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Dulcamara
ZENTRALE BEGRIFFE
Bewegung von innen nach aussen, herausdrängende Schmerzen. Feuer sprüht aus den Augen.
Will Wissen aus sich schöpfen, Wissen weitergeben, dominieren. Bis zu Erschöpfung und innerer Leere.
Weil er nichts aufnehmen will, ist der Kontakt zur Welt erschwert: Spürt ein Brett vor dem Kopf, nimmt keine Notiz von seiner Umgebung. Nimmt nur Phantome wahr, nicht die Wirklichkeit: Sieht eine sich vergrössernde Gespenster-Gestalt. Findet nicht die richtigen Worte.
Heftigkeit der Solanaceae: Wahnwitziges Phantasieren, stampft mit den Füssen. Zanksüchtige Stimmung, ohne sich dabei zu ärgern.
Fokus der inneren Aufmerksamkeit
Sie ist auf ein Wissen- und Sprechenkönnen aus sich selbst gerichtet, ohne dieses Wissen vorher von der Welt empfangen zu haben.
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Die Themenliste umfasst eine inhaltlich gruppierte Sammlung von Original Prüfungssymptomen
Wie zeigt sich das Leiden des Patienten? (Sekundäre Psora)
Wie kompensiert er sein Leiden? (Egotrophie, Egolyse, Alterolyse)
Wie lautet die eigentliche Hypothese „nach Masi“? (Primäre Psora)
Hier finden Sie spannende Interpretationen von einzelnen Themen oder Symptomen
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Hauptthemen
Keine Aufmerksamkeit für die Umgebung, stattdessen wahnwitziges Phantasieren, Zanksucht, Stampfen mit den Füssen. Er kann sich nicht mehr ausdrücken. In den übrigen Themen lassen sich diese Hauptthemen in symbolischer Form finden.
1. Keine Aufmerksamkeit für seine Umgebung
Die Patienten schienen nicht zu wissen, was ihnen geschah. A 12
Nahm keine Notiz von seiner Umgebung (...) A 13
2. Wahnwitziges Phantasieren
Ungeduldig, früh, er stampfte mit den Füssen, wollte Alles wegwerfen, fing an zu phantasiren und zuletzt zu weinen. CK 3
Irre-Reden. CK 5
Wahnwitziges Phantasiren und Deliriren. CK 7
3. Er wird gerufen
Sie erwacht früh, wie von einem Rufe, und sieht eine sich immer vergrössernde Gespenster-Gestalt, welche in der Höhe zu verschwinden scheint. CK 388
Nahm keine Notiz von seiner Umgebung (...) A 13
4. Die verschwindende Gestalt
Sie erwacht früh, wie von einem Rufe, und sieht eine sich immer vergrössernde Gespenster-Gestalt, welche in der Höhe zu verschwinden scheint. CK 388
5. Dummlichkeit des Kopfes
Dummlichkeit im Kopfe, wie nach einem Rausche, im Freien vergehend. CK 8
Dummlich und wüste im Kopfe, Abends. CK 9
Dummlichkeit im Kopfe, mit Ziehen im Stirnhügel. CK 10
Dummlichkeit und schmerzhafte Betäubung des Kopfes. CK 11
6. Die Gegenstände bleiben vor ihm stehen
Schwindel beim Gehen, Mittags, vor dem Essen, als wenn alle Gegenstände vor ihm stehen blieben und es ihm schwarz vor den Augen würde. CK 19
7. Ein Brett vor dem Kopf
Dumpfer Kopfschmerz in Stirn und Nasenwurzel, als hätte er ein Brett vor dem Kopfe. CK 23
8. Zanksüchtig
Sehr missgestimmt, zu gar Nichts aufgelegt, mehrere Tage lang. CK 1
Zanksüchtige Stimmung, Nachmittags ohne sich dabei zu ärgern. CK 2
9.Stampfen mit den Füssen
Ungeduldig, früh, er stampfte mit den Füssen, wollte alles wegwerfen, fing an zu phantasiren und zuletzt zu weinen. CK 3
10. Zupfen in der Luft und an den Kleidern
Ständiges Greifen in der Luft und Zupfen an seinen Kleidern. A 5
11. Herausdrängender Schmerz
Schwere des Kopfes, mit herausbohrendem Schmerze in der Schläfe und Stirne, wie auf Nacht-Schwärmerei. CK 35
