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Entertainment
Morgen findet die 72. Preisverleihung des Filmfestivals in Cannes statt. Unter die 21 Finalisten haben es erneut nur vier Regisseurinnen geschafft. Ihnen gilt unser Augenmerk.
21 Filme haben es dieses Jahr in den Wettbewerb um die Goldene Palme geschafft, die am Samstag verliehen wird. Unter den Nominierten sind viele Altmeister, einige Newcomer und nur vier Frauen zu finden. Nach vergangenem Jahr, als Cate Blanchett mit 81 Kolleginnen aus der Filmbranche auf dem roten Teppich für Chancengleichheit demonstrierte, eine traurige Bilanz.
Obwohl Festivaldirektor Thierry Frémaux die Charta der "5050x2020"-Initiative unterschrieben hat, die sich für Gleichstellung und Inklusion an den Film-Festivals einsetzt, wurden dieses Jahr keine Rekorde gebrochen.
Die Jury um Präsident Alejandro González Iñárritu – bestehend aus vier Männern und vier Frauen – hätte die Filme ausgesucht, "weil sie es verdient haben und nicht, weil sie von Frauen sind" erklärt Frémaux die tiefe Anzahl weiblicher Wettbewerbsteilnehmer. Wie in der Vergangenheit bereits betont, läge es an den Universitäten und Filmschulen, dafür zu sorgen, dass es mehr Regisseurinnen gäbe.
Grund genug, die Scheinwerfer auf die vier nominierten Frauen zu richten und ihr Werk zu beleuchten.
Wer ist die Regisseurin?
Mati Diop wurde 1982 als Tochter eines senegalesischen Musikers und einer französischen Künstlerin in Paris geboren. Beeinflusst durch ihren Onkel, ein senegalesischer Filmemacher, drehte sie einige Kurzfilme, ehe sie 2008 die Hauptrolle in "35 rhums" übernahm. Weil sie als Schauspielerin meist den Wünschen weisser Männer entsprechen musste, entschied sich die Doppelbürgerin wieder für die Regie. Diop ist die erste dunkelhäutige Frau, die am Wettbewerb um die Goldene Palme teilnehmen kann.
Worum gehts in ihrem Film?
2009 drehte Diop eine Kurzdokumentation über einen senegalesischen Jugendlichen, der nach einer lebensgefährlichen Bootsfahrt nach Europa in Spanien abgewiesen wurde und an einer Krankheit starb, bevor er wieder den Weg zurück nach Senegal fand. In "Atlantique" baut die 36-Jährige dieselbe Story zu einem sozialkritischen Spielfilm aus – aus Sicht einer jungen Frau, deren Freund plötzlich verschwindet.
Wer ist die Regisseurin?
Jessica Hausner zeigt bereits zum fünften Mal einen Film am Festival an der Côte d‘Azur. Während sie mit den vorherigen in Nebenreihen vertreten war, feiert sie als Kandidatin auf den begehrten Preis nun ihr Debüt. Und das als erste österreichische Regisseurin in der Geschichte von Cannes. Mit "Little Joe", ihrem ersten Film im Science-Fiction-Genre, weist die 46-Jährige auf die Schattenseite von Gen- und Biotechnologie hin.
Worum gehts in ihrem Film?
Alice Woodard, alleinerziehende Mutter und Mitarbeiterin in einem Unternehmen, das sich mit der Entwicklung neuer Blumenarten beschäftigt, kreiert eine purpurrote Blume, die die Menschen glücklicher machen soll. Bedingt durch genügend Wertschätzung stösst diese Oxytocin aus, die der Mensch durch Einatmen zu sich nimmt. Dass die Kreation jedoch nicht so harmlos ist, wie vermutet, merken die Forscher erst, als die Blume ihre Samen schon verstreut hat.
Wer ist die Regisseurin?
Justine Triet absolvierte die Kunstschule in Paris, wo sie ihre Liebe zum Film entdeckte. Die die 40-Jährige produzierte daraufhin mehrere Kurzfilme zu politischen Themen, ehe sie 2013 ihren ersten Langfilm am Filmfestival Cannes uraufführte. Heute präsentiert die momentan hochschwangere, mehrfach César-nominierte Triet ihren dritten Langfilm "Sibyl" in Cannes, für den sie auch gleich nominiert wurde.
Worum gehts in ihrem Film?
Die unzufriedene Psychotherapeutin Sibyl beginnt wieder mit dem Schreiben. Dafür lässt sie sich von ihrer neuen Patientin Margot inspirieren, einer aufstrebenden Schauspielerin. Dass die Beschäftigung mit deren psychischen Zustand mehr aus Sibyls Vergangenheit aufwühlt als gewünscht, hätte die Therapeutin nicht erwartet.
Wer ist die Regisseurin?
Mit Céline Sciamma sind es insgesamt drei französische Regisseurinnen, die ins Rennen um die Goldene Palme gehen. Die 40-jährige, in Paris geborene Sciamma ist die erfahrenste im Trio: Ihr Debüt "Naissance des pieuvres" wurde bereits vor zwölf Jahren in Cannes gezeigt, es folgten weitere Premieren an der Französischen Riviera. Nach drei zeitgenössischen Filmen zeigt die studierte Drehbuchautorin und Filmregisseurin nun ihren ersten Kostümfilm, der im 18. Jahrhundert spielt.
Worum gehts in ihrem Film?
Der Film von Sciamma "Portrait de la jeune fille en feu" dreht sich rund um die Leben eines Frauen-Quartetts: So wird Marianne, eine der ersten eigenständigen Malerinnen, von ihrer Auftraggeberin auf eine Insel berufen, um ihre Tochter für das Hochzeitsportrait zu malen – ohne dass diese es merken sollte. Die Hausangestellte Sophie, die im selben Haushalt arbeitet, erwartet ein ungewolltes Kind. Die Tochter und Marianne helfen ihr, die Schwangerschaft abzubrechen. Und plötzlich entfacht eine Begierde zwischen der Malerin und ihrem Sujet.