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In Gedenken an Khalkha Rinpoche
Ein grosser Meister des tibetischen Buddhismus und grosser Chödmeister ist nicht mehr unter uns. Er verstarb am 1. März 2012 mit 80 Jahren in Ulan Bator in der Mongolei.
Der Neunte Khalkha Jetsün Dhampa wurde 1932 Tromtsikang, in der Nähe von Lhasa, als Sohn des Lobsang Jamphel und der Mutter Yangchen Lhamo geboren. Sein Name war Jampal Namdrol Chokey Gyalsten. Mit vier Jahren wurde er vom damaligen Regenten Reting Rinpoche und weiteren hohen Lamas als Reinkarnation des Achten Khalkha Jetsun Dhampa erkannt. Mit sieben Jahren trat er ins Gomang College des Klosters Drepung ein und erhielt die Rabjung Gelübde von Reting Rinpoche.
Khalkha Jetsün Dhampa studierte 14 Jahre lang Philosophie am Gomang College. Dann machte er sich auf, um zu den heiligen Orte in Tibet zu pilgern, Chöd zu praktizieren und das Leben eines Yogi zu führen. Im Alter von 25 Jahren gab er seine monastischen Gelübde zurück und lies sich in Takten Puntsokling nieder.
Das Kloster Takten Puntsokling wurde vom Vorgänger des Khalkha Rinpoche, Taranatha (1575-1634), in der Nähe von Shigatse gegründet oder etabliert. Taranatha war ein grosser Gelehrter des 17ten Jahrhunderts. Er war selber der 14. Halter seiner Linie und hatte den indischen Meister Buddhaguptanatha als Lehrer. Als Sanskritgelehrter schrieb er eine berühmte Geschichte des Buddhismus in Indien. Weiter war er ein Kalachakrameister und verfasste einen wichtigen Tara-Kommentar, The Golden Rosary, Origins of the Tantra of the Bodhisattva Tara. Taranatha war ein bedeutender Jonang Meister und das Kloster Takten Puntsokling war das Zentrum der Jonang Schule. Dort wurde er einst von seinen mongolischen Schülern inständig gebeten, seine nächste Inkarnation in der Mongolei zu nehmen.
So wurde Taranatha, der Vierzente seiner Linie zum ersten Khalkha Jetsun Dhampa, dem Herrn der Zuflucht, geboren als Sohn eines mongolischen Monarchen und wurde zum Linienlama vieler mongolischer Klöster. In jungen Jahren pilgerte er nach Zentraltibet, wo er vom Fünften Dalai Lama als Inkarnation des Taranatha erkannt wurde. Er erhielt in Lhasa alle wichtigen Linien des Dalai Lama und des Panchen Lama. Nach seiner Rückkehr in die Mongolei etablierte der Erste Khalkha Rinpoche die Gelug Tradition in seiner Heimat und in ganz Zentralasien. Die Beziehungen der Tulkus der Linie der Khalkha Jetsün Dhampa mit derjenigen der Dalai Lamas blieb bis heute immer eng verbunden.
Der Achte Khalkha Jetsün Dhampa führte sein Volk durch die Wirren des Zusammenbruchs des Chinesischen Kaiserreichs und der Russischen Revolution. Schlussendlich wurde die Mongolei unter Stalin in die Sovietunion integriert, die Klöster wurden zerstört und der Buddhismus verschwand für über 60 Jahre aus der Mongolei.
Der Neunte Khalkha Rinpoche floh nach der chinesischen Invasion mit hundert Tausenden von Tibetern nach Indien. Er lebte mit seiner Familie in Nord- und später in Zentralindien und diente lange Zeit der tibetischen Gemeinschaft in Indien als Lehrer und spiritueller Meister.
1991 nach dem Zusammenbruch der Sovietunion proklamierte ihn der 14te Dalai Lama durch sein Büro offiziell als 9. Linienhalter der Khalkha Jetsün Dhampa, also als Oberhaupt des mongolischen Buddhismus.
Er wurde in einer grossen Zeremonie als Tronhalter eingesetzt, zu der viele mongolische Klöster ihre Kenpos und Lamas sandten.
Khalkha Rinpoche erhielt schon in Tibet und später in Indien alle Linien des Dalai Lama und aller grossen Lehrer des tibetischen Buddhismus. 1994 er auf Anweisung des Dalai Lama Tibet um seltene Ermächtigungen inklusive der Jonag Linie zu erhalten. 1999 besuchte er die Mongolei und wurde im Ertini Jowo Kloster als „Beschützer der Wesen des Nordens und Leiter aller ihrer Schulen des Buddhismus“ mit einer grossen Zeremonie intronisiert. Als einer der wichtigsten Lehrer bereiste er viele Länder des Westens und des Ostens um zu lehren. Im Jahre 2002 besuchte er auf Einladung des Ehrwürdigen Lodrö Rinpoche die Schweiz. Er gab viele Einweihungen, vor allem die Shiwa Lamsab Linie des Chöd. Er leitete das dazugehörige Nachtretreat und gewährte die Trömanagmo Einweihung dieser Tradition. Für viele von uns in Ganen Chökhor ist er, neben Lodrö Rinpoche, der Linienlama.
Am 1. März verschied der Ehrwürdige Khalkha Jetsün Dampa und trat ins klare Licht ein. Der Dalai Lama sandte Samdhong Rinpoche, den früheren Premieminister der tibetischen Exilregierung in die Mongolei. Als dieser den Khata des Dalai Lama vor dem Rinpoche übergab, zeigten die Anzeichen, dass er aus dem Zustand des klaren Lichtes aufwachte.
Wir beten für seine baldige Wiedergeburt.