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Also doch, es gibt keine Strafanzeige gegen Hillary Clinton (69). Gestern informierte FBI-Direktor James Comey (55) den US-Kongress, die Demokratin habe nichts Illegales getan, als sie als Aussenministerin ihre Mails über einen privaten Server abwickelte (BLICK berichtete).
Somit war die Aufregung der letzten zehn Tage – für nichts.
«Womöglich neue Beweise»
Am Freitag vor einer Woche gab Comey bekannt, es gebe «womöglich neue Beweise» gegen Clinton. Noch im Juli sagte er, das Verfahren gegen die Präsidentschaftskandidatin sei eingestellt worden
Am 28. Oktober brachte Comey den gesamten Wahlkampf in Aufruhr. Der Mail-Skandal sei «schlimmer als Watergate», sagte etwa der republikanische Kandidat Donald Trump (70). Ohne dass irgendetwas bekannt war.
Nur Duplikate
Nun ist klar: Gegen Clinton liegt nichts vor. Die Mails, die das FBI auf dem Computer von Ex-Parlamentarier Anthony Weiner (52) gefunden hat, waren Duplikate von Mails, die das FBI bereits analysiert hatte.
Somit hängt keine Wolke mehr über Clinton. Comey aber muss ein Verfahren fürchten wegen Beeinflussung der Wahlen.
Und Hillary? Marschiert sie nun ins Weisse Haus? Höchstwahrscheinlich, aber nicht wegen der Entlastung durch das FBI.
Durchmarsch möglich
Clinton, so sieht es einen Tag vor den Wahlen aus, ist rein rechnerisch kaum mehr zu stoppen.
Um Wohnrecht im Weissen Haus zu erlangen, muss ein Kandidat mindestens 270 der insgesamt 538 Elektorenstimmen holen. Was beide noch schaffen könnten. Für Trump aber ist das äusserst schwierig geworden.
Läuft für ihn alles perfekt, kommt er auf 263 Elektoren. Clinton aber hätte 275 Elektoren – und wäre Präsidentin.
Bei diesem Szenario gewänne Trump in den Swingstates Arizona, Iowa, Ohio, Utah, North Carolina, Florida und New Hampshire. Wobei er in den Umfragen in keinem dieser Staaten uneinholbar führt. Verliert er einen, hat er ganz verloren.
In Florida und in North Carolina sind Trumps Chancen eher noch gefallen. Die Urnen sind in beiden Staaten seit Tagen offen.
Viele Latinos und Frauen
Bisher gingen überdurchschnittlich viele Latinos und Frauen zur Wahl – um gegen Trump zu stimmen.
Trotzdem: Wir gehen davon aus, dass Trump in Florida und North Carolina gewinnt und somit auf 263 Elektoren kommt.
Um die fehlenden sieben zu erlangen, müsste der Republikaner in Nevada, Michigan, Wisconsin, Colorado, Virginia, New Mexico, Minnesota oder in Pennsylvania gewinnen. Das sind allesamt Staaten, die US-Präsident Barack Obama (54) 2012 für sich entscheiden konnte.
Die besten Chancen hat Trump gemäss Umfragen im Gambler-Staat Nevada. Doch auch dort sind die Urnen seit Tagen offen. Latinos wählen in Nevada weit häufiger als 2012, als Obama den Republikaner Mitt Romney (69) mit sieben Prozentpunkten Vorsprung schlug.
Michigan oder Pennsylvania – und Trump gewinnt
Bliebe Michigan. Dort leben viele der weissen Arbeiter, die den Kern von Trumps Anhängern ausmachen. Dass es im Auto-Staat knapp wird, zeigen die Reisepläne Obamas. Der Präsident war am Sonntag in Michigan auf Wahlkampftour, am Montag ist er wieder dort, ebenfalls Hillary Clinton.
Sowohl in Colorado, in Virginia, in Minnesota wie in New Mexico gibt es kaum Wahlkampf. Was heisst: Die internen Analysen beider Lager gehen von Clinton-Siegen aus.
Seit 1988 hat in Pennsylvania nie mehr ein Republikaner gewonnen. Zwar ist der Anteil von Arbeitern nicht so gross wie in Michigan, aber gerade im Westen des Staates rechnet sich Trump Chancen aus.
Viele «Wenn» für Trump
Fazit: Hält Trump Ohio und Arizona, holt dazu Florida und North Carolina, dann muss er entweder in Michigan und Pennsylvania gewinnen – und dann ist er Präsident.
Für Trump sind das viele «Wenn» und «Aber». Insofern wäre ein Sieg für ihn rein rechnerisch eine Sensation.Publiziert am 07.11.2016 | Aktualisiert am 13.11.2016