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SRF News: Die USA verbieten es, elektronische Geräte auf Flügen aus zehn Städten im Handgepäck mitzuführen. Was bringt dieses Verbot?
Jens Flottau: Ich kann nicht erkennen, worin der Sinn dieser Massnahme liegen soll – aus mehreren Gründen: Zum einen haben viele Flughäfen, die auf der Liste stehen, ausserordentlich hohe Sicherheitsstandards. In Dubai, Abu Dhabi oder Doha finden sehr strenge Kontrollen statt. Zudem, wenn jemand wirklich vorhat, Sprengstoff an Bord eines Flugzeuges zu schmuggeln, wird er dies nicht nur in diesen Ländern tun, sondern vielleicht von Europa aus.
Die Flughäfen auf der Liste haben eines gemeinsam: Keine US-Airline fliegt sie an. Hat die Massnahme auch eine wirtschaftspolitische Komponente?
Wird diese Regelung über einen längeren Zeitraum durchgehalten, ist es ein massiver Wettbewerbsnachteil für die grossen Golf-Airlines Emirates, Qatar und Ethiad. Geschäftsreisende, die auf Langstreckenflügen aus dieser Region in die USA nicht arbeiten können, werden auf andere Fluggesellschaften und Routen ausweichen, denn sie verlieren sonst einen Arbeitstag. Sie werden anderswo umsteigen, vielleicht sogar US-Fluglinien nutzen.
Darum geht es:
- Geräte, die grösser als ein Handy sind, müssen künftig im Gepäck eingecheckt werden.
- Die Massnahme betrifft direkte Flüge in die USA ab Amman, Kairo, Kuwait-Stadt, Doha, Dubai, Istanbul, Abu Dhabi, Casablanca, Riad und Dschidda. Mehr dazu hier.
Wenn ich nun mit einem Laptop von einem dieser Flughäfen aus in die USA fliegen will, muss ich ihn dort zurücklassen?
Nein, Sie müssen den Laptop oder das Tablet in den aufgegebenen Koffer stecken. Sie haben während des Flugs somit keinen Zugriff darauf und können nicht damit arbeiten. Und es gibt einen weiteren Sicherheitsaspekt, den man dabei nicht vergessen darf: All diese Laptops und Tablets sind mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet, die selbst ein Sicherheitsrisiko darstellen. Es macht einen Unterschied, ob diese Geräte in der Kabine mitfliegen, wo man im Notfall reagieren und ein in Brand geratenes Gerät löschen kann, oder sich im Gepäckraum befinden. Meiner Ansicht nach wird die Sicherheit mit dieser Massnahme also eher noch verschlechtert als verbessert.
Das Gespräch führte Patrick Seiler.
London zieht nach
|Nach dem Laptop-Bann durch die US-Behörden hat auch die britische Regierung die Mitnahme von Laptops und Tablet-Computern im Handgepäck auf bestimmten Flügen verboten. Wie die britische Regierung mitteilte, sind von dem Verbot Flugreisende betroffen, die direkt aus Ägypten, Jordanien, dem Libanon, Saudi-Arabien, Tunesien oder der Türkei nach Grossbritannien reisen. Betroffen sind Verbindungen von 14 Fluggesellschaften.|
Jens Flottau
Der Deutsche Jens Flottau ist Autor und Experte im Bereich zivile Luftfahrt. Er schreibt unter anderem für die «Süddeutsche Zeitung» und das Fachmagazin «Aviation Week» und betreibt einen eigenen Blog zu aktuellen Themen der Branche.