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Am Dienstagmorgen machten wir uns gemütlich bereit. Um 09:00 Uhr hatte ich einen Coiffeur Termin im Einkaufszentrum. In der Zwischenzeit nutzte Sara die Möglichkeit und shoppte ein wenig. Viel gab es in diesem kleinen Einkaufszentrum nicht, jedoch hatte es alles was man braucht. Anschliessend gingen wir zusammen bei „Woolworths“ einkaufen, der Laden befand sich ebenfalls in der Mall. Dieses Mal kauften wir nicht einfach für die nächsten Tage ein, sondern wir bereiteten uns auf die „Gibb River Road“ vor. Wir kauften Essen für mindestens sechs Tage, 60 Liter Wasser und Pülverchen mit Elektrolyten und Mineralien, welche wir mit Wasser mischen können. Zu den 60 Liter Trinkwasser haben wir noch zwei 10 Liter Kanister, welche wir ebenfalls mit frischem Wasser auffüllten.
Die „Gibb River Road“ ist eine über 600 Kilometer lange Strecke, welche von „Derby“ nach „Kununurra“ führt. Die Strecke ist mehrheitlich nicht geteert und in unterschiedlichem Zustand. Das Gebiet zählt zu den menschenärmsten der Welt und liegt im nordwestlichen Kimberley. Die „Gibb River Road“ ist eine typische australische Offroad-Strecke, dazu gehört auf jeden Fall der rote Staub, der auch noch durch die kleinste Ritze in das Auto kommt und alles rot färbt. Immer wieder stösst man auf „Corrugation“, das sind Bodenwellen-Querrillen vergleichbar mit Wellblech, die alles im Auto durchschütteln. Je nach Grösse der Bodenwellen ist es besser darüber zu rasen, so schwebt man sozusagen über die einzelnen Rillen dahin. Die Strecke ist, wegen den unzähligen spitzen Steinen als Reifen-Killer bekannt, man hört Geschichten von Leuten die drei Reifenpannen hatten. Es wird daher empfohlen mindestens zwei Ersatzräder mitzunehmen. Nicht zu vergessen die Flussüberquerungen. Von den Australiern haben wir gelernt, dass man vor jeder Überquerung durch den Fluss geht und diesen Inspiziert, wenn man keinen Schnorchel am Auto hat, gilt folgende Faustregel: „If you balls get wet, it’s too deep“ (Falls deine Eier nass werden, ist es zu tief). Der „Pentecoast River“ ist jedoch direkt mit dem Meer verbunden und es wimmelt da anscheinend nur so von Salzwasserkrokodilen, da will man nicht darin herumspazieren! In dieser Region werden regelmässig Temperaturen über 40 Grad gemessen, dazu kommen einige Wanderungen, welche man auf keinen Fall verpassen will. Deshalb müssen pro Tag und Person zirka 6 Liter Wasser mitgeführt werden. Theoretisch gibt es eine Umfahrungsstrasse, welche zwar länger ist, jedoch geteert. Man würde jedoch all die grossartigen Sehenswürdigkeiten verpassen, welche diese Strasse und auch das ganze Kimberley Gebiet so wundervoll machen.
Nachdem Einkaufen füllten wir unsere Benzintanks auf und schon ging es los in Richtung „Derby“. „Derby“ liegt 222 Kilometer von „Broome“ entfernt und ist die letzte Ortschaft vor der „Gibb River Road“, da dort jedoch alles teurer ist, erledigten wir unsere Einkäufe bereits in „Broome“. Auf der zirka zweistündigen Fahrt fuhren wir an einem Bush-Fire vorbei. Wir hielten kurz an und machten einige Bilder.
Momentan brennt es hier in Australien überall. Immer wenn wir in die Weite schauen, sehen wir irgendwo Rauch aufsteigen. Ausserhalb von „Sydney“ sind wie Buschfeuer momentan extrem schlimm, es sind die schlimmsten Buschfeuer seit 10 Jahren! Später kamen wir an einem Roadhouse vorbei, welches „Yeeda“ Beef verkaufte. Wie wir erfahren hatten, ist dieses Rindfleisch eines der besten in „Western Australia“, also kauften wir ein gutes Kilo davon.
Kurz bevor wir in „Derby“ waren, hielten wir und besichtigten den „Boab Prison Tree“. Im 19. Jahrhundert wurden Aborigines gefangen genommen und abtransportiert. Während die Aufseher auf das Boot warteten, mussten die gefangenen Aborigines bei diesem Baum warten.
