derSchweiz. 20).Bern
1880.
(Wengern) (Kt. Bern
und Wallis).
4060 m. Gipfel, im NO.-Kamm der Jungfrau; verdeckt von der Wengernalp aus gesehen den höchsten
Punkt und scheint so der eigentliche Jungfraugipfel zu sein. Zum erstenmal am von den ersten
Besteigern der Jungfrau auf der Route von der Guggihütte aus, den Engländern H. B. George und Sir George Young mit den Führern
Christian Almer, Hans Baumann und Ulrich Almer, erreicht. Wird nur sehr selten bestiegen. Auf
der Siegfriedkarte unbenannt.
der dritthöchste Gipfel der Finsteraarhorngruppe in den Berner Alpen, eine der schönsten Berggestalten
der Schweiz,
[* 16] erhebt sich im SSO. von Interlaken und Lauterbrunnen, im SW. von Grindelwald und im W. des
Finsteraarhorns an der Grenze zwischen Bern
und Wallis
zu 4167 m Höhe. Nach W. stürzt der Berg zum Lauterbrunnenthal ab, nach N. zum
wilden Trümmletenthal, in das zahllose Lawinen hinabstürzen; den Ostabhang bekleidet der Jungfraufirn, der zum großen Aletschgletscher
(s. d.) hinabsteigt, und den Südfuß begrenzen das vergletscherte
Roththal und das Lawinenthor (3700 m). Von N. gesehen, erscheint die J. als breite, eisgepanzerte
Pyramide, der sich das Silberhorn (3705 m) und das Schneehorn (3415 m)
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vorlagern. Von S. und SO. gesehen, stellt sie sich als schlanke Spitze dar. Der höchste Gipfel bildet einen schmalen, etwa 10 m
langen Grat. Der nordöstlich abzweigende Grat scheidet den Jungfraufirn von den nördl. Gletschern und endigt am Jungfraujoch
(3470 m) zwischen J. und Mönch.
Während das Silberhorn der Juraformation
[* 18] angehört, besteht die Hauptmasse des Berges aus Gneis. Die
Besteigung der J., zum erstenmal vonRud. und Heinr. Meyer vonAarau ausgeführt, wurde seither häufig wiederholt.
Silberhorn und Schneehorn wurden 1863 von E. von Fellenberg und KarlBaedeker erstiegen, das Lawinenthor vom Roththal zum Jungfraufirn
1860, das Jungfraujoch 1861 zuerst überschritten.
Für den Bau einer Eisenbahn auf die J. bestehen vier Entwürfe. Nach dem ersten soll die Bahn als schmalspurige Adhäsionsbahn
von Lauterbrunnen ausgehen, auf der zweiten Hälfte Seil-, Zahnrad- oder elektrischen Betrieb erhalten. Die Kosten sind auf 7796800
M. berechnet. Nach dem zweiten Entwurf (Drahtseilbetrieb mit Preßluft) soll die Bahn vier Abteilungen oder
Tunnels erhalten, zwischen denen Stationen errichtet werden sollen. Der dritte Entwurf des Obersten Locher, Erbauers der Pilatusbahn,
hat das Princip der Berliner
[* 19] Rohrpost (zwei Röhren
[* 20] nebeneinander von je 3 m Durchmesser); nach dem vierten soll die Bahn (elektrischer
Betrieb) von der Wengernalp aus um das Massiv des Eigers herum zum Jungfraujoch und dem Plateau (4100 m)
gehen; ein Aufzug
[* 21] (65 m) führt von da zur Spitze. Die Erteilung der Konzession ist von dem Nachweis abhängig gemacht, daß
der mit der schnellen Beförderung in eine so gewaltige Höhe verbundene Luftwechsel unschädlich sei. Dieser Nachweis
wird schwerlich erbracht werden können.