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Banel und Adama lieben sich und sehnen sich nach einem eigenen Zuhause. Als er seine Rolle als Dorfvorsteher und sie ihre Rolle als Mutter ablehnen, gibt es Aufruhr, und die beiden lernen, dass es hier keinen Platz gibt für Leidenschaft und Chaos. Mit «Banel & Adama» schuf Ramata-Toulaye Sy einen Film im Stile einer griechischen Tragödie.
Der Film beginnt mit heiter verträumter Musik, sinnlichen, wie pränatalen Traumbildern und Banels Stimme: «Jeden Tag hör ich, wie sie mich rufen mit so sanften und schönen Stimmen. Banel! Sie bitten und lassen nicht locker. Doch ich antworte nicht. Ich bin glücklich, Papa, ich amüsiere mich!» Grossaufnahmen der beiden folgen. «Dann werden sie unruhig und wütend. Sie flüstern nicht mehr, sie beschuldigen mich. Ja, ich liebe, wie eine Frau zu lieben vermag.»
Banel und Adama, gespielt von den Laiendarstellern Khady Manu und Mamadou Diallo, leben in einem kleinen Dorf im Norden Senegals. Sie sind verheiratet, seit Adamas Bruder und Banels erster Ehemann bei einem Unglück verstorben sind. Er trauert, sie nicht. Denn der Tod hat ihr ermöglicht, aus der arrangierten Ehe als Zweitfrau auszusteigen und den Mann zu heiraten, den sie liebt.
Im Dorf sind die Rollen klar: Frauen kümmern sich um Kinder, Wäsche und Pflanzen, Männer hüten das Vieh. Doch Banel will keine Kinder, sondern mit Adama die Herde hüten. «Ist eine Frau minderwertig, wenn sie kein Kind gebärt?», fragt sie. Die beiden kämpfen für ein Stück Unabhängigkeit, indem sie eine vom Sand verschüttete Hütte unweit des Dorfes aus einem Sandhügel ausbuddeln. Auch Adama wird verplant. Das Amt des Vorstehers wird vom Vater zum Sohn weitergegeben, also soll er es übernehmen.
Gefangen im Regelwerk der Rituale
Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf
Als wenig später der Regen ausbleibt und eine schlimme Dürre die Region heimsucht, gerät das Paar in einen Zwist mit dem Dorf, nach und nach auch miteinander. Da die beiden sich den lokalen und gottgewollten Bräuchen widersetzen, grollen die Götter, wird vermutet. Während Banel sich fast schon obsessiv in ihre Zukunftsvision hineinsteigert, regen sich bei Adama erste Zweifel, ob er richtig entschieden hat.
Heisse Winde trocknen alles aus. Vogelschwärme fressen die letzten Blätter. Eine Katastrophe bricht herein. Bald sterben die ersten Kühe, bald auch Menschen. Je mehr er sich vom Traum der gemeinsamen Unabhängigkeit entfernt, desto öfter hantiert sie mit einer Steinschleuder und verbrennt auch mal ein paar Echsen. Am Ende bleibt die Frage: Erliegt Banel ihrem Wahn oder erlebt sie ihren Traum?
Nach Ende der Stürme kehren die sinnlichen Traum- und Sonnenbilder des Anfangs zurück. Wie damals ist eine Stimme zu hören: «Früher waren wir Könige, unsere eigenen Herren, die Herren der Welt, frei. Und was sind wir heute? Fleisch, Blut. Das Böse. Immer dieses Böse.» Banel flieht ziellos und reisst, so meine Schlussfolgerung, die Aussage des ganzen Films, absichtlich oder unbeabsichtigt, in die Ziellosigkeit.
Die 37-jährige Franko-Senegalesin Ramata-Toulaye-Sy liefert mit «Banel & Adama» einen imposanten Erstling, ihren Abschluss an der Pariser Filmhochschule Fémis, die so bekannte Filmer wie Ozon oder Resnais hervorgebracht hat. – Weil mir einiges unklar und geheimnisvoll bleibt, gebe ich nachfolgend der Regisseurin das Wort:
«Für mich ist Banel die Tochter der Sonne, das heilige Feuer, ein Wesen, das vom Himmel gefallen und zufällig in diesem kleinen Dorf gelandet ist. Banel brennt mit ihrem ganzen Wesen, weil sie keinen Platz auf der Erde hat.»
