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Als packender Prediger, humorvoller Erzähler, einfühlsamer Seelsorger, sorgfältiger Theologe, der es verstand, das herzliche Vertrauen und das kritische, wissenschaftliche Denken fruchtbar zu verbinden, glaubwürdig - so bleibt René Rissi Vielen in dankbarer Erinnerung. Er selbst blickt mit folgenden Worten auf sein Leben zurück:
Am 5. März 1925 wurde ich als 2. Kind meiner Eltern Mathias und Fanny Rissi-Tobler in St. Gallen geboren. Mit meinem 5 Jahre älteren Bruder verbrachte ich in der Lehrersfamilie eine schöne Kinder und Jugendzeit. In meinem Elternhaus durfte ich früh das Leben im Glauben kennenlernen. Der Primarschulzeit folgten in den bewegten Jahren des 2. Weltkriegs die Jahre am Gymnasium in St. Gallen. Wohl durch das Erlebnis der spannenden Jugendgottesdienste, die mein Vater hielt, beeinflusst, stand in mir schon früh - wie bei meinem Bruder – der Wunsch fest Pfarrer zu werden. Nach der Matura verbrachte ich die Studienjahre in Zürich und Basel. Nach Ende des Kriegs ergab sich die erste Möglichkeit eines Auslandsemesters in Montpellier, wo mich die französische Kirche stark beeindruckte. In den Nachkriegsjahren herrschte ein grosser Pfarrerüberfluss. So war es eine besondere Chance, dass ich durch Vermittlung eines Freundes, die Zusage für die auf 2 Jahre befristete Pfarrhelferstelle in Rothrist bekam, und vorher das damals noch halbjährige Lernvikariat l machen sollte. Es kam glücklicherweise anders. »Hominum confusione, dei providentia«: Mein Vorgänger, der die Stelle auf Herbst 1948 verlassen sollte, wurde an der Stelle, für die er sich beworben hatte, nicht gewählt. Es wurde ihm ein weiteres Halbjahr in Rothrist bewilligt und ich für diese Zeit zum Lernvikariat in die Nachbargemeinde Murgenthal umorganisiert. Dort aber fand ich im Bauernhaus gleich neben dem Pfarrhaus die Chance meines Lebens, meine liebe Frau, Fanny Ruf. Nach 2 Jahren Rothrist wurde ich 1951 nach Sevelen gewählt. Nach 6 schönen, aber enorm arbeitsreichen Jahren für uns beide, kam die Berufung nach Zürich. Der »Pfarrermarkt« hatte sich inzwischen sehr verändert und die Pfarrwahlkommissionen lösten sich Sonntag für Sonntag ab. Die Pfarrwahlkommission der Gemeinde Neumünster in Zürich überzeugte mich schliesslich vom Wechsel. Nun folgten 34 Jahre Arbeit in Zürich. 1965 erfolgte die schon seit der Berufung versprochene Gründung der selbständigen Gemeinde Balgrist.
In der Sevelerzeit wurden uns die zwei Söhne geschenkt. Mathias 1952 und Thomas 1953. In der Zürcher Zeit kamen zu unserer Freude zwei Töchter dazu: Barbara 1958 und Dorothea 1963. Wir haben allen Grund Gott zu danken für den Segen der Familie, für alle Freude mit den 4 Kindern und dann den 9 Grosskindern und schließlich auch noch 2 Urenkeln.
Im Pfarramt galt mein besonderer Einsatz auch der Jugendarbeit mit Religionsunterricht in Sekundarschule und Realgymnasium Rämibühl. Besondere Freude bereitet mir in all den Jahren die Arbeit in der »Jungen Kirche«: in ungezählten Ferienlagern und den wöchentlichen JK-Abenden, zeitweise mit zwei Gruppen.
Mit großem Engagement versah er viele Jahre den Feldpredigerdienst im Inf Rgt 34 und Inf Rgt 52.
1970 gründete ich auf Wunsch der Zeitschrift den Leserbriefkasten der Wochenzeitschrift Leben und Glauben. Man hatte mir zwar prophezeit, dass man die Fragen selber erfinden müsse. Ich habe das nur für die ersten zwei Nummern getan und konnte mich bald manchmal des Stroms der Fragen kaum erwehren. In dieser Arbeit habe ich wohl am meisten selbst profitiert, lernte ich doch – in Zusammenarbeit mit meiner Frau, mit Arzt, Psychiater und Graphologin viel für die Seelsorge. Die entscheidende Freude zum Dienst in der Kirche hatte ich durch Karl Barth und Emil Brunner gefunden. Emil Brunner und Gerhard Ebeling waren während Jahren Gemeindeglieder. Und wenn sie unter der Kanzel sassen ging ich mit vermehrtem Herzklopfen auf die Kanzel. Rückschauend muss ich sagen, dass ich die grosse Arbeit, ohne dass Fanny intensiv mitarbeitete, mitdachte und mitfühlte, und viele gute Ideen einbrachte, nicht denkbar gewesen wäre.
Dazu gehören auch die ungezählten beglückenden Gemeindereisen angefangen mit Ungarn, Südfrankreich, Türkei, etc…
Nach der Pensionierung 1991 folgte zuerst eine Stellvertretung im Spitalpfarramt Neumünster. Die damalige Leiterin, Frau Pfr. Gödri hatte uns angeboten, dass ich mit meiner Frau zusammen die Arbeit als je halbe Stelle versehen könne. Wir nahmen das an, weil damit meine Frau, die in all den Jahren als »selbstverständliche« Arbeitskraft als Pfarrfrau, zum ersten Mal auch kirchlich gleichberechtigt mitarbeiten konnte. Von da an waren wir nur noch im »Multipack« erhältlich. Damit fand die Tatsache, dass ich meine Arbeit nur durch die Zusammenarbeit mit meiner Frau tun konnte, auch äußerlich Ausdruck. Durch Pfr. Bär, den Seelsorger des Alterszentrums Hottingen, wurden wir zunehmend in seine Nachfolge gerufen. Wir schätzten diese Arbeit ausserordentlich, und sind Gott von Herzen dankbar, dass wir Gottes Liebe in Jesus Christus gerade den Menschen in ihrer dritten Lebensphase verkündigen und manche auf ihrem letzten Lebensabschnitt bis zum Ziel begleiten durften. Daneben fanden wir nun vermehrt Zeit, um unsern Garten in unserm Ferienhaus in Oberschan, das immer mehr vom Ferienhaus zur Heimat wurde, zu pflegen. Es machte uns Freude gelegentlich auch dort das Evangelium weiter zu verkünden.<
Ergänzung von Mathias Rissi:
Bis in den Februar 2013 wirkte René Rissi monatlich als beliebter Prediger in der St. Anna-Gemeinde in Zürich. Das war ihm eine große Freude und er tat es wie früher: ansteckend im Bekennen, seelsorgerlich nahe und aktuell und »geerdet«.
Lange Jahre hat er seine Knieschmerzen ertragen. Die späte Knieoperation im Sommer 2013 endlich brachte Linderung. Aber sein Körper konnte die Kraft für die Reha nicht mehr aufbringen. Nach kurzer Bettlägerigkeit ist er am 23. Dezembers 2013 getrost und in heiterer Zuversicht gestorben.
Verfasst von René Rissi und ergänzt durch Mathias Rissi (Sohn)