Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/1656

Kurios
Wie eine Katze eine Physik-Studie schrieb
1975 publizierte Physik-Professor Jack Hetherington von der Michigan State University in den USA eine einflussreiche Studie zum Verhalten von Atomen. Sein Co-Autor war sein Kater.
Nach abgeschlossenen Experimenten und fertig geschriebener Abhandlung über Helium-Isotope wollte Physik-Professor Jack Hetherington seine Studie schon dem renommierten Fachmagazin «Physical Review Letters» zur Publikation schicken, als ihn ein Kollege auf ein wichtiges Detail aufmerksam machte. Hetherington hatte im ganzen Text den Pluralis Majestatis «wir» verwendet, obwohl er die Studie alleine durchgeführt hatte. Doch besagtes Magazin, so der Kollege, würde «wir» nur akzeptieren, wenn eine Studie auch mehrere Autoren aufwiese.
Nun war es im Jahr 1975 nicht ganz so einfach, dies schnell am Computer zu korrigieren. Hetherington hatte den Text auf der Schreibmaschine geschrieben und hätte alles noch einmal abtippen müssen. Deshalb setzte er, «nach einem Abend Bedenkzeit», wie er im 1985 erschienenen Buch «More Random Walks in Science» von Robert L. Weber sagt, seinen siamesischen Kater Chester unter dem Pseudonym F.D.C Willard als Co-Autor auf das Papier. F.D. steht für Felis domesticus, den wissenschaftlichen Namen für die Hauskatze, C. steht für Chester und Willard ist der Name von Chesters Vater. Und so wurde die Studie dann auch auch vom Magazin akzeptiert und unter dem Titel «Two-, Three-, and Four-Atom Exchange Effects in bcc 3He» am 24. November 1975 veröffentlicht und seither viel zitiert.
Das Ganze flog erst auf, als Besucher der Michigan State University mit F.D.C. Willard sprechen wollten. Da musste Hetherington «die Katze aus dem Sack lassen». Die meisten seiner Kollegen hätten den Witz lustig gefunden, so Hetherington, später gab der Forscher sogar einige von ihm und F.D.C. Willard mit Pfotenabdruck signierte Kopien seiner Studie heraus.
Wegen der Publicity
Aber warum hatte Jack Hetherington nicht einfach einen anderen Wissenschaftler als Mitautor seiner Studie herbeigezogen? Der Physiker wusste wohl, dass seine Bezahlung als Forscher und auch seine Reputation davon abhingen, wie viele Studien er publizierte und dass es daher besser war, einziger Autor zu sein. Ebenso war er sich bewusst, dass eine Katze als Autor zu viel Publicity führen würde. «Ich habe es durchgezogen und nicht bereut», sagt er in «More Random Walks in Science».
Die Karriere von Chester, dem Siamkater, alias F.D.C. Willard indes war noch nicht vorbei. 1980 veröffentlichte er noch einmal eine Studie über Helium-Atome, diesmal auf Französisch im Magazin «La Recherche» und als alleiniger Autor. Man kann davon ausgehen, dass Hetherington ihm dabei ein bisschen geholfen hat.
Wie die Webseite «Today I found out» weiss, starb der Kater 1982 im Alter von vierzehn Jahren. Sein Vermächtnis für die Wissenschaft jedoch lebt weiter.