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Hannah Höch – Aller Anfang ist DADA!16. Januar – 4. Mai 2008
dada-cordial: Hausmann und DADA Berlin
Geboren 1889 in Gotha, Hannah Höch wächst in grossbürgerlichem Haus auf. Ihr Studium bei Emil Orlik an der Lehranstalt des Berliner Kunstgewerbe-Museums verdient sie durch ihre Tätigkeit als Entwurfszeichnerin in der Redaktion für Handarbeiten im Ullstein Verlag. 1915 lernt sie den Künstler Raoul Hausmann kennen, mit dem sie bis 1922 in einer leidenschaftlichen jedoch qualvollen Beziehung lebt. In künstlerischer Hinsicht sind diese Jahre äusserst fruchtbar für Höch und sie kann sich mit ihren virtuosen und spielerisch-hintersinnigen Collagen und Objekten im Männerbund der egozentrischen Berliner Dadaisten Hausmann, Johannes Baader, George Grosz, Richard Huelsenbeck, John Heartfield behaupten.
Im Sommer 1920 ist sie an der legendären „Ersten Internationalen Dada-Messe“ beteiligt.
Equilibre: Ornament, Abstraktion und Konkretion
Durch die Trennung von Hausmann ist Hannah Höch frei, Freundschaften zu Künstlern wie Hans Arp, Theo von Doesburg und dessen Frau Nelly, El Lissitzky, Piet Mondrian, László Moholy-Nagy, Kurt Schwitters und anderen zu pflegen und gemeinsame Arbeiten zu schaffen. So entsteht ein ganz Europa umspannendes Netz von Künstlerfreundschaften. 1926 begegnet sie in Holland der Schriftstellerin Til Brugman, mit der sie bis 1935 in Den Haag und später in Berlin zusammenlebt.
In diesen Jahren schafft Höch ein reiches Œuvre, dessen Vielgestaltigkeit ihr Streben nach persönlicher und künstlerischer Freiheit widerspiegelt.
Wilder Aufbruch: Überleben unter der Nazi-Herrschaft
Das politische und kulturelle Klima in Deutschland verändert sich schon vor der Machtergreifung der Nazis. Neue Tendenzen in Literatur und Kunst geraten unter Beschuss; zahlreiche avantgardistische Künstlerinnen und Künstler verlassen das Land. Anfeindung und Verfemung treiben Höch in die innere Emigration und 1939 zieht sie sich gänzlich in eine kleines Haus in Berlin-Heiligensee zurück – ein „idealer Ort zum Vergessenwerden“, wo sie sich und zahlreiche Kunstwerke ihrer avantgardistischen Künstlerfreunde vor dem Zugriff der Nazis rettet.
Ihre im Verborgenen geschaffenen Werke kommentieren hellsichtig die herrschenden Verhältnisse.
Fahrt ins Unbekannte: Vitales Alterswerk
Das Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutet die Befreiung von künstlerischer Knebelung und existenzieller Bedrohung. Hannah Höch gilt als wichtige Zeitzeugin für die Anfänge der modernen Kunst in Deutschland und Europa und ihr wichtiger Beitrag zur Moderne selbst wird wahrgenommen. Bis zu ihrem Tod 1978 schafft Höch (als eine der wenigen aus der Dada-Szene) ein vollgültiges, virtuoses Alterswerk, dem die nun massenhaft verfügbare Farbfotografie nochmals einen entscheidenden Impuls gibt.
Wenn die Düfte blühen…: Hannah Höchs Garten
Motive wie Pflanzen, Natur und Garten nehmen in Höchs Schaffen eine wichtige Rolle ein: Die Pflanze mit ihrer Verletzlichkeit ist Gegenüber für den sensiblen Menschen und Bild für die menschliche Existenz. Der Garten als Ort von Freiheit und Schönheit, von Wunderbarem und Skurrilem und damit als „vegetabile Collage“, erscheint als Höchs eigentliches Gesamtkunstwerk – ein reales Utopia, in dem sich die von Höch ersehnte Autarkie und Vielfalt realisieren lässt.
Die in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, konzipierte Ausstellung wurde für Basel um wichtige Leihgaben aus Schweizer und deutschen Sammlungen bereichert und ermöglicht so einen repräsentativen Überblick über das Leben dieser aussergewöhnlichen Künstlerin.