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Bild: iStock, flowgraph | Legende: Piraterie gibt es noch heute
Beim Stichwort «Piraten» denkt man gleich an verwegene Haudegen, versteckte Schätze und hat so manche anderen romantischen Vorstellungen. Tatsächlich hat die medial verbreitete Vorstellung von den Seeräubern und Seeräuberinnen wenig gemein mit der Realität.
Im 18. und 19. Jahrhundert erschienen zahlreiche Porträts, Romane und Zeitungsartikel zu Piratinnen und Piraten: Es wurde über Edward Teach (Blackbeard), Anne Bonny und Edward England berichtet, und in den kommenden Jahrhunderten festigte sich das romantische Bild der Rum trinkenden, freigeistigen Piratinnen und Piraten.
Kulturgeschichtlich ist es vermutlich kein Zufall, dass Piratenliteratur in einer Zeit populär wurde, in der die zunehmende Industrialisierung vielen Menschen den Eindruck vermittelte, als seien sie nicht mehr frei, sondern dem Diktat der Stechuhr unterworfen. Womöglich ist das Gefühl der mangelnden Freiheit und der Sehnsucht nach Abenteuer einer der Gründe, warum sich während der Coronapandemie TikTok-Lieder wie «Wellerman» grosser Beliebtheit erfreuten.
Die Realität von Seeräuberinnen und Seeräubern sah und sieht allerdings anders aus, als wir uns das vorstellen mögen. Pirateninnen und Piraten sind Banditinnen beziehungsweise Banditen, die wie Wegelagererinnen bzw. Wegelagerer Güter und Geld erbeuten wollen, folglich trifft man sie an den grossen Seehandelsrouten an. Bereits die alten Römer klagten über Raubzüge im Mittelmeer, und während der sogenannten goldenen Zeit der Piraterie vom 16. bis ins 18. Jahrhundert wurden Handelsschiffe auf allen Weltmeeren überfallen.
Auch heutzutage gibt es noch Piraterie, auch heute gibt es Überfälle auf hoher See. Ein prominentes Beispiel ist die Piraterie vor der Küste Somalias, die 2000 bis 2011 ihren Höhepunkt fand. Viele arme Fischerinnen und Fischer schlossen sich zu Piratenbanden zusammen. Wegen dem Bürgerkrieg war die somalische Regierung nicht in der Lage, die Überfälle auf internationale Handelsschiffe zu unterbinden. Seestreitkräfte anderer Nationen, wie beispielsweise die Operation Atalanta, trugen schliesslich zu einer Abnahme der Raubzüge bei.
Allen Piratinnen und Piraten über die Jahrhunderte hinweg ist gemein, dass sie hauptsächlich aus wirtschaftlicher Not in die Kriminalität schlitterten und sie sich ihren Lebensunterhalt nicht mehr anders sichern konnten.
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