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1980 suchten die beiden Gitarristen Gila-Baby und Shy-Boy zwei Mitstreiter für den Bass und das Schlagzeug. Wir fanden Gleichgesinnte mit Panülla am Schlagzeug und einen Gitarristen / Sänger, mit dem ich schon früher zu zweit Wandergitarre gespielt hatte: Kieslatz-Glatz. Allerdings sollte er bei uns nur Leadsänger sein und keine Gitarre spielen, dafür eine rechte Show abziehen, die sich auch gewaschen hat. Bei Panülla zuhause konnten wir im Keller üben. Panülla war so abartig (oekologisch äusserst verwerflich) verfressen, dass er sein Standtom eigentlich nie zum Spielen benutzte, sondern vielmehr als Ablage für seine Butterbrote missbrauchte. So übten wir diverse Klassiker ein, von "Smoke on the water" bis "Caroline". Gila-Baby machte schnell Fortschritte auf der Gitarre und es machte mächtig Spass. Seine erste grosse Herausforderung war das F-Rockschema auf der A-Seite. Einen Bassisten fanden wir leider nicht, also beschlossen wir, wie die "Doors" auch, ohne Bassisten zu üben. Wir hatten dann bald einmal einen Auftritt auf einem grösseren Platz in der Churer Altstadt (Arcas). Lampenfieber hatten wir so viel, dass es locker noch für ein paar Musiker mehr gereicht hätte. Wir bekämpften das kurz vor dem Auftritt naiv mit Kaffee trinken und litten unter heftig auftretendem Stuhlgang mit minderer Konsistenz. Nie werde ich die rosaroten Hosen vergessen die Gila-Baby, der alte Poser und Wittwenschüttler, an diesem Auftritt anhatte. Ein bisschen eitel war er halt schon immer.
Irgendwie fiel das Ganze dann doch bald wieder auseinander, sodass wir neue Mitstreiter brauchten. Kisslatz-Glatz fuhr mit Autostopp von Haldenstein Richtung Süden und Panülla heuerte als Testesser in einer Wurstfabrik im Unterland an. Wir verpflichteten Pumpernickel für den Bass und fanden in Tschöbi einen neuen Drummer. Er hatte ein mörderisch grosses Drum mit ungefähr 9 Toms und mindestens 5 Becken. Wieder hiess es üben, diesmal setzte sich das Repertoire aber zu einem schönen Teil aus neuen, selbstgeschriebenen Songs zusammen. Wir fanden, es müsse Quo-ähnlich tönen, was es auch tat. Nun gab es abermals einen Wechsel, Pumpernickel wurde durch Mani ersetzt, der hauptsächlich den Bass übernahm, obwohl er eigentlich Gitarrist war. Um das etwas zu kompensieren, bot ich ihm an, bei einzelnen Songs mit ihm zu tauschen. Pumpernickel schloss sich dann einem schottischen Bettelorden an, um seinen Geiz zu perfektionieren. Calvin war ihm zu ausgabefreudig und lasterhaft.
In Chur wurde in jenen Jahren ein Jugendhaus eröffnet, das jungen Bands wie uns die Möglichkeit bot, dort aufzutreten. Schnell haben wir einen Termin ausgemacht und Plakate gedruckt. Als Abschreckung stand dort als Warnhinweis "with an awful sound" drauf, was aber niemanden davon abhielt ans Konzert zu kommen.
Tschöbi bekam dann zwei Wochen vor dem Konzert Muffensausen und wir mussten eiligst einen Ersatzmann verpflichten, damit wir das Konzert nicht absagen mussten. Da kam uns Schmackofatz in den Sinn, der sich auch schon am Drum versucht hatte. Wir machten also 2-3 Proben und den Gig und hatten sogar Erfolg beim Publikum. Damals, muss man aber erhlicherweise sagen, war das Publikum noch nicht so anspruchsvoll, weil die Konkurrenz kleiner war. Wir holten sogar noch zwei weitere Gigs rein, einen davon in Solothurn an einem Pfadifest. Die Wahnsinnigen machten von jeder Band Live-Aufnahmen, um dann eine Doppel-LP mit je einem Song der aufspielenden Combos herauszubringen. Dies geschah ebenfalls echt pfadimässig, es standen nämlich nur 2 Mikrophone rum. Auch über das PA, das recht bescheiden war, wurden nur die Gesänge verstärkt. Ein Mikrophon schwebte über dem Drum und es war schon fast Monty Python-mässig sarkastisch, als der Tonmensch damit einen Soundcheck machen wollte. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch! Lustigerweise wurde dann ausgerechnet der "Tyte Stone Bluus" auf der Schallplatte verewigt. Das war so ein typischer Session-Blues, den wir manchmal spielten, aber ohne richtigen Text. Wir sangen einfach etwas dazu, das wie Englisch tönte, und irgendwo auf „Tyte Stone Bluus" endete. Da wären diverse andere eigene Nummern aus dem Repertoire interessanter gewesen. Aber was soll’s, einem geschenkten Gaul schaut man nicht in den finsteren Arsch.
Dann folgte wieder eine Pause für Tyte Stone. Gila-Baby hatte sich einmal mehr unsterblich verliebt und deshalb fast keine Zeit mehr für die Band. Er musste einiges nachholen, den die kleine Operation, der er sich kurz vorher unterzogen hatte, ermöglichte ihm endlich schmerzfreien Sex. Das heisst, schmerzfrei für ihn, seine Mädels spürten ja sowieso nie etwas, denn er bumste wie ein guter Zahnarzt: Bohren ohne Schmerzen.
Gila-Baby orientierte sich danach etwas um und formierte mit Voodoo-Hänsel, Klo’d le lapin und Carlo eine Heavymetal Band namens Insanity. So liefen sie dann auch umher: Lange Haare, viel Leder, knallenge Tigerhosen und Nieten en masse. Gila-Baby hatte auch so brutal böse Stiefel mit viel Metallschnallen dran. Als er einmal vor seiner Stammbeiz, dem Calanda, mit seinem Motorrad anhielt, blieb er damit irgendwo hängen und kippte mitsamt Motorrad um. Der tosende Applaus der ganzen Gartenbeiz war ihm auf sicher. Carlo, zuweilen auch zärtlich Schatzi genannt, hatte eine eigene Variante von Tigerhosen, denn er trug diese so um die zehn Zentimeter zu tief und wir nannten das dann nur noch „Wochenscheisserhosen", weil genug Platz in der Hose blieb, um locker eine Woche lang reinzupfunden. Die Band hiess „Insanity" und ein paar mal spielten „Slight Delay" und"Insanity" sogar an denselben Anlässen. Die Musik, die sich machten war so gut, dass ein paar von diesen Songs später auf einer Tyte Stone CD Platz fanden, so z.B. „To the limit" oder „"Halloween.
Ich entschloss mich einmal etwas von der Viererbesetzung abzuweichen und es mit einem Trio in Bluesrock zu versuchen. Zwei frühere Mitstreiter waren mit von der Partie: Schmackofatz und Pumpernickel. Auch in dieser Besetzung, die wir „The Slight Delay" tauften, wurde ein Mix aus eigenem Material und aus Coverversionen eingeprobt und fleissig öffentlich aufgespielt. Oft spielte man natürlich in Chur im 3-Könige, im Jugendhaus und an diversen anderen Veranstaltungen. Diese Formation hatte ziemlich Erfolg in unserer überschaubaren Welt, vornehmlich in Graubünden. Speziell die Auftritte an diversen Open-Airs bleiben in schöner Erinnerung. Fritz Trippel, der ein anerkannter Musiker war, und sich stark für die junge Churer Musikszene engagierte, hatte die Idee eine Schallplatte mit möglichst vielen Churer Bands zu produzieren. Jede Band konnte sich bewerben und musste eine Aufnahme abliefern. Also gingen wir in ein Studio und nahmen einen ersten Titel auf. Die Platte wurde dann auch tatsächlich veröffentlicht und hatte den Titel „Hand made".
Über die Jahre änderte die Besetzung ein paar mal, so waren bei der zweiten Variante Davida und Phil dabei und bei der dritten, der erfolgreichsten Combo, T-Bone-Tom und Vinegar-Beat. Mit T-Bone sollte ich in den späteren Jahrzehnten noch oft zusammenspielen! Vinegar Beat war erst 17 Jahre alt, aber ein unglaubliches Talent. Der hatte einen Drive drauf, das war unglaublich. Wir spielten in der ganzen Schweiz, so auch in Einsiedeln im „Klostergarten", wo unsere Gage meist für das Bier drauf ging. Einmal soffen wir zu viert an einem Gig im Einsiedler „Klostergarten", Gila-Baby kam ab und zu als unser Mischer mit, 13 Kisten Maigold. Nach den Auftritten folgten meist Parties auf den Hotelzimmern, wo wir gerne wüteten. Da wurde das halbe Mobiliar abgebaut, zum Fenster hinausgeworfen und Zimmertüren wurden ausgetauscht. Einmal sahen wir am darauffolgenden Tag, als wir aufstanden, wie der Zimmerboy vor einer Türe stand und zu sich sagte, „Ich hätte geschworen, dass Zimmer 13 im zweiten Stock ist". Diese Parties waren sicher der Auslöser oder Vorläufer für das spätere Wüten bei den Tyte Stone Buben. Einmal war T-Bone's damalige Frau Valeria mit, die die halbe Nacht, von uns angefeuert, einen Bauchtanz auf dem Tisch vorführte. T-Bones Häschen war am nächsten Tag aber etwas verstimmt, weil wir Musiker uns für in paar Stunden zum Umtrunk abgemeldet hatten und vergassen, den Mädels Geld dazulassen. Sie hat in dann dezent mit ihrer Handtasche auf dem Klosterplatz in Einsiedeln vor allen Leuten vermöbelt. Nein, gelacht haben wir sicher nicht, das würden nur Seckelkollegen machen!
Auch wurde zu dieser Zeit das erste Mal "Figga" auf der Bühne gerufen, geistig inspiriert wurden wir von Stan Behrens, der in Chur in seinen Räuschen in jeder Beiz einfach laut „Figga!" rief. Das war sowieso ein unglaublicher Typ. Der war immer mit Drogen und Alkohol vollgepumpt, trieb sich in der Stadt umher und kotzte auch ab und zu neben den Tisch in der Beiz und soff ungerührt weiter.
Zwischendurch hatten wir immer mal wieder Projekte, in denen diverse Jungs mitspielten. Eine solche Combo waren „Tilt". Hier spielten T-Bone, Manu, Gila-Baby, Klo’d le lapin und Shy-Boy mit. Die Shows waren ziemlich ausgefallen. Wir verkleideten uns mit den unmöglichsten Sachen, bspw. Taucherbrillen, Abfallsäcke, Melkstühlen u.s.w. Diese Tradition sollte dann bei Tyte Stone auch wieder zum Tragen kommen. Oft spielten wir in diesen Jahren bei Philip im Saal des Hotel 3-Könige in Chur. Das waren immer eile Gigs vor vollem Haus.