In „Derby“ angekommen, informierten wir uns im „Visitor Center“ nochmals über die „Gibbs“. Tatsächlich, die Angestellten in „Broome“ hatten keine Ahnung. Angeblich gab es doch Buschfeuer an der „Gibb River Road“ und einige Campingplätze und Gorges mussten deswegen geschlossen werden. Einmal mehr wurden wir gefragt, ob wir ein Fahrzeug mit Allrad hatten und wir wurden nochmals darauf hingewiesen, dass wir viel Wasser mitführen sollen.
Wir fuhren zum nächsten Campingplatz, denn es war bereits 14:00 Uhr und jetzt noch die „Gibb River Road“ zu starten, hätte keinen Sinn gemacht. Der Campingplatz war sehr nett. Die Badezimmer schön und sauber und auch sonst gab es nicht zu beklagen. Am Nachmittag fuhren wir zu einer Aborigine Kunstausstellung. Einige Bilder waren sehr interessant, andere Bilder hätte meine knapp drei jährige Nichte besser gemalt. Die Preise für die Bilder waren exorbitant! Auf der Rückfahrt füllten wir den Benzintank nochmals randvoll und fuhren zum Campingplatz zurück. Am Abend grillierten wir das Rindfleisch. Das Fleisch war wirklich sehr gut, doch leider hatte es zwei Sehnen quer durch das Fleisch, was das Schneiden ein wenig mühsam machte.
Am nächsten Morgen standen wir auf und frühstückten in Ruhe. Um 08:00 Uhr gingen wir zur Rezeption und liessen unsere Gasflasche auffüllen, damit wir auf jeden Fall genug Gas für die kommenden Tag haben. Wir hatten Glück, denn in die Gasflasche war so gut wie leer! Nun ging es los, wir verliessen „Derby“ fuhren einige Kilometer auf der Hauptstrasse zurück und bogen dann links in die „Gibb River Road“ ab.
Die ersten 125 Kilometer waren mehrheitlich geteert und nicht besonders erwähnenswert. Nun mussten wir den regulären Reifendruck von 40 PSI (2.75 Bar) senken, diesbezüglich stelle ich einige Recherchen an. Einmal mehr gehen die Meinung extrem auseinander. Einige Leute meinen den Reifendruck auf 50 PSI zu erhöhen, andere wiederum denken, dass man am Reifendruck nichts verändern sollte und wieder andere sind sich sicher, dass man den Reifendruck zwischen 10 und 50% reduzieren sollte. Ich entschied mich den Reifendruck vorne auf 28 PSI (1.9 Bar) und hinten auf 30 PSI (2.1 Bar) zu senken. Mit reduziertem Reifendruck sollte man die Geschwindigkeit proportional anpassen. Auch wenn einige Leute mit 100km/h über die Schotterwege knallen, soll unseren neue Vmax 80km/h betragen.
Kaum waren wir auf der ungeteerte Strasse unterwegs, kam uns der erste „Road Train“ entgegen. Ungebremst mit zirka 100 Sachen rauschte die Zugmaschine mit drei Anhängern an uns vorbei und hinterliess eine dicke Staubwolke. Wir mussten sofort abbremsen, denn die nächsten 20 Sekunden sahen wir nichts mehr und Luft bekamen wir auch fast keine mehr, denn es drücke den Staub richtig in unser Auto hinein!
Unseren ersten Halten machten wir beim „Windjana Gorge National Park“. Einmalmehr machten wir Gebrauch von unserem Monatspass, welcher noch immer gültig ist. Beim Eingang sprachen wir noch etwas mit einem älteren australischen Ehepaar, bevor wir dann, mit viel Wasser und der Kamera im Gepäck losliefen. Kaum liefen wir in die Schlucht hinein, sahen wir einige grosse Kuh unter einem Baum relaxen. Im unteren Teil war das Flussbeet total ausgetrocknet. Weiter oben hatte es noch etwas Wasser im „Lennard River“, wo wir dann auch einige Süsswasserkrokodile sahen. Unsere erste Krokodile in Australien :-)
Die Süsswasserkrokodile werden hier „freshies“ und die Salzwasserkrokodile „salties“ genannt. Im Gegensatz zu den „salties“ sind „freshies“ angeblich nicht aggressiv und haben Angst vor Menschen, wir haben dazu anderen Informationen gefunden. Wir gingen noch ein Stück in die Schlucht hinein. Die hundert Meter hohen Felswände sind ein Überbleibsel eines uralten Riefs im Meer und waren fantastisch anzuschauen. Da sich die Landschaft nicht veränderte und es immer dieselbe Aussicht blieb, entschieden wir uns umzudrehen.
