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Wem gehört die Formel-E?
So lautete der Untertitel eines Artikels in der “NZZ” vom 20. Juni 2019 (S. 48). Wörtlich führt die Zeitung über die Formula-E-Holdings Limited (FEH) mit Sitz in Hongkong aus: “Die Medienkonzerne Liberty und Discovery, die auch die Rechte an der Formel 1 besitzen, halten mit knapp 40 Prozent die meisten Anteile. Weitere grosse Mitbesitzer sind die chinesische Sportmarketingfirma Seca, die Schweizer Bank Julius Bär und der Kapitalbeteiligungsfonds Amura Capital.” Die Veranstalter des Formel-E-Rennens in Bern sind Teil dieser Holding.
Einfache Internetrecherchen zeigen folgende Sachverhalte auf: Der amerikanische Liberty-Medienkonzern kaufte 2017 für 8 Milliarden Dollar (Budget der Stadt Bern 2019: 1, 2 Milliarden Franken) einen Anteil an der Formel-E. Er besitzt bereits die Formel 1. Zu diesem Konzern gehört auch die schweizerische Firma Cablecom. Der amerikanische Medienkonzern Discovery verbreitet heute Fernsehprogramme in 133 Ländern in 33 Sprachen. Die chinesische Sportmarketingfirma Seca hat 2017 “tens of millions” Euro in die Formel-E investiert. Die “NZZ” berichtete bereits am 10.4.2018 im Artikel “Bank Julius Bär im Zwielicht” über Untersuchungen der FINMA, wegen Verdachts auf Verwicklungen in Korruptionsaffären der FIFA, wegen Geldwäscherei in Südamerika und wegen einer Beteiligung an einem illegalen Waffenhandel mit Russland. Die Untersuchungen sollen 2019 abgeschlossen werden. (“Der Bund” vom 9.7.2019, S. 13). Neben der Bank Bär sponserte die schweizerische Firma ABB 2018 rund 15 Millionen Dollar für ein Rennen. Schliesslich gehört der FEH auch der Kapitalbeteiligungsfonds Amura Capital mit Sitz in Andorra an. Amura hat 50 Millionen €uro in die Formel-E-Rennen investiert. Grosskonzerne aus den USA, aus China, aus Andorra und die drittgrösste Schweizer Bank Bär stecken hinter der Formel E. Die kleine Stadt Bern hat da kaum Chancen, ihre Bedingungen zur Durchführung des Rennens gegen das internationale Grosskapital auch wirklich durchzusetzen.
Auf einer Homepage von ABB ist folgender Text zu finden: “The ABB FIA Formula E Championship is set for its debut in Bern. After ten thrilling races, the world’s premier fully electric global street-racing championship is ready to make its debut in the historic Swiss capital, Bern. Best known for its picturesque old town and beautiful buildings and parks, Bern is the latest addition to a championship noted for embracing new city-center venues. Races in South Korean capital, Seoul and the UK’s London, will further augment the calendar for Season 6, but for now, Bern is the new kid on the electric street-racing block.” Quelle: https://new.abb.com/formula-e am 10.7.2019.
In diesem Text zeigen sich die Motive der Veranstalter, eine Rennstrecke in einem zentrumsnahen Wohnquartier (mit relativ engen Strassen) zu wählen und nicht etwa im Bremgartenwald, auf der alten Formel-1-Strecke. Es geht darum, schöne Bilder aufzunehmen, die ja die Altstadt von Bern tatsächlich zu bieten hat. Nicht umsonst stecken grosse Medienkonzerne hinter der Formel-E-Holding.
Auf dem Internet ist auch ein ökologisches Motiv der Veranstalter zu finden:
“The concept of sustainability for Formula E is to reduce our footprint as much as possible and have a positive impact on both people and the planet.” Quelle: http://www.ml1media.com/ML1content/formula%20e-p1.pdf am 10.7.2019. Wenn der riesige Gesamtaufwand des Formel-E Rennens mit den Transporten unzähliger Betonelementen, dem Auf- und Abbau der Fussgängerinseln, der grossen Zahl von Privatautos der über 130 000 Zuschauerinnen und Zuschauer, den Helikopterflügen (das gibt die besten Bilder des sonst wenig spannenden Rennens) usw. einrechnet, dann stellt das Formel-E-Rennen gewiss kein Beitrag zur Reduktion des Fussabdruckes dar. Der Zweck heiligt niemals die Mittel: Man kann nicht mit umweltbelastenden Mitteln für eine umweltfreundliche Zukunft werben.