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Schweizer Geschichte
Charlie Chaplin
Am 2. März 1978 hatten unbekannte Täter auf dem Friedhof von Corsier-sur-Vevey den Sarg mit den sterblichen Überresten des grossen Filmdarstellers Charlie Chaplin – der drei Monate zuvor am 25. Dezember 1977 im Alter von 88 Jahren im Schlaf gestorben war – ausgegraben und gestohlen. Die Täter, ein 24jähriger Pole und ein 38jähriger Bulgare, buddelten den 200 Kilogramm schweren Sarg bei Nacht und Nebel aus und schleppten ihn davon. Die Schweizer Polizei bildete sofort eine Sonderkommission. Die Familie Chaplin war schockiert – wurde aber von Polizeipsychologen beruhigt. Hier waren blutige Amateure am Werk. Die Täter konnten ja nicht mal mit der Ermordung ihrer Geisel drohen. Die Sarg-Entführer forderten ein Lösegeld von 600’000 Dollar – aber Chaplins Witwe, Ona O’Neil, lehnte alle Verhandlungen ab. Zwei Monate später wurden die Täter gefasst und der Sarg mit den Gebeinen des Künstlers unweit von Lausanne in einem Maisfeld gefunden. Die Leiche Chaplins wurde am 23. Mai ein zweites Mal im Beisein von Familienangehörigen auf dem Dorffriedhof von Corsier bestattet. Um ihn vor weiteren Entführungen zu sichern, liess die Witwe den Eichensarg bis zur Errichtung einer Familiengruft einbetonieren.
Kurzbiographie Charlie Chaplins
Charles Spencer Chaplin wurde am 16. April 1889 unter ärmlichen Verhältnissen in London geboren. Mit fünf Jahren stand er zum ersten Mal auf einer Bühne. Nach dem Tod seines Vaters und der Einweisung seiner Mutter in eine Heilanstalt wurde Charlie zusammen mit seinem älteren Halbbruder Sydney in ein Heim gesteckt. Als er sieben Jahre alt war, kehrte er zur Bühne zurück. Zehn Jahre später folgte er Sydney in die berühmte Fred Karno-Truppe. 1914 wurde er von der Keystone Filmgesellschaft für ein Jahr unter Vertrag genommen wurde. Bereits in seinem zweiten Film verkörperte Chaplin, die von ihm selbst kreierte Rolle des Tramps und schon nach 4 Monaten führte er zum ersten Mal Regie. 1921 kam sein erster abendfüllender Spielfilm „The Kid“ in die Kinos. Mit diesem Film begann die grosse Wende, weg vom kuriosen Slapstick und hin zum sozialkritischen Melodrama ohne die Komödie aus den Augen zu verlieren.
Chaplin bereiste Europa und wurde von der Öffentlichkeit wie auch von der Prominenz hysterisch gefeiert. Seine enorme Popularität hatte ihren Ursprung in seiner vielseitigen Anziehungskraft. Er überwand Klassenschranken, da seine Erscheinung sowohl als heruntergekommene Vornehmheit wie auch als ehrgeizige Armut verstanden werden konnte. Seine für diese Zeit sehr menschliche liberale Gesinnung fand jedoch nicht nur positive Kritik in der Öffentlichkeit. Im Gegenteil, ihm wurde kommunistisches Gedankengut nachgesagt, was Chaplin aber immer bestritt.
In Amerika zurückgekehrt gründete er zusammen mit Douglas Fairbanks, Mary Pickford und David Ward Griffith die Filmgesellschaft United Artists. Nun begann die Zeit seiner grossen Filmklassiker, für die er nun auch die Musik selbst komponierte; Der Goldrausch (1925), Der Zirkus ( 1928), Lichter der Grossstadt (1931), Moderne Zeiten ( 1936), Der Grosse Diktator (1940) – eine Anklage an Adolf Hitler, Monsieur Verdoux ( 1947) und Rampenlicht (1952).
Als Chaplin im September 1952 zu einer Premiere nach Europa reiste, annullierten die amerikanischen Behörden sein Wiedereinreisevisum mit der Begründung: „Charles Chaplin ist für Amerika eine unerwünschte Persönlichkeit.“ Er fand in dem Schweizer Städtchen Corsier-sur-Vevey ein neues Zuhause – wo er zusammen mit seiner Frau Ona und ihren acht gemeinsamen Kindern bis zu seinem Tod lebte. Seine beiden letzten Filme drehte er in England; Ein König in New York (1957) und Die Gräfin von Hongkong ( 1967). Erst im Jahre 1972, zur Entgegennahme des Ehren-Oscars, betrat Chaplin wieder amerikanischen Boden. Drei Jahre später erhob ihn die britische Königin in den Adelsstand.
Charlie Chaplin starb am 25. Dezember 1977 im Schlaf in seinem Haus in Corsier-sur-Vevey.
Denkmal Charlie Chaplins im Park
von Corsier-sur-Vevey