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«So what exactly is Queer Theory? What do we mean when we use the term queer? Is queer an attitude, an identity, a particular approach to politics?» Diese Frage wirft Nikki Sullivan in ihrem Aufsatz «Queer: A Question of Being or a Question of Doing?» auf. Sie merkt an, dass es ein sehr un-queeres Unterfangen wäre, queer zu definieren und damit auf eine Bedeutung festzuschreiben. Denn: «Queer is by definition whatever is at odds with the normal» – queer ist zuerst einmal das, was nicht einer herrschenden Norm entspricht.
Ihr Aufsatz bietet einen historischen Überblick, wie der Begriff von verschiedenen Theoretiker:innen und Aktivist:innen verwendet wurde, um die Vielzahl von Anti-Identitäten zu illustrieren, die dieses Wort versammeln kann. Queer, was zu nächst so viel heisst, wie komisch, seltsam, unpassend, gestört oder störend, wurde Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend als Schimpfwort für homosexuelle Menschen verwendet. Ende der 80er Jahre hat eine Aneignung dieses Begriffs der LGBTQIA*-Gemeinschaft stattgefunden und er kann heute als Überbegriff verwendet werden für (sexuelle) Praktiken, Identitäten und Gender, die nicht einer heteronormativen Vorstellung entsprechen.
Wenn queer also als Bezeichnung für Identitäten verwendet wurde und wird, was bedeutet es dann, wenn man damit eine Handlung bezeichnen möchte? Dass verschiedene Autor:innen der Queer Theory Identitätsbezeichnungen ablehnen, liegt daran, dass diese als Kulturtheorie, aus dem Poststrukturalismus hervorgegangen ist. «Identität» gilt also einerseits als soziale Konstruktion, deren Normen historisch gewachsen sind, andererseits gibt es kein Subjekt, dass nicht kulturell geprägt worden wäre, also ausserhalb von kulturellen Normen existieren kann. «Identität» und «Subjektivität» sind damit immer bereits in und durch ihre Beziehungen zu Anderen in gewissen Macht- und Wissenssystemen entstanden.
Queer als Handlung zu verstehen, heisst also das Konzept von Identität zu hinterfragen und auszuhebeln, abwertende Identitätsbezeichnungen umzuwerten und sich auf das Terrain ausserhalb von kulturellen Normen zu begeben. Innerhalb von «Queering Games» untersuchen wir, welche gesellschaftlichen Normen in Games übersetzt werden und wie diese hinterfragt oder umgewertet werden können. Dabei öffnen wir das Feld für weitere komische, seltsame, unpassende, gestörte und störende Handlungen im Spiel, wie falsche Spielzüge, Regelbrüche, Hacks, Übersetzungsfehler, Glitches, Systemfehler u.v.m.
(Carla Peca)