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29.08.2019 - Josef Ritler
29.08.2019
Josef Ritler
Der kalte Krieg in der Gotthardfestung
«Kalter Krieg – Gotthardmanöver, Warschauer Pakt und 99 Luftballons.» Mit diesen Themen begeistert eine neue Ausstellung in der früheren geheimen Gotthardfestung die Besucher. Man erfährt unter anderem, wie die Welt knapp an einem Weltkrieg vorbei ging, wie sich die Schweizer Armee vorbereitet hat und wie die Geheimarmee P-26 gegründet wurde.
Der Weg zur Ausstellung muss erduldet werden. Vom Eingang her spaziert man 300 Meter durch den Stollen bis zum Sammelpunkt, wo man sich in einem Kaffee verpflegen oder mit Souvenirs eindecken kann. Hier werden die Besucher von den Führern orientiert und in Gruppen weiter begleitet. In einem über zwei Kilometer langen Gang erreicht man den unterirdischen Schrägaufzug «Metro del Sasso», der die Besucher in die zweite obere Ebene führt.
Hier erfährt man anhand von Bildern, Videos und Gegenständen, wie der Warschauer Pakt zustande kam, wie sich die Achsenmächte organisiert haben, wie der amerikanische Präsident Ronald Reagan übers rote Telefon mit dem sowjetischen Präsidenten Leonid Breschnew gesprochen hat und wie wir knapp an einem Weltkrieg vorbei gingen. Ausgestellt ist auch das von Oberst Albert Bachmann verfasste Soldatenbuch und das Zivilverteidigungsbuch sowie die damaligen Funkanlagen.
Museumsleiter Damian Zingg erklärt die Zusammenhänge zwischen Ost und West
Ein anderer Raum der Festung ist der Geheimarmee P-26 gewidmet. In einem Video erfährt man, wie Korpskommandant Eugen Lüthy die ausgewählten Mitarbeiter der P-26 ermuntert hat, sich für die Schweiz einzusetzen, wie die P-26 zustande kam, wie sie im Geheimen gearbeitet hat und wie sie nach einer PUK wieder aufgelöst wurde. Aufschlussreich ist auch der geplante Einsatz der Radiomoderatoren Elisabeth Schnell und Ueli Beck, die im Falle eines Falles verschlüsselte Codes im Dialekt in ihrer Moderation hätten senden müssen.
Eindrücklich sind auch die Hintergründe der Exilvorbereitungen für den Bundesrat in den 70er Jahren in Irland. Hier hätte sich der Bundesrat zurückgezogen.
Man erfährt, wie die Spione gearbeitet haben und wie man sie bezahlt hat.
Die Kuratorin Cristina Kaufmann erklärt die Pop-Kultur der damaligen Zeit
An der Ausstellung, kuratiert von der Tessinerin Cristina Kaufmann, wurde jahrelang gearbeitet. Nach den Ausführungen des Museumsleiter Damian Zingg wurden Publikationen insbesondere in Österreich, Deutschland und Italien studiert, Zeitzeugen befragt und verfügbares Material gesammelt.
Damian Zingg: «Interessant war auch zu erfahren, wie das Ausland auf die Schweizer Armee blickte: Damalige Geheimdiensteinschätzungen in Ost und West betonten ihre grosse Verteidigungsfähigkeit.»
Die Radiomoderatoren Elisabeth Schnell und Ueli Beck sollten auch eingesetzt werden.
Sie hätten Codesätze im Dialekt in ihre Moderationen am Schweizer Radio senden sollen.
Als Weltpremiere wurde zusätzlich in einer früheren Truppenunterkunft, einer Felskaverne, das Projekt Bildmaschine Gotthard installiert. Das weltweit einzigartige Kunstwerk verschmilzt Bilder, Musik und Lichter zu einer bewegten Einheit. Die Bildmaschine thematisiert die Geschichte des Gotthards und auch die Sage der Teufelsbrücke. Die 4,5 Meter grosse und 7 Meter breite Bildmaschine hat sieben Bildflügel, eine lebensgrosse Statue und wird von 12 Motoren angetrieben.
Fotos: Josef Ritler
Die Festung ist geöffnet jeweils von 10:30 bis 15:00 Uhr
Die Ausstellung dauert bis 13. Oktober 2019.
Ende Mai 2020 wird sie wieder eröffnet.
Der Link zum Museum auf dem Gotthard