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Es begann mit Schneehöhenrekorden an mehr als der Hälfte der Messstationen in hohen Lagen. Dann beschleunigten gewittrige Starkniederschläge in der ersten Junihälfte und eine extreme Hitzewelle in der zweiten Junihälfte die ohnehin schon starke Schneeschmelze. Die Schneehöhen nahmen diesen Juni ausserordentlich schnell ab. Dennoch lag Ende Juni in der Höhe immer noch etwas mehr Schnee als normal um diese Jahreszeit. Dies besonders am nördlichen Alpenkamm und in Nordbünden. Im Wallis und im Süden hingegen waren die Gletscher stellenweise schon blank. Die Lawinengefahr ging häufig von Nassschnee und um Pfingsten zeitweise auch von Neuschnee im Hochgebirge aus.
Der Juni war zu Beginn sehr sonnig und die Nullgradgrenze stieg von 3300 m auf 4300 m an. Bis zum Sonntag, 02.06. blieb es trocken. Vom Montag, 03.06. bis zum Mittwoch, 05.06. Juni zogen vermehrt Quellwolken auf und im Tagesverlauf gab es einzelne Schauer und Gewitter. Dies vor allem im westlichsten Unterwallis, in den Voralpen und im Süden. Die Schneefallgrenze lag bei 3000 m. Der Wind wehte schwach bis mässig aus Nord bis West.
Da in der Höhe noch sehr viel Schnee lag konnten nasse Lawinen gefährlich gross werden (Abbildung 2). Der Gotthardpass (UR) wurde am 02.06., der Grand St. Bernard (VS) am 04.06. Juni wegen Lawinenniedergängen vorübergehend gesperrt. Andere hochgelegene Passstrassen (z.B. Susten, Flüela) blieben auch über den Junianfang noch gesperrt. Teils wurden Weiden und Wiesen erneut verschüttet, bei denen das Lawinenholz und die Steine der Winterlawinen schon geräumt waren.
Am Donnerstag, 06.06. war es im Tagesverlauf zunehmend bewölkt und im Nordwesten und Süden kam schwacher Niederschlag auf. Am Freitag und Samstag, 07./08.06. war es dann vor allem am zentralen Alpenhauptkamm und im Tessin bewölkt, aber noch weitgehend trocken. Sonst war es meist sonnig. Die Nullgradgrenze lag auf rund 3400 m. Im Hochgebirge herrschten verbreitet gute Tourenbedingungen (Abbildung 3).
Am Pfingstsonntag und -montag, 09./10.06. gab es nur in den nördlichen Föhngebieten noch ein paar Aufhellungen. Sonst war es bewölkt mit teils kräftigen Schauern, vor allem am Oberwalliser Alpenhauptkamm, im Gotthardgebiet und im Tessin. Die Schneefallgrenze lag meist bei 3200 m und sank kurzzeitig auf rund 2800 m. Der Südwind blies mässig bis stark, in der Höhe und in den typischen Föhngebieten zeitweise auch stürmisch. In der stark ausgeprägten südlichen Höhenströmung griffen die Niederschläge vermehrt auf den Norden über. Sie waren zeitweise gewittrig durchsetzt und sehr intensiv. Dies besonders in Nacht auf Dienstag, 11.06. im Westen und bis ins im westlichen Tessin und in der Nacht auf Mittwoch, 12.06. dann vom östlichen Tessin über das Misox und Rheinwald bis ins Berninagebiet. Insgesamt fielen von Pfingstsonntag bis Mittwoch am Alpenhauptkamm vom Simplongebiet bis ins Bergell und südlich davon (ohne Sottoceneri) sowie im Gotthardgebiet 100 bis 150 mm Niederschlag. Unmittelbar nördlich angrenzend fielen 60 bis 80 mm, sonst verbreitet 30 bis 60 mm, im Unterengadin 20 mm (Abbildung 4). Der Niederschlag fiel nur oberhalb von 3300 bis 3500 m in vollem Umfang als Schnee.
Mit den intensiven Niederschlägen war unterhalb von 3200 m die Gefahr von nassen Lawinen, im Hochgebirge die Gefahr von trockenen Lawinen erhöht. Am 7. und 10. Juni erschien jeweils ein Lawinenbulletin. Es wurden einzelne Lawinenabgänge gemeldet (vgl. Bildstrecke). Mit dem Regen schmolz die Schneedecke in mittleren und hohen Lagen intensiv. Der erhöhte Abfluss aus der Schneedecke führte zusammen mit dem Niederschlag verbreitet zu Hochwasser und zu lokalen Überschwemmungen. Einige Alpenflüsse erreichten kritische Pegelstände, im St. Galler Rheintal trat der Rhein über die Ufer. Auch kleinere Gebirgsbäche wurden kurzzeitig zu reissenden Strömen und traten lokal über die Ufer (vgl. Bildstrecke).
In der dritten Juniwoche prägte der Tagesgang das Wettergeschehen. Es war es oft sonnig mit Quellwolken, Schauern und Gewittern im Tagesverlauf. Kräftigere Gewitter entluden sich in dieser Periode vor allem im Westen, in den Voralpen und im Jura. Die Nullgradgrenze lag um 4000 m, sodass nur in den höchsten Gipfelregionen der Schweizer Alpen lokal etwas Schnee fiel. Die Gefahr von trockenen Lawinen nahm rasch ab. Nasse Lawinen waren weiterhin bis ins Hochgebirge möglich.