Herausdrückender Kopfschmerz, beim Gehen im Freien, gegen Abend. CK 40
Herausdrückender Schmerz im linken Stirnhügel, Abends, ganz spät. CK 41
Ein ruckweises Herausdrücken im Vorderkopfe, schlimmer bei Bewegung. CK 42
Bohrender Kopfschmerz von innen heraus, vor Mitternacht. CK 60
Bohrender Schmerz von innen heraus, bald in der Stirn, bald in den Schläfen. CK 61
Bohrender Schmerz von innen heraus, in der rechten Stirnhälfte, über dem Augenbraun-Bogen. CK 62
Reissen im linken Ohre, mit Stichen darin von innen nach aussen, dabei Trommeln und Bubbern vor dem Ohre, dass er nicht gut hört, und Knistern darin, beim Öffnen des Mundes, als ob etwas entzwei sei. CK 78
Stumpfe Stiche auf einer kleinen Stelle links im Bauche, schnell hintereinander, nach aussen zu, mit Athem-Versetzung und Gefühl, als wolle sich etwas durchdrängen; beim darauf Drücken schmerzt die Stelle. CK 165
Herausdrängender Schmerz unter dem Nabel, links, als wolle ein Bruch entstehen. CK 170
Pulsirende (Stiche?) in der Harnröhre nach aussen zu. CK 213
Gefühl, als wollte es links aus der Brust herausdrängen. CK 236
Stumpfes Stechen, wie ein Herausdrängen, in beiden Lenden, bei jedem Einathmen, während gekrümmten Sitzens, (nach einem kleinen Fussgange) CK 260
Stumpfe Stiche hie und da in den Gliedern und am übrigen Körper, meist herauswärts. CK 346
12. Feuer sprüht aus den Augen
Gefühl, als wenn Feuer aus den Augen sprühte, beim Gehen in der Sonne und im Zimmer. CK 74
13. Kalte Luft im Ohr
Prickeln in den Ohren, als wenn kalte Luft hinein gegangen wäre. CK 82
14. Als schlage das Herz ausserhalb der Brusthöhle
Starkes Herzklopfen, als fühle er das Herz ausser der Brusthöhle schlagen. CK 256
15. Unrechte Lage des Kopfs
Schmerz im Genicke, als habe der Kopf eine unrechte Lage gehabt. CK 276
16. Der Hals wird umgedreht
Schnürender Schmerz in den Nacken-Muskeln, als würde ihm der Hals umgedreht. CK 277
17. Als ob etwas entzwei sei
Reissen im linken Ohre, mit Stichen darin von innen nach aussen, dabei Trommeln und Bubbern vor dem Ohre, dass er nicht gut hört, und Knistern darin, beim Öffnen des Mundes, als ob etwas entzwei sei. CK 78
18. Pflockgefühl
Druck wie von einem Pflocke (stumpfen Instrumente), bald auf der rechten, bald auf der linken Seite, in den Schläfen. CK 36
Druck, wie von einem Pflocke, innerer nur auf ganz kleinen Stellen des Kopfes. CK 37
Druck, wie von einem Pflocke, in Absätzen, links auf dem Scheitel, von aussen nach innen. CK 38
19. Schmerzen an kleiner Stelle
Druck wie von einem Pflocke, innerer nur auf ganz kleinen Stellen des Kopfes. CK 37
Stumpfe Stiche auf einer kleinen Stelle links im Bauche, schnell hintereinander, nach aussen zu, mit Athem-Versetzung und Gefühl, als wolle sich etwas durchdrängen; beim darauf Drücken schmerzt die Stelle. CK 165
Ziehender Schmerz, Abends beim Essen, auf dem Scheitel, bis in die Nasenbeine, wo er zusammenziehend wird. CK 46
Absetzendes Klemmen auf einer kleinen Stelle, oben unter dem Brustbeine. CK 234
20. Ausstrahlungen
Ziehender Schmerz, abends beim Essen, auf dem Scheitel, bis in die Nasenbeine, wo er zusammenziehend wird. CK 46
Ziehen vom Stirnhügel bis in die Nasen-Spitze herab, in schnellen, zuckenden Zügen. CK 47
Langsam herabziehendes, drehendes Bohren vom Ellbogen-Gelenke nach der Handwurzel zu (...) CK 293