Adama und Banel
Aus einem Interview von Raphaël Chevalley mit Ramata-Toulaye Sy, trigon-magazin 99
Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Film gekommen?
Ich wollte die grösste afrikanische Liebesgeschichte erzählen, die je geschrieben wurde. Sie in der Gemeinschaft der Fulbe in Senegal ansiedeln. Eine Geschichte wie Romeo und Julia, aber mit einer Julia, die zu einer Lady Macbeth mutiert. Ich hatte Lust, den Charakter einer komplexen und tiefgründigen Tragödienfigur zu schaffen.
Wie konnten Sie die klassische Tragödie und die Fulbe zusammenführen?
Ich bin in Frankreich mit senegalesischen Eltern aufgewachsen und hatte das Glück, in jungen Jahren öfters nach Senegal zu reisen. Zu Hause wurde ich in der Tradition der Fulani erzogen. Mir war es wichtig, im Film alles zu vereinen, was ich bin: meine doppelte Staatsbürgerschaft und meine Kultur. Angefangen bei der Tragödie, die mich während der Schulzeit begleitet hat, da ich viel Theater spielte. Ich habe auch viele Märchen der Fulani gelesen. All das wollte ich in meinen Film einfliessen lassen, alles, was ich liebe und was ich bin. Sogar Harry Potter, den ich rauf und runter gelesen habe, weil ich Magie und Fantasy sehr mag.
Sie sprechen die Last der Traditionen an. Wie sind Sie an das Thema herangegangen?
Das rührt von einer Frage, die mich beschäftigt und die der Ausgangspunkt des Films war: Wie kann man seine Individualität in einer Gemeinschaft finden, ohne diese abzulehnen? Wenn man sich von seiner Familie und den Eltern zu emanzipieren versucht, bedeutet das nicht, dass man sie leugnet, sondern dass man sich selbst als Frau finden will. Will man so weiterleben, wie es einem gefällt, wird es schwierig. Ich habe keine Antwort und weiss nicht, ob das geht. Aber wenn ich behaupte, dass es nicht möglich ist, dann deshalb, weil der Film eine Tragödie ist und keine realistische Erzählung.
Banel, in einem Moment des Glücks
Woher kommt der Funken Verrücktheit bei Banel?
Ein wenig von mir. Ich bin sehr leidenschaftlich, zuweilen richtig besessen. Ich würde nicht so weit gehen, Tiere zu töten. Banel ist von meiner Persönlichkeit inspiriert. Auch von Phädra und Medea, denn ich liebe diese Heldinnen, die die Liebe in den Wahnsinn treibt. All das hat mir geholfen, die Persönlichkeit dieser schwarzen afrikanischen Frau zu erschaffen, die zum Mythos wird wie die Figur einer griechischen Tragödie.
Wie ist die Herausforderung der Klimaerwärmung ins Spiel gekommen?
Das Problem beschäftigt mich wie viele andere, und es war mir ein Anliegen, es anzusprechen, denn gerade in Afrika leidet die Bevölkerung stark darunter, obwohl sie am wenigsten dafür kann. Ich habe mich daher entschieden, das Thema mit dem Fluch von Banel in Verbindung zu bringen: Das Chaos, das sie verursacht, ist die Ursache für die globale Erwärmung. Es hat auch damit zu tun, dass sie die Natur zerstört und Tiere tötet. Ich wollte sie so haben: als Metapher für uns alle auf dem Planeten, den wir nicht respektieren und dessen Klimakatastrophe wir verursachen. Banel ist eine Metapher für die Schuld, die wir alle tragen.
Regie: Ramata-Toulaye Sy, Produktion: 2023, Länge: 87 min, Verleih: trigon-film