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Ceneri 29 und für den Sotto Ceneri 166 Ew. auf 1 km2. Bezüglich der Fläche steht der Kanton Tessin im 5., bezüglich der Einwohnerzahl im 8. und bezüglich der Bevölkerungsdichte im 17. Rang der schweizerischen Kantone.
[G. Mariani.]
2. Bodenbeschaffenheit.
Der Kanton Tessin unterscheidet sich vom Rest der Schweiz sowohl durch die Basse, Sitten und Sprache seiner Bewohner, als auch durch seine Lage an der S.-Flanke der Alpen und den daraus sich ergebenden physisch-geographischen Verhältnissen. Vom Gotthard, dem eigentlichen Knotenpunkt der Schweizeralpen, dessen Gipfel sich über die Schneegrenze hinaufschwingen, steigt der Kanton Tessin bis in die Gefilde mit mediterranem Klima am Langen- und Luganersee hinab, die die tiefst gelegene Landschaft der Schweiz darstellen. So sehen wir die ganze Stufenleiter vom warmen insubrischen Klima bis zu den arktischen Klimaverhältnissen auf dem Gotthard vertreten und damit die Temperaturextreme innerhalb grösserer Grenzen schwanken, als dies in der übrigen Schweiz der Fall ist. Daraus folgt wiederum eine reiche Mannigfaltigkeit im Pflanzenkleid, das sich aus Vertretern der Polarregion, aus Arten der gemässigten Zone und aus solchen der subtropischen und tropischen Gebiete zusammensetzt.
Hauptcharakterzug der Tessiner Berge ist die ausserordentlich starke Böschung ihrer Gehänge, die von den Gipfeln und Kammrücken ohne dazwischen sich einschaltende grössere Terrassen in einem Schwung bis in die Talsohlen hinabzustürzen pflegen. Längs des Langen- und Luganersees tauchen diese Steilhänge unter den Wasserspiegel ein und reichen bis zur Sohle der Seen hinunter. Dazu kommen die gewaltigen Höhenunterschiede, die oft 2000 m übertreffen. Die Kammlinien der Ketten bleiben vom Gotthard an bis in die Gegend von Bellinzona und Locarno verhältnismässig hoch (Poncione di Vespero bei Airolo mit 2720 m, Il Gaggio bei Bellinzona mit 2272 m, Ghiridone bei Locarno mit 2191 m), während sich die Thäler zwischen den oft mächtigen Felsabstürzen immer tiefer einsenken und sehr schnell das Niveau ihrer Erosionsbasis, den Spiegel des Langensees (197 m), erreichen.
Bignasco liegt mit 434 m Höhe bloss 24 km vom Ursprung des Maggiathales und Giornico in der untern Leventina mit 395 m Höhe bloss 48 km vom Nufenenpass entfernt. Die Thäler sind lang und schmal und erhalten zahlreiche kurze Seitenäste, die im rechten Winkel entweder ebensohlig (Val Pontirone) mit enger Schlucht oder dann als Hängethäler hoch über der Sohle des Hauptthales ausmünden und in diesem letztern Fall Anlass zur Entstehung von schönen Wasserfällen geben (Val Piumogna bei Faido, Val Soladino und Val Calneggia im Maggiagebiet).
Der Abstand der beidseitigen Kammlinien beträgt im Bedrettothal 6 km, in der Leventina 8 km und in der Riviera 11 km. Giornico wird im W. von dem 2726 m hohen Cramosino beherrscht, was bei einer horizontalen Distanz von bloss etwa 4,5 km einen Höhenunterschied von rund 2300 m oder einen Böschungswinkel von 27° 18' ergibt. Aehnliche Höhenunterschiede und Neigungsverhältnisse, die im Tessin die Regel bilden, treten an der N.-Flanke der Alpen nur ausnahmsweise gleichzeitig auf, indem hier die Thäler von meist weit ausladenden Gehängen eingefasst erscheinen und langsamer sich senken, so dass sie, wie z. B. das Engadin, auf lange Strecken hin eine hoch gelegene Sohle aufweisen.
