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Publikumsanlagen

Beginnen wir nun mit der detaillierten Betrachtung der Bahnhöfe. Dabei wähle ich zum Anfang die Publikumsanlagen. Diese finden Sie überall in den Bahnhöfen, die Sie erreichen können. Daher sind es die Bauwerke, die Sie vermutlich in einer Form kennen, aber Sie wussten bisher noch nicht, wie man diese denn korrekt bezeichnet. Bisher waren Sie überrascht, denn Sie meinten der Bahnhof sei ein Gebäude.
Genau geht es um Gebäude und andere Bauwerke, die Sie bisher nutzten, aber nicht wussten, dass diese speziell genannt werden wollen. Fachlich korrekt nennt man diese Bauwerke auch Einrichtungen, die dem Publikumsverkehr dienen. Womit wir einen wunderbaren Punkt unserer Vorschrift behandeln. Deshalb will ich jetzt nicht mehr lange einleitende Worte verlieren, denn wir kommen zu den Gebäuden, die den Reisenden in einem Bahnhof nützlich sind.
Es sind diese Bauwerke, die Sie in einem Güterbahnhof oder einem Dienstbahnhof nicht finden werden. Die Güteranlagen betrachten wir später, denn jetzt geht es an die Publikumsanlagen und dabei beginnen wir mit dem wichtigsten Bauwerk in einem Bahnhof. Es ist das Gebäude, das Sie vermutlich bisher einfach nur Bahnhof genannt haben. Nur, es heisst korrekt nicht Bahnhof, sondern Aufnahmegebäude. Der Bahnhof ist eine ausgedehnte Gleisanlage, die der Regelung der Züge dient.
Das Aufnahmegebäude: Liebe deutsche Leser, warum könnt ihr nicht die gleichen Begriffe verwenden, wie wir in der Schweiz. Das Aufnahmegebäude heisst bei Euch Empfangsgebäude und es hat den genau gleichen Zweck, warum also nicht einfach von einem Aufnahmegebäude sprechen? Ach so, Sie empfangen hier die Reisenden. Egal, ich bin in der Schweiz und für mich ist es ein Aufnahmegebäude. Auf jeden Fall ist Bahnhof nicht korrekt.
Man kann das Aufnahmegebäude als Hauptbauwerk eines Bahnhofs bezeichnen. In jeden Bahnhof mit Publikumsverkehr wurde ein solches Gebäude aufgestellt. Dabei unterscheiden sich die Gebäude in der Form und der Grösse.
Sie können sich merken, je grösser ein Aufnahmegebäude ist, desto wichtiger ist der Bahnhof. Die Bahnhöfe wurden früher tatsächlich in Kategorien eingeteilt und entsprechend gebaut.
Mit der Vergrösserung der Bahnhöfe mussten sie angepasst werden und veränderten so ihren Status.
Jeder Bahnhof hat ein Aufnahmegebäude. Oder vielleicht nicht? Es ist heute nicht mehr zwingend, dass ein Aufnahmegebäude vorhanden ist. Früher baute man solche Gebäude, weil man jeden Bahnhof mit Personal besetzt hatte.
Heute ist das anders und so sind die Aufnahmegebäude Relikte aus der früheren Zeit. Neue Bauwerke sind funktional ausgerichtet und wollen als Reisezentrum bezeichnet werden. Dabei sind es immer noch Aufnahmegebäude. Ein neuer Name ändert nicht den Charakter.
Heute sind Aufnahmegebäude immer noch stattliche Bauten, haben aber immer mehr nur noch funktionalen Charakter. Das heisst aber nicht, dass die Gebäude deswegen viel kleiner geworden wären, die Bauten sind immer noch gross und strahlen immer noch einen entsprechenden Charakter aus. Vergleichen Sie doch einmal auf Ihrer Reise die Bahnhöfe von Zürich und Bern. Sie werden dann bemerken, dass beide einen eigenen Charme haben.
Ein Aufnahmegebäude bietet Ihnen viele wichtige Bereiche an. Dabei besitzt heute nicht mehr jedes Aufnahmegebäude alle diese Einrichtungen. Oft sind sie anders genutzt worden, oder aber, sie wurden in eigenen Gebäuden eingerichtet um mehr Platz zu gewinnen. Andererseits wurden die Fahrpläne heute so gestaltet, dass es diese speziellen Räume gar nicht mehr braucht. Anders herum gesehen, benötigt man diese Räume nicht mehr, weil die Kunden viele Sachen selber erledigen.
