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Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI wertet nicht nur Vorkommnisse in Anlagen in der Schweiz, sondern auch solche im Ausland aus. Die Lehren daraus fliessen jeweils in die Aufsichtstätigkeit des ENSI ein. Der soeben publizierte Erfahrungs- und Forschungsbericht 2015 behandelt unter anderem zwei Vorkommnisse im Bereich der Entsorgung.
Im Februar 2014 kam es im US-amerikanischen Tiefenlager WIPP (Waste Isolation Pilot Plant) zu zwei Vorkommnissen, einem Brand und etwa eine Woche später zu einer geringen Freisetzung von radioaktiven Stoffen, darunter Americium und Plutonium. Personen kamen dabei nicht zu Schaden.
Das ENSI verfolgte die Ereignisse. Das WIPP ist ein Endlager für nicht-wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle in der Nähe von Carlsbad, New Mexico, das in einer rund 600 Meter mächtigen Salzgesteinsschicht erstellt wurde und seit 1999 in Betrieb ist.
Die Abfälle stammen aus militärischen Anlagen der USA, nicht aus dem Betrieb von Kernkraftwerken, und werden in mehreren hundert Metern Tiefe eingelagert.
Erkenntnisse nützen der Entsorgung in der Schweiz
Die aus dem Freisetzungsereignis gezogenen Erkenntnisse fliessen in die Erfahrungen des ENSI ein und können so stufengerecht im Rahmen der Realisierung von geologischen Tiefenlagern berücksichtigt werden. Schwerpunkte hierbei liegen beispielsweise
- auf der Auslegung der Lüftungsanlage eines Tiefenlagers, wobei hierzu bereits erste Anforderungen in der Richtlinie ENSI-G03 festgehalten sind;
- auf der Konkretisierung von bestehenden vorläufigen Abfallannahmebedingungen;
- auf einer kontinuierlichen Sensibilisierung für die Gefahren und Risiken, die im Zusammenhang mit dem Umgang und der Lagerung von radioaktiven Abfällen auftreten.
Geeignete Abfallkonditionierung ist wichtig
In der Beatty disposal site, einer Abfalldeponie für chemische und schwach radioaktive Abfälle in den USA, kam es am 18. Oktober 2015 zu mehreren Explosionen von oberflächennah gelagerten Abfallgebinden. Gemäss Vorkommnisbericht der zuständigen US-Behörde wurden keine Personen verletzt oder Radioaktivität freigesetzt.
In der Schweiz ist für die radioaktiven Abfälle eine Entsorgung in geologischen Tiefenlagern gesetzlich vorgeschrieben, eine oberflächennahe Entsorgung wie in der Beatty disposal site stellt daher auch für schwach radioaktive Abfälle keine Option dar. Dennoch erkennt das ENSI in dem geschilderten Vorkommnis relevante Aspekte für seine eigene Aufsichtstätigkeit. Das Vorkommnis zeigt exemplarisch die Wichtigkeit einer geeigneten Abfallbehandlung und –konditionierung auf.
Die sicherheitstechnischen Anforderungen für die Abfallkonditionierung in der Schweiz werden durch das ENSI in einer eigenen Richtlinie vorgeschrieben. Zudem wurde der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik im Rahmen des Forschungsprojektes Abfallbewirtschaftung im Vergleich durch das ENSI analysiert und dokumentiert sowie an einem Fachseminar im Frühling 2015 mit Experten verschiedener Organisationen behandelt.
Vorkommnisse sind wichtiger Bestandteil der Betriebserfahrung
Das ENSI ist in ein internationales Netzwerk zur Erfassung und Verbreitung von Betriebserfahrung eingebunden. Über diesen Verbund erhält das ENSI Informationen aus Kernanlagen rund um den Globus und stellt im Gegenzug Betriebserfahrung aus Schweizer Kernanlagen zur Verfügung. Vorkommnisse sind ein wichtiger Bestandteil dieser Betriebserfahrung.
Die Vorkommnis-Analyse ist ein Aspekt im jährlich erscheinenden Erfahrungs- und Forschungsbericht des ENSI. Der nun veröffentlichte Bericht 2015 beschreibt zudem die Ergebnisse der regulatorischen Sicherheitsforschung, den internationalen Erfahrungsaustausch sowie Änderungen im Regelwerk des ENSI.