Über Mitteleuropa etablierte sich eine stabile Hochdrucklage. Aus Südwest strömte sehr heisse Saharaluft gegen die Alpen, die zeitweise auch Saharastaub in die Alpen transportierte und auf der Schneedecke ablagerte. Am Freitag und Samstag, 28./29.06. war es im Norden mit schwacher Bise vorübergehend etwas weniger heiss, bevor es am Sonntag, 30.06. noch einmal sehr heiss wurde. In der letzten Juniwoche wurden reihenweise Hitzerekorde geknackt (vgl. Bericht MeteoSchweiz). Am Sonntag, 30.06. wurde in der Schweiz der Spitzenwert der Hitzewelle erreicht. In Sitten stieg die Temperatur auf 37 °C an, was einem neuen Juni-Rekord entspricht. Damit wurden die Höchstwerte vom Donnerstag und Freitag nochmals übertroffen. In Deutschland wurden noch höhere neue Juni-Hitzerekorde (39.6 °C) erreicht, und in Frankreich kam es sogar zu einem neuen Allzeit-Temperaturrekord (45.9 °C).
Die grosse Wärme in der Höhe und auch der Saharastaub beschleunigten die Schneeschmelze in den hohen Lagen und im Hochgebirge (vgl. Bildstrecke). Wegen den warmen Nächten konnte die Schneeoberfläche kaum noch Gefrieren und auch in den frühen Morgenstunden war der Schnee nass und teils sehr weich.
Ende Mai lagen die Schneehöhen dieses Jahr noch deutlich über dem Durchschnitt, an 60% der automatischen Messstationen wurden sogar noch Schneehöhenrekorde für dieses Datum gemessen. Während des meist trockenen und zeitweise sehr heissen Juni hat sich dieses Bild markant verändert: in mittlere Lagen (1000 bis 2000 m) aperte die Schneedecke weitgehend aus, in hohen Lagen (2000 bis 3000 m) schmolz die anfangs noch mächtige Schneedecke rasant ab. An Stationen oberhalb von 2500 m lag Ende Juni am nördlichen Alpenkamm, im Gotthardgebiet und in Nordbünden teils noch zwischen 1 und 2 Meter, sonst weniger. Entsprechend zeigte Ende Juni keine einzige Messstation mehr Rekordschneehöhen für dieses Datum.
Am einzigen, langjährigen Messfeld in hohen Lagen, auf dem Weissfluhjoch Davos (2536 m, GR), nahm die Schneehöhe von 272 cm am 01.06. (was für dieses Datum ein neuer Schneehöhen-Rekord war) in 29 Tagen um 193 cm auf 79 cm ab (Abbildungen 5 und 6). Eine so starke Abnahme im Monat Juni hat es in den 83 Jahren seit Messbeginn auf dem Weissfluhjoch noch nie gegeben. Der Juni mit der zweit-höchsten Abnahme (1970) hat „nur“ 155 cm verloren. Das durchschnittliche Ausaperungsdatum der letzten 30 Jahre an dieser Station ist der 6. Juli. Es wird voraussichtlich auch dieses Jahr, trotz der enormen Schneehöhen von Anfang Juni, nur rund ein paar Tage später ausapern.
Über den ganzen Monat Juni betrachtet, waren die Schneehöhen trotzdem aussergewöhnlich. 80 % aller automatischen Stationen registrierten dann auch eine mittlere Juni Schneehöhe, die zu den drei grössten seit Messbeginn vor gut 20 Jahren gehört. Dass der Monat Juni in den Jahrzehnten davor aber schneereicher war, zeigen wiederum die Messungen auf dem Weissfluhjoch. Es gab immerhin 7 Jahre mit einer grösseren mittleren Juni Schneehöhe. All diese Jahre traten vor 1987 auf, erwähnenswert dabei ist sicher der Juni 1980, als das Messfeld auf dem Weissfluhjoch erst Mitte August ausaperte.
Die starke Abnahme der Schneehöhen im Juni zeigte sich aber nicht nur am Weissfluhjoch, sondern gleichermassen über die ganzen Schweizer Alpen gesehen im regionalen Verlauf des Schneewasseräquivalents (vgl. Abbildung 7).
Im Juni wurden dem SLF ein Lawinenunfall gemeldet, wobei am 23.06. eine Person in der Eiger Westflanke von einer Lawine erfasst, über eine Felsstufe mitgerissen und verletzt wurde.
Am 05.06. wurden im Gebiet des Niederbauen Chulm (Seelisberg, UR) zwei Wanderer von einem Rutsch aus einem Gemisch aus Schnee und Steinen erfasst und verletzt. Aufgrund des hohen Geröllanteils wurde dieses Ereignis nicht als Lawinenunfall verzeichnet.
Im Juni wurde am 07. und am 10. jeweils ein Lawinenbulletin publiziert.
Im Sommer und im Herbst publiziert das SLF nur bei grossen Schneefällen Lawinenbulletins. Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte die Lawinensituation auch im Sommer beachtet werden. Sie können sich via Push-Alert, SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen.
Der nächste Monatsbericht erscheint Anfang August.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.