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Seit meiner Kindheit erlebte ich immer wieder schwere psychische Krisen
Mit der Diagnose schizo-affektive Beeinträchtigung bekam ich im Alter von dreissig Jahren im Jahr 2000 eine volle IV-Rente. Seit dann lebe ich mit dem doppelten Stigma: einerseits als nicht-erwerbstätige IV-Rentnerin, andererseits als Mensch mit einer psychischen Erkrankung.
Schon in der Schule hatte ich wegen meiner Erkrankung sehr viele Fehltage. Trotzdem schaffte ich die Matura.
Darum machte ich nach der Matura eine kaufmännische Ausbildung. Meine erste Stelle war in einer Werbeagentur. Auch dort hatte ich viele Fehltage, aber es waren die späten 80er Jahre. Die Firmen waren froh, wenn sie überhaupt kaufmännisches Personal bekamen. Man konnte sich problemlos krank melden, ohne Angst zu haben, die Stelle zu verlieren.
Eigentlich wollte ich aber etwas ganz anderes
Ich war schon immer eine Leseratte. Aus meiner kindlichen Schwärmerei für Winnetou entstand ein ernsthaftes Interesse an indigenen Völkern. Ich war erschüttert von den Zuständen in den Indianerreservaten in den USA. In dieser Zeit, im Primarschulalter, hatte ich einen Traum:
Ich fragte ihn, wie ich sein Volk am besten unterstützen könne, und er antwortete: Werde Journalistin und berichte den Menschen da draussen, wie es uns geht.
Das war meine Inspiration für ein Studium der Ethnologie und Soziologie und ich schloss mit einem Master ab. Gleichzeitig mit dem Master kam meine Berentung. Game over? Nicht wirklich: Seit ein paar Jahren arbeite ich in der Redaktion von Radio Locomotivo in Basel und konnte mich dort als Radiojournalistin ausbilden lassen. Die Redaktion von Radio Locomotivo besteht aus Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung. Dann führte eins zum anderen, und jetzt bin ich sehr glückliche ReporterIn ohne Barrieren. Senad Gafuri, der Organisator des Projekts, hat mich kürzlich als 'journalistisches Flagschiff' des Projekts bezeichnet. Und das bin ich sehr gerne: mich durch unbekanntes Gewässer durchzukämpfen, bin ich ja gewohnt.