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Im Jahr 1902 erreicht der deutsche Apothekerhelfer August Engelhardt die von Kokosplantagen bedeckte Insel Kabakon östlich von Neuguinea. Hier will der 27-jährige Nürnberger seine «Äquatoriale Siedlungsgemeinschaft» aufbauen und nach einer selbst erfundenen Heilslehre leben – diese verbindet Elemente von Christentum und Naturreligion mit dem ausschliesslichen Verzehr von Kokosnüssen: der Kokovorismus. Weil die Kokosnuss der Sonne und damit dem Quell des Lebens am nächsten wachse, sei sie die vor allem anderen Obst gesegnete Frucht. «Der Kokovorismus ist der Weg zur vollen Erlösung von Schmerz, Leid und Tod», schreibt der Sektengründer später in seinem «Kokosevangelium», das er als «Engelhardt, der 1. Kokosapostel» unterzeichnet. Als Apostel braucht er Jünger, die er in Deutschland mit Zeitungsanzeigen anwirbt. Auf die wenigen Kokovoristen, die seinem Ruf in den nächsten Jahren folgen, wartet jedoch nicht Erlösung, sondern Mangelernährung und Malaria, an denen etliche von ihnen sterben.
Engelhardt selbst sei «durch die viele Nussesserei abgemagert mit grossen Beinwunden, Gicht in den Fingern, Ausschlag an Armen und am Gesäss, Fieberanfällen in dreitägigem Turnus», schreibt sein letzter Mitstreiter 1913 an die Zeitschrift «Vegetarische Warte», die ihre Leser eindringlich vor einer Reise nach Kabakon warnt. Dort stirbt Engelhardt 1919 an den Folgen seiner einseitigen Diät. Immerhin behält er so mit einem Brief aus frühen Insulanertagen recht: «Kabakon ist ein Paradies, das ich kaum je mehr verlassen werde.»