Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03452.jsonl.gz/2423

Das Alter unserer Gattung wurde in der vergangenen Zeit mehrmals nach Oben korrigiert. Heute weiss man, der Mensch entwickelte sich bereits vor 200.000 Jahren. Was auch bedeutet, dass die Menschen und die Neandertaler sich unabhängig voneinander in zwei verschiedenen Kontinenten entwickelten. Die Neandertaler in Europa und Asien und die Menschen in Afrika. Alle Menschen der Gattung Homo sapiens sapiens kommen also ursprünglich aus Afrika.
Der Mensch veranstaltete sozusagen die zweite Fortsetzung von “Out of Africa”. Der Erste der Afrika verliess, war Homo erectus.
Sein Nachfahre Homo sapiens sapiens, tat es ihm viele Jahrtausende später gleich. Trotzdem dass sich die Homo erectus, die Neandertaler und die Menschen voneinander unterschieden, eines hatten sie gemein: Sie waren auf Ausdauer spezialisiert.
Für uns, die Angehörigen einer sesshaften Kultur, ist das schwer vorstellbar. Unsere Vorfahren bewegten sich viel mehr, als wir heute. Wenn sie nicht auf Wanderschaft waren, gingen sie auf Nahrungssuche oder auf die Jagd.
Der Mensch – der geborene Langstreckenläufer?
Manche anatomische Details weisen darauf hin. Ist der Mensch von Natur aus ein ausdauernder Läufer? Er besitzt sehr leistungsfähige Schweissdrüsen, die ihn davor bewahren, bei körperlicher Anstrengung zu überhitzen. Andere Tiere verschaffen sich Kühlung durch Hecheln. Das hat aber auch den Nachteil, dass schnelle Raubtiere bei der Jagd ihre hohe Laufgeschwindigkeit nur für kurze Zeit aufrecht erhalten können, da ihr Körper sonst überhitzt. Beim Menschen dagegen scheint die Natur auf “vollautomatisches Kühlungssystem” geschaltet zu haben, das mit Wasser betrieben wird. Der Preis dafür ist; der Mensch muss viel trinken, während andere Tiere mit verhältnismässig wenig Wasser auskommen können.
Ein anderer Hinweis ist seine Nase, die so geformt ist, dass der Mensch bei körperlicher Belastung ein Maximum an Sauerstoff aufnehmen kann. Bisweilen zeugt auch sein gesamter Bewegungsapparat davon, dass der Mensch lange Strecken bewältigen kann. Vielleicht war die Ausdauer die Strategie, mit welcher der Mensch seine körperlichen Schwächen im Betracht zu anderen, schnellen Raubtieren wieder wettmachte.
Zwar spricht dem etwas entgegen. Lauftiere sterben selten an Herzinfarkten oder Schlaganfällen aufgrund Bluthochdruck. Andererseits kann diese Entwicklung auch eher eine neuere Erscheinung beim Menschen der modernen Zivilisation sein, da er sich ganz anders ernährt und sich viel weniger bewegt, als seine Vorfahren es taten. Sozusagen eine “Zivilisationskrankheit”. Starben unsere Vorfahren an Herzversagen, oder war das etwas Seltenes? Wohl seltener. Um zu überleben mussten unsere Ahnen sicherlich fit sein.
Der Mensch ist weder stark, noch schnell.
Sein Erfolgsgeheimnis liegt in seiner Ausdauer
Der Mensch im Vergleich zum Wolf
Der Mensch – ein anpassungsfähiges Geschöpf
Heute zählt die Spezies Homo sapiens sapiens zu den am weit verbreitesten und anpassungsfähigsten Geschöpfen der Welt. Das ist kein Zufall, denn Homo sapiens sapiens hatte einen harten Überlebenskampf durchzustehen, der mindestens 65’000 Jahre anhielt. Der älteste Fund eines Menschen ist 200’000 Jahre alt. 65’000 Jahre später ( vor 135’000 Jahren ), setzte in Afrika eine verheerende Dürreperiode ein. Erst vor 70’000 Jahren normalisierte sich das afrikanische Klima wieder. Der Geowissenschaftler Andy Cohen fand bei Bohrungen im Malawi-See deutliche Zeichen auf eine langanhaltende Dürre.
Wie der Neandertaler in der Kälte, so war der Homo sapiens sapiens in der Hitze ein Überlebenskünstler. Doch was der Neandertaler immer zu Genüge hatte, war beim Homo sapiens sapiens kostbarste Mangelware: Wasser.
Ohne Wasser, kein Leben. Der moderne Mensch musste also einige neue Fähigkeiten entwicklen, um trotz der knappen Wasserressourcen überleben zu können. Ein Mensch kann gut drei Wochen ohne Nahrung leben, aber nur drei Tage ohne Wasser.
Der Cro-Magnon
1868 entdeckten Eisenbahnarbeiter die Knochen von fünf anatomisch modernen Menschen bei einem Felsüberhang Namens Cro-Magnon in der Dordogne in Frankreich. Dabei fanden sie auch Tierknochen und die typischen Werkzeuge die jener Zeit, den Aurignacien zugeordnet und auf ein Alter von 30.000 Jahren datiert wurden.
Diese Cro-Magnons waren die direkten Nachfahren jener Menschen, welche in der mittleren Altsteinzeit Afrika verliessen, um Asien und Europa zu besiedeln.