Ziehendes Stechen im linken Hüftgelenke, bis in den Schoss, bloss beim Gehen, bei jedem Tritte, mit Gefühl, als wolle sich der Kopf des Hüftknochens ausrenken; starkes Ausstrecken minderte den Schmerz unter Empfindung, als würde das Glied eingerenkt; doch blieb einige Zeit ein Zerschlagenheits-Schmerz zurück, der ihn wie lahm zu gehen nöthigte. CK 307
Lähmiges Ziehen auf der vordern Seite des rechten Oberschenkels. CK 317
Klammartiges, fast schneidendes Ziehen durch den linken Unterschenkel herab. CK 325
Reissen im rechten Schienbeine herauf, früh. CK 327
Ritzender Schmerz zieht hinten an der linken Wade herab. CK 329
Plötzlicher Nadelstich in der linken Wade, und darauf Gefühl, als laufe warmes Blut oder Wasser aus der Stelle herab. CK 331
21. Nadel und Stechen
Ein langsames Stechen im Hinterhaupte, wie mit einer Nadel, die man immer wieder zurückzöge. CK 56
Stiche im Kopfe, so dass sie böse darüber ward, am meisten abends; im Liegen erleichtert. CK 54
22. Zunge
Auf der Zungenspitze, jückendes Krabbeln. CK 103
Trockne Zunge. CK 104
Trockne, rauhe Zunge. CK 105
Lähmung der Zunge. CK 106
Lähmung der Zunge, nach langem Gebrauche. CK 107
Lähmung der Zunge, die am Sprechen hinderte. CK 108
23. Zu langes Zäpfchen
Drücken im Halse, als wenn das Zäpfchen zu lang wäre. CK 110
24. Ernährung
Guter Appetit und Wohlgeschmack des Essens, doch gleich satt und voll, unter vielem Kollern und Poltern im Leibe. CK 118
Wiederholtes Aufstossen beim Essen, so dass ihm die hinuntergeschluckte Suppe gleich wieder in den Hals heraufkömmt. CK 121
Aufgetriebenheits-Gefühl und Unruhe im Bauche, mit öfterm Luft-Aufstossen. CK 146
Aufgetriebenheit des Bauches, als sollte er platzen, nach einer mässigen Mahlzeit. CK 147
Kneipender Bauchschmerz gleich unter dem Nabel, beim krumm Sitzen; beim Ausdehnen vermindert und aufhörend. CK 149
Heftiges Kneipen im Bauch, als wenn ein langer Wurm darin auf und ab kröche, und nagte und kneipte. CK 156
Bauchweh, als wenn Durchfall entstehen wollte. CK 175
Bauchweh, wie Regung zum Durchfalle, nach Abgang eines Windes vergehend. CK 176
Bauchweh, als sollte Stuhlgang erfolgen, mit Knurren darin und Kreuzschmerz. CK 178
Knurren im Bauche, als sollte Stuhl erfolgen, mit etwas Kreuzweh. CK 186
Plötzlich ungeheures Pressen auf den Mastdarm, dass er den Stuhl kaum aufhalten kann; doch geht erst nach einer Weile, bei starkem Drücken sehr harter Koth langsam und unter flüchtigem Kneipen und Schneiden hie und da im Bauche, ab. CK 200
Seltener, träger, harter Stuhl; wenn ihm auch Noth thut, fehlt doch der Drang im Mastdarme, und es geht nur mit grosser Anstrengung sehr dicker, harter Koth langsam ab. CK 204
25. Bewegung
Sie konnte die Arme weder vor noch zurückbringen, weil sonst Rucke darin entstanden. CK 281
Zucken im Oberarme, beim Krümmen und rückwärts Biegen des Arms; beim Ausstrecken zuckte es nicht, es wurden aber die Finger steif, dass sie sie nicht zumachen konnte. CK 282
26. Feuchte Kälte
Schmerzen, wie Verkältung, an vielen Körperteilen. CK 345
Bauchweh, wie von Verkältung. CK 172
Bauchweh, als wenn er sich erkältet hätte. CK 173
Bauchweh, wie von nasskalter Witterung zu entstehen pflegt. CK 174
Zittern der Hände (bei kaltfeuchter Witterung). CK 297
Bei He 39 finden sich viele Beschwerden, die durch feuchte Kälte ausgelöst werden, u.a. Nasenbluten, Gesichtsneuralgie, Asthma, Abort usw.
