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In der 7-köpfigen Geschäftsleitung des SIG sitzen drei Frauen. Francine Brunschwig aus Lausanne sowie Sabine Simkhovitch-Dreyfus und Evelyne Morali aus Genf. Den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 nehmen die drei Frauen zum Anlass, um zum Thema der Frauenrechte Stellung zu nehmen.
Werden Sie demonstrieren? Warum?
Francine Brunschwig: Ich habe keinen festen Arbeitsplatz mehr und werde daher nicht streiken. Ganz im Gegenteil sogar: Ich werde am Freitagmorgen an einer Sitzung teilnehmen und mich dort als Frau einbringen. Vielleicht werde ich mich am Nachmittag zur Demonstration gesellen.
Evelyne Morali: Ich werde nicht an der Demonstration teilnehmen, aber ideell unterstütze ich diese Initiative voll und ganz.
Sabine Simkhovitch-Dreyfus: Ich werde morgen arbeiten, aber ich beabsichtige, an der Demonstration in Genf teilzunehmen, um den Grundsatz der Gleichberechtigung zu unterstützen.
Was halten Sie von den Forderungen der Initiantinnen?
Francine Brunschwig: Natürlich unterstütze ich die meisten der Forderungen der Initiantinnen. Viele sind leider auch heute noch hochaktuell, insbesondere die Gleichstellung in der Arbeitswelt und der Respekt im Allgemeinen. Es ist ein Kampf, den frau mit und nicht gegen die Männer führen muss. Ich habe ausserdem das Glück, in meiner beruflichen Laufbahn nie diskriminiert worden zu sein.
Evelyne Morali: Ich unterstütze viele Forderungen nach Gleichstellung und für eine gerechte Stellung der Frauen in der Gesellschaft und der Familie. Wenn ich mich manchmal diskriminiert gefühlt habe, ist es mir immer gelungen, meinen Fähigkeiten – ob im Beruf oder im Verbandsleben – durch Beharrlichkeit zur Anerkennung zu verhelfen.
Sabine Simkhovitch-Dreyfus: Angesichts der noch bestehenden Diskriminierung hat dieser Tag seine Berechtigung, auch wenn ich denke, dass es in einer anderen Form hätte geschehen sollen. Wie auch Francine Brunschwig bin ich der Meinung, dass dieser Kampf mit den Männern geführt werden muss. Er muss über die politischen Spaltungen hinweg alle zusammenbringen, die sich mit diesen Zielen identifizieren können.
Welche Bedeutung haben die Forderungen für die jüdische Gemeinschaft? Wo gibt es Handlungsbedarf?
Francine Brunschwig: Männer und Frauen sind in der jüdischen Religion definitiv nicht gleichberechtigt. Ihre Rollen sind unterschiedlich, auch wenn sie sich ergänzen. Ich kann gut damit leben, aber intellektuell ist es schwer zu akzeptieren. Es ist für mich klar, dass die Tendenz zu mehr Gleichberechtigung führen muss, wie dies bei den liberalen Juden schon lange der Fall ist. Glücklicherweise gibt es viele Frauen in den Führungsgremien der jüdischen Gemeinden in der Schweiz und auch in der Führung des SIG. Das soll auch so bleiben! Frauen können etwas bewegen.
Evelyne Morali: Ich wünsche mir in der jüdischen Gemeinschaft mehr Gleichberechtigung. Je nach religiöser Orientierung sehe ich jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Für mich ist es wichtig, dass die körperliche und geistige Integrität, die Handlungs- und Meinungsfreiheit sowie das politische und soziale Engagement aller Menschen gewährleistet und geschützt sind. Als Leiterin des Sozialdiensts der jüdischen Gemeinde Genf begegne ich täglich Menschen, die sich nicht anerkannt und respektiert fühlen. Gemeinsam kämpfen wir für ihre Rechte, für einen fairen und würdigen Platz dieser Menschen in der Gesellschaft. Es braucht eine beharrlichere, offenere und konsequentere Debatte in Bezug auf eine kohärente Einstellung innerhalb der Familie, darüber was vorgegeben, was gesagt und was schliesslich praktiziert wird.
Sabine Simkhovitch-Dreyfus: Was die Vorstände und Führungen in unseren Gemeinden betrifft, so hat sich die Situation in den letzten Jahrzehnten verbessert. Ich war vor fast zwanzig Jahren die erste Präsidentin der jüdischen Gemeinde Genfs, der CIG. Ich habe selber erlebt, dass die anfänglichen Vorurteile allmählich schwanden. Ich habe zudem ausgezeichnet mit dem Gemeinderabbiner zusammengearbeitet. Auf religiöser Ebene bin ich besorgt über einige Probleme, mit denen Frauen konfrontiert sind. Ich begrüsse die Bemühungen der Rabbiner der Einheitsgemeinden, jüdische Eheverträge besser zu regeln, um zu verhindern, dass Frauen im Falle einer Scheidung in den Status einer sogenannten Aguna fallen. Aber es gibt noch viel zu tun, um die Stellung der Frauen in der Religion zu verbessern. Es bleibt ein wichtiges Thema für unsere Rabbiner und unsere Gemeinden.