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Meeresströmungen transportieren Wassermassen. Dies erfolgt nicht nur vertikal durch die verschiedenen Meeresschichten, sondern auch quer durch die Weltmeere als globale Zirkulation. Neben diesen grossen Bewegungen gibt es in den Ozeanen viele kleinere Wirbel und Turbulenzen.
Wie Meeresströmungen entstehen
Die Wassermassen werden hauptsächlich von dem globalen Windsystem sowie von Dichteunterschieden angetrieben.
West- und Passatwinde, die von den Subtropen in Richtung Äquator verlaufen, setzen die Wassermassen im Ozean in Bewegung und erzeugen dadurch Oberflächenströmungen. Durch die Corioliskraft werden diese abgelenkt, fliessen also nicht in Richtung der Winde. In den Subtropen und in subpolaren Gebieten der Ozeane entstehen riesige Wirbel, die sich über das gesamte Ozeanbecken erstrecken und Tausende von Kilometern messen können. Sie reichen bis zu einem Kilometer Tiefe.
Unterschiede in der Wasserdichte hingegen erzeugen Tiefseeströmungen. Im Nordatlantik kühlt sich warmes Ozeanwasser, das mit dem Golfstrom von den Tropen in den Norden gelangte, ab. Zudem ist es salzhaltiger als das Süsswasser, das durch das Schmelzen des Eises in Polarnähe entsteht. Weil das Wasser kälter und salziger ist, ist seine Dichte grösser. Es sinkt bis zu 4000 Meter in die Tiefe und strömt südwärts. Die Tiefenströmung zieht zusätzliche Wassermassen an. Die Strömung trifft im Antarktischen Ozean auf den mächtigen antarktischen Zirkumpolarstrom und fliesst durch den Indischen Ozean bis in den westlichen Pazifik. In Äquatornähe erwärmt sich das Tiefenwasser, wodurch es aufsteigt und an Indonesien vorbei wieder zurückfliesst. Die Oberflächenströmung verläuft südlich von Afrika hindurch über die Ostküste Südamerikas in den Golf von Mexiko und mündet schliesslich wieder in den Golfstrom. Dieses grosse ozeanische Förderband wird auch Globale Umwälzbewegung genannt und heisst in der Fachsprache Thermohaline Zirkulation. Dies, weil sie hauptsächlich auf die Temperatur- und Salzunterschiede in den Ozeanen zurückzuführen ist.
Mehr als nur Strömungen
Den globalen Meeresströmungen kommt eine grosse Bedeutung zu. Sie verbinden die Weltmeere miteinander und sorgen so für den Stoff- und Energietransport in den Ozeanen. Die Thermohaline Zirkulation reguliert die Unterschiede im Salzgehalt der Weltmeere und vermischt wichtige Substanzen.
Zahlreiche Fische und andere Meerestiere wie Schildkröten sind auf die Strömungen als ihrem Transportsystem über die Ozeane angewiesen.
Auch für den Menschen sind die Meeresströmungen unabdingbar: Mit dem absinkenden Wasser wird auch das ausgeschiedene Kohlendioxid in die Tiefe befördert und so aus der Atmosphäre gefiltert. Die Ozeane nehmen insgesamt mindestens ein Viertel des produzierten Treibhausgases auf.
Doch auch in anderer Weise beeinflusst die Zirkulation das Klima. Der Golfstrom erwärmt den Nordatlantik signifikant, da er warme Wassermassen aus den Tropen Richtung Europa befördert. Dadurch ist es in Island und Grossbritannien deutlich wärmer als beispielsweise in Kanada, das auf ähnlichen Breitengraden gelegen ist. Die Häfen Norwegens sind dank des Golfstroms auch im Winter eisfrei.
Meeresströmungen in Gefahr
Dies könnte sich aber bald ändern: Der Golfstrom könnte sich mit dem Klimawandel deutlich abschwächen, da das Meerwasser wärmer wird und folglich weniger Tiefenströmungen entstehen. Das Schmelzen des Polareises verstärkt diesen Effekt zusätzlich; das Meerwasser würde sich stark verdünnen. Der Golfstrom würde nicht mehr bis nach Europa fliessen – die Folge wären signifikant tiefere Temperaturen. In Island könnte es bis zu sieben, in England bis zu fünf Grad kälter werden.
Für den gesamten Meeres- und Klimahaushalt hätte eine Abschwächung der Meeresströmungen fatale Folgen. Lassen wir es also nicht so weit kommen.