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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron

Der zweite Tag. Dritte Homilie (Gen 1,6-10)
II. Kapitel. Die "Veste inmitten des Wassers" von Gott gefestigt. Die Existenz nicht einer Einzahl, auch nicht einer Unzahl, sondern einer Mehrzahl von Himmeln. Die Sphärenmusik eine Fiktion der Philosophie.
7.
Fragt man nach der Glaubwürdigkeit dessen und verlangt man, sie möchten unsere Sinne, unser Gehör hiervon sich überzeugen lassen, sind sie verlegen. Wäre nämlich dem wirklich so, wie könnte es unserem Gehör, das selbst leisere Töne zu vernehmen pflegt, entgehen, wenn die Himmelskörper mit so gewaltigem Anprall aufeinanderplatzen? Wenn dort die Himmelssphäre, an welche man den Lauf der unaufhörlich rotierenden Sterne gebunden hält, eine von größeren Erschütterungen begleitete Umdrehung macht und akutes Getöse auslöst, hier ebenso gewaltiges der Mond? Wenn wir also darauf bestehen, daß wir von der Glaubwürdigkeit ihrer Behauptungen uns selbst durch unseren Gehörsinn überzeugen möchten, schützen sie vor, es seien unsere Ohren taub, es sei uns das Gehör abgestumpft geworden, weil wir vom ersten Augenblick unserer Geburt an das Getöse gewohnt seien1; und sie verweisen [S. 56] auf das Beispiel, wonach der Nil2, der größte der Ströme, gerade dort, wo er in Katarakten von gewaltigen Bergeshöhen niederstürzt, mit seinem mächtigen Getöse die Ohren der Anwohner so betäube, daß ihnen das Hören vergehen soll. Doch die Wirklichkeit selbst gibt ihnen die leichte Antwort. Denn wenn wir den Donner vernehmen, der durch den Zusammenstoß der Wolken erzeugt wird, sollten wir die Rotationen so gewaltiger Himmelskörper nicht vernehmen, die doch ein um so mächtigeres Getöse erzeugen müßten, je größer die Geschwindigkeit ist, mit der sie angeblich aufeinanderstoßen? Sie fügen außerdem noch bei, daß dieses Tönen deshalb nicht zur Erde dringe, damit die Menschen nicht, entzückt von der Lieblichkeit und dem Wohlklang, den jene rasche Bewegung der Himmelskörper auslöst, vom Aufgang bis zum Niedergang ihre Beschäftigungen und Arbeiten verließen und alles dahier infolge einer Art Verzückung des menschlichen Geistes in die himmlichen Töne müßig liegen bleibe. Doch überlassen wir das, was unserem Interessenkreis und dem Texte der göttlichen Lesung gleich fernliegt, „denen, die draußen sind“3. Wir unserseits wollen uns an die Lehren der himmlischen Schriften halten.
1: Vgl. Cic., l. c. 19.
2: Das gleiche Beispiel Cic., l. c. 19.
3: 1 Kor. 5, 12. 13; Kol. 4, 5. 11; 1 Tim. 3, 7.