Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03423.jsonl.gz/2583

Grand-Coulee – Leavenworth – Seattle – Oregon – Nevada – Arizona
vom 20. Oktober – 09. November 2022
Da wir für den Grenzübertritt unseren Kühlschrank leer gegessen haben, fahren wir in der ersten grösseren Ortschaft in den USA je einen Safeway und Walmart Supermarkt an und staunen, wie unterschiedlich das Angebot zu ihren kanadischen Namensvettern ist, aber auch wie dünn das Angebot hier ist. Viele uns bisher vertraute Artikel gibt es hier alternativlos nicht mehr, wir müssen uns zuerst mal daran gewöhnen.
Grand-Coulee Staumauer
Nach dem Einkauf fahren wir weiter zum grössten Staudamm der USA, dem Grand-Coulee Damm. Hier wird der Columbia River gestaut, er ist der wasserreichste Fluss Nordamerikas, der in den Pazifik fliesst. Die Staumauer hier ist etwa viermal so gross wie der viel bekanntere Hoover Dam weiter im Süden bei Las Vegas, den wir ebenfalls noch besuchen werden.
Mit dem Bau des Grand-Coulee Damm wurde während der Wirtschaftskriese 1933 begonnen, als Wasserversorger geplant um die Landwirtschaft anzukurbeln, dann aber wegen dem zweiten Weltkrieg zuerst nur als Stromproduzent fertig gestellt. Grösste Stromverbraucher waren Aluminiumschmelzöfen, sowie die Flugzeugwerke Boeing und Schiffswerften um Seattle herum. Der Strom wurde aber auch für das Manhatten-Projekt benötigt, die Herstellung der ersten Atombomben.
Erst in den fünfziger Jahren wurden dann die riesigen Wasserpumpen installiert, um das Wasser 200m nach oben in ein altes Flussbett namens Grand-Coulee zu pumpen, um grosse landwirtschaftliche Flächen bewässern zu können. Heute soll das Wasser bis nach Nordkaliforniern fliessen.
Die Staumauer ist fast 1.6 km lang und 168 m hoch, riesig. Als die Staumauer 1941 fertiggestellt wurde, war sie die grösste der Welt. Im Besucherzentrum lesen wir, dass man mit dem verwendeten Beton ein Trottoir zweimal um den Äquator mauern könnte, sehr eindrücklich.
Heute ist das Kraftwerk mit seiner installierten Turbinen-Leistung von 6’800 MW die Nr. 9 der Wasserkraftwerke der Welt. Es hat also die Leistung von 6 – 7 Atomkraftwerken à la Gösgen oder Leibstadt, allerdings kann es diese Leistung nicht durchgehend erbringen, sonst wäre der Stausee bald leer. Dieser ist übrigens über 200km lang und reicht bis knapp vor die kanadische Grenze.
Bettina und ich können das Kraftwerk im Rahmen einer Führung besuchen und sind die einzigen Gäste. Wir können unter anderem den Raum mit den riesigen Wasserpumpen besichtigen und auf den Staudamm fahren, der sonst gesperrt ist.
(wie immer: um die Bilder anzuschauen, auf das Bild klicken, damit es im richtigen Format und hoher Qualität angezeigt wird)
Warum Columbia River und Britisch Columbia?
Ich habe mich schon mehrmals gefragt, wie die kanadische Provinz British Columbia zu ihrem Namen kam und finde bei meinen Recherchen zum Fluss Columbia River die Lösung: Das erste Boot mit einem weissen Kapitän (Robert Gray), das diesen Fluss befuhr, hiess Columbia Rediviva und deshalb erhielt der Fluss von den Weissen den Namen Columbia River und aus diesem Grund gaben dann die Briten der damaligen Kronkolonie nördlich davon den Namen British Columbia, denn der Fluss war eine Weile die südliche Grenze dieses Gebietes.
Grand-Coulee Tal
Das Wetter ist wunderbar und wir besuchen das Grand-Coulee Tal ausgiebig. Gemäss unserem Reiseführer ist dies die trockenste Region des Bundesstaates Washington State. In der Tat ist hier wirklich alles Gras braun und es hat kaum Bäume. Uns gefällt diese Landschaft sehr, wir haben freien Blick in alle Richtungen.