27. Vergrösserung, Auftreibung, Blähung
Gefühl, als habe sich der Hinterkopf vergrössert. CK 65
Aufgetriebenheits-Gefühl und Unruhe im Bauche, mit öfterm Luft-Aufstossen. CK 146
Aufgetriebenheit des Bauches, als sollte er platzen, nach einer mässigen Mahlzeit. CK 147
Flüchtiges Schneiden und Kneipen in der Brust, wie von aufgestauten Blähungen. CK 252
Gefühl, als ob der Kopf vergrössert wäre. He 3.9
28. Gebückt sitzen, sich krümmen
Kneipender Bauchschmerz gleich unter dem Nabel, beim krumm Sitzen; beim Ausdehnen vermindert und aufhörend. CK 149
Brust-Beklemmung, wie nach gebücktem Sitzen. CK 228
Stumpfes, schmerzliches Drücken, links über dem Schwertknorpel, beim gebückt Sitzen, später auch bei aufrechter Stellung, in langen Absätzen wie tief in die Brust hineindringende Stösse. CK 232
Kreuzschmerzen, wie nach langem Bücken. CK 257
Stumpfes Stechen, wie ein Herausdrängen, in beiden Lenden, bei jedem Einathmen, während gekrümmten Sitzens, (nach einem kleinen Fussgange). CK 260
29. Stösse, Schläge, Fäuste
Stumpfes, schmerzliches Drücken, links über dem Schwertknorpel, beim gebückt Sitzen, später auch bei aufrechter Stellung, in langen Absätzen wie tief in die Brust hineindringende Stösse. CK 232
Absetzender Schmerz in beiden Brust-Seiten unter den Achseln, als stiesse man die Fäuste gewaltsam ein. CK 233
Stoss ähnlicher, stumpfer Stich auf das Brustbein. CK 248
Schmerz, wie nach Stoss, über der linken Hüfte, dicht neben den Lendenwirbeln. CK 261
Reissende Stösse auf die Aussenseite des rechten Schulterblattes, in Absätzen. CK 273
Lähmiger Quetschungs-Schmerz im linken Arme, fast nur in der Ruhe, bei Bewegung weniger, beim Befühlen gar nicht; doch hat der Arm gehörige Kraft. CK 283
Dumpfer, heftiger Schmerz im ganzen rechten Arme, wie nach einem Schlage (...) CK 280
Grosses Zerschlagenheits-Gefühl in allen Gliedern, den ganzen Tag. CK 368
Empfindlicher Druck-Schmerz in der Herzgrube, wie von einem Stosse, beim darauf Drücken ärger. CK 139
30. Stumpfes Messer, stumpfe Stiche
Stechender Schmerz in der linken Brust-Seite, wie von einem stumpfen Messer, in der Gegend der fünften, sechsten Ribbe. CK 244
Stumpfe, langsam absetzende Stiche in der linken Ribbenseite. CK 246
Stumpfer Stich-Schmerz in der rechten Brust-Seite, in der Gegend der dritten Ribbe, besonders beim darauf Drücken; darauf zog es ins Kreuz und bis zwischen die Schultern, wo es am einen Rande des linken Schulterblattes beim Athmen stach. CK 247
Stoss ähnlicher, stumpfer Stich auf das Brustbein. CK 248
Stumpfer, betäubender Stich unter dem rechten Schlüsselbeine in die Brust hinein. CK 249
Ein stumpfer Stich herauswärts in der linken Lende, dicht über der Hüfte, bei jedem Athemzuge. CK 266
Stumpfe pochende Stiche, links neben dem Rückgrate in Absätzen. CK 268
Stumpfe Stiche hie und da in den Gliedern und am übrigen Körper, meist herauswärts. CK 346
31. Zwängender Schmerz
