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In den letzten beiden Jahrzehnten kam es mehrfach zu sehr heissen und trockenen Sommern. Die Prognosen legen nahe, dass dies in der Zukunft häufiger passieren wird. Welchen Einfluss haben die hohen Temperaturen auf die Schweizer Fische? Welche Massnahmen wurden mittlerweile ergriffen? Die FIBER gibt eine kleine Übersicht.
Wie Fische mit warmem Wasser umgehen
Heute ist noch nicht klar verstanden, wie Fische auf Hitzeperioden reagieren. Klar ist, dass die Aktivität der wechselwarmen Fische abnimmt, obwohl der Stoffwechsel schneller wird. Über längere Zeit kann dies, unter anderem durch den Stress und die reduzierte Nahrungsaufnahme, zu einer schlechteren Kondition und damit in der Laichzeit ebenfalls zu einer tieferen Eizahl führen. Nicht jede Fischart reagiert gleich auf Hitze und tiefe Wasserstände. Während ein Karpfen bei 30 Grad noch keine Probleme hat, wird es für die Bachforelle spätestens bei 25 Grad Wassertemperatur kritisch, weil der im Wasser gelöste Sauerstoff bei steigenden Wassertemperaturen abnimmt. Generell waren in den letzten Jahren Fische in Fliessgewässern viel stärker von der Hitze und Trockenheit betroffen, weil in einem See mehr Wasser gespeichert ist und kühles Tiefenwasser als Rückzugszone dienen kann; zumindest solange genug Sauerstoff in der Tiefe vorhanden ist. In den Fliessgewässern suchen die Fische, wenn es zu warm wird kühle Zufluchtsmöglichkeiten, auch Refugien genannt, auf. Dies können zum Beispiel Grundwasseraufstösse, kühle Zuflüsse oder auch ein See sein. Am wichtigsten ist hierbei die Erreichbarkeit solcher Refugien. Die Fliessgewässer müssen also wanderbar sein für die Fische. An den kühlen Rückzugsorten sollten die Fische möglichst nicht gestört werden.
Heisse und trockene Perioden in der Praxis
In der Praxis werden sowohl vorbeugende als auch kurzfristige Massnahmen im Fall von Hitze und Trockenheit angewandt. Wenn immer möglich sollte mit längerfristigen präventiven Massnahmen der Gewässerzustand vorausschauend verbessert werden. Manchmal lassen sich Notfallmassnahmen allerdings nicht vermeiden. Da sich die Massnahmen generell bei Hitze und Trockenheit unterscheiden werden sie im Folgenden getrennt betrachtet.
Massnahmen bei Trockenheit
Die Fischereiverwaltungen sammeln mit jedem Ereignis weitere Erfahrungen. In vielen Kantonen werden Trockenheiten heute systematisch erfasst. Mit sogenannten Trockenheitskarten kann beurteilt werden, wie häufig solche Ereignisse auftreten. Wenn Gewässerabschnitte regelmässig trockenfallen, dann sollte die Fischgängigkeit überprüft und auf allfälligen Besatz aus Tierschutzgründen verzichtet werden. Weiter sollten der Gewässer- & der Grundwasserpegel im Auge behalten werden und Wasserentnahmen falls nötig gestoppt bzw. verlagert werden muss. Hier kann es helfen, wenn sich die verschiedenen Interessengruppen frühzeitig zu den Kriterien für einen Wasserentnahmestopp absprechen. In Gewässern mit Stromproduktion gilt es sich weiterhin für genügend Restwasser einzusetzen. Als längerfristige Massnahmen könnte sich in trockenheitsanfälligen Gewässern die Überprüfung des Wasserrückhalts anbieten. In vielen Einzugsgebieten werden heute die Niederschläge durch versiegelte Oberflächen, Drainagen usw. rasch abgeleitet und dadurch ergeben sich rasche Abfluss-Spitzen, aber ebenso rasche Rückgänge beim Abflusspegel. Eine Revitalisierung kann daher potentiell auch bei Trockenheitsproblemen helfen, wenn solche Faktoren konsequent angegangen werden.
Die bekannteste kurzfristige Massnahme bei Trockenheiten ist die Notabfischung. Dabei scheiden sich in der Schweiz die Geister. Während bei einer elektrischen Abfischung zwar die Einzeltiere gerettet werden können, ist die Massnahme sowohl aus Sicht der Einzeltiere, aber auch aus Populationssicht schwierig. Die bereits gestressten Fische werden zusätzlich abgefischt, müssen häufig in andere Gewässer umgesiedelt werden um dort mit wahrscheinlich ebenfalls gestressten Fischen vermischt zu werden. Aus Sicht der lokalen Anpassung von Fischen ist der Transport nicht sinnvoll, wenn die Fischpopulationen nicht natürlicherweise im Austausch stehen. Aus diesem Grund schränken heute viele Kantone die Notabfischungen ein. In diesem Fall ist es wichtig die Öffentlichkeit über die Gründe zu informieren. Vereinzelt werden neue Notfallmassnahmen ausgetestet, so zum Beispiel die künstliche Einleitung von Quellwasser.
Massnahmen bei Hitze
Um kritische Phasen überstehen zu können suchen Fische nach Hitzerefugien mit tieferen Wassertemperaturen und/oder einer besseren Wasserumwälzung. Dies können tiefe Stellen im Gewässer, kühle Zuflüsse oder Grundwasseraufstösse sein. Um die Fische zu unterstützen kann es wichtig sein diese Rückzugszonen zu kennen und falls nötig für die Fische zugänglich zu machen aber den Bereich für die menschliche Freizeitnutzung abzusperren. Wenn keine tiefen Zonen im Gewässer vorhanden sind sollten diese vor einem Hitzeereignis erstellt werden. Ausbaggerungen haben sich dazu in der Praxis bewährt, da der wichtige Wasserfluss nicht gestört wird und nötigenfalls eine Niedrigwasserrinne entsteht. Wo kühle Hitzerefugien, aber auch hitzegeplagte Abschnitte bekannt sind hilft dies bei der Planung von Massnahmen. Generell scheint es sinnvoll dort wo die Temperaturen im Sommer kühl sind das Gewässer falls nötig strukturell aufzuwerten um Lebensräume für alle Altersklassen von Fischen zu schaffen. Wo hingegen die Temperaturen zu hoch sind sollte der Fokus auf die Beschattung gelegt werden. Bestockungskarten können dabei Defizite bei der Beschattung von Gewässern aufzeigen.
So sollte die Beschattung an einem Gewässer idealerweise aussehen. Ein natürliches Ufer bietet sowohl Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, als auch Schutz vor Erwärmung.
Mit einem Temperaturmessnetz lassen sich heute die Temperaturen stetig überwachen, so dass kantonale Stellen kritische Phasen rasch erkennen. Natürlich sind auch alle Fischer & Fischerinnen gebeten, bei kritischen Temperaturen besser die Ruten im Schrank zu lassen, aber unsere Gewässer (und den Thermometer) im Blick zu behalten.
Das Thema beschäftigt erwartungsgemässe auch die kantonalen Fischereiverwaltungen stark. Im März fand ein Austausch zum Thema mittel- und kurzfristige Massnahmen statt. Fachleute aus allen Kantonen tauschten ihre Erfahrungen aus und priorisierten die möglichen Massnahmen.
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