Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03620.jsonl.gz/1124

Die Lithographie, der Lithograph, die lithographiche Anstalt
Die Lithografie oder Lithographie (von griech.: λίθος, lithos, „Stein“, und γράφειν, grafeïn, „schreiben“) ist das älteste Flachdruckverfahren und gehörte im 19. Jahrhundert zu den am meisten angewendeten Drucktechniken, zuerst in einfarbigen, später auch für mehrfarbige Drucksachen. Mit Lithografie werden bezeichnet:
• Die Steinzeichnung als Druckvorlage zur Vervielfältigung mittels des Steindruckverfahrens,
• Der Abzug (Farbübertragung) vom Stein auf ein geeignetes Substrat, bevorzugt Papier, mittels der Steindruckpresse verfielfältigt,
• Das handwerkliche oder maschinelle Steindruckverfahren an sich.
Ein Lithograf ist jemand, der die Steinzeichnung, also die zu druckenden Texte und Bilder, auf einem Lithografiestein manuell und seitenverkehrt anfertigt.
Der Steindruck basiert auf einer Erfindung von Alois Senefelder aus dem Jahr 1798. Es war im 19. Jahrhundert das einzige Druckverfahren, das größere Auflagen farbiger Drucksachen ermöglichte. Als Druckträger diente in Deutschland ein Kalkschieferstein, der in Solnhofen im Altmühljura gebrochen wurde. Bis um 1930 war der Steindruck eine sehr häufig verwendete Drucktechnik für verschiedene Drucksachen, wurde jedoch danach sukzessive vom Offsetdruck abgelöst und wird heute nur noch im künstlerischen Bereich eingesetzt. Für die heutige Massenproduktion von Drucksachen ist der Steindruck ungeeignet, da er im Vergleich zu anderen modernen Drucktechniken unwirtschaftlich ist.
Der Text zu "Lithographie" aus dem Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst von Carl B. Lorck, publiziert 1882 zeigt nicht nur was Lithographie ist, sondern ist auch ein interessantes Zeitdokument aus dem 19. Jh.
Die Einführung der Lithographie in St.Gallen
Aus dem St.Gallerjahrbuch 1823:
„Herr Wilhelm Hartmann (Johann, Daniel, Wilhelm 1793-1862) begab sich, von seinem Vater ( Georg Leonhard Hartmann, 1764-1828) begleitet, in 1817 (effektiv im September 1816) nach München, dem Hauptsitz der deuschen Lithographie, und hielt sich dort einige Zeit auf, um diesen Kunstzweig sich anzueignen. Auch Heinrich Schläpfer hatte damals mit München Verbindungen angeknüpft und erhielt später von dort eine gute lithographische Presse. Auch Hr. Hartmann schaffte sich eine solche an. Eben so lithographierte auch Modelstecher Hans Jakob Dieth, doch wahrscheinlich ohne eigen Presse. Dagegen errichteten bald die Herren Real ???? und Rietmann eine dergleichen, womit sie verschiedenes Landschaftliches, dann auch einige Bildnisse, z.B. in der Reformationsjubelzeit die von Vadian und Zwingli, herausgaben."
"In der ersten hier errichteten Steindruckerei des Herrn W. Hartmanns, die die Porträte der Hrn. Viceantistes Steinmüller und Prof. Scheitlin lieferte, kam dieses Jahr eine zweite, errichtet von Herrn Gsell-Schobinger, die unter andern vorzügliche Arbeiten auch mehrere Blumenhefte herausgab."
"Alle diese Anstalten gingen aber bald wieder ein oder wurden wenigstens untätig."
Eine Ausstellung "Die Anfänge der Lithographie in St.Gallen" fand in der Vadiana, St.Gallen 1974 statt. Im Museumsbrief Nr.30 hierzu, schildert Stadtarchivar Ernst Ziegler die Schwierigkeiten von Vater und Sohn Hartmann im lithographischen Handwerk bestehen zu können. Der Artikel endet mit dem folgenden Zitat aus Daniel Wilhelme Hartmann's eigener "Entwurf einer Kunstgeschichte der Stadt St.Gallen, Manuskript":
"Im Jahr 1823 fing dann J.L.Gsell, früher Kaufmann, und blosser Diletant, sich in diesem Fache zu versuchen an und lieferte seit mehreren Jahren nicht bloss sehr viele Kleinigkeiten, wie sie ein Ort, wie St.Gallen ist, etwa fordern mag, sondern bisweilen auch eigentliche Kunstblätter aus verschiedenen Fächer und zu verschiedenen grösseren und kleineren Werken; auch ein gelungenes Heft von Blumenbouquets. - Endlich betrat im Laufe dieses Jahres Herr Joh. Joachim Haim, Appreteur ( geb 1809) ebenfalls dieses Feld, indem er sich Pressen und, da er selbst nicht zeichnet, Gehülfen anschaffte. Die nagelneue Mode, auf Halsbinden Arabesken, Blumengewinde, Landschaften, ja sogar Figürchen zu drucken, beschäftigte beide hiesigen Steindruckereien im Laufe des Jahres sehr lebhaft."