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In dieser Folge der Reihe zur Technischen Analyse nehmen wir die Bollinger Bänder unter die Lupe. Dieser nach seinem Entwickler John Bollinger benannte Indikator verbindet das Konzept des Trends mit dem Konzept der Volatilität.
Bollinger Bänder gehören zur Indikatoren-Gruppe der Bänder (Bands), die auch als Umhüllungen (Envelopes) oder Kanäle (Channels) bezeichnet werden. Sie zeichnen sich durch mindestens zwei Linien aus, die meist unterhalb und oberhalb des Kursverlaufs des Basiswerts gezeichnet werden. Häufig verfügen sie – wie auch die Bollinger Bänder – noch über eine dritte Linie, die in der Regel in der Mitte zwischen den beiden anderen Linien verläuft. Die Bollinger Bänder sind der heutzutage wohl am häufigsten verwendete Indikator aus dieser Gruppe. Andere wichtige Vertreter sind beispielsweise der Donchian Channel, der Keltner Channel sowie Prozentbänder.
Konstruktion
Bei der Konstruktion der Bollinger Bänder wird zunächst eine gleitende Durchschnittslinie definiert, die als das mittlere Band fungiert. In der Standardeinstellung wird meist – wie auch von John Bollinger vorgeschlagen – der über 20 Tage berechnete arithmetische Durchschnitt verwendet. Im Wochenchart nutzt man entsprechend die 20-Wochen-Linie und im Stundenchart die 20-Stunden-Linie etc. Die gleitende Durchschnittslinie stellt die Komponente des Indikators dar, die sich auf die Verfolgung des Trends bezieht. Das obere Band erhält man, indem man die Standardabweichung mit einem bestimmten Faktor multipliziert und anschliessend zum Wert des gleitenden Durchschnitts addiert. Das untere Band wird entsprechend durch die Subtraktion der mit dem Faktor multiplizierten Standardabweichung ermittelt. Die beiden Bänder stellen die volatilitätsbezogene Komponente des Indikators dar. Der verwendete Faktor entscheidet darüber, wie viel Prozent der Kurse statistisch betrachtet innerhalb des Raums zwischen dem unteren und oberen Bollinger Band liegen. Die Benutzung der Standardeinstellung von zwei Standardabweichungen als Faktor gewährleistet, dass 95 Prozent aller Kursdaten zwischen die beiden Bänder fallen.
Interpretation und Handelstaktiken
Da 95 Prozent der Kurse in den Raum zwischen dem unteren und oberen Bollinger Band fallen, gelten sie als überkauft, wenn sie sich am oberen Band befinden, und als überverkauft, wenn sie sich am unteren Band befinden. Das obere Band fungiert zudem als Widerstand und das untere Band als Unterstützung. Die Mittellinie wirkt als Widerstand, wenn sich die Kurse darunter befinden, und als Unterstützung, wenn sie sich darüber aufhalten. Eine Zunahme der Volatilität im Basiswert drückt sich in einer Ausweitung der Bänder aus. Sinkt die Volatilität hingegen, so ziehen sich die Bänder zusammen.
Die Bänder werden ihrer Funktion als Widerstand bzw. Unterstützung und als Gradmesser für einen überkauften bzw. überverkauften Zustand am besten gerecht, wenn sie sich in einem ausgedehnten Zustand befinden und die Volatilität mithin hoch ist. In einem solchen Zustand können antizyklische Strategien beim Berühren der Bänder durch die Kurse erfolgversprechend sein. Dabei ist es sinnvoll, zusätzlich andere Techniken aus dem Bereich der Technischen Analyse zum Einsatz zu bringen. Beispiele hierfür sind Candlestick-Umkehrformationen, Oszillatoren (zum Beispiel Stochastik-Oszillator, RSI), Volumenindikatoren und Sentimentindikatoren.
Wenn der Abstand zwischen den beiden Bändern ungewöhnlich klein ist, deutet dies darauf hin, dass in Kürze ein neuer Trendimpuls starten könnte, der dann wiederum zu einer Ausdehnung der Bänder führt. In diesem Fall kann der Ausbruch der Kurse über das obere Bollinger Band als Kaufsignal und der Rutsch unter das untere Band als Verkaufssignal aufgefasst werden – dies insbesondere dann, wenn der Ausbruch in Richtung des übergeordneten Trends erfolgt. Einige Händler verwenden dann die Mittellinie oder aber das dem Ausbruch entgegengesetzte Band als bewegliche Stop-Loss-Marke für die eingegangene Position. Ferner werden die drei Bänder von einigen Anwendern als Kursziele genutzt. Dabei wird bei einer Ablösung der Kurse vom unteren Bollinger Band die Mittellinie zum nächsten Kursziel. Bei deren Überschreitung rückt dann das obere Bollinger Band als Kursziel in den Fokus. Das Ganze gilt natürlich auch entsprechend bei einer Bewegung vom oberen Band nach unten.