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Raude
(Räude,
Krätze,
Grind,
Scabies), ein der
Krätze des
Menschen ähnlicher, bei allen Haussäugetieren,
besonders aber bei
Pferden,
Schafen und
Hunden, vorkommender, durch parasitische
Milben hervorgerufener, mit starkem
Jucken verbundener
Hautausschlag. Jede Tiergattung hat ihre besonderen
Raudemilben, die zum Teil auch auf andre Tiergattungen und selbst auf
den
Menschen
übertragen werden können (s.
Milben). Die
Raude der
Pferde
[* 2] wird durch
Sarcoptes und Dermatocoptes
equi hervorgerufen. Bei der Sarcoptes
raude bilden sich zuerst kleine
Knötchen mit einem
Haar
[* 3] in der Mitte. Die um diese
Knötchen
stehenden
Haare
[* 4] fallen nach und nach aus, und die haarlosen
Stellen bedecken sich mit
Schuppen, später infolge der
Ausschwitzung
mit dünnen, allmählich dicker werdenden Krusten. Zugleich verdickt sich die
Haut
[* 5] und legt sich, besonders
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mehr
am Hals, in Falten, erhält wohl auch eiternde Risse. Unter den Krusten finden sich Milben. Die ersten Spuren der
Raude zeigen sich
gewöhnlich am Kopf, Hals und an den Schultern, wohin die Milben am leichtesten übertragen werden können. Bei der Dermatocoptes
raude
zeigt sich eine ähnliche Knötchen-, Schuppen- und Krustenbildung mit Verdickung und Faltung der Haut wie
bei der vorigen; doch wählt die sich nicht einbohrende Milbe mit Vorliebe die Mähnengegend, die Schweifwurzel, den Kehlgang,
die innere Schenkelfläche etc. zum Wohnsitz.
Auch wird noch eine Dermatophagus
raude unterschieden, welche sich durch Jucken in der Köthe und an den Beinen (Fußraude) äußert
sowie durch reichliche Abschuppung der Oberhaut, Ausfallen der Haare, Verdickung der Haut, Krustenbildung
und selbst durch Hautwucherung bemerkbar wird. Selten kommt die
Raude beim Rindvieh vor, und zwar tritt sie hier entweder als
Dermatocoptes
raude, wobei sich über den ganzen Körper hin Krusten bilden, oder als Dermatophagus
raude auf, welche vornehmlich
die Schwanzwurzel gern heimsucht (Steiß
raude).
Bei den Schafen tritt die
Raude gewöhnlich als Herdenkrankheit auf, durch den Parasitismus von Dermatocoptes ovis hervorgerufen.
Es entstehen zuerst kleine, flache, blaßgelbliche, juckende Knötchen, auf welchen sich meist Bläschen oder kleine Eiterpusteln
bilden, die sich bald mit Schuppen und Krusten bedecken, mit denen sich die gelockerte Wolle abhebt. Sind
die Schafe
[* 7] geschoren, so bildet sich gewöhnlich eine dicke, trockne Kruste auf der angeschwollenen Haut.
Indem sich die Tiere kratzen und reiben, entstehen wollelose Stellen und Entzündungen der Haut. Das Vlies wird flockig und zottig
und verklebt sich stellenweise. Am liebsten siedeln sich die Milben auf dem Rücken von der Schwanzwurzel
bis zum Hals oder an den Schultern an. In der Regel tritt schließlich Abzehrung und endlich der Tod ein, doch widerstehen ausgewachsene
Schafe bei kräftiger Nahrung dem Übel lange. Selten werden Ziegen und noch seltener Schweine
[* 8] von der
Raude befallen.
Die
Raude der Hunde
[* 9] ist Sarcoptes
raude und hinsichtlich der Knötchen-, Pustel-, Schuppen- und Faltenbildung
der der Pferde am ähnlichsten. In vorgerücktern Stadien ist sie ebenfalls mit bedeutender Abmagerung verbunden. Bei den Katzen
[* 10] tritt die
Raude, ebenfalls als Sarcoptesraude, am häufigsten am Kopf auf, wo sich die Haut verdickt, faltet, mehr oder weniger
haarlos und schuppig wird. Später verbreitet sich der Ausschlag auch über Hals und Rücken, wobei die Tiere
abmagern und schließlich sterben.
Die
Raude entsteht lediglich durch Ansteckung, welche teils durch unmittelbare Berührung, teils durch sogen. Zwischenträger
(Decken, Putzzeug, Geschirr etc.) erfolgt, und zwar mittels Übertragung der
Raudemilben, welcher schlecht genährte und unreinlich
gehaltene Tiere leichter ausgesetzt sind als gut genährte und reinlich gehaltene. Gerlach stellt in betreff
der Ansteckung folgende auf Versuche basierte Sätze auf: Die Krätzmilbe des Menschen haftet auf Tieren nicht.
Die Sarcoptesmilbe des Pferdes erzeugt beim Menschen eine Krätze, die aber leichter heilt als die gewöhnliche Menschenkrätze.
