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Infosperber berichtete: In der Ukraine finden heute die Wahlen für einen neuen Präsidenten statt. Eine Chance, gewählt zu werden, haben nur steinreiche Oligarchen. In den Umfragen sind wie erwartet die drei Kandidaten Petro Poroschenko, jetziger Staatspräsident und Milliardär, Julija Tymoschenko, ehemalige Ministerpräsidentin und Milliardärin, und Wolodymyr Selenskyi, Show-Business-Man und ebenfalls Multimillionär, weit vorne. Alle anderen der jetzt noch formell im Rennen stehenden 39 Kandidaten und Kandidatinnen hatten gar nie eine Chance, sich irgendwo zu präsentieren, und sind weit abgeschlagen
Für Freitag, 29. März, also zwei Tage vor der heutigen Wahl, war eine Fernsehdebatte auf TV1, dem Staatsfernsehen, für die zuvorderst liegenden drei Kandidaten vorgesehen. Es wäre die erste und einzige echte öffentliche politische Debatte überhaupt gewesen – hätte sie stattgefunden, denn stattgefunden hat sie nicht. Der amtierende Präsident Petro Poroschenko erschien einfach nicht, der Schauspieler und Komiker Wolodymyr Selenskyi lies mitteilen, er habe schauspielerische Verpflichtungen und sei unabkömmlich, nur Julija Tymoschenko erschien. Der Moderator meinte, das sei doch jetzt ihre grosse Chance, jetzt könne sie ganz allein Werbung für sich machen. Tymoschenko aber sagte, sie habe keine Lust, als einzige der drei Kandidaten von den anwesenden Journalisten mit kritischen Fragen zerzaust zu werden – drehte sich um und ging von dannen.
Damit hat der ganze Wahlkampf ohne eine einzige Debatte zu politischen Themen stattgefunden, alle Kandidaten machten nur immer Werbung für sich selbst, wie in anderen Ländern auch üblich vor allem mit leeren Versprechungen. Den Vogel abgeschossen hat dabei der Show-Business-Man Wolodymyr Selenskyi: Er hat auch keine Versprechungen abgegeben, sondern hat überhaupt nie etwas dazu gesagt, was er als gewählter Präsident tun werde. Seine ganze Werbung war das immer wieder neue Abspielen von alten und neuen Filmen mit ihm als Schauspieler oder Komiker – natürlich auf dem TV-Sender, der dem Oligarchen Igor Kolomoisky gehört. Man «kennt» ihn, diesen Wolodymyr Selenskyi, also sehr gut, aber eben nur als Bühnen- und Filmstar. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – ist er in den Umfragen noch immer auf dem vordersten Platz, und dies, obwohl er «vergessen» hatte, auf seiner Steuererklärung anzugeben, dass er auch in Italien noch eine prachtvolle Villa besitzt, wie erst vor einer Woche noch bekannt wurde.
Nach ukrainischem Gesetz findet, falls kein Kandidat das absolute Mehr erreicht, dann zwischen den beiden Kandidaten mit dem besten und dem zweitbesten Resultat ein zweiter Wahlgang statt.