Ohren-Zwang die ganze Nacht hindurch, dass er nicht schlafen konnte; früh verlor sich der Schmerz plötzlich, bis auf einiges, noch fortdauerndes Rauschen. CK 75
Zwängender Schmerz im linken Ohre, bei grosser Übelkeit. CK 76
Zwängen im rechten Ohre mit kleinen Stichen. CK 77
32. Schnelles, ruckweises Stechen
Ruckweise, einzelne, starke Stiche, wie mit einer Gabel, dicht über der rechten Hüfte, neben den Lendenwirbeln. CK 265
Stumpfe Stiche auf einer kleinen Stelle links im Bauche, schnell hintereinander, nach aussen zu, mit Athem-Versetzung und Gefühl, als wolle sich etwas durchdrängen; beim darauf Drücken schmerzt die Stelle. CK 165
Ein langsames Stechen im Hinterhaupte, wie mit einer Nadel, die man immer wieder zurückzöge. CK 56
33. Wie abgeschnitten
Schmerz, als sollte der Leib über den Hüften abgeschnitten werden; zum hin und her Bewegen nöthigend, doch ohne Linderung. CK 263
34. Sprechen
Irre reden. CK 5
Kann nicht das richtige Wort finden. He 1.1
Geistige Verwirrung, kann seine Gedanken nicht sammeln. He 1.2
35. Wellenartiger Schmerz
Wellenartiger, reissend drückender Schmerz durchzieht in Absätzen die ganze linke Brust-Seite. CK 238
36. Leeregefühl im Bauch
Aufgetriebenheits-Gefühl in der Herzgrube, mit unangenehmer Leerheits-Empfindung im Bauche. CK 140
Leerheits-Gefühl im Unterleibe. CK 171
37. Will manches, stösst es dann zurück
Verlangt dies oder jenes, weist es zurück, wenn es angeboten wird. He 1.5
Er leidet an dem Gefühl, die Welt nur mangelhaft wahrzunehmen. Er nimmt nur Phantome wahr, nicht die Wirklichkeit, die Welt entschwindet ihm. Er kann sich nicht mehr richtig bewegen und nicht richtig ausdrücken. Findet nicht die richtigen Worte, kann sich nicht konzentrieren. Auch die Wahrnehmung ist gestört.
Egotrophie
Jemand, der sein Wissen nur aus sich selbst schöpft. Er legt Wert darauf zu zeigen, dass er nicht auf andere angewiesen ist. Er versprüht sein eigenes Wissen. Daher hat er kein Interesse an seiner Umgebung. Er hört nichts, wenn er angesprochen wird, er reagiert nicht auf Anregung von aussen. Er ist zanksüchtig, ohne sich jedoch dabei zu ärgern.
Egolyse
Er akzeptiert, dass er von der Welt nichts wahrnehmen kann. Er weiss daher nichts und kann auch niemandem etwas mitteilen.
Alterolyse
Die anderen hindern ihn daran, etwas von der Welt wahrzunehmen und ihr etwas von sich mitzuteilen.
Das Lehren und Weitergeben von Wissen an andere ist der zentrale Inhalt von Dulcamara. Wichtig ist, dass dieses Wissen nur aus ihm selbst kommt und nicht die Frucht einer Auseinandersetzung mit den anderen und der Welt darstellt.
Transzendenter Wert
Nach Thomas von Aquin ist Gott höchstes, allumfassendes, primäres und nicht bedingtes Sein. Damit ist gegeben, dass Gottes Wissen ebenfalls primär, nicht bedingt und allumfassend ist, sein Wissen stammt aus ihm selbst, er hat es nicht von einer anderen Instanz erhalten. (ST I.14 ff.).
Neid auf Gott, der Wissen geben kann, das nur aus ihm kommt, das er nicht von anderen erhalten hat.
