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Herzerkrankungen, Teil 2: erworbene Herzkrankheiten
Kardiomyopathien
Unter den Myokarderkrankungen dominiert 1. die hypertrophe Kardiomyopathie, gefolgt von 2. der restriktiven Kardiomyopathie. Weiter zu erwähnen sind 3. die dilatative Kardiomyopathie und 4. die arrhythmogene Kardiomyopathie. Sie werden nachfolgend genauer beschrieben.
1. Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM)
HCM bedeutet, dass eine Verdickung (Hypertrophie) der Herzwände das Hauptmerkmal der Erkrankung darstellt. Meist betrifft die Hypertrophie ausschliesslich das linke Herz und die Herzscheidewand (Septum). Eine spezielle Form ist die so genannte obstruktive Form der HCM. Dabei führt eine ausgeprägte Verdickung der Herzscheidewand zu einer Verengung des Ausflusstraktes aus dem linken Herzen. Dies kompliziert die ganze Sache weiter, da diese Verengung eine vermehrte Druckarbeit des linken Herzens zur Folge hat, ähnlich einer angeborenen Aortenklappenstenose. Wie im letzten Artikel erwähnt, führt eine vermehrte Druckbelastung zu einer Herzmuskelverdickung. Wenn also eine primäre Herzmuskelverdickung bei einer HCM dazu führt, dass das Blut nicht ungehindert vom Herzen wegfliessen kann, verschlimmert sich die Herzmuskelverdickung - es entwickelt sich ein Teufelskreis.
2. Die restriktive Kardiomyopathie (RCM)
Die so genannt restriktive Kardiomyopathie ist von zweitgrösster Bedeutung. Dabei bedeutet restriktiv, dass der Herzmuskel nicht normal erschlaffen kann. Dies führt zu einer gestörten Füllung der Herzkammern, was wiederum in einem Blutstau in den Vorhöfen und später in der Lunge resultiert.
3. Die dilatative Kardiomyopathie (DCM)
Von untergeordneter Bedeutung ist heutzutage die dilatative Kardiomyopathie. Seit herausgefunden wurde, dass bei den meisten betroffenen Katzen ein Taurinmangel die Ursache war und alle Katzenfutter mit Taurin angereichert werden, ist diese Krankheit praktisch verschwunden.
4. Die arrhythmogene Kardiomyopathie
Die arrhythmogene Kardiomyopathie wird äusserst selten diagnostiziert. Abgesehen davon, dass sie selten auftritt, dürfte die seltene Diagnosestellung auch damit zusammenhängen, dass die Krankheit erst wenig bekannt ist. Ein weiterer Grund dafür dürfte sein, dass betroffene Katzen völlig normal erscheinen, bis sie aus heiterem Himmel ohne ersichtlichen äusseren Einfluss plötzlich tot umfallen. Die Krankheit wird also beim lebenden Tier gar nicht bemerkt. Trotz ihrer Seltenheit sollte sie dennoch unbedingt zur Kenntnis genommen werden, damit bei unerklärlichen Todesfällen - insbesondere bei einer Zuchtkatze - nicht einfach eine HCM diagnostiziert wird. Grundsätzlich ist es mein Rat, bei Zuchtkatzen mit vermutetem plötzlichem Herztod eine Autopsie zu veranlassen, damit abgeklärt werden kann, ob tatsächlich eine Herzerkrankung vorlag. Achtung: Nicht jeder plötzliche Todesfall ist die Folge einer Herzerkrankung!
Weil die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) bei der Katze weitaus am häufigsten auftritt und von zentraler Bedeutung ist, werden sich die weiteren Ausführungen auf die HCM fokussieren.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 6 / 2003
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35
Autor:
Tony Glaus
Leiter Abteilung für Kardiologie
Tierspital Universität Zürich