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Der Feigenbaum ist mit seiner Höhe von bis zu zehn Meter gewiss keine imposante Erscheinung, trotzdem schafft er es, durch seine Besonderheit durchaus zu beeindrucken. Sein kurzer, knorriger Stamm erreicht im Alter einen veritablen Durchmesser. Ueber sein Alter sind praktisch keine Informationen vorhanden.
Die Verbreitungsgebiete des gewöhnlichen Feigenbaumes liegen vor allem in wärmeren Breitengraden wie Kalifornien, Australien, Neusee-land oder mediterranen Mittelmeergebieten. In Europa ist er vor allem in Italien, Portugal, Türkei und Griechenland zu finden.
Die Gattung Ficus umfasst etwa 800 ausserordentlich vielgestaltige und vorwiegend immergrüne Arten. Sie sind vor allem in den Tropen beheimatet und gehören zur Familie der Maulbeerbaumgewächse.
Der Feigenbaum unserer Breitengrade ist vor allem wegen seiner wunderbaren und nützlichen Frucht bekannt. Inzwischen sind durch Kreuzungen und Ausleseverfahren viele Züchtungen entstanden mit dem Zweck, die Fruchtproduktion zu optimieren, denn die Fruchtreife des Feigenbaumes ist ziemlich kompliziert, ja beinahe abenteuerlich. Schon Aristoteles erkannte um 350 v. Chr., dass die Ausreifung der Feige mit der kleinen Gallwespe zusammenhängen muss, die immer mit dem Feigenbaum und der Frucht in Verbindung zu sein scheint. Es dauerte aben noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts, bis dieser komplizierte Prozess durchschaut war.
Jedes Jahr befinden sich am Feigenbaum drei verschiedene Blüten-standgenerationen gleichzeitig, die Profichi, die Fichi und die Mamme. Die Gallwespe fliegt im Frühling zur Eiablage zum Feigenbaum. Dort findet das Weibchen die sich ein wenig öffnende Vorfeige (Profichi) und dringt durch die winzige Oeffnung in die Frucht ein. Da legt sie tief drin, in der sogenannten Gallblüte, ihre Eier und verendet, da sie keinen Ausgang mehr findet. In der Profichi entwickeln sich nun die Eier zu Larven, ernährt sich vom Fruchtknotengewebe bis zur ihrer Geschlechtsreife. Die Weibchen werden begattet, dann verlassen die jungen Wespen die Frucht. Mit Pollen behaftet fliegen die Weibchen zur echten Feige (Fichi) wo sie die weiblichen Blüten bestäuben. Eine erfolgreiche Eiablage ist hier jedoch nicht möglich und die meisten Feigengallwespenweibchen gehen zugrunde. Die überlebenden legen ihre Eier in die Gallblüte der 3. Feigengeneration (Mamme). Hier drin entwickeln sich die Gallwespen; sie schlüpfen, wenn die Vorfeigen wieder blühen und der Kreis ist geschlossen. So dienen bei der Wild-feige 2 Feigengenerationen nur zur Vermehrung des Insekts aber ohne das Insekt findet wiederum keine Bestäubung statt. Bei der Kulturfeige gibt es heute jedoch Rassen, die ohne die Bestäubung Früchte bilden.
Mythologie
Im alten Aegypten der Feigenbaum der Göttin Hathor geweiht. Hathors Feige war 3`000 Jahre lang der Mittelpunkt eines sinnenfrohen Kultes.An der Wand einer Grabkammer im Tal der Könige fanden Archäologen eine bildliche Darstellung die darauf schliessen lässt, dass Hathor aus einem Feigenbaum geboren sein soll. Die Göttin entsteigt einem Feigenbaum.
Das antike Griechenland sprach der Feige aphrodisische Eigenschaft zu. Sie war dem Gott Dionysos geweiht und die Gottesbilder wurden stets aus Feigenholz geschnitzt. Die jährlichen Dionysos-Prozessionen waren ohne riesige Massen von Feigen und gegorene Feigengetränke gar nicht denkbar. Die Athener belegten die Feige sogar mit einem amtlichen Ausfuhr-Verbot. Leute, die Vorstösse gegen dieses Verbot anzeigten, nannte man Sykophanten.
Bei den Römern wiederum wurden die Figuren des Gottespriapus aus Feigenholz geschnitzt. Das Wort ficus leitet sich ab von fecundus, was sinngemäss Fruchtbarkeit bedeutet. In den Wurzeln des römischen Feigenbaumes (Ficus ruminalis) hatte sich nach der Saga nach dem Hochwasser die Wanne mit den kleinen Zwillingen, Romulus und Remus, verfangen. Auf dem Comitium am Forum Romanum stand ein Feigenbaum, der das Schicksal Roms verkörperte. Plinius berichtet von der Beliebtheit der Feige bei allen Bevölkerungs-schichten. In getrocknetem Zustand diente die Feige oft als Brotersatz unter den ärmeren Leuten und als vorzügliche Nahrungsergänzung für die römischen Soldaten. Jeder hatte getrocknete Feigen bei sich.
