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Zu sehen ist es für jedermann mit blossem Auge, doch jetzt ists gewissermassen amtlich: Die Landschaft Europas wird trotz zwei Jahrhunderten Industrialisierung und Urbanisierung immer noch weitgehend von der Landwirtschaft geprägt. Gemäss einer Publikation des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) beanspruchte die Landwirtschaft im Jahr 1997 rund 44 Prozent des gesamten Gebietes der EU. Rechnet man diesem Anteil den von der Landwirtschaft unterhaltenen Teil der Forstflächen und naturnahen Flächen hinzu, so steht über die Hälfte der EU-Gesamtfläche unter der Obhut von Bauern. 32 Prozent des EU-Gebietes ist bewaldet, auf "sonstige Bodennutzungen" entfallen 21 Prozent und auf die Binnengewässer 3 Prozent.
Das Landwirtschaftsland im engeren Sinn bestand 1997 laut Eurostat zum grössten Teil aus Ackerland (24 % der Gesamtfläche). Dauergrünland machte 16 % des EU-Geibetes aus, während 4 % mit Dauerwiesen und -weiden bedeckt war.
Diese Zahlen sind wichtig, weil sowohl die Regierungen der einzelnen Mitgliedstaaten wie auch die EU als Institution die Bauern in ihrer Rolle als Bewahrer von Umwelt, Landschaft und Kultur – das heisst in ihren gemeinwirtschaftlichen oder multifunktionalen Aufgaben – mit zahlreichen Massnahmen unterstützen. Instrumente zur Messung der Nützlichkeit und der Auswirkungen solcher Massnahmen existieren bislang jedoch nur wenige.
Quelle: Eurostat / AgE
Vollständiges Inventar zu aufwändig
Nach Darstellung von Eurostat gibt es keine methodische Klassifikation und auch keine gemeinsamen Indikatoren zur Untersuchung der kulturellen beziehungsweise landwirtschaftlichen Erscheinungsformen auf europäischer Ebene. "Logisch" erschiene Eurostat gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur Agra-Europe eine Klassifikation der Landschaftsmerkmale nach punktförmigen Erscheinungen wie einzelnen Bäumen oder Teichgewässern, linearen Formen wie zum Beispiel Hecken oder Bächen, flächenhaften Formen und schliesslich spezifischen regionalen Bodennutzungsarten. Die meisten Mitgliedstaaten arbeiten mehr oder weniger intensiv an diesem Thema. Dabei hat sich laut den Luxemburger Statistikern herausgestellt, dass ein vollständiges Inventar der kulturellen und landwirtschaftlichen Erscheinungsformen sowohl vom Kosten- als auch vom Zeitaufwand her unrealistisch sei. Die Regionen würden daher auf Stichprobenverfahren zurückgreifen. Die ausgewählten Stichproben würden dann vor Ort oder mit Hilfe von Luftaufnahmen untersucht.
Britische Mauern und Hecken als Beispiel
Als Beispiel für den landschaftsprägenden Charakter landwirtschaftlicher Nutzungen führt Eurostat die in Grossbritannien verbreiteten Hecken und Mauern zur Feldbegrenzung an. Sie stellen eine lokale Besonderheit dar, die eine enge Verbindung mit der Landschaft eingeht und von der Bevölkerung geschätzt wird. Die Feldbegrenzungen sind jedoch auch für die Flora und deren Funktion als Lebensraum bedeutsam. Die geschätzte Gesamtlänge der Hecken und Mauern in Grossbritannien betrug im Jahr 1990 rund 462,000 km (Hecken) beziehungsweise 188,000 km (Mauern). Von 1984 bis 1990 wurden 129,000 km Hecken und 22,000 km Mauern entfernt, den Kulturen zugeschlagen oder in eine andere Begrenzungsform überführt. So ist die Länge der Zäune im gleichen Zeitraum laut Eurostat um 74,000 km gewachsen.
Die französische Bretagne andererseits ist traditionell eine Hecken- und Buschlandschaft. Wie die Luxemburger Statistiker nun aber darlegen, war 1980 über die Hälfte des in den Sechzigerjahren noch vorhandenen Hecken- und Buschbestandes verschwunden. Seither werden laut Eurostat grosse Anstrengungen zur Wiederherstellung unternommen.