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«Eulen» haben grösseres Risiko, psychisch zu erkranken
Der Psychologe Juan Manuel Antúnez von der Universität Malaga in Spanien befragte 2283 gesunde spanische Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Zunächst wurden sie einem Chronotyp zugeteilt. Dabei stellte sich heraus, dass etwa 28 Prozent Eulen und 23 Prozent Lerchen waren. Die restlichen 49 Prozent der Testpersonen konnten keinem der beiden Chronotypen zugeteilt werden.
Die Probandinnen und Probanden füllten zudem einen Fragebogen aus, um ihre Strategie der Emotionsregulation zu untersuchen. Einerseits die «kognitive Neubewertung», bei der eine belastende Situation umgedeutet wird, um emotionale Folgen abzufedern. Diese Strategie ist verbunden mit grösserem Wohlbefinden. Auf der anderen Seite die Unterdrückung von Emotionen, eine maladaptive Strategie, die mit psychischen Problemen wie Depressionen zusammenhängt.
Eine weitere Skala bewertete die Metakognition der Testpersonen, also die Art und Weise, wie sie über ihre Gedanken und Gefühle nachdenken. Schliesslich wurden sie gebeten, ihr Durchsetzungsvermögen, eine wichtige Schutzfähigkeit, einzuschätzen.
Es zeigte sich, dass die Chronotypen mit Emotionsregulationsstrategien, Metakognitionen und Durchsetzungsvermögen zusammenhängen. Je näher jemand beim Lerchen-Typ war, desto wahrscheinlicher war es, dass er kognitive Neubewertung anwendete. Diejenigen, die dem Eulen-Typ näherstanden, unterdrückten eher ihre Emotionen, tendierten zu einer maladaptiven Art der Metakognition und berichteten über wenig Durchsetzungsvermögen, während die Lerchen diesbezüglich hohe Werte erzielten.
Warum schnitten die Eulen insgesamt schlechter ab? Gemäss dem Forscher sind sie aufgrund ihres Biorhythmus nicht an den Tagesablauf der meisten Länder angepasst. Sie litten an einem «sozialen Jetlag», der zu grösserer Müdigkeit führe. Längsschnittstudien seien erforderlich, um diese These zu bestätigen. Die Ergebnisse hätten aber gezeigt, dass der Eulen-Typ ein Risiko-, der Lerchen-Typ hingegen ein Schutzfaktor hinsichtlich der Entwicklung von psychischen Störungen sei.
Antúnez, J. (2020). Circadian typology is related to emotion regulation, metacognitive beliefs and assertiveness in healthy adults. PLoS One. doi : 10.1371/journal.pone.0230169