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Die Schweizerische Nationalbibliothek (NB) sammelt seit ihrer Gründung nicht nur Bücher, sondern explizit Bilddokumente wie Druckgrafiken, Plakate, Editionen, Künstlerbücher, Fotografien und Ansichtskarten – die Bestände der heutigen Graphischen Sammlung (GS). Seit 2007 werden diese von den Sammlungen des Eidgenössischen Archivs für Denkmalpflege ergänzt.
1895: Beginn der Helvetica-Sammlung
Die Nationalbibliothek (früher Schweizerische Landesbibliothek) ist seit 1895 damit beauftragt «Helvetica» zu sammeln. Seit ihrer Gründung sammelt sie nicht nur Bücher und andere Publikationen, sondern auch Bilddokumente. Diese Sammlungspolitik entspringt der Rückbesinnung auf die Ursprünge von Sammlungen und deren Vielfalt in der europäischen Sammlungstradition.
1895 – 1945: Aufbau der Bildersammlung
Der Sammelteil, der heute «Graphische Sammlung» heisst, entstand als sogenannte Bildersammlung. Er setzte sich zusammen aus ikonografischen, grafischen und auch fotografischen Bilddokumenten zu Geografie, Geschichte, Politik, Brauchtum, Kultur und Persönlichkeiten der Schweiz. Auch künstlerische Werke von namhaften Schweizer Kunstschaffenden, insbesondere im Bereich Editionen und Künstlerbücher, wurden seit Beginn in der NB gesammelt.
Aufgrund einer Vereinbarung mit dem Schweizerischen Fotografenverband entstand in der NB 1917 die erste offizielle Fotosammlung der Schweiz. Bis zu ihrem 50-jährigen Jubiläum hatte die NB ein weites Spektrum an Bildmedien mit Druckgrafiken, Schweizer Kleinmeister-Helvetica, Plakaten, Ansichtskarten, Fotografien, Editionen und Künstlerbüchern angesammelt.
1945 – 1989: Abteilung Ältere Bestände
Der Grundstock der heutigen «Graphischen Sammlung», insbesondere der Bereich Fotografie und Schweizer Helvetica-Grafik, wurde in den folgenden Jahrzehnten weiter ausgebaut.
In den 1980er-Jahren übergab Annemarie Gugelmann der NB ihre Sammlung an «Schweizer Kleinmeistern», welche sie zusammen mit ihrem Bruder Rudolf während vier Jahrzehnten aufgebaut hatte. Ausgelöst durch diese beispiellose Schenkung engagierte die NB erstmals eine Kunsthistorikerin, die sich insbesondere diesem Sammelteil widmete.
Bis 1991 verwaltete man die Bildbestände zusammen mit den Handschriften-Nachlässen und übrigen Spezialsammlungen der NB in der Abteilung «Ältere Bestände, Handschriften, Spezialsammlungen». Seit der Gründung des Schweizerischen Literaturarchivs 1991 wurden die literarischen Archive und Nachlässe jedoch dort betreut.
1990 – heute: Die Graphische Sammlung
Die Bildersammlung der NB erhielt 1990 die Bezeichnung «Graphische Sammlung».
Ab Mitte der 1990er Jahre sammelte die GS bedeutende Künstlerarchive, wie beispielsweise diejenigen von Daniel Spoerri, Karl Gerstner, Johannes Gachnang, Serge und Doris Stauffer, Ulrich Meister, Andreas Züst, Niklaus Stauss und Claude Kuhn.
2006 wurde die Graphische Sammlung eine eigenständige Abteilung, 2007 gelangten die Bestände des Eidgenössischen Archivs für Denkmalpflege (EAD) in die Graphische Sammlung. Damit wuchs der Umfang der Bestände der GS um ein Mehrfaches an.
1897 – heute: Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege
Die Entstehung des Eidgenössischen Archivs für Denkmalpflege (EAD) geht zurück auf den «Bundesbeschluss betreffend die Betheiligung des Bundes an den Bestrebungen zur Erhaltung und Erwerbung vaterländischer Alterthümer» vom 30. Juni 1886. Darin wurde der Vorstand der damaligen «Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler» – heute Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte – beauftragt, eine Expertenkommission zu bilden: Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD). Die Exponenten dieser Kommission waren verantwortlich für die Verteilung der Subventionen sowie für die operative Begleitung und Überwachung der Restaurierungen von Bau- und Kunstwerken sowie von Grabungen. Bei der Erfüllung ihrer Aufgabe produzierten diese Experten und die von ihnen beauftragten Personen und Unternehmungen Dokumente, die abgeliefert und nach der Reihenfolge ihres Eingangs in Inventarbüchern (Eingangsbüchern) verzeichnet wurden.
Die erste Erwähnung dieser Dokumentensammlung als «Archiv für historische Kunstdenkmäler» (AHK) ist 1897 aktenkundig. 1919 wurde das AHK von der Gesellschaft losgelöst und vollständig ins Landesmuseum integriert. 1964 erfolgte die Umbenennung in «Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege». Die Ablieferungen der archivwürdigen Unterlagen von Subventionsgeschäften an das EAD blieb bis in die 1990er Jahre bestehen; danach wurde gemäss Absprache der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege des Bundesamtes für Kultur mit den kantonalen Fachstellen für Denkmalpflege und Archäologie die Archivierung vollumfänglich durch die Kantone übernommen. Nebst den Unterlagen von Subventionsgeschäften hat das EAD im Zeitraum zwischen 1908 und 1969 auch Depositen übernommen, die ebenfalls aus Denkmalpflege und Archäologie stammen. Zudem erhielt das EAD durch Schenkungen oder Erwerbungen im Laufe der Zeit Zuwachs durch verschiedene Archive von Denkmalpflegeexperten, Sammlungen, Dokumentationen und Inventare aus den Themenbereichen Architektur- und Kunstgeschichte, Orts- und Landschaftsschutz sowie durch Privatarchive von einzelnen Fotografen und von Ansichtskartenverlagen.
Das EAD wurde bis 1964 vom Schweizerischen Landesmuseum in Zürich verwaltet und betreut. Danach wurde es dem Sekretariat der EKD unterstellt, bis beide im Jahre 1975 dem heutigen Bundesamt für Kultur (BAK) angeschlossen und nach Bern umgesiedelt wurden. Zwischen 1976 und 2001 musste das Archiv in der Region Bern verschiedentlich den Standort wechseln. Die zahlreichen Umzüge waren für die Ordnung und den Zustand der Archivalien nicht vorteilhaft. Seit 2001 ist das EAD im Gebäude der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB) in Bern untergebracht. 2007 wurde das Archiv organisatorisch von der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege losgelöst und in die Graphische Sammlung der NB integriert. Archivtechnisch wird das EAD als eigene Unterabteilung geführt und ergänzt die Bestände der Graphischen Sammlung in idealer Weise.
Letzte Änderung 24.08.2020