Durch die Vergleiche der verschiedenen Steinwerkzeugfunde der Moustérienkultur, fand man heraus, dass sich vom Südosten Europas her fortschrittlichere Werkzeugtypen nach Nordspanien ausbreiteten. Die Einwanderung des modernen Menschen nach Europa erfolgte vermutlich in vielen kleinen Schritten. Die ersten Spuren des modernen Menschen ausserhalb Afrikas sind 100’000 Jahre alt und wurden in Höhlen im israelischen Carmel Gebirge gefunden.
Der moderne Mensch schien selbst in den eisigen Zonen ein annehmliches Leben gehabt zu haben. Die riesigen Tierherden boten selbst in den Wintermonaten genug Nahrung, dass sich die Menschen trotz des kalten Klimas vermehrten.
Seit 35’000 Jahren hat sich der Mensch anatomisch kaum verändert. Sie sahen genau so aus, wie wir heute. Früher hielt man die Steinzeitmenschen für grobschlächtige Menschen, ohne Verstand. Heute weiss man, diese Menschen waren genau so intelligent, wie wir es heute sind. Der Mensch ist es sich gewohnt, “Lernen zu lernen”. Denn Jagen und Sammeln und in der Wildnis zu überleben erfordert eine hohe Intelligenz und ein fundiertes Wissen.
Funde von Homo sapiens sapiens
Cro – Magnon
1868 sorgte Meister Zufall für die erste Entdeckung menschlicher Überreste der Gattung Homo sapiens sapiens in Europa. Eigentlich wollte man ja nur eine neue Eisenbahnlinie und einen Bahnhof bauen, doch dann fanden die Arbeiter etwas, das ihre Region auf einen Schlag weltberühmt machen sollte. Sie entdeckten in der Nähe der französischen Kleinstadt Les Eyzies, bei einem Kalksteinmassiv, oder präziser, bei einem Felsüberhang, der von den Einheimischen Cro-Magnon „große Klippe“ genannt wird, die 30’000 Jahre alten sterblichen Überreste von modernen Menschen. Drei erwachsene Männer, eine Frau und ein Säugling. Diese Menschen wurden von ihren Angehörigen mit Körperschmuck und Werkzeugen beigesetzt. Auch Knochen von verschiedenen Tieren wurden gefunden, wie jene von Mammuts, Rentieren und Bisons. Die Überreste der Menschen erzählten eine spannende Geschichte bei ihrer Untersuchung, wo man die Spuren von Krankheiten und Verletzungen fand, aber auch das Indiz dafür, dass diese Menschen einander fürsorglich gesund gepflegt haben.
Dali
1978 fand Liu Shuntang in Dali (Provinz Shaanxi) in China einen 200’000 Jahre alten Schädel, der viele Fragen aufwarf. Dieser Schädel schien die Out-of Africa-Theorie gehörig ins Wanken zu bringen. Er wies zwar die für den Homo erectus typischen Augenwülste auf, hatte aber ein eher flaches Gesicht, genau wie die jenes der Jetztmenschen. War hier die Evolution ununterbrochen von Homo erectus fließend zu Homo sapiens sapiens übergegangen? Oder entwickelte sich die Gattung Homo sapiens sapiens viel früher, als bisher angenommen und hatte daher auch Afrika viel früher verlassen? Es bleibt spannend!
Omo
1967 entdeckte Kamoya Kimeu, ein Mitarbeiter aus dem Team von Richard Leakey, einen Schädel mit Teilskelett im Omo-Becken bei Kibish in Äthiopien. Der Omo River gab aber nicht nur diesen Fund Preis. Bald darauf folgte Omo II. Anfangs wurden die beiden Funde auf 160’000 Jahre datiert. Durch nähere Untersuchungen der Fundschichten wurden die Funde und somit die Evolutionsgeschichte des Jetztmenschen um 40’000 Jahre nach oben korrigiert. Homo sapiens sapiens betrat also bereits vor 200’000 Jahren die Bühne der Evolution. Oder bereits viel früher?
Qafzeh
In der Qafzeh-Höhle in Israel wurde eine der ältesten Grabstätte moderner Menschen im nahen Osten entdeckt, in welcher insgesamt 21 Männer, Frauen und Kinder vor zirka 100’000 Jahren bis 90’000 Jahren zur letzten Ruhe gebettet wurden. In den dreißiger Jahren wurden die ersten sieben Funde entdeckt. Zwischen 1965 und 1980 stieß man mindestens auf 14 weitere Individuen. Qafzeh IX. war eines davon, eine junge, etwa 20 jährige Mutter, die mit ihrem Kleinkind bestattet wurde.
Skhul
Die modernen Menschen lebten wahrscheinlich längere Zeit im nahen Osten, bevor sie nach Europa einwanderten. In der Skhul- Höhle in Israel, fand man die 90’000 Jahre alten Überreste von acht Männern und zwei Frauen, die dort bestattet worden waren. Diese Menschen waren Nachbarn ihrer Artgenossen von Qafzeh, und sie waren auch Nachbarn und Zeitgenossen der Neandertaler, welche damals ebenfalls den nahen Osten besiedelten. Die Menschen von Skhul waren bereits sehr identisch mit den heute lebenden Menschen. Das Gehirnvolumen hat sich seit dem nicht verändert.