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Hunde, wollt Ihr ewig leben?
Oracle hat gestern Abend an der "Collaborate 06"-Konferenz in Nashville unter dem Titel "Applications Unlimited" versprochen, für alle Oracle-Applikationen "unbeschränkt" Weiterentwicklungen bereit zu stellen. Dies gelte sowohl für die "E-Business-Suite" als auch für die ERP- bzw. CRM-Applikationen der übernommenen Firmen J.D. Edwards, PeopleSoft und Siebel. Heute hat Oracle ausserdem zusätzlich festgehalten, dass dies auch für die IBM "System i"-Versionen (bisher iSeries) von J.D. Edwards "World" und J.D. Edwards "EnterpriseOne" gelte.
Damit vollzieht Oracle eine klare Kehrtwende. Bisher redete Oracle zwar gerne von "Lifetime"-Support, garantierte den Support aber nur bis 2013. Nun soll ausdrücklich auch nach der der für 2008 geplanten Fertigstellung der Oracle "Fusion"-Applikationen nicht nur der Support sichergestellt sondern auch Weiterentwicklungen und neue Funktionen für die klassischen einzelnen Applikationen geliefert werden. Das Schlussdatum 2013 wird nicht mehr erwähnt.
Die Wiederentdeckung der Vielfalt?
Die "Fusion Application" (früher Project Fusion) ist eine neu entwickelte Plattform, welche alle Funktionalitäten der erwähnten Applikationen abbilden und diese vollständig ersetzen können sollte. Nach den bisherigen Vorstellungen Oracles hätten die Anwender von J.D. Edwards, PeopleSoft und Siebel sowe der E-Business-Suite innert weniger Jahre auf "Fusion" migrieren sollen.
Nun wird "Fusion" nur noch als Zusatz beschrieben. "Die Bandbreite unseres Lösungsgeschäfts erlaubt uns einerseits eine Investition in all diese Produkte und ermöglicht uns umgekehrt, die große Anzahl von Kundenanforderungen zu verarbeiten. Oracle Fusion Applications, die vollständig auf Industriestandards basieren, werden einen weiteren Zusatz zur Oracle Applikations-Familie darstellen." So lässt sich Oracle President Charles Phillips in der Pressemiteilung zu "Applications Unlimited" zitieren.
XML-Reporting, Analysen usw.
Um neue Versionen und funktionale Erweiterungen für die Oracle-Applikationen zu planen, will Oracle eng mit dem Kundenbeirat und den Anwender-Gruppen zusammen arbeiten. Explizit werden neue Funktionalitäten wie XML-Reporting und "anspruchsvolle branchenspezifische Analysen" versprochen.
Grundsätzlich erklärte John Wookey, Senior Vice President of Applications Development zu den Weiterentwicklungen: "Diesen Erweiterungen der nächsten Generation werden die gleichen Industriestandards und Technologien zugute kommen, die für Oracle Fusion Applications geplant sind. Es wird keine erzwungenen Upgrades geben."
Kunden- oder Zeitdruck?
Gegenüber US-Pressevertretern erklärte Jesper Andersen, Senior Vice President für die Oracle-Strategie im Bereich der Applikationen: "Dies ist eine kleine zusätzliche Versicherung für unsere Kunden und auch etwas, nach dem sie verlangt haben." Es gebe, so Andersen, zum Beispiel einige grosse PeopleSoft-Kunden, die noch mehr Zeit brauchen würden, um ihre Applikationen über mehrere Kontinente hinweg zu implementieren.
Dies dürfte eine Reaktion auf den Druck durch den grossen Konkurrenten SAP sein, der versucht, die Unsicherheit von J.D.Edwards und PeopleSoft-Kunden auszunützen, um sie zum Umstieg zu bewegen.
Zusätzlich liegt alledings auch der Verdacht nahe, dass Oracle wie schon Microsoft
feststellen musste, dass der Aufwand, verschiedenste Applikationen in einer gemeinsamen Plattform zusammenzufassen, erheblich grösser ist, als man vor einigen Jahren noch dachte. (Hans Jörg Maron)