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Gebärmutterhalskrebs: HPV-Impfung am Pranger
Die Impfung soll vor Krebs schützen. Jetzt leidet eine junge Frau unter schweren Nebenwirkungen – und hat den Hersteller angezeigt.
In Frankreich hat eine junge Frau den Hersteller einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs und die Behörden angezeigt. Gutachten machen für ihre gesundheitlichen Probleme die Impfung mitverantwortlich.
Der Hausarzt hatte Marie-Océane Bourguignon vor vier Jahren geraten, sich gegen Gebärmutterhalskrebs impfen zu lassen. Danach spürte die damals 15-Jährige Kribbeln in Armen und Beinen und hatte manchmal kein Gefühl mehr in den Beinen. Sie bekam Schwindel- und Brech-Anfälle und verlor zeitweise die Sehkraft.
Im Krankenhaus stellten die Ärzte eine Entzündung des zentralen Nervensystems, eventuell multiple Sklerose, und einen möglichen Zusammenhang mit der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs fest. Der Gesundheitszustand der jungen Frau stabilisierte sich erst nach zwei Jahren. Bis heute leidet sie unter gesundheitlichen Beschwerden, berichtet die Regionalzeitung «Sud Ouest».
Gutachten stellen Zusammenhang fest
Aufgrund zweier Gutachten hat die Schlichtungs- und Entschädigungskommission für medizinische Unfälle der Region Aquitaine einen «Kausalzusammenhang» zwischen Gardasil, einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, und der entzündlichen Reaktion des Nervensystems von Marie-Océane Bourguignon festgestellt. Die Kommission sprach der jungen Französin eine Entschädigungszahlung zu, wenn auch in reduzierter Höhe. Es müsse berücksichtigt werden, dass ihr Zustand vor der Impfung unbekannt sei. Möglich sei eine genetische Empfindlichkeit.
Hersteller bestreitet Zusammenhang
Der Gardasil-Hersteller Sanofi Pasteur MSD will jedoch gar keine Entschädigung zahlen. Wissenschaftlich sei bisher kein Zusammenhang zwischen der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs und den Beschwerden der jungen Frau nachgewiesen worden. Der Entscheid der Schlichtungsund Entschädigungskommission basiere nicht auf wissenschaftlichen Beweisen, sondern bloss darauf, dass die Impfung und die Beschwerden zeitlich zusammengefallen sind.
Aufsichtsbehörden mit am Pranger
Letzten Herbst hat Marie-Océane Bourguignon aufgrund der beiden Gutachten Klage eingereicht gegen den Gardasil-Hersteller Sanofi Pasteur MSD und gegen die französischen Gesundheitsbehörden. Der Nationalen Agentur für Sicherheit von Medikamenten und Gesundheitsprodukten wirft die Klägerin vor, die Risiken von Gardasil aufgrund wiederholter Warnungen gekannt zu haben. Trotzdem werde die Impfung jungen Frauen weiter empfohlen und die Kosten erstattet.
Mit der Klage will die heute 19-Jährige die Öffentlichkeit auf die Risiken der Impfung aufmerksam machen. «Meine Mutter und ich haben uns die Frage nach den Nebenwirkungen oder irgendeiner Gefahr nie gestellt.» Ende des letzten Jahres haben in Frankreich neun weitere Frauen Klagen eingereicht. Camille Kouchner, eine Anwältin der Klägerinnen, hat weitere Klagen angekündigt. Sie spricht von einem «Arzneimittelskandal».
Wirksamkeit und Risiken sind unbekannt
Gardasil ist 2006 als erste Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs zugelassen worden. Mittlerweile empfehlen Gesundheitsbehörden weltweit, junge Mädchen zu impfen. Die Wirksamkeit und die langfristigen gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen sind jedoch bis heute weitgehend unbekannt.
In Japan hat die Regierung letztes Jahr die Empfehlung, junge Mädchen gegen Gebärmutterhalskrebs zu impfen, ausgesetzt. Das Gesundheitsministerium will Berichte von schweren Nebenwirkungen überprüfen, bevor es erneut entscheidet.
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine
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