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Barrot
(spr. -roh), Camille Hyacinthe Odilon, franz. Staatsmann, geb. zu Villefort, war vor 1830 Advokat am Pariser Kassationshofe, seit 1827 Mitglied, später Präsident des einflußreichen Vereins Aide-toi et le ciel t'aidera (s. d.). In der Julirevolution von 1830 nahm er lebhaften Anteil an den Beratungen der Volkspartei, stimmte jedoch ausschließlich für den gesetzlichen Widerstand und wirkte mit allen Kräften für die Einsetzung der Orléans. [* 2]
Ludwig Philipp übertrug ihm das Amt des Seinepräfekten, das er niederlegte. Nun beschränkte sich seine polit. Wirksamkeit auf die Ausübung seines Kammermandats. Nacheinander Deputierter von Paris [* 3] und den Depart. Eure, Niederrhein und Aisne, beteiligte er sich als Oberhaupt der sog. «dynastischen» Opposition an allen großen parlamentarischen Verhandlungen, stürzte 1839 das Ministerium Molé und griff schonungslos die Korruptionswirtschaft der Regierung während der vierziger Jahre an. Da sein Plan einer Wahlreform weder bei dem Ministerium noch in der Kammer Anklang fand, entschloß er sich, ihn vors Volk zu bringen, und wurde 1847 der Leiter der Reformbankette (s. d.). Diese führten schließlich, ganz gegen die Absicht B.s, zur Revolution, die ihn selbst von dem am errungenen Ministerpräsidium entfernte.
Nach der Errichtung der Republik setzte
Barrot seine parlamentarische Thätigkeit fort.
In dem ersten Ministerium
Ludwig Napoleons
wurde er Präsident und Minister der Justiz, beschränkte die Preßfreiheit und das Vereinsrecht
und unterdrückte die Klubs. Napoleon III., dem er so ganz absichtslos die Wege ebnete, benutzte ihn, bis er seiner entraten
zu können glaubte und ihm der ehrenwerte Charakter des doktrinären Politikers unbequem wurde. Am nahm
Barrot notgedrungen
seine Entlassung. Der
Staatsstreich vom vernichtete auch seine letzten Hoffnungen. Seitdem lebte
er zurückgezogen, bis er bei der durch die Nationalversammlung erfolgten
Wahl eines neuen
Staatsrats zum Mitglied
und durch Dekret vom 27. Juli zu dessen Vicepräsidenten ernannt wurde.
Barrot starb zu
Bougival
Außer kleinern polit.
Schriften veröffentlichte er:
«De la décentralisation et de ses effets» (Par. 1861; neue Aufl.
1870) und
«De l'organisation judiciaire en
France» (ebd. 1872). Nach seinem
Tode erschienen «Mémoires posthumes» (4 Bde.,
Par. 1875 - 77). - Sein
Bruder Victorin Ferdinand
Barrot, geb. zu
Paris, wurde
Advokat und 1842 Abgeordneter.
Als
Ludwig Napoleon zum Präsidenten der Republik erwählt war, wandte er sich diesem zu und wurde rasch nacheinander Generalsekretär
des Präsidenten, Minister des Innern, Gesandter in
Turin,
[* 4]
Staatsrat, im März 1853 Senator des Kaiserreichs und 1854 Mitglied
der
Kommission für
öffentliche
Arbeiten,
Ackerbau und
Gewerbe. Seit Dez. 1877 war
Barrot lebenslängliches
Mitglied des Senats, wo er der Gruppe der
Bonapartisten angehörte. Er starb in
Paris.