Weiter ging die Fahrt zum 24 Kilometer entfernten „Tunnel Creek“. Der „Tunnel Creek“ ist eine knapp 800 Meter lange Höhle, welche unter den Felsen der „Napier Range“ durchführt. Vor dem Abstieg sahen wir noch eine Informationstafel, welche uns darauf hinwies, dass im „Tunnel Creek“ manchmal Süsswasserkrokodile gesichtet werden. Mit unseren Wanderschuhen, den Stirnlampen, Wasser und etwas Mut gingen wir über die grossen Felsbrocken in die dunkle Höhle hinunter. Am Anfang fanden wir immer einen Weg um das Wasser herum, doch bereits nach wenigen Metern mussten wir mit den Wanderschuhen ins Wasser hinein. Im Tunnel hatte es hunderte Fledermäuse, welche an der Decke hingen. Beim genauen Hinsehen, entdeckten wir auch Staglamiten. Wir durchquerten den Tunnel, wobei wir dreimal ins feuchte Nass teigen mussten und bis zu den Oberschenkeln im Wasser standen. Glücklicherweise sind wir auf keine Krokodile gestossen oder zumindest haben wir sie nicht gesehen. Auf der anderen Seite vom Tunnel darf man nicht weitergehen, somit kehrten wir um und liefen wieder alles zurück. Auf dem Weg zurück fanden wir eine Steinformation welche wie ein gefrorener Wasserfall aussah. Wir verliessen die Höhle und liefen wieder zurück zum Auto. Der „Tunnel Creek“ hat uns gut gefallen, er war schön, es hat Spass gemacht und gleichzeitig war es ein Abendteuer!
Wir fuhren die 55 Kilometer wieder zurück auf die „Gibb River Road“, von wo aus wir 115 Kilometer zum „Bell Gorge Campground“ fuhren. Auf dem Weg zum Campingplatz mussten wir insgesamt drei Creeks durchqueren. Zwei waren nicht wirklich tief, aber der Ditte war nicht ohne und wir waren froh, dass unser Auto etwas höher ist, als andere.
Der Campingplatz ist, dafür dass er sich mitten im Bush befindet, super ausgestattet, es gab sogar Solarduschen. Aber mal ganz ehrlich, wer möchte bei über 40 Grad im Schatten eine warme Dusche? Das Problem war eher, dass auch das kalte Wasser eher lauwarm war. Wir sprachen etwas mit den österreichischen Zeltnachbarn, assen Abendessen und gingen gegen 21:00 Uhr schlafen. Als wir vor dem Schlafen gehen, die Zähne putzten und nochmals aufs Klo gingen, sahen wir in der Weite ein weiteres Buschfeuer, welches in der Dunkelheit rot leuchtete und riesig aussah! So ganz wohl war uns dabei nicht, denn wenn der Wind dreht, wäre das Feuer innert wenigen Minuten bei uns gewesen. Auf der Toilette sahen wir noch einige Frösche, die fanden das Baden im Wasser toll, wenn die wüssten… :-)
Ausser dem Buschfeuer war die Nacht sehr angenehm, es ging ein verhältnismässig kühles Windchen. Nachdem Frühstück machten wir uns gemütlich bereit und fuhren um 07:30 Uhr ab, wir waren fast die Letzten vom Campingplatz. Der Weg zur „Bell Gorge“ war so extrem holperig wie bereits zum Campground, zum Glück waren es nur 10 Kilometer. Wir parkierten das Auto und liefen los. Bis zur Gorge sind es 750 Meter und dann nochmals 500 Meter um auf die andere Seite nach unten zu gelangen. Die Wanderwege waren der Kategorie 4 und 5 eingestuft, wir empfanden es moderat. Wir hatten Glück, als wie die Gorge erreichten, waren nur zwei Personen da. Wir machten einige Bilder von oben und liefen dann auf der anderen Seite des Flusses hinunter, um den Wasserfall von unten zu betrachten. Unten war niemand und wir hatten den Wasserfall über eine halbe Stunde für uns alleine. Baden gingen wir nicht, wir genossen einfach die Ruhe, es war extrem friedlich.
