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Der Neuenburger Journalist Laurent Borel machte im Dezember 1992 als Betreuer einer Fussballmannschaft von sehr jungen Spielern die erstaunliche Feststellung, dass einige dieser Kinder, die aus sozial benachteiligten Familien stammten, nicht regelmässig zu essen bekamen. Daraufhin organisierte er zusammen mit seiner Mannschaft eine grosse Aufräumaktion am Ufer des Neuenburgersees. Das dabei gesammelte Geld verwendete er dann, um Lebensmittelpakete zu kaufen für einige Familien, denen es wirtschaftlich schlecht ging. Dies war die Geburtsstunde von Cartons du Coeur in der Schweiz, dies in Anlehnung an die Idee eines Herrn Coluche, welcher in Frankreich die "Restos du Coeur" gegründet hatte.
Die seinerzeitige Sozialdiakonin der «Eglise réformée de langue française en Argovie», Anita Baumann, hörte von der Neuenburger Idee. Betroffen von verschiedenen schweren Situationen von Mitmenschen im Aargau, hatte sie die Idee, «Cartons du Coeur» auch im Aargau zu gründen. Zusammen mit ihrem Mann Ruedi Baumann entwickelte sie das Projekt und konnte 7 Kirchenmitglieder und Freunde für ihre Idee gewinnen. Zusammen gründeten sie am 16. Januar 1997 die Vereinigung «Cartons du Coeur» im Aargau. Der Name wurde später angepasst auf «Cartons du Coeur, Lebensmittelhilfe Aargau».
Durch diverse Kontakte und Bekanntschaften konnten weitere Freiwillige rekrutiert werden. Eine grössere- Geldsumme (CHF 4‘000.-) wurde den Aargauer Gründungsmitgliedern durch Cartons du Coeur Neuenburg geschenkt, damit die Aargauer Sektion Lebensmittel einkaufen und so ihren Dienst starten konnte. Anita Baumann übernahm das Präsidium.
Die erste Anfrage für Lebensmittelhilfe kam während einer Reportage des Lokalsenders «Radio Argovia» über den neuen Verein Cartons du Coeur und am selben Abend wurde die erste Lieferung ausgeführt. Ein erstes Lebensmittellager konnte in Suhr eingerichtet werden. Dieser Raum wurde durch eine Firma gratis zur Verfügung gestellt. Schon bald trafen Lebensmittel aus einer ersten Sammlung ein und wurden einsortiert. Verschiedene Spezifikationen wurden erstellt, um die Liefermengen den Familiengrössen anzupassen.
Kontakte zu den öffentlichen Institutionen wie Sozialämter und Beratungsstellen wurden geknüpft. Dadurch bekamen Bedürftige die Möglichkeit, sich in ihrer Not an Cartons du Coeur zu wenden.
Der Telefondienst wurde durch Anita Baumann persönlich betreut. Sie erkannte schnell die grosse Not im Kanton und führte unzählige Telefongespräche und engagierte sich auch an Wochenenden, wenn sie einen „Notruf“ bekam als Lieferin. Neue Freiwillige kamen dazu und unterstützten das Gründerehepaar in ihren Bemühungen im Kampf gegen die Armut. Verschiedene Mitglieder engagierten sich in ihrer Wohnregion für den Verein und trugen damit dazu bei, dass die Lebensmittelhilfe bald im ganzen Kanton angeboten und geliefert werden konnte.
Cartons du Coeur veränderte sich aber nicht nur organisatorisch - sondern auch visuell, wie die Logos zeigen:
Zur Finanzierung konnte der Verein glücklicherweise schnell auf verschiedene private und institutionelle Spender und Dienstclubs zählen. Durch einen guten Kontakt zur Aargauer reformierten Landeskirche wurde von dieser eine grössere Geldsumme gesprochen. Diese grosszügige Unterstützung erhalten wir bis heute. Zusammen mit den Beiträgen und Kollekten von Kirchgemeinden bildet sie noch heute einen beträchtlichen Anteil an unseren Einnahmen. In jüngster Zeit kamen auch noch Spenden von Firmen, Institutionen, Stiftungen etc. dazu. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad des Vereins stieg auch der Spenderwille von Privatpersonen. Eine zusätzliche Einnahmequelle bilden auch Lebensmittelsammlungen, organisiert durch Vereinsmitglieder oder Personen, die sich mit dem Verein und seiner Philosophie identifizieren.
Alle Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich. Dadurch wird es möglich, den nach Abzug der Administrativkosten erzielten Einnahmebetrag vollumfänglich für den Einkauf von Lebensmitteln zu verwenden.
Im Gründungsjahr des Vereins, 1997, erhielten insgesamt 110 Personen und Familien eine Hilfeleistung in Form von Lebensmitteln. Im Vergleich dazu: 2020 wurden 2'033 Lieferungen mit einem Gesamtgewicht von 79 Tonnen im ganzen Kanton durch 84 Lieferer verteilt. Im April 2020 fanden wegen Corona keine Lieferungen statt.