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Schriftdolmetschen: Live-Untertitelung für Menschen mit Hörbehinderung
Für die Übersetzung von live gesprochener in geschriebene Sprache für Menschen mit Hörbehinderungen, die keine oder nur sehr geringe Kenntnisse der Gebärdensprache haben, gibt es zwei zentrale Methoden des Schriftdolmetschens: Das Respeaking (Schriftdolmetschen mit Speech-to-Text-, d.h. Diktier-Systemen) und das traditionelle Schriftdolmetschen, bei dem der gesprochene Text per Tastatur eingegeben und verschriftet wird.
Schriftdolmetschen kommt beispielsweise bei Vorträgen, Diskussionen, Live-Sendungen im Fernsehen oder auch im Unterricht an Schulen oder Hochschulen zum Einsatz. In diesen Fällen ist nicht oder kaum im Voraus bekannt, was gesagt werden wird, daher kann nicht auf klassische, vorproduzierte Untertitel zurückgegriffen werden.
- 2015 entwickelte die ZHAW in Kooperation mit pro audito schweiz erstmals einen Ausbildungslehrgang Schriftdolmetschen. Ab 2020 wird das Schriftdolmetschen vom IUED in Zusammenarbeit mit SWISS TXT in einem neuen Studienprofil Barrierefreie Kommunikation im MA Fachübersetzen unterrichtet.
- Anlässlich der Konferenz «Barrierefreie Kommunikation: Methoden und Produkte» (2017) waren an der ZHAW professionelle Schriftdolmetscherinnen im Einsatz, die die Beiträge für Menschen mit Hörbehinderung zugänglich machten.
Beim Respeaking führen gegenwärtig nur sprecherabhängige Speech-to-Text-Systeme zu adäquaten Ergebnissen. Das heisst, dass das System auf die Stimme bestimmter Sprecherinnen und Sprecher trainiert werden muss. Aus diesem Grund ist dem Originalsprecher ein «Nachsprecher» (Respeakerin oder Respeaker) nachgeschaltet. Diese oder dieser trainiert das Speech-to-Text-System und pflegt das dazugehörige Language-Modell.
Da Respeaking für den Unterricht störend sein kann, kommt in der Lehre oft das traditionelle Schriftdolmetschen zum Einsatz. Der gesprochene Text der Dozierenden kann dann als geschriebener Text auf einer Folienpräsentation, als Text auf einem Extra-Bildschirm (für mehrere Menschen mit Hörbehinderung) oder direkt auf dem Computer der Studierenden mit Hörbehinderung angezeigt werden.
Bei beiden Formen der Live-Untertitelung wird der Originaltext verändert: Aufgrund des Zeitdrucks und des Transferprozesses (gesprochene in geschriebene Sprache mit Interpunktion) muss der gesprochene Text teilweise gestrafft oder umstrukturiert werden. Die ursprünglich kodierte Information sollte dabei jedoch möglichst nicht verändert werden (Jekat et al. 2015).