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Auswirkung des Fischotters auf den Fischbestand
Mit der Rückkehr des Fischotters in ein Gebiet, aus dem er seit Jahrzehnten verschwunden ist, verändert sich die Situation in den Gewässern. Es entwickelt sich von neuem ein System mit dem Prädator. Der Fischotter hat einen ökologischen Einfluss auf den Bestand der Fische in seinem Territorium. Die Beutetiere müssen sich an den Prädator anpassen und Strategien zur Feindvermeidung wieder erlernen.
Studien aus Grossbritannien zeigen, dass der Fischotter in einem Gewässer mit natürlich reproduzierenden Forellenbestand bis zu 67% des jährlichen Zuwachses erbeuten kann. Damit – um es in Finanzsprache zu sagen – nimmt sich der Fischotter bis zu 2/3 des jährlichen Ertrags aus “seinen Gewässern”, ohne aber das Kapital anzutasten. Vergreift sich der Fischotter am Kapital, zeigen sich ihm die Konsequenzen relativ rasch: Es hat langfristig nicht mehr genügend Nahrung für ihn, und er muss entweder sein Territorium vergrössern oder abwandern. Sonst lauert der Hungertod.
Wechselwirkung Räuber – Beute
Fischotter räumen keine Fliessgewässer leer. Denn alleine die Jagd auf Fische ist für den Fischotter sehr energieaufwändig. In Gewässern mit guten Fischbeständen ist der Ertrag für den Fischotter höher als der Jagdaufwand. Doch dort, wo Fische dezimiert sind und auch nicht mehr leicht aufzustöbern sind, übersteigt der Jagdaufwand den Ertrag. Der Fischotter verschwindet – und die Fische bleiben. Tatsächlich zeigen Studien (Kruuk 2006, Olmo et al. 2001), die bisher zur Auswirkung des Fischotters auf den Forellenbestand erschienen sind, dieses Muster. Auch bei anderen Raubtierarten wurde dieser Zusammenhang nachgewiesen.
Tauchen Fischotter in Gewässern auf, die aufgrund fehlender Prädation einen unnatürlich hohen Forellenbestand aufweisen, kann das spürbare Auswirkungen haben. Der Fortbestand einer autochthonen Bachforelle ist jedoch auch in einem fragmentierten Vorkommen durch den Fischotter nicht gefährdet. Hingegen kann der Fangertrag für Fischerinnen und Fischer stark sinken bis zum Punkt, wo das Gewässer unattraktiv für die Sportanglerei wird.
Rückgang der Fischbestände
Viele Fische leiden seit Jahren unter Bestandesrückgängen – teilweise massiv. Von 62 Fischarten in der Schweiz sind 8 ausgestorben, 6 vom Aussterben bedroht, 5 sind stark gefährdet und weitere 13 Arten gelten als “verletzlich”. Damit stehen 58% aller Fischarten, inkl. Rundmäuler der Schweiz auf der Roten Liste.
Uferverbauungen, Schwellen, Kraftwerke mit Sunk- und Schwallregime, Trockenheit, Erwärmung der Wassertemperaturen aufgrund des Klimawandels sowie der Eintrag von giftigen oder hormonell wirkenden Stoffen ins Gewässer setzen unseren Fischen massiv zu.
Diese Gründe, inkl. die Infektionskrankheit PKD, sind auch die Ursachen der Abnahme der Bachforellenbestände seit 1980 in der Schweiz, wie eine gross angelegte Studie der EAWAG und BAFU anfangs der 2000er Jahre aufzeigte – weit vor Ankunft des Fischotters in der Schweiz.
Der Abschuss ist keine Lösung
Seit einigen Jahren wird in einigen deutschsprachigen Gebieten, in denen der Fischotter wieder zurückgekehrt ist, der Abschuss von Fischottern gefordert. Grund dafür sind merkbare lokale Bestandesabnahmen von fischereilich interessanten Fischarten wie Forelle und Äsche. Allerdings führt die Entnahme von Fischottern aus einem Gebiet mit einem guten Fischotterbestand nicht zum gewünschten Ziel. Eine Studie, die die Entnahme von Fischottern aus einem Gewässer in Österreich begleitete, zeigte keine Erholung der Forellenbestände nach der wiederholten Entnahme von Fischottern (Kranz et al, 2019).
Indirektes Management
Der Fischotter ist ein Opportunist, was seine Nahrung angeht. Häufig vorkommende Arten werden auch häufiger erbeutet. Wo praktisch nur die Bachforelle vorkommt, wird auch die Bachforelle hauptsächlich erbeutet.
Eine Entspannung des Drucks auf die Forelle durch den Fischotter kann mit der Förderung anderer Fischarten, die weniger stark durch Sportangler genutzt werden, erfolgen. So zeigen Nahrungsanalysen, dass der Fischotter auch die fischereilich wenig interessante Groppe sehr gern frisst. Diese am Gewässerboden lebende Art fehlt heutzutage jedoch vielerorts, da sie künstliche Schwellen von mehr als 10 cm Höhe kaum überwindet. In der Schweiz bestehen über 100’000 Schwellen mit Höhen von mind. 50 cm. Diese versperren der Groppe und anderen wander- aber nicht sprungfreudigen Fischarten den Weg in die Bäche.
Ein langfristig erfolgreiches Fischottermanagement sollte auf die Förderung von Lebensräumen für eine vielfältige Fischwelt bauen. Insbesondere kann die Wiederherstellung von Vernetzungsachsen der schlecht wandernden Groppe helfen, den Frassdruck auf die Forelle zu senken. Denn wo die Groppe durchkommt, finden auch andere Fischarten wieder ihren Weg.
Literatur
Kranz A. & Ratschan C., 2017. Zu Auswirkungen des Fischotters auf Fischbestände in Fließgewässern Oberösterreichs. Analysen und gutachterliche Einschätzungen sowie Managementvorschläge. Bericht, 22 Seiten.
Kranz A. & Rechberger A., 2021 Zur Nahrungsökologie des Fischotters in Hinblick auf gefährdete Fische am Beispiel von Gamlitz- und Schwarzaubach in der Steiermark.. Enbericht, 153 Seiten
Kruuk H., 2006. Otters: Ecology, Behaviour and Conservation. Oxford University Press, 278 Seiten
Kruuk H. & Carss D.N., 1993. Otter (Lutra lutra) numbers and fish productivity in rivers in north-east Scotland. Symposium of the Zoological Society of London, 65, S. 171-191
Ruiz-Olmo J, Lopez-Martin J.M. & Palazon S., 2001. The influence of fish abundance on the otter Lutra lutra populations in the Iberian Mediterranean habitats. Journal of Zoology, 254, S. 325-366.