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Als Folge der Klimaerwärmung wird eine Verschiebung der Vegetationsgrenze in Richtung der Pole bzw. in höhere Gebirgslagen erwartet. Europäische Wissenschaftler der Universität Wien und der WSL haben nun ein neues Modell entwickelt, welches die Dynamik von Wanderungsprozessen der Hochgebirgsflora auf Basis der erwarteten Klimaveränderungen besser abbilden kann.
Die Berechnung der klimabedingten Arealveränderung von 150 Pflanzenarten des Hochgebirges ergab: Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werden sie im Durchschnitt 44 bis 50 Prozent ihrer heutigen Fläche verlieren, was einem deutlich geringeren Arealverlust entspricht, als bisher vorausgesagt wurde.
Gemäss der neusten Studie reagieren Alpenpflanzen nicht unmittelbar auf klimatische Veränderungen. Die lange Lebenszeit und ihre Fähigkeit, sich vegetativ durch Rhizome oder oberirdische Ausläufer zu vermehren, ermöglicht es den Arten, den Prozess des Aussterbens zu verzögern und unter suboptimalen Bedingungen zu überleben. In den kommenden Jahrzehnten werden daher wahrscheinlich nur moderate Verluste an Pflanzenarten in den Alpen zu beobachten sein.
Das gesamte Ausmass der aktuellen Klimaerwärmung wird daher erst mit mit jahrzehnte-, wenn nicht jahrhundertelanger Verzögerung erkennbar sein, so Stefan Dulliger von der Universität Wien. Und Niklaus Zimmermann von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL meint: „Langfristig muss mit deutlichen Artverlusten gerechnet werden“.
Die Wissenschafter stellten zudem fest, dass endemische Arten – also Pflanzen, deren Verbreitung auf Teilgebiete der Alpen beschränkt ist – besonders sensibel auf die Klimaänderungen reagieren. Drei von vier dieser Arten werden mindestens 80 Prozent ihres derzeitigen Verbreitungsgebietes einbüssen, weil sie aufgrund ihrer Ausbreitungsfähigkeit klimatisch geeignete Areale nicht erreichen. Verstärkend kommt hinzu, dass sie häufig in Randgebieten der Alpen vorkommen, deren geringere Gipfelhöhen ein Ausweichen in höhere Lagen verunmöglichen – die Pflanzen geraten damit in eine klimabedingte Falle.
Bild: Dirk Beyer (Wikimedia Commons)