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Über Religion reden: Theologische und rhetorische Beobachtungen zu Schleiermachers Erneuerung der Theologie
Donnerstag, 12.03.2020
Im Jahr 1799 erschien in Berlin zunächst anonym ein Buch «Über die Religion» mit dem Untertitel «Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern», als dessen Verfasser der 30jährige Theologe Friedrich Schleiermacher (1768–1834) rasch ausgemacht war, der seinerzeit zum engsten Kreis der Romantiker um Friedrich Schlegel gehörte. Mehr als sein Verfasser erhoffen konnte, trafen die Reden, die im Stil der Philosophie und nicht der Theologie von der Religion sprachen, ein Bedürfnis der Zeit nach religiöser Erneuerung. Um jene werbend, welche das Aufklärungsdenken durch tiefere Einsichten zu überwinden trachteten, betonte Schleiermacher, dass die Religion letztlich weder ihre Funktion in der Aufrechterhaltung von Ordnung und Sitte habe, noch etwa Vorstellungen von Gott und Unsterblichkeit oder des biblischen Textes bedürfe: «Ihr Wesen ist weder Denken noch Handeln, sondern Anschauung und Gefühl. Anschauen will sie das Universum, in seinen eigenen Darstellungen und Handlungen will sie es andächtig belauschen, von seinen unmittelbaren Einflüssen will sie sich in kindlicher Paßivität ergreifen und erfüllen lassen.» Aus dem Geist der Romantik und der aufklärerischen Wende zur Anthropologie geboren, wurden die Ideen der Reden zum Ausgangspunkt einer das ganze 19. Jahrhundert bestimmenden neuen Theologie, deren Grundzüge noch heute zu faszinieren vermögen, die aber zugleich heftigen Widerspruch (etwa durch den Theologen Karl Barth) hervorgerufen haben. Im ganzen deutschen Sprachraum wurden die Reden gelesen und rezipiert. Schweizer Theologen wie Wilhelm M. L. de Wette, Julius Schweizer u.a. liessen sich von Schleiermacher ebenso begeistern wie der erst 19jährige Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf). Die Idee einer «Religion ohne Gott» musste zudem gerade für Literaten und Künstler interessant sein, welche Religion zur Darstellung bringen und nicht vor ihren Rezipientinnen verhandeln wollten (z. B. für den Maler Caspar David Friedrich). Im Seminar sollen die fünf Reden von Schleiermacher in ihren theologischen, philosophischen und rhetorischen Dimensionen gemeinsam erarbeitet werden. In kursorischen Lektüren literarischer Werke (Jeremias Gotthelf, Adalbert Stifter) soll die Frage gestellt werden, inwiefern diese Autoren und Texte am gleichen Diskurs über Religion teilhaben, auf diesen bezogen sind und vergleichbare Antworten finden. Der Text der „Reden“ ist über die UB online verfügbar. Folgende Textausgaben eignen sich für den Seminarbesuch: 1. Friedrich Schleiermacher: Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799). Hg. von Günter Meckenstock. Berlin u. New York 2001 [Taschenbuchauszug aus der Kritische Gesamtausgabe.] 2. Friedrich Schleiermacher: Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern. 1799, 1806, 1821. Studienausgabe. Hg. von Niklaus Peter et al.. Zürich 2012 [synoptische Ausgabe aller drei Fassungen.] Literatur (Auswahl): 1. Rüdiger Safranski, Romantik. Eine deutsche Affäre, München 2007. 2. Kurt Nowak, Schleiermacher. Leben, Werk und Wirkung, Göttingen 2001. 3. Karl Barth: Die protestantische Theologe im 19. Jahrhundert. Ihre Vorgeschichte und ihre Geschichte, Zürich 1949. 4. Karl Barth: Die Theologie Schleiermachers. Vorlesung Göttingen Wintersemester 1923/24. Hg. von Dietrich Ritschl. Zürich 1978. Weitere Literatur und die literarischen Texte werden auf ILIAS bereit gestellt.
|Dozierende(r):||Prof. Dr. David Plüss, Prof. Dr. Martin Sallmann, PD Dr. Christian von Zimmermann|
|12.03.2020:||08:15 - 10:00|
|Ort:||
Seminarraum F 006|
Unitobler
Lerchenweg 32-36
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