Wir fuhren wieder am Campingplatz vorbei und die Buckelpiste zurück zur „Gibb River Road“. Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel sahen wir ein Mülldeponation, welche wir nutzten wollten, da es beim Campground keine Abfallkübel hatte. Als wir anhielten um unseren Müll zu entsorgen, waren wir geschockt. Wir haben von vielen Leuten bereits schockierende Geschichten über Abfallentsorgung und Abfallverbrennung in Australien gehört, nun sahen wir es selbst. Mit einem Bagger wurde eine Grube für den Abfall ausgehoben. Eventuell wird der Abfall zuerst verbrannt, bevor er wieder zugedeckt wird. Es befand sich alles Mögliche in der Grube.
Auch Batterien werden im Übrigen in Australien einfach in den Müll geworfen! Australier welche den Ölwechsel bei ihren Fahrzeugen selbst machen, fahren in den Bush hinaus, öffnen die Ölablassschraube warten 10 Minuten, bis das ganze Öl auf den Boden ausgelaufen ist, rollen das Fahrzeug kurz weg, machen die Schraube wieder an und füllen frisches Öl nach.
Unterwegs zur „Galvans Gorge“ hielten wir bei einem Lookout. Glücklicherweise haben die Buschbrände nicht alles verwüstet und so hatten wir einen tollen Ausblick.
Bei der „Galvans Gorge“ liefen wir den gut fünfminutigen Wanderweg nach hinten. Es war nett und es hatte sogar einen Swing, doch irgendwie war uns noch nicht nach baden, so genossen wir einen kurzen Moment, bis ein andere Paar mit zwei Hunden zu uns stiess. Die Hunde wurden plötzlich extrem aggressiv und rannten bellend auf uns zu. Die Besitzer riefen die Hunde zwar zurück, doch diese interessierte das nicht. Nur einige Meter vor uns hielten die Hunde, legten die Ohren nach hinten und zeigten uns die Zähne. Es dauerte einen Moment bis die Besitzer die Hunde am Halsband packten, während dessen riefen sie uns nur zur: „Die Hunde tun euch nichts“. Hä, wollt ihr mich verarschen? Ziemlich gehässig und auch geschockt liefen wir zum Auto zurück.
Nach einer halben Stunde Fahrt erreichten wir die angeblich einzige Tankstelle auf der „Gibb River Road“, welche Benzin verkaufte. Da wir nicht sicher waren, welche Umwege wir noch machten möchten und auch nicht unbedingt mit den letzten fünf Litern Benzin nach „Kunununrra“ rollen wollten, füllten wir 30 Liter zum Wucherpreis von AUD 2.40 pro Liter auf! Wir können uns jedoch nicht beklagen, alle anderen grossen Fahrzeuge ohne zweiten Tank müssen hier volltanken. Beim Roadhouse kaufen wir uns auch zwei Permits für die „Manning Gorge“. Da sich diese Schlucht auf Aborigines-Land befindet, muss man dafür bezahlen.
Wir fuhren die sieben Kilometer nach hinten, parkierten den Wagen und liefen zum Wasser. Diesen Pool mussten wir überqueren, damit wir zur „Manning Gorge“ laufen konnten. Sara nahm den „Dry-Bag“ mit der Kamera und ich den Rucksack mit unserem Kleidern, Schuhen und Getränken darin. Bis zum Hals ging es ins Wasser hinein. Wir überquerten den kleinen See ohne Zwischenfälle.
Auf der anderen Seite zogen wir uns wieder an und liefen weiter. Der Weg zur Schlucht zog sich in die Länge, die Wanderung an der prallen Nachmittagssonne dauerte eine knappe Stunde. Total durchschwitzt kamen wir an, zogen uns nochmals um und gingen sofort ins Wasser. Das österreichische Paar vom letzten Abend und ein australischen Paar waren sich ebenfalls am Abkühlen. Wir sprachen etwas zusammen. Eigentlich wollten die Österreicher, wie auch wir, auf dem Campingplatz bei der „Manning Gorge“ übernachten. Doch das Buschfeuer vor wenigen Wochen zerstörte die Duschen und Toiletten und die Besitzer schlossen den ganzen Campingplatz für diese Saison. Die beiden Australier empfahlen uns einen anderen Platz, nur 30 Kilometer entfernt, welcher sogar gratis war, dafür aber auch keine Toiletten und Duschen hatte. Wir verweilten ein wenig, bis das Wetter etwas zu machte und verliessen die schöne Schlucht wieder.