Diese tief eingeschnittenen Thäler und steilen Bergflanken zeugen von einer lebhaft und ununterbrochen tätigen Arbeit der Erosion, deren Hauptursachen in den an der ganzen S.-Flanke der Alpen fallenden Sturzregen zu suchen sind. Die den Kanton zu beiden Seiten einfassenden italienischen Thäler von Ossola und Chiavenna weisen die selben Verhältnisse und Eigenschaften auf. Die Austiefung nimmt in einer gewissen Entfernung von der Erosionsbasis (im Tessinthal bei Biasca, 33 km oberhalb des Langensees, und im Maggiathal bei Bignasco, 28 km oberhalb des Langensees) ihr Ende, indem dann die Aufschüttungsarbeit der Flüsse überwiegt, die bis zum Langensee hinunter langgestreckte Alluvialebenen geschaffen haben, auf denen sie selbst fast überall noch unruhig hin und her pendeln und beständig gröberes und feineres Geschiebe ablagern.
Auf längere Strecken verbaut ist einzig der Tessin, dessen kanalisiertes Bett von Bellinzona bis zur Mündung auf eine Strecke von 14,5 km Länge von Dämmen begleitet wird, während die Maggia bloss in ihrem Delta zum Schutze von Locarno und der Weingärten von Ascona eingedämmt ist. Schneller als die durch die Felsschwelle des Ponte Brolla aufgehaltene Maggia erreicht die durch den Isorno aus dem Onsernonethal verstärkte Melezza aus dem Centovalli die gemeinsame Erosionsbasis.
Sie bildet die von blühenden Dörfern umsäumte hübsche Ebene von Pedemonte, die dem Reisenden als das Hauptthal erscheint, so dass er ganz erstaunt ist, wenn er die Strasse nach Bignasco beim Ponte Brolla nach rechts abbiegen und sich in der engen Mündungsschlucht der Maggia verlieren sieht. Die ebenfalls den Charakter eines Wildwassers tragende Verzasca durchfliesst ein enges Thal, öffnet sich mit tiefer Schlucht zum Langensee und hat hier ebenfalls eine Deltafläche angeschwemmt.
Das Delta der Maggia in den Langensee ist eines der charakteristischsten und typischsten und weist mit seinem regelmässigen Bau und seiner Ausdehnung auf die grossen Geschiebemengen hin, die von diesem Fluss in den See hinaustransportiert werden. Indem sie senkrecht auf das Seeufer ausmündet, hat die Maggia ihren Schuttkegel, dessen Rand zwischen Ascona und Locarno einen nahezu vollständigen Halbkreis bildet, ungehindert abzulagern und in die Breite zu dehnen vermocht.
Sie schiebt ihr Delta dem gegenüber liegenden Ufer zu immer weiter in den See hinaus und wird eines Tages den obersten Abschnitt des Langensees vom Rest des Seebeckens abschnüren. Die jetzt vor der Ueberflutung durch die Hochwasser geschützte weite Deltafläche beginnt sich mit Kulturen verschiedener Art zu bedecken; doch wird der kiesige und mit Quarzsand überführte Boden noch auf lange hinaus in der Hauptsache bloss Weideflächen und Pappeln tragen.
Der Sopra Ceneri ist zum grössten Teil Bergland. Der Boden besteht vorwiegend aus kristallinen Gesteinen von gleichmässiger Textur, die wenig zur Verwitterung neigen und von den heftigen Regengüssen sauber abgewaschen werden, so dass dieser Abschnitt der Alpen ein unwirtliches, ödes und etwas einförmiges Aussehen erhält. Eine eigentliche Humusdecke hat sich somit auf diesen steilen Granitflächen kaum herauszubilden oder zu halten vermocht, sodass dem Tessin, mit Ausnahme ¶
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des an grossen Alpflächen von bunter Farbenpracht reichen Bleniothales, jene grossen Alpweiden mit ausgedehnten Mattenflächen und sanft gerundeten Formen fehlen, wie sie die N.-Flanke des Gebirges so lieblich schmücken. So finden wir überall bloss dunkelblauen Fels, von Runsen angerissene nackte und lange Halden und mit lichtem Lärchengehölz gekrönte glatte hohe Wände, sowie stellenweise einige Maiensässe («monti» genannt), die mit Steinen eingedachte Häuser tragen und als grüne Flecken aus dem sie umrahmenden dunklen Ginstergebüsch aufleuchten.
Den Bergfuss decken dichte und ausgedehnte Kastanienselven, in denen die Dörfer mit ihrem an Italien erinnernden Campanile versteckt liegen. Ueber der Grenze des Baumwuchses sind, namentlich in den Quellkesseln der Seitenthäler, magere Alpweiden vorhanden, die zu oft mit unfruchtbarem Sturzschutt überführt erscheinen und deren Grasteppich durch Sonnenbrand und Frost rasch welkt. Zu oberst endlich folgen die scharfen Felsgräte, die sich oft in weitem Sogen von Gipfel zu Gipfel schwingen.