In diesem Tal floss der Columbia River während der letzten Eiszeit, um eine Eisbarriere umfliessen zu können, also bis vor rund 10’000 Jahren. Danach floss in diesem Tal bis in die fünfziger Jahre kein Fluss mehr. Seit 1952 wird Wasser vom Stausee in dieses Tal hochgepumpt und seitdem gibt es hier mehrere Stauseen und Kanäle, deren Wasser weiter im Süden für die Landwirtschaft genutzt wird.
In der Mitte des ersten Stausees thront ein Berg. Wir lesen, er habe die Form eines Dampfbootes und deshalb den Namen Steamboat Rock. Wenn ich darin ein Schiff sehe, würde ich persönlich eher auf einen Flugzeugträger tippen…
Bettina und ich beschliessen eine Wanderung auf diesen Hügel zu unternehmen, so haben wir noch eine bessere Sicht auf die Umgebung. Der Steamboat Rock ist effektiv keine Insel sondern mit dem Festland verbunden.
Der Parkplatz davor ist gebührenpflichtig, US$ 10.– sollen wir dafür bezahlen, schon etwas heftig. Doch Bettina entdeckt rasch, dass es auch einen Jahrespass namens Discovery-Pass gibt, dieser kostet US$ 30.– und ist dann ein Jahr lang in alles Parks von Washington State gültig. Keine Frage, wir kaufen den Jahrespass, da wir noch weitere State Parks besuchen wollen.
Gegen Ende unserer Wanderung sehe ich plötzlich, wie sich etwas über den Weg bewegt: Eine Schlange. Sie ist deutlich über einen Meter lang aber nicht sehr dick. Gemäss den hiesigen Erkennungsbildern handelt es sich um eine Bullsnake, später finde ich im Internet einen deutschen Namen dazu, Gophernatter und lese, dass das Tier 1.8 – 2.3m lang wird.
Am Abend übernachten wir an einem anderen Ort, es ist aber wieder in einem State Park von Washington und wieder ist der Discovery-Pass hier obligatorisch. Gut haben wir ihn gekauft. Beim Sonnenuntergang ergibt sich dann mit den Regenwolken eine ganz spezielle Lichterstimmung:
Am nächsten Morgen gibt es wieder einmal eine Runde Sport, volles Programm mit diversen Kraft- und Dehnungs-Übungen, Seilspringen und am Schluss noch mehrere Kilometer joggen. Nach dem Frühstück fahren wir weiter und besichtigen weiter die spannende Gegend.
Als wir gegen Abend den ausgewählten Übernachtungsplatz inspizieren, liegt er uns zu nahe an der Autobahn (Freeway), deshalb sucht Bettina in der App iOverlander rasch eine Alternative und findet einen Platz in einem Klettergelände. Das ausgetrocknete Tal nennt sich Frenchman Coulee und besteht nur aus einer Strasse, die etwas später als Sackgasse endet. Zum hier Stehen ist erneut der Discovery Pass notwendig, kein Problem für uns. Nach zwei Tagen haben wir die Kosten für diesen bereits rausgeholt, nicht schlecht.
Und die Landschaft sieht auch hier wieder grossartig aus, eigentlich so, wie wir sie später im Süden der USA erwarten. Wir sind gerade zum Sonnenuntergang hier und überall kraxeln grosse und kleine Kletterinnen und Kletterer in den braunen Felsen herum.
Ginkgo Petrified Forest
Die Nacht im Frenchman Coulee mit andern Campern war absolut ruhig und wir begeben uns im Laufe des Morgens weiter zum Ginkgo Petrified Forest State Park, hier sollen versteinerte Bäume zu sehen sein. Wir fahren dazu zwei Ziele an und an beiden ist wieder der Discovery Pass zum Parkieren notwendig. Am ersten Ort hat es viele, etwa einen Meter lange versteinerte Baumstämme, die man auch berühren kann. Die versteinerten Baumteile liegen frei herum resp. wurden für diese Ausstellung hierher gebracht. Hier ist es auch sehr schön zum Fotografieren. Teilweise sieht man sogar die Jahresringe in den zu Stein gewordenen Bäumen. Wieviel so ein Teil wohl wiegt?
