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| Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

16. Kapitel (38—39). Speise und Trank und Beschäftigung des Fulgentius. Gründung eines neuen Klosters in Ruspe
Diesen heiligen Priester konnte keiner jemals dazu bringen, Fleisch irgendwelcher Art zu genießen; er ernährte sich vielmehr nur von Gemüse, Graupen und Eiern. Öl verschmähte er, solang er jung war; und erst in seinem Alter ließ er sich Öl über die Mahlzeiten gießen, und selbst dazu mußte er überredet werden, damit nicht die zunehmende Schwäche der Augen ihn beim [S. 88] Lesen behindere. Vom Wein enthielt er sich in gesunden Tagen ganz und gar. Wenn er jedoch bei einer Unpäßlichkeit sich nötigen ließ, etwas Wein zu nehmen, schüttete er nur ein bißchen Wein in einen mit Wasser gefüllten Becher, um von dem Geschmack und Duft des Weines keinen Genuß zu haben.
Bevor die Nachtwachen von den Brüdern angekündigt wurden, war er selbst, der stets mit dem Herzen und dem Körper wachte, mit Gebet, Lesen oder Diktieren beschäftigt, oder er gab sich allein der geistlichen Betrachtung hin, weil er wußte, daß er den ganzen Tag hindurch mit den Angelegenheiten der Gläubigen beschäftigt war. Bisweilen stieg er in die Kirche hinab, um mit den Dienern Gottes die Metten zu beten; aber in viel verdienstvollerer Weise beobachtete er persönlich durch die angeführten Beschäftigungen die Nachtwachen.
Nirgends wollte er ohne die Gesellschaft der Mönche leben. Darum bat er die Bürger von Ruspe nach seiner Weihe zum Bischof um diese erste Gefälligkeit, ihm einen zum Bau eines Klosters geeigneten Platz zu schenken. Da nun bot unter vielen andern Bürgern, die sich beeilten, dem Verlangen des edlen Bischofs nachzukommen, ein gewisser Posthumianus, ein eifriger Katholik und hochangesehener Bürger, verehrungsvoll sein in der Nähe der Kirche gelegenes Grundstück zum Geschenk an, wo Pinien, die sich in die Lüfte erhoben, die Annehmlichkeit eines grünen Haines boten. Mit großer Freude nahm Fulgentius den Platz an, dessen Bäume, wie er sah, für den künftigen Bau notwendig waren; und sofort überredete er den heiligen Abt Felix, mit der größten Zahl seiner Klosterfamilie zu ihm zu kommen; nur eine ganz kleine Schar von Brüdern ließ er in jenem Kloster zurück, denen er einen gewissen Vitalis zum Vorsteher gab. Fulgentius ordnete an, daß die beiden Klöster nach ein und demselben Gesetz der Liebe leben und so einträchtig unter sich verbunden sein sollten, als [S. 89] ob sie nicht räumlich voneinander getrennt wären. Wenn Christus in dem einen oder dem anderen Kloster neue Mönche zum Ordensstand berufen sollte, wolle man die gleiche Zeit des Eintrittes und die gleiche Lebensweise gegenseitig beobachten. Und wenn die Mönche, jedoch nur auf Befehl ihrer Oberen, gegenseitig zum Besuch kämen, sollten sie nicht wie Gäste, sondern wie Mitglieder ein und desselben Klosters aufgenommen werden. Unter der gemeinsamen umsichtigen Leitung des seligen Fulgentius sollten sie mit kindlicher Anhänglichkeit ihrem geistlichen Vater ergeben sein. So traf der heilige Fulgentius alle Anordnungen, um nach Übernahme der Bürde, Kleriker zu leiten, den Trost des Umganges mit den Mönchen nicht zu verlieren.