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Lausanne, 30. September 2022
Die NZZ veröffentlicht ein Interview mit der Filmmacherin Rachel M’Bon. Es gibt einen Einblick in den alltäglichen Rassismus.
Frage: Sie sind als Tochter einer Deutschschweizerin und eines Kongolesen in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Wurde Ihnen früh zu spüren gegeben, dass Sie nicht wie «die anderen» sind?
Antwort: Das begann schon in der Kindheit. Jeden Tag war und bin ich, so wie auch die anderen Protagonistinnen im Film, mit meiner Hautfarbe konfrontiert. Meine Mutter wurde regelmässig gefragt, ob sie mich und meine Brüder adoptiert habe. In der Schule nannte mich ein Lehrer «wildes Tier», und den Buchstaben «N» lernten wir anhand eines Neger-Bildes. Als Jugendliche musste ich bei einer Polizeikontrolle auf den Posten mit, weil ich keinen Ausweis auf mir hatte, während meine ebenfalls ausweislosen Freundinnen weitergehen durften. An der Bushaltestelle fragte einmal ein Mann: «Was kostest du?» Und noch heute kann ich nicht mit dem TGV nach Paris fahren, ohne kontrolliert zu werden – sogar wenn ich ausnahmsweise in der 1. Klasse reise. Ich könnte viele weitere Beispiele aufzählen.