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Direktor Sepp Vögeli
Aeltere Radrennclübler mögen sich noch gut an die Zeiten der Basler Winterbahn erinnern. Voegeli soll damals als Türsteher begonnen und anschliessend die Nachfolge von Otto Vogt als sportlicher Leiter angetreten haben. Später übernahm er die Führung der fast nicht mehr existenten Tour de Suisse und das ruinöse Hallenstadion (Hasta). Beide Verantwortungen packte er mit viel Herzblut an. Die TdS wurde ein alljährliches Volksfest mit jedem Jahr mehr Zuschauer am Strassenrand. Das Hasta wurde im Innern schrittweise saniert und der Grossanlass, das Zürcher 6-Tagerennen, zog wieder die Zuschauermassen an. Es war sein Ehrgeiz, guten Sport zu bieten und dieses Rennen zur härtesten Prüfung zu machen.
Seriöse Kritiker betonten immer wieder, dass Voegeli einerseits sehr viel für den Radsport getan und andererseits, was legitim sei, auch davon profitiert habe.
Nach der Uebernahme des Hasta begann das grosse Aufräumen und nach seinen Vorstellungen wurde vieles technisch, personell und administrativ umgestaltet.
Von 1962 an bis 1988 war ich jeweils von Rennfahrern als Mechaniker engagiert. Dabei lernte ich Voegeli aus nächster Nähe gut kennen. Seine Persönlichkeit polarisierte, viele mochten ihn, andere weniger. Er hatte stets seine Adlaten (Adlat = folgsamer Gehilfe) um sich, die ihre Macht ausreizten. Unangenehmes delegierte er an sie weiter. Diese wiederum bliesen sich dabei auf, schikanierten die kleinen Rennfahrer und "schleimten" sich bei den Grossen ein.
Voegeli hielt stets seine Zusagen und Versprechungen, auch die mündlichen ein. Ich weiss von einem Rennfahrer, der keine Aussichten auf einen Jahresvertrag bei einer Sportgruppe hatte und ihn um eine Vermittlung bat. Es gelang Voegeli nicht und er liess nichts mehr von sich hören. Lange später entschuldigte er sich und steckte dem Rennfahrer ein Couvert mit einer Summe Geld zu. Für den nach einem fürchterlichen Sturz an den Rollstuhl gefesselten Rennfahrer Stefan Maurer gründete er uneigennützig die heute noch existierende Sepp Voegeli-Stiftung, die Stefan und späteren Unglücksopfern finanziell weiter half.
Untern den Rennfahrern ertrug er die Minimalisten, Profiteure und "Schläuchler" nicht. Für die Handicap-Americaine wurden jeder Mannschaft je nach ihrer momentanen Stärke von den Journalisten die Verlustrunden zugeteilt, die schwächste also mit Runde Null. Siegte diese Mannschaft, ohne selbst einen Rundengewinn gemacht zu haben, so war Feuer im Dach. Sie wurden im Kabinenhof weit hörbar "zusammengestaucht" und waren am andern Abend nicht mehr auf der Startliste zu finden.
Voegeli erschien immer elegant in schwarz oder dunkelblau. Für die Rennfahrer hatte er viel, für die Betreuer und Mechaniker umso weniger übrig. Er kapierte es nicht, dass auch sie Bausteine seines Erfolges waren. Ein Gruss oder ein Dankeschön lag selten drin. Wer jedoch in seiner Gunst stand, wurde bevorzugt. Kritik jedoch ertrug er gar nicht und Sozialkompetenz war damals für ihn ein Fremwort.
Jahrelang wurde er in sämtlichen Medien hochgejubelt. Später dann kam doch zögerlich Kritik auf. "Big Willi" Erzberger erdreistete sich, in der Presse sachlich und korrekt Kritik zu üben. Das bekam er arg zu spüren, er wurde zur "persona non grata" und von Voegeli und seinem Anhang geschnitten. Nur dank dem Presserecht hatte Willi noch Zugang zur TdS und ins Hasta.

Daniel Gisiger hatte sein Herz stets auf der Zunge, nicht immer zu seinem Vorteil. Richtung Ziel der TdS-Etappenankunft in Basel war noch die enge, verwinkelte und kurvenreiche Altstadt zu durchfahren. Nach dem Ziel beklagte er sich lautstark, dass so etwas irregulär sei, was tags darauf bereits in der Boulevardpresse nachzulesen war. Damit war Daniel bis zum Schluss seiner Karriere Voegelis Feindbild. Es ergab sich jedoch eine Patt-Situation, denn um Schweizersiege am Zürcher 6-Tagerennen einzufahren, wurde Gisiger noch als Partner zu Urs Freuler gebraucht.
Trotzdem hielt sich Voegeli demonstrativ sehr reserviert und diese Animosität blieb spürbar bis zum Ende von Daniels Karriere. Gisiger fuhr 1988 sein letztes 6-Tagerennen, zusammen mit Jogi Müller. In der ersten Nacht wurde ihnen beim Versuch, einen Rundengewinn zu machen, stets nachgefahren. In der zweiten Nacht schlugen sie zurück und beendeten das Rennen mit sagenhaften 5 Runden Vorsprung.
Trotz allen Versuchen von Voegeli und Co. blieb alles beim alten bis zur Finalnacht, die mit 2 Runden Vorsprung siegreich endete. Sepp Voegeli, der bis dahin die Siegerehrungen stets persönlich vornahm, empfand das scheinbar als Schmach und er erschien nicht. Daniel wollte dann noch in der Presse eine Bombe platzen lassen und Interessantes über Voegeli ans Tageslicht bringen.
Als Freund hatte ich einige Mühe, ihn davon abzubringen. Wie heisst es doch so schön: "Die Welt liebt den Verrat, aber nicht den Verräter". Andere, wie Robert Thalmann und Paul Koechli, die zusammen eine Pressekonferenz einberufen, um Kritik an Sepp Voegeli zu üben, bekamen das in dieser Art zu spüren.
Als Schweizer Mechaniker hatte ich in Zürich stets ein "Heimspiel". Anfangs wurde ich von Voegeli auf Distanz gehalten. Mit der Zeit aber verbesserte sich dies, ohne dass ich mich speziell darum bemühte. Er stellte mir sogar ungefragt für jede Saison einen Dienstausweis aus, der mir ungehindert Zutritt ins Hasta verschaffte. Für mich war dies ein Vertrauensbeweis.