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Stefan Schärer ist nun etwas mehr als 100 Tage im Amt und erstmals darf seine Arbeit beurteilt werden. Die 100-Tage-Frist steht für die Zeitdauer, die nach einem ungeschriebenen Gesetz einem neuen Amtsinhaber zugestanden wird, um sich einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen. Danach kommt es zu einer ersten Bewertung.
Die 100 Tage durfte der neue Präsident des Verbandes nutzen, um sich mit den Abläufen vertraut zu machen, wesentliche Personalentscheidungen zu treffen und erste Massnahmen auf den Weg zu bringen. Der schöne Brauch der «100-Tage-Frist» geht auf das Stillhalteabkommen von US-Präsident Franklin D. Roosevelt zurück. Er bat 1933 nach seiner Wahl die damals noch weitgehend handzahmen Medienvertreter um eine Schonfrist von 100 Tagen, um die gewaltige Herausforderung der Weltwirtschaftskrise mit dem New Deal zu meistern. Er nützte die ihm gewährte Frist, um 15 wichtige Gesetze durch den Kongress und das Repräsentantenhaus zu bringen.
Für Schärer sind die Herausforderungen nicht ganz so gross wie damals für Roosevelt. Aber sie sind auch nicht zu unterschätzen. Er hat in den ersten 100 Tagen, anders als damals der US-Präsident, noch keine wegweisenden personellen oder sonstigen Entscheidungen getroffen und erst einmal aufmerksam zugehört und viel geredet. Nun muss er zwei Geschäfte über die Bühne bringen, an denen er gemessen werden wird. Es geht um die Vertragsverlängerung von Nationaltrainer Patrick Fischer und die Subventionen der Liga.
Zum Fall Patrick Fischer. Intern ist die präsidiale Weisung an Sportdirektor Lars Weibel ergangen, bis zum Beginn der nächsten Nationalmannschaftspause am 4. Februar den nach der WM auslaufenden Vertrag (bzw. das Mandat) mit Patrick Fischer vorzeitig bis zur Heim-WM 2026 in Zürich und Freiburg zu verlängern. Dadurch werden die Verhandlungen für Weibel zu einem Pokerspiel mit verkehrt herum gehaltenen Karten: Wer unter Zeitdruck, den die andere Partei kennt, etwas erreichen muss, hat es nicht einfach. Die Verlängerung der Zusammenarbeit mit Fischer wird von Weibel mit ziemlicher Sicherheit fristgerecht über die Bühne gebracht. Wegen des Zeitdruckes wohl eher zu den Vorstellungen Patrick Fischers.
Das Problem ist allerdings nicht finanzieller Natur. Zumal Patrick Fischer als Nonkonformist kein Maximum fordern wird und eigentlich auch ohne vorzeitige Verlängerung gut leben könnte. Stefan Schärer hat mehrmals betont, es gehe darum, durch die vorzeitige Verlängerung die Diskussionen um die Zukunft des Nationaltrainers zu beenden und in Ruhe arbeiten zu können. Er meint es gut, offenbart in dieser Sache allerdings eine erstaunliche Naivität. Der Vertrag wird nämlich eine Ausstiegsklausel für den Fall von ungenügenden Resultaten bei der nächsten und übernächsten WM beinhalten.
Mit der vorzeitigen Verlängerung wird jedoch die erhoffte Ruhe nicht einkehren. Ganz im Gegenteil: Statt der Diskussion, ob der auslaufende Vertrag verlängert werden sollte, wird uns nun im Falle eines Falles die Debatte unterhalten, ob die Ausstiegsklausel eingelöst werden sollte oder nicht.
Zu den Subventionen: Die ganz grosse Herausforderung für den neuen Obmann wird das Aushandeln dieser Zahlungen. Die Liga ist inzwischen juristisch eigenständig. Die rund 30 Millionen Franken aus den TV- und Vermarktungsrechten fliessen seit der letzten Saison erstmals nicht mehr in die Verbandskasse und von dort teilweise zur Liga bzw. den Klubs. Nun geht das ganze Geld direkt an die Liga und die Klubs entscheiden, wie viel Geld sie dem Verband überlassen. Die Klub- und nicht mehr die Verbandsgeneräle haben den Schlüssel zum Tresor.
Die Zusammenarbeit zwischen Liga und Verband ist mit einem Vertrag bis und mit der Saison 2026/27 geregelt und funktioniert. Es geht etwa um die Schiedsrichter (sie werden vom Verband ausgebildet und betreut) oder um die Freistellung der Spieler für die Nationalmannschaft. Nicht geregelt ist hingegen, wie viel Geld die Liga dem Verband überlässt. Stefan Schärer ärgert sich nicht ganz zu Unrecht über die Bezeichnung «Subventionen» und sagt, der Verband erbringe für die Liga substanzielle Leistungen, die bezahlt werden müssen.
Eigentlich wollten die Parteien die Höhe der Subventionen noch im alten Jahr fix bis und mit der Saison 2026/27 aushandeln. Doch eine Einigung gibt es nach wie vor nicht. Der Verband möchte mehr Geld aus dem 30-Millionen-Topf. Bisher hat die Liga als Subventionen 3,5 Millionen Franken an den Verband überwiesen plus eine Million für die nach wie vor zum Verband gehörende Swiss League.
Die Meinungen bei der Liga sind gemacht: Es gibt ab nächster Saison nicht mehr Geld, sondern eine halbe Million weniger: Diese Saison zahlt die Liga im Sinne einer Nothilfe zu der fixen halben Million an die Swiss League eine zusätzliche halbe Million. Diese einmalige Unterstützung soll gestrichen werden. Weil es dem für die Swiss League zuständigen Verband nach wie vor nicht gelungen ist, die zweithöchste Liga richtig zu vermarkten und mehr als nur symbolische Entschädigungen für die TV-Rechte auszuhandeln, stehen die SL-Klubs vor schwierigen Zeiten.
Gelingt es Stefan Schärer, bei der Liga für den Verband und die Swiss League mehr Geld herauszuholen? Wenn ihm das nicht gelingt, ist er bei seiner ersten grossen Herausforderung bereits gescheitert.
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