Menschliche Daseinsbedingung
Der Mensch kann nichts wissen, was er nicht selbst wahrgenommen oder von einem anderen erfahren hat. Darin liegt die Bedeutung der sinnlichen Wahrnehmung für die Erkenntnismöglichkeit des Menschen. Um etwas zu wissen, muss es zuerst wahrgenommen werden. Diese menschliche Möglichkeit, Wissen zu erwerben, wird hier negiert. Zunächst bezieht sich dies auf die Wahrnehmung, die als Wissensgrundlage abgelehnt wird, im weiteren aber auch auf die Welt und die Mitmenschen insgesamt, die als notwendige Grundlage der Erkenntnis zurückgewiesen werden. Stattdessen wird die Umkehrung angestrebt. Er möchte sprechen und lehren können, ohne vorher sein Wissen von der Welt empfangen zu haben. " Ich habe alles Wissen in mir und kann es weitergeben ohne Notwendigkeit, vorher etwas aufgenommen zu haben." Dies führt beim Lehren zu einer Nötigung des belehrten Schülers. Der Lehrer verzichtet auf den Kontakt mit der Welt, der ihn dazu führen würde dasjenige als Wissen zu entdecken, was in der Welt und in anderen Menschen liegt. Statt den anderen zu erkennen, entwickelt er eigene Phantasien. Statt den Schüler zu den Quellen des Wissens zu führen, vermittelt er ihm nur seine eigenen Phantasien.
Kerne
Schuld
Er lehnt es ab, etwas aufnehmen zu müssen, um Erkenntnis zu erwerben. Er will alles Wissen aus sich selbst schöpfen.
Verlust
Der Kontakt zur Welt und deren Wahrnehmung gehen verloren. ("Als hätte er ein Brett vor dem Kopf.") Die Welt entschwindet. Es bleiben nur Phantome und die Phantasien, welche die Wahrnehmung der Welt zu ersetzen. Er kann die Welt nicht mehr erreichen und ansprechen, er findet nicht mehr die richtigen Worte.
Strafe
Er spürt nur Leere in sich. Alles, was von ihm ausgeht, ist mit Schmerzen verbunden. Herausdrängende Schmerzen und Empfindungen, ausstrahlende Schmerzen.
Erwacht wie von einem Ruf und sieht eine sich vergrössernde Gespenstergestalt, welche in der Höhe zu verschwinden scheint. (Themen 3 und 4)
Der Ruf könnte für die Sinneswahrnehmung im allgemeinen, aber auch für die Welt und die Mitmenschen stehen, die ihn anrufen. Dieser Anruf dringt nicht zu ihm durch. Er kann nur ein Zerrbild der Wirklichkeit wahrnehmen, und selbst dieses Gespenst schwindet ihm noch. Dieser Traum scheint somit seine innerste Situation zu beschreiben: die Welt dringt nicht zu ihm durch, sie entschwindet ihm.
Als wenn Feuer aus den Augen sprüht (Thema 12)
Die Wahrnehmung ist im wesentlichen empfangend und passiv. Er lehnt dies ab und will stattdessen selbst sprühen.
Starkes Herzklopfen, als fühle er das Herz ausserhalb der Brusthöhle schlagen (Thema 14) und herausdrängende Schmerzen und Empfindungen (Thema 11)
Sein Problem ist es, herausdrängen zu wollen, ohne vorher wahrzunehmen, was draussen anzutreffen ist. Genau diesen Vorgang erlebt er körperlich, verbunden mit Schmerzen als eingebildete Strafe.
Als wenn alle Gegenstände vor ihm stehen blieben (Thema 6), als hätte er ein Brett vor dem Kopf (Thema 7)
Diese beiden Symptome benötigen kaum eine Erklärung. Der Ausdruck ein Brett vor dem Kopf haben bedeutet nicht wahrnehmen, nicht erkennen können. Das Stehenbleiben der Gegenstände vor ihm könnte ebenfalls als Behinderung des Erkenntnis- und Wahrnehmungsvorgangs verstanden werden.
Die folgenden Schmerzempfindungen beschreiben noch einmal sein Grundproblem: Er kann nichts aufnehmen. Jede Wahrnehmung ist gestört und wird als schmerzhaft erlebt. Stattdessen möchte er sein eigenes Wissen abgeben, dies zeigt sich in Form von herausdrängenden Schmerzen, bei den Blähungen und der Aufgeblasenheit.
