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Hält ein Gebäudeprojekt seine Versprechen, wenn der Bau abgeschlossen ist? Welche Faktoren können Misserfolge und Erfolge erklären? Und welche Konfigurationen begünstigen die Umsetzung von Innovationen?
Die kritische Begutachtung des Prozesses der Gebäudefertigung ist ein Ansatz, der in der Baubranche noch wenig verbreitet ist. Und das aus gutem Grund: Beim Bau eines Gebäudes spielen so viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen mit, dass Unstimmigkeiten meist in dieser Komplexität untergehen. „Der Bau ist eine dieser gesellschaftlich komplexen Disziplinen, bei denen nie jemand die Schuld für etwas trägt. Obwohl Fehler bei dieser sich hauptsächlich auf Experimente stützenden Aktivität eine natürliche Komponente sind.“, weiss Paolo Tombesi, Professor an der EPFL und Leiter des Labors für Bau und Architektur am smart living lab.
Die Gebäudeproduktion analysieren
Professor Paolo Tombesi widmete seine langjährige Karriere der Analyse von Bauprozessen. Er arbeitet an echten Fällen, die oft international bekannt sind und schaut sich die architektonischen Werke vor Ort an. Mit seinem Fotoapparat ausgestattet, sieht er sich die Gebäude gründlich an und hält Gelungenes und weniger Gelungenes fest. Manchmal begleitet er ein Programm auch im Vorfeld, indem er regelmässig zur Baustelle geht und die verschiedenen Dienstleister aufsucht, um ihre Produktionsmittel zu untersuchen. Paolo Tombesi analysiert auch alle Unterlagen, die er bekommen kann, unter anderem die Pflichtenhefte und die Pläne. Schliesslich konzentriert er sich auf die verschiedenen Akteure und ihre Interaktionen, wobei er eine selbst entwickelte Methode anwendet.
Die Rollendynamik
Anstatt die Akteure lediglich nach ihrem Fachbereich und der angebotenen Dienstleistung einzuteilen, konzentriert sich der Forscher auf die wahre Rolle, die sie innerhalb des Projekts spielen. Wie viel Macht haben sie? Welche Interessen verfolgen sie? Welche Kenntnisse haben sie? Und welche Rolle spielen sie tatsächlich innerhalb des Projekts? Indem er den Akteuren aus verschiedenen Praxisbeispielen diese Rollen zuteilt (Triebfeder, Vermittler, Gegner), gelingt es ihm durch eine Serienanalyse Konfigurationen herauszustellen, die den Erfolg eines Projekts erklären können. „Eine Konstante fällt bei architektonischen Werken, die ihre Zielsetzungen erreichen, auf: erfolgreich sind Projekte, deren Planer genügend Wissen und Macht haben, um die Industrieabläufe den besonderen Bedürfnissen des Gebäudes anpassen zu können.“, führt Paolo Tombesi aus.
Innovationen fördern
2016 verfolgte der Professor eine Vergleichsstudie zwischen drei mit digitalen Fabrikationstechniken errichteten Gebäuden (gründliche Modellierung, 3D-Drucke, Laserschneiden, Montage der vorgefertigten Teile mit Roboter-Maschinen, usw.).
Die Analyse der Bauprozesse zeigte, dass die Nutzung der digitalen Fertigung besonders vorteilhaft und gelungen ist, wenn die technischen Zeichner (shop drawer) das Risiko eingehen, digitale Dateien zu erstellen und die Verantwortung für die digitale Koordinierung vom Planer bis hin zu den Produktionsmaschinen übernehmen. Diese Dienstleister sind der Motor des Projekts, denn wenn es erfolgreich ist, können sie sich dadurch von anderen auf dem Markt abheben. Ihr klares wirtschaftliches Interesse veranlasst sie dazu, nicht nur als Motor des Projekts zu fungieren, sondern alle Schlüsselrollen zu übernehmen, damit das Projekt verwirklicht werden kann.
Im Laufe seiner Fallstudien beobachtete Paolo Tombesi, dass bestimmte soziale Konfigurationen Neuheiten wie die digitale Fertigung begünstigen, während andere Interaktionsmuster die Innovation bremsen, einschränken oder gar vereiteln. Der Forscher stellte eine Korrelation zwischen der Machtaufteilung unter den Akteuren und der Umsetzung einer Innovation fest. „Die Innovation kann dann umgesetzt werden, wenn sie den handlungsfähigen Personen Vorteile bringt.“ bemerkt Paolo Tombesi.