Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03595.jsonl.gz/2022

Über die Ursachen der Krankheiten und die Wege zur Heilung
Der Mensch als Mikrokosmos
Wie vorher schon beschrieben, ist der Mensch ein Mikrokosmos, der, analog zum Makrokosmos, aus den vier Elementen, zwölf Sternzeichen und sieben Planeten2 aufgebaut ist.
Jedes Organ korrespondiert dabei mit einem der Planeten: „Das Herz ist die Sonne, und wie die Sonne auf die Erde und sich selber wirkt, also wirkt auch das Herz auf den Leib und sich selbst. Ebenso ist der Mond dem Gehirn vergleichbar. Die Milz hat den gleichen Lauf wie Saturn.
Die Galle entspricht dem Mars. Die Nieren haben die Art der Venus. Der Merkurius ist ein Planet, der der Lunge gleicht und der Jupiter gleicht der Leber3. Ihr sollt wissen, wenn die Leber nicht da wäre, da gäbe es nicht Gutes im ganzen Leibe (= innerer Alchimist). Gleich Jupiter wirkt sie und mildert wie er durch ihre Güte alles Ungestüm“.
Die sieben Planetenorgane werden von Paracelsus jeweils als Entität begriffen. Sie sind die „edlen“ Organe, die den Gesamtorganismus mit Energie versorgen. „Diese Sieben geben allen anderen Organen das Leben.“
Jedes Organ steht dabei in einer spezifischen Beziehung zum Gesamtorganismus: „Das Herz sendet seinen Geist durch den ganzen Leib, wie die Sonne durch alle Gestirne und Erden. Das Gehirn geht allein zum Herzen und vom Herzen wieder zurück zu seinem Zentrum in geistiger Form. Der geistige Lauf der Leber vollzieht sich nur im Blute. Die Milz hat ihre Bahn an der Seite und in den Gedärmen, die Nieren haben ihren Lauf durch die Harnwege und Lenden. Der Umlauf der Lungen vollzieht sich in Brust und Kehle. Die Galle nimmt ihren Lauf durch Magen und Eingeweide.
Wenn sie sich irren und in eine falsche Bahn geraten, etwa die Bahn der Milz in die Bahn der Galle, entstehen Krankheiten.“
Krankheit und Heilmittel als Analogie zum Kosmos
Kommuniziert das Gehirn (Mond) in falscher Weise mit dem Herzen (Sonne), entstehen beispielsweise Herzrhythmusstörungen oder Schlafprobleme. Trifft die Galle (Mars) auf das Herz (Sonne), ergeben sich Blutdruckleiden oder Herzkrämpfe. Gerät die Galle (Mars) in die Bahn des Gehirns (Mond), entsteht Migräne, usw..
Aus dem Horoskop kann man weitere Hinweise auf die Beschaffenheit und die Krankheitsbereitschaft der Organe erhalten, also die Konstitution und Disposition des Patienten erkennen.
So wie die Organe den Planeten unterstehen, gilt dies auch für alle Heilmittel. Als reine Verkörperung der Planeten gelten die sieben Planetenmetalle, die jeweils einem Organ zugeordnet sind.
„Metalle haben eine große Übereinstimmung mit dem menschlichen Körper. Denn Kräfte, die im Metall verborgen ruhen, sind auch im Menschen. Wenn Gleiches zum Gleichen kommt und mit Verstand gebraucht wird, so wird der Natur geholfen.“
Ist ein Organ aus Sympathie mit den herrschenden Planetenkräften erkrankt (siehe auch Ens Astrale), oder sind die Planeten im Körper aus ihrer Bahn geraten, ist das zugeordnete Metall das entsprechende Heilmittel. Die Beispiele in Tabelle 2 zeigen deutlich, dass dieses Wissen noch heute Gültigkeit hat.
Die Elemente und ihre Entsprechungen
Neben den Planeten spielen die Elemente beim Ens Naturale eine wichtige Rolle. Das unsichtbare Feuer findet sich als Lebensfunken und Wärme im ganzen Körper; das Hauptorgan ist das Herz, das Organ der Selbsterkenntnis. Die regenerierende Kraft des Wassers findet sich in allen Geweben und Körperflüssigkeiten; das Hauptorgan ist die Leber. Die Luft ist die Grundlage für den Stoffwechsel und für alle Feedbacksysteme (z.B. Hormonsystem), ihr Hauptorgan ist die Niere. Die Erde ist das Feste des Körpers und bildet somit die physische Grundlage; ihr Hauptorgan ist die Lunge.