In der Bibel ist der Feigenbaum die erste namentlich erwähnte Pflanze. Nachdem Adam und Eva trotz einem göttlichen Verbot eine Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, wurde ihnen plötzlich ihre Nacktheit peinlich bewusst: „ Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz (Genesis 3;7). Von daher stammt wohl die Metapher „Feigenblatt“, für schamhafte Verhüllung.
Es mag wohl eher der Feigenbaum gewesen sein, an dem sich Judas erhängt haben soll. In den vielen verschiedenen Uebersetzungen wird er jedenfalls neben dem Holunder und dem Flieder ebenfalls erwähnt. Technisch gesehen scheinen die letzteren beiden eher problematisch.
In Südeuropa gilt die Geste, Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger, als eine etwas vulgäre Anspielung auf eine sexuelle Ausdrucksweise: „einem die Feige zeigen“. Die Geste führt auf die Zeit von Kaiser Friedrich Barbarossa zurück. Die Mailänder hatten seine Gattin Beatrix gedemütigt, indem sie die Frau, beinahe unbekleidet, mit dem Gesicht nach hinten auf einen Esel banden und sie so durch die Stadt führten. Die Gleichsetzung der Feige mit der Vulva führte in manchen Sprachen sogar für die Volksführer zu weit. Per Erlass wurde das ursprüngliche Wort für Feige oft durch ein anderes ersetzt. So wird die Feige in der Türkei häufig mit „Yemis“ bezeichnet, das heisst „ich bin satt“.
Baumspiegel
Er ist ein knorriger Geselle, der überaus süsse Früchte hervorbringt. Allein schon die Fruchtbildung zeigt eine geheimnisvolle Symbiose mit einem, gemessen an der Grösse des Baumes, äusserst winzigen und trotzdem unverzichtbar wichtigen Insektenwesen. Im Feigenbaum zeigt sich eine eindrucksvolle Aussergewöhnlichkeit, welche sich in so einer bescheidenen Stille abspielt, dass sie sich erst mehrere Tausende von Jahren offenbart hat. Denn schliesslich begleitet der Feigenbaum den Menschen schon seit frühesten Zeiten.
Obwohl der Feigenbaum in seinem Wuchs noch lange nicht zu den grösseren Bäumen gehört, vermag er noch in einem weiteren Punkt zu beeindrucken. Die ursprüngliche Heimat dieser wunderbaren Pflanze mit den riesigen Blättern, die in ihrer Form ein wenig an Ahornblätter erinnern, ist eindeutig in den Tropengebieten. Dort erfreuen sich etwa 700 Arten eines üppigen Daseins. Trotzdem scheint es die Pflanze durch Hartnäckigkeit und Ausdauer geschafft zu haben, sogar die nördlichen Gebiete der europäischen Alpen zu erobern. Hier ist zwar die Frucht höchst selten geniessbar, dafür hat der Baum erstaunliche Winterfestigkeit entwickelt.
Knapp über dem Boden lässt der europäische Feigenbaum seine Aeste in alle Richtungen wachsen, erst waagrecht, dann in einem sanften Schwung nach oben. Wie auf einer Wendeltreppe können spielende Kinder um den Stamm herum in die Höhe klettern. Wer ausser dem Feigenbaum ist so zuvorkommend?
Feigenbaum-Geborene
Als stabile Charaktere, die sehr gefestigt erscheinen, wenn auch manchmal etwas knorrig, so werden Feigenbaum-Geborene oft von ihren Mitmenschen wahrgenommen. Feigenbaum-Menschen sind komplizierte Wesen, was sie aber meisterlich unter einem Schutz-mantel der Oberflächlichkeit verbergen. Es ist die Furcht vor einer seelischen Verletzung, die sie unter der scheinbaren Leichtlebigkeit, ja gar unter einer gewissen Leichtsinnigkeit verstecken möchten. Dabei sind sie vielseitig begabt und vermögen se auch, diese Begabungen sinnvoll zu nutzen.
Sie setzten ihre Ansprüche punkto Ethik, Aesthetik und Gerechtigkeit ausserordentlich hoch an. Einerseits macht sie das zu wunderbaren und zuverlässigen Freunden. Andererseits wird jeder Versuch, sich nach einem Verrat zu versöhnen, in der Regel scheitern. Feigenbaum-Geborene können hoffnungslos nachtragend sein.
Wie der Feigenbaum kein lang anhaltendes hatres und kaltes Klima erträgt, so ist es auch bei den Feigenbaum-Menschen. Sie brauchen ein liebevolles, Schutz bietendes Zuhause, eine lichtvolle Umgebung im physischen wie im psychischen Bereich um nicht schwermütig zu werden. Junge Feigenbaum-Menschen sind wirklich anfällig für eine depressive Verstimmung, darauf sollte man ein Auge wach halten.
Ein andauerndes, emotional negatives Verhaltensmuster kann diese Menschen leicht in einen Teufelskreis des Leidens stürzen. Alleine finden sie meistens nicht wieder heraus, handeln dann oft irrational.