Am zweiten Ort liegen die Bäume noch original in der Natur, es schaut immer nur ein Ende aus dem Boden, der Rest liegt noch unausgegraben in der Erde. Um diese Teile zu besichtigen gibt es einen mehrere Kilometer langen Weg durch die offene Landschaft. Leider sind die Bäume hier immer hinter Gitter, was natürlich überhaupt nicht fotogen ist, aber wohl als Schutz vor dem Vandalismus dient. Trotzdem, der Spaziergang ist wunderschön, uns gefällt auch diese Region und in der Ferne sehen wir ein weiteres Mal den Columbia River.
Wir lesen hier auch, wie die Versteinerung der Baumstämme vonstatten ging: Vor vielen Millionen Jahren gab es in dieser Gegend sehr aktive Vulkane. Die Bäume wurden bei einem Vulkanausbruch ins Wasser geschleudert und waren so sicher vor der Hitze, wurden dann aber vom Ascheregen etc. bedeckt. Das Holz zersetzte sich langsam und wurde durch Mineralien ersetzt. Und diese Gebilde kommen heute wieder langsam an die Oberfläche. Voilà, so einfach.
Pferde am Abgrund
Bei der Rückfahrt sehen wir in der Ferne noch eine Herde Pferde auf einem Hügel. Sie galoppieren alle auf einen Abgrund zu, wenn das nur gut kommt. Das müssen wir uns genauer anschauen:
Leavenworth – Bayern in Amerika
In unserem Reiseführer haben wir von Leavenworth gelesen und wollen es auch mit eigenen Augen sehen. Tatsächlich wurde hier in den sechziger Jahren das ganze Dorf auf Bayrisch umgebaut und es wurde von der serbelnden Holzindustrie auf die Tourismusindustrie gewechselt. Wir lesen, dass ungefähr ein Viertel der Einwohner deutschstämmig seien. Tatsächlich sind sehr viele Strassen und Wegweiser zweisprachig angeschrieben, englisch und deutsch. Und die Häuser haben auch ein europäisches Aussehen, fast alles Riegelbauten. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, zum Mittagessen eine Bratwurst mit Sauerkraut und einem Bretzel zu essen, es schmeckt uns ausgezeichnet.
Erster Schnee
In den letzten Wochen und Monaten hatten wir mehrheitlich immer sehr schönes Wetter mit Sonnenschein, gegen Abend manchmal etwas Wolken. Doch gemäss Wettervorhersage scheint sich diese Hochdrucklage langsam dem Ende zuzuneigen. Auch fahren wir jetzt an die Küste nach Seattle, wo das Wetter generell regnerischer, d.h. feuchter wird.
Zuerst sehen wir den Schnee nur in der Ferne, dann kommt er aber immer näher.
Zeit, dass wir unseren Kurs gegen Süden wenden.
Seattle
In Seattle besuchen wir Gloria und Bosco, die wir Mitte Juli in Kanada auf dem Weg nach Calgary trafen und die so von unserem Jupi begeistert waren, dass sie uns zu sich nach Seattle einluden, falls wir da mal durchfahren sollten. Seitdem stehen wir regelmässig per WhatsApp in Kontakt mit ihnen. Seit klar ist, dass wir sie besuchen werden, dienen sie uns seit einigen Wochen auch als Zustelladresse für die Post, einerseits für einen Brief mit neuen Debitkarten aus der Schweiz (die Schweizer Postfinance hat diese 4 Jahre vor dem Verfalldatum einfach gewechselt) und andererseits für mehrere Päckli mit Bestellungen aus den USA.
Wir können Jupi direkt vor ihrem Haus parkieren und unsere Wäsche bei ihnen waschen, was natürlich sehr angenehm ist. Auch kann ich hier unsere Küchenmesser wieder einmal schärfen, nach einem halben Jahr intensivem Gebrauch haben sie es dringend nötig.
Gloria und Bosco leben seit rund 30 Jahren in den USA und besitzen ein Haus auf Mercer Island, einem Vorort von Seattle. Sie stammen ursprünglich aus Hong Kong, so kommen wir in den Genuss der südchinesischen Esskultur und üben uns mit Stäbchen zu Essen. Gloria und Bosco betonen, dass ihr Essen ganz anders schmecke, als das aus Mittelchina (Peking), auch ihre Sprache sei kantonesisch und nicht mandarin. Bettina und mir gefällt es sehr und das Essen schmeckt uns super, kochen wir doch auch sehr oft asiatisch.
