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Der alpine Ferienort Les Diablerets hat unter dem Namen "Isenau" eine lokale Währung lanciert, um ein bedrohtes Skigebiet zu retten und die Zukunft des Dorfes zu sichern. Solch komplementäre Währungen sind an verschiedenen Orten in der Schweiz aufgetaucht. Sie dienen dazu, die notwendigen Geldmittel zu beschaffen und sollen die Leute zum lokalen Denken und Einkaufen motivieren.
"Das geht auf meine Rechnung", sagt Jean-Marie Schlaubitz, ein Mitglied der Stiftung zur Verteidigung der Interessen des Gebiets Isenauexterner Link, als er die Hand ausstreckt, um für meinen Kaffee zu zahlen.
Eine grosse goldgraue Münze, geprägt mit dem Bild einer Gondelsesselbahn, glänzt in seiner Hand. Auf der anderen Seite der Münze sieht man das Symbol von Les Diablerets, eine mythische Fee namens Diaboltin, die Flöte spielt.
Seit dem 1. Dezember 2016 wurden 50'000 "Isenau"-Münzen in Umlauf gebracht – jede im Wert von 10 Franken – die in der lokalen Wirtschaft neben der offiziellen Schweizer Währung zirkulieren. Die Stiftung lancierte diese Währung, um die Finanzierung zur Erneuerung der vierplätzigen Gondelbahn zu unterstützen, die zum Skigebiet Isenau oberhalb des Dorfes führt.
Die heutige Bahn stammt aus dem Jahr 1953 und ist in die Jahre gekommen. Die Stiftung will auch ein breiteres Bewusstsein für die Zukunft des Gebiets Isenau schaffen. Es liegt auf einem Plateau am sonnenexponierten Südhang. Im Winter ist es bei Anfängern und Familien, im Sommer bei Wanderern und Mountain-Bikern sehr beliebt.
Währung zirkuliert zu wenig
Einwohner und Touristen des Ferienorts können diesen unterstützen, indem sie für lokale Produkte und öffentliche Dienstleistungen mit der Isenau-Währung bezahlen.
Lucien Morerod steht hinter einem Stapel von Ziegenkäse und Greyerzer. Der Betreiber des Käseladens Laiterie du Petit Diable gehört zu den Bekehrten.
"Es funktioniert wirklich gut. Kauft eine Person Käse für zehn Schweizer Franken und bezahlt mit einer 20-Franken-Note, fragen wir, ob sie eine 10-Franken-Note oder einen "Isenau" als Rückgeld möchte", erklärt er. "Das einzige Problem ist, das viele Leute noch dazu tendieren, die "Isenau"-Münzen in der Tasche zu behalten und nicht weiter in Umlauf zu bringen. In Restaurants geht es etwas besser. Die Währung muss noch stärker zirkulieren."
Gebiet mit ganzjährigem Betrieb
Die Bevölkerung des kleinen Ferienorts wächst im Winter aufgrund der vielen Touristen aus der Schweiz, Grossbritannien, Frankreich und Skandinavien von 1400 auf 10'000 an. Der Ersatz der markanten Gondelbahn ist für das Dorf zu einer hoch symbolischen, emotionalen Schlacht geworden.
Schlaubitz erklärt, dass die Sicherung der Zukunft Isenaus dazu beitragen soll, auch die Zukunft des Dorfes zu sichern. Mit 50 direkten und indirekten Stellen leiste der Betrieb der Gondelbahn einen enormen sozio-ökonomischen Beitrag. 80 Prozent der Einnahmen aus den Skischulen sowie Einkommen für Hotels in Les Diablerets würden damit generiert. "Es ist unser einziges Gebiet, das in allen vier Saisons Betrieb hat, und sie wollten es einstellen", fügt er hinzu.
Rettung nicht ohne Bedingungen
Der Kampf zur Rettung von Isenau begann vor sechs Jahren. Damals hatte die Waadtländer Regierung ein Moratorium für die öffentliche Finanzierung von Skitourismus-Projekten verfügt. 2011 wurde dann vorgeschlagen, die Isenau auszurangieren, vor allem aus finanziellen Gründen. Doch die Lokalbevölkerung wehrte sich, bis die Erneuerung der Isenau-Gondelbahn 2013 in den kantonalen Entwicklungsplan für die Waadtländer Alpen aufgenommen wurde.
Die Rettung der Gondelbahn und des Isenau-Gebiets ist allerdings an Bedingungen geknüpft: Die Tourismusbüros von Les Diablerets und dem benachbarten Villars sowie die Skiliftunternehmen der zwei Orte müssen sich zusammenschliessen, und die lokale Bevölkerung muss für die neue Bahn auch in die eigenen Taschen greifen.
Die Stiftung hofft, dass mit dem Konzept der "Isenau"-Währung, das bis Ende April dauern soll, 250'000 Franken aufgebracht werden können. Mit dem Geld soll ein kommunales Darlehen zurückerstattet werden, das Teil der vier Millionen Franken ist, welche die Stiftung mit der Hilfe von privaten Spendern zusammenbringen möchte. Die Betreibergesellschaft der Seilbahn muss für die restlichen 9,5 Millionen Franken aufkommen.
Die Kampagne zur Rettung von Isenau sei mit enormen Anstrengungen verbunden, erklärt Schlaubitz weiter. Eine bemerkenswerte Auswirkung des Währungs-Konzepts sei die elektrisierende Wirkung auf die lokale Bevölkerung und die Ferienhausbesitzer, egal ob jung oder alt.
"Die Währung hat Leute, die eng mit dem Projekt verbunden waren und junge Leute aus dem Ort, die zuvor nur am Rande involviert waren, zusammen gebracht. Aktive junge Erwachsene haben realisiert, dass sie Energie investieren müssen, um ihre Zukunft zu retten; sie besuchen ausserhalb ihrer Arbeit Geschäfte und fassen nach, um das Interesse für das Projekt weiter zu schüren", sagt Schlaubitz.
Warten auf grünes Licht
Doch noch ist nicht alles gelaufen. Die Kapitalbeschaffung scheint auf der Zielgeraden zu sein, die Waadtländer Regierung und das kantonale Parlament müssen aber auch noch definitiv grünes Licht geben. Und in der Lokalbevölkerung gibt es Sorgen, dass ein separates Skilift-Projekt in Les Diablerets, das für die Olympischen Jugendspiele Lausanne 2020 vorgeschlagen wurde, das Isenau-Projekt in letzter Minute noch zum Scheitern bringen könnte.
"Wenn wir Isenau verlieren, ist das eine Katastrophe", erklärt Schlaubitz. "Das dürfen wir nicht zulassen. In einem Dorf, das sich entscheidet, seine Skipisten abzuschaffen, darf man sich realistischerweise nicht mehr vorstellen, dass ein Anleger hier investieren würde. Es wäre das schlechteste Signal, dass man senden könnte."
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)