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Ein teueres Bürgerrecht
Oberhalb dem Luftkurorte Weesen am Wallensee liegt die kleine Berggemeinde Amden. Während des letzten Sommers hat dort eine religiöse Sekte, die aus Amerika eingewandert ist, bezw. deren Haupt, ein Herr Josua Kiein, eine größere Zahl von Liegenschaften erworben; der jeweilige höchst generöse Kaufpreis wurde sofort ausbezahlt. Die weitabgeschlossenen Bewohner von Amden traten anfänglich den fremden Eindringlingen mißtrauisch entgegen. Das taktvolle und friedfertige Verhalten der eingewanderten Genossenschaft und besonders auch die großartigen Preise für die erworbenen Güter beseitigten jedoch bald
dieses Mißtrauen. Neuestens nun verlangte Herr Klein von der Gemeinde Amden die Abtretung eines größeren Stückes Gemeindeboden, von wo aus man eine prächtige Aussicht genießt, ferner das Baurecht auf dem betr. Boden und die Aufnahme ins Amdener Bürgerrecht. Als Gegenleistung bot er eine Million Franken. Am letzten Sonntag hatte die Bürgerversammlung in Amden darüber
Beschluß zu fassen. Die Versammlung sprach sich mit 260 gegen 5 Stimmen für die Annahme des Offerts aus. Herr Klein erhält damit u. a. die Bewilligung zu dem Bau einer in weißem Marmor ausgeführten Muttergotteskapelle (die genannte Sekte treibt trotz vollständig akatholischer religiöser Anschauungen eifrigen Marienkult). Die Unterhaltungspflicht übernimmt Herr Klein, während die Kapelle nach ihrer Herstellung Eigentum der Gemeinde Amden wird. Ferner erhält Klein die Bewilligung zu dem Bau und Betrieb einer monumentalen Halle in prächtiger Lage und zu der Herstellung eines Weges dorthin. Im Umkreise von 3000 m2 darf nicht anderweitig gebaut werden. Ebenso wurde Klein nebst seiner Frau und seinen zwei Knaben das Amdener Bürgerrecht bewilligt. Herr Klein ist ein gebürtiger Deutscher; seine Frau ist eine Amerikanerin. Der Betrag von 1 Mill. Francs wird in bar vor der Aushändigung der Bürgerrechtsurkunde ausbezahlt.
Vorarlberger Landes-Zeitung (Bregenz), 40. Jahrg., 23. November 1903, Nr. 268, S. 2. Online