Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/322

Main menu
Problemstellung
Nach der Analyse der Expertenkommission zur Neuen Regionalpolitik (NRP) fehlt es in einigen ländlichen Räumen in der Schweiz an "unternehmerischem Denken und Handeln". Dieses Defizit wird einerseits mit der Unterversorgung dieser Räume mit physischem Kapital (Infrastrukturen), Humankapital (tiefes Bildungsniveau der Arbeitskräfte, Abwanderung) und finanziellem Kapital (hohes Zinsniveau für Risikokapital) begründet. Andererseits wird argumentiert, dass mangende Initiative auf das Fehlen von günstigen regionalen institutionellen und sozialen Rahmenbedingungen zurückzuführen sei. Diese (günstigen) Rahmenbedingungen werden auch als (positives) Sozialkapital bezeichnet. Sozialkapital wird häufig mit zivilgesellschaftlichen Organisationen bzw. Freiwilligenorganisationen in Verbindung gebracht.
Fehlende unternehmerische Initiativen in einzelnen Teilräumen könnte damit auch darauf zurückzuführen sein, dass Freiwilligenorganisationen im ländlichen Raum eher dazu beitragen, kleinräumige soziale Netze zu festigen, anstatt den Austausch neuer Ideen zu fördern und damit unternehmerisches Denken und Handeln zu fördern
Projektziele
Da bis anhin kaum wissenschaftliche Erkenntnisse über Ziele und Aktivitäten von Freiwilligenorganisationen vorliegen, verfolgt das Projekt zwei Ziele:
- Erhebung der Struktur zivilgesellschaftlicher Organisationen im ländlichen Raum der Schweiz.
- Beurteilung dieser Struktur hinsichtlich der Art des Sozialkapitals im Hinblick auf unternehmerisches Denken und Handeln.
Vorgehen
Zur Erhebung der Struktur von Freiwilligenorganisationen wurden die GemeindeschreiberInnen einer (stratifizierten) Stichprobe von 481 Gemeinden des ländlichen Raums der Schweiz zu Anzahl und Eigenschaften der Freiwilligenorganisationen in ihren Gemeinden angeschrieben. Die Befragung wurde kombiniert online und schriftlich zwischen Juli und September 2009 durchgeführt. Auf diese Weise konnte ein Rücklauf von 53.25% erreicht werden, wobei die Rücklaufquoten aus lateinischen Schweiz jedoch unter 50% lagen.
Wichtigste Resultate
Die bisher ausgewerteten Resultate der Erhebung zeigen erstens, dass die Anzahl Freiwilligenorganisationen im Verhältnis zur Bevölkerung im ländlichen Raum der Schweiz variiert. Während in den ländlichen Zentren und den agrarisch geprägten Gemeinden diese Anzahl höher ist, weisen v.a. die Gemeinden in Agglomerationsnähe weniger Freiwilligenorganisationen auf. Zweitens sind über zwei Drittel der Organisationen im Bereich Sport, Freizeit oder Kultur tätig. Diese Art von Freiwilligenorganisationen sollten daher bei Überlegungen zur Förderung endogener wirtschaftlicher Entwicklung vermehrt einbezogen werden.
Weitere Resultate und Schlussfolgerungen sind im Schlussbericht zuhanden der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) zusammengestellt. Die Resultate des Projekts fliessen zudem in zwei weitere wissenschaftliche Vorhaben ein:
- erstens werden die Resultate im Rahmen eines SNF-Forschungsprojekts zur Messung von Entrepreneurship im ländlichen Raum weiter verwertet;
- zweitens bilden die Resultate die Grundlage für die zweite Welle des Schweizerischen Freiwilligensurveys, welcher von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) durchgeführt werden wird.