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Wer ist der beste Fussballer der Geschichte? Pelé? Maradona? Oder gar Messi oder Ronaldo? Je nachdem, wen man fragt, wird die Frage anders beantwortet. Fragt man Argentinier oder Neapolitaner, ist die Sache klar: Maradona. Messi hat hier keine Chance. Ihm fehlt das «Argentinische». Und natürlich der Weltmeistertitel.
Argentinien, eine Nation von Einwanderern, erlebte in den 1920er-Jahren einen Fussballboom. In den Slums wurde auf hartem Beton in sogenannten «Portreros» – Hinterhöfen – gespielt. Ein Journalist dieser Zeit schrieb: «Sollte je eine Statue der Seele des argentinischen Spiels errichtet werden, zeigt sie ein Kind («pibe») mit einem dreckigen Gesicht und einer rebellischen Haarsträhne. Mit intelligenten, suchenden, betrügerischen und doch verführerischen Augen und einem Blick, der ein Lachen andeutet.»
Was der Journalist damals beschrieb, wurde später zu Maradona. Er war diese argentinische Seele. Er wuchs in diesen ärmlichen Verhältnissen auf, er spielte sich an die Spitze, er fiel ganz tief, er gab nie auf – und er wurde stets übergangen. So zumindest in den Augen der Argentinier, die sich auch immer so fühlten. Immer standen die Brasilianer, stand Pelé, vor ihrer Sonne.
Der grosse Druck
Maradona gewann meistens. Tat er es einmal nicht, waren andere daran Schuld. Er war keiner, der Verantwortung übernahm, keiner, der an Konsequenzen dachte. Er litt unter dem Druck der Medien, der Fans, der Clubs.
Der stetige Druck führte dazu, dass sich Maradona dem Kokain widmete. Glück fand er auf dem Fussballplatz und später in den vollen Rängen der Stadions inmitten von Fans.
An Regeln hielt sich Maradona nicht. Auf dem Platz schienen die Regeln der Physik für ihn nicht zu gelten, ein Lauf über das ganze Spielfeld mit anschliessendem Tor war keine Seltenheit. Die Gegenspieler schien er nicht mal wahrzunehmen. Zu stoppen war er nicht.
Regeln sind für andere
Sein Hands-Goal gegen England an der WM 1986 war für ihn völlig normal, schliesslich war da die «Hand Gottes» im Spiel. Es folgten weitere solche «Unsportlichkeiten» – zum Beispiel beim Uefa-Cup-Final 1989 oder an der WM 1990 – stets ging Maradona als Sieger hervor.
Sperre wegen Drogenkonsums? Auch diese Regel kannte er nicht. Er füllte eine künstliche Blase mit fremdem Urin und nutzte einen Penis aus Plastik, die Drogenfahnder kamen ihm nicht auf die Schliche (allerdings nur bis 1991, wo er für ein halbes Jahr gesperrt wurde). Steuern? Gelten für ihn nicht. Umstritten ist, wie viel Geld er Italien schuldet. Nicht ob er Geld schuldet.
Der «Pibe» ist tot
Maradona hatte vielleicht vier oder fünf wirklich erfolgreiche Jahre im Fussball. Das ist viel weniger als ein Messi bereits hinter sich hat. Doch Maradona war dieser «Pibe», dieser Strassenbub, der die argentinische Seele verkörperte. Er war ein Schlitzohr, er wurde gefeiert, er war trickreich, vielleicht zu trickreich, er war erfolgreich, er ist tief gefallen.
Und jetzt ist er tot. Und mit ihm ist ein Stück Argentinien und ein Stück Fussball gestorben. Ein Stück aus einer längst vergangenen Zeit, die doch noch gar nicht so lange her ist.