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Walter Kasper wuchs im Allgäu auf. Nach seinem Studium in Tübingen und München wurde er 1957 zum Priester geweiht. 1970 wurde er Professor für Dogmatik in Tübingen. Dort gehörte er zu jenen, die 1979 den Entzug der Lehrerlaubnis von Hans Küng durch die Glaubenskongregation für gerechtfertigt hielten – jener Hans Küng, bei dem er seine Habilitationsschrift verfasste hatte.
1989 wählte das Domkapitel von Rottenburg-Stuttgart Walter Kasper zum Nachfolger von Bischof Georg Moser. Auch als Bischof zeigte er sich streitbar wie vermittelnd: 1992 verteidigte er in einem Fernsehduell gegen den Paderborner Theologen Eugen Drewermann die traditionelle katholische Lehre.
Umgekehrt entwarf er mit seinen Bischofskollegen Oskar Saier (Freiburg) und Karl Lehmann (Mainz) 1993 eine pastorale Leitlinie zum möglichen Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene. Doch diese wurde vom damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, als «im Widerspruch zur katholischen Lehre» stehend abgelehnt.
1999 war Walter Kasper in Rom so weit wieder anerkannt, dass ihn Johannes Paul II. zum Sekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen ernannte. Als solcher wirkte er mit bei der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre, welche die katholische und evangelisch-lutherische Kirche am Reformationstag 1999 in Augsburg unterzeichneten. Allerdings wurde die Gemeinsame Erklärung von zahlreichen lutheranischen Pastoren und Professoren nicht rezipiert. Zwei Jahre später erhielt Walter Kasper das Kardinalsbirett und wurde Präsident des Einheitsrates.
Distanziertheit und Sympathie
Als Kardinal war er 2005 an der Wahl Benedikts XVI. beteiligt, der ihn bis 2010 im Amt des Ökumene-Ministers beliess. Über sein Verhältnis zu Ratzinger/Benedikt sagte Kasper mehrfach, sie beide seien durchaus öfter unterschiedlicher Meinung gewesen, hätten dies aber offen und ehrlich diskutiert.
Nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. nahm Walter Kasper am Konklave zur Wahl des neuen Papstes teil. Dieses begann am 12. März 2013; eine Woche zuvor war Kardinal Kasper 80 Jahre alt geworden, doch die Altersgrenze für das Papstwahlrecht greift an dem Tag, an dem der Stuhl Petri frei wird und das war der 28. Februar.
Während er gegenüber Papst Benedikt XVI. immer eine Distanziertheit zeigte, macht er aus seiner Sympathie für Papst Franziskus kein Geheimnis. Diese beruht auf Gegenseitigkeit: So lobte Franziskus sein Buch über die Barmherzigkeit und vertraute ihm 2014 den Eröffnungsvortrag zur Familiensynode an. 2016 verteidigte Kardinal Kasper das von Franziskus veranlasste nachsynodales Schreiben «Amoris laetitia» zu Ehe und Familie und dessen (in einer Fussnote untergebrachte) strittige Anmerkung, die Seelsorgern und Betroffenen für konkrete seelsorgliche Situationen wiederverheirateter Geschiedener einen Ermessensspielraum einräumt. Zur jüngsten Kritik an Franziskus sagte er unlängst: Man könne ja durchaus der Meinung sein, dass der nächste Papst manches anders machen müsse. «Aber den jetzigen mürbemachen und zu zerstören, das ist erstens unchristlich und zweitens dumm.»
Kritik am deutschen synodalen Weg
Galt Kardinal Kasper in Deutschland lange als eher liberaler, fortschrittlicher Vertreter der Kirchenführung, so änderten dies seine kritischen Anmerkungen zum deutschen Synodalen Weg. Walter Kasper hatte das Zweite Vatikanische Konzil als eine Zeit des Aufbruchs erlebt, die viele Neuerungen brachte. «Wer behauptet, die Kirche sei nicht reformierbar, der sollte sich diesen tiefen Wandel vor Augen halten! Ich habe ihn erlebt.» Gleichzeitig erhebt er betreffend dem Synodalen Weg warnend seine Stimme: Auch wer es nicht wolle, könne «in ein Schisma hineinstolpern», so der Kardinal jüngst in einem KNA-Interview. Er rief die deutschen Bischöfe auf, Anfragen aus anderen Bischofskonferenzen an den deutschen Weg ernst zu nehmen. Kardinal Kasper hält es für «völlig ausgeschlossen», dass man sich mit Beschlüssen zur Frauenpriesterweihe oder mit der «Idee einer demokratischen Mitbestimmung in der Leitung der Kirche» auf Ebene der Weltkirche werde durchsetzen können. «Die Kirche ist nun mal keine Demokratie!», so der Kardinal. Man könne die Kirche «nicht neu erfinden». Und er warnt: «Die Kirche befindet sich in einem epochalen Umbruch. Da kann man nicht einfach so weitermachen wie bisher, das ist unstrittig.» Allerdings gehe die Ursache der Kirchenkrise «viel weiter und tiefer» als der Missbrauchsskandal. Sie betreffe «die gesamte westliche Welt». Und Kardinal Kasper meint abschliessend: «Wenn ich damals den Aufbruch durch das Konzil nicht erlebt hätte, dann würde ich diese Krise kaum aushalten. Aber ich glaube, die Antworten darauf zu geben, das ist jetzt die Aufgabe einer neuen Generation in der Kirche.»
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