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Als Tochter eines Unternehmer wuchs Dora Labhart-Roeder in Zürich auf. Sie machte vorerst das Handelsdiplom, studierte dann aber Rechtswissenschaften und doktorierte 1920. Bald fand sie eine Stelle in einem Fribourger Advokaturbüro. Um dort als Anwältin vor Gericht auftreten zu können, prozessierte sie gegen den Kanton Fribourg und erhielt in einem wegweisenden Bundesgerichtsentscheid 1923 Recht. Zwischen 1924 und 1927 folgten berufliche Tätigkeiten in Zürich. 1928 Heirat mit dem Romanshorner Juristen Max Labhart. Aufgrund des Bundesgerichtsurteils bekam sie auch im Thurgau die Zulassung als Anwältin und arbeitete mit ihrem Mann in der eigenen Kanzlei. In den 1930er-Jahren wurde sie Mutter von zwei Kindern. 1938 gründete sie den Thurgauischen Gemeinnützigen Frauenverein. Von 1953–1958 war sie ausserordentliche Jugendanwältin. In ihren beruflichen wie auch gemeinnützigen Engagements setzte sie sich besonders für juristische Frauenanliegen ein, amtete häufig als Verfasserin von Statuten, zum Beispiel für den neugegründeten Säuglingsfürsorgeverein des Bezirks Arbon, engagierte sich für die Entlassenenfürsorge, den Datenschutz für Adoptivkinder sowie die Beibehaltung des Bürgerrechts für Schweizerinnen, die einen Ausländer heirateten, hielt Referate und schrieb Fachartikel.
Kontextualisierung
Ihr Studium und ihre berufliche Tätigkeit als verheiratete Frau und Mutter im Kanton Thurgau als erste zugelassene Anwältin Jahrzehnte vor der Einführung des Frauenstimmrechtes waren aussergewöhnlich. Ihre Anliegen und Engagements dienten vielfach der rechtlichen Besserstellung von Frauen.
Weitere Informationen
Nachlass im ThurgauerFrauenArchiv TFA ZA 2016-08
Büchi, Eva: „Fräulein Fürsprech“: Dr. iur. Dora Roeder, in: bodenständig und grenzenlos. 200 Jahre Thurgauer Frauengeschichte(n), S. 197–199 (u. a.).
https://www.higgs.ch/fraeulein-fuersprech-fordert-ihr-gutes-recht/29276/