Zurück auf der „Gibbs“ fuhren wir zu diesem kostenlosen Campingplatz. Nach 30 Kilometer sahen wir die Abzweigung zum Rastplatz. Die Australier warten uns, dass es wohl die längsten drei Kilometer in ihrem Leben waren, da die Strasse sehr anspruchsvoll zum Fahren ist. Tatsächlich fuhren wir zum Teil im Schritttempo die Strasse entlang. Das mit Abstand anspruchsvollste Stück waren die letzten 300 Meter. Wir mussten einen ausgetrockneten Fluss überqueren, ohne Allrad und sehr viel Bodenfreiheit wäre es unmöglich gewesen. Es waren noch zwei andere Fahrzeuge da, was uns beruhigte, denn mitten im Bush wollten wir nicht alleine sein. Wir sprachen etwas mit zwei anderen, welche bereits die zweite Nacht da verbringen. Als wir unser Dachzelt aufstellen wollten, kamen die zwei Idioten mit den aggressiven Hunden von der Gorge zurück, das zweite Fahrzeug war ihres! Uns verging das Campen dort gleich wieder. Im gleichen Augenblick kamen die Österreicher um die Ecke gelaufen, sie trauten sich nicht mit ihrem Mitsubishi Pajero nach hinten zu fahren. Wir packten wieder zusammen und fuhren zurück auf die andere Seite des Flusses, auch da hatte es Platz zum Campieren. Rainer, der Österreicher wollte unbedingt zusehen und fotografieren, wie wir zurückfahren, eigentlich waren die beiden auf dem Weg zur Gorge. Der Rückweg war etwas harziger und nicht ganz so intuitiv wie der Hinweg. Sara prüfte die Bodenfreiheit, Rainer fotografierte und ich fuhr. Auf der anderen Seite angekommen, begann es zu donnern. Wir stellten unser Dachzelt nicht auf. Das Wetter war total unberechenbar, es sah aus, als würde es jederzeit zu regnen beginnen. Irgendwann entschieden wir uns dann zu kochen. Nachdem Essen sprachen wir noch etwas mit Rainer und Gerdruth, bis wir uns dann entschlossen schlafen zu gehen. Da es mal Nah und mal in der Ferne überall Blitze und es immer wieder nach Buschfeuer roch, entschieden wir uns im Auto zu schlafen, damit wir jederzeit abfahrbereit sind, sollte etwas passieren. Kaum sassen wir im Wagen, begann es zu Regnen. Im Auto lief uns der Schweiss nur so herunter, wir öffneten die Fenster ein wenig, doch auch das brachte nichts. Es hörte schon bald wieder auf zu regnen und auch die Blitze liessen nach und wir diskutierten, ob wir das Dachzelt nun aufstellen sollen. Nachdem wir knapp 1.5 Stunden im Auto geschwitzt hatten und kein Auge zugemacht hatten, stellten wir das Zelt auf und genossen die frische Luft nachdem kleinen Gewitter, welche durch das Dachzelt zog.
Wir schliefen gar nicht so schlecht, aber wir mussten uns eingestehen, dass irgendwo im Busch, zwischen Dingos, Kühen, irgendwelchen giftigen Tieren, Buschbränden, plötzlichen Überflutungen, Zyklonen und ohne Handyempfang, schlafen nicht unbedingt unser Ding ist. Vielleicht brauchen wir noch etwas Übung oder die richtige Begleitung, aber vorerst war das die letzte Nacht ausserhalb eines Campingplatzes. Zur Gorge gingen wir nicht, da die beiden Hunde immer noch da unten waren.
Am Freitag waren einige Kilometer auf dem Tagesplan. Da aufgrund der Buschfeuer nicht mehr alle Sehenswürdigkeiten offen waren, mussten wir bis fast zum Ende der „Gibb River Road“ fahren. Langweilig war es jedoch trotzdem nicht. Durch den Regen bildeten sich grosse Pfützen, welche wir durchfahren mussten.