Das Bahnhofbuffet ist ein Raum, den es in einem grösseren Aufnahmegebäude gibt. Man kann diesen Raum auch als Restaurant im Bahnhof bezeichnen, denn eigentlich ist ein Bahnhofbuffet nichts anderes als eine Gaststätte, wo man auch etwas Essen und Trinken kann. Es steht Reisenden zu Verfügung, die auf einen anderen Zug oder die Weiterfahrt warten müssen. Gleichzeitig wird es aber auch von Anwohnern als Restaurant genutzt.
Früher waren diese Bahnhofbuffets bei den Bahnen notgedrungen gebaut worden. Die Züge, die weite Distanzen zurücklegten, mussten in bestimmten Abständen einen längeren Halt einlegen um die Lokomotiven wieder mit den benötigten Betriebsstoffen zu versorgen. Der Suppenhalt in Göschenen ist dabei sehr bekannt geworden. Diesen Zweck verloren die Bahnhofbuffets aber, als Speisewagen eingeführt wurden und sich die Leute im Zug verpflegen konnten.
Das Bahnhofbuffet bietet daher nur noch den Reisenden, die umsteigen eine Möglichkeit an, sich zu verpflegen. In den kleineren Bahnhöfen mussten die Bahnhofbuffets in der Folge geschlossen werden, da einfach der erforderliche Umsatz fehlte. An ihre Stelle traten mobile Stände, wo man Fastfood aus allerlei Ländern beziehen kann. Gegessen wird dann im Gehen oder im Stehen, was der gestressten modernen Bevölkerung entgegen kommt.
Bahnhofbuffets gibt es heute zwar auch noch, nur sind sie nur noch in den ganz grossen Bahnhöfen zu finden. Sie bieten heute noch einen Einblick in die Reisen von früher. Die Räumlichkeiten sind meisten im alten Stil gehalten und so ergeben sich in den Bahnhofbuffets gute Gelegenheiten, sich auch etwas zu entspannen und den übernächsten Zug zu nehmen. Nur, passt das nicht mehr zum modernen Reisestil, was eigentlich Schade ist, denn Bahnhofbuffets strahlen einen eigenen Charme aus.
Neben der Verpflegung der Reisenden war es auch wichtig, dass auch das Personal etwas essen konnte. Daher führte man schon früh spezielle Lokale für das Personal ein. Diese Räume wurden dann für die Pausen genutzt. Die Preise dieser Speisen waren günstiger und es gab speziell auf die Bedürfnisse abgestimmte Angebote. Dazu gehörte auch die Wahl der Lebensmittel, denn das Personal hatte andere Bedürfnisse die gedeckt wurden.
Diese Räume wurden vom Personal schnell Milchküche genannt. Diese Milchküchen boten warme Milch an. Das war besonders bei den alten Dampflokomotiven ein Vorteil, denn der Russ, der in die Atemwege gelangte, reizte die Lunge. Das kennen Sie vielleicht von der letzten Grillparty her. Sie mussten husten. Heisse Milch verschafft Linderung, so dass in den Gaststätten für das Personal heisse Milch angeboten wurde.
Die Milchküchen verschwanden mit den Jahren und an ihre Stelle traten die Personalrestaurant. Diese waren für das Personal bestimmt und waren daher nicht so gut erkennbar, wie das Bahnhofbuffet. Die heisse Milch wurde durch andere Getränke ersetzt. Die Personalrestaurants waren somit die Kantinen der Arbeiter. Wobei es hier natürlich keinen Alkohol zu kaufen gab, denn der war bei den Bahnen nie gerne gesehen.
Das Personal kann in diesen Personalrestaurants auch heute noch günstigere Speisen zu sich nehmen. Mittlerweile können diese Lokale auch von anderen Gästen benutzt werden. Wenn Sie Kantinenessen mögen und einmal mitten von Eisenbahnern speisen möchten, dann empfehle ich Ihnen ein Personalrestaurant. Nur müssen Sie bedenken, dass Sie einen wesentlich höheren Preis bezahlen müssen, als das Personal, das von Vergünstigungen profitiert.
Wer in einem Bahnhof auf einen anderen Zug oder die Weiterfahrt warten muss, will eventuell nicht in einem Bahnhofbuffet oder in einer Milchküche warten und etwas essen oder trinken. Es kann aber auch sein, dass es diese Lokale in kleineren Bahnhöfen gar nicht gibt. Daher stellte man in diesen Bahnhöfen den Reisenden weitere Räume zur Verfügung. Dort konnten sich die Leute setzen und auf einen nächsten Zug warten.
Man nannte den Warteraum Wartsaal. Die alten Wartsäle waren wahre Schmuckstücke, denn man wollte den Leuten die Wartezeit so angenehm wie möglich gestalten. Die Bilder an den Wänden wirkten nicht zu zwingend, so dass warme angenehme Räume mit Sitzgelegenheiten entstanden. Man konnte sich setzen, ohne dass man eine Verpflegung zu sich nehmen muss. Man kann im Wartsaal auch selber mitgenommene Speisen zu sich nehmen.
Moderne Wartsäle treten da schon schlichter auf. Sie haben aber immer noch die gleiche Funktion und die Leute können sich in einem geheizten Raum vor dem Wetter geschützt hinsetzen. Die Wartezeiten wurden mit neuen Modellen beim Fahrplan wesentlich kürzer, so dass die Wartsäle immer weniger genutzt werden. Doch noch gibt es die alten Modelle, die sich immer wieder aus der Masse herausheben.
Zugänglich sind die Wartsäle für Reisende und Personal. Daher müssen Sie im Besitz eines gültigen Fahrscheins sein. Mit diesem können Sie den Wartsaal unbegrenzte Zeit nutzen.
Um die Fahrausweise zu verkaufen richtete man in den Aufnahmegebäuden Fahrkartenschalter ein. Diese Fahrkartenschalter sind zwei Räume, die durch eine Glaswand getrennt sind.
Der Mitarbeiter der Bahn gibt Ihnen dort die Fahrkarte aus und kassiert den zu entrichtenden Betrag. Diese Lösung hatte sich lange Jahre gut bewährt. Heute sind in kleineren Bahnhöfen nur noch Automaten vorhanden, bei denen der Reisende seinen Fahrschein selber lösen muss.
Bei grossen Bahnhöfen gibt es mehrere Fahrkartenschalter. Diese werden in einem grossen Raum zusammengefasst. Daher nennt man diesen Raum auch Schalterhalle. In der Schalterhalle finden Sie neben dem Fahrkartenschalter oft auch ein Reisebüro oder eine Stelle, wo Sie Informationen zu den Fahrplänen erhalten. Auch die neuen Automaten stehen dort, wenn Sie sich nicht mit den netten Leuten von der Bahn unterhalten wollen.
Sowohl die Anzahl der Fahrkartenschalter, als auch die Grösse der Schalterhalle, hängt von der Grösse des Bahnhofes ab. Je grösser der Bahnhof ist, desto mehr Fahrkartenschalter werden benötigt. Das führte dazu, dass zum Beispiel eine grosse und eindrücklich wirkende Halle entstand. Die Schalterhallen sind oftmals die grössten freien Räume in einem Aufnahmegebäude. Mit dem hier bezogenen Fahrschein können Sie dann zu den Zügen gehen und sich im Wartsaal aufhalten.
Die Perronanlagen: Zu den Zügen gelangen Sie über die Perronanlagen. Diese bestehen aus mehreren Bahnsteigen, die in der Schweiz auch Perron genannt werden. Bahnsteige sind eine Art Plattform, auf der Sie warten können und von wo aus Sie bequem in den Zug einsteigen können. Wie bequem der Einstieg in die Wagen erfolgt, hängt direkt vom Bahnsteig ab. Stimmen Zug und Bahnsteig überein, können Sie einfach eintreten.
Die Höhe, die der Bahnsteig hat, nennt man schlicht und einfach Bahnsteighöhe. Diese Höhe ist genormt, aber nicht in jedem Land gleich hoch. Normalerweise werden die Bahnsteighöhen bei neuen Anlagen auf die eingesetzten Züge abgestimmt. Wichtig ist, dass die Höhe des Bahnsteigs mit den Einstiegen bei den Fahrzeugen übereinstimmt. Wie grösser die Differenz ist, desto schwerer wird der Einstieg werden.
Der, für den Bahnsteig entscheidenden Bereich nennt sich Bahnsteigkante. Diese Bahnsteigkante ist genau auf das Gleis auszurichten. So wird deren Höhe über Schienenoberkante gemessen, aber auch der Abstand zu den Zügen wird vorgegeben. Die Bahnsteigkante ist daher der genau bestimmte Teil des Bahnsteigs, der in der Mitte durchaus auch höher sein kann. Die Kante muss stimmen, dann ist der Einstieg bequem.
Bahnsteigkanten sind speziell gekennzeichnet. So ist etwas von der Kante abgesetzt eine weisse Linie am Boden aufgemalt. Diese Linie gibt an, wie weit Sie auf dem Bahnsteig stehen dürfen. Die Zone zwischen der Bahnsteigkante und der Linie ist gefährlich, da Sie dort von einem durchfahrenden Zug mitgerissen werden könnten. Halten Sie sich deshalb immer auf der sicheren Seite der Linie auf und übertreten Sie diese erst, wenn der Zug angehalten hat.
Unmittelbar beim Aufnahmegebäude gibt es auch einen Bahnsteig, der oft in Bezug zu den Kanten und Höhen etwas abweicht. Man nennt diesen Bahnsteig auch Hausperron. Das kommt daher, dass er gleich beim Haus angebaut wurde. In den meisten Fällen befindet sich dort das Gleis, das mit der Nummer 1 versehen worden ist. Es gibt aber auch Ausnahmen und Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass Sie den Hausperron immer unter der Nummer 1 finden werden. Es ist einfach der Bahnsteig beim Haus.
Eine andere Bauform des Bahnsteiges ist der Hochperron. Diese Bauweise ist nicht, wie man meinen könnte, mit einer besonders hohen Bahnsteigkante versehen worden. Der Hochperron, ist ein Bahnsteig, der bei Geleisen, die über dem normalen Bahnsteigbereich liegen, eingebaut wurde. Oft sind so andere Bahngesellschaften in den Bereich der Bahnhöfe geführt worden. Hochperrons sind sehr selten.
Wenn wir das Bild betrachten, erkennen wir über den Anlagen der schweizerischen Bundesbahnen SBB den Hochperron der Rigibahn. Darunter befindet sich in der Mitte der Bahnsteig mit den weissen Linien, die den sicheren Bereich kennzeichnen.
Bahnsteige grössere Bahnhöfe wurden im Laufe der Jahre überdacht. Diese Perrondächer bieten den Leuten auf dem Bahnsteig Schutz vor den Witterungseinflüssen.
Perrondächer sind so gestaltet, dass sich das Dachwasser in der Mitte sammelt und dieses so über Ablaufrohre abfliesst. Dank diesen Massnahmen konnten Stützen auf der äusseren Seite vermieden werden. So ist der Zugang zu den Zügen leichter möglich.
In ganz grossen Bahnhöfen wird auch gleich das Gleis überdacht. Man spricht hier von einer Bahnhofshalle. Der Nachteil dieser Bahnhofshallen ist, dass sie sehr aufwendig im Bau und im Unterhalt sind. Zudem können die Verhältnisse unter der Halle dunkel sein, was den Leuten keine grosse Sicherheit vermittelt. Daher vermeidet man es bei modernen Anlagen dunkle Hallen zu bauen. Vielmehr kommen grosse Glasflächen zur Anwendung.
Besonders deutlich ist das Problem von Bahnhofshallen im Bahnhof Bern zu erkennen. Die tiefe Überdeckung der Anlage mit einem Betondach führt dazu, dass es im Bahnhof den ganzen Tag dunkel ist. Die Beleuchtung muss daher dauernd eingeschaltet werden. Auch gibt es in den meisten Bahnhofshallen Nachteile bei Triebfahrzeugen, die mit Verbrennungsmotor oder Dampf betrieben werden, denn die Abgase können schlecht entweichen und bleiben daher in der Halle.
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