Feigenbaum-Geborene neigen wegen ihrer oft emotionalen Defizite zu grüblerischer und zweiflerischen Haltung die ihnen nicht zuträglich ist. Ihr psychischer Bereich kann aber sehr gut über physische Aktivitäten gestärkt werden. Sie sind dehalb gut beraten, regelmässig Sport zu betreiben oder auf Berg- und Naturwanderungen zu gehen. Aber auch Freizeitbeschäftigungen die mit Kunst und Kultur zu tun haben, sind für Feigenbaum-Menschen sehr förderlich.
Was sie gar nicht mögen, sind stumpfsinnige Haltungen, monotone Tätigkeiten oder starre Hierarchien. Werden sie mit Vorschriften oder willkürlichen Befehlen konftrontiert, so kann dies bei Feigenbaum-Persönlichkeiten leicht zur offenen Verweigerung oder zu aggresiven Reaktionen führen.
Sie brauchen unbedingt einen weiten Freiraum um ihre Kreativität voll entfalten zu können, denn sie sind immer auf der Suche nach Neuem, Aussergewöhnlichem. Sie nehmen es mit Interesse wahr, analysieren bis in die letzten Einzelheiten und machen es sich zu eigen, falls es ihren Vorstellungen entspricht.
Stärken
Es ist ihre ausgeprägte Fantasie, die den Feigenbaum-Geborenen eine aussergewöhnliche Schaffenskraft und Kreativität vermittelt. Wenn sie sich mit dem eigenen Handeln identifizieren können, treten Grosse und künstlerische Talente an den Tag.
Sie vermögen intuitiv Veränderungen und kleinste Details im Bereich des Emotionalen wahrzunehmen, sei dies an sich Selbst oder an ihren Mitmenschen. Sie verspüren lange vor allen Anderen sich verändernde Stimmungen und sind so etwas wie geborene “Frühwarner“.
Sie sind stets bereit zu geben was sie sich selber wünschen, nämlich Wärme, Geborgenheit, kulturelle und sinnliche Genüsse. Deshalb wohl auch sind sie wahre erotische Verführer/ Verführerinnen.
Schwächen
Feigenbaum-Menschen sind naturgemäss sehr verletzlich und geraten deswegen oft in emotionale Schwierigkeiten. Das mag sicherlich auch ein Grund sein, weshalb sie meist bestrebt sind, tiefe Gefühle nur nach ausgiebiger Prüfung aufkommen zu lassen. Die Schwierigkeit daran ist, dass manche Partner oder Partnerinnen nicht so lange warten mögen, bis alle “erforderlichen Prüfungen“ zum erwarteten Resultat führen.
Durch ihren seelischen “Tiefgang“ sind Feigenbaum-Geborene zu tiefer Liebe und grossem Enthusiasmus fähig (was ja keine Schwäche ist), aber die andere Seite ist eben auch die Tatsache, dass diese seelische Fähigkeit zu auch grossem Leid führen kann.
Ihre Stimmungsschwankungen sind in der Regel ausgeprägter und man stellt eher einen Hang zur Labilität fest als bei den anderen Baumkreiszeichen. Häufig eignen sie sich, gegen ihre Verletzlichkeit, eine “harte Schale“ an und verhindern auf diese Weise oft auch neue Freundschaften.
Gesundheit
Die Feige ist nicht nur Symbol der Sinnlichkeit, sie ist eine äusserst gesunde Frucht. In ihr ist eine beachtliche Menge an Kalium, Calcium, Phosphor, Eisen, Karotin, Thiamin, Niacin und Riboflavin enthalten. Ausserdem ist sie ein vorzügliches Genussmittel, sei dies als Sirup oder als Dörrfrucht. Bei den römischen Soldaten war sie neben dem Trockenfleisch stets als eine Art von Notration mit dabei. Bereits in der Bibel ist die Feige als Heilmittel erwähnt: König Hiskia erkrankte an einem bösen Geschwür und konnte nur noch liegen. Der Prophet Jesaja riet dem König, ein Pflaster zerstampfter Feigen aufzulegen.
Bei chronischer Verstopfung wirkt täglich eine kleine Portion gekochte Feige wahre Wunder. Als Sirup ist die abführende Wirkung ebenfalls gegeben, deshalb den Sirup als Getränk zurückhaltend verwenden, eher zur Verfeinerung von Speisen. Die Feigenblüten oder jungen Blatttriebe eigenen sich als Beimischung zu anderen Teesorten zur Blutreinigung. Der aus den jungen Blättern und Aesten austretende weisse Milchsaft kann zur Verheilung von vernarbenden Wunden angewendet werden. Regelmässige leichte Narbenmassage mit diesem Saft lässt die Vernarbung schöner werden.
Hildegard von Bingen bereitete aus Blätter und Rinde eine Salbe zu die allgemein schmerzlindernd wirkte. Allerdings warnt sie vor allzuvielem Feigengenuss. Zuviel soll untugentlich und wankelmütig machen.
Nervöse, überspannte oder gereizte Menschen sollten sich täglich ein wenig unter den Feigenbaum setzten. Er soll als Ganzes stärkend und beruhigend wirken. Der Feigenbaum kühlt die Gemüter.