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Laut einer aktuellen Umfrage der Wohltätigkeitsorganisation Oxfam Australia haben Verbraucher:innen kein Vertrauen in die Behauptungen australischer Modemarken in Bezug auf die Behandlung von Bekleidungsarbeiter:innen in ihren Lieferketten in Übersee. Dies überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass die Branche einerseits schwindelerregende Gewinne in Höhe von zwei Milliarden Dollar erwartet und andererseits Bekleidungsarbeiter:innen in Bangladesch für einen existenzsichernden Lohn kämpfen müssen.
Die Umfrage ergab, dass mehr als 80 Prozent der australischen Konsument:innen der Meinung sind, dass Modeunternehmen transparenter machen sollten, wie viel sie zahlen und wie sie die Arbeiter:innen entlang ihrer Lieferkette behandeln.
Fast drei Viertel (71 Prozent) der australischen Verbraucher:innen sind der Meinung, dass Bekleidungsmarken in Australien übertreiben oder sie (absichtlich oder unabsichtlich) in die Irre führen, wenn es darum geht, wie die Bekleidungsarbeiter:innen in ihrer Lieferkette in Übersee behandelt werden.
Verbraucher:innen sind bereit, für Existenzlöhne mehr zu zahlen
Gut drei Viertel von ihnen (76 %) gaben an, dass sie bereit wären, mehr für Kleidung zu bezahlen, wenn sie wüssten, dass das Geld in die Bezahlung existenzsichernder Löhne für die Bekleidungsarbeiter:innen fließen würde.
Im Durchschnitt sind australische Verbraucher:innen der Meinung, dass 17 Prozent der Kosten für ein typisches Kleidungsstück als Teil des Lohns an die Bekleidungsarbeiter:innen gehen sollten, die das Kleidungsstück herstellen, wobei in der Erklärung nicht näher erläutert wird, wie sie zu dieser Zahl gekommen sind. Frühere Untersuchungen haben ergeben, dass im Durchschnitt nur 4 Prozent der Kosten für ein Kleidungsstück an die Arbeiter:innen weitergegeben werden.
Da Verbraucher:innen weltweit mit ihren Weihnachtseinkäufen begonnen haben, hat Oxfam Australia eine eigene Wunschliste erstellt, in der Marken aufgefordert werden, ihre Anstrengungen zu verstärken, wenn es darum geht, existenzsichernde Löhne zu gewährleisten.
Was Marken tun können
Drei Maßnahmen sind für alle Marken von zentraler Bedeutung: Mehr Transparenz durch die Veröffentlichung von Fabriklisten (Oxfam fordert hier insbesondere The Just Group, Modibodi und Zara auf), eine glaubwürdige Verpflichtung zur Zahlung eines existenzsichernden Lohns (Jeans West) und verbesserte Einkaufspraktiken (Best & Less, Jeans West und Uniqlo).
„Diese Umfrage belegt, was wir schon lange wissen: ethische Erwägungen spielen bei den Kaufentscheidungen der Verbraucher:innen eine immer wichtigere Rolle. Deshalb ist es nicht nur im Interesse der Arbeitnehmer:innen, sondern auch im Interesse der Unternehmen, jetzt zu handeln“, kommentiert Oxfam Australia-Geschäftsführerin Lyn Morgain in einer Erklärung.
„Letztlich haben Marken die Macht und die Verantwortung, den Arbeiter:innen, die ihre Kleidung herstellen, ein besseres Leben zu ermöglichen - unter anderem durch die Zahlung eines existenzsichernden Lohns -, doch das gelingt ihnen immer noch nicht. Oxfams Forderung nach Transparenz und dringenden Maßnahmen spiegelt die Gefühle besorgter Verbraucher:innen wider, die die Arbeitenden in der Bekleidungsindustrie in ihren Bemühungen unterstützen wollen, sich aus dem Kreislauf der Armut zu befreien. Wir sind uns in unseren Forderungen einig und stellen uns eine Zukunft vor, in der Mode fair ist“, fügt Morgain hinzu.
Anfang des Monats hatte die Regierung Bangladeschs einen neuen Mindestlohn für Bekleidungsarbeiter:innen bekannt gegeben, der ab Dezember 2023 12.500 Taka (rund 114 US-Dollar) statt der bisherigen 8.000 Taka (68 US-Dollar) beträgt. Trotz dieses Anstiegs um 56 Prozent bleibt Bangladesch das Schlusslicht, wenn es um die Mindestlöhne geht, die in bekleidungsherstellenden Ländern wie Kambodscha, China, Indien und Vietnam gezahlt werden.
Bekleidungsarbeiterinnen in Bangladesch hatten daher 23.000 Taka (209 US-Dollar) gefordert, um über die Runden zu kommen und ihre Mindestkosten für Nahrungsmittel, Miete, Schulgebühren und Medikamente zu decken.