Seattle hat rund 630’000 Einwohner und ist damit etwa gleich gross wie das weiter nördlich liegende Vancouver in Kanada. Bosco ist stolz auf die Berühmtheiten und bekannten Firmen in Seattle: Bill Gates stammt von hier und auch «sein» Microsoft hat in Redmond, einem Vorort von Seattle, den Hauptsitz. Bosco arbeitete jahrelang als Testingenieur für Microsoft. Die bekannte Kaffeekette Starbucks eröffnete ihr erstes Kaffee 1912 in Seattle. Es ist heute noch offen und die Leute stehen in langer Kolonne an. Auch Amazon hat seinen Hauptsitz in Seattle, ebenso der Mobilfunkanbieter T-Mobile usw. Ebenfalls eine berühmte Firma ist natürlich der Flugzeughersteller Boeing, der hier sein Hauptwerk betreibt und einen Grossteil seiner zivilen Flieger herstellt. Wegen Corona sind leider alle Besichtigungstouren bei Boeing abgesagt, sehr schade.
Wir selber besuchen Seattle am Samstag und fahren dazu mit dem Bus an die Waterfront. Wir sind überrascht, wie viele Verkehrsflugzeuge hier so tief über die Wolkenkratzer fliegen, teilweise fast im Minutentakt.
Ich besuche auch noch den Aussichtsturm, der hier Space Needle genannt wird. Leider ist aber der Hausberg, der 4392 Meter hohe Mount Rainier wegen Wolken nicht sichtbar. Schade, gerne hätte ich den Vulkan von hier oben gesehen. Aber gemäss dem Lift-Boy ist der Berg nur etwa während 10% der Zeit sichtbar, er ist auch fast 100 km weit weg. Während meiner «Turm-Zeit» besucht Bettina eine Glaskunst-Ausstellung gleich daneben.
Wir bleiben natürlich bis zur blauen Stunde. Wie in Vancouver leuchten auch hier die vielen Wolkenkratzer wunderschön vor dem blauen Nachthimmel. Und dann sehe ich ihn plötzlich ganz schwach in der Dämmerung: Der Mt. Rainier, der nur 10% der Zeit von Seattle aus sichtbar ist, was haben wir für ein Glück. Das letzte Mal ist der Vulkan übrigens 1894 ausgebrochen…
Danach ist uns langsam aber sicher kühl und wir gehen in ein kleines, unscheinbares Restaurant etwas Essen, als Vorspeise bestellen wir uns eine heisse Schokolade, die mit je einem wunderschönen Muster verziert wird. Das Essen danach schmeckte ebenfalls ausgezeichnet.
Nachdem wir mehrere Tage chinesisch gegessen haben, revanchieren wir uns und ich backe für Sonntagmorgen einen Zopf, der allen bestens schmeckt. Gloria insistiert, dass sie den nicht gegessen Teil behalten darf und will auch das Rezept dazu.
Und da hier am 8. November die Midterm-Wahlen stattfinden, zeigt und erklärt mir Bosco das ganze Wahl-Vorgehen. Im Gegensatz zu der Schweiz steht hier alles auf einem riesigen, fast einem Meter langen Formular, d.h. Wahlen für Senat und Kongress auf Bundesebene, Wahlen auf Bundesstaats-Ebene, Wahlen auf Bezirks-Ebene sowie Sachabstimmungen über lokale Gesetze. Sein Abstimmungszettel ist auf englisch, derjenige von Gloria auf chinesisch, nicht schlecht. In der Schweiz gibt es die Wahlunterlagen nur in den offiziellen Sprachen des entsprechenden Kantons.
Weiterfahrt Richtung Süden
Die Wettervorhersage für diese Region wird langsam aber sicher ungemütlich, d.h. für die nächsten Tage werden viel Regen und sinkende Temperaturen vorhergesagt. Da wir die totale Mondfinsternis in der Nacht vom 7. auf den 8. November unbedingt beobachten und fotografieren möchten, reisen wir am Sonntagnachmittag weiter.
Wir durchqueren den Bundesstaat Washington State und überqueren ein letztes Mal den Columbia River, um nach Oregon zu gelangen. Der über 2’000km lange Strom ist hier die Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten.
In Oregon unternehmen wir einen Zwischenstopp beim John Day Fossil Beds National Monument um einige versteinerte Fossilen in den Felsen zu sehen. Es gäbe noch mehr zu sehen, doch es nachtet bereits und wir beschliessen, dies auf morgen zu verschieben.
Schlechtes Wetter
Wir sehen am Abend im Wetterbericht zu unserer Überraschung, dass es hier am nächsten Tag stark schneien soll. Zum Weiterfahren ist es jetzt aber bereits zu spät. Wir überlegen uns, ob wir morgen Richtung Westen an die Pazifik-Küste zurück fahren sollen und von dort in den Süden oder via Osten und dann auf dem direkten Weg in den Süden nach Nevada fahren, wo es aber mehrmals bis auf 1’600 müM hoch geht.
Wir studieren dazu verschiedene Wettervorhersagen und Strömungsmodelle von meteoblue.ch. Da das schlechte Wetter von Westen kommt und ein Pass auf der Westroute ebenfalls auf über 1’500 müM hoch führt, entscheiden wir uns für die Ostvariante und sind der Meinung, dass wir dem Wetter davon fahren können, wenn die Vorhersagen stimmen.
Am nächsten Tag stehen wir deshalb um 6 Uhr auf und fahren bei noch absoluter Dunkelheit los. Rasch geht es auf 1’300 müM und schneit stark, die Strasse ist voll mit Schnee bedeckt. Hier salzt scheinbar niemand. Es hat aber auch kein Verkehr und wir können schön vorsichtig fahren. Wie das wohl auf 1’600 Meter Höhe sein wird?
Es geht wieder runter auf 900 Meter und der Schnee wechselt in Regen und hört dann aber bald auf. In der Ortschaft John Day tanken wir nochmals, die nächsten 200km kommt keine grössere Siedlung mehr. Wir fahren bis kurz nach 10 Uhr durch, der erste 1’600-er Pass ist trocken, es ist hier 5°C warm. Wir können dem Wetter tatsächlich davon fahren. Dann gibt es Frühstück in Burns, nochmals Tanken und weiter geht es Richtung Nevada. Jetzt hat es wieder viele lange Geraden, manchmal 10 km, oft auch 20 km und einmal sogar 30 km.
Um ca. 16 Uhr kommen wir glücklich in der Ortschaft Winnemucca an, das ganz im Norden des Bundesstaates Nevada liegt, super. Auch wenn wir uns hier immer noch auf über 1’000 müM befinden, den schwierigsten Teil der Strecke haben wir geschafft. Am Abend gibt es ziemlich viel Wind, ein richtiger Sandsturm quert den Platz.
Als wir am nächsten Morgen aufwachen ist alles weiss. Wir gehen trotzdem eine Runde Sport treiben. Es schneit zwar am Anfang noch ganz leicht, hört aber bald auf und alles liegt unter einer hellen Decke, Wintercamping in Nevada.
Weiter geht es Richtung Süden von Nevada, wieder mit vielen langen Geraden.
Unser nächster Übernachtungsplatz liegt in Austin, NV auf 2’000 müM, auch hier schneit es in der Nacht etwas. Dann geht es über einen letzten hohen Pass, diesmal 2’300 müM, auch diesen schaffen wir mit Jupi trotz Schnee problemlos. Von jetzt an geht es vorallem runter, natürlich wieder über lange Geraden.
Ausserirdische – Extraterrestrischer Highway
Unser Ziel heisst Valley of Fire State Park, ganz in der Nähe von Las Vegas und ganz im Süden von Nevada. Dazu müssen wir aber noch den Extraterrestial Highway durchqueren, also den Highway der Ausserirdischen. Wir fahren nämlich am berühmten Luftwaffenstützpunkt Nellis Airforcebase vorbei, auch Area 51 genannt. Hier werden die geheimsten Militärflugzeuge der USA entwickelt und getestet. Es wird aber auch gemunkelt, dass die amerikanischen Armee hier ausserirdische UFOs lagert, samt Besatzungen, die abgestürzt und gefangen genommen wurden…
Selbstverständlich wird das hier alles maximal vermarktet. In einem Kaffee mit riesiger Bilderwand von vielen UFOs, stammt ein Foto doch tatsächlich aus der Schweiz.
Neben all diesem «Ausserirdischen Zeugs» sind für uns auch die Road-Trains faszinierend, d.h. die langen Lastwagen-Züge mit bis zu drei Anhängern. Vorallem von den Paketdienstleistern Fed-Ex und UPS sehen wir immer wieder diese langen Gefährte.
Valley of Fire State Park
Der Valley of Fire State Park hat seinen Namen von den roten Sandsteinformationen. Auf den 141 km2 entdecken wir aber nicht nur Felsen in rot, sondern in noch viel mehr Farben und Schattierungen. Zusätzlich hat die Erosion im Laufe der Jahrmillionen viele Steinbrücken aus dem Sandstein geschliffen (Arches genannt) und sogar einen Steinelefanten. Es ist ein wunderschönes und spannendes Spektatel für die Augen, das wir hier besuchen.
Boondoking, BLM-Land und Handy-Empfang
Da wir mit unserem Bimobil EX366 sehr autark sind, übernachten wir ausser wo es obligatorisch ist (Nationalparks und so) eigentlich nie auf kostenpflichtigen Campingplätzen. Für uns genügt ein ebenes Stück Land, wir brauchen die ganze Infrastruktur nicht und sind mit diesen Bedürfnissen nicht die einzigen. In den USA nennt sich dieses freie Campieren in der Natur Boondoking. Gerade hier im Süden ist Boondoking sehr populär und ganz offiziell auf dem Land erlaubt, das dem Bureau of Land Management gehört. Dieses Land wird deshalb als BLM-Land bezeichnet und es gibt natürlich Karten und Apps dazu.
In der Nähe vom Valley of Fire hat es einen sehr grossen Platz für Boondoking, wo es auch viele andere Camper hat, auch solche mit Wohnwagen und Zelten. Wir unternehmen am Tag einen Spaziergang, auch um herauszufinden, wo der beste Handy-Empfang ist, denn dies ist ein weiteres Kriterium für unsere Übernachtungsplätze. In den USA gibt es drei grosse Netz-Anbieter für Smartphones, T-Mobile, AT&T sowie Verizon. Mit unseren Schweizer Handy-Abos haben wir Roaming mit den ersten zwei. Normalerweise wählt das Handy den Anbieter selber aus, meistens T-Mobile, doch wir haben rausgefunden, dass wir den Anbieter auf unseren Samsung-Smartphones auch manuell wählen können, was gerade auf diesem Platz von Vorteil ist (funktioniert bei uns via Einstellungen – Verbindungen – Mobile Netzwerke – Netzbetreiber und dann «Automatisch auswählen» ausschalten).
Wir verbringen eine wunderbare Nacht und üben uns noch etwas in der Mondfotografie, was bestens klappt. Allerdings bekomme ich plötzlich Besuch von einem Tier. Zuerst denke ich, es sei eine Katze oder vielleicht ein junger Hund, doch bald merke ich, dass dies ein Fuchs sein muss. Später erkenne ich in einer Ausstellung, dass es sich um einen Wüstenfuchs gehandelt haben muss, diese haben die Grösse einer Katze. Fotografieren konnte ich ihn leider nicht, es war Nacht und meine Kamera auf den Mond ausgerichtet.
Obwohl ich nur mit einer Brennweite von 200mm fotografiere, bin ich total positiv überrascht, wie stark ich den Mond vergrössern kann und er immer noch detailreich ausschaut.
Hoover Dam
Obwohl uns der Platz sehr gut gefällt und wahrscheinlich für Astrofotografie sowie die Mondfinsternis sehr geeignet wäre, bleiben wir nur eine Nacht, denn auch für hier ist schlechtes Wetter angesagt. So fahren wir weiter südwärts und verlassen bald Nevada, besichtigen dabei noch die wohl berühmteste Staumauer der USA, den Hoover Dam. Diese Bogenstaumauer staut den Colorado River und bildet gleichzeitig die Grenze zwischen Nevada und Arizona.
Wie der Grand-Coulee Damm im Norden der USA wurde auch dieses Bauwerk in der Zeit der grossen Wirtschafts-Depression anfangs der 30er Jahre gebaut und war damals mit 221 Meter die höchste Staumauer der Welt. Lange Zeit hielt danach die 285m hohe Grand Dixence Staumauer in der Schweiz diesen Weltrekord, aktuell ist es eine in China, aber in Tadschikistan entsteht zur Zeit mit 335m eine noch höhere. Rekorde sind da, um überflügelt zu werden.
Mit dem Überqueren des Colorado Rivers gelangen wir nach Arizona. Hier wechselt eigentlich auch die Zeitzone, doch da heute, am ersten Sonntag im November, in den USA auch von Sommer- auf Winterzeit umgestellt wird und Arizona keine Sommerzeit kennt, hebt sich das für uns auf und wir müssen die Uhren nicht umstellen. Zur Schweiz haben wir aktuell eine Zeitdifferenz von -8 Stunden.
Mondfinsternis – Blutmond
In der Nacht vom 7. auf den 8. November gibt es im Westen der USA eine totale Mondfinsternis, dies steht seit vielen Monaten in unseren Kalendern. Um einen guten Platz und vorallem gutes Wetter zu finden haben wir nun praktisch die ganze USA in acht Tagen von Nord nach Süd durchquert. Wir sind jetzt im südlichen Arizona, kurz vor der mexikanischen Grenze und selbst hier müssen wir weiter in den Osten fahren, um sicher zu sein, dass uns die von Nordwesten aufziehende Störung nicht trifft, d.h. Wolken und teilweise Starkwind. Schlussendlich finden wir einen Platz auf BLM-Land etwas westlich von Tucson. Wir befinden uns in einem Gebiet mit den grossen Kakteen, hier Saguaros genannt. Diese Riesenkakteen werden meist 10m hoch, manchmal sogar 20m, gigantisch.
Kurz nachdem wir ankommen fährt ein Ranger vorbei und hält an. Er begrüsst uns freundlich und heisst uns hier willkommen. Es entwickelt sich ein sehr interessantes Gespräch über mögliche Tiere und durchwandernde Migranten aus Mexiko. «Dies alles ist kein Problem: Die Tiere haben Angst vor Menschen und die Migranten meiden die Campierenden. Ihr müsst euch nur vor Sonnenuntergang vor den Schlangen in Acht nehmen, wenn diese ihre Schlafplätze aufsuchen» erklärt er uns.
Danach erleben wir einen wunderschönen Sonnenuntergang zwischen all den Kakteen. Schon für dieses Erlebnis hat sich die ganze Fahrerei gelohnt.
Danach kochen wir das Nachtessen, bereiten die Ausrüstung für die Fotografie der Mondfinsternis vor und legen uns gegen 22 Uhr schlafen. Wir haben unsere Wecker auf 01:30 Uhr gestellt und beginnen dann unsere Beobachtung und Fotografiererei.
Am Anfang sehen wir nur, wie der helle Vollmond von oben immer mehr abgedunkelt wird und die Sterne immer besser sichtbar werden, gegen Schluss erkennen wir den abgedunkelten Teil immer besser und er beginnt mehr und mehr orange zu leuchten. Kurz vor vier Uhr morgens liegt die Sonne genau zwischen Erde und Mond und der ganze Mond leuchtet ganz orange und man sieht jetzt wieder richtig viele Sterne.
Während ich am Anfang den Mond mit 1/800 Sek belichtete, brauche ich jetzt 5 Sekunden, damit er genügend hell wird.
Was für ein Naturschauspiel! Obwohl wir es nun schon ein paar Mal gesehen haben, ist es jedes Mal wieder absolut faszinierend.
Jetzt beginnt das ganze Spiel rückwärts, d.h. der Mond wird immer heller. Doch diesen Teil lassen wir aus, wir bauen die Fotoausrüstung wieder ab und legen uns schlafen.
Die nächsten Tage müssen wir uns an die hier wieder höheren Temperaturen gewöhnen, während der ersten Jogging-Runde hier im Süden von Arizona kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Die letzten Monate hatten wir zwar meist sonniges Wetter, die Temperaturen stiegen aber nur selten über 20°C. Aber uns an höhere Temperaturen zu gewöhnen nehmen wir gerne in Kauf, es gefällt uns ausserordentlich gut hier.
Unsere Route
Im folgenden unsere Route auf der Karte, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind. Jupi sendet alle 15 Minuten seine Position via Spot Satelliten-Tracker an uns, deshalb folgt die Route nicht genau der Strasse, sondern macht etwas «Abkürzungen».
Die aktuelle Position von Jupi, wie auch die gesamte Route unserer Nordamerika-Reise seit dem 26. Mai 2022, ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/