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«Der schnellste Diesel-PKW Europas» oder «sicherstes Fahrzeug überhaupt»: Solche Schlagzeilen machten die Volvo 700er-Reihe zum Kult.
Es war keine leichte Aufgabe, die Jan Wilsgaard anfangs der 1980er-Jahre hatte. Der legendäre Volvo Designer musste sich erneut selbst übertreffen. Nachdem er bereits Kult-Fahrzeuge wie den Amazon, die 140er-, 160er- und die 200er-Reihe entwarf, galt es, ein Nachfolgermodell zu finden.
Mit einem strengen Grundlinienmuster aus eckiger Front- und Heckgestaltung sowie senkrechtem Rückfenster machte der Volvo Designer die neue Volvo 700er-Reihe zu einem Meilenstein der Automobilgeschichte. Für Jan Wilsgaard stand stets Funktionalität und Einfachheit im Vordergrund: «Das Funktionelle ist oft das Schöne. Man folgt den Gesetzen der Natur und macht die Dinge nicht komplizierter, als sie wirklich sind. Funktionelle und vernünftige Lösungen sind oft die attraktivsten», pflegte der Volvo Designer zu sagen. Die kantige Form war also die logische Konsequenz seines logisch konsequenten Design-Verständnisses. In den USA bekamen die 700er-Modelle darum schnell den Übernamen «Swedish Brick», in der Schweiz wurden sie auch gerne «Schneepflug» genannt.
Die 1982 eingeführte Reihe, bestehend aus dem luxuriösen Volvo 760 und dem Anfang 1984 präsentierten, preiswerteren Volvo 740, kam bei den Kundinnen und Kunden von Beginn weg sehr gut an. Die Kombi-Versionen des 740 entwickelten sich im deutschsprachigen Raum zum meistverkauften Volvo Modell. Bis 1992 wurden allein vom Volvo 740 über eine Million Exemplare verkauft.
Einer der Gründe für den Erfolg war die Sicherheit: Der Volvo 740/760 war seiner Zeit weit voraus. Noch im sechsten Produktionsjahr erhielt das Modell den Preis als «sicherstes Fahrzeug überhaupt». Die bis zum Produktionsende andauernde Verleihung von Sicherheitspreisen war das Ergebnis vieler neuer Sicherheitsinnovationen. Dazu zählten ein serienmässiges ABS, ein elektronisches Traktionskontrollsystem sowie ein in der Rückenlehne integrierter Kindersitz.
Die Kombi-Variante war nicht nur wegen seines unendlichen Raumangebotes von bis zu 2200 Liter sehr beliebt, sondern auch wegen des Komforts. Volvo überraschte die Kundschaft, weil die Kombis erstmals eine nahezu identische Fahrdynamik boten wie die Limousinen. Neu war auch die vollständige Auskleidung des Laderaums mit Teppichboden und eine besonders aufwändige Isolierung des Innenraums gegen die in Kombis typisch lauten Fahrgeräusche. Hinzu kam eine innovative Fondklimatisierung durch zusätzliche Luftaustrittsöffnungen im Laderaum.
Trotz ihrer stattlichen Abmessungen gehörte die 700er-Reihe zu den handlichsten Fahrzeugen des Segments. So gehörte zum besonderen Plus der kleine Wendekreis von nur 9,9 Metern, der etwa jenem eines VW Käfers entsprach.
Nebst Sicherheit, Raum, Komfort und Fahrdynamik setzte Volvo auf Effizienz und Leichtbau. So konnte man gegenüber der 200er-Reihe 100 Kilogramm Gewicht sparen. Und das trotz Einführung des Katalysators sowie der bis zu 147 kW (200 PS) starken Motoren mit neuer Turbo- und 16-Ventiltechnik.
Heute hat sich die 700er-Reihe zum langlebigen Klassiker entwickelt, der vielerorts noch unverwüstlich seinen Dienst verrichtet. Die Robustheit ist kein Zufall. Für die Produktion wurden ausschliesslich verzinkte Stahlbleche verwendet, die im damals modernsten Automobilwerk der Welt, dem Volvo Stammwerk Torslanda bei Göteborg, von über 100 Industrierobotern montiert wurden.