Bei der Ernährung (Thema 24) zeigt sich der gleiche Vorgang. Er kann fast nichts aufnehmen: guter Appetit und Wohlgeschmack des Essens, doch gleich satt und voll (CK 118 ). Wiederholtes Aufstossen beim Essen, so dass ihm die hinuntergeschluckte Suppe gleich wieder in den Hals hinauf kommt (CK 121 ff). In der egotrophen Haltung: Aufgetriebenheitsgefühl, als sollte er platzen (CK 146 ff).
Zwängender Schmerz (Thema 31)
Analoge Begriffe: Zwingen, erzwingen. Dies beschreibt die Ablehnung der passiven Haltung bei der Wahrnehmung. Er will es erzwingen.
Beschwerden infolge von Kälte und Feuchtigkeit (Thema 26)
Analoge Begriffe zu feucht: u.a. dumpf, nass, undeutlich, ohne Empfindung, abgestumpft, stumpf, beklemmend.
Feuchtigkeit: Dunst, Dampf, Luft, Verflüchtigung, Auflösung, Trübung, blauer Dunst, Dichtung, Fabel, Ammenmärchen, Aufgeblasenheit, Prahlerei, leerer Schall, leerer Dunst, etwas vorspiegeln, Dunst vormachen, usw.
Kalt: u.a. still, entseelt, erloschen, leblos, empfindungslos, unempfindlich, teilnahmslos, gleichgültig, hart, herzlos, unmenschlich, eisig bis ins Herz.
Diese analogen Begriffe verweisen auf die Grundproblematik von Dulcamara. Sie zeigen, dass eine Problematik mit der Liebe besteht. Um den anderen lieben zu können, muss man ihn zuerst in seinem Wesen wahrnehmen, was hier abgelehnt wird und sich bis zur "Kälte bis ins Herz" steigert. Die Weisheit des Herzens fehlt, "das Herz schlägt ausserhalb seiner selbst".
Die analogen Begriffe zeigen darüber hinaus mögliche miasmatische Reaktionen von Dulcamara.
Elaps corallinus und Ambra grisea beneiden Gott ebenso wie Dulcamara um sein Wissen, das nur aus ihm selbst kommt:
Elaps corallinus
Bei Elaps liegt die Nuance auf der Wissensverarbeitung. Elaps akzeptiert von anderen vorverdautes, verarbeitetes Wissen nicht, weil es ihm unwürdig erscheint. Ablehnung der Interpretation, der Exegese. Hauptverlust: er hört, aber er versteht nicht.
Ambra grisea
Ambra erträgt es nicht. von anderen etwas zu lernen, er will stattdessen selbst lehren, was er nur aus sich selbst heraus weiss. Alles, was ein anderer sagt, erregt in ihm den Verdacht, dass dieser ihn belehren wolle.
Andere Mittel, die ebenfalls ein starkes Wissensverlangen zeigen, sind folgende:
Aloe
Will alles aus sich selbst wissen und lehnt jede Erkenntnisgrenze ab. Stopft sich mit wissen voll.
Kalium carbonicum
Aufbegehren gegen die Relativität der Erkenntnis. Da der Mensch nur über den Körper erkennen kann, erreicht er immer nur partielle Wahrheiten. Er möchte jedoch eine eindeutige und absolute Wahrheit erfassen können.
ZUR SUBSTANZ
Solanum dulcamara, Bittersüsser Nachtschatten (Familie: Solanaceae)
QUELLEN
Autor: Stefan Preis, Materia Medica Homoeopathica – revidiert nach Dr. Alfonso Masi-Elizalde
|CK||Hahnemann Samuel, Die Chronischen Krankheiten, 4. Nachdruck der 2. Auflage, Heidelberg 1988|
|A||Allen T.F., The Encyclopedia of pure Materia Medica, New Delhi 1988, Band 4|
|He||v Hering Constantin, The Guiding Symptoms of our Materia Medica, New Delhi 1989, Band 5|
|Do||Dornseiff, Franz, Der Deutsche Wortschatz nach Sachgruppen. Berlin, New York 1970|
|ST||Thomas von Aquino, Summe der Theologie, Hrsg. von Joseph Bernhart, Stuttgart 1985|
|Bild||Esther Ostermünchner|