Für die Therapie ergibt sich beispielsweise, dass viele Mittel mit Herzwirkung die Lebenswärme erhalten und das Selbst stärken, Lebermittel meist den Gesamtorganismus regenerieren, Nierenmittel oft auf Feedbacksysteme günstig wirken und Lungenmittel häufig die Lebenskraft erhöhen.
Die Elemente stehen in Analogie zu den Temperamenten und Körpersäften, die Paracelsus ebenfalls dem Ens Naturale zuordnet.
Der Choleriker (Feuer) entsteht aus zu viel Bitterkeit, der Melancholiker (Erde) ist saurer Natur, das Süße führt zur phlegmatischen Natur (Wasser) und der Sanguiniker (Luft) entsteht aus zu viel Salz. Die Heilmittel entsprechen in ihrer Natur weitgehend dem pathologischen Zustand, z. B. Bitterstoffdrogen wie der feurige Wermut, als Mittel für Choleriker.
Die Säfte zeigen sich dem Auge als färbende Krankheiten, d.h. sie äußern sich in Verfärbungen der Körpersäfte und in Hautverfärbungen. Gemäß der Signaturlehre entsprechen die Heilmittel in ihrer Farbigkeit möglichst dem Zustand des Kranken, z. B. Schöllkraut oder Gelbwurz bei Leber-Galleleiden. Man sieht, dass das homöopathische Prinzip auch Paracelsus bekannt war.
Das Ens Spirituale
Bei den Ausführungen zum Ens Spirituale geht es vor allem um geistige Erkrankungen, also um Psychologie und deren Mutter, die Magie.
Unter den Krankheiten des Geistes versteht Paracelsus aber nicht das Blendwerk von Dämonen. „Achtet bei diesem Ens Spirituale darauf, dass darunter kein Teufel, noch sein Werk oder seine Sippschaft begriffen wird, denn (…) ein Geist ist, was unseren Gedanken ohne Materie im lebendigen Leibe entspringt.“
Krankheiten des Geistes
Krankheiten des Geistes können auf verschiedene Weise entstehen. Eine Wurzel des Übels ist die leidenschaftliche Natur des Menschen, sein Anhaften an Sympathie und Antipathie, die zum Verlust der Unterscheidungskraft führt, die wiederum den Verlust des Selbst und Krankheit bedeutet. Eine negative Sicht der Dinge und der eigenen Persönlichkeit führt unweigerlich dazu, dass sich die Vision verwirklicht – umgekehrt gilt dies natürlich auch für eine positive Lebenseinstellung.
Eine andere Möglichkeit am Ens Spirituale zu erkranken, ist der Kampf der Leidenschaften in zwischenmenschlichen Beziehungen, der immer mit dem Sieg des stärkeren Willens endet. Der Unterlegene wird krank. Die Homöopathie kennt dazu das Stichwort: „Böse Folgen von Wut, Ärger oder Beleidigung“ – ein mögliches Heilmittel wären höhere Potenzen von Staphisagria.
Neben der Anwendung psychisch wirkender Mittel, wie Johanniskraut oder geeigneter Homöopathika, ist in solchen Fällen auch eine Psychotherapie angebracht.
„Achtet darauf, damit ihr nicht den Leib mit Arzneien behandelt, denn das ist vergeblich. Behandelt aber den Geist, dann wird der Leib gesund. Dafür braucht man eine sprituale Arznei.“
Magie als Krankheitsursache und „spirituale Arznei“
Die Übertragung des Willens kann auch auf magische Weise geschehen, z. B. durch die Nigromantie (Schwarze Magie), von deren Wirkung Paracelsus überzeugt war.
„Vor allem ist für euch gut, zu wissen, dass, sobald die Bilder, die nachdem, wider den anderen feindlichen Willen des Geistes aus Wachs gemacht, hernach vergraben und mit Steinen beschwert werden, derselbe Mensch, dem das galt, eine schwere Bürde zu tragen hat, und zwar an den Stellen, wo die Steine liegen. Wenn das Bild zugrunde gegangen ist, hat auch sein Leben ein Ende.
Wenn einer eine Figur macht gleich einem Menschen und diese an eine Wand malt, so wisset, dass alle Stiche und Streiche, die das Bild treffen, auf den fallen, für den sie bestimmt sind.“
In unserer Zeit wird dies meistens als Hokuspokus abgetan oder als eine Form der Suggestion angesehen. Aber mangelnde Überzeugung heißt noch lange nicht, dass Magie nicht funktioniert. Schon die Höhlenmalereien der Steinzeitmenschen waren kein ästhetischer Zeitvertreib, sondern eine Beschwörung des Tiergeistes, um z. B. bei der Jagd Macht über das Tier zu haben. Bildmagie, Nagelfetische oder das Nestelknüpfen
(Puppen aus Baumbast) sind nichts anderes. Diese Methoden dienen aber nicht nur zum Schaden, sondern auch zur Heilung, denn eine alte Regel besagt: Magie kann man nur mit Magie beantworten.