Die Herausbildung von derart weiten Erosionszirken, wie sie z. B. das Becken von Salanfe oder die Engstligenalp darstellen, ist in den engen Hauptthälern nirgends möglich gewesen. Die Seitenthäler sind kurz und steil und münden mit engen und tiefen Schluchten aus, in welche sich die Lawinen hinunterstürzen. Nur selten sieht man vor der Mündung einer solchen Schlucht jene flachen und breiten Schuttkegel liegen, die sich anderswo ins Hauptthal hinausbauen und dessen Fluss an die jenseitige Bergflanke hin drängen.
Hier hat im Gegenteil der rasch und kräftig strömende Wildbach des Hauptthales das von den Seitenarmen hergeführte Geschiebe immer wieder vorweg thalauswärts zu schwemmen vermocht. Eine Ausnahme scheint der den Ausgang des Bleniothales abdämmende mächtige Schuttkegel zu machen, der unter dem Namen der Buzza di Biasca bekannt ist und in Wirklichkeit eine Bergsturzmasse darstellt, die vom Brenno trotz seiner intensiven Tätigkeit noch immer nicht in erheblichem Masse hat weggeschafft werden können.
Bemerkenswert ist auch, dass im ganzen Sopra Ceneri keine einzige hoch und kühn aufragende Berggestalt sich zeigt, die sich von ihrer Umgebung scharf abheben würde und den Blick zwingend auf sich zu lenken vermöchte. Es erklärt sich diese Erscheinung aus dem geologischen Bau des Gebirges. Wir haben hier regelmässig aufeinander gelegte Gneisdecken von unter sich homogener Struktur vor uns, die nicht so mächtig zusammengepresst und disloziert worden sind wie im Zentrum und an der N.-Flanke der Alpen. So sieht man auch nur wenige jener aufgerichteten, gefalteten, zerknitterten und gequetschten Schichtengebilde, wie sie andernorts von den Kräften der Erosion zu Spitzen und Gipfeln jeder Gestalt und Grösse ausgestaltet worden sind.
Im N.-Abschnitt des Kantons tritt indessen ein Gebiet mit weniger steilen Gehängen und mit sanftern Umrissformen auf. Es sind hier zwischen die Gneisdecken streckenweise wechsellagernde Schichten von Dolomit, Gips und Glanzschiefern eingesenkt, deren tonige Natur sie leichter verwitterbar und den atmosphärischen Agentien gegenüber weniger widerstandsfähig macht. Daraus ergeben sich abwechslungsreichere Bodenformen, die von denen des mittlern und südl. Tessin wesentlich abweichen. Zu dieser Zone gehören das Bedrettothal mit seinen die Flanken bedeckenden und von den Lawinen durchfegten Waldungen; dann das weit offene und mit saftigen Alpweiden überzogene Val Piora mit seinen malerischen Bergseen, die nach der Ansicht gewisser Geologen ihre Entstehung der lösenden Einwirkung des Wassers auf den anstehenden Gips und den daraus sich ergebenden Einbrüchen verdanken sollen; ferner die breite Passlücke des Lukmanier, wo (neben dem Val Piora) die einzigen Arven im ganzen Kanton gedeihen, dann die mit Dörfern und weissleuchtenden Kapellen übersäten Terrassen über Faido und Ambri, sowie endlich die mit schönen Matten und vom Gletscher geschliffenen Rundhöckern geschmückte Schulter von Dalpe, die die Piumogna in raschem und schäumendem Lauf durchfliesst.
Im Sotto Ceneri ist die Neigung der Gehänge kaum weniger steil als im mittleren Abschnitt des Kantons. So stehen z. B. die schroff zum Luganersee abstürzenden Wände des Monte Generoso oder Monte San Salvatore den Steilhängen der Leventina und des Maggiathales in nichts nach. Dagegen erscheinen hier die Kämme mehr abgerundet, die Höhen geringer und die sonst nackten Felspartien durch eine üppig wuchernde Baum- und Buschvegetation verhüllt. Einzig der Camoghè (2226 m) und Klonte Tamaro (1966 m) heben ihre kahlen Häupter bis in die Region der Alpweiden hinauf. Monte Generoso und San Salvatore beherrschen als vorgeschobene Posten der südl. Präalpen die oberitalienischen Ebenen und bieten sowohl nach dieser Seite hin als auch gegen die Hochalpen eine weitgedehnte Aussicht. Die Bergformen erhalten durch die abwechselnd aus Gneis, Porphyr und Kalkstein bestehende geologische Grundlage eine grosse ¶