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Seit Mitte Februar dieses Jahres war Madeleine Issitt aus England im Einsatz. Auf dem Bild ist sie mit Ceire zu sehen.
Madeleine hat Anthropologie studiert und bereits in Sierra Leone und in Uganda in einem Forschungsprojekt gearbeitet, bevor sie auf Calcutta Rescue aufmerksam wurde. Nach Kalkutta in die Projekte kam sie, um qualitative Untersuchungen in den beiden Schulen durchzuführen sowie in den Slums, in denen die Schülerinnen und Schüler leben und sich generell mit dem Umfang der allgemeinen Bildung dort genauer zu befassen.
Vor einem Jahr startete eine multi-dimensionale Studie über Armut, von zwei weiteren Freiwilligen geplant und ins Leben gerufen. Diese sollte klarer und detaillierter herausarbeiten, was Armut und Leben in den Slums, in denen Calcutta Rescue tätig ist, bedeutet.
Das ist die MPI-Studie, die Calcutta Rescue nun eine sehr informative Basis ermöglicht, aus der holistischere und langfristige sinnvolle Massnahmen für die tägliche Arbeit entstehen können. Aber auch weitere viel feinere Studien, wie z. B. in den Bildungsprojekten, mit Madeleine können auf diesen Ergebnissen aufbauen.
Madeleine hat sich in den ersten Wochen die beiden Schulen angesehen, Unterricht besucht, mit Lehrern und Schülern gesprochen, und die Slums und Wohngegebenheiten der Kinder und Jugendlichen kennengelernt.
Ihr Forschungskonzept beinhaltete unter anderem folgende Fragen näher zu beleuchten:
- Was hält die Kinder aus den Slums davon ab, zur Schule zu gehen?
- Welche Herausforderungen und Hürden stehen Eltern gegenüber, wenn sie ihre Kinder zur Schule senden?
- Warum ist die Bildung der Jungen besser als die der Mädchen?
Darüber hinaus sollten nicht nur die Schulen, sondern die bereits erkundeten Slums und deren Ergebnisse zur Bildung mit den qualitativen Fragen erweitert werden.
Auch plante Madeleine zu untersuchen, wie die Kollaboration der NGOs mit dem Staat ist sowie der NGOs untereinander, woraus man eine Bildungskarte der Slums für Calcutta Rescue mit aussagekräftigen Parametern erstellen könnte.
Ein sehr spannendes Projekt für das Team in Kalkutta und auch für uns Fördervereine hier, zu sehen welche Ergebnisse daraus entstehen würden und welche Rückschlüsse.
Doch dann kamen Corona, Grenzsperrungen und der Lockdown. Und auch Madeleine musste erst einmal diesen Plan niederlegen und kehrte mit den anderen Freiwilligen zurück in die Heimatländer. Mit einigem Herzschmerz, war sie doch gerade am Beginn und voller Ideen und Enthusiasmus.
Sie hat uns ein paar Zeilen geschrieben, die sehr bewegend sind:
Kolkata war nur für kurze zwei Monate meine Zuhause, aber meine Zeit dort wird eine der erinnerungswürdigsten meines bisherigen Lebens bleiben. Als frischgebackene Anthropologie-Absolventin tauchte ich in das Chaos von Kolkata ein, und die Lebendigkeit und Geschwindigkeit der Stadt war überwältigend und berauschend zugleich.
Ich verbrachte einen Grossteil meiner Zeit damit, das Leben der Menschen in den Elendsvierteln der Stadt zu verstehen und welchen Einfluss die Arbeit von Calcutta Rescue auf sie ausübte. Ich hatte die Aufgabe ein Forschungsprojekt ins Leben zu rufen, das auf die kritischsten und unerforschtesten Gebiete dieser Stadt abzielte. Das Ziel meines Projekts war, mit qualitativen Methoden zu versuchen, eine tiefere und umfangreichere Erhebung über die Bildung der Slumbewohner darzustellen, mit denen Calcutta Rescue zusammenarbeitet. Wir wollten ein detaillierteres Bild davon erhalten, welche sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren – neben anderen – ihre Schulbildung (oder deren Fehlen) prägten und auf welche Weise.
Die Ankunft des Coronavirus und das daraus resultierende Chaos haben meiner Arbeit einen Riegel vorgeschoben. Ich hoffe aber, dass entweder ich selbst oder ein anderer enthusiastischer Forscher nach Kolkata zurückkehren und das Projekt fortführen kann. Ich wollte es so gerne machen.
Der Virus wird zweifellos die Dynamik der künftigen Forschung verändern und eine Vielzahl anderer Herausforderungen mit sich bringen. Ich bin jedoch hoffnungsvoll, dass mit Kreativität und Entschlossenheit ehrliche, aussagekräftige und wertvolle Geschichten ans Licht kommen werden, die die Art und Weise prägen werden, in der Calcutta Rescue weiterhin den am stärksten gefährdeten Gemeinschaften in dieser aufregenden Stadt dient.