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Jesse Wine wuchs in der Stadt Chester im Nordwesten Englands auf. Schon als Kind war er von der Geschichte und den Artefakten seines rund 2000 Jahre alten, in der Römerzeit begründeten Heimatortes fasziniert. Dieses Interesse an Geschichte kommt auch in seiner Kunst zum Ausdruck: in fast ausschliesslich keramischen Arbeiten.
In dem Selbstporträt Why Am I Doing It This Way oder dem Porträt Plato V untersucht Wine das eigene oder fremde Abbild. Während Plato V sowohl in der Form als auch in der Farbgebung klar und eindeutig erscheint, bleibt das Selbstporträt vielfarbig, verschwommen und uneben. Die unterschiedlich rauen und glatten Oberflächen von Why Am I Doing It This Way scheinen eine innere Zerrissenheit zu symbolisieren, eine Suche nach der eigenen Identität. Wine möchte erforschen, wie sich verschiedene menschliche Verhaltensweisen aus gefertigten Objekten ablesen lassen. Mittels unterschiedlicher traditioneller Brenn- und Glasurtechniken produziert er Keramiken, die Gegenstände aus seinem Alltag oder Kunstwerke seiner Künstler-Vorbilder darstellen.
Wine studierte am Royal College of Art in London und erhielt dort 2013 das Forschungsstipendium des Camden Arts Centre. Keramik als Werkstoff erfreut sich seit einigen Jahren immer grösserer Beliebtheit, und Wine schöpft mit seinen Arbeiten das Potenzial dieses Materials gekonnt aus.
Jesse Wine wurde 1983 in Chester (GBK) geboren. Er lebt und arbeitet in London (GBK).
Tätigkeitsbereich: Keramik
"On a personal level, art definitely helps me to get along. In many ways it’s the only consistent thing in my life, that I continue to make things and there are very few circumstances that could change that. Making things is as much about the therapy of handling material and being lost in a process as much as it is about having an outcome.
I think a more relevant question is in the plural, does art help us get along? This is more complicated because it begs the question on a broader scale, enquiring about art’s impact on society or parts of society. At this moment in time the notion of art production has been politicised by shifting attitudes and governments in the west, making things is different now to how it was a year ago. I am not suggesting that if one produces art today they are inherently a political artist, moreover that the direction of daily life has shifted sightly and that in turn, so has art. As an artist one should be aware of this and unafraid to respond." («Auf einer persönlichen Ebene bringt mich die Kunst eindeutig weiter. In vielerlei Hinsicht besteht die einzige Konstante in meinem Leben darin, dass ich weiterhin Dinge schaffe, und es gibt sehr wenige Umstände, die das ändern könnten. Im Schaffen von Dingen geht es ebenso um die Therapie des Hantierens mit Materialen und dem Verlorensein in einem Prozess wie um das Erzielen eines Ergebnisses.
Ich denke, eine relevantere Frage liegt im Plural: Bringt uns die Kunst weiter? Da ist es komplizierter, da die Frage des Einflusses der Kunst auf die Gesellschaft, oder Teile der Gesellschaft, in einem umfassenderen Sinne aufgeworfen wird. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Begriff des Kunstschaffens durch die Verschiebung von Ansichten und Regierungen in der westlichen Welt politisiert worden – Dinge schaffen ist jetzt anders, als es noch vor einem Jahr war. Ich will damit jedoch nicht sagen, dass jemand, der heute Kunst macht, schon an sich ein politischer Künstler ist oder vielmehr, dass sich die Kunst aufgrund der leichten Verschiebung der Ausrichtung des Alltags ebenfalls verschoben hätte. Als Künstler sollte man sich dessen bewusst sein und ohne Scheu darauf reagieren.»)