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Das Tourbillon ist eine Konstruktion, bei der Unruh mit Spiralfeder und Hemmung in ein offenes, drehbares Gestell montiert sind, das um sich selbst rotiert und damit die senkrechten Lagenfehler aufhebt. In der Mittelachse des Drehgestells ist unter der Unruh das vom Sekundenrad getrennte Sekundentrieb montiert, das vom Kleinbodenrad angetrieben wird und das Drehgestell dreht. An dem in der Drehgestell-Mittelachse fest auf die Werkplatine geschraubten Sekundenrad rollt das Hemmungstrieb ab und treibt das Hemmungsrad an. Das Tourbillon wurde um 1800 von Breguet erfunden und 1801 patentiert. Es kann, je nach Konstruktion, unterschiedliche Umlaufzeiten haben. Bei der oben beschriebenen Anordnung macht es eine Umdrehung pro Minute. Das Tourbillon ist eine der kompliziertesten und schwierigsten Konstruktionen in der Uhrmacherei. Es ist eigentlich nur sinnvoll in tragbaren Uhren, wurde gelegentlich aber auch in ortsfeste Uhren (Marinechronometer, Tischuhren) eingebaut.
Technisches
Der Aufzugmechanismus besteht aus einem Pendel oder auch Schlegel genannt, das jedoch nicht senkrecht herunterhängt, wenn die Uhr am Bügel gefasst wird, sondern quer über die hintere Platine liegt. Der Hebelarm wiederum steht mit einer Welle in fester Verbindung, um welche sich eine kleine Uhrfeder spiralförmig herumlegt. Diese Feder drückt in gespanntem Zustand den Hebelarm nach oben, also nach der Seite des Gehäuses an welcher der Bügel befestigt ist. Da nun die Uhr mit dem Bügel nach oben am Handgelenk getragen wird, bewirkt die kleinste Bewegung, dass durch die am Pendel befestigte Welle die Spannung der Zugfeder erhöht, also die Uhr aufgezogen wird. Gleichzeitig mit dem Herabstossen des Armes wird die um ihre Welle liegende Spiralfeder in grössere Spannung gebracht, so dass sie denselben wieder zurück in seine ursprüngliche Lage schnellt. Dieses Spiel, ausgelöst durch die Bewegungen des Handgelenkes, setzt sich so lange fort, bis die Uhr vollständig aufgezogen ist. Durch einen ausgeklügelten Mechanismus wird ein überziehen verhindert.
Aufgepasst! Tourbillon oder Karusell?
Das Tourbillon ist ein Meisterstück der Uhrmacherkunst. Doch ein Tourbillon wird auch häufig mit einem Karusell verwechselt. Um gleich am Anfang eine Differenzierung vorzunehmen dazu kurz:
Andreas Strehler Uhrmacher und AHCI-Mitglied (Acadernie Horlogere des Createurs Independants) erklärt in wenigen Worten was ein Toubillon ist:
„Im weitesten Sinne sind ein Tourbillon und ein Karussell das Gleiche. Beide Systeme heben den Schwerpunktfehler von tragbaren Uhren auf, und in bei den Uhrtypen dreht die Unruh um eine Achse. Der eigentliche Unterschied besteht in der Antriebstechnik“
Dazu sagte einmal Reinhard Meis (Konstrukteur des Reverso-Tourbillon und Fachbuchautor):
„In meinem Buch habe ich die bei den Systeme klar definiert. Und trotzdem ist es so, dass selbst Fachleute Mühe haben, ein Tourbillon von einem Karussell zu unterscheiden oder umgekehrt.“
Als Tourbillon eine Uhr zu bezeichnen, in der sich die Unruh in der Verlängerung ihrer Schwingungsachse noch zusätzlich um sich selbst dreht. Mit andern Worten: Der Drehpunkt des Drehgestells liegt auf der gleichen Linie wie der Drehpunkt der Unruh. Bei allen Tourbillons, mit Ausnahme jener von Achille-Hubert Benoit und Albert Potter, zweier Uhrmacher des 19. Jahrhunderts, wird das Hemmungsrad nur durch Drehen des Drehgestells angetrieben. Das Drehgestell ist somit Bestandteil des Räderwerks.
Beim Karussell stelle man sich ein Kettenkarussell auf einem Jahrmarkt vor, bei dem das an Ketten hängende Stühlchen die Unruh sein soll. Häufig schaukelt das Stühlchen auch hin und her und wird gleichzeitig mit dem eigentlichen Karussell herumgeführt. Der Drehpunkt der Unruh und jener des Drehgestells liegen allgemein nicht in einer Linie, sondern der Drehpunkt der Unruh kreist, einem Karussellstühlchen ähnlich, um den Drehpunkt des Drehgestells. Als Karussell ist eine Uhr zu bezeichnen, bei der das Hemmungsrad, wie in einer gewöhnlichen Uhr, durch das Räderwerk angetrieben wird. Das Drehgestell wird lediglich durch ein separates Rad (meist zusätzlich auf der Welle des Kleinbodenrades) angetrieben. Trennt man diesen Eingriff, geht die Uhr trotzdem weiter, ohne dass sich das Drehgestell dreht. Das Drehgestell ist also beim Karussell kein Bestandteil des Räderwerks.