Ein Beispiel ist der Gebrauch von Nagelfetischen im Voodoozauber. Dabei werden einer Holzfigur Nägel eingeschlagen, an Stellen, die beim Erkrankten schmerzhaft sind. Irgendwie erinnert so eine Figur an eine mit Nadeln gespickte Akupunkturpuppe. Auf diese Weise soll der böse Zauber gebannt werden und in die Nägel übergehen. In der Regel ist der Patient nach einer solchen Therapie, die immer mit komplexen Ritualen verknüpft ist, geheilt.
Selbstverständlich hat auch Paracelsus die Magie zum Heilen genutzt. Besonders in seinem Buch „Archidoxis Magica5“ beschreibt er die Herstellung von Amuletten zu heil- und schutzmagischen Zwecken, aber auch an anderen Stellen seiner Bücher zeigt sich Paracelsus als Kenner der Materie.
Neben Amuletten und Bannritualen ist bei Krankheiten des Ens Spirituale die Anwendung von Verschrei- und Berufskräutern anzuraten, meistens sind sie beides in einem. Verschreikräuter helfen gegen das Beschreien (= Verfluchen), während Berufskräuter vor dem Einfluß nichtmenschlicher Wesen schützen.
Amulett des Paracelsus gegen Hirnschwund und andere Krankheiten des Hauptes (aus „Die sieben Bücher der Archidoxis Magica“)
Das Amulett besteht aus:
Gold (2.5)
Silver (10.0)
Kupfer (5.0)
Zinn (10.0).
Die Metalle schmelze man an Neumond zusammen und gieße sie in Form eines beliebig großen Pfennigs. Das Metall darf anschließend nicht mehr ins Feuer. Wenn nun der Planet Jupiter im Zeichen Fisch steht, ritze die Symbole auf Vorder- und Rückseite.
Ab dem nächsten Neumond kann das Amulett als Anhänger gebraucht werde.
. Beispiele solcher Kräuter sind: Alraune,Baldrian, Engelwurz, Johanniskraut, Mistel oder der Aufrechte Ziest; einige sind heute noch als Psychotherapeutika gebräuchlich, nur mit dem Unterschied, dass der Dämon der Melancholie neuerdings Depression heißt. Während die Übertragung eines Schadens- oder Heilzaubers immer auf ein Medium, z. B. einer Puppe oder einem Amulett, angewiesen ist, gibt es laut Paracelsus auch Menschen, die andere durch bloße Willenskraft beeinflussen können. Dies geschieht durch das Unbewusste, das Paracelsus mit dem Schlaf vergleicht. „Wenn sie schlafen, so wird ihr Traum an dem anderen verwirklicht und erfüllt. Denn es gibt keinen Traum, der im Geiste entspringt, der sich nicht verwirklicht.“
Auch für den Heiler kann das Unbewusste einen Zugang zum Erkrankten bieten, man denke nur an den Trancezustand während einer Hypnose. Schamanen nutzen ähnliche Methoden ebenfalls seit Jahrtausenden, wenn sie hypnotische Rauschtränke6 anwenden, um das verschlungene Labyrinth der Seele zu erforschen ; natürlich kannte Paracelsus ähnliche Rezepte.
Das Ens Dei
Nach antiker Vorstellung gibt es „vier göttliche Wurzeln der Existenz“. Empedokles von Agrigent (490 bis 420 v. Chr.) nannte sie Feuer, Wasser, Luft und Erde. Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) fügte diesem System noch ein fünftes Element hinzu, die Quintessenz, auch Äther genannt.
Alles Existierende wird seit der Antike diesen Elementarkräften zugeordnet, somit auch die Entien: Die Luft finden wir im Ens Astrale, die Erde im Ens Veneni, das Feuer im Ens Naturale und das Wasser im Ens Spirituale.
Die Quintessenz, das fünfte Element, ist das Geheimnisvollste unter den Schöpfungskräften. Es ist das ursprüngliche Element, die ungeteilte Ursache. Die Quintessenz übertrifft an raumzeitlicher Ausdehnung, die vier anderen Elemente und sie ist in deren Ausdrucksformen unsichtbar enthalten. Sie ist die Ursache für die verborgenen Kräfte der Natur. Dieses Fünfte ist das Ens Dei des Paracelsus, über das Wirken Gottes hinter allen Erscheinungen.
