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Über den Ölpreis, die Geopolitik und den Finanzkollaps
Kommentatoren der etablierten Medien bestreiten dies und begründen das mit der Grösse der beiden Blasen – die Hypothekenblase war fünfmal grösser -, aber kompetentere Analysten weisen auf mehrere Elemente hin, die eine Kettenreaktion auslösen können:
1. die unmittelbaren Verluste der Ölproduzenten;
2. die Verluste der Banken, die Kredite am stark fremdfinanzierten Ölmarkt vergeben haben;
3. die Verluste bei den 4 Bio.$ umfassenden Derivatgeschäften auf dem Energiemarkt;
4. die Verluste bei Kreditausfallswaps (CDS) auf dem Energiemarkt;
5. die Verbreitung „strukturierter Finanzprodukte“, die solche CDS einschliessen.
Die erste dieser Wellen trifft bereits die Schieferölfirmen in Nordamerika, die einen Ölpreis zwischen 80 und 120 $ je Fass Brent-Rohöl brauchen, um ihre Schulden zurückzahlen zu können.
Derzeit liegt der Preis bei 60 $. Bleibt er in dieser Grössenordnung, muss die Ölindustrie 1600 Mrd.$ Schulden aus Einnahmen von weniger als 400 Mrd.$ im Jahr finanzieren. Ob diese erste Welle eine zweite, weit grössere auslösen wird, entscheidet sich auf den Derivatmärkten im Rohstoffsektor, in denen 20 Bio.$ angelegt sind.
Der Finanzanalyst Peter Lewis warnte am 18.12. in einem Brief an die Financial Times, beim gegenwärtigen Ölpreis drohe die Zahlungsunfähigkeit von 30% der Schuldner hochverzinster Anleihen, und das bedeute für die Banken, die darauf CDS verkauft haben, Verluste von 135 Mrd.$. Zum Vergleich: Der US-Versicherungsriese AIG rutschte 2007 in die Pleite, weil er mit CDS für minderwertige Hypothekenschulden einen Verlust von 11 Mrd.$ einstecken musste, und musste dann mit 85 Mrd.$ von der Fed und weiteren 150 Mrd.$ von der US-Regierung gestützt werden. Hinzu kommen weitere Derivatprodukte wie die „strukturierten Produkte“, die Banken an Investoren verkauften und in denen u.a. solche CDS enthalten sind.
Lewis warnte ausserdem: „Zunehmende Volatilität bei Rohstoffderivaten erfasst normalerweise auch verwandte Wertkategorien und führt zu Verlusten bei Zinsderivaten (in denen US-Banken 192 Bio.$ angelegt haben) und Devisen (31 Bio.$). Verluste in einem Marktsegment können aufgrund der Verflechtungen ansteckend wirken...“
Noch eine Anmerkung: Die Aufhebung des Lincoln-Zusatzes im Dodd-Frank-Gesetz hat zur Folge, dass nun auch Rohstoffderivate unter dem Schutz der US-Einlagenversicherung (FDIC) stehen. Das bedeutet, dass die Verluste mit Energiederivaten vom Steuerzahler – und im Fall eines „Bail-in“ von den Bankkunden – getragen werden.
Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).
Der lesenswerte Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, <email-pii>
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