Dieselbe Milbe erzeugt auch auf dem Rinde die
Raude, nicht aber auf Hunden, Katzen, Schweinen und Schafen. Die
Dermatodectesmilbe des Pferdes haftet weder auf dem Menschen noch auf einem Haustier, und dasselbe gilt von der Symbiotesmilbe
des Pferdes. Das Schaf
[* 11] ist für die Raudemilben der übrigen Haustiere nicht empfänglich, und ebenso haftet seine Milbe
auch nicht einmal vorübergehend auf irgend einem andern
Haustier oder auf dem Menschen.
Die Raudemilbe des Hundes erzeugt beim Menschen einen Ausschlag, der aber von selbst wieder heilt. Auch die Raudemilbe der Katze [* 12] geht auf den Menschen über, doch heilt der durch sie hervorgerufene Ausschlag ebenfalls bald von selbst. Was die Behandlung anlangt, so besteht dieselbe, da die eine rein äußerliche Krankheit ist, lediglich in der Vertilgung der Milben und ihrer Brut durch äußere Mittel. Dabei ist eine innere Behandlung ganz unnötig und unwirksam; wohl aber sind ein geeignetes diätetisches Verhalten, ein reinlicher Stall, Schutz vor naßkalter Witterung, kräftige Nahrung, sorgfältige Reinigung der Haut, bei Schafen Abscheren der Wolle, Separieren des kranken Viehs von dem gesunden und gründliche Desinfektion [* 13] des Stalles, Geschirrs und der sonstigen Utensilien unerläßliche Bedingungen der Heilung.
Bei Pferden und Rindern werden Einreibungen der kranken Hautpartien mit Kreosot in 25-40 Teilen Öl oder mit Tabaksabkochung (1 Teil Tabak [* 14] auf 25 Teile Wasser) angewendet, nachdem die Borken durch Einreibungen mit Öl oder schwarzer Seife vorher erweicht und abgewaschen sind. Die Einreibungen müssen nach acht Tagen wiederholt werden. Die Wiener Tierarzneischule wandte mit Erfolg an: Holzteer und Schwefelblumen, je 1 Teil, und grüne Schmierseife und Weingeist, je 2 Teile, nach Reinigung der kranken Tiere mit Seife und Einreibung und Erweichung der etwa vorhandenen Krusten mit Öl mittels einer Bürste auf einmal über den ganzen Körper eingerieben und nach sechs Tagen wieder abgewaschen.
Bei den Schafen gibt es eine Schmier- und eine Badekur. Erstere ist in einer Herde nur dann von Erfolg, wenn nur wenige Tiere angesteckt sind und eine strenge Separation derselben ausführbar ist. Sie besteht in der alleinigen Behandlung der kranken Stellen mit grauer Quecksilbersalbe, Hirschhornöl, Teer, Tabaksabsud etc. Bei der Badekur dagegen wird der ganze Körper gebadet und hierdurch eher Ausrottung der Krankheit in einer Herde erzielt. Am besten wird sie bei milder Frühlings- oder Sommerwitterung bald nach der Schur vorgenommen.
Gerlach empfiehlt als Raudebad einen Absud von 7 kg Landtabak mit 30 Lit. Wasser, so eingekocht, daß 20 L. zurückbleiben, denen man dann 66-80 L. Wasser zusetzt. Vorher müssen die harten Borken durch Einreibung mit Öl oder mit Glycerin erweicht werden. Das Mittel wird nach 5-6 Tagen wiederholt. Auf ein Schaf ist etwa 1 L. des Bademittels zu rechnen. Bei Hunden und Katzen werden gewöhnlich Waschungen mit einer 3-5proz. Lösung von Kreolin oder auch Tabaksbäder angewendet. In veterinärpolizeilicher Beziehung ist strenge Absonderung der kranken Pferde von den gesunden erforderlich.
Bricht die in einer Schafherde aus, so ist die ganze Herde als angesteckt zu betrachten und der Austrieb derselben nur unter der Bedingung zu gestatten, daß sie mit andern Schafherden nicht in Berührung komme. Auch ist der Verkauf von Schafvieh während der Dauer der Seuche zu verbieten. Das Fleisch räudiger Schafe kann benutzt werden, solange nicht ein kachektischer Zustand derselben eingetreten ist. Wolle und Felle von räudigen Schafen sind sechs Wochen zu lüften, ehe sie verkauft werden. Die Desinfektion besteht in frischem Bekalken und Weißen der Wände des Stalles, Abscheuern der Utensilien mit Lauge, Ausführung des Düngers und Erneuerung der obersten Schicht des Fußbodens im Stall. Von dem Ausbruch der ist bei der Polizeibehörde Anzeige zu machen.
Vgl. Gerlach, Krätze und Räude (Berl. 1857);
Fürstenberg, Die ¶
mehr
Krätzmilben [* 16] (Leipz. 1861);
Zürn, Die Schmarotzer der Haussäugetiere (2. Aufl., Weim. 1881).