Bei einer langen Geraden war die rechte Seite abgebrannt, die linke Seite wurde jedoch vom Buschfeuer verschont, ein ganz spezielles Bild!
Unterwegs kreuzten wir zwei Fahrzeuge, welche die Strasse wieder in einen guten Zustand brachten. Durch den Regen entstanden auch Schlammlöcher, glücklicherweise zählten wir zu den ersten welche dadurch fahren, nach einigen Tagen und vielen Fahrzeugen entwickeln sich diese zu Schlammgruben. Unterwegs gab es einige Aussichtspunkte. Immer wieder sahen wir abgebrannte Stellen, jedoch auch viele grüne schöne Flächen.
Gegen Mittag erreichten wir die „Home Valley Station“, eine Farm. Hier wollten wir uns informieren, um welche Zeit wir den „Pentecoast River“ durchqueren sollten, da zum Teil der Fluss bei Flut zu tief ist. Uns wurde gesagt, dass der Fluss momentan so gut wie kein Wasser führt und wir jederzeit durchfahren können. Die „Home Valley Station“ verfügt über einen Campingplatz, einen Pool, ein Restaurant und eine Bar. Alles war gepflegt und vor allem das Restaurant und die Bar sahen genial aus. Wir entschieden uns spontan dazubleiben. Nachdem wir unser Auto parkiert hatten, machten wir es uns am Pool gemütlich. Nur etwa eine Stunde später, kamen die zwei angefahren, mit welchen wir am Vortag kurz gesprochen hatten, bevor wir uns entschieden doch auf der anderen Seite des Flusses zu schlafen. Sie erkannten uns sofort und entschieden sich auch dazubleiben.
Das Abendessen war nicht so toll. Es hatte so viele Insekten und die mochten unser grünes Curry mehr als wir. Als unsere Teller voll mit Insekten waren, verging uns der Appetit ein wenig und wir entschieden uns an der Bar ein Bier zu genehmigen. Doch daraus wurde nichts, wir stellten fest dass die Milch in unserem Kühlschrank ein Loch hatte und bereits über einen Deziliter ausgelaufen ist. Im Kühlschrank schwamm alles. Zuerst hiess es also noch putzen! Schlussendlich schafften wir es in die Bar, holten uns zwei Getränke uns sassen uns zu Britney und Greg. Es gab Livemusik und wir unterhielten uns mit den beiden. Plötzlich sprang Greg auf und schrie nur „Alien, Alien“. Er ging zu einem anderen Tisch, wo er einen giftigen Frosch entdeckt hat. Mit seinem Flipflop drückte er den Frosch zu Boden, packte ihn an einem hinter Bein und brachte ihn zur Rezeption, wo der Frosch in einen speziellen Sack verpackt wurde. Auf Tafel wurde man auf diese Frösche hingewiesen, doch Greg kennt sie aus „Queensland“ wo er aufgewachsen ist. Eigentlich sollte man diese Frösche nie mit blossen Händen anfassen, doch dem Aussie war das egal! Einmal mehr mussten wir feststellen, dass die Australien mit einigen Dingen aufwachsen, welche für uns nicht normal sind. Nach einem tollen Abend verabschiedeten wir uns von den beiden und gingen langsam in Richtung Zelt.
Am Samstagmorgen startete die Fahrt extrem ruppig, die Strasse war in einem himmeltraurigen Zustand, zum Glück war es nur ein kurzes Stück. Wir kontrollierten kurz das Auto ob noch alles in Ordnung ist, dabei fiel uns ein penetranter Geruch auf. Nach wenigen Minuten kamen wir zum „Pentecoast River“, leider war der Fluss wirklich total ausgetrocknet und wir konnten einfach durchfahren.
Ein weiteres Highlight auf der „Gibbs“ ist „El Questro“, angeblich sei es geschlossen, doch wir überprüften das selbst, denn man hört bekanntlich vieles. Leider war „El Questro“ tatsächlich geschlossen, so fuhren wir weiter direkt nach „Kununurra“, 45 Kilometer vor dem Dorf endete die „Gibb River Road“. Wir waren glücklich darüber keinen Reifenplatzer gehabt zu haben und das auch sonst so alles gut ging. Die „Gibb River Road“ hat auf jeden Fall Spass gemacht, doch wir hatten erwartet, dass wir unser Allradfahrzeug etwas an die Grenzen bringen, was bei weitem nicht der Fall war.
Bilder: Gibb River Road