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Über neunzig Jahre nach dem Erscheinen der ersten Publikation zur Griffwaffensammlung des Bernischen Historischen Museums von seinem damaligen Direktor Rudolf Wegeli (1877–1957) präsentiert das Museum mit dem 15. Band der Reihe «Schriften des Bernischen Historischen Museums» neue Forschungsergebnisse zu seiner national bedeutenden historischen Waffensammlung.
Als Griffwaffen bezeichnet die Fachwelt Waffen mit einer Klinge und einem Griff als Handhabe. Darunter fallen Schwerter und Säbel, aber auch weniger bekannte Seitenwehren wie Faschinenmesser oder Hirschfänger. Sie alle finden Platz in der neuen Publikation «Schwerter, Säbel, Seitenwehren: Bernische Griffwaffen 1500 – 1850» des Bernischen Historischen Museums. Spezifisch «Bernisch» an den vorgestellten Objekten ist der Kontext, in den sie diese Publikation bettet, nämlich die Militärgeschichte Berns im Zeitraum von 1500 bis 1850. Damals besass der mächtige Stadtstaat Bern eines der am besten ausgebauten Militärwesen der Eidgenossenschaft. Nach 1815 unterstützte der Kanton Bern im Rahmen des eidgenössischen Staatenbundes Vereinheitlichungsbestrebungen, die militärische Belange betrafen. Doch weshalb wurden so viele neue Griffwaffen von der Obrigkeit beschafft? Wer waren die Auftraggeber? Wer die Hersteller der Waffen? Und wie stand die Bevölkerung zum Aufrüsten des Bernischen Militärs? Diesen und weiteren Fragen gehen die Autoren Jürg A. Meier und Marc Höchner im 15. Band der Reihe «Schriften des Bernischen Historischen Museums» nach.
Im Unterschied zu Sammlungskatalogen, die sich üblicherweise auf materiell-technische Beschreibungen und Altersangaben beschränken, erschliesst die Publikation die Objekte ganzheitlich und verleiht ihnen damit eine historische Tiefe.
Griffwaffen für das Berner Zeughaus und ein Säbel als Ehrengeschenk
Im reich illustrierten Katalogteil werden 63 Waffen, grösstenteils aus den Beständen des Bernischen Historischen Museums, ausführlich vorgestellt. Waffen wie ein Zweihänder aus den Jahren um 1550, Teil der ersten quellenmässig belegbaren Lieferung von Griffwaffen für das Berner Zeughaus, oder ein Säbelmodell, das zwischen 1794 und 1797 angesichts drohender Kriegsgefahr in grossen Mengen beschafft wurde, verdeutlichen die Bemühungen der Berner Obrigkeit, ihre Miliz auszurüsten. Schliesslich zeigt die Publikation auch die Menschen hinter den Waffen, wie etwa Ulrich Ochsenbein (1811–1890), der neben General Henri Dufour (1787– 1875) der einzige Offizier war, der nach dem Sonderbundskrieg einen Säbel als Ehrengeschenk erhielt.
pd