Als gläubiger Christ sah Paracelsus die letztendliche Wurzel aller Leiden und aller Heilkunst in Gott selbst. Aber auch wer anderen Glaubensvorstellungen folgt, findet in diesem Ens eine Antwort auf die Frage nach dem höheren Sinn von Krankheit, denn zu allen Zeiten und in allen Kulturen, waren und sind die Menschen dem Ratschluss der Götter unterworfen.
„Gesundheit und Krankheit kommen bekanntlich von Gott und nicht vom Menschen. Die Krankheiten der Menschen teilt man ein in die natürlichen und in die Gottesgeißeln. Jene umfassen das erste bis vierte Ens, diese das fünfte. Gott hat die Krankheiten als Strafen und als deutliche Beweise dafür über uns verhängt, dass unser Wissen auf allen Gebieten nur ein oberflächliches ist und nicht bis zur Wahrheit reicht.“
Damit spricht Paracelsus eine der wichtigsten Tugenden des Menschen und besonders des Heilers an, die Demut, denn jede Heilkunst kann nur gelingen, wenn die Heilung im Schöpfungsplan vorgesehen ist.
„Gott schickt Gesundheit und Krankheit und auch die Arznei für unsere Krankheiten.“ Ebenso bestimmt er den rechten Zeitpunkt des Heilens.
„Alle Krankheiten sind bestimmt, zu ihrer Zeit geheilt zu werden, und nicht, wann wir es wünschen.“ Diesen Zeitpunkt kennt nur Gott allein. Nach den Vorstellungen des Paracelsus ist jede Krankheit ein läuterndes Fegefeuer, das alle Unreinheit im Menschen verbrennt. „Daher kann kein Arzt heilen, wenn nicht nach Gottes Ratschluss das betreffende Fegefeuer beendet sein soll. Denn der Arzt soll und kann nicht gegen die göttliche Bestimmung des Fegefeuers wirken.“
Deswegen ist Krankheit mit Leid verbunden. Im Leiden soll der Mensch sich selber überwinden. Deshalb kann auch nur derjenige geheilt werden, der den Willen dazu hat. Das Leid aber als Reinigung und Möglichkeit zur Erkenntnis zu akzeptieren, fällt den meisten Menschen schwer, man spricht heute von mangelnder Krankheitseinsicht und Krankheitsgewinn. Neben der eigenen Unvollkommenheit sind diese zwei Faktoren die größten Gegner jedes Heilers.
Krankheit und Karma
Solange der Mensch nur an seiner Unvollkommenheit erkrankt, kann er geheilt werden, sofern es sein Wille ist. Nun gibt es aber auch Krankheiten, die jedem Heilmittel widerstehen, nicht weil die Mittel falsch gewählt oder ohne Macht wären, sondern weil Gott selber die Heilung nicht will.
Über das Unheilbare schreibt Paracelsus: „Die Menschen straft er nicht um ihrer Sünden willen, sondern um sie auszuzeichnen. Diesen kann kein Arzt helfen. Denn Gott will, dass sie seine Zeichen tragen.“ Nicht selten ist auch der Heiler von Gott gezeichnet, man könnte dies auch als karmische Stigmatisierung bezeichnen; besonders die Epilepsie und andere „Krankheiten“, die das „Zweite Gesicht“ bewirken, kann man hierzu zählen.
Um ein wahrer Heiler zu sein, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder geht man selber durch das läuternde Fegefeuer oder man wird initiiert, wobei eine Initiation meistens mit Nahtoderlebnissen verknüpft ist, in denen ein Kontakt zu den göttlichen Kräften erfolgt. Auf jeden Fall entscheidet nicht der Notendurchschnitt über heilerische Fähigkeiten und auch keine bestandene Amtsarztprüfung, sondern einzig und allein der Wille Gottes.
Krankheit als Rätsel
Die Ursachen der Krankheiten des Ens Dei sind in jedem Fall unergründlich. Egal mit welcher Krankheit wir konfrontiert sind, immer kann sie ihren Ursprung im Ens Dei haben, an der man sich dann als Therapeut die Zähne ausbeißt.
„Denn er (Gott) mengt seine strafende Kraft so geheim unter die vier Entien, dass niemand darauf kommt, dass man es hier nicht mit einem der vier Entien zu tun habe. Daraus erklärt sich, dass manche Krankheiten, die anscheinend auf eines der vier Entien zurückgehen, durchaus nicht zu heilen sind.“
Dies ist die ewige Unsicherheit des Heilers, seine Unvollkommenheit vor Gott.