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Was wäre die Welt ohne Liebe?
Johann Wolfgang v. Goethe “Die Leiden des jungen Werther“ | Junges Schauspielhaus Zürich
Das Junge Schauspielhaus Zürich zeigt Goethes Bestseller in Bühnenfassung. Dabei knallen die Gegensätze des poetischen Deutschs auf eine kalte, requisitenlose Bühne. Ein Spiel voller Wortgefechte, aber leider auch ohne Spannung.
Von Salome Kern.
Johann Wolfgang von Goethe beschreibt in Briefform autobiografisch eine unglückliche Liebe, Werther kommt von der Stadt aufs Land. Der Bürgerliche lernt bei einer Kutschgesellschaft Lotte kennen, die durch den Tod ihre Mutter in deren Rolle schlüpfen musste. Fasziniert beobachtet Werther, wie sie unter ihren jüngeren Geschwistern Brot verteilt. Beim Tanz erfährt er, dass seine Angebetet mit dem lieben, braven Albert so gut wie verlobt ist. Die Männer freunden sich an und ein Dreiecksverhältnis entsteht. Werther kann seine starke Liebe zu Lotte nicht verleugnen. Als er sie besucht und ihr Gedichte vorliest, küssen sie sich leidenschaftlich. Die Braut reisst sich los und rennt in ihr Zimmer. Die Tragödie endet mit dem Selbstmord Werthers, aufgeführt durch eine von Albert ausgeliehene Pistole.
„Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei“
Die drei Schauspieler stehen in der Matchbox des Schiffbaus in Strassenkleidung vor dem Publikum. Daniel Kuschewski führt Regie und ist gleichermassen in der Rolle des Alberts. Sie laufen an den hinteren Bühnenrand und ziehen ihre schlichten Kostüme an. So schlüpfen sie in die Rollen des Werthers, der Lotte und des Alberts. Das Stück beginnt mit einem Monolog von Werther, er vereint die Erzählform mit der direkten Rede. „11. Mai, 12. Mai, 13. Mai.“ Werther erzählt, wie er die Tage erlebt hat. Diese Aufzählung der Tage ist der rote Faden durch die ganze Aufführung. Mal mit kleinen, mal mit grossen Zeitsprüngen führen die Schauspieler durch das Theater.
Jeder der das Stück von Goethe gelesen hat, erkennt, wie abstrakt die Szenen aus dem Roman dargestellt werden. Die Dreiecksbeziehung ist nun eine Umarmung von Albert und Werther. Lotte ist dazwischen und umarmt beide abwechselnd. Tänze werden durch leisen Singsang oder Zählreime und angedeutete Tanzschritte demonstriert.
Auf die Spitze getrieben Abstraktion
An den schauspielerischen Fähigkeiten gibt es nichts auszusetzen. Besonders Werther überzeugt mit seiner ausdruckstarken Mimik. Wer Goethes klassisches Werk liebt, wird aber enttäuscht. Dem Theater fehlen die Handlung und das Spielen. Auch mit geschlossenen Augen würde man kaum etwas verpassen. Oft stehen die Schauspieler nur auf einer waagrechten Linie und erzählen. Der Spannungsbogen wird abgeflacht, das Publikum kann kaum mit Werther mitfiebern. Die Tragödie wird so abstrahiert, dass es oft lächerlich wirkt. Es mag ja eine moderne Interpretation sein, doch der Zuschauer geht nicht ins Theater um eine Geschichte zu hören, sondern um sie zu erleben. So hat man die Gestik und Bewegung vermisst. Zumindest, mag der Goethe Bewunderer denken, wird das schöne Deutsch nicht auch noch modernisiert.
Besprechung der Aufführung vom 9. Dezember 2011.
Dauer: ca. 120 Minuten. Keine Pause.
Besetzung: Daniel Kuschewski, Kathrin Veith, Lukas Waldvogel
Regie: Daniel Kuschewski
Bühne und Kostüme: Thomas Unthan