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Von unserem Standpunkte aus, sowie von allen obern Höhen diesseits der Thur und der Murg sieht man bei heller Luft zwischen Mürtschenstock und Glärnisch eine ferne Gebirgskette, deren höchste Spitzen schneebedeckt sind. Die östlichsten derselben: Ringelkopf (10002' franz.), Tristelhorn (9595'), Saurenstock (9048' franz.), Scheibe (8995') umgeben die Quellen der Tamina, deren reichste Zuflüsse Sommerszeit vom Sardona-Gletscher, dem östlichen Mantel des Saurenstockes, herkommen. Diese schöne, flache Kuppe, nach Glarus steil abfallend, ist von hier aus ohne bewaffnetes Auge zu erkennen, als Repräsentant jener wunderschönen und eben so merkwürdigen Gegend, welche wir unter dem Namen des St. Gallischen Oberlandes verstehen. Der Sardona, denn so nennen die Angehörigen dieses Gaues den Glarner- Saurenstock, trägt eine Schneeweiße Calotte, unter welcher, gegen Elm hin, ein rötliches Band von Gestein sich zeigt, das in wagrechter Lagerung dem Kalkfelsen aufsitzt. Dieselben rötlichen Massen finden wir unten im Thale auch wieder und erkennen sie anderwärts in der Höhe. Es find die feuerfesten Melserblöcke von dem Geognosten Verucano genannt. Drüben in Calfeusen treten selbige unter der Eismasse des Gletschers nicht zu Tage dagegen spült die Tamina, während der Schneeschmelze oder nach heftigen Regengüssen, schwarzgrau gefärbt, den verwitterten Abraum der Schieferwände dem Rheine zu. Eine altbekannte Anzeige verborgener Schätze im Schooße der Erde; doch, erst in den jüngsten Jahren hat man hinter dem Dorf Pfäfers auszubeuten begonnen, was im Kleinthal von Glarus seit Generationen in den dortigen Schieferbrüchen reichen Ertrag bringt. Ein anderer der dort verborgenen Schätze aber ist Veranlassung zu gegenwärtiger Beschreibung, die, wenn sie zwar zumeist von warmem Quellwasser sprechen will, doch die umgebenden Gebirge und ihre Schichten nicht unbeachtet lassen kann. Denn, wenn wir den Aufschlüssen, welche wir durch Professor B. Studer *) über jene 16 Quadrat-Stunden weite Gegend erhielten, folgen, so müssen wir jene Verucano-Massen in einer frühern geologischen Epoche von Unten nach Oben drängenden in lavaartigem Fluß uns vorstellen, oder, wie die Schichten in Oeningen, von denen Professor O. Heer **) uns lehrt, daß selbige den Ablagerungen einstiger Schlammvulkane völlig entsprechen.
*) Geologie der Schweiz I. p.421.
**) Flora tertiaria III. 233.
Nun folgen einige Bemerkungen über die Geologie
im Allgemeinen und die Auswirkung der Corioliskraft auf die selektive Erosion
in Flussbetten im Speziellen. - Eine kurze Einführung in die Geschichte
der Therme - Entdeckung 1038. als Bad 1240. Verschiedene Kunstbauten, welche
durch Stein- und Eisschlag zerstört wurden. - Ulrich von Hutten 1523.
Weitere Namen: Paracelsus, Scheuchzer, A.Escher von der Linth, J.Konrad
Escher und Arnold Escher.
Offenbar war Gottfried Semper während der Herausgabe
dieses Neujahrsblattes mit Plänen für Bad Ragaz beschäftigt.
Die Schüttung der Quelle war unzuverlässig, was zu einem Gutachten von Mousson und Hartmann führte. Resultat: in der Tamina fliesse unbemerkt jede Minute zwischen 10500 und 12500 Maß Thermalwasser (aus den Temperaturen der Tamina oberhalb und unterhalb der Quelle sowie Abflussmessungen), d.h. das 6-fache dessen, was die Quelle bisher in ihren besten Zeiten ergab.
Offenbar war Gottfried Semper während der Herausgabe dieses Neujahrsblattes mit Plänen für Bad Ragaz beschäftigt.
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Wissenschaftliche und technische Berathungen gaben der Fassung der Quellen in der Tiefe und
Wegleiten des Wassers von da den Vorzug. Wegen der kurzen winterlichen Bauzeit und anderer
Hemmnisse sprach sich jedoch die St. Gallische Regierung für Aufstauung aus. Demnach wurden die ein=
zelnen Quellen des Taminabettes gefaßt, ummauert und bis zur Höhe (i) aufgestaut, von wo das
Ueberwasser einstweilen den wilden Wellen des Stromes wieder zufließt. Gleichzeitig wurde die
linkseitige Quelle gefaßt und separat auf gleiche Höhe gestaut, von wo ebenfalls der Ueberschuß
unbenutzt nach der Tiefe dämpft *). Eine jener Schwierigkeiten veranlaßt die Sorge um Thermal=
wasser für das Bad, wohin das Gefälle der Leitung von der Höhe i knapp zugemessen ist. Die
Ausströmung des im Taminabett gefaßten Wassers liegt nämlich 19' tiefer als die Brunnen der
Trinkhalle im Bade. Die Stauhöhe i, 12' unter der Einmündung im Kessel, gestattet auf die
Entfernung von 1505' keine weitere Minderung des Gefälles für Teuchellage nach dem Bade.
Noch liegt die Erledigung dieser Frage im Ungewissen, nicht aber das rastlose Suchen nach neuen
Zuflüssen. Reifliche Überlegung machte es ratsam, einen Stollen in das Gebirge hineinzutreiben,
zwar nicht in der Tiefe, sondern ein Geringes unter der Höhe des Wasserspiegels vom Kessel mehr
klufteinwärts, in der Richtung gegen die Felsenspalten hin, in welchen die Wasseradern der Herren=
Quelle und der noch höher ansteigenden Ausfluß sich finden ließen. Das geschah im Spätsommer
1860 unter der Leitung von Bauinspector Hefti. Kaum an zwei Klafter im angetriebenen Stollen
zeigten sich kleine Ausflüsse und vermehrte Temperatur. Mitte September standen die beiden
Knappen in einem kleinen Bache, welcher aus den Adern der Herren=Quelle floß. Eine derselben
wurde angeschnitten, nachdem der Stollen erst 3/4 der jetzigen Länge hatte. Bei einer Temperatur
von Blutwärme arbeiteten sie, während sprudelndes Thermalwasser ihnen den Schweiß von den
Schultern spülte. Gegen Ende September langte das Eisen in einen holen Raum. Noch ein
Schlag, und aus demselben dringt eine Wassermasse hervor, welche die beiden Männer zur eiligen
Flucht nöthiget. Derart nachhaltig blieb jedoch der Zufluß nicht und nach geeigneter Zeit konnte
man die Oeffnung aus dem Stollen nach jener Grotte erweitern. Man fand dort eine schlauch=
artige Höhle von ca. 10' Durchmesser, bei einer Höhe von 40' über der Sohle des Stollens, nach
Außen in einer Mündung (V) sich öffnend, wo über der Herren=Quelle im Sommer 1855 Ther=
malwasser den Abfluß hatte. Von nun an müssen der Herren=Quell und ihr ehemaliger Reservoir
in die eben gefundene Grotte des Stollens sich entleeren. Gleichzeitig sind dort herum alle übri=
gen Wasseräderchen verschwunden.
*) Nach den gefälligen Mittheilungen von Herrn Inspector
Hefti in St. Gallen konnten wir die Zeichnung für
die Schlußtafel dieses Heftes reduciren. Man findet darin bei H, Herren- Quell, bei K den Kessel, bei a. b. die Mün-
dungen der Teuchelleitungen nach dem Bad und nach Ragatz. In x, y, z die Steigröhren der Hartmannsquelle. Bei
1' Höhe des gestauten Thermalwassers, Bei L, die linksseitigen Quellen, bei M die von Hefti 1859 im Taminabett gefaß-
ten Zuflüsse, bei T, T, den Stollen, welchen derselbe Ingenieur im Spätsommer 1860 ausgeführt, bei G, Grotte, ehe-
maliger Reservoir der Herren-Quelle
(Masstab im Plan und im Text, wo nicht anders angegeben, in Schweizer-Fuss (à ca. 30 cm);
Teuchel = Holzröhre, diese Röhrenart wies damals die beste thermische Isolation auf.
' franz.: vermutlich "pied du roi" à 32.48 cm )
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