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20.01.2009 - 28.02.2009
Zu Beginn des neuen Jahres zeigt Boisserée zum dritten Mal eine umfangreiche Show des 1998 verstorbenen, international arrivierten Malers Antonio Saura mit dem Titel „Erótica". Saura, dessen Arbeiten sich in bedeutenden Sammlungen der ganzen Welt befinden (u.a. Museum of Modern Art, New York; Museo Nacional Centro de Arte Reina SofÃa, Madrid; Centre Georges Pompidou, Paris; Stedelijk Museum, Amsterdam; Pinakothek der Moderne, München), wird in dieser Ausstellung mit seinen erotischen Zeichnungen präsentiert, die im letzten Jahr im Museum "Les Abattoirs" von Toulouse zu sehen waren.
Die Kölner Ausstellung ist ein Vorbote eines der wohl aufwendigsten Buchprojekte über Antonio Saura mit dem Titel "Über mich selbst" (voraussichtlicher Erscheinungstermin Ende 2009). Dieses Buch enthält primär autobiographische Texte des Künstlers; in dem Kapitel "Damas" äußert er sich über das erotische Begehren als Triebkraft des Malens, aber auch über sein künstlerisches Verhältnis zum nackten Körper und zur Aktmalerei.
Zentrales Motiv der fast 50 Papierarbeiten ist zum einen der weibliche Körper ("Dama") in verschiedensten Posen, zum anderen das verschlungene Paar während der Kopulation ("Cópula"). Das Thema "Erótica" beschäftigte Saura intensiv, und er hat es immer wieder in den letzten vier Jahrzehnten seines künstlerischen Schaffens in seiner unverwechselbaren Malweise, einem schnellen und expressiven Pinselstrich mit oft übertriebenen, karikaturhaften Formen, zu Papier gebracht. Die größtenteils kleinformatigen, zarten und intimen Zeichnungen, die alle unmittelbar aus dem Nachlass des Künstlers stammen, zeigen weibliche Körper, ausgestreckt auf Sofas liegend, in Sesseln sich räkelnd oder als "nackte Landschaft" deformiert. In einigen Arbeiten ist die weibliche Figur deutlich zu erkennen, wie zum Beispiel in einer Tuscharbeit mit dem Titel "Strip-tease" aus dem Jahre 1961, in anderen Arbeiten ist man froh, im kreatürlichen Wirrwarr amorph und animalisch wirkender Gestalten ein Anzeichen von Gegenständlichkeit aufzuspüren, um zum Beispiel ein Augenpaar, einen Kopf, eine weibliche Brust oder eine Vulva zu entdecken. Antonio Saura schrieb selbst zu diesen Arbeiten: "Â…man hat das außerordentliche und fremdartige Gefühl, der Enthüllung all dessen beizuwohnen, was in der erscheinenden Wirklichkeit verborgen ist."
Die Ausstellung belegt mit repräsentativen Bildbeispielen die geniale zeichnerische Qualität eines Künstlers, dessen Radikalität jeglichen Begriff des Schönen und Gefälligen sprengt und der Genese von Kreativität nachspürt. Der Schock des Betrachters vor der (vermeintlichen) Deformation weicht bei intensiver Betrachtung dem Staunen vor der Kunst Antonio Sauras.