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Genial, aber: Wer hats wirklich erfunden?
Text: Flurina Decasper, Julia Hofer, Peter Ackermann
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Noch immer werden weltweit hoch angesehene Produkte hartnäckig dem helvetischen Erfindergeist zugeschrieben. Die fünf grössten Irrtümer.
Luxemburgerli von Sprüngli
Das Rezept der Luxemburgerli stammt weder aus der gleichnamigen Stadt noch aus den geschäftstüchtigen Händen der Sprüngli-Dynastie. Den Bestseller auf dem schweizerischen Confiserieteller erfand nämlich ein ehemaliger Lehrling des Zürcher Edelkonditors: Der Luxemburger Camille Studer verkleinerte 1957 die in Frankreich bereits bekannten Maccarons auf den Durchmesser eines Einfrankenstücks, bestrich die untere Hälfte mit einer aromatisierten Buttercrème und setzte die andere Schalenhälfte oben drauf. Was aussah wie ein Hamburgerli, wurde als Luxemburgerli zum Welterfolg, benannt nach dem Spitznamen eines Gastarbeiters.
Computermaus von Logitech
Die waadtländische Firma Logitech gilt als Erfinderin der Computermaus. Tatsächlich erfunden hat sie aber ein US-Tüftler deutsch-norwegischer Herkunft: Douglas Carl Engelbart. 1963 bastelte er an der kalifornischen Standford University an einem Holzklotz mit Rädern und Drehknopf und stellte seinen «X-Y-Positions-Anzeiger für ein Bildschirmsystem» fünf Jahre später an einer wissenschaftlichen Konferenz vor. Die Weiterentwicklung mit der Rollkugel wurde für Logitech zum grossen Geschäft. Bereits über eine Milliarde Mäuse hat die Firma verkauft. Douglas Carl Engelbart verdiente daran keinen Rappen. Als seine Erfindung kommerzielle Nutzung fand, war das Patent bereits abgelaufen.
Rex-Sparschäler
Alfred Neweczerzal, Sohn böhmisch-amerikanischer Einwanderer, galt als Tunichtgut, er hatte seine Lehre als Elektromechaniker abgebrochen. Doch der Secondo hatte neben Flausen auch Ideen. 1931 kaufte er sich eine Stanzmaschine und begann in einem Keller in Zürich-Wiedikon, eine Art Gemüsehobel zu produzieren. Seit 1947 mit internationalem Patent geschützt, ist sein Rex-Sparschäler mit einer Jahresproduktion von zwei Millionen Stück das erfolgreichste und wohl auch meistkopierte Objekt der helvetischen Designgeschichte.
Reissverschluss Riri
Der Reissverschluss – eine Schweizer Erfindung? Von wegen! Die Idee dazu hatte 1913 der US-Amerikaner Guideon Sundback. Zehn Jahre später suchte er unter den Ostschweizer Seidenstickern Lizenznehmer für sein Patent. Die Textilbarone taxierten seine Erfindung als unbrauchbar und empfahlen ihm, den Hernienbandhändler Martin Othmar Petrus Notker Winterhalter aufzusuchen, den sie für ähnlich verrückt hielten. Dieser kaufte das europaweite Patent und ersetzte den aus Kügelchen und Klemmbacken bestehenden Verschluss durch Rippen und Rillen, kurz Riri.
Der Microscooter
Statt begeisterte Ermutigungen erntete Wim Ouboter bei der ersten Präsentation seiner Erfindung nur Spott. Chabis. Seich. Dumms cheibs Lölizüg. Kein Erwachsener würde je auf einem zusammenlegbaren Roller aus Aluminium rumfahren. Also stellte der Finne den Prototyp seines neuartigen Trottinetts in eine Ecke seiner Garage. Dort stünde der Microscooter wohl noch heute, hätten nicht die Schweizer Nachbarskinder das Potenzial des Dings erkannt, das zum grössten urbanen Transporttrend seit der Erfindung des Töffli führte. Potzblitz!