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Synthesizer
Synthesizer sind Musikinstrumente zur Erzeugung elektronischer Musik.
Geschichte
Synthesizer haben einige Vorläufer, in erster Linie Theremin, Ondes Martenot und Trautonium. Die Erzeugung von elektronischer Musik in ihrer ganzen Bandbreite des Möglichen war aber bis in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts ein Privileg von teuer ausgestatteten und oft abgeschotteten Studios. Ein solches Studio (wie zum Beispiel das des WDR in Köln oder auch das kleinere Studio bei Radio Genf) war mit Tongeneratoren, Filtern, Ringmodulatoren und Aufnahmemaschinen ausgerüstet, die nur von Technikern zusammengeschaltet und bedient werden konnten.
Vor allem in den USA machten sich junge Erfinder und Musiker daran, eine vereinfachte und billigere Technik zu entwickeln, die einen spielerischeren Umgang mit elektronischer Musik ermöglichte. Unabhängig voneinander waren dies in erster Linie Don Buchla und Robert Moog. Sie bauten Geräte, in denen die wichtigsten Teile des Studios als Module eingebaut waren und miteinander einfach verkabelt werden konnten. Mit der Anwendung der Technik der Spannungssteuerung wurden diese Module auf eine einfache Art gesteuert. Moog war der erste, der um 1964 ein kommerziell hergestelltes Gerät baute, das unter dem Namen Synthesizer vermarktet wurde.
Ein üblicher Synthesizer, wie er damals angeboten wurde (und wenig später in vereinfachter und billigerer Form als Mini-Moog erhältlich war) bestand im Prinzip aus zwei Tongeneratoren, einem Tieftongenerator (zur Erzeugung von Vibratoeffekten), einem variablen Tiefpass-Filter, einem Lautstärkemodulator sowie einer Tastatur mit einem zusätzlichen Drehrad, das kontinuierliche Steuerungen zum Beispiel der Tonhöhe erlaubte.
Die ersten damit hergestellten Schallplatten wie etwa Switched-on Bach von Walter Carlos hatten ungeheuren Erfolg. Pop- und Jazzmusiker folgten. Bald erschienen Konkurrenten auf dem neuen Markt, in erster Linie ARP (Alan R. Pearlman) und EMS (Electronic Music Studios London, Peter Zinovieff), später japanische Hersteller (zuerst Korg und Yamaha).
Die Palette der Bauteile wurde erweitert durch den Rauschgenerator, den Ringmodulator (eine Anordnung zur Erzeugung von Klangeffekten), Sequencer (Vorprogrammierung von Tonfolgen), Hallgerät und zusätzliche Steuerelemente (Joystick, Band). Lange fehlte eine Möglichkeit, erarbeitete Konfigurationen zu speichern und einfach wieder abzurufen.
Die Digitalisierung – zuerst der Tastatur und der Festlegung von Preset-Konfigurationen, später der Tonerzeugung – begann in den früher Achtzigerjahren. Gleichzeitig wurde ein digitales Steuerungsprotokoll erarbeitet: MIDI (Musical instrument digital interface), das die Verbindung verschiedener Synthesizer enorm vereinfachte. Teilweise digitale Synthesizer von Oberheim und Sequential Circuits oder voll digitale Geräte wie der Yamaha DX-7 verdrängten die analogen Modelle. Der Synthesizer, zuerst ein Exot auf der Bühne, wurde zum selbstverständlichen Bestandteil der Bands und zu einem immer wichtigeren Werkzeug der Filmkomposition.
Schweizer Filmmusik
Vermutlich der erste Besitzer eines Synthesizers in der Schweiz war Patrick Moraz, der um 1968 einen Moog-Synthesizer kaufte (Einsatz im Film unbekannt). Das Conservatoire de Genève kaufte um 1970 einen Moog, der auch im Radiostudio verwendet wurde. 1970 erwarb Bruno Spoerri einen EMS VCS-3, 1971 einen EMS Synthi-100 (erste Filmmusikanwendungen bei La Maggia 1970, Die Nägel und Harfe und Sirte 1971 sowie in TV-Spots). Zu den Schweizer Pionieren gehörte auch Jacques Guyonnet. Seit den 1970er-Jahren war der Synthesizer in der Filmmusik sehr verbreitet, wie etwa bei Jonas C. Haefeli. Florian Eidenbenz nutzte den Synthesizer für das Sound design. (Autor: Bruno Spoerri)
Literatur
- Laudadio, Nicholas: «The Synthesizer — The Electronic Musical Instrument in Film Song and Sound», in: Graeme Harper, Ruth Doughty, Jochen Eisentraut (Hg.), Sound and Music in Film and Visual Media: A Critical Overview, S. 114–128, New York: Continuum 2009. ISBN 978-0826458247
- Pinch, Trevor, Frank Trocco: Analog Days. The Invention and Impact of the Moog Synthesizer, Cambridge (MA): Harvard Univ. Press 2002. ISBN 0-674-01617-3