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Familienplanung: ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsversorgung
Médecins du Monde nimmt an der Internationalen Konferenz über Familienplanung (ICFP) vom 14. bis 17. November in Pattaya, Thailand, teil, um ihr Fachwissen, ihre Projekte und neuesten Forschungsergebnisse zu fördern und weiterzugeben.
ICFP ist eine internationale Plattform, auf der zivilgesellschaftliche Organisationen, Verbandsnetzwerke, Behörden, private Akteure und internationale Organisationen zusammenkommen und öffentliche Verpflichtungen eingehen.
Seit 2009 bringt diese Konferenz mehr als 4000 teilnehmende Personen aus über 125 verschiedenen Ländern zusammen. Für Médecins du Monde ist dies ein besonderer Moment, um sich für einen universellen Zugang zu sexuellen und reproduktiven Rechten und Gesundheit einzusetzen, da diese grundlegenden Menschenrechte nicht verhandelbar sind.
Die internationale Konferenz über Familienplanung: welche Herausforderungen für Médecins du Monde?
In diesem Jahr werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Motto „Familienplanung und universelle Gesundheitsversorgung: innovieren, zusammenarbeiten, beschleunigen“ versammeln. Für Médecins du Monde ist dies eine Gelegenheit, vernachlässigte Aspekte der Familienplanung zu fördern:
- Die Integration der vollständigen Abtreibungsversorgung in die Familienplanungsdienste.
- Die umfassende Bildung über Sexualität.
- Familienplanung in humanitären Kontexten mit Schwerpunkt auf dem Zugang zu Verhütungsmitteln und sicheren Abtreibungen.
« Die Verwirklichung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit beruht auf der Verwirklichung der sexuellen und reproduktiven Rechte, die auf den Menschenrechten aller Individuen basieren. Das bedeutet, dass jeder Mensch das Recht hat, die Kontrolle zu haben und frei über Fragen der Sexualität zu entscheiden, ein angenehmes, sicheres und frei gewähltes Sexualleben zu führen, das frei von Gewalt und Diskriminierung ist. Die Schlüsselrolle, die die Familienplanung bei der Erreichung dieses Ziels spielt, ist zentral. Zugang zu Familienplanung zu gewähren bedeutet, dass jede Person die Freiheit hat, ihre Sexualität zu definieren: ob, wann und mit wem sie sexuell aktiv ist; ob sie ein Kind hat oder nicht; ob sie ihre Geschlechtsidentität und ihre sexuelle Orientierung frei ausdrücken kann, ohne diskriminiert zu werden. Ärzte der Welt verpflichtet sich, Zugang zu Familienplanung (Pflege) als Mittel zur Verwirklichung der sexuellen und reproduktiven Rechte jeder Person zu bieten, Hand in Hand mit der Bevölkerung (sozialer Wandel) und Institutionen (Advocacy), um Gemeinschaften aufzubauen, die dieses Recht fördern und verteidigen. » Stefania Paracchini, Referentin SRHR von MdM Schweiz and MdM Belgien
Aktueller Stand der Familienplanung in der Welt
Der Zugang zu Familienplanung und sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten (SRHR) ist heute weltweit immer noch nicht gewährleistet, was durch die Unterbrechung des Zugangs zu SRHR während der Covid-19-Krise noch verschärft wurde. Nur wenige Länder verfügen über eine nationale Politik, die sich speziell auf die Sexualerziehung bezieht.
270 Millionen Frauen auf der ganzen Welt haben keinen Zugang zu den Verhütungsmitteln, die sie benötigen.
121 Millionen ungeplante Schwangerschaften pro Jahr, was der Hälfte aller Schwangerschaften entspricht.
Die restriktive Politik in Bezug auf den Zugang zu Abtreibungen ist die Ursache für Millionen von unsicheren Abtreibungen jedes Jahr. Laut WHO führen diese Abtreibungen zu 39.000 Todesfällen pro Jahr und über 7 Millionen Krankenhausaufenthalten. Alle diese Fälle sind vermeidbar.
In Krisensituationen ist der Zugang zur Familienplanung ebenfalls kritisch: Das Angebot an Verhütungsmitteln und Präventionsdiensten wird unterbrochen, der Zugang zur Behandlung von Komplikationen bei der Geburt oder zum Schwangerschaftsabbruch ist eingeschränkt. Der Zugang zu SRHR, einschließlich sicherer Abtreibungen, ab Beginn einer Krise ist von entscheidender Bedeutung und erfordert die systematische Einrichtung von minimalen Notfalleinrichtungen für sexuelle und reproduktive Gesundheit.
Seit 2019 bin ich medizinische Koordinatorin in der Mission in Burkina Faso und habe aktiv am Vorschlag für eine inklusive Strategie für schulpflichtige und nicht schulpflichtige Jugendliche zur Aufklärung über ihr sexuelles und reproduktives Leben mitgewirkt. Die meisten der entwickelten Projekte konzentrierten sich auf das schulische Umfeld und übersahen dabei die Präsenz von Jugendlichen und Heranwachsenden in der Gemeinde.
In diesem Teil des Gemeinwesens gibt es eine Kategorie von Jugendlichen, die besonders gefährdet sind: Kinder, die auf der Straße leben und Sexarbeit verrichten. Daher wurde über lokale Vereinigungen ein Ansatz entwickelt, um diese Zielgruppe zu einem besseren Verständnis ihres Sexuallebens zu bewegen. Dieser Ansatz hat wirklich dazu beigetragen, die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und die Prävalenzrate sexuell übertragbarer Krankheiten zu senken.
Dr Nadège Mélaine AHOLOUKPE BATCHO
Medizinische Koordinatorin für MdM Schweiz in Benin
Médecins du Mode setzt sich für Familienplanung ein
MdM führt – in Ergänzung zu den lokalen Gesundheitsstrukturen – zahlreiche Aktionen zur Förderung der Familienplanung durch. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf dem Zugang von Jugendlichen zu diesen Diensten durch Kapazitätsaufbau, Sensibilisierung oder auch Advocacy-Aktionen.
Bei dieser Konferenz wird eine MdM-Delegation anwesend sein, die sich aus Schlüsselakteuren und -akteurinnen von vier Mitgliedern des Netzwerks von Médecins du Monde (Spanien, Frankreich, Japan und Schweiz) zusammensetzt. Unsere Experten und Expertinnen werden insbesondere im Rahmen von drei mündlichen Präsentationen und zwei Postern, die im offiziellen Programm enthalten sind, sprechen, um unsere Projekte und bewährten Praktiken aus Madagaskar, der Elfenbeinküste, Burkina Faso und Nigeria vorzustellen.
Die Konferenz wird auch die Gelegenheit bieten, politische Entscheidungsträger und internationale Partner bei bilateralen Terminen zu treffen.