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Hollywood: Wenn eine Sanierung Sexismus und Rassismus tilgen soll
Keine Elefanten auf dem Dach und keine Fiberglas-Chaiselongue mehr: Weil sie an den Rassismus und den Sexismus des alten Hollywood erinnerten wurden sie vom „Hollywood & Highland“-Einkaufszentrum, wo auch die Oscar-Verleihungen stattfinden, entfernt.
Quelle: Wisconsin Center for Film and Theater Research, Wikimedia, gemeinfrei
Szene aus "Intolerance"; die Elefanten auf dem Set lieferten die Vorlage für die Dekoration auf dem Dach des Einkaufszentrums.
In der Vorstellung von Filmregisseur und Produzent Daniel Wark Griffith war das alte Babylon ein Ort fantastisch-märchenhafter Exotik. Davon erzählen die opulenten Kulissen, die er für Teile seines 1916 erschienen Films „Intolerance“ hatte bauen lassen. Das über zwei Stunden lange Werk beleuchtet die Folgen von Hass und Intoleranz in vier mit einander verbundenen, in unterschiedlichen Epochen angesiedelten Episoden. Einer der vielen Gründe dafür, dass Griffiths Werk in die Filmgeschichte eingegangen ist, liegt darin, dass es mit Kosten von rund zwei Millionen Dollar damals als teuerste Filmproduktion galt.
Von jener bombastischen Produktion zeugten bis vor kurzem zwei weisse Kunststoffelefanten auf dem Dach des „Hollywood & Highland“-Einkaufzentrums, wo jeweils auch die Oscar-Verleihung stattfindet. Wie andere Teile der Fassade waren sie als Hommage an das Werk von Griffith gedacht. Doch nun sind sie im Zuge eines 100 Millionen Dollar schweren Sanierungs- und Modernisierungsprojektes verschwunden.
Dies, weil die aktuellen Eigentümer des Einkaufszentrums laut einem Bericht des Branchenmagazins „Variety“ beschlossen haben, was an den Rassismus des alten Hollywood erinnert zu entfernen. – Griffith hatte, bevor „Intolerance“ in den Lichtspielhäusern Premiere feierte, mit dem Film „Birth of a Nation“ (1915) eine grosse Ladung Kritik einstecken müssen, da das Bürgerkriegsepos von vielen als rassistisch gegenüber Afroamerikanern empfunden wurde, weil es die Weissen in den Südstaaten als Opfer darstellte.
Neue Denkmäler für die Stadt
Neben den Elefanten ist noch ein weiteres Element des Anstosses entfernt worden: das Werk „Road to Hollywood“ der Künstlerin Erika Rothenberg, eine Fiberglass-Chaiselongue aus dem Jahr 2001. Das Möbel steht am Ende einer Art „Walk of Fame“, die Zitate von Filmschaffenden versammelt, in denen sie von ihrer Karriere erzählen, und soll unterschiedliche Wege symbolisieren, wie man in der Filmindustrie zu Erfolg kommt.
Die Weinsteinaffäre rückte die Liege allerdings in ein dubioses Licht, weil sie zu sehr auch dem Bild einer Besetzungscouch entsprechen könnte. "Es fällt schwer, sich etwas anderes dabei vorzustellen", erklärte Chad Cress, Chief Creative Officer des Miteigentümers DJM Capital Partners Inc., gegenüber der „Los Angeles Times“. „Es ist an der Zeit, neue Denkmäler für die Stadt zu schaffen.“ (mai)
Internettipp: Der Film „Intolerance“ auf Youtube in voller Länge: www.youtube.com