Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/923

Alpines Pumpen
Wenn die Sonne im Sommerhalbjahr in die Alpentäler brennt, erwärmt sich dort die Luft schneller als im flachen Vorland. Da wärmere Luft leichter ist, steigt sie auf. Am Boden hinterlässt dieser Prozess kein Vakuum, sorgt allerdings für einen geringeren Luftdruck. So entsteht ein Hitzetief, das wiederum ausgleichende Luftströmungen hervorruft. Über die Täler werden die "fehlenden" Luftmassen angesaugt. Das ist der Ursprung des Talwinds. Grossräumig betrachtet nennen Meteorologen dieses Phänomen "alpines Pumpen" (das nachts übrigens in umgekehrter Richtung läuft).
Der SHV hat zu seinem 40-jährigen Bestehen ein Sonderheft zum Thema Meteorologie herausgegeben. In einem der vielen lesenswerten Beiträge ist dieses alpine Pumpen genauer beschrieben. Dazu gibt es auch eine Karte, in der die typischen Talwindströmungen an einem überregional windschwachen Hochsommertag in der Schweiz eingetragen sind. Karte als druckbare pdf-Version [11'534 KB] herunterladen.
Interessant ist diese Darstellung, weil sie auch auf zwei weniger bekannte Phänomene des alpinen Pumpens aufmerksam macht:
Zum einen fliesst die Luft in Richtung Alpenhauptkamm nicht nur über die Haupttäler, sondern auch direkt über die niedriger gelegenen Vorgipfel. Dort entstehen dadurch zum Teil grossflächige Aufwindbereiche (blaue Pfeile in der Karte).
Zum anderen werden das Zentrum bzw. die Zentren des alpinen Hitzetiefs nicht zwangsläufig durch den Alpenhauptkamm definiert. Da die hohen Südflanken der Berge von der Sonne stärker bestrahlt werden als dessen Nordflanken, liegen die Maxima häufig etwas nach Süden versetzt. Das kann dazu führen, dass die einströmenden Luftmassen über Höhenzüge und Pässe hinüberschwappen und mancherorts sogar auf der anderen Seite erst einmal talabwärts drängen (rote Pfeile).
Beim Betrachten der Karte sollte man sich freilich eines bewusst sein: Die gezeigte Situation ist "idealisiert". Bei abweichenden Wetterlagen werden sich andere Strömungsmuster ausbilden. Man stelle sich zum Beispiel eine Entwicklung vor, bei der die Südalpenseite stark von Wolken abgeschattet und somit kühler gehalten wird, während der Norden nahezu ungehindert die Sonne empfängt. An solchen Tagen wird der Kern des alpenländischen Hitzetiefs weiter im Norden zu finden sein. Manche Talwindströmungen in den nördlichen Hochalpentälern können sich dann sogar umkehren. (Quelle: SHV / lu-glidz)
Artikel aus dem Swissglider als PDF [1'087 KB]