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Als Pilot unter den Aborigines
Ganz im Norden Australiens, in Arnhemland, leben rund 17’000 Ureinwohner auf einer über doppelt so grossen Fläche wie jene der Schweiz. Der Schweizer Pilot Raphael Flach und seine Frau Priska haben dort soeben zweieinhalb Jahre als Angestellte des Flugunternehmens MAF verbracht, um dieser Bevölkerung zu dienen.
Die Ureinwohner Australiens haben eine bewegte Geschichte: Nachdem Australien 1770 vom englischen Seefahrer Thomas Cook entdeckt worden war, dauerte es nicht lange, bis teils blutige Konflikte zwischen den Siedlern und den Aborigines entstanden. Etwa ein Viertel dieser Ureinwohner leben heute in Reservaten, die von der Zivilisation abgeschirmt sind. Die Einwohner des tropischen Arnhemlands, ganz im Norden Australiens, leben in meist kleinen Dörfern, die höchstens mit unbefestigten Verkehrswegen erschlossen sind, gewisse nur mit Fusswegen. In der Regenzeit von Januar bis Juli sind diese Strassen jedoch oft kaum befahrbar. Vor 44 Jahren begann das weltweit tätige christliche Flugunternehmen und Hilfswerk Mission Aviation Fellowship in Arnhemland zu fliegen und baute eine Basis auf. Derzeit befinden sich 13 in Arnhemland stationierte Flugzeuge an fünf verschiedenen Standorten. Rund 15 Piloten sind dort beschäftigt. Bis vor kurzem war einer von ihnen der Schweizer Raphael Flach. Ursprünglich Polymechaniker, absolvierte er eine Weiterbildung zum Flugzeugmechaniker, bis er eine Pilotenausbildung absolvierte und zusammen mit seiner Frau für MAF tätig wurde.
Fliegen in der tropischen Savanne
Raphael fand das Fliegen in Arnhemland immer faszinierend, wenn auch herausfordernd: Die Natur-Pisten sind insbesondere in der Regenzeit schlammig, wodurch es länger braucht, um abzuheben – und entsprechend weniger Gewicht geladen werden darf. Ebenso kommt es vor, dass Raphael in der Regenzeit zwischenlanden musste, um das Vorbeiziehen des schlechten Wetters abzuwarten. Tiere oder Fahrzeuge auf Landebahnen sind ausserdem nichts Besonderes, hier musste er vor der Landung zuerst die Piste vom Flugzeug aus inspizieren. Die Piloten nehmen meistens Ureinwohner als Passagiere an Bord, die in die Kleinstadt Nhulunbuy müssen, dies aus unzähligen Gründen. Ebenso sind Lehrer regelmässige Gäste an Bord der MAF-Flugzeuge, die typischerweise sechs Passagieren Platz bieten plus Fracht. Auch (Notfall-) Patienten und Ärzte-Teams mit medizinischem Equipment flog Raphael oft in die Dörfer, meistens in mehrere Siedlungen nacheinander. Zudem nutzen die einheimischen Kirchen diese Möglichkeit, in die abgelegensten Gebiete zu kommen, um dort die kleinen Kirchgemeinden zu besuchen und ihnen Material wie Bibeln auf MP3-Solar-Playern zu bringen.
Der Sport-Event
MAF ist auch für Sondereinsätze gewappnet, wie zum Beispiel ein Sport-Event für Kinder. Die Kinder der Aborigines lieben Sport – und dies ist ihr Vorteil, denn die Sportarten wie Australian Football, Basketball oder auch Laufsport geben ihnen eine Beschäftigung, die sie brauchen, insbesondere deshalb, weil das Herumlungern oftmals in Problemen endet. Entsprechend beliebt war der Sport-Event, der im Juni dieses Jahres von einer lokalen Organisation geplant wurde. Doch ohne Lufttransport kein Teilnehmen: Raphael Flach sowie mehrere andere seiner Pilotenkollegen machten sich frühmorgens am 19.6.2017 auf, um in entlegenen Dörfern Kinder abzuholen, um sie nach Yirrkala, den Ort des Geschehens, zu fliegen. So folgten mehrere Transportflüge. Total 110 Kinder und Jugendliche wurden aus den umliegenden Dörfern hin und drei Tage später wieder zurückgeflogen. Ohne Flugzeuge wäre der Transport aufgrund der schlechten oder fehlenden Verkehrswege kaum möglich gewesen, konstatiert Flach.
Das Leben als Frau
Auch Raphael’s Frau Priska hatte während dieser Zeit ihre Aufgabe gefunden: Im Hauptquartier von MAF arbeitete sie im Wartungsbetrieb der Flugzeuge als Magazinerin und bewirtschaftete das Ersatzteillager. Ebenso half sie in der Administration mit. Für sie auch wichtig: Zusammen mit anderen dort stationierten Mitarbeiterinnen von MAF hatte sie die Möglichkeit, Kontakte zu den einheimischen Frauen zu knüpfen und ihre Traditionen zu lernen, wie zum Beispiel das Weben von Körben aus palmähnlichen Blättern.
Bald geht’s nach ihrem Heimaturlaub in der Schweiz weiter für die Flachs, die inzwischen einen Sohn haben: Ab November werden sie im Südsudan stationiert sein.
pd