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Die Geschichte der Zuckerrohrpflanze im US-Bundesstaat Louisiana nahm - ähnlich wie in der Karibik - keinen guten Anfang. Nachdem die Franzosen im 18. Jahrhundert den Zuckerrohranbau auf dem nordamerikanischen Festland eingeführt hatten und viele Plantagenbesitzer auf das exotische Süssgras umgestiegen waren, wurden nämlich massenweise Sklaven für die Feldarbeit eingesetzt. Dem ein oder anderen Menschenrechtler dürfte es immer noch kalt über den Rücken laufen, wenn er an die Zuckerrohrplantagen in Louisiana denkt. Doch heute ist natürlich alles anders. Der offiziellen Statistik zufolge arbeiten rund 17'000 Menschen in der Zuckerindustrie von Louisiana, die sich aus rund 450 Farmen und elf Zuckerraffinerien zusammensetzt. Wo es viel Zucker gibt, gibt es normalerweise auch viel Rum - so kennt man das zumindest von den karibischen Inseln. Doch in den Vereinigten Staaten hatte man sich wohl zu sehr daran gewöhnt, den Rum einfach von den Nachbarländern zu importieren. So dauerte es bis zum Jahr 2013, als der erste Louisiana Rum namens Bayou in den Ladenregalen erschien. Gegründet wurde die Louisiana Spirits Distillery zwei Jahre zuvor von den Brüdern Trey und Tim Litel sowie dem gemeinsamen Freund Skip Cortese. Die Männer hatten bereits langjährige Erfahrungen in der Unternehmer-, Marketing- bzw. Rumszene sammeln können und hatten ausserdem aufmerksam recherchiert, um einen authentischen, lokalen Rum zu kreieren - ohne importierte Melasse, ohne importierte Destillate. Stattdessen bezieht man den Ausgangsrohstoff von dem 1825 gegründeten Unternehmen M.A. Patout & Son Ltd., welches sich damit rühmt, der älteste, komplett familienbetriebene Zuckerproduzent in den USA zu sein. Derweil rühmt sich Bayou damit, die erste offizielle Rummarke aus der Region Louisiana zu sein. Zwar gab es schon zu früheren Zeiten einheimische Rums, doch diese wurden entweder im privaten Rahmen oder illegal gebrannt.
Für das neu aufsteigende Business wählten Trey, Tim und Skip einen strategisch günstigen Standort an der Hauptstrasse zwischen Houston und New Orleans, nahe der Ortschaft Lacassine. Auf dem grossen Grundstück finden sich von Zypressen umgebene Teichanlagen, ein Zuckerrohrfeld, ein renoviertes Farmhaus aus dem Jahr 1903 sowie ein Besucher- und Verantstaltungszentrum. Das Herzstück ist natürlich die ultramoderne Brennerei, die sich hinter einer klassischen Backsteinfassade versteckt. Dort wird die aufgekaufte Melasse fermentiert, in Pot Stills gebrannt und in Bourbon-Fässern nach dem Solera-Verfahren gereift. Anfangs brachte das Team - unterstützt vom Fachexperten Reiniel Vicente Diaz, der für den vielversprechenden Job als Master Blender und Produktmanager aus der Dominikanischen Republik nach Louisiana zog - den Bayou White Rum und den Bayou Spiced Rum auf den Markt. Mittlerweile umfasst das Sortiment ausserdem einen Pink Rum, einen Reserve Rum (bis zu drei Jahre gereift), einen XO Mardi Gras Rum (bis zu sechs Jahre gereift) sowie einige Einzelfassabfüllungen. Noch kann die junge Brennerei mit keinen gewaltigen Altersstatements prahlen, wie es bei den traditionsreichen Rumherstellern aus der Karibik der Fall ist, doch eins ist gewiss: Die Lagerhallen sind gefüllt.
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