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Karl Frey wird bald 100jährig. Der charmante und bescheidene Mann aus Olten widmet täglich eine Stunde seinen Analysen zu Wetter und Klima. Dafür wurde er mit verschiedenen Preisen geehrt.
Der Forschervirus packte ihn in der 3. Klasse. Auf dem Schulweg notierte er täglich die Wassertemperatur der Badi Olten in seinen Pestalozzikalender. Ein Jahr später begann er mit Aufzeichnungen zur Lufttemperatur. Diese Beobachtungen notiert er bis heute, jeden Tag, eine Aufzeichnung ohne Lücken.
Seine Passion wurde zum Beruf. Erfahrungen im zweiten Weltkrieg als Angehöriger des Wetterdienstes der Armee gipfelten im Entscheid, an der Universität Basel im Hauptfach Meteorologie zu studieren.
Der Klimawandel beschäftigt ihn. „Ich bin mit den internationalen Klimakonferenzen weitgehend einverstanden. Doch ich bemängle, dass man die Bevölkerung nicht darüber informiert, dass die 2 Grad Erwärmung in den letzten 150 Jahren bei uns bereits erreicht sind“. Er verweist auf die statistisch bereinigten Temperaturreihen von Olten, Basel, Bern und Genf.
Karl Frey mag Schnee, Kälte und Eis. Für ihn läuft der Temperaturanstieg seit 1990 aus dem Ruder. Viele der Gletscher, die er fotografierte, sind heute verschwunden. Unvermittelt fragt er nach meinem Geburtsdatum. Er zückt das Heft von 1957 und erläutert mir die spezielle Wetterlage des Tages meiner Geburt. Auf seinem Nachttisch liegen immer einige dieser Hefte, in denen er in die Vergangenheit schweift.
„In meinem Alter kann ich natürlich sagen, dass ich die Folgen des Klimawandels nicht mehr erleben werde. Wenn ich aber an mein Urgrosskind denke, gibt mir die Tendenz zur Verharmlosung des Klimawandels in Politik und Wirtschaft zu denken.“