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Autor: URS HAENNI
Herr Fasel, können Sie gut schlafen?
Ja, ich schlafe gut.
Sie prophezeien der Gesellschaft aber in Kürze eine Energiekrise. Macht Ihnen dies keine Angst?
Mir persönlich macht es keine Angst. Aber ich bin nicht sicher, ob meine Botschaft gehört wird. Die Politik bereitet sich nicht darauf vor, und es kommt zu einer brutalen Veränderung der Zivilisation. Das wird Trauer und Leid bringen.
Wird es tatsächlich so weit kommen?
Ich wünsche dies nicht, und ich glaube auch, dass der Mensch die Fähigkeit zur Standfestigkeit hat. Ich werde mich anpassen können, aber ich bin nicht sicher, ob die Menschen psychisch noch so stark sind wie früher.
Warum verbreiten Sie diese Botschaft, und sonst niemand?
Schweden hat bereits entschieden, bis 2020 vom Benzin unabhängig zu werden. Aber in der Schweiz verhält man sich wie vor 50 Jahren. Ich finde es unentschuldbar, das Thema einfach so stehen zu lassen.
Ist eine Wahl der beste Kanal, um Ihre Botschaft zu verbreiten?
Es gibt auch andere Wege. In der Schweiz gibt es zum Beispiel eine Gruppe Wachstumsverweigerer. Und ich mache bei SEL Glâne mit, dem System für einen lokalen Tauschhandel.
Kommt Ihre Kandidatur nicht einem Missbrauch einer demokratischen Institution gleich?
Nein. Für die anderen Kandidaten wird es interessant sein zu sehen, wie viele Stimmen ich mache. Sind es fünf, sechs Prozent, so sind die Freiburger sensibel gegenüber dieser Botschaft; die Politik wird dies dann in Zukunft sicher berücksichtigen müssen.
Könnten Sie es verantworten, dass wegen Ihnen eine halbe Million Franken für einen zweiten Wahlgang aufgewendet werden müsste?
Eine Folge der Energiekrise ist die geringere Lebenserwartung und ein Rückgang der Weltbevölkerung. Was ist dagegen eine halbe Million?
Warum haben Sie sich ausgerechnet eine Ständerats-Ersatzwahl ausgesucht?
Diese Wahl ist für mich perfekt. Hier geht es um globale Themen, welche die ganze Schweiz betreffen.
Wie sieht für Sie eine ideale zukünftige Gesellschaft aus?
Es muss einen sanften Übergang geben. Schweden ist vorbereitet; dort wird es weniger hart sein, ohne Benzin auszukommen als hier in der Schweiz. Die Gesellschaft wird sich neu bilden, die Mobilität verringert sich, und die Globalisierung geht ein. Man wird sich dann auf eine lokalere und regionalere Wirtschaft stützen.
Sie bekämpfen Wachstum. Ist dies nicht gegen die Natur des Menschen?
Es wird vielleicht ein Wachstum an spirituellen Werten geben. Man wird sich vom Wachstum des Habens zum Wachstum des Seins orientieren.
Was muss geschehen, dass Sie mit Ihrer Kandidatur Ihr Ziel erreichen?
Mein Ziel wird erreicht sein, wenn politische Kreise offen über die Thematik sprechen. Wenn Bourgeois und Levrat darüber sprechen.
Was, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreichen?
Ich werde in mein normales Leben zurückkehren. Ich habe getan, was ich konnte.
Wie wird eine Gesellschaft ohne Wachstum zu finanzieren sein?
Es braucht grosse finanzielle Mittel. Die Finanzwelt verfolgt ihre eigenen Interessen, ihr können wir nicht vertrauen. Es braucht ein alternatives System. Die Schweiz hat ja eines, mit dem man arbeiten kann, nämlich die Post Finance. Diese sollte eben nur in die reale Wirtschaft investieren, beispielsweise in alternative Energien. Und sie sollte Kredite ohne Zinsen vergeben und überhaupt keine Spekulation verfolgen. Man könnte der Nationalbank die Aufgabe geben, dies zu kapitalisieren.
Sie verlangen auch ein garantiertes Mindest- einkommen?
Heute verschwinden Stellen, gleichzeitig gibt es immer mehr Rentner. Wir sind in der Sackgasse. Dies müssen wir ändern. Ein Mindesteinkommen können wir sicherstellen, wenn wir das Einkommen von der Arbeit abkoppeln. Wir müssten die der AHV, IV und Sozialhilfe anvertrauten Gelder dem bedingungslosen Grundeinkommen übergeben und eine soziale Mehrwertsteuer einführen für die Grundbedürfnisse eines jeden Einzelnen.