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Im Bann des dreidimensionalen Drucks
Michael Roggli druckt dreidimensional. Seine faszinierende und irritierende... Weiterlesen
von
Annegret Ruoff
15. November 2016
15:30
Sie hiessen Galba, Otho, Vitellius und Vespasian mit Namen und stritten sich dereinst, man schrieb das Jahr 69 nach Christus, um einen heiss begehrten Posten. Ein jeder von ihnen wollte Kaiser des Römischen Reichs werden. Ihr Vorgänger Nero, ein ziemlicher Blender, hatte mit seinem extravaganten Lebensstil Unsummen verprasst. Um sein massloses Gebaren zu finanzieren, war ihm nichts heilig. Unverhohlen erhöhte er die Steuern und zog gar Tempelschätze ein. Dem Volk gefiel dies nicht. In den Provinzen kam es zu Aufständen, erst brodelte es in Judäa, dann auch in Spanien, Lusitanien und Afrika. In all den Wirren sah der Senat keinen anderen Ausweg, er erklärte den überbordenden Kaiser zum Staatsfeind. Nero zog sich zurück und setzte seinem Leben ein Ende.
Helvetier und 21. Legion im Zwist
Dramatik pur: Das verspricht die am vergangenen Donnerstag im Vindonissa-Museum eröffnete Sonderausstellung «Kampf um Neros Erbe – die Helvetier zwischen den Fronten», die bis zum 12. November 2017 andauert. Spannend und abwechlsungsreich berichtet sie von einer höchst turbulenten Zeit. Im Zentrum stehen nicht nur die detailliert herausgearbeiteten Persönlichkeiten der vier Thronanwärter, sondern auch die mit dem Vierkaiserjahr verbundenen Ereignisse in der Umgebung von Vindonissa und im Mittelland. Die Helvetier, seit Cäsars Gallischem Krieg Teil der römischen Gesellschaft, sprachen sich damals für ihren Patron Galba aus. Die 21. Legion hingegen, in Vindonissa stationiert, war für Vitellius. So gehörten die beiden Parteien während des Bürgerkriegs im Jahre 69 nach Christus unterschiedlichen Seiten an. Die Ereignisse überschlugen sich, und im Oktober zog der als Sieger hervorgegangene Vespasian als neuer Kaiser in Rom ein.
Gut dokumentiert dank Tacitus
Es war der römische Geschichtsschreiber Tacitus selber, der die sehr gut besuchte Vernissage der Ausstellung «Neros Erbe» am vergangenen Donnerstag, dem 17. November, eröffnete. «Wer keinen Feind hat, wird durch Freunde erledigt», hallten seine Worte durchs den Raum und machten die Aufruhr jener Zeit deutlich. Tacitus sei es zu verdanken, so führte Projektleiterin Eva Oliveria in ihrer Einführung aus, dass die Zeit rund um das Vierkaiserjahr ausserordentlich gut dokumentiert sei. Entsprechend schwer sei es ihr und ihrem Team gefallen, im Hinblick auf die Ausstellung eine Auswahl an Geschichten zu treffen.
«Geschichte soll erklären und berühren», fasste Kantonsarchäologe Georg Matter den Zweck der Ausstellung zusammen und verwies auf Parallelen zwischen den damaligen Ereignissen und dem politischen Geschehen der Gegenwart.
Verabschiedung von René Hänggi
Er sei froh, dass eine Stabsübergabe heutzutage friedlicher verlaufe als im Kampf um die Nachfolge Neros, schlug Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Aargau, den Bogen zur Verabschiedung des langjährigen Museumsleiters René Hänggi (der GA berichtete). «Unser Renatus wird nach 25 vollendeten Dienstjahren zum Veteranus und damit ehrenvoll entlassen», schmunzelte Pauli und überreichte René Hänggi eine römische Urkunde. Die Arbeit des scheidenden Museumsleiters wurde vom Publikum mit anhaltendem Applaus verdankt. Die Nachfolge übernimmt ab 1. Januar 2017 Rahel Göldi. Unter ihrer Leitung wird, unter dem Dach von Museum Aargau, das Vindonissa-Museum mit dem Legionärspfad zusammengeführt.
Ausstellung bis 12. November 2017
Dienstag bis Freitag sowie Sonntag
13 bis 17 Uhr
Vindonissa-Museum
Museumstrasse 1